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Die USA, weltgrösster Produzent von Mais und Sojabohnen, leiden unter einer verheerenden Dürre. Die Mais-Ernte wird voraussichtlich um 30 Prozent unter den Erwartungen ausfallen. Derzeit ist mehr als die Hälfte der USA von der Dürre betroffen, womit das Jahr 2012 nahe an die sogenannten "Dust Bowl"-Jahre in den 1930ern herankommt. Damals herrschte eine jahrelange von Staubstürmen begleitete Dürre.
"Die Frage ist nun, wie tief die durchschnittlichen Ernteerträge noch sinken werden", sagt Darell Good, Ökonom an der University of Illinois. Vor Beginn der Dürreperiode war die Mais-Ernte bei knapp zehn Tonnen pro Hektar eingeschätzt worden. Neueste Zahlen des US-Landwirtschaftdepartements (USDA) zeigen noch rund neun t/ha und die Tendenz geht weiter nach unten.
Einige geben die Saison auf
Einige Produzenten in den Bundesstaaten Illinois und Indiana haben bereits aufgegeben, ihre Felder gepflügt und die Ernteversicherung kontaktiert. "In einem nahen Feld hat eine von drei Maispflanzen gar keine Maiskolben", klagt auch Paul Queck, ein Agrarjournalist aus Indianapolis. "Und auch bei denen, die einen Maiskolben gebildet haben, ist nicht sicher, ob sie auch Maiskörner haben. Kommt nicht bald der Regen, so werden die Körner auf jeden Fall absterben oder sehr klein bleiben."
Kaum Regen seit April
"Wir hatten knapp 13 Millimeter Regen im April, um die 10 Millimeter im Mai und 6 Millimeter im Juni", sagt auch der Farmer Kelly Robertson aus dem südlichen Illinois. "Wir sind damit rund 300 Millimeter Niederschlag hinter einer normalen Saison zurück." Mitte Juli war Robertsons Mais nur ein Drittel so gross wie normal. "Ich habe Felder mit Null Ernteertrag und vielleicht eines oder zwei mit 6,2 Tonnen pro Hektar", sagt er. Für die ganze Farm erwartet er einen Schnitt von gerade mal 2,5 t/ha – den tiefsten Stand in der Geschichte seiner Farm.
Weitreichende Auswirkungen
Die Dürre wird auch Auswirkungen auf die Lebensmittelpreise, Agrotreibstoffproduzenten, die Viehwirtschaft und Importeure zeitigen. Im Juli erklärte das USDA einen Rückgang der Maisproduktion auf 12,8 Milliarden Bushel. Frühere Schätzungen waren noch von 14,8 Milliarden ausgegangen. Das knappe Angebot hat höhere Preise zur Folge. "Wir haben schon über die Möglichkeit eines Maispreises im Bereich zwischen 9 und 10 Dollar pro Bushel gesprochen", sagt Dan Basse, Präsident des Beratungs- und Forschungsunternehmens AgResource in Chicago. Zum Vergleich: Der Preis lag zu einem früheren Zeitpunkt dieses Jahres im Schnitt bei rund 6 Dollar pro Bushel.
Darell Good geht davon aus, dass 4,8 Milliarden Bushels zu Ethanol verarbeitet werden, sollte nicht noch das Gesetz zur Nutzung erneuerbarer Kraftstoffe vom Kongress abgeändert werden. Aufgrund der hohen Maispreise werden trotzdem viele Ethanol-Anlagen still stehen, zu tief wären die Gewinnmargen.
Auch bei den Exporten geht das USDA von einem Rückgang um 0,3 Milliarden auf noch 1,6 Milliarden Bushel aus. "Ich gehe davon aus, dass die Nachfrage grösser sein wird, was enorme Auswirkungen auf den Inlandgebrauch, die Lagerbestände und das Preisniveau haben wird", so Ökonom Good. An einem gewissen Punkt müsse man sich fragen, wer denn noch Mais bekommen solle, meint Good. "Wenn die Erträge noch tiefer sinken, sind wir gezwungen, zu entscheiden, ob die Viehbetriebe Anpassungen vornehmen müssen, oder ob wir etwa beim Ethanol eingreifen müssen. Über genau das denkt Washington aktuell wohl gerade nach."
Staatlich subventionierte Versicherungen
Die Dürre, welche die Ernten verkleinert, wird dies auch mit etlichen Familienbudgets tun und die Bauern in finanzielle Turbulenzen bringen. Ernteversicherungen sind dabei das einzige Sicherheitsnetz, das wirklich hilft.
Aber nicht alle Farmer haben eine solche Versicherung. In Illinois sind zwar rund 80 Prozent der Felder versichert, aber nur rund 60 Prozent der Maisfelder und 50 Prozent der Sojafelder in einem Masse, das es erlaubt, zumindest die Produktionskosten zu decken. Die anderen Farmer haben Versicherungen abgeschlossen, die nur für einen geringen Teil des Schadens aufkommen, oder sie verfügen über gar keine Versicherung.
"Farmer, die nicht über eine Versicherung mit hoher Schadensdeckung verfügen, haben ein grösseres Risiko, finanziellen Schaden zu erleiden", sagt Gary Schnitkey, der wie Good Ökonome an der University of Illinois ist. "Dennoch werden die höheren Preise die Auswirkungen der tieferen Ernte teils finanziell aufwiegen können."
Derzeit sind Ernteversicherungen auch ein Thema der Landwirtschaftsdebatte im Kongress. Dort wird der neue Farm Bill (ein Landwirtschaftsrahmengesetz) verhandelt. Zwar werden die Versicherungen durch private Unternehmen angeboten, sie sind jedoch vom Staat subventioniert. Steuerzahler übernahmen deshalb letztes Jahr 7,4 Milliarden der 11,9 Milliarden Dollar Kosten, die entstanden sind. Das stösst denen sauer auf, die weniger Steuergelder für die Landwirtschaft aufwenden wollen. Wegen der aktuellen Dürre könnten auf den Staat Kosten von 30 Milliarden Dollar zukommen, rund dreimal mehr als letztes Jahr. Solche hohen Auszahlungen kommen aber nur selten vor: Die Ernteversicherungen machten in den letzten 20 Jahren nur gerade dreimal einen Verlust: 1993, 2002 – und 2012.
*Mike Wilson ist Präsident der International Federation of Agricultural Journalists (IFAJ) und lebt in den USA.
Übersetzung: ji