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Der Plan von Pierre de Coubertin, dem Begründer der Olympischen Spiele der Neuzeit, ging nicht auf. Die parallele Durchführung mit der Weltausstellung in Paris sollte dem noch jungen Sport-Event zu Glanz und Ruhm verhelfen. Aber es kam ganz anderes. Während die Industrie ihre Leistungen perfekt präsentierte, fiel der Sport komplett durch. Als lästiges Anhängsel der Weltausstellung verkamen die Wettkämpfe vor 120 Jahren zur Nebensächlichkeit. Denn De Coubertin fand mit seinen Anliegen beim Organisator kein Gehör, sie wurden oft als bedeutungslos abgekanzelt.
Dies führte aus Sicht des Sports zu teilweise chaotischen Zuständen: Die Spiele erstreckten sich über fünfeinhalb Monate (bis 28. Oktober), die Zuschauer waren eher zufällige Zaungäste, und es gab Sportler, die niemals oder erst Jahre später erfuhren, dass sie an Olympischen Spielen teilgenommen hatten. Die Wettkampforte waren über ganz Paris verteilt, und zum Teil stellten die Teilnehmer auch erst in Paris fest, dass neben ihnen noch unbekannte Sportler aus demselben Land angereist waren.
Der am Kongress von 1894 gefällte Entscheid, die I. Olympischen Spiele nicht 1900 in Paris auszutragen, sondern eher kurzfristig 1896 in Athen einzuberufen, gilt rückblickend als Glücksfall der Geschichte. Es ist kaum vorstellbar, dass die olympische Idee überlebt hätte, wären zuerst die vom Chaos geprägten Spiele von Paris veranstaltet worden.
Die Historiker, welche Paris 1900 aufarbeiteten, standen vor der schwierigen Aufgabe, die olympischen Fakten aus dem Wirrwarr von Wettkämpfen und Teilnehmern für die Nachwelt heraus zu filtern. Olympische und nichtolympische Sportarten und Disziplinen standen vereint im Programm, wie das Wettfischen beim Wassersport beweist. Es gab Automobil-Wettfahrten eigens für Taxis und Lieferwagen oder Flugsport, bei denen man Spielzeug-Drachen steigen liess.
Schweiz stellt erste Olympiasiegerin
Gleichwohl steht Paris 1900 auch für Erfreuliches. Erstmals durften Frauen an Wettkämpfen bei Olympischen Spielen teilnehmen - gegen den Willen von De Coubertin. An sechs Wettkämpfen in vier Sportarten stand das weibliche Geschlecht am Start. Und ausgerechnet die Schweiz, in der Historie nicht gerade die Vorreiterin für die Gleichstellung der Frau bekannt, stellte die erste Olympiasiegerin! Es war die Gräfin Hélène de Pourtalès, die am 22. Mai bei den Segelwettkämpfen in der Bootsklasse 1 bis 2 Tonnen zur Besatzung zählte, und damit nicht nur erste teilnehmende Frau in der olympischen Geschichte war, sondern gleich auch erste Olympiasiegerin. Dass die Gräfin eine gebürtige Amerikanerin war, muss ja nicht an die grosse Glocke gehängt werden. Zusammen mit ihrem Mann und ihrem Neffen führte die damals 32-Jährige ihr Boot zum Sieg.
Auch der Blick auf den Medaillenspiegel lässt aus Schweizer Sicht nichts von der Tristesse des Sports unter dem Eiffelturm erahnen. Der Schütze Konrad Stäheli war mit drei Siegen und einem 3. Platz der zweiterfolgreichste Teilnehmer.