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Vergnügen. Ja, wann vergnügt sich der Mensch? Obwohl man sich natürlich im Idealfall auch bei der Arbeit vergnügen soll, gehört das Vergnügen im engeren Sinn wohl eher in die Freizeit.
Vergnügen. Ja, wann vergnügt sich der Mensch? Obwohl man sich natürlich im Idealfall auch bei der Arbeit vergnügen soll, gehört das Vergnügen im engeren Sinn wohl eher in die Freizeit. In der antiken Zivilisation war die Musse von gesellschaftlichen Normen bestimmt: Das Leben war in hohem Masse an das Tageslicht, die Witterung, die Jahreszeit, die von der Gesamtgesellschaft getragenen Sitten und Einrichtungen gebunden.
Das aufstrebende Bürgertum begann seit Mitte des 19. Jahrhunderts aus gesundheitlichen und politischen Gründen für eine Verringerung und Regulierung der Arbeitszeit zu kämpfen. So entstand langsam die Freizeit, wie wir sie heute kennen. Doch was sollten die Menschen nun mit der neu gewonnenen Freizeit anstellen? Genau: sich vergnügen.
Erst die Adligen
Ein einfacher Zeitvertreib, der erst den Adligen vorbehalten war, war das Spazieren. Doch mit dem Aufstieg des Bürgertums verwischten sich die Grenzen, die mit Kleidung, Sprache, Geschmack, Bildung oder Manieren aufrechterhalten wurden.
Im 19. Jahrhundert sollte auch in Luzern Einheimischen und mit dem aufstrebenden Tourismus auch den Besucherinnen und Besuchern Gelegenheit gegeben werden, sich draussen, spazierend, an der Natur zu erfreuen. 1836 beauftragte der Stadtrat den Basler Architekten Melchior Berri, einen Bebauungsplan für das Gebiet zwischen Altstadt und Hofbezirk zu erarbeiten. Sein Projekt mit fünf Bauten zeichnete er in zwei Varianten mit unterschiedlich hohen Gebäuden. Eine durchgehende Arkade sollte die abzubrechende Hofbrücke ersetzen. Die Strasse in der Achse zur Hofkirche lag hinter der Hauszeile und erschloss einen neuen Stadtteil. Es blieb beim Idealprojekt, das aber aus finanziellen Gründen nicht realisiert wurde.
Der Schweizerhofquai entsteht
Von 1844 bis 1860 wurde der Schweizerhofquai aufgeschüttet und als erste Seepromenade mit einer Baumallee bepflanzt. 1895 wurde er mit Ausbruchmaterial des Tunnels der neuen Bahneinfahrt um 10 Meter verbreitert und die innere Baumreihe nach aussen umgepflanzt.
Damit Spaziergänger nicht belästigt wurden, hatte das Polizeiamt schon 1882 das Hausieren vor dem Schweizerhof, an der Promenade von der Seebrücke bis zum Englischen Hof, beim Löwendenkmal und um das Hotel National herum verboten. Wer es trotzdem tat, wurde mit einer Busse von 30 Franken bestraft.
In der hohen Zeit des Fremdenverkehrs wurde die Seepromenade offenbar mehrheitlich von den Touristen genutzt, denn im Grossen Stadtrat wurde 1896 über einen Park beraten, der eben vor allem auch für die Einheimischen sein sollte. Der Gütschwald war in diesem Zusammenhang ein Thema, aber auch das Tribschenmoos und das Brüelmoos.
Folgende Pläne wurden erarbeitet: Erstellung von Parkanlagen im Brüel- und Tribschenmoos.
Der Kurverein wollte zeitgleich einen Kurpark mit Thermal-Etablissement verwirklichen und präsentierte 1918 einen Plan. Auch daraus wurde nichts:
Die Promenade am See führte 1906 bis zum Hotel Palace und wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts stetig erweitert. Der letzte Teil des durchgehenden Uferweges vor der Hausermatte konnte zwischen 1977 und 1978 erstellt werden.
Der Stock – ein Männlichkeitssymbol
In Luzern wurde also vor allem rund um das Seebecken flaniert. Dabei durfte der Spazierstock bei den Männern nicht fehlen. Wehrhaftigkeit galt als Männlichkeitsattribut. Gerade Systemstöcke, in denen sogar Waffen versteckt waren, unterstrichen diese Männlichkeit. Im permanent mitgeführten Stock signalisierte der Mann, dass er gewappnet war für ein allfälliges Duell und sich verteidigen konnte. Beim Spazieren bewegte sich der Stock beim Gehen mit, einige machten sogar zwischen zwei Schritten eine kühne Extrarotation um ihre Hand. Es war eine Gesellschaft in Bewegung.
Frauen trugen seltener Stöcke. Sie hatten in ihrem Stockgriff oft Puderdosen, Riechfläschchen und Dosen mit Riechsalz. Nach 1800 verschwand der Frauenstock. Dafür trugen Frauen jetzt Schirm oder Fächer. Statt eines Machtsymbols wie des Stocks trugen sie jetzt einen Schirm als Symbol für Schutz – die Frau wurde zur «Schutzbedürftigen».
Anfang 20. Jahrhundert verschwand gleichzeitig wie der Stock auch das Duell aus der Gesellschaft. Aktentaschen, Zigaretten, Fotoapparate, und heute Handys, Selfiesticks und iPads haben den Platz des Stockes übernommen.
Und genau damit beschäftigt sich der neue Frauenstadtrundgang «… dann das Vergnügen». Neben dem Spazieren befasst sich der neue Rundgang in Luzern auch mit den Themen Kino, Wärchhof, Tanz und Määs. «…dann das Vergnügen» feiert am 29. April 2016 um 19 Uhr Premiere. Treffpunkt ist am Wagenbachbrunnen vor dem KKL. Alle Informationen dazu gibt es auf der Webseite.