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aus dem Kunstmuseum Hamburg
Der Kampf um deutsche Kultur in Amerika.
Es ist auf den vorhergehenden Blättern dieser Schrift so häufig vom Deutsch-Amerikanischen Nationalbund die Rede gewesen, daß es besonders den Lesern im Vaterland erwünscht sein mag, Näheres über ihn zu erfahren.
Ich habe in der Rede über die deutsche Bewegung in Amerika versucht, im allgemeinen zu schildern, welche geistigen und politischen Strömungen den Gedanken eines einheitlichen Zusammenschlusses emportrugen. Es ist bezeichnend, daß der Anstoß zur praktischen Verwirklichung des Gedankens von Pennsylvanien ausging, dem Staate, der bis tief ins neunzehnte Jahrhundert hinein als der eigentliche Sitz des amerikanischen Deutschtums galt und wo sich, wie die große Pionierfeier des Jahres 1883 zeigte, die geschichtliche Überlieferung am treuesten und stärksten erhalten hatte.
Schon im Jahre 1888 bildete sich in Pennsylvanien ein Verband deutscher Vereine. Er umfaßte zunächst nur wenige Städte, breitete sich aber im Laufe der folgenden Jahre schnell über den ganzen Staat hin aus, so daß im Jahre 1898 der Zentralbund von Pennsylvanien begründet werden konnte, in dem sich gegen tausend deutsche Vereine zur einheitlichen Organisation zusammenfanden. Die erfolgreiche Tätige keit, die die junge Organisation von Anfang an entfaltete, wirkte anspornend auf das Deutschtum auch in verschiedenen anderen Staaten, wo bald ähnliche Verbände entstanden. Der Gedanke, die einzelnen Staatsverbände nun zu .einer nationalen Organisation zusammenzufassen und diese womöglich über das ganze Land hin auszudehnen, lag nahe, und so finden wir denn schon im Jahre 1900 die Vertreter vier großer Staatsverbände auf einer Zusammenkunft in Philadelphia, um die Begründung des Deutsch-Amerikanischen Nationalbundes zu beschließen.
Am 6. Oktober 1901, dem Jahrestag der ersten deutschen Ansiedlung in Pennsylvanien, fand die eigentliche konstituierende Versammlung statt, in der die Grundsätze und die Verfassung des Nationalbundes festgelegt wurden. So sehr war inzwischen die Bewegung angewachsen, daß sich an dieser Versammlung bereits die Vertreter von ungefähr dreizehn Staaten beteiligen konnten.
Ohne das reich entwickelte Vereinsleben wäre es wohl unmöglich gewesen, das weit übers ganze Land hin zerstreute Deutschtum in Amerika zu vereinigen. Was gar oft eine Zersplitterung seiner Kräfte schien, sollte nun die Grundlage zu seiner Stärke und Einheit werden. Nach Form und Geist echt demokratisch, baut sich die Verfassung des Nationalbundes auf den zahllosen deutschen Vereinen jeder Art auf. Denn aus diesen Vereinen bestehen die verschiedenen Staatsverbände, die zusammen in jedem Staate einen Staatsverband bilden. Aus den einzelnen Staatsverbänden setzt sich dann der Nationalbund zusammen, der alle zwei Jahre eine Versammlung abhält, woran sich Abgeordnete aller Staaten des Landes beteiligen. Der Bund wird von einem Präsidenten, acht Vizepräsidenten, einem Sekretär, einem Schatzmeister, einem Finanzsekretär und einem Beisitzer aus jedem Staats-verbande verwaltet.
Um dem Leser ein möglichst klares Bild von den Zielen zu geben, die der Nationalbund sich gesteckt hat, mögen die Grundsätze hier wörtlich folgen. Grundsätze des Deutsch-amerikanischen Nationalbundes der Vereinigten Staaten von Amerika.
Der Bund erstrebt das Einheitsgefühl in der Bevölkerung deutschen Ursprungs in Amerika zu wecken und zu fördern, zu nützlicher, gesunder Entwicklung, der, wenn zentralisiert, ihr innewohnenden Macht, zum gemeinsamen, energischen Schutze solcher berechtigter Wünsche und Interessen, die dem Gemeinwohle des Landes und den Rechten und Pflichten guter Bürger nicht zuwider sind; zur Abwehr nativistischer Übergriffe; zur Pflege und Sicherung guter, freundschaftlicher Beziehungen Amerikas zu dem alten deutschen Vaterlande. Was die deutsche Einwanderung zur Förderung der geistigen und wirtschaftlichen Entwicklung dieses Landes beigetragen und ferner beizutragen berufen ist, wie sie allzeit in Freud und Leid treu zu ihm stand, das beweist und lehrt seine Geschichte.
Der Bund fordert deshalb volle, ehrliche Anerkennung dieser Verdienste und bekämpft jedweden Versuch zur Schmälerung derselben! Allzeit treu dem Adoptiv-Vaterlande, stets bereit, das Höchste einzusetzen für dessen Wohlfahrt, aufrichtig und selbstlos in der Ausübung der Bürgerpflichten, den Gesetzen untertan — bleibt auch ferner die Losung! Er beabsichtigt keine Sondeririteressen, keine Gründung eines Staates im Staate, erblickt aber in der Zentralisierung der Bevölkerung deutschen Ursprungs den kürzesten Weg und die beste Gewähr für die Erreichung seiner in dieser Verfassung klargelegten Ziele; er fordert deshalb alle deutschen Vereinigungen auf — als die organisierten Vertreter des Deutschtums — für seine gesunde, kräftige Entwicklung mitzuwirken und befürwortet deshalb ferner die Bildung von Vereinigungen zur Wahrung der Interessen der Deutsch-Amerikaner in allen Staaten der Union, zu schließlicher Zentralisierung derselben zu einem großen Deutsch-Amerikanischen Bunde, und macht es allen deutschen Vereinigungen zur Ehrenpflicht, der Organisation in ihrem Staate beizutreten. Der Bund verpflichtet sich, mit allen verfügbaren gesetzlichen Mitteln unentwegt und jederzeit einzutreten für die Erhaltung und Verbreitung seiner Prinzipien, zu ihrer kräftigen Verteidigung, wo und wann immer in Gefahr; er stellt zunächst die folgende Plattform auf:
1. Der Bund — als solcher — enthält sich der Einmischung in die Parteipolitik, jedoch unbeschadet des Rechtes und der Pflicht zur Verteidigung seiner Grundsätze auch auf dem politischen Gebiete, sollten dieselben durch politische Angriffe oder Maßregeln behelligt oder gefährdet werden.
2. Fragen und Sachen der Religion sind strengstens ausgeschlossen.
3. Er empfiehlt die Einführung des Unterrichts der deutschen Sprache in öffentlichen Schulen auf der folgenden breiten Grundlage: Neben der englischen bildet die deutsche Zunge die Weltsprache, in den entferntesten Winkeln der Erde, wohin die Pioniere der Zivilisation, des Handels und Verkehrs gedrungen, finden wir die Völker beider Zungen vertreten; wo allgemeinere, eigene Kenntnis herrscht, bildet sich leichter selbständiges, klares und vorurteilsfreies Verständnis und fördert so wechselseitige, freundschaftliche Beziehungen.
4. Wir leben in dem Zeitalter des Fortschritts und der Erfindungen; rasch ist das Tempo dieser Zeit, unerbittlich die Ansprüche, die es an den einzelnen stellt; die damit verbundene körperliche Anspannung steigert die Ansprüche an die körperliche Kraft; ein gesunder Geist sollte in einem gesunden Körper wohnen! Auf dieser Grundlage erstrebt der Bund die Einführung eines systematischen und zweckdienlichen Turnunterrichts in den öffentlichen Schulen.
5. Er erklärt sich ferner für die Befreiung der Schule von der Politik, denn nur ein von politischen Einflüssen freies Erziehungswesen kann dem Volke wahre Lehranstalten bieten.
6. Er fordert alle Deutschen auf, das Bürgerrecht zu erwerben, sobald sie gesetzlich dazu berechtigt, sich rege am öffentlichen Leben zu beteiligen und ihre Bürgerpflicht an der Wahlurne furchtlos und nach eigenem Ermessen auszuüben.
7. Er empfiehlt eine liberale, zeitgemäße Handhabung oder die Tilgung solcher Gesetze, welche die Erwerbung des Bürgerrechts unnütz erschweren und häufig ganz verhindern. — Guter Ruf, unbescholtener, rechtschaffener Lebenswandel, Gesetzesliebe sollten entscheiden, nicht aber die Beantwortung oder Nichtbeantwortung beliebig herausgegriffener, den Ansuchenden leicht verwirrender, politischer oder geschichtlicher Fragen.
8. Er nimmt Stellung gegen jedwede Beschränkung der Einwanderung gesunder Menschen aus Europa, mit Ausschluß überführter Verbrecher und Anarchisten.
9. Er befürwortet die Löschung solcher veralteter, dem Zeitgeiste nicht länger entsprechender Gesetze, welche den freien Verkehr hemmen und die persönliche Freiheit des Bürgers beschränken.
10. Er empfiehlt die Gründung von Fortbildungsvereinen als Pflegestätten der deutschen Sprache und Literatur, zur Weiterbildung Lernbegieriger, Abhaltung von Vorlesungen über Kunst und Wissenschaft und Fragen von allgemeinem Interesse.
11. Er empfiehlt eine systematische Forschung der deutschen Mithilfe an der Entwicklung des Adoptiv-Vaterlandes in Krieg und Frieden auf allen Gebieten deutsch-amerikanischen Wirkens, von den frühesten Tagen an, zur Gründung und Weiterführung einer deutsch-amerikanischen Geschichte.
12. Er behält sich das Recht vor, diese Plattform zu erweitern oder zu ergänzen, wenn neue Ereignisse im Rahmen seiner Zeit und Zwecke es wünschenswert oder erforderlich machen.
Es wird dem Leser nicht entgangen sein, wie der Ruf zur Selbstbehauptung und der Abwehr als Grundklang durch das Ganze dieser Grundsätze sich hinzieht. Ein großes Volkstum von eigenartiger, hoch-entwickelter Kultur, das gemeinsam mit einem stammverwandten und doch an Sprache, Sitte und Anschauung verschiedenen Volksteil die Neue Welt besiedelte und zur heutigen Blüte brachte, die gleiche Geschicke teilte und durch Blutsvermischung wie durch stillen, weitverzweigten Kultureinfluß den physischen und geistigen Charakter der jungen Nation mitbestimmen half, erwacht zum Bewußtsein seiner geschichtlichen Stellung und Verdienste innerhalb des neuen Gemeinwesens und entdeckt zugleich, daß gewisse Richtungen der amerikanischen Kulturentwicklung, die zum Teil einer rückständigen Kolonialzeit entstammen, seinen fortgeschrittenen Idealen widersprechen, ja dem innersten Wesen des deutschen Geistes vielfach zuwider sind. Daß hierbei an parteipolitische oder rein religiöse Gegensätze nicht gedacht werden darf, zeigen die Sätze, die sich hierüber in nicht miß-zuverstehender Klarheit ausdrücken. Das amerikanische Deutschtum ist sich seiner hingebenden Liebe zur amerikanischen Republik nie bewußter gewesen als heute, und im Geiste wahrer Toleranz erblickt der Nationalbund in den deutschen Anhängern jedes religiösen Bekenntnisses die Stammesgenossen gleicher Gesinnung und von gleichen Kulturzielen. Auch weiß sich der Bund mit dem gebildeten, geistig freien, und hohen Kulturidealen zustrebenden Anglo-Amerikanertum im Grunde eins. Aber gerade auf Grund seines amerikanischen Patriotismus, auf Grund der Überzeugung seiner absoluten Gleichberechtigung in einem demokratischen Gemeinwesen, das keine Herrscherkaste anerkennt, und schließlich auf Grund seiner Kulturverdienste ergibt sich unserem Deutschtum die geschichtliche Mission, an seinem ererbten Kulturbesitz festzuhalten und ihn zum Heile des nationalen Ganzen zu pflegen.
Mit richtigem Blick legen die Grundsätze darum den größten Nachdruck auf die ernste Betätigung geistigen Lebens, und vor allem auf die Pflege der Muttersprache. Denn sie ist dem amerikanischen Deutschen das Schatzhaus, in dem sein heiligster Kulturbesitz beschlossen ist, das Band, das ihn am engsten mit der alten Heimat verbindet, der Jungbrunnen, aus dem ihm die sittlichen Kräfte seines Volkstums unversieglich zuquellen. Und weil ihm Jugenderziehung und Schule als die wichtigsten Mittel zur Entwicklung einer gesunden nationalen Kultur gelten, will er jene mit dem systematischen deutschen Turnunterricht bereichern und diese dem vergiftenden Einfluß der Politik entziehen. Damit aber der Deutsch-Amerikaner in Zukunft nicht mehr tatlos und vereinzelt, wie seit Jahrhunderten so häufig, den Strom nationaler Kulturentwicklung als Außenstehender vor sich vorüberrauschen sehe, empfehlen die Grundsätze die Erwerbung des Bürgerrechtes und die Beseitigung von Gesetzen, die die Einwanderung erschweren.
Seit nahezu 13 Jahren hat nun der Nationalbund an der Verwirklichung dieser Grundsätze gearbeitet. Überblicken wir seine Leistungen in diesem Zeitraum, so fällt zunächst das erstaunliche Wachstum der Bewegung auf. Der Nationalbund umfaßt heute 45 Staatsverbände, d. h. so ziemlich die ganzen Vereinigten Staaten, und wenn eine genaue Statistik seiner Mitgliederzahl im Augenblick auch noch nicht vorliegt, so greift die Schätzung von mindestens 2 1/2 Millionen gewiß nicht zu hoch.
Wichtiger natürlich und entscheidend für die Zukunft der Bewegung ist die Tätigkeit, die der Bund im Innern entfaltet hat. Wer im vergangenen Oktober dem großen Nationalkonvent in St. Louis beiwohnte, der konnte sich von dem Ernste, der Hingabe und Begeisterung überzeugen, die der deutschen Bewegung das innerste Leben geben und aus den Berichten und Verhandlungen mit lauten Zungen sprechen. Im vollen Bewußtsein, daß in dem Kampfe um deutsche Kultur die Erziehungsinteressen im Vordertreffen stehen, hat der Bund auf der ganzen Linie seine Kräfte nach dieser Richtung hin vereinigt. Freilich nur wenige Außenstehende wissen, welche Hindernisse zu überwinden sind, wie oft Trägheit, Lauheit und Unverständis bei den eigenen Landsleuten, oder Vorurteile, Beschränktheit, ja böswilliger Fremdenhaß in anderen Lagern der Bevölkerung erst beseitigt werden müssen, um dem Unterricht im Deutschen, zumal in den Volksschulen den Eingang und die gebührende Stellung zu verschaffen. Um so befriedigender war es daher, aus dem Berichte des Bundespräsidenten zu vernehmen, daß sich in allen Landesteilen eine großartige Ausdehnung des deutschen Unterrichts feststellen lasse. Neben der Schule hat der Verband sodann der deutschen Presse, der deutschen Bühne, den Gesangvereinen und Kinderchören, dem deutschen Lehrerseminar, den deutschen Kirchen aller Konfessionen, kurz jeder Stätte geistigen Lebens seine tätige Aufmerksamkeit gewidmet, durch Ausschüsse den Fortschritt auf allen diesen Gebieten feststellen und die Ziele der Arbeit immer höher stecken lassen. Von besonderer Bedeutung erscheint es mir, daß der Bund nun auch mit verwandten Kulturbestrebungen der alten Heimat, wie z. B. dem Dürerbund, Fühlung sucht.
Als ein Wirken im Dienste nationaler Erziehung darf es auch angesehen werden, wenn der Nationalbund durch die Errichtung von Denkmälern zum Gedächtnis deutsch-amerikanischer Helden und Führer, wie General von Steuben und Franz Daniel Pastorius, die geschichtlichen Verdienste des deutschen Volkstums der amerikanischen Nation sichtbar vor Augen stellte. Oder wenn er durch nachhaltigen Protest beim Präsidenten und Kongreß der Vereinigten Staaten es bewirkte, daß der beabsichtigte Zoll auf die Einfuhr deutscher Bücher fallen gelassen wurde.
Es würde viele Seiten füllen, wollte man im einzelnen erzählen, wie der Bund durch zahllose Feiern und Veranstaltungen das deutsche Selbstbewußtsein gestärkt, aufklärend und reinigend ins politische Leben eingegriffen, und mit der Wucht, die in der Demokratie dem Willen der Massenorganisation innewohnt, bestimmend auf die Entscheidung wichtiger nationaler Fragen gewirkt hat. Mit Recht durfte daher der Bundespräsident am Schlüsse seines letzten Jahresberichtes sagen: „Es ist ein gewaltiges Bild von gewaltigen Lebenszwecken, das ich hier versucht) habe, vor Ihren Augen in kurzen Zügen auszumalen. Ich habe das ungemein reichhaltige Material der Vergangenheit und Gegenwart, auf dem wir in Zukunft für unseren Nationalbund aufbauen wollen, Ihnen nur im Stückwerk vorführen können. Seine volle Erfassung und die Ausführung im einzelnen müßte selbst einem sagenhaften Übermenschen als eitel unmöglich erscheinen. Und doch, der große Zug der gegenwärtigen Zeit rückt alle unsere Ideale in den Bereich des Möglichen. Aber nicht sagenhafte Übermenschen sind es, die in unseren Reihen unermüdlich, unentwegt und opferfreudig eben diese Ideale hochhalten, sondern Männer und Frauen mit reichem Herzen und Gemüte der lebendigen Gegenwart. Sie sind es, die uns anspornen, zu den Besten unserer großen Zeit zu gehören, um zu leben für alle Zeiten.“‘
Bescheiden spricht Dr. Hexamer in diesen Worten das Verdienst an den Errungenschaften des Bundes seinen Mitkämpfern und Mitkämpferinnen, der Schar treuer und selbstloser deutscher Männer und Frauen in allen Teilen des Landes zu, Wir aber dürfen mit deutschem Wahrheitssinn hinzufügen, daß er ihnen allen Vorbild und Führer gewesen ist, der die Flamme der Begeisterung von Anfang bis heute wachhielt und dem Bunde den großen Zug aufprägte. Ein Mann von reichem Wissen- und hinreißender Beredsamkeit, furchtlos und aufrecht, ein geborener Führer und Organisator, ein Deutscher, der in seinem Wesen ein tiefes, warmes Gemüt, hellen Verstand und weiten Fernblick vereint, hat er in rastloser Tätigkeit, Zeit, Kraft und Vermögen opfernd, zusammen mit einer Reihe trefflicher Männer die Organisation geschaffen, die heute als segenbringende Macht in der amerikanischen Nation dasteht.
Noch stehen wir erst am Anfang der deutschen Bewegung und dessen, was sie zu erfüllen berufen ist. Zu den Zielen, die der Nationalbund in seinen Grundsätzen sich gesteckt hat; werden die Aufgaben treten, welche die Zukunft bringen wird. Denn wie die Kultur selbst nur als rastlos fortschreitend und nicht als ein Abgeschlossenes gedacht werden kann, so auch alle auf ihre Verwirklichung gerichteten Anstalten. Und je weiter der Nationalbund sich ausdehnt, je fester seine Organisation sich zusammenfügt, desto tiefer und bleibender wird seine Wirkung auf das Gesamtleben der Nation sein. Die unerschöpflich reiche Innenwelt des deutschen Geistes in dieses Leben zu tragen und die bestehenden nationalen Ideale nicht nur mit der Glut und Tiefe des deutschen Gemütes zu erfüllen, sondern auch neue Ideale, gleich leuchtenden Sternen am Himmel des nationalen Höffens und Sehnens aufzustecken, das scheint mir der wahre Sinn der deutschen Bewegung. Der Deutsch-Amerikanische Nationalbund aber wird diesen geschichtlichen Beruf um so eher erfüllen,, je mehr er, über der Politik der Parteien stehend, selbst zur zielbewußten politischen Macht heranwächst.
Text aus dem Buch: Der Kampf um deutsche Kultur in Amerika : aufsätze und vorträge zur deutsch-amerikanischen Bewegung, Verfasser: Goebel, Julius.
Siehe auch:
Die deutsche Bewegung in Amerika. Rückblicke und Aussichten.
Zur deutschen Frage in Amerika.
Zur Geschichte der Scheltnamen Dutchman und Dutch.
Warum protestieren wir Deutsch-Amerikaner gegen den Imperialismus?
Amerika in der deutschen Dichtung.
Über die deutsche Dichtung in Amerika.
Longfellow als Vermittler deutscher Geisteskultur.
Die Deutschen in der amerikanischen Geschichtschreibung.
Das Deutschtum in Amerika zu Lincolns Zeit.
Die Gründung von Neu-Bern in Nord-Carolina.
Das Faust-Jubiläum.
Gedanken über die Zukunft des Deutschtums in Amerika.
Der Deutsch-amerikanische Nationalbund.
Der Kampf um deutsche Kultur in Amerika – Vorwort