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Männlichkeit und abweichendes Verhalten
Eine qualitative Studie mit süchtigen Männern im Massnahmenvollzug
Die qualitative Studie zum Thema "Männlichkeit und abweichendes Verhalten" geht von der Annahme aus, dass Männer in ihrem Denken und Handeln durch ihre Sozialisation beeinflusst werden. Die forschungsleitenden Fragestellungen orientieren sich an den Biografien süchtiger und delinquenter Männer. Sie suchen nach den Aspekten der Sozialisation, welche Devianz fördern. Zudem fragen sie nach dem Zusammenhang von Männlichkeit und abweichendem Verhalten sowie danach, was bei Beratung und Behandlung von süchtigen und delinquenten Klienten zu beachten ist. Die Studie erkennt begünstigende Faktoren für abweichendes Verhalten in schwierigen Familienverhältnissen, negativen Bindungs- und Beziehungserfahrungen, der Nähe zu kriminellen und/oder süchtigen Milieus, geringen schulischen und beruflichen Chancen sowie extremen Stressbelastungen im Lebenslauf. Sie stellt ausserdem fest, dass männliche Ideale wie Stärke und Leistungsfähigkeit noch immer weit verbreitet sind. Diese schränken die Anerkennung und Möglichkeiten derjenigen ein, welche diese Anforderungen nicht erfüllen. Dadurch stehen viele Männer unter Druck, ihre Geschlechtlichkeit laufend zu inszenieren. Sie werden so – das zeigen die Forschungsergebnisse ebenfalls – in ihren Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt und im sozialen Umgang gehemmt. Sucht und Delinquenz stellen einen Versuch dar, solche Belastungen zu bewältigen. Die Studie begründet, weshalb die Berücksichtigung der Genderthematik in der Betreuung und Behandlung von Männern mit abweichendem Verhalten wichtig ist, und beschreibt, wie dies in der Praxis umgesetzt werden kann.