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Monatsblatt August 2019 für die Taubblinden-Hilfe
Ich verbrachte meine Kindheit in Chile. Das Land Chile ist in Südamerika und sieht aus wie eine lange (grüne) Bohne. Meine Eltern waren Missionare unter deutschsprachigen Menschen. Ich war also jeden Sonntag in der Sonntagsschule oder im Gottesdienst. Im Sommer fuhren wir in den Süden Chiles, wo es kühler war als in der Hauptstadt Santiago. Dort hielten wir Familien-, Kinder- und Jugendlager und wohnten für ein paar Wochen in Zelten auf dem Land. Wir spielten auf den Feldern, assen wilde Brombeeren und Äpfel von den Bäumen. Wir badeten in Flüssen und Seen. Als Kind hörte ich viele Geschichten aus der Bibel und lernte Lieder über Gott. An das folgende Lied kann ich mich noch gut erinnern:
„Pass auf, kleines Auge, was du siehst. Denn der Vater im Himmel schaut herab auf dich, drum pass auf, kleines Auge, was du siehst.“
In allen sieben Strophen geht es darum, dass wir aufpassen sollen, was Ohr, Mund, Hand, Fuss und Herz machen, weil Gott es sieht.
Vielleicht kennt ihr dieses Kinderlied auch noch. Ich dachte lange, dass Gott nur das sieht, was ich falsch mache. Aber er sieht viel mehr: Er sieht, was wir richtig und gut machen. Er sieht, ob wir lachen oder weinen. Er sieht, ob wir enttäuscht oder überrascht sind. Er sieht, ob wir einsam und traurig sind. Er sieht uns vor allem dann, wenn andere uns nicht sehen und wenn wir Hilfe brauchen.
Es gibt eine Geschichte in der Bibel über eine Frau mit dem Namen Hagar. Sie wurde mit ihrem Sohn in die Wüste geschickt und dachte, ihr Sohn würde dort sterben. Sie weinte und schrie zu Gott. Gott antwortete und zeigte ihr eine Wasserstelle. So überlebten Hagar und ihr Sohn. Sie war so glücklich darüber, dass Gott sie gesehen hatte, dass in der Bibel steht:
Und sie (Hagar) nannte den Namen des Herrn,
der mit ihr redete:
Du bist ein Gott, der mich sieht.
1. Mose 16,13