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Kirchenjahr: Weihnachten
Woher kommt der Christbaum? – Und welche «verwandtschaftlichen» Beziehungen pflegen Samichlaus, Christkind und der Weihnachtsmann?
Dafür, dass wir Weihnachten ausgerechnet am 25. Dezember feiern, gibt es mehrere Erklärungsversuche:
Der eine geht davon aus, dass die Theologen der Frühkirche durch verschiedene Berechnungen auf den 25. Dezember kamen. Dieses Resultat ergibt sich beispielsweise, wenn man den 25. März als ersten Tag der Schöpfung annimmt, wie dies alte Überlieferungen tun, und die Geburt Christi als Schöpfungsakt betrachtet. Der 25. Dezember war aber nicht von jeher das allgemein anerkannte Resultat solcher Berechnungen. So gab es Traditionen, die den Mai als Geburtsmonat annahmen, insbesondere den 20. Mai, oder auch solche, die den 28. März als Geburts- und Todestag feierten.
Ein anderer Erklärungsversuch lautet, dass das Geburtsfest Jesu mit dem römischen Fest des unbesiegten Sonnengottes zusammenhängt. Dieses wurde vom römischen Kaiser Aurelian im Jahre 274 eingeführt und auf den 25. Dezember festgelegt. Religionsgeschichtler nehmen an, dass die Christen die Geburt Jesu auf eben diesen Tag festlegten, um dem heidnischen Fest einen christlichen Sinn zu geben: Christus als das Licht der Welt. Erstmalig nennt der Römer Furius Dionysius Filocalus in seinem «Chronograph von 354» den 25. Dezember und beruft sich dabei auf römische Quellen aus dem Jahre 336.
Krippen und Verirrte Nikoläuse
Entsprechend der Beliebtheit von Weihnachten ist auch das Brauchtum zu diesem Anlass unglaublich reich und vielfältig. Es kann hier deshalb nur auf die bekanntesten und wichtigsten Bräuche eingegangen werden.
Das Bedürfnis, die Weihnachtsgeschichte darzustellen, reicht weit in die alte Kirche zurück. Die eigentlichen figürlichen Krippendarstellungen entstehen jedoch erst im 13. Jahrhundert. Als Erfinder der «lebendigen» Krippendarstellung wird gemeinhin Franz von Assisi genannt, der 1223 in Greccio eine Krippenfeier abhielt, die bald zum Vorbild für ähnliche Feiern wurde. Nach- dem figürliche Krippendarstellungen später fast ausschliesslich in Kirchen aufgestellt wurden, trifft man sie ab dem 18. Jahrhundert immer häufiger auch in den Familien an.
Jünger ist der Christbaum. Lukas Cranach d. Ä. verdanken wir eine der ersten Darstellungen eines reich verzierten Weihnachtsbaums aus dem Jahre 1509. Und in dieser Zeit ist wohl auch der Brauch entstanden, den Baum als altes Lebenssymbol sowie als Zeichen des immer wieder neu in die Welt kommenden Erlösers zu verwenden. Man knüpfte damit an die alte Symbolik des Baumes als Zeichen des Lebens an. Der Christbaum, verziert mit Äpfeln, Nüssen und allerlei Gebäck, wurde zum eigentlichen «Paradiesbaum», womit natürlich die Vorstellung verknüpft war, dass Jesus es war und sein werde, der die Menschheit zurück ins Paradies führt. Die Bäume zudem mit Kerzen zu schmücken, liegt angesichts der immer wiederkehrenden Lichtsymbolik in den Evangelien nahe: Jesus ist «das Licht der Welt».
Der Christbaum ist übrigens eine ursprünglich deutsche «Erfindung», was unter anderem daran zu erkennen ist, dass «O Tannenbaum – ebenfalls ein «urdeutsches» Lied – bis heute die bekannteste Ode an den Christbaum ist.
Auf eine reformatorische Auseinandersetzung geht der Brauch des Sich-beschenkens zurück. Ursprünglich fand die Familien- und Kinderbescherung am 6. Dezember statt. Der Heilige Nikolaus war es, der die Geschenke brachte. Verbunden mit der Absicht, die Bedeutung der Heiligentage einzudämmen, regte Martin Luther um 1535 an, die Bescherung auf Weihnachten zu verlegen. So kam es, dass von nun an nicht mehr der Nikolaus die Gaben brachte, sondern das Christkind. Heute lässt sich das Brauchtum rund um die Bescherung kaum mehr konfessionell zuordnen: Einerseits feiern heute auch viele Protestanten den Nikolaustag und empfangen den Samichlaus mit seinen Gaben, andererseits haben die Katholiken längst das Christkind «entdeckt» und beschenken sich heute ebenfalls am Weihnachtsabend.
Vollends verwirrlich wird es, wenn vom «Weihnachtsmann» die Rede ist. Hier, und das betrifft vor allem die angelsächsischen Länder, wurde gewissermassen der Heilige Nikolaus mitsamt den Geschenken auf Weihnachten übertragen und ist nun Nikolaus und Christkind in einer Person. Der Weihnachtsmann (Santa Claus = Sinterklaas) kommt durch den Schornstein und hinterlässt in den am Kamin hängenden Strümpfen allerlei Süssigkeiten und Geschenke – ein niederländisches Erbe aus der Zeit, als New York noch holländisch war und Nieuw Amsterdam hiess. Und dass er rot gekleidet ist, das ist einer Coca-Cola-Werbekampagne von 1931 in den USA zu verdanken, die den bis anhin häufig grün gekleideten Mann mit einem roten Mantel ausstattete.
Text: Thomas Binotto
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Wir alle kennen den Osterhasen. Aber wissen wir auch, woher er kommt und wofür er steht? Oder wer kann sagen, weshalb ausgerechnet der Reformator Martin Luther das Christkind als «Geschenkliferanten» erfunden hat?
Dieses Buch bringt Licht ins Halbwissen rund um die christlichen Feste im Jahreslauf. Es geht der Frage nach, wie das Brauchtum noch in einem tiefen Sinn unterhaltsam sein kann, wenn es zur Pflege und Belebung unseres (Familien-)Alltags beiträgt. Die Anregungen sind pragmatisch und undogmatisch – so, dass sich die christlichen Feste auch ohne religiöse Rituale neu entdecken lassen.
Thomas Binotto
Elster Verlag 2010
140 Seiten
Fotos: Christoph Wider
ISBN 978-3-907668-84-9