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Mittwoch, 12. Jun, 19:00 UhrLiteraturhaus Basel
Talat Pasa (1874-1921) führte das Triumvirat an, das im Ersten Weltkrieg das späte Osmanische Reich regierte. Er wurde hierdurch zu einem Begründer der modernen Türkei. Gleichzeitig war er auch der Architekt des Völkermords an den Armeniern, der zur systematischen Vernichtung von mehr als einer Million Menschen führen und den Auftakt für ein Jahrhundert bilden sollte, das durch Gräueltaten in einem nie dagewesenen Ausmass gekennzeichnet war. Dies ist die erste englischsprachige Biographie des Revolutionärs, der den Weg für Atatürk und die Gründung der Republik 1923 bereitet und damit die moderne Welt geprägt hat.
Hans-Lukas Kieser porträtiert in diesem brisanten Buch einen Mann, der durch eine starke Mischung aus dem neuen türkischen Ethnonationalismus, dem politischen Islam der Regierungszeit Sultans Abdulhamid II. und der Bereitschaft zu radikalen «Lösungen» und Gewalt an der Macht blieb. Von Talats Rolle in der Jungtürkischen Revolution von 1908 bis zu seinem Exil in Berlin und der Ermordung - einem Paukenschlag im öffentlichen Leben der Weimarer Republik - stellt Kieser das Osmanische Drama wieder ins Zentrum des Weltgeschehens. Er zeigt, wie Talat weitaus mehr Macht ausübte als bisher angenommen, was ihn zum de facto Herrscher des Reiches machte. Der Autor zeichnet Istanbul in Kriegszeiten als blühendes diplomatisches Zentrum nach und zeigt, wie Talats katastrophale Handlungen im gesamten 20. Jahrhundert ihren Widerhall fanden.