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Die vor 40 Jahren verlassene polnische Antarktis-Station AB Dobrowolski soll wieder aktiviert werden. Zu diesem Zweck verliess am 10. November 2021 ein Team von Wissenschaftlern mit dem russischen Eisbrecher «Akademik Fedorov» Bremerhaven. Sie werden in zwei Monaten den Ort der ehemaligen Station erreichen.
Wie die Forscher betonen, ist die Lage der Station weltweit einzigartig und kann wie ein Mars-Analogon angesehen werden. Das Gebiet kann als eines der wertvollsten Forschungsgebiete der Antarktis behandelt werden.
Die Expedition wurde vom Institut für Geophysik der Polnischen Akademie der Wissenschaften organisiert.
Polen verfügt über zwei Forschungsstationen in der Antarktis: die seit 1977 im Dauerbetrieb befindliche H. Arctowski-Station auf den Südlichen Shetland-Inseln und die seit 1979 ungenutzte Antoni Dobrowolski-Station in der Bunger-Oase in der Ostantarktis.
Die Forschungsstation wurde 1956 von der sowjetischen Antarktisexpedition gebaut und erhielt den Namen Oazis. Die Station wurde im Januar 1959 von der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften an die Polnische Akademie der Wissenschaften übergeben. Die Station wurde nach dem polnischen Geophysiker, Meteorologen und Polarforscher Antoni Bolesław Dobrowolski umbenannt. Die Station wurde kurzzeitig von polnischen Expeditionen bemannt, die eine Reihe von Studien vor allem in den Bereichen Gravimetrie und Geomorphologie durchführte.
Die Forschungsstation AB Dobrowolski befindet sich in der Bunger-Oase am Ufer des Algensees in der Ostantarktis. Laut den Forschern ist dieser Ort einer der größten unter den ganz wenigen Gebieten, die nicht von Eis in der Antarktis bedeckt sind. Seine Entdeckung aus der Luft im Jahr 1947 war eine Weltsensation. Die schwer zu erreichende Lage im Landesinneren war der Grund, dass russische Wissenschaftler die Station nur zwei Jahre lang nutzten. Es ist aber auch der Grund, warum die aktuelle Gruppe polnischer Wissenschaftler das Gebiet als eines der besten Orte der Welt sieht, um komplexe Studien durchzuführen.
Professor Marek Lewandowski, Leiter der Expedition, sagte in einem Interview: „Es ist ein einzigartiger Ort auf der Erde, von dem aus man die Struktur des Erdkerns auf eine Weise beobachten kann, die weder durch menschliche Aktivitäten noch durch seismische Wellen, die vom Ozean verursacht werden, kontaminiert ist. Es ist einfach ein Portal ins Innere der Erde.“
Derzeit besteht die Forschungsstation aus zwei Holzhäusern mit den Namen „Warszawa“ und „Krakau“. Es gibt auch kleinere Pavillons und einen Landeplatz, der sich 15 Kilometer von den Gebäuden entfernt befindet.
Professor Monika A. Kusiak, eine der vier Wissenschaftler, die an der Expedition teilnehmen, sagte gegenüber Radio Polen: „Um ehrlich zu sein, wissen wir nicht, was wir dort finden werden. Wir werden definitiv ein bisschen aufräumen müssen, aber wir sind Wissenschaftler und hoffen, unsere eigenen Studien durchführen zu können.“
Während ihres zweimonatigen Aufenthalts wollen die Wissenschaftler die Station so umbauen, dass sie als Basis für die Saisonforschung dienen kann. Wie sie glauben, sind die Gebäude zum Glück in einem ziemlich guten Zustand. Die Forscher wollen so viele Geräte wie möglich installieren, um automatische Messungen zu ermöglichen, unter anderem durch das Erhalten von ganzjährigen geophysikalischen Stationen (seismisch, magnetisch) auf dem Gelände, welche die Untersuchung tiefer Erdstrukturen und die Erzeugung der Erdmagnetik ermöglichen. Das Gebiet kann sogar als Mars-Ersatz dienen.
Heiner Kubny, PolarJournal