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Armer, kleiner Hund
Hektor torkelt in die Praxis. Mit Alkohol hat das aber nichts zu tun. Der Jack Russell hat Probleme mit seinen Bandscheiben. Es muss schnell gehandelt werden ...
Der kleine Hund, der in die Praxis kam, hatte offensichtlich Mühe beim Gehen. Ich hatte ihn draussen bereits jaulen gehört, als er aus dem Auto gehoben wurde. Sein Gang war seltsam schwankend. «Wie betrunken», meinte der Besitzer. Hektor liess sich auch nicht gerne von mir abtasten. Jegliches Berühren der Hinterbeine tat ihm weh. Ich untersuchte den Jack Russell Terrier so gut es ging. Er zeigte Lähmungen an beiden Hinterbeinen, wobei die rechte Seite stärker betroffen war. Am Rücken aber hatte er die stärksten Schmerzen. Bei seinen Lendenwirbeln fand ich eine besonders schmerzhafte Stelle, welche für die Nervenausfälle und die Lähmungen der Hinterbeine verantwortlich war.
Während der Hund sich am Boden liegend von dem Untersuch erholte, diskutierte ich mit dem Besitzer. «Höchstwahrscheinlich leidet Hektor an einem Bandscheibenvorfall. Dabei ist eine Bandscheibe zerstört und drückt auf sein Rückenmark. Das Rückenmark aber besteht aus Nervenleitungen. Diese können nun ebenfalls zerstört oder hoffentlich nur temporär abgedrückt sein.»
Im Rückenmark laufen zum einen die motorischen (befehlenden) Nervenbahnen hinunter und die sensiblen (empfangenden) Bahnen zum Gehirn hinauf. Ist dieses Mark beschädigt, so leidet der Hund an Funktionsausfällen und Empfindungsstörungen der dahinter liegenden Strukturen. Hektor hatte Glück. Seine Lähmungen waren noch nicht sehr ausgeprägt. Er wusste wohl nicht genau, wo sich seine Hinterbeine befanden. Blase und Darm aber konnte er noch gut kontrollieren.
Hektor musste unbedingt operiert werden. Und zwar so rasch wie möglich, denn je grösser der Vorfall würde, desto schlimmere Lähmungen würden bleiben. «Wenn Hektor schliesslich auch eine gelähmte Blase hat, so sinken seine Überlebenschancen. Ein Hund ohne Blasen- und Darmkontrolle, zudem mit gelähmten Hinterbeinen, leidet zu stark.»
Die Besitzer machten lange Gesichter. Sie wägten alles sorgfältig ab: Die schwere Operation, die finanzielle Bürde und schliesslich die Tatsache, dass Hektor noch viele andere Bandscheiben besass, welche vielleicht irgendeinmal ebenfalls Probleme machen könnten.
Einige Tage später las ich mit Freuden den Überweisungsbericht des Chirurgen. Hektor hatte sich gut von der Operation erholt. Er würde zwar lebenslang etwas torkeln, doch das sei die einzige Erinnerung an den Bandscheibenvorfall. Für die Nachkontrolle kam Hektor in die Praxis. Ein Hund voll neuer Lebensfreude wedelte im Untersuchungszimmer herum. Einzig beim Setzen sah man, dass er etwas schwache Hinterbeine hatte. Die Besitzer strahlten. «Er hat mit seinen Hinterbeinen leben gelernt!» Und er hatte «seine Menschen» gut erzogen: «Wenn er auf die Couch will, bellt er so lange, bis wir ihm raufhelfen!»
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