Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03525.jsonl.gz/410

Der Feldbahnzug unmittelbar vor der SBB Station Schinznach Dorf. 1994
Die Station Schinznach-Dorf liegt unmittelbar vor dem Bözbergtunnel an der SBB Strecke Brugg - Basel.
Die Tongrube Eriwis wurde 1935 durch die Zürcher Ziegeleien ZZ erschlossen. Zum Abtransport des Tones wurde zwischen der Grube und der SBB Station Schinznach- Dorf (heute geschlossen) eine Materialbahn mit einer Spurweite von 600 mm und einer Länge von ca. 500 Metern erstellt. In der SBB Station welche direkt am Bözbergtunnel liegt wurde ein massives Sturzgerüst errichtet, über welches die in einem Gleisstumpen stehenden Normalspurwagen beladen wurden. Der Ton gelangte dann in die Ziegelei Tuggen im Kanton Schwyz. In spätern Jahren wurde dann eine zweite, höher gelegene Grube erschlossen die mit einem zweigleisigen Bremsberg mit der Materialbahn verbunden wurde. (Ein Bremsberg ist im Prinzip eine antriebslose Standseilbahn bei der die beladenen talwärts fahrenden Wagen die Leerwagen hochziehen. Dabei wird die Fahrgeschwindigkeit durch geeignete Vorrichtungen reguliert. Daher der Name Bremsberg). Als auch diese Grube erschöpft war wurde ein neues südlich der ersten Grube liegendes Abbaugebiet erschlossen. Die Materialbahn wurde dann in dieses Gebiet verlängert. Auch wurden im Laufe der Jahre einige Trasseeverschiebungen vorgenommen. Zum Einsatz kamen Dieselloks mit Kipploren.
1968 wurde die Bahn grundlegend erneuert. Das ganze Trassee wurde mit einem Betonunter-bau versehen auf dem die Holzschwellen ohne Schotter verlegt wurden. Dazu kam ein schweres Schienenprofil. Auch das Rollmaterial wurde erneuert. Von DIEMA wurde eine 90 PS Lok angeschafft zusammen mit drei Mühlhäuser Kippwagen. Bei der SBB Station wurde der Schuppen für die Diesellok neu erstellt.
Der Abbaubetrieb funktionierte bis ins Jahr 2000. Allerdings wurde nicht täglich von diesem Spezialton gefördert. Mit dem Verkauf der Ziegeleien an die Wienerberger Gruppe wurde das Werk Tuggen geschlossen und damit auch die Grube Eriwis. Die Kippwagen wurden zurück-genommen, die Lok blieb jedoch im Schuppen bis sie 2005 durch die Schinznacher Baum-schulbahn erworben wurde und nun dort frisch revidiert im Einsatz steht. Die Gleisanlage blieb erhalten und wurde langsam von der Vegetation übernommen.
2016 begann die SBB mit den Vorarbeiten für den neuen Bözbergtunnel. In diesem Zusammenhang musste das SBB Ladegleis sowie die aufgeständerte Fahrbahn der Tonbahn abgebrochen werden. Die heutige Bözenegg - Eriwis Bahn hat daher ihr Gleisende direkt neben dem Depot.
(Die Strecke auf der Verladerampe war allerdings nach dem Ende der Tontransporte für den Betrieb bereits gesperrt).
Direkt vor dem Portal des Bözbergtunnels der SBB steht das Sturzgerüst aus Eisenbeton. Darauf liegt das Entladegleis sowie ein kleiner Gleisstumpen für nicht benötigte Wagen. Nach dem Verlassen des Stationsgebietes von Schinznach-Dorf kommt rechterhand das kleine Depotgebäude in Sicht. Nun schlängelt sich das Trassee dem Gelände folgend dem Talhang entlang um nach ungefähr 600 Metern im Grubengebiet zu enden. Etwa 80 Meter vor dem Streckenende liegt noch eine Weiche und bergwärts einige Meter Gleis. Es handelt sich hier um den ehemaligen Anschluss an den Bremsberg als Verbindung zur oberen Grube. In der Grube selbst war nur das Streckengleis verlegt ohne jede Weiche. Der Leerzug zur Grube wurde jeweils von der Lok geschoben.
Streckenskizze der Tonbahn zur Grube Eriwis. map.search.ch
Skizze der Anlagen bei der Station Schinznach-Dorf.
Einem glücklichen Umstand ist es zu verdanken dass sich eine Privatperson (und Feldbahnfan) für die buchstäblich unter Dornen schlummernde Strecke zu interessieren begann. Nachdem die Ziegelei die Bewilligung zur privaten Nutzung der Strecke erteilte wurde das Trassee gerodet und wieder fahrbar gemacht. Parallel dazu wurde eine Diema Diesellok erworben welche bereits auf diversen Baustellen in der Schweiz im Einsatz war. Gründlich revidiert und mit einigen in der eigenen Werkstatt erbauten Wagen ergänzt, wurde der Zug auf der Eriwiser Strecke in Betrieb genommen. Und so kann man auf der Eriwiser Tonbahn wieder öfters eine kleine Feldbahn in Betrieb sehen.
Betriebsaufnahme
1935
Betriebseinstellung
2000
Streckenabbruch
noch erhalten
Streckenlänge
570 m
Spurweite
600 mm
Grösste Neigung ca.
37 0/00
Tiefster Punkt (Grube Eriwis)
440 m.ü.M.
Höchster Punkt (Weiche zum Bremsberg)
445 m.ü.M.
Anzahl Weichen
3
Kupplungssystem
Mittelpuffer / Kette
Betriebsart
Diesel
V max
20 km/h
Anstrich: Lok
rot
Wagen
gelb
Lok
Lieferfirma
Typ
Baujahr
Länge
Breite
Gewicht
Leistung
Antrieb
m
m
t
PS
DIEMA
DS 90
1968
4,90
1,65
11
90
hydrodynamisch
Die Lok ist zweiachsig mit beidseitigen Vorbauten. 6 Zyl. Deutz Motor. Druckluftbremse. 2005 wurde die Lok an die Schinznacher Baumschulbahn SchBB abgegeben.
Wagen
Zum Tontransport wurden 1968 drei neue Mühlhäuser Kippwagen angeschafft welche die alten Kipploren ablösten. Vom alten Bestand blieb noch ein Wasserwagen, aufgebaut auf einem alten Untergestell, im Einsatz. Alle Wagen sind zweiachsig und ohne Bremse. Nach der Gruben-schliessung wurden die Wagen vom Unternehmen zurückgenommen. Der Verbleib ist nicht bekannt.
Blick auf die aufgeständerte Fahrbahn und das Sturzgerüst direkt am Portal des Bözbergtunnels. Im Gleisstumpen oben steht der Wasserwagen. 1999 Foto J. Ehrbar
Links das zur Grube abgehende Gleis und rechts das kurze Abstellgleis. 1999 Foto J. Ehrbar
Blick auf das Sturzgerüst und die zu beladenden Normalspurwagen. Aus dem Tunnel kommt ein Regionalzug Richtung Brugg. 1994
Beim manuellen Kippen der Mühlhäuserwagen. 1994
Die aufgeständerte Fahrbahn zwischen dem Depot und dem Sturzgerüst. 1999 Foto J. Ehrbar
Ein Materialzug auf der Fahrt zum Sturzgerüst. 1994
Beladener Materialzug vor dem Stationsgebäude von Schinznach-Dorf. 1994
Fahrt durch die Blumen in der Nähe des Depots. 1994
Das Depotgebäude mit dem Streckengleis zum Sturzgerüst. 1999 Foto J. Ehrbar
Die DIEMA DS 90 zuhause. 1994
Die Lok vor dem Depotgebäude. 1994
Leerzug beim Depot. 1994
Auf der Fahrt zur Grube. 1994
Tonzug im ersten Streckenteil. 1994
Gut zu sehen das schotterlose Gleis mit den Holzschwellen direkt auf auf der Betonplatte. 1999 Foto J. Ehrbar
Die Weiche welche früher die Verbindung zum Bremsberg herstellte. 1999 Foto J. Ehrbar
Die elegante Kurve beim Eintritt zur Grube. 1999 Foto J. Ehrbar
Die DIEMA im Grubenbereich. Gut zu sehen die Betonplatte unter dem Gleis. 1994
Der Tonzug wartet auf die Beladung durch den Pneulader. 1994
Die DIEMA in der Grube. 1994
Der Lokführer hat auf den Pneulader gewechselt und beginnt die Beladung. 1994
Der Zug steht hier am äussersten Ende des Grubengleises zur Beladung. 1994
Während der Betriebspause in der Grube abgestellt. 1999 Foto J. Ehrbar
Alle Fotos ohne Autorenangabe: H.P. Gladtfeld
Blick in die untere Grube.
Die Verladestelle mit dem Gleisende und dem Holzschuppen für den Pneulader.
Weiter geht's nicht mehr.
Der ehemalige Ladeort mit dem noch vorhandenen Tonvorrat links im Bild.
Blick vom Gleisende.
Entlang der Tondeponie.
Die Wegkreuzung mit der Zufahrt zur Grube.
Nun beginnt das Waldstück.
Von links kommt das Verbindungsgleis zum ehemaligen Bremsberg.
Das Bremsberggleis ist in der Länge nur noch zum Teil erhalten.
Die Bremsbergweiche.
Die Strecke windet sich weiter durch den Wald.
Auf der gegenüberliegenden Talseite kommt die Bözbergstrecke der SBB in Sicht.
Nein, wir sind nicht in Deutschland. Nordwärts fahrender Güterzug mit zwei DB Lok.
Gut zu sehen das schwere Schienenprofil.
Das fiktive Schottterbett auf dem Betonunterbau.
Nun wird der Wald verlassen.
Rechts unten liegt die Gaststätte.
Hart am Gasthaus vorbei führt die Strecke nun zum Depot.
Da kommt sicher die Frage, warum liegt das Depot im geraden Strang und nicht das Hauptgleis. Ganz einfach, das ursprüngliche Depot lag im rechten Strang und das Hauptgleis führte geradeaus.
Hinter dem Depot wird noch ein Weg überquert. Recht das ehemalige Stationsgebäude der nun aufgehobenen Station Schinznach Dorf.
Hier beginnt die aufgeständerte Fahrbahn Richtung SBB Strecke.
Das Gleis liegt hier am Hang auf einer Betonkonstruktion.
Das Sturzgerüst mit dem kurzen Gleisstumpen im Vordergrund und dem Bözberg-Tunnelportal.
Das Sturzgerüst von oben und ein IC auf der Fahrt nach Süden.
Das Sturzgerüst und das neben der Doppelspur liegende Ladegleis der SBB.
Die Situation von der gegenüber liegenden Talseite gesehen.
Alle Fotos: J. Ehrbar 2013
Nachdem ein Feldbahnfreund das Recht zur Benutzung der Strecke erhielt wurden die Anlagen wieder hergerichtet, eine Diesellok revidiert und Rollmaterial im Eigenbau erstellt.
Gemütlich durch das Waldstück.
Der kleine Zug auf der Fahrt zur Grube. Kein öffentlicher Verkehr! 2012 Foto H. Gerber
Nachdem die SBB beschlossen hatten den etwas altersschwachen Bözbergtunnel durch einen Neubau zu ersetzen wurde bald einmal klar dass es für die Verladerampe der ehemaligen Lehmbahn keine Zukunft gibt. 2015 wurde dann mit dem Abbruch der Rampe und dem Ladegleis der SBB begonnen. Diese Rampengleisstrecke welche beim Wegübergang hinter dem Depot begann war jedoch für den hobymässigen Betrieb der Bözenegg - Eriwis Bahn seit jeher gesperrt.
Die aufgeständerte Zufahrtstrecke zur Verladerampe ist bereits abgebrochen. 2016 Foto H. Gerber
Am Wegübergang hinter dem Depot ist das neue Gleisende. 2016 Foto J. Ehrbar
Auch das SBB Ladegleis wurde abgebrochen. Das ehemalige Stationsgebäude Schinznach Dorf geniest noch eine Gnadenfrist bis zum vorgesehenen Abbruch. 2016 Foto J. Ehrbar
2005 konnte die DIEMA DS 90 von der nur wenige Kilometer entfernten Schinznacher Baumschulbahn SchBB übernommen werden.
Nach einer Revision und der Ergänzung mit einer Druckluftbremse für den ganzen Zug konnte die Lok in Betrieb gehen.
Ihre Hauptaufgabe ist die Beförderung der Dieselzüge am Mittwochnachmittag. Sie vermag auch in der grossen Steigung 5 Vierachswagen zu befördern. Bislang fehlte der SchBB eine leistungsfähige Diesellok.