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Es gibt kaum ein Energie-Thema, das derzeit so kontrovers diskutiert wird wie das Fracking. Hinter diesem Begriff steckt eine Methode der Erdgasgewinnung, bei der zunächst eine bis zu mehrere Tausend Meter tiefe Bohrung erfolgt. Unter einem Druck von einigen Hundert Bar wird durch das entstandene Loch eine Flüssigkeit in den geologischen Horizont gepumpt. Hierdurch entstehen im Gestein der Lagerstätte Risse, sodass darin befindliche Gase bzw. Flüssigkeiten leichter zur Bohrung fließen und gefördert werden können.
Das Problem: Neben Wasser enthält das sogenannte “Fracfluid” eine Kombination von 200 bis 600 Chemikalien und Bioziden (z.B. Xoluol, Ethyle oder Benzol), die ins Grundwasser sickern und bei den Konsumenten schwere Nieren- und Leberschäden verursachen können. Das Lagerstättenwasser, das mit dem Frackwasser nach oben kommt, kann Schwermetalle, giftige Kohlenwasserstoffe und radioaktive Stoffe enthalten.
Die Entsorgungsfrage ist nach wie vor ungeklärt
Ein großes Problem, das sich bei der Anwendung von Fracking ergibt, ist die Entsorgung von Abwässern und Abfällen. Der mit radioaktiven Isotopen belastete Bohrschlamm muss über weite Distanzen transportiert werden, was nicht nur zahlreiche Gefahren birgt, sondern auch immense Kosten verursacht. Ein Endlager für Fracking-Abfälle existiert derzeit nicht – dass sich ein Kanton freiwillig bereit erklärt, ein solches einzurichten, ist aufgrund der potenziellen Umweltgefahren mehr als unwahrscheinlich.
Der hohe Flächen- und Wasserverbrauch ist ein weiteres Argument, der von Fracking-Gegnern angeführt wird. In dünn besiedelten Regionen wie Graubünden oder dem Jura mag dieser Punkt weniger ins Gewicht fallen, doch in bevölkerungsreichen Gegenden wie dem Mittelland sieht die Situation anders aus: Auf einer Fläche von rund 12.000 Quadratkilometern leben rund 5 Millionen Menschen, was fast 70 Prozent der Schweizer Gesamtbevölkerung entspricht. Durch Fracking, so die Gegner, würde so viel unterirdische Fläche verseucht, dass weite Teile der Region auf lange Zeit unbewohnbar würden.
In der Schweiz ist die Politik gespalten
Wie in den meisten anderen europäischen Ländern gibt es auch in der Schweiz keine einheitliche Linie zum Thema Fracking. Während das umstrittene Energiegewinnungsverfahren in den Kantonen Freiburg und Waadt bereits verboten ist, lehnt der Regierungsrat des Kantons Zürich ein generelles Verbot ab. Im Kanton Bern hingegen ist ein Verbot bereits in der Planung. Die Geschäftsführerin der Berner Grünen, Regula Tschanz, sagte, man müsse sokchen Projekten einen Riegel vorschieben, bevor Sie am Laufen seien. Die finanzstarke Fracking-Lobby zu bekämpfen, werde umso schwieriger, je mehr Zeit ins Land gehe.
Fracking-Befürworter sehen großes Potenzial
Der Präsident der Schweizerischen Vereinigung von Energie-Geowissenschaftlern, Peter Burri, gilt als einer der einflussreichsten Befürworter des Frackings. Er gibt zu bedenken, dass in den USA mehr als 50 Prozent des Gases aus Vorkommen stamme, die nur durch Fracking erschlossen werden könnten. Ein ähnliches Potenzial sei auch im weltweiten Maßstab zu erwarten. Auch in der Schweiz seien Öl und Gas generierende Gesteine vorhanden. Es seien jedoch Probebohrungen vonnöten, um abzuklären, ob ein solches Vorhaben wirtschaftlich rentabel sei.
Conrad Frey von der Aktiengesellschaft für schweizerisches Erdöl (SEAG) setzt sich seit Jahren dafür ein, Gas mittels Fracking zu fördern. Zu Beginn des vergangenen Jahres beantragte die SEAG eine Schürfbewilligung, um zwischen Heimberg und Kirchdorf sowie zwischen Eriz und der Grenze zum Kanton Luzern nach Erdgas zu suchen. Durch das Erschließen eigener Gasvorkommen, so Frey, würde die Schweiz weniger abhängig von Lieferungen aus dem Ausland. Ein Fracking-Projekt habe die SEAG bislang aber nicht in der Schublade.