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Auf politischen Podien werde ich oft gefragt: Machen Anstrengungen in den Klimaschutz für ein kleines Land wie die Schweiz überhaupt Sinn? Angesichts des sehr grossen CO2-Ausstosses von Ländern wie China oder den USA?
Meistens frage ich zurück: Wäre es dann auch in Ordnung, wenn jemand sein/ihr Einkommen nicht versteuert, aber selber von den Steuern profitiert, die alle anderen zahlen?
Als eine solche Profiteurin stünde die Schweiz im internationalen Zusammenhang da, wenn sie sich nicht aktiv am Klimaschutz beteiligte. Denn die Schweiz ist beim Klimaschutz nicht allein. Dieser dringendsten Aufgabe unserer Zeit müssen sich alle stellen. Und was würden wir sagen, wenn noch kleinere Länder wie Luxemburg, Dänemark oder Slowenien sich mit dem gleichen Argument demonstrativ vom Klimaschutz verabschiedeten, während wir uns darum bemühen, unsere Emissionen zu senken?
Warum die Grösse des Landes kein Argument ist
Heute verursachen nur gerade drei Länder dieser Welt die Hälfte des CO2-Ausstosses. Das sind China mit 31%, die USA mit 13.5% und Indien mit 7%. Indien und China sind mit Abstand die bevölkerungsreichsten Staaten (je 1.4 Mrd. Menschen). Die Bevölkerung der USA ist die drittgrösste (340 Mio. Menschen), doch deren Ausstoss an Klimagasen von 14,8 Tonnen pro Kopf und Jahr gehört zu den höchsten.
Ohne Frage: Die Klimagas-Emissionen dieser drei Länder müssen sinken, der Ausstoss aller anderen Länder aber auch. Die Schweizer Bevölkerung ist ungefähr so gross wie diejenige der Amerikanischen Bundesstaaten Washington, New Jersey oder Michigan und einiger mehr. Was aber wäre, wenn diese Bundesstaaten mit Verweis auf ihre Grösse auf CO2-Reduktionsmassnahmen verzichteten? Dann kämen die USA beim Klimaschutz noch weniger weit, als sie heute schon sind. Deshalb ist Grösse kein Argument.
Die Schweiz: nicht viel besser als die USA
Welche Rolle aber spielt gegenwärtig die Schweiz? Nicht unbedingt die beste. Mit unseren aktuell 5 Tonnen CO2-Äquivalente pro Kopf und Jahr (davon 4.5 Tonnen CO2) liegen wir leicht unter dem weltweiten Durchschnitt, obwohl wir finanziell betrachtet die wohl besten Voraussetzungen für Reduktionsmassnahmen haben.
Die 5 Tonnen bezeichnen allerdings nur den inländischen Ausstoss. Wir haben unsere CO2-intensive Industrie längst ausgelagert, nicht zuletzt nach China. Rechnet man alle grauen Emissionen der Importgüter hinzu, betragen die Emissionen pro Kopf in der Schweiz mehr als das Doppelte, nämlich 12 Tonnen pro Jahr. Addiert man den Flugverkehr dazu, sind wir bei 14.5 Tonnen. Das ist viel mehr als in Deutschland und fast so viel wie in den USA.
Klimakrise: Die Schweiz ist stark betroffen
Dabei muss die Schweiz ein sehr grosses Interesse am Klimaschutz und an der Einhaltung des 1.5 Grad-Ziels von Paris (2015) haben. Deshalb können wir bei der Dekarbonisierung nicht im Abseits stehen. Als Gebirgsland ohne Meeranstoss sind wir überdurchschnittlich von der Klimaerhitzung betroffen. Unsere lokalen Temperaturen steigen stärker als in den Küstenregionen. Die Folgen sind immer mehr schneefreie Alpengipfel, Gletscherschmelzen, Bergrutsche, Waldbrände und zunehmende Extremwetterereignisse: Hitzewellen, Dürren, Stürme, Starkregen, Hagel, Überschwemmungen. Darunter leidet unsere Landwirtschaft und unsere Biodiversität massiv.
Wenn wir die Dekarbonisierung jetzt anpacken und wirksame Klimamassnahmen ergreifen, können wir selbst entscheiden, wie wir die Massnahmen für uns, in unserem Land und in unserer Gesellschaft gestalten. Warten wir zu lange, bleibt uns am Ende nichts anderes, als die Lösungen der anderen zu übernehmen.
Eigene Lösungen umsetzen
Die Schweiz hat eine lange Tradition in der technischen Innovation zum einen, beim sozialen Ausgleich zum anderen. An beides müssen wir beim Klimaschutz anknüpfen. Statt ängstlich nach Osten und Westen zu schielen, was wohl die anderen beim Klimaschutz machen, sollten wir die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder selber in die Hand nehmen. Klimaschutz ist am Ende zwar eine planetaren Angelegenheit. Doch nicht nur weltweit, sondern auch im eigenen Land, hat der Klimaschutz besonders auch eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Dimension. Deshalb dürfen wir auch als kleines Land nicht länger warten.
Packen wir‘s an!