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Licht am Horizont?
Darum hat die Endemie nicht viel mit einem Ende zu tun
Endemie, Pandemie und Epidemie: Alle schon mal gehört, doch diese Woche kommt es auf die genaue Definition an. Sind die Aussichten auf die Endemie, die Berset uns prophezeit in der nächsten Zukunft, wirklich so rosig?
An der Medienkonferenz vom Mittwoch zeichnete Alain Berset ein Licht an den Horizont: Es bestehe die Hoffnung, «dass wir nun oder bald in die endemische Phase eintreten.» Dass eine Endemie mit einem Ende trotz Wortlaut nicht viel zu tun hat, zeigt blue News mit den folgenden Punkten.
Von der Epidemie zur Pandemie
Es lohnt sich beim Ursprung anzufangen, bei der Epidemie, denn diese liegt häufig einer Pandemie zugrunde. Von einer Epidemie spricht man, wenn eine Infektionskrankheit stark gehäuft auftritt, diese Häufung jedoch örtlich und zeitlich begrenzt ist. Das Ebola-Fieber, aber auch die saisonale Grippe fällt zum Beispiel unter die Kategorie Epidemie. Von einer Pandemie ist hingegen die Rede, sobald diese Häufungen in mehrere Ländern oder Kontinenten auftreten. Auch die Grippe kann als Pandemie auftreten. Dies war zum Beispiel 2009 mit der Schweinegrippe der Fall.
Und was macht nun eine Endemie aus?
Von einer Endemie spricht man grundsätzlich, wenn ein Virus zwar an einem Ort noch zirkuliert, aber nicht mehr zu grossen Ausschlägen bei den Infektionen führt, da ein Grossteil der Bevölkerung bereits immunisiert ist. Die Infektionszahlen laufen etwa konstant. Auf praktischer Ebene werde der Begriff aber auch für länderübergreifende Infektionskrankheiten benutzt, wie Marcel Salathé im Interview erklärt. Man wechsle vom Begriff der Pandemie zur Endemie, «wenn die Krankheit nicht mehr neu ist und man sich daran gewöhnt hat, mit ihr zu leben, anstatt ständig im Krisenmodus zu sein», dies heisse aber nicht, dass eine Endemie immer mild ausfalle. Zum Beispiel seien in gewissen Ländern Cholera oder Malaria endemisch.
Wie sind die Aussichten beim Sars-Cov-2?
Damit eine Endemie eintreten kann, müssen zuerst ein Grossteil der Menschen immunisiert sein – ob durch eine genügend schützende Impfung oder durch eine Genesung. Das WDR schätzt zum Beispiel, dass in Grossbritannien oder in Spanien als Erstes eine Endemie eintreten könnte, im ersten Fall, da es besonders viele Infektionen gibt, im zweiten, weil bereits über 85 Prozent der Bevölkerung über 60 Jahren den Booster erhalten haben.
Der spanische Minister Pedro Sànchez schlägt in einem Interview mit der italienischen Tageszeitung «La Stampa» darum ähnliche Töne an, wie Bundesrat Alain Berset diese Woche: «Die Zukunft der Pandemie zeichnet dank der Impfkampagne einen ganz anderen Horizont als den, den wir in der Vergangenheit erlebt hatten», sagte der 49-Jährige.
Der Nachrichtenagentur Europa Press zufolge bekräftigte er am Freitag zudem seine Forderung, sich auf den Übergang von einer Pandemie zu einer Endemie vorzubereiten. Dafür müssten schon jetzt «Brücken entworfen» werden, betonte Sánchez.
Was sagen Gesundheitsexperten dazu?
Der Weltgesundheitsorganisation WHO gehen diese Aussagen zu schnell: Sie sieht in Europa die Zeit noch nicht gekommen, die Pandemie zu einer Endemie zu erklären. «Wir haben immer noch eine grosse Unsicherheit», sagte etwa WHO-Expertin Catherine Smallwood gemäss WDR. Das Virus entwickele sich sehr schnell und stelle immer wieder neue Herausforderungen.
Unklar sind zum Beispiel die Langzeitfolgen einer Corona-Erkrankung, die Auswirkungen der neusten Variante Omikron sowie die Schutzwirkung der Impfung, gerade auch im Hinblick neuer Mutationen, die auftreten könnten.