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Babys kann man nichts vormachen
Bereits mit sechs Monaten können Babys unterscheiden, ob es andere ernst mit ihnen meinen oder ob sie bloss etwas vorgespielt bekommen. Das berichten Wissenschaftler der englischen Universität York in der Fachzeitschrift Infancy. In einem Experiment konnten sie zeigen, dass neun- und sogar sechsmonatige Säuglinge erkennen können, ob erwachsene Personen ihnen Spielzeuge absichtlich verweigern oder ob das unfreiwillig geschieht.
Die Psychologen um Heidi Marsh untersuchten dazu 40 Babys im Alter von sechs und neun Monaten. Die Kleinen sassen auf Mamas Schoss an einem Tisch und bekamen von den gegenüber sitzenden Forschern eine Babyrassel gezeigt. Sie erhielten diese jedoch nicht, weil die Forscher ihre Hand entweder demonstrativ (neckend) zurückzogen oder weil das begehrte Objekt "zufällig" herunterfiel und auf die Tischseite der Forscher zurückrollte. Der erste Versuch stellte eine bewusste Verweigerung dar, der zweite die Unfähigkeit aufgrund höherer Gewalt.
Den Säuglingen beider Altersgruppen gelang es, differenziert auf die Absichten der Forscher zu reagieren. Wurde die Rassel bewusst verweigert, so wandten die Babys beider Altersgruppen ihre Blicke ab, zogen ein enttäuschtes Gesicht und äusserten ihren Unmut. Die Neunmonatigen konnten sich motorisch noch stärker äussern, z.B. indem sie eine Faust machten oder selbst nach der Rassel greifen wollten.
Im anderen Fall, dem Herunterfallen der Rassel, streckten sie viel eher die offenen Hände aus (eine Geste der Hilfestellung) und lächelten, so als ob sie das Problem verstehen würden. Eine wichtige Informationsquelle für die Babys dürfte der unglückliche Gesichtsausdruck der Forscher gewesen sein, als die Rassel herunterfiel.
Ein Baby kann also schon sehr gut beurteilen, ob etwas nicht passiert, weil die äusseren Umstände ungünstig sind (die Rassel fällt herunter) oder weil es ihm bewusst verweigert wird (die Rassel wird weggezogen). Für Eltern und Erzieher bedeutet das, dass es sich lohnt, dem Kind Hilfsbereitschaft und Zugewandtheit zu vermitteln. Es wird die gute Absicht sehr wahrscheinlich verstehen und geduldiger sein, wenn etwas nicht gleich klappt.
Neu ist diese Erkenntnis laut den Forschern vor allem, weil man den Zeitpunkt der Unterscheidungsfähigkeit bisher erst mit neun Monaten angesetzt hatte. "Dass Babys schon mit sechs Monaten so weit sind, wird ersichtlich sobald man nicht nur die Bewegungen, sondern auch andere soziale Ausdrucksformen beobachtet, die bisher ausser Acht gelassen wurden", so die Studienleiterin Marsh. Als derartige altersgerechten Signale werteten die Forscher etwa Müdigkeit, Blickvermeidung, Lächeln oder auch Lautäusserungen.
Sichtbar wurde dabei auch die Weiterentwicklung der Eigenständigkeit, die zwischen dem sechsten und neunten Monat geschieht. Sechsmonatige Babys zeigten bei Verweigerung der Erwachsenen negatives emotionales Verhalten wie Stirnrunzeln oder Weinen, bei vorgespieltem guten Willen positive Emotionen. "Die Neunmonatigen zeigen weniger Gefühlsausbrüche, jedoch mehr körperliche Ausdrücke wie aktiven Widerstand, da sie bereits eigenständiger sind", erklärt Marsh.
Quelle: www.yorku.ca
Stand: 2/10, BH