Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03471.jsonl.gz/1257

Schon seit 25 Jahren lässt die Regierung der Britischen Jungferninseln (BVI) die Gründung von Auslandsfirmen auf dem Territorium ihres Staates zu. Zu diesem Zweck wurde auch eine den weltweiten Standards entsprechende Gesetzgebung für diese Firmen ins Leben gerufen, um Geldwäsche sowie andere illegale Geschäfte zu verhindern. Wie auch die Bermudas wurde auf den Britischen Britischen Jungferninseln der Beschluss gefasst, Bankdienstleistungen, die keiner staatlichen Regelung unterliegen, auf dem Territorium des Landes nicht zu fördern. Unter Druck seitens von OECD und FATF haben die Britischen Jungferninseln gleichzeitig mit vielen anderen ähnlichen Rechtshoheiten mit Verschärfung der Vorschriften zur Regelung dieses Geschäftstyps reagiert. Zum 1. Januar 2002 hat die Regierung der Britischen Jungferninseln eine unabhängige Organisation - Financial Services Commission (FSC) - zur Regelung der Geschäfte etabliert, die der nationalen Kontrolle nicht unterliegen.
Die "International Business Company" (IBC) ist die häufigste Geschäftsform auf dem Territorium der Britischen Jungferninseln. In aller Regel nimmt sie die Form einer Aktiengesellschaft an, deren Haftung auf das Aktienkapital beschränkt ist. Eine maßgebende Rolle in der Gesetzgebung spielt das "Gesetz über die weltweit agierende Firmen von 1984 ("International Business Companies Act 1984" ("IBC Act")) mit Abänderungen aus den Jahren 1990 und 2002, die auf Beschränkung der Transaktionen mit Inhaberaktien und auf Verpflichtung der Firmen abgestellt sind, alle Firmenurkunden in ihren registrierten Büroräumen auf dem Territorium der Britischen Jungferninseln aufzubewahren. Am 1. Januar 2005 trat das "Neue Gesetz über Unternehmen von 2004" ("New Business Companies Act 2004" ("BC Act")) in Kraft, das mit dem bereits bestehenden "IBC Act" vereint wurde. Für Firmeninhaber auf dem Territorium der Britischen Jungferninseln haben sich daraus folgenden Konsequenzen ergeben:
Seit dem 1. Januar 2006 können Unternehmen nur gemäß "BC Act" gegründet werden. Die auf dem Territorium der Britischen Jungferninseln bestehenden Firmen können ihre Tätigkeit gemäß "IBC Act" fortsetzen.
Seit dem 1. Januar 2007 werden alle bestehenden Firmen gemäß "BC Act" automatisch umregistriert.
Was sind die wichtigsten Konsequenzen?
- Firma: Künftig soll die Firma Worte und Abkürzungen enthalten, die auf deren Rechtsnatur und in einigen Fällen auf die Fachrichtung des Unternehmens einen Hinweis geben (Gesellschaften mit beschränkter Haftung sollen mit Ltd., S.A., GmbH etc. enden; Gesellschaften mit unbeschränkter Haftung mit unltd. enden; Unternehmen mit besonderer Zweckbestimmung mit SPV (special purpose vehicle) enden).
- Satzungsdokumente: In den Satzungsdokumenten soll die maximale Anzahl der zur Emission genehmigten Aktien angegeben sein. Unternehmen mit garantierter Haftung haben die Garantiehöhe anzugeben. Unternehmen mit besonderer Zweckbestimmung sollen das Gründungsziel angeben.
- Geschäftsführerregister: Ein Unternehmen soll mindestens einen Geschäftsführer bestellen. Das Geschäftsführerregister soll im „Registered Office“ des Unternehmens geführt werden. Beim Geschäftsführerregister handelt es sich nicht um eine allgemein zugängliche Information.
- Aktien: Ein Unternehmen ist berechtigt, Inhaberaktien nur dann zu emittieren, wenn dies in den Satzungsdokumenten festgehalten ist. Namensaktien können gegen Inhaberaktien nur dann ersetzt werden, wenn dies in den Satzungsdokumenten des Unternehmens vorgesehen ist. Inhaberaktien sollen in einem von FSC anerkannten Büro aufbewahrt werden, sonst werden sie als ungültig und um ihre Rechte gebracht gelten. Dies hat zur Folge, dass auf den BVI keine Gesellschaften mit Inhaberaktien mehr gegründet werden.
- “Registered Office“: Ein Unternehmen soll auf dem Territorium der Britischen Jungferninseln eine feste registrierte Adresse haben, in dem das Geschäftsführerregister sowie Kopien aller offiziellen Unterlagen aufbewahrt werden. Unterlagen sind 10 Jahre lang aufzubewahren.
- Kosten: Der Kostenaufwand bei der Unternehmensgründung richtet sich in aller Regel nach der Höhe des Aktienkapitals.