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Siebdruck - Serigrafie
Der Siebdruck (auch Serigrafie, Silkprint) ist kein eigentliches Druckverfahren, sondern eine besondere Form des Schablonierens: die Farbe wird durch ein feinmaschiges Netz, das als Druckform dient, auf den Druckträger durchgepresst.
Seine Ursprünge findet der Siebdruck im Schablonieren, das in Ostasien auf eine lange Tradition zurückblickt. Anfangs dieses Jahrhunderts wurde die Technik zu Industriezwecken (Etikettieren von Produkten) im Westen übernommen und wurde seit den späten 1940er Jahren künstlerisch genützt.
Siebdrucke werden immer nach demselben Prinzip gefertigt. Auf ein gerahmtes, straff gespanntes Sieb aus Seide, Gaze, Drahtnetz, Stahlgewebe oder Kunststoffen wird eine Darstellung abgebildet. Die Siebmaschen bei den druckenden Flächen sind farbdurchlässig, während die Maschen bei nicht druckenden Stellen abdeckt werden. Dieses Abdecken kann mit verschiedenen Techniken erreicht werden. Man kann die feinen Siebmaschen mit Leim verkleben, mit Schablonen und Folien überdecken, mit einer deckenden Emulsion mittels einer Sprüh-pistole besprühen oder eine wasserabweisende Fettzeichnung auf das Sieb auftragen. Bei der letzteren Technik, der sogenannten Auswaschmethode, wird die fettige Zeichnung auf dem Sieb mit einer Leimwasser-abdeckung bestrichen, die von den fettigen Partien abgestossen wird. Das getrocknete Sieb wird von unten her mit Benzin oder Terpentin bestrichen, die fettige Farbe wird herausgewaschen und die vorher bezeichneten Stellen sind frei zum Durchdruck der Farbe.
Der Siebdruck wird in zahlreichen weiteren Methoden angewendet: Schnittschablone: Papier oder Folie wird dort auf (oder unter) das Gewebe geklebt, wo keine Farbe durchgehen soll. Sie wird v.a. für ornamentale Gestaltungen angewandt, da auf diese Art sehr exakt gearbeitet werden kann. Bei der Abdeckschablone werden die nichtdruckenden Stellen mit Abdeckmittel (z.B. Leim) bestrichen, weshalb jedoch die Konturen selten sehr scharf ausfallen. Die Methode der Schellackschablone funktioniert mittels einer deckenden Emulsion das Sieb besprüht, was bei der Darstellung verlaufende Farbübergänge und eine Flächenwirkung ähnlich wie bei der Aquatinta bewirkt.
Die Fotoschablone ermöglicht dem Künstler, mit fotografischen Mitteln zu arbeiten: als erster Schritt wird in der Dunkelkammer das ganze Sieb mit einer Lichtempfindlichen Emulsion bestrichen. Über das getrocknete Sieb legt der Künstler ein Fotonegativ oder eine bemalte, transparente Folie. Während der nun folgenden Belichtung des Negativs auf das Sieb, erhärtet sich die lichtempfindliche Emulsion überall, wo Licht auf die aufgetragene Schicht trifft. Wo das Licht durch die Zeichnung des Negativs abgehalten wird, bleiben die Stellen auf dem Sieb unbelichtet. Im Anschluss kommt das Sieb in ein Wasserbad, welches die erhärteten, lichtempfindlichen Stellen fixiert und aus den unbelichteten Stellen die Emulsion herauslöst. So sind am Schluss die unbelichteten Stellen für den Farbdurchtritt geöffnet.
Die Methode der Fotoschablone eignet sich besonders gut für Vergrösserungen von Vorlagen sowie um fein nuancierte, lineare Abzüge herzustellen. Zum Druck wird der Papierbogen auf eine Glasplatte aufgespannt und das Sieb mit einem kleinen Abstand, dem Absprung, daraufgesetzt. Nun wird mit einem Spachtel speziell dickflüssige Farbe auf das Sieb aufgetragen und mit dem Rakel, einem Abstreichinstrument, von oben nach unten über das Sieb geschoben und so durch das Netz gepresst. Wo dieses nicht abgedeckt ist, tritt die Farbe auf das Papier und ergibt ein Bild. Neben der Sieb-Art und der Farbkonsistenz bestimmen auch das Material, der Schliff und die Führung des Rakels über die Farbwirkung.
Ausser Handabzügen besteht die Variante, Siebdrucke durch Präzisionsmaschinen beim Druckfachmann fertigen zu lassen.
Bezeichnend für den Siebdruck ist der satte Farbauftrag, der so dick ist, dass selbst weiss auf schwarz gedruckt werden kann - ein bedeutender Vorteil gegenüber allen anderen Drucktechniken. Unter der Lupe kann man an den Rändern den Abdruck des für das Sieb verwendeten Materials ausmachen. Da beim Druckvorgang nur sehr wenig Kraft angewandt wird, wirkt das Papier nie gepresst. Die Auflagenhöhe, wenn sie auch oftmals höher ist als bei anderen Grafiken, ist durch das allmähliche Verkleben des Siebes begrenzt.
Die Serigrafie bietet eine Vielzahl an Variationsmethoden. Bei allen Techniken wird das Sieb häufig mit den anderen Methoden kombiniert. Der Siebdruck eignet sich dennoch mehrheitlich für flächige Darstellungen. Für Halbtöne, feine Darstellungen im Detail und zeichnerische Wirkungen eignen sich andere Verfahren besser.
Erste moderne Serigrafien-Reihen schufen Léger und Arp. Besonders bekannt für ihre intensive Auseinandersetzung mit dem Verfahren sind die Vertreter der Pop-Art wie Warhol, Lichtenstein und Wesselmann.