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Capturing Translation Processes (CTP)
Im Forschungsprojekt Capturing Translation Processes (CTP) ist man dem Übersetzungsprozess auf der Spur und geht der Frage nach, was ÜbersetzerInnen wirklich machen, wenn sie übersetzen, und wie sie es machen.
Zentrale Forschungsfragen
Der umfangreichen Langzeitstudie, Capturing Translation Processes, liegen unter anderem folgende Forschungsfragen zugrunde:
- Wie unterscheiden sich die Strategien und Praktiken von ÜbersetzerInnen mit verschiedenen Erfahrungsstufen?
- Wie bewusst sind sich ÜbersetzerInnen mit unterschiedlichen Erfahrungsstufen über ihre Strategien und Praktiken?
- Gibt es Strategien und Praktiken, die für eine bestimmte Sprachversion einzigartig sind?
- Wie viel Zeit innerhalb des Übersetzungsprozesses wird für die Revision verwenden, und verändert sich dies mit zunehmender Berufserfahrung?
- Wie kompensieren ÜbersetzerInnen mit verschiedenen Erfahrungsstufen ihre Zielsprachenkompetenz, wenn sie in ihre zweite Sprache übersetzen?
- Inwiefern sind Übersetzungsprozesse am Arbeitsplatz mit Prozessen in einer kontrollierten Umgebung vergleichbar?
Projektinformationen
Das vom SNF finanzierte Forschungsprojekt Capturing Translation Processes verwendet einen multi-methodischen Ansatz, um Übersetzungsprozesse von Studierenden und professionellen ÜbersetzerInnen auf unterschiedlichen Erfahrungsstufen zu mehreren Zeitpunkten innerhalb ihrer Berufstätigkeit aufzunehmen.
Dieser Ansatz ermöglicht Vergleiche:
- zwischen verschiedenen Prozesstypen, Sprachkombinationen und –richtungen
- innerhalb Individuen über die Zeit und zwischen unterschiedlichen Aufgaben
- zwischen Gruppen von ÜbersetzerInnen (Erfahrungsstufe, Sprachversionen etc.).
Methoden
Damit die Daten trianguliert werden können, werden folgende Methoden während der Datenerhebungsphase angewendet:
- SCR - Bildschirmaufnahme (Camtasia Studio)
- KSL - Key Stroke Logging (InputLog)
- ET - Augenbewegungsmessung (Tobii T60)
- RVP - Retrospektive Verbalprotokolle
- Online-Umfragen
- Fragebögen
- Interviews
Korpus
Das Korpus besteht aus:
- Resultaten von drei Umfragen zum Recherchierverhalten (96 Studierende, 14 Dozierende, 110 selbstständige ÜbersetzerInnen, 32 festangestellte ÜbersetzerInnen)
- Hintergrundinformationen von mehr als 200 VersuchsteilnehmerInnen
- Aufnahmen von mehr als 300 Übersetzungsprozessen in einer kontrollierten Umgebung (KSL, SCR, RVP); 121 Englisch-Deutsch, 101 Deutsch-Englisch (seit 2007); 37 Französisch-Deutsch, 37 Deutsch-Französisch (seit 2009); 13 Italienisch-Deutsch, 21 Deutsch-Italienisch (seit 2009)
- Augenbewegungsmessungen von über 100 Übersetzungsprozessen
- mehr als 650 Bildschirmaufnahmen von Semester-Übersetzungen
- mehr als 500 Stunden Prozessaufnahmen von Übersetzungen am Arbeitsplatz
- mehr als 220 Transkriptionen von Bildschirmaufnahmen und RVPs von kurzen Übersetzungsprozessen.
Forschungsergebnisse
Das Forschungsprojekt stellte Vergleiche an zwischen Übersetzungsstudierenden unterschiedlicher Erfahrungsstufen sowie professionellen ÜbersetzerInnen, zwischen verschiedenen Sprachkombinationen, zwischen dem Übersetzen in die Erst- oder Zweitsprache, als auch zwischen Prozessen am Arbeitsplatz und solchen in kontrollierter Umgebung. Unten stehend werden die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst, während detaillierte Informationen dazu im Capturing Translation Processes-Projekbericht zu finden sind.
- Profis verfügen im Vergleich zu Studierenden über ein breiteres Spektrum an Strategien, um mit Übersetzungsproblemen umzugehen, und weisen ein klareres Rollenverständnis auf.
- Die meisten Profis greifen auf eine grosse Palette von Hilfsmitteln zurück und entscheiden im Vergleich zu Studierenden bewusster, welche Hilfsmittel sie für welche Problemstellung heranziehen.
- Viele der Erkenntnisse aus diesem Projekt haben direkte Konsequenzen auf die Aus- und Weiterbildung von ÜbersetzerInnen. So soll der Fokus zukünftig verstärkt auf dem Übersetzungsprozess liegen, um das Bewusstsein von ÜbersetzerInnen für die eigene Vorgehensweise und Entscheidungsfindung zu stärken.
- Einer der unerwarteten Funde im Korpus der Aufnahmen am Arbeitsplatz betrifft das Auftreten von Störungen während des Übersetzungsprozesses sowie mögliche Bewältigungsstrategien. Das Folgeprojekt Cognitive and Physical Ergonomics of Translation (ErgoTrans) untersucht nun die kognitive und physische Ergonomie beim Berufsübersetzen.
Publikationen und Forschungsarbeiten
Team
Projektleiterin
Co-Projektleiter
Teammitglieder
Frühere Teammitglieder
Prof. Dr. Alexander Künzli
ehemals: Institut für Übersetzen und Dolmetschen
jetzt: Universität Genf, Fakultät für Übersetzen und Dolmetschen
Professor für Übersetzungswissenschaften
+41 223 79 93 88
<email-pii>
Gabriel Zuberbühler
Ehemaliger Doktorand und wissenschaftlicher Assistent