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Wird Nokia vom Handy-Überflieger zum Netzwerk-Riesen?
Nokia und Alcatel-Lucent prüfen einen Zusammenschluss. Verhandlungen über eine Übernahme von Alcatel-Lucent durch Nokia befinden sich in einem "fortgeschrittenem Stadium", wie die beiden Netzwerkausrüster heute bekannt gaben. Der Handel sei aber noch nicht in trockenen Tüchern und könnte noch abgeblasen werden, warnten sie gleichzeitig. Ein möglicher Kaufpreis wurde nicht bekannt gegeben.
Dass zwei Unternehmen Informationen über laufende Verhandlungen veröffentlichen, bevor die Verwaltungsräte zumindest eine vorläufige Übereinkunft erzielt haben, ist ungewöhnlich. Allerdings hatten sich zuletzt die kursierenden Gerüchte über Verhandlungen intensiviert. Dabei wurde meistens über eine Übernahme von Teilen von Alcatel-Lucent durch Nokia spekuliert. Bei den Verhandlungen, so die beiden Unternehmen, gehe es aber um einen "vollen Zusammenschluss".
Der mögliche Verkauf des Kartendienstes Here durch Nokia, über den wir gestern berichteten
, könnte also dazu dienen, Nokia einen Teil des notwendigen Kapitals für die Übernahme von Alactel-Lucent zu beschaffen.
Nokia-Siemens-Alcatel-Lucent
Durch den Zusammenschluss würden die beiden Unternehmen zum Marktführer im Telco-Ausrüstungsgeschäft werden, ungefähr auf einer Höhe mit Ericsson und Huawei. Zusammen hatten Nokia und Alcatel-Lucent 2014 einen Umsatz von 25,9 Milliarden Euro und rund 100'000 Mitarbeitende. Ericsson machte 25,1 Milliarden Euro Umsatz, Huawei 23,6 Milliarden.
Die Netzwerksparte von Nokia - ehemals Nokia Siemens Networks - und Alcatel-Lucent waren beide schon das Resultat von grossen Unternehmenszusammenschlüssen. Allerdings waren beide Fusionen nicht gerade erfolgreich.
Alcatel fusionierte im Dezember 2006 mit seinem US-Konkurrenten Lucent
. Das erklärte Ziel war es, zum Marktüberlieger im Telco-Geschäft zu werden. Stattdessen folgte ein jahrelanger Schrumpfprozess. Vor dem Zusammenschluss hatten die beiden Unternehmen zusammengenommen rund 25 Milliarden Dollar Umsatz. 2014 machte Alcatel-Lucent noch 13,2 Milliarden Euro Umsatz.
Nokia Siemens Networks und Alcatel-Lucent haben zusammengenommen in ihrer jeweils rund neun Jahre langen Geschichte rund 70'000 Stellen abgebaut. Die Marktbedingungen, welche dazu führten - unter anderem die grosse Konkurrenz durch günstigere Anbieter aus China - haben sich mittlerweile nicht grundlegend geändert. Ausserdem hatten Alcatel und Lucent grosse Probleme, die französische und die amerikanische Unternehmenskultur unter einen Hut zu bringen, und auch bei Nokia Siemens gab es Spannungen. Die Vorzeichen sind also auch für "Nokia-Siemens-Alcatel-Lucent" nicht unbedingt positiv.
Nokia war einst der grosse Überflieger im Handygeschäft. Nach dem Verkauf der Handysparte an Microsoft
hatten viele den Eindruck, dass das Hauptsächlich aus dem Netzwerkbereich bestehende "Rest-Nokia" bald von einem Konkurrenten übernommen oder in der Versenkung verschwinden würde. Nun könnte der finnische Vorzeigekonzern wieder zu einem Marktbeherrscher werden, wenn auch in einem ganz anderen Geschäft. (Hans Jörg Maron)