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Hochverehrter Herr & Freund!
Vor allem besten Dank für die verschiedenen interessanten Mittheilungen, welche Sie mir zukommen zu lassen die Güte hatten.1
Hellwag ist seit Montag abwesend. Er hat sich für ca 14 Tage beurlaubt. Am Schlusse seiner Abwesenheit wolle er – sagte er mir vor seiner Abreise – an die Brenner bahn gehen, um dort verschiedene Fragen zu studiren. Ob seine Studien sich nicht bis Berlin erstrecken werden? Es wäre von Interesse, hierüber «das Eidgenössische Aufsehen» walten zu lassen.
Der Schweiz. Gesandte in Wien, Herr v. Tschudi, hat dem Repräsentanten der Schweiz. Creditanstalt dort, Hrn. Julius Pollak2, über die Gotthardangelegenheit gesagt, «das Beste, was die Schweiz thun könne, sei, den Sub| ventionsstaaten die bisher von ihnen bezalten Summen zurückzuzahlen & die Gotthardbahn aufzugeben». Hr. P. war sehr erstaunt darüber, daß ein Schweizerischer Gesandter eine derartige Sprache führen dürfe, & expectorirte sich in diesem Sinne gegenüber Hrn. Director Stoll3 in einem Briefe, den der letztere mir vorwies. Ich war sogleich entschlossen, Ihnen diesen Vorfall, der eine nicht in Zweifel zu ziehende Thatsache ist, zur Kenntniß zu bringen.
Während ich die gegenwärtigen Zeilen niederschrieb, kam mir Ihr heutiges Schreiben4 zu. Ich theile Ihre Ansicht vollkommen, daß Hammer5 durch die mit D.6 & B.7 gepflogenen Verhandlungen der Sache keinen Vorschub geleistet hat.8 Angesichts der durch diese Verhandlungen geschaffenen Situation dürfte Seitens des Bundesrathes kaum anders, als wie Sie es in Aussicht nehmen, verfahren werden können9, obgleich sich nicht ver| kennen läßt, daß man in Berlin & Rom, wenn man einer internationalen, technischen Vorconferenz ausweichen will, von den projectirten Eröffnungen unserer Gesandten Veranlassung nehmen wird, zu sagen, es genüge die bereits von der Schweiz angeordnete technische Untersuchung, man gewärtige die Eröffnungen & Vorschläge, welche die Schweiz in Folge derselben machen werde u. s. f. Auf die Prüfung der Hellwag'schen Vorlagen10 nicht bloß durch Schweizerische Techniker, sondern durch Sachverständige der sämmtlichen Subventionsstaaten scheint mir aber von Seiten der Schweiz das größte Gewicht gelegt werden zu müssen. Es wird sich neuerdings darum handeln, eine schwer wiegende Verantwortlichkeit zu übernehmen. Diese Verantwortlichkeit kann der Natur der Sache nach nur auf technischen Schultern ruhen. Diese technischen Schultern sollten aber nicht aus| schließlich Schweizerische sein.
Der Ankunft Ihres Sohnes11 in Zürich sehe ich mit Freuden entgegen. Er wird auf unserer Creditanstalt die freundlichste Aufnahme finden. Sie können versichert sein, daß Hr. Director Stoll alle Sympathie, die er für den Vater empfindet, auf den Sohn übertragen wird. Und was mich anbetrifft, so hoffe ich, Ihr Sohn werde, soweit es möglich ist, ihm einen Ersatz für das elterliche Haus zu bieten, einen solchen im Belvoir finden.
Herzlich
Ihr
Dr A Escher
Zürich
29 April 1876.