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<h2>SubmittedText<h2><p>Welche Auswirkungen haben dungverzehrende Insekten, Würmer und Mikroorganismen und auf unsere Landwirtschaft?</p><p>Insekten sind zentral für das Leben. Oft spricht man von den Bienen, die die Blüten bestäuben und damit den Anbau zahlreicher, für das Überleben des Menschen unverzichtbarer Lebensmittel ermöglichen. Aber es gibt auch die Insekten, die weniger augenfällig sind, aber trotzdem eine wichtige Rolle spielen, weil sie lebenswichtige Nährstoffe in den Boden einarbeiten. Sie stehen auch am Anfang der Nahrungskette, denn sie dienen den Fischen, den Vögeln und manchen Säugetieren als Nahrung.</p><p>Die dungverzehrenden Insekten (Coprophagen), aber auch die Würmer und verschiedene Mikroorganismen zersetzen Dung, insbesondere Mist, und arbeiten die Nährstoffe in den Boden und damit in den natürlichen Kreislauf ein. Dieser Prozess ist für die Fruchtbarkeit des Bodens den Schutz unseres Trinkwassers notwendig. Er ist aber fragil und hängt davon ab, dass die Coprophagen gesund sind.</p><p>In diesem Zusammenhang bitte ich den Bundesrat um Antwort auf folgende Fragen:</p><p>1. Wie viel Kuhmist fällt in der Schweiz jährlich an?</p><p>2. Wie viel Mist produzieren die anderen Nutztiere in der Schweiz pro Jahr?</p><p>3. Welche Alternativen zur natürlichen Zersetzung und zur Einarbeitung des Mists in den Boden, wie oben beschrieben, gibt es und wie hoch sind deren Kosten?</p><p>4. 2017 untersuchte Agroscope die Bedeutung der Bestäubungsleistung von Honig- und Wildbienen für die Landwirtschaft und schätzte den Wert dieser Leistung auf etwa 350 Millionen Franken jährlich. Welche direkte und indirekte Bedeutung haben die Coprophagen für die Landwirtschaft? Und auf wie hoch lässt sich der Wert von deren Leistung pro Jahr beziffern?</p><p>5. Welches sind die wichtigsten Faktoren, die zu einem Rückgang der dungverzehrenden Insekten, Würmer und Mikroorganismen führen?</p><p>6. Welche Folgen hat dieser Rückgang?</p><p>7. Was unternimmt der Bundesrat, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, beispielsweise im Rahmen der Agrarpolitik 22+?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Bodenorganismen tragen zur Erfüllung zahlreicher Bodenfunktionen bei. Die stoffliche Verwertung von tierischen Ausscheidungen durch koprophage Organismen stellt ein wichtiges Element im landwirtschaftlichen Nährstoffkreislauf dar. Durch die Zerkleinerung und Zersetzung der organischen Substanz werden Nährstoffe wieder pflanzenverfügbar und verbleiben im Stoffkreislauf für die Nahrungsmittelproduktion in der Landwirtschaft.</p><p>Zu den Fragen 1 &amp; 2: Die Menge an anfallenden Hofdüngern wird stark durch das Aufstallungssystem und die Menge an eingestreutem Stroh und anderen Streumaterialien beeinflusst. Der Anfall an tierischen Ausscheidungen hängt zudem von Fütterung, Leistungsniveau und Tieralter ab. Eine Übersicht zu durchschnittlich anfallenden Hofdüngermengen für verschiedene Nutztiere in der Schweiz sowie deren Formen und Nährstoffgehalte ist in den "Grundlagen für die Düngung landwirtschaftlicher Kulturen" (GRUD, Agroscope 2017) zu finden. Basierend auf Angaben der GRUD und den Tierbeständen 2019 kann die jährliche Mistmenge für Rinder auf etwa 15 Mio. Tonnen und für Schweine, Schafe, Ziegen, Pferde und Geflügel zusammen auf 5 Mio. Tonnen geschätzt werden.</p><p>Zu den Fragen 3 &amp; 4: Der Rückfluss der Nährstoffe aus Hofdüngern in die landwirtschaftliche Produktion geschieht immer über die Tätigkeit der Bodenorganismen, unabhängig davon, ob Hofdünger zuerst durch Vergärung und Kompostierung energetisch genutzt oder direkt auf die Felder ausgebracht wird. Der Nutzen von Koprophagen kann im Nährstoffkreislauf nicht isoliert betrachtet werden, da diese einen Teil der Artengemeinschaft im Boden darstellen, welche nur als System funktioniert. Eine Bezifferung ihres Wertes ist nicht möglich, jedoch ist der Produktionswert der bodenbewirtschaftenden Landwirtschaft weitestgehend auf das Funktionieren des Bodenökosystems angewiesen.</p><p>Zu den Fragen 5 &amp; 6: Wie vom Nationalen Forschungsprogramm "Nachhaltige Nutzung der Ressource Boden" (NFP 68) dargelegt wurde, können Faktoren wie die Verdichtung von Böden oder der Verlust an organischer Bodensubstanz Bodenorganismen negativ beeinflussen. Auch intensive Bodenbearbeitung oder der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln kann Bodenlebewesen beeinträchtigen. Der Einfluss landwirtschaftlicher Praktiken auf einige Organismen wurde im NFP 68 untersucht, jedoch gab es kein spezifisches Projekt zum Verlust an Biodiversität im Boden. Eine kürzlich in vier europäischen Ländern (Schweden, Vereinigtes Königreich, Tschechische Republik, Griechenland) durchgeführte Studie zeigte jedoch, dass intensive Landwirtschaft zu einer Abnahme der Menge an Bodenorganismen und zu einer Vereinfachung des Nahrungsnetzes im Bodens führt, was sich insgesamt negativ auf die Bodenfunktionen auswirkt.</p><p>Zu Frage 7: Mit der Agrarpolitik 22+ schlägt der Bundesrat ein Anreizsystem zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit analog den Empfehlungen des NFP 68 vor, in welchem bodenschonende Anbausysteme und der Erhalt und Aufbau von organischer Bodensubstanz gefördert wird.</p><p>Zudem wird der Bodenverdichtung durch eine Anpassung der Bestimmungen im Rahmen des ökologischen Leistungsnachweises entgegengewirkt und ein Massnahmenpaket zur Minderung des Risikos durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln vorgeschlagen.</p>  Antwort des Bundesrates.