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Was macht aus einer Schule im Ausland eine
Schweizer Schule? Weniger als die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit rotem Pass scheint vor allem der „helvetische Geist“ der Lehrpersonen aus ihnen einen bevorzugten Ort für die Verbreitung des Schweizer Gedankenguts zu machen. So zumindest werden die Schweizer Schulen seit dem 19. Jahrhundert dargestellt.
Die erste Schweizer Schule im Ausland öffnet ihre Pforten 1839 in Neapel. Die Bezeichnung
Schweizer Schule gibt von Anfang an Anlass zu Diskussionen, auch wenn alle Institutionen Gemeinsamkeiten aufweisen: es handelt sich um Privatschulen, die im Allgemeinen eine Ausbildung auf der Elementarstufe anbieten. Der Unterricht wird wenn möglich, aber nicht ausschliesslich, in einer der Schweizer Landessprachen abgehalten und folgt dabei dem Schweizer Lehrplan. 1947 sind die meisten Schulen deutsch-, lediglich diejenigen in Kairo und Alexandrien sind französischsprachig.
Seit 1922 erhalten die Schweizer Schulen im Ausland jährliche Finanzhilfen. Da Pro Helvetia das Schulwesen nicht als Teil ihres Mandats ansieht, überlässt die Stiftung dem Eidgenössischen Departement des Innern die Unterstützung der Schweizer Schulen im Ausland. In der unmittelbaren Nachkriegszeit werden letztere als wichtige kulturelle Brücken angesehen. Nichtsdestotrotz erleben sie einen beträchtlichen Niedergang.
1956 erhöht das Parlament die Subvention auf 500'000 Franken pro Jahr. Es spricht zusätzlich einen Betrag von 600'000 Franken für die Einrichtung von Schulen in Bogota, Lima und Santiago. Während der fünfziger Jahre konzentriert sich die Nachfrage nach neuen Schweizer Schulen hauptsächlich auf Südamerika. Diese Schulen bieten hauptsächlich deutschsprachigen Unterricht an und profitieren von der Präsenz der zahlenmässig bedeutenden deutschen Kolonien. Die französischsprachigen Kinder nutzen eher den vom Netzwerk der Alliance française angebotenen Unterricht. Der Bundesrat anerkennt 1947 zehn Schweizer Schulen, 1972 neunzehn, 1985 siebzehn und 2002 fünfzehn.
Die Schweizer Schulen stellen für die helvetischen Auswandererkolonien wichtige Orte der Sozialisierung und der Identitätsstiftung dar. Ihre Leiter, die von der Auslandschweizer-Organisation unterstützt werden, betrachten die Schulen auch als Leuchttürme der Schweizer Kultur. So kann man es in einer Broschüre nachlesen, die 1956 unter der Federführung von Professor Walter Baumgartner, dem Präsidenten des Unterstützungskomitees für die Schweizer Schulen im Ausland, herauskommt:
Obschon eine Mindestzahl an Schweizer Schülern selbstverständlich notwendig ist, hängt der Schweizer Geist, der unsere Schulen kennzeichnet, nicht hauptsächlich von den Schülern, sondern vom Lehrkörper ab. Und das, was den Geist der Schule ausmacht, nehmen die Lehrer aus der Heimat mit. Wir denken dabei nicht in erster Linie an das Unterrichtsprogramm, sondern eher an gewisse Ausbildungsprinzipien, an eine gewisse Haltung, die sich summarisch in etwa mit Ehrlichkeit, Ordnung, Genauigkeit, Sauberkeit, Gewissenhaftigkeit bei der Arbeit, Integrität, Geduld und gegenseitiger Unterstützung beschreiben lässt. […] Die Schweizer Schulen im Ausland haben unserer Heimat bereits zahlreiche Freunde verschafft, die in ihren wichtigen Positionen oft einen Beitrag an die Entwicklung der kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Beziehungen mit der Eidgenossenschaft zu leisten haben. Wir erlauben uns, hier in Erinnerung zu rufen, dass es eine der besten Traditionen unseres Landes ist, auf kultureller Ebene einen Beitrag an die Verständigung zwischen den Völkern zu leisten.
Die Schulen würden also
Schweizer Geist verbreiten und diesen bei ihren Schülerinnen und Schülern, von denen im Durchschnitt nur ein Drittel Schweizer Staatsangehörige sind, mit Nachdruck propagieren.
Pro Helvetia gewährt den Schulen keine Unterstützung, da sie in den Augen des Stiftungsrats in die Zuständigkeit der Wissenschaft und nicht der Kultur fallen. Die Schweizer Schulen im Ausland erleben in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen bedeutenden Wandel: während diejenigen in Alexandrien und Kairo 1970 schliessen, werden in Lateinamerika mehrere neue Einrichtungen eröffnet, so in Rio de Janeiro 1963 und in Mexiko 1966.
Archivbestände
BAR E 3001 (b), 1978/30, Bd. 24, V.<ip-pii>
Botschaft des Bundesrates an die Bundesversammlung über die Unterstützung von Schweizerschulen im Ausland, 17.9.1946, in Bundesblatt, 1946, Bd. 3, S. 244-281.
Literaturhinweise
ARLETTAZ Gérald, Les Suisses de l’étranger et l’identité nationale, in Études et sources, n° 12, Berne : Archives fédérales, 1986, p. 5-35.