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Ich konzentriere mich ganz auf den heutigen Tag und dort ausschliesslich auf den Spitzenkampf
Maurer / Petiot, um dieser wichtigen Phase etwas mehr Raum zu geben als sonst
üblich. Ich beschränke mich dafür auf die mir zur Verfügung stehenden Daten
Track, Wetterdaten und einzelne Webcams, also auf eine reine Aussensicht, quasi
aus der Marsperspektive.
Petiot ist zu Fuss nicht
Chrigel gefolgt, sondern hat sich bemüht, zeitgleich einen günstigen Startplatz
zu finden. Das hat funktioniert. Es gibt einen wichtigen Punkt am Monte
Castello, wo sich die beiden Tracks kreuzen. Der nachfolgende Petiot hat hier
einen guten Schlauch und damit alle Optionen offen. Er entscheidet sich mit
einer 10 Km langen Querung, tendenziell gegen den Wind, das östliche Ende der
Bergamasker Alpen anzusteuern. Er kommt dort auf ca. 1800 m unter einem 2100 m
hohen Südosteck an.
Maurer kann etwas früher
an dieser Stelle kein Höhe machen und bleibt klar unterhalb der Krete. Er folgt bei
schwacher Thermik dem Val di Fumo aufwärts. Dort gibt es ostexponiert eine birnenartige
Geländeform wie aus dem Lehrbuch für eine Thermikquelle. Hier kann er die
nötige Höhe für die Gratquerug tanken.
Wir haben eine
Nordwestlage. Die Wolken breiten sich über den Südseiten aus und wachsen kaum
in die Höhe. Im Oberland machen wir die Erfahrung, dass die Thermikmodelle
Gebirgsüberströmungen zu wenig abbilden, leeseits zu gute Werte prognostizieren.
Effektiv ist die Thermik auch schwach. Chrigel quert die Ausläufer der mächtigen Adamellogruppe. Sie sind gegen 3000 m
hoch und bieten windabgewandt felsige Südwestseiten über Hochtälern. Mit zwei 5
Km Querungen kommt man in den Schutz des Monte Masuccio. Mauerer kommt hier mit
gut 2000 m an einer leichten Gratmodulierung mit davorliegnder Kesselform an.
Petiot kann keine Höhe
machen und kommt am folgenden Ostausläufer nur noch bis ca. 1700 m hoch. Er
quert trotzdem das Val Cortenso, kommt in
etwa 1300 m an, findet keine Thermik und muss landen. Zwischenzeitlich hat er
die Rangliste sogar einmal kurz angeführt, aber natürlich nicht wirklich, nur
weil Maurer in die Linie investierte und damit auf der Projektion nicht mehr
vorwärts kam.
Maurer kann die
Posciavoquerung und Fontanquerung mit windwärts gerichteter Linieninvestition
erfolgreich gestalten. Dann verliert er Richtung Sondrio immer mehr an Höhe und
entschliesst sich zur Landung auf 1500 m und dem Aufstieg auf 2300m. In dieser
Zeit scheint sich das Thermikregime zu bessern, man ist über dem unmittelbaren
Talhang und das Relief bietet hier vielfältigere Formen an. Maurer kommt nun
recht gut voran, kann die Graten weitgehend halten und darum auch noch die
Querung nördlich des Comersees anhängen.
Petiot kommt nach seinem Aufstieg
auf 2100 m an dem Nordhang nicht mehr richtig weg und landet wider. Am Schluss
resultiert eine Differenz von 70 Km. Der Marsmensch kann nie ganz sicher
beurteilen, ob eine Differenz auf Grund der Leistung oder schlicht des
Wettkampfglücks zustande kam. Er orientiert sich gezwungenermassen an den
Zahlen. Urs Dubach findet, dass Petiot bisher der beste Kontrahent von Chrigel
seit Alex Hofer war. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Grindelwald, 6. Juli 2017, 20.00
h, Urs Dubach
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