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Film- und Theaterregisseur Patrice Chéreau ist gestorben
- Dienstag, 8. Oktober 2013, 9:04 Uhr, aktualisiert um 18:10 Uhr
Der französische Film- und Theaterregisseur Patrice Chéreau ist tot. Er starb im Alter von 68 Jahren in Paris an den Folgen einer Lungenkrebserkrankung. Er inszenierte Werke von Mozart bis Wagner («Jahrhundert-Ring») und feierte Erfolge mit den Filmen «Intimacy» oder «Die Bartholomäusnacht».
Patrice Chéreaus Karriere erstreckt sich über 40 Jahre. Als Theaterregisseur inszenierte er bedeutende Werke der Musikgeschichte, darunter Wolfgang Amadeus Mozarts «Don Giovanni», «Tristan und Isolde» von Richard Wagner und «Hamlet» von Shakespeare. Legendär ist auch sein «Ring» für die Wagner-Festspiele in Bayreuth aus dem Jahr 1976.
Noch im Juli hatte seine Neuinszenierung der «Elektra» von Richard Strauss beim Festival im südfranzösischen Aix-en-Provence stürmischen Beifall bekommen. «Seine Vitalität war bis zum Schluss ausserordentlich», sagte die Co-Chefin seiner Künstleragentur Artmedia, Elisabeth Tanner.
Erfolge auf der Bühne und der Leinwand
Als Filmregisseur schaffte Chéreau seinen Durchbruch im Jahr 1975 mit «Das Fleisch der Orchidee», dessen Drehbuch er auch schrieb. Zu seinen grössten Leinwanderfolgen gehört der vielfach ausgezeichnete Film «Die Bartholomäusnacht» mit Isabelle Adjani in der Hauptrolle aus dem Jahr 1994.
Für viel Aufsehen sorgte sein Film «Intimacy», für den er auf der Berlinale 2001 den Goldenen Bären gewann. Der Film handelt von einer Beziehung, bei der es nicht um Gefühle geht, sondern nur um Sex.
Der «Jahrhundert-Ring» – vom Skandal zum Mythos
Opernfans kennen den Namen Patrice Chéreau spätestens seit dem Jahr 1976, als er Richard Wagners «Ring des Nibelungen» zum 100-jährigen Bestehen der Bayreuther Festspiele inszeniert.
Die Premiere schockiert grosse Teile des Publikums und führt zu Protestaktionen auf dem Grünen Hügel. Chéreaus Verlegung der Handlung mithilfe des Bühnenbildners Richard Peduzzi in die Zeit der Frühindustrialisierung ist für viele Altwagnerianer ein Affront. Es kommt vereinzelt zu Schlägereien, Unterschriftenlisten gegen die Inszenierung werden ausgelegt, Flugblätter verteilt.
«Chéreau war sehr jung, gerade mal 32 Jahre, als man ihn in Bayreuth ans Regiepult liess – und ein Franzose! Zwei sehr schlechte Karten im Voraus», erinnert sich SRF-Musikredaktorin Gabriela Kägi. «Der Premieren-Skandal war denn auch entsprechend. Seither erzählt man sich, dass ein Herr im Smoking laut ‹Scheisse› gerufen hat und die Dame mit Pelzstola aus Protest in eine Trillerpfeife blies.»
Doch die Zeit arbeitet für Chéreau. Die anfängliche Ablehnung weicht von Jahr zu Jahr wachsender Begeisterung. Bald strömte das Publikum von weit her: Junge, Fremdsprachige, auf jeden Fall nicht Wagner-Eingeweihte.
1980, nach den letzten Aufführungen in Bayreuth, ist der Zorn verraucht und einem zum Teil fast kritiklosem Fanatismus gewichen: Mit einem überschwänglichen Applaus von neunzig Minuten Länge und der beeindruckenden Zahl von 101 Vorhängen wird die Inszenierung verabschiedet. Heute ist der sogenannte «Jahrhundert-Ring» eine Legende
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