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Heute widmen wir uns für einmal weniger einem spezifischen Gebäude, dafür gleich einem ganzen Platz, dem Dorfplatz von Reigoldswil. Bis 1960 floss die Hintere Frenken quer durch den Platz – der ursprünglich viel kleiner war als heute. Ein Rückblick…
Reigoldswil als Bachzeilendorf
Der Basler Kartograph Georg Friedrich Meyer beschrieb Reigoldswil um 1681 als locker überbautes Strassen- und Bachzeilendorf. Neben Einzelgebäuden waren offenbar auch schon einige Häuserzeilen anzutreffen. 1754 zeigte sich auf einer Federzeichnung von Emanuel Büchel bereits eine sehr verdichtete Situation.
Der heutige Dorfplatz befindet sich an der Kreuzungsstelle von der Hauptstrasse von Liestal via Ziefen im Tal und den beiden Verbindungsstrassen über die Anhöhen nach Bretzwil im Westen und Oberdorf im Osten. Auf der Landkarte von 1954 ist zu sehen, dass an der Position des heutigen Platzes direkt an der hinteren Frenke noch ein verhältnismässig grosses Gebäude steht. Auf der folgenden Karte 1955 ist das Gebäude weg; der Bach verläuft offen von Bretzwiler- bis Titterterstrasse. Die ungefähren Abmessungen des heutigen Platzes sind aber bereits zu erahnen. Als Referenz nehmen wir den Gasthof «zur Sonne». Er befindet sich an der südlichen Ecke des Dorfplatzes. Auf einer leider undatierten Fotografie ist der Gasthof Sonne mit der Hinteren Frenke im Vordergrund zu sehen. 1960 wurde der Bach im gesamten Bereich mit einer ca. 175 m breiten Betonbrücke überdeckt. Vier sich im Bereich befindliche Brücken wurden dafür abgerissen. Die Landkarte von 1966 zeigt die neue Situation; einen grossen länglichen Platz mit praktisch geschlossenen Zeilenbebauungen zu beiden Seiten. Der Dorfbrunnen vor der Sonne allerdings ist bis heute geblieben.
Vom Marktplatz zum Busbahnhof
Dem Dorfplatz dürfte schon immer eine besondere Beudeutung zugekommen sein, diente er doch schon seit langer Zeit als Marktplatz. Nach dem ersten abgelehnten Gesuch an den Regierungsstatthalter in Basel 1803 bewilligte der neue Regierungsrat in Liestal im April 1841 erstmals die Durchführung eines Marktes. Dieser fand dann bereits im Mai statt und noch zwei weitere Male im Jahr. Der Markt als Ereignis wurde von den angrenzenden Gastwirten befürwortet, eine Minderheit der Bevölkerung vermutete, dass sich die Leute an diesen drei Tagen im Jahr vom Arbeiten abhalten lassen würden, was sich negativ auf die Wirtschaft auswirken könnte. Die Heimatkunde von Reigoldswil erwähnt, dass im Herbst 1939 neben dem Warenmarkt auch erstmals eine «Kilbi» mit Rösslirytti, Schiffsschaukel und Schiessbude stattfand. Ab 1960 stand diesen Aktivitäten nun mehr Platz zur Verfügung. «Für den Markt eignet sich der neu geschaffene Dorfplatz vorzüglich» ist auf der Website der Gemeinde zu lesen. 80 Aussteller finden jeweils Platz.
Ungefähr ein Jahr dauerten die Bauarbeiten ab Winter 2015 bis 2016 für die Erneuerung des Platzes. Neben dem Ersatz der sich in den Strassen befindlichen Werkleitungen wurden die ganzen Fahrbahnen, die Trottoirs und die Buskanten erneuert und hindernisfrei ausgebaut. Auch wenn in Reigoldswil – ausser am Markt – nicht übertrieben viel los sein mag, so ist der Dorfplatz immerhin Dreh- und Angelpunkt des lokalen Öffentlichen Verkehrs durchs Fünflibertal über Bubendorf nach Liestal, via Bretzwil nach Grellingen oder Laufen und Aesch oder via Liedertswil nach Oberdorf im Waldenburgertal. Die Unart der Nachkriegszeit, Plätze hauptsächlich als Parkplätze zu verstehen trifft auf Reigoldswil nur insofern zu, als dass es tatsächlich Parkmöglichkeiten inmitten des Platzes gibt. Störend sind sie aber nicht und mitunter ganz akzeptalbel in die Gesamtgestaltung eingebunden.
Dorfplatz Reigoldswil
Funktion: Dorfplatz / Busbahnhof / Marktplatz / Parkplatz / Treffpunkt
Text:
– Simon Heiniger / Architektur Basel
Fotos:
– Staatsarchiv Basellandschaft, Online-Archivkatalog
– Simon Heiniger / Architektur Basel
Quellen:
– Suter, P. et.al. (1987), Heimatkunde Reigoldswil, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal. ISBN: 3-85673-509
– Bundesamt für Landestopographie swisstopo, Online-Karten