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Neuapostolische Kirche
Die Neuapostolische Kirche ist aus den Katholisch-apostolischen Gemeinden hervorgegangen, die von 1832 bis 1835 zwölf Apostel berufen hatten.
In den Jahren 1860/63 verzichteten die Katholisch-apostolischen Gemeinden dann jedoch auf die Ersetzung der verstorbenen Apostel. Norddeutsche und holländische Teile der Gemeinden hielten sich nicht an den entsprechenden Beschluss. Sie beriefen von neuem Apostel und gaben damit Anlass zu einer neuen, von den Katholisch-apostolischen Gemeinden abgespaltenen Gemeindegründung. Diese nannte sich zuerst Allgemeine Christliche Apostolische Mission. Aus einer weiteren Abspaltung bildete sich dann die Gemeinde, die seit 1907 den heutigen Namen «Neuapostolische Kirche» trägt.
Die Entwicklung der Neuapostolischen Kirche verlief nicht immer ungestört. Innere Differenzen führten zu einer bedeutenden Zahl von Abspaltungen. Besonders belastend für die Einheit der Kirche wirkte sich die sog. «Botschaft» des Stammapostels J.G. Bischoff aus, der (damals 80jährig) 1951 zu Weihnachten verkündete, dass Jesus noch zu seinen Lebzeiten auf Erden erscheinen werde. Ab 1954 wurde diese Lehre zum «Dogma» erhoben.
Von den Aposteln wurde verlangt, dass sie diese Botschaft ihren Gemeinden verkündeten. Ein paar Apostel (z.B. Otto Gütinger, s. «Vereinigung Apostolischer Christen») weigerten sich jedoch, diese für sie biblisch nicht begründbare Behauptung zu verbreiten. Sie wurden mit ihren Anhängern aus der NAK ausgeschlossen. Nach dem Tod von J.G. Bischoff (1960) erfüllte sich die Hoffnung auf Rückkehr der Verstossenen in die Mutterkirche nicht, da die NAK den Tod des Stammapostels vor der Wiederkunft Jesu damit erklärte, dass Gott seinen Plan geändert habe. Die NAK hat diese sog. «Botschaft» auch seither nie als Irrtum des damaligen Stammapostels verstanden. Sie deutet sie heute als Geheimnis, das sich nicht erklären lässt.
Die Neuapostolische Kirche richtet sich immer noch – wie ihre katholisch-apostolischen Vorläufer – auf die nahe Wiederkunft Christi aus, denkt aber nicht mehr an bestimmte Fristen. Sie fordert von ihren Mitgliedern rege Beteiligung am Gemeindeleben, schenkt ihnen aber auch ein ausgeprägtes Gefühl der Zusammengehörigkeit. Die Neuapostolische Kirche hält sich für die auserwählte Schar und allein wahre Kirche. Zur Begründung dieser besonderen Stellung weist sie auf ihr Apostelamt hin. Oberster Leiter ist der Stammapostel, der von der Apostelversammlung gewählt oder unter Umständen von seinem Vorgänger bestimmt wird. Der Stammapostel ernennt Apostel, die ihrerseits wieder mit seiner Zustimmung die vielen anderen Amtsträger bestimmen.
Die Ämterhierarchie umfasst in absteigender Reihenfolge Stammapostel, Bezirksapostel, Apostel, Bischof, Bezirksältester, Bezirksevangelist, Gemeindeältester, Hirte, Gemeindeevangelist, Priester, Diakon und Unterdiakon. Diese Ämter sind – vor allem auf den unteren Stufen – in der Regel ehrenamtlich.
Nach neuapostolischer Ansicht sind die richtige Auslegung der Heiligen Schrift und die Erkenntnis neuer gegenwärtiger göttlicher Wahrheiten nur durch das Stammapostel- und Apostelamt möglich. Ebenso können Gottes Heil und Gaben nur durch das Stammapostel- und Apostelamt empfangen werden. Die Neuapostolische Kirche gilt als Gottes Erlösungswerk in unserer Zeit.
Die Bedeutung des Apostels sehen die Neuapostolischen in einer besonderen Verbindung mit Christus begründet. Christus ist ausschliesslich im Apostel am Werk. Durch die Versiegelung mit Handauflegung verleiht der Apostel, und nur er, dem Gläubigen den Heiligen Geist und damit die wahre Gotteskindschaft. Die Versiegelung gilt neben Taufe und Abendmahl als drittes Sakrament.
Die Neuapostolische Kirche entfaltet eine rege Werbetätigkeit, die an keine Landesgrenze gebunden ist. Von kirchlicher Seite werden u.a. folgende Ansichten als unbiblisch zurückgewiesen: die Behauptung, das neuapostolische Apostelamt entspreche dem urchristlichen Apostolat; der Anspruch, die Bibel und der zeitgemässe Wille Gottes würden lediglich vom Stammapostel- und Apostelamt richtig ausgelegt, erkannt und weitergegeben; die Meinung, Gott schenke die Kraft des Heiligen Geistes und die echte Gotteskindschaft nur durch das Apostelamt der Neuapostolischen Kirche.
Bedauert wird auch die bisher demonstrierte Unfähigkeit der NAK- Leitung, die sog. Botschaft des Stammapostels Bischoff offen als Irrtum zu deuten und damit die Fehlbarkeit jeder Institution, auch des Stammapostelamtes, anzuerkennen. Dankbar erkennen wir hingegen erste Anzeichen einer Aufweichung des Anspruchs der NAK, die einzig wahre Kirche zu sein. Zu einer echten ökumenischen Öffnung reichen diese ersten Anzeichen allerdings wahrscheinlich noch lange nicht.
Schweiz: 15 Bezirke, 153 Gemeinden