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(franz. poste, v. mittellat.
posta [gekürzt aus posita] im
Sinn von
Station, Standort der zur Weiterbeförderung aufgestellten Laufboten oder
Pferde),
[* 3] Staatsanstalt
zur Beförderung von
Briefen, Paketen, Geldsendungen, Gedrucktem sowie in einigen
Staaten auch von
Personen
zwischen bestimmten
Orten und zu festgesetzten
Taxen; auch Bezeichnung der Gebäude dieser Anstalt, der von ihr verwandten
Wagen und durch sie beförderten Sendungen.
Die assyrische
Sage erzählt von
Boten, welche die Befehle der
Semiramis in die
Provinzen des
Reichs beförderten.
Im
BuchEsther
(Kap. 3, 12) wird von berufsmäßigen
Läufern berichtet, und einen ziemlichen
Umfang hatte der Nachrichtendienst
durch berufsmäßige
Boten bei den Ägyptern unter der 12. Dynastie, insbesondere aber bei den Griechen und
Römern. Die griechischen
Hemerodromen hatten den Regierenden auf schnellste
Weise Nachrichten zu überbringen. In der römischen
Republik wurde der obrigkeitliche und private
Verkehr durch cursores, auch statores, später viatores und tabellarii (von tabella,
Brieftäfelchen) wahrgenommen.
Nach
Marco Polo scheint auch in
China
[* 4] schon seit alten
Zeiten eine Nachrichtenbeförderung durch
Läufer bestanden zu haben,
welche sich stationsweise ablösten und dadurch Erhebliches in der
Schnelligkeit der Beförderung leisteten.
Kyros verband die
Provinzen seines weiten
Reichs durch reitende
Boten, welche auf zweckmäßig verteilten
Stationen die
Pferde
wechselten, und deren
Organisation die erste eigentliche postmäßige Einrichtung darstellt (Angareion).
Cäsar ahmte dieselbe
zunächst für den Nachrichtendienst im
Krieg nach (reitende
Kuriere, veredarii), und unter
Augustus entwickelte sich hieraus
die römische Staatspost (cursus publicus), welche bis zum
Untergang des weströmischen
Reichs durch regelmäßige
Verbindung zwischen der
¶
mehr
Hauptstadt und den Provinzen der römischen Weltherrschaft diente. Die Hauptstützpunkte der römischen Staatspost waren die
an bedeutendern Handels- und Verkehrsorten errichteten mansiones (später stationes), welche zum Ausruhen und Verweilen der
Reisenden während der Nacht dienten und meist je eine Tagereise voneinander entfernt waren. Zwischen je zwei Mansionen befanden
sich 6-8 Mutationen für den Pferdewechsel. Die Stellung der Beförderungsmittel lag den Bewohnern der
betreffenden Poststation ob und gestattete sich zu einem schweren Frondienst für die Bevölkerung.
[* 6] In eiligen Fällen fanden
ganze Truppenabteilungen mit ihren Ausrüstungsgegenständen durch den cursus publicus Beförderung.
Während die römischen Posteinrichtungen durch die Wogen der Völkerwanderung zerstört und ein späterer
Versuch des Frankenkönigs Chlodwig und später Karls d. Gr. zur Errichtung regelmäßiger Postverbindungen auf Grundlage der
römischen Fronen nur zu Einrichtungen von kurzer Dauer geführt hatte, entstand im 7. Jahrh. im
mohammedanischen Kalifenreich ein geregeltes Postinstitut, das im beschränkten Umfang auch Privaten seine Dienste
[* 7] lieh und
damit einen mehr gemeinnützigen Charakter annahm.
Die Metzgerzünfte traten untereinander in Verbindung und schufen die sogen. Metzgerposten. Zu weit größerer Bedeutung gelangte
das Städtebotenwesen, welches mit dem Emporblühen der Städte und der Entwickelung des Handels entstand. Die städtischen
Boten waren meist zu einer Zunft unter einem Botenmeister vereinigt; ihre Obliegenheiten waren durch Botenordnungen
geregelt. Schon seit dem 13. Jahrh. wurde durch die Städteboten ein mehr oder weniger regelmäßiger
Verkehr zwischen den Hansestädten unterhalten, und von diesen aus bestanden Verbindungen über Nürnberg
[* 10] nach Salzburg,
[* 11] Venedig
[* 12] und den Haupthandelsplätzen Italiens
[* 13] sowie nach Frankfurt,
[* 14] Köln,
[* 15] Lindau
[* 16] und Augsburg.
[* 17] Eine gewisse Bedeutung
erlangte auch die Post des DeutschenRitterordens, welche vom 14. Jahrh. ab bis zur Auflösung des Ordens (etwa 1525) auf dem Gebiet
des Ordens sowie mit benachbarten Gebieten regelmäßige Postverbindung unterhielt. - Die bisher erwähnten Verkehrseinrichtungen
bildeten zwar gewisse Kernpunkte einer regelmäßigen Nachrichtenübermittelung; allein es fehlte ihnen
der Grundzug des modernen Postwesens: die unbedingte Zugänglichkeit für jedermann.
Hieran schlossen sich Postkurse zwischen Nürnberg, Frankfurt a. M. und Schaffhausen,
[* 23] während sich nach Norden
[* 24] der Taxissche Postenlauf bis
Hamburg
[* 25] erstreckte. 1615 wurde Lamoral von Taxis unter Erhebung in den Grafenstand zum Reichs-Generalpostmeister
ernannt mit der Wirkung, daß er dieses Amt als ein neueingesetztes Regal für sich und seine Erben zum Lehen erhielt. Dies war
der Anfang eines Kampfes, den die einzelnen Landesfürsten, welche die Posthoheit in ihren Gebieten für sich in Anspruch
nahmen, gegen die Lehnsherrlichkeit des HausesTaxis führten, und der bis in unser Jahrhundert währte.
Bei dieser Entwickelung hatte das Postwesen in Deutschland in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts eine
sehr zersplitterte Gestaltung angenommen, in Hamburg hatten sogar Schweden
[* 27] und Dänemark
[* 28] Postämter errichtet. Die gesteigerten
Anforderungen, welche der zunehmende Verkehr stellte, machten eine engere Vereinigung der deutschen Postverwaltungen nötig.
Am trat zu Dresden
[* 29] eine deutsche Postkonferenz zusammen, deren Arbeiten zum Abschluß des deutsch-österreichischen
Postvereinsvertrags führte, welcher ins Leben trat. Dieser Vertrag (revidiert und gestaltete
die 16 vereinigten Postverwaltungen für ihren gesamten Wechselverkehr zu einem einzigen Postgebiet, dessen Verhältnisse
zu dem Postvereinsausland durch eine Reihe einzelner Verträge geordnet waren.
Nach den Ereignissen des Jahrs 1866 gelang Preußen
[* 30] die Beseitigung der Thurn und Taxisschen Post durch einen mit
dem fürstlichen Haus. Thurn und Taxis geschlossenen Vertrag vom Wichtigere Veränderungen hatte die Errichtung des
Norddeutschen Bundes zur Folge. Gemäß Abschn. 8 der norddeutschen Bundesverfassung wurde das Postwesen
für das gesamte Gebiet des Norddeutschen Bundes vom ab als einheitliche Staatsverkehrsanstalt eingerichtet.
außerhalb der Reichspost. 1876 wurde die Telegraphenverwaltung mit der Postverwaltung zu einem selbständigen ministeriellen
Ressort, dem seit 1880 die Bezeichnung Reichspostamt beigelegt wurde, vereinigt.
Die Kurierritte wurden »postes« genannt. Diese Bezeichnung tritt hier zum
erstenmal auf, und seitdem scheint das Wort »Post« auch in andern Staaten sich eingebürgert zu haben. Der erste
Erlaß, welcher auf eine Umwandlung in eine gemeinnützige Anstalt im Sinn der modernen Post hindeutet, rührt von Heinrich III.
aus dem Jahr 1576 her, welcher für die Beförderung von Briefen und andern Sendungen bestimmte Taxen vorschrieb und bestimmte
Abgangs- und Ankunftszeiten festsetzte. 1668 wurde Louvois zum Postchef ernannt, der 1676 das gesamte Postwesen
gegen eine Pacht von 320,000 Thlr. auf elf Jahre verpachtete.
Bis 1733 waren diese Pachtgelder auf die Summe von 3 Mill. Frank gestiegen. Als beim Ablauf
[* 38] der letzten Pacht 1791 die Posten
dem Staat anheimfielen, betrugen die reinen Einkünfte über 11 Mill. Fr. Während der nun folgenden Schreckensperiode
und des Kaiserreichs zeigten die postalen Verhältnisse keine wesentlichen Fortschritte, bis sich nach der Rückkehr Ludwigs
XVIII. 1815 wieder eine stetigere Entwickelung anbahnte. Das französische Postwesen wurde indes wesentlich nach fiskalischen
Gesichtspunkten verwaltet, bis Frankreich 1878 dem Weltpostverein beitrat, die Taxen herabsetzte und in allen Dienstzweigen Verkehrserleichterungen
herbeiführte.
Die Privatposten wurden aufgehoben und die Post für ein königliches Recht erklärt. Karl I. kann daher
als der eigentliche Schöpfer der englischen Postverfassung betrachtet werden. Er verpachtete das Postwesen für 7000 Pfd. Sterl. 1710 erhielt
das Postwesen eine Verfassung, welche noch jetzt die Grundlage der englischen Post bildet. Ein General Post Office wurde für die
drei Königreiche und die Kolonien errichtet und dem Postmaster General unterstellt. Eine durchgreifende
Reform im Postbeförderungsdienst, welcher noch im 18. Jahrh. viel zu wünschen übrigließ,
wurde von dem Theaterdirektor JohnPalmer in Bristol angeregt und fand den Beifall des Premierministers Pitt.
Die Folge dieser Reform war eine ungeheure Steigerung des Briefwechsels. 1861 ging die englische Postverwaltung
mit der Einrichtung von Postsparkassen (s. d.) vor. Die Oberleitung der englischen Post hat
das Generalpostamt (General Post Office) mit einem Postmaster General an der Spitze. Da dieser Mitglied des Kabinetts ist und bei
jedem Kabinettswechsel aus dem Amt scheidet, so liegt die ständige Leitung der Geschäfte in der Hand von
drei Secretaries, von welchen der erste die Postabteilung, der zweite die Finanzangelegenheiten und der dritte die Telegraphenabteilung
leitet.
Die sämtlichen Postanstalten stehen (ohne Vermittelung von Provinzialbehörden, wie in Deutschland und andern Ländern mit
dezentralisierter Verwaltung) unmittelbar unter dem General Post Office. In Spanien
[* 43] bestanden schon zu Ende
des 13. Jahrh. zünftige Vereinigungen von Boten, welchen die später auf das Postwesen übergegangen Bezeichnung Correos
beigelegt wurde. Eigentliche Posten wurden erst vom HausTaxis in der Gefolgschaft des österreichischen Kaiserhauses gegründet.
Im 18. Jahrh. erhielt das Postwesen eine mehr nach französischem Muster gehaltene Organisation und wurde 1716 unter
Staatsverwaltung genommen.
Norwegen hat ein selbständiges Landespostwesen. Den ersten Ursprung nahm dasselbe durch eine 1611 zwischen Christiania
[* 45] und
Kopenhagen
[* 46] eingerichtete Briefpost. Seit 1826 sind alle an der Seeküste liegenden Handelsstädte
von Frederikshall und Christiania bis Hammerfest durch ineinander greifende Dampfschiffahrten in Verbindung gesetzt. In Rußland
finden sich die ersten Spuren von Postverbindung in der Mitte des 16. Jahrh. Die ersten regelmäßigen Posten wurden 1630 unter
Michael Feodorowitsch eingerichtet.
In Italien ist 1889, in Serbien
[* 53] 1890 die Telegraphie mit der Post vereinigt, dagegen sind in Belgien
[* 54] 1889 die beiden bis dahin
vereinigten Verkehrswesen getrennt worden. Rußland ist 1890 mit der Einrichtung von Postsparkassen vorgegangen.
Die deutsche Reichspost.
1) Der Dienstbetrieb im innern Verkehr hat wesentliche Erleichterungen und Verbesserungen erfahren. Die
Begleichung von Postanweisungen auf dem Wege des Giroverkehrs (s. Postanweisungen) ist erheblich ausgedehnt worden und erfreut
sich immer wachsender Beliebtheit. Das Porto (s. d.) für Postnachnahmen (s. d.) sowie dasjenige für Drucksachen ist teilweise
ermäßigt, die Versendung der letztern in Rollenform zugelassen worden; die Beträge für Postaufträge (s. d.) sind
erhöht und die Ansdehnungsgrenzen für Warenproben erweitert worden, die letztern dürfen 30 cm in der Länge und 15 cm im
Durchmesser betragen.
Der Postdienst auf dem platten Lande hat durch Vermehrung der Postagenturen und Posthilfsstellen, durch Verstärkung
[* 55] des Bestellpersonals
und nicht zum wenigsten durch die Einrichtung der fahrenden Landbriefträger (s.
Briefträger) eine wesentliche Verbesserung erfahren; desgleichen sind die Gebühren für das Abtragen von Paket- und Geldsendungen
an die im Landbestellbezirk wohnenden Empfänger sowie das Eilbestellgeld ermäßigt worden. Besondere Erwähnung verdient
die Einrichtung der Straßenposten (s. d., Bd.
17) in Berlin.
[* 56]
In der S. 732 abgedruckten statistischen Übersicht ist der Gleichmäßigkeit wegen Deutschland mit dem
Stande seiner postalischen Einrichtungen von 1889 aufgeführt. Die nachstehenden Zahlen lassen den Fortschritt erkennen, den
das deutsche Postwesen in wenig mehr als einem Jahre gemacht hat, und liefern den Beweis, daß dasselbe die führende Rolle
unbestritten behauptet. Im Januar 1891 waren vorhanden: 22,667 Postanstalten (darunter 11,394 Posthilfsstellen);
halter, betrug 37,127, die der Unterbeamten, einschließlich Postillione und Posthilfsstelleninhaber, 70,696, zusammen 107,823
im deutschen Reichspostdienst beschäftigte Personen. Hierzu 15,500 bayrische und württembergische Postbeamte, ergibt ein
Gesamtpersonal von 123,323 Köpfen.
2) InternationalerVerkehr. In dem Bestreben, durch Herstellung eines eignen Postwesens in den von deutschen Handels- und Kolonisationsbestrebungen
beherrschten Ländern die Reichsangehörigen von fremden Posteinrichtungen thunlichst unabhängig zu machen
und den Postverkehr der Kolonien und Schutzgebiete mit der Heimat zu erleichtern, hatte die deutsche Postverwaltung zunächst
in Kamerun, dann in den von den Reichspostdampfern berührten Häfen, wo sich deutsche Handelsniederlassungen (Schanghai
[* 61] und
Apia) befinden, ein geordnetes, die deutschen Verkehrsinteressen sicherndes Landpostwesen aber nicht
bestand, deutsche Postämter errichtet.
Von der Handelswelt mit lebhafter Befriedigung aufgenommen, ist an dem Ausbau und der Vervollkommnung diesem Einrichtungen
rüstig weiter gearbeitet worden, so daß nun (1891) sämtliche unter dem SchutzeDeutschlands stehende Gebiete mit deutschen
Posteinrichtungen versehen sind. Außer dem deutschen Postamt in Konstantinopel,
[* 62] welches schon 1870 eingerichtet
wurde, bestehen deutsche Postanstalten 1) in Asien:
[* 63] Schanghai;
Beschleunigung in der Beförderung der nach Deutschland bestimmten amerikanischen Post dadurch, daß deutsche Beamte
die Post am Anlaufhafen direkt in Empfang nehmen und auf der Eisenbahnfahrt durch die Niederlande,
[* 69] bez.
Belgien verarbeiten;
Alle Maßregeln indessen für die sofortige Bearbeitung und rasche Weiterbeförderung der
amerikanischen Post reichten nicht hin, um den 1889 hin- und herwärts auf 39 Mill. Postsendungen angewachsenen deutsch-amerikanischen
Verkehr ohne wesentliche Verzögerungen zu bewältigen, und es wurden Verhandlungen zwischen der deutschen
und der Generalpostdirektion der Vereinigten Staaten eingeleitet, um diesem Übelstand abzuhelfen. Das Ergebnis derselben
war die zum in Kraft getretene Einrichtung der Seeposten, die zwischen Bremen
[* 70] und Hamburg einer- und New York anderseits
wöchentlich dreimal (zweimal bei den Fahrten der Schnelldampfer des Norddeutschen Lloyd und einmal bei
denjenigen der Schnelldampfer der Hamburg-Amerikanischen Paketfahrt-Aktiengesellschaft) verkehren.