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- Die Geschichten können je nach Kind sehr unterschiedliche Reaktionen auslösen. Es ist äusserst wichtig, dass die Fachperson die Geschichten gemeinsam mit dem Kind anhört und dieses dabei nicht alleine lässt. Das Kind muss spüren, dass eine verlässliche, erwachsene Person da ist, falls es den Wunsch hat, über das Gehörte zu sprechen.
- Vielleicht müssen während des Hörens Pausen eingelegt werden. Dem Kind soll die Möglichkeit gegeben werden, sich zu äussern, wenn Dinge in der Geschichte angesprochen werden, die es beschäftigen. In jedem Fall muss am Ende einer Geschichte genügend Zeit für eine mögliche Diskussion eingeplant werden. Man sollte jedoch nicht grundsätzlich erwarten, dass das Kind gleich nach dem Zuhören reagiert. Manche Kinder kommen mehrere Tage später auf das Gehörte zurück, oft in Momenten, in denen man es am wenigsten erwartet.
- Das Kind sollte nie dazu gedrängt werden, über seine Situation zu sprechen. Die Loyalität gegenüber den Eltern ist oft sehr gross und die Suchterkrankung als ein Geheimnis so gut gehütet, dass das Kind möglicherweise Schuld empfinden würde, wenn es etwas unter Druck preisgäbe. Es kann genügen, darüber zu sprechen, was Boby erlebt. Auch so kann ein Kind vieles von dem, was es selbst erlebt, verstehen. Zum Beispiel:
„Siehst du? Wenn Fred sagt, dass Boby immer schuld ist, wenn er sich mit seiner Frau streitet, dann stimmt das nicht. Es ist nicht der Fehler von Boby. Es ist Fred, der nicht weiss, wie er sich beruhigen kann.“ Oder: „Hast du bemerkt, dass Boby traurig ist, weil Fred ihn nicht zur Hundeschule begleitet hat? Er fühlt sich anders als die anderen Hundekinder, weil die anderen Herrchen da sind, aber Fred nicht.“
- Es ist möglich, dass Sie zur Vermutung kommen, dass ein Kind misshandelt wird. Wenn Sie sich Sorgen um die Sicherheit eines Kindes machen, sollten Sie in jedem Fall die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde Ihres Kantons (KESB) kontaktieren. In einem ersten Schritt können Sie die Situation, auch ohne Namen zu nennen, mit einer zuständigen Fachperson besprechen. Sich in einer schwierigen Situation an eine kompetente Stelle zu wenden, ist entlastend. Beachten Sie den Leitfaden für Fachpersonen „Unterstützung für Kinder aus suchtbelasteten Familien: Grundlagen und Interventionsmöglichkeiten“, welcher von Sucht Schweiz herausgegeben wurde und kostenlos bestellt oder heruntergeladen werden kann. Der Leitfaden ist ein wertvolles Arbeitsinstrument für alle Fachpersonen, die mit suchtbelasteten Familien in Kontakt stehen.
Zusammenfassend:
- Begleiten: Die Geschichten gemeinsam mit den Kindern anhören!
- Beobachten: Pausen machen, auf die Reaktionen des Kindes achten.
- Da sein: Raum geben für Diskussionen, die jederzeit stattfinden können.
- Nicht drängen: Das Kind muss sich nicht äussern oder antworten, wenn es das nicht möchte.
- Wenn ein Kind akut gefährdet ist, müssen Massnahmen getroffen werden.