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Ziele
Mädchen können Nein sagen (auch zu ihrem Freund).
Mädchen können sich distanzieren von Anforderungen, welche Freundinnen, schwierige familiäre Situationen etc. an sie stellen.
Mädchen werden darin unterstützt, mehr Raum einzunehmen.
Filmszenen
Zusammengefasst: Man sieht ein junges Paar im Ausgang. Er konsumiert Partydrogen, sie findet das nicht gut. Anna steht in einem inneren Konflikt mit sich selber; soll sie auch eine Pille schlucken, um mit ihm mitzuhalten? Sie entscheidet sich dagegen, spült die Pille stattdessen ins Klo hinunter und geht dann mit ihrer Freundin nach Hause.
Szene 1: Die Szene spielt in einem Club, einer Disco oder einem Jugendhaus. Im Mittelpunkt stehen Anna und ihr Freund.
Ein anderes Mädchen kommt dazu und begrüsst den Freund. Die beiden unterhalten sich und nehmen dabei ganz selbstverständlich und wie nebenbei eine Pille (Partydroge). Anna, die Freundin des Jungen, fühlt sich sichtlich unwohl. Man hört ihre Gedanken:
„Immer diese Drogen. Ich liebe meinen Freund, aber im Ausgang fühle ich mich manchmal ausgeschlossen. Er ist dann ein ganz anderer Mensch, so cool und ungehemmt. Meinst du, er liebt mich, auch wenn ich nichts nehme?“
Szene 2: Anna steht in der Toilette des Clubs. Man hört wieder ihre Gedanken: „Er muss!“
Sie wirft die Pille entschieden in die Kloschüssel und spült sie hinunter. Dann sagt sie zu ihrer Freundin „Komm wir gehen!“. Draussen vor der Tür wartet der Freund, an die Wand gelehnt. Er fragt sie erstaunt, ob sie schon nach Hause gehe. Sie wünscht ihm noch einen schönen Abend und geht. Er bleibt allein zurück, wirkt benommen.
Vorschläge zum Einsatz
Arbeit mit dem Film
Mädchen dürfen Nein sagen, auch
zum Freund (oder der besten Freundin).
Mädchen nehmen die eigenen Empfindungen ernst.
Wie umsetzen? ca. 40 Min
10' Kurzbeschreibung
Film zweimal zeigen. Vor dem zweiten Mal folgende Beobachtungsaufgabe stellen:
- Was bringt Anna dazu, Nein zu sagen? Wieso sagt sie Nein? Was geht ihr durch den Kopf? Wie wird ihre Entscheidung aufgenommen?
Diskussion der Beobachtungen und Vermutungen.
10' Geschichte weiterdenken
Fragen an die Mädchen:
- Was geschieht am nächsten Tag?
- Was geschieht in zwei, drei Wochen?
Mögliche Szenarien:
- Es herscht Funkstille zwischen Anna und ihrem Freund. Sie sprechen miteinander. Sie gehen getrennte Wege. Gar nichts geschieht, sie tun so, als ob nichts vorgefallen sei.
- Was wäre für dich eine gute Entwicklung der Geschichte?
20' Diskussion
- Welche Situationen kennt ihr selbst, in welchen ihr Ja gesagt habt, obwohl ihr eigentlich Nein meintet?
- Habt ihr Strategien, wie ihr euch Davor schützen könnt? (Bspw. Zeit zum Nachdenken gewinnen: Ich muss mir das erst noch überlegen. Ich muss kurz auf die Toilette.)
Rollenspiele
Einüben und trainieren, sich abzugren-
zen und auch unter Druck Nein zu sagen.
Wie umsetzen? ca. 35 Min
15' NEIN-Dialog
Ein Mädchen (A) muss mit allen Mitteln (auch emotionalen) versuchen, das andere Mädchen (B) zu einer Handlung zu überreden. B will unbedingt standhaft bleiben.
Beispiele von Situationen:
- An eine Party gehen, zu welcher B keine Lust hat
- Länger draussen bleiben, obwohl B nach Hause sollte
- Mit Leuten etwas abmachen, welche B nicht sympatisch sind
A und B variieren ihr Spiel, indem sie: laut werden, bestimmt sprechen, eindringlich werden, leise werden.
Diskussion:
- Für B: Wann war es besonders schwierig, standzuhalten?
- Für A: Was hat mich besonders davon überzeugt, dass B wirklich nicht will?
10' NEIN-Kreis
Das Nein wird im Kreis herum weitergegeben.
- Bedingung: Das Nein muss immer lauter werden.
Es braucht für einige Mädchen ziemlich Überwindung, ein lautes Nein auszusprechen. Die Dosierung ist wichtig, damit die nachfolgenden Mädchen noch lauter werden können.
- Die Stimme soll aus dem Bauch heraus kommen.
10' Power-NEIN-Schrei
Die Mädchen bilden einen grossen Kreis.
- Auf ein Zeichen hin machen alle einen Sprung in die Kreismitte und bei der Landung platzieren sie ein lautes NEIN.
- Dabei schauen sie einem anderen Mädchen klar ins Gesicht (die beiden Mädchen, die dann Blickkontakt halten, müssen das zuvor abmachen). Der Blickkontakt soll während 3 Sekunden gehalten werden.
Anschliessender Austausch über das Erlebte.
Arbeit mit dem Film
Jungen lernen, sich innerhalb
von Gruppen und engen Beziehungen abzugrenzen.
Jungen nehmen ihre eigenen Empfindungen ernst.
Wie umsetzen? ca. 35 Min
10' Diskussion im Plenum
Fragen an die Jungen:
- Was denkst du über den Film?
- Wie hätte der Film anders ausgehen können?
15' Partnerarbeit
Eigene Erfahrung: Immer zu zweit folgende Fragen diskutieren:
- Ist es schon einmal passiert, dass dich jemand zu etwas überredet hat, wozu du eigentlich keine Lust hattest? Hast du nachher bereut, mitgegangen zu sein oder mitgemacht zu haben. Oder hast du dadurch eine neue Erfahrung gemacht?
- Hast du selber schon einmal jemanden dazu überredet, bei etwas mitzumachen? Bspw. einen Freund, die Freundin?
10' Austausch im Plenum
- Wie weit darf man gehen?
- Jemanden zu motivieren ist ok?
- Jemanden unter Druck zu setzen nicht?
- Wo liegt die Grenze?
Faktenblatt
Das Zahlen- und Faktenblatt ergänzt den Film und die anderen Vorschläge zum Einsatz.
Die Vorderseite kann als Arbeitsblatt eingesetzt werden. Auf der Rückseite finden sich weiterführende Informationen für Lehr- und Leitungspersonen.Download Pädagogisches Begleitheft
Themen
Abgrenzung, Nein sagen
Mädchen entwickeln im Rahmen der Sozialisation schon früh eine grosse Sensibilität in und für Beziehungen. Sie lernen, eigene Bedürfnisse zurückzustellen und (zu viel) Verantwortung für das Wohlbefinden anderer zu übernehmen, bis hin zu Aufopferungstendenzen und Verleugnung ihrer selbst. Die Beziehungsorientierung kann so von einer Ressource auch zu einer Falle und einer geschlechtsrollenbezogenen Belastung werden.
- Erinnern Sie sich: Es geht nicht darum, Mädchen die sogenannt weiblichen Eigenschaften (wie z.B. Beziehungsfähigkeit) abzutrainieren.
- Unterstützen Sie jedoch Mädchen darin, sich abzugrenzen und Nein zu sagen.
- Thematisieren Sie Nähe und Distanz in Beziehungen (Freund, beste Freundin). Fördern Sie die Mädchen darin, eigene Bedürfnisse mit denen anderer abzustimmen, ohne sich selbst zu verleugnen.
- Unterstützen Sie Mädchen darin, Raum einzunehmen, sei das auf dem Pausenplatz oder im Unterricht.
Identitätsbildung / Geschlechterrolle
Mädchen sehen sich heute mit ambivalenten Rollenanforderungen konfrontiert („alte“ versus „neue“ Sozialisationsbedingungen). Einerseits sollen sie rücksichtsvoll sein, sich anpassen, vermitteln, Gefühle zeigen, schön und schlank sein, andererseits sollen sie erfolgreich im Beruf sein sowie Kinder und Karriere unter einen Hut bringen. Das kann zu innerer Zerrissenheit und Ambivalenzkonflikten führen.
- Fördern Sie das Selbstbewusstsein von Mädchen, indem Sie ihnen immer wieder sagen, was sie gut können, auch wenn es Dinge sind, die nicht Ihren Erwartungen entsprechen (z.B. auf Bäume klettern).
- Fördern Sie das Bewusstsein für ihre Vorbilder, damit die Mädchen sich mit Rollenmodellen identifizieren oder sich von ihnen abgrenzen können.
- Fragen Sie nach den Interessen der Mädchen, was sie gerne und mit Spass tun. Unterstützen Sie sie darin, auch wenn die Interessen und Bedürfnisse der Mädchen nicht Ihren Wünschen oder denjenigen ihres Umfeldes entsprechen.
Selbstreflexion über eigene Stärken und Schwächen
Mädchen neigen dazu, eigene Schwächen in den Vordergrund zu stellen und Stärken kleinzureden.
- Vermitteln Sie Wissen über Einflussfaktoren, die für die Resilienz (siehe Glossar) von Individuen und Gruppen eine Rolle spielen. Durch die Zuordnung von spezifischen Stärken und Schwächen der Filmfiguren kann das Reflektieren über die eigene Resilienz gefördert werden.