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USA
Mit ihrer hohen Wirtschaftsleistung dominieren die USA die Weltwirtschaft. Im 21. Jahrhundert wird diese Vormachtstellung aber zunehmend in Frage gestellt. Die Länder Asiens und Brasilien haben hohe Wachstumsraten und beeinflussen den globalen Markt. Die verschiedensten Faktoren bestimmen heute die Lebensmittelpreise. Die USA mischen bei der Preisentwicklung kräftig mit, sei es mit der forcierten Produktion von Biokraftstoff, von Kraftfutter für Masttiere oder an der Börse.
In den Vereinigten Staaten, dem drittgrössten Staat der Welt, leben heute rund 314 Millionen Menschen. Flächenmässig sind nur Kanada und Russland, was die Einwohnerzahl betrifft nur China und Indien grösser. Drei Viertel der Gesamtbevölkerung sind Amerikaner mit europäischen Vorfahren, mehr als 13 Prozent haben afrikanische Wurzeln. Vor allem im Süden der USA wächst der Bevölkerungsanteil von (teilweise illegalen) Einwanderern aus Lateinamerika. Das soziale Gefüge setzt sich aus einer schwerreichen Oberschicht (ca. 1 Prozent), einer breiten Mittelschicht (knapp die Hälfte), der Arbeiterklasse (etwa ein Drittel) und der mittellosen Unterschicht zusammen. Die Kluft zwischen den ärmsten und den reichsten US-Bürgern hat sich in den letzten Jahren vergrössert. Am meisten von Armut betroffen sind Afroamerikaner und Einwanderer aus Lateinamerika.
Die USA sind eine Wirtschaftsmacht, die seit der Gründerzeit dem Glauben an die freie Marktwirtschaft verpflichtet ist. Die berühmte Redewendung „vom Tellerwäscher zum Millionär“ spiegelt die Auffassung, dass persönliche Initiative und höchster Einsatz den Schlüssel zum sozialen Aufstieg darstellen. Nicht der Staat ist demnach verantwortlich für das Fortkommen seiner Bürger, sondern jeder Einzelne. Mit der Finanzkrise 2007 zerplatzte dieser amerikanische Traum, und die Grundfesten des Kapitalismus begannen zu bröckeln. Mittlerweile hat sich die Finanzbranche dank Regulierungsmassnahmen wieder stabilisiert, doch ist unterdessen auf dem Weltmarkt mit China ein Konkurrent und Herausforderer aufgetreten, dessen Wachstumspotential ungebrochen ist.
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Die Landwirtschaft erbringt einen wesentlichen Beitrag zur Wirtschaftsleistung der USA. Monokulturen sind Standard, auch weil in den USA riesige Landflächen mit hervorragender Bodenbeschaffenheit zur Verfügung stehen. Die USA sind zu einem der wichtigsten Agrarlieferanten der Welt geworden. Grossunternehmen erwirtschaften unter industriellen Produktionsbedingungen entsprechend hohe Erträge und haben die alten Familienfarmen längst abgelöst. Hauptanbau- und Exportprodukte sind Getreide, Soja und Mais. Von Beginn an spielte auch die Viehwirtschaft eine Rolle. Die US-amerikanische Landwirtschaft beschäftigt rund 800'000 Menschen, Tendenz sinkend, da durch den Einsatz immer effizienterer Technik die Arbeitsprozesse weiter rationalisiert werden. Mächtige landwirtschaftliche Unternehmen, allen voran der Konzern Monsanto, produzieren Saatgut und Herbizide und setzen seit den 90er Jahren Biotechnologie zur Erzeugung gentechnisch veränderter Feldfrüchte ein.
Der Anbau von gentechnisch verändertem Saatgut, z.B. Soja, Mais oder Zuckerrüben, für Nahrungs- und Futtermittel oder Biokraftstoff hat sich in den USA seit den Anfängen sprunghaft entwickelt und die konventionelle Anbauweise zurückgedrängt. Gentechnik wird auch weltweit exportiert. In Europa äussern Parteien, Konsumenten- und Entwicklungsorganisationen Bedenken gegenüber der Gentechnik. Nach heutigem Wissensstand birgt die genetische Veränderung Risiken, wie z.B. die Einführung von Allergenen in die Nahrungskette oder eine mögliche Pestizidresistenz von Unkräutern. Deshalb lehnt Helvetas die genetische Veränderung von Pflanzen und Tieren ab.
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Das Wetter ist ein wichtiger Faktor dafür, wie die Ernten ausfallen. Stürme und Trockenheit lassen die Preise steigen. Auch die Produktion von Agrotreibstoffen und die Tiermast verschärfen die Nachfrage.
Die Spekulanten versuchen, die Preisentwicklung vorauszusehen und mit dem Kauf oder Verkauf von Zukunftskontrakten, sogenannten „Futures“, möglichst viel Geld zu verdienen. Gesetze, die diesen Handel regelten, wurden im Zug der wirtschaftlichen Liberalisierung aufgehoben, und nach der Jahrtausendwende entdeckten auch Banken Rohstoffe als Anlagemöglichkeit. Sie verkaufen ihren Anlegern Indexfonds auf Nahrungsmittel, das Geld wird dabei auf den Futures-Märkten investiert. Der Markt hat sich von der Realwirtschaft abgekoppelt.
Das Nachsehen haben Länder, die auf Importe angewiesen sind, und dort vor allem die ärmere Bevölkerung. Bei der sogenannten Tortilla-Krise im Jahr 2007 zum Beispiel verdoppelte bis verdreifachte sich der Preis für Mais. Vor allem für die Stadtbevölkerung Mittelamerikas, die die Hälfte ihres Kalorienbedarfs mit Mais deckt, war das eine Bedrohung der Existenz. Massendemonstrationen waren die Folge.
Einige grosse Konzerne, die z.B. über Silos, Hafenanlagen, Futtermittelfabriken und Mastbetriebe verfügen, können Ware zurückbehalten und so zur Preissteigerung beitragen. Auch die Politik kann die Lage verschärfen. Wenn ein wichtiges Produktionsland einen Exportstopp verfügt, um die eigene Bevölkerung zu versorgen oder um später zu höheren Preisen zu verkaufen, heizt das die Preisspirale an. Der Run geht los: Alle Händler wollen kaufen. Die gesamte Kette spekuliert, sowohl in den Export- als auch den Importländern. Mit einer wirklichen Verknappung hat das aber nichts zu tun. So geschehen bei der Reiskrise 2008: Der nötige Reis war vorhanden, aber der Preis stieg wegen Exportstopps und Spekulation auf das Dreifache.
Bauern und Bäuerinnen können zwar von steigenden Weltmarktpreisen profitieren, allerdings nur, wenn die höheren Erträge an der Börse von Chicago auch wirklich bis zu ihnen gelangen und nicht von Händlern, Banken und Spekulanten abgeschöpft werden.
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Studie «Nahrungsmittelspekulation – (k)ein Problem?» von Markus Mugglin, im Auftrag von Alliance Sud» Download