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Das Dissertationsprojekt untersucht die Warenanzeigen des Basler Avisblattes, einer zwischen 1729 und 1844 mindestens wöchentlich erschienenen und vollständig überlieferten Intelligenzzeitung. Diese Veröffentlichung zielte darauf ab, durch Annoncen Suchende und Anbietende verschiedenster Dinge und Dienstleistungen zusammenzuführen. Die im Avisblatt publizierten Anzeigen umfassten daher diverse Bereiche wie den Immobilien- und Arbeitsmarkt, Transport- und Reisemöglichkeiten sowie weitere Dienstleistungen und spezifische Informationsangebote.
Die Inhalte dieser Kleinanzeigen des Avisblattes bezogen sich z.B. auf verlorene oder gefundene Objekte, offerierten und suchten solche zur Miete oder zum Verkauf, bewarben Gebrauchtwaren, priesen Medizinprodukte an und informierten über importierte Waren wie Kaffee und Tee. Viele dieser Anzeigen wurden von nicht- oder halbprofessionellen Inserenten aufgegeben. Auch professionelle Anbietende wie Handwerker, Händler und Geschäfte versuchten, die Kommunikationsplattform des Avisblattes zu nutzen, um die Öffentlichkeit über ihre Produkte zu informieren.
Das Dissertationsprojekt versucht diese Vielfalt an Anzeigeninhalten und -typen systematisch zu erfassen und mithilfe innovativer digitaler Methoden quantitativ auszuwerten. Damit wird es möglich, die Entwicklung von Angebot und Nachfrage nach verschiedenen Waren und die Verteilung zwischen gewerblichen und privaten Angeboten oder zwischen Second- und First-Hand-Handel über lange Zeiträume hinweg zu untersuchen. Ergänzend werden die beobachteten Entwicklungen in Praktiken des Handelns, Werbens und Konsumieren sowie in die damit verflochtenen zeitgenössischen Diskurse eingebettet.
Das Projekt interessiert sich dabei einerseits besonders für die Mikromechanik der lokalen Second-Hand-Zirkulation, zu der das Avisblatt einen einzigartigen Zugang ermöglicht. Andererseits sind auch Analysen der Zusammenhänge zwischen lokalen, überregionalen und zunehmend auch global vernetzen Gütermärkten im langen 18. und im 19. Jahrhundert möglich. Dabei gilt es auch, die verschiedenen für die Entwicklung der modernen Konsumgesellschaft im 18. und 19. Jahrhundert in der Forschung vieldiskutierten Revolutionsnarrative – insbesondere die Konsumrevolution (consumer revolution), die Fleissrevolution (industrious revolution) und die Einzelhandelsrevolution (retail revolution) – ausserhalb der Ausnahmeökonomien Westeuropas zu untersuchen und ihr Potential für eine Binnenstadt wie Basel zu prüfen. Der vom Projekt untersuchte Zeitrahmen zwischen 1729 und 1844 ermöglicht es, die in dieser Zeit in Basel stattfindenden ökonomischen und gesellschaftlichen Veränderungsprozesse in Beziehung zu Entwicklungen und Dynamiken der materiellen Kultur zu setzen. Das Projekt positioniert sich an der Schnittstelle zwischen Wirtschafts-, Kultur- und Kommunikationsgeschichte und leistet einen Beitrag zu der für die Schweiz bisher nur wenig erforschten Konsumgeschichte.