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Heinrich Kunz wurde 1793 in Oetwil am See als Sohn eines Handwebers und Bauern geboren. Nach der Schule absolvierte er eine Handelslehre in einer Baumwollspinnerei im Elsass. Da wegen der Kontinentalsperre die englischen Garnlieferungen ausfielen, konnte Heinrich Kunz seinen Vater anhand von genauen Kostenberechnungen und Maschinenplänen veranlassen, im Dachboden seines Heimwesens 700 Handspindeln aufzustellen. Ende 1811 kehrte Heinrich Kunz nach Hause zurück und übernahm selbst sie Leitung der Spinnerei. Er erkannte bald, dass mit Wasserkraft anstelle des bisherigen Handbetriebes ein billigeres und qualitativ besseres Garn hergestellt werden könne.
1827 legte Heinrich Kunz in Windisch den Grundstein seines Spinnereiimperiums. Er besass an anderen Standorten weitere Spinnereien, doch auf Grund der immer zur Verfügung stehenden Wasserkraft, soll Windisch zu seiner Zeit einer der grössten Spinnereibetriebe auf dem Kontinent gewesen sein. Deshalb wurde Heinrich Kunz Mitte des 19. Jahrhunderts auch «Spinnerkönig» genannt. Heinrich Kunz war ein knallharter Unternehmer. Seine Arbeiter in Windisch mussten sechs Tage pro Woche und 14.5 Stunden pro Tag arbeiten. Auch Kinderarbeit war unter dem strengen Patron gang und gäbe. Der Name des Fabrikpioniers wurde häufig vom Adjektiv «berühmt-berüchtigt» begleitet.
Um 1900 beschäftigte die Spinnerei Kunz in Windisch über 1'500 Leute. Zu dieser Zeit war die Spinnerei Kunz das grösste Industrieareal der Schweiz. Nach verschiedenen Eigentümerwechseln übernahm 1941 das Industrieunternehmen Oerlikon Bührle die gesamte Kunz-Gruppe und damit auch den Standort Windisch. Der Zenit der Spinnerei Kunz war zu diesem Zeitpunkt aber bereits überschritten. Der Strukturwandel und der damit verbundene Niedergang der Spinnerei Kunz in Windisch waren unaufhaltbar. Nach mehreren Besitzerwechseln und gescheiterten Rettungsversuchen schloss die Spinnerei ihre Tore im Jahr 2000 endgültig.