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Die Vorwürfe reichen bis in die 70er- und 80er-Jahre zurück: Damals soll ein Kreis britischer Politiker einen Pädophilenring unterhalten haben. Das Innenministerium soll vom Kindesmissbrauch gewusst, die Sache aber vertuscht haben.
Jetzt soll endlich Licht in die Affäre gebracht werden: Wie Innenministerin Theresa May am Montag in London ankündigte, werden unabhängige Experten in den kommenden acht bis zehn Wochen prüfen, wie Innenministerium, Polizei und Strafverfolgungsbehörden mit Informationen und potenziell belastendem Material umgegangen seien.
Leiten soll die Untersuchung der Vorsitzende einer grossen britischen Kinderschutzorganisation. Ein zweites Expertengremium soll prüfen, wie öffentliche Einrichtungen mit Kindesmissbrauch umgegangen sind.
In den vergangenen Tagen waren Vorwürfe laut geworden, in der Regierungszeit Margaret Thatchers habe der damalige Innenminister Leon Brittan Unterlagen mit Vorwürfen gegen wichtige Politiker und andere Prominente verschwinden lassen. Insbesondere soll das Ministerium in den 1980er Jahren nicht auf ein belastendes Dossier reagiert haben, das der damalige konservative Abgeordnete Geoff Dickens an Brittan übergeben haben soll. Dickens starb 1995.
Fragen zum sogenannten Dickens-Dossier hatten in der vergangenen Woche Abgeordnete der sozialdemokratischen Labour-Partei gestellt und eine unabhängige Untersuchung gefordert. Das Innenministerium hatte am Wochenende eingeräumt, 114 von 527 Akten, die belastendes Material enthalten könnten, seien vernichtet oder nicht auffindbar.
Die Dokumente sollen sich auf den Zeitraum von 1979 bis 1999 beziehen. Bereits 2013 hatte eine ministeriumsinterne Untersuchung Hinweise auf Kindesmissbrauch zutage gefördert, die Polizei ermittelt.
Premierminister David Cameron kündigte an, es werde «kein Stein auf dem anderen bleiben». Die Wahrheit zu erfahren und daraus zu lernen sei «lebenswichtig». Innenministerin May sagte, die Regierung werde «alles ihr Mögliche tun, um eine umfassenden Untersuchung von Kindesmissbrauch und die Verfolgung der Täter zu ermöglichen». (sda/dpa/afp)