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Bereits mit zehn Jahren hat Mahmud schier Unerträgliches durchgemacht. Der Junge verlor seinen Vater im Syrien-Krieg. Die ständigen Gefechte in der jahrelang umkämpften Stadt Aleppo waren zu viel für die Mutter, die plötzlich alleine mit vier kleinen Buben dastand. Sie floh mit den Kindern in die relativ sichere Hafenstadt Tartus an der Mittelmeerküste.
Die Mutter muss sich um die zwei jüngeren Kinder kümmern und ist angewiesen auf die Hilfe der älteren Söhne. Täglich sitzen Mahmud und sein Bruder in Tartus an einer Strassenecke vor ihrer Unterkunft und versuchen, den Passanten Kaugummis zu verkaufen. Mahmud, der Zweitälteste, ist zwar vom Krieg gezeichnet. Doch er lässt sich kaum etwas anmerken. Vielmehr tritt er selbstbewusst auf, wenn er den Leuten seine Kaugummis anbietet.
Eine Begegnung mit Folgen
Auch Schwester Marie-Rose wird eines Tages von Mahmud angesprochen, als sie auf den Strassen von Tartus unterwegs ist. «Möchten Sie einen Kaugummi?» fragt er ohne Scheu und fügt an, dass er ihr einen Kaugummi auch gratis geben würde, wenn sie kein Geld hätte. Schnell entwickelt sich ein Gespräch zwischen den beiden. Mahmud verrät, dass er und sein Bruder zehn Stunden pro Tag arbeiten müssen, damit sie mit dem Verkauf der Kaugummis für die Familie sorgen können. Vor allem aber offenbart er ihr, dass er wegen der Arbeit noch nie in der Schule war. „Würdest du denn gern zur Schule gehen?“ fragt Schwester Marie-Rose fürsorglich. Mahmud nickt: „Aber wie soll ich dann meine Mutter unterstützen?“
Das liess der engagierten Schwester keine Ruhe. Dank ihres Einsatzes besucht Mahmud heute dreimal in der Woche ein Lernzentrum. Inzwischen hat er lesen und schreiben gelernt und viele Freunde gefunden. Doch Mahmud hat auch seinen Lerneifer entdeckt: Seit einem Besuch von CSI-Projektleiter John Eibner im Zentrum weiss Mahmud nun, wie die englische Sprache klingt. Nun will er auf jeden Fall auch Englisch lernen.
Nach wie vor verkauft Mahmud Kaugummis. Doch dank einer finanziellen Unterstützung für die Wohnungsmiete durch Schwester Marie-Rose muss er nicht mehr so viele Stunden arbeiten und kann sich die Zeit dafür nehmen, das Lernzentrum zu besuchen.
Reto Baliarda
Vielseitiges Angebot im Lernzentrum
Das Lernzentrum, das Mahmud besucht, wird von Iskandar, einem guten Bekannten von Schwester Marie-Rose, geführt. Etwa 150 Kinder werden in Arabisch, Englisch, Französisch, Mathematik und anderen Fächern unterrichtet. Zudem werden Freizeitaktivitäten wie Malen, Singen oder auch Ausflüge angeboten. Iskandar kann dabei auf die Hilfe seines Teams zählen. CSI unterstützt das Lernzentrum, um so vielen durch den Krieg traumatisierten Kindern eine Zukunftsperspektive zu geben.
Die vollständige Geschichte über Mahmud finden Sie im Buch «Weil die Hoffnung niemals stirbt» von Schwester Marie-Rose auf Seite 95.