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Der Maler Robert Gardelle schloss seine Ausbildung in Paris im Atelier von Nicolas de Largillière ab und kehrte 1712 nach Genf zurück, um sich auf die Porträtkunst zu spezialisieren. Er malte zahlreiche bekannte Persönlichkeiten der damaligen Zeit, wie den Politiker Pierre Fatio oder den Wissenschaftler Jean-Louis Calandrini. Die hier dargestelltew Person, Jacques-Barthélemy Micheli du Crest, direkter Vorfahre der Familie Micheli du Château du Crest, ist ein vielseitig talentierter "Mann des Lichts" Er begann seine militärische Karriere als Hauptmann und Militäringenieur in der französischen Armee, wechselte dann in die Politik und wurde Mitglied des «Conseils des Deux» in Genf. Als Physiker, Architekt, Spezialist für Befestigungsanlagen und Urbanisierung veröffentlichte er zahlreiche Forschungsergebnisse, insbesondere zur Temperaturmessung. Doch seine offene Kritik an den Verteidigungsmassnahmen der Stadt Genf und des Adelsregimes sowie seine Weigerung, sich öffentlich zu entschuldigen, brachten ihm die Beschlagnahmung seines gesamten Eigentums ein. Er beendete sein Leben in Gefangenschaft auf Schloss Aarburg, von wo aus er 1755 das erste wissenschaftliche Alpenpanorama zeichnete.
Kunstsammlung du Crest
Als Jean-Louis Micheli zu Weihnachten 1946 einen «Bois de Jussy» des Malers Alexandre Calame nach Hause brachte, ahnte sein junger Sohn Yves (kaum zehn Jahre alt) noch nicht, welche Wirkung dieses Werk, das Ihn faszinierte, auf ihn haben würde. Im Laufe der Zeit weckte dieses Gemälde in ihm den Wunsch, eine Sammlung von Werken Genfer Künstler aufzubauen.
Seine Leidenschaft für die Kunst führte ihn rund sechzig Jahre später dazu, einen Ausstellungsraum für hundert Gemälde und Skulpturen zu schaffen: die Kunstsammlung du Crest. Die Werke stammen von so berühmten Meistern wie Jean-Etienne Liotard, Jacques-Laurent Agasse, James Pradier und Ferdinand Hodler, aber auch aus den Ateliers weniger bekannter, aber ebenso talentierten Künstlern. Der gemeinsame Nenner dieser großen Vielfalt an Künstlern ist ihr Beitrag zum Aufschwung der Genfer und Schweizer Kunst, für einige bedeutet dies sogar internationalen Erfolg. Jeder von Ihnen hat eine privilegierte Beziehung zur Calvinstadt, dass er hier geboren wurde, studierte oder einen wesentlichen Teil seiner künstlerischen Laufbahn in Genf verbrachte. Darüber hinaus bestehen zwischen all diesen Künstlern zahlreiche Verbindungen, seien sie beruflicher oder familiärer Natur. Barthélemy Menn, der über ein halbes Jahrhundert lang an der Kunsthochschule unterrichtete, hatte viele von ihnen als Schüler, darunter Auguste Baud-Bovy und Ferdinand Hodler.
Die chronologisch präsentierte Sammlung zeigt die Geschichte der Kunst in Genf vom 18. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts und konzentriert sich hauptsächlich um den See und die umliegenden Berge. Die zahlreichen Ansichten des Genfersees stehen neben Szenen aus dem Wallis. Die Sammlung umfasst auch eine Reihe von Figuren, Aktbilder und Stillleben sowie einige historische Themen.
Die Kunstsammlung du Crest ist die einzig öffentlich zugängliche Sammlung von Kunstwerken, die die Entwicklung der Genfer Schule über drei Jahrhunderte hinweg nachvollzieht. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Werke neu zu entdecken. Die Ausstellung befindet sich auf dem Anwesen des Château du Crest, das seit dem 17. Jahrhundert von der Familie Micheli bewohnt wird und für die Tradition der Weitergabe des Kulturerbes steht. Jacques Micheli, Enkel von Francesco, der 1555 aus Lucca in der Toskana kam, erwarb 1637 das Château du Crest. Der Besitz wurde von Generation zu Generation weitergegeben und in 1995 gründete Yves Micheli die Stiftung Micheli-du-Crest mit dem Ziel das Inventar der historischen Denkmäler aufgeführte Familienerbe zu erhalten
Praktische Informationen
Standort
Collection du Crest
Route du Château du Crest 40
CH-1254 Jussy/Schweiz
Öffnungszeiten
Jeden Mittwoch und Samstag (ausser an Feiertagen)
10 Uhr - 17 Uhr
Tarife
-
Erwachsene
10 .– CHF
-
Ermäßigter Eintritt
6 .– CHF
Behinderte Besucher, Studenten, Kinder unter 12 Jahren, Arbeitslose, Lehrlinge, Erwachsene über 65 Jahre.
-
Freier Eintritt
Kinder unter 12 Jahren, Schulen und Freizeitzentren.
Toepffer beginnt seine künstlerische Laufbahn als Illustrator. Die Karikatur bleibt ein wichtiger Bestandteil seines Schaffens. Nachdem er 3 Jahre lang Gravaur und Aquarell in Paris studiert hatte, kehrte er nach Genf zurück. Er begleitete Pierre-Louis De la Rive auf einer Reise rund um den Genfersee um Freiluftzeichnungen anzufertigen. Inspiriert von holländischen Malern des 17. Jahrhunderts wie David Teniers und französischen Zeitgenossen wie Nicolas-Antoine Taunay, spezialisierte sich Toepffer auf die Ausführung kleiner Genreszenen, die die lokalen Genfer Bräuche illustrierten, aber auch auf anspruchsvollere Kompositionen wie dieses Werk, das die Promenade de la Treille oberhalb des Parc des Bastions illustriert, die dicht bevölkert ist mit verschiedenen Mitgliedern der Gesellschaft - vom Schuhputzer über junge uniformierte Soldaten bis hin zu elegant gekleideten Bürgern, die einen Spaziergang im Nachmittagslicht genießen. Die Promenade de la Treille verdankt ihren Namen den Spalieren, die die Mauern der nahe gelegenen Privatgärten in der Rue de l'Hôtel de Ville säumten.
Agasse begann seine Karriere in seiner Heimatstadt Genf und arbeitete gelegentlich mit lokalen Künstlern zusammen, die ebenfalls in der Sammlung vertreten sind, wie Wolfgang Adam Tœpffer und Firmin Massot. Dennoch verbrachte er den größten Teil seines Lebens in England, das heutige Werk ist dieser englischen Periode zuzuordnen. In Genf lernte Agasse den Mann kennen, der sein wichtigster Mäze werden sollte, den begeisterten Pferdezüchter George Pitt, den späteren Lord Rivers. Dieser ermutigte ihn nach England zu reisen, was er 1800 auch tat. Der Künstler verbrachte dort den Rest seiner Karriere als modischer und erfolgreicher Pferde- und Hundemaler für den Adel. Die Identität der eleganten Frau, die auf diesem Gemälde zu sehen ist, bleibt ein Rätsel. Sie wurde als Emma Powles indentifiziert, eine in England lebende Schweizer Landsfrau, ebenfalls Mademoiselle Cazenove genannt Sie war möglicherweise eine Cousine des Künstlers. Da der Maler in den Einträgen von 1835 und 1842 des handschriftlichen Werkverzeichnisses die sitzende Person nur als 'die Dame mit dem Pferd' erwähnt, bleibt die Frage offen. Agasse schätzte sehr diese Komposition, wobei uns mindestens drei Versionen bekannt sind. Die älteste stammt aus dem Jahr 1808 und wurde in einem größeren Format, in halber Länge, hergestellt.
Agasses Ruf beruht zu einem großen Teil auf seiner Fähigkeit, Tiere nicht nur anatomisch genau darzustellen, sondern auch ihren Charakter in etwas einzufangen, das man als echte Porträts bezeichnen kann. Während er seine Ausbildung zum Zeichner in Paris im Atelier von Jacques-Louis David fortsetzte, besuchte der Künstler auch Anatomie-und Sezierkurse am Naturhistorischen Museum. Die hier abgebildeten Jagdhunde (foxhounds) gehörten George Lane Fox (1793-1848), dem Neffen von Lord Rivers, welcher der bedeutendste Mäze des Künstlers war. Agasse besuchte das Anwesen von Lane Fox, Bramham Park in Yorkshire, um die Zwinger zu besichtigen. Dieses Gemälde stammt aus dem Jahr 1837, während ein anderes, das nur vier Hunde aus demselben Zwinger zeigt, ein Jahr zuvor gemalt wurde. Der Maßstab der Komposition und der ernste Ausdruck des Hundes in der Mitte verleihen dem Werk den Eindruck von Monumentalität und Größe. Die unterschiedlichen Haltungen der Hunde werden brillant eingefangen: Moment der Spannung zwischen zwei Rivalen, Müdigkeit, Neugier, Adel und Eleganz.
Firmin Massot war erst elf Jahre alt, als er in die École des beaux-arts in Genf eintrat. Er besuchte später Kurse für Zeichnen nach der Natur von Jean-Étienne Liotard an der Société des arts. Von Anfang an spezialisierte sich Massot auf Porträtmalerei und arbeitete mit seinen Zeitgenossen zusammen, die ebenfalls in der Collection du Crest vertreten sind, dem Landschaftsmaler Wolfgang-Adam Toepffer und der Tiermaler Jacques-Laurent Agasse. Massot fand daraufhin großen Anklang beim Genfer Adel und der Bourgeoisie, die bei ihm kleine und mittelgroße Porträts in Auftrag gaben. Er erhielt auch Aufträge von renommierten ausländischen Mäzenen wie Madame Récamier und Kaiserin Joséphine. Unser Werk ähnelt in Größe und Komposition dem Porträt von Ariane de la Rive, der späteren Madame Philippe Revilliod im Musée d'art et d'histoire de Genève, das Massot ein Jahr zuvor, im Jahr 1809, gemalt hatte. Beide zeigen eine Frau, elegant im Empire-Stil gekleidet, sitzend am Fuß eines sorgfältig gezeichneten Baumes in der Landschaft. Der natürliche Stil der englischen Porträtmalerei war damals in ganz Europa sehr beliebt und sein Einfluss ist hier deutlich zu erkennen.Die Natur ist frei; kleine Äste und Steine liegen verstreut über den Weg, links ragt ein Buschzweig vor der Harfe in den Vordergrund, während eine große Pflanze mit roten Blüten und ausdrucksstarken Beeren rechts den purpurroten Kaschmirschals widerspiegelt. Die Identität der hier abgebildeten Figur ist bis heute nicht bestätigt worden.
Joseph, Erzherzog von Österreich (1741-1790) ist das vierte Kind und der erste Sohn von Kaiser Franz Stephan und Kaiserin Maria Theresia. Er trat 1765 die Nachfolge seines Vaters als Kaiser Joseph II an. Zusammen mit seinen Eltern ist er einer der wenigen, die dreimal von Liotard dargestellt wurden: 1744 im Alter von vier Jahren, im aktuellen Werk von 1762 im Alter von einundzwanzig Jahren und 1778 bei Liotards drittem Besuch in Wien. Die Tatsache, dass Joseph II. Liotard während seines Aufenthalts in Genf am 14. Juli 1777 besuchte, zeugt von den engen Beziehungen zwischen dem Künstler und der kaiserlichen Familie. Der Erzherzog mit seinem frischen Gesicht wird in einer leuchtend hellblauen Jacke mit schillernden Stickereien dargestellt, die mit den Insignien des Ordens vom Goldenen Vlies verziert sind. Das purpurrote Band und die schwarze Schleife bilden einen starken Kontrast zu den blasseren Farben des restlichen Kostüms. In seiner rechten Hand hält er einen bewusst zusammengefassten Plan einer Befestigungsanlage, der auf die militärische Ausbildung des jungen Prinzen verweist. Liotard fertigte gleichzeitig zwei Pastelle dieser Komposition an. Die andere Version mit geringfügigen Unterschieden befindet sich in der Sammlung des Fürsten Karl zu Schwarzenberg in Wien. Auf dem Wiener Blatt fehlt das leicht skizzierte Fenster im linken Hintergrund, das Liotard anscheinend hinzugefügt hat, um die Lücke zu füllen.
Als Zwillingsbruder von Jean-Étienne Liotard ist wenig über seine Karriere bekannt, doch er war vor allem als Graveur und Zeichner tätig und sein Stil ähnelt dem seines berühmteren Bruders. Das aktuelle Werk, das einzige bekannte Pastell von Jean-Michel, ist eine Kopie eines Gemäldes des französischen Künstlers Jean-Baptiste Santerre (1651-1717), von dem es zahlreiche Versionen gibt, sowie ein Stich von Claude Bricart. Jean-Michel Liotard fertigte auch eine Zeichnung dieser Komposition an, die signiert und auf 1762 datiert ist (Standort unbekannt).
Um sich der Malerei zu widmen, gab De la Rive sein Jurastudium auf. Im Jahr 1786 reiste er für eineinhalb Jahre nach Italien, um mit seinen Schweizer Kollegen Jean-Pierre Saint Ours und Abraham-Louis-Rodolphe Ducros Kopien und Skizzen im Freien anzufertigen. In diesem Werk zeigen die Darstellung der Tiere und die Art und Weise, wie sie in der Landschaft platziert sind, den Einfluss früherer holländischer Maler, die er kopiert hatte, wie Philips Wouwermans und Nicolas Berchem. Die Komposition ist typisch für De la Rives 'komponierte Landschaften', die realistischen Elemente aus Skizzen, die er in der Genferseeregion angefertigt hatte, mit idealisierten Elementen kombinieren, die in ein südliches, italianisierendes Licht getaucht sind, das er in den Werken von Claude Lorrain beobachtet hatte.
Calame reiste 1838 nach Holland, um die Werke der holländischen Landschaftsmaler des 17. Jahrhunderts, insbesondere Meindert Hobbema und Jacob van Ruisdael, zu studieren. Der Einfluss dieser Künstler ist in diesem Werk und in dem gegenüber hängenden kleineren, aber exquisit wiedergegebenen Gemälde Sous l'orage (Unter dem Gewitter) besonders deutlich zu erkennen. Calame interpretiert die detaillierten und majestätischen Naturdarstellungen der niederländischen Meister neu, ebenso wie die Art und Weise, wie sie die dramatischen Kontraste von Licht und Dunkelheit nutzen, um eine atmosphärische Wirkung zu erzeugen.
Alexandre Calame studierte drei Jahre lang bei François Diday, wurde aber bald zu einem in ganz Europa gefragten freischaffenden Künstler. Es war Orage à la Handeck (Musée d'art et d'histoire, Genf), ein größeres Werk, dessen Komposition jedoch dem vorliegenden Gemälde sehr ähnlich ist, dass dem Künstler 1839 im Pariser Salon eine Goldmedaille einbrachte und Calames Namen als Held einer nationalen Schweizer Malschule etablierte, die sich auf eindrucksvolle und romantische Alpenansichten spezialisiert hatte. Mit dem dramatisch beleuchteten Himmel, dem reißenden Wasser des Bergbachs und den von der Kraft des Sturms gebeugten Kiefern präsentierte Calame eine allmächtige und unwirtliche Natur, in der der Mensch abwesend ist.
Diday studierte zunächst bei Wolfgang-Adam Tœpffer in Genf und dann bei Antoine-Jean Gros in Paris. Nach einer kurzen Italienreise kehrte er nach Genf zurück und spezialisierte sich auf Ansichten von Bergen und Seen. Diese Landschaft zeigt den Einfluss seines berühmtesten Schülers, Alexandre Calame, der nur acht Jahre jünger war als er. Doch während Calame in einer romantischen Ader oft die Landschaft zum zentralen Thema seiner Kompositionen machte, ist Didays Werk in einem traditionelleren Ansatz verankert, in dem der Mensch immer präsent ist; im aktuellen Gemälde in Form der zentralen, vom Wind verwehten Figuren und der Hunde. Diday setzt in der Komposition wiederholt schräge Akzente: das schiefe Kreuz, der prasselnde Regen und der gefällte Eichenstamm, um die überwältigende Macht der Natur zu verdeutlichen.
Lugardon wurde zunächst bei seinem Vater Jean-Léonard und dann bei Alexandre Calame ausgebildet und unternahm mehrere Studienreisen nach Paris und Lyon, wo er 1849 die Veterinärschule besuchte. Diese Ausbildung führte ihn dazu, die verschiedenen Bewegungen von Tieren anhand der Fotografie zu studieren, die er eifrig praktiziert. Anschließend verwendet er es zur Vorbereitung seiner Leinwände, um die Haltungen der Rinder, die er in seinen Landschaften darstellt, getreu wiederzugeben. Schließlich lässt Lugardon die Tiermalerei beiseite und konzentriert sich in seiner Arbeit auf Alpenansichten, die auf den verschiedenen Genfer und Weltausstellungen, an denen er teilnimmt, großen Erfolg haben. Als Mitglied der Genfer Kunstkommission und des Schweizer Alpen-Clubs hält er sich regelmässig im Wallis, im Berner Oberland und im Graubünden auf, wo er gerne Orte erkundet, die noch von Bauarbeiten unberührt sind.
Als großer Pädagoge, der Ingres und Corot nahestand, war Menn auch der Lehrer einer ganzen jungen Generation von Künstlern, die er an der École des beaux-arts in Genf unterrichtete, deren Direktor er war. Zu seinen Schülern gehörten Auguste Baud-Bovy, Albert Trachsel und Édouard Vallet, aber vor allem Ferdinand Hodler, der berühmteste von allen. Corot bezeichnete ihn als "unser aller Lehrer". In Genf organisierte er außerdem wichtige Ausstellungen zu Corot, Delacroix, Courbet und Daubigny. Zwischen den beiden jungen Leuten scheint eine Romanze zu entstehen, die der Maler in einer großen Landschaft am Fuße des Petit Salève, der rechts im Bild zu sehen ist, festhält. Im Hintergrund integriert Menn einen Stierkampf, der ihre Aufmerksamkeit zu erregen scheint. Die Figuren werden in der Art der Troubadour Malerei behandelt, die Ingres eigen war und die ihren Höhepunkt unter Jean-Léon Gérôme und Ernest Meissonier, den Hauptvertretern der französischen akademischen Kunst, erlebte. Das Gemälde stammt wahrscheinlich aus der ersten Hälfte des Jahrhunderts, als Menn noch vollkommenvon dem geprägt war, was er in Paris gelernt hatte.
Im Wesentlichen praktiziert Gaud das Genre der intimen Landschaft und versucht, die Umgebung von Genf und die Ufer des Genfersees zu malen. Er schafft Werke mit bukolischem Charakter, die junge Menschen im rousseauistischen Geist des 18. Jahrhunderts darstellen. Der Gemüsegarten, den zwei Figuren fleißig bewirtschaften, öffnet sich weit zum See und zum Jura und scheint in der Nähe von Hermance zu liegen und spiegelt die andere Ansicht desselben Dorfes wider, ebenfalls in der Crest Collection. Als Schüler von Barthélemy Menn an der École des beaux-arts nahm Gaud unter dessen Leitung insbesondere an der Dekoration des Rittersaals im Schloss Greyerz teil, wo er Corot kennenlernte und sowohl mit dem Ehepaar Leleux als auch mit Auguste Beaud-Bovy und François Furet verkehrte. Im Jahr 1902 trat er die Nachfolge von Menn als Leiter der Genfer Kunstschule an. Gaud war auch für die dekorativen Tafeln der Treppe des Grand Théâtre de Genève und des Rathauses von Plainpalais verantwortlich.
Ravel absolviert eine Lehre als Uhrendekorateur und gründet sein eigenes Emaille-Atelier. Danach besuchte er die École des beaux-arts in Genf und war Schüler von Menn und Jacques Alfred van Muyden. Er war ein eifriger Landschaftsmaler, der im Freien malte und durch die Schweiz und Frankreich reiste, bevor er 1884 im Wallis seine erste Offenbarung erlebte. Von da an bereiste er den Kanton als Maler, aber auch als Alpinist. Er interessierte sich sehr für die Natur und studierte wie viele andere Künstler wie Édouard Vallet oder Ernest Biéler auch Trachten und lokale Traditionen. Sein Stil unterschied sich jedoch weitgehend von dem der Maler des Phänomens, das später als École de Savièse bekannt wurde, und mit denen er offenbar nur wenig Kontakt hatte. Er reiste nach Evolène und durchstreifte das Val d'Anniviers ebenso wie das Val d'Hérens auf der Suche nach malerischen Ansichten. Bei dem hier abgebildeten Modell handelt es sich wahrscheinlich um Marie Lancet, eine seiner Schülerinnen, die er heiratete und die er häufig in seinen Kompositionen, vor allem im Wallis, einbezog. Der Künstler ist auch als Onkel von Maurice Ravel bekannt, dem Komponisten des berühmten Boleros.
Auguste Baud-Bovy war ein Schüler von Barthélemy Menn und unterrichtete zehn Jahre lang an der Seite seines ehemaligen Lehrers an der Kunstschule in Genf. Als talentierter Porträtist war es jedoch die Schweizer Landschaft und insbesondere die Berge, die ihn ab 1885 wirklich beschäftigten, was seinen Freund Puvis de Chavannes dazu veranlasste, ihn als 'den Sänger der Berge' zu bezeichnen. 1888 beschloss er, Paris, wo er sich gut etabliert hatte, und zu den zeitgenössischen symbolistischen Künstlerkreisen gehörte, zu verlassen, um dem Stadtleben zu entfliehen, und ließ sich mit seiner Familie in einem Chalet in Aeschi im Berner Oberland nieder. Diese Landschaft ist Teil eines Paars mit «Der Berg in den Wolken»(Gottfried-Keller-Stiftung), das Georges und Blanche Blum für ihre Wohnung in Genf in Auftrag gegeben hatten. Obwohl Baud-Bovy der Natur treu bleibt, gelingt es ihm, dem Werk eine mystische Dimension zu verleihen. Die Oberfläche des Gemäldes ist hauchünn, und dennoch gelingt es dem Maler, mit nahezu transparenten Farbschichten das Licht des Berges, die Oberfläche des Felsens und die Schwaden der aufsteigenden Wolken wiederzugeben.
In den 1860er Jahren hielt sich François Furet mehrmals im Schloss Gruyères auf. Das Schloss gehörte damals der Familie Bovy, die in der schönen Jahreszeit eine ganze Gemeinschaft von Künstlern dorthin einlud. Zusammen mit dem Maler Henri Baron arbeitete Furet dort an der Dekoration des Salons, die von Jean-Baptiste Camille Corot und Barthélemy Menn vorgenommen worden war. Er nutzte einige leer gebliebene Stellen um Tiere oder verschiedene Blumenornamente zu malen. Die kleine Künstlergemeinschaft hatte auch die Angewohnheit, zum Malen in die umliegende Landschaft zu fahren und anschließend kleine Ausstellungen im Schloss zu veranstalten, um die vor Ort entstandenen Arbeiten zu präsentieren. Diese Nachtansicht der Kirche in der kleinen Grafenstadt ist wahrscheinlich eine davon.
James Pradier wurde in Genf in eine französische Hugenottenfamilie hineingeboren und verließ seine Heimatstadt im Alter von achtzehn Jahren, um seine Studien in Paris fortzusetzen. Er gewann den Prix de Rome, der es ihm ermöglichte, von 1814 bis 1818 in der Villa Medici mit anderen vielversprechenden Bildhauern wie David d'Angers zu studieren. Nach seiner Rückkehr nach Paris begann er, seine Werke im Salon auszustellen und wurde schnell zu einem anerkannten Künstler, der zahlreiche öffentliche und private Aufträge erhielt. Seine Werke verbinden einen eleganten Neoklassizismus mit einer scharf beobachteten Sinnlichkeit. Zu seinen bekanntesten Werken gehören die vier Basreliefs der Renommée am Arc de Triomphe (1829-34) und das Bronzedenkmal für Rousseau in Genf (1835). Im Laufe seiner Karriere kehrte er dreimal nach Rom zurück, in der Hoffnung, dort eine zweite Werkstatt zu errichten. Er arbeitete dort für angesehene Gönner wie Prinz Demidow. Die Originalversion der Odaliske in Lebensgröße wurde von Pradier in Marmor gemeißelt und 1841 im Pariser Salon ausgestellt. Sie wurde vom französischen Staat erworben und befindet sich heute im Musée des Beaux-Arts in Lyon. Pradier interessierte sich für orientalische Themen zu einer Zeit, als exotische Reisen in Mode waren. Zu seinen Lebzeiten gab er die bronzene Odaliske in zwei Größen heraus, das aktuelle Exemplar ist das größere Format. Die Details der Rosen in ihrem Haar und des Federfächers zu ihren Füßen sind sorgfältig wiedergegeben und die Künstlerin hat den Moment, in dem die junge Frau aufblickt, während jemand/der Betrachter in ihren Raum eindringt, brillant eingefangen.
Lugardon wurde durch seine Darstellungen der Schweizer Geschichte berühmt, zu denen auch dieses Gemälde gehört. Der Soldat, der die Ochsen des Bauern Heinrich von Melchtal beschlagnahmt, weil dieser sich weigert, sich dem Vogt von Unterwald zu unterwerfen, steht im Zentrum des Bildes und bildet eine Barriere zwischen den Zugtieren und der Familie des Bauern. Der Sohn des Bauern, Arnold von Melchtal, erhebt seinen Streitkolben über seinen Kopf, fest entschlossen, sich mit dem Soldaten anzulegen. Arnold von Melchtal ist eine tapfere Figur in der Schweizer Mythologie und gehört neben dem Urner Walter Fürst und dem Schwyzer Werner Stauffacher zu den legendären Gründern der Eidgenossenschaft. Eine größere Version befindet sich in den Sammlungen des Musée d'art et d'histoire in Genf. Lugardon, der neben Calame und Diday zu den wichtigsten Figuren der Genfer Romantikschule gehörte, machte Karriere zwischen Genf und Paris, wo er von König Louis-Philippe mehrere Aufträge für Versailles erhielt. Er war Mitglied der Société des Arts und des Genfer Nationalinstituts sowie Leiter der École de la Figure an den Écoles de dessin, wo er unter anderem Barthélemy Menn als Schüler hatte.
Diese Studie dient der Schaffung eines großen Panoramas, das eine Episode des französisch-preußischen Krieges von 1870-1871 darstellt: das Debakel der Bourbaki-Armee im Januar 1871 und ihre Internierung in der Schweiz, wo sie Zuflucht gesucht hatte. Außerdem wird eine der ersten großen humanitären Aktionen des acht Jahre zuvor gegründeten Roten Kreuzes hervorgehoben. Es handelt sich hierbei um eine der zahlreichen Vorarbeiten von Édouard Castres, die nach mehrjährigen Vorbereitungen und Dokumentationen für die Ausführung des Panoramas entstanden. Zwölf junge Maler unterstützten ihn fünf Monate lang bei der Schaffung dieses monumentalen, vierzehn Meter hohen Gemäldes. Das Werk wird heute in Luzern aufbewahrt.
Zwischen 1921 und 1926 besuchte Hainard die École des beaux-arts de Genève und die École des arts industriels. Er studierte Bildhauerei und widmete sich auch der Gravur, wobei er sich von der Technik japanischer Drucke inspirieren ließ. Er machte sich einen Namen als Tierkünstler und studierte die Tierwelt der ihn umgebenden Wälder und Berge mit Akribie, um ihre Züge, Haltungen und Farben getreu wiederzugeben. Er verbringt Stunden damit, Füchse, Hasen oder Gämsen in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten, studiert ihre Funktionsweisen und tut alles, um sie nicht zu stören. Dem Künstler gelingt es, ihre Bewegungen mit großer Treue wiederzugeben, und ob er nun eine Gravur oder eine Skulptur anfertigt. Er findet beim Schaffen die Empfindungen wieder, die er vor Ort im Angesicht der Tiere empfunden hat.
Das vorliegende Blatt ist eine von mehreren vorbereitenden Zeichnungen, die Hodler für ein gemaltes Porträt seines engen Freundes, des Bildhauers James Vibert (1872-1942), anfertigte, den Hodler humorvoll "James, l'invincible Carougeois" (James, der unbesiegbare Carougeois) nannte. Die gemalte Version befindet sich im Musée d'art et d'histoire in Genf. Nach einem Aufenthalt in Paris, wo er sich bei Rodin weiterbildete, kehrte Vibert in seine Heimatstadt Genf zurück, wo er bis zum Ende seiner Karriere als Bildhauer und Lehrer tätig war. Hodler, der an Asthma litt, beschloss, James Vibert und seinen Bruder Felix im Sommer 1915 nach Néris-les-Bains in der Auvergne zu begleiten, um dort zu kuren. Die vorliegende Zeichnung stammt von diesem Aufenthalt. Hodler zeigt seinen Freund in einer Dreiviertel-Pose und konzentriert sich dabei auf seinen beeindruckenden Bart und die buschigen Augenbrauen. Hodler fängt auch Viberts kraftvolle Persönlichkeit in dem durchdringenden frontalen Blick des Modells gekonnt ein. James Viberts Werk ist in der Sammlung durch die Bronze Ève Nouvelle aus dem Jahr 1926 vertreten.
Diese Figur ist ein Entwurf für Girons große Komposition, die ein Schwingfest in den Hautes-Alpes darstellt. Sie wurde 1905 gemalt und ist heute im Grandhotel Giessbach am Brienzersee ausgestellt. Die auf das Gefühl einer tiefen Harmonie zwischen Menschen und Natur ausgerichtete Szene ist, wie man es bei den Malern der Schule von Savièse findet, Teil der Rückkehr zur Natur und der für die Jahrhundertwende charakteristischen arkadischen Sehnsüchte. Die Darstellung solcher Alpensujets zielt sowohl auf die Hervorhebung des Bildes einer idealen Schweiz als auch auf die Förderung eines starken nationalen und patriotischen Gefühls ab. Giron malte unter anderem eine große Landschaft im Nationalratssaal des Regierungsgebäudes in Bern, begründete seinen Ruf aber vor allem mit seinen Männer- und Frauenporträts, in denen er sich auszeichnete. Es ist daher nicht verwunderlich, dass er das Gesicht einer jungen Frau und die traditionelle Tracht, in die sie gekleidet ist, genauestens beschreibt.
Hodler schuf 1888 mehrere Landschaftsbilder von der Landschaft am Fuße des Salève. Die Komposition ist insofern gewagt, als sie eine Nahaufnahme der zart gefärbten Wiesenblumen im Vordergrund mit den Kalksteinaufschlüssen des Salève dahinter kombiniert. Der Betrachter entdeckt die Blumen, als wäre er selbst auf Bodenhöhe und läge im Gras. Die Art und Weise, wie Hodler die Komposition einrahmt, indem er die unteren Enden der Blumenstiele abschneidet, vermittelt den Eindruck von Unmittelbarkeit. Die blassrosa und blauvioletten Skabiosen sind von Gräsern durchsetzt, und die Art und Weise, wie sie gemalt sind, ist impressionistisch. Anstatt sich auf eine getreue Darstellung der Natur zu beschränken, wollte Hodler, dass seine Landschaften beim Betrachter Gefühle auslösen. So erklärte er: "Die Malerei kann nur Empfindungen darstellen, und diese müssen stark, rein und ungetrübt sein, um sich direkt von der Oberfläche durch Form und Farbe auf den Betrachter zu übertragen." Wie eine eigenhändige Widmung auf der Rückseite des Gemäldes belegt, schenkte Hodler das Bild seiner Schwägerin Jeanne-Louise Jacques.
Perrier studierte zunächst Mode und Kostüm, doch dank seines Kritikerkollegen Mathias Morhardt, lernte er den Kreis der Schweizer Künstler in Paris kennen, der aus Ferdinand Hodler, Cuno Amiet, Carlos Schwabe und Félix Vallotton bestand, und beschloss, seiner wahren Leidenschaft, der Malerei, zu folgen. Als begabter Porträtist war es die Landschaft, die ihn den größten Teil seines Lebens beschäftigte, und er kehrte immer wieder an seine Lieblingsorte zurück: den Salève, den Mont Blanc von Praz de Lys in Hochsavoyen, den Genfer See und den Grammont. Anstatt wie seine Genfer Vorgänger nach der Natur zu malen, zog Perrier es vor, sich während seiner Spaziergänge Notizen zu Farbe und Atmosphäre zu machen. Sobald er wieder im Atelier war, setzte er seine Eindrücke in traumhafte, fließende Kompositionen um, in denen er eine erhabene und kosmische Vision der Landschaft zu schaffen suchte. Er malte mit kurzen Pinselstrichen und wurde zunächst von George Seurats pointillistischem Stil beeinflusst, näherte sich dann aber dem Divisionismus von Giovanni Segantini an. Ab 1910 wurde sein Stil zunehmend abstrakter und paariger, die Farbschichten immer dünner. Das vorliegende Werk zeigt uns eine Vision des Mont Blanc, der sich majestätisch über der taufrischen Atmosphäre erhebt. Die Bereiche mit leuchtenden, kontrastreichen Farben sind mit einem Netz aus weißen Linien überzogen, die das Relief des Berges abgrenzen. Alles Überflüssige wurde entfernt und die Landschaft ist in ihrem Wesen verdichtet.
Ihly wurde in eine bescheidene Handwerkerfamilie aus dem Großherzogtum Baden hineingeboren und studierte Malerei in Genf und später in Paris. Nach einer Zeit in Florenz kehrte er nach Genf zurück, wo er von 1887 bis 1901 Zeichenkurse gab. Er zeichnete sich dadurch aus, dass er die Säulen des Palais des beaux-arts auf der Schweizerischen Landesausstellung 1896 verzierte, und malte mehrere dekorative Tafeln für das Hotel Beau-Rivage in Genf. Ihlys sozial engagierte Malerei stellt die Landflucht, die Armut und den industriellen Aufschwung um die Jahrhundertwende detailliert dar. Hier malt er die Steinträger aus den Steinbrüchen von Meillerie (Frankreich). Diese nach einem französisch-provenzalischen Dialektwort "bacounis" genannten Schiffer, die sowohl schweizerischer als auch französischer Herkunft - entladen mit Hilfe von aus Holz gebauten Schubkarren die Steine, die aus den in Hochsavoyen gelegenen Steinbrüchen gewonnen werden. Die schweren Frachten werden in eigens dafür gebauten Segelbooten, die auch auf den Treidelpfaden gezogen werden können, nach Genf transportiert. In Meillerie waren fast hundert Männer aktiv und in den Steinbrüchen weitere zweitausend. Die Steinbrüche sind auch heute noch in Betrieb, allerdings wird dort kein Stein mehr abgebaut, sondern Kies für Baustellen.
Hermès, der aus Deutschland stammt, zog schon früh in die Schweiz und ließ sich von den Landschaften seiner Wahlheimat faszinieren. Er ließ sich in Genf nieder und machte die Stadt und ihre Umgebung zu einem der bevorzugten Themen seiner Arbeit, wobei er sowohl nach dem Motiv als auch im Atelier malte. Zunächst stand er Ferdinand Hodler nahe, dessen Werk seine jungen Jahre nachhaltig prägte. Die Ufer der Rhône in La Jonction bieten einen privilegierten Blick auf die Klippen des Viertels Saint-Jean, die der Künstler in zahlreichen Varianten abwandelt. Neben seinen Staffeleigemälden schuf er auch zahlreiche Gebäudedekorationen, Keramiken und Skulpturen, die von seiner Ausbildung zum Dekorateur in den ersten Jahren nach seiner Ankunft in der Schweiz zeugen. Auch als Plakatkünstler machte er sich einen Namen, wobei er häufig für die Firma Säuberlin & Pfeiffer aus Vevey arbeitete. Neben der Schweiz, wo er lebte (in Genf, im Wallis und im Kanton Uri), hielt sich Hermès häufig in Paris und Spanien auf, die sein Werk maßgeblich prägten.
Vallet ließ sich an der Ecole des arts industriels und der Ecole des beaux-arts in Genf ausbilden. Ohne große Vorliebe für das Studium bricht er seine Ausbildung ein Jahr vor seinem Abschluss ab um zu reisen. Er fuhr zunächst nach Deutschland, besuchte Paris und den Louvre und ging auch nach Italien. Im Jahr 1908 entdeckte er das Wallis, dessen Landschaften seine Wahrnehmung der Malerei erschütterten. Nach einem Aufenthalt in Hérémence lebt er zeitweise in Ayent. Im Jahr 1911 verließ er das Dorf und zog mit seiner Frau Marguerite Gilliard, Tochter des Malers Eugène Gilliard und Künstlerin wie er, nach Savièse. Schließlich zog das Paar nach Vercorin, wo Vallet sein Atelier einrichtete. Seine Werke sind ganz vom Wallis inspiriert und versuchen, die Landschaft und die Menschen, ihre Sitten und Gebräuche und ihre Tätigkeiten mit Feingefühl und Poesie wiederzugeben. Dieses Gemälde, das manchmal auch den Titel Marchands de beurre trägt, zeigt eine Szene aus dem täglichen Leben auf einem Markt in Genf. Die Dame auf der linken Seite des Bildes ist die Großmutter mütterlicherseits des Künstlers, Rosalie Bouvier. Das Gemälde war Gegenstand einer Karikatur, die im Winter 1897-98 in der Genfer Satirezeitschrift Guguss' erschien.
Schon in seinen frühen Tagen vom Geist Hodlers geprägt, entdeckte Blanchet 1907 während eines Aufenthalts in Paris die Malerei Cézannes. Dessen Modellierung durch Farbe war für ihn eine Offenbarung und er setzte sie hier in die Praxis um: Er ließ das Licht schwingen, gleicht die warmen Töne des Körpers durch das Grün des Bandes aus und färbte die Schatten. Durch die gekonnte Mischung aus Kurven und geraden Linien, die die Bewegung markieren, erscheint dieses Gemälde wie ein Standbild, das an eine Filmsequenz erinnert, die ein Vorher und ein Nachher hat. Die Handlung des Modells ermöglicht es, die verschiedenen Linien ihres Körpers und die Nuancen der verschiedenen Hautfarben hervorzuheben. Die Gestik der Frau und das lange Band, das vor ihr liegt, ermöglichen es, die Bedeutung der Bewegung zu erfassen, während sie dabei ist, ihr Haar zusammenzubinden. Dieser imposante Akt nahm an zahlreichen Ausstellungen teil, insbesondere anlässlich der Biennale in Venedig im Jahr 1940.
Obwohl er das 20. Jahrhundert durchquerte und mit einer Vielzahl von Künstlern zusammenarbeitete, konnte Émile Chambon angesichts der wichtigen künstlerischen Strömungen seiner Zeit unabhängig bleiben. Als großer Liebhaber von Courbet und Vallotton hörte er nie auf, ihnen zu huldigen und die figurative Malerei zu verteidigen. Er stellte regelmäßig in der Schweiz und in Frankreich aus und profitierte von der Unterstützung von Persönlichkeiten wie Louise de Vilmorin oder Prinz Sadruddin Aga Khan, mit denen er eng verbunden war. Mythologie ist eines der Lieblingsthemen Chambons, der in vielen seiner Kompositionen gerne die Götter und Göttinnen der Antike malt. Ihm zufolge bieten Mythen eine Unendlichkeit möglicher Anpassungen, ohne dass sich ihr Wesen verändert, da sie ewig sind und zu allen Zeiten für alle Menschen dieselben Probleme aufgetreten sind. Der Künstler lässt sich von den griechischen Gottheiten verführen, weil sie ein Abbild des Menschen sind und seine Fehler teilen, sowohl Eifersucht als auch Lügen und Verrat. Wie Menschen sind sie sowohl ideal als auch machiavellistisch. Drei seiner Lieblingsmodelle erscheinen hier in der Gestalt der Töchter von Bacchus und Venus, den Grazien, einem bevorzugten Motiv vieler Künstler.
Vautier, der wie sein Vater Benjamin, ein Professor in Düsseldorf, Maler wurde, studierte an der Akademie der Schönen Künste in München, bevor er nach Paris ging. Dort lernte er Ernest Biéler kennen, den er ins Wallis nach Evolène und Savièse begleitete. Dort verkehrte er mit den Genfern Alfred Rehfous und John Pierre Simonet, die ihn ermutigten, sich in Genf niederzulassen, was er 1906 auch tat. Als Reaktion auf das Phänomen Hodler gründete er 1915-1917 zusammen mit Maurice Barraud und Eugène Martin die Gruppe Le Falot. Da sie auf eine modernistischere Praxis der Malerei abzielten, sind sie mit der Strömung des Postimpressionismus zu vergleichen. Die Frau und die sinnliche Liebe stehen im Mittelpunkt von Vautiers Werk. Als Maler des Intimen komponierte er seine Szenen im geheimen Raum eines Schlafzimmers und stellte die Schönheit und den Charme seiner Modelle in den Vordergrund. Ihre Kleidung wird mit leichten Pinselstrichen gemalt, die sowohl den Stoffen als auch den Pelzen eine bebende Wiedergabe verleihen. Die Künstlerin verwendet vor allem Rosa und Blau, ihre Lieblingsfarbe, und beweist damit ihr großes Interesse an der französischen Malerei des 18.
Albert Gos wurde durch die Werke von Calame auf die Malerei aufmerksam und besuchte die Kurse von Barthélemy Menn, zu dessen "Emulanten" er zählte. Als begeisterter Bergsteiger wanderte er eifrig durch die Schweizer Alpen und folgte den Anweisungen Menns. Er verkündete es. Der Künstler genießt es, im Freien zu arbeiten, die Landschaft zu analysieren und sich frei ausdrücken zu können. Er ist als Sänger der Alpenmalerei anerkannt und begründet seinen Ruf mit zahlreichen Ansichten des Matterhorns. Er stellte seine Staffelei jedoch auch gerne an den Ufern des Genfersees oder in den Obstgärten des Lavaux auf. Dieser Tiefblick auf das türkisfarbene Wasser des Genfersees, aufgenommen von den Höhen von Montreux, markiert einen Übergang zwischen Gos' zwei bevorzugten Themen, den Bergen und dem See. Im Hintergrund erhebt sich majestätisch der Grammont, der aus den Nebelschwaden des Sees herauszuwachsen scheint. In dieser herbstlichen Ansicht spielt der Maler auch mit dem Warm-Kalt-Kontrast der Farben, indem er das orangefarbene Laub im Vordergrund mit dem blaugrünen im Hintergrund kontrastiert.
Dieses geschickt konstruierte, von Cézanne inspirierte Stillleben zeigt einen Steinguttopf, Äpfel und ein Geschirrtuch, das auf dem Tisch liegt und der Komposition eine hellere Note verleiht, indem es das Grün und Rot der Früchte unterstreicht. Hermanjat unterhielt enge Beziehungen zur französischen Avantgarde und gehörte zu den ersten Schweizer Künstlern, die sich von Paul Cézanne und den Fauvisten inspirieren ließen. Hermanjat, der in Genf bei Barthélemy Menn und Auguste Baud-Bovy ausgebildet wurde, machte sich vor allem durch seine orientalistischen Szenen einen Namen. Im Jahr 1886 reiste er zum ersten Mal nach Algier, bevor er mehrere weitere Aufenthalte in den Maghreb-Staaten absolvierte. Dort malte er Wüstenlandschaften, Szenen aus dem Alltagsleben sowie Porträts von Einheimischen. 1896 kehrte er jedoch in die Schweiz zurück, wo er sich endgültig niederließ. Er verzichtete auf orientalische Motive, die beim Publikum keinen Anklang fanden und stattdessen Alpenansichten bevorzugten. Wie viele seiner Zeitgenossen widmete er sich nun der Darstellung von Schweizer Landschaften.
Alice Bailly stammt aus einfachen Verhältnissen und besucht die Zeichenkurse der École des demoiselles, die an die École des Beaux-Arts in Genf angrenzt, die damals für Frauen verboten war. Im Jahr 1900 stellte sie zum ersten Mal aus. Nach mehreren Aufenthalten im Wallis zwischen 1902 und 1904 verließ sie die Schweiz zwei Jahre später, um sich in Paris niederzulassen. Im Jahr 1911 lernte sie André Lhote und Raoul Dufy kennen und erweiterte ihren Freundeskreis um andere Künstler wie Juan Gris und Albert Gleizes, die alle eng mit dem Kubismus verbunden waren. Ihre Malerei entwickelte sich daher ganz natürlich in Richtung dieser Tendenz, weshalb sie von Guillaume Apollinaire als Orphistin eingestuft wurde. Sie stand den Avantgarde-Bewegungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts nahe und trug zu deren Verbreitung in der Westschweiz bei. Die Künstlerin fertigte das Gemälde im Jahr vor seiner Rückkehr in die Schweiz an. Der Strauß, dessen Blumen unstrukturiert erscheinen, ist orphistisch gefärbt und erinnert an die Werke von Robert Delaunay und Sonia Delaunay. Es ist ein farbenfrohes Gemälde, das aus silbernen Formen und harmonisch angeordneten Farben besteht, die auf dem architektonischen Hintergrund kaum zu erkennen sind. Auch wenn es nicht leicht ist, die verschiedenen Arten der dargestellten Blumen zu unterscheiden, schafft die Gesamtheit der farbigen Formen eine Harmonie, auf die die Künstlerin offenbar hauptsächlich abzielt.
Die Komposition dieses Stilllebens zeigt deutlich Gamperts großes Interesse an dekorativen Künsten. Gekonnt nebeneinandergestellt, werden die verschiedenen ausgewählten Gegenstände entsprechend ihrer visuellen Wirkung in Resonanz gebracht. Der Künstler, der auch zahlreiche Kartons für Wandteppiche und Tapeten für das Haus Grandchamp anfertigte, integrierte in seine Ensembles gerne Stoffe mit reichen Mustern, die es ihm ermöglichten, sich in der dekorativen Kunst zu üben. Nach einer kurzen kubistischen Phase, die von seinem Freund, dem Franzosen Roger de La Fresnaye, angeregt wurde, kehrte Gampert bald zu einem eher klassischen Stil zurück. Als Maler, Zeichner, Graveur und Illustrator schuf er sowohl Kostüme und Theaterdekorationen, die von Maurice Denis angeregt wurden, als auch Fresken, wie die in der Apsis der Kirche von Corsier (GE) zwischen 1923 und 1924.
Das Werk, das mit der bäuerlichen Bilderwelt des Wallis verbunden ist, stellt nicht wie oft üblich eine Arbeits- oder Gebetsszene dar, sondern bietet einen choralen Freizeitmoment, der in einem Chalet vor dem Kaminfeuer stattfindet, der einzigen Lichtquelle der Komposition. Aus diesem Grund ist die Palette bewusst dunkel gehalten, mit Ausnahme der orangefarbenen Gesichter, die von den Flammen der Feuerstelle erhellt werden. Die Intimität der Szene wird durch die wenigen von hinten gemalten Figuren im Vordergrund hervorgerufen, ebenso wie durch die Gruppe von Frauen, die auf der linken Seite sitzen, mit den drei Sängern einen Kreis bilden und die Gruppe schließen. Marguerite wurde 1888 in Genf als Tochter des Malers Eugène Gilliard, Professor an der École des beaux-arts, geboren. Schon in jungen Jahren bewegte sie sich also in künstlerischen Kreisen. Nach ihrer Ausbildung bei ihrem Vater und Édouard Ravel sowie in Paris bei dem Porträtmaler Jacques-Émile Blanche stellte sie bereits mit sechzehn Jahren im Salon d'Automne aus und wurde Mitglied. In Savièse lernte sie 1909 Édouard Vallet kennen, den sie zwei Jahre später heiratete. Ihr frühzeitiger Tod im Alter von 30 Jahren beendete leider ihre vielversprechende Karriere.