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Schnüffeln, wer der Boss ist
Hundenasen sind ein Phänomen. Sie können etwa eine Million mal besser riechen als Menschennasen, verfolgen Gerüche in «Stereo» und sind nicht mehr wegzudenken als Hilfsmittel für Jagd, Polizei und Grenzkontrollen. Doch Forscher haben nun herausgefunden, dass Hundenasen wohl sogar noch mehr können.
Daniel Wesson von der Case Western Reserve University in Cleveland hatte die Vermutung, dass Hunde sich nicht nur gegenseitig beschnuppern, um den Geruch des Gegenübers herauszufinden. Schliesslich braucht ein Suchhund nur wenige Augenblicke des Schnupperns, bis er sich einen Geruch eingeprägt hat und ihm auf die Spur gehen kann. Das Beschnuppern unter Hunden dauert aber regelmässig deutlich länger und endet manchmal mit aggressivem Verhalten, bis hin zum Kampf zwischen den Tieren, während es in anderen Fällen friedlich auseinandergeht.
Ratten tauschen Informationen aus
In einem Experiment mit Ratten hat Wesson nun herausgefunden, welche Zusammenhänge zwischen dem Beschnuppern und der Aggressivität der Tiere bestehen. Für die Studie wurde bei zwei sich beschnuppernden Ratten die Atemfrequenz gemessen und heraus kam überraschendes: Die Ratte, die mit dem Beschnüffeln beginnt, ist in der Regel die dominante der beiden Ratten. Sie ist grösser und hat eine höhere soziale Stellung als die «beschnüffelte». Die zweite Ratte drückt ihre Unterwürfigkeit aus, indem sie ihre Atemfrequenz verlangsamt. Schnüffelnd gibt sie also zu erkennen: «Du bist mir überlegen». Dies stellt die «Alpha-Ratte» zufrieden, denn sie hat ihren Status untermauert. Die Begegnung verläuft friedlich.
Fühlt sich hingegen die «beschnupperte» Ratte nicht unterlegen, reduziert sie ihre Schnüffelfrequenz nicht. Darauf reagiert hingegen die möchtegern-dominante Ratte aggressiv und es kommt nicht selten zu einem Kampf zwischen den beiden.
Eine neue Kommunikationsform
Wesson glaubt, diese Erkenntnis auch auf Hunde und andere Tiere übertragen zu können. Es sei eine «Tolle Erfahrung, herauszufinden, dass eine Form der Kommunikation existiert, die Tiere bisher unbemerkt vor unseren Augen praktizieren haben». Schnuppern sei, so Wesson, nicht nur eine Möglichkeit, Informationen zu Sammeln, sondern sie auch weiterzugeben.
Die Studie wurde am 7. März im Wissenschaftsmagazin Current Biology veröffentlicht. Hier geht es zum Originaltext.