Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03268.jsonl.gz/2869

Haben Wind und Erosion die Sphinx von Gizeh geformt?
Ist die Sphinx von Gizeh eigentlich ein Yardang, der von Bauleuten nur noch bearbeitet worden ist? Das dem tatsächlich so sein könnte, legt ein Experiment eines US-Forschungsteams nahe. – Yardangs sind ungewöhnliche durch Wind und Erosion entstandene Felsformationen in der Wüste.
Quelle: Radosław Botev, CC BY 3.0 pl
Die Grosse Sphinx von Gizeh wurde vermutlich während der Herrschaft von Pharao Chephren errichtet, zwischen 2520 und 2494 v. Chr.
Seit Jahrtausenden wacht die Grosse Sphinx vor den Pyramiden von Gizeh. Und seit Jahrhunderten gibt sie Rätsel auf – und beschäftigt Geschichtsinteressierte und Archäologen. Eines ihrer Geheimnisse versuchte ein Team um Leif Ristroph vom Courant Institute of Mathematical Sciences von der New York University zu lüften: Jenes, wie der Baugrund vor über 4500 Jahren ausgesehen hat, als auf ihm die Bauleute des Pharaos die Sphinx errichteten.
In diesem Zusammenhang stellten sie die Frage, inwiefern die natürliche Umgebung den Bau der Sphinx beeinflusst hat. Das heisst, ob der Wind im Laufe der Zeit möglicherweise so auf Felsformationen eingewirkt hatte, dass die Landschaft zum Teil erodierte und im Zuge dessen sich sozusagen die Sphinx in ihren Grundzügen beinahe von selber formte und die Menschen «nur» noch nachgeholfen haben? Wenn ja, dürfte der Sphinx ein sogenannter Yardang zu Grunde liegen; Ein Yardang ist eine ungewöhnliche Felsformation in der Wüste, die ihre Form dem Wind, dem Staub und dem Sand verdankt.
Erosion und eine künstliche Landschaft im Labor
Quelle: Bild mit freundlicher Genehmigung des Institute of Mathematical Sciences der NYU
Eine Sphinx wird im Experiment geformt: Der Wind oder im Experiment das Wasser strömt gegen Lehmhügel, wobei härteres Material zum "Kopf" wird und zu Pfoten und zum Rücken.
Um dies herauszufinden, bildeten Ristroph und seine Kollegen das Gelände, wo sich die Sphinx befindet, mit weichen Lehmklumpen und weniger erodierbarem Material nach. Darauf liessen sie Wasser über die künstliche Landschaft fliessen und simulierten so den Wind: Es trug und schliff das weiche Material ab, während das robustere erhalten blieb. Tatsächlich bildete sich bei diesem Prozess eine Form heraus, die an die Sphinx von Gizeh erinnert: mit Kopf, Hals, langen Pfoten und einem Rücken. Dies liefere eine mögliche Erklärung dafür, wie sphinxähnliche Formationen durch Erosion entstehen könnten, wird Ristroph in der Medienmitteilung der Universität zitiert. «Unsere Experimente zeigen, dass die erstaunlichen Formen tatsächlich aus Material, die von schnellen Strömungen erodiert werden, hervorgehen können.»
Laut Ristroph könnte auch die Geologie von den Forschungsresultaten seines Teams profitieren: Sie zeigten,
welche Faktoren Gesteinsformationen beeinflussen, nämlich dass sie nicht
homogen oder einheitlich zusammengesetzt seien. «Die Formen ergeben
sich daraus, wie die Ströme um die härteren oder weniger erodierbaren
Teile herum geleitet werden.» (mai)
Quelle: Dcpeets, eigenes Werk, CC BY-SA 4.0
Yardangs im Yadan Landforms National Park in Dunhuang, China. Ebenso vom Wind geschaffene Formationen finden sich auf der ganzen Welt.