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Noch schnell einen Burger auf dem Weg ins Kino. Eine Portion Pommes für das hungrige Kind. Ein Sandwich in der zu kurzen Mittagspause. Das schnelle Essen auf der Strasse ist selbstverständlicher Teil unserer Verpflegung.
Fast Food gibt es seit Jahrhunderten
Dies war auch in längst vergangenen Zeiten nicht anders: So lag in der Römerstadt Augusta Raurica die Taberna gleich beim Theater, die Theatergänger verpflegten sich dort vor der Vorstellung über die Strasse weg. Und viele Römer – vor allem die ärmeren – hatten keine Küche zu Hause und besorgten sich ihr Essen in einer öffentlichen Garküche.
Auch im Mittelalter gab es nicht nur fliegende Händler, die allerlei Esswaren verkauften, sondern auch richtige Strassenkantinen, die die Bauarbeiter einer Grossbaustelle – etwa einer Kathedrale – verpflegten.
Fast Food liess die Gemüter kochen
Vom Begriff «Fast Food» hörte man in der Schweiz allerdings erst in den 1960er-Jahren. In den 70ern wurde er gar zum Politikum: Als 1976 in Genf und 1981 in Zürich die ersten McDonald's-Filialen aufgingen, kochten die Gemüter.
Der spätere Bundesrat Moritz Leuenberger sprach vom «kulinarischen Affront für jeden halbwegs kultivierten Mitteleuropäer» und eine militante Gruppe, die sich «Kommando Grober Ernst» nannte, zündete im Juni 1982 die McDonald's-Filiale in Zürich an.
Als in Basel das gelbe M Einzug hielt, machte man sich an der Fasnacht darüber lustig: «Fast Food: Fast kasch es frässe und food kasch es gheie.» Kleiner Seitenblick nach Italien: Dort wurde als Protest und Reaktion gegen McDonald's in Rom die Bewegung «Slow Food» gegründet.
«Brötli-Bar» als Vorreiter
Bei all der Empörung: Das schnelle Essen auf die Hand gab es schon vorher in der Schweiz. Im Jahr 1898 eröffnete in Basel eine «Amerikanische Bar», sie hiess «Nessler’s» und bot in Selbstbedienung 50 Sorten belegte Brötchen an. Die Bar mit der schnellen Verpflegung hat überlebt, mit wechselnden Besitzern und Namen, und ist heute als «Brötli-Bar» eine Institution in Basel.
Klassischerweise wird amerikanisches Fast Food mit Burger und Pommes Frites assoziiert. Aber auch dieses Standardmenü haben nicht die US-Amerikaner mit McDonald's, Burger King und Co. in die Schweiz gebracht.
Ein Schweizer Burger-Pionier
Der Schweizer Gastropionier Ueli Prager, Gründer von Mövenpick, begeisterte sich auf einer USA-Reise für die dortigen Diner-Konzepte und eröffnete schon 1962 das erste Silberkugel-Restaurant. Hier bot er in Selbstbedienung nach amerikanischem Vorbild einen Burger namens «Beefy» an – 14 Jahre vor der ersten McDonald's-Filiale in der Schweiz.
Prager erkannte auch, dass Fast Food ausser in den Städten vor allem an Autobahnen gut funktionierte. So eröffnete er 1968 eine Silberkugel an der Autobahnraststätte «Deitingen Süd». Er besetzte damit eine Nische, bevor die amerikanischen Ketten in der Schweiz überhaupt Fuss fassten.
Schon bald expandierte Prager weiter und setzte auf ein Tochterunternehmen im wahrsten Sinne: Mit dem Selbstbedienungskonzept «Cindy» – Namensgeberin war auf Wunsch von Pragers Tochter die Märchenfigur Cinderella – schuf er 1972 eine weitere Diner-Kette. Diese existiert bis heute.
Streetfood statt Fast Food
Heute ist Fast Food allgegenwärtig – und immer noch oder immer wieder in der Kritik, etwa wenn es um die Herkunft der Produkte, vor allem des Fleisches, geht. Aber auch die Abfallberge durch die Verpackungen schaffen immer noch Ärger.
Gleichzeitig hat sich Fast Food diversifiziert, und der Begriff «Streetfood» hat «Fast Food» schon fast abgelöst. In schicken Food-Trucks wird allerlei angeboten, was schnell im Stehen gegessen werden kann – ganz wie früher in der Römerstadt Augusta Raurica oder auf dem mittelalterlichen Marktplatz.