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Barbara Müller Richter und Beat Obergfell
09. März 2020
Robert Richter wurde 1957 in Bern geboren, wo er Zeit seines Lebens wohnte. Seine Eltern stammten aus dem Raum Basel, eine Region, der er stets verbunden blieb. Nach dem frühen Tod seines Vaters, einem promovierten Naturwissenschaftler, schloss er 1976 das Gymnasium Kirchenfeld mit der naturwissenschaftlichen Matur ab und begann zuerst ein Medizinstudium. Er wechselte nach dem Vorklinikum trotz Bestnoten an die ETH um ein Architekturstudium zu beginnen, das er nach dem erfolgreich absolvierten Praktikum aus finanziellen Gründen abbrechen musste. Danach kehrte er zur Uni Bern zurück und wechselte auf Germanistik und Journalismus, konnte sich aber letztlich nie für den Wissenschaftsbetrieb begeistern und hängte das Studium an den Nagel.
Unterdessen hatten sich verschiedene andere Wege abgezeichnet. Bereits vor der Matur hatte er sich an Kurth Früh gewendet mit dem Wunsch, dieser möge ihm den Weg zu einer Ausbildung als Filmregisseur weisen. Nach dessen netter aber abschlägiger Antwort und nach bestandener Matur begann er mit «seinem» Kameramann Liberius Lucas 16mm Filme zu drehen. Die kurzen Spielfilme Die Alternative und Vor dem Gesetz und der 1986 an einem Festival für Kunstfilme in Paris ausgezeichnete experimentelle Dokumentarfilm Moirés - Bewegung - Licht zeugen von seinem Talent. Er arbeitete daneben oft als Schnittmeister für Bild und Ton, sogar beim Armee-Filmdienst. Sein letztes Projekt zum Autofriedhof im Gürbetal, und damit die Umstellung auf das digitale Format, musste er wegen seiner Krankheit unvollendet lassen.
Mit der Filmklub-Bewegung kam er bereits im Gymnasium in Kontakt, leitete danach lange den Studentenfilmklub der Uni Bern und wurde dank seiner Mitarbeit im Vorstand von Cinélibre schliesslich in den Vorstand der FICC (Fédération Internationale des Ciné-Clubs) berufen, welcher er während 10 Jahren als Vice-President diente, bevor er sich dem Aufbau und dem Unterhalt der Archive von FICC und Cinélibre in der Cinémathèque Suisse in Penthaz widmete. Deren Gründer Freddy Buache kannte und verehrte er seit den Rencontres von La Sarraz, an denen er begeistert teilgenommen hatte. Im Jahr 2001 wurde er zum Geschäftsführer von Cinélibre gewählt, eine Arbeit, die er fast 20 Jahre lang mit viel Freude und Energie wahrnahm. Sein grosses Beziehungsnetz und seine Affinität zur digitalen Technik konnte er mit seiner Leidenschaft für den Film verbinden.
Schon unter dem Geschäftsführer Hans Wysseier kuratierte Robert Richter diverse Filmreihen, die in den Cinélibre-Kinos zirkulierten: British Free Cinema, Alexander Kluge, Land der Morgenstille (Südkorea) und Iranische Spielfilme. Unter seiner Geschäftsführung kamen dazu die Cinema Italiano- Reihen und die Tourneen mit Filmen, die eine Gruppe von Cinélibre-Mitgliedern am Festival Visions du Réel in Nyon auswählte. Er war es auch, der den Cinélibre-Filmfonds wieder entdeckte und keine Ruhe gab bis dieser wieder im Besitz des Verbands war.
Zu den Filmfestivals pflegte er ebenfalls eine besondere Beziehung. Als Solothurn sich von der Werkschau zur Auswahlschau wandelte, organisierte er kurzerhand zusammen mit der von ihm mitbegründeten Gruppe Filmaktiv einen «Salon des refusés», sehr zum Ärger des Festivalleiters. Unter Jean-Pierre Brossard arbeitete er während 2 Jahren für das Festival Locarno, als «Mädchen für alles», wie er zu sagen pflegte. Später engagierte er sich dort sehr für die Anfänge der Semaine de la critique. In Berlin, Cannes, Karlovy-Vary, Locarno, Pilsen, Solothurn, Teheran und Warschau verfasste er zahlreiche Festivalberichte als freier Journalist für in- und ausländische deutschsprachige Medien. Nicht nur Print beherrschte er, sondern auch Radio, ein Metier, das er während einigen Jahren
Mitarbeit beim Lokalradio Extra-Bern von der Pike auf gelernt hatte. Während 9 Jahren war er am Festival von San Sebastian für die Vorauswahl von Filmen aus Iran und den ehemaligen Ostblockländern zuständig. Einige der preisgekrönten Filme waren seine Vorschläge. Für das Dok-Fest Leipzig durfte er eine Retrospektive mit iranischen Dokfilmen kuratieren (Die Seher). Und für das Dok-Film-Festival von Kamran Schirdel auf der iranischen Insel Kish stellte er mit Hilfe des von Nicolas Bideau gegründeten CCC eine Reihe mit Schweizer Dokfilmen zusammen.
In der Schweiz machte er sich beim Bund unter Fred Zaugg und bei der NZZ unter Christoph Egger einen Namen als engagierter Berichterstatter zu Themen der nationalen und internationalen Filmpolitik, was ihm auch ermöglichte, an die jeweiligen internationalen Kongresse zu reisen. In Biel organisierte er mit Cinélibre zusammen selbst einen solchen Kongress, mit hochkarätigen Referenten wie Dieter Kosslick, dem nachmaligen Leiter der Berlinale.
Als Journalist kämpfte Robi Richter für seine Rechte als Arbeitnehmer und engagierte sich lange Jahre in der Kommission Freie der Gewerkschaft Syndicom.
Der Privatmann Robi Richter war vielen ein langjähriger loyaler Freund. Seiner Frau Barbara, mit der er mehr als sein halbes Leben teilte, war er ein wunderbarer Partner. Er engagierte sich dafür, seiner Mutter und seinem Schwiegervater bis zu deren Tod einen schönen Lebensabend zu ermöglichen. Robi hinterlässt eine grosse Lücke.
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