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SRF News: Welche Bedeutung hatte Akbar Haschemi Rafsandschani für Iran?
Iren Meier: Rafsandschani prägte die Geschicke Irans während der letzten fast 40 Jahre in entscheidender Weise. So spielte er bei der islamischen Revolution im Jahr 1979 eine zentrale Rolle. Danach war er ein relativ moderater Politiker und Kleriker, der sich schliesslich auf die Seite der Reformer schlug.
Was war sein Beitrag zur Islamischen Revolution in Iran?
Rafsandschani war ursprünglich ein Schüler von Revolutionsführer Ajatollah Ruhollah Chomeini und am Sturz des Schahs beteiligt. Nach der Revolution war er ein enger Vertrauter Chomeinis. Er galt als mächtigster Politiker und Kleriker hinter dem Revolutionsführer. Rafsandschani war eines der wichtigsten Gesichter der Revolution: Von 1980 bis 1989 war er Parlamentspräsident der neuen Islamischen Republik. Während acht Jahren, von 1989 bis 1997, war er Staatspräsident und von 2007 bis 2011 leitete er den Expertenrat. In den frühen Jahren der Islamischen Republik wurden unter Rafsandschani Oppositionelle und Gegner der Revolution verfolgt, es kam auch zu Menschenrechtsverletzungen. Ausserdem war Rafsandschani massgeblich an der Beendigung des jahrelangen irakisch-iranischen Krieges beteiligt. Dieser dauerte von März 1980 bis August 1988 und forderte Hunderttausende Tote auf beiden Seiten.
Da wurde deutlich, dass sich Rafsandschani von den Hardlinern absetzte.
Später wandelte sich Rafsandschani vom Konservativen zum Reformer: Wie hat sich das konkret gezeigt?
Schon in seiner Zeit als Präsident sah man, dass Rafsandschani das Land öffnen wollte. Er unterstützte seinen Nachfolger im Präsidentenamt, den Reformer Mohammed Chatami und nahm eine klare Position gegen den darauf folgenden Präsidenten und Hardliner Mahmud Ahmadinedschad ein. Da wurde deutlich, dass sich Rafsandschani von den Hardlinern und Konservativen absetzte. In aller Deutlichkeit und öffentlich tat er dies 2009, als er die Protestbewegung und die Opposition unterstützte. Diese forderten mehr Demokratie in Iran, doch die Bewegung wurde vom staatlichen Machtapparat brutal niedergeschlagen. Danach unterstützte Rafsandschani bis zu seinem Tod ganz offen Präsident Hassan Rohani und dessen Reformpolitik. Auch war der Ex-Präsident entschieden für das Atomabkommen mit den USA, das zu einem Ende der jahrelangen Sanktionen des Westens gegen Teheran führen soll. Eine Rolle könnte hier auch gespielt haben, dass Rafsandschani einer der reichsten Männer Irans war – er machte sein Geld unter anderem mit Pistazien, auf denen er nahezu ein Monopol hatte.
Präsident Rohani will bei der Präsidentenwahl im Mai nochmals antreten. Schwächt der Tod Rafsandschanis jetzt Rohanis Wahlchancen?
Diese Gefahr besteht tatsächlich. Präsident Rohani und die Reformer verlieren einen ihrer einflussreichsten Alliierten. Rohani steht unter grossem Druck. Seine Gegner im Regime machen Stimmung gegen ihn und versuchen, seine Reformen zu bremsen, wo sie nur können. Rafsandschani wird dem Land auch als vermittelnde Stimme zwischen den Lagern fehlen. Obwohl er mit Revolutionsführer Ali Chamenei politisch gebrochen hatte, bestand weiterhin eine Brücke zwischen den beiden Männern – und damit eine Brücke zwischen den Lagern.
Das Gespräch führte Hans Ineichen.
Gesichter der iranischen Revolution
Iren Meier
Iren Meier ist SRF-Auslandredaktorin mit dem Spezialgebiet Türkei. Sie war von 2004 bis 2012 Nahost-Korrespondentin und lebte in Beirut. Von 1992 bis 2001 war sie als Osteuropa-Korrespondentin tätig – erst in Prag, dann in Belgrad.