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(lat.,
»einstweilen«),
Bezeichnung für die einstweilige Regelung kirchlicher oder politischer Zustände,
welche so lange gilt, bis sie endgültig geordnet wird. Insbesondere versteht man darunter drei
Versuche
einer einstweiligen Ausgleichung in Religionssachen, welche unter der Regierung Kaiser Karls V. in Deutschland
[ * 3] zwischen Katholiken
und Protestanten bis zum Entscheid einer allgemeinen Kirchenversammlung gemacht wurden. Das erste derselben war das Regensburger
I. von 1541, der wahrscheinlich von Bucer in lateinischer Sprache
[ * 4] abgefaßte Entwurf einer Vereinbarung über die
kirchlichen Streitfragen, welcher dem Regensburger Religionsgespräch und auch dem Reichstagsabschied zu Grunde gelegt wurde;
der letztere bestimmte, daß die Evangelischen bis zum Zusammentritt des Konzils nicht über und wider die verglichenen Artikel
hinausgehen sollten; die wesentlichsten Punkte der Reformation waren in den Artikeln zugestanden.
Interim aliquid fit -
* 6 Seite 8.998.
Durch das zweite, das
Augsburger I. vom Jahr 1548, versuchte Kaiser Karl V. die damals eben im Schmalkaldischen
Krieg mit Waffengewalt besiegten Protestanten zur Unterwerfung unter die alte Kirche zu bewegen; es sollte ihnen eine Glaubensnorm
gegeben werden, nach der sie einstweilen sich zu richten hätten, mit einigen Konzessionen an ihre kirchliche Einrichtung,
die den Rücktritt in die katholische Kirche ihnen erleichtern sollten. Zur Formulierung dieser einstweiligen
Norm berief Kaiser Karl V. den Naumburger Bischof Johann v. Pflugk, den Mainzer Weihbischof Michael Helding ( Sidonius) und den Brandenburger
Hofprediger Johann Agricola. Die drei Männer verfaßten das zweite I., welches aus 26 Artikeln bestand und den Titel führte:
»Der Römisch-kaiserlichen . Dasselbe enthielt im wesentlichen die Majestät Erklärung, wie es der Religion halben im heiligen Reich bis zum Austrag des allgemeinen
Concilii gehalten werden soll« Lehre
[ * 5] des Katholizismus; es berücksichtigte die Forderung
der
¶
mehr
Protestanten nur insofern, als einige
Feiertage abgeschafft, die Einziehung der Kirchengüter stillschweigend gestattet, die
Ehe den Geistlichen bis zur Entscheidung durch ein allgemeines Konzil erlaubt und der Genuß des Abendmahls in beiderlei Gestalt
unter der Bedingung zugestanden wurde, daß der Genuß des Abendmahls unter Einer Gestalt weder Tadel noch Mißbilligung
erlitt. Aber der Kaiser erreichte mit diesem I. seinen Zweck keineswegs. Zwar wurde es als 15. Mai 1548 Reichsgesetz verkündigt,
aber die Mehrzahl der katholischen Stände wollte von gar keinen Zugeständnissen wissen, und in den evangelischen Landen mißachtete
man, wo man sich nur dem Druck der kaiserlichen Waffen
[ * 7] entziehen konnte, seine Vorschriften; es blieb eine
Maßregel auf dem Papier.
Preußen
* 8
Preußen.
Geradezu verweigert wurde die
Annahme des I. von dem gefangenen Kurfürsten Johann Friedrich, den jungen hessischen Landgrafen,
den protestantischen Ständen und Städten Niedersachsens, von Pfalz-Zweibrücken, von dem Herzogtum Preußen
[ * 8] und von dem Markgrafen
Hans von Brandenburg-Küstrin. Ja, selbst der Kurfürst Joachim II., der sich dem Kaiser gegenüber so willfährig
gezeigt, konnte die Anerkennung des I. in seinem Land nicht durchführen. Nur Württemberg
[ * 9] und die Kurpfalz fügten sich ohne
weiteres in den Willen des Kaisers, und hier wurden die widerspenstigen Geistlichen ihrer Stellen entsetzt und verfolgt, einige
sogar getötet sowie zu nachsichtige Magistrate abgesetzt.
Zwar erließ der
Kaiser ein strenges Verbot, etwas gegen das I. zu schreiben, zu predigen oder zu drucken; allein bald erschienen
Flugschriften dagegen in Menge. Magdeburg
[ * 10] war der Sammelplatz der wegen des I. Vertriebenen und die Schmiede der Flugschriften.
Daher ward es spottweise die » genannt, während die Gegner des I. letzteres die Kanzel Gottes« »,
Sphinx
[ * 11] Augustana« »des etc. titulierten. Auch Spottlieder wurden in Papstes Unterhemd« Menge darauf gedichtet und zirkulierten im Volk.
Königreich Sachsen
* 12
Sachsen.
Eine Modifikation erfuhr das I. in
Sachsen.
[ * 12] Kurfürst Moritz hatte zwar für seine Person dasselbe angenommen, wagte es aber
nicht, es dem Land unverändert aufzudrängen, und ließ mit Hilfe Melanchthons auf einer Reihe von Konferenzen
und Religionsgesprächen in Pegau, Torgau
[ * 13] und Klosterzelle, an denen die Bischöfe von Naumburg
[ * 14] und Meißen,
[ * 15] Vertreter der Universitäten
Wittenberg
[ * 16] und Leipzig,
[ * 17] mehrere Geistliche und kurfürstliche Räte teilnahmen, in gewundenen, vieldeutigen und unbestimmten
Worten eine Kirchenagende ausarbeiten, die den Namen des kleinen I. zum Unterschied von dem großen erhielt
und von den 22. Dez. 1548 Landständen Sachsens angenommen wurde, weshalb, da diese Beratung zu Leipzig erfolgt war, nun für das
sogen. kleine I. der Name Leipziger I. aufkam.
Von seiten der
Regierung wurde es im Juli 1549 als Landesgesetz eingeführt. Dasselbe erklärte die äußerlichen
Dinge, die Formen des Kultus, für Adiaphora und wahrte bloß hinsichtlich des Glaubens im ganzen den evangelischen Standpunkt.
Dennoch fanden sich auch in und außer Sachsen nicht wenige Theologen, welche sich gegen dieses I. sowie den Urheber und die
Anhänger desselben, Interimisten oder Adiaphoristen genannt, in Vorwürfen und Schmähungen ergingen.
Zelle (Tier- Und Pflan
* 18
Zelle.
Das
Haupt dieser Gegner des I. war Matthias Flacius (s. d.), der sogleich, als er von den Versammlungen und Beratungen
der Theologen zu Zelle
[ * 18] und Pegau gehört hatte, seine Professorstelle zu Wittenberg niederlegte und sich in die Oppositionsstadt
Magdeburg begab, wo er soviel wie möglich Gegner gegen das I. zu werben suchte, und von
wo fast 30 Jahre
lang eine Unzahl von Schmähschriften gegen das I. und seine Anhänger erschien. Das Leipziger I. verlor seine Geltung schon
1552, als Kurfürst Moritz sich gegen den Kaiser erhob und dem Protestantismus in Sachsen wieder freie Bahn ließ.