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Wir haben uns bereits daran gewöhnt. Jahr für Jahr bewegen sich die Temperaturen im Bereich der absoluten Höchstwerte. Das Rekordjahr 2018 wurde zwar nicht mehr erreicht, aber praktisch im ganzen Land gehört 2020 zu den fünf wärmsten Jahren, im Hochgebirge war es stellenweise sogar das wärmste Jahr überhaupt. Auf dem Jungfraujoch wurde der absolute Rekord aus den Jahren 2015 und 2018 übertroffen, auf dem Säntis war es ungefähr gleich warm wie 2011 und 2018. In Basel belegte das zu Ende gehende Jahr, nach 2018, Platz zwei. Im Locarno fehlte zum Rekord aus dem Jahre 2018 nur ein Zehntelgrad, dennoch liegt 2020 dort «nur» auf Platz 4.
Kein Monat war klimatologisch zu kalt
Im Vergleich zur klimatologisch relevanten Norm der Jahre 1961 bis 1990 war kein Monat unter dem Schnitt. Vergleichsweise am kühlsten war es im Oktober, der ziemlich genau der Referenz entsprach. Deutlich zu warm waren der Februar mit 4 bis stellenweise 5,5 Grad und der April mit gut 4,5 Grad. Dazu gesellt sich auf den Bergen auch noch der November. Dort war es stellenweise mehr als 5 Grad wärmer als sonst im November.
Jahresrekord: 36,5 Grad
Der Hochsommer war 2020, im Vergleich zu anderen Jahren, nicht ausserordentlich heiss. Die grösste Hitze stellte sich Ende Juli ein. Der Jahresrekord wurde am 31. Juli mit 36,5 Grad in Basel gemessen. Vor allem im untersten Aaretal und am Jurasüdfuss erreichten aber an jenem Tag noch weitere Messstationen Werte oberhalb der 36 Gradmarke. Die höchste Temperatur auf der Alpensüdseite wurde schon einen Tag früher, also am 30. Juli, mit 35,0 Grad in Biasca erreicht. Die absoluten Höchstwerte in der Schweiz wurden allerdings deutlich verpasst. Die 41,5 Grad in Grono am 11. August 2003 gelten immer noch als höchste in der Schweiz je offiziell gemessene Temperatur, und auch der Höchstwert auf der Alpennordseite, mit 39,7 Grad, vom 7. Juli 2015, wurde nicht erreicht. Auch der Höchstwert aus dem Vorjahr, mit 38,0 Grad in Sitten, wurde relativ deutlich verfehlt.
Kalt war es früher einmal
Wie schon in den Vorjahren wurde es im Winter nicht mehr richtig kalt. Gab es 2019 noch einen Tiefstwert von -28,4 Grad, waren es im Jahr 2020 gerade noch -24,5 Grad, gemessen am 20. Januar auf dem Ofenpass, an der Messstation Buffalora. Generell war die kälteste Phase des Jahres zwischen dem 20. und 22. Januar. Stellenweise wurde es aber erst Ende März oder sogar erst am 1. April richtig kalt. In Ebnat-Kappel wurde am 1. April ein Tiefstwert von -7,6 Grad verzeichnet.
Trockenheit und Waldbrandgefahr...
Die erste Jahreshälfte war in der Schweiz wiederum extrem trocken. Im Süden gab es bis am 2. März praktisch gar keinen Niederschlag. Das Total der Monate Januar und Februar ergab in Lugano 7 und in Locarno 8 Millimeter Regen. Vom 10. März bis am 27. April fiel auf der Alpennordseite kaum mehr Regen, und verbreitet bestand grosse Waldbrandgefahr, also Stufe 4.
...dann Starkregen im Süden
In der zweiten Jahreshälfte brachten immer wieder ausgeprägte Tiefdruckgebiete, die von den Britischen Inseln Richtung Mittelmeer zogen, vor allem der Alpensüdseite extreme Niederschläge. Schon am letzten Augustwochenende kam es im Tessin zu lokalen Überschwemmungen. Am ersten Oktoberwochenende folgte ein weiteres Grossereignis, das in Camdeo, im Centovalli, für eine Tagessumme von 422 Millimeter sorgte. Das war der zweithöchste Wert in der Schweiz überhaupt. Noch mehr Regen gab es, ebenfalls in Camedo am 26. August 1935 mit 455 Millimetern. Auch in Binn im angrenzenden Wallis wurde mit 258,7 Millimeter ein neuer lokaler Tagehöchstwert gemessen. Der Niederschlag griff damals auch kräftig nach Norden über, und so mussten im Glarnerland 13 Menschen evakuiert werden. Aller guter Dinge sind drei sagte sich Petrus und steuert am Wochenende des zweiten Advent ein nächstes Tief Richtung Alpensüdseite. Im Tessin und in den Bündner Südtälern, aber stellenweise auch in den nördlich angrenzenden Gebieten, gab es riesige Schneemengen. In Guttannen wurden am Morgen des 6. Dezembers 72 Zentimeter Neuschnee gemessen, das war für die Station ein neuer Dezemberrekord. In Samedan betrug die Neuschneemenge am 5. und 6. Dezember zusammen 81 Zentimeter. So viel Neuschnee gab es an der Oberengadiner Messstation innerhalb von 48 Stunden vorher noch nie.
Osten deutlich zu trocken
Trotz der grossen Niederschlagsereignisse in der zweiten Jahreshälfte entsprachen die Niederschlagsmengen im Mittel- und Südtessin ungefähr dem langjährigen Mittel. Im Nordtessin und im Engadin war es dagegen deutlich zu nass. Nördlich der Alpen lagen die Niederschlagsmengen auch meist im Bereich des langjährigen Mittels. Eher zu nass war es entlang der zentralen und östlichen Voralpen. In St. Gallen lag beispielsweise die Niederschlagsmenge bei 120 Prozent. Sonst war es am Nordrand der Schweiz dagegen eher zu trocken. In Basel gab es nur knapp 90 Prozent, in Zürich sogar nur gut 80 Prozent des langjährigen Regens. Auch Chur war mit 85 Prozent des üblichen Niederschlages eindeutig auf der trockenen Seite.
Die Sonne gab wirklich alles
Ohne Umschweife: Im ganzen Land war es, ohne Ausnahme, deutlich sonniger als normalerweise. An einigen Orten war es sogar das sonnigste Jahr seit Messbeginn, so beispielsweise in Basel und Luzern. Bei den exakten Sonnenscheindaten ist allerdings eine gewissen Vorsicht geboten, wurden doch die Messtechniken im Laufe der Jahre mehrfach umgestellt, und auch jetzt ist wieder eine Umstellung der Geräte im Gang. Der staatliche Wetterdienst spricht von einer wesentlichen Qualitätssteigerung der Messung. Es ist allerdings nicht auszuschliessen, dass ein Teil der hohen Messwerte auch der verbesserten Technik zuzuschreiben ist und nicht nur dem äusserst sonnigen Jahr. Gemäss Statistik zeigte sich die Sonne in Zürich fast 600 Stunden länger als in einem Durchschnittsjahr. Dies entspricht einem Wert von knapp 140 Prozent.
Das bleibt dem Meteorologen in Erinnerung
Im Februar reihte sich Wintersturm an Wintersturm. Auf dem Gütsch wurde ein Wert von 202 Kilometern pro Stunde gemessen. Eisheilige und Schafskälte hielten sich in diesem Jahr strikte an den Kalender. Der Martinisommer war sehr ausgeprägt. Am 2. November erlebten wir den wärmsten Novembertag seit Messbeginn. Nicht weniger als 20 Messstationen meldeten einen neuen Novemberrekord, und am 18. November stieg die Nullgradgrenze gemäss der Sondenmessung in Payerne auf mehr als 4200 Meter. Auch das gab es zuvor im November noch nie. Im Sommer waren an mehreren Abenden sehr ausgeprägte leuchtende Nachtwolken zu sehen. Solche Stratosphärenwolken sind in unseren Gegenden eher selten. Ganz grosses Glück hatten Beobachter die gleichzeitig den Kometen Neowise und diese leuchtenden Nachtwolken zu sehen bekamen.