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Nummer 1:
Wenn wir auf die Frage ‹Wie geht’s?› mit ‹aufwärts› oder mit ‹ach, leider abwärts› antworten, ist jeder und jedem sofort klar, dass wir ‹immer besser› oder eben ‹ach, leider immer schlechter› meinen. Zu diesem Sprachbild gibt es auch eine italienische Entsprechung: ‹in salita›, ‹in discesa›. — Lustig ist aber, dass die Bedeutung auf Italienisch genau umgekehrt ist: ‹in salita› ist nicht so toll, ‹in discesa› hingegen total easy! — Warum? Weil Italiener ein bisschen anders ticken! Wir sagen uns: ‹Aufwärts ist mühsam und anstrengend, abwärts hingegen geht bequem und fast von allein.›
Nummer 2:
Deutschsprachige sind oft irritiert, wenn italienische Männer Andrea heißen, denn im deutschsprachigen Raum ist Andrea ein Frauenname, nämlich das weibliche Pendant zum männlichen Andreas. Der Name kommt aus dem Griechischen: ἀνδρός (andrós) = der Mann. Ein Wortstamm, den wir etwa in Androsteron (ein männliches Hormon) oder in der Andrologie (Männerheilkunde) finden. Die ‹Andreia› ist demnach die Männlichkeit, die Manneskraft, die Virilität. — Man wagt es all den zierlichen, ausgesprochen und ausgeprägt femininen deutschen Frauen, die Andrea heißen, gar nicht zu sagen, aber es ist so: Es kann keinen männlicheren Namen geben als Andrea.
Nummer 3:
So unterschiedliche Wörter wie ‹Kritik›, ‹Kriterium› und ‹Krise› hatten ursprünglich — vielleicht überraschenderweise — fast dieselbe Bedeutung. Sie leiten sich vom griechischen Verb κρίνειν (krínein) ab, = ‹[unter-]scheiden›. Kritik bedeutet nicht Beanstandung, Nörgelei, Beckmesserei, sondern Beurteilung, die objektiv unterscheidet, was gut ist und was nicht. Wenn alles gut ist, fällt die Kritik eben gut aus und ist trotzdem oder erst recht eine Kritik. Ein Kriterium ist ein unterscheidendesMerkmal, das zu einer Beurteilung beigezogen wird. Und eine Krise ist eine Situation, in der ein Vorgang oder ein Zustand nicht mehr unverändert fortgeführt werden kann und wofür eine Entscheidung getroffen werden muss. — Die steten Fragen: «Is left right? Is right wrong?»
Nummer 4:
In alemannischen, hochalemannischen und höchstalemannischen Dialekten kennt man, obwohl es nicht mehr ganz so oft verwendet wird, das Verb ‹segglä› oder ‹secklä› für ‹rennen, sich beeilen›. Die älteren Schweizerinnen und Schweizer werden sich daran erinnern, dass das Wort als vulgär, unanständig, verwerflich galt und man als Kind mitunter für dessen Verwendung bestraft werden konnte. Eine Begründung dafür, warum das Wort unziemlich sein sollte, wurde nie abgegeben, andererseits aber auch nicht verlangt, denn sowohl die Moralisten als auch die Gerügten glaubten zu wissen, dass ‹segglä› etwas mit ‹Sack› im Sinne von ‹Hodensack› zu tun hatte. Man war von dieser abstrusen, grotesken Etymologie allgemein so überzeugt, dass sie kaum jemand je überprüfte. — In Tat und Wahrheit kommt ‹segglä› von ‹Socke›, wie die geläufige Wendung ‹sich auf die Socken machen› untermauert. Das mittelhochdeutsche und althochdeutsche ‹soc› bezeichnete nämlich nicht einen kurzen Strumpf, sondern einen so genannten Schlupfschuh, in den man in der Regel barfuß stieg. Die Wurzel der Angelegenheit ist wieder einmal bei den Griechen zu suchen: σύκχος (sýkchos) war eines der vielen Wörter für alles, was man an den Füßen tragen konnte (bei den Griechen eigentlich immer Sandalen). Lateinisch entstand daraus ‹socculus› (zunächst für ‹Schlupfschuh›, dann für ‹Sockel›), Italienisch ‹zoccolo› (Holzschuh, Sockel, Huf). ‹Soccer› für ‹Fußball› hat denselben Ursprung.