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Die morgendlichen Züge in Tokio sind wochentags hoffnungslos überlastet. Das Verkehrsministerium führt sogar genau Statistik über die Auslastung der einzelnen Verbindungen. Dabei zeigt sich: Die Kapazitätsgrenze wird regelmässig bei weitem überschritten. Gleich 11 Bahnlinien in Tokio haben in der Rushhour eine Auslastung von über 180 Prozent. Spitzenreiterin ist die Tōzai-Metro-Linie mit unglaublichen 199 Prozent. Damit benutzen morgens doppelt so viele Menschen diesen Zug als eigentlich vorgesehen ist. Die Linie durchquert die gesamte Stadt von Nakano über Ōtemachi und Nihonbashi bis nach Nishi-Funabashi. An zweiter Stelle liegt die JR-Chūō-Sōbu-Linie (197 Prozent), die von Mitaka im Westen von Tokio bis nach Chiba im Osten von Tokio fährt. Auf dem dritten Platz folgt JR-Yokosuka-Linie (196 Prozent, Tokio – Yokohama – Kamakura).
In Tokio liegt die durchschnittliche Auslastungsrate in der morgendlichen Rushhour bei 163 Prozent. Im Vergleich dazu hat man in Osaka (125 Prozent) und in Nagoya (131 Prozent) ein bisschen mehr Bewegungsfreiheit. Die Hauptbelastungszeit ist je nach Strecke unterschiedlich. Auf der Tōzai-Linie (199%) ist dies beispielsweise zwischen 7:50 und 8:50 Uhr der Fall. Auf der Chūō-Sōbu-Linie (197%) wird es zwischen 7:34 und 8:34 Uhr und auf der Yokosuka-Linie (196%) zwischen 7:26 und 8:26 Uhr richtig eng. Allgemein kann man sagen, dass in Tokio von 7:30 bis 9:00 Uhr Rushhour ist. Als Tourist sollte man diese 90 Minuten wenn möglich meiden. Denn in den Zeiträumen kurz davor und kurz danach geht die Zugauslastung bereits spürbar zurück. Auf der Tōzai-Linie liegt sie beispielsweise zwischen 6:50 und 7:50 Uhr bei 157 Prozent und von 8:50 bis 9:50 Uhr bei 130 Prozent.
Was bedeutet eine Auslastung von 100 Prozent?
In Japan erreicht ein Zug eine Auslastung von 100 Prozent, wenn alle Sitzplätze, Halteschlaufen und Haltestangen besetzt sind. In diesem Fall gibt es für alle noch genug Platz. Das Verkehrsministerium hat dies visuell dargestellt. 150 Prozent werden als ein Zustand beschrieben, bei dem man die Zeitung noch öffnen und lesen kann. Bei 180 Prozent müsste man die Zeitung für die Lektüre jedoch klein zusammenfalten. Bei 200 Prozent berühren sich die Körper der Passagiere. Ein kleines Wochenmagazin sei gerade noch irgendwie lesbar, wird hier sogar behauptet. 250 Prozent ist schliesslich eine fast unerträgliche Auslastung. Hierbei können sich die Passagiere nicht mehr bewegen.
Dabei gibt es durchaus eine gute Nachricht zu vermelden. Denn in Tokio gab es weitaus schlimmere Zeiten. Noch 1975 lag die durchschnittliche Auslastung bei unglaublichen 221 Prozent. Seither ist dieser Wert von Jahr zu Jahr zurückgegangen auf heute 163 Prozent.