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Haus Warteck, Stadthausstrasse 39
Stadthausstrasse 39
8400 Winterthur
Das Wohn- und Geschäftshaus „Zum Warteck“ wurde als Villa für den Textilkaufmann Jakob Theodor Ziegler-Bühler vom Architekten Leonhard Zeugheer 1857-1861 erbaut.
Das Haus stellt einen Stadtpalazzo im Stil der Neurenaissance dar. Es steht auf dem Areal des ehemaligen Kornmagazins beim Nägelitor (Stadthausstrasse 39). Das Gebäude weist ein monumentales Rundbogentor für den Durchgang zum kleinen Hof mit einem Brunnen auf. Das Piano Nobile* zeigt hohe Fenster mit italienischen Giebeln und die Schmal- wie auch an der Längsseite werden durch einen Balkon akzentuiert. Oberhalb des gequaderten Erdgeschosses liegt ein durch Horizentalfugen betontes Mezzanin**, das mit einem reich verzierten Gesimse angeschlossen wird. Darüber stehen die hohen, durch italienisierende Giebel markierten Fenster des Piano Nobile. Über dem obersten Geschoss bildet das profilierte Gebälk des Abschluss der Hauptfassaden.
Der Bauherr Theodor Ziegler (1825-1900) war Teilhaber der Firma Rieter, Ziegler & Cie. Architekt Leonhard Zeugheer errichtete den Neubau in den Jahren 1857-1861. Theodor Ziegler war Sohn des Jakob Ziegler zum Egli. Die Firma fabrizierte Blaudrucktücher und war somit ein Konkurrent von Emil Ziegler-Egg. Seine Gattin war Karoline Bühler (1836-1905), Schwester von Eduard Bühler von der Villa an der Lindstrasse. Somit gab es keinen grossen Kontakt in diesem Verwandtschaftsteil.
Die Familie Ziegler, Vater, Mutter, vier Söhne und zwei Töchter bewohnten die „Warteck“. Im Erd- und im Zwischengeschoss waren Büro und Lager, darüber befanden sich die Wohnräume. Später kaufte Ziegler das Schloss Hard bei Ermatingen. Das Haus ging nach Zieglers Wegzug in den Besitz der Schweizerische Unfallversicherung. Nach deren Umzug kaufte es Eduard Bühler-Egg, 1833-1909. Er richtete dort seine Büros und Lager ein. Die oberen Stockwerke wurden vermietet. Nach einem Umbau mit sehr repräsentativen Räumen kaufte und nutze die „Winterthur“ (heute AXA) dieses Haus. Heute ist es an verschiedene Nutzer vermietet.
*Das Piano nobile ist das Hauptgeschoss eines Palastes oder eines Schlosses. Im französischsprachigen Raum wird auch der Begriff „bel étage“ verwendet. In der italienischen profanen Architektur, besonders in Venedig, sind dezidierte Piani nobili ab dem 12. Jhdt. nachweisbar. Gegenüber den anderen Geschossen zeichnet sich der Piano nobile in der Regel durch eine größere Höhe, reichere architektonische Details, besondere Ornamentierung und höheren Anteil von Fensteröffnungen aus. Im Piano nobile, der in der Regel das erste oder zweite Obergeschoss ist, befinden sich die Empfangs- und Repräsentationsräume; in Abhängigkeit von der jeweiligen Epoche auch Wohnräume.
**Als Mezzanin wird ein Halb- oder Zwischengeschoss eines mehrstöckigen Gebäudes bezeichnet. Das Mezzanin hat eine geringere Höhe als die üblichen Geschosse. Meistens befindet es sich entweder als letztes Geschoss ohne Dachschräge unter dem Dach, z. B. als Dienstbotenwohnung, oder als Zwischengeschoss zwischen Erdgeschoss und dem ersten Obergeschoss.
Im Gebäudeinneren wird der Palazzocharakter durch einen kleinen Hof mit Brunnen weitergeführt. Das Gebäude wurde 1994 restauriert und aussen originalgetreu bemalt. Man betritt den Hof durch ein monumentales Rundbogentor. Später nutze es die Winterthur Versicherungen vor allem zu Repräsentationszwecken. Heute ist es als Geschäfts- und Bürohaus vermietet.