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Persistente Spielwelten
MMO-Games.ch definiert, beschreibt und erklärt persistente Spielwelten, welche in Online Spielen existieren und die Spieler in virtuelle Realitäten entführen.
1. Definition der Persistenten Spielwelten
Der Fortbestand der Existenz, der Zugänglichkeit und der Weiterentwicklung einer Spielwelt wird als Persistenz bezeichnet. Die Persistenz einer Spielwelt ist als Kontinuum zu verstehen. Die Ausprägung der Persistenz einer Spielwelt wird als Persistenz-Grad angegeben.
Persistente Spielwelt: (vgl. Schmidt at al. 2008) Spielen im Netz S.89 f. [31.10.2014].
2. Persistenz-Grad
Der Persistenz-Grad ist die Einheit, in welcher die Ausprägung der Persistenz einer Spielwelt angegeben wird. Der Persistenzgrad wird durch drei wesentliche Faktoren bestimmt. Dies sind der Fortbestand der Existenz, der Fortbestand der Zugänglichkeit und der Fortbestand der Weiterentwicklung einer Spielwelt.
Fast jede Spielwelt hat eine minimale Persistenz, selbst wenn sich diese in einem kaum messbaren Bereich befinden kann, wie das Vorhandensein einer Bestenliste. Keine Persistenz ist vorhanden, wenn nichts darauf hinweist, dass die Spielwelt bereits existierte, bevor ein Spieler sie betrat und nach seinem Weggehen nichts von ihm zurück bleibt. Eine absolute Persistenz ist nicht erreichbar, da sie sich immer weiter steigern lässt.
Neben dem objektivierbaren und messbaren Persistenz-Grad ist das individuelle subjektive Wahrnehmen der Persistenz durch jeden einzelnen Spieler unterschiedlich. Das Persistenz-Empfinden ist somit, wie auch die Wahrnehmung, individuell bewertet und konstruiert.
3. Persistenz durch den Fortbestand der Existenz einer Spielwelt
Der Fortbestand der Existenz einer Spielwelt zeigt sich im Wesentlichen durch die folgenden vier Faktoren. Dies sind die Anwesenheit bisheriger Errungenschaften, das Voranschreiten der Zeit, die Lebensdauer der Spielwelt und die Kontaktaufnahme der Spielwelt mit dem Spieler.
3.1. Errungenschaften
Die persistente Spielwelt existiert auch dann noch, wenn der Spieler sich aus dem Spiel ausgeloggt hat, die Internetverbindung abgebrochen ist und der Computer des Spielers abgestellt wurde. Die Anwesenheit des Spielers ist nicht erforderlich, denn der Spielaccount besteht weiter. Gewisse Errungenschaften des Spielercharakters, wie das erschaffene Reich, der Fussballverein, die militärischen Einheiten oder die Gebäude sind weiterhin anwesend, sie können durch andere Spieler gesehen und gewissen Einflussfaktoren der Spielwelt ausgesetzt bleiben.
3.2. Zeit
Die Zeit im Spiel schreitet voran, ob der Spieler anwesend oder abwesend ist. Das Voranschreiten der Zeit kann durch den Spieler weder pausiert noch gestoppt werden, selbst wenn die Möglichkeit besteht, einzelne Spielaktionen auszusetzen oder abzubrechen.
Läuft die Zeit im Spiel parallel zur realen Zeit, so steigt die Wahrnehmung einer virtuellen Realität, Immersion zusätzlich an. In der Regel ist die Zeit im Spiel jedoch stark komprimiert.
Immersion: (vgl. Balzer 2010) Das Erzeugen von Immersion im Live Rollenspiel S.17 ff. [31.10.2014].
3.3. Lebensdauer
Jede Spielwelt hat eine bestimmte oder unbestimmte Lebensdauer. Je länger eine Spielwelt besteht, umso grösser ist der Persistenz-Grad im Bereich der Lebensdauer.
Die Annahme der Spieler, dass eine Spielwelt niemals endet, intensiviert das Persistenz-Empfinden.
3.4. Kontaktaufnahme
Der Fortbestand der Spielwelt kann sich auch darin zeigen, dass die Spielwelt mit dem Spieler Kontakt aufnimmt. Dies kann durch ein E-Mail erfolgen, welche den Spieler daran erinnert, dass die Kühe auf dem Bauernhof gefüttert werden wollen, dass ein neues Raumschiff gebaut wurde, oder dass innerhalb der nächsten Tage ein Geschenk im Spiel abgeholt werden kann.
4. Persistenz durch die Zugänglichkeit einer Spielwelt
Die Zugänglichkeit zu einer persistenten Spielwelt ist nahezu zu jeder Zeit und aus aller Welt gewährleistet.
Eine hohe Kompatibilität des Spiels mit unterschiedlichen Webbrowsern und Betriebssystemen hat einen positiven Einfluss auf den Persistenz-Grad. Ebenso verhält es sich mit der Stabilität des Systems und der Barrierefreiheit. Die Zugänglichkeit ist möglichst mobil und die Anmeldung möglichst einfach zu halten.
5. Persistenz durch die Weiterentwicklung einer Spielwelt
Die Weiterentwicklung der persistenten Spielwelt ist durch jeden einzelnen Spieler, das Spiel und den Spielbetreiber gewährleistet, unabhängig davon, ob ein einzelner Spieler im Spiel anwesend oder abwesend ist, jedoch in Abhängigkeit der Anzahl und der Effektstärke der Aktionen, der Interaktionen und der Veränderungen, welche in und an der Spielwelt vorgenommen werden.
5.1. Aktionen
In einer persistenten Spielwelt können Aktionen unabhängig von der Anwesenheit eines einzelnen Spielers initiiert, weitergeführt und abgeschlossen werden.
So wird ein in Auftrag gegebener Transport von Waren gestartet, die Ressourcenförderung wird fortgesetzt und ein Gebäude wird fertig gestellt, während der Spieler offline ist.
5.2. Interaktionen
Es gibt eine Vielzahl von möglichen Interaktionen zwischen Spielern, welche begonnen, fortgesetzt und beendet werden können, während die dadurch betroffenen Spieler im Spiel nicht anwesend sind.
Ein Fussballspiel findet statt. Eine Produktionsstätte wird sabotiert oder die Schatzkammer ausgeraubt, während mit einem anderen Spieler ein Friedensvertrag abgeschlossen wird.
5.3. Veränderungen
Veränderungen in und an der persistenten Welt können durch den Spieler, das Spiel oder durch den Spielbetreiber vorgenommen werden.
Der Spieler kann neue Kontinente, Planeten, Technologien, Völker oder Mitspieler entdecken, welche für den Spieler die Spielwelt massgeblich verändern. Das Spiel kann Wetter- oder Wirtschaftsverhältnisse fortlaufend verändern, und mit Updates kann der Spielbetreiber neue Ressourcen und Gegenstände in der Spielwelt einführen.
6. Abgrenzung der persistenten Spielwelten
Von den persistenten Spielwelten sind die virtuellen Realitäten abzugrenzen. Die Persistenz ist hierbei eine Eigenschaft der virtuellen Realität, welche weitere Eigenschaften in sich vereint. Diesbezüglich sind die Grafiktiefe und die grafische Benutzeroberfläche zu erwähnen, welche auf den Fortbestand der Spielwelten keinen Einfluss nehmen, jedoch den Realitäts-Grad der virtuellen Welten massgeblich beeinflussen.
Virtuelle Realität: (vgl. Schmidhuber 2009) Virtuelle Welten S.2 [31.10.2014].
7. Geschichte der persistenten Spielwelten
Der Ursprung der heutigen persistenten Spielwelten der MMO-Games liegt in den Pen & Paper Rollenspielen der 70er Jahre.
Während Chainmail aus dem Jahr 1971 wohl das erste Pen & Paper Rollenspiel war, welches als Tabletop gespielt wurde, gilt Dungeons & Dragons sicherlich als das bekannteste der damaligen Zeit. Es erschien 1974 und begleitet die Geschichte der persistenten Spielwelten in Onlinespielen des Weiteren massgeblich.
In Local Games wurden ab den 80er Jahren Ansätze der persistenten Welten aufgenommen, respektive simuliert, indem das Spiel nach dem Laden eines Spielstands Ereignisse generiert, welche so präsentiert werden, als ob sich die Spielwelt in Abwesenheit des Spielers weiter entwickelt hätte. Der Persistenz-Grad bleibt jedoch bescheiden.
In den 90er Jahren findet schliesslich die eigentliche Geburt der persistenten Spielwelten in persistenten Spielwelten in Onlinespielen statt. 1991 erscheint mit Neverwinter Nights das persistente Fantasy MMORPG welches sich wiederum an den Spielinhalten von Dungeons & Dragons bedient.
8. Kritik an persistenten Spielwelten
MMO-Games mit sehr persistenten Spielwelten begünstigen die Entwicklung einer Sucht im Besonderen, da die Spiele unter anderem eine hohe Präsenz im Spiel erfordern und ein hohes Mass an Immersion erzeugen.
Sucht: (vgl. Suchtpräventionsstelle Zürich 2013) Suchtpotenzial von Games, Internet und Co. S.16 [31.10.2014].- Autor: Christoph Inderkum +, Publisher: MMO-Games.ch +