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Die Herrlichkeit muss warten: Pater Theos «Splendor» verschoben
Im Herbst hätte Pater Theo Flurys neueste Komposition uraufgeführt werden sollen. Musikliebhaber müssen sich nun bis im Oktober 2021 gedulden.
VICTOR KÄLIN
Nicht nur als Interpret und Dozent, sondern regelmässig auch als Komponist tritt Stiftsorganist Theo Flury an die Öffentlichkeit. Das Werkverzeichnis des 65-jährigen Benediktiners umfasst Kompositionen für Orgel, ebenso Vokalmusik, Konzerte, symphonische Werke, Messen und Oratorien. Ein weiteres grosses Oratorium war für dieses Jahr angekündigt: Es trägt den Namen «Splendor». Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Organisation sowie die lange Einübungszeit dieses umfassenden Werkes verunmöglichten es jedoch, den Termin des 17. Oktobers 2020 für die Uraufführung einhalten zu können. Gewissermassen ein anderes «Grosses Welttheater» Wie der Komponist erklärt, soll das Oratorium deshalb ein Jahr später, am 16. Oktober 2021, in der Klosterkirche uraufgeführt werden. Auf dem Klosterpatz ist im Sommer 2021 vorgesehen, das Grosse Welttheater in einer Fassung von Lukas Bärfuss aufzuführen. Wenig später, so Flury, «wird in der Kirche mit ‹Splendor› gewissermassen ein anderes ‹Grosses Welttheater› gegeben werden: Eines, das die wesentlichen Fragen des Menschen und der Menschheit vor den Hintergrund der christlichen Offenbarung stellt».
Mit dieser Absicht beschreibt der Komponist sozusagen «das Wesen des Oratoriums» als dramatische, mehrteilige Vertonung einer zumeist geistlichen Handlung. Sie verteilt sich auf mehrere Personen, Chor und Orchester. Es ist eine erzählend-dramatische (also mit Handlungselementen durchsetzte) Komposition.
«Zwei sich entsprechende Räume hüben und drüben» Für Pater Theo unterstreichen die Arkaden auf dem Klosterplatz von Einsiedeln (ebenso wie die Kolonnaden von St. Peter in Rom) die Tatsache, «dass der Vorplatz architektonisch zur Kirche gehört, oder umgekehrt die Kirche zum Vorplatz». Als Aussenseite des Kirchenraumes sind die Mauern die Innenseite des angrenzenden Vorplatzes und der in diesen hineinfliessende «Welt». Sie markieren zwei sich entsprechende Räume hüben und drüben. Und so hofft der Komponist, dass «die Klänge des Oratoriums, vom Kirchenraum ausgehend, selbst die entlegensten Ränder des Vorplatzes erreichen und überall Freude und Hoffnung zu wecken vermögen ».
Zum Oratorium «Splendor» «Splendor» bedeutet Herrlichkeit, Glanz, Ausstrahlung und bezieht sich gemäss Pater Theo Flury in seiner Komposition «auf die christliche Heilsgeschichte, welche dem Libretto der Komposition zu Grunde liegt». Das Libretto hat der Komponist selbst zusammengestellt. Es beinhaltet biblische sowie liturgische Texte, vier «Hymnen an die Kirche» der deutschen Dichterin Gertrud von Lefort (1876 bis 1971) und zwei visionäre Erfahrungsschilderungen von Pierre-Teilhard de Chardin (1881 bis 1955).
Für Flury ist das Oratorium «vor allem ein Ausdruck des Glaubens und der Anbetung. Es versteht sich weiter als Beitrag für eine christliche Zivilisation, die weder museal erstarren noch im Beliebigen aufgehen, sondern authentisch und kreativ von den Wurzeln her weitergelebt werden will». Durch verschiedene Welten anregen lassen Der Komponist streift nicht nur verschiedene Sprachwelten (Latein, Französisch und Deutsch), sondern lässt sich ebenso durch verschiedene musikalische Stilwelten anregen, um seine Aussage im Geschichtlichen zu beheimaten, dieses in einer Zusammenschau neu zu interpretieren und in eine ungewohnte gegenwärtige Gleichzeitigkeit zu heben. Die meisten vertonten liturgischen Stücke sind von der altklassischen Vokalpolyphonie inspiriert, während die Vertonung vieler biblischer Texte charakteristische Merkmale der deutschen Spätromantik einbezieht. Drei Akzente, unter ihnen das Zitat eines Chorals aus der Matthäuspassion, bilden schliesslich eine Hommage an Johann Sebastian Bach.
«Für eine christliche Zivilisation, die weder museal erstarren noch im Beliebigen aufgehen, sondern authentisch und kreativ von den Wurzeln her weitergelebt werden will»: Komponist Pater Theo Flury zu seinem neuesten Oratorium.
Foto: Archiv EA