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«Meine grösste Sorge ist, dass wir eine Welt schaffen mit glänzenden Technologien in einer heruntergekommenen Gesellschaft», sagte MIT, Link öffnet in einem neuen Fenster-Ökonom Andrew McAfee seine Befürchtungen in einem TED-Talk, Link öffnet in einem neuen Fenster. Er meint eine Gesellschaft, in der die gut Gebildeten zu den Gewinnern gehören – und die einfachen Angestellten und Arbeiter zu den Verlierern, weil sie durch Computer und Roboter ersetzt werden. Für den Ökonom hat dieser Prozess bereits begonnen; die Verlierer bekommen die Konsequenzen jetzt schon zu spüren.
And my biggest worry is that we're creating a world where we're going to have glittering technologies embedded in kind of a shabby society and supported by an economy that generates inequality instead of opportunity.
Das erste Zeitalter der Maschinen begann vor 200 Jahren: Dampf und später Elektrizität ersetzten Muskelkraft. Von Anfang an fürchteten sich die Menschen davor, durch Maschinen verdrängt zu werden – zu Unrecht, meinen die Ökonomen.
Die Maschinen werden uns ähnlich
Den Beginn des zweiten Zeitalters der Maschinen datieren die beiden Autoren auf 1997, als es IBM mit dem Computer Deep Blue, Link öffnet in einem neuen Fenster gelang, den ehemaligen Weltmeister Garri Kasparow zu schlagen. Maschinen nehmen dem Menschen nun neben der physischen auch geistige Arbeit ab. Und dieser Prozess läuft in einem noch nie dagewesenen Tempo ab: 2004 galt das Steuern eines Autos als eine Aufgabe, die ein Computer nie beherrschen wird, da alleine die Bild-Analysen aus den Kameras eines fahrenden Autos als zu komplex galten. Ein paar Jahre später liessen sich McAfee und sein MIT-Kollege Erik Brynjolfsson von einem autonomen Fahrzeug durch den dichten Verkehr auf der Route 101 chauffieren.
Auch der Schachcomputer Deep Blue war erst der Anfang. Mit dem Computergprogamm Watson, Link öffnet in einem neuen Fenster entwickelte IBM ein System, das in der Lage war, Sprache zu analysieren, Inhalte zu recherchieren und Antworten zu formulieren. Das Computer-System wurde 2011 mit einem Schlag berühmt, als es in der TV-Quiz-Show «Jeopardy» zwei Champions schlug und eine Million Dollar gewann.
Schlau und schnell
Möglich machen diese Entwicklung neue Software-Techniken wie maschinelles Lernen und Prozessoren, deren Rechenleistung kontinuierlich exponentiell zunimmt. Im ersten Wettstreit zwischen Deep Blue und Kasparow verlor die Maschine und IBM musste die Hardware massiv aufrüsten, damit es ein Jahr später zu einem Sieg reichte. Heute genügt als Hardware ein Handy, um einen Schach-Grossmeister zu schlagen.
Watson verfügt über Kompetenzen, die mit denen eines Angestellten in einem Call-Center vergleichbar sind und diese neuen Fähigkeiten der Maschinen machen Angestellte im Dienstleistungs-Sektor zunehmends überflüssig. Brynjolfsson erzählt, wie man den traditionellen amerikanischen «Tax Preparer», eine Art Steuerberater, durch Software ersetzen kann, die man für 39 Dollar erhält. Er spricht von einem Rennen zwischen Mensch und Maschine, das begonnen hat.
Der Ausweg aus dem Dilemma
Doch der Abstieg in eine Zweiklassen-Gesellschaft, wie sie McAfee fürchtet, ist nicht einfach vorprogrammiert. Der Ökonom ist überzeugt, dass sich Lösungen finden lassen, wenn Politiker und Manager sich der Problematik bewusst werden. Ein möglicher Ansatz: negative Steuern, die amerikanische Variante des bedingungslosen Grundeinkommens.
Racing with the machine beats racing against the machine.
Und auch sein Kollege Brynjolfsson ist optimistisch: Nicht die Technik entscheidet über das Schicksal des Menschen, sondern der Mensch selbst. Das Rennen Mensch gegen Maschine ist nicht einfach vorprogrammiert, es gibt auch ein Miteinander. In einem Schachwettkampf, in dem menschliche Teams mit Computer-Unterstützung kämpften, gewann ein Team, das weder aus Schachprofis bestand noch über einen Grossrechner verfügte. Was zählte, war das Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine: «Das beweist, dass Menschen, die optimal mit Computern zusammenarbeiten, jede Maschine oder jeden Spezialisten schlagen können, die alleine kämpfen», meint Brynjolfsson.