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Ein Gott auf dem Rasen, ein Gefallener im Privaten: Der argentinische Fussballstar Diego Maradone erlebte Himmel und Hölle. (DCM Film)
Zwischen Gott und Teufel
Er war ein Künstler auf seine Art – auf dem Rasen. Ein Lebenskünstler war er nicht, der Argentinier Diego Maradona. Aus dem Armenviertel am Stadtrand von Buenos Aires erklomm er die Weltbühne des Fussballs, zuerst kurz in Barcelona, dann von 1984 bis 1991 in Neapel. Er wurde verehrt, vergöttert auch wegen der «Hand Gottes» (er hatte bei der WM 1986 in Mexiko ein Tor gegen England mit der Hand erzielt). Er wurde mit der argentinischen Nationalmannschaft Weltmeister (und gewann im Final 3:2 gegen Deutschland). Im Süden Italiens wurde ihm geradezu himmlisch gehuldigt, als er den SSC Neapel 1986/87 erstmals zum italienischen Meister schoss. Der Abstieg begann nach der WM 1990 in Italien, Argentinien warf Italien aus dem Wettbewerb (Maradona hatte einen entscheidenden Penalty gegen Italien erzielt), verlor aber im Endspiel gegen Deutschland 1:0. Im folgenden Jahr wurde ihm Kokain nachgewiesen, der SSC Neapel löste seinen Vertrag auf. Maradona, drogensüchtig und alles andere als fit, tingelte von Sevilla zurück nach Argentinien, versuchte sich als Club-Trainer, später auch als argentinischer Nati-Coach (2008 bis 2010).
Der Dokumentarfilm «Diego Maradona» (2019) vom Briten Asif Kapadia konzentriert sich vor allem auf die Erfolgsjahre in Neapel. In 130 Minuten wird Aufstieg und Fall eines Idols und Halbgottes beschrieben und dokumentiert, der dem Erfolg nicht gewachsen war, sich auf sich selbst verliess und scheiterte. Das Filmporträt, mit herrlichen Fussballszenen gespickt, spart die dunklen Seiten des Stars, der zwischen Drogen und fussballerischer Genialität schwankte, nicht aus – sowohl was seine Verstrickungen mit dem Mafiamilieu als auch sein Privatleben samt Liebschaften und Lügen (über Jahrzehnte an verweigerte er die Anerkennung eines Sohnes) betrifft.
Kapadia hat Erfahrung mit Berühmtheiten. Seien Filme über die charismatische Sängerin Amy Winehouese und den Rennfahrer Ayrton Senna legen davon Zeugnis ab. Sein Maradona-Porträt, das teilweise mit spektakulärem Archivmaterial aufwartet, bietet zwar Blicke hinter die Kulissen, zeigt den Privatmann Maradona, bleibt aber unvollständig. Manches bleibt rätselhaft – trotz Statements seiner Begleiter, Kommentatoren oder von ihm selbst.
Diego Maradona lebte sein Leben bis zur Neige aus – vor allem ausserhalb des Spielfeldes. Ein enger Begleiter, Fernando Signorini, weiss um die Zwiespältigkeit dieses Fussballkünstler – hier Diego, der Dribbler und Vollender auf dem Rasen, dort Maradona, der unstete Genussmensch, der Kokainsüchtige, Star und Selbstzerstörer. Das zeigt der Dokumentarfilm ungeschminkt, berührt aber nicht Fragen wie: Warum wurde er nicht gebremst, warum wurde ihm nicht geholfen, warum liess er sich nicht helfen? Die Bezüge zur Gesellschaft, die verheerende Vernetzung von Glanz und Gloria, von Anspruch und Absturz werden nur angetippt, aber nicht analysiert. Die Tragödie Maradona ist auch ein Spiegelbild einer Gesellschaft, die auf Gewinn und Ruhm, auf Biegen und Brechen geeicht ist. Keine Heldenhymne, sondern eine menschliche Tragödie. Sehenswert – nicht nur für Fussballfans.
Grossbritannien 2019
130 Minuten
Buch und Regie: Asif Kapadia
Mitwirkende: Diego Maradona, Daniel Arucci, Alberto Bigon, Fernando Signorini
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