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1964
Hände gebunden: Brief an Kim Kent
... den Herausgeber des dänischen amigo
Eine der neuen Zeitschriften hiess amigo und wurde von Kim Kent in Kopenhagen auch mit zusätzlichen deutschen Texten herausgegeben, nebst seinem rein dänischen Heft eos. Im Nachlass Eugen Laubacher / Charles Welti fand sich die Kopie eines Briefes, den Karl Meier / Rolf am 10. Mai 1964 an den "Chef-Editor Kim Kent" geschrieben hatte (Unterstreichungen von "Rolf"):
"Lieber Mr. Kent
Gestern sandte ich Ihnen die Mitteilung, dass der Umschlag [...], der zwei Exemplare von amigo Nr. 23 enthielt1, von der Bundesanwaltschaft in Bern beschlagnahmt worden ist. Heute bin ich endlich dazugekommen, die deutschsprachigen Beiträge zu lesen: 'Besiegter Sieger' von Jack Argo [Johannes Werres] und das Gedicht 'Nach einem Sportfest' von Eberhard Schoeppner.
Ich glaube, dass die Beschlagnahme [...] nicht einmal so sehr wegen der Aktaufnahmen, sondern wegen diesen [...] Beiträgen geschehen ist. [...] Es handelt sich in beiden Fällen um ein Jungenalter, das in der Schweiz noch unter den Passus der Minderjährigkeit fällt, beim Gedicht sogar unter das Kinderschutzalter. Auf die geschilderte Attacke auf den Jungen steht in der Schweiz mehrjähriges Gefängnis!!
Es ist mir bewusst, dass nach den wissenschaftlichen Feststellungen der heutige Junge nicht mehr zu den schutzbedürftigen Kindern gerechnet werden kann - darum kümmert sich aber der schweizerische Richter in keiner Weise, sondern verurteilt nach dem geltenden Gesetz - und die Presse ist voll von der Forderung nach einer Verschärfung des Gesetzes, sobald ein derartiger Fall bekannt wird. Und wer solche Dinge als Gegebenheit im Leben vertritt - und mag es wie hier in durchaus künstlerischer Form geschehen - macht sich ebenfalls strafbar.
Aus diesem Grunde muss ich Sie leider bitten, lieber Herr Kent, ab sofort von jeder weiteren Zusendung des amigo, sei es an mich oder an das Postfach des KREIS abzusehen. Ich darf weder den KREIS mit seinem Adressenmaterial noch mich selbst der Gefahr aussetzen, in irgend eine Untersuchung dieser Art hineingezogen zu werden. [...] Durch eine zuverlässige Quelle weiss ich, dass in der Schweiz - wie in Deutschland - das Postgeheimnis längst nicht mehr gewährleistet ist [...].
Selbstverständlich soll das alles unsere gegenseitige absolut kameradschaftliche Haltung in keiner Weise etwa vermindern [...]. Ihre Monarchie mit ihrem aufgeschlossenen Königshaus ist also weit grosszügiger und wirklichkeitsnäher als die republikanische Schweiz.
Für Ihre weitere Arbeit alles Schöne und Gute! Die Belegexemplare des 'Kreis' erhalten Sie selbstverständlich weiterhin. [...]
Mit kameradschaftlichen Grüssen, Ihr sorgenreicher Rolf"
Ernst Ostertag, Januar 2006
Anmerkungen
- 1
offenbar wurden die beiden oder nur eines der Hefte für den KREIS wieder freigegeben