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Lieber Rolf, liebe Nez,
wie lange kennen wir uns mittlerweile? Es sind schon einige Jahre vergangen, und wir werden alle älter, nicht wahr? 😄
Ich erinnere mich noch lebhaft an unseren ersten Kontakt – du hast uns damals angerufen und dein Interesse an einem ATC Avalanche Training Center bekundet. Marcel meinte anschließend: "Da ist wirklich jemand verrückt genug, ein ATC Avalanche Training Center nach Australien zu bringen." Wir waren sofort begeistert!
Ihr habt wirklich Großartiges auf die Beine gestellt, und wir bewundern euer
Engagement in Australien sehr. Es ist beeindruckend, was ihr erreicht habt.
Deshalb würden wir gerne ein Interview mit dir oder euch machen. Wir möchten mehr über deine Erfahrungen und die Entstehung des ATC Avalanche Training Centers sowie des MSC Mountain Safety Collective erfahren.
1. Könntest du uns bitte mehr über deine Rolle und Funktion beim Mountain Safety Collective erzählen?
MSC Mountain Safety Collective ist ein gemeinnütziger Verein, in dem ich bereits verschiedene Positionen innehatte. Derzeit bin ich als einer der Direktoren tätig und bin zuständig für die Mitgliedschaft und unser Merchandise. In der Vergangenheit war ich sowohl Vizepräsident als auch für die Social Media-Kommunikation zuständig.
2. Wie ist die Idee für das Mountain Safety Collective entstanden?
Die Idee für das Mountain Safety Collective entstand im Winter 2014, nachdem ein Sturmtief erhebliche Schneemengen in die Berge gebracht hatte. Zwei junge Väter begaben sich ohne adäquate Winter- und Schneeerfahrung sowie ohne Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS) auf den Mount Bogong (1984m). Nach einem Lawinenunglück wurden sie drei Tage später aus über sechs Metern Tiefe geborgen. Dieses tragische Ereignis führte zur Gründung von MSC durch unseren Freund Simon Murray und einige andere.
Anfänglich teilten wir mit unserem begrenzten Wissen zweimal wöchentlich Warnungen und Informationen über die Bedingungen. Mit der Zeit wuchs unsere Mitgliedschaft, wir erstellten Tourenkarten und erhielten finanzielle Unterstützung durch die Nationalpark Behörde. Um rechtlich abgesichert zu sein, beauftragten wir eine kanadische Firma mit der Erstellung eines Berichts über den Aufbau eines Warnungsdienstes.
Glücklicherweise erhielten wir weitere finanzielle Unterstützung und konnten einen qualifizierten kanadischen Lawinenprognostiker gewinnen, der mit seiner Familie nach Australien umsiedelte. Heute veröffentlichen wir während der Wintersaison tägliche Back Country Bulletins, die nicht nur Lawinengefahren, sondern auch Eis- und Whiteout-Bedingungen abdecken.
3. Welche Ziele verfolgt ihr mit dem Mountain Safety Collective in Bezug auf
Lawinensicherheit und -training?
Unser Hauptziel beim Mountain Safety Collective ist die Verbreitung von fundierten und aktuellen Informationen durch unsere täglichen Bulletins, um somit zur Lawinensicherheit beizutragen. Wir setzen stark auf Weiterbildung und die Ausbildung von Observers, um ein umfassenderes und genaueres Bild der Bedingungen in den Bergen zu erhalten. So haben wir im letzten Jahr sechs Personen kostenlos unterstützt, um ihr kanadisches Level 1 Observer zu absolvieren.
Unsere Mission ist es, Bewusstsein zu schärfen und durch Bildung und Information die Sicherheit im alpinen Raum zu erhöhen.
4. Könntest du uns Einblick in die Entstehung der Avalanche Training Centres
(ATCs) in Mount Hotham (VIC) und Thredbo (NSW) geben?
Ja, die Einführung der Avalanche Training Centres (ATCs) in Mount Hotham und Thredbo ist tatsächlich eine besondere Geschichte. Nach der Gründung des MSC Ende des Winters 2015, hatten Nez und ich im November die Gelegenheit, Kletterfreunde zu besuchen. Dabei haben wir Steve Monks kennengelernt, ein Bergführer der Britischen Mountaineering Schule in Leysin, der uns von seiner Mitwirkung beim Aufbau eines ATC in Leysin berichtete. Seine Erfahrungen inspirierten mich dazu, zwei Wochen später mit Marcel in Kontakt zu treten.
Das ersten ATC in Mount Hotham war nicht ohne Herausforderungen, doch dank eurer Unterstützung ist es uns gelungen, es erfolgreich zu importieren und zu installieren – ein riesiges Dankeschön dafür! Bei dem ATC in Thredbo verlief der Prozess etwas geschmeidiger und sowohl die Ski Patrol als auch die Organisation in Thredbo haben uns begeistert unterstützt.
5. Wie hat sich das ATC-Programm seit der Eröffnung weiterentwickelt und
welche Pläne habt ihr für die Zukunft?
Insbesondere steht Neuseeland im Fokus unserer Bemühungen, obwohl es sich als sehr herausfordernd erweist. Einige Ski Patrollers aus Neuseeland haben bereits ihre Wünsche geäußert, nachdem sie sahen, dass wir zwei ATCs in Australien installiert haben, während sie noch LVS vergraben müssen. Wir sind fest entschlossen, in dieser Region Fortschritte zu machen. Weiterhin ist Japan ein weiteres Ziel von uns – Watch this Space
6. Welche besonderen Merkmale oder Vorteile bieten die ATC-Standorte deiner
Meinung nach den Teilnehmern im Vergleich zu anderen
Lawinensicherheitsprogrammen?
Die ATC-Standorte in New South Wales und Victoria bieten einzigartige Vorteile. Sie ermöglichen es unseren MSC Mitgliedern (905 Mitglieder) und auch anderen, kostenlos ihre LVS und Sonden Suche zu üben. Diese Standorte sind für australische Tourengeher sehr zentral.
7. Wie arbeitet ihr mit anderen Organisationen und Institutionen in Bezug
auf Lawinensicherheit zusammen?
Wir arbeiten eng mit Unternehmen zusammen, die Lawinensicherheitstrainings anbieten, indem sie unsere Anlagen nutzen. Beispielsweise hat Thredbo ein umfangreiches Tourenprogramm, und alle Teilnehmer trainieren zunächst am ATC. Diese Kooperationen ermöglichen eine integrierte und praxisnahe Ausbildung, um die Sicherheit im alpinen Bereich zu erhöhen.
8. Welche Botschaft möchtest du an Personen weitergeben, die sich für
Lawinensicherheit und Training interessieren?
Meine Botschaft an alle, Regelmäßiges Üben ist entscheidend, und körperliche Fitness ist unabdingbar, denn selbst wenn man die Ortung beherrscht, erfordert das Ausgraben von Verschütteten eine gute Kondition. Der wichtigste Tipp jedoch ist, den Lawinenlagebericht aufmerksam zu lesen, zu beachten und konsequent in die Tourenplanung zu integrieren!
9. Könntest du uns von einer besonders inspirierenden Erfahrung oder einem
Erfolg im Zusammenhang mit dem Avalanche Training Center erzählen?
Es ist inspirierend zu sehen, wie sich Tourengeher in ihrer LVS- und Sonden-Suche erheblich verbessert haben. Auch die Teilnehmer des Canada Level 1 Obs haben sich dank des ATCs ausgiebig auf den Aufnahmetest vorbereiten können. Leider besitzen viele zwar LVS-Geräte, diese sind jedoch oft veraltet und wurden noch nie gewartet oder aktualisiert. Wenn etwas nicht funktioniert, wird oft zuerst das ATC beschuldigt – das bringt uns immer zum Schmunzeln!
10. Was habt ihr für Zukunftspläne?
Wir planen definitiv, auch weiterhin aktiv dabei zu sein. Ich habe begonnen, im Rahmen von MSC Lawinenrettungswettbewerbe (ARC Avalanche Rescue Competition) auszurichten. Dabei treten Dreier-Teams in drei Disziplinen an: Suche nach zwei Verschütteten, sensitives Sondieren und Schnellschaufeln. Ich bin dabei, Mammut als Sponsor zu gewinnen und erwäge, eine Serie von Wettbewerben in Neuseeland zu veranstalten.
Wow, was für spannende Neuigkeiten! Eine Serie von Wettbewerben klingt wirklich aufregend.... bitte sende uns mehr Informationen und Fotos, damit wir uns ein besseres Bild davon machen können. Wer weiß, vielleicht finden die ARC Avalanche Rescue Competitions bald auch ihren Weg zu uns!
Ich möchte mich von Herzen bei dir/euch bedanken, dass du dir die Zeit genommen hast, lieber Rolf uns an deinen Plänen teilhaben zu lassen. Und jetzt, während bei uns die Blätter fallen, wünschen wir dir und deinem Team eine unvergessliche und sonnige Sommerzeit in Down Under!