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Seit Mitte des 2. Jahrh. wurde diese Verschiedenheit der Feier Gegenstand des Streits (Osterstreit) zwischen den verschiedenen
Kirchen, und das nicäische Konzil (325) entschied sich im wesentlichen für die römische Sitte, indem es die Feier des seitdem
vorzugsweise der Auferstehung geltenden Osterfestes auf den Sonntag nach dem 14. Nisan festsetzte. Die Anhänger
der judenchristlichen Osterfeier bezeichnete man mit dem Ketzernamen »Quartodezimaner« oder »Tessareskaidekatiten«.
Der dazwischenliegende Ostersonnabend war in der alten Kirche ein allgemeiner Fasttag, bestimmt zur Vorbereitung
auf die Taufe. Am Abend versammelte sich die Gemeinde zu einem feierlichen Nachtgottesdienst (Ostervigilie), der bis zum Ostermorgen
dauerte. Jetzt zeichnet sich der Ostersonnabend in Rom durch die Taufe und Konfirmation der Neubekehrten im Lateran und durch
die große Messe in der Sixtinischen Kapelle aus. In der päpstlichen Kapelle werden das Feuer und die Osterkerze
(cereus paschalis) geweiht; alle Familien lassen das Ostermahl segnen, welches in einer Eiersuppe, einem Fladen und einem gerösteten
Zicklein besteht.
Auch werden an diesem Tag in der römischen Kirche die Ampeln in den Gotteshäusern mit frischem Öl versehen, alle Kerzen
ausgelöscht und frische angezündet (Lichtersabbat). Die Glocken schweigen vom Karfreitag bis zum Ostersonntagmorgen. Dieser
Ostersonntag wurde schon in der alten Kirche als erstes Freudenfest begangen. Die Christen empfingen sich frühmorgens mit
dem Osterkuß und dem Zuruf: »Er ist auferstanden«, worauf der Begrüßte
antwortete: »Er ist wahrhaftig auferstanden«.
Ähnliches existiert heute fast nur noch in der griechischen Kirche. Eine mittelalterliche Sitte war das
sogen. Ostergelächter (risus paschalis). Es wurden nämlich in den Osterpredigten zur Erheiterung
der Zuhörer allerlei Schwänke (Ostermärlein) erzählt. Die Dauer der Feier erstreckte sich in der alten Kirche auf die ganze
Osterwoche, daher der nächste (sogen. weiße) Sonntag Osteroktave hieß, jetzt ist fast allgemein nur
der Ostermontag noch ein kirchlicher Feiertag. Gegenwärtig wird das Osterfest immer am Sonntag nach dem Frühlingsvollmond
und, wenn dieser selbst auf einen Sonntag trifft, an dem nächstfolgenden gefeiert. Unter dem
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Frühlingsvollmond aber, der die Ostergrenze (terminus paschalis) genannt wurde, versteht man denjenigen, welcher entweder
auf oder zunächst nach dem zum Behuf dieser Osterberechnung auf 21. März feststehend angenommenen Frühlingsanfang fällt.
Die sogen. Gaußsche Formel bietet eine leichte Methode, den jedesmaligen Ostertermin aus der Jahreszahl zu berechnen (s. Kalender,
S. 384). Das jüdische Osterfest (s. Passah) fällt gewöhnlich in die Karwoche, jedoch nie vor dem 26. März und
nie nach dem 25. April gregorianischen Stils, während das christliche Osterfest zwischen 22. März und 25. April fallen muß.