Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03458.jsonl.gz/317

Salvia officinalis
Sein Name beinhaltet bereits seine Wirkung, er kommt vom lateinischen salvare = heilen.
Der griechische Arzt Dioscorides (1.Jahrhundert) verschrieb sie bei Blutungen, Schnittwunden, Fieber, Harnsteine und Unregelmässigkeit der Periode. Hildegard von Bingen (12.Jahrhundert) betrachtete ihn als wahres Allheilmittel.
Während der grossen Pestepidemie von Toulouse, im Jahre 1630, begannen einige gewitzte Diebe ohne Furcht vor Ansteckung, die Leichname auszuplündern. Sie wurden gefasst, für die Preisgabe des Geheimnisses, wie sie frei von der Pest blieben, wollten die Ratsherren ihnen das Leben schenken. Sie gestanden, Salbei, ein wenig Thymian, Lavendel (Pflanze des Monats September 2016) und Rosmarin in Essig eingelegt und sich zum Schutz gegen die Infektion den ganzen Körper damit eingerieben zu haben.
Der Salbei birgt tatsächlich alle Heilkräuter der Familie der Lippenblütler in sich, zu der auch der Thymian, die Minze (Pflanze des Monats Oktober 2015) und die Melisse gehören. Er wird in zahlreiche Arten eingeteilt, in den Mohrensalbei, Wiesensalbei (Pflanze des Monats Juni 2016), Goldsalbei, wollkrautigen Salbei, deren Merkmale alle gleich sind. Die beiden häufigsten und nützlichsten Arten sind der Königssalbei, auch Gartensalbei, Edelsalbei, Tugendsalbei, Kreuzsalbei oder gemeiner Salbei genannt, der hauptsächlich im Süden wächst, den man aber im Garten mühelos ziehen kann, und der römische Salbei oder Gartenscharlach, Wetterdamm, Muskatellerkraut, stinkender Salbei oder auch Johanniskraut genannt.
Der Salbei, von dem man die Blätter und die Blüten verwenden kann, ist in erster Linie anregend. Er aktiviert den Blutkreislauf und unterstützt die Funktion des Nervensystems. Mességué (französischer Naturarzt) empfiehlt ihn allen überarbeiteten Menschen – namentlich Intellektuellen und Studenten, die in der Prüfungszeit stehen -, Blutarmen, Rekonvaleszenten, Hypernervösen, Neurasthenikern (Nervenschwäche) und Deprimierten. Einer Frau, die an starker nervöser Depression litt, hat nach einer intensiven Salbeikur, die er ihr verschrieben hatte, in wenigen Wochen ihre ganze Spannkraft wiedergefunden.
In zweiter Linie verhält die Pflanze sich wie ein kräftiges Tonikum, sie beruhigt wiederholtes Erbrechen und Durchfall und unterstützt die Magen-Darmtätigkeit. Wegen ihrer adstringierenden (zusammenziehenden) Eigenschaften verwendet man sie gegen Blutergüsse, Blutungen, ungewöhnlichen Blutverlust bei Frauen, Weissfluss, er kräftigt die Gebärmutter, regelt die Menstruation. Junge Mädchen finden durch ihn ihr hormonelles Gleichgewicht wieder, Störungen der Wechseljahre können durch ihn behoben werden.
Ihre harntreibenden, krampfstillenden oder aufbauenden Eigenschaften lindern so lästige oder ernste Beschwerden wie Harnverhalten, Nierenträgheit, Ödeme, Gicht, Rheumatismus und Migräne. Bekannt ist auch seine Wirkung gegen Diabetes, Salbeiabsud macht den Zuckergehalt im Blut rasch wieder normal. Er kann auch Fieber senken und hemmt unangenehme nächtliche Schweissausbrüche, die bei vielen Infektionskrankheiten auftreten. Er lindert Husten. Mességué verschreibt ihn noch für Mundspülungen gegen Zahnfleischentzündung, Entzündungen am Gaumen und in der Kehle, Mandelentzündung bei Kindern, Karies und Zahnabszesse. Er empfiehlt ihn in Lotionen, Kompressen und Bädern gegen Wunden, Geschwüre, Furunkel, Frostbeulen, Quetschungen, Verstauchungen, Verrenkungen. Selbst als Schönheitsmittel, denn er bewahrt die Gesundheit der Haut und verlangsamt Haarausfall, weil er den Haarboden stärkt und desinfiziert.
Damit ist die Liste der Vorzüge des Salbeis noch nicht erschöpft, kein Wunder, dass ihn Hildegard von Bingen als wahres Allheilmittel betrachtet hat. Es lohnt sich, sich diese Pflanze etwas genauer anzuschauen.
Auch in der Küche ist er ein beliebtes Würzmittel, z.B. an gegrilltem Fleisch, Saltimbocca, in Sossen oder Suppen. Ein wunderbares Apéro ist Salbei im Bierteig gebacken. Stärkend und aufbauend ist der Salbeiwein: Lassen Sie drei oder vier Handvoll Salbei eine Woche lang in einem Liter guten Rotwein oder Weisswein liegen. Trinken Sie ein kleines Glas zu den Mahlzeiten.
Salbeilikör: Eine Handvoll Salbei eine Woche lang in 1/2 Liter Branntwein liegen lassen. Nehmen Sie Davon täglich einen Kaffeelöffel voll ein. Dieser Likör kann auch äusserlich auf schmerzenden Stellen angewendet werden.
Verwenden Sie viel Salbei in Ihrer Küche, denn je mehr Sie davon essen, desto besser für Ihre Gesundheit!