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Der Quantenphysiker und Nobelpreisträger Wolfgang Pauli und der Tiefenpsychologie C.G. Jung haben in ihrem Gedankenaustausch, dem so genannten Pauli-Jung-Dialog (1932-1958) unter anderem postuliert, dass die Quantenphysik und die Tiefenpsychologie einer Komplementarität unterliegen.
Komplementarität heisst auf Deutsch Ergänzung. Ich verallgemeinere diese Aussage und postuliere, dass die mithilfe der Quantenphysik beschreibbaren äusseren Phänomene ein Komplement im inneren Erleben haben.
Im Jahr 1935 definiert Pauli in einem Brief an Jung[1] solche Komplementaritäten zwischen der Quantenphysik und der Tiefenpsychologie Jungs. Er vergleicht beispielsweise den radioaktiven Kern mit dem von Jung definierten (höheren) Selbst, dem inneren Gottesbild in jedem einzelnen Menschen. Beide seien gekennzeichnet durch eine Ausstrahlung nach aussen, die zu einer Transformation führen. Allerdings kann er noch nicht sehen, dass diese Transformation in beiden akausal, das heisst ursachelos und spontan ist. Wie wir sehen werden, wurde diese Eigenschaft für mich zum zentralen Phänomen, das sowohl im Zerfall eines einzelnen radioaktiven Atoms, als auch in spontanen inneren Quantensprüngen sichtbar wird (s. dazu unten).
Eine der wichtigsten komplementären Eigenschaften ist also der Quantensprung. Dieser Begriff wird heute völlig missbräuchlich verwendet. Wenn beispielsweise eine Firma einen hohen Gewinnsprung ausweist, spricht man von einem Quantensprung. Durch ein kausales Geschehen, nämlich eine willentliche Leistungs- und/oder Produktivitätssteigerung wird ein höherer Gewinn erzielt.
Der von Werner Heisenberg definierte Quantensprung[2] ist etwas ganz Anderes: Es ist ein akausales, das heisst ein ursacheloses und daher spontanes Geschehen, sozusagen eine «Wirkung» ohne «Ursache». Ein solcher Quantensprung geschieht beispielsweise im natürlichen radioaktiven Zerfall eines einzelnen Atoms: es zerfällt spontan, zu einem zufälligen Zeitpunkt. Daher gibt es auch kein mathematisches Gesetz, das den Zerfall eines einzelnen Atoms beschreiben könnte. Nur für den Zerfall der Masse der Atome gibt es ein statistisches Gesetz, die Halbwertszeit. Sie beschreibt die Zeit, in der die Hälfte der radioaktiven Atome zerfallen ist.
Ich postuliere nun eine Komplementarität zwischen dem physikalischen radioaktiven Zerfall, einem zufälligen Quantensprung, und einem inneren Geschehen, das empirisch beobachtbar ist. Dies heisst, dass es innerlich erfahrbare, physische und psychische Phänomene gibt, die spontan geschehen. Sie stellen somit einen inneren Quantensprung dar. (Beispiele siehe unten)
Dieser innere Quantensprung kann vom gewöhnlichen Bewusstsein – ich nenne es das Kopfhirn – nicht wahrgenommen werden. Für dessen Wahrnehmung wird ein zum Kopfhirn komplementäres Bewusstsein benötigt. Es beruht auf der Entdeckung von Michael Gershon (Columbia University, N.Y., USA) des so genannten enterischen Nervensystems, einem Teil des vegetativen Nervensystems. Dieses Nervensystem besteht aus ungefähr 100 Millionen Neuronen, somit aus denselben Nervenzellen, die das Kopfgehirn bilden, die sich in den Darmwänden befinden. Wie Gershon bewiesen hat, funktioniert dieses von ihm so genannte Bauchhirn unabhängig vom Kopfhirn und regelt so die Prozesse der inneren Organe.
Während sich Gershon auf die physiologischen Aspekte des Bauchhirns beschränkt, besteht meine weiterführende Entdeckung darin, dass dieses Bauchhirn eine eigene Sprache besitzt. Es drückt sich in spontanen inneren Bildern aus, die beobachtet werden können.
In das Bauchhirn gelangt man, wenn man – mithilfe einer einfachen taoistischen Übung, die sich das «Kreisen des Lichts»[3] nennt – bewusst aus dem Kopfhirn «abblendet» und so eine Verbindung mit diesem «zweiten Gehirn» (M. Gershon) erreicht.
Es zeigt sich, dass diese vom Bauchhirn wahrgenommenen inneren Bilder – manchmal ganze «innere Filme» – mithilfe des inneren Quantensprungs™, das heisst also, spontan, ohne äussere Einwirkung entstehen. Sie stellen eigentliche akausale, das heisst ursachelose Neuschöpfungen dar, die gemäss meiner Erfahrung negentropisch, das heisst aufbauend und heilend wirken (und das, ohne dass sie, wie beispielsweise Träume in der Psychoanalyse, gedeutet werden müssen).
Ein akausales, spontanes Geschehen, eine «Wirkung» ohne «Ursache», bedeutet immer ein negentropisches, das heisst ein energetisch aufbauendes Geschehen. Es stellt einen eigentlichen Schöpfungsakt in der Natur dar. Entscheidend ist dabei, dass dieser Schöpfungsakt aus sich selbst geschieht, und nicht durch eine manipulative Tätigkeit des menschlichen Bewusstseins erzeugt werden kann.
Diese Einstellung unterscheidet meine therapeutische Methode, die Körperzentrierte Imagination™, von der so genannten Quantenmedizin oder Quantenheilung, z.B. von Deepak Chopra, Michael König, u.a. Diese will so genannte «Quantenfelder» – von denen niemand so richtig weiss, was sie sind – beeinflussen, das heisst, mithilfe eines willentlichen Aktes des Heilers auf den Patienten einwirken. Letztlich ist dies eine Machteinstellung des Bewusstseins des Heilers, und eben eine solche lehne ich strikt ab. Die Heilung soll spontan aus dem Inneren des Patienten geschehen, und sie geschieht durch die Beobachtung des von mir so genannten inneren Quantensprungs™.
Beispiele des inneren Quantensprungs™ in der Körperzentrierten Imagination™:
Multiple Sklerose:
In der Behandlung einer Patientin mit Multipler Sklerose hielt ich sie an, aus ihrem Kopf auszusteigen und sich auf ihren Bauch zu konzentrieren. Dies geschieht durch eine einfache körperliche Übung.
Als die Patientin sich schliesslich mit dem Bauchhirn (Michael Gershon) verbunden fühlte, sagte sie mir, dass ihr im Oberbauch spontan eine Sonne erschienen sei. Dieser spontane Verlauf des Geschehens, der nicht vom Bewusstsein beeinflusst werden kann, nenne ich den inneren Quantensprung™.
Die innere Sonne, die spontan immer wieder erschien, strahlte gemäss den Worten der Patientin eine Energie aus, die sie als völlig neuartig empfand. Die Strahlen pulsierten durch ihren ganzen Körper, und es zeigte sich, dass diese von ihr als neuartig empfundene, spontan (akausal) entstandene Energie mit der Zeit ihre Multiple Sklerose heilte. Diese Heilung wurde auch durch Träume bestätigt, in denen – nach ihrer Aussage – unterbrochene elektrische Drähte wieder verbunden wurden; natürlich ein Bild der Wiederherstellung der Myelinschicht der Nerven, die als Folge der Multiplen Sklerose stückchenweise beschädigt oder zerstört wurde, wodurch die Nerven die elektrischen Impulse nicht mehr leiten konnten.
Angstzustände in Verbindung mit körperlichen Beschwerden in der Bauchgegend:
Die Patientin, eine Psychotherapeutin, spürt ein Angstgefühl im Solarplexus. Wenn sie sich darauf konzentrierte, erschien regelmässig ein Geist, der sie strafend anschaute und beschimpfte.
Sie hatte in einer Therapie gelernt, mit diesem Geist zu sprechen (Aktive Imagination C.G. Jungs). Doch der wurde immer nur noch ausfälliger, so dass sie regelmässig Angst bekam und die Imaginationen abbrach.
Dieser strafende und schimpfende Geist erschien ihr nun auch bei mir. Ich schlug ihr vor, nicht mit dem Geist zu sprechen, sondern ihn zu berühren. Davor hatte sie Angst, da sein Körper stachelig wie einen Kaktus war.
Als sie sich dann überwand, den stacheligen Körper des Geistes zu berühren, geschah so etwas wie ein Wunder: Sein Körper wurde weich und fühle sich an wie Seide. Zudem änderte er seinen Gesichtsausdruck, seine Augen wurden positiv und der schimpfende Mund schloss sich.
Diese plötzliche Zustandsänderung des Geistes, die dadurch geschah, dass die Patientin nicht verbal, sondern mithilfe ihrer Hände mit ihm verkehrte – ihn also wortwörtlich «be-handelte» -, entspricht in diesem Fall dem von mir postulierten inneren Quantensprung™, einem spontanen, akausalen Geschehen.
Es zeigte sich, dass die Angstzustände verschwanden, und wenn sie je wiederkamen, wusste die Klientin nun, dass sie den Geist wieder in dieser Art und Weise «be-handeln» musste, damit er friedlich und positiv wurde.
Mit der Zeit lernte
ich, dass solche inneren Quantensprünge, die spontan, ohne mein Zutun, und vor
allem ohne eine manipulative Einstellung meinerseits geschahen, aufbauend und
heilend wirkten. So erfuhr ich die empirische Bestätigung der Wirklichkeit des
von mir postulierten inneren Quantensprungs in meiner therapeutischen Praxis.
[1] Meier, C.A., Wolfgang Pauli und C.G. Jung, Ein Briefwechsel 1932-1958, Springer, Berlin, Heidelberg, 1992, p. 17
[2] Siehe dazu den Artikel Werner Heisenbergs, Die Kopenhagener Deutung der Quantentheorie, https://www.astrophys-neunhof.de/serv/Heisenberg_1955.pdf: «Die Beobachtung selbst ändert die Wahrscheinlichkeitsfunktion unstetig. Sie wählt von allen möglichen Vorgängen den aus, der tatsächlich stattgefunden hat. Da sich durch die Beobachtung unsere Kenntnis des Systems unstetig geändert hat, hat sich auch ihre mathematische Darstellung unstetig geändert, und wir sprechen daher von einem ‚Quantensprung‘. Wenn man aus dem alten Spruch „Natura non facit saltus“ eine Kritik der Quantentheorie ableiten wollte, so können wir antworten, daß sich unsere Kenntnis doch sicher plötzlich ändern kann und daß eben diese Tatsache, die unstetige Änderung unserer Kenntnis, den Gebrauch des Begriffs ‚Quantensprung‘ rechtfertigt».
[3] Wolfgang Pauli hat sich äusserst intensiv mit dieser taoistischen Übung beschäftigt, welcher Umstand zeigt, dass er die Aufgabe gehabt hätte, bewusst aus dem Kopfhirn auszusteigen und ins Bauchhirn zu gelangen.