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- Warren Beatty, dem als Clyde Barrow im Gangsterfilm «Bonnie und Clyde» (1967) der Durchbruch gelang, feiert seinen 80. Geburtstag.
- In Hollywood galt er wegen seiner unzähligen Affären als Goldjunge der Klatschpresse.
- Beatty war nicht nur Schauspieler, sondern auch Drehbuchautor und Regisseur. Er war beteiligt an der Geburtsstunde des sogenannten «New Hollywood» in den Siebzigern.
«I wasn't trying to be funny!» – Ich habe gar nicht versucht, witzig zu sein! Auf diese Weise bemühte sich Warren Beatty an der diesjährigen Oscarverleihung, die Verwirrung um den falschen Zettel im letzten Umschlag der Veranstaltung aufzuklären.
Während vielen Menschen hinter seinem Rücken die Kinnlade herunterfiel, blieb er ruhig, sprach lächelnd ins Mikrofon, fasste das Vorgefallene zusammen, strahlte verschmitzt ins Publikum und genoss es, im Zentrum eines absurden Moments zu stehen.
Erst Herzen brechen, dann heiraten
Beattys souveräne Haltung erinnerte daran, dass dieser Mann seit jeher mit allen Wassern gewaschen ist. Was alle wissen: Er war der blendend schöne Clyde Barrow aus «Bonnie and Clyde» (1967), er war der unbestrittene Rekordhalter in Sachen Schürzenjagd in der Filmmetropole, bevor er 1992 die Schauspielerin Annette Benning heiratete.
Die als Quelle nicht zwingend verlässliche Internet Movie Database nennt gar rund 100, meist prominente Frauen, mit denen Beatty eine Affäre gehabt haben soll. Beatty selbst lacht heute darüber, aber eines darf man ihm zugute halten: Er hat die Klatschpresse in den freizügigeren Epochen der USA nie darben lassen.
Vom Golden Boy zum Bad Boy
Es gibt da aber noch diesen anderen Warren Beatty: Den Draufgänger, der nach ersten Erfolgen als Schauspieler eigenhändig ins Filmgeschäft eingriff, sobald er die notwendigen Mittel und Beziehungen dazu hatte. Dazu muss man wissen: «Bonnie and Clyde» war nicht nur ein Starvehikel. Es war seine Idee gewesen.
Er produzierte den Film mit eiserner Hand, obwohl ihm wiederholt gesagt wurde, nach dem Rücktritt von James Cagney wolle niemand mehr Gangster auf der Leinwand sehen.
Der kaputteste aller Cowboys
«Bonnie and Clyde» war der erste von mehreren Versuchen, den rebellischen Geist der Zeit aufzugreifen und mit Leuten zu arbeiten, die ihre Filme als Gegenentwürfe zum serbelnden Studiosystem verstanden. Es mag zwar etwas in Vergessenheit geraten sein, aber Beatty war massgeblich beteiligt an der Geburtsstunde des sogenannten «New Hollywood» in den Siebzigern.
Wir erinnern uns, dass er in Robert Altmans desillusionierten Antiwestern «McCabe & Mrs Miller» (1971) nicht nur den kaputtesten aller Cowboys spielte, sondern sich auch eine erstmalige Nennung als Drehbuchautor im Vorspann sicherte.
Wobei dieser Credit nicht viel heissen will: Viele Dialoge des Films sind gemurmelt, unverständlich. Egal, ob Beatty hier tatsächlich mitgeschrieben oder nur improvisiert hat – diese Art von impressionistischem Sound Design war damals neu und waghalsig.
Politisch direkt und nicht immer erfolgreich
Warren Beatty spielte nicht nur Antihelden, er inszenierte sich auch selbst als einer. Als Regisseur der freizügigen Komödie «Shampoo» (1975) engagierte er den eigenbrötlerischen Hippie Hal Ashby und nahm darin sein Image als Frauenheld und zeitgleich das zerstrittene Nixon-Amerika aufs Korn. Die Kritiker und das Publikum reagierten verhalten.
Für Beatty kein Grund, sich zurückzunehmen: Mit «Heaven Can Wait» (1978) inszenierte er seinen persönlichen Mix aus Sex und Politik gleich selbst. Es ging diesmal um Körpertausch, Gattenmord und Umweltschutz. Und weil der Film romantisch war, hatte er Erfolg.
Auf einen Erfolg folgte ein Flopp
Was Beatty dazu anspornte, nun aufs Ganze zu gehen: Mitten im kalten Krieg inszenierte er mit «Reds» (1981) ein über dreistündiges Drama, das sich unverhohlen um seine kommunistischen Ideale drehte. Drei Oscars warf dieses Mammutprojekt ab – Beatty wurde mitunter als bester Regisseur ausgezeichnet.
Doch einige Jahre später folgte wieder ein nachhallender Tiefschlag: Elaine Mays Blödelkomödie «Ishtar» (1987), die Beatty produzierte und an der Seite von Dustin Hoffman bestritt, fiel bei Kritik und Publikum schmerzhaft durch.
Anarchist und Spassmacher
Doch seinen gewagtesten Streich hatte Beatty zu diesem Zeitpunkt noch vor sich. In der extrem bissigen Politsatire «Bulworth» (1998) inszenierte er sich selbst als einen überforderten demokratischen Senator, dessen Wahlkampf in einer Szene gipfelt, in der er öffentlich seine Affäre mit einer Afroamerikanerin verarbeitet und zur endgültigen Provokation ansetzt: «Wir sollten alle miteinander schlafen, bis es nur noch eine Hautfarbe gibt!» Das denkbare Ergebnis: Tumult.
Tumult, wie auch an den diesjährigen Oscars, als der verdatterte Moderator Jimmy Kimmel dem abwiegelnden Warren Beatty zu bedenken gab: «Aber Du warst doch wirklich lustig, Warren.» Zum 80. Geburtstag können wir uns diesem Kompliment anschliessen: Lustig, aber viel mehr als das.