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mit denen
Ch. Diehls »Études sur l'administration byzantine dans l'exarchat de Ravenne«
(Par. 1888) ungefähr gleichzeitig erschienen sind. Reichhaltig, sorgfältig gearbeitet und gut
geschrieben ist A. Dresdners
»Kultur- und Sittengeschichte der italienischen
Geistlichkeit im 10. und 11.
Jahrhundert« (Bresl.
1890). Für die
pyrenäische Halbinsel ist Kulturgeschichtliche Haebler, »Die
wirtschaftliche
Blüte
[* 7]
Spaniens im 16.
Jahrhundert und ihr
Verfall« (Berl. 1888),
sowie M.
Pappenheim, »Die altdänischen Schutzgilden«
(Bresl. 1885). Für Rußland nennen wir zwei
Arbeiten, die das gleiche
Thema behandeln, aber in
Methode und Ergebnissen erheblich
voneinander abweichen: E.
v. d.
Brüggen, »Wie Rußland europäisch wurde« (Leipz.
1885),
und A.
Brückner, »Die Europäisierung Rußlands. Land und
Volk« (Gotha
[* 8] 1888);
von dem letztern Verfasser sind außerdem
»Beiträge zur
Kulturgeschichte Rußlands im 17.
Jahrhundert« (Leipz. 1887) und ein mit dem schon erwähnten größern Werk
über die Europäisierung Rußlands zusammenhängendes
Buch: »Die
Ärzte in Rußland bis zum Jahre 1800«
(Petersb. 1887) erschienen.
Wir erwähnen noch H.
Daltons »Verfassungsgeschichte der evangelisch-lutherischen
Kirche in Rußland«
(Gotha 1887, Bd. 1), die uns schon zu der Litteratur über die
baltischen
Provinzen des Zarenreichs überführen. In derselben überwiegen die hier nicht zu berücksichtigenden
Schriften,
welche auf die gegenwärtigen Verhältnisse der
Ostseeprovinzen und ihrenKampf gegen die Russifizierung
Bezug haben; wir begnügen uns damit, auf
Th. Schiemanns
»HistorischeDarstellungen und archivalische
Studien« (Hamb. 1886) und
die vortrefflichen »Baltischen Kulturstudien aus den vier
Jahrhunderten der Ordenszeit« von F.
Amelung
(Dorp. 1885) hinzuweisen.
Die
Erfahrungen der letzten drei Jahre (1888-90), während welcher die
Kunstausstellungen in
Berlin und
München ungefähr gleichzeitig
stattfanden, haben gelehrt, daß das deutsche Kunstschaffen nicht ausreicht, um zwei große
Ausstellungen jährlich nach der
ideellen und materiellen
Sette gleich lebensfähig zu erhalten. Wenn trotzdem
München das Übergewicht über
Berlin gewonnen
hat, so hat es diesen
Sieg wesentlich der großen Beteiligung des
Auslandes zu verdanken, das auf den
BerlinerAusstellungen,
die einen vorwiegend nationalen, bez. lokalen
Charakter hatten, nur wenig vertreten war.
Auch der Erfolg der
Münchener Jahresausstellung von 1890 wurde zum großen Teil fremdländischen Künstlern und Künstlergruppen
verdankt, wozu noch die günstige
LageMünchens als einer der Zentralpunkte des sommerlichen Reiseverkehrs
und der durch die
OberammergauerPassionsspiele erheblich verstärkte Fremdenzufluß hinzukamen. Wenn auch die Herbeiziehung
fremdländischer Kunstwerke als ein wichtiges und förderndes Bildungsmittel für junge
Künstler anerkannt werden muß, so
bringt anderseits die Zulassung von solchen
Schöpfungen, deren wesentliche Merkmale in Überschreitungen
des guten
Geschmacks, in bizarren
Launen und
Exzentrizitäten jeglicher Art bestehen, eine
Gefahr mit sich, deren
Folge zunächst
eine allgemeine Verwirrung, Ratlosigkeit und Entmutigung, dann aber eine Verlockung zur Übertreibung des Gesehenen ist.
Höher als die Malerei steht die Plastik in Belgien, die neuerdings wieder einen neuen Aufschwung genommen
hat, an dem die Monumentalplastik ganz besonders beteiligt ist. Der heil. Michael als Besieger Luzifers von Vanderstappen
(als Bronzeguß im Ehrenhof des BrüsselerRathauses aufgestellt) und das zur Erinnerung an die Sporenschlacht auf dem großen
Platze zu Brügge errichtete Doppeldenkmal der vlämischen Volkshelden Breidel und de Koninck von Paul Devigne
verbinden einen stolzen, heroischen Schwung mit einem feinen Naturstudium, während die Giebelgruppe des Waisenhauses der
drei Alicen zu Ucclé von JulienDillens (die Vorsteherinnen nehmen die Waisen aus) wenigstens als eigenartiger Versuch, realistische
Figuren in moderner Tracht in den architektonischen Rahmen einzufügen, von Interesse ist. Das höchste Maß
der Vollendung in der Durchbildung des nackten jugendlichen Körpers haben Vanderstappen in einem David und J. ^[JosephMarieThomas, genannt Jeff] Lambeaux in der Bronzegruppe: der Kuß (ein nacktes Liebespaar) erreicht.
Die englische Abteilung war insofern von Wichtigkeit, als sie dazu beigetragen hat, die hohe Wertschätzung,
welche die englische Malerei infolge einiger mit großem Geschick in Szene gesetzter Eliteausstellungen auf dem Kontinent erworben
hat, auf das richtige Maß zurückzuführen. Der Schwerpunkt
[* 21] der englischen Malerei liegt im Bildnis und, im Zusammenhang damit,
in der genrehaften Darstellung von Einzelfiguren oder in der Verbindung mehrerer Figuren zu einer ruhigen
Existenz ohne leidenschaftliche Erregung oder dramatische Handlung.