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Während den vergangen drei Wochen reiste ich, zusammen mit drei Kollegen, entlang der “Touristenroute” durch das nordwestliche Indien.
Imweltfernen westlichen Zipfel Rajasthans liegt die über 100 km vom nächsten Nachbarn entfernte Wüstenstadt Jaisalmer, deren sandgelbe Befestigungswälle sich aus der Wüste Thar erheben. Die Stadt erblühte als Handelszentrum an den Karavanenrouten zwischen Indien und Zentralasien. Heute ist die Stadt durch ihre geografische Lage nahe der indo-pakistanischen Grenze ein wichtiger militärischer Vorposten.
Was wir hier eigentlich erwarteten, waren Temperaturen um die 50° C und ein richtiges Wüstenerlebnis mit viel zu viel Hitze, blauem Himmel und den traumhaften Sonnenuntergängen. Aber es kam anders; die leichte Bewölkung machte die Temperaturen erträglich und die Sonne verabschiedete sich unspektakulär am trüben Horizont. Am nächsten Tag auf der Kamelsafari wurde es dann um uns herum immer dunkler, Blitze zuckten durch den Himmel und als wir unser Nachtlager aufgeschlagen hatten, war es soweit: Das erste mal seit zwei Jahren – Regen in der Wüste Thar! Die Nacht wurde daher mehr zu einem nasskalten wie zu einem staubtrockenen Erlebnis. Viel mehr Freude daran hatten allerdings unsere Guides, die nach langer Dürrezeit auf etwas Grün hofften.
Unsere Reise führte weiter nach Puhskar, eine kleine Wüstenstadt und Ort des Schöpfergottes Brahma. Der von weiss getünchten Tempeln und Badeghats umgebene See ist heute eine von indiens heiligste Stätte – und von Neo Hippies als “Wellnessort” gerne besucht.
Über Jaipur gelangten wir in die 14 Millionenstadt Delhi und von da nach einigen Tagen im Menschengewühl, jetzt nur noch zu zweit, weiter nach Chandigarh.
Nach der Teilung von Indien und Pakistan 1957, brauchte der Bundesstaat Punjab eine neue Regierungsstadt. Für die Planung wurde 1952 der schweizerische Architekt Le Corbusier beauftragt. Anstelle des üblichen formlosen Durcheinanders stellten seine Pläne ein geordnetes Raster von grosszügigen Boulevards dar, geteilt in 29 Sektoren, die mit ausgedehnten Grünflächen durchsetzt waren. Während die einen das geistesprodukt von Le Corbusier als “grösste architektonische Leistung des 20. Jahrhunderts feiern, bezeichnen Kritiker die Gestaltung als “unindisch”. Tatsächlich haben aber wahrscheilich beide Parteien recht. Während der schnellfliessende Verkehr wichtiger wird als der individuelle Fussgänger, für den sowieso die Distanzen zu weitläufig sind, so ist die Stadt dafür sauber und grün, und die Bevölkerung ist stolz hier wohnen zu dürfen. Die Regierungsgebäude im Capital Complex von Le Corbusier sind jedoch sehr eindrücklich. Das Betonensemble soll die Stärke und Einheit des unabhängigen Indiens ausdrücken. Leider sind die Gebäude heute mit Stacheldraht eingezäunt und es brauchte einige Ueberzeugungskraft um auf das Gelände zugelangen.
Zum Abschluss meiner Zeit in Indien gönnte ich mir noch das wohl prächtigste Bauwerk des gesamten Subkontinents: der Taj Mahal in Agra. Besonders die Zeit kurz nach Sonnenaufgang, als noch wenige Touristen die Anlage säumten und das Licht ständig verändernde Stimmungen erzeugte, war besonders eindrücklich. Dass der Taj Mahal zur Zeit zu einem der 7 Weltwunder der Neuzeit gewählt wird, ist mehr als verdient.
Martin Burger, 8. Mai 2005
Chandigarh (Wikipedia)
Jaisalmer in Gefahr