Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03159.jsonl.gz/1031

Von mehreren Walarten weiss man, dass sie Töne hervorbringen, die mit Gesängen vergleichbar sind. Diese Lautäusserungen unter Wasser sind so komplex, dass sie Wissenschaftler vor grosse Rätsel stellen. Tauch ein in die Welt der Sänger der Ozeane!
Ist von Walgesängen die Rede, denkt man als erstes an Buckelwale. Diese Tiere werden 15 bis 17 Meter gross, wiegen rund 40 Tonnen und können ein Alter von 100 Jahren erreichen!
Der Buckelwal: 20 Minuten Gesang mit nur einem Atemzug
Der typische Buckelwalgesang wird nur von männlichen Tieren während der Paarungszeit produziert. Weibchen und junge Wale, die Kälber, verständigen sich mit anderen Tönen. Wenn die männlichen Wale „singen“, tauchen sie in eine Tiefe von etwa 15 Metern und richten das Maul nach unten, so dass sich der Ton optimal auf beiden Seiten verteilt. Die Luft strömt dabei von den Lungen in den Kehlkopf, was die Stimmbänder vibrieren lässt – ähnlich wie beim Menschen. Im Gegensatz zu uns atmen Buckelwale die Luft jedoch nicht aus, sondern füllen sie in eine Tasche im Kehlkopf. Dieselbe Luft können sie dann wiederverwenden, um einen neuen Ton zu produzieren.
Eine strukturierte Melodie
Meeresforscher haben herausgefunden, dass die Gesänge der Buckelwale in eine Art Strophen unterteilt sind. Ist der Gesang zu Ende, kehrt das Walmännchen an die Wasseroberfläche zurück, um zu atmen, bevor es wieder abtaucht und den Gesang erneut aufnimmt.
Man ist sich nicht ganz sicher über den Zweck der Gesänge, aber man geht davon aus, dass sie mit der Partnerwahl zu tun haben. Interessant ist, dass die Wale immer wieder neue „Melodien“ erfinden, die sich innerhalb von ein paar Monaten unter den Tieren verbreiten. Sobald ein neues „Lied“ aufkommt, ersetzt es nach und nach die älteren.
Der Belugawal
Im Gegensatz zu den Buckelwalen gehören Belugas zur Gruppe der Zahnwale. Sie sind zwischen 3 und 6 Metern gross, wiegen zwischen 0.7 und 2 Tonnen und leben im arktischen Ozean. Zahnwale produzieren Töne durch schnelles Klappern und Pfeifen. Insbesondere Belugawale bilden vielfältige Töne und Melodien, die ihnen den Übernahmen „Kanarienvögel der Meere“ eingebracht haben.
Tonproduktion ohne Stimmbänder
Der Ton wird erzeugt, indem die Luft in einen Raum strömt, der sich an der Oberseite des Kopfes befindet und der menschlichen Nasenhöhle entspricht. Dort lässt die Luft die sogenannten „phonetischen Lippen“ vibrieren – wie beim menschlichen Schnarchen. Belugawale besitzen zwei Paare von phonetischen Lippen und können darum zwei voneinander unabhängige Laute ausstossen. Die Luft dringt dann in einen Luftsack, wo sie zur erneuten Tonerzeugung wiederverwendet werden kann. An der Tonproduktion beteiligt ist auch die sogenannte „Melone“, ein Organ im Schädel der Zahnwale, das aus Fett- und Bindegewebe besteht. Man vermutet, dass die Melone den Schall bündeln hilft und als eine Art Resonanzkörper dient.
Mehr als nur Gesang
Die Laute der Wale dienen der Echoortung, also der Orientierung im Wasser mit Hilfe von Schallwellen. Belugawale sind aber auch äusserst soziale Tiere, und man vermutet, dass ihre verschiedenen Laute eine Art Sprache bilden. Belugas können auch Geräusche nachmachen, die ihnen eigentlich völlig fremd sind (siehe unten).
„Gespräch“ zwischen einem Belugaweibchen und ihrem Kalb. Die Mutter ist weiss gefärbt, das Junge grau. Wikimedia Commons, CC-Lizenz
Der Beluga, der menschliche Laute imitierte
Der Belugawal Noc wurde von Inuit-Jägern gefangen und von einer Stiftung in San Diego (USA) aufgenommen. Sieben Jahre nach seiner Ankunft vernahmen seine Pfleger eine Stimme, die sie zunächst einem Menschen zuordneten. Schliesslich erkannten sie aber, dass es Noc war, der in seinem Bassin summte. Dieser aussergewöhnliche Fall ist vermutlich auf den langen Kontakt mit Menschen zurückzuführen.