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Was haben ein Meteoriteinschlag, Schokolade und Wärmedämmung miteinander zu tun?
Was haben ein Meteoriteneinschlag in Deutschland, eine deutsche Schokolade und die Baubioswiss gemeinsam? Eine weit hergeholte, aber interessante Frage.
Vor fünfzehn Millionen Jahren blühte und grünte im bayerischen Schwabenland ein dichter Urwald, bevölkert von mannigfaltigen Bestien, Elefanten, Reptilien, Schmetterlingenund bunten Vögeln. Als plötzlich die furchtbare Katastrophe eintrat und ein gigantischer Meteoritmitten in der urtümlichen Landschaft einschlug, wurde das Paradiesjäh, in schrecklichen Energieentladungen von zigtausendfacher Hiroshimastärke, vernichtet. Der ganze Kontinent wurde erschüttert, Pflanzen und Tiere atomisiert,und eine neue Landschaft, ein riesiger Krater,entstand. Aber es dauerte nur ein paar Jahrmillionen und eine neue Vegetation mit einer neuen Tierwelt entstanden,in der sich schliesslich,am Ende der Jahrmillionen eine neue Spezies breit machte, der Mensch. Der Kraterboden war fruchtbar und klimatisch geschützt, bald siedelten die ersten Menschen.Eine Stadt entstand, Nördlingen, diebis heute voneinem mittelalterlichen Flair und fleissigen Leuten geprägt ist.
Schokolade ist eigentlich ein bekanntes Schweizer Produkt. Aber es gibt auch gute Ansätze in Deutschland. Bekannt ist vor allem ein quadratisches, praktisches, gutes Produkt. Alfred Ritter,der sehr innovative CEO und Besitzer,hatte eben die Geschäftsleitung abgegeben, sich in den Beirat zurückgezogen und strukturierte die Firma neu. Er hatte in Südamerika die -nach seiner eigenen Aussage -grösste Kakaoplantage der Welt auf zusammenhängendem Land, aufgezogen. Die Bohnen wurden nach dem Ernten in Jutesäcken verpackt nach Deutschland verschifft und bildeten die Grundlage für eine Vielzahl von köstlichen Schokoladesorten. Die Jutesäcke wurden danach entsorgt, das heisst in der Regel verbrannt.
Jute wird in Asien, in Indien undBangladeschangepflanzt und liefert eine wertvolle, starke, kapillare Faser, mit einem hohen Wasseraufnahmevermögen. Die einjährige Pflanze der Gattung Corchorus wird bis zu 3 Meter hoch, was sie als Faserlieferant für Handwerk und Industrie prädestiniert. Die Fasern werden geröstet und anschliessend von Hand aufgelöst, in fliessendem Wasser gewaschen und getrocknet. Aus dem gesponnenen Garn werden Textilien, Teppiche, Taschen und vor allem Säcke für die Verpackung hergestellt. Von der Jute leben weltweit viele Millionen Menschen, Jute ist nach der Baumwolle die wichtigste Pflanzenfaser der Welt und ein wertvoller Rohstoff.
Für Alfred Ritter und seine Mitarbeiter,war das Entsorgen der Jutesäcke eine Ressourcenverschwendung. Er übernahm einen Naturbaustoffproduzenten, der Wärmedämmungen aus Hanf herstellte, bei dem er bereits seit einigen Jahren Gesellschafter war. Der Hanffaser Verarbeitungsbetrieb im Rieskrater in Nördlingen, war auf der Suche nach neuen Absatzmöglichkeien. Die Produktion der Dämmplatten war zu aufwändig, das Produkt zu teuer. Alfred Ritter, der Schokoladenfabrikant setzte seinen eigenen Geschäftsführer Kurt Hogh ein, der die Firma neu ausrichtete. Er verwendete die hochwertigen Jutefasern, aus den ausrangierten Jutesäcken der Kakaobohnen, um daraus natürliche Dämmplatten zu produzieren. Die nicht mehr gebrauchten Transportsäcke werden zu einem preiswerten Rohstoff. Die Preiseinsparungen gibt die Firma an die Verbraucher weiter und kann so aus dem Rohstoff eine hochwertige, kostengünstige Wärmedämmung herstellen. Das ist ein echtes Upcycling, entstanden aus der Vision eines weitsichtigen, süddeutschen Schokoladenherstellers.
Die Dämmplatte Thermo Jute 100 enthält 85-90 % Jutefaser, 8-10 % biopolymere Stützfasern auf PET-Basis sowie 2-5% Soda als Brandschutzmittel. Sie hat einen Lambda-Wert von 0,038 W/mK sogar im feuchten Zustand und kann sich so neben mineralischen Produkten gut sehen lassen. Durch die hohe kapillare Leitfähigkeit wirkt Jute feuchteausgleichend und trägt so zusammen mit ihrer Giftfreiheit zu einem angenehmen Raumklima bei. Nagetiere, Motten und andere Insekten haben an der Jute allerdings keine Freude, sie enthält weder Eiweiss noch Stärke. Da die Jute in ihrer Wachstumszeit der Umwelt mehr CO2entzieht als für ihre Verarbeitung frei gesetzt wird, geht sie, im Gegensatz zu herkömmlichen Dämmmaterialien, die eine CO2Schuld haben, mit einem CO2Kapital in die Nutzung. Zum Schluss ihrer zweiten, der upgecycelten Lebenszeit, kann die Jute wieder verwertet werden, verbrannt oder die Thermo Jute 100 Plus kann sogar kompostiert werden.
Am Donnerstag 21. Februar 2019 war die Regionalgruppe Zürich der Baubioswiss beim Natur-Baustoffhändler Stroba in Kemptthal eingeladen. Dieter Baltensperger, der Geschäftsführer und sein Kundenberater Gabriel Graf stellten in einem informativen Referat das Sortiment vor. Ein wichtiger Teil sind Dämmmaterialien aus Naturfasern, Kork, Kokos, Holzfaser, Schafwolle, Hanf und Jute, als Platten, Rollenmaterial oder Schüttungen. Dazu gehören Dampfbremsen, Windpapiere, Befestigungsmaterial und Arbeitsgeräte. Diese zusätzlichen Komponenten sind sehr wichtig, sitzt doch die Tücke im Detail. Stroba vertreibt bei uns in der Schweiz die Dämmprodukte aus Hanf und Jute der Firma Thermo Natur aus dem Nördlinger Ries.
Lehmprodukte, ebenfalls aus Nördlingen, anderen Gegenden und der Schweiz, Grünlinge, Putze und farbige Deckputze sind auch im Sortiment der Kemptthaler, sowie Bodenbeläge aus Holz mit allem was dazu gehört, Folien, Trennlagen, Filzunterlagen, Pflegemitteln und Werkzeug.
Referat, Besichtigung der Showräume und nicht zuletzt die angeregten Gespräche beim offerierten Aperitiv waren für die recht zahlreich erschienenen Mitglieder der Regionalgruppe Zürich und anderer Interessierte sehr informativ. Bei Stroba ist neben tiefem Vertrauen in Natur-Baustoffe ein großes bauphysikalisches Fachwissen, bezogen auf konventionelle Baumaterialien, aber besonders Naturmaterialien, anzutreffen. Dieter Baltenspergerist in zweiter Generation, mit seinem Vater, einer der Pioniere in Entwicklung und Vertrieb von natürlichen Bauprodukten und ein Förderer der Baubiologie in der Schweiz.