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Classement thématique série 1848–1945:
I. LA SUISSE ET LA SOCIÉTÉ DES NATIONS
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Es war mir leider in den letzten Tagen nicht möglich, mit offiziellen Persönlichkeiten Deutschlands über den Ausgang der Abstimmung in der Schweiz betreffend den Beitritt zum Völkerbund Rücksprache zu nehmen, aber ich weiss durch Besprechungen mit Personen, welche führenden Männern der Regierung nahestehen und mit Angehörigen der Deutschen Liga für den Völkerbund, dass man an jenen Stellen aufrichtig erfreut ist über den Beitritt der Schweiz. Die Ansichten, die hier herrschen, scheinen mir in der beiliegenden Drahtmeldung der offiziösen «Deutschen Allgemeinen Zeitung» richtig zum Ausdruck gebracht zu sein: Man freut sich über den Beitritt der Schweiz um des Grundsatzes willen, der durch die Abstimmung zum ersten Mal eine plebiszitäre Sanktion erhalten hat, und man freut sich namentlich um Deutschlands willen, weil die Ansicht doch stark verbreitet ist, dass eine Revision des Friedensvertrages nur auf dem Wege über den Völkerbund erreicht werden könne, dem auch die bisherigen Neutralen angehören, und endlich begrüsst man die Stellungnahme der Schweiz, weil man den jetzigen Völkerbund, so schlecht und einseitig er auch sein mag, doch als Grundlage betrachtet, auf welcher besseres aufgebaut werden kann. Man freut sich aber nicht minder aufrichtig über die starke Opposition, welche in der verwerfenden Minderheit zum Ausdruck gekommen ist und erblickt darin den erhobenen Warnfinger, welcher die führenden Staaten im Völkerbund daran erinnern soll, dass die jetzige Form des Bundes den Empfindungen der Neutralen doch nicht gerecht werde.
Anlässlich eines Empfanges, welchen die hier anwesenden Vertreter des Internationalen Roten Kreuzes am Dienstagabend gegeben haben und zu welchem alle Teilnehmer an der Konferenz geladen waren, von welcher ich in meinem letzten Brief schrieb2, konnte ich das grosse Interesse feststellen, das allgemein der Abstimmung in der Schweiz entgegengebracht worden ist. Der norwegische Forscher Fritjof Nansen, der ebenfalls zugegen war, sprach mir seine besondere Freude aus.
Die Herren des Roten Kreuzes hatten mich als Vertreter der Schweiz ebenfalls zu dem Empfang geladen, und so bot sich mir die Gelegenheit, mit Herrn Kopp, Vertreter der Soviet-Regierung und gleichzeitig Führer der deutschen Soldatenräte in Russland, bekannt zu werden. Ich sprach Herrn Kopp natürlich von unserem Schweizertransport und von dem Befremden, das wir empfinden wegen der Verspätung der Ankunft des Zuges in Narwa. Kopp tat dergleichen, als ob er von der Sache so gut wie gar nichts wisse und meinte, die Schweizer werden zweifellos herausgelassen werden, sobald der Zug mit den Russen in Russland eingetroffen sein werde. Er fügte bei: «So viel ich weiss, sind die Russen bisher nicht über Libauhinausgekommen».
Die Herren des Roten Kreuzes sind sehr befriedigt von dem Ergebnis der Sitzungen, welche in den letzten Tagen stattgefunden haben und an welchen in der Hauptsache folgende Länder offiziell beteiligt waren: Deutschland, Soviet-Russland, Österreich, Ungarn, Tschechoslowakei, Jugoslavien, d.h. also: diejenigen Länder, welche jetzt noch Gefangene in Russland bzw. in Deutschland haben. Von deutscher Seite haben offizielle Vertreter des Auswärtigen Amtes mitgewirkt, und am Empfange von Dienstag ist der Minister des Auswärtigen auch erschienen. Die Verhandlungen sind geleitet worden durch Nansen als Vertreter des Völkerbundes. [...]3
- 1
- Rapport politique: E 2300 Berlin, Archiv-Nr. 21/1.↩
- 2
- Dans ce rapport politique non reproduit du 17 mai 1920 le ministre de Suisse donnait quelques informations sur la conférence con voquée à Berlin pour traiter du rapatriement des prisonniers de guerre.↩
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