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Museum der Jurassischen Truppen
Der "Espace Muséal des Troupes Jurassiennes" ist ein Teil des Museums von St-Imier. Darin wird die bewegte Geschichte der Truppen des Berner Juras gezeigt. Dank dem grossen Engagement von Walter von Känel werden neben diversen Ausstellungsobjekten 29 Soldaten gezeigt: vorwiegend Infanteristen ab dem 14. Jahrhundert bis heute, die mit dem Gebiet des heutigen Kanton Juras verbunden sind.
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Mit dem Versuch, die Uniformen der jungen Schweizerischen Armee zu vereinheitlichen, wurde 1852 auch der Tornister festgelegt. Im "Reglement über die Bekleidung, Bewaffnung und Ausrüstung des Bundesheeres" wurde der Tornister detailliert beschrieben. Da es von diesen Tornistern im Originalzustand nur noch eine handvoll gibt, haben wir eine Kopie gefertigt.
Das erste Bild zeigt eines der beiden Kalbsfelle welche dafür verwendet wurden. Auf dem zweiten und dritten Bild ist die Entstehung der verzinnten Schnallen zu sehen. Als Leder für die Riemen wurde hier wiederum sämisch gegerbtes Hirschleder verwendet. Früher wurde dafür sämisch gegerbtes Rindsleder verwendet. Dafür konnten wir leider auch nach langer Suche keinen Lieferanten mehr finden. Das Hirschleder kommt jedoch optisch sehr nahe an das Original, erst recht nachdem es geweisselt wurde. Das vierte Bild zeigt den flach ausgelegten Tornister. Er wird nun mit Holz verstärkt, mit Ziegenleder eingefasst und zusammengenäht.
Die vier letzten Bilder zeigen den fertigen Tornister, inkl. Kaput- und Packriemen. Sämtliche Riemen werden noch geweisselt.
Als nächstes werden wir nun das Nachfolgemodell - den Tornister 1861 anfertigen. Er ist identisch aufgebaut, allerdings mit schwarzem Rinds- und Ziegenleder.
Nun ist ein weiteres Prachtstück fertig geworden: Der Tschako des Berner Füsiliers nach Vorschrift von 1829.
Hier einige Bilder aus der Produktion - vom Filztubus bis zum fertigen Tschako.
Für die Figur eines Musketiers um 1640 haben wir ein paar genähte Stoffstrümpfe hergestellt. Diese waren damals günstiger als gestrickte Strümpfe, und daher entsprechend verbreitet. Der Wollstoff ist krappgefärbt und die Strümpfe sind von Hand genäht.
Im Fall der ersten Figur mit welcher wir begonnen haben, war es relativ leicht die Uniform und Ausstattung authentisch zu kopieren. Im historischen Museum Bern gibt es noch ein paar wenige Originalteile. Zudem ist im Reglement für die Berner Miliz von 1829 neben detaillierten Massangaben sogar eine Schnittzeichnung für den Uniformfrack zu finden. Die Massangaben sind teilweise im Berner Fuss, teilweise im Pariser Fuss angegeben, müssen also richtig umgerechnet werden. Wir haben uns dafür ein kleines Tool eingerichtet: Fussumrechner
Je weiter man jedoch zurück geht, desto weniger offizielle Angaben findet man. Im gedruckten Reglement für die Bieler Miliz von 1770 findet sich neben einigen farblichen Details der Hinweis, der Schnitt solle wie beim Eptinger Regiment sein. Damit ist das Schweizer Regiment in französischen Diensten gemeint. Hier helfen also die schon ab Mitte 18. Jahrhundert relativ detaillierten französischen Ordonnanzen. Im Gegensatz zur Schweiz wurde damals in Frankreich aber auch in anderen Ländern schon darauf geachtet, dass alle Uniformierten einheitlich daher kommen. Aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gibt es auch in der Schweiz noch einige Originale. Bei den meisten davon handelt es sich jedoch um Offiziersuniformen, welche aufwendiger und eleganter hergestellt wurden.
Bei der Miliz von Delémont um 1740 wird es schon schwieriger. Hier konnten wir im Archiv des ehemaligen Fürstbistum Basel unter anderem eine Zusammenstellung der Kosten aus dem Jahre 1730 finden, welche die Stoffarten, Farben und Preise auflistet. In solchen Rechnungsbüchern findet man oft die detailliertesten Angaben. Neben der Schwierigkeit mit der Umrechnung von Massen und Währungen kommt hier auch noch die Schrift dazu. Im Gegensatz zu gedruckten Reglementen sind deutschsprachige handschriftlichen Dokumente in Kurrent-Schrift verfasst. Hier hilft kein Online-Tool. Es muss Wort für Wort übersetzt werden, was je nach Handschrift auch mal etwas dauern kann.
Gehen wir noch weiter zurück, gibt es gar keine schriftlichen Vorgaben und in den nur noch Fragmente von Kleidungsstücken. mehr. Dies liegt daran, dass man in den meisten Ländern erst nach dem dreissigjährigen Krieg (1618 bis 1648) eine einheitliche Uniformierung angestrebt hat. Für die Zeit davor ist man daher etwas freier. Dies macht die Zusammenstellung eines authentischen Soldaten jedoch nicht einfacher. Im Falle der Schweizer welche um 1475 gegen die Burgunder gekämpft haben, findet man unter anderem in den Chroniken Diebold Schillings einige Hinweise.
Quellen der Bilder:
- Reglement für die Kleidung der Bernerischen Miliz. Bern : Gedruckt bey L.A. Haller, Obrigkeitl. Buchdrucker, 1829. Universitätsbibliothek Bern, MUE H XXXVI 13
- Bibliothèque nationale de France
- Archiv des ehemaligen Fürstbistum Basel B 202 1-4
- Bern, Burgerbibliothek, Mss.h.h.I.3: Diebold Schilling, Amtliche Berner Chronik, Bd. 3
In den letzten Wochen haben wir vor allem sehr viele Unterlagen und Bildmaterial zu den älteren Figuren zusammengetragen, sowie bei diversen Museen und Sammlern Originale vermessen. Wir legen viel Wert darauf, auch die kleinsten Details so authentisch wie heute noch möglich zu reproduzieren und dies auch zu belegen. Dafür muss man tief in die jeweilige Zeit eintauchen.
Daneben haben wir ein paar Kleinteile fertig gestellt und diverse Schnittmuster erstellt. Hier ein paar Einblicke:
Auch bei den neueren Figuren ging einiges weiter. Wir durften zwei Palletenrahmen voller Uniformen und Ausrüstungsgegenstände aus der Zeit um 1860 bis heute in Empfang nehmen. Diese werden wir nun reinigen und pflegen. Danach werden die Füsiliere nach und nach eingekleidet.
Neben der Reproduktion von Uniformen machen wir für die Ausstellung auch kleine Anpassungen an originalen Uniformen neuerer Zeit. So wurde nun die erste Figur fertig. Es handelt sich aus eine Uniform des Frauenhilfsdienstes aus den 60er Jahren.
Bei den männlichen Figuren sind wir teilweise immer noch intensiv am recherchieren, um möglichst nahe an das zeitgenössische Aussehen heranzukommen. Die uns betreffenden Reglemente der Jurassischen Truppen aus dem beginnenden 19. Jahrhundert und davor sind meist sehr spärlich, da jeder Kanton oder jeder Region seine eigene Uniform hatte. So wurde eher mit Musteruniformen und -Ausrüstung als mit detaillierten Reglementen gearbeitet. Zusammen mit Bildern und wenigen Originalen kommen wir jedoch langsam vorwärts. So steht ein Berner um 1830 schon kurz vor der Fertigstellung. Einige Bilder einer Anprobe der noch nicht fertigen Uniform:
Bei den Figuren aus dem 18. Jarhhundert haben wir uns vorerst um die Kopfbedeckung gekümmert. Was wir heute als Dreispitz bezeichnen, wurde früher als aufgeschlagener Hut bezeichnet. Die Krempe konnte mittels Haken und Oesen auf die Krone gehakt werden. Der erste Hut gehört zu einem Füsilier des Regiments Eptingen (Schweizer in Französischen Diensten) nach Reglement 1767. Der zweite, weit grössere Hut ziert einen Bieler Füsilier um 1790.
Ein Einblick in weitere Fortschritte:
- Sämisch gegerbtes Leder. Das kleine Stück ist nach alter Rezeptur geweisselt, wie es im Berner Jura von ca. 1788 bis 1860 gemacht wurde.
- Färbetests mit Krapp. Diese Farbe wurden im Reglement von 1767 den Schweizern in französischen Diensten vorgeschrieben, unter ausdrücklichem Verbot der teureren Farbe Karminrot. Auf dem nächsten Bild ist eine daraus entstehende Krawatte zu sehen. Das dritte Bild zeigt die fertige Krawatte mit Krawattenschnalle.
- Kopie und Original einer Patronentasche Ord. 1852
Nach dem Vermessen der Puppe wurde ein erster grober Prototyp-Schnitt erstellt. Damit wir nun die Passgenauigkeit getestet. Die Uniform ist hier nur angedeutet und weder gefüttert noch sonst speziell bearbeitet. Der Schnitt wurde den Skizzen und Beschreibungen aus dem "Reglement für die Kleidung der Bernischen Miliz" von 1829 entnommen. Nun müssen noch einige Dinge angepasst werden, damit die Uniform auf die Puppe passt, welche sich durch ihre Härte etwas anders verhält als der menschliche Körper. Einerseits wird der Schnitt angepasst, andererseits wird auch die Figur noch gestopft, so dass beispielsweise die Arme eine natürliche Form bekommen.
So langsam erkennt man nun jedoch den Berner Füsilier.
Ab 1875 wurden in der Schweizer Armee Nummern auf den Achselklappen verwendet, um die Einteilung zu erkennen.
Diese zuerst aufgenähten und später aufgesteckten Nummern wurden mit einer speziellen Jacquardtechnik gewoben, was ihnen das besondere Rippenaussehen gibt. Von den Webstühlen die dafür verwendet wurden, existiert heute lediglich noch ein Exemplar. Da der Webstuhl jedoch nicht eingerichtet ist, müsste er auf einem nivellierten Fundament wieder neu aufgebaut und mit grossem Aufwand eingestellt werden. Mit den üblichen Webstühlen lassen sich die Nummern heute nicht mehr identisch herstellen. Wir haben deshalb nach einer Möglichkeit gesucht, wenigstens das Aussehen so gut wie möglich zu kopieren.
Zusammen mit unserem Stickpartner haben wir diverse Möglichkeiten ausprobiert und sind nun auf gutem Weg. Etwas Schwierigkeiten machten uns zu Beginn die Dicke sowie der obere und untere Rand. Bei einem gewobenen Band ist hier eine saubere Webkante. Beim Sticken muss dies normalerweise entweder umgelegt oder abgeschnitten werden. Wir haben nun jedoch eine gute Lösung gefunden.
Ende 2013 beendete der letzte Metallknopf-Fabrikant der Schweiz die Produktion. Die Firma Schaerer & Co stellte seit 1849 Knöpfe für Bund, Militär, Polizeikorps, Bahnen und andere Knöpfe her und belieferte auch uns regelmässig.
Nun haben wir glücklicherweise im benachbarten Ausland einen neuen Partner für vergleichbare Knöpfe gefunden. Neben blanken Knöpfen haben wir auch einen geprägten Knopf in Auftrag gegeben. Er wird eine Figur der Miliz von Delémont um 1740 zieren. Weder von der Uniform noch vom Knopf gibt es noch Originale, lediglich einige Details sind in einer kurzen Beschreibung überliefert. So haben wir ein Wappen Delémonts aus dem 18. Jahrhundert verwendet um daraus einen Knopf zu entwerfen, wie er damals ausgesehen haben könnte.
Ursprünglich dürften die Knöpfe aus verzinntem Eisenblech hergestellt worden sein. Dieses wurde über einen Holzkern gezogen. Bei der Kopie ist sowohl Hinter- wie auch Vorderteil aus Metall.
Als erste Figuren sollen zwei Füsiliere entstehen, wie sie im Berner Jura um 1818 und 1829 anzutreffen waren.
Die Mannequins wurden speziell für die Anforderungen und Positionen nach unseren Wünschen hergestellt. Leider sind sie noch nicht eingetroffen, und ohne die definitiven Masse betätigen wir uns zuerst an Accessoires.
Für jede Figur erstellen wir Skizzen um eine Übersicht über die einzelnen Teile zu erhalten. Hier die provisorischen Illustrationen der beiden Berner:
Anhand der Tschakos wird sichtbar, wie aufwendig die detaillierte Reproduktion ist. Die Schuppenbänder der Berner mit jeweils 3 Schuppen sind eine Eigenheit und wurden nicht wie viele andere Teile beispielsweise aus Frankreich importiert oder kopiert. So mussten wir diese speziell anfertigen. Die früher aus Weissblech (verzinnter Stahl) hergestellten Einzelteile haben wir aus Stahl lasern lassen. Hier wurde auf die historische Herstellung verzichtet, da die Werkzeugherstellung die Kosten bereits schon ins Unendliche getrieben hätte. Danach wurde die Z-förmige Biegung mit einem Werkzeug aus dem 3D-Drucker in die Einzelteile geschlagen. Nach dem Verzinnen wurden die Teile auf einem Leder befestigt und zusammen mit dem Bindbändel rückseitig verschlossen.
Die fertigen Schuppenbänder werden mittels einer Stern-Rosette am Tschako befestigt. Da diese ebenfalls eine spezielle Grösse haben, wurden sie neu angefertigt. Dazu haben wir von einem Original durch das galvanoplastische Verfahren Kopien erstellt und diese verzinnt.
Als nächstes galt es, die Woll-Kokarden zu kopieren. Für solche kleinen Webarbeiten sind in der Schweiz kaum noch Partner zu finden, so dass wir die Kokarden nach Originalen und den Beschreibungen im Reglement selbst gewoben und plissiert haben.
Die Gamaschen sind bereit für die Anpassung am Mannequin. Knöpfe und Steg werden ganz am Ende angepasst. Sämtliche sichtbaren Nähte wurden hier von Hand genäht, so auch das Innenfutter und die Knopflöcher. So sind sie von Originalen kaum zu unterscheiden.
Die nächste Figur in der Reihe wird ein Eidgenössischer Füsilier der Ordonnanz 1852 sein. Wir haben mit dem Schild in Form einer halben Sonne begonnen, welcher den Tschako zieren wird. Dazu hatten wir das Glück von einem seltenen Original ohne Nummer eine Kopie machen zu können, um danach die gewünschten Bataillonsnummern auszusägen.
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