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1908 gehörte die Amtsersparniskasse Thun (AEK Thun) zu den zehn grössten Banken im Kanton Bern. Dank dem eher konservativen Geschäftsmodell, das im Sinne der Gründer primär stets auf das Interesse der lokalen Sparer ausgerichtet war, bewältigte die AEK Thun den Strukturwandel und die Erschütterungen des ausgehenden 19. und anbrechenden20. Jahrhunderts erfolgreich.
Im Jahr 1908 verwaltete die AEK Thun knapp 15 Millionen Franken Kundengelder (was zu heutigen Preisen einem Betrag von weit über CHF 100 Millionen entspricht) und gehörte damit zu den zehn grössten Banken im Kanton Bern. Die auf die starke Kriegsinflation vieler wichtiger Wirtschaftszweige (darunter die Landwirtschaft) und auf die Kriegskrise anderer Branchen folgende, dramatische Nachkriegsdeflation überstand die AEK Thun dank ihrer Geschäftspolitik mit Erfolg. Zahlreiche Passagen aus dem Werk «Hundert Jahre Amtsersparniskasse Thun» von Dr. Martin Trepp deuten darauf hin, dass der starke Fokus auf die Sparer bei der AEK Thun bis hin zu ihrem 100-Jahre-Jubiläum im Jahr 1926 dominant war.
Entstehung einer schweizerischen Monopol-Notenbank im 81. Jahr der AEK Thun
Obwohl die Schweiz seit 1850 eine eigene edelmetallgebundene Währung besass, wurden die Banknoten noch bis 1906 durch 36 Kantonal-, Regional- und Universal-Geschäftsbanken (sog. «Zettelbanken») emittiert. Dieses System wies einige Schwächen auf: mangelhafte Elastizität des Notenangebots im Jahresverlauf mit saisonalen Engpässen oder Anfälligkeit auf Schocks aus dem internationalen Umfeld. Das Banknotensystem bildete denn auch ein mehr oder weniger permanentes Thema wirtschaftspolitischer Auseinandersetzungen, die schliesslich 1891 in einen Verfassungsartikel mündeten. Dieser überführte die Banknotenausgabe fortan in die alleinige Zuständigkeit einer spezialgesetzlichen Aktiengesellschaft namens «Schweizerische Nationalbank». Ihre Hauptaufgabe war es, «den Geldumlauf zu regeln und den Zahlungsverkehr zu erleichtern», nicht viel mehr und nicht viel weniger. Keine Rede von einer «Geld- und Währungspolitik im Gesamtinteresse des Landes» oder einer «gesamtwirtschaftlichen Konjunkturentwicklung», wie dies das heutige Nationalbankgesetz festlegt. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurden die Prinzipien von 1906 eingestellt, jedoch in der festen – und in der Folge auch realisierten – Absicht, diese nach dem Ende des Ausnahmezustands möglichst rasch wieder umfassend in Kraft zu setzen.
AEK Thun: vorsichtige Anpassung der Geschäftsprinzipien
Die AEK Thun passte ihre Geschäftsprinzipien vor und nach dem Ersten Weltkrieg vorsichtig an, indem sie der Direktion sowohl auf der Aktiv- als auch der Passivseite Geschäftsmöglichkeiten eröffnete, die ihr zuvor versagt waren. So wurde die AEK Thun 1904 nach mehrjähriger reiflicher Beurteilung ermächtigt, Namen- und Inhaber-Kassascheine auszugeben. Ebenso schaltete sie sich zu Beginn der 1920er-Jahre beispielsweise durch die Einführung des Postcheck- und Giroverkehrs aktiv in den Zahlungsverkehr ein – ein Geschäft, das ihr bislang verwehrt geblieben war. Zur selben Zeit wurde ihr auch das Lombardgeschäft gestattet, also die kurzfristige durch leicht realisierbare Faustpfänder besicherte Kreditbeziehung.
Betriebliches Fürsorgesystem
1905 regten die Herren Hüssy, Rufener und Oesch in ihrem Statutenentwurf u.a. auch die Schaffung eines «Pensionsfonds für Beamte und Mitarbeiter» an, die allerdings zunächst am Widerstand entscheidender Instanzen scheiterte. Im Geiste der anbrechenden Zeit der Sozialinstitutionen errichtete die AEK Thun zwischen 1915 und 1926 dann doch ein betriebliches Fürsorgesystem: 1915 unter dem Titel «Unterstützungsfonds » einen voll im Eigentum der Kasse stehenden «Alters- und Invalidenfonds», dessen Finanzierung und Leistungen vollumfänglich dem jeweils momentanen Ermessen der Direktion anvertraut wurde. Im Jahr 1924 entstand zusätzlich eine «Alters-, Invaliden und Hinterbliebenenfürsorge für die Beamten und Angestellten » mit wohldefinierten, vom Ermessen der Direktion unabhängigen Arbeitnehmerbeiträgen.
Ein Weltkrieg als Keim eines Finanzplatzes
Der Erste Weltkrieg führte zu einer erheblichen Aufwertung des Ansehens der schweizerischen Währung und Finanzbranche. Mit dem Krieg, in dessen Verlauf der Franken sich positiv gegenüber den Nachbarwährungen zu profilieren begann, wurde die Schweiz nicht nur zu einem international beachteten Kapitalexportland, das seine Sparüberschüsse in aller Welt anlegte, sondern auch zu einem mittelgrossen internationalen Finanzplatz, der Kapital aus dem Ausland anzog und dieses im Ausland weiterinvestierte.
Quellen:
Hundert Jahre Amtsersparniskasse Thun, 1826 – 1926, Ein Beitrag zur Heimatkunde, Dr. Martin Trepp.
Thuner Stadtgeschichte 1798 – 2018, Anna Bähler, Anita Egli, Christian Lüthi, S. 98.