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Die Meinung über die Auswirkung der niedrigen Radioaktivität ist geteilt. Darum sprechen Mütter in Fukushima nicht mehr darüber untereinander. Aber um ihre Kinder machen sie sich doch gleich Sorgen. Die Mehrheit der Bewohner auf den japanischen Inseln scheint bereits vergessen zu haben, dass es sich in Fukushima eine nukleare Katastrophe ereignet hatte. Dass die Menschen, die weiterhin in den verseuchten Orten in Fukushima wohnen oder wohnen müssen, leiden.
Ermutigend sind die Aktivitäten der verschiedenen kleinen NGOs und Gruppen, die sich konstant für sie einsetzen. „Minna Sora no Shita (Alle unter demselben Himmel)“ von Kyoto ist auch eine davon. Die Mütter von der Gruppe unterstützen sozusagen Kindergartenbesuch, bei dem Kinder von Fukushima einige Wochen lang in einem anderen, nicht radioaktiv verseuchten Ort bleiben, um den Kindergarten vor Ort zu besuchen. Sie tragen auch dazu bei, möglichst viel Handwaschmittel nach Fukushima zu senden, weil die Kinder sich immer wieder die Hände waschen müssen: Nachdem sie die Erde berührt haben, die Blätter berührt haben oder Insekten berührt haben. Jedes Mal wenn sie draussen gewesen sind, haben sie sich danach die Hände zu waschen. Diese Gruppe verkauft ausserdem Handtaschen, die sie selber für Kinder und Mütter entworfen haben. So finanzieren sie ihre unentgeltliche Aktivität. http://minasora.org/ (Nur Japanisch)
Die Mitglieder besuchen auch Fukushima und tauschen mit Müttern vor Ort Informationen aus. So sehen sie mit eigenen Augen, woran es den Kindern und Müttern fehlt und wie sie mit der Radioaktivität umgehen. Den Müttern in Fukushima tut es sicher auch gut, wenn sie mit jemandem ausserhalb des betroffenen Gebietes über ihre Kummer und Sorgen sprechen können. Wenn es in Fukushima selbst nicht mehr der Fall ist…
Der staatliche Fernsehsender NHK in Japan untersuchte mit der Hilfsgruppe „Stiftung 3.11 Kinder mit Schilddrüsenkrebs“ zusammen über das Angstgefühl von Kindern, die nach dem Atomunfall von Fukushima Schilddrüsenkrebs diagnostiziert worden waren, und ihren Eltern. Das allarmierende Resultat veröffentlichte NHK am 27. November.
Die Präfektur Fukushima führt seit der Atomkatastrophe von 2011 kontinuierlich eine systematische Schilddrüsenuntersuchung durch. Kontrolliert werden insgesamt 380’000 Kinder, die damals unter 18 Jahre alt waren. Bis heute erhielten mehr als 190 Kinder Diagnose Krebs oder Verdacht auf Krebs und bei über 150 Kindern wurden bereits die erkrankte Schilddrüse entfernt.
Unter solchen Umständen ist es kein Wunder, dass die Familien mit grosser Angst leben, und das ist gut abzulesen bei Antworten auf den Umfragebogen, der an 67 Kinder und Eltern per Post gesandt worden sind. Geantwortet haben davon 52.
Das Ergebnis ist bedrohlich. Denn Angst haben 77 % der Beantworteten. 23 Personen haben Angst vor einem Rückfall des Krebses und „Metastase des Krebses“ und „Verschlechterung der körperlichen Verfassung“ fürchten jeweils 9 Person.
Rund die Hälfte der Gefragten vermutet ausserdem einen Zusammenhang zwischen der Krankheit und dem Atomunfall vom AKW Fukushima II, obwohl die für die Untersuchung zuständige Komitee der Meinung ist, dass es im heutigen Zeitpunkt schwierig vorzustellen ist.
Am 18. Oktober trat Frau Sonoda aus Fukushima vor dem UNO-Menschenrechtsausschuss in Genf auf. Dieses Organ überwacht die Vertragsstaaten in Sachen Menschenrechte und dies Jahr stand Japan auf dem Prüfstand. Sieben Minuten lang erzählte Frau Sonoda über ihre Situation nach der Atomkatastrophe von 2011 vor den Vertretern der UNO-Mitgliedstaaten.
Sie hat einen Sohn und lebt heute ausserhalb Fukushima. Sie kritisiert die japanische Regierung, die die Absicht hat, trotz nach wie vor hoher Strahlung die Menschen wie Frau Sonoda, die nach dem Unfall vom AKW Fukushima I die Präfektur verlassen hatten, samt Kindern in ihre Heimat zurückzubringen.
Frau Sonoda erreichte den Menschenrechtsausschuss mit Unterstützung von Greenpeace Japan. Ihr Speech ist hier zu hören.
Wie ist die Situation mit dem verstrahlten Wasser beim AKW Fukushima heute? Fliesst nach wie vor eine grosse Menge vom radioaktiv verseuchten Wasser ins Meer?
Die Tokyo Zeitung berichtete am 13. September in der Online-Version darüber. Demnach fand man endlich den Anfang der Lösung.
Am effizientesten stellte sich sogenannte „sub-drain“ heraus. Eine Einrichtung, um das Grundwasser um die Blöcke herum heraufzupumpen und es nach der Dekontamination ins Meer abzulassen. Dank dieser Methode hat sich die Wassermenge, die sich in den Blöcken ansammelt, mit weniger als 50’000 Tonnen im Vergleich zum Zeitpunkt des Atomunfalls halbiert. Der Kernkraftwerk-Betreiber will bis November die Leistung des Systems verdoppeln.
Tepco trifft auch andere Massnahmen wie Eiswand und Grundwasser-Bypass, deren Wirkung jedoch unklar ist. Auf dem Gelände sind momentan insgesamt über eine Million Tonnen Wasser aufbewahrt. Das sind gemäss Tokyo Zeitung Tritium-Wasser und das radioaktive Cäsium und Strontium sind bereits weggenommen.
Die Tokyo Zeitung ist sehr wahrscheinlich die einzige, die über den Zustand des Kernkraftwerks Fukushima I regelmässig berichtet. Sie veröffentlichte im Juni auf ihrer Website eine Bestrahlungsdosis-Aufzeichnung von Herrn Nobuyoshi Ito.
Herr Ito wohnt in Niigata und arbeitet in Iitate, wo beim Atomunfall stark verseucht worden war und heute die Evakuierungsanordnung der japanischen Regierung grossenteils aufgehoben worden ist. Der 73-jährige trägt ein Dosimeter immer in seiner Brusttasche und zeichnet die Zahlen samt seiner Tätigkeit auf.
Das Rechercheteam studierte seine Daten von zwischen Juni 2016 und Mai 2017. Wenn man sich die Zahlen von einem Tag anschaut, merkt man sofort, dass die Bestrahlungsdosis des Tags, an dem er in Iitage länger als 16 Stunden verbracht hat, viel höher als sonst. An dem Tag, an dem er dort draussen arbeitete, belief sich die Dosis oft über 8 µSv. Wenn er sich hingegen in Niigata aufhielt, betrug sie bloss etwas mehr als 1 µSv.
In Iitate übernachtet Herr Ito in einem Cottage einer Schulungsstätte für Landwirtschaft, wo er seit 2010 als Hausmeister arbeitet. Das Haus steht vor einem kleinen Hügel. Selbst in dem Teil, wo dekontaminiert worden ist, machte die Strahlendosis immer noch fast 1 µSv pro Stunde aus. Jene des Wohn- und Schlafzimmers war mit 0.3 µSv pro Stunde auch relativ hoch.
Das Team zieht die Schlussfolgerung: „Es gibt eine Ansicht, die Bestrahlungsdosis sei überbewertet. Wir befürchten ganz im Gegenteil, dass sie unterbewertet ist. Denn der Grossteil der gesammelten Daten stammen von Geräten, die oft im Wohnzimmer oder Kleiderschrank zurückgelassen worden sind.