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Roger Federer hat in New York den Traumfinal verpasst. Der Baselbieter unterlag im Halbfinal dem Serben Novak Djokovic nach zwei vergebenen Matchbällen 7:5, 1:6, 7:5, 2:6, 5:7.
Anstatt damit um seinen 17. Major-Titel kämpfen zu können, musste Federer über seine früheste New-York-Niederlage seit 2003 Auskunft geben.
"Die Niederlage ist hart, aber sie wird mir nur noch mehr Motivation geben, um hart zu trainieren und wieder Grand-Slam-Finals zu erreichen, nachdem ich dies nun dreimal nicht geschafft habe. Ich denke, ich spiele gut und hätte es verdient gehabt, im Final zu stehen. Aber im Tennis gibt es keine Unentschieden und einer muss gewinnen", sagte Federer nach dem Match.
Er werde nun aber nicht ultrahart mit sich ins Gericht gehen und nicht negativ werden.
Vorhand für einmal der Schwachpunkt
In der Schlussphase machte ausgerechnet ein Schlag die Differenz, in dem Federer im Normalfall klar besser ist: die Vorhand. Djokovic wehrte beide Matchbälle mit mutigen Vorhand-Winnern ab, einmal sogar aus der Luft, und spielte diesen Ball auch anschliessend fast perfekt.
Federer, dessen Vorhand sonst so sicher ist wie die Nationalbank, kassierte im nächsten Game das entscheidende Break, weil sein Paradeschlag dreimal nicht funktionierte. Im letzten Game hatte er noch einen Breakball, beendete aber die Partie mit drei weiteren Vorhandfehlern. Insgesamt wies die Statistik gegen ihn 65 unerzwungene Fehler aus.
Service keine Waffe
Der Baselbieter zeigte insgesamt eine sehr durchzogene Leistung: Die beiden Sätze, die er gewann, entschied er dank zu Null erzielten Breaks im elften Game. In den beiden Durchgängen, die er verlor, produzierte er schlicht zu viele Fehler. Zudem war sein Aufschlag deutlich weniger effizient als sonst.
Vor allem aber mutete er seinen vielen Fans im Stadion und an den TV-Geräten weltweit eine veritable Achterbahnfahrt zu, was man von ihm gar nicht gewohnt ist. In den Sätzen 2 und 4 zog er jeweils 20 schwache Minuten ein, was es Djokovic erlaubte, nach den Satzverlusten wieder Energie und Vertrauen zu tanken.
"Es war nicht gut, dass ich solche Höhen und Tiefen hatte", so Federer, der in seiner langen Major-Karriere nur sehr wenige Sätze zu Null verloren hat. Im selben Spiel zwei solcher Sätze hat sogar absoluten Seltenheitswert: In New York war ihm dies nur 2001 gegen Andre Agassi passiert.
Dass Federer keine optimale Partie zeigte, ist unbestritten, Djokovic braucht das aber nicht zu stören. Der "Djoker" hat erstmals seit Melbourne 2008 und nach vier Niederlagen wieder einen Halbfinal erfolgreich gestaltet.
Der Serbe verdiente sich seinen dritten Major-Final mit solidem Spiel, starker Laufarbeit, hervorragender Antizipation sowie mit viel Mut in den Schlüsselmomenten.
Für Federer endet damit ein Grand-Slam-Jahr, das gemessen an seinen Standards ebenfalls Höhen und Tiefen brachte. In Melbourne holte er seinen 16. Titel und verlängerte damit seine Titelserie auf acht Jahre, in den verbleibenden drei Majors erreichte er aber keinen Final mehr, was ihm seit seinem ersten Wimbledon-Titel 2003 nie mehr passiert ist.
Wieder Weltnummer 3
Im Ranking vom Montag fällt er vorerst wieder hinter Djokovic auf Rang 3 zurück, was aber seine kleinste Sorge sein dürfte. Ebenso, dass der Rückstand auf Rafael Nadal um weitere 960 oder 1760 Punkte anwächst und damit sogar die 5000-Punkte-Marke übersteigen könnte, was dem Gegenwert von zweieinhalb Major-Titeln entspricht.
Im US-Open-Final kommt es zum Duell Novak Djokovic - Raffael Nadal.
swissinfo. ch und Agenturen (Marco Keller)
Grand Slam
Australian Open, French Open, Wimbledon sowie das US Open bilden die Serie der grössten Tennisturniere.
Zum Grand Slam muss ein Spieler alle vier Turniere gewinnen.
Der Australier Rod Laver konnte 1969 als einziger einen "richtigen" Grand Slam gewinnen, d.h. alle vier Turniere im selben Kalenderjahr.
Andre Agassi und Roger Federer haben beide den "unechten" Grand Slam geschafft, d.h. alle Turniere gewonnen, aber nicht im selben Kalenderjahr.
Der "Unechte" wird auch Karriere-Grand-Slam genannt.
Rekordliste Grand-Slam-Titel:
16: Roger Federer
14: Pete Sampras
11: Björn Borg
8: Andre Agassi, Jimmy Connors, Ivan Lendl.
swissinfo. ch und Agenturen (Marco Keller)