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Am Anfang meines beruflichen Lebens, ich war seit zwei Jahren in der Erwachsenenbildung, da hatte ich einen quirligen, umtriebigen und erfahrenen Vorgesetzten. Er lernte mich vor allem eines: In Varianten zu denken. Das hiess: Wenn ich ein Grobkonzept erstellte, dann fragte er mich, welche anderen konzeptionellen Möglichkeiten es gäbe; wenn ich ein Drehbuch für ein Seminar schrieb, dann forderte er mich heraus, andere Durchführungsvarianten zu skizzieren; wenn ich ein Seminar gab, dann trieb er mir den Schweiss ins Gesicht, weil er unter Wahrung der Ziele je nach Verlauf stündlich andere Vorgehensweisen ausprobierte. Seit jener Zeit habe ich diesen Ansatz als Denkhaltung übernommen. Ich frage beständig nach Alternativen, passenderen Vorgehensweisen, neuen Ansätzen.
Das Vorgehen hat sich in meinen Beratungen als wichtiges Vorgehen etabliert: Ich skizzieren mit meinen Klienten Lösungsvarianten. Oft lasse ich sie skalieren: Welche wäre eine Nulllösung? Was kostet wenig Kraft? Was wäre eine mässig aufwändige Variante? Wie würde die Maximalvariante aussehen? Was liegt noch leicht darunter? Manchmal wende ich visuell das sogenannte Tetralemma an: Was ist Variante A (entweder), was Variante B (oder)? Wie sieht das sowohl-als-auch aus, wie das weder-noch? Und was wäre eine ganz andere Möglichkeit?
In meinem neuen Lebensabschnitt bin ich nun herausgefordert, dieses Variantendenken auf eine neue Art und Weise auf mein Leben anzuwenden. Bisher hat mir mein Kopf oft eine Maximalvariante vorgegeben. Jetzt bin ich gefordert, Rücksprache mit meinem Körper zu nehmen und diese Ziele neu zu definieren. Liegt das drin? Fühle ich mich noch wohl? Welche Signale sendet mir mein Körper?
Und es gibt auch die Gegenseite: Ich werde gefordert sein, zugunsten meiner Gesundheit ab und zu auf Varianten zu verzichten, eine näher liegende Lösung zu wählen, meine Kräfte realistisch abzuschätzen. Ich werde mich an den von Gott auferlegten Beschränkungen orientieren müssen, der gesagt hat: Meine Gnade genügt dir. Meine Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung (nach 2. Korinther 12).