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Im vierten Band des ersten Teils haben die Herausgeber alle Dokumente versammelt, die in Zusammenhang mit Benekes Tagebuch stehen. Die dabei durchgeführte Unterscheidung nach Bei- und nach Anlagen habe ich zwar nicht verstanden, sie tut aber dem Erkenntisgewinn des Lesers keinen Abbruch.
Denn einen Erkenntnisgewinn hat man tatsächlich. Beneke betrachtete ja seine Tagebücher als eine Art Gesamtkunstwerk, legte erhaltene Briefe und Abschriften abgesendeter Briefe ebenso hinein wie andere Dokumente, die seine jeweiligen Aktivitäten dokumentieren konnten und sollten. Nicht alles blieb erhalten, weil Benekes Erben v.a. Briefe aus den Tagebüchern entfernten und woanders, wenn überhaupt, wieder archivierten. So zeigen nun einerseits Verweise Benekes ins Leere, andererseits ging er aber offenbar auch davon aus, dass, was er ins Tagebuch hineinlegte, nicht unbedingt noch im Tagebuch besprochen werden musste, weil er es offenbar für selbsterklärend hielt – z.B. einen Prospekt (wie wir heute sagen würden) des Hotels, in dem er in Brüssel abgestiegen war.
Sicher, die Gedichte des ganz jungen Beneke können überblättert werden. Wenn schon bei Wieland, Jean Paul oder Baudelaire Juvenilia praktisch nur Wert für den spezialisierten Literaturhistoriker haben, wie dann bei einem Mann, der weder in Literatur, noch in der Philosophie – denn auch darin dilettierte er – irgendwann gross hervorgetreten wäre? (Was Beneke nicht daran hindert, sich in einem Brief selber als „Denker“ zu stilisieren. Doch Beneke denkt allenfalls für sich selber – sprich: um sich selber die Welt verständlich zu machen. Eine originelle bzw. originale Leistung ist nicht ersichtlich.)
Auch bei den Bei- und Anlagen liegt also das Interesse im Kleinen. Da sind z.B. die Briefe des jungen Wirrkopfs, der aus preussischen Diensten nach Amerika auswandern will. „Geh zum Schmied und nicht zum Schmiedchen!“, wird er sich gedacht haben und hat diesbezügliche Briefe gleich an den Präsidenten der USA, George Washington, und an den damaligen US-Aussenminister, Thomas Jefferson, geschrieben. Darin verlangt er u.a. eine zumindest gleichwertige Stelle, wie die, die er aktuell in Preussen inne hat, und verweist auf seine Kenntnisse der – deutschen Rechtsprechung. Das Ganze schreibt er auf Deutsch, denn Englisch kann er fast gar nicht. Er schickt die beiden Briefe zur Übersetzung einem Freund in Bremen. Der war wohl klarsichtiger als Beneke, kannte wohl auch dessen Wankelmütigkeit zu jener Zeit, und liess die Briefe – liegen. Dass Beneke ganz früh schon an Wieland geschrieben hat, um ihm seine Mitarbeit am Teutschen Merkur anzubieten, habe ich bei der Besprechung von Band I/1 schon erwähnt (Link s.o.) – in diesem Band sind nun die Originale abgedruckt. Offenbar angekommen (denn sie sind in Weimar archiviert), aber nie beantwortet, obwohl Beneke mit dem zweiten Brief auf einer Antwort beharrte.
Das bedeutete, nebenbei gesagt, natürlich nicht, dass Benekes Karriere als Autor für Zeitschriften beendet war. Wir finden, was im Tagebuch, wenn ich es nicht überlesen habe, nicht erwähnt wird, drei oder vier Artikel aus der Jahrhundertwende für eine von einem Freund gegründete Hanseatische Zeitschrift, in denen er die drei Hansestädte Hamburg (wo er jetzt lebte und eingebürgert war), Bremen (seine Heimatstadt) und Lübeck (das er selber gar nicht kannte, erst kennen lernen musste) schilderte. Im Hinterkopf des Herausgebers wie des Autors natürlich eine Erneuerung des Hanse-Bundes, im Stil der französischen Satelliten-Republiken. In einem Brief gibt Beneke auch an, Mitarbeiter des Berlinischen Archivs der Zeit und ihres Geschmacks zu sein, hat aber keine Artikel beigelegt, und ich habe diese Spur, ehrlich gesagt, auch nicht weiter verfolgt.
Daneben Benekes Dissertation, seine Verteidungsreden in seinem ersten grossen Prozess als Advokat (die zwei Übeltäter wurden trotz Benekes Intervention zum Tode verurteilt und hingerichtet) und weitere ausführliche Dispositionen, der Brief jenes Freundes, der ihm rät, endlich seine Verlobte in Ruhe zu lassen (Benekes Randnotizen zeigen, dass er nichts verstanden hat), Aufzählungen von Freunden und Bekannten, die zum Essen eingeladen werden müssen (Freimaurer, Juristen vor allem), von Weihnachtsgeschenken für seine Familie. Viele Dokumente sind zusätzlich als Faksimilie beigelegt.
Die Schönheiten solcher Sammlungen liegen im Detail; dennoch erfährt man mehr über das Leben und den Alltag jener Zeit als aus Kompilationen und historischen Werken.