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In Island gibt es nicht nur die meisten aktiven Vulkane in ganz Europa und unzählige beeindruckende Wasserfälle, sondern auch 13 grosse und mehrere kleine Gletscher, die insgesamt ca. 11% der isländischen Landfläche bedecken. Unter vielen dieser Gletscher schlummern Vulkane.
Wie entstehen Gletscher?
Für die Entstehung von Gletschern ist ein Faktor besonders wichtig: langfristig niedrige Temperaturen! Denn Gletscher bestehen aus meterhohen Eisschichten, die entstehen, wenn gefallener Schnee im Sommer nicht tauen kann, vereist und so kleine Kristalle bildet. Im Laufe der Jahre schichten sich so immer mehr Schneedecken übereinander und werden durch ihr Gewicht zu dicken Eismassen zusammengedrückt. Bei diesem Vorgang wird die Luft aus den Hohlräumen zwischen dem Schnee herausgepresst und das Gletschereis erhält durch den niedrigen Luftanteil meist eine bläuliche und manchmal sogar leicht grünliche Farbe.
Man Unterscheidet dabei verschiedene Arten von Gletschern.
Arten von Gletschern
- Talgletscher: Die Gletscher liegen oft in Tälern und sind recht lang.
- Vorlandsgletscher: Gletscher, die flach aus relativ steilen Tälern fliessen
- Plateaugletscher: Gletscher, die auf hohen Bergen liegen
- Hanggletscher: Gletscher, die an steilen Felswänden “hängen“
- Kargletscher: Meist breite Gletscher, die sich oft in hohen Gebirgen befinden. Den Namen verdanken sie ihrer schüsselartigen Form. Kargletscher sind Überreste von grossen Talgletschern, die ihre Gletscherzunge verloren haben
- Auslassgletscher: Bilden sich am Rand von Eiskappen oder Eisschilden , wenn das Eis durch relativ schmale Auslässe fliessen muss
- Eisschilde: Bedecken grosse Teile von (flachen) Landmassen
Welche Gletscher gibt es in Island?
Vatnajökull
Der Vatnajökull ist nicht nur mit Abstand der grösste Gletscher Islands, sondern auch ganz Europas. Er bedeckt mit seinen 7.700 km² ca. 8 % von Islands Landmasse und ist durchschnittlich zwischen 400 und 1.000 Metern dick. Der höchste Punkt befindet sich auf dem Gletscherplateau Bárðarbunga in einer Höhe von 2.000 Metern. Der Gletscher liegt im Südosten des Landes und ist so gross, dass viele der ca. 40 dazugehörigen Gletscherzungen eigene Namen tragen. Zu diesen Gletscherzungen gehören unter anderem Folgende:
- Öræfajökull: grösste Gletscherzunge, im Südöstlichen Nationalpark
- Dyngjujökull: eine der grössten Gletscherzungen
- Breiðamerkurjökull: Auslassgletscher, der die berühmte Lagune Jökulsarlon füllt,
- Falljökull: steile Gletscherzunge, stark gespalten, Der beste Ort, für längere Wanderungen
- Svinafellsjökull: einer der malerischsten Gletscher Islands, Drehort für viele Filme und Serien
Langjökull
Der Langjökull, dessen Name “langer Gletscher“ bedeutet, ist der zweitgrösste Gletscher Islands. Er befindet sich im Westen des Hochlandes und liegt ca. 1,5 Stunden von Reykjavik entfernt. Damit ist er der am nächsten an Islands Hauptstadt gelegene Gletscher. Unter dem zum Teil 580 Meter dicken Eis liegt ein vulkanisches System verborgen. Der Gletscher ist das ganze Jahr über mit Schnee bedeckt, was ihn zum perfekten Ziel für Motorschlittenfahrer macht. Ausserdem befindet sich im Gletscher die grösste von Menschenhand geschaffene Eishöhle der Welt.
Hofsjökull
Islands drittgrösster Gletscher liegt im zentralen Hochland und ist damit recht schwer zugänglich. Die knapp 1.000 km² fast kreisrunde Eisdecke ist nur im Sommer zu besichtigen und sollte auch dann nur nach ausführlicher Planung und mit einem erfahrenen Guide befahren werden. Am Gletscherrand erstrecken sich einige Berge in die Höhe, darunter unter anderem der Blágnípa im Westen, der Arnarfell hið mikla im Süden und der Miklafell im Osten.
Mýrdalsjökull
Mit einer Fläche von ca. 595 km² ist der Myrdalsjökull der viertgrösste Gletscher auf der nordischen Insel. Er ist direkt neben dem Eyjafjallajökull gelegen. Unter der Gletscherdecke liegt der Vulkan Katla, welcher vermutlich der aktivste Vulkan in der nördlichen Hemisphäre ist. In der Nähe liegt das Tal Thorsmörk, welches als eines der besten Wandergebiete in ganz Island gilt. Einer der bekanntesten Gletscherzungen des Myrdalskökull ist Sólheimajökull. Der Solheimajökull ist etwa 10 km lang und 2 km breit. Er liegt ca. 2 Stunden Fahrt von Reykjavik entfernt auf der südwestlichen-Seite des Myrdalsjökull und ist leicht über die Ringstrasse erreichbar. Die Zunge ist zerklüftet mit vielen Gletscherspalten und hat manchmal sogar kleine Eistunnel und Höhlen. Der Solheimajökull ist einer der Gletscher, denen man den Klimawandel am deutlichsten ansieht: In den letzten 10 Jahren ist er ca. einen Kilometer zurückgegangen. Weitere Gletscherzungen sind u. a. Kötlujökull. Öldufellsjökull, Sandfellsjökull und Höfðabrekkujökull.
Drangajökull
Der Drangajökull ist der einzige Gletscher in den Westfjorden und auch der Einzige, der in Island niedriger als 1.000 Meter ist. Trotzdem ist er mit einer Fläche von ca. 200 km² der fünftgrösste Gletscher des Landes und ist im Gegensatz zu den anderen isländischen Gletschern nicht kleiner geworden. Durch seine Lage südwestlich von Hornstadir ist er schwer zugänglich, es gibt jedoch Touren ab Isafjördur zum Gletscher.
Eyjafjallajökull
Der Eyjafjallajökull ist spätestens seit seinem Ausbruch im Jahr 2010, der den Flugverkehr in ganz Europa lahmlegte, weltbekannt. Er liegt direkt neben dem Myrdalsjökull im südwestlichen Island und ist mit 78 km² der sechstgrösste Gletscher des Landes. Die 100 km breite Eiskappe ist an der höchsten Stelle 1615 m hoch. Die beiden Gletscher sind durch einen beliebten Wanderweg namens Fimmrvöðuháls miteinander verbunden.
Tungnafellsjökull
Mit einer Fläche von ca. 48 km² ist der Tungafellsjökull der siebtgrösste Gletscher Islands. Er befindet sich an der Sprengisandur-Hochlandpiste, nordwestlich des Vatnajökull. Der Gletscher liegt grösstenteils in einer Höhe von 700-800 Metern und ist ca. 70 km lang und bis zu 30 km breit. Der Gletscher ist nur im Sommer über die Strassen befahrbar und auch dann können starke Regenfälle die Anfahrt erschweren oder sogar verhindern.
Þórisjökull
Der Gletschervulkan liegt im Westen des Landes. Seine Fläche beträgt 32 km² und er erreicht eine Höhe von 1350 Metern. Der Gletscher liegt westlich vom Gletscher Langjökull und wird durch den þórisdalur, wo sich Grettir, der Saga-Held aufgehalten haben soll, von diesem getrennt.
Eiríksjökull
Der 22 km² grosse Tafelberg mit Gletscherkappe liegt im Westen Islands. Von der 1.675 m hohen Gletscherspitze hat man eine fantastische Aussicht über die umliegenden Gebiete. Wie viele andere Gletscher hat der Eiriksjökull etliche Gletscherzungen, die sich in alle Richtungen erstrecken. Die Besteigung des Gletschers ist recht anspruchsvoll, da es in 10 km einen Höhenunterschied von 1.300 m gibt. Normalerweise wird dieser von der Westseite unternommen.
Þrándarjökull
Der Thrandarjökull ist ein 22 km² grosser Gletscher im Südosten Islands, 20 km vom Vatnajökull entfernt. Einer der längsten und grössten Flüsse des Ostens, der Hamarsá, kommt von diesem 1.236 m hohen Gletscher.
Tindfjallajökull
Der Tindfjallajökull ist ein 19 km² grosser, bis zu 1.462 m hoher Gletschervulkan im Süden von Island angrenzend an die þórsmörk. Mittlerweile zählt er zu den kleinsten Gletschern Islands, ist aber immer noch ein beliebtes Ziel von Bergsteigern und Skifahrern.
Torfajökull
Der 15 km² grosse Gletscher bedeckt teilweise den gleichnamigen Vulkan nördlich des Myrdalsjökull. In der Nähe befinden sich die warmen Quellen von Landmannalaugar und Hrafntinnusker. Über den Gletscher führt der bekannte Trekkingpfad Laugavegur.
Snaefellsjökull
Der Snaefellsjökull ist zwar mit einer Fläche von 11 km² einer von Island‘s kleinsten, aber dafür einer der bekanntesten Gletscher. Der Gletscher ist ein aktiver Vulkan, der sich während mehrerer Ausbrüche in den letzten 80.000 Jahren aufgebaut hat. Bekannt wurde der Gletscher durch den Film “Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ von Jules Verne, in dem er den Mittelpunkt darstellt. Der Snaefellsjökull ist Teil des gleichnamigen Nationalparks, der im Jahr 2001 gegründet wurde und ist der einzige Gletscher auf der Snaefellsnes-Halbinsel. Das Fahren auf dem Gletscher ist verboten, es sei denn, man hat eine Genehmigung vom Park Ranger. Die Umgebung des Gletschers hat ebenfalls einiges zu bieten: Hügelige Lavafelder, wunderschöne schwarze und weisse Sandstrände, einzigartige Wasserfälle und viele Tiere, wie z. B. Robben und Vögel sind hier zu finden. Leider schrumpft auch dieser Gletscher mit beunruhigender Geschwindigkeit. Die Besteigung des Gletschers ist sehr anspruchsvoll und dauert 5-7 Stunden.
Entwicklung der isländischen Gletscher
Historisch
Island war in den letzten 3 Millionen Jahren die meiste Zeit komplett mit Eis bedeckt. Während der letzten Eiszeit vor 21000 Jahren war Island von einem grossen Eisschild bedeckt, welches vermutlich weit über die Küsten hinaus reichte. Während des Klimaoptimums vor 3000-8000 Jahren lang die durchschnittliche Temperatur in Island 2 °C wärmer als im 20. Jahrhundert, was dazu führte, dass die Gletscher bis auf die Eiskappen an den Gipfeln fast vollständig verschwanden. Um 500 v. Chr. gab es in Island eine weitere Kälteperiode, bei der sich die Eiskappen wieder ausbreiten konnten. Vom Beginn der Besiedlung Islands (~847 n. Chr.) bis ins 13. Jahrhundert gab es eine weitere Wärmeperiode und man weiss aus den Sagas, dass man zwischen Teilen des heutigen Vatnajökull durchreiten konnte. Der grosse Gletscher entstand erst während einer kleinen Eiszeit, die vom Ende des 13. Jahrhunderts bis zum Ende des 19. Jahrhundert dauerte. Auch andere Eiskappen auf Island dehnten sich wieder aus.
Aktuell
Im Jahr 1890 endete die letzte kleine Eiszeit und die Gletscher zogen sich erneut zurück. Trotz der stetig steigenden Temperaturen in Island gab es eine kleine Unterbrechung in den Jahren zwischen 1960 und 1990, in denen das Abschmelzen der Gletscher stoppte. Die Flächenverluste der isländischen Gletscher waren dabei zwischen 1904 und 1945 am grössten. Seit dem Jahr 2000 verzeichnen die Gletscher erneut einen starken Verlust, der stetig zunimmt. Die Gletscherenden des Vatnajökull haben sich so seit 1890 um 1-4 Kilometer verkürzt und die Oberfläche seiner südöstlichen Gletscherzungen hat sich zwischen 1890 und 2010 um 150-270 Meter abgesenkt. Um die Gletscher vor dem Abtauen zu schützen gibt es einige Ansätze. Der kleine Gletscher Ok an der Kaldidalurstrecke im Westen ist bereits weggeschmolzen. Die Sommer 2021 und 2022 waren in Island unterdurchschnittlich kühl, was die Gletscher bestimmt zu schätzen wussten. Statistisch gesehen könnte die Erde bald wieder abkühlen und Island mit neuem Eis bedecken.
Aktivitäten rund um die Gletscher
In, auf und um die Gletscher herum kann man viele spannende Aktivitäten unternehmen. Wichtig ist jedoch, dass man, egal wie erfahren man ist, nur von einem lizenzierten, lokalen Guide geführt einen Gletscher betritt. Gletscher können gefährlich sein!
Eishöhlen
Jedes Jahr in den Wintermonaten entstehen in einigen Gletschern atemberaubende Eishöhlen. Diese Eishöhlengletscher sind Langjökull, der Kötlujökull (Auslassgletscher von Mýrdalsjökull), Breiðamerkurjökull und der Falljökull (Auslassgletscher von Vatnajökull). Die wohl bekannteste Eishöhle befindet sich am Fuss des Breidamerkurjökull. Die Kristalleishöhle ist durch ihre klare türkisblaue Farbe bekannt, die auch durch den Lichteinfall durch das recht dünne Eisdach so spektakulär aussieht. Sie kann in der Regel von November bis April besichtigt werden. Ebenfalls sehr beliebt ist die Katla Eishöhle im Kötlujökull, einem Auslassgletscher des Myrdalsjökull. Die recht neue Höhle besticht mit ihren einzigartigen Formationen und führt sogar zu einer zweiten Eishöhle. Diese Höhle kann ganzjährig bewundert werden.
Gletscher: Solheimajökull, Falljökull, Breidamerkurjökull, Langjökull (Eistunnel), Myrdalsjökull (Kötlujökull)
Schneemobil-Touren
Wer lieber etwas schneller über die Gletscher fahren möchte, kann eine Tour mit einem Schneemobil buchen. Bei den Schneemobil-Touren ist zu beachten, dass Personen zwischen 6 und 18 Jahren und Personen ohne Führerschein nur als Beifahrer mitfahren dürfen.
Gletscher: Vatnajökull, Langjökull, Myrdalsjökull, Eyjafjallajökull
Gletscherwanderungen
Wanderungen auf den isländischen Gletschern sind das ganze Jahr über möglich. Die beliebtesten Gletscher dafür befinden sich an der Südküste Islands. Hierzu zählen die Gletscherzunge Solheimajökull am Gletscher Myrdalsjökull und der Svinafellsjökull. Aber auch auf den anderen Gletschern werden viele Touren angeboten.
Gletscher: Falljökull (Vatnajökull), Eyjafjallajökul, Snaefellsjökull, Sólheimajökull (Myrdalsjökull), Svinafellskökull
Eisklettern
Wer noch ein bisschen Nervenkitzel möchte oder einfach gerne klettert, sollte das Eisklettern an Islands Gletschern ausprobieren. Die beliebtesten Gletscher zum Eisklettern sind der Svinafellsjökull und Solheimajökull. Obwohl auch das Eisklettern ganzjährig möglich ist, hat man im Winter zusätzlich die besondere Möglichkeit, an gefrorenen Wasserfällen zu klettern.
Gletscher: Vatnajökull, Solheimajökull (Myrdalsjökull), Svinafellsjökull
Eine grosse Auswahl an Ausflügen zu den Gletschern kann direkt bei uns gebucht werden– sprechen Sie uns an! Helikopterflüge sind sehr empfehlenswert, um die Gletscher von oben mit all ihren Strukturen zu sehen. Wir können Ihnen ein solches Erlebnis bei unseren Helikopter-Partnerfirmen vermitteln.
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