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Russland arbeite daran, nukleare Waffensysteme im Weltraum zu stationieren. Das berichten US-Medien, welche sich auf amerikanische Geheimdienste berufen. Moskau dementiert die Berichte. Fredy Gsteiger, diplomatischer Korrespondent von SRF, ordnet ein, welche Auswirkungen atomare Waffen im All hätten.
Fredy Gsteiger
Diplomatischer Korrespondent
Fredy Gsteiger ist diplomatischer Korrespondent und stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St. Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» sowie Chefredaktor der «Weltwoche».
Worum geht es bei den angeblichen Geheimplänen von Russland?
Es geht um Anti-Satelliten-Nuklearwaffen. Darum, dass weltraumgestützte Atomwaffen gebaut und möglicherweise später auch stationiert werden, für einen Angriff auf die inzwischen weltweit riesige Satelliteninfrastruktur. Ein Angriff, der, wenn es um Atomwaffen geht, mit sehr grosser Schadenswirkung wäre.
Wie realistisch ist es, dass Russland an solchen Plänen arbeitet?
Es ist durchaus realistisch, dass Russland an solchen Plänen arbeitet. Allerdings nicht nur Russland, sondern auch andere grosse Mächte. Die Wirkung von Angriffen auf Satelliten wäre enorm, gleichzeitig ist die Bedeutung solcher Satelliten riesig. Aber die Amerikaner sagen auch, dass das russische Vorhaben nicht unmittelbar akut ist. Niemand weiss im Moment, ob Russland schon in ein, zwei oder drei Jahren dazu imstande wäre oder ob es noch wesentlich länger dafür bräuchte.
Wollen die USA nur Angst verbreiten, damit weitere Ukraine-Hilfen bewilligt werden, wie Moskau behauptet?
Das russische Argument, dass es auch um amerikanische Querelen geht, ist nicht völlig von der Hand zu weisen. Aber ebenso plausibel ist, dass Russland an solchen Waffensystemen arbeitet. Zwar verbietet der Weltraumvertrag von 1967 die Militarisierung des Weltalls. Aber das wäre nicht der erste Rüstungskontrollvertrag, der missachtet würde. Schon jetzt haben mehrere Mächte, darunter Russland, aber auch die USA, China oder Indien, diesen Weltraumvertrag mehrfach geritzt, indem sie Satelliten abgeschossen haben.
Warum sollte Russland für Satellitenabschüsse zu Atomwaffen statt herkömmlichen Waffen greifen?
Auch mit konventionellen Waffen kann man bei der Satelliteninfrastruktur enormen Schaden anrichten. Bei Atomwaffeneinsätzen wäre die Wirkung deutlich grösser. Vor allem wäre der symbolische Effekt erheblich grösser. Im Nuklearbereich befinden sich die Russen praktisch auf Augenhöhe mit den Amerikanern. In den meisten konventionellen Waffenbereichen liegt Russland hingegen weit zurück. Darum hat das Atomarsenal für Russland eine überproportionale Bedeutung.
Wären atomare Waffen im All eine neue Dimension der Kriegsführung?
Das haben wir so noch nie gesehen. Vor allem nicht im Weltall. Bisher gelang es einigermassen, das All friedlich zu halten. Aber wenn Russland tatsächlich solche Atomwaffen bauen und stationieren würde, gäbe es wohl kein Halten mehr. Dann würden das auch alle anderen grossen Mächte früher oder später tun. Viele Strategieexperten sind jetzt schon überzeugt, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis auch das Weltall zunehmend militarisiert wird.
Wie wichtig ist die Satellitenüberwachung für die Kriegsführung?
Die Satelliteninfrastruktur ist enorm wichtig: für die Kommunikation, die Aufklärung, die Navigation. Allerdings nutzt auch Russland die Satelliteninfrastruktur zur Kriegsführung. Bei einem Einsatz von Atomwaffen gegen Satelliten wäre die Gefahr beträchtlich, dass auch russische Infrastruktur beschädigt, russische Verbindungen gestört würden. Doch es geht nicht nur um den Krieg, sondern auch um das Zivilleben. Im Alltag sind wir immer stärker abhängig von der Satelliteninfrastruktur.
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