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Der Anfang........"Projekt 84"
...oder ein neuer Traum nimmt Gestalt an.
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Prolog
Die Lancair IV-P gehört zu den schnellsten aber auch anspruchsvollsten SEP's (Single Engine Piston). Genau das Richtige um fit und konzentriert zu bleiben. Die Maschine macht Spass und das fordert mich immer wieder von Neuem.
Die Lancair wiederspiegelt den heutigen Stand der 100-jährigen Entwicklung von Flugmaschinen. Viele Erfinder und Entwickler haben im Laufe der letzten 100 Jahre unterschiedliche Konzepte und Ideen verwirklicht und auf ihre Praxistauglichkeit getestet. Unerschrockene, mutige und tollkühne Piloten und Pilotinnen testeten die oftmals unkonventionellen Konstruktionen. Viele bezahlten ihren Mut mit dem Leben, doch es wurde unermüdlich weiter geforscht und immer schnellere, grössere, effizientere Maschinen kamen auf den Markt.
All das, was wir heute am Himmel fliegen sehen, hatte irgendwo einen Anfang. Die umfangreiche Literatur und die vielen Berichte über die Anfänge der Flugzeugindustrie sind faszinierend. Nach dem ersten Weltkrieg schossen Flugzeugmanufakturen wie Pilze aus dem Boden. Das inspirierte mich zu einem neuen Projekt.
Die Flugzeugmanufakturen
Im 2012 habe ich mich verstärkt mit den Anfängen der Fliegerei zu befassen begonnen. Es interessierte mich zu erfahren, wie die Geschichte der Flugzeugindustrie ihren Anfang nahm.
Einen richtigen Entwicklungsboom gab es in den Goldenen Zwanziger Jahre. Die Atlantiküberquerung Lindberg's im Jahr 1927 bestärkte die amerikanische Bevölkerung, dass Flugzeuge die Zukunft bedeuten.
Die Jahre zwischen den Weltkriegen waren vom wirtschaftlichen Aufschwung geprägt und die gesellschaftlichen Umwälzungen brachten viele neue Freiheiten mit sich.
1925 gründeten Clyde Cessna, Walter Beach und Loyd Stearman zusammen eine Flugzeugmanufaktur namens "Travel Air". Diese drei Namen gehörten später zu einigen der ganz Grossen in der Luftfahrtbranche.
Die Luftrennen
Ab den 1920er Jahren entwickelte sich die Fliegerei rasant. Fliegen wurde zunehmend populär. Es gab Luftrennen und das Flugzeug wurde als Transportmittel entdeckt.
Eines der berühmtesten Luftrennen in dieser Zeit war das "Powder Puff Derby". Dieses Luftrennen, nur für Pilotinnen, fand 1929 statt. 20 Teilnehmerinnen, daunter auch Amelia Earhart, flogen in 8 Tagen von Santa Monica (CA) nach Cleveland in Ohio.
Die Flugzeuge zu dieser Zeit waren für unsere heutigen Verhältnisse langsam und um die Navigation zu erleichtern, wurde meist tief geflogen. Aussenlandungen waren ein gängiges Verfahren, um nach dem Weg zu fragen.
Die Holzkonstruktionen mit mehr oder weniger zuverlässigen Motoren wurden in unzähligen Manufakturen gebaut und die Pilotinnen des "Powder Puff Derby" waren ideale Werbeikonen um zu demonstrieren wie sicher das Fliegen ist.
Die Wahl
Ein Flugzeug aus der Pionierzeit der Fliegerei zu betreiben, stellte ich mir als umfangreiches und schwieriges Projekt vor. Einige Leuten sagen sogar, dass dies "unmöglich" sei.
Unmöglich ! gibt es nicht und ich begann mich damit zu befassen.
Während eines halben Jahres verbrachte ich viele Abende mit search-Arbeit im Internet und schrieb wohl mehr als 100 emails. Je mehr ich mich in die Thematik einarbeitete, desto mehr kam hinzu. Doch die vielen Puzzleteile fügten sich irgend einmal, unter tatkräftiger Mithilfe von Oldtimer-Spezialist André Schneeberger, zu einem Bild zusammen. Der Entschluss war gefasst!
Es sollte ein Flugzeug aus den 20er Jahren sein. Gut erhalten, in einem ursprünglichen Zustand, flugtauglich, zuverlässig und mit guten Flugeigenschaften.
Also Bestand der nächste Schritt im Lesen von Flugberichten und im Suchen nach möglichen Verkäufern.
Der Entscheid bezüglich Flugzeugtyp stand bald fest. André Schneeberger zeigte mir ein Bild einer Travel Air 4000. Es war Liebe auf den ersten Blick. Es sollte eine Travel Air 4000 sein. Dieses Flugzeug vereinigt so viel Geschichte, dass man Bücher darüber schreiben könnte.
Es gab nur wenige zum Verkauf ausgeschriebene Flugzeuge. Kein Wunder, es gibt ja nur noch ca. 40 fliegende Exemplare.
Da die Suche unbefriedigend verlief, versuchten André Schneeberg und ich möglichst viele Eigentümer ausfindig zu machen und zu kontaktieren. Es gelang, Kontakt zu etlichen Besitzern herzustellen. Wir wurden an mögliche Verkäufer weiter geleitet und die Hilfsbereitschaft war gross. In diesem Zirkel der Travel Air Besitzer schien man sich gegenseitig zu kennen.
Besonders wertvoll war der Kontakt zu Jerry, dem Präsidenten der Travel Air Restorers Association. Ein Lexikon was die Travel Air betrifft und dazu sehr hilfsbereit. Genial....
Prebuy-Inspection
Anfang 2013 standen vier mögliche Flugzeuge fest und im März besichtigte ich diese, zusammen mit Andé Schneeberger, der sich mit alten Flugzeugen bestens auskennt, in den USA. Die Stationen unserer Tour waren San Francisco - Los Angeles - Denver und New York.
Die besichtigten Flugzeuge wichen z.T. massiv von den Beschreibungen im Internet und den Verkäufern ab, was einiges an Enttäuschung mit sich brachte.
Das Flugzeug in New York sah im Internet sehr interessant aus. Die Wahrheit war aber krass anders. Enorm was mit Photoshop alles verdeckt werden kann...Ungepflegt, ölig, Bespannung z.T. kaputt und preislich überteuert war unser verdickt.
Die Maschine in Denver war frisch restauriert aber leider verbastelt und der Stoff war nicht fachmännisch verarbeitet. Der Motor lief in einem Testrun nur auf 6, statt 7 Zylindern und der Eigentümer hatte preisliche Vorstellungen, die keinem Marktpreis entsprachen. Zum Kaufpreis hätten wir allerdings noch ein riesiges Ersatzteillager und ein Aufbauprojekt einer Travel Air bekommen....
Die Maschine in San Francisco sah zwar schön aus, ist aber seit ca. 15 Jahren nicht mehr geflogen. Wir fanden auch den Testpiloten, der für einen anderen Käufer mal einen Flug absolvierte. Wir erfuhren so einiges über dieses Flugzeug.... leider nicht viel positives. Schneeberger's Inspektion zeigte einen knapp durchschnittlichen Motor mit einigen kritischen Problempunkten. Der Stoffüberzug überzeugte ebenfalls nicht richtig. Der Preis war für die Qualität in der Folge zu hoch.
In Los Angeles schliesslich sahen wir ein Flugzeug mit Potenzial, welches uns sehr gut gefiel und der Besitzer pflegte und hegte sein Baby als gäbe es sonst nichts. Technisch gut erhalten, sauber, nicht verbastelt und mit einem 9-Zylinder Sternmotor. Was für eine Offenbarung....
Wir offerierten dem Eigentümer einen fairen Preis und er schlug auf den Handel ein. Die Travel Air aus Los Angeles sollte es also sein.
Es war trotz einiger Enttäuschungen spannende Tage in den USA. Wir verbrachten jeweils einen Tag bei den jeweiligen Flugzeugen und ihren Besitzern. Die Geschichte der Flugzeuge kennen zu lernen, die Unterschiede zwischen den Mustern zu sehen und mit den Besitzern zu fachsimpeln waren die Reise wert. Dank André's fachmännischer Unterstützung und seinem geschulten Auge konnten wir einen fundierten Entscheid fällen.
Was heisst eigentlich "Projekt 84"?
84 ist das Alter der Travel Air 4000. Eine ältere Dame also, die entsprechend zuvorkommend behandelt werden will.
Übrigens
Charles Lindberg war nicht der erste Mensch, der den Atlantik non-stopp überquerte. Dies gelang bereits 1919 John Alcock.