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Einige kurze Auszüge aus dem programmatischen Vortrag Tillichs von 1919.
Theologie ist nicht Wissenschaft von einem besonderen Gegenstand neben anderen, den wir Gott nennen; einer solchen Wissenschaft hat die Kritik ein Ende gemacht. Sie hat auch die Theologie vom Himmel auf die Erde herabgeführt. Theologie ist ein Teil Religionswissenschaft, nämlich der systematisch-normative Teil. (S. 14)
Religion ist Erfahrung des Unbedingten und das heisst Erfahrung schlechthinniger Realität auf Grund der Erfahrung schlechthinniger Nichtigkeit; es wird erfahren die Nichtigkeit des Seienden, die Nichtigkeit der Werte, die Nichtigkeit des persönlichen Lebens; wo diese Erfahrung zum absoluten, radikalen Nein geführt hat, da schlägt sie um in eine ebenso absolute Erfahrung der Realität, in ein radikales Ja. (S. 18)
Aufgabe der Theologie der Kultur ist es, diesen Prozess in allen Gebieten und Schöpfungen der Kultur zu verfolgen und zum Ausdruck zu bringen. Aber nicht vom Schwerpunkt der Form her; das wäre Aufgabe der betreffenden Kulturwissenschaft selbst, sondern vom Gehalt her, als Kulturtheologie… Es kommt darauf an, dass die konkreten religiösen Erlebnisse, die in allen grossen Kulturerscheinungen eingebettet liegen, herausgestellt und zur Darstellung gebracht werden. (S. 19)
Unter Gehalt aber ist zu verstehen der Sinn, die geistige Substanzialität, die der Form erst ihre Bedeutung gibt. man kann also sagen: Der Gehalt wird an einem Inhalt mittels der Form ergriffen und zum Ausdruck gebracht. (S. 20)
Paul Tillich. Über die Idee einer Theologie der Kultur (1919). In: Ders. Gesammelte Werke, Band IX. Die religiöse Substanz der Kultur. Evangelisches Verlagswerk: Stuttgart, 1967. S. 13-31.