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Georges Cuvier (1769 – 1832)
Meisterhafter Anatom und Paläontologe, der aber in einer statischen Weltanschauung verharrte
Georges Léopold Chrétien Frédéric Dagobert Cuvier wurde 1769 als Sohn einer Hugenottenfamilie in Mömpelgard geboren (heute Montbéliard, nahe Belfort, gehörte damals zu Württemberg). Seine Schulzeit verbrachte er an der Karlsschule in Stuttgart.
Als Hauslehrer in einer protestantischen Familie in der Normandie nahm er die Gelegenheit wahr, an der Kanalküste die Vielfalt der Meerestiere zu studieren. Vor allem Fische, aber auch Mollusken, Würmer und Seesterne boten ihm reiches Material für vergleichende Anatomie. Er sezierte mit grossem Geschick und fertigte genaue Abbildungen von seinen Forschungen an. Einige dieser Zeichnungen gelangten in die Hände des Biologen Geoffroy de Saint-Hilaire, der die hohe Begabung von Cuvier für Vergleichende Anatomie entdeckte.
1795 vermittelte er ihm eine Stelle als Lehrer für Naturgeschichte an der Zentralschule in Paris. Bald darauf wurde er Professor für Vergleichenden Anatomie. Vier Jahre später wurde er an das Collège de France berufen. Er war auch als Berater der Kaiserlichen Universität und als Staatsberater unter Napoleon und später unter Louis XVIII tätig. 1831 wurde er wegen seiner Verdienste zum Baron erhoben.
Cuvier war bemüht um eine systematische Klassifizierung des Tierreichs nach natürlichen Kriterien. Sein System hat er in einer Vorlesung 1796 vorgestellt; es wurde zwei Jahre später publiziert. In einer späteren Arbeit erweiterte er seine Klassifikation, indem er alle Tiere in vier grosse Klassen (sogenannte embranchements) unterteilte, die er als nicht aufeinander zurückführbar beschrieb. Seine vier Embranchements waren die
- Articulata (Gliedertiere)
- Radiata (Hohltiere)
- Vertebrata (Wirbeltiere)
- Mollusca (Weichtiere)
Die französische Revolution und die Umwälzungen danach überstand Cuvier, ohne seine Stellung einzubüssen. Von Napoleon wurde er im Staatsdienst beibehalten, so als General-Inspektor für Schulen in Frankreich. Ab 1802 war Cuvier Sekretär der mathematisch-physikalischen Klasse der Akademie der Wissenschaften in Paris. Von drei französischen Machthabern (Revolution, Napoleon, nachfolgende Monarchie) wurde er als Staatsberater eingesetzt. Unbeschadet und kurz vor seinem Lebensende sogar noch in den Adelsstand erhoben, überstand Cuvier alle politischen Wirren und starb 1832 normal in seinem Bett.
Vor allem im Streit mit den Transformisten Geoffroy de Saint-Hilaire und Lamarck entwickelte Cuvier seine Theorie zur Erklärung von fremdartigen Fossilien. Er nahm an, dass Tiere früherer Zeiten durch gewaltige Naturkatastrophen ausgestorben sind (Katastrophentheorie). Cuvier vertrat die feste Ansicht, dass Arten unveränderlich seien (Dogma der Konstanz der Arten).