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| Tertullian († um 220) - Über die Seele. (De anima)

22. Cap. Kurze Zusammenfassung der Eigenschaften der Seele auf Grund der bisherigen Erörterungen.
Die übrigen Natureigenschaften der Seele nebst deren Verteidigung und Beweis hat Hermogenes bereits von uns vernommen; die Seele erscheint durch sie Gott verwandt, nicht der Materie. Hier sollen sie nur einfach mit Namen aufgeführt werden, damit es nicht scheine, als seien sie übersehen worden.
Wir haben ihr beigelegt erstens Freiheit des Willens, wie oben angegeben, zweitens die Herrschaft über die Dinge, zuweilen auch das Ahnungsvermögen, abgesehen von dem, welches ihr durch die Gnade Gottes in der Prophetengabe etwa zuteil wird. Daher will ich die Untersuchung über ihre Beschaffenheit nun abbrechen, um über ihr Leben und Verhalten ins reine zu kommen. Wir beschreiben also die Seele als entstanden aus Gottes Hauch, unsterblich, wesenhaft, körperlich, von abbildungsfähiger Gestalt, der Substanz nach einfach, durch sich empfindend, in verschiedener Weise fortschreitend, freien Willens, Zufälligkeiten ausgesetzt, von wechselnder Geistesrichtung und Anlage, vernünftig, herrschend, mit Ahnungsvermögen begabt und aus einer Seele hervorgehend.
Wir werden nun im folgenden betrachten müssen, auf welche Weise sie aus einer Seele hervorgeht, d. h. von wo, wann und wie sie daraus entnommen wird.