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Zum
Nachdenken:
CASH Nr 15, 16.4.1999: Hektisch weiterkrampfen, die Freizeit total kommerzialisieren und die dadurch entstehenden Schäden als neue "Knappheitsfelder" und "Innovationspotenziale" erkennen und mit einem durchkommerzialisierten Gesundheitssektor beheben. Nur so erreicht das BIP die Wachstumsraten, die nötig sind, um die ganze Maschinerie in Gang zu halten.
Die Kosten des Gesundheitswesens
Die Kosten des Gesundheitswesens stiegen in den 70er Jahren im Durchschnitt
um rund 500 Millionen Franken pro Jahr, in den 80er und 90er Jahren um rund
eine bis zwei Milliarden Franken pro Jahr an. 1998 sind 10,5% des Bruttoinlandprodukts
für das Gesundheitswesen verwendet worden; 1970 erst 5,7%. Ein wesentlicher
Grund für diesen Anstieg ist die Entwicklung des Angebots: so z.B. die
erweiterten Leistungen, die wachsende Spezialisierung und Technisierung, der
höhere Komfort. Mitbeteiligt sind die Alterung der Bevölkerung und
die Ausweitung der Sozialversicherungsleistungen. Die Steigerung der Gesundheitskosten
kann aber nicht primär dem neuen Krankenversicherungsgesetz (KVG), das
1996 in Kraft gesetzt wurde, angelastet werden.
Die Schweiz wendet zwar ähnlich wie Deutschland etwa 10 % des Sozialproduktes für die Gesundheit auf. Dieser nominelle Anteil muss aber mit dem realen Anteil verglichen werden, wo die Inflation sowohl beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) wie auch bei den Ausgaben für das Gesundheitswesen herauskorrigiert wurde. In Deutschland entwickeln sich nomineller und realer Anteil praktisch parallel, d.h. dass die Preise im Gesundheitswesen relativ im Durchschnitt nicht höher sind bzw. rascher ansteigen als in der Wirtschaft insgesamt. In der Schweiz dagegen liegt der reale Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt systematisch über dem nominellen, und zwar in einem Ausmasse wie es sonst nur in den USA beobachtet wird. Man kann daraus schliessen, dass im Gesundheitswesen der Schweiz die Preise relativ hoch sind. Dies könnte auf Ineffizienzen zurückzuführen sein. Ein Grund dafür könnte darin liegen, dass der Zugang zu den Berufen des Gesundheitswesens stark reguliert ist. Zudem gilt für die Krankenversicherer allgemein das Inlandsbeschaffungs-Prinzip, d.h. die Gesundheitsleistungen müssen im Inland beschafft werden. Auch werden die Krankenhäuser weitgehend mit Steuermitteln subventioniert, und jeder Ausbau des Krankenhauses ist eine ausgezeichnete Investition für die Standortgemeinde, weil die übrigen Trägergemeinden sowie der Kanton zur Finanzierung der Investition beitragen. Dies hat zur Folge, dass die Schweiz rund 50 % der Gesundheitsausgaben im stationären Sektor tätigt, während es in Deutschland knapp 40 % sind. Die Kosten im ambulanten Bereich und auch die Menge der konsumierten Medikamente stehen direkt in Relation zur Aerztedichte. So praktizieren in Genf auf 10 000 Einwohner 39Aerzte, im schweizerischen Mittel sind es 19 Aerzte. Dementsprechend beträgt die Durchschnittsprämie der obligatorischen Grundversicherung im Jahre 2000 in Genf 320 Franken, im schweizerischen Mittel dagegen "nur" 212 Franken.
Fett, fetter, megafett
Fettleibigkeit nimmt in der Schweiz Jahr für Jahr zu. Das Bundesamt für Statistik rechnet, dass jeder Dritte der 15- bis 64-Jährigen zu dick ist; bei den über 64-Jährigen bringt sogar jeder Zweite zu viele Kilos auf die Waage. Uebergewicht verursacht gemäss der Schweizerischen Stiftung Adipositas, der Interessenvertretung der Dicken, jährlich rund drei Milliarden Franken Gesundheitskosten.
In Deutschland leiden über neun Millionen Menschen an krankhaftem und behandlungsbedürftigen Uebergewicht. 51,3 Prozent der Erwachsenen bringen zu viel auf die Waage. 14,4 Prozent gelten mit einem Body-Mass-Index von über 30 als krankhaft übergewichtig.
In den USA waren 1999 mehr als 20 Prozent der Erwachsenen und 10 bis 15 Prozent der Kinder fettleibig; also übergewichtig. Nach Angaben der AOA (American Obesity Association) sterben in der USA jährlich 300 000 Menschen an den Folgen der Fettleibigkeit, fast ebenso viele wie durch das Rauchen. Die gesundheitlichen Kosten, die sich für die Gesellschaft ergeben, belaufen sich auf mehr als 100 Billionen Dollars pro Jahr.
Stress, Alkohol- und Drogenkonsum
Auf 4,2 Milliarden Franken oder 1,2 Prozent des Brutto-Inlandprodukts belaufen sich die stressbedingten Kosten in der Schweiz, errechnete das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Gemäss der Seco-Studie fühlen sich über 80 Prozent der Befragten gestresst. Für jeden Vierten ist die Ueberforderung ein Dauerzustand. Wer stark gestresst ist, verursacht jährliche Gesundheitskosten von 4300 Franken pro Kopf. Vieles ist in dieser Rechnung nicht enthalten. Etwa die Folgen von Wein und der Tablette zum Abschalten. Alkohol- und Drogenkonsum sind oft Anpassungsversuche an stressbeladene Arbeitsbedingungen.