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1934/1935
Folgen
Scheinwerfer-Kampagnen
Die Denunziation und Erpressung in aller Öffentlichkeit durch den Scheinwerfer blieb nicht ohne Folgen. Das Clublokal des Schweizerischen Freundschafts-Verbandes ging verloren, Mitglieder und Gäste blieben den übrigen Veranstaltungen fern, etliche traten aus. Das Protokollbuch verzeichnete bereits am 3. Mai 1934:
"Frl. Vock kann die Erklärung abgeben, dass Herr Wolf (der Wirt) nicht aus Antipathie uns gegenüber den Saal nicht mehr zur Verfügung stellte, sondern weil er von 'guten' Nachbarn und Geschäftsfreunden quasi dazu gezwungen worden war."
Im selben Monat endete der Prozess mit einem Vergleich. Beide Seiten mussten die "Pressefehde" einstellen und der Scheinwerfer hatte die Gerichtskosten zu bezahlen1. Das Protokollbuch erwähnt mit Datum vom 12. Juli 1934:
"Der Entscheid des Bezirksgerichts wird verlesen. Es wird beschlossen, denselben in extenso [...] dem Schweizerischen Freundschafts-Banner beizulegen, da unsere Mitglieder und Abonnenten ein Recht darauf haben, zu vernehmen, wie der Prozess erledigt worden ist. Die Beilage wird den für den freien Verkauf bestimmten Exemplaren nicht beigelegt."
Man hielt sich also korrekt an den Vergleich.
Im Mai besuchten noch 15 Personen die regelmässige Sitzung. Im Juli gab es viele Austritte. Im Oktober waren acht Personen anwesend, die Weihnachtsfeier und der Silvesterball wurden gestrichen. Zur Generalversammlung vom 1. Januar 1935 erschienen zwei Vorstands- und vier gewöhnliche Mitglieder.
Zuvor hatte man festgestellt, dass "unsere heutige schwere Lage ausschliesslich dem Scheinwerfer zu verdanken" sei und beschlossen, die richtigen Namen nicht mehr zu verwenden und künftig "keine Verbandsmitteilungen sowie Versammlungsorte in unserer Zeitung" zu publizieren.
Schliesslich wurde an der Generalversammlung vom 1. Januar 1935 der Name geändert: Ab sofort hiess die Vereinigung "Liga für Menschenrechte". Das "verdächtige" Wort Freundschaft war gestrichen. Der Scheinwerfer hatte fast alle seine Ziele erreicht.
Aber: Das neue Wort "Menschenrecht" stand für viel mehr. Es war eine Anspielung auf den ehemals mächtigen gleichnamigen Verband in Deutschland, der jetzt von den Nazis zerstört worden war. Es ging also um Übernahme und Fortsetzung jener Ziele. Es ging nicht nur um Freundschaft(en) unter Gleichgesinnten, sondern um den Kampf für das Recht aller Homosexuellen und aller Menschen überhaupt.
Statt abzutauchen entschloss sich eine kleine Gruppe für ein mutiges Trotzdem! und Jetzt erst recht!
Ernst Ostertag, Juni 2004
Quellenverweise
- 1
Bezirksgericht Zürich, 4. Abt.: Unsere Prozess-Angelegenheit, Sonderdruck, 29.5.1934.