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Am 25. August 2014 ist Frédéric Walthard nach kurzer Krankheit im 94. Lebensjahr verstorben. Damit verliert unser Land eine politische Stimme, die bis zuletzt nicht verstummte und kontinuierlich das tagesaktuelle Geschehen kommentierte und mit spitzer Feder einordnete. Er war eine Persönlichkeit von eindrücklichem Format und leistete in seinem langen Leben einen beispiellosen Einsatz für die Wirtschaft und Politik der Schweiz.
Frédéric Walthard wurde am 13. März 1921 in Faido, Kanton Tessin, geboren. Der Vater war seit 1911 als Ingenieur auf dem Balkan und in der Türkei tätig. So verbrachte Frédéric seine Jugend- und Schulzeit in Sofia, Bulgarien, wo er 1939 die Matura bestand. Es folgten Studien in Sofia und Bern sowie die Rekrutenschule und der Aktivdienst in der Schweiz. Von 1944 bis 1971 war Walthard als Diplomat und Jurist tätig, zuletzt als Generalsekretär des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements, das unter dem Vorsitz des damaligen Bundesrats Hans Schaffner stand. Seine diplomatischen Stationen führten ihn zu den Brennpunkten des weltpolitischen Geschehens, so nach New York, Washington, Paris, Brüssel und Genf.
Genf ist dabei besonders hervorzuheben, wo Walthard ab 1960 als stellvertretender Delegationschef aktiv bei der Gründung der Europäischen Freihandelsassoziation (Efta) mitwirkte. Mit der Efta unterstützte er eine Alternative zur entstehenden Europäischen Union (EU), die als supranationales Gebilde dem «Souveränisten» Walthard ein Greuel war. Walthard betonte immer wieder die Bedeutung der Unabhängigkeit und Souveränität von gleichberechtigten Nationalstaaten, wie sie die Efta bis heute gewährleistet. Noch in einem seiner letzten Artikel thematisiert Walthard die Entwicklungen der EU. Eine EU eben, die immer mehr zu einem politischen Machtkoloss mutiert und mit entsprechend wenig Sinn für eine vernünftige Diplomatie auf Konfrontationen zusteuert (siehe Russland).
Anschliessend an seine diplomatische Laufbahn von 1971 bis 1988 avancierte Walthard zum Leiter der Mustermesse in Basel (Muba). Dort wirkte er umfassend als eigentlicher Pionier. So öffnete er die Messe für ausländische Handelserzeugnisse und Aussteller (unter anderem für die Ostblockstaaten und China). Solche konstruktiven Kontakte waren damals ein wohltuender Gegenpol im Klima des Kalten Krieges. Walthard legte in den Jahren 2005 bis 2007 eine lesenswerte dreibändige Autobiographie vor, die umfassend und detailliert seinen Lebensweg nachzeichnet.1
Seit seinem Rücktritt 1988 widmete er sich einerseits seinem künstlerischen Schaffen, vor allem dem Malen, um zu Ruhe und Entspannung zu kommen. Andererseits griff er wieder verstärkt seine diplomatischen und politischen Erfahrungen auf und publizierte praktisch ununterbrochen zu aktuellen innen- und aussenpolitischen Fragen. Dieser Einsatz war immens, und er diente primär, wie Walthard es selber ausdrückte, der «Wahrung der eigenständigen schweizerischen Demokratie gegen den im Entstehen begriffenen antidemokratischen supranationalen Machtblock der Europäischen Union».2 Fast unermüdlich verfolgte Walthard das politische Tagesgeschehen und setzte sich mit seinen Artikeln besonders für eine Schweiz ein, die an ihrem föderalistischen und direktdemokratischen Fundament festhalten und es stärken sollte. Geht man seine Artikel der letzten Jahre durch, ist es erstaunlich, wie er immer wieder viele Entwicklungen voraussah. So sprach er schon vor einigen Jahren von einer drohenden «kalten Integration in die EU».3 Ein Vorgang, der heute immer mehr zur Realität wird und der ein dringendes Gegensteuer braucht.
In den letzten Monaten baute er mit Hilfe seiner Tochter Catherine seine eigene Webseite noch aus. Der Titel der Webseite heisst «Die Stimme des Citoyen» und enthält nun Walthards Vermächtnis: Ein wahrer Fundus an Gedanken, die immer wieder auch klar der «Political correctness» unserer Tage entgegenlaufen und die deshalb so wohltuend und erhellend sind. Die Tochter wird nun im Sinne eines bleibenden Erbes von Frédéric Walthard die Webseite vervollständigen.
Mit seiner unglaublichen Schaffenskraft, immer mitgetragen von seiner Frau Simone, und seiner politischen Ethik ist und bleibt Frédéric Walthard ein Vorbild für kommende Generationen. Es ist nun an uns, sein Erbe weiterzutragen und seiner Stimme, der «Stimme des Citoyen», ein Echo zu geben. •
1 Vgl. Walthard, Frédéric: Erinnerungen 1921–1944, Band 1 – Balkanschweizer im Sturm von Krieg, Terror und Faschismus; Ders.: Erinnerungen 1944–1971, Band 2 – Unterwegs für die Schweiz; Ders.: Erinnerungen 1971–1988, Band 3 – Messe Basel. Öffnung für Europa und die Welt (alle drei Bände im Verlag Zeit-Fragen)
2 Walthard, Frédéric: Umschlagtext, Erinnerungen 1944–1971, Band 2 – Unterwegs für die Schweiz.
3 Vgl. zum Beispiel Walthard, Frédéric, in: Zeit-Fragen Nr. 14 vom 8.5.2000, Seite 1
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