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Spekulation ist kein Kind der Gegenwart. Camillo Castiglioni wurde in der Inflation der 1920er Jahre zu einem der reichsten Männer Europas. Ehrgeizig, genial und skrupellos, ein „Haifisch“ der Finanzwelt mit der Überzeugung, dass alles zu kaufen war: Industrie, Banken, Politik, Presse, Justiz, Kunst, Frauen, alles nur eine Frage des Preises. Er baute die Flugzeug- und Autoindustrie während des Krieges auf, beherrschte eine Bank, spielte in der Eisen- und Stahlindustrie eine wesentliche Rolle, arbeitete mit Ferdinand Porsche zusammen und wurde Eigentümer von BMW. Doch der Spekulant ist ein Spieler! Sein Einsatz wurde immer höher, bis er finanziell zusammenbrach. Der Sohn eines Rabbiners, bewundert wie gehasst, war eine schillernde Persönlichkeit: verheiratet mit einer jungen Burgschauspielerin, Palais, Kunstsammlung, Mäzen, Freund Max Reinhards, Mitbegründer der Salzburger Festspiele und Eigentümer des Theaters in der Josefstadt.
Portrait
Dieter Stiefel ist Professor am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte und am Institut für Volkswirtschaftslehre der Universität Wien. Er ist Leiter der Schumpeter-Gesellschaft und Autor zahlreicher Beiträge und Bücher zur österreichischen und internationalen Wirtschafts-, Finanz- und politischen Geschichte.