Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03261.jsonl.gz/546

Die Bedeutung und Funktion der menschlichen Augenhöhle
Die Augenhöhle sowie die Augenlider schirmt den Augapfel ab und schützt das Auge vor äusseren Einflüssen. Sie ist der Teil des Schädels, der von Stirn, Schläfe, Wangen und Nase umgeben ist. Die Augenhöhle umfasst ein Volumen von etwa 30 Kubikzentimetern und besitzt damit die ungefähre Grösse eines Golfballs.
In der Augenhöhle befinden sich neben dem Augapfel wichtige Blutgefässe, Nerven, Muskeln und Fett.
Die Augenhöhle besteht aus sieben Knochen: Stirnbein, Keilbein, Jochbein, Oberkiefer, Tränenbein, Siebbein und Gaumen. Sie besitzt ein trichterförmiges Aussehen, der sich nach hinten verjüngt.
Fettgewebe dient als Füllmaterial. Der Augapfel wird von den Augenmuskeln bewegt. Der Sehnerv verlässt den „Trichter“ hinten an der engsten Stelle. An der Rückseite der Augenhöhle befindet sich die Öffnung zum Sehkanal, an der Vorderseite des Auges befinden sich die Leder- und Hornhaut. Mehrere Öffnungen in den Knochen der Augenhöhle ermöglichen den Durchgang von Nerven, Venen, Arterien und Ganglien.
Traumata der Augenhöhle
Ein Trauma der Augenhöhle entsteht insbesondere durch einen schweren Schlag auf die Knochen, die die Augenhöhle bilden. Dies führt in der Regel zu Schwellungen und Augenschmerzen rund um das Auge. In manchen Fällen beeinträchtigen Traumata auch das Sehvermögen. Um die genauen Auswirkungen festzustellen, wird eine Computertomografie angefertigt.
Frakturen betreffen in erster Linie den unteren Teil der Augenhöhle (Orbitabodenfraktur), können aber auch in anderen Bereichen vorkommen. Bei einem Schlag, der mehrheitlich vom Augapfel selbst und nicht den umgebenden Knochen aufgefangen wird, wirkt sich der Druck auf die Wände der Augenhöhle aus. Dabei kann der sogenannte orbitale Boden brechen. Infolge des Traumas können Weichteile am Auge durch die Fraktur gedrückt werden. Solche Verletzungen müssen meist operativ behandelt werden.
Im Falle einer Fraktur erfolgt die Operation in der Regel endoskopisch oder unterstützt durch den Computertomografen. Der Zugang erfolgt durch die Nase oder das Unterlid. Durch einen Ballon wird der Boden der Augenhöhle gestützt, bis er sich neu gebildet hat.
Entzündungen der Augenhöhle
Entzündungen der Augenhöhle können sowohl auf Bakterien, Fremdkörper als auch auf Autoimmunerkrankungen zurückzuführen sein. Zu den Entzündungen aufgrund einer Infektion gehört die Orbitaphlegmone, die infolge einer fortgeleiteten Infektion wie etwa einer bakteriellen Sinusitis auftritt. Hier ist wegen der Gefahr von schweren Komplikationen eine umgehende Therapie angezeigt.
Granulomatose mit Polyangiitis und IgG4-bedingte Augenhöhlenentzündung
Bei der Granulomatose mit Polyangiitis entzünden sich die Blutgefässe. Den Anfang markiert die Entzündung der Blutgefässe und des Gewebes in der Nase und den Nebenhöhlen. Weiterhin breiten sich die Entzündungen auf den Hals, die Lunge und Nieren aus. Die sogenannte IgG4-bedingte Augenhöhlenentzündung wirkt sich ähnlich aus wie die Granulomatose mit Polyangiitis, ist aber meist mit weniger Symptomen verbunden.
Welche Symptome auftreten, hängt massgeblich davon ab, welche Teile entzündet sind. Rötungen und Schmerzen treten vergleichsweise häufig auf und innerhalb nur weniger Tage. In extremen Fällen kann es zu einem Verlust des Sehvermögens kommen, die Augen wölben sich nach vorn (Proptosis), der Patient sieht doppelt. Die damit verbundenen Schmerzen treten mitunter heftig auf.
Bei einer durch IgG4 verursachten Entzündung sind die Symptome überwiegend wenig auffällig. Zumeist tritt der Augapfel vermehrt aus der Höhle hervor und das Augenlid schwillt an.
Ebenso kann eine Entzündung der Bindehaut ein Fremdkörpergefühl sowie Augenschmerzen hervorrufen. Ein Begleitsymptom kann die Schwellung der Augenlieder sein.
Orbitale Zellulitis
Zu den durch Bakterien verursachten Entzündungen der Augenhöhle gehört die Augenerkrankung orbitale Zellulitis. Ursache ist eine bakterielle Infektion, die von den Nasennebenhöhlen ausgeht. Bei Kindern ist am häufigsten die Siebbeinhöhle betroffen. Die Entzündung breitet sich dabei von den Nasennebenhöhlen in die Augenhöhle aus. Bei Kindern unter 10 Jahren betrifft die Nasennebenhöhlenentzündung am häufigsten die Siebbeinhöhle, die sich durch die dünne, fragile Lamina papyracea ausbreitet.
Endokrine Orbitopathie
Die endokrine Orbitopathie ist eine Autoimmunerkrankung, die oftmals mit Schilddrüsenerkrankungen einhergeht. Fett- und Bindegewebe sowie Muskeln und Tränendrüse schwellen infolge einer Entzündung an und verursachen ein Druckgefühl. Dies kann ebenfalls zu einer Proptosis führen. Doppelbilder sowie eine eingeschränkte Sehfunktion oder gar eine vollständige Erblindung zählen zu den weiteren Symptomen.
Behandlungsoptionen von entzündlichen Erkrankungen der Augenhöhle
Je nach Ursache der Entzündung verabreicht der Arzt Antibiotika in Verbindung mit kortisonhaltigen Nasentropfen oder ordnet eine endoskopische Behandlung unter Vollnarkose an. Ein Augenarzt überprüft das Auge vor und nach dem Eingriff.
Tumore der Augenhöhle
Tumore der Augenhöhle sind abnormale Gewebewucherungen in den Strukturen rund um das Auge. Sie können sowohl gutartig als auch bösartig sein und breiten sich hauptsächlich von der Augenhöhle aus. Zu den häufigsten Tumorarten gehören Zysten, Lymphome, neurogene Tumore (von den Nerven ausgehend) und sekundäre Tumore, die sich entweder als Metastasen von den anderen Stellen des Körpers ausbreiten oder von den Nebenhöhlen bzw. dem Schädel ausgehen.
Tumore der Augenhöhle können symptomfrei sein und sich über einen langen Zeitraum unbemerkt entwickeln. In anderen Fällen läuft das Wachstum schneller ab. Der Ursprung und die Art der Symptome sind oft wichtige Hinweise darauf, ob der Tumor gut- oder bösartig ist. Sie können sich negativ auf die Sehkraft auswirken und einen vorübergehenden Sehverlust oder Doppelbilder, sowie auch Augenschmerzen verursachen.
Beim Pseudotumor orbitae handelt es sich um eine granulomatöse Entzündung der Orbita.
Pseudotumor orbitae ist eine seltene und ungewöhnliche Erkrankung, bei der gutartige entzündliche Veränderungen mit einem plötzlich einsetzenden krankhaften Vortreten des Augapfels, verminderter Augenbeweglichkeit, Weichteilschwellung und starken Schmerzen einhergehen. Um den Tumor von anderen Tumoren abzugrenzen, ist eine Biopsie erforderlich.
Eine vollständige und verbindliche Diagnose kann nur anhand klinischer Untersuchungen, charakteristischer Befunde von CT oder MRT, intensiver histologischer Analysen sowie immunhistochemischer Untersuchungen erfolgen.
Fazit
Augenschmerzen, ein Fremdkörpergefühl im Auge oder Schmerzen der Augenhöhle bzw. der umliegenden Strukturen sind oft ein Indiz für Erkrankungen. Diese können infolge eines Traumas entstehen. Aber auch Entzündungen oder Autoimmunerkrankungen begünstigen die Entwicklung. Je nach Art und Ursache kann es zu schwerwiegenden Beeinträchtigen des Sehvermögens kommen.
In den meisten Fällen stellen Fachärzte unterschiedlicher Bereiche die Diagnose und entscheiden über die anschliessende Therapie.