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Kristall, Kaviar und spezielle Siegesfeiern
Article - Kristall, Kaviar und spezielle Siegesfeiern
12.12.2020
In den 1960er-Jahren nahmen erstmals Tschechoslowaken, Russen und ein kanadisches Team am Spengler Cup teil. Damit wurde das Turnier auch politisch. Im Schatten des Turniers blühte zudem der Schwarzmarkt und Landammann Christian Jost half dem Tschechoslowaken Jirí Kren bei der Flucht – dies sind nur einige der skurrilen Geschichten aus den 60er-Jahren.
Eine weitere: Jene vom EV Füssen. Zum zweiten Mal nach 1952 gewann 1964 der EV Füssen dank seines enormen Kampfwillens das Turnier. Nachdem die Deutschen gegen MoDo Alfredshem (2:1) und die Schweizer Nationalmannschaft (7:2) gesiegt und gegen Sparta Prag (5:5) unentschieden gespielt hatten, mussten sie im letzten Spiel auch dem Hockey Club Davos ein 7:7-Unentschieden zugestehen. Also reisten sie ab. In Bregenz (Österreich) machten sie Halt und schauten sich in einem Restaurant das letzte Drittel des Spiels MoDo gegen Prag an. Als MoDo diese Partie 8:4 gewann, stand Füssen als Sieger des Turniers fest. Der Club triumphierte dank zweier ausgezeichneter Verteidigungsblöcke und zweier auch läuferisch und technisch guter erster Sturmlinien. Entscheidend für den Turniersieg aber war das plötzliche Aufkommen der dritten Angriffslinie beim Unentschieden gegen Prag.
Der Sieger der Herzen aber war MoDo Alfredshem. So wurde das Team nach dem Sieg gegen Prag mit minutenlangen «Heja»-Rufen gefeiert. Erwähnenswert am Sieg der Schweden gegen Sparta Prag war der Einsatz von Spielführer Nils Johansson, der 58 Minuten auf dem Eis stand. Der schwedische Goalgetter war auf dem Höhepunkt seiner Karriere und gewann im selben Jahr auch den Guldpucken (schwedisch für goldener Puck) für den besten Spieler des Jahres in Schweden. Das Kürzel MoDo übrigens stand für Mo och Domsjö AB (ab 2000 Holmen AB), in den 1960er-Jahren die zweitgrösste Zellulosefabrik Schwedens. Alfredshem ist ein Stadtteil von Örnsköldsvik und hatte 1964 rund 14 000 Einwohner und eine überdachte Kunsteisbahn, die 10 000 Zuschauer fasste.
1964 war auch die Schweizer Nationalmannschaft unter Trainer Richard «Bibi» Torriani erstmals im Aufgebot des Spengler Cup, allerdings mit wenig Erfolg: Die Schweiz und Davos belegten punktgleich die letzten Plätze.
Der EV Füssen gewann den Spengler Cup aus der Ferne und MoDo wurde an ihrer Stelle als «Sieger der Herzen» gefeiert. Geschichte, wie sie nur der Sport schreiben kann. Weitere solch spannende und skurrile Anekdoten aus der Vergangenheit finden Sie im 5. Spengler Cup-Jahrbuch.