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George Thorogood 2120 South Michigan Ave.
Genius Loci
George Thorogood hat mit seiner Band, den Destroyers in Chicago Halt gemacht und an historischer Stätte seine neue CD eingespielt. Der Titel ist schlicht die Adresse 2120 South Michigan Ave., Heimat des Studios des berühmtesten Blues-Labels «Chess Records». Dort hat er sich Tom Hambridge als Produzenten ausgesucht und mit Hilfe von Buddy Guy und Charlie Musselwhite nimmt er eine CD mit 13 Titeln auf, die weitgehend (10 Titel) aus Coverversionen besteht. Dazwischen folgen einige Bluesstücke mit selbstgeschriebenen Texten, in denen Thorogood seine Liebe zum Blues und seine Verbundenheit mit der Tradition beschwört.
Als Genius Loci bezeichnet man die an einem Ort herrschende spirituelle Stimmung. Von dieser wollte sich George Thorogood leiten lassen. Vielleicht suchte er auch die Popularität der alten Chess-Aufnahmen für sich nutzbar zu machen, denn obwohl er noch immer ein gerne gesehener Gast ist auf Konzerten und Festivals, ist sein kommerzieller Erfolg bescheiden geblieben. Thorogood, Jahrgang 1951, spielt seit ist seit den mittleren 70er Jahren Profi, aber sein grosser Erfolg kam in den 80er Jahren, er trat am «Live Aid» auf und seine Musik wird in zahlreichen Filmen zum Soundschnipsel zerlegt. Sein bekanntester Titel ist ohne Zweifel Bad to The Bone.
Thorogood ist bekannt für einen knallharten Boogie und Rock'n'Roll-Stil, giftig, beissend, mit markantem Schlagzeug und einfachen Basslinien. Thorogood hat in seinem Sound viel von Chuck Berry, Bo Diddley und ZZ Top. Seine Slidesoli sind ebenso Retro wie die weisse Gretsch Falcon, für die er bekannt war. Er spielte weissen Rock'n'Roll und so klingen manche seiner Stücke wie eine qualitativ hochstehende Garagenband. Seine Musik soll Fun sein, Tanzmusik und seine Musik klingt stets, als tragen in seinen Phantasien die Mädchen Pettycoats. Diese Art der Musik wird allerdings schnell alt und so wurde Thorogood zum «One Trick Pony», trotz seiner unbestrittenen virtuosen Fähigkeiten und dem präzisen Sound.
Das Cover seiner neuesten Veröffentlichung verstärkt diesen Retro-Eindruck: Wie schon Jimmie Vaughans jüngste CD wird hier der Look einer alten Vinyl-LP im «Hemd» aus Packpapier. In der rechten Ecke prangt stolz «In Stereo». Die Musik der neuen CD klingt dann, als wollte er seinen Horizont erweitern, aber habe sich dann doch nicht getraut. Sei es im Schlagzeug der Begleitung oder in seinen Gitarrensoli, die Zurückhaltung, welche die alten Chess-Aufnahmen ausmachten, sind nur sehr selten das Ziel: Moderne Technik der Verstärkung mit Overdrive-geladenen Soli stellen sicher, dass genügend von Thorogood & The Destroyers rüberkommt. Das kann vielen gefallen, ich fand es immer wieder unpassend.
Titel wie Spoonful oder Two Trains Running sind getreu den Originalen nachgespielt und somit sind es makellose Covers, aber auf vielen anderen Titeln kommt der klassische Destroyers-Sound so deutlich durch, dass der Titel seinen Bluescharakter verliert, zum treibenden Rock'n'Roll wird. Seventh Son und insbesondere High Heel Sneakers tun dem Original Gewalt an. Bei Seventh Son klappt das noch gut. Der Titel wird gradlinig als Rock'n'Roll interpretiert, aber irgendwie überzeugt es nicht. Dasselbe gilt für Mama Talk to Your Daughter. Produzent Tom Hambridge hat schon mit Buddy Guy, Lynyrd Skynyrd, Billy Ray Cyrus, BB King und Johnny Winter gearbeitet, der weiss wohl was er tut. Er kriegt hier übrigens Autorenrechte für einen der Songs zugesprochen: Willie Dixon's Gone, eine etwas sehr schneller Titel für einen Nachruf mit der Zeile «Blues ain't blue, since Willie Dixon's gone». Zudem spielt er Schlagzeug und Perkussion
High Heel Sneakers ist der Titel, bei dem Buddy Guy einen Gastauftritt hat. Seine Gitarre ist vom ersten Moment klar auszumachen, aber sie passt nicht gut zum Dampflock-Rhythmus der Destroyers. Wenn Guy dann zum Solo ansetzt wird es besser, und er nudelt relativ uninspiriert eines seiner Soli runter. High Heel Sneakers wird hier durch den Rock'n'Roll-Rhythmus zu gradlinig, zu wenig spannungsreich, zu direkt. Aber das ist nur meine Meinung, und ich werde immer die Version von Junior Wells im Ohr haben. Andere Fassungen von High Heel Sneakers (Grant Green, Johnny Otis selbst Jose Feliciano und Paul McCartney (auf einem Unplugged-Bootleg )) haben etwas Anzügliches, das bei Thorogood nicht da ist. Thorogood schreibt im Booklet, dass Buddy Guy diesen Titel gespielt habe, als er ihn das erste mal hörte, 1977 im legendären «Antone‘s» in Austin.
Two Trains Running ist ein Walking Blues im Stil von Catfish Blues. Hier kann Thorogood brillieren und das tut er auch. Auch der Titel Bo Diddley ist ein Heimspiel für ihn. Seine Stimme passt hier perfekt, und wie damals bei Bo Diddley kommt mächtig Hall auf den Gesang. Er dichtet den Text zu einer Hommage um, was gut ankommt. Sehr gut gefiel Help Me, ein Blues in Chicago-Tradition. Das ist ein wirklich schöner Titel, der Rhythmus baut diese Spannung auf, die zu Chess-Aufnahmen passt. Das kreischende Solo fügt sich hier besser ein als bei anderen Titeln.
Der letzte Titel 2120 South Michigan Ave. Ist bemerkenswert, denn hier spielt anscheinend Thorogood mit Charlie Musselwhites Band, denn der Sound ist völlig ausgewechselt und Thorogood, neben der Blues-Harp zum Sideman degradiert, bringt einen tollen rollenden Rhythmus. Sein Solo zum Schluss ist short und sweet. Insgesamt ist dies der fetzigste Titel
Für Fans von Thorogood ist die Scheibe sicher toll, es ist weitgehend der bewährte Sound der Band mit einem etwas erweiterten Spektrum. Wer dachte, der Genius Loci habe aus Thorogood einen veränderten Musiker gemacht, der sieht sich nur in Ansätzen bestätigt. Es wäre schön, könnte er diese Ansätze ausbauen.
George Thorogood 2120 South Michigan Ave. (2011)
George Throrogood rhythm, lead & slide guitar guitars, vocals
Bill Blough bass
Jeff Simon drums
Jim Suhler rhythm & lead guitar
1. Going back
2. Hi-heel sneakers (feat. Buddy Guy)
3. Seventh son
4. Spoonful
5. Let it rock
6. Two trains running (still a fool)
7. Bo Diddley
8. Mama talk to your daughter
9. Help me
10. My babe (feat. Charlie Musselwhite)
11. Willie Dixon's gone
12. Chicago bound
13. 2120 South Michigan Ave. (feat. Charlie Musselwhite)