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Alphons Bürgi ist ein spät berufener Ruderer. Damit begonnen hat er erst mit 34 Jahren, als er Anfang Siebzigerjahre an den Zürichsee gezügelt ist. Sein Schwager ruderte bereits seit längerer Zeit in Solothurn. Dies und der Blick auf den wunderschönen Zürichsee hatten ihn dazu motiviert, Kontakt mit dem Seeclub Wädenswil aufzunehmen. Dort wurde er freundlich aufgenommen, aber rudern lernen musste er selbst. Es gab damals noch keine Ruderkurse für Erwachsene.
Interview: Sarah Ott, Bild: zvg
So kaufte Alphons Bürgi sich einen schweren Trainings-Einer (Skiff) und wurde vom damaligen Ruderchef Max Zollinger vom Steg aus gecoacht. Der Skiff ist die beste Lernschule, da kein Kamerad die Fehler ausbügelt und man diese immer selber ausbaden muss. Mit der Zeit wurde Bürgis Rudertraining immer besser, und er ging regelmässig allein aufs Wasser, später dann auch in Mannschaftsbooten mit den Kameraden.
Er kaufte sich einen Holzskiff, damit er immer rudern konnte, wenn es die Verhältnisse zuliessen. Nur einmal fiel er ins Wasser, weil er beim Einsteigen vergass, die äussere Dolle zu schliessen. Bei der Carfa schlug es ihm das Ruder aus der Dolle, und so tauchte er ins Wasser.
Das regelmässige Rudern führte zu stetig steigenden Kilometerzahlen, die jeweils mit dem Jahresbericht veröffentlicht wurden. Alphons Bürgi war nie derjenige mit den meisten Kilometern, aber er war immer in der Spitzengruppe mit dabei. Am wenigsten Kilometer machte er zu Beginn seiner Ruderkarriere im Jahre 1972 – nur gerade 38 Kilometer –, am meisten im Jahr 1983 mit 1403 Kilometern.
Wanderfahrten mit den
Ehefrauen
1973 begann eine Tradition, die alle zwei Jahre wiederholt wurde: eine Wanderfahrt auf einem ausländischen Fluss in Deutschland, Österreich, Holland, in der Tschechei, in England, Portugal und in Frankreich, einmal davon auch in der Schweiz. Dies trug jedes Mal mindestens hundert Kilometer zur Jahresleistung bei. Später kamen die Frauen in den Ruderclub. Die Mitglieder lehrten ihren Ehefrauen oder Freundinnen rudern und gingen wöchentlich mit ihnen aufs Wasser. Sie machten Wanderfahrten in den Zwischenjahren. Alphons Bürgi hat insgesamt 23 reine Männerfahrten sowie 9 gemischte Fahrten gemacht.
Jetzt neigt sich Bürgis Ruderkarriere dem Ende entgegen. Er ist froh und dankbar, dass es ihm gelungen ist, sein Lebensziel, also die Äquator-Umrundung, zu erreichen.
Nachdem das Wetter dieses Jahr mit vielen Regen- und Windtagen, ja, sogar -wochen, das Rudern unmöglich gemacht hat und Corona auch noch sein Übriges beitrug, konnte Alphons Bürgi am 31. August 2021 endlich die noch fehlenden 12 Kilometer bei guten Wetter- und Wasserverhältnissen rudern. Nun schaut er auf seine stolze Leistung von 40 000 geruderten Kilometern zurück. Ein toller Erfolg!
Der Wädenswiler Anzeiger konnte dem Vielruderer einige Fragen stellen:
Zu welchem Zeitpunkt setzten Sie sich Ihr Lebensziel von 40 000 geruderten Kilometern und wieso?
Als ich etwa 30 000 Kilometer hatte und dachte, dass ich den Rest auch noch schaffe.
Was war Ihre Motivation immer weiter zu rudern?
Ich hatte grosse Freude an der Bewegung und am Wasser.
Welches Erlebnis auf Ihren Wanderfahrten ist Ihnen am meisten in Erinnerung geblieben?
Am meisten in Erinnerung geblieben sind mir die Schleusen auf dem Douro in Portugal, mit bis zu 30 Metern Gefälle; das war sehr eindrücklich.
Wie viele Male ruderten Sie durchschnittlich pro Woche?
Ich ruderte durchschnittlich etwa 3 mal pro Woche.
Zu welcher Tageszeit ruderten Sie am liebsten und weshalb?
Am liebsten ruderte ich am Morgen früh, weil der See dann am ruhigsten ist und es meist noch keine Motorboote hat.
Werden Sie auch noch in Zukunft rudern?
Mit 83 Jahren wird das Ein- und Aussteigen ins Ruderboot langsam etwas wackelig und schwierig, darum lasse ich es zukünftig besser sein. n