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In den vergangenen Monaten konnte man in den Medien auffällig zahlreiche Berichte über das Angebot der «vertraulichen Geburt» beobachten.
Vor allem nachdem das Schweizer Fernsehen am 18. Februar 2022 in der Hauptausgabe der Tagesschau ohne jeden Anlass eine Sendung zum Thema ausgestrahlt hatte, wurde die vertrauliche Geburt vermehrt zum Thema gemacht. Die Berichte zeigen die Tendenz, die vertrauliche Geburt als «Alternative» zum Babyfenster darzustellen.
Bei einer vertraulichen Geburt erhält die Schwangere im Spital einen Decknamen. Unter diesem Pseudonym wird sie medizinisch betreut. Die Klinik behandelt ihre Daten vertraulich. So soll das soziale Umfeld der Frau möglichst nicht von der Geburt Kenntnis erhalten. Trotzdem erfahren zahlreiche Fachpersonen die Identität der Mutter. Gibt diese ihr Kind zur Adoption frei, hat es im Alter von 18 Jahren das Recht, von den Behörden die Identität seiner Mutter zu erfahren. Spätestens dann endet der letzte Rest von Vertraulichkeit bei der vertraulichen Geburt.
Die SHMK steht der vertraulichen Geburt positiv gegenüber, will sie aber nicht überbewerten. Für Frauen, welche diese Form der Geburt für sich als gut erachten, sollte sie grundsätzlich zur Verfügung stehen. Ebenso ist die SHMK aber auch der Auffassung, dass Frauen, die das Babyfenster wählen, ein solches zur Verfügung stehen soll. Deshalb wehrt sich die SHMK gegen die unrichtige Behauptung, die vertrauliche Geburt sei eine «Alternative» zum Babyfenster. Denn das ist sie nicht.
Um die vertrauliche Geburt als möglichen Ersatz für Babyfenster zu präsentieren, übertreiben manche Medienberichte den Schutz der Identität, den diese Form der Geburt der Frau bieten soll. Es handle sich um eine geheime oder gar anonyme Geburt, wird mitunter behauptet. Dass aber 30 und mehr Fachpersonen von der Frau und ihrer Geburt Kenntnis erlangen, wie die Organisation «Pflege- und Adoptivkinder Schweiz» (PACH) in einem Bericht festhält, wird kaum erwähnt.
Gesicherte Zahlen zur vertraulichen Geburt in der Schweiz gibt es nicht. Dass es «mindestens 20» pro Jahr sein sollen, wie in der Tagesschau zu hören war, ist nicht richtig. Selbst «Sexuelle Gesundheit Schweiz», die an der genannten Fernsehsendung massgeblichen Anteil hatte, spricht in einem internen Bericht von höchsten acht bis zwölf Kindern und betont, es sei schwierig, darüber Angaben zu machen. Es kann darum ganz gut sein, dass es noch deutlich weniger sind.
Das Babyfenster ist für Frauen, die sich subjektiv derart in einer Not fühlen, dass sie in Gefahr sind, ihr Kind eher umzubringen oder auszusetzen, als zu riskieren, dass ihre Schwangerschaft und Geburt bekannt wird. Für eine solche Frau, ist die vertrauliche Geburt keine Alternative. Und einem so umgekommenen Kind nützt es nichts, dass andere Kinder bei der vertraulichen Geburt ihre Abstammung erfahren.
Die vertrauliche Geburt kann also nicht mit dem Hinweis auf das Recht des Kindes, seine Abstammung zu kennen, als möglicher Ersatz für die Babyfenster präsentiert werden. Gemäss einer Aussage des Bundesrates vom 12. Oktober 2016 «wiegt die Rettung des Lebens eines Kindes die Verletzung seines Anspruchs auf Kenntnis der Abstammung bei Weitem auf.» Mit dieser eindrücklichen Aussage hat sich der Bundesrat klar für die Babyfenster ausgesprochen.