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Abgesehen von vielen praktischen Vorteilen des Tragens im Alltag, wie beispielsweise die Hände frei zu haben für den Haushalt oder für Geschwister, gibt es auch viele wissenschaftlich belegte Vorteile: Beim Tragen erfahren Babys, durch die Nähe zur tragenden Person, Geborgenheit, Sicherheit und Ruhe. Durch intensiver und häufiger Haut- und Körperkontakt (taktile Anregungen) werden die Babys ruhiger und ausgeglichener und haben eine geringere Stressanfälligkeit als nicht getragene Babys (Ackermann, 2002). In Studien wird nachgewiesen, dass Neugeborene die früh getragen werden, deutlich weniger schreien als Neugeborene die nicht getragen werden (Hunziker & Barr, 1986). Zudem ist empirisch bewiesen, dass die Eltern-Kind Beziehung durch das Tragen gestärkt wird (Aniesfield, Casper, Nozyce & Chunningham, 1990). Weiter erfahren die Eltern einen beruhigenden Effekt vom Tragen und die motorische, sensorische und kognitive Entwicklung des Babys wird gefördert.
Nicht zu unterschätzen ist auch die Begegnung auf Augenhöhe des Babys mit seiner Umwelt und somit einer gleichberechtigten Perspektive.
All diese Faktoren erleichtern den Eltern den Umgang und die Interaktion mit dem Baby. Das hat wiederum zur Folge, dass die emotionale Beziehung gefördert wird.
Auf der körperlichen Ebene ist das Tragen eine kindsgerechte Art der Prophylaxe gegen Hüftdysplasie und weist eine therapeutische Wirkung gegen eine Hüftdysplasie auf (Nagura, 1940).
Woher kommt der Wunsch nach Nähe der Säuglinge?
Die Frage soll aus zwei verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden: Zum einen ist der Wunsch nach beständiger Nähe und Körperkontakt ein Grundbedürfnis im Säuglingsalter. Erst mit neun Monaten existieren Personen und ihre elterliche Fürsorge für die Babys weiter, auch wenn sie nicht mehr in unmittelbarer Nähe (sichtbar) sind (Objektpermanenz).
Zum anderen wurden Säuglinge über 55 Mio. Jahre getragen. Die Zeitspanne von 10 000 Jahren, in denen Menschen begonnen haben sesshaft zu werden, reichen nicht aus, damit sich die Verhaltenssituation der Säuglinge an die ungefährdete Situation (beispielsweise „Alleine im eigenen Bett“) hätte anpassen können (Kirkilionis, 2013).
Interessiert es dich, warum das Tragen beruhigend wirkt?
Während dem Tragen werden nahezu alle Sinne angesprochen. Die Bewegung und die Körperwärme werden als intensivste Signale wahrgenommen. Gefolgt von dem Hören und Fühlen ihrer Stimme und Atemgeräusche. Weiter ist der Herzschlag fühlbar, welcher schon aus vorgeburtlicher Zeit vertraut ist. Dazu kommt, dass dein Gesicht sich im optimalen Sehbereich ihres Babys befindet. (Kirkilionis, 2013, S.61)
Hast du dich auch schon gefragt wie Säuglinge aktiv sind wenn sie getragen werden?
Es beginnt damit, dass sie den Hüftsitz durch die Anhock Spreiz Haltung aktiv vorbereiten und endet damit, dass sie sich an der Stabilisierung des Sitzes beteiligen (Kirkilionis, 2013).
Quellen:
Ackermann, Diana. Die schöne Welt der Sinne. Europa Verlag. Hamburg, Wien: 2002.
Aniesfield, Elizabeth/ Casper, Virginia/ Nozyce, Molly/ Chunningham, Nicholas. Does infant
carrying promote attachment? An Experimental study of the effects of increased physical
contact on the development of attachment. In: Child development, 61, 1990. S.
1617-1627.
Hunziker & Barr, 1986
Kirkilionis, Evelin. Ein Baby will getragen sein. Kösel-Verlag, München: 2013.
Nagura, Shiego: Angeborene Hüftverrenkung und Volksgewohnheit (zugleich Beitrag zur Kenntnis
der sogenannten Dyspepsie der Pfanne bei angeborener Hüftverrenkung). In: Zentralblatt für Chirurgie, 24, 1940. S. 1042-1050.