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| Augustinus (354-430) - Fünfzehn Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

SECHSTES BUCH. In welchem Sinne nennt Paulus Christus die Weisheit und Kraft Gottes? Ist etwa der Vater nur weise und stark durch die gezeugte Weisheit und Kraft? Ohne die Frage zu lösen, zeigt Augustinus die Einheit und Dreiheit der Personen. Zuletzt behandelt er die Appropriation des heiligen Hilarius, nach welcher die Ewigkeit im Vater, die Schönheit im Bilde, der Gebrauch im Geschenke ist.
8. Kapitel. Gottes Wesen erfährt keinen Zuwachs.
Da also der Vater allein oder der Sohn allein oder der Heilige Geist allein so groß ist wie der Vater, Sohn und Heilige Geist zusammen, so kann man Gott nicht dreiteilig nennen. Die Körper wachsen ja durch Aufnahme neuer Stoff teile. Wenn etwa jemand seiner Gattin anhängt, so werden sie ein Leib; doch ist dieser Leib größer als der des Mannes oder der Frau allein. Wenn aber bei geistigen Dingen das geringere dem größeren anhängt, wie das Geschöpf dem Schöpfer, dann wächst das geringere, nicht das größere. Bei den Dingen nämlich, die nicht durch stoffliche Masse groß sind, heißt größer sein soviel wie besser sein. Besser aber wird der Geist eines Geschöpfes, der Gott anhängt, als jener, der ihm nicht anhängt; und weil er besser wird, wird er auch [S. 226] größer. "Wer also dem Herrn anhängt, wird ein Geist mit ihm."1 Doch wird deshalb der Herr nicht größer, wenn auch jener, der ihm anhängt, größer wird. Bei Gott jedoch wird, wenn der gleiche Sohn dem gleichen Vater anhängt oder der gleiche Heilige Geist dem Vater und Sohn, dadurch Gott nicht größer, als jede einzelne Person ist. Es gibt ja kein Sein, welches für seine Vollkommenheit einen Zuwachs bedeuten könnte. Vollkommen aber ist der Vater und der Sohn und der Heilige Geist je für sich, und vollkommen ist Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. Deshalb ist es richtiger, Gott Dreieinigkeit als dreiteilig zu nennen.
1: 1 Kor. 6, 17.