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Vulkan des Monats Oktober:
Mauna Loa (USA)
Kartengrundlage:
mineralienatlas.de
David Howard Hitchcock:
Mokuaweoweo at Top of Mauna Loa
(1896)
Diese Aufnahme aus dem Jahr 2012 verschafft einen Eindruck von der imponierenden Grösse der Mokuaweoweo-Gipfelcaldera.
Foto: USGS/HVO
1935 wurde am Mauna Loa erstmals versucht, einen Lavafluss aus der Luft zu bombardieren und dadurch in breitere, weniger bedrohliche Bahnen abzulenken. Eingesetzt wurden dazu leichte Bomber vom Typ Keystone B-3 (Foto) bzw. Keystone LB-6 des U.S. Army Air Corps.
Foto: USAF
Auf dieser Aufnahme aus dem Jahr 1933 starten drei Keystone-Bomber von Luke Field auf Ford Island (Oahu). Im Hintergrund sind die Marineeinrichtungen von Pearl Harbour zu sehen.
Foto: USAF
Ausblick auf die Eruptionswolke über dem Mauna Loa aus einem der Flugzeuge, das 1935 an der Bombardierung beteiligt war.
Screenshot aus dem Wochenschaufilm «U.S. Fliers bomb Hawaii Volcano to divert Lava».
Im Frühjahr 1942 wurde der Mauna Loa ein zweites Mal bombardiert, als Hilo erneut von Lavaströmen bedroht war. Der Erfolg war entgegen der Bildlegende im Life-Magazine (Ausgabe vom 1. Juni 1942, Foto) wiederum nicht durchschlagend. Dennoch führte die amerikanische Luftwaffe auch noch 1975 und 1976 Probeabwürfe am Nordhang des Mauna Loa durch.
Quelle: Life

Vulkan des Monats Oktober: Mauna Loa
USA, Hawaii (Big Island)
19.48°N, 155.61°W
Laufnummer Global Volcanism Program: 332020 (ex 1302-02)
Gipfelhöhe: 4170 mü.M.
Kurzcharakteristik: Schildvulkan
Nach dem kunsthistorischen Exkurs zum Kilauea richtet sich der Blick diesen Monat auf den Mauna Loa, den mächtigen Nachbarn des Kilauea. Oft und gerne wird der Mauna Loa als grösster aktiver Vulkan der Welt bezeichnet. Zwar ist das mit den Superlativen immer so eine Sache. Aber zumindest bezüglich der Höhe ist dieses Vulkanmassiv gewiss unübertroffen. Denn zu den 4170 Metern, die sich der Mauna Loa über den Meeresspiegel erhebt, kommen noch mehr als 5000 Meter bis zum Meeresboden hinzu. Das macht den Mauna Loa zu einem Koloss von weit über 9000 Metern Höhe, und seine untermeerische Basis soll einen Durchmesser von rund 200 Kilometern haben.
Der beeindruckende Berg ist das Resultat unzähliger Ausbrüche, bei denen sich eine Decke meist dünnflüssiger Lava über die andere legte. So entstand der flach gerundete Schild, dessen enorme Höhe aus der Ferne kaum glaubhaft erscheint. Seinen Gipfel krönt eine steilwandig eingebrochene, ovale Caldera von 4800 Metern Länge und 2400 Metern Breite, die Mokuaweoweo genannt wird - der Ort des rotglühenden Feuers. Flankiert wird dieser Bereich von schachtförmig eingebrochenen Kratern: dem North Pit, dem Lua Poholo und dem South Pit. Weitere Pitkrater schliessen sich weiter südwestlich an: der Lua Hohonu (Deep Pit) und der Lua Hou (New Pit). Vom Gipfel streichen zudem Bruchzonen etwa 50 Kilometer nach Nordosten und 100 Kilometer nach Südwesten, und das zum Teil bis in den untermeerischen Bereich hinein.
Allein seit 1850 waren die Gipfelcaldera sowie die Bruchzonen mehr als 30-mal Ausgangspunkt von zum Teil gewaltigen Lavaergüssen*, die meist über grosse Distanzen abflossen und manchmal sogar die an der Ostküste der Insel gelegene Inselhauptstadt Hilo bedrohten. Das war etwa im Jahr 1935 der Fall. Am 21. November begann damals hoch oben an der nordöstlichen Bruchzone eine Eruption, die sich schon bald auf tiefergelegene Spalten ausweitete. Unaufhörlich flossen die geförderten Lavamassen in breiten Strömen in die Tiefe, und ab dem 22. Dezember näherte sich die Lavafront mit einer Geschwindigkeit von rund 2 Kilometern pro Tag der Inselhauptstadt Hilo.
Angesichts dieser Gefahr reifte offenbar innert kürzester Zeit die Idee, den Lavafluss bereits hoch oben am Berg zu bombardieren, um seine Hauptfliessbahnen aufzubrechen, den Lavastrom in die Breite zu verteilen und dadurch den weiteren Vorstoss zu stoppen. Angedacht hat die Bombardierung Lorrin Thurston, der einflussreiche Verleger des Honolulu Advisers, ausgearbeitet wurde sie von Thomas Augustus Jaggar, dem Initianten und langjährigen Leiter des Hawaiian Volcano Observatory (HVO), durchgeführt wurde sie mit Flugzeugen des U.S. Army Air Corps, die zu diesem Zweck von Luke Field bei Honolulu nach Hilo verlegt worden sind, und geleitet wurde die Operation auf Seiten der U.S. Army von einem gewissen Lieutenant Colonel George S. Patton - derselbe, der später als forscher Weltkriegsgeneral grosse Bekanntheit erlangen sollte.
Nach einem Rekognoszierungsflug am 26. Dezember starteten am Morgen des 27. Dezembers die ersten Flugzeuge zu ihrer Mission (eine zweite Welle folgte noch am gleichen Nachmittag). Jede Maschine trug vier Bomben mit sich: zwei Übungsbomben für einen Probelauf und zwei Sprengbomben (je 161 Kilogramm TNT) für den eigentlichen Einsatz. Die Zuschauer am Fuss des Mauna Loa waren offenbar sehr beeindruckt von der Wirkung der Bomben. Zum Donnern der Explosionen spritzten Fontänen glühender Lava in alle Richtungen, und tatsächlich unterbrach die Lavafront wenige Stunden nach der Bombardierung zumindest vorübergehend ihren Vorstoss. Ganz zum Stillstand kam sie allerdings erst am 2. Januar 1936, knapp 20 Kilometer vor Hilos Kaumana Road.
Der zuvor ständig von Geldsorgen geplagte HVO-Direktor Thomas A. Jaggar stellte die Bombardierung gerne als durchschlagenden Erfolg dar und freute sich sichtlich an der grossen Aufmerksamkeit, die auch seine bisherige Arbeit durch diese spektakuläre Aktion erhalten hatte. Jedenfalls war die Zukunft des HVO finanziell abgesichert, als er wenige Jahre darauf seinen Posten als Direktor weitergab. Andere Wissenschaftler, die im Nachgang das bombardierte Gebiet untersuchten, zweifelten allerdings rasch einmal an der beschworenen Wirkung der Bombenabwürfe: Die Lavafront habe damals vielmehr ihren Vorstoss gestoppt, weil die Eruption ohnehin zu Ende gegangen sei.
* Die bislang jüngste Eruptionsphase am Mauna Loa setzte praktisch ohne Vorwarnung in der Nacht vom 24. auf den 25. März 1984 ein (sogar die renommierten Vulkanologen Katia und Maurice Krafft, die damals zufällig wegen einer privaten Einladung vor Ort weilten, wurden völlig überrascht von der Meldung zu nächtlicher Stunde). Die Förderung begann mit Lavafontänen im Südwesten der Gipfelcaldera und verlagerte sich schon nach wenigen Stunden auf tiefergelegene Schlote entlang der nordöstlichen Bruchzone. Der kanalisierte Hauptstrom stiess innert weniger Tage 29 Kilometer weit vor und kam am 29. März lediglich 6,5 Kilometer vor den Aussenbezirken von Hilo zum Stillstand. Am 15. April ging diese Eruptionsphase zu Ende. Insgesamt wurden in dieser kurzen Zeit 220 Millionen Kubikmeter gefördert, die eine Fläche von 48 Quadratkilometern zudeckten.
Seither blieb der Mauna Loa nur oberflächlich ruhig, und auch dieser Tage bläht er sich wieder auf, was auf eine verstärkte Magmazufuhr im Untergrund hinweist. Daher erhöhten die Vulkanologen des HVO jüngst (am 17. September) die Gefahrenstufe von «Normal» auf «Advisory» (Vulkan zeigt Zeichen erhöhter Unruhe) und setzten folgerichtig auch den Aviation Color Code auf die Stufe «gelb». Dies heisst nicht, dass der Vulkan nun unmittelbar vor einem Ausbruch stünde. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass mittelfristig mit einer Eruption zu rechnen ist, nimmt offenbar zu. Immerhin förderte der Mauna Loa seit mittlerweile 31 Jahren keine Laven mehr. Eine so lange Pause gab es noch nie in jüngerer Vergangenheit.
Empfohlener Link:
Ein Wochenschau-Ausschnitt der Bombardierung im Jahr 1935 ist abrufbar unter:
http://www.criticalpast.com/video/65675069574_bomb-Mauna-Loa_divert-lava_Keystone-B-3A_Keystone-LB-6A_United-States-fliers

Buchtipp:
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Quellen:
Global Volcanism Program
NASA Earth Observatory
Eruptions/Erik Klemetti
Volcano Live/John Seach
SVEUROP
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