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Geschichte des Kitesurfings
Schon 1`000 v.Chr. haben die Chinesen erste Bambus- und Seiden-Drachen hergestellt. Diese wurden für den Fischfang verwendet. Samuel Franklin Cody entwickelte um 1903 einen aus quadratischen Elementen bestehenden sogenannten Cody-Drachen. In gleichen Jahr fuhr er, von einem Drachen gezogen, mit einem Boot über den Ärmelkanal. Francis M. Rogallo erfand etwas später den Delta-Drachen, welcher viel leistungsfähiger war. Der Delta-Drachen ist nach dem griechischen Buchstaben Delta benannt. Der Delta-Drachen ist einfach aufgebaut, hat eine hohe Leistung, ist viel besser zu steuern und ein Boot kommt damit viel schneller ins Gleiten.
Im Oktober 1977 wurde der erste Kite von Gijsbertus Adrianus zum Patent angemeldet. Er wird als erster Kitesurfer überhaupt bezeichnet, welcher mit einem Softkite, einem Gurt und auf einem Surfboard über das Wasser gefahren ist.
1981 schwappte das Kitesurfen nach Deutschland hinüber. Erstmals ausgeübt wurde es auf der Ostseeinsel Fehmarn. 1981 baute hier Bernd Hiss mit 14 Jahren sein erstes Windsurfbrett. Mit diesem gewann er viele Wettbewerbe.
1993 kam der erste Tubekite der Gebrüder Legaignoux auf den Markt. Daraus entstand das bis heute verwendete WIPIKA (Wind Powered Inflatable Kite Aircraft) Drachensystem. Dieser WIPIKA Kite ist mit aufblasbaren Kammern und Schläuchen versehen, welche mit Luft vollgepumpt werden müssen. Bei ausgelegten Leinen ist es mit diesem Kite viel einfacher zu starten. Der WIPIKA-Kite ist die eigentliche Geburtsstunde des Kitesurfens, wie wir es heute kennen. Ab diesem Zeitpunkt wurden viele Kitesurf-Championships, wie Worldcup-Championsship Tour und die Kiteboarding Pro Worldcup Tour durchgeführt. Seit 1997 wurden die ersten Kiteboards serienmässig hergestellt.
Auch Robby Naish, die absolute Windsurferlegende, war vom Kitesurfen begeistert und beginnt 1998 diesen Sport auszuüben. Daraufhin wurden viele Kitesurfschulen auf Hawaii gegründet.
Im Jahr 2000 wurde ein offizielles Kitesurf Ausbildungskonzept erstellt, damit sich Kitesurflehrer offiziell und einheitlich ausbilden konnten. Dies war auch der Durchbruch des Kitesurfens in Deutschland. Bernd Hiss erfand das Carved Board, mit welchem auf dem Wasser perfekt gegleitet und in beide Richtungen gefahren werden konnte, ohne die Fussposition zu wechseln. 2001 wurden die 5-Liner-Kites, von der Marke North Kiteboarding erfunden. Diese Bretter waren perfekt designt. Die Marke wurde zu einem führenden Kitesurfboardhersteller. (2)
Ab dem Jahre 2004 wurden endlich auch die Sicherheitssysteme verbessert, da vorher die Sicherheit der Bars nicht richtig gewährleistet war.
Material
Am 8. August 2017 war es nicht besonders gemütliches Wetter im Oberengadin. Es war Daunen-Jacken-Wetter, und dies im August! In Silvaplana kann es auch im Sommer sehr ungemütlich sein, wenn nicht sogar schneien. Für alle, die im Sommer ins Oberengadin gehen wollen ein warmer Tipp: Es sollte unbedingt eine dicke Jacke eingepackt werden.
Kite, Leash und Bar
Fangen wir beim grössten Materialbestanteil an, dem Kite. Es gibt ganz kleine Kites, welche nur rund 3.5 m2 messen. Danach gibt es 4er (ab CHF 760.--), 5er bis zu ganz grossen Kites, welche über 19m2 (um CHF 1700.--) messen. Mit den kleinen Kites kann bei grossem Wind sehr gut gesurft werden. Und mit grossen Kites, kann auch bei ganz schwachem Wind gesurft werden. Es gibt verschiedene Kite Kategorien, wie z.B. Freeride, Freestyle, Wave, Race und Bow Kites. Bow Kites sind sehr gross und können bei wenig Wind verwendet werden. (3)
Zum Kite gehört auch die Leash, bzw. eine Bar, welche mit dem Surfer und dem Kite verbunden ist. Die Bar (19cm bis 60cm) hat Steuerungs- und Sicherheitsleinen, die bis zu 30 Meter lang sein können.
Ausserdem muss ein Trapez getragen werden, an welchem der Schirm, bzw. die Bars des Kites befestigt werden. Dies wird verwendet, da die Zugkraft des Kites manchmal nicht mehr mit der eigenen Muskelkraft gestemmt werden kann. Das Trapez wird um die Hüfte oder die Taille geschnallt. An der Seite des Trapezes ist eine integrierte Halterung für die Safty-Leash befestigt. Ein Helm ist für Anfänger zudem nicht die schlechteste Idee. (4)
Boards
Bei den Kitesurfboards gibt es auch Unterschiede. Von 128 cm bis 165 cm, gibt es jedes mögliche Design, Breite, Dicke und natürlich muss es den individuellen Bedürfnissen entsprechend angepasst werden. Bei den Boards wird zwischen verschiedenen Kategorien unterschieden. Da gibt es die Twin Tips, auch Bi-Directional Boards genannt. Diese sind besonders gut für Anfänger geeignet, da das Board in beide Richtungen gefahren werden kann und ein Fusswechsel zum Wenden nicht notwendig ist. Die Boards sind rechteckig, das Deck ist flach und symmetrisch. Es gibt von diesen Twin Tips breitere und längere Bretter, welche je nach den Bedürfnissen des Surfers eingesetzt werden. Daneben existieren Freestyle-, Freeride-, Lightwind-, Freeride Big Air-, Competition Freeride-Bretter und viele mehr. Je kleiner die Bretter sind, desto besser muss gefahren werden können. Auf dem Brett sind sogenannte Footpads angebracht, um die richtige Position des Fusses zu halten. So können Tricks gemacht werden, ohne dass das Brett verloren geht.
Directional Boards oder auch Kite-Waveboards besitzen mehr Volumen, als die oben genannten Twin Tips. Sie sind meistens breiter und länger und sehen ein wenig aus wie normale Wellenreiterbretter. Diese können vorne spitzig, rund oder eckig verlaufen. Directional Boards werden meistens ohne Bindungen für die Füsse gefahren, es können aber auch solche angebracht werden. Um die Richtung auf dem Wasser zu wechseln, muss auch die Fussstellung auf dem Brett gewechselt werden. Diese Bretter sind sehr gut zum Freeriden und zum Springen geeignet. Es ist wie ein Surfbrett hergestellt, aus mehreren Sandwichschichten, damit das Brett besser stabilisiert ist. Daneben gibt es noch die Race-Kiteboards, diese werden vor allem bei Wettkämpfen eingesetzt. Sie gleiten besonders schnell und sind viel breiter. (5)
Zudem gibt es ein Mix-Board, aus Waveboard und Twin Tip Board. Diese sehen ein wenig wie Waveboards aus, haben auch dessen eher runde Spitze, besitzen jedoch am Bug nochmals Finnen, damit gewendet werden kann, ohne dass die Füsse die Position wechseln müssen.
Das Neuste was es auf dem Markt für Kitesurfing, Windsurfing, Stand Up Paddling, Wakesurfing und sogar für das normale Wellenreiten gibt, sind die sogenannten Hydrofoil Boards. In Küstengewässern mit grösseren Dünungswellen, kann es am besten genutzt werden. Bei „Foilen“ wird die Gleitschwelle heruntergesetzt und die Bretter kommen auch bei wenig Wind ins Gleiten. So kommt das Board ganz aus dem Wasser. Der Wasserwiderstand wird reduziert und die Haltekräfte im Kite verringert. Es wird jedoch erwartet, dass beim Foilen der Surfer bereits gut surfen kann. Es sieht sehr lustig aus, da nur die Finnen im Wasser sind und man so meinen kann, dass der Surfer über dem Wasser surft. Es wird für das Freeriding, Directional und Surf-Skate verwendet. (5)
Technik
Das Kiten ist im Vergleich zum Surfen ungemein kompliziert, da nicht nur das Board kontrolliert werden muss, sondern auch der Kite. Wenden wir uns nun der Erklärung der Technik zu. Danach kann jeder für sich selbst entscheiden, ob er es ausprobieren möchte oder nicht. Hier eine kleine Zusammenfassung aus meiner kurzen Kite-Karriere:
Als Anfänger müssen zuerst die Regeln beachtet werden. Da das Kitesurfen, wie jeder andere Extremsport, nicht ungefährlich ist. Es ist empfehlenswert, sich einen Kitesurflehrer zu organisieren bis man einigermassen auf dem Kiteboard stehen kann. Zuerst müssen auf dem Festland mit einem kleinen Übungs-Kite in der Luft die verschiedenen Turns des Kites geübt werden. Bis dies sitzt, muss auch klar sein, wie der Kite als Rettungsinsel benutzt werden kann. In der Karibik war es so, dass der Kitelehrer mit mir ins Wasser kam, um mich vor dem Ertrinken zu bewahren. Man nimmt nur den Kite, angemacht mit den Leashes an einem selber mit ins Wasser. Vom Festland geht der Surfer ins Wasser, der Kite ist natürlich schon in der Luft. Auf dem Wasser wird einem bewusst, wie es sich anfühlt den Kite zu bewegen und zu drehen und wie man sich verhalten muss, wenn eine grosse Welle auf einen zukommt. Wenn der Surfer den Kite im Wasser beherrscht, geht man zurück an Land, um sich das Kiteboard zu holen. So wird der ganze Ablauf nochmals eingeübt, einfach zusätzlich mit dem Kiteboard. Der Surfer steigt mit Kite und Board wieder ins hüfthohe Wasser, legt das Brett auf das Wasser, positioniert die Füsse auf dem Brett und macht einen sogenannten Wakeboardstart, wie wir es vom Wakesurfen/Wakeboarden kennen. Dies war eine sehr kurze Zusammenfassung. Für mehr Informationen über die Technik des Kitens gibt es viele Kitesurf Handbooks. (6)
Orte
Es gibt in der Schweiz nur wenige Orte, wo man Kitesurfen kann. Ein Artikel der NZZ aus dem Jahre 2015 bezieht sich auf 20 Kitesurf Möglichkeiten in der Schweiz, was sich aber nur auf Orte bezieht, wo das Kitesurfen erlaubt sein soll, denn Kitesurfen ist nicht überall erlaubt und auch aufgrund der Windverhältnisse gar nicht möglich. (7) Es muss unbedingt zuerst abgeklärt werden, ob an einem bestimmten Ort das Kiten überhaupt erlaubt ist.
Silvaplana
Silvaplana ist der Kitesurfhotspot der Schweiz. Es herrschen jeden Tag perfekte Windverhältnisse, aufgrund des Maloja- und Julier-Winds. Der Maloja-Wind erreicht bis zu 30, der Julier-Wind bis zu 40 Knoten (siehe Windsurfing). Der See ist im Sommer ca. 16 Grad Celsius warm resp. kalt. Die Saison geht von Juni bis ca. Mitte Oktober. Im Winter kann man auf dem gefrorenen See Snowkiten.
Die Swiss Kitesurf GmbH wurde 2004 von Mr. Kite (Stephan) gegründet und wurde seitdem stetig ausgebaut (vgl. Interview mit Maddalena). Die Schule ist sehr gross, hat 18 Mitarbeiter und verfügt über einen Kitesurfshop, wo man Material mieten kann. Zudem gibt es eine kleine Kitesurfbar. Reparaturservice wird auch angeboten, ausserdem kann auch das Material getestet werden. Es werden verschiedene Kurse angeboten (Privat- und Gruppenkurse).
Murtensee
Auf dem Murtensee kann man seit neustem auch Kitesurfen. Hier müssen jedoch ein paar Punkte beachtet werden. Der Startplatz ist an der «Pantschau». Diese befindet sich neben der Schiffsanlegestelle. Dort gibt es auch einen Surfshop und zwei Beachvolleyballfelder.
Es wird berichtet, dass die Winde in Ufernähe am Murtensee ziemlich unberechenbar sein können, obwohl die Windstärke nicht immer sehr stark ist. Darum gibt es die „Local Rules“, die jeder, ob Kiter oder normaler Mensch, beachten sollte.
Urnersee
Auf dem Urnersee werden auch Kitesurfkurse vom Geschäft „Kitefun“ angeboten. Die Instruktionen werden von einem Boot aus gegeben. Der ganze Kurs auf dem Wasser dauert ca. 4 Stunden. Das Geschäft, welches dies anbietet, befindet sich in Luzern, wo es auch einen Kite Shop gibt. Mehr Informationen dazu findet ihr auf ihrer Website.
Auch auf vielen anderen Schweizer Seen, wie z.B. dem Thunersee, Zürichsee, Genfersee und Neuenburgersee wird Kitesurfen bei gutem Wind ausgeführt. Es gibt auch vereinzelt Kitesurfclubs, wo auch Material etc. gemietet werden kann. Mir ist vor allem jedoch nur der Kitesurf Hotspot Silvaplana bekannt und seit neustem auch bei starkem Wind derjenige am Murtensee.
Persönliche Erfahrungen
Wie schon erwähnt, kam ich das erste Mal mit einem Kite in Cabarete (Dominikanische Republik) in Berührung. Cabarete gilt als einer der Welthotspots fürs Kitesurfen. Mein Onkel ist begeisterter Kitesurfer und so kam ich auch auf den Geschmack. Dies war im Winter 2013. Ich wurde neugierig, da mein Onkel manchmal den ganzen Tag am Kitesurfen war. Der Strand ist bei gutem Wind so überfüllt, dass es auch gefährlich werden kann, wenn Menschen am Strand liegen und daneben eine Person versucht, den Kite in die Lüfte zu befördern und dies misslingt. Im Wasser befinden sich hunderte von Kitesurfern. Ich wollte auch mein Glück versuchen und nahm einen Kitesurflehrer. Da der Wind in Cabarete erst um die Mittagszeit richtig auffrischt, ging ich manchmal am Morgen Surfen und am Nachmittag versuchte ich mich im Kitesurfen. Das Kitesurfen übten wir zuerst auf dem Land. So übte ich einige Tage, fand aber schnell heraus, dass das Kitesurfen aufgrund seiner Techniklastigkeit nichts für mich ist.
Da ich mich dem Thema «Surfen in der Schweiz» als Maturaarbeit beschäftigte, kam ich wieder mit dem Kitesurfen in Berührung. In den Sommerferien fuhr ich ins Oberengadin, um dort den Kitesurfhotspot Silvaplana zu erkunden. Der Silvaplanasee ist auf der einen Seite nur für die Kite- und Windsurfer reserviert. Bei gutem Wind befinden sich bis zu über 200 Surfer auf dem See. Es gibt einen Parkplatz, welcher 500 m vom Kitesurfplatz entfernt ist. Daneben befindet sich die Windsurfschule und ein Campingplatz, wo viele Surfer ihre Nächte verbringen. Der Einstieg für das Kitesurfen liegt neben den Tennisplätzen. Es gibt dort eine grosse Rasenfläche, wo alle Kites ausgebreitet werden können. Hinter einer kleinen Anhebung ist die Kite-Sailing-School-Silvaplana stationiert. Sie bieten, wie oben erwähnt alles an was das Kitesurfherz höherschlagen lässt. Die Mitarbeiter sind sehr nett und hilfsbereit. Mit der Kitesurf-Lehrerin Maddalena konnte ich ein ausführliches Interview führen, welches unten zusammengefasst ist.
Einige Fotos von den Ferien, als ich das erste Mal Kitesurfen lernte.
(3) vgl. Bise Noir Broschüre 2017
(6) vgl. IKO Kitesurfer´s Handbook