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Der Sommer ist jetzt also wirklich vorbei. Endlich. Dauerregen im Herbst ist einfach Herbst, aber Dauerregen im Sommer ist nur Wasserverschwendung. Da macht man am besten schnell noch ein paar richtig schöne und gemütliche Velotouren, denn, ich sag das ungern, der Winter steht vor der Tür. Siehe weiter unten.
Vor etwa fünfunddreissig Jahren habe ich mein erstes MAD gelesen. Ich habe überhaupt nichts begriffen, aber die verschiedenen Rubriken wie Spion&Spion, die Filmverarschung oder das Faltbild in der hinteren Umschlagseite haben sich mir dauerhaft eingeprägt. Und natürlich die Rubrik „Du weißt…“ („Du weißt, dass dein Kind auf die schiefe Bahn geraten ist, wenn es pünktlich jeden Freitag Taschengeld kassiert – und zwar von allen Kindern in der Nachbarschaft.“). Und nun ist es Zeit, das mal selber zu versuchen.
Räusper.
Jetzt, wo die Tage schnell kürzer werden, gehen dir als Velofahrer einige Lichter auf (Wortspiel zum Einstieg! Schon mal gut, was?). Du weisst, es ist Spätherbst, wenn
- du zu Beginn einer Tour frierst wie eine Antilope in der Arktis, ab der Mitte schwitzt wie ein Eisbär in der Kalahari und am Ende riechst wie ein Iltis in der Brunftzeit.
- du während einer halben Stunde Velofahren mehr Flüssigkeit durch die Nase als durch Rücken und Kopf verlierst.
- du jede dunkle Stelle auf der Strasse für eine lebensgefährliche Eisfläche hältst.
- harmlos aussehende Schatten auf dem Radweg lebensgefährlich rutschige feuchte Stellen sind.
- an einem wolkenlosen Morgen nach einer wolkenlosen Nacht die Strassen voller Streusalz sind, weil irgendwo ein paar Quadratmeter Raureif gesichtet wurden.
- du zum Anziehen für die Fahrt ins Büro mehr Zeit benötigst als für den ganzen Arbeitsweg, sich das ganze aber trotzdem mehr als lohnt.
- du dich freiwillig als amerikanischer Christbaum verkleidest, nur damit du nicht von einem telefonierenden Autofahrer in der Dämmerung totgefahren wirst.
- du, ganz allein auf dem schönsten Radweg weit und breit, dich fragst, ob du vielleicht als einziger den Atombombenalarm nicht gehört hast.
- der Radweg zu einer Schlammpiste wird, weil die Bauern die angrenzenden Felder für den Winter bereit machen und ihre Traktoren auf dem Radweg wenden.
- du nach der Dämmerung heil mit dem Rad zu Hause ankommst und plötzlich das dringende Verlangen verspürst, dich bei allen möglichen Mächten mit einem Gebet dafür zu bedanken
- du auf dem Trail die Umgebung siehst, weil die Bäume kein Laub mehr tragen.
- du auf dem Trail Blöcke und Wurzeln nicht siehst, weil sie unter einer knietiefen Schicht Laub liegen.
- alle Gümmeler-Freunde, die du anrufst, absagen für eine gemeinsame Ausfahrt an einem warmen Sonntagnachmittag, weil sie ihre Rennmaschine grundsätzlich Ende September einwintern.
- du plötzlich Zeit hast, all die Velo-Zeitschriften zu lesen, die sich das Jahr über angesammelt haben, bloss, um festzustellen, dass Du mit den Materialtests schon im Juni nichts hättest anfangen können, weil Du sowieso kein Rad aus dem „Megatest: 29er-Carbon-Race-Fullies mit mehr als 120 mm Federweg bis 2899 Euro“ hättest kaufen wollen.
Schönen Herbst auch! (Raschelraschel.)