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20.09.2021, 17:31 Uhr
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Die globalen Bemühungen im Kampf gegen den Klimawandel dürften kaum Erfolg haben, es sei denn, sie betreffen alle menschlichen Aktivitäten, die Treibhausgas-Emissionen verursachen, meint Koen Popleu von Candriam. Neu bewertet und angepasst werden müsse auch der CO2-Fussabdruck von Anlageportfolios.
Wissenschaftler sehen seit Langem eine Verbindung zwischen Klima und Treibhausgas (THG)-Emissionen. Es gibt zahlreiche Belege dafür, dass ihre Auswirkungen auf das weltweite Klima bereits messbar sind und dass sie in den letzten Jahrzehnten zu einer Zunahme der Überschwemmungen, Feuersbrünste, Waldbrände, Hurrikans und anderer extremer Wetterereignisse im Zusammenhang mit dem Klimawandel geführt haben.
"Behörden, Unternehmen und Verbraucher konzentrieren sich zunehmend auf das Ziel des Pariser Übereinkommens, den Temperaturanstieg im 21. Jahrhundert unter 2 °C im Vergleich zum Niveau vor der industriellen Revolution zu halten. Es sieht jedoch so aus, als könnten asiatische Länder aufgrund ihrer Ökobilanz im Brennpunkt des Interesses der internationalen Gemeinschaft stehen", meint Koen Popleu, Senior Fund Manager bei Candriam.
Wie die folgende Grafik zeigt, haben China und die asiatischen Schwellenländer ihren Anteil an den CO2-Emissionen zwischen 1990 und 2019 im Vergleich zu den USA und Europa erhöht. "Sie müssen ihren Rückstand aufholen. Auch von den Anlegern wird erwartet, dass sie ihren Beitrag leisten", betont Popleu.
Die THG-Emissionen und deren Auswirkungen werden laut dem Fondsmanager in allen Einzelheiten von Wissenschaftlern überwacht. Die Daten und Erkenntnisse bilden die Grundlage spezifischer Forschungsarbeiten zu möglichen Lösungen und politischen Entscheidungen. Der wissenschaftliche Konsens wird über das von den Vereinten Nationen unterstützte Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) kanalisiert. IPCC entwickelt und aktualisiert eine Reihe wichtiger Dokumente, die die prognostizierten Ergebnisse in verschiedenen Szenarien beschreiben – die sogenannten "alternativen repräsentativen Konzentrationspfade (RCPs)" für Treibhausgase. Sie zeigen, dass, wenn die Menschheit die CO2-Emissionen nicht herabsetzen kann, die Folgen wohl wirklich katastrophal sind.
Bei allem, was auf dem Spiel stehe, werde erwartet, dass alle Wirtschaftsteilnehmer ihren Beitrag leisten. Aus Sicht des Marktes seien vor allem drei Sektoren dem Klimawandel ausgesetzt: Versorger, Energie und Grundstoffe. Bei neuen Vorschriften im Zusammenhang mit CO2-Emissionen, aber auch im Hinblick auf die Zerstörung von Vermögenswerten aufgrund des Klimawandels seien sie mit grösseren Risiken konfrontiert.
Anleger hätten mindestens zwei Möglichkeiten. Die erste bestehe darin, diese drei Sektoren einfach aus Ihren Portfolios auszuschliessen. Damit entgehe jedoch auch der Ertrag aus diesen drei Sektoren. Die zweite Möglichkeit bestehe darin, weiterhin in diese Sektoren zu investieren, sich aber auf die Unternehmen mit den niedrigsten CO2-Emissionen zu konzentrieren, erläutert Popleu.
Gleichzeitig könnten Anleger als Anteilseigner mit den Unternehmen in Kontakt treten, um Veränderungen zu fördern. Bei Candriam seien der Klimawandel und die Biodiversität zwei vorrangige Ziele des direkten und kollaborativen Engagements der Aktionäre. So arbeitet Candriam beispielsweise mit verschiedenen Banken und Versicherungsgesellschaften zusammen, um das Ausmass der Transparenz in diesem Bereich zu bestimmen und weitere Verbesserungen zu veranlassen, so der Fondsmanager.
Die freiwillige Klimakompensation der Unternehmen zielt darauf ab, Emissionen, die nicht vollständig eingestellt werden können, zu neutralisieren. Sie ist ein wesentlicher Faktor für die Finanzierung der Energiewende und die Kontrolle über den Anstieg der Temperaturen auf der Welt. "Die Klimakompensation ersetzt allerdings keinesfalls die Bemühungen zur Senkung des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen, sie ergänzt sie eher", betont Popleu.
Wie er weiter erklärt, klassifiziert der Corporate Standard die direkten und indirekten THG-Emissionen eines Unternehmens in drei "Scopes" und sieht vor, dass die Unternehmen alle Scope-1-Emissionen ("direkte" Emissionen aus eigenen oder kontrollierten Quellen) und alle Scope-2-Emissionen ("indirekte" Emissionen aus der Erzeugung der Energie, die vom berichtenden Unternehmen gekauft und verbraucht wird) berücksichtigen und melden.
Obwohl der Corporate Standard den Unternehmen Flexibilität bei der Berücksichtigung von Scope-3-Emissionen gibt (alle anderen indirekten Emissionen, die in der Wertschöpfungskette eines Unternehmens auftreten), achte Candriam als Anleger besonders auf diese Art, da der Grossteil der Emissionen des Unternehmens oft auf sie entfalle. Die Unternehmen, die das Pariser Übereinkommen von 2015 einhalten wollen, sind verpflichtet, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um ihre CO2-Emissionen möglichst deutlich zu senken. "Ob dies nun durch höhere Energieeffizienz oder erneuerbare Energieträger geschieht: es dürfte eine Weile dauern, bis die Klimaneutralität erreicht ist", so Popleu.
Candriam berücksichtige die CO2-Emissionen der Unternehmen in der Aktienanalyse und stelle zudem den Anlegerinnen und Anlegern in den monatlichen Berichten die Tools zur Messung der Auswirkung ihrer Anlagen auf den Klimawandel zur Verfügung und pflege den Dialog mit Unternehmen zu diesem Thema.
"Darüber hinaus können Anleger die Kohlenstoffbilanz ihrer eigenen Portfolios kompensieren. Zum Beispiel kommen Anleger in den Genuss von Klimakompensationsmechanismen, wenn sie in unsere Strategie investieren, die speziell auf den Kampf gegen den Klimawandel ausgerichtet ist. Wir verwenden den Goldstandard, um Emissionen auszugleichen, indem wir weltweit in Projekte investieren, die auf die Reduzierung von Treibhausgasen oder deren Auswirkungen auf das Klima abzielen", sagt Popleu und zählt Candriams drei Projekte für die nächsten drei Jahre auf: Sie stammen aus den Bereichen erneuerbare Energien (eine Solarthermieanlage in Indien), Energieeffizienz (Nutzung von Methan zur Energieerzeugung in China) und Wiederaufforstung (Wiederherstellung von tropischen Mischflächen in Panama).