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Das entscheidende Mitwirkungsorgan in der katholischen Kirche heisst Konzil. Was ist das genau?
Hubert Wolf: Zunächst ist zwischen zwei Typen von Konzilien zu unterscheiden: monarchische und konziliare. Monarchisch bedeutet, dass ein Monarch die Veranstaltung einberuft und leitet. In der alten Kirche war das der römische Kaiser, später dann der Papst. Ergänzend entwickelte sich das konziliare Konzil, das sich selbst legitimiert und leitet. Die treffendsten Beispiele dafür sind das Basler und zuvor das Konstanzer Konzil, das sogar Päpste abgesetzt hat, um die Einheit der Kirche zu retten. Durch das Erste Vatikanische Konzil und dem mit ihm verbundenen Dogma der Unfehlbarkeit verschwindet dieser Typus.
Der Papst damals hiess Pius IX. Stimmen Sie der Einschätzung zu, dass die katholische Kirche bis heute unter ihm leidet?
In mehrfacher Hinsicht. Nicht nur unter der Lehre der Unfehlbarkeit, sondern vor allem unter der Idee der charismatischen Amtsführung. Neben der traditionell-funktionalen Rolle, als Nachfolger des Apostels Petrus für die kirchliche Einheit sorgen zu müssen, geht es seit Pius IX. immer stärker um die Person, die zur idealen Projektionsfläche wird. Der Papst muss alles können, was die Menschen hoffen, dass er kann. Diese Hyper-Erwartung muss jeden überfordern.
Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil gibt es auch noch das Format Weltbischofssynode. Wie beurteilen Sie dieses Gremium?
Es ist ein reines Beratungsinstrument – entschieden wird nichts. Zwar spricht Franziskus den ganzen Tag über Synodalität und Subsidiarität – aber faktisch nimmt er beides nicht ernst.
Sie sprechen die Amazonassynode 2019 an …
… eine Versammlung, die ganz nach seinen Grundsätzen geplant war. Am Ende stimmen vier Fünftel für die Zulassung verheirateter Männer zum Priesteramt – und trotzdem übergeht der Papst das in seinem Schlusstext. Ich frage mich: Was hat das mit Synodalität zu tun?
Vermutlich versteht so gut wie keiner, was der Papst darunter versteht.
Auf jeden Fall weder Demokratie noch Gewaltenteilung. Behauptet wird jetzt, dass Laien und sogar Frauen bei der Weltbischofssynode etwas entscheiden können. Das ist vollkommen falsch. Tatsächlich können sie den absolutistischen Herrscher nur demütig bitten, irgendetwas zu ändern. Es gibt noch nicht mal eine Tagesordnung. Typisch jesuitisch ist, dass es ein Arbeitspapier gibt und zu dem soll ein Brainstorming stattfinden. Franziskus interpretiert Synodalität im Sinne einer jesuitischen Aktivierung um. Wir müssen akzeptieren: Franziskus kommt nicht aus einer europäischen, synodalen Tradition.
Sondern?
Sein ganzer Regierungsstil zeigt: Er hält sich nicht an Regeln. Das zeigt etwa der Fall Woelki, wo der Papst laut Kirchenrecht innerhalb von drei Monaten über das Rücktrittsgesuch des Kölner Kardinals hätte entscheiden müssen. Aber ein Papst darf nicht nur Wohlfühlinterviews geben, in denen er betont, dass jeder zur katholischen Kirche gehört, er muss auch entscheiden.
Können Sie in der Weltbischofssynode einen Sinn erkennen?
Es braucht weder einen Synodalen Weg noch eine Weltbischofssynode. Das wird ein weiterer Debattierclub ohne rechtliche Vollmachten. Die grossen Streitpunkte sind aus historischer Sicht geklärt – wir haben unser Geschäft erledigt: Es gibt in der Tradition verheiratete Priester – lasst sie uns also wieder zulassen. Es gibt in der Tradition Diakoninnen – lasst uns also wieder welche weihen. Es gibt in der Tradition alternative Leitungsmodelle für Gemeinde – lasst sie uns also praktizieren. Meine Befürchtung ist indes eine andere: Nach der Weltbischofssynode wird es wieder viele Enttäuschungen geben