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die regelrecht betriebene Einfangung der Schmuck-, Sing- und Speisevögel, bereits von
den alten Römern und auch im Mittelalter betrieben, hat gegenwärtig, wenigstens in Deutschland,
[* 3] bei weitem nicht mehr die
frühere Bedeutung, weil der
¶
forlaufend
Betrieb sich nicht mehr lohnt, und weil polizeiliche Vogelschutzverordnungen ihn unterdrückt haben. Nur wenige Vogelarten
werden noch in großen Massen gefangen, besonders Lerchen u. a. in Netzen, Drosseln in Dohnen. Im Frühling gefangene Vögel
[* 5] sterben
leicht aus Sehnsucht, auch vertreibt man bei spätem oder gar beim Fang amNest leicht die betreffenden
Vögel für immer aus der Gegend. Jeder Vogelsteller sollte den Vogelfang längstens von Mitte August bis Mitte April betreiben.
Leicht verwundete Vogel lasse man sogleich frei, weil dies die einzige Möglichkeit gewährt, daß sie sich erholen und genesen;
jeden unheilbar beschädigten Vogel mit ausgerissenen und zerbrochenen Gliedern töte man schleunigst.
Ausrüstungsgegenstände beim Fang sind: ein Säckchen mit Asche, um durch Bestreuen und Abreiben weitere Verunreinigung des
Gefieders mit dem Leim zu verhindern;
ein Netzbeutel, in welchem Körnerfresser auf dem Heimweg mehrere Stunden ohne Futter aushalten,
während Kerbtierfresser unterwegs mehrmals mit Mehlwürmern und frischen Ameisenpuppen gestopft werden müssen.
Leimruten
sind dünne, etwa fußlange Reiser, mit zähem, klebrigem Leim bestrichen, auf einem Zweig befestigt oder
in die Erde gesteckt und mit Beeren oder Mehlwürmern geködert. Für kleine und sehr vorsichtige Vögel werden Schweinsborsten
mit Leim bestrichen. Lockbüsche sind Laubholzäste, noch mit den Blättern und überall mit schief stehenden Leimruten belegt
und über einem mit Reisig bedeckten Käfig, in welchem sich der Lockvogel befindet, angebracht.
Finkenstich nennt man den Fang vermittelst eines männlichen Vogels, welchem man die Flügel auf dem Rücken zusammen- und eine
Federspule aufgebunden hat, in der ein gabelförmiges Leimrütchen steckt; läßt man den Vogel an einer langen Schnur dorthin
laufen, wo ein Sänger seiner Art schlägt, so stürzt sich dieser wutblind auf ihn und bleibt am Leim hängen. Dupfen heißt
der Fang mit einer langen, dünnen Stange, an die eine Leimrute gebunden ist, vermittelst derer man harmlose Vögel, z. B. Goldhähnchen,
unermüdlich verfolgt, bis man einen nach dem andern mit dem Leim berührt.
Der Fang mit dem Kauz beruht darin, daß man die kleine Eule mit Leimruten umgibt und unterhalb versteckte Lockvögel anbringt.
Der Fang mit der Vichtel ist ganz ähnlich, nur wird er ausschließlich im Wald betrieben, und man lockt die Vögel mit einer
aus Holz
[* 6] geschnittenen sogen. Vichtelpfeife, welche den Ruf derEule nachahmt, an. Die bekannten, aus Pferdehaaren
oder ungebleichtem Zwirn gedrehten Schlingen werden für mancherlei Fangarten gebraucht, am meisten für die Dohnen, indem man
sie in kleinen Abständen zu beiden Seiten eines Wegs oder Steigs anbringt. Es sind in Bügeln aus Weiden- oder andern Ruten
befestigte Schlingen, geködert mit Vogelbeeren, in denen Drosseln u. a., jedoch nur tot, für die Küche
gefangen werden (Kramtsvögel).
Laufdohnen, Fußschlingen, Schlingenbretter sind in ähnlicher Weise, jedoch auf der Erde angebrachte Vorrichtungen. Der Sprenkel
oder die Sprangrute, die bekannteste und am meisten gebräuchliche Vorrichtung, besteht in einer elastischen Haselnuß- oder
Weidenrute, welche am dickern Ende durchbohrt ist, um die am dünnern Ende angeknüpfte Schlinge aufzunehmen,
und die vermittelst eines Sprung- oder Stellhölzchens befestigt wird. Der Vogelfang mit Netzen wurde früher am großartigsten
betrieben und zwar auf den sogen. Finken-, Lerchen-, Ortolan-, Kramtsvogel-, Star-, Schnepfen-, selbst Schwalben- und andern Herden
sowie auf Tränk- und Wasserherden u. dgl.,
aber nur für Küchenzwecke.
Gleiches gilt in betreff der Lerchengarne, großer Netzwände, in welche man die Vögel abends treibt, oder mit denen man sie
nachts (Nachtgarn), über die Felder dahinziehend, bedeckt. Das Nachtigallgärnchen und andre sogen. Schlaggarne sind
kleine Fallen,
[* 7] die man auf der Erde anbringt und mit Mehlwürmern oder Beeren ködert, und die, durch Federkraft
thätig, vermittelst eines Stellhölzchens gespannt werden. Zum Fang der Rebhühner etc. dient das Stecknetz, das Treibzeug
und der Tyraß.
Der Meisenkasten, ein viereckiges Kästchen von Holz oder Geflecht, wird vermittelst eines Sprunghölzchens zwischen Deckel
und Kasten gestellt und mit Talgstückchen, Mehlwürmern u. dgl.
geködert. Die Kloben bestehen aus einem Sitzholz, welches durch das Gewicht des Vogels niedergedrückt wird und zwei Federn
auslöst, durch die zwei seitliche Bügel zusammenschlagen und die Beine des Vogels umschließen. Die bei uns heimischen Vögel
unterliegen, wenn sie im Herbst auf ihrer Wanderung die Alpen
[* 8] überschritten haben, einer rücksichtslosen
Verfolgung in Italien.
[* 9]
Zwischen den hochstämmigen Bäumen sind 6 m hohe Hagebuchenhecken gepflanzt, welche zwischen sich einen Gang
[* 10] von 1 m Breite
[* 11] lassen und in zwei oder drei Etagen zahlreiche, genau einander sich deckende Öffnungen von 1 qm enthalten.
Die kurzen Seiten der Uccellanda messen etwa 25, die langen 40 mm. Innen an der äußern Laubwand sind Netze ausgespannt, so
daß die Vögel, welche, durch Lockvögel angelockt, in den innern freien Rasenplatz von oben einfallen und aufgeschreckt durch
die weiten Fenster der Laubwand zu entweichen suchen, sich in dem Netz fangen.
Man nimmt die noch nicht flüggen Jungen aus und räumt, wenn es wünschenswert erscheint, auch unter den ältern auf. KleinereVögel bilden eine italienische Nationalspeise, werden teuer bezahlt, auch eingesalzen und in Öl konserviert.
Die Hauptzeit der Jagd dauert von Mitte September bis Mitte Oktober, der Italiener will die Scharen von Vögeln, welche bei ihm
nicht brüten und daher auch keine Insekten
[* 14] vertilgen, nicht mit den Produkten seiner Landwirtschaft füttern und sucht sich
gegen sie möglichst zu schützen; indes nimmt der Sport in neuester Zeit immer mehr ab, weil der Betrieb
der kostspieligen Uccellandas kaum noch lohnt und die Leute ihre Zeit besser zu verwerten wissen. Vgl. Vogelschutz.