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Andrónico Luksic, dem reichsten Unternehmer Chiles, ist das Andenland zu klein geworden
ALEXANDER BUSCH
Sieben Brieföffner liegen penibel auf dem Schreibtisch aufgereiht - vor einer Napoleon-Büste mit marmornem Sockel. Ein Strauss Rosen schmückt den Beistelltisch mit den gerahmten Familienfotos. Zwei Sekretärinnen sitzen im Vorzimmer. Andrónico Luksics Büro sieht so aus, wie man es vom führenden Vertreter der konservativen Unternehmerschaft Chiles erwartet.
Doch dazu passen nicht die vier Flachbildschirme mit den Börsenkursen und Rohstoffnotierungen. Oder die Landkarte von China mit Dutzenden von eingesteckten Nadeln neben der Foto von Luksic beim Händedruck mit Chinas Präsident Xi Jinping. Der Eindruck ist: Hier arbeitet ein global denkender, vernetzter Unternehmer, der mit den Mächtigen der Welt verkehrt.
Der kräftige Mann mit dem akkurat gestutzten Vollbart und dem dichten grau-schwarzen Haar kommt locker daher. Er spricht seinen Gesprächspartner mit dem Vornamen an, den er auch nach einem zufälligen Treffen ein paar Tage zuvor nicht vergessen hat. Che Guevara sei sein Vorbild, sagt er, weil der seine Ziele konsequent verfolgt habe. Dazu passt, dass Luksic als Fünfzigjähriger mit dem Bergsteigen begann und danach in fünf Jahren die sieben höchsten Gipfel jedes Kontinents erklommen hat. Jetzt interessiert ihn Bergsteigen nicht mehr. Das Kapitel sei abgeschlossen, erklärt er.
Globale Ambitionen
Dem 62-jährigen Luksic traut man in Chile alles Mögliche zu - im Guten wie im Schlechten. Er ist einerseits der verschwiegene Familienunternehmer der zweiten Generation, der fast nie Interviews gibt. Sein Vater, Sohn kroatischer Einwanderer, hat in den fünfziger Jahren im Norden Chiles ein Bergbau- und ein Eisenbahnunternehmen gegründet; die zwei Betriebe sind heute in Antofagasta vereint, in einem der grössten börsennotierten Kupferkonzerne der Welt. Daneben ist die Luksic-Gruppe aber auch im Filz zwischen Staat und Wirtschaft erfolgreich gewachsen. In Luksics Holding Quiñenco sind in Chile die zweitgrösste Bank, der führende Bierkonzern, ein Tankstellennetz sowie der wichtigste Hafenbetreiber Südamerikas versammelt. «Wir sind immer für die Regierung», habe sein Vater ihm als Knaben einmal gesagt. In Luksics Verwaltungsräten sitzen mächtige Ex-Minister aus dem Kabinett des Militärdiktators Pinochet, aber auch linker Regierungen.
Doch inzwischen ist Chile für Luksic zu klein geworden. In den meisten Branchen habe man eine ausreichende Grösse, meint er. Doch für einen global eher unbekannten Familienkonzern aus Südamerika ist es nicht leicht, bei neuen Partnern ins Boot zu kommen. Gelungen ist der Einstieg bisher beim deutschen Reeder Hapag-Lloyd, wo Luksic grösster Einzelaktionär ist. Eine schwierige Branche sei das Reedereigeschäft, sagte Luksic bei einem Treffen im Dezember. Aber man sei auf dem richtigen Weg. Dass die Hapag-Lloyd-Aktie seitdem um 50% zugelegt hat, bestätigt ihn. Auch beim französischen Kabelhersteller Nexans, einem Weltmarktführer, ist die Luksic-Gruppe mit knapp einem Drittel beteiligt. Mehr als die Hälfte des Umsatzes von 24,4 Mrd. $ im Jahr 2015 machte Quiñenco ausserhalb Chiles. Wo er künftig investieren wird, lässt der Unternehmer offen. Doch die Nadeln auf der Weltkarte und das Bild mit Xi Jinping geben Hinweise darauf, wohin die Reise gehen könnte.
Die globale Expansion liegt vermutlich auch am «zunehmend unternehmerfeindlichen Klima» in seinem Heimatland, das er registriert. Unternehmer stünden heute am Pranger. In der zunehmend polarisierten Gesellschaft werde Unternehmern generell Vetternwirtschaft unterstellt. In einen entsprechenden Skandal war auch Luksic verwickelt. Sein Banco de Chile gab der Schwiegertochter der Präsidentin Michelle Bachelet einen Millionenkredit, der für fragwürdige Immobilienspekulationen genutzt wurde. Er habe die Schwiegertochter und den Sohn Bachelets getroffen, aber nicht den Kredit genehmigt, verteidigt sich Luksic. Umsonst. Der Skandal schlug hohe Wellen, ein Senator beschimpfte ihn wüst. Vor kurzem bewarfen ihn Demonstranten vor seinem Haus mit Steinen.
Ein Chef mit Erklärungsbedarf
Luksic reagierte mit einem Video auf die Beschimpfungen. Das wurde auf Youtube so oft geklickt wie sonst nur die Auftritte von Star-Bloggerinnen. Er habe gar nicht gewusst, dass er eine öffentliche Person sei, sagt er. Inzwischen kommuniziert Luksic intensiv mit der Aussenwelt, seit Januar sogar per Twitter. 80 000 Menschen folgen ihm bereits. Er äussert seine Meinung dort erfrischend offen. Und er bekomme sofort Feedback, meint er erfreut. Den Schritt in die Öffentlichkeit habe er gemacht, weil Unternehmer Positionen beziehen müssten. Es sei falsch, zu schweigen. Gerade musste er sich wieder via Twitter erklären: Das «Wall Street Journal» schrieb, dass er der Vermieter von Ivanka Trumps Villa in Washington sei, aber gleichzeitig die US-Regierung verklage wegen einer fehlenden Lizenz für eine Kupfermine. Das eine habe doch mit dem anderen nichts zu tun, beschwert sich Luksic.