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Pilatus P-3
Mit der Einführung der neuen Kampfflugzeuge - mit Strahlantrieb und Bugradfahrwerk musste auch die Pilotenausbildung neu überdacht und den neuen Gegebenheiten angepasst werden. Das alte System (Schul-/Umschulungs-/Trainings-/Kampfflugzeug) wollte man verlassen und von der Anfängerausbildung bis zum Übertritt der Pilotenschüler auf einen Jet-Trainer nur noch einen Flugzeugtyp für die Ausbildung verwenden. Benötigt wurde eine Maschine, die bezüglich Sicht, Start- und Landeeigenschaften schon eine gewisse Ähnlichkeit zu den neuen Kampfflugzeugen aufwies.
Ab ca.1952 befasste man sich bei den Pilatus Flugzeugwerken mit der Entwicklung des zweisitzigen Schul- und Trainingsflugzeuges P-3, das diesen Anforderungen gerecht werden sollte.
P-3.01
HB-HON
Testpilot Georg Gissler konnte am 3.September 1953 mit dem Prototyp P-3.01 den ersten Flug erfolgreich ausführen. Nach eingehender Erprobung wurde vom Eidg. Luftamt die Musterzulassung erteilt. Ausgerüstet war die P-3.01 mit einem Sechszylinder-Boxermotor Lycoming GO-435-C2 mit einer Nennleistung von240 PS und einem Hartzell Zweiblatt Verstellpropeller. In der Zeit vom 3.September bis27. November 1953 und vom 1. Februar bis 5.April 1954 wurde die P-3.01, HB-HON, von der Fliegertruppe einer eingehenden Erprobung unterzogen. Die HB-HON flog dann einige Zeit bei der Schwesterfirma Contraves als Zielflugzeug, bis sie 1966 zum Prototyp PC-7 umgebaut wurde.
P-3.02
HB-HOO/A-BO1
Die Versuche mit der P-3.01 bei der Fliegertruppe führten zum militärischen Prototyp P-3.02, der im August 1954 zum Erstflug starten konnte. Als Triebwerk wurde der Boxermotor Lycoming G0-435-C2A2 gewählt, da sich dieser Trockensumpf-Motor dank besserer Schmierung für die Akrobatik-Ausbildung besser eignete. An zwei Flügelstationen konnten Behälter mit einem MG oder einer Zielbildkamera montiert werden, allenfalls auch Bomben- und Raketen-Recke. Ab Januar 1955 wurde die HB-HOO in Dübendorf eingehend erprobt und am 30. Januar 1956 von der Armee als A-801 endgültig übernommen. Heute ist sie im Museum der Schweizerischen Fliegertruppe in Dübendorf ausgestellt.
P-3.03
A-802 bis A-813
In den Jahren 1955-56 wurde eine Versuchsserie von zwölf Flugzeugen P-3.03 für die Fliegertruppe hergestellt, damit diese die Eignung und das Betriebsverhalten in den Fliegerschulen abklären konnte. Im Flügel waren zwei Stationen für Übungswaffen vorgesehen. Obschon die Rüstsätze vorhanden waren, wurden sie nie verwendet.
P-3.04
HB-HOA, -HOB, -HOC, -HOD, -HOE, -HOG
Nach dem Auslaufen des P-3.03-Serienbaues wurden weitere sechs Maschinen P-3.04 montiert, die alle zivile Kennzeichen trugen. Die HB-HOE flog einige Zeit bei der Swissair, respektive bei der Schweizerischen Luftverkehrsschule, bis die ganze Serie 1963 via Amerika an die brasilianische Marine verkauft wurde, wo die Flugzeuge folgende Kennzeichen erhielten:
P-3.04 c/n 331 HB-HOA Brasilianische Marine N-501
P-3.04 c/n 332 HB-HOB Brasilianische Marine N-502
P-3.04 c/n 333 HB-HOC Brasilianische Marine N-503
P-3.04 c/n 334 HB-HOD Brasilianische Marine N-504
P-3.04 c/n 335 HB-HOE Brasilianische Marine N-505
P-3.04 c/n 336 HB-HOG Brasilianische Marine N-506
Zwei P-3.04 sind heute im Luftfahrtmuseum Campo dos Afonsos bei Rio de Janeiro ausgestellt, allerdings mit den Kennzeichen FAB 3182 und FAB 3183 der brasilianischen Luftwaffe.
P-3.05
A-814 bis A-873
Gestützt auf die Versuche mit den Flugzeugen P-3.03, wurde 1957 ein Antrag zur Beschaffung von weiteren 60 Flugzeugen P-3.05 bewilligt. Ausser einiger Änderungen in der Ausrüstung waren die Flugzeuge mit den P-3.03 identisch. Nach einem Absturz aus einer flachen Vrille wurden vom Eidg. Flugzeugwerk in Emmen (F+W) Untersuchungen angestellt, um diesen Mangel zu beheben. Die P-3.05, A-858 wurde deshalb mit einer unter dem Rumpfhinterteil montierten Kielflosse ausgerüstet und erprobt. Nach erfolgreichen Flugversuchen wurden dann alle P-3 mit dieser Kielflosse nachgerüstet. Damit sich der Pilot bei einem plötzlich auftretenden Notfall hätte retten können, wurde ein Yankee-Rettungssystem eingebaut, da der Rumpf den Einbau eines Schleudersitzes nicht erlaubte. Sehr vereinfacht gesagt, handelte es sich dabei um eine Rakete, die den Piloten aus dem Sitz gezogen hätte. Seit der Einführung der PC-7-Schulflugzeuge wird die P-3 als Verbindungsflugzeug eingesetzt.
Aufbau
Das zweisitzige Schul- und Trainingsflugzeug P-3 ist ein freitragender Tiefdecker in Ganzmetallbauweise. Der Rumpf ist im Vorderteil als Wanne und im hinteren Teil als Ganzschale ausgebildet. Die schiebbare Vollsichthaube überdeckt beide Sitze und kann im Notfall abgeworfen werden. Das mit Niederdruckreifen und Scheibenbremsen ausgerüstete Fahrwerk wird elektrisch ein- und ausgefahren. Zur Normalausrüstung gehören Doppelsteuer, Blindflug- und Funkausrüstung.
Technische Daten:
Luftgekühlter Sechszylinder-Boxermotor Lycoming GO-435-C2A2 mit einer Nennlistung von 240 PS
|Spannweite||10,40 m|
|Länge||8,75 m|
|Höhe||3,05 m|
|Flügelfläche||16,50 m2|
|Leergewicht||1190 kg|
|Startgewicht||1530 kg|
|Maximalgeschwindigkeit in 2000 m/M||306 km/h|
|Reisegeschwindigkeit||252 km/h|
|Steigleistung||420 m/min|
|Gipfelhöhe||5500 m|
|Reichweite||750 km|
|Startstrecke||342 m|
|Landestrecke||390 m|