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Vor 100 Jahren brannte das Hotel Bad ab
Autor: Moritz Boschung
Ursache des Brandes, war wohl, wie die Tagespresse meldete, ein unsachgemäss repariertes Kamin. Die herbeigeeilte Feuerwehr Plaf-feien konnte auch nichts mehr ausrichten ausser die Nebengebäude schützen. Auch das im Hotel untergebrachte Postbüro erlitt grosse Verluste.
1784: ein erstes Badehaus
Das Hotel Bad, welches 1910 in kurzer Zeit niederbrannte, war bereits das zweite Badehaus an diesem Ort. Das erste wurde von Peter Schuwey aus Plaffeien erbaut. Er erwarb 1777 das Ramserli, wo sich eine Quelle befand, deren Wasser sich bei gewissen Kranken als sehr günstig erwies und bei den einen eine Heilung, bei den andern eine Besserung des Gesundheitszustandes brachte. Schuwey bemühte sich bei der Freiburger Regierung um die Erlaubnis, hier eine Badeanstalt zu errichten. Nachdem der Rat in Freiburg die Qualität des Wassers durch zwei Ärzte hatte untersuchen lassen und auch die Kreditwürdigkeit Schuweys gegeben war, gewährte die Regierung einen Kredit für den Bau einer Badeanstalt.
Schuwey benötigte allerdings noch einen zweiten Kredit, den er von der Regierung ebenfalls erhielt, bevor er 1784 definitiv die Badeanstalt eröffnen konnte. Um das Jahr 1786 soll auch eine, historisch jedoch nie nachgewiesene, Kapelle erbaut worden sein.
Dürftiges Badehaus
Der Erfolg der Badeanstalt war zunächst mässig, nicht nur der schlechten Gebäudequalität wegen, sondern auch wegen des mühsamen Zugangs von Zollhaus zum Schwarzsee. So rühmte Dekan Bridel im Jahre 1797zwar die heilsame Wirkung des Quellwassers etwa bei Rheuma, bei Verstauchungen und Hautkrankheiten.
Doch fand er für das Badehaus nur abschätzige Worte, bezeichnete es als «ungemütlichen und widerwärtigen» Bau. Immerhin wurde von den damaligen Besuchern die ausgezeichnete Fischqualität – vor allem Forellen und Hechte -geschätzt!. Aber offenbar war die Kritik von Dekan Bridel nicht unberechtigt gewesen, denn am 2. April 1804 stürzte dieses erste, nicht solide gebaute Badehaus infolge eines Erdrutsches – nach andern Quellen war es eine Lawine – ein.
1810: ein Hotel Bad
Trotz einer von den Behörden bewilligten allgemeinen Kollekte für die beiden in Not geratenen Besitzer, Peter Schuwey, Badbesitzer, und Benz Stempfel, Landbesitzer, kam nicht genügend Geld zusammen, um einen Neubau des Bades zu wagen.
Doch 1808 ergriffen die Brüder Jakob und Franz Blanc aus Freiburg die Initiative und stellten ein Baugesuch für ein Badehaus, das nicht weniger als 36 Zimmer, zwei grosse Säle, 22 Bäder, einen gewölbten Keller und Büros aufweisen sollte. Das Gesuch zum Hotelbau wurde bewilligt.
1810 mit der Eröffnung des Bades erhielten die Brüder Blanc auch das Wirtschaftsrecht auf ewige Zeiten – und etwas später zudem eine Tanzbewilligung. Zusammen mit der auch noch errichteten Kegelbahn war das Hotel Bad jetzt sehr attraktiv und ein grosser Anziehungspunkt geworden, vor allem auch noch nachdem ab 1828 nach dem Bau der Strasse vom Zollhaus her der Zugang erleichtert war. Berühmte Besucher stiegen ab, aber auch das gewöhnliche Volk fand hier ein Stelldichein.
1866-1869: Erneuerung, Vergrösserung und Komfort
1852 ging das Bad von den Gebrüdern Blanc an ihren Schwiegersohn Johann Richter, der «das Badehaus und die Wohnung mit eingemauertem Kessel» wahrscheinlich 1865 an Staats- und Nationalrat Alfred Vonderweid verkaufte. Es wies damals einen Schatzungswert von 20 300 Franken auf.
Er liess das Gebäude vollständig erneuern und vergrössern und brachte auch Komfort ins Haus. Alle Zimmer wurden neu möbliert, im Erdgeschoss und im ersten Stock kam ein Esssaal dazu, von welchen aus sich eine schöne Sicht auf den See bot. Die teilweise Erhöhung um einen Stock ermöglichte jetzt 66 Zimmer. Neu gab es einen mit einem Türmchen versehenen Anbau mit einem Versammlungssaal, einem kleinen Salon, einem Billardzimmer, separates Restaurant. Auch Klavier und Musikinstrumente standen zur Verfügung, ebenso Bücher und in- und ausländische Zeitungen.
20 Badewannen
Was das eigentliche Bad betrifft, verfügte das Haus jetzt über 15 Badezimmer mit 20 Badewannen zumeist aus Zink, einem Duschraum, wo auch Dampf-, Balsam- oder Duftbad möglich waren. Fürs Baden konnte man dank der hauseigenen schwefel- bzw. eisenhaltigen Quelle zwischen schwefel- oder eisenhaltigem Bad wählen. Die Duft-, alkalischen, Molke- oder ganz gewöhnlichen Wasserbäder standen in jeder gewünschten Wärme zur Verfügung.
Imposante Parkanlage
Entsprechend dem Hauskomfort wurde auch Wert auf eine gediegene Parkanlage gelegt. Sie sollte allen Bedürfnissen der Gäste, ob krank oder gesund, genügen. Bäume, Gebüsche und Spazierwege. Ruhebänke und auch ein Spritzbrunnen ermöglichten einen angenehmen Aufenthalt im Freien.
Auch die 1840 erbaute, noch heute bestehende Marienkapelle gleich unterhalb des Hotels wurde in diesen Park einbezogen. Im Seeufer errichtete man einen abgesicherten, eingezäunten Badeplatz für das Freibad. Auch ein kleiner Hafen mit zehn Schiffchen fehlte nicht, damit sich die Gäste dem Fischfang widmen konnten. Der Schatzungswert der Anlage war damit auf 100 000 Franken gestiegen.
Das Ende des Hotels Bad
Nach dem Tod von Alfred Vonderweid 1881 ging das Bad an seine Kinder über. Danach folgten sich «Collectif Gesellschaften», Société des Bains du Lac Noir, Private und Konsorten als Besitzer. 1909 erwarb Johanna Susanna Gutierrez geb. Melly, wohnhaft in Villars-sur-Ollon VD, die Liegenschaft, wobei das eigentliche Badehaus auf rund 110 000 Franken geschätzt wurde. Nach dem Brand von 1910 betrug der Schatzungswert gerade mal noch 133 Franken!
Das Bad wurde in der Folge nicht wieder aufgebaut. Doch wurde nach dem Brand die ehemalige, etwas weiter hinten gelegene Dépendance des ehemaligen Hotels Bad zur Wirtschaft mit Wohnung ausgebaut. Die Besitzer der Liegenschaft inklusive Quellen wechselten noch mehrmals, ehe 1965 der heutige Besitzer Eduard Neuhaus die Liegenschaft erwarb. Er baute sie weiter aus und machte sie zu dem, wie sie sich heute präsentiert.
Quelle wieder nutzen?
Der Ursprung des Bades ist der schwefelhaltigen Quelle zuzuschreiben. Mehrere Expertisen haben schon im 18. und 19. Jahrhundert die gute Qualität und die heilende Wirkung des Wassers bestätigt. Es bleibt die Frage, ob sich das Wasser, dessen Quelle sich heute noch eindeutig feststellen lässt, auch qualitativ heute für die Nutzung eignen würde. Das anerkannte UTW Umweltlaboratorium Weinfelden kam im Jahre 2001nach eingehenden chemisch/physikalischen und bakteriologischen Untersuchungen zum Ergebnis, dass «die schwefelhaltige Quelle genutzt werden kann, und zwar sowohl als Mineralwasser als auch als Heilwasser». Wer wagt sich also an die Nutzung?
Wichtigste Quellen: Kataster von Plaffeien im Grundbuch, Brandkataster im Staatsarchiv, Beiträge zur Heimatkunde 1947, FN 30. Juni 1910, La Liberté 29 juin 1910, Freiburger Volkskalender 1911, NEF 1879, Héliodore Raemy: Sources minérales et bains du Lac Noir (1868), Untersuchungsbericht zu den Schwefelquellen der Umwelt-Technik-Weinfelden AG (2001).