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25.08.2011
Rückläufiger Mineralölimport und Folgen der Waldhof-Havarie ergeben -10%
Der Gesamt-Umschlag der Schweizerischen Rheinhäfen im ersten Halbjahr 2011 sank um 10% gegenüber der Vergleichsperiode 2010. Dass ein negatives Ergebnis resultierte, ist in erster Linie dem deutlich geringeren Import von Mineralöl wie auch der dreiwöchigen Sperre aufgrund der Waldhof-Havarie zuzuschreiben.
Mit dem Juni-Monatsergebnis von 506'613 t (2010: 550'276 t) summiert sich der Gesamtumschlag in den Schweizerischen Rheinhäfen für das erste Halbjahr 2011 auf 2.75 Mio. t. Im ersten Semester des Vorjahres hatten noch 3,08 Mio. t resultiert. Die Verminderung beträgt 10,8%, nachdem der Vergleich nach einem Quartal noch ein fast identisches Ergebnis wie 2010 hatte erkennen lassen.
Sämtliche Anlagen der Schweizerischen Rheinhäfen hatten Rückgänge zu verkraften: In Kleinhüningen wurden 1,32 Mio. t (-4,3%) umgeschlagen, 0,64 Mio. (9,2%) in Birsfelden und 0,8 Mio. t (-10,8%) im Auhafen Muttenz.
Das Aufkommen in den einzelnen Gütersparten entwickelt sich sehr unterschiedlich. Der wichtige Import von «Erdöl, Mineralerzeugnisse» erlebte ein Umschlags-Minus von über 20%. Der Containerumschlag nahm im 1. Halbjahr 2010 gegenüber der Vorjahresperiode um 5% ab. Positiv entwickelten sich die Sparten Landwirtschaftliche Erzeugnisse, Nahrungs- und Futtermittel sowie Steine, Erden und Baustoffe.
Containerverkehr
7'714 TEU wurden im Juni 2011 abgewickelt. Gegenüber dem Vormonat (7'264 TEU) entspricht dies zwar einer Steigerung um gut 6%, der aussagekräftigere Vergleich mit Juni 2010 (8'591 TEU) zeigt aber ein Minus von über 10%.
Entsprechend sehen auch die Halbjahreszahlen aus: Mit 44’883 TEU verzeichnete der Gesamtumschlag gegenüber der Vorjahresperiode (47'285 TEU) eine Verminderung um gut 5%. Dieses Ergebnis könnte sich angesichts der widrigen Umstände – vor allem im ersten Quartal – mit einer rund dreiwöchigen Sperre aufgrund der „Waldhof“-Havarie und teilweise sehr ungünstigen Wasserständen grundsätzlich noch sehen lassen. Zeichen einer Abschwächung sind aber im Exportverkehr festzustellen: Die Menge der abgehenden vollen Container nahm von 17'245 auf 14'193 TEU um fast 18% ab. Leicht verbessert hat sich gegenüber dem ersten Semester 2010 der Importverkehr (volle Behälter) mit 13'340 TEU und damit einer Zunahme um 2,7%.
Weiterhin werden viele Container leer befördert. Einkommend waren dies im ersten Semester des Berichtsjahres 8'386 TEU (-6%) und abgehend 8'964 (+10%) TEU. Dies entspricht 39% der insgesamt umgeschlagenen Behälter. 2010 hatte dieser Wert bei 36% gelegen.
Die Verkehrsentwicklung im Containerbereich ist zum einen eine Folge des gegenüber dem Euro starken Schweizer Frankens. Während die Binnenschifffahrt die Frachten in Franken abrechnet, kalkuliert die auf der „Rheinschiene“ mit dem Binnenschiff konkurrierende Bahn in Euro. Damit hat sich ein nicht zu unterschätzender Wettbewerbsvorteil für die Schiene ergeben.
Eine grosse Rolle für das Semester-Ergebnis 2011 spielte nebst den erwähnten äusseren Umständen auch der Wegfall eines bislang starken Einzelverkehrs. Eine Brauerei verschifft ihre mit alkoholfreiem Bier gefüllten Container neuerdings statt ab Basel ab Strassburg, was im Juni 2011 eine Verkehrsverminderung im Export von rund 400 TEU ergab. Da die leeren Container im Rücklauf via Basel nach Rheinfelden spediert werden, ergab sich bei den leeren Behältern im Juni ein Plus von rund 300 TEU.
Flüssige Treib- und Brennstoffe
Gegenüber dem Vorjahr wurden 1’025'000 t flüssige Treib- und Brennstoffe über die Schweizerischen Rheinhäfen importiert. Der Rückgang um 22,5% ist hauptsächlich in der rückläufigen Nachfrage begründet. Zum einen decken sich die Verbraucher von Heizöl nicht mehr wie in früheren Jahren im Sommer mit genügenden Mengen ein, sondern spekulieren permanent auf günstigere Preise. Zum anderen werden Ölheizungen vermehrt durch andere Heiz-Formen (Solaranlagen, Wärmepumpen etc.) ersetzt. Dazu war der Winter 2010/11 nicht so hart wie in der Vorsaison.
Der Rückgang im Importgeschäft ist anderseits auch der Rheinsituation zuzuschreiben. Nach der havariebedingten Sperrung hat auch das nachfolgende Niederwasser mit entsprechend hohen Frachtraten erhebliche Mengen gekostet. Zudem haben in der ersten Jahreshälfte die hohen Produktepreise dazu geführt, dass in grösserem Umfang Lagermengen abgebaut wurden. Mit dem dramatisch veränderten Eurokurs ist auch der Tanktourismus auf Schweizer Seite zum erliegen gekommen, was den Absatz an Treibstoffen zusätzlich reduziert hat.
Die Branche hofft auf ein besseres zweites Halbjahr und sieht sich durch die Mengenentwicklung im Juli und August in diesem Optimismus bestätigt.
Im Exportbereich – vor allem schweres Heizöl – nahm die Menge zwar um 7% zu. Mit gesamthaft 122'000 t ist dieser Bereich mengenmässig aber nicht sehr bedeutend.
Landwirtschaftliche Erzeugnisse / Nahrungs- und Futtermittel
Der im 1. Quartal 2011 in Folge tiefer Zollansätze festgestellte Mengenzuwachs hat sich bei den landwirtschaftlichen Erzeugnissen nach sechs Monaten noch akzentuiert. Verglichen zum gleichen Zeitraum im Vorjahr konnte die Menge im ersten Semester 2011 im Import um 32,6% auf 188’797 t gesteigert werden. Beim – mengenmässig allerdings geringen – Export beträgt die Steigerung bei einem Semestertotal von 5'382 t sogar über 80%.
Der Bereich Nahrungs- und Futtermittel lässt im wichtigen Importverkehr eine erfreuliche Steigerung um knapp 15% auf 204'936 t erkennen. Der vergleichsweise unbedeutende Exportverkehr nahm um 20% auf 59'786 t ab.
Mit diesen positiven Zahlen werden langsam wieder die Werte aus 2008 erreicht, nachdem 2009 in dieser Gütersparte ein ausserordentlich schlechtes und 2010 ein eher mittelmässiges Jahr gewesen waren.
Feste mineralische Brennstoffe
Auch im 2. Quartal 2011 blieb die Einfuhr von festen Brennstoffen unter den Erwartungen. Als Folge der bis im Monat Mai tiefen Wasserstände wurden Verladungen in den Seehäfen zurückgestellt und die immer noch hohen Lagerbestände weiter abgebaut. Die Einfuhr erfolgte auch über andere Bezugsquellen und auf dem Ganzbahnweg. Die im ersten Halbjahr eingeführte Menge von 29‘720 t liegt um 39,6% unter der entsprechenden Vorjahresperiode. Neben den tiefen Wasserständen liegt der Grund für die rückläufigen Einfuhren auch in der Substitution von Kohle durch alternative Brennstoffe (Recyclingabfälle). Wohl ist noch mit steigenden Einfuhren im 2. Halbjahr zu rechnen. Die rückläufige Preisentwicklung auf dem Energiemarkt und der tiefe US-Dollar könnten eine solche Entwicklung begünstigen. Trotzdem wird die Gesamtmenge per Ende Jahr kaum 100‘000 t erreichen. (2010: 132‘642 t).
Eisen und Stahl
Der schon nach einem Quartal festgestellte Rückgang der Stahlimporte in die Schweiz und der Transitverkehre von Stahlprodukten über die Schweizerischen Rheinhäfen nach Italien hat sich im 2. Quartal etwas vermindert. Dennoch liegt die Gesamtmenge im ersten Halbjahr 2011 mit 244‘782 t um 29,1% unter dem entsprechenden Vorjahreswert.
Bei den weniger bedeutenden Exporten der schweizerischen Stahlwerke ist im ersten Halbjahr ein Rückgang von 33,5% zu beklagen (Total 29‘359 t), während er im ersten Quartal noch auf Vorjahreshöhe lag. Die Exportschwierigkeiten der schweizerischen Stahlwerke infolge des hohen Schweizerfrankens sind hier deutlich zu spüren.
Zellstoff und Chemische Produkte
Die Einfuhr von Zellstoff und chemischen Produkten lag mit 227‘002 t im ersten Halbjahr 2011 um 13,2% unter dem Wert der entsprechenden Vorjahresperiode. Mit der endgültigen Schliessung der Papierfabrik in Biberist im Juni dieses Jahres werden gegen 50% der über die Rheinschifffahrt und die Häfen importierten Zellstoffmengen wegfallen. Durch die Schwierigkeiten, in welche die übrigen Papierfabriken in der Schweiz wegen des hohen Schweizerfrankens geraten sind, muss mit zusätzlichen Mengeneinbussen in diesem Segment gerechnet werden.