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Gilbert Casasus, Prof. für Europastudien an der Universität Freiburg
Wir freuen uns, Ihnen die Antworten von Gilbert Casasus, Professor für Europastudien an der Universität Freiburg/Fribourg präsentieren zu können.
1) Was haben Sie am 9. Februar 2014 gemacht?
Ich bin von einem europäischen Land in ein nicht-europäisches Land gereist, nämlich von Frankreich in die Schweiz. Über Internet hab ich dann von der Abstimmung erfahren und war sehr enttäuscht, um nicht zu sagen mutlos und erschüttert.
2) Welche Probleme haben wir am 9. Februar gelöst?
Die Frage ist schlecht gestellt. Sie müsste lauten: Welche Probleme haben wir am 9. Februar ausgelöst? Die Probleme die wir ausgelöst haben, sind: 1) dass die Schweiz auf der Anklagebank gelandet ist und sogar selbst dafür verantwortlich ist. 2) Damit hat die Schweiz immer weniger Möglichkeiten, ihre eigene Position zu verteidigen. Der 9. Februar war ganz klar ein Schuss, der nach hinten losgegangen ist.
3) Sind die Bilateralen noch zeitgemäss?
Das ist die beste Frage. Ich war schon immer sehr skeptisch gegenüber der bilateralen Frage. Bereits bei der ersten Abstimmung hat es verschiedene skeptische Stimmen aus dem Lager der EU-Befürworter gegeben, ich habe mich damals enthalten. Heute bereue ich es fast ein bisschen, dass ich nicht dagegen gestimmt habe. Ich teilte damals die Meinung, dass die Bilateralen eine Art Sackgassenlogik enthielten. Aus dieser Sackgasse muss man natürlich einen Ausweg finden. Mit dem 9. Februar sind die Bilateralen nun von der Sackgasse zum Rettungsanker geworden. Vor dem 9. Februar hat man mit den Bilateralen versucht, Kompromisse mit der EU zu finden. Heute muss man sich fragen, wie weit man die Bilateralen noch führen kann. Ich hoffte vor dem 9. Februar auf eine Art Schockresultat, dass zeigen sollte, wie sehr die Bilateralen an Prägnanz eingebüsst hatten, dieser Schock ist natürlich schlimmer ausgefallen als ich mir erhofft habe. Die Bilateralen bleiben nach dem 9. Februar eine letzte Möglichkeit, sich der EU wieder anzunähern.
4) Stellen Sie sich vor, die Schweiz wäre vor Kurzem Mitglied der EU geworden. Wie fühlten Sie sich?
Glücklich.
5) Wie sieht Europa in 50 Jahren aus?
Ich bin kein Wahrsager. Wer aber hätte vor 50 Jahren gedacht, dass die damalige EWG mit sechs Mitgliedern zur EU mit 28 Mitgliedern wird? Heute ist es einfach, die EU schlechtzureden. Tatsächlich muss sich die EU grundsätzlich reformieren, sie muss bürgernaher und demokratischer werden. Das wird die grosse Herausforderung nicht der nächsten 50 Jahre, sondern der nächsten 10 Jahre sein. Ich möchte noch eine kleine Anekdote anfügen: Am 1. August 2011 war ich im Berner Oberland auf einer Alp und sass da mit einem Parteimitglied der BDP an einem Tisch. Wir kamen ein bisschen ins Gespräch und der BDPler hat gemeint, dass die EU in zwei Jahren Makulatur sei. Ich verneinte. Hätte ich damals eine Flasche Wein gewettet, ich hätte sie gewonnen. Die EU wird weiterhin Bestand haben, davon bin ich überzeugt. Die Frage ist doch letztlich: Was gibt es für Alternativen? Wenn Sie mir bis am 1. August 2015 jemanden finden, der eine plausible Alternative zur EU hat und mich davon überzeugen kann, dann spende ich Ihnen gerne eine Flasche Wein.
Herzlichen Dank für die Beantwortung unserer Fragen, Herr Casasus!