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NHL-Saisonstart mit Martin Gerber
Morgen startet die National Hockey League erneut in Europa in die Saison, genauer in Prag und Stockholm. Im Mittelpunkt steht dabei auch der Schweizer Martin Gerber, welcher es im Tor der Ottawa Senators mit den Geschossen von Crosby, Malkin und Co. zu tun bekommt.
Wie letztes Jahr mit Jonas Hiller findet der NHL-Saisonstart in Europa auch dieses Jahr mit einem Schweizer statt. "Ich weiss noch nicht, ob ich spielen werde", sagt der Emmentaler Martin Gerber bescheiden. Dabei ist es kein Geheimnis, dass die Ottawa Senators auf ihn als Nummer eins setzen. "Gerber wird das erste Spiel bestreiten und danach schauen wir, wer am Sonntag spielt", sagt sein neuer Trainer Craig Hartsburg. Alex Auld wäre die Nummer zwei im Team. "Gerber hatte ein sehr gutes Camp, er ist ein guter Athlet und schneller Torhüter."
Von Signau in Kanadas Hauptstadt
Der 34-Jährige steht am bisherigen Höhepunkt von etwas, was man als Tellerwäscherkarriere bezeichnen kann. Von nationalen und internationalen Scouts wurde der Emmentaler lange übersehen. Von den Langnauer Junioren musste er in die 1. und 2. Liga, schaffte erst mit 22 Jahren den Sprung in die NLB. "Es lief halt bei mir immer etwas anders als bei den anderen. Ich fing ja auch erst mit 12 Jahren an, da ging halt alles ein bisschen länger und ich hatte einen Rückstand", sagt Gerber.
Dass er überhaupt zum Eishockey kam, war eher ein Geschick des Zufalls. Weil es in Langnau nicht genug Burschen für Schnuppertrainings gab, nahmen ihn Schulkollegen mit. Anfangs war er Feldspieler, erst nach einem Jahr ging er ins Tor - weil es zuwenig Torhüter hatte. Zehn Jahre später holte ihn Simon Schenk nach Jahren bei Signau und Thun zum SC Langnau zurück, im zweiten Jahr schafften die Emmentaler 1998 den Aufstieg in die NLA. Danach ging es rasant. 2000 folgte die erste Weltmeisterschaft, 2002 wurde er in seinem Schweden-Jahr Meister mit Färjestad und im Herbst darauf kam er ins Kader der Anaheim Mighty Ducks.
Morgen startet er in seiner dritten Saison als NHL-Stammtorhüter - eine hatte er mit Carolina, in seiner zweiten Saison bei Ottawa war er ebenfalls die Nummer eins. Dies trotz einer pechschwarzen Maske, durch die ihm der Name "Darth Gerber" verliehen wurde (in Ahnlehnung an den ähnlich maskierten Star-Wars-Bösewicht Darth Vader). Gestartet wird in Europa. Und Gerbers Maske hat an helleren Tönen gewonnen. Die "Sens" bestreiten in Stockholm zwei Spiele gegen die Pittsburgh Penguins, während in Prag der Victoria-Cup-Gewinner New York Rangers auf Tampa Bay trifft.
Comeback in Schweden
"Ich bin sehr gerne wieder nach Schweden gekommen. Man sieht, wie schön es hier ist", sagt der Emmentaler über seine einstige Wahlheimat, "es werden wohl schon einige Leute von hier und aus der Schweiz kommen. Leider geht alles sehr schnell und ich habe wenig Zeit."
Erst am Freitag sind die Senators vom Trainingslager in Göteborg nach Stockholm gereist um auf dem Eis der Globen-Arena zu spielen, einem Komplex in der Form eines überdimensionierten Golfballs und dem schmucken Inneren im Theaterstil, wo mittlerweile kein Club-Eishockey mehr gespielt wird. Es gilt sich, an das schmale NHL-Eisfeld zu gewöhnen. "Es ist schon auch ein Unterschied für die Goalies. Die Winkel sind anders und auch die Bullypunkte sind verschoben", zieht Gerber den Vergleich zum europäisch genormten Feld von Göteborg.
Revanche gegen Crosby und Co.?
Beim Saisonstart wird Gerber im Mittelpunkt stehen. Auf der Seite von Pittsburgh warten heisse Stürmer auf ihn, insbesondere die Superstars Sidney Crosby und Evgeny Malkin, welche nicht bloss gekommen sind, um den Europäern Autogramme zu verteilen. Die Sens sind in den letzten Playoffs gegen den späteren Finalisten mit 0:4 sang- und klanglos ausgeschieden.
"Pittsburgh ist einer der Favoriten der Ostküste, wir werden sicher geladen sein", sagt Gerber, "für uns ist es erst einmal schön, dass es endlich anfängt. Dann müssen wir wieder unser Bestes geben. Wir haben viele neue Leute bei uns und möchten auf dem aufbauen, was wir in der Vorbereitung gemacht haben."
Gegen Pittsburgh erwartet er intensive Spiele mit hohem Tempo. Pittsburgh habe gute Läufer. Mit seiner stoischen Ruhe möchte Gerber dabei in die Saison starten. Eine, die im Vergleich zur vergangenen mehr Höhen als Tiefen haben soll. Dies, zumal sein Multimillionen-Vertrag nächsten Sommer ausläuft und Gerber damit wieder auf den Markt kommt. Und neu bewertet wird.