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Während die Frage der Entschädigung von Asbestopfern im Schweizer Parlament diskutiert wird, geben neue Forschungen Aufschluss darüber, wie Asbestfasern Krebs verursachen.
Jedes Jahr entwickeln in der Schweiz rund 120 Personen ein Mesotheliom. Dies ist ein seltener Krebs, der sich im Mesothel entwickelt, einer dünnen Membran, welche die inneren Organe von Brust und Bauch schützt, und durch das Einatmen von Asbestfasern verursacht wird. In den meisten Fällen sind Menschen bei der Arbeit mit dem gefährlichen Material in Berührung gekommen, bevor es 1989 auf nationaler Ebene verboten wurde.
"Trotz der Einstellung der Asbestproduktion werden Menschen noch lange daran sterben", sagt Emanuela Felley-Bosco, Forscherin am Labor für Molekulare Onkologie des Universitätsspitals Zürich.
In einem kürzlich erschienenen Artikel für die Website scitecheuropa.euexterner Link weist die Wissenschaftlerin darauf hin, dass es nicht überall Asbestverbote gibt. Die weltweite Produktion und der Verbrauch von Asbest erreichten 1980 mit 4,8 Millionen Tonnen ihren Höhepunkt, bevor sie 2016 auf 1,4 Millionen zurückgingen. Russland war 2016 der grösste Produzent (692'000 Tonnen).
Laut der Forscherin bleibt Mesotheliom vermutlich noch während vieler Jahre ein Thema.Grund dafür ist die lange Zeitspanne zwischen dem Kontakt mit Asbest und der Entwicklung eines bösartigen Tumors.
Warum verursacht Asbest Krebs?
Asbest ist chemisch gesehen nicht krebserregend. Was es gefährlich macht, ist die Grösse und die scharfe, längliche Form der Fasern, die sich beim Einatmen im Mesothel festsetzen.
Weil die Fasern zu gross sind, um entfernt zu werden, können sie das innere Gewebe beschädigen. In diesem Stadium greift das Immunsystem ein, um geschädigte oder "defekte" Zellen zu zerstören und neues Gewebe zu bilden.
Wie dadurch ein Ungleichgewicht in der Immunreaktion des Körpers entsteht, zeigen neue Forschungsarbeiten. Diese werden vom Schweizerischen Nationalfonds finanziert und von den Universitätsspitälern Zürich, Genf und Toronto sowie der Universität Freiburg und der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ) unterstützt. Der Abwehrmechanismus einer Person wird geschwächt, während der regenerative Aspekt gestärkt wird. Krebszellen, die bei einem gesunden Patienten schnell ausgeschieden werden, beginnen sich zu vermehren und einen Tumor zu bilden.
"Dieses Ungleichgewicht ist auf Veränderungen in der DNA zurückzuführen", sagt Felley-Bosco. Solche Mutationen müssten genauer untersucht werden. Sie könnten einen Hinweis auf die "genetische Signatur" des Asbestkrebses geben.
Die Hoffnung ist, dass dank der Daten eines Tages eine Früherkennung möglich sein wird, die "bei allen Krebsarten nützlich, aber entscheidend für das Mesotheliom ist", erklärt Felley-Bosco.
Verschreibung nach 20 Jahren "unangemessen"
Während der Kampf gegen das Mesotheliom auf wissenschaftlicher Ebene weitergeht, ist das Thema Asbest in der Schweiz wieder auf die politische Bühne zurückgekehrt. Das Parlament hat am Dienstag eine Debatte über die Frist für die Festsetzung von Entschädigungsansprüchen für Asbestopfer abgeschlossen. Diese bezieht sich auf die Zeitspanne zwischen der Asbest-Exposition und den Ansprüchen auf Entschädigung für arbeitsbedingte Erkrankungen, auch für betroffene ausländische Arbeitnehmer, welche die Schweiz verlassen haben und in ihre Heimatländer zurückgekehrt sind.
Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte mit Sitz in Strassburg hält die derzeitige Zehnjahresfrist für Klagen für zu kurz. Am Dienstag folgte die Kleine Parlamentskammer der Grossen und verlängerte die Frist auf 20 Jahre.
Laut Felley-Bosco ist auch eine Frist von 20 Jahren noch zu kurz. Obwohl Asbest in Europa seit über zwei Jahrzehnten verboten sei, würden Mesotheliom-Fälle zunehmen, stellt sie fest. Darüber hinaus sei die Krankheit bei Menschen im Alter von über 70 Jahren stärker verbreitet.
Die Forscherin sagt, dass zwischen der Asbestexposition und dem Beginn des Mesothelioms durchaus 40 Jahre vergehen könnten.
(Übertragung aus dem Englischen: Peter Siegenthaler)