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Titel
Richard
(v. altd. rîh, Herrscher, und hart, stark, »Herrschgewaltiger«),
1) Graf von Cornwallis und von Poitou, römisch-deutscher König, der Sohn Johanns ohne Land, geb. 1209 zu Winchester, wurde 1225 von seinem Bruder Heinrich III. von England zum Grafen von Cornwallis ernannt, erwarb 1226 Poitou, nahm 1236 das Kreuz, [* 2] schiffte sich 1240 nach Ptolemais ein, vermochte dort aber wenig auszurichten und langte 1242 wieder in London [* 3] an. 1250 bereits trat er in Lyon [* 4] mit Papst Innocenz IV. in Verbindung, wies zwar 1252 die sizilische Krone, die ihm dieser anbot, zurück, nahm aber nach dem Tod Wilhelms von Holland die deutsche Königswürde, die ihm der Erzbischof von Köln [* 5] anbot, an und wurde von diesem und einigen andern durch große Summen erkauften Fürsten gegen Alfons von Kastilien erwählt und 17. Mai zu Aachen [* 6] gekrönt.
Nachdem indes seine Geldmittel erschöpft waren, kehrte er im Januar 1259 heim. 1260 kam er wieder nach Deutschland, [* 7] schrieb einen Reichstag aus und erließ Gesetze gegen die Raubritter. Hierauf verließ er Deutschland abermals und kehrte erst 1262 dahin zurück, gab Steiermark [* 8] an Ottokar von Böhmen [* 9] zu Lehen und bestätigte die Privilegien Straßburgs, Hagenaus und andrer Reichsstädte. Die im Innern Englands ausgebrochenen Unruhen riefen ihn dorthin, er geriet aber in der Schlacht von Lewes in die Gefangenschaft Simons von Montfort und wurde 16 Monate in strenger Haft gehalten.
Endlich erschien er 1268 nochmals in
Deutschland, hielt einen
Reichstag in
Worms
[* 10] und erließ
Gesetze über
die Rheinschiffahrt. Nach
England zurückgekehrt, starb er daselbst und wurde in der von ihm gegründeten
Abtei
Hayles
beigesetzt.
Richard war durch Ausbeutung der
Blei- und Zinngruben in
Cornwall seiner Zeit der reichste
Fürst der
Christenheit.
Vgl. Gebauer, Leben und denkwürdige Thaten Richards, erwählten römischen Kaisers (Leipz. 1744, 4 Bde.);
Koch,
Richard von
Cornwall (Straßb. 1888 ff.);
Busson, Die Doppelwahl vom J. 1257 (Münst. 1866).
Könige von England:
2) I., Löwenherz, Sohn König Heinrichs II. von England u. der Eleonore von Poitou, geb. zu Oxford, [* 11] bekriegte auf Anstiften seiner Mutter den Vater und bestieg nach dessen Tod 1189 den Thron. [* 12] 1190 unternahm er mit Philipp II. August von Frankreich einen Kreuzzug. Den ersten Winter brachten sie auf Sizilien [* 13] zu, wo ihnen König Tankred gute Aufnahme zu teil werden ließ;
allein durch
Richards
Stolz und Übermut wurde das gute Einverständnis der
drei Könige
bald gestört. Am erhoben sich die
Bürger von
Messina
[* 14] gegen ihn, worauf
Richard die Stadt erstürmen ließ;
bald darauf kam es zum Bruch zwischen ihm und Philipp August;
Richard löste seine Verlobung mit
Alice, der
Schwester des französischen
Königs, und während dieser nach
Ptolemais aufbrach, verlobte er sich mit Berengaria, der Tochter
Sanchos I. von
Navarra.
Mit dieser segelte er 10. April mit 250 Schiffen von Sizilien ab, unterwarf im Mai Cypern, [* 15] dessen Fürst Isaak, aus dem byzantinischen Kaiserhaus der Komnenen, einige an diese Insel verschlagene britische Schiffe [* 16] geplündert hatte, eignete sich die dortigen reichen Schätze zu und legte den gefangen genommenen »Kaiser" in (silberne) Fesseln. Nachdem er sich mit Berengaria vermählt hatte, verließ er 15. Juni Cypern und traf 8. Juli im Hafen von Akka ein, das erobert ward.
Bald aber brachen neue Zwistigkeiten zwischen
Richard und
Philipp
August aus.
Philipp
August kehrte daher nach
Frankreich zurück;
Richard aber
setzte im
Verein mit 10,000
Franzosen, die unter dem
Herzog von
Burgund standen, den
Kampf fort, erfocht 7. Sept. einen glänzenden
Sieg über
Saladin bei Arsuf und bemächtigte sich
Jafas und
Askalons. Nachdem er die
Krone von
Jerusalem
[* 17] seinem
Schwestersohn, dem
Grafen
Heinrich von
Champagne, verliehen hatte, während er
Lusignan mit
Cypern abfand, schiffte er sich nach
Abschluß eines dreijährigen
Waffenstillstandes mit
Saladin zu
Ptolemais nach
Europa
[* 18] ein.
Von einem Sturm an die Küste von Aquileja verschlagen, wollte er als Pilger den Weg zu Lande fortsetzen, wurde aber 21. Dez. in Erdburg bei Wien [* 19] erkannt und fiel in die Hände des Herzogs Leopold VI. von Österreich, [* 20] den er vor Akka tödlich beleidigt hatte, und der ihn daher auf die Burg Dürnstein in Haft brachte. Der deutsche Kaiser Heinrich VI. nötigte zwar Leopold zur Auslieferung Richards gegen das Versprechen von 50,000 Mark, aber nur, um selbst von dem Gefangenen ein noch größeres Lösegeld zu erpressen.
Darauf kam
Richard auf das
Schloß
Trifels, später nach
Worms in enge
Haft, wurde aber seinem
Stand gemäß behandelt. Erst nachdem
er die
Oberhoheit des
Kaisers anerkannt, diesem gehuldigt und sich zur
Zahlung eines Lösegeldes von 150,000
Mark
Silber verpflichtet hatte, von denen zwei Drittel gleich gezahlt wurden, erhielt er seine
Freiheit wieder. Die
Erzählung, daß ihn sein Minstrel
Blondel befreit habe, gehört in das
Reich der
Sage. Bei seiner Ankunft
in
England fand er ein
Bündnis seines
Bruders
Johann ohne Land und
Philipp
Augusts zu seiner Entthronung. Richard ließ
sich zum zweitenmal in
Winchester krönen, brachte durch
Erpressung genügendes
Geld zusammen und setzte alsdann
nach der
Normandie über. Alsbald unterwarf sich
Johann, dem Richard großmütig verzieh; der
Kampf mit
Philipp
August aber zog sich ohne entscheidende
Schläge unter fortwährenden
Scharmützeln und Belagerungen noch über vier Jahre hin,
bis endlich durch Vermittelung des
Papstes ein fünfjähriger
Waffenstillstand zu stande
¶
mehr
kam. Bald darauf, 6. April, starb an den Folgen einer Wunde in der Schulter, die er in einer Fehde mit dem Vicomte Guidomar von Limoges vor dessen Schloß 26. März erhalten hatte. Sein Bruder Johann ohne Land folgte ihm in der Regierung. An ritterlichen Tugenden übertraf alle seine Zeitgenossen, auch seine Leutseligkeit und Freigebigkeit werden gerühmt; damit aber waren Habgier und Gewaltthätigkeit verbunden. Für England war seine Regierung keine segensreiche. Den Beinamen Löwenherz verdankt er teils seinem ganzen Wesen, teils seiner Vorliebe für das Bild des Löwen, [* 22] das er besonders gern im Wappen [* 23] führte.
Vgl. James, History of I. (2. Aufl., Lond. 1855, 2 Bde.);
Aytoun, Life and times of I. (das. 1840 u. öft.);
»Chronicles and memorials of I.« (hrsg. von Stubbs, das. 1864-65, 2 Bde.).
3) Richard II., Sohn Eduards, des Schwarzen Prinzen, geb. folgte seinem Großvater Eduard III. 1377 in der Regierung und stand anfangs unter der Leitung seiner Oheime, der Herzöge von York, Gloucester und Lancaster. Die infolge des Kriegs mit Frankreich und der Verschwendung des Hofs notwendig gewordene Auflage einer Kopfsteuer veranlaßte 1381 eine offene Empörung unter dem Ziegelbrenner Wat Tyler, welche aber schnell unterdrückt wurde. Herangewachsen, bewies Richard weder Lust noch Talente zu der Regierung und ging fast nur Lustbarkeiten und Ausschweifungen nach.
Gegen die Schotten, welche 1385, durch ein Korps Franzosen unterstützt, einen Raubzug nach Northumberland unternahmen, rückte er zwar mit einem starken Heer aus, entließ aber dasselbe unverrichteter Sache wieder. Als er sich ausschließlich von Günstlingen leiten ließ, vereinigten sich die Lords mit dem Herzog von Gloucester und setzten mit Zustimmung des Parlaments einen Rat von 14 Mitgliedern ein, der unter der Präsidentschaft Gloucesters die oberste Leitung der Geschäfte besorgen sollte.
Erst 1389 gelang es Richard bei der Uneinigkeit der englischen Großen, sich von dem Rate der Barone zu emanzipieren. Mit Frankreich schloß er einen Waffenstillstand, der wiederholt verlängert wurde, und verlobte sich zur Befestigung desselben nach dem Tod seiner ersten Gemahlin, Anna von Böhmen, der Tochter des Kaisers Karl IV., 1396 mit Isabella, der erst achtjährigen Tochter des Königs Karl VI. von Frankreich. Darauf wagte Richard 1397, gegen den Herzog von Gloucester und seine Partei einzuschreiten.
Ersterer wurde verhaftet und zu Calais [* 24] im Gefängnis ermordet, der Graf von Arundel wurde enthauptet, der Graf von Warwick, die Herzöge von Hereford und Norfolk verbannt. Den 1386 eingesetzten Vierzehnerausschuß hob das gefügige Parlament auf und ernannte statt dessen einen aus 18 ganz dem König ergebenen Baronen und Rittern zusammengesetzten Ausschuß, dessen große Vollmachten Richard der Einberufung des Parlaments überheben und ihm absolute Regierung ermöglichen sollten.
Als er aber 1399 einen Feldzug nach Irland unternahm, erhob der verbannte Herzog von Hereford, den Richard der Güter seines Vaters, des Herzogs von Lancaster, beraubt hatte, das Banner der Empörung und nahm den von allen verlassenen König im August 1399 gefangen. Richard wurde erst nach Flint Castle, dann in den Tower nach London in Gewahrsam gebracht, mußte 29. Sept. eine Entsagungsakte unterzeichnen und wurde überdies 30. Sept. vom Parlament abgesetzt, worauf Hereford unter dem Namen Heinrich IV. den Thron bestieg. Richard kam als Gefangener auf das Schloß Pontefract in der Grafschaft York und starb hier wahrscheinlich eines gewaltsame Todes.
Vgl. Knyghton, Historia vitae et regni Ricardi II (hrsg. von Hearne, Oxford 1729).
4) Richard III. (der Bucklige), jüngster Sohn des Herzogs Richard von York, geb. ward von seinem Bruder Eduard IV., der den englischem Thron usurpiert hatte, zum Herzog von Gloucester ernannt. Trotz seines mißgestalteten Körpers zeigte er in den Fehden seines Hauses mit den Lancastriern großen persönlichen Mut. Er soll 1471 an der Ermordung des abgesetzten Königs Heinrich VI. teilgenommen und 1478 zur Hinrichtung seines Bruders, des Herzogs von Clarence, mitgewirkt haben.
Nach dem Tod Eduards IV., ließ Richard zwar den Sohn desselben, Eduard V., für welchen er die Regentschaft übernahm, zum König ausrufen, erstrebte indes selbst die Krone. Er gewann deshalb den Herzog von Buckingham, den erbittertsten Gegner der Königin, bemächtigte sich des jungen Königs und später auch seines Bruders, des Herzogs von York, nahm den Titel Protektor und Defensor des Reichs an, beseitigte 13. Juni die Anhänger des Königs durch eine Art von Staatsstreich, ließ dann die beiden Brüder in den Tower bringen und sich selbst durch eine Volksversammlung zum König proklamieren. Am erfolgte seine Krönung, und wenige Tage später wurden die Prinzen im Tower ermordet, wahrscheinlich indem man sie in ihren Betten erstickte.
Buckingham knüpfte indes Unterhandlungen mit der Königin-Witwe Elisabeth an zu dem Zweck, ihre älteste Tochter, Elisabeth, mit dem sich in Frankreich aufhaltenden Grafen von Richmond zu vermählen und diesen dann auf den britischen Thron zu erheben. Allein der Plan wurde verraten, und Buckingham wurde 2. Nov. enthauptet, während Richmond vom englischen Gebiet wieder glücklich nach Frankreich entkam. Nun versammelte Richard das Parlament, ließ durch dasselbe sein Anrecht auf die Krone anerkennen, näherte sich dem Haus York und hielt, nachdem seine erste Gemahlin, Anna Nevil, Witwe des Sohns von Heinrich VI., verschieden war (daß Richard sie vergiftet habe, ist ein unverbürgtes und unwahrscheinliches Gerücht), um die Hand [* 25] der ältesten Tochter der Königin-Witwe, Elisabeth, an. Diese war ihm, wie ein uns erhaltener Brief zeigt, auch geneigt; aber es kam dennoch nicht zur Ausführung des Plans.
Denn des Königs Feinde hatten nicht aufgehört, eine Umwälzung zu planen, und Heinrich Tudor, Graf von Richmond, landete schon an der Spitze von 2000 Mann, denen schnell weitere Scharen zuströmten, bei Milford in Südwales. Richard stellte sich ihm 22. Aug. bei Bosworth mit einer gleich starken Truppenmacht entgegen, verlor hier aber Sieg und Leben, worauf Richmond unter dem Namen Heinrich VII. den englischen Thron bestieg. Diese Schlacht beendete die Kämpfe der beiden Rosen und schloß die Herrscherreihe aus dem Haus Plantagenet ab. Shakespeare hat Richard zum Helden einer Tragödie gemacht.
Vgl. Walpole, Historic doubts on the life and reign of King Richard III. (Lond. 1768);
Jesse, Life of Richard III. (das. 1861);
Gairdner, History of the life and reign of Richard III. (das. 1878);
Legge, Life and times of Richard III. (das. 1885, 2 Bde.).
5) Richard IV., s. Warbeck.
[Normandie.]
6) Richard Ohnefurcht (Sans Peur), Herzog von der Normandie, Sohn Wilhelm Langschwerts, geb. 935, folgte seinem Vater 943, mußte zuerst sein Herzogtum gegen den König Ludwig den Überseeischen von Frankreich und dessen Witwe Gerberga verteidigen, starb nach langer friedlicher Regierung ¶
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996 in Fécamp. Die Sage hat sein Leben mit vielen Abenteuern, in denen er seinen kühnen Mut bewährte, ausgeschmückt. Ihm folgte sein Sohn Richard II., der Gute (996-1026).