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Starke Zunahme der Chinesinnen und Chinesen
7. Februar 2013 - Klemens Rosin
Am 10. Februar 2013 wird das chinesische Neujahrsfest zum Auftakt des Jahres der Wasserschlange gefeiert. Wird dieser Anlass in Zukunft in Zürich vermehrt gefeiert? Anlässlich des diesjährigen chinesischen Neujahrsfests wurde untersucht, inwiefern sich Anzahl und Demografie der in Zürich lebenden Chinesinnen und Chinesen verändert haben.
In den letzten dreissig Jahren hat die Anzahl chinesischer Personen in der Stadt Zürich deutlich zugenommen: Während im Jahr 1980 weniger als hundert Chinesinnen und Chinesen in der Stadt Zürich wohnten, stieg die Zahl bis im Jahr 2000 auf über 500 Personen an. Der bedeutendste Anstieg fand aber seit 2001 statt: Von 2001 bis 2011 stieg die Anzahl Menschen aus China um mehr als das Doppelte. Im Jahr 2011 lebten knapp 1300 Chinesinnen und Chinesen in der Stadt Zürich. Damit machten sie 0,3 Prozent der Wohnbevölkerung beziehungsweise 1,1 Prozent der Ausländerinnen und Ausländer der Stadt Zürich aus.
Im Jahr 2011 waren ungefähr drei von vier Chinesinnen und Chinesen in der Stadt Zürich zwischen 20 und 39 Jahre alt. Dieser Anteil hat sich in den letzten Jahren nur geringfügig verändert. Hingegen fand eine Verschiebung innerhalb dieser Altersklasse statt: Während sich der Anteil der 20- bis 29-Jährigen von 33 auf 40 Prozent erhöhte, hat der Prozentsatz der 30- bis 39-Jährigen in den letzten zehn Jahren entsprechend abgenommen. Die Chinesinnen und Chinesen in der Stadt Zürich waren in den letzten Jahren tendenziell jünger. Der Anteil der 60-jährigen und älteren Personen aus China war im Jahr 2011 relativ gering (2,1 %).
Im Jahr 2011 wohnten fast 30 Prozent der Chinesinnen und Chinesen in der Stadt Zürich seit weniger als einem Jahr hier. Beinahe 60 Prozent der Menschen aus China sind vor weniger als drei Jahren in die Stadt Zürich gezogen; bei allen anderen Ausländerinnen und Ausländern beträgt dieser Anteil weniger als 40 Prozent. Im Jahr 2011 lebten weniger als acht Prozent der Chinesinnen und Chinesen länger als zehn Jahre in der Stadt Zürich. Diese Fakten sind wenig erstaunlich, da der Zuwachs der Menschen aus China vor allem in der Zeit seit 2001 stattgefunden hat.
Im Jahr 2011 zogen fast 500 Chinesinnen und Chinesen nach Zürich sowie etwas knapp 400 aus der Stadt Zürich weg. Von den Zuziehenden zogen fast alle als Einzelpersonen nach Zürich (92 %). Beim Wegzug aus der Stadt Zürich sieht es anders aus: Ein Viertel der Chinesinnen und Chinesen ziehen als Familien und drei Viertel als Einzelpersonen aus der Stadt Zürich weg. Dieser Umstand konnte seit mehreren Jahren beobachtet werden; das bedeutet, dass Chinesinnen und Chinesen in Zürich heirateten respektive Kinder gebaren.
Bei Eheschliessungen mit Schweizerinnen und Schweizern zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen chinesischen Frauen und Männern: Im Mittel gab es pro Jahr über 15 Eheschliessungen zwischen Chinesinnen und Schweizern, jedoch nur drei zwischen Schweizerinnen und Chinesen (Jahre 2000 bis 2011). Chinesen heirateten vor allem Chinesinnen (57 %), vor Schweizerinnen (25 %) und Frauen anderer Nationalität (18 %). Chinesinnen ehelichten insbesondere Schweizer (49 %) vor Männern anderer Nationalität (26 %) und Chinesen (25 %).
In den letzten Jahren hat auch die Zahl chinesischer Kinder in der Stadt Zürich zugenommen. Von 2000 bis 2011 stieg die Anzahl Chinesinnen und Chinesen unter 16 Jahren etwa um das Doppelte auf einen Bestand von über 120 Kinder. Davon waren 55 Prozent männlich und 45 Prozent weiblich.
In der Stadt Zürich waren zwei Drittel der chinesischen Familien Ein-Kind-Familien (Jahr 2011). Bei Schweizer Familien machte dieser Familientyp knapp die Hälfte aus. Umgekehrt sind Zwei-Kinder-Familien bei Schweizern häufiger als bei Chinesen. Das häufige Vorkommen der chinesischen Ein-Kind-Familien kann nicht a priori mit der chinesischen Ein-Kind-Politik begründet werden. Andere Faktoren wie das soziale Umfeld in der Stadt Zürich, finanzielle Möglichkeiten, sozialer Status, Alter sowie Aufenthaltsdauer in Zürich können ebenso eine Rolle spielen.
Seit dem Jahr 2000 wurden über 270 Babys mit Wohnsitz in der Stadt Zürich geboren, deren Mutter oder Vater die chinesische Staatsbürgerschaft hatten. Dabei wurden einerseits chinesische (z.B. Mandarin, Kantonesisch) aber auch andere Namen vergeben. Bei chinesischen Namen waren Yang und Lun (Knaben) respektive Xinyuan und Zi (Mädchen) häufig. Diese Namen wurden oft mit nicht-chinesischen Namen wie Michael oder Elisabeth kombiniert (erster, zweiter oder dritter Vorname).
Je 36 Prozent der Babys trugen entweder nur einen chinesischen oder einen nicht-chinesischen Namen; etwa 28 Prozent hatten sowohl einen chinesischen als auch einen nicht-chinesischen Namen. Letztere werden sich mühelos in China sowie in der Schweiz mit dem passenden Vornamen vorstellen können.
Ein Viertel studiert, ein Achtel arbeitet in der Gastronomie
Stimmen die Klischees, dass Menschen aus China vor allem in Berufen wie Informatik, Wirtschaft oder Medizin in der Stadt Zürich tätig sind? Im Jahr 2011 waren mehr als ein Viertel der Chinesinnen und Chinesen Studierende. Die meisten davon waren an der ETH sowie der Universität Zürich eingeschrieben. Die ETH hatte im Herbstsemester 2011 fast 20 Bachelor- und 130 Masterstudierende aus China zu verzeichnen; an der Universität Zürich studierten etwa 100 Personen aus China.
Von den in der Stadt Zürich wohnenden chinesischen Personen war fast jede Achte in der Wissenschaft (z.B. Doktorierende, Dozierende) tätig. Etwa gleich viele übten einen Beruf in der Gastronomie aus (12,3 %). Von den 175 als nichterwerbstätig gemeldeten Personen arbeiteten 94 Prozent als Hausfrauen. Berufe in Bereichen wie Informatik (3,3 %), Wirtschaft (2,5 %) oder Medizin (1,7 %) waren erstaunlich selten vertreten; das Klischee konnte nicht bestätigt werden.