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Ob und wie die Academy Awards 2021 überhaupt stattfinden, steht noch in den Sternen. Das hält Hollywood-Insider allerdings nicht davon ab, dennoch die sprichwörtlichen Oscar-Glocken läuten zu lassen. Für Sophia Loren.
Die römische Filmdiva spielt in «The Life Ahead» die jüdische Holocaust-Überlebendende Madame Rosa, die sich mit einem afrikanischen Strassenkind anfreundet. Für die Loren ist es die erste Hauptrolle nach einem Jahrzehnt. Eigentlich geniesst die 86-Jährige ihr beschauliches Leben fernab des Rampenlichts am Genfersee: «Ich verbringe die meiste Zeit zu Hause, lese Bücher und gehe mit Freunden im Park spazieren.» Wieso sie den idyllischen (Halb-) Ruhestand gegen die Kamera eingetauscht hat? Dank der Überzeugungskraft des Regisseurs: «Er hat mir das Drehbuch vorgelegt und gesagt, ich sei die perfekte Besetzung.» Sein Name habe mit ihrer Entscheidung nichts zu tun gehabt. Er heisst Ponti, Edoardo Ponti. Ihr jüngerer Sohn aus der Ehe mit Produzentenlegende Carlo Ponti (1912–2007) ist nicht der Erste, der die dramatische Story verfilmt hat. Die Ur-Version von 1977 spielte in Paris. Für Netflix hat Ponti den Schauplatz in die süditalienische Hafenstadt Bari verlegt. Dort kümmert sich Madame Rosa um die Kinder von Prostituierten. Sophia Loren beschreibt Rosa als «zerbrechlich und zugleich hart – eine Frau, die weiss, wie man überlebt». Als Vorbild für diese Rolle diente Lorens Mutter Romilda. Die Oscargewinnerin von 1961 sieht ihre Mama als Inspiration, «weil sie aus demselben Holz geschnitzt war».
Zurück nach Bari: Als Madame Rosa den kleinen Momo (Ibrahima Gueye) beim Diebstahl erwischt, hat sie Mitleid mit dem Zehnjährigen und nimmt den senegalesischen Waisenjungen bei sich auf. Zwischen der alten Dame und dem Jungen entsteht eine ungewöhnliche Beziehung. Dabei könnten sie, was Herkunft, Bildung und Alter betrifft, nicht unterschiedlicher sein. Loren: «Wir sind wie zwei Seiten derselben Medaille.»Sie weiss, wovon sie spricht. Vor Beginn der Dreharbeiten hatte sie Ibrahima Gueye, der Momo spielt, unter ihre Fittiche genommen. «Ich habe ihn mit seinem Vater in unser Haus in Bari eingeladen, und wir haben eine wundervolle Beziehung aufgebaut.» Ibrahima stand zuvor weder vor der Kamera noch hatte er je einen Film im Kino gesehen. Er entpuppte sich dennoch als Naturtalent – «der beste Filmpartner, den ich mir vorstellen kann». Was für ein Lob von einer Frau, die in ihrer Karriere mit Giganten wie Cary Grant, Clark Gable oder Marlon Brando gespielt hat. Mit ihrem Sohn Edoardo hat sie nun zum dritten Mal zusammengearbeitet. Der Stolz ist nicht zu überhören: «Er weiss genau, was er tut!» Eine Diva vom Weltformat einer Loren hätte es vielleicht dem Regisseur schwermachen oder ihn bevormunden können. Nichts dergleichen: Laut Edoardo zeigte Mama am Set keinerlei Starallüren.
Im 70. Jahr als Schauspielerin kam Sophia Loren dank Netflix zu einem echten Debüt: «Noch nie in meinem Leben kam einer meiner Filme überall auf der Welt gleichzeitig heraus. Für diese neue Erfahrung bin ich total dankbar!» ¨
Netflix; Drama
Mit Sophia Loren, Ibrahima Gueye, Abril Zamora, Renato Carpentieri; Regie: Edoardo Ponti
Fulminante Rückkehr der grossen Sophia Loren
2020, ab 13. November