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Einer gängigen Annahme zufolge nimmt die mentale Verarbeitungsgeschwindigkeit mit dem Alter kontinuierlich ab. Um diese These zu überprüfen, werteten Wissenschaftler der Universität Heidelberg die Daten einer gross angelegten amerikanischen Studie – in diesem Fall zu impliziten Vorurteilen – neu aus.
Mehr als 1 Mio Teilnehmer
In dem Online-Experiment mit über einer Million Teilnehmern mussten die Probanden durch Drücken einer Taste Bilder den Kategorien «weisse» oder «schwarze» Personen sowie Wörter den Kategorien «gut» oder «schlecht» zuordnen. Nach Angaben von Dr. von Krause spielte der inhaltliche Fokus bei der Heidelberger Studie jedoch keine Rolle. Vielmehr nutzten die Forscher den grossen Datensatz als Beispiel für eine Reaktionszeitaufgabe, bei der die Dauer kognitiver Entscheidungen gemessen wurde.
Motorische Reaktionsgeschwindigkeit nimmt ab
Bei der Auswertung der Daten stellten Dr. von Krause und seine Kollegen zwar fest, dass die Reaktionszeiten der Probanden mit zunehmendem Alter durchschnittlich stiegen. Mithilfe einer mathematischen Modellierung konnten sie jedoch belegen, dass dieses Phänomen nicht auf Veränderungen der mentalen Verarbeitungsgeschwindigkeit zurückzuführen ist. «Vielmehr sind ältere Probanden aus unserer Sicht vor allem deshalb langsamer, weil sie vorsichtiger antworten und sich mehr auf die Vermeidung von Fehlern konzentrieren», erklärt Mischa von Krause. Gleichzeitig sinkt über den Verlauf des Erwachsenenlebens die motorische Reaktionsgeschwindigkeit: Ältere Teilnehmer des Experiments brauchten länger, um die passende Taste zu drücken, nachdem sie die richtige Antwort gefunden hatten.
Mentale Verarbeitungsgeschwindigkeit über Jahrzehnte stabil
Erst bei Teilnehmern mit einem Alter von über 60 Jahren – so ein weiteres Ergebnis der Studie – zeigte sich, dass auch die durchschnittliche Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung fortschreitend abnahm. «Es sieht so aus, als ob wir im Laufe unseres Lebens zunächst keine wesentlichen Einbussen bei der mentalen Verarbeitungsgeschwindigkeit befürchten müssen – insbesondere nicht im Verlauf eines typischen Berufslebens», so Mischa von Krause. «Generell ist auch festzuhalten, dass es unter den Probanden in allen Altersgruppen Menschen mit hoher und niedriger mentaler Verarbeitungsgeschwindigkeit gab. Unsere Ergebnisse beziehen sich auf die durchschnittliche Ausprägung.»PS