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Bürokratische Korrespondenz: Gazi Ahmed Muhtar Pascha
Bürokratische Korrespondenz als Akt persönlicher und imperialer Selbstvergewisserung: Gazi Ahmed Muhtar Pascha in Ägypten 1885-1908
Prof. Dr. Maurus Reinkowski, Basel
1885 wurde von der osmanischen Regierung ein hochrangiger Militär, der Marschall Gazi Ahmed Muhtar Pascha (1839-1919), als ausserordentlicher Kommissar (fevkalade komiser) nach Ägypten entsandt. Dort angekommen, wurde Ahmed Muhtar vom osmanischen Sultan Abdülhamid II. aus innenpolitischen Gründen bis zum Jahr 1908 in einer Art inoffiziellem Exil gehalten. Neben einer achtmonatigen Dienstzeit als Grosswesir im Jahr 1912 ist Ahmed Muhtar als erfolgreicher General während des osmanisch-russischen Krieges 1877-1878 hervorgetreten, über den er auch einen autobiographischen Bericht verfasste. In seinen deutlich mehr als zwanzig Jahren im ägyptischen Halbexil konnte Ahmed Muhtar sich jedoch nur durch seine sehr umfangreiche und mehrere Tausend Seiten umfassende bürokratische Korrespondenz äussern. Die grundlegende Annahme dieses Projekts ist, dass die bürokratische Korrespondenz Ahmed Muhtars – angesichts seines aussergewöhnlich langen und von faktischer Machtlosigkeit geprägten Aufenthalts in Ägypten – in ihrem kommunikativen Charakter autobiographische Züge gewinnt. Mithin soll die bürokratische Korrespondenz Ahmed Muhtars, entstanden nicht nur in einer Situation der persönlichen Isoliertheit, sondern auch des prekären imperialen Status des Osmanischen Reiches als ein Fall persönlicher und imperialer Selbstvergewisserung durch die soziale Praxis der täglichen bürokratischen Korrespondenz untersucht werden.