Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03276.jsonl.gz/2286

Kommunikationsfähigkeit - was sie bedeutet und wie Sie sie verbessern
Veröffentlicht am 10.05.2021
Kommunikationsfähigkeit gehört zu den Schlüsselkompetenzen im Zusammenhang mit beruflichem Erfolg. Wer nicht kommunizieren kann läuft Gefahr, falsch oder gar nicht verstanden zu werden und kann auch nicht überzeugen. Was sind kommunikative Fähigkeiten, und was können Sie tun, um sie zu verbessern? Wir geben Antworten auf diese und weitere Fragen.
Was bedeutet Kommunikationsfähigkeit?
Kommunikationsfähigkeit setzt die Bereitschaft und die Fähigkeit voraus, mit anderen Menschen schriftlich und mündlich kommunizieren zu können und zu wollen. Meinungen, Wissen und Informationen austauschen, präsentieren, verkaufen, verhandeln, überzeugen, sich durchsetzen oder sich einigen sind nur einige der Aktivitäten, für die eine erfolgreiche Kommunikation Voraussetzung ist. Und so ist es nachvollziehbar, dass die Kommunikationsfähigkeit oftmals in Stellenanzeigen als Persönlichkeitsmerkmal aufgeführt wird. Sie ist jedoch nicht nur auf Reden und Schreiben begrenzt, sondern schliesst alle Kommunikationskanäle ein. Gleiches gilt für die unterschiedlichen Rollen innerhalb eines Gespräches, die vom Zuhörer über den Ratgeber, den Kritiker und den Impulsgeber bis zum ausgleichenden Part reichen.
Die unterschiedlichen Funktionen von Kommunikation
Paul Watzlawick, Kommunikationswissenschaftler und Psychologe, ist vor allem als Buchautor bekannt, unter anderem von "Anleitung zum Unglücklichsein", "Man kann nicht nicht kommunizieren: Das Lesebuch" und "Menschliche Kommunikation: Formen, Störungen, Paradoxien". Er entwickelte ein Modell, das hilft, die Funktionen von Kommunikation zu verstehen. Darin formulierte er fünf Grundsätze zur Kommunikation:
1. Es ist nicht möglich, nicht nicht zu kommunizieren. Denn jede Kommunikation drückt sich auch in einem bestimmten Verhalten aus, was als non verbale Kommunikation bezeichnet wird. Sobald zwei Menschen miteinander in Verbindung treten, kommunizieren sie auch miteinander. Selbst wenn Sie ein Gespräch verweigern, senden sie eine Botschaft aus.
2. Jede Kommunikation hat einen inhaltlichen und einen Beziehungsaspekt, wobei der Beziehungsaspekt den Inhaltsanspekt bestimmt. Das bedeutet, dass Kommunikation nicht nur dazu dient, Informationen auszutauschen. Sie verbindet auch, und zwar unabhängig vom jeweiligen Inhalt. Das ist der Grund, weshalb der Beziehungsaspekt über dem Austausch von Informationen steht.
3. Die Beschaffenheit der Beziehung ist durch die Interpunktion der kommunikativen Abläufe auf Seiten der Partner bedingt. Das bedeutet, dass sich jeder Mensch aufgrund seiner Erfahrungen eine subjektive Wirklichkeit konstruiert, die sein Handeln bestimmt. Im Rahmen der Kommunikation prallen Werte und Wirklichkeiten aufeinander, sodass es zu unterschiedlichen Reaktionen kommt.
4. Die menschliche Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Modalitäten. Während mit analog Mimik und Gestik gemeint sind, bezeichnet Watzlawick mit digital die Sprache, wobei Kommunikation beide Komponenten enthält. Passen sie nicht zusammen, entsteht ein Störgefühl.
5. Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder komplementär oder symmetrisch. Das ist abhängig davon, ob die Beziehung zwischen den Partnern auf Unterschiedlichkeit oder Gleichheit beruht. Kommunikation ist nach Watzlawick ein Ausdruck der Beziehung zueinander, zum Beispiel zwischen Arbeitnehmer und dem höher gestellten Arbeitgeber oder zwischen Kollegen auf gleicher Ebene.
So verbessern Sie Ihre Kommunikationsfähigkeit
Es ist möglich, die Kommunikationsfähigkeit zu trainieren und zu verbessern. Der Nutzen zieht sich durch alle Lebensbereiche, angefangen von persönlichen Beziehungen über das Gespräch mit Kollegen und Vorgesetzten bis zu öffentlichen Auftritten, wenn Sie Präsentationen oder Reden halten.
1. Behalten Sie Ihr Ziel im Auge. Bevor Sie ein Gespräch beginnen, sollten Sie wissen, welches Ziel Sie verfolgen. Fragen Sie sich vorab, welche Folgen beziehungsweise Handlungen aus dem Gespräch resultieren sollen, und bleiben Sie bei Ihren Absichten.
2. Achten Sie auf deutliche Botschaften. Sagen Sie das, was Sie meinen. Versuchen Sie, das Gesagte zu vertiefen und mit weiteren Informationen anzureichern. Fragen Sie nach, ob Ihr Gegenüber das Gesagte verstanden hat.
3. Oftmals entstehen Konflikte nicht durch das "Was", sondern durch das "Wie". Gemeint sind die Art und Weise und insbesondere der Ton, der bekanntermassen die Musik macht. Schnell kann eine harmlos gemeinte Feststellung durch einen strengeren Tonfall zu einem Vorwurf werden. Erforschen Sie den Klang Ihrer Stimme, indem Sie Gespräche aufzeichnen.
4. Ihre Kommunikationsfähigkeit können Sie trainieren, indem Sie einen Perspektivenwechsel vornehmen. Er ist wichtig, wenn Sie Gespräche führen, die Konfliktpotenzial bieten. Dann kommt es darauf an, dass Sie Ihre Kritik nicht als Vorwurf oder Anschuldigung formulieren. Äussern Sie stattdessen konstruktive Kritik, indem Sie gleichzeitig eine Lösung anbieten oder erst nach einem Lob Kritik folgen lassen.
5. Geben Sie Ihrem Gesprächspartner ausreichend Raum und die Chance, seine Position zu erläutern. Das ist der von Watzlawick angesprochene Beziehungsaspekt. Denken Sie immer daran, dass ein Gespräch ein Dialog ist, in dem alle zu Wort kommen und respektvoll behandelt werden.
Abschliessend ist festzuhalten, dass Sie nur solche Gespräche zu Trainingszwecken aufzeichnen oder filmen dürfen, wenn Sie Ihren Gesprächspartner vorab um Erlaubnis gefragt haben. Im Idealfall haben Sie einen Trainingspartner, der Ihnen hilft, Ihre Kommunikationsfähigkeit zu testen und zu verbessern.