Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03247.jsonl.gz/2665

Verschwiegene Liebe in den Fünfzigerjahren: Tove (Alma Pöysti), die Zeichnerin, liebt heimlich Vivica (Krista Kosonen), die Theaterregisseurin. (DMC)
Um Freiheit – künstlerisch wie sexuell
Ihre Geschöpfe sind drollige Trolle mit putzigen (finnischen) Namen, knubbeligen Nilpferdchen ähnlich. Die Finnin Tove Jansson hat diese Comicfiguren Ende der Vierzigerjahren erfunden und weltbekannt gemacht. Ihr grösster Wunsch war es jedoch, Malerin zu werden. Sie hatte ihrem Vater Modell gestanden, der sich als Bildhauer in Finnland einen Namen gemacht hatte. Doch ausgerechnet der spricht ihr jegliches künstlerische Talent ab. Tove Jansson arbeitet, mehr der Not gehorchend als den eigenen Intentionen, als Zeichnerin und Illustratorin. Sie war schier verzweifelt, weil sie als Malerin abgelehnt wurde. Erst der Politiker Atos Wirtanen, verheiratet, mit dem sie eine intime Beziehung hatte, konnte sie überzeugen, die Geschichten um ihre knubbeligen Trollfiguren zu publizieren. So wurden die «Mumins» in den Vierzigerjahren zum Leben erweckt. Ein schwedisches Blatt, dessen Herausgeber Wirtanen war, druckte 1947 ihre ersten Comics – ohne sichtlichen Erfolg. Sie wurden nach einem halben Jahr eingestellt. Dann griff die britische Zeitung «The Evening News» zu. Die Mumins erschienen dort von 1954 bis 1959 – wöchentlich.
«Das Leben ist ein wunderbares Abenteuer» frohlockt Tove Jansson, die sich als Künstlerin verstand, aber als Comicautorin und Zeichnerin erfolgreich war. Zaida Bergroth hat ihr einen Spielfilm gewidmet, in dem die Erfolgsstory der Mumins nur eine Randerscheinung ist. Vielmehr geht es Bergroth um die Befindlichkeiten, Gefühlswelt und inneren Konflikte der Künstlerin. Tove Jansson, innig und wunderbar verständig von Alma Pöysti dargestellt, war ein verletzter Mensch, der mit Comics erfolgreich war, sich aber zur Malerin berufen fühlte. Sie hatte ein inniges Verhältnis zum verheirateten Liebhaber und Protegé Wirtanen (Shanti Roney), liebte aber auch die Theaterregisseurin Vivica Bandler (Krista Kosonen – herb und dominant), die sie zu einem Mumin-Theaterstück animierte. Am Ende fühlte sich Tove von der flatterhaften Lesbe Vivica ausgenutzt und verraten. Ihr «Heim», ihre Liebe fand sie dann in der Grafikerin Tuulikki (Joanna Haartti).
Alle Menschen, die ihr nahestanden, tauchen auch in den «Mumin»-Comics auf – als Tofsla und Vifsla (Tove und Vivica), als Schnupferich (Wirtanen) oder Tooticki (Tuulikki). In Finnland war «Tove» ein grosser Kinoerfolg. Ein Biopic, das vor Lebensfreude (mit allen Schattierungen) sprüht. Der Film mag etwas altmodisch anmuten, hat aber Anmut und Sinnlichkeit, zeichnet das Bild einer Frau in einer konservativen Zeit, die ihre Identität, künstlerische wie sexuelle Erfüllung sucht.
Finnland 2020
100 Minuten
Regie: Zaida Bergroth
Buch: Esva Putro
Kamera: Linda Wessberg
Besetzung: Alma Pöysti, Krista Kosonen, Shanti Roney, Joanna Haartti, Eeva Putro
Zurück