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1990 gewann Jacques Richter, indem er über den Geleisen in Lausanne Wohn- und Arbeitsraum schafft. Das Projekt blieb auf dem Papier. Drei Jahre später gründete der Architekt aber das Büro Richter Dahl Rocha mit, das heute über 40 Personen beschäftigt.
Überbaute Geleise, schwebende Häuser, talüberspannende Plattformen: Der Wettbewerb Europan lässt Architekten träumen. Zum 30-jährigen Jubiläum zeigen wir die bemerkenswertesten Projekte seit 1988.
1992 wurden Philippe Bonhote und Oleg Calame prämiert, die auf dem Gebiet Ilôt 13 in Genf eine unkonventionelle Wohnüberbauung planten. Zur Überraschung aller wurde das Projekt bis 1998 tatsächlich realisiert. Das bewies: Europan wirkt.
1994 machten unter anderen Peter Bergmann zusammen mit dem Atelier Oï das rennen, das kurz zuvor gegründet wurde. Die Teppichsiedlung mit Höfen und fliegenden Dächern wurde nicht realisiert, das Atelier Oï hob ab.
1996 gab es beim Standort Lausanne keinen Gewinner, dafür zwei Ankäufe: für Pierre-Yves Gruaz und Marco Becherraz sowie für Roland Montrone. Doch das sollte nichts heissen: Basierend auf den beiden Projekten wurde die Siedlung Prélaz bis 2005 realisiert.
2000 überzeugte in Aarau das frisch gegründete Büro Ernst Niklaus Fausch zusammen mit Hannes Henz. 2014 gewannen die Architekten auf demselben Areal einen Studienauftrag für ein Baufeld, das bis 2019 realisiert wird. Manchmal wirkt Europan lange nach.
2002 machten Marco Sonderegger, Muriel Zimmermann, Darius Golchan, Jérôme Francheboud und Philippe Robyr einen radikalen Vorschlag: Sie verbinden Mendrisio und Rancate mit einer riesigen Plattform. Die Jury war begeistert, das Projekt blieb ein Traum.
Auch 2004 gewann ein ausgefallenes Projekt, das Roland Stutz, Martin Bruhin und Ruben Daluz-Gonzalvo entworfen hatten. Sie schlugen ein 80 auf 100 Meter grosses Gebilde vor, das in Fribourg schwebt. In der Realität gelandet ist das Projekt nie.
2007 entwarf Maria Auxiliadora Galvez einen feingliedrigen Häuserteppich für Delémont, der einen Ankauf erhielt. Die «Gesamtlandschaft», die auf das Hochwasser des Flusses reagiert, beeindruckte die Jury, blieb aber unverwirklicht.
2009 verstreuten Florence Gaudin und Benoit Culondres 32 Wohnwürfel am Hang über La Chaux-de-Fonds. «Das Projekt will den Bruch zwischen Wald und bebautem Gelände abschwächen», schrieb die Jury und prämierte den Entwurf. Noch ist die Wiese unbebaut.
2011 gewannen Alberto Figuccio und Mehdi Aouabed in Monthey mit einer klaren Struktur. Zwischen Bahnhof, Gelesen und Kreisel legten sie ein neues Quartier an, das ein Gitterraster zusammenhält.
2013 erhielt David Vogel einen Preis für die Gestaltung des Uferbereichs zwischen Konstanz und Kreuzlingen, inklusive einer Insel. Die Jury verstand das Projekt nicht wörtlich, sondern als identitätsstiftende Vision. Wer baut, muss träumen.
2015 zeichnete Europan Yony Santos, Mounir Ayoub, Nuria Fernandes und Vanessa Lacaille aus für ihre «ville intermédiaire». Sie schlagen am Rand von Genf ein kleinteiliges Quartier vor, das urbane und rurale Qualitäten verbindet.
2017 brachten Konrad Scheffer und Sarah Haubner das Motto «der produktiven Stadt» auf den Punkt: «Die Fabrik» heisst ihr prämiertes Projekt in Kriens, das Wohnen und Werken in einem Konglomerat verwebt. Von «Totalverdichtung» sprach die Jury lobend.