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Dies teilte seine PR-Agentur unter Berufung auf seine Familie mit. Stephen Hawking zählte zu den grössten Wissenschaftlern aller Zeiten.
«Wir sind tief betrübt, dass unser geliebter Vater heute gestorben ist», zitierte die britische Nachrichtenagentur Press Association eine Mitteilung seiner Kinder Lucy, Robert und Tim. «Wir werden ihn für immer vermissen.» Er sei ein grossartiger Wissenschaftler und ein aussergewöhnlicher Mann gewesen, dessen Arbeit und Vermächtnis viele Jahre weiterleben werde.
Stephen Hawking litt an der unheilbaren Muskel- und Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose). Bereits seit Jahrzehnten war er fast völlig bewegungsunfähig, er sass im Rollstuhl. Schon seit langem konnte er sich nur noch mühsam mit Hilfe eines Computers verständigen. Zuletzt nahmen seine Kräfte immer mehr ab.
Er gehört zu den grössten Wissenschaftlern aller Zeiten. Die Fachwelt schätzte Stephen Hawking wegen seiner Theorien zum Ursprung des Kosmos und zu Schwarzen Löchern. «Ich möchte das Universum ganz und gar verstehen», sagte er einmal. «Ich möchte wissen, warum es so ist, wie es ist, und warum es überhaupt existiert.» Sein 1988 erschienenes Buch «Eine kurze Geschichte der Zeit» machte ihn auch bei Laien populär.
Seit 1968 im Rollstuhl
Stephen Hawking, der am 8. Januar 1942 in Oxford geboren wurde, erkrankte bereits als Physikstudent an ALS-Ärzte sagten ihm nur noch wenige Jahre voraus. Seit 1968 war Hawking auf den Rollstuhl angewiesen.
Doch die Krankheit schritt bei ihm sehr langsam voran und konnte seinen Aufstieg in der Wissenschaft nicht aufhalten: 1979 wurde er Professor für Mathematik in Cambridge, über 30 Jahre lang hatte er dort den renommierten Lucasischen Lehrstuhl für Mathematik inne – und stand damit in der Nachfolge von Isaac Newton.
Frauen waren ihm ein Rätsel
Sein Privatleben war in seiner Heimat immer mal wieder auch für bisschen Klatsch und Tratsch gut. 30 Jahre lang war er mit seiner Jugendliebe Jane verheiratet, mit ihr hatte er zwei Söhne und eine Tochter. Nach der Scheidung brachte sie Ende der 90er Jahre ein Buch heraus, in dem sie ihn als Haustyrannen beschrieb, den sie gelegentlich daran erinnern musste, dass er nicht Gott sei.
1995 heiratete Hawking seine ehemalige Pflegerin. Die Ehe hielt bis 2006. In einem Interview mit der Zeitschrift New Scientist sagte er auf die Frage, worüber er jeden Tag am meisten nachdenke: «Frauen. Sie sind ein komplettes Rätsel».
Kein Nobelpreis
In seiner Autobiografie «My Brief History» kam Stephen Hawking 2013 zu dem Schluss, dass er trotz seiner Krankheit ein gutes Leben gehabt habe. «Ich war zweimal verheiratet und habe drei wundervolle, grossartige Kinder.» Als Forscher sei er sehr erfolgreich gewesen. Dass er den Nobelpreis – für den es experimenteller Nachweise bedarf – nicht bekam, fand Hawking zwar schade. Wichtiger war ihm aber der Fundamental Physics Prize. Und den hatte er längst eingeheimst.
Schwarze Löcher und Urknall
Trotz Gesundheitsproblemen lief das Gehirn des Genies stets auf Hochtouren. Neue Theorien entwickelte Hawking zu Schwarzen Löchern und dem Urknall: Die monströsen Schwarzen Löcher im All sind demnach keine Endstationen.
Zwar saugen sie durch ihre enorme Schwerkraft alles ein, was ihnen zu nahe kommt, und lassen nicht einmal das Licht entkommen. Stephen Hawking konnte aber in der Theorie zeigen, dass Schwarze Löcher langsam verdampfen – eine Folge der Quantenphysik. Das Verdampfen dauert extrem lange. Die dabei entstehende Hawking-Strahlung liess sich daher bisher nirgends nachweisen.
Bereits als Doktorand hatte Stephen Hawking 1965 zusammen mit dem Briten Roger Penrose zudem einen wichtigen mathematischen Beleg für die Urknalltheorie geliefert. Die Idee vom Urknall war damals noch umstritten, unter anderem weil in dieser mathematischen Singularität die Naturgesetze nicht mehr gelten und so eine Art Schöpfungsakt notwendig zu werden schien.
Er beschäftigte sich mit Albert Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie und konnte zeigen, dass sie einen Anfang des Universums voraussagte – «ein Ergebnis, das die Kirche interessiert zur Kenntnis nahm», wie Hawking in seiner Autobiografie «Meine kurze Geschichte» schrieb. Später zeigte er jedoch, dass der Anfang des Universums nicht zwangsläufig in einer Singularität gelegen haben muss.
Warnung vor Robotern
Ausserdem versuchte Hawking über Jahrzehnte, die Relativitätstheorie mit der Quantenphysik zu vereinen und auf diese Weise eine Art «Weltformel» zu finden – in der Sprache der Physiker eine «Grosse vereinheitlichte Theorie», die alle Bereiche des Universums beschreiben kann, vom Mikro- bis zum Makrokosmos.
Stephen Hawking war eine Art Popstar der Wissenschaft und schreckte nicht davor zurück, zu populären Ideen wie Zeitreisen und Ausserirdischen Stellung zu nehmen. Und er war sich auch nicht zu schade, sich selbst bei einem Auftritt in einer Folge von «Raumschiff Enterprise» zu spielen und in der Zeichentrickserie «Die Simpsons» mitzuwirken.
(Video: Youtube)
(Video: Youtube)
In seinen letzten Jahren trat Hawking immer wieder als Mahner auf. Intelligente Roboter, Klimaerwärmung, Atomkrieg und durch Gentechnik hergestellte Viren könnten die Erde gefährden, warnte er.
Seine Botschaft: Die Menschheit müsse sich Ausweichmöglichkeiten im All schaffen, falls es zu einer hausgemachten Katastrophe kommen sollte. Gemeinsam mit dem russischen Milliardär Jurij Milner plante er, eine Armee nur etwa briefmarkengrosser Raumschiffe auf eine 20-jährige Reise zum Sternsystem Alpha Centauri zu schicken. Hawking war überzeugt: «Früher oder später müssen wir zu den Sternen schauen».
Stephen Hawking und der Tod
Ein Leben nach dem Tod – daran glaubte Stephen Hawking nicht. Ein Jenseits allerdings hielt er für ausgeschlossen. «Ich sehe das Gehirn als einen Computer an, der aufhört zu arbeiten, wenn seine Einzelteile nicht mehr funktionieren», sagte Hawking der britischen Zeitung The Guardian. «Es gibt kein Leben nach dem Tod für kaputte Computer; das ist ein Märchen für Leute, die Angst im Dunkeln haben.»
Der Gedanke an den Tod habe ihn seit langem begleitet. Angst habe er davor nicht, hatte Hawking stets gesagt.
Schwäche für grosse Fragen
Wenn Stephen Hawking etwas sagte, lauschte die Welt. Jahrzehntelang konnte sich der schwer kranke Astrophysiker aus Grossbritannien nur noch über einen Sprachcomputer mitteilen. Doch das hielt ihn von hochkomplexen Themen nicht ab: Gibt es einen Gott? Ist noch anderes Leben in den Weiten des Universums? Kann die Menschheit auf einen anderen Himmelskörper übersiedeln, wenn die Erde unbewohnbar wird? Was auch immer Hawking dazu meinte, wurde viel diskutiert.
Was Hawking so faszinierend machte, war wohl nicht nur seine Schwäche für die grossen Fragen der Menschheit und der Wunsch seiner Zeit, für sämtliche Phänomene eine naturwissenschaftlich fundierte Erklärung zu finden. Es scheint auch die Symbolik zu sein, die bei seinen Auftritten mitschwang: Er konnte nicht mehr ohne Hilfe schreiben, nicht sprechen – aber mit dem Kopf reiste er zu den Sternen.
«Ich bin der Archetypus eines behinderten Genies», sagte Stephen Hawking in einem Interview mit der BBC. «Die Menschen sind fasziniert vom Gegensatz zwischen meinen extrem eingeschränkten körperlichen Fähigkeiten und den gewaltigen Ausmassen des Universums, mit dem ich mich beschäftige.»
Sein ungewöhnliches Leben wurde verfilmt: Der Brite Eddie Redmayne verkörperte das Genie in dem Film «Die Entdeckung der Unendlichkeit» – und bekam dafür 2015 einen Oscar.
(sda afp dpa)