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Servette hat noch nie einen Titanen aus den Playoffs gekippt. Trainer Chris McSorley weiss warum. Der Kanadier wird wahrscheinlich auch diesmal gegen die ZSC Lions verlieren.
Servette hat seit seinem Wiederaufstieg in die NLA (2002) schon fünfmal die erste Playoff-Runde überstanden und zweimal (2008 und 2013) sogar das Finale erreicht.
Aber dabei nie einen Titanen besiegt. Chris McSorley triumphierte bisher in den Playoffs gegen Fribourg, die Lakers, Ambri, und Lugano (2x). Aber gegen die wahren Titanen (Bern, ZSC Lions) war immer Endstation.
Was sind in diesem Zusammenhang wahre Titanen? Gut zwischen Defensive und Offensive ausbalancierte Teams mit einer guten Mischung aus verschiedenen Spielertypen, die mit vier Linien das Spiel dominieren und entscheiden können. Im 21. Jahrhundert gilt das nur für zwei Mannschaften: Den SC Bern und die ZSC Lions.
Chris McSorley ist um griffige Formulierungen nie verlegen. Der Kanadier weiss warum es gegen die ZSC Lions und Bern noch nie gereicht hat. «Gegen Bern oder Zürich zu spielen ist wie gegen die chinesische Armee zu kämpfen. Immer wenn Du glaubst, es ist überstanden, rollt eine neue Welle heran.» Was er damit meint: Er kann coachen wie er will: Seine Jungs müssen immer und immer wieder gegen gleichwertige oder überlegene Gegenspieler antreten.
Es gibt keine Verschnaufpausen. Bei den Zürchern stürmen in der 3. und 4. Linie Reto Schäppi, Mike Künzle, Morris Trachsler und Chris Baltensberger (alles Nationalspieler) oder Dan Fritsche. Bei Servette sind es auf der gleichen Hierarchiestufe Floran Duoay, Timothy Kast, Noah Rod, Roland Gerber oder Auguste Impose.
Die Ausgeglichenheit über vier Linien kostet viel Geld. Dieses Geld investieren nur die ZSC Lions, der SC Bern und der HC Lugano. Zuletzt hatte Chris McSorley keinerlei Mühe, die weichen und verspielten und von einem unerfahrenen Coach geführten Tessiner zweimal hintereinander in den Playoffs zu überwältigen. Aber gegen die ZSC Lions und den SC Bern verlor er jede Serie.
Diese Unterlegenheit gegen die Titanen ist logisch. Chris McSorley ist Cheftrainer, Manager und Mitbesitzer des Klubs. Deshalb geht er haushälterisch mit seinem Geld um. Den Luxus einer starken vierten Linie und ausreichend Ersatzspielern kann er gar nicht finanzieren. Die Titanen können mehrere Positionen drei- oder vierfach besetzen – Chris McSorley kann sich für eine Position nur einen Spieler leisten.
Chris McSorley hat gegen einen Titanen wie die ZSC Lions nur dann eine Chance, wenn es ihm gelingt, den übermächtigen Gegner zu bodigen, so lange seine Kräfte reichen. Ab Spiel 6 ist er mit ziemlicher Sicherheit verloren. Vor einem Jahr ist ihm im Halbfinal gegen die ZSC Lions mit einem 4:0 in Zürich ein Blitzstart gelungen. Am Ende verlor er Spiel 7 im Hallenstadion 1:4. 2008 half ihm bei Heimvorteil auch eine 2:0-Führung im Final nicht – die ZSC Lions holten den Titel (4:2).
Die ZSC Lions sind selbstsichere Titanen. Die mutigen, offensiv frechen Bieler rangen dem Favoriten immerhin ein siebtes Spiel ab – und waren am Ende chancenlos. Ein Titelgewinn verändert in den Köpfen der Spieler vieles – die Zürcher sind ein bisschen weicher, taktisch ein wenig nachlässiger als im letzten Frühjahr.
Hin und wieder waren während diesem Viertelfinal auch Anzeichen von Überheblichkeit zu sehen. Sie haben ihr bestes Hockey im Frühjahr 2015 noch nie von der ersten bis zur letzten Minute gespielt. Hier liegt die grösste Gefahr.
Servette kann ein oder zwei, vielleicht sogar drei Spiele gewinnen – aber kaum die Serie. Am Ende verliert Servette die Auseinandersetzung gegen die chinesische Armee erneut. Zumal das gegnerische Team jetzt nicht mehr, wie im Viertelfinal, von einem Zauberlehrling geführt wird, sondern von einem grossen Meister. Von Marc Crawford (Stanley-Cup-Sieger und Schweizer Meister).
In einem einzelnen Spiel mag Chris McSorley diesen Bandengeneral auscoachen. So wie er es beim Spengler Cup mit Guy Boucher (Team Canada) getan hat. Aber eben nicht in vier Spielen.