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Viel wurde im Vorfeld des letzten Gruppenspiels der Schweizer Nationalmannschaft über Manaus geredet, die Stadt mit dem mörderischen Klima. Wir zeigen die Fakten zum umstrittensten Spielort der Fussball-WM.
In der Arena da Amazônia in Manaus findet heute das kapitale letzte WM-Gruppenspiel der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft gegen Honduras statt. Der Austragungsort hatte bereits nach der Auslosung für viel Gesprächsstoff gesorgt. Nationalcoach Ottmar Hitzfeld übte harsche Kritik an der FIFA: «Ich finde das unverantwortlich, dass man an einem solchen Ort mitten im Dschungel im Amazonasgebiet Fussball spielen muss.»
Wie schlimm ist Manaus wirklich? Die Lage im Amazonasregenwald ist nur einer von zahlreichen Faktoren, die die Stadt zur speziellsten Spielstätte der Fussball-WM 2014 in Brasilien machen. Wir stellen die wichtigsten vor:
Manaus wurde 1669 von den Portugiesen gegründet. Lange war es ein unbedeutendes Dorf, bis der Amerikaner Charles Goodyear 1839 die Vulkanisation von Kautschuk entdeckte und den Gummi erfand. Die Nachfrage nach Kautschuk explodierte. Weil der Baum, aus dem der zähflüssige Stoff gewonnen wird, nur im Amazonasgebiet existierte, wurde Manaus zum Zentrum des Exports. Die Stadt erlebte einen sagenhaften Boom, sie baute unter anderem das erste Tram Brasiliens (Bild). Die Kehrseite war die Versklavung Tausender Ureinwohner. Als der Kautschukbaum nach 1910 in Asien angepflanzt wurde, zerfielen die Preise. Manaus versank im Dornröschenschlaf.
Um der Wirtschaft von Manaus auf die Beine zu helfen, wurde 1967 eine Freihandelszone (Zona Franca) geschaffen. Zahlreiche Unternehmen liessen sich in der Stadt nieder, darunter internationale Multis wie Honda und Samsung. Mit dem neuen Boom wuchs die Einwohnerzahl stark an, heute leben rund zwei Millionen Menschen in der Dschungel-Metropole. Manaus ist eine der reichsten Städte Brasiliens.
Das bekannteste Relikt des Kautschukbooms und Wahrzeichen der Stadt ist das Teatro Amazonas, die Oper von Manaus. Der wirtschaftliche Niedergang bedeutete für sie das Aus, doch in den 1980er Jahren wurde die Oper aufwändig renoviert und 1990 neu eröffnet. Heute finden regelmässig Vorstellungen statt. Es gibt sogar ein jährliches Opernfestival in Manaus. Das Teatro Amazonas inspirierte den deutschen Regisseur Werner Herzog zu seinem umstrittenen Film «Fitzcarraldo» mit Klaus Kinski.
Manaus ist eine der abgelegensten Grossstädte der Welt. Bis zur Mündung des Amazonas in den Atlantik sind es rund 1500 Kilometer. Auf dem Landweg sind die Ballungszentren Brasiliens nicht zu erreichen. Es gibt nur eine Strasse, und die führt Richtung Norden nach Venezuela. Ansonsten ist die Stadt nur mit dem Schiff oder per Flugzeug erreichbar.
«Es gibt in Manaus nur zwei Jahreszeiten: Sommer und Hölle.» So lautet eine lokale Redensart. Klimatisch ist die Tropenmetropole eine Herausforderung, nicht nur für Fussballer. Die Temperatur liegt das ganze Jahr bei 30 bis 40 Grad. Hinzu kommt eine Luftfeuchtigkeit von rund 80 Prozent, was die gefühlte Temperatur noch wärmer macht. Die jährliche Regenmenge beträgt mehr als 2000 Millimeter, zwei- bis dreimal so viel wie in Mitteleuropa. Etwas weniger Niederschlag fällt nur in der «Trockenzeit» von Juni bis September.
Die Natur zählt zu den grossen Sehenswürdigkeiten von Manaus. Ein besonderes Spektakel ist das Encontro das Aguas (Treffen der Wasser), der Zusammenfluss von Rio Negro und Rio Solimoes, zwei der grössten Arme des Amazonas. Zwischen den beiden Flüssen gibt es eine deutliche Trennung. Grund ist die unterschiedliche Eigenschaft des Wassers. Jenes des dunklen Rio Negro ist sauer, das des Solimoes basisch. Der Negro ist zudem deutlich wärmer.
Ob exotische Fische, Riesenschlangen oder giftige Spinnen – nirgends leben so viele Tierarten wie im Regenwald des Amazonas. Es gibt Schätzungen von Wissenschaftlern, wonach erst etwa zehn Prozent aller in Amazonien vorkommenden Spezies klassifiziert worden sind. Der Artenreichtum zieht zahlreiche Touristen an. Gleichzeitig wird er bedroht durch die zunehmende Nutzung und Abholzung des Urwalds.
Die Arena da Amazônia fasst 45'000 Zuschauer. Sie ist einem indigenen Korb nachempfunden und wurde eigens für die Fussball-WM erbaut. Was nach den vier WM-Partien mit dem Stadion geschieht, ist unklar. Es gibt in Manaus keinen konkurrenzfähigen Fussballklub, der ein grosses Publikum anzieht. Angeblich gibt es Bestrebungen, mit Hilfe der ansässigen Unternehmen ein solches Team zu gründen. Ob es gelingt, scheint zweifelhaft.
Bauten wie die Arena da Amazônia werden gerne als «weisse Elefanten» bezeichnet. Was es in Manaus tatsächlich gibt, sind rosafarbene Amazonasdelfine. Bootsausflüge, bei denen man mit den zutraulichen Tieren schwimmen kann, sind eine der grössten Touristenattraktionen der Dschungelstadt.