Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03314.jsonl.gz/4029

Bädergeschichte
Die Badener Bäder oder: Der Name ist seit über 2000 Jahren Programm
Seit Jahrtausenden entspringen im Badener Limmatknie die mineralreichsten Thermalquellen der Schweiz.
Römerzeit
Bereits in der römischen Antike hatte das Baden eine grosse gesellschaftliche Bedeutung. Römische Legionäre aus dem rund fünf Kilometer entfernten Lager in Vindonissa entdeckten um 14 n.Chr. am Limmatknie warme Quellen, denen sogleich eine heilende Wirkung zugesprochen wurde.
Die römischen Legionäre erbauten die erste grosse Thermenanlage und legten im zweiten Jahrzehnt n. Chr. den Grundstein für das Heilbad von Aquae Helveticae. So entstanden am Limmatknie eine Händler- und Handwerkersiedlung, deren natürlich warmen Quellen bis heute eine anziehende Wirkung haben. Ob die Helvetier, die Habsburger oder die Eidgenossen, sie alle profitierten von der wohltuenden Wirkung des Badener Thermalwassers und prägten die Bäderkultur. Das heutige Erscheinungsbild des Quartiers ist immer noch geprägt von der Hochblüte im Mittelalter, als zwei öffentliche und rund dreissig private Bäder die weithergereisten Gäste beherbergten. Die Bäder von Aquae waren das bedeutendste römische Heilbad im Gebiet der heutigen Schweiz und dienten nicht nur der medizinischen Versorgung, sondern waren auch religiöses Zentrum und bedeutender gesellschaftlicher Treffpunkt.
Mittelalter
Nach dem Ende der römischen Herrschaft um 400 n. Chr. und in der Zeit des Frühmittelalters dürfte weiterhin ein bescheidener Badebetrieb bestanden haben.
Im Hochmittelalter (11. - 13. Jh.) wurden Thermalquellen neu gefasst und erste Badehäuser und Unterkünfte entstanden. Unter den Herzögen von Habsburg erfuhren die Bäder ab Mitte des 13. und im 14. Jh. einen bedeutenden Ausbau. Baden war in dieser Zeit der berühmteste Bäderort im deutschsprachigen Europa. In den Gasthöfen und Gasthäusern beiderseits der Limmat trafen sich gekrönte Häupter, Kirchenfürsten und Universalgelehrte aus ganz Europa und besonders auch das städtische Bürgertum aus Zürich zum gemeinsamen Bad. Der Laufkundschaft, dem einfachen Volk, den Armen und Kranken standen das Freibad und das St. Verenabad auf dem Bäderplatz sowie das Freibad in den Kleinen Bädern in Ennetbaden zur Verfügung. Ab dem 15. Jh. fanden die Gesandten der in Baden stattfindenden Tagsatzung der Eidgenössischen Orte in den Bädern ein angenehmes „Freizeitprogramm“ und einen informellen Begegnungsort.
19. Jahrhundert
Zur Zeit des Bäder- und Kurbooms des 19. Jh. erlebten die Bäder eine erneute Blüte: Neue Thermalquellen wurden gefasst und moderne Hotels erbaut. Die Eröffnung der ersten Eisenbahnlinie der Schweiz von Zürich nach Baden, der Spanischbrödlibahn, brachte den Bädern einen weiteren Aufschwung; mit dem Bau des Kursaals (heute Grand Casino) und des Kurparks erhielt der Kurort eine zeitgemässe Infrastruktur. Um 1880 standen den Kurgästen aus aller Welt nahezu 900 Gästezimmer und über 600 Einzelbäder zur Verfügung. Im Armenbad und den Kurkliniken fanden jetzt auch weniger begüterte Kurgäste medizinische Versorgung.
20. Jahrhundert
Der Erste Weltkrieg setzte dem schillernden Kurbetrieb der Belle Epoque ein Ende.
Nach dem Zweiten Weltkrieg richtete sich der Kurort Baden verstärkt auf medizinische Angebote und Rehabilitation aus. Der Schriftsteller Hermann Hesse hat in seiner Novelle „Kurgast“ den Kurbetrieb der Zwischen- und Nachkriegszeit in der Weltliteratur verewigt.
Gegen Ende des 20. Jh. gerieten die Bäder in eine Krise: Die Infrastruktur, namentlich das 1963/64 erbaute Thermalbad entsprachen nicht mehr den Ansprüchen der Kundschaft.
21. Jahrhundert
Seit der Jahrtausendwende werden die Bäder langsam wiedererweckt. Die einzigartigen Thermalquellen sollen wieder zu einem Besuchermagneten, einem Begegnungsort und zum Aushängeschild der Stadt Baden werden. Wichtigster Schritt in eine neue Bäderzukunft ist der Bau des Thermalbades von Architekt Mario Botta.
Architektur
In den Bädern stellt heute ein europaweit einzigartiges Ensemble von grosser kulturgeschichtlicher Bedeutung dar. Es liegt landschaftlich interessant in einer Klus und erstreckt sich entlang des Limmatknies sowohl auf der Badener wie auch auf der Ennetbadener Seite. Noch heute kann man ehemalige Bäder, die aus dem 14. und 15. Jahrhundert stammen, bestaunen. Das Hotel Blume, der Bären, der Ochsen, der Schlüssel und das Hörnli tragen die gleichen Namen wie vor rund 500 Jahren.