Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03100.jsonl.gz/2743

Antonio Sacchini
geboren am 14.6.1730 in Firenze, Toscana, Italien
gestorben am 6.10.1786 in Paris, Île-de-France, Frankreich
Antonio Sacchini
Antonio Sacchini (* 14. Juni 1730 in Florenz; 6. Oktober 1786 in Paris; vollständiger Name Antonio Maria Gasparo Gioacchino Sacchini) war ein italienischer Komponist.
Leben
Sacchini erhielt seine musikalische Ausbildung in Neapel, wo sein Vater eine Anstellung als Koch hatte. Dort besuchte er im Alter von zehn Jahren das Conservatorio Santa Maria di Loreto und studierte Violine bei Nicolò Fiorenza, Gesang bei Gennaro Manna und Komposition bei Francesco Durante, welcher der Meinung war, Sacchini würde der Komponist des Jahrhunderts werden. Der Erfolg seiner ersten dramatischen Werke, der Intermezzi Fra Donato und Il giocatore, die ab 1756 von Studenten im Konservatorium aufgeführt wurden, führte zu weiteren Verpflichtungen für neapolitanische und römische Theater. Gleichzeitig trieb er seine Karriere innerhalb des Konservatoriums voran; erst wurde er zum maestro di capella straordinario, dann, nach Mannas Rücktritt 1761, zum secondo maestro.
Nach einer Zwischenstation in Venedig, wo er zwei serias komponierte, hatte er 1763 in Padua mit L'Olimpiade, einem Metastasio-Libretto, einen großen Erfolg, der ihn in ganz Italien bekannt machte. Er konzentrierte sich nunmehr auf seine kompositorischen Aufgaben und gab seine Position am Konservatorium auf. Nach einem Aufenthalt in Rom, wo er mit einigen komischen Werken am Teatro Valle reüssieren konnte, ging er 1768 nach Venedig, wo er sich schnell einem Namen als Gesangslehrer machte er unterrichtete unter anderen Nancy Storace und sich der Kirchenmusik widmete. In den nächsten vier Jahren kombinierte er diese Tätigkeiten mit einem regen Schaffen für die großen italienischen Musikzentren. 1770 besuchte er München und Stuttgart, um dort drei serias aufzuführen.
1772 zog Sacchini nach London, wo er im Lauf er nächsten zehn Jahre zunächst große Erfolge hatte. Charles Burney beschreibt seinen Tamerlano von 1773 als
- jedem anderen Musikdrama gleichwertig, wenn nicht überlegen, das ich in der Vergangenheit irgendwo in Europa gehört habe. Die Arien des Hauptdarstellers Millico waren ganz im feinen und ergreifenden Stil dieses Sängers geschrieben, und die der Hauptdarstellerin im lebhaften und nervösen Stil der (Sängerin) Girelli. Und er unterstützte die Fähigkeiten der Nebendarsteller in einer so klugen Weise, dass all ihre Fehler immer verschleiert oder versteckt blieben.
Dennoch kam er aufgrund seiner ausschweifenden Lebensweise, die ihm viele Feinde einbrachte, in Schwierigkeiten, auch finanzieller Art. Um einer Verhaftung zu entgehen, ging er 1781 nach Paris, wo er sich mit dem früheren Erfolg einer umgearbeiteten Fassung seiner Olimpiade einen Namen gemacht hatte, und wurde dort sofort an die Seite der Piccinni-Unterstützer gestellt, die sich einem erbittertern Streit mit den Vertretern von Glucks Reformoper lieferten und auf eine Unterstützung ihrer Position der opera seria neapolitanischer Prägung hofften. Er wurde Marie Antoinette vorgestellt und von deren Bruder Joseph II., der sich zu der Zeit in Paris aufhielt und ein glühender Verfechter der italienischen Oper war, empfohlen. Die Königin, im Bestreben, Sacchini in Frankreich zu halten, überredete daraufhin die Direktoren der Pariser Opéra, sein Gehalt von 10.000 Francs für jede der geplanten drei Opern zu akzeptieren.
Doch Sacchini verstrickte sich schnell in verschiedene Intrigen und Missgünstigkeiten: Die Gluckisten versuchten ihn von seinen Bundesgenossen, den Piccinnisten, zu entfremden, während die Königin sich wegen ihrer offenen Bevorzugung ausländischer Komponisten angreifbar machte. Zwischen diesen Polen der Kritik war die Premiere seines Renaud ein absehbarer Misserfolg, während seine nächste Oper Chimène durch den Vergleich mit Piccinnis Didon litt, der allgemein als Meisterwerk angesehen wurde. Auch seine nächsten Opern Dardanus und dipe à Colone wurden unter unglücklichen Umständen uraufgeführt und waren keine Erfolge. Letztere war von Marie Anoinette zur Aufführung in Fontainebleau vorgesehen, doch die öffentliche Meinung zwang sie, stattdessen den Franzosen Jean-Baptiste Lemoyne zu bevorzugen. Ob diese Enttäuschung zum Tod des Komponisten beitrug, wie von seinem geschätzten Schüler Henri Berton behauptet, oder ob dieser eine Folge seines langjährigen Gichtleidens und seines zügellosen Lebensstils war, bleibt offen.
Von Sacchinis Hand stammen etwa 60 Opern, zumeist an die Neapolitanische Schule angelehnt. Der Aufenthalt in Paris und die Konkurrenz zu Gluck brachten ihn dann der Tragédie lyrique näher. Sacchinis Stil war eher graziös als erhaben, und seiner Musik mangelte es an kreativer Kraft und Originalität. Aber die dramatische Wahrheit in seinen Opern, besonders in den Spätwerken, ist über alle Kritik erhaben, und er hat es nie versäumt, mit der Sorgfalt eines erfahrenen und vollendeten Musikers zu arbeiten. Oedipe war auch nach seinem Tod noch außerordentlich erfolgreich, und wurde an der Académie française fast 600 Mal aufgeführt. Außer den Opern schrieb Sacchini Kammermusik, Messen, Oratorien und Vertonungen von Psalmen.
Werke (Auswahl)
- Andromaca, Opera seria, Uraufführung: Neapel 30. Mai 1761
- Alessandro Severo, Opera seria in 3 Akten, Uraufführung: Venedig Karneval 1763
- Luci Vero. Opera seria, Uraufführung: Neapel 4. November 1764
- Montezuma, Opera Seria in 3 Akten, 1765
- L'isola d'amore, Intermezzi per musica in 2 Akten, Uraufführung: Rom Karneval 1766; (als La Colonie: Paris 16. August 1775); (dt. Fassungen: Die Insel der Liebe / Die Kolonie)
- Scipione in Cartagena, Opera seria , Uraufführung: München 8. Januar 1770
- Adriano in Siria, Dramma per musica 1771
- Il Cid., Opera seria, Uraufführung: London 19. Januar 1773
- dipe à Colone, Tragédie lyrique nach einer Tragödie von Sophokles, Uraufführung: 4. Januar 1786
Diskographie
Das Werk von Sacchini ist heute weitestgehend in Vergessenheit geraten. Auf CD erhältlich ist nur:
- DIPE à COLONE. Manon Feubel, Soprano, Fabrice Mantegna, Tenor, Daniel Galvez-Vallejo, Tenor, Sviatoslav Smirnof, Bass-Baryton.
Chor und Orchester La Camerata de Bourgogne. Dirigent Jean-Paul Penin. Erste Weltaufnahme (Juni 2004). DYNAMIC 494/1-2
- DIPE à COLONE. François Loup, Nathalie Paulin, Robert Getchell, Tony Bouttlé, Kirstin Blaise
Opera Lafayette Orchestra ans Chorus Dirigent: Ryan Brown recorded 13-15th may 2oo5 - USA Label: NAXOS 8.660196-97
- Eine weitere Aufnahme einer Sacchini-Oper existiert noch, ist aber derzeit vergriffen : La Contadina in Corte (Opera buffa), erschienen bei Bongiovanni 1997 ASIN B000025AYN
Literatur
- Wolfgang Hochstein: Musikforschung am Ospedaletto zu Venedig zur Zeit Antonio Sacchinis. In: Die Musikforschung Jg. 40, 1987, Heft 4, ISSN 0027-4801, S. 320-377
- Franco Schlitzer: Antonio Sacchini. Schede e appunti per una sua storia teatrale. Ticci, Siena 1955, (Quaderni dell'Accademia Chigiana 34).
- Eldred A. Thierstein: Antonio Maria Gasparo Sacchini and his French operas. Cincinnati Oh., Univ., Diss., 1974.
- Sammlung von Bildern und/oder Videos und Audiodateien
- Literatur von und über Antonio Sacchini im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Gemeinfreie Notenausgaben von Antonio Sacchini im International Music Score Library Project
- Kostenlose Noten von Antonio Sacchini im ChoralWiki (Choral Public Domain Library)
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Antonio Sacchini aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.