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Zum Ausbau der Bahnlinie zwischen Zug und Arth-Goldau
Die SBB wollen die Frequenzen der Schnellzüge zwischen Zürich und dem Tessin durch den Neat-Tunnel verdoppeln. Aus diesem Grunde wollen sie die Kapazität des Neat-Zubringers in Walchwil ausbauen. Das Zuger Kantonsparlament hat zweimal (2004 und 2009) im Richtplan klar festgelegt, dass der Neat-Zubringer in den Berg muss, was wiederum nicht ins Budget der SBB passt.
Deshalb bat das Bundesamt für Raumentwicklung den Kanton Zug im Jahre 2010, verschiedene Varianten auszuarbeiten, um diesen Interessenkonflikt zu lösen. Statt des Kantons Zug übernahmen jedoch die SBB als Konfliktpartei die Führung dieses Projektes und erteilten einem Ingenieurbureau den Auftrag, drei Varianten auszuarbeiten, nämlich zwei teurere Tunnelvarianten mit einem Südportal direkt neben dem Zentrum von Walchwil sowie eine billigere Variante in offener Linienführung.
Die zwei Tunnelvarianten waren offensichtliche Scheinvarianten, da es von Anfang an klar war, dass ein Tunnelportal direkt neben dem Zentrum für die Gemeinde Walchwil völlig inakzeptabel ist. Alternative Tunnelvarianten ohne Portal direkt neben dem Zentrum wurden nicht untersucht (wie z.B. eine unterirdische Umfahrung von Walchwil nur für die Schnellzüge). Ausserdem setzten die SBB den Kanton Zug unter Druck, bei einer Tunnelvariante einen substanziellen Teil der Mehrkosten übernehmen zu müssen. Es ist daher nicht erstaunlich, dass bei dieser Scheinauswahl die offene Linienführung als einzige Variante übrig blieb.
Die betroffenen Anwohner sind vom Nutzen der dem Kantonsparlament vorgeschlagenen Doppelspur-Insel nicht überzeugt. Die SBB waren z.B. nicht einmal in der Lage, klare statistische Aussagen über den Zuwachs an Fahrplanstabilität zu machen, aus ihrer Sicht der Hauptnutzen dieses Projektes. Damit einhergehen würde eine zweijährige Vollsperrung der Bahnlinie zwischen Oberwil und Walchwil, ein wahrhaft abenteuerliches Ansinnen mit absehbaren Folgen für den Strassenverkehr zwischen Walchwil und Zug. Mit diesem Projekt würde auch der aktuelle unbefriedigende «Hinketakt» zwischen Zug und Walchwil auf lange Zeit hinaus zementiert. Ebenso würde ein durchgehender Halbstundentakt der S2 zwischen Zug und Arth-Goldau mit Anschluss an die SBB und die SOB auf lange Zeit hinaus verunmöglicht. Ein Projekt mit derart vielen konzeptionellen Schwächen hätte in der Privatwirtschaft keine Chance.
SBB wollen Projekt Murpfli nicht
Zusammen mit Spezialisten wurde nun ein alternatives Konzept entworfen («Ausweichstelle Murpfli»), welches nicht nur kostengünstiger wäre, sondern auch keine zweijährige Vollsperrung der Bahnstrecke bedingen würde. Ausserdem könnte mit diesem Konzept ein durchgängiger Halbstundentakt der S2 zwischen Zug und Arth-Goldau realisiert werden. Obwohl dieses alternative Konzept von ausgewiesenen Spezialisten entwickelt wurde und zweifelsfrei funktionieren würde, wollten die SBB «aus Zeitgründen» nicht darauf eingehen.
Viele Schwächen
Die Doppelspur-Insel Walchwil hat zu viele konzeptionelle Schwächen, und die Legitimität des Vorgehens ist ungenügend. Gemäss dem Willen des Kantonsparlaments muss jeglicher Neat-Zubringer grundsätzlich in den Berg. Dies gilt auch für den Ausbau der Kapazitäten in Walchwil. Jegliche andere «Lösung» entspricht dieser Zielvorgabe des Kantonsparlamentes nicht und verdient ein klares Verdikt: «Auftrag nicht erfüllt».
René Dubacher, Andreas Hotz und Franz Stadler, Vertreter des Walchwiler Komitees «100 Mio. wozu?»
[publiziert in der «Neuen Zuger Zeitung» vom 15. Juni 2012]