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Ohne Dorfmeister und Jungfrau keine Ferienkolonie
Sie sangen und fluchten, die Bauern auf ihren Wiesen, im schönsten Romanisch. Cuoi war der Titel des Dorfmeisters der jeweiligen Maiensäss Fraktion, der auch einer Genossenschaft vorstand. Ein Förster und Kreispräsident Namens Johann Fidel Rischatsch begründete mit seiner Schwester mit Spitzname „Jungfrau“ die Gastkultur, die von den Hotels Lenzerhorn und Schweizerhof bis heute hochgehalten werden.
Das Leben der romanisch sprechenden Obervazer Bauern war geprägt durch ihre Arbeit auf den Äckern rund um das Dorf und auf den Wiesen im Maiensässgebiet (auf dem Berg). Jeder der zusammengehörenden Maiensässbetriebe bildete eine landwirtschaftliche Korporation mit einem „Cuoi“ (Dorfmeister) als Oberhaupt.
Ennet der Heidbachschlingen standen die Aclas von Clois. Der Flurname Clois bezeichnet ein durch die Topografie in sich abgeschlossenes Areal (von lat. Clausum bzw. Clus/Abschluss). Die „Clus“ bot dem Heidbach kaum Durchlass, so dass im Talboden ein Seelein (Lai) entstand. Der Viehtrieb führte nach Osten über die Heidbachbrücke (peuntdilsgeunchers) zu den Weiden von Lai und Crapera.
Das Bauernleben in der „schönen alten Zeit“ war hart und entbehrungsreich, wenn auch ohne die heutige Hektik. Die Viehwirtschaft mit Rindern, Ziegen Schafen und Pferden bestimmte den jahreszeitlichen Ablauf der Arbeiten. Kirchliche Anlässe, Markt-, Flur- und Alptermine unterbrachen regelmässig die landwirtschaftliche Tätigkeit. Eine Milchkuh und die Hühner blieben stets bei der Familie. Die Ziegen wurden täglich auf die Alp getrieben. Vom übrigen Hornvieh und von den Schafen trennte sich der Bauer für die Dauer der Alpung.
Die Frau arbeitete in Betriebsgemeinschaft mit dem Mann. Zur ausschliesslichen Frauenarbeit gehörten die Waschtage im Mai und im Oktober und das wöchentliche oder vierzehntägliche Brotbacken im öffentlichen Backhaus. Vater, Mutter und Kinder lebten im Winter und während der Heuernte als Familien- und Arbeitsgemeinschaft im gleichen Haus zusammen, so im Hochsommer vollständig im Maiensäss. In den Übergangszeiten lebten einzelne Familienmitglieder auswärts. Der Vater besorgte im Frühling die Tiere „auf dem Berg“, zusammen mit dem hirtenden Sohn. Im Herbst wohnten die Frauen und die Kinder im Dorf, der Mann war zumindest nachtsüber im Maiensäss.
Das Gemeinschaftsleben war früher viel ausgeprägter als heute. Das galt auch für die einzelnen Maiensässweiler. Die Bauern verarbeiteten die Milch gemeinschaftlich. Wer am meisten Milch hatte, musste käsen. So wurde fast täglich in einer andern Acla gekäst und gebuttert. Der Käse wurde mit der Butter in den kühlen Steinkellern gelagert. Gefeuert wurde im offenen Herd, zumeist ohne Kamin. Geschlafen wurde gemeinsam in einer einzigen oder höchstens 2 Kammern.
Einzig der südliche Strickbau des nördlichen Hofteilsvon Cloiszeigt noch Spuren der Maiensässvergangenheit. Er gehörte Förster und Kreispräsident Johann Fidel Rischatsch, der 1888 das Hotel Lenzerhorn baute. Während 10 Jahren, von 1882 – 1891 mietete die Stadtschule Chur die Acla und führte hier ihre erste Ferienkolonie. Für die neue und beinahe revolutionäre Idee, bedürftigen und gesundheitlich geschwächten Stadtkindern zu günstigen Bedingungen die Sommerferien in ländlicher Umgebung zu ermöglichen, wählte man als Ort ein Maiensäss im gesunden Klima der Lenzerheide. So erhallten hier jeweils im Sommer fröhliche Kinderstimmen. Dr. Luzius Brügger-Jochberg, der den Sommer jeweils in seiner Acla in Fadail (nach ihm Luziuswiese genannt) verbrachte, übernahm die ärztliche Betreuung der Kinder.
1891 baute die Stadt Chur ihre erste Ferienkolonie in Canols. Zahlreiche Unterländer Gemeinden folgten später diesem Beispiel und errichteten auf der Lenzerheide grosszügige Ferienlager für ihre Schulkinder.
Joh. Fidel Rischatsch starb 1898. Schweizerhof-Hotelier Franz Brenn erwarb die Acla einige Jahre später von „Jungfrau“ Rischatsch, der Schwester des Verstorbenen. Sie diente in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts dem Schweizerhof zur Teilversorgung der Gäste mit landwirtschaftlichen Produkten.