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Dubravka Ugrešić (NL)
Geboren 1949, lebt in Amsterdam. (2009)
Oeuvres (Selection)
Baba Jaga legt ein Ei.
Berlin Verlag, 2008
Lesen verboten.
Suhrkamp Verlag, 2002
Baba Jaga legt ein Ei
Berlin Verlag, 2008
Als 1991 im damaligen Jugoslawien der offene Konflikt unter den verschiedenen Nationalitäten ausbrach, nahm die kroatische Literaturwissenschaftlerin und Autorin Dubravka Ugresic entschieden Stellung gegen Krieg und Nationalismus. Sie wurde als «Verräterin», «öffentliche Feindin» und «Hexe» gebrandmarkt und emigrierte 1993. Heute lebt Dubravka Ugresic in Amsterdam. Ihr jüngstes Buch, 2008 unter dem Titel «Baba Jaga legt ein Ei» erschienen, befasst sich mit den Obsessionen der modernen Zivilisation und bringt sie in Beziehung mit der Hexenfigur Baba Jaga der slavischen Mythologie.
De: Dubravka Ugrešić. Baba Jaga legt ein Ei. Berlin Verlag, 2008
Eher zufällig hatte Mr Shake die grosse Obsession unserer Zeit entdeckt, und das erklärte seinen Erfolg. Nach dem Untergang der Ideologien blieb der menschlichen Imagination der Körper als letzter Zufluchtsort übrig. Der menschliche Körper war das einzige Territorium, das sein Besitzer kontrollieren konnte, er konnte ihn schlanker machen, verkleinern, aufpumpen, vergrössern, formen, festigen und seinem Ideal anpassen, egal ob das Ideal Brad Pitt oder Nicole Kidman hiess. Ja, Mr Shake profitierte von dieser Obsession.
Lesen verboten
Suhrkamp Verlag, 2002
De: Dubravka Ugrešić. Lesen verboten. Suhrkamp Verlag, 2002
In der marktorientierten Kultur haben es die Proletarier, also wir Schriftsteller, am schwersten. Besonders leid tun mir die östlichen Kollegen, vielleicht weil ich selber zu dieser wenig angesehenen Kategorie gehöre.
Die westlichen Schriftsteller haben jahrelang ihre osteuropäischen Kollegen wegen ihrer Sinekuren belächelt: das Recht auf kostenlose Zahnbehandlung, kostenlosen Krankenhausaufenthalt, kostenlose Wohnung, kostenlosen Gewerkschaftsurlaub, kostenloses Wochenendhaus («Datscha»). Heute haben die Westler immer noch ihre Sinekuren, die sie listig verschwiegen hatten: ihre creative-writing-Beschäftigung, ihre Stipendien, Fonds und Stiftungen, Projekte, staatlich geförderten Bücher und Übersetzungen in Fremdsprachen, ihre kos-tenlosen Erholungsheime (writers’ retreat). Und die Ostler finden sich ohne alles Wind und Wetter ausgesetzt.
Das hat, wie ich zugebe, meinen Verstand getrübt. Jede Nacht habe ich Alpträume, fühle mich almost Slavic wie in der amerikanischen Sit-Com Ellen, if you know what I mean.