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Sportgeschichte
„Combat-Schiessen“ – „Action-Shooting“ – „Practical-Shooting“ – „IPSC-Schiessen“. All diese Ausdrücke haben eines gemeinsam: Ihr Ursprung geht zurück auf das „Praktische Verteidigungsschiessen“ und die Organisation, welche daraus den faszinierenden IPSC-Schiesssport entwickelt hat: die International Practical Shooting Confederation (IPSC).
Wie viele andere Sachen auch, wurde das „Praktische Schiessen“ nicht an einem Tag an einem Ort auf der Welt „erfunden“. Die Wurzeln reichen bis ins vorletzte Jahrhundert zurück, als viele Personen unabhängig voneinander verstreut über den Erdball versuchten, die damals neu entwickelten Faustfeuerwaffen zuverlässiger zu machen und effizienter zu nutzen.
Vollends ins Rollen kam der Stein aber in den späten 1950er Jahren, als in Südkalifornien Oberstleutnant Jeff Cooper und einige Sheriffs, Kunstschützen und zivile Waffenträger den Verein South West Combat Pistol League (SWCPL) gründeten. Ihr Ziel war es, an Wettkämpfen herauszufinden, wie man mit den damaligen Selbstverteidigungswaffen besser umgehen konnte und sich in einem Feuergefecht durch geübte Taktik und Waffenbeherrschung behaupten konnte. Deshalb die Betonung auf „praxisbezogen“ (practical).
In den USA (und auch in vielen anderen Ländern) wo damals das Waffentragen zum Selbstschutz noch etwas völlig Normales war, wurden schnell viele Waffenträger auf die Gruppe von Pionieren aufmerksam und schon bald wurde die „neue“ Schiessart in vielen Teilen der Welt nach dem Vorbild der SWCPL nachgeahmt.
Viele Vereine wurden gegründet und begannen Wettkämpfe zu organisieren, allerdings jeder nach eigenen Regeln. So wurde es für die Teilnehmer immer schwieriger, sich optimal auf die Veranstaltungen vorzubereiten und ihre Leistungen untereinander zu vergleichen.
Das Unbehagen über diese Situation nahm zu und so wurde im Mai 1976 in Columbia im US-Bundesstaat Missouri eine Konferenz einberufen, an welcher Vertreter aus neun Nationen (darunter auch die Schweiz) teilnahmen. Dieses Treffen mit dem Namen „Columbia Conference“ war die Geburtsstunde des internationalen Dachverbandes „International Practical Shooting Confederation“ (IPSC). Ziel der Columbia Conference war es, eine Administration zu schaffen, welche weltweit gültige Grundlagen und Regeln für den Sport entwickeln und internationale Wettkämpfe sanktionieren könnte. Als Motto für den neuen Verband wurden die lateinischen Ausdrücke „Diligentia, Vis, Celeritas“ (DVC) gewählt, was sinngemäss Treffsicherheit, Wirkung und Schnelligkeit bedeutet.
Jeff Cooper, dessen Publikationen und seine Philosophie zum Thema „Praktisches Schiessen“ weite Beachtung fanden und ihm den Titel „Vater des IPSC-Sportes“ einbrachen, wurde zum ersten IPSC-Präsident gewählt.
Obwohl Cooper das Wettkampf-Combatschiessen als Training für den Ernstfall und Testfeld für Materialverbesserung sah, bedeutete die Gründung der IPSC bereits den ersten Schritt zur Aufspaltung in praxisorientierte und sportorientierte Schützengruppen.
Während das realitätsnahe Combatschiessen als Training für den Ernstfall weitgehend Sicherheitskräften etc. vorbehalten blieb und von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurde, entwickelte sich das IPSC-Schiessen unter zunehmender Popularität schnell in die sportliche Richtung – genauso wie dies in vielen anderen Sportarten wie z.B. Judo, Karate, Fechten, Boxen, etc. auch geschehen ist.
IPSC-Schiessen ist heute eine attraktive Sportart, die weltweit in über 80 Regionen von tausenden gesetzestreuen Bürgern ausgeübt wird. Und so haben die theoretisch „praxisbezogenen“ Parcours mit ihrem Ursprung heute etwa noch soviel zu tun, wie das Fechten mit den ursprünglichen Duellen. Nur liegt bei anderen Sportarten eben eine wesentlich längere Zeitspanne zwischen ihren Ursprüngen und den heutigen Formen, was die Polemik gegen Schiess-Sportarten einigermassen erklären dürfte.