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Die Schweizer Fussballmeisterschaft wird ab Samstag zum 18. Mal nach dem Modus der Super League entschieden. In der Super League gibt es nicht mehr derart offene Rennen wie in früheren Zeiten.
In der Super League Schweizer Fussballmeister zu werden ist nicht jedermanns Sache. Alles spielt sich in einem kleinen Zirkel ab. Tatsächlich kamen in den 17 Saisons seit der Einführung der Zehnerliga im Jahr 2003 nur drei Klubs zu Meisterehren: der FC Zürich 2006, 2007 und 2009, die Young Boys 2018, 2019 und 2020 und der FC Basel alle übrigen Male, also elfmal.
Dass der Kreis in der am Wochenende beginnenden Saison erweitert wird, ist aus der heutigen Sicht nicht wahrscheinlich. Ein weiterer Titelgewinn der Young Boys erscheint eher wahrscheinlich als nur möglich. Sollte YB scheitern, könnte der FC Basel bereitstehen – oder am Ende wider Erwarten wieder einmal der FCZ. Dann wären 18 Super-League-Saisons mit nur drei verschiedenen Meistern gespielt.
Fast alle bekamen vom Kuchen ihre Stücke
Wie viel anders war es doch in den 18 Saisons vor der Einführung der Super League, also von 1985/86 bis 2002/03. In jener Zeit durften fast alle einmal, es war eine Art Jekami mit Schutz der Schwächeren und mit Rücksicht auf die zwei grossen Sprachregionen. Die Hochblüte einer fussballerischen Demokratie. Aus dem damaligen Inventar des Schweizer Spitzenfussballs gewannen nur Lausanne, Lugano und Zürich nie den Titel. Die Grasshoppers wurden siebenmal Meister, Neuchâtel Xamax, Sion und Servette je zweimal, die Young Boys, Luzern, Aarau, St. Gallen und Basel je einmal. Neun Klubs schnitten ihre Stücke ab.
Wie konnte die heutige Oligarchie nach der Demokratie Überhand gewinnen? Die Antworten liegen vermutlich im Wandel der Zeit. Seinerzeit wurde in der Saison 1987/88 der Modus mit Finalrunde und Auf-/Abstiegsrunde eingeführt. Die acht Mannschaften der Finalrunde verloren vor dem Frühlingspensum die Hälfte der Punkte, die sie im Herbst gewonnen hatten. Die Karten wurden also halbwegs neu gemischt. Eine Mannschaft, die im Frühling in bester Form war, konnte Meister werden, auch wenn sie im Herbst schwächer aufgetreten war. Der Modus, der 16 Jahre lang hielt, ermöglichte in zahlreichen Saisons ein offenes Rennen im Frühling.
Ein sehr schlankes Gefüge
Mitte der Achtzigerjahre war der Übergang vom Halbprofi- zum Profitum noch nicht vollzogen. In YBs Meistermannschaft 1985/86 beispielsweise erledigten die meisten Schweizer Spieler Teilpensen einer regulären Arbeit. Und die Equipe um das Team herum, die man heute Staff nennt, war verschwindend klein und arbeitete teilweise ehrenamtlich. Trainer Alexander Mandziara, Assistent Beat Jäggi, Sportchef Walter Eichenberger, Goalietrainer Walter Eich, die sich ablösenden Masseure Fredy Häner und Fredy von Allmen, der rührige Betreuer Heinz «Tarassow» Reinhard, Teamsekretär und Pressechef Theo Gehri, Klubsekretärin Edith Haari und der Klubarzt Urs Vogel. Zehn Personen – mehr waren nicht da und mehr brauchte es nicht. Ein derart schlanker Aufbau zeichnete auch die anderen damaligen NLA-Klubs aus.
In der Zeit der Super League dagegen muss man viel eher von Organisationen sprechen als von Klubs. Die Anforderungen des Spitzenfussballs mit Ansprüchen im internationalen Geschäft verlangen solche. 150, 200, 250 Namen findet man in den Organigrammen. Viele sind ehrenamtliche oder nach Einsatz und Aufwand bezahlte Mitarbeiter, viele sind Festangestellte. Allein in nächster Nähe der Mannschaft gibt es nebst Cheftrainer und Sportchef mindestens zwei Assistenztrainer, Athletiktrainer, Konditionstrainer, Physiotherapeuten, Goalietrainer, Stürmertrainer, eine Crew von Scouts mit einem Chefscout, ein Ärzte-Team und andere.
Nur ein Klub, der attraktiv genug ist, um sich die finanziellen Mittel mit Geldern von Sponsoren und Mäzenen, aus den Europacup-Töpfen der UEFA, mit Zuschauereinnahmen und mit einträglichen Transfergeschäften beschaffen kann, kann eine derartige Organisation auf Dauer erfolgreich unterhalten. Heute ist ein gefestigtes, leistungsfähiges Gefüge gleichsam das Eintrittsbillett für den Erfolg im Schweizer Fussball. Vielleicht ist es deshalb kein Zufall, dass in der Super League, deren 18. Saison jetzt anbricht, nur drei verschiedene Klubs Meister wurden.