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Denke ich an meine Schulzeit zurück, muss ich der Ehrlichkeit halber sagen, Geschichte war nicht gerade mein Lieblingsfach. Vielleicht lag es an der Materie, vielleicht aber auch an meinen Lehrern, welche selbst schon Geschichte hätten schreiben können. Trotzdem oder genau daher verfasse ich heute zum Thema Pferdegeschichte einen Blog. Denn ich habe bemerkt, dass es mit Geschichte genau gleich ist wie mit vielen anderen Dingen. Verknüpft man etwas das man nicht so mag, mit etwas das einem fasziniert, kann plötzlich alles ganz spannend sein.
Domestikation
Unter dem Wort Domestikation wird die Umzüchtung wilder Tiere zu Haustieren verstanden. Die Domestikation steht daher in engem Zusammenhang mit der Tierzucht. Der Begriff ist jedoch nicht mit Zähmung von Tieren gleichzustellen. Pferde wurden zwischen 4500 - 3400 v. Chr. domestiziert. Die Domestikation des Pferdes dauerte lange und erfolgte verglichen mit anderen heutigen Haustieren relativ spät in der Geschichte. Man nimmt an, dass der Grund dafür die Schwierigkeiten beim Einfangen, der Züchtung und der Fütterung waren. Mithilfe von genetischen Codes konnte festgestellt werden, dass der Domestikationsprozess in verschiedenen Regionen stattfand. Man geht heute davon aus, dass zuerst die Reitere stattfand und erst dann die Umzüchtung der Tiere.
Steinzeit
In der Steinzeit wurden die Pferde an Höhlenwände gemalt. Die Tiere wurden mit Stehmähne und Rückenlinie abgebildet. Die Höhlenmalerei lässt sehr viele Fragen offen. Bis heute weiss man nicht, ob die Gemälde Wegweiser für die Jagt waren oder eine religiös- spirituelle Bedeutung hatten.
Erste Reiter und erste Wagen
Die erste Reiterei ist ungefähr im Jahr 3500- 3000 vor Christus anzusiedeln. Aus dieser Zeit stammen die Funde von ersten Gebissen aus Kazakhstan. Höchst wahrscheinlich wurden die Pferde damals für die Jagd verwendet. Die ersten Wagen tauchten dann 3000 vor Christus in der Türkei und dem Iran und 2000 vor Christus in Mesopotamien und Syrien auf. Zuerst wurden die einachsigen Wagen nur für Festprozessionen verwendet und bestanden aus massiven Scheibenrädern. Erst später fanden sie ihren Einsatz als Streitwagen.
Geschichte der Reiterei
Die Bedeutung des Pferdes als Fortbewegungsmittel stieg sehr rasch an. Ab 2000 vor Christus entwickelten sich Streitwagen in verschiedenen Regionen der Welt. Ungefähr 1000 Jahre später dann die Entwicklung von Reiterkriegertum in den eurasischen Steppen. Die ersten Texte zum Pferdetraining und der Pferdehaltung wurden in der Türkei gefunden und stammen von ca. 1500 vor Christus. Geschrieben wurden die Texte von „Pferdetrainier“ Kikkuli. Bereits Kikkuli schrieb Aussagen nieder, die bis heute Gültigkeit haben. Zum Beispiel erwähnte er schon damals bei der Ausbildung von jungen Pferden das Arbeiten an der Hand. Ebenfalls schrieb er, dass Einfühlsamkeit in der Ausbildung sehr wichtig ist. Auch Aussagen wie, das Anheben der Fütterung bei höherer Leistung oder täglicher Weidegang, sind in den Schriften von Kikkuli zu lesen.
Die Reitervölker bildeten sich um 800 vor Christus. Sie lösten die Streitwagen zum grössten Teil ab. Diese Entwicklung hat grosse weltgeschichtliche Bedeutung.
Früher war hohes reiterliches Geschick gefragt. Zuerst wurde ohne Sattel und freihändig geritten. Wendigkeit, Gleichgewicht und ähnliches waren von sehr grosser Bedeutung. Erst etwas später erfanden die Reitervölker Sattel und Bügel.
Im 5./4. Jahrhundert schrieb Xenophon, der älteste Reitmeister, Geschichte. Das von ihm verfasste Werk „Über die Reitkunst“ ist bis heute sehr bekannt. Viele seiner Grundsätze gelten bis heute. Zum Beispiel lehnte er Gewalt strikt ab und das Belohnen der Tiere war für ihn eine wichtige Ausbildungshilfe.
Das Buch von Xenophon ist beispielsweise unter folgendem Link zu bestellen: Xenophon über die Reitkunst
200 vor Christus entwickelten die Römer sogenannte Hipposandalen. Sie bestanden aus Bronze oder Eisen und wurden mit einem Lederriemchen befestigt. Diese Art von Hufschutz war jedoch nicht sehr Haltbar und flog in hohem Tempo ab oder die Riemchen verursachten Schürfstellen. Hufeisen wie wir sie heute kennen wurden wohl von den Kelten erfunden und von den Römern modifiziert.
Im Mittelalter dienten die Pferde, zum Beispiel unter Dschingis Khan, zur Eroberung eines Weltreichs. Pro Reiter wurden bis zu fünf Pferde mitgeführt und die Horden bestanden aus bis zu 10‘000 Mann. Zahlen und Mengen die man sich heute kaum mehr vorstellen kann.
Das Rittertum in Europa entwickelte sich um 800 durch Karl den Grossen. Die Reiterei war in Europa damals ausschliesslich für die gehobene Schicht aufgrund der hohen Kosten und somit ein Zeichen des Wohlstandes.
Ein paar Eckdaten aus neuerer Zeit:
Ab dem 16. Jahrhundert entwickelten sich die hohen Schulen. Ihr ursprünglicher Zweck hatte militärischen Hintergrund. Es wurden Reitakademien gegründet wie zum Beispiel die von Grisone. Frederigo Griso war ein italienischer Reitmeister. Seine Gewaltschule basierte darauf, dass die Pferde die grösste Angst vor dem Reiter haben und dadurch gehorchen. Seine Hilfe zur Ausbildung war im Gegensatz zu Xenophon das Bestrafen der Tiere. Seine Schule hatte grossen Einfluss auf die europäisch/deutsche Reitweise.
Pferde im 19. Jahrhundert:
Dieses Zeitalter war der Start der industriellen Revolution. Die Pferde wurden in dieser Zeit hauptsächlich in der Landwirtschaft, im Bergbau, der Industrie und im Kommunaldienst eingesetzt. Ebenfalls fand im 19. Jahrhundert das erste Reitturnier statt. Am 15. April 1864 wurde in Dublin zum ersten Mal turniermässig Dressur geritten und gesprungen. Anschliessend fand eine rasante Verbreitung des Turniersports in Europa statt. Der Reitsport wurde damals auch als „Militärsport“ bezeichnet und hauptsächlich von Offizieren betrieben. Die ersten Reitwettbewerbe an Olympischen Spielen fanden 1912 statt.