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Humorkongress Basel –
Radiosendungen 2017 + 2015
Radiosendungen 2017
Radiokolleg OE/ORF 1 – «Humor ist eine ernste Sache – Die Fähigkeit zur Heiterkeit (in 4 Teilen)
(Gestaltung: Nikolaus Scholz)
Schenken Sie uns und Ihnen ein Lächeln. Schon der Begründer der Evolutionstheorie Charles Darwin (1809–1882) postulierte den allgemeingültigen Charakter von Lachen und Lächeln. Und der französische Philosoph Henri Bergson (1859–1941) schrieb über die soziale Funktion des Lachens: «Unser Lachen ist stets das Lachen einer Gruppe. Das freieste Lachen setzt immer ein Gefühl der Gemeinsamkeit, fast möchte ich sagen, der Hehlerschaft mit anderen Lachern voraus».
Gesunde Kinder bringen es übrigens am Tag auf rund 400 Lacher, wenn man Kichern, Wiehern, Grölen und andere Formen des «Fröhlichseins» addiert. Wenn sie grösser werden, fällt die statistische Lachkurve steil ab. Erwachsene lachen durchschnittlich nur noch 15-mal am Tag – wenn überhaupt. Es droht also im Laufe des Lebens ein Humor-, Heiterkeits- bzw. Lachdefizit – zu Lasten von Seele, Geist und Körper und damit nicht nur von Lebensqualität, sondern auch Leistungsfähigkeit.
Lachen kann in vielen Situationen befreiend und entwaffnend wirken, und erlaubt uns auch, die Angst vor anderen Menschen zu überwinden. Und es verbessert die Leistungsfähigkeit unseres Denkorgans. Laut dem kanadischen Psychologen und Lachforscher Rod Martin beschleunigt Lachen unter anderem den Herzschlag und erhöht so die Sauerstoffversorgung des Gehirns. «If you can laugh at it, you can survive it», traf der US-amerikanische Komiker Bill Cosby den Nagel auf den Kopf: Worüber man lachen kann, darüber kann man auch hinwegkommen. Wer lernt, sich über seine Missgeschicke zu amüsieren, anstatt den Ärger in sich hineinzufressen, fördert seine Kreativität und findet leichter Problemlösungen.
Die Idee, das Lachen auch therapeutisch genutzt werden kann, wird seit Mitte der 1980er-Jahre in Amerika mit wachsendem Erfolg praktiziert, und schwappte 10 Jahre später auch nach Europa. In Österreich besuchen die Cliniclowns sowie die Rote Nasen Clowndoctors regelmässig schwerstkranke Kinder und Erwachsene in Spitälern, um sie ihre Schmerzen und ihr Leid für kurze Zeit vergessen zu lassen. Die «Clowntherapie» stellt eine additive Möglichkeit zur Schulmedizin dar, auf den Genesungsprozess positiv einzuwirken.
Auch das 1995 von einem indischen Arzt und seiner Frau begründete Lach-Yoga hat mittlerweile nahezu die ganze Welt erobert. Das Konzept des grundlosen Lachens reduziere Stress, stärke das Immunsystem und schütte Glückshormone aus. Das behaupten zumindest alle, die am Lach-Yoga aktiv teilgenommen haben.
Radiosendungen 2015
Einführung: «Humor – Kraftquelle des Lebens»
Radiosendung vom Freitag, 23. Oktober 2015, 09.00-10.00 / Z: Heute, 18.00, SRF 2 Kultur
Kontext: «Es wäre ja gelacht, wenn Humor nichts hilft!»
Lachen ist die beste Medizin, weiss der Volksmund und doppelt gleich nach: Humor ist wenn man trotzdem lacht! Um die Wirksamkeit von Humor in Therapie, Pflege und Beratung ging es am diesjährigen Humorkongress unter dem Motto «Humor – Kraftquelle des Lebens». Kontext bat vier Humorarbeiter vors Mikrophon.
«Der Humor sorgt dafür, dass die Bösartigkeit des Lebens uns nicht ganz überwältigt.» sagte Charly Chaplin einst und sorgte als Stummfilmstar dafür, dass der Ernst des Lebens das Lachen nicht erstickt. Was Chaplin nicht wissen konnte: es gibt in der Zwischenzeit die Wissenschaft der Auswirkungen des Lachens. Gelotologie nennt sich diese Wissenschaft, die auf den Psychiater William F. Fry zurückgeht. Ob Spitalclowns oder Lachyoga, Heiterkeitsseminare oder Gelassenheitsmeditation – all das gehört zum therapeutischen Humor, der am Humorkongress in Basel zum siebten Mal thematisiert wurde. Cornelia Kazis hat sich unter die 200 Kongressbesucher gemischt und 4 Humorarbeiter der unterschiedlichen Art vors Mikrophon gebeten.
Autorin: Cornelia Kazis
Redaktion: Hansjörg Schultz
Moderation: Monika Schärer
Audios 1-4 :
Audio 1
Ulrich Fey: «Mit der roten Nase im Altenheim»
Ulrich Fey ist mit der kleinsten Maske der Welt in Alters- und Pflegeheimen unterwegs. Er setzt sich seine rote Nase auf und bewegt sich in einem System, das nicht das Seine ist. Weder Sexualität noch der liebe Gott, weder Sterben noch Nachttöpfe sind für ihn ein Tabu. Darf er alles? Was kann er bei Menschen mit Demenz bewirken? Was an seiner Clownerie ist heilsam? Der Clown ist nicht auf den Mund gefallen, wie man hören wird.
Autorin: Cornelia Kazis
Audio 2
Charlotte Höfner: «Nicht glauben wer man ist!»
Provokation ist das Mittel der Wahl für die Kommunikationswissenschaftlerin und Beraterin Charlotte Höfner. «Glauben Sie ja nicht, wer Sie sind!» Mit diesem provokativen Satz geht sie an gegen selbstzerstörerische Glaubenssätze, die da lauten: «Ich bin dick und das ist nicht zu ändern!», «Ich bin halt scheu und wage das nie!» oder Karl Valentins Dauerbrenner: «Mögen hätt ich schon wollen, aber dürfen habe ich mich nicht getraut!». Höfner ortet in solchen Sätzen Wachstumsbremsen und macht in öffentlichen Demo-Gesprächen vor, wie diese mit viel Empathie und auch Provokation, Konfrontation und Irritation ausgehebelt werden können.
Autorin: Cornelia Kazis
Audio 3
Charlotte Friedli: «Lächeln als Arbeitshilfe»
Die Effizienzsteigerungsmaxime in vielen Arbeitswelten ist unerbittlich und macht manche Menschen krank. Burnout ist nur eine Antwort. Eine andere, gesundheitsförderliche und motivationssteigernde ist Lächeln und Freundlichkeit. Davon geht Charlotte Friedli, Schweizer Professorin für soziale Arbeit an der Fachhochschule Nordwestschweiz aus. Sie hat nichts gegen strategisch eingesetzten Humor und sieht in Humorarbeit sogar ein Führungsinstrument! Wohin das wohl führen kann?
Autorin: Cornelia Kazis
Audio 4
Helmut Bachmeier: «Der Hofnarr als Politikum»
Helmut Bachmeier ist Professor für Literaturwissenschaft an der Universität Konstanz und hat auf die Schnelle gesehen mit Gesundheit nichts am Hut. Und Literaturwissenschaft klingt auch nicht nach Brüller! Aber Bachmeier hat sich jahrelang mit Humorforschung und Komiktheorie beschäftigt. Unter viel anderem hat er die Werke Karl Valentins herausgegeben. Sein Focus ist ein politischer. Humor als Machtzertrümmerer. Komik als emanzipatorische Möglichkeit. Narretei als demokratischer Akt.
Autorin: Cornelia Kazis
Download: Text zur Sendung als PDF