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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

109. Vortrag
5.
Somit bleibt nur übrig, daß wir, wenn man glauben muß, der Herr Jesus habe in diesem Gebete für all die Seinigen, die in diesem Leben, welches eine Versuchung ist auf Erden1, entweder damals waren oder künftig sein sollten, gebetet, den Ausspruch: „Durch ihr Wort“ so verstehen, daß wir darin das von ihnen in der Welt gepredigte Wort des Glaubens angedeutet finden; es sei aber ihr Wort genannt worden, weil es von ihnen zuerst und vornehmlich verkündet wurde. Es wurde ja von ihnen schon verkündet auf der Erde, als Paulus durch die Offenbarung Jesu Christi dieses ihr Wort empfing. Daher verglich er auch mit ihnen das Evangelium, damit er nicht etwa umsonst gelaufen wäre oder liefe, und sie gaben ihm die Rechte, weil sie auch in ihm, obwohl nicht das durch sie ihm gegebene, aber doch ihr Wort fanden, das sie schon verkündeten und worin sie gegründet waren2. Von diesem Worte der Auferstehung Christi sagt derselbe Apostel: „Sei es nun ich oder seien es jene, so predigen wir und so habt ihr geglaubt“3; und wiederum: „Das ist“, sagt er, „das Wort des Glaubens, das wir predigen; denn wenn du mit deinem Munde bekennst, daß Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, daß Gott ihn auferweckt hat von den Toten, wirst du selig sein“4. Und in der Apostelgeschichte ist zu lesen, daß Gott in Christus allen den Glauben bestimmt habe, da er ihn von den Toten auferweckt habe5. Dieses Wort des Glaubens ist, weil es vornehmlich und zuerst von den Aposteln, die mit ihm verbunden waren, gepredigt wurde, aus diesem [S. 1069] Grunde ihr Wort genannt worden. Denn es ist keineswegs deshalb nicht das Wort Gottes, weil es ihr Wort genannt wird, da ja derselbe Apostel sagt, die Thessaloniker hätten es von ihm angenommen, „nicht als Menschenwort, sondern, wie es ist, wahrhaft als Gotteswort“6. Darum also Gottes Wort, weil es Gott gegeben hat; ihr Wort aber heißt es, weil es Gott zuerst und hauptsächlich ihnen zu predigen anempfohlen hat. Und darum hatte auch jener Schächer in seinem Glauben ihr Wort, welches als ihr Wort deshalb bezeichnet wurde, weil dessen Verkündigung zuerst und vornehmlich zu ihrem Amte gehörte. Endlich als von seiten der Witwen der Griechen ein Gemurmel entstand wegen der Besorgung der Tische, noch bevor Paulus gläubig geworden war, da antworteten die Apostel, die mit dem Herrn in Gemeinschaft gestanden waren: „Es ist nicht gut, daß wir das Wort Gottes verlassen und den Tischen dienen“7. Da sahen sie die Ordination von Diakonen vor, damit sie nicht vom Amte der Predigt des Evangeliums abgezogen würden. Daher heißt mit Recht ihr Wort das Wort des Glaubens, durch welches alle, von wem immer sie es gehört haben mögen, an Christus geglaubt haben oder hören oder glauben werden. Also in jenem Gebete hat unser Erlöser für alle, die er erlöst hat, mochten sie damals im Fleische leben oder erst später kommen, gebetet, da er bei seinem Gebete für die Apostel, die damals bei ihm waren, auch jene hinzufügte, die durch ihr Wort an ihn glauben sollten. Was er aber nach Hinzufügung dieser sagt, soll in einer andern Abhandlung dargelegt werden.
1: Job 7, 1.
2: Gal. 2, 2. 9.
3: 1 Kor. 15, 11.
4: Röm. 10, 8 f.
5: Apg. 17, 31.
6: 1 Thess. 2, 13.
7: Apg. 6, 1―4.