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Das kleine Königreich Mustang liegt grösstenteils zwischen 3'000 und 4'000 m ü. M nördlich der Himalayakette auf dem sogenannten «Dach der Welt». Das Gebiet ist 2'500 km2 gross und grenzt im Norden an Tibet. Aufgrund der Lage im Regenschatten der umgebenden Berge ist Mustang klimatisch sehr trocken.
Das Land ist geprägt durch den Fluss Kali Gandaki, dessen Tal und seine Nebenflüsse. Er entspringt im Norden von Mustang nahe der Grenze zu Tibet und fliesst quer durch das Land Richtung Indien nach Südwesten. Dem Fluss entlang verlief einst die Haupthandelsroute zwischen Tibet und Indien, insbesondere für Salz und er strömt durch die tiefste Schlucht der Welt.
(c) Manuel Bauer
Der traditionelle Hauptort des Königreiches ist Lo-Manthang, was übersetzt «Ebene der Sehnsucht» heisst. Der Verwaltungssitz des gesamten Distrikts ist Jomsom, das seit 1962 einen Flugplatz besitzt. Das gesamte Gebiet Mustangs steht unter besonderem staatlichem Schutz.
Bis 1974 hielten sich tibetische Widerstandskämpfer im Mustang auf. Das Gebiet war daher für Reisende gesperrt. Der südliche Teil des Distrikts durfte bis in die 1970er Jahre, das Königreich von Lo bis 1992 nicht betreten werden, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Für den Besuch des ehemaligen Königreiches ist auch heute noch eine Genehmigung notwendig.
Seit 2009 existiert eine Strasse zwischen Lo-Manthang und Jomsom, die von Jeeps und anderen geländegängigen Fahrzeugen genutzt werden kann. Die Strasse verändert signifikant die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die Lebensbedingungen der Menschen. Die Preise für importierte Waren wie Brennstoff und Reis sind stark gesunken, wohingegen sich die Abhängigkeit von Lebensmittelimporten verstärkt.
Lo und das benachbarte Dolpo wurden im Zuge der Eroberungen der zentral-tibetischen Yarlung Dynastie anfangs des 8. Jahrhunderts des daraus entstehenden Tibetischen Reiches. Später, ca. ab dem 10. Jahrhundert wurden beide Gebiete ein Teil des Königreiches Purang in Westtibet. Um Mitte des 10. Jahrhunderts geriet Lo unter die Kontrolle des damals im Norden neu gegründeten Königreiches Gungthang. Das im Westen neu entstandene Königreich Jumla kämpfte im 14. Jahrhundert gegen Gungthang und übernahm phasenweise die Herrschaft über Lo.
Gegen 1400 kam Ame Pal, der Gründer und erste König des Lo-Reiches an die Macht. Er soll ein Nachkomme des ehemaligen Gungthan-Reiches sein, dessen Abstammung bis in die Yarlung-Dynastie, dem Beginn des Tibetischen Reiches zurückgehen soll. Es folgte ein religiöser Aufschwung und rege Handelstätigkeiten auf der Nord-Süd Achse. Obschon in der Folge noch weitere Konflikte mit Ladakh und Jumla, sowie weiteren Fehden statt fanden, konnte sich Lo zu einem mehr oder weniger stabilen Königreich entwickeln, das jedoch den jeweiligen Machthabern Tribut zahlen musste. Im 18. Jahrhundert, nachdem die Gorkha-Könige das Kathmandutal erobert hatten, fiel auch Mustang an die Gorkhas und wurde in der Folge ein Teil Nepals.
Die Besetzung von Tibet durch die Volksrepublik China im Jahre 1950 blieb nicht ohne Folgen für das Königreich. Die Aktivitäten der von Mustang aus operierenden tibetischen Freiheitskämpfern führten im Grenzgebiet zu Mustang zu einer instabilen politischen Lage. Diese gipfelte in der Schliessung der Grenzen, was den Zusammenbruch der Handelsroute von Tibet, durch das Königreich, nach Indien zur Folge hatte. Das Königreich Mustang geriet zusehends in die Isolation.
Heute ist Mustang als nördlicher Teil des Distrikts Dhaulagiri in die politische Landkarte Nepals integriert. Die Monarchie lebte de facto noch bis im Sommer 2008 als Königreich von Lo fort. Die damalige nepalesische Regierung hat die Tradition der Rajas (Könige) in Nepal und somit auch im Königreich Mustang beendet.
(c) Manuel Bauer
Der ehemalige König Jigme Palbar Bista (geboren um 1930 in Lo-Manthang; gestorben am 16. Dezember 2016 in Kathmandu) war der 25. Herrscher in direkter Nachfolge des legendären Kriegers Ame Pal und genoss bis zu seinem Tod hohes Ansehen in der Bevölkerung, trotz der Aberkennung seines Raja-Titels.
Da er keine direkten Nachkommen hatte, adoptierte Jigme Palbar Bista seinen Neffen Jigme Singhe Palbar Bista und bestimmte ihn zum Nachfolger. Jigme Singhe trägt keine offiziellen Titel, wird aber als «Prinz Jigme» von der Bevölkerung respektiert.