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Der ehemalige Telekom-Monopolist verlangt von den regionalen Elektrizitätswerken, dass sie mehrere Glasfasern bis in die Wohnungen ziehen – damit Swisscom eine davon nutzen kann. Nur so könne ein neues Monopol vermieden werden.
Swisscom hat heute in der Ortszentrale Limmatstrasse in Zürich die Schweizer Medienzunft zusammengetrommelt, um den Stand der Dinge beim Bau eines schweizweiten Glasfasernetzes für Privatkunden und KMU (Fiber to the Home, FTTH) zu erläutern. Die neue Technologie bietet mehr Bandbreite und ist auch günstiger als die bestehende Kupferkabeltechnologie. Angesichts der Konkurrenz durch Kabelnetzunternehmen wie Cablecom sieht sich der hiesige Telekom-Marktführer gezwungen, in die Glasfaser-Infrastruktur zu investieren.
In neue Glasfaser-Infrastruktur investieren aber auch diverse regionale Elektrizitätswerke (EW). Seit geraumer Zeit diskutieren diese verschiedenen Parteien darüber, wie man ein zweites Monopol verhindern kann. Auf dem Kupferkabel wurde das Monopol von Swisscom im Frühjahr 2007 durch die Entbündelung aufgehoben
(obwohl Kritiker der Meinung sind, dass Swisscom in wesentlichen Bereichen immer noch zu viel Macht hat).
Mehrfasermodell bei Swisscom
Zurzeit ist es so, dass die verschiedenen EWs in grossen Städten Wohngebiete mit Glasfaserkabel vernetzen. Wo kein EW am Werk ist, buddelt Swisscom. Theoretisch ist man sich darüber einig, dass unnötige Duplizierungen bei den teuren Kabelkanalisationen vermieden werden sollen. Die Kabelinfrastruktur (Layer 1) verschlingt schliesslich rund 80 Prozent der gesamten Investitionen.
Das Problem ist nun aber, dass EWs (gemeint ist vor allem der Verbund "Openaxs"
) und Swisscom verschiedene Ansichten darüber haben, wie viele einzelne Glasfasern pro Haus gezogen werden sollen. Swisscom will mehrere Fasern bis in die Wohnungen ziehen und damit anderen Telekom-Anbietern die Möglichkeit geben, freie Glasfasern auf dem sogenannten Layer 2 - wo die ganze Elektronik vorhanden ist - zu nutzen. Das ist die gleiche Ebene am Ende des Kabels, die bei der Kupferkabeltechnologie vor eineinhalb Jahren entbündelt worden ist. Alternative Anbieter treten somit nicht als Wiederverkäufer von vorgefertigten Angeboten auf, sondern können eigene Dienste zusammenstellen. (Service-Provider, die nur als Wiederverkäufer auftreten und keine eigenen Services entwickeln wollen, können das nach wie vor.) Swisscom nennt sein Mehrfasermodell "fibre suisse".
Einfasermodell bei den EWs
Die EWs hingegen – die ja nur die Infrastruktur bauen und nicht selber als Dienstanbieter auftreten – setzen auf einen einzigen Anschluss und verhindern somit laut Swisscom eine Entbündelung auf Layer 2. In Häusern, wo EWs am Werk waren, kann Swisscom also nur als Wiederverkäufer auftreten. Würden beide Parteien mehrere Glasfasern bis in die Haushalte ziehen, könnten freie Fasern untereinander getauscht werden. Swisscom bietet freie Fasern an, möchte im Gegenzug aber auch bei Häusern, wo EWs die Kabel gezogen haben, eine Faser nützen können. Das Einfasermodell der EWs bedeutet laut Swisscom auf Technologieebene ein neues Monopol.
Parallel zu diesem Grundsatzstreit geht der Ausbau der Netze weiter. Swisscom will bis 2009 in der Schweiz 100'000 Haushalte anschliessen. Gestartet wurde in Zürich, Basel und Genf. Im Laufe des kommenden Jahres soll der Ausbau in den Städten St. Gallen, Bern, Fribourg und Lausanne vorangetrieben werden. Erste Angebote für Privatkunden und KMU sollen im ersten Halbjahr 2009 lanciert werden
. Insgesamt will Swisscom in den kommenden sechs Jahren rund 2,8 Milliarden Franken in den Glasfaserausbau investieren. (Maurizio Minetti)