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Caritas Schweiz ist seit mehr als 30 Jahren im Südsudan aktiv tätig. Seit 1999 konzentrieren sich die Aktivitäten im Bereich Entwicklung und Nothilfe auf den Bundesstaat Ost-Äquatoria. Im Südsudan, eines der ärmsten Länder der Welt, sind die Bildungsindikatoren besonders niedrig. Caritas hat bereits mehrere Projekte im Bereich Bildung umgesetzt mit dem Ziel, der Bevölkerung den Zugang zu Bildung und notwendige schulische Baumassnahmen zu ermöglichen.
Im Jahr 2002 verabschiedete die südsudanesische Regierung ein alternatives Ausbildungssystem, um Kindern und Jugendlichen, die die Schule abgebrochen oder nie besuchen konnten, den Zugang zu Bildung zu gewähren. Im Jahr 2013 nahmen in Ost-Äquatoria bereits 3‘816 Personen dieses Angebot wahr, jedoch ist die Nachfrage noch immer gross. Um der hohen Analphabetenrate im Südsudan entgegenzuwirken und eine breite und umfassende Wirkung zu erzielen, werden im Rahmen des Projekts Lehrkräfte fortgebildet und die Bewusstseinsbildung von Regierungsbeamten und Gemeinden im Bereich Bildung gestärkt.
Hierfür ist zunächst der Ausbau des alternativen Ausbildungssystems im Südsudan wichtig, da es Kinder und Jugendliche ermutigt, wieder Teil des formellen Bildungssystems zu werden. So werden in Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium 16 Zentren in vier Bundesstaaten Ost-Äquatorias aufgebaut, an denen Kinder und Jugendliche, die zu alt sind, um eine Grundschule zu besuchen, oder die die Schule abgebrochen haben, ihre Schulausbildung beginnen bzw. fortsetzen können. Der Unterricht findet nachmittags statt, und es wird ein verkürzter Lehrplan angewandt, der es den Schülern ermöglicht, die Grundschule bereits nach vier anstatt acht Jahren abzuschliessen.
Während der Projektlaufzeit sollen ca. 200 Schüler pro Zentrum unterrichtet werden, wobei insbesondere Mädchen und Frauen zu einer Teilnahme ermutigt werden. Es werden Radioprogramme entwickelt und gesendet, in denen die Wichtigkeit von Schulbildung, insbesondere für Mädchen, öffentlich diskutiert wird. Auch im Rahmen von Informationsveranstaltungen in verschiedenen Gemeinden wird die Bedeutung von Bildung verbreitet. In Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium werden zudem die pädagogischen Kenntnisse von ca. 64 Lehrkräften ausgebaut. Sie werden in konfliktsensiblen und inklusiven Lehrmethoden geschult, um an den Zentren, aber auch an Grundschulen zu unterrichten.
Viele Familien in Ost-Äquatoria sind Viehhirten. Da meist die Kinder für die Begleitung der Herden verantwortlich sind, können sie keine Schule besuchen. Unter Berücksichtigung dieser Lebensweise wird eine Studie durchgeführt, die die Möglichkeit alternativer Schulsysteme untersuchen soll. Auf Basis der Studienergebnisse ist geplant, zwei mobile Bildungszenten für Viehhirten einzuführen, wodurch etwa 140 Schüler Zugang zu Bildung erhalten sollen.
Die gesamte Projektumsetzung findet in enger Kooperation und Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden, wie dem Bildungsministerium von Ost-Äquatoria, und Gemeinden statt. So liegt ein weiterer Fokus des Projekts auf kapazitätsfördernden Massnahmen für ca. 38 Angestellte des Bildungsministeriums. Ziel ist es, ihr Bewusstsein für alternative Lernprogramme zu stärken. Die Beamten sind für die Festlegung von Bildungsstandards, die Qualitätssicherung und die Überwachung der Schulen, Lehrer und Schüler verantwortlich. Ein zentraler Bestandteil der Fortbildung ist der Ausbau ihrer Kenntnisse und eine Stärkung ihrer Kompetenzen, um ihre Aufgaben vollumfänglich wahrnehmen zu können.