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Dieser Theodolit aus dem 18. Jh. ist Bestandteil der Sammlung Sternwarte. Angelegt wurde diese von Rudolf Wolf (1816-1893). Er war Astronomieprofessor, Leiter der Semper-Sternwarte, Direktor der Bibliothek des Polytechnikums (heute ETH) und Sammler astronomischer Instrumente. Für seine Sammlung hat er 1873 ein Inventar angelegt. Leider ist diesem nicht zu entnehmen, wie der digitalisierte Theodolit in die Sammlung kam. Viele seiner Instrumente bekam Rudolf Wolf geschenkt oder er kaufte sie einem anderen Sammler ab.
Zur Sammlung Sternwarte gehören rund 250 astronomische Instrumente. Mit der Schliessung der Sternwarte ging die Sammlung in den 1980er Jahren zunächst an die ETH-Bibliothek über und wurde, im Zuge der Neugründung der Sammlung wissenschaftlicher Instrumente und Lehrmittel, 2019 in diese eingegliedert.
Hersteller G.F. Brander
Der digitalisierte Theodolit wurde von Georg Friedrich Brander (1713-1783) hergestellt. Brander war ein bedeutender Hersteller wissenschaftlicher Instrumente. Seine Werkstatt befand sich in Augsburg, das im 18. Jh. neben Paris, London und Leipzig als Zentrum des Instrumentenbaus galt. Branders Instrumente galten schon damals als den englischen und französischen gleichwertig.1
Brander baute Instrumente für verschiedene Disziplinen, wie Geodäsie, Astronomie und Physik. Das war für die damalige Zeit nicht ungewöhnlich: Bis ins frühe 19. Jh. waren Instrumentenbauer nicht auf eine Disziplin oder einen Instrumententyp spezialisiert.
Bereits im Alter von 24 Jahren baute Brander 1737 das erste Spiegelteleskop in Deutschland, eine grosse Leistung für den damals noch sehr jungen Brander. Seine Arbeitsweise bestand vor allem darin, bereits vorhandene Objekte zu verbessern. Oft waren seine Instrumente dabei sogar besser als die Originale. Ab 1761 lieferte er seine Instrumente nach München, Berlin und auch in die Schweiz, z.B. an die Physikalischen Gesellschaften in Waadt und Zürich. Die Lieferkataloge der Werkstatt lassen vermuten, dass Brander mehrere Mitarbeiter gehabt haben muss, da er sehr viel produzieren konnte. Leider ist darüber kaum etwas bekannt.2
1774 heiratete eine von Branders Töchtern Christoph Caspar Höschel. Dieser wurde nun sein Geschäftspartner und ab 1775 wurden die Objekte mit “Brander & Höschel” signiert. Nach Branders Tod 1783 führte Höschel die Werkstatt alleine weiter. Es gelang ihm jedoch nicht, an die Erfolge seines Schwiegervaters anzuknüpfen. Nach 1850 ist die Nachfolgefirma nicht mehr nachweisbar, jedoch wurde die Tradition Branders in München durch die Werkstätten Reichenbachs und Fraunhofers fortgesetzt.3
Der Theodolit
Der digitalisierte Theodolit wird aufgrund vergleichbarer Objekte auf ca. 1752 datiert. Brander hat die Entwicklung von Theodoliten über 30 Jahre lang entscheidend geprägt. Theodoliten dienten der Landvermessung, wurden aber auch für astronomische Messungen eingesetzt. Mit diesem Theodolit konnten Horizontal- und Vertikalwinkel bestimmt werden. Der Theodolit ist mit einem zweilinsigen Kepler-Fernrohr ausgestattet, hat aber eine zusätzliche leere Halterung (Annotation 4 im 3D-Modell). Dort könnte ein zweites Fernrohr für Rückwärtsvisuren befestigt werden. Das Kepler-Fernrohr kombiniert zwei Sammellinsen unterschiedlicher Brennweiten und wurde sowohl für astronomische als auch für geodätische Vermessungen verwendet.4 Auch eine Libelle sowie die Fussschrauben fehlen bei diesem Theodolit.5
3D-Digitalisierung
Objektauswahl
Brander zählt zu den wichtigsten Instrumentenbauern des 18. Jhs. Nur wenige Instrumente von ihm befinden sich in der Schweiz. Viele gehören dem Deutschen Museum in München. Der 3D-digitalisierte Theodolit ist der älteste Theodolit in unserer Sammlung. Es ist ein sehr schönes Objekt, das sich hauptsächlich im Depot befindet. Dank der 3D-Digitalisierung ist das Instrument für eine breite Öffentlichkeit zugänglich und für Wissenschaftshistoriker:innen ist es möglich, das Objekt ortsunabhängig aus der Nähe zu betrachten und seine Funktionsweise zu verstehen.
Photogrammetrie und Modellierung
Für die photogrammetrischen Aufnahmen wurde der Theodolit in seine Einzelteile zerlegt und die Alhidade und der Unterbau wurden separat digitalisiert. Alle Gläser, Linsen und Spiegel sowie die animierten Strukturen wurden manuell erstellt.