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Waren Sie schon mal in Vietnam? Falls ja, dann dürfte Ihnen nebst der Schönheit des Landes auch seine Dynamik aufgefallen sein. Viele Touristen, die aus Vietnam zurückkehren, haben einzigartige Eindrücke im Gepäck – und ausserdem den Wunsch, von dieser Dynamik mit einem Teil ihres Ersparten profitieren zu können. In der Tat ist das Bruttoinlandprodukt (BIP) Vietnams in den letzten 20 Jahren durchschnittlich um 6.25% pro Jahr gewachsen. Als Vergleich hat die Schweizer Wirtschaft in diesem Zeitraum um durchschnittlich 2% zugelegt.
Angefangen hat diese erstaunliche Wachstumsgeschichte 1986 mit der Đổi mới Politik (Vietnamesisch für Erneuerung). Diese bildete die Grundlage für eine langanhaltende Welle marktwirtschaftlicher Reformen mit dem Ziel, sich von einer Agrarwirtschaft zu einer Industrie- und Dienstleistungswirtschaft zu entwickeln und so der Bevölkerung einen höheren Lebensstandard zu ermöglichen. Die Reformpolitik schaffte ein attraktives Umfeld für ausländische Direktinvestitionen und Kapitalmarktanlagen – eine Notwendigkeit, da das Land selbst nicht über genügend eigenes Kapital für die Transformation verfügt. Die Lohnkosten sind weniger als halb so hoch wie in China, wobei das Bildungsniveau der 100 Millionen Einwohner verglichen mit vielen anderen Ländern gut ist. Die Lese- und Schreibfähigkeit liegt bei über 96% und in der aktuellen Pisa Studie belegt Vietnam global den 31. Rang in Mathematik, den 34. Rang beim Leseverständnis und den 35. Rang in Naturwissenschaften. Die Demografie des Landes stimmt ebenfalls – zwei Drittel der Bevölkerung sind zwischen 15 und 64 Jahre alt, so dass ein immenser Pool an Arbeitnehmern zur Verfügung steht.
Um den internationalen Handel zu fördern, hat Vietnam zahlreiche Freihandelsabkommen ratifiziert und sich damit in den weltweiten Globalisierungsprozess eingegliedert. Dazu zählen zum Beispiel die Mitgliedschaft im «Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP)», welches 15 Mitgliedsländer und ca. 30% der Weltbevölkerung und 30% des globalen BIPs beinhaltet, sowie bilaterale Abkommen mit der EU und den USA. Das Land positioniert sich damit geschickt zwischen China, den USA und Europa und vermeidet eine zu starke Abhängigkeit zu einem einzelnen Land oder Block. Der grösste Handelspartner Vietnams ist China, gleichzeitig aber sind die USA der grösste Exportmarkt.
Zusammen mit der wirtschaftsfreundlichen Haltung der vietnamesischen Regierung macht diese Vielzahl an Gründen Vietnam zu einem Hauptprofiteur der viel diskutierten globalen Produktionsverlagerungen. So sind die realisierten ausländischen Direktinvestitionen in Vietnam gemäss dem General Statistics Office des Landes auch letztes Jahr um ca. 3.5% auf 23.18 Milliarden US-Dollar gewachsen. Namhafte Unternehmen sind in Vietnam investiert. So ist z.B. Samsung der grösste Einzelinvestor in Vietnam mit über 20 Milliarden US-Dollar Kapital, Apple hat Teile der Produktion von Airpods, iPads und vielen weiteren Produkten nach Vietnam verlagert und Lego baut derzeit für eine Milliarde US-Dollar eine neue Produktionsstätte in Vietnam. Auch chinesische Unternehmen haben Vietnam immer mehr für sich entdeckt. Dies ist nicht nur auf den günstigeren Produktionsstandort zurückzuführen, sondern teilweise auch auf den Handelsdisput zwischen China und den USA.
Hand in Hand mit der Industrialisierung zieht es immer mehr Vietnamesen in die Städte. Lag die Urbanisierungsrate 2012 noch unter 32 Prozent, liegt diese heute bereits über 38 Prozent. Und sie dürfte in den nächsten Jahren dank grösserem Arbeitsangebot und höherem Lebensstandard in den Städten weiter ansteigen. Der Immobilienmarkt für Wohneigentum verzeichnet daher eine natürliche Nachfrage. Dies zum Beispiel im Gegensatz zum Wohnimmobilienmarkt in China, welches bereits eine Urbanisierungsrate von 66 Prozent aufweist.
Um all diesen Veränderungen gerecht zu werden, hat das Land viel in die Erneuerung und den Ausbau seiner Infrastruktur wie Häfen, Strassen, das Stromnetz und das Börsensystem investiert. Zusätzliche Infrastrukturinvestments sind aber nötig, damit das Land auch zukünftig sein Wachstumspotential ausschöpfen kann. Daneben muss Vietnam weitere Herausforderungen angehen. So steht Vietnam gemäss Korruptionswahrnehmungsindex derzeit auf Platz 83, was zwar eine Verbesserung von 21 Plätzen über die vergangenen drei Jahre darstellt, aber nach wie vor verbesserungswürdig ist. Weitere Beispiele sind die Umweltverschmutzung, die steigenden Machtansprüchen Chinas im südchinesischen Meer und der geopolitische Balanceakt zwischen China und den USA.
Wir sind aber überzeugt, dass Vietnam diese Herausforderungen meistern wird, um weiter vom oben erwähnten strukturellen Rückenwind zu profitieren. Die Chancen für die Bevölkerung, Unternehmen und Investoren stehen sehr gut. Deshalb ist Vietnam in der Fondspalette von Bellecapital derzeit auch der einzige Länderaktienfonds in Asien. Auch in unserem Aktienfonds auf die Region Asiens – dem Galileo Asia Fund – ist Vietnam aktuell mit 23 Prozent prominent vertreten. Dabei ist das Land bei den meisten regionalen Asienindizes noch kein Bestandteil, da das Land immer noch nicht als Emerging Markets Land, sondern als Frontier Market Land klassifiziert wird. Viele Vietnaminvestoren setzen auf die Reklassifizierung Vietnams in ein Emerging Market Land. Unserer Meinung nach ist dies ein zusätzlicher Kicker, sollte aber nicht der Hauptinvestitionsgrund sein, da Investoren in der Vergangenheit diesbezüglich auch schon enttäuscht wurden. Es gibt genügend andere Gründe, in dieses spannende und dynamische Land investiert zu sein.
|Christian Kürsteiner ist Leiter Asset Management bei Bellecapital, einem Asset Manager mit USD 5 Milliarden verwalteten Vermögen und 60 Mitarbeitern in Büros in Zürich, Lausanne und London. Unter anderem managt die Unternehmung zwei Aktienfonds auf die Region Asien (den Galileo Asia Fund) bzw. das Land Vietnam (den Galileo Vietnam Fund).