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Abgeschlossenes Dissertationsprojekt von Sonja Ulrich
Das Phänomen "Anrede" ist ein vielschichtiges Thema und seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts immer wieder Untersuchungsobjekt an der Schnittstelle zwischen sprach-, sozial- und kulturwissenschaftlichen Fragestellungen. Aus (sozio-)linguistischer Sicht interessiert dabei vor allem, welche sprachlichen Formen überhaupt als Anrede, d.h. als explizite Referenz eines Sprechers auf sein Gegenüber, verwendet werden und wer wann für wen welche Form benutzt bzw. benutzen kann.
Zwar weisen viele Sprachen Europas ein ähnliches Inventar an Formen auf, diese sind jedoch keineswegs funktional äquivalent sondern an unterschiedliche Gebrauchsbedingungen geknüpft und müssen deshalb im einzelsprachlichen Kontext (bzw. kontrastiv) beschrieben werden.
Das Dissertationsprojekt befasst sich mit der Anrede im Serbischen; einer Sprache also, die sich jahrhundertelang im Grenzbereich zweier unterschiedlicher Kulturräume befand. Dies dürfte sich auch auf die Anrede ausgewirkt haben, was das Serbische zu einem speziell interessanten Untersuchungsobjekt macht und einen Vergleich der Resultate zum Serbischen mit bestehenden Untersuchungen zu Anredephänomenen in den sog. "Balkansprachen" (z.B. Albanisch, Griechisch) oder auch dem Türkischen einerseits und westeuropäischen Sprachen (z.B. Deutsch, Französisch) andererseits nahelegt.
Das Ziel der Arbeit ist in erster Linie, die gängigen Formen des alltäglichen Sprachgebrauchs zu erfassen und ihren Anwendungsbereich zu beschreiben. Neben dieser soziolinguistischen Orientierung fokussiert das Forschungsvorhaben aber insbesondere auch die Funktion von Anredeformen im Interaktionskontext: was leistet eine Anredeform über die sozialdeiktische Referenz hinaus (auf der Mikroebene)?
Den zwei inhaltlichen Schwerpunkten entsprechend gestaltet sich auch die methodische Vorgehensweise: Über qualitative Leitfaden-Interviews werden metasprachliche Informationen (internalisierte Norm) zu Formeninventar und "Gebrauchsregeln" ermittelt. Ergänzt wird dieses Material durch die Auswertung der Anredeformen einer populären serbischen TV-Serie (Vratiće se rode, B92, 2007-2008), welche sowohl im Hinblick auf Vorkommen und Verteilung der Formen als auch auf deren Funktion im konkreten Gesprächskontext untersucht wird.
Erstbetreuer: Prof. Dr. Daniel Weiss
Zweitgutachterin: Prof. Dr. Barbara Sonnenhauser