Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03371.jsonl.gz/1079

Diabetes: Täglich ein Glas Rotwein für Typ-2-Diabetiker?
Beobachtungsstudien zeigten, dass gemässigter Alkoholkonsum das Risiko für Typ-2-Diabetes senkt. Auch für Diabetiker ist ein massvoller Konsum nicht grundsätzlich tabu; er kann sogar das kardiovaskuläre Risiko und die Gesamtsterblichkeit senken. Ob man Diabetikern einen gemässigten Alkoholkonsum aktiv empfehlen darf, wurde erstmals in der CASCADE-Studie prospektiv untersucht.
An der CASCADE (CArdiovaSCulAr Diabetes & Ethanol)-Studie beteiligten sich 224 gut eingestellte Typ-2-Diabetiker, die bisher keinen oder kaum Alkohol konsumierten. In drei Gruppen aufgeteilt, tranken sie 2 Jahre lang im Rahmen einer gesunden mediterranen Ernährung 150ml Mineralwasser oder Weiss- bzw. Rotwein zum Abendessen, ohne Einschränkungen in der Kalorienzufuhr. Sowohl Wasser als auch Wein wurden bereitgestellt. Neben Parametern des Fett- und Zuckerstoffwechsels erfolgte auch eine Analyse der ADH-Aktivität (Alkoholdehydrogenase), zur Stratifizierung zwischen schnellen und langsamen Metabolisierern.
Beim Lipidprofil zeigte sich nach zwei Jahren nur bei den Rotweintrinkern eine signifikante Verbesserung im Vergleich zu den Wassertrinkern: das HDL-Cholesterin stieg um 0.05 mmol/l (p<0.001), das Apolipoprotein-A1 um 0.03 g/l (p=0.05) und der Gesamtcholesterin/HDL-Quotient verringerte sich um 0.27 (p=0.039). Auf den Zuckerstoffwechsel (Nüchtern-Blutzucker, Insulinresistenz, HbA1C) wirkten sich beide Weinsorten positiv aus, aber nur die langsamen Metabolisierer profitierten signifikant. Kein Effekt wurde bezüglich Blutdruck, Übergewicht, Leberfunktion, Medikamenteneinnahme und Lebensqualität gesehen; die Weintrinker berichteten jedoch über einen besseren Schlaf (p=0.040).
Fazit der Autoren: Gemäss dieser Langzeitstudie kann gut eingestellten Typ-2-Diabetikern durchaus zum moderaten Weinkonsum - besonders von Rotwein - als Teil einer gesunden Ernährung geraten werden. Das kardiometabolische Risiko kann damit moderat gesenkt werden. Dabei dürfte der Alkohol (Ethanol) an sich den Zuckerstoffwechsel günstig beeinflussen, während die positive Wirkung auf den Fettstoffwechsel eher durch andere Komponenten im Rotwein (v.a. Polyphenole) vermittelt werden.
Link zur Studie
Ann Intern Med. 2015;163(8):569-579. - Gepner Y et al.
09.11.2015 - gem