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Colin Crouch
geboren 1944
lehrte Governance and Public Management an der University of Warwick.
Nationalstaatliches Denken löst viele Probleme nicht
Der bekannte englische Politologe und Soziologe Colin Crouch hat ein neues Buch veröffentlicht: Jenseits des Neoliberalismus; Ein Plädoyer für soziale Gerechtigkeit. Darin äussert er sich sehr detailliert auch zur Frage weltweiter Regulierungen.
Colin Crouch wurde im Jahr 2003 durch sein aufsehenerregendes Buch „Postdemokratie“ international bekannt. Crouch definiert darin die Postdemokratie etwa so: Ein Gemeinwesen, in dem zwar nach wie vor Wahlen abgehalten werden, in dem aber konkurrierende Teams professioneller PR-Experten die öffentliche Debatte während des Wahlkampfs so stark beeinflussen und kontrollieren, dass das demokratische Entscheidungsverfahren zum reinen Spektakel verkommt.
2011 folgte sein nächstes Buch: „Das befremdliche Überleben des Neoliberalismus“. Darin beschäftigt sich Crouch intensiv mit dem sogenannten freien Markt und zeigt auf, warum dieser Markt so oft gar nicht funktioniert und wie er nicht zuletzt von den transnationalen Unternehmungen manipuliert wird.
Diese beiden Bücher stellen wir weiter unten detailliert vor.
In seinem dritten Buch nun zeigt er Wege auf, wie den transnationalen Konzernen, die uns „Normalbürgern“ auf der Nase herumtanzen, beizukommen wäre. Das Problem ist: Die transnationalen Konzerne interessieren sich nicht für die einzelstaatlichen Gesetze. Sie produzieren ihre Güter in jenen Ländern, wo die Arbeitnehmer am wenigsten geschützt sind und die tiefsten Löhne bezahlt werden müssen (zum Beispiel in China oder in Indien). Sie haben ihr Hauptquartier da, wo es ihren Managern am besten gefällt (zum Beispiel in der Schweiz). Sie leiten den Gewinn dahin und versteuern ihn da, wo es am günstigen ist – oder sie versteuern sogar gar nichts (zum Beispiel in Irland).
Um diese transnationalen Konzerne zu disziplinieren, bräuchte es internationale Regeln und Gesetze. Solche werden aber schon anlässlich der dazu geführten Diskussionen massiv bekämpft und erfolgreich verhindert. Von den marktgläubigen („liberalen“) Parteien werden die Grosskonzerne dabei unterstützt. Die sozialdemokratischen Parteien aber sind machtlos, weil sie in nationalstaatlichem Denken steckengeblieben sind und international zu wenig zusammenarbeiten. Die nationalkonservativen Parteien wiederum sind den transnationalen Konzernen sogar nützlich, weil sie ihre Anhänger fast überall mit fremdenfeindlichen Parolen zusammentrommeln und damit die beste Garantie dafür sind, dass die einzelnen Länder keine internationalen Regelungen akzeptieren – und schon gar keine solchen fordern.
Colin Crouch ist kein Gegner der freien Marktwirtschaft; er attestiert ihr viele positive Erfolge. Aber er ist ein vehementer Kämpfer gegen den Missbrauch der freien Marktwirtschaft vor allem durch (korrupte) Firmen und Regierungen und durch transnationale Grosskonzerne.
Seine Beobachtungen und Ausführungen müssen jeden politisch interessierten Bürger und jede aufmerksame Bürgerin und Konsumentin aufrütteln. In seinen Schriften beschäftigt er sich fach- und sachgemäss vor allem mit der OECD, der WTO, der Weltbank, der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich BIZ und ähnlichen Institutionen, kaum aber, aus naheliegenden Gründen, mit der UNO, mit der wir Weltföderalisten uns hingegen besonders gern befassen. Er vertritt mit seinem Gedankengut aber genau das, was die Weltföderalisten auch tun: Man soll politische Kompetenzen zwar so tief „unten“ ansiedeln, wie möglich, aber da, wo es ohne internationale Regulierungen nicht mehr geht, müssen solche eben geschaffen werden. (cm)
(Colin Crouch: Jenseits des Neoliberalismus; Ein Plädoyer für soziale Gerechtigkeit. Passagen Verlag Wien, 2013)
Das Buch "Postdemokratie" gilt als Klassiker der Zeitdiagnose und wurde in mehrere Sprachen übersetzt.
Aus dem Klappentext:
"Postdemokratie": Dieser Begriff des Politikwissenschaftlers Colin Crouch wurde nach dem Erscheinen der Originalausgabe seines Buches zum Kristallisationspunkt der Debatte um Politikverdrossenheit, Sozialabbau und Privatisierung. Crouch hat dabei ein politisches System im Auge, dessen demokratische Institutionen zwar weiterhin formal existieren, das von Bürgern und Politikern aber nicht länger mit Leben gefüllt wird. Der polemische Essay, der in Italien und Grossbritannien bereits als Klassiker der Gegenwartsdiagnose gilt, liegt nun endlich auch in deutscher Übersetzung vor.
Erhältlich beispielsweise bei "Thalia": Colin Crouch Postdemokratie
Für sein Buch "Das befremdliche Überleben des Neoliberalismus", Postdemokratie II, erhält Crouch 2012 den Literaturpreis "Das politische Buch" der Friedrich-Ebert-Stiftung.
Aus dem Klappentext:
"Wenn wir die Konzerne schon nicht stoppen können, sollten wir sie wenigstens vor uns hertreiben". Colin Crouch.
Es sind die gigantischen transnationalen Konzerne, unter denen die Demokratie und das Marktmodell leiden. Doch wir können uns wehren, indem wir uns auf unsere Werte und unsere Macht als Verbraucher besinnen. Das ist die optimistische Vision einer sozialen und demokratischen Marktwirtschaft, die Colin Crouch, Autor des Bestsellers "Postdemokratie", in diesem Buch entwirft.
Christian Müller, Präsident WFCH, zum Buch von Colin Crouch www.infosperber.ch
Erhältlich beispielsweise bei "Thalia": Das befremdliche Überleben des Neoliberalismus
Weitere Publikationen von Colin Crouch: Deutsche Nationalbibliothek