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Obwohl die meiste Forschung von mir auf Wildfängen von Flohkrebsen beruht, wollte ich Flohkrebse schon immer auch unter Laborbedingungen halten und untersuchen können. Wie sich herausstellte, ist das gar nicht so einfach. Unsere jüngste Veröffentlichung in Science of The Total Environment beleuchtet einige der Dinge, die wir in den letzten Jahren gelernt haben. Während einige Amphipodenarten wie Hyalella azteca leicht in Aquarien gezüchtet werden können, sind Flohkrebse der Süsswasser-Gattung Gammarus aus Mitteleuropa bekanntermassen schwer im Labor zu halten und zu pflegen. Daher werden für die meisten Experimente Tiere aus Wildfängen verwendet. Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Verfügbarkeit von im Labor gezüchteten Tieren die bevorzugte Option. Um das Überleben und die Fortpflanzung in Laborkulturen von Gammarus fossarum zu verbessern, haben wir Tausende Individuen von G. fossarum gefangen und führten mehrere Experimente in unseren Laboreinrichtungen durch. Dabei haben wir das Nahrungsangebot, die Tageslänge, die Wassertemperatur, die Käfiggrösse usw. verändert. Wir ergänzten das Futter von G. fossarum mit proteinreichem Futter und boten zusätzliche Unterschlupfmöglichkeiten. Beide Massnahmen erhöhten die Überlebensrate der Populationen im Labor erheblich, insbesondere die Anreicherung des Futterangebotes. Wir manipulierten auch die Tageslänge (fest vs. variabel). Wir konnten keine signifikante Auswirkung der Tageslänge auf die Anzahl und die Fortpflanzungsaktivität von G. fossarum beobachten. Abgesehen von diesen Hauptergebnissen werden in der Publikation mehrere detaillierte Hälterungsprotokolle vorgestellt (https://doi.org/10.1016/j.scitotenv.2022.158730). Sie sind als Ausgangspunkt für künftige Experimente in den Umweltwissenschaften und der Ökotoxikologie gedacht, die sich auf im Labor gezüchtete G. fossarum stützen. Ich möchte allen danken, die an der Verbesserung unserer Laborkulturen von G. fossarum beteiligt waren, insbesondere Sarah Bollina, Eva Cereghetti, Morris Galli, Samuel Hürlemann, Silvana Kaeser, Chelsea Little, Manja Schleich. Ich möchte mich für die finanzielle Unterstützung durch die Eawag, die Universität Zürich und das BAFU bedanken.
In unserer kürzlich in Molecular Ecology veröffentlichten Studie haben Emanuel A. Fronhofer, Florian Altermatt und ich die empirisch beobachtete genetische Vielfalt von Gammarus fossarum-Metapopulationen im Rheineinzugsgebiet in der Schweiz analysiert. Wir verwendeten Mikrosatellitendaten und stochastische Simulationen, um die Rolle des Ausbreitungsverhaltens auf die beobachtete genetische Vielfalt zu untersuchen. Der Allelreichtum und die beobachtete Heterozygotie waren an zentralen Stellen des Flussnetzwerkes höher, im Gegensatz zur erwarteten Heterozygotie. Stochastische Simulationen deuten darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit stromaufwärts gerichteter Bewegungen und die Ausbreitungsrate Schlüsselfaktoren zur Erklärung dieses Ergebnisses sind. Die Studie ist frei zugänglich. Ein herzliches Dankeschön an Anja Westram und Jukka Jokela für die frühe Unterstützung bei der Analyse und die Bereitstellung von Daten.
Dank der tatkräftigen Mithilfe vieler Brunnenmeister konnte Nicole Bongni in ihrer Masterarbeit eine bisher undokumentierte biologische Vielfalt im Grundwasser nachweisen. Der Fokus lag dabei auf den Flohkrebsen, insbesondere der Gattung Niphargus. Unter den Entdeckungen war auch eine komplett neue Art, die wir in Subterranean Biology nun wissenschaftlich beschrieben haben. Der Name der neuen Art: Niphargus arolaensis, der Aare-Grundwasserflohkrebs. Der Name rührt daher, dass wir die Art bisher nur an drei Standorten im Einzugsgebiet der Aare nachweisen konnten. Diese Forschung zeigt, dass wir den Lebensraum Grundwasser immer noch viel zu schlecht verstehen und daher auch nicht adäquat schützen können. Dank des Projektes AmphiWell können wir die Grundlagenforschung dazu aber weiterführen.
Er ist ein Botschafter für gesunde und vielfältige Bäche. Sein Vorkommen ist ein Indikator für ein funktionierendes Gewässer. Die Wahl von Gammarus fossarum zum Tier des Jahres soll als Wertschätzung für die vielen unscheinbaren Wasserorganismen verstanden werden, dank denen Süßwasserökosysteme funktionieren können. Weitere Information über das Tier des Jahres gibt es auf der Pro Natura Webseite.