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Mittwoch, 06. November 2019 07:15
Foto Pixabay.
Unter Polyneuropathien versteht man eine Gruppe von Erkrankungen, die die peripheren Nerven betreffen. Die peripheren Nerven enthalten motorische, sensible und vegetative Nervenfasern, die das Rückenmark mit den Muskeln, Sehnen, Gelenken, Knochen und den inneren Organen verbinden.
Bei deren krankhafter Schädigung kann es dementsprechend zu Lähmungen, Empfindungsstörungen und vegetativen Störungen kommen. Die Ursachen können sehr verschiedenartig sein und reichen von Entzündungen über Durchblutungsstörungen, Vergiftungen und Stoffwechselstörungen bis hin zu krankhaften Erbanlagen.
Symptome
Die Diagnose einer Polyneuropathie ruht gleichsam auf zwei Säulen: den von den Patienten vorgebrachten typischen Beschwerden und dem neurologischen Untersuchungsbefund. Als Zeichen eines Reizes der sensiblen Nervenfasern klagen die Patienten häufig über Missempfindungen (genannt Parästhesien) wie Kribbeln, Prickeln, Ameisenlaufen, Pelzigkeitsgefühle, Gefühle der Schwellung oder des unangenehmen Druckes und Eingeschnürtseins. Ausserdem können Schmerzen (beispielsweise Brennschmerzen) und als Folge des Befalles von motorischen Fasern, Lähmungen und Muskelzuckungen (Faszikulationen) auftreten.
Bei der neurologischen Untersuchung findet man Empfindungsstörungen, die das Berührungs-, Schmerz- und Temperaturempfinden (sog. Oberflächensensibilität) und/oder die Wahrnehmungsfähigkeit für einen Vibrationsreiz oder für die Bewegung und Stellung der Glieder im Raum (sogenannte Tiefensensibilität) betreffen. Meist liegen sie in Bereichen, die von Socken, Kniestrümpfen und Handschuhen bedeckt werden.
Ausfälle der motorischen Fasern führen zu Lähmungen und Muskelschwund. Meist sehr frühzeitig schwinden die Muskeldehnungsreflexe. Auch die sogenannten Hirnnerven können miteinbezogen sein, was zu Doppelbildern, Empfindungsstörungen im Gesicht, Lähmungen der Gesichtsmuskulatur, Sprech- und Schluckstörungen führen kann. Eine Mitbeteiligung vegetativer (autonomer) Nervenfasern (sogenannte Sympathikus und/oder Parasympathikus) macht sich bemerkbar durch Pupillenstörungen, Ernährungsstörungen der Haut (bläulich-rötliche Verfärbung, Schwellungen, Geschwüre) und der Knochen (Knochenerweichung), durch Kreislaufstörungen, Herzrhythmusstörungen, Verdauungsstörungen (Durchfall oder Verstopfung), Harnentleerungsstörungen und/oder Impotenz.
Ursachen
Es gibt eine Vielzahl verschiedener Arten von Polyneuropathien, die aus den an die hundert verschiedenen Ursachen hervorgehen. Aufgrund der Ursachen können die Polyneuropathien in vier grössere Gruppen zusammengefasst werden:
Die häufigsten Ursachen für eine Polyneuropathie bildet die Gruppe drei und vier mit jeweils circa 30 Prozent der Diabetes mellitus und Alkoholmissbrauch.
Diagnosestellung
Die Diagnose einer Polyneuropathie kann mit einfachem klinischen Instrumentarium grundsätzlich von jedem Arzt gestellt werden. Liegt aber offensichtlich nicht eine der Hauptursachen vor, dann sollte die weitere Abklärung der Ursache durch einen Neurologen oder in einer neurologischen Klinik erfolgen.
Neben umfangreichen Blutuntersuchungen umfasst der weitere Untersuchungsgang eine Lumbalpunktion zur Gewinnung des Nervenwassers (Liquor), weil man damit entzündliche Ursachen erkennen kann. Darüber hinaus wird auch die Durchführung eines Elektromyogramms (EMG) notwendig sein, weil man zum einen bei Muskelschwund zwischen einem nervlich bedingten Muskelschwund (Muskelatrophie) und eigentlichen Muskelkrankheiten (Myopathie, Muskeldystrophie) unterscheiden kann und darüber hinaus zu einem frühen Zeitpunkt schon eine Mitbeteiligung motorischer Nervenfasern erkennen kann.
Mit Hilfe der Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (Elektroneurographie) kann unterschieden werden zwischen Polyneuropathien, die primär zu einer Schädigung der Umhüllung der Nervenfasern (Markscheide) führen, zum Beispiel dem chronischen Guillain-Barré-Syndrom oder zu neuralen Muskelatrophien (HMSN Typ I), die primär das Axon der Nervenfaser schädigen.
Therapeutische Massnahmen
Die Behandlungsmöglichkeiten richten sich nach der Ursache. Bei einer entzündlichen Polyneuropathie wie zum Beispiel bei akutem oder chronischem Guillain-Barré-Syndrom, besteht die Möglichkeit der intravenösen Gabe vom Immunglobulinen, da es sich um einen Autoimmunmechanismus handelt.
Im Rahmen von rheumatischen Erkrankungen wird beispielsweise Kortison verabreicht. Weitere therapeutische Massnahmen insbesondere bei der Gruppe der äusserlich verursachten Polyneuropathien (Alkohol) als auch der Hormon- oder Stoffwechselstörungen besteht in der Änderung der verursachenden Stoffe, wie zum Beispiel die Alkoholkarenz oder die Zugabe von Vitaminen bei Vitaminmangel sowie die Einstellung der Diabetes.
Darüber hinaus hat es sich bewährt, bei Missempfindungen und Schmerzen bei bestimmten Erkrankungen, beispielsweise bei der diabetischen Polyneuropathie Pregabalin oder Duloxetin zu verabreichen. Bei Lähmungen mit Muskelschwund ist die Physiotherapie eine weitere wichtige Behandlungsmethode. Bewegungstherapie mit passiver Mobilisierung der befallenen Glieder dient dem Training der nicht befallenen Muskeln und der Vermeidung von Fehlstellungen der Gelenke. Vorsichtige Massage und Wassergymnastik gehören ebenso dazu wie Atemtraining.
Überanstrengung der Muskulatur sollte aber vermieden werden. In fortgeschrittenen Stadien insbesondere erblich bedingter Polyneuropathien, müssen Patienten und Betreuer zusammen mit dem Arzt und dem Physiotherapeuten überlegen, ob und welche Hilfsmittel (orthopädisches Schuhwerk, Schienen, Rollstuhl) eingesetzt werden sollen.
Aus der Broschüre der Schweizerischen Muskelgesellschaft, Herzlichen Dank der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke e.V. für die Kooperation und Prof. Dr. med. Andreas J. Steck für die wissenschaftliche Überarbeitung. Weitere Informationen finden Sie unter www.muskelgesellschaft.ch .
Verwenden Sie diese Informationen nicht als alleinige Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden Ihren Arzt oder Apotheker. Surfen im Internet ersetzt den Arztbesuch nicht.
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