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Amerikanisches Englisch oder britisches Englisch bei Webtexten
Die Nutzer achten auf Details im Schreibstil einer Website und sie bemerken es, wenn Sie das falsche Englisch verwenden.
by Jakob Nielsen (deutsche Übersetzung) - 01.12.2008
Es gibt viele Unterschiede zwischen amerikanischem und britischem Englisch, zum Beispiel
- in der Rechtschreibung: color oder colour, behavior oder behaviour, theater oder theatre
- beim Wortschatz: truck oder lorry, cart oder trolley, two weeks oder a fortnight
- in der Bedeutung: was zum Beispiel ist football: American Football, Soccer oder (für die ganz Harten) Aussie-Fussball?
- beim Slang: Nennen Sie diesen Sport footie?
- bei Abkürzungen: Wissen die Leser, dass PA für Pennsylvania steht? Wenn nicht, leben sie ausserhalb der USA.
Welche Version des Englischen sollte man also auf seiner Website nutzen? Darauf gibt es keine einfache Antwort, aber Usability-Studien liefern zwei sichere Einsichten:
- Die Sprache zählt. Die Nutzer merken, wenn eine Website ein anderes Englisch verwendet, als sie selbst gewohnt sind.
- Manche Nutzer nehmen dann einfach an, dass die Website mit Tippfehlern, Schreibfehlern und verdrehten Wörtern gespickt sei, was ihre Glaubwürdigkeit ein gutes Stück weit reduziert.
- Andere Nutzer erkennen, dass die Website ein anderes Englisch benutzt. Diese Nutzer denken nicht, dass die Website schlecht gemacht sei; sie nehmen aber an, dass sie im Ausland sitzt und nicht zu ihnen passt.
- Seien Sie konsistent. Entscheiden Sie sich für eine Variante und bleiben Sie dabei. Wenn die Stile wechseln, verwirrt das jeden und signalisiert mangelhafte Aufmerksamkeit für das Detail.
Davon abgesehen kann ich nur eine sichere Empfehlung abgeben: Wenn Ihre Website in einem ganz bestimmten englischsprachigen Land angesiedelt ist und Sie nichts dagegen haben, wenn sie als lokale Website dieses Landes angesehen wird, verwenden Sie die Variante dieses Landes. Eine US-amerikanische Website sollte amerikanisches Englisch verwenden, eine britische Website britisches Englisch. Dementsprechend sollten Websites, die in Australien oder anderen Commonwealth- Ländern sitzen, die vorwiegend britisches Englisch sprechen, diese Variante nutzen.
Internationale Websites
Probleme entstehen in zwei Fällen:
- Wenn Ihre Website in einem englischsprachigen Land sitzt, Sie aber wollen, dass sie als internationale Website gesehen wird.
- Das Ziel dabei ist, über die Grenzen hinauszugehen und nicht einfach nur ausländische Kunden zu bedienen. Zum Beispiel verärgert die Website eines Hotels in Las Vegas britische Touristen nicht, wenn sie in amerikanischem Englisch geschrieben ist. Auch eine Website, die Original Schottenstoff verkauft, wird keine amerikanischen Kunden verlieren, wenn sie britisches Englisch verwendet. Im Gegenteil: Wenn Sie lokale Produkte repräsentieren, vergrössern Sie durch die lokale Sprache die Authentizität Ihrer Claims.
- Kanadische Websites, die hauptsächlich den amerikanischen Markt im Auge haben, sollten amerikanisches Englisch verwenden, wenn sie nicht die Tatsache betonen wollen, dass sie im Ausland sitzen. (Das kann ein verkaufsfördernder Punkt sein, aber die meisten amerikanischen Nutzer sehen das eher negativ.)
- Wenn Ihre lokale Sprache nicht Englisch ist und Sie eine internationalisierte Version Ihrer Website für ausländische Kunden brauchen. (Idealerweise sollten Sie eine lokalisierte Version für jedes Land produzieren, in dem Sie Kunden haben, aber meist ist das nicht realisierbar; normalerweise haben Organisationen eine einzige englischsprachige Website, um Kunden aus vielen Ländern zu bedienen. Beachten Sie meinen früheren Artikel über Richtlinien zur Internationalisierung jenseits der Sprache.)
In diesem Fall hängt vieles vom Kontext der Website ab. Zum Beispiel ist mir während meiner jüngsten Seminare in Europa folgender Fall begegnet: Eine skandinavische Universität wollte ausländische Studenten anwerben und hatte deshalb eine englischsprachige Version ihrer Website. Sollte sie dafür nun amerikanisches oder britisches Englisch verwenden? Das hängt davon ab, wer die Hauptzielgruppe ist und wer der hauptsächliche Wettbewerber. Wenn die potenziellen Studenten hauptsächlich aus Europa stammen und britische Universitäten die Hauptwettbewerber sind, sollte die Website in britischem Englisch geschrieben sein. Wenn die Hauptzielgruppe amerikanische und asiatische Studenten sind, sollte die Website in amerikanischem Englisch geschrieben sein. Dementsprechend sollte die skandinavische Website, wenn amerikanische Universitäten die Hauptwettbewerber sind, amerikanisches Englisch verwenden. Warum? Weil die potenziellen Studenten beim Suchen nach der Website die gleichen Begriffe verwenden, die sie auf anderen Websites gesehen haben, und wenn Sie die gleiche Sprachvariante nutzen, wird das ihre Suchmaschinen-Optimierung verbessern.
Gesprochenes Englisch
Die Richtlinien für gesprochenes Englisch, wie es in Videos oder Podcasts vorkommt, sind klarer und lauten wie folgt:
- Das Englisch der Queen ist schick und wird weltweit bewundert. Verwenden Sie die "traditionelle Aussprache", wie es die BBC früher getan hat und man wird Sie überall auf der Welt verstehen. Aber sprechen Sie kein Oberklassen-Englisch, wenn es Ihr Ziel ist, Wal-Mart im Preis zu unterbieten.
- Die amerikanischen Akzente des Mittleren Westens oder des Nordostens werden ebenfalls von internationalen Nutzern leicht verstanden und haben weniger elitären Beigeschmack.
- Britische regionale Dialekte wie Schottisch, Irisch, Walisisch und Nordenglisch sind für Ausländer schwer zu verstehen (und Cockney ist unmöglich). Sprechen Sie also nicht so, wie die BBC es heutzutage tut :-)
- Die meisten anderen Akzente wie zum Beispiel Texanisch oder Australisch haben einen stark regionalen Beigeschmack, was positiv oder negativ wirken kann, je nach Ihrer Marke. Wenn sie nicht sehr stark sind, sind diese Akzente normalerweise für Ausländer nicht so schwer zu verstehen wie die britischen regionalen Akzente.
Sprache = Stimme
Ob Sie amerikanisches oder britisches Englisch nutzen, beeinflusst definitiv den Stil Ihrer Website. Am Ende kommt es also darauf an herauszufinden, welcher Stil am besten zu Ihnen und Ihren Kunden passt. Die Antwort ist nicht leicht, aber die Entscheidung müssen Sie treffen; die Nutzer merken es auf jeden Fall, wenn Ihr Ton daneben liegt.
© Deutsche Version von Jakob Nielsens Alertbox. Institut für Software-Ergonomie und Usability AG. Alle Rechte vorbehalten.