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Zürcher Politgeschichte online
13.03.2019 - Medienmitteilung
Vor 216 Jahren nahm das erste vom Volk gewählte Parlament im Kanton Zürich seine Arbeit auf. Das Staatsarchiv stellt in Zusammenarbeit mit dem Statistischen Amt ein neues Datenangebot bereit, mit dem sich die Entwicklung des Kantonsrats und dessen personelle Zusammensetzung bis in die Gegenwart nachvollziehen lässt.
Wie hiessen die ersten Frauen, die 1971 ins Zürcher Parlament gewählt wurden? Welche früheren Kantonsratsmitglieder wohnten in der Gemeinde Adliswil? Wie viele Sitze hatte eine bestimmte Partei vor 50 Jahren? Wie war das Zürcher Parlament am 21. Juli 1969, am Tag der ersten Mondlandung, oder an einem beliebigen anderen Tag seit 1803 zusammengesetzt? Wann genau sassen Alfred Escher, Gottfried Keller oder Christoph Blocher im Kantonsrat?
Diese und viele weitere Fragen beantwortet ein neues Datenangebot des Staatsarchivs und des Statistischen Amts. Es enthält Informationen zur Geschichte des Kantonsrats, der in den Anfängen noch Grosser Rat hiess. Erfasst sind 4500 ehemalige und aktuelle Ratsmitglieder, die zusammen bis anhin rund 6400 Amtszeiten absolvierten.
Das erste Zürcher Parlament mit 195 Vertretern wurde 1803 vom «Volk» gewählt. Stimmberechtigt waren 1803 nur Männer, die Grundstücke oder etwas Vermögen besassen. Ab 1814 konnte dann das Parlament selbst rund die Hälfte der Sitze nach eigenem Gutdünken vergeben. Erst ab 1869 wählten die Stimmberechtigten wieder alle Kantonsräte. 1917 wurden die Mehrheitswahlen, bei denen ein Kandidat mehr als die Hälfte der Stimme erreichen musste, durch Proporzwahlen abgelöst. Mit dem neuen Verfahren wählten die Stimmbürger statt Personen in erster Linie Parteilisten, auf die die Sitze anteilsmässig verteilt wurden. Dies ermöglichte auch kleineren Parteien den Einzug ins Parlament. Erst seit 1935 hat der Kantonsrat 180 Sitze. 1971 wurde im Kanton Zürich schliesslich das Frauenstimmrecht eingeführt.
Die Datensammlung bietet neben verschiedenen Visualisierungen zur Zusammensetzung des Parlaments, zur Entwicklung der heutigen Parteien, zu den Sitzanteilen oder zur Altersverteilung im Kantonsrat auch die Möglichkeit, nach einzelnen Personen zu suchen. Für vertiefte Analysen stehen die Daten auch als Excel-Datei zum Download bereit.
(Medienmitteilung des Statistischen Amts und des Staatsarchivs)