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Gibraltar – die britische Stadt in Spanien
Im Jahre 1713 wurden im niederländischen Utrecht mehrere Verträge geschlossen, die zum Ende der Spanischen Erbfolgekriege führten. Im Rahmen der Verhandlungen und Beschlüsse, welche in die Verträge einflossen, wurde das südspanische Gebiet Gibraltar endgültig als Überseegebiet dem Vereinigten Königreich und Nordirland zugesprochen, unter dessen Souveränität es bereits seit 1704 stand.
Die Gegend um Gibraltar gilt unter Historikern als letztes Gebiet, in dem der Neandertaler lebte. Die antiken Griechen bezeichneten Gibraltar als eine der zwei Säulen des Herakles, also jener zwei Erhebungen, die in Marokko und auf der Iberischen Halbinsel die Strasse von Gibraltar begrenzen und so den Übergang vom Mittelmeer zum Atlantischen Ozean umrahmen. Es gibt keine historischen Hinweise, dass die Römer bei ihrer Herrschaft über das heutige Spanien und Portugal von der Region um Gibraltar Gebrauch machten.
Die umfangreiche Geschichte Gibraltars
Im Rahmen der arabischen Eroberungen gelangte Gibraltar im Jahr 711 in muslimische Hände. Die damals herrschenden Araber waren unter anderem verantwortlich für den Namen der Stadt – aus ihrer Bezeichnung „Dschebel Tarik“, was „Berg des Tarik“ bedeutet, wurde durch einige Lautverschiebungen das heutige Gibraltar. So wird in der englischen Bezeichnung der Stadt heute noch der Anfangsbuchstabe als dsch-Laut gesprochen.
Tarik war der erste maurische Feldherr, dem es gelang, ein Stück des spanischen Festlandes einzunehmen. Tariq ibn Ziyad erkannte die strategische Lage Gibraltars und nahm von hier aus ein noch grösseres Gebiet der Iberischen Halbinsel ein. Bis zur Reconquista, der Rückeroberung der Halbinsel durch die Spanier und Portugiesen Ende des 15. Jahrhunderts, war Gibraltar in arabischer Hand.
In der Zeit dieser Herrschaft entstand die heute als „Moorish Castle“, Maurisches Schloss, bekannte Festung. Bis zum Jahr 1160 erbaut, wurde die Festung in den folgenden Jahrhunderten mehrfach aus- und umgebaut, um den aktuell herrschenden Kräften zu genügen. Am Anfang der Neuzeit, genauer im Jahr 1607, kam es am 25. April zur sogenannten Schlacht bei Gibraltar, welche ein Teil des Achtzigjährigen Krieges war. Hierbei überwältigte die Flotte der Niederländer die vor Gibraltar liegenden Schiffe der Spanier, während die Besatzungen ihre Siesta abhielten. Fortan war Gibraltar in niederländischer Hand. Infolge des Dreissigjährigen Krieges verlor der spanische Zweig der Habsburger an Macht und so sahen die Engländer ihre Chance gekommen, das strategisch günstige Gibraltar für sich einzunehmen.
Zwischen den Jahren 1652 und 1784 fanden insgesamt vier Seekriege zwischen den Engländern und den Niederländern statt. Zwischen diesen Kriegen wurden immer wieder Friedensabkommen geschlossen, Zugeständnisse gemacht und sogar verbündet gegen dritte Widersacher vorgegangen. So wurde auch im Rahmen des Spanischen Erbfolgekriegs Gibraltar von der gemeinsamen Flotte Englands und der Niederlande eingenommen – dies geschah im Jahr 1704. 1830 wurde sie dann letztendlich als britische Kronkolonie anerkannt.
Im Zweiten Weltkrieg kam es in der Felsenstadt zu einigen Wirren. Zum einen wurde die zivile Bevölkerung evakuiert. Ausserdem wurden in den unterirdischen Tunnelanlagen, die heute teilweise zu besichtigen sind, rund 15’000 Soldaten stationiert. Eisenhower, damaliger US-amerikanischer General, stationierte sich und seine Mannen im November 1942 in Gibraltar – drei Tage vor dem Einmarsch in Marokko. Ein paar Monate zuvor befehligte der britische Premierminister Winston Churchill seine in Afrika stehenden Truppen, 30 Berberaffen zu fangen und nach Gibraltar zu verschiffen. Einer Legende nach sollte die Stadt erst dann zu Spanien und nicht mehr zu Afrika gehören, wenn auf diesem Territorium der letzte Berberaffe gestorben war. Da 1942 die Affenpopulation in Gibraltar kontinuierlich abnahm, wollte sich Churchill den Verbleib der Stadt als britische Kolonie auf diesem Wege sichern. Noch heute gibt es in Gibraltar Berberaffen, für deren leibliches Wohl Touristen gern durch Fütterungen sorgen dürfen.
Sehenswürdigkeiten in und um Gibraltar
Mit der Besichtigung des Felsens von Gibraltar können Sie gleich zwei Sehenswürdigkeiten auf einmal erleben: zum einen den Felsen selbst und den herrlichen Ausblick auf die Umgebung und die Strasse von Gibraltar. Zum anderen können Sie die Bekanntschaft der bereits erwähnten Berberaffen machen, von denen es heute über 200 in Gibraltar gibt.
Der Felsen bietet zudem mehrere militärische Tunnelanlagen, die Sie teilweise besichtigen können. Darunter die Great Siege Tunnels, welche in den Jahren 1779 bis 1783 als Verteidigungspunkte während der Belagerungen durch die Niederländer und Spanier dienten, sowie Tunnelanlagen aus dem Zweiten Weltkrieg.
Zu den sehenswerten Sakralbauten Gibraltars gehören die römisch-katholische Kathedrale aus dem 19. Jahrhundert mit dem eindrucksvollen Gnadenbild „Unserer Lieben Frau von Europa“ im Seitenaltar, vier Synagogen der orthodoxen Juden und die Ibrahim-al-Ibrahim-Moschee (erbaut zwischen 1995 und 1997), die zu den grössten Moscheen ausserhalb eines muslimischen Landes zählt.
Freizeitgestaltung in Gibraltar
In Gibraltar haben Sie die Möglichkeit, verschiedenen britisch-historischen, aber auch modernen Sportarten zu frönen. Sie können hier neben Squash, Badminton, Netzball, Tennis und Cricket auch Basketball und Volleyball spielen sowie Klettern, Kanufahren, Segeln und viele andere Wassersportarten ausprobieren. Überdies können Sie auf der Main Street, an der Sie unter anderem die bereits erwähnte Kathedrale finden, flanieren und steuerfrei Genussgüter erwerben.
Oberstes Bild: Gibraltar aus der Luft gesehen. (© Steve, Wikimedia, CC)