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Krampfadern der Venen im Becken (auch Varikose pelvis genannt) verursacht bei Frauen das sogenannte pelvine Beckenvenenstauungssyndrom (im Englischen ,,pelvic congestion syndrome‘‘ oder PCV). Obwohl dieses Syndrom nicht besonders bekannt ist, betrifft es doch etwa 15 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter. Es hat erhebliche Auswirkungen auf den sozialen und psychisch erlebten Alltag der Betroffenen. Die Diagnose ist oft schwierig, die Behandlungsmöglichkeiten sind jedoch wirksam.
Wie beim Krampfaderleiden der Beine, können auch die Venen im Becken- und im Genitalbereich beschädigt sein. Bei Frauen verursacht eine angeborene Schwäche der Wände und der Venenklappen, meist der linken Eierstockvene, das pelvine Beckenvenenstauungssyndrom. Der Blutstau in den Venen des Beckens führt zu einer Reihe von Symptomen bei jungen Frauen.
Auch bei Männern können Krampfadern in den Venen des Genitalbereichs auftreten, was allerdings ein anderes Krankheitsbild darstellt (Varikose testitis).
Die Varikose im Becken- und Genitalbereich betrifft ungefähr 15 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter zwischen 18 und 50 Jahren. Interessanterweise sollen viele Frauen (geschätzt bis zu 35 Prozent aller Frauen) Krampfadern im Bereich der Beckenvenen haben, die jedoch keine Symptome verursachen.
Stark betroffen sind schlanke Frauen, die im jüngeren Alter mindestens zweimal schwanger waren. Das pelvine Beckenvenenstauungssyndrom ist häufig Ursache von chronischen Unterbauchschmerzen. Die Krampfadern an den Schamlippen kommen dagegen nur bei etwa vier Prozent der Frauen vor.
Als Ursache, warum ein pelvines Beckenvenenstauungssyndroms entsteht, vermutet man die anatomischen Besonderheiten der linken Eiertockvene: Im Gegensatz zur rechten Eierstockvene, welche direkt in die grosse Hohlvene mündet, nimmt die linke Ovarialvene einen Umweg und mündet meist rechtswinklig in die linke Nierenvene. Durch den dadurch „längeren Weg“ entsteht beim Stehen ein höherer Säulendruck. Bei entsprechender Veranlagung mit schwachen Venenwänden und insuffizienten Venenklappen kann dies zu einer Erweiterung dieser führen. Als Folge kommt es zu einem Rückstau von Blut in den tiefer gelegenen Venengeflechten der Geschlechtsorgane, welche die entsprechenden Beschwerden auslösen können.
Fachleute vermuten jedoch, dass dies nicht die einzige Ursache des pelvinen Beckenvenenstauungssyndroms ist. Da die Symptome während der Periode auftreten oder sich verschlimmern, gibt es die Hypothese, dass Östrogene beteiligt sein könnten. Denn auch während jeder Schwangerschaft kommt es zu einer Erweiterung der Ovarialvenen – der Östrogenspiegel steigt in dieser Zeit stark an. Das ist möglicherweise ein Grund, warum Frauen mit mehr als zwei Kindern häufiger von einer Varikose im Becken- und Genitalbereich betroffen sind. Medizinisches Fachpersonal sieht darin ein weiteres Indiz für einen Zusammenhang zwischen dem Hormon Östrogen und einer Varikose mit Beschwerden in diesem Bereich.
Die Symptome einer Varikose im Becken- und Genitalbereich erinnern an schwere Menstruationsbeschwerden. Deswegen ist es für die Frauenärztin oder den Frauenarzt oft schwierig, die eigentliche Ursache herauszufinden. Frauen mit Krampfadern der linken Eierstockvene haben zyklusabhängige Unterbauchbeschwerden und manchmal auch Beinbeschwerden. Die Unterbauchschmerzen kommen in Schüben, halten lang an und kehren immer wieder zurück. Sie sollten über mindestens drei Monate anhalten. Betroffene Frauen beschreiben die Schmerzen entweder als dumpf oder als stechend und pochend. Sie verschlimmern sich nach langem Stehen oder Sitzen und verbessern sich beim Liegen. Auch verstärkte Schmerzen während oder nach dem Geschlechtsverkehr, während der Monatsblutung oder beim Pressen (zum Beispiel beim Stuhlgang) zählen zu den Leitsymptomen. Oft werden die Schmerzen von einem Schwere- und Völlegefühl begleitet. Krämpfe an unterschiedlichen Stellen im Beckenbodenbereich könnnen auch auftreten. Weitere Symptome sind Müdigkeit, Stimmungsschwankungen, Kopfschmerzen und Blähungen.
Folgende Erkrankungen, welche den Beschwerden eines Beckenvenenstauungssyndroms ähneln, sollten vorgängig ausgeschlossen werden:
Die Varikose der Schamlippen verursacht Schmerzen, die bis tief in das Becken und bis zu den Nieren ausstrahlen. Weitere Symptome sind Druckgefühl und Schwellung im Beckenbodenbereich bis in den Unterbauch, Schmerzen beim Wasserlassen, Regelbeschwerden und sexuelle Funktionsstörungen.
Fachleute der Gynäkologie können in einer routinemäßigen Ultraschalluntersuchung des Unterleibs die Krampfadern im Bereich der inneren Geschlechtsorgane erkennen und einen begründeten Verdacht auf ein Beckenvenenstauungssyndrom aussprechen. Dadurch lassen sich andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen ausschliessen.
Die Ultraschalluntersuchung durch den Gefässspezialisten ist wichtig für den Nachweis von Verengungen des tiefen Venensystems. Die Magnetresonanz-Untersuchung, bei der ein Kontrastmittel verabreicht wird, bestätigt die Beckenkrampfadern.
Weitere Untersuchungen sind:
Für die Diagnose der Hodenkrampfadern ist eine körperliche Untersuchung durch Fachleute der Urologie nötig. Mögliche Fragen bei der urologischen Untersuchung sind zum Beispiel:
Zuerst wird der Hoden im Stehen untersucht. Sind die Hodenkrampfadern dabei nicht sichtbar, werden Sie gebeten, die Bauchmuskulatur zu pressen oder anzuspannen. Dadurch kann man die Schwellung der Gefässe leichter erkennen.
Weitere Untersuchungen zur Diagnose der Hodenkrampfadern sind:
Nach dem heutigen wissenschaftlichen Kenntnisstand gibt es keine Möglichkeit einem pelvinen Beckenvenenstauungssyndrom vorzubeugen. Wenn Sie an intensiven Beckenschmerzen leiden, insbesondere während der Menstruation oder der Schwangerschaft, sollten Sie ärztlichen Rat einholen und eine Varikose im Becken- und Genitalbereich ausschliessen lassen.
Das pelvine Beckenvenenstauungssyndrom beeinflusst zwar nicht die Lebenserwartung, kann aber die Lebensqualität erheblich verschlechtern. Die chronischen Schmerzen führen bei manchen Betroffenen dazu, dass sie ihre körperlichen Aktivitäten einschränken, Mühe bei der Bewältigung des Berufs und des Alltags haben und möglicherweise auch an einer Depression erkranken. Allerdings variieren die Schwere und der Verlauf der Erkrankung erheblich. Eine erfolgreiche Behandlung ist jedoch möglich.
In den meisten Fällen kann das Beckenvenensyndrom minimal-invasiv (kathetertechnisch) behandelt werden. Die Erfolgsquote bei nachgewiesener Diagnose liegt bei über 80 Prozent, wobei die meisten Frauen beschwerdefrei werden.
Die Behandlung erfolgt in der Regel ambulant. Die Komplikationen nach den beschriebenen Verfahren sind selten und lassen sich leicht behandeln. Etwa ein bis zehn Prozent der Patientinnen sind betroffen. Typische Komplikationen sind eine versehentliche Durchstechung des Gefässes (Gefässperforation), das zum Beispiel einen Bluterguss (Hämatom) in der Leiste zur Folge haben kann, Herzrhythmusstörungen, Thrombosen (Verstopfung der Venen) an nicht gewollten Stellen und allergische Reaktionen auf das Kontrastmittel.