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05:03:2014
Aus dem Leben der britischen Autorin P.L. Travers
Bis ins hohe Alter schrieb Pamela P.L. Travers und wurde 1977 für ihr literarisches Werk mit der Auszeichnung OBE (Officer oft the Order oft the British Empire) ausgezeichnet. Die Mary Poppins Romane schrieb sie 1935 und 1943 in Sussex, wo sie mit ihrer Lebenspartnerin lebte. Auf Bitten der Leserschaft liess sie sich erweichen und schrieb weitere fünf Bücher über das fantasiebegabte Kindermädchen. Weitere Filmrechte aber war sie nicht mehr gewillt abzugeben, sodass jenes Musical aus dem Jahr 1964 die einzige Verfilmung blieb.
Mary Poppins (Mary Poppins), Dressler Verlag, ISBN 3-7915-3577-3 oder 3-7915-3505-6
Mary Poppins kommt wieder (Mary Poppins Comes Back), Dressler Verlag, ISBN 3-7915-3578-1 oder 3-7915-3511-0
Mary Poppins öffnet die Tür (Mary Poppins Opens the Door), Dressler Verlag, ISBN 4-7915-3516-1
Mary Poppins im Park (Mary Poppins in the Park), Dressler Verlag, ISBN 3-7915-3523-4
Mary Poppins from A to Z, 1962
Mary Poppins in the Kitchen, 1975
Mary Poppins in Cherry Tree Lane, 1982
Mary Poppins and the House Next Door, 1988
I Go By The Sea, I Go By Land, 1941
The Fox At the Manger, 1963
In Search of the Hero: The Continuing Relevance of Myth and Fairy Tales, 1970
Friend Monkey, 1971
About The Sleeping Beauty, 1975
Two Pairs of Shoes, 1980
What the Bee Knows: Reflections on Myth, Symbol and Story, 1989
Mary Poppins, das Kindermädchen mit den unorthodoxen Erziehungsmethoden, ist uns allen bekannt. Sie begegnete auch mir in meiner Kinderzeit. Der in den nächsten Tagen in den Kinos anlaufende Film „Saving Mr. Banks“ beantwortet nicht nur Fragen zu Mary Poppins selbst, sondern erzählt auch die Hintergründe um die Entstehung des Films und damit die Geschichte der einzigartigen P.L. Travers.
Sarah Forrer
Zwanzig Jahre dauerte es, bis die Autorin P.L. Travers die Filmrechte für das Musical Mary Poppins an Walt Disney abtrat. Und dies tat sie nur, weil sie aus finanziellen Gründen dazu gezwungen wurde. Zu lange hatte sie über ihre Verhältnisse gelebt und stand kurz vor dem Ruin. Das Drehbuch von „Saving Mr. Banks“ ist eine Filmbiografie über die zweiwöchigen Verhandlungen im Jahr 1961.
Walt Disneys Töchter verschlangen die Mary Poppins Romane und bettelten ihren Vater an, dass diese verfilmt werden sollten. Mit dem Versprechen, dies zu tun, handelte sich Disney eine fast unlösbare Aufgabe ein. P.L. Travers fuhr nur widerwillig im Jahr 1961 nach Los Angeles, denn sie verabscheute Disneys Filme. Zum Beispiel Zeichentrickelemente im Mary Poppins Film verbat sie sich, die Farbe Rot sollte nicht vorkommen, da zu aggressiv für Kinder, und sie wollte das Drehbuch Wort für Wort im Auge behalten und eine strenge Mary Poppins zeigen.
Die Rückblenden in die Kindheit der Autorin erklären, welche Rolle Mary Poppins für sie spielte und warum sie von den Vorstellungen ihrer Figuren nicht abrücken wollte. Travers, deren wahre Biografie Walt Disney nach ihrer frustrierten Abreise nach zweiwöchiger Arbeit recherchierte, wollte das Andenken ihres gescheiterten Vaters nicht angetastet sehen. Ein langes und intensives Gespräch brachte Disney schliesslich den Erfolg, ohne dass die Autorin sich weiterhin in die Verfilmung einmischen wollte.
Zur Premiere wurde Travers dann allerdings doch nicht eingeladen. Weil viele ihrer einstigen Vorgaben missachtet wurden und man einen Skandal erwartete, sollte sie das Resultat nicht sehen. Die Autorin erfuhr aber von der Premiere und reiste kurzerhand in die Studios in Los Angeles. Erst während der Premiere wurde ihr klar, dass der Film die Fantasiewelt ihres Vaters im Kern recht gut traf. Sie verabschiedet sich schliesslich von den Machern mit einer Herzenswärme, mit der diese bei ihr nicht gerechnet hätten.
P.L. Travers wurde als Helen Lyndon Goff in Australien geboren. Biografen sind sich nicht sicher, ob sich ihre Geburt im August 1899 oder im März 1906 ereignete. Vater Travers war Büroangestellter aus London und hatte in Australien eine Tochter aus reichem Haus geheiratet. Helen war die ältere von zwei Töchtern und wuchs bis im Alter von sieben Jahren wohlhabend auf. Der Tod des Vaters brachte die Erlösung, jedoch auch die Verarmung der Familie.
Für Helen hinterliess der Tod des Vaters eine unverarbeitbare Lücke. Das Mädchen war nämlich geradezu vernarrt in den Mann mit seinen fantasievollen Geschichten. Mit 17 Jahren verliess Helen die Familie, um Schauspielerin zu werden. 1923 zog sie nach England und veröffentlichte erste Arbeiten unter dem Familiennamen ihres Vaters, während sie sich als Tänzerin, Dichterin und Shakespeare-Darstellerin über Wasser hielt.
Mit ihrer Freundin Madge Burnand soll Travers eine recht offene Liebesbeziehung gelebt haben. Die Frauen adoptierten später einen Jungen, der sich eine bekannte englische Schauspielerin als Ehefrau angeln konnte und im Jahr 2011 starb. Travers arbeitete in den 40er-Jahren beim britischen Informationsministerium. Ihre Erfahrungen über die Kinder, die wegen der Luftangriffe auf London in die USA geschickt wurden, verarbeitete sie im Roman „Go by the Sea. Go by Land“, der ebenfalls ein Bestseller wurde.
Nach der Rückkehr aus den USA wurde Travers Anhängerin des Esoterikers Georges I. Gurdijeff, den ihr Sohn „Vater“ zu nennen hatte. Erst mit 17 erfuhr Adoptivsohn Camillus von der Adoption und von seinem Zwillingsbruder, den er anschliessend suchte. Der eine Zwilling wohlhabend, der andere arm aufgewachsen, endeten beide als Alkoholiker. Aus Angst, dass Camillus sein Erbe vertrinken könnte, wurde ihm das Geld nur als Treuhandvermögen anvertraut, das die Enkelkinder bekommen sollten.
Der Film über das Kindermädchen vom Kirschbaumweg 17 zeigt das typische Leben der oberen Mittelschicht in England vor dem Ersten Weltkrieg auf. George Banks ist Bankier und Herr des Hauses, während seine Frau den Haushalt managt. Um die Kinder und die Hausarbeit kümmern sich Bedienstete, während die nicht ausgelastete Dame des Hauses sich des Kampfes für die Frauenrechte annimmt, eine Rolle übrigens, die erst zwanzig Jahre nach Erscheinen der Bücher Aktualität erlangte. Mary Poppins Rolle ist es, den Kindern das Leben der Unterschicht und gleichzeitig eine kämpferische, selbstbewusste Frau aufzuzeigen.
Im Roman ist Mary Poppins eitel und schnippisch wie die Nanny aus Travers Kindertagen.Im Film ist sie sanft, aber bestimmt, weckt die Fantasie und hat nicht die Mission der Familienzusammenführung. Das Buch ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, während der Film die Geschichten ebenso vereint, wie die Charaktere einiger der Hauptfiguren. Mit der männlichen Besetzung (Dick van Dyke) war Travers nie einverstanden, während sie der weiblichen in einem persönlichen Telefongespräch mit Julie Andrews zustimmte. Ebenso sollten keine Trickfilmsequenzen vorkommen, was allerdings in diskreter Form dann doch geschah.