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Es war einmal ein Team in einem Konzern, das bei einem Führungswechsel in ein Rollenmodell übergehen und auf eine hierarchische Führung verzichten wollte. Dabei stand für sie folgende Fragestellung im Zentrum: „Wie können wir im Team die Aufgaben des Teamleiters verteilen, damit wir auch ohne hierarchische Führung gut funktionieren und unsere Rollen selbst gestalten und nach unserem Können und Interesse ausführen können?“
Ihnen kam entgegen, dass die hierarchische Führung diese Idee unterstützte und organisationale Experimente, auch im Rahmen einer laufenden agilen Transformation, ausdrücklich erlaubt waren, solange sie nicht gegen Konzernrichtlinien verstossen. Diese Vorgabe erweiterte die Fragestellung wie folgt:
„Wie können wir im Team die Aufgaben des Teamleiters verteilen, damit wir auch ohne hierarchische Führung gut funktionieren und unsere Rollen selbst gestalten und nach unserem Können und Interesse ausführen können und wir gleichzeitig an die bestehenden und nicht verhandelbaren Richtlinien und Prozesse des Konzerns anknüpfen können?“
Wie ist das Team vorgegangen, um Rollen zu erstellen? Wie wurden die Rollen verteilt? Wo bestanden Hürden und wie ist es damit umgegangen? Und welche Erkenntnisse konnten gewonnen werden? Dieser erste Blogpost einer dreiteiligen Serie beschreibt, wie die Rollen kreiert wurden und wie damit umgegangen wurde, dass das Team in einem grösseren Konstrukt eines Konzerns eingebettet war.
Um die Aufgaben des hierarchischen Vorgesetzten übernehmen zu können, mussten diese in einem ersten Schritt transparent gemacht werden. Dazu schrieb der Teamleiter alles, was er den ganzen Arbeitstag so machte, auf und gruppierte diese Tätigkeiten in Rollen. So kamen zum Beispiel alle Tätigkeiten, die mit Personalrekrutierung zu tun hatten, zur Rolle „Recruiter“.
Das Gleiche machte das Team mit ihren Aufgaben. Dabei entstanden Rollen wie zum Beispiel „Trainer“ oder „Developer“.
Dies schaffte erst einmal grosse Transparenz darüber, was das Team alles leistet. Und viele waren überrascht, was der Teamleiter neben den sichtbaren Aufgaben den ganzen Tag sonst so zu tun hatte.
Nachfolgend sind einige Rollen und die jeweiligen Tätigkeiten beispielhaft beschrieben, die dem Team nun zur Auswahl standen. Total waren über ein Duzend grössere und kleinere Rollen zusammengekommen.
Teamentwickler:in
- Planen von Team-Meetings
- Peer-Feedback-Prozess im Team weiterentwickeln
- Gemeinsames Lernen sicherstellen (Gefässe, Durchführung, …)
Recruiter:in
- Stelle ausschreiben
- Zusammenarbeit mit Konzern HR
- Eingehende Bewerbungen sichten
- Bewerbungsgespräche durchführen
- Bewerbungsprozess weiterentwickeln
Verkaufsleiter:in
- Verantwortlich für aktuelles Verkaufs- und Marketingmaterial
Teamcoach
- Erkennen und ansprechen von Problemen bei Mitarbeitenden
- Geburtstagsrituale pflegen
- Betreuung von krankgeschriebenen Mitarbeitenden
Trainer:in
- Schulungen designen
- Schulungstermine festlegen und kommunizieren
- Schulungen vorbereiten und durchführen
- Qualitätssicherung der Schulungen sicherstellen
- Schulungen weiterentwickeln
Jetzt, wo die Tätigkeiten in Rollen zusammengefasst waren, hatten alle im Team die Möglichkeit, diese Rollen zu übernehmen – mit allen Kompetenzen und Verantwortungen. Die Aufgaben mussten also nicht mehr aufgrund der hierarchischen Position erledigt werden, die Mitarbeitenden konnten die Rollen aufgrund ihrer Könnerschaft und ihres Interesses übernehmen.
Es gab auch eine Menge an Aufgaben, die aus diversen Gründen an die hierarchische Position des Teamleiters geknüpft waren. Für das betriebliche Gesundheitsmanagement des Konzerns war zum Beispiel weiterhin der Teamleiter der Ansprechpartner. Auch gab es viele IT Systeme, in welchen nur der Teamleiter die Berechtigung zur Bearbeitung hatte, zum Beispiel die Zeit- und Leistungserfassung oder das System, um Arbeitsmittel zu bestellen. Und alle Themen, welche sich um Lohn, Beförderungen, Arbeitszeugnisse etc. drehten, konnten nicht von beliebigen Teammitgliedern übernommen werden. Dies hätte den Vorgaben des Konzerns widersprochen und es war deshalb (noch) nicht möglich, diese Aufgaben zu verteilen. Auch waren dafür diverse Voraussetzungen, wie die Lohntransparenz, im Team noch nicht gegeben. All diese Aufgaben wurden in einer eigenen Rolle gebündelt, welche der Teamleiter aufgrund seiner hierarchischen Position übernehmen musste. Mit diesem Vorgehen konnten die Konzernrichtlinien eingehalten werden.
Erfreulicherweise waren auch andere Abteilungen, wie zum Beispiel die HR Abteilung des Konzerns bereit, sich auf solche Veränderungen einzulassen. So konnte die Person, welche die Rolle „Recruiter“ übernahm, direkt mit der HR Abteilung zusammenarbeiten.
Wie kamen nun die Mitarbeitenden zu ihren Rollen? Dazu mehr im nächsten Blogbeitrag.