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Ende Mai am Rand eines Feuchtbiotops in Villnachern. Die kühlen und nassen Maitage sind vorbei, langsam gewinnt die Sonne Tag für Tag an Kraft. Auf einer alten, schon recht morschen Holzbank wärmt sich ein Zauneidechsenpaar am Vormittag an der Sonne auf. Das Männchen trägt zu dieser Zeit sein «Hochzeitskleid» mit leuchtend grünen Flanken und grüner Kehle, während Rücken und Schwanz braun gefärbt sind. Das Weibchen ist mehrheitlich braun und hat eine blassgrüne Kehle, typisch sind die hellen seitlichen Flecken.
Bissiger Liebesakt – harmonische Zweisamkeit
Nach der Aufwärmphase gerät das Männchen in Paarungsstimmung. Es verfolgt hartnäckig das Weibchen, das sich immer wieder seinen Annäherungen zu entziehen versucht. Nun wendet es einen Trick an: Es ergreift mit den Kiefern zunächst die Schwanzmitte des Weibchens, danach verbeisst es sich in die Flanke des Weibchens und platziert seinen Körper so um das Weibchen, dass es die Kopulation vollziehen kann. Diese Vereinigung dauert einige Minuten, das Männchen fixiert dabei das Weibchen während der ganzen Zeit mit seinem «Liebesbiss». Das Weibchen ist aber dem Männchen keinesfalls wehrlos ausgeliefert. Wäre es nicht (oder noch nicht) paarungsbereit, würde es das Männchen ebenfalls mit einem Biss fernhalten. Die Kopulation läuft mehrmals nach demselben Muster ab. Dazwischen zeigen die beiden – trotz des bissigen Liebesakts – eine sehr harmonische Zweisamkeit und verbringen die Zeit an der wärmenden Frühlingssonne.
Das Paar wiederholt dieses Ritual noch an mehreren Tagen. Danach sind sie nur noch jeder für sich im Bereich ihres «Liebesnests» beim alten Holzbänkli anzutreffen. Das Weibchen wird sich etwa vier bis sechs Wochen nach der Paarung zur Eiablage zurückziehen. Unter Steinen oder in selbst gegrabenen Höhlen an warmen Standorten legt es 9 bis 15 Eier ab. Diese sind weiss, weichschalig und leicht oval. Das Ausbrüten übernimmt die Sonnenwärme. Die Jungtiere schlüpfen im Hochsommer. Zauneidechsen pflanzen sich nur einmal jährlich fort.
Strukturreiche Lebensräume
In der Schweiz kommt die Zauneidechse vor allem im Mittelland zwischen Genfer- und Bodensee vor, aber auch in den wärmeren Tallagen des Jura und in den Alpen, jedoch selten über 1000 m ü. M. Sie besiedelt eine grosse Vielfalt an Lebensräumen, beispielsweise den Rand von Feuchtgebieten, Waldlichtungen, Kies- und Sandgruben oder Steinbrüche. Ebenso Böschungen entlang von Verkehrswegen (Bahnborde) oder Randstrukturen im Kulturland dienen ihr als Lebensraum. Sie benötigt gut besonnte Stellen, die sich schnell erwärmen. Wichtig sind Strukturen, die aus der Vegetation herausragen wie Baumstrünke, Wurzelstöcke, Ast-, Stein- oder Ziegelhaufen sowie Holzbeigen. Zur Jagd auf ihre Lieblingsnahrung Insekten, Spinnen und Tausendfüsser benötigt die Zauneidechse Kies-, Sand- und Schuttflächen sowie extensiv genutzte Wiesen mit hohem Nahrungsangebot.
Lange Winterruhe
Bereits ab August – früher als andere Reptilienarten – ziehen sich die Zauneidechsen in ihre Winterquartiere zurück. Hierfür benutzen sie alle möglichen Hohlräume im Erdreich, die nach Möglichkeit frostfrei bleiben sollten. In den Wintermonaten kann man Zauneidechsen, im Gegensatz zu den Mauereidechsen, selbst bei warmem Wetter nicht beobachten. Erst im April verlassen sie ihre Winterunterstände – dann beginnt die Paarungszeit von Neuem.