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Die Atlantische Hurrikansaison 2012 war fast vorbei, die US-Präsidentenwahl und Halloween standen vor der Tür, als sich Ende Oktober Hurrikan Sandy über der Karibischen See bildete. Der Sturm der Kategorie 1, also der stärksten Kategorie, zog nordwärts über Jamaika, Kuba und die Bahamas und traf schliesslich auf der Höhe von New Jersey auf das Festland der Vereinigten Staaten.
Behörden und Blogger bereiten sich auf Sandy vor
Nach der desaströsen Erfahrung mit Hurrikan Katrina im Jahr 2005 war die mediale Aufmerksamkeit bei diesem Wirbelsturm besonders gross. Die US-Behörden warnten die Bevölkerung frühzeitig, in mehreren US-Bundesstaaten riefen die Gouverneure bereits vor dem Eintreffen des Wirbelsturmes den Notstand aus, in New York wurden ganze Viertel evakuiert - immer von Bloggern und den Massenmedien begleitet. Mit «Frankenstorm» war der Spitzname der US-Medien für den Monstersturm schnell gefunden - eine erste Inspiration für das Sandy-Mem.
Echter Sturm, aber falsche Tweets und manipulierte Bilder
Denn während der Sturm über Kuba und die Bahamas in Richtung US-Ostküste zog, hatte auch die Internetgemeinde genug Zeit, sich mit Sandy zu beschäftigen. Während einige Behörden (z. B. das National Hurricane Center) anfingen, per Twitter über Sandy zu informieren, tauchten ebenso schnell falsche Twitteraccounts auf, wie @AHurricaneSandy, der dem Sturm eine Stimme gab, oder @RomneyStormTips, eine Parodie auf den Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney mit gut gemeinten, satirischen Ratschlägen («Falls ihr kein eigenes Ferienhaus habt, in das ihr euch retten könnt, nehmt einfach eins von euren Eltern.»)
Die Analogie zu Katastrophenfilmen wie «The Day After Tomorrow» oder «Deep Impact», in denen New York regelmässig und systematisch zerstört wird, war schnell gemacht. Bildergalerien kursierten auf Blogs, die sowohl echte wie auch manipulierte Fotos von Sandys Auswüchsen zeigten. Auch der Name «Frankenstorm» regte zu einigen Photoshop-Montagen an.
Auf Twitter, Reddit and Tumblr tauchten «Macro Images» auf, die auf andere Internet-Meme verwiesen. Hier waren vor allem Imminent Ned, Link öffnet in einem neuen Fenster und Skeptical Third World Kid, Link öffnet in einem neuen Fenster populäre Macros.
Mit dem Schrecken umgehen
Als Hurrikan Katrina im Jahr 2005 auf das amerikanische Festland traf, kamen 1800 Menschen durch den Sturm und dessen Folgen ums Leben. Der Sachschaden belief sich auf etwa 81 Milliarden US-Dollar. Angesichts dieser Zahlen wirken die Sandy-Meme zynisch und makaber.
In der Realität herrschte dann auch weniger der Sarkasmus vor als die Sorge vor der unberechenbaren Naturgewalt: Je grösser Sandy wurde, desto grösser wurde die Angst vor einer ähnlichen Katastrophe wie bei Katrina. Aber: Ein Mechanismus, mit Angst umzugehen, ist ihr ins Gesicht zu lachen. Das erklärt die vielen satirischen Mem-Auswüchse bei Sandy, die man der Kategorie «Galgenhumor» zuordnen kann.
Running Gags der Web-Gemeinde
Bei einem Internet-Mem handelt es sich um eine Momentaufnahme, um einen Schnipsel aus unserem kulturellen und gesellschaftlichen (Medien-) Alltag, der im Netz als auffällig, lustig oder absurd wahrgenommen wird. Ein Mem könnte man als Running Gag der Internetgemeinde bezeichnen, bei dem oft gilt: «Je skurriler, um so mehr Aufmerksamkeit».