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Lehrveranstaltungen zielen darauf ab, dass Studierende die Theorien, Fragestellungen und Inhalte ihres Faches erarbeiten. Die pädagogisch-psychologische Forschung zeigt, dass Interesse und Motivation für den Lernerfolg ausschlaggebend sind. Aus der Geschlechterperspektive ist es daher wichtig, dass sich Studentinnen und Studenten von den Inhalten Ihrer Lehre gleichermassen angesprochen fühlen.
An die Erfahrung der Studierenden anknüpfen Um an das Alltagswissen der Studierenden anzuknüpfen, werden fachliche Inhalte oft durch Beispiele illustriert oder durch den Bezug auf spezifische Kontexte veranschaulicht. Die Kontexte und Praxisbeispiele können bezüglich der Dimension Geschlecht jedoch einseitig konnotiert sein. Ein Beispiel: Wenn Sie mechanische Problemstellungen immer wieder anhand eines Motorrades erläutern, beziehen Sie sich auf einen männlich kodierten Bereich. Die implizite Verknüpfung von Maschinenbau und Leidenschaft für das Motorrad wird verstärkt und erschwert es Personen, die diese Vorliebe nicht teilen, sich mit den Inhalten des Faches zu identifizieren. Dabei geht es aber nicht darum, Beispiele auszuwählen, die sich auf typisch « weibliche » Kontexte beziehen; auch das würde zur Reproduktion von Stereotypen beitragen. Um die Falle der Stereotypisierung zu umschiffen, sollten Sie also Ihre fachlichen Inhalte mit möglichst vielfältigen und variierenden Beispielen illustrieren und dabei immer wieder auf unterschiedliche Kontexte Bezug nehmen. Auf diese Weise knüpfen Sie an die Vielfalt der Erfahrungen, Motivationen und Interessen Ihrer Studierenden an. Das erlaubt den Einzelnen, individuelles Vorwissen zu aktivieren und das neue Wissen mit bestehenden kognitiven Strukturen zu verknüpfen.
Die Sichtbarkeit von Frauen als Expertinnen Ein weiterer Aspekt der Geschlechterdimension zeigt sich in Bezug auf den in Ihrem Fach anerkannten Kanon von wissenschaftlichen Werken. Wahrscheinlich spiegelt sich darin die Ungleichheit der Geschlechter in Bezug auf Einfluss und Ansehen in der Disziplin. Der Kanon vieler Fächer ist männlich dominiert, oftmals aber nicht (nur), weil es keine wissenschaftlichen Beiträge von Frauen gibt. Es ist erwiesen, dass Arbeiten von Frauen weniger zur Kenntnis genommen und zitiert werden als jene ihrer männlichen Kollegen (vgl. European Commission 2004). Mit der Auswahl Ihrer Kursliteratur vermitteln Sie, welche Themen, Persönlichkeiten und Beiträge Sie in Ihrem Fach als relevant erachten. Beziehen Sie, wenn immer möglich auch Publikationen und Fachbeiträge von Autorinnen ein. Auf diese Weise werden Frauen als Expertinnen und Wissenschaftlerinnen sichtbar und als Vorbilder für Studentinnen und deren akademische Karriere wirksam.
Literatur European Commission (2004): Gender and Excellence in the Making. Brussels, Directorate-General for Research.