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Eugen Cunz
(1918 St. Gallen - Ostermundigen 2014)
Eugen Cunz wurde 1918 in St. Gallen geboren, wo er seine Kindheit verbrachte. Er besuchte dort die Mittelschule und bestand im Herbst 1937 die Matura; während dieser Zeit bereits erwachte sein Interesse am künstlerischen Schaffen, genährt durch die vielen Stunden die er im Atelier seiner Tante, der Malerin Martha Cunz verbrachte. Diese nahm wesentlichen Einfluss auf die anfängliche Entwicklung ihres Neffen. Sie hatte bis 1914 in München gelebt und verkehrte vor allem in den Kreisen Albert Weltis und anderer Schweizer Maler. (...)
Schon vor seiner Matura fasste der Jüngling den Entschluss, Maler zu werden, doch stiess dieses Vorhaben auf die heftige Ablehnung des Vaters. So verstrich längere Zeit, bis eine Lösung gefunden wurde, die beide Teile befriedigte: Der solide Beruf des Zeichenlehrers entsprach nicht nur den Wünschen der Eltern, er konnte auch Cunz selber ein festes Einkommen und damit die materielle Unabhängigkeit sichern. Deshalb zog Cunz bald nach Schulabschluss nach Basel und besuchte fünf Jahre lang die Gewerbeschule; während dieser Zeit vermochte besonders der Direktor des Kunstmuseums, Georg Schmidt, den jungen Maler für die Kunstgeschichte zu begeistern und seine Aufmerksamkeit auch auf moderne Kunstporbleme zu lenken. Auf den Abschluss mit dem „Patent für Zeichnen, Schreiben und Handarbeit“ folgten zwei Jahre Tätigkeit als Hilfslehrer am Realgymnasium Basel, eine recht harte Zeit für den frischgebackenen Zeichenlehrer, da viele seiner Kollegen im Aktivdienst waren und die Schüler es dem verbleibenden Rest nicht eben leicht machten. Dass Cunz das innert Jahresfrist folgende Angebot der Beförderung zum Hauptlehrer ausschlug und von Basel wegzog, war die Folge des unwiderstehlichen Dranges, sich mit ganzer Kraft der künstlerischen Arbeit hinzugeben. Ohne sich zu binden, verbrachte Cunz ein Jahr auf dem Seerücken, wo er bei einem Bauern in Illighausen wohnte. Er malte nach der Natur, wie es ihm Martha Cunz und seine Basler Lehrer beigebracht hatten. Seine Vorbilder waren Corot, Daumier, Millet und insbesondere Rembrandt, dessen Werk er viele Stunden widmete. Doch daneben setzte er sich auch schon intensiv mit der Malerei Van Goghs auseinander. Den Sommer 1946 verbrachte er in Paris, und im darauffolgenden Jahr malte er längere Zeit in der Charente in Westfrankreich – kein Wunder also, dass sich nun auch Van Goghs Licht und Ausdrucksweise in seinen Bildern zu spiegeln begannen. In St. Thomas près Saintes lernte Cunz seine spätere Gattin kennen. Er heiratete im Frühling des Jahres 1948 und liess sich wieder in St. Gallen nieder. Dort nahm er 1949 einen Posten als Zeichenlehrer an der Knabensekundarschule an, doch wechselte er schon ein Jahr später an die Kantonsschule hinüber.
Während der ersten Hälfte der Fünfzigerjahre entstanden recht wenige Bilder. Die Zahl der Kinder war inzwischen auf vier angewachsen, und Cunz musste sich neben seinem Beruf als Lehrer auch den Pflichten des Familienvaters widmen. Auch wenn man die völlig neuartigen Bilder in Betracht zieht, die nachher entstanden sind, muss man gerade diese sechs Jahre für sein Schaffen als besonders wichtig bezeichnen. Das Jahr 1956 brachte in wenigen Wochen einen entscheidenden Umbruch in der künstlerischen Entwicklung. Ohne besonderen äusseren Anstoss drängten plötzlich Vorstellungen traumhaft-phantastischer Art zu bildhafter Gestalt, die wohl schon lange unbewusst herangereift waren. Um diese Visionen formal zu bewältigen, wurde zuerst auf kubistische und surrealistische Vorbilder zurückgegriffen, bald aber eine Bildsprache gefunden, welche die früherer realistischen Formen mit den neuen Inhalten zu verschmelzen vermochte.
Seit1960 wuchs allmählich der Wunsch von St. Gallen wegzuziehen. Es war wohl vor allem eine innere Unrast, die Cunz dazu drängte, den Wohnort noch einmal zu wechseln, bevor das Alter ihn daran hindern würde, sich von der Vaterstadt zu trennen. Als 1962 an der Kantonsschule Zürcher Oberland eine zweite Zeichenlehrerstelle geschaffen wurde, bewarb er sich darum. Noch im selben Jahr zog er ins Grüt bei Gossau, wo bald darauf das dunkelbraune Giebelhaus gebaut wurde in dem er heute mit seiner Familie wohnt. Im Kellertrakt befindet sich das Atelier. Das freie künstlerische Gestalten wird durch die Lehrertätigkeit wohl zeitlich begrenzt, doch ist das Arbeiten mit jungen Leuten zum nicht wegzudenkenden Bestandteil des künstlerischen Wirkens von Eugen Cunz geworden.
Eugen Cunz hat sich als Maler und Lehrer auch im Zürcher Oberland einen Namen gemacht und seine Werke an mehrereren Ausstellungen schon einem breiteren Publikum vorgestellt. Einige befinden sich im Besitz der Kantone Zürich und St. Gallen sowie der Gemeinden Wetzikon und Gossau ZH.
Aus Eugen Cunz: Paul Weber jr. und Urs Mächler, Buchdruckerei Wetzikon, 1971