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Kurzfassung der Stadtgeschichte von Murten515 erstmals als Hof
„Muratum“ erwähnt, 1013 als Festung, 1228 als freie Reichsstadt, dies
nachdem das Gründergeschlecht der Herzöge von Zähringen ausgestorben ist .
In der kaiserlosen Zeit des 13.Jahrhunderts stellt sich Murten, der Politik Berns folgend, in
den Schutz des Grafen Peter von Savoyen.
1377 übergibt Graf Amadeus von Savoyen der Stadt die Handveste ( Stadtrecht).
1416 Stadtbrand und Wiederaufbau der Häuser in Stein
1475 schwört Murten den Städten Freiburg und Bern Treue.
1476 Belagerung durch das Heer Karls des Kühnen von Burgund, das durch die Eidgenossen
vernichtend geschlagen wurde. Der Jahrestag dieser Schlacht wird alljährlich am 22. Juni
als Solennität (Jugendfest) gefeiert.
1484 wird Murten für mehr als dreihundert Jahre gemeine Herrschaft der Stände Bern und
Freiburg. Der Schultheiss wurde von ihnen wechselweise für 5 Jahre eingesetzt.
1798 Einmarsch der Franzosen, von welchen das Beinhaus der Murtenschlacht zerstört
wird, an dem sich der berühmte Spruch Albrechts von Haller befand ( Haller-Tafel, heute im
Historischen Museum in der ehemaligen Stadtmühle von Murten).
1803 Napoleon teilt Murten in der Mediationsakte gegen den Willen der Bevölkerung endgültig
dem Kanton Freiburg zu, nachdem es in der Helvetik dem Bezirk Saane und Broye angehört
hatte.
Heute ist Murten Hauptort des freiburgischen Seebezirks und im Kanton Freiburg eine
sprachliche, konfessionelle und politische Minderheit. Es liegt an der deutsch-französischen
Sprachgrenze und erfüllt mit seinen ca. 5‘000 Einwohnern die Aufgabe eines wirtschaftlichen
und kulturellen Zentrums für eine Region, welche nicht nur den freiburgischen Seebezirk,
sondern auch die bernische und sogar waadtländische Nachbarschaft umfasst.
Literaturhinweis:
E. Flückiger Die Baugeschichte der Stadt Murten
F. Deuchler Murten, Bilder einer Stadt
M. RubliMurten – Ein städtebaulicher Rundgang
Historischer Stadtrundgang durch Murten
(Dauer ungefähr eine Stunde)
Wir finden uns ein auf der seeseitigen Plattform der Französischen Kirche und geniessen
vorerst die herrliche Aussicht auf den stimmungsvollen See, der uns unvergesslich
schöne Abende mit wundervollen Sonnenuntergängen bietet. Dahinter liegt der sonnige
Wistenlacherberg (Mont Vully), an dessen Südhang die seit dem 7. Jahrhundert erwähnten
Reben der Stolz der dortigen Bevölkerung sind. Das prächtige Panorama wird abgeschlossen
durch die elegante Linie des Jura, die sich bis gegen Frankreich und hinunter
zum Weissenstein zieht. Nun beginnen wir unseren Rundgang:
Französische Kirche: Sie wurde 1481 anstelle der früheren Katharinen-Kapelle im
spätgotischen Stil erbaut und trägt die Erinnerungstafel an den Reformator Wilhelm Farel
(1530). Daneben befindet sich das Französische Pfarrhaus, das 1732 im Berner Landhausstil
errichtet worden ist. Die Giebelfront ist geziert von einer schönen Sonnenuhr.
Durch die Französische Kirchgasse begeben wir uns zum Berntor, das 1778 nach dem
Plan des Berner Werkmeisters Niklaus Hebler und nach dem Vorbild des Berner Zeitglockenturms
neu erstellt worden ist. Darin befindet sich ein von den Gebrüdern Ducommun in
La Chaux-de-Fonds 1712 angefertigtes Uhrwerk, das täglich aufgezogen wird.
Nun durchschreiten wir den Tor-Durchgang und sehen vor uns das Schulhaus, welches
der einheimische Architekt Johann Jakob Weibel 1836-1839 als
stolzen Zeugen des weltoffenen und freiheitsliebenden Geistes jener Generation gebaut
hat. Es war der erste öffentliche Bau der Schweiz im Stil der Münchner Neurenaissance.
Dahinter befindet sich die neue Sekundarschule mit der vom jungen Murtner Daniel Burla
konstruierten Weltzeitsonnenuhr. Sie ist ein Erststück ihrer Art in der Kombination der 5 Zifferblätter:
Weltzeitzifferblatt, vertikales Ostzifferblatt, vertikales Westzifferblatt, horizontales Mittagszifferblatt
und in seiner grossen Achterschleife der Brunnenschale ein horizontales
12-Uhr-MEZ-Zifferblatt.
Nun kehren wir zurück vor das Berntor, blicken auf das äussere Zifferblatt, das nur einen
Stundenanziger aufweist, überqueren die Strasse vor dem ehemaligen Friedhof, dessen
Umfassungsmauer von Steinen des im Jahre 1803 abgebrochenen Vorwerkes des Berntors
stammt. Wir betreten nun den Inneren Stadtgraben vor den Ringmauern, dem der
Verteidigungswal und der äussere Stadtgraben vorgelagert sind.
Wir erblicken den Pulverturm und den Festungsturm der Deutschen Kirche,
dessen unterste 15 sichtbare Steinlagen aus der Zeit vor der Stadtgründung
im 12. Jahrhundert stammen. Durch den Fussweg „hinter den Gärten“ schreiten
wir bis zum Törliplatz, vorbei am Schalenturm, Pfaffenturm, Tournaletta und grossen
Schimmel oder Käfigturm. Hier erkennen wir deutlich die verschiedenen Bauphasen der Ringmauern.
Im Stadtarchiv befindet sich noch die Originalurkunde von 1238, in welcher König Konrad
IV. seine Gefälle im Amte Murten den Bürgern schenkt und sie auf 4 Jahre von den
Steuern befreit unter der Bedingung, dass sie die Stadt mit einer festen Mauer umgeben
(erkennbar an der Fischgrätordnung in der unteren Partie). Die mittlere Partie stammt
aus der Zeit vor der Schlacht von 1476, und der oberste Teil entstand vor den durch den
burgundischen Sturm verursachten Beschädigungen. Links vom Törli erkennen wir den
kleinen Schimmel, Totentanz und Hexenturm. Ausserhalb der Ringmauern befindet sich
die Katholische Kirche, welche 1885 von Adolphe Fraisse im neugotischen Stil gebaut
worden ist, sowie das daneben liegende Pfarrhaus. Der Kirche wurde 1925 der
Turm beigefügt. Nun durchschreiten wir das Tor in den Ringmauern, welche unmittelbar
rechts auf der Innenseite über eine Treppe begehbar sind.
Auf den Ringmauern wenden wir uns nach rechts, bestaunen die Dachlandschaft
und erkennen ihre Bedeutung im Stadtbild. Von der Stadtverwaltung wird jede Gelegenheit
wahrgenommen, früher begangene Fehler zu beheben. Eine Gemeinschafts-
Fernsehantenne wurde in Betrieb genommen und der hässliche Antennenwald auf den
Dächern ist verschwunden. Wir besteigen den Turm der Tournaletta, geniessen noch
mal die Sicht über den See zu Jura und wenden uns dem Hinterland zu, wo vor uns das
Schlachtfeld liegt und sich rechterhand der Feldherrenhügel Karls des Kühnen, das bewaldete
„Bois Domingue“ (Bodenmünzi - z‘Bode müend si!) erhebt. Ueber den Verlauf
der Schlacht gibt das DIARAMA, eine Tonbildschau von 28 Minuten Dauer im
Historischen Museum in der alten Stadtmühle von Murten eine eindrückliche Schilderung.
Der Abstieg von den Ringmauern befindet sich bei der Deutschen Kirche.
Sie war ursprünglich eine Marienkapelle und wurde 1710 als Barockbau
neu erstellt. Der gotische Chor befindet sich im Festungsturm von 1683 und
enthält eine aus einem Stück geschnitzte, gotische Kanzel aus dem Jahre 1484, sowie
Chorgestühl aus dieser Zeit, mit Ehrensitz für Adrian von Bubenberg, den Verteidiger
Murtens im Burgunderkrieg. Im Kirchenschiff weist die Deckenstuckatur mit den Wappen
von Bern, Freiburg und Murten auf die Zeit der Gemeinen Herrschaft hin. Neben der Kirche
befindet sich das Deutsches Pfarrhaus, 1729 im schönen Berner Landhausstil erbaut.
Hier erblickte 1797 der Volksdichter Jeremias Gotthelf (Albert Bitzius) das Licht der Welt.
Durch die Deutsche Kirchgasse wenden wir uns in Richtung Hexenturm zur Kreuzgasse und
erreichen beim Mittleren Brunnen die Hauptgasse, die früher Reichengasse hiess.
Hier öffnet sich uns ein herrlicher Blick in die „Barockstube“ des Städtchens,
geprägt durch die abwechslungsreichen Laubenbögen des 17./18. Jahrhunderts.
In der Oberstadt waren sie im 19. Jh. teilweise verbaut, auf die Jahrhundertfeiern von 1976
glücklicherweise aber wieder durchgehend geöffnet worden. Der Mittlere Brunnen stand
seinerzeit in der Mitte der Hauptgasse und wurde 1768 an den heutigen Standort verlegt.
Ihn zierte die Statue des Murtner Wappentiers, des steigenden gekrönten Löwen, der in der
Revolutionszeit jedoch gestürzt und 1807 durch eine Säule, damals in gelbem Jurastein,
ersetzt worden ist. Unser Blick wendet sich nun zum 11 Rübenloch, dem spätgotischen Juwel,
das die Hauptgasse in der Oberstadt harmonisch abschliesst. Es wurde 1874 von der
Gemeinde erworben mit dem Ziel, das Gebäude abzubrechen zwecks Erstellung einer
direkten Verbindungsstrasse zum Bahnhof ( Eröffnung der Eisenbahnlinie Broyetal 1876 ).
Glücklicherweise fehlten dann aber die finanziellen Mittel für den beabsichtigten Dammbau.
Durch die Kreuzgasse wenden wir uns zum 12 Rathaus. Es wurde 1416 nach dem Stadtbrand
aufgebaut und 1748-50 als Hôtel-de-Ville umgebaut. 1816 wurde der Barockturm mit
Uhr beigefügt. Im Erdgeschoss (jetzt Empfangshalle) befanden sich Zeughaus und Kornschütte.
Sofern wir nicht zu einem vom Gemeinderat gegebenen Empfang hier zurückgehalten werden,
gehen wir weiter in Richtung 13 Schloss, dessen ursprünglicher Teil in die Zeit des Grafen
Peter von Savoyen (1255) zurückgeht. Unter dem Portal von 1516, das mehrfach umgebaut
wurde und in der heutigen Form aus dem Jahre 1755 stammt, befand sich eine heute nur
noch in der Pflästerung markierte Zisterne. In der Zeit der Gemeinen Herrschaft war das
Schloss die Residenz der Schultheissen, während der Revolutionszeit diente es abwechselnd
als Spital, Kaserne und Gefängnis. Heute ist es Sitz des Oberamtes ( Regierungsstatthalters) des
freiburgischen Seebezirks. Gegenüber befindet sich das 14 Lindensaal, rechts auf dem Platze der
abgebrochenen Bastei Mont Messard, entstand 1711 der Lindensaal, Murtens älteste Promenade.
Unterhalb des Schlosses steht das vor der Murtenschlacht zerstörte und wieder aufgebaute
15 Historisches Museum Murten / Stadtmühle, welche noch im zweiten Weltkrieg in
Betrieb war, heute aber die Sammlung des Historischen Museums birgt. Sie umfasst
stadtgeschichtliche Objekte wie Pfahlbaufunde, Burgunderbeute, Münz- und Kupferstich-
kabinette, thematische Wechselausstellungen und das DIARAMA über die Burgunderkriege.
Mit dem Besuch des Museums ist unser Stadtrundgang zu Ende. Wenn es gelungen ist,
neue Aspekte aufzuzeigen und dadurch die Liebe zu Murten zu wecken oder zu vertiefen,
so hat diese Schrift ihren Zweck erfüllt.