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Der Ausstoss von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) wurde 1987 (bzw. 1995 als Kühlmittel) im Rahmen des Montreal-Protokolls in den darin eingeschlossenen Industriestaaten, 2010 dann weltweit verboten. Denn die früher als Kältemittel und Treibgas verwendeten Stoffe gelten als „Ozonkiller“: In der Stratosphäre setzen sie Chlorradikale frei und tragen so zum Abbau der Ozonschicht bei. Trotz des Verbots wurde jedoch ein erneuter Anstieg der FCKW-11-Emissionen seit dem Jahr 2013 festgestellt. Luftmessungen und weitere Recherchen ergaben, dass im Nordosten Chinas zwischen 2012 und 2019 bis zu 100’000 Tonnen der ozonabbauenden Verbindung bei der Produktion von Schaumstoffen freigesetzt wurden. Die chinesischen Behörden wurden informiert und ihren Angaben zufolge kam es zu Verhaftungen, Materialbeschlagnahmungen und dem Abriss von Produktionsanlagen.
FCKW-11
FCKW-11, Trichlorofluormethan, ist eine der häufigsten Fluorchlorkohlenwasserstoff-Verbindungen. Die Substanz wird künstlich hergestellt und geht keine Reaktion mit anderen Stoffen ein, weshalb sie sehr lange — rund 45 Jahre — in der Atmosphäre verweilt. Nebst seiner Ozon-zerstörenden Wirkung ist FCKW auch ein Treibhausgas: Es absorbiert besonders viele Sonnenstrahlen im Infrarotbereich — 10’000 Mal stärker als CO2 — und trägt deshalb trotz seiner geringen Konzentration in der Atmosphäre besonders stark zum Treibhauseffekt bei. FCKWs wurden seit den 1930er-Jahren vermehrt von Chemikern hergestellt, da sie vielfältig angewendet werden können: Als Treibgas für Sprühdosen und zum Aufblähen von Isolierschäumen, als Kühlmittel in Eisschränken, Kühltruhen und Klimaanlagen oder als Reinigungsmittel von Textilien und von empfindlichen Teilen in der elektronischen Industrie. Als festgestellt wurde, dass diese Gase zum Abbau der Ozonschicht beitragen, begann 1987 im Rahmen des Montreal-Protokolls ein schrittweiser Ausstieg aus seiner Produktion und Anwendung, bis diese dann schliesslich im Jahr 2010 weltweit verboten wurde. Die vergleichsweise rasche Ächtung des FCKW gilt als ein wichtiger Erfolg der erstarkenden Umweltbewegung.
Die Emissionen sind zurückgegangen
Seither werden die FCKW-11-Werte genau überwacht. Zwei internationale Forscherteams der Kyungpook National-Universität in Südkorea und der US-amerikanischen NOAA haben nun Studien vorgelegt, die im Fachblatt Nature veröffentlicht wurden. Sie belegen, dass die Emissionen von FCKW-11 zwischen 2017 und 2019 drastisch zurückgegangen sind. Dazu verglichen die Forscher die von den koreanischen und japanischen Messstationen ermittelten FCKW-11-Konzentrationen mit Computermodellen, die simulieren, wie FCKW-11 global durch die Atmosphäre getragen wird. Ein weiteres Computermodell errechnete die Veränderungen der Emissionen. Zunächst untersuchten die Wissenschaftler die Veränderungen auf regionaler, danach auf globaler Ebene. Ihr Ergebnis: Sowohl auf regionaler als auch auf globaler Ebene sanken die Emissionen jährlich um Tausende von Tonnen. Der Rückgang egalisiert oder übertrifft sogar den ursprünglichen Anstieg in den Jahren zuvor.
„Die Ergebnisse sind eine sehr willkommene Nachricht und markieren hoffentlich das Ende einer beunruhigenden Periode offensichtlicher Regelverstösse. Wären die Emissionen auf den von uns vor zwei Jahren gefundenen, signifikant erhöhten Werten geblieben, hätte sich die Erholung der Ozonschicht möglicherweise um viele Jahre verzögert. Da FCKW-11 ausserdem ein starkes Treibhausgas ist, trugen die illegalen Emissionen in einem Ausmass zum Klimawandel bei, das mit den CO2-Emissionen einer Millionenstadt vergleichbar ist.“
Luke Western, Umweltchemiker an der University of Bristol
Suche nach Quellen geht weiter
Da die chinesische Produktion aber offenbar nicht allein für den Anstieg der FCKW-11-Emissionen verantwortlich war, besteht Grund zur Annahme, dass die Stoffe auch andernorts noch eingesetzt werden. Das Problem: Die bisherigen Messnetze sind lückenhaft und erfassen grosse Teile der Welt noch nicht. Vertreter des Montreal-Protokolls haben nun erste Massnahmen zur Identifizierung, Lokalisierung und Quantifizierung verbotener Substanzen getroffen, indem sie die atmosphärischen Messungen in Schlüsselregionen der Erde erweitern.
Trotz der Erfolge ist hier schnelles Handeln weiterhin erforderlich! Erst im September 2020 berichteten Forscher, dass das Ozonloch über der Antarktis mit einer Grösse von knapp 25 Millionen Quadratkilometern ein historisches Ausmass erreicht hatte.
weitere Informationen:
EMPA (11.02.2021): Medienmitteilung
Park et al. (2021): A decline in emissions of CFC-11 and related chemicals from eastern China
Montzka et al. (2021): A decline in global CFC-11 emissions during 2018-2019