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Mit «nachhaltende Nutzung» hat der angebliche Erfinder des Begriffs «Nachhaltigkeit», Hannß Carl von Carlowitz (1645–1714), ein Synonym für «beständig», «immerwährend» oder «continuierlich» gesucht, um sich nicht zu wiederholen, wie ich in Teil vier der Kolumnenserie geschrieben habe. Trotzdem basieren Nachhaltigkeit wie auch Digitalisierung auf Wiederholungen und sind zirkuläre Systeme, also Kreisläufe.
Lange Zeit ist dem Menschen als Selbstversorger klar gewesen, dass sich das Leben in abhängigen und sich wiederholenden Kreisläufen abspielt: Ein schlechter Sommer hat zu einer Mangellage im Winter geführt. Seine Handlungen, also seine bewusst ausgeführten Taten, hat er frühzeitig so ausgerichtet, dass dies zu verkraften gewesen ist. Auch Metallerze mussten zuerst gefunden, abgebaut und geschmolzen werden. Erst dann hat er daraus Werkzeuge erzeugen können. Bei neuen Bedürfnissen hat er sich an den Grundaufwand für die Gewinnung zurückbesonnen und die metallenen Gegenstände eingeschmolzen und daraus Neues gegossen. Laufend hat er Anschlussmöglichkeiten für seine verwendeten Rohstoffe gesucht, um die darin verarbeiteten wertvollen Ressourcen nicht zu verlieren, sondern in einen nächsten Gebrauchs-, aber nicht Verbrauchszyklus zu katapultieren. Eine einfache Substitution wäre nicht möglich gewesen. Später hat sich diese Situation hin zum Verschleiss geändert. Wer weiss, vielleicht führt die gegenwärtige politische Lage zu einer forcierten Rückbesinnung.
«Wenn Handlung ständig zu Ende ist, muss jemand anderes da sein, der weiterhandelt, der die Handlungslast eine Weile übernimmt und dann Anschlussmöglichkeiten zurückgibt», meint der deutsche Soziologe Niklas Luhmann (1927–1998) in seinem Artikel «Autopoiesis, Handlung und kommunikative Verständigung». Selbstverständlich müsse stets an den nächsten Handlungsschritt gedacht werden. Nur, wer tut es? Wer übernimmt die Handlungslast, also die verbindliche Verpflichtung, dass nach dem letzten vordefinierten Schritt auch der nächste folgt?
In Analogie frage ich mich, wer diese Verantwortung beim Blutversorgungssystem im menschlichen Körper übernommen hat? Fällt dieses über längere Zeit aus, so ist der Körper unwiderruflich tot. Ohne Sauerstoff und Nährstoffe in den Zellen funktioniert nichts. Das Blut ist nach einem Durchgang nicht verbraucht, sondern verunreinigt sowie sauerstoff- und nährstoffarm. Es muss zurück zu den Nieren und der Lunge fliessen, um sich dort für den nächsten Durchgang neu zu rüsten. In diesem Sinne ist das Blutversorgungssystem der Logik folgend nur als Kreislauf möglich, der im gesunden Fall ein Leben lang in Gang gehalten wird. Ähnlich verhält es sich beim erwähnten Jahresverlauf oder bei einem Computeralgorithmus. Auch Überlegungen bezüglich der Endlichkeit der Ressourcen und des Lebens führen zur Erkenntnis, dass eine nachhaltige Welt auf einem Kreislauf, einem zirkulären System aufbauen muss. Selbstverständlich kann eine kontinuierliche Evolution integriert sein, welche eine allmähliche Veränderung herbeiführt.
«Es liegt auf der Hand, dass ein Automat […] absolut reproduktiven Charakter hat. Die Vorbereitung des Rechenprogramms […] braucht meistens ein Mehrfaches an Zeit und Denkarbeit, welche für die einmalige Durchführung der Rechnung von Hand benötigt würde», schreibt ETH-Professor Eduard Stiefel in seinem Artikel «Rechenautomaten im Dienste der Technik» aus dem Jahre 1954. Er hat damit zeigen wollen, dass sich die Anwendung von Rechenmaschinen nur als Kreislauf über mehrere Zyklen lohnt. Diese Erkenntnis, welche Stiefel als Erbauer des ersten ETH-Computers ERMETH (Elektronische Rechenmaschine der ETH) sonnenklar gewesen ist, scheint heute vergessen zu sein. Wie sich Nachhaltigkeit und Digitalisierung dabei annähern, erfahren Sie im nächsten Teil der Kolumne.