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2001 haben Sie hier in Wimbledon Pete Sampras geschlagen, nun hielten Sie zum achten Mal die Trophäe in die Höhe. Hatten Sie sich dies jemals vorstellen können?
"Nein, ich hätte nie gedacht, dass ich nach dem Sieg gegen Pete einst so erfolgreich sein würde. Ich hatte gehofft, dass ich vielleicht einmal den Final erreichen und damit die Chance haben würde, den Titel zu gewinnen. Acht Titel kann man sich gar nicht zum Ziel setzen. Und wenn, dann brauchst du soviel Talent sowie Eltern und Trainer, welche dich ab drei Jahren beginnen zu pushen und dich als Projekt sehen. Ich war kein solches Kind. Ich war ein normaler Junge, der in Basel aufgewachsen ist und der hoffte, einst eine Karriere auf der Tennis-Tour zu machen. Ich träumte und glaubte daran, dass ich es schaffen kann. Ich habe viel Arbeit investiert, die sich ausbezahlt hat."
Während der Siegerehrung haben Sie gesagt, dass Sie hoffen würden, in einem Jahr zurückzukehren. Entscheiden Sie das Ende Jahr oder wie planen Sie?
"Ich würde gerne wieder antreten. Aber da dies noch weit weg ist und nach all dem, was im letzten Jahr passiert ist, versuche ich jeweils die Gelegenheit wahrzunehmen, den Leuten zu danken und ihnen zu verstehen geben, dass ich hoffe, dass ich zurückkommen werde. Aber es gibt keine Garantie, vor allem mit 35, 36 nicht. Aber das Ziel ist definitiv, in einem Jahr zurückzukommen und den Titel zu verteidigen."
Sie haben oft gesagt, dass die Rekorde nicht ihre Motivation seien. Was bedeutet Ihnen dieser achte Wimbledon-Sieg?
"Er ist sehr speziell. Wimbledon war und wird immer mein Lieblingsturnier sein. Meine Vorbilder haben sich auf dieser Anlage bewegt und auf diesen Plätzen gespielt. Aufgrund dieser Spieler bin ich auch zu einem besseren Spieler geworden. Während des Tages und auch während der Siegerehrung habe ich aber nicht viel daran gedacht, dass es der achte Titel ist. Ich war einfach nur glücklich, dass ich den Wimbledon-Titel gewinnen konnte, weil es ein langer und aufregender Weg gewesen ist, mit zwischenzeitlich auch schwierigen Momenten."
Ihr früherer Coach Stefan Edberg hat immer geglaubt, dass Sie noch einmal einen Grand-Slam-Titel gewinnen können. Haben Sie selbst auch nie den Glauben daran verloren?
"Ich habe fest daran geglaubt. Aber es war auch wichtig, dass mein Team und mein Umfeld immer daran geglaubt haben. Wenn du zweifelst, beruhigen diese Leute dich, wenn du dich zu gut fühlst, holen sie dich wieder auf den Boden zurück. Ich habe meine Teammitglieder ehrlich gefragt, ob sie glauben, dass ich wieder grosse Turniere gewinnen und die besten Spieler regelmässig schlagen kann. Die Antwort war von allen dieselbe: Wenn du 100 Prozent fit, gut vorbereitet und motiviert zum Spielen bist, dann ist alles möglich."
Sie haben Wimbledon erstmals ohne Satzverlust gewonnen. Man sprach immer davon, dass Sie 2005 ihr Topniveau erreichten. Wie würde das Resultat Federer 2005 gegen Federer 2017 aussehen?
"Das ist sehr schwer zu sagen. Das waren natürlich Zeiten, in denen ich kaum Matches verloren habe. Ich denke, dass ich da mein bestes Tennis gespielt habe. Ich spielte pro Saison fast 100 Matches und gewann fast 90 davon. Da hatte ich ein wahnsinnig grosses Selbstvertrauen. Ich würde schon sagen, dass ich heute eventuell der bessere Spieler wäre, einfach, weil ich mich weiterentwickeln konnte. Vielleicht serviere ich noch ein Stück besser, einfacher, mit mehr Power, auch beim zweiten Aufschlag. Ich denke, es würde sehr eng. Aber ob ich besser oder schlechter war, ist schwer zu beantworten. Es waren einfach andere Zeiten."
Welche besondere Fähigkeit zeichnet Sie aus. Sind es die technischen oder mentalen Fähigkeiten?
"In dieser Phase der Karriere ist es sicherlich die Konstanz. Ich war zudem immer ein 'Big-Stage-Player', auf den grossen Bühnen fühle ich mich wohl. Mein bestes Tennis habe ich immer auf den grossen Plätzen gespielt. Als Kind hatte ich grosse Träume, ich glaubte, dass Dinge möglich sind, an die andere vielleicht nicht glaubten. Dann habe ich über die Jahre hart, sehr gut und clever trainiert, und ich hatte immer die richtigen Leute um mich herum: meine Frau und meine Eltern, die mich immer auf dem Boden gehalten haben. Ich war sicherlich mit viel Talent gesegnet, aber ich habe auch hart gearbeitet. Nur Talent allein reicht nicht, um dies alles zu erreichen."