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Nie war der Unterschied zwischen den Sprachregionen in einer EU-Abstimmung so gering wie bei der Entscheidung über die Personenfreizügigkeit 2005. Dennoch ergaben sich charakteristische Unterschiede zwischen mehr ruralen und mehr urbanen Regionen.
Quelle: BfS
Man erinnert sich: 1992 bei der EWR-Abstimmung gab es einen exemplarischen Röscht-Graben. Die Romandie war fast geschlossen dafür; die deutsch- und italienischsprachige Schweiz mehrheitlich dagegen. 32 Prozentpunkt betrug die Differenz zwischen den beiden grösseren Sprachregionen im Zustimmungswert.
Der sank bis 2005 stufenweise ab. Bei der Volksentscheidung über die Personenfreizügigkeit betrug er keine 6 Prozent mehr. Bei der Einführung der Bilateralen im Jahr 2000 errechnete das BfS noch einen Unterschied von 12 Prozentpunkten.
Das heisst nicht, dass es 2005 keine regionalen Unterschiede mehr gab. Die waren aber weniger durch den Faktor Sprache geprägt als durch die Siedlungsart. Die Zustimmung war in den städtischen Gebieten überdurchschnittlich, auf dem Land klar unterdurchschnittlich.
Man kann es sogar noch differenziert haben, wenn man Bezirks- oder Gemeindekarten zu Rate zieht. Massiv war die Verwerfung in Misox und im Entlebuch. Besonders hoch war sie in den Kerngebieten der grossen Agglomerationen, namentlich in Bern und Zürich.
Die Verlagerung der räumlichen Konfliktlinien hatte mit unterschiedlichen Präferenzen in der aussenpolitischen resp. -wirtschaftlichen Oeffnung zu tun. In der französischsprachigen Schweiz ist die Vorliebe für die politische Oeffnung stark ausgeprägt; Aengeste gegenüber Mitgliedschaften in supra- oder internationalen Organisationen sind geringer ausgeprägt. Besonders in der deutschsprachigen Schweiz neigt man dazu, aussenpolitischen Beitritten kritischer gegenüber zu stehen, die wirtschaftliche Kooperation aber nicht auszuschliessen.
Ein besonder Fall ist die italienischsprachige Schweiz. Sie hat alle Europa-Vorlagen seit 1992, egal, ob sie eher politischer oder wirtschaftlicher Natur waren, mit Nein-Anteilen zwischen 57 und 64 Prozent verworfen.
Claude Longchamp