Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03203.jsonl.gz/173

| Tertullian († um 220) - Über den Leib Christi. (De carne Christi)

16. Cap. Obwohl der Leib Christi ein menschlicher war, so war er doch nicht mit der Sünde behaftet, und obwohl er nicht durch Zeugung entstanden war, doch ein wirklicher.
[S. 404] Überdies hat sich, wie der Geist der Häresie es mit sich bringt, auch noch der bekannte Alexander aus Lust an Klügeleien eine Gelegenheit zu solchen ausersehen und thut, als wenn wir behaupteten, Christus habe einen Leib von irdischer Herkunft angenommen, um an seiner eigenen Person den Leib der Sünde zu zerstören.1 Wenn wir das auch sagen, so werden wir unsere Meinung auf eine bessere Weise zu stützen wissen, nur nicht mit einem solchen Wahnsinn, wie er glaubt, nämlich damit, dass wir meinen, der Leib Christi sei als sündhaft an seiner eigenen Person beseitigt worden, da wir ja nicht vergessen haben, dass er zur Rechten des Vaters im Himmel thront, sondern predigen und lehren, er werde von dort im Gepränge der Herrlichkeit des Vaters kommen.
So wenig wir also sagen können, dass er beseitigt worden, ebensowenig können wir ihn sündig und beseitigt nennen, da in ihm kein Falsch war. Wir behaupten auch gar nicht, der Leib der Sünde sei in Christo entfernt worden, sondern die Sünde des Leibes; nicht dessen Materie, sondern seine Beschaffenheit, nicht seine Substanz, sondern seine Schuld, infolge der Autorität des Apostels, der da sagt: „Er hat die Sünde im Fleische zerstört.“ Denn anderswo2 sagt er auch, dass Christus die Gleichheit des Leibes der Sünde gehabt habe, nicht als ob er etwas dem Leibe Ähnliches angenommen hätte, etwa das Bild eines Leibes und keinen wirklichen Leib, sondern für die Ähnlichkeit des sündigen Leibes will er es gehalten wissen,3 dass das selbst nicht sündige Fleisch Christi vermöge seiner Abstammung von Adam, — nicht wegen der Sünde Adams — demjenigen Fleisch glich, dem die Sünde eigen war. Auch auf Grund dessen behaupten wir, dass Christus das Fleisch gehabt habe, dessen Beschaffenheit bei den Menschen eine sündige ist, und dass so in ihm die Sünde zerstört worden sei, weil das in Christo ohne Sünde war, was bei den Menschen nicht ohne Sünde ist. Denn die Sünde nicht in dem Fleische zu zerstören, in welchem die sündige Beschaffenheit sich befand, das würde weder zu der Absicht Christi stimmen, der die Sünde des Fleisches zerstören will, noch zu seiner Herrlichkeit. Was wäre es Grosses, in einem Leibe höherer Art und von anderer, d. i. nicht sündiger Natur, das Muttermal der Sünde zerstört zu haben?
Mithin, wendest Du ein, wenn Christus unser Fleisch annahm, war sein Fleisch sündig. — Wolle doch den unerforschlichen Gedanken nicht in Fesseln schlagen! Wenn er unser Fleisch annahm, so machte er es ja zum seinigen; wenn er es zum seinigen machte, so machte er es zu einem nicht sündigen. Im übrigen — und das sei gegen alle bemerkt, welche wähnen, das Fleisch Christi sei deshalb nicht das unsrige gewesen, weil [S. 405] es nicht aus dem Samen eines Mannes entstanden war — im übrigen möge man sich erinnern, dass Adam selbst in dieses Fleisch nicht durch den Samen eines Mannes gelangt war. So wie Erde in dieses unser Fleisch verwandelt wurde, ohne den Samen eines Mannes, so konnte auch das Wort Gottes in die Materie eben dieses Fleisches ohne das Gerinnen übergehen.
1: Röm. 6, 6.
2: Röm. 8, 3.
3: Öhler setzt hier hinter intellegit fälschlich ein Semikolon.