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Wie steht es eigentlich um die Eisheiligen? Jedes Jahr wieder ein Thema und in vielen Köpfen verankert. Gemäss Definition in alter Literatur fallen die Eisheiligen mit Namen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophie auf die Tage vom 11. bis zum 15. Mai. Die Eisheiligen gehören in Mitteleuropa zu den meteorologischen Singularitäten, also zu den Witterungsregelfällen. Das milde Frühlingswetter wird laut Volksmund erst nach der kalten Sophie (15. Mai) stabil und Nachfröste sind dann für die Landwirtschaft kein Thema mehr. Während den Eisheiligen Mitte Mai wird Mitteleuropa aber gemäss Beschreibung der Eisheiligen häufig von einem Kaltluftvorstoss mit letzten Frösten erfasst.
Tägliche Mitteltemperaturen im Mai der letzten 5 Jahre. Der Rückgang am 15. Mai ist deutlich sichtbar.
Eigentlich erst Ende Mai
Da die Überlieferung der gestrengen Frauen und Männer Mamertus bis Sophie wahrscheinlich aus dem Hochmittelalter stammt und somit in die Zeit vor der gregorianischen Kalenderreform im Jahre 1582 fällt, müssten eigentlich auch die Eisheiligen ein neues Datum erhalten und am 19. starten sowie mit dem 23. Mai. enden Diese Verschiebung findet aber in der Literatur keine Bedeutung und wir nie erwähnt.
Wie unberechtigt die Furcht vor den Eisheiligen in beiden Perioden im heutigen Klima ist, zeigt eine kleine Auswertung.
Nachtfröste im Mai?
„Servaz muss vorüber sein, will man vor Nachtfrost sicher sein.” Die erste Bauernregel zielt nicht auf einen stabilen Frühlingsverlauf, sondern auf die Gefahr von Nachfrösten in klaren Mainächten. Vor allem, wenn es Anfang Mai warm war und die Bäume und Sträucher in voller Blütenpracht stehen, wirken sich Kälterückfälle Mitte Mai verheerend aus. So kommt es immer wieder vor, dass im Mai ein allgemeiner Luftdruckanstieg beobachtet werden kann. Die Winde drehen dann auf Nordost und führen trockene aber kühle Luft nach Mitteleuropa. Trotz langer Sonneneinstrahlung steigen die Temperaturen tagsüber nur gedämpft an. In den klaren Nächten geht die Temperatur dann stark zurück. Der Eisheilige Servatius datiert am 13. Mai. Nachtfröste dürften zu einem späteren Datum also nicht mehr auftreten. Tatsächlich wurde in Zürich seit 1901 am 13. Mai noch nie Nachfrost beobachtet. Am 12. Mai hingegen ein Mal. Allgemein sind Maifröste in Zürich sehr selten, wie aus Messdaten von MeteoSchweiz ersichtlich wird. Seit 1901 gab es erst 17 Mal Nachfrost, also nur jede 200. Mainacht.
Kalte Sophie
Beim Betrachten der täglichen Maitemperaturen der letzten fünf Jahre aus Zürich-Witikon zeigen sich erstaunliche Muster. Während zu Maibeginn die Tagesmittelwerte zwischen 9 und 13 Grad liegen, steigen die Werte zwischen dem 6. und dem 14. Mai deutlich an und liegen deutlich über 15 Grad, von Eisheiligen keine Spur. Dieses Phänomen konnte in den letzen 5 Jahren immer wieder beobachtet werden. Erst auf das alte Datum der kalten Sophie (15. Mai) stürzen die Tagesmittelwerte häufig auf unter 10 Grad ab! In der Folge ist die Phase bis zum 18. Mai häufig die kühlste des ganzen Monats. Zwischen dem 19. und dem 26. Mai schaut dann häufig bereits der Sommer am Zürichberg vorbei, wie Daten der letzten 5 Jahre zeigen. Also genau in der Periode, in welcher laut gregorianischer Kalenderreform die Eisheiligen stattfinden sollten. Die Tagesmitteltemperaturen liegen dann bei warmen 17 bis 20 Grad. Das Monatsende (27.-31. Mai) kommt dann häufig einer kleinen Maidepression gleich mit Temperaturen um 15 Grad.
Diese Kurzanalyse zeigt klar: weder das alte noch das neue Datum der Eisheiligen kann auf dem Zürichberg gemäss Messwerten der letzten 5 Jahre von Zürich-Witikon bestätigt werden. Paradoxerweise fallen die beiden wärmsten Perioden des Mais häufig genau in diese Zeitspanne! Erstaunlich sind der Temperatursturz und die häufig tiefsten Maitemperaturen am 15. Mai, am alten Datumstag der kalten Sophie. Die letzten 5 Jahre haben gezeigt, dass die Temperaturen während des Wonnemonats nicht linear bis Monatsende ansteigen, wie es die stärkere Sonneneinstrahlung vermuten liesse. Kälterückfälle und deshalb auch Überlieferungen der Eisheiligen sind also nicht aus den Wolken gegriffen. Datumsgebunden sind diese Kaltluftvorstösse aber nicht. Die Eisheiligen gibt es heutzutage folglich nicht mehr – Kälterückfälle hingegen auch in Zeiten der globalen Erwärmung schon.