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Am Mittwoch beginnt bei den Olympischen Spielen von Peking auch das Eishockey-Turnier der Männer. Nationaltrainer Patrick Fischer will nach der Enttäuschung von Pyeongchang 2018 nun endlich nach einer Medaille greifen. Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten vor dem Turnierstart.
Die zwölf teilnehmenden Teams wurden in drei Gruppen à vier Mannschaften aufgeteilt. Jedes Land bestreitet also drei Gruppenspiele.
Nach der Gruppenphase werden die zwölf Mannschaften gemäss den Ergebnissen – zunächst nach der Platzierung innerhalb ihrer Gruppe, dann nach Punkten, Tordifferenz, erzielten Toren und schliesslich nach dem Weltranglisten-Platz – in eine neue Setzliste (mit den Plätzen 1 bis 12) eingeteilt.
Die drei Gruppensieger und der Bestklassierte der drei Gruppenzweiten qualifizieren sich direkt für die Viertelfinals – alle anderen Teams spielen eine Qualifikationsrunde für die Viertelfinals. Dabei trifft der Fünfte der Setzliste auf den Zwölften, der Sechste auf den Elften, der Siebte auf den Zehnten und der Achte auf den Neunten. Das bedeutet, auch bei einer misslungenen Gruppenphase hat man noch mindestens ein K.o.-Spiel.
Als Austragungsort dienen das Beijing National Indoor Stadium, das 11'000 Zuschauern Platz bieten würde, und die Wukesong Arena, wo 9000 Fans Platz hätten, in Peking. Die Schweiz spielt gegen Russland und Tschechien im grossen Stadion und gegen Dänemark im kleinen.
Aufgrund der Zeitverschiebung gehen die Spiele in Europa ungewohnt früh über die Bühne. Die Anspielzeiten in Peking sind 5.10 Uhr, 9.40 Uhr und 14:10 Uhr.
Die Schweiz muss in der Gruppenphase glücklicherweise für die Hockey-Fans hierzulande nie ganz früh ran.
Die Viertelfinal-Qualifikation wird komplett am 15. Februar gespielt, die Viertelfinals am Tag darauf. Die Halbfinals werden am 18. Februar um 5.10 und 14.10 Uhr gespielt. Das Bronzespiel findet am 19. Februar um 14.10 Uhr (Schweizer Zeit) statt. Der Final am 20. Februar um 5.10 Uhr.
Als Titelverteidiger sind die olympischen Athleten aus Russland das heisseste Eisen im Feuer. In der Abwesenheit der NHL-Spieler stellen die ausschliesslich aus KHL-Spielern bestehenden Russen die stärkste Mannschaft. Dahinter ist es ziemlich ausgeglichen.
Deutschland will beweisen, dass die Silbermedaille von Pyeongchang 2018 kein Zufall war. Allerdings gehört die Mannschaft, die vorwiegend aus DEL-Akteuren besteht, objektiv betrachtet nicht zu den ganz grossen Favoriten.
Da will Kanada als die Eishockey-Nation schlechthin eher ein Wörtchen mitreden. Die Mannschaft der Ahornblätter besteht aus einer interessanten Mischung von KHL- und AHL-Spielern, National-League-Söldnern und einigen Youngstern aus der College-Liga NCAA.
Auch die Nordländer aus Schweden und Finnland visieren natürlich die Medaillen an. Die schwedische «Tre Kronor» wird angeführt von Spielern der Schweizer Liga. Anton Lander (EV Zug) bildet mit Marcus Krüger (ZSC Lions) und Henrik Tömmernes (Genf-Servette) das Captain-Team. Finnland hat ohne NHL-Stars schon beste Erfahrungen gemacht und 2019 mit einem vergleichbaren Team WM-Gold gewonnen.
Während auch Tschechien mit Kanada und den nordischen Nationen auf Augenhöhe sein spielen kann, darf man hinter die Mannschaft der USA ein Fragezeichen setzen. Sage und schreibe 15 College-Spieler sind im US-Kader mit dabei. wenn auch diese Athleten äusserst talentiert sind, ist fraglich, wie gut sie sich gegen die besten Spieler der europäischen Ligen durchsetzen können.
🇨🇦🇺🇸🇩🇪🇨🇳🇷🇺🇨🇿🇨🇭🇩🇰🇫🇮🇸🇪🇸🇰🇱🇻 announced their final rosters for men´s hockey tournament at #Beijing2022. The most players is from #KHL (120), Swiss #NationalLeague (54) and German #DEL (30). Swedish #SHL with 29 players. #Olympics #HockeyTwitter #KHLfi #IIHF pic.twitter.com/5DRUt39SVz— KHL TALK (@vorkywh24) January 25, 2022
Die Schweiz muss sich gegen die meisten Teams nicht verstecken. Die Ausgangslage ist vergleichbar wie vor vier Jahren in Südkorea. Damals war die Schweiz auch als Mitfavorit gehandelt worden, fand aber nie in das ultrakurze Turnier. Das muss dieses Jahr besser werden.
Grundsätzlich ist die Nati auf allen Positionen gut besetzt. Zwischen den Pfosten sorgen Leonardo Genoni und Reto Berra mit ihrer Routine für Sicherheit. Sandro Aeschlimann ist noch ohne Länderspiel-Einsatz, hat in dieser Saison aber seine Qualität in der National League immer wieder bewiesen.
In der Verteidigung wird NHL-All-Star Roman Josi natürlich schmerzlich vermisst, aber Qualität ist mit Fischers bewährten Kräften wie Raphael Diaz, Romain Loeffel, Ramon Untersander, Mirco Müller und Yannick Weber durchaus vorhanden.
Der Sturm ist sogar leicht besser besetzt als 2018. Zwar ist der damalige Topskorer Pius Suter mittlerweile in der NHL engagiert. Dafür bringen die NHL-Rückkehrer Sven Andrighetto und Denis Malgin viel Kreativität in der Offensive. Und dass Grégory Hofmann sein NHL-Abenteuer ebenfalls bereits beendet hat, schadet sicher auch nicht. Ein Knackpunkt wird sein, wie schnell Malgin und Dario Simion ihre aktuelle Coronavirus-Isolation verlassen dürfen. Zuletzt gab es positive Stimmen, das erste Spiel gegen Russland werden die beiden allerdings definitiv verpassen.
Besser als ursprünglich befürchtet. Der chinesische Eishockeyverband und Kunlun Red Star haben doch noch eine Einigung gefunden. Zuerst wollte der KHL-Klub aufgrund eines Streits seine Spieler der Nationalmannschaft nicht zur Verfügung stehen. Nun ist das bereinigt und China tritt quasi mit einem KHL-Team bei Olympia an.
Die Mannschaft, die aus vielen eingebürgerten Kanadiern, Amerikanern und Russen besteht, ist trotzdem krasser Aussenseiter. Gegentore im hohen zweistelligen Bereich, wie sie zu Beginn befürchtet wurden, sind nicht zu erwarten. Allerdings ist Kunlun auch in der KHL das schlechteste Team der Liga – Mit sieben Siegen aus 38 Spielen und 198 kassierten Gegentoren. Und Chinas Nationalteam ist eher noch eine abgeschwächte Version von Kunlun.
Er ist einer der talentiertesten jungen Verteidiger der Welt. Im Sommer 2021 wurde er von den Buffalo Sabres als Nummer-1-Pick gezogen. Diese Saison spielt der 19-Jährige noch für die University of Michigan in der College-Liga NCAA.
Die besten Zeiten hat Eric Staal hinter sich, ist seit dieser Saison nur noch in der AHL tätig. Doch der 37-jährige Center bringt Erfahrung von über 1200 NHL-Spielen mit.
Nur einen Position nach Owen Power wurde im vergangenen Draft Matty Beniers gezogen. Der extrem flinke US-Stürmer ist bei der University of Michigan auch Powers Teamkollege.
Direkt aus der NHL zum SCB gewechselt, ist Dominik Kahun einer der besten National-League-Stürmer der Saison. Der Deutsche ist insbesondere ein glänzender Spielmacher und Passgeber.
Der 35-jährige Stürmer gewann mit Boston den Stanley Cup und skorte dort auch letzte Saison noch beinahe einen Punkt pro Spiel. Auf diese Saison hin kehrte er auf eigenen Wunsch in seine Heimat zurück. Er wurde bei der Einreise positiv auf das Coronavirus getestet, sollte im Verlauf des Turniers aber spielen können.
Apropos hervorragende Spielmacher: Der vielleicht beste Passgeber Europas ist der Tscheche Roman Cervenka. Mit 16 Toren und 39 Assists in 43 Spielen ist er der beste National-League-Skorer und Hauptgrund für den Lakers-Höhenflug.
Wie Kahun ist auch Weber NHL-Rückkehrer. Er bringt Erfahrung aus 499 Spielen in der besten Liga der Welt mit und kann auch die nötige Härte auspacken.
Der Romand wird bei der Schweiz für die Tore zuständig sein müssen. Dass er das Treffen nicht verlernt hat, hat seine Rückkehr zu Zug gezeigt. In sechs Spielen für den EVZ traf er bereits sieben Mal.
Der Star-Center der Russen ist der vielleicht beste Spieler ausserhalb der NHL. Bei Dynamo Moskau kommt der 34-jährige Center nach 48 Spielen auf 23 Tore und 43 Assists.
Einst galt auch Nikita Gusev als bester Spieler ausserhalb der NHL. Sein Abenteuer bei den New Jersey Devils ist allerdings missglückt. Nun skort er bei SKA St.Petersburg wieder mehr als einen Punkt pro Spiel.
Nach 473 NHL-Spielen zog es Sami Vatanen diese Saison in die Schweiz. Bei Genf beweist der 30-jährige Finne, dass er in Europa ein Offensivverteidiger erster Güte ist.
Noch besser als Vatanen ist nur noch sein Servette-Teamkollege Henrik Tömmerns. Der Assistenz-Captain der Schweden ist mit acht Toren und 41 Assists in 49 Spielen gleich der erfolgreichste Skorer in der eigenen Nationalmannschaft.
Mathias Bromé verstärkte auf diese Saison hin den HC Davos und überzeugte mit seinem Speed und Torriecher. Im Spätherbst von einer Verletzung ausgebremst, ist der 27-jährige Flügel nun wieder zurück.
Der jüngste Spieler des Olympiaturniers: Der Slowake Juraj Slavkovsky ist mit Jahrgang 2004 erst 17-jährig und spielt bereits in der höchsten finnischen Liga für Turku. Slavkovsky ist eines der Top-Talente für den Draft im kommenden Sommer.
Die meisten Teams haben den einen oder anderen Corona-Fall zu beklagen. Bei der Schweiz wurden vor dem Abflug deshalb Christian Marti, Sven Senteler und Joren van Pottelberghe aus dem Kader gestrichen. Bei der Einreise in Peking wurden dann auch Denis Malgin und Dario Simion positiv getestet und in Isolation versetzt.
Bei den Tschechen konnte Stürmer David Krejci zu Beginn nicht mit der Mannschaft trainieren. Bei Russland kam es bei der Einreise zu positiven Testresultaten bei sechs Mitgliedern der Mannschaft. Und Lettland hatte gar Fälle bei sieben Spielern zu beklagen. Für all diese Spieler ist der Olympia-Traum aber noch nicht geplatzt. Wenn sie zwei negative Tests, die 24 Stunden auseinanderliegen, vorweisen können, dürfen sie die Isolation verlassen.
Als Carlos Varela am 3. April auf der Tribüne des Stade de Genève sitzt, traut er seinen Ohren nicht. Als die Spieler von Servette sich von den gut 6000 Fans verabschieden, die an diesem Mittwochabend gekommen sind, ertönen Pfiffe. Die Enttäuschung darüber, gegen das klare Schlusslicht Stade Lausanne-Ouchy 1:2 verloren und damit die Chance verpasst zu haben, erstmals seit über 20 Jahren wieder an die Tabellenspitze der höchsten Schweizer Liga zu klettern, wiegt offensichtlich schwer. Und Varela sagt in sein Kommentatoren-Mikrofon: «Das finde ich ganz traurig.»