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Die 75. ordentliche Generalversammlung der SairGroup hat wenige Minuten nach 15 Uhr begonnen. Mario Corti gab den Verlauf bekannt und erklärte, dass das EWR-Nein des Schweizer Stimmvolkes von 1992 weitgehende negative Folgen für die Fluggesellschaft hatte. Die Kleinaktionäre erwarten klare Signale.Dieser Inhalt wurde am 25. April 2001 - 17:21 publiziert
Die Generalversammlung (GV) des Flugkonzerns SAirGroup wird mehrere Stunden dauern. Viele Fragen seien noch offen, die er eingehend beantworten wolle, sagte am Mittwoch zur Eröffnung der GV Verwaltungsratspräsident Mario Corti. Zur GV erschienen weniger Aktionäre als erwartet. Anwesend sind deutlich weniger als 10'000 Personen. Gerechnet hatte man mit mehr als 11'000 Aktionären.
Mario Corti begrüsste namentlich unter anderem den Ehrenpräsidenten Armin Baltensweiler sowie die früheren Verwaltungsrats-Präsidenten Hannes Goetz und Eric Honegger und den Vertreter des Bundes, Peter Siegenthaler.
Erläuterungen zur Vergangenheit
In einem Rückblick orientierte Corti die Aktionäre zunächst aus der Sicht des Verwaltungsrats darüber, wie es zum Debakel der SAirGroup kam. Er begann mit dem Nein des Stimmvolks zum EWR am 6. Dezember 1992 und der dadurch entstandenen Diskriminierungen für die Swissair.
Der Verwaltungsrat habe sich damals von drei möglichen Varianten - Alleingang, Aufbau eines Airlineverbunds in Konkurrenz zu Lufthansa, British Airways und Air France sowie Verkauf der Swissair an eine ausländische Fluggesellschaft - für jene des eigenständigen Verbunds unter Leitung oder massgeblichem Einfluss der Swissair entschieden.
Alcazar
Corti erwähnte das 1993 gescheiterte Projekt Alcazar eines Zusammenschlusses mit KLM, SAS und AUA. Diese bahnbrechende Idee sei unter anderem an der Wahl des US-Partners gescheitert. Aber die Zeit sei damals auch nicht reif gewesen, sei doch das Projekt sogar durch einen Bundesrat kritisiert worden. Corti spielte damit auf die Opposition des damaligen Verkehrsministers Adolf Ogi an.
Der SAir-Chef schilderte anschliessend den Aufbau der so genannten Dual-Strategie mit dem zweiten Pfeiler der flugverwandten Aktivitäten neben dem Fluggeschäft. Der Verwaltungsrat sei sich von Anfang an der Risiken dieser Strategie bewusst gewesen. Corti lobte ausdrücklich die Leistungen von Philippe Bruggisser, der 1996 die operative Führung übernommen und 1997 zum Konzernchef ernannt worden war.
Er erinnerte an die Rekordergebnisse in den Jahren 1997 und 1998 sowie den vom Verwaltungsrat genehmigten Beschluss zur Hunter-Strategie von Anfang 1998. Durch Allianzen habe man das Ziel erreichen wollen, Swissair, Sabena und AUA zu einem attraktiven Partner für eine US-Airline zu machen.
Trotz Risiken Genehmigung der Hunter-Strategie
Der Verwaltungsrat habe damals auch Alternativen geprüft, so einen Zusammenschluss mit British Airways. Trotz den Risiken und des grossen Ressourcenbedarfs sei die Hunter-Strategie genehmigt worden. 1999 sei zwar ein schlechteres Jahr gewesen; der Ertragsrückgang sei aber geringer gewesen als bei vielen anderen Airlines.
Die Probleme begannen sich laut Corti im Frühling 2000 zu akzentuieren, als der Verwaltungsrat durch die Verschlechterung der Ertragslage bei der deutschen LTU alarmiert worden sei. Deshalb sei eine eingehende Überprüfung der Hunter-Strategie angeordnet worden.
Im Sommer seien weitere Akquisitionen gestoppt worden, nachdem sich die Lage in Frankreich dramatisch verschlechtert habe. Der Verwaltungsrat habe einräumen müssen, dass die Hunter-Strategie gescheitert sei und sich deshalb im vergangenen Januar von Bruggisser getrennt.
Grundsatzreferat von Corti
Noch vor dem Traktandum und den Wahlen will Corti sein Grundsatzreferat zur Zukunft der Swissair halten. Dieses Vorgehen soll den Aktionären ausreichende Informationen vor den entscheidenden Abstimmungen ermöglichen. Corti gab bekannt, dass auf Grund dieses Vorgehens zwei Ordnungsanträge, darunter von Hans-Jacob Heitz von der Schutzvereinigung, zum Ablauf der GV zurückgezogen worden sind.
Kleinaktionäre erwarten klare Signale von SAir-Führungscrew
Die Kleinaktionäre der SAirGroup erwarten von der Führungsspitze des Flugverkehrskonzerns weitere klare Signale. Die Aktionäre rechnen mit klaren Antworten auf die noch offenen Fragen, sagte der Vertreter der Kleinaktionäre, Hans-Jacob Heitz.
Zwei Fragen stünden dabei im Vordergrund: die Sanierung der SAirGroup mit Hilfe der Banken und die künftige Strategie. «Es muss deutlich werden, wohin die Reise mit der Swissair in Zukunft geht», sagte Heitz.
So erwarteten die Aktionäre Antworten auf die Frage, was mit den Beteiligungen in Frankreich (AOM, Air Liberté und Air Littoral) sowie in Belgien (Sabena) geschehen werde. «Hier und jetzt ist der Ort, um alle Karten auf den Tisch zu legen», sagte Heitz. Noch offen ist laut dem Winterthurer Rechtsanwalt, ob er mit seinem Antrag auf Sonderprüfung durchkommen wird.
Banken als Zünglein an der Waage
Entscheidend werde das Stimmverhalten der Banken und Pensionskassen sein. Er habe von den Banken die Zusicherung erhalten, dass jene Depotstimmen, bei denen der Aktionär keine Weisung für das Stimmverhalten gegeben habe, ruhen werden.
swissinfo und Agenturen
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