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Man nennt ihn den Buckligen. Der Corcovado ist mit 709 Metern die höchste Erhebung Rio de Janeiros, und trotz seines wenig erhabenen Namens richtet sich die ganze Zwölf-Millionen-Metropole nach ihm. Fast von ganz Rio aus sieht man den bewaldeten Hügel mitten in der Stadt. Als ob es der Polarstern wäre, kann man sich dank dem Corcovado jederzeit in der Stadt orientieren.
Die Einwohner Rio de Janeiros, die Cariocas, richten sich weniger geografisch am Corcovado aus, dafür aber spirituell und gesellschaftlich. Auf dem bekanntesten Felsen der Stadt steht seit 1931 die Statue Cristo Redentor – Christus der Erlöser. Über einem acht Meter hohen Sockel erhebt sich der Betonkoloss 30 Meter in die Höhe und breitet seine Arme 28 Meter weit aus. Rund 70 Jahre zuvor hatte ein französischer Priester die Idee zu dieser Statue, doch erst 1926 hatte Erzbischof Sebastião Leme genügend Spendengelder aufgetrieben, um das Vorhaben zu realisieren. Schon seit rund 130 Jahren führt eine Zahnradbahn made in Switzerland hoch auf den Gipfel.
Für die Bevölkerung Brasiliens wurde aus der Christus-Statue ein Altar des Vaterlands, für die Politiker war es zu Beginn auch ein Symbol gegen den aufkommenden Kommunismus. Heute zählt der in der Nacht beleuchtete Cristo Redentor nebst Monumenten wie der Chinesischen Mauer, dem Machu Picchu oder dem Kolosseum zu den sieben neuen Weltwundern.
Während viele Cariocas zwischen Armut, Drogen und Gewalt in diesem christlichen Symbol von unten Halt suchen, breitet sich vor den Augen der Touristen von oben ein dreidimensionaler Stadtplan aus. Gegen Norden das Zentrum mit dem bekannten Stadtteil Flamengo, das Ausgehviertel Lapa, das Künstlerviertel Santa Teresa und das einst grösste Fussballstadion der Welt, das legendäre Maracanã. Gegen Osten die Guanabara-Bucht und das zweite Wahrzeichen Rios, der Zuckerhut. Und gegen Süden die bekannten Strände Copacabana und Ipanema sowie die Süsswasserlagune mit dem Botanischen Garten.
Zwischen Favelas und Copacabana
Rio de Janeiro hat mit einem zweifelhaften Ruf zu kämpfen. In den Augen vieler gilt die Stadt als gefährlich. Ausdruck dafür sind ihre Elendsviertel, die Favelas. In vielen Favelas herrschen eigene Gesetze. Bekiffte Minderjährige mit halbautomatischen Waffen bewachen die Zugänge zu den oft an Hügel gebauten Siedlungen, die auch für Polizisten kaum zugänglich sind. Am bekanntesten ist der Complexo do Alemão: eine riesige Favela-Ballung mit 16 Armensiedlungen in Rios Hügellandschaften im Norden. Doch Rio hat insgesamt 763 Favelas; jeder fünfte Carioca wohnt in einer Favela. Darunter befinden sich auch solche, die für Touristen zugänglich sind. Die Favela Santa Marta etwa gehört fast schon zum touristischen Standardprogramm eines Rio-Besuchers. In einer kleinen Gasse der Favela hat Michael Jackson den Videoclip zu «They don’t care about us» gedreht. Da gibt es auch geführte Touren und Hotels zum Übernachten. Wie in vielen Grossstädten der Welt gilt es, Wertvolles im Hotelsafe zu lassen, aber für den Fall der Fälle immer etwas Bargeld bereitzuhalten.
Der Süden der Stadt gilt als recht sicher. Die Olympischen Spiele und die Fussball-WM haben geholfen, das Image aufzupolieren. Seither dient ein Strassentunnel als Verbindung zum Norden, und die U-Bahn bringt ihre Fahrgäste sicher von einem Ort zum anderen. Die Strände sind mehr denn je zum Sehen und Gesehenwerden da. Und zu sehen gibt es einiges.
Tipp
Per Bus von Rio nach Nova Friburgo
Wer von Rio de Janeiro aus die Freiburger Kolonie Nova Friburgo besuchen will, nimmt dazu am einfachsten den Bus. Ab dem Busbahnhof fahren täglich zwischen 00.07 Uhr und 23.37 Uhr 22 Busse nach Nova Friburgo. Die Fahrzeit beträgt rund 2 Stunden 45 Minuten. Ein Billett kostet durchschnittlich 17 Franken. Fernbusse zwischen einfach und luxuriös fahren in Rio ab dem Flughafen und dem Busbahnhof an der Avenida Francisco Bicalho. In Nova Friburgo hat es ebenfalls zwei Busbahnhöfe. Die 130 Kilometer Fahrt sind geprägt von wunderschönen Naturlandschaften und eindrucksvollen Sehenswürdigkeiten.