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Sieht so ein Boxer aus? Nicht wirklich …
Der falsche Boxer
Ein unerfahrener Hundehalter kommt mit seinem «Baby» in die Praxis. Er denkt, er hätte einen Boxer gekauft. Doch dann entpuppt sich das Tier als eine ganz andere Rasse.
Der Kunde brachte den Hund und stellte ihn stolz auf den Praxistisch. Genauso stolz verkündete er: «Es ist ein Baby-Boxer. Ich habe ihn soeben gekauft. Er hat Papiere!» Ich schaute mir den jungen Hund an. Er war etwas klein und stämmig für einen Boxer. Auch hatte er eine andere Ohrenform. Und eine etwas zu lange Nase. «Ist das nicht ein Pit Bull Terrier? Boxer haben doch keinen solchen Kopf?», entgegnete ich vorsichtig fragend.
Ich schaute mir seine Papiere an. Der kleine Hund stammte aus dem Ausland. Er war zwar geimpft, doch alles Weitere fehlte. «Als Erstes müssen Sie ihn den Gesetzen entsprechend importieren!» Ich schrieb ihm die betreffenden Adressen auf, bei denen er seinen Hund melden musste. Auch hatte der Besitzer den Hundekurs nicht absolviert. Er habe nichts davon gewusst, als er «ganz günstig» diesen kleinen «Boxer» gekauft hatte.
Junghunde müssen in der Datenbank «ANIS» registriert werden. Dieser kleine Kerl war bereits registriert gewesen, in einem Kanton, wo Pit Bull Terrier verboten sind. Er hatte also eine rege Vergangenheit hinter sich: Zuerst illegal importiert, dann in einem verbotenen Kanton und jetzt als andere Rasse in Luzern. Ich informierte den Halter über den Charakter dieser Rasse. «Sie sind stark und brauchen eine feine, aber konsequente Führung. Auch werden Sie Probleme mit Ihrer Umgebung haben. Weder Vermieter noch Nachbarn werden sie mögen.» Der Besitzer winkte ab. «Dieser kleine Hund ist so lieb. Meine Umgebung muss ihn einfach mögen. Und wenn ich ihn gut erziehe, werde ich gar keine Probleme haben!» Ich hoffte im Stillen, dass er Recht behalten würde.
Aus dem kleinen Hund wurde ein grosser. Obwohl sein Besitzer keinerlei Hundeerfahrung hatte, machte er seine Arbeit hervorragend. Das Tier war gut erzogen und zeigte die guten Seiten eines Terriers. Nichts brachte ihn aus der Ruhe und seine Wohlerzogenheit half ihm, als ganz normaler Hund zu leben. Schon bald bekam der Halter jedoch die Kündigung von seinem Vermieter, mit der Begründung, sein Hund wäre einfach nur Furcht einflössend. Trotz guten Verhaltens und reinem Wesen wurden die Bemühungen von Herrchen ignoriert und der Hund nur nach seinem Äusseren beurteilt.
Aber der Halter dachte nicht daran, seinen Hund aufzugeben und machte sich mit stoischer Ruhe auf die Suche nach einer neuen Wohnung. Er hatte offenbar ein genauso gutes Wesen wie sein Haustier.
(Coopzeitung Nr. 44/2012)
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