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Wenn es noch irgendeines Beweises bedurfte, wer der beste Halfpipe-Fahrer aller Zeiten ist, so lieferte ihn Shaun White im Olympia-Final mit dem Gewinn seiner dritten Goldmedaille ab. Der sehr gute 5. Rang des Schweizers Pat Burgener war mehr als eine Randnotiz.
Olympia-Gold 2006 und 2010 hatte er neben 13 Auszeichnungen an den X-Games ebenso schon im beeindruckenden Palmarès wie x Millionen auf dem Bankkonto. Wie sehr er den dritten Triumph an Olympischen Spielen wollte, verdeutlichte eine Szene nach dem letzten Finalrun.
Ayumu Hirano, die japanische Gold-Hoffnung, hatte im zweiten Durchgang mit 95,25 Punkten vorgelegt, er öffnete mit einem nicht zu Ende gebrachten letzten Run die Türe für White aber wieder - und der US-Superstar nutzte die Chance.
Der Druck muss gross gewesen sein. "Er trägt die Last eines ganzen Landes und der ganzen Welt auf seinen Schultern", hatte es sein langjähriger Trainer J.J. Thomas etwas übertrieben formuliert. Denn so sehr White in der Pipe die Nerven bewahrte, so sehr erleichtert zeigte er sich hinterher.
Er, der 31-jährige Überflieger der Wettkampf-Szene, heulte in den Armen der US-Teamkollegen und -betreuer wie ein Schlusshund. Allein der Fakt, dass er wie bei seiner im letzten Moment geschafften Olympia-Qualifikation - mit dem Maximalskore von 100 Punkten - dann ablieferte, als er dazu gezwungen war, macht White zum verdienten Olympiasieger.
Whites Siegeslauf und der beste von Hirano, der mit dem identischen Run wie in Südkorea vor zwei Wochen an den X-Games gewonnen hatte, waren weitgehend identisch. Am Ende dürfte die Höhe der Sprünge den Ausschlag zugunsten des 100. US-Goldmedaillen-Gewinners an Winterspielen gegeben haben, der erstmals überhaupt aufeinander folgend zwei Salti mit jeweils vier Schrauben stand. Hinter White und dem wie 2014 in Sotschi hinter Iouri Podladtchikov zweitklassierten Hirano reihte sich mit dem Australier Scotty James der Weltmeister von 2015 und 2017 ein.
Derweil White erst Tränen vergoss, den Schalter umlegte und dann strahlend zum "Business as usual" (sprich TV-Interview an TV-Interview) überging, freute sich Pat Burgener über seine Leistung. Der Westschweizer hatte mit einer Medaille geliebäugelt. Der Optimalfall, dass er seine Bestleistung abrief und gleichzeitig ein anderer Topfahrer schwächelte, war nicht eingetreten.
Gleichwohl freute sich Burgener diebisch über seine Leistung. "Ich kann gar nicht glauben, wie gut ich war! Alle Tricks, die ich kenne, habe ich in einen Run gepackt. Am 'Switch Backside 1080' (rückwärts angefahrene und rückwärts gedrehte Dreifach-Rotation) arbeitete ich seit drei Jahren, nun stand ich ihn dreimal perfekt."
Vielleicht war es noch immer das Adrenalin, das Burgener nach dem erreichten Ziel, den besten Run seines Lebens zu stehen, zur Ansage an die Konkurrenz veranlasste. "Ich habe das Potenzial, im nächsten Jahr die WM oder die X-Games und in vier Jahren Olympia-Gold zu gewinnen", sagte der fünftklassierte Romand.
Jan Scherrer gehörte im spektakulärsten Halfpipe-Final der Snowboard-Geschichte eine Nebenrolle. Der Toggenburger verpasste das Diplom als Neunter um 1,75 Punkte. Er bedauerte, den letzten Durchgang nicht sauber beendet zu haben. "Das hätte mich wohl um zwei Ränge nach vorne gebracht." Scherrer zeigte jene (erfolgreichen) Manöver, auf die er sich im Olympia-Trainingslager in Laax festgelegt hatte. Unter anderem stand er erstmals in einem Wettbewerb einen "Backside 1260".
Foto: Keystone