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Veränderungen an der Waldgrenze
Die Waldgrenze ist eine der auffälligsten Grenzen zwischen verschiedenen Lebensräumen. Infolge von Landnutzungs- und Klimaänderungen verschiebt sie sich jedoch vielerorts. Wir erforschen, was dies für die betroffenen Ökosysteme und für wichtige Waldleistungen bedeutet.
Waldgrenze: Der Bereich, wo subalpine oder boreale Wälder in Tundra oder alpine Rasen übergehen – entweder im Gebirge oder in hohen Breitengraden.
Baumgrenze: Der höchste respektive den Polen/Gipfeln am nächsten gelegene Bereich, wo noch Bäume wachsen.
Für die Schweiz sagen Klimaforscher für die nächsten 100 Jahre einen Temperaturanstieg von etwa 3°C vorher. Dies entspricht dem heutigen Temperaturunterschied zwischen der Baumgrenze und dem Talboden und macht das Lötschental zu einem idealen Untersuchungsgebiet für Effekte des Klimawandels. Deshalb beobachten wir seit 2011 über die Jahrringe das Wachstum zweier ökologisch unterschiedlicher Arten, Fichte und Lärche, entlang der Talhänge.
Mehr: Lötschental-Projekt
Arven, die über 500 Jahre alt werden können, prägen die Lebensgemeinschaft an der oberen Waldgrenze. Doch aufgrund ihrer langen Generationszeit können sie sich vermutlich nicht schnell genug an den rasanten Klimawandel anpassen – und möglicherweise lokal aussterben. Dies legen unsere genetischen Studien nahe.
Mehr: Projekt PiCadapt
In der Schweiz bestimmt in erster Linie menschliche Nutzung die Waldgrenze. Im russischen Uralgebirge, weitab der Zivilisation, zeigt sich jedoch direkt der Einfluss des Klimawandels. Zusammen mit Kollegen aus der Russland, Deutschland und der Schweiz untersuchen wir schon seit 2001 die Verschiebung der Waldgrenze im 1500 km langen Ural mit Fotovergleichen, Kartierungen und Jahrringanalysen. Die Waldgrenze ist dort seit Anfang des 20. Jahrhunderts schon um etwa 50 Meter in die Höhe gewandert. Wir untersuchen, wie sich dies auf die Kohlenstoffspeicherung und die Nährstoffverhältnisse der Böden auswirkt.
Mehr: Projekt Waldgrenze im Ural (derzeit wegen dem Angriffskrieg von Russland auf die Ukraine sistiert)
In der Versuchsaufforstung Stillberg untersuchen SLF-Forschende seit den 1950er Jahren das Wachstum von Bäumen an der Waldgrenze und Wechselwirkungen zwischen Bäumen, Schneedecke und Lawinen. Lag das Hauptziel der Forschung einst beim Lawinenschutz, machen wir heute vermehrt auch Experimente rund um den Klimawandel.