Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03480.jsonl.gz/1455

Fehden beginnen oft mit Freundschaften. Enge Vertraute waren sie einst, Olé Andersen (74) und Sepp Blatter (77). Nun aber liess der Fifa-Präsident Cartoons gerichtlich verbieten, die der dänische Fussballcoach gemalt hatte.
Es geht um Geld, Rache und das Image von Fifa und Blatter. Und es geht um zwei Versionen einer langen Geschichte. Andersen will von Blatter 1991 den Auftrag erhalten haben, die Geschichte des Fussballs mit Karikaturen zu illustrieren.
An der Fussball-WM von 1994 in den USA sollte sein Werk als Buch verschenkt werden. Das Honorar habe ihm Blatter per Handschlag zugesichert. «Bleibe einfach unter einer Million», soll er zum Dänen gesagt haben. «Es war ein klarer Auftrag, mit dem damaligen Fifa-Präsidenten João Havelange als Zeugen», sagt Andersen.
Er zeichnete und schickte Blatter ein fertiges Buch. Die Fifa reagierte nicht, die «Geschichte des Fussballs» verschwand in der Schublade. «Bis heute schuldet mir die Fifa 250000 Franken», sagt Andersen.
Ein Vorwurf, den Fifa-Sprecher Walter De Gregorio bestreitet. «Es gab weder eine mündliche noch eine schriftliche Zusage an Andersen, ein Fifa-Buch zu produzieren.»
Fest steht: Andersen kam im Jahr 2000 erneut zur Fifa. Blatter war nun ihr Präsident, Michel Zen-Ruffinen sein Generalsekretär. Für ihn sollte der Däne ein Buch über Fussballregeln gestalten, dazu Videogames, einen Trickfilm und eine TV-Serie. Das geht aus einem Brief vom 4. Oktober 2000 hervor. Die «hohe Qualität und die Originalität» von Andersen seien «perfekt für das Image der Fifa», schrieb Zen-Ruffinen damals euphorisch.
Blatter aber habe das Projekt gestoppt, sagt Andersen. «Er wollte mich nicht in der Fifa.» Warum? «Blatter hatte ein schlechtes Gewissen wegen der offenen Rechnung.»
Fifa-Sprecher De Gregorio stellt es anders dar: Andersen habe Hofzeichner der Fifa sein wollen, was die Fifa ablehnte. Fakt ist: Andersen zeichnete seit 1976 für die Fifa.
Er lebt heute in Luzern. Am 26. April 2011 erlitt er einen Herzinfarkt. Aus Mitleid, vermutet der Zeichner, empfing ihn Blatter kurz vor Weihnachten 2011. Andersen brachte dem Fifa-Boss die 1991 gezeichnete «Geschichte des Fussballs» mit. «Blatter warf sie zu Boden und sagte: ‹Das ist nichts.› Obwohl er es genau so wollte», sagt der Däne. An den Deal erinnern mochte sich Blatter nicht. «Er sagte mir, er habe eine Gedächtnislücke.»
Es folgte ein wüster Briefwechsel zwischen Fifa und Andersen. «Der Präsident hat mir einen Auftrag gegeben als Generalsekretär der Fifa», schrieb er. «Ich habe den Auftrag ausgeführt und ich fordere meine Bezahlung dafür.» Fifa-Rechtsdirektor Marco Villiger bestritt alles. Worauf der Däne seinen einstigen Freund Blatter als «Meister der Manipulation» beschimpfte. Gleichwohl bot er an, seine «Geschichte des Fussballs» «à jour» zu bringen und sie an der WM 2014 in Brasilien neu aufzulegen. «Nein», sagte die Fifa.
«Verheerendes» Verbot
Danach schickte Andersen den Fussballfunktionären zehn Zeichnungen seines «Ersatzprojekts»: «The Platter Cartoons». Sie verulken Blatters Leben seit 1981, zeigen ihn mal als Frauenhelden, dann offen für Bestechungen. «Ich habe Zeitungsartikel mit der fiktiven Figur Platter illustriert», so Andersen. Der Name sei dänischem Slang entnommen: für eine Person, der man nicht trauen könne.
Rächt sich Andersen mit den Karikaturen an Blatter? «Nein, Rache ist es nicht, ich will einzig, dass man über ihn lacht.» Und er habe vor, das Platter-Buch zu verkaufen.
Möglich ist das vorerst nicht. Blatter fühlt sich von den Zeichnungen in seinem «beruflichen und gesellschaftlichen Ansehen» herabgesetzt. Niemand darf daher die Karikaturen zeigen, entschied das Bezirksgericht Zürich. Bei Unterlassung drohen 10000 Franken Busse.
Medienrechtler Peter Studer kennt Andersens Karikaturen. Und staunt. Einige seien klar unproblematisch. Dem Zürcher Richter wirft er vor, die Zeichnungen ohne eine Triage zu verbieten. «Diese unterlassene Abwägung halte ich für verheerend – und für einen Widerspruch zur Bundesgerichtspraxis.»
Andersen hält sich an das Verbot. Für SonntagsBlick hat er die obenstehende Karikatur über sein Gezänk mit Sepp Blatter entworfen. Stilistisch lehnt er sich dabei an «The Platter Cartoons» an.Publiziert am 15.12.2013 | Aktualisiert am 15.12.2013