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Als sich 1999 die Wirtschafts- und Handelsminister der Welthandelsorganisation (WTO) in Seattle versammelten, kam es zu massiven Protesten. Angeführt von Gewerkschaften protestierten Tausende gegen die vorherrschende neoliberale Globalisierungspolitik und die damit einhergehende Ausbeutung von ArbeiterInnen in Billiglohnländern, ohne dass Sozial-, Umwelt- und Menschrechtsstandards in diesen Ländern ernsthaft diskutiert wurden.
Seit 1987 treffen sich in Davos unter dem Label World Economic Forum (WEF) führende VertreterInnen aus Wirtschaft und Politik, um hinter verschlossenen Türen und in informellem Rahmen über die Organisationen der Weltwirtschaft zu diskutieren. Die grosse Mehrheit von ihnen stammte und stammt bis heute aus den traditionellen Industrieländern.
Die KritikerInnen formieren sich
Als Gegenbewegung zu diesem Zirkel aus EntscheidungsträgerInnen wurde 2001 das Weltsozialforum (WSF) in Porto Alegre gegründet, einer Hochburg der brasilianischen Arbeiterpartei (PT). Rund 1000 Organisationen und über 12‘000 TeilnehmerInnen diskutierten unter dem Motto «Eine andere Welt ist möglich», wie eine «Globalisierung von unten» aussehen würde. Im Jahr darauf versammelten sich bereits rund 60‘000 Menschen aus allen Kontinenten in Porto Alegre.
Seither fand (ausser 2014) jedes Jahr ein – zum Teil auch dezentral veranstaltetes –Weltsozialforum statt. 2004 erstmals in Asien (Mumbai), 2007 erstmals in Afrika (Nairobi) und 2013 sowie 2015 im Nachgang des Arabischen Frühlings in Tunis. Aus naheliegenden Gründen stammte die Mehrheit der Teilnehmenden jeweils aus dem gastgebenden Land bzw. Ländern der jeweiligen Region. Neben dem WSF fanden zudem seit 2001 in zahlreichen Ländern und Regionen sogenannte Sozialforen statt, die sich inhaltlich an den Fragestellungen des WSF orientierten. Nicht nur Basisgruppen aus sozialen Bewegungen, auch global agierende NGOs und Think Tanks nutzen die Foren zum Austausch und zum Ausbau bestehender oder dem Aufbau neuer Kontakte.
Ungewisse Zukunft des WSF
Für 2016 entschied sich die Organisation, das WSF erstmals in der nördlichen Hemisphäre, im kanadischen Montreal, durchzuführen. Der Entscheid stiess auf Kritik, denn für viele Interessierte aus dem globalen Süden waren Anreise und Aufenthalt schlicht nicht zu finanzieren, andere wurden wegen Visa-Beschränkungen nicht ins Land gelassen.
Alliance Sud sah 2016 von der Organisation der Reise einer Schweizer Delegation ans WSF ab. In den Jahren zuvor hatte Alliance Sud – jeweils in enger Zusammenarbeit mit der Nichtregierungsorganisation E-CHANGER – eine Delegation mit VertreterInnen aus Gewerkschaften, Politik, NGOs und interessierten Medien organisiert und mit Süd-NGOs aus ihrem Netzwerk auch eigene Workshops etwa zu Welthandelsfragen durchgeführt.
Auch wenn aktuell eine Rückkehr des WSF nach Lateinamerika diskutiert wird, so scheint die Dynamik und Mobilisierungskraft der Gründerjahre des WSF heute gebremst. Die Gründe dafür sind vielfältig: In Lateinamerika haben fortschrittliche Regierungen in den 2000er-Jahren in Sachen sozialer Ausgleich zwar vieles erreicht, einigen Kredit seither aber auch wieder verspielt. Während die Gründer-Generation des WSF in die Jahre gekommen ist, versuchen heutige AktivistInnen auf allen Kontinenten mit neuen Formen der Mobilisierung – etwa über soziale Medien – dem WSF-Motto «Eine andere Welt ist möglich» zum Durchbruch zu verhelfen. Die Wahl des neuen Präsidenten Trump könnte der WSF-Bewegung, die sich seit jeher auch gegen Diskriminierung und für den Frieden eingesetzt hat, aber durchaus neuen Schwung verleihen.