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Das schöne Wetter und die warmen Temperaturen sorgten in den vergangenen zwei Wochen in den Bergen für verfrüht frühlingshafte Bedingungen. Die Nullgradgrenze kletterte mehrmals über 3000 m. Die Gefahr von trockenen Lawinen nahm deutlich ab. Gleichzeitig verschärfte sich die Schneearmut: An mehr als der Hälfte der automatischen Messstationen lag um diese Zeit noch nie so wenig Schnee wie aktuell.
Die aktuelle Schneearmut in den Schweizer Alpen kann seit Mitte Februar als historisch bezeichnet werden. In der ersten Februarhälfte waren die gemessenen Schneehöhen meistens noch ein bisschen höher als in den bisher bekannten schneearmen Winter 1964, 1990 oder 2007. Jetzt, am 22. Februar, zeigen von 76 langjährigen Stationen (Messreihe > 30 Jahren) zwischen 1000 und 2000 m 25 Stationen (33 %) eine rekordtiefe Schneehöhe. Normalerweise liegt an diesen Stationen jetzt im Durchschnitt rund 85 cm Schnee, in diesem Jahr sind es aber nur 15 cm. Im Mittel zeigen die Stationen zw. 1000 und 2000 m aktuell nur 20 % der normalen Schneehöhe zu dieser Jahreszeit (Abb. 1). Die wenigen Stationen über 2000 m mit langjährigen Messreihen zeigen, dass man mehr als 50 Jahre zurückgehen muss, um eine noch schneeärmere Situation um diese Jahreszeit zu finden.
In diesem Zusammenhang ist auch nicht überraschend, wenn mehr als die Hälfte aller automatischen Stationen (Messbeginn frühestens 1995) aktuell rekordtiefe Schneehöhen zeigt. Sogar auf dem 2540 m hohen Weissfluhjoch wird aktuell nur rund 100 cm Schneehöhe gemessen, normal wären 180 cm. In mittleren Lagen, wie z.B in Andermatt (Abb. 2), ist die Schneearmut besonders ausgeprägt.
Ursache der grossen Schneearmut ist unter anderem die seit Winterbeginn anhaltende Niederschlagsarmut. Ähnlich niederschlagsarme Winter hat es aber auch in der Vergangenheit schon gegeben. Nun führen aber die durch den Klimawandel bedingten wärmeren Temperaturen dazu, dass erstens, ein Teil der Niederschläge als Regen statt Schnee fällt und zweitens, dass ein Teil des gefallenen Schnees wieder wegschmilzt. Die Kombination von winterlicher Niederschlagsarmut und Klimawandel führt dann zu den obigen rekordtiefen Schneehöhen.
Aufgrund der häufigeren Regen- statt Schneefälle kann dann auch ein «nur» sehr niederschlagsarmer Winter wie 2023 zu rekord-tiefen Neuschneesummen führen. So sind in diesem Winter auch die seit 1. November aufsummierten Neuschneefälle an 23 von rund 104 langjährigen Stationen über 1000 m ü.M. so klein wie noch nie. Im Mittel zeigen die Stationen zw. 1000 und 2000 m nur 135 cm Neuschneesumme, statt der üblichen 320 cm zu diesem Zeitpunkt.
Schneearme Winter werden in Zukunft vermehrt zu einer grossen Herausforderung für Wintersport und Wintertourismus werden, wie MeteoSchweiz in ihrem heutigen Blog zusammenfassen (Abb. 3).
Die Kombination aus viel Sonne und kein Niederschlag führte zu einer deutlichen Abnahme der Stellen, an denen Schneebrettlawinen ausgelöst werden konnten. Wurden in den sieben Tagen zwischen dem 9. und 15.02. noch über 40 durch Personen ausgelöste Lawinen gemeldet, waren es in den letzten 7 Tagen nur noch 9 (Abb. 4). Die letzten Auslösungen beschränkten sich auf die bekannten Altschneegebiete im südlichen Wallis und in Graubünden. Dort waren störanfällige Schwachschichten vor allem noch an steilen Schattenhängen oberhalb von rund 2200 m vorhanden.
Allgemein war die Schneeoberfläche an Schattenhängen meist brüchig. Nur an windgeschützten, hoch gelegenen Schattenhängen war teils noch pulvriger Schnee zu finden. Steile Südhänge waren bis in hohe Lagen durchfeuchtet. Nachts bildete sich bis in hohe Lagen meist ein tragfähiger Harschdeckel. Mit der Sonneneinstrahlung und der tageszeitlichen Erwärmung löste sich dieser wieder auf. Mit dem entsprechenden Timing waren somit bereits erste Firnabfahrten möglich. Die Gefahr von nassen Lawinen stieg im Tagesverlauf jeweils an und es wurden vermehrt nasse Lawinen und Gleitschneelawinen gemeldet. Da oft nur wenig Schnee lag, hatten die Lawinen meist kleine und mittlere Grösse (Abb. 5).
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.