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In Kongo-Kinshasa ist die meist tödliche Krankheit Ebola ausgebrochen. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen ist vor Ort und bekämpft die Verbreitung. Doch das ist nicht so einfach, wie Projektleiterin Carole Zen Ruffinen ausführt.
Carole Zen Ruffinen
Projektleiterin bei Ärzte ohne Grenzen
Carole Zen Ruffinen arbeitet für die Organisation Ärzte ohne Grenzen und leitet den Einsatz gegen Ebola in Kongo-Kinshasa.
SRF News: Wie erleben Sie den Einsatz der Ärzte ohne Grenzen in Kongo-Kinshasa?
Carole Zen Ruffinen: Wir merken, dass es sehr schwierig ist, in gewisse Regionen vorzudringen und dort Aufklärungsarbeit zu leisten, beziehungsweise Präventionsmassnahmen einzusetzen und an die Patienten heranzukommen. Das hat natürlich einen negativen Einfluss auf die Eindämmung von Ebola in dieser Region.
Die Bevölkerung weiss nicht, wenn sie Ebola hat. Es sind sehr unspezifische Symptome, es können die gleichen Symptome wie bei Malaria sein.
Es ist ein Konfliktgebiet und die Bevölkerung wehrt sich gegen Präventionsmassnahmen. Zudem kursiert der Glaube, der Westen verbreite die Krankheit. Wie können Sie betroffene Personen trotzdem überzeugen, dass Sie Hilfe leisten wollen?
Ebola ist eine Krankheit, die sehr schwierig zu diagnostizieren ist. Die Bevölkerung weiss nicht, ob sie Ebola hat. Es sind sehr unspezifische Symptome, es können die gleichen Symptome wie bei Malaria sein. In einem solchen Gebiet bedeuten diese Symptome aber, dass die Person vielleicht Ebola hat und richtig reagieren muss, um sich behandeln zu lassen. Wir haben sehr viele Aufklärungsarbeiter, in diesem Projekt sind es ungefähr 20 bis 30 Leute, die nur daran arbeiten, die Bevölkerung zu sensibilisieren. Sie sprechen mit Interessengruppen und klären sie über Ebola auf.
Um diese Aufklärung voranzutreiben, setzen Nichtregierungsorganisationen auf geheilte Einheimische. Sie sollen als Botschafter dafür sorgen, dass diese Skepsis schwindet. Funktioniert das?
Das ist eine der wichtigsten Bestandteile der Aufklärungsarbeit. Wir nennen sie Überlebende, weil sie den Virus wirklich überlebt haben. Wenn sie in ihre Dörfer zurückgehen, werden sie wieder in die Bevölkerung integriert und können über ihre eigenen Erfahrungen sprechen. Sie berichten, was es heisst, an Ebola erkrankt zu sein und wie es zum Beispiel in einem Behandlungszentrum war.
Der Zugang zur Bevölkerung ist eine der grössten Herausforderungen, die wir haben. Es ist so, dass wir im Moment nicht wissen, wohin diese Epidemie führt.
Nebst Nichtregierungsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen sind auch die WHO und das kongolesische Gesundheitsministerium aktiv. Warum gelingt es nicht, die Epidemie unter Kontrolle zu bringen?
Es ist eine koordinierte Aktion, die aus dem Gesundheitsministerium besteht, aus der WHO, der Unicef und anderen Partnern, wie wir es sind. Um Ebola zu bekämpfen, braucht man eine Strategie. Diese Strategie besteht aus verschiedenen Pfeilern: die Leute behandeln, die Bevölkerung aufklären oder sicheren Bestattungen. Impfungen sind auch Bestandteil davon. Wenn diese Massnahmen nicht funktionieren, dann hat man Schwierigkeiten, die Übertragungsketten des Virus überhaupt zu unterbrechen.
Zusammenfassend: Was bedeutet das alles für den Einsatz von Hilfsorganisationen?
Der Zugang zur Bevölkerung ist eine der grössten Herausforderungen, die wir haben. Es ist so, dass wir im Moment nicht wissen, wohin diese Epidemie führt.
Das Gespräch führte Jonathan Fisch.