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Die Sternwies – Stiftung für Wohnen und Arbeiten wurde am 31. Oktober 1988 unter dem damaligen Namen «Stiftung für psychisch Behinderte» gegründet; der Eintrag ins Handelsregister erfolgte am 16. Dezember 1988.
Der Stiftungszweck hält fest: «Die Stiftung für psychisch Behinderte hat zum Zweck, Einrichtungen zu führen, die der Beratung und Eingliederung von psychisch Kranken und Behinderten dienen. Die Einrichtungen der Stiftung arbeiten fachlich und administrativ eng mit der psychiatrischen Klinik Schlössli und dem Bergheim Uetikon zusammen.» Den Stiftungsgründern schwebte eine eigentliche Symbiose zwischen der Klinik Schlössli, dem Bergheim Uetikon und der Stiftung vor. Zu den Aufgaben der Stiftung gehörte die Führung der Einrichtungen zur beruflichen Rehabilitation. Dies waren rund 100 geschützte Arbeitsplätze in den Bereichen Kunsthandwerk, industrielle Produktion und in den Klinik- und Heimbetrieben wie Küche, Cafeteria, Wäscherei etc. Darüber hinaus gehörte die Führung des Schlössli-eigenen Sozialdienstes zum Portfolio. Die finanzielle Situation war seit Beginn prekär und es gab viele Unstimmigkeiten und Verhandlungen betreffend die Höhe des Stiftungsvermögens, die Definition und Interpretation der Leistungen und die Ausrichtung von Betriebsbeiträgen des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV). Die Stiftung musste sich demzufolge in vielerlei Hinsicht reformieren und neu positionieren. Sie skizzierte bereits 1992 ein Grobkonzept für den Betrieb von Wohnheimen, doch wurde dieses vorerst nicht weiterverfolgt. 1995 wurde die finanzielle Situation akut: Das BSV stellte sämtliche Betriebsbeiträge ein und verlangte ultimativ, die Stiftung und die Klinik finanziell und personell zu trennen.
Die Stiftung für psychisch Behinderte und die hinter ihr stehende Hinderer AG handelten sehr schnell. Die Stiftung machte sich an die Ausarbeitung eines Konzeptes für den Betrieb von Wohnheimen. Dank dieser und weiterer finanzieller Massnahmen, die in den nächsten fünf Jahren umgesetzt wurden, war die Stiftung vorübergehend gerettet.
Gesetzliche Änderungen bewirkten, dass die Klinikpatientinnen und -patienten je nach ihren Einschränkungen und Beeinträchtigungen unter das Krankenversicherungsgesetz (KVG) oder das Invalidenversicherungsgesetz (IVG) gestellt wurden. Durch die KVG-Revision wurde die Klinik im Jahr 2000 gezwungen, ihre Langzeitpatientinnen und -patienten in externe Wohnheime zu verlegen. Dies erfolgte auf Empfehlung des BSV, damit die kliniknahen sozialpsychiatrischen Dienste und deren Werkstätten mit Beiträgen und Subventionen geführt werden konnten. Die Empfehlung des BSV wurde umgesetzt, die versprochenen Gelder mussten jedoch erstritten werden. Während einiger Jahre sprang die Klinik Schlössli mit finanziellen Mitteln und personeller Hilfe ein.
Der Weg zur Stiftung Sternwies
Die Jahrhundertwende brachte somit einen grundlegenden Umbruch und die Stiftung wurde professionell aufgewertet. Per April 2000 wurde ein vollamtlicher Geschäftsführer eingestellt. Im Juli 2002 übernahm ein Notar das Präsidium. Das in groben Zügen angedachte Konzept musste innert weniger Monate umgesetzt werden. Dass die Klinik Schlössli AG (vormals Hinderer AG) bereit war, die Stiftung zu entschulden und ihr gleichzeitig den Start in den neuen Strukturen durch eine Defizitgarantie zu erleichtern, trug wesentlich zu ihrer Gesundung und zur Neuorientierung bei. Für alle Bereiche wurde ein Qualitätsmanagement eingeführt, was 2002 zu einer Zertifizierung führte. Ebenso konnte die finanzielle Situation gefestigt werden. Das damals etablierte gute Einvernehmen und die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Klinik Schlössli währen bis zum heutigen Tag.
Bereits am 1. Oktober 2000 konnte die Stiftung für psychisch Behinderte ihre Wohnheime, die sie vom Schlössli gemietet hatte, in Betrieb nehmen. Die damals noch dezentral betriebenen und sehr bescheidenen Werkstätten wurden in den folgenden Jahren im neu errichteten Arbeitszentrum zusammengefasst. Arbeitsaufträge wurden auf dem freien Markt akquiriert.
Die Klinikhäuser Linde, Libelle und Im Hüsli wurden durch die Stiftung gemietet. Die Bewohnerinnen und Bewohner wurden schrittweise und erfolgreich, zum Teil überraschend und unerwartet, in eine beschränkte oder weitergehende Selbständigkeit geführt. Die Linde, das Stammhaus der Klinik Schlössli, wurde modernisiert und neu eingerichtet. Die Wohngruppe Libelle wurde durch ein Mehrfamilienhaus ersetzt. Dafür baute die Hinderer Liegenschaften AG einen Neubau, welcher von der Stiftung Sternwies gemietet wird und in welchem die Wohngruppe Libelle ab Mai 2013 ein neues Zuhause fand. Dieser Standortwechsel brachte den Bewohnerinnen und Bewohnern Verbesserungen in verschiedenster Hinsicht.
Um auf die Vielfalt der Gesellschaft und auf das Miteinander von gesunden Menschen und Menschen mit psychischer Beeinträchtigung hinzuweisen, wurde die Stiftung für psychisch Behinderte im Jahr 2010 in Stiftung Sternwies für Wohnen und Arbeiten umbenannt. Durch die Ausrichtung auf psychisch beeinträchtigte Menschen mit einem hohen Betreuungsbedarf füllt sie eine wichtige Lücke in der Region und hat sich zunehmend auf sicherem Boden etabliert. Entsprechend waren über all die Jahre die Wohn- wie auch die Arbeitsplätze sehr gut ausgelastet.
Das Jahr 2018 stand im Fokus des 30-jährigen Jubiläums und wurde mit zwei Veranstaltungen gefeiert, beschrieben im Jahresbericht 2018. (Link Download Jahresbericht 2018)
Ratifizierung der UNO-BRK und deren Auswirkungen auf die Sozialpsychiatrie
Das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (Behindertenrechtskonvention BRK) wurde von der Schweiz am 15. April 2014 ratifiziert und trat am 15. Mai 2015 in Kraft. Mit ihrem Beitritt zum Übereinkommen verpflichtet sich die Schweiz, Hindernisse zu beheben, mit denen Menschen mit Behinderungen konfrontiert sind, sie vor Diskriminierung zu schützen und ihre Inklusion und ihre Gleichstellung in der Gesellschaft zu fördern. In der Umsetzung bewirkt sie eine Verbesserung der selbstbestimmten Wahl des Wohn- und Arbeitsortes.
Das heutige System erreicht nicht alle Menschen mit einem ausgewiesenen Bedarf an Begleitung und Betreuung. In der kantonalen Angebots- und Finanzierungsentwicklung wird ein Paradigmenwechsel von der Objekt- zur Subjektfinanzierung angestrebt. Im Zentrum werden nicht mehr primär die Institutionen, sondern die Menschen mit einer Beeinträchtigung stehen. Ziel der Subjektfinanzierung ist, dass im neuen Modell Menschen mit Beeinträchtigungen im Grundsatz selber bestimmen, wie, wo und von wem sie betreut und begleitet werden. Entsprechend entwickeln sich die Angebote in der Sozialpsychiatrie und ambulante Angebote werden kontinuierlich ausgebaut.
Weiterentwicklung und Ausblick
Die Bedürfnisse von Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung im Bereich Wohnen haben sich stark verändert. Dieser Wandel ist auch Ausdruck der Art und Weise, wie unsere Gesellschaft psychisch beeinträchtigten Menschen begegnet. Die Sternwies – Stiftung für Wohnen und Arbeiten entwickelt dementsprechend ihre Angebote laufend in Richtung Autonomie und Selbstbestimmung weiter. So wird zum Beispiel die Wohngruppe Schwalbe mit fünf Bewohnerinnen und Bewohnern per 2022 in eine Mietwohnung in der neugebauten Storchensiedlung ziehen.
Auftragslage und Umsätze in den Werkstätten haben sich zudem rasant verändert und die Nachfrage nach Tagesstrukturplätzen im Kreativatelier ist gestiegen. Die im Jahr 2017 eingeleitete Weiterentwicklung des Arbeitszentrums in einem grösseren und zukunftsweisenden Kontext wurde räumlich und personell umgesetzt. Das Arbeitszentrum wurde im Jahr 2020 komplett neu organisiert und strukturiert.
Seit ihrer Gründung im Jahr 1988 hat sich die Stiftung Sternwies dank verschiedener Engagements als wichtige sozialpsychiatrische Institution im Zürcher Oberland etabliert und ein vielfältiges Wohn- und Arbeitsangebot für psychisch beeinträchtigte Menschen mit hohem Betreuungsbedarf entwickelt. Stiftungsräte, welche aus verschiedenen Berufen kommen und daraus Erfahrungen mitbringen, übernehmen Verantwortung und geben Vertrauen weiter.
Die «nahe Nachbarin», die Clienia Schlössli AG, ist eine faire Partnerin der Stiftung Sternwies und hat durch die beschriebene Entwicklung ein besonderes Verhältnis zu ihr.
Viele langjährige und fachlich ausgewiesene Mitarbeitende leisten mit viel Ausdauer und Geduld wertvolle Beziehungs- und Stabilisierungsarbeit, was sich wiederum in einer gewissen Konstanz der Klientel im Arbeitszentrum und der Bewohnerinnen und Bewohner der Wohngruppen spiegelt.