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| Epiphanius v. Salamis († 403) - Gegen die Antidikomarianiten (Panarion Haer. 78.)

20.
Was nun aber das betrifft, daß Joseph Maria erkannte, so war das kein Erkennen im Sinne ehelichen Gebrauches, kein Erkennen im Sinne ehelicher Vereinigung; sondern er erkannte sie, indem er ehrte die von Gott Geehrte, Denn er wußte [zunächst] nicht, daß sie so großer Herrlichkeit gewürdigt sei, bis er sah den Herrn vom Weibe geboren. Der Satz aber: "bevor sie zusammenkamen, fand es sich, daß sie empfangen hatte" soll verhüten, daß die Meinung derer durchdringe, die da glauben, das von Gott veranstaltete Geheimnis stamme aus einer Verbindung mit einem Manne. Darum sagte die Schrift: "Bevor dies geschah, was zu erwarten war", aber dies ist nicht geschehen. Denn angenommen auch, daß von Joseph eine eheliche Vereinigung mit der Jungfrau erwartet wurde — was ja wegen seines Greisenalters gar nicht möglich war —, so baute die Schrift doch schon vor, gibt uns den [rechten] Standpunkt und macht unsere Gesinnung sicher, da ja schon das in Rede stehende Ereignis der göttlichen Geburt hinreicht, uns zu überzeugen, daß kein Mann zur ehelichen Verbindung der Jungfrau sich nahe; wie ja auch der Engel den Joseph überzeugte, daß die Vermutung nicht zutreffe, die er selbst hegte. Denn entsprechend dem Vorausgesagten: "Bevor sie zusammenkamen" — was erwartet wurde, aber nicht eintrat —, heißt es: "Da er gerecht war, wollte er sie nicht anzeigen, sondern heimlich entlassen", — wobei die Meinung ist, als wäre er durch das Anzeigen schlecht geworden, was aber nicht eintraf; so belehrt ihn ja auch der Engel mit den Worten: "Fürchte dich nicht, zu dir zu nehmen Maria, dein Weib, die es noch nicht geworden ist, und die bei dir im Verdachte eines Fehltrittes steht, aber nicht so ist, wie du glaubst, usw." Denn sofort sagt er folgerichtig: "Das in ihr Geborene", als wäre es schon geboren. Darauf folgt wieder wie etwas Zukünftiges: "Sie wird einen Sohn gebären." Denn so verhielt es sich. Aber zur Befestigung des Glaubens geschah jene Vorankündigung, wie wir uns auch begnügen mit den Worten: "Bevor sie zusammenkamen", [und dabei glauben,] daß das überhaupt nicht geschehen ist. "Bis sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen" ist nach denselben Grundsätzen auszulegen wegen der wunderbaren Erkenntnis betreffs der Jungfrau, die Ehre vor Gott erlangt hat.