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Schwester gefunden – mit 48!
Behütet wuchs die Amerikanerin Shari bei ihren Adoptiveltern auf. Über die Jahre wurde sie jedoch das Gefühl nicht los, dass ihr etwas fehlt. Sie forschte nach – und fiel aus allen Wolken.
Von Cynthia Vice Acosta
Mit ihrem Leben hätte Shari Ritchkin rundum zufrieden sein können. «Ein wunderbarer Mann, ein angesehener Beruf als Rektorin», erinnert sich die heute 48-jährige US-Amerikanerin. «Doch tief drinnen spürte ich, dass mir etwas fehlt, konnte es mir aber nicht erklären.» Sie war 32, als ein Treffen mit einem Jugendfreund Ablenkung brachte. «Er berichtete mir, dass er sich als Pilot ausbilden lassen wolle.» Genau der Beruf, von dem Shari träumte. «Warum besuchen wir die Ausbildung nicht gemeinsam?», fragte er.
Der Gedanke liess sie nicht mehr los – und bald schon startete sie an der Flug-Akademie in Fort Lauderdale im US-Bundesstaat Florida mit dem Lehrgang. 2008 hatte sie als Co-Pilotin ihren ersten Job, sammelte Berufserfahrung und wurde Flugkapitänin bei der Spirit Airlines. «Wenn ich im Cockpit sass, war ich die glücklichste Frau der Welt», sagt Ritchkin. «Wieder am Boden änderte sich das. Dann überfiel mich wieder diese unerklärliche Leere, die ich von früher kannte.»
Ihre Adoptiveltern spürten die Unruhe bei ihrer Tochter. «Vielleicht liegt es daran, dass du dich nach deinen leiblichen Eltern sehnst?», meinten sie und ermunterten sie, sich auf die Suche nach ihnen zu machen. Bis zu den entscheidenden Schritten liess sich Shari Ritchkin Zeit, nahm dann letzten Sommer allen Mut zusammen – und hatte bald die Dokumente in den Händen, die ihre Herkunft enthüllten.
Ritchkin erfuhr, dass ihre mittlerweile verstorbenen Eltern Roy und Cindy noch sehr jung und unverheiratet waren, als sie zur Welt kam. Weshalb sie entschieden, das Baby zur Adoption freizugeben. Gut ein Jahr später gaben sich Roy und Cindy das Ja-Wort, doch es sollte lange dauern, bis sie nochmals ein Kind bekamen: Tammy. «Ich ahnte es», dachte Shari, als sie die Geburtsurkunde sah. «Das war es, was ich mein ganzes Leben vermisst hatte – meine Schwester!» Und ihr wurde auch klar, warum sie derart vom Fliegen fasziniert war: Schon ihre Mutter war offenbar Pilotin gewesen. Und in diesem Beruf arbeitete auch Tammy (36).
Shari machte sie ausfindig, rief sie an. «Halten Sie sich fest: Hier spricht Ihre Schwester», sagte sie. Tammy konnte es kaum fassen. «Meine Eltern hatten nie erwähnt, dass ich kein Einzelkind bin.» Shari schickte ihr ein Foto, Tammy war verblüfft wegen der Ähnlichkeit. Wenig später trafen sie sich, fielen sich in die Arme – und stellten fest, dass sie mal an demselben Flughafen stationiert waren, sich sogar wiederholt über den Weg gelaufen sein mussten.
Tammy möchte nun in die Nähe von Shari versetzt werden, um viel gemeinsame Zeit zu verbringen. «Wir wollen uns nicht mehr aus den Augen verlieren.»