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15/08/17
Die Zukunft beginnt jetzt
Haben Sie die Amazon Go Werbung gesehen (link zum Video)? Sie zeigt, wie die Einzelhandelsbranche in der Zukunft aussehen kann: Fahrerlose LKWs, die Produkte an Lagerhäuser liefern, welche von einem Computersystem vorbestellt werden, das auf der automatisierten Überwachung von Einkaufsregalen basiert. Danach füllen Roboter die Regale mit den benötigten Produkten, gestützt auf Algorithmen, die die richtige Positionierung vorgeben. Kunden nutzen Self-Service-Checkouts oder laufen einfach nur an der Kasse vorbei, wobei der Einkauf direkt abgebucht wird. Geräte empfehlen dem Konsumenten Produkte durch personalisierte Werbung und er erhält dazu Bewertungen über Bild- und Logo-Erkennung. Amazon meint es ernst damit: Im Juni 2017 wurde Whole Foods gekauft, um eine physische Präsenz zu schaffen und das Konzept Realität werden zu lassen.
Was erwartet uns?
Frey und Osborne schätzen, dass 47% der Beschäftigten in den USA Gefahr laufen, den Job zu verlieren1, was darauf hinweist, dass die Automatisierung in allen Branchen schnell voranschreitet. Gemäss McKinsey2 werden ca. 50% der Arbeitsplätze automatisiert, was zu einem revolutionären Trend im Dienstleistungssektor führt, dessen Auswirkungen mit der industriellen Revolution des 19. Jahrhunderts vergleichbar sind. Die Trends bei der Arbeitsplatzreduktion im Dienstleistungssektor zeigen sich bereits heute in den USA: Ab 2011 (siehe Abbildung 1) sind die Arbeitsplatzverluste im Dienstleistungssektor höher als in der Industrie.
Source: Bureau of Labour Statistics
Tabelle 1: Top 10 Sektoren mit der grössten Jobverlusten: Dienstleistung vs. Industrie
Massive Fortschritte in der Technik sind auch für das schleppende Beschäftigungswachstum in der US-Fertigung in den letzten 15-20 Jahren verantwortlich. Es ist bemerkenswert, dass die schwache Beschäftigung vom Produktivitätswachstum entkoppelt ist. In den USA ist die Produktivität seit 20003 robust, was auf eine Effizienzsteigerung der Unternehmen hindeutet. Die anfälligsten Aktivitäten für die Automatisierung sind körperliche Handlungen in planbaren und strukturierten Umgebungen sowie die Datenerfassung und -verarbeitung. Deshalb werden Anwendungen der künstlichen Intelligenz sich vor allem in der Verwaltung, im Transport, im Einzelhandel und in der Fertigung am schnellsten verbreiten.
Fig 2. Beschäftigungsarten mit höchstem Automatisierungspotential
Source: McKinsey Global Institute, Bloomberg
Einige unerwartete Gewinner
Jeff Bezos ist sicher ein Star und Amazon ist führend bei der Einzelhandelsrevolution. Das Unternehmen hat die meisten Prozesse automatisiert (Preisgestaltung, Versand, Lagerung etc.), mehr als 15.000 Roboter bewirtschaften die Lagerhäuser. Aus diesem Grund kann Amazon 316 Millionen Produkte zum Verkauf bringen (Walmart vertreibt 17 Millionen Produkte), täglich mehr als 20 Millionen Kunden bedienen und das bei hohen und steigenden Bruttomargen. Das ist auch der Grund für die hohe Bewertung (Price/ Sales von 3 (es ist bedeutungslos, auf das PE zu schauen, weil wegen der starken Expansion keine Gewinne vorhanden sind)).
Wer sind die anderen? Unternehmen mit einer grossen Mitarbeiterbasis und hohen Personalkosten können Gewinner der Gesamtautomatisierung sein, weil ihr Produktivitäts- und Rentabilitätswachstumspotenzial enorm sind. Wal-Mart , zum Beispiel, beschäftigt weltweit mehr als 2 Millionen Mitarbeiter, was mit 70 Mrd. USD Personalkosten zu Buche schlägt. Wenn das Unternehmen seine Belegschaft um 20% reduzieren kann (was realistisch ist), würde es einen Anstieg des Betriebsgewinns um 60% erreichen. Oder die Deutsche Post: Sie beschäftigt fast 0,5 Millionen Mitarbeiter und erfreut sich eines zusätzlichen Rückenwinds aus dem Online-Einzelhandel. Eine 20%-ige Kürzung der Belegschaft würde das operative Ergebnis verdoppeln. Natürlich muss man Implementierungs- und Technologiekosten aufrechnen, aber die Einsparungen könnten immer noch enorm sein.
Die folgende Liste enthält ausgewählte Unternehmen aus Branchen, in welchen unserer Meinung nach die potenziellen Vorteile der Automatisierung am höchsten sind:
Source: Hérens Quality Asset Management
Ein interessanter Fall sind auch Sicherheitsfirmen wie G4S und Securitas, beide zahlen einen grossen Anteil des Umsatzes an ihre Mitarbeiter aus. Aber die Frage ist, ob sie wirklich Mitarbeiter reduzieren können, da physische Präsenz das eigentliche Kernprodukt einer Sicherheitsfirma ist.
Schlussfolgerungen
Die grossen fünf sind in aller Munde: Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google sind zweifellos die Innovationsführer hinsichtlich der Automatisierung. Diese Unternehmen haben zudem in den letzten Jahren einen enormen Mehrwert für die Aktionäre geschaffen. Aber manchmal ist es sinnvoll, die Zahlen systematisch zu betrachten und darüber nachzudenken, welche Unternehmen von diesem Trend profitieren und diejenigen Unternehmen mit den grössten Chancen zu identifizieren, welche vom Markt noch übersehen werden. Selbstverständlich ist die hier vertiefte Analyse „nur“ ein Aspekt des Gesamtbildes, welches unbedingt noch mit einer weiterführenden Qualitäts- und Bewertungsanalyse zu ergänzen ist.
Sources:
1.Frey C.B., Osborne M.A. (2013). The future of employment: how susceptible are jobs to computerisation. Oxford Martin School, University of Oxford.
2.Wheremachines can replace humans. McKinsey Global Institute,
https://public.tableau.com/profile/mckinsey.analytics#!/vizhome/InternationalAutomation/WhereMachinesCanReplaceHumans
3.Rotman D., Brynjolfsson E., McAfee A. (2013). How technology is destroying jobs. MITtechnology Review.