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Tidjane Thiam nutzt die grosse Bühne für eine persönliche Abrechnung. Er habe keinen Anteil an der Krise bei der CS.
Ganz im Gegenteil, meinte er soeben auf einem Finanzpodium. Hätte man auf ihn gehört, ginge es der Grossbank heute viel besser.
“I was extremely tough and I’m quite proud that none of that happened under my watch”, zitiert ihn die Financial Times.
Thiam, CEO der CS von 2015 bis 2019, trat gestern am „Banking Summit“ der Zeitung auf; es sei „one of the first times“ gewesen, dass Thiam „publicly about his turbulent five years at the top of Credit Suisse“ gesprochen habe.
Im Scheinwerferlicht meinte Thiam, er habe schon ein gutes Jahr nach seinem Start zum „cultural change“ beim Paradeplatz-Multi aufgerufen und „hundreds of millions on its distressed debt holdings“ abgeschrieben.
Diese hätten die CS-Investmentbanker vor ihm „versteckt“ gehalten.
Tatsächlich war es Thiam, der als Erster nach der Zeit von Oswald Grübel und Brady Dougan die riesigen Positionen der CS in ihrer eindrücklichen „Wall Street“-Division anpackte.
Doch wie er dies tat, das ist bis heute umstritten. Thiam bescherte der CS mit seinem Verkauf zum Zeitpunkt, als die Börsen krachten, einen Milliarden-Abschreiber.
Die „Masters of the Universe“ der CS schossen via „Wall Street Journal“ zurück. Thiam wurde von ihnen als Majestät gezeichnet, der in den teuersten Hotel-Suiten von New York Audienz halten würde.
Danach wurde der Ex-McKinsey-Mann still, der im Versicherungsgeschäft aufgestiegen war und nach eigener Aussage jedes Detail des Investment Banking verstehen würde.
Er getraute sich offensichtlich nicht mehr, das heisse Eisen der CS ein weiteres Mal wuchtig anzupacken. Auch der im Rückblick vielversprechende Plan, die CS Schweiz an die Börse zu bringen, begrub der damalige CS-Herrscher.
Bis heute sieht er die Schuld nicht bei sich, sondern bei seinen Gegnern. Respektive der Presse. „Certain segments of the German-speaking press in Zurich … waged a very toxic and very effective campaign against me.“
Später sprach Thiam von Rassismus gegen ihn – eine eigenwillige Interpretation der Geschehnisse.
Thiams Stabschef hatte dem abtrünnigen Spitzenmann Iqbal Khan Privatspione auf den Hals gehetzt. Nach monatelangem Ausharren trotz weiterer Fälle musste Thiam sein CEO-Büro am Paradeplatz räumen.
In seinen gut viereinhalb Jahren hatte der operative Steuermann von der CS gegen 100 Millionen eingestrichen. Pro Monat entspricht das 2,3 Millionen. Soviel, wie Martin Scholl als CEO der ZKB pro Jahr verdiente.
Mit seinem Auftritt in eigener Sache reiht sich Thiam in die wachsende Schar von Ex-CS-Kapitänen ein, die ihre Hände in Unschuld waschen.
Urs Rohner, Langzeit-Präsident der schlingernden Grossbank, der 2015 Thiam zu „seinem“ CEO gekürt hatte, „weinte“ sich kürzlich im Magazin des Tages-Anzeigers aus.