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Im Juli 2020 gab sich die EU eine Wasserstoffstrategie, bestehend aus zwanzig Handlungsfeldern, die bis 2022 umgesetzt wurden. Für die Europäische Kommission ist dies ein wichtiges Element des sogenannten European Green Deal, mit dem die EU die Klimaneutralität erreichen will. Die meisten europäischen Länder haben nationale Wasserstoffstrategien erarbeitet und es wurden zahlreiche internationale Kooperationen zur Förderung der Wasserstoffwirtschaft ins Leben gerufen.
Mit der Wasserstoff-Strategie der EU soll aufgezeigt werden, in welchem Mass Wasserstoff auf kosteneffiziente Weise zur Erreichung der Emissionsreduktionsziele beitragen kann. Die Europäische Kommission will diese Entwicklung auf zahlreichen Feldern voranbringen. So soll eine «Clean Hydrogen Alliance» dafür sorgen, dass die Produktion und die Nutzung von erneuerbarem Wasserstoff europaweit massiv ausgebaut werden; dies nicht nur im Wärmebereich und in der Mobilität, sondern auch in Prozessanwendungen wie der Stahlproduktion. Soweit dies noch nicht wirtschaftlich ist, wurden Förderprogramme eingerichtet. Beispielsweise sollen fast 10 Milliarden Euro aus der Recovery and Resilience Facility des NextGenerationEU-Programmes für Wasserstoff-Projekte eingesetzt werden. Zudem soll die Marktregulierung angepasst werden, um unter anderem den grenzüberschreitenden Handel von erneuerbarem Wasserstoff unbeschränkt zu ermöglichen und dessen klimaschonende Eigenschaften zu berücksichtigen.
In Grossbritannien besteht unter anderem das Projekt «H21», das zum Ziel hat, die Gasversorgung der drittgrössten Stadt, Leeds, vollständig von Erdgas auf Wasserstoff umzustellen. Die britische Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Produktionskapazitäten für Wasserstoff bis 2030 auf 5 GW auszubauen und geht davon, dass Wasserstoff bis 2050 zwischen 20 und 35 Prozent der gesamten Energienachfrage decken könnte.
Die norwegische Regierung hatte bereits im Jahr 2005 die erste nationale Wasserstoff-Strategie lanciert und ein Beratungsorgan geschaffen, das in den Jahren 2006 und 2012 Aktionspläne erarbeitete. Inzwischen wurden mit «Hydrogen 2020» und einer Roadmap im Jahr 2021 ein neues Forschungs- und Entwicklungs-Netzwerk geschaffen, das auch der Vernetzung in diversen internationalen Projekten dienen soll. Norwegen legt starkes Gewicht auf die Entwicklung von Wasserstoff in der Mobilität, insbesondere der Schifffahrt und dem Güterverkehr auf der Strasse.
Im Juni 2020 lancierte die deutsche Bundesregierung ihre «Nationale Wasserstoffstrategie» und hielt dabei fest, dass Wasserstoff eine zentrale Rolle bei der Weiterentwicklung und Vollendung der Energiewende bekomme. Dies auch vor dem Hintergrund, dass langfristig nach Ausschöpfen der Effizienz und Elektrifizierungspotenziale bei der Prozesswärme und im Gebäudebereich ein Bedarf an gasförmigen Energieträgern bestehen bleiben wird. Der Aktionsplan der Regierung mit aktuell 38 Massnahmen sieht zwei Phasen vor: Eine erste bis 2023, wo der Markthochlauf gestartet werden soll und eine zweite, wo dieser national und international verstärkt werden soll. Im Zusammenhang mit dem Bau des ersten deutschen LNG-Terminals steht das Projekt für einen Wilhelmshaven Green Energy Hub, wonach dort dereinst bis zu 250 TWh grüne Gase jährlich importiert werden sollen, was einem Zehntel des aktuellen Primärenergiebedarfs Deutschlands entspricht.
In Frankreich haben sich die wichtigsten energiewirtschaftlichen Akteure in der «Association française pour l’hydrogène et les piles à combustible» (AFHYPAC) zusammengeschlossen. Dort wird davon ausgegangen, dass Wasserstoff bis 2050 einen Anteil von 20 Prozent am Endenergieverbrauch erreichen kann. Bereits bis 2030 sollen 6,5 GW Wasserstoff-Produktionskapazität zur Verfügung stehen und die Treibhausgasemissionen um 6 Millionen Tonnen pro Jahr reduzieren.
Auch in anderen europäischen Ländern gab es in jüngster Zeit markante Entwicklungen im Wasserstoffbereich. Als Beispiel kann Österreich erwähnt werden, wo im November 2019 die weltgrösste Pilotanlage zur CO2-freien Herstellung von Wasserstoff beim Technologiekonzern
Voestalpine in Linz in Betrieb genommen wurde. Mit dem von der EU geförderten Projekt «H2FUTURE» erforschen unter anderem Voestalpine, Siemens, das Stromunternehmen Verbund und weitere Partner die industrielle Produktion von grünem Wasserstoff.
Quellen: