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Die Gesundheit aus homöopathischer Sicht
Es ist nicht einfach, das Thema Gesundheit ohne den Bereich der Krankheit und der Lebenskraft zu behandeln. Es ist alles miteinander verwoben und das eine kann nicht gut ohne das andere erklärt werden…
Die WHO definiert den gesunden Zustand als umfassendes körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden. Das ist gut, denn lange Zeit war man einfach gesund, wenn man keine Krankheit hatte…
Wenn man nun schaut, was Dr. Hahnemann unter Gesundheit verstand, dann muss man auch die Zeit, in der er geboren wurde, betrachten. Samuel Hahnemann wurde 1755 geboren, das ist ein Jahr vor Mozart, den sicher die meisten Leser hier kennen. Die Zeit von 1720 bis 1800 nennt man Aufklärung. Und wenn man diese Zeit konzentriert wiedergeben will, dann könnte man das wohl am besten mit den Worten Aufbruch zur Selbstbestimmung des Individualismus zum mündigen
Bürger. Das Instrument, das dies ermöglicht hat und genutzt wurde, ist die Vernunft. Metaphorisch kann man das Licht als Symbol der Aufklärung betrachten. Licht, Helligkeit ins Dunkle bringt.
Eines der Lieblingszitate von Dr. Hahnemann war„aude sapere“, was übersetzt „wage zu wissen“ oder „wage weise zu sein“ bedeutet. Dieses Zitat ist von Immanuel Kant, einem der bedeutendsten Philosophen Deutschlands aus dieser Zeit.
Aufklärung bedeutet also Forschen, Untersuchen, Ausprobieren und an der Erfahrung wachsen. Darum zählt die Homöopathie, wie auch die Psychologie, zu der empirischen Wissenschaft.
Um den Begriff der Gesundheit im Sinner der klassischen Lehre der Homöopathie besser zu verstehen, müssen wir den Begriff der Lebenskraft beleuchten. Es ist eine Kraft, die in einer ungeheuren Weisheit schaut, dass im Körper alles tadellos abläuft und alles in Harmonie bleibt. Der Begriff der Lebenskraft, der aus dem Vitalismus entlehnt wurde, bedeutet, dass dem Menschen, neben dem Körper noch eine geistige Kraft innewohnt. Das heisst, dass wir neben einer erkennbaren und identifizierbaren physischen Identität auch eine geistige Identität besitzen.
Die äussere Identität ist wichtig im Umgang mit anderen Lebenwesen, aber wenn man an eine Person denkt, die gestorben ist oder die man schon lange nicht mehr gesehen hat, dann wird die äussere Identität nebensächlicher. Wichtiger sind dann Charaktereigenschaften: Geiz, Freundlichkeit, Mitgefühl, Intelligenz, Sportlichkeit, Witzigkeit, Weisheit, Gereiztheit etc. Im Vordergrund stehen dann eher die geistigen, immateriellen Qualitäten.
Das, was wir hier besprochen haben, beschreibt Teile der Lebenskraft. Viele Leute sagen dazu Abwehrkraft oder Immunsystem. Das stimmt auch, aber es ist mehr als nur das. Es ist ein Energiespeicher, der uns hilft, schwierige Situationen zu bewältigen. Das können physikalische Eigenschaften wie z.B. kalte Temperaturen, Pollenflug, Regengüsse etc. sein, aber auch Erlebnisse, die auf die Psyche einwirken: Liebeskummer, Verlust eines Menschen, Prüfungsstress und Ähnliches.
Ein Beispiel liefern Studenten, sie sich auf die grossen Prüfungen vorbereiten. Sie lernen täglich mehrere Stunden, gehen über ihr Limit und fürchten sich vor dem Test. Sie machen dann körperliche Symptome wie Herz-Kreislauf-Beschwerden, Schlafstörungen, Magen-Darm-Beschwerden, Glieder-, Schulter- und Nackenbeschwerden, Appetitmangel, Schweissausbrüche und Kopfschmerzen, um nur einige Beispiele zu nennen.
Also: Die Krankheit hat auf der psychischen, auf der dynamischen Ebene begonnen, die Frucht zeigt sich später auf der körperlichen Ebene.
Zusammengefasst bedeutet dies: Eine pathologische Veränderung ist nie die Ursache einer Erkrankung, sondern immer nur das Ergebnis eines „nicht gesunden“ oder eine sich auf die Lebenskraft negativ auswirkender Lebensprozess.
Im Organon der Heilkunst, dem Buch, das Dr. Hahnemann geschrieben hat und 6 mal in einer neuen, überarbeiteten Auflage herausgebracht hat, wurde als erster Pargraph formuliert:
Des Arztes höchster und einziger Beruf ist,
kranke Menschen gesund zu machen, was man Heilen nennt.
Man könnte nun sagen, dass dies eine ziemlich überflüssiger Paragraph ist, weil es ja logisch ist, dass eine Ärztin, ein Heilpraktiker oder ein Homöopath ja genau dazu da ist!
Aber Gesund sein heisst nicht, Symptome einfach wegzumachen. Gesund sein bedeutet: Meine Lebenskraft hat keinen Grund verstimmt zu sein.
Ich als Homöopath muss wissen, was das zu Heilende beim Kranken oder bei der Kranken ist.
Wenn jemand vom Partner verlassen wurde und danach ein Hautausschlag explodiert, dann behandle ich nicht den Hautausschlag, sondern den Umstand, dass diese Person enttäuscht, im Stolz verletzt oder eifersüchtig auf die neue Partnerin des Ex-Partners ist.
Wenn ein Junge einen fürchterlichen Husten hat, seit seine kleine Schwester auf der Welt ist, dann behandle ich nicht den Husten, sondern sein Gefühl, weniger Wert als seine kleine Schwester zu sein.
Wenn jemand unglaublich heftige Rückenschmerzen hat, seit einen neuen Job angenommen hat, den er fast nicht bewältigen kann, behandle ich das Gefühl, zu dieser Arbeit nicht fähig zu sein. Mit der richtigen Arznei wird die Energie und das Selbstbewusstsein stärker werden oder die Person wird erkennen, dass diese Arbeit seine Gesundheit ruiniert und darum die Kündigung einreichen - ohne, dass ich die Person darauf aufmerksam gemacht habe. Und sobald die verstimmte Lebenskraft des Patienten wieder harmonisch fliessen kann, wird sich auch der Rücken automatisch wieder erholen.