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Gorillas – Die grössten Menschenaffen
Vertrauter Verwandter
Sie lachen, weinen und trauern. Gorillas sind uns im Verhalten verblüffend ähnlich. Das ist kein Zufall: Nach den Bonobos und den Schimpansen sind sie unsere nächsten Verwandten. Leider haben wir unsere Cousins fast ausgerottet.
Wegen ihrer Kommunikationsfähigkeiten erhielt Gorilla-Weibchen Koko weltweite Aufmerksamkeit. Sie konnte gemäss ihrer Betreuerin über 1000 Zeichen in Gebärdensprache anwenden und verstand fast 2000 gesprochene englische Wörter. Gorillas sind uns aber nicht nur ähnlich, weil sie lernfähig sind. Gorillas zeigen auch Emotionen wie wir Menschen.
Die grössten Menschenaffen haben einen kräftigen, gedrungenen Körper. Charakteristisch für die ausgewachsenen Gorillamännchen ist der silbrig-weisse Rücken – daher auch der Name «Silberrücken».
Gorillas sind intelligente, soziale Tiere, die in Familienverbänden aus mehreren Weibchen mit vier bis fünf Jungtieren und einem dominanten Männchen leben. Die verbleibenden Gorillas leben ausschliesslich in Regionen Mittelafrikas und gliedern sich in zwei Arten mit je zwei Unterarten: den Westlichen Gorilla und den Östlichen Gorilla.
Armut, Unruhen, Kriege und deren Folgen haben den Gorilla-Populationen in den vergangenen Jahrzenten stark zugesetzt. Auch die Arbeit des WWF war und ist in vielen Gorilla-Regionen gefährlich. Dank politischer Arbeit, Aufklärung und Schutzbemühungen erholen sich einige Populationen wieder leicht. Jetzt müssen wir dafür sorgen, dass die Gesetze eingehalten werden, Wilderer eine angemessen Strafe bekommen und die Armut bekämpft wird.
Fortpflanzung
Gorillaweibchen bringen in Abständen von 3 bis 6 Jahren meist nur ein Junges zur Welt. Die Sterberate der Jungtiere in den ersten drei Lebensjahren ist hoch (22 bis 65 %).
Familienleben
Aufnahmen einer Gorilla-Familie mit ihren Zwillingen.
Kommunikationsfreudig
Gorillas kommunizieren miteinander durch Laute, Körperhaltungen und Kraftdemonstrationen.
Späte Entdeckung
2005 haben Forscher erstmals den Werkzeuggebrauch von Gorillas nachgewiesen. Dieses Weibchen benutzt einen Stock, um die Wassertiefe zu prüfen und sich abzustützen.
Bis zu 20 Kilo Futter
Die tagaktiven Gorillas ernähren sich hauptsächlich vegetarisch und verbringen viel Zeit mit Fressen. Ein ausgewachsenes Tier frisst täglich 15 bis 20 Kilogramm Nahrung.
Klein- bis Grossfamilie
In der Regel besteht eine Gorilla-Familie aus zehn Individuen, manchmal aber aus bis zu 65 Mitgliedern.
Vom Menschen getötet und verdrängt
Rücksichtslose Wilderei, politische Unruhen, Zerstörung ihres Lebensraumes und Krankheiten haben den Gorillas im letzten Vierteljahrhundert enorm zugesetzt. Heute stehen die Menschenaffen am Rand des Aussterbens. Schätzungen zufolge nehmen die Bestände jährlich um 2,5 bis 5 Prozent ab.
Wilderei
Jagd, Handel und Verzehr von Gorillafleisch sind zwar in nahezu allen Ländern des Kongo-Beckens verboten, doch werden die Vorschriften nicht durchgesetzt. Die Wilderei und der Handel mit so genanntem Buschfleisch stellen die grösste Bedrohung für die Gorillas dar. Das Fleisch von Menschenaffen gilt in ländlichen und urbanen Gesellschaften Afrikas als Delikatesse.
Krankheiten
Weil Menschen und Gorillas so eng verwandt sind, können sie sich gegenseitig mit Krankheiten anstecken. Was für uns ein einfacher Schnupfen ist, kann bei Gorillas tödlich wirken.
Es ist zu befürchten, dass Krankheiten wie das Ebola-Virus mehr als 90 Prozent der Westlichen Flachlandgorillas im Minkébé-Nationalpark im Nordosten Gabuns ausgelöscht haben. Wissenschaftler nehmen an, dass in Zentralafrika Ebola bereits für den Tod von einem Drittel der dort lebenden Gorilla-Population – hauptsächlich Westliche Flachlandgorillas – verantwortlich ist.
Lebensraumverlust
Waldrodungen durch landwirtschaftliche Nutzung, illegaler Bergbau (Abbau von Gold, Kupfer, Coltan) und Strassenbau setzen den Gorillas zu, zumal dadurch nicht nur ihr Lebensraum schrumpft, sondern auch die Wilderer durch die Erschliessung von abgelegenen Waldflächen einfacher an ihre Beute kommen. Im Kongo-Becken sind grosse Regenwaldflächen bereits zerstört oder in den Händen der internationalen Holzindustrie. Künftig wird auch der Druck durch die Palmöl-Industrie zunehmen.
Heute leben Gorillapopulationen räumlich immer stärker isoliert. Dies erhöht die Gefahr von Inzucht, vor allem für die teilweise kleinen Populationen.
Armut, Korruption und Krieg
Zentralafrika war in den letzten Jahrzehnten immer wieder von Unruhen und Bürgerkrieg betroffen. Das hatte auch auf die Gorillas Auswirkungen.
Die Bevölkerung der Demokratische Republik Kongo litt jahrelang unter Krieg, Ausbeutung und Korruption. Trotz Rohstoffreichtum zählt das Land in Zentralafrika zu den ärmsten der Welt. Waffen und Munition sind im Land relativ leicht verfügbar. Wilderer konnten oft ungehindert wüten. Immer wieder werden Wildhüter getötet, weil sie die Gorillas und ihren Lebensraum schützen wollen.
In den Virunga-Bergen in der Demokratischen Republik Kongo kämpfen die Berggorillas ums Überleben. Denn seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs im benachbarten Ruanda 1990 ist diese Region immer wieder von politischen Unruhen heimgesucht worden: Viele Menschen flohen in den Nationalpark und zerstörten Teile des Waldes für neue Landwirtschaftsflächen.
Naturschutz und Nachhaltige Entwicklung
Besonders in der armen und kriegsgebeutelten Region braucht es mehr als Schutzgebiete und Ranger, damit unsere Verwandten nicht für immer verschwinden. Der Ansatz des WWF ist die Verbindung von Naturschutz mit einer nachhaltigen Entwicklung der Region.
Langfristiger Schutz für die Gorillas und andere Menschenaffen kann nur sichergestellt werden, wenn vor Ort ein Bewusstsein für den Erhalt der Artenvielfalt vorhanden ist. Aufklärung, Bildungsmassnahmen und politische Arbeit sind deshalb entscheidende Pfeiler der WWF-Arbeit. Wir helfen, illegale Aktivitäten aufzudecken, und weisen auf negative Folgen von Umweltzerstörungen hin.
Der WWF bildet auch Wildhüter und Anti-Wilderer-Einheiten aus. Diese erhalten moderne Ausrüstungen, um Gorillas und andere Wildtiere effizient zu schützen. Bei Schutzmassnahmen involviert der WWF die lokale Bevölkerung und fördert alternative Einkommensmöglichkeiten. So kann nachhaltiger Tourismus beispielsweise den Handel mit Buschfleisch reduzieren.
Nicht zuletzt brauchen die Gorillas auch Schutz vor Unternehmen. Mehrfach hat der WWF erfolgreich Druck auf Firmen ausgeübt, die den Lebensraum der Menschenaffen industriell ausbeuten wollten.
Schutzgebiete
Für den Erhalt der Westlichen Flachlandgorillas fokussiert der WWF seine Arbeit ganz besonders auf die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Schutzgebieten.
Druck auf Industrie
Der WWF übt mit Petitionen und Verhandlungen Druck auf ausbeuterische Firmen aus. Zwei Mal konnten wir bereits verhindern, dass Ölkonzerne den Virunga-Nationalpark – einer der letzten Zufluchtsorte der Berggorillas – ausbeuten.
Artenhandel unterbinden
Durch das Artschutzprogramm Traffic geht der WWF zusammen mit der Weltnaturschutzunion IUCN gegen Wilderei und Schmuggel vor.
Trainingsprogramme
Ein Trainingsprogramm wird entwickelt, damit die Wilderei und der Handel mit bedrohten Arten bekämpft werden. Die Zielgruppe dieses Programms sind Personen, die direkt (Forstschutz, Polizei) oder indirekt (Staatsanwälte, Richter) mit der Strafverfolgung zu tun haben.
Anti-Wilderer-Einheit
Der WWF unterstützt die Ausbildung und Ausrüstung von Anti-Wilderer-Einheiten zum Schutz der Menschenaffen und anderen Wildtieren. Die Anti-Wilderer-Einheiten kontrollieren die Gebiete, in denen Gorillas leben.
Die Regierungen Zentralafrikas haben erhöhte Bereitschaft gezeigt, die Menschenaffen zu schützen. Jetzt müssen wir dafür sorgen, dass Gesetze eingehalten werden und Wilderer eine angemessene Strafe erhalten.
Über 50 Jahre Engagement für die Gorillas
Gorillas sind seit über 50 Jahren Leittierarten des WWF. Mit seinen Projekten setzt sich der WWF für den Schutz aller vier Gorillaarten und ihres Lebensraumes ein.
Was Sie tun können
Helfen Sie uns als Mitglied oder mit einer Spende für den Regenwald, damit wir den Lebensraum der Gorillas schützen können. Informieren Sie sich mit der WWF Ratgeber-App, welche Umweltlabels empfehlenswert sind und somit unsere Natur schützen.