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«Im Studium der Geldwirtschaft, mehr als in jedem anderen Feld der Ökonomie, wird Komplexität dazu gebraucht, um die Wahrheit zu verbergen, oder der Wahrheit auszuweichen, nicht um sie offenzulegen.» John K. Galbraith, 1975
Seit 15 Jahren schreibe ich für deutsche Wirtschaftszeitungen über die Notenbanken und die Finanzmärkte. Knapp zehn Jahre hat es gedauert, bis ich allmählich merkte, dass ich gar keine Ahnung von den tieferen Zusammenhängen hatte und nur an der Oberfläche herumkratzte. Das war auch kein Wunder. Schliesslich bin ich promovierter Volkswirt und als solcher durch eine lange Schule der Desinformation gegangen über alles, was mit Geld zusammenhängt. Wer Ökonom werden und sich mit Geld befassen will, muss diese Schule durchlaufen. Fast alle Wirtschaftsjournalisten und Wirtschaftspolitiker haben sie hinter sich.
Die Lehrbücher folgen dem oben zitierten Spruch von John K. Galbraith. Sie nutzen unnötige Komplexität, gepaart mit falschen Begriffen, um ihren arglosen Lesern eine naive Vorstellung vom Geld- und Bankensystem einzuimpfen. Den Notenbankern gefällt es, und sie bestätigen das Publikum in seiner naiven Sicht. In den Wirtschaftsmodellen, die die führenden Wirtschaftsforscher und die Notenbanken benutzen, spielt Geld keine Rolle. Es wird als Schleier über dem behandelt, was wirklich interessiert.
In der naiven Sicht der Lehrbücher sind Banken Finanzvermittler, die das Geld der Sparer zu den Investoren bringen. Nur Notenbanken schaffen Geld. Sie sind öffentliche Einrichtungen, die im Interesse der Allgemeinheit handeln. Nun, machen wir es kurz: all das ist Humbug.
Beginnen wir einmal mit den Notenbanken: Historisch waren sie keine öffentlichen Einrichtungen, die das Interesse der Allgemeinheit befördern sollten, sondern privatwirtschaftliche Unternehmen, die von Bankern für Banker geschaffen wurden. Die Bank von Schweden und die Bank von England wurden im 17. Jahrhundert als private Banken gegründet, ebenso wie die Vorläufer der US-Notenbank Federal Reserve. Die Bank von England war bis weit ins 20. Jahrhundert hinein eine kommerzielle Bank. Die regionalen Untergliederungen der Federal Reserve, darunter die mächtige Federal Reserve of New York, die die Wall Street beaufsichtigen soll, gehören heute noch den Geschäftsbanken und werden auch von diesen kontrolliert.
Bis heute erfüllen deshalb die Notenbanken vor allem Funktionen, die im Interesse der Geschäftsbanken sind. Nur weil diese es geschafft haben, dass ihr Wohl und Wehe untrennbar mit dem der Wirtschaft verbunden ist, befördern die Notenbanken mit dem Wohl der Geschäftsbanken auch das der Öffentlichkeit. Doch während der Finanzkrise konnte man sehen, dass die Notenbanker sich immer auf die Seite der Banker schlagen, wenn das Bankeninteresse und das Interesse der Allgemeinheit deutlich auseinanderfallen.
Harte Auflagen, wie sie jetzt Staaten bekommen, gab es für Banken nie, wenn sie von ihren Notenbanken mit geschenktem Geld rausgehauen wurden, weder für ihre Kreditvergabepraxis noch für die Dividendenpolitik, noch gab es Grenzen für die Boni, die sie mit dem Rettungsgeld ihren Spitzenmanagern bezahlen durften. Gleichzeitig durften die Banken in den USA ebenso wie in Irland und Spanien millionenfach Hausbesitzer aus ihren Häusern vertreiben, die – aufgrund der von den Bankern verschuldeten Krise – mit dem Schuldendienst in Rückstand geraten waren. Nur wer den normalen Umgang von Notenbankern nicht kennt, wundert sich darüber. Wer ihn kennt, den wundert nichts mehr.
Einflussreicher Filz
Kennen Sie die «Group of Thirty»? Das ist ein informelles Gremium, in dem sich die Strippenzieher der Finanzbranche hinter geschlossenen Türen mit gut vernetzten Politikern und Notenbankern besprechen. Wenn die Gruppe Papiere veröffentlicht, dann lesen diese sich meist wie Wunschlisten der internationalen Grossbanken an die Regulierer. Was nach Verschwörungstheorie klingen mag, gehört zum Tagesgeschäft von prominenten Branchen- und Politikvertretern: Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, ist dabei, ebenso wie sein Vorgänger Jean-Claude Trichet. Draghi war früher einmal bei der Investmentbank Goldman Sachs. In der «Group of Thirty» trifft er einige alte Bekannte, deren CVs sich an einem Punkt alle gleichen: Zu den Mitgliedern gehören auch Mark Carney, britischer Zentralbankchef und ehemaliger Goldman-Sachs-Manager, William Dudley, Präsident der mächtigen New Yorker Notenbankfiliale und – genau – ehemaliger Goldman-Sachs-Manager. Ausserdem Gerald Carrigan, Managing Direktor bei Goldman Sachs und früher Chef der New York Fed. Mitglied ist ebenfalls der frühere Bundesbankpräsident Axel Weber, der heute Verwaltungsratschef der Schweizer Grossbank UBS ist.
Die Mitgliederliste der G30 zeigt, dass Goldman Sachs als Chiffre für den Filz im Bankenwesen keineswegs falsch gewählt ist. Entweder hat man sich hier die Sporen verdient oder man darf es noch. Sie zeigt auch: ein hochrangiger Notenbanker, der es sich mit seiner Geschäftsbankenklientel nicht verdirbt, bekommt nach Ende seiner Amtszeit fast immer eine hochbezahlte Stelle in der Finanzbranche angeboten. Auch Otmar Issing, Autor dieser Zeitschrift, ging, nachdem er sein Amt als Chefvolkswirt der EZB verlassen hatte, zum Finanzriesen Goldman Sachs. Seine neue Aufgabe als Banklobbyist hat ihn übrigens nicht daran gehindert, eine Expertengruppe der deutschen Bundesregierung zur Reform der internationalen Finanzmärkte zu leiten.
Dass die Notenbanken im Konfliktfall stärker die Interessen der internationalen Grossbanken vertreten als die der Öffentlichkeit, hat im Zuge der Finanzkrise nochmals sehr an Bedeutung gewonnen. Denn die Krise hat diese nicht an den Wählerwillen gebundenen Finanztechnokraten in den Notenbanken zu den mächtigsten Playern in der Wirtschaftspolitik gemacht.
Nach Gutdünken kann die EZB entscheiden, ob, wessen und wie viele Anleihen eines Staates sie kauft. Das kann in Krisenzeiten den Unterschied zwischen Staatsbankrott und Rettung ausmachen. Als Mitglied der sogenannten Troika aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds und EZB schreibt sie Krisenländern wie Griechenland, Irland und Portugal detailliert alle Aspekte der Wirtschaftspolitik vor, von der Rentenhöhe bis zur Regulierung des Taxigewerbes. Auch Länder, deren Anleihen sie kauft oder vielleicht kaufen könnte, wie Spanien oder Italien, tanzen nach der Pfeife der nichtgewählten Notenbanker. Und künftig soll dieser Dienstleister der Geschäftsbanken sogar die Oberhoheit über die Bankaufsicht bekommen.
Mittlerweile hat sich herumgesprochen: Notenbanker sind in Zeiten der Finanzkrise ganz besonders mächtig, weil sie Geld per Knopfdruck schaffen können. Aber: sie sind eben nicht die einzigen. Geschäftsbanken sind so gefährlich und so mächtig und verdienen so gut, weil sie ebenfalls eine staatliche Lizenz zum Gelddrucken haben. Das Geld, das diese Banken schaffen, hiess früher Banknoten und wurde gedruckt. Heute entsteht es praktisch nur noch als Computereintrag und wird Giralgeld oder Buchgeld genannt.
Aber: ist das wirklich Geld? Schauen wir auf der Webseite der Deutschen Bundesbank nach. «Giralgeld zählt nicht zu den gesetzlichen Zahlungsmitteln, wird aber allgemein als Zahlungsmittel akzeptiert, da es auch jederzeit in Bargeld eingetauscht werden kann», heisst es da ebenso knapp wie irreführend. Das Gabler-Wirtschaftslexikon ist genauer: «Kraft Treu und Glauben muss Giralgeld im Wirtschaftsleben angenommen werden», heisst es da. Wir können also von Rechts wegen Zahlungen per Banküberweisung nicht verweigern, es sei denn, es gehe um kleine Beträge. Dieses «muss» ist die staatliche Lizenz zum Gelddrucken: Giralgeld, also unsere Guthaben auf dem Bankkonto, das ist also auch Geld. Wie wird es «geschöpft»?
Die Banken schaffen das Giralgeld, indem sie Kredite vergeben. Wenn ich einen Kredit über 100 000 Euro aufnehme, um mein Haus zu sanieren, dann schreibt mir die Bank einfach 100 000 Euro auf ein Konto bei ihr gut. Mit diesem Geld kann ich meine Rechnungen bezahlen und der Empfänger dann wieder seine Rechnungen. Mit ein paar Tastenanschlägen und Unterschriften sind 100 000 Euro zusätzliches Geld im Umlauf – für das meine Bank von mir Zinsen bekommt. So einfach ist das.
Für die Lehrbücher ist das zu einfach. Sie beschreiben fast alle einen «Multiplikatorprozess», in dem ein Kunde Bargeld auf sein Konto einzahlt. Die Bank verleiht den grössten Teil des eingezahlten Geldes an einen Kreditkunden, der es wiederum bei einer Bank einzahlt, die wiederum den grössten Teil davon an einen Kreditkunden verleiht. So erscheinen die Banken als «Finanzvermittler» statt als Geldschöpfer und die Vermehrung des Geldes geschieht nur «irgendwie im System» und erscheint beinahe wie ein physikalisches Gesetz. Das ist es aber nicht.
Legales Schneeballsystem
Schauen wir uns das Geschäftsmodell einmal von einer anderen Seite an, um das zu verdeutlichen: Ich nehme also – wie eben schon erwähnt – einen verzinslichen Kredit von 100 000 Euro auf. Damit gebe ich der Bank einen zinslosen Kredit von 100 000 Euro, und zwar genau so lange, wie ich das Geld auf dem Girokonto lasse. Mein Giroguthaben ist rechtlich nämlich nichts anderes als ein Kredit an die Bank. Wenn ich nun eine Rechnung damit bezahle, wird an meiner Stelle automatisch der Empfänger des Rechnungsbetrags zum Gläubiger der Bank.
Das Ganze funktioniert wie ein Schneeballsystem. So wie das von Bernard Madoff. Der sammelte Geld von Anlegern ein und zahlte zuverlässig eine hohe Rendite aus. Was dafür an Anlageerlös fehlte, nahm er aus dem Bestand der ihm anvertrauten Mittel. Erst als in der Krise zu viele Kunden ihr Geld sehen wollten und nicht genug neue hinzukamen, stellte sich heraus, dass das Geld nicht mehr da war. Prinzipiell ist das auch bei jedem Girokonto der Fall.
Wer eine Banklizenz hat, kann nämlich mit Kundengeldern ein Madoff-ähnliches System, ganz legal, aufziehen. Dass die Bank gar nicht genug «echtes» Geld hat, um die Einlagekunden auszuzahlen, ist Teil der Idee. Eine Bank muss derzeit im Euroraum nur ein Hundertstel der Guthaben ihrer Kunden als Bargeld auszahlen können. Wenn ich nun also meine 100 000 Euro als Bargeld abhebe, den Kredit an die Bank kündigen, will, so geht das problemlos, wenn ich der einzige bin. Wenn aber viele auf die Idee kommen, geht es nicht mehr.
«Treu und Glauben» verpflichten uns also, Bankeinlagen als Zahlungsmittel anzunehmen, die nichts anderes sind als windige Auszahlungsversprechen der Kreditinstitute, die sie keineswegs jederzeit in Bargeld umtauschen können, wie die Bundesbank uns glauben machen will.
Anders als bei Madoff stehen aber in diesem System die Zentralbanken bereit, um Geld nachzuschiessen, wenn die Einleger die Probe aufs Exempel machen – und ihr Geld abziehen. Das ist, kurz und knapp formuliert, die Hauptfunktion der Zentralbanken.
Überlegen Sie mal, wie viel von Ihren Ausgaben Sie mit Bargeld bezahlen, also mit Notenbankgeld, und wie viel per Überweisung, Bankeinzug oder Kreditkarte, also mit Geschäftsbankengeld. Es ist mehr als fünfmal mehr Geld in Umlauf, das die Geschäftsbanken geschaffen haben, als das, was von den Zentralbanken «gedruckt» wird.
Die Notenbanken bekommen die Zinsen auf das Zentralbankgeld, die Geschäftsbanken bekommen die Zinsen auf das von ihnen aus dem Nichts geschaffene Bankengeld. Der weitaus grösste Teil des Geldschöpfungsgewinns kommt also den Banken zu. Das steht in fast keinem Lehrbuch. Das Empörungspotential wäre einfach zu gross.
Doch jedes Schneeballsystem stösst irgendwann an seine Grenzen. Das System könnte nur dann auf Dauer funktionieren, wenn die Banken ihre Kredite ganz überwiegend nur an diejenigen vergäben, die etwas Produktives damit anstellen, so dass sie von dem Mehrertrag die Zinsen erwirtschaften können. Bei vielen Kreditformen ist das genau nicht der Fall. Hypothekenkredite zum Kauf bestehender Häuser treiben letztlich nur die Preise für Immobilien nach oben, Konsumentenkredite treiben die Konsumnachfrage nach oben und erzeugen Inflation. Wirtschaftlich am schädlichsten aber sind Kredite, die die Spekulation am Finanzmarkt finanzieren. All diese unproduktiven Kredite, wenn sie beschleunigt ausgeweitet werden, müssen in die Krise oder die Inflation führen, denn irgendwann können die Zinsen für diese Kredite nicht mehr bezahlt werden.
Kredit und Krise
Das Heimtückische ist, dass ein Mehr an Krediten erst einmal dazu führt, dass mehr Geld in Umlauf kommt. Die Wirtschaft und der Handel auf den Finanzmärkten werden dadurch angekurbelt. Das belebt wiederum die Kreditnachfrage und die Bereitschaft der Banken, Kredit zu geben. Aber man kann die Kreditvergabe nicht immer mehr beschleunigen, weil die Schulden irgendwann zu hoch werden. Immer mehr Schuldner können ihre Kredite nicht mehr bedienen. Banken geben deshalb irgendwann keinen Kredit mehr. Weil dann kein Geld mehr in Umlauf kommt und mit jedem zurückgezahlten Bankkredit sogar Geld aus dem System verschwindet, können immer weniger Kreditnehmer den Schuldendienst planmässig leisten. Die Banken kommen dadurch in Schwierigkeiten. Das Vertrauen in ihre Solidität geht verloren. Es kommt zu einer Finanz- und Wirtschaftskrise.
Jetzt schlägt die Stunde der Notenbanken. Nur sie sind in der Lage, den Schwund an Giralgeld auszugleichen, indem sie mehr Notenbankgeld in Umlauf bringen. Das können sie auf beliebige Weise tun. Wenn eine Zentralbank jemandem etwas abkauft, dann bringt sie damit neugeschaffenes Geld in Umlauf. Das können Pfandbriefe sein oder Staatsanleihen oder die Möbel für die neuen EZB-Hochhäuser in Frankfurt. Es können auch Devisen sein, so wie die Schweizerische Nationalbank mit frischgedruckten Franken massenhaft Euros gekauft hat, sehr zum Nutzen der schweizerischen Wirtschaft.
Die Zentralbank unterscheidet sich von den Geschäftsbanken dadurch, dass sie nur Versprechen gibt, die sie auch halten kann. Sie verspricht, Bargeld herauszugeben, und das kann sie selbst drucken. Die Geschäftsbanken versprechen, für ihr Buchgeld jederzeit Bargeld herauszugeben. Das können sie nur, solange das Publikum Vertrauen hat. Deshalb kommen sie nicht gut ohne Zentralbank aus, die bereitsteht, ihnen in der Not zu helfen.
In einem der weltweit meistgenutzten Einführungslehrbücher von Greg Mankiw heisst es zur wundersamen Geldvermehrung durch das Bankensystem: «Anfangs mag die Schaffung von Geld in diesem Geldsystem zu schön erscheinen, um wahr zu sein.» Doch Mankiw beruhigt die Studenten, indem er darauf hinweist, dass durch diesen Geldmultiplikator keine Werte geschaffen würden, weil «die Bank gleichzeitig mit dem Vermögenswert Geld auch eine gleich hohe Verbindlichkeit für ihre Kreditnehmer schafft». Hier lässt er die Erklärung aufhören, obwohl es hier erst interessant würde. Die Bank schafft den Vermögenswert Geld für sich selbst. Sie bekommt Zinsen für Geld, das sie aus dem Nichts geschaffen hat, und zahlt davon Gehälter, Boni und Dividenden. Im Gegenzug bekommt jemand anders eine Verbindlichkeit. Für die Gesellschaft wird so per saldo in der Tat kein Wert geschaffen. Sehr wohl aber für die Bankmanager und Bankaktionäre. Und wer bezahlt dafür? Genau: der Rest der Gesellschaft, denn er hat neue Schulden.
Alternativen?
Kein mir bekanntes Lehrbuch erwähnt den immensen Gewinn, den die Banken aus ihrem Geldschaffungsprivileg ziehen. Sie alle schreiben sogenannte Seignorage-Gewinne nur dem Staat zu. Dieses brisante Tabu sorgt dafür, dass nicht nur der Öffentlichkeit, sondern auch den Zentralbankern, Ökonomen und Wirtschaftspolitikern das geistige Rüstzeug fehlt, um Kreditblasen und Finanzkrisen zu verstehen und zu verhindern. Eine zweite Folge ist, dass es keine ernsthafte Diskussion über alternative Geldsysteme gibt, in denen der Geldschöpfungsgewinn nicht privatisiert wird, während die Krisenkosten sozialisiert werden. Aber: diese gibt es! Es gibt immer eine Alternative.
Beispielhaft will ich eine Alternative kurz skizzieren. Wie wäre es etwa, wenn die Europäische Zentralbank die Schuldenkrise angehen würde, nicht indem sie den Banken kostenlos und unbegrenzt Geld gibt, sondern indem sie jedem Bürger des Euroraums einen Scheck von, sagen wir, 5000 Euro schicken würde. Die Empfänger hätten die Wahl, damit eigene Schulden zu begleichen oder sie ihrem Staat zur Begleichung von dessen Schulden vorzustrecken. Ein Zehntel dieses Betrages könnten sie sich im letzteren Fall jedes Jahr auf ihre Steuer anrechnen oder vom Fiskus auszahlen lassen. Die Schulden im System würden weniger. Die Regierungen bekämen eine Chance, die vereinbarten Defizitobergrenzen einzuhalten, ohne der Wirtschaft massiv zu schaden.
Bei den Geschäftsbanken würden sich hohe Notenbankguthaben ansammeln. Damit diese nicht für neue Kreditexzesse verwendet würden, könnte die Europäische Zentralbank verlangen, dass die Banken die Giroguthaben ihrer Kunden mit sehr viel mehr Zentralbankgeld unterlegen. Das Finanzsystem würde dadurch weitaus sicherer. Die Banken könnten uns nicht mehr erpressen. Aber weil das den Anteil der Geschäftsbanken am Geldschöpfungsgewinn zugunsten des Staates drücken würde, sorgen sie zusammen mit ihren Lobbyisten in den Notenbanken dafür, dass über solche Alternativen nicht einmal ernsthaft diskutiert wird.