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Erst politisch unbedarft, dann aktuellpolitisch-patriotisch: Die Ringier-Zeitschriften haben sich Ende der Dreissiger Jahre grundlegend gewandelt.
Lebenshilfe und Unterhaltung lautete bis in die Dreissiger Jahre das Credo der Ringier-Blätter "Schweizer Illustrierte Zeitung", "Sie und Er" sowie "Ringiers Unterhaltungs-Blätter". Dies kommt aus der Studie "Vom heimischen Herd an die patriotischen Front" der Universität Bern hervor.
Politisch unbedarft
Politisch waren die drei sehr verbreiteten Bilder-Blätter unbedarft. So wurde der aufkommende Nationalsozialismus in Deutschland nur am Rande registriert.
Nicht selten sassen die Redaktionen der Nazi-Propaganda auf: etwa in der Darstellung Hitlers als Tierfreund, oder idyllischen Bildern von Konzentrationslagern, wo angeblich den Insassen Arbeit und Sport als Zerstreuung angeboten wurde.
Diese politische Naivität wurde aber mit der Verschärfung der weltpolitischen Lage Ende der Dreissiger Jahre von der Leserschaft immer weniger goutiert. Verkäufe und Inserate gingen zurück, und die Redaktionen erhielten böse Briefe.
Die Wende zum politisch-patriotischen
In dieser Situation vollzog der Verleger Paul Ringier eine Kehrtwende und stellte nunmehr die aktuelle politische Berichterstattung in den Vordergrund. Zwei Politjournalisten wurden an die Spitze der "Schweizer Illustrierten" und von "Sie und Er" gestellt und Persönlichkeiten wie Jean Rodolphe von Salis als Kommentatoren gewonnen.
Die Ringier-Presse stellte sich nun in den Dienst der geistigen Landesverteidigung. Loyalität zu Armee und Bundesrat waren höchstes Gebot; man sah sich als Vermittlerin zwischen militärischer und ziviler Schweiz. General Guisan wurde zur Ikone des Widerstandswillens stilisiert.
Die Zensur-Schere in den Köpfen der Ringier-Redaktoren funktionierte in der Regel gut. Bei der Berichterstattung über die Flüchtlingspolitik der Schweiz beispielsweise bekannte sich die "Schweizer Illustrierte" zwar zur humanitären Tradition der Schweiz. Kritik an der harten Haltung des Bundesrates mochte sie gleichwohl nicht üben.
Gewandeltes Frauenbild
Ein Wandel vollzog sich auch im Frauenbild der Zeitschriften: Bis in die Dreissiger Jahre dominierten Alltagsthemen und Konsumentinnen-Fragen. Während des Krieges wurde die Mobilisation der Frauen (in Familie, Beruf, im Frauenhilfsdienst) ins Zentrum gestellt.
Bei Kriegsende kehrte man wieder zu den alten Geschlechterrollen zurück. Allgemein vertrat die "Sie und Er" von den Ringier-Blättern hinsichtlich der Rolle der Frau die "emanzipations-freundlichste" Haltung.
Die Studie über die Rolle der Ringier-Zeitschriften wurde im Auftrag des Ringier-Konzerns am Institut für Medienwissenschaft der Universität Bern ausgearbeitet.
swissinfo und Agenturen