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Im Sommer 2010 konnte das Sozialarchiv aus dem Volkshaus Zürich umfangreiche Archivalien der Sektionen Zürich Stadt & Institutionen sowie Kanton Zürich (ehemals: Staatspersonal) des Schweizerischen Verbandes des Personals öffentlicher Dienste vpod übernehmen. Bereits zu einem früheren Zeitpunkt waren dem Sozialarchiv die Archive der Sektionen Zürich Lehrberufe und Zürich Eidgenössisches Personal übergeben worden. Diese Bestände sind verzeichnet und können ohne Benutzungsbeschränkungen konsultiert werden. Sie geben faszinierende Einblicke in die Geschichte der Interessenorganisation und der Arbeitsbeziehungen im öffentlichen Dienst, was hier am Beispiel der städtischen Arbeiter stark verkürzt skizziert werden soll:
Die Gründung von Gewerkschaften im Bereich der kommunalen Betriebe erfolgte in der Schweiz später als in der Privatwirtschaft und beim Bund (Post, Bahn). Zu erklären ist dies in erster Linie durch den Zeitpunkt der Herausbildung (und Kommunalisierung) der Produktions- und Dienstleistungsbereiche Gas, Wasser, Elektrizität und Strassenbahnen. Bis zur Wende zum 20. Jahrhundert waren die von Städten und Gemeinden angestellten Arbeiter hauptsächlich beim Strassenunterhalt und bei der Kehrichtabfuhr beschäftigt. Zur Mehrheit handelte es sich um ungelernte Arbeiter mit tiefem gesellschaftlichen Ansehen und einer schwach ausgeprägten Berufsidentität. Die Arbeitsbedingungen der Kommunalarbeiter waren schlecht, die Bezahlung tief.
In Zürich stand die Gründung des Vereins städtischer Arbeiter im Zusammenhang mit der Eingemeindung von elf Aussengemeinden (1893). 1905 wurden landesweite Gewerkschaften gegründet: der Schweizerische Gemeinde- und Staatsarbeiterverband und der Strassenbahnerverband. Im Gegensatz zu den meisten anderen Gewerkschaften erfolgte sowohl die Gründung des VPOD als auch dessen Verbandsentwicklung in enger Anlehnung an die Sozialdemokratische Partei. Träger der Interessendurchsetzung waren ja in erster Linie die SP-Vertreter in den Parlamenten.
Die städtischen Arbeiter und Angestellten sind bis heute in Gruppen organisiert, beispielsweise in den Gruppen Zoo, EWZ, VBZ Depot/Garagenpersonal, Schutz & Rettung, Kunsthaus, Verwaltung und Behindertentransporte. Im Archiv sind aber auch Gruppen dokumentiert, die mit dem Wegfall der entsprechenden Dienstleistungen längst verschwunden sind, z.B. die Gruppe Laternenbesorger und Anzünder, die Gruppe Gaswerk Schlieren oder die Gruppe Suppenküche.
Signaturen:
Literatur:
Robert Fluder: Interessenorganisationen und kollektive Arbeitsbeziehungen im öffentlichen Dienst der Schweiz. Entstehung, Mitgliedschaft, Organisation und Politik seit 1940, Zürich 1996. (Signatur SozArch: 100402)