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Eine Lektüre.
Langsame Heimkehr empfiehlt sich als Lektüre durch feinziselierte Beschreibungen von Natur- und Alltagsphänomenen, aus der Sicht eines Protagonisten (Valentin Sorger), der einen Selbstfindungsprozess durchmacht. Im ersten Kapitel von dreien („Vorzeitformen“, „Raumverbot“, „Das Gesetz“) herrscht bei Sorger ein Zustand der „Selbstlosigkeit“ vor, der die Hinwendung zur Welt der Phänomene begünstigt und gängige Darstellungen von psychischen Vorgängen schon gar nicht aufkommen lässt. Um diesem Text gerecht zu werden, sind die Lesenden aufgefordert, sich ihrerseits einer Schreibe zu öffnen, die ganz der Erscheinungswelt zugewandt ist, d.h. sich sozusagen von sich selbst zu „entleeren“ - in aller Nüchternheit übrigens, ohne irgendwelche „spiritistischen“ Anleihen. Aus dieser kargen, nüchternen Leere heraus „startet“ dann sozusagen die Selbstfindung der Hauptfigur Sorger.
Zunächst eine Einführung auf Video aus dem Jahre 2011.
Meine erste Beschäftigung mit Langsame Heimkehr geht in die Jahre 1987/88 und 1988/89 zurück, in Form von zwei Vorlesungen, die ich in Vergleichender Literaturwissenschaft an der Universität Zürich hielt. Daraus entstand damals das Skript "Die Selbstreflexion des Erzählens bei Peter Handke". Mehr als zwei Jahrzehnte später folgte dieses Video, und jetzt, mehr als ein weiteres Jahrzehnt später, komme ich nochmals auf diesen Text zurück, in durchaus kritischer Haltung meinen früheren Lektüren gegenüber. In der Grundtendenz halte ich diese weiterhin für valabel, insbesondere mit Blick auf das erste Kapitel des Textes, "Vorzeitformen". Aber die folgenden beiden, schwierigeren Kapitel, "Raumverbot" und "Das Gesetz", kommen dabei zu kurz.
Anders als bei gängigen Texten bewegt man sich in Langsame Heimkehr an der Sprachgrenze, d.h. an der Grenze des verfügbar Gesagten zu Phänomenen, die dem Sagen noch nicht verfügbar sind. „Verfügbar gesagt“ ist alles, was schon einmal gesagt wurde, und das trifft auf unsere gesamte Alltagssprache zu. Wir leben in der Wiederholung von schon Gesagtem, d.h. dass wir unser Erleben in unserer Rede auf bereits von anderen Erlebtes verkürzen. Würden wir das nicht tun, wären wir zunächst einmal sprachlos und müssten die Worte, die unser Erleben sagen, erst finden. Dies widerfährt Handke nach eigenem Zeugnis bei der Entstehung von Langsame Heimkehr. Es handelt sich dabei um eine Schreibkrise.
Diese Schreibkrise geht der Erzählung nicht voraus, sondern es wird die Krise selbst erzählt. Mit anderen Worten: Die Krise liegt der Erzählung zugrunde, sie ist, wenn man es dramatisch ausdrücken will, ein „Ringen mit der Krise“. Welche Krise? Die Krise der Möglichkeit, die eigene Erfahrung zur Sprache zu bringen.