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Als im März 2020 fast die gesamte Welt aus dem Homeoffice arbeiten musste, brach die
Microsofts Azure-Cloud unter der Belastung zusammen und es kam zu Serviceausfällen. Die Dienstleistungen wurden beschränkt
und bei einzelnen Cloud-Angeboten wurden nur noch Bestandskunden berücksichtigt. Manche Abnehmer mussten gar den Start oder die Aktualisierung von Anwendungen verschieben. Microsoft bezeichnete die Störungen damals als ein vorübergehendes Problem, das auf die steigende Nutzung von Teams und die schnell wachsende Akzeptanz von Azure-Diensten zurückzuführen war.
Wie 'The Information' nun aber herausgefunden hat, arbeiten 2 Jahre später noch immer mehr als 24 Azure-Rechenzentren nur mit begrenzten Serverkapazitäten. In mehr als 6 RZs – darunter auch ein Schlüsselzentrum in den USA sowie weitere in Europa und Asien – sollen die Serverkapazität voraussichtlich bis am Anfang des nächsten Jahres begrenzt bleiben, so ein nicht-genannter Microsoft-Manager gegenüber dem Techmagazin.
Die Kapazitätsprobleme scheinen auf eine Reihe von Faktoren zurückzuführen zu sein, schreibt 'The Information'. Als Hauptgrund wird der weltweite Mangel an Chips und anderen Komponenten angeführt, der die Beschaffung neuer Hardware erschwert. Microsoft sei in dieser Hinsicht nicht allein, denn auch AWS und Google Cloud haben mit Engpässen bei der Serverkapazität zu kämpfen, so eine Person, die für einen Kunden der beiden Cloud-Anbieter tätig ist.
Regionale Einschränkungen
Die globale Chip-Knappheit scheint Microsoft gemäss dem Techmagazin aber härter zu treffen als die Konkurrenz, weil das Unternehmen schon lange vor der Pandemie damit zu kämpfen hatte, genügend Kapazitäten auf seiner Azure-Cloud zur Verfügung zu stellen. Das Unternehmen soll über eine grosse Anzahl von veralteten Servern, Speicher- und Netzwerkgeräten verfügen, die für die Cloud-Dienstleistungen aufgerüstet werden müssen, so ein Microsoft-Manager.
In den letzten Monaten habe Microsoft die Nachfrage nach zukünftigen Cloud-Kapazitäten genau verfolgt und in einigen Fällen die Kapazitäten sogar beschränkt, damit kritische Websites und Geschäftsanwendungen am Laufen gehalten werden konnten, sagte der Manager. In einigen Regionen habe man sich darauf konzentriert, mehr Rechenzentren in Betrieb zu nehmen, so dass Daten bei einem Ausfall weitergeleitet werden können. Diese Konzentration sei allerdings auf Kosten der Erweiterung der Serverkapazitäten in den einzelnen RZs gegangen, wodurch sich die Probleme für einige Kunden verschärft hätten, schreibt 'The Information'.
Extrem eingeschränkt
Während Microsoft den Azure-Verkäufern mitgeteilt hat, dass sich die Situation in diesem Sommer verbessern sollte, wird sich der Mangel an Serverkapazitäten in den wichtigen Rechenzentren in den USA, sowie in Asien und Europa voraussichtlich noch bis Anfang nächsten Jahres hinziehen, so der Microsoft-Manager. Insbesondere die Serverkapazitäten im US-RZ West US 2 bezeichnete er als "extrem eingeschränkt".
Die Probleme in West US 2 rühren daher, dass es von einer Vielzahl an Kunden als primäres Cloud-Rechenzentrum gewählt wurde und auch von Microsoft-Mitarbeitenden im Rahmen derer Arbeit verwendet wird. Infolgedessen sei Anfangs Juni das interne Rating für Azure-Kapazitäten weltweit auf Gelb gesetzt worden, sagte eine mit der Situation vertraute Person gegenüber 'The Information'.
Die Azure-Herausforderungen scheinen Microsofts Status als zweitgrössten Anbieter auf dem Cloud-Markt nicht zu beeinträchtigen. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Canalys
entfielen im 1. Quartal des Jahres 2022 21% der weltweiten Ausgaben für Cloud-Infrastrukturdienste auf Microsoft, gegenüber 33% für AWS und 8% für Google Cloud.
Illusion der unendlichen Kapazität
Microsoft, Amazon und Google versuchen, ihre Kunden in die Cloud zu locken, indem sie versprechen, dass das Computing so zuverlässig funktioniert wie die Versorgung mit Strom oder Gas, die je nach Bedarf hoch- oder heruntergefahren werden können. In einem Interview mit 'The Information' (Paywall)
bezeichnete AWS-CEO Adam Selipsky dies als die "Illusion unendlicher Kapazität" und sagte, dies sei einer der Schlüssel, um Unternehmen dazu zu bringen, sich vom Betrieb privater Rechenzentren zu lösen.
In einem Blog-Beitrag im vergangenen September erklärte Cliff Henson, Corporate Vice President der Cloud Supply Chain von Microsoft, dass das Unternehmen seine Vorlaufzeiten für die Einführung neuer Azure-Server um 70% verkürzt hat, indem es bestimmte Prozesse automatisiert hat und dazu übergegangen ist, Server auf der Grundlage der prognostizierten Nachfrage im Voraus zu kaufen, anstatt zu warten, bis es Bestellungen von Kunden erhält.
In einem anderen Dokument, das Anfang des Monats veröffentlicht wurde, warnte Microsoft seine Kunden, dass es gelegentlich zu Ausfällen bei der Ressourcenzuteilung kommen kann, weil die Nachfrage nach Azure-Diensten in bestimmten Regionen in noch nie dagewesenem Masse steigt. Öffentlich bestätigt wurde das Ausmass des Problems gemäss 'The Information' (Paywall)
bis jetzt aber noch nicht.
"Es ist die Pflicht des Cloud-Anbieters, den Kunden mitzuteilen, wenn es über einen längeren Zeitraum zu Kapazitätsengpässen kommt, damit die Kunden für ihr eigenes Unternehmen entsprechend planen können", sagte Corey Quinn, leitender Cloud-Ökonom bei The Duckbill Group gegenüber dem Techmagazin.