Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03149.jsonl.gz/2632

Das Einbeziehen der Kunst, das heisst des Irrationalen und Emotionalen, hat in einer psychiatrischen Klinik eine ganz besondere Bedeutung. 1989 führte die vom Regierungsrat des Kantons Thurgau eingesetzte Kunstkommission zwei Ideenwettbewerbe durch, um Konzeptideen für die künstlerische Ausgestaltung der Psychiatrischen Klinik zu erlangen.
In den Jahren 1988/89 ist das gestalterische Gesamtkonzept in den Aussenanlagen unter Leitung der Künstler Max Matter (1941) und Ernst Häusermann (1947) verwirklicht worden.
Die beiden Künstler hatten sich zum Ziel gesetzt, die «emotionalen Zentren» von Münsterlingen zu erfassen und zu gestalten, einem Ort mit tausend Jahren Geschichte.
Die Kunst-Objekte bleiben zeichenhaft, bestehen aber aus kostbaren Materialien.
Verschiedene Körper mit lanzettförmigem Grundriss in verschiedenen Ausdehnungen und Dicken sind scharweise oder einzeln dem Gemeinschaftszentrum vorgelagert, teilweise in die Fussgängerbereiche eingelegt, ins Terrain einsinkend. Die lanzettförmigen Körper sind locker gruppiert, wie «angeschwemmt». Ihre Form erinnert an Boote, Richtungsweiser oder Kompassnadeln.
Verwendete Materialien waren Carraramamor, schwarzer Marmor, Porphyr, Jurakalk und Buchshecken.
Ein Gummiband wurde auf die Gesamtlänge der 300 Meter langen <Schneise> gespannt und dann losgelassen. Der Verlauf der Linie des am Boden liegenden entspannten Bandes ist als Intarsie aus Bronze in den Bodenbelag eingelegt.
Im parkähnlichen Bereich mit altem Baumbestand wurde ein Kreis von etwa sechs Metern Durchmesser und einer Breite von ungefähr fünfzig Zentimetern wurde auf etwa achtzig Zentimeter Tiefe ausgehoben und der entstandene Graben mit Kies aufgefüllt. Anschliessend war es an der Natur, der Vegetation und der Witterung diesen Platz zu gestalten.
Es handelt sich um ein Zeigerobjekt, das zwei Gegenpole bezeichnet, bestehend aus einem Eisenrohr, vertikal stehend, darauf beweglich gelagert ein weiteres Rohr, das auf jeder Seite in einen menschlichen Unterarm übergeht. Die Hände mit gestreckten Zeigefingern weisen in diametral verschiedene Richtungen. Unterarme und Hände bestehen aus Bronzeguss, vergoldet.
Von der etwa siebzig Meter vom Seeufer entfernten Strasse hat man eine panoramaähnliche, unverstellte Sicht in die Weite, über den See hinweg bis ans gegenüberüberliegende Ufer.
Das gesamte Feld wurde mit drei Objekten gefasst: durch zwei <Begrenzungspfosten> auf der Ufermauer und einen <Standplatz> am Strassenrand. Letzterer besteht aus einem teilweise in die Strasse à niveau eingelegten weissen Mamorblock mit dem Grundriss eines Schiffs oder einer Kompassnadel.
Die <Begrenzungspfosten> bezeichnen die Ausdehnung des Sichtfeldes und bestehen aus weissen Marmorstelen von ca. 4.5 Metern Höhe. Darin eingelegt, in Augenhöhe eines Betrachters, der sich auf dem <Standplatz> bei der Strasse befindet, liegt ein prismatisches, vergoldetes Objekt, dessen Form sich seewärts wellenförmig vom Starren zum Bewegten wandelt und gleichzeitig kontinuierlich dünner wird.
Die <mentale Pforte>, der frühere Zugang zum Kloster vom See her, wurde durch die Andeutung eines Tors bezeichnet, bestehend aus zwei schlanken, stehenden Prismen von fünf Metern Höhe aus vergoldetem Metall, wobei das Joch des Tors fehlt und der Durchgang nach oben frei bleibt.
Ein ähnliches, prismatisches, vergoldetes Einzelobjekt von breiterem Grundriss und vier Metern Höhe steht an der ehemaligen Klostermauer.