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Amtshaus.
Bis ins 18. Jh. meist als Kloster, seither als Schloss bezeichnet. Die beiden Grafen Hartmann v. Kyburg stifteten 1246 auf ihrem Gut Mülinen das Zisterzienserinnenkloster «Fons beatae Mariae» (Brunnen der sel. Maria oder Fraubrunnen) und statteten es reich aus. Brandschäden kurz vor 1280 und im Guglerkrieg 1375. Nach 1280 Backsteinund Formziegelproduktion. Klosteraufhebung 1528, anschliessend Landvogtei, heute Amtssitz. Plünderung 1798. Das nach den Bränden wiederhergestellte Klostergeviert verlor 1535 die Kirche im N und den O-Flügel, wodurch die heutige eigenwillige Anlage aus zwerechtwinklig zusammenstossenden, gleich langen Flügeln entstand. Gesamtrestauration und Umbau sowie Neubau des Gefängnisses 1974–79; gleichzeitig Bauuntersuchung und Bodensondierungen.
Die Klosterkirche war ein grosser saalförmiger Rechteckbau (52 × 14 m) mit geradem Chorschluss; durch Schranken und Lettner Trennung in die Abschnitte Altarhaus, Frauenchor und Nonnenempore.
Der Klosterhof war ein Geviert von 30 × 31 m. Die zweFlügel des heutigen Schlosses in ihrer Grundstruktur auf den Gründungsbau nach 1246 und auf die Wiederherstellung nach Brand um 1280 zurückgehend.
Die Fluchten der Hoffassaden entsprechen den Aussenmauern des Kreuzgangs, der bereits 1569–74 aufgestockt und den Hauptgebäuden als zweigeschossiges, vom Hauptdach gedecktes Korridorsystem vorgelegt wurde. Neugestaltung der schlichten Hoffassaden 1730–34. Gedeckte Freitreppe mit Uhrtürmchen und Muschelbrunnen 1770 von Niklaus Sprüngli, Treppensockel und Brunnenstock 2. V. 19. Jh. erneuert. Asymmetrischer Dachquerschnitt an der Giebelseite des W-Flügels mit Befensterung grösstenteils zusammen mit W-Front von 1647–48, als der W-Flügel unter Anthoni Thierstein zu Kornhaus umgeb. wurde; Kuppelfenster 18. Jh., Spitzbogenfensterchen 1246ff. bzw. 1280 aus ornamental gestempelten Formbacksteinen.
Im EG unter dem Schopfdach got. Luziden und Tuffportal 1246ff. sowie Backsteinverbände 1280ff.; ebenso Portalgewände aus gestempelten Formsteinen. Rechtwinklig an den W-Flügel angebautes Holz- und Kornhaus 1681, aufgesetzt auf Teile der Umfassungsmauer und angefügt an mittelalterl. Türmchen. Im EG als Holzhaus verwendete Holzpfostenhalle. An der westl. Stirnseite des S-Flügels Partie des bis ins 17. Jh. unverputzten Sichtbackstein-Mauerwerks von 1280 freigehalten, gleichzeitige Einer- und Zwillingsfenster.
Reste gleicher Öffnungen auch in der langen Gartenfassade nach S, deren heutige Gestalt grösstenteils seit 1730–34. Im Inneren entsprechen die fassadenparallelen Korridore den Kreuzgängen.<
Im W-Flügel vermauerte Tuff-Spitzbogenpforte 1246ff. und Formziegeltürgewände 1280. Dregrosse gewölbte Schlosskeller (heute kulturellen Zwecken dienend) 1682–84. Im Korridor des S-Flügels 1979 abgegossenes und in seiner barocken Fassung wiederhergestelltes Erinnerungsrelief an die Guglerschlacht (zwei Engel halten Teppich mit applizierten Buchstaben der Gedenkschrift) aus der Werkstatt von Erhart Küng, 4. V. 15. Jh. Am O-Ende des Flügels zwekreuzgewölbte Säle, ehem. Backhaus, 1676; ebendort Rechteckpforte aus Formsteinen 1280. Oberer Korridor in seiner Form von 1730–34 wiederhergestellt. Im Gerichtssaal Wappentafel der Amtsleute 1727 von Maler Sydler. Schönster Innenraum das Audienzzimmer mit ausgezeichnetem Régencetäfer, 1732 von Johannes Hunziker. Blau bemalter Landolt-Kachelofen aus Neuenstadt, 1. H. 18. Jh., aufgesetzt 1977. Über beiden Flügeln prachtvolle Dachstühle 1378–81.
Lange Umfassungsmauern der Domäne in eigenartigem Opus mixtum mit Spolien. Wohl nach 1535.
Bernstrasse Nr. 1, ehem. Gefängnis, jetzt Polizeiposten, unter Pyramidendach. 1823 von Johann Daniel Osterrieth. Nr. 5a, origineller klassiz. Lindenpavillon. 1818.
Die Nachbarbauten des Amtshauses komplettieren das Bild des ehem. Klosters und Landvogteisitzes. Nr. 7, Speicher. Wohl 18. Jh. Dahinter ehem. Zehntspeicher des Schlosses (Schlossweg Nr. 2). Um 1700. Rest. 1997. Nr. 9, Gasthof zum Löwen. 1. V. 19. Jh. Mit Spätbarockrisalit. Nr. 10, neubarocke Bank von Henry B. v. Fischer. Nr. 6, ehem. Klosterwirtschaft zum Brunnen. Mit verbauten Teilen spätes 13. Jh. (Formziegel an der O-Front). Heute ein elfachsiger langer Putzbau unter Walmdach, M. 18. Jh., mit prächtigem Rokokoschmiedeisenschild. Treppenhaus gleichzeitig. An der Rückseite mit Holzlaube verbunden. Nr. 8, biedermeier Gästestock. 1836. Nrn. 2–4, Wirtsscheune, 2. H. 18. Jh.
Historische Stellung
Schloss Fraubrunnen war ursprünglich ein Zisterzienserinnenkloster, das 1246 durch die Grafen von Kyburg gegründet wurde. Im schweizerischen Mittelland war es ausser Königsfelden das wichtigste Frauenkloster. 1375 ging es in Flammen auf, als Bern die sich im Kloster eingenisteten französischen Söldnerbanden der Gugler schlug, wurde aber wieder hergestellt. An das Ereignis erinnert eines der frühesten Inschrift-Denkmäler im Kanton Bern, entstanden 1475. 1528 hob Bern das Kloster auf und richtete eine Klosterlandvogtei ein, seit bald 500 Jahren dienen die Gebäude der Bezirksverwaltung. 1798 wurde das Schloss nach der Niederlage gegen die Franzosen geplündert. Das Schloss ist ein Baudenkmal von hoher geschichtlicher Bedeutung.
Kunsthistorische Stellung
In der Reformation 1528 brach man die Kirche im Norden und den Ostflügel des Klostergevierts ab, wodurch aus Süd- und Westflügel die heutige eigenwillige Winkelhakenform entstand. Die Grundsubstanz geht auf den Gründungsbau 1246ff zurück; die heutigen Hoffassaden entsprechen den Kreuzgangfassaden, die im 16. Jahrhundert zum zweigeschossigen Korridorsystem aufgestockt wurden. Heute stellt Fraubrunnen ein gewachsenes, barock überformtes Baudenkmal auf klösterlich-mittelalterlicher Grundstruktur dar mit zahlreichen besonders wertvollen Elementen wie frühgotischer Befensterung, mittelalterlichen Backsteinverbänden und Dachstühlen und guter Ausstattung des 17. und 18. Jahrhundert.
Das Schloss Fraubrunnen ist ein Baudenkmal von regionaler Bedeutung.
Devestitionskonzept des Kantons Bern vom 16.10.2007
Auszug aus der Stellungnahme des Denkmalpflegers
Weitere Luftaufnahmen von Fraubrunnen
Bibliographie