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Es war eines der Highlights der diesjährigen Oscar-Verleihung, als Brendan Fraser (54) ein Goldmännchen in der Kategorie «Bester Hauptdarsteller» im Film «The Whale» gewann. Und wohl niemand war so überrascht über diese Ehre, wie Brendan Fraser selbst. Denn lange hatte man nichts mehr von dem einstigen Frauenschwarm gehört, der uns mit seinem Charme und gutem Aussehen in den 1990er Jahren und Anfang 2000er Jahren so verzauberte, wenn er als «George – Der aus dem Dschungel kam» von Liane zu Liane schwang, sich als Rick O'Connell in waghalsige Abenteuer in Ägypten aufmachte oder als etwas trotteliger Elliot in «Teuflisch» einen Deal mit dem Teufel eingeht, um mit dem Mädchen seiner Träume zusammen zu sein.
15 Jahre lang sah man den Schauspieler nicht mehr auf der grossen Leinwand und dass er mit so einem grossen «Bäng» zurückkehren würde, hätte er wohl selbst nicht erwartet. Und gross ist hier das passende Wort, denn Brendan Fraser spielt in «The Whale» einen grossen Mann – auf sein Herz bezogen, aber auch auf seinen Körperumfang. Der Schauspieler stellt nämlich in dem Streifen einen Übergewichtigen dar, der satte 300 Kilogramm auf die Waage bringt. Keine leichte Aufgabe, denn für die Dreharbeiten musste der 54-Jährige einen sogenannten Fat-Suit tragen.
Mit dem «Blick» sprach der dreifache Vater über diese ungewöhnliche Erfahrung und sagt: «Ich musste erst einmal lernen, mich auf eine völlig neue Art und Weise zu bewegen. Ich habe Muskeln entwickelt, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie habe.» Es sei ein sehr einengendes Gefühl gewesen, denn der Radius, in dem sich seine Figur Charlie hätte bewegen können, sei sehr eingeschränkt gewesen. «Charlies Welt ist extrem klein. Seine Mobilität beschränkt sich auf seine Wohnung, hauptsächlich auf seine Couch», erklärt Fraser. Nach Drehschluss sei es stets ein seltsames Gefühl gewesen, den Anzug und die Prothesen abzulegen. «Ich hatte regelrechte Gleichgewichtsstörungen, wenn sie mir abends all die Extras abgenommen haben», so Fraser. «Als würde man nach einer langen Bootsfahrt wieder an Land kommen.»
Neue Hochachtung für fettleibige Menschen
Durch die Erfahrung mit dem Fett-Anzug habe er nach eigener Aussage aber einen völlig neuen Respekt gegenüber fettleibigen Menschen bekommen. Inwiefern, wollte die Blick»-Reporterin wissen. «Diese Stärke, die diese Menschen mitbringen. Sie müssen nicht nur physisch, sondern auch mental unglaublich stark sein, um in ihrem Körper funktionieren zu können.»
Charlie ist der heldenhafteste Mann, den ich jemals verkörpert habe.Brendan Fraser
Die Rolle sei die grösste Herausforderung seines Lebens gewesen, doch genau danach sei er auf der Suche gewesen – und er bezeichnet den Charakter Charlie als Superhelden, etwas, das er schon immer einmal spielen wollte, wie er mit einem Augenzwinkern sagt. «Auf jeden Fall ist Charlie der heldenhafteste Mann, den ich jemals verkörpert habe. Seine Superkraft ist, das Gute in anderen Menschen zu sehen und dieses Gute bei ihnen auch hervorzuholen», rechtfertigt Brendan seine Aussage.
Brenda Fraser ist beeindruckt von der Figur Charlie
Brenda Fraser glaubt, dass etwas von Charlie nach den Dreharbeiten bei ihm hängen geblieben sei. «Ich habe etwas von ihm gelernt, was ich auch für mich übernehmen werde. Wenn du alles in eine Sache investierst, dann musst du auch alles da reinstecken. Du musst zu dir sagen: ‹jetzt oder nie!› Denn so wird am Ende auch etwas Wichtiges dabei herauskommen», so der Schauspieler. Wer alles gebe, könne seiner Meinung nach die Herzen und Ansichten von anderen ändern. Ausserdem hoffe er, dass durch den Film «die Einstellung von Menschen hinsichtlich ihrer übergewichtigen Mitmenschen» geändert würde.
Seine Zukunft in Hollywood
Blickt Brendan Fraser auf seine Zeit als Actionheld der 90er-Jahre zurück, denke er vor allem daran, was für tolle Haare er gehabt habe. Doch dann zog er sich zurück und erklärt diese Entscheidung so: «Ich brauchte einfach Abstand. Ich mochte nicht mehr der sein, zu dem man mich gemacht hat. Deshalb bin ich einfach vom Podest heruntergestiegen, auf das man mich gestellt hatte. Ich konnte dann endlich wieder ich selbst sein.»
Viele seiner Fans bezeichnen sein Comeback als «Brenaissance», doch Brendan Fraser erklärt, dass er ja eigentlich nie ganz weg gewesen wäre, er habe sich nur im Hintergrund gehalten und sei nicht mehr auf der grossen Leinwand zu sehen gewesen. Was seine berufliche Zukunft für ihn bereit halte, wisse er allerdings nicht. «Meine Kristallkugel ist leider zerbrochen» witzelt er. Aber: «Das sind Dinge von morgen, ich lebe im Hier und heute!»