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Zürich, 17.11.2020
Bei der Mehrsprachigkeit in der Bundesverwaltung klaffen Theorie und Praxis zwar nach wie vor auseinander, aber die Angehörigen sprachlicher Minderheiten holen auf. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung des Zentrums für Demokratie Aarau (zda).
Es erstaunt wenig, dass vor allem die Deutschsprachigen in der Bundesverwaltung übervertreten sind. Konkret: In 45 von 67 Verwaltungseinheiten ist der Anteil deutschsprachiger Angestellter höher als er eigentlich sein sollte.
Geregelt ist die Vertretung der sprachlichen Minderheiten in der Bundesverfassung, seit 2007 im Sprachengesetz und in Verordnungen. Die Sprachenverordnung sieht Zielbänder für den Anteil der Mitarbeitenden aus den jeweiligen Sprachgemeinschaften vor. Demnach sollten Deutschsprachige nicht mehr als 68,5 bis 70,5 Prozent der Mitarbeitenden in der Bundesverwaltung ausmachen, Französischsprechende 21,5 bis 23,5 Prozent, Italienischsprechende 6,5 bis 8,5 Prozent und Rätoromanischsprechende 0,5 bis 1,0 Prozent.
Die Untersuchung des zda ergibt nun, dass die Angehörigen der rätoromanischen Sprachgemeinschaft in 55 von 67 Verwaltungseinheiten der Bundesverwaltung untervertreten sind, die der französischen Sprachgemeinschaft in 46 Verwaltungseinheiten und die der italienischen Sprachgemeinschaft in 41. Die deutschsprachigen Angestellten sind in 16 Verwaltungseinheiten untervertreten.
Unterschiede zwischen Bundesämtern
Diese Angaben lassen erahnen, dass die Unterschiede zwischen den Bundesämtern gross sind. Einige Beispiele: Besonders krass ist die Übervertretung der deutschsprachigen Gemeinschaft im Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) und im Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK).
Hingegen sind im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) Frankophone und im Eidgenössischen Finanzdepartement (EFD) die italienische Sprachgemeinschaft übervertreten. Weitgehende Konvergenz herrscht im Eidgenössischen Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF).
Insgesamt zeigt sich, dass sich die Vertretung der verschiedenen Sprachgruppen unter allen 35'000 Angestellten des Bundespersonals den Zielvorgaben angenähert hat. Seit der Jahrtausendwende hat sich die Überrepräsentation der Deutschsprachigen abgeschwächt, die Anteile der Sprachminderheiten nähern sich dem Sollbereich an. Allerdings sind auf der Ebene der Topkader die Deutschsprachigen nach wie vor übervertreten gegenüber untervertretenen Italienischsprachigen.
Deutsch dominiert die Kommunikation
Ein anderes Bild ergibt indes der Gebrauch der Amtssprachen innerhalb der Bundesverwaltung: Italienisch fristet hier ein Schattendasein, neben der Dominanz des Deutschen. Auch Französisch wird häufig für die interne Kommunikation genutzt; dieser Anteil hat in den letzten Jahren zugenommen. Zudem hat das Englische stark an Bedeutung gewonnen, besonders im Wirtschaftsbereich und in der internationalen Zusammenarbeit - obwohl Englisch keine Amtssprache ist.
Zudem zeigt die Untersuchung des zda, dass die Massnahmen zur Förderung der Mehrsprachigkeit beim Bundespersonal weitherum akzeptiert sind. Auffällig ist indes, dass die Deutschsprachigen diese Massnahmen für wirkungsvoll halten während die Hälfte der Französischsprachigen und fast drei Viertel der Italienischsprachigen sie als weitgehend wirkungslos erachten.
Für die Untersuchung hat das zda das EDV-gestützte Personalmanagement-System des Eidgenössischen Personalamts ausgewertet und Befragungen unter den 35'000 Bundesangestellten durchgeführt. Die Untersuchung ist eine Synthese von verschiedenen Forschungsprojekten, deren Schwerpunkte auf dem Zeitraum von 2006 bis 2018 lagen.