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Das Museum Haus Konstruktiv lässt die Grande Dame der geometrisch-abstrakten Kunst, Aurélie Nemours, auf Julije Knifer, einen der bedeutendsten kroatischen Künstler seiner Zeit, treffen. Anhand von zahlreichen Arbeiten wird in zwei Einzelausstellungen ihre geistige Verwandtschaft beleuchtet.
Eine 90-teilige, zwischen 1949 und 52 entstandene Selbstporträtserie von Julije Knifer (1924, Osijek – 2004, Paris), bildet einen für das Haus Konstruktiv ungewöhnlichen Auftakt. Doch die Gesichter wirken neutral, ohne den geringsten, emotionalen Ausdruck. In der Aneinanderreihung gleicher rhythmischer Gesichtszüge ging es Knifer nicht um eine Serie von Selbstporträts, sondern um Monotonie. Darin ist das Mäandermotiv bereits angelegt, das der Künstler ab 1960 aufgreift und im Folgenden ausschliesslich verwendete. Mit ihm gestaltete er Skulpturen, Reliefs, Collagen und grossformatige Wandarbeiten im Innen- und Aussenraum sowie Künstler- und Tagebücher. Diese bezeichnete er als «Anti-Diaries». Entsprechend erkannte er in einer meist auf Schwarz-Weiss reduzierten Farbpalette des Mäandermotivs die ideale Form für seine «Anti-Malerei». In dieser Negation ist eine dadaistische Neigung zur Absurdität zu erkennen, welche auch die Künstlergruppe «Gorgona» charakterisierte, die Knifer in Zagreb 1959 mitbegründet hatte und die bis 1966 aktiv war. Die Mitglieder dieser Gruppe traten für die absolute Autonomie der Kunst ein und suchten den Austausch mit internationalen Avantgarden. Der sich potenziell ins Unendliche fortsetzende Mäander wird zu einem Zeichen von transzendenter Bedeutung.
Darin klingen die Werke von Aurélie Nemours (1910–2005, Paris) an, deren stete Suche dem Absoluten und der idealen Annäherung an die universelle Harmonie galt. Vergleichbar mit Knifer entwickelte die Künstlerin ihr Leben lang ein eigenes plastisches Vokabular, das sich auf die Horizontale, die Linie, Vertikale, den rechten Winkel, das Kreuz und das Quadrat beschränkte. Die in Pastellkreide gehaltenen, intuitiv entstandenen Werke sind rhythmisch belebt. Nemours strebte nach einer abstrakten, geometrisch konstruierten, von allem Psychologischen wie von allem Gefälligen bereinigte Malerei. Nach Studien in der Akademie von André Lhote und im Atelier von Fernand Léger schuf Nemours in den Fünfzigerjahren mit strengen, zwischen Grau und Schwarz changierenden «Demeures», unzählige Variationen ihres plastischen Vokabulars. In der folgenden Serie «Au commencement» durchziehen weisse Strahlen den tiefschwarzen Bildraum. Noch asketischer wirkt die Reihe «Rythme du millimètre», die sie in den Achtzigerjahren allmählich bekannt macht.
Mit ihrem Tun hat Aurélie Nemours die «Wahrheit dieser Welt» gesucht, und sie war überzeugt, dass «diese nicht in subjektiv gefärbten Erzählungen zu finden sei, sondern einzig in der Farbe und der geometrischen Form».
Aurélie Nemours Aus Schweizer Privatsammlungen und Julije Knifer «I have Probably already painted my last paintings, but maybe not the first ones». Museum Haus Konstruktiv, bis 14.1.2018. www.hauskonstruktiv.ch