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In den letzten 10 Jahren war ich mehrmals an einer spirituellen Universität in Indien, um dort intensive spirituelle Erfahrungen zu machen. Die Basis all dieser Erlebnisse war das Mantra: „Om sat chit ananda“(Ich bin „Sein, Bewusstsein, Glückseligkeit“); Dieses Mantra ist die Sanskritantwort auf die Frage: Wer bin ich? Ich habe es viele tausend mal gechantet, ohne wirklich zu fühlen (!)und zu erfahren, was damit zum Ausdruck gebracht werden soll. Dies war die Ausgangslage, als ich einen Vortrag von Saskia John über ihre Erfahrungen im Dunkelretreat in Deutschland hörte. Bis dahin war ich der Meinung, der Aufenthalt in dunklen Höhlen mit der Absicht, spirituelle Erfahrungen zu vertiefen, sei nur in asiatischen Ländern mit buddhistischer bzw. hinduistischer Kultur möglich. Ich war sofort fasziniert von den unglaublichen Möglichkeiten, von denen sie berichtete. Am meisten überraschte mich, dass sich in der Dunkelheit häufig „spontane“ Heilungen ereignen. Als ich dann noch feststellte, dass Bharati, eine gute Bekannte aus Ashramzeiten in Indien, im schönen Schwarzwald ideale Bedingungen für einen Dunkelretreat, anbietet, vereinbarte ich sofort einen 10-tägigen Aufenthalt zum nächstmöglichen Termin. Bewußt informierte ich mich wenig über die Erfahrungen anderer im Dunkeln. Ich wollte diese Zeit spontan und ohne bestimmte Erwartungen angehen. In den ersten 2-3 Tagen habe ich viele Stunden geschlafen; in der wachen Zeit genoß ich es, ohne Verpflichtung im warmen Bett zu liegen, und meine Gedanken ohne irgend eine Ablenkung zu beobachten. Zum ersten Mal fühlte ich, was die Begriffe des Mantras: Ich bin „Sein, Bewusstsein, Glückseligkeit meinen: Ich bin „Sein“ fühlt sich so an: mein Körper funktioniert ohne jedes Zutun, einfach so, auch oder gerade im Dunkeln. Außer der Zufuhr von 2 Litern Tee / Tag verlangte er keinerlei Aufmerksamkeit. Nach etwa 6 Tagen (!) war jegliche Anspannung weg, und ich fühlte mich vollkommen als ein Teil der Natur, wie Tiere und Pflanzen, die sich auch im Zustand des „Seins“ befinden. Diese Erfahrung befreite mich von der ansonsten immer vorhandenen, latenten Sorge um meinen Körper. Ich spürte: Er weiß von alleine, was ihm gut tut, und mein Verstand muss sich nicht um ihn kümmern, ich darf ihn einfach genießen als großartiges Vehikel, das mich an dem Leben auf diesem Planeten teilnehmen lässt. „Bewusstsein“: Im Dunkeln, wenn man die Begrenzung des Körpers nicht sehen kann, konnte ich plötzlich sehr deutlich wahrnehmen, dass es sich nicht auf meinen Körper beschränkt. Ich konnte es spielerisch auf das ganze Zimmer, den ganzen Ashram, oder aber bis zum Himmel ausdehnen. Diese Bewusstseinserweiterung ließ nicht nur die Begrenzung durch den Körper, sondern auch die Begrenzung durch den dunklen Raum wegfallen. Plötzlich wurde mir klar, was es heißt, „Ich bin verbunden mit Allem, letztendlich mit dem gesamten Kosmos“. Meine Gefühle der Einsamkeit und der „Verlorenheit im Kosmos“, wurden damit auf wunderbare Weise geheilt. Diese neue Freiheit ermöglichte es mir, mich auf die Suche nach meinem „Höheren Selbst“ zu machen. Und es geschah etwas völlig Unerwartetes: Ich konnte ganz leicht mit „Mutter Maria“ in Kontakt kommen. Und wenn Sie in Ihrer strahlenden Schönheit vor mir erschien, durchströmte mich ein unvorstellbar intensives Glücksgefühl, noch viel größer als eine erste Verliebtheit. Zum ersten Mal erlebte ich „Glückseligkeit“. Im sehenden Zustand war mir diese Tür bisher verschlossen geblieben. Im Dunkelraum wurde mir diese Erfahrung einfach geschenkt. Und jedes Mal, wenn ich mich mit „Mutter Maria“ verband, machte Sie mir dieses Riesengeschenk aufs Neue. Neben diesen grundsätzlichen Erfahrungen hält die Dunkelheit weitere Überraschungen bereit. Anfangs nur verschwommen, dann immer deutlicher konnte ich die Farben der Chakren in das Zimmer projiziert wahrnehmen; erfreulicherweise dominierte das Grün des Herzchakra. Des weiteren blieb das Zimmer nicht komplett dunkel, sondern es verwandelte sich in eine „Mondlandschaft“. Das immer mehr geöffnete 3. Auge ermöglichte eine grobe visuelle Orientierung im Zimmer. Plötzlich realisierte ich, dass unsere Vorfahren, die in dunklen Höhlen wohnten, sich dort auch ohne das Licht des Feuers orientieren konnten. Ab dem 5. Tag waren die Wahrnehmungskanäle so weit geöffnet, dass ich menschliche Wesen in anderen Dimensionen wahrnehmen konnte. In dieser Situation war es von großem Vorteil, dass ich in täglichen Gesprächen mit Bharati diese „Erscheinungen“ richtig einordnen konnte. Ein Erlebnis der besonderen Art war die Rückkehr ins Licht. Vor dem Sonnenaufgang auf der Terasse sitzend, nahm ich die Augenbinde ab. Der Blick ging hinunter auf die Rheinebene, die im Nebel versunken war. Die Wahrnehmung des Himmels darüber, der Wolken, des beginnenden Regens und der umgebenden Natur war überwältigend. Das heraufsteigende Tageslicht durchströmte mich mit tiefster Dankbarkeit, die bis heute anhält. Die stark erhöhte Wahrnehmungsfähigkeit machte überdeutlich, welch ein großartiges Geschenk unser visuelles Weltbild darstellt. Und zur Begrüßung in der wiedergewonnenen Freiheit, die Welt über die Augen wahrzunehmen, bildete sich ein wunderschöner Regenbogen am Himmel. Ohne Übertreibung haben diese Minuten die tiefsten Eindrücke in meinem Bewusstsein hinterlassen. Die Schönheit der Schöpfung ist unübertrefflich, wenn wir in der Lage versetzt werden, sie zu „sehen“. Zusammenfassung: Es erfordert Mut, sich auf eine bestimmte Zeit in einen Dunkelretreat zurückzuziehen. Die Dunkelheit hält jedoch Geschenke für uns bereit, die wir im Voraus nur erahnen können. Und sie sind für jeden individuell und genau richtig.
Dr. med. Leonard K. Zimmermann
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