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Es hat sich gezeigt, dass die Befürchtungen der im «Zürcher Appell» vereinigten Persönlichkeiten übertrieben und nicht begründet waren. Weder sind die Unabhängigkeit der Universität noch die Freiheit von Lehre und Forschung gefährdet, und die Universität kann auch nicht als Interessenplattform missbraucht werden. Die Vermutung, dass den Kritikern vielleicht weniger die Zukunft der Universität am Herzen lag als vielmehr die Möglichkeit, der UBS eins auszuwischen, ist wohl nicht ganz abwegig. Was bleibt von dieser Auseinandersetzung übrig, nachdem sich die ganze Angelegenheit in der Rückschau als Sturm im Wasserglas entpuppt hat?
- Universitäten sind keine fest strukturierten Einheiten, in denen über alle Wissenschaftsdisziplinen und Fakultäten hinweg Loyalität gepflegt und das akademische Ethos gleich interpretiert wird. Insofern gibt es wahrscheinlich auch kein einheitliches Wissenschaftsverständnis. Der von einem früheren Zürcher Erziehungsdirektor geprägte Ausspruch, dass Universitäten einer Republik von Königreichen ähneln, kommt nicht von ungefähr.
- Auffallend ist, dass die Kritik am Rahmenabkommen mehrheitlich von emeritierten Professoren der Philosophie, des Rechts, der Geschichte und der Theologie stammte. Weder sind diese Disziplinen in den globalen wissenschaftlichen Wettbewerb eingebunden noch dürften deren Vertreter mit dessen Praktiken besonders vertraut sein. Insofern ist die Kritik des «Zürcher Appells» nicht nur ein Misstrauensvotum gegenüber den Kollegen des Volkswirtschaftlichen Instituts, sondern auch gegenüber der Universitätsleitung. Dies zeugt nicht gerade von einem guten Betriebsklima.
- Die Qualität der Forschung hängt weniger von der Art der Finanzierung ab, sondern vielmehr von den konkreten Resultaten und deren Aufnahme in der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft. Entscheidend sind die Originalität und die Bedeutung der wissenschaftlichen Arbeit sowie die Seriosität des Forschers. Insofern richtet sich die Frage der Unabhängigkeit oder Käuflichkeit immer an den einzelnen Wissenschafter und nicht an die Universität als Ganzes. Es würde wohl niemandem einfallen, den Beitrag von Craig Venter zur Entzifferung des menschlichen Genoms gering einzuschätzen, nur weil es sich bei seiner Firma um ein privates Unternehmen handelt, das im Wettstreit mit dem staatlich finanzierten «Human-Genom-Projekt» am Schluss die Nase vorn hatte.
- Es spricht einiges dafür, dass Drittgelder – dazu gehören auch Sponsoring und private Forschungsförderung – als Finanzierungsquelle von Universitäten in der Zukunft wichtiger werden. Selbst wenn Bildung und Forschung für die Schweiz prioritär sind, sind die entsprechenden staatlichen Ausgaben nicht sakrosankt. Diese lassen sich nicht einfach aus dem Verteilungskampf um knappe staatliche Mittel heraushalten. Es wäre töricht, wenn sich die Universitäten nicht von sich aus um private Forschungsgelder und Sponsoring kümmern würden. Es ist ohnehin nicht zu befürchten, dass diese Gelder in der Schweiz derart ins Kraut schiessen, dass dadurch das Primat der staatlichen Universitätsfinanzierung gefährdet werden könnte.
- Grundsätzlich ist es nicht a priori schlecht, wenn sich Unternehmen für bestimmte Wissensgebiete interessieren. Die Schweiz kann global nur wettbewerbsfähig und innovativ bleiben, wenn das Verhältnis zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Universitäten unverkrampft ist. Entscheidend ist deshalb, dass private Forschungsförderung und Sponsoring so in die Strategie einer Universität integriert werden, dass die akademische Freiheit in Lehre und Forschung sowie die Professorenberufung nicht eingeschränkt werden.
- Es braucht für Sponsoring und private Forschungsgelder keine gesamtschweizerischen Regeln, wenn die Autonomie der Universitäten Sinn machen soll. Niemandem kommt es in den Sinn, den amerikanischen Eliteuniversitäten Harvard, Princeton oder Yale vorzuwerfen , sie würden wegen der privaten Finanzierung ihre Unabhängigkeit, Glaubwürdigkeit und Reputation aufs Spiel setzen. Jede Universität muss selbst in der Lage sein, mit den Erwartungen von Wirtschaft und Gesellschaft fertig zu werden und sich Regeln geben, die ihrer Freiheit, Glaubwürdigkeit und Selbstbestimmung gerecht werden. Dass sich dabei eine Universität auch Gedanken über das ethische Verhalten von Spendern macht, ist selbstverständlich. Bedenklich wäre es jedoch, wenn jede Beziehung zwischen Universität und Wirtschaft von vorneherein als kompromittierend angesehen würde.