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Nach 16 Jahren im Gefängnis könnte der wegen Mordes verurteilte Amerikaner Adnan Syed wieder frei kommen – dank eines Podcasts. Ein Gericht in der Stadt Baltimore entschied am Donnerstag (Ortszeit), dass der Prozess gegen den aus der Online-Hörserie «Serial» bekannten heute 35-Jährigen neu verhandelt wird.
Syed soll 1999 mit 17 Jahren seine Ex-Freundin ermordet haben und wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Bei «Serial» wurde sein Fall vor zwei Jahren in zwölf Folgen untersucht. Er glaube nicht, dass das Verfahren ohne den Podcast wieder aufgenommen worden wäre, sagte Syeds Anwalt Justin Brown laut der Zeitung «New York Times».
Am 13. Januar 1999 wurde die Highschool-Schülerin Hae Min Lee in Baltimore County im US-Bundesstaat Maryland zum letzten Mal lebend gesehen. Einen Monat später fand man ihre Leiche in einem Park, mit blossen Händen erwürgt. Vor allem wegen der belastenden Aussagen eines Bekannten wurde Lees Ex-Freund und Mitschüler Syed verurteilt.
Syed stritt die Tat immer ab, Berufungen und Anträge auf ein Wiederaufnahmeverfahren scheiterten aber immer wieder.
Urteil aufgehoben
Nun hob ein Richter das Urteil auf und gab dem Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens statt: wegen unwirksamen Beistands von Syeds früherer Anwältin. Sie habe einen Experten der Anklage nicht ins Kreuzverhör genommen, der etwas zur Verlässlichkeit der Verortung von Mobilfunkmasten als Beweismittel hätte sagen können.
Der jetzige Anwalt Brown ist zuversichtlich, dass Syed freigesprochen wird, wie er der Zeitung zufolge auf einer Medienkonferenz sagte: «Das hier war die grösste Hürde. Es ist sehr schwer, ein neues Verfahren zu bekommen.» Es war zunächst unklar, wann der neue Prozess beginnt, und ob Syed nun auf freien Fuss kommt.
«Wir sind einfach sehr glücklich», zitierte die Zeitung «Baltimore Sun» Syeds Bruder Yusuf. «Es ist nicht nur ein Sieg für uns, sondern für viele Leute, die im System gefangen sind, denn es hat vielen Leuten die Augen geöffnet, was das Justizsystem betrifft.»
Neue Hinweise in Podcast
Die wöchentlich veröffentlichten Folgen von «Serial» hörten im Herbst 2014 durchschnittlich rund drei Millionen Menschen. Die Doku der US-Journalistin Sarah Koenig landete damals zuverlässig bei den iTunes-Downloadcharts auf dem ersten Platz.
Koenig berichtete darin persönlich, fällte kein Urteil und erklärte auch in der letzten Folge, weiterhin nicht zu wissen, wer der Täter sei. Allerdings brachten ihre Berichte neue Hinweise ans Licht, warfen Fragen auf und riefen auch Hobby-Ermittler auf den Plan.
Sie sei von der Gerichtsentscheidung überrascht, sagte Koenig der Zeitung «Baltimore Sun». Sie verarbeite das komplexe Urteil und dessen Ausmass noch und wolle sich zunächst nicht weiter äussern.
Ein ähnliches Format produzierte 2015 der Online-Videodienst Netflix. In «Making a Murderer» wird der Fall des wegen Mordes verurteilten Steven Avery erzählt, der nach Ansicht der Macher der Doku unschuldig im Gefängnis sitzt. Auch sein Fall könnte im Zuge der Berichterstattung neu aufgerollt werden.
(sda/dpa)