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Ein Schatten auf dem Bild
Jean-Claude Humbert stellte den Networkern aus der Romandie sein neustes Theaterstück vor. Er erzählte aus seinem Leben und wie es dazu gekommen ist, dass er seine Arbeit als Notar aufgab, um Schriftsteller und Schauspieler zu werden.
Am 16. Februar organisierte die Regionalgruppe Genf einen virtuellen Apéro. Zugeschaltet haben sich kulturaffine Networker aus der ganzen Romandie. Sie folgten den Ausführungen von Jean-Claude Humbert, der sein neues Theaterstück «Une ombre au tableau» (dt. Ein Schatten auf dem Bild) vorstellte.
Networker Jean-Claude ist derjenige, der vor einigen Jahren im Genfer Staatsarchiv auf ein Prozessprotokoll stiess: Am 10. Juni 1566 verurteilte die Genfer Obrigkeit den erst 15-jährigen Bartholomé Tecia wegen seiner Homosexualität zum Tod durch Ertränken in der Rhône. Dieser aus heutiger Sicht furchtbare Justizirrtum inspirierte Jean-Claude zu einem Theaterstück, das 2008 uraufgeführt wurde. Dieses Stück wiederum war Anlass für Network, gemeinsam mit der Stadt Genf Bartholomé Tecia eine Gedenktafel und im Oktober einen eignen Gedenktag zu widmen.
Dabei ist Jean-Claude eigentlich relativ spät zum Schreiben gekommen: An der Universität Genf studierte er Jura und arbeitete bis 1990 als Notar. Auf einer Amerikareise in den 1980er Jahren war Jean-Claude von der grassierenden Aids-Epidemie tief beindruckt und bewegt. Er hatte viele Freunde an die Krankheit verloren und so entschloss er sich, seine sichere bürgerliche Karriere zu beenden und sich fortan dem Theater und dem Schreiben zu widmen. «Dieser Entscheid war für mich eine Befreiung », sagte Jean-Claude zu den zugeschalteten Networker. Er bildete sich weiter, besuchte Kurse, machte Praktika und arbeitete an seinem ersten Buch, das 1999 erschien und «Voyage avec les morts qui dansent» heisst; 2003 folgte dann « Désirs de vie ». Für sein Theaterstück « Bartholomé Tecia » erhielt Jean-Claude den Prix de la Société Genevoise des Écrivains und für seine Kurzgeschichte «Ivresse » 2009 den Prix de la Fête de la Poésie.
Locker moderierte Regionaleiter Jaime Coghi Arias durch den gut einstündigen Zoom-Apéro. Wann Jean-Claudes neues Stück aufgeführt werden wird, ist zurzeit leider noch unklar. Der Autor versicherte aber, dass die Proben bereits Fahrt aufgenommen haben, so dass man dann bereit sei, wenn die wegen Covid-19 getroffenen Massnahmen gelockert werden.
Im Stück selbst geht es ums Älterwerden und die Liebe: um «accroche-âge» ein französisches Wortspiel (l’accrochage = Zusammenstoss/ l’accroche = der Blickfang und âge=Alter). Das von Etienne Francey gestaltete Theaterplakat zeigt ein Bild der amerikanischen Künstlerin Marya Veeck, das Jean-Claude in Chicago erstanden hatte, und dieses «accroche-âge» sehr gut darstelle: Die Suche der Protagonisten nach deren Wurzeln und Identität.
Text: Michel BossartZurück