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Im zweiten Weltcup-Rennen in Snowshoe (USA) innert weniger Tage fielen die Entscheidungen um den Downhill-Gesamtweltcup der Frauen und der Männer. In beiden Konkurrenzen wurde es äusserst knapp, sowohl um den Tagessieg als auch um die Gesamtwertung. Letztlich setzten sich Vali Höll (AUT) und Loïc Bruni durch, beide holten sich als Tagesschnellste auch den Overall-Titel.
Nach dem überraschenden WM-Titel von Camille Balache 2020 in Leogang hätten noch nicht viele darauf gewettet, dass sie 2021 zur ernsthaften Anwärterin auf den Gesamtsieg im Downhill-Weltcup würde. Doch die Romande lieferte im Regenbogen-Trikot eine Glanzleistung nach der anderen, auf unterschiedlichsten Strecken und bei jeder Witterung. Und auch als sie dieses wieder abgeben musste, fuhr sie weiter vorne mit.
Zum Abschluss gab es in Snowshoe einen Doppel-Weltcup, zwei Rennen direkt hinter einander, auf der ruppigen Strecke eine harte Prüfung für alle. Das neunzehnjährige Supertalent Vali Höll (AUT) hatte im ersten Rennen ihren ersten Elite-Weltcup-Sieg erreicht. Camille Balanche wurde ein weiteres Mal Zweite. Myriam Nicole (FRA) liess ihre Konkurrentinnen um die Gesamtwertung als Vierte etwas herankommen. Im Rennen Nr. 2 in Snowshoe, dem siebten des Downhill-Weltcups, zeigte Nicole, dass sie auch anders kann, stellte in der Qualifikation die überlegene Bestzeit auf. Im Finale lieferte Tahnee Seagrave (GBR) die erste Richtzeit. Vali Höll pulverisierte diese. Camille Balanche hatte in ihrem Lauf zu viele kleine Schnitzer, um Höll zu überholen. Im Ziel war sie Zweite, womit sie im Gesamtweltcup sicher hinter der jungen Österreicherin liegen würde. Marine Cabirou (FRA) lag kurz vor dem Ziel in Führung, kam aber mit zu tiefer Geschwindigkeit auf den Zielsprung und verlor so noch 25 Hundertstel auf Höll.
Ruppige Strecke wirft einige Favoriten aus der Bahn
Dann war es an Myriam Nicole, alles klar zu machen. Platz 3 hätte gereicht, um den Weltcup zu gewinnen. Doch die Saison-Dominatorin fuhr auf Sieg, lag lange auf Rang zwei und rutschte im untersten Streckendrittel auf einer unscheinbaren Wiesenkurve weg. Es dauerte noch ein paar Minuten bis Vali Höll begriffen hatte, dass sie nicht nur ihren zweiten Weltcup-Sieg geholt hatte, sondern auch Gesamtsiegerin geworden war. «Das kam so unerwartet. Meine erste Elite-Saison war doch etwas schwieriger als ich gedacht hatte. Dass es am Ende so herauskommt, ist unglaublich», keuchte sie ins Mikrofon. Myriam Nicole wurde mit ihrem Sturz noch Siebte, was für Gesamtrang Zwei reichte. Camille Balanche beendet auch den Downhill-Weltcup 2021 auf Platz Drei.
Im Rennen der Männer musste einer der Favoriten auf den Gesamtsieg zuschauen: Thibaut Daprela (FRA) hatte sich im ersten Rennen in Snowshoe eine Knöchelverletzung zugezogen. In der Gesamtwertung hatte er aber so viel Vorsprung, dass er nur noch von wenigen Fahrern mit einem Sieg abgefangen werden konnte. Ein Glanzlicht setzte Angel Suarez (ESP), der lange im Hot Seat sass und schliesslich als Dritter sein erstes (Dreier-)Podest einfuhr. Es brauchte einen Troy Brosnan (AUS) in Topform, um seine Zeit zu schlagen. Einige Fahrer blieben an einer der vielen Klippen der selektiven Strecke hängen, beispielsweise Loris Vergier nach bester Zwischenzeit und auf dem Weg zum Gesamtsieg. Auch Finn Iles war, als Zweitletzter gestartet, sehr gut unterwegs, touchierte direkt nach einem Drop einen Baum, womit er seinen ersten Weltcupsieg ein weiteres Mal auf später verschob.
Und dann kam jener Fahrer, der dann am besten fährt, wenn er nur noch eine Chance hat: der vierfache Weltmeister Loïc Bruni (FRA). In der ganzen Saison 2021 hatter er noch kein Weltcup-Rennen gewinnen können. Nun lieferte er einen Lauf, wie er ihm 2021 noch nicht gelungen war. Sein erster Saisonsieg bedeutete, dass er seinen Landsmann Daprela abfing und sich nach 2019 erneut den Downhill-Weltcup holte. «Ich hatte nichts zu verlieren, also gab ich einfach Vollgas. Ich bin so glücklich», brachte er seine Gemütslage auf den Punkt.