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Anna Maier, wovon träumen Sie schon lange, getrauen sich aber nicht, es zu tun?
Ich setze Träume möglichst zeitnah um, vermutlich eine Eigenheit aus der Kindheit, in der mir die Endlichkeit des Lebens durch den Tod meiner Mutter schon früh aufgezeigt wurde. Die Auszeit mit meiner Familie auf Mallorca war so ein Traum. Mich als Künstlerin auszuleben, ein weiterer. Das Kreieren einer Wohlfühloase mit meinem Atelier. Das Schreiben eines Buches. Ich bin traumlos glücklich.
Ihr schönstes Geschenk als Kind?
Statt uns Kindern Geschenke zu kaufen, sparte mein Vater, dass wir ab und zu ins Heimatland meiner Mutter reisen konnten, um den Kontakt mit den indischen Verwandten aufrechtzuerhalten. Dass ich als Kind zwei so gegensätzliche Kulturen kennenlernen durfte, empfinde ich heute als das viel grössere Geschenk, als man es mir mit etwas Materiellem hätte machen können. Obwohl ich damals als Kind manchmal damit haderte.
Wie hätten Sie als Bub geheissen?
Tarcisio. Fun Fact: Es wäre der Bubenname aller meiner Schwestern gewesen. Unser Vater wünschte sich nach unserem erstgeborenen Bruder sehnlichst einen zweiten Sohn und wurde danach aber Vater von fünf Mädchen.
Was hatten Sie als Kind für einen Spitznamen?
Anneli. So nannte man mich bis in die sechste Klasse. Danach half mir mein damaliger Lehrer, von diesem Spitznamen wegzukommen. Jeder, der mich weiterhin so nannte, musste zehn Rappen in die Klassenkasse zahlen.
Als Sie Kind waren: Was hat Ihr Vater da immer zu Ihnen gesagt?
«Das muesch du selber mache.» Wir wurden in allen Bereichen früh zur Selbstständigkeit angehalten. Mein Vater war nach dem frühen Tod unserer Mutter alleinerziehend. Er durfte damals in den 80er-Jahren schon Homeoffice machen, um für uns Kinder da sein zu können. Das muss ein unglaublicher Kraftakt gewesen sein, was ich erst realisierte, seit ich selber Mutter von mehreren Kindern bin. Selbstredend mussten wir alle mit anpacken.
Wie sah Ihr Zimmer mit 16 aus?
Es war ein Radiostudio mit Schlafmöglichkeit. In meiner Freizeit produzierte ich täglich «Sendungen» auf Kassetten. Mit 16 zog ich dann aber aus und bewohnte ein Zimmer im Schwesternhaus des Kinderspitals Zürich, wo ich das KV absolvierte. Gleichzeitig machte ich in der Universitätsklinik Zürich erste Erfahrungen als Moderatorin des Spitalradios.
In welcher Situation in Ihrem Leben hatten Sie so richtig Schwein?
Bei der Geburt meines dritten Kindes. Es fehlte nicht viel, und wir beide hätten es nicht geschafft.
Welche Bücher, Filme und Musik haben Ihr Leben massiv beeinflusst?
Bücher allgemein. Ich flüchtete mich früh in ihre Welt und schaffte mir dank ihnen einen Rückzugsort, wo ich mich aufgehoben und sicher fühlte.
Haben Sie ein Tattoo?
Mehrere. Alle haben eine tiefere Bedeutung, ausser einem, das ich mir mit 18 stechen liess. Dieses «Bio-Tattoo» hätte spätestens nach sieben Jahren mit der Hauterneuerung weg sein sollen. 27 Jahre später kann ich sagen: Hat nicht geklappt.
Ihr träfstes Mundartwort?
Hafechääs – für Blödsinn, Quatsch.
Womit belohnen Sie sich selbst? «Mit Familienzeit. Auch wenn es kitschig klingen mag: Wenn wir alle zusammen sind, bin ich glücklich.»
Haben Sie Phobien?
Schlangen lösen bei mir höchst unangenehme Gefühle aus. Ganz schlimm.
Engagieren Sie sich ehrenamtlich?
Ich bin im Advisory Board der Schweizer Non-Profit-Organisation Swisscross Foundation, deren Mission es ist, in Kriegs- und Krisengebieten zerstörte Gesundheitssysteme zu stärken und zu unterstützen.
Ihr grässlichster Urlaub?
Letztes Jahr mieteten wir für zwei Wochen ein Haus auf Ibiza. Schon bei der Ankunft fiel uns der fiese Gestank auf – eine Kläranlage war in der Nähe! Leider war Sommerzeit und alles ausgebucht. So blieb uns nichts anderes übrig, als nach Hause zurückzukehren.
Welches Geräusch lieben Sie?
Das Knistern von Feuer finde ich heimelig und beruhigend. Kreide auf Tafel finde ich grässlich – und in stressigen Zeiten, in denen ich fokussiert arbeiten sollte, können mich viele Geräusche auf die Palme bringen. Schluckgeräusche zum Beispiel oder lange Fingernägel auf einer Tastatur.
Ihre liebste Website oder App?
Alle wichtigen News-Apps werden zweimal täglich konsultiert. Auf Instagram bin ich täglich, für Inspiration und Austausch, aber auch, weil ich meine runden Gemälde bisher zu 100 Prozent darüber verkaufen konnte. Seit Kurzem bin ich zudem auf Iazzu, einer Plattform, mit der man sich per Handy und künstlicher Intelligenz jegliche Kunst direkt nach Hause holen kann. Echt cool! Und natürlich annamaier.art: Meine Website habe ich mit einem tollen Team aus Frauen kreiert.
Für welche Eigenschaften bekommen Sie öfter Komplimente?
Fürs Zuhören können. Irgendwie scheint diese Eigenschaft in einer Zeit, in der jede und jeder die eigene Meinung auf allen möglichen Plattformen einmal um die Welt schicken kann, etwas verloren gegangen zu sein. Schade, denn nur durch aktives Zuhören lernt man auch andere Sichtweisen verstehen.