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BERIMBAU
Man kennt die wahre Herkunft dieses eigenartigen, und von seinem Sound her faszinierenden Instruments, das einem Flitzbogen ähnelt, nicht genau und auch nicht den Weg, den es bis zu seiner Herstellung und Verwendung in Brasilien genommen hat. Man weiss allerdings von seinem Einsatz in verschiedenen Teilen der Welt – inklusive in Afrika, im Territorium von Bengalen.
Das vorwiegend für den Rhythmus eingesetzte Instrument besteht aus einem etwa 1,5 Meter langen Holzbogen, über den ein Metalldraht gespannt ist. Eine “Cabaça“ (hohle Kürbisschale) – in diesem Fall als Klangkörper zur einen Seite hin offen – ist am unteren Ende des Bogens, nach aussen hin, befestigt – zirka 25 bis 30 cm oberhalb des Bogen-Endes, mittels einer Schnur. Dieselbe Schnur ist auch vom Kürbis-Klangkörper über den Metalldraht (die Bogensehne) gespannt, und wenn man sie mit dem Finger etwas drückt, verändert sie den Klang des Metalldrahts beim Anschlagen desselben. Ausserdem werden die Töne des “Berimbau“ auch noch durch den Körper des Musikers selbst beeinflusst, indem dieser beim Spielen die Öffnung des Kürbis-Klangkörpers näher oder weiter weg von seinem Bauch hält und so das Schallloch mehr schliesst oder weiter öffnet. Die anderen drei Komponenten des Sounds sind eine Metallmünze, die an den vibrierenden Metalldraht gehalten wird, ein kleines Stöckchen, um gegen den Draht zu schlagen, sowie eine kleinere Rassel (Caxixi), die der Musiker, an einem der Finger seiner den Rhythmus schlagenden Hand, mitbewegt.
Das Instrument besitzt eine Menge anderer Namen – je nach Region oder Land – und ist bereits mehrfach zum Studienobjekt in akademischen Abhandlungen auserkoren worden. Es wird als das vollkommenste Perkussions-Instrument bezeichnet. In Brasilien kennt man es unter: “Berimbau, Urucungo, Orucungo, Oricungo, Uricungo, Rucungo, Berimbau de barriga, Gobo, Marimbau, Bucumbumba, Gunga, Macungo, Matungo” und “Rucumbo”. In Cuba, dem südamerikanischen Land, in dem es ebenso gut bekannt ist, wie in Brasilien, nennt man es: “Sambi, Pandiguro, Gorokikamo” und ebenfalls “Burumbumba”. In Cuba findet es in den afro-kubanischen religiösen Zeremonien Anwendung – diese Verwendung ist dagegen in Brasilien nicht üblich. “Burumbumba” (buro = reden, sprechen – und mbumba = Bezeichnung für einen Toten oder Geist der Familie) ist das Instrument, welches mit den Toten spricht.
ATABAQUE
Ein Wort aus der arabischen Terminologie – das Instrument wurde bereits in der mittelalterlichen Poesie verwendet und war eins der bevorzugten Instrumente der Könige, die es bei Festen und innerhalb von Musikgruppen einsetzten. Das “Atabaque” ist sehr verbreitet in Afrika, wurde aber – nach Untersuchungen von Waldeloir do Rego – in Brasilien von den Portugiesen eingeführt. In seinen Anfängen benutzte man dieses Instrument auch bei religiösen Festen. Während einiger Zeit war es von den Capoeira-Runden ausgeschlossen. Nach Mestre Bimba war dies eine Massnahme, damit die Leute nicht glauben sollten, Capoeira habe etwas mit “Candomblé” (religiöse Kulthandlung afrikanischer Herkunft) zutun.
Das Instrument selbst ist gefertigt aus Edelholz, wie zum Beispiel “Jacarandá” (Palisander), Zeder oder “Mogno” (Brasilholz) – daraus werden breite Leisten geschnitten, die miteinander durch Metallbögen unterschiedlichen Durchmessers verbunden sind und dadurch dem Instrument, von unten nach oben, eine konisch-zylindrische Form verleihen. Am breiteren oberen Ende sind so genannte “Travas” (Querriegel) angebracht, welche ein Stück bestens gegerbter Ochsenhaut als Bespannung festhalten. Das einer kleineren Trommel ähnliche Instrument wird mit zwei Schlegeln geschlagen – allerdings manchmal auch nur mit einem Schlegel in der einen und der blossen anderen Hand – je nach Rhythmus Grösse des Instruments.
PANDEIRO
Dies ist ein Instrument, das von den alten Phöniziern stammt, und sein Format, im Gegensatz zu der heute üblichen runden Form, war ehemals quadratisch. Im Lauf der Zeit hat man es perfektioniert und die ehemals darüber gespannte Tierhaut ist heutzutage einer Nylonbespannung gewichen. Die Tierhaut produziert eine wesentlich bessere Tonqualität, man hat aber mit ihr mehr Abstimmungs-Probleme, weil sie auf die entsprechende Luftfeuchtigkeit reagiert. Es besteht aus einem schmalen, kreisrund gepressten Reifen aus Holz von etwa 35 cm Durchmesser, in den kleine, runde Metall- oder Bronzescheibchen eingelassen sind, die man bei uns “Platinelas“ nennt. Der Reifen ist überspannt mit einer Tierhaut (heutzutage auch Nylon) die mit der Hand des Musikers bearbeitet wird. Man hält das Instrument mit der einen Hand fest, während der Daumen und Ballen der anderen Hand die Wirbel auf der Bespannung schlagen. Offene oder verdeckte Töne entlockt man dem Instrument mittels Druck des Daumens oder Mittelfingers, der das Instrument haltenden Hand, auf die Bespannung. Der Daumen sorgt dabei, in der Regel, für die Unterdrückung der Töne im oberen Teil der Bespannungsfläche, der Mittelfinger dagegen im unteren Teil.
AGOGÔ
Das glockenähnlich klingende Metall-Instrument stammt aus Afrika und besteht aus zwei unterschiedlich grossen, etwas konisch zulaufenden Metallglocken, die am oberen Ende durch einen u-förmigen Metallbügel mit einander verbunden sind. Normalerweise sind die beiden “Glocken“ auf einen Tonintervall von einer Terz abgestimmt. Man fasst das Instrument mit der einen Hand am Metallbügel und schlägt den Rhythmus, auf den Glocken, mittels eines Metallstabs in der andern. Einmal vorgegeben, wird der Rhythmus bei traditionellen Stücken durchgehend eingehalten – es ist ein bevorzugtes Rhythmusinstrument für den “Capoeira de Angola“ – wird inzwischen aber auch in modernen Orchestern bereits eingesetzt, und zwar in Situationen, in denen die Improvisation ganz unterschiedliche Variationen verlangt.
RECO-RECO
Auch das Reco-reco ist ein typisches Instrument aus der rhythmischen Untermalung des “Capoeira de Angola”. Die antiken Instrumente dieses Genres waren anders als die neuzeitlichen Typen, sie wurden aus den Fruchtschalen des “Cabaceiro“ (Kalebassen-Kürbis) hergestellt – demselben Material, das für die “Cabaça“ des Berimbau Verwendung findet – für das “Reco-reco“ verwendete man vorzugsweise eine ihrer längeren Formen. Die wurde entlang ihrer länglichen Oberfläche eingesägt, mit verschiedenen, nicht sehr tiefen Schnitten in kurzem Abstand untereinander, und über die strich man im Rhythmus der Musik mit der “Baqueta“ (einem Stäbchen) entlang und brachte so die “ratschenden“ Töne hervor – wie bei den modernen “Reco-recos“.
Ein typisches, vom Volksmund geprägtes, Instrument – sein Klang ist tatsächlich dem gesprochen Namen sehr ähnlich! Heutzutage ist dieses Instrument, als ebenfalls wichtiger Bestandteil des akustischen Repertoires einer Samba-Schule, soweit technisch aufgerüstet worden, dass es auch unter freiem Himmel nicht mehr zu überhören ist. Es besteht inzwischen aus einem 30 bis 40 cm langen, schmalen Metallgehäuse, in dem, der Länge nach, zwei dicke Spiralfedern gespannt sind, die ihrerseits die Bambuskerben ersetzen, das Metallgehäuse verhilft dem Instrument zu seiner enormen Resonanz, wenn man mit einem Metall- oder Holzstäbchen über die Spiralfedern streicht.