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Die erste Episode von Ways of Seeing, einer Fernsehserie der BBC aus den 1970er Jahren, beginnt mit einer langen Einstellung, in der ihr Autor, der britische Schriftsteller, Künstler und Kunstkritiker John Berger (1926–2017), Sandro Botticellis Gemälde Venus und Mars (1483) zerschneidet, das sich heute in der National Gallery in London befindet. In der Eröffnungsszene schneidet Berger den Kopf der Venus aus, um ihn von Nahem zu betrachten. Verblüffend, vandalistisch und im musealen Kontext unerwartet, bezeugt diese Geste die Materialität des Gemäldes, die praktische und die pragmatische Dimension des Kunstdiskurses, aber auch die stillschweigenden Voraussetzungen der Museumswelt und den ikonoklastischen Impetus in Bergers Kritik an der westlichen Kunstgeschichte.
Das Schweizerische Institut für Kunstwissenschaft (SIK-ISEA), das Musée de l’Elysée und die Universität Bern möchten die Entstehung und die Rezeption alternativer, politischer Diskurse zur Kunst in den letzten 50 Jahren beleuchten. Der Fokus liegt in erster Linie auf bestimmten Praktiken der Bilderzeugung, wobei Performativität, Display und Materialität auf ihre Funktion als kreativer Motor und als epistemologischer Prozess befragt werden sollen.
In einem erweiterten Sinn bietet das Symposium die Möglichkeit, über die Zukunft der Kunstgeschichte im universitären und im musealen Kontext zu diskutieren. Der Titel unserer Veranstaltung, inspiriert von Bergers Buch From A to X. A Story in Letters (2008), eröffnet eine zukunftsweisende Perspektive fern aller Dogmen. Ohne Ergebnisse vorwegnehmen zu wollen oder eine abschliessende Auseinandersetzung anzustreben, bietet das Kolloquium die Gelegenheit, Methoden und Gegenstandsbereiche der Kunstgeschichte zu beurteilen.