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"Ah well, I suppose it has come to this ... Such is Life", sollen Ned Kellys letzte Worte am Galgen gewesen sein. Der Richter, der ihn verurteilt hatte, starb 12 Tage später eines natürlichen Todes. So wie es Kelly prophezeit hatte. Kelly, der Bandit, auch bekannt als Ned Kelly war eine australische Legende, ein Robin Hood des Outback, besser gesagt in der selbsternannten "Republik Victoria", das heutige Gebiet um Melbourne. Das Gebiet Glenrowan, Victoria, wird heute noch als Kellyland bezeichnet.
Der Film beginnt mit dem Ende, also genau mit der eingangs beschriebenen Szene. Ned Kelly, mit irischer Abstammung und republikanischer Gesinnung, war ein willkommener Sündenbock der englisch dominierten Besatzer und Kolonialherren. An ihm wollten sie ein Exempel statuieren. Aber diese Interpretation ist vielleicht schon Teil der Legende, denn Kelly nahm es mit dem Gesetz und den damaligen Eigentumsverhältnissen nicht so genau. Pferdediebstähle und Banküberfälle gehörten bald ebenso zu seinem Repertoire wie seine Rüstung, eine aus Pflugscharen zusammengestellte Abdeckung des Körpers, die sogar Kugeln abhalten konnte. Statt Schwerter zu Pflugscharen eben umgekehrt. In der Verfilmung von Tony Richardson aus dem Jahre 1969 übernimmt Mick Jagger die prominente Rolle des "irischen Freiheitskämpfers". Er gibt Kelly das gewisse rebellische Charisma, wenn er einen ausführlichen Brief (Jerilderie letter) an die Öffentlichkeit verfasst, in dem er seine Aktionen erklärt. Man mag diesen Brief als eine Art frühe Medienkritik verstehen, denn Kelly prangert darin an, dass er zum Verbrecher gemacht wurde. Seine wahren Motive seien aber edler, denn er träumte von der Möglichkeit eines irischen Aufstandes, nicht nur in Australien, sondern auch in den Vereinigten Staaten und in Irland selbst.
Das Unrecht, das an den Iren durch die Engländer begangen wurde, ist sicherlich nicht erfunden und die britische Kolonialherrschaft sicherlich kein Honiglecken. Das macht der Regisseur auch begreiflich, wenn er den neuen Ehemann von Kellys Mutter, ein US-Amerikaner, sprechen lässt, der sagt: "In my Country all men are created equal". Als seine Mutter an seiner statt verhaftet wird, will Kelly sich zuerst stellen, wird aber mit seinem Bruder Dan in einen Hinterhalt gelockt. Jetzt gibt es kein Zurück mehr und Kelly schart einige seiner Männer um sich, um einen Plan auszuhecken. Unterstützung bekommt er auch von seiner Schwester, Maggie, die eigentlich von Jaggers damaliger Freundin, Marianne Faithfull, hätte gespielt werden sollen. Dass ausgerechnet ein Engländer wie Mick Jagger den irischen Freiheitshelden spielte, erregte zudem den Protest der (australischen) Actors' Equity. Der Film stand von vornherein unter einem schlechten Stern und floppte genauso wie der zeitgleich erscheinende Donald Cammell/Nicolas Roegs "Performance".
Bemerkenswert an "Kelly, der Bandit" ist neben der Darstellung durch einen jungen Mick Jagger (wir schreiben das Jahr 1969) und seinen sozialrevolutionären Aussagen auch der Soundtrack. Neben Waylon Jennings, Kris Kristofferson und Tom Ghent gibt auch Mick Jagger einen Song zum besten: "The Wild Colonial Boy" wird im Film live von ihm gesungen. Dabei hatte es Johnny Cash schon Jahre früher so gut auf den Punkt gebracht: "Ned Kelly took the blame/Ned Kelly won the fame/Ned Kelly brought the shame/And then Ned Kelly hanged".