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Neue Ausstellung im Museum Tafers: «Der Sensebezirk in alten Postkarten»
Der Versand von Postkarten war Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts sehr beliebt. Die Bildpostkarte gesellte sich in eine Reihe von neuen Entwicklungen wie Telefon, Dampfschiff, Eisenbahn und Telegraf, die im Zeichen der immer kleiner werdenden Distanzen standen.
Dabei hatte es die Postkarte anfangs gar nicht einfach, sich zu etablieren. Viele Postverwaltungen sträubten sich nämlich dagegen. Deshalb durften bis 1905 nur die weissen Stellen auf der Vorderseite mit persönlicher Botschaft beschriftet werden, die Rückseite war der Adressierung und Frankierung vorbehalten.
Eine Postkarte zu jeder Gelegenheit
Die Postkarte entwickelte sich zu einem Massenphänomen, wie Raoul Blanchard, Konservator des Sensler Museums, an der gestrigen Medienorientierung betonte. 1902 wurden in der Schweiz rund 22 Millionen Ansichtskarten verschickt, das bei einer Einwohnerzahl von knapp drei Millionen Menschen. Das Geschäft blühte: Man schrieb zum Beispiel aus dem Militärdienst ein paar Grüsse, klagte über das schlechte Essen und bat um ein «Fresspaket» von zuhause. Man dankte für eine Einladung, informierte über Familienneuigkeiten oder dass man von einer Reise gut nach Hause gekommen ist.
Die Bilder zeigen idyllische Ansichten eines Dorfes, eines Weilers oder einer Region. Oft sind stattliche Gebäude, Häuserreihen und architektonische Bauten zu sehen, gerade dem Bau von Kirchen und Kapellen, aber auch Schulhäusern und Brücken wurde besondere Aufmerksamkeit geschenkt.
Touristische Regionen werben mit Bildern ihrer Bäder, Seen und Wirtschaften. Altersheime, Waisenhäuser und Töchternschulen zeigten Vorzeige-Zimmer und freundlich lächelnde Pensionärinnen und Pensionäre. Oft wurden auch Grossereignisse festgehalten; bestes Beispiel dafür ist der Brand in Plaffeien 1906 sowie die Wiederaufbau-Arbeiten. Sogar ein Bus-Unfall wurde im Bild festgehalten, samt den neugierigen Zaunguckern, die einen Blick auf die Verunglückten zu erhaschen versuchen.
Postkarten aus dem Medienzentrum
Die 199 Bilder, die im Museum in Tafers gezeigt werden, stammen zum grossen Teil aus den Jahren zwischen 1900 und 1930. Sie kommen aus dem Archiv des Medienzentrums der Kantons- und Universitätsbibliothek Freiburg. Das Zentrum befasst sich mit der Rettung und Konservierung von audiovisuellen Kulturgütern des Kantons Freiburg. Filme, Videos, Radio- und TV-Sendungen, Tonkassetten, Schallplatten und CDs über Freiburg oder von Freiburgern werden ebenso gesammelt wie Fotografien und eben Postkarten.
In den letzten zehn Jahren hat das Medienzentrum rund 14500 Postkarten gesammelt, wie der Leiter Alex Erik Pfingsttag gestern erklärte. Er gab sich überzeugt, dass das Potential – gerade aus dem Sensebezirk – noch nicht ausgeschöpft ist.
Bald auf Internet
Das Medienzentrum ist daran, die Postkarten einzulesen, so dass sie später auf Internet abrufbar sind. Da dies sehr zeitaufwendig ist, können pro Jahr nur rund 1600 Karten verarbeitet werden. Nach Möglichkeit sollen anfangs jeweils sechs Karten pro Gemeinden aufs Netz geladen werden.
Raoul Blanchard hat sich bemüht, von jeder Sensler Gemeinde ein paar Postkarten auszuwählen. Im Fall von Oberschrot und Zumholz war dies nicht möglich, da im Medienzentrum keine Postkarten aus diesen beiden Orten vorhanden waren.
Die Ausstellung im Sensler Museum in Tafers läuft ab heute Samstag bis zum 21. Mai 2000. Das Museum ist jeweils von Donnerstag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr, am Ostermontag von 14 bis 17 Uhr offen. Nach dem Erfolg der letzten Aktion wird auch bei dieser Ausstellung ein Kinderprogramm durchgeführt (Anmeldung: 026/494 36 25).