Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03569.jsonl.gz/1078

Dieser vom Rio Xingu durchquerte Nationalpark beherbergt, in seinem südlichen Teil, eine multikulturelle Zone, welche unter der Bezeichnung “Alto Xingu“ (Oberer Xingu) bekannt geworden ist und folgenden Indianervölkern zum gemeinsamen, von der Regierung protegierten Lebensraum geworden ist: Aweti, Kalapalo, Kamaiurá, Kuikuro, Matipu, Mehinako, Nahukuá, Trumai, Waura und Yawalapiti.
Abgesehen von ihren unterschiedlichen Sprachen, haben diese Stämme grosse Ähnlichkeiten in ihren Sitten und Gebräuchen sowie der Art und Weise, die Welt zu betrachten. Und inzwischen profitieren sie gegenseitig von einer Art Tauschmarkt (Moitará), auf dem ein in der Herstellung von Keramik versiertes Volk (Waura) zum Beispiel die besonders guten Bogen eines anderen Volkes (Kamayurá) eintauscht oder Spezialisten für das Flechten von Qualitätshängematten (Suyá) damit von den Spezialisten für Halsschmuck (Kalapalo) Halsbänder und Gürtel aus Schneckenhaus-Teilchen erhandeln. Darüber hinaus verbinden sich die einzelnen Stämme auch durch Heiraten und gemeinsam abgehaltene “inter-dörfliche“ Rituale untereinander. Trotzdem nimmt jede dieser Gruppen für sich in Anspruch, ihre besondere ethnische Identität zu bewahren, und wenn der wirtschaftliche und zeremonielle Austausch der “Gesellschaft des Oberen Xingu“ gefeiert wird, versäumen sie nicht, auch ihre individuellen Unterschiede herauszustellen.
Die übrigen Völker, welche sich im Schutzgebiet des Parks aufhalten – Ikpeng, Kaiabi, Suyá, Yudja – stehen ausserhalb dieses multikulturellen Verbrüderungsprozesses, auch, weil sie von ihrem eigenen kulturellen Hintergrund zu verschieden sind. Sie wurden in einigen Fällen weit weg von ihrer ursprünglichen Heimat und gegen ihren Willen innerhalb der Parkgrenzen angesiedelt – aus administrativen Gründen. Trotzdem gibt es auch unter ihnen häufig Heiraten, die unter anderem auch die gegenseitige Artikulation erleichtern.
Einer erst kürzlich ins Leben gerufenen Bewegung gelingt es, alle Völker des “Parque Indígena do Xingu“ in gemeinsamem Interesse zu vereinen. Das sind die “Organizações indígenas“ (eingeborene Organisationen) – vor allem die „Associação Terra Indígena do Xingu“ – welche sich als bedeutende Unterhändler mit der brasilianischen Gesellschaft etabliert haben und sich für Erziehungsprojekte, wirtschaftliche Alternativen und den Schutz der Indianer-Territorien einsetzen.
Unser vorliegender Text befasst sich mit eine allgemeinen Einführung zum Park und dem Oberen Xingu-Gebiet, vervollständigt durch eine beschreibende Übersicht eines jeden eingegliederten Indianervolkes.
Wo leben diese Indianer?
Im Nordosten des Bundesstaates Mato Grosso im Xingú-Nationalpark
Wieviele sind es?
14 eingeborene Völker, insgesamt 4.043 Personen (von 2005)
Welche Sprachen sprechen sie?
Trotz dem intensiven Austausch zwischen den unterschiedlichen Völkern des Parks, hat jeder Stamm seine persönliche Sprache beibehalten. In ihnen werden die folgenden Sprachfamilien repräsentiert:
Familie Tupi-Guarani: Kamayurá und Kaiabi (des Stammes Tupi)
Familie Juruna:(des Stammes Tupi): Yudjá oder Juruna (des Stammes Tupi)
Familie Aweti: Aweti (des Stammes Tupi, mit einer einzigen Sprache):
Familie Aruak: Mehinako, Wauja und Yawalapiti
Familie Karib: Ikpeng, Kalapalo, Kuikuro, Matipu und Nahukwá
Familie Jê: Suyá (des Stammes Macro-Jê)
Sprache ohne mögliche Identifikation in keiner Familie: Trumai
Portugiesisch wird als Kontakt-Sprache zwischen den verschiedenen Ethnien eingesetzt – es wird besser von den jungen und erwachsenen Männern verstanden und gesprochen. In letzter Zeit wächst die Zahl der Portugiesisch Sprechenden, und auch viele junge Frauen beginnen es zu sprechen und zu verstehen.
Heutzutage, durch eine grosse Zahl von Pisten, welche den PIX (Parque Indigena do Xingu) mit Städten und Fazendas der Umgebung verbinden, zirkulieren viele Indianer durch die Umgebung des Parks und machen von ihrer Sprachkenntnis Gebrauch für kommerzielle Transaktionen und für andere Arten der Relation mit der regionalen brasilianischen Bevölkerung. Auch durch den Fernseher, inzwischen fast in jedem Dorf vorhanden, erlernen sie die portugiesische Sprache. Ausserdem lehren die eingeborenen Lehrer sie in Portugiesisch zu schreiben und zu lesen, obwohl die Schulstunden in erster Linie in ihrer Eingeborenensprache gegeben werden.
Unter den Völkern des Oberen Xingu ist es durchaus normal, dass sie in mehr als einer Indianersprache kommunizieren können: sie verstehen die Sprache ihrer unmittelbaren Nachbarn, selbst wenn sie dieselbe nicht sprechen können – so kommt es immer wieder vor, dass Indianer unterschiedlicher Ethnien miteinander kommunizieren, indem jeder seine eigene Sprache benutzt, die der andere aber versteht. Zwischen den Kaiabi, Suyá und Yudjá gibt es ebenfalls eine gegenseitige Verständigung in der Sprache des Anderen, wegen des Zusammenlebens in demselben Gebiet und wegen der gegenseitigen Einheirat. Ausserdem, und das gilt für alle Dörfer des Parks, pflegen Kinder und Jugendliche die aus interethnischen Verbindungen hervorgegangen sind, beide Sprachen ihrer Eltern zu beherrschen. Und es gibt Jugendliche, die vier oder fünf Sprachen sprechen.