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Urbane Visionen: Die Geschichte der Stadtentwicklung in Basel und Zürich
Sonderausstellung im Museum Kleines Klingental, Basel
Die Stadt wie wir sie heute kennen ist ein Produkt des 19. Jahrhunderts. In dieser Zeit verwandelten sich die mittelalterlichen Städte, die räumlich begrenzt und von ständischen Eliten beherrscht waren, in moderne urbane Zentren mit schnell wachsender Bevölkerung, einer dynamischen Wirtschaft und einem bürgerlichen Kulturleben.
Mit diesem Wandel änderte sich auch das Selbstverständnis der städtischen Bürgerinnen und Bürger. Sie begannen, die Urbanisierung als einen gestaltbaren, planbaren Prozess zu begreifen. Dieses neue Bewusstsein bildete die Geburtsstunde der modernen Stadtentwicklung. Am Beispiel der beiden Schweizer Städte Basel und Zürich zeigt die Ausstellung, wie sich die städtischen Verhältnisse im 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhundert fundamental veränderten und mit welchen urbanen Visionen die Einwohnerschaft auf diesen Wandel reagierte.
Auf den ersten Blick können die Unterschiede zwischen der Geschichte Basels und jener Zürichs kaum grösser sein. Zürich erhielt schon 1831 eine moderne Verfassung, nach der die alten ständischen Privilegien abgeschafft und die Zürcher Landschaft gleichberechtigt wurde. Herrschten bis anhin die städtischen Patrizier über die ländlichen Untertanen, so waren im neuen Kanton die Vertreter der Landschaft in der Mehrheit. Die Stadtmauern Zürichs, Symbol der alten ständischen Ordnung, wurden unmittelbar nach dem Sturz des patrizischen Regiments abgerissen. Für die nächsten Jahrzehnte dominierte das Wirtschafts- und Bildungsbürgertum die Entwicklung der Stadt Zürich.
Auch im noch vereinten Kanton Basel standen sich um 1830 Stadt und Landschaft unversöhnlich gegenüber. Anders als in Zürich sperrte sich die Stadt Basel mit allen Mitteln gegen die Reformanliegen der Landschaft. Als Folge kam es 1833 zur militärischen Konfrontation und zur Teilung Basels in die beiden Halbkantone Basel-Stadt und Basel-Land. Zwar bestand in der Stadt das patrizische Zunftregiment weiter. Doch verlor die alte Elite einen Grossteil ihres früheren Herrschaftsgebiets und damit wichtige Steuereinnahmen. Basel-Stadt litt noch lange unter den finanziellen und politischen Nachbeben der Kantonsteilung und machte erst 1875 den Schritt zu einer modernen, liberalen Verfassung.
Im Unterschied zur Zürcher Revolution von 1831 vollzog sich die Öffnung Basels nicht als Revolution, sondern in einer Vielzahl kleiner Einzelschritte über einen langen Zeitraum hinweg. Die Stadtmauern standen hier noch bis in die 1860er Jahre, wurden aber gleichwohl Jahre vor dem Ende des Zunftregiments abgerissen.
War Zürich im 19. Jahrhundert also die Avantgarde der Moderne und Basel das Bollwerk der Konservativen? Ganz so einfach ist die Geschichte nicht. Die Ausstellung zeigt, wie beide Städte früh eine zukunftsgerichtete Stadtentwicklung vorantrieben – Zürich durch Expansion in die ehemaligen Vorstädte, Basel eher durch Verdichtung des innerstädtischen Raums. Sie beleuchtet eine Reihe von städtebaulich bedeutenden Projekten des 19. und frühen 20. Jahrhun¬derts: vom Eisenbahnanbau bis zum Abfuhrwesen, von der Ansiedlung industrieller Unternehmen bis zum sozialen Wohnungsbau, von den städtischen Ratshäusern bis zu den öffentlichen Friedhofs- und Parkanlagen.
Zur Entstehung der Ausstellung
Die Idee zur Ausstellung ging aus dem Seminar „Stadtbilder: Urbane Pläne und Visionen im 19. Jahrhundert“ hervor, das Martin Lengwiler, Professor für Allgemeine Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, im Herbstsemester 2008 am Historischen Seminar der Universität Basel durchführte. Das Seminar behandelte die urbanen Visionen Basels und Zürichs am Beispiel verschiedener städtebaulich bedeutsamer Planungs- und Bauprojekte des 19. und 20. Jahrhunderts. Von den über 50 Studierenden, die an der Veranstaltung teilnahmen, verfasste mehr als die Hälfte eine schriftliche Seminararbeit. Die Seminararbeiten setzten sich je mit einem beispielhaften Basler oder Zürcher Bau- oder Planungsvorhaben auseinander. Dabei stützen sie sich vielfach auf unveröffentlichte Archivquellen aus dem Staatsarchiv Basel-Stadt, dem Zürcher Stadtarchiv, dem Baugeschichtlichen Archiv der Stadt Zürich und anderen Archiven und Dokumentationsstellen. Durch diese innovative Forschungsleistung geht der Ausstellungsinhalt oft über den bislang bekannten Forschungsstand hinaus.
Projektpartner
• Bauhistorisches Archiv der Stadt Zürich
• Historisches Seminar der Universität Basel
• Stiftung Pro Klingentalmuseum
• Staatsarchiv Basel-Stadt