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Die Trachten in der Oberwalliser Ahnenmusik
Wenn wir die Bedeutung des Trachtenwesens in der Oberwalliser Tambouren- und Pfeiferszene näher betrachten wollen, können wir die Zeit vor 1945 glatt vergessen. Bei den Tambouren- und Pfeiferformationen in den Söldnerdiensten und militärischen Feldspielen in den europäischen Armeen ist es noch durchwegs logisch, dass die Trachten hier nichts zu suchen hatten. Es handelte sich auch um rein militärische Formationen, mit keinerlei folkloristischer Bedeutung.
Die daraus entstandenen Musikantengruppen um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert waren allesamt reine Männerformationen.
Um 1931
Auch bei der Gründung des Oberwalliser Tambouren- und Pfeiferverbandes im Jahre 1931 schritten noch keine Trachtendamen den Vereinen voran. (11 Vereine – keine Trachtendamen) Eine erste Tendenz zu einem Einfluss des Trachtenwesens bei den Tambouren- und Pfeifervereinen zeichnete sich aber klar ab. Die ersten Tambouren- und Pfeiferfeste ab 1932 waren benannt als Oberwalliser Tambouren- und Pfeiferfest mit Trachtenumzug. Es waren an den Festumzügen also geladene Trachtengruppen anwesend.
- 1932 Stalden – Über 500 Teilnehmer werden sich in alten Uniformen und Trachten zum Oberwalliser Tambouren- und Pfeiferfest und zu einem Trachtenumzug einfinden. Nebst den Tambouren- und Pfeifergruppen traten auch Trachtengruppen aus dem Oberwallis auf. Besonders stark vertreten waren die jungen Töchter mit ihren reich-, gold- und silbergestickten Hutbändern und seidenen Kleidchen.
- 1934 Raron – Willkommen ihr Trachtengruppen, die ihr dem Fest ein altehrwürdiges Gepräge verleihen werdet. In Raron haben sich bereits 14 Vereine beteiligt und wir konnten mit Freuden auch die Trachtengruppe Brig begrüssen.
- 1936 Ausserberg – Auch hier beteiligten sich 14 Vereine und die die Trachtengruppe Oberwallis.
- 1938 Agarn – In Agarn haben sich 16 Verbandsvereine aus dem Oberwallis beteiligt und erfreulicherweise wieder eine schöne Gruppe aus dem Oberwalliser Trachtenverband.
Um 1950
Ab 1950 ist aber erkennbar, dass die Vereine versuchten, ihrem Fänner und Tambourmajor jeweils Trachtendamen zur Seite zu stellen. Die Trachtengruppen in den 50er Jahren waren sogar zum Teil grösser als in den heutigen Sektionen. Zwischen 4 und 10 Trachtenfrauen in der Original-Walliser Sonntagstracht schritten den Vereinen voran und auch die Kindergruppen in Tracht waren damals schon sehr beliebt.
Um 1960
Die 60er Jahre waren dann nicht mehr so wohlwollend dem Trachtenwesen gegenüber. Das Traditionsbewusstsein liess stark nach. Das Moderne und nur das Moderne hatte Zuspruch, auch in Kleidung und Musik. Die Tambouren- und Pfeifervereine gerieten ob dieser modernistischen Ideen und Tendenzen arg in die Krise.
Auch bei den Trachten war eine Veränderung eingetreten. Einige Vereine marschierten mit der Walliser Werktagstracht, (1 Verein/2 Ehrendamen mit oder 3 Vereine/10 Ehrendamen ohne Trachtenhut), 3 Vereine/10 Ehrendamen mit der Walliser Sonntagstracht, aber ohne Hut (die modernen, auftoupierten Vogelnest-Frisuren passten natürlich unter keinen Kreshut) und bei einigen trachtenähnlichen Kleidern rutschte die Rockhöhe verdächtig weit übers Knie hinauf. Das hatte mit Trachtenwesen dann überhaupt keine Gemeinsamkeit mehr. Aufmüpfig wurde auch Kritik an zuviel Schminke, Schmuckbehang, Lippenstift, lange Mähnen, 2-Stock-Frisuren und Sonnenbrillen von der Damenwelt recht unwillig quittiert. Der Verband hatte sich damals «erlaubt» der Damenwelt von kompetenten Leuten sagen zu lassen, was sich zu einem Trachtenkleid gehört oder eben nicht gehört. Auch wenn die Kritik nicht goutiert wurde, schön waren die «ausgangspräparierten Damen» allemal nicht. Schade für die vielen Trachtenfreuen, die sich andererseits unnachgiebig an die Regeln des Trachtentragens hielten.
Erfreulicherweise machten in dieser Zeit die Oberwalliser Tambouren- und Pfeifervereine eine Mode der Musikgesellschaften nicht mit. Ehrendamen in knöchellangen Roben oder «Fahnen» kamen hier in Mode. Dieser Trend ist im Blasmusikwesen des Oberwallis zum Glück wieder verschwunden; im Unterwallis hingegen sieht man gelegentlich aber noch heute «Fahnen-Missen» auftreten, obwohl diese Kleiderfasson sogar bei den Hochzeitsfesten schon lange «out» war. Auch in dieser aufmüpfigen Zeit sind aber 12 Tambouren- und Pfeifervereine mit 45 Ehrendamen der Tradition treu geblieben und haben ihre Original-Sonntagstracht mit Hut immer beibehalten. Dies verdient ein uneingeschränktes Lob für eine Mehrzahl der Vereine. Durch die Anschaffung von einheitlichen Namensschildern aus Holz bekamen die Kindergruppen in Tracht oder Uniform bei den TPV’s einen grossen Aufschwung.
Um 1990
Wir kennen ja die Geschichte unserer Vereine und die Anschaffung der historisch nachempfundenen Vereinuniformen. Das Bewusstsein auf alte Traditionen und echte, bleibende Werte wurde wieder gestärkt. Die Vereine holten ihre Walliser Trachten in die erste Reihe. 22 Vereine mit Sonntagstracht und Hut, 2 Vereine mit Werktagstrachten und 2 Vereine ohne traditionelle Tracht prägten in den 80er und 90er Jahre dieses gefreute Bild massgeblich. Sehr schön gelangen auch die Versuche, die Walliser Tracht in den Farben auf die Uniformen der Ahnenmusiken abzustimmen. Diese schönen Trachten harmonierten sehr gut mit den Vereinsfarben. In unseren Vereinen wurde sozusagen ein Idealzustand im Trachtenwesen erreicht.
Um 2000
Somit wären wir in der Gegenwart angelangt. Es ist leider, leider eine Tendenz sichtbar, dass man wieder über das Tragen des Kreshutes aufmotzt und die unbequeme Tragart immer wieder kritisiert. Es genügen einige Voten und schon macht man sich über bequemere Möglichkeiten Gedanken. Dass man den Pfad des Echten und Traditionellen dann verlässt ist sehr schade. Hier sollten die älteren Mitglieder über die Bedeutung unseres «Kleides der Heimat» informieren und bei den Jungmitgliedern die Wichtigkeit der Werte betonen. Ansonsten können wir eines Tages an unseren Umzügen nicht mehr klar auseinanderhalten, ob wir an einem Bayrischen, Fränkischen-, Tiroler- oder Bregenzer Folkloreumzug sind. Dies wäre der Untergang unseres Tambouren- und Pfeiferwesens, denn dann können wir auch gleich unsere historischen Uniformen vergessen und zurück in den Schrank legen. Der Alptraum der Ahnenmusiktradition wäre dann der Auftritt in Jeans und T-Shirt und vor leeren Zuscherrängen, wie dies oftmals an den beinahe reinen Wettspielfesten in anderen Gegenden der Schweiz traurige Urstände feiert.
Der Tradition verpflichtet
Auch unserer Jugend muss bewusst gemacht werden, dass das Tragen der historischen Uniformen und Trachten gepflegt werden muss. Sie haben ja die Worte unseres Alt-Verbandspräsidenten und Ehrenpräsidenten Josef Bittel nicht mehr zu Ohren bekommen: «Dessen freuen wir uns; denn es ist ein Zeichen, dass der verflachende, aushöhlende, moderne Zeitgeist unsere engere Heimat noch nicht erobert hat, dass noch Sinn und Liebe da ist für guten, alten Waliser-Brauch und vor allem auch Wille, ihn in der neuen Zeit unverfälscht zu bewahren; das ist unsere Pflicht. Zitat Ende – und Worte, denen wir auch in Zukunft verpflichtet sind.
Ein frohes Lächeln wird geschätzt
Abschliessend zu diesem kurzen Geschichtsrückblick, ein Kompliment an alle Ehrendamen in den Tambouren- und Pfeifervereinen. Sie sind ein Aushängeschild für die Sektionen, die guten Seelen bei den Vereinsmitgliedern und an den Auftritten und Umzügen der „Bindestrich“ zwischen den Musikanten und dem Publikum. Ihr Lächeln ist gefragt, gute Laune überträgt sich auch auf die Musicis. Wenn sie auch bereit sind, mit Ehre und Stolz die echten Walliser Sonntagstrachten zu tragen, verdienen sie ein zusätzliches Lob. Ahnenmusik und Trachtenwesen sind zu bewährten Werten und zur Pflege der Taditionen verpflichtet.