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Eine Filmklappe, mit «Hiroshima» beschriftet, eine Uhr, deren Zeiger auf 8.15 Uhr feststehen, Metallbolzen und Glassplitter in der Wand. Diese Bilder aus der Zeit des Atombombenabwurfs stehen am Anfang von Aya Domenigs Langfilmdebüt, das als Spurensuche zur familiären Vergangenheit beginnt, um sich zum aufrüttelnden Zeitdokument zu wandeln.
2010 begann die japanisch-schweizerische Filmemacherin ihre Recherchen. Sie befragte ihre Grossmutter nach ihren Erinnerungen, um bald auf Hiroshima zu sprechen zu kommen und auf ihren verstorbenen Grossvater, der Arzt gewesen war. Als die Atombombe fiel, lebte dieser mit seiner Familie in einem Landhaus siebzig Kilometer ausserhalb von Hiroshima, wo er während der Woche arbeitete. Wie immer montags fuhr er auch an jenem ominösen 6. August 1945 ins städtische Rotkreuzspital – das mirakulöserweise dem Bombenabwurf trotzen sollte. Als Domenigs Grossvater zehn Tage später zurückkehrte, verlor er über das Erlebte kein Wort – und so blieb es sein Leben lang. Man muss wissen: Niemand hatte damals Kenntnis von der neuartigen Bombe und ihren Folgen. Das medizinische Personal sah sich mit unerklärlichen Symptomen konfrontiert und war dem Sterben gegenüber ohnmächtig. Zudem besetzten die USA anschliessend das Land und erklärten die Auswirkungen des Sprengkörpers zum Militärgeheimnis. Japan seinerseits arbeitete die Geschehnisse nie wirklich auf – die Geschädigten und ihre Nachkommen wurden gar gesellschaftlich geächtet, trugen sie doch eine vererbbare «Krankheit» in sich, weshalb auch sie lieber schwiegen.
Domenig suchte Zeitzeugen/-innen und fand sie, trotz allem: so etwa eine quirlige Runde älterer Damen, die – damals als Krankenschwestern im Dienst – freimütig erzählen. Oder die 90-jährige Rotkreuz-Krankenschwester Chizuko Uchida, die selbst körperlichen Schaden durch ihren Einsatz davontrug – andererseits aber auch politisch aktiv wurde. Oder der 95-jährige Arzt Shuntaro Hida, der glaubt, gerade jetzt den jungen Leuten von damals erzählen zu müssen. Denn: Inmitten der Dreharbeiten wurde die Regisseurin 2011 durch die AKW-Explosion in Fukushima bei ihrer «Reise durch die Vergangenheit jäh in die Gegenwart zurückgeholt», wie sie sagt. So erfährt der filmische Inhalt unerwartet eine explosive Wende – mit ernüchterndem Fazit: Statt dass Japan im Umgang mit Kernkraft sensibilisiert aufträte, vertuscht und verharmlost die Regierung die schreckliche Katastrophe auf skandalöse Art und Weise.
Mit ihrer vifen, äusserst liebenswürdigen Grossmutter im Zentrum gelingt der Regisseurin mit Als die Sonne vom Himmel fiel eine kritische, aber nicht erdrückende Rückschau auf die Geschehnisse von damals. In der Montage (Tanja Stöcklin) verbinden sich die unterschiedlichen Erzählstränge, Archivmaterial inklusive, zu einem schillernd-brisanten Erzählbogen zwischen der Zeitgeschichte damals und heute.