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Urolithiasis bei einem kastrierten Ziegenbock
Fallbericht im Rahmen der FVH-Ausbildung
|Rasse:||Saanenziege|
|Geschlecht:||Männlich, wurde kastriert mit 7 Monaten|
|Alter:||5 Jahre|
|Gewicht:||114 kg|
Anamnese
Der Ziegenbock wurde mit Verdacht auf Verdauungstörung und möglichen Ileus an die Wiederkäuerklinik Bern überwiesen. Er hatte in den letzten 24 Stunden vor der Einweisung keinen bis sehr wenig Kot abgesetzt. Er präsentierte sich im reduzierten Allgemeinzustand, mit Bauchschmerzen und hatte keine Fresslust. Harnabsatz wurde nicht beobachtet, jedoch sei der Unterbauch laut Angaben des Besitzers feucht gewesen. Da die intravenöse Therapie mit Metamizol und Rizinusöl per os, die vom Haustierarzt initiiert wurde, keine Verbesserung bei dem Tier bewirkte, wurde dieses zur weiteren Abklärung überwiesen. Der CAE Status des Tieres war unbekannt. Das Tier war vier Monate zuvor mit Triclabendazol/Levamisolhydrochlorid (Endex®) entwurmt worden. Der Bock wird zusammen mit zwei weiteren Saanenziegenböcken gehalten. Die Tiere haben Heu ad libitum und eine Weide zur Verfügung. Kraftfutter wird in kleinen Portionen laut Aussage des Besitzers mehrmals täglich gefüttert.
Ergebnisse der klinischen Untersuchung, Problemliste
Bei der klinischen Untersuchung präsentierte sich das Tier im reduzierten Allgemeinzustand und zitterte, zeigte aber keine Koliksymptome. Die innere Körpertemperatur betrug 39.2°C (Normwert: 38,3-39,0°C, Baumgartner W., 2005). Die Herzfrequenz betrug 140 Schläge pro Minute (Normwert: 60-80/min, Baumgartner W., 2005). Die Atemfrequenz war 80 Atemzüge pro Minute (Normwert: 10-30/min, Baumgartner W., 2005) und oberflächlich. Die Konjunktiven waren gerötet, die Episkleralgefässe injiziert und die Kapillarfüllungszeit betrug zwei Sekunden. Der Hautturgor war geringgradig vermindert. Die Pansenschichtung war erhalten bei reduzierter Pansen- und Darmperistaltik. Die Bauchdeckenspannung war mittelgradig erhöht. Ein Harnabsatz im Strahl konnte weder spontan noch auf Provokation beobachtet werden. Dennoch konnten einige Tropfen Harn am Präputium festgestellt werden. Die Adspektion und Palpation des Unterbauches waren unauffällig, ausser dass der Ziegenbock Abwehrbewegungen ausführte. Bei der digitalen Exploration des Rektums konnte eine Pulsation und Dilatation der Urethra palpiert werden. Eine mässige Menge an normal geformten Kot befand sich im Rektum. Die neurologische Untersuchung war unauffällig.
Im nächsten Schritt wurde der Processus urethralis vorgelagert. Das Tier erhielt unmittelbar zuvor das Spasmolytikum Metamizol 40 mg/kg i.v. (Dolazon®, Dr. E. Graeub AG) und eine Anästhesie des N. pudendus mit Lidocain (Lidocain 2%, Vétoquinol AG) wurde vorgenommen. Am Processus urethralis konnte direkt ein Urolith gefunden werden und der Processus urethralis konnte erfolgreich mittels Schere abgesetzt werden.
Da nicht ausreichend Harn gewonnen werden konnte, wurde keine Urinanalyse durchgeführt.
Die Hauptbefunde der klinischen Untersuchung ergaben folgende Problemliste:
- tropfenweiser Harnabsatz aus dem Präputium und ein Urolith am Processus urethralis
- Pulsation und Dilatation der Urethra bei digitaler Exploration
- mittelgradig erhöhte Bauchdeckenspannung
- reduzierter Allgemeinzustand
- gerötete Konjunktiven, injizierte Episkleralgefässe
- Tachykardie
- Tachypnoe
- Hyperthermie
- Welches Organsystem ist primär erkankt?
- Welches sind die Differentialdiagnosen?
Autorin:
Elisabeth Hehenberger
Wiederkäuerklinik
Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern