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Hamburg, 03.09.2019 | Story | Unternehmen Vom Kosmos zur Bakterie
Wie entwickelte sich die erste Kamera der legendären OM-Serie von Olympus? Davon erzählt die zweite von insgesamt sechs Episoden zur Geschichte von Olympus, die bis zum Ende unseres 100-jährigen Jubiläumjahres 2019 veröffentlicht werden.
Fünf Jahre dauerte die Entwicklung der OM-1, die 1972 als kleinste und leichteste Single-Lens-Reflex (SLR)-Kamera eingeführt wurde und weltweit Aufsehen erregte. Dieser Beitrag folgt dieser Entwicklungsgeschichte, basierend auf Tagebucheinträgen und Interviews des berühmten Olympus Designers Yoshihisa Maitani, der für die Gestaltung der Kamera verantwortlich war.
Revolutionär neues Kamerakonzept
Nach den Olympischen Spielen in Tokio 1964 erlebte die japanische Wirtschaft eine Phase der Stagnation, die in einer Wirtschaftskrise endete, die sich auch auf das Kamerageschäft auswirkte. Durch vermehrte Exporte hoffte Olympus, sein Geschäft zu stabilisieren und von der wirtschaftlichen Entwicklung im Inland unabhängiger zu werden.
Damals waren Sucherkameras wie die Leica M3 der letzte Schrei. Insbesondere der Exportmarkt in Übersee zeigte aber bereits deutlichere Anzeichen dafür, dass sich das Geschäft zügig in Richtung SLRs bewegt. Aufgrund dieses Trends forderte die Verkaufsabteilung von Olympus die Entwicklung von 35mm SLRs für den Export.
Maitani hatte bereits 1956 begonnen, über ein völlig neues Kamerakonzept nachzudenken. Damals befand sich Olympus in den finalen Vorbereitungsschritten für die Veröffentlichung seines neuen Produktes, der PEN-F, auf der Photokina, einer deutschen Fachmesse für die Foto-, Video- und Imaging-Industrie. Da für die Ausstellung eine Gebühr erhoben wurde, fanden einige Olympus Manager, dass Mikroskope und Endoskope ebenfalls präsentiert werden sollten. Maitanis Antwort darauf lautete: „Dann entwerfen Sie doch mehrere Kameras, die die gesamte Bandbreite der optischen Funktionen zeigen. Ich werde mehrere Kamerasysteme entwickeln, die ein weites Spektrum unserer Expertise abbilden.“ Daraus entstand das Entwicklungskonzept „Vom Kosmos zur Bakterie“ für das OM-System von Olympus.
Klein, leicht und leise
Maitani erkannte, dass es vielleicht besser wäre, mit einem völlig neuen Entwicklungsansatz zu starten. Er erinnerte sich an ein Statement von Ihei Kimura, Fotograf und erster Direktor der Japan Professional Society, SLRs seien „sperrig, schwer und laut“.
Um diese "drei Übel" der Spiegelreflexkameras zu lösen, musste Maitani nicht nur revolutionäre Technologien einsetzen. Maitini:
„Ich habe mir versprochen, dass ich, wenn ich etwas entwickeln würde, etwas entwickele, das es vorher noch nicht gegeben hat."
Maitani nahm sich dabei zunächst das Gehäuse vor. Ziel war es, ein kompaktes und leichtes Gehäuse zu entwickeln, damit die Nutzer den Unterschied spüren konnten, wenn sie die Kamera benutzten. Das Gewicht und Volumen sollte dabei nur die Hälfte der SLR von Nikon ausmachen, der damals schwersten Kamera, und die Abmessungen der neuen Kamera sollten um 30 Prozent geringer sein. Darüber hinaus wollte Maitani, aus der Sicht des Benutzers denkend, dass trotz der geringeren Kameragröße das Bedienfeld groß und einfach zu steuern ist. Als er jedoch darüber nachdachte diese Ideen in die Praxis umzusetzen, fand er sich in einer technologischen Sackgasse wieder.
Wann immer er alle Möglichkeiten ausgeschöpft hatte, machte Maitani es sich zur Aufgabe, zu der Ursprungsidee "Vom Kosmos zur Bakterie" zurückzukehren. Er selbst beschrieb das, was ihn vorangetrieben hat, wie folgt:
"Wann immer ich mit dem bestehenden Design in eine technologische Sackgasse geriet und keine Lösung finden konnte, benutzte ich meine eigene persönliche Entwicklungsmethode, die darin bestand, die Nemesis (Gegenseite) des Problems zu finden. Dies führte mich manchmal zu Ideen, die die Dinge aus einem anderen Blickwinkel betrachteten. Auf diese Weise, auch wenn die Hürden, denen ich gegenüberstand, so hoch waren, dass ich dadurch den Mut verlor, fühlte ich mich umso motivierter, sie zu überwinden, was ein paradoxes Gefühl war. Ich habe immer noch nicht herausgefunden, warum; ob es nun Selbstvertrauen, Leidenschaft oder meine Einstellung als Designer war, die als meine Philosophie angesehen werden könnte."
Maitani hatte außerdem Glück, dass seine Vorgesetzten seine Leidenschaft respektierten "Ich glaube, das alles ist darauf zurückzuführen, dass meine Vorgesetzten an mich geglaubt haben und mir die Möglichkeit gegeben haben, weiterhin zu versuchen, eine einzigartige Kamera zu entwickeln. Für andere wäre es schwierig gewesen, so verständnisvoll zu sein."
Über Abteilungsgrenzen hinaus denken
1970 wurde der erste Prototyp der OM-1 fertiggestellt. An der Produktion dieses Prototyps war nicht nur die Olympus Kamera Business Unit beteiligt, sondern auch die Abteilung für Mikroskopie. Die gesamte Belegschaft von Olympus beteiligte sich an der Entwicklung der OM-1 und des OM-Systems, was Objektive und Zubehör einschloss.
Während der Entwicklungsphase der OM-1 sah sich das Team mit vielen Hindernissen konfrontiert – Verarbeitungsmethoden, mit denen sie keine Erfahrungen hatten oder materialbedingte Komplikationen. Obwohl das gesamte Unternehmen unter immensem Druck stand, hielt Olympus an dem Ziel, eine hochmoderne SLR-Kamera zu entwickeln fest, in der festen Überzeugung, in Zukunft Marktführer in diesem Bereich zu werden.
Im Mai 1972 begann die Serienproduktion der OM-1, einer ultra-kompakten SLR, die die „drei Übel“ gewöhnlicher SLRs eliminierte. Eine Leistung, die zu Beginn der Entwicklung zunächst als unmöglich gegolten hatte.
In der Folgezeit wurde die OM-Serie zu einem großen Erfolg. Für Maitani war der Dank von Don McCullin, einem Fotojournalisten, der in Konfliktgebieten auf der ganzen Welt tätig war, die größte Anerkennung, die ihn tief bewegte: "Ich wollte unbedingt Herrn Maitani kennenlernen und ihm persönlich danken. Vielen Dank, dass Sie die Schultern von uns Fotografen befreit haben. Dank der leichteren Kameras hat sich der Umfang unserer Aktivitäten erweitert. Im Namen aller Pressefotografen auf der ganzen Welt möchte ich Ihnen danken."