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Auswirkung von Hedge Accounting auf die Jahresrechnung
Unter Hedge Accounting wird die gemeinsame Bewertung von Grund- und Absicherungsgeschäft bei zu Sicherungszwecken eingesetzten Derivaten verstanden, wobei die Gewinne resp. Verluste aus der gegenläufigen Wertveränderung von Grund- und Absicherungsgeschäft symmetrisch erfasst werden und sich entsprechend kompensieren (Sammelbetrachtung der Bewertungseinheit). Bei wirksamen Sicherungsbeziehungen werden solche gegenläufigen Gewinne/Verluste in der Erfolgsrechnung nicht gezeigt resp. verrechnet, d.h. der Erfolg des Absicherungsgeschäfts wird in derselben Position wie das Grundgeschäft ausgewiesen (z.B. im Umsatz).
In der Praxis verbreitet sind v.a. sog. Cash Flow Hedges, mit denen vertraglich vereinbarte oder mit hoher Wahrscheinlichkeit erwartete zukünftige Zahlungsströme gegen das Risiko von Schwankungen (z.B. aufgrund von Wechselkursveränderungen) abgesichert werden. In Abhängigkeit von der Art der Sicherungsbeziehung können hier verschiedene Formen von Hedges unterschieden werden:
- Micro Hedge: Absicherung eines einzelnen Grundgeschäfts (1:1 Sicherungsbeziehung)
- Portfolio Hedge: Absicherung mehrerer gleichartiger Grundgeschäfte
- Macro Hedge: Absicherung unterschiedlicher Grundgeschäfte gegen das netto verbleibende Risiko
Die Anwendung von Hedge Accounting ist gemäss den in der Schweiz massgebenden Rechnungslegungsstandards (OR, Swiss GAAP FER, IFRS) nicht verpflichtend, sondern stellt ein Wahlrecht dar. Dieses Wahlrecht besteht mit Bezug auf jedes einzelne Absicherungsgeschäft, d.h. es muss nicht stetig ausgeübt werden. Wie das nachfolgende Fallbeispiel zeigt, lassen sich allerdings nur durch Hedge Accounting verzerrende Einflüsse auf das Jahresergebnis vermeiden oder zumindest reduzieren, die durch unterschiedliche Bewertungsansätze oder eine zeitlich auseinanderfallende Erfolgsrealisation bei Grund- und Absicherungsgeschäft entstehen können.
Fallbeispiel
Die Precise AG mit Sitz in der Schweiz (Funktionalwährung CHF, Bilanzstichtag 31.12.) produziert Spezialmaschinen für die Automobilindustrie. Am 31.10.2018 bestellt die German AG mit Sitz in Deutschland eine Maschine zum Preis von EUR 1 000 000. Die Lieferung wird auf den 31.03.2019 mit Fälligkeit der Rechnung am 31.05.2019 vereinbart. Die Herstellkosten der Maschine belaufen sich auf CHF 950 000.
Zur Absicherung des Währungsrisikos schliesst die Precise AG per Bestellzeitpunkt am 31.10.2018 ein Devisentermingeschäft ab, mit dem sie sich verpflichtet, per 31.05.2019 (Zeitpunkt des erwarteten Zahlungseingangs) EUR 1 000 000 zu einem Kurs von CHF/EUR 1.10 (CHF 1 100 000) zu verkaufen. Für den Abschluss des Geschäfts fallen keine Kosten an.
Die Wechselkurse entwickeln sich wie folgt:
- 31.12.2018: CHF/EUR 1.20
- 31.03.2019: CHF/EUR 0.90
- 31.05.2019: CHF/EUR 1.00
Diese Abbildung stellt die aus dem Geschäftsvorfall resultierenden Erfolgsrechnungen der Jahre 2018 und 2019 einander gegenüber, einmal mit und einmal ohne Hedge Accounting. Das Ergebnis ist mit Bezug auf die Erfolgsrechnung unabhängig davon, ob nach OR, Swiss GAAP FER oder IFRS bilanziert wird.
Bei Anwendung von Hedge Accounting werden Grund- und Absicherungsgeschäft als Bewertungseinheit betrachtet. Der Einbezug des Derivats bei Eintritt des Grundgeschäfts (hier Lieferung der Maschine) korrigiert in diesem Zeitpunkt die zugrundeliegenden Geldflüsse auf die abgesicherten Werte. Im Geschäftsjahr 2019 wird bei dieser Verbuchungslogik ein Umsatz von CHF 1 100 000 ausgewiesen, was dem zum abgesicherten Kurs umgerechneten Verkaufspreis entspricht. Aus dem Geschäft resultiert demzufolge in 2019 ein Betriebsergebnis von CHF 150 000, ansonsten ergeben sich in 2018 und 2019 keine Effekte auf die Erfolgsrechnung.
Bei Verzicht auf die Anwendung von Hedge Accounting wird das Devisentermingeschäft als Derivat ohne Absicherungszweck behandelt, d.h. Wertveränderungen werden direkt erfolgswirksam im Finanzergebnis erfasst. Per 31.12.2018 weist das Devisentermingeschäft einen negativen Wiederbeschaffungswert von CHF -100 000 auf (EUR 1 000 000 * Differenz zwischen abgesichertem Kurs von CHF/EUR 1.10 und dem Stichtagskurs von CHF/EUR 1.20). In Höhe dieses negativen Marktwerts ist per Stichtag erfolgswirksam eine Verbindlichkeit/Rückstellung anzusetzen. Bei Lieferung wird der Umsatz zum aktuellen Wechselkurs von CHF/EUR 0.90 erfasst, so dass aus dem Geschäftsvorfall ein betrieblicher Verlust von CHF -50 000 resultiert. Die Abwicklung des Devisentermingeschäfts (Auflösung des per 31.12.2018 abgegrenzten Verlusts von CHF 100 000 zuzüglich positivem Wiederbeschaffungswert des Derivats bei Settlement von CHF 100 000) sowie die Neubewertung der Forderung (Kursgewinn von CHF 100 000 infolge Anstiegs des Wechselkurses von CHF/EUR 0.90 bei Ersterfassung auf CHF/EUR 1.00 bei Zahlungseingang) führen in 2019 zu einem Finanzertrag von CHF 300 000.
Der Vergleich der beiden Varianten mit/ohne Hedge Accounting verdeutlicht, dass bei Verzicht auf Hedge Accounting das Betriebsergebnis stark abhängig ist vom (zufälligen) Wechselkurs bei Lieferung und die erfolgswirksame Derivatebewertung zu einer erheblichen Ergebnisvolatilität führt. Bei Betrachtung auf kumulierter Basis ergibt sich bei beiden Varianten ein Gewinn von CHF 150 000, d.h. das Ergebnis insgesamt wird durch Hedge Accounting nicht verändert.
Voraussetzungen für die Anwendung von Hedge Accounting
Je nach Rechnungslegungsstandard bestehen unterschiedlich hohe Voraussetzungen, welche für die freiwillige Anwendung von Hedge Accounting erfüllt sein müssen. Während die diesbezüglichen Dokumentationserfordernisse in den IFRS eingehend geregelt sind, fehlen entsprechende Vorgaben in Swiss GAAP FER oder im Schweizer Rechnungslegungsrecht gänzlich. Entsprechend kann von FER- und OR-Anwendern nicht verlangt werden, dass für jedes Absicherungsgeschäft eine umfangreiche formale Dokumentation mit Effektivitätstest erstellt wird, wie dies unter IFRS gefordert ist. In der Praxis wird aber zumindest erwartet, dass die Absicherungsabsicht mit Bezug auf ein konkretes Grundgeschäft und ein konkretes Sicherungsinstrument sowie die prospektive Sicherungswirkung (z.B. mitttels Critical-Term-Match-Methode) ausreichend dokumentiert sind. Bei der Absicherung künftiger Transaktionen ist zudem plausibel darzulegen, dass diese mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten werden.
Fazit
Die Absicherung von Fremdwährungsrisiken mit Bezug auf zukünftige Transaktionen ist in der Schweizer Praxis weit verbreitet und stellt die häufigste Form von Cash Flow Hedging sowie Hedging generell dar. Durch die Anwendung von Hedge Accounting können solche Absicherungen wirtschaftlich sinnvoll in der Jahresrechnung abgebildet werden. Vor dem Hintergrund der Zielsetzung einer aussagekräftigen Rechnungsablage lohnt sich daher in der Regel der zeitliche Aufwand für die Erfüllung der standardspezifischen formellen Kriterien (insbesondere Hedging Dokumentation), welche für die Inanspruchnahme des Hedge Accounting-Wahlrechts zu erfüllen sind.
Quellennachweise und weiterführende Literatur:
Loser, Silvan (2020): Abbildung von Cash Flow Hedges in der OR-Rechnungslegung, in: Eberle, Reto / Oesch, David / Pfaff, Dieter (Hrsg.): Jahrbuch Finanz- und Rechnungswesen 2020, Zürich: WEKA, S. 97-128.
Weiteres zum Einfluss von Währungsschwankungen auf Unternehmen und ihre Jahresrechnung können Sie in diesem Beitrag lesen und der Beitrag Währungsrisiko bietet Ihnen Hinweise auf generelle Überlegungen zum Absicherungsentscheid und einen Überblick über verschiedene Instrumente der Absicherung.