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Loana Lecomte (FRA, 21) und Thomas Pidcock (21, GBR) heissen die Siegerin und der Sieger des Weltcup-Rennens in Nove Mesto. Beide könnten noch in der U23 fahren, haben noch keine 10 Weltcup-Rennen bestritten und siegten im Schlammrennen überlegener Manier. Den Schweizer Glanzpunkt setzt erneut Mathias Flückiger als Dritter, Linda Indergand wird als beste Schweizerin Sechste.
Dass in Loana Lecomte eine grosse Athletin heranwächst, war schon im letzten Jahr klar, als sie, noch im U23-Alter, ihren ersten Weltcup-Sieg in der Elite feierte. Im Frühling 2021 ist die zierliche Französin weiter gereift. «Es geht um die Olympia-Qualifikation, also muss ich alles geben», erklärt sie im Ziel. So wie die Stärkeverhältnisse aktuell sind, ist Loana Lecomte ziemlich schnell alleine unterwegs, wenn sie mit 100 Prozent fährt. Am Ende der Startrunde hat sie ein paar Sekunden Vorsprung. Diesen steigert sie kontinuierlich, indem sei eine schnellste Runde an die andere hängt. Nur ein bisschen abwechslungsreicher verläuft das Rennen um die weiteren Podestplätze. Die aktivste Verfolgerin Kate Courtney hat auf der ersten ganzen Runde einen Defekt, der einen längeren Aufenthalt in der Tech-Zone nach sich zieht. Ab da hat sie mit dem Ausgang des Rennens nichts mehr zu tun. Um Platz zwei duellieren sich Haley Batten (USA) und Rebecca McConnell (AUS), auf der letzen Runde kann sich die Amerikanerin noch leicht absetzen und erreicht 1 Minute 39 Sekunden nach Loana Lecomte das Ziel. McConnell hält den dritten Rang, Pauline Ferrand-Prevot verliert als Vierte schon über zwei Minuten. Genug Zeit, um sich ausgiebig die Augen zu reiben, ob der Tatsache, dass ihre 21-jährige Landsfrau in der Saison 2021 in beiden bisherigen Rennen in jeder Runde geführt hat. Und das in einer geradezu routinierten Selbstverständlichkeit, die für ihre Konkurrentinnen furchteinflössend sein muss. Die Jugend Lecomtes bricht erst im Siegerinneninterview durch, wo sie gluckst und kickert wie ein Teenager und ihre Überlegenheit natürlich selber nicht erklären kann. «Meine Coaches haben offensichtlich einen guten Job gemacht», gibt sie zu Protokoll.
Die Schweizerinnen zeigen ein solides Rennen ohne zu glänzen. Linda Indergand hält erneut am besten mit der Spitze mit und wird trotz eines Sturzes Sechste. Direkt hinter ihr fährt Sina Frei regelmässig, aber ohne Einfluss auf das Geschehen an der Spitze auf den 7. Platz. Jolanda Neff gerät in den Stau, der sich zu Beginn an den kaum fahrbaren Steigungen bildet und findet sich am Ende der Startrunde auf Rang 26 wieder. Danach arbeitet sie sich mit einigen sehr schnelle Runden nach vorn und beendet das Rennen auf Rang 8. Nicole Koller (11.) und Alessandra Keller (12.) runden das gute Team-Ergebnis ab.
Die Rache der Roadies
Nachdem die Mountainbike-Spezialisten in Albstadt jubilierten, es den fremd gehenden Strassenprofis, allen voran Mathieu van der Poel, wieder einmal gezeigt zu haben, schlagen diese ausgerechnet auf der technisch anspruchsvollen Strecke von Nove Mesto zurück. Mathieu van der Poel drückt von Beginn weg aufs Tempo und mit diesem kommt der 21-jährige Brite Thomas Pidcock am besten zurecht. Dieser verdient seine Brötchen bei Ineso Grenadiers, einem der stärksten Strassenteams der Welt. Anfänglich geht Nino Schurter die Pace mit, muss dann aber die Spitze ziehen lassen. Damit ist er in bester Gesellschaft, denn als Thomas Pidcock in Runde 3 angreift, kommt keiner mehr mit, auch Wattmonster von der Poel nicht. Körperlich könnten die beiden Strassenprofis und Multitalente nicht sein. Pidcock ist einen Kopf kleiner als der Niederländer und satte 25 Kilo leichter, was in den steilen Anstiegen natürlich ein grosser Vorteil ist. «Ich glaube, ich bin für das Mountainbike geboren, es ist, was mir seit meiner Kindheit am meisten Spass macht», bekennt er im Ziel. Ein paar angedeutete Whips zeigen, dass der Spass auch an diesem schlammigen Nachmittag in Tschechien nicht zu kurz kommt.
Die zweite Rennhälfte legt der Brite alleine zurück und brummt seinen Konkurrenten bis ins Ziel eine Minute und mehr auf. Van der Poel hingegen bezahlt erstmal den Preis für sein Tempo Forcing und erhätl Gesellschaft von Mathias Flückiger, der erneut einen starken Eindruck hinterlässt. Er attackiert mehrmals, schafft es aber nicht, den holländischen Über-Radfahrer zu distanzieren. «Ich bin ein paar Mal über das Limit gegangen, um wegzukommen. Dafür habe ich dann immer kleien Fehler in den technischen Passagen gemacht», erklärt der Berner im Ziel. Schliesslich setzt «MvP» den entscheidenden Angriff und rollt, ohne Zeichen der Freude als Zweiter ins Ziel. Dort ringt Pidcock um Erklärungen, wie man in seinem zweiten Rennen in der Elite, die Weltspitze dermassen stehen lassen kann. «Insane», krank, sei es, was heute geschehen sei, staunt er selber. Nebenbei gewinnt er als erster Brite seit 27 Jahren ein Cross-Country-Weltcuprennen. Wie lange es bis zum nächsten dauert, hängt wohl in erster Linie davon ab, welche Mountainbikerennen dem Strassenprofi von seinem Management zugestanden werden.
Mathias Flückiger sichert seinen dritten Platz ab und erklärt im Ziel: «Ich fühlte mich am Morgen nicht besonders stark, zudem habe ich einige Fahrfehler gemacht, das ging bei diesen Verhältnissen aber wohl allen so. Ich bin überrascht, wie gut es lief und bin sehr zufrieden.» Glücklich dürfte ihn auch sein fünfter Platz im Gesamtweltcup stimmen, direkt hinter Nino Schurter, womit wohl auch Flückiger mit einer Selektion für Tokio rechnen darf. Hinter dem besten Schweizer kommen Lokalmatador Ondrej Cink (CZE), Weltmeister Jordan Sarrou (FRA), Alan Hatherly (RSA) und Nino Schurter ins Ziel. Ein kleiner Crash hat sicher nicht geholfen, aber Hauptgrund für die 3 Minuten Rückstand auf den Sieger ist der nicht. Danach dauert es eine Weile, bis wieder ein Schweizer das Ziel erreicht. Thomas Litscher ist als 22. drittbester Athlet von Swiss Cycling, Lukas Flückiger (26.), Vital Albin (27.) und Lars Forster (28.) sind die nächsten.