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Bambus ist eine immergrüne Pflanze, sie verliert also nicht, wie unsere
einheimischen Laubbäume, die Blätter im Herbst und treibt im Frühling
neue aus. Bambusblätter bleiben grün am Halm, auch bei tiefen
Temperaturen. Es gibt allerdings einige Arten, bei denen im Herbst ein
Teil der Blätter gelb wird, aber zwischen den grünen Blättern hängen
bleibt. Bambus ist eine sehr widerstandsfähige und vitale Pflanze.
Selbst wenn Halme und Blätter total geschädigt werden, erholt sich die
Pflanze in der Regel wieder, auch wenn dies Jahre dauert. Nach der
Zerstörung von Hiroshima durch Kernwaffen waren die grünen Halmedes
Bambus das erste, was wieder zum Leben erwuchs.
Bambus hat aber noch eine andere Eigenschaft, die ihn von unseren
heimischen Bäumen und Sträuchern unterscheidet. Der junge Trieb kommt
bereits in der Dicke aus dem Boden, den das hochgewachsene Bambusrohr
sein Leben lang, und dies dauert immerhin etwa zehn Jahre, beibehalten
wird. Bambus hat also kein Dickenwachstum wie etwa der Baum, dessen
Stamm jedes Jahr sichtlich etwas dicker wird.
Grundsätzlich besteht eine Bambuspflanzung aus folgenden Teilen:
Dem unterirdischen Rhizom, dem Halm und den Zweigen. Alle diese Teile
sind nach demselben Prinzip aufgebaut: Sie bestehen aus Segmenten (Internodien)
, die durch Knoten (Nodien) abgeschlossen sind. Die Internodien können,
wenn sie sich einmal gestreckt haben, nicht mehr weiterwachsen. Die
Nodien sind ein massives Gewebestück, das aus dem Scheidenring, dem Auge
und dem Knotenring besteht. Der Scheidenring ist beim Halm die
Ansatzstelle für die Halmscheide oder das Laubblatt, das sich wiederum
jeweils aus Scheide und Spreite zusammensetzt. In der Scheide sind
Wachstumshormone eingeschlossen, die das schnelle Wachstum der
Internodien ermöglichen. Aus dem Auge entwickelt sich eine neue
Verzweigung. Der Knotenring ist die Ansatzstelle für die Wurzeln beim
Rhizom, beim Halm bilden sich hier die Knospen für die Zweige, die
ihrerseits wiederum nach demselben Prinzip gebaut sind. Die Spreiten der
Hüllblätter bei den Zweigen sind die Blätter des Bambus.
Der Bauplan von unter- und oberirdischem Teil des Bambus ist also
weitgehend identisch. Entsprechend verläuft auch das Wachstum: Sind die
Halme auf volle Länge gewachsen, entwickeln sich die Zweige und Blätter.
Ist dies beendet, bilden sich bereits schon wieder die Augen für neue
Rhizomteile und Halme, Knospen für neue Zweige und Wurzeln.