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Das Oratorium «Die Letzten Dinge»
Insgesamt komponierte Louis Spohr vier Oratorien: «Das Jüngste Gericht» (1812), «Die Letzten Dinge» (1826, englisch als «The last Judgment»), «Des Heilands letzte Stunden» (1835, englisch als «Calvary») und «Der Fall Babylons» (1842).
Inhalt des Oratoriums «Die Letzten Dinge»
Im ersten Teil des Oratoriums steht, wie als Vorausnahme, der Lobpreis Gottes als Dank über die Errettung nach dem Ende der Welt und Gottes Allmacht im Zentrum. «Preis und Ehre ihm, der da ist, der da war und der da kommt!» lautet der erste Chor. Gott der Herr, der Allmächtige wird mit dem dreifachen «Heilig, heilig, heilig» angerufen. Mit dem Satz «Heil, dem Erbarmer, Heil!» schliesst der erste Teil.
Der zweite Teil wird, wie der erste, mit einer Sinfonia eröffnet. Es folgt der Hinweis auf das Ende der Welt, vorgetragen in dramatischen Passagen durch den Bass-Solisten mit dem Orchester. Im Duett (Sopran und Tenor) «Sei mir nicht schrecklich in der Not» wird das Vertrauen des gläubigen Menschen zu Gott zum Ausdruck gebracht. Nach der Zusage von Gott, sich vom gläubigen Menschen finden zu lassen, folgt die Schilderung des Jüngsten Gerichts, welche im a cappella Satz des Solistenquartetts und Chores «Selig sind die Toten» mündet. Gottes Zusage, einen neuen Himmel und eine neue Erde zu schaffen folgen mit dem Versprechen «Siehe, ich komme bald». In der letzten Nummer erkennt der Mensch die Allmacht Gottes und besingt diese: «Gross und wunderbarlich sind deine Werke». Das Oratorium endet mit der Schlussfuge «Sein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit. Halleluja! Amen!»
Ursprung des Textes
Der Text des zweiteiligen Oratoriums «Die Letzten Dinge» wurde von Hofrat Friedrich Rochlitz nach Worten der Heiligen Schrift zusammengestellt. Rochlitz (1769-1842) war deutscher Erzähler und musikalischer Schriftsteller und gab ab 1799 die «Allgemeine Musikalische Zeitung» heraus. Der zusammengestellte Oratorientext war ursprünglich ausschliesslich aus der Offenbarung Johannes übernommen bzw. teilweise verkürzend zusammengestellt. Seine klaren Vorstellungen über die Umsetzung des Textes in Musik und die Dauer des gesamten Oratoriums teilte Rochlitz im Manuskript und in Briefen an Spohr mit. Spohr bemerkte während der Arbeit, dass der Text zu kurz wäre, um ein knapp anderthalbstündiges Werk komponieren zu können. Spohr erhielt von Rochlitz weitere Texte aus Ezechiel, Jeremia, Johannes und Matthäus und komponierte entsprechend eine grosse Eingangssinfonia zum ersten Teil und eine etwas kürzere zum zweiten Teil.
Wirkung des Oratoriums (Bericht zur Zeit Spohrs)
Das Oratorium fand beim Publikum wie bei den ausführenden Musikern sehr grossen Anklang. Spohr selbst war mit seinem Werk sehr zufrieden, in seiner Selbstbiographie (Band II, S. 171f.) schreibt er: «(...) und die Aufführung war fehlerlos. Die Wirkung war, wie ich mir sagen musste, ausserordentlich. Nie hatte ich früher bei Aufführung eines meiner grösseren Werke diese Genugtuung gehabt!» Bei der Uraufführung am Karfreitag 1826 in der lutherischen Kirche in Kassel, musizierten beinahe 200 Musiker und 2000 Menschen erlebten die Aufführung. Kurz nach dieser Aufführung wurde Spohr nach Düsseldorf eingeladen, um dort das Werk beim rheinischen Musikfest zu dirigieren. Das Musikfest wurde um einen Tag verlängert, damit das Oratorium ein zweites Mal gegeben werden konnte! Weitere Aufführungen folgten u.a. in London (1843, 1847), in Bern (1854) und in Würzburg (1859) jeweils in Spohr's Anwesenheit als bejubelter und hoch verehrter Dirigent bzw. Zuhörer.