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Schloss Oberhausen
Man sieht es auf den ersten Blick: wir haben es hier nicht mit einer währschaften Burg zu tun. Früher war das Schlossgelände zwar mit einer bescheidenen Mauer umgeben, aber diese wurde zusammen mit einem Torturm im Jahre 1871 abgerissen. Es war Arbeitsbeschaffung für die in Marthalen einquartierten Bourbaki-Soldaten, den Angehörigen einer geschlagenen und in die Schweiz übergetretenen französischen Armee.
Das sich über die in Richtung Andelfingen führende Oberdorfstrasse erhebende Schloss – seine Anfänge reichen ins 15. Jahrhundert zurück – hat seit jeher friedlichen Zwecken gedient. Dreihundert Jahre lang war es Sommersitz schaffhausischer Patrizier, vor allem der „Peyer mit dem Weggen“. Diese Herrschaften genossen den köstlichen Tropfen aus dem nahen, von einem eigenen Rebmeister betreuten Weinberg und pflegten gute Beziehungen zur hiesigen Bevölkerung. Allerhand geschenkte Kunstobjekte in der Marthaler Kirche zeugen davon. Sie waren ja Privatleute und keine Bussen verteilenden Gerichtsvögte.
Im 18. Jahrhundert kaufte ein Spross des reichen Marthaler Geschlechtes Toggenburger das treppengiebelgeschmückte und über einen stattlichen Trottenanbau verfügende Herrenhaus. Anno 1880, also während der gefährlichen Franzosen- und Russenzeit, suchte eine aus der Stadt Zürich stammende Toggenburgersche Bekannte Unterschlupf im Schloss. Sie gebar hier – am Heiligabend – ein Söhnchen namens Ferdinand Keller, das später zum Begründer der schweizerischen Altertumsforschung und zum Entdecker der von ihm erstmals benannten Pfahlbauer wurde. Privatbesitz.
Im 19. Jahrhundert wechselt das Schloss Oberhausen mehrmals den Besitzer. Seit zwei Jahren gehört es der Auslandschweizerfamilie Wehrli, die sich ums Renovieren der teilweise noch erhaltenden historischen Gemächer bemüht.