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Eine Aargauer Brieftaubenkamera, die beliebte Bolex B8 und die 16 mm DAC – Filmkamera, mit der die Mondlandung 1969 aufgenommen wurde –sie alle waren mit Kern-Objektiven bestückt. Die Optiken wurden seit 1920 bei Kern in einer eigenen Abteilung entwickelt, wo auch die Linsen und Prismen für die Vermessungsinstrumente hergestellt wurden. Im Rahmen der Foyerausstellung «Kern exakt 200! Vom Zirkel zum 3D-Scanner» präsentiert das Stadtmuseum Aarau eine Auswahl der präzis geschliffenen und polierten Gläser.
Linsen und Prismen sind wichtige Bestandteile der Vermessungsinstrumente und so spielte die Optik auch bei Kern Aarau von Anfang an eine prägende Rolle. Anfangs wurden die optischen Komponenten von ausländischen Lieferanten wie Carl Zeiss aus Jena bezogen und in den Kern-Instrumenten verbaut. Diese Abhängigkeit stellte sich besonders während des ersten Weltkriegs als problematisch heraus. Kern entschloss sich, Optikteile selbst herzustellen und produzierte ab 1920 Linsen, Prismen und Objektive sowie Feldstecher und anfänglich sogar Fotoapparate und Diaprojektoren.
Die «Kern Sport», eine der ersten von Kern produzierten Plattenkameras.
Mit zunehmender Erfahrung und dank eigens entwickelten und verfeinerten Mess- und Kontrollinstrumenten konnten die Qualität und Präzision in der Glasbearbeitung entscheidend gesteigert werden. Der gute Ruf ermöglichte es Kern, so genannte «lose Optiken» wie Prismen, Linsen oder Objektive an Instrumenten- und Maschinenfabrikanten für den Einbau in deren Produkte, darunter für viele Fotokameras, zu liefern.
Blick in die Ausstellung.
Einer der wichtigsten Abnehmer war ab 1944 die Firma Paillard, für welche Kern die sehr erfolgreichen «Switar»-Objektive für die Bolex-Kameras entwickelte. Um der steigenden Nachfrage nach Objektiven für die 8 und 16 mm Paillard-Bolex-Filmkameras gerecht zu werden, gründeten Kern und Paillard zusammen die Tochtergesellschaft Yvar, benannt nach den beiden Standorten Yverdon und Aarau, mit einer zusätzlichen Produktionsstätte für Kinoobjektive. In den 1950er-Jahren avancierte die Optikabteilung für einige Jahre zum wichtigsten Geschäftszweig bei Kern. Mit der Krise von Paillard-Bolex brach jedoch der Absatz von Kinoobjektiven massiv ein. Einen letzten Höhepunkt stellten die Entwicklung und Lieferung von Objektiven für die Apollo-Mondflüge der NASA dar.
Werbeprospekt für die «SWITAR»-Objekitve von Kern für die Firma Paillard.
Im Bereich der Optik war neben der Firma Paillard die Schweizer Armee der grösste Auftraggeber. Mit der Herstellung von Prismenfeldstechern im Jahr 1925 begann die Wiederaufnahme einer bis zum Verkauf der Firma Kern währende Zusammenarbeit, die ein stetiges Einkommen garantierte, auch während den Kriegsjahren. Dazu gehörte eine Vielzahl von optischen Instrumenten wie Beobachtungs- und Zielfernrohre sowie Visiere.
Die Feldstecher und Fernrohre waren auch in zivilen Bereichen, bei Jägern, Alpinistinnen oder Ornithologen sehr beliebt. Obwohl Kern 1988 an die Konkurrenz Wild-Leitz verkauft und die Produktionsstätten in Aarau vor 30 Jahren geschlossen wurden, verbindet man noch heute den Firmennamen Kern mit den Feldstechern.
Werbeprospekt für Kern-Feldstecher.
Das Stadtmuseum und die Freiwilligengruppe Kern nehmen die Optikabteilung der ehemaligen Aarauer Firma in den Fokus und laden zum Austausch ein. An verschiedenen Posten erklären sie, wo überall Linsen und Prismen eingesetzt und wie diese hergestellt und berechnet wurden. Kinder können eigene Lichtbilder malen und diese mit einer Laterna magica an die Wand projizieren.