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Risiko-Konstellationen
Geschlecht:
Als eindeutiger Risikofaktor gilt das weibliche Geschlecht – 60 bis 80% der Betroffenen sind Frauen.
Ethnie und Familie:
Ethnie zeigte bisher keine Relevanz. Es mangelt aber an Daten aus den unentwickelten und sich entwickelnden Ländern. Die Betroffenheit der eigenen Mutter gelten als die wichtigsten Risikofaktoren für schwergradigen Verlauf. Genetische Prädispositionen sind ziemlich wahrscheinlich - Geschichten aus der Community und diverse Studien (darunter auch bei Zwillingen) sprechen dafür. Ein Screening für relevante / problematische Gene ist aber nicht verfügbar.
Inoffiziell:
Unter vielen ME/CFS-Klinikern gilt das Auftreten von einem oder mehreren folgenden Problemen in der Familie (besonders mütterlicherseits) als ungünstig:
- CHRONISCHE NEUROLOGISCHE/IMMUNOLOGISCHE ERKRANKUNGEN
- ME/CFS
- Fibromyalgie
- Multiple Chemical Sensitivity
- Epilepsie
- PSYCHIATRISCHE LEIDEN
- Depressionen
- Psychosen
- EINIGE KREBSARTEN
- Der weissen Blutzellen
- Der Schilddrüse
- AUTOIMMUNKRANKHEITEN
- mit Schilddrüsen-Befall
- Rheuma
- BINDEGEWEBS-ERKRANKUNGEN
- Ehlers-Danlos-Syndrom
Grundsätzlich kann ME/CFS in jedem Alter auftreten. Allerdings besteht eine auffällige Anhäufung des Erstauftretens zu Beginn der Adoleszenz (ca. 11. - 14. Lebensjahr) und im beginnenden bis mittleren Erwachsenenalter (zwischen 20. und 40. Lebensjahr). Die Gründe dafür sind unklar, man postuliert aber eine gewisse Rolle des hormonellen Haushaltes sowie der meistens zu diesen Zeiten stattfindenden, grossen Umstellungen des Lebens.
Lebensführung:
Die frühe Vernachlässigung der Erkrankung (= "sich zu der füher normalen Aktivität im Alltag zwingen") gilt als bestätigter Risikofaktor für schwergradigen Verlauf von ME/CFS.
Persönlichkeit / Beruf:
Es gibt Hinweise aus diversen therapeutischen Kreisen für vermehrtes Auftreten von ME/CFS unter Menschen mit erhöhter Bereitschaft zur Steigerung/Überschreitung der eigenen, körperlich-geistigen Grenzen sowie bei dauerhaft erhöhter, innerer Unruhe. Dies würde dann den ängstlichen und perfektionistischen Persönlichkeiten entsprechen oder "die grossen Dienstberufe" betreffen (z.B. Gesundheitswesen, Justiz, Militär, Lehrpersonen, Piloten). Allfällige Schuldzuweisungen aufgrund von bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen oder anhand der Berufswahl sind aber fehl am Platz.
Eine systematisch-statistische Auseinandersetzung mit den psychosozialen Aspekten als Risikofaktoren für ME/CFS fehlt – die Datenlage ist zu spärlich, um eine Kausalitäts-Aussage zu erlauben. Gewisse Persönlichkeitszüge könnten ja sowohl zu gewissen Krankheiten prädisponieren als auch sich infolge von gewissen Leiden verstärken/abschwächen ("Huhn oder Ei"-Dilemma). Derartige Zusammenhänge würden aber passen zu den neuro-psycho-immunologischen Entdeckungen in Bezug auf viele chronische Erkrankungen im Allgemeinen, wo immer wieder neue Wechselwirkungen entdeckt werden.
Viele Betroffenen berichten über deutliche Veränderungen der Beschwerden im Zusammenhang mit der geografischen Umgebung und dem Wetter – dies ist ein besonders häufiges Thema bei transkontinentalen Reisen (z.B. bei Expats, Arbeitern der Fluggeselschaften und geschäftlich oder hobbymässig Reisenden). Gemäss diesen Aussagen, scheint ein wärmeres, ausgewogenes und trockenes Klima protektiv / lindernd zu sein. Eine formal-statistische Erfassung fehlt hier aber.
Insgesamt, werden aber ähnliche Sachverhalte bei vielen Erkrankungen bereits bestens bekannt (z.B. im Fall von Psoriasis oder multipler Sklerose) - andere Geographie ist ja auch mit anderen Expositionen und Lebensweisen verbunden (es variierenja: Bakterien, Viren, Pilze, Pflanzen, Tiere, Nahrungsmittel, Sonnen-Exposition, soziale Netzwerke usw.).
Bemerkung: Einzelne ME/CFS-Betroffenen berichten über einen eindeutigen Zusammenhang ihrer Symptome mit ganz lokalen Lebensverhältnissen. So werden die klinischen Verschlechterungen jeweils mit gewissen, spezifischne Orten ooder Situationen in Verbindung gebracht - z.B. mit der Wohnung oder mit dem Arbeitsbüro. Dieses Phänomen ist leider sowohl statistisch sehr schwierig zu erfassen, als auch klinisch von diversen, psychologischen Abneigungen zu trennen. Wenn es aber bei einem Individuum doch auftritt, lohnt sich eine weitere Exploration - in einzelnen Fällen entpuppen sich solche Betroffenen z.B. doch als Opfer einer versteckten Unvertäglichkeit gegenüber ganz bestimmte Gegebenheiten (Allergien, Toxinexpositionen etc.).