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Weitere Luftaufnahmen von Lauerz
Im Lauerzersee, auf der malerischen Insel gegen die Rigi hin, erheben sich noch heute die Reste einer stattlichen Burganlage. Die Insel war 1809 von der Kirchgemeinde Schwyz an Ludwig Auf der Mauer, General in holländischen Diensten und Befehlshaber eines dortigen Schweizerregimentes, veräussert worden, mit der Auflage, Kapelle und Ruine in guten Zustand zu bewahren und die Insel nie einem Nicht-Schwyzer zu verkaufen. Das Mauerwerk der Burg hatte im Lauf der Jahrhunderte stark gelitten, und so wurde in den sechziger Jahren unseres Jahrhunderts eine Restaurierung, verbunden mit einer vorgängigen Ausgrabung geplant. Dem Ausgrabungsbericht von Hugo Schneider, dem Leiter der Untersuchungen, entnehmen wir folgende Resultate: die Insel besteht aus stark verschrattetem Kalkfels. Darauf war der Bergfried gesetzt worden. Als Baumaterial war nicht etwa der anstehende Kalkstein verwendet worden, sondern grosse Blöcke aus Granit wurden herangeführt. Der Turm ruht auf einem rundum laufenden Vorfundament. Im Grundriss bildet er ein Quadrat von zehn Metern Seitenlänge. Er ragt noch neun Meter in die Höhe. Früher war er um einiges höher, ist aber im letzten Jahrhundert teilweise abgebrochen worden. Vermutlich trug er einen Holzaufbau mit Pyramidendach. Die gewaltigen Binder und Läufer im Mauerwerk weisen einen sauberen Kantenschlaf auf. Obwohl mit wenig Mörtel versehen, ruhen die schweren Steine durch ihr Eigengewicht fest aufeinander. Das innere obere Drittel wurde von den Forschern ausgegraben. Eine sich nach innen weitende Luftcharte kam dabei zum Vorschein. Sie ist mit gleichmässige behauenen Kalksteinquadern überdeckt. Auf der Ost- und Westseite des Gebäudes lassen sich noch die Balkenlöcher einer über die Luftscharte laufenden Decke feststellen. Der ehemalige Hocheingang befand sich vermutlich in einer Höhe von über neun Metern, weshalb heute nichts mehr von ihm zu erkennen ist. Östlich des Turms schliesst sich der längliche Burghof an, der in seiner ganzen Ausdehnung freigelegt werden konnte. Die Mauerstärke des Beringes variiert zwischen 2 und 1.2 Metern Dicke. Die Mauerzüge weisen einen unregelmässigen, dem Terrain angepassten Verlauf auf. Auf dem Gelände des Innenhofs erhoben sich vermutlich Holzbauten, wie Stallungen und Ökonomiegebäude, von denen jedoch keine Überreste gefunden worden sind. Eine dicke Quermauer von über zwei Metern Stärke teilte den östlichsten Teil zu einem geschlossenen Raum ab. Kleinfunde, wie beispielsweise Fragmente von Ofen- und Gebrauchskeramik, die an dieser Stelle ausgegraben wurden, lassen diesen Raum als Wohnraum erkennen. Das Wohngebäude enthielt neben der Küche auch eine ofengeheizte Stube. Aus dem Burghof führte im Nordteil ein Pförtchen ins Freie. Ein Graben im Innern der Anlage, zwischen Turm und Wohngebäude, diente als Annäherungshindernis. Im Westen der Anlage befindet sich das Burgtor. Obwohl die Fundausbeute eher gering ausgefallen ist, hilft sie mit bei der Datierung der Anlage. Die ältesten Gegenstände stammen aus der Zeit um 1250, die jüngsten aus dem beginnenden 14. Jahrhundert. Die Burganlage ist also um 1300 verlassen worden. Auch wenn die Anlage in keinem Urkunden genannt wird, kann anhand der Ausgrabungsergebnisse die Entstehung der Feste nicht vor der Mitte des 13. Jahrhunderts angenommen werden. Sie hätte somit lediglich zwei bis drei Generationen als Behausung gedient. Gemäss den Beobachtungen am aufgehenden Mauerwerk ist die Anlage in einer einzigen Bauetappe fertiggestellt worden. Sondieruingen bei der heutigen Kapelle ergaben, dass auf dem Felssporn zwischen Bergfried und heutigem Landesteg keine Befestigungen aufgeführt waren. Auch war die südliche Insel entgegen jüngeren Berichten nicht befestigt. Anlässlich der Restaurierungsarbeiten von 1960 ist das Mauerwerk des ausgegrabenen Bergfrieds gesichert worden. Seine Mauerkrone kann jetzt ohne Gefahr bestiegen werden. Die den Burghof umfassende Ringmauer wurde soweit im aufgehenden Mauerwerk rekonstruiert, als nun die ganze Anlage im Grundriss erkennbar ist.
Die Frage nach den Gründern der Feste ist nicht schlüssig zu beantworten. Der ursprüngliche Name der Anlage „Schwandau“, wie er von den spätmittelalterlichen Chronisten überliefert wird, weist auf eine Rodungsburg hin ((Schwandau ist von Schwenden abgeleitet; man brachte die Bäume durch das Abschälen der Rinde zum Verdorren, zum Absterben). Das Fehlen von schriftlichen Quellen aus dem Hochmittelalter könnte auch bedeuten, dass Schwanau kein selbständiges Herrschaftszentrum gebildet, sondern zu einem grundherrlichen Hofgut gehört hatte. Aus dem 13. Jahrhundert sind uns drei solcher Hofgüter im Gebiet von Schwyz bekannt: der Kyburger Hof, der Frohburger Hof und der Hof von Arth, zu dessen Verwaltungsbezirk die Insel Schwanau gehörte. Im Verlauf der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts fielen diese Höfe an die Habsburger. Somit wäre es nicht unmöglich, dass auf der Burg Schwanau ein habsburgischer Ministeriale oder Beamter gewohnt hätte. Die Erzählung der Chronisten über den Untergang der Burg würde in diesem Falle erhärtet. Ein archäologischer Nachweis für die kriegerische Zerstörung der Anlage fehlt allerdings. Immerhin besteht auch die Möglichkeit, dass die Feste nur geplündert und nicht abgebrochen oder angezündet wurde. Die beiden letzteren Gewalttätigkeiten hätten archäologisch sicherlich nachgewiesen werden können. Ein Vertreiben oder gar Töten der Bewohner sowie das Unbewohnbarmachen der Feste durch das Abdecken der Dächer und Herausreissen der Inneneinrichtung würden den brachtümlichen Formen der mittelalterlichen Fehde entsprechen, liesse sich archäologisch allerdings nicht nachweisen.
Verschiedene Chroniken des 15. Jahrhunderts, so vor allem das Weisse Buch von Sarnen, bringen die Burg in Verbindung mit den Freiheitskämpfen der Eidgenossen gegen die habsburgische Unterdrückung. Die Geschichten berichten in mehreren Varianten und Versionen von einem stolzen Burgherrn, der einem jungen Mädchen aus der Umgebung nachgestellt hatte, welches sich nur durch einen Todessprung in den See den Nachstellungen des Wüstlings entziehen konnte. Aus Rache hätten sich die Verwandten des Mädchens zusammengerottet und die Burg gebrochen. Inwieweit in den mehrmals aufgegriffenen und ausgeschmückten Erzählungen ein echter historischer Kern steckt, ist höchst schwer nachzuweisen. Alle in den Befreiungssagen vorkommenden Burgen, die angeblich von den empörten Landleuten beim Burgenbruch gestürmt wurden, müssten archäologisch untersucht und die Ergebnisse miteinander verglichen werden. Zweifellos liesse sich dann das Phänomen des brauchtümlichen Burgenbruches besser erklären.
Gesichert ist hingegen, dass die Burg nach ihrer Auflassung rasch zerfiel. Im 17. und 18. Jahrhundert hausten Eremiten auf den Inseln. 1684 wurde die St.-Josefs-Kapelle eingeweiht, wobei das Kloster Einsiedeln die niederen Pfründen verlieh. Die vom Goldauer Bergsturz von 1806 verursachte Flutwelle zerstörte die Kapelle. 1809 wurde etwas südwärts vom ursprünglichen Standort die neue Kapelle erbaut. Im Zusammenhang mit der archäologischen Untersuchung der Burganlage sind auch die Grundmauern der alten Kapelle freigelegt worden.
Nach den Erhaltungsarbeiten erwarb der Kanton Schwyz im Oktober 1967 die Insel von der Familie Auf der Mauer, in deren Besitz sie sich von 1809 befand. Heute noch übt die Insel eine geheimnisvolle Faszination aus, und noch immer gelangt man nur mit dem Fährmann und seinem Kahn auf das Eiland hin und zurück.
Bibliographie