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Wie sehen die Perspektiven und das Potenzial der Tiefengeothermie in der Schweiz aus?
Die Stromerzeugung mittels Tiefengeothermie ist eine Technologie, die im geologischen Kontext der Schweiz noch nicht erprobt wurde, und ihre Perspektiven sind daher noch ungewiss. Wenn ihre Entwicklung wie vorgesehen verläuft, könnte die Tiefengeothermie letztlich fast 4,4 TWh (d. h. zwischen 6 und 9%) zu unserer Stromversorgung im Jahr 2050 beitragen. Hingegen ist die Geothermie mittlerer Tiefe zur Wärmeerzeugung in der Schweiz etabliert, insbesondere für die Fernwärme und Thermalbäder.
Je tiefer man in den Untergrund bohrt, desto höher ist die vorgefundene Temperatur. Die Tiefengeothermie gewinnt Wärme mit hoher Temperatur (100-300 °C) aus dem Erdinneren, um daraus entweder nur Strom oder Strom und Wärme (Wärmekraftkopplung) zu erzeugen. Einer der Vorteile der Tiefengeothermie liegt darin, dass sie kontinuierlich Strom liefern kann, weil diese Energie – im Gegensatz zur unregelmässigen Produktion der Wind- und Solarenergie – unabhängig von den Wetterbedingungen ständig verfügbar ist.
Weltweit wurden geothermische Kraftwerke für die Stromerzeugung v. a. in Gebieten mit starker tektonischer und vulkanischer Aktivität errichtet, in denen in Oberflächennähe (weniger als 500 m Tiefe) hohe Temperaturen zu finden sind. Ende 2010 waren 11 GW Stromleistung installiert, v. a. in Kalifornien, den Philippinen, Indonesien, Mexiko und Italien. Das ist ein bedeutender Beitrag im Vergleich zur Leistung unseres Kernenergieparks von 3,4 GW .
In der Schweiz muss man 3 bis 5 km tief bohren, um auf Temperaturen zu stossen, die für die Stromerzeugung genügen. Die Bohrung in so grossen Tiefen stellt aber eine grosse technische Herausforderung und ein bedeutendes wirtschaftliches Risiko dar. Diese ungünstige Ausgangslage ist nicht sehr attraktiv für private Investoren. Dazu kommen die Risiken von Erderschütterungen, die potenziell von den Bohrungen ausgelöst werden können und die Problematik der Zustimmung der Bevölkerung [→ F48]. Die Entwicklung der Geothermie in der Schweiz wird heute v. a. durch die schwierige Finanzierung und das Fehlen von erfolgreich abgeschlossenen Projekten gebremst, obwohl in Süddeutschland bereits sieben Kraftwerke in Betrieb und zahlreiche andere in Planung sind.
Im Jahr 2014 wurde in der Schweiz nur die Geothermie in mittlerer Tiefe (600–1500 m) genutzt. Davon profitieren eine gewisse Anzahl von Thermalbädern sowie das Fernwärmenetz in Riehen im Kanton Basel, das seit mehr als 20 Jahren betrieben wird. Für die Stromerzeugung ist die Tiefengeothermie hingegen noch nicht ausgereift genug, um bis zur Stilllegung unserer Kernkraftwerke einen bedeutenden Beitrag leisten zu können, es sei denn, sie macht in den kommenden Jahren einen Entwicklungssprung. Derzeit sind 5 Projekte in Planung, jedoch wurde – durch die vorzeitige Einstellung der Projekte in Basel und in St. Gallen aufgrund von Erdbeben – die Entwicklung dieser Technologie stark gebremst [→ F62]. Ausserdem fehlt momentan eine detaillierte Evaluierung der Ressourcen der Tiefengeothermie und ihres Betriebspotenzials.
Angesichts des grossen Potenzials dieses Energieträgers bleibt die Tiefengeothermie trotzdem eine der erneuerbaren Technologien, die weltweit langfristig gesehen eine bedeutende Rolle spielen könnte – auch in der Schweiz.
Quellen
- Geothermal Energy News (2018)
- Geothermal Energy News (2018). Think GeoEnergy. [Online]. Available at: https://www.thinkgeoenergy.com/.
- Goldstein, BA and Hiriart, G and Tester, J and Bertani, B and Bromley, R and Gutierrez-Negrin, L and Huenges, E and Ragnarsson, A and Mongillo, A and Muraoka, H et al. (2011)
- Goldstein, BA and Hiriart, G and Tester, J and Bertani, B and Bromley, R and Gutierrez-Negrin, L and Huenges, E and Ragnarsson, A and Mongillo, A and Muraoka, H et al. (2011). Great expectations for geothermal energy to 2100.
- International Energy Association (IEA) (2010)
- International Energy Association (IEA) (2010). Renewable energy essentials: Geothermal.
- Office fédéral de l'énergie (OFEN) (2013)
- Office fédéral de l'énergie (OFEN) (2013). Perspectives énergétiques 2050.