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Grünes Licht für neue Kohlehäfen am Great Barrier Reef
Australiens neue konservative Regierung hat mehrere riesige Rohstoffprojekte bewilligt, die laut Kritikern das Überleben des grössten Korallenriffs der Welt gefährden könnten.
Von Urs Wälterlin
Canberra. – In Australien haben sich die schlimmsten Befürchtungen der Umweltschützer bestätigt, nachdem die konservative Regierung unter Premierminister Tony Abbott an der Ostküste mehrere grosse Rohstoffprojekte bewilligt hat. Dazu gehört der Bau des grössten Kohleverladehafens der Welt. Um den Frachtern das Anlegen in der neuen Anlage zu ermöglichen, sollen aus dem alten Hafen Millionen Kubikmeter teils mit Schwermetallen verseuchter Meeresboden ausgebaggert und in den Riff-Gewässern abgeladen werden. Die Bewilligung für dieses so genannte «Dumping» wurde von Umweltschutzgruppen und Wissenschaftlern gestern heftig verurteilt. Premierminister Abbotts «Missachtung» des Klimawandels und des grössten Korallenriffs der Welt sei «kriminell», meinte Larissa Waters, eine Senatorin der Grünen Partei.
Das Great Barrier Reef an der Ostküste des Kontinents ist gut 2000 Kilometer lang und mit 348 000 Quadratkilometern fast neunmal so gross wie die Schweiz. Prognosen zufolge soll das Riff schon im Jahr 2050 grösstenteils zerstört sein. Die Folgen des Klimawandels, die Übersäuerung des Meerwassers, die Auswirkungen von Landwirtschaft und Industrie in den Küstengebieten – all diese Faktoren tragen laut Wissenschaftlern dazu bei, dass schon heute Teile des Riffs abgestorben oder zumindest krank sind.
Angeblich «strikte» Bedingungen
Umweltminister Greg Hunt hat nicht nur das Dumping bewilligt, er hat auch dem Antrag des indischen Kohlegiganten Adani stattgegeben, einen weiteren, neuen Kohlehafen zu bauen. Ebenfalls grünes Licht erhielt eine Kohleflözgas-Anlage. Im Rahmen ihres Baus sollen 1,4 Millionen Tonnen Meeresboden ausgebaggert werden. Hunt hatte vor ein paar Jahren das Dumping solchen Schlammes im Gebiet des Riffs noch als Umweltverschmutzung verurteilt. Jetzt meint er, er habe alle Bewilligungen von «148 strikten Bedingungen» abhängig gemacht. So müssten unter anderem negative Auswirkungen auf die Wasserqualität kompensiert werden. Er weist darauf hin, dass es sich bei den betroffenen Gebieten um bereits «schwer industrialisierte» Regionen handle.
Status als Weltnaturerbe gefährdet
Das dürfte die Gegner nicht beruhigen. Richard Leck von der Umweltorganisation WWF meinte gestern: «Das Dumping gigantischer Mengen Sediment zu einer Zeit, in der der Zustand des Riffs ohnehin schlecht ist, widerspricht dem, was uns die Wissenschaft sagt.» Gefährdet ist durch den Entscheid der Regierung auch der Status des Riffs als UNO-Weltnaturerbe. Erst vor Kurzem hatte die UNO-Kulturorganisation Unesco Australien an seine Verpflichtung erinnert, das Riff besser zu schützen. Die Regierung dagegen weist auf die wirtschaftliche Bedeutung der Region hin und die damit verbundenen Arbeitsplätze.
Das Hinterland von Queensland beherbergt einige der grössten Kohlevorkommen der Welt. Hunderte Millionen Tonnen des Brennstoffs werden jährlich nach Asien exportiert. Bereits heute ist Australien der weltgrösste Kohleexporteur. Mit der wachsenden Zahl von Kohlefrachtern, die durch das Riff fahren würden, steige auch die Gefahr einer Ölpest, warnen Experten.