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Bild
Titel:
Torfabbau im Gontenmoos
Thema: Land
Datum: --.--.1943
Masse: 13 x 18 cm
Standort: Museum Appenzell, Sammlung Müller/Bachman MB 0696
Urheber/-in:
Beschreibung:
Betriebsgebäude des Bauunternehmens Corazza & Söhne, das im Auftrag der Stadt St. Gallen ab 1943 im Gontenmoos Torf abbaute. Vor dem Gebäude die Abbaukante. Anders als beim traditionellen Turbenstechen wurde der Torf in Krümeln weggeschaufelt. Die mehrwöchige Sonnentrocknung wurde durch Mostpressen ersetzt, die in kurzer Zeit einen Grossteil der Feuchtigkeit aus dem Material herausdrückten.
Geschichte:
Die ersten Torfstiche der Schweiz wurden 1709 auf Anregung des berühmten Naturforschers Johann Jakob Scheuchzer in Rüti ZH angelegt. In der vorindustriellen Zeit herrschte Brennstoffmangel, da Steinkohle noch teuer war und die Beschaffung von Brennholz und Holzkohle zu massivem Raubbau an den Wäldern geführt hatte. Bereits vor der Mitte des 18. Jahrhunderts ist der Torfabbau in Gonten belegt. Die Ausbeutung war allerdings nur Landleuten gestattet, die einen eigenen Haushalt führten. Hintersassen und Unverheiratete ohne eigene Feuerstätte blieben von der Nutzung ausgeschlossen.
Das Torfstechen wurde von den Gontner Bauern als Nebenerwerb betrieben. Jeder Haushalt durfte während dreier Tage im Jahr Torfziegel stechen. 1758 ernannte der Landrat einen Torfverwalter, der im ganzen Land über der Einhaltung der entsprechenden Vorschriften wachte. Im 19. Jahrhundert wurde viel Torf in industrialisierte ausserrhodische Gemeinden verkauft, wo er namentlich in Textilfabriken Verwendung fand. Weitere Innerrhoder Abbaugebiete befanden sich in Eggerstanden, Haslen, Meistersrüte (Mendle) und Appenzell (Ried und Forren). In Ausserrhoden lag die Hälfte der genutzten Torfmoore auf dem Gebiet der Gemeinde Gais (Gäbris/Schwäbrig, Stoss).
Die Gruben, in denen im Gontenmoos gearbeitet wurde, waren bis 2,8 m tief und ergaben bei sorgfältigem Abbau etwa 7-8 Spatentiefen. Pro Spatenstich hob der `Tööbler` beim horizontalen Ansetzen des Spatens drei bis vier Ziegel heraus. Der ganze Abbau ging peinlich genau in Treppenform vor sich, wobei die Stufen jeweils mit kurzen Brettern abgedeckt wurden, damit sie beim Betreten nicht abbröckeln konnten. Nach dem Stechen wurden die Torfstücke neben der Abbaustelle drei bis vier Wochen zum Trocknen ausgelegt, dann zu Trestern aufgeschichtet und schliesslich in die Torfhütten verbracht, von denen sich einige Dutzend erhalten haben.
Die maschinelle Torfausbeutung begann gegen Ende des 1. Weltkrieges. Im Mai 1918 ordneten die Bundesbehörden die Zwangsverpachtung des Torfmoores zwischen Sönderli und Hüttenberg an die Schweizerische Torfgenossenschaft an. Zum Betrieb der Maschinen lieferten die St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke (SAK) den Strom. Gleichzeitig erschlossen die SAK das Dorf Gonten mit ihrem Netz, während alle anderen Bezirke des Inneren Landes die Elektrizität vom Seealpsee-Kraftwerk bezogen. Der Torfabbau im Gontenmoos bestand bis Anfang der 20er Jahre und wurde eingestellt, sobald wieder genügend Steinkohle importiert werden konnte. Mehr eine Episode blieb der kurze Streik, der im Mai 1919 unter den Torfarbeitern ausbrach. Vermutlich bildeten in jener Inflationszeit die Teuerungszulagen den Grund für den Arbeitsausstand.1
Während des Zweiten Weltkrieges erfolgte erneut eine maschinelle Ausbeutung im Gontenmoos. Im Auftrag der Stadt St. Gallen verarbeitete die Baufirma Corazza & Söhne ab 1943 den Torf mittels zweier Mostpressen zu Torfpulver, das mit Braunkohle vermischt ein brauchbares Brennmaterial ergab. Dieses wurde für die Beheizung der öffentlichen Gebäude der Stadt genutzt. Die maschinelle Verarbeitung schuf zwanzig Arbeitsplätze, während rund 80 Personen auf den übrigen Flächen des Gontnermoses von Hand Torf stachen. Gegenüber 300 m3 in der Zwischenkriegszeit stieg der Ertrag in den 1940er Jahren auf 7000 bis 10000 m3 pro Jahr. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm der Abbau mit dem Wiederaufnahme der Kohleimporte rasant ab, bis er um 1980 aus Gründen des Natur- und Landschaftsschutzes ganz zum Erliegen kam.
Stephan Heuscher, Appenzell
Literatur:
Appenzeller Volksfreund Nr. 60, 20. Mai 1919
Weishaupt, Achilles. Geschichte von Gonten. Gonten 1997, S. 695-702
Weishaupt, Achilles und Rechsteiner, Karl. Geschichte der Gemeinde Gais. Gais 2002, S. 212-215
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