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Was ist ein Leistenbruch?
Bei einer Leistenhernie handelt es sich um einen Eingeweidebruch im Bereich des Leistenkanals. Dieser befindet sich auf beiden Körperseiten etwa zwischen Unterbauch und Oberschenkel. In der medizinischen Fachsprache wird ein Leistenbruch auch „Hernia inguinalis“ genannt.
Bei einer echten Leistenhernie „bricht“ die vordere Bauchwand an einer Schwachstelle in der Leistengegend. Dadurch entsteht eine Lücke in der Bauchwand (Bruchpforte), durch die sich ein Teil der Eingeweide (Bruchinhalt) vorwölbt. Die ausgetretenen Teile der Bauchorgane – zum Beispiel des Darms – sind dabei noch vom Bauchfell bedeckt. Es bildet sich eine Ausstülpung des Bauchfells, die wie ein kleiner Sack aussieht. Daher spricht man auch vom sogenannten Bruchsack.
Der Leistenbruch zählt zu den häufigsten Hernien: Dreiviertel aller Hernien treten in der Leistengegend auf. Darüber hinaus kann es auch im Bereich von Operationsnarben (Narbenhernie), des Bauchnabels (Nabelhernie), unterhalb des Leistenbandes am Oberschenkel (Schenkelhernie), der Bauchwand (Epigastrische Hernie) oder neben einem künstlichen Darmausgang (Parastomale Hernie) zu einem Bruch kommen.
In welchem Alter tritt ein Leistenbruch auf?
Der Leistenbruch ist eine häufige Erkrankung. Er kann in jedem Lebensalter vorkommen und ist manchmal auch schon angeboren. Die Häufigkeit der Neuerkrankungen pro Jahr wird bei Erwachsenen auf bis zu 3 Prozent geschätzt. Zwischen 3 bis 5 Prozent aller Neugeborenen kommen mit einer Leistenhernie auf die Welt. Mit etwa 90 Prozent stellen Männer den Grossteil der Betroffenen. Der Grund hierfür ist, dass bei Frauen der Leistenkanal enger ist als bei Männern. In 60 Prozent der Fälle erfolgt der Leistenbruch auf der rechten Seite. Weitere 25 Prozent der Leistenhernien treten links auf. Die restlichen 15 Prozent betreffen beide Seiten.
Leistenbruch: Das sind die Ursachen und Risikofaktoren
Der Leistenbruch entsteht an einer Schwachstelle in der Wand des Leistenkanals. Dieser zieht sich schräg durch die Schichten der Bauchwand. In ihm verlaufen wichtige Nervenbahnen, Blutgefässe, Lymphgefässe und beim Mann der Samenleiter. Geschützt wird der Leistenkanal durch Muskeln, Bänder und Bindegewebe. Der Leistenkanal weist jedoch natürliche Schwachstellen auf. Dadurch kann sich unter anderem bei starkem Druck, etwa durch Heben und Tragen oder infolge einer Schwangerschaft, eine Lücke in diesem Bereich bilden.
Bei einem Leistenbruch unterscheidet man zwei Formen:
- Indirekter Leistenbruch: Die meisten Betroffenen haben einen indirekten Leistenbruch. Hierbei tritt der Bruchsack durch die innere Öffnung in den Leistenkanal vor. Da sich die Öffnung seitlich von der Körpermitte befindet, sprechen Medizinerinnen und Mediziner auch von einer lateralen Leistenhernie. Der Bruchsack kann von hier aus durch den Leistenkanal in Richtung Körpermitte bis zum Hodensack beziehungsweise den Schamlippen vordringen. Der indirekte Leistenbruch ist meistens angeboren. In diesem Fall hat sich der Leistenkanal in der Entwicklung nicht vollständig geschlossen.
- Direkter Leistenbruch: Bei einem direkten Leistenbruch dringt der Bruchinhalt auf direktem Weg senkrecht durch die Bauchwand. Dabei umgeht er also den Leistenkanal und dringt direkt nach aussen. Da sich die Bruchstelle nahe der Körpermitte befindet, wird diese Form auch mediale Leistenhernie genannt. Die Wandschwäche ist in den meisten Fällen erworben, weshalb vor allem Erwachsene einen direkten Leistenbruch bekommen. Meistens handelt es sich hierbei um Männer.
Es gibt zahlreiche Faktoren, die die Bauchwand schwächen und den Druck im Bauchraum erhöhen. Hierzu zählen:
- Operationen im Bauchbereich: Vernarbungen können bewirken, dass die Bauchwandmuskulatur weniger beweglich wird und Druck im Bauchraum schlechter abfangen kann.
- Erhöhter Druck im Bauchraum: Neben Husten, Erbrechen, Heben und Tragen schwerer Lasten kann auch Verstopfung, Übergewicht oder eine Schwangerschaft den Druck im Bauchraum beziehungsweise in der Leistengegend erhöhen.
Nicht zuletzt führt auch ein schwaches Bindegewebe und eine anatomisch bedingte Schwäche dazu, dass die Leiste erhöhtem Druck schlechter standhalten kann.
Wie äussert sich ein Leistenbruch?
Ein Leistenbruch macht sich unter anderem durch folgende Symptome bemerkbar:
- Eine sichtbare und tastbare Schwellung in der Leistengegend
- Schmerzen beim Heben schwerer Lasten und beim Stuhlgang
- Manchmal auch ziehende Schmerzen auf der betroffenen Seite, die bis in den Hodensack beziehungsweise die Schamlippen ausstrahlen
Typischerweise verstärken sich die Symptome bei erhöhtem Druck im Bauchraum, etwa durch Husten, Niesen oder Pressen. Es ist jedoch auch möglich, dass eine Leistenhernie gar keine Beschwerden verursacht.
Zu starken Schmerzen kommt es meist erst dann, wenn die ausgetretenen Eingeweide – etwa Teile des Darms – eingeklemmt werden. Dann kann auch Übelkeit und Erbrechen auftreten. Achtung: Dies ist dann ein medizinischer Notfall und der sollte umgehend behandelt werden. Ansonsten drohen ernsthafte Komplikationen – zum Beispiel eine Entzündung der Bauchorgane.
Leistenbruch: Diagnose bei uns
Eine Leistenhernie ist für die Ärztin oder den Arzt meist leicht durch eine körperliche Untersuchung zu erkennen. So zeigt sich in der Regel eine Schwellung in der Leistengegend, wenn die Betroffenen stehen oder liegen. Auch beim Husten oder Pressen ist die Bruchstelle in der Regel gut zu sehen und zu ertasten. Bei unklarer Diagnose wird die Ärztin oder der Arzt zusätzlich eine weiterführende Untersuchung veranlassen. Diese ist dann sinnvoll, wenn der Leistenbruch klein ist, der Betroffene eine straffe Bauchdecke hat oder stark übergewichtig ist und die Hernie auf den ersten Blick nicht gut zu erkennen ist.
Spezialisiertes Team
Am Universitätsspital Zürich bieten wir Ihnen in einem spezialisierten Team die optimale Behandlung für Ihr Hernienleiden. Falls nötig erfolgt bei vorliegenden medizinischen Grunderkrankungen die interdisziplinäre Behandlung mit den entsprechenden Kliniken. Wir bieten Ihnen einen grossen Erfahrungsschatz in der Behandlung komplexer und kombinierter Hernien an.
Leistenbruch: Vorbeugen, Früherkennung, Prognose
Tatsächlich gibt es mehrere Möglichkeiten, mit denen Sie einem Leistenbruch – zumindest bis zu einem gewissen Grad – vorbeugen können:
- Wichtig ist, dass Sie Übergewicht vermeiden, um die Bauchwand zu entlasten.
- Auch gut trainierte Bauchmuskeln bieten einen gewissen Schutz.
- Achten Sie darauf, möglichst keine schweren Lasten zu heben – insbesondere bei einer Bindegewebsschwäche. Auch nach einer Leisten-Operation sollten Sie nach Verordnung Ihres behandelnden Arztes nichts Schweres heben und tragen.
- Viel trinken und eine ballaststoffreiche Ernährung beugt Verstopfung vor und verhindert so, dass Sie beim Stuhlgang pressen müssen.
Verlauf und Prognose einer Leistenhernie
In einem unbehandelten Leistenbruch können Teile der Bauchorgane einklemmen. Dadurch kann es im weiteren Verlauf zu Komplikationen kommen. Bleibt ein Darmabschnitt eingeklemmt, kann dieser unter Umständen absterben. Diese Komplikation muss chirurgisch beseitigt werden, wobei hier ein erhöhtes Operations-Risiko besteht.
Ein operativ behandelter Leistenbruch heilt dagegen fast immer ohne Komplikationen aus. Dennoch besteht ein geringes Risiko von fünf bis zehn Prozent, dass es hinterher erneut zu einem Bruch kommt. Damit nach der Operation keine erneute Leistenhernie auftritt, sollten Sie nach dem Eingriff gemäss der Empfehlung Ihres behandelnden Operateurs keine schweren Lasten heben und auf einen möglichst weichen Stuhlgang achten.
In seltenen Fällen können weitere Komplikationen auftreten. Hierzu gehören eine Flüssigkeitsansammlung, eine Durchtrennung einer der beiden Samenstränge, eine Verletzung der Hodengefässe, des Darms oder der Blase sowie chronische Schmerzen durch eine Irritation von Nerven. Mitunter kann sich in der grossen Beinvene auch ein Blutgerinnsel (Thrombose) bilden. Löst es sich, kann es mit dem Blut in die Lunge gelangen und dort zu einem gefährlichen Gefässverschluss (Embolie) führen.
Behandlung des Leistenbruchs je nach Schweregrad
Die Behandlung einer Leistenhernie richtet sich nach dem Schweregrad. Die entscheidende Frage dabei ist, ob sich der Bruchinhalt in den Bauchraum zurückdrängen lässt. Ist dies der Fall, handelt es sich um eine reponible Leistenhernie. Diese häufigste Form der Leistenhernie kann elektiv operativ versorgt werden.
Kann die Ärztin oder der Arzt den Bruchinhalt mit der Hand nicht in die normale Position zurückbringen, liegt eine irreponible Leistenhernie vor. Diese Form erfordert eine sofortige Operation. Erfolgt dies nicht, kann es zu Verwachsungen kommen. Zudem besteht die Gefahr, dass Teile der Bauchorgane einklemmen. Dies ist ein medizinischer Notfall, der innerhalb weniger Stunden behandelt werden muss. Ansonsten können schwere Komplikationen auftreten.
Bei einem operativen Eingriff wird vom Institut für Anästhesiologie das individuell auf Sie angepasste Anästhesie-Verfahren ausgewählt.