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Wittlich wächst als Kind eines Knopfmachers in ärmlichen Verhältnissen auf. Schon als Kind zeichnet und malt er. 1920 geht er angeblich zur Fremdenlegion und arbeitet anschließend einige Jahre als Offiziersbursche in Paris. Zur Zeit der großen Arbeitslosigkeit Ende der 20er Jahre wandert er durch Osteuropa und tippelt durch Bulgarien und Jugoslawien. 1934 kommt er nach Nauort und findet Arbeit als Knecht in der Landwirtschaft und Bimsabbau. In seiner Freizeit malt Josef Wittlich emsig auf Papierbögen. Im Zweiten Weltkrieg wird er einberufen und gerät in sowjetische Gefangenschaft. Nach der Flucht aus der Kriegsgefangenschaft findet er Arbeit in Kassel, doch zieht es ihn nach dem Ende des Krieges wieder nach Nauort. Von 1948 bis zu seinem Tod arbeitete und lebte er auf dem Werksgelände der Steuler-Werke in Höhr-Grenzhausen, wo er bis zu seinem Tod arbeitete und malte. Entdeckt wurden seine Werke während eines Werksbesuchs. Ein Künstler recherchierte für eigene Motive und entdeckte die bunten Bilder Wittlichs. „Die Kunst war bei Steuler überall in der Fabrik präsent. Viele Bilder hat er einfach verschenkt. Denn er malte nicht zum Broterwerb, sondern er tat es gern“.
Josef Wittlich lässt sich von akademischen Gemälden sowie Kriegsbüchern, Fotos aus Versandhauskatalogen und Illustrierten anregen. Die Bilder des Papstes, von Prinzenpaaren und bekannten Persönlichkeiten seiner Zeit sind jedoch nur Vorlage für seine akzentuierten und abstrahierten Abbilder. Die fertigen Werke heftet er mit Reißzwecken an die Wände seines Arbeitsplatzes. Dort fallen sie 1967 dem Künstler Fred Stelzig bei einem Besuch der Fabrik auf. Er ist von der markanten Handschrift Wittlichs und den schillernden, gleichmäßig aufgetragenen Farben fasziniert. Stelzig ist es zu verdanken, dass Wittlichs reiches Werk das erste Mal 1967 im Württembergischen Kunstverein Stuttgart ausgestellt wird. Es folgen noch zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland. Seit 1968 war Wittlich Rentner. Er stirbt unverheiratet und kinderlos 1982 an einem Herzinfarkt.
Wittlichs Bildwelt umfasst im Wesentlichen drei Motivfelder: Schlachtenbilder und Soldaten, Porträts von Königinnen und Potentaten sowie Bilder von Frauen insbesondere Mannequins. Wittlichs Malereien wurden bislang vor allem als Outsider-Art rezipiert und seit Ende der 1960er Jahre auch vielfach in Ausstellungen im In- uns Ausland gewürdigt. Seine künstlerische Handschrift steht der Pop-Art von Andy Warhol und Roy Lichtenstein aber auch dem Comic nahe.