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Pionierin in bildgebenden Verfahren
Im Jahr 1964 sah der Mikrobiologie-Professor A. P. Waterson den Namen von June Almeida in Publikationen zur Identifizierung von Virusstrukturen und war von den Fähigkeiten der jungen Wissenschaftlerin beeindruckt. Er überzeugte sie, nach England zurückzukehren und in seiner Gruppe am St. Thomas Hospital in London zu arbeiten. Obwohl sie sich kurz darauf scheiden liess und sich als alleinerziehende Mutter ihrer 7-jährigen Tochter wiederfand, erwies sich die Rückkehr nach England in beruflicher Hinsicht als grosser Erfolg.
Seit ihrer Teenagerzeit eine begeisterte Fotografin, begann sie nun, neuartige Methoden der Visualisierung von Viren zu entwickeln: die Immun-Elektronenmikroskopie. Dabei werden dem Präparat spezifische, markierte Antikörper zugesetzt, die sich um das Virus herum anlagern und dabei helfen, es sichtbar zu machen und auf die richtige Stelle zu fokussieren. Danach kann die Konzentration der Antikörper reduziert werden, um Details des Virus zu betrachten. Dazu wird die Technik des negativen Phasenkontrasts angewendet, wobei durch das Abdunkeln des Hintergrunds mit einem metallischen Farbstoff die strukturellen Feinheiten des Virus schärfer erscheinen. Almeida verwendete Phosphorwolframsäure, die, wie der Name schon sagt, Phosphor und Wolfram (ein Schwermetall) enthält.
So konnte die schottische Virologin erstmals das Rötelnvirus im Detail darstellen und Bilder davon anfertigen. Später setzte sie diese Technik auch zur Untersuchung des Hepatitis-B-Virus und von Erkältungsviren ein.
Die Entdeckung des Coronavirus
Im Jahr 1966 beginnt June Almeida mit David Tyrrell zusammenzuarbeiten, dem Leiter der Common Cold Research Unit in Salisbury. Tyrrells Forschungsgebiet sind die Erkältungsviren; seine Gruppe kultiviert unter anderem eine Probe mit der Bezeichnung B814, die einem Schulkind entnommen wurde. Das Virus, das die erkältungsähnlichen Symptome verursacht, lässt sich nicht vermehren und kann auch vorerst nicht identifiziert werden, wie Tyrell 1965 in einem Artikel im British Medical Journal beschrieben hat. Doch dann wenden die Forscher die von Almeida entwickelte neue Methode an und können das Virus sichtbar machen: Es ähnelt dem Influenzavirus, das die Grippe auslöst, ist aber keines. Es ist anzumerken, dass Almeidas frühere Berichte über Beobachtungen von ähnlichen Viren bei Tieren von Fachzeitschriften abgelehnt wurden, da die Bilder für unscharfe Darstellungen von Grippeviren gehalten wurden!