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Viele von uns haben bereits mit den Beschwerden einer Sehnenentzündung Bekanntschaft gemacht. Je nach Phase der Beschwerden reicht eine Ruhephase nicht aus, doch wie behandelt man eine solche Verletzung? In diesem Beitrag wird zuerst die Physiologie der Sehne thematisiert, denn erst wenn man die Grundlagen des Sehnenaufbaus verstanden hat, weiss man wie Sehnenproblemen behandelt werden. Zum anderen werden Vorgehensweisen der Behandlung angesprochen und praktische Übungen mitgegeben.
Wie ist eine Sehne aufgebaut?
Eine Sehne besteht aus Bindegewebe (hauptsächlich aus Kollagen), welche als Übergang zwischen der Muskulatur und der Knochen fungiert. Das heisst, dass jeder Muskel an beiden Enden über eine Sehne am Knochen verbunden ist, dieses Verbindungsstück kann entweder sehr kurz oder auch sehr lang sein, so dass man durch Tasten den Sehnenstrang fühlen kann. Die jeweiligen Kollagenfasern der Sehne sind immer in der Belastungsrichtung der Sehne ausgerichtet, so dass diese ihre maximale Funktion ausführen kann. Sehnengewebe ist arm an Zellen und schlecht durchblutet, das heisst, dass die Regenerationszeit der Sehne langedauert. Um die Sehne besser zu durchbluten, müssen wir uns bewegen und die Sehne belasten. So kann sich die Sehne nach einem längeren Zeitraum und je nach Verletzungsgrad selber regenerieren. Um die Kraft der Sehnen zu veranschaulichen, hilft ein Beispiel am besten: Die Achillessehne gehört zu den stärksten Sehnen in unserem Körper und kann einer Zugbelastung von bis zu einer Tonne standhalten. Dies zeigt die Wichtigkeit der Arbeit der Sehnen auf. Wird eine Sehne übermässig oder nur einseitig beansprucht, können schmerzhafte Entzündungen entstehen.
Verschiedene Stufen der Sehnenentzündung
Wie bereits oben beschrieben, treten Sehnenentzündungen (Tendinopathie) bei übermässig belasteten Sehnen auf, häufige Beispiele dafür sind Entzündungen an der Achillessehne, Patellarsehne, Bizepssehne, den Adduktoren oder an den Hamstrings. Oft werden diese Überlastungen bei Bewegungen, wo die Sehne die Energie speichern und übertragen muss ausgelöst, wie zum Beispiel bei Sprüngen.
Die Tendinopathie äussert sich oft mit sehr lokalen Schmerzen während und nach der Aktivität, es kann auch eine leichte Schwellung auftreten. Oft können diese Beschwerden mit einem guten Warm-Up gelindert werden, denn oft haben die Betroffene Anlaufschwierigkeiten nachlängeren Ruhepausen.
Die Sehnenentzündung wird als Kontinuum beschrieben, das drei Stufen umfasst: die reaktive Tendinopathie, Tendon Dysrepair (Sehnenverfall) und die degenerative Tendinopathie. Jede dieser Stufe äussert sich verschieden. Bei der reaktiven Tendinopathie sieht man, dass die neu gebildeten Zellen ihre Form verändert haben, jedoch bleibt die Integrität der Sehne erhalten. Die Sehne kann sich in dieser Stufe leicht verdicken, was vor allem nach einer Belastung auf die Sehne der Fall sein kann. Als Reaktion darauf müssen wir die Belastung verringern, sodass sich die Sehne wieder vollständig von der reaktiven Phase in die «normale» Phase zurückkehren kann. Wird die Belastung jedoch nicht verringert sondern fortgesetzt, kommt die Sehne in die nächste Phase der Tendon Dysrepair. Als Reaktion darauf produzieren die Zellen in der Sehne mehr Proteine, was die Ausrichtung der Kollagenfasern in der Sehne desorganisiert. Dieses Phänomen kann man auf einem MRI oder mittels Ultraschalles beobachten. Diese Phase kennzeichnet sich durch die länger bestehenden Schmerzen und oft treten auch Beschwerden am Morgen nach einer Überlastung auf. Auch in diese Phase ist die Rückkehr in die «normale» Phase möglich, in dem die Belastung runtergefahren und angepasst wird. Das letzte Stadium des Kontinuums die degenrative Tendinopathie hat eine schlechte Prognose. Die bereits geschehenen Veränderungen in der Sehne werden sich nie mehr vollständig zurückbilden. Es kann eine dauerhafte Verdickung der Sehne beobachtet werden, was als Nodulus bezeichnet wird. Meist beschränkt sich diese Verdickung nur auf einen Teil der Sehne und selten auf die ganze Sehne. Im MRI oder im Ultraschall kann dieses Gebiet gut lokalisiert werden, um das degenerative Gewebe liegt oft bereits wieder gesundes Gewebe. Diese Phase trittmeist bei älteren Menschen auf, die schon öfters Probleme mit der Sehne hatten oder bei jungen Sportlern, welche die übermässige Belastung fortgesetzt haben.
Behandlung
Wie wir nun wissen, braucht die Sehne zu Beginn Ruhe, jedoch wird sie sich nur durch Ruhe nicht regenerieren. Die Ruhe ist zu Beginn nötig, damit man die Schmerzen lindern und um die reaktive Phase zu beruhigen. Je nach Ort der Sehne können das verschiedene Reduktionen der Belastung sein bei der Patellarsehne zum Beispiel sollten tiefe Kniebeugen vermieden werden. Um nach der kurzen Belastungspause die Belastung wiederaufzunehmen können isometrische Übungen in der frühen Phase sehr hilfreich sein. Das heisst, die Sehne wird belastet, aber ohne ihr ganzes Bewegungsausmass zu nutzen. Ein Beispiel für eine isometrische Übung bei einer Achillessehnenentzündung ist nur auf dem Vorfuss stehen und in einen leichten Zehenstand zu gehen, diese Position sollte 20-40 Sekunden gehalten werden können. So wird die Sehne wie beschrieben zwar belastet aber nicht komplettkomprimiert, was für diese Struktur sehr angenehm ist. Wenn dann der Hauptschmerz ein wenig nachgelassen hat, kann man beginnen die Belastbarkeit wieder langsam zu steigern. Empfohlen wird das zusammen mit einer Physiotherapeutin, einem Physiotherapeuten, einer Trainerin oder einem Trainer zu machen. Denn jede Übung sollte individuelle an die Beschwerden der Betroffenen angewendet werden und auch an das jeweiligen Kraft- und Beweglichkeitsniveau angepasst werden. Die Übungen sollen anstrengend sein und können auch leichte Schmerzen auslösen, diese sollten aber auf einer Skala von 1-10 nie über 4/10 steigen. Oft bemerken Betroffene schnell, wenn sie zu vielbelasten, dass die Schmerzen schnell wieder zurückkommen. Wenn dies der Fall ist, muss die Belastung wieder leicht runtergefahren werden und sich überlegen, was die Schmerzen ausgelöst hat, um diese schrittweise aufzubauen. Nach dieser Belastungsreaktion sollten sich die Schmerzen je nach Phase wieder schnell beruhigen.
Erst wenn einfache isolierte Übungen schmerzfrei ausgeführt werden können, sollte mit Übungen begonnen werden, welche die Fähigkeit der Sehne verbessern, Beispiele dafür sind: Joggen, Springen, Richtungswechsel etc. Da die Sehne sehr langsam reagiert, ist der Verlauf für die Betroffenen meist sehr lang und braucht viel Geduld.
Fazit
Unsere Sehnen bestehen aus Bindegewebe, genauer gesagt aus Kollagenfasern. Diese Fasern sind immer in der Hauptbelastungsrichtung der Sehne ausgerichtet. Das Sehnengewebe ist arm an Zellen und schlecht durchblutet, was dazu führt, dass die Heilungsdauer bei Verletzungen verlängert wird. Eine Sehnenentzündung (Tendinopathie) wird in drei Stufen eingeteilt: die reaktive Tendinopathie, Tendon Dysrepair (Sehnenverfall) und die degenerative Tendinopathie. Durch übermässige Belastung entsteht eine Tendinopathie, welche die Zellen der Sehne verändert. Bei den ersten zwei Phasen ist es möglich, die Sehne wieder in ihren «normalen» Zustand zurück zu bringen. In der degenerativen Phase ist dies nicht mehr vollständig möglich, dabei wird wahrscheinlich eine dauerhaft verdickte Sehne zurückbleiben.
Zu Beginn der Tendinopathie macht es Sinn, der Sehne Ruhe zu gönnen und die Belastung zu reduzieren. Sobald der Hauptschmerz verschwunden ist, beginnt man aber bereits wieder mit Hilfe eines Physiotherapeuten mit dem gezielten Aufbau. Hierbei können isometrische Übungen hilfreich sein, welche die Sehne zwar belasten aber nicht ihr volles Bewegungsausmass ausnützen. Die darauffolgenden Übungen sollten anstrengend, aber nicht zu schmerzhaft sein. Erst wenn isolierte Übungen schmerzfreiausgeführt werde können, sollte mit Übungen begonnen werden, welche die Fähigkeit der Sehne verbessern, Beispiele dafür sind: Joggen, Springen, Richtungswechsel etc. Wichtig zu wissen ist, dass die Sehne viel Zeit braucht, um sich zu regenerieren. Das heisst, dass man in dieser Zeit die Geduld nicht verlieren sollte.