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wohl Basel, um 1805/10
Baumwolle, mit farbigen
Wollfäden bestickt
L. 66 cm, unterer Umfang 155 cm
Inv. 1965.405.
Ein bequemes Zwischenspiel
Das gut erhaltene Kleidchen, zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstanden, entspricht mit seiner hellen Farbe, der sehr hoch angesetzten Taille, der bequemen Weite und den Puffärmelchen durchaus unseren heutigen Vorstellungen von Kinderkleidung. Doch diese kindgemässen Charakteristika sind nicht in Folge der Entwicklung einer speziellen Kinderkleidung entstanden, sondern sie sind auch Kennzeichnen der gleichzeitigen Damenmode.
Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts hatten sich Stil und Schnitt der Damenkleidung radikal verändert. Die bewusst geformte Silhouette und die grosse Prachtentfaltung verloren sich zugunsten von Natürlichkeit und Schlichtheit.
Die Taille wurde nicht mehr zusammengeschnürt und betont, sondern statt dessen wurde der Stoff nun unter der Brust zusammengezogen, um dann locker herabzufallen. Angelehnt an antike Vorbilder entstand so eine schlanke, natürliche Gesamterscheinung, die den Frauen Bewegungsfreiheit und Bequemlichkeit zugestand. Gleichzeitig wurde Seide durch einfarbige oder bedruckte Baumwolle als modisches Material abgelöst. Wenn das Kleid Zierelemente oder Stickereien besass, so waren diese sparsam bemessen und befanden sich am Abschluss der Ärmel oder entlang des Rocksaumes.
Als im späten 18. Jahrhundert das Bedürfnis nach einer speziellen, den Bedürfnissen der Kinder angepassten Kleidung aufkam – und sich für die Knaben ein eigener Anzugtyp, der sog. skeleton suit zu entwickeln begann (Kat.Nr. 62) – herrschten in der Damenmode diese «Chemisenkleider» mit ihrer natürlichen und demokratischen Prägung vor, die bestens auch für kleine Mädchen anzuwenden waren. Das «Journal des Luxus und der Moden », das einflussreichste Modejournal im deutschsprachigen Raum, stellte 1807 fest: «Schon längst sind wir glücklicherweise von der Torheit geheilt, [...] die jungen Geschöpfe, eingeengt und gepresst, wie angezogene Puppen aufzustellen.» Die Entwicklung der folgenden Jahrzehnte zeigte aber, dass dieser Jubel verfrüht war und diese Bequemlichkeit der Kindermode bald wieder ein (vorläufiges) Ende fand.