Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03651.jsonl.gz/1593

Dritter ausländischer Stürmer, dritter Tscheche – es scheint, als hege Gottérons Sportdirektor Christian Dubé eine gewisse Faszination für das tschechische Eishockey. «Ich habe immer gesagt, dass die Nationalität für mich keine Rolle spielt», entgegnet Dubé. «Wenn wir vier Kanadier hätten, wäre das für mich auch okay.» Er sei ganz einfach froh, in der Person von Michal Repik einen kompletten Stürmer gefunden zu haben. «Er ist sehr intelligent, kann in Überzahl und Unterzahl eingesetzt werden, ist ein guter Läufer und auch torgefährlich.» Und, was genauso wichtig sei, er gebe jeden Abend alles. «Er ist ein Winnertyp. Als er mit Liberec die tschechische Meisterschaft gewann, wurde er zum MVP der Playoffs gewählt.» Das war in der Saison 2015/16. Damals erzielte Repik in 14 Playoff-Spielen 10 Tore und gab 4 Assists.
Meister und MVP in Liberec
Zuletzt durchlebte der 28-Jährige eine schwierige Saison. Begonnen hatte er sie bei Traktor Tscheljabinsk in der KHL. Wie Michal Birner und Ryan Vesce, die danach zu Gottéron wechselten, wurde er jedoch bereits nach wenigen Spielen freigestellt. Repik ging zurück in die tschechische Liga zu Sparta Prag. Beim Finalisten der Champions Hockey League kam er in 26 Spielen auf 8 Tore und 10 Assists.
Repik ist ein NHL-Zweitrunden-Draft. 2007 war er von den Florida Panthers an 40. Stelle ausgewählt worden. Nach 72 NHL-Spielen für Florida (20 Skorerpunkte) und 243 AHL-Spielen (182 Skorerpunkte) für San Antonio und Rochester beendete er 2012 sein Übersee-Abenteuer. Unter dem Strich ist Repik mit seinen 179 Zentimetern und 87 Kilogramm einen Tick zu klein und zu leicht, um in der NHL richtig Fuss zu fassen.
«Er spricht sicher mehr»
Mit Cervenka und Birner hat Gottéron letzte Saison die Erfahrung gemacht, dass Tschechen oftmals zurückhaltende Menschen sind. Beide waren lange Zeit im Team kaum integriert, redeten auf und neben dem Eis nur das Nötigste – und das meist erst noch bloss miteinander. Kommt nun mit Michal Repik ein drittes schweigendes Element dazu? «Er ist mit einer Kanadierin verheiratet und ist viel in der Welt herumgekommen. Michal ist deshalb anders, er spricht sicher mehr. Aber ob er derjenige ist, der in der Kabine herumschreit, weiss ich jetzt auch nicht», sagt Dubé. Das sei ihm in diesem Fall aber auch nicht wichtig. «Mit Laurent Meunier und Jonas Holos haben wir bereits zwei Leader verpflichtet. Es ist deshalb in dieser Saison sicher genug Leadership im Team vorhanden; definitiv mehr als letzte Saison.»
Die Integration sollte für Repik problemlos verlaufen. Cervenka und Birner kennt er bestens. Mit Birner spielte er bereits in der gleichen Sturmlinie, als er 2016 mit Liberec den Titel holte. An der vergangenen WM in Paris und Köln trugen alle drei Gottéron-Stürmer das Trikot der tschechischen Nationalmannschaft, die im Viertelfinal an Russland scheiterte. Repik, der auch bei der WM mit Birner in einem Block spielte, erzielte in 8 Spielen 3 Tore und gab 2 Assists. Werden die Fans in Freiburg in der kommenden Saison einen reinen Tschechen-Block zu sehen bekommen? «Das wird der Trainer entscheiden müssen. Aber es ist sicher denkbar. Genau wie es denkbar ist, dass die gut funktionierende Linie Cervenka/ Birner/ Sprunger zusammenbleibt und Repik an der Seite von Andrei Bykow spielt.»
Besser als letzte Saison?
Mit dieser Verpflichtung ist die Mannschaft für die kommende Saison komplett, betont Dubé. Der Sportchef ist überzeugt, eine gute Equipe zusammengestellt zu haben. «Wir sind defensiv solider. Erstens hatten wir nicht so viele Wechsel, was für Stabilität sorgen sollte. Zweitens haben wir mit Torhüter Reto Berra und Verteidiger Jonas Holos zwei zusätzliche Trümpfe in diesem Bereich geholt.» Auch in der Offensive habe Freiburg mehr zu bieten. «Mit Matthias Rossi haben wir einen grossgewachsenen Spieler verpflichtet, der dorthin geht, wo es wehtut. Das wird uns guttun. Zudem haben wir nun gleich drei Tschechen von internationalem Format im Team.»
Fall Conz weiter ungelöst
Ganz getan ist die Arbeit von Christian Dubé noch nicht. Noch immer nicht gelöst ist der Fall Benjamin Conz. Gottéron hat noch keinen Abnehmer gefunden für den Torhüter, der noch ein Jahr unter Vertrag steht, aber nicht mehr erwünscht ist. «Ich habe dazu im Moment nichts zu kommunizieren. Aber ja, es gab bereits Diskussionen mit anderen Teams, und ich hoffe, dass wir ihn bis zum Saisonstart in einem anderen Team platzieren können.» Am wahrscheinlichsten ist weiterhin ein Wechsel zu Ambri, das mit Gauthier Descloux erst einen Torhüter unter Vertrag hat. Die Verhandlungen dürften allerdings nicht allzu einfach sein, da die Clubs unterschiedliche Vorstellungen davon haben dürften, wer wie viel des Lohnes von Conz bezahlt. Selbst wenn für Conz ein Abnehmer gefunden wird, werde Freiburg keinen weiteren Spieler verpflichten. Denn: Das Geld von Conz ist – Dubé will nicht gerade sagen ausgegeben – aber doch bereits verplant. «Wir müssen definitiv eine Lösung für ihn finden.»
Freiburg-Gottéron
Das Kader für die Saison 2017/18
Torhüter (2): Reto Berra (neu, Florida Panthers), Ludovic Waeber (neu, Ajoie).
Verteidiger (9): Jonas Holos (NOR, neu, Färjestad BK), Yannick Rathgeb, Larri Leeger, Ralph Stalder, Andrea Glauser, Marc Abplanalp, Lorenz Kienzle, Sebastian Schilt, Benjamin Chavaillaz.
Stürmer (15): Roman Cervenka (Tsch), Michal Birner (Tsch), Michal Repik (Tsch, neu, Sparta Prag), Matthias Rossi (neu, Biel), Laurent Meunier (neu, La Chaux-de-Fonds), Tristan Vauclair (neu, Martigny), Julien Sprunger, Andrei Bykow, Killian Mottet, Nathan Marchon, John Fritsche, Nelson Chiquet, Caryl Neuenschwander, Christopher Rivera, Flavio Schmutz.
Abgänge: Greg Mauldin (USA, ?), Ryan Vesce (USA, Olten), Alexandre Picard (Can, Düsseldorfer EG), Mathieu Maret (Ajoie), Dennis Saikkonen (Kloten), Daniel Steiner (?), Benjamin Neukom (Langnau), Michael Loichat (?). – Torhüter Benjamin Conz steht noch unter Vertrag, für ihn wird jedoch ein Abnehmer gesucht.