Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03356.jsonl.gz/1392

Ab sofort sind die jährlichen Berichte zum Aufsichtsjahr 2010 auf der Website des ENSI abrufbar. Der Aufsichtsbericht 2010 bezieht sich darauf, wie das ENSI seine Aufgaben im Jahr 2010 wahrgenommen hat und wie es die nukleare Sicherheit im Jahr 2010 beurteilt. Das ENSI beaufsichtigt den ganzen Lebenszyklus von Kernanlagen, von der Planung über den Bau, die Inbetriebsetzung, den Betrieb, die Nachbetriebsphase, den Rückbau und die Entsorgung der radioaktiven Abfälle.
Um sicherzustellen, dass das ENSI ein möglichst umfassendes und realistisches Bild der Sicherheit der Schweizer Kernkraftwerke hat, fügt das ENSI die von ihm bewerteten Elemente der Sicherheitsvorsorge zu einem Gesamtbild zusammen. Das Vorgehen ist im Anhang des Aufsichtsberichts unter dem Stichwort “Sicherheitsbewertung” beschrieben. Die Ergebnisse sind in den Kapiteln über die einzelnen Kernkraftwerke dargestellt. Die Sicherheitsbewertung führt für jeden Kernkraftwerksblock zu einem Mosaik aus Steinen unterschiedlicher Farben, damit die Stärken und Schwächen jeder Anlage sichtbar werden und das ENSI erkennt, an welchen Stellen die Sicherheitsvorsorge zu stärken ist. Hier muss der jeweilige Betreiber dem ENSI Verbesserungsmassnahmen vorlegen. In den letzten Jahren haben wir darüber hinaus über jedes Kernkraftwerk eine qualitative Gesamtbewertung kommuniziert. Wir gehen dieses Jahr nun einen Schritt weiter und differenzieren diese Gesamtbewertung.
Der Logik der Sicherheitsbewertung entsprechend bewerten wir nun die Sicherheit jedes Kernkraftwerks hinsichtlich Auslegungs-Vorgaben, Betriebs-Vorgaben, Zustand und Verhalten der Anlage sowie Zustand und Verhalten von Mensch und Organisation. Weil aufgrund dieser Differenzierung die Beurteilung der Auslegung erstmals separat ausgewiesen wird, werden in der Gesamtbewertung Unterschiede zwischen den älteren und den neueren Anlagen systematisch sichtbar. Dank umfangreichen Nachrüstungen, die über den internationalen Stand hinausgehen, bewertet das ENSI die Sicherheit der älteren Anlagen Beznau und Mühleberg hinsichtlich Auslegungs-Vorgaben als gut. Aufgrund des technischen Fortschritts in den 1970er Jahren ist die Sicherheit der neueren Anlagen Gösgen und Leibstadt aus der Auslegungs-Perspektive auf einem noch höheren Stand, weshalb das ENSI diese als hoch bewertet.
Die Kernanlagen der Schweiz werden seit den katastrophalen Ereignissen im japanischen Fukushima vom 11. März 2011 in der Öffentlichkeit grundlegend anders wahrgenommen als zuvor. Drei Tage nach Fukushima sistierte der Bundesrat die Rahmenbewilligungsverfahren für neue Kernkraftwerke. Zwei Monate später ist der politische Prozess gestartet worden, um in der Schweiz aus der Nutzung der Kernenergie für die Stromproduktion auszusteigen. Damit haben sich die Aufgaben des ENSI teilweise verändert. Die Begutachtung der Neubauprojekte ist obsolet geworden.
Die Aufsicht über die in Betrieb befindlichen Kernkraftwerke bleibt jedoch eine Schlüsselaufgabe. Darüber zu wachen, dass die Schweizer Kernkraftwerke die Sicherheitsanforderungen erfüllen, ist nach Fukushima genauso wichtig wie zuvor. Dazu gilt es, aus den Ereignissen in Japan die nötigen Lehren zu ziehen.