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25. Nikolaus I. von Gutenburg
Nikolaus I. von Gutenburg (1357-64)433. Die Erledigung der Abtei durch den Hl. Stuhl hatte zur Folge, daß auch diesem deren Neubesetzung zufiel. Darum kann es nicht wundern, daß kein Einsiedler Konventuale nachfolgte. Es ist möglich, daß auf Heinrichs Vorschlag der bisherige Propst der Reichenau (nach Oehem wäre er Thesaurar gewesen) , Nikolaus von Gutenburg, ausersehen wurde. Dieser ist seit 1328 auf der Reichenau nachweisbar434, trat aber sonst weiter nicht hervor. Durch Bulle vom 22. Dezember 1357 übertrug ihm Papst Innozenz VI. die Abtei435. Da er die dem päpstlichen Hof zu entrichtenden Abgaben nicht innert der festgesetzten Zeit bezahlen konnte, verfiel er der Suspension, Exkommunikation und Irregularität, das Stift dem Interdikt. Am 3. Dezember 1359 wurde er endlich losgesprochen; ein Zeichen, daß er seinen Verpflichtungen nachgekommen war436.
Gerade diese Vorkommnisse zeigen, wie schlimm die finanzielle Lage des Gotteshauses fortwährend war. Das Gesamteinkommen des Stiftes wird für die Zeit von 1360 und 1370 auf 257 Mark eingeschätzt (ca. 13,364 Fr.). Man griff, um der Finanznot zu steuern, auch hier wieder zum Mittel der Inkorporation. Bischof Heinrich III. zeigte sich sehr entgegenkommend und inkorporierte im September 1362 die Pfarreien Eschenz, Ufnau und Stäfa437. Die kleine Pfarrei Wagen wurde der Gnadenkapelle inkorporiert, unter der Bedingung jedoch, daß der Kaplan der Gnadenkapelle jährlich eine Jahrzeit für den Bischof begehe438. Wegen der Quart zu Ettiswil kam mit Bischof Heinrich 1363 ein Vertrag zustande439. - Um der Geldnot zu steuern, wurde auch ein Gut in Neuheim, mit dem das Patronatsrecht der dortigen Kirche verbunden war, an das Kloster Kappel veräußert440, welchen Verkauf Bischof Heinrich den 16. November 1363 genehmigte441.
Bischof Heinrich war es auch, der am 25. Juni 1361 die schon früher erfolgte Stiftung des Spitals in Einsiedeln bestätigte442. Den Waldschwestern von Einsiedeln erlaubte der Bischof schon 1359, daß sie ihren alten Habit, den sie auf Verlangen des Vikars des Bischofs Johannes Windlock hatten ablegen müssen, wieder tragen durften443.
Für die Wallfahrt nach Einsiedeln war von größerer Bedeutung der 1358 erfolgte Bau der Seebrücke von Rapperswil, den die Herzöge Rudolf und Albrecht von Österreich im Verein mit den Bürgern von Rapperswil ausführten. Die Herzöge von Österreich, die 1354 Neu-Rapperswil erworben hatten, gelangten nämlich 1358 auch in den Besitz von Alt-Rapperswil (bei Altendorf) und die dazu gehörigen Gebiete. Darum lag ihnen an dieser Verbindung sehr viel. Zum Entgelt für das Fahrrecht, das Einsiedeln und seine Leute zu Hürden hier über den See besaßen und das nun gegenstandslos geworden war, befreite Herzog Albrecht das Haus, welches das Kloster in Rapperswil besaß (und heute noch besitzt), von Steuer und Wachtdienst und Einsiedeln und seine Leute von dem Brückenzoll444. Dem österreichischen Vogt zu Rapperswil, Johannes von Langenhart, der sich um das Zustandekommen der Brücke offenbar am meisten verdient gemacht, mußten die Herzöge dafür die wiedererworbene Vogtei über das Gotteshaus u. a. m. verpfänden445. Die Vogtei über die Güter in Etliswil ging 1357 kaufweise von denen von Trostberg an die Ritter von Luternau über446.
Auch im Kloster Fahr machte Bischof Heinrich den 21. Februar 1359 für sich und seine bischöflichen Vorgänger eine Jahrzeitstiftung, die heute noch (zugleich mit andern) den 4. Mai gehalten wird. Der Name des Bischofs findet sich darum auch im Fahrer Totenbuch. Die Frauen hatten umso mehr Grund, seiner dankbar zu gedenken, als er ihnen am 27. April 1360 erlaubte, ein eigenes Siegel zu führen447. Dadurch sollte der oft willkürlichen Herrschaft einzelner Pröpste gesteuert werden. Da aber durch dieses Privileg die Rechte des Stiftes Einsiedeln auf das Gotteshaus Fahr, als sein unumschränktes Eigentum, verletzt wurden, so mußte das Stift, wie wir noch sehen werden, darauf trachten, dieses Siegelrecht wieder in Wegfall zu bringen.
Nach nur siebenjähriger Regierung starb Abt Nikolaus den 5. März 1364. Der Todestag ergibt sich aus dem Nekrologium von Wurmsbach, wo zu diesem Tage sich der Eintrag findet: «Appt Nicolaus von Neisidlen gab uns ein korkappen (Pluviale) und sant Urslen hopl mitt heltum starb anno 1357»448. Das hier angegebene Jahr kann natürlich nicht das richtige sein. Da Abt Nikolaus urkundlich zum letzten Mal den 17. November 1363 erscheint449, sein Nachfolger aber erstmals den 17. Mai 1364 erwähnt wird450, so muß das Todesjahr 1364 sein.
Das Siegel des Abtes zeigt einen sitzenden, mit Inful bedeckten Abt, in der Linken den Stab haltend, während die Rechte zum Segen erhoben ist; unten ist das Familienwappen, ein mit fünf Windlichtern belegtes Andreaskreuz. Die Umschrift, so weit sie leserlich ist, lautet: «NICOLAVS. DEI . . . S. SCE. MARIE. HEREMITAR.»451. Auffallend ist, daß die Inful hier erscheint.