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Herr Schindler, Sie sind beinahe so alt wie der «Schweizer Monat». Und Sie haben über zwei Drittel Ihres Lebens in Redaktion und Vorstand der damaligen «Schweizer Monatshefte» mitgewirkt. Nun feiern wir das 90-Jahr-Jubiläum.
Ich bin positiv überrascht. Sie sind jetzt eine Aktiengesellschaft, und ich wünsche Ihnen von Herzen viel Erfolg! Vom ersten Tag an, als ich 1952 in den Vorstand eintrat, war die Finanzierung der Zeitschrift eine ständige Sorge von Redaktion und Vorstand. Aber es ging nicht ums Geld. Es war ein ziviles Engagement und ein Beitrag zu unserer demokratischen Kultur.
Die finanzielle Lage war stets prekär. Gleichzeitig standen hinter der Zeitschrift vermögende Personen. Wie geht das zusammen?
Vermögende Menschen gehen eben oft sehr vorsichtig mit ihrem Geld um. Die «Schweizer Monatshefte» waren nie eine pompöse Veranstaltung. Mitarbeit war Ehrensache.
Dass die Zeitschrift überlebte, ist vor allem den Investitionen des Publizisten und langjährigen Herausgebers Fritz Rieter zu verdanken…
Das stimmt. Die Zeitschrift profitierte von den Beförderungsmechanismen der Schweizer Armee. Fritz Rieter stammte aus einer wohlhabenden Industriellenfamilie und strebte eine Militärkarriere an. Weil Rieter aber nicht über den Grad eines Obersts hinauskam, steckte er seine ganze Energie in die «Schweizer Monatshefte ». Und so kam es, dass Rieter, der das Projekt seit 1921 mitgetragen hatte, über Jahrzehnte das Defizit der Zeitschrift aus seiner privaten Schatulle deckte.
Wie hoch war das jährliche Defizit?
Die Höhe des Differenzbetrags war immer ein gut gehütetes Geheimnis. Es gab zwar Jahresversammlungen, aber Rieter pflegte die Bekanntgabe genauer Zahlen stets elegant zu umgehen. Irgendwie ging die Rechnung immer auf. Alle waren froh, und niemand fragte nach.
1966, vier Jahre vor seinem Tod, gründete Fritz Rieter die Stiftung «Schweizer Monatshefte», die die Herausgabe der Zeitschrift bis 2020 sicherstellen sollte.
Nachdem ich auf Rieters Wunsch nach seinem Tod das Präsidium der Stiftung übernommen hatte, zeichnete sich bald ab, dass die Zinserträge aus dem Stiftungskapital von zwei Millionen Franken nicht ausreichen würden, um die Kosten zu decken. Deshalb nahm ich in den 1980er Jahren an, dass das Stiftungsvermögen spätestens in den 1990er Jahren erschöpft sein müsste. Ich lag falsch. Und freue mich darüber.
Während Ihrer Zeit bei den «Schweizer Monatsheften» erlebten Sie, wie mehrere Kriege geführt wurden, wie Menschen auf dem Mond landeten und wie die Sowjetunion zusammenbrach. Wie hat Ihr Engagement angefangen?
Im Februar 1952 schrieb Heinz Schmutz einen stupiden Artikel über die Subventionspolitik des Bundes. Ich regte mich fürchterlich auf über dessen Argumente, denn zu dieser Zeit dissertierte ich gerade über das Thema. Ich setzte mich also hin und schrieb eine Entgegnung auf Schmutz’ Artikel. Diese Entgegnung schickte ich an den damaligen Schriftleiter – jawohl, so nannte man damals den «Redaktor» – Jann von Sprecher, Sohn von Theophil von Sprecher, dem Generalstabschef der Schweizer Armee im 1. Weltkrieg. Von Sprecher leitete den Aufsatz sofort an den Oberleiter der Redaktion Fritz Rieter weiter, der daran anscheinend Gefallen fand. Der Artikel wurde sofort publiziert. Kurz darauf fragte mich Fritz Rieter, ob ich dem Vorstand der «Schweizer Monatshefte» beitreten wolle. Ich nahm das Angebot ohne zu zögern an.
Der Vorstand war aus namhaften Persönlichkeiten wie beispielsweise Alfred Schäfer und Carl Jacob Burckhardt zusammengesetzt.
Die Sitzungen des Vorstandes fanden jeweils an jenen Tagen statt, an denen Carl Jacob Burckhardt, der Diplomat und ehemalige Präsident des IKRK, ohnehin in Zürich zu tun hatte. Dies war ziemlich unregelmässig der Fall. Wenn also Burckhardt in Zürich etwas zu erledigen hatte, traf sich der Vorstand in Fritz Rieters Villa am runden Tisch im Esszimmer, das nur gegen Osten mit Fenstern versehen war. Ich sehe es noch heute vor mir – es war ein düsteres Zimmer, als wäre die Zeit…