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Was ist eine Hochbegabung?
Stellen Sie sich vor, Mia besitzt die Fähigkeit, sehr schnell zu denken. Nun erzählen Sie Mia etwas. Bevor Sie Ihre Frage fertig gestellt haben, beantwortet Mia Ihre Frage konstruktiv. Sie sind ein wenig verdattert und ungläubig, da die Antwort für ihren normalen Verstand einfach zu schnell kam. Ihre Verunsicherung bemerkt Mia, dies macht sie ein wenig traurig, da sie sich nur begrenzt ernst genommen fühlt.
Dies ist ein Alltagsbeispiel dafür, wie eine Hochbegabung sich anfühlen und wie das soziale Umfeld darauf reagieren kann. Eine Hochbegabung zeichnet sich dadurch aus, dass die Fähigkeiten einer Person deutlich über den Fähigkeiten von Gleichaltrigen liegen. Dies zeigt sich neben den alltäglichen Fertigkeiten auch im sozialen Bereich.
Drei-Ringe Modell von hochbegabten Personen
Der Psychologe und Forscher Joseph Renzulli definierte drei Bereiche, die bei einer Hochbegabung essentiell sind und bei gemeinsamer, hoher Ausprägung zu einer Hochbegabung führen:
Überdurchschnittliche Fähigkeiten
Die allgemeinen Fähigkeiten der Person liegen klar im überdurchschnittlichen Bereich. Dies zeigt sich in verschiedenen spezifischen Fähigkeiten (z.B. in einzelnen Schulfächern wie Mathe, Deutsch, Biologie).
Hohe Kreativität
Bei der Person kommt eine hohe Kreativität, Motivation und Neugierde zum Vorschein. Dies äussert sich z.B. durch Originalität oder Einfallsreichtum bei unterschiedlichen Inhalten und Ideen. Zusätzlich werden häufig Traditionen und Normen in Frage gestellt.
Grosses Durchhaltevermögen
Die Person zeigt viel Ausdauer, Verpflichtung und Selbstsicherheit, um an einer bestimmten Aufgabe dranzubleiben. Gleichzeitig werden Probleme schnell erkannt.
Typisch Hochbegabung
- vielseitige Begabungen in unterschiedlichen Bereichen (z.B. Sprache, Mathematik, Kunst)
- schnelle Auffassungsgabe bei neuen Lerninhalten oder Wissensaneignung
- schnelles Denkvermögen und hohe Gedächtnisfähigkeit
- hohe Kreativität
- grosse Selbständigkeit und Durchhaltevermögen (z.B. beim Arbeiten, Spielen)
- im Vergleich mit Gleichaltrigen im sozio-emotionalen Bereich weiter entwickelt
- Hochbegabung kann bei Unterforderung zu unterschiedlichen Auffälligkeiten im sozio-emotionalen Bereich führen (z.B. Verhaltensauffälligkeiten, Vermeideverhalten, Depression, Angst)
- Auftreten ADHS-ähnlicher Symptome bzgl. Aufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität
Folgen, Diagnostik & Therapie
Möglich Folgen einer unbeachteten Hochbegabung
Hochbegabungen oder Hinweise darauf sollten besser nicht ignoriert werden. Die Begabungen dieser Personen müssen zur optimalen Nutzung gezielt gefördert werden. Hochbegabte benötigen Förderung und Wertschätzung, die sich von derer “Normalbegabten” unterscheidet. Anders als häufig angenommen, können Hochbegabte sich nicht von alleine aus richtig fördern. Ein Mentor erkennt die hohen Fähigkeiten hochbegabter Personen und fördert sie spezifisch. Die Folgen einer Nichtförderung sind vielfältig und können weitreichende negative Einflüsse auf das spätere Leben haben.
Unterforderung und soziales Rückzugsverhalten – Probleme im Unterricht
Eine Hochbegabung kann zur Unterforderung im Unterricht führen. Mädchen verhalten sich häufig sehr angepasst, die Unterforderung äussert sich jedoch durch nach innen gerichtete, negative Verhaltensweisen (z.B. Gefühl von Traurigkeit oder Rückzugsverhalten). Im Gegensatz dazu zeigen Jungen die Unterforderung häufig nach aussen (z.B. gegenüber Freunden, Lehrpersonen, Eltern), was zu Verhaltensauffälligkeiten im Unterricht führt (z.B. häufige oder lustige Kommentare). In einigen Fällen führt die Unterforderung von einer Schulunlust bis hin zu einer Leistungsverweigerung (hochbegabte Minderleistende).
Leistungslücken und Wissenslücken – suboptimale Schullaufbahn
Werden die vorhandenen Fähigkeiten und Begabungen nicht genutzt und bestehen Zweifel an den eigenen Fähigkeiten, kann dies zu Teilnahmslosigkeit oder Antriebsarmut führen (maximaler Schulleistungseinsatz: wie Leerlauf beim Auto). Das eigene Leistungspotential wird nicht ausgeschöpft, die Aufmerksamkeit schwindet, Wissenslücken in den einzelnen Bereichen entstehen, fehlende Struktur und Organisation beim Lernen folgen. Es folgt eine Leistungsreduktion und schlimmstenfalls schlägt die betroffene Person eine nicht den Fähigkeiten entsprechende Schullaufbahn ein.
Reduzierung des Selbstvertrauens und/oder Entwicklung von psychischen Störungen
Die oben aufgeführten negativen Ausprägungen führen dazu, dass das Selbstvertrauen in die eigenen Begabungen reduziert ist. Es kommt zu Selbstzweifel oder Wut gegenüber sich selbst oder anderen. Ein Gefühl der Angst entsteht, nicht zu den anderen zu passen, nicht im eigenen Wesen erkannt zu sein und nicht zu genügen. Schlimmstenfalls führt dies zu psychischen Störungen wie einer Depression, Zwang- oder Angststörung. Desweiteren können psychosomatische Störungen sowie Schlaf- oder Essstörungen entstehen.
Wie wird eine Hochbegabung diagnostiziert?
Bei Verdacht einer Hochbegabung ist es ratsam, diese psychodiagnostisch abzuklären. Eine Abklärung beinhaltet ein Erstgespräch, 2-3 testpsychologische Untersuchungstermine, ein Rückmeldegespräch sowie einen schriftlichen Bericht. Während des Erstgesprächs haben Sie als Klient die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Die Anamnese wird erhoben und Ziel und Zweck der Abklärung werden ergründet. Die darauf durchgeführten neuropsychologischen Tests beinhalten die Messung der allgemeinen kognitiven und kreativen Fähigkeiten. Das Rückmeldegespräch umfasst eine kompetente Vermittlung der Ergebnisse sowie eine Beratung inkl. Massnahmen-Empfehlungen. Weiterführende Informationen finden Sie auf der Seite Hochbegabungs-Abklärung.
Förderung, Therapie & Training
Durch ein Mentorat im Rahmen eines Lerncoachings oder einer Psychotherapie kann das Potential der Person gezielt gefördert werden: Die eigenen Fähigkeiten werden erkannt und der (kognitive, emotionale und soziale) Umgang damit erlernt. Auch bei gut begabten – ohne Vorhandensein einer Hochbegabung – sind diese Massnahmen hilfreich und empfehlenswert. In der Lernpraxis passen wir das Förderprogramm individuell auf unsere Klienten an und wenden verschiedene Methoden und Trainingstools an:
- Kognitives Training: Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis, logisches Schlussfolgern zur Überwindung hinderlicher Minderleister-Haltungen
- Spezifische Förderung einzelner (oft hoher) Kompetenzen (z.B. in Mathematik, Sprache, interpersonell)
- Aufbau und Realisierung eigener Projekte (z.B. Vortrag in Schule, Abfallbewirtschaftung an der Schule, Freiwilligenarbeit in der Gemeinde, Teilnahme an internationalen Wettbewerben)
- Austausch Lerncoach/Mentorat mit Ansprechperson in Schule bzgl. optimaler Förderung
- Vernetzung (oft weltweit) mit Gleichgesinnten (etwa innerhalb der Wettbewerbe und Förderprogramme)
- Aufrechterhaltung von und Umgang mit Ressourcen und Motivation
- Stärkung der eigenen Fähigkeiten und Ressourcen
- Integration der entwickelten Projekte in Schule, Alltag und Gesellschaft
Durch das Mentorat und die daraus resultierenden Erfolgserlebnisse werden die eigenen Fähigkeiten erkannt, stärker gefördert und mit positiven Assoziationen verbunden. Langfristig führt die gezielte Förderung zu einer optimalen Nutzung der vorhandenen Begabungen und höherem Wohlbefinden.
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