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Die Geschichte klingt unglaublich: Frachtschiffe, die über die Alpen fahren. Vor mehr als 100 Jahren wollte der italienische Ingenieur mit Bündner Wurzeln, Pietro Caminada, mit dieser Idee den Warenverkehr revolutionieren.
Sie war fast in Vergessenheit geraten, die grosse Vision des Pietro Caminada, wäre da nicht Kurt Wanner gewesen. Der ehemalige Lehrer und frühere Gemeindepräsident von Splügen publizierte 2005 einen grossen Artikel dazu.
Sogar der italienische König fand die Idee hervorragend.
Angefacht wurde sein Feuer für Caminada durch einen kleinen Text in der Lokalzeitung, erzählt Wanner. Daraufhin habe er angefangen zu recherchieren. Zutage gefördert hat er damals die faszinierende Geschichte von Pietro Caminada und seiner 600 Kilometer langen Schiffsverbindung von Genua über den Splügenpass bis nach Basel in den Rhein.
Caminada wollte die Schiffe über bestehende Kanäle, Flüsse und Seen schicken. Angefangen in Genua, weiter Richtung Mailand, dann nach Chiavenna. Dort war die eigentliche Schlüsselstelle geplant, der Aufstieg zum Splügenpass.
Wie den Höhenunterschied überwinden?
Um die Schiffe auf der einen Seite der Berge hinauf und auf der anderen Seite wieder herunterzubringen, habe Caminada eine spezielle Schleuse erfunden, erklärt Wanner. Diese wären serpentinenartig an den Hang gebaut worden.
Die Schiffe wären in eine Art Röhre gefahren, diese hätte man hinten verschlossen und dann Wasser hineingeleitet. Der steigende Wasserpegel hätte das an einer Schiene fixierte Schiff nach oben gebracht.
In Graubünden und im Tessin wurde Caminadas Projekt belächelt.
Caminadas Vision sei auf viel Zustimmung gestossen in seiner Heimat, sagt Kurt Wanner. «Sogar der italienische König fand die Idee hervorragend.» Anders sah es im Norden des Splügenpasses aus.
Man habe zu dieser Zeit andere Pläne gehabt. Die Eisenbahn stand im Zentrum, Projekte für Alpenbahnen waren angesagt. «In Graubünden und im Tessin wurde Caminadas Projekt belächelt», erklärt Wanner.
Die grosse Vision von einer Schiffsverbindung über die Alpen stand am Schluss unter einem schlechten Stern. Fehlende Unterstützung im Norden und der Ausbruch des Ersten Weltkriegs liessen die spektakulären Pläne am Schluss scheitern.
Die Bilder stammen zum Teil aus dem Buch von Andreas Teuscher: Schweiz am Meer. Pläne für den «Central-Hafen» Europas inklusive Alpenüberquerung mit Schiffen im 20. Jahrhundert. Limmat Verlag, Zürich 2014
Grosse Ideen – grandios gescheitert
Bauprojekte, politische Ideen oder gesellschaftliche Veränderungen: Eine Serie erzählt die Geschichten unglaublicher Projekte aus der Schweiz.