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Wenn man historische Verhältnisse und Ereignisse verstehen will, muss man auch die Geographie betrachten. Gerade Gewässer spielten immer eine grosse Rolle – und tun es noch heute. Siedlungen wurden in Gewässernähe errichtet. Seen und Flüsse dienten als Lebensgrundlage (Trinkwasser, Fischerei) und natürlich dem Transport von Gütern.
Gerade die Geschichte der Region Thun und des Oberlandes ist stark vom Wasser geprägt. Während der Eiszeit gab es hier gigantische Gletscher, die nach und nach zurückgingen und Gewässer hinterliessen. Noch vor wenigen hundert Jahren gab es zahlreiche Veränderungen.
So verschwanden zahlreiche Kleinseen im Nordwesten von Thun. Die Gegend, in der ich aufwuchs – Uetendorf Allmend – war einst ein riesiges Sumpfgebiet, in dem die Kander und die Aare in zahlreichen Strömen zusammenflossen. Siedlungen wurden immer wieder überschwemmt. Die Kander wurde schliesslich im 18. Jahrhundert bei Einigen in den Thunersee umgeleitet. Die Website aarelauf.ch bietet eine informative und reich illustrierte Geschichte der Aare und ihrer Geschichte.
Die Aare fliesst aus dem Brienzer- und Thunersee. Wer hätte gedacht, dass diese beiden Seen einst grossflächig miteinander verbunden waren und einen einzigen grossen Oberländer See bildeten? Der Autor André Dähler veröffentlichte 2009 in der Berner Zeitung einen längeren Text über diesen See, der Wendelsee genannt wurde. Hier einige interessante Punkte:
– Erster Vorläufer der Aare entstand etwa zeitgleich mit den Alpen, vor rund 30 Millionen Jahren.
– Nach dem Rückzug des Gletscher vor gut 10’000 Jahren entstand im Berner Oberland der nacheiszeitliche Wendelsee.
– Er erstreckte sich einst von Meiringen bis in die Gegend nördlich von Thun.
– Im Laufe der Jahrtausende verlor der See zunehmend an Fläche, da er vom Geschiebe einmündender Flüsse aufgefüllt wurde.
– Die vollständige Trennung des Wendelsees in zwei Seen war erst um das Jahr 1000 abgeschlossen.
– Die Aare floss noch bis ins 19. Jahrhundert durch offenes Gelände und wurde erst nach und nach in die heutigen Flussbette gelenkt.
– Die genauen Ausmasse des einstigen Wendelsees sind bis heute nicht endgültig erforscht. Noch ungenau bestimmt ist die einstige Ausdehnung vor allem für die Gegend nördlich von Thun.
Bild: Wikimedia