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Mitten in die Proteste in Hongkong platzt diese Nachricht aus einer anderen chinesischen Unruheregion: Der Dalai Lama plant eine Pilgerreise nach China und führt darüber offenbar informelle Gespräche mit der Führung in Peking. Sollte es dazu kommen, würde das geistliche Oberhaupt der Tibeter erstmals nach über einem halben Jahrhundert im Exil chinesischen Boden betreten.
Der Dalai Lama hegt seit langem die Absicht, den für Buddhisten heiligen chinesischen Berg Wutai zu besuchen, wo sich über 50 Kloster befinden. «Es ist nicht unter Dach und Fach, noch nicht, aber die Idee ist da», sagte der 79-Jährige am Donnerstag im indischen Dharamsala. «Chinesische Regierungsvertreter, darunter der stellvertretende Parteisekretär in der autonomen Region Tibet, haben die Möglichkeit eines solchen Besuchs erwähnt.»
Ob die Führung in Peking ausgerechnet jetzt einem solchen Vorhaben zustimmen würde, darf bezweifelt werden. Nachdem sie bereits in Hongkong unter Druck steht, könnte ein derart radikaler Kurswechsel in der Tibetfrage auch andernorts Begehrlichkeiten wecken, zum Beispiel in der Unruheprovinz Xinjiang, wo die Uiguren nach mehr Autonomie streben.
«Ich sehe keine Anzeichen, dass Peking seine Haltung gegenüber Tibet und dem Dalai Lama ändern wird», sagt auch Lian Xiangmin vom Forschungszentrum für Tibetologie in Peking gegenüber AFP. Er vermutet, der Dalai Lama wolle mit seiner Aussage international Aufmerksamkeit erzeugen und Peking in der Tibetfrage so unter Druck setzen.
Der Dalai Lama hatte den chinesischen Staatschef Xi Jinping kürzlich als «aufgeschlossener» als seine Vorgänger bezeichnet, weil er über die Bedeutung des Buddhismus in der chinesischen Gesellschaft gesprochen hatte. Xis Vater und der Dalai Lama kannten sich gut. Der 2002 verstorbene Xi Zhongxun galt als Befürworter weitgehender Autonomie für die ethnischen Minderheiten Chinas. Als das Oberhaupt der Tibeter 1954 Peking besuchte, schenkte er Xi Zhongxun eine Uhr, welche dieser noch Jahrzehnte später trug.