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Geben ist seliger denn nehmen. Dieses geflügelte Wort steht stellvertretend für das gelebte Drei-Sektoren-Modell der liberalen Gesellschaftsordnung: Der Staat schützt uns und verwaltet, die Wirtschaft versorgt uns mit Gütern und Dienstleistungen, die Zivilgesellschaft kümmert sich uneigennützig um das Allgemeinwohl.
Schnittstelle
Der Private Banker bewegt sich dabei an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Er begleitet die Entstehung von Vermögen aus der wirtschaftlichen Wertschöpfung und unterstützt in der Folge deren ganze oder teilweise Überführung in die Zivilgesellschaft. Dabei ist das Rechtskleid der Zivilgesellschaft der Verein und im Private Banking vor allem die Stiftung. Ihre Beitragsform ist das Projekt, und die noch immer weit verbreitete Arbeitsform ist der bescheiden remunerierte oder gar ehrenamtliche Einsatz. Die so erbrachte Arbeitsleistung muss sich auf die sorgfältige Evaluation, Entwicklung und Begleitung von Projekten konzentrieren. Die damit verbundenen Aufgaben sind anspruchsvoll. Die Führungsorgane von Stiftungen sollten sich nicht zusätzlich mit anderen Aufgaben belasten.
Effizienz durch Arbeitsteilung
Der auf Stiftungen spezialisierte Private Banker bietet dem Stiftungsrat grundlegende Hilfestellungen an. So kann er beispielsweise verhindern, dass der für Finanzen zuständige Stiftungsrat nach einem schlechten Börsenjahr plötzlich zum Bösewicht wird, oder dass sich die Präsidentin einer wissenschaftlich orientierten Stiftung darüber beklagt, die meiste Zeit mit Gesuchen, die nicht dem Stiftungszweck entsprechen, zu verlieren. Der Private Banker verfügt über Verbindungen zu Dritten und eine eigene Infrastruktur, mit der er den Stiftungsrat von der Vermögensverwaltung, dem Reporting, dem Zahlungsverkehr, der Buchhaltung, der Bearbeitung juristischer und steuerlicher Fragen sowie allenfalls der Gesuchsadministration entlasten kann.
Mit einem auf die spezifischen Bedürfnisse ausgerichteten Angebot lässt sich vermeiden, dass Stiftungen, welche die kritische Grösse für einen Vollbetrieb nicht haben, einen Geschäftsführer anstellen müssen. Gleichzeitig ist gewährleistet, dass sich der Stiftungsrat primär der Projektarbeit widmen kann.
Fragmentierte Landschaft
Ausgangspunkt für die vorgeschlagene Arbeitsteilung sind Erfahrungen, die auch statistisch erhärtet sind: Die meisten Stiftungen sind kleinere Organisationen. Die Schweizer Stiftungslandschaft ist rein numerisch ausgesprochen fragmentiert, nach Vermögen aber sehr konzentriert. Wohl deshalb gehören Swiss Foundations, dem Verein der grossen Förderstiftungen, die über einen eigenen qualifizierten Personalstab verfügen, per Juli 2010 nur 61 Mitglieder an. Dem Private Banker ist das Phänomen der asymmetrischen Vermögensverteilung nicht neu.
Natürlich wäre es in diesem Umfeld wünschbar, dass kleine und mittelgrosse Stiftungen ihre Kräfte bündeln. Der kundenorientierte Private Banker muss sich aber an die Realitäten halten: Viele Stifter wollen ihr Vermächtnis grundsätzlich in einem eigenen Gefäss haben. Der Hinweis auf die Möglichkeit von direkten Schenkungen, Zustiftungen oder der Beteiligung an philanthropisch orientierten Plattformen verhallt daher vielfach.
Anlagestrategie muss passen
Der Private Banker trägt dazu bei, dass individuelle Förderziele möglichst wirksam und nachhaltig erreicht werden. Das Mittel dazu ist nebst guten organisatorischen Strukturen die Anlagestrategie, die auf die Umsetzung der philanthropischen Zwecksetzung zugeschnitten werden soll. Dabei lässt sich die Frage, wie viel Kapital erforderlich ist, um zum Beispiel den Betrieb eines stiftungseigenen Museums auf Dauer sicherzustellen, auch heute nur im Modell beantworten. Dies bedeutet, dass es in der Finanzplanung auch Szenarien zur Erschliessung zusätzlicher Finanzquellen braucht, es sei denn, die Stiftung sei nur auf Zeit angelegt. In der Schweiz ist diese als Verbrauchsstiftung bezeichnete Vorgehensweise vergleichsweise selten. Häufig sind dagegen Förderstiftungen mit einem einstelligen Millionenvermögen oder Sammelstiftungen, die sich über Spenden finanzieren. Auch die Mischform von Förder- und Sammelstiftung ist verbreitet.