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|Enzyklopädie|
|Wissensdatenbank|
|Brocchinia und Catopsis (Bromelien). (Zitat: Quelle: Gesellschaft für fleischfressende Pflanzen)|
Von den Gattungen Brocchinia und Catopsis nimmt man seit neuester Zeit an, daß sie karnivor sein könnten. Es sind Brocchinia reducta, Brocchinia hechtioides und Catopsis berteroniana. Ihre Heimat ist Südamerika und dort kommen sie zum Teil zusammen mit den Heliamphora auf den Tepuis vor. Neuere Forschungsergebnisse haben angeblich bei diesen zu den Bromelien gehörenden Pflanzen Verdaungsenzyme nachgewiesen, was ihre Klassifikation als karnivore Pflanzen gewährleisten würde. Aber bis zur vollkommenen Klärung der Fakten bezeichnet man diese Arten nur als präkarnivor.
Unbestritten ist, daß beide Pflanzen sehr viele Insekten in ihren trichter- und schlauchartigen Pflanzenkörpern fangen. Es ist aber auch allgemein bekannt, daß alle Bromelien in ihren Blatttrichtern eine Menge Insekten fangen. Einige Baumfroscharten verbringen sogar ihr ganzes Leben in dieser für sie ökologischen Nische. Wenn Brocchinia und Catopsis tatsächlich Verdauungsenzyme produzieren und somit karnivor wären, würde dies sicher auch auf viele andere Bromelienarten zutreffen und es gäbe wieder einige Karnivoren mehr.
|Fortsetzung...|
|Die Kultur von Brocchinia reducta kann wie die der Sarracenia erfolgen, und Catopsis sollte man als Epiphyt auf ein Stück Baumrinde oder Holz pflanzen. Man kann sie aber auch in ein mäßig feuchtes Substrat topfen. Nur braucht diese Art wie einige Tillandsien sehr hohe Luftfeuchtigkeitswerte, um gut gedeihen zu können. Beide Arten vertragen volle Sonne und sind sicher mit ihrer Gestalt und Form eine Erweiterung der bisher bekannten fleischfressenden Pflanzen.

|Capsella (Hirtentäschelkraut)|
Bei Capsella bursa-pastoris handelt es sich um das weitverbreitete Hirtentäschelkraut. Die angefeuchteten Samen dieser Art sondern einen Schleim ab, an dem kleine Tiere (Nematoden usw.) hängen bleiben. Die Pflanze deswegen als fleischfressend zu bezeichnen, ist zumindest fragwürdig.
|Ibicella und Proboscidea (Teufelskralle)|
|Ibicella lutea stammt ursprünglich aus Südamerika, hat sich aber als "Unkraut" in vielen Ländern ausgebreitet. Aufgrund der charakteristischen Form ihrer Samenkapseln werden Arten dieser Gattung oft als "Teufelskralle" oder "Unicorn plant" bezeichnet. Die Art soll mit ihren klebrigen Blättern auf eine ähnliche Weise karnivor sein wie Pinguicula, dieser Sachverhalt ist aber noch nicht endgültig geklärt.

Sehr nahe verwandt ist Proboscidea, die in den Arten Proboscidea louisianica, P. parviflora und P. louisianica subsp. fragrans auftritt. Der Unterschied sind die rosafarbenen Blüten sowie ein nicht ganz so starker Wuchs.
Die Pflanzen sind recht einfach zu halten, an einem sonnigen Platz. Im Gegensatz zu richtigen Karnivoren brauchen sie nicht zwingend Regenwasser, man sollte ihnen auch reichlich Dünger zukommen lassen, dann wachsen sie sehr schnell bis zur Staudengröße. Spätestens dann sollte man sie mit einem Pflanzstab stützen. Als Substrat kann normale Blumenerde verwendet werden.
Gegen einige Schädlinge sind sie relativ unempfindlich, da sie wirklich überall mit kleinen Klebetropfen bedeckt sind, Trauermücken bleiben fast immer kleben.
|Fortsetzung...|
Eine Besonderheit sind die Blüten. Bei Ibicella gelb und Proboscidea weißrosa, weisen sie eine aktive Blütennarbe auf, die bei Berührung ähnlich zusammenklappt wie die Venusfliegenfalle. War die Bestäubung nicht erfolgreich, öffnet sie sich wieder. Augenscheinlich setzt Proboscidea leichter Samen an als Ibicella. Proboscidea-Blüten duften angenehm, während Ibicella-Blüten nicht riechen.
Allerdings weisen beide Pflanzen selbst einen unangenehmen Geruch auf, der von den Klebedrüsen herrührt. Streicht man mit dem Finger über ein Blatt und hält ihn an die Nase, wünschte man sich, man hätte es nicht getan. Es ist ein leicht fauliger Geruch.
Obwohl die Pflanzen sich in vielen Ländern als Unkraut ausbreiten und aufgrund ihrer dornigen Samenkapseln in Australien als Kulturpflanze verboten sein sollen, weil sich Weidetiere darin verfangen, ist es in der Kultur offenbar relativ schwer, die Pflanzen zum Keimen zu bringen. Es vergeht nach der Aussaat eine verhältnismäßig lange Zeit bis zur Keimung, und falls überhaupt etwas keimt, ist das Ergebnis oft sehr mager. Wärme soll die Keimung begünstigen.
|Roridula (Taupflanze)|
|Roridula ist eine Gattung mit zwei Arten, Roridula dentata und R. gorgonias, die beide in Südafrika beheimatet sind und einmal für karnivor gehalten wurden. Roridula gehört zu den stärksten Klebefallen überhaupt. Die Pflanzen sind mit klebrigen Drüsen besetzt, die ähnlich wie Drosera sehr erfolgreich Insekten fangen. Obwohl also Roridula nicht karnivor ist, ist sie aus "historischen" Gründen oft noch in Karnivorenlisten und -sammlungen zu finden. (Davon abgesehen gibt es auf Roridula faszinierende Lebensgemeinschaften von Raubinsekten!)

Roridula gehört eigentlich nicht zu den karnivoren Pflanzen, da keine eigene Verdauung gefangener Beute durch entsprechende Enzyme der Pflanze erfolgt. Daher bezeichnet man Roridula auch nur als "präkarnivor". Beide Roridula-Arten fangen auf ihren strauchigen, tentakelten Körpern zwar Unmengen von Insekten, verdauen diese aber nicht.
Die Beute dieser Pflanzen dienen Wanzen und Spinnenarten, mit denen diese Pflanzen in Symbiose leben, als Nahrung. Als Gegenleistung düngen sie die Pflanze durch ihren Kot. So gibt es Wanzen und Spinnen, die ihr ganzes Leben auf einer Roridula-Pflanze verbringen. Sie ist ihre ökologische Nische, in der sie leben.
|Fortsetzung...|
Zur Kultur kann man sagen, daß Roridula in einem stark dränagierten Torfsubstrat (viel Sand oder Perlit) kultiviert werden sollten. Das Substrat sollte hierbei ständig nur mäßig feucht gehalten werden. Eine sehr leichte Anstaubewässerung ist möglich, aber auch hierbei ist auf kalkarmes bis -freies Wasser zu achten.
Kurzzeitige Trockenheit überstehen diese Pflanzen meist unbeschadet, und ein sonniger Stellplatz ist für alle Arten empfehlenswert. Sehr wichtig scheint eine nicht zu hohe Luftfeuchtigkeit zu sein. Roridula, besonders R. dentata, ist nicht so einfach in der Kultur, auch große Pflanzen gehen häufig ohne erkennbaren Grund ein.