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Schon wieder diese verflixte 7. Saison. Im März dieses Jahres stand der FC Liverpool auf Platz 7 der Premier League, scheiterte in der Champions League im Achtelfinal sang- und klanglos an Real Madrid und ist auch in den beiden nationalen Cup-Wettbewerben nicht mehr vertreten. Erinnerungen an Jürgen Klopps Zeiten in Dortmund und Mainz, wo seine Teams nach erfolgreichen Jahren ebenfalls abgebaut hatten, wurden wach.
Gegen Ende der Saison kriegten die «Reds» zwar noch die Kurve, blieben in den letzten elf Spielen der Saison ungeschlagen, gewannen acht davon und qualifizierten sich dank Platz 5 für die Europa League. Dennoch war allen klar, dass sich etwas ändern müsse. Noch so eine Saison wollte in Liverpool niemand sehen.
Also sollte allen voran das Mittelfeld erneuert werden. Dieses war in der Saison 2022/23 ein grosses Problem. Thiago fehlte häufig verletzt, Jordan Henderson war über seinen Zenit hinaus und auch Sechser Fabinho war nicht mehr so eine sichere Bank wie in den Jahren zuvor. Das Mittelfeld-Trio konnte weder offensiv grossen Einfluss nehmen, noch die Verteidigung entlasten.
Sowohl Henderson als auch Fabinho wechselten nach der Saison nach Saudi-Arabien, ausserdem verliessen mit James Milner, Naby Keïta und Alex Oxlade-Chamberlain weitere Mittelfeldspieler den Klub. Thiago ist noch immer nicht von seiner Verletzung zurückgekehrt. Ein Umbruch war in Liverpool also unumgänglich. Dieser würde aber nicht in einem Sommer möglich sein, hiess es.
Unter Trainer Jürgen Klopp und dem neuen Sportdirektor Jörg Schmadtke scheinen gewisse Fussball-Weisheiten in Liverpool aber nicht zu gelten. Denn der Klub verpflichtete vor der laufenden Saison nur vier Spieler, allesamt im Mittelfeld zu Hause, und landete damit gleich mehrere Volltreffer.
Alexis Mac Allister, für 42 Millionen Euro aus Brighton gekommen, glänzt im defensiven Mittelfeld ebenso als Taktgeber wie mit vielen gewonnenen Zweikämpfen und abgefangenen Pässen.
70-Millionen-Mann Dominik Szoboszlai stellt seine grossen Offensiv-Fähigkeiten auch in der Premier League unter Beweis und harmoniert auf der rechten Seite bereits hervorragend mit Mohamed Salah und Trent Alexander-Arnold.
Ausserdem deutete auch Ryan Gravenberch, für 40 Millionen Euro aus München geholt, bereits an, dass er ein grosser Gewinn für Liverpool sein kann. Einzig Wataru Endo, der als Notlösung fürs defensive Mittelfeld verpflichtet wurde, nachdem sich sowohl Moises Caicedo als auch Romeo Lavia für Chelsea entschieden hatten, konnte noch nicht wirklich überzeugen.
So konnten Klopp und Co. sich im Zentrum deutlich verbessern, wie schon nach wenigen Monaten zu erkennen ist. Davon profitiert das ganze Team: Liverpool spielt sich im Vergleich zur Vorsaison bessere Chancen heraus, schiesst mehr Tore und lässt auf der anderen Seite auch deutlich weniger zu. Damit ist Liverpool nach zwölf Spieltagen vor dem Direktduell nur einen Punkt hinter Leader Manchester City.
Im Mittelfeld geht viel über das Duo Mac Allister/Szoboszlai, das sich hervorragend ergänzt. Während der Argentinier für die defensive Stabilität sorgt, hat der Ungar im Angriffsdrittel sogar mehr Ballkontakte als Mohamed Salah. Unterstützung bekommen die Mittelfeldspieler aber auch von Trent Alexander-Arnold.
Seit April fungiert der nominelle Rechtsverteidiger im Spiel mit dem Ball in einer neuen Rolle. Während er defensiv weiterhin als Aussenverteidiger agiert, rückt er bei Ballbesitz Liverpool ins Mittelfeld und spielt dort seine Passstärke aus. Trainer Klopp setzt dabei auf ein sogenanntes 3-Box-3-System. Dabei spielen zwischen drei Verteidigern und drei Offensivspielern vier Mittelfeldspieler in einem Viereck, also einer Box. Alexander-Arnold übernimmt dann jeweils die Rolle als vierter Spieler im Zentrum.
Obwohl «Assist-König» Alexander-Arnold dadurch an Offensivgefahr eingebüsst hat, weil er deutlich häufiger in der eigenen Hälfte agiert als noch zuvor, scheint es für den FC Liverpool bisher von Nutzen zu sein. Seit der 25-Jährige im April beim 2:2 gegen Arsenal erstmals diese Rolle innehatte, verloren die «Reds» in 23 Premier-League-Spielen nur einmal – in doppelter Unterzahl gegen Tottenham.
Dafür, dass Liverpool wieder in die Spur gefunden hat, ist natürlich auch zuträglich, dass Abwehrchef Virgil van Dijk wieder besser in Form gekommen ist, oder dass Stürmer Darwin Nuñez nach einer schwierigen ersten Saison endlich in Liverpool angekommen zu sein scheint. Der Hauptgrund für den neuerlichen Erfolg dürfte aber das erneuerte Mittelfeld sein.
Dennoch plagen den FC Liverpool auch einige Sorgen. Andrew Robertson fällt wohl noch mindestens bis Ende Jahr aus, Konstantinos Tsimikas kann den schottischen Linksverteidiger nicht gleichwertig ersetzen. Dazu kommt die Auswärtsschwäche in der laufenden Saison. In sechs Ligaspielen in der Ferne gewann Liverpool erst zweimal und liess unter anderem gegen Luton Punkte liegen.
So kommt es dem 19-fachen englischen Meister nicht entgegen, dass der Spitzenkampf gegen Manchester City im Etihad Stadium stattfindet. Das Spiel vom Samstagnachmittag (13.30 Uhr) wird der erste echte Test für das wieder erstarkte Liverpool sein. Bisher traf es mit wenigen Ausnahmen wie den Spurs oder Aston Villa vor allem auf Gegner aus der unteren Tabellenhälfte. Erst das Spiel in Manchester wird also wirklich zeigen, ob Liverpool schon wieder mit dem Triple-Sieger um Titel konkurrieren kann.