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Meppel – Noordscheschut – Nieuw Amsterdam – Veenparkmuseum – Emmer-Compascuum – Haren
(Hoogeveensche Vaart, Verlengde Hoogeveensche Vaart, Erica – Ter Apel kanaal- Haren-Rütenbrockkanal; 100.7 km, 17 Schleusen, 48 Dreh- und Hebebrücken)
Will man von Meppel im Osten der Niederlande nach Deutschland, so gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder man fährt nördlich nach Groningen und dann innen herum durch den Stadskanaal, den Musselkanaal, den Ter Apelkanaal und schliesslich den Haren-Rütenbrock Kanal zur Ems. Oder man fährt noch weiter nördlich hinauf, nach Delfzijl, dann aussen herum über den Dollart in die Emsmündung und von dort auf der Ems zu Berg.
Seit dem 8. Juni 2013 gibt es eine dritte Möglichkeit. Die Niederländer haben mit einem neu gegrabenen Kanal die Lücke von 3.5 km zwischen der verlängerten Hoogeveenschen Vaart und dem Haren-Rütenbrock Kanal geschlossen. Dieses neue Teilstück durchquert den Hunsrück, bis anhin ein Hindernis für den Kanalbau zwischen Südost-Drenthe und Deutschland. Um dieses Hindernis zu überwinden, wurden zwei neue Schleusen gebaut, eine so genannte Sparschleuse und eine Doppelschleuse. Ferner wurden mehrere feste und bewegliche Brücken erstellt sowie bei den zu- und wegführenden Kanälen zahlreiche neue Anlegestellen mit Stromversorgung erstellt.
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Auf unserer Fahrt nach Meppel und in Meppel selbst haben wir mehrfach das Gerücht gehört, der Kanal werde zwar am 8. Juni 2013 offiziell eröffnet (und auf den Namen «König Willem Alexander-Kanal» getauft), sei aber inoffiziell schon ab Ende Mai befahrbar. Also laufen wir am 27. Mai aus Meppel aus und sind zwei Tage später in Nieuw Amsterdam.
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In Nieuw Amsterdam treffen wir Schweizer Freunde, deren Motoryacht einen berühmten Namen trägt, bei dem jeder Segler ins Schwärmen gerät: «Solveig VII». Rollo Gebhard, eine Weltumsegler-Ikone, kaufte sich Ende der neunziger Jahre, des Segelns etwas müde, diese wunderschöne Linssen Sturdy und befuhr damit die Donau, das Schwarze Meer und schliesslich verbotenerweise sogar russische Gewässer. Darüber schrieb er vier Bücher: «Blaue Donau – Schwarzes Meer», «Mit Rollo auf Abenteuerkurs», «Zauber der Wolga» und «Unter falscher Flagge». Die Imbodens kauften die Yacht vor einigen Jahren und sind seither in ganz Europa unterwegs.
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Am 29. Mai 2013 biegen wir erwartungsvoll in den neu gegrabenen Kanal ein und siehe da, die Lichter der Sparschleuse werden auf grün gestellt! Sparschleuse heisst sie übrigens, weil das Wasser, welches zum Schleusen benötigt wird, zwischen der Schleusenkammer und einem Auffangbecken hin- und hergepumpt wird. Eine offizielle Karte des Kanals gibt es übrigens noch nicht, erst eine von der Provinz Drenthe herausgegebene Broschüre. Auf dieser fallen die vielen rechten Winkel des Kanalverlaufs auf.
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Die erwähnten rechten Winkel haben einen historischen Grund. Weite Strecken der Verbindung zwischen Meppel und Ter Apel gehören zur so genannten «Veenvaart», der Moorfahrt. Hier wurde während Jahrhunderten Torf gestochen, ein wertvolles Brennmaterial.
Zur Entwässerung der Moore und zum Abtransport des gestochenen Torfes wurden relativ schmale Gräben um die Abbaugebiete angelegt. Da die Abbaugebiete rechteckig waren, ergaben sich die rechten Winkel der Gräben von selbst.
Den rechtesten aller rechten Winkel fahren wir unmittelbar nach der «Koepelbrug» bei der Einfahrt ins Städtchen Emmer-Compascuum. Während das Heck noch in der Brückenausfahrt ist, befindet sich der Bug schon unmittelbar vor dem Quai an der anderen Seite des Kanals. Aber wir schaffen auch diese Herausforderung. Offiziell freigegeben ist der Kanal für Schiffe mit einer Länge bis zu 27 Meter, einer Breite bis zu 4.80 Meter und einer Höhe bis zu 3.50 Meter. Mit 27 Meter Länge dürfte das nach unserer Einschätzung recht knapp werden!
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Was ist unser Gesamteindruck vom neuen Kanal? Würden wir eine Befahrung empfehlen? Die Antwort auf die erste Frage ist «beeindruckend», auf die zweite Frage «ja». Dass die Niederländer in Zeiten, da in Frankreich Kanäle langsam vergammeln und unbefahrbar werden, eine neue Fahrverbindung graben, ist bewundernswert. Die Moorlandschaft hat einen ganz eigenen Reiz und die zahlreichen Anlegemöglichkeiten machen die Befahrung zum Vergnügen. Kommt hinzu, dass damit eine direkte Verbindung von der Provinz Drenthe nach Deutschland geschaffen wurde.
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Nach Ter Apel passieren wir die deutsche Grenze, aber nicht, bevor wir nicht an der ESSO-Grenztankstelle Diesel getankt haben, zum momentan unschlagbaren Preis von € 1.33/Liter.
Zum Dortmund-Ems-Kanal (DEK) gelangen wir via den Haren-Rütenbrock-Kanal (HRK). Er entstand von 1870 bis 1878 unter unfreiwilliger Mitwirkung französischer Kriegsgefangener und verbindet die Ems mit den niederländischen Kanälen Stadskanaal, Winschoterdiep, Eemskanaal und seit neuestem, der Hoogeveensche Vaart.
Vorbildlich sind auf dem Haren-Rütenbrock-Kanal die Wartestege vor und nach jeder Schleuse und Hebebrücke.
Beeindruckend am HRK sind die über 100-jährigen Alleen aus Stieleichen, die bereits in der Bauzeit gepflanzt wurden. Der gesamte Wasserweg mit dem grössten Teil seiner Bauwerke – vier Schleusen und 10 Hebe- und Drehbrücken) steht heute unter Denkmalschutz.
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Aus dem Logbuch
- Meppel. Passantenhafen der Gemeinde Meppel am Meppelerdiep. Liegeplätze nach dem Jachthafen vor und vor allem nach der Meppelerschleuse in den alten Grachten. Strom und Wasser. Kostenpflichtig. Alle Einkaufsmöglichkeiten. Sehenswürdigkeit: Druckereimuseum. Am Sonntag ist Meppel tot.
- Noordscheschut (Hoogeveen). Verlengde Hoogeveensche Vaart. Im Oberwasser der Schleuse am südlichen Ufer. Sehr langer Quai mit seltsamen Pollern und Ringen. Strom (kostenpflichtig) und eine Wasserzapfstelle (kostenpflichtig). Kein Liegegeld. Schattig. In der Nähe kleiner Supermarkt «Attent» und Bäcker.
- Nieuw Amsterdam. Verlengde Hoogeveensche Vaart. Nach der Brücke Nr. 362 ca. 100m langer Holzsteg mit Holzlatten zum Durchführen der Taue. Elektrisch 1 kWh = 1 Euro. Kein Wasser. Kein Liegegeld. Supermarkt C1000, Metzger, Käse- und Gemüsehandlung, Rabobank sowie Kruidvat (erweiterte Drogerie) in unmittelbarer Nähe. Relativ ruhiger Liegeplatz. Weitere Anlegestelle vor der Brücke Nr. 363.
- Veenparkmuseum. Scholtens kanaal. Unmittelbar vor der offenstehenden Veenparksluis am re. Ufer Liegeplatz ca. 30 m mit Wasser und Strom (eher weniger als 5 Ampère). Nach der Schleuse am li. Ufer langer Quai mit Landstromsäule. 6 Anschlüsse, ebenfalls eher weniger als 5 Ampère, vermutlich 3 Ampère. Für 1 Euro erhält man angeblich 1 kWh (was an sich schon teuer ist). Wir haben mehrfach gemessen und nur 0.9 kWh erhalten. Liegegeld 12 Euro pro Person inkl. Eintritt ins Veenparkmuseum. Um in dieses zu gelangen, muss (von der zweiten beschriebenen Liegestelle aus) die Brücke des Museumbähnchens unten sein, was nur zur vollen Stunde und nur bis 17 Uhr der Fall ist. Man ist deshalb mehr oder weniger zu einer zweiten Übernachtung gezwungen, die dann 1 Euro/Meter kostet.
- Emmer-Compascuum. Stads-Compascuumkanaal. Liegeplätze nach der Paul Krugerbrug am re. Ufer (sehr langer Quai mit Pfählen) 1 Stromkasten. Preis und Strom-Leistung siehe Veenparkmuseum. Kein Liegegeld. Aldi und C1000 in Fussdistanz. Weitere gleich ausgestattete Liegeplätze vor der Schniedersbrug.
- Haren. Endpunkt (resp. Beginn) des Haren-Rütenbrock-Kanals. Liegemöglichkeit entweder am 60 m langen Steg am li. Ufer vor Schleuse I (keine Einrichtungen, Liegegeld für unsere Länge € 16) oder im neuen Emspark-Yachthafen an der Ems. Liegegeld für uns € 19, dafür Strom (16 Ampère!) und Wasser inbegriffen. Moderner Yachthafen, aber kein WiFi. In Haren alle Einkaufsmöglichkeiten. Markt am Freitag. Sehenswert: Schifffahrtsmuseum. Gastrotip: «Steakhouse» beim Dom.