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|26. Oktober 2002

Kaninchen: Bundesamt für Veterinärwesen betreibt Schein-Tierschutz
Kaninchen sind dämmerungsaktive Höhlengrabtiere, welche den hellen Tag vorwiegend schlafend in ihrer Höhle verbringen. Die Tierschutzverordnung schreibt in Artikel 24b vor: "Käfige müssen mit einem abgedunkelten Bereich ausgestattet sein, in den sich die Tiere zurückziehen können." Für die Kastenhaltung gibt es keine gesonderten Vorschriften; in der Praxis gelten die Vorschriften für Käfige.
In den auslegenden Richtlinien des Bundesamtes für Veterinärwesen wird der vorgeschriebene Rückzugsbereich wie folgt erläutert:
"Damit sich die Kaninchen bei Störungen (z.B. Lärm, Auftauchen einer Person) entsprechend ihrem Normalverhalten verstecken und allenfalls zur Ruhe zurückziehen können (Art. 24b Abs. 1 Bst. c TSchV), müssen Gehege mit einem abgedunkelten Bereich ausgestattet sein. Der Raum unter einer erhöhten Fläche kann beispielsweise als Rückzugsbereich dienen. Ein angedeutetes Einschlupfloch an der Schmalseite zu diesem Bereich scheint, selbst wenn die Längsseite des Bereiches offen bleibt, für die Tiere die Qualität des Rückzugsbereichs zu verbessern. Es ist aber auch möglich, die Käfigfront teilweise (seitlich z.B. zu einem Drittel) mit einem Tuch abzudecken und auf diese Weise einen dunkleren Bereich zu schaffen. Der Rückzugsbereich darf eng und soll dunkler sein als das restliche Gehege. Damit es keine die Tiere behindernden Sackgassen und Engpässe gibt, muss er für grössere Gruppen mehrere Zugänge aufweisen sowie unterteilt sein."
Wie üblich, wenn es darum geht, diese Vorschriften und Richtlinien konkret durchzusetzen, distanziert sich das Bundesamt für Veterinärwesen von den eigenen Richtlinien. So auch hier: Nachdem wir gegen den in unserem in Frauenfeld verteilten Flugblatt erwähnte Kastenkaninchenhaltung von Bernhard Müller Anzeige erstattet hatten wegen fehlendem Rückzugsbereich, erhielt das Thurgauer Veterinäramt vom Bundesamt für Veterinärwesen die Auskunft, einen abgedunkelten Rückzugsbereich brauche es nicht, die Kaninchen könnten sich ja gegen die Rückwand "zurückziehen". Diese eiskalte, technokratisch-tierschutzfeindliche Ansicht muss man sich einmal plastisch vorstellen: Da sitzt ein Kaninchen, von Natur aus ein dämmerungsaktiver Höhlenbewohner, in einem solchen engen Kastenabteil, dem lärmenden Treiben und dem Licht - oftmals auch der heissen Sonne - durch die Gitterfront hindurch schutzlos ausgesetzt, und da soll der in den Richtlinien so schön beschriebene Rückzugsbereich bereits realisiert sein, wenn sich das Tier ein bisschen von der Gitterfront nach hinten rutscht - viel ist das in den engen Käfigen bzw Kastenabteilen gewöhnlich nicht.
Diese geradezu lächerliche (besser: tragische) tierfeindliche Auslegung der Tierschutzverordnung durch das Bundesamt für Veterinärwesen, welche dessen eigenen Richtlinien widerspricht, akzeptieren wir nicht. Wir werden weiterhin Anzeigen erstatten gegen Kaninchenkästen ohne Rückzugsbereich. Da Tierschutzverordnungen kein Klagerecht und damit keinen Einfluss auf die Behandlung von Anzeigen haben, kann ich nur hoffen, dass Bernhard Müller oder ein anderer rechthaberischer Kaninchenzüchter auf meine Kritik mit einer Ehrverletzungsklage reagiert, damit die Missachtung dieser klaren Tierschutzvorschrift einmal vor ein Gericht kommt.
Es ist bedauerlich, dass das Thurgauer Veterinäramt sich mit dieser haltlosen Auskunft aus Bern zufrieden gegeben hat. Eine solche Auskunft eines Bürokraten hat jedenfalls keine Gesetzeskraft.
Erwin Kessler, Verein gegen Tierfabriken VgT
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"Wirst du endlich dein Kaninchen esssen, oder müssen wir auch den Hund töten?"