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Nach ihrem Coup am Sonntag am Sprung mit dem Gewinn der ersten olympischen Medaille einer Schweizer Kunstturnerin gelang Steingruber der Abschluss ihrer zweiten Olympischen Spiele alles andere als nach Wunsch. “Ich war sehr motiviert, vielleicht übermotiviert”, sagte Steingruber. Anstatt des erneuten Sprungs auf das Podest, hatte sie zum Abschluss der Kunstturn-Wettkämpfe in der Rio Olympic Arena eine Enttäuschung zu verarbeiten. “Vielleicht fehlte etwas die Energie.”
Steingrubers Malheur hatte sich früh angekündigt. Bereits nach wenigen Sekunden kam die Ostschweizerin bei einem Spagatsprung beinahe ins Stolpern. Wenige Sekunden später und nach der ersten Diagonalen war der Traum von einer zweiten Olympia-Medaille geplatzt. Die Landung konnte sie nicht kontrollieren und musste mit den Händen auf den Boden greifen.
Danach war die Konzentration weg. Steingruber stürzte nach der dritten Diagonalen erneut, was die Note auf 11,800 sinken liess, letztlich aber keine grosse Rolle mehr spielte. In der Qualifikation hatte Steingruber für ihren Vortrag 14,666 Punkte erhalten, im Mehrkampf-Final steigerte sie sich auf 14,733 Punkte. So stark wie bei ihrem EM-Titel im Juni in Bern präsentierte sie sich in den Tagen von Rio aber nie.
Spätestens wenn die Enttäuschung verflogen ist, wird bei Steingruber aber die Freude über die gewonnene Bronzemedaille am Sprung überwiegen. “Rio war der absolute Höhepunkt. Ich hätte nie gedacht, dass es so gut ausgehen und ich eine Medaille gewinnen würde.” Sie nehme trotz des schwachen Abschlusses das Positive mit. “Und aus dem Negativen lernt man”, so Steingruber, die bereits wieder nach vorne blickte. Nach zwei Wochen Ferien beginnt der Aufbau für den Swiss Cup Zürich im Herbst.
Gold holte sich wie erwartet Simone Biles aus den USA. Mit der vierten Goldmedaille egalisierte die Turnkönigin von Rio den Rekord der Russin Larissa Latynina (1956), der Tschechoslowakin Vera Caslavska (1968) und der Rumänin Ecaterina Szabo (1984). Silber ging an Biles’ Landsfrau Alexandra Raisman, Bronze sicherte sich die erst 16-jährige Amy Tinkler, die einzige Britin in einem Gerätefinal.
Am Reck krönte der Deutsche Fabian Hambüchen mit dem ersten Olympiasieg seine eindrückliche Karriere. Der 28-Jährige, der 2008 Bronze und 2012 Silber gewonnen hatte, wurde seiner Favoritenrolle gerecht und siegte vor dem Amerikaner Danell Leyva aus den USA und Europameister Nile Wilson aus Grossbritannien. Der Niederländer Epke Zonderland, der Olympiasieger von 2012, stürzte. Für Deutschland war es die erste Kunstturn-Goldmedaille seit Andreas Wecker an den Sommerspielen 1996 in Atlanta.
Am Barren schaffte der Ukrainer Oleg Wernjajew, was ihm im Mehrkampf-Final noch knapp verwehrt geblieben war. Der 22-Jährige aus Donezk krönte sich an seinem Paradegerät zum Olympiasieger. Wernjajew siegte trotz ein paar Unsauberkeiten bei der Haltung mit 16,041 Punkten vor Leyva und dem Russen David Beljawski.
(SDA)