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Zichorienkaffee
(deutscher Kaffee, frz. café de chicorée, chicorée en grains, mignonnette, engl. chicory powder, succory powder); dieses allbekannte Kaffeesurrogat besteht aus den gerösteten Wurzeln von Cichorium Intybus (L.); die Wurzeln werden in Scheiben oder kleine viereckige Stückchen zerschnitten und hierauf im Darrofen getrocknet. Das Rösten geschieht entweder für sich oder mit Zusatz von 1-2% Fett in großen, den Kaffeetrommeln ähnlichen Blechcylindern.
Die geröstete Wurzel muß sofort, bevor sie durch Anziehen von Feuchtigkeit zähe geworden ist, gemahlen werden; das Pulver wird dann in Fässer oder in die bekannten kleinen cylinderförmigen Papierpackete verpackt. Diese Packete legt man in feuchte Räume, damit sie Feuchtigkeit anziehen; der Inhalt bildet dann eine dunkelbraunschwarze, zähe, bröcklige, zuweilen auch schmierige Masse. Dieselbe gibt an kochendes Wasser ca. 13-15% lösliche Bestandteile ab; der gewöhnlich etwas trübe Auszug besitzt eine sehr dunkelbraune Farbe und einen bitterlich-süßen Geschmack.
Man benutzt dieses Präparat sowohl für sich allein, als auch als Zusatz zu Kaffee zur Herstellung eines Getränkes, das allerdings mit dem Kaffee weiter nichts als die braune Farbe gemein hat. Vor andern Kaffeesurrogaten hat jedoch der Z. den Vorzug, daß er das Aroma und zum Theil auch den Geschmack selbst kleiner Mengen von echtem Kaffee weniger verändert, als dies z. B. bei Rüben, Eicheln etc. der Fall ist. Trotz seines niedrigen Preises findet man dieses Kaffeesurrogat nicht selten verfälscht, teils mit andern gerösteten Wurzeln, wie z. B. Mohren, Zuckerrüben, Löwenzahnwurzel, teils mit erdigen braunen Substanzen; ja sogar Zumischungen von Torf und Braunkohle sollen vorgekommen sein.
Zichorienwurzel gibt nicht mehr als 4½-5½% Asche beim Verbrennen, echter Z. 6-7%. Die Fabrikation von Z. kam zu Anfang dieses Jahrhunderts auf, als die Kaffeepreise auf eine bedeutende Höhe gestiegen waren; die ersten derartigen Fabriken entstanden in Braunschweig und Hannover; bald folgten solche in Magdeburg, Bremen, Berlin, Lahr, Erfurt und andern deutschen Städten. Auch in England hat sich diese Fabrikation eingebürgert. Deutschland exportiert auch einen großen Teil seines Fabrikates; Nordamerika importiert jährlich circa 3½ Millionen amerikanische Pfunde. - Zoll: Frische und gedarrte Z. zollfrei; gebrannte oder gemahlene, auch mit einem Zusatz von Mohrrüben, Zuckerrüben, Birnenmehl und ähnlichen Pflanzenteilen, jedoch mit Ausschluß der Feigen, gem. Tarif Nr. 25 p 2. Mit andern Zusätzen, z. B. von gebranntem Getreide Nr. 25 m 1.