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La Petite voleuse
Regie: Claude Miller
Darst.: Charlotte Gainsbourg, Didier Bezace, Simon de La Brosse, Clotilde de Bayser, Raoul Billerey, Chantal Banlier, Nathalie Cardone, Renée Faure, Catherine Arditi u.a.
Frankreich in den frühen 1950er-Jahren. Die sechzehnjährige Janine lebt in ärmlichen Verhältnissen bei Verwandten in einer ländlichen Kleinstadt; die Mutter hat sie vor Jahren verlassen, den Vater hat sie nie gekannt. Die fehlende Geborgenheit kompensiert Janine mit Diebstählen von Luxusartikeln und Geld. Sie träumt von einem aufregenden Leben und grossen Gefühlen wie auf der Kinoleinwand. Als sie mehrmals bei ihren Diebstählen erwischt wird, nimmt sie eine Stelle als Hausangestellte in einer grösseren Stadt an, was ihr einen Neuanfang und eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit ermöglicht. Auch hier verbringt sie ihre Freizeit im Kino, wo sie den viel älteren, verheirateten Michel kennenlernt und mit ihm eine Affäre beginnt. Durch seinen Einfluss scheint sich ihr Leben kurz in eine bürgerliche Richtung zu bewegen, doch dann trifft sie eines Tages Raoul, einen Kleinkriminellen und Motocrossfahrer. Das Abenteuer lockt, und sie flüchten nach einem weiteren Diebstahl miteinander ans Meer. Der 2012 mit siebzig Jahren verstorbene Regisseur Claude Miller gilt als Tiefenpsychologe unter den französischen Autorenfilmern. Er war es, der 1985 die erst vierzehnjährige Charlotte Gainsbourg für «L’Effrontée» engagiert hatte, ihre erste grosse Rolle, für die sie mit dem César als beste Nachwuchsschauspielerin ausgezeichnet wurde. Für ihren zweiten gemeinsamen Film «La Petite voleuse» erhielt sie eine César-Nominierung als beste Darstellerin. Das Drehbuch stammt von Millers Mentor François Truffaut und erzählt die Geschichte einer weiblichen Selbstermächtigung und eines Coming-of-Age wider alle Regeln des bürgerlichen Anstands. Gerhard Midding schreibt in epd Film: «Miller war erstaunt über Charlotte Gainsbourgs Folgsamkeit. (…) Noch mehr verblüffte ihn bei ihrem nächsten gemeinsamen Film ‹La Petite voleuse› ihre Weigerung, ein Urteil über ihre Figur zu fällen. Gainsbourgs Herkunft war ein Mandat und zugleich eine Weichenstellung: Sie erweckt den Eindruck einer furchtlosen, risikofreudigen Schauspielerin, die weder vor versponnenen, bizarren Projekten, die die Konventionen gegen den Strich bürsten, noch vor menschlichen Abgründen zurückschreckt.»