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Die Schreckensmeldungen aus den von der Hungerkatastrophe betroffenen Gebieten reissen nicht ab: In manchen Regionen Somalias stirbt in diesen Tagen alle sechs Minuten ein Kind. Diese Schätzung gab das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF bekannt.
Die UNO will deshalb seine Hilfslieferungen weiter aufstocken. "Schnelligkeit ist ganz entscheidend", sagte die Direktorin des Welternährungsprogramms (WFP), Josette Sheeran, am Sonntag vor Journalisten in Nairobi.
Sheeran hatte sich in den vergangenen Tagen bei Besuchen in der somalischen Hauptstadt Mogadischu und in den Flüchtlingscamps im Norden Kenias selbst ein Bild von der Lage gemacht. In einigen Gebieten seien bereits 25 bis 45 Prozent der Bevölkerung unterernährt. Besonders dringend würden vitaminreiche Nahrungsergänzungen gebraucht.
Hungernder Somalier suchen weiter Hilfe in den Camps in Äthiopien und Kenia. Noch immer kämen "Hunderte, wenn nicht sogar Tausende" täglich im kenianischen Dadaab an, sagte UNICEF-Mitarbeiter Christopher Tidey der Nachrichtenagentur dpa. Mit fast 400'000 Menschen ist es das grösste Flüchtlingslager der Welt.
Intravenös ernährt
Tidey besuchte am Samstag in Dadaab eine Klinik für schwer unterernährte Kinder. "Viele von ihnen sind so schwach, dass sie nicht einmal mehr die Kraft haben, Essen herunterzuschlucken und deshalb intravenös ernährt werden müssen", sagte er. "Ich habe einen dreijährigen Jungen gesehen, Aden, der nur fünf Kilo wog."
In Somalia, das besonders schwer von der Hungersnot betroffen ist, müsse die Situation täglich neu beurteilt werden, sagte Sheeran. Die Al-Shabaab-Miliz hatte vor wenigen Tagen erklärt, sie werde weiter keine Hilfslieferungen internationaler Organisationen in die von ihr kontrollierten Gebiete in Südsomalia zulassen, und die UNO übertreibe das Ausmass der Katastrophe stark.
Das Welternährungsprogramm WFP überlegt sich daher laut Mitarbeitern, Lebensmittel von Flugzeugen aus über einigen von Islamisten kontrollierten Gebieten abzuwerfen.
Unterdessen wird in der äthiopischen Region Dolo Ado an einem vierten Flüchtlingslager gearbeitet. Es solle weiteren 60'000 Hungernden Platz bieten, nachdem die ersten drei Camps mittlerweile ihre Kapazität erreicht hätten, teilte das UNO-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) mit.
Die ersten Flüchtlinge sollen bereits in der nächsten Woche vom Transitzentrum in das neue Lager Hilaweyn umziehen können.