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„We do not seek the demise of the modern corporation, neither intellectually or in fact. Rather, we seek its transformation. [...] Our thesis is that we can revitalize the concept of managerial capitalism by replacing the notion that managers have a duty to stockholders with the concept that managers bear a fiduciary relationship to [all their] stakeholders.“ (R.E. Freeman/W. Evan)
Der Stakeholder Ansatz ist neben systemtheoretischen Prämissen als wesentliche Grundlage der St. Galler Denkschule und somit aller, damit in Verbindung stehender, Management Modelle zu bezeichnen. Innerhalb dieser Denkhaltung wird als primärer Zweck der Unternehmung nicht Gewinnmaximierung per se, sondern vielmehr die Erbringung von Leistungen für die Gesellschaft definiert und monetärer Gewinn dient vornehmlich der Sicherung der Lebensfähigkeit des ökonomischen Systems Unternehmung.
Kurzbeschreibung:
Zwar ist im unternehmerischen Kontext den Kunden immer eine besondere Bedeutung zuzugestehen (vgl. Hinterhuber/Matzler, 2004, S. V), doch dürfen weitere Stakeholder- oder Anspruchsgruppen keineswegs ausser Acht gelassen werden. Innerhalb unterschiedlicher Schulen zur Corporate Governance können drei Basismodelle differenziert werden – namentlich ein monistischer Ansatz, der Shareholderinteressen bevorzugt und weitere Anspruchsgruppen als Mittel zum Zweck betrachtet, ein dualistisches Modell, welches einen Ausgleich an Ansprüchen (Stakes) erreichen will und ein pluralistisches, das überhaupt sämtliche Interessen gleichermassen bedient. Im Rahmen eines dualistischen Stakeholder Konzepts gilt es ein Business Modell zu kreieren, welches einen Interessensausgleich verfolgt und Mehrwert für sämtliche Bezugsgruppen schafft, die Überlebensfähigkeit der Unternehmung jedoch ins Zentrum stellt.
Zielsetzung:
Da das Shareholder Modell ein technomorphes Führungskonzept bedingt und somit Unternehmungen als Maschinen und Mitarbeiter als völlig rational handelnd betrachtet (vgl. Malik, 1984 zit. nach Rusche, 1996, S. 305), ist selbiges weder mit der St. Galler Denkschule noch mit realen Gegebenheiten kompatibel. Innerhalb der Stakeholder Theorie wird die Unternehmung als systemischer, selbstgenerierender Organismus und die Erhaltung der Lebensfähigkeit des Systems als Ziel definiert (vgl. Rusche, 1996, S. 307), das, mittels Ausgleich zwischen Unternehmung und Umwelt, gewährleistet werden soll. Oberste Zielsetzung ist somit das Schaffen von Stakeholder-Value (vgl. Deix, 2005, S. 338), also das Erzielen von Nutzen für, mit der Unternehmung in Verbindung stehender Anspruchsgruppen unter Ausgleich divergierender Interessenslagen.
Anwendung:
Das Stakeholder Konzept ist mittlerweile als zum Mainstream gehörend zu beurteilen. Erst ein Ausgleich sämtlicher, berechtigter Interessen verschiedenster Gruppierungen ermöglicht es, der Unternehmung erfolgreiche Geschäfte zu tätigen. Daraus resultierend, gilt es, seitens der Unternehmensführung unterschiedliche Interessensgemenge permanent zu reflektieren und ins unternehmerische Kalkül miteinzubeziehen. Nur bei entsprechendem Ausgleich unterschiedlicher Stakeholderansprüche, unter besonderer Berücksichtigung der Notwendigkeit der Aufrechterhaltung der eigenen Überlebensfähigkeit, ist langfristiger Erfolg bzw. langfristiges Unternehmensbestehen gesichert.
In der Praxis:
Eine Unternehmung X definiert Ihre Vision, Mission und Zielsetzung – ja Ihre Berechtigung zur Existenz – (wenn auch oftmals implizit) über die Befriedigung von Bedürfnissen der Gesellschaft. Um langfristig erfolgreich zu sein, respektive weiter zu existieren, ist es somit notwendig, berechtigte Interessen verschiedener Anspruchsgruppen auszugleichen. Daher müssen sämtliche relevanten Stakeholdergruppen in Entscheidungen miteinbezogen (hierfür existieren verschiedenste Methoden und Vorgehensweisen), als auch selbige im Rahmen der Unternehmensführung permanent im Auge behalten werden. Folglich gilt es Stakeholder-Analysen, Readiness Assessments u.Ä. im Rahmen der Steuerung des Systems X zu implementieren und Interessensgruppen permanent im Zuge eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses (KVP), wenn auch nur im Rahmen eigener Analysen und Überlegungen, miteinzubeziehen.
Der Stakeholder Ansatz nach Freeman, welcher mittlerweile auch eine Reihe von Differenzierungen erfuhr, ist als implizite Basis sämtlicher St. Galler Modell zu sehen und mit der Systemtheorie sowie kybernetischen Managementansätzen kompatibel.
Die Stakeholder Theorie ist also bestens dazu geeignet, den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu begegnen und sowohl auf Fragen zu Wohlstand und Handel, auf Fragen zu Ethik, Verantwortung und Nachhaltigkeit unter kapitalistischen Prämissen als auch auf Fragen zu einem erfolgsversprechenden Mindset (angehender) Führungskräfte fundierte Antworten zu liefern (vgl. Freeman/Harrison/Wicks/Parmar/De Colle, 2010, S. 29). „The new narrative says that successful businesses are about more than money. They are driven by purpose. They create value for customers, suppliers, employees, communities, as well as the people with the money, financiers.“ (Freeman, 2013, S. 1) Somit gilt: „Firstly, business is primarily about purpose [...] money and profits follow.“ (Freeman, 2013, S. 3)