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„Der letzte grosse Lehrmeister am Poly“
Der Architekt Dolf Schnebli ist tot. Er hatte unter anderem in Harvard und an der ETH Architekten wie Jacques Herzog und Pierre de Meuron ausgebildet. Wie seine Familie mitteilte, ist er am Samstag nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben.
"Viele Architekten, die heute irgendwo in der Schweiz praktizieren, profitierten von ihm, darunter viele mit bekanntem Namen - welcher andere Lehrer hat je so viel erreicht?", schrieb Jacques Herzog letztes Jahr in einer Würdigung zum 80. Geburtstag seines Lehrmeisters. Als wichtige, von Schnebli entworfene Gebäude bezeichnet Herzog etwa das Gymnasium in Locarno, das Gartenbad in Wohlen - beide aus den sechziger Jahren - bis hin zum Swiss-Re-Gebäude in Zürich Brunau oder der Architekturfakultät der ETH Lausanne, beide aus der Zeit um 2000.
Von Berkeley bis Indien
Schnebli wurde am 27. Dezember 1928 in Baden (AG) geboren. Nach dem Architekturstudium an der Zürcher ETH arbeitete er etwa in Paris, Venedig, New York und Boston. 1954 absolvierte er in Harvard die Meisterklasse von Josep Luis Sert und arbeitete mit Walter Gropius zusammen. 1956 ermöglichte ihm ein Reisestipendium, während eines Jahres den antiken Städtebau von Venedig bis Indien zu studieren. Zwei Jahre später gründete er sein erstes eigenes Büro in Agno (TI). Er baute erste, richtungsweisende Schul- und Universitätsbauten. 1965 zog es ihn wieder in die USA, wo er unter anderem in Harvard und Berkeley lehrte. Von 1969 bis zu seiner Emeritierung 1994 lehrte Schnebli an der Zürcher ETH. "Schnebli war der letzte grosse Lehrmeister am ‚Poly’, der letzte, der wie ein Patron den Spirit an der Schule prägen konnte", so Jacques Herzog. (sda)