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Ein Fokus auf 'weisse' und 'nicht weisse' Identitäten im Werk eines Schweizer Autors der Nachkriegszeit mag zunächst überraschen. Die Vorstellung, die Schweizer und europäische Intelligenzija habe sich Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts definitiv von 'Rasse'-Konzepten losgesagt, war lange verbreitet. Zahlreiche Studien konnten aber das Beharrungsvermögen von Rassenstereotypen nachweisen, im Rahmen der in den neunziger Jahren in den USA entstandenen Critical Whiteness Studies auch die anhaltende Rassifizierung 'weisser' Menschen. Kulturwissenschaftliche und historische Arbeiten, die in den letzten Jahren erschienen, haben diese Persistenz auch für schweizerische Zusammenhänge dokumentiert. An diese Ergebnisse schliesst das Projekt an und zeigt auf, dass die Untersuchung von 'whiteness' als Mythos im Sinne Roland Barthes' auch in der Schweizer Literatur äusserst ertragreich ist. Dürrenmatts Werk bietet sich dafür an. In vielen seiner Texte, besonders aber in denjenigen des Spätwerks, treten 'nicht weisse' Figuren auf. Sie belegen schon prima vista, dass Dürrenmatt sich der Kontinuität rassifizierenden Denkens und der Dynamiken von sozialer Inklusion und Exklusion, die damit verbunden sind, zunehmend bewusst wurde.