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Seit Jahrzehnten ist der US-Markt für die Schweizer Käseexporte begrenzt. Es wird klar festgeschrieben, wie viele Tonnen jeder Sorte eingeführt werden dürfen. Diese Importquoten dürften mit dem Abschluss der Gatt-Verhandlungen bald der Vergangenheit angehören. Die Zukunft verspricht sogenannte "in-tariff-quotas".
Die Käseimporteure der USA dürfen pro Jahr aus der Schweiz
maximal 6500 Tonnen Käse einführen. Dabei wird genau umschrieben, um welchen Käse es sich dabei handeln muss: 3430 Tonnen Emmentaler, 1850 Tonnen Schachtelkäse und 1220 Tonnen anderen Käse; das
heisst Greyerzer, Appenzeller, Tilsiter, Raclette-Käse, Fribourgeois und Hard-Mountain, in der Schweiz als Bergkäse bekannt. Obschon Importquoten naturgemäss als hemmend und verwerflich
qualifiziert werden, konnte die schweizerische Käsewirtschaft mit dieser Bestimmung recht gut leben. Meistens vermochte man den Markt sowieso nicht im Ausmass der Quote zu
beliefern.
Das Kilo Emmentaler wird in den USA etwa zum gleichen Preis verkauft wie in der Schweiz. Wollte man nun die Quoten besser ausnützen, müssten die Preise gesenkt werden, was aber we-der aus betriebswirtschaftlichen, noch politischen oder Image-Gründen wünschenswert sein kann. So wurde 1990 der US-Ableger der Käseunion mit dem Auftrag bedacht, aktive Verkaufsförderung zu betreiben und die Kontingente zu den gegebenen Preisen besser auszuschöpfen.
Wenn Unterschiedliches Gleiches heisst
Man müsste meinen, mit den bestens eingeführten Namen "Emmentaler", "Gruyere" oder "Swiss Cheese" sollte die Schweiz im Genuss beneidenswerter Wettbewerbsvorteile stehen. Weit gefehlt: All diese Begriffe bedeuten in den Vereinigten Staaten etwas anderes als in der Schweiz (siehe Kasten). Das macht den Begriffswirrwar perfekt und den Aufbau einer Marke umso schwieriger. Leider kann die Bezeichnung "Swiss Cheese" als Qualitätsbegriff nicht herhalten, weil damit nichts anderes als löchriger Käse gemeint ist. Das führt zur seltsamen Situation, dass Länder wie Argentinien, Australien, österreich, Kanada, Finnland, Island, Isräl, Norwegen, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Irland, die Niederlande und die USA eigenen "Swiss Cheese" vermarkten. Somit sieht sich die Schweiz gezwungen, ihren Käse unter dem schwerfälligen Begriff "Cheese from Switzerland" zu verkaufen. Der Unterschied-auch preisseitig - liegt im Wörtchen "from" . . .
Qualität als Nebensache
Nun ist natürlich dieser "Cheese from Switzerland" weit teurer als "Swiss Cheese", wo immer letzterer herkommen mag. Das mag für schweizerische Exporterzeugnisse der Normalfall sein. Beim Käse erweist sich dieser Umstand insofern als erschwerend, weil die Frage der Qualität beim Amerikaner in den Hintergrund rückt. Man achte nur auf sein Essgehabe: Uncle Sam verzehrt den Emmentaler nicht zum Frühstück, nicht zu "Geschwellten" und nicht zwischen dem Hauptgang und dem Dessert. Er isst den Emmentaler im Sandwich, umwickelt von müden Salatblättern, durchtränkt von langweiligen Essiggurken. Da kann auf die Qualität tatsächlich verzichtet werden. Hinzu kommt, dass Gesundheitswelle und Fettabstinenz für den Käseabsatz kaum förderlich sind. Dennoch erfreute sich die Käsewirtschaft eines wachsenden Pro-Kopf-Konsums. Dies aber wegen der wachsenden industriellen Käseverwertung für all die Fertiggerichte und nicht zuletzt auch dank der boomenden Pizza-Industrie. Als Folge findet man zunehmend geraffelte Käseprodukte. Waren früher an den "Peckboards" der Supermärkten vor allem Käsescheiben gefragt, so sind diese heute zu 75% mit geraffeltem Käse belegt. Neürdings hat auch die Schweiz auf diesen Trend reagiert und an der jüngsten "Fancy Food & Confection Show" in New York (siehe "HandelsZeitung" Nr.29 vom 21.7. 1994) einen geraffelten Bergkäse vorgestellt. Ein Produkt also, welches eigens für den US-Markt kreiert wurde.
Im Schlepptau der Gesundheitswelle waren bis vor wenigen Jahren auch die fettarmen Käse gross im Trend. Inzwischen scheint die Luft draussen zu sein. Der Marktanteil verharrt auf bescheidenen 5%. Die Schweiz war an diesem Bereich noch nie sonderlich interessiert. Die Produktion fettarmer Schweizer Käse ist verhältnismässig bescheiden. Ausserdem verfügt man in der Kategorie "Low Fat" über keine Lizenz.
Gatt: Keine Revolution
Sollten nun die Ergebnisse der Gatt-Verhandlungen vom amerikanischen Kongress ratifiziert werden, würden die bestehenden Importquoten durch sogenannte "in-tariff-quotas" ersetzt. Das heisst, die Käseimporteure in den USA werden eine bestimmte Käsemenge zu einem Präferenzzoll einführen können, der übrigens den heutigen Zollsätzen entspricht. Was über dieser Menge liegt, würde dann mit einem höheren Zoll belastet. In der Praxis wird es aber darauf hinauslaufen, dass nur der Vorzugszoll zur Anwendung kommt.
"Der Unterschied dieses Präferenzzolls zum sogenannten normalen Zoll ist derart hoch, dass sich ein Produkt mit der höheren Zollbelastung nicht verkaufen lässt", sagt Paul U. Schilt von der "Switzerland Cheese Association" in Velley Cottage im Staate New York, dem US-Ableger der Käseunion. Obschon die Höhe der "in-tariff-quotas" noch nicht definitiv bestimmt ist, so lässt sich bereits sagen, dass sie leicht über den bestehenden Importquoten liegen wird.
Das heisst für die "Swiss Cheese Association", dass sie in ihrer Aktivität einen Zahn zulegen muss. Ohne Hilfe aus der Schweiz wird es aber kaum gehen. "Cheese from Switzerland" ist auf Promotionsgelder angewiesen, sollen tatsächlich mehr 6500 Tonnen in die Staaten geliefert werden.
Erschienen in der Handelszeitung am 11. August 1994