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Lian Bichsel wird im NHL-Draft in Montreal wie erwartet in der ersten Runde gezogen. Die Dallas Stars wählen den 18-Jährigen als Nummer 18.
Lian Bichsel ist erst der dritte Schweizer Verteidiger, der in der ersten Runde berücksichtigt wurde. Zuvor war diese Ehre Mirco Müller (2013 ebenfalls als Nummer 18) und Luca Sbisa (2008 als Nummer 19) vorbehalten gewesen. Insgesamt ist Bichsel der zehnte Schweizer Erstrunden-Draft, der erste seit 2017, als Nico Hischier als Nummer 1 berücksichtigt worden ist. Die Freude bei Bichsel ist riesig. «Es ist einfach ein unglaubliches Gefühl», sagt der Teenager. «Ich bin ein bisschen überrascht, nach Dallas zu gehen, aber ich bin stolz darauf, ein Spieler von Dallas zu sein.»
Ob Bichsel schon in der nächsten Saison in Nordamerika spielt, wird sich zeigen. Die Stars gewannen 1999 zum bisher einzigen Mal den Stanley Cup. 2000 und 2020 erreichten sie den Final. In der vergangenen Spielzeit bedeuteten die Achtelfinals Endstation. Zu den Topstars von Dallas gehört Tyler Seguin, der in der Lockout-Saison 2012/13 29 Partien für Biel bestritten hat. Zu erwähnen ist auch Joe Pavelski. Der 37-jährige Stürmer erzielte in bisher 1336 Spielen in der besten Liga der Welt 485 Tore und 564 Assists.
Wechsel nach Schweden als Glücksfall
Bichsel debütierte am 15. Dezember 2020 im Alter von 16 Jahren bei Biel in der National League. In der damaligen Saison stand er viermal im Aufgebot der ersten Mannschaft der Seeländer, kam jedoch insgesamt nur während 3:10 Minuten zum Einsatz, was für ihn nicht nachvollziehbar war. Zwar wäre er in der darauffolgenden Spielzeit im Fanionteam der Bieler eingeplant gewesen, er entschied sich allerdings früh, etwas Neues zu suchen. Letztendlich schloss er sich dem schwedischen Verein Leksand an, obwohl auch Nordamerika eine Option gewesen wäre. «Ich wollte mich an einem neuen Ort zeigen, neue Trainer haben, und Schweden passte mir als Land viel besser», sagt Bichsel. Ausserdem ist das skandinavische Land bekannt für seine gute Nachwuchsförderung.
Der Entscheid entpuppte sich als goldrichtig, umso mehr als Bichsel zur eigenen Überraschung nicht mehrheitlich bei den Junioren, sondern in der SHL spielte. Er bestritt 29 Partien in der ersten Mannschaft, in denen ihm ein Tor und zwei Assists gelangen. Im Durchschnitt kam er während 11:48 Minuten zum Zug. «Ich lernte spielerisch extrem viel», sagt Bichsel – auch weil er Fehler machen durfte. Im mentalen Bereich half ihm der Wechsel ebenfalls. Er wohnte alleine, kochte und wusch selber. «Das war für mich keine grosse Herausforderung. Zudem fand ich rasch Anschluss.»
Physisch stark und gelassen
Leksands Cheftrainer Björn Hellkvist zeigte sich begeistert von Bichsel, insbesondere von dessen Selbstvertrauen. Der Zeitung «Expressen» sagte er, dass es selten vorkomme, einem so grossen Talent über den Weg zu laufen. Der nach einer Schnupperwoche in Olten zum Eishockey gekommene Schweizer wurde in Medien gar mit Victor Hedman von den Tampa Bay Lightning verglichen, einem der unbestritten besten Verteidiger der Welt. Das findet der junge Schweizer zwar schön zu hören, mehr aber auch nicht.
Zum grossen Selbstvertrauen sagt Bichsel: «Sonst wäre ich nicht nach Schweden gegangen.» Zu seinen Stärken gehört das physische Spiel. Er geht den Gegnern «unter die Haut», wobei er von seiner Grösse von 1,96 m und dem Gewicht von 102 kg profitiert. Seine Reichweite macht es für die Gegner schwierig, an ihm vorbeizukommen. Zudem wird er noch an Kraft zulegen; aktuell schafft er beim Bankdrücken 100 kg. Dass er während zwei, drei Jahren enorm gewachsen war, bereitete ihm keine grossen Probleme, «da ich immer extrem auf meinen Körper geschaut habe».
Bichsel setzt sich selbstredend hohe Ziele. Diese behält er aber für sich. Überhaupt ist er ein ruhiger Typ. Ein spezielles Vorbild hat er nicht, solche sind für ihn alle, die in der NHL oder National League spielen. «Wie sie ihren Weg gemacht haben, das beeindruckt mich», sagt Bichsel. Beeindruckend ist auch seine Entwicklung. Gelingt es ihm, im offensiven Bereich noch zuzulegen, spricht wenig gegen eine schöne Karriere in der NHL.
NHL-Draft
Im NHL-Draft in Montreal von den Canadiens als Nummer 1 gewählt wurde der Slowake Juraj Slafkovsky, der im Februar an den Olympischen Spielen in Peking dank sieben Toren in sieben Spielen zum MVP gekürt worden war. Dahinter folgte mit Verteidiger Simon Nemec (New Jersey Devils) ein weiterer Slowake. Insgesamt wurden 16 Europäer in der ersten Runde berücksichtigt, also genau die Hälfte. Der Kanadier Shane Wright, den viele Experten als Top-Draft gesehen hatten, wurde erst als Nummer 4 von den Seattle Kraken gezogen.