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Yvette Z'Graggen – Une femme au volant de sa vie
Regie: Frédéric Gonseth
Die Genferin Yvette Z’Graggen (1920–2012) war eine der bedeutendsten Schweizer Schriftstellerinnen; allerdings ist sie in der Romandie bekannter als in der Deutschschweiz. Als Tochter einer gutbürgerlichen Familie – der Vater war Deutschschweizer, die Mutter Romande – wuchs sie behütet auf und begann schon im zarten Kindesalter zu schreiben. Die Erfahrung, dass die Ehe ihrer Eltern zerbrach, prägte sie und liess sie seit ihren Teenagertagen nach einem unverrückbaren Grundsatz leben: Eine Frau muss auf eigenen Beinen stehen und finanziell unabhängig sein – eine Sichtweise, die damals in der Schweiz kurz vor dem Zweiten Weltkrieg für eine Frau absolut ungehörig, ja revolutionär war. Sie absolvierte eine kaufmännische Lehre, arbeitete während des Krieges als Sekretärin beim Roten Kreuz und bereiste gleich nach Kriegsende im Auftrag der humanitären Organisation «Don suisse» das in Trümmern liegende Europa. 1944 erschien ihr erster Roman «La vie attendait». Darin erzählt Yvette Z’Graggen von den Liebesturbulenzen einer jungen Frau und schildert, wie diese aus dem engen moralischen Korsett des protestantischen Milieus auszubrechen versucht. Ein Thema, das damals so skandalös empfunden wurde wie die Tatsache, dass Yvette Z’Graggen eine der ersten Frauen in Genf war, die Auto fuhr, rauchte und ein offenherziges Liebesleben führte. Von den 1950er-Jahren an arbeitete sie für längere Zeit als Journalistin beim Westschweizer Radio. Sie war eine Pionierin am Mikrofon, vor allem was Kultursendungen anbelangte, und veröffentlichte kontinuierlich eigene literarische Arbeiten. Der Westschweizer Regisseur Frédéric Gonseth, seit über dreissig Jahren als freier Dokumentarfilmer tätig, hat das Leben dieser aussergewöhnlichen Frau und engagierten Literatin aus zahlreichen, noch nie veröffentlichten Archivaufnahmen zu einer vielschichtigen filmischen Biografie gestaltet. Herzstück und dramaturgisches Zentrum des klug aufgebauten Films bildet dabei das letzte ausführliche Interview, das Yvette Z’Graggen 2003 der Dokumentarfilmerin Catherine Azad gab, Frédéric Gonseths Lebensgefährtin, mit der sie seit den 1980er-Jahren befreundet war.