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Das musst du wissen
- Die Abholzung der Tropenwälder in Lateinamerika hat auch mit der sozialen Ungleichheit in der Bevölkerung zu tun.
- So verhindert die soziale Ungleichheit die gesellschaftliche Kooperation, die nötig wäre, um die Wälder zu schützen.
- Dagegen würde eine gleichmässigere Verteilung von Einkommen, Vermögen und Landbesitz die Abholzung der Wälder bremsen.
Der tropische Regenwald ist ein Segen für das Klima der Erde: Er speichert Unmengen des Treibhausgases CO2, seine Bäume und Pflanzen kühlen die Erdatmosphäre. Abgesehen davon sind die tropischen Wälder Lebensraum für unzählige bedrohte Tierarten. Dennoch werden sie immer weiter abgeholzt. Rund 60’000 Quadratkilometer pro Jahr fallen Brandrodungen oder Motorsägen zum Opfer – hauptsächlich für neue Soja-Anbauflächen oder für Rinderweiden. Wie stark abgeholzt wird, hat auch mit der sozialen Ungleichheit in den betroffenen Ländern zu tun, wie nun eine Studie des Zentrums für Entwicklung und Umwelt der Universität Bern zeigt.
In der Studie hat der Wirtschaftswissenschaftler Michele Graziano Ceddia untersucht, wie ungleich Einkommen, Vermögen und Landbesitz in den Ländern Lateinamerikas verteilt sind, und dies damit verglichen, wie stark die Anbauflächen auf Kosten des Tropenwaldes ausgeweitet werden. Dabei zeigte sich klar, dass soziale Ungleichheit in der Bevölkerung eine Ausweitung von landwirtschaftlichen Gebieten und so die Abholzung des Tropenwaldes fördert. Den grössten Effekt hat dabei Ungleichheit beim Einkommen, aber auch ungleich verteiltes Vermögen und grosse Unterschiede im Landbesitz wirken sich negativ aus.
Gerade in Lateinamerika ist die soziale Ungleichheit nach wie vor extrem hoch, nicht nur verglichen mit entwickelten Ländern, sondern auch mit anderen Entwicklungsländern. So ist nahezu jeder zweite Lateinamerikaner arm, fast jeder fünfte sogar extrem arm.
Diese Ungleichheit wirkt sich stark in der Politik aus, die die Wälder schützen müsste. «Ungleichheit kann einen erheblichen Einfluss darauf haben, wie beispielsweise Umweltgesetze ausgestaltet werden müssen», sagt Studienleiter Ceddia. So verhindere die soziale Ungleichheit die gesellschaftliche Zusammenarbeit die nötig wäre, um die Wälder zu schützen. Zudem sei die Ausweitung der Landwirtschaftsfläche einfacher und günstiger, wenn der Landbesitz in wenigen Händen konzentriert ist. Das Fazit des Forschers: «Eine gleichmässigere Verteilung von Einkommen, Vermögen und Landbesitz wäre nicht nur gerechter, sondern auch ein effektives Mittel für einen besseren Schutz der Umwelt.»