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Brief von Georg Jenatsch und Blasius Alexander an Hans Georg Pebia
Der 1596 geborene Prädikantensohn Georg Jenatsch lebte in Silvaplana. Nach theologischen Studien in Zürich und Basel amtete er als Pfarrer, u.a. 1618-1620 in Berbenno (), das an der konfessionellen Grenze lag. 1618 gehörte er zum Kreis jener , die ein verstärktes Engagement im Kampf gegen die spanisch-österreichische Partei forderten. 1620 entkam er mit seiner Familie nur knapp dem gegen die reformierten Bündner gerichteten Veltliner Aufstand, vertauschte die Bibel mit dem Schwert und wurde Gefolgsmann der venezianischen Partei. In deutschen und venezianischen Diensten stieg er zum Oberst auf, in französischem Sold nahm er 1624 und 1635 an der Rückeroberung des Veltlins teil. Da die Franzosen nicht bereit schienen, den Bündnern die Untertanenlande zurückzugeben, beteiligte er sich an geheimen Verhandlungen mit Habsburg. 1635 konvertierte er zum Katholizismus. 1637 befehligte er den Aufstand, der zur Vertreibung der Franzosen führte. In der Nacht vom 24. auf den 25. Januar 1639 wurde Jenatsch in einem Churer Gasthaus unter rätselhaften Umständen ermordet und danach in der Churer Kathedrale beigesetzt.
Die Geschichtsschreibung des 17. bis 19. Jahrhunderts setzte sich kritisch mit ihm auseinander. Zu einer heroischen Figur und immer mehr auch zu einer Allegorie des bündnerischen Freiheits- und Unabhängigkeitsstrebens wurde er erst mit Conrad Ferdinand Meyers 1876 erschienenem Roman "Jürg Jenatsch", wobei sich der literarische Jenatsch deutlich vom historischen abhob. Seit den sechziger Jahren äussern sich die Historiker wieder kritischer. Er wird als eine für seine Zeit typische Persönlichkeit angesehen, die von Ehrgeiz, Opportunismus und Leidenschaft getrieben war.
Der hier zu transkribierende Brief wurde im Dezember 1620 in Davos von Jenatsch und seinem Freund Blasius Alexander, der ebenfalls im Veltlin als Pfarrer amtete, an Georg Pebia in Zürich, Zahlmeister des venezianischen Gesandten, geschrieben. Nach dem von Spanien unterstützten Veltliner Aufstand im Juli versuchte Frankreich, durch Verhandlungen die Untertanenlande für Bünden zurückzugewinnen. Jenatsch und seine Partei wollten aus eigener Kraft und mit Hilfe Venedigs die Rückgabe erzwingen. Der mehrheitlich spanisch gesinntewollte seinerseits selbständig mit Spanien-Mailand und mit Frankreich verhandeln. Diese Epoche, in der konfessionelle Spannungen und kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den Koalitionen Frankreich-Venedig und Spanien-Österreich herrschten, ist auch als Zeit der "Bündner Wirren" bekannt.
Suggested citation
Immacolata Saulle/Sandro Decurtins: Ad fontes, Transkriptionsübung: Brief von Georg Jenatsch und Blasius Alexander an Hans Georg Pebia, CC-BY, URL: https://www.adfontes.uzh.ch/373210/