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Sparen oder pflegen? Die Manager eines britischen Krankenhauses bewerteten die Kostenkontrolle offenbar höher als das Wohl der Patienten. Ein Bericht deckt Ungeheuerliches auf: Zwischen Januar 2005 und 2009 sollen in einem Spital in Stafford bis zu 1200 Patienten wegen schlechter Behandlung verstorben sein.
Katastrophale Zustände
Die oft hochbetagten Kranken mussten in besudelten Laken liegen oder stundenlang auf Nachttöpfen ausharren. Manche wurden monatelang nicht gewaschen. Die Bettlägerigen mussten Wasser aus Blumenvasen trinken, weil sie vom Personal kein Trinkwasser erhielten.
Auch das Essen wurde vielmals nicht ausgeteilt. Besucher mussten sich darum kümmern. Verwandte wurden verschiedentlich auch beauftragt, die Toiletten zu putzen. Den Patienten wurden sogar überlebenswichtige Medikamente verweigert. Einige verstarben, weil Ärzte fehlerhafte Diagnosen stellten.
Krankes Gesundheitssystem
Der Bericht stellt nicht in erster Linie das Spitalpersonal an den Pranger. Vielmehr gehe es um ein «Scheitern des ganzen Systems». Die Spitalleitung habe Klagen ignoriert, habe die Missstände nicht beheben wollen – aus Profitgier.
Die Spitalleitung fokussierte auf einige wenige bürokratische Vorgaben. Dies, um den sogenannten «NHS Foundation Trust»-Status zu erhalten. Mit diesem Status können britische Spitäler unabhängiger vom nationalen Gesundheitsdienst werden.
Sie erhalten weitreichende finanzielle und operative Freiheiten. Zudem werden sie nicht mehr vom Staat, sondern von einer gemeinnützigen Stiftung getragen.
David Cameron entschuldigt sich öffentlich bei den Angehörigen
David Cameron sprach den Angehörigen der geschädigten Patienten sein tiefes Bedauern aus. Der Premier verteidigte jedoch zugleich das Gesundheitssystem NHS gegenüber dem Parlament.
Er fordert nun, es müsse ein Inspektor eingesetzt werden, der die Krankenhäuser überwache. Zudem soll das Niveau der Pflege in den Spitälern mit den höchsten Sterblichkeitsraten untersucht werden.