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Sieg für Joseph Blatter: Der 66-jährige Schweizer ist vier weitere Jahre Präsident des Fussball-Weltverbandes FIFA.
Bei der Kampfwahl am FIFA-Kongress in Seoul erhielt Blatter 139 von 195 Stimmen und schaffte die Zweidrittels-Mehrheit überraschend gleich im ersten Wahlgang. Für Blatters Gegenkandidaten Issa Hayatou aus Kamerun blieben ernüchternde 56 Stimmen übrig.
Dieses Ergebnis kommt nach den Ereignissen der letzten Monate und dem teils schmutzig und unfair geführten Wahlkampf einer Sensation gleich. Bei seiner ersten, wesentlich ruhiger geführten Wahl vor vier Jahren in Paris hatte Blatter den damaligen Gegner Lennart Johansson lediglich mit 111:80-Stimmen geschlagen.
Vertrauensfrage in der UEFA
Johannson, der schwedische UEFA-Präsident, hatte sich in diesem Wahlkampf für den Afrikaner Hayatou stark gemacht und forderte verschiedentlich den Rücktritt Blatters. Johansson führte auch eine elfköpfige Gruppe aus dem FIFA-Exekutivkomitee an, die gegen Blatter in Zürich eine Strafklage wegen Machtmissbrauch, Korruption und Misswirtschaft eingereicht hat.
Nach diesem deutlichen Verdikt gegen sich und die gesamte UEFA-Exekutive, welche sich für Hayatou stark machte, jetzt aber offensichtlich nur wenig europäische Verbände hinter sich hatte, will der kürzlich als Präsident wiedergewählte Schwede nun in der UEFA die Vertrauensfrage stellen.
Aufgrund des Wahlergebnisses ist davon auszugehen, dass sich weit mehr als die Hälfte der 51 europäischen Verbände auf Blatters Seite schlugen und damit die UEFA-Parole missachteten. Blatters erdrutschartiger Sieg ist also gleichzeitig eine weitere sportpolitische Niederlage Johanssons.
Zen-Ruffinen rechnet mit Absetzung
Ein weiterer grosser Verlierer dieser Wahl ist neben Hayatou und Johansson auch der Schweizer Generalsekretär der FIFA, Michel Zen-Ruffinen. Der Walliser hatte sich öffentlich gegen seinen Förderer gestellt und schwerwiegende Anschuldigungen erhoben.
Mit dem Sieg Blatters dürfte Zen-Ruffinens Zeit bei der FIFA in Kürze zu Ende gehen. Der Walliser rechnet damit, bei der nächsten Exekutiv-Sitzung Ende Juni abgesetzt zu werden. "Ich ziehe aber auch meinen Rücktritt nach der WM in Betracht."
Fair und friedlich
Im Gegensatz zum ausserordentlichen Kongress vom Montag, als die Fragestunde um die FIFA-Finanzen zum Eklat geführte hatte, weil Blatter nicht alle Fragesteller zu Wort kommen liess, verlief der über acht Stunden dauernde ordentliche Kongress im Seoul Hilton Hotel in fairem und friedlichem Rahmen. Der FIFA-Präsident schien aus dem Fehler vom Vortag gelernt zu haben und liess alle Delegierten zu Wort kommen, die noch Fragen zu den Finanzen hatten.
Nicht alle aber machten davon Gebrauch. Auffallend war, dass sich beinahe ausschliesslich Europäer (Holland, England und Irland) sowie der Delegierte aus Kamerun, dem Heimatland von Gegenkandidat Hayatou, zu Wort meldeten, während 13 weitere Delegierte auf ihre angemeldeten Voten verzichteten.
Nur Budget für 2003 genehmigt
Die Redner stellten nochmals die Richtigkeit der Finanzen in Frage. Alle brachten ihre Sorge zum Ausdruck, dass die Einnahmen künftig nicht mehr reichlich fliessen könnten. Das führte schliesslich zum Entscheid, nur das Budget für das nächste Jahr mit einem Verlust von 111 Mio. Franken zu genehmigen und die Voranschläge 2004 bis 2006 lediglich zur Kenntnis zu nehmen. Diese Budgets sollen laufend der aktuellen Situation angepasst werden.
Spannend wurde es, als Generalsekretär Zen-Ruffinen auf Aufforderung Englands zum Wort aufgefordert wurde und dies dann trotz seiner vorherigen Ankündigung, nichts zu sagen, auch tat. Zen-Ruffinen blieb allerdings moderat und kam nur kurz auf seine früheren Vorwürfe zurück (Verluste nicht klar ausgewiesen, Bilanz geschönigt). Sein wichtigstes Anliegen war, dem Kongress mitzuteilen, dass gewisse Zahlungen im FIFA-Haus ohne Wissen des Exekutivkomitees sowie der Finanzkommission und des Generalsekretärs getätigt worden waren.
Wesentlich früher war auch David Will, der schottische Vorsitzende des internen Buchprüfungs-Ausschusses, ans Rednerpult geschritten. Er bedauerte nochmals die Suspendierung seiner Arbeit durch Blatter und appellierte, die Budgets nur provisorisch zu genehmigen und seinen Untersuchungs-Bericht Ende Jahr abzuwarten. Will bezeichnete die finanzielle Situation als äusserst prekär. Er finde es nicht normal, dass die FIFA die nächsten drei Jahre zahlungsunfähig sei.
Scharfe Kritik Matarreses
Unmittelbar vor der Einsetzung der neuen, Blatter freundlich gesinnten Exekutiv-Mitglieder Michel Platini (Fr) und Gerhard Mayer-Vorfelder (De) hatte sich der zurückgetretene Italiener Antonio Matarrese mit harten Worten gegen Blatter aus dem FIFA-Ausschuss verabschiedet und für Hayatou stark gemacht. "Die Zeit unter Ehrenpräsident Joao Havelange war gigantisch, jetzt ist das Exekutivkomitee zersplittert und vieles aus dem Ruder gelaufen. Blatters Fehler ist, Havelange nachahmen zu wollen. Dafür sind aber mehr Erfahrung und Charisma nötig.
Havelange hatte sich vor den Wahlen ebenfalls zu Wort gemeldet, ohne aber für einen Kandidaten Stellung zu nehmen. Diplomatisch sagte er nur: "Wir müssen danach Gewissheit haben, einen Sieger zu erhalten." Diese Gewissheit hat der Kongress mit dem klaren Wahlergebnis zweifellos geliefert.
swissinfo und René Baumann (Si)