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Viele Unternehmen zahlen keine familiengerechten Löhne und betreiben eine familienfeindliche Personalpolitik. In manchen Branchen liegen die Minimallöhne bei 3'500 bis 4'000 Franken. Das Existenzminimum für eine Familie mit zwei Kindern beträgt 4'000 Franken. Eine Familie kann bei solchen Tiefstlöhnen ihren Aufgaben nicht gerecht werden. Sie braucht dazu mehr als den blossen Anspruch auf das Existenzminimum. Kommt hinzu, dass Unternehmen ihre Stellen vielfach mit Leuten ohne familiäre Verpflichtungen besetzen, um ihrer sozialen Verantwortung zu entgehen. Gleichzeitig beziehen die Kader grosszügige Boni und hohe Löhne, und die Unternehmen selbst machen satte Gewinne. Diese Gewinne würden es durchaus erlauben, den Unterprivilegierten bessere Löhne zu bezahlen und mehr Arbeitnehmer zu beschäftigen. So wie die schweizerische Gesellschaft zunehmend das physische Leben am Anfang und am Ende der menschlichen Existenz nicht mehr schützt – jüngst beispielsweise mit der Zulassung der Sterbehilfe am Universitätsspital Lausanne -, so lässt sie auch den wirtschaftlichen und sozialen Tod vieler Menschen zu. Wer miserable Löhne bezahlt und eine familienunfreundliche Unternehmenspolitik betreibt, hat alleweil Chancen, zum Unternehmer des Jahres ernannt zu werden. Geschmacklos sondergleichen ist, wenn die Wirtschaftszeitung "Bilanz" dem Volk jährlich und kritiklos die 300 reichsten Schweizer vor Augen führt.
"Wann je griff ein demokratischer Staat so brutal konkret in die Existenz von Einzelnen ein?" In der Wirtschaft demgegenüber "etabliert sich langsam, aber stetig eine neue feudalistische Herrschaftsform" (Ringier-Kolumnist Frank A. Meier).