Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03561.jsonl.gz/101

Das Forscherteam um Andreas Lüthi vom FMI hat im Mandelkern, dem "Furchtzentrum" des Gehirns, zwei Zelltypen identifiziert, die sich gegenseitig beeinflussen und so über die Reaktion auf eine reale oder vermutete Gefahr entscheiden. Davon berichten sie im Fachjournal "Nature".
Der eine Zelltyp ist demnach für das Auslösen der Flucht zuständig, der andere für die Schockstarre, wie das FMI am Donnerstag mitteilte. Beide Zelltypen sind zudem über neuronale Verbindungen miteinander verknüpft und hemmen sich gegenseitig. Diese Hemmung muss jeweils durch Signale aus anderen Hirnbereichen ausgeschaltet werden, damit sich das entsprechende Verhalten ausprägen kann.
"Es besteht also ein Gleichgewicht, das bei Gefahr rasch in die eine oder andere Richtung kippen kann", erklärte Studienautor Jonathan Fadok gemäss der Mitteilung. "Dabei können der Kontext, Sinneseindrücke wie Geräusche oder Gerüche, aber auch Erfahrungen und Emotionen berücksichtigt werden."
Zwar ist nicht klar, ob dieselben Zellen auch beim Menschen das Furchtverhalten bestimmen. Aber da Starre und Flucht bei vielen Tieren vorkommen, weil sie das Überleben sichern, vermuten die Forschenden einen ähnlichen Mechanismus im menschlichen Gehirn. Allenfalls könnte ein verschobenes Gleichgewicht im Wechselspiel dieser Zellen eine Rolle bei Angststörungen spielen.
(AWP)