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Ohne die Nominierten des Prix Courage wäre das Leben vieler Menschen ganz anders verlaufen. Ein zehnjähriges Mädchen etwa wäre tot. Ertrunken. Dass die Mutter ihre Tochter heute immer noch in ihre Arme schliessen kann, ist das Verdienst von Damiano Saitta, der sich in die Aare warf und das davontreibende Mädchen ans Ufer brachte. Auch jener Mann, der auf der A1 verunfallte, würde nicht mehr leben ohne einen Prix-Courage-Nominierten. Zoran Vasic barg ihn aus dem brennenden Auto. Und Dominique Steiner verdankt Nathalie Mack wohl ihre körperliche Unversehrtheit. Steiner war nachts in Winterthur auf dem Heimweg, als ein Mann sie anfiel. Leute in der Nähe beobachteten die Szene, ohne etwas zu tun. Nur Mack wollte nicht zusehen und schritt ein.
Das Mädchen, der Autofahrer, die junge Frau: Sie hatten alle einen Schutzengel, und zwar einen irdischen, einen aus Fleisch und Blut. Es ist gut zu wissen, dass es solche sehr realen Schutzengel gibt in unserer Gesellschaft. Und vor allem ist es gut, dass es sie gibt. Das will der Beobachter mit dem Prix Courage würdigen.
Warum haben die Leute in jener Nacht in Winterthur zugeschaut statt geholfen? Vielleicht war das Bedrohliche der Situation nicht sofort ersichtlich. Oder dachte jeder, der andere würde dann schon reagieren? Oft braucht es Entscheidungen innert Sekunden. Nicht alle sind dazu in der Lage. Kann uns das beruhigen?
Hätten wir gleich gehandelt?
Die Auswahl der Nominierten zeigt: Das Leben bietet vielerlei Gelegenheiten, Mut zu beweisen, für andere oder für ein Ideal einzustehen. Manchmal ist eine trockene Amtsstube der Ort, wo ein beherztes Nein nötig wird. So im Fall von Bettina Ecklin, für die Rechtsgleichheit nicht bloss ein leerer Begriff ist. Oder es ist eine Bank, wie im Fall von Calista Gabriela Fischer. Sie wehrte sich gegen die Credit Suisse, die ihr Schrottpapiere verkauft hatte, und holte für sich und ihre Mitstreiter eine Entschädigung heraus. Oder es ist ein Kloster, wie bei Marie-Rose Genoud. Die Ursulinen-Nonne sorgte dafür, dass der Kanton Wallis bei Asylbewerbern keine unrechtmässigen Lohnabzüge mehr vornahm.
Dass eine mutige Tat auch Verlust für einen selbst nach sich ziehen kann, musste Marisa Pralong erfahren. Die Gewerkschafterin kritisierte öffentlich die Arbeitsbedingungen bei Manor – und wurde auf die Strasse gestellt.
Sind auch wir mutig? Hätten wir alle wie die Nominierten gehandelt? Gern würden wir mit Ja antworten. Bei einigen von uns wäre dies sogar die richtige Antwort. Bei vielen aber wohl nicht. Schriftstellerin Milena Moser bekannte im Beobachter frank und frei: «Ich bin ein Feigling.» Seien wir ehrlich – und mutig: Ein Grossteil von uns müsste das Gleiche von sich behaupten wie Milena Moser. Umso höher ist der Einsatz der Nominierten zu würdigen.
Der Prix Courage des Beobachters wird dieses Jahr zum 12. Mal verliehen. Franz Hohler und vier frühere Preisträger bilden die Jury, die den Hauptgewinner bestimmt. Der Hauptpreis ist mit 25'000 Franken dotiert, der Publikumspreis mit 10'000 Franken. Die Gewinner der diesjährigen Preise werden am 11. September ausgezeichnet.
|Calista Gabriela Fischer

Bei der Lehman-Pleite verlor Calista Gabriela Fischer die Hälfte ihres Vermögens. Aus Scham sagte sie es zuerst niemandem. «Ich war überzeugt, die Einzige zu sein, der so was passiert.»
|Zoran Vasic

Als Zoran Vasic nachts auf der A1 kurz vor Winterthur an eine Unfallstelle kommt, zögert er nicht: Er rettet den Unfallfahrer aus seinem brennenden Auto.
|Marisa Pralong

In einem Zeitungsartikel liess sich die Verkäuferin Marisa Pralong pointiert gegen die Ausweitung der Sonntagsverkäufe zitieren. Wenige Wochen später erhielt sie die Kündigung – explizit begründet mit ihren Aussagen in der Zeitung.
|Damiano Saitta

An einem schönen Junitag will Damiano Saitta an der Aare ein bisschen chillen, als er Hilferufe hört: «Mami! Mami!» Er springt in den Fluss und rettet einem zehnjährigen Mädchen das Leben.
|Nathalie Mack

Als Nathalie Mack beobachtet, wie eine junge Frau überfallen wird, eilt sie ihr zu Hilfe. Ihr beherztes Eingreifen hat Schlimmeres verhindert und zur Inhaftierung des Täters geführt.
|Bettina Ecklin

Haben Prominente mehr Rechte als Normalsterbliche? Nein, fand Bettina Ecklin, juristische Sekretärin im Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich (AWA).
|Marie-Rose Genoud

Über zehn Jahre dauerte ihr Kampf gegen die Willkür des Kantons Wallis, der Asylbewerbern illegal Geld abgeknöpft hatte. Am Ende mit Erfolg.