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Mit Händel und Bach standen die Giganten der Barockmusik auf dem Programm des Kammerensembles.
Die Konzerte des Urschweizer Kammerensembles zogen am vergangenen Wochenende in der Pfarrkirche Ingenbohl ein zahlreiches Publikum an. Zwei Komponisten, die unterschiedlicher nicht sein könnten: der weltgewandte, viel gereiste Händel, der in England seine Heimat fand, und der Thomaskantor Bach, welcher seinen Fuss nie aus seiner engeren Heimat setzte. Das Orgelkonzert op. 7 Nr. 1 des gebürtigen Sachsen entführte in eines der Theater des barocken London, wo Händel diese neue Konzertform als Zwischenmusik in seinen Oratorien darbot, am Solo-Instrument der Komponist «himself». Die Orgeln in diesen Theatern waren kleine Instrumente mit nur einem Manual, wenigen Registern, ohne Pedal. Bei dem dargebotenen Konzert verlangt der Komponist aber eine Orgel mit Pedal und zwei Manualen.
Orgel in ihrer ganzen Farbigkeit
Martin Dettling an der neuen Metzler-Orgel der Pfarrkirche Ingenbohl nutzte die siebzehnfache Variationen- Reihe über einem gleichbleibenden Bass-Modell, um die verschiedenen Register des Instruments in ihrer ganzen Farbigkeit zu zeigen. Im Dialog mit dem recht grossbesetzten Orchester durfte die im Gegensatz zu Händels Instrumenten grosse Orgel auch ihre kräftigen Register einsetzen und war ein ebenbürtiger Partner. Die Pedal- Passagen (selbst ein langer Triller!) meisterte Martin Dettling ausgezeichnet. Eine federnd gespielte Bourrée beschloss die Satzfolge und bestätigte klar den weltlichen und sehr gehörfälligen Charakter der Komposition. Ganz anders das 3. Brandenburgische Konzert, welches Bach als «très humble et très obéissant serviteur» (!) 1721 dem brandenburgischen Kurfürsten übersandte, wohl in der Hoffnung auf eine Anstellung bei demselben. Bach hatte diese Konzerte bereits in früheren Jahren komponiert und teilweise überarbeitet. Sie zeigen in genialer Weise verschiedene Möglichkeiten der Konzertform und Besetzung. Bach erhielt weder Dank noch eine Anstellung. Stefan Albrecht interpretierte das Konzert in G-Dur in der Besetzung, wie Bach sie in seiner Reinschrift vorsieht: 3 Violinen, 3 Bratschen, 3 Celli, Kontrabass und Cembalo, jedes Instrument solistisch besetzt. Die mutige Entscheidung verlangte von den Ausführenden hohe Virtuosität, da die beiden Ecksätze in schnellem respektive rasantem Tempo ausgeführt wurden. Umso mehr überzeugten die Spieler, dass sie den Anforderungen gewachsen waren. Den ruhigen Mittelsatz hat Bach bloss mit einer knappen Akkord-Überleitung skizziert. In der gehörten Aufführung spielte Martin Dettling am Cembalo die Sarabande aus der 5. Englischen Suite, an welche das Ensemble mit den Streicher-Akkorden die harmonische Überleitung zum Schlusssatz anschloss. Unterhaltungsmusik vom Feinsten bot abschliessend das mit 29 Spielern wieder grossbesetzte Urschweizer Kammerensemble. Vor dem imaginären Auge sah man die königliche Barke über die Themse gleiten, «accompagniert» von einer Barke mit 50 Musikern und vielen Begleitbooten. Händel hatte zu mehreren solcher «Wasserfahrten» des englischen Hofes Musik beigesteuert, die später unter dem Titel «Wassermusik» bekannt wurden. Es ist eine Vielzahl von Stücken aus verschiedener Zeit. Daraus hat Stefan Albrecht die zur Suite F-Dur zusammengefassten Teile sowie zwei weitere Stücke ausgewählt. Straff, mit Schwung, hob die französische Ouvertüre an und eröffnete das Satz-Ensemble festlich; die Oboe leitete wunderbar sensibel zum schnellen Teil über, wo die beiden Naturhörner prächtig einsetzten. Tänzerisch, mit Akzentuierung und Artikulation, gelangen die folgenden Sätze ausgezeichnet und rissen die Zuhörer mit. Das Holzbläser-Trio trat in der Bourrée und Hornpipe begeisternd hervor. Alles in allem eine hinreissende Interpretation, klug disponiert und geleitet von Stefan Albrecht. Man versteht den Wunsch von King George I., der nach der ersten Aufführung zu Händel meinte: «Bitte wiederholen!»
Bote der Urschweiz / Joseph Schelbert
Autor
Bote der Urschweiz
Kategorie
- Musik
Publiziert am
Webcode
schwyzkultur.ch/iEnD4G