Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03191.jsonl.gz/301

Sie wollen auf einen höheren Berggipfel steigen? Dann wäre es sinnvoll, sich über Höhenkrankheiten zu informieren. Ab einer Höhe von über 2‘500 Metern können möglicherweise Beschwerden auftreten. Es gibt mehrere Möglichkeiten zur Behandlung von Höhenkrankheiten. Dazu gehören Verhaltensmassnahmen und der Einsatz von Medikamenten.
Als Höhenkrankheiten bezeichnet man verschiedene Formen von unerwünschten gesundheitlichen Auswirkungen, die durch den niedrigen Luftdruck und den Sauerstoffmangel beim Aufenhalt in der Höhe verursacht werden. Wenn Personen, die im Unterland leben, rasch auf über 2‘000 Meter über Meer steigen, zeigen sich akute Höhenkrankheiten, die unterschieden werden können. Chronische Höhenkrankheiten können bei Bewohnerinnen und Bewohnern von Hochlandregionen auf über 3‘000 m in Südamerika und Asien auftreten.
Die häufigste Form von akuten Höhenkrankheiten ist die akute Bergkrankheit. Sie betrifft ca. 50% der Personen, die innert weniger Stunden vom Tiefland auf über 3‘000 m aufsteigen. Wesentlich seltener sind das Höhenhirnoedem und das Höhenlungenoedem.
Die Ursache der Höhenkrankheiten ist der niedrige Sauerstoffgehalt (Sauerstoffpartialdruck) in der Höhenluft. Je höher Sie steigen, desto niedriger ist dieser, und desto weniger Sauerstoff kann mit der Atmung ins Blut aufgenommen werden. Dadurch entsteht eine sogenannte Hypoxämie, ein Sauerstoffmangel im Blut. Lunge und Herz versuchen den Mangel auszugleichen, in dem die Atmungs- und Herzfrequenz erhöht werden.
Nicht jeder wird beim Aufsteigen höhenkrank.
Risikofaktoren für akute Höhenkrankheiten sind:
Typischerweise beginnt die leichte Form der akuten Bergkrankheit etwa vier bis sechs Stunden nach dem Aufstieg mit Kopfschmerzen. Weitere Beschwerden sind Schwindel, Reduzierung der Leistungsfähigkeit, Übelkeit und Erbrechen, Herzrasen, leichte Atemnot, Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit. Dieses Krankheitsbild wird auch AMS (,,acute mountain sickness‘‘) genannt. Werden diese Symptome ignoriert, kann es zu riskanten Komplikationen kommen: zu einem Höhenhirnödem.
Die Gefahr eines Hirnödems besteht, wenn Sie sich – trotz erster, milder Symptome der Höhenkrankheit – weiterhin auf 4‘000 Meter oder höher aufhalten. Der langanhaltende und ausgeprägte Sauerstoffmangel im Blut führt zum erhöhten Blutfluss im Gehirn, so dass der Hirndruck steigt. Es bildet sich eine Wasseransammlung im Gehirngewebe, was als Hirnoedem bezeichnet wird. Ein Höhenhirnödem äussert sich durch:
Ohne medizinische Behandlung führt ein Höhenhirnödem zu Koma und Tod.
Bei auf Sauerstoffmangel empfindlichen Personen kann in Höhen über 3‘500 m ein Höhenlungenödem entstehen. Dabei kommt es zu Gefässverengung und zu einem Blutdruckanstieg in der Lunge. Schliesslich tritt Flüssigkeit ins Lungengewebe und in die Lungenbläschen aus, was die Sauerstoffaufnahme massiv beeinträchtigt. Nach 48 bis 72 Stunden äussert sich ein Höhenlungenödem durch
Chronische Höhenkrankheiten können bei Bewohnerinnen und Bewohnern von Hochlandregionen auf über 3‘000 m in Südamerika und Asien auftreten. In Europa ist die Gefahr an einer chronischen Höhenkrankheit zu leiden minimal, weil auch die höchsten permanenten Siedlungen und Wohnorte unterhalb 3‘000 m liegen.
Zur Diagnose der Höhenkrankheit ist das Lake Louise Scoring System (LLSS) hilfreich. Es wurde für die Bewertung der Symptome bei Erwachsenen mit einer akuten Höhenkrankheit entwickelt. Während des Aufenthalts auf dem Berg kann mit Hilfe des Fragebogens eine Selbstbewertung durchgeführt werden. Darüber hinaus kann die arterielle Sauerstoffsättigung mit einem Pulsoximeter gemessen werden.
Die Diagnose einer akuten Höhenkrankheit basiert auf die folgenden Kriterien:
Schlafstörungen sind bei einem Höhenaufenthalt häufig aber in der Regel harmlos und sie werden nicht mehr als Teil der akuten Bergkranheit angesehen. Eine Gesamtpunktzahl von drei bis fünf im Lake Louise Fragebogen deutet auf eine milde akute Bergkrankheit hin. Eine Punktzahl von sechs oder mehr deutet auf eine schwere akute Bergkrankheit.
Die beste Methode eine Höhenkrankheit zu vermeiden ist der langsame Aufstieg. So kann sich der Körper allmählich an den Sauerstoffmangel anpassen, was Akklimatiksation genannt wird. Ab 3‘000 Metern sollten Sie nicht mehr als 300 bis 500 weitere Höhenmeter pro Tag aufsteigen. Wählen Sie einen möglichst niedrigen Schlafplatz und nehmen Sie sich Zeit, um auszuschlafen. Genügend Erholung ist für den Körper in diesen Höhen wichtig. Während der Anpassungsphase sollten Sie sich nicht zu sehr anstrengen. Trinken Sie viel Wasser und möglichst keinen Alkohol.
Etwas Training vor dem Hauptaufstieg hilft Ihnen zusätzlich, sich an die Höhenluft anzupassen: Kurze Touren in mittleren Höhen über drei Monate verteilt, erleichtern Ihrem Körper die spätere Anstrengung in großen Höhen.
Mit Höhen über 3‘000 Meter sollten Sie vorsichtig sein:
Falls Sie schon einmal eine Höhenkrankheit hatten oder sie dafür anfällig sind, verschreiben wir Ihnen eventuell Medikamente, die Sie vorbeugend einnehmen können.
Eine medikamentöse Prophylaxe ist eventuell ebenfalls sinnvoll, wenn Sie keine Möglichkeit eines langsamen Aufstieges oder einer genügenden Angewöhnung an die Höhe haben. Folgende Wirkstoffe bieten sich an:
Die Prognose von milden Höhenkrankheiten ist sehr gut, insbesondere, wenn Sie rechtzeitig wieder mit dem Abstieg beginnen. Die schweren Formen und Komplikationen können jedoch lebensbedrohlich sein!
Wir an der Klinik für Pneumologie befassen uns seit Jahren mit den Auswirkungen der Höhenaufenthalte auf gesunde Personen, sowie Patientinnen und Patienten mit kardiopulmonalen Vorerkrankungen. Zudem haben wir auf diesem Gebiet schon sehr viele wissenschaftliche Studien durchgeführt und Patientinnen sowie Patienten betreut. Wir haben in diesem Bereich eine enge Zusammenarbeit in Forschung und Klinik mit Kirgistan und anderen Forschungsgruppen weltweit. Wir beraten Sie gerne!
Die wichtigstes Massnahme zur Behandlung der akuten Höhenkrankheit ist das sofortige Absteigen um mindestens 1‘000 Meter – das gilt insbesondere für betroffene Personen mit ernsten Symptomen. Dieser Abstieg kann lebensrettend sein! Ist das nicht möglich, zum Beispiel, weil das Wetter schlecht ist oder es andere logistische Probleme gibt, muss vor Ort behandelt werden. Primäres Ziel ist die Verbesserung der Sauerstoffzufuhr mit der Gabe von Sauerstoff oder durch die Erhöhung des atmosphärischen Druckes in speziellen Drucksäcken.
Folgende Medikamente sind zur Behandlung der akuten Bergkrankheit hilfreich:
Sollten Sie chronische Erkrankungen haben und dauerhaft Medikamente einnehmen, besprechen Sie mit uns, ob wir Ihnen die Reise empfehlen können. Mangelnde Leistungsfähigkeit können wir mithilfe einer Spiroergometrie beurteilen. Dieses diagnostische Verfahren misst unter anderem Atemgase und Atemfrequenz während einer körperlichen Belastung. So lässt sich die Reaktion von Herz, Kreislauf, Lunge und Stoffwechsel beurteilen.
Informieren Sie sich über die Symptome der Höhenkrankheit und achten Sie auf die entsprechenden Symptome während der Reise. Wenn Sie zum ersten Mal an einen Ort reisen, der sich auf über 3‘000 Metern befindet, informieren Sie sich auch über
Melden Sie Sich direkt bei der Klinik für Pneumologie für einen Höhentest an.
Weisen Sie Ihre Patientin oder Ihren Patienten einfach online zu.