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Im Morgengespräch auf dem polnischen Radiosender RMF PM erklärte Naimski, dass die ersten zwei oder drei Kernkraftwerkseinheiten des Landes an einem von zwei Standorten – Lubiatowo-Kopalino oder Zarnowiec – in der nördlichen Provinz Pommern nahe der Ostseeküste gebaut werden sollen. Zudem könnte Belchatow in Zentralpolen als weiterer Standort und möglicherweise ein dritter Standort auf einem anderen Kohlekraftwerksgelände ausgewählt werden – Patnow-Konin, etwa 150 km nordwestlich von Belchatow. Laut Naimski ist die Nutzung der Standorte bestehender Anlagen für fossile Brennstoffe wie Belchatow aufgrund der vorhandenen Netzinfrastruktur, welche die Übertragung grosser Strommengen ermöglichen, «am vernünftigsten».
Polen plant, ab 2033 Kernenergie als Teil seines diversifizierten Energieportfolios einzusetzen. Ziel ist eine installierte Leistung von 6000 bis 9000 MW auf der Grundlage bewährter, grosser Druckwasserreaktorblöcke der Generation III und III+. Geplant sind sechs Kernkraftwerkseinheiten an «höchstwahrscheinlich zwei oder sogar drei Standorten» in Polen, abhängig von den laufenden Standortstudien.
Auf die Kosten des Nuklearprogramms angesprochen, sagte Naimski, dass sie über einen Zeitraum von 20 Jahren auf etwa EUR 17,5 Mrd. geschätzt werden. Laut ihm verursacht die Entwicklung der Windenergieerzeugung ungefähr gleich hohe Kosten. Damit bestätigt Naimski die polnische Energiestrategie bis 2040, die im Februar 2021 genehmigt wurde, und das Kernenergieprogramm der Regierung, die im Oktober 2020 grünes Licht erhalten hatte.
Die polnische Energiestrategie sieht vor, dass über die Hälfte der installierten Stromerzeugungskapazitäten des Landes aus emissionsfreien Quellen wie erneuerbare Energien und Kernenergie stammen soll. Laut Naimski könnte die Kernenergie Anfang der 2040er-Jahre bis zu 25% des polnischen Stroms erzeugen und zusammen mit erneuerbaren Energien und Gas die Kohleverbrennung ersetzen. Das älteste Kohlekraftwerk soll Anfang der 2030-er Jahre stillgelegt werden und den schrittweisen Ausstieg aus der Kohle bis 2049 einläuten.
Laut Schätzungen müsste Polen bis Mitte der 2040er-Jahre zwischen EUR 174 und EUR 305 Mrd. für seine Energiewende aufwenden, wobei etwa EUR 100 Mrd. für die Stromerzeugung ausgegeben würden, erklärte Naimski. Auf die Frage, ob sich Polen Investitionen in diesem Umfang leisten könne, antwortete er: «Ja, Polen wird es sich leisten können. Wird es einfach sein? Nein. Es wird sehr, sehr schwierig sein, aber man sollte auch berechnen, wie viel es uns kosten würde, diese Transformation nicht anzugehen.» Gemäss Naimski wird der Grossteil der Mittel aus dem Inlandshaushalt kommen, der durch EU-Mittel ergänzt wird.
Quelle
M.A. nach NucNet, 9. März 2021, und YouTube-Stream, 3. März 2021
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