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Der Mathematikunterricht und die Naturwissenschaften bieten sich für selbstorganisiertes Lernen besonders an. Hier erfahren Sie, wie Sie dies umsetzen können.
Viele Schülerinnen, die in diesen Fächern wenig begabt sind, klinken sich aus dem Unterricht aus. Sie hocken abwesend die Stunden ab und gewinnen – da das Lernen auf die Prüfung am Ende wenig nützt – die Überzeugung, dass sie für diese Fächer hoffnungslos unbegabt sind und deshalb alles Lernen nichts hilft.
Das selbstorganisierte Lernen bietet hier eine grosse Chance: Schlechte Schüler können wieder in den Unterricht eingebunden werden. Die Arbeit in der Gruppe und die damit verbundene Verantwortung jedes einzelnen, die Vorgabe klarer Ziele und die Präsentation der Ergebnisse schaffen eine Situation, in der alle aktiv mitarbeiten können und müssen. Bessere Schüler lernen, ihr Wissen in Worte zu fassen und das Gelernte so zu vereinfachen, dass schwächere Schüler folgen können. Die schlechteren Schüler merken, dass sie dem Unterricht folgen können und erleben vielleicht seit langem wieder einmal Erfolgserlebnisse. Unmotivierte und störende Schüler werden durch die Verpflichtung gegenüber der Gruppe dazu angeregt, mehr Verantwortung zu übernehmen (wichtig: Das funktioniert nicht, wenn die Schüler selbst Gruppen bilden - nutzen Sie stattdessen ein Losverfahren).
Haben die Schüler bei der einen oder anderen Form eine gewisse Routine entwickelt, führt diese Arbeitsform schliesslich auch zu einer Entlastung der Lehrer.
Die folgenden Beispiele zeigen einen möglichen Grundaufbau, der nach und nach erweitert und verändert werden kann. Wichtig ist auch hier: Die Schüler müssen das selbstorganisierte Lernen in kleinen Schritten üben. Es darf ruhig 10 Mal der gleiche Ablauf verwendet werden - schliesslich geht es um den Lerneffekt und nicht darum, ein Methodenfeuerwerk zu zünden oder für Abwechslung zu sorgen.
Die Grundform könnte nun folgendermassen aussehen:
- Der Lehrer stellt ein Thema in 15 Minuten vor.
- Die Schüler besprechen das Gehörte in Dreiergruppen während 15 Minuten. Ziel: Alle haben das Besprochene verstanden.
- Die Schüler lösen in der Gruppe oder in Einzelarbeit eine Aufgabe zum Thema.
Mögliche Erweiterungen wären z.B.:
- Der Lehrer stellt ein Thema in 15 Minuten vor.
- Die Schüler besprechen das Gehörte in Dreiergruppen während 15 Minuten. Ziel: Alle haben das Besprochene verstanden.
- Die Schüler lösen eine Aufgabe in der Gruppe. Die Gruppe stellt sicher, dass jeder einzelne die Aufgabe lösen und den Lösungsweg erklären kann.
- Per Los wird eine Gruppe bestimmt, die die Lösung an der Tafel erklärt.
- Der Lehrer stellt ein Thema in 15 Minuten vor.
- Die Schüler besprechen das Gehörte in Dreiergruppen während 15 Minuten. Ziel: Alle haben das Besprochene verstanden.
- Die Schüler konstruieren in der Gruppe selbst während 15 Minuten eine Aufgabe zum Thema. Der Lehrer sammelt am Ende der Stunde alle Aufgaben ein.
- In der nächsten Stunde werden die Aufgaben ausgetauscht – die Schüler lösen die Aufgaben der anderen Gruppen.
Lassen Sie mich noch einige Varianten vorstellen, die als Anregung dienen können. Sie finden jeweils Beispiele zu eher einfachen Verfahren bis hin zu höchst anspruchsvollen Varianten, die nur in Klassen Verwendung finden sollten, die im handlungsorientierten, selbstverantwortlichen Lernen geschult wurden und über das notwendigen Methodenwissen verfügen:
Schwierigkeitsgrad: Eher einfach
- Zur Einführung in das Thema "Elektrizität" werden die Schüler per Los in Dreiergruppen eingeteilt.
- Die Schüler überlegen und diskutieren in der Gruppe, was "Elektrizität" ist und halten ihre Ergebnisse fest. Der Lehrer kann hier einige Stichworte wie Volt, Watt, Spannung, Strom, Leitfähigkeit etc. an die Tafel schreiben, zu denen sich die Schüler Gedanken machen sollen.
- Die Schüler halten ihre Ergebnisse fest. Jeweils ein Vertreter der Gruppen präsentiert die Ergebnisse in einem kurzen Vortrag.
Dieses Vorgehen eignet sich gut, um die Alltagsvorstellungen von Schülern zu aktivieren. Diese sind besonders da interessant, wo sie mit wissenschaftlichen Erkenntnissen kollidieren (so sind z.B. relativ viele Menschen der Meinung, Strom sei eine Flüssigkeit) oder wenn mit einem bekannten Phänomen wie hier der Elekritzität bei den meisten Schülern lediglich vage Vorstellungen verbunden werden. Der Einstieg soll das Interesse der Schüler wecken nach dem Motto: Hey, das weiss ich ja gar nicht, obwohl ich jeden Tag damit konfrontiert bin! Gleichzeitig ist man aber auch immer überrascht, wieviel einige Schüler bereits zu einem Thema wissen.
Schwierigkeitsgrad: Mittel
- Die Schüler erhalten als Einstieg ins Thema "Wahrscheinlichkeitsrechnung" drei einfachere Aufgaben (z.B. wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, bei einem Kartenspiel mit 36 Karten zwei Asse zu ziehen, wenn zweimal gezogen werden darf), die jeweils mit der gleichen Regel gelöst werden können.
- Die Schüler versuchen diese Aufgaben zu zweit zu lösen.
- Nach 15 Minuten wechselt jeweils einer der Partner einen Platz nach rechts und bespricht mit einem anderen Gruppenmitglied die gefundenen Lösungen - es findet also ein Austausch zwischen den Gruppen statt.
- Die Lösungen werden 5 Minuten später im Plenum besprochen und dienen der Einführung der ersten Regel zur Wahrscheinlichkeitsrechnung.
Schwierigkeitsgrad: Hoch
- Die Schüler lesen alleine zwei bis drei Einführungsseiten zum Physik-Thema "Kräfte".
- Jeder Schüler fasst in einem Mind Map zusammen, was er verstanden hat.
- Die Schüler tauschen sich in einer Dreiergruppe untereinander aus und ergänzen ihre Maps.
- Ein Schüler oder eine Gruppe wird dazu aufgefordert, ihr Mind-Map an der Tafel zu zeichnen und die Zusammenhänge zu erläutern.
- Die anderen Schüler und die Lehrperson korrigieren und unterstützen die Gruppe.