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Den Namen des Autors könnte man aus einem anderen Zusammenhang kennen: Alexander Dinelaris, Jahrgang 1968, hat 2015 einen Oscar gewonnen, zusammen mit weiteren Co-Drehbuchautoren. Der Film «Birdman» mit Michael Keaton in der Titelrolle war der Oscar-Abräumer: Ausser für das Beste Drehbuch gabs Trophäen für Besten Film, Beste Regie, Beste Kamera. Regisseur Alejandro González Iñárritu war durch die Aufführung von Dinelaris’ Stück «Still Life» (2009) auf ihn aufmerksam geworden, womit sich der New Yorker Autor der Off-Broadway-Produktion für die nachmalig äusserst erfolgreiche Filmmitarbeit empfahl.
«Still Life», wofür die Franzosen das treffende Wort «nature morte» kennen, Stillleben also, ist hier im Stück gleich buchstäblich zu nehmen: Die erfolgreiche Fotografin Carrie Ann zeigt sie in einer Ausstellung, Hasen, Hengste, Hühner, Bilder von toten Tieren. Carrie Anns theoretischer Überbau dazu wird von ihr selber formuliert: «Was ist die Wahrheit? Wir werden alle sterben.» Genau. Ausstellungsbesucher Jeff weiss: «Die Hühner sind wir.» Und sie haben Würde.
In einer Abfolge von einzelnen schnappschussartigen Szenen verweist das Stück auf ein anderes Stillleben; es sind die Blicke auf die handelnden Menschen der sogenannten Generation X, gehobene Mittelklasse, (mitteljunge) Künstlerinnen, Werbefuzzis, Ärzte, theatrale Blicke, die ein Stillleben-Bild ergeben.
Es geht um die Liebe und den Tod, um existenzielle Gefühle wie Wut und Angst und ein schönes Stück weit auch Orientierungslosigkeit. Carrie Ann und der Ausstellungsbesucher Jeff (Trendanalyst im Werbebusiness) verlieben sich ineinander, derweil Jeffs Chef, der schnöselige Kokser und Grapscher Terry, in seiner Oberflächlicheit keine Befriedigung im Sex findet. In die lineare, chronologische Abfolge der einzelnen spotartigen Szenen fügen sich wiederholt Rückblenden: Carrie Ann und ihr kranker Vater Theo. Von der Erzählzeit her sind es drei Monaten her, seit Theo gestorben ist. Kurz vor seinem Tod hat er, der selber ein Fotograf war, seiner Tochter ein für sie verstörendes Bekenntnis abgelegt. Der Grund auch für Carrie Anns anhaltenden Kreativstau, eine Blockade, die sich auch nicht löst, als sie mit einem lukrativen Auftrag für «National Geographic» in die Serengeti geschickt wird. Die Fotos soll ihre neue Assistentin, das Kameratalent, Jessie machen. Fern von zuhause mailt Carrie Ann mit ihrer Liebe Jeff, der im Sterben liegt, der Pankreaskrebs liess sich nicht besiegen. Vorher hatten sie einander noch versichert: «Du hast mein Leben gerettet» – «Du hast meins gerettet.» Carrie Ann kommt zu spät für einen Abschied. Sie macht mit Blitzlicht ein letztes Foto des toten Jeff.
Das tönt ernst und ist es auch. Doch in den Dialogen steckt immer wieder Witz, wenn mitunter auch verzweifelter. Gespielt wird vom bewährten 10-köpfigen Nawal-Ensemble unter der Regie von Reto Ambauen in einem stilisierten Bühnenbild, vornehmlich Lichteinsätze markieren einzelne Szenen, dazu dienen drei Vorhangbahnen dem Bilderwechsel. Dazu mal ein Katheder, Barhocker, ein Tisch, Sessel, eine Foto-Mappe, eine Schachtel. Mehr braucht es nicht.
Nicht zu vergessen: Hinten links hockt Christov Rolla an Keyboard und E-Gitarre, um das Geschehen mit Souligem, Bluesigem und Countryeskem anzureichern. Und in den entsprechenden Szenen spielt er am Flügel mimisch mit als Bar-Pianist.
Von Alexander Dinelaris
Mit Nina Duss, Florian Fischer, Marcel Grüter, Peter Huber, Andrea Kammermann, Eva Lichtsteiner, Laura Luterbach, Georges Reber, Zora Schelbert, Anna Stammler
Inszenierung Reto Ambauen
Musik Christov Rolla
Regieassistenz Eva Lichtsteiner, Elsbet Saurer
Ausstattung Anna Maria Glaudemans
Ausstattung Mitarbeit Noemi Hunkeler
Sprachregie Silvia Planzer
Lichtdesign Bruno Gisler
Licht Tobias Hoenger, Pascal Mühlemann
weitere Aufführungen im Theater Pavillon Luzern:
Januar: 7., 11., 12., 13., 16., 17.
Februar: 18., 21., 23., 24., 28.
März: 1.
jeweils um 20 Uhr ausser an den Sonntagen um 17 Uhr