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Es war einer der ganz Grossen der Weltpolitik, der am 24. Januar 1965 im Alter von 90 Jahren verstarb. Rund um den Globus wurde des britischen Kriegspremiers Winston Churchill gedacht, so auch in der Schweiz: «Das Radio, Fernsehen und die Presse unseres Landes haben ihrerseits den Gefühlen lebhafter Dankbarkeit des gesamten Schweizervolkes gegenüber dem Verschiedenen Ausdruck gegeben.» (dodis.ch/31437, Original französisch)
Die Schweiz und Churchill: Eine «special relationship»
Zur Schweiz hatte Churchill eine «special relationship» unterhalten. In der Nachkriegszeit, als die Neutralitätspolitik des Landes international kritisiert wurde, lobte er, nunmehr als konservatiover Oppositionsführer, die Schweiz «als einzig wirklich neutrales Land» (dodis.ch/1204, Original französisch). Im Frühherbst 1946 verbrachte Churchill auf Einladung von Finanz- und Industriekreisen einen Ferienmonat in einer Villa am Genfersee (dodis.ch/1659 und dodis.ch/2184). Beim anschliessenden Besuch bei der Landesregierung wurde er von der Berner Bevölkerung euphorisch empfangen. Im vertraulichen Gespräch mit Bundesrat Max Petitpierre («a first-class man») tauschte er sich über den beginnenden Kalten Krieg aus (dodis.ch/2185).
«Let Europe arise!»
Höhepunkt von Churchills Schweiz-Aufenthalt war seine Rede in der Aula der Universität Zürich vom 19. September, ein flammender Appell zur Einheit Europas: «Let Europe arise!» (dodis.ch/298). Seine Heimat sah Churchill allerdings nicht als Teil der «Vereinigten Staaten von Europa», wie er sie in seiner Zürcher Rede beschwor. Tatsächlich beteiligte sich Grossbritannien vorerst genauso wenig an der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft EWG wie die neutrale Schweiz. Dafür waren beide Staaten 1960 Gründungsmitglieder der Europäischen Freihandelsassoziation EFTA (vgl. e-Dossier dodis.ch/dds/1553).
Beerdigung und «rauhes Gespräch»
Auf Grund der überragenden Bedeutung des Verstorbenen delegierte der Bundesrat 1965 den Vorsteher des Politischen Departements, Friedrich Traugott Wahlen, an das Staatsbegräbnis für Churchill (dodis.ch/31437). Wahlen nutzte den Aufenthalt in London, um mit Wirtschaftsminister George Brown zusammenzutreffen. Grossbritannien befand sich mitten in einer Wirtschafts- und Währungskrise. Die Regierung reagierte mit der Erhebung von Schutzzöllen, was den EFTA-Richtlinien zuwiderlief. Bundesrat Wahlen kritisierte die britischen Massnahmen gegenüber Brown als «unfair» und «schweren Schlag für die EFTA» (dodis.ch/31417). Das «rauhe Gespräch» und die «Härte» Wahlens beeindruckten Brown offenbar sehr (dodis.ch/31418).
Grossbritannien und die Schweiz sollten in den kommenden Jahren europapolitisch getrennte Wege gehen. 1972 verliess Grossbritannien die EFTA, trat der EWG bei und wurde so Teil des von Churchill 1946 beschworenen geeinten Europas.