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Drama
Philippinen 1976
Alternative Titel -
Regie Lino Brocka
Drehbuch Lamberto E. Antonio und Mario O'Hara nach einer Story von Mario O'Hara
Darsteller Hilda Koronel, Mona Lisa, Ruel Vernal, Rez Cortez, Marlon Ramirez
Länge 94 Min.
Molodezhnaja Altersempfehlung ab 16
|Humor||Spannung||Action||Gefühl||Anspruch||Erotik|
|.||.|
© Text Marco,
molodezhnaja 16.12.07
© Bilder unico, Screenshots molodezhnaja
STORY
Insiang (Hilda Koronel) lebt mit ihrer Mutter Tonia (Mona Lisa) und der Verwandtschaft ihres abgehauenen Vaters in einem Ghetto von Manila. Als sich ein Cousin an einem Mädchen aus dem Quartier vergreift, schmeisst Tonia die ganze Verwandtschaft raus - und holt sich stattdessen ihren Geliebten, den Metzger Dado (Ruel Vernal), ins Haus. Dessen Verlangen gilt aber vor allem der jungen Insiang, die schon von ihrem Freund Danny (Rez Vernal) nur als Sexspielzeug angesehen wird. Als Dado Insiang vergewaltigt und Tonia die Tochter daraufhin als Schlampe betitelt, sinnt sie nur noch auf eins: Rache.
REVIEW
"Macho Dancer"-Regisseur Lino Brocka (1939-1991) gehörte zu den angesehensten Filmemachern der Philippinen. Seinem Frauendrama "Insiang" wurde die Ehre zuteil, als erster Film des Landes am Festival in Cannes gezeigt zu werden. Für Cannes ist "Insiang" vielleicht eine Spur zu simpel gestrickt, doch das Werk ist engagiert, unterhaltsam und effektiv. Brocka wirft allen Balast über Bord und konzentriert sich aufs Wesentliche, also die Zustände in Tonias Haus und die daraus entstehende Dreiecksbeziehung zwischen Mutter, Tochter und Dado.
Die 19-jährige Hilda Koronel überzeugt in der Hauptrolle mit stiller Kraft. Trotz ihres jugendlichen Alters war sie damals schon ein Leinwandveteran und wurde 1970 für Brockas "Santiago" als jüngste Schauspielerin (sie war 13) mit dem FAMAS-Award ausgezeichnet. Noch besser wird sie durch die Kombination mit Altstar Mona Lisa. Sie ist seit den 30er-Jahren im Kino aktiv und in der Sequenz, in der Koronel sie als alt betitelt und sie regelrecht fertig macht, bricht es einem glatt das Herz. Umso toller auch die fast wortlose Schlussszene, welche die Heftigkeit des Films zwar dämpft, aber sehr bewegt.
Die männlichen Darsteller, also die weniger erfahrenen Rez Cortez und Ruel Vernal, kommen nicht ganz so gut weg, hinterlassen aber keinen schlechten Eindruck. Sie sind auch nur Mittel zum Zweck: der Anklage männlichen Machtdenkens und chauvinistischen Verhaltens. Die Sympathien sind hier stets bei den Frauen, selbst wenn sie einen recht brutalen Racheweg beschreiten. Die Regeln im Ghetto, so vermittelt der Film, sind eben etwas härter als anderswo. Die Armut entmenschlicht. Schon die geniale Eröffnungsmontage zeigt einen Schlachthof, in dem Schweine aufgeschlitzt werden, verbluten und danach in einem selbst in Bildform übel riechenden Prozess gereinigt und verarbeitet werden, während das Schreien der Schweine noch nachhallt, wenn sie längstens tot sind.
In dieser Welt wächst Insiang auf, das Ghetto prägt sie und ihr Handeln. Brocka entwickelt daher nicht nur ein Porträt einer Frau, sondern des Ghettos an sich. Einen Blick in diese Welt anno 1976 zu werfen, ist ebenso faszinierend wie verstörend und man ertappt sich dabei, zu hoffen, mittlerweile gehe es diesen Menschen besser. Das Brocka nicht davor zurück schreckt, den Dreck und üblen Zustände in diesem Teil seiner Heimat zu zeigen, wertet den Film deutlich auf. "Insiang" mag etwas melodramatisch sein und simpel gestrickt, doch manche Momente fahren ein und die stringente Geschichte packt. Das macht das Drama sehenswert.
MEINE DVD
USA, Code 0, NTSC
Bild: Letterboxed Widescreen
Ton: Tagalog 2.0 mit nicht ausblendbaren englischen Untertiteln.
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