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Die Opern von Giuseppe Verdi sind weltbekannt: La Traviata, Aida und Nabucco mit dem berühmten Gefangenchor. An den St. Galler Festspielen wollte man den Zuschauern jedoch einen selten gehörten Verdi bieten und entschied sich für “I Lombardi alla prima crociata”, ein Frühwerk Verdis, das seltener aufgeführt wird. Wer aber letzten Freitag in der Abenddämmerung vor der St. Galler Stiftskirche sass, zusah und zuhörte, der merkte: Diese Rechnung ging auf.
Vom Fest zum Mord
Im ersten Akt “Die Rache” wird zuerst ein Fest gefeiert, dass sich in pompöser Musik wiederspiegelt. Die Brüder Pagano und Arvino sind beide in Viclindas verliebt. Pagano will daher seinen Bruder töten. Er tritt mit Hilfe von Pirro, Arvinos Waffenknecht, in die Gemächer Arvinos ein und tötet dort seinen Vater Folco mit einem gezielten Kehlendurschnitt von hinten. Er will Viclinda entführen, wird jedoch von seinem Bruder gestellt und in die Verbannung geschickt. Bei den Festspielen werden alle wichtigen Punkte durch Buchstabentafeln untermauert: FEST und MORD kennzeichnen den ersten Akt. Der durch den Sonnenuntergang rot gefärbte Himmel trägt hervorragend zur Stimmung bei.
Zwischen Kreuz und Halbmond
Im zweiten Akt – “Der Mann der Höhle” – ist Pirro zum Islam konvertiert und nach Antiochia geflüchtet. Einem Einsiedler berichtet er sein ganzes Leben. Dieser rät ihm, die Stadttore für die herannahenden Kreuzfahrer zu öffnen. Die Kreuzfahrer stürzen den Tyrannen Acciano und dessen Sohn Oronte. Die beiden Parteien, Kreuzfahrer und Türken werden durch Kreuze und Halbmonde dargestellt, welche die Gruppen verdeutlicht. Der dritte Akt “Die Bekehrung” ist die Arie. Mit blauem Licht wird die Stimmung verstärkt. In einer Ecke spielt einsam eine weisse Gestalt die Geige. Oronte erhält das Sakrament der Taufe vom Einsiedler, bevor er stirbt.
Im vierten Akt “Das Heilige Grab” treffen die Kreuzfahrer und die Türken aufeinander. Gelbes Licht mit blauer Kathedrale untermauern das Geschehen. Vor der Kathedrale ist das Wort MINARETT zu lesen. Der durch die Schlacht schwer verwundete Einsiedler bekennt, dass er der Vatermörder Papano ist und auch seinen Bruder umbringen wollte. Nach seinem Tod werden Fackeln angezündet und das Wort FRIEDEN läuft im Vordergrund über die Bühne. Zwei grosse Gestalten strecken die Hand aus zum Frieden.
Ein gelungener Abend
Mit grossem Applaus wurden die über 160 Darsteller und Musiker für ihre grossartige Leistung ausgezeichnet. Mir hat das Stück sehr gut gefallen. Die Beleuchtung war fanstatisch arrangiert. Die Kathedrale, ausgeleuchtet in blau, grün, rot, gelb und weiss, verlieh dem Ganzen den Punkt auf dem i. Auch die Choreografie liess nichts zu wünschen übrig und die Wahl der Solisten war super. Sogar das Wetter war der Oper gut gesonnen, nachdem es den ganzen Tag hindurch immer wieder geregnet hatte. Am Abend, als sich das Wetter gebessert hatte, trugen die Restwolken das Ihrige zur Stimmung bei.