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Eine Untersuchung anhand der Darstellungen auf neuassyrischen Reliefs [1]
Im 9.-7. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung liessen verschiedene Könige des damaligen neuassyrischen Reiches die Wände ihrer Paläste mit Flachreliefs schmücken, auf denen ihre Kriegszüge, ihre Bautätigkeit und andere direkt mit dem Königtum zusammenhängende Taten und Ereignisse verewigt waren.[2] Die Reliefs bestehen aus grossen Steinplatten, die direkt aneinander anschliessen und so grosse Zyklen bilden, ihre ursprüngliche Höhe beträgt in der Regel rund zwei bis maximal drei Meter. Sie stellen vor allem Kriegsszenen dar sowie Bauarbeiten, Jagden und männliche[3] Genien. Insbesondere die Kriegsszenen sind begleitet von Inschriften, welche die ihnen zugrundeliegenden Ereignisse im Sinne der assyrischen Machthaber schildern.
Die Reliefs sind in der Regel in zwei oder mehr Register unterteilt, Darstellungen über die ganze Höhe kommen allerdings auch vor. Bei der Darstellung von Personen haben die Bildhauer nach Vorlagen gearbeitet. Insbesondere die jüngeren zeigen eine sorgfältige Typisierung der dargestellten Personen je nach regionaler Herkunft. Individuelle Züge gibt es jedoch nicht, die Darstellungen lassen daher keine Rückschlüsse auf Gesundheitszustand, Befinden oder ähnliches zu, und betagte Personen lassen sich nicht von jüngeren Erwachsenen unterscheiden. Ob die Bildhauer die jeweiligen Sozialstrukturen der deportierten Bevölkerungsgruppen abgebildet haben, ist eine offene Frage, die hier teilweise beantwortet werden soll.
Der folgende Beitrag greift einen Aspekt des Alltagslebens, die Kinderbetreuung, heraus, und untersucht, wie diese in einer ganz bestimmten Bildgattung, den neuassyrischen Palastreliefs, dargestellt wird. Untersucht wurde, wie Kinder auf diesen Reliefs dargestellt werden, mit wem sie interagieren. Weiter wurde gefragt, ob bezüglich des Umgangs mit Kindern Unterschiede zwischen Männern und Frauen festzustellen sind. Gefragt wurde, von wem Kinder in welcher Art betreut werden, wen sie begleiten, welche Aufgaben sie haben und wie sie sich untereinander und gegenüber Erwachsenen verhalten. Dabei werden die Darstellungen der Reliefs betrachtet, allfällige Rückschlüsse auf die «realen» Gegebenheiten in Assyrien oder in den dargestellten Städten sind, wenn überhaupt, nur mit grösster Vorsicht möglich.
Zu diesem Zweck wurden die Darstellungen von Kindern auf den publizierten Reliefs zusammengetragen, systematisiert und einzelne für diese Untersuchung relevante Daten besonders hervorgehoben.[4]
Was den Sprachgebrauch betrifft, so wird, wo Kinder in Begleitung Erwachsener sind, im Folgenden generell von «Bezugspersonen» der Kinder oder von «Frauen» und «Männern» gesprochen. Diese werden weiter durch ihr Geschlecht, ihre Kleidung und ihre Tätigkeit charakterisiert. Die Bezeichnung «Mutter» oder «Vater» wird bei der Beschreibung der Reliefs bewusst vermieden, da sie eine Überinterpretation des Bildes bedeutet. Auch stillende Frauen werden nicht als «Mutter» bezeichnet, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass es sich um eine Amme handelt. Ebenso werden Kinder als «Kind» oder als «Mädchen» und «Knabe» bezeichnet, und nicht als «Tochter» und «Sohn».
Ohne Grössen- und Altersangaben lässt sich keine Arbeit über Kinder formulieren. Im Folgenden bezeichnet «Kleinkind» ein Kind, das noch sehr viel Betreuung braucht, in einem modernen Kontext also sicher noch nicht schulpflichtig sein dürfte. Unter «Jugendlichen» verstehe ich Personen, die keine Kinder mehr sind, die aber bewusst kleiner als Erwachsene dargestellt werden. Rückschlüsse auf das genaue Alter und den sozialen Status sind nur beschränkt möglich. «Säuglinge» wird im modernen Sinn für Kinder unter einem Jahr gebraucht sowie für Kinder, die gestillt werden. Wie Beispiel 9 (Bleibtreu, Flora Seite 80 und Tafel 4)[5] zeigt, wo ein schon längst gehfähiges Kind gestillt wird, differieren hier antike und moderne Vorstellungen stark.[6]
Kinder sind mit einer Ausnahme[9] nur in den so genannten Deportationszügen zu finden. Diese stellen die Bevölkerung von im Krieg unterlegenen Städten dar, die in andere Gegenden des assyrischen Reichs zwangsumgesiedelt wird. In diesen Szenen sind Darstellungen von Kindern ein fester Bestandteil. In jenen Gruppen, die sich vor den Angriffen des assyrischen Heeres in den Sümpfen verstecken, fehlen Kinder dagegen auffälligerweise. Schwangere Frauen sind meines Wissens nirgends abgebildet.
Die Deportationsdarstellungen zeigen Menschen in einer aussergewöhnlichen und belastenden Situation, nicht in ihrem normalen Alltag. Sie stellen sich nicht selbst dar, sondern werden von der im Krieg überlegenen Partei dargestellt. Die Motive der meisten Abbildungen sind den Umständen entsprechend monothematisch: die Deportierten gehen oder fahren, Kinder werden oft getragen. Etwas aufgelockert werden die Kolonnen bei einer Rast. Auch wenn in jeder dieser Gruppen Kinder dabei sind,[10] sind die Erwachsenen weit in der Überzahl, auf jedes Kind werden ein bis fünf Erwachsene dargestellt.[11]
Auf den Reliefs sind Kinder jeden Alters dargestellt, von Säuglingen, die wohl jünger als ein Jahr sind, bis zu fast erwachsenen Jugendlichen. Kleinere Kinder, die intensiver umsorgt werden, sind dabei in der Mehrzahl. Während kleine Kinder unschwer als solche zu erkennen sind, ist der Unterschied zwischen Jugendlichen und Erwachsenen oft minimal. In der Kleidung unterscheiden sie sich nicht, nur in der Körpergrösse. Auf den Reliefs wird die dargestellte Körpergrösse aber auch noch vom zur Verfügung stehenden Platz bestimmt, so sind Personen auf Wagen grundsätzlich kleiner als die Fussgänger direkt daneben.[12] Nur wo eine grössere Darstellung problemlos möglich gewesen wäre, handelt es sich mit einiger Gewissheit um Jugendliche oder Kinder.[13]
Bei Erwachsenen ist das Geschlecht anhand der Kleidung und der Frisur unschwer festzustellen. Dasselbe gilt für ältere, bekleidete Kinder. Kleinkinder sind aber in der Regel nackt dargestellt. Ihr Geschlecht lässt sich oft nicht bestimmen, allenfalls gibt die Frisur - sofern sie erkennbar[14] ist - Hinweise, wie Beispiel 65 (Layard, Niniveh Tafel XIII F) zeigt. Eindeutig sind aber auch diese Hinweise nicht immer, wie Beispiel 62 (Sennacherib Nummer 372) zeigt: die Frisuren der drei Kinder sind - im Gegensatz zu den Frisuren der Erwachsenen - praktisch identisch, der ungegürtete Rock charakterisiert das Vorderste aber als Mädchen, die beiden hinteren tragen das gegürtete Hemd der Männer. Auch sind die Frisuren der Kinder nicht immer ausgeführt.[15] Geschlechtsbestimmungen bei nackten Kindern auf Grund der Genitalien sind anhand von Fotos und Zeichnungen nur mit Vorsicht - und nur bei Knaben - möglich.[16] Werden nur diejenigen Kinder berücksichtigt, deren Geschlecht mit einiger Sicherheit bestimmt werden kann, sind etwa zweieinhalb mal soviele Knaben wie Mädchen abgebildet.[17]
Auffallenderweise arbeiten nur sehr wenige der dargestellten Kinder. Das uns aus der Gegenwart vertraute Bild eines Mädchens, das sich um jüngere Geschwister kümmert, findet sich auf den assyrischen Reliefs nur in der aussergewöhnlichen Szene Beispiel 99 (SNPA Plate LXVII).[18] Auch von den älteren Kindern trägt nur eine Minderheit Lasten. Im Gegenteil, sie fahren oft auf Wagen oder reiten (Abbildung 3). In drei Beispielen tragen die Kinder einen Wasserschlauch (Beispiel 70 = SNPA Plate XVIII, Beispiel 75 = MN2 Plate 34 und Beispiel 77 = MN2 Plate 37), und drei Knaben (?) führen ein Packtier, das eventuell noch von einem Erwachsenen getrieben wird (Beispiel 78 = MN1 Plate 83, Beispiel 79 = MN2 Plate 50 und Beispiel 81 = Länder der Bibel, Seite 138).[19] Auch die Last der beiden älteren Mädchen in Beispiel 68 (Albenda, Women, Seite 85) wirkt nicht schwer, möglicherweise handelt es sich ebenfalls um einen Wasserschlauch. In diesem Zusammenhang sei auch daran erinnert, dass bei den Darstellungen von Bauarbeiten nur erwachsene Männer abgebildet sind.
Allein sind Kinder selten zu sehen.[20] In den Deportationszügen gibt es nicht nur mehr Erwachsene als Kinder, den meisten Kindern lässt sich eine erwachsene Bezugsperson zuordnen. Je nach Situation und abhängig vom Alter der dargestellten Kinder lassen sich die Darstellungen in verschiedene Kategorien einteilen. Für die im Folgenden verwendete Einteilung ist die Art, wie der Kontakt zwischen dem Kind und seiner Bezugsperson hergestellt ist, massgebend:
Ia Das Kind wird auf dem Arm getragen.
Ib Das Kind wird auf dem Arm getragen und gleichzeitig gestillt.
IIa Das Kind sitzt auf dem Schoss der Bezugsperson.
IIb Das Kind sitzt auf dem Schoss der Bezugsperson und wird gestillt.
III Das Kind sitzt auf der Schulter / den Schultern der Bezugsperson.
IV Das auf dem Boden stehende oder hochspringende
Kind wird auf den Arm gehoben
V Das Kind bekommt aus einem Schlauch zu trinken (Abbildung 5 unten).
VI Die Bezugsperson hält das gehende Kind an der Hand oder am Arm.
VIII Das Kind geht selbstständig, ist aber in Begleitung einer Bezugsperson (Abbildung 2).
IX Das Kind ist allein, das heisst, es hat keine direkte Bezugsperson.
Xb Das Kind sitzt allein oder mit anderen Kindern auf einem Wagen oder Packtier.
Die Kategorien VIII-X können auch mehrere Kinder und/oder Erwachsene einschliessen.
Eine Uebersicht über die Kategorien, unter Berücksichtigung der Herkunft der dargestellten Bevölkerungsgruppen[23] gibt folgendes Bild:

+ Beispiel 91: Ein Jugendlicher (?) auf einem Kriegswagen
* inklusive Beispiel 99, das ansonsten in einer gesonderten Kategorie behandelt wird.
Die Darstellungen
sind ungleichmässig auf die verschiedenen Kategorien verteilt.
Die Hälfte der Kinder geht selbst, ein Viertel wird von Menschen
getragen und ein Viertel fährt oder reitet. Kleinere Kinder
sind häufig dargestellt, 53,4% der Darstellungen gehören
in die Kategorien
Die kleinsten Kinder (Kategorien I und II) sind alle nackt, und auch die auf den Schultern getragenen Kinder sind nur in ein bis zwei Fällen bekleidet (Beispiele 18 = MN1 Plate 83, und 19 = MN2 Plate 22). Mit zunehmendem Alter tragen die Kinder häufiger Kleider, es finden sich jedoch in jeder Kategorie auch nackte Kinder. Dass ein so grosses Kind wie in Beispiel 79 (MN2 Plate 50) unbekleidet ist, ist allerdings aussergewöhnlich. Regionale Unterschiede bezüglich dem Alter, ab welchem ein Kind in der Regel bekleidet ist, lassen sich nicht nachweisen.
Unterschiede bei der Darstellung von Kindern je nach Herkunft lassen sich feststellen, besonders bei einem Vergleich der Darstellungen von Elam, Chaldäa und Juda. Hier wurden ganze Reliefzyklen gefunden, die kriegerische Handlungen und anschliessende Deportationen aus diesen Gegenden zeigen. Rückschlüsse auf einen unterschiedlichen Umgang mit Kindern in den verschiedenen Gegenden des Orients lassen die Reliefs aber nicht zu.
Knapp die Hälfte der untersuchten Darstellungen zeigt Kinder aus Elam. Viele von ihnen werden an der Hand oder am Arm gehalten. Abgesehen von dieser zahlenmässigen Häufung gibt es innerhalb dieser Kategorie VI jedoch keine Unterschiede zwischen den mit elamitischen Städten zusammenhängenden Zyklen und denen, die andere Gegenden zeigen. Das gleiche gilt für Juda: die Häufung von Darstellungen selbstständiger, aber begleiteter Kinder (Kategorie VIII) aus Juda ist augenfällig, ein Vergleich zwischen den verschiedenen Herkunftsgebieten ergibt aber keine interpretationsfähigen Unterschiede.
Völlig unerklärlich ist, weshalb alle Kinder, die hochgehoben werden, aus Chaldäa sind (Abbildung 5 oben). Um eine chaldäische Besonderheit kann es sich nicht handeln, denn getragen werden ja Kinder von überall her. Die Häufung muss daher mit der Reliefherstellung zusammenhängen, auch wenn nicht mehr nachzuvollziehen ist, weshalb diese Szenen nur in den Darstellungen der Deportationen aus Chaldäa auftaucht. Allerdings gibt es innerhalb des gleichen Bilderzyklus gelegentlich fast repetitive Darstellungen desselben Typs, zum Beispiel Nummer 7 (SNPA Plate XIX): Gleich zwei Frauen hintereinander stillen im Gehen, etwas, was sonst auf den Reliefs selten abgebildet ist. Ganz auffällig ist auch Beispiel 45-46 (Sennacherib 383b), wo sich das gleiche Motiv siebenfach wiederholt.[24]
Aus den Besonderheiten, die bei einer Gruppierung nach Herkunft sichtbar werden, lassen sich keine Hinweise auf einen unterschiedlichen Umgang mit Kindern in den verschiedenen Regionen ableiten. Die festgestellten Unterschiede sind mit der Reliefherstellung zu erklären. Es muss daher davon ausgegangen werden, dass entweder der Umgang mit Kindern im ganzen nahen und mittleren Osten gleich war oder aber, was wahrscheinlicher ist, die Darstellungen nach Kriterien der assyrischen Bildhauer gestaltet sind.
Kinderbetreuung ist Frauensache. Überspitzt lassen sich die assyrischen Darstellungen so zusammenfassen. Nicht nur sind die Mehrheit der Bezugspersonen Frauen (86 Frauen gegenüber 23 Männern[25]), Männer als Bezugspersonen sind bei allen Arten der Kontaktherstellung zwischen Erwachsenen und Kindern in der Minderzahl, und nur dort, wo sich ein Kind an den Kleidern einer erwachsenen Person festhält, stellen sie mit fünf von vierzehn[26] mehr als einen Viertel der mit der Kinderbetreuung beschäftigten Erwachsenen.[27]
Solange Kinder getragen werden müssen, sind sie fast ausschliesslich bei Frauen anzutreffen (dreissig Frauen auf fünf Männer), die Kleinsten werden ausschliesslich von Frauen betreut.[28] Ältere, selbstständigere Kinder sind ebenfalls vorwiegend bei Frauen anzutreffen, auch dort, wo das Kind den Kontakt von sich aus herstellt.[29] Auffällig ist jedoch, dass kein Mann sich um ein Kind kümmert, das eindeutig als Mädchen[30] zu identifizieren ist, während Frauen sich mit Mädchen wie mit Knaben jeden Alters abgeben.
Die Vorstellung, dass Kleinkinder von Frauen betreut werden, die Kinder sich jedoch, sobald sie älter werden, Erwachsenen des eigenen Geschlechts anschliessen, wird in diesen Reliefs also teilweise bestätigt, allerdings bleiben Frauen auch für Knaben wichtige Bezugspersonen, an die sie sich mit ihren Anliegen gern wenden. Vielleicht wäre es sinnvoller zu sagen, dass Knaben ab einem gewissen Alter auch Zugang zur «Männerwelt» erhalten, während Mädchen auf die «Frauenwelt» beschränkt bleiben. Allerdings ist die Trennung der Geschlechter nicht so rigide, wie zum Beispiel Albenda[31] formuliert. Abbildung 2 zeigt zwar ein durchaus typisches Bild mit getrennten Männer- und Frauengruppen, aber es gibt durchaus auch Interaktionen[32] zwischen ihnen und gemischte Gruppen wie in Abbildung 4. Regionale Unterschiede lassen sich nicht feststellen, allenfalls ist die Geschlechtertrennung in Juda weniger rigide als zum Beispiel bei den Leuten aus dem Gebirge (Zagros-Region).
Kinder sind meistens[33] in Begleitung einer oder mehrerer erwachsener Personen, und zwar sind mit Ausnahme der Beispiele 66 (MN2 Plate 149), 82 (MN2 Plate 22) und 85 (MN2 Plate 58 Abbildung 3) immer mehr oder mindestens gleich viele Erwachsene wie Kinder abgebildet. Damit wird fast jedes Kind von einer erwachsenen Person begleitet und betreut, völlig sich selbst überlassen ist keines, auch diejenigen nicht, die sich nicht direkt einer Bezugsperson zuordnen lassen. Die Art, wie sich die Erwachsenen um die Kinder kümmern, verändert sich entsprechend der Grösse der Kinder.
Die Kleinsten werden auf dem Arm getragen, sobald sie aber etwas grösser sind, nimmt man sie auf die Schultern.[34] Anscheinend werden Kinder recht lange gestillt, vergleiche Beispiel 9 (Bleibtreu, Flora, Tafel 4 und Seite 80). Auch später wenden sich die Kinder für Verpflegung an Erwachsene. Das zeigen nicht nur die Beispiele in Kategorie V (Abbildung 5 unten), wo ein Kind zu trinken bekommt, sondern auch die Tatsache, dass nur wenige Kinder etwas tragen, also auch keinen eigenen Wasserschlauch oder Proviantbeutel haben.
Etwas grössere Kinder gehen meistens selbst, oder sie reiten und fahren. Dabei sind die selbstständig gehenden Kinder (VIII und IX) eher grösser dargestellt als diejenigen, die an die Hand genommen werden (VI) oder sich an den Kleidern der Erwachsenen festhalten (VII, vergleiche dazu Abbildungen 1 und 2). Dass es dabei Ueberschneidungen gibt, also ein relativ grosses Kind darum bittet, hochgenommen zu werden (Beispiel 29 = SNPA Plate XXX), während anderswo ein kleineres Kind selbst geht, ist nur realistisch.
Die reitenden und fahrenden Kinder sind unterschiedlich gross, aber in der Regel grösser als diejenigen, die auf den Schultern getragen werden. Auch finden sich in dieser Gruppe auffallend viele Jugendliche, fast immer Mädchen (vergleiche zum Beispiel Abbildung 3, die vorderste Person auf dem Wagen).[35] Generell reiten oder fahren Kinder häufiger als erwachsene Frauen. Darstellungen von deportierten Männern, die reiten oder fahren, gibt es meines Wissens nicht. Unterschiede zwischen reitenden und fahrenden Kindern lassen sich übrigens nicht feststellen. Dargestellt sind vorwiegend ältere Kinder und Jugendliche, die auf einem Pack- oder Reittier das Gleichgewicht halten könnten, die wenigen kleineren Kinder werden von (erwachsenen) Frauen auf dem Schoss gehalten oder halten sich von hinten an ihr fest (Abbildung 4). Beides ist sowohl für reitende wie für fahrende Kinder belegt (Kat. Xa, Beispiel 87 und 89 sind Spezialfälle, vergleiche Sennacherib, Abbildungen 291 und 293).
Kinder werden auf den Armen oder Schultern getragen, das Tragen in einem Umschlagtuch wird hingegen nicht dargestellt und scheint nicht bekannt gewesen zu sein. Beim Tragen auf den Schultern gibt es einige Auffälligkeiten.[36] Die sicherste Art, ein Kind so zu tragen, ist rittlings im Nacken, so dass das linke Bein des Kindes über die linke Schulter und das rechte Bein über die rechte Schulter herabhängt. Dort, wo auf den Darstellungen nur ein Bein zu sehen ist, dürfte genau diese Methode angedeutet sein.[37] Mehrfach sind aber beide Beine des Kindes parallel dargestellt, als ob das Kind nur auf einer Schulter sitzen würde.[38] Das Kind könnte in dieser Position nur ein prekäres Gleichgewicht halten und würde wohl bald ermüden oder herunterfallen.[39] Ein ausgelassenes Verhalten wie in Beispiel 14 (SNPA Plate 19) ist so kaum vorstellbar. Wahrscheinlich handelt es sich hier um Irrtümer oder Probleme mit der Perspektive, nicht um die realitätsnahe Abbildung einer Tragemethode.[40]
Die auf den neuassyrischen Reliefs dargestellten Kinder werden umsorgt. Um die meisten kümmert sich eine erwachsene Person. Solange die Kinder klein sind, werden sie getragen, ältere Kinder fahren oder reiten öfter als Erwachsene. Nur ganz wenige arbeiten, kümmern sich um Kleinkinder, führen ein Packtier oder tragen Lasten. Von den Soldaten werden die Kinder in der Regel nicht behelligt, Nummer 76 (MN2 Plate 37), wo ein Kind an den Haaren gezogen wird, ist einzigartig.[41] Die Reliefs erwecken den Eindruck, die Kinder sollten nicht noch über die mit der Deportation verbundenen Strapazen hinaus belastet werden. Ob damit realitätsnahe Verhältnisse wiedergegeben werden oder ob die schwere Belastung oder Misshandlung von Kindern einfach nicht dargestellt wurde, weil sie dem Propagandazweck der Reliefs zuwiderlief, kann allein auf Grund hier untersuchten Darstellungen nicht beantwortet werden, da die Reliefs aber generell Propagandazwecken dienten, muss Letzteres in Betracht gezogen werden. Eine besonders deutliche Propagandadarstellung scheint auch das mit einem Soldaten spielende Kleinkind zu sein (Beispiel 14 =SNPA Plate XIX). Beispiele von Uniformierten, die sich mit Kindern abbilden lassen, um so ihre Umgänglichkeit und Ungefährlichkeit zu beweisen, kennen wir aus Geschichte und Gegenwart reichlich.
In den Kampfhandlungen oder auf dem Weg dazu wird nur ein einziger (elamitischer) Jugendlicher gezeigt (Beispiel 91 = SNPA Plate XXIII). Da in biblischen Texten mehrfach von Jugendlichen die Rede ist, die als Waffen- oder Essensträger oder als Boten in kriegerische Handlungen verwickelt werden, ist auch die diesbezügliche Darstellung der Reliefs zu mindest überraschend.[42]
Kinder sind fester Bestandteil jeder Deportationsdarstellung. Innerhalb eines Darstellungszyklus sind jedoch häufig nur einige wenige der gefundenen Darstellungskategorien vertreten und die abgebildeten Kinder sind manchmal fast gleich gross. Im Verhältnis zu den Erwachsenen sind wie gesagt wenig Kinder abgebildet. Unterschiede je nach Herkunft lassen sich zwar feststellen, sie scheinen aber nicht einen regional unterschiedlichen Umgang zwischen Erwachsenen und Kindern wiederzugeben. Fasst man all diese Details zusammen, kann vermutet werden, die Kunsthandwerker[43] hätten sich nicht um eine wirklichkeitsgetreue Abbildung bemüht, sondern einen bestimmten allgemeinen Eindruck hervorrufen wollen.
Dargestellt werden soll damit eindeutig die Deportation ganzer Familien und Bevölkerungsgruppen, es handelt sich um eine «totale» Deportation. Ob mit dieser Bildersprache auch noch anderes impliziert werden sollte, zum Beispiel dass das Leben weitergeht, muss an dieser Stelle offen bleiben, die Art, wie die Kinder behandelt werden, lässt eine solche Interpretation immerhin zu.
Die Sorge um die Kinder ist vorwiegend Frauensache. Für Kleinkinder sind sie allein zuständig, bei älteren Kindern kümmern sich Männer, soweit feststellbar, ausschliesslich um Knaben, während Frauen für alle Kinder zuständig bleiben. Generell zeigen die Reliefs ausgeprägte und stereotype Geschlechtsrollen. Frauen haben in der Darstellung marginale Bedeutung. Auch das Geschlecht der abgebildeten Kinder widerspiegelt diese Gewichtung, indem deutlich mehr Knaben als Mädchen abgebildet werden.
Während die Kleidung und Haartracht der verschiedenen Bevölkerungsgruppen von den (jüngeren) Reliefs differenziert wiedergegeben wird, lassen sich in Bezug auf den Umgang mit Kindern und deren Darstellung keine Unterschiede feststellen. Das lässt vermuten, dass die Kinderdarstellungen assyrischen Mustern folgen und nicht lokale Gegebenheiten abbilden. Schliesslich bilden in diesen Reliefs assyrische Kunsthandwerker die Bevölkerung nicht-assyrischer Städte ab, und zwar, um die Bedeutung des Herrschers zu unterstreichen. Ihr Anliegen ist ein ganz anderes als die Fragestellung dieser Arbeit. Die Reliefs werfen allenfalls ein Licht auf die Gepflogenheiten in Assyrien, Rückschlüsse auf den Umgang mit Kindern und das Familienleben in den eroberten Städten sind hingegen nur beschränkt möglich und müssen begründet werden.
Abbildungen
Alle Fotografien wurden mir von T. Staubli, Köniz, Schweiz, zur Verfügung gestellt, wofür ich ihm herzlich danke.
Abbildung 1:
Abbildung 2:
Abbildung 3:
Abbildung 4:
Abbildung 5:
© Irène Schwyn 2000, <email-pii>
Bibliographie
Albenda, Pauline «The Palace of Sargon, King of Assyria - Monumental Wall Reliefs at Dur-Sharrukin, from Original Drawings Made at the Time of their Discovery in 1843-1844 by Botta and Flandin» Paris 1986
dies. «Western Asiatic Women in the Iron Age: Their Image Revealed» BA 46 (1983) 82-88
Amiet, Pierre « Die Kunst des Alten Orient» Freiburg i. Br. 1977
Barnett, R.D. «Sculptures from the North Palace of Ashurbanipal at Ninive (668-627 B.C.)» London 1976 (SNPA)
ders., Erika Bleibtreu und Geoffrey Turner: «Sculptures from the Southwest Palace of Sennacherib at Niniveh» London 1998
ders. und M. Falkner «The Sculptures of Assur-Nasir-Apli II, Tiglath-Pileser III, Esarhaddon, from the Central and South-West Palaces at Nimrud» London 1962 (Barnett-Falkner)
ders. und Amleto Lorenzini «Assyrische Skulpturen im British Museum» Recklinghausen 1975 (Barnett-Lorenzini)
Bietenhard, Sophia Katharina «Des Königs General» Freiburg (Schweiz) - Göttingen 1998
Bleibtreu, Erika «Die Flora der neuassyrischen Reliefs» Wien 1980
«Encyclopédie photographique de l'Art - La musée du Louvre» Bd. II, Paris 1936
Keel, Othmar, «Die Welt der altorientalischen Bildsymbolik und das Alte Testament» Göttingen 51996
«Länder der Bibel - Archäologische Funde aus dem vorderen Orient» Mainz 1981
Layard, Austen Henry « Layard's Monuments of Niniveh» London 1849 (MN 1)
ders. «A Second Series of the Monuments of Niniveh» London 1853 (MN 2)
ders. «Niniveh und Babylon» Leipzig, o.J.
Paterson, A. «Assyrian Sculptures - Palace of Sinacherib» The Hague 1917
Reade, J.E. «Assyrian Sculpture» London 1983
Rüterswörden, U. «db[» in ThWAT Band V Sp. 982 ff.
Staubli, Thomas «Das Image der Nomaden im Alten Israel und in der Ikonographie seiner sesshaften Nachbarn» Freiburg (Schweiz) 1991
Wacker, Marie-Theres «Entwöhnung» in: «Neues Bibel-Lexikon» Bd. I Sp. 548
Wäfler, Markus «Nicht-Assyrer neuassyrischer Darstellungen» (AOAT 26) Neukirchen-Vluyn 1975
© Irène Schwyn 2000, <email-pii>
[1] Der Aufsatz ist die überarbeitete Fassung einer Arbeit, die ich im Rahmen des Nachdiplomstudiums «Bibel und Archäologie» an der Universität Freiburg (Schweiz) bei PD Dr. Christoph Uehlinger eingereicht habe. Für seine Unterstützung und Kritik danke ich ihm herzlich. Darüber hinaus hat er mir grosszügig ein unveröffentlichtes Manuskript («Das Tragen von Kleinkindern in prophetischen Bildworten») zur Verfügung gestellt, dem ich viele Anregungen und Informationen, insbesondere für die Fragen rund um die Betreuung von Kleinkindern, entnehmen konnte. Nochmals herzlichen Dank dafür.
[2] Es handelt sich um Assurnasirpal II (883-859), Salmanassar II (858-824), Tiglat-Pileser III (745-727), Sargon II (721-705), Sanherib (704-681), Asarhaddon (bis 669) und Assurbanipal (661-631). Die Reliefs wurden in verschiedenen Palästen in Ninive, Nimrud (Kalchu) und Dur-Sharrukin gefunden.
[3] Die «geflügelten Genien» und die Mischwesen Mensch/Löwe, Mensch/Stier sind dank Bärten, Genitalien oder Kleidung meist unschwer als männlich zu erkennen.
[4] Eine Übersicht bietet die Tabelle im Anhang. Leider sind Detailaufnahmen eher selten und oft zufällig entstanden. Manchmal würden erst diese Aussagen über Kleidung oder Geschlecht, oder gar die Feststellung, ob es sich um ein Kleinkind oder ein Gepäckstück handelt, erlauben (vergleiche zum Beispiel SNPA Plate XXVIII+XXIX mit Encyclopédie Seite 25 124920 [die Kurztitel sind im Literaturverzeichnis hervorgehoben]).
[5] Die Zahlen verweisen auf die Tabelle im Anhang, in Klammern wird jeweils eine Publikation des Reliefs genannt.
[6] Für biblische Hinweise auf den Zeitpunkt der Entwöhnung vergleiche Marie-Theres Wacker, Entwöhnung, und die dort angegebene Literatur (der Artikel von G. Pfeifer ist in Zeitschrift für die alttestamentliche Wissenschaft, Nummer 84 (1972), nicht, wie angegeben, 34 (1972) erschienen).
[7] Eine Ausnahme ist eventuell Beispiel 91 (Abbildung in SNPA Plate XXIII oder Barnett-Lorenzini Abbildung 137): Die kleinste auf dem Kriegswagen abgebildete Person könnte ein Jugendlicher sein.
[8] Auch Frauen sind keine zu sehen, ausser gelegentlich als Bewohnerinnen einer belagerten Stadt. Assyrische Frauen sind in der so genannten Bankettszene dargestellt, wo Assurbanipal zusammen mit Königin Assur-sarrat einen Sieg feiert (SNPA, Plate LXV, Barnett-Lorenzini Abbildung 169-171, BM). Kinder sind auf dieser Darstellung nicht zu sehen.
[9] Eine Gruppe elamitischer MusikantInnen, Beispiel 66 (MN2 Plate 149) ev. auch Beispiel 91 (siehe oben. Anmerkung 7)
[10] In einer kleinen Gruppe von Gefangenen (= nicht mehr als sechs bis sieben Personen) mögen Kinder gelegentlich fehlen, nie aber in einem grösseren Zusammenhang.
[11] Ueber den Grund für dieses doch überraschende Zahlenverhältnis lässt sich nur spekulieren. Auf Grund demografischer Überlegungen müsste eine repräsentative Bevölkerungsgruppe aus eher mehr Kindern als Erwachsenen bestehen. Wahrscheinlich haben sich die Bildhauer mit einem generellen Eindruck der Gesamtbevölkerung zufrieden gegeben, ohne auf eine zahlenmässig korrekte Darstellung zu achten. Die Beutelisten helfen hier nicht weiter, da sie in diesem Punkt nicht spezifisch genug sind.
[12] Ein schönes Beispiel dafür ist auf MN 2 Plate 34 / Paterson Plate 81: Der volle Bart charakterisiert den Mann auf dem Wagen als Erwachsenen, obwohl er deutlich kleiner ist als die Gehenden. Ein Beispiel für einen stehenden, aus Platzgründen kleiner dargestellten Mann stammt aus Dur-Sharrukin, Detailfoto in Reade Seite 35.
[13] Wenn allerdings ein Esel nebst einer Packlast auch noch zwei Personen trägt, handelt es sich wohl um Kinder, schon wegen des Gewichts, vergleiche Beispiele 96 (SNPA Plate XVIII) und 97 (SNPA Plate XXXVI).
[14] Ein Negativbeispiel ist MN 2 Plate 37.
[16] Fotos sind oft nicht klar genug, Zeichnungen ebenfalls nicht. Auch zeigt bei Beispiel 61 die Zeichnung Layards (MN 2 Plate 19) männliche Genitalien, die auf dem entsprechenden Foto (Paterson 60-61) nicht zu erkennen sind. Ein weiteres Beispiel für Widerspüche ist Nr. 83 (Abbildung 4): nach der Umzeichnung Layards (MN 2 Plate 35) hält die Frau noch ein bekleidetes Mädchen auf dem Schoss, auf einer anderen, anonymen Umzeichnung fehlt dieses Mädchen, und auch auf dem Foto ist es nicht zu erkennen, allerdings ist das Relief stark verwittert. Eindeutig erkennbar ist hingegen das Bein eines nackten, hinter ihr reitenden Kindes. Vergleiche Sennacherib Nummer 344.
[17] 42 Knaben gegenüber 25 Mädchen. Zehn der Mädchen fahren oder reiten. Bei einigen dieser Mädchen könnte es sich auch um klein dargestellte Frauen handeln.
[18] Allenfalls lässt sich dazu noch Beispiel 98 (MN2 Plate22) zählen, wo ein Knabe sich an einem älteren Mädchen festhält.
[19] Packtiere werden öfters von relativ klein dargestellten Personen geführt, vergleiche Paterson Plate 71-73 und 82. Diese Beispiele wurden hier nicht mitgerechnet, in Analogie zu Plate 82, wo der Bart klar auf einen Erwachsenen weist.
[20] Es gibt nur sechs bis sieben Beispiele für Kinder, die ohne direkte Bezugsperson gehen, dazu noch sieben, die allein oder mit anderen Kindern reiten oder fahren.
[21] Bei diesen Darstellungen ist manchmal nicht sicher, ob sich das Kind wirklich festhält, oder ob es einfach die Hand ausstreckt. Vergleiche Beispiel 62 (Sennacherib Nummer 372)
[22] Zwischen fahrenden und reitenden Kindern zu unterscheiden, ist nicht sinnvoll, da im Verhalten der dargestellten Personen keine Unterschiede zu erkennen sind.
[23] Zur Herkunft vergleiche Wäfler, Nicht-Assyrer.
[24] Vergleiche auch Beispiel 44 (SNPA Plate XVII), 59 (SNPA Plate LXVII), 62 (Sennacherib 372), 71 (MN2 Plate 22) und 73 (SNPA Plate XX)
[25] Dazu noch vier Personen, deren Geschlecht nicht festgestellt werden konnte.
[26] Die drei Erwachsenen, deren Geschlecht wegen einer Beschädigung nicht festgestellt werden konnte, sind wiederum nicht mitgezählt.
[27] Die Ueberzahl von Männern in Kategorie Xb (Männer lenken das Zugtier eines Wagens, auf dem Kinder fahren), ist in diesem Zusammenhang nicht sehr bedeutsam, da der Mann sich hier eher um Zugtier und Wagen kümmert als direkt um die Kinder.
[28] Kategorien I bis IV; alle Kinder, die auf dem Arm (I) oder auf dem Schoss (II) getragen werden, werden von Frauen getragen, die Männer tragen die Kinder auf den Schultern (III), einer hebt ein Kind hoch (IV).
[29] Kategorien VII und VIII, vergleiche auch IV
[30] Wieder mit der wenig bedeutsamen Ausnahme in Kategorie Xb, vergleiche Anm. 27.
[31] «Women» Seite 84: «Captive women always appear in small groups segregated from the men.»
[32] Besonders deutlich Beispiel 6 und 9 (beide Bleibtreu, Flora, Tafel 4 und Seite 80) und Beispiel 94 (SNPA Plate LXVIII), vergleiche auch Nummer 8 (MN2 Plate 33), 38 (SNPA Plate LXIX) und 66 (MN2 Plate149), vergleiche auch MN 2 Plate 34 / Paterson Plate 81
[33] 80,2% der Darstellungen (I-VIII und Xa), beziehungsweise 68,8%, wenn man Kat VIII nicht mitrechnet.
[34] Vergleiche auch Beispiel 27 (Barnett-Lorenzini, Abbildung 46), wo ein Mann einen jungen Affen so trägt.
[35] Bei den reitenden und fahrenden Personen ist es besonders schwierig festzustellen, ob es sich um Kinder oder um klein dargestellte Erwachsene handelt.
[36] Diese Hinweise verdanke ich C. Uehlinger «Das Tragen von Kleinkindern».
[37] Bei Beispiel 17 (SNPA Plate LX), wo ausnahmsweise beide Füsse zu sehen sind, handelt es sich um eine Zeichnung. Möglicherweise hat der Zeichner die Darstellung entsprechend seinen Erwartungen ergänzt. In Beispiel 21 (MN2 Plate 37) sieht das, was die Frau festhält, eher wie ein Sackzipfel als wie der Fuss eines Kindes aus, allerdings fehlt der dazugehörige Sack auf ihrem Rücken. Dafür, dass bei der Darstellung ein Teil vergessen geht, gibt es Parallelen. Das Foto in Encyclopédie Seite 22 unten zeigt die Beine einer auf einem Wagen sitzenden Person, deren Oberkörper eigentlich oberhalb des Rades sichtbar sein müsste, auf der Darstellung aber fehlt. Vergleiche auch Beispiel 23 (SNPA Plate XXIX)
[38] Beispiele 11 (MN2 Plate 18), 13 (SNPA Plate 17), 14 (SNPA Plate 19), 19 (MN2. Plate 22) und 20 (MN2 Plate 30). Zu 23 siehe oben Anmerkung 37.
[39] Kann oder will ein Kind wegen eines Sacks auf der einen Schulter der Bezugsperson nicht in der beschriebenen sicheren Weise sitzen, wäre es besser, es sässe rittlings auf einer Schulter, so dass ein Bein über die Brust, das andere über den Rücken der Trägerin / des Trägers herabhängt. Das ist auf den Reliefs aber nirgends dargestellt.
[40] Zu Irrtümern vergleiche Anmerkung 37. Eine eigentlich perspektivische Darstellung findet sich bekanntlich erst ab der Renaissance, auf den neuassyrischen Reliefs sind aber Bemühungen, die Tiefe des Raums darzustellen, feststellbar. Da diese Technik damals noch relativ neu war, ist mit noch ungelösten Schwierigkeiten zu rechnen.
[41] Im Allgemeinen werden von der sesshaften Bevölkerung nur Männer grob behandelt, gefesselt oder gefoltert. Zur Behandlung der Araberinnen vergleiche T. Staubli, Nomaden, Seite 67-99. Auf einer Wandmalerei von Til Barsip ist auch ein (hier nicht berücksichtigtes) arabisches Kind dargestellt, das zwar im Moment, soweit erkennbar, nicht malträtiert wird, die Szenerie lässt aber eine zukünftige grobe Behandlung möglich erscheinen (Staubli, Nomaden, Abbildung 59).
[42] Vergleiche Richter 7,10-11; 1. Samuel 14; 17,17ff; 20; 2. Samuel 1; 2,14. Nach der Erzählung war David noch ein Knabe (n(r), als er seinen Brüdern Essen brachte und dann Goliath gegenübertrat. Von diesen Boten wird Flinkheit erwartet. Beides lässt vermuten, dass auch andere solche Boten, Essens- und Waffenträger noch jung waren, auch wenn (bd eine Aussage über die soziale Stellung ist, nicht über das Alter. Zu (bd vergleiche Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament und Bietenhard Seite 58-69.
[43] Die auf den Reliefs Salmanassars III dargestellten Bildhauer sind Männer (King, Balawat, Plate LIX), ebenso der Nabu-asared, der Assurbanipal einen Brief schreibt (zitiert bei Barnett-Lorenzini Seite 37-38). In Anbetracht der dargestellten Personen und Motive vermute ich, dass die Bildhauer Männer waren.
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