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Die neue Milchstrasse
28. Februar / 19:30 - 21:00kostenlos
Die neue Milchstrasse
Dr. Ortwin Gerhard, Max-Planck-Institut für Extraterrestrische Physik, Garching
Abstract:
Mittels Infrarotbildern lassen sich Sterne auch im staubverdeckten Inneren unserer Milchstrasse sichtbar machen. Der ESA Satellit GAIA vermisst Positionen und Geschwindigkeiten von mehr als einer Milliarde Sternen in unserer Galaxie dreidimensional und präzise.
Jeder Stern wird während der Missionsdauer etwa 70mal beobachtet, um alle Sterne rekord-genau in ein gemeinsames astrometrisches Referenzsystem einordnen zu können. Aus diesem riesigen Datenschatz lassen sich viele Geheimnisse der Milchstrasse entschlüsseln.
Heute wissen wir, dass die Milchstrasse eine Balkengalaxie ist, und dass ⅔ aller Sterne sich in der Balkenregion befinden und dort vor vielen Gigajahren entstanden sind. Wir können die Rotation des Balkens vermessen und den Einfluss des Balkens und der Spiralarme in der Verteilung der Sterngeschwindig – keiten sehen.
Auch die Dunkle Materie kann mit der Dynamik der Sterne besser bestimmt und verstanden werden. Aus den GAIA-Daten ergibt sich, dass vor etwa10 Gigajahren in einer gewaltigen Kollision mit einer Zwerggalaxie ein grosser Teil des Galaktischen Halos entstanden sein muss, und dass sich die rotierende Scheibe der Milchstrasse derzeit in Schwingungen befindet, die möglicherweise wieder durch den Einfall einer Zwerggalaxie verursacht wurden.
Zur Abbildung:
Die vertikale Verteilung der Sternbewegungen in der Sonnenumgebung zeigt unerwartete Strukturen. Trägt man Entfernung (Z) und Geschwindigkeit (Vz) senkrecht zur Ebene der Milchstrassenscheibe für Sterne in der Sonnenumgebung auf, entsteht dieses Spiralmuster. Eine Erklärung für dieses Muster sind Biegewellen in der Scheibe, die möglicherweise vom Balken der Milchstrasse oder von der Sagittarius-Zwerggalaxie angeregt wurden
Bild: Phase-space structure observed in the Solar vicinity with Gaia DR2 data (image by David Katz).