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1. Forschungsgegenstand
Das Rauchen von Zigaretten und anderen Tabakwaren reduziert in vielen Ländern der Welt substantiell die Gesundheit der Bevölkerung (Jha und Peto, 2014; WHO, 2016). Viele Regierungsprogramme enthalten deshalb das Ziel, den Zugang zu Tabakwaren einzuschränken. So haben über 160 Länder im Rahmen der WHO-Tabakkonvention ihre Absicht bekundet, den Zugang zu Tabakprodukten mittels einer Altersrestriktion zu erschweren (WHO, 2003). Die Schweiz ist eines von nur sieben Ländern, welche die Konvention zwar unterschrieben, aber nicht ratifiziert haben (United Nations Treaty Collection, 2017). Im vom Bundesrat vorgelegten Entwurf für ein Tabakproduktegesetz ist nun ein schweizweites Abgabeverbot von Tabakwaren an Jugendliche unter 18 Jahren vorgesehen. Da fast 50 Prozent der Raucher vor dem 18. Lebensjahr mit dem regelmässigen Rauchen beginnen (siehe Abbildung 1 im Anhang), scheint dies eine naheliegende Präventionsmassnahme. Allerdings ist diese Massnahme im Parlament umstritten (NZZ, 2014). Jugendverbände sprechen gar von einer kontraproduktiven Restriktion: «Das Verbot wird den Reiz zu rauchen, etwas Neues zu probieren, eher noch verstärken» (NZZ, 2014). Der Argumentation widerspricht ein Vertreter des Bundesamts für Gesundheit mit Verweis auf einen einzelnen kantonalen Trend, welcher einen Rückgang der Rauchprävalenz über die letzten Jahre zeigt (NZZ, 2014). Diese Diskussion unterstreicht die Notwendigkeit einer systematischen, kantonsübergreifenden Studie, welche über deskriptive Evidenz hinausgeht.
Wir möchten deshalb folgende Frage systematisch untersuchen: Wie beeinflussen Abgabeverbote von Tabakwaren mit Mindestalter 18 oder 16 das Rauchverhalten von Jugendlichen? Aus traditioneller ökonomischer Perspektive erhöht eine solche Restriktion die Kosten an Tabakwaren zu gelangen. So müssen sich Jugendliche beispielsweise an ältere Bekannte wenden um weiterhin an Tabakwaren zu gelangen. Hätten die Verbote nur diesen Effekt, so würde sich die Rauchprävalenz verringern. Der Reiz des Verbotenen könnte diesem ersten Effekt jedoch Entgegenwirken (Landman et al., 2002; García-Jimeno, 2016). Welche Auswirkungen Abgabeverbote effektiv haben ist also nicht nur politisch umstritten, sondern auch aus gesundheitsökonomischer Sicht unklar.
2. Methodischer Ansatz
In der empirischen Analyse werden wir umfangreiche Umfragedaten von drei Quellen nutzen: Tabakmonitoring (2001-2010, vierteljährlich), Suchtmonitoring (2011-2015, vierteljährlich) und Health Behaviour in School-aged Children (HBSC) (2002-2014, jährlich). Zusammen liefern die Daten mehr als 145’000 Beobachtungen, davon stammen mehr als 18’000 von Jugendlichen unter 18 Jahren. Wir kombinieren diese Daten mit den kantonal gesammelten Umfragedaten von Präventionsverantwortlichen zur Umsetzung der Abgabeverbote.
In der Hauptanalyse werden multiple Regressionen mit Raucherstatus (ja/nein) als abhängiger Variable geschätzt. In Zusatzanalysen nutzen wir Angaben zur Rauchfrequenz und Haltung gegenüber dem Rauchen, sowie Zugang zu Tabakwaren als abhängige Variablen. Damit wir den Effekt der Rauchverbote isolieren können, orientieren wir uns an der Idee der doppelten Differenzenbildung (engl. difference-in-differences). Dabei nehmen wir die fünf Kantone welche keine Abgabeverbote eingeführt haben als Vergleichsgruppe. Zusätzlich nutzen wir die unterschiedlichen Einführungszeitpunkte in den Kantonen (siehe Abbildung 2 im Anhang), sowie die unterschiedliche Betroffenheit aufgrund des Alters für die Identifikation der Effekte.