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Wenn Teo Gheorghiu heute bei einer Behörde anruft, sorgt sein Name kaum noch für Aufregung. Er müsse höchstens die korrekte Schreibweise buchstabieren, sagt er. Vor fünfzehn Jahren wäre das anders gewesen, denn damals war der Name Teo Gheorghiu in der Schweiz in aller Munde: Der damals Zwölfjährige spielte in Fredi M. Murers Erfolgsfilm «Vitus» in der Titelrolle einen hochbegabten Knaben, der als Wunderkind am Klavier gilt. Teo Gheorghiu selbst lebte zu diesem Zeitpunkt bereits seit drei Jahren in London: Der gebürtige Zürcher mit rumänischen Wurzeln und kanadischem Pass besuchte dort ab seinem neunten Lebensjahr die Purcell School, ein Internat für musikalisch hochbegabte Kinder.
Ein Heimspiel in Freiburg
Heute ist das alles längst vorbei. Teo Gheorghiu ist als Pianist auf der ganzen Welt unterwegs, spielt mit international renommierten Orchestern und gibt viel beachtete Rezitale. Auf «Vitus» angesprochen zu werden, stört ihn zwar nicht, aber das Kapitel ist für ihn abgeschlossen. «Zum Glück ist das lange her, und zum Glück sehe ich nicht mehr so aus wie damals», sagt er lachend. So könne er sich überall bewegen, ohne erkannt zu werden. Das gilt nicht nur für die Metropole London, sondern auch für die Stadt Freiburg, wo Gheorghiu seit eineinhalb Jahren mit seiner Partnerin, einer Freiburgerin, lebt.
Diesen Sonntag ist der Pianist in der Aula der Universität Freiburg zu hören. Er spielt dort als Solist mit dem Jugendorchester Freiburg. Sieben Jahre ist es her, seit Gheorghiu, damals mit dem Musikkollegium Winterthur, im Equilibre aufgetreten ist. Dieses Mal empfindet er das Freiburger Konzert als «Heimspiel», wie er sagt: «Es werden Leute kommen, die ich kenne. Das ist ein spezielles Gefühl. Ich mag die Aula als Konzertort und freue mich, dort zu spielen.» Noch in anderer Hinsicht ist das Konzert für den 27-Jährigen eine Premiere: «Ich durfte zum ersten Mal im Leben ein Programm für ein Orchesterkonzert gestalten.» Seine Wahl fiel auf Mozarts Klavierkonzert in d-Moll; als Einstimmung wird das Orchester die Ouvertüre aus Mozarts «Don Giovanni» spielen. «Die beiden Werke passen gut zusammen», sagt der Musiker. Er spiele selber gerne Mozart, nicht so sehr bei Solo-Auftritten, aber gern wie hier mit einer kleinen Orchesterbesetzung.
Mit einem Jugendorchester zu spielen, sei für ihn eine schöne Erfahrung, sagt Gheorghiu. Die jungen Musikerinnen und Musiker – sie sind im Durchschnitt fünfzehn Jahre alt – seien sehr motiviert und engagiert. Er freue sich, ihnen etwas mitgeben zu können, umso mehr, als Kunst und Musik heute in der Schule zu wenig Platz hätten. Was das Jugendorchester und sein Gründer und Leiter Théophanis Kapsopoulos machten, sei wichtig. «Es ist erfüllend für mich, dazu beizutragen.»
Keine Stars, sondern Vorbilder
Am Samstag vor dem Konzert probt Teo Gheorghiu den ganzen Tag mit dem Orchester. Das sei schön, sagt der Pianist. «Wenn ich mit einem Profi-Orchester auftrete, haben wir in der Regel etwa eine Stunde Zeit, um uns vorzubereiten.» Für die Jugendlichen sei die Arbeit mit professionellen Solisten inspirierend, ergänzt Dirigent Théophanis Kapsopoulos. Wichtig sei ihm, keine Stars als Solisten zu engagieren, sondern Vorbilder: «Ich suche Musiker, die Geduld haben und sich Zeit nehmen. Wenn die Jugendlichen sich ernst genommen fühlen, lernen sie schnell und übertreffen sich manchmal selbst.» Mit seinem Namensvetter Teo Gheorghiu hat Théo Kapsopoulos nicht nur ein Vorbild, sondern einen Freund engagiert. Die beiden Musiker kennen sich, seit Gheorghiu nach Freiburg gezogen ist. Er habe damals hier noch keinen Flügel gehabt und ein Instrument zum Üben gesucht, erzählt Gheorghiu. Seine Lebenspartnerin habe sich an Théophanis Kapsopoulos, ihren ehemaligen Klavierlehrer, erinnert, und ihn angefragt. «Wir haben uns sofort gut verstanden, und Théo wurde mein erster Freund in Freiburg.»
Mit dem Velo unterwegs
Inzwischen hat sich Teo Gheorghiu in Freiburg eingelebt. Er fühle sich sehr wohl, sagt er. Er liebe London, habe dort aber nicht mehr leben wollen, und auch Zürich sei für ihn als Wohnort nicht infrage gekommen. «Ich mag die entspannte und geerdete Mentalität hier in Freiburg.» Zudem schätze er die Nähe zur Natur. Er sei viel mit dem Velo in der Region unterwegs und erkunde die Gegend. Bewegung sei für ihn ein Lebenselixier: Er joggt regelmässig, hat bereits seinen ersten Murtenlauf hinter sich und spielt seit kurzem Fussball in einer Plauschmannschaft.
Im Sommer 2017 fuhr Gheorghiu gar mit dem Velo von London durch Frankreich und Spanien bis nach Marokko. Er habe in dieser Zeit keine Musik gemacht, nur die «Musik der Natur» aufgesaugt. Die Reise habe ihm in einer schwierigen Zeit geholfen, sich selber wiederzufinden und seinem Instinkt wieder zu trauen. Seine Eindrücke verarbeitet er jetzt musikalisch: Aktuell arbeitet er an seiner ersten Solo-CD, auf der vor allem spanische Komponisten wie Albéniz oder Granados zu hören sein werden.
Reisen, Velo fahren, Fussball spielen: Teo Gheorghiu braucht all das, um mit sich und der Welt im Einklang zu sein. Ob er nicht Angst habe, sich bei einem Unfall die Hände zu verletzen, diese Frage höre er oft. Seine Antwort darauf ist klar: «Ich gehe keine dummen Risiken ein, aber ich lasse mich nicht einschränken. Man muss schliesslich auch leben.»
Programm
Ein Konzertabend im Zeichen von Mozart
Beim Konzert mit dem Jugendorchester spielt Teo Gheorghiu nicht nur als Solist, er hat auch das Programm zusammengestellt: Seine Wahl fiel auf Wolfgang Amadeus Mozart. Zur Einstimmung erklingt die Ouvertüre aus der Oper «Don Giovanni», ein Stück, das das Jugendorchester laut Dirigent Théophanis Kapsopoulos noch nie gespielt hat. Hauptwerk des Abends ist dann das Klavierkonzert in d-Moll, eines von nur zwei Klavierkonzerten, die Mozart in Moll geschrieben hat. Dieses Werk spielt das Orchester in seiner bald fünfzigjährigen Geschichte zum dritten Mal. Das Jugendorchester besteht aus 25 Streicherinnen und Streichern mit einem Durchschnittsalter von 15 Jahren. Für das Konzert vom Sonntag kommen noch einige Ehemalige als Verstärkung dazu, so dass 40 Musikerinnen und Musiker auftreten werden.
Aula Magna, Universität Miséricorde, Freiburg. So., 26. Januar, 17 Uhr. Eintritt frei; Kollekte.