Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03397.jsonl.gz/2376

Wer Frankreich gern hat, das Land viel bereist und sich mit seiner Geschichte und seiner Politik befaßt, wundert sich oft über den fast extremen Zentralismus dieses Landes und damit der automatisch einhergehenden Geringschätzung der Regionen, der Menschen in diesen Regionen und all ihren regionalen Vorzügen.
Die Schaffung von Großregionen vor ein paar Jahren segelte zwar unter dem Motto «stärkere Dezentralisierung», war aber bei Lichte betrachtet ein weiterer Schub in Richtung Zentralisierung.
Ein Opfer dieser „Übung“ wurde das Elsaß, das seine eigene Region verlor und in die Großregion «Grand Est» integriert wurde. Daß das nicht gut ausgehen konnte, wurde allmählich sogar in Paris klar. Auf 2021 wurde ein sonderbares Konstrukt eingeführt: die Collectivité européenne d’Alsace CeA. Diese Einheit übernimmt fast alle Aufgaben und Kompetenzen, die in Frankreich einem Département zukommen, aber die altbewährten Départements Bas-Rhin (Unterelsaß – 67) und Haut-Rhin (Oberelsaß – 68) läßt man stehen, damit man die formalrechtlichen Grundlagen nicht antasten muß. Zudem gab man dieser CeA ein paar Kompetenzen, um in gewissen Handlungsfeldern mit ihren schweizerischen, badischen und pfälzischen Nachbarn Regelungen direkt zu treffen.
Offensichtlich haben zwei Drittel der Elsässerinnen und Elsässer durchschaut, daß das Ganze in der Nähe eines politischen Taschenspielertricks anzusiedeln ist. Aber die Elsässerinnen und Elsässer, für die die Gliederung in zwei Départements richtig und bewährt ist, möchten einfach ihre elsässische Identität, die es mit der alten Région d’Alsace gab, wieder zurückbekommen bzw. auch in Zukunft pflegen und ihren Nachfahren weitergeben können.
Ich hoffe es auch für alle meine vielen Freunde und Bekannten im Elsaß, daß sie dieses Ziel eines – hoffentlich nicht allzu fernen – Tages erreichen werden.Kontakt
Teilen