Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/155750

<h2>SubmittedText<h2><p>Die Honigbienen leisten einen grossen Beitrag zur Bestäubung von Pflanzen in der Landwirtschaft und unterstützen damit die Ernährungssicherheit. Den Bienen macht die Varroamilbe sehr zu schaffen. Um sie zu bekämpfen, verwenden die Imker seit Auftreten der Varroamilbe in der Schweiz organische Säuren, insbesondere Ameisensäure.</p><p>Das Behandlungskonzept des Zentrums für Bienenforschung von Agroscope (1998, 2003) sieht folgende Mittel zur Behandlung der Bienenvölker vor: Ameisensäure, Oxalsäure und Milchsäure. All diese Säuren kommen auch natürlicherweise im Honig vor. Zur Bekämpfung der Wachsmotte - ein Schädling, welcher ausserhalb der Bienenvölker die Wabenvorräte zerstört - werden seit Jahrzehnten Schwefelschnitten (also Schwefeldioxid) verwendet. Das alles hat zu keinem Problem bei der Honigqualität geführt.</p><p>Fragen:</p><p>1. Welche Mittel empfiehlt das Zentrum für Bienenforschung aktuell für die Behandlung der Bienenvölker gegen die Varroamilbe?</p><p>2. Angenommen, alle Imker wenden diese Empfehlung in der Praxis regelkonform an: Welche Mengen der Säuren werden dann für die Behandlung aller Schweizer Honigbienenvölker benötigt?</p><p>3. Wurden in den letzten 15 Jahren aufgrund der Behandlungen der Bienenvölker unzulässige Mengen von Ameisen-, Oxal- oder Milchsäure oder Schwefel in Honigproben festgestellt?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Bienen leisten einen äusserst wichtigen Beitrag zur Bestäubung vieler Kultur- und Wildpflanzen. Bei den Honigbienen sieht man sich seit mehr als zehn Jahren mit dem Phänomen des Wintersterbens konfrontiert, dessen Ursachen noch nicht vollständig geklärt sind. Der Parasit Varroa destructor scheint hier jedoch eine wichtige Rolle zu spielen. Der Bundesrat ist sich der problematischen Situation bewusst und hat im Mai 2014 die Erarbeitung eines nationalen Massnahmenplans für die Gesundheit der Bienen beschlossen. Die Sofortmassnahmen des Massnahmenplans umfassen die Verbesserung der Nahrungsressourcen der Bienen und eine zeitlich begrenzte Erhöhung der Mittel zur Beurteilung der Risiken, die für Bienen von Pflanzenschutzmitteln ausgehen.</p><p>1. Seit dem ersten Auftreten des Parasiten Varroa destructor in der Schweiz in den Achtzigerjahren empfiehlt das Zentrum für Bienenforschung (ZBF) den Imkerinnen und Imkern, auf synthetische Akarizide zu verzichten, da Probleme mit Rückständen in den Bienenprodukten - namentlich im Bienenwachs - und Resistenzen gegenüber den Wirkstoffen beobachtet wurden. Das Zentrum für Bienenforschung hat aus diesen Gründen alternative Bekämpfungsstrategien gegen die Varroamilbe entwickelt. Diese Strategien werden vom Zentrum für Bienenforschung noch heute empfohlen und auch in unseren Nachbarländern angewendet.</p><p>Die vom Zentrum für Bienenforschung entwickelte und empfohlene Bekämpfungsstrategie setzt in erster Linie auf Befallskontrollen der Bienenvölker und auf die Behandlung mit organischen Säuren (Ameisensäure im Sommer und Oxal- oder Milchsäure im Winter). Auf der Grundlage dieser Arbeiten wurden von verschiedenen Firmen neue Bienenarzneimittel formuliert. Die Anträge auf Zulassung von vier Bienenpräparaten konnte Swissmedic inzwischen gutheissen, sodass heute 60-, 70- und 85-prozentige Ameisensäure und Oxuvar-Träufellösung mit 2,5 Prozent Oxalsäure als Tierarzneimittel verfügbar sind. Weil bis anhin noch keine Gesuche vorliegen, sind keine Bienenarzneimittel auf der Basis von Milchsäure und Oxalsäure zum Verdampfen zugelassen. Milchsäure ist in der Schweiz als Lebensmittelzusatzstoff (E 270) zugelassen; jedoch hat die Verwendung von Milchsäure als Zusatzstoff in Lebensmitteln nichts mit dem Einsatz als Tierarzneimittel zur Behandlung von Bienen zu tun.</p><p>Die Umsetzung dieser Bekämpfungsstrategie ist nicht leicht, und viele Imkerinnen und Imker bekunden damit Probleme. Das Zentrum für Bienenforschung arbeitet zurzeit an der Vereinfachung der Methoden und an mittel- und langfristigen Lösungen, die einerseits die Verwendung neuer Moleküle oder Formulierungen in der Behandlung vorsehen und andererseits die Erforschung der Resistenzmechanismen zur Selektion resistenter Bienenstämme beinhalten. Dies ist ein langfristiges Ziel, ist jedoch die einzige Lösung, um diesen Parasiten künftig nicht alljährlich mittels Behandlungen in Schach halten zu müssen.</p><p>2. Falls sämtliche Schweizer Imkerinnen und Imker bei Behandlungen im Sommer auf Ameisensäure zurückgriffen, würden etwa 42 000 Liter benötigt. Bei der Behandlung im Winter mit Oxalsäure würden rund 240 Kilogramm Oxalsäure-Dihydrat gebraucht. Ameisensäure wird von rund 67 Prozent und Oxalsäure von rund 89 Prozent der Imker eingesetzt. Von Milchsäurelösungen werden nur einige Hundert Liter eingesetzt.</p><p>3. Ameisen-, Oxal- und Milchsäure sind natürliche Bestandteile des Honigs. Sie stammen aus dem von den Bienen gesammelten Nektar und Honigtau sowie aus der natürlichen enzymatischen Umwandlung des Zuckers. Zahlreiche Studien zeigen, dass sich bei der Verwendung von Ameisen-, Oxal- und Milchsäure gemäss den Empfehlungen von Agroscope der natürliche Gehalt an diesen Säuren im Honig nicht erhöht. Schwefel ist seit 2013 ausschliesslich zum Abtöten von Bienenvölkern bei Seuchen zugelassen, und das Material wird anschliessend verbrannt. Früher wurde Schwefel auch zur Bekämpfung eines Wachsschädlings in den Wabenlagern verwendet.</p><p>Die Kontrolle der Lebensmittel ist eine kantonale Aufgabe. Dem Bundesrat ist nicht bekannt, ob unzulässige Mengen Ameisen-, Oxal- oder Milchsäure oder Schwefel in Honigproben festgestellt wurden.</p>  Antwort des Bundesrates.