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Wer Roger Moore, den einzigen und echten James Bond erleben wollte, konnte dies vor wenigen Tagen in Crans-Montana tun. Dort half er mit, ein kommunales und kantonales Polizeigebäude zu eröffnen, mit Angriff auf eine Bank, Nebelpetarden und Gefangenennahme. Roger Moore war begeistert. Seine Gesichtszüge sind weicher geworden, das Kopfhaar deutlich dünner, aber der Charme ist geblieben. Ältere Semester ziehen natürlich Sean Connery vor.
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Monatsarchiv für September 2008
Er war einmal ein toller Fussballer für Juventus. UEFA-Chef Michel Platini wehrt sich mit Händen und Füssen „gegen die Kommerzialisierung des Fussballs“. Dass er in Zürich gerade eine gute Milliarde Franken Gewinn gemacht hat und ähnliches demnächst auch in Polen und der Ukraine vor hat, kann er verdrängen. Die US-Investoren beim FC Liverpool mag der Held aus Frankreich gar nicht. Roman Abramowitsch und Silvio Berlusconi seien jedoch gute Fussball-Investoren, „weil sie den Fussball lieben und mit dem investierten Geld keine Rendite erwirtschaften wollen.“ So einfach ist es im Leben, wenn man bei Sepp Blatter, FIFA, in die Lehre geht.
Vor 120 Jahren hiess es noch „Aufstieg durch Bildung“, weshalb vor knapp 100 Jahren vom deutschen Kaiser Wilhelm Zwo „Freie Bahn dem Tüchtigen“ verlangt wurde, womit er zuerst einmal sich selber meinte, was aber im 1. Weltkrieg endete. Der „Aufstieg der Begabten“ hielt bis etwa 1960 an, wonach der „Aufstieg durch Bildung“ wieder aktualisiert wurde. Sogar die (deutsche) SPD sprach bis 1958 noch von „Auslese“, was heute kein Sozialdemokrat mehr wagen würde. Die „feinen Unterschiede“ gesellschaftlicher Ungleichheit wurden bewahrt. Immerhin, der Fortschritt fand statt. Vor neunzig Jahren standen die Chancen eines Arbeiterkinds, an die Universität zu kommen 1:100, heute etwas 1:8. Wir brauchen dringend talentierten Nachwuchs, weil wir ihn sonst aus Indien oder, horribile dictu, aus Deutschland importieren müssen.
Die 31 reichsten Berner versteuern soviel Vermögen im Kanton Bern wie die 435 000 Ärmsten. Das sind lateinamerikanische Verhältnisse, die bei uns aber niemand aufregt, weil mehr oder weniger jedermann etwas zu beissen oder mindestens die Hoffnung hat. Gerade einmal 730 Berner versteuern mehr als CHF 10 Mio. Vermögen, was den zum Teil ärmlichen Zustand des Kantons erklärt. Der grosse Grundbesitz liegt öffentlich in wenigen Händen; ein Drittel davon alleine bei der Burgerschaft. Bei der Verwaltung, so gut sie zahlen mag, wird man auch nicht leicht 10facher Millionär. Anwälte, Ärzte, einige wenige Unternehmer (Hayek, Wyss, von Graffenried) zeigen ein im allgemeinen freundliches Gesicht. Die sehr reichen Einwohner von Gstaad bleiben diskret, so Ernesto Bertarelli und einige griechische Tycoons, die eher als Belebung der ruhigen Berner Landschaft betrachtet werden.
Während wir alle noch von der Klima-Erwärmung reden und Angst vor ihr haben, nähert sich schon wieder eine kleine Eiszeit, wie sie 400 Jahre bis ins 19. Jahrhundert in Europa herrschte. Seit Frühjahr 07 warten die Astronomen auf eine Wiederkehr des Sonnenzyklus mit starken Sonnenflecken. Nichts ist davon zu sehen, der Sonnenwind ist so schwach wie schon lange nicht mehr. Solche Fehlstarts der Sonne können bis zu 13 Jahre dauern, weshalb die Erderwärmung abgebremst werden kann. Ist dieser September nicht schon ein wenig kühl?
Neun Prozent aller Einwohner von Chicago sind bankrott, das dürfte auch für viele andere Amerikaner zutreffen, bald auch für Engländer, Franzosen und Spanier. Der 500fache USD-Millionär Henry Paulson, der sein ganzes berufliches Leben bei Goldman Sachs verbracht hat, ein Vertreter des Kapitalismus par excellence, hat eine führende Investmentbank nationalisiert, die grösste Versicherungsgesellschaft der Welt und die Hälfte des Hypothekarmarktes. Während die Chinesen kapitalistischer werden, werden die Amerikaner kommunistischer; welche Überraschung! Es wird sich zeigen, ob dieser gewaltige Klimmzug Bestand hat. Persönlich meine ich, nicht. Warum? Der seit 50 Jahren aufgebaute Schuldenberg in den westlichen Ländern (die USA sind nicht alleine die Sünder) muss einigermassen dauerhaft abgetragen werden. Die Manager aber, die ihn angerichtet haben, sind MBA-Absolventen von Harvard, Stanford, MIT. Sie werden jetzt noch grössere Konzerne bauen, die Bezahlung der Schulden ihren Völkern überlassen und hoffen, nicht erwischt zu werden. Wie schön waren doch die reichen Jahre, wo man mit Schulden Paläste in Kalifornien, Schiffe in Florida und Häuser rund um den Globus kaufen konnte. Jetzt wird Wall Street mit Geld geflutet, aber rasch wird dies kaum etwas ändern. Nach der 89er Krise dauerte es zwei Jahre, bis die Wirtschaft sich erholte, drei Jahre bis zum Beginn des bekannten Häuser-Booms, aber nur ein Jahr für die Börse, um wieder abzustürzen.
Wir Europäer haben nur eine Chance, hier nicht zur Beute zu werden, sondern unser eigenes Spiel zu wagen. Andernfalls wird die „Todesliste von Bloomberg“ (Stand 18.9.09) zum Galgenberg unserer Finanzgesellschaften: UBS steht dort auf Platz 16, Swiss Re auf Platz 18 und Credit Suisse auf Platz 27. Lachen werden die Hannover Rück und die Münchener Rück, die während Jahrzehnten hinter der Swiss Re lagen, wie dort von Jacques Aigrain, einem ehemaligen Investmentbanker, das Geld verspielt wurde. Walter Kielholz, der VR-Präsident der Credit Suisse, ist auch dort der Höchstverantwortliche.
Keine Spur, die Verschuldung der USA ist immer noch tiefer als die der meisten EU-Staaten. Gerade liess sich Thyssen-Krupp in Alabama nieder und erhielt für die neue Produktionsanlage Beihilfen in der Höhe von USD 811 Mio. Sollte die Wirtschaft nun tatsächlich in eine Stagnation übergehen, wird der Kampf um Neuansiedlungen nur noch härter.
Der Migros-Konzern will im kommenden Jahr sein Werbebudget von bisher CHF 350 Mio um CHF 70 Mio. herunterfahren. Bisher durften die Migros-Marken teure Werbe-Sonderzüge fahren; damit ist es jetzt vorbei. Aus dem „sozialen Kapital“ ist längst das „bewusste Kapital“ geworden. Das wird einen Kampf geben, wer noch doppelseitige Migros-Inserate erhält. Merke: Die schwachen Medien trifft es zuerst.
Natürlich ist Rom eine meiner Lieblingsstädte, weshalb sie so oft an dieser Stelle erwähnt wird. Bei meinem ersten Besuch, das liegt einige Jahrzehnte zurück, sah ich sie vom Pincio aus. Traumhaft, aher heute eine Baustelle, denn dort will man heute eine Tiefgarage errichten. Ich verstehe, dass die Römer Sturm laufen, aber wo soll man dort noch bauen? Rom hat über 8000 archäologisch geschützte Zonen. Ich weiss jetzt, dass ich auf den Pincio verzichten muss, es sei denn, ich brauche ein geschütztes Parkhaus.
Christian Kracht sieht sie, der 41jährige neue Schweizer Modeschriftsteller, innerhalb der Schweizer Gesellschaft. Andere sehen sie bei den Banken, Versicherungen und übrigen Finanzgesellschaften, die unter keinen Umständen sagen wollen – das dauert jetzt schon ein Jahr – welche Löcher sie in ihren Bilanzen noch verstecken. Harmlos ist demgegenüber der LHC, der in einer Schleife bei Genf den Urknall wiederholen möchte. Die ersten wirklichen Ergebnisse werden ohnehin erst 2010 erwartet.