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Im Rahmen der von Silvia Claus, Dorothee Huber und Beate Schnitter herausgegebenen Lux Guyer-Monografie entstand ein Aufsatz über das undogmatische Verhältnis von Form und Funktion, das sich durch das Werk der wegweisenden Architektin zieht.
In der Einleitung wird der Aufsatz folgendermassen umrissen: «Zwischen 1927 und 1933 realisierte Lux Guyer zahlreiche Wohnhäuser, die nicht zuletzt wegen ihrer innenräumlichen Qualitäten neue Akzente in der Wohnhausarchitektur der zwanziger Jahre setzten. Die meisten von ihnen stehen an der damals noch ländlichen ‘Goldküste’ in Küsnacht, wenige Kilometer von der Stadt Zürich entfernt. Lux Guyers Recherche konzentrierte sich darauf, die Wohnbedürfnisse einer relativ gut situierten – bereits motorisierten – Klientel in neue Formen zu giessen. Die meisten der Häuser erstellte sie in eigener Regie mit dem Ziel, sie danach zu verkaufen. Vor diesem Hintergrund wird klar, dass sich das architektonische Experimentierfeld gezwungenermassen innerhalb des ästhetischen Kanons eines ‘guten Geschmacks’ zu bewegen hatte.
Im Folgenden soll der Frage nachgegangen werden, wie sich diese Versuchsanordnung in der innenräumlichen Disposition eines bürgerlichen Wohnraumprogramms der zwanziger Jahre niederschlägt. Ausgehend von klassischen Ordnungsprinzipien – Symmetrien, Raumfolgen – und einem modernen Verständnis von Funktion entwickelte Lux Guyer eine Reihe von architektonischen Themen und Räumen, die in dieser Form neu waren. Zum einen sind dies über den Gebrauch definierte Dispositive wie Halle und Atelier, zum anderen gab sie den Häusern über die Koppelung von Räumen, der Überlagerung von verschiedenen Nutzungszuständen und der Ausdifferenzierung mit Nischen ein spezifisches Gepräge. Dass diese formalen und funktionalen Attribute in engem Zusammenhang mit einer – ebenso modernen – konstruktiven Recherche stehen, gibt der Architektur von Lux Guyer eine zusätzliche Dimension. Lux Guyers Raumfiguren beruhen, wie gezeigt werden soll, auf einem facettenreichen, undogmatischen Zusammenspiel von Form und Funktion.» (aus: op. cit. S. 61-73)