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Die Karriere von Jimi Hendrix verlief atemberaubend. Eben erst hatte er sich noch als Gitarrist bei andern Bands beliebt zu machen versucht, dann trat er mit seiner eigenen Band beim Monterey Pop Festival auf, und 1969 spielte er vor einer halben Million Zuschauern am Woodstock Festival.
Kein Jimi-Hendrix-Revival
Doch Jimi Hendrix war zu neuen Sphären aufgebrochen, hörte immer weniger auf das, was seine Produzenten von ihm verlangten, wollte die Musik spielen, die ihm gefiel, und bewegte sich so immer stärker auf Jazz zu. Da verschwand der Gitarrist, den das Rolling Stone Magazin zum besten Gitarristen aller Zeiten gekürt hatte: Drogen. Und genau da setzte das Konzert von Nguyên Lê am Freitag ein. Weg vom Rock- Gitarristen, als der Hendrix Ruhm erlangt hatte, hin zu Jazz und World Music.
«Jimi is back» hatten die Organisatoren den Abend angekündigt, doch das war vor allem wichtig, um den Abend anzupreisen. Der Name Jimi Hendrix würde das Spirale füllen, das war klar. Doch der französische Jazz-Gitarrist Nguyên Lê liess schon vor dem Konzert verkünden, dass niemand ein Jimi-Hendrix-Revival zu erwarten habe: «Es soll so sein, wie wenn man in einem bedeutenden Buch liest.»
Das, was Nguyên Lê von Jimi Hendrix spielte, wäre möglicherweise herausgekommen, wenn dieser nicht bereits 28-jährig gestorben wäre. Hendrix hätte vielleicht sogar bewusst einen Keller wie das Spirale gesucht, um auf seine musikalische Entdeckungsreise zu gehen. Und er hätte womöglich früher oder später das Singen aufgegeben und es einer Sängerin überlassen, so wie das bei Nguyên Lê Himiko Paganotti tat. Die Französin mitjapanisch-italienisch-spanischen Wurzeln sang bisweilen wie eine Gitarre, während Nguyêns Gitarre sich wie eine Stimme anhörte. Die Sängerin brachte Elemente aus ihrer Zeit als Backgroundsängerin einer senegalesischen Gruppe ein; Hendrix hatte gewiss nie so etwas gehört, aber es hätte ihm wohl gefallen. Dazu ein Bassist aus Frankreich und ein Schlagzeuger aus Ungarn–voilà, fertig war das Kunstwerk.
Original-Songs angedeutet
Die vier Musiker spielten zwei volle Stunden und brachten es dabei inklusive Zugaben auf sieben Stücke. Zwischen Improvisationen, Soli, verzerrten Akkorden und Verzierungen drangen mehrmals einige Tunes und Riffs hervor, wel- che die Original-Songs verrieten: «Sunshine of Your Love» von Cream, «Gypsy Eyes», «I don’t Leave Today», «Voodoo Child.» Für anderes wie «Hey Joe» oder «All along the Watchtower» fehlte schlicht die Zeit, gerne aber hätte man von Nguyên Lê die amerikanische Nationalhymne Star-Spangled Banner gehört, wie sie Hendrix in Woodstock auf so einmalige Weise als Protest gegen Vietnam spielte. Aber dazu gehören ein Zeitgeist und die politische Dimension. Nguyên Lê beschränkte sich auf die musikalische Virtuosität.
Festival: Eine Vielfalt wie noch nie
D as 27. Internationale Gitarrenfestival Freiburg ging am Samstag mit einem Flamenco-Abend zu Ende. «Noch nie hatten wir so viel Qualität und Vielfalt», zog der künstlerische Leiter Dominique Phillot Bilanz. Klassisch, zeitgenössisch, japanisches Ethno, Chanson, Flamenco und Jazz-Rock waren auf den drei Bühnen im Espace Jean Tinguely, der Johanniter-Kirche und im Spirale zu hören. Alles oder nichts – so fiel die Bilanz publikumsmässig aus. Während beim Jimi-Hendrix-Abend das Spirale voll war, hatten andere Konzerte mehr Mühe, ihr Publikum zu finden. Der klassische Abend, zum Beispiel: «Klassik wird selten mit Gitarre in Verbindung gebracht», so Phillot. Umso mehr sieht er die Mission des Festivals, diese Musik zum Entdecken anzubieten. uh