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Cugir SSG97, Fakten und Mythos
Hallo Longrangefreunde und Interessierte, in diesem Bericht möchte ich Euch das Cugir PSL näher bringen.
Einleitung
Im Partnerverein des SMKSG, dem UOV Leu, ist das Thema „Designated Marksman Rifle“ (DMR) ein fixer und immer wiederkehrender Ausbildungsteil. Als «DMR» wird ein Selbstladegewehr mit Zielfernrohr bezeichnet, welches eine höhere Reichweite als die übliche Ordonnanzwaffe aufweist. Die Schweizer Armee verfügt über kein spezifisches «DMR». Stattdessen wird das Sturmgewehr 90 mit einem 4-fach Kern Zielfernrohr ausgerüstet. Damit vergrössert sich die Einsatzdistanz auf bis zu 600 Meter.
Das Sturmgewehr 90 mit Zielfernrohr entspricht wohl aber eher einer „Recce“- Waffe. Der Begriff „Recce“ ist ein Mundartbegriff der britischen Armee und bedeutet so viel wie „Reconnaissance“. Die Idee eines solches Aufklärungsgewehrs ist eine leichte Infanteriewaffe mit einer kleinen Optik auszustatten welche einerseits präzises Einzelfeuer sowie rasches Unterstützungsfeuer ermöglicht. Dabei sollte die Waffe möglichst leicht und führig bleiben.
Die Idee eines klassischen DMR-Gewehrs liegt dabei die effektive Reichweite eines Trupps zu erhöhen. Das wird in der Regel mit einem grösseren und damit einhergehend stärkeren Kaliber erreicht sowie mit vielen Hilfsmitteln an der Waffe wie Zweibeine, grössere Optik sowie verstellbaren Schäften, usw.
Bei westlichen Armeen und deren Scharfschützenwesen werden seit Jahrzehnten vorwiegend Repetierer verwendet. Bei unseren östlichen Nachbarn respektive in Russland oder den ehemaligen Sowjetstaaten wurde bis in die 90er Jahre ein anderer Ansatz gewählt. Die Scharfschützen wurden hauptsächlich mit spezifischen «DMR» ausgerüstet. Mittlerweile rüstet Russland seine Scharfschützen neben den DMR auch mit hochpräzisen Repetierern aus.
Unterschiede zwischen Ost und West gab oder gibt es auch bezüglich der Anforderungen an das Material. Dies manifestiert sich beispielsweise am Preis. So kostet in westlichen Armeen die Optik eines DMR tendenziell bereits mehr als im Osten das gesamte Gewehr – inklusive der Optik. Durch diese Schwerpunktlegung erreichten die Russen aber ein sehr gutes Kosten-Nutzen Verhältnis. Pareto lässt grüssen. Darüber hinaus hat Russland auch in jüngerer Zeit gezeigt, dass sie im militärischen Bereich immer noch sehr ernst zu nehmen sind und auch ihre DMR-Waffen immer wieder modernisiert wurden.
In diesem Bericht möchte ich aber nicht über Vor- und Nachteile einzelner Doktrinen oder Waffensystem schreiben, sondern euch ein spezifisches DMR näherbringen. Das rumänische Cugir PSL.
Geschichte
In den 60er Jahren führte die UDSSR die SVD respektive SWD (je nach Übersetzung wird «Vintovka» entweder mit «V» oder mit «W» geschrieben) oder «Dragunov» ein. Dieses halbautomatische DMR sollte die Lücke zwischen der AK-47 und dem «Mosin Nagant» schliessen. Mit dem SVD wurde ein halbautomatisches Gewehr im Kaliber des Nagant eingeführt.
Im Jahr 1968 kritisierte der damalige rumänische Despot Ceausescus den Einmarsch des Wahrschauer Pakts in die Tschechoslowakei auf das Schärfste. Die daraus resultierenden Spannungen zwischen der Sowjetunion und Rumänien führten dazu, dass unter anderem Waffenlieferungen sowie die technische Unterstützung eingestellt wurden. Rumänien verlor damit den Zugang zu den von Russland produzierten SVD. Notgedrungen entschlossen sich die Rumänen 1970 für die Produktion eines eigenen Scharfschützengewehrs. Das Resultat war das PSL md. 74, welches vom traditionsreichen Rüstungsunternehmen RATMIL entwickelt und 1974 bei den rumänischen Streitkräften eingeführt wurde. Das PSL wird bis heute produziert und auch in mehrere Länder exportiert. Darunter nach: Irak, Afghanistan, Äthiopien, Bangladesch, Nicaragua und Moldawien.
Das Zielfernrohr stammte ebenfalls aus einheimischer Produktion und stammt von der Industrie Optic Romania (I.O.R.). Das Unternehmen stellt seit 1936 Optiken her und arbeitete lange Zeit mit westlichen Herstellern wie z.B. FOG, PENTACON, LEITZ, C. ZEISS, SCHNEIDER usw. Ob diese Zusammenarbeit heute noch besteht konnte ich nicht in Erfahrung bringen.
Technik
Das Cugir trägt die militärische Bezeichnung PSL md 74 „Pușcă semiautomată cu lunetă model 74“. Diese Armeeversion ist mit wenigen Unterschieden auch als Zivilversion erhältlich. Die Zivilversion wird unter der Bezeichnung: SSG-97, PSL-54C, FPK, FPK-Dragunov oder Romak-3 verkauft.
Technische Daten
|Gesamtlänge: 1‘156mm
|Magazinkapazität: 10 Schuss
|Gesamtbreite: 88mm
|Feuerarten: Einzelfeuer
|Gewicht ungeladen: 4.05kg (4.31kg mit ZF)
|Visier: LPS-2-ZF, Kimme-Korn
|Lauflänge: 695mm
|Verschluss: Drehkopfverschluss
|Kaliber: 7.62 x 54r, 7.62 x 51mm
|Ladeprinzip: Gasdrucklader
|Lauf: Verchromt, 4-fach Rechtsdrall
|Hersteller: SC Fabrica de Arme Cugir SA
Das PSL wird aufgrund seiner äusseren Erscheinung fälschlicherweise immer wieder als rumänisches SVD beschrieben. Tatsächlich ähneln sich äusserlich das rumänische PSL und die russische SVD sehr. Anhand einiger Merkmale können die beiden Modelle aber auch bereits von aussen voneinander unterschieden werden:
- Der vordere Handschutz beim PSL ist zweiteilig, beim SVD seitlich betrachtet einteilig
- Beim PSL befindet sich der Magazinschacht direkt am Abzugskäfig, bei der SVD ist das Magazin nach vorne versetzt. Die Magazine sind untereinander nicht kompatibel (weitergehende Informationen folgen in diesem Bericht).
- Beim Blech-Magazin des PSL ist ein markantes «X» zu erkennen, während bei der SVD das Magazin ein Kachelmuster aufweist. Das «X» wird mancherorts auch Sanduhr genannt. Bei der 308er Version des PSL besteht das Magazin aus transparentem Kunststoff ohne das markante «X» und verfügt ebenfalls über ein Kachelmuster. Das Magazin ist allerdings gerade und nicht gebogen und das Kachelmuster fällt engmaschiger aus.
- Der Mündungsfeuerdämpfer des PSL ist quer-, der des SVD längsgeschlitzt. Bei der Zivilversion des PSL lässt er sich ausserdem nicht demontieren und die Aufnahme für das Bajonett fehlt.
Neben den optischen Merkmalen sind es aus technischer Sicht zwei komplett verschiedene Waffen. Abgesehen vom Zubehör wie der Zielfernrohrschiene oder der Bajonettaufnahme sind die Bauteile der beiden Waffen untereinander nicht austauschbar. Das Magazin der PSL kann bei der SVD eingesetzt und genutzt werden. Umgekehrt funktioniert dies aber nicht. Das Cugir PSL ist im Grunde eine übergrosse AKM und basiert auf einem RPK (leichtes Maschinengewehr).
Wer eine AK zerlegen kann, kann das Cugir zerlegen. Im Vergleich zu einer normalen AK ist der Lauf des Cugir allerdings um einiges länger und sie verfügt über einen sehr schönen Skelettschaft aus Schichtholz. Ganz ähnlich dem SVD.
Ein mit Blechprägetechnik hergestellter, verlängerter Verschlusskasten bildet die Basis für das PSL. Das Gehäuse ist im hinteren Bereich respektive beim Übergang zum Kolben zudem mit zwei Stahlblechplatten verstärkt. Links und rechts des Hülsenauswurffensters befinden sich zwei weitere Verstärkungsrippen. Diese Verstärkungsbleche- und rippen sind aufgrund des grösseren, stärkeren Kalibers notwendig.
Die Verschlusskastenabdeckung ist im Grunde eine auf die Grösse des PSL angepasste AKM-Abdeckung. Auch das Gasrohr sowie der Vordergriff sind um das entsprechende Mass vergrösserte AK-Bauteile. Wie bei der normalen AK, besteht bei der PSL die Gasstange und der Verschlussträger aus einem Stück. Der Sicherungshebel ist identisch der AKM und dient in gesichertem Zustand gleichzeitig als Staubschutz.
Im Vergleich zum PSL funktioniert die SVD mit einem kürzeren Gasstangensystem. Die Gasstange treibt einen leichteren und nicht mit der Gasstange verbundenen Verschluss an. Diese Bauweise soll eine Schwerpunkt-verlagerung der Waffe beim Schuss verhindern und sich so positiv auf die Präzision auswirken. Ganz ähnlich der tschechischen VZ58.
Damit der Lauf frei schwingen kann, ist bei der SVD der Handschutz vom Verschlussträgerkasten abgekoppelt. Die Rumänen haben bei der PSL einen anderen Weg eingeschlagen.
In der militärischen Version verschiessen das PSL sowie die SVD die Patrone 7.62x54R und somit die selbe Munition wie auch das Mosin Nagant. Das «R» bei der Munitionsbezeichnung steht für «Rand», so wie bei einer 22er LR-Patrone. Im Vergleich zur SVD ist das PSL auch im Kaliber .308 erhältlich. Für die Waffe gibt es nebst normalen Vollmantel- auch panzerbrechende- und Leuchtspurmunition.
Die SSG-97 Version im Kaliber .308 Win verfügt über keinen Verschlussfanghebel. Der Verschluss bleibt nach dem letzten Schuss somit nicht automatisch offen. Das SSG-97 im Kaliber 7.62x54R und auch die SVD verfügen beide über einen Verschlussfangmechanismus.
Der skelettierte Holzschaft ist mit einer Wagenauflage und einer Art Pistolengriff oder «Thumbhole» versehen. Der Schaft ist zwar auf eine rechtshändige Bedienung ausgelegt, kann aber auch als Linkshänder benutzt werden.
Die nicht verstellbare Wangenauflage ist eher zu tief und der Schaft ist zudem eher kurz. Dies ist aber im Wissen, dass die Waffe mehrheitlich in kalten Regionen zum Einsatz kommt, bewusst so konstruiert. So kann die Waffe auch mit dicker Winterkleidung problemlos genutzt werden.
Ein interessantes Detail findet sich im Kolbenabschluss. Dieser ist mit einer gefederten Stahlkappe ausgestattet, welche den Rückstock dämpfen soll. Der Schaft kann zudem mit einer Gummikappe um 5cm verlängert werden. Die Kappe ist allerdings nicht im Lieferumfang enthalten und sie muss separat beschafft werden – sofern man dann ein Original findet.
Ich habe meine mit einer „Pachmayr Decelerator Slip-On“ Schaftkappe ausgerüstet. Die sieht ganz vernünftig aus, sitzt gut und ist sehr bequem. Allerdings würde ich sie unter militärischen Bedingungen noch mit einem Kabelbinder oder ähnlich sichern. Für das Long-Range Schiessen im Verein ist dies aber nicht notwendig.
Zielfernrohr PSO-1 / LPS-2
Das PSL kommt mit einem LPS-2 Zielfernrohr aus rumänischer Produktion und mit fixer 4-fach Vergrösserung. Das LPS-2 kann als vereinfachte Kopie des sowjetischen PSO-1 bezeichnet werden. Der grösste Unterschied ist die dem LPS-2 fehlende batteriegestützt Beleuchtung des Absehens.
Das LPS-2 wurde zwischen 1970-1974 mit Tritium beleuchtet. 1974 wurde die Produktion aber eingestellt und das Zielfernrohr ist bei Sammlern mittlerweile äusserst begehrt. Dies auch obwohl das Tritium in der Zwischenzeit seine Leuchtkraft verloren hat.
Das Zielfernrohr und die Montage bilden – wie bei den AK-Modellen üblich – eine Einheit und wird mittels einer Schwalbenschwanzschiene auf der linken Seite des Verschlussgehäuses montiert. Die Schwalbenschwanzaufnahme ist auch mit dem PSO-1 kompatibel.
Wie auf den untenstehenden Abbildungen ersichtlich, ähnelt das Absehen demjenigen des MG-51. Es ist leicht verständlich, übersichtlich und es lassen sich rasch und ohne grössere mathematischen Berechnungen Entfernungen respektive Distanzen Einschätzen.
Mit dem Absehen lassen sich Distanzen bis 1‘000m ablesen. Das Notvisier (analog der Kimme/Korn bei der AK) lässt sich auch mit aufgesetztem Zielfernrohr nutzen und lässt sich für Distanzen bis 1‘200 m verstellen.
Die Linie mit der Grössenskala im Zielfernrohr gibt es in diversen Grössen. So zum Beispiel für 1.80m, 1.75m oder 1.60m. Neben dem 4×24 können auch eine Vielzahl anderer Zielfernrohre und Optiken mit unterschiedlichen Vergrösserungen montiert werden. Das Absehen ist bei den Meisten aber identisch.
Die Verstell- / Klick-Einheiten waren zu Beginn eine Herausforderung. Dies insbesondere aufgrund der kyrillischen Schriftzüge. Von einem Vereinskameraden im Mittelkaliber erhielt ich dann aber den entscheidenden Hinweis. Die Zahlen auf der Höhentrommel entsprechen den Schiessdistanzen. Also 3 = 300m; 5 = 500m; usw. Dies sind natürlich nur Richtwerte, da ja verschiedenste Munitionssorten verwendet werden können Die Richtwerte reichen aber aus, sodass man mit wenigen Justierschüssen sehr schnell auf dem Ziel ist.
Pflege und „Tuning“
Da die PSL – wie zu Beginn schon erklärt – im Grunde eine übergrosse, verstärkte AKM ist, ist auch deren Handhabung gleich. Die Waffe kann ohne Werkzeug problemlos auf dem Feld zerlegt, gereinigt und wieder zusammengesetzt werden. Dies ohne Angst haben zu müssen, dass Kleinteile verloren gehen.
Ich hatte in den letzten Jahren das Glück und Vergnügen, einige sehr versierte und erfahrene AK-Nutzer kennen zu lernen. Diese standen mir mit Rat und Tat zur Seite. Ich gebe euch gerne einige Tipps weiter, die sich bei mir sehr bewährt haben.
Reinigt eure AK oder PSL wie jede andere Waffe auch
Die Meinung, dass eine AK nicht oder kaum gereinigt werden muss, ist weit verbreitet. Es ist in der Tat so, dass das System sehr robust und schmutzresistent ist. Nichtsdestotrotz hatte ich auch bei meinen verschiedensten AK-Systemen schon diverse Störungen, die sich auf eine verschmutzte oder abgenutzte Waffe zurückführen liessen. Das fängt bei verklemmten Magazinfedern an und geht weiter mit «Doubletten» im Seriefeuermodus, bei welchen der nächste Schuss nicht nachgeladen wurde. Ich habe auch schon exotische Störungen erlebt, bei welchen der Abzug nach jedem Schuss wie eine Mausefalle schmerzhaft gegen den Abzugsfinger schnellte.
Auch bei der PSL bliebt ich bezüglich Störungen nicht verschont. So blieb bei leergeschossenem Magazin der Verschluss in der hintersten Stellung arretiert – verklemmt und das Magazin liess sich nur mit grösserem Kraftaufwand aus dem Magazinschacht entfernen. Nach dem Entfernen des Magazins schnellte jeweils der Verschluss unsanft nach vorne. Durch untenstehende „Modifizierung“ wurde es besser, aber nicht ganz beseitigt.
„Smoother Handling“
Wer eine AK besitzt hat sicher schon die Erfahrung gemacht, dass man z.B. bei der Ladebewegung ziemlich gut spüren kann, wie die rauen Oberflächen übereinander gleiten. Die Lösung ist so simpel wie naheliegend.
Wer möchte, dass seine AK geschmeidiger läuft und auch angenehmer zu bedienen ist, der poliert die entsprechenden Teile an den entsprechenden Kontaktstellen. Ich spreche hier nicht von schleifen oder gar technischen Änderungen der Waffen, sondern lediglich von polieren um eine möglichst glatte Oberfläche zu erhalten!
Diese wären:
- Oberflächen des Verschlussgehäuse, auf welchem der Verschluss hin und her läuft.
- Führungsrillen des Verschlusses, welche auf dem Verschlussgehäuse laufen sowie der komplette untere Teil inkl. Verschlusskopf, welcher durch das zurückfahren den Schlaghammer spannt.
- Den vorderen (im gespannten Zustand oberen) Teil des Schlaghammers.
- Beim Schlaghammer, je nach einfacher oder doppelter Abzugskralle beide Flächen, wo die Abzugskralle Kontakt hat zum Schlaghammer. Das ist mitunter die wichtigste, wenn auch kleinste Fläche. Wer hier sauber arbeitet, erhält in der Regel einen wesentlich schöneren Abzug. Erwartet keinen Match-Abzug, aber es macht doch einiges aus.
- Zum Schluss dann noch die Abzugskralle, welche den Schlaghammer festhält. Das sind nur wenige Quadratmillimeter, aber wie oben geschrieben die wichtigste Fläche um einen besseren Abzug zu erhalten.
Bei einer normalen AK ohne «Bolt-Catch» / «Verschlussfang», kann man sich vom Büchsenmacher im Sicherungshebel eine kleine Aussparung ausschneiden lassen. Damit lässt sich der Verschluss der Waffe arretieren und die Waffe kann mit offenem Verschluss transportiert oder auf dem Schiessstand in den Rechen gestellt werden.
Doktrin und Einsatz
Das PSL ist als «DMR» konzipiert. Die Waffe sollte es einem Trupp ermöglichen, weiter entfernte Ziele mit grösserer Präzision zu bekämpfen. Das PSL wurde nicht für hoch trainierte Scharfschützen entwickelt, sondern für Soldaten ohne zusätzliche intensive oder lange Ausbildung. Die Waffe soll durch den DMR-Schützen nach kurzer Zeit erfolgreich eingesetzt werden können.
Zu Zeiten des Warschauer Pakts gab es auf Seiten der Sowjets keine Präzisionswaffen mit dicken Läufen, so wie beispielsweise das von den Amerikanern eingesetzt M 40 Gewehr. Dies liegt wohl an den unterschiedlichen Philosophien. Im Osten wurde der Fokus auf eine hohe Mobilität und auf eine hohe Feuerrate gelegt und weniger auf den präzisen Einzelschuss. Die heutigen russischen Streitkräfte haben diese Lücke mittlerweile geschlossen und verfügen unterdessen – wie die westliche Armeen – über die entsprechende Ausrüstung sowie das erforderliche Know-How im Scharfschützenwesen.
Präzision / Einsatzdistanz
Die effektive Einsatzdistanz eines mit AK-Gewehren bewaffneten Trupps liegt – je nach Quelle – zwischen 200-400m. Ähnlich verhält es sich hinsichtlich des PSL. Je nach Quelle liegt die Einsatzdistanz des PSL demgemäss bei 600 – 1‘300m. Ich wage zu behaupten, dass die Kaliber 7.62x54R oder .308 Win bis zirka 1’000 m sinnvoll und effektiv eingesetzt werden können. Dies unter der Annahme, dass auf rund 1’000 m ü.M. geschossen wird. Die Einsatzdistanz des PSL liegt meiner Meinung nach bei rund 600 bis 800 m.
Meine Behauptung zur Einsatzdistanz stützt sich auf Erfahrungen, auf die ich in einem späteren Kapitel noch eingehen werde. Wenn ich von einem sinnvollen und effektiven Einsatz spreche, definiert sich dies für mich wie folgt: Das Gewehr muss in der Lage sein, mit einem sauber abgegebenen, gezielten Schuss eine F-Scheibe des Schweizer Militärs sicher zu treffen.
Die Präzision hängt natürlich aber auch von der Qualität der Waffe ab. Eine AK-47 aus der DDR (super Qualität) lässt sich mit einer Kleiderbügel-Kyberpass-AK aus Afghanistan nicht vergleichen. Gleiches gilt für die PSL und man hört immer wieder, dass es qualitative Unterschiede gibt. Auch aus derselben Fabrik können offenbar sehr gute wie auch sehr schlecht Modelle kommen.
Im Vergleich zum PSL kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass sich mit einer qualitativ guten AK-47 (7.62 x 39mm) sowie mit «anständiger» Munition Ziele bis auf 300m treffen lassen. Der Streukreis ist aufgrund der offenen Visierung allerdings ziemlich gross. Mit der AK-74 (5.45 x 39mm) lagen die Treffer immerhin im 8er-Ring (bei 10er Wertung auf der A-Scheibe). Das lag aber sicherlich nicht nur an der Munition, sondern auch daran, dass die getestete AK-74 ein Ringkorn aufwies und ein besseres Zielen ermöglichte.
Stattet man eine qualitativ gute AK-47 mit einem Zielfernrohr aus, dann sind mit der gleichen Waffe Treffer auf der militärische F-Scheibe bis ca. 600m möglich. Es wäre spannend zu sehen, wie sich eine chinesische Norinco bei einem solchen Test schlagen würde.
Mythos SVD
Auch in Hollywood hat die Waffe ihren Auftritt. Im Film «American Sniper» kämpft Chris Kyle gegen einen angeblichen syrischen «Olympia-Sieger», der auf der Seite der Islamisten das Pendant zu Chris Kyle darstellt. Im Film verwendet er das PSL sowie auch das SVD. Dies ist soweit plausibel, da die Waffe offiziell auch an den Irak geliefert wurde.
Die Film-Figur «Mustafa» basiert auf einem angeblich echten Charakter. Dieser «Rebellen-Scharfschütze» wurde allerdings «Juba» genannt. Es ist bestätigt, dass «Juba» mit einem PSL sehr präzise Treffer gelandet hat und bei den westlichen Soldaten gefürchtet war. Meistens auf eine Distanz von ein paar hundert Metern, aber auch bis zu 1’000m! Höchstwahrscheinlich stecken hinter «Juba» allerdings mehrere Schützen. «Juba» wird von Seiten der Fundamentalisten wohl aus Propagandagründen als eine Person dargestellt. So wurden im Iraq nachweislich mehrere fundamentalistische Scharfschützen erwischt, deren auf Video dokumentierte Treffer in späteren Propagandavideos «Juba» zugeschrieben wurden.
Im gleichnamigen Buch von Chris Kyle wird «Mustafa aka Juba» nur in einem Randabschnitt erwähnt. Chris Kyle schreibt selbst, er hätte «Juba» weder gesehen noch getroffen, geschweige denn getötet – wie das im Film dargestellt wird.
Die PSL im Praxistest – ein Erfahrungsbericht
Da die Waffe zwar über einen langen Lauf mit aber nur vier Züge verfügt, liegt der Schluss nahe, dass die Munition mit Bedacht gewählt werden muss. In der Theorie müssten sich längere respektive schwerere Geschosse besser eignen. So zumindest die Theorie. Letztendlich handelt es sich bei dem PSL immer noch um eine AK und es muss jeder für sich entscheiden, ob er nun mit einer Bernaul oder RUAG Swiss P schiessen möchte.
Meine SSG-97 hat das Kaliber .308 Win und ich habe mich für die Dauer dieses Tests für eine GGG Patrone mit 168grs Sierra Match King Geschoss entschieden. Dies schien mir ein praktikabler Mittelweg zu sein. Neben der GGG wurden auch mit der Geco DTX und RUAG Swiss P Target geschossen und die Waffe hat mit allen drei Sorten sehr gut funktioniert und gute Resultate erzielt.
Die Waffe wurde an mehreren Schiessen unter verschiedensten Umweltbedingungen geschossen. An den jeweiligen Anlässen auch von mehreren Schützen, nicht nur von mir.
- Brünig Indoor auf 25m eingeschossen und auf 300m (100er Wertung).
- Schiessen im August 2020 auf eine Distanz von 990m, bei sehr sonnigem Wetter und auf über 1200 m ü.M.
- Schiessen im September 2020 auf Distanzen von 30m – 550m, bei sehr sonnigem Wetter, auf ca. 900 m ü.M.
- Corona hat mir leider einen Strich durch die Rechnung gemacht um die Waffe auch noch zwischen 550-990m genauer zu testen. Das werde ich zu gegebener Zeit nachholen.
Im Brünig Indoor habe ich das SSG-97 das erste Mal auf «grössere» Distanz geschossen. Ich wollte mir einen Eindruck verschaffen und überprüfen, ob sich die Mühe für einen Bericht lohnt oder ob sich die Waffe einfach schön in meiner Sammlung machen wird. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit habe ich mehrere 10er Serien geschossen und war mit dem Ergebnis / Trefferbild durchaus zufrieden.
Die beiden letzten Schüsse im 7er Ring (links oben) entstanden, nachdem ich eine Störung beheben musste. Ansonsten wäre wohl eine Gesamtpunktzahl von 90-94 Punkten möglich gewesen. Ich musste feststellen, dass sich die Trefferlage nach einigen Schüssen noch oben verschiebt, danach aber auch wieder senkt. Das oben abgebildete Trefferbild wurde mit einem warmen Lauf nach zwei 10er-Serien geschossen.
Beim ersten Outdoorschiessen hatte ich das PSL im Grunde nur aus Jux dabei und habe aufgrund der grösseren Distanzen nicht ernsthaft damit gerechnet etwas zu treffen. Wie es der Zufall wollte, hatte an diesem Tag ein Vereinskamerad ebenfalls ein PSL im Kaliber 7.62x54R mit dabei. Wie sich an diesem Tag gezeigt hat, liess sich mit beiden Gewehren die 100×134 cm grosse Scheibe auf 990m problemlos treffen. Nach einigen Probeschüssen hatten wir mit beiden Gewehren jeweils ca. 8 von 10 Schüssen auf der Scheibe. Ich war sehr überrascht und auch beeindruckt.
Bei der F-Scheibe auf 1‘012m waren dann immerhin noch ca. 3 von 10 Schuss auf der Scheibe.
Beim dritten Anlass respektive dem zweiten Outdoorschiessen hatte ich die Möglichkeit, die Waffe auf verschiedene Distanzen zwischen 150m und 550m zu schiessen. Sobald man den Dreh mit den entsprechenden Werten respektive Klicks raus hatte, waren Treffer auf 550m kein Problem.
Fazit
Das Cugir PSL kostet neu um die 1‘800.—CHF. Für dieses Geld erhält man ein Gerät mit welchem es grossen Spass macht zu Schiessen und gute Trefferergebnisse schafft. Die Optik ist wie so oft Geschmackssache, aber die Waffe ist mit ihrer Stahl- und Holzkombination ein echter Klassiker mit interessanter Geschichte.
Eine gute robuste DMR-Waffe für wenig Geld!
Vielen Dank für die super Mithilfe:
- Thomas
- Martin
Kameradschaftliche Grüsse
Rafael , 23.12.2020, SMKSG