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Parfümerie
(franz.), Industriezweig, welcher sich mit der Darstellung wohlriechender Präparate beschäftigt. Man benutzt natürliche oder künstliche wohlriechende Substanzen u. verschiedenartige Stoffe, welche jenen Substanzen als Vehikel dienen, besonders Fette (zu Pomaden), Spiritus [* 2] (zu Tinkturen, Essenzen, Wässern etc.), Öle [* 3] (zu Haarölen), Essig, Pulver, Seife, ¶
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fein zerschnittene Pflanzenteile (zu Räucherpulvern etc.). Die natürlich vorkommenden Riechstoffe stammen bis auf Moschus, Ambra, Zibet von Pflanzen und sind meist ätherische Öle, seltener Balsame, Harze, aromatische Säuren etc. Außer diesen benutzt man noch Essigsäure, einige Äther, Chloroform und Ammoniak zur Belebung des Geruchs. Die ätherischen Öle (s. d.) werden häufig aus den Pflanzen durch Destillation [* 5] abgeschieden, da aber die zartern Gerüche durch die Destillation leiden, so sucht man letztere zu umgehen und die Öle sofort an Fett zu binden.
Diese Industrie blüht besonders im südlichen Frankreich, unter dessen heiterm Himmel [* 6] die Pflanzen reichlichere und feinere Riechstoffe entwickeln als in höhern Breiten. Dazu kommt, daß die Franzosen große Geschicklichkeit in der Komposition der Parfüme besitzen; während Deutschland [* 7] fast nur sein Eau de Cologne, England sein Ess-bouquet und Spring-flowers, der Orient seine Duftkissen und das Rosenöl besitzt, bereiten die Franzosen aus verhältnismäßig wenigen ätherischen Ölen und Pflanzen eine unzählbare Menge gemischter Wohlgerüche.
Die Grundlage der meisten
Parfümerieartikel sind die parfümierten Fette, welche man auf zwei verschiedene Arten bereitet.
Nach der Infusionsmethode werden die Blumen mit warmem fetten Öl oder Fett von etwa 65° übergossen und nach einigen Stunden
wieder herausgenommen, worauf man sie durch frische ersetzt, bis die Fettkörper mit dem Riechstoff gesättigt
sind; zur Erreichung dieses Resultats sind von manchen Blüten bis 6 kg auf 1 kg Fett erforderlich. Nach der andern Methode (enfleurage)
gewinnt man den Riechstoff durch Schichtung des Fettes mit den Blüten, indem man eine kalte Fettschicht auf einer Glastafel
ausbreitet, mit einer Lage Blüten bedeckt und in eine Horde legt.
Derartig beschickte Horden werden zu Säulen [* 8] geordnet und die erschöpften Blüten täglich durch frische ersetzt. Nach 25-30 Tagen ist dann das Fett mit dem Duft gesättigt. Besser zerteilt man das Fett in dünne, nudelähnliche Fäden und legt diese auf in Rahmen gespannte Drahtgewebe. Letztere werden dann abwechselnd mit Metallflächen, auf welchen die Blüten ausgebreitet sind, in hermetisch verschließbare Schränke geschoben, durch welche man einen schwachen Luftstrom leitet. Da nach dieser Methode das Fett gar nicht mit den Blüten in Berührung kommt, so nimmt es nur den Duft und keine Spur von krautigem Geruch an. Nach einem neuen Verfahren extrahiert man die Blüten systematisch mit Methylchlorür, Schwefelkohlenstoff, Chloroform, trennt das Lösungsmittel von dem Riechstoff durch vorsichtige Destillation, beseitigt die letzten Spuren des erstern durch einen Luftstrom und wäscht den Rückstand mit schwach alkalischem Wasser. Die so erhaltenen kondensierten oder konzentrierten Parfüme zeichnen sich durch eine merkwürdige Frische und Reinheit aus.
Die mit dem Riechstoff Einer Pflanze beladenen festen Fette heißen Pomaden. Werden diese unter fortwährenden Umschütteln 24 Stunden lang mit Weingeist behandelt, so erhält man die Extrakte (extraits d'odeur), während gewaschene Pomade zurückbleibt. Letztere wird entweder nochmals extrahiert, um billigeres Parfüm zu liefern, oder sie wird zu Haarpomaden verarbeitet. Der Alkohol hat aber bei dieser Operation auch etwas Fett aufgenommen, welches allmählich ranzig wird und dem Extrakt einen übeln Geruch erteilt.
Man kühlt ihn deshalb mit Hilfe der Eismaschine sehr stark ab und trennt ihn von dem in der Kälte sich ausscheidenden Fett. Wurde zum Extrahieren der Blüten Olivenöl angewandt, so erhält man die Huîles antiques (Haaröle). Ätherische Öle, in Alkohol aufgelöst, liefern die Essenzen (esprits), und durch Mischung verschiedener Extrakte oder Essenzen untereinander erhält man die Bouketts (fleurs), in welchen in der Regel kein einzelner Geruch vorwalten darf.
Die Extrakte übertreffen die Essenzen bei weitem in der Feinheit des Geruchs und liefern daher auch schönere Bouketts. In Frankreich benutzt man meistenteils Weinspiritus, in England Korn- und bei uns oft Kartoffelspiritus. Spuren der eigentümlichen Fuselöle modifizieren aber namentlich zarte Gerüche sehr bedeutend, und manche Parfüme können nur mit bestimmten Spiritussorten bereitet werden. Die Fette müssen bei sehr niedriger Temperatur ausgelassen und sorgfältig gereinigt werden.
Man schmelzt das Fett mit etwas Alaun [* 9] und Kochsalz, gießt es klar ab und wäscht es nach dem Erkalten anhaltend unter fortwährendem Zerreiben auf einer geneigten Steinplatte und unter einem kontinuierlichen Wasserstrahl, oder man kocht das klare Fett etwa eine Stunde mit Rosenwasser und Benzoeharz und läßt dann erkalten. Ein Zusatz von wenig Benzoesäure oder Salicylsäure dürfte ebenso wirken. In neuerer Zeit hat man übrigens das immerhin empfindliche Fett mehrfach durch Paraffin, [* 10] Vaselin und Glycerin zu ersetzen gesucht.
Die Riechpulver, welche billiger und beständiger sind als die flüssigen Parfüme, werden aus verschiedenen gepulverten Pflanzenteilen, Moschus etc. zusammengesetzt und in Säckchen, Kissen oder Kouverte gefüllt, um in Wäschschranke u. dgl. gelegt zu werden. Die Riechbüchschen sind durchbrochene Büchschen von Elfenbein, Horn oder Metall und enthalten Mischungen aus Moschus, Ambra, Vanilleschotenpulver und Rosenöl, mit arabischem Gummi und Wasser zu einer Paste geknetet; die Riechfläschchen sind mit Schwamm oder Salz [* 11] gefüllt, welche mit essigsäure- oder ammoniakhaltigem Parfüm getränkt wurden. Die Vorschriften zu den einzelnen Parfümen weichen ungemein voneinander ab und liefern fast niemals den Geruch, welchen man nachahmen will, weil die Zusammensetzung der einzelnen Präparate gewöhnlich sehr kompliziert und Fabrikgeheimnis ist.
Wohlriechende Stoffe hat man schon in den ältesten Zeiten angewandt; man ehrte Lebende und Tote durch Räucherungen und Salbungen mit parfümiertem Öl, sprengte bei religiösen Gebräuchen wohlriechende Wässer aus oder verbrannte Balsame und Harze zu Ehren der Gottheit. Diese Gewohnheit findet sich bereits im alten Ägypten. [* 12] Moses regelte sie durch besondere Gesetze, und in der katholischen Kirche wird noch heute geräuchert. Später aber, noch vor Konstantin, kamen die Parfüme in allgemeinen Gebrauch und wurden lediglich ihres angenehmen Geruchs halber angewandt.
Damals trieb Persien
[* 13] ausgedehnten Handel mit Balsamen, Myrrhen und Gewürzen. Die Athener hatten für jeden Teil ihres Körpers
besondere Parfüme. Dies deutet darauf hin, daß der Gebrauch wohlriechender Substanzen in Verschwendung
ausgeartet war, und so erklären sich die tadelnden Worte des Sokrates und das Gesetz des Solon, welches den Athenern den Verkauf
von
Parfümerien, wenigstens an Männer, verbot. Ein ähnliches Gesetz wurde in Rom
[* 14] unter dem Konsulat des Licinius Crassus erlassen;
aber in der spätern Zeit trieb man wieder die großartigste Verschwendung mit
Parfümerien, bis der Zerfall
des römischen Reichs die Benutzung wohlriechender Stoffe völlig in Vergessenheit geraten ließ. Aus dieser tauchten sie erst
sehr spät
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wieder auf und gelangten zu einer nie gekannten Bedeutung unter der Regierung Ludwigs XV. Wie früher der Ritter die Farben seiner
Dame trug, so benutzte jetzt der Kavalier das Parfüm, welches die Dame als ihr angenehm bezeichnet hatte. Gegenwärtig ist
der Verbrauch der
Parfümerien ein viel größerer als damals; während er sich aber früher nur auf
die höchsten Kreise
[* 16] beschränkte, hat er sich jetzt über alle Volksschichten ausgedehnt und ebendadurch bedeutende Industriezweige
geschaffen. Es fehlen genaue statistische Angaben über die Produktion von
Parfümerien; aber Barreswil berechnete, daß der
Umsatz in diesen Artikeln in Frankreich über 40 Mill. Frank beträgt (20mal mehr als 1810).
Vgl. Hirzel, Toilettenchemie (3. Aufl., Leipz. 1874);
Rimmel, The book of perfumes (4. Aufl., Lond. 1866);
Deite in Bolleys »Handbuch der chemischen Technologie« (Braunschw. 1867);
Askinson, Die
Parfümeriefabrikation (2. Aufl., Wien
[* 17] 1884);
Piesse, The art of perfumery (4. Aufl., Lond. 1880);
Winckler, Die
Parfümeriefabrikation (2. Aufl., Halle
[* 18] 1882);
Bergh, Rezeptbuch
der
Parfümeriefabrikation (Berl. 1883);
Mierzinski, Die Riechstoffe (6. Aufl., Weim. 1887).