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Während Usama Bin Laden als Kriegsgrund aufgebaut wird, sickern Informationen über eine eigentümliche Nähe der Krieger durch.
Das «Wall Street Journal» veröffentlichte am 27. September einen bemerkenswerten Bericht über die Carlyle Group. Immerhin ist es in diesen Tagen unüblich, über die Geschäftsbeziehungen zwischen dem Bush- und dem Bin-Laden-Clan zu schreiben. Die weltweit zu den grossen Privatbanken zählende Carlyle Group unterhält einen von den Bin Ladens mitalimentierten Fonds für Investitionen in, ausgerechnet, die Rüstungsindustrie. Carlyle wird geleitet von Frank Carlucci, früher Nummer zwei der CIA und danach Verteidigungsminister. Auch mit dabei sind der Börsentycoon George Soros, Bush senior, Aussenminister James Baker und Fred Malek, Familienfreund der Bushs.
Ein interessanter Mann, dieser Malek. Er musste zwar 1988 wegen einer alten Geschichte seinen Hut als Mitglied des Wahlteams von George Bush senior nehmen. Er hatte, noch unter Präsident Richard Nixon, eine Liste der Juden und Jüdinnen im Arbeitsministerium angefertigt, wegen einer vermuteten «jüdischen Kabale». Doch 1992 managte er die Wahlkampagne von Bush senior. 1990 hatte Malek George Bush junior einen Direktorensitz bei einer der grössten Catering-Gesellschaften des Landes vermittelt, die mit der Privatbank BCCI eng verbunden war. Die von pakistanischen Kadern geleitete BCCI wurde 1991 wegen Betrugs geschlossen. Zuvor hatte sie während zweier Jahrzehnte den Geheimdiensten, Drogenkartellen und Waffenschiebern des Westens gedient.
Die Familie Bin Laden erhielt regen Besuch aus den USA. Die Carlyle-Männer Baker und Carlucci waren schon bei Bin Ladens in Dschiddah in Saudi-Arabien. Carlucci hatte mit den Bin Ladens als Präsident des Telekommunikationskonzerns Nortel Networks Corp. Geschäfte gemacht. Der frühere Verteidigungsminister Caspar Weinberger war für die Forbes-Gruppe in Dschiddah zu Besuch. Und Bush senior war mindestens zwei Mal in Dschiddah.
Das «Wall Street Journal» erwähnte als Bindeglied des amtierenden Präsidenten Bush junior zu den Bin Ladens dessen Freund James Bath. Schon 1991 hatte das «Wall Street Journal» darüber geschrieben, am 4. Juni 92 auch der «Houston Chronicle». Seither sind neue Erkenntnisse hinzugekommen. Der texanische Geschäftsmann Bath vertrat von 1976 bis 1988 die Geschäftsinteressen von Usamas älterem Bruder Salem Bin Laden. Er hatte in ein Ölgeschäft von Bush junior kleinere Beiträge investiert, mutmasslich aus der saudischen Schatulle. Die Firma ging aber Pleite und wurde von der Harken Energy übernommen, wo Bush junior Einsitz ins Direktorium nehmen konnte.
Die international bis dahin nicht aktive Harken Energy erhielt 1990 einen wichtigen Ölexplorationsauftrag von der Regierung Bahrains und stach dabei die Grossen des Geschäftes aus. Harken produzierte dann allerdings nur einen Bohrschaft. Bush junior hingegen verkaufte im Januar 1990 seine Anteile an Harken mit sattem Gewinn, eine Woche bevor die «aufstrebende» Firma erstmals Quartalsverluste bekannt geben musste. Der damalige Präsidentensohn kam deshalb ins Gerede; man vermutete ein Insidergeschäft. Drei Jahre zuvor konnte Bath für Harken dank der Vermittlung des Schweizer Bankiers Alfred Hartmann mit dem Verkauf von Aktien an die Schweizerische Bankgesellschaft (heute UBS) im Wert von 25 Millionen Dollar einen finanziellen Engpass überbrücken.
Als Teil dieses Schweizer Deals kam mit Abdullah Bakhsh eine der zentralen Figuren der BCCI in den Vorstand von Harken. Heute gehört Harken zu den wichtigsten Investoren der Ölindustrie in Kolumbien. Nach dem Tod Salem Bin Ladens wurden dessen Interessen vom der saudischen Königsfamilie nahe stehenden Banker Chaled Bin Mahfouz übernommen, einer weiteren Figur der BCCI. Am 28. Oktober 1999 berichtete die von US-Geheimdiensten informierte Zeitung «USA Today» über Millionentransfers saudischer Geschäftsmänner über Mahfouz an Frontorganisationen Usama Bin Ladens.
Und ob sich die Familie Bin Laden mit Usama wirklich überworfen hat, erscheint zumindest fraglich. Das «Wall Street Journal» lässt anonyme «Offizielle» behaupten, von einem Abbruch der Finanztransfers von Teilen des saudischen Königshauses an Usama Bin Laden könne keine Rede sein. Der «New York Times» erzählen US-GeheimdienstlerInnen etwas über einen Bericht, wonach ein in den USA lebendes Mitglied der Familie Bin Laden vor dem 9. September den Wink erhalten habe, sich bis zum Abschluss einer bestimmten «Arbeit» an einen sicheren Ort zu begeben. Die Welt der Warlords ist kleiner, als sie scheint.