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Trotz der eher hohen Kinoticket-Preise hier in Zürich* sehe ich mir Filme immer wieder gerne auf der grossen Leinwand an. Welchen Film ich mir im Kino und welche lieber zu Hause anschaue, ist bei mir eher einfach: Gibt es visuelle Aspekte, die ich unbedingt gross sehen will? Dann ab ins Kino! Ist der Film eher als „unterhaltsame Berieslung“ einzuordnen, spar ich mir das Geld lieber.
(*ein Samstag-Abend-Film im Kino Abaton kostet ganze 21 Franken, also etwa 17€ – dazu kommt dann hin und wieder eine 3D-Brille für 3 Franken)
In den letzten Monaten und Jahren ist mir dabei immer mehr die Länge der Filme aufgefallen, welche nicht immer einen positiven Eindruck hinterlassen hat. Muss ein Film wirklich immer zwei Stunden oder länger dauern? Die gefühlt immer häufiger auftretenden Längen in Filmen empfinde ich schnell als nervend und unnütz – wieso muss irgendeine Nebensächlichkeit nun eine halbe Stunde lang aufgebauscht werden, nur um danach wieder fallen gelassen werden? Könnte so etwas nicht einfach weggelassen werden?
Wurde das früher nicht anders gemacht? War früher als echt alles besser, die Filme kürzer und auch knackiger?
Als Datenliebhaber ging ich dieser Hypothese nach: Wurden Filme in den letzten Jahren immer länger?
Die durchschnittliche Dauer von Filmen in den letzten 60 Jahren
Analysiert wurden jeweils die Top-50-Filme auf IMDB, sortiert nach dem MOVIEmeter-Rang, der die „Beliebtheit“ der Filme im jeweiligen Jahr/Jahrzehnt beinhaltet. Die letzten 20 Jahre (1995-2014) sind einzeln miteinbezogen, die Jahrzehnte davor jeweils summiert (also z.B. die Top-50-Filme aus 1980-1989).
Hier nun die Auswertung. Die Senkrechten zeigen jeweils den Bereich der Top 50 dar, von kleinsten bis zum grössten Wert, wobei die Horizontalen jeweils der Mittel:
Die für mich überraschende Erkenntnis nun: Filme wurden nicht länger. Eher im Gegenteil, der Durchschnittswert war in den letzten ~60 Jahren immer zwischen 110 und 132 Minuten, wobei der letzte Wert dann doch eher ein Ausreisser war. Ersichtlich ist auch, dass die Spanne zwischen minimaler und maximaler Länge im Verlaufe der Zeit abnahm, bei den Extremen von 163 Minuten Differenz (1996) auf 21 Minuten (2010).
Die durchschnittliche IMDB-Bewertung von Filmen in den letzten 60 Jahren
Wenn die Daten ohnehin gesammelt werden mussten, lag eine Analyse der IMDB-Bewertungen nahe (wie valide diese auch immer sein mögen). Zeitraum und Darstellung sind hier identisch und wer das IMDB-Rating nicht kennt: Die Skala geht von 1 (schlecht) bis 10 (superdupergut).
Auf den ersten Blick sieht es nun so aus, als ob Filme, die zwischen 1950 und 1989 in die Kinos kamen, bessere Bewertungen erhalten haben. Leider ein Fehlschluss. Die Top-Filme aus einem ganzen Jahrzehnt enthalten natürlich auch mehr besser bewertete Streifen als ein einzelnes Jahr. Der Mittelwert bleibt in den letzten 20 Jahren dann auch entsprechend auf einer Bewertung zwischen 6.7 und 7.2. Der beste Film in dieser Zeitspanne war übrigens The Dark Knight mit 9.0. Am unteren Ende in der Top 50 dieser Jahre platzierte sich hingegen Sex and the City 2 mit 4.1.
Die Längen in heutigen Filmen
Abschliessend habe ich mir dann eine Fachmeinung vom Schweizer Film-Blogger Owley geholt:
Ich habe da eine gewisse Faustregel: Wenn ein Film über 2h dauert, muss der Regisseur rechtfertigen. In 80% der Fälle hätte man den Film durchaus kürzen können. Divergent etwa. Oder die meisten Transformers-Filme. Da mache ich dem Film dann wirklich auch einen Vorwurf.
Es gibt aber auch Filme, die können mich drei Stunden an den Sitz fesseln. Etwa Wolf of Wall Street oder Boyhood neulich, der für einen Indie-Film mit drei Stunden eher lang geraten ist. Aber jede Minute davon ist gut nutzt, dass man aus dem Film am Schluss hinausläufst und sagst „Was schon drei Stunden?“. Peter Jackson hat in dieser Hinsicht ein bisschen eine Carte Blanche, weil er es bei zwei Filmen so gut hinbekommen hat mit der Länge. Da stelle ich mich dann halt einfach auf eine so lange Laufzeit ein. Auch wenn LOTR 3 und die beiden Hobbit-Filme das nicht so wirklich rechtfertigen konnten und sich zum Schluss hin brutal gestreckt haben.
Da lobe ich mir Animationsfilme, die akribisch auf die 100-Minuten-Marke hin schneiden. Das würde bei vielen Filmen eigentlich auch reichen. Umso mehr freue ich mich über einen Film, der nur anderthalb Stunden Laufzeit hat.
Aber letztlich ist das nur eines von zahlreichen Elementen, die über die Qualität des Films entscheiden.
Was meint ihr, sind Filme mit Überlänge mehr im Kommen? Freut ihr euch auf lange Filme oder mögt ihr es lieber kurz und knackig?