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„…and they lived happily ever after“ – so enden die Märchen im englischen Sprachraum. Etwas unromantischer heisst es auf Deutsch: „…und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute“. Eigentlich ist der deutsche Schlusssatz völlig überflüssig. Sowohl Hänsel als auch Gretel dürften in der Zwischenzeit gestorben sein, selbst wenn sie zu den jüngeren Märchenfiguren der Brüder Grimm gehören. „Happily ever after“ dagegen klingt vielversprechend. Aber ist das nicht eine totale Irreführung unserer Kinder und weckt falsche Erwartungen? Studieren wir doch mal die Partnerbeziehungen einiger repräsentativer Märchen im Detail:
Wie nahe an der Realität sind märchenhafte Partnerbeziehungen und ist ein „Happily Ever After“ überhaupt möglich?
- Dornröschen: Rein sexuelle Beziehung. Prinz findet schlafende Prinzessin, küsst sie, sie wacht auf und ruckzuck: Heirat.
- Schneewittchen: Oberflächliche Beziehung. Fast wie bei Dornröschen, aber ohne den Sex. Er verliebt sich ausschliesslich in ihre Schönheit. Dass die Doofnuss sich dreimal von der eigenen Stiefmutter täuschen und fast umbringen lässt, weiss er zu dem Zeitpunkt nicht.
- Rapunzel: Gewachsene Beziehung. Sie sehen sich einige Male – bevor er erblindet – und können so ihre Beziehung aufbauen. Sie durchleben vereint und auch getrennt harte Zeiten. Der Prinz liebt sie auch noch, nachdem sie sich stark verändert und ihr wohl wichtigstes Gut, ihre Haare, abschneidet.
- Rumpelstilzchen: Missbrauchsbeziehung. König droht der Müllerstochter mit dem Tod, heiratet sie dann aber, nachdem sie ihn reich gemacht hat.
- Aschenbrödel: Greencard-Beziehung. Prinz lädt alle Jungfrauen des Landes ein, um die Beste davon auszuwählen. Sie will nur raus aus dem Elend und heiratet ihn, obwohl er einer der unaufmerksamsten Männer ist und nicht einmal merkt, dass er zweimal die falsche Braut heimnimmt, weil er nur auf die Schuhe achtet.
- Hänsel und Gretel: Inzest. Die beiden hätten die besten Voraussetzungen für eine tolle Beziehung, haben aber nichts miteinander und sind deshalb leider irrelevant für diese Studie.
Also mal ganz abgesehen davon, dass Prinzen in echt nicht ganz so gehäuft vorkommen wie in den Büchern der Brüder Grimm, sind viele dieser Beziehungen sehr nahe der Realität. Alle Frauen dieser Märchen entsprechen einem gewissen Idealtyp. Dornröschen überzeugt im Bett; Schneewittchen ist schön und dumm und ausserdem die perfekte Hausfrau, die mal locker den Haushalt für sieben Männer schmeisst; Rapunzel hat schöne Haare und kann Männer aus ihrem Elend befreien; die Müllerstochter ist so unterwürfig, dass sie trotz Morddrohungen in der Beziehung bleibt; Aschenbrödel ist fleissig und behält selbst in widrigsten Umständen ihre gute Laune.
Allerdings kann ich mir für die wenigsten dieser Beziehungen ein „Happily Ever After“ vorstellen. Sex allein ist eine schwache Basis für eine Beziehung; Schönheit ist vergänglich, aber die Dummheit bleibt; bei Morddrohungen ist Missstimmung in der Beziehung vorprogrammiert; und bei den wenigsten Casting-Shows hat die Gewinnerin schlussendlich langfristig Erfolg.
Einzig Rapunzel und ihr Prinz waren dem „Happily Ever After“ richtig nah. Bis er dann sagte: „Du, Schatz, also mit langen Haaren hast du mir besser gefallen.“
Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.