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Der Kautschuk und seine Quellen
R. Henriques: Der Kautschuk und seine Quellen. (Dresden : Steinkopff & Springer, 1899).
Erworben im Jahr 2015
«Kb 1» – so lautet in der Eisenbibliothek die Signatur, die das Büchlein «Der Kautschuk und seine Quellen» trägt, das der Chemiker Dr. Robert Henriques 1899 veröffentlicht hat. Die «1» am Ende der Signatur weist darauf hin, dass hier etwas Neues beginnt: In diesem Fall handelt es sich um das erste Buch in der neuen Abteilung «Kb – Vor- und Frühgeschichte der Kunststoffe (vor 1900)», die Teil des neuen Sammelschwerpunkts Kunststoffe ist.
Wie die metallischen Werkstoffe, so haben auch die Kunststoffe nicht nur ihre Geschichte, sondern sogar ihre «Vor- und Frühgeschichte»! In diese Kunststoff-Epoche gehört auch das Büchlein «Der Kautschuk und seine Quellen», das der Chemiker Dr. Robert Henriques 1899 veröffentlicht hat. Dieses unscheinbare, aber seltene Büchlein – es ist nur in äusserst wenigen Bibliotheken vorhanden – hat die Eisenbibliothek jetzt in einem Antiquariat erwerben können.
Es handelt sich um die schriftliche Fassung zweier Vorträge, die Robert Henriques 1897 resp. 1899 gehalten hatte. In einem Nachruf auf Henriques heisst es über den Vortrag von 1899, er habe «in höchst fesselnder Weise an der Hand anschaulicher Demonstrationen die Gewinnung des Kautschuks und die wirthschaftlichen Aussichten der Gummipflanzungen in neuen exotischen Kautschukgebieten» geschildert. Der aus dem Milchsaft des Kautschukbaums gewonnene Naturkautschuk spielte ab dem Ende des 19. Jahrhunderts als Rohstoff für die Reifenproduktion eine gewaltige Rolle. Henriques' Büchlein gibt einen Überblick über den Stand der Produktion von Naturkautschuk in Süd- und Mittelamerika, in Afrika und in Asien. Im Anhang finden sich «Tabellen über die wichtigsten Rohkautschuksorten des Handels» und «Karten mit den Herkunftsorten und den Ausfuhrhäfen der einzelnen Rohkautschuksorten».
Der Autor
Robert Henriques wurde 1857 in Hamburg geboren. Er studierte Chemie in Heidelberg, Berlin und Strassburg, wo er 1881 promoviert wurde. Er wechselte dann als «Fabrikschemiker» in die Industrie und arbeitete zunächst als Assistent im Labor der K. Oehler'schen Anilinfabrik in Offenbach; später leitete er das wissenschaftliche Labor der Chemischen Fabriken Kunheim in Berlin, die u.a. den berühmten Farbstoff Berliner Blau herstellten. 1890 machte sich Henriques mit einem eigenen «Handelslaboratorium» in Berlin selbständig. Sein Interesse als Chemiker galt der «Durchforschung der Fette, Wachse und Kautschukwaaren» sowie der «Klasse der aromatischen Verbindungen». Robert Henriques starb 1902 im Alter von nur 44 Jahren in Bayreuth «an den Folgen eines Gehirnleidens».
Quellen zur Biographie: Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft 35, 1902, S. 4528–4533; Poggendorff, Bd. 4, 1904, S. 617