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Antworten auf die wichtigsten Fragen
Wie funktioniert die GEMA? Lohnt sich eine Mitgliedschaft für Musiker?
Mitgliederversammlung der GEMA 2019. © Sebastian Linder
Was ist die GEMA?
Die GEMA (Gesellschaft zur Verwertung von musikalischen Aufführungs- und mechanischen Vervielfältigungsrechten) ist eine deutsche Verwertungsgesellschaft.
In der GEMA haben sich Komponisten und Textdichter als Urheber von Musikwerken sowie Musikverleger zusammengeschlossen. Die GEMA vertritt als Verwertungsgesellschaft weltweit die Ansprüche ihrer Mitglieder auf Vergütung, wenn deren urheberrechtlich geschützten Musikwerke genutzt werden. Die GEMA hat die Rechtsform eines wirtschaftlichen Vereins und steht unter der Aufsicht des Deutschen Patent- und Markenamtes sowie des Bundeskartellamtes
Mitglieder schließen mit der GEMA einen sog. Berechtigungsvertrag, der die GEMA berechtigt, Nutzungs- oder Verlagsrechte als Treuhänderin wahrzunehmen und fällige Lizenzgebühren (Vergütungen) bei denjenigen einzuziehen, die diese musikalischen Werke nutzen.
Potentielle Mitglieder sind aber nicht verpflichtet, alle Nutzungsrechte an die GEMA zu übertragen, sondern können bei Abschluss des Berechtigungsvertrags auch Rechte ausschließen und selbst behalten, beispielsweise die Online-Rechte. Grundsätzlich steht es jedem Urheber frei, ob er sich einer Verwertungsgesellschaft anschließt oder darauf verzichtet.
Wichtig: Das gesetzliche Urheberrecht besteht unabhängig von einer Mitgliedschaft bei der GEMA und kann nach deutschem Recht nicht übertragen oder verkauft werden! Musikverlage und Plattenfirmen verfügen stets nur über Nutzungsrechte und nie über das Urheberrecht selbst.
Was sind Nutzungsrechte?
- das Aufführungsrecht
- das Senderecht für Hörfunk und Fernsehen
- das mechanische Vervielfältigungs- und Verbreitungsrecht für Ton-, Bildton- und Multimediaträger
- das Recht der öffentlichen Wiedergabe von Hörfunk- und Fernsehsendungen
- das Recht der öffentlichen Wiedergabe durch Ton- und Bildtonträger
- das Filmvorführungsrecht und (eingeschränkt) das Filmherstellungsrecht
- die gesetzlichen Vergütungsansprüche, wie die "Geräteabgabe" und "Leermedienabgabe" ("Leerkassettenvergütung")
- das Recht der öffentlichen Zugänglichmachung, das heißt, Musik im Internet oder in ähnlicher Weise so bereitzustellen, dass sie Musiknutzern jederzeit und überall zugänglich ist
- das Recht, Musik als Ruftonmelodie zu nutzen
Woher stammen die Einnahmen der GEMA?
Die GEMA erhebt Lizenzzahlungen für die Nutzung der Kompositionen der von ihnen vertretenen Urheber bei der Herstellung von Tonträgern (CDs, DVDs, Blu-Rays, Vinyl, Kassetten), bei der Aufführung im Fernsehen, Radio und im Internet (Webradios, Online-Streams).
Zudem müssen Konzertveranstalter und Clubinhaber, aber auch Diskothekenbetreiber, Inhaber von Fitnessstudios und andere Dienstleister Geld für den Einsatz lizenzpflichtiger Musik zahlen.
Durch zahlreiche Verträge mit ausländischen Verwertungsgesellschaften kassiert die GEMA auch, wenn die Musik der von ihnen vertretenen Urheber in solchen Ländern eingesetzt wird.
Wer kann Mitglied der GEMA werden?
Die GEMA vertritt nämlich Komponisten, Textdichter und Musikverlage und zusätzlich Musikbearbeiter oder Bearbeiter und Übersetzer vertonter Texte, sofern es sich bei ihren Arbeiten um "persönliche geistige Schöpfungen"handelt. Nur für diese Gruppen kommt eine Mitgliedschaft in der GEMA in Frage.
Für Musiker, die keine Komponisten oder Textdichter sind, lohnt sich aber möglicherweise eine Mitgliedschaft in der GVL, der Verwertungsgesellschaft der ausübenden Künstler. Deren Funktionsweise haben wir in diesem Artikel näher erläutert.
Können Bands Mitglieder der GEMA werden?
Nein. Die Mitgliedschaft steht nur Einzelpersonen offen.
Ist die Mitgliedschaft mit Kosten verbunden?
Ja. Im Gegensatz zu anderen Verwertungsgesellschaften kostet die Mitgliedschaft bei der GEMA einen Mitgliedsbeitrag. Er beträgt für Urheber jährlich 50 Euro. Bei der Erstanmeldung wird zusätzlich eine einmalige Gebühr von 90 Euro fällig.
Welche Arten von Mitgliedern gibt es?
Es gibt drei Arten von GEMA-Mitgliedern, und zwar die
- ordentlichen,
- außerordentlichen und
- angeschlossenen Mitglieder.
Jeder, der der GEMA beitritt, wird zunächst als angeschlossenes Mitglied aufgenommen.
Diese Unterscheidung sorgt seit Jahrzehnten für Kontroversen, da die ordentliche Mitgliedschaft nur Komponisten und Textdichtern offensteht, die "von der GEMA in fünf aufeinanderfolgenden Jahren ein Mindestaufkommen von insgesamt EUR 30.000,00 und zudem innerhalb dieses Fünfjahreszeitraumes in vier aufeinanderfolgenden Jahren ein Mindestaufkommen von jährlich EUR 1.800,00 bezogen haben." [PDF]
Es ist offensichtlich, dass solche Summen nur von einer geringen Zahl der Gesamtmitglieder erreicht werden.
Außerordentliche Mitglieder müssen einen Aufnahmeantrag stellen und ihr "berufsmäßiges Können" durch das Einreichen von fünf Partituren, veröffentlichten Tonträgern oder vertonten Texten nachweisen.
Die GEMA hat derzeit 4.100 ordentliche Mitglieder, 6.000 außerordentliche Mitglieder, aber mehr als 60.000 angeschlossene Mitglieder. Die letzteren beiden Gruppen werden bei der jährlichen Mitgliederversammlung durch jeweils 32 Delegierte vertreten (insgesamt 64 Delegierte). Die mehr als 4.000 ordentlichen Mitglieder besitzen hingegen eine direkte Teilnahmeberechtigung, können Anträge stellen und verfügen über das aktive und passive Wahlrecht.
Das hat zur Folge, dass die ordentlichen Mitglieder das Geschehen bei der GEMA vollständig bestimmen. Zu diesem Ergebnis kam jedenfalls der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages, der sich bereits 2009 mit der inneren Struktur der GEMA beschäftigte. Der Petitionsausschuss kritisierte die "sehr einseitige Machtverteilung" zugunsten der ordentlichen Mitglieder und stellte fest:
"Die gegenwärtige geringe Anzahl von Delegierten kann nicht ansatzweise dafür Sorge tragen, dass die berechtigten Interessen der nichtordentlichen [d.h. außerordentlichen und angeschlossenen] Mitglieder wahrgenommen und berücksichtigt werden." [PDF]
Das vom Petitionsausschuss geforderte Eingreifen der Staatsaufsicht der GEMA – des Deutschen Patent- und Markenamtes – oder gar eine gesetzliche Regelung zur Sicherstellung der angemessenen Wahrnehmung der Belange der nichtordentlichen Mitglieder unterblieben allerdings bislang. Die GEMA sieht hingegen die Belange der nichtordentlichen Mitglieder durch die Delegierten ausreichend vertreten.
Einige kleinere Reformen sorgen zudem dafür, dass nichtordentliche Mitglieder ein wenig leichter Anträge stellen können, aber insgesamt bleibt der Weg der Einflussnahme sehr langwierig und bürokratisch. Anders als die GEMA das in ihrer Selbstdarstellung verbreitet, wirken ihre Strukturen im Hinblick auf die Mitwirkung nicht-ordentlicher Mitglieder eher abschreckend als einladend.
Wie wirkt sich das auf die Ausschüttung aus?
Bis 2012 hat die GEMA in ihren Geschäftsberichten aufgeführt, wie sich die Ausschüttung auf die einzelnen Mitgliedsgruppen verteilt. Damals erhielten die ordentlichen Mitglieder knapp 2/3 der Ausschüttungen, die außerordentlichen ungefähr 5% und die angeschlossenen Mitglieder knapp 25%.
Der Rest entfiel auf Rechtsnachfolger, beispielsweise Erben verstorbener Songwriter.
Lohnt sich für Musiker die Mitgliedschaft in der GEMA?
Das ist eine schwierige Frage, die von vielen Faktoren abhängt.
Professionelle Songwriter, die beispielsweise in Zusammenarbeit mit einem Musikverlag Songs für andere Künstler schreiben, müssen Mitglied der GEMA sein, denn nur dann erhalten sie Tantiemen für die Veröffentlichung ihrer Songs auf Tonträgern bzw. die Live-Aufführung ihrer Kompositionen. Für sie ist die GEMA eine außerordentlich wichtige Einnahmequelle.
Wesentlich schwieriger ist die Frage für Bands oder Solokünstler zu beantworten. Da die GEMA nur die Rechte von Urhebern (Komponisten, Textdichter) wahrnimmt, lohnt sich die Mitgliedschaft nur für Musiker, die Songs und Texte schreiben. Für Mitglieder von Coverbands ist die GEMA-Mitgliedschaft damit in der Regel uninteressant.
Um in den Genuss der Ausschüttung zu kommen, müssen Urheber ihre Songs oder Kompositionen zudem bei der GEMA anmelden. Das wirft die Frage nach den Songwriter-Credits auf.
Bands und Solokünstler pflegen in Hinblick auf die Aufteilung der Songwriting-Credits ganz unterschiedliche Vorgehensweisen: Manche Bands teilen die Credits demokratisch unter allen Mitgliedern auf – berühmte Beispiele dafür sind R.E.M und Radiohead. Viele andere geben die Songwriter teilweise sehr detailliert an, besonders im Pop-Bereich, wo das Schreiben für andere die Regel ist. Auf dem letzten Rihanna-Album "Anti" findet sich das Lied "Needed Me", das zehn einzelne Autoren als Urheber nennt.
Für Songwriter in dieser Größenordnung lohnt sich eine GEMA-Mitgliedschaft (oder eine Mitgliedschaft in der jeweiligen ausländigen Verwertungsgesellschaft) immer. Komponisten und Textdichter kleinerer Bands müssen hingegen erst einmal überlegen, ob die Einnahmen der GEMA die Höhe des Mitgliedsbeitrags übertreffen. Das hängt von vielen Faktoren ab.
In Hinblick auf die Ausschüttungen für Konzerte (Aufführungsrecht) veröffentlicht der Verband für Popkultur in Bayern jährlich sehr detaillierte Analysen, die sich vor allem auf kleinere und mittelgroße Bands beziehen.
Dabei stellt er fest, dass die Ausschüttung der GEMA pro Lied in vielen Segmenten rückläufig ist. Das liegt daran, dass aufgrund der Maßnahmen der GEMA die Zahl eingereichter Musikfolgen wächst, aber der zu verteilende Betrag nicht zunimmt. Die Folge: alle Urheber erhalten weniger. Dass sich dieser Trend in den nächsten Jahren umkehrt, erscheint wenig wahrscheinlich, kann aber auch nicht völlig ausgeschlossen werden.
Zudem buchen manche Veranstalter gezielt Bands oder Künstler, die nicht Mitglied der GEMA sind. Wenn die Urheber der Musik einer Band in der GEMA sind, stehen ihnen solche Auftritte nicht mehr offen, es sei denn, sie übertragen die Aufführungsrechte nicht an die GEMA und verhandeln selbst mit den Veranstaltern (so wie Rammstein das seit vielen Jahren praktizieren). Ob sich das für kleine Bands bezahlt macht, ist aber wiederum pauschal kaum zu sagen.
Zusatz: Inzwischen bietet aber auch die GEMA eine Möglichkeit an, auf ihrer Seite zu berechnen, ob sich eine Mitgliedschaft lohnt, allerdings kann man in Hinblick auf Live-Auftritte keine Zahl angeben, sondern nur "ja" oder "nein" auswählen.
Kann ich meine Mitgliedschaft bei der GEMA kündigen?
Ja, der Vertrag ist jährlich kündbar mit einer Kündigungsfrist von sechs Monaten zum Jahresende.
Wie funktioniert die GEMA-Ausschüttung?
Wie bei allen Verwertungsgesellschaften ist die Ausschüttung der Einnahmen in einem komplizierten und detaillierten Verteilungsplan festgelegt. [PDF]
In früheren Zeiten war das Vervielfältigungsrecht zur Herstellung von Tonträgern der wichtigste Aspekt der GEMA-Ausschüttung. In dieser Hinsicht funktioniert das System GEMA besonders gut, weil die großen Labels Rahmenverträge mit der GEMA haben und die Auflagen der Tonträger relativ zuverlässig an die GEMA melden.
Die Einnahmen durch Verkauf von Tonträgern sind aber rückläufig und die Mehrzahl der Bands erzielt den Großteil ihrer Einnahmen durch Live-Auftritte. Um Tantiemen von der GEMA für die Aufführung eigener geschriebener Songs zu erhalten, müssen Musiker und Veranstalter sog. Musikfolgen bei der GEMA einreichen, was auch online möglich ist. Diese Listen enthalten die Abfolge der live gespielten Songs, die Songwriter sowie Angaben zum Auftrittsort und Eintrittspreis. Sie ermöglichen die songgenaue Abrechnung.
Das Einreichen von Musikfolgen ist ein beträchtlicher bürokratischer Aufwand, aber absolut notwendig. Wer es versäumt, verschenkt möglicherweise sehr viel Geld! Urheber sollten einen Online-Account bei der GEMA besitzen und die Musikfolgen ihrer Konzerte direkt eintragen. Der Veranstalter kann auf Basis einer Setlist dann ebenfalls eine Meldung einreichen.
Wie viel Nachholbedarf besteht, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Obwohl die GEMA seit Jahren Druck vornehmlich auf die Veranstalter ausübt, Musikfolgen einzureichen, steht die aktuelle Quote in den für kleinere und mittelgroße Bands relevanten Segmenten 2-8 nur bei maximal 50-70%.
Es empfiehlt sich zudem, die Abrechnung der GEMA genau zu prüfen, um herauszufinden, ob auch wirklich alle Auftritte korrekt abgerechnet wurden.
Gibt es Alternativen zur GEMA?
Nein. Die als Alternative geplante Verwertungsgesellschaft C3S befindet sich noch in der Gründungsphase.
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