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Ursula Rudnick zum Evangelium am 25. Sonntag im Jahreskreis: Lk 16,1–13 SKZ 36/2010
Jesus erzählt seinen Jüngern ein Gleichnis: Ein Verwalter erhält von seinem Auftraggeber die Kündigung mit dem Vorwurf, dass er schlecht gewirtschaftet habe. Er sucht nach anderen Wegen, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Da er zu schwerer Arbeit nicht taugt und sich schämt zu betteln, entwickelt er eine Strategie, sich die Schuldner seines Herrn gewogen zu machen, indem er neue Schuldscheine ausstellt, die eine geringere Summe als zuvor aufweisen. Er hofft, dass diese Tat dazu führt, dass er als Logiergast aufgenommen wird.
Würde diese Tat heute einer Ethikkommission zur Begutachtung vorgelegt, so würde sie wohl kaum Lob ernten, sondern als Unterschlagung gelten. Anders jedoch der biblische Text: «Und der Herr lobte die Klugheit des unehrlichen Verwalters…» (Lk 16,8).
«… was in den Schriften geschrieben steht …»
Das Gleichnis zählt zur lukanischen Sondertradition. In den Versen Lk 16,9–13 schliesst sich ein Kommentar Jesu in Form von vier Sinnsprüchen bzw. Handlungsaufforderungen an. Diese Sätze gehören nicht mehr unmittelbar zum Gleichnis. Und Matthäus überliefert den Vers vom Sklaven, der nicht zwei Herren gleichzeitig dienen kann, in einem andern Kontext (Mt 6,24). Der möglichen Fehldeutung, das Verhalten des Verwalters in allen Punkten als beispielhaft zu betrachten, widersprechen die Verse 10–12, die zur Treue im Umgang mit anvertrautem Geld aufrufen.
Verwaltung von Besitztümern in der Antike war – anders als heute – vom Eigentümer nicht überprüfbar. Der Verwalter wirtschaftete eigenständig für den Eigentümer und hatte grosse Freiheit. In Zeiten der Krise konnte er die Macht herabsetzen, in guten Zeiten auch erhöhen. Insofern lässt sich nicht eindeutig sagen, ob der Verwalter den Eigentümer betrog und wir es hier mit einem Fall von Unterschlagung zu tun haben. In der exegetischen Literatur wird der Schuldenerlass von machen Auslegern, wie z. B. Bindemann, als Tora-gemässes Verhalten gedeutet, da die Abgaben auf ein «zumutbares Mass» reduziert würden. Kernpunkt des Gleichnisses ist die zupackende Zukunftsplanung des Vermögensverwalters. Angesichts der ihm bevorstehenden Krise – Verlust der Arbeit und offensichtlich auch der Verlust seiner Wohnung – findet er einen Weg, «damit mich die Leute in ihre Häuser aufnehmen». Er sorgt für seine Wohnstätte nach der Krise. Dieses Sorgen für die eigene Zukunft, verbunden mit einem sehr zielstrebigen Handeln, wird als exemplarisch hervorgehoben.
«Denn die Kinder der Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts.» Der Ausdruck «Kinder des Lichts» erscheint als Selbstbezeichnung auch im 1 Thess 5,5; Eph 5,8 und Joh 12,36. Dieser Begriff ist jedoch nicht allein den Jesus-Anhängern vorbehalten, sondern findet sich auch in Qumran, wo die Gemeinde sich als Gott zugehörig und somit als «Kinder des Lichtes» weiss – im Gegensatz zu den «Söhnen der Finsternis».
Vers 9 kommentiert das Gleichnis: Der zentrale Aspekt ist die Aufnahme in die «ewigen Wohnungen» oder auch «ewigen Hütten» nach dem Lebensende. Das Bild der ewigen Wohnungen findet sich noch an anderen Stellen im NT. In Mk 9,5 will Petrus eine Hütte für Moses, für Elija und Jesus bauen. In der Apg 15,16 geht es darum, die «zerfallene Hütte Davids» wieder zu errichten. Bei Johannes 14.2 verheisst Jesus den Seinen vor dem Abschied: «Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen.»
Für das Ziel, nach dem Ende des Lebens bei Gott zu wohnen, soll zielstrebig gehandelt werden. Alles ist diesem Ziel unterzuordnen. Auch Geld kann und soll dabei zum Einsatz kommen. Mit den Versen, die um die Bewertung und Verwendung von Geld kreisen, schafft Lukas eine Verknüpfung mit dem Gleichnis.
Das griechische Wort Mammounas stammt aus der aramäischen Sprache: Mamon. Es kommt in der Hebräischen Bibel noch nicht vor; erstmals begegnet es im Buch Sirach. Bedeutet es einerseits «Vermögen», «Gewinn»; so hat es auch die Konnotation von Schmiergeld und wird daher auch «Mamon de scheker» genannt. Bei Jesus hat das Wort ebenfalls eine negative Bedeutung. Nach Michael Wolter hängt dies vermutlich mit dem Armutsideal der Wanderprediger zusammen. Seiner Ansicht nach wurde mit Reichtum eine Eigenschaft der Fremden und damit auch Andersgläubigen assoziiert, während in Israel Armut zunehmend zum Selbstverständnis gehörte und somit das Streben nach Reichtum als nicht Gott gemäss gesehen wurde.
Auf welche Weise der Mamon eingesetzt werden soll, damit die Jüngerinnen und Jünger Jesu in die «ewigen Wohnungen» aufgenommen werden, sagt der Text nicht expressis verbis. Michael Wolter liest diese Aufforderung vor dem Hintergrund von Lk 12,33 f. «Verkauft euer Habe und gebt den Erlös den Armen… Verschafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt droben im Himmel.»
Vers 13 formuliert diese Einsicht so pointiert: Der Dienst des Menschen für Gott ist nicht mit dem Dienst am Geld zu vereinbaren. Der Satz: «Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon» ist zu einem Sprichwort geworden, das bis in die Gegenwart hinein lebendig in vielen Sprachen ist. Im Thomasevangelium steht dieses Wort im folgenden Kontext: «Es ist nicht möglich, dass ein Mensch zwei Pferde besteigt, noch dass er zwei Bogen spannt; und es ist nicht möglich, dass ein Diener zwei Herren dient, es sei denn er ist ehrbietig gegenüber dem einen und verhöhnt den anderen» (Ev Thom 47a).
Gott und Geld können zueinander in Konkurrenz treten. Daher gebührt Gott die ganze Hingabe, mit allem, was ein Mensch hat, wie die Aufforderung im Schema Israel lautet: «Und du sollst Gott, deinen Herrn lieben, mit deinem ganzen Herzen, deiner ganzen Seele und deinem ganzen Vermögen» (Dtn 6,4). Den Begriff «Meodecha», alles das, was ein Mensch in grossem Masse besitzt, deutete die rabbinische Auslegung auch als Vermögen im wirtschaftlichen Sinne.
Die Gefahr, die von Geldstreben ausgehen kann, schildert Plutarch in seiner Schrift Vom Aberglauben sehr anschaulich: «Jemand nimmt an, der Reichtum sei das höchste Gut – dieser Irrtum enthält Gift, frisst an der Seele, verstört, lässt nicht schlafen, füllt mit ruhelosem Getriebensein, stösst vom Felsen [um der Armut zu entkommen], würgt, nimmt die Fähigkeit zu sprechen.»
Immer wieder neu können und müssen wir uns entscheiden, wo und welche Schätze wir sammeln wollen: auf unserem Sparbuch, oder ob wir in unsere «himmlische Wohnung» investieren, indem wir uns in der Kunst des Gebens üben.
Prof. Dr. phil. Ursula Rudnick ist Studienleiterin und Geschäftsführerin von Begegnung – Christen und Juden Niedersachsen e.V. und lehrt an der Leibniz-Universität Hannover am Institut für Theologie und Religionswissenschaft.