Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03190.jsonl.gz/215

Am Samstag treten die Seattle Kraken zu ihrem ersten Heimspiel in der NHL an. Es war ein langer Weg zurück ins Spitzen-Hockey – und speziell soll auch die Zukunft werden.
Geduldig und perfekt getarnt wartet der Pazifische Riesenkrake vor den Küsten Seattles auf seine Beute. Da passt es, dass das neue Eishockey-Team, das nach der grössten Tintenfisch-Spezies benannt ist, lange auf seinen Eintritt in die NHL warten musste. Im Dunkeln und Geheimen geschah dies aber nicht.
Seattle weist eine grosse Eishockey-Tradition auf. 1917 waren die Seattle Metropolitans das erste Team aus den USA, das den Stanley Cup gewann. Nach zwei weiteren Finalteilnahmen ging diese erste Ära 1924 zu Ende. Grund war der Verlust des Stadions, das in eine Park-Garage umgebaut wurde. Fast 100 Jahre lang war es in der Folge immer wieder die fehlende Arena, die Spitzen-Eishockey im Weg stand.
Showbusiness und Weltkonzerne
Ernsthafte Versuche, in die NHL aufgenommen zu werden, scheiterten 1974 und 1990. Seit dem kontroversen Wegzugs des geliebten NBA-Team der Supersonics 2008 ins provinzielle Oklahoma City war die Metropole im Nordosten mit nur zwei Teams (Football und Baseball) in den grossen Ligen unterversorgt. Doch der Verlust der Basketballer öffnete neue Türen. Die Arena der Supersonics war schlecht geeignet für Eishockey, nun wurde eine Komplett-Umbau möglich.
Hindernisse auf dem Weg in die NHL gab es noch genug. Die Vancouver Canucks ennet der Grenze in Kanada wehrten sich lange gegen eine Konkurrenz im nur gut zwei Fahrstunden entfernten Seattle. So war der Preis für den Eintritt in die NHL horrend hoch. Mit 650 Millionen Dollar mussten sich die Eigentümer der Kraken um Film- und TV-Produzent Jerry Bruckheimer (“Piraten der Karibik”, “Beverly Hills Cop”, “Top Gun”, “CSI”) schliesslich einkaufen. Seattle fehlt zwar der Glamour von New York oder Los Angeles, doch Geld ist in der wohlhabenden Stadt mit den Hauptsitzen von Amazon, Microsoft, Starbucks oder Boeing reichlich vorhanden. Der Umbau der Arena, dessen Dach und äussere Erscheinung unter Denkmalschutz steht, kostete nochmals rund eine Milliarde Dollar.
Showbusiness und Weltkonzerne
Neu heisst die Halle “Climate Pledge Arena” (Klimaversprechen-Arena) und steht damit für die Ambition der Investoren und der Gegend im liberalen Nordwesten, klimaneutral und sozialverträglich zu sein. Die Namenrechte hat sich der Versand- und Unterhaltungsriese Amazon gesichert, doch statt mit seinem Logo zu werben will man lieber auf den Klimawandel aufmerksam machen.
Daneben sollen viele angestellte Frauen den Anspruch auf Diversität repräsentieren, bei den Führungskräften stellen sie den Angaben zufolge die Mehrheit. Auch Angehörige von Minderheiten wie Schwarze oder Asiatischstämmige gibt es US-Medienberichten zufolge in den Büros der Kraken mehr als bei anderen NHL-Teams im vor allem von weissen Menschen geprägten Eishockey.
Ob die hehren Absichten Einfluss auf die Leistungen auf dem Eis haben, darf bezweifelt werden. Die Euphorie ist zwar riesig, innerhalb des ersten Tages wurden 32’000 Saisonabonnements bestellt – doppelt so viele, wie in der Arena Platz haben. Sportlich haben es neue Teams aber traditionell schwer. Von 30 der übrigen 31 Teams durften die Kraken jeweils einen Spieler aussuchen, die besten neun konnten diese aber sperren. In der Theorie hat also jedes andere Team mindestens neun stärkere Spieler als es der beste von Seattle ist.
Vegas Golden Knights machen Hoffnung
Niemanden abgeben mussten die Vegas Golden Knights – und die sind seit 2017 die Hoffnungsträger aller Expansionsteams. Die goldenen Ritter aus der Spielerstadt in der Wüste stürmten gleich im ersten Jahr sensationell in den Stanley-Cup-Final und erreichten in ihren ersten vier Saisons jedes Mal die Playoffs.
Für ihr allererstes NHL-Spiel gastierten die Kraken am 12. Oktober in Las Vegas – und verloren 3:4. In seinen ersten fünf Partien – alle auswärts – verlor Seattle viermal und weist erst drei Punkte auf. Im Gegensatz zur Wüste Nevadas weist Eishockey im Bundesstaat Washington eine grosse Tradition und ein natürliches Umfeld auf. Einen ähnlichen Erfolg garantiert das aber noch lange nicht. Aber Kraken haben ja bekanntlich Geduld.