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Rumpforthesen
Eine straffe Binde um den Leib erhöht ähnlich wie das Anspannen der Bauchmuskulatur den Druck im Bauchraum. Durch dieses Prinzip der intraabdominalen Druckerhöhung wird die Brustatmung gefördert.
Biomechanische Aufgaben von Rumpforthesen und -Bandagen
Die Aufgaben der Rumpforthesen können in Gruppen eingeteilt werden. Wir unterscheiden die Aufgaben gemäss der Funktionsweise der Orthesen:
Haltungsunterstützung
- Haltungsunterstützung
- Fixation
- Redression
- Extension
- Reklination
- Protektion
Eine straffe Binde um den Leib erhöht ähnlich wie das Anspannen der Bauchmuskulatur den Druck im Bauchraum. Durch dieses Prinzip der intraabdominalen Druckerhöhung wird die Brustatmung gefördert. Die in der Inspirationsphase entstehende Extension führt zu einer Entlastung der Wirbelsäule. Der Druck in den Bandscheiben fällt ab. Verstärkt wird dieser Mechanismus durch eine Normalisierung der häufig verstärkten Lordose. Die externe Unterstützung der Muskulatur bewirkt, dass auch die hinteren Wirbelabschnitte, in denen Bandscheibenveränderungen zu Problemen führen, entlastet und der intervertebrale Raum vergrössert werden.
Fixation/Stabilisation
Orthesen, Mieder oder Korsetts können die Wirbelsäule von aussen über den Rumpf abstützen. Die untere Abstützung erfolgt dabei durch eine Beckenfassung, die obere Abstützung setzt in der Regel am Brustkorb oder im Schulterbereich an. Nur mit Orthesen aus starren Materialien ist es möglich, die Beweglichkeit der Wirbelsäule einzuschränken bzw. diese zu fixieren. Falls, krankheitsbedingt, die obere Brust- oder Halswirbelsäule auch mit einbezogen werden soll, müssen zudem Hinterhaupt und Kinn in die Konstruktion integriert werden. Dadurch können unerlaubte Bewegungen eingeschränkt oder sogar verhindert werden.
Redression/Korrektur
Eine Redression der Wirbelsäule geschieht in der Regel durch ein Dreipunkte-Korrekturprinzip. An drei gegenüberliegenden Punkten wird Druck auf den Körper ausgeübt. Die dadurch entstehende Korrekturkraft ist umso effektiver, je länger der jeweilige Hebelarm ist. Die Korrektur der Wirbelsäule durch konservative Behandlung ist aber nur während des Wachstums
möglich.
Extension/Entlastung/Streckung
Zur Entlastung der Wirbelsäule oder eines Abschnittes davon ist eine Abstützung am Becken und Beckenkamm erforderlich. Entlastet werden Abschnitte welche durch Krankheit einbruchgefährdet sind (Tumore, Osteoporose etc).
«Eine Extension im Sinne der Entlastung» bezeichnen wir somit, wenn die Rumpf-Orthese am Becken aufliegt, am Thorax oder sogar am Kopf (Hinterhauptbein und Kinn oder Kehlkopf) abstützt, so dass die ganze Wirbelsäule gestreckt und entlastet ist. Sie findet Anwendung bei Skoliosebehandlung ab Scheitelwirbel Th 8, oder aber wie oben erwähnt bei Krankheiten welche eine Wirbelsäulenentlastung erfordern.
«Extension im Sinne der Streckung (Hyperextension)» bezeichnen wir bei Rumpforthesen, welche es erfordern, dass die Belastung der einzelnen Wirbel vom eigentlichen Wirbelkörper auf die Dornfortsätze verlegt werden, wie dies bei Kompressionsfrakturen der Fall ist. Durch eine Hyperextension im Bereich der lumbalen und thorako-lumbalen Wirbelsäule wird der beschädigte Abschnitt entlastet und die Bewegung wird eingeschränkt. Dabei kommt wiederum das Dreipunkte Korrekturprinzip zur Anwendung. (Symphyse – lumbale Pelotte – Sternum)
«Reklination»
Auch dies ist im eigentlichen Sinne eine Korrektur im Drei- bzw. Vierpunkte-Korrekturprinzip. Gemeint ist eine Korrektur in der sagitalen Ebene. Ein Aufrichten (reklinieren) des oberen Rumpfabschnittes, welcher nach vorne geneigt ist. (Inklination) Dies kommt zur Anwendung bei der Scheuermann’schen Erkrankung, kann aber auch bei gewissen Fällen von Morbus Bechterew eingesetzt werden.
«Protektion»
Eine weitere Aufgabe welche Bandagen und Orthesen zukommt ist der Schutz der Wirbelsäule. Z.B.: als Arbeitssicherheits-Massnahmen (Förster, Bau) aber auch bei Sport (Motocross, Skifahren). Der Markt bietet eine Vielfalt von solchen Schutzbandagen an. Dies darf bei dieser Aufzählung nicht fehlen.