Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03300.jsonl.gz/3405

Überzeugend interpretierte Passionsmusik
11. April 2018 von Eingesandter Artikel
Online seit
11. April 2018
Printausgabe vom
12. April 2018
In «Musik und Wort» am Gründonnerstag in der Reformierten Kirche wurden Auszüge aus dem Oratorium «Der Tod Jesu» von Carl Heinrich Graun (1704-1759) aufgeführt.
Unter der Leitung von Peter Aregger begleiteten das Kammerorchester Aceras und Robert Schmid an der Orgel den reformierten Kirchenchor und die Sopranistin Franziska Wigger, die je zwei Rezitative und Arien aus dem Werk sang. Pfarrer Markus Fässler und die Pfarrpraktikantin Valeria Sogne lasen dazwischen die Passionsgeschichte in der Übersetzung von Walter Jens vor. Im Gottesdienst am Karfreitag fand eine Teilwiederholung der Aufführung statt, im Wechsel mit den Lesungen und der Predigt von Pfarrerin Anne-Marie Müller.
Graun war sehr begabt. Er folgte als neunjähriger Bub seinem älteren Bruder, Johann Gottlieb Graun, an die Kreuzschule in Dresden. Dort erhielt er neben Gesangs- auch Klavier- und Cellounterricht. Als Neunzehnjähriger wurde Graun als Hofsänger nach Braunschweig berufen. Dort schrieb er seine ersten Opern und stieg zum Vizekapellmeister am Opernhaus am Hagenmarkt auf. Er komponierte 33 Bühnenwerke, eine Passion, drei Oratorien, sechs italienische Kantaten und viele Lieder.
Das Oratorium «Der Tod Jesu» verfasste er vier Jahre vor seinem Tod. Das Werk war ab seiner Uraufführung bis zum Ende des 19. Jahrhunderts im protestantisch geprägten Teil Deutschlands eine der beliebtesten Kompositionen. Graun gehörte neben Johann Adolf Hasse und Georg Philipp Telemann zu den beliebtesten Tondichtern jener Zeit. Den Text zum Oratorium verfasste Karl Wilhelm Ramler im Stil der Aufklärung als Muster eines empfindungsvollen «lyrischen Oratoriums». Für uns nüchterne moderne Menschen ist er eher schwülstig, wenn es etwa heisst: «Sein Odem ist schwach, seine Tage sind abgekürzt; seine Seele ist voller Jammer, sein Leben ist nahe bei der Hölle». Das wirkt wie eine reisserische Reportage in der heutigen Sensationspresse. Graun setzte die Texte aber in wunderbare Musik um, die einen berührt und noch lange nach deren Erklingen begleitet. Dazu benutzte er verschiedene stilistische Elemente, von der Fuge bis zur opernhaft ausgezierten Koloratur in den Arien. So setzte er beispielsweise das Wort «Jammer» in eine Fuge über 26 Takte in Tonfolgen, die diese Dramatik des Geschehens beeindruckend darstellen. Graun streut zwischen die Chor- und Solopartien gekonnt Choräle, die das Befinden des «Zuschauenden» beschreiben. Diese Choräle erinnern stark an jene, die Johann Sebastian Bach in seinen Oratorien verwendete. Chor, Orchester und die Solistin haben mit ihrer gelungenen Aufführung ein interessantes Werk ausgezeichnet interpretiert und den Zuhörenden eine grosse Freude bereitet.
Eingesandt von Eveline Baer-Anker
Mitsingen in der «Donnerode»
Der reformierte Kirchenchor lädt Gastsängerinnen und -sänger ein, in diesem prächtigen Oratorium von Georg Philipp Telemann mitzuwirken. Proben ab Donnerstag, 17. Mai, 20 Uhr im reformierten Kirchgemeindehaus. Konzert mit dem Kammerorchester Aceras und Solisten am Samstag, 8. September, Reformierte Kirche. Tags darauf Teilwiederholung im Gottesdienst. Detaildaten: refhoengg.ch/momente. Auskünfte: Ursula Holtbecker, 077 440 46 16, <email-pii>