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Obschon die Schweizer K. später einen guten Ruf genoss, waren die Schweizer zu Beginn der Eidgenossenschaft kein Reitervolk (Pferd, Reiten). Im 15. Jh. beruhte ihre militär. Stärke so deutlich auf dem Gevierthaufen der Infanterie, dass sich junge Adlige oft dafür entschieden, als Pikeniere (Spiessträger) zu dienen. Die nie sehr zahlreiche K. der Schweizer Kontingente wurde von verburgrechteten oder verbündeten Feudalherren weltl. oder geistl. Standes, gewissen Stadtzünften, reichen Bürgern und v.a. von den verbündeten Mächten der Eidgenossen gestellt. Zu Beginn des 15. Jh. konnten Bern und Zürich 500 Mann zu Pferd ausheben, Basel 200 und Freiburg 100. Die Waldstätte besassen keine K. Bei Murten (1476) warben die Eidgenossen 1'800 Reiter (grösstenteils aus Österreich) auf 20'000 Kämpfende an. Da sie über keine K. verfügten, konnten sie bei Novara 1513 die Niederlage der Franzosen nicht ausnutzen. Bei Marignano stellten sie 1'500 Reiter auf, hauptsächlich lombard. und päpstl. Hilfstruppen.
Das Defensionale von Wil von 1647 sah drei Berittene auf 100 Fusssoldaten vor, d.h. 1'440 Reiter. Jenes von 1663 legte den Bestand der eidg. K. auf 1'200 fest, d.h. sechs Reiter auf 100 Mann. Die bern. Armee zählte zu dieser Zeit rund 35'000 Mann, eingeteilt in 21 Infanterieregimenter und 16 Schwadronen zu 120 Mann. Der Zürcher Militärrodel verzeichnete 900 Berittene. Dieses Verhältnis rührte nicht von einem Mangel an Pferden her, denn im 17. und 18. Jh. kaufte Frankreich in der Schweiz jährlich Tausende von Pferden für seine K., und die einzelnen Orte exportierten welche ins Piemont und in die Lombardei. Zwar verpflichteten sich hauptsächlich die Fusssoldaten zu fremden Diensten, doch 1632 hob Jean de Gingins in der Waadt ein Kavalleriekorps für den Dienst in Schweden aus. Ausserdem zeichneten sich einige Schweizer als Kavalleriegeneräle aus: Albert Treytorrens in Schweden, Gabriel Monod und Robert Scipio von Lentulus in Preussen sowie Jean-Jacques de Beausobre in Frankreich. Die eidg. K. spielte indes auf den Schlachtfeldern keine entscheidende Rolle, aber sie erfüllte Aufgaben im Bereich der Aufklärung, des Flankenschutzes und der Verfolgung; sie praktizierte den sog. Kleinkrieg. Während der Truppenbewegungen befand sie sich bei der Vorhut, eskortierte die Artillerie und den Train. Im Kampf hielt sie sich hinter der Infanterie bereit, um sich allenfalls auf die von den Fusssoldaten ins Wanken gebrachte gegnerische K. zu stürzen.
Im 18. Jh. wurden die kant. Reitertruppen, die bis dahin mit ihren zu Pferd kämpfenden Kürassieren losstürmten, zur berittenen Infanterie: Als Dragoner kämpften sie zu Fuss mit dem Karabiner und nutzten ihre Pferde nur zur Verschiebung. Vor der franz. Invasion 1798 unterhielt Bern auf einen Truppenbestand von bis zu 80'000 Mann 1'000 Dragoner und zwei Kürassierkompanien; Basel 180 Dragoner auf 4'000 Mann, Luzern 200 Dragoner auf 10'000 Mann, Schaffhausen 180 Dragoner auf 3'000 Mann. Insgesamt umfasste die K. 2 % des Truppenbestands aller Orte. Während der Helvet. Republik blieb die K., wie die anderen Truppengattungen auch, in der Entwicklung stecken: 200 Jäger zu Pferd wurden als Berufssoldaten "für die Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit" eingesetzt. In der Mediation verbesserte sich die Lage etwas: Beim Burgunderfeldzug 1815 kamen 800 Reiter auf 40'000 Mann. Infolge der massiven Requirierung von Pferden durch Napoleon erlebten die berittenen Truppen während der Restauration eine Periode des Niedergangs, dies trotz einer von den meisten Kantonen unterstützten militär. Anstrengung. Im Sonderbundskrieg 1847 stellten die Bundestruppen 21 Kavalleriekompanien des Auszugs und 5,5 der Reserve oder der Landwehr auf, d.h. 1'700 Mann auf 10'000, die Sonderbundskantone 3,5 Kompanien, d.h. 200 Mann. Bis 1848 bezahlte jeder Soldat der berittenen Truppen sein Pferd und seine Ausrüstung selbst; später erhielt er vom Kanton, ab 1874 von der Eidg. Pferde-Regieanstalt in Thun ein Pferd zu einem ermässigten Preis, den sog. Eidgenoss, für dessen Unterhalt er aufkommen musste und den er ausserhalb der Dienstzeit als Arbeitspferd einsetzen konnte. Die Rekrutierung beruhte daher auf Freiwilligkeit.
Die Bundesverfassung von 1848 überliess die wichtigsten militär. Kompetenzen den Kantonen, obwohl der Bund die Ausbildung der Dragoner und der Guiden übernahm, die mit dem Begleitschutz, dem Kurier- und dem Heerespolizeidienst betraut waren. 1870 zählte das Bundesheer 201'000 Mann, die K. 4'619 (1'917 im Auszug, 1'089 in der Reserve und 1'613 in der Landwehr), wobei die beiden letzten Altersklassen nur im Kriegsfall Pferde erhielten. Die Mobilmachungen von 1870-71 brachten schwere Mängel in der Remonte (Ergänzung des militär. Pferdebestands durch junge Pferde), der Ausbildung und der Ausrüstung der Reitertruppen zu Tage, welche grösstenteils noch mit Pistole und Säbel bewaffnet waren. Im Verlauf der 1870er Jahre wurde das Vetterligewehr eingeführt. 1874 übernahm der Bund die wesentlichen militär. Kompetenzen. Jede Division verfügte über eine Guidenkompanie und ein Kavallerieregiment. 1895 wurden die Dragoner in vier Brigaden aufgeteilt, und die K. umfasste 15 Instruktoren, 3'458 Mann im Auszug und 3'136 in der Landwehr. 1898 erhielten diese Brigaden eine berittene Mitrailleurkompanie mit 8 Maschinengewehren - den ersten in Europa. In Anbetracht der kurzen Ausbildungsphasen war es Oberst Ulrich Wille als Oberinstruktor der K. ein Anliegen, die Ausbildung mit Aktivitäten ausserhalb des Militärdiensts, etwa mit Reitturnieren, zu ergänzen. 1894 vertrat er im Dienst- und Ausbildungsreglement der K. die Ansicht, die Schweiz besässe nicht genug Dragoner, um eine feindl. K. in einen entscheidenden Kampf zu verwickeln. Er schlug vor, sie als mobile Infanterie einzusetzen. Willes Doktrin überzeugte die Kavallerieoffiziere nicht; bis 1914 hielten sie weiterhin an der Idee der K. als Stosstrupp und Mittel zur Attacke fest. Die Heftigkeit der Detonationen, der Einsatz von Kampfgas, grosse Probleme bei der Remonte sowie der Umstand, dass die Dragoner im 1. Weltkrieg oft zu Fuss an der Grenze dienten, stellten die Existenz der K. in Frage. Trotzdem trainierten deren Offiziere meist nur widerwillig den Kampf zu Fuss. 1918 nahm die K. beim Generalstreik am Ordnungsdienst teil.
1924 und 1938 wurden einzelne Schwadronen aufgegeben. Die Kavalleriebrigaden umfassten von da an zwei berittene Regimenter sowie ein Radfahrerbataillon. 1936 wurden sie in Leichte Brigaden umgewandelt, die sich aus zwei Dragonerabteilungen und zwei Radfahrerbataillonen zusammensetzten. Im 2. Weltkrieg wurden die Probleme mit der Remonte wieder akut; überall herrschte Mangel an Heu und Hafer, und die Mobilisierung der Dragoner und ihrer Pferde beeinträchtigte die Landwirtschaft, die den Auftrag hatte, so viel wie möglich zu produzieren. Die Leichten Brigaden, die einzigen mobilen Einheiten der Armee, erfüllten traditionelle Aufgaben; im Konzept des Réduits waren sie für den Kampf um Zeitgewinn im Mittelland und den Einsatz gegen Fallschirmspringer vorgesehen. Am Ende des Aktivdiensts befürwortete Generalstabschef Jakob Huber im Gegensatz zu General Henri Guisan die militärisch sinnvolle, aber politisch heikle Abschaffung der K. 1947 unterzeichneten 158'000 Bürger eine Petition für die Beibehaltung der K. Von 1947 an umfassten die Leichten Brigaden nur noch motorisierte Dragoner, die späteren Panzergrenadiere, während die Dragoner zu Pferd eine Abteilung pro Felddivision, ab 1961 ein Regiment pro Feldarmeekorps bildeten. Das Problem der Abschaffung kam immer wieder auf die Tagesordnung, und die Zahl der Schwadronen verringerte sich stetig (1938 30, 1951 24, 1961 18). Die Entscheidung für die Abschaffung fiel 1972 im Parlament, trotz einer mit 432'430 Unterschriften versehenen Petition. Die Schweiz war zu diesem Zeitpunkt das letzte Land in Europa, das noch berittene Kampfeinheiten unterhielt. Nur die Sowjetunion verfügte noch über ein Reiterregiment, dessen Aufgabe darin bestand, den Filmemachern das Nachstellen hist. Schlachten zu ermöglichen. Die noch dienstpflichtigen Dragoner wurden in die Mechanisierten Truppen eingegliedert. Die Erinnerung an die K. wird von den ab dem 19. Jh. gegr. Vereinen und von Paradetruppen wachgehalten (z.B. Milizen des Kt. Waadt).
Literatur
– R. Staub, Unsterbl. K., 1946
– D. Borel, Ein Jh. Schweizer K., 1974
– M.E. Ammann, Der Eidgenoss. Die Gesch. der Schweizer K., 1975
– H. de Weck, La cavalerie jurassienne, 1978
Autorin/Autor: Hervé de Weck / AHB