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Ein anderer Gesichtspunkt: die Amphibien
Inhaltsverzeichnis
Stimmung, ...
Im Mai führen die Seefrösche, auf dem Höhepunkt ihrer hochzeitlichen Erregung angelangt, an den Ufern der Weiher und der Kanäle, wo sie den Sommer verbringen werden, ohrenbetäubende Konzerte auf. Sobald aber der Laich abgelegt ist, suchen die meisten Grasfrösche und Erdkröten ihre Jagdgründe - Wiesen und Wälder - auf und legen dabei mehrere Kilometer zurück. Die Wolken von Kaulquappen, die noch vor wenigen Tagen die Laichstätte des Grasfrosches anzeigte, haben sich auf die sonnenbeschienenen Ufer verteilt und die schwarzen Rosenkränze, welche die Erdkröte im März auf den Grund des kalten Wassers gelegt hatte, haben sich im Lauf des Ausschlüpfens aufgelöst.
Will man die Stimmung zur Zeit der frühen Laichablage der Grasfrösche im halbgefrorenen Wasser erleben, muss man in die Berge steigen und dem sich zurückziehenden Schnee folgen. Je höher man kommt, desto eiliger scheinen es die Frösche zu haben. Sie zögern nicht, sich auf den schneebedeckten Boden zu legen und das zukünftige Wasser zu erwarten, das sich in der kleinen Mulde sammeln wird, deren Vertiefung die Schneefläche andeutet. Es darf kein Tag versäumt werden, wenn die Ablage erst Ende Juni oder anfangs Juli erfolgen kann. Diese lange Liebeserwartung lässt auf dem schmelzenden Schnee merkwürdige Spuren zurück, die dem Abdruck einer Fusssohle, umgeben von viersonderbar verteilten Fingern, ähnlich sehen. Die Raubvögel scheinen diese Zeremonie zu kennen, wie die von Richard 1940 in einem Uhu-Horst im Bagnes-Tal gesammelten Knochen bezeugen.
... Geographie ...
Vier Amphibien leben über 1500 m: der Bergmolch, der Grasfrosch, in gewissen Gegenden die Erdkröte sowie der Alpensalamander. Die Verteilung des Letzteren, der vor dem Wallis Halt machte, deutet darauf hin, dass diese Amphibienarten den Kanton zur letzten grossen Warmzeit über die Pässe betreten haben.Doch die meisten Amphibien wagen nicht, 1000 m ü. M. zu übersteigen, und müssen deshalb vom Genfersee her der Rhone entlang ins Wallis eingedrungen sein. Gelbbauchunken, Wasserfrösche und Feuersalamander sind darum auf die Ebene, die Mündungen der grossen Seitentäler und die unteren Haupttalhänge beschränkt verteilt.
Trockenheit grenzt die Möglichkeiten der Besiedelung durch jene Arten ein, die sich im Wasser vermehren. Bereits 1872 stellte Fatio mit Erstaunen fest, dass die Anzahl der Amphibienarten die Rhone aufwärts abnahm. Der Bergmolch war der einzige Schwanzlurch oberhalb von Martigny; alle andern kamen nicht über das Rhoneknie hinaus oder blieben sogar unterhalb davon stehen. Heute neigt man dazu, die grossen Lücken im Vorkommen des Bergmolchs, verglichen mit demjenigen des Grasfrosches, mit höheren Anforderungen ans Wasser zu erklären, die eine Besiedelung der in den grossen Trockentälern des Mittelwallis verteilten Weiher und Seen verhindern würden. Einzigartig ist die Verteilung des Alpensalamanders, weil sie auf die feuchten Pässe der Voralpen beschränkt ist.
...und Geschichte
Das Wallis war nie ein Paradies für Amphibien: 6 der 13 vorhandenen Arten hatten stets eine beschränkte Verteilung. Aber die andern, welch ein Überfluss! Als es noch stiller war und keine Mechanik ratterte, schickten die Regenten unserer Städte "Radaumacher" aus, um die Wasserfrösche und Laubfrösche, die zu Tausenden in den Sümpfen des Rhonetals spukten, zum Schweigen zu bringen.Heute sind die Weiher und Gräben in der Ebene geschrumpft wie vertrocknete Äpfel, die Ersatzbiotope (Kiesgruben, Kanäle) werden oft lebensfeindlich behandelt und die Jagdgründe sind wegen der generell verwendeten Insektizide verarmt. An den Seitenhängen sind viele "unnütze" Weiher aufgefüllt oder in betonierte Becken umgebaut worden. Sümpfe und Teiche wurden für die Landwirtschaft entwässert, fürs Skifahren beseitigt, in Stauseen versenkt oder unter Bergen von Abfall beerdigt.
Siehe auch