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Soziale Medien – oder in Englisch «social media» – sind eine praktische Möglichkeit für alle Menschen mit einem online verbundenen Computer/Smartphone (ist ein kleiner Computer) um untereinander online in Kontakt zu treten und über das «world wide web» zu kommunizieren.
DTBP «Desire To Belong Publicly», heisst übersetzt etwa sowas wie ein «Wunsch nach öffentlicher Zugehörigkeit». Dieser Wunsch kann beim Menschen mehr oder weniger stark ausgeprägt sein. Im immer wiederkehrenden heftigen Wunsch besteht die Sucht.
Der Nutzen ist sozial
Wir Älteren haben vom Begriff «sozial» ja eine eingeengte Vorstellung und müssen diese für uns erweitern. Der Name rührt daher, dass diese elektronischen Medien mehr oder weniger aggressiv die Menschen einladen, über eine digitale Plattform «in einem sozialen Kontext» zu interagieren & zu kommunizieren.
Das kann «alles Soziale» einschliessen; wie Unterhaltungen, Kommentare zu verschiedenen Themen, das Planen und Terminieren von Veranstaltungen und andere Arten von Interaktionen untereinander.
Soziale Medien begannen eigentlich schon mit der Erfindung des Morsekodes und des Telegramms, was erst vor einigen Tagen per 31.12.2022 in Deutschland durch die Deutsche Post abgeschafft worden ist. Hier in der Schweiz gibt es noch einen privatrechtlich organisierten Telegramm-Dienst, der allerdings Fantasie-Preise verlangt. Ob der noch lebt oder nur noch als tote soziale Hülle durchs Netz geistert, konnte ich heute nicht feststellen. https://www.telegrammdirekt.ch/schweiz/
Was Samuel Morse am 4. September 1837 bei der Vorstellung seines Morse-Codes noch nicht wusste, war, dass seine Idee, die Botschaften über grosse Entfernungen «just in time« zu senden, sich in dem Masse entwickeln könnte, wie sie sich heute bereits entwickelt hat.
Und vor ungefähr 50 Jahren begann sich das Internet, wie wir es heute kennen, zu entstehen. Ursprünglich war es das Kommunikationsnetz in der US-Armee. Von E-Mails bis hin zu Diskussionsforen entwickelten sich die Dinge dann richtig rasant. Und Mitte der 1990er Jahre begannen die Personal Computer (PCs) als Voraussetzung für das Online-Gehen für jedermann verfügbar zu werden. Meinen ersten PC lernte ich 1991 im Studium kennen.
Von da an entstanden auch mehrere «Social-Networking»-Webseiten, jede mit ihren eigenen Besonderheiten. Und jede gewann an Dynamik, bis sie zudem wurden, was wir heute als soziale Medien verstehen.
Von der Veröffentlichung von Bildern und Live-Videos bis hin zum Herumstöbern in den neuesten Nachrichtenartikeln und dem Hinterlassen von Kommentaren dazu – soziale Medien können uns neue Türen in alle erdenklichen Richtungen öffnen.
Verbunden, also online zu sein und eine Online-Präsenz zu haben, ist heutzutage für Menschen aller Altersgruppen wichtig geworden! Und obwohl die sozialen Medien aktuell nicht immer in einem guten Licht stehen, überwiegen Ihre Vorteile bei weitem.
Durch die sozialen Interaktionen, die man bequem vom eigenen Wohnzimmer und fast von jedem Ort in der Welt aus tätigen kann, fühlt man sich mit der Welt und allem, was um einen herum passiert, verbunden.
Der Schaden dann asozial
Ein negativer Effekt der sozialen Medien, über den in den Nachrichten oft gesprochen wird, ist nicht selten eine negative Auswirkung auf das Selbstwertgefühl. Warum?
Soziale Medien sind zu einer Plattform für Menschen geworden, auf der sie ihr «Bestes», und oft alles andere als ihr realistisches «Selbst» zeigen können.
Das sieht dann so aus, als sei das Leben aller anderen Menschen perfekt.
Ein neuer Trend z.B. auf Instagram, angeführt von Models, Künstlern und Fitnessmenschen, möchte die «Wahrheit» hinter diesen perfekten Fotos auf social media aufdecken. Denn diese zeigen selten die Realität und werden oft mit sehr viel Aufwand in ein «perfektes Bild» umgewandelt. Die kollektive Schwarmintelligenz könnte sich da langsam durchsetzen. Man denke nur an den Werdegang von Wikipedia.
Bei auf sozialen Medien geposteten Fotos, die man selbst oder andere nicht gutheisst, geht es auch immer um die Eigentumsrechte an diesen Fotos. Technisch gesehen «besitzt» man immer noch alle Fotos, die man postet. Aber wenn man die Geschäftsbedingungen (AGB) sehr sorgfältig liest, wird man feststellen, dass man durch das Hochladen der Fotos z.B. auf Facebook, in Twitter, in Instagram oder in einer anderen Plattform bereits die Erlaubnis erteilt hat, sein Foto auf jede Art und Weise zu verwenden, die diese Unternehmen für richtig halten. Auch nachdem man sein Foto gelöscht hat! Vielen Menschen ist diese klare Rechtslage überhaupt nicht bewusst.
In den Nachrichten hört man immer wieder von dem Phänomen des catfishings.
Das Verb «to catfish» bedeutet, jemanden im Internet auszutricksen, so dass er denkt, man sei jemand anderes. Dahinter steckt oft das Ziel, sich mit dieser Person zu verabreden. Manche Menschen tun dies aus ihrem eigenen Gefühl der Unzulänglichkeit heraus.
Andere tun es in böswilliger Absicht, mit dem Ziel, etwas von einem zu bekommen.
Genau wie im «richtigen Leben» können wir nicht immer sagen, wann wir belogen oder wann wir betrogen werden. Aber oft haben wir das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Vertrauen Sie also immer Ihren Instinkten! Wenn sich jemand für eine andere Person ausgibt, gibt es einige einfache Möglichkeiten, um dies sogleich zu überprüfen.
Recherchieren Sie diese Person – «googeln» (es gibt noch eine ganze Reihe anderer Suchmaschinen) Sie den Namen dieser Person und schauen Sie, was dabei herauskommt. Stimmt das mit dem überein, was diese Person Ihnen über sich selbst erzählt hat?
Verfügt diese Person noch über andere «social media»-Konten? Stimmen die Bilder und die erhaltenen Informationen mit dem überein, was man Ihnen erzählt hat? Wie viele Freunde hat diese Person? Ist sie zumindest mit anderen Familienmitgliedern auf der Plattform befreundet? Kennen einige Ihrer persönlichen Freunde diese Person?
Interagieren andere Personen mit ihnen eher regelmässig über die sozialen Medien?
Haben diese Personen Bilder von sich selbst mit anderen Personen auf den sozialen Medien?
Warnzeichen, dass diese Personen möglicherweise nicht die sind, für die sie sich ausgeben:
- sie geben nicht viele Informationen über sich selber preis.
- sie wollen Sie nicht persönlich treffen oder zumindest per Videoanruf sehen.
- sie fragen Sie sehr schnell nach Hilfe oder nach Geld.
Bleiben Sie da kritisch: glauben Sie nicht alles und hinterfragen Sie stets alles!
Vergewissern Sie sich, dass alle Nachrichten und Ratschläge, die Sie in den sozialen Medien lesen, aus einer zuverlässigen Quelle stammen. Überprüfen Sie auch immer, ob andere Quellen zum gleichen Schluss kommen.
So können Sie sicherstellen, dass die Personen und Informationen eher zuverlässig sind.
Soziale Medien sind naturgemäss seit einiger Zeit schon Objekt der Forschung. Bisher fokussierte die Erforschung dieser sozialen Medien vor allem darauf, wie häufig Menschen diese Plattformen nutzen. Es ging somit vorwiegend um die Quantität und es wurde dabei eher gezählt. Nun verschiebt sich dieser Fokus mehr auch auf die Qualität.
Das Konstrukt DTBP
Forschende der Universität Basel und der Universität DE-Koblenz-Landau haben ein neues Konstrukt entwickelt, um zu messen, weshalb Leute so viel Zeit auf diesen Plattformen verbringen – und welche Inhalte sie posten.
Dieses neue Konstrukt nennt sich «Desire To Belong Publicly» DTBP, im originalen Forschungsbericht in nicht korrekter englischer Rechtschreibung leider grossgeschrieben.
Das sind Menschen, die auf Instagram oder Facebook gerne Fotos posten und dabei immer auch die Leute verlinken wollen. Am liebsten mit dem Zusatz «#bestfriends» oder «Freunde für immer». Diese haben einen hoch ausgeprägten DTBP.
«Damit schlagen wir eine Brücke zwischen dem realen Leben und den sozialen Medien», sagt die Sozialpsychologin Christiane Büttner.
Die Doktorandin an der Psychologischen Fakultät der Universität Basel hat gemeinsam mit ihren Kolleginnen Dr. Fanny Lalot und Prof. Dr. Selma Rudert einen neuen Bereich in der Forschung abgesteckt. Die Resultate sind jüngst im Journal «Computers in Human Behavior» erschienen.
Je wichtiger es den Webnutzern ist, auf social media ihre sozialen Interaktionen aus dem echten Leben darzustellen, desto höher fällt der DTBP-Wert dabei auch aus.
Qualitative Beiträge betonen, wie eng das soziale Band mit den spezifischen Personen ist.
Bei quantitativen Beiträgen geht es hingegen darum, einen möglichst breiten Freundeskreis zu präsentieren.
Am Ende sei die Motivation aber immer die gleiche: «Wie inszeniere ich mein reales Leben so auf social media, dass andere sehen, dass ich ein tolles soziales Netz habe?», fasst Frau Büttner mal zusammen.
Das hat auch einen tieferen Sinn: einerseits können mit solchen Posts (Beiträge) existierende soziale Bande weiter gestärkt werden. Andererseits können andere User daraus schliessen, dass die Person, die etwas postet, sehr gut sozial vernetzt ist. Das kann sich positiv auf die Beliebtheit und Attraktivität der postenden Person auswirken.
Dass die Forscherinnen mit ihrem Konstrukt auf dem richtigen Weg sind, zeigen die Interpretationen, die sie durch DTBP vornehmen können: «Wenn wir den DTBP-Wert kennen, können wir zum Beispiel vorhersagen, ob es bei den betroffenen Personen eine Tendenz zur Abhängigkeit von social media gibt», sagt Frau Büttner.
Mit DTBP können sie aber nicht nur Prognosen über eine erhöhte Suchtgefährdung machen, sondern auch Interventionen ableiten: «Wenn klar ist, durch welche Posts man langsam in eine Abhängigkeit von social media rutscht, kann man jungen Userinnen und Usern auch zeigen, wie sie die Plattformen nicht nutzen sollen», so die Forscherin Büttner.
Die Sozialpsychologinnen haben ihr Konstrukt für eine bestimmte Art von social media-Plattformen gebaut: grösstenteils fotobasiert, mit einem persönlichen Profil, das permanent sichtbar ist, und der Möglichkeit, Leute zu verlinken. «Es lässt sich aber nicht ausschliesslich auf Instagram und Facebook anwenden», betont Frau Büttner. «Uns war wichtig, dass es auch möglich wäre, DTBP für Plattformen anzuwenden, die es noch gar nicht gibt.» Schliesslich entstehen ständig neue social media-Netzwerke.
Nach ihrer Forschung zu «phubbing» und dem «Ausschluss in den sozialen Medien» sei «DTBP« ein weiteres Puzzlestück in der Forschung von Christiane Büttner, aber nicht das letzte: als Nächstes will sie mit ihren Kolleginnen das DTBP-Konstrukt mit objektiven Informationen der social media-Nutzung verknüpfen, um ihr Konstrukt mit weiteren Daten zu unterfüttern. Somit liesse sich zum Beispiel testen, wie gross die Unterschiede in der tatsächlichen Nutzung sozialer Medien sind, wie sich Abhängigkeiten von social media über die Zeit entwickeln, oder auch, welche Inhalte Userinnen und User mit höherem DTBP häufiger liken und kommentieren.
Anmerkung: «phubbing» aus engl. «phone» und «snubbing» (brüskieren), bezeichnet das Phänomen, eine Person zu ignorieren, um stattdessen das Smartphone zu benutzen – täglich ist dieses in Cafés, Restaurants oder auch am heimischen Esstisch zu beobachten. Die Folgen sind oft weitreichend: phubbing kann soziale Interaktionen und Beziehungen beeinträchtigen, die Arbeitsleistung verringern und Depressionen begünstigen.
Originalpublikation:
Büttner Christiane, Lalot Fanny, Rudert Selma C.:
Showing with whom I belong: The desire to belong publicly on social media
Computers in Human Behavior (2022), https://doi.org/10.1016/j.chb.2022.107535
Foto: shutterstock free