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Der Meerrettich ist heute in Europa eingebürgert. Bei uns wird er seit dem Mittelalter angebaut. Er war aber bereits in der Antike bekannt. Ursprünglich stammt er wahrscheinlich aus dem Mittelmeergebiet und aus Osteuropa. Zunächst wurde er als Heilpflanze und erst später als Gewürz verwendet. Im Mittelalter wurde er bei Vergiftungen, Skorbut, Ohrenschmerzen und Dreitagfieber eingesetzt.
Meerrettich – Namensdeutungen und botanische Beschreibung
Die botanische Bezeichnung für Meerrettich ist Armoracia rusticana. Die Gattung Armoracia umfasst vier Arten. Sie gehört zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Der Name „Meerrettich“ wird unterschiedlich gedeutet. Einerseits existiert die Vermutung, dass “Meer” auf das Wort Mähre (Pferd), Mare (Stute) zurückgeführt wird. Im Englischen wird der Meerrettich jedenfalls horse radish genannt. Möglicherweise, weil er nicht geniessbar schien, also nur Viehfutter, sprich Pferdefutter, war. Eine andere Deutung meint, dass “Meer” von “mehr” stamme und somit grösserer Rettich bedeute. Das Wort Rettich bezieht sich auf das lateinische radix und bedeutet Wurzel. Eine Deutung des lateinischen Namens Armoracia geht darauf zurück, dass der Meerrettich aus der Gegend von Aremorica an der französischen Kanalküste stamme. Gemäss dem Botaniker Heinrich Marzell (1885 -1970) bedeutet Meerrettich „der über das Meer zu uns gekommene Rettich“. Der Artname rusticana ist abgeleitet von rus, was Land bedeutet und wird somit mit “ländlich” übersetzt. Welche dieser Deutungen zutrifft, lässt sich kaum sicher entscheiden.
Meerrettich ist eine mehrjährige Staude, welche 40 – 150 cm hoch wird. Die Wurzel ist dick und fleischig, innen weiss mit runzeliger bis glatter Haut, und erreicht 40 – 60 cm Länge. Sie verzweigt sich am Wurzelende. Die mehrkantigen Stängel sind im oberen Bereich verzweigt. Die Blätter sind breit lanzettlich, ungleich gekerbt, am Grund herzförmig und etwa 30 – 80 cm lang. Die kleinen, duftenden, weissen Blütchen erscheinen zwischen Mai und Juli. Sie sitzen auf zahlreichen, traubenförmigen Blütenständen.
Meerrettich im Garten
Beim Anbau von Meerrettich im Garten sollte man sich bewusst sein, dass die Pflanze sich aus kleinsten Wurzelstückchen weiter vermehren kann. Eine gut eingewachsene Meerrettichpflanze wieder loszuwerden, ist manchmal gar nicht so einfach. Dennoch ist es der Meerrettich wert, wenn wir ihm in einer Ecke des Gartens einen Platz überlassen, denn an frisch geriebenen Meerrettich kommt kein konservierter aus dem Laden heran. Er gedeiht gern an halbschattiger bis sonniger Lage auf nahrhaftem humosen bis sandig-lehmigen Boden. Er sollte tiefgründig und gut durchlässig sein und darf keine Staunässe aufweisen. Um seinem Wuchern entgegenzuwirken, kann der Meerrettich auch in einem ausreichend grossen Topf mit gutem Abzug im Boden versenkt werden. Die Meerrettichwurzel lässt sich frisch oder getrocknet verwenden. Geerntet wird sie zwischen Ende September bis April. Dabei werden die 1 – 2 cm dicken Seitenwurzeln entfernt und die Haarwurzeln mit einem Tuch abgerieben. Die dickeren Seitenwurzeln lassen sich für eine Weiterkultur verwenden und werden zu diesem Zweck wieder in die Erde eingelegt.
Meerrettich als Gewürz
Zur Verwendung als Gewürz eignen sich nur die einjährigen Wurzeln. Geerntete Wurzeln können an einem kühlen Ort in feuchtem Sand oder Erde über den Winter gut gelagert werden. Auch im Kühlschrank hält sich die Meerrettich-Wurzel längere Zeit. Solange die Wurzel nicht angeschnitten wird, hat sie noch kein starkes Aroma. Erst beim Reiben der Wurzel entsteht ein stechender und Tränen auslösender Geruch. Dieser verflüchtigt sich aber sehr schnell. Verantwortlich für den Geruch sind Senföle, die auch antibakteriell wirken. Je feiner die Meerrettichwurzel gerieben wird, umso schärfer ist sie im Geschmack beim Essen. Neben Senfölen enthält Meerrettich auch viel Vitamin C. Geriebener Meerrettich kann mit etwas Essig zu Saucen verarbeitet werden. Gegessen wird Meerrettich oft in Kombination mit Schlagrahm, Quark oder Frischkäse, um ihm ein bisschen von seiner Schärfe zu nehmen. Er passt ausgezeichnet zu geräuchertem Fisch, Wurstwaren, Schinken und Tafelspitz. Oft wird auch Senf mit Meerrettich angereichert. Zum Kochen eignet sich Meerrettichwurzel nicht. Auch die jungen Blätter können fein gehackt zu Salaten oder als Brotaufstriche genutzt werden.
Neben dem europäischen gibt es auch den japanischen Meerrettich, welcher auch bekannt ist unter dem Namen Wasabi. Er ist noch schärfer als der europäische Meerrettich. Botanisch gehört er zwar auch zur Familie der Kreuzblütler, aber zu einer anderen Gattung (Wasabia japonica).
Quelle: www.wyssgh.ch
Kommentar & Ergänzung:
Die Meerrettichwurzel ist auch eine wichtige Heilpflanze, zum Beispiel bei Blasenentzündung und Bronchitis.
Siehe dazu: