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George Szell
Tschechische Philharmonie | Schweizerisches Festspielorchester
Antonín Dvořák
Sinfonie Nr. 8 G-Dur op. 88
Johannes Brahms
Sinfonie Nr. 1 c-Moll op. 68
(Aufnahmen: Luzern, 1969 & 1962)
Rhythmische Prägnanz und Formbewusstsein, unbedingte Werktreue und messerscharfe Orchesterdisziplin: George Szell (1897–1970) gilt als einer der grossen «Orchester-Zuchtmeister» des 20. Jahrhunderts, als überlegener Pultregisseur und kompromissloser Perfektionist – ein Ruf, den er sich insbesondere während seiner 24-jährigen Amtszeit an der Spitze des Cleveland Orchestra erwarb, das er zu einem der weltbesten Klangkörper formte. Die musikalischen Wurzeln des gebürtigen Ungarn liegen indes in der «Alten Welt», und nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er als einer der ersten Musiker aus dem amerikanischen Exil für Konzerte nach Europa zurück.
In den Fünfziger und Sechziger Jahren gastierte George Szell regelmässig auch bei LUCERNE FESTIVAL. Die vorliegenden Konzertmitschnitte, beides Erstveröffentlichungen, präsentieren zwei Glanzstücke seines Repertoires: 1962 gelang dem «Antiromantiker und Meister der Präzision» (Harold C. Schonberg) am Pult des Schweizerischen Festspielorchesters eine kraftvolle und ungemein zielstrebige Interpretation von Brahms’ Erster Sinfonie, mit spannungsgeladenen Eck- und kammermusikalisch transparent musizierten Mittelsätzen. Im Sommer 1969 – ein Jahr nach der gewaltsamen Niederschlagung des «Prager Frühlings» – kam es in Luzern zu einem Wiedersehen mit der Tschechischen Philharmonie, mit der Szell schon in den 1930er Jahren eng zusammengearbeitet hatte. Seine mitreissend vitale Deutung der Achten Sinfonie von Antonín Dvorák begeisterte Publikum und Kritik gleichermassen: «Szells Kunst der ausdrucksvollen Tempomodifikationen, der Vorbereitung, Steigerung und Auflösung von formalen und dynamischen Spannungen bewies sich in solchem Mass, dass die ganze Sinfonie auf ein höheres Niveau gehoben schien», urteilte damals die Neue Zürcher Zeitung. Beide Aufnahmen zeigen: Risikofreude, lebendiger musikalischer Fluss und eine gesteigerte Emotionalität machen den besonderen Reiz der Szell’schen Konzertmitschnitte gegenüber seinen perfekt austarierten Studioaufnahmen aus.
«Da steht alles wie aus einem Guss da, wirkt akkurat durchstrukturiert, verrät beispielgebendes Formbewusstsein.» Der Opernfreund
In der CD-Reihe «LUCERNE FESTIVAL Historic Performances» erscheinen bislang weitgehend unveröffentlichte Konzertmitschnitte prägender Festspielkünstler. Die Originalbänder sind klanglich sorgfältig restauriert und um eine ausführliche Dokumentation ihres historischen und künstlerischen Stellenwerts sowie um Fotos und historische Materialien aus dem Archiv von LUCERNE FESTIVAL ergänzt – eine klingende Festspielgeschichte.