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Wenn Sie das Musikinstrument Gubal® kennenlernen möchten, empfehlen wir, diesen Artikel zu lesen. Hier erfahren Sie, was es mit dieser Klangskulptur auf sich hat.
Im November 1999 traf das südindische Musikinstrument Ghatam mit der Panginstrumentenfamilie der PANArt aufeinander. Es entstand dabei ein neuartiges Instrument mit reizvollen Pangklängen. Pang heisst das Rohmaterial, das mit einem von der PANArt entwickelten, patentierten Verfahren hergestellt wird.
Der blecherne, zylindrische, elastische Resonanzkörper der Steelpan und das tönerne, gewölbte, hochsteife Gefäss des Ghatams verbanden sich.
Die Tuner der PANArt gaben diesem hybriden Instrument zuerst den Namen Ghatpan, realisierten aber bald, dass da etwas wirklich Neues entstanden war. Dieses Neue erhielt den Namen Hang®, denn an diesem hochsensiblen Gefäss brauchte es die Hände, um seine magische Wirkung in ihrer Fülle zu erzeugen.
Zunächst versuchten wir, den tiefen Klang der Luftschwingung im Hohlraum des Gefässes in das neue Instrument einzubetten und ihn zu verstärken. Nachdem auch die Unterstützung namhafter Akustiker nicht weiterhalf, gaben wir diese Versuche jedoch bald auf.
An die Stelle der Gefässöffnung trat nun ein attraktives Gebilde, der Ding. Ein gongähnlicher Klang, der wie «ding!» klang, kam im Zentrum der oberen Halbschale zu liegen, die von nun an Ding-Seite genannt wurde.
Um die Schwingungen im Innern des Gefässes nach aussen zu führen, blieb die Öffnung jedoch erhalten und erhielt ihren Platz auf der unteren Halbschale des Instruments. Den schwachen, tiefen Bassklang, der an der Öffnung angeregt werden konnte, nannten wir Gu. Das Hang® erhielt seine Gu-Seite.
In dieser Form stellten wir das Hang® 2001 der Öffentlichkeit vor. Es resonierte mit Individuen in aller Welt. Die Globalisierung hat es möglich gemacht, dass der neue Klang in kurzer Zeit in alle Richtungen getragen wurde.
Unsere Anstrengungen galten weiterhin vor allem dem Gefässklang Gu, den wir unbedingt stärken wollten.
So entstand 2004 das Instrument Gudu Hang. Es hatte eine zweite, seitliche Öffnung auf der Unterseite. Ein in die Gu-Öffnung eingesetztes hölzernes Rohr, der Dum, vertiefte den Bassklang um eine Quinte, verstärkte ihn jedoch nicht.
Um dem Instrument mehr klangliche Fülle zu geben und es noch näher an den Menschen heran zu bauen, stimmten wir tiefere Klänge in den Tonkreis ein, den Chor, wie wir ihn nannten. Bei einer neuen Generation des Hang® im Jahr 2006 erklang der Ding in D3, eine ganze Quinte tiefer als bei den ersten Instrumenten.
Ab 2007 wurde zudem der Hals des Gu in einem harmonischen Verhältnis zum Ding auf den Ton D5 eingestimmt und um zwei weitere Teiltöne F5 und Fis5 ergänzt. Ein Anregen des Halsrandes ließ nun einen hellen oszillierenden Guing erklingen. Niemand ahnte, dass dies ein weiterer Schritt hin zum Gubal® bedeutete.
Mit dem Integralen Hang (2008) und dem Freien Integralen Hang (2010) wurde die Klangskulptur noch mehr zu einem Ganzen verschmolzen. Den Käuferinnen und Käufern wurde bei der Übergabe des Instrumentes jeweils die Funktion des Gu eingehend erklärt. Durch Öffnen und Schließen der Schenkel ließ sich die Tonhöhe des Gu verändern. In der richtigen Körperposition gespielt, erklang aus dem Gu ein D2 und verband sich mit dem Ding zu einer Einheit. Integrales Hangspiel bedeutete, die Gegensätze zu verbinden: Himmel und Erde, Höhen und Tiefen, Ding und Gu.
Eine andere Spielweise ermöglichte ebenso die Integration von Ding und Gu: Das Hang® wurde dabei aufrecht in den Schoss gelegt.
2013 gelang es, den Gu-Hals so tief zu stimmen, dass die Luft im Gefäss kräftig angeregt werden konnte. Der Ringding war geboren und die Gu-Öffnung wieder zurück auf die Oberseite des Instruments gewandert.
Auf der Unterseite war nun Raum für den Gugel, eine halbkugelförmige Erweiterung des Gefässes. Drei Liter mehr Luftvolumen ermöglichten einen vollen kräftigen 78 Hertz Bassklang (Eb2), dessen Tonhöhe mit der Hand noch weiter abgesenkt werden kann.
In einem Entwickungsprozess von 14 Jahren war eine neue Klangskulptur herangereift. Wir gaben ihr den Namen Gubal®.
Hermann von Helmholtz, der grosse Akustiker, hatte vor 150 Jahren bauchige Resonatoren mit Hälsen zur Analyse von Klängen und zum Stimmen von Musikinstrumenten geschaffen. Heute wird der nach ihm benannte Mechanismus, die Helmholtzresonanz, zur Dämpfung unerwünschter Schwingungen in Räumen eingesetzt.
Die PANArt-Tuner – und das hätte Helmholtz sicher gefreut - haben ihn für musikalische Zwecke erweitert. Der Hals des Gefässes ist elastisch geworden. Nur so wird die Luft effizient ins Schwingen gebracht. Zudem ist der Ringding harmonisch mit den Teiltönen Eb3, Bb3 und Eb4 eingestimmt. Beim Gubalspiel gilt es, diese Klänge mit dem Helmholtzresonator zu integrieren: Gu und Ringding verbinden sich zum Gung. Für den Chor des Gubals® wählten wir die Töne Bb3, C4, Db4, Eb4, F4, G4 und Bb4.
Die Klangskulptur Gubal® zu spielen bedeutet Hingabe an den Groove, bedeutet ein Dienen an der Musik, ein Spiel mit feinster Artikulation und starker Energie. Die Bandbreite dieses Spiels erfordert Spielerinnen und Spieler, die Musik im Bauch haben, die fähig sind, das kleine Orchester auf ihrem Schoss zu leiten. Es ruft nach höchster Präsenz. Denken Sie daran, das Musikinstrument Gubal ist nicht die generöse Einladung an jedermann oder jedefrau, wie es unsere ältere Klangskulptur Hang ist. Das Hang® hat den Spieler in die Zentrierung geführt und verlangte keine Spieltechniken. Das Gubal® fordert Sie hingegen heraus, Ihre Musik aus der Tiefe Ihres Körpers heraufzuholen.
Severin Berz (www.severinberz.ch), ein Hangpieler der ersten Stunde, trifft in seinem Bericht das Wesentliche:
Meine ersten Erfahrungen mit dem Gubal
Zuallererst: Der Anfang war ziemlich schwierig. Es wurde mir bewusst, dass ich zu sehr versucht habe, das Gubal wie ein Hang zu spielen und dass es mir schwerlich gelang, es zum Schwingen zu bringen und den Klang so zu gestalten wie ich ihn mir vorstellte.
Nach einer gewissen Zeit geschah eine Wende und diese wurde möglich, weil ich begann, mich körperlich in das Spiel einzubringen. Dies tat ich vorher schon mit dem Hang, aber dieses konnte die Energie nicht umsetzen. Ich musste sie umwandeln, reduzieren, wie das ein elektrischer Umwandler tut.
Das Gubal hingegen folgt und drückt aus, was ich ihm übermittle, es hat eine derartige Weite zwischen Bass und den Tönen, die so klar klingen, dass die Begrenzung bei mir liegt. Es ist fähig von unendlicher Sanftheit zu konstanter rhythmischer Kraft zu führen, von der Langsamkeit bis zur Schnelligkeit, ohne an Intensität und Präzision zu verlieren.
Diese unverzügliche Übertragung und direkte Weitergabe von Energie in Form von Klang macht sein Spiel viel schwieriger, denn es drückt treu dies aus, was ich ihm übergebe. Das Gubal ist also überhaupt nicht leicht und gefällig zu spielen, denn es zeigt auch sofort das zögerliche Spiel oder die schlechten Anregungen, aber vor allem macht es sofort den Verlust an Resonanz wahrnehmbar, wenn das Gleichgewicht zwischen Stille und Klang nicht respektiert wird.
Das Gubal ist also ein Instrument, das ganzheitlich gespielt, ja gelebt werden muss, weil es durch den Kontrast seiner kraftvollen Bässe und die präzise Resonanz seiner Töne dem Spieler oder der Spielerin augenblicklich folgen kann - wo er oder sie auch hingeht, sei es in die Harmonie, in die Schönheit, in das Kraftvolle oder die Feinheit, aber auch in das Chaos, die Dissonanz und die Hast.
Ich habe entdeckt, dass man die Langsamkeit wiederfinden muss, um der Stille ihren Platz zu geben, welche dem Bass oder dem Klang folgt. Man muss es schwingen lassen, da liegt meiner Ansicht nach der Hase im Pfeffer. Mit dem Hang machte ich Musik mit der Ordnung der Klänge, mit dem Gubal mache ich Musik um das Zentrum, das da heisst: Stille.
Wie Felix sagt, ist das Gubal wirklich ein Orchester unter den Händen und Fingern. Aussergewöhnlich die unendlichen klanglichen Variationen, die das Gubal bietet und dies in alle Richtungen, im Bass wie in den hohen Klängen.Severin Berz, November 2013