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Warum ist die Biodiversität bedroht?
FA: Es gibt viele Faktoren. Zu den wichtigsten Bedrohungen zählen die Zerstörung von Lebensräumen durch intensive Landnutzungspraktiken wie Landwirtschaft oder Urbanisierung und eine nicht nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen. Auch die Umweltverschmutzung, insbesondere die chemische Verschmutzung, reduziert die Artenvielfalt. Ausserdem wirken sich die direkte Ausbeutung von Organismen, wie z.B. Überfischung, gebietsfremde Arten und der Klimawandel nachteilig auf die Biodiversität aus.
CG: Die meisten Bedrohungsfaktoren für die Biodiversität kennen wir heute gut. Wir wissen jedoch noch wenig darüber, welche Arten genau betroffen sind und wie sich der Verlust einer Art auf andere Arten auswirkt. Die Vernetzung der Arten ist sehr wichtig, aber auch kompliziert und daher schwierig vorherzusagen. Das macht es nicht einfach, die biologische Vielfalt zu erhalten.
Wie sieht es mit der Biodiversität in der Schweiz aus?
FA: In der Schweiz lassen sich vergleichbare Trends beobachten: Die Intensivierung der Landnutzung durch die Landwirtschaft, die Urbanisierung und der Ausbau der Infrastruktur, etwa für den Verkehr. Diese Entwicklungen haben die natürlichen Ökosysteme stark verändert und zum Verlust der Biodiversität beigetragen, vor allem seit den 1950er-Jahren. Mittelfristig wird der Klimawandel aufgrund unserer gebirgigen Topografie an Bedeutung gewinnen: Organismen, die an ein kälteres Klima angepasst sind, werden ihr Verbreitungsgebiet in höhere Lagen verlagern müssen, dort aber möglicherweise irgendwann keine Lebensräume mehr auffinden.
Ihr leitet zusammen die neue Forschungsinitiative «Blue Green Biodiversity». Was bedeutet «blau-grün»?
CG: «Blau-grün» bedeutet, dass wir aquatische und terrestrische Systeme gleichzeitig untersuchen, also Ökosysteme im Wasser und an Land. Bisher neigt die Wissenschaft dazu, sich auf ein bestimmtes Ökosystem zu konzentrieren. Aber die Systeme sind miteinander vernetzt. Beispielsweise verbringen viele Insekten ein Lebensstadium im Wasser, bevor sie zu einem Lebensstadium an Land wechseln. Diese Insekten sind für Vögel sehr nahrhaft, da sie reich an Fettsäuren sind. Solche Zusammenhänge werden normalerweise nicht untersucht. Es ist aber auch wichtig, mehr als ein System zu studieren, um etwas über grundlegende Prinzipien zu erfahren, zum Beispiel die Widerstandsfähigkeit. Wie lange dauert es, bis ein Ökosystem nach einer Störung in seinen vorherigen Zustand zurückkehrt? Wenn Forschende von beiden Seiten gleichzeitig das gleiche Prinzip in beiden Ökosystemen mit einer ähnlichen Methodik untersuchen, lernen wir die zugrundeliegenden Mechanismen besser zu verstehen.
FA: Ich stimme Catherine zu. Wenn man sich nur auf aquatische oder terrestrische Lebensräume konzentriert, wie es in der Vergangenheit oft gemacht wurde, kann man nicht das ganze System erfassen. Wir müssen die biologische Vielfalt ganzheitlicher untersuchen, sonst verpassen wir wichtige Abhängigkeiten und kaskadenartige Effekte. Zum Beispiel können landwirtschaftliche Produktionsmethoden die Wasserqualität und die aquatische Biodiversität stark beeinflussen. Folglich müssen sich Forschende aus der terrestrischen und aquatischen Ökologie zusammenschliessen, um die Dynamiken über die Systemgrenzen hinaus zu untersuchen.