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Morgen steht Zürich wieder Kopf, wenn Hunderttausende den Weg an die Street Parade suchen. Die Mega-Demonstration organisiert sich natürlich nicht von selbst.
Am 5. September 1992 wurde der Grundstein für einen der grössten Events der Schweiz gelegt. Die erste «Demonstration für Liebe, Friede, Freiheit, Grosszügigkeit und Toleranz» fand statt. Organisiert wurde der Event vom damaligen Mathematikstudent Marek Krynski, der von einem TV-Beitrag über die Berliner Love Parade so begeistert war, dass er einen ähnlichen Event in Zürich durchführen wollte. 1000 Personen nahmen bei der Demonstration teil, 7 Love-Mobiles fuhren mit.
Der Zürcher Stadtrat Robert Neukomm erteilte der Street Parade 1994 keine Bewilligung. «Die Street Parade ist zu gross, zu laut und verschmutzt die Strassen. Zudem interessiert sie nur einen unwesentlichen Teil der Bevölkerung», lautete die Begründung. Proteste wurden laut, 4500 Unterschriften gesammelt und die Medien setzten sich für die Parade ein. Der «Tages-Anzeiger» kommentierte «Ein kleinmütiger und kurzsichtiger Entscheid» und «Den Beamten scheint entgangen zu sein, dass die Tekkno-Szene die grösste Jugendbewegung der 90er Jahre ist». Schlussendlich wurde die Bewilligung doch noch erteilt und 40'000 Besucher genossen die Parade mit den 12 Love-Mobiles. «Die grösste Party der Schweiz» titelte damals der Sonntagsblick.
Zur zehnten Ausgabe erreichte die Street Parade 2001 erstmalig eine Besucherzahl von einer Million Menschen und konnte damit zur Love-Parade in Berlin aufschliessen. Seither konnte diese Marke nur einmal geknackt werden. Letztes Jahr feierten wieder mehr als eine Million Menschen.
2003 war das Wetter fast zu perfekt für die Parade. Ganz getreu dem Motto «Let the sun shine» zeigte das Thermometer 37 Grad an, die Sonne brannte auf die 900'000 Besucher runter. Erstmals hatte die Street Parade mehr Besucher als die Love-Parade. Dort tanzten nur 750'000 Menschen mit. «Zurich beats Berlin» titelte die «Berliner Zeitung».
In jedem Jahr wird zu einem bestimmten Motto getanzt. Mal hiess es «Love, Freedom, Tolerance», mal «Today is Tomorrow». Zusätzlich gibt es eine passende Hymne. Die kommt dieses Jahr von Mr. Da-Nos ft. Akay und heisst gleich wie das Motto, «Unique».
Um 13 Uhr startet die Musik auf dem erste Love-Mobile am Utoquai: das Label Hyte macht mit dem Beach Love Truck den Anfang. Von 14 bis 21:45 Uhr sind die Musik-LKWs in Bewegung. Bis 24 Uhr werden auch auf den acht Bühnen rund ums Seebecken diverse DJs auflegen. Unter den Acts sind Namen wie Animal Trainer, Carl Cox, Kellerkind, Mr. Da-Nos und Sir Colin zu finden. Und auch nach Mitternacht ist die Party nicht vorbei. Zahlreiche Clubs laden zur Afterparty.
Ohne Love-Mobiles gäbe es keine Street Parade. Angefangen hat alles mit sieben Wagen, zu Spitzenzeiten gab es 31. In diesem Jahr sind 27 dabei. Das Programm und Motto der Wägen bestimmen die Betreiber der Love-Mobiles selber, es werden keine Gebühren für die Teilnahme erhoben. Die Kosten für die restlichen Aufwände tragen die Love-Mobile-Betreiber selber. Auf den Wagen legen unter anderem Sir Colin, Tanja La Croix und Mr. Da-Nos auf.
Der Weg der Love-Mobiles führte nicht immer vom Uto- zum Mythenquai. Bis 2003 war die Route zwar dieselbe, aber nicht die Richtung. Sprich: Die Love-Mobiles kamen viel später am Bellevue an. Vor 1993 fand die Parade im Stadtkern statt. Sogar bei der Bahnhofstrasse und beim Limmatquai ging sie durch.
Wegen der Baustelle am Bellevue und der Quaibrücke musste die Street Parade letztes Jahr auf ihr eigentliches Datum verzichten. 2016 ist wieder alles beim Alten und die Street Parade findet wie traditionell am zweiten Augustwochenende statt. Auch 2014 musste die Parade das Datum wechseln. Wegen der Leichtathletik-EM in Zürich wurde die Parade um eine Woche vorverlegt.
Herbstwetter ist keins in Sicht. Erwartet wird strahlender Sonnenschein bei 27 Grad. Das beste Sommerwetter also!
So viel Geld benötigt der Verein Street Parade für die Organisation des Mega-Events. Finanziert wird die Street Parade zum grössten Teil durch Sponsoren- und Cateringeinnahmen. Zu erwähnen ist, dass die Parade nicht gewinnorientiert arbeitet und allfällige Gewinne der nächsten Ausgabe zugutekommen. Der Besuch der Parade ist kostenlos. Natürlich kann man aber den Verein mit Spenden unterstützen.
Natürlich geht der Mega-Anlass nicht spurlos an der Stadt vorbei. Im letzten Jahr wurden 129 Tonnen Abfall nach der Street Parade eingesammelt - ein Rekord! Um die Street-Parade möglichst ökologisch über die Bühne zu bringen, haben die Veranstalter ein Recycling-Konzept entwickelt. So werden auf der Route keine Getränke im Glas und Essen mit so wenig Verpackung wie möglich verkauft.
Gemäss dem Veranstalter wird geschätzt, «dass der Anlass der Schweizer Wirtschaft zu einem Umsatz von über 100 Millionen Franken verhilft». Profitieren vom Anlass können unter anderem Restaurants, Hotels, Lebensmittelgeschäfte, Transportunternehmen und Partyveranstalter.
Der Hechtplatz war vor 24 Jahren Schauplatz der ersten Street Parade. Von hier aus startete das erste Love Mobile auf die Route. Zur 25. Street Parade stellen die Veranstalter nun ein «stehendes» Love Mobile, im Design 1992, auf den geschichtsträchtigen Platz. DJs der allerersten Street Parade legen hier den Sound aus der damaligen Zeit auf. Mit dabei auch der Street Parade Gründer Marek Krynski sowie der Love Parade-Erfinder Dr. Motte.