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Zwei Bauarbeiter haben den Auftrag, ein Kanalisationsrohr für ein Einfamilienhaus zu verlegen. Der eine bedient den Bagger. Der andere hantiert mit der Schaufel im rund drei Meter tiefen Graben.
Die beiden Männer hatten am Morgen vor Arbeitsbeginn zwar einen Riss in der steilen Grabenwand bemerkt. Doch weil die Wand schon eine Nacht lang gehalten hatte, gehen sie davon aus, sie sei stabil.
Dann aber geschieht das Unerwartete: Ein Teil des Erdreichs löst sich plötzlich von der Wand. Dadurch sackt auch der darüber gelagerte Aushub ab und stürzt in den Graben. Der Mann im Graben wird von rund sechs Tonnen Material an die gegenüberliegende Böschung gedrückt. Er erleidet schwerste innere Verletzungen und stirbt noch auf der Unfallstelle.
Gemäss Bauarbeitenverordnung gelten Grabenböschungen als unsicher, wenn sie steiler sind als 3:1 (bei gut verfestigtem Bodengrund), 2:1 (Boden mässig verfestigt) oder 1:1 (Boden rollig).
Dieser Unfall konnte nur geschehen, weil keinerlei Massnahmen getroffen wurden, um den Graben gegen Einsturz zu sichern. Das Erdreich am Unglücksort wurde später von Fachleuten als bestenfalls «mässig verfestigt» beurteilt. Die Grabenböschung war für diese Verhältnisse viel zu steil.
Der Unfall führt zu einem Gerichtsverfahren. Der Inhaber des betroffenen Bauunternehmens wird der fahrlässigen Tötung angeklagt und für schuldig befunden. Als Arbeitgeber trägt er die Verantwortung für die Arbeitssicherheit in seinem Betrieb. Weil er es zuliess, dass seine Mitarbeitenden in einem völlig ungesicherten Graben arbeiteten, hat er diese Verantwortung nicht wahrgenommen.
Das Einhalten dieser lebenswichtigen Regel für den Hochbau hätte den Unfall verhindert:
Wird eine lebenswichtige Regel verletzt, heisst es: STOPP, die Arbeit einstellen und die gefährliche Situation beseitigen. Erst dann weiterarbeiten.