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Am 28. Oktober 2021 wird Ruth Roduner, die Tochter des ehemaligen St. Galler Polizeihauptmanns Paul Grüninger 100 Jahre alt. Roduner hat die Heldentaten ihres Vaters noch miterlebt, der hunderte jüdische Flüchtlinge gerettet hat.
Am 28. Oktober 2021 feiert Ruth Roduner, die Tochter des ehemaligen St. Galler Polizeihauptmanns Paul Grüninger ihren hundertsten Geburtstag. Roduner ist eine der letzten Zeitzeuginnen der Heldentaten ihres Vaters.
Persönliches und familiäres Leid
Paul Grüninger rettete in den Jahren 1938 und 1939 mehrere hundert jüdische Flüchtlinge vor dem sicheren Tod. Dafür musste er Dokumente fälschen. 1939 wurde er deswegen vom Dienst suspendiert, sein Pensionsanspruch aberkannt. Ein Jahr später 1940 wurde er zusätzlich wegen Amtspflichtwidersetzung zur Zahlung einer Geldstrafe verurteilt. Seine Tochter Ruth Grüninger Roduner musste daraufhin die Schule abbrechen. Die Taten ihres Vaters legten sich wie ein Schatten über ihr junges Leben. Eine Anstellung zu finden, fiel ihr schwer. Erst eine jüdische Textilfirma bot ihr eine Chance, die sie wahrnehmen konnte. Ihr Vater lebte bis zu seinem Lebensende von Gelegenheitsarbeiten und als Aushilfslehrer.
Fehlende Anerkennung und späte Rehabilitierung
Anerkennung für seine Heldentaten erhielt Paul Grüninger bis zu seinem Tod keine, auch nicht von jüdischer Seite oder dem SIG. Ein Jahr vor seinem Tod nahm ihn die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem 1971 als Gerechten unter den Völkern auf. Erst im Jahr 1993 wurde Paul Grüninger durch die St. Galler Regierung politisch rehabilitiert. Die juristische Rehabilitation folgte erst 1995, als das Bezirksgericht St. Gallen das Urteil gegen Grüninger aufhob und ihn posthum freisprach.
Aufarbeitung des SIG
Auch der SIG arbeitete seine Beziehung zu Paul Grüninger, wenn auch spät, erst 2014 auf. Damals gab der SIG eine Studie in Auftrag, um die Beziehung zwischen dem SIG und Paul Grüninger zu beleuchten und um abzuklären, ob es diesbezüglich zu schliessende Forschungslücken gäbe. Der Historiker Stefan Keller kam in seiner Arbeit schliesslich zum Schluss, dass sich der SIG Grüninger gegenüber klar zu wenig dankbar gezeigt hatte. Der SIG bedauerte in der Folge öffentlich die Versäumnisse im Umgang mit Paul Grüninger. Der damalige SIG-Präsident Herbert Winter entschuldigte sich dafür persönlich und im Namen des SIG bei Ruth Roduner. Er informierte sie ausserdem über den Entscheid des Verbands, ihr eine lebenslange monatliche Zuwendung aus dem Memorialfonds als Zeichen der Wertschätzung zukommen zu lassen.
Herzliche Gratulation
Sieben Jahre später lebt Ruth Roduner in einer Altersresidenz in der Ostschweiz. Der SIG gratuliert Ruth Roduner herzlich zu ihrem aussergewöhnlichen Geburtstag und wünscht ihr weiterhin ein glückliches und gesundes Leben.
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