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All das, was Taschner hier präsentiert, habe ich schon besser und spannender gelesen (etwa bei Poundstone “Im Labyrinth des Denkens”) bzw. ich habe überhaupt kein “neues” Thema (oder eine besonders originelle Behandlung eines solchen) in diesem Buch entdeckt, sondern all das, was jedermann, der sich jemals mit mathematischen Problemen auseinandergesetzt hat, ohnehin kennt. Das Ziegenproblem (hier wäre Gero von Randows Buch – trotz einiger Schwächen – zu empfehlen), das Gefangenendilemma, die Anfänge der Wahrscheinlichkeitsrechnung mit dem nach einigen Runden abgebrochenen Spiel, Robert Axelrods Kooperationsanalyse mit Rapoports simplen, aber erfolgreichen Computerprogramm, das “Chicken-Spiel” usf. Viele dieser Spiele findet man vor allem in Biologiebüchern ganz hervorragend dargestellt (da die Evolution sich derartiger Strategien bedient), so etwa bei Dawkins, de Waal oder Karl Sigmund. Dazu kommt eine nach meinem Dafürhalten grafisch ungeschickte Präsentation (z. B. beim Gefangenendilemma, die eher verwirrend denn hilfreich ist), sodass dieses Buch nur absoluten Einsteigern empfohlen werden kann.
Einige Dinge seien noch als besonders fragwürdig hervorgehoben: Die Darstellung von “Pascals Wette”, bei der völlig auf die Analyse der willkürlichen Voraussetzungen derselben verzichtet wird. Nur dadurch scheint sie in einer verkürzt existentialistischen Weise überhaupt sinnvoll, weshalb Taschner auch mit einem Kierkegaard-Zitat dieses Kapitel beschließt, ohne auf genau das (die willkürlichen Annahmen) einzugehen, was eigentlich die Aufgabe eines Mathematikers (und Theoretikers der Spieletheorie wäre). Dann die – zwar als fiktiv gekennzeichneten – aber häufig höchst betulich anmutenden Dialoge, die er die Protagonisten führen lässt, außerdem manch fragwürdige Aussagen zu philosophischen Bereichen (so stellt er – mit Hans Hahn – fest, dass “die Philosophie über die in Wien um die Jahrhundertwende (1900) verehrten Philosophen Schelling, Hegel und Kant hinausgehen müsse”, wobei den erwähnten deutschen Idealisten in Wien nie wirkliche Bedeutung zukam und sie deshalb auch nicht überwunden werden mussten. Woher er dieses Zitat hat bleibt unerfindlich.) Und zu allem Überdruss hat sich bei den im Anhang abgedruckten “Zahlenspielen” eine falsche Lösung eingeschlichen (gab es denn tatsächlich keinen einzigen Korrekturleser, der die Ergebnisse kontrolliert hätte? – in einem von einem Mathematiker geschriebenen Mathematikbuch halte ich das für ein “no-go”).
Insgesamt ein (zu?) leicht lesbares, sehr oberflächliches Buch, das nur derjenige – als Einführung – lesen sollte, der mit diesem Themenbereich überhaupt nicht vertraut ist. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier mit geringem Aufwand ein gut verkäufliches Buch geschrieben werden sollte, ein Buch, dessen Themen schon häufig – und besser – abgehandelt wurden. Für mich mehr als enttäuschend.
Rudolf Taschner: Die Mathematik des Daseins. München: Hanser 2015.