Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03440.jsonl.gz/251

Das RS-Virus ist jeden Herbst und Winter für viele Infektionen der Atemwege verantwortlich, in der Schweiz verursacht es jedes Jahr zwischen Spätherbst und Frühling eine Epidemie. Bei Babys und Kleinkindern kann das Virus eine Bronchiolitis oder Pneumonie verursachen, die im Spital behandelt werden muss.
Was ist eine akute Bronchiolitis?
Die Bronchiolitis ist die häufigste Infektionskrankheit der unteren Atemwege bei Kindern in den ersten beiden Lebensjahren, vor allem zwischen dem vierten und sechsten Lebensmonat. Diese Erkrankung wird durch das sogenannte RS-Virus verursacht und bewirkt eine starke entzündliche Schleimhautschwellung. Dies führt zu einer Verengung oder sogar Verstopfung der Atemwege. Betroffen sind die Bronchien und Bronchiolen – also die kleinsten und knorpellosen Verzweigungen der Luftwege in der Lunge.
Die Übertragung geschieht über ausgehustete Tröpfchen, Nasensekret oder Speichel. Die Bindehaut der Augen und die Nasenschleimhaut gelten als Eintrittspforte. Durch diese hohe Ansteckungsgefahr haben fast alle Kinder am Ende des zweiten Lebensjahres eine RSV-Infektion durchgemacht.
Die Symptome einer Bronchiolitis
Die ersten Zeichen einer Bronchiolitis sind diejenigen einer gewöhnlichen Erkältung: laufende Nase, Fieber und leichter Husten. Ausserdem haben viele Babys keinen Hunger. Häufig kommt es zusätzlich zu einer Bindehautentzündung und auch Mittelohrentzündungen können dazukommen.
Nach einigen Tagen wird der Husten stärker und das Baby atmet schneller und beginnt zu keuchen. Bei der Ausatmung tritt ein pfeifendes, rasselndes oder knisterndes Atemgeräusch auf. Zusätzlich können Sie möglicherweise Einziehungen zwischen den Rippen und oberhalb des Brustbeines beobachten. Da die Kapazität der Lungen bei Babys reduziert ist, kommen sie schneller in eine Atemnot. Dadurch hat es Schwierigkeiten beim Trinken, viele verweigern die Brust oder den Schoppen. Durch den starken Husten kann auch ein Brechreiz ausgelöst werden.
Meist verläuft die Erkrankung ohne Komplikationen und ist nach etwa einer Woche überstanden. Der Husten kann dennoch bis zu drei Wochen andauern.
Lebensgefährliche Komplikationen einer RSV-Infektion
Die Erkrankung kann in kurzer Zeit lebensbedrohlich werden, denn durch die angeschwollene Schleimhaut in den Atemwegen gelangt zu wenig Sauerstoff in die Lungen, somit auch in den Kreislauf und die lebensnotwendigen Organe. Einen Sauerstoffmangel erkennen Sie daran, dass sich die Lippen und die Haut unter den Fingernägeln blau verfärben.
Durch die RSV-Infektion kann sich eine Lungenentzündung entwickeln, dies ist die häufigste Komplikation bei Kindern unter zwei Jahren. Häufig kommt es auch zu einem Flüssigkeitsmangel, weil das Kind wegen der Atemschwierigkeiten nicht richtig trinken kann und durch den starken Husten erbricht.
In der Schweiz müssen bis zu 2 Prozent der erkrankten Kleinkinder wegen Atemnot und ungenügender Flüssigkeitsaufnahme hospitalisiert werden. Die entspricht ungefähr 1000 Spitaleinweisungen pro Jahr.
Besonders gefährdet für Komplikationen wegen einer RSV-Infektion sind Babys unter drei Monaten, Frühgeborene, Kinder mit vorbestehenden Herz- oderLungenerkrankungen oder Kinder mit einer Immunschwäche. Auch sind Jungen häufiger von schweren Krankheitsverläufen betroffen als Mädchen.
Bei Kindern, deren Eltern zu Hause rauchen, tritt die Krankheit häufiger auf. Nach schweren Krankheitsverläufen können die Bronchien noch lange Zeit sehr empfindlich reagieren. Das Einatmen von Zigarettenrauch reicht dann schon aus, um einen asthmaähnlichen Anfall auszulösen.
Wie wird die RSV-Infektion behandelt?
Eine leichte Form der Bronchiolitis kann zu Hause behandelt werden. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind viel trinkt. Geben Sie ihm ausserdem regelmässig – bis zu alle 20 Minuten – Kochsalzlösung in die Nase und saugen sie diese ab und zu ab. Das RS-Virus bildet ein sehr zähes Sekret und die Kinder haben dadurch oft Mühe, gut zu atmen.
Sobald Ihr Kind Atmenot entwickelt und/oder nicht mehr trinkt, sollten Sie den Kinderarzt informieren oder direkt mit ihm ins Spital fahren. Dort bekommt Ihr Kind Sauerstoff und Flüssigkeit über eine Infusion, weil es wegen der Atemnot zu wenig Luft und Kraft zum Trinken haben wird.
Da es sich um eine Viruserkrankung handelt, sind Antibiotika bei einer RSV-Infektion nicht wirksam und auch Inhalationen nützen nur sehr selten. Ebenso helfen Medikamente gegen Husten nicht und werden deshalb nicht empfohlen. Wenn das Kind Fieber hat, kann ein fiebersenkendes Mittel wie Paracetamol nützlich sein.
Gibt es eine Impfung gegen RSV?
Seit Ende Dezember 2023 ist eine passive Impfung mit einem monoklonalen Antikörper in der Schweiz zugelassen, ab Herbst 2024 soll der Impfstoff zur Verfügung stehen. Dieser kann in den ersten 5 Lebensmonaten intramuskulär als einmalige Injektion zur Prophylaxe verabreicht werden.
Für Kinder mit angeborenen Herzkrankheiten, zusätzlichen Lungenerkrankungen, geschwächtem Immunsystem und für zu früh geborene Kinder steht schon seit einiger Zeit eine passive Immunisierung gegen RS-Viren zur Verfügung, die in den Wintermonaten einmal im Monat gespritzt werden muss.
Eine Impfung für Schwangere, welche – wie bei der Keuchhustenimpfung – das Neugeborene vor RSV schützen soll, ist in der Schweiz noch nicht zugelassen.
So können Sie Ihr Kind vor einer RSV-Infektion schützen
Das Risiko, an einer RSV-Infektion mit Komplikationen zu erkranken, ist für Babys unter drei Monaten am grössten. So können Sie vorbeugen und Ihr Kind vor einer Erkrankung schützen:
Versuchen Sie, die Kontakte Ihres Babys so gering wie möglich zu halten. Und wenn, dann sollte es nur von gesunden Erwachsenen besucht werden.
Achten Sie auf eine konsequente Händehygiene und waschen Sie sich vor und nach jedem Umgang mit Ihrem Kind die Hände.
Tragen Sie eine Hygienemaske, wenn Sie husten, erkältet oder krank sind.
Versuchen Sie, den Kontakt von kranken Geschwisterkindern zum Baby zu vermeiden.
Meiden Sie öffentlichen Orte und Familientreffen.
Frischen Sie, wenn nötig Ihre Keuchhusten-Impfung auf und lassen Sie sich gegen Grippe impfen.