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Wirtschaftsmagazin «Eco» über die Herausforderungen der AHV beanstandet
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Wie Sie vielleicht wissen, ist die Aufgabe des Ombudsmanns für die SRG Deutschschweiz am 1. April 2016 von Achille Casanova an mich übergegangen. Darum erhalten Sie jetzt auch den Schlussbericht von mir.
A. Mit e-Mail vom 21. März 2016 beanstandeten Sie die Sendung „ECO“ (Fernsehen SRF) vom 21. März 2016 und begründeten Ihre Reklamation wie folgt:
„Herr Lipp war sehr unhöflich bei dem Interview mit Herrn Rechsteiner. Er hat ihn kaum zu Wort kommen lassen. Ausserdem war der zuvor ausgestrahlte Beitrag tendenziös, polemisch und manipulativ!
Ich beanstande diese Sendung aufs Schärfste. Ist das nun auch ein Rechtsrutsch von SRF?
Ich bitte höflich, dass eine Rüge an Herrn Lipp und die Redaktion ausgesprochen wird sowie eine angemessene Gegendarstellung erscheint. Ich danke ihnen für die Bearbeitung meines Anliegens und hoffe auf eine Antwort.“
Zusammengefasst beanstanden Sie, dass nach einem Ihrer Meinung nach tendenziösen, polemischen und manipulativen Beitrag ein Interview folgte, bei dem der Interviewte auf unhöfliche Art immer wieder unterbrochen wurde. Sie fanden die Sendung einseitig.
B. In ihrer Stellungname schreiben Reto Gerber, Redaktionsleiter, und Marcel Sigrist, Redaktor von „ECO“:
„Gerne nehmen wir die Gelegenheit wahr, auf die Eingabe von X zu reagieren. Dieser schreibt:
‚Herr Lipp war sehr unhöflich bei dem Interview mit Herrn Rechsteiner Er hat ihn kaum zu Wort kommen lassen. Ausserdem war der zuvor ausgestrahlte Beitrag tendenziös, polemisch und manipulativ!‘
Das Schreiben von Herrn X ist eine Kritik an zwei Punkten: Am Stil des Studio-Interviews einerseits, und am davor ausgestrahlten Beitrag andererseits. Zum zweiten Punkte ist folgendes anzuführen:
Die Sendung ‚ECO‘ vom 21. März thematisierte das Thema AHV breit; im Wissen darum, dass es sich bei der AHV um das wichtigste Vorsorgewerk des Landes handelt, und ebenso im Wissen darum, dass dieses Vorsorgewerk vor erheblichen Herausforderungen steht. Nebst der Einführung in die Sendung mittels Grafik im Studio widmete die Redaktion dem Thema einen Beitrag und ein Studiogespräch.
Der Beitrag über die AHV hatte eine Länge von 5 Minuten und 35 Sekunden. Er vertrat eine Seite des Meinungsspektrums. Selbstverständlich wäre er, für sich alleine gestellt, einseitig. Aber: Der Beitrag stand nicht für sich alleine. Die im Beitrag kritisierte politische Linke konnte sich im Anschluss im Studio ausführlich äussern. Das Interview von Reto Lipp mit SGB-Präsident und SP-Ständerat Paul Rechsteiner hatte eine Länge von 6 Minuten 26 Sekunden. Es war damit länger als der Beitrag selbst. Paul Rechsteiner gelang es dabei mehrfach, seine Kernbotschaften zu platzieren. Namentlich, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis bei der AHV stimme. Die Aufteilung in einen kritischen Beitrag mit anschliessendem Studio-Gespräch ist journalistischer Alltag und wird bei SRF seit Jahren gelebt. Die Aufteilung ist, im Sinne der Transparenz, auch schon zu Beginn der Sendung, im sogenannten ‚Sommaire‘, dem Inhaltsverzeichnis, entsprechend deklariert.
Herr X kritisierte zudem den Interviewstil von Reto Lipp. Selbstverständlich bedauern wir, dass bei X der Eindruck entstand, Reto Lipp behandle seinen Studiogast unhöflich. Dies war gewiss nicht Absicht. Doch auch nach mehrmaligem Anschauen des Interviews sind wir seitens Redaktion der Ansicht, dass Reto Lipp die Grenze der Höflichkeit nicht annähernd überschritten hat. Reto Lipp hat unbestrittenerweise nachgehakt, auch mehrmals. Doch genau das war und ist seine Aufgabe als Interviewer. Er muss sicherstellen, dass der Gast den zentralen Fragen nicht ausweicht. Diese Aufgabe hat Reto Lipp in den Augen der Redaktion stilsicher und professionell wahrgenommen.
Wir sind davon überzeugt, dass die Interviewführung korrekt war, und dass sich unsere Zuschauerinnen und Zuschauer in der Sache selbst ein Bild machen konnten.
Die Redaktion ‚ECO‘ beantragt deshalb, die Beanstandung abzuweisen.“
C. Damit komme ich zu meiner eigenen Einschätzung. Ich habe großes Verständnis für Ihren Ärger. Im Beitrag, in dem Ständerat Pirmin Bischof (CVP) der Einzige ist, der seine Sicht der Dinge darlegen kann, wird die Verantwortung für das Finanzloch bei der AHV weitgehend der Linken zugeschoben. Und der Linke, der nachher Stellung nehmen kann, Ständerat und Gewerkschaftsbund-Präsident Paul Rechsteiner (SP), wird dauernd unterbrochen und muss aus der Defensive heraus argumentieren.
Aber man kann die Sache auch aus einer anderen Perspektive heraus sehen: Der Filmbeitrag trägt zur Aufklärung bei. Er liefert leicht verständliche Zahlen und Fakten, und er begründet, warum die AHV in diese Problemlage hineingerutscht ist. Im Interview wiederum kann Ständerat Rechsteiner darlegen, warum es trotz Überalterung nur ganz bescheidene Massnahmen braucht, damit die AHV weiterhin als grandioses Sozialwerk funktioniert, und warum bei der AHV für die Mittelklasse und die schlechter Verdienenden das Preis-Leistungs-Verhältnis besser stimmt als bei den Pensionskassen oder bei den Krankenkassen, bei denen die Beiträge steigen und die Leistungen teilweise sinken. Durch den Zweiklang - recherchierter Bericht und Interview - bekommt man sowohl die Sorgen der Bürgerlichen als auch den Optimismus der Linken mit. Insofern macht ‚ECO‘ genau das, was der Auftrag der Medien ist: Fakten auf den Tisch legen, Hintergründe aufzeigen, Kontroversen sichtbar machen. Polemisch ist der Filmbericht nicht, eher lehrreich und erhellend.
Bleibt das Interview. Reto Lipp platziert seine Fragen in der Tat nicht immer geschickt, vor allem darum, weil er nicht ein Satzende abwartet, bis er nachhakt, sondern in den laufenden Satz hineinspricht. Aber Paul Rechsteiner lässt sich nicht beirren und bringt seine Botschaft mit beharrlicher Ruhe hinüber. Und noch etwas: Ein Interviewer, der nicht kritisch nachfragt, sondern dem Gast devot und bewundernd das Mikrofon hinhält, passt gut in die Medienlandschaft einer Diktatur oder einer absolutistischen Monarchie, aber nicht in eine Demokratie. In der Demokratie ist es die Funktion der Medien, jene, die Macht haben, zu kontrollieren und zu kritisieren, egal, ob sie zur Linken gehören oder zur Rechten.
Aus diesem Grund sehe ich nicht, dass die Sendung gegen irgendeine Bestimmung des Radio- und Fernsehgesetzes verstoßen könnte. Meiner Meinung nach haben die Verantwortlichen von „Eco“ zwar nicht alles perfekt, aber grundsätzlich nichts falsch gemacht.
Und zur Klarstellung: Auch wenn ich zum gleichen Schluss käme wie Sie, könnte ich als Ombudsmann der Redaktion zwar gewisse Empfehlungen verabreichen, aber ich könnte keine Rüge aussprechen und schon gar nicht eine Gegendarstellung verlangen. Und da ich nicht zum gleichen Schluss komme wie Sie, sind auch keine spezifischen Empfehlungen nötig.
D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
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