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Vorsicht vor Phishing-Mails
«Ich wär' so gerne Millionär...
… dann wär mein Konto niemals leer.» Mir ging dieses Lied der Prinzen durch den Kopf, als ich diese Woche eine E-Mail von einer unbekannten Person erhalten habe. Im Mail schreibt mir die unbekannte Maryrose von Leid, Tod und ganz ganz viel Moneten. Eine tragische Geschichte mit viel Unterhaltungswert. Aber macht euch doch selber ein Bild, wieso mein Bankkonto leer bleibt.
Gott segne dich, mein Liebes,
Mein Name ist Frau Maryrose aus Frankreich, ich bin eine 59-jährige Frau. Ich war zu spät verheiratet. Mr. Kingsley war mein Ehemann und auch einer der besten Bauunternehmer hier in Frankreich und auch ein gelassener Bauunternehmer in London. Er wurde am 7. Januar 2016 von einem seiner Freunde in London vergiftet.
Mein verstorbener Ehemann und ich waren jahrelang ohne eigenes Kind verheiratet und nach seinem Tod habe ich beschlossen, nicht wieder zu heiraten oder ein Kind außerhalb meines Ehehauses zu bekommen. Während ich mit Ihnen spreche, wurde bei mir eine Herzinsuffizienz diagnostiziert, die von den Ärzten bestätigt und mir mitgeteilt wurde, dass ich nicht mehr lange leben würde. Nachdem mein Mann letztes Jahr verstorben war, stellte ich fest, dass er einen riesigen Geldbetrag bei einer Bank in London hinterlegt hatte.
Das Geld, das bei der Bank eingezahlt wurde, belief sich auf insgesamt (4.500.000,00 USD) vier Millionen fünfhunderttausend USD. Während ich Ihnen schreibe, fühle ich, dass das Geld auf der Bank eine Verschwendung wäre, wenn ich sterbe, und deshalb bin ich zu dem Schluss gekommen, das Geld an die weniger Privilegierten und auch an die mutterlosen Babys nach Hause zu spenden.
Der Bruder meines Mannes ist ein süchtiger Raucher und Trinker, der sein Geld für teure Getränke und unnötige Dinge ausgibt, und deshalb wünsche ich mir nicht, dass er etwas von dem Geld hat, das mein Mann sein ganzes Leben lang so hart gearbeitet hat. Nachdem ich Ihr Profil über das Internet durchgesehen hatte, entschied ich mich, Sie wegen einer Freundschaft zu kontaktieren und Ihnen bei der Verteilung meines Erbes behilflich zu sein. Bitte, mein lieber Freund, ich bin zu dir gekommen, um mir zu helfen, diesen letzten Wunsch meiner Erde zu erfüllen, weil ich zu schwach bin, um mich fortzubewegen, und auch wegen meines Gesundheitszustands in meinem Haus in Frankreich an einen Rollstuhl gefesselt worden bin und so kann ich nicht den ganzen Weg von hier reisen.
Es ist wahr, dass ich dich nicht kenne, aber ich wurde von Gott angewiesen, dies zu tun. Wenn Sie mir helfen möchten, schreiben Sie mir so bald wie möglich zurück, damit ich Sie anweisen kann, wie Sie die Bank für die Überweisung des Geldes an Sie kontaktieren können, wie auch immer Sie es für diesen Zweck vorschlagen möchten. Bitte senden Sie mir Ihren Namen, Adresse, Beruf, Alter, Geschlecht, Familienstand und Kontakttelefonnummern, damit ich diese zur Freigabe des Fonds an die Bank weiterleiten kann. Ich werde Ihnen die Kontaktinformationen meines Anwalts geben, da ich möglicherweise nicht in der Lage bin, dies auszuführen. Ich bin schwach, weniger privilegiert, zu schreiben oder zu sprechen.
Ich warte auf Ihre dringende Antwort.
Vielen Dank für Ihre Güte und Gott segne Sie,
Dein, Frau. Maryrose
Normalerweise wandert eine solche Nachricht bei mir ungeöffnet in den Papierkorb und wird gelöscht. Dieses Mal habe ich diese (Spam)Mail aus Versehen geöffnet und hab mich trotz der sehr traurigen Geschichte herrlich amüsiert.
Bei 4,5 Millionen bin ich weniger privilegiert als andere. Das stimmt. Aber welches Leid musste Mr. Kingsley ertragen, wurde er doch Anfang 2016 vergiftet und ist erst im letzten Jahr gestorben?! Ganz schlimm finde ich auch, dass ihr Schwager Geld für unnötige Dinge ausgibt! Alles in allem – ganz grosses Kino, liebe Maryrose!
Achtung: Vorsicht vor Phishing-Mails!
Sie haben es auf Computer oder Bankkonti abgesehen. Wir zeigen euch, wie ihr sie erkennt und wo ihr diese Angriffsversuche melden könnt.
Die häufigsten Merkmale, von denen im obigen Beispiel ja auch einige erkannt werden können:
- Kryptische Mail-Adresse: Buchstabensalat oder Domain, die nicht zum angeblichen Absender passt
- Aufforderung, sofort zu handeln
- Wir sind gar nicht Kunde (z. B. von einem Finanzinstitut)
- Link-Text und Link stimmen nicht überein
- Schreibfehler und einfache Sprache *
- Unpersönliche Anrede
- Mysteriöse Anhänge
- Angabe persönlicher Daten
* Übrigens: die vielen Schreibfehler sind pure Absicht, quasi eine ökonomische Massnahme. Denn nachdem der Versand dieser Mails automatisiert abläuft, muss der Angreifer die Antworten selber regeln. Dieser Aufwand wird dank der Schreibfehler minimiert, die Schreibfehler-Massnahme dient als Filter. «Empfänger, die trotzdem auf einen Link klicken oder ein angehängtes Dokument öffnet, sind wohl auch naiv genug, sich später plündern zu lassen», ist die Annahme ...
Was tun mit Phishing-Mails?
Wenn ihr so ein Mail bekommt, dass betrügerisch ist oder wirkt, könnt ihr es an folgende Stellen weiterleiten. Damit könnt ihr mithelfen, dass weniger Phishing-Mails in den Posteingängen landen.
- Provider vom Mail-Konto
- Meldeadresse der Melde- und Analysestelle Informationssicherung (MELANI) des Bundes
Am besten die Original-Mail als Anhang weiterleiten, damit sämtliche Informationen über den Absender erhalten bleiben. Danach die Mail löschen.