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Bau- und Siedlungsgeschichte Bethlehems
Die Besiedlung des Raums, der vom heutigen Bethlehem eingenommen wird, beginnt womöglich schon im frühen Mittelalter. Beim Abbau eines Teils der Messerli-Grube in den Jahren 1913 und 1914 stiessen die Arbeiter auf eine Reihe von Gräbern mit Skeletten sowie reichen Beigaben. Fachleute identifizierten diesen Fund als ein alemannisch/burgundisches Gräberfeld aus dem 6./7. Jahrhundert mit rund 300 weitgehend intakten Bestattungen. Dieser Fund von nationaler Bedeutung gibt noch heute Rätsel auf. Da aus dieser Zeit Urkunden oder andere Überlieferungen fehlen, lässt sich diese Konzentration von Bestattungen nicht erklären. Ein Hinweis auf eine grössere Besiedlung, wie wir sie beispielsweise von der befestigten gallo-römischen Ortschaft (oppidum) auf der Engehalbinsel kennen, fehlt vollständig. Hingegen muss angenommen werden, dass das Gebiet zumindest zeitweise bewohnt und genutzt wurde und wir hier in guten Treuen von den ersten Bewohnern von Bethlehem sprechen dürfen.
Das Siedlungsbild der Herrschaft Bümpliz weist bereits um 1500 die klare, noch in der Mitte des 19. Jh. bestehende Dreiteilung auf, indem das nachmalige Mühledorf und der Ortsteil Bethlehem leicht abgesetzt sind. Eine für diese Zeit erstaunlich präzise Karte von Pierre Wuillomet von Pätterlingen (Payerne) nennt Bethlehem als eine „Siedlung am Bach“. Separat aufgeführt ist das Neuhaus- und das Brünnengut. Längs des Stadtbachs entwickelte sich seit dem Hochmittelalter das Dorf Bümpliz. Nördlich des Dorfes entstand der Weiler Bethlehem, welcher sich im 17. und 18. Jh. entlang der Bümplizstrasse entwickelte. Die beiden Bauerngüter Bethlehem und Neuhaus, zwei Wirtshäuser sowie eine Säge bildeten lange Zeit den wichtigsten Baubestand. Fast alle Gebäude aus dieser Epoche sind heute verschwunden. Das Bethlehemgut der Familie Feller-Sahli brannte 1928 nieder, worauf der vom Feuer verschonte Wohnteil umgebaut wurde und heute als Wohnhaus und Kindergarten dient (Zelgstrasse 15). Das Neuhausgut musste 1956 den ersten in Berns Westen erbauten Hochhäusern (Neuhausweg 21-25) weichen. Das Brünnengut mit seinem patrizialen Landsitz gehörte im 15. Jh. dem Schultheissen Petermann von Krauchtal und wechselte im Laufe der Geschichte mehrfach den Eigentümer. In Bethlehem begann 1943 eine Bauherrengemeinschaft mit der Erstellung von Einfamilienhäusern am Garben- und Messerliweg (Garbenweg 11ff). 1944 plante und errichtete das Architektenpaar Hans und Gret Reinhard für die Siedlungsgenossenschaft der Holzarbeiter und Zimmerleute auf dem Bethlehemacker eine Reihenhaussiedlung bestehend aus 143 mehrheitlich zweistöckigen Einfamilienhäusern. Ab 1950 hielt die neuere Quartierbebauung mit Wohnblöcken Einzug, z. B. an der Zelgstrasse. Anhaltendes Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum führte zu einer gesteigerten Nachfrage nach Wohnraum. Systematische Gesamtbebauungen mit Hochhäusern wurden als vernünftige architektonische und städtebauliche Lösung dieses Problems betrachtet. Bei den Überbauungen entstanden nicht nur Turm-, Scheiben- und Stufenhäuser, sondern dazwischen auch kleinere Bauten wie Reihen-, Atrium- oder Terrassenhäuser. Überbauungspläne und Sondervorschriften bildeten die Grundlage für diese differenzierten Bebauungen. Das Siedlungsbild von Bethlehem setzt sich zur Hauptsache aus verschiedenen Einzelsiedlungen zusammen. Diese Siedlungsteile werden durch das Vorherrschen eines Bebauungstyps und den dazugehörigen, einheitlichen Aussenraum charakterisiert. Nachfolgend seien einige ausgesuchte Bebauungstypen kurz charakterisiert.
Mehrfamilienhäuser mit 2-3 Geschossen bilden den Wohnraum für 4-8 Familien. Die zwei zusammengebauten Häuser müssen über separate Eingänge betreten werden. Die im Heimatstil gehaltenen Bauten, teils sogar mit Ründe, dienten als Wohnbauten für den Mittelstand. Als schönes Beispiel gelten die Häuser am Sägehof- und Chaletweg.
Schmale, zusammengesetzte Einfamilienhäuser mit meistens zwei Geschossen entstehen ab etwa 1920. Zu jedem Häuschen gehört ein Vorgarten. Dieser an die Gartenstadt-Idee anknüpfender Bautypus sollte den steigenden Bedarf an Wohnraum decken und möglichst kostengünstig und materialsparend zu errichten sein. Im Raum Bethlehem wurden viele solcher Siedlungen durch die Stadt oder Genossenschaften erstellt.
Als flächensparende und doch individuelle Bauform nimmt die Terrassenbebauung eine Mittelstellung zwischen Reiheneinfamilienhaus und mehrgeschossigem Haus ein. Jede Wohneinheit hat eine eigene Gartenterrasse und unverbaute Sicht. Beispiele: Riedernrain, Holenacker.
Nach 1945 entstehen 3- bis 5-geschossige, schmucklose Wohnblocks mit Satteldächern. Die Zeilenbauweise dominiert bei diesen meist grossflächigen Überbauungen. Individuelle Gärten fehlen, die zwischen den Häusern liegenden Rasenflächen werden durch alle Bewohner gemeinsam benutzt.
Bei der differenzierten Bebauung werden Baukörper verschiedener Gebäudehöhen und Dimensionen gemischt. So unterscheidet man Scheibenhäuser mit langer Frontfassade, die abgestuften Kettenhäuser und die Hochhäuser mit mehr als 10 Stockwerken.
Das Verkehrsnetz ist um 1688, dem mutmasslichen Erscheinungsjahr des ersten detaillierten Ortsplans, bereits von erstaunlicher Dichte. Die grossen, zum Teil auf keltische und römische Zeit zurückgehenden Verbindungsstrassen von Bern nach Murten bzw. nach Freiburg führen nördlich und südlich an Bümpliz vorbei. Mehrere Seitenarme davon treffen sich im Ortskern und bilden dort ein lockeres Wegnetz , das an mindestens vier Stellen den Stadtbach überbrückt. Mit unwesentlichen Korrekturen hat sich dieses Strassengefüge bis heute als Grundgerüst des Verkehrsnetzes halten können. Die Entstehung der heutigen Situation von städtischer Dichte aus einem einfachen System von Fahrwegen ging parallel zur baulichen Entwicklung. Der Bau der Autobahn N1 erforderte zum Teil gewichtige Anpassungen an die Hauptverkehrsachsen. Im Norden erfuhr die Eymattstrasse eine veränderte Linienführung und die Neue Murtenstrasse wurde als Umfahrungsstrasse von Bethlehem neu erstellt. Im Nordwesten musste die Niederbottigenstrasse verbreitert und überführt werden und die Murtenstrasse wurde sogar unterbrochen. Die BN-Linie, die heute die Grenze zwischen Bethlehem und Bümpliz bildet, legte eine komplett neue Achse durch die Siedlung.
(Text unter Verwendung von Passagen aus dem Bauinventar der Stadt Bern und von Beiträgen des Ortsarchivs Bümpliz.)
ck
Die Gebäudegruppe Brünnengut
Die Bethlehemer Bauernhäuser
Mehrfamilienhäuser Murtenstrasse
Die Chalets im Heimatstil
Das neue Bauen in Bümpliz/Bethlehem
Die Reihenhäuser
Die Hochhäuser am Neuhausweg
Das Tscharnergut
Die Überbauung Holenacker
Die Kirche Sankt Mauritius
Das Einkaufszentrum Westside

Quartierzentrum im Tscharnergut

Letzte Änderung: 17.12.14 18:14