Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03523.jsonl.gz/1947

Das Urteil ist gefällt. AEG Live wurde von den Geschworenen vom Vorwurf freigesprochen, mitschuldig am Tod von Michael Jackson zu sein und muss somit keinen Schadenersatz an Michaels Mutter und drei Kinder zahlen. Grund dafür war die zweite der fünf ersten Fragen, die — wie hier ausführlicher von uns dargelegt — allesamt mit „Ja“ hätten beantwortet müssen, bevor es um die eigentlich schadenersatzrelevanten Fragen ging. Diese ominöse zweite Frage lautete: War Murray nicht in der Lage oder nicht kompetent, den Job, für den er angestellt wurde, auszuüben? Nein, so 10 der 12 Geschworenen nach langer Diskussion, Murray war kompetent. Greg Barden, der gewählte Obmann der Geschworenen, gestand jedoch nach der Urteilsfindung ein, dass diese zweite Frage für die Geschworenen verwirrend war und es dauerte eine Weile und bedurfte mehrerer Abstimmungen, um am Ende zu einem Resultat zu gelangen.
Barden erklärte, dass ihre Interpretation der Frage am Ende lautete: Murray war kompetent, Michael Jacksons Hausarzt zu sein. „Job“ wurde also im Sinne von „Hausarzt“, von dem erwartet wurde, dass er Michael Jackson und dessen Kinder bei Routinekrankheiten behandelte, interpretiert. „Conrad Murray hatte eine ärztliche Approbation, einen Abschluss von einer akkreditierten Universität und wir fanden, dass er in der Lage war, den Job als Allgemeinarzt/Hausarzt auszuüben. „Dies heisst aber nicht, dass wir fanden, (Murray) habe sich dem Berufsethos entsprechend verhalten“, so Barden klar.
Die Geschworenen waren somit nicht der Meinung, dass die Berufsethik ein wesentliches Element für einen Arzt ist, damit dieser als in der Lage und kompetent für den Job erachtet wird. Dies bestätigte auch eine spätere Aussage des Obmanns: „Wäre das Wort ethisch Teil der Frage gewesen, hätte es zu einem anderen Resultat führen können“. Als die HLN-Reporterin Nancy Grace Barden fragte, ob er glaubte, dass Murray sich unethisch verhalten hatte, antwortete Barden: „Darauf können Sie wetten! Denn er ging weit darüber hinaus, was sein eigentlicher Job war.“ Die Jackson Anwälte hatten während des Prozesses argumentiert, dass ein Grund, weshalb Murray nicht in der Lage war, den Job auszuüben, war, weil er einen Interessenskonflikt hatte.
Aber auch wenn die zweite Frage bejaht worden wäre, wäre nicht sicher gewesen, ob die Geschworenen AEG Live als mitschuldig am Tod von Michael Jackson erachtet hätten. Barden meinte: „Es gab nicht einen einzigen Beweis während dieser fünf Monate, der belegt hätte, dass AEG Live hätte wissen können, dass Dr. Murray dies gemacht hat.“ Ein weiterer Geschworener fügte hinzu: „Wenn AEG Live gewusst hätte, was da hinter geschlossenen Türen vorging, hätte dies vermutlich einen riesen Unterschied gemacht, aber sie wussten es nicht.“
Diese Argumentationen der Geschworenen sind insbesondere interessant im Vergleich zum Entscheid von Richterin Palazuelos vom 9. September (in Abwesenheit der Geschworenen), welche die Beweislage eher zu Gunsten der Jackson Seite beurteilt hatte, als sie den Antrag von AEG Live zwecks Einstellung des Verfahrens abgelehnt hatte. Siehe hier für ihre Argumentation. Da es sich hierbei jedoch um einen Geschworenenprozess handelte, ist allein deren Urteil massgebend.
In einer Mitteilung schrieben Katherine Jackson und ihre Anwälte nach der Urteilsfindung: „Wir haben von Anfang an gesagt, dass es in diesem Fall darum ging, die Wahrheit zu suchen. Wir haben die Wahrheit gefunden. AEG hatte Dr. Conrad Murray, den Mann, der im Gefängnis sitzt, weil er Michael Jackson umgebracht hat, angestellt.“ Die erste der 16 Fragen, dh. hat AEG Live Murray angestellt, wurde von den Geschworenen übrigens mit „Ja“ beantwortet.
„Michael Jackson war für mich ein kreativer Partner und Freund“, sagte AEG Live CEO Randy Phillips nach dem Urteil. „Wir haben eines der weltgrössten musikalischen Genies verloren, aber ich bin erleichtert und und zu tiefst dankbar, dass die Jury erkannt hat, dass weder ich noch sonst jemand bei AEG Live irgendeine Rolle bei Michaels tragischem Tod gespielt hat.“
Conrad Murray hatte sich nach dem Urteilsspruch wiedermal aus seiner Gefängniszelle gemeldet. Nicht überraschend empfindet er das Urteil als Gerechtigkeit. „Ich habe geweint, denn für einmal war es der Welt erlaubt, einige der relevanten Fakten in dieser Sache zu hören — viele Tatsachen, die unterdrückt wurden, die mir verwehrt waren und die meine Anwälte während meines Strafprozesses nicht präsentieren durften“, so Murray zu NBC. Das Urteil zeige ihm auch, dass „man auf Gott warten muss. Man muss einfach wissen, dass Er für einen da ist, und dass Er seine Gerechtigkeit bringen wird, wenn Er bereit ist.“
Conrad Murray auf alle Fälle wird dieser Freispruch für sein eigenen Berufungsverfahren nichts helfen. Barden hatte auch Annahmen der Anwälte von Murray bestritten, wonach dieses Urteil seinem Fall helfen solle. Barden fügte zudem hinzu, dass er sich nicht von Murray behandeln lassen würde. Als der Obmann der Geschworenen gefragt wurde, ob er diesen Freispruch als Entlastung von Murray sehe, meinte er: „Absolut nicht. Ich sehe es nicht als Entlastung von Dr. Murray, und nein, ich würde ihn nicht als Arzt anstellen. Es ist keine Entlastung (bzw. Rechtfertigung). Nochmals, es lag an der Art und Weise, wie die (zweite) Frage formuliert war.“
Mit diesem Freispruch ist die Sache aber wohl noch lange nicht zu Ende. Die Jackson Anwälte haben bereits verlauten lassen, dass sie eine solide Grundlage für eine Berufung hätten.