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Wenn hierzulande Winterstimmung herrscht, ist Hochsommer in Australien. Ein Grund für viele Touristen, Urlaub in Down Under zu verbringen. Ende vergangenen und Anfang dieses Jahres kam es jedoch zu sintflutartigen Regenfällen und Überschwemmungen im Nordwesten des Landes. Durch die zahlreichen, nur langsam abfliessenden Wassermassen entwickelten sich daher ideale Bedingungen zur Vermehrung der Mückenpopulation, die als Überträger für das JE-Virus gilt.
Endemiegebiet weitet sich aus
Anfang Februar wurde im Bundesstaat Victoria eine Infektion bestätigt, dem zweiten in diesem australischen Sommer. Im vergangenen Jahr waren im März erstmals Infektionen beim Menschen in den Bundesstaaten New South Wales, Victoria, Queensland und South Australia bekannt geworden und es war zu neun Todesfällen gekommen. «Bis dahin galt das JE-Virus als rein asiatischer Krankheitserreger. Auf australischem Territorium umfasste das Endemiegebiet lediglich die Inseln der Torres-Strasse an der Nordspitze von Queensland», erläutert Professor Dr. med. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM. «Dies zeigt einmal mehr die Tendenz von Mücken-übertragenen Krankheiten, sich auszubreiten.»
Das australische Gesundheitsministerium hat die vermehrte Verbreitung zum Anlass genommen, Befragungen in der Bevölkerung zum Infektionsstatus mit Japanischer Enzephalitis durchzuführen. Es wurden bei über 800 Menschen im Norden Victorias Blutproben genommen, die durch einen Fragebogen zu früheren Infektionen und Lebensumstände ergänzt wurden. Die Untersuchungen deuten darauf hin, dass etwa drei Prozent der Bevölkerung bereits eine (asymptomatische) Infektion durchgemacht hat und das Virus somit weiter verbreitet ist als bislang angenommen. Die Behörden haben daher ihre Impfempfehlungen gegen das JE-Virus auf weitere Gebiete wie South Wales und South Australia ausgeweitet und die Bevölkerung aufgefordert, sich gegen Mückenstiche wirksam zu schützen.
Wasservögel, Schweine, Stechmücken
Als natürliches Reservoir dienen dem JE-Virus hauptsächlich Wasservögel und Schweine. «Auch in den nun betroffenen australischen Bundesstaaten wurde das Virus zunächst in Schweinefarmen nachgewiesen, bevor die ersten Fälle bei Menschen auftraten», sagt Jelinek. Die Übertragung erfolge dabei nicht direkt vom Tier auf den Menschen oder von Mensch zu Mensch, sondern durch den Stich von dämmerungs- und nachtaktiven Stechmücken (vor allem der Gattung Culex). Durch die schweren Unwetter und Überflutungen der vergangenen Monate, die besonders die Bundesstaaten New South Wales und Queensland getroffen hätten, müsse mit einer Zunahme der Mückenpopulation und in der Folge mit einem weiteren Anstieg des JE-Übertragungsrisikos gerechnet werden, so Jelinek.
Manchmal auch schwerer Verlauf
Die meisten Infektionen mit dem JE-Virus bleiben entweder unbemerkt oder verlaufen mild mit lediglich grippeähnlichen Symptomen. «Ungefähr eine von 250 symptomatischen Infektionen nimmt jedoch einen schwereren Verlauf», berichtet Jelinek. Dieser sei durch hohes Fieber und eine Entzündung des Gehirns oder der Hirnhäute gekennzeichnet, die sich mit Nackensteifigkeit, Krampfanfällen, Lähmungen und Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma äussere. «Bis zu 30 Prozent dieser schwer betroffenen Patienten versterben, weitere 30 bis 50 Prozent tragen bleibende neurologische Schäden davon», so der Reisemediziner.
Auf Mückenschutz achten und reisemedizinische Beratung suchen
Weil es keine spezifische Therapie gegen das JE-Virus gibt, ist der Schutz vor einer Infektion besonders wichtig. In Endemiegebieten sollten Reisende daher auf einen guten Mückenschutz achten: ab der Dämmerung lange Kleidung tragen, Insektenrepellents verwenden und unter einem Moskitonetz schlafen.
Seit 2009 ist in Europa auch ein Impfstoff gegen die Japanische Enzephalitis zugelassen, der gut verträglich ist und bereits ab einem Alter von zwei Monaten verabreicht werden kann. «Reisende sollten sich zur Impfung reisemedizinisch beraten lassen“, sagt Jelinek. Eine Impfung sei besonders dann sinnvoll, wenn ein mehrwöchiger Aufenthalt in einem Endemiege-biet oder Outdoor-Aktivitäten in ländlichen Regionen geplant sind. Auch bei kürzeren Aufenthalten sei zu einer Impfung zu raten, wenn bestimmte Risikofaktoren vorlägen. Dazu zählten etwa ein Alter über 50 Jahre, chronische Erkrankungen oder eine Schwäche der Immunabwehr.PS