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Amith aus Indien (Front Desk Manager), Socorro auch aus Indien (2nd Cook), Julia und Alona aus der Ukraine (Waiters), Vince von den Philippinen (Steward) und viele Crewmitglieder mehr (insgesamt 1’200 für 2’600 Passagiere) kümmern sich um das Wohl der Passagiere. Die einen mit viel Freude, die anderen sind bemüht, Freude zu vermitteln.
Ich denke, an kaum einem anderen Ort können die Mentalitätsunterschiede besser studiert werden als auf einem Schiff. Die Inder haben stets ein Lächeln im Gesicht. Sie scheinen einfach zufrieden mit der Situation auf einem Kreuzfahrtschiff zu sein und lassen das den Gast entsprechend spüren. Und das trotz der schwierigen Situation, in der sie leben. Die Familie weit weg, die Kommunikation schwierig, obwohl sie technisch kein Problem darstellt. Aber die Angestellten sparen jeden Dollar, den sie dann zuhause dafür verwenden wollen, ihren Traum zu verwirklichen.
Die Mexikaner, deren Köpfe doppelt so breit sind, wie die der Rumänen, leben in einer eigenen Welt. Manchmal konnte man das Gefühl bekommen, sie wären eigentlich nur da, um durch die Menschen hindurchzusehen. Die Rumänen wieder versuchen in jedem Gespräch einzuflechten, es wären nicht alle Diebe und Vagabunden.
Die Zusammenarbeit zwischen Ukrainern und Russen stelle ich mir in der aktuellen Lage in der Ukraine schwierig vor. Obwohl mir oft danach war zu fragen, vermied ich es tunlichst. Die bezaubernden Lächeln wären vielleicht aus ihren Gesichtern verschwunden.
Ed wird viel dazu beigetragen haben, dass die halbe Crew mich kannte (oder Ed); und schnell sprach sich auch herum, dass ich Schweizer bin. Ein amerikanischer Professor im Ruhestand beschied mir eine akzentfreies Englisch, was als Grund für den „Schweizer“ wegfällt. Amith, der es mit mir wegen der leidigen Kabinengeschichte zu tun bekam, sagte mir später, dass ich der einzige Gast mit einem Schweizerpass sei (was aber noch nicht abschliessend Auskunft gibt, ob ich tatsächlich allein aus der Schweiz auf dem Schiff war. Die deutsche Sprache jedenfalls hörte ich nie. Der Einfachheit halber stellte ich mich als Chris vor, obwohl auf diesem Schiff die Anrede mit dem Nachnamen gilt. Diese Tatsache wiederum wirft die Frage auf, wie das bei den Japanern mit ihren Namen funktioniert und der Mehrheit der Amerikaner eher sauer aufstösst. Für die Amerikaner ist einfach klar, dass sie sich mit dem Vornamen ansprechen. Nun aber wieder zurück zum Ursprung der Geschichte und den Unterschieden. Während die Südamerikaner möglichen Gesprächen aus dem Weg zu gehen versuchen, sind die Ukrainer, die Inder und auch ein Teil der Filipinos darauf aus, mit möglichst allen ins Gespräch zu kommen. War es das Reiseziel, das eher introvertierte und gesprächsscheue Gäste anlockte? Oder ist der Grund im hohen Durchschnittsalter zu suchen? Jedenfalls dachte ich bei vielen Passagieren, dass sie nur unter Androhung von Prügel die Reise mitmachten.
Es sprach sich unter den Küchenangestellten beim Selbstbedienungsrestaurant, wo ich jeweils frühstückte, und beim Grill, wo ich mich dreimal zu einem Spezialburger à la Socorro überreden liess, schnell herum (oder Socorro erzählte es einfach allen, die es wissen oder nicht wissen wollten), dass er mich zu seinem Spezialfreund erkoren hat. So kam ich zum Frühstück in den Genuss seiner Spezialomelette (mit Lachs, Pilzen und Zwiebeln) und Papaya (waren mir die Mitreisenden neidisch, weil die gab’s nicht am Buffet) oder seines Spezialburgers mit einer Kreativsauce, die auch wieder eine gehörige Portion Zwiebeln enthielt. Die Spezialburger führten dazu, dass ich mich nach deren Genuss jeweils für eine Stunde von jeglichen menschlichen Geschöpfen fernhalten musste. Aber ich konnte ihm den Wunsch, mir einen Spezialburger zu braten nicht abschlagen. Sein treuherziger Blick, gepaart mit den Gesten offenen Willkommenseins waren Grund genug, direkten Weges auf ihn zuzusteuern. Lustig und herzig zugleich war es jeweils beim Frühstück. Ich war noch nicht im Bereich des Essensbuffets wurde bereits nach Socorro gerufen. Und wie er strahlen konnte. Es schien, als wäre er vor einem riesigen Geschenkeberg zum Geburtstag. Nein, es war keine kindliche Freude. Aber ich denke, es beschreibt ihn trotzdem gut.
Stay tuned.