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Nachträge vom 11. Januar 2004:

Das Geschäft mit Filmen des Desasters blüht.
Wie die 'Washington Post' berichtete, werden CD's für umgerechnet
3 Euros in Indonesien verkauft.

Potsdamer Forscher haben ein System zur Vorwarnung von Tsunamis
vorgeschlagen. Wie die Leute genau gewarnt werden sollen ist aber nicht
klar. Hotels und Urlauber per SMS vor Tsunamis zu warnen, könnte
Panik oder längerfristig zur Abstumpfung der Bevölkerung
führen. Der Spiegel berichtet, dass
Erhebungen der US-Raumfahrtbehörde Nasa zufolge
drei von vier Tsunami-Warnungen seit 1948 Fehlalarme waren. Dass
Zuverlässigkeit wichtiger ist als Schnelligkeit, zeigte sich
auf Hawaii. Dort führten die Falschmeldungen dazu, dass die
Bevölkerung irgendwann gar nicht mehr auf die Warnungen reagierte.

Fotos von Touristen im Katastrophengebiet gaben zu Diskussionen
Anlass. Es ist natürlich sinnvoll, dass die Touristen so schnell
wie möglich in die betroffenen Gebiete zurückkehren
sollten und so indirekt zum Wiederaufbau mithelfen. Die
Bilder von biertrinkenden Touristen an den Todesstränden
wurden aber missinterpretiert.

Einmal mehr macht die Welle der Empörung bewusst,
was ein Bild bewirken kann. Auch die Boulevardepresse
in der Schweiz veröffentlichte die Aufnahme mit
der grossaufgemachten Frage "Pervers?" in der Schlagzeile.
Der "Blick" gab nun am 11. Jan. 2005 der blossgestellten Person
Gelegenheit, den Sachverhalt aus seiner Sicht darzustellen.
Die Person XY rechtfertige sich damit, dass
er den Strand aufgeräumt habe und während einer Pause heimlich
fotografiert worden sei:

"Ich reinigte den Strand. Überall lagen zerfetzte Liegestühle,
Scherben oder Bootsteile."

Auf die Frage, weshalb er am Strand mit Scherben barfuss und in Badehosen
arbeite, sagte Herr XY:

"Wir haben immer vorsichtig mit dem Stock vorsondiert, ob etwas im
Boden steckt."

Das Bier hätten sie nur während der Pausen getrunken. Andere
Touristen, darunter auch Schweizer, hätten sich daneben in
Liegestühlen gesonnt.
Herr XY hatte für diese Touristen - die nicht arbeiten
wollten - ein gewisses Verständnis, denn das Leben müsse
weitergehen. Der Fotograf habe nicht mit ihm gesprochen und habe mit
einem Teleobjektiv fotografiert.

"Mit dem werde ich noch ein Wörtchen reden müssen".

versicherte der "Strandreiniger".

Kommentar:
Die Aussagen des abgelichteten Biertrinkers am Todesstrand können
wir natürlich nicht überprüfen. Die Begründung
wirkt etwas fadenscheinig und tönt für uns nach
Selbstschutzbehauptung. Anderseits gilt der Persönlichkeitsschutz
für alle. Bei der Veröffentlichung des Bildes bedarf es in
der Regel einer Einwilligung. Die wurde angeblich nicht eingeholt.
Der betroffene Biertrinker, der die Publizität nicht gesucht hat,
erlebte bei dieser Geschichte, wie man dank der immensen Verbreitung
eines Bildes "weltbekannt" werden kann. Angenommen, die Begründung
des Betroffenen trifft zu: Dann macht die Geschichte bewusst, wie
Aufnahmen - aus dem Zusammenhang herausgerissen - Sachverhalte enorm
verfälschen können.

Quelle

Nachtrag vom 26. Dezember 2005: Zum Jahrestag des Tsunamis erschienen
viele Medienberichte über die Fortschritte des Wiederaufbaus und
Errinnerungsfeiern in den betroffenen Gebieten. 183'000 Menschenleben hatte
der Tsunami gekostet. Die "New York Times" meint, dass insgesamt 13.6 Milliarden
Dollars für den Wiederaufbau gespendet worden sind. |
Unter anderem wurde auch auf einen
unglaublichen Zufall hingewiesen, der sicher zu Verschwörungstheorien Anlass
geben würde, wäre das Erdbeben nicht eine Naturkatastrophe gewesen:
Ein aus dem Jahre 1930 gemachter Holzschnitt von Hokusai, der sich in einem
Unicef Kunstkalender zwischen den Seiten vom 26. -27. Dezember befunden hatte,
zeigt eine riesige Welle. Ruedi Tarneden, der Sprecher von Unicef
Deutschland meint, das sei reiner Zufall, er sei aber
dennoch völlig verblüfft. Der Kalender war ja ein Jahr vor der
Katastrophe gemacht worden.