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Ricardo ist Journalist, als er 1957 seinen gutbezahlten Job in Havanna aufgibt, um mit »Che« Guevara und den Guerilleros in der Sierra Madre den Sender Radio Rebelde aufzubauen. Seine Tochter Miriam (geboren 1955) wächst auf in großer Bewunderung für den Vater und einer weitgehenden Identifikation mit den Zielen der Revolution. Als Lehrerin gibt sie deren Ideale weiter.
1980 wandern über hunderttausend Kubanerlnnen aus. Weil angeblich auch Miriam Auswanderungspläne hegt, ziehen Schüler und Lehrerinnen vor ihr Haus und beschimpfen sie als »gusano« (»Wurm«) in einem damals verbreiteten Akt der öffentlichen Schmähung (»acto de repudio«). Miriam verliert in der Folge ihre Stelle und kann auch keine mehr finden, was einem eigentlichen Berufsverbot gleichkommt. Es bleibt aber unklar, warum Miriam erst 1995 – in der Zeit, in welcher derFilm entsteht – emigriert und wie sie in der Zwischenzeit ihr Lehen verbracht hat.
Die Geschichte von Vater und Tochter wird umrahmt von der Gegenüberstellung der Radiosender Radio Rebelde und Radio Martí. Letzterer ist ein Teil von Voice of America, dem amerikanischen Propagandasender, der von Miami aus den InselkubanerInnen die Wahrheit aus der »freien Welt« verkündet.
Das Kamerateam begleitet Miriam in den letzten Wochen vor der Ausreise und in der ersten Zeit im Exil. Das große Konsumangebot in Miami verunsichert Miriam. Obwohl sie vordergründig ihren Wunsch nach mehr Freiheit verwirklicht hat, fällt sie in eine tiefe Depression. Es ist eine Stärke des Films, diese Zerrissenheit zu zeigen.
Der Regisseur läßt zunächst Ricardo erzählen und veranschaulicht seine Erinnerungen mit historischen Filmdokumenten. Miriams Aussagen werden unterbrochen durch Szenen beim Einkauf, beim Bittgang um ein Ausreisevisum oder zu Hause. Trotzdem vermittelt der Film nur sehr beschränkt Einblick in den kubanischen Alltag. Die Episoden werden unkommentiert gezeigt, so daß zu Beginn über längere Zeit Unklarheit herrscht, wer die junge Frau ist, wo sie sich befindet und welcher Stellenwert ihren Besorgungen zukommt. Zudem schneidet Frei relativ willkürlich von Ricardo zu Miriam, was es oft schwermacht, Aussagen und Vorgänge zuzuordnen, vor allem solange die Personen und die Handlung noch nicht hinreichend etabliert sind.
Frei unterläßt es, seinen Hauptfiguren durch Aussagen Dritter mehr Tiefe zu verleihen. Interessiert hätten beispielsweise Ricardos Frau Ana, die gerade mal einen Kaffee servieren darf, oder die Perspektive von Miriams Mann und den Kindern. Es wird versucht, Ricardo, Miriam y Fidel als persönliches Drama zu inszenieren und mit der Beziehung Fidel Castros zu seiner im Exil lebenden Tochter in Analogie treten zu lassen. Was aber nicht funktionieren kann, weil weder Vater noch Tochter wirklich bereit sind, ihre persönlichen Motive preiszugeben. Ricardo bleibt in der Rhetorik der Revolution gefangen, Miriam in der Idealisierung ihrer Beziehung zum Vater.