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Seit Ende September sind in mehreren Ländern Ost- und Südeuropas sowie im Tessin Spuren des radioaktiven Ruthenium-106 in der Luft gemessen worden. Die Quelle ist bisher unbekannt. Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung besteht nicht.
In der Südschweiz hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) bei Cadenazzo im Rahmen ihrer kontinuierlichen Überwachung der Radioaktivität in der Luft ebenfalls Spuren von Ruthenium 106 gemessen. Die höchste Wert wurde dort zwischen dem 2. und 3. Oktober registriert, wie das BAG am Dienstag mitteilte. Seither sinken die Werte im Tessin. An den Messtationen auf der Alpennordseite wurde keine Rutheniumbelastung festgestellt.
Herkunft vermutlich aus Russland
Durch Rückrechnungen der Ausbreitung von radioaktiven Stoffen in der Atmosphäre können die Gebiete eingegrenzt werden, in denen die Freisetzung erfolgt sein könnte. Die Ursache der jüngst festgestellten leicht erhöhten Messwerte von radioaktivem Ruthenium-106 ist jedoch weiterhin unklar.
Allerdings gehen sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einen Ursprungsort im südlichen Ural zurück. Darauf deuten Berechnungen des deutschen Bundesamts für Strahlenschutz (BfS), sowie französischer und schwedischer Strahlenschutzinstitutionen hin. Andere Gebiete im südlichen Russland müssen gemäss einer Mitteilung des BfS jedoch weiterhin in Betracht gezogen werden.
Unfall in Atomkraftwerk ausgeschlossen
Ein Unfall in einem Atomkraftwerk kann als Ursache ausgeschlossen werden, da ausschliesslich Ruthenium-106 nachgewiesen wurde. Das deutsche Umweltministerium erwartet angesichts der Tatsache, dass Russland als Quelle der radioaktiven Freisetzung anzunehmen ist, dass sowohl verantwortliche russische Stellen wie auch die Internationale Atomenergieagentur (IAEA) schnellstmöglich zur Aufklärung beitragen.
Sie müssten mit verlässlichen Informationen für Klarheit über die Ursache der erhöhten Rutheniumwerte sorgen, hiess es. Das Schweizer BAG hat ebenfalls via die Nationale Alarmzentrale eine entsprechende Anfrage an die IAEA gesandt.
Ruthenium-106 (Ru-106) wird unter anderem als Strahlenquelle im Rahmen der Krebstherapie verwendet. Ausserdem wird Ruthenium-106 in sogenannten «Radioisotope thermoelectric generators» (RTG) verwendet, die der Stromversorgung von Satelliten dienen. Auch bei der Wiederaufarbeitung von nuklearen Brennelementen kann Ruthenium auftreten.
Keine Gefahr für die Bevölkerung
Bei den in Europa gemessenen Werten handelt es sich um sehr geringe Radioaktivitätsmengen, die nicht gesundheitsgefährdend sind. Die höchste Anfang Oktober in Cadenazzo gemessene Menge lag bei 1900 micro-Bq/m3. Dieser Wert liegt 350 mal tiefer als der für dieses Radionukleid in der Strahlenschutzverordnung festgelegte Immissionsgrenzwert (667 000 micro-Bq/m3). (sda)