Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03327.jsonl.gz/2713

(Tumor), in der Medizin im allgemeinen jede nicht durch das normale Wachstum bedingte
Umfangszunahme irgend eines innern oder äußern Körperteils; gleichbedeutend mit Anschwellung. So spricht man z. B.
von einer Drüsengeschwulst und meint damit die krankhafte Vergrößerung einer Drüse, und in demselben Sinne nennt man auch
die wassersüchtige Anschwellung eines Gliedes Geschwulst ohne jedweden weitern Zusatz. Häufiger bezeichnet man
mit Geschwulst jede abnorme Hervorragung an der Oberfläche eines Körperteils oder Organs, dessen Namen man dann mit dem Namen des
betreffenden Körperteils oder Organs verbindet, wie Kniegeschwulst, Pulsadergeschwulst, Lebergeschwulst. Eine noch engere
Bedeutung endlich hat in neuerer Zeit die pathol. Anatomie dem Worte gegeben: sie versteht nämlich unter
Geschwulst (Gewächs, Neoplasma, Pseudoplasma, Aftergebilde) eine durch krankhafte Neubildung an der Oberfläche oder im Innern eines
Organs entstandene Masse, welche ein zusammenhängendes und gegen ihre Umgebung mehr oder minder scharf abgegrenztes Ganzes
bildet.
12) Krebsgeschwülste oder Carcinome, s. Krebs.
[* 3] Endlich können auch die Tuberkeln sowie die syphilitischen Neubildungen (Syphilome,
gummata) in der Gestalt mehr oder minder umfangreicher Geschwulst auftreten.
Derartige Geschwulst bleiben entweder während des ganzen Lebens unverändert und ohne wesentlichen Einfluß auf den
Gesamtorganismus fortbestehen, wie viele angeborene Hautgeschwülste, Fettgeschwülsteu. dgl. (sog. gutartige Geschwulst), oder
sie besitzen ein unaufhaltsames Wachstum und führen, sich selbst überlassen, durch fortgesetzte Wucherung und die allmähliche
Zerstörung lebenswichtiger Organe oder durch Verschleppung der Geschwulstkeime mittels der Blut- und Lymphgefäße mit allgemeiner
Vergiftung des Blutes zum Tode (sog. bösartige oder maligne Geschwulst). Über die Entstehuug und Ursachen der Geschwulst sind
unsere Kenntnisse noch sehr mangelhaft. Häufig sind erbliche Anlagen, ein gewisses Lebensalter, gewisse epidemische und endemische
Verhältnisse (wie z. B. beim Kropf) sowie übermäßige körperliche und geistige Anstrengungen als disponierende Momente
zu betrachten; nicht selten entstehen Geschwulst nach gewissen mechan.
und chem. Insulten (Schlag, Stoß, Druck u. dgl.) sowie nach manchen Krankheiten, wie Syphilis, Rotz, Typhus u. a.
Die Behandlung der Geschwulst kann in der überwiegenden Mehrzahl
der Fälle nur eine chirurgische sein, Ätzen, Abbinden,
[* 4] Abquetschen
oder Ausschneiden mittels des Messers; doch kommt auch eine Spontanheilung vor, indem durch Entzündung
eine Vereiterung und Schrumpfung oder Abstoßung der Geschwulst erfolgt. Von einer arzneilichen Behandlung ist fast nur bei den syphilitischen
Geschwulstformen Heilung zu erwarten.
Die Lehre
[* 5] von den krankhaften Geschwulst (Onkologie) bildet einen der wichtigsten Abschnitte der pathol. Gewebelehre. -
Vgl. Virchow,
Die krankhaften Geschwulst (3 Bde., Berl.
1863-67);