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Eine Untersuchung mit dieser Markierungsmethode wurde kürzlich im Genfersee durchgeführt. Die Fangzahlen der Seesaiblinge und Forellen waren hier seit mehreren Jahren rückläufig, während dem die Felchenfänge stetig stiegen. Die internationale Kommission der Genfersee-Fischerei wollte den Ergebnissen der Fangstatistiken genauer auf den Grund gehen und herausfinden, woher die gefangenen Lachsartigen stammten. Waren die Besatzmassnahmen massgeblich für die Fänge verantwortlich oder stammte ein Grossteil der Seesaiblinge, Forellen und Felchen aus der natürlichen Fortpflanzung? Dazu wurden alle jungen Forellen und Seesaiblinge (je fast eine Million) an den Gehörknöchelchen markiert. In den Folgejahren wurden die Köpfe der Fische von den Anglern und Berufsfischern gesammelt und jeder gefangene Fisch konnte dann im Labor anhand der Markierung im Ohr als Besatz- oder Wildfisch identifiziert werden.
Genfersee: Besatzerfolg unterscheidet sich zwischen den Arten
Die Untersuchung zeigt, dass der Besatzerfolg im Genfersee sich von Fischart zu Fischart stark unterscheidet (Abb. 4). So war nur zirka jede fünfte der gefangenen Forellen markiert und stammte somit aus dem Besatzmaterial. Dabei wurden grosse Unterschiede festgestellt, was die Überlebenswahrscheinlichkeiten von verschiedenen Altersklassen und den Ort des Besatzes angingen: Brütlingsbesatz in die kleineren Zuflüsse war am erfolgreichsten. Solche gewässerspezifischen Informationen helfen, die laufende Besatzpraxis zu optimieren.
Bei den Seesaiblingen waren die Besatzmassnahmen erfolgreicher. Über zwei Drittel der rückgefangenen Fische stammten aus dem Besatzmaterial. Die meisten davon waren Nachkommen von Elterntieren aus dem Laichfischfang. Nur wenige stammten von einem domestizierten Zuchtstamm (Muttertierhaltung) ab. Dies bestätigt, was bereits andere Untersuchungen gezeigt haben: Jungfische von wilden Elterntieren sind besser für die natürlichen Bedingungen im Gewässer ihrer Eltern gerüstet als Nachkommen von einem domestizierten Zuchtstamm. Bei einer Domestizierung wird die Vielfalt im Erbgut mit jeder Generation kleiner und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Fische später an ändernde Umweltbedingungen, wie zum Beispiel höhere Temperaturen oder neue Krankheitserreger, anpassen können.
Bei den Felchenfängen im Genfersee sah es anders aus: Es wurden so viele Felchen gefangen, dass der Anteil eingesetzter Felchen maximal ein bis vier Prozent ausmachte. Dies zeigt klar, dass im Genfersee die natürliche Fortpflanzung der Felchen wieder sehr gut funktioniert und Besatzmassnahmen zwecks Stützung der Bestände nicht nötig sind. Diese werden gemäss Aussagen des Fischereiverwalters des Kantons Waadt, Frédéric Hofmann, deshalb nur noch im kleinen Rahmen zur Erhaltung des Knowhows und als Absicherung im Falle eines grossen Fischsterbens fortgeführt.
Wenig Geschiebe und Sauerstoff für die Saiblinge?
Dass bei den Seesaiblingen der grössere Teil der Fänge aus Besatzmaterial stammt, bei den Felchen dagegen fast ausschliesslich aus der Naturverlaichung, hat wahrscheinlich mit den unterschiedlichen Laichgebieten der beiden Arten zu tun. Früher fanden die Seesaiblinge ideale Laichbedingungen in den Bereichen der Zuflüsse, wo es durch das Geschiebe der Flüsse bis in grosse Tiefen stets ausreichend frischen Kies gab. Heute ist der Geschiebetrieb stark eingeschränkt, und so könnte der für die Fortpflanzung benötigte Kies Mangelware sein. Weil die Saiblinge eher tief laichen, könnten auch die Sauerstoffverhältnisse in grossen Seetiefen ein limitierender Faktor sein. Die Felchen hingegen laichen auch in weniger tiefen Bereichen an vielen verschiedenen Stellen und ihre Fortpflanzung funktioniert offensichtlich uneingeschränkt.
Werden aufgrund des Besatzes aber wirklich mehr Fische gefangen? Oder konkurrieren die Millionen von eingesetzten Besatzfische einfach die Fische aus der natürlichen Fortpflanzung und ersetzen einen Teil davon? Die Antwort auf diese Frage kann nur ein Besatzstopp geben. Erst dann würde sich zeigen, ob die Besatzmassnahmen wirklich nötig sind oder ob uns die Naturverlaichung alleine die gleichen oder langfristig vielleicht sogar höhere Fangzahlen bescheren könnte.