Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/143645

<h2>SubmittedText<h2><p>Die Gesundheitskosten sind in aller Munde. Einzelmassnahmen zur Senkung derselben werden geprüft. Die heutige fortgeschrittene Medizin und deren Forschung zeigen eindeutig, dass die Gesundheitspflege interdisziplinär und auf physischer, psychischer und geistiger Ebene gefördert werden muss. Ebenso sollten in der modernen Gesundheitspolitik die biografische Entwicklung, das soziale Umfeld und die Selbstheilungskräfte des Individuums integriert werden.</p><p>Dementsprechend sollte eine bestmögliche Vernetzung und Zusammenarbeit der diversen im Gesundheitswesen Tätigen stattfinden. Ein Austausch und eine mögliche Zusammenarbeit mit dem näheren Umfeld, wie der Familie, Arbeitgebenden sowie amtlichen Stellen, sollten die Behandlung unbedingt ergänzen. Patientinnen und Patienten können nur umfassend und nachhaltig betreut werden, wenn ihre Beschwerden auf ganzheitlicher Ebene erfasst und nicht einzig Lokalsymptome behandelt werden. Ein Team aus Ärzten, Therapeuten und Pflegenden, welches physische und psychische Faktoren einer Erkrankung berücksichtigt, sollte gemeinsam mit selbstverantwortlichen Patienten die Behandlung festlegen.</p><p>Bereits bestehende Dienste im ambulanten Gesundheitsbereich, wie beispielsweise die Mütter-/Väterberatungs- und Familienberatungsstellen, sowie auch die diversen Spitex-Organisationen sollten eine höhere Anerkennung erfahren und im Sinne eines starken präventiven und in der Nachbehandlung verlässlichen Netzes stärker in die Mitarbeit integriert werden.</p><p>Durch die Früherkennung der sich auf physischer, psychischer und geistiger Ebene zeigenden Symptome und deren ganzheitliche Behandlung könnten schwere und chronische Leiden vermieden oder könnte ihnen zumindest bewusst begegnet werden.</p><p>Ich bitte den Bundesrat aufgrund dieser Betrachtung, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Teilt er meine Einschätzung, dass die Gesundheitspflege interdisziplinär und auf physischer, psychischer und geistiger Ebene gefördert werden muss und dadurch Gesundheitskosten gespart werden könnten?</p><p>2. Was denkt er zu umfassenden Behandlungsplänen, welche durch psychologische und soziale Beratung, eine enge Zusammenarbeit mit dem nahen Umfeld der Patienten und beispielsweise sofortige Ernährungsumstellung und mit Komplementärmedizin ergänzt werden?</p><p>3. Wie begegnet er meiner Forderung nach grosser Selbstverantwortung der Leistungsempfangenden und dem Bemühen um die eigene Gesundheit?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1./2. Der Bundesrat teilt die Einschätzung, dass die Interdisziplinarität und die Vernetzung der verschiedenen Akteure in der Gesundheitsversorgung im Sinne einer koordinierten Versorgung gefördert werden sollen. Sicherlich ist auch eine umfassende Berücksichtigung der psychosozialen Aspekte einer Krankheit sowie des familiären und beruflichen Umfelds sinnvoll. Insbesondere im Bereich der psychiatrischen Versorgung zeigen Auswertungen von kantonalen Modellprojekten, dass damit auch Kosten gespart werden können (Verkürzung der Aufenthaltsdauern in den stationären Einrichtungen, Vermeidung von Re- oder Notfallhospitalisationen). Auch im Bereich der Onkologie ist heute eine interdisziplinäre, umfassende Herangehensweise (inklusive z. B. der psychoonkologischen Betreuung) Standard. Welche zusätzlichen therapeutischen oder unterstützenden Massnahmen zu ergreifen sind, ist im Einzelfall zu entscheiden. Allerdings sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die vorgeschlagenen Massnahmen wie soziale Beratung, Unterstützung bei der Ernährungsumstellung und komplementärmedizinische Massnahmen nicht oder nicht vollumfänglich Pflichtleistungen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung sind und deshalb von den Patienten entweder über Zusatzversicherungen oder selbst zu finanzieren bzw. die Kosten von den Kantonen zu tragen sind (z. B. soziale Beratung).</p><p>Der Bundesrat engagiert sich im Rahmen der Umsetzung seiner gesundheitspolitischen Prioritäten "Gesundheit 2020" vom 23. Januar 2013 für die Förderung der koordinierten Versorgung. In einem ersten Schritt sollen hierzu Studien zum besseren Verständnis der aktuellen Versorgungssituation bei leistungsintensiven Patientinnen und Patienten in Auftrag gegeben werden, dabei soll insbesondere die Frage von qualitativen Verbesserungsmöglichkeiten an den Schnittstellen (insbesondere Spitaleintritt und Spitalaustritt) im Zentrum stehen. Zudem leisten auch andere Projekte wie z. B. die Umsetzung der Nationalen Strategie Palliative Care 2013-2015, die Umsetzung der Nationalen Demenzstrategie 2014-2017 und die Umsetzung der Nationalen Strategie gegen Krebs 2014-2017 einen wichtigen Beitrag. Im Rahmen des Integrationsdialogs des "Dialogs der tripartiten Agglomerationskonferenz gesundes Aufwachsen" unterstützt er zudem die Vernetzung unter den verschiedenen an der Behandlung und Betreuung vor, während und nach der Geburt beteiligten Berufsgruppen.</p><p>3. Auch die Förderung der Selbstverantwortung der LeistungsempfängerInnen sowie die Stärkung von Prävention und Gesundheitsförderung - beide Bereiche fallen heute primär in den Zuständigkeitsbereich der Kantone - sind Gegenstand der gesundheitspolitischen Prioritäten des Bundesrates "Gesundheit 2020". Konkret werden aktuell z. B. eine nationale Strategie Prävention nichtübertragbarer Krankheiten sowie Vorschläge zur Stärkung der Patientenrechte wie auch der Gesundheitskompetenz erarbeitet.</p>  Antwort des Bundesrates.