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L'Enlèvement de Michel Houellebecq
Film von Guillaume Nicloux mit Michel Houellebecq (Michel Houellebecq), Mathieu Nicourt (Mathieu), Maxime Lefrançois (Maxime), Françoise Lebrun (Françoise), Luc Schwarz (Luc), Ginette Suchotzky (Ginette) u.a.
Frankreich 2014, DCP, OV/d, 96‘, ab 12 J.
Als der französische Schriftsteller Michel Houellebecq im September 2011 kurzzeitig wie vom Erdboden verschluckt schien, anstatt auf einer Lesereise seinen Roman «Karte und Gebiet» vorzustellen, kursierten im Internet wilde Gerüchte über sein Verschwinden. Regisseur Guillaume Nicloux nahm diese zum Anlass, um in «L'enlèvement de Michel Houellebecq» («Die Entführung des Michel Houellebecq») lustvoll zu erzählen, was «wirklich» geschah: Drei harte Typen entführen den Starintellektuellen Houellebecq aus seinem Alltagsärger in ein abgelegenes Haus. Houellebecq, der sich selbst spielt, nimmt seine Situation gelassen, denn die Entführer entpuppen sich als nette Kerle, die von professionellem Kidnapping nicht den blassesten Schimmer haben. Da sie sich auch nicht überlegt haben, wer für Houellebecq Lösegeld bezahlen könnte, zieht sich die Entführung in die Länge. Houellebecq lässt sich mit Hundedressur, Trizeps-Show, Schrottautos und polnischen Würstchen auf Neues ein und nörgelt nur, wenn es ihm an Akohol oder Nikotin mangelt.
«Wenn man so will, stellt dieser Film eine Verlängerung des literarischen Programms Houellebecqs der Selbstdekonstruktion, wie es der Autor zuletzt in ‹Karte und Gebiet› vorgeführt hat, in die ‹Realität› eines sich als Mockumentary tarnenden Konstrukt dar. Der durchgeknallte, teilweise bewusst improvisiert wirkende Film sieht so aus, als habe ein unsichtbarer Spiessgeselle der Kleinganoven einfach mal mit der Kamera den Coup mitgefilmt. Das Ergebnis ist ein funkelndes Kleinod voller Galle, Charme und hintersinnigem Witz, das den Mythos des sichtlich gealterten Genies Houellebecqs gleichermassen zerstört wie überhöht — eine Ambivalenz, die man gar nicht hoch genug einschätzen kann.» (Joachim Kurz, kino-zeit.de)
Der Regisseur und sein Protagonist schienen derart Freude an ihrer gemeinsamen Arbeit gehabt zu haben, dass sie mit «Thalasso» eine nicht minder witzige Fortsetzung realisierten, die ebenfalls im Cameo zu entdecken ist.