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FE PL&M
Pluralität von Sprache und Medien
Thematik des F&E-Programms
Bei schulischem Lernen wird immer (mündliche oder schriftliche) Sprache realisiert, sei es direkt oder mit Medien, rezeptiv oder produktiv. Unterrichtsmaterialien sind grundsätzlich medial gestaltet; sie bilden kein neutrales, universelles, kontextfreies Wissen ab. Das Verhältnis zur Information (siehe Westschweizer Lehrplan zur digitalen Bildung, PER EdNum) erscheint demnach durchaus relevant bei der Konzeption von Unterrichtsmaterialien, die Informationen medial vermitteln und dabei eine Sprache verwenden, die es zu begreifen gilt.
Das Verhältnis zur Sprache und das Verhältnis zu den Medien sind idiosynkratisch und werden für das Verhältnis zum (epistemischen) Wissen zu pädagogischen/didaktischen Herausforderungen, denen die Volksschule Rechnung tragen muss.
Bei der Idee eines Verhältnisses zur Sprache geht es auch um die Sprachverwendung im Spannungsfeld der drei Kontextebenen, innerhalb derer die SuS Lernsituationen und -objekte erleben (soziokultureller, institutioneller und interaktiver Kontext) (Bautier, 2002). Da das Schulsystem jedoch «von allen, die es aufnimmt, voraussetzt, dass sie das vorweisen, was es selbst nicht vermittelt, nämlich das Verhältnis zu Sprache und Kultur, das durch eine bestimmte Art des Einprägens erzeugt wird» (Bourdieu & Passeron, 1970), entsteht potenziell eine Antinomie zwischen dem Bezug der Lehrperson zur Sprache und dem Bezug der einzelnen SuS zur Sprache.
Bei der Idee eines Verhältnisses zu den Medien geht es auch um die Vorstellung, dass eine «Erziehung zu» notwendig ist: Nicht nur der Inhalt der Medienaussage erfordert einen Aneignungsprozess (namentlich auf dem Wege der Sprache), sondern auch das Medium selbst besitzt einen semantischen Wert, der einen Aneignungsprozess nötig macht. Wie McLuhan (1964, 1994) es bereits als Pionier ausdrückte: «The medium is the message.» Genau wie Sprache werden Medien also zum Lernobjekt und gleichzeitig zum Lernmittel.
Wir gehen daher davon aus, dass Spracherwerb und Sprachverwendung ebenso wie Medienerziehung und Mediennutzung/-produktion den gemeinsamen Nenner des Lernens bilden und dass das doppelte Verhältnis der SuS zu Sprache und Medien eine Determinante ihres Verhältnisses zu Schule und Wissen ist.
Dies wirft die Frage nach Sprach- und Medienelementen auf, die geeignet sind, den Zugang zu Wissen und didaktischen Situationen zu fördern.
Betrachtet man Sprache und Medien als Treiber und Objekte des Lehrens und Lernens und heterogene Klassen als die Regel und will man den Zugang aller SuS zum Lernen fördern, dann kann das Universal Design for Learning ([UDL] CAST, 2021) die Chance für eine inklusivere Schule bieten, insbesondere wenn ein geförderter Zugang zu Diskursen und Ressourcen eingeplant und sichergestellt wird. Digitale Medien können ein Mittel sein, mit dem dies gelingt, ermöglichen sie doch eine grössere Bandbreite didaktischer Umfelder, in denen verschiedene Lernhürden umgangen werden können.
Unser Forschungsprogramm will daher die Zusammenhänge zwischen drei Bereichen sondieren, die in allen didaktischen Situationen eine Rolle spielen (Abb. 1):
- Sprache und Kommunikation als Objekte und Treiber des Lehrens und Lernens
- Medien als Objekte und Treiber des Lehrens und Lernens
- UDL als Rahmen für die Konzeption didaktischer Situationen
Die drei Bereiche haben ihre jeweils spezifischen Eigenschaften, interagieren aber beim Aufbau des didaktischen Umfelds und der Lehr-Lern-Situation. Die Vielfalt von Sprache und Medien in didaktischen Situationen wird zum Garant für die Universalität der Schule. UDL und die Pluralität der didaktischen Situationen werden parallel dazu zu Mitteln, das Verhältnis zu Sprache und Medien zu gestalten.
Abbildung 1 : drei Bereiche des Forschungsprogramms der FE
Schwerpunkte des F&E-Programms
Der Zugang zu Sprache und Medien im Unterricht und das Verhältnis der schulischen Akteur·innen zu Sprache und Medien bestimmen das Verhältnis zum Wissen und daher auch das wissens- und fertigkeitsbezogene Lernen. Ausgehend von den drei Bereichen, die dem Forschungsprogramm der FE zugrunde liegen, wurden drei Forschungsschwerpunkte mit gezielten Problematiken und methodischen Ansätzen definiert.
SCHWERPUNKTE
- Schwerpunkt THEORETISCHE GRUNDLAGEN – Konzeptualisieren von Spracherwerb und Verhältnis zu Sprache und Medien aus einer universellen Perspektive bei Zielgruppen mit vielfältigen Lernbedürfnissen:
- Spracherwerb und Pluralität der Bedürfnisse
- Medienerziehung
- Didaktik der Unterrichtssprachen Französisch und Deutsch
- Pluralität der Lernenden und universelle Pädagogik
In diesem Schwerpunkt werden explizit individuelle Schwankungen beim Spracherwerb und bei der Entwicklung des doppelten Verhältnisses zu Sprache und Medien behandelt. Dabei geht es darum, die verschiedenen Bedürfnisse und Profile der Personen zu identifizieren, an die sich der Unterricht richtet. Mögliche Methoden hierzu sind Literatur-Reviews und die Auseinandersetzung mit dem wissenschaftlichen Diskurs zur Ermittlung des aktuellen Wissensstands, Communities of Practice sowie die Delphi-Methode zur Erörterung und Kontextualisierung von Wissen in Bezug auf den Arbeitsalltag.
- Schwerpunkt DIDAKTISCHE WERKZEUGE – Gestaltung und Erprobung von Lehr- und Lernarrangements und -materialien für den Spracherwerb auf der Grundlage von UDL:
- Unterstützen von Textverständnis und Textproduktion in der Unterrichtssprache
- Unterstützen der Teilnahme in anderen Fächern durch den Erwerb der Schulsprache
- Diversifizierte Gestaltung von Arrangements und Materialien durch die Nutzung digitaler Möglichkeiten (EDV-Umgebungen für menschliches Lernen, Spielpädagogik)
- Vermittlung des Erwerbs der Kompetenzen literarischen Lernens (deutschsprachiges Konzept)
Dieser Schwerpunkt erlaubt eine explizite Ausrichtung auf den Bereich Entwicklung. Basierend auf den theoretischen Grundlagen (Schwerpunkt 1) werden in Zusammenarbeit mit den verschiedenen Beteiligten (Lehrpersonen, Forschende, wissenschaftliche Mitarbeitende usw.) didaktische Materialien erstellt und didaktische Situationen vorgeschlagen. Mögliche Methoden hierzu sind kooperative Forschung, halbstrukturierte Interviews und Versuchsprotokolle mit Einzelfällen.
- Schwerpunkt IMPLEMENTIERUNG & FOLGENABSCHÄTZUNG – Gestaltung und Erprobung von Begleitmassnahmen für die Durchführung von Arrangements und die Nutzung von Materialien durch Lehrpersonen:
- Bestimmung der Implementierungstreue beim Einsatz didaktischer Werkzeuge durch kooperative Forschung
- Dokumentieren der Auswirkungen der Implementierungstreue auf das Lernen
- Identifikation von Mitteln zur Unterstützung der Implementierungstreue
In diesem Schwerpunkt wird geprüft, in welchem Masse die entwickelten didaktischen Werkzeuge (Schwerpunkt 2) auf Akzeptanz stossen und an die kulturell verankerten praktischen Realitäten angepasst sind und ob eine entsprechende Verbreitung in Angriff genommen werden sollte. Mögliche Methoden hierzu sind kooperative Forschung (um Phänomene zu verstehen), gestaltungsorientierte Forschung (um didaktische Arrangements zu entwickeln) und Interventionsstudien (um didaktische Arrangements zu erproben).
Diese drei Forschungsschwerpunkte interagieren miteinander, wie auf Abbildung 2 zu sehen. Sie strukturieren die Forschungsprojekte, die das Team durchführt, teils auch in PH-interner und/oder schweizweiter oder internationaler Zusammenarbeit.
Abbildung 2: Interaktionen zwischen den 3 Forschungsschwerpunkten der FE
Die Forschungseinheit PL&M beschäftigt sich mit drei Schwerpunkten im Bereich Forschung und Reflexion, bei denen es darum geht, Projekte rund um Erwerb und Lernen von Sprachen und die Produktion von Ressourcen für Lehrpersonen oder Schüler·innen zu hinterfragen und zu entwickeln.
Ordentlicher Professor PH und Leiter der FE PL&M
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Laufende Projekte
Die Projekte werden danach gruppiert, ob sie 2 oder 3 Schwerpunkte des FE-Programms betreffen (Querschnittsprojekte) oder nach dem jeweiligen Schwerpunkt.
Die Abbildungen 3 und 4 zeigen die Verteilung der verschiedenen Projekte nach den drei Bereichen und den drei Forschungsschwerpunkten des FE-Programms und ermöglichen die Visualisierung der Projekte an den Schnittstellen.
Abbildung 3: Verteilung der Projekte nach Bereichen des Forschungsprogramms
Abbildung 4: Verteilung der Projekte nach Schwerpunkten des Forschungsprogramms