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Die Korruptionsaffäre um Malaysias Staatsfonds zieht immer weitere Kreise. Inmitten des Theaters stehen zwei Schweizer Banken, die hoffnungsvoll auf Asien setzten.
Kurz nach der Machtübernahme im Jahr 2009 inszenierte sich der neue Premier Najib Razak in Malaysia als Staatsvater: Er liess den Staatsfonds 1Malaysia Development Berhad (1MDB) gründen, der die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des aufstrebenden Landes fördern sollte. Für die goldene Zukunft des Fonds liess Razaks Entourage Milliarden von Steuergeldern in die Gesellschaft pumpen.
Doch statt mit seriösen Geschäften Gewinn zu erwirtschaften, stand 1MDB sechs Jahre später mit über 11 Milliarden Dollar in der Kreide. Und ein böser Verdacht wurde immer mehr zur Gewissheit: Mittels komplexer Transaktionen dienten wohl bis zu vier Milliarden US-Dollar aus dem Staatsfonds der Bereicherung malaysischer und arabischer Personen. Zu diesem Schluss kam die Bundesanwaltschaft diesen Februar, die im Herbst 2015 Ermittlungen aufgenommen hatte. Sie nimmt sich des Falls an, weil ein beträchtlicher Teil der Gelder über Konten floss, für die Schweizer Banken verantwortlich sind. Sie stehen in Verbindung mit den vier wichtigsten Playern in der milliardenschweren Staatsaffäre.
Das Leak
Der erste von ihnen ist Xavier Justo. Der Sohn spanischer Einwanderer war nach Stationen als Bankier zwischen 2009 und 2011 im Kader der Genfer Ölgesellschaft Petrosaudi International. Die Firma war mit 1MDB mit einem 2,5-Milliarden-Dollar-Deal ins Geschäft gekommen.
Justo war trotz einer millionenschweren Abfindung bei seinem Ausscheiden nicht zufrieden mit seinem goldenen Fallschirm und saugte darum von den Firmencomputern gigabyteweise Daten ab: E-Mails, Kontoauszüge, Verträge usw. 2013 versuchte er Petrosaudi damit zu erpressen. Er wollte eine Millionenzahlung herausschlagen, doch bei den Saudis biss er auf Granit.
Da bei seinem Ex-Arbeitgeber offenbar nichts zu holen war, knüpfte Justo Kontakte zur Presse. Der Sarawak-Report veröffentlichte ab März 2015 diverse explosive Artikel zu 1MDB. Kurz darauf wird Xavier Justo im Herbst in Thailand zu drei Jahren Haft verurteilt, angezeigt hatte ihn Petrosaudi. Justos Anwälte gehen in Revision.
Der Premier
Der zweite ist der Premier Malaysias selbst: Die gestohlenen Daten aus Genf zeigten, dass im Jahr 2013 gegen 700 Millionen US-Dollar aus dem Joint-Venture zwischen 1MDB und Petrosaudi auf ein persönliches Konto von Malaysias Premier Najib Razak in Singapur geflossen waren. Razak bestritt, dass die Gelder von 1MDB stammten, sagte aber nicht, woher sie sonst stammen sollen. Der Premier entliess darauf seinen Vize, der ihn kritisierte und führte in der Regierung eine regelrechte Säuberung durch: Kritische Spitzen aus Justiz und Politik wurden kaltgestellt – etwa auch der Generalstaatsanwalt, der im Juli 2015 Ermittlungen in diesem Korruptionsfall aufnahm. Seit seiner Entlassung lahmt der Ermittlungseifer der malaysischen Justiz merklich.
Die Falcon Private Bank
Auch die Falcon Private Bank aus Zürich spielte eine wichtige Rolle in den Geldflüssen. Die Banker in der nun geschlossenen Hong-Kong-Abteilung betreuten verschiedene Konten für 1MDB-Firmen. So etwa 1MDB Global Investment, 1MDB Energy und 1MDB Energy (Langat). Falcon Private Bank gehört Aabar Investments in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emiraten.
Die aus einem Staatsfonds hervorgegangene Aabar mischt an vielen Fronten mit. So war Aabar beim Börsengang des Schweizer Rohstoffkonzerns Glencore dessen grösster Einzelaktionär.
Die BSI aus Lugano
2010 knallten in Lugano bei der BSI die Sektkorken: Soeben hatten die Tessiner der Bank RBS Coutts Hanspeter Brunner und Dutzende seiner Mitarbeiter ausgespannt. Er setzte die BSI in Singapur und Hong Kong auf die Landkarte. Einer seiner wichtigsten Mitarbeiter war Yak Yew Chee. Dieser hatte zwei illustre Kunden: Jho Low und der malaysische Fonds 1MDB. Jho Low ist ein malaysischer Financier, der durch den Stiefsohn von Premier Najib Razak bestens mit der Elite des Landes vernetzt ist. Low gilt als Partylöwe, er half etwa auch Hollywood-Filme wie «The Wolf of Wall Street» zu finanzieren.
Inzwischen hat Hanspeter Brunner als Asienverantwortlicher der BSI den Hut genommen. Und Yak Yee Chee verdient auch keine Millionen-Boni mehr bei BSI Singapur. Er ist eine der Hauptpersonen im Visier der Ermittler des asiatischen Stadtstaats.
Nun ist Goldman Sachs an der Reihe
Die Ermittlungen laufen nicht nur in Singapur und der Schweiz auf Hochtouren. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass die Vereinigten Staaten sich für den Goldman-Sachs-Banker Tim Leissner interessieren, wie Bloomberg berichtete. Die Goldmännner sammelten für den Fonds Anleihen im Wert von 6,5 Milliarden US-Dollar ein.