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Das Tau ist der letzte Buchstaben des hebräischen Alphabetes. Es wird verwendet mit dem symbolischen Zeichen von dem der Prophet Ezechiel in 9, 4 spricht: „Der Herr sagte zu ihm: Geh mitten durch die Stadt Jerusalem und schreib ein T auf die Stirn aller Männer, die über die in der Stadt begangenen Greueltaten seufzen und stöhnen.“ Es ist also ein Rettungszeichen für die Armen Israels. Von diesem Zeichen spricht auch die Apokalypse 7,2-3 „Dann sah ich vom Osten her einen anderen Engel emporsteigen; er hatte das Siegel des lebendigen Gottes und rief den vier Engeln, denen er Macht gegeben war, dem Land und dem Meer Schaden zuzufügen, mit lauter Stimme zu: Fügt dem Land, dem Meer und den Bäumen keinen Schaden zu, bis wir den Knechten Gottes das Siegel auf die Stirn gedrückt haben.“ Das Tau ist also ein Zeichen der Rettung, der Erlösung. Es ist ein äusseres Zeichen des neuen christlichen Lebens, das innerlich mit dem Hl. Geist besiegelt ist, das uns am Tag der Taufe geschenkt wurde wie dies in Eph 1, 13 gesagt wird, wenn der Apostel Paulus schreibt: „Durch ihn (Christus) habt auch ihr das Wort der Wahrheit gehört, das Evangelium von eurer Rettung, durch ihn habt ihr das Siegel des verheissenen Hl. Geistes empfangen, als ihr den Glauben annahmt.“
„Ich bin das Alfa und das Omega, der Anfang und das Ende. Wer Durst hat werde ich umsonst vom lebendigen Quell zu trinken geben...Ich bin das Alpha und das Omega,
der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende (Off 21, 6; 22,13). Die Christen sahen das Tau immer auch als Zeichen des Kreuzes, an dem sich Christus für das Heil der Welt geopfert hat.
Papst Innozenz III., der ja auch die Lebensform der ersten Brüder mündlich bestätigte, bringt in einem Schreiben zum 4. Laterankonzil 1215 das Zeichen des Taus mit der Liturgie der Eucharistie in Verbindung. Schon in altchristlichen Darstellungen sah man am Mantelssaum bei Christus das Tau als das Zeichen des Heiles und des Lebens. Der Papst sieht im ‚Te igitur’ ‚Dich Gott bitten wir’, mit dem das römische Hochgebet begann und deren Initialen so schön geziert waren, dieses Tau.
Der hl. Franziskus nahm diese Idee auf und sah in diesem Zeichen auch ein ganz besonderes Heilszeichen. In ihm sah er die alten Verheissungen in Erfüllung gehen, er
sieht in diesem Zeichen auch die Seligpreisung der Armen, das wichtigste Element der franziskanischen Lebensform. Aus diesem Grund hatte Br. Franziskus eine so grosse Liebe und einen so grossen
Glauben in dieses Zeichen. „Mit diesem Zeichen pflegte der hl. Franziskus seine Briefe zu beglaubigen, sooft er aus Notwendigkeit oder Liebe irgend ein Schreiben an jemanden richtete.“ 3Cel 159.
So finden wir es auch unter einem Segensspruch, den er für Bruder Leo aufschrieb, als dieser in Not und Angst war. Es bedeutete für Bruder Leo Kraft und Trost, dass er diesen Segen des hl.
Franziskus ständig bei sich tragen konnte. Auf der Rückseite des Segens schrieb der hl. Franziskus einen Lobpreis Gottes (sh. Gebet: Der Lobpreis Gottes). Hier wendet er sich durch ein
wiederholtes DU an seinen Herrn, dessen Grösse und Demut er bewundert. So sind für Franziskus Hinwendung zu Gott und Hinwendung zum Bruder "zwei Seiten" eines Medaillons.
Das Tau war für ihn das liebste Zeichen, sein Siegel, der seine tiefe geistliche Überzeugung ausdrückt, dass nämlich allein im Kreuz Jesu Christi das Heil für jeden Menschen sich ereignet hat. Für Br. Franziskus ist dieses kleine Zeichen Tau wie ein Schatz, den er gefunden hat, wie ein Schlüssel zum Geheimnis des Lebens der Welt und eine Freude über diesen Reichtum, den ihm letztlich niemand nehmen konnte.
Das Tau ist also ein Symbol für die Franziskanische Familie: ein Vermächtnis des heiligen Vaters Franziskus, ein Zeichen des Segens und des Friedens. Es erinnert uns auch an das Kreuz, das Zeichen unserer Erlösung.
(Gebetet im Franziskanerkloster Näfels)
Dreimal am Tag läuten unsere Kirchenglocken: am Morgen, am Mittag und Abend. Dieses Läuten ist selbst in unserer heutigen Zeit nicht aus der Mode gekommen. Selbst ein schweizerischer Bundesgerichtsentscheid proklamierte auf eine Beschwerde gegen das Frühläuten: dieses Läuten gehört zu unserer abendländischen Kultur und Tradition!
Franz von Assisi, der auf seiner Missionsreise bis in den Orient vorgedrungen ist, war vom moslemischen Gebetsrufer, dem Muezzin, der fünfmal am Tag vom Turm der
Moschee, dem Minarett aus, die Gläubigen aufrief, Allah zu loben, aufs tiefste beeindruckt: „Allah ist gross, es gibt keinen Gott ausser Allah!“
Als der Poverello wieder heimgekehrt war, wollte er diesen Brauch, wenn auch auf veränderte Weise, in unseren Landen eingeführt wissen. So schrieb er an die Oberen, die ‚Kustoden’ seines Ordens folgendes: „Und sein Lob sollt ihr allen Leuten so künden und predigen, dass zu jeder Stunde und wenn die Glocken läuten, dem allmächtigen Gott vom gesamten Volk auf der ganzen Erde immer Lobpreis und Dank dargebracht werde.“ (Brief an die Kustoden 1, 8). Er schrieb sogar einen Brief an die Lenker der Völker, worin er den gleichen Wunsch aussprach: „So bereitet doch dem Herrn unter dem euch anvertrauten Volke so grosse Ehre, dass an jedem Abend durch einen Herold oder durch irgendein Zeichen angesagt wird, das ganze Volk bringe Gott dem allmächtigen Herrn, Lobpreis und Dank dar.“ (Brief an die Lenker der Völker 7)Das war noch nicht der ‚Angelus’, den wir heute kennen. Aber das ‚Gebetsleuten’, bei uns in der Schweiz auch ‚Betzeitläuten’ genannt, hatte damit in unserer abendländischen Kirche den Anfang genommen. Der eigentliche ‚Initiator’ dieses Gebetes ist Br. Benedikt Sinigardi aus Arezzo. In jungen Jahren, es war 1211, hörte er in seiner Vaterstadt den Heiligen aus Assisi predigen. Der sehr gebildete adelige Mann war von seinem Wort so ergriffen, dass er sich dem Orden des hl. Franz anschloss. Bruder Benedikt war einer der Brüder, der von Franziskus persönlich die Kutte erhielt. Mit 27 Jahren wurde er Provinzial der Mark Ancona. Sein missionarischer Geist führte ihn danach nach Griechenland, Rumänien und in die Türkei, wo er die Trennung der Ost- und Westkirche zu spüren bekam. Danach begab er sich in die Heimat Jesu. Dort wurde ihm von den Brüdern des Hl. Landes den Dienst des Provinzials anvertraut. Sechzehn Jahre arbeitete er unermüdlich in dieser Provinz. In dieser Zeit gründete er den ersten Franziskanerkonvent in Konstantinopel. 1241 kehrte wieder in seine Heimatstadt Arezzo zurück. Dort führte er bei seinen Mitbrüdern im Heimatkloster folgende Marienantiphon ein: „Angelus Domini locutus est Mariae“, „der Engel des Herrn sprach zu Maria“. Dabei ordnete er an, dies am Abend zu beten und mit der Klosterglocke ein Zeichen zugeben. Das Beispiel von Arezzo machte Schule.
Der hl.Bonaventura, der 8. Generalminister und Erneuerer des Franziskanerordens riet seinen Mitbrüdern auf dem Generalkapitel zu Pisa 1263: „Die Brüder sollen die Gläubigen anleiten, am Abend, wenn es in den Klöstern zur Komplet läutet, Maria dreimal zu grüssen. Sie
sollen es mit den gleichen Worten tun, mit denen der Engel Gabriel Maria gegrüsst hatte, also mit dem ‚Ave Maria’“ (vgl. Lk 1, 38). Das Provinzkapitel der Franziskaner in Padua verordnete 1294
den Minderbrüdern folgendes: „In allen Konventen läute man Abend dreimal kurz die Glocke, um die Gottesmutter zu ehren. Alle Brüder sollen dabei die Knie beugen und dreimal beten: ‚Ave Maria’.“
Hinter dieser frommen Gebetsempfehlungen stand im Mittelalter die weit verbreitete Vorstellung, es sei Abend gewesen, als der Engel des Herrn Maria die Botschaft brachte.
Als Papst Johannes Paul II. am 23. Mai 1993 die Stadt Arezzo besuchte, machte er einen Gebetshalt am Grab des Seligen Benedikt von Sinigardi. Dort sagte er: „Es ist
immer sehr wirkungsvoll mitten im Tag innezuhalten und ein marianisches Gebet zu sprechen. Heute ist es besonders bedeutsam, weil wir uns an dem Ort befinden, wo nach der Überlieferung der Brauch
des Angelusbetens entstanden ist.“ In der Weltkirche bürgerte sich das allabendliche Glockenzeichen zuerst 1307 in Gran (Ungarn) ein, danach wird es 1327 in Rom bezeugt.
Papst Johannes XXII. ordnete 1318 an, dass zum täglichen Feierabendläuten die Jungfrau Maria durch drei ‚Ave’ zu grüssen sei. Von 1317/18 haben wir die erste Nachricht vom Gebetsläuten am Morgen und zwar in Parma. Das Mittagsläuten wird uns zum ersten Mal 1386 aus Prag überliefert. In einem zeitlich langen Prozess hat sich der uns vertraute ‚Englische Gruss’ herauskristallisiert. Den ‚Angelus’ in der heutigen Form finden wir zum ersten Mal im ‚Offizium Parvum Beatae Virginis Mariae’ ‚im Kleinen Offizium der seligen Jungfrau Maria’, das unter Papst Pius V. 1571 herausgekommen ist. Das Begleitgebet, das zum Abendläuten und dann auch zum jüngeren Morgen- und Mittagsläuten verwendet wird, hat sich seit dem ausgehenden 16. Jh. allgemein durchgesetzt. Ursprünglich stammte es aus der Messe des Hochfestes ‚Verkündigung des Herrn’ am 25. März. Im Messbuch, das von Papst Paul VI. approbiert wurde, wird es als Tagesgebet am Gedenktag ‚Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz’, dem 7. Oktober, verwendet. Das Gebet umfasst in einem Dreiklang das unerhörte Geschehen der Verkündigung, der Stunde des Heiles: Gott wird Mensch für uns.
Der Angelus eignet sich als Gebet an den drei Eckpunkten des Tages als eine Art Volksbrevier, das mithilft, die Tagzeiten zu heiligen. ‚Der Engel des Herrn’ will uns Menschen immer wieder daran erinnern, wie wertvoll wir in den Augen Gottes sind, weil er selber Mensch wurde um uns Menschen zu erlösen.
Am 3. Januar feiert die Kirche den Gedenktag vom Heiligsten Namen Jesu. Zuerst hat Gott seinen Namen dem Mose im brennenden Dornbusch offenbart: „Jahwe, ich bin der, der für euch da ist.“ Jahwe ist der Gott, der mit seinem Volk unterwegs ist, auf allen Wegen, zu allen
Zeiten. Davon erzählt das Volk Israel seit mehr als 3000 Jahren, darauf vertraut es auch für die Zukunft. Vor gut 2000 Jahren ist dieser Name ganz konkret geworden in dem Kind von Betlehem: Jesus – Jeschuaa, d.h. in Jahwe ist Heil, in Jahwe ist Rettung. Gott ist so nahe bei seinem Volk, dass er selber Mensch wird und sich ganz in das menschliche Leben hineinbegibt. In Jesus begegnet Gott uns Menschen gleichsam in Augenhöhe.
Die Verehrung des Namens Jesu fand in der Ostkirche mit dem sog. Jesusgebet seit dem 4. Jh. starke Verbreitung. Die Verehrung in der Westkirche geht vor allem auf den Franziskanerorden zurück. So sagt der erste Biograph des hl. Franz von Assisi, Thomas von Celano über ihn: „Immer war er mit Jesus beschäftigt. Jesus trug er stets im Herzen. Jesus im Mund, Jesus in den Ohren, Jesus in den Augen, Jesus in den Händen. Jesus in all seinen übrigen Gliedern…“ (1C 115)
Gut 150 Jahre später hat der hl. Bernhardin von Siena (1380-1444) dieses Erbe weitergeführt und vertieft, indem er unermüdlich den Namen Jesus verkündete und seine Verehrung verbreitete. Oft steht auf den Abbildungen des hl. Bernhardin über seinem Heiligenschein die Inschrift: „Manifestavi nomen tuum hominibus“ – „Ich verkündete deinen Namen den Menschen“.
Er hat auf seinen Predigtreisen ganz Italien durchreist, ja er ist bis in unsere Gegenden gekommen. Im Misox mussten seine Predigten bei der Bevölkerung solchen Eindruck gemacht haben, dass eine ihrer Ortschaften und ein Pass nach ihm benannt wurde: ‚San Bernardino‘. Auf seinen Predigtreisen hat er bleibende Spuren hinterlassen, in ganz Italien und bei uns in der Schweiz vor allem im Tessin. Er liess nämlich an vielen Häusern, Stadtportalen, Kirchen und Kapellen das Jesus-Monogramm JHS anbringen. Dies waren ursprünglich die drei griechischen Anfangsbuchstaben des Namens Jesus, JHSOUS (I = Jota, H = Eta, = Sigma).
Im Lateinischen heisst es JESUS. Man deutete diese drei Buchstaben als „Jesus Hominum Salvator“- „Jesus, Retter der Menschen“, während im deutschen Sprachraum die sinngemässe Erklärung „Jesus, Heiland, Seligmacher“ Verbreitung fand.
Die Jesuiten haben später dieses Christus-Monogramm als Ordenswappen übernommen. Für sie bedeuteten die drei Grossbuchstaben: ‚Jesu humilis societas‘, ‚Jesu demütige Gesellschaft‘
Im 16. Jh. wurde das liturgische Fest vom Namen Jesu in der Gesamtkirche eingeführt. Der Franziskaner Bernhardin von Busti + 1513 stellte für das Fest des Namen Jesu die Tagzeiten für das Brevier zusammen. Im Jahre 1530 gestattet Papst Clemens VII. zuerst dem Franziskanerorden, in einem kirchlichen Offizium den Namen Jesu zu verehren, später wurde das auf die Gesamtkirche ausgebreitet. Bis zur Liturgiereform wurde das Fest am Sonntag zwischen 1. und 5. Januar gefeiert. Die Namensgebung Jesu war bei der Liturgiereform des II. Vat. mit dem 1. Januar verbunden. 2002 wurde im neuen Messbuch der Gedenktag auf den 3. Januar festgesetzt.
Der Name Jesus ist für uns verehrungswürdig, weil Gott in Jesus für uns Mensch geworden ist. Der Name Jesus bedeutet ‚Jahwe rettet‘, wie der Engel dem Josef im Traum erklärte: „Du sollst ihm den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen“ (Mt 1,21). Und im Lk-Evangelium heisst es bei der Namensgebung Jesu, der Beschneidung: „Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, wurde ihm der Namen Jesus gegeben, wie er schon vom Engel genannt worden war, noch ehe er im Mutterschoss empfangen war.“ Lk 2, 21. Und die Apostelgeschichte berichtet im Zusammenhang mit dem Namen Jesu: „Als ein Gelähmter Petrus und Johannes in den Tempel gehen sah, bat er sie um einen Almosen. Petrus und Johannes blickten ihn an, und Petrus sagte: Sieh uns an! Da wandte er sich ihnen zu und erwartete, etwas von ihnen zu bekommen. Petrus aber sagte: Silber und Gold besitze ich nicht. Doch, was ich habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, geh umher! Und er fasste ihn an der rechten Hand und richtete ihn auf. Sogleich kam Kraft in seine Füsse und Gelenke; er sprang auf, konnte stehen und ging umher.“ Apg 3, 3-8. Durch den Namen Jesu geschah dieses und viele andere Wunder.
An einer anderen Stelle der Apostelgesichte heisst es über den Namen Jesu: „Es ist den Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden.“ Apg 4, 12.
Dieser Name schenkt Heil und Rettung. Aber es geht hier nicht um die drei oder fünf Buchstaben, die da verehrt werden sollten, sondern die Verehrung gilt dem, der mit diesem Namen bezeichnet wurde, JESUS. Deshalb sagt Paulus über diesen wundervollen Namen: „Darum hat ihn Gott über alle erhöht, und ihm den Namen verliehen, der grösser ist als alle Namen“ Phil 2,9
Um dieses Namen willen, wird uns von Gott her auch Erhörung aller Bitten gewährt. Denn Jesus selbst sagt: „Wenn ihr den Vater in meinem Namen um etwas bitten werdet, so wird er es euch geben.“ Joh 16, 23. Vor diesem Namen müssen auch die Dämonen fliehen. So sagt uns der Evangelist Markus: „In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben.“ Mk 16, 17.
In der Kraft dieses Namens haben die Apostel und Heiligen bis in unsere Tage hinein Wunder gewirkt. Der Name Jesu war und bleibt für viele Trost im Leid, die Waffe gegen das Böse und die Zuversicht im Sterben.
Wie schon vorher erwähnt, war der hl. Bernhardin von Siena nicht nur ein grosser Verehrer des Namens Jesu, sondern er propagierte geradezu den Namen Jesu bei all seinen Predigten. Schnell eroberte der charismatische Prediger die Herzen der Menschen. Er predigte zunächst in der Toskana, dann in vielen anderen Landstrichen Oberitaliens, bis ins Tessin hinein. Später führte ihn den Predigtdienst bis über Rom hinaus. In Bologna, der Stadt der Rechtsgelehrten verkündete er ebenso freimütig die Wahrheit wie in Venedig vor dem Dogen. In der Zeit des spätmittelalterlichen Frühkapitalismus prangerte er unerschrocken die sozialen Missstände an. Sein Wort versöhnte Gegensätze, löste Verbitterungen und stiftete Frieden. Er vermochte für Gefangene die Freiheit zu erbitten, Verschuldeten Nachlass zu erwirken, Ehebrechern ein neues Leben zu eröffnen, öffentliche Sünder zur Umkehr führen, Armen und Weisen Obdach in den Spitälern zu verschaffen, Kriege und Fehden zu beenden und in Dörfern und Städten für Ordnung und Ruhe zu sorgen. Ein Chronist berichtete über den Erfolg der Predigt Bernardins: „Es war, wie wenn der Frühling in die Welt kommt.“
Vierzehn Jahre erliess er seine Stimme wie ein Prophet erschallen, um Menschen Gottes Liebe und Güte näherzubringen. Das besondere war, bei seinen Predigten trug er immer eine Holztafel mit dem Christusmonogramm mit. Diese stellte er auf den Altar, an dem er vor der Predigt die hl. Messe feierte. Nach seiner Predigt hielt er seine IHS-Tafel hoch, um den Leuten damit den Segen zu erteilen. Wenn der Heilige als Prediger auftrat, konnten die Kirchen die Zuhörermenge meist nicht fassen. So predigte er im Freien vor den Leuten, die seine Kanzel wie Bienen umringten.
Bernhardin propagierte das Jesus-Monogramm so, dass es nicht nur an Kirchen, Kapellen und Häusern, sondern auch auf Dokumenten und Geschäftsbüchern, auf Pflugscharen und Spinnrädern, auf Wiegen und Kochtöpfen, ja sogar auf Wickelkissen von Säuglingen, die zur Taufe getragen wurden, erschienen. Er riet auch den Paten ihren Patenkindern einen Gold- oder Silberanhänger mit dem Christusmonogramm zu schenken. Dabei ging es ihm nicht um Äußerlichkeiten, sondern um das, was es bedeutet. Er pflegte zu sagen: „Denn der Name Jesus bedeutet für dich Heiland, Erlöser, Gottessohn.“
Als er einmal in Bologna gegen das Glückspiel predigte, verbrannte man anschliessend öffentlich Spielkarten, Schachbretter, Würfel und dergleichen. Die Kartendrucker, die um ihr Geschäft bangten, ermuntere er, eine JHS-Tafel zu drucken. Er selbst nahm ein Bleistück und begann einen Kreis zu ziehen und in den Kreis schrieb er die Abkürzung des griechischen Namens Jesus JHS. Um den Kreis herum zeichnete er zwölf gewellte Strahlen und zwischen diese acht kleinere gerade Strahlen, die wie Orgelpfeifen angeordnet waren. Rings um den Strahlenkranz herum malte er ein Band mit der Inschrift: „In Nomine Jesu omne genu flectatur coelestium, terrestrium et infernorum – Im Namen Jesu beuge sich jedes Knie, im Himmel, auf Erden und unter der Erde.“ Phil 2, 10.
Er gab dann weiter an, der Grund müsse himmelblau sein, die Sonne golden, ebenso die Buchstaben des Trigramms. Er sagte den Kartendrucken und Händlern sie sollten dies drucken, kolorieren und anstelle der Spielkarten verkaufen.
Das war auch ein neues Christus-Wappen. Denn das Wappen mit dem Kreuz, das auf so vielen Familien-und Zunft-Wappen dargestellt wurde, hatte gleichsam seine Wirkkraft verloren. Er wendete dieses Wappen mit dem Namen Jesu an, um Sektierertum und Parteienhass zu bekämpfen. Bernhardinos Wappen sollte vor allem die Verehrung des Namens Jesu auch durch die Augen zugänglich machen. In der Tat musste die strahlende Sonnengestalt die Vorstellung der Liebe wecken, während die Zahl der Strahlen, der Unterschied zwischen den Wellenförmigen und geraden, die Farbe des Grundes und die Buchstaben aus einer sorgsam ausgearbeiteten Allegorie hervorgingen. Bernhardino erklärte nach der Zeichnung auch die Bedeutung in aller Einzelheit. So legt er dar: "Wie die stoffliche Sonne mit ihrer Kraft, ihrem Glanz, ihrer Wärme alles, was in der Welt ist, belebt und befruchtet und erhält, so gibt und erhält der Name Jesu das Leben der Gnade in allen Menschen, am Anfang, in der Mitte und in der Vollendung. Nicht umsonst sagt der Psalmist: „In die Sonne hat er sein Zelt gestellt.“ Und wie Licht und Wärme der Sonne sich ausbreiten in ihren Strahlen, so ist der Glaube Jesu über die Erde hin von den zwölf Aposteln in den zwölf Artikeln des Glaubensbekenntnisse verbreitet worden, die beide, Apostel und Glaubensartikel, durch die zwölf gewellten Strahlen des Wappens symbolisiert werden."
Die zwölf längeren Strahlen hatten jedoch nicht nur diese geschichtliche Bedeutung, sondern auch eine mystische, die im Folgenden litaneiartig erklärt wird:
Die acht kleineren Strahlen dagegegen stellen die acht Seligkeiten Jesu dar.
Das Band, das die Strahlenkränze umgibt, bedeutet nach Bernhardin dass das Glück der Seligen niemals endet. Und schliesslich bedeutet das Himmelsblau den Glauben, das Gold aber die Liebe.
Der Heilige erkannte genau die Bedürfnisse der Menschen seiner Zeit. Die Kriege, Pest und die Wirren innerhalb der Kirche hatten nicht nur eine apokalyptische Stimmung aufkommen lassen. Viele glaubten nur noch an einen fernen Gott, der gegenüber dem Leiden der Menschen entweder machtlos war oder sich gar nicht um ihn kümmerte. Darum versuchte der Heilige mit der Verehrung des Namens Jesu und mit dieser JHS-Tafel den nahen Gott zu vermitteln, der in Jesus einer von uns geworden ist. Ihm darf man sich in allen Situationen anvertrauen. Bei aller Nähe Gottes zu den Menschen bleibt er aber doch der absolute König über die gesamte Schöpfung. Jesus hat am Kreuz die Schöpfung erneuert, die von allem Anfang an in ihm, durch ihn und auf ihn hin geschaffen worden ist.
Das segensreiche Wirken Bernhardins wurde allerdings unterbrochen, als er von Neidern und Verleumdern bei Papst Martin V. angeklagt wurde, der ihn nach Rom zitierte und ihm das Predigtverbot auferlegte. Mit Hilfe seines Mitbruders und Schülers, des hl. Johannes von Kapistran, gelang es ihm, sich vor 62 Doktoren 1427 und 1431 zu rechtfertigen. Papst Martin V. erkannte seine Unschuld, mehr noch er ermunterte ihn zum Predigen. So hielt dann der Heilige 80 Predigten in der Peterskirche in Rom und Missionspredigten in den Marken.
Des Häresieverdachtes noch nicht genug, wurde er unter dem Pontifikat Eugens IV. inmitten einer Predigt zum zweiten Mal verhaftet. Nachdem er auch diese Prüfung geduldig und demütig ertragen hatte, steigerte sich der Erfolg seiner Predigttätigkeit noch mehr und es gelang ihm sogar die Herzen verbitterter Menschen zu öffnen. Für diesen Namen Jesu, den der Heilige so geliebt und verehrt hat, musste er viel leiden.
Während einer seiner vielen Reisen starb der unermüdliche Prediger des Namens-Jesu und Reformer des Franziskanerordens am 20. Mai 1444 in Aquila. 1458 wurde er heiliggesprochen.
"Die beste Inschrift des Namens Jesu ist im Herzen", sagte der Heilige.