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Diese Zeilen schreibe ich in Wien Downtown. Eben haben wir das Schloss Schönbrunn besucht. Ein Satz aus dem Audioführer ist mir in Erinnerung geblieben. Von Kaiser Franz Joseph I. wird berichtet, dass er jeden Tag vor 5 Uhr morgens aufstand, sein Morgengebet verrichtete und dann einen langen Arbeitstag „als erster Beamter des Staates“ am Schreibtisch verrichtete. Sein Motto lautete: „Ich arbeite, bis ich vor Müdigkeit umfalle.“ Der Monarch verstand sein Amt offenbar nicht als Legitimation, um auf der faulen Haut zu liegen und in Luxus zu schwelgen. Er verstand sich als erster Diener des Staates. Auch wenn ich von diesem Mann (noch) keine ausführliche Biografie gelesen habe und nicht verifizieren kann, wie er sein Leben insgesamt verbrachte, hat mich diese Aussage beeindruckt. Im 21. Jahrhundert scheint eine andere Arbeitsmoral Einzug gehalten zu haben. Manager „jenseits des Wolkenfeldes“ (sie sind weit von der täglichen Basisarbeit entrückt und für die Mitarbeitenden praktisch unsichtbar) frönen eher dem Ideal: Je höher aufgestiegen, desto mehr Grund, um die eigene Position und Pfründe gut zu bewirtschaften.
Im Nachgang habe ich mehr gelesen über diesen Kaiser. Hier wird die Kehrseite beschrieben:
Die Persönlichkeit des Kaisers wird unisono als nüchtern und fantasielos geschildert: Pflichtbewusst bis zur Pedanterie, galten ihm Pünktlichkeit und Ordnungssinn als höchste Tugenden. Franz Joseph galt als „Aktenmensch“, der ein enormes Arbeitspensum absolvierte und wie ein Uhrwerk funktionierte. Der Kaiser entwickelte einen „fast religiösen Glauben an den Wert bürokratischer Leistungen“ (Holler). Dabei ging er in der Aktenflut unter, verzettelte sich in Nebensächlichkeiten und war unfähig, selbst Kleinigkeiten zu delegieren. Zudem war er teilweise entscheidungsschwach, forderte immer mehr zusätzliche Expertisen und Informationen, was eine verschleppende Wirkung in der Entscheidungsfindung zur Folge hatte.