Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03583.jsonl.gz/2326

Arsenik vor;
Arsenik aber gibt sich dadurch zu erkennen, daß der Rückstand nicht blau bleibt, sondern eine schmutzig gelbgrüne
Farbe annimmt. Übergießt man etwas S. mit
Salzsäure, so löst sich dasselbe mit gelber Farbe; bringt man in diese, in einer
verschlossenen Flasche befindliche Lösung ein Stückchen blankes Kupferblech, so bedeckt sich dieses
infolge der Gegenwart von Arsen nach einiger Zeit mit einer schwarzen Kruste. - Zollfrei. Vgl.
Anilinfarben.
(Wasserriemen, frz. goëmoh oder zostére; engl.
sea weed; holl. zeegras), die im Handel vorkommenden getrockneten Blätter von Zostera marina,
einer zu den Najadeen gehörigen Wasserpflanze, die längs den Küsten der Nord- und Ostsee und andrer
nördlicher Gewässer auf seichten sandigen Stellen unter Wasser in großer Menge gesellig wächst und ganze Wasserwiesen
bildet. Es hat am
Boden kriechende Stengel und zahlreiche 14-18 cm lange grasartig schmale Blätter, im Leben glänzendgrün,
getrocknet graubraun und durcheinandergewirrt.
Es bildet im letztern Zustande bekanntlich ein Polstermaterial für Stühle, Sofas und Matratzen, mit
Roßhaar natürlich nicht zu vergleichen, aber auch bedeutend wohlfeiler. Zudem hat es den Vorteil, daß sein Seegeruch
kein Ungeziefer aufkommen läßt. Außerdem wird es häufig als Material für Emballage gebraucht. Die Seegrasernten bilden
in mehreren Küstengegenden einen guten Erwerbs- und Ausfuhrartikel. Man findet dasselbe nach Stürmen
oft in großen Massen ans Land geworfen. Die Zubereitung desselben besteht darin, daß man den darunter vorkommenden Blasentang
aussondert, das Gras mehrmals wäscht und an der Luft trocknet. Kopenhagen, Hamburg, Lübeck, Stettin liefern es in Ballen
von 100-150 Kilo. - Zollfrei.
(frz. soie; engl. silk), der edelste
und schönste Webstoff, das Produkt der Seidenraupe, mit welchem diese sich bei der Verpuppung umspinnt. Das
Tier und seine
Futterpflanze, der Maulbeerbaum, stammen aus Asien und haben sich seit alten Zeiten behufs Seidengewinnung über das südliche
und einen Teil des mittlern Europa verbreitet. Außer dem allbekannten Maulbeerspinner (Bombyx Mori) sind
in neurer Zeit noch einige andre verwandte Spinnkünstler bekannt geworden, ohne daß einer davon jenem an Wert gleichkäme.
In
China soll nach dortigen Chroniken die Kunst des Abhaspelns der S. schon 2700 Jahre v. Chr.
bekannt gewesen und von einer Kaiserin erfunden worden sein. In Rom wurden seidene Stoffe, die zu Lande
aus
China kamen, zuerst unter den römischen Kaisern bekannt; sie waren anfangs natürlich sehr teuer und wurden im eigentlichen
Sinne mit
Gold aufgewogen. Die chinesischen Seidenstoffe waren aber damals schon durch ganz Asien Handelsartikel und auch
der Seidenbau hatte sich schon weiter westwärts, nach Nordindien und Thibet verbreitet. Anfänglich
war das Tragen von Seide den Männern in Rom verboten; bald aber trugen alle Reichen Seidenkleider und mit der Zeit wurden
die Stoffe dieser Art durch massenhafte Zufuhr so wohlfeil, daß sie zur Zeit des Ammianus Marcellinus (370) von Jedermann,
selbst in
den untersten Klassen, getragen wurden.
Bis ins 6. Jahrhundert war Europa mit diesem Artikel auf Asien angewiesen; um das Jahr 550 aber kamen
die ersten Raupeneier nebst Maulbeerpflanzen nach Konstantinopel, wie die Fabel lautet durch zwei persische Mönche, welche
die
Eier in hohlen Reisestöcken aus
China herausgepascht hätten. Thatsächlich ist die Übersiedelung und die Ausbreitung
der Seidenzucht zunächst in Griechenland, besonders im Peloponnes und auf einigen Inseln. In Theben,
Korinth und Argos erstanden geschickte Seidenweber und die Versorgung des Abendlandes mit Seidenstoffen ging nun von Griechenland
aus. Den Handel damit betrieben die venetianischen Kaufleute.
So blieb der Stand der Dinge bis ins 12. Jahrhundert; im Jahre 1147 ließ Roger, König von Sizilien,
in seinem Streite mit dem griechischen Kaiser einen Zerstörungszug nach Griechenland ausführen, der auch die Städte der
Seidenfabrikation, Korinth, Theben, Athen, betraf. Zahlreiche Einwohner wurden nach Palermo mitgenommen, durch welche die
Seidenzucht und Seidenindustrie nach Sizilien kam. Von dieser Insel verbreiteten dieselben sich weiter über Italien;
Venedig, Mailand, Florenz, Lucca u. a. wurden bald durch ihre Seidenzucht und ihre schönen
Seidengewebe berühmt. Von Italien wurden Seidenweber 1480 nach Tours, 1520 nach Lyon versetzt, und um letztere Zeit auch
die ersten Anfänge der Seidenzucht in Südfrankreich gemacht. Mit den Arabern kamen Zucht und Industrie nach Spanien. -
Der Seidenschmetterling mißt zwischen den ausgebreiteten Flügeln etwa 40-50 mm, erscheint schmutzig
weiß, mit einigen lederfarbenen Linien und hat auf jedem Vorderflügel einen undeutlichen halbmondförmigen Fleck. Das Weibchen
legt wenigstens 2-300, häufig über 500 bläuliche
Eier, technisch
Grains genannt. Diese lassen sich im Kühlen, bei einer
Temperatur unter 18° C., lange aufbewahren und weit versenden, während sie in einer etwas höheren
Temperatur auskriechen. Fünfzig Gramm
Grains, das Produkt von 300-360 Schmetterlingen, ergeben 40-60000 kleine schwärzliche
Räupchen, die binnen 4-5 Wochen herangewachsen sind, sich währenddem viermal häuten und einen immer stärkern Appetit
entwickeln. Über die Details der mühsamen Aufzucht ist hier hinwegzugehen.
Die ausgewachsenen Raupen sind fingerlang, schmutzig weiß und glatt mit einzelnen dunklern Fleckchen und haben auf dem vorletzten
Hinterleibsringe ein
Horn. Wenn die Zeit der Verpuppung naht, werden die Raupen unruhig; man gibt ihnen nun Gelegenheit, zwischen
aufgestelltem Reisig (Spinnhütten) sich einen Platz zum Einspinnen zu suchen. Viele spinnen sich gleich
in den Maulbeerzweigen ein, auf welchen sie liegen und fressen. Im Körper der Raupe befinden sich zwei lange Schläuche,
gefüllt mit einem gummiartigen Saft. Die ausgewachsene Raupe treibt denselben aus zwei unter dem Munde befindlichen feinen
Öffnungen hervor und vereinigt die so entstandenen feinen Fäden sogleich zu einem. Der die Fäden bildende
Saft erhärtet an der Luft sehr rasch. Mit dem Faden bildet die
¶
mehr
Raupe rund um sich herum zunächst ein lockeres, grobes, durchsichtiges Netz und dann innerhalb desselben in 7-8 Tagen eine
dichte ei- oder walzenförmige Hülle, den Kokon (frz. cocon, engl.
coccon), deren innerste Schicht ein pergamentartiges Häutchen ist. Die Länge des einzigen, die ganze Hülle bildenden Fadens
soll 3500-3700 m betragen, wovon jedoch für die Verarbeitung zu langer S. nur etwa 300-600, selten bis 900 m
zu erlangen sind. Die Kokons haben höchstens die Größe eines Taubeneies, sind aber meist kleiner.
Nur die weiblichen haben die Eiform; die männlichen zeigen in der Mitte eine Einschnürung. Die Farbe ist meistens weiß
oder hellgelb, auch grünlich, rötlich etc. Nach 2-3 Wochen brechen aus
den Kokons die Schmetterlinge hervor und die Geschlechter suchen sich auf. Ist es nicht auf Nachzucht, sondern auf Seidegewinnung
abgesehen, so verhindert man das Auskriechen durch Tötung des eingeschlossenen Tieres mittels Hitze, da die verlassenen Kokons,
weil durchbissen, keinen ganzen Faden mehr geben und nur als Abfallseide dienen können.
Das Töten wird entweder durch die Hitze eines Backofens bewirkt oder durch heiße Wasserdämpfe, indem man die Kokons in
einem Siebe über siedendes Wasser setzt. Dämpfe von Terpentinöl, Kampfer, brennendem Schwefel haben dieselbe Wirkung. Mit
dem Abtöten des Kokons ist das Geschäft des kleinen Seidenzüchters beendet. Die folgende Bearbeitung,
das Abhaspeln, ist Sache besonders darauf eingeübter weiblicher Hände und geschieht in Frankreich und Italien in besondern
Anstalten, den sog. Filanden.
Die hier zu bearbeitenden Kokons werden vorher nach Farbe und Beschaffenheit, die festen und lockern besonders, sortiert,
fleckige, doppelte und sonst fehlerhafte ausgeschossen. Durch Einlegen in heißes Wasser wird der natürliche
Leimüberzug, mit welchem die Fadenwindungen aufeinander kleben, erweicht;
beim Abhaspeln liegen und drehen sich die Kokons
ebenfalls in warmem Wasser;
die Arbeiterin schlägt dieselben vorher mit Reisig, um die noch anhängende Flockwolle zu entfernen
und die Fadenanfänge der guten S. zu entdecken;
von diesen nimmt sie die bestimmte Anzahl, drei bis
acht und mehr, und haspelt sie von eben so viel Konkons zu einem einzigen Faden auf.
Gläserne Führungsringe für die einzelnen
Fasern und andre kleinere Vorrichtungen dienen zur Sicherung der Arbeit und zur guten Beschaffenheit des Fadens; die Arbeiterin
hat zudem ihre ganze Aufmerksamkeit und Sorgfalt anzuwenden, da von ihrer Arbeit die Güte des Produktes zum guten Teil abhängt.
Die Fäden legen sich auf dem vier- bis sechsarmigen Haspel dicht neben einander, sodaß es aussieht als sei er mit einem
glänzenden Seidenband bezogen. Die innerste Schicht des Kokons ist durch Klebstoff so fest verbunden,
daß sie pergamentartig erscheint und keinen Faden mehr entläßt;
sie kommt mit zur Abfallseide. - Die auf den Haspeln selbst
trocken gewordenen Strähne bilden die Rohseide oder Greze (frz. grège, grèye; engl.
raw silk);
sie hat in diesem Zustande, trotzdem der Faden hart und starr ist,
schon
verschiedne Verwendungen, zu Gaze, Blonden u. dgl.; die meiste S. wird indes
durch Kochen in Seifenwasser von dem äußern Überzuge, der den Faden einhüllt und eine leimartige Beschaffenheit hat,
befreit. Dieser Überzug ist auch der Träger der gelben und andern Färbungen; gekochte S. erscheint daher immer weiß.
Dieses Kochen heißt das Entschälen oder Degummieren; die Fäden sind dadurch dünner, geschmeidiger
und glänzender geworden. Gewöhnlich wird die S. hiernach noch mit Schwefeldämpfen gebleicht; die naturweiße ist indes
immer besser, besonders zum Färben. Für gewisse Zwecke, zu Geweben, die etwas steifer und glanzloser sein dürfen, wird
die S. kürzere Zeit gekocht und heißt dann halbgekochte, souplierte oder Soupleseide. - Zur Verwendung
für Gewebe wird die S. erst noch gezwirnt (filtiert, mouliniert).
Die hierzu dienenden Zwirnmühlen sind komplizierte, in neurer Zeit sehr verfeinerte Maschinen. Die Rohseide wird hier, nachdem
sie von den Strähnen auf Spulen gebracht ist, je nach ihrer Bestimmung zwei-, drei- und mehrfach zusammengedreht.
Man dreht auch die nicht zu duplierende Rohseide, damit der Faden runder wird und sich bei der spätern Bearbeitung nicht
in die einzelnen Bestandteile spaltet. Die Drehung der Einzelfäden geschieht auch für gewisse Sorten dann, wenn sie später
noch paarweise oder mehrfach zusammenzudrehen sind.
Die beiden hauptsächlichen und wesentlich verschiednen Sorten sind Organsin und Trama oder Ketten- und
Einschlagseide. Die erste wird aus der besten Rohseide hergestellt, aus gedrehten und duplierten Fäden unter fester Drehung;
die zweite besteht aus ungedrehten Einzelfäden, wird auch beim Zwirnen nur schwach gedreht und ist daher von lockerer, weicher
Beschaffenheit. Andre Sorten sind Nähseide, Strickseide, Stickseide etc.
Der Stärke- oder Feinheitsgrad der gezwirnten S. wird durch Nummern angegeben und die Bestimmung derselben heißt das Titrieren.
Es geschieht durch Abmessen einer bestimmten Zahl von Stab oder Metern und Wiegen derselben auf einer feinen Wage. - Die
S. ist ein in hohem Grade wasseranziehender Körper, nimmt aus feuchter Luft rasch Wasser auf, kann sich
um 20, 30% damit beschweren und immer noch trocken erscheinen, was begreiflich beim Handelsverkehr mit diesem Artikel in
Rücksicht gezogen werden muß. Es gibt daher an den Plätzen mit vielem Seidenverkehr, z. B.
in Deutschland in Krefeld, Elberfeld, Berlin, besondere Prüfungsämter, sog.
Konditionierungs- oder Trockenanstalten, wo man den Wassergehalt und wahren Handelswert der Ware ermitteln lassen kann. Aus
den dort eingelieferten Garnballen entnehmen die Beamten verschiedne Probesträhnen, wiegen sie sehr genau und setzen sie
einige Stunden in einem mit Dampf erhitzten Apparat einer Temperatur von 105-110° C. aus, wiegen mehrmals
nach, bis keine Abnahme mehr stattfindet, und berechnen aus dem Gewichtsverlust der Probe den Handelswert des Ganzen. So
wasserfrei, wie sie hier erhalten wird, ist die Handelsware natürlich niemals; man rechnet nicht darauf,
¶