Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03569.jsonl.gz/120

Bibliotheken haben versucht, Indien zu erfassen. Im Allgemeinen kommen sie zum Schluss, dieser Staat könne nicht beschrieben, sondern müsse erlebt werden. Die grösste Demokratie der Welt ist oft Anlass zu Beschreibungen dieses wunderlichen, gigantischen Landes, in dem der Norden und der Süden sowohl geografische wie auch kulturelle Antipoden sind. Man vergisst manchmal, dass Indien ohne Zweifel das wichtigste der Englisch sprechenden Länder ist.
Diese vereinende Sprache ist ein Verbindungsglied in einem Staat, in dem es unzählige Dialekte, Religionen und Akzente gibt. Die indische Identität entsteht um die englische Sprache. Es ist nicht selten der Fall, dass man auf den Trottoirs von New Delhi alte hinduistische Aristokraten trifft, die mit jungen geschäftigen Männern ein reines Oxford-Englisch sprechen. Wer Indien auswählt, um die von den Kolonialmächten vererbte Sprache zu lernen, trifft keine harmlose Wahl. Er macht eine Wette. Wettet, dass er eine erschütternde Literatur, jene des Patriarchen Tagore oder des Genies Salman Rushdie , mit der Entdeckung einer weltstädtischen Kultur verbinden kann, welche sich anschickt, die Welt zu erobern. Besuchen Sie die verdunkelten Räume der kleinen Kinos, in dem langatmige Filme Anlass zu unendlichen Wortgefechten bieten. Oder hören Sie einer Sitar zu, die einen privaten Abendanlass der hohen Gesellschaft mit klassischer indischer Musik verschönt. Entdecken Sie das moderne Indien mit seinen althergebrachten Düften, seiner undiskutierbaren Spiritualität und einer unvergleichbaren Lebenskunst. Das Land gibt Ihnen mit seinen Netz an komfortablen Nachtzügen und Flugzeugen die Möglichkeit, sich zu entfliehen. Von der Hauptstadt aus kann man in einigen Stunden auf die Gipfel des Himalajas gelangen, in der Wüste von Radjasthan auf Entdeckungsreise gehen und an den Stränden von Kerala Sonne tanken. Indien ist nicht nur seit 1947unabhängig. Indien ist schon seit jeher frei.