Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03471.jsonl.gz/587

Kaum etwas wird so emotional diskutiert wie die Einkommen der Reichsten. Drei simple Erkenntnisse gehen in der erhitzten Diskussion aber unter: Zum einen geht es bei dieser Frage vielmehr um eine Verteilung zwischen dem Aktionariat und den Führungskräften der jeweiligen Unternehmen. Und, wie die nachfolgenden beiden Abbildungen zeigen: Weder bekommen in der Schweiz die Reichsten im internationalen Vergleich einen übermässig grossen Anteil an den Einkommen, noch ist die Entwicklung in allen Ländern dieselbe.
Der Anteil der Einkommen, der ans reichste Prozent fliesst, variiert in den im Datensatz enthaltenen Ländern von 19 % (USA) bis 6 % (Niederlande und Dänemark). Mit einem Anteil von 11 % am Gesamteinkommen floss in der Schweiz (2010) im Vergleich zu anderen Ländern weder auffällig viel noch auffällig wenig zum bestverdienenden Prozent der Bevölkerung.
Der Anteil der Spitzenverdiener ist nicht nur in jedem Land anders, er hat sich auch auf unterschiedliche Weise dorthin bewegt. Das überrascht nicht: Vorstellungen von angemessenen Löhnen, von Status oder Gerechtigkeit sind immer auch kulturell geprägt. Lange Zeit unterschieden Ungleichheitsforscher hauptsächlich zwischen einem angelsächsischen und einem kontinentaleuropäischen Muster – in Ersteren verdienten Topverdiener deutlich mehr als in Letzteren. Doch inzwischen lassen sich mit erweiterten Datensätzen Trends erkennen, die über diese grobe Unterteilung hinausgehen, wie folgende Abbildung zeigt. Die Zuteilung der Länder in verschiedene Regionen ist nicht unproblematisch, denn die Entwicklungen innerhalb der Regionen sind natürlich nicht vollständig homogen. Trotzdem liefert sie uns einige spannende Einsichten (Waldenström und Roine 2014).
Allen Regionen gemein ist, dass sie alle eine deutliche Reduktion der Ungleichheit während des 20. Jahrhunderts erlebten. Vor dem Ersten Weltkrieg verteilten Länder in allen Regionen teilweise bis zu 20% aller Einkommen auf das reichste Prozent. Danach begann der Anteil in vielen Ländern deutlich zu sinken – bis in die 1970er Jahre. Seither haben sich die Länder sehr unterschiedlich entwickelt. Während in den angelsächsischen Ländern seit den späten 1970er Jahren die Einkommen der Reichsten deutlich an Gewicht gewonnen haben, stagnierten sie in Kontinentaleuropa. Frankreich etwa wies 2013 den gleichen Anteil auf wie 1980.
Ab den 1980er Jahr zogen die Spitzengehälter auch in asiatischen Ländern an, wenn auch längst nicht so ausgeprägt wie andernorts. Im Fall von Japan beträgt der Anstieg zwischen 1980 und 2009 zwei Prozentpunkte.
Auch in den nordischen Ländern hat der Anteil des reichsten Prozents nach 1980 deutlich zugenommen. In Schweden etwa hat sich ihr Anteil von vier Prozent im Jahr 1980 in den darauf folgenden 30 Jahren bis auf neun Prozent mehr als verdoppelt.
Die Schweiz reiht sich ein in die Reihe von kontinentaleuropäischen Ländern mit bemerkenswerter Stabilität. Die Anteile des reichsten Prozents befanden sich 2010, dem letzten verfügbaren Datenpunkt, mit 11 % auf dem Stand der 1960er Jahre. Im Vergleich zu 1980 zeigt sich eine leichte Zunahme um zwei Prozentpunkte.
Und was ist mit den Reichsten der Reichen? Finden Sie’s hier raus.