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Was mit einer Expressverbindung für Fracht und Post zwischen Süd- und Nord-Norwegen begann, ist zu einem echten Wahrzeichen des Landes geworden. Heute ermöglicht Hurtigruten die vielleicht schönste Seereise der Welt und spannende Expeditionen.
Autor: Andreas Hottenrott
125 Jahre Hurtigruten und die Gratulanten stehen Schlange. Schliesslich ist die Marke zum Inbegriff für Norwegen-Reisen geworden. Das grösste Geburtstagsgeschenk macht sich die Reederei aber selbst: 2019 stösst das modernste Expeditionsschiff der Welt zur Flotte, ein Jahr später folgt ihr Schwesterschiff (mehr dazu ab Seite 22). Damit setzt Hurtigruten ein weiteres Ausrufezeichen in einer Erfolgsgeschichte, die im späten 19. Jahrhundert aus einer Notlage heraus geboren wurde.
Viel befahren war die mehr als 1200 Seemeilen lange Küstenlinie zwischen Bergen und Kirkenes eigentlich schon damals. Alle möglichen Schiffstypen, von Dampfschiffen bis hin zu den Jakts mit nur einem Segel, transportierten sowohl Güter als auch Menschen, allerdings recht unzuverlässig. Es gab wenige Karten für die norwegischen Gewässer und nachts wagte sich kaum ein Kapitän auf See, da nur insgesamt achtzehn Leuchttürme den Küstenverlauf markierten. Das verzögerte Reisen zusätzlich. Für die norwegischen Behörden kein zufriedenstellender Zustand. Sie wollten eine schnellere Verbindung. Eben eine «hurtige».
Zwischen dem fischreichen Norden und den Handelszentren im Süden sollte eine Expressroute entstehen. In der offiziellen Ausschreibung erkannte Richard With seine Gelegenheit. Mit seinem Schiff, der DS Vesteraalen, fuhr er ab 1893 wöchentlich zwischen Trondheim und – je nach Jahreszeit – Tromsø oder Hammerfest. Die Geburtsstunde von Hurtigruten.
1896 eröffnete With ein Hotel auf Spitzbergen. Zeitgleich wurde die neue «Sportlerroute» zwischen Hammerfest und Svalbard eingerichtet, drei Jahre später die Strecke an der norwegischen Küste nach Süden hin bis Bergen ausgedehnt. Ab 1908 war Kirkenes nahe der russischen Grenze der Wendepunkt im Norden. Für die Distanz zwischen Bergen und Kirkenes benötigte With lediglich sieben Tage.
Komfort an Bord
Wurden anfangs überwiegend Fracht und Post verschifft, nutzten zunehmend mehr Menschen die neue Verbindung. Innerhalb kurzer Zeit mussten weitere Schiffe eingesetzt werden, um der hohen Nachfrage gerecht zu werden. Damit stieg auch der Komfort für Reisende. Ab 1925 freuten sich Gäste auf der DS Dronning Maud über Kabinen mit fliessendem Wasser und eigenem Belüftungssystem.
Bis 1936 wuchs die Anzahl der Passagiere an Bord der 14 Hurtigruten-Schiffe auf jährlich 230 000. Weniger als 20 Jahre später hatte sich diese Zahl mehr als verdoppelt, die Flotte war um sieben weitere Schiffe gewachsen. Inzwischen ist keines ihrer Schiffe von damals mehr im Einsatz. Das älteste, das die Küstenroute noch fährt, ist die MS Lofoten, die 1964 ihren Dienst aufnahm. Seit einer Generalüberholung 2015 zeigt sie sich wieder in einem klassischen 60er-Jahre-Stil.
Die ursprüngliche Strecke von Hurtigruten umfasst auf ihrer klassischen zwölftägigen Reise 34 Häfen und ist längst so bekannt wie die des Orientexpress auf Schienen oder die Route 66 auf Asphalt. An der schon früh geprägten Einschätzung «schönste Seereise der Welt» halten Passagiere wegen der unglaublichen Szenerie der Fjorde und der einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt der Küste bis heute fest.
Königliche Taufpatin
Doch auch andere Routen begeistern. 2002 steuerten Abenteuerlustige auf der MS Nordnorge erstmals die antarktische Halbinsel an. Und mit der MS Fram stiess ein Expeditionsschiff zur Flotte, das speziell für die Anforderungen polarer Gewässer gebaut wurde. Nach der Taufe durch Kronprinzessin Mette-Marit in Oslo nahm es zunächst Kurs auf Grönland. Aktuell verkehrt die MS Fram zwischen Arktis und Antarktis und bringt Passagiere über die Weltmeere zu den entlegensten Winkeln der Welt. Unterstützung erhält sie dabei von der MS Midnatsol, die seit 2016 ebenfalls ihre Winter in den antarktischen Gewässern verbringt.
Komplett unabhängig von der Jahreszeit können Entdecker die einzigartige Natur Spitzbergens mit Hurtigruten erkunden. Die Reederei betreibt dort den Veranstalter Spitsbergen Travel, der sich darauf spezialisiert hat, seinen Gästen Polarabenteuer zu ermöglichen. Das beginnt bei Ausflügen mit dem Hundeschlitten und führt bis zur Beobachtung kraftstrotzender Eisbären.
Blickt man auf die lange Firmenhistorie der Reederei zurück, waren bisher insgesamt mehr als 80 Schiffe für Hurtigruten unterwegs. Zwei weitere werden in absehbarer Zeit folgen und mit ihnen auch neue Reiseziele. Bis es soweit ist, darf aber erst einmal an anderer Stelle gefeiert werden: Herzlichen Glückwunsch Hurtigruten zu 125 Jahren Pioniergeist auf See!