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Eingeleitet wird der Tabellenteil dieses Kapitels mit Übersichten über die Münzprägungen, den Notenumlauf, die Währungsreserven der Notenbanken und die Geldmengen. Zur Geldmengenentwicklung liegen zwei Schätzungen vor, von denen die eine den Zeitraum 1851–1910 und die andere den Zeitraum 1907–1954 abdeckt. Bei der ersten Schätzung handelt es sich um den Beitrag von Willi Brammertz und Thomas Brouwer zum Nationalfonds-Projekt «Geldmenge und Wirtschaftswachstum in der Schweiz 1851–1913»; die zweite stammt von Christoph Grüebler. Zwei weitere Tabellen enthalten Angaben über den Giroverkehr der Schweizerischen Nationalbank und über deren Bilanzposten und Geschäftsergebnisse seit dem ersten Jahr ihres Bestehens. Das Kernstück des Kapitels ist jedoch die eigentliche Bankenstatistik. Wir beginnen mit den Bilanzsummen- und Wertschöpfungsschätzungen von Franz Ritzmann und Peter Püntener, die sich über die Zeiträume 1800–1965 und 1850–1913 erstrecken. Es folgen Abbildungen der Bilanzposten und Geschäftsergebnisse der früheren Emissionsbanken (1826–1910) und der wichtigsten Bankengruppen im 20. Jahrhundert (1906–1992). Anschliessend befassen wir uns mit der Verteilung der Spareinlagen, Depositen- und Einlagehefte, Kassenobligationen und Hypothekaranlagen nach dem Zinsfuss und mit der Spartätigkeit und den Hypothekaranlagen in den Kantonen. Zwei Doppelseiten unterrichten über kurz-, mittel- und langfristige Veränderungen des Zinsniveaus im Zeitraum 1830–1992. Das Geschehen auf den Finanzmärkten lässt sich in unserer Darstellung anhand der Monatsstatistik des schweizerischen Aktienindexes und der Umsätze an den Börsen von Zürich und Basel bis in die fortgeschrittenen 1920er Jahre zurück verfolgen. Noch um einiges weiter zurück, nämlich bis weit in die Vorweltkriegszeit hinein, reicht die Statistik der Wechselkurse in der Schweiz, bei der wir durch Abkommen mit einzelnen Ländern festgelegte Währungsparitäten, Wechselkurse für Sichtdevisen im Jahresmittel und Clearingkurse auseinandergehalten haben. Abgeschlossen wird das Kapitel mit einer Tabelle über das Ausmass der Grundpfandverschuldung in den Kantonen zwischen 1913 und 1969.
Geldmengenstatistik 1851–1990
Die Geldmenge umfasst die von den privaten Nichtbanken (d. h. ohne Bund) im Inland gehaltenen Zahlungsmittel. Man unterscheidet drei verschiedene Aggregate, die mit den Bezeichnungen M1, M2 und M3 versehen werden. M1 ist gleich der Summe von Bargeldumlauf (Noten und Münzen), Postcheckguthaben und Sichteinlagen des inländischen Publikums bei den Geschäftsbanken, M2 umfasst zusätzlich zu M1 auf Termin abrufbare Gelder, und M3 setzt sich aus M2, den inländischen Spareinlagen, Depositen- und Einlageheften und den Lohnkonti zusammen. Diesen drei Geldmengenaggregaten steht die aus dem Bargeld und den Sichteinlagen der Geschäftsbanken bei der Nationalbank bestehende Notenbankgeldmenge, die sogenannte monetäre Basis, gegenüber. Es handelt sich hierbei um die Zahlungsmittel, die der Wirtschaft von der Nationalbank zur Verfügung gestellt werden.
Dass die Geldmengenschätzung von Brammertz und Brouwer einen sehr viel hypothetischeren Charakter besitzt als diejenige von Grüebler, erklärt sich daraus, dass eine umfassende Bankenstatistik erst seit Gründung der Schweizerischen Nationalbank im Jahre 1907 existiert. Verlässliches Datenmaterial zur Geldmengenentwicklung ist aus dem 19. Jahrhundert eigentlich nur in bezug auf den Notenumlauf überliefert, den bereits der erste Präsident der Schweizerischen Nationalbank, Walter Adolf Jöhr, im Rahmen seiner bahnbrechenden Untersuchung über die schweizerischen Notenbanken zwischen 1826 und 1910 rekonstruiert hat. Brammertz und Brouwer haben die von Jöhr gemachten Angaben unverändert übernehmen können. Ihre Schätzung der Kassabestände und der Sichteinlagen bei den Banken setzte dagegen umfangreiche eigene Recherchen voraus. Bei der Münzmenge orientierten sich die genannten Autoren an Jakob Speisers zeitgenössischer Schätzung der «Zirkulationsmittel» im Jahr 1849 und unterstellten sodann, dass sich der schweizerische Münzumlauf in den nachfolgenden Jahrzehnten gleich entwickelt habe wie in der gesamten Lateinischen Münzunion, der neben der Schweiz noch Frankreich, Italien, Belgien und ab 1868 Griechenland angehörten. Nun ist die Gesamtmenge der in der Lateinischen Münzunion kursierenden Münzen zwar bekannt. Da indessen die Währungen der Mitgliederstaaten der Lateinischen Münzunion in dem von ihr umschlossenen Gebiet frei zirkulieren konnten, ist es unmöglich festzustellen, wie viele Münzen zu einem bestimmten Zeitpunkt in den einzelnen Ländern im Umlauf waren. Vergegenwärtigt man sich die Bedeutung, die dem Münzgeld im 19. Jahrhundert zukam, wird man sich dem Eindruck nicht entziehen können, dass die Schätzung von Brammertz und Brouwer hier eine zentrale Schwachstelle aufweist. Eine andere Möglichkeit, um die Geldmenge in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu schätzen, gab es allerdings nicht.
Die präzise Erfassung der Geldmenge ist für die Schweiz nicht vor 1922 möglich, als die Lateinische Münzunion, die sich seit 1893 im Zustand einer Teilauflösung befand, formell für abgeschafft erklärt wurde und fortan nur noch schweizerische Münzen als gesetzliche Zahlungsmittel akzeptiert waren. Immerhin kann als sicher angenommen werden, dass das Münzgeld im frühen 20. Jahrhundert keine allzu grosse Rolle mehr gespielt hat. Grüebler hat denn auch auf eine Grobschätzung der Münzmenge verzichtet und statt dessen für die Jahre 1907–1921 eine reduzierte Geldmengenreihe berechnet. Von 1922 an konnte er dann zwar sämtliche Komponenten der Geldmenge berücksichtigen, doch fehlten ihm noch bis Mitte der 1930er Jahre Angaben über die Aufteilung der Kontokorrentguthaben in Sicht- und Zeiteinlagen. Es blieb ihm nichts weiter übrig, als für den ersten Teil seiner Schätzung einen konstanten Koeffizienten zu unterstellen. Seine Schätzreihe weist mithin drei Abschnitte von unterschiedlicher Qualität auf. Die Schweizerische Nationalbank hat lange Zeit gezögert, eigene Geldmengenschätzungen durchzuführen. Im Beiheft zum Monatsbericht Nr. 8 des Jahres 1975, der die Revision der Geldmengenstatistik zum Thema hatte, sind dann aber Reihen publiziert worden, die bis ins Jahr 1950 zurück reichen. Die im Tabellenteil dieses Kapitels abgedruckten Angaben für die späteren Jahre entstammen den laufenden Publikationen der Schweizerischen Nationalbank. (Zu den Änderungen, zu denen es in den letzten 20 Jahren bei der Geldmengenberechnung gekommen ist, vgl. das von Christoph Menzel verfasste Kapitel «Die Statistik monetärer Grössen und Institutionen» in der von P. Bohley und A. Jans herausgegebenen Einführung in die Wirtschafts- und Sozialstatistik der Schweiz).
Bankenstatistik 1800–1992
Gestützt auf Geschäftsberichte, Jubiläumsschriften, die Sparkassenstatistik der Jahre 1852–1918, das Schweizerische Finanz-Jahrbuch, die Bankenstatistik der Jahre 1935–1965 und eine Reihe von Bankmonographien, die anlässlich der schweizerischen Landesausstellung von 1914 in Bern verfasst worden sind, hat Franz Ritzmann im Rahmen seiner historisch-statistisch-theoretischen Untersuchung über das schweizerische Bankwesen eine Schätzung der Bilanzsumme der Schweizer Banken vorgenommen. Er übernahm dabei das in den Jahren 1935–1970 gebräuchliche Klassifikationsschema, in dem Kantonalbanken, Grossbanken, Bodenkreditbanken, andere Lokalbanken, Sparkassen und «übrige Banken» als eigenständige Bankgruppen voneinander abgegrenzt werden. Indem Ritzmann dieses Schema auf auch auf das 19. und frühe 20. Jahrhundert übertrug und überdies bei den Kantonal- und Grossbanken die internen Rechnungen mit den Filialen bereinigte, gelangte er für die Jahre 1907–1934 zu teilweise stark von der offiziellen Statistik abweichenden Schätzwerten. Bei den Kantonal- und Grossbanken hat Ritzmann die Bilanzsummen direkt aus den Festschriften und Jahresberichten der einzelnen Banken entnehmen können. Mit einem unverhältnismässig grösseren Aufwand war die Schätzung der Bilanzsummen der Lokalbanken und Sparkassen verbunden. Zunächst ermittelte Ritzmann für die Jahre 1852, 1862, 1872, 1882, 1896, 1908, 1918, 1928, 1935, 1945 und 1955 bei allen 25 Kantonen die Zahl der Bankinstitute und deren Bilanzsummen. Sodann bediente er sich seines Klassifikationsschemas, um eine Zuordnung nach Hauptbankengruppen vornehmen zu können. In einem dritten Schritt interpolierte und extrapolierte er die in der beschriebenen Weise gewonnen Eckwerte seiner Schätzung mittels Stichprobenreihen. Die Stichproben umfassten jeweils einen Set von Banken, deren Jahresberichte eine längere Zeitspanne überspannten. In den Jahren, in denen Ritzmann die Bilanzsumme bei allen Banken ermittelt hatte, betrug der Anteil der Stichprobe am Gesamttotal zwischen 79% (1955) und 100% (1852) bei den Bodenkreditbanken, zwischen 78% (1945) und 99% (1852) bei den übrigen Lokalbanken und zwischen 37% (1862) und 46% (1896) bei den Sparkassen. Ab 1956 konnte Ritzmann bei sämtlichen Banken auf die amtliche Statistik zurückgreifen.
Für die Wertschöpfungsstatistik der Jahre 1850 bis 1913 zeichnet Peter Püntener verantwortlich. Seine Schätzung, die einen Beitrag zum Nationalfonds- Projekt «Geldmenge und Wirtschaftswachstum in der Schweiz 1851–1913» darstellt, basiert auf der Auswertung der Jahresergebnisse von 34 Banken. Um Wertschöpfungsreihen bilden zu können, hat Püntener die folgenden Grössen herangezogen: Bilanzsumme, Bruttoerträge aus dem Zinsdifferenzgeschäft und dem indifferenten Geschäft (Kommissionen, Gebühren, Kursgewinne usw.) sowie Vorleistungen (Provisionen, Gebühren für bezogene Dienstleistungen, Ausgaben für Miete, Mobiliar usw.). Unter Zugrundelegung des von Ritzmann angewandten Klassifikationsschemas berechnete Püntener als erstes für jede Bankengruppe den Bruttoproduktionswert, indem er die Erträge aus dem zinsindifferenten Geschäft und den Saldo aus dem Zinsdifferenzgeschäft (Aktivzinsen minus Passivzinsen) zusammenzählte. Anschliessend setzte er die Resultate in Beziehung zur Bilanzsumme der in die Stichprobe aufgenommenen Institute und multiplizierte die Quoten mit dem von Ritzmann für die einzelnen Bankengruppen errechneten Bilanzsummentotal. Bei den Sparkassen, bei denen sich dieser Weg als nicht gangbar erwies, nutzte Püntener den Umstand aus, dass die Passiven über weite Strecken mit den Spargeldern identisch waren und diese wiederum meist in Hypotheken angelegt wurden. Dies gestattete es ihm, den Bruttoproduktionswert der Sparkassen über die Multiplikation der Bilanzsummen der Sparkassen mit der durchschnittlichen Zinssatzdifferenz zwischen Spargeldern und erster Hypothek zu schätzen. Die Vorleistungen veranschlagte er anhand von Stichproben bei sämtlichen Bankgruppen auf fünf Prozent des Bruttoproduktionswertes.
Die von uns im Tabellenteil dieses Kapitels abgedruckten amtlichen Bankenstatistiken entstammen praktisch ausnahmslos den drei Hauptpublikationen der Schweizerischen Nationalbank – dem «Statistischen Handbuch des schweizerischen Geld- und Kapitalmarktes» aus dem Jahr 1944, der bereits 1907 ins Leben gerufenen Reihe «Das Bankwesen der Schweiz» und den Monatsberichten der Jahre 1951–1993. Wer diese Statistiken in einen grösseren, die Entwicklung des gesamten Geld- und Kreditwesens berücksichtigenden Zusammenhang gestellt haben möchte, greift mit Vorteil zu dem anlässlich des 125. Jubiläums der Schweizerischen Bankgesellschaft publizierten Band «Die Schweizer Wirtschaft 1946–1986 – Daten, Fakten, Analysen», der ein informatives Kapitel über die Struktur und Bedeutung des «Finanzplatzes Schweiz» und das schweizerische Bankwesen enthält.
Wechselkurse 1875–1992
Im Interesse eines festen Gefüges von Währungsparitäten (Goldstandard) waren die Währungseinheiten vor dem 1. Weltkrieg generell durch den Wert einer bestimmten Menge Feingoldes definiert. Die politökonomischen Umwälzungen, zu denen es gegen Ende des Ersten Weltkrieges kam, liessen dieses System zerbrechen. Nachdem es im Lauf der 1920er Jahre noch einmal restauriert worden war, versetzte ihm die Grosse Depression der 1930er Jahre endgültig den Todesstoss. In zahlreichen Ländern wurde jetzt abgewertet, so auch in der Schweiz am 27. September 1936. Während sich die Leitwährungen US-Dollar und Pfund Sterling vorübergehend überhaupt vom Gold lösten, führten das faschistische Italien und das nationalsozialistische Deutschland die staatliche Devisenbewirtschaftung ein, womit an die Stelle des freien Zahlungsverkehrs der sogenannte gebundene Zahlungsverkehr mit Zahlungs- und Verrechnungsabkommen («Clearingkurse») trat. Während des Zweiten Weltkrieges wurde diese Zahlungsform, bei der gegenseitige Guthaben im bilateralen Verkehr zwischen Ländern zu vertraglich festgelegten Kursen verrechnet werden, in ganz Europa gebräuchlich.
Ende des Jahres 1946 traten die ersten Paritäten des Internationalen Währungsfonds in Kraft und begründeten damit ein neues System fixer Wechselkurse. Aufgrund ihrer seit 1936 gültigen Goldparität vermochte sich die Schweiz nahtlos in dieses System einzufügen, ohne dem Internationalen Währungsfonds und den anderen Bretton-Woods- Institutionen beitreten zu müssen. Einen weiteren währungspolitischen Einschnitt markiert die Jahreswende 1957/58, als Westeuropa mit dem Abschluss des Europäischen Währungsabkommens zur freien Konvertibilität zurückkehrte. Anfangs der 1970er Jahre geriet das Bretton-Woods-System dann immer mehr unter Druck und musste 1973 schliesslich ganz aufgegeben werden. Seither sind die Kurse ausländischer Währungen gegenüber dem Schweizerfranken nicht mehr offiziell festgelegt. Innerhalb der Europäischen Gemeinschaft gilt das Europäische Währungssystem, das den Währungen der Mitgliedstaaten nur wenig Spielraum für Schwankungen belässt.
Die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die internationalen Entwicklungen und die Kurspolitik der schweizerischen Währungsbehörden in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg beleuchtet ein von Franz Ritzmann für den oben erwähnten Jubiläumsband der Schweizerischen Bankgesellschaft verfasster Aufsatz zur schweizerischen Geld- und Währungspolitik.
QUELLE: «Geld und Kredit» in Ritzmann/Siegenthaler, Historische Statistik der Schweiz, Zürich: Chronos, 1996, 795-800