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Sie betreiben eine der ältesten Websites. Wie hat das angefangen?
Ende der Achtziger gab ich Magazine heraus. In einem ging es um die Abenteuer der Büste von Richard Wagner, die mich immer begleitet, ein anderes hiess «Deuce of Clubs». Das ist die Kreuz Zwei, eine der niedrigsten Karten beim Pokern. So heisst auch meine Strasse in meiner Heimatstadt in Arizona – und so lautet mein Spitzname. Doc ist die Abkürzung davon. Als es den ersten Browser mit einer grafischen Benutzeroberfläche gab, machte ich den Sprung zum Online-Publishing. Deuce of Clubs – der Name ist geblieben. Auch der etwas wirre Inhalt.
Ihre Heimatstadt heisst noch dazu Show Low.
Angeblich kommt der Name von einer Marathon-Pokerpartie, in der es um die ganze Gegend ging.
Ihre Website ist durch eine einsame Telefonzelle im Nichts berühmt geworden.
Das war Zufall. In einem Leserbrief in einem Fanzine stand etwas über eine funktionierende Telefonzelle in der Mojave-Wüste, fernab der Strasse. Kurz nachdem ich auf meiner Website geschrieben hatte, dass ich dort anrufen wolle, interviewte ein Reporter der «New York Times» einen Mann, der eine Website über Münztelefone betrieb. Der erwähnte mein Projekt. Und los ging’s.
Sie haben eine Telefonzelle in der Wüste angerufen?
Wochenlang. Dann ging endlich eine Frau ran. Sie hatte eine Mine in der Nähe. Als ich später hingepilgert bin, hörte es gar nicht mehr auf zu klingeln. Das waren Leute aus aller Welt, die da anriefen.
Drei Jahre lang war die Mojave-Telefonzelle eines der ersten Internetphänomene. Warum wurde sie im Mai 2000 abgerissen?
Dort ist Naturschutzgebiet, der Behörde wurde der Rummel zu viel. Die Telefonzelle ist an ihrem eigenen Erfolg zugrunde gegangen. Aber ich bin glücklich zu sehen, dass die Menschen immer noch etwas über sie wissen wollen und liebevoll an sie denken.
Das Telefonieren hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Benutzen Sie ein Smartphone?
Ich hab eins, aber ich bespreche normalerweise wenig am Telefon. Auch wenn sich das vielleicht seltsam anhört, aber das war schon so, als ich Hunderte Meilen durch die Wüste gefahren bin, um an der Mojave-Telefonzelle zu telefonieren.
Sie zitieren den Schriftsteller J. G. Ballard: «Das war eine merkwürdig poetische Angelegenheit mit dieser Telefonzelle.»
Für mich ging es dabei um Verbindung. Zu Menschen und zur Wüste. Ich bin in der Wüste Sonora aufgewachsen. Ich mochte es, jeden Tag da anzurufen und den Freiton zu hören. Es war eine Art geistiger Besuch in der Wüste.
Dank den vielen Fans, die es per Crowdfunding finanziert haben, machen Sie jetzt ein Buch über Ihre Abenteuer mit der Mojave-Telefonzelle. Verraten Sie uns eines?
Einmal ist mein Auto in der Wüste zusammengebrochen – es ist ein fahrendes Kunstwerk, das dem Trompeter Herb Alpert gewidmet ist –, und meine Begleiter wurden von einem Wüstenwahnsinnigen mit einer Pistole bedroht.
Stimmt es, dass Sie eine Telefonzelle in Ihrem Wohnzimmer haben?
Hatte ich. Ich hab sie sogar mal rausgeschleppt zu der Mojave-Telefonzelle, um sie beide nebeneinander stehen zu sehen. Aber kurz darauf hab ich meine ganzen Sachen an einen abgelegenen Ort gebracht, weil ich da hinziehen wollte, da ist sie gestohlen worden.
Was ist für Sie derzeit das Interessanteste im Internet?
Ich bin schwer fasziniert von der südafrikanischen Band Die Antwoord, die hauptsächlich im Netz agiert.