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Eine Studie über Eisbären im norwegischen Spitzbergen-Archipel ergab, dass ihre genetische Vielfalt um bis zu 10 Prozent geringer ist als noch vor zwei Jahrzehnten. Das Meereis in der Arktis schmilzt so schnell wie nie zuvor. Dadurch werden die Lebensräume für Eisbären kleiner und isolierter. Die Forscher sagten, dass Eisbären beim Schmelzen des Eises weniger in der Lage sind, von einem Gebiet zum anderen zu wandern, was zu vermehrter Inzucht führt.
Forscher des Norwegischen Polarinstituts in Tromsø sammelten von 1995 bis 2016 über zwei Jahrzehnte kleine Gewebeproben von Eisbären, die auf Spitzbergens Inseln leben.
Da die Generationszeit von Eisbären ca. 12 Jahre beträgt, umfasst die Studie mindestens zwei Generationen, insbesondere wenn man berücksichtigt, dass die Eisbären in den ersten Jahren der Probenahme schon bis zu 20 Jahre alt waren.
„Wir waren überrascht, in nur etwa 20 Jahren so überzeugende Beweise für den Verlust der genetischen Vielfalt und des Genflusses zu finden“, sagte Snorre Hagen vom NIBIO (Norwegian Institute of Bioeconomy Research). Insbesondere zeigten sie bei Eisbären aus dem Nordwesten Spitzbergens, wo der Meereisverlust besonders stark war, eine erheblich geringere genetische Vielfalt im Vergleich zu Bären aus dem Rest des Spitzbergen-Archipels. Eine erhöhte Isolation zwischen Populationen kann in Zukunft die Inzucht verstärken
„Sowohl das Ausmaß als auch die Rate des Verlustes der genetischen Vielfalt waren alarmierend und besorgniserregend, da Eisbären bereits eine geringe genetische Vielfalt aufweisen und einem immer stärkeren klimatischen Druck ausgesetzt sind“, meinte Hagen weiter.
Eine erhöhte Inzucht dürfte die Eisbärenpopulationen weiter schwächen. Die Nachkommen verwandter Individuen werden weniger überleben und zudem eine geringere Fruchtbarkeit aufweisen. Dieser Effekt ist als ‘Inzuchtdepression’ bekannt.
„Eine Abnahme der genetischen Vielfalt und eine wahrscheinliche Inzuchtdepression können zu einer weiteren Verringerung des Überlebens und der Produktivität führen, was zu einem erhöhten Risiko des Aussterbens der Eisbären führen könnte“, gab Snorre Hagen weiter zu verstehen.
„Obwohl der Meereisverlust zu Würfen mit „erhöhter Zahl naher Verwandter“ führt, ist dies technisch gesehen kein Inzest“, sagte Dr. Hagen.
„Streng genommen ist Inzest ein Konzept der Inzucht, das sich auf den Menschen bezieht und rechtliche Auswirkungen hat. Bei Tieren und Pflanzen bezeichnen wir die Paarung zwischen genetisch eng verwandten Individuen einfach als Inzucht“, sagte er.
„In der Regel wird die Paarung zwischen nahen Verwandten wie Bruder und Schwester durch verschiedene biologische Mechanismen verhindert, und bei Eisbären sorgt die allgemein hohe Migrationsrate dafür, dass sich Verwandte unter normalen Umständen selten treffen und paaren.
„Es ist jedoch fraglich, wie gut sie sich wirklich wiedererkennen können. Besonders wenn sie als Halb- oder Vollgeschwister aus verschiedenen Würfen geboren wurden“.
Heiner Kubny, PolarJournal
Originalstudie: https://royalsocietypublishing.org/doi/10.1098/rspb.2021.1741