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Mit einer schwungvollen Bearbeitung der Operette "Die Blume von Hawaii" will das Theater Basel an eine alte Tradition des Hauses anknüpfen.
Vom ungarischen Komponisten Paul Abraham (1892-1960) sind dem Publikum von heute vor allem nur noch drei erfolgreiche Operetten bekannt: "Viktoria und ihr Husar", "Ball im Savoy" und "Die Blume von Hawaii". In letzterer wagten sich das Gespann der drei Librettisten und des Komponisten Anfang der Dreissigerjahre an ein Thema, das widersprüchlicher nicht sein könnte und an sich voller brisanter politischer Details steckte.
Hawaii zwischen Tradition und Annektion
Zu dieser Zeit war der polynesische Inselstaat Hawaii nach dem Sturz seiner Königin 1893 und einer kurzen Zeit als Republik seiner wichtigen strategischen Lage wegen bereits von den USA annektiert worden und hatte eine entsprechende Verwaltung erhalten. Gegen das Zurückdrängen der einheimischen Sprache Hula und weiterer kultureller Traditionen bildete sich eine starke Unabhängigkeitsbewegung (die übrigens bis zum heutigen Tage aktiv ist). Dieses Tauziehen der verschiedenen politischen Gruppierungen - hie königstreue Traditionalisten - hie amerikanische Interessenvertreter - bildet den eigentlichen Plot des Werks. Aber selbstverständlich steht eine veritable Prinzessin, eben "die Blume von Hawaii", die letzte hawaiianische Königin Lili'uokalani, und deren zwischen heimatlichen Verpflichtungen und Liebesleben schwankendes Gemüt im Mittelpunkt der Handlung.
Zwischen Revue und Operette
Kann man so was operettenhaft überhaupt darstellen? Nun, Paul Abraham, der von musikalischen Einfällen nur so übersprudelte, entschied sich für ein Zwischending zwischen Revue und Operette, reihte auch besonders wirkungsvolle Musiknummern relativ einfach in die Handlung ein und gab so allen Beteiligten die Möglichkeit, musikalisch und szenisch zu brillieren. Abraham, der als erfolgreicher Komponist anfangs der 1930er in Berlin als Retter der schon etwas angestaubten Gattung Operette gefeiert wurde, wollte mit diesem Stoff wohl nur eines wirklich: Die Sehnsucht des Publikums nach einem "Paradies am Meeresstrand" bedienen. Womit er auch auf Anhieb Erfolg hatte. Das Stück wurde 1931 in Leipzig uraufgeführt.
Ironie und Schwung
In Basel entschieden sich Regisseur Frank Hilbrich und der musikalische Leiter Jürg Henneberger für eine etwas entschlackte, mit Sarkasmen gespickte Fassung und eine Besetzung durch Schauspieler statt mit ausgebildeten Sängern. Dadurch mussten einige Musiknummern etwas tiefer gelegt werden, was dem Klang der teilweise durchaus grossen, opulenten Musiknummern Abrahams nicht gerade guttat. Doch gaben die Schauspielerinnen und Schauspieler, unterstützt von einer hochmotivierten Vokalgruppe, ihr Bestes, was sich meist in Szenen voll Schwung und Witz niederschlug. Auch der variable Einheits-Bühnenraum von Volker Thiele, der ironisch mit diversen Formen von Vergänglichkeit spielt, trägt viel zu einem temporeichen Ablauf bei.
Einen Hauptanteil am Gelingen dieses etwas widersprüchlichen, aber trotz allem amüsanten Abends trägt jedoch der Dirigent Jürg Henneberger mit seinem von ihm gegründeten und seit Jahren erfolgreich konzertierenden Ensemble Phoenix. Henneberger wie das Ensemble, an sich Spezialisten für Neue Musik, überraschten mit humorvollen Einlagen und spielten sich so in die Herzen des Publikums.
Ein Nachtrag noch zur Geschichte: Im Jahre 1959 wurde Hawaii zum 50. Bundesstaat der USA gewählt. Ein Jahr darauf starb der Komponist Paul Abraham umnachtet in Hamburg.
Nächste Aufführungen im Theater Basel: 7., 15., 20., 23., 27., 29., 31. Oktober 2017
Teaserbild: Florian Jahr, Pia Händler © Sandra Then