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Im Jahre 1996 trat ich vor die Generalversammlung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) in Bern. Ich sagte damals, die SNB soll weniger im Ausland investieren und damit ausländische Volkswirtschaften ankurbeln, als vielmehr in der Schweiz und so die Schweizer Wirtschaft ankurbeln (siehe auch Finanz und Wirtschaft, 31. Januar 1996: „Die SNB-Investitionspolitik ist zu überdenken“).
Was bewirkte dieser Vorstoss? Einerseits, dass ich meine Stelle als langjähriger Aktien-Stratege bei der damaligen UBS verlor und seither weit ausserhalb des Einflussbereichs der Nationalbank arbeite. Andererseits, dass die SNB im Gegenteil ihre sämtlichen Inlandinvestitionen veräusserte und über 400 Milliarden Franken Investitionen im Ausland tätigt.
Die SNB besitzt heute keinerlei Investitionen mehr in der Schweiz, mit denen sie die heimische Wirtschaft ankurbeln könnte.
Deshalb und trotzdem möchte ich hier meinen Vorschlag für mehr Investitionen in der Schweiz von damals wiederholen. Ich begründe dies nach wie vor wie folgt:
Die Ursache für die kontraproduktive Geldpolitik unserer Nationalbank liegt in einem Fehler in der Geldtheorie, der bis auf Keynes zurückgeht. Keynes behauptete in seinem Standardwerk „The General Theory of Employment, Interest and Money“ (1936), eine Zentralbank könne die Zinsen im Inland senken und damit die heimische Wirtschaft ankurbeln, indem sie die Geldmenge erhöhe.
Keynes interpretierte dabei Geld fälschlicherweise als Vermögen (Aktivum) der Zentralbank anstatt als eine Schuld (Passivum). Er argumentierte: Im Falle einer Ausdehnung der Geldmenge durch die Notenbank würde der Preis des Geldes, der Zins, fallen. Die Notenbank würde somit die Wirtschaft mit „günstigem“ Geld versorgen. „Günstig“ in dem Sinne, dass die Notenbank auf dem von ihr emittierten Geld einen tiefen Zinssatz verlange.
Das würde bedeuten, dass die SNB auf dem von ihr emittierten Geld Zinsen – Aktivzinsen – erhielte. Geld müsste demzufolge ein Aktivum der SNB sein.
Das ist es aber nicht: Geld ist ein Passivum der emittierenden Notenbank.
Anders formuliert: In der heutigen Geldtheorie wird aufgrund von Keynes behauptet: Bei einer Vergrösserung der Geldmenge durch die Notenbank falle der Preis des Geldes, der Zins. Geld ist ein Passivum, Fremdkapital beziehungsweise eine Obligation der Notenbank. Der Preis einer Obligation ist aber nicht deren Zins, sondern deren Kurs. Dieser verhält sich invers zur Rendite.
Daraus folgt: Bei einer Expansion der Geldmenge fällt der Wert der Währung (Inflation) und die Zinsen steigen (ceteris paribus).
Eine expansive Geldpolitik hat zwei Zinseffekte: Die Verschuldung auf der Passivseite der Notenbankbilanz führt zu steigenden Zinsen, weil der Wirtschaft Kapital entzogen wird. Die Investitionen auf der Aktivseite führen zu tieferen Zinsen. Das der Wirtschaft auf der Passivseite entzogene Kapital wird dieser auf der Aktivseite wieder zugeführt.
Das ist aber lediglich eine Drehung der Renditekurve – keine Verschiebung.
Zudem trifft der zinssenkende, ankurbelnde Effekt nur dann ein, wenn die Investitionen der Zentralbank auch im Inland erfolgen. Investiert die Notenbank hingegen im Ausland, so erfolgt die Wirtschaftsankurbelung logischerweise im Ausland.
Dieser hier kurz aufgezeigte Fehler in der heutigen Geldtheorie, der auf Keynes zurückgeht, hat verheerende Auswirkungen auf die Geldpolitik unserer Nationalbank.
Die SNB meint, dass sie bei einer Geldemission die Schweizer Wirtschaft mit Kapital versorge und somit ankurble. Das Gegenteil trifft zu.
Da die SNB in der Schweiz Kapital im Betrag von gegen 400 Milliarden Franken aufgenommen hat und für über 400 Milliarden Franken Investitionen im Ausland tätigt, verursacht sie einen immensen Kapitalabfluss zugunsten des Auslands auf Kosten der Schweiz.
Die Einführung der Kursuntergrenze Euro/Schweizerfranken bei 1,20 hat diesen Kapitalabfluss durch die SNB zu einer Einbahnstrasse werden lassen – ohne absehbares Ende.
Zudem birgt dieser Kapitalabfluss ein enormes Wechselkursrisiko in sich: Die Schulden unserer Nationalbank lauten auf Schweizerfranken, ihr Vermögen aber auf Euro. Gerade die jüngsten Vorkommnisse auf Zypern zeigen, wie gefährlich die Euro-Investitionen unserer Nationalbank sind.
Fällt das Vermögen der SNB (in Euro und Dollar) unter den Wert ihrer Schulden (in Schweizerfranken), so ist die SNB zahlungsunfähig. Sie kann ihre Franken-Schulden nicht mehr „bedienen“ beziehungsweise abbauen. Denn durch zusätzliche Geldemission würde die SNB ihre Schulden bei den Geschäftsbanken zusätzlich vergrössern.
Die SNB und die Befürworter dieser höchst gefährlichen Untergrenze behaupten immer wieder, es gäbe keine Alternativen zur Untergrenze. Mitnichten.
Der Kapitalzufluss aus dem Ausland hat die Zinsen auf historische Tiefs fallen lassen. Es kann sogar mit Negativzinsen gerechnet werden.
„Unser Haus steht in Flammen“, rief Swissmem-Chef Hans Hess panikartig aus.
Dem widerspreche ich. Es herrschen für uns Schweizer paradiesische Verhältnisse.
Jetzt ist die Zeit, um anstehende Investitionen auszuführen und schubladisierte Infrastrukturprojekte an die Hand zu nehmen.
Nachfolgend sollen einige Beispiele gezeigt werden für sinnvolle Investitionen in der Schweiz.
Swissmetro: Das Projekt sieht vor, die Städte der Schweiz durch eine U-Bahn zu verbinden. Diese wird in einer Röhre geführt, in der ein Teilvakuum herrscht, um den Luftwiderstand zu minimieren. Als Magnetschwebebahn könnten Spitzengeschwindigkeiten von über 500 Stundenkilometern erreicht werden.
DasProjekt würde grosse Energieeinsparungen ermöglichen (Reduktion der altmodischen und schweren SBB-Waggons; weniger Atomkraftwerke). Die Zeitgewinne würden die gesamtwirtschaftliche Produktivität verbessern. Die Umweltbelastung würde massiv reduziert.
Wir hätten ein futuristisches Verkehrssystem, was viele Interessenten aus aller Welt anlocken würde. Es würden sehr viele Arbeitsplätze geschaffen. Zudem bestünde die Chance, dass wir mit dem gewonnenen Wissen in alle Welt exportieren könnten (langfristige Sicherung von Arbeitsplätzen).
Erweiterte Neat: Mit einem Tunnel von Basel nach Chiasso könnte der Schwerverkehr umweltfreundlich durch die Schweiz geführt werden. Es könnten Terminals gebaut werden, um die Container schnell auf die Bahn zu verfrachten. Auch hier würden viele Arbeitsplätze geschaffen.
Alfred Escher gründete die Schweizerische Kreditanstalt zur Finanzierung der Nordostbahn und der Gotthardstrecke. Das war gleichzeitig die Grundlage für die Entstehung des Schweizer Bankenplatzes. Wüsste Escher, dass wir heute unsere Chance vertun, indem wir das günstige Kapital einfach wieder ins Ausland exportieren – verbunden mit einem enormen Wechselkursrisiko -, er würde sich wohl „im Grab umdrehen“.
Es gibt aber nicht nur verkehrstechnische Investitionen, die anstehen.
Jede Investition, welche unsere Abhängigkeit von Erdgas und Erdöl reduzieren, ist langfristig sinnvoll, hat eine langfristige Dividende. Denn die Kaufkraft bleibt in der Schweiz.
Isolationen aller Immobilien, Nutzung der Erdwärme, wo immer möglich, verbessertes Recycling, verbunden mit Energiegewinnung, neuartige Kompetenzen bei der Gewinnung von Umweltenergien im Gebirge, verbesserte Holznutzung undsoweiter undsofort.
Ferner gibt es riesigen Investitionsbedarf bei der Ausbildung. Nur schon ein Beamer in einem Schulzimmer wäre eine sinnvolle Investition.
Oder eine weltweite Marketing-Offensive für unsere hervorragenden Produkte; vor allem in Asien.
Die Ausrede, es gäbe nicht genügend Investitionsmöglichkeiten in der Schweiz und somit keine Alternativen zum Euro-Mindestkurs, lasse ich nicht gelten.
Das Faszinierende an all diesen Investitionen wäre, dass wir heute die Möglichkeit haben, diese sogar mit Negativzinsen zu finanzieren. Wenn wir also beispielsweise eine Swissmetro bauen, so erhalten wir dafür Zinsen. Nicht einmal Alfred Escher konnte das.
Noch ist der Euro bei 1,20 nicht durchgebrochen. Noch haben wir die Möglichkeit, aus dieser Risikowette auszusteigen – mit einem blauen Auge.