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Sommerlich warmes und oft sonniges Wetter führte in der zweiten Mailhälfte zu weiteren, teils grossen Nassschneelawinen an hochgelegenen Nordhängen und allgemein zu einer starken Schneeschmelze. Trockene Lawinen gab es zeitweise mit Neuschnee und Wind im Hochgebirge. Mit der fortschreitenden Durchfeuchtung der Schneedecke an Nordhängen oberhalb von 2500 m lösten sich vermehrt Lawinen, die teils die ganze nasse Schneedecke mitrissen (Abbildung 1). Am 22. Mai erschien das letzte angekündigte Lawinenbulletin der Saison 2016/17.
Die zweite Maihälfte begann und endete sommerlich mit einer Nullgradgrenze meist zwischen 3500 und 4000 m (Abbildung 2). Vom 16. bis 17. Mai war es nach klaren Nächten meist sonnig.
Mit einer Kaltfront sank die Nullgradgrenze zwischen dem 17. und 19. Mai kurzzeitig auf rund 2200 m. Vom 18. bis 19. Mai fiel im Süden gebietsweise intensiver Niederschlag. Im Norden war es meist bewölkt mit föhnigen Aufhellungen im Osten. Am 19.05. griffen die Niederschläge auch auf den Norden über. Die Schneefallgrenze sank von 2800 m auf rund 2400 m im Süden und auf rund 2000 m im Norden. Am Alpenhauptkamm fielen in der Höhe oberhalb von rund 2800 m verbreitet 30 bis 50 cm, vom Simplongebiet bis ins nordwestliche Tessin bis 70 cm Schnee (Abbildung 3). Der Südwind bliess in der Nacht auf den 19. Mai mässig bis stark und verfrachtete den Neuschnee im Hochgebirge.
Vom 20. bis 25. Mai stiegen die Temperaturen wieder an. Es war meist sonnig, am Wochenende vom 20./21. Mai im Norden und Osten teils bewölkt. Zeitweise blies starker Nordwind, der den lockeren Schnee im Hochgebirge verfrachtete und hochnebelartige Bewölkung brachte. Diese sorgte teils für reduzierte nächtliche Abstrahlung an der Schneeoberfläche. Die letzte Maiwoche begann mit einer stabilen Hochdrucklage. Das Wochenende 27./28. Mai war praktisch wolkenlos und hochsommerlich. Die Temperaturen kletterten südlich und erstmals dieses Jahr auch nördlich der Alpen auf über 30° C (vgl. Klimabericht MeteoSchweiz). Die Nullgradgrenze lag bei 4000 m (Abbildung 2). Ab dem 29. Mai verflachte sich die Hochdrucklage und bis zum 31. Mai kamen im Tagesverlauf Schauer und teils kräftige Gewitter auf. Aufgrund der hohen Schneefallgrenze (3200 bis 3600 m) fielen aber keine nennenswerten Neuschneemengen.
Mitte Mai begann die Schneedecke im Hochgebirge sowie an Nordhängen oberhalb von rund 2500 m allmählich zu durchfeuchten und die Gefahr von nassen Lawinen stand im Vordergrund. Dies am 16. Mai mit einem tageszeitlichen Anstieg. Am 17. und 18. Mai war sie nach bedeckten Nächten bereits am Vormittag erhöht. Nasse Rutsche und Lawinen lösten sich vor allem an Nordhängen oberhalb von rund 2500 m. An Nordhängen lagen an der Basis der Schneedecke immer noch schwache Schichten, die mit der ersten Durchfeuchtung der Schneedecke störanfällig wurden. Das Potential für eine grössere Bruchausbreitung und damit für grössere Lawinen war somit vorhanden. Dies war besonders in den inneralpinen Gebieten des Wallis und Graubündens, teils aber auch am Alpennordhang der Fall (Abbildung 1 und 4).
Mit intensiven Schneefällen im Hochgebirge, starkem Wind und der angefeuchteten Schneedecke an Nordhängen stieg die Lawinengefahr am Alpenhauptkamm, insbesondere in den Oberwalliser Gebieten und im nordwestlichen Tessin am 19. Mai rasch und markant an, gebietsweise auf die Stufe "Gross" (Stufe 4) an (Lawinenbulletin vom 18.05.2017). Oberhalb von 3000 m ging die Gefahr von spontanen trockenen Lawinen aus, unterhalb von nassen Rutschen und Lawinen. Der Neuschnee vom 18. und 19. Mai wurde im Hochgebirge zunächst mit Südwind, und anschliessend mit Nordwind verfrachtet, dadurch nahm die Gefahr von trockenen Lawinen im Hochgebirge für Schneesportler bis zum 22. Mai nur langsam ab. In der letzten Maiwoche stand die Gefahr von nassen Lawinen im Tagesverlauf wieder im Vordergrund. Einzelne, teils mittelgrosse nasse oder feuchte Lawinen wurden auch noch in der letzten Maiwoche beobachtet (vgl. Kartierung in Abbildung 5).
Ende Mai waren Südhänge verbreitet bis auf rund 3000 m ausgeapert. Im Hochgebirge und in steilen, nordexponierten Rinnen und Mulden oberhalb von 2200 bis 2500 m lag Ende Mai noch eine geschlossene Schneedecke. Im flachen Gelände lagen auf 2500 m am nördlichen Alpenkamm, im Unterwallis, am Oberwalliser Alpenhauptkamm, in Nordbünden und im Gotthardgebiet verbreitet rund 100 cm, lokal bis 200 cm Schnee, sonst 30 bis 80 cm.
An hochgelegenen Messfeldern (Flachfelder) nahmen die Schneehöhen in der zweiten Maihälfte rasant ab, wie in der Verlaufsgrafik der langjährigen, manuellen Messstation auf dem Weissfluhjoch (Davos, GR, 2540 m) zu sehen ist (blaue Kurve in Abbildung 6).
Abbildung 7 zeigt, dass die Schneedecke an den meisten Orten durchnässt war. Nur in grossen Höhen des Hochgebirges war die Schneedecke teils noch trocken.
Wie gross die Schneearmut im Winter 2016/17 war wird auch in Abbildung 8, im Vergleich des Schneewasseräquivalents (SWE) der letzten 18 Jahre deutlich. Der Winter 2016/17 (schwarze Kurve) liegt gesamtschweizerisch bis Ende Mai deutlich unter dem Mittelwert der letzten 18 Jahre (graue Kurve) und wies in mehreren Phasen neue Minimum-Rekorde beim Schneewasseräquivalent (SWE) auf. SWE ist die in der Schneedecke gebundene Wassermenge. Das Wasservolumen (mm) entspricht dabei der Schneelast (kg/m2).
In der zweiten Maihälfte erschien am 17., am 18., am 19. und zuletzt am 22. Mai jeweils ein Lawinenbulletin in Form eines angekündigten Textbulletins.
Im Sommer und im Herbst publiziert das SLF nur bei grossen Schneefällen Lawinenbulletins. Die Kriterien für ein Lawinenbulletin im Sommer finden sich hier.
Auch wenn das SLF kein Lawinenbulletin publiziert, sollte vor allem bei Neuschnee die Lawinensituation beachtet werden. Sie können sich via SMS oder RSS-Feed über die Herausgabe eines Bulletins informieren lassen:
In der zweiten Maihälfte wurden dem Lawinenwarndienst zwei Lawinenunfälle gemeldet:
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.