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Chavela: die Frau, die bis zum Ende sang
Chavela
"Nada me han enseñado los años/Siempre caigo en los mismos errores/Otra vez a brindar con extraños/Y a llorar por los mismos dolores" (dt.: "Die Jahre haben mich nichts gelehrt/Immer noch mache ich dieselben Fehler/Ich trinke immer noch mit Fremden/und beklage dieselben Schmerzen"), singt Chavela in ihrem Lied "El último trago" und wer es hört, versteht sofort ihren Schmerz. Die vorliegende Dokumentation zeigt die Lebensgeschichte und Auftritte der mexikanischen Chanteuse und baut seine Dramaturgie auf Interviews mit der Künstlerin selbst auf. Chavela war wohl die erste Frau, die sich wie ein Mann kleidete, und habe mit Frida Kahlo und Ava Gardner geschlafen, erzählen Zeitzeugen. Und sie sei die einzige Frau gewesen, die es in Mexiko gewagt hatte, ein Liebeslied an eine andere Frau zu singen. Chavela wird in vorliegender Dokumentation bis zu ihren letzten Auftritten in Paris und Mexico City begleitet, wo die Welt letztendlich doch noch begriff, welch großartige Künstlerin an ihr verloren ging. "Jetzt wo ich kurz vor meinem Ende stehe, wird mir die Ehre, die ich verdiene, endlich erwiesen.", sagt sie. "Frag mich alles", ruft sie zur Dokumentaristin in die Kamera.
Rancheras: Auftritte und Alkoholexzesse
Als Kind lebte sie getrennt von ihren Eltern erst in Costa Rica, diese waren geschieden und hatten sie bei Verwandten untergebracht und sich beide nie mehr sehen lassen. Als sie später in Mexiko anfing, sich wie ein Mann zu kleiden und eine Hose trug, begann ihr Erfolg, denn singen hatte sie schon im Alter von acht angefangen, immer dann, wenn sie sich alleine fühlte. "Ich war die, die sich nachts davonmachte, um heimlich den Liedern der Straßenmusiker zu lauschen und den Mond zu betrachten und mir vorzustellen, was die Welt noch alles zu bieten hätte." Am Höhepunkt ihrer Karriere verfiel sie dem Alkohol, denn sie musste mehr trinken als ihre männlichen Kollegen - wie etwa José Alfredo, von dem sie auch Lieder sang - um anerkannt zu werden. "Es ist eine seelische Abhängigkeit, sie ist psychisch, nicht körperlich, aber natürlich schadet es auch dem Körper und greift das Gehirn an. Aber es ist eine psychische Krankheit, die entsteht, wenn man einsam und verlassen ist, umgeben von Menschen und doch allein."
Ninanino: Höhen und Tiefen
Ihre Lieder handelten vor allem vom Verlassenwerden und dem damit verbundenen Schmerz. Aber auch sie selbst verließ oftmals, denn sie soll mit halb Mexiko geschlafen haben, wird erzählt: die Politiker seien zu ihren Konzerten gekommen und sie habe ihnen danach ihre Frauen ausgespannt. Selbst ihrem Plattenboss habe sie die Geliebte ausgespannt, was dazu führte, dass sie mit ihrer Musik nie Geld verdiente und so arm gewesen sei, dass sie nur aß, wenn sie von Freunden nach Hause zum Essen eingeladen worden sei. Obwohl sie für die High Society in den besten Clubs von Mexico City sang, hatte sie kein Geld. Sie ging mittwochs und samstags zwar immer auf den Markt und hatte auch immer eine Einkaufstasche dabei, aber sie kaufte nie etwas, da sie einfach kein Geld hatte. Nach ihren Konzerten trank sie, später in ihrer Karriere schon davor, bis ihre "Leber wie eine Papaya" anschwoll. 12 Jahre Auftrittspause führten dann zu einer zweiten Karriere in Spanien, bis sie zum Sterben wieder nach Mexiko wollte.
Soledad: Sterben in der Heimat
Chavela Vargas hinterlässt wunderschöne Lieder voller Leidenschaft und eine Offenbarung für alle Frauen der Welt und auch männliche Künstler: "Es ist doch ein Segen des Kosmos als Frau geboren zu sein, für mich ist das das Schönste. (...) Meine Lieder sind allen Frauen der Welt gewidmet, den Müttern, den Töchtern, den Schwestern, Ehefrauen, Freundinnen und Geliebten. Wenn man sich selbst treu bleibt, setzt man sich letztendlich durch. Bleib dir selbst treu, dann kommst du weiter. Der Preis ist leider sehr hoch, aber nur so kommt man weiter." Später wollte sie als die Frau, die singend starb, in die Geschichte eingehen. Tatsächlich wollte sie nämlich auf der Bühne sterben, wie sie in einem Interview selbst sagt, aber das gelang ihr dann doch nicht ganz. An einem Abend sang sie zwanzig Lieder, ohne einen Schluck Wasser zu trinken und rief dann "Bring mir meinen Rollstuhl, meine Füße bringen mich um." Sie sprach oft über die Freiheit, die ihr das Alleinsein brachte. Aber es gelang ihr nicht, auf der Bühne umzukippen und dort zu sterben, sie wollte dann aber auch nicht in Spanien, sondern in ihrer Heimat Mexiko sterben. Aber bis zuletzt konnte sie nicht verstehen, dass sie von ihrer Mutter nicht geliebt wurde, bis zuletzt tat das weh.