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Betriebe auf der Wasserfalle
Land- und Gastwirtschaftsbetrieb Vordere Wasserfalle
Die Vordere Wasserfalle war eine Alpweide mit Hütte und gehörte zum Schloss Waldenburg. Die Hütte befand sich am Standort des heutigen Seminarhotels Wasserfallen und wurde 1680 erbaut. Bereits nach 1910 wurde auch eine Bergwirtschaft betrieben, zu deren Kunden die Träger gehörten, die z.B. Käse über die Wasserfalle transportierten, aber immer häufiger auch Ausflügler, welche die Wasserfalle besuchen wollten.
1930 kaufte die Autobus AG die «Vorderi Wasserfalle» mit einer Fläche von damals 36.5 ha und baute die Gastwirtschaft aus, ebenfalls entstanden Übernachtungsmöglichkeiten. Es wurde sogar ein Fischweiher, der Wasserfallenweiher, gebaut. Allerdings scheint die Vordere Wasserfalle kein gutes Geschäft gewesen zu sein, und die Autobus AG wurde verdächtigt, eine Quersubventionierung vom Busbetrieb zur Bergwirtschaft vorzunehmen, was erhöhte Fahrtarife zur Folge gehabt hätte. Zudem gab es Streitigkeiten bezüglich der Benutzung der Zufahrtsstrasse mit Bussen. Link zu Protokollen (2)
Am 23. März 1958 brannte die Vordere Wasserfalle wegen eines beschädigten Kamins fast vollständig ab. An deren Stelle wurde das heutige Hotel durch die Autobus AG erbaut.
Die Vordere Wasserfalle, bevor sie 1958 vollständig niederbrannte.
Landwirtschaftsbetrieb Wasserfallenhof
Nach dem Brand der Vorderen Wasserfalle errichtete die Autobus AG ein neues Ökonomiegebäude etwas oberhalb des Hotels. Es wurde 1961 fertiggestellt.
Als Wohnhausprovisorium für die Pächterfamilie wurde eine ehemalige Baracke eines Internierungslagers aus dem 2. Weltkrieg verwendet. Das Wohnhausprovisorium steht auch noch im Jahre 2023. Über seine Zukunft wird demnächst entschieden.
Die Wasserfallen-Transport AG (Autobus AG) begann sich sukzessive von der Wasserfalle zurückzuziehen. So verkaufte sie 1977 den Hof an Frieda Kleiber-Hoffmann, welche ihn an ihren Sohn Ernst Kleiber weiterverkaufte. Dieser bewirtschaftete den Hof selbst.
1995 erwarb die neu gegründete Vordere Wasserfalle AG, deren Hauptaktionär Urs Winzenried war, den Hof von Familie Kleiber, nachdem er einige Jahre zuvor bereits das Hotel erworben hatte. Nach mehreren Übergangslösungen wurde für die Betriebsführung Familie Schätti beauftragt, welche 1998 Pächterin des Hofes wurde.
2002 wurde die Stiftung Wasserfallen gegründet. Diese kaufte 2003 die Vordere Wasserfalle AG, welche damals nur noch Eigentümerin des Hofes war (sie hatte vorher das Hotel an die Orchidea Lodge GmbH veräussert). Die Stiftung Wasserfallen bezweckt gemäss Stiftungsurkunde «im Gebiet Wasserfallen ein naturnahes Erholungsgebiet für die Region zu schaffen und auf Dauer zu erhalten». 2003 wurde Familie Räuftlin aus Arboldswil Pächterin des Hofes. Der Betrieb ist auf Landschaftspflege ausgerichtet. So hat die Pächterfamilie Verträge bezüglich einer entgeltlichen naturnahen Bewirtschaftung mit Bund und Kanton abgeschlossen.
Mit der «Verordnung über das Naturschutzgebiet Wasserfallen» wurde 2011 das Gebiet des Wasserfallenhofs und die Umgebung in das Inventar der geschützten Naturobjekte des Kantons Basel-Landschaft als Objekt von nationaler Bedeutung (Perimeter 89.3 ha) aufgenommen.
2022 wurde ein mehrjähriges Naturschutzprojekt zur Förderung der Biodiversität gestartet.
Hotel Wasserfallen
Nachdem der Hof Vordere Wasserfalle am 23. März 1958 vollständig abgebrannt war, wurde am 29. September an derselben Stelle bereits mit dem Bau des heutigen Hotels durch die Autobus AG begonnen. Es ging am 1. November 1960 in Betrieb und umfasste 130 Sitzplätze sowie 24 Betten in 7 Doppel- und 8 Einzelzimmern. Restaurant und Hotel wurden im Laufe der Zeit von verschiedenen Pächterfamilien geführt.
1965 wurde die Strasse zwischen Bergstation und Hotel geteert, und 1967 wurde die Kanalisation nach Reigoldswil in Betrieb genommen.
Die Autobus AG verkaufte 1972 das Hotel. Es wurde danach primär als Seminarhotel betrieben und entwickelte wegen der Art der durchgeführten Kurse den Ruf eines esoterisch angehauchten Ortes. So konnte man z.B. in den 70er Jahren am "Feuerlaufen" teilnehmen. Interessanterweise haftet dieser Ruf dem Hotel noch heute ein wenig an.
Ab 1983 wurde das Hotel unter der Bezeichnung «Internationales Creativ-Centrum (ICC), Akademie Wasserfallenhof» betrieben (Markus Jenni, Ruth Wenger).
Ende 1992 wurde die «Hotel-Restaurant Wasserfallenhof AG» durch Urs Winzenried ersteigert. Er gründete 1993 die «Vordere Wasserfalle AG» und eröffnete den Betrieb wieder. Das Restaurant wurde allerdings später für Touristen geschlossen, was sehr bedauert wurde und wird, da die Lage des Hotels und dessen Terrasse aussergewöhnlich ist. Aber Seminarbetrieb und Ausflugsrestaurant vertrugen sich nach Auffassung des damaligen Eigentümers in einem so kleinen Hotel nicht nebeneinander.
Die Vordere Wasserfallen AG plante in der Folge die Vergrösserung des Seminarhotels. Ein Quartierplan wurde erstellt und eingereicht. Gegen diesen erhob der WWF Sektion beider Basel erfolgreich Einsprache, und das Projekt konnte nicht ausgeführt werden.
2002 verkaufte die Vordere Wasserfallen AG das Hotel an die Orchidea Lodge GmbH und den Hof an die neu und für diesen Zweck gegründete Stiftung Wasserfallen.
Die Orchidea Lodge wurde während ca. 10 Jahren durch Barbara Kunz betrieben, welche das Hotel an Tom Käslin und Paul Moser verkaufte. Tom Käslin ist heute Alleineigentümer und betreibt das Hotel wieder unter dem Namen Hotel Wasserfallen als Seminarhotel.
So präsentiert sich das Hotel heute (2022)
Kurz-Interview (Oktober 2022) mit Urs Winzenried (von ca. 1992 bis 2003 Eigentümer des Hotels und des Landwirtschaftsbetriebes auf der Wasserfalle)
Heimatkunde Reigoldswil: Was hat dich bewogen, auf der Wasserfalle zu investieren und von wem hast du die Betriebe erworben?
Urs Winzenried: Ich wurde Anfang der 90er-Jahre zufällig für eine unternehmerischen Beurteilung des “Creativ-Zentrums Wasserfallenhof“ angefragt. Im Rahmen einer notwendigen finanziellen Sanierung habe ich dann das Hotel eher spontan im Rahmen unserer vorwiegend im Kanton Bern tätigen Familienholding (Baugeschäft, Liegenschaften und Restaurationsbetriebe) übernommen und anschliessend als Seminarhotel sanft saniert. Wichtig waren mir dabei ganzheitliche und innovative Seminare und Retreats in einem relativ naturnahen Naherholungsgebiet.
Wie hast du die beiden Betriebe anschliessend geführt, was war dir wichtig?
Mit den Jahren habe ich die Gegend besser kennen und schätzen gelernt und war als Aussenseiter aber wohl etwas zu optimistisch bezüglich der teilweise unrealistischen und widersprüchlichen Ansprüche und Erwartungen der Nachbarn, der Luftseilbahn, der Gemeinden Reigoldswil und Waldenburg sowie einer breiteren Öffentlichkeit. Jedes neue Betriebskonzept erwies sich als defizitär, umstritten und wetterabhängig. Es wurde mir klar, dass wohl nur ein ambitionierter und mutiger Schritt vorwärts zu einem integrierten Naherholungszentrum mit einer einheitlichen Vision der Wasserfallen Erfolg und Kontinuität bringen würde.
Du hast auch ein Erweiterungsprojekt gestartet. Was war geplant?
In zähen Verhandlungen konnte ich den angrenzenden Bauernhof von der Familie Kleiber erwerben und eine vernünftige Kooperation mit dem Wanderrestaurant “Hintere Wasserfallen“ und der Seilbahn angehen. Im Rahmen einer umfangreichen “Quartierplanung“ wurde ein visionäres Ausbauprojekt entwickelt und der Gemeinde Waldenburg vorgestellt. Das Projekt basierte auf einem modernisierten Seminarhotel, Wohn- und Ferieneinheiten für Mitarbeiter, Kursleiter und aktive Investoren. Das ganze Design war ökologisch und nachhaltig durchdacht und umweltverträglich.
Weshalb und wann musstest du das Projekt abbrechen?
Trotz viel guten Willens und Engagements der meisten Beteiligten musste das Ausbauprojekt aus finanziellen und zonenrechtlichen Erwägungen schlussendlich abgebrochen werden. Die vielen Misserfolge der Vorgänger und die im Winter schwierige Erschliessung des Hotels haben kein kostendeckendes Betriebskonzept zugelassen. Zudem waren im Oberen Baselbiet neue Ideen nicht immer gerne gesehen, ganz im Gegensatz zur Stadt Basel und der internationalen Kundschaft des Seminarzentrums, wie etwa dem langjährigen europäischen Sitz des “Center for Nonviolent Communication“ von Dr. Marshall Rosenberg.
An wen hast du die Grundstücke und Gebäude verkauft?
Ich habe anschliessend das redimensionierte Seminarzentrum “Orchidea Lodge“ unter der unkonventionellen Leitung von Barbara Kunz noch eine Weile unterstützt und Anfang 2002 an sie und eine Freundesgruppe verkauft. Der Bauernhof wurde an die Familie Schätti verpachtet und etwas später zum Buchwert an eine auf Initiative von Hansruedi Sutter neu gegründete Stiftung Wasserfallen abgetreten, deren Zweck die Schaffung eines geschützten Naturparks ist.
Restaurant Hintere Wasserfallen
Die Hintere Wasserfallen war die Sennerei des Hofes Limmere auf der Mümliswilerseite der Wasserfalle. Auch die Hintere Wasserfalle hatte schon früh eine Gaststube, in welcher Passanten und auch Schmuggler, welche das “Huerewägli” benutzten, verpflegt wurden. Link zu Video 3 mit Rémy.
Die Hintere Wasserfallen wurde ebenfalls durch die Autobus AG erworben und verpachtet. 1973 gab es einen grösseren Umbau (siehe alte Heimatkunde Seite 194).
Familie Fürst, welche das Restaurant seit 1979 gepachtet hatte, löste den Vertrag 1989 auf. Dies veranlasste die Autobus AG dazu, das Restaurant an Dieter Felber zu verkaufen. 1991 wurde es durch Madeleine und Bruno Weber erworben und danach bis 1997 geführt.
Seit 1997 ist der Betrieb im Eigentum von Ursi und Peter Huber. Sie haben ihn kontinuierlich und erfolgreich renoviert und weiterentwickelt. Es ist das am stärksten frequentierte Restaurant der Region Wasserfalle.
Beitrag Heimatkunde Reigoldswil zum Thema Wasserfalle, von Hans-Rudolf Sutter, verfasst im Januar 2023
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