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Während die Winzlinge unter ihnen kaum an einen Berner Sennenhund heranreichen, weisen die Grossen ein Stockmass von gut einem Meter auf. Auch das ist vergleichsweise klein, was nicht weiter verwundert, schliesslich ist die Rede von Minipferden und -ponys. Die Ponys kommen dabei eher klein und gedrungen daher, während die Pferde zwar ebenfalls klein, aber deutlich eleganter erscheinen.
Sämtliche Proportionen des Körperbaues, der Knochen, aber auch alle Gangarten und Charaktereigenschaften sollen bei den «Minis» jenen ihrer grossen Verwandten entsprechen. Mittlerweile gibt es diverse Rassen im Miniaturformat, darunter beispielsweise die argentinischen Falabellas oder die britischen und amerikanischen Miniaturpferde. Die bekannteste Rasse ist jedoch das schottische Shetlandpony, das an der höchsten Stelle des Widerrists (siehe «Tierwelt» Nr. 46 / 2019) maximal 105 Zentimeter misst. Das sogenannte Mini-Shetlandpony ist mit einer Höhe von maximal 87 Zentimetern wiederum eine Zuchtform dessen.
Ihre ursprüngliche Heimat, die Shetland-Inseln, liegt rund 170 Kilometer nördlich von Schottland. Aufgrund ihrer der rauen Natur geschuldeten Robustheit, aber auch wegen ihrer Lernfähigkeit, Sanftheit und Gutmütigkeit, eroberten die «Shettys» schon vor mehr als 2000 Jahren weite Teile Nordeuropas. Anfänglich fanden sie Verwendung als Nutztiere in Zeiten der industriellen Revolution, etwa in Bergwerken und in der Landwirtschaft. Immerhin können die kräftigen Tiere das Doppelte ihres eigenen Körpergewichts ziehen. Mittlerweile sind sie auf der ganzen Welt beliebt, egal ob als Einsteigerpferd für Kinder, als Fahr- oder Therapiepony.
Noch kleiner als die Shetlandponys sind die höchstens 86 Zentimeter hohen Falabellas. Die Südamerikaner gehen ebenfalls auf die kernigen Shetlandponys zurück, haben für Ponys aber einen vergleichsweise kleinen Kopf und kleine Ohren, was sie etwas graziler erscheinen lässt. Der Grund dafür liegt in der Einkreuzung von eleganten Englischen Vollblutpferden, die speziell für Rennen gezüchtet werden.
Die Falabellas sind dafür bekannt, intelligent, lernfähig, freundlich und ruhig zu sein. Allerdings gelten sie als weniger robust und relativ anfällig für Erkrankungen. Für tatkräftige Arbeiten sind sie ebenso wenig geeignet wie zum Reiten. Sie ziehen höchstens einmal im Zwei- oder Vierspänner leichte Kutschen. Die Hauptaufgabe dieser Rasse sind Auftritte als Schau- und Modeponys. In den USA werden sie zudem häufig als Haus- und Streicheltiere gehalten.
Begehren nach Zuwendung
Eine weitere Variante ist das sogenannte Amerikanische Miniaturpferd. Es ist mit rund 86 Zentimetern genauso gross wie das Falabella und eine Kombination verschiedener Kleinpferde- und Ponyrassen. Die kleinen Pferde wirken aufgrund der ausgeglichenen Proportionen, der starken Muskulatur und der grossen Augen gerade im Vergleich zu Ponys sehr anmutig.
Anders als der Name vermuten lässt, kommt das Miniaturpferd ursprünglich nicht aus den USA, sondern aus Grossbritannien, von wo aus es im 17. Jahrhundert Einzug in viele europäische Königshäuser hielt und dort vor allem als Spielgefährte für die Kinder diente. Durch die Kriege der folgenden Jahrhunderte waren diese Gefährten irgendwann vom Aussterben bedroht. Glücklicherweise wurden einige von ihnen über den grossen Teich gebracht, wo die Rasse wieder aufblühte und dort erstmals 1888 offiziell dokumentiert wurde.
Allen Kleinen gemein ist ihre Geselligkeit und ihr Begehren nach Zuwendung. Sie wollen beschäftigt werden und brauchen Bewegung. Eigenarten, die nach denen eines Hundes klingen. Dennoch: Pferde, egal ob klein oder gross, sind kein Hundeersatz. «Ein Hund ist nicht vergleichbar mit einem Pony», stellt Sandra Schaefler vom Schweizer Tierschutz STS klar. Sie betont die komplexe Haltung. Man könne Ponys unmöglich wie ein Haustier im Garten halten, da die Tiere unbedingt Hör-, Sicht- und Geruchskontakt zu anderen Equiden haben müssten.
Nicht zu unterschätzen sind die anfallenden Kosten für Futter, Einstallung, Tierarzt, Zahnarzt, Hufpflege, Hufschmied und vieles mehr, die für herkömmliche Pferdehalter zwar gering erscheinen mögen, aber um ein Vielfaches höher sind als bei Hunden. Und das Geld muss deutlich länger aufgebracht werden, da Equiden in der Regel mehr als doppelt so alt werden wie Hunde. Auch ist nicht Weide gleich Weide. Speziell Ponys setzen schnell Gewicht an, da viele von ihnen aus einer eher kargen Region stammen, gelten sie als gute Futterverwerter. Zu fett- und proteinreiche Pflanzen auf der Weide sind aus diesem Grund tabu.
Minis haben manche Makel
Auch das Klischee des perfekten Spielkameraden ist eher ein Wunschgedanke. «Ponys können sehr eigenwillig sein und eignen sich nicht besser für Kinder, nur weil sie kleiner sind als Pferde», erklärt Schaeffler. Tosso Leeb von der Universität Bern gibt allerdings zu bedenken, dass Pferde die «gefährlichste Tierart» in der Schweiz seien, da sie für relativ viele schwere Verletzungen und sogar Todesfälle von Menschen verantwortlich seien.
Das Gefahrenpotenzial hat etwas mit der Grösse zu tun. Ein Pferd mit 500 Kilo Gewicht oder mehr sei für ein kleines Kind ungeeignet und zu gefährlich, findet Leeb. «Ein kleines Pony kommt aufgrund der Schulterhöhe und des deutlich geringeren Gewichts eher infrage und ist damit auch kinderfreundlicher.»
Wie die meisten «Zuchtprodukte» haben aber auch Minis manchen Makel. So entwickeln sich etwa Shettys sehr langsam und sollten erst ab einem Alter von vier Jahren eingeritten werden, da sonst Skelett und Muskulatur zu Schaden kommen könnten. Rassebedingt neigen sie ausserdem zu Hufrehe, Mauke und Sommerekzemen. Und bei solchen Kleinzuchten kommt es vermehrt zu Schwergeburten sowie zu Gebissproblemen, da es zu wenig Platz für die Zähne gibt. Auch Kniegelenksverletzungen oder Fruchtbarkeitsstörungen können vorkommen. Wer jedoch mit solchen Unzulänglichkeiten zurechtkommt, der wird Freude an den geselligen und interessierten Minis haben.