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Das Rote Meer soll das Tote Meer retten
Der Wasserspiegel des Toten Meers sinkt von Jahr zu Jahr. In einigen Jahrzehnten wird es ausgetrocknet sein. Um das zu verhindern, plant Jordanien den Bau eines Wasserkanals vom Roten zum Toten Meer.
Das Tote Meer, das an Jordanien, Israel und das Westjordanland grenzt, trocknet langsam, aber sicher aus. Dies deshalb, weil die Anrainer immer mehr Wasser aus dem Fluss Jordan entnehmen, der das Tote Meer speist. Es wird sowohl zur landwirtschaftlichen Bewässerung als auch für Trinkwasseranlagen genutzt. Denn die Länder brauchen dringend Wasser. Jordanien zum Beispiel besteht zu über 90 Prozent aus Wüste – und die Bevölkerung wächst. Geht es so weiter, könnte das Tote Meer gemäss Experten schon im Jahr 2050 verschwunden sein, wie der Tages-Anzeiger schreibt.
Kanal und Entsalzungsanlage
Um das zu verhindern, hat Jordanien letzte Woche die Ausschreibung für ein Megaprojekt gestartet: den Bau eines Kanals vom Roten zum Toten Meer. Er wäre in der Lage, pro Jahr 300 Millionen Kubikmeter Wasser zu befördern. Wie es im Artikel heisst, soll in einer ersten Phase die Infrastruktur geschaffen werden, um diese riesige Menge überhaupt aus dem Golf von Akaba im Roten Meer im Süden Jordaniens pumpen zu können.
Zu dieser Bauphase gehört auch eine Entsalzungsanlage mit einer Kapazität von 65 bis 85 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Denn der Kanal soll erstens das Tote Meer speisen und zweitens Trinkwasser liefern. Geplant ist offenbar, einen Teil des geförderten Wassers zu entsalzen und an Jordanien, Israel und die Palästinenser zu verteilen.
Die Kosten für beide Projekte werden laut Tages-Anzeiger auf umgerechnet 900 Millionen Franken geschätzt.
Vergebene Liebesmüh‘?
Doch ganz so einfach dürfte es nicht werden, denn nicht alle finden die Kanal-Idee gut. Umweltschützer fürchten etwa, dass die Lake, die bei der Entsalzung entsteht, ins Tote Meer gepumpt wird und dieses schädigt. Ausserdem meinen sie, dass die geplante Fördermenge das Austrocknen des Gewässers nicht verhindern wird. Denn Forscher schätzen, dass das Meer pro Jahr rund 700 Millionen Kubikmeter Wasser verliert – und das ist mehr als doppelt so viel, wie einmal durch den Kanal fliessen sollen.
Ausserdem gibt es Studien, die vor Erdbeben warnen, sollte der Kanal gebaut werden. (pd/mt)