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«Frauen werden in der Anlageberatung falsch angesprochen.» – «Frauen kommen bei Geldanlagen schlechter weg.» – «Frauen investieren zu wenig.» Nimmt man solche Aussagen zum Nennwert, scheinen Frauen bei der Geldanlage Sonder- oder gar Problemfälle zu sein. Darum überrascht es vordergründig nicht, dass «frauenfreundliche» Anlageprodukte und «frauenspezifische» Anlageberatungen mit viel Trara vermarktet werden. Inhaltlich ist es anders: Geschlechterspezifische Anlagelösungen sind unsinnig und schaden den Frauen.
Aus wissenschaftlichen Untersuchungen ist bekannt, dass Frauen ihr Kapital im Durchschnitt anders anlegen als Männer: Sie sind risikoaverser, geduldiger und überschätzen sich weniger als Männer. Doch die Analysen zeigen auch, dass sich Unterschiede zwischen Männern und Frauen nicht in erster Linie durch das Geschlecht erklären lassen, sondern durch Unterschiede vor allem in der Vermögenssituation, beim Einkommen und bei der Ausbildung. Vergleicht man Männer und Frauen in vergleichbaren Lebenslagen, verschwinden die scheinbaren Geschlechterunterschiede weitgehend.
Das kann ich selber auch aus der Praxis bestätigen: Jede meiner Kundinnen stellt andere Anforderungen an ihre Anlagelösung. Diese Ansprüche kann man nicht damit erklären, dass sie Frauen sind. Sie ergeben sich aufgrund ihrer Vermögenssituation, ihrer Ziele, ihrer Verpflichtungen, ihrer Risikoaversion und ihrer Beurteilung der Welt.
«Frauenspezifische» Anlagelösungen unterschlagen die hohe Diversität der Ansprüche, die Frauen an ihre Geldanlage stellen. «Frauenfreundliche» Anlageprodukte sind meist pauschalisierend, weil sie die Frauen in einen Topf werfen, anstatt sie in ihren Bedürfnissen ernst zu nehmen. Frauen und Männer brauchen qualifizierte individuelle Beratung auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse, die sicherstellt, dass sie ihre Ziele und Verpflichtungen im Rahmen des jeweiligen Risikoprofils tatsächlich erreichen.