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New York (awp/sda/reu/afp/dpa) - Hillary Clinton hat nach einem aufreibenden Vorwahlkampf das Duell um die US-Präsidentschaft gegen Donald Trump festgemacht. Mit wichtigen Siegen bei den Abstimmungen der Demokraten in Kalifornien und New Jersey sicherte sie sich faktisch als erste Frau die Kandidatur einer der beiden grossen US-Parteien.
"Wir haben heute Nacht Geschichte geschrieben", erklärte sie und gratulierte ihrem innerparteilichen Rivalen Bernie Sanders zu dessen "aussergewöhnlicher Kampagne". Dieser habe "Millionen von Wählern, besonders junge Leute" begeistert. Mit den versöhnlichen Worten versuchte sie, ihren Rivalen zum Aufgeben zu bewegen.
Der Senator aus Vermont kündigte allerdings an, seinen Kampf für mehr soziale Gerechtigkeit bis zum Parteitag im Juli fortzusetzen. Der Druck auf ihn, aus dem Rennen auszusteigen, dürfte allerdings in den kommenden Tagen zunehmen. Clinton und der Republikaner Trump, der einzige verbliebene Bewerber seiner Partei, schossen sich bereits aufeinander ein.
Einer neuen Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters und des Meinungsforschungsinstituts Ipsos zufolge liegt Clinton knapp zehn Prozentpunkte vor Trump. In der Wahl Anfang November stehe viel auf dem Spiel, warnte die frühere First Lady und Ex-Aussenministerin vor jubelnden Anhängern in Brooklyn.
"Donald Trump ist vom Temperament her ungeeignet, Präsident und Oberbefehlshaber der Streitkräfte zu sein." Wenn er sage, ein in den USA geborener Richter könne sein Amt wegen seiner mexikanischen Wurzeln nicht erfüllen, oder wenn er einen behinderten Reporter verspotte und Frauen Schweine nenne, so verstosse das "gegen alles, wofür wir stehen".
Trump will über die Clintons reden
Trump kündigte im Gegenzug für "wahrscheinlich Montag" eine Rede an, in der er über "all die Dinge" reden werde, "die unter den Clintons passiert sind". Das werde "sehr informativ und sehr, sehr interessant" sein. Der Politik-Quereinsteiger schürte damit Erwartungen, dass es bis zum Wahltag einige Schlammschlachten geben dürfte.
Ein Thema der Trump-Rede dürfte Clintons E-Mail-Affäre sein. Als Aussenministerin hatte sie einen privaten Server für ihre Kommunikation genutzt. Es laufen deswegen mehrere Untersuchungen gegen sie, auch eine der Bundespolizei FBI.
Der Skandal steht stellvertretend für das Misstrauen, auf das die 68-Jährige auch in den eigenen Reihen stösst. Vor allem die zahlreichen Sanders-Anhänger, darunter viele jüngere Wähler, trauen ihr nicht über den Weg und nehmen ihr die Botschaft, für die Mittelschicht einzutreten, nicht ab.
Obama trifft Sanders
Der selbst ernannte Sozialist Sanders punktet dagegen mit den Versprechen, gegen Super-Reiche zu Felde zu ziehen, die grossen Wall-Street-Banken zu zerschlagen und ein nach seinen Worten korruptes System zur Wahlkampffinanzierung abzuschaffen, in dem Milliardäre Ergebnisse kauften. Um Sanders herum entstand eine regelrechte Bewegung.
Vor allem ältere Wähler und Minderheiten hielten aber Clinton die Stange. Sanders' erhoffter Triumph im bevölkerungsreichsten Bundesstaat Kalifornien blieb so aus. Präsident Barack Obama gratulierte Clinton. Mit Sanders will er sich am Donnerstag treffen.
Gleichwohl kündigte der 74-Jährige an, auch bei der letzten Vorwahl am kommenden Dienstag im Regierungsbezirk Washington D.C. anzutreten und beim Nominierungsparteitag in Philadelphia Ende Juli mitmischen zu wollen.
Im Blick hat Sanders dabei die so genannten Super-Delegierten. Clinton hat zwar laut der "New York Times" 571 auf ihrer Seite. Für ihre Nomination braucht sie die Unterstützung von rund 200 unabhängigen Delegierten. Doch diese Spitzenfunktionäre können jederzeit ihre Meinung ändern, im Gegensatz zu den übrigen Delegierten.
Allerdings dürfte Sanders' Rechnung kaum aufgehen, dass die Super-Delegierten sich kurzfristig doch noch hinter ihm scharen. Dazu fiel auch Clintons Sieg in Kalifornien nach Berechnungen diverser Medienanstalten mit etwa 20 Prozentpunkten Vorsprung zu deutlich aus.
(AWP)