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leider habe ich meine indirekte Antwort in einem anderen Forumsbeitrag platziert. Dort habe ich begründet, was konkret mir bei PJ d'Atri's Interpretation nicht gefällt. Ich schrieb "Vom künstlerischen Standpunkt aus gesehen sicher einwandfrei. Aber diese lauten E-Gitarrenriffs machen mich ganz aggressiv." Tja, ich bin eben eher der "Adagio sostenuto"-Typ. Ich mag die Feinheiten, die leisen Bach-Werke, zum Beispiel seine Werke für die Laute (hübsche Sprachwendung: wieso heisst die Laute Laute wenn sie doch so leise ist?).
Ich habe gar nichts gegen Experimente, die Bearbeitungen der Swingle Singers gefallen mir. Nicht zu vergessen Jacques Loussier. Oder die Flying Steps mit der Hip Hop Version des Wohltemperierten Claviers. Aber mit harten Sounds kann man mich vertreiben, auch wenn diese Instrumente Noten von Bach spielen. Hätte meine Orgel eine Bombarde 32' würde sie wahrscheinlich verkümmern. Mein Lieblingsregister: Bourdon 8'
BWV 29 Sinfonia, hat Bach selbst mehrfach verwendet und anders instrumentiert. Die Kantate BWV 29 "Wir danken dir, Gott, wir danken dir" wurde 1731 in Leipzig zur Ratswahl komponiert. Speziell die Sinfonia darin gibt es in früherer Fassung als Preludio in Bachs Partita E-Dur für Violine BWV 1006 (Autograph von Anna Magdalena Bach wahrscheinlich vor Leipzig entstanden) und als BWV 1006a Suite in E-Dur als Lautenkomposition, die im Autograph von Bach selbst, auf nach 1735 geschätzt wird.
Alle Lautenkompositionen Bachs sind bis heute sehr umstritten, siehe The Myth of Bach’s Lute Suites by Clive Titmuss (leider in Englisch):
Umstritten, hinsichtlich dessen, dass es nur eine Lautenkomposition in Lautentabulatur im Autograph gibt alles andere in Violin und Bassschlüssel und bezüglich der Stimmungsfrage der Laute und des Tonumfangs. Darüber haben einige Spezialisten ihre Dissertationen geschrieben.
Eine weitere Möglichkeit ist das Lautenklavier, von dem Johann Friedrich Agricola berichtet, er hätte eines bei Bach gesehen. Siehe auch hier:
und wie das klingt (leider keine Angabe zum Instrument):
Was man also von Bach sicher sagen darf ist: Er hat sich ziemlich intensiv mit Lautenmusik befasst. Alles andere ist, wie so oft bei Bach, leider ungewiss.
Im Bach-Haus in Eisenach soll ein Originalinstrument? von Bach stehen, leider nicht mehr spielbar. Stimmt das? Da würde ich gerne die Goldberg-Variationen darauf hören, schreibt jemand im Kommentar des YouTubes oben. Weiß jemand von Euch darüber was?
Im Bach-Haus in Eisenach soll ein Originalinstrument? von Bach stehen, leider nicht mehr spielbar. Stimmt das? Da würde ich gerne die Goldberg-Variationen darauf hören, schreibt jemand im Kommentar des YouTubes oben. Weiß jemand von Euch darüber was?
Das hat mich interessiert, also hab' ich mal gegoogled. In Eisennach habe ich keinen Eintrag auf ein Original Instrument Bachs gefunden. Aber im Berliner Musikinstrumenten Museum steht ein solches Bach Cembalo, von dem vermutet wird, es könnte von Bach sein. Die Provinienz (Herkunftshistorie der Vorbesitzer) kann leider nicht eindeutig belegt werden. Es könnte über Friedemann Bach an den Grafen von Voss verkauft worden sein, von dort an den Bachforscher und Thomaskantor Wilhelm Rust, dann an den Publizisten und Musiker De Witt und letztlich 1890 für 10.000 Goldmark (ca. 100.000 €) an die Königliche Sammlung alter Musikinstrunemte verkauft worden sein. Hier einige Infos für Interessierte:
Erstaunlicher Weise hat dieses Bach Cambalo die Interpretation Bach'scher Werke nachhaltig beeinflusst. Wanda Landowska hat dieses Instrument noch hören können und hat ihre eigenen Cembalos nach diesem Vorbild nachbauen lassen. Nach Wanda Landowska entstand ein regelrechter Boom solcher Cembalos, denn ihr Hauptargument: Man sollte Bach auf dem Instrument spielen für das es Bach geschrieben hat, ist nicht von der Hand zu weisen.
Heute ist dieses Instrument nicht mehr bespielbar, die Saiten fehlen, was natürlich nach der Frage schreit: Warum ?, wenn doch so viele Fachleute und Restauratoren sich mit diesem Instrument befasst haben. Ein Instrument, von dem vermutet wird, es könnte im Besitz von Bach und persönlich gespielt worden sein, wurde unspielbar gemacht und die Saiten entfernt! Wann, wieso, und von wem, darüber schweigt das Internet. Heute werden anscheinend keine Untersuchungen (denrologische ?) mehr angestellt, ob ein Instrument, das mal für 100.000 € erworben wurde, echt sein könnte oder nicht. Honi soit qui mal y pense (Beschämt sei, wer schlecht darüber denkt)...
12 Jul 2016 15:13 - 12 Jul 2016 15:22#564 von Klaus Schaaff
Hallo Christof,
speziell für Dich möchte ich noch mal einen besorderen Aspekt einwerfen. Du hast schon mehrere Male Kund getan, die Swingle Singers entsprechen so gar nicht Deinem Geschmack (frühere Beiträge).
In der Bach'schen Familie gab es die Tradition des Quodlibet Singens. In geseelliger Runde, vielleicht beim Abendbrot oder wenn Besuch da war, pflegte die Bachfamilie Quodlibet (wie beliebt) zu singen. Man kann sich das etwa so vorstellen: Eine Person fängt einen Kanon an, die anderen kommen nach und nach auch dazu, dann fängt jemand an eine Kontrastimme dazu zu erfinden, die dann auch kanonartig beantwortet wird ... usw.
Die Menschen damals hatten keinen Fernseher und schufen sich selbst Unterhaltung. Aus pädagogischer Sicht ist eine sochles Singspiel aüßerst wertvoll. Es schult die musikalische Vorstellungskraft und entwickelt sie spielerisch. Ich hatte selbst das Vergnügen auf Spaziergängen mit befreundeten Musikern ähnliches zu improvisieren. Wir sangen allerdings keine Quodlibets, sondern improvisierten Marschmusik. Kann man sich vorstellen, wie das sich angehört hat? Zum Totlachen, aber wie gesagt für die Gehörbildung, Komposition und vieles andere, was in der Musik so wichtig ist, gibt es nichts Einträglicheres.
Nun stelle man sich die Bach'sche Familie vor! Eine Horde von überaus begabten Musikern macht so etwas. Das kommt den Swingle Singers verdammt nahe, abgesehen von der Rhythmik. Die Bach Familie war bestimmt in der Lage das Wohltemperierte Klavier rauf und runter zu singen, darauf möchte ich wetten. Und ich kann mir auch vorstellen, das mal jemand die barocke Rhythmik verändert hat, wobei sich der Rest wahrscheinlich gekugelt hat. Spaß sollte es ja machen.
Das ist so meine Vorstellung von den Swingle Singers und der Bachfamilie, die Du natürlich nicht unbedingt übernehmen must, aber ein Gedanke sollte es wert sein.
Liebe Grüße
Klaus Schaaff
Letzte Änderung: 12 Jul 2016 15:22 von Klaus Schaaff . Begründung: Korrektur
Einspruch! Missverständnis! Ich habe gar nichts gegen die Swingle Singers! Im Gegenteil!
Ich habe gar nichts gegen Experimente, die Bearbeitungen der Swingle Singers gefallen mir. Nicht zu vergessen Jacques Loussier.
Man beachte: zwischen "Swingle Singers gefallen mir" und "Nicht" gibt es einen Punkt!
Nein, es sind die rockigen, harten Bearbeitungen à la PJ d'Atri, die mir nicht gefallen. Oder noch genauer, das von ihm verwendete Lärm-Instrument. Ich mag auf die sanfte Tour und da ist man bei Swingle Singers doch wirklich gut bedient.
Bei der Orgel, die ja "mein" Instrument ist, bevorzuge ich auch die weichen Register (Holzgedackt, Blockflöte, Bourdon, ...) während ich Bombarde, Posaune, Schnarrpfeife, Mixtur, ... eher zurückhaltend und nur ganz gezielt einsetze.
Die von Dir beschriebene musizierende und quodlibetierende Bachfamilie kann ich mir lebhaft vorstellen! Wunderbar! Und auf höchstem Niveau, da bin ich mir sicher!
das hab' ich mir fast schon vorher gedacht, Dich nicht korrekt zu zitieren. Da gab es mal ein Stück der Swingle Singers, das Dir nicht gefallen hat:
hohes künstlerisches Niveau, gekonnte Darbietung. - Aber muss es deswegen auch gefallen? Mir gefällt es nicht! Diese hohen Stimmverläufe in schnellem Tempo haben etwas Trällerndes aber gleichzeitig auch etwas unerhört Nerviges. Es gibt andere Beiträge der Swingle Singers die mir durchaus gefallen. Dieser gehört nicht dazu.
ja, auch bei den Swingle Singers, ist nicht alles Gold. Ich hoffe Du verzeihst mir die kleine Übertreibung, um das Quodlibet Singen der Bachfamilie mal einwerfen zu können.
Ich sehe bei Dir eine ziemlich gefestige Vorstellung, von dem was Dir gefällt und was nicht. Und das kann durchaus mit Deiner Organistentätigkeit zusammenhängen (Hörgewohnheiten).
Ich habe mal vor 25 Jahren einen Türkeiurlaub gemacht. Für den Strand habe ich mir damals ein kleines Transistorradio mitgenommen, musste aber feststellen, es lief dort nur orientalische türkische Musik. Das war anfangs sehr enttäuschend und war für mich ein unverständiches Geplärre an Musik. Nach 2 Wochen fing ich jedoch an Feinheiten zu bemerken, die mir vorher verborgen geblieben waren. Ich stellte fest, dass diese Form von Musik Strukturen, Gestalt und alles ander hat, wie auch die unsere. Nicht lange danach konnte ich des Abends von meinem Hotelzimmerbalkon aus eine Hochzeitsfeier beobachten, wo Musiker live zu sehen und zu hören waren. Einer hat die türkische Laute mit solch einer Virtuosität gespielt, dass ich ziemlich überrascht war. Nach diesem Urlaub habe ich mich ein halbes Jahr mit türkischer Musik befasst ... Hörgewohnheiten ... Fazit, es gibt gute und schlechte türkische Musik. Ach ja, und ich habe mir noch im Urlaub eine türkische Schalmei gekauft.