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Vor 50 Jahren stürzte in Hochwald ein britisches Charter-Flugzeug ab
10. April 1973: Die Wolken über der Region Basel hingen tief. Es schneite bei Temperaturen um null Grad. Dazu blies ein kräftiger Nordwind. Keine günstigen Flugbedingungen. Trotzdem wollte eine viermotorige Vickers Vanguard 952 in Basel-Mulhouse landen. Sie war rund 105 Minuten vorher im britischen Bristol gestartet. An Bord waren sechs Besatzungsmitglieder und 139 Passagiere. Unter ihnen hatte es viele Frauen und Kinder aus Dörfern rund um das südenglische Axbridge. Der dortige Frauenverein wollte einen Tagesausflug in die Schweiz für einen Besuch der Mustermesse in Basel und der Stadt Luzern nutzen.
Kurz vor 10 Uhr meldeten sich die beiden Piloten beim Flughafen für die Landung an. Im Nebel und Schneetreiben misslang der erste Versuch allerdings, weil das Flugzeug die Landepiste verfehlte. Die Piloten mussten durchstarten und wollten einen zweiten Landeanflug starten. Danach verloren sie offenbar komplett die Orientierung.
Orientierungslose Piloten
Das Flugzeug flog in der Folge über das Zentrum der Stadt Basel und verlor an Höhe. Kurze Zeit später bekam der Kontrollturm des Flughafens Basel einen Anruf von einem besorgten Meteorologen aus Binningen südlich der Stadt, welcher ein viel zu tief fliegendes Flugzeug meldete. Die Piloten hatten offenbar keine Ahnung mehr, wo genau sie sich mit ihrem Flugzeug befanden. Bei der Flugüberwachung in Zürich stellte man ebenfalls ein unbekanntes Radarecho eines Flugzeuges fest und melde dies nach Basel. Das unbekannte Flugzeug war offenbar Richtung Süden unterwegs und entfernte sich damit vom Flughafen – statt dort zu landen.
Um 10.12 Uhr bemerkte der Lotse am Flughafen Basel, dass die Position des Flugzeugs eine völlig andere war als die von den Piloten gemeldete. Sein Funkspruch, mit dem er die Crew im Flugzeug darauf aufmerksam machen wollte, blieb aber unbeantwortet. Die Vanguard war um 10:13 Uhr bei Hochwald im Kanton Solothurn abgestürzt – 16 Kilometer vom Flughafen Basel entfernt. Offenbar hatten die Piloten ihren Fehler bemerkt und wollten die Maschine noch hochziehen. Dafür war es aber bereits zu spät. Das Flugzeug streifte die Baumwipfel, überschlug sich und stürzte in einen bewaldeten Berghang.
Beim Absturz kamen 108 Menschen ums Leben. 37 überlebten das Unglück, weil sie sich im Heck der Maschine befanden. Die ersten Retter bei der Unglücksstelle waren die Bewohner des nahe gelegenen Weilers Herrenmatt bei Hochwald. Sie versuchten, das Feuer zu löschen, bargen die Toten und retteten die Überlebenden. Die Überlenden hingen kopfüber in den Gurten, weil das Flugzeug auf dem Rücken lag.
Schwierige Rettungsarbeiten
Der starke Schneefall und der dichte Nebel in der Region erschwerten die Rettungsarbeiten. Umgeknickte Bäume versperrten die Strassen, Krankenwangen blieben stecken und die Überlebenden mussten bei nasskalten Verhältnissen zum Teil zu Fuss in die nächstgelegenen Bauernhäuser zur Erstversorgungen gebracht werden. Die Toten wurden später in der Turnhalle in Dornach aufgebahrt.
Die Untersuchung des Unfalls dauerte mehrere Monate. Sie ergaben, dass verschiedene Instrumente der Unglücksmaschine nicht richtig funktionierten und dass bei den beiden Piloten offenbar Ausbildungsdefizite bestanden. Zum Unfall führte möglicherweise das falsche Auslesen des Radiokompasses, der fehlende Abgleich mit Zweitinstrumenten und die Orientierungslosigkeit der Piloten. Die genaue Absturzursache konnte aber nie ermittelt werden. Ein Stimmenrekorder für das Cockpit war damals in England für solche Flugzeuge noch nicht vorgeschrieben.
Ein Jahr nach dem Absturz wurde an der Absturzstelle im Rahmen einer Gedenkfeier ein Stein eingeweiht. Zu dieser Feier waren auch Überlebende des Absturzes wieder nach Hochwald zurückgekehrt. In den folgenden Jahren wurde die Absturzstelle immer wieder von Überlebenden oder von Angehörigen besucht. 1977 besuchte eine Gruppe Kinder aus Hochwald Familien in England, ein Jahr später besuchten Kinder aus England die Gemeinde im Schwarzbubenland.
Reger Kontakt mit Angehörigen
Marlene Vögtli war vor 50 Jahren in Australien, als das Unglück geschah und war sehr überrascht und schockiert, als sie am anderen Ende der Welt die Zeitungsschlagzeilen aus ihrer Heimat Hochwald las. Ein Jahr später war sie zurück und half mit, die Gedenkfeier am ersten Jahrestag des Unglücks zu organisieren. Seither hat die spätere Gemeindepräsidentin von Hochwald regelmässig Kontakt mit Überlebenden und Angehörigen der Flugzeugkatastrophe.
Marlene Vögtli erzählt von einer Frau, die beim Absturz 20 Verwandte verloren hat, weil alle auf diesem Ausflug in die Schweiz waren. Die Eltern, Cousinen, Tanten, Onkel und vier Kinder waren in dieser Gruppe. Alle sind beim Unglück ums Leben gekommen. Die Frau wollte ein paar Wochen später heiraten. Alles war schon geplant. Die Hochzeit fand statt, aber ohne Fest und ohne Gäste. Seither kommt die Frau wenn immer möglich an die Gedenkfeierlichkeiten in die Schweiz und wird dabei jedes Mal auch an ihren Hochzeitstag erinnert.
Verschiebung der Gedenkfeier wegen TV
Der 20. Gedenktag in Hochwald wurde ein paar Tage vorverlegt, damit die BBC eine Dokumentation darüber am Jahrestag des Absturzes senden konnte. In dieser Dokumentation kommen auch Überlebende des Absturzes zu Wort.
Am Ostermontag wird nun im Beisein von Regierungsrat Remo Ankli und dem britischen Botschafter in der Schweiz in Hochwald dem Absturz und den Opfern gedacht. Auch diesmal werden wieder ungefähr 30 Angehörige aus England anreisen und dabei sein.