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VIRTUOSITY ist ein Science-Fiction Thriller aus dem Jahr 1995 der mit Virtual Reality, KI und anderen damals noch kaum absehbaren modernen Errungenschaften spielt. In den Hauptrollen als verurteilter Ex-Cop Denzel Washington und als fieser Bösewicht Russell Crowe (in seinen «Vorsuperstartagen», der mit Hilfe von aufgenommenen, menschlichen Stimmen – eher Schreie – die Weltherrschaft, na sagen wir mal die über Los Angeles erringen will. Also fast wie die damals grassierende Ravemaschinerie… oder so.
Ganz dieser speziellen Ausgangslage ordnet sich die Art der Musik von Christopher Young unter, der 1995 ein geschäftiges Jahr zu bewältigen hatte und neben Hits wie SPECIES und COPYCAT auch die Scores zu TALES FROM THE HOOD und dem Justizdrama MURDER IN THE FIRST (damit ist er wohl recht knapp an einer Oscarnomination vorbei geschrammt) bewerkstelligte.
Für VIRTUOSITY stellte Young die Musik in den ersten zwei
Dritteln auf elektronische Beine, sampelte Stimmen, Schreie und andere
menschliche und unmenschliche Töne, unterlegte Tracks mit Elektrobeats und setzte
elektronische Sounds aus Synthesizern, Samplern oder von E-Gitarren in den
Vordergrund. Das mit einer mächtigen Blechbläsersektion ausgestattete Orchester
sparte Young sich für die finalen Stücke auf – und das war in der Tat clever: Nicht als sich Sid (Sadicstic,
intelligent and dangerous… oje) 6.7 alias Russel Crowe (der mehrere Dutzend
Serienkiller in seiner künstlichen Intelligenz manifestiert) als Fiesling in
der realen Welt wiederfindet, schaltet Young von «digital» auf «analog»,
sondern erst mit Track 23 («Death TV – Part 2»), wenn Sid per TV den Tod der
kleinen Karin (Kaley Cuoco aus BIG BANG THEORY in einer ihrer ersten Rollen) verkündet.
Ein wirklich kluger Schachzug von Young und vielleicht einer der besten Momente
eines gerade noch mittelmässigen Films, in dem sich Crowe als geeigneter Bösewicht
zeigt und der einige für die damalige Zeit ganz gute Spezialeffekte präsentiert.
In «V.R. Rooftop Fight» schliesslich, wenn Washington und Crowe sich gegenüberstehen, fügt Young Orchester und Elektronik zusammen. Rein aus hörtechnischer Sicht gesehen ist VIRTUOSITY keine einfache Angelegenheit: Einige der elektronischen Tracks, so filmdienlich sie auch sind, zerren doch an des Hörers Nerven. Immerhin wird man im Finale mit ein paar tollen sinfonischen Stücken belohnt, die ein bisschen an ALIENS von James Horner zu erinnern vermögen.
Nicht unterlassen werden soll der Hinweis auf die Beiträge von Peter Gabriel/George Acognys («Parker’s Theme») und den Track «Ka-Pow» von Richard Rudolph und Michael Sembello, die in der ein oder anderen Form ihren Weg in die Filmmusik fanden. In der 1993 erschienen, damals sehr gesuchten Promo-CD wurden zwei Beiträge von Peter Gabriel (dort unter «Party Man Demo» und «Safe») aufgeführt. Diese CD hatte eine Laufzeit von 43 Minuten während die jetzige Intrada Version stolze 76 Minuten Musik zeigt (ist es nicht immer wieder «verwunderlich» wie beinahe punktgenau Filmmusiken um die CD-Enddauer herum produziert zu sein scheinen?).
Jedenfalls eine durchaus kaufbare Beigabe zur Christopher Young Sammlung, die von Fans lange schon herbeigesehnt wurde.
Phil, 2.9.2019
VIRTUOSITY
Christopher Young
Intrada Special Collection
76 Min.
29 Tracks