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| Tertullian († um 220) - Über die Taufe (De baptismo)

13. Kap. Im Alten Bunde und vor der Auferstehung Christi war die Taufe zum Seelenheil nicht erforderlich.
Hier werfen nun ruchlose Menschen Fragen auf. Mithin, sagen sie, ist die Taufe für die nicht notwendig, denen der Glaube genug ist? Denn auch Abraham war Gott wohlgefällig nicht durch irgend ein Sakrament des Wassers, sondern des Glaubens. - Ich antworte, in allen Dingen ist das Spätere das Abschließende und das Nachfolgende überwiegt das Frühere an Wirksamkeit. Abraham mag früherhin, vor dem Leiden und der Auferstehung des Herrn, sein Heil gefunden haben durch den nackten Glauben. Dagegen, sobald der Glaube an Umfang gewonnen hatte durch den Glauben an Christi Geburt, sein Leiden und seine Auferstehung, kam auch eine Erweiterung durch das Sakrament hinzu, die Besiegelung durch die Taufe, als äußere Hülle für den Glauben, der vorher gleichsam nackt war, und jetzt kann er nicht bestehen ohne das dazu gehörige Gebot. Das Gebot zu taufen wurde nämlich hinzugefügt und die Form vorgeschrieben. "Gehet hin", sprach er, "lehret die Heiden und taufet sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Hl. Geistes"1. Diesem Gebot wurde folgende Enderklärung hinzugefügt: "Wenn jemand nicht wiedergeboren ist aus dem Wasser und dem Geiste, so wird er nicht eingehen in das Himmelreich"2. Sie hat den Taufzwang an den Glauben geknüpft. Also wurden von da an alle Gläubigen getauft. Da wurde nun auch Paulus, so bald er glaubte, getauft. Und das ist es, was ihm der Herr bei der Plage der Beraubung des Augenlichtes befahl: "Stehe auf und gehe nach Damaskus hinein; dort wird dir gezeigt werden, was du tun sollst"3, nämlich sich taufen lassen, was ihm einzig noch fehlte. In Bezug auf das Übrige hatte er ja hinreichend [S. 292] eingesehen, daß der Nazarener der Sohn Gottes sei.
1: Matth. 28,19.
2: Joh. 3,5.
3: Apg. 9,6.