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Nach am Freitag veröffentlichten Recherchen behauptet ein ehemaliger Leiter für Produktsicherheit in seiner Aussage vor der Staatsanwaltschaft Braunschweig, er habe am 13. September 2015 ein einseitiges Memorandum ("One-Pager") verfasst, in dem er warnt, VW habe jede Glaubwürdigkeit bei den US-Behörden verloren, eine Klageschrift stehe kurz bevor.
Diese Mitteilung habe er am Folgetag Diess selbst übergeben. Er sei extra um 6.00 Uhr morgens zum Flughafen gefahren, um den "One-Pager" persönlich zu überreichen. In dem Memorandum heisse es weiter, VW müsse eine offensive Kommunikation gegenüber den Behörden und Aktionären entwickeln.
Brisant ist die Mitteilung an Diess, weil die Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen ihn wegen des Verdachts der Marktmanipulation ermittelt. Dabei geht es um die Frage, ob VW seine Aktionäre früher über die drohenden Strafzahlungen in den USA hätte informieren müssen. Dabei zählt jeder Tag, es geht um Milliarden.
Diess hatte bislang immer behauptet, er sei von der Enthüllung der Abgasmanipulationen durch die US-Behörden am 18. September 2015 und den damit drohenden Milliardenzahlungen völlig überrascht worden. Diess war damals VW-Markenvorstand.
Ein VW-Sprecher teilte mit, VW habe erst vor kurzem Einsicht in die Ermittlungsakten bekommen. Es gebe in diesem Zusammenhang bislang keine neuen Erkenntnisse. Generell verbiete es sich, einzelne Zeugenaussagen "isoliert aus der Akte herauszugreifen und zu kommentieren".
Die beschuldigten damaligen VW-Verantwortlichen wollten sich nach Angaben des Unternehmens vor dem Hintergrund laufender Verfahren nicht zu den Vorwürfen äussern. Bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig war am Freitagabend zunächst niemand mehr für eine Stellungnahme zu erreichen.
(AWP)