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Station 8: Flucht aus dem Lager und ein tragischer Unfall
Unter den 120 polnischen Internierten auf dem Drachenried befanden sich auch zwei Brüder: Jan und Mieczyslaw Wielgosik. Doch nur einer von ihnen kehrte nach dem Krieg zur Familie in Frankreich zurück.
Weshalb waren die Brüder bereits vor dem Zweiten Weltkrieg in Frankreich und was ereignete sich danach? Jan und Mieczyslaw waren bereits 1938 vor der Unterwerfung Polens mit ihren Familien nach Frankreich gezogen. 1939 wurden sie in die französische Armee aufgenommen. So geschah es, dass sie in der Nacht vom 19. auf den 20. Juni 1940 auf der Flucht vor Hitlers Wehrmacht beim schweizerischen Grenzposten bei Court-Goumois die Schweizer Grenze überquerten und interniert wurden. 1942 kamen sie nach Ennetmoos ins Polen-Camp beim Riedmatthof.
Ein tragischer Unfall ereignete sich am 13. Juni 1942 während Pumparbeiten auf dem Drachenried. Mieczyslaw Wielgosik berührte die Starkstromleitung. Sein Bruder Jan eilte ihm zu Hilfe, wobei er selber vom Strom erfasst und so stark verletzt wurde, dass er noch vor Ort in den Armen seiner Kameraden verstarb. Jan Wielgosik hatte seine Frau seit der Internierung 1940 nicht mehr gesehen. Sie lebte zu diesem Zeitpunkt mit ihrer Schwägerin in Frankreich und kehrte anfangs der 1960er-Jahre alleine nach Polen zurück.
Am 25. September 1942 floh Mieczyslaw Wielgosik zusammen mit zwei Kameraden aus dem Lager in Ennetmoos. Ihr Ziel war es, nach Frankreich zurückzukehren. Sie schlugen sich zu Fuss bis nach Olten durch, wo sie den Zug Richtung Genf bestiegen. Die Flucht endete nicht erfolgreich. Die Grenzwächter griffen die drei Männer auf dem Weg nach Annecy auf und schickten sie über Genf wieder nach Stans zurück. Das Gericht verurteilte sie wegen «Nichtbefolgung von Dienstvorschriften» zu drei Monaten Gefängnis im Straflager Santenberg und einer Gerichtsgebühr von je Fr. 5.-.
Obwohl nach dem Zweiten Weltkrieg wenig über die damaligen Geschehnisse erzählt wurde, kennt Christophe Wielgosik, der Enkel von Mieczyslaw Wielgosik, einige Details aus dieser Zeit: «Mein Grossvater Miecyslaw kehrte 1945 nach der Befreiung nach Frankreich zu seiner Familie zurück. Mein Vater war tatsächlich in seiner Abwesenheit geboren worden und meine Grossmutter hatte ihm den Vornamen ihres Mannes Miecyslaw gegeben. Dieser Vorname steht noch heute in seinen Ausweispapieren, auch wenn er sich aus praktischen Gründen Michel nennt!» Die Nachkommen von Mieczyslaw leben im Raum Paris. «Obwohl meine Grosseltern damals die französische Sprache nur teilweise beherrschten und sie als Landarbeiter schwere Arbeiten verrichteten, kehrten meine Grosseltern nie nach Polen zurück», erzählt Christophe Wielgosik. «Sie legten grossen Wert darauf, dass ihre Kinder die Schule in Frankreich besuchten und sich somit gut im Land integrieren konnten.»
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