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Die Vorgeschichte war lang und nicht immer einfach. Evangelisch-St. Georgen wurde pfarramtlich links der Steinach lange von St. Leonhard aus, rechts der Steinach vom Linsebühl aus betreut. In den 1930er Jahren wuchs mit zunehmender Bevölkerung und in einer damals ökumenisch weniger freundschaftlichen Atmosphäre als heute der Wunsch nach einem eigenen kirchlichen Raum.
1938 wurde eine Architekturwettbewerb durchgeführt. Für weitere Realisierungsschritte fehlten jedoch die Mittel. Zugleich lehnte die Kirchgemeinde St. Gallen C aber den Vorschlag, zwecks Kostenersparnis ein bestehendes Gebäude zu kaufen und zu einem Pfarrhaus mit Wohnung und Versammlungssaal umzubauen, 1941 ab. Es sollte nicht einfach eine billige Lösung realisiert werden. Während der Kriegsjahre blieb das Projekt wegen Materialknappheit und -teuerung auf Eis. 1945 konnte die Kirchgemeinde immerhin den Bauplatz an der Demutstrasse erwerben. 1946 sah sich die Kirchgemeinde schliesslich in der Lage, den Bau zu beschliessen. Er wurde nach den Plänen von Architekt Heinrich Riek zügig durchgeführt. Am 26. Oktober 1947 konnte das Haus den St. Geörgler Reformierten festlich übergeben werden.
Seit nunmehr 75 Jahren wird das Haus rege benutzt. Im Bestreben, die Verwendung des Hauses laufend den Bedürfnissen anzupassen, wurde seither vieles renoviert oder ergänzt: So wurde 1965 auf der oberhalb gelegenen Kachelstatt ein vierstimmiges Geläute installiert, 1992 auf der Nordostseite des Hauses dank einer Spende das von Alfred Kobel gestaltete «Emmaus-Fenster» eingebaut, um die Jahrtausendwende folgte ein Lift, und 2011/12 schliesslich unter der Leitung von Paul Meier eine umfassende Renovation, die das Gebäude aufhellt und zugänglicher macht, zusätzliche Kursräume und hinter dem Haus eine vielfältig nutzbare «Piazza» schuf und weitere neue Funktionen ermöglicht.
Nicht realisiert wurde dagegen die in den 90er Jahren zeitweise erwogene Errichtung eines eigentlichen Kirchengebäudes, da bereits zu jener Zeit die Unterhaltslasten für die bestehenden historischen Kirchen die Kirchgemeinde zunehmend schwer belasteten.
Beachtung fand vor wenigen Jahren sodann der Einbau einer amerikanischen Wurlitzer-Orgel – eines von nur drei Exemplaren dieses Orgeltyps in der Schweiz. Sie genügt allen kirchlichen Bedürfnissen hervorragend, kann aber, weil sie zusätzliche klangliche Möglichkeiten in sich birgt, ihrer ursprünglichen Bestimmung gemäss auch als Tonspur von Stummfilmen dienen. Bis zur Covid-Pandemie konnten so im Kirchgemeindehaus mehrfach Stummfilmkonzerte aufgeführt werden, was in Zukunft hoffentlich wieder möglich sein wird.
Kirchgemeinde, Kirchkreiskommission und Pfarramt sind täglich bestrebt, das Kirchgemeindehaus der St. Geörgler Kirchbürgerschaft, dem Dorf insgesamt und in ökumenischer Freundschaft namentlich auch den katholischen Mitchristen bedarfsgerecht, flexibel und neuen Anliegen offen zur Verfügung zu halten.
Christoph Rohner
Der Verfasser dankt Felix Reifler und Pfr. Markus Unholz bestens für ihre ausgezeichneten Vorarbeiten.
Zum Jubiläumsfest am 4. November und zum Jubiläumsfestgottesdienst am 6.November lesen Sie Näheres unter der Rubrik «St. Georgen».
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