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Bis circa 1966 bestand im Haus Wartstrasse 29 an der Ecke Neuwiesen-/Wartstrasse das Restaurant Neuwiesenstern. Gemäss dem in der Stadtbibliothek Winterthur einsehbaren „Verzeichnis der Restaurants in Winterthur“ wurde das Restaurant Neuwiesenstern 1910 eröffnet. Die Angaben im folgenden Beitrag wurden dem Autor durch Frau Esther Millwater-Cadore, der ältesten Tochter der letzten Wirtin, sowie den an der Wartstrasse aufgewachsenen Verena Christen-Hagmann (Nr. 38) und Marlies Stierlin-Frei (Nr. 48) zugetragen.
Die Mutter von Esther Millwater-Cadore übernahm das Restaurant Neuwiesenstern 1941 und betrieb es mit ihrer Schwester, Frau Mahler, und einer Freundin, Frau Siegrist, als alkoholfreies Restaurant. Auch gingen ihr die drei Töchter zur Hand: die erwähnte Esther (Jahrgang 1934) sowie Hannelore Idl-Cadore (Jg. 1944) und Susanne Ziegler-Cadore (Jg. 1942).
In den Jahren1942/43 wurde das Restaurant umgebaut; es erhielt eine neue Fassade und wurde innen heller.
Wirtin Cadores Gatte betrieb im Tössfeld einen Coiffeursalon und arbeitete nach dessen Aufgabe als Angestellter. Sein Vater stammte aus Belluno im Cadoretal bei Cortina d’Ampezzo in Norditalien. In der Schweiz begann er als Marroniverkäufer auf dem Bahnhofplatz Winterthur.
Das Restaurant hatte viele Pensionäre und Studenten, denen teilweise auch Zimmer in der obersten Wohnung (insgesamt 5 Zimmer) vermietet wurden.
Im Restaurant wurden Getränke und Speisen zu den folgenden Preisen angeboten: 3 dl. Mineralwasser: 35 Rappen, 2 Kugeln Glacé: 25 Rp (im Glacésalon in der Stadt kostete 1 Kugel 30 Rp.). Es gab täglich 4 Menus: Das teuerste (Suppe, Kotelette oder ähnlich, Gemüse, Dessert) zu Fr. 2.50. Das einfachere Menu kostete Fr. 1.80, die kleinere Portion für Senioren wurde mit Fr. 1.60 berechnet. Daneben gab es noch je ein süsses und ein vegetarisches Menu. Am Freitag war immer Wähentag.
Nachbarn der Cadores waren die Schumanns, die im Haus Neuwiesenstrasse 10 eine Metzgerei betrieben.
Im Nachbarhaus Wartstrasse 27 bestand das Lebensmittelgeschäft Konkordia.
Im Haus Wartstrasse 29 wohnte im ersten Stock eine Familie Werner, später die Tochter Hannelore.
Im 2. Stock wohnte eine Familie Bianchet einschliesslich der Schwiegermutter, Frau Hunkeler.
Das 3. Stockwerk bewohnte die Familie Cadore und teilweise Untermieter. Die Grossmutter Cadore, genannt Nonna, bewohnte ein Mansardenzimmer im Dachgeschoss.
Im Frühjahr 1967 gab die Mutter Cadore den Neuwiesenstern auf und sie zog mit ihrem Mann nach Serneus, um einer Schwester von Frau Cadore in deren Hotel Bad Serneus zu helfen. Das Restaurant wurde geschlossen und beherbergte ab 1970 die Kunstgalerie San Marco. Heute betreiben in den Räumen Claudia und Roger Willi ihren Coiffeursalon Rowi.
Peter Stierlin (<email-pii>)