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Das Haus mit Glaswellen und einem Sockel aus Dolomit ist das neue Gebäude der internationalen Rückversicherungs–Gesellschaft Swiss Re in einer Reihe mächtiger historischer Versicherungsbauten entlang des Mythenquais. Seine Gestalt ergibt sich aus der Wechselwirkung eines klar geschnittenen städtebaulichen Volumens, dem fliessenden Raum übereinanderliegender Decks im Inneren sowie der strukturellen Verknüpfung mit den benachbarten Bauten der Swiss Re. Der Neubau liegt in der Mitte des Swiss Re–Campus und bildet mit einem Auditorium und Kundenempfangsräumen einerseits das Entrée des Unternehmens, andererseits den Arbeitsort für 1100 Mitarbeitende, etwa das Dreifache an Arbeitsplätzen im Vergleich zum Vorgängerbau der 1960er Jahre, den das neue Haus ersetzt hat. Das Haus ist nach den Vorgaben von Minergie-P und Minergie–ECO wie auch des US-amerikanischen LEED–Platinum-Zertifikats errichtet worden.
Die architektonische Struktur mit offenen Decks und zusammenhängenden offenen «shared-desk»–Arbeitsbereichen basiert auf einem Geviert von 72 auf 58 Metern. Der Empfang am Mythenquai ist direkt mit dem um zwei Geschosse tiefer gelegenen Auditorium und den zwei mit Glas überdachten, gebäudehohen Lichthöfen (Atrien) verbunden und mit den anderen fünf Bauten von Swiss Re verknüpft, sodass die übergreifenden Funktionsbereiche von innen erschlossen werden. Die Höfe dienen der Belichtung und Orientierung, ihre Langfenster können geöffnet werden. Die fünf gestapelten Obergeschosse sind alle gleichwertig, bilden keine Hierarchien ab.
Mit Beginn der Planung gab Swiss Re neun Kunstprojekte in Auftrag, die die Tradition erweitern, mit der die bedeutende Kunstsammlung des Unternehmens schon seit langem zum Arbeitsumfeld von Swiss Re beiträgt. Von Beatrix Ruf kuratiert, bilden die Arbeiten von Martin Boyce, Kerstin Brätsch Valentin Carron, Marc Camille Chaimowicz und Mai-Thu Perret, Helmut Federle, Guyton\Walker, Philippe Parreno, Willem de Rooij und Heimo Zobernig räumliche Interventionen.
Anders als die massive Konstruktion der in einem weissem Grundton gefassten Atrien, Kerne und Untergeschosse aus Beton, bestehen die oberirdischen Decks aus einem filigranen Stahlbau. Mit Spannweiten von über 13 Metern ist die Voraussetzung für Flexibilität und Durchgängigkeit geschaffen, sodass das Gebäude langfristig nach den sich wandelnden Bedürfnissen ausgerichtet werden kann.
Die Fassadenkonstruktion ist mehrschichtig. Sie wirkt zur Umgebung offen, ohne die Arbeitsplätze nach aussen zu exponeren. Der äussere Vorhang besteht aus den Glaswellen, die innere thermische Hülle aus einer raumhohen flachen Verglasung. Der Zwischenraum dient zum See hin als Loggia. Vor den Kundenräumen, Leseplätzen und einer Bar, auf der obersten Ebene erweitert die sich der Zwischenraum zur Seeterrasse.
Die Vorhangfassade ist durch die Verwendung von Wellen mit 2,4 Metern Wellenlänge in den ersten vier Geschossen und 1,2 Metern Wellenlänge in den beiden oberen Etagen gegliedert und rückt den Baukörper in einen präzisen Bezug zum Altbau und seinem Walmdach. Die Glaswellen hängen an Edelstahlhalterungen und sind im Bereich der Überlagerung mit der nächsten Welle an Stangen befestigt, die im 5. Obergeschoss und im Bereich der obersten Geschossdecke mit dem Tragwerk verbunden sind. Die Reflektionen im Relief aus geschwungenem Glas lassen den Baukörper festen Halt innerhalb der Reihe der grossen Baukörper entlang des Mythenquais finden und zugleich mit der landschaftsräumlichen Dimension des Ortes in Beziehung treten. Bei zunehmender Dunkelheit am Ende eines Arbeitstags bis 24 Uhr tritt das Licht von Zürichs „Plan Lumiere“ an die Stelle der Reflektion der Glaswellen.
Bildlegende:
Auditorium. The Enormous Room by E.E. Cummings / 2014-2017. Helmut Federle © Pro Litteris. Foto © Walter Mair
Wettbewerb 2008: 1. Preis
Datum: 2008-2017
Bauherr: Swiss Re Investments AG, Zürich
Nutzer: Swiss Re AG, Zürich
Ort: Mythenquai 50, 8002 Zürich
Geschossfläche GF (SIA 416): Oberirdisch: 19.006 m², Unterirdisch: 13.142 m², Gesamt: 32.148 m²
Programm: Arbeitsplätze für 1100 Mitarbeitende, Kundenbereich, Foyer und Auditorium, Haupteingang
Generalplaner: ARGE Generalplaner Swiss Re Next, Diener & Diener Architekten, Basel, Proplaning AG, Basel
Elektro, MSR, technische Koordination: Sytek AG, Binningen
HLKS, räumliche Koordination: Dr. Eicher + Pauli AG, Liestal
Landschaftsarchitektur: Vogt Landschaftsarchitekten, Zürich
Tiefbau: Suisseplan Ingenieure AG, Zürich
Tragwerk: Ernst Basler + Partner AG, Zürich
Arbeitsplatzgestaltung: Sevil Peach, London, Grossbritannien
Fassade: Emmer, Pfenninger + Partner AG, Münchenstein
Zertifikation / Label: Minergie–P–Eco, LEED Platinum