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SRF DOK: Herr Koch, wann hörten Sie zum ersten Mal von Ebola und wie haben Sie reagiert?
Daniel Koch: Ebola ist mir seit der Entdeckung des Virus Mitte der 1970er-Jahre bekannt, und seither verfolge ich die Entwicklung. Vor allem an den Ausbruch in Uganda im Jahr 2000 erinnere ich mich lebhaft, da ich das Land gut kenne und zu jenem Zeitpunkt beim Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) arbeitete. Wir waren damals sehr besorgt, aber der Ausbruch konnte zum Glück relativ schnell unter Kontrolle gebracht werden.
Der Film «Ebola – Suche nach Heilung» thematisiert, wie Fachleute weltweit nach einem Impfstoff gegen Ebola forschen. In der Schweiz läuft bereits seit kurzem eine Ebola-Impfstudie an 115 Freiwilligen. Sie sind Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten beim BAG. Was erwarten Sie: Ein Durchbruch?
Die aktuelle Epidemie in Westafrika ist die bislang grösste. Sie zeigt, dass man Ebola-Ausbrüche mit den konventionellen, medizinischen Methoden nicht immer rasch bewältigen kann. Deshalb wäre ein Impfstoff als zusätzlicher Hoffnungsträger sehr willkommen. Wenn alles gut läuft, hätten wir so für die Zukunft ein Instrument, um Ebola-Krisen frühzeitig und effizient zu begegnen. Die Geschichte des Gelbfiebers zum Beispiel hat gezeigt, dass sich eine Krankheit mit einer guten Impfung weltweit kontrollieren lässt, auch wenn man sie nie ausrotten kann, weil sie bei Wildtieren weiterhin existiert. Trotzdem, und das liegt mir am Herzen: Man darf jetzt nicht abwarten, bis die Resultate der Impftests vorliegen, sondern muss wie bisher alles daran setzen, die Situation in Liberia, Sierra Leone und Guinea unter Kontrolle zu bringen.
Die meisten dieser freiwillig Geimpften sind medizinisches Personal. Heisst das, diese geimpften Personen werden in Afrika eingesetzt und danach weiss man, ob der Impfstoff auch tatsächlich schützt?
Nein, in der jetzigen Versuchsphase geht es darum, die Sicherheit und die Dosierung des Impfstoffs zu prüfen. Erst in der nächsten Phase wird die Wirksamkeit getestet. Diese Studie ist jetzt in Vorbereitung, und wenn alles klappt, beginnt sie vor Ende Jahr in den drei westafrikanischen Ländern, die von der Epidemie betroffen sind.
Falls die Impfstudie erfolgreich ist, wer wird dann geimpft? Soll auch die Bevölkerung Zentralafrikas durchgeimpft werden?
Eine Impfung macht nur dann Sinn, wenn man gefährdete oder potentiell gefährdete Personen impft. Welche Impfstrategie am Schluss zum Tragen kommt, kann man jetzt noch nicht sagen.
Zum ersten Mal tauchte das Ebola-Virus 1976 im Kongo auf: Warum wird erst 38 Jahre später an Impfstoffen gearbeitet?
Es wurde schon länger an Impfstoffen gearbeitet, aber da die Ausbrüche immer sehr rasch unter Kontrolle gebracht werden konnten, gab es keinen wirklichen Bedarf. Heute werden Impfstoffe zudem ganz anders entwickelt als noch vor 20 Jahren. Deshalb musste man jetzt wieder von vorne anfangen.
Ebola beherrscht die Agenda – finden Sie zu Recht? Oder gibt es andere Viren, die Ihrer Ansicht nach mehr in den Fokus rücken sollten?
Man sollte Krankheitserreger nicht gegeneinander ausspielen oder gar eine Rangliste erstellen. Mit Ebola haben wir ein akutes Problem, dass sehr viel Leid in einer sehr armen Region hervorruft und darüber hinaus ein grosses Gefahrenpotential für den Rest der Welt darstellt. Daher muss man das Problem jetzt und vor Ort möglichst schnell lösen.
Daniel Koch
Seit 2008 Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten im Bundesamt für Gesundheit (BAG). Koch hat Medizin studiert. Beim IKRK arbeitete er 15 Jahre als medizinischer Koordinator in Krisengebieten und medizinischer Mitarbeiter in Genf. In dieser Zeit war er mehrmals in Sierra Leone.