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Bundespräsident Alain Berset hat am Dienstag im Davoser Kongresszentrum das 48. Weltwirtschaftsforum (WEF) lanciert. In seiner Eröffnungsrede appellierte er an die Solidarität untereinander. Nur so könnten die zahlreichen Probleme in der Welt gelöst werden.
Es gelte, "gemeinsam über die Zukunft unserer Gesellschaft und über die Bewegungen nachzudenken, die sie beeinflussen und bereichern", sagte Berset. Das Thema des diesjährigen Forums treffe es auf den Punkt: "Wir müssen in einer gebrochenen Welt eine gemeinsame Zukunft schaffen."
Der Bundespräsident blickte nach vorne und zurück. 2016 bezeichnete Berset als Jahr der Unterbrechung, der Überraschungen, der Gewalt und der unerwarteten Veränderungen.
Das vergangene Jahr sei dagegen "eher friedlich" gewesen. Er glaube, dass 2018 das Jahr sein müsse, in dem die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit und des Multilateralismus bekräftigt werde, sagte Berset.
Starke Institutionen
Die Herausforderungen der Gesellschaft sind laut Berset zahlreich und schwierig. In vielen Teilen der Welt herrsche Instabilität. Berset erwähnte die andauernden bewaffneten Konflikte, die Massenvertreibungen, den Terrorismus und den Klimawandel.
Um diese Probleme anzupacken, "brauchen wir den politischen Willen auf allen Ebenen", sagte Berset. Für Sicherheit, Frieden und Menschenrechte sei ein starkes Engagement internationaler Institutionen erforderlich.
In verschiedenen Ländern gehe der Trend aber in die entgegengesetzte Richtung: "Wir beobachten die Wiederbelebung des Nationalismus und eine Verengung des politischen Horizonts, die mit einem gewissen Misstrauen gegenüber Multilateralismus und Freihandel einhergeht", sagte Berset. Diese Entwicklungen trügen dazu bei, die Brüche zu vertiefen, anstatt sie zu reduzieren.
Eingliederung statt Ausgrenzung
"Es gibt nur eine Lösung", sagte Berset. "Wir müssen die Ursachen, die dieses Unbehagen, den Groll und Zorn auslösen, beseitigen." Berset appellierte an "eine Politik der sozialen Eingliederung". Der Wille zur internationalen Zusammenarbeit könne nur gewährleistet werden, wenn sich Menschen nicht machtlos fühlten.
Berset zitierte in seiner auf Französisch und Englisch gehaltenen Rede den US-amerikanischen Polit-Theoretiker John Ikenberry. Demnach gewährleisten soziale Schutzmassnahmen und Vorschriften wirtschaftliche Stabilität. Belege dafür seien die Atlantik-Charta von 1941 der damaligen Regierungschefs der USA, Franklin D. Roosevelt, und Grossbritanniens, Winston S. Churchill, sowie die Bretton-Woods-Vereinbarungen von 1944.
Laut Berset lässt sich auch heute darauf aufbauen. "Die meisten Menschen haben keine Einwände gegen Offenheit und Austausch, solange sie sich sicher fühlen. Und sie können sich nur sicher fühlen, wenn sie wirtschaftliche Möglichkeiten haben."
Modis Plädoyer gegen Protektionismus
Nach Berset richtete sich Indiens Ministerpräsident Narendra Modi an die Zuhörerinnen und Zuhörer im Davoser Kongresszentrum. Er warnte in seiner Rede gut ein Jahr nach der Amtseinführung von US-Präsident Donald Trump vor Gefahren für den Freihandel.
"Die Kräfte des Protektionismus erheben ihr Haupt gegen die Globalisierung", so Modi. Neue Zollbarrieren und mangelnde Fortschritte beim Aufbau von Handelsabkommen zeugten von dieser "besorgniserregenden Lage".
Die Antwort auf die derzeitigen Herausforderungen für den Welthandel könnten nicht in der Isolation liegen, sondern im "Verständnis und der Akzeptanz der Veränderungen", sagte Modi, ohne Trump direkt zu erwähnen.
Modi war mit einer grossen Delegation von Regierungsvertretern und Geschäftsleuten nach Davos gereist. Trump will am Freitag in Davos sprechen.