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Die Dorfkirche Spreitenbach geht auf einen hochmittelalterlichen Kapellenbau zurück. Im 12. Jahrhundert – vielleicht schon vorher – wurde hier eine kleine Filialkapelle errichtet (erstmals erwähnt 1184), deren Mutterkirche das Gotteshaus im benachbarten Dietikon war. Die Pfarrei umfasste damals die Ortschaften Urdorf, Dietikon, Bergdietikon und Spreitenbach.
Im Jahr 1310 übertrug Graf Rudolf von Habsburg-Laufenburg das Patronatsrecht (Pfarreinsetzungsrecht) von Dietikon ans Kloster Wettingen. Die gesamte Pfarrei wurde 1321 dem Kloster einverleibt.
Wie die Quellen zeigen, wurde in der Kapelle Spreitenbach nur wenige Male pro Jahr die Messe gelesen. Zu diesem Zweck und für den Unterhalt des Gebäudes stand ein kleines Kirchengut mit einigen Grundstücken zu Verfügung.
Die rechtlichen Verhältnisse der Pfarrei erwiesen sich nach der Reformation noch komplexer, als sie es bereits vorher gewesen waren. Die Mutterpfarrei Dietikon schloss sich 1529 der Reformation an und verblieb auch nach dem Kappeler Landfrieden von 1531 neugläubig. Die Mönche des Klosters Wettingen hatten sich 1529 ebenfalls der Reformation angeschlossen, wurden jedoch 1531 durch die katholischen Orte rekatholisiert. Dies bedeutete, dass fortan der Abt des Klosters Wettingen aus einem Dreiervorschlag des Zürcher Rates einen reformierten Prediger (Prädikanten) für die Kirche in Dietikon und die Filialkapelle in Spreitenbach auswählen durfte. Beide Gotteshäuser wurden seither von einem katholischen Priester und einem reformierten Pfarrer gemeinsam (simultan bzw. paritätisch) genutzt.
Vermutlich nach einem Brandereignis im früheren 17. Jahrhundert wurde die Kapelle Spreitenbach 1637 nach einem gemeinsamen Beschluss beider Konfessionen abgerissen und 1638 durch einen Neubau ersetzt, der im Wesentlichen dem heutigen Baubestand entspricht.
Nach dem Neubau der Kapelle las der katholische Priester wöchentlich die Messe. Der reformierte Pfarrer beabsichtigte einmal pro Monat Sonntagsschule zu halten.
Dem widersetzte sich der damalige katholische Untervogt und liess die Reformierten zunächst nicht in die Kapelle. Erst durch einen Vergleich im Jahr 1639 wurden die Rechte beider Konfessionen sowie die gemeinsame Nutzung des Gotteshauses geregelt. Dies blieb bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Kraft.
Mit dem Ende der Alten Eidgenossenschaft 1798 begann der Ablösungsprozess der Spreitenbacher Katholiken von der Pfarrei Dietikon, während die Reformierten unter der Bezeichnung «Aargauisch Dietikon» noch bis ins 20. Jahrhundert hinein Bestandteil der zürcherischen reformierten Kirchgemeinde Dietikon blieben.
(=Spreitenbach und Nebengemeinden).
Seit 1862 existiert eine eigenständige katholische Kirchgemeinde mit eigenem Friedhof, Tauf- und Beerdigungsrecht. Die Reformierten weigerten sich zunächst den katholischen Friedhof zu nutzen, beerdigten ihre Toten aber seit 1899 ebenfalls dort, nachdem die Begräbnisstätte an die Einwohnergemeinde Spreitenbach übergegangen war.
Nach dem Bau einer eigenen katholischen Kirche in Spreitenbach (1903/04) zogen sich die Katholiken endgültig aus der gemeinsamen alten Dorfkirche zurück und verkaufte den Reformierten ihren Anteil.
Der Kt. Aargau blieb als Rechtsnachfolger des 1840 aufgehobenen Klosters Wettingen weiterhin Mitbesitzer der Dorfkirche.
Der Weg der reformierten Gläubigen in Spreitenbach bis zur endgültigen Loslösung aus dem Verband mit der reformierten Kirche Dietikon dauerte weitere Jahrzehnte.
Noch 1910 mussten die Spreitenbacher Kirchenjugend den Konfirmandenunterricht am Sitz des reformierten Dietiker Pfarrers in Urdorf besuchen. 1916 wurde dort schliesslich eine zweite Pfarrstelle geschaffen, deren Seelsorger in Dietikon residierte und alle zwei Wochen in der Dorfkirche Spreitenbach predigte. Ab 1933 fanden die Gottesdienste in der Dorfkirche Spreitenbach wöchentlich statt. 1937 kam es schliesslich zur formellen Trennung der Kirchgemeinde Spreitenbach-Killwangen-Bergdietikon von Dietikon.
1949 konnte eine erste Orgel eingeweiht werden. 1957 trat Pfr. Kurt Flückiger als erster Seelsorger der bereits 20 Jahre existierenden Kirchgemeinde sein Amt in Spreitenbach an.
1971 wurde das neu errichtete kirchliche Zentrum Hasel mit der modernen Kreuzkirche, und 1973 auch das programmierbare Glockenspiel eingeweiht.
1984 löste sich Bergdietikon aus dem bisherigen Verband mit Spreitenbach und Killwangen und gründete eine eigene Kirchgemeinde.
Die umfassende Renovation und Restaurierung der alten Dorfkirche 1995/1996 führte auch dazu, dass der Kt. Aargau seine letzten Besitzanteile am Gotteshaus an die reformierte Kirchgemeinde abtrat, welche seither alleinige Besitzerin des Gotteshauses ist.
Zur Baugeschichte der Dorfkirche
Durch archäologische Untersuchungen während der umfassenden Renovation und Restauration der Dorfkirche konnte 1995 der Grundriss der ursprünglichen Kapelle und ihre Ausbauphasen dokumentiert werden. Es zeigte sich, dass die Vorgängerkirche einen deutlich kleineren Grundriss aufwies (9.25 m x 6.9 m) als die heutige Dorfkirche, welche auf den Neubau von 1637/1638 zurückgeht. Brandrötungen im alten Mauerwerk verweisen auf zwei Brandereignisse in unbekannter Zeit, von denen eines vielleicht sogar für den Neubau im 17. Jahrhundert verantwortlich gewesen sein könnte.
Der deutlich kleineren Raummasse (braun) sind gut zu erkennen
(Plan nach einer Skizze von Peter Frey, Kantonsarchäologie Aargau).
Über den Neubau während der Amtszeit des Wettinger Abtes Christoph Bachmann wird berichtet, dass die Kirche «von neuem Fundament widerum erbawet» und der Grundriss in Länge und Breite um jeweils vier Schuh (1.20 m) vergrössert worden sei.
1678 weihte Abt des Klosters Wettingen Niklaus Göldin den neuen Choraltar zu Ehren des heiligen Sakramentes, der Muttergottes und der Kirchenpatrone Kosmas und Damian ein.
Kurz vor dem Ende der Alten Eidgenossenschaft musste 1793 der Dachreiter ersetzt werden. 1796 wurde im Rahmen einer Renovation ein Gewölbe in den Chor eingebaut.
1833 erhielt die Kirche eine neue Kanzel mit Zugang vom Chor her durch eine Öffnung im Chorbogenpfeiler, 1861 einen neuen Taufstein, 1875 ein Harmonium (eine erste Orgel wurde erst 1949 angeschafft).
1877/1878 vollzog man eine grössere Renovation und Ausbauarbeiten. Damals wurde eine Sakristei an die Chorscheitelwand angebaut und das dortige Fenster vermauert. Auch die Empore dürfte damals entstanden sein. Der Innenraum erhielt einen weissen Tünche-Anstrich. Im Chor errichtet man einen neuen, von der Scheitelwand abgerückten Altar, und verzierte das Chorgewölbe mit Sternenschmuck. Gleichzeitig erhielt die Kirche neue Fenster, ein Kanzelbild und vor allem ein neues dreiteiliges Geläute der Glockengiesserei Jakob Keller in Zürich. Eine zersprungene Glocke musste 1900 ersetzt werden.
Nach der Übernahme der alten Dorfkirche Spreitenbach durch die Reformierten kam es in den folgenden Jahren und Jahrzehnten zu zahlreichen Abänderungen und Umgestaltungen im Kirchenraum (Anpassung an die reformierte Liturgie).
1918 musste der Dachreiter ersetzt werden. 1828 wurde einen umfassende Innenrenovation durchgeführt, 1947 und 1970 fanden Aussenrenovationen statt.
Die Restaurierung von 1995/1996 bot neben der Erhaltung und Restaurierung der historischen Bausubstanz auch einmalige Bauaufgaben, wie etwa die Wiederherstellung der freigelegten Wandmalereien, die Entfernung des jüngeren Gewölbes im Chor mit Rekonstruktion der ursprünglichen Holzdecke sowie die Ergänzung des Orgelgehäuses oder die Verkleinerung der Empore.
Zur Baugeschichte der Kreuzkirche Hasel
In den Jahren 1950–1970 stieg die Zahl der Mitglieder der reformierten Kirchgemeinde Spreitenbach-Killwangen-Bergdietikon von 949 auf 3’351 Personen. Diese immense Zunahme führte zu Überlegungen, ausreichend Raum für Gottesdienste, kirchliche Anlässe etc. zu schaffen. So entschied die Kirchgemeinde, ein neues kirchliches Zentrum mit einer grösseren Kirche, Veranstaltungs-, Büro und Unterrichtsräumlichkeiten zu bauen. Nach dem Spatenstich im April 1970 wurde das 1.8-Millionen-Projekt Ende Oktober 1971 eingeweiht. Es besteht aus vier eigenständigen Bauten: Kirche, Turm, Saaltrakt und Pfarrhaus. Der Turm mit dem 24 Glocken umfassenden programmierbaren Glockenspiel konnte 1973 seiner Bestimmung übergeben werden.