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In der Antike war Krokus der Name eines schönen Jünglings. Zwei Legenden verbinden sein Schicksal mit der geheimnisumwobenen
Pflanze, aus welcher der Safran gewonnen wird. Gemäss der ersten Legende liebte der griechische Wegegott Hermes diesen Jüngling und tötete
ihn aus Versehen. Dort wo sich das Blut von Krokus auf den Erdboden ergoss, wuchs die erste Krokusblume.
Die zweite Legende schildert die Liebe von Krokus zur Nymphe Smilax. Sie liebten sich derart, dass sie unzertrennlich waren. Die Götter, welche dieser unaufhörlichen Flirts müde waren, setzten
dem Ganzen ein Ende, indem sie Smilax in eine Eibe verwandelten und Krokus - wie könnte es anders sein! - in eine Krokusblume.
Es war wohl, um dieselbe Leidenschaft zu verspüren, dass Zeus eines Tages auf einer mit Safran gefüllten Matratze geschlafen hat.
Der Krokus spielte wohl eine wichtige Rolle in den antiken Religionen, denn der Safran war eines der begehrtesten Gewürze der alten Zivilisationen.
Man kann ohne zu übertreiben behaupten, dass der Krokus der König der Flora der Vorgeschichte war.
Safran ist ein Gewürz aus der getrockneten Narbe der Blüte des
Crocus Sativus L., einer in der Antike gezüchteten Krokusart. Der Krokus gehört zur Artenreichen Gattung der Schwertliliengewächse (Iridaceae) und ist eine ausdauernde Knollenpflanze. Der Name
Krokus entstammt der griechischen Sprache "krókos" = Faden, was sich auf die fadenähnlichen Narben der Krokusblüte bezieht. Die Bezeichnung Safran stammt aus dem arabischen "za'farân". Za'fara
heisst "mit Safran färben" und ist abgleitet von den Wörtern "asfar" = gelb und "safrâ" = gelbe Blume.
Die Herkunft des hellviolett, in unseren Breitengraden im Oktober blühenden Safrankrokus ist zweifelhaft, denn man findet ihn nirgendwo wildwachsend. Es wird im Allgemeinen angenommen, dass er
aus den Steppen Kleinasiens stammt, zwischen der Ägäis und dem Iran, was erklären könnte, warum er in Cilicien, im Südosten der Türkei, lange Zeit intensiv angebaut wurde. Der Ursprung des Krokus
führt 3'500 Jahre zurück in den Orient. In unsere Breitengrade gelangte der Safrankrokus via Andalusien, von wo ihn Söldner in alle mitteleuropäischen Länder brachten.
In der Schweiz, genauer im Wallis, wurden bereits gegen Ende des 14. Jahrhunderts Anbauversuchs mit Safrankrokus gemacht, wo noch heute Safran angebaut wird. In Mund VS, dem einzigen Schweizer Ort wo der Safrankrokus die industrielle und wirtschaftliche Entwicklung der letzten 50 Jahre
überstanden hat, wurde am 4. Mai 1978 die Safranzunft aus der Taufe gehoben und zählt heute über 150 Mitglieder. Die Munder Safranzunft fördert und unterstützt den Safrananbau sowie das
traditionelle Umfeld. An der Generalversammlung im November, jeweils nach der Safranernte, werden nach den statutarischen Geschäften Erfahrungen ausgetauscht und an der Safranbörse wird das
begehrte Munder Gewürz zum Verkauf angeboten - die Nachfrage ist stets weit grösser als das Angebot.
An der Universität Bern hat ein Forscherteam versucht, die halluzinogene Wirkung des Safrans zu ergründen. Denn bereits Autoren der Antike warnten
vor zu hohen Dosen von Safran, die zu schweren Vergiftungserscheinungen oder gar zum Tode führen können. Die für den Menschen tödliche Dosis liegt
zwischen zehn und zwanzig Gramm des edlen Pulvers. In der ersten Phase nach der Einnahme soll sich ein Lachreiz einstellen, der von einer Lähmung des Zentralnervensystems gefolgt wird. Alte
Geschichten erzählen, dass sich ein Mann zu Tode gelacht haben soll nach dem Genuss von mit Safran überwürztem Fleisch.
Viele historische Begebenheiten, insbesondere kriminelle Handlungen wie Diebstahl, Fälschungen und Schmuggel, lassen den Safran als
geheimnisumwitterte, wertvolle Substanz erscheinen, welche - neben ihrer würzenden Eigenschaften - im menschlichen Körper verschiedene heilende und halluzinogene Effekte auslösen soll. So
überfielen im Jahr 1374 der Freiherr von Bechburg mit seinem Gefolge einen von Lyon nach Basel reisenden Kaufmannszug am Oberen Hauenstein und raubten acht Zentner (400 kg) Safranfäden, was den
Narben von zirka 50'000'000 (fünfzigmillionen) Krokusblüten, und einem Wert nach heutiger Kaufkraft von ungefähr fünf Millionen Franken, entspricht.
Seit die stets nach Bereicherung strebende Menschheit den Safran kennt, wurde das wertvolle Pulver mit Gips, Mehl, Talkpulver und dergleichen auf
illegale Weise gestreckt, was unverkennbar den heutigen Gepflogenheiten in Drogen-Dealerkreisen entspricht. Kein Wunder, wurden im Europa des Mittelalters Amtsstellen geschaffen, die die Echtheit
des Naturproduktes prüften. In Venedig gab es dafür das UFFICIO DELLO ZAFFERANO.
Quellenhinweise:
- Mund, Das Safrandorf im Wallis, von Erwin Jossen, Rotten-Verlag, Brig
- Les Epices, von Jan-Öjvind Swahn, Verlag Gründ, Paris
- dtv-Lexikon, Deutscher Taschenbuchverlag, München