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Zum 14. Mal wird im Sommer 2000 auf dem Klosterplatz in Einsiedeln das "Welttheater" inszeniert. Thomas Hürlimann (Bild) hat Calderon de la Barcas Stück in unsere Zeit versetzt. Regie führt Volker Hesse.Dieser Inhalt wurde am 27. Januar 2000 - 09:25 publiziert
Zum 14. Mal wird im Sommer 2000 auf dem Klosterplatz in Einsiedeln das "Welttheater" inszeniert. Thomas Hürlimann (Bild) hat Calderon de la Barcas Stück in unsere Zeit versetzt. Regie führt Volker Hesse.
Bis heute stützte man sich in Einsiedeln auf die Eichendorffsche Fassung des barocken Dramas. 1993 gab die Welttheatergesellschaft Thomas Hürlimann den Auftrag, auf der Grundlage von Calderon ein neues Stück zu schreiben. Am Mittwoch (26.01.) wurde über die Neuinszenierung informiert.
Vom 23. Juni bis zum 9. September sind 36 Aufführungen geplant. 500 Einsiedlerinnen und Einsiedler beteiligen sich an der Produktion. Allein auf der Bühne werden über 200 Spielerinnen und Spieler stehen. Das Budget für die Inszenierung beträgt 2,5 Millionen Franken.
Von Calderon den Rahmen
Von Calderon habe er die Struktur, den Rahmen übernommen, sagte Hürlimann. Auch behalten die sieben Hauptfiguren ihre Namen. Rey zum Beispiel, der König, wird zum Politiker Rey; Miseria, die Arme, ist eine Immigrantin.
Doch das Stück spielt in der Gegenwart. Hürlimann: "Die Bühne soll unsere Sache verhandeln, soll unsere Geschichte erzählen, soll zeigen, wo wir stehen, wer wir sind." Die sicheren Antworten des Katholiken Calderon habe man heute nicht mehr.
Dennoch bleibt der Spanier laut Hürlimann präsent. Zum einen bleibe seine Dramaturgie wie ein freigelegtes Fresko erhalten. Zum andern als Figur "El Autor" (aus dem Eichendorff den 'Schöpfer' gemacht hatte); er spricht die dramaturgisch wichtigen Sätze.
Nach den Worten von Volker Hesse macht Hürlimann den abenteuerlichen Versuch, grosse faszinierende Visionen der Vergangenheit zu beschwören und die Unruhe, die Heillosigkeit unserer heutigen Lebensgeschichten dagegen zu setzen. Im Gegensatz zur bisherigen Welttheater-Tradition würden aber keine Antworten mehr gegeben.
In seiner Inszenierung versucht der ehemalige Leiter des Zürcher Neumarkt-Theaters Gegensätze zusammen zu bringen: das Heilige und das Derbe, Alt und Neu, Hochsprache und Einsiedler Dialekt.
Kloster steht hinter der Aufführung
Obwohl sich die Benediktiner vom Kloster Einsiedeln mit Hürlimanns neuem Wurf nicht umfassend identifizieren können, stehen sie hinter der Aufführung und stellen den Klosterplatz zur Verfügung. Mehr noch: Mit Pater Cassian spielt ein Angehöriger des Klosters die zentrale Rolle des Stücks.
Proteste seien zu erwarten, meinte Pater Cassian an der Medienkonferenz. In konservativen Kreisen werde man wohl den Kopf schütteln. "Aber das Kopfschütteln hält die Kirche lebendig." Zudem sei es auch eine Aufgabe der Kirche, sich auf Konflikte einzulassen.
SRI und Agenturen
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