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„Fossile Infusorien sind in der Zeit der großen Hungersnöte in Lappland gegessen worden. Dies schrieb Herr Retzius, Professor der Anatomie in Stockholm, kürzlich an Herrn Ehrenberg. Durch die Güte von Herrn Berzelius habe ich einige Stücke aus dem Kiesellager von Franzensbad erhalten, welche Sie ihm geschickt hatten. Die Panzer fossiler Infusorien, die dieses Lager enthält, ließen mich an eine mineralische Substanz denken, die gemeinhin Bergmehl genannt wird und die Herr Berzelius in Poggendorffs Annalen für das Jahr 1833 analysiert und beschrieben hat. Dieses Bergmehl enthält Kieselerde, einen tierischen Stoff, und Quellensäure, welche der große Chemiker entdeckt hat. Die Lappen mischen in großen Hungersnöten das Bergmehl in ihr Mehl aus Getreide und Rinde, um daraus Brot zu backen. Von diesem Brot ernährte man sich 1833 in der kleinen Gemeinde Degerfors an der Grenze Lapplands bei 64° und 65° Breite.
Als ich das Bergmehl, das dieses abergläubische Volk als eine Gabe des Großen Waldgeistes ansieht, unter dem Mikroskop untersuchte, entdeckte ich darin 19 unterschiedliche Formen kieselschaliger Infusorien, von denen ich Ihnen die Zeichnungen sende. Das gesamte Mineral ist daraus zusammengesetzt, und meine Vermutung einer Analogie zu dem Lager in Franzensbad hat sich vollständig bestätigt. Herr Ehrenberg, schreibt Herr von Humboldt, habe etwas von diesem Mineralmehl aus Lappland erhalten. Mehrere der Infusorien, die darin in fossilem Zustand enthalten sind, leben noch in der Umgebung von Berlin. Die Infusorien werden in Degerfors gegessen, aber ich sage nicht, daß man sich von ihnen ernährt.“
Auszug aus einem Brief von Herrn von Humboldt