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Wohl Basel, 1570/71
Silber, Halter aus Stahl
Umschrift in barocken Versalien:
* SIGIL : * FACVLTAT * MEDICAE BASILIENSIS *
Dm. 4,05 cm
Inv. 1973.227.
In den Jahren 1450-1459 hatten 27 Basler in Erfurt studiert. An der 1460 eröffneten Universität Basel lehrten fünf Dozenten, die in Erfurt den akademischen Titel erworben hatten. Diese persönlichen Beziehungen erklären, warum man die Universität Basel weitgehend nach dem Vorbild von Erfurt organisierte; die Basler Statuten stimmen zum Teil wörtlich mit jenen von Erfurt überein. Die Abhängigkeit von Erfurt zeigt sich sogar in der Wahl der Siegelbilder. Wie in Erfurt wählte man auch in Basel den Lukasstier (ohne den Evangelisten selbst) für das Siegel der medizinischen Fakultät. Der Evangelist Lukas soll nach einer Textstelle im Paulusbrief an die Kolosser Arzt gewesen sein (Kol. 4,14). Das Symbol für Lukas, der Stier, wurde deshalb auch als Symbol der Ärzteschaft verwendet. Schon das ältere Siegel der medizinischen Fakultät zeigte den Lukasstier.
Im jüngeren Siegelstempel - seine Herstellung ist für die Jahre 1570/71 in Schriftquellen belegt - hält der Stier mit den Vorderbeinen ein offenes Buch mit der Inschrift LV / KAS // ME / DI / CVS. Es ist unklar, warum die Fakultät 1570/71 diesen Siegelstempel herstellen liess, hat sich doch ein sehr ähnlicher Stempel aus dem 15. Jahrhundert bis heute erhalten; vielleicht war der alte Stempel für kurze Zeit abhanden gekommen.