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1984
Aids-Infomationsabend
Aufklärung und Aussprache
Es erwies sich rasch: Zürich war die am stärksten von Aids betroffene Stadt. Hier lebten mehr Schwule als in jedem anderen Ballungsraum der Schweiz. Hier musste dringend etwas getan werden für die bereits Erkrankten, zum Teil vom Tod Gezeichneten, für ihre nächsten Freunde und Betreuungspersonen, für die ganze schwule Community, für Menschen, die sich mehr und mehr verunsichert, bedroht, hilflos und verzweifelt fühlten.
Im Herbst 1984 ergriffen SOH (Schweizerische Organisation der Homophilen) und HAZ (Homosexuelle Arbeitsgruppen Zürich) gemeinsam die Initiative und fanden den Privat-Dozent und Oberarzt für Infektionskrankheiten am Zürcher Universitätsspital, Dr. Ruedi Lüthy, der sich bereit erklärte, an einem Informationsabend für Betroffene teilzunehmen. Es war nicht nur das Referat eines Fachmannes geplant, es sollten vor allem Fragen gestellt und offen über Probleme gesprochen und diskutiert werden.
Dieser erste derartige Anlass in der Schweiz wurde am 13. Dezember 1984 durchgeführt. Ihm folgte ein zweiter am 22. Mai 1985, an dem Dr. Lüthy über neueste Erkenntnisse berichtete, welche er am eben zuende gegangenen Internationalen Aids-Kongress in Atlanta (USA) vernommen hatte.
Die unmittelbare Aids-Hilfe im Raum Zürich, ihre Organisation und praktische Durchführung übernahm von nun an die HAZ, während sich die SOH auf nationaler Ebene engagierte. So ergab sich eine sinnvolle Aufgabenteilung für die kommenden Jahre, die, so war allen klar, anstrengend, schwierig, belastend und in Einzelfällen aufreibend sein würden.
Ernst Ostertag, August 2011