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Evaluationsstudien zu öffentlicher Stellenvermittlung und arbeitsmarktlichen Massnahmen
Das System der schweizerischen Arbeitslosenversicherung (ALV)ist dezentral ausgestaltet. Es belässt den Vollzug schwergewichtig bei den Kantonen. Zur Überprüfung der Wirksamkeit und Effizienz der aktiven Arbeitsmarktpolitik werden regelmässige Wirkungsmessungen vorgenommen. Die dritte Evaluationswelle ist praxisorientierter als die vorherigen. Erste Resultate liegen bereits vor.
Die ALV bezweckt sowohl den Ersatz der Lohnausfälle bei Arbeitslosigkeit als auch die Unterstützung der Stellensuchenden, möglichst rasch eine neue Stelle zu finden und sie auch auf Dauer zu behalten. In der Schweiz hat man dazu in den 1990er-Jahren ein dezentrales System geschaffen. Der Bund gibt den Rahmen vor und wirkt unterstützend, belässt aber den Vollzug schwergewichtig bei den Kantonen. Er macht keine detaillierten Vorschriften über den Einsatz der Massnahmen, sondern steuert das System über die Vorgabe messbarer Ziele. Integraler Bestandteil dieses dezentralen Systems sind regelmässige Wirkungsmessungen. Seit 1996 wurden zwei Evaluationswellen durchgeführt, welche die Aktivitäten der regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV), Wirkungen der arbeitsmarktlichen Massnahmen und die Wirksamkeit der öffentlichen Arbeitsvermittlung untersuchten.
Die dritte Evaluationswelle
Das System hat in der Zwischenzeit einen hohen Reifegrad erreicht, so dass die offenen Fragestellungen konkreter und praxisorientierter ausgerichtet sind als in den vorgängigen Evaluationswellen. Unter diesen Vorgaben wurde 2011 die dritte Evaluationsrunde ausgelöst. Sie wird im kommenden Jahr abgeschlossen werden. Die Hauptanliegen sind die folgenden:
- Die Analyse ist konsequent auf einen breiten Bereich von Aktivitäten fokussiert, welche die RAV als Leistung erbringen. Nicht nur die Verfügung von arbeitsmarktlichen Massnahmen, sondern z.B. auch die Information, Beratung, Unterstützung und Sanktionierung werden aus unterschiedlichen Perspektiven auf ihre Erfolgsfaktoren hin überprüft – immer in Hinblick auf die effektiv erzielten Wirkungen. Die vergebenen Studien sind stark auf die Belange der Praxis ausgerichtet.
- Weiter geht es darum, Grundlagen für die Diskussion und Weiterentwicklung der Gesamtsteuerung des dezentralen Systems zu erarbeiten. Ziel ist es, einen Rahmen zu schaffen, welcher die Kantone darin unterstützt, eine dauernde Senkung der Arbeitslosigkeit zu erreichen.
Die publizierten Studien
In den nachfolgenden Artikeln werden drei Studien näher dargestellt:
- Die Studie von Ecoplan untersucht die Auswirkungen von Phasen der Arbeitslosigkeit auf die Wiedereinstiegschancen und die Einkommensentwicklung der Versicherten.
- Die Studie der Universität Genf (Observatoire Universitaire de l’Emploi) untersucht den Einfluss der Beratung in den RAV auf die Erwartungen und das Verhalten der Arbeitssuchenden bezüglich ihrer Wiedereingliederung,
- Die Studie von IDHEAP und der Universität Lausanne untersucht die Bedeutung sozialer Netzwerke auf die Wiedereingliederung von Stellensuchenden.
Bereits im April 2013 wurde die Studie von Egger, Dreher & Partner AG publiziert. Ebenfalls abgeschlossen und im Internet verfügbar ist die Studie von Bruno Kaltenborn und Petra Kaps. Drei weitere Studien werden im Verlauf des Jahres 2014 publiziert. Abschliessend wird eine Synthese erarbeitet, welche die Ergebnisse des Programms bewertet und Schlussfolgerungen daraus zieht.
Tabelle 1: «Studien der dritten Evaluationswelle zur öffentlichen Stellenvermittlung und arbeitsmarktlichen Massnahmen»
Zitiervorschlag: Werner Aeberhardt (2013). Evaluationsstudien zu öffentlicher Stellenvermittlung und arbeitsmarktlichen Massnahmen. Die Volkswirtschaft, 01. September.