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Unerwünschte blaue Augen bei Corgis
Der FCI-Standard für die Augenfarbe des Cardigans verlangt:
Vorzugsweie dunkel oder mit der Farbe des Haarkleids harmonierend. Lidränder dunkel. Blassblaue, blaue oder blaugesprenkelte Augen (eines oder beide) sind ausschliesslich bei Blue-Merles zulässig.
Augen von blue merle Cardigans
Und für den Pembroke:
Braun, der Fellfarbe angepasst.
Nun kann es aber vorkommen, dass ein tricolor, roter, sable oder brindle Cardigan-Welpe mit einem, sehr selten zwei, blauen Augen, auf die Welt kommt, auch wenn weder der Vater noch die Mutter Blue-Merles sind. Es bedeutet auch nicht automatisch, dass er Träger des Merle-Faktors ist. Diese sogenannten "Glasaugen" (wall eyes) haben nichts mit dem Merle-Faktor zu tun sondern folgen einem ganz anderen Erbgang. Sie sind genetisch mit den blauen Augen eines Huskys vergleichbar. Diese Art von blauen Augen kommen auch hie und da beim Pembroke Corgi vor.
Die folgenden Abschnitte sind teilweise einem alten amerikanischen Artikel Genetics of the Blue Eye von Libby Babin (Babinette Shelties, USA) entnommen:
Die Forschung hat erwiesen, dass diese blauen Auge im ungefähren Verhältnis von 1 zu 16 von Eltern stammen, die Träger des rezessiven Gens für das blaue Auge sind und diese beiden Gene werden auf ganz verschiedene Weise vererbt. Das Merle-Gen ist autosomal dominant während das blaue Auge polygenetisch rezessiv ist, d.h. dass es auf mehreren genetischen Faktoren beruht.
Dieses blaue Auge kommt nicht so oft vor, wie man es üblicherweise von rezessiven Genen erwartet, weil es auf einem polygenetischen Erbgang beruht. Das bedeutet, dass das blaue Auge nur in Erscheinung tritt, wenn mehr als ein Paar der rezessiven Gene in ihrer homozygoten (reinerbigen) Form erscheinen.
Das Schema zeigt die verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten der beiden Gen-Paare bei einer Paarung von zwei Hunden, welche die beiden Gene in ihrer heterozygoten (mischerbigen) Form haben. Diese Gene sind als Aa und Bb bezeichnet. Die grossen Buchstaben stellen das dominante Gen für dunkle Augen dar und die kleinen Buchstaben das rezessive Gen für blaue Augen. Der Welpe muss vier rezessive Gene besitzen, um mit einem blauen Auge geboren zu werden. Die genaue Anzahl der Gene für ein blaues Auge ist zur Zeit theoretisch, aber wir wissen, dass mindestens zwei Paare notwendig sind.
Rüde (AaBb) x Hündin (AaBb)
A und B - wenn eines dieser beiden Gene vorhanden ist, wird der Hunde braune Augen haben.
a und b - es braucht vier dieser Gene, um ein blaues Auge zu produzieren.
Wie das Schema zeigt, ist von den 16 möglichen Kombinationen nur eine homozygot (reinerbig) für die dominante Version (AABB) und kann also weder ein blaues Auge produzieren noch die Erbanlage für ein blaues Auge an die Nachkommen weitergeben. Ebenfalls gibt es nur eine homozygote Version der rezessiven Version (aabb), welche ein blaues Auge erzeugt. Die Möglichkeit, dass diese Kombination in einem von 16 Welpen auftritt, ist vorhanden, aber nicht besonders gross.
Das Schema zeigt auch alle anderen möglichen Kombinationen der beiden Gen-Paare. Es zeigt auch, dass man nach nur einer Generation nicht sicher sein kann, dass ein Hund nicht Träger des rezessiven Gens ist. Keiner der Hunde mit den dominanten Paaren AAbb oder aaBB kann blauäugige Nachkommen zeugen, gibt aber die rezessiven Gene weiter, die vielleicht bereits in der nächsten Generation ein blaues Auge auslösen können. Bei einer Paarung von AAbb mit aaBB werden alle Nachkommen AaBb sein, wobei wir wieder bei den Beispielen im Schema gelandet sind.
Tatsache ist, dass das unerwünschte blaue Auge bei den Corgis genetisch recht verbreitet sein muss. Auch Linien, die noch nie ein blaues Auge produziert haben, können trotzdem Träger des rezessiven Gens sein und ein blaues Auge erzeugen, wo man es am wenigsten erwartet.
Diese rezessiven Gene können unmöglich vermieden werden, weil man dabei alle guten Zuchtrüden und -hündinnen ausschliessen müsste, und man könnte immer noch nicht sicher sein, dass nicht doch plötzlich wieder ein blaues Auge auftaucht. Der beste Weg zum züchterischen Erfolg ist immer noch das sorgfältige Auswählen von Hunden mit den gewünschten Eigenschaften und sich nicht auf ein einziges Detail zu konzentrieren, das rein kosmetischer Art ist und die Gesundheit des Hundes in keiner Weise beeinträchtigt."
Warum blaue Augen rot reflektieren
Bei Blitzlichtaufnahmen von Hunden mit braunen Augen reflektieren die Pupillen grün oder gelblich, während die Pupillen von Hunden mit blauen Augen rot reflektieren.
Roter Cardigan mit braunen Augen
Hunde (und Katzen) haben eine irisierende Schicht hinter der Netzhaut, das sogenannte Tapetum lucidum, welches die Augen leuchten lässt, wenn im Dunkeln Licht darauf fällt. Diese Schicht wirkt wie ein Spiegel und reflektiert das Licht zurück durch die Netzhaut, was eine bessere Sicht in der Dunkelheit ermöglicht.
Der rote Reflex wird duch einen Pigmentmangel oder das Fehlen des Tapetum lucidums verursacht, wobei die darunter liegende Aderhaut durchscheint, genau wie bei Menschen, die kein Tapetum lucidum haben.
Die Zellen des Tapetum lucidum sind modifizierte Melanozyten und produzieren kein Pigment (im Gegensatz zu normalen Melanozyten). Gewisse Gene, welche die allgemeine Pigmentierung beeinflussen, z.B. der Merlefaktor (M) oder das Gen für extreme Schecken (mehr als 80% Weissanteil), beeinflussen auch die Entwicklung des Tapetums, dessen Struktur und/oder Funktion. In gewissen Fällen fehlt das Tapetum ganz. Bisher sind keine Berichte bekannt, die eine klinisch erkennbare Beeinträchtigung der Sehkraft bei diesen Hunden belegen.
Bei Blue-Merles reflektieren nicht nur die blauen sondern auch die braunen Augen rot, während bei Corgis, welche nicht Träger des merle Gens sind, nur das blaue Auge rot reflektiert, wie die Foto des Pembroke Welpen mit einem braunen und einem blauen Auge zeigt.
Ich danke allen, die mir Fotos ihrer Hunde mit blauen Augen zugestellt haben. Ein besonderer Dank geht an Frau Dr.med.vet. Marianne Richter, Ophtalmologin, www.eyevet.ch, für Beistand mit Bezug auf die rot reflektierenden Augen.
Anita Nordlunde