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LÉGENDE
An der Entwicklung der modernen Harfe war maßgeblich der französische Instrumentenbauer Sébastien Érard beteiligt. Er hatte 1810 das Patent für die vollchromatische Doppelpedalharfe erhalten. Mit sieben Pedalen und einer ausgetüftelten Mechanik war es nun erstmals möglich, die Saitenlängen zu verändern und somit jeden Ton um bis zu zwei Halbtöne zu erhöhen. Dadurch konnten Harfenisten alle Tonarten problemlos spielen, ohne ihr Instrument umstimmen zu müssen. Diese neuen Möglichkeiten haben Komponisten wie Richard Wagner, Gustav Mahler und Claude Debussy genutzt und die Harfe als Orchesterinstrument etabliert. Hector Berlioz hat in seiner 1844 veröffentlichten „Großen Abhandlung moderner Instrumentation und Orchestrierung“ sogar gefordert, die Harfe im Orchester niemals hinten zu platzieren.
Auch als Solo-Instrument der klassischen Musik rückte die Harfe wieder mehr in den Vordergrund. Daran hatte die Französin Henriette Renié (1875 – 1956) einen wesentlichen Anteil. Mit ihrem äußerst virtuosen Harfenspiel, eigenen Kompositionen und Bearbeitungen fremder Stücke hat sie die Musik für Solo-Harfe zu Beginn des 20. Jahrhunderts entscheidend geprägt und andere Komponisten (darunter Claude Debussy und Maurice Ravel) dazu angeregt, Werke für Harfe zu schreiben. Sie war außerdem eine gefragte Pädagogin mit vielen erfolgreichen Schülern und hat 1914 den ersten internationalen Harfenwettbewerb, den „Concours Renié“ ins Leben gerufen
In ihren Werken hat sich Henriette Renié oft mit fantastischen Sujets beschäftigt. So auch in der Légende d‘après «Les Elfes» de Leconte de Lisle, die sie 1901 nach einem Gedicht des französischen Autors Leconte de Lisle geschrieben hat. Darin reitet ein schwarzer Ritter nachts durch den Wald auf der Suche nach seiner Braut. Er begegnet bösartigen Elfen, die ihn verführen wollen. Als ihnen das nicht gelingt, töten sie die Verlobte des Ritters. Daraufhin stirbt auch der Ritter - aus Verzweiflung und Liebe. Die Légende beginnt demonstrativ mit dem tiefsten Ton auf der Harfe, der auch in den nächsten Takten immer wieder wie eine eindringliche Mahnung auftaucht, gefolgt von einer prägnanten Tonreihe im Unisono. Sie sind Ausgangspunkt einer teils tonmalerischen Programmatik, in der das Galoppieren des Pferdes und die flinken Bewegungen der Elfen genauso zu hören sind wie die unheimliche Atmosphäre des dunklen Waldes, die Heimtücke der Elfen und das Verlöschen des Lebens. In den letzten Takten ist wieder der tiefe Ton präsent; dieses Mal verkündet er wie eine Totenglocke das tragische Ende. In der Légende hat Henriette Renié den klanglichen Kosmos der Harfe enorm erweitert und dafür meisterhaft alle Möglichkeiten des Instrumentes genutzt. Bemerkenswert sind ihre präzisen Spielanweisungen und die großen spieltechnische Herausforderungen für den Interpreten.
Auch ihr virtuoser Danse des lutins (Tanz der Kobolde, 1911 komponiert) führt uns in eine Fantasiewelt: Kobolde springen hin und her, schlagen Purzelbäume, halten plötzlich inne und nehmen dann ihren lustigen Tanz wieder auf. Hier muss der Harfenist nicht nur flinke Finger, sondern auch sehr flinke Füße haben, um mit den Pedalen schnelle aufeinander folgende Harmoniewechsel zu bewerkstelligen. Der Danse des lutins erinnert an den Gnomenreigen von Franz Liszt, der Henriette Renié beeinflusst hat. Einige seiner Klavierstücke hat sie für Harfe transkribiert, darunter auch Le Rossignol (Die Nachtigall). Ein Stück, das Franz Liszt wiederum nach dem gleichnamigen Lied des russischen Komponisten Alexander Aljabjew geschrieben hat. [..]
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JOEL VON LERBER
Joel von Lerber wurde 1991 in Basel, Schweiz geboren. Im Alter von sechs Jahren erhielt er den ersten Harfenunterricht am Konservatorium in Bern bei Nathalie Châtelain und in den darauf folgenden Jahren bei Simon Bilger. Auf das Bachelor-Studium bei Sarah O‘Brien folgten 2014 der Master of Arts (Performance) bei Sarah O‘Brien an der Zürcher Hochschule der Künste und 2016 der Master of Music bei Prof. Maria Graf an der Berliner Hochschule für Musik Hanns Eisler. 2019 schloss er das Konzertexamen ebenfalls bei Prof. Maria Graf ab: das Examenskonzert im Konzerthaus Berlin, das er „mit Auszeichnung“ absolviert hat, war gleichzeitig sein Debüt beim Berliner Konzerthausorchester. Künstlerische Anregungen erhielt Joel auch in Meisterkursen, u.a. bei Helga Storck, Isabelle Moretti, Jana Boušková, Xavier de Maistre und bei dem Pianisten Pavlin Nechev. Joel wurde mit verschiedenen Stipendien unterstützt, unter anderem vom DAAD und vom Migros-Kulturprozent.
Joel ist Preisträger zahlreicher internationaler Wettbewerbe, z.B. des Internationalen Harfenwettbewerbs der Franz Josef Reinl-Stiftung in München (2011, 1. Preis), des Internationalen Louis-Spohr-Wettbewerbs in Kassel (2013, 1. Preis und Publikumspreis), des Golden Harp Competition in St. Petersburg (2014, 3. Preis), des Michal Spisak International Music Competition in Polen (2015, 2. Preis und Spezialpreis), des International Harp Competition in Mexiko (2017, 2. Preis) und des renommierten International Harp Contest in Israel (2018, 2. Preis und zwei Spezialpreise für die beste Interpretation).
Als Solist konzertiert Joel von Lerber regelmäßig in der Schweiz und in Deutschland, z.B. mit dem Berner Kammerorchester, dem Orchestre de Chambre Fribourgeois, der Kammerphilharmonie Graubünden, dem Konzerthausorchester Berlin, dem Philharmonischen Orchester Vorpommern und dem Filmorchester Babelsberg. Weitere Auftritte hatte er unter anderem mit dem State Hermitage Orchestra in St. Petersburg, dem Mexico City Symphony Orchestra in Mexico City, der Filharmonia Zabrzanksa in Polen und dem Haifa Symphony Orchestra in Israel sowie mit dem Brandenburgischen Staatsorchester.
joelvonlerber.com
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