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«Wir riefen nach Arbeitskräften und es kamen Menschen.» Das berühmte Zitat des Schweizer Schriftstellers Max Frisch aus dem Jahr 1965 bezog sich auf die unzähligen Saisonniers, die jahrzehntelang den Arbeitskräftebedarf der Schweiz abdeckten, während ihre Rechte auf der Strecke blieben.
Jahr für Jahr durften die Saisonniers für 9 Monate einreisen und arbeiten, und mussten die Schweiz anschliessend für 3 Monate wieder verlassen. Sie schufteten auf Schweizer Baustellen, in der Gastronomie und der Landwirtschaft und wohnten in mit dem lebensnotwendigsten ausgerüsteten Baracken, weit weg von ihren Familien.
Jährlich kamen rund 130 000 Menschen aus Italien, später auch aus Spanien und Portugal in die Schweiz. An der Grenze wurden sie einer medizinischen Abklärung unterzogen und nur diejenigen eingelassen, welche arbeiten konnten. Ihre Familien durften sie nicht nachziehen, was dazu führte, dass viele ihre Kinder hier verstecken mussten. Jahr für Jahr belastete sie die Unsicherheit, ob erneut eine Arbeitsbewilligung für die nächste Saison ausgestellt wird oder nicht. Davon erzählt Antonio Ruberto, der selbst jahrelang als Saisonnier auf Schweizer Baustellen arbeitete, bevor er eine Aufenthaltsbewilligung erhielt.
Eingeführt wurde das umstrittene Saisonnierstatut in den 1930er Jahren. Es erlaubte der Schweiz, die Zuwanderung ganz und einzig nach den Anforderungen des Arbeitsmarktes auszurichten. Heute vor 20 Jahren wurde es mit der Einführung der Personenfreizügigkeit am 1. Juni 2002 abgeschafft. Der Abschaffung voraus gingen jahrzehntelange Kämpfe der Arbeiter*innen und Gewerkschaften.
Anlässlich des 20zigsten Jahrestages der Abschaffung organisierte die Gewerkschaft UNIA heute morgen eine Aktion vor dem Bundeshaus. Sie übergab dem Parlament eine Petition mit der Forderung «Saisonnierstatut – niemals wieder!», und machte darauf aufmerksam, dass auch heute noch viele Arbeitskräfte in der Schweiz einen sehr prekären Aufenthaltsstatus haben, welchen sie im Falle von persönlichen oder finanziellen Schwierigkeiten zu verlieren drohen.