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Die Alltagslandschaft der meisten Menschen in Mitteleuropa ist städtisch. Siedlungen und Strassen zerschneiden die Landschaft und reduzieren naturnahe Lebensräume oft auf kleine, isolierte Flächen. Diese Zerstückelung führt dazu, dass die Lebensräume vieler Pflanzen und Tiere nicht mehr gross genug sind und dass den Menschen Erholungsräume verloren gehen.
Wenn Tiere von einem Ort zum anderen wandern wollen, haben sie es zum Teil mit unüberwindbaren Barrieren zu tun. Dazu gehören Gemeindestrassen, Kantonsstrassen, Bahnlinien, verbaute Flussufer und die eingezäunte Autobahn, wobei letztere das grösste Hindernis darstellt.
Weil wilde Tiere den Autolärm und die Menschen allgemein meiden, bleiben sie der Autobahn normalerweise fern. Ein passendes Beispiel ist der Kanton Aargau: Wildtiere, die früher durch den sehr wichtigen Wildtierkorridor Suret zwischen dem Kanton Jura und der Innerschweiz hin- und herwandern konnten, haben es heute zum Teil mit unüberwindbaren Hindernissen zu tun. Zum einen kommt ihnen die nationale Autobahn A1 in die Quere, zum anderen die kantonale Autobahn T5. Auch die streckenweise eingezäunte SBB-Zuglinie Bern-Zürich und die verbauten Flussufer der Aare hindern die Tiere bei ihrer Reise. Man spricht in diesem Fall von einem "blockierten Wildtierkorridor" (Mehr Infos in der Box).
Was sind die Auswirkungen der Barrieren für Mensch und Tier?
Autobahnen sind in der Schweiz alle eingezäunt. Manchmal passiert aber, dass ein Reh über eine Einfahrt auf die Autobahn kommt und dort „gefangen“ ist – und dann meist überfahren wird. Wenn es sich jedoch um eine nicht eingezäunte Strasse handelt, kann es vorkommen, dass sich ein Tier auf die Fahrbahn verirrt. Das kann gefährliche, wenn nicht gar tödliche Konsequenzen für Mensch und Tier haben.
Ausserdem haben solche Barrieren eine Isolation von verschiedenen Tiergemeinschaften (Populationen) zur Folge, wie die WSL anhand einer genetischen Studie an Rehen herausfand. Das heisst, grössere Tierpopulationen werden in immer kleinere Einheiten unterteilt, weil es ihnen durch die Barrieren nicht mehr möglich ist, Kontakt zu haben und sich fortzupflanzen. Um der Isolation von Tiergemeinschaften entgegenzuwirken, errichtet man heute sogenannte Wildpassagen. Zum Beispiel werden Grünbrücken errichtet, die den Tieren das Überqueren von dicht befahrenen Strassen oder der Autobahn ermöglichen.
Und die WSL...?
Die WSL bestimmte in einer Studie an Rehen, was die grössten Hindernisse im Wildtierkorridor im Suretgebiet sind. 176 Rehe aus der Region wurden genetisch untersucht und dann in genetische Gruppen eingeteilt. Die Gruppierung zeigt, dass die künstliche Autobahn die Lebensräume der Rehe viel stärker trennen als die natürliche Aare. Die genannten Barrieren führten dazu, dass sich die Rehpopulationen genetisch unterscheiden.
Umfangreiche Aufwertungsmassnahmen sollen den Wildtierkorridor wieder durchgängiger machen. Die WSL-Studie konnte Problemgebiete aufzeigen und hilft bei der Planung neuer Wildtierpassagen. In ein paar Jahren soll eine weitere Studie zeigen, ob die ergriffenen Massnahmen die erhoffte Wirkung gebracht haben und sich die Rehpopulationen vernetzt haben.