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Geschichte
Beginn, 1937 – 1946
Die FKH (Fachkommission für Hochspannungsfragen) wurde am 4. Mai 1937 in einer konstituierenden Sitzung von 45 Unternehmen aus dem Kreis der Elektrizitätswerke, der Elektroindustrie und der Bahnen als „Forschungskommission der SEV und VSE für Hochspannungsfragen“ gegründet.
Die Zielsetzung des spezialisierten Fachvereins war die Untersuchung von atmosphärischen Überspannungen und Abhilfemassnahmen gegen Schäden an Netzkomponenten durch Blitzeinschläge. Für diese Aufgabe wurde als erster Geschäftsleiter (damals Versuchsleiter) Dr. Karl Berger eingesetzt, der schon seit 1926 im Auftrag des Schweizerischen Elektrotechnischen Vereins (heute Electrosuisse) mit der Messung von Überspannungen und Impulsströmen durch Blitzeinschläge in Freileitungen und Fahrleitungen mit einem damals einzigartigen Kaltkathodenstrahloszillographen beauftragt worden war.
Die ersten Messungen dieser Art wurden auf der Forchbahn, einer Vorortbahn von Zürich durchgeführt. Dr. Berger wurden später für die Aufzeichnung von Blitztransienten an weiteren Orten in der Schweiz zwei ausrangierte Eisenbahnwagen der SBB zur Verfügung gestellt, die ihm als Messlabor und auch als mobile Wohnung dienten.
Blitzmessstation auf dem San Salvatore, 1943 – 1971
Im Jahre 1943 wurde auf dem Monte San Salvatore bei Lugano/Tessin ein Messturm als bevorzugte Einschlagstelle für Blitze errichtet, deren Ströme über Schleifen- und neue breitbandige Oszillographen ermittelt werden konnten. Die Errichtung eines zweiten Blitz-Messturms 1950 sowie der Einsatz spezieller Kameras mit rasch rotierendem Filmmaterial – sog. „Streak-Kameras“ – ermöglichten auch, das zeitliche Vorwachsen des sichtbaren Teiles der Blitze zu untersuchen. Alle diese Ergebnisse wurden periodisch publiziert und so zur wesentlichen Grundlage für das Verständnis der Blitzwirkungen, für die Ausarbeitung von Blitzschutznormen und für die Isolationskoordination in den Energieübertragungsnetzen.
1948 wurde Karl Berger mit der an der ETH neu geschaffenen ausserordentlichen Professur für Hochspannungstechnik betraut. Neben der Geschäfts- und Versuchsleitung bei der FKH hatte er die Leitung des Lehrstuhls und versah Arbeiten im Hochspannungslabor der ETH bis im Jahre 1969.
Entwicklung der Prüfungen bei Kunden in den 70er und 80er Jahren
Schon seit der Gründung der FKH wuchs neben der Blitzforschung und der Netzversuche auch die Aktivität im Bereich der Prüfdienstleistungen im Rahmen der damals intensiven Entwicklungsaktivität der Herstellerindustrie im Hochspannungsapparatebau. In den 70er Jahren standen Aufträge mit Stoss- und Wechselspannung in der Versuchsstation in Däniken im Vordergrund.
Ein wichtiger Schritt der der FKH vermehrt die Ausführung von Prüfungen in den elektrischen Anlagen der Mitglieder ermöglichte, entstammte einer Idee von Prof. Walter Zaengl, der die neu geschaffene Fachgruppe für Hochspannungstechnik an der ETH als Nachfolger von Prof. Berger leitete:
Für Wechselspannungsprüfungen an grossen kapazitiven Lasten, wie an den neu aufgekommenen gasisolierten gekapselten Schaltanlagen (GIS) und an Hochspannungskabeln schlug er eine mobile Wechselspannungs-Prüfanlage nach dem Prinzip eines über die Frequenz abstimmbaren Serieresonanzkreises vor. In den siebziger Jahren wurde in einer Zusammenarbeit zwischen der FKH und dem Hochspannungslabor der ETH ein Prototyp entwickelt. Ab 1980 bot die FKH mit der neuen Serieresonanz-Prüfmethode im zunehmenden Masse Vor-Ort-Wechselspannungsprüfungen im In- und Ausland an.
Die Idee hat sich inzwischen weltweit durchgesetzt. Prüfanlagen nach dem Serieresonanzprinzip stehen seit der Jahrtausendwende bei vielen anderen Prüfinstitutionen in allen Erdteilen im Einsatz, wobei Systeme mit Prüfscheinleistungen von bis zu mehreren 10 MVA realisiert wurden. Heute stellt diese Prüfmethode das wichtigste Standbein für Vor-Ort-Prüfungen der FKH dar.
Isolationsdiagnostik 1990 bis heute
Ein wichtiger Entwicklungsschritt der FKH bestand in der Anwendung der Teilentladungs-Messtechnik, auch bei den Vor-Ort-Prüfungen der FKH. Diese Messtechnik bot eine elegante und aussagekräftige Methode zur zerstörungsfreien Prüfung von Apparateisolationen. In den 90er Jahren wurde das Angebot an Isolationsdiagnostik auf alle Hochspannungsapparate, insbesondere auf Grosstransformatoren erweitert.
Für die Isolationsdiagnostik an Öl-isolierten Betriebsmitteln wurde im Jahre 2003 in der Versuchsstation Däniken ein modern ausgerüstetes Labor für Isolierölanalysen eingerichtet. Die Erweiterung der Diagnosemethoden mit den aussagekräftigen und effizienten chemischen Analysen von flüssigen Isolierstoffen stellte für die FKH einen wichtigen Meilenstein dar.
Die FKH konnte aufgrund der grossen Nachfrage an Dienstleistungen in neuester Zeit die Gebäudeinfrastruktur in der Versuchsstation Däniken so wie auch ihre Hochspannungsprüfmittel umfassend erneuern und erweitern.
Am 09. Mai 2012 konnte die FKH im Rahmen ihres 75. Jubiläums in der Versuchsstation in Däniken ihren Mitgliedern die neuen Gebäude und Prüfinfrastrukturen vorstellen und sich für das über mehrere Generationen andauernde grosse Interesse an der Arbeit des Vereins danken. Die FKH präsentiert sich heute als eine in der Branche anerkannte, unabhängige Institution, die ein breites Spektrum an Prüfdienstleistungen im Hochspannungsbereich mit einem starken Schwerpunkt in der Isolationsdiagnostik aufweisen kann. Es lässt sich erkennen, dass die neutrale Vereinsstruktur mit spezialisierten Dienstleistungen und mit gezielten Aktivitäten im Bereich der Nachwuchs- und Know-How-Förderung gemeinsam mit Elektrizitätsversorgungsunternehmen, Herstellerindustrie und Hochschulen ein langfristig erfolgreiches Konzept darstellt.