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Infektionskrankheiten sind mit Abstand die häufigsten Erkrankungen beim Schwein. Für das Ausbrechen einer infektiösen Erkrankung sind in der Regel folgende Voraussetzungen notwendig:
- Das Vorhandensein einer bestimmten Menge krankmachender Keime.Bei einer hochansteckenden Seuche wie Maul- und Klauenseuche sindnur wenige, bei E. colibedingtem Saugferkeldurchfall einige 100 000 Erregernotwendig.
- Zudem braucht es einen empfänglichen Wirtsorganismus, wie zumBeispiel beim Ferkeldurchfall, wo die krankmachenden E. colimit ihren Fimbrien (F4, F5, F6, F18, F41) an dasDarmepithel anheften und Toxine bilden können müssen.
- Zu guter Letzt ist auch ein Immunsystem, welches (noch) nichtoder nur ungenügend auf den Krankheitserreger vorbereitet odergeschwächt ist, Voraussetzung für das Ausbrechen einerErkrankung.
Massnahmen auf Erregerseite
Bei hochansteckenden Tierseuchen wie Maul- und Klauenseuche, Schweinepest oder bei zu bekämpfenden Tierseuchen wie Enzootische Pneumonie (EP), APP oder Tuberkulose (Tbc) ist es das Ziel, den Erreger oder die Krankheit auszurotten, um die Übertragung auf weitere Bestände oder auf den Menschen zu verhindern.
Zur Erregerbekämpfung und zur Erregerreduktion werden am häufigsten Antibiotika und vermehrt auch pflanzliche Stoffe eingesetzt. Die wirksamste Massnahme zur Erregerreduktion ist allerdings das Rein-Raus-Verfahren mit anschliessender Reinigung und Desinfektion. Damit kann die Erregermenge um das Einmillionenfache reduziert werden, was die Gefahr einer Ansteckung der neu eingestallten Tiere wesentlich minimiert. Kranke Tiere produzieren sehr grosse Erregermengen und scheiden diese auch aus. Deshalb ist das Separieren kranker Tiere und das rechtzeitige Töten von Tieren, bei welchen kaum eine Heilungschance besteht, eine sehr wichtige und häufig vernachlässigte Massnahme zur Reduktion des Infektionsdruckes.
Sträflich vernachlässigt werden in der Schweiz Massnahmen zur Reduktion der Erregereinschleppung von aussen (Tierzukauf, Kontakt mit Wild- und anderen Haustieren, Schadnager- und Fliegenbekämpfung, Betreten des Stalles über eine Hygieneschleuse, Hand- und Stiefelwaschgelegenheit) respektive Massnahmen zur Reduktion der Erregerverbreitung innerhalb eines Betriebes. Mit solchen Biosicherheitsmassnahmen kann dem Einschleppen der Afrikanischen Schweinepest wirksam entgegengetreten werden.
Massnahmen auf Empfängerseite
Die genetische Krankheitsresistenzzucht wird die Schweineproduktion in den kommenden Jahrzehnten weltweit stark beeinflussen. Namhafte Zuchtorganisationen investieren viel Geld in die Forschung der Resistenzzucht gegen PRRS, Aujeszky oder APP. Die jahrzehntelange Selektion gegen E. coli F18 in der Schweiz führte dazu, dass die einst gefürchtete Ödemkrankheit heute nur noch selten vorkommt. Bei der Resistenzzucht gegen den durch E. coli F4 verursachten Saug- und Absetzferkeldurchfall steht die Forschung erst am Anfang. Seit diesem Jahr wird die E. coli F4-Resistenzzucht von der Suisag züchterisch bearbeitet.
Massnahmen auf Abwehrseite
Saugferkel kommen ohne Antikörper und Energiereserven zur Welt und sind daher auf eine frühzeitige und reichliche Energie- und Kolostrumaufnahme angewiesen. Die Überlebensrate sinkt markant, wenn Ferkel in den ersten Stunden nach der Geburt weniger als 200 bis 300 ml Kolostrum aufnehmen können. Ferkel benötigen zur Regulation der Körpertemperatur Energie und müssen zwingend Antikörper über die Milch zum Schutz vor Erkrankungen aufnehmen, weil das Immunsystem der Ferkel erst nach einigen Wochen zur Bildung eigener Antikörper fähig ist. In der Zwischenzeit lebt das Ferkel ausschliesslich von den Antikörpern, welche von der Mutter gebildet und von den Ferkeln über das Kolostrum aufgenommen werden konnten. Die Anreicherung von kolostralen Antikörpern kann durch eine Muttersauenimpfung im letzten Drittel der Trächtigkeit um ein Vielfaches gesteigert werden. Dies ist vor allem bei Jungsauen, hauptsächlich bei zugekauften Tieren sinnvoll, da diese zu wenig Zeit hatten, um sich mit der stallspezifischen Keimflora auseinanderzusetzen. Zahlreiche Studien belegen, dass Ferkel von Jungsauen ein höheres Risiko haben, an Durchfall oder Gelenksentzündungen zu erkranken und daher der Antibiotikaverbrauch bei Saugferkeln von ungeimpften Jungsauen höher ist als bei Ferkeln von Altsauen. Da kolostrale Antikörper nur ungefähr 36 bis 48 Stunden nach der Geburt ins Blut aufgenommen werden und die Antikörpermenge mit dem Wachstum der Ferkel im Serum verdünnt werden, schützen kolostrale Antikörper das Ferkel nur wenige Tage bis Wochen.
Was geschieht bei einer Impfung?
- Aktivierung des angeborenen Immunsystems an der Stelle, wo derErreger (Antigen) verabreicht wurde. Damit sich das Immunsystemgenügend lange mit dem Antigen auseinandersetzen kann, wird vielenImpfstoffen ein sogenanntes Adjuvans dazugegeben, welches an derEinstichstelle zu einer Schwellung und daher zu einerlangdawuernden intensiven Auseinandersetzung mit dem Impfstoffführt.
- Transport des Impfantigens in die Lymphknoten.
- Antigenverarbeitung und Antigenpräsentation für Zellen, welchedie Oberfläche des Antigens «scannen» und die Informationenspeichern (Gedächtniszellen).
- Aktivierung von B- und T-Lymphozyten zur Produktion vonPlasmazellen, welche Antikörper gegen das gespeicherte Antigenfreisetzen.
Antikörper sind immer erregerspezifisch und setzen eine genaue Abklärung der Krankheitsursache voraus. Zudem vergehen von der Aktivierung des Immunsystems bis zur Bildung einer belastbaren Immunität einige Wochen. Der Impfzeitpunkt richtet sich deshalb immer nach der Frage «Was will ich schützen?». Die wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Impfung sind im Kasten zusammengestellt.
Fazit
Impfungen sind ein wichtiges Instrument zur Verhinderung von Erkrankungen, zur Senkung des Antibiotikaverbrauchs sowie zur Förderung des Tierwohls. Sie setzen eine genaue Kenntnis des Krankheitserregers voraus und müssen bei einer Grundimmunisierung vier bis sechs Wochen respektive bei einer Wieder-holungs- oder «One shot-Impfung» zwei bis drei Wochen vor dem Zeitpunkt des maximal zu erwartenden Schutzes einer Impfung erfolgen. Das Impfregime sollte jeweils mit dem Tierarzt besprochen werden.