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- Nach dem Flugzeugabsturz nahe Havanna hat Kuba eine offizielle Staatstrauer ausgerufen. An öffentlichen und militärischen Gebäude wird die Fahne des Staats dann auf Halbmast wehen.
- Die Maschine war mit über 100 Insassen besetzt. Drei Frauen sollen den Crash überlebt haben.
- Die Boeing 737 wurde von einer mexikanischen Besatzung gesteuert.
- Offenbar wollte der Pilot nach dem Start zum Flughafen zurückkehren. Dabei habe sich die Maschine laut Augenzeugen in Stromkabeln verfangen.
Von Flug DMJ 0972 blieben nur zerfetzte Flugzeugteile zwischen hohem Gras und Palmen. Die Maschine zerschellte neben dem Flughafen von Havanna. Die Hintergründe und die Zahl der Toten des Unfalls waren zunächst ungeklärt. Beim Absturz des Passagierflugzeugs unmittelbar nach dem Start auf Kuba sind vermutlich mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen.
«Überall war Rauch, in den Bäumen hing Kleidung»
Nach Angaben der kubanischen Parteizeitung «Granma» wurden am Freitag lediglich drei Frauen und ein Mann lebend aus den Trümmern geborgen. Der Mann sei jedoch kurz darauf gestorben. Eine offizielle Zahl der Toten wurde zunächst nicht mitgeteilt. Mehrere Medien berichteten von 104 Passagieren und fünf Besatzungsmitgliedern aus Mexiko an Bord der Maschine.
«Als wir die Explosion gehört haben, sind wir hingerannt. Überall war Rauch, in den Bäumen hing Kleidung, Flugzeugteile lagen herum», erzählt Leonardo Ramírez, der in der Nähe der Unglücksstelle arbeitet, im Fernsehsender Prensa Latina TV.
Feuerball über der Absturzstelle
Die Maschine war unmittelbar nach dem Start auf einem Feld in der Nähe des Flughafens José Martí zerschellt. Die weissen, noch rauchenden Teile lagen zwischen hohem Gras und Palmen. Die Besatzung stammte aus Mexiko. Sie habe aus einem Piloten, einem Co-Piloten und drei Flugbegleiterinnen bestanden, teilte das Verkehrsministerium des lateinamerikanischen Landes mit.
Auf Videoaufnahmen waren eine dichte Rauchwolke in der Nähe des Flughafens zu sehen. Ein Video, das in den sozialen Medien geteilt wurde, zeigte einen Feuerball über der Absturzstelle.
Zwei Argentinier unter den Opfern
Der Grossteil der Passagiere – bis auf fünf – stamme von der Karibikinsel selbst. Zwei Opfer kommen aus Argentinien, wie das Aussenministerium in Buenos Aires erklärte.
Der Zustand der drei Überlebenden sei stabilisiert worden, sagte der Leiter der Klinik Calixto García in Havanna, Carlos Alberto Martínez Blanco. Er sei jedoch weiterhin kritisch, berichtet die Zeitung «Cubadebate». Eine der Patientinnen hatte demnach schwere Verbrennungen an 30 Prozent ihres Körpers erlitten.
In Stromkabeln verfangen?
Wie es zu dem Unglück kommen konnte, war zunächst unklar. Dorfbewohner erzählten der Parteizeitung «Granma», das Flugzeug habe kurz vor dem Absturz gewendet.
Offenbar wollte der Pilot zum Flughafen von Havanna zurückkehren. Dabei habe sich die Maschine in Stromkabeln verfangen. Fünf Minuten nach dem Absturz waren die ersten Dorfbewohner an der Unglücksstelle, nach zwölf Minuten trafen die ersten Rettungskräfte ein.
Beileidsbekundungen aus Lateinamerika
Nach dem Absturz der Passagiermaschine am Flughafen von Havanna haben mehrere lateinamerikanische Politiker kondoliert.
- Mexikos Gedanken seien bei den Familienangehörigen und Opfern, schrieb der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto am Freitagabend auf Twitter. Zuvor war bestätigt worden, dass die fünf Besatzungsmitglieder der verunglückten Boeing 737 aus Mexiko stammten.
- Auch der umstrittene Präsident Venezuelas äusserte sich zu dem Flugzeugabsturz auf Twitter: Kraft und Frieden gehe an die Menschen in diesem Moment des Schmerzes. Worte des Beileids sende er an die Familien und Opfer des fatalen Unfalls, so Maduro.
- Der Präsident Nicaraguas, Daniel Ortega, und seine Ehefrau die Vizepräsidentin Rosario Murillo, erklärten, sie seien mit dem kubanischen Volk und der kubanischen Regierung solidarisch, wie das Pressebüro der Nationalversammlung Nicaraguas auf Twitter mitteilte.
- «Puerto Rico wünscht dem verbrüderten Volk von Kuba und den Familien der Verstorbenen Kraft», schrieb der Gouverneur des US-Aussengebiets, Ricardo Rosselló, auf Twitter. Er und seine Ehefrau seien von der Tragödie in Havanna tief betrübt.
Untersuchungskommission eingesetzt
Der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel sprach im Namen der Regierung den Familien Beileid aus. Eine Kommission untersuche die Umstände des Unfalls, so Díaz-Canel. Mehr als die Hälfte der Opfer stammte nach Angaben von «Cubadebate» aus der Stadt Holguín im Osten der Insel, die das Ziel des Flugs DMJ 0972 gewesen wäre. Auch der ehemalige kubanische Präsident Rául Castro drückte sein Beileid aus. Das berichtete das Staatsfernsehen.
Kuba rief nach dem Unglück eine offizielle Staatstrauer aus, die bis Sonntagmittag andauern soll. An öffentlichen und militärischen Gebäude wird die Fahne des Staats dann auf Halbmast wehen.
Gemietete Boeing
Die Maschine vom Typ Boeing 737 gehörte der mexikanischen Fluggesellschaft Damojh, sie wurde jedoch von der staatlichen kubanischen Gesellschaft Cubana gemietet und betrieben. Die Fluggesellschaft Damojh wurde 1990 in Mexiko gegründet, zur Flotte zählen laut Ministerium lediglich drei Flugzeuge.
Der letzte grössere Unfall einer Passagiermaschine auf Kuba hatte sich 2010 ereignet. Damals war in dem Karibikstaat ein Flugzeug der Airline Aerocaribbean mit Touristen an Bord auf dem Weg vom östlich gelegenen Santiago de Cuba nach Havanna abgestürzt. Alle 68 Insassen, darunter zwei Deutsche, starben.