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Golf spielen in den schottischen Highlands
Reisebericht Philipp Dobler 2002
Ich kenne das Wetter in den Highlands im Winter nicht. Aber wenn man das Sommerwetter während meines Trips und die allgemeine Erfahrung nimmt, empfielt es sich, nur in der wärmsten Jahreszeit dorthin zu reisen; ausser man ist nicht Kälte empfindlich. Nässe darf einen - aber das weiss jedes Kind, das an Schottland denkt - sowieso nicht stören.
Selbstverständlich sollte man einmal in seinem Leben in der Heimat des Sports golfen. Ich für meinen Teil hoffe, dass die Abstecher dorthin möglichst häufig vorkommen werden - garstiges Wetter hin oder her. Der Hauptgrund liegt darin, dass Golf in Schottland eine natürliche Beschäftigung geblieben zu sein scheint. Alle spielen; und man wird das Gefühl nicht los, dass Golfen für die Einheimischen nicht etwas wesentlich anderes ist als ausgedehnt zu spazieren. Eine Ausnahme mögen die Topplätze darstellen, also St. Andrews, Muirfield, Gleneagles etc..
In den Jahren zwischen 1850 und 1900 wurden in Schottland unglaublich viele Golfplätze gebaut. Im Golfmuseum in St. Andrews, das ich am Rückreisetag besuchte, ist von über 1000 Kursen die Rede.
Ich vermag nur jene sieben zu beurteilen, auf denen ich gespielt habe.
Die Basis war Inverness. Für einmal reiste ich nicht herum, sondern kam am Abend immer wieder zurück. Die beschriebenen Destinationen befinden sich deshalb alle im Umkreis von rund einer Fahrstunde der kleinen Stadt, die am Abend zu einer grossen wird. Dann sind die guten Restaurants, von denen es eine Menge gibt (first class=the mustarde), gut besetzt und die zahllosen Pubs zum Bersten voll.
Inverness Golf Club
Hier handelt es sich um einen wunderschönen Stadtkurs, der sich in unmittelbarer Nähe des Marriott Hotels befindet. Wenn Sie dort wohnen, können Sie zu Fuss zum Platz gelangen. Die ersten Bahnen sind kurz, und Sie können Ihr Score - egal auf welcher Spielstärke Sie sich befinden - tief halten. Die hinteren neun Löcher habe ich als etwas komplizierter empfunden. Die im Platz innewohnenden Schwierigkeiten waren mit Sicherheit äusserst fair. Das bedeutet, dass gute Schläge belohnt und nur schlechte bestraft werden (Gegenbeispiel: Nuolen).
Wenn Sie die Ausrüstung verbessern wollen, besuchen Sie mit Vorteil den Pro Shop. Es ist mir aufgefallen, dass namentlich Kleider und Schuhe bedeutend günstiger zu kaufen waren als in Westeuropa.
Nairn Dunbar Golf Club
Der Platz liegt fast am Meer. Wenn Sie auf die Driving Range gehen, müssen Sie die Bälle selber einsammeln - eine gute Einrichtung, wie ich meine. Sie beginnen auf der Range sofort mit Köpfchen zu üben und schlagen nicht sinnlos 100 Bälle mit immer den gleichen Schwungfehlern kreuz und quer übers Feld. Der Golfclub wurde noch im 19. Jahrhundert gegründet. Das Terrain ist praktisch flach. Agressives Spiel muss nicht unbedingt der schlechteste Ansatz sein, um an seinem Spiel Freude haben zu können. Bei den Löchern 9 bis 13 - sie sind relativ eng und liegen nahe zum Meer - drängt es sich allerdings auf, die Eisen einzusetzen.
Mit Ausnahme des Loch Ness Golf Course, wurde ich auf sämtlichen Plätzen, die ich bespielt habe, das Gefühl nicht los, dass es sich überproportional auszahlt, die langen Eisen - also 2 oder gar 1 -zu beherrschen. Hat es viel Wind, trifft NicklausO Aussage auch für den Hobbyspieler zu: das Eisen 1 ist famos.
Royal Dornoch Golf Club
Dieser Course ist die einzige königliche Anlage, die ich in dieser Woche kennen gelernt habe. Der Linksplatz, auf dem schon einige grosse Turniere statt fanden, hat das royale Gütezeichen mit Sicherheit verdient. Er ist Tom Watsons Lieblingsplatz. Zum ersten Mal habe ich in Royal Dornoch erfahren, weshalb die ersten neun Löcher mit 'outO, und die zweiten neun mit 'inO betitelt werden.
Auf dem Kurs, der direkt am Meer liegt (links=Verbindung), geht man die ersten neun Bahnen out, wendet und kommt auf den back nine in.
Schwierig sind in Dornoch die teilweise meterhohen Bunker und die schnellen Greens. Die Kombination kann fatal sein. Bei Loch sechs, einem Par 3, hatte ich den zweiten Schlag aus dem linken vorderen Greenbunker auszuführen. Ich war nur ungefähr sieben Meter von der Fahne entfernt. Der Ball gelang zwar gut, er landete kurz vor der Fahne, rollte aber darüber hinaus und den Hügel hinter dem Grün hinunter. Ich schrieb nur noch eine fünf. Die letzten drei Bahnen empfand ich als sehr schwer.
Loch Ness Golf Course
Alles ist hier neu. Der Platz ist - im Vergleich zu den Kursen aus dem 19. Jahrhundert - lang. Allerdings ist er auch sehr breit. Beherrschen Sie den Driver, können Sie guten Gewissens um Geld spielen. Das Layout ist nicht sehr attraktiv und erinnert an neue Plätze auf dem Festland - kein must also.
Brora Golf Club
Vielleicht hat Tom Watson Brora nicht gespielt. Ich empfand ihn jedenfalls als den eindrücklichsten Golfplatz, den ich je gesehen habe. Dornoch mag etwas anspruchsvoller sein, die Lage von Brora ist aber gewiss fantastischer. Auf diesem Platz sind die Grüns eingezäunt, da Schafe und Kühe frei auf den Fairways und im Rough weiden. Beim Wendepunkt, dem direkt am Meer gelegenen Loch 9, einem 145 Meter langen Par 3, stach mir der starke Geruch einer Whiskeydestillerie in die Nase. Vom Wendepunkt sieht man zurück zum Clubhaus und kann erfreut feststellen, dass man auf so einer Golfrunde einige Kilometer abspult, ohne es zu realisieren. Die Ruhe muss auf jederman, der hier spielt, überschwappen. Wunderschön präsentiert sich die Aussicht vom Clubhaus aus. Aus dem Panoramafenster sieht man auf die Weiten des Meers hinaus.
Boat of Garten
Ich fühlte mich zurückversetzt an den Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Course liegt im Landesinneren, südwestlich von Inverness. Die Farbe der Fairways ist unterschiedlich grün. Da gibt es hellgrüne, dann wieder dunkelgrüne, moosbewachsene Stellen. Ab und zu fährt unmittelbar neben dem Platz ein Zug, gezogen von einer Dampflokomotive, vorbei. Spielen Sie hier vorsichtig. Vielfach reichen Eisen, um regulär aufs Green zu kommen. Die Losung lautet aber mit Sicherheit: lieber kurz, dafür einigermassen gerade! Denn wenn Sie Ihren Ball in den Wald schagen, der überall eine Rolle spielt, dann verlieren Sie - seien es Strokes oder Holes.
Fortrose & Rosemarkie Golf Club
Wenn ich von Brora geschwärmt habe, dann gilt dasselbe sich auch für Fortrose & Rosemarkie. Subjektiv war aber alles anders. Der Grund lag darin, dass es den ganzen Tag wie aus Kübeln gegossen hat. Der Platz ist auf einer Halbinsel angelegt. Er wurde vom selben Architekten geplant, der auch für Boat of Garten verantwortlich ist. Praktisch alle Löcher führen direkt entlang des Meeres. Die Greens sind tückisch. Der Wind war an meinem Tag auf Fortrose stark. Ich glaube, man hätte in Richtung See zielen müssen, um den Fairway zu treffen. Ein bewusst gespielter Hook oder Slice wäre vielleicht die Alternative gewesen. Aber das ist guten Golfspielern vorbehalten. Ich habe in Kauf genommen, die Greens von den gegenüberliegenden Fairways aus anzugreifen.