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Patellaluxation beim Hund
Schwierigkeiten bei der Erkennung
Eine einheitliche Zuchtselektion scheiterte bisher an der Schwierigkeit, das Ausmass der Veränderungen zu erfassen. Da in vielen Fällen angeborene Luxationen nicht mit Lahmheiten einhergehen, ist es umso wichtiger, diese Krankheitsträger zu erkennen und von der Zucht auszuschliessen. Bei der klinischen Untersuchung ergaben sich nach den früher durchgeführten Untersuchungen zum Teil erhebliche Abweichungen in der Beurteilung zwischen den einzelnen Untersuchern.
Dabei spielt der Interpretationsspielraum, den die verschiedenen Klassifizierungssysteme zulassen, eine wesentliche Rolle.
Da es bis heute nicht möglich ist, eine zuverlässige Röntgendiagnose zu stellen, bleibt die klinische Untersuchung Grundlage für die Beurteilung. Dazu wurde Anfang 1997 von der Universität Zürich in Zusammenarbeit mit der SKG ein neues Untersuchungskonzept auf Grundlage der orthopädischen Untersuchung entwickelt, um einheitliche Kriterien für die Untersuchung und Einteilung zu schaffen.
Nach der Ganguntersuchung wird am stehenden Hund die Stellung der Hintergliedmassen und die Ausbildung der Oberschenkelmuskulatur beurteilt. Eine schlechte Bemuskelung kann ein Hinweis auf bestehende Lahmheiten sein. Die korrekte Lage der Kniescheibe wird überprüft. Dabei kann Druckschmerz der Patella ein Zeichen einer bestehenden Erkrankung mit einhergehender Knorpelschädigung sein.
Die endgültige Zuordnung des Luxationsgrades der Patella (Kniescheibe) in die Grade 1 bis 4 erfolgt in Seitenlage. Die Untersuchung sollte bei unklaren Befunden am stehenden und liegenden Tier wiederholt werden, wobei immer der schlechteste erhobene Befund für die Beurteilung massgeblich ist.
Der Einsatz von Beruhigungsmitteln kann wegen einer herabgesetzten Muskelspannung zu einer schlechteren Beurteilung führen und ist nur in Ausnahmefällen zu empfehlen. Werden derartige Medikamente eingesetzt, so wird dies im Untersuchungsprotokoll vermerkt. Eine Erschlaffung der Bandstrukturen unter Oestrogeneinfluss während Läufigkeit kann ebenso zu einer schlechteren Beurteilung führen. Daher sollte die Untersuchung nicht in diesem Zeitraum durchgeführt werden.
Der Schweizerische Zwerghunde-Club (SZC), von dem viele der betroffenen Rassen betreut werden, verlangt seit dem 1.1.1995 eine Untersuchung auf Patellaluxation vor der Zuchtzulassung.
Eine Untersuchung durch die Ausstellungsrichter wurde von der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft (SKG) abgelehnt. Die Beurteilung darf ausschliesslich von Tierärzten vorgenommen werden. Die Zulassung zur Voruntersuchung wird den Tierärztinnen und Tierärzten nach einem erfolgreich abgeschlossenen Weiterbildungskurs erteilt, in dem sie zuerst mit den neuen Beurteilungskriterien vertraut gemacht werden. Im Anschluss werden von den Kursteilnehmern Hunde verschiedener Rassen mit verschiedenen Graden von Patellaluxationen untersucht, beurteilt und die Ergebnisse anschliessend diskutiert.
Zurzeit stehen etwa 400 Tierärztinnen und Tierärzte in der Schweiz für derartige Voruntersuchungen zur Verfügung. Für die Untersuchung ist eine Kennzeichnung des Tieres (Tätowierung oder Mikrochip) sowie das Original der Abstammungsurkunde erforderlich. Die Untersuchungsergebnisse werden auf einem Untersuchungsprotokoll der SKG sowie im Stammbaum dokumentiert und an den entsprechenden Rasseklub sowie die zuständige zentrale Erfassungsstelle weitergeleitet.
Dieser Artikel ist erschienen im Hundemagazin 1/2001
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35
Autor:
Dr. med. vet. Stefan Grundmann
Kleintier-Chirurgie Universität Zürich
Winterthurerstr. 260
8057 Zürich