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Weshalb Ben Hur nun zum dritten oder vierten oder fünften Mal hat verfilmt werden müssen, lässt sich wohl nur finanziell erklären: Die Geschichte ist so präsent und so gut, dass sie geradezu danach schreit, noch mehr Geld zu generieren. Und entsprechend ist der Film dann auch herausgekommen.
Man soll ja nie neue mit alten Filmen vergleichen, aber wenn dasselbe draufsteht, dann wollen wir auch wissen, ob dasselbe drin ist. Kurz und gut: Ist es nicht. Natürlich zeichnet sich dieses Remake durch eine schlankere Linienführung aus und dauert nicht mehr drei Stunden, natürlich sind die Kampf- und Rennszenen technisch und dramaturgisch besser gemacht, natürlich stimmen auch die historischen Details viel besser als vor fast 60 Jahren. Und doch scheitert das Projekt daran, dass die Intention dessen, der die Geschichte geschrieben hat, völlig verfehlt ist.
Lew Wallace, ein amerikanischer General im Bürgerkrieg, hatte eines Tages genug vom Töten und Morden und wandte sich religiösen Themen zu. Dabei fand er zum Glauben an Gott und schreib Ben Hur, die Geschichte des Prinzen, der versklavt wird und nun Rache sucht. Der Clou der Geschichte besteht jedoch darin, dass die Geschichte Hurs mit der von Jesus verwoben wird. Die Grundfrage lautet entsprechend nicht, wer das Wagenrennen gewinnt, sondern wie Hass und Feindschaft überwunden werden können. Der alte Film von 1959 versucht diese Fährte aufzunehmen, indem Hur, nachdem sein Widersacher gestorben und er seine Rache erhalten hat, seine innere Leere nicht überwinden kann. Der Tod des Mörders ist keine Lösung. Befreiung von sich selbst findet er erst in der Begegnung mit Christus.
Diese Wendung spielt sich natürlich auch im neuen Film ab, aber so flach und nebensächlich, dass die Tiefendimension der Problematik gar nicht zum Tragen kommt. Und so bleibt der Film simpel: Juda Ben Hur, Fürst in Jerusalem, will sich nicht in die Befreiungskämpfe seines Volkes einmischen, weil er Freund des Friedens ist und zugleich auch noch von Massala, dem römischen Garnisonkommandanten. Es kommt zu Konfrontationen, im Verlauf derer Hur gefangen gesetzt und auf die Galeere verbannt wird, obwohl er nachweislich unschuldig ist. Massala, sein ehemaliger Freund, wird zum Feind. Hur entkommt der Galeere, findet Frau und Mutter wieder, schwört Rache und duelliert sich im Wagenrennen mit Massala. Er gewinnt, Massala ist verkrüppelt, Jesus stirbt, Hur weint, trifft sich mit Massala und versöhnt sich auf der Stelle. Ende gut, alles gut, die Schlussszene zeigt die ganze Familie happily ever after auf der Rücken von Pferden – kein grösseres Glück auf Erden.
Fazit: Wer es schmächtig mag und gleichzeitig blutig und waffenstarr, möge hingehen. Wer Tiefgang liebt, hat mehr davon, in seinen Keller hinabzusteigen. Das ist bereits tiefer als dieser Film.
Regie: Timur Bekamambetov
Cast: Jack Huston, Toby Kebbell, Morgan Freeman, Rodrigo Santoro, Nazanin Boniadi, Ayelet Zurer und Sofia Black D’Elia
Dauer: 123 Minuten
Kinostart: 1. September 2016
Sprachversion Edf
3D
Bildrechte: Universal Pictures