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Bewirtschaftung und Baumartenzusammensetzung der öffentlichen Wälder im Kanton Zürich um 1823
Bader, M., 2014: Bewirtschaftung und Baumartenzusammensetzung der öffentlichen Wälder im Kanton Zürich um 1823. Master thesis. 55 p.
Bader, M., 2014: Bewirtschaftung und Baumartenzusammensetzung der öffentlichen Wälder im Kanton Zürich um 1823: Rekonstruktion der Verhältnisse im frühen 19. Jahrhundert anhand von historischen Dokumenten. Masterarbeit geleitet von Matthias Bürgi und Urs Gimmi, WSL. D-USYS, ETH Zürich
Im Kanton Zürich werden die Wälder seit vielen Jahrhunderten durch den Menschen genutzt und geprägt. Das Waldbild wird dabei entscheidend durch die menschliche Nutzung beeinflusst. Die vorliegende Arbeit versucht, die Bewirtschaftung und Baumartenzusammensetzung der öffentlichen Wälder im Kanton Zürich zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu rekonstruieren. Dazu werden frühe Waldwirtschaftspläne, die sogenannten Visitationsberichte von 1823, ausgewertet. Für alle untersuchten Gemeinden im Kanton Zürich werden der Privatwaldanteil, die Verteilung der Betriebsformen und die Zusammensetzung des Oberholzes im Mittelwald analysiert. Aufgrund der Datenqualität konzentrieren sich die meisten Auswertungen zur Baumartenzusammensetzung auf ausgewählte Gemeinden im Zürcher Unterland. Ausserdem wird für diese Gemeinden ein Vergleich mit der heutigen Baumartenzusammensetzung durchgeführt. Für einige Gemeinden an der Lägern wird zudem dem Zusammenhang zwischen Betriebsformen, Baumartenzusammensetzung und topographischen Faktoren nachgegangen.
Die Auswertungen zeigen, dass der Mittelwald im frühen 19. Jahrhundert die wichtigste Betriebsform war, obwohl einige Gemeinden bereits hohe Anteile an Nadelhochwald aufweisen. Die häufigste Baumart im Oberholz ist die Eiche, allerdings spielen auch Fichte und Föhre eine grosse Rolle. Die Betriebsformen unterscheiden sich sehr stark in ihrer Baumartenzusammensetzung, wobei die grösste Vielfalt an Baumarten in Nieder- und Mittelwäldern zu finden ist. Ein klarer Zusammenhang zwischen Betriebsformen, Baumartenzusammensetzung und natürlichen Faktoren wie Topographie, Klima und Boden lässt sich oft nicht feststellen. Daraus kann geschlossen werden, dass die Bewirtschaftung bereits im frühen 19. Jahrhundert einen grösseren Einfluss auf die Baumartenzusammensetzung hatte als die naturräumlichen Voraussetzungen. Durch die grossflächige künstliche Verjüngung, die Umwandlung der Nieder- und Mittelwälder in Hochwälder im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts und den späteren Übergang zu einer naturnahen Waldbewirtschaftung hat sich die Baumartenzusammensetzung im Kanton Zürich stark verändert. Insbesondere der Eichenanteil ist seit 1823 signifikant zurückgegangen, während die Anteile von Fichte und Buche stark zugenommen haben. Da die Buche auf den meisten Waldstandorten im Kanton Zürich die dominierende Baumart ist, kann vermutet werden, dass die Wälder heute naturnaher sind als 1823. Allerdings kann dies nicht mit einer höheren Artenvielfalt gleichgesetzt werden, da natürliche Buchenbestände oft relativ dunkel und gleichförmig sind. Das Wissen über die frühere Baumartenzusammensetzung kann daher von praktischem Nutzen bei der Revitalisierung ehemaliger Nieder- und Mittelwälder sein, welche wertvolle Habitate für seltene Tier- und Pflanzenarten bieten.