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Als das Coronavirus Anfang 2020 durch New York fegte und die Fallzahlen in die Höhe schiessen liess, schritt der Gouverneur des Bundesstaates - Andrew Cuomo - tatkräftig voran, erliess neue Gesetze, versprühte Hoffnung und präsentierte sich als Retter in der Not. Und tatsächlich, der 63-Jährige machte einen guten Eindruck. Je mehr er das Coronavirus in den Griff zu bekommen schien, desto besser wurde sein Ruf – und dieser war nicht immer gut.
Im März 2020 kündet er neue Regeln an und führt ein Gesetz ein, das er nach seiner Mutter benennt: Matildas Gesetz. Emotional und leidenschaftlich redet er den Bürgerinnen und Bürgern New Yorks in das Gewissen, hält täglich öffentliche Pressekonferenzen ab, zeigt sich bemüht und besorgt. Neben der Inkompetenz Trumps, der sich scheinbar wenig um das Virus kümmerte, konnte Cuomo punkten. Von allen Seiten werden ihm Lobeshymnen gesungen, auf Twitter macht der Hashtag #CuomoForPresident die Runde:
«Andrew Cuomo ist der Kontrollfreak, den wir jetzt brauchen», schreibt «The New York Times» am 16. März 2020. «Andrew Cuomo zeigt, wie man in der Coronavirus-Krise führt», doppelt «The Washington Post» eine Woche später nach. Auch Watson berichtet in guten Tönen über seinen Kampf gegen das Coronavirus:
Alles läuft gut – sogar so gut, dass er im Oktober 2020 ein Buch mit dem Titel «Führungslektionen aus der Covid-19-Pandemie» veröffentlicht und es damit auf die Bestseller-Listen schafft.
Ende Januar gerät sein Image schliesslich in Gefahr.
Die Anzahl Todesopfer in Pflegeheimen, die an Covid19 verstorben sind, dürfte etwa 50% höher sein, als offizielle Zahlen dies behaupten. Diese Bombe lässt Generalstaatsanwältin Letitia James am 28. Januar platzen. Gouverneur Cuomos Administration habe nie angegeben, wie viele Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen in den Spitälern gestorben sind, schreibt sie in einem 76-seitigen vernichtenden Bericht.
Zudem hätten einige Pflegeheime zu wenig Todesfälle gemeldet und Corona-Massnahmen ungenügend eingehalten. Gegen 20 Pflegeheime wurden Ermittlungen eingeleitet.
Nach Publikation dieses Berichts veröffentlichte Howard Zucker, Mitglied der Corona-Taskforce, schliesslich eine revidierte Zahl, die sich am 19. Januar auf 12'743 belief. Einen Tag zuvor lag diese noch bei 8'711, schreibt The New York Post.
Das Drama spitzte sich weiter zu, nachdem am 11. Februar bekannt wurde, dass die Cuomo Administration die Zahlen bewusst zurückgehalten hatte. Es sollte verhindert werden, dass der damalige Präsident Trump die wahren Statistiken politisch gegen sie einsetzen würde, begründete Cuomos Topberaterin Melissa DeRosa das Vorgehen in einem internen Videochat:
Der Abgeordnete Ron Kim, welcher ebenfalls an der Videokonferenz teilgenommen hatte, sagte gegenüber der «New York Post», dass DeRosas Begründungen so tönten, als hätten sie etwas zu verbergen.
Nach der Veröffentlichung von James' Bericht am 28. Januar trat Cuomo am folgenden Tag vor die Medien. Sein Auftritt vermochte allerdings sein fast makelloses Pandemie-Image nicht wiederherzustellen – im Gegenteil. Statt sich zu einer Entschuldigung durchzuringen, versucht er, den Fokus auf seine vermeintlichen Errungenschaften zu lenken:
Für breite Empörung sorgte allerdings vor allem diese Aussage:
Nun haben das FBI und die US-Staatsanwaltschaft des Eastern District of New York eine Untersuchung gegen ihn eingeleitet. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht sein Umgang mit Pflegeheimen in der Coronavirus-Pandemie. Angesichts dieser Entwicklung werden sogar aus seinen eigenen Reihen Rücktrittsforderungen laut. Einige Demokraten wollen Cuomo auch seine Notstandsbefugnisse nehmen, welche ihm während der Pandemie übertragen wurden – darunter auch Ron Kim.
Wer es sich erlaubt, Andrew Cuomo zu kritisieren, muss sich allerdings auf etwas gefasst machen. Am 11. Februar habe er einen Telefonanruf von Cuomo erhalten, erzählte der demokratische Abgeordnete Kim gegenüber der «New York Post». Er verlangte von Kim Unterstützung, um den Schaden der Zahlen-Vertuschung in Grenzen halten, und schreckte nicht davor zurück, ihm zu drohen:
Cuomos Sprecher, Rich Azzopardi, dementierte die Aussagen Kims umgehend. Doch sein heldenhaftes Image hat Cuomo verloren. Nun zeige er endlich sein wahres Gesicht, twittert New Yorker Anwalt Jumaane Williams:
Dass schon länger nicht alles rosig gelaufen ist, verrät Cuomo am 29. Januar vor den Medien gleich selbst:
Zwischen ihm und den Gesundheitsexperten bestand schon länger eine Kluft, was den Umgang mit der Pandemie betraf. Gemäss der «New York Times» hätten mittlerweile neun Corona-Experten das Handtuch geschmissen, weil Cuomo nie auf sie gehört habe. Mit den in den vergangenen Wochen öffentlich gewordenen Kontroversen hat sich diese Kluft nun auch zwischen ihm und den Anwohnerinnen und Anwohnern New Yorks aufgetan. Damit dürfte er seine Chancen zur Wiederwahl zum Gouverneur New Yorks im kommenden Jahr deutlich verschlechtert haben.