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Interview mit Johanna Michel, Stellvertretende Geschäftsleiterin vom Bruno Manser Fonds.
Die Verhandlungen mit Malaysia über ein FH-Abkommen wurden wieder aufgenommen. Auch dort ist Palmöl ein wichtiger Verhandlungspunkt. Wie ist der aktuelle Stand?
Palmöl ist der Knackpunkt im geplanten Freihandelsabkommen mit Malaysia. Malaysia will nicht, dass Palmöl in Europa stigmatisiert wird und fordert einen freien Zugang zum europäischen Markt. Die Schweiz zieht die rote Linie bei den im Indonesienabkommen verhandelten Konzessionen und Rabatten. Das heisst, dass maximal 20’000 Tonnen importiertes Palmöl mit Rabatten von 20-40% versehen werden sollen. Eine Zollbefreiung für ein problematisches Produkt wie dem Palmöl wird ausgeschlossen, was Malaysia natürlich als Stigmatisierung wahrnimmt.
BMF arbeitet seit Jahren engagiert zum Thema. Wie hat sich die Situation in den letzten Jahren entwickelt?
Der Bruno Manser Fonds ist seit bald 30 Jahren in Malaysia aktiv und setzt sich für den Erhalt des Regenwaldes sowie dessen Bevölkerung ein. Die rasante Ausbreitung der Palmölplantagen wurde in den letzten Jahren zur Hauptbedrohung für den tropischen Regenwald in Südostasien. Allein in Malaysia vergrössern sich die Plantagen täglich um einige hundert Fussballfelder. Da insbesondere westliche Länder verstärkt Nachhaltigkeit fordern, hat Malaysia letztes Jahr kurzerhand die gesamte Palmölproduktion als nachhaltig bezeichnet und mit einem eigenem Label versehen. Die Situation hat sich dadurch natürlich nicht verbessert. Die Regenwaldzerstörung schreitet unverändert voran – insbesondere in den beiden malaysischen Gliedstaaten auf der Insel Borneo.
In Indonesien wie in Malaysia organisiert sich Widerstand gegen die grüne Wüste. Gibt es wichtige Erfolge und Kampagnen der lokalen Bevölkerung und wie kann man diese unterstützen?
Letztes Jahr hat die Lokalbevölkerung einen wichtigen Erfolg feiern können. Eine Firma, die auch nach Europa liefert, hatte die Erlaubnis erhalten, im Grenzgebiet des Mulu National Parks, einem Weltnaturerbe Malaysias, den Regenwald für eine Palmölplantage zu zerstören. Wir erfuhren davon, als die Abholzung gerade begonnen hatte und konnten dank einer internationalen Kampagne, Gesprächen mit der UNESCO sowie dank dem Widerstand der Lokalbevölkerung vor Ort, den Bau der Plantage stoppen. Wenn man die Kampagnen unterstützen möchte, kann man Petitionen gegen solche Projekte unterzeichnen, sein Umfeld über die Thematik informieren und natürlich auch den Bruno Manser Fonds unterstützen.
Welche Einschätzung hast du bezüglich Palmöl und Nachhaltigkeit. Gibt es nachhaltiges Palmöl überhaupt?
Grundsätzlich ist es natürlich möglich, Palmöl nachhaltig anzubauen und es wird teilweise – beispielsweise in Südamerika – auch gemacht. Man kann aber davon ausgehen, dass Palmöl, das aus Malaysia – oder auch Indonesien – kommt, aktuell mit ziemlicher Sicherheit nicht nachhaltig angebaut worden ist. Das liegt schlichtweg am fehlenden politischen Willen. Malaysia möchte seine Palmölproduktion in den nächsten Jahren im gleichen Tempo weiter ausbauen und das geht zwangsläufig auf Kosten des Regenwaldes.