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Autor: Frank stettler
In der langjährigen Geschichte des Murtenlaufs gab es immer wieder Seriensieger. Ernest Sandmeier (TV Neumünster Zürich) gewann in den 40er-Jahren fünfmal, genau gleich wie Hans Frischknecht (Brühl St. Gallen) in den 50er-Jahren. Gleich zwei Läufer konnten den Gedenklauf – der 1933 erstmals ausgetragen wurde und 1939 wegen des Zweiten Weltkriegs abgesagt werden musste – neunmal für sich entscheiden. Während die Schweizer Läufer-Legende Markus Ryffel, der Vize-Olympia-Sieger von 1984 über 5000 Meter, seine Erfolge zwischen 1976 und 1987 feierte, konnte der 70-jährige Werner Dössegger von 1965 bis 1973 die neun Siege gar in Serie verbuchen.
Dösseggers Schwur
Die Erfolgsstory zwischen Werner Dössegger und dem Murtenlauf kam allerdings nicht gleich ins Rollen. «1964, bei meinem ersten Start, verlor ich beim Start einen Schuh und musste diesen zunächst in der Masse wieder finden», erzählt Werner Dössegger eine seiner zahlreichen Anekdoten. «In der Folge ging ich das Rennen viel zu schnell an, und ich erreichte schliesslich den 15. Rang. Trotzdem habe ich mich in den Lauf verliebt, und ich habe mir geschworen, dass ich den Murtenlauf einmal gewinnen werde.»
Noch auf der kurzen Strecke
Dieses Vorhaben gelang Werner Dössegger, der 1972 an den Olympischen Spielen in München über 10 000 Meter am Start war und im Jahr darauf zum Schweizer Sportler des Jahres gewählt wurde, nur zwölf Monate später.
Insgesamt zwölfmal ging der Aargauer in Murten an den Start. Zu jener Zeit war die Strecke noch rund einen Kilometer kürzer (16,4 km), da sich das Ziel nicht wie heute beim Georges-Python-Platz, sondern bei der Linde am Rathaus-Platz befand. Dösseggers persönliche Bestzeit liegt bei 50:50 Minuten. Rechnet man die rund eineinhalb Minuten hinzu, die bei der neuen Strecke fällig wären, so würde die Zeit des Seriensiegers heute noch immer für Spitzenplätze reichen.
1987 bestritt der eher kleingewachsene Werner Dössegger seinen letzten Murtenlauf. «Ich war zehn Jahr zuvor letztmals gestartet, da ich Probleme mit den Knien hatte. Kollegen sagten mir, dass ich keine Chance mehr hätte, in meiner Alterskategorie zu gewinnen. Diese Wette nahm ich an und ich trainierte ein halbes Jahr. Schliesslich gewann ich in der Altersklasse der Senioren II in genau einer Stunde und einer Sekunde.» Und dies trotz seiner wohl einzigen kleinen Schwäche, den Bergab-Passagen.
Ein Siegerpreis «tickt» heute noch
Werner Dössegger erinnert sich gerne an die zahlreichen Zuschauer entlang der Strecke, insbesondere bei der Steigung La Sonnaz, wo die Leute jeweils eng Schulter an Schulter standen. Die Siegerehrungen auf der Treppe des Rathauses seien ebenso unvergesslich wie die Massenstarts mit 5000 Läufern, so der Ehrengast vom kommenden Sonntag. Geblieben sind ihm schliesslich auch die Erinnerungspreise. So tickt eine Siegesuhr aus den 60er-Jahren noch heute zuverlässig und auch Siegerpokale nennt er sein eigen: «Um einen Pokal behalten zu dürfen, musste man innerhalb von fünf Jahren viermal gewinnen.» Werner Dössegger schaffte dieses Kunststück bekanntlich zweimal.