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Ist der Glaube an Gott eine Garantie für Glück? Ist man mit Gott auf jeden Fall erfolgreich, begütert, beschützt vor Überfall, Unfall und schwerer Krankheit? Muss man nur sein Leben auf Gott ausrichten und es folgt Glück in der Liebe und Glück mit den Kindern? Garantiert Gott also ein Leben ohne Sorgen?
Tatsächlich gibt es in der Bibel Beispiele und Aussagen, die in die Richtung gedeutet werden könnten, als wäre Gott ein Glücksbringer und das Leben mit ihm ein Leben in Glanz und Gloria. Nehmen wir als Beispiel Abraham: Er lebte in einer intensiven Beziehung mit Gott und wird im Neuen Testament als Vorbild für ein Leben im Glauben dargestellt. Gott verspricht ausdrücklich, dass er ihn segnen wolle. Man erfährt aus seiner Biografie, dass er sehr reich gewesen ist an «Vieh, Silber und an Gold». War er aber auch sorgenfrei? Wohin führte sein Weg unter dem Segen Gottes? In ein Land, in dem Hungersnot ausbrach, sodass er gezwungen war seine Zelte abzubrechen und ins Ausland auszuwandern. Brachte ihm die Segenszusage Glück in der Familie? Seine Frau blieb über viele Jahre kinderlos und da seine Nebenfrau einen Sohn gebar, zogen Neid und Eifersucht in die Familie, und es entstanden grosse Schwierigkeiten. Zudem verursachten die grossen Herden Probleme. Da es an Wasser mangelte, gab es beim Tränken der Tiere immer wieder heftige Auseinandersetzungen zwischen den Hirten seines Neffen Lot, der mit ihm unterwegs war, und den seinen. Der Streit eskalierte derart, dass sie getrennte Wege gehen mussten.
Auch im Liederbuch der Bibel, in den Psalmen, gibt es Liedverse, welche die Annahme stützen könnten, dass Gott ein Garant für Glück sei. Schon im ersten Psalm wird versprochen, dass dem, welcher «seine Lust am Herrn hat» alles gelingen wird. In einem anderen Lied wird gejubelt, dass man mit Gott über Mauern springen kann und dass einen die Engel tragen, so dass man seinen Fuss an keinen Stein stösst. Der Prophet Jeremia wiederum vergleicht das Leben eines gläubigen Menschen mit einem Baum, der zu allen Zeiten seine Früchte bringt. Er leitet dieses Bild ein mit den Worten: «Glücklich ist der Mensch, der auf den Herrn vertraut!»
Und Jesus? Es wird von einem riesigen Fischfang berichtet, den er ermöglicht hatte, von Wasser, das durch ihn in Wein verwandelt wurde, dass er mit einigen Brotfladen und wenigen Fischen Tausende satt gemacht hatte. Und immer wieder ist zu lesen, dass er alle Kranken geheilt habe. Alle. Immer? Dem entgegen steht aber die Erzählung von einem Ereignis am Teich Bethesda in Jerusalem. Fünf Hallen umgaben diesen Teich und in allen hielten sich kranke Menschen auf. Jesus kam und heilte einen Menschen. Einen von vielen. Was für eine Enttäuschung muss das für alle anderen gewesen sein.
Wird von Gott ein sorgenfreies, glückliches, auf allen Ebenen erfolgreiches und gesundes Leben erwartet, werden Enttäuschungen wie am Teich von Bethesda nicht ausbleiben. Nicht Glück durch Glauben wurde versprochen aber Beistand und Begleitung. Im Johannesevangelium ist zu lesen: «Und ich will den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Tröster geben, der für immer bei euch bleiben soll.»
Mit «Tröster» ist der Heilige Geist gemeint. Trost, Ermutigung und Stärkung aber braucht es nur dort, wo es auch Schwierigkeiten, Misslingen, Unglück und Unheil gibt. Der österreichische Dichter Franz Grillparzer hat es meines Erachtens auf den Punkt gebracht, als er schrieb: «Gott nimmt nicht die Lasten, sondern stärkt die Schultern.»
Serie «Gott ist …»
Wie oder wer ist Gott eigentlich? Diese Frage beschäftigt die Menschen schon lange. In der Bibel werden unterschiedliche Bilder gebraucht, um Gott zu beschreiben. In einer zwölfteiligen Serie teilen Theologinnen und Theologen aus unterschiedlichen Denominationen ihre Vorstellungen, wie Gott ist.
Zur Person
Peter Schulthess, bis Herbst 2017 Pfarrer in Pfäffikon ZH, weiterhin als Referent, Notfallseelsorger und Ausbildner tätig. Mitglied des Feuerwehr-Care-Teams Kanton Zürich und Autor diverser Bücher. Begleitet nicht mehr in der Kirche be-heimatete Menschen in Glück und Unglück.