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Instrumentalisierungen von Erinnerung: Beziehungshandeln von Klöstern und Adligen
Freitag, 10. Juni
16:30 bis 18:00 Uhr
Raum 3068
Die Entstehung und die Existenz von Klöstern ist seit dem Hochmittelalter eng mit den Interessen adliger HerrschaftsträgerInnen verbunden. Ihre Stiftungen und Schenkungen wie auch ihr Schutz trugen dazu bei, dass sich die Klöster teilweise zu mächtigen regionalen oder gar überregionalen Institutionen entwickelten. Wie im Kontext neuerer Überlegungen zum "Hausklostermodell" und zu Verwandtschaft herausgearbeitet worden ist, war die wechselseitige enge Beziehung zwischen Adel und Kloster von kürzerer Dauer als bisher vermutet.
Gleichwohl ist eine Vielfalt an Formen festzustellen, mit denen die Klöster ihre Beziehungen zu Adligen fixierten: Sie verschriftlichten Gründungs- und Ausstattungsvorgänge, verfassten Inventare ihres Besitzes, liessen sich Privilegien ausstellen oder erhielten im Gegenzug wertvolle Gegenstände, verbunden mit dem Auftrag des liturgischen Gedenkens an die Schenkenden. So materialisierten die Akteure Erinnerung und schufen sich ein Instrumentarium, das ihre Verbindung bei Bedarf vertiefen oder erneuern konnte. Dabei waren beide Seiten zeitweise an der Nähe zum anderen interessiert. Zu untersuchen ist insbesondere, wer die Kontakte jeweils initialisierte, reaktivierte oder zu seinem Vorteil nutzte. Aber auch welche Machtgefälle und -spiele beobachtet werden können.
Ausgehend von unterschiedlichen Klöstern und Klostergemeinschaften untersucht das Panel vergleichend die herrschaftssichernden Wirkungen dieser Instrumentarien des Erinnerns. Konkret wird nach den Momenten der Intensivierung von Beziehungen zwischen Klöstern und adligen Herren und Damen gefragt, nach deren Formen, Ausprägungen und Ursachen.
Johannes Waldschütz vergleicht die in der materiellen Überlieferung greifbare Beziehungsbildung zwischen vier südwestdeutsch-schweizerischen Klöstern der Hirsauer Reform und den Familien ihrer gräflichen Stifter im Hochmittelalter. Bettina Schöller fokussiert auf die Produktion von Schriftgut im Kloster Muri und versteht sie als Möglichkeit der gezielten Aktivierung von Erinnerung an die habsburgischen Gründer. Tobias Hodel untersucht die materielle Ausprägung von Beziehungsbildung mit einem Fokus auf Schriftstücke in Königsfelden während 200 Jahren.
Die anhand der Stiftungen im Reich gemachten Überlegungen zu den komplexen wechselseitigen Beziehungen zwischen Klöstern und Adligen werden im Kommentar durch Bernard Andenmatten aus dem Blickwinkel der aktuellen französischsprachigen Forschung ergänzt und mit der traditionsreichen Abtei Saint-Maurice d’Agaune, die im Laufe ihrer langen Geschichte stets ihre königliche Herkunft betonte, mit regulierten Mönchsgemeinschaften (Zisterziensern, Prämonstratensern oder Kartäusern) und deren weitaus üblicheren Verbindung mit regionalen Herrschaftsträgern in Beziehung gesetzt.
Ziel des Panels ist es, ausgehend von der materiellen Kultur die Systeme wechselseitiger Abhängigkeiten zwischen Klöstern und adligen Herren und Damen auszuloten und die Vorgänge der Erinnerungsbildung in ihre historischen Kontexte zu stellen.