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Gold – auf Thai heisst es Thong
Gold, die goldigen Damen Thong, sie haben ein Jahrhundert Familiengeschichte geschrieben, die drei „goldenen“ Damen im grösseren Umkreis unserer Familie. Da ist unsere Mutter (Mea), Mea Thongyoo- die goldene sesshafte, 73 Jahre alt. Mea Thongmuan – die goldene rollende ist 75, und die Matriarchin mit 103 Jahren heisst Mea Thongsi – die goldfarbene! Alle drei haben vom bäuerlichen Leben tief zerfurchte Gesichter und einen goldenen Humor. Sie haben Generationen aufgezogen und können von einem Thailand erzählen, welches weit ausserhalb unseres Vorstellungsvermögens liegt. Und trotzdem, Mea Thongsi meint schmunzelnd, die Wasserbüffel wären immer die gleichen geblieben. Ergänzend dazu kann man sagen, es sind über die Jahre hinweg immer weniger geworden, heute leben etwa noch eine Million dieser Urviecher im Lande.
In der Thai-Gesellschaft sind die Vornamen wichtiger als die Familiennamen. Die letzteren sind beispielsweise in Thailand nicht historisch entstanden, sondern wurden 1913 per Gesetz eingeführt. Für einige hochrangige Familien suchte König Rama VI. selbst einen Familiennamen aus, die übrige Bevölkerung konnte sich einen eigenen ausdenken. Bei der Registrierung wurde aber darauf geachtet, dass keine Familie einen Namen annahm, der bereits vergeben war. Die Familiennamen sind daher einmalig, es gibt keine besonders häufigen Familiennamen wie z.B. bei uns die Müller‘s, Huber‘s oder Meier’s in Europa.
Die Vor- und Familiennamen
stammen meist nicht aus der Thai-Sprache, sondern aus den religiös-zeremoniellen Gelehrtensprachen Sanskrit oder Pali. Sie haben oft eine segnende, positive Eigenschaft oder Glück verheißende Bedeutung. In vielen Fällen lassen sich Eltern einen passenden Namen (unter Berücksichtigung von Faktoren wie Geburtsdatum und -zeit, Mondphase, Tierkreiszeichen) von einem buddhistischen Mönch vorschlagen.
Bei „unserem“ Familiennamen „Munguanban“ bezweifle ich, dass da ein Mönch seine Finger im Spiel hatte, denn übersetzt bedeutet er so viel wie „der Dung der das Dorf stört“ und ist vermutlich eher auf die grösste Herde Wasserbüffel im Dorfe zurückzuführen, welche einst im Familienbesitze war. Das so nebenbei.
Um die Exkursion zu den Hintergründen der Thai-Namen abzuschliessen, noch ein Blick auf die Spitz- oder Rufnamen (Nickname). Im Alltag werden nämlich meistens nur diese kurzsilbigen Chue Len (Spielnamen) verwendet und haben in der Regel keinen Bezug zum offiziellen Vornamen. Sie sind oftmals gewöhnliche Wörter aus der thailändischen Sprache, wie Tiere, Blumen, Farben, Spielsachen oder körperliche Eigenschaften usw. Die Tochter meiner Partnerin heisst z.B. mit offiziellem Namen Varinthara – die Intelligente; und mit Spitznamen Nit – die sehr klein Geborene. Mir persönlich gefallen ehrlich gesagt die offiziellen Vornamen viel besser, ich kann mir diese auch viel besser merken als all die Pon, Phong, Pong, Pom…s.
Zurück zu den goldenen Damen,
ihre Namen lassen darauf schliessen, dass Gold schon vor hundert Jahren in Thailand eine wichtige Rolle spielte. Das tat es und tut es heute immer noch. Geld regiert die Welt und Gold Thailand – könnte man sagen wenn man die Geschäftsdichte der nicht zu übersehenden Gold-Shops in Städtchen und Städten betrachtet. Überall leuchten sie uns entgegen in ihrem rot-goldenen, unverkennbaren Design. In unserer kleinen Provinz-Gemeinde (Amphoe) – ich würde es nicht einmal als Städtchen bezeichnen -dominieren vier Gold-Shops neben zwei 7/11 das Strassenbild, neulich sind noch drei Tankstellen dazugekommen, zu unser aller Erstaunen.
Gold dominiert auch in den Tempeln, von den goldbemalten Friesen bis zu den goldenen Chedis und Buddhas in den bedeutenden Anlagen. Nur die in der Natur und auf den Anhöhen aus den Wäldern ragenden Buddha-Statuen sind weiss. Nicht etwa weil die Erbauer-Gemeinden kein Geld für Gold aufbringen konnten, nein, sie sehen einfach so schön aus, wie man mir erklärte. Interessant ist die kleinere Buddha-Statue, die oft mit sogenanntem Blatt-Gold beklebt etwas „ausgefranst“ aussehend in den Tempeln steht. Diese dünnen Goldplättchen werden von den Menschen in einem Zeremoniell (Tamboon) dem Buddha an die Körperstelle geklebt, an der sie selber ein gesundheitliches Problem haben. Interessant ist das deshalb, weil man nun anhand der Blatt-Gold-Dichte an bestimmten Körperstellen erahnen könnte, wo es denn den Thais am meisten weh tut!
Die Goldaspekte
der heutigen Thai-Gesellschaft sind interessant und provozieren auch so manche Abwehrhaltung in den Köpfen so mancher Farangs (Ausländer, Europäer, Amerikaner…). Ein erstes, einleuchtendes Gegenargument ist: die Thais (zumindest in der bäuerlichen Gesellschaft) trauen ihren Banken nicht! Sie tragen ihre „Ersparnisse“ lieber am Körper und haben darüber die Kontrolle. Diese Praxis hat im letzten Jahrzehnt zudem grosse Beliebtheit erlangt, weil der Goldpreis kontinuierlich anstieg. Die Gefahr des Diebstahls ist ihnen zwar sehr bewusst, aber der Ring steckt ja immer noch am Finger………
Eine wichtige Tradition zu Geburtstagen und mittlerweile auch anderen Festlichkeiten ist das Schenken von Gold geworden. Kinder schenken der Mutter, Ehemänner ihren Ehefrauen Gold. Der Goldbesitz wird als eine wichtige Kapitalanlage und Lebensversicherung betrachtet. Meistens werden bestehende Gold– Armbänder, Ringe etc. in einen nächst höheren „Gewichtswert“ umgetauscht, zum Beispiel ein Arm-Geschmeide von 20‘000 Baht Geldwert (THB) hat nach dem Geburtstag plötzlich 40‘000 Baht wert, ist schwerer und sichtbar imposanter geworden. Ich habe den Baht-Geldwert bewusst betont, denn Baht ist auch ein Gewichts-Mass für Gold. 1 Baht Gold sind 15,244 Gramm 96,5%iges Gold was beim Schreiben dieses Blogs ziemlich genau 20‘000 Baht in Geldwert entspricht.
In Zeiten der Not werden solche Kapitalanlagen wieder zu barer Münze umgetauscht. Gerade auf dem Lande bei der ärmeren Bevölkerung wird dieses Gold-Kapital gerne im Alltag zur Schau getragen.
Von vielen Farangs, die diese Hintergründe nicht kennen (wollen), wird diese scheinbare „Gier nach Gold“, wie so manch anderes, meiner Ansicht nach falsch gedeutet. Für die Thais ist ein Farang IMMER reich, und wenn der dann so nett fragt: „was kann ich Dir zum Geburtstag/ Muttertag/Neujahr etc. schenken“ ist die Antwort wohl klar: Gold! Viel Gold!!
Selbstverständlich gibt es sie, die Gier nach Gold,
gerade die jungen Damen in den Sextouristen-Zentren lassen sich von ihren Freiern immer gerne mit Gold behängen. Am Tag des Abflugs ihres „Geliebten“ wandert die Halskette sofort wieder zurück in den Gold– Shop und wird dort mit einer „kleinen Einbusse“ zu Cash gemacht, eine Win-Win-Situation für beide Seiten. In Thailand werden die Goldpreise staatlich festgelegt, jeden Tag. Also sind die Einbussen klar ersichtlich, mal abgesehen von den sich verändernden Goldpreisen. Ein Shop verkauft uns z.B. ein Baht Gold für 20‘100 THB und würde es sofort für 20‘000 THB zurückkaufen. Also eine eher bescheidene „Einbusse“. Interessant ist, dass alle Goldshops die genau gleichen Preise haben, gemogelt wird nicht, denn wer einen Farang oder Thai übers Ohr hauen will, verliert sofort die Lizenz.
Taucht der Herr wie versprochen 6 Monate später wieder auf, hat das nicht mehr vorhandene Schmuckstück zwischenzeitlich halt eben „das Leben der Mutter/ Grossmutter…. gerettet, die in den Spital musste“…….weit oben im Bauerndorf im Isaan….! …….manchmal stimmt das sogar!
Gold spielt auch bei der Heirat
im Bauernstand im Isaan eine grosse Rolle, ob der Bräutigam nun Thai oder Farang ist. Wir sprechen hier nun von der traditionell buddhistischen Hochzeit. Traditionell wird ein Teil des von der Bräutigam-Familie aufzubringenden Brautgeldes (Kha Dong) in Gold beantragt. Beantragt deshalb, weil die Gesamtsumme oft Monate vor der Hochzeit von beiden Familien gemäss ihrem Besitzstand ausgehandelt wird. Die Summe in Baht erhalten die Brauteltern, welche das meiste davon in die Hochzeit investieren, denn diese soll ein berauschendes Fest mit vielen Gästen und grossem Essgelage werden. Mit diesem Fest ehren die Brautleute auch ihre Eltern, welche nun zur Schau stellen können, dass sie „jemand“ sind. Und das ist enorm wichtig in diesem Lande.
Der Goldschmuck, etwa ein Drittel des gesamten Brautgeldes, geht in den Besitz der Braut über und wird als eine Art „Reserve“ für schlechte Zeiten betrachtet. Die „schlechten Zeiten“ werden oft schneller Wirklichkeit als man denkt. Da haut der Mann mit seiner neuen Freundin (Gick) einfach ab und lässt Frau und Kinder stehen, keine Unterhaltszahlung, kein Familien-,Kinder- oder Frauenschutz…..denn die buddhistische Hochzeit ist weder verbindlich noch staatlich abgesichert. Dieses „Ehe-Risiko“ ist auch in einer Statistik belegt, welche besagt, dass das Volk der Thai (Frauen wie Männer, wohlverstanden) die weltweit höchste Fremdgeh-Rate aufweist.
Die jungen Mütter bleiben zurück auf dem Hof der Eltern, denn gemäss der Isaan-Tradition zog der neue Ehemann ins Elternhaus der Frau. Bald sind die Goldreserven in bare Münze zurückverwandelt worden und das Geld zerrinnt im Augenblick, den ein Thai denkt selten an morgen. Aber da ist diese verlockende Option, welche doch bei einigen in den umliegenden Dörfern so hervorragend funktioniert hat: ein Bar-Job in der Tourismus-Industrie!
Angeln sich die jungen verlassenen Mütter
in der Bar in Pattaya dann einen älteren Herrn aus Europa, hat die Familie möglicherweise den „Lotto-Sechser“ gezogen. Nach einem Besuch bei der Familie im Dorf und der Begutachtung der oft armseligen Zustände wird dem „reichen“ Farang oft schnell klar, dass er in seiner letzten Lebensphase zum Retter berufen ist.
Es ist dann nur noch eine Frage der Zeit, bis sich der Farang mit den traditionellen Heiratsgesetzen konfrontiert sieht. Wegen des Brautgeldes ist in der Farang-Szene immer wieder harsche Kritik zu hören: „die Thais verkaufen ihre Töchter“..usw. , denn die Mitgift-Forderungen der Eltern der oft doch sehr jungen Braut sind eben dem „Stand des reichen Farangs“ entsprechend angepasst. Kann man sie deswegen wirklich anklagen? Gerade in diesem Falle, er meist über 60—sie um die 20 (Frauen kriegen hier ab 14 Kinder) liegen die Verhältnisse doch ehrlich gesagt einfach ein wenig anders als bei zwei verliebten Teenagern.
Thailand zwischen Traditionalismus und Moderne
Ich beobachte, dass in respektvollem Dialog die Thais durchaus interessiert sind, ihre Traditionen genauer anzuschauen oder gar zu hinterfragen. Ich habe von einer interessanten Mitgift-Lösung gehört, wo der Farang gute Versicherungen für die Braut-Familie abgeschlossen haben soll. Zudem wäre da noch die staatlich anerkannte Hochzeit, und zwar sowohl auf dem Thai- wie auch auf dem Farang-Standesamt, was einer Braut unter Umständen soziale Sicherheiten der neuen Bürgerschaft einbringt.
Die Thais haben zwei menschliche Eigenschaften, die ich höchst schätze. Zum einen sind sie nicht nachtragend. Es wird zwar mit allen Mitteln versucht, etwas zu erkämpfen und durchzusetzen. Scheitert das durch ein klares Nein des Farangs, ist es für immer vom Tisch. Keine Ressentiments, keine schlechte Stimmung, keine offengetragene Enttäuschung. Das dürfte auch bei der Mitgift-Frage so sein.
Die zweite Eigenschaft ist der Sinn für Humor. Ich selber, damals in den Heirats-Verhandlungen stehend, fragte unsere Mutter Mea Thongyoo – die goldene sesshafte – wieviel sie mir den für ihre Tochter bieten würde, denn diese sei ja immerhin zweifache Grossmutter und wohl nicht mehr ganz so frisch…….augenblicklich breitete sich dieses goldene, herzhafte Lachen auf ihrem zerfurchten Gesicht aus, die ganze Familie lachte und lachte, die Gold Gehänge schüttelten und klimperten – und das Thema war vom Tisch.
PS
das Beispiel im letzten Abschnitt nenne ich eine „humoristische Umkehrung“ – ein kleiner persönlicher Tipp an hier lebende Farangs – funktioniert (fast) immer, ist allemal besser als in die typische Farang-Abwehrhaltung zu gehen, die nur in Gesichtsverlusten auf beiden Seiten enden kann.