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Eine kürzlich veröffentlichte, umfassende Studie liefert eine spannende Bestandsaufnahme darüber, was Religiosität für jüdische Israelis bedeutet: Eine überwältigende Mehrheit von über 90 Prozent der befragten jüdischen Israelis halten die wesentlichen Feiern des jüdischen Lebenszyklus (Beschneidung, Bar/Bat Mizwa, Shiva sitzen, Hochzeit mit Rabbiner) für wichtig oder sehr wichtig. Ein Drittel hält den Schabbat ein und 76 Prozent essen zu Hause nur koscheres Essen. 73 Prozent glauben, dass Israel sowohl jüdischer als auch demokratischer Staat sein kann und 44 Prozent gaben an, dass im Zweifel demokratische Prinzipien über der jüdischen Gesetzsprechung Halacha stehen. Immerhin 20 Prozent glauben dagegen, dass die jüdische Gesetzsprechung bevorzugt werden sollte.
Interessanterweise glauben 67 Prozent der Haredi, ultra-orthodoxe Juden, dass der Mann arbeiten und die Familie unterstützen sollte, während sich die Frau um die Familie kümmert – momentan besucht ein Grossteil der Haredi noch ganztägig Religionsschulen und erhält staatliche Unterstützung. Eine grosse Mehrheit der Befragten spricht sich übrigens dafür aus, dass auch Studenten der jüdischen Religionsschulen zum Militärdienst eingezogen werden sollen.
Diese Ergebnisse der Studie „Ein Portrait der israelischen Juden“, bei der 2009 fast 3000 jüdische Israelis zu ihren religiösen Werten befragt wurden, sind nun veröffentlich worden. Die Studie, die vom „Israelischen Institut für Demokratie“ sowie dem „Guttman Center für Umfragen“ im Auftrag der Organisation „Avi Chai“ durchgeführt wurde, vergleicht die aktuellen Daten mit Erhebungen aus den Jahren 1991 und 1999.
Dabei ist vor allem ein Trend zu mehr Religiosität zu erkennen, dieser kann auf die demografisch steigende Zahl ultra-orthodoxer Juden sowie die Anpassung der aus Russland eingewanderten Juden an jüdischen Lebensstil und Traditionen zurückgeführt werden. Gleichzeitig zeigt der Vergleich, dass jüdische Israelis zwar im Vergleich zu den Daten von 1991 liberaler, jedoch im Vergleich zu 1999 weniger liberal geworden sind: Immerhin noch zwei Drittel der Befragten befürworten das Öffnen von Kinos, Restaurants und Cafés am Schabbat, die Hälfte spricht sich für öffentliche Verkehrsmittel während des Schabbats sowie geöffnete Einkaufszentren aus.
Quelle: Israel Zwischenzeilen, Hg. Gesellschaft Israel-Schweiz, 04.–80.04.2012. Der vollständigen Bericht ist Online verfügbar.