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Titel
(früher Papisius), Name eines römischen, teils patrizischen, teils plebejischen Geschlechts (die mit dem
Beinamen Cursor sind Patrizier, die mit Carbo Plebejer); seine namhaftesten Glieder
[* 3] sind:
1) Ein Papirius, dessen Vorname verschieden angegeben wird, soll als Pontifex maximus in der ältesten Zeit eine Sammlung königlicher
Gesetze (jus Papirianum) veranstaltet haben, die als erste Gesetzsammlung betrachtet und von Granius Flaccus
zu Ende der Republik kommentiert wurde.
2) Lucius Papirius Cursor, fünfmal Konsul und zweimal Diktator, der Hauptheld des zweiten Samnitischen Kriegs (326-304 v. Chr.), ein
ausgezeichneter Feldherr und ein Mann von altrömischer Strenge und Tüchtigkeit. 324 verurteilte er als
Diktator seinen Magister equitum Quintus Fabius Maximus Rullianus (s. Fabius 8) wegen einer gegen seinen Befehl von ihm gelieferten
Schlacht zum Tod und ließ sich nur durch die vereinten Bitten des Vaters, des Senats und des Volkes bewegen, ihn zu begnadigen; 320 rächte
er die Niederlage der Römer
[* 4] in den caudinischen Pässen, indem er das zu den Samnitern abgefallene Luceria
zur Übergabe zwang, alle bei Caudium verlornen Feldzeichen wieder erbeutete und 7000 Samniter durchs Joch schickte; 309 wiederum
zum Diktator ernannt, besiegte er die Samniter bei Longula und triumphierte zum zweitenmal über sie. Seinen Beinamen Cursor
(der Läufer) soll Papirius von seiner Schnelligkeit im Laufen erhalten haben. Auch sein Sohn Lucius Papirius Cursor,
Konsul 293, kämpfte siegreich gegen die Samniter, und in seinem zweiten Konsulat (272) wurde die Unterwerfung Samniums vollendet.
Er feierte einen besonders glänzenden Triumph über die Tarentiner, Samniter,
Lukaner und Bruttier.
3) Gajus Papirius Carbo, Freund des Tiberius Gracchus, ausgezeichneter Redner, setzte im Dienste
[* 5] der Volkspartei als
Volkstribun 131 v. Chr. ein Gesetz (lex tabellaria) durch, wonach für alle die Gesetzgebung betreffenden Volksbeschlüsse die
schriftliche Abstimmung angeordnet ward; dagegen wurde in demselben Jahr sein Antrag, daß Volkstribunen auch für das nächstfolgende
Jahr wieder wählbar sein sollten, hauptsächlich durch den jüngern Scipio Africanus verhindert. Als Scipio 129 plötzlich,
wie es schien durch Meuchelmord, starb, wurde er vielfach für den Mörder gehalten. Er fiel später von der Sache der Volkspartei
ab und gab sich 119, als er von dem berühmten Redner Lucius Licinius Crassus angeklagt wurde, selbst den Tod.
4) Gajus Papirius Carbo Arvina, Sohn des vorigen, 89 v. Chr. Volkstribun, 85 Prätor, wurde als Anhänger der optimatischen
Partei in dem Bürgerkrieg zwischen Marius und Sulla 82 auf Befehl des jüngern Marius ermordet. Cicero nennt ihn den einzigen
guten Bürger aus diesem Geschlecht. Von ihm und seinem Amtsgenossen im Tribunat, Marcus Plautius Silvanus,
[* 6] wurde im Bundesgenossenkrieg 89 das Gesetz (lex Plautia Papiria) gegeben, durch welches allen italischen Bundesgenossen, die
sich binnen 60 Tagen beim Prätor melden würden, das römische Bürgerrecht gewährt wurde.
5) Gnäus Papirius Carbo, Prätor 89 v. Chr., eifriger Marianer und Genosse des Cinna, 85 und 84 Kollege desselben im
Konsulat, ließ sich 82 zum drittenmal zum Konsul ernennen und führte mit dem jüngern Marius den Krieg gegen Sulla, lieferte
demselben bei Clusium eine unentschiedene Schlacht, ward aber bei Faventia von Metellus geschlagen und floh nun nach Afrika
[* 7] und
von da nach der Insel Cossyra, wo er ergriffen und nach Sizilien
[* 8] gebracht wurde, wo ihn Pompejus in Lilybäum
hinrichten ließ.