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In seinen Installationen arbeitet Marouf mit Fragmenten aus seiner Erinnerung an Räume in Damaskus und verwandelt sie in Installationen, in denen er seine Arbeiten präsentiert. Die Installation beinhaltet eine architektonische Geste, die dem Publikum die Möglichkeit gibt, den Raum während der Betrachtung des Werks zu bewohnen und sich darin zu bewegen. Dadurch verändern sich die Wege und die Art und Weise, wie das Kunstwerk betrachtet wird.
Dies ist ein zentrales Thema und zeigt, wie Marouf mit der konkreten physischen Unzugänglichkeit seiner Heimatstadt umgeht. Ein Beispiel für diese architektonischen Gesten ist das Objekt Wall Passage für die Videoinstallation You Take Me Across The Distance (Shedhalle Zürich 2021). Und Cinema Curtain für Time of The Angel (Sophiensaele Berlin 2022). Wie die Arbeit The Wall Passage fragmentiert und trennt auch Cinema Curtain den Raum, während es ihm gleichzeitig eine Passage gibt und ihn dadurch öffnet. Die Ausstellungswand wird durch ein Textil aus Latex ersetzt, einem Material das sowohl hyper industrialisiert ist als auch als intimes Fetischobjekt verwendet wird.
Marouf führt in seinem Werk die Figur des Engels als einer transformativen Figur ein, die ungehorsam und undomestiziert, revolutionär und herausfordernd zugleich ist. Die Figur in seinem Werk wechselt frei zwischen einer Person, die der Künstler in seinem Werk adressiert und dem Prozess des Denkens, der den Menschen wie den Engel oder den Schatten in beunruhigenden Zeiten der Ungewissheit begleitet. Der Text ist ein fragmentiertes Gespräch zwischen einem ICH und einem fiktiven DU, das multipel ist. Ein DU, das seit 60 Jahren im Nahen Osten lebt und den ersten Ausbruch der AIDS-Epidemie erlebt hat. Auf unheimliche Weise scheint diese Epidemie in den 1980er Jahren die schwierigen Zeiten von heute in mehr als einer Hinsicht vorwegzunehmen: Zu beiden Zeitpunkten scheint eine Welt unterzugehen. In Maroufs Videoarbeit taucht ein paralleler Moment auf, in dem der Begriff der Zukunft radikal in Frage gestellt wird.
Queere Intimität, Verlust und Erinnerung stehen im Mittelpunkt von Maroufs Arbeit. Er begreift queere Gesten und Sprache nicht nur als Verhalten, sondern als Handlung. Seine Arbeit zielt darauf ab, queere Erzählungen und Geschichten aus dem Nahen Osten zu präsentieren, indem sie Fragen der reinen Identitätspolitik und Stereotypisierung auf einen Prozess der Verkörperung verlagert. Es geht nicht darum, diese Erfahrungen aus dem Nahen Osten als ein Problem des Nahen Ostens und der queeren Identität zu betrachten, sondern vielmehr als einen Prozess, der dazu dient, Fragen im Zusammenhang mit Machttechniken zu verstehen, die unsere Körperlichkeit und die Art und Weise, wie wir die Welt um uns herum erzählen, prägen.
In Zusammenarbeit mit befreundeten Kunstschaffenden und Kompliz*innen kreiert Marouf mit den Performer*innen Bewegungssequenzen aus dem Ballett, intimen Alltagsgesten und Filmszenen, die eine gleichzeitige Dualität von Abwesenheit und Anwesenheit, Verlust und Nähe und die damit verbundene emotionale Arbeit zeigen.
Credits: Regie: Enad Marouf, Performance und Tanz: Franziska Aigner, Eren Demirel, Alyha Love, Samuel Pereira und Tiran Wilmsen. Choreographie: Enad Marouf. Choreografische Assistenz: Samuel Pereira. Stimme: Majed Shalgheen. Text: Enad Marouf. Kameraführung: Omar Zaki. Assistierte Kamera: Veronika Sturm. Zweite Kamera-Assistentin: Mayar Abou El Naga. Licht: Alfredo La Corte. Assistenz Gaffer: Isabelle Schmitz. Schnitt: Enad Marouf. Colorgrading: Alaa Abdullatif. Cello-Stücke: Franziska Aigner. Tonaufnahme und Gestaltung: Alexander Iezzi. Bühnenbild: Filip Berg. Styling-Berater: Emman Debattista. Haare und Make-up: Guerdy Casimir. Produzentin: Tatianna Peckham. Produktionsleitung: Yara Seifan.
Eine Produktion von Enad Marouf in Koproduktion mit TANZTAGE BERLIN SOPHIENSÆLE. Gefördert durch das NATIONALE PERFORMANCE NETZ – STEPPING OUT, gefördert durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von NEUSTART KULTUR. Assistance Program for Dance.
Enad Marouf ist ein syrisch/deutscher Performance und Video Künstler mit Sitz in Berlin. Seine Arbeiten beschäftigen sich mit Erinnerung, Verlust und Intimität. Durch die physische Unzugänglichkeit zu gewissen Aspekten eines Lebens gewähren einzig Erinnerungen und der Akt des Erinnerns Zugänge zu den Herausforderungen, die sich durch Verlust und das Unzugängliche selbst einstellen. Seinen MA in Choreographie und Performance am Institut für Theaterwissenschaft Gießen/Frankfurt schloss er 2014 ab. Seine Soloarbeiten und Kollaborationen wurden u.a. auf der Biennale von Athen, dem KunstenfestivaldesArts Brüssel, 104 Paris, HAU Berlin, Babel Beirut, Centre Francais de Damas, Art Institute of Chicago, Tate Modern London, Sophiensaele Berlin gezeigt.
Acknowledgment: Some quotes and anecdotes in the work are taken from: Night by Etel Adnan. Angel of History by Rabih Alameddine. On the concept of History by Walter Benjamin and Prisoner of love by Jean Genet.