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In seinem Buch «Tausend Zeilen Lüge. Das System Relotius und der deutsche Journalismus» erklärt Juan Moreno, wie er dem ehemaligen «Spiegel»-Reporter Claas Relotius bei einer gemeinsamen Recherche auf die Schliche gekommen ist. Er zeigt auf, wie Relotius über Personen geschrieben hat, die er tatsächlich nie getroffen hat.
Nun dreht der «gefallene» Reporter-Superstar, der 60 Texte gefälscht hatte, den Spiess um: Das Buch von Moreno enthalte Unwahrheiten und Falschdarstellungen, lautet der Vorwurf. Moreno konstruiere eine Figur, ohne Relotius persönlich zu kennen oder mit Menschen aus seinem näheren Umfeld gesprochen zu haben, erklärte er gegenüber der «Zeit».
Gemäss dem Bericht hat Claas Relotius seinen Medienanwalt Christian Schertz auf Moreno angesetzt: Schertz habe insgesamt 22 Textstellen aus dem Buch aufgelistet, die «erhebliche Unwahrheiten und Falschbehauptungen» enthalten sollen.
Juan Moreno und dessen Verlag Rowohlt Berlin würden aufgefordert, «diese nicht weiter zu behaupten oder zu verbreiten». Es gehe unter anderem um die Schlusspointe des Buches, «die nahelegt, dass Relotius auch nach seiner Entlarvung weiterhin gelogen habe», schreibt die «Zeit».
Für Juan Moreno ist Claas Relotius der «grösste Fälscher im Journalismus ever», wie er zuletzt bei Jan Böhmermann in der ZDF-Sendung «Neo Magazin Royale» sagte. «Der Typ galt als unfassbar nett, liebenswürdig und war beliebt. Er war der Mann, auf den sich alle geeinigt haben, der Superstar, der bescheiden geblieben ist.»
In der Sendung vom 17. Oktober, in der Moreno sein Enthüllungsbuch «Tausend Zeilen Lüge» vorgestellt hatte, fragte Jan Böhmermann, wie es Claas Relotius denn heute gehe. «Ist er irgendwo untergekommen, kümmert man sich gesundheitlich um ihn?», wunderte sich der Moderator.
Juan Moreno wiegelte zunächst ab, er wolle nicht spekulieren. «Ich kenne den nicht wirklich und ausserdem hat der Anwalt gedroht», sagte er in die Kameras. Böhmermann entgegnete gewitzt: «Sicher, dass es der Anwalt war und nicht Herr Relotius mit verstellter Stimme?»
Später in der Sendung sagte Moreno dann trotz Drohung des Anwalts, dass Claas Relotius «in Betreuung» sein soll. «Er hat allerdings Kollegen danach auch erzählt, er sei in einer Klinik in Süddeutschland, und dann wurde er am nächsten Tag in Hamburg beim Fahrradfahren entdeckt. Insofern weiss ich nicht, ob das alles für bare Münze zu nehmen ist.»
Solche Andeutungen, wonach Claas Relotius auch nach dem grossen Fälschungsskandal nicht geläutert ist, will dieser so nicht stehen lassen. «Ich bin mir meiner eigenen Schuld heute sehr bewusst», sagte er der «Zeit».