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Neuer Bericht des IPCC: Ozean und Kryosphäre im Klimawandel
25. September 2019, Ozeanographisches Museum Monaco, 11 Uhr Ortszeit: Der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen (Intergovernmental Panel on Climate Change; IPCC) stellt die Zusammenfassung seines neuesten Sonderberichts vor. Worum geht es? Was sind die Hauptergebnisse? Und wieso sind sie relevant für die Schweiz?
In regelmässigen Abständen trägt der IPCC den Stand des Wissens zum globalen Klimawandel und seinen Folgen in sogenannten Sachstandsberichten zusammen. Der letzte dieser Berichte datiert aus dem Jahr 2014 (mehr hier). Zusätzlich veröffentlicht der IPCC Sonderberichte, die bestimmte Themen im Kontext des globalen Klimawandels detailliert beleuchten. Der neueste Sonderbericht wurde Ende September von den Regierungen der 195 IPCC Mitgliedsstaaten genehmigt und anschliessend der Öffentlichkeit vorgestellt.
Ozean und Kryosphäre
Im Sonderbericht mit dem Titel Special Report on the Ocean and Cryosphere in a Changing Climate (SROCC) haben mehr als 100 Autoren aus 36 Ländern (darunter auch die Schweiz) den Stand des Wissens zu Veränderungen in den Ozeanen und in der Kryosphäre im Zuge des vergangenen und des zukünftigen Klimawandels zusammengetragen. Unter Kryosphäre versteht man die gefrorenen Komponenten des Klimasystems an sowie unter den Land- und Ozeanoberflächen. Dazu zählen vor allem Schnee, Gletscher, die polaren Eisschilde, Permafrost und das Meereis.
Ozean und Kryosphäre sind über den globalen Wasserkreislauf miteinander verbunden: schmelzende Schnee- und Eismassen fliessen als Wasser an oder unter der Landoberfläche ab. Der Teil, der auf seinem Weg nicht wieder in die Atmosphäre verdunstet, wird dem Ozean zugeführt. Von dort verdunstet wiederum ein Teil des Wassers und kann zu einem späteren Zeitpunkt als Schneefall wieder die Kryosphäre speisen. Auf lange Sicht und in einem stabilen Klima stellt sich ein Gleichgewicht mit stabilen Schnee- und Eisreserven ein. Wird dieses Gleichgewicht zum Beispiel durch eine langfristige Erwärmung gestört, so können die kontinentalen Schnee- und Eisreserven abnehmen, und das zusätzliche Schmelzwasser zu einem Anstieg des Meeresspiegels beitragen. Eine Ausnahme bildet übrigens schmelzendes Meereis, das zu keinem direkten Meeresspiegelanstieg führt, da schwimmendes Eis genau so viel Volumen verdrängt wie sein Schmelzwasser später einnimmt.
Bisherige Veränderungen
Der SROCC zeigt nun deutlich auf, dass das beschriebene Ungleichgewicht in der Tat real ist. Die bisherige globale Erwärmung seit Mitte des 19. Jahrhunderts hat zu einem deutlichen Rückgang der globalen Schnee- und Eismengen sowie zu einer Erhöhung der Permafrost-Temperaturen geführt. Schmelzende Schnee- und Eismassen sind heute der Hauptverursacher für den Anstieg des globalen Meeresspiegels. Dieser hat sich seit 1900 um etwa +19 cm erhöht, wobei sich der Anstieg in den letzten Jahrzehnten stark beschleunigt hat. Auch das arktische Meereis befindet sich auf dem Rückzug. Währenddessen haben sich die Ozeanmassen ebenfalls signifikant erwärmt und versauern durch Aufnahme eines Teils der menschlichen CO2 Emissionen zunehmend.
Was bringt die Zukunft?
In Zukunft werden sich diese beobachteten Trends zum Teil verstärkt fortsetzen. Bei weitergehend hohen Treibhausgasemissionen werden die Gletscher der Welt bis zum Ende des Jahrhunderts mehr als 30% ihrer derzeitigen Masse verlieren. In Regionen der mittleren Breiten und mit nur leichter Vergletscherung, wie zum Beispiel den Alpen, wird der Massenverlust mehr als 80% betragen. Die saisonale Schneebedeckung wird vor allem in tiefgelegenen Regionen deutlich abnehmen und das arktische Meereis wird sich weiterhin deutlich zurückziehen. Sowohl das antarktische als auch das Grönländische Eisschild werden deutlich an Masse verlieren und einen grossen Teil zum projizierten globalen Meeresspiegelanstieg von +84 cm bis zum Jahr 2100 beitragen. In der Zeit nach 2100 wird der Meeresspiegelanstieg mehr als einen Meter betragen.
Klimaschutzmassnahmen entlang des Pariser Klimaziels (Begrenzung der globalen Erwärmung seit vorindustrieller Zeit auf deutlich unter 2 °C) können das Ausmass dieser projizierten Änderungen sowie die damit verbundenen Risiken in den meisten Fällen reduzieren.
Was bedeutet dies für die Schweiz?
Die Klimazukunft der Schweiz wurde in den kürzlich veröffentlichten Klimaszenarien CH2018 ausführlich beleuchtet. Bei ungebremstem Ausstoss von Treibhausgasen wird sich die Schweiz bis zum Ende des 21. Jahrhunderts um weitere +3.3 bis +5.4 °C erwärmen, mit deutlichen Konsequenzen auch für die Schnee- und Eisbedeckung. In tiefgelegenen Regionen wird die winterliche Schneedecke um mehr als 50% abnehmen und die Alpengletscher werden zu einem grossen Teil verschwunden sein. Klimaschutzmassnahmen entlang des Pariser Zwei-Grad-Ziels können die projizierten Änderungen um bis zu zwei Drittel reduzieren.
Die Auswirkungen dieses zukünftigen Klimawandels im Alpenraum und speziell in der Schweiz sowie Möglichkeiten, sich an diesen Wandel anzupassen, werden derzeit in einer Reihe von Forschungsprogrammen detailliert untersucht. Zudem werden sich die ETH Klimarunde (23. Oktober) sowie der High Mountain Summit der Weltorganisation für Meteorologie (WMO; 29.-31. Oktober) intensiv mit dem Klimawandel und seinen Konsequenzen für Hochgebirgsregionen beschäftigen.
Links
Blogbeitrag „Streifen als Klimabotschafter