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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

5. Vortrag.
3.
Warum ist Johannes zu taufen gesandt worden? Dies habe ich, wie ich mich erinnere, so gut ich konnte, eurer Liebe bereits gesagt. Wenn nämlich die Taufe des Johannes zu unserem Heile notwendig war, dann müßte sie auch jetzt noch in Übung sein. Denn nicht werden jetzt die Menschen nicht selig oder jetzt nicht mehrere [S. 70] selig, noch auch war damals das Heil ein anderes als jetzt. Wenn Christus sich geändert hat, dann hat sich auch das Heil geändert; wenn aber das Heil in Christus ist, und Christus derselbe ist, ist auch das Heil für uns dasselbe. Aber warum wurde Johannes zu taufen gesandt? Weil Christus getauft werden mußte. Warum mußte Christus getauft werden? Nun, warum mußte Christus geboren werden? Warum mußte Christus gekreuzigt werden1? Wenn er nämlich gekommen war, den Weg der Demut zu zeigen und sich selbst zum Weg der Demut zu machen, so mußte er in allem verdemütigt werden. Auf diese Weise würdigte er sich, seiner Taufe Ansehen zu verschaffen, damit die Diener erkennen möchten, mit welcher Freudigkeit sie zur Taufe des Herrn eilen sollten, da er selbst sich nicht weigerte, die Taufe des Dieners zu empfangen. Denn Johannes erhielt die Vergünstigung, daß sie seine Taufe genannt wurde.
1: Augustin beantwortet die Frage: warum Christus getauft werden mußte, durch Gegenfragen wie Vortrag IV, 13.