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Der junge Mann, der sich gleichermassen als Vietnamese und Deutscher fühlt, ist in Hanoi geboren, aber in Berlin aufgewachsen. Sein Vater kam in den späten 1980er-Jahren als sogenannter Vertragsarbeiter in das sozialistische Bruderland DDR, das auch Menschen aus Kuba, Mosambik und Angola anlockte. Finanziell war das durchaus attraktiv, aber er musste allein kommen, und der Aufenthalt war auf fünf Jahre befristet. So schuftete Minhs Vater im Schichtdienst bei den VEB TT Bahnen in Ost-Berlin – bis 1989 plötzlich die Mauer fiel, und das Land, das ihn geholt hatte, sich um ihn herum auflöste.
Die Bundesregierung bot nach der Wende allen vietnamesischen DDR-Vertragsarbeitern 3000 D-Mark und das Flugticket zurück in die Heimat an. Doch Minhs Vater lehnte ab, machte sich als Textilverkäufer selbständig und holte 1991 seine Familie nach. «Andere geschäftstüchtige Vietnamesen machten es ähnlich, eröffneten Blumenläden, Nagelstudios, Restaurants oder Änderungsschneidereien», sagt Minh. Alles Branchen, für die man keine spezielle Ausbildung brauchte, und in denen man als Familienbetrieb mit geringen Personalkosten und günstigen Preisen gut Geld verdienen konnte. «Viele Blumenläden und Nagelstudios in Berlin sind heute fest in der Hand von Vietnamesen.»
So kam Minh im Alter von drei Jahren nach Berlin-Lichtenberg und machte hier 2008 das Abitur. Eine der Prüfungen war eine Präsentation zu einem selbstgewählten Thema, seines waren die Vietnamesen in Berlin. «Das hat mich dann nicht mehr losgelassen», erzählt er. Weil sein Umfeld wusste, dass er sich mit dem Thema auskannte, wurde er gefragt, ob er einmal durch das Dong-Xuan-Center führen könnte. Schon bald kamen weitere Anfragen, von Studenten und Unternehmen. «Inhaltlich musste ich mir dafür eigentlich nichts mehr Neues aneignen, aber ich habe ein paar andere Führungen in Berlin besucht, um zu sehen, wie die das machen.» Heute kann man ihn auf seiner Website für Touren buchen (11 Euro pro Person, Kinder unter 14 gratis), auf Anfrage von Gruppen sind auch andere Termine möglich.