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Die Beratungsstelle Amphibien (karch) wird häufig mit der Frage konfrontiert, wie man Amphibien im Privatgarten oder in einem neu angelegten Weiher aktiv ansiedelt, und wo man die dazu notwendigen Tiere erhält. Eine aktive Ansiedlung dieser Tiere ist aber aus vielerlei Gründen nicht sinnvoll, und es kann sogar Schaden anrichten. Gleiches gilt für zwar gut gemeinte, aber häufig wenig reflektierte Umsiedlungen oder Aussetzungen von Tieren. Die karch lehnt solche Aktionen strikte ab.
Welche Gründe sprechen gegen absichtliche An- und Umsiedlungsversuche von Amphibien?
- Die Entnahme von Tieren aus einer Population kann diesen Bestand schädigen. Die Entnahme von Amphibien aus der Natur ist verboten oder erfordert eine durch die kantonale Naturschutzfachstelle erteilte Ausnahmebewilligung.
- Der neue Standort ist möglicherweise für die Tiere ungeeignet. Ob Amphibien einen Lebensraum besiedeln können, entscheidet sich gemäss dem Minimumgesetz. Wenn beispielsweise zu wenig oder die falsche Nahrung vorhanden ist, können die Tiere am neuen Ort nicht überleben, auch wenn sonst alle Bedingungen optimal erfüllt sind. Vielleicht fehlt es an geeigneten Winterquartieren oder Laichplätzen. Vielleicht ist die zur Verfügung stehende Fläche nicht ausreichend gross. Ein schöner Naturgarten mit Trockenmauer und Holzhaufen genügt nicht, um eine vitale Amphibienpopulation zu beherbergen. Häufig ist es für den Menschen nicht möglich, die Qualität und Eignung eines Amphibienlebensraumes objektiv zu beurteilen.
- Viele Amphibienarten zeigen einen starken Homing-Effekt (Rückkehr zum Fangort). Sie kennen ihren angestammten Lebensraum sehr gut, und sie wissen, wo die wichtigen Ressourcen zu finden sind (Winterquartiere, Paarungsplätze, Laichgewässer, Nahrung etc.). Werden die Tiere aus ihrem angestammten Lebensraum entfernt, versuchen sie so rasch wie möglich, dorthin zurückzukehren, oder sie irren umher und gehen zugrunde.
- Amphibien sind auch innerhalb einer Art genetisch an bestimmte Standortbedingungen angepasst (Klima, Nahrung etc.). Diese Anpassung wirkt an einem anderen Standort möglicherweise nicht. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer genetischen Vermischung mit Individuen derselben Art, die an die lokalen Standortbedingungen angepasst sind. So geht wichtige genetische Information verloren, die für die Überlebenstüchtigkeit der Tiere von Bedeutung ist.
- Das Um- oder Ansiedeln von Amphibien birgt immer das Risiko von Krankheitsverschleppungen, die unabsehbare Folgen haben können. Ein Beispiel dafür ist die Chytridiomykose, eine Pilzerkrankung bei Amphibien, die Massensterben verursachen kann. Es ist von grosser Wichtigkeit, dass derartige Keime nicht durch menschliches Zutun verbreitet werden.
- Die absichtliche Einführung von Amphibien kann auch die bereits im Gewässer vorhandene Biodiversität durch Konkurrenz oder Prädation beeinträchtigen.
Die Beratungsstelle Amphibien (karch) bittet deshalb DRINGEND, von Ansiedlungs- und Umsiedlungsversuchen mit Amphibien abzusehen. Der Schaden und das Risiko, das von solchen Aktionen ausgeht, ist in aller Regel ungleich grösser als deren Nutzen. Auch wenn gut gemeinte und ehrenwerte Absichten dahinterstehen: Aus naturschutzbiologischer Sicht sind solche Aktionen sinnlos oder sogar gefährlich.
Natürliche Besiedlung fördern
Private Naturgärten oder kleine kommunale Naturschutzgebiete können Mosaiksteine innerhalb eines grösseren Verbundes von Teillebensräumen für bestimmte Arten sein. Wer hier Amphibien fördern möchte, überlegt sich am besten, welche Arten vorkommen können, welche Lebensraumansprüche diese Arten haben, und wie man diesen am einfachsten gerecht werden kann. Entsprechend pflegt oder gestaltet man die zur Verfügung stehenden Flächen, wo es Sinn macht. Die Merkblätter der karch helfen Ihnen dabei. Vielleicht kann zusätzlich die Vernetzung dieser Flächen verbessert werden, vielleicht zu einem bestehenden Feuchtgebiet oder einem Waldrand? Das erleichtert die natürliche Einwanderung von Arten in die neuen oder aufgewerteten Habitate.
Naturnahe Privatgärten, Gartenteiche oder vergleichbare Kleinstlebensräume werden von Amphibien häufig spontan und oft erstaunlich rasch besiedelt, wenn deren Qualität und Ausdehnung genügen, und wenn deren Vernetzung einigermassen gewährleistet ist. Wenn man Amphibien an einem Ort ansiedelt, den sie nicht von allein erreichen können, so schafft man eine isolierte Population. Wenn keine natürliche Besiedlung erfolgt, so eignet sich der Lebensraum wahrscheinlich nicht für Lurche, kann aber für viele andere Tierarten ein Refugium darstellen. Haben Sie deshalb bitte Geduld und freuen Sie sich, wenn eines Tages von allein Molche oder Frösche in Ihren Garten einwandern. Und akzeptieren sie es bitte auch, falls sie das nicht tun sollten. Herzlichen Dank!
Wohin mit «störenden» Fröschen?
Wer einen schönen, mit Seerosen bepflanzten Gartenweiher anlegt und alsbald feststellen muss, dass die ersehnte Ruhe an diesem Idyll dem lautstarken, nächtlichen Konzert von quakenden Wasserfröschen gewichen ist, hat sich die Frage «wohin mit störenden Fröschen?» sicher schon mal gestellt.
Sollten Sie sich mit solchen Gedanken beschäftigen, finden Sie im folgenden Beitrag die juristische Ausgangslage sowie zahlreiche Tipps, um trotzdem zu Ihrer Nachtruhe zu kommen oder um allfällige, daraus entstandene Nachbarschaftskonflikte zu besänftigen: Wie bringe ich die Frösche zum Schweigen?