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Schweizerische Vereinigung der Hirschhalter
Association suisse des éleveurs de cervidés
Associazione svizzera degli allevatori di cervi
Der Rothirsch ist nach dem Elch die grösste Hirschart Europas. Sein Körperbau weist auf einen ausdauernden Läufer hin: Hochbeinig, langhalsig und mit gerader Wirbelsäule. Das Sommerfell ist rötlich und das Winterfell graubraun gefärbt. Männliche Tiere tragen eine Halsmähne, die im Winter tiefbraun gefärbt ist. Bei beiden Geschlechtern ist der grosse, helle Hinterteil (Spiegel) gelblich gefärbt. Das Geweih der männlichen Tiere besteht aus Knochensubstanz. Es ist im Vergleich mit andern Hirscharten besonders gross und vielverzweigt. Zwischen Februar und April wird das Geweih abgeworfen und innerhalb von 5 Monaten erneuert. Die mächtigsten Geweihe werden im Alter von 10-12 Jahren erreicht.
Ursprünglich lebten Rothirsche flächendeckend in ganz Europa vom Meeresniveau bis auf 2800 m Höhe. Heute ist ihre Verbreitung aufgesplittert in kleine, oft isolierte Restvorkommen. Grössere Populationen existieren noch im Alpenraum und im östlichen Europa. Die ursprünglich in Steppen und lichten Wäldern beheimatete Tierart kann nur noch dort existieren, wo sie genügend grosse Waldungen als Rückzugsgebiete vorfindet. Jahreszeitliche Wanderungen sind besonders in Gebirgsregionen bekannt: Im Sommer werden hochliegende Alpweiden genutzt, im Winter tieferliegende Talsohlen. Die Einstandsgebiete, wo die Tiere jährlich zurückkehren, können mehrere Kilometer voneinander entfernt liegen (z.B. im Gebiet um den Nationalpark 10-40 km). Wanderrouten und Einstandsgebiete erlernen die Jungtiere von ihren Müttern.
In der Schweiz lebt der Rothirsch als freilebendes Wildtier wie auch in Tierparks und Gehegen.
Rothirsche sind Wiederkäuer und damit Pflanzenfresser. Ihre Vorliebe gilt allen Arten von Gräsern und Kräutern. Dank dem grossen Pansen können Rothirsche die Nahrungsaufnahme den äusseren Umständen anpassen. Bei Störungen am Tag fressen sie in wenigen, langen Perioden zwischen Abend- und Morgendämmerung. In ungestörten Gebieten wird während des ganzen Tages Nahrung aufgenommen, unterbrochen von Ruhepausen, in denen wiedergekäut wird. Wie bei allen wildlebenden Wiederkäuern reduziert sich das Pansenvolumen vor Winterbeginn - eine Anpassung an die bevorstehende Nahrungsknappheit.
Rothirsche leben in Rudeln, die fast ganzjährig nach Geschlechtern getrennt sind. Die Mutterfamilie, d.h. ein weibliches Tier mit dies- und vorjährigem Jungtier, bildet die Grundeinheit eines Rudels, das von einer älteren Hirschkuh (Leittier) geführt wird. Zwischen Mutter und Töchtern bestehen oft zeitlebens enge Bindungen. Junge männliche Hirsche verlassen hingegen die Mutter nach 2-3 Jahren und schliessen sich mit älteren zu eigenen Rudeln zusammen. Obwohl männliche Tiere mit 2-3 Jahren geschlechtsreif werden, sind sie erst mit dem 5. Lebensjahr physisch und verhaltensmässig in der Lage an der Brunft aktiv teilzunehmen. Die Brunftzeit ist die einzige Phase im Jahr, in der beide Geschlechter zusammenkommen. Auf sogenannten Bruftplätzen versucht der stärkste Hirsch (Platzhirsch) ein Rudel weiblicher Tiere zusammenzutreiben und gegen Rivalen zu verteidigen. In gut organisierten Populationen brunften nur reife, mindestens 7-jährige Hirsche; dabei verlieren sie einen Grossteil ihrer Fettreserven. Nach der Brunft trennen sich die Geschlechter wieder, und die Tiere beziehen ihre Ueberwinterungsgebiete.
Nach einer Tragzeit von 34 Wochen sondern sich die weiblichen Tiere im Mai/Juni für 1-2 Wochen vom Rudel ab, um ihr Kalb zu gebären. Die anschliessende Säugezeit schwankt zwischen 9 und 12 Monaten.
Rothirsche haben einen Hufabdruck mit zwei geschlossenen Schalen. Der Kot (Losung) ist kurz und zylindrisch geformt. Die Liegeplätze sind vergleichsweise gross und zeigen keine Scharrspuren. Besonders männliche Rothirsche suhlen gerne, wozu sie Bodenvertiefungen mit angesammeltem Wasser nutzen. Häufig begangene Routen innerhalb eines Einstandsgebietes sind mehr oder weniger deutlich als Wechsel erkennbar.
Eine Rothirschpopulation wird stark vom Geschlechterverhältnis und Altersaufbau sowie von den Ernährungsbedingungen beeinflusst. Die Sterblichkeit der Jungtiere ist im ersten Lebensjahr mit bis zu 50% hoch; wo grössere Raubtiere fehlen, sterben 10-30% der Jungen - häufig kurz nach der Geburt oder im ersten Winter. Danach ist die Ueberlebenschance gross, erst im hohen Alter steigt die Sterblichkeit wieder an.
Als Rudeltiere können Rothirsche selbst in geringer Dichte gute Nahrungsgebiete übernutzen. Insbesondere im Wald führt dies zu Konflikten mit der Forstwirtschaft. Diese lassen sich nur mit einer guten Jagdplanung bei gleichzeitiger Verbesserung des Lebensraumes entschärfen (Vernetzung von Gebieten, mehr alternative Nahrung zu Bäumen).
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Quelle:
Der Rothirsch, Juni 1998, Text: Chr. Mosler-Berger;
Infodienst Wildbiologie & Oekologie, Strickhofstrasse 39, CH-8057 Zürich
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Datum: 14. März 2020
Ort: 1595 Faoug VD