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Bedrohte Indigene im Amazonas: GfbV fordert die brasilianische Bundesanwaltschaft auf, den Bau des Megastaudamms Belo Monte zu sistieren
01.12.2010
Recherchen der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und der Ethno-Umweltschutzverein Kanindé in Brasilien decken auf, dass mit dem Bau des Megastaudamms Belo Monte im Herzens des Amazonas eine immense Industrialisierung eingeleitet werden soll, welche sowohl die in Reservaten lebenden Indigenen wie auch unkontaktierte Indigene bedroht. Die GfbV und Kanindé, unterstützt von 12 Nichtregierungsorganisationen, haben daher eine Beschwerde bei der brasilianischen Bundesanwaltschaft eingereicht.
Die Indigenen in der Xingu-Region äussern gegenüber der Vertreterin der GfbV, Rebecca Sommer, wiederholt Sorge und Verunsicherung. Nachdem sie von offizieller Seite widersprüchliche Angaben über die direkten und indirekten Folgen des Megastaudamms Belo Monte erhalten haben und nie um ihr Einverständnis zum Dammbau gebeten worden sind, droht ihnen nun eine noch verhängnisvollere Entwicklung.
In vielen Indigenenreservaten in derselben Region vermuten Geologen nämlich grosse Rohstoffvorkommen. Laut dem Umweltverträglichkeitsbericht für den Belo Monte-Staudamm, der vom staatlichen Energiebetrieb Eletrobrás verfasst wurde, haben bereits zahlreiche Rohstoff-Firmen bei der Regierung Bewilligungen zur Suche nach Bodenschätzen beantragt. Im Indigenenreservat Apyterewa zum Beispiel ist dies, neben anderen, die Firma Companhia Vale do Rio Doce. Insgesamt wurden bereits für rund 63% der Fläche der Indigenenreservate im Oberen Xingu solche Bewilligungen beantragt. Die Indigenen selbst sind bislang weder informiert worden, noch haben sie einem künftigen Rohstoffabbau in ihrem Siedlungsgebiet zugestimmt.
Seit die brasilianische Verfassung von 1988 den Indigenen einen gewissen Schutz zuspricht, wurden über 20% des Amazonasregenwaldes den Indigenen als Reservate zugesprochen. Nun soll dieser Schutzauftrag der Gier nach Bodenschätzen geopfert werden. Der bislang gelobte Umgang Brasiliens mit seiner indigenen Bevölkerung wird damit grundsätzlich in Frage gestellt.
Für die noch unkontaktierten Indigenen, welche nur 70 km vom Staudamm entfernt gesichtet worden sind (vgl. Pressemitteilung vom 16. November), ist diese Entwicklung besonders verheerend. Denn ihr Lebensraum ist gar nicht geschützt. Das Gebiet der unkontaktierten Indigenen will die Regierung nämlich für die Holznutzung freigeben.
Aufgrund dieser besorgniserregenden Entwicklungen hat die GfbV und Kanindé gemeinsam mit 12 Nichtregierungsorganisationen eine Beschwerde bei der brasilianischen Bundesanwaltschaft (Ministério Público Federal) des Bundesstaates Pará eingereicht. Die Beschwerde verlangt von der Bundesanwaltschaft, den Bau des Belo Monte-Staudamms zu sistieren, falls es im Bewilligungsverfahren Unregelmässigkeiten gegeben haben sollte.
Medienmitteilung der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV)