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Ein verbreiteter Ratschlag lautet: Wenn du bessere Laune bekommen willst, lächle!
In Wahrheit ist es ein wenig komplizierter: Da wir Lächeln normalerweise mit Fröhlichkeit verbinden, hat es – selbst wenn wir gerade nicht gut drauf sind – oft den Effekt, dass wir uns dann besser fühlen. Allerdings bringen uns auch andere Gefühle zum Lächeln: zum Beispiel Unsicherheit oder Angst. Die Betreffenden versuchen, mit einem Lächeln ihre negativen Gefühle zu überspielen. Beide Formen - das «reaktive» Lächeln (erst kommt das Gefühl der Freude, als Reaktion darauf lächeln wir) und das «proaktive» (Lächeln soll negative Gefühle abmildern) – müssen wir also unterscheiden. Manche Menschen verwenden eher reaktives Lächeln, andere eher proaktives. Je nachdem kann das Lächeln unterschiedlich wirken, wie eine Studie von 2014 ergab. Die Forscher teilten Probanden in zwei Gruppen ein. Der ersten wurde erklärt, Menschen lächeln meist reaktiv, also wenn sie bereits glücklich sind. Die anderen machte man dagegen glauben, Lächeln diene eher proaktiv dazu, negative Emotionen zu überspielen. Das Experiment bestand nun darin, dass sich eine Hälfte der Probanden einen Stift zwischen die Zähne klemmte, ohne ihn mit den Lippen zu berühren. Das aktiviert die Gesichtsmuskulatur und die Betreffenden simulieren ein Lächeln. Die andere Hälfte der Teilnehmer sollte den Stift mit den Lippen festhalten, was die Lächelmuskulatur stilllegt. Dies wiederholten die Personen jeweils zehnmal. Nach der Übung fragte man alle, wie zufrieden sie mit ihrem Leben seien. Menschen, denen gesagt worden war, Lächeln sie ein Zeichen von Freude, fühlten sich danach im Schnitt besser. Wem hingegen die proaktive Funktion des Lächelns vermittelt worden war, gab meist höhere Zufriedenheitswerte an, wenn er nicht gelächelt hatte, sondern den Stift zwischen die Lippen gepresst hielt.
Lächeln macht offenbar nur dann fröhlicher, wenn man an die Verbindung zwischen echter Freude und Lächeln glaubt. Wer eher aus Verlegenheit oder Traurigkeit lächelt, bei dem wirkt es nicht unbedingt.
Merke: Lächeln muss auf bestimmte Weise interpretiert werden, damit es den gewünschten Effekt erzielt.
Auszug aus dem Magazin «Gehirn und Geist» 04/2021
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