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Laissez-moi
Regie: Maxime Rappaz
Darst.: Jeanne Balibar, Thomas Sarbacher, Pierre-Antoine Dubey, Véronique Mermoud, Adrien Savigny, Martin Reinartz, Alexia Hébrard, Marie Probst, Yvette Théraulaz u.a.
Sommer 1997: Jeden Dienstag fährt Claudine mit Postauto, Regionalzug und Seilbahn aus ihrem Dorf im Unterwallis in die Berge. In einem Hotel am Fuss der Grande-Dixence-Staumauer hat die alleinerziehende Mutter eine Vereinbarung mit dem Rezeptionisten: Der junge Mann weist sie diskret auf diejenigen Männer hin, die allein und nur für kurze Zeit im Hotel weilen. Claudine spricht jeweils einen von ihnen unverblümt an – um wenig später mit ihm in seinem Hotelzimmer unverbindlichen Sex zu haben. Sie gönnt sich diese kurzen Auszeiten, denn als Inhaberin einer kleinen Schneiderei und als liebevolle, alleinerziehende Mutter eines behinderten Sohnes im Teenageralter fehlt ihr, wie sie glaubt, die Zeit für eine Beziehung. Die Begegnungen mit den Männern nutzt Claudine, um etwas über deren Herkunftsorte zu erfahren. Sie verarbeitet diese Informationen in Briefen an ihren Sohn Baptiste, die ihn glauben machen, sie stammten von seinem Vater, der sich auf einer langen Reise befinde … Der berührende Erstling des 1986 in Genf geborenen Maxime Rappaz ist mit Jeanne Balibar und Thomas Sarbacher prominent besetzt und verrät in seiner eleganten Inszenierung die Handschrift eines talentierten und vielversprechenden Newcomers. Behutsam und zärtlich folgt der Regisseur den Wegen seiner Protagonistin, die ihren Alltag still und würdevoll meistert. Seine Weltpremiere feierte «Laissez-moi» im Mai 2023 in Cannes in der Sektion Acid; Anfang dieses Jahres wurde er für den Schweizer Filmpreis nominiert, der am 22. März vergeben wird. Marine Guillain schreibt auf cineman.ch: «Maxime Rappaz wählte zuerst den Schauplatz aus, bevor er sein Drehbuch schrieb. Der Staudamm Grande-Dixence im Val d’Hérens wird dabei zu einer eigenständigen Figur, wobei die Walliser Landschaften keineswegs wie eine Postkarte gefilmt sind, die Claudine ihrem Sohn schicken würde. Ganz im Gegenteil, sie vermitteln den Eindruck einer eigenen Welt, ein wenig geheimnisvoll und zeitlos. Im Laufe des Films vollzieht die mutige Claudine einen persönlichen Werdegang, den Maxime Rappaz mit viel Feingefühl und Sachlichkeit filmt. Melancholie umhüllt das Publikum, während die 50-Jährige langsam gewisse Opfer und die Einsamkeit, in der sie sich eingerichtet hat, in Frage stellt.»