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(franz., vom span. und ital.
infante, »Knabe, Knecht, Fußsoldat«),
seit dem 17. Jahrh. übliche, heute allgemeine Bezeichnung des Fußvolkes in den Heeren.
Die I. ist die älteste und ursprünglichste Art der Kämpfer und von jeher der Kern und Hauptbestandteil aller
geordneten Heere. Sie wird zwar von der Reiterei übertroffen an Schnelligkeit und Wucht des Angriffs, von der Artillerie an Tragweite
und Wirksamkeit des Feuers, aber sie allein kann selbständig ein Gefecht führen, ist unabhängig vom Gelände (die Waffe für
alle Fälle) und entscheidet allein über den dauernden Besitz des Kampffeldes; sie bildet somit in allen
Heeren die erste Hauptwaffe und die Hauptmasse. Dagegen wird sie in der geplanten Schlacht wie im Kampf um befestigte Stellungen
der Artillerie nicht nur eine wesentliche Mitwirkung, sondern auch einen Teil der Vorbedingungen des Erfolgs überlassen
müssen. In der Bedeutung
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Bei den Römern waren die den schweren Spieß führenden Triarier die eigentlich schwere I., die mit dem Pilum
[* 7] bewaffneten Hastaten
und Principes eine mittlere, die Veliten erst die leichte I. (s. Fechtart).
[* 8] Ähnliche Einrichtungen bestanden bei allen Kulturvölkern
des Altertums. Ein Versuch des Marius, eine einheitliche I. in Bewaffnung und Verwendung zu schaffen, mißglückte;
in der spätern Kaiserzeit verfiel die I. gänzlich und tritt hier wie bei den andern Kulturvölkern in den ersten Jahrhunderten
des Mittelalters nirgends besonders hervor.
Nach Karl d. Gr. aber bleibt sie hinter der Reiterei des aufblühenden Rittertums mehr und mehr und schließlich
ganz zurück, um erst in den Freiheitskämpfen der Schweizer gegen Österreich
[* 9] und Burgund und in den Hussitenkriegen von neuem
zur Hauptwaffe sich aufzuschwingen. Ihre Hauptwaffe, die Hellebarde, zum Handgemenge zwar vortrefflich, reichte indes nicht
aus, die zum Fußkampf abgesessenen, schwer gepanzerten Ritter, wie bei Sempach, zu durchbrechen. Dies zwang sie,
einen Teil der I. auch mit Schild und Panzer und langem Spieß zu waffnen; die Hauptmasse jedoch blieb, um leicht beweglich
zu sein, ohne Rüstung und führte in wachsender Zahl die Armbrust
[* 10] und später Feuergewehre, doch blieb der Spieß, welcher
bald die Hellebarde verdrängte, noch lange Hauptwaffe.
Durch die Einführung des Bajonetts war die Pike ersetzt. Die mit der Bajonettflinte (fusil) bewaffnete I.
wurde nach ihr Füsiliere (s. d.) genannt. Da dieselbe bald die alleinige Waffe bildete, war auch in dieser Beziehung eine
Einheitsinfanterie erreicht. Allerdings waren auch die Namen der Musketiere und Grenadiere (s. d.) geblieben, doch bestanden
Unterschiede in der taktischen Verwendung, mit Ausnahme der Grenadiere, nicht. Je mehr die Waffe an Feuerwirkung
gewann, um so geringer wurde die Tiefe der Aufstellung behufs Ausnutzung des Feuergewehrs.
Und dennoch machte sich auch ihm das Bedürfnis nach leichter I. für den Sicherheitsdienst und den kleinen Krieg
fühlbar, obgleich es ihm gelang, die Kavallerie für diesen Dienst zu einer noch heute mustergültigen Entwickelung zu bringen.
So entstanden die Jäger, die Schützen, die Freibataillone und Freiregimenter als Ergänzung der Linieninfanterie, die für
das zerstreute Gefecht unverwendbar war, auch nicht verwendet werden durfte, da Friedrich d. Gr. ihr das Betreten
von Ortschaften auf dem Schlachtfeld untersagt hatte.
Eine numerisch geringe Ausnahme machten die mit gezogenen Gewehren (Büchsen) bewaffneten Scharfschützen (Jäger), die gegenüber
der das glatte Gewehr führenden I. für das Schützengefecht ebenso geeignet wie unentbehrlich waren. Aber auch Napoleon ist
seinem Ausspruch: »Ich will nur Eine I., aber eine gute!« nicht treu geblieben. Er bildete durch Auswahl
der Offiziere und Mannschaften aus allen Regimentern eine Eliteinfanterie, seine Garden (s. d.), eine Schlachtenreserve und
in jedem Bataillon eine Elite, die Voltigeurkompanie, aus kleinern, gewandtern und intelligenten Leuten für den Schützenkampf.
Diese Einrichtung fand nach dem Vorgang Österreichs in Preußen
[* 17] 1812 darin Nachahmung, daß der dritte
Zug
jeder Kompanie einen Schützenzug bildete und dem entsprechend die besten Schützen und gewandtesten Leute erhielt. Dem gleichen
Gedanken entsprach die Formierung der Füsilierregimenter aus den ehemaligen Reservebataillonen bei Reorganisation der
preußischen Armee 1860. Die
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mehr
Fortschritte im Waffenwesen, die Einführung der gezogenen wie der Hinterladungsgewehre und die gleichmäßige Bewaffnung
der gesamten I. mit denselben vermischte nach und nach die frühern hierauf begründeten Unterschiede in der I. Als aber
durch die Erfahrungen der Kriege von 1866 und 1870/71 die Taktik der Kompaniekolonnen, welche von jeder Kompanie
die gleiche Befähigung zum Schützenkampf forderte, zur Geltung kam, wurden 1876 die Züge der dritten Glieder
[* 19] beseitigt.
Eine verschiedene Verwendung einzelner Teile der Kompanien ist ausgeschlossen, die ausgedehnte Anwendung des Schützenkampfes
erfordert, daß nicht nur Kompanien, sondern ganze Regimenter und Brigaden in denselben eingreifen. Wir haben jetzt also in der
That eine Einheitsinfanterie. Die beibehaltenen Bezeichnungen Grenadiere, Musketiere und Füsiliere sind
nominell und haben nur Bedeutung in der Erhaltung geschichtlicher Erinnerungen. Auch unsre Jäger (s. d.) machen keine Ausnahme
mehr, die ihnen allerdings 1866 nach dem Reglement noch gewahrt war, durch den Kampf selbst aber aufgehoben wurde.
Immerhin werden die Jäger vorzugsweise der Avantgarde und Detachements zugeteilt. Das deutsche Reichsheer
hat 165 Infanterieregimenter, von diesen sind 11 Garde-, 19 Grenadier- und 19 Füsilierregimenter, ferner 20 Jägerbataillone;
Frankreich hat 144 Infanterieregimenter, 30 Jägerbataillone;