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Kobalt;
ein besonderes Metall, das gediegen auf der
Erde nicht gefunden wird, sondern nur in Verbindung mit andern
Elementen in den
Kobalterzen. Das reine metallische K. kommt für gewöhnlich nicht in den Handel, da es auf den Hütten
nicht dargestellt wird, dagegen liefert es in seinen Verbindungen verschiedne Beiträge zum Sortiment
der Farben, namentlich das
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einzige für Glasflüsse, Porzellan und andre Schmelzfarben geeignete und bis zur geringsten Töpferware herab gebrauchte schöne Blau, das schon lange benutzt wurde, bevor man das Metall selbst kennen lernte. Dieses ist hart, stahlartig glänzend, nimmt eine schöne Politur an, behält an der Luft seinen Glanz lange Zeit, läßt sich abdrehen wie Eisen und ist ebenso stark magnetisch wie dieses; das spezif. Gewicht ist 8,5 der Schmelzpunkt liegt bei 1050-1250° C. In neuester Zeit hat man Eisen auf galvanischem Wege, anstatt zu vernickeln, zuweilen auch mit einer Schicht von metallischem K. überzogen.
Die Entdeckung, daß die sonst als ganz unbrauchbar herumliegenden
Kobalterze einen Glasfluß schön
blau färben, soll um 1550 in Sachsen durch Zufall gemacht worden sein und sich daran die
Kobaltindustrie in Sachsen und
Böhmen knüpfen; indes sind aus dem Altertum stammende blaue Gläser ebenfalls mit K. gefärbt befunden worden. Die
Kobalterze
sind in der Regel zugleich mehr oder weniger Nickelerze; beide Metalle, auch in Gesellschaft von Wismut-,
Kupfer- und Silbererzen finden sich aber meistens an Arsen und Schwefel gebunden. So ist Speis
kobalt Arsenkobalt, Kobaltglanz
dasselbe in Verbindung mit Schwefel
kobalt, Kobaltkies besteht aus den Schwefelverbindungen des K., Nickels und Eisens. In Deutschland
ist das Haupterz der Speis
kobalt und sein Zersetzungsprodukt die
Kobaltblüte, welche durch Oxydation
aus jenem entstandenes arsensaures
Kobaltoxydul ist. Der Speiskobalt kommt in Gesellschaft von Silber-, Wismut- und Kupfererzen
hauptsächlich bei Schneeberg und Annaberg in Sachsen vor, ferner bei Joachimsthal in Böhmen, Saalfeld in Thüringen, Reicheldorf
in Hessen, im Nassauischen, Steiermark, Spanien, England, Nordamerika. Glanz
kobalt findet sich besonders
in Schweden und Norwegen, auch in Cornwall.
Das Zugutemachen der
Kobalt-Nickelerze, nachdem sie durch Aussuchen, Pochen, Schlämmen möglichst von fremden Dingen gereinigt
sind, geschieht nach verschiednen Methoden, die sich teils nach den Nebenbestandteilen der Erze, teils nach den Fabrikationszwecken
richten, deren spezielle Darlegung aber hier zu weit führen würde. Jedenfalls muß das Erzmehl vorher
einer Röstung unterworfen werden, um das Arsenik und den etwaigen Schwefel wenigstens zum größten Teil zu entfernen.
Beide verflüchtigen sich, das Arsenik als arsenige, der Schwefel als schwefelige Säure, und erstere schlägt sich in den
Kondensationskammern als das gefährliche Giftmehl nieder (s. Arsenik). Gäbe es ein reines
Kobalterz,
so bliebe das K. nach Vertreibung des Arsens resp. Schwefels im oxydierten Zustande übrig und die Bereitung der verschiednen
Kobaltpräparate wäre dann viel weniger umständlich. So aber hat man es nach dem Rösten immer mit einem Gemisch von verschiednen
Metalloxyden zu thun. Mit diesem kann in zweierlei Weise verfahren werden.
Nach der einen bringt man die Masse, nachdem sie zuvor durch Schmelzen mit Salpeter und Soda und Auslaugen mit Wasser von dem
noch rückständigen Schwefel und Arsenik vollends gereinigt wurde,
in konzentrierter heißer Schwefelsäure zur Auflösung,
sodaß alle Metalloxyde in schwefelsaure Salze verwandelt sind. Aus der heißen mit Wasser verdünnten
Lösung fällt man durch successiven Zusatz von Soda Eisen, Blei, Wismut, Kupfer als Oxyde aus, sodaß nur noch
Kobalt und Nickel
in Lösung bleiben. Durch fortgesetzte Fällung mit Soda wird dann zunächst kohlensaures Nickeloxydul, dann ein Gemisch von
diesem mit kohlensaurem
Kobaltoxydul, endlich dieses letztere rein erhalten. Das zu zweit erhaltene Gemisch
wird dann wieder gelöst und durch weitere Niederschlagarbeiten in seine beiden Bestandteile geschieden. Diese und andre
nasse Scheidungsmethoden werden jedoch nicht so häufig angewendet wie die auf trocknem Wege im Feuer.
In den Blaufarbenwerken geschieht die Scheidung des K. von Nickel und andren Metallen hauptsächlich bei
Gelegenheit der Smaltebereitung; die Smalte ist ein gepulvertes, durch K. blau gefärbtes Glas. Die andern Produkte bestehen
dann aus Oxyden in verschiednen Graden der Rein- und Feinheit und zum Teil aus
Kobaltsalzen. Zur Darstellung der Smalte dienen
die gewöhnlichen Grundbestandteile des feinen Glases, Quarz und Pottasche, unter Zuschlag einer angemessenen
Menge gerösteten Kobalterzes, alles aufs Feinste gemahlen und gemischt. Völlige Reinheit des Erzes von Schwefel und Arsen
ist nicht bedingt, vielmehr sind diese Stoffe bei der Verglasung von guter Wirkung auf die Reinigung des Flusses und es wird
wenigstens Arsenik immer noch absichtlich dem zu schmelzenden Pulver zugesetzt.
Das Schmelzen und Läutern der Masse in den Häfen des Glasofens erfordert etwa 8 Stunden; man hat dann einen schönen blauen Fluß und am Boden eine schwere Schicht von Schlacken, die sog. Nickelspeise, welche durch ein mit einem Thonpfropf verschlossenes Loch abgezapft wird. Dass sich die Sache so gestaltet und man aus unreinem Erz reines Glas erhält, ist hauptsächlich dem Arsen und teilweise dem Schwefel zu danken, welche die fremden Metalloxyde abhalten in den Glasfluß mit einzugehen und die Farbe zu verderben.
Die Nickelspeise enthält demnach den ganzen Nickelgehalt der Erze als Arsennickel, ebenso Eisen, Kupfer (als Schwefelkupfer) und dann auch einen Anteil K. Die Speise, eine metallisch aussehende, spröde Masse ist das hauptsächliche Material für die Darstellung des Nickels (s. d.), ihr Kobaltgehalt wird bei ihrer weitern Verarbeitung durch nasse Scheidung noch nutzbar gemacht und dieser Teil ist es gewöhnlich, aus welchem die käuflichen Oxyde hergestellt werden.
Die blaue Masse bedarf nur noch der mechanischen Pulverung in verschiednen Graden der Feinheit. Man schöpft sie noch flüssig aus, gießt sie in kaltes Wasser und beschickt die Häfen gleich von neuem. Die durch das Abschrecken im Wasser mürbe gewordene Masse wird auf Stampf- oder Walzwerken gröblich zerkleinert und dann zwischen granitenen Mühlsteinen unter Beigabe von Wasser fein gemahlen, dann der blaue Schlamm in vieles Wasser eingerührt und dem Absetzen überlassen. Das zuerst Niederfallende, das gröbste, ¶
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heisst Streublau; in einem zweiten Bottich, auf welchen die Trübe sogleich übergeschafft wird, setzt sich die tiefste Nüance des Blau, die Farbe oder Kouleur ab; im folgenden Gefäß erhält man noch eine hellere Farbe von feinerer Zerteilung, den Eschel, und dann gelangt die Flüssigkeit, wie alle andern, welche bei nochmaligem Auswaschen der Sorten abfallen, in ein großes Reservoir, wo sich die letzten trübenden Teilchen sehr langsam absetzen. Sie bilden den Sumpfeschel, der entweder als geringstes und hellstes Blau verkauft oder bei folgenden Glassätzen wieder zugesetzt wird. In gleicher Weise wird das Streublau entweder als blauer Streusand verkauft oder wieder zur Masse geschlagen. In der Praxis macht man aber nicht nur diese wenigen, sondern durch Zerteilung der Schlemmarbeit in kürzere Perioden eine ganze Reihe Sorten.
Die Smalte hat nicht die scharfe Beschaffenheit eines Glaspulvers, sondern fühlt sich mild und mehlig an. Das kommt von dem Überschuß an Kali, welches reichlicher verwendet wird als es zu hartem Glas erforderlich wäre; der glasige Träger des Blau ist also eher dem Wasserglas (s. d.) vergleichbar und in der That läßt sich durch bloßes Ausziehen mit Wasser die Nüance einer Smalte immer noch etwas ändern. Die Pottasche läßt sich bei dieser Smaltebereitung nicht durch Soda ersetzen, da letztere kein reines Blau liefert.
Das schöne Blau der Smalte besitzt eine Dauerhaftigkeit wie wenig andre Farben, und namentlich das künstliche Ultramarin, das ihr jetzt allerdings viel Konkurrenz macht, kann sich hierin nicht mit ihr messen. Sie dient deshalb vorzüglich zur Fresko- und Zimmermalerei, zu Anstrichen für dem Wetter ausgesetzte Gegenstände, z. B. Handelsfirmen. Als Einbrennfarbe kann die eigentliche Smalte (nicht die Eschel) auch dienen, doch benutzt man hierfür gewöhnlicher zu feinern Arbeiten, auf Porzellan und Glas, die reinern Oxyde, für geringere, wie Töpferglasuren und Dekorationen von Steingut etc. den Zaffer.
Dieser, auch Saflor genannt, ist das direkteste Hüttenprodukt und wird einfach erhalten, indem man reine und reiche Kobalterze abröstet. Man erhält somit Kobaltoxyd, allerdings mit fremden Oxyden gemengt und deshalb ein weniger schönes Blau gebend. Diese Masse wird zerkleinert und mit bestimmten Mengen von Quarzsand zusammengemahlen. Je nach der Menge des zugesetzten Quarzes erhält man verschiedne Sorten von Zaffer, deren quarzreichste natürlich das hellste Blau gibt. Bei dem Gebrauch als Töpferfarbe muß ihm erst Pottasche als Flußmittel zugesetzt werden. Außerdem ist der Zaffer das Material für Glasfabriken zu blauen Gläsern.
Auf der Preisliste der königl. sächsischen Blaufarbenwerke sind 3 Sorten Zaffer à 150, 129 und 90 Mk. per Zentner verzeichnet. Die Namen Smalte und Eschel kommen auf derselben nicht mehr vor, sondern sie heißen zusammen Blaufarben und bilden ein sehr zahlreiches Sortiment, dessen Sorten durch Zusammenstellungen von römischen Buchstaben und zum Teil Ziffern markiert sind. Man hat erstlich die E-Sorten (Eschel), dienlich zum Bläuen von Weißzeug, Papier und Stärke, 24 an der Zahl, abgestuft im Preise von 174-24 Mk. per Zentner; C-Sorten (Kouleuren), als feuerbeständige Schmelzfarben dienend, 13 verschiedne von 174-24 Mk.; dann Kobaltblau (Ultramarin), zu Öl- und Wasserfarben, zum Buntdruck und als Färbmaterial für künstliche Blumen, 7 Sorten von 66-10 Mk. das Kilo. Blausand in 2 Sorten à 29 und 27 Mk. per Zentner. Kobaltoxyde für die Porzellan- und Steingutfabrikate in 9 Sorten von 36-9 Mk. pro Kilo. Dies sind die Preise des Leipziger Blaufarbenlagers; auf dem zu Schneeberg sind sie etwas niedriger.
Die Eschel unterscheiden sich in ihrer innern Beschaffenheit von den Smaltesorten dadurch, daß sie den Charakter des Glases nicht mehr in dem Grade wie diese besitzen, denn durch Einwirkung der großen Menge Wasser hat sich ihre Glasmasse zum Teil zersetzt und flockige Kieselerde ausgeschieden. Oxyde gibt es chemisch genommen zwei, das Oxydul und das eigentliche Oxyd. In dem Zaffer sind beide im Gemisch enthalten. Es sind unscheinbare graue bis schwarze Pulver, deren Farbenpracht sich erst entwickelt, wenn sie in einen Glasfluß eingehen.
Das sächsische Sortiment enthält als Sorten das Oxydul, das reine Oxyd und das Oxydhydrat, dazu noch ein paar Kobaltsalze, nämlich arsensaures und phosphorsaures Kobaltoxyd, welche in Wasser unlösliche Pulver bilden. Die löslichen und kristallisierbaren Salze, durch Auflösen der Oxyde in Salpeter-, Salzsäure etc. zu erhalten, zeigen rosen- bis granatrote Farben. Aus ihren Lösungen werden auf Zusatz eines arsen- oder phosphorsauren Salzes jene unlöslichen Salze ausgefällt.
Das Kobaltultramarin (Thenards Blau) ist eine Komposition, welche aus Kobaltoxydul und Thonerde besteht, also von der Smalte wesentlich verschieden ist. Sie kann erhalten werden, wenn man reinen weißen Thon mit der Lösung eines Kobaltsalzes tränkt, trocknet und glüht, schöner aber in der Art, daß man zu der Lösung von 100 Tln. Alaun 5-10 Tle. (je nach der verlangten Nüance) schwefelsaures Kobaltoxydul mischt, die Mischung zur Trockne eindampft und die Masse 6-8 Stunden in heller Rotglut hält. Es bleiben dann nur noch die Basen der Salze übrig, zu einem blauen Körper verbunden, der mit Wasser fein gemahlen wird. Diese Farbe ist als ein Kobaltoxydulaluminat zu betrachten. Das Blau hat nicht ganz das Feuer und die Deckkraft der künstlichen Ultramarine, erscheint auch bei Lampenlicht unrein violett, ein Fehler übrigens, der allen Kobaltblaufarben eigen ist. Die sächsischen Blaufarbenwerke haben bis jetzt die Fabrikation dieser Ware fortgesetzt, obschon sie neben dem eigentlichen Ultramarin kaum bestehen zu können scheint. -
Eine hübsche auch bei Lampenlicht rein himmelblaue Farbe, gut deckend und dauerhaft, ist endlich das Coelin (Coeruleum), bestehend aus Kobaltoxydul und Zinnsäure mit einem starken Zusatz (30-50%) Gips. Der sächsische Preiskurant enthält nur eine Sorte im Preise von 10 Mk. das Kilo. Das K. vermag aber nicht bloß blaue, sondern in gewissen Verbindungen auch andre Farben zu liefern, namentlich Grün und Gelb. ¶