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«Kapitän Feigling» erhält eine Woche Aufschub
- Dienstag, 9. Juli 2013, 7:36 Uhr, aktualisiert um 13:38 Uhr
Der Prozess um die Katastrophe der «Costa Concordia» ist um gut eine Woche verschoben worden. Francesco Schettino, Kapitän des verunglückten Kreuzfahrtschiffs, ist der einzige Angeklagte. Was wird ihm vorgeworfen?
Der Kapitän des verunglückten Kreuzfahrtschiffes «Costa Concordia», Francesco Schettino, erschien zusammen mit seinem Anwalt Domenico Pepe
pünktlich zum Prozessbeginn in Grosseto. Die Staatsanwaltschaft hatte nur Stellvertreter zu diesem ersten Termin in den Gerichtssaal geschickt.
Doch aufgrund eines landesweiten Streiks in Italien, an dem einige der am Verfahren beteiligten Anwälte teilnahmen, wurde der Prozess vertagt. Der Unglückskapitän
Francesco Schettino muss sich damit erst ab Mittwoch kommender
Woche vor Gericht verantworten. Er ist der einzige Angeklagte.
«Kapitän Feigling»
Im Prozess geht es um die spektakuläre Havarie der «Costa Concordia» am 13. Januar 2012 vor der italienischen Insel Giglio. Das riesige Schiff hatte einen Felsen gerammt, der Rumpf wurde aufgeschlitzt, das Boot kenterte. 32 Menschen starben, zwei gelten bis heute als vermisst.
Augenzeugen berichteten damals, das Schiff sei ungewöhnlich nahe an die Insel herangekommen. Der riskante Kurs soll gewählt worden sein, um die Bewohner der Insel zu «grüssen» und den Passagieren etwas zu bieten. Doch die so genannte Verneigung vor der Insel missglückte.
Kapitän Schettino mutierte während der Tragödie zum Anti-Helden – italienische Medien bezeichneten ihn als «Kapitän Feigling». Nach der Kollision fehlte plötzlich jede Spur von ihm. Schettino sagte später aus, er sei versehentlich in ein Rettungsboot gefallen und so an Land gekommen. Als ihn die Küstenwache aufforderte, auf das sinkende Schiff zurückzukehren, weigerte er sich. Das zeigen Mitschnitte eines Telefongesprächs.
Das Nachspiel
Die Reederei Costa Crociere hat den Kapitän danach entlassen. Grund: Er soll für das Unglück verantwortlich sein. Schettino hingegen warf der Reederei vor, sie habe das gefährliche Manöver angeordnet. Das Gericht soll hier Licht ins Dunkel bringen.
Schettino werden unter anderem fahrlässige Tötung und Körperverletzung, Havarie und das Verlassen des Schiffes während der Evakuierung vorgeworfen. Hunderte Opfer und Angehörige, die Insel-Kommune Giglio und die Kreuzfahrtgesellschaft hatten angekündigt, in dem Prozess als Nebenkläger aufzutreten.
Touristen ohne Gedächtnis
Costa Crociere hat seine Mitverantwortung anerkannt, da mehrere Angestellte des Unternehmens für das Unglück verantwortlich gemacht werden. Mit der Zahlung von einer Million Euro vermied das Unternehmen einen strafrechtlichen Prozess und kann von Überlebenden und Angehörigen nur noch zivilrechtlich belangt werden.
Costa Crociere gehört zum US-Kreuzfahrtriesen Carnival. Die Touristen scheinen jedoch ein kurzes Gedächtnis zu haben. Das Geschäft mit Kreuzfahrten hat sich wieder gut erholt.
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