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Bauchredner.
Durch die Anwendung des
Kehlkopfspiegels hat man erkannt, daß die alte
Anschauung, die schon
Hippokrates
vertrat und nach welcher die
Bauchrednerkunst eine erworbene oder angeborne Veränderung des
Kehlkopfes bedinge, irrig war,
daß vielmehr der Vorgang einen völlig normalen, nur in bestimmter
Weise ausgebildeten
Kehlkopf
[* 3] erfordert.
Auch die
Ansicht, daß der
Bauchredner den
Ton durch den eingehenden Luftstrom erzeugt, hat sich als irrig erwiesen; das Sprechen geschieht
bei der Ausatmung, allerdings unter Anwendung eines außerordentlich schwachen, kaum wahrnehmbaren Luftstromes, der
¶
forlaufend
auf eine vor den Mund gehaltene Flamme [* 5] fast gar nicht einwirkt. Nach Wagners Untersuchungen sind die Vorgänge bei der Stimmbildung des Bauchredners folgende: Der Kehlkopf wird stets stark emporgezogen, die Gaumensegel ziehen sich ganz nach oben, so daß die äußern Ränder der Gaumenbogen ziemlich steil verlaufen und die normale Rundung ganz verschwindet, das verkleinerte Zäpfchen gleicht dabei einer breitgedrückten Kugel. Die Lage der Zunge war annähernd normal; sie bildete einen runden, die mittlere Mundhöhle fast ausfüllenden Wulst und war nur an der Spitze beweglich: bald breit, bald spitz, bald schaufelförmig.
Der Mund selbst ist leicht geöffnet, die Gesichtsmuskulatur ohne jegliches Mienenspiel. Im Innern des
Kehlkopfes befinden sich die Stimmbänder in gewöhnlicher Anlautstellung, ohne daß sonstige Abweichungen von normalen Zuständen
wahrgenommen werden konnten. Der ganze Vorgang der
Bauchrednerei spielt sich also im Ansatzrohr ab, d. h.
im obern Kehlkopf, in der Rachen- und Mundhöhle, und zwar derart, daß dasselbe in seinen hintern Teilen
verkürzt und nach oben abgeschlossen und im vordern Teil in jeder Richtung, besonders in senkrechter, verengert wird.
Beeinflussend und unterstützend wirkt noch der äußerst geringe Luftverbrauch. Übrigens finden sich Spuren von
Bauchrednerkunst
schon bei den alten Ägyptern und, wie manche Stellen des Alten und Neuen Testaments andeuten, bei den Juden.
Unter den griechischen Bauchrednern war Eurykles zu Athen
[* 6] der berühmteste, von dem diese Künstler in Griechenland
[* 7] allgemein
den Namen Eurykliden erhielten. Vielleicht verdanken auch manche Wunder der alten Zeit, das delphische Orakel, der Stein im Flusse
Paktolos, dessen Töne Räuber verscheuchten, der sprechende Kopf des Orakels von Lesbos, einem geschickten
Bauchredner ihre Berühmtheit. Von den Griechen kam diese Kunst zu den Römern, fand aber bei diesem nüchternen Volk wenig Anklang.
Aus der neuesten Zeit sind als die vorzüglichsten
Bauchredner die Indier bekannt, die ja überhaupt als Gaukler Unübertreffliches
leisten. In Europa
[* 8] sind Engländer und Franzosen gewandter darin als Deutsche.
[* 9]