Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03424.jsonl.gz/806

Das Sigristenhaus der evangelisch-reformierten Kirche Bülach sollte Ende der Sechzigerjahre renoviert werden. Da es baufällig war, drängte sich ein Neubau auf. Unter dem Sigristenhaus befand sich ein Gewölbekeller, in dem Kartoffeln und Äpfel aufbewahrt wurden. Bemühungen, vom Kanton einen Beitrag zu erhalten für die Erhaltung des Kellers mit einem für das Zürcher Unterland charakteristischen Kellerabgang, scheiterten. Die Denkmalpflege hielt den Keller nicht für erhaltenswürdig. Die Stadt Bülach, die Fr. 30'000.- zugesprochen hatte, zog angesichts der Knausrigkeit des Kantons ebenso knausrig ihre Zusage wieder zurück.
Im Frühsommer 1969 wurde die "Aktion Sigristenkeller" ins Leben gerufen. Die Bülacher Banken und die Industriebetriebe wurden um finanzielle Hilfe gebeten, für die Erhaltung des Sigristenkellers und zur Schaffung eines Kulturzentrums. Daraufhin kam auch die Stadt Bülach wieder auf die zugesagten Fr. 30'000.- zurück, und das Kulturzentrum war sozusagen geboren.
Wenn beim späteren Bau der Trax nicht versehentlich die hintere Wand des Gewölbes zum Einsturz gebracht hätte, wäre wohl kaum eine so vielseitige kulturelle Tätigkeit möglich geworden. So aber kam nicht nur ein Raum für das Kellertheater und die Galerie zustande, sondern auch noch Nebenräume, die für den Betrieb eines Kulturzentrums unabdingbar sind. Einerseits konnte der Luftschutzkeller mit einbezogen werden, andererseits entstanden ein Galerieraum und eine Küche, die lange Zeit auch als Garderobe für die Künstler diente. Später wurde im Obergeschoss ein zusätzlicher Raum als Künstlergarderobe bewilligt und eingerichtet.
1974 kam im ehemaligen Schirmmacher-Haus auf der anderen Seite der reformierten Kirche eine Werkgalerie für Töpfern, Handweben und später Filzen hinzu, die in Fronarbeit restauriert wurde.
Im Jahre 1990 wurde das Kulturzentrum Sigristenkeller von der Stadt Bülach mit den Kulturpreis ausgezeichnet "In Würdigung ihrer kulturellen Tätigkeit".
Hunderte von Künstlerinnen und Künstlern der Theaterszene haben neben ebenfalls vielen hundert Vertreterinnen und Vertretern der Bildenden Kunst ihren Auftritt in Bülach gehabt. Leider musste die Galerie im April 2011 geschlossen werden, da sich nicht mehr genügend freiwillige Helferinnen und Helfer fanden, diese zu unterhalten.
Mit Stolz ist zu vermelden, dass manche heute national und international berühmten Leute ihre ersten Gehversuche auf der kleinen Bühne im Sigristenkeller machten. Da wäre Mummenschanz zu nennen, Gardi Hutter, Dodo Hug, Linard Bardill und viele mehr. Der Veranstaltungsgruppe gelingt es auch immer wieder, ausländische Gruppen zu engagieren, die auf Europatournee sind, etwa die „Cantabile“, Europas führendes Vokal-Quartett.
Über siebzig Mitarbeitende sind in den verschiedenen Arbeitsgruppen und bei diversen Aktivitäten beschäftigt. Das Ziel, ein breites kulturelles Angebot für die Bevölkerung des Zürcher Unterlands zu vermitteln, wurde auf jeden Fall erreicht.
Das Kulturzentrum Sigristenkeller hat schon die verschiedensten Veränderungen vollzogen und immer wieder neue Ideen verwirklicht. Zweifellos - es lebt!