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Dr. phil. Hans-Werner Hunziker, Lernpsychologe
Mangelnde Flexibilität der Lernstrategien als Ursache von Dyslexie und Dyskalkulie?
(Text anlässlich der Diskalkulie-Tagung vom 9. Juni 2001 an der Universität Zürich )
An der Universität Freiburg im Breisgau hat Professor B.Fischer festgestellt, daß etwa 50% der Legastheniker einen Entwicklungsrückstand der Blicksteuerung und ca. 45% Entwicklungsrückstände bezüglich Hörwahrnehmung haben.
Untersuchungen mit dem CD-ROM- Lernprogramm Adlerauge haben ergeben, daß die Versuchspersonen unterschiedliche Strategien anwenden, um die Aufgaben bei den 30 Spielen zu lösen: Dabei sind neben rein visuellen Kodierungen ("sieht aus wie eine Katze" ) sprachlich/auditive Merkweisen zu beobachten.
Strategien der Kurzzeitspeicherung
Eine Buchstaben- oder Zahlenreihe die man sich kurzzeitig merken will, wird meist "innerlich"( oder halblaut) ausgesprochen.
Zur Erhöhung der Kapazität des auditiven Arbeitsgedächtnisses müssen besondere Strategien angewendet werden, weil die maximale Speicherkapazität bei allen Personen etwa gleich lang ist (ca. 1.5 Sekunden). Um eine Zahl längere Zeit im auditiven Speicher zu behalten, muß man sie bekanntlich ständig wiederholen.
Man kann eine Buchstaben- oder Ziffernfolge als Sequenz einzelner Elemente oder als Gruppen von "Wörtern" speichern: Um sich eine Telefonnummer zu merken, kann man sie als 7-2-0-3-0-2-3 oder als 720-30-23 merken. Die zweite Merkweise hat den Vorteil, daß sie schneller ausgesprochen wird und daher das auditive Arbeitsgedächtnis weniger belastet. Andererseits setzt sie voraus, daß das Umsetzen in die richtige Ziffernfolge fehlerfrei geschieht, also für 23 nicht etwa 32 geschrieben wird.
Dasselbe gilt beim Lesen von Texten, nur ist dort die Sache noch komplizierter. Statt 10 Ziffern muß man rund 30 Buchstaben und Satzzeichen und zudem tausende von Wortbildern erkennen.
Andere Strategien bestehen darin, die Wahrnehmung in möglichst große Blöcke zu unterteilen oder sie mit bekannten Inhalten zu verknüpfen. Letzteres ist vor allem sinnvoll, wenn etwas dauerhaft gespeichert werden soll.
Dyslexie und Dyskalkulie
Die komplexen Wahrnehmungs- und Wiedergabe-leistungen sind Voraussetzung für die Kulturfertigkeiten Lesen, Schreiben und Rechnen.
Ist auch nur eine Teilleistung unterentwickelt, genügt dies meist schon zu einer Diagnose von Dyslexie oder Dyskalkulie. In Deutschland wird daher oft zutreffender von Teilleistungsschwächen gesprochen.
In den USA sind 22% der Erwachsenen nicht in der Lage, einfache Rechenaufgaben zu lösen, bei etwa 6% der Kinder wird Dyskalkulie diagnostiziert.
Die meisten US Studien zeigen übrigens, daß Mädchen bis zum 12. Altersjahr im Rechnen besser sind als Jungen.
Sinn von Wahrnehmungsspielen Wahrnehmungsmässige Schwächen können durch entsprechende Strategien kompensiert werden. Es kann sogar vorkommen, daß eine extrem hohe einseitige Begabung Probleme schafft, weil die notwendige Offenheit für das Ausprobieren neuer Strategien unterentwickelt ist.
Liegen die Schwierigkeiten vor allem im auditiven Bereich, kann es sein, daß der Lernende diese durch visuelle Strategien kompensiert und daher seinen schwachen Bereich gar nicht weiter entwickelt. Das CD-ROM Lernprogramm Supereule fördert besonders die auditiven Fertigkeiten. Neben der Unterscheidung von Tonhöhen und der Klangfarbe spielen dabei die Fähigkeit des Rhythmisierens und des richtigen Wahrnehmens von Silben-Reihenfolgen und nichtsprachlichen Tonsequenzen eine große Rolle. Um die Funktion des Worterkennens auszu-schließen, werden übrigens Sätze aus relativ unbekannten Sprachen wie Chinesisch, Arabisch, Koreanisch und Finnisch verwendet.
Das CI-Therapie Prinzip (Constraint Induced)
(siehe unter www.learning-systems.ch)
Beim Gehirntraining von Schlaganfall-Patienten wendet man oft die CI-Therapie nach Taub an:
Statt sich mit Ersatzstrategien zu begnügen, wird genau das trainiert, was man schlecht kann. Lernspiele wie die bereits genannten CD-ROMs Adlerauge (visuell) und Supereule (auditiv) sowie die erstmals an der Dyskalkulietagung vom 9. Juni 2001 gezeigte CD-ROM mit dem Arbeitstitel Kalkmonster (Dyskalkulie) funktionieren nach diesem Prinzip. Um höhere Punktzahlen zu erzielen, lohnt es sich, neue Strategien auszuprobieren.
Flexibilität der Strategien
Was tun bei Leistungsproblemen? Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Man übt und übt bis zum geht nicht mehr oder man versucht neue Strategien. Das eine schließt das andere
nicht aus, aber reizvoll wird Lernen nur, wenn das spielerische Ausprobieren nicht zu kurz kommt.
Informationen über Dyskalkulie im Internet
BlickLabor.de/(Deutsch)
www.learning-systems.ch (Deutsch, Englisch, Französisch)
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