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1. Definition
Definition
Muskelkater ist eine weit verbreitete Sportverletzung: Praktisch jeder kennt diese Muskelschmerzen, die meist nach ungewohntem oder besonders stark belastendem Sport oder sonstigen körperlichen Aktivitäten auftreten.
Im Gegensatz zu Muskelzerrungen, -prellungen oder -rissen ist Muskelkater jedoch harmlos.
Typischerweise tritt der Muskelkater nie direkt nach dem Sport auf, sondern macht sich frühestens einige Stunden nach der ursächlichen Belastung bemerkbar. Dieses Merkmal greift die englische Bezeichnung für Muskelkater – Delayed Onset Muscle Soreness (DOMS) – auf (engl. delayed = verspätet, verzögert). Die deutsche Bezeichnung Muskelkater ist wahrscheinlich eine nicht ganz ernst gemeinte Eindeutschung des Begriffs Katarrh.
Ein Muskelkater ist durch folgende Symptome gekennzeichnet:
- Die Bewegung der betroffenen Muskelpartien löst teilweise heftige Schmerzen aus.
- Daneben sind die Muskeln steif, hart, druckempfindlich und kraftlos: Manchmal verringert ein Muskelkater die maximale Kraft eines Muskels um bis zu 30 Prozent.
- Die Bewegungsradien der angrenzenden Gelenke sind durch den Muskelkater aufgrund der Schmerzen stark verkleinert.
Ausserdem zeigt der Muskelkater einen typischen Verlauf: Nach 1 bis 3 Tagen erreicht der Muskelschmerz seine maximale Intensität und lässt dann langsam nach. Ein paar Tage später ist der Schmerz in der Regel wieder verschwunden – Muskelkater hält also höchstens eine Woche an und heilt von selbst aus, ohne bleibende Schäden zu hinterlassen. Ist der Muskelkater abgeklungen, kann die ursächliche Bewegung über eine Dauer von mehreren Wochen keinen neuen Muskelkater auslösen.
2. Ursachen
Muskelkater hat seine Ursachen nicht – wie lange vermutet – in im Muskel verbliebener Milchsäure (Laktat), sondern in Mikroverletzungen der Muskelfasern. Diese treten bei einer unkoordinierten Muskelarbeit bei ungewohnten Bewegungsmustern auf. Am häufigsten nach sogenannten Abbremsbewegungen, bei denen äussere Kräfte dazu führen, dass sich der arbeitende Muskel dehnt. Dadurch reissen Muskelfasern ein und Wasser kommt in die Faser.
Nachfolgend bilden sich Wasseransammlungen (Ödeme), wodurch die Muskelfaser anschwillt und sich dehnt. Der Dehnungsschmerz entspricht dem typischen Muskelkaterschmerz. Die Vorgänge, die dazu führen, dauern eine Weile. Darum tritt der Muskelkater verzögert auf. Der Muskelschmerz setzt frühestens einige Stunden nach Entstehung der Mikroverletzungen ein.
Muskelkater entsteht besonders häufig, wenn jemand in untrainiertem Zustand einen Sport ausübt, bei dem oft Stopp- und Antrittsbewegungen erfolgen (z.B. Squash, Tennis, Fussball o. Kraftsport). Gleichmässiges Laufen beispielsweise verursacht seltener einen Muskelkater. Auch gut trainierte Sportler können einen Muskelkater bekommen – wenn sie neue Bewegungsmuster (z.B. eine neue Turnübung) erlernen oder wenn ihre Muskelkoordination während eines langen Wettkampfs aufgrund von Ermüdung verschlechtert ist. Eine seltenere Form von Muskelkater hat ihre Ursachen in lang andauernden intensiven Belastungen des Stoffwechsels (wie z.B. beim Marathonlauf). Dabei kommt es zu Entzündungsreaktionen, die Muskelschmerzen auslösen.
Daneben kann ein Muskelkater durch epileptische Krämpfe entstehen. Auch muskelentspannende Medikamente (sog. Muskelrelaxantien), die man bei der Narkoseeinleitung verabreicht und durch die es zu feinen Muskelkontraktionen kommt, kommen als Ursachen für Muskelkater infrage.
3. Diagnose
Wenn ein Muskelkater hinter Muskelschmerzen steckt, verschwinden die Schmerzen meist spätestens nach einer Woche von alleine. Bleiben sie aber bestehen, ist ein Arztbesuch ratsam, um andere Muskelverletzungen als Ursache auszuschliessen.
Der erste Schritt zur Diagnose besteht in einer ausführlichen Befragung:
- Gab es eine übermässige sportliche Anstrengung?
- Wann genau sind die Schmerzen aufgetreten und wie lange halten sie schon an?
- Sind sie nach einer bestimmten Bewegung plötzlich aufgetreten?
- Bei welchen Bewegungen schmerzen die Muskeln am meisten?
Diese und andere Fragen können dem Arzt erste Hinweise darauf geben, ob nur ein hartnäckiger Muskelkater oder andere Muskelverletzungen vorliegen.
Nach der Befragung folgt eine körperliche Untersuchung, wobei der Arzt die betroffenen Muskelregionen abtastet und auf eventuelle Dellen oder sichtbare Einbuchtungen untersucht. Eine Ultraschalluntersuchung liefert genauere Anhaltspunkte. Wenn sich der Verdacht erhärtet, dass mehr als ein Muskelkater für die Beschwerden verantwortlich ist, können je nach vermuteter Ursache für die Schmerzen weitere Untersuchungen (wie eine Röntgenuntersuchung) folgen.
4. Therapie
Ein Muskelkater benötig keine besondere Therapie. Er ist harmlos und die Muskelschmerzen klilngen ohne bleibende Schäden meist innerhalb weniger Tage von selbst ab. Schonen Sie den Muskle und treiben keinen Sport bis der Muskelkater weg ist. Möchten Sie nicht auf Sport verzichten, gestalten Sie das Training locker und vermeiden Sie jegliche Kraftbelastung (wie z.B. bei lockerem Velofahren o. Bewegungsübungen im Wasser). Zusätzlich sind Wärmeanwendungen wirksame Mittel gegen Muskelkater: Warme Bäder mit Rosmarin oder Fichtennadel und Saunagänge sorgen für eine bessere Durchblutung der betroffenen Muskulatur und beschleunigen den Heilungsprozess. Massagen hingegen sind bei Muskelkater besonders während der Schmerzphase nicht empfehlenswert.
Weiter können Sie versuchen, den Bewegungsschmerz durch vorsichtiges, passives Dehnen vorübergehend abzuschwächen. Und wenn Sie starke Schmerzen haben, können Sie leichte Schmerzmittel einnehmen. Eine wirksame medikamentöse Muskelkater-Therapie ist nicht bekannt. Vorbeugen können Sie einem Muskelkater, indem Sie sich vor dem Training sorgfältig aufwärmen und der Körper nur langsam an neue Bewegungsmuster gewöhnen.