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Der Bau der Kirche Herz Jesu Oerlikon wurde fast zeitgleich mit demjenigen der Liebfrauenkirche begonnen, konnte aber ein Jahr früher abgeschlossen werden. Deshalb ist sie nach St. Peter und Paul Aussersihl die zweite katholische Kirche, die auf dem Gebiet der heutigen Stadt eingesegnet wurde. Dass es in Zürich gleich zwei Kirchen mit dem Titularfest Herz Jesu gibt, ist eine Besonderheit, die bei der Weihe neuer Kirchen in der Regel vermieden wird. Sie rührt daher, dass Wiedikon bereits 1893 eingemeindet wurde, während Oerlikon bis zur 2. Eingemeindung 1934 ein selbständiges Dorf blieb.
|Titularfest||Herz Jesu|
|Baujahr||1893|
|Architekt||August Hardegger|
|Pfarreigrösse||6'300|
|Quartier
||Zürich-Oerlikon|
Geschichte
Aufgrund der Eisenbahnanbindung ab 1855 entstanden in Oerlikon mehrere Fabriken mit tausenden von Arbeitsplätzen. Für die katholischen Arbeiterfamilien war der Weg zu St. Peter und Paul Aussersihl weit, weshalb schon früh Bestrebungen für den Aufbau einer eigenen Pfarrei entstanden.
1891 konnte das Land für die heutige Kirche gekauft werden. Die neue Kirche wurde in gut einjähriger Bauzeit durch August Hardegger errichtet und am 11. Juni 1893 eingesegnet. 1894 wurde Herz Jesu Oerlikon von der Pfarrei Liebfrauen abgetrennt und zur Pfarrei erhoben. In der Anfangszeit gehörten dazu insgesamt 28 Gemeinden und Weiler, von Buchs im Furttal bis Schwerzenbach und von Effretikon bis zum Strickhof.1894/1895 wurde nach Plänen der Architekten Chiodera und Tschudy ein Pfarrhaus errichtet. Der Turm, entworfen von Anton Fritz Scotoni-Eichmüller, kam erst 1907 hinzu. Ebenfalls 1907 erhielt die Kirche ihren Hochaltar und eine erste Orgel. Geweiht wurde das Gotteshaus erst 1909, ein Zeichen dafür, wie lange man an den Hypothekarschulden zu tragen hatte.
1937 entschieden die Oerliker, ihre Kirche zu vergrössern. Wegen des 2. Weltkriegs konnten die Sanierungsmassnahmen jedoch erst 1944–1947 durchgeführt werden. Um genug Raum für die Gottesdienstbesucher zu schaffen, wurde die Kirche zudem um vierzehn Meter verlängert – bereits Hardegger hatte diese Möglichkeit der Erweiterung in seinen Plänen skizziert – sowie am westlichen Ende eine Taufkapelle angebaut.
1954–1957 ersetzte Fritz Metzger das alte Pfarrhaus von 1895 durch ein grösseres, dreigeschossiges und ergänzte die kirchliche Anlage durch einen Pfarreisaal, Vereinslokale und einen Kindergarten. 1984 sanierten Hans und Hanspeter Steiner das Gotteshaus umfassend. Insbesondere brachte man die heutige Holzdecke an, veränderte den Altarraum und erneuerte die Sitzbänke. Wandgemälde im Chor und an den Seitenwänden ein Kreuzweg von Willy Helbling ergänzten die Ausstattung. 2003 erfolgte die bislang jüngste Innenrenovation, bei der der Chor erweitert und der Altarraum durch Josef Caminada nochmals neugestaltet wurde. Hierbei übermalte man die Wandgemälde im Chor, der Kreuzweg dagegen blieb erhalten. Gleichzeitig wurde die bisherige Taufkapelle unter der Orgelempore in eine Marienkapelle umgewandelt.
Architektur & Kunst
Herz Jesu wurde als neogotischer Bau mit Anlehnung an den Heimatstil konzipiert. Die gesamte Fassade bestand ursprünglich aus wuchtigem Sichtsteinmauerwerk wie heute noch der Turm. Erst im Zug der baulichen Erneuerung durch Josef Steiner wurde das Kirchenschiff weiss verputzt. Im Innern nimmt die Decke die neogotische Formensprache auf, doch wurde dafür als Material ursprünglich Gips verwendet.
Der älteste Teil der aktuellen Kirchenausstattung sind die 1946 eingebauten Bleiglasfenster von August Wanner. Die Fenster im Chor zeigen Szenen aus dem Alten und Neuen Testament, diejenigen im Längsschiff Darstellungen von Heiligen. Wesentlich zur heutigen Ausstrahlung der Kirche trägt die Neugestaltung des Chorraums durch Josef Caminada im Jahr 2003 bei. Die heutige Orgel ist ein Instrument aus der oberösterreichischen Orgelbauanstalt St. Florian bei Linz und verfügt über 39 Register.