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Sophie Taeuber (1889-1943) gehört zu den wichtigsten Begründerinnen der konstruktiven und konkreten Malerei; große Eigenständigkeit und Kreativität bewies sie aber auch als Tänzerin, Lehrerin (an der Kunstgewerbeschule Zürich), Designerin, Architektin und Innenarchitektin. Durch seine sorgfältige Gliederung bringt der Film diese künstlerische Vielseitigkeit gut zum Ausdruck, sehr schön zum Beispiel im Vorspann, wo Kompositionen Taeubers in einen Raum projiziert werden und eine weiß gekleidete Tänzerin den Rhythmus der Farben und Formen in Körperausdruck und Bewegung übersetzt.
Sophie Taeubers Biographie entfaltet der Film einerseits durch Fotos und Texte, die ihr Ehemann Hans Arp nach ihrem frühen (Unfall-)Tod über sic schrieb, andererseits erzählen Verwandte, Schülerinnen und Freundinnen des Künstlerpaars vor der Kamera ihre Erinnerungen an die Künstlerin. (Von ihr selbst gibt es praktisch keine schriftlichen Zeugnisse.) Dazwischen geschaltet sind ihre Färb- und Formkompositionen, die von radikaler Klarheit sind und dennoch - nicht nur in den berühmten Marionetten zu Gozzis König Hirsch - auch spielerisch und leicht wirken.
In den Erinnerungserzählungen kommen unterschiedliche Perspektiven zum Ausdruck; da spannt sich der Bogen von der Nichte, die dem „Quadratemalen“ bis heute nichts abgewinnen kann (obwohl sie die geschenkten Bilder nicht mehr zerreißen würde), zum klug beobachtenden und analysierenden Maler und Kunstpublizisten Michel Seuphor (geb. 1901), der Taeubers Bedeutung früh erkannte. Fast alle sprechen auch davon, wie die Künstlerin in ihrer Zurückhaltung im Schatten Arps stand und zu Lebzeiten in der Kunstwelt kaum Anerkennung fand (Seuphor: „Elle n’etait pas sousestimée, eile n’existait pas“). Diese Aussagen relativieren Arps Verehrung für die Lebensgefährtin, die aus seinen poetischbiographischen - und wohl auch verklärenden - Texten über sie spricht und die Susi Magnelli im Film mit seinem „schlechten Gewissen“ in Zusammenhang bringt. Dennoch läuft der Film zuweilen Gefahr, das zu reproduzieren, was er kritisch aufzeigen will. Erstaunlich viele Anekdoten der Erzählenden drehen sich um Arp und seinen Egozentrismus, während man zum Beispiel (mangels genauer Nachfrage?) von den Schülerinnen Tacubers fast nichts über sie als Lehrerin erfährt. Schade ist ebenfalls, daß der Film mit Arps Klage um den Verlust der Gefährtin aufhört („O es-tu Sophie?“) und nicht mit ihrem Werk. So gibt auch der Filmer zum Schluß wieder der Perspektive Arps den Vorzug vor der künstlerischen Ausstrahlung Sophie Tacubers.