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Küchlin-Theater, Basel BS
Gastspielbetrieb
Am 31.8.1912 wurde das K., ein Eisenbetonbau im Jugendstil, als ganzjähriger Betrieb mit glanzvollen Revuen, internationalen Artisten, Varietéstars und kinematografischen Vorführungen eröffnet. 1914–92 fand im K. die Vorfasnachtsveranstaltung "Drummeli" statt. Auf Grund finanzieller Schwierigkeiten wandelte der Eigentümer und Leiter Karl Küchlin (1864–1936), vormals Besitzer des →Cardinal-Theaters, das Geschäft 1918 in die Küchlin-Theater AG um, welche das K. von da an verpachtete. Bis 1924 pachtete Dr. Otto Neumann-Hofer das K., 1917 leitete →Michael Isailovits die erste regelrechte Sommerspielzeit (3 Monate) in Küchlin’s Sommertheater in Basel, 1918 wurde Joseph Adelmann künstlerischer Leiter. Im K. wurde bis in die vierziger Jahre ein vielfältiges Programm gezeigt: vorwiegend Varieté, oft mit Tiereinlagen, aber auch Wintergastspiele des Nationalzirkus Knie, eine "Wiener Eisrevue" und Profi-Boxkämpfe. Hinzu kamen Schauspiel-, Opern-, Operetten- und Ballettaufführungen. →Rudolf Bernhard und →Fredy Scheim feierten ihre ersten grossen Erfolge am K. Aus Konkurrenzgründen wurde 1923 mit dem →Stadttheater Basel ein Vertrag abgeschlossen, der das K. in den Veranstaltungen von Operetten und Bauernstücken von November bis März einschränkte. Im September 1924 pachtete Herbert Trau aus Wien das Theater. Die Pächter und Direktoren wechselten in der Folge mehrmals. Im Oktober 1927 übernahm die Liva AG mit Geschäftsführer Josef Adelmann mietweise das K. und veranstaltete mehrheitlich kinematografische Vorführungen. Die Varietédarbietungen wurden aber nach kurzer Zeit auf Wunsch der Besucher wieder aufgenommen. 1931 wurde die Brauerei zum Warteck Eigentümerin des Theaters. Das Cabaret →Resslirytti zeigte in den dreissiger Jahren im Gambrinus-Saal in Basel und im K. seine Produktionen. →Katja Wulff und →Mariette von Meyenburg gastierten mit ihren Tanzabenden. Ab 1938 betrieb die Plaza AG das K., künstlerischer Direktor war bereits seit Jahren Siegfried Kremo. Ende der dreissiger Jahre begannen Gastspiele bekannter Stars wie Josephine Baker, Maurice Chevalier, Lucienne Boyer und →Grock. Der Restaurationsbetrieb im Parterre wurde 1942 eingestellt. In der Saison 1942/43 diente das K. als Schauspielbühne des Stadttheaters Basel (Direktion: →Egon Neudegg, neuer Schauspieldirektor ab jener Saison: →Oskar Wälterlin). Aus diesem Grund wurde der Zuschauerraum stark verkleinert, indem ein Baldachin über diesen gespannt und so der zweite Rang aufgehoben wurde. Gezeigt wurde nach der Eröffnung am 12.9.1942 mit Dodie Smiths "Der erste Frühlingstag" unter anderem →Bertolt Brechts "Mutter Courage und ihre Kinder" mit →Therese Giehse in der Titelrolle. Das Experiment musste wegen der hohen finanziellen Belastung bei sehr kleinen Besucherzahlen nach einer Saison durch Beschluss des Grossen Rats abgebrochen werden. Ab 1943, unter der Leitung von E. Casanova, spielten eine Reihe von Heimatschutztheatern ebenso wie diverse Tournee-Ensembles. Beispielsweise gab die →Baseldytschi Bihni dort Vorstellungen, das →Quodlibet präsentierte 1945 die Uraufführung von →Rudolph Bolo Maeglins "Tricolore über dem Elsass", 1944 wurde →Elsie Attenhofers Stück "Wer wirft den ersten Stein?"uraufgeführt. Im gleichen Jahr zeigte →Marie-Eve Kreis ihre Choreografie von →Charles Ferdinand Ramuz/Strawinskys "L’→Histoire du Soldat"(musikalische Leitung: →Paul Sacher), im März 1945 fand die Uraufführung von →Peter Miegs Ballett "Daphne" statt, →Alfred Rassers "HD-Soldat Läppli" wechselte nach der sehr erfolgreichen Uraufführung Ende 1945 aus Platzgründen in das K. und erreichte dort innerhalb weniger Wochen rund 30’000 Zuschauerinnen und Zuschauer. Auch die weiteren Läppli-Stücke wie "Demokrat Läppli" und "Weltbürger Läppli" wurden dort gezeigt. 1948 übernahm Josy Ceppi das K. und führte es bis 1950 als Varieté und in den folgenden Jahren hauptsächlich als Kino unter dem Namen "Cinéma Küchlin" weiter. 1992 stellte das Bundesgericht das Gebäude unter Denkmalschutz, 2003 wurde dieser Beschluss präzisiert. Im Denkmalverzeichnis eingetragen verbleiben nur die Fassade zur Steinenvorstadt und der grosse Kinosaal. Das bestehende Cinema Küchlin Theater soll durch einen direkt angrenzenden Neubau um sechs Säle zum Multiplexkino Küchlin erweitert werden. Die Eröffnung ist für August 2006 geplant.
Spielstätte
Steinenvorstadt 55, 4051 Basel. Baujahr: 1911/12. Architekten: Widmer, Erlacher & Calini; Fassadengestaltung und Innenarchitektur: Max Läuger; Fassadenreliefs: Karl Albiker. Guckkastenbühne. Hufeisenförmiger Zuschauerraum mit zwei senkrecht übereinander liegenden Rängen. Parterre bis 1942 Restaurationsbestuhlung. Boden zur Bühne hin leicht geneigt. Bühnentunnel, der einen vollständigen Rundgang im Innern ermöglicht. Stallungen und Rampen für kleine und grosse Tiere; Platzkapazität: 1500. Bühne: zirka 10 m breit, zirka 10 m tief, zirka 14 m hoch. Schnürbodenhöhe: rund 18 m. Zwei Seitenbühnen von ungefähr 33 m2 und 42 m2. Vier hintereinander geschachtelte Portalbogen, heute vereinfacht: Höhe zirka 10 m. Technische Bühneneinrichtungen: Kinematografische Anlage; Umbau: 1938 durch Fritz Lodewig. Reduzierung auf 1200 Plätze, Tieferlegung der Bühnenrampe.
Autorin: Eveline Gfeller
Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:
Gfeller, Eveline: Küchlin-Theater, Basel BS, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1046–1047.