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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

120. Vortrag
4.
[Forts. v. [S. 1137] ] „Danach aber bat den Pilatus Joseph von Arimathäa, weil er ein Jünger Jesu war, jedoch aus Furcht vor den Juden ein heimlicher, daß er den Leichnam Jesu abnehmen dürfe; und Pilatus erlaubte es. Er kam also und nahm den Leichnam Jesu. Es kam aber auch Nikodemus, welcher zum ersten Mal des Nachts zu Jesus gekommen war, und brachte eine Mischung von Myrrhe und Aloe, gegen hundert Pfund.“ Man darf also nicht so interpungieren, daß wir setzen: „Zum ersten Mal brachte er eine Mischung von Myrrhe“, sondern so, daß sich der Ausdruck: „zum ersten Mal“ zum vorhergehenden Satze bezieht. Nikodemus war nämlich zum ersten Mal des Nachts zu Jesus gekommen, was derselbe Johannes in den früheren Teilen seines Evangeliums erzählt hat1. Hier also ist gemeint, Nikodemus sei zu Jesus nicht damals bloß, sondern damals zum ersten Mal gekommen, er sei aber nachher wiederholt gekommen, um durch Zuhören sein Jünger zu werden. Dies wird jetzt in zuverlässiger Weise bei der Auffindung des Leibes des seligen Stephanus fast allen Völkern kundgetan2. „Sie nahmen also den Leichnam Jesu und wickelten ihn in Linnen mit den Spezereien, wie es Sitte ist bei den Juden zu begraben.“ Nicht umsonst, wie mir scheint, wollte der Evangelist sagen: „Wie es Sitte ist bei den Juden zu begraben“; dadurch mahnte er nämlich, wenn ich mich nicht täusche, man solle bei dergleichen Diensten, die den Verstorbenen erwiesen werden, die Sitte eines jeden Volkes beobachten.
1: Joh. 3, 1 f.
2: Die Auffindung der Gebeine des hl. Stephanus, zugleich mit denen des Nikodemus, fällt gegen Ende des Jahres 415.