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Es scheint mir sinnvoll, auf die hier schon diskutierte Frage der Verwaltungskosten in der Grundversicherung zurückzukommen, welche die Krankenversicherer nach KVG durchführen. Monsieur Santé denkt über den Zusammenhang von Verwaltungskosten und Wettbewerb unter den Krankenkassen nach. Was in der Diskussion häufig vergessen wird, sind die Spareffekte von Modernisierung und Automatisierung, welche an die Versicherten weitergegeben …weiterlesen »
Es scheint mir sinnvoll, auf die hier schon diskutierte Frage der Verwaltungskosten in der Grundversicherung zurückzukommen, welche die Krankenversicherer nach KVG durchführen. Monsieur Santé denkt über den Zusammenhang von Verwaltungskosten und Wettbewerb unter den Krankenkassen nach. Was in der Diskussion häufig vergessen wird, sind die Spareffekte von Modernisierung und Automatisierung, welche an die Versicherten weitergegeben werden.
Im kürzlich hier erschienenen Blog-Beitrag «Verwaltungskosten sind keine Prämientreiber» wurde an dieser Stelle zu Recht betont, dass die Verwaltungskosten der Krankenversicherer leicht zurückgegangen sind, wenn man deren Anteil mit den übernommenen Leistungen vergleicht. Ehrlicherweise muss man aber meiner Meinung nach hervorheben, dass die Verwaltungskosten der sozialen Krankenversicherer seit der Einführung des KVG im Jahre 1996 in absoluten Franken in der Tat zugenommen haben. Der Anstieg der Verwaltungskosten in absoluten Franken scheint jedoch verschwindend klein, wenn man ihn mit der unglaublichen Kostenexplosion vergleicht, der wir seit der Einführung der neuen Gesetzgebung hilflos beiwohnen (12 Milliarden Schweizer Franken an gewährten Bruttoleistungen im Jahre 1996 gegenüber 25 Milliarden Schweizer Franken im Jahre 2011).
Krankenversicherer leisten mehr mit weniger Mitarbeitern
Das System der Rückvergütung der Leistungen, welches im KVG vorherrscht, setzt voraus, dass die Rechnung des Leistungserbringers dem Versicherten zugestellt wird. Dieser muss die Rechnung zuerst bezahlen und anschliessend die Rückerstattung beim Krankenversicherer beantragen. Dieser prüft seinerseits, ob die Rechnung mit den vereinbarten Tarifen übereinstimmt, bevor er die Leistungen seinem Versicherten erstattet (Tiers-garant). Nun aber hat sich, wie bereits erwähnt, das Volumen der vom KVG gedeckten Leistungen seit dessen Einführung verdoppelt. Unnötig zu sagen, dass gleichzeitig auch die Anzahl der Rechnungen und der von den Krankenversicherern zu verarbeitenden Dokumente ins Unermessliche gestiegen ist. Während die Anzahl der administrativen Tätigkeiten im Zusammenhang mit der Rechnungskontrolle exponentiell gestiegen ist, haben sich paradoxerweise die Vollzeitstellen bei den Krankenversicherern zur Bewältigung der Kontrollaufgaben drastisch reduziert. Von den 12‘000 Vollzeitstellen der Branche vor der Einführung des KVG, zählt man heute lediglich noch 8‘500 Vollzeitstellen (Schätzung des Autors). Mit der Einführung des neuen Gesetzes im Jahre 1996 wurden die Krankenversicherer verpflichtet, die Wirtschaftlichkeit der durchgeführten Behandlungen zu überprüfen.
Dies führt uns zur Gretchenfrage:
Wie ist es demzufolge möglich, eine ständig wachsende Zahl von Rechnungen zu bearbeiten und neue – mit der Kontrolle der Wirtschaftlichkeit verknüpfte – Aufgaben zu übernehmen und gleichzeitig die Anzahl der in der Branche vorhandenen Vollzeitstellen um mehr als 20% zu reduzieren?
Effizienzsteigerung durch Automatisierung
Die Antwort liegt in der EDV-gestützten Automatisierung gewisser Tätigkeiten, welche vorher von Angestellten ausgeführt wurden. Die Rechnungskontrolle ist in den meisten Fällen automatisiert. Der elektronische Datenaustausch erfolgt direkt zwischen dem Leistungserbringer und dem zuständigen Krankenversicherer. Die systematische Kontrolle sämtlicher Rechnungen ermöglicht es, über eine Milliarde Franken pro Jahr zugunsten der Versicherten zu sparen. Dadurch werden Missbräuche in der Rechnungsstellung aufgespürt und Fehlinterpretationen des Tarifs korrigiert. Man darf nicht ausser Acht lassen, dass die Rechnungskontrolle ein starkes Wettbewerbselement in der sozialen Krankenversicherung darstellt. Der Versicherer, der die ihm zur Rückerstattung unterbreiteten Rechnungen am effizientesten berichtigt, wird ein geringeres Volumen an zu erstattende Leistungen aufweisen als die konkurrierenden Krankenversicherer. Folglich wird er in den Folgejahren geringere Prämienerhöhungen veranschlagen müssen, als die Konkurrenz.
Eine Milliarde gespart: Dank Wettbewerb
Das lässt mich folgendes Fazit ziehen: Man muss anerkennen, dass die Verwaltungskosten der sozialen Krankenversicherer in absoluten Franken leicht zugenommen haben. Im Vergleich mit der Zunahme des Volumens der zu korrigierenden und abzurechnenden Belegen sowie mit den neuen Kontrollaufgaben im Bereich der Wirtschaftlichkeit, welche den Krankenversicherern ab Einführung des KVG zugewiesen wurden, ist es offensichtlich, dass die sozialen Krankenversicherer ihre Verwaltungskosten optimieren konnten, da die daraus resultierenden Kosten nur leicht zugenommen haben. Dies obwohl die darauf zurückzuführenden Tätigkeiten eindeutig zugenommen haben. Mit anderen Worten, den Krankenkassen ist es gelungen, die Rechnungskontrolle derart zu automatisieren, dass das Niveau der Verwaltungskosten nahezu unverändert beibehalten werden konnte, während sich gleichzeitig das Volumen der Leistungen im Zusammenhang mit den Kontroll- und Abrechnungsarbeiten verdoppelt hat. Diese für die Versicherten sehr erfreuliche Situation wurde möglich dank dem Wettbewerbsdruck zwischen den sozialen Krankenversicherern. Fest steht, dass dieser – den Versicherten zugute kommende – Wettbewerbseffekt in einem Monopolmarkt à la SUVA nicht möglich gewesen wäre.