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Da die Frage nach der primären Funktion des im Rahmen der Forschungs- und Lehrgrabungen in der westlichen Unterstadt von Augusta Raurica entdeckten, rund 4 m tiefen gemauerten Schachts MR 6/MR 32 – Nutzung als Vorratskeller (fossa promptuaria) oder Eis- bzw. Schneekeller (fossa nivalis) - im Rahmen der interdisziplinären Auswertung der Befunde und Funde nicht befriedigend geklärt werden konnte, lancierte die Vindonissa-Professur gemeinsam mit der KAAG und der Abteilung Ausgrabungen Kaiseraugst ein experimental-archäologisches Projekt, um abzuklären, ob sich die vermutete Nutzung als fossa nivalis mit Hilfe eines Versuchs verifizieren oder falsifzieren lässt.
Beim ersten Versuch im Jahr 2016 traf leider Letzteres zu; der Mitte März 2016 eingefüllte Schnee (rund 8 m3) war bereits Anfang Juli restlos geschmolzen. Die Analyse des Vorgehens und der Rahmenbedingungen zeigte aber, dass wahrscheinlich verschiedene „system-immanente“ Fehler sowie verschiedene suboptimale, aber grösstenteil beinflussbare Rahmenbedingungen und vermeidbare Unzulänglichkeiten zum (vorläufigen) Scheitern geführt haben. Zu nennen sind namentlich folgende Faktoren: 1. Wegen des warmen Winters (kein Frost) konnte das Erdreich in der unmittelbaren Umgebung des Schachts nie richtig auskühlen. 2. Es wurde frisch gefallener Schnee verwendet, der sich noch nicht verdichtet hatte. 3. Es wurde nur Schnee eingefüllt (kein Schnee-Eis-Mix). 4. Der Schnee wurde in einem einzigen Arbeitsgang eingefüllt und konnte «mit Bordmitteln» nicht komprimiert werden. 5. Das Volumen des eingefüllten Schnees umfasste ca. 7,5 m3, bei einem Volumen des Schachts MR 6/MR 32 von rund 12 m3. 6. Ungenügender Schutz gegen Wärme-Zufuhr von aussen, weil der obere Teil des Schachts bereits bis unter das antike Bodenniveau abgetragen war. 7. Der obere Teils der antik beschädigten, südwestlichen (sonnen-exponierten) Schachtmauer konnte lediglich mit Brettern ergänzt werden. 8. Der Schmelzprozess wurde eindringendes Regenwasser (seitlich und von oben durch die Bretterabdeckung) beschleunigt!
Die Nutzung als fossa nivalis konnte nicht mit hinreichender Sicherheit nachgewiesen werden; bei allen drei Versuchen (2016, 2017, 2018) war der Schnee nach vier bis fünf Monaten geschmolzen. Verantwortlich waren zum einen die milden Winter mit konstant über 0° Celsius liegende Bodentemperaturen, zum anderen konnte die fossa nivalis nicht mit einem Gebäude vor der Sonneneinwirkung geschützt werden.