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„Wenn mir jemand sagt, er würde seine Bibel jetzt aufmerksam und genau lesen, dann freut mich das natürlich. Aber es hinterlässt in mir auch die Frage, was denn damit gemeint bzw. beabsichtigt ist. …“
So begann der Beitrag im letzten Rundbrief. Wir fragten vor allem nach dem Gebot, den „Sabbat“ zu halten, sowie dem Gebot, den „Zehnten“ zum Unterhalt der Priester zu geben. Wie ist das nun, wenn wir unsere Bibel „aufmerksam und genau“ lesen? Müssten wir dann nicht konsequent sein und den „Sabbat“ anstelle des Sonntags halten? Müssten wir dann nicht das Finanzierungsmodell des „Zehnten“ in unseren Gemeinden durchsetzen?
Ich freue mich über jeden Menschen, der seine Bibel genau und aufmerksam liest. Schwierig wird es, wenn jemand seine Sicht absolut setzt. Ein gutes Gespräch setzt zweierlei voraus: einmal, dass wir unsere Erkenntnis offen vor anderen darlegen; dann, dass wir gemeinsam mit anderen noch einmal auf die Texte der Bibel hinsehen und unsere Sicht durch eine genauere Sicht korrigieren lassen.
Darum bin ich überzeugt, dass der Sabbat für Juden gilt, nicht aber für Christen. Und ebenso: Die Abgabe des Zehnten gilt bzw. galt für Juden zur Zeit des Tempels in Jerusalem, nicht aber für Christen, ja nicht einmal für Juden zur Zeit, da der Tempel in Jerusalem nicht mehr existiert.
Warum? Es ist wichtig, dass Sie nach der Begründung fragen. Allein dass ich diese Meinung äussere bedeutet nichts. Sie selbst müssen es anhand der biblischen Texte sehen können. Niemand muss mir glauben. Sie sollten aber Ihrem eigenen Sehen, also Ihrem genauen Lesen glauben.
Das Sabbat-Gebot ist Teil der Zehn Gebote. Sie wurden Israel als Teil des Bundes Gottes mit seinem Volk gegeben (vgl. 2. Mose 19-20; 5. Mose 5,1-22). Gott hat seinen Bund am Sinai mit Israel geschlossen, nicht jedoch mit allen Völkern, also nicht mit uns. Darum war und ist der Sabbat bis heute (neben der Beschneidung) eines der Kennzeichen, an denen man Israel von den Völkern unterscheiden kann.
Fazit: Die Tatsache allein, dass das Gebot der Sabbat-Heiligung sowie das Gebot, den Zehnten des Einkommens abzugeben, in der Bibel steht, heisst gerade nicht, dass wir als Christen daran gebunden sind. Wer das behauptet, der hat gerade nicht aufmerksam und genau gelesen.
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