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Originell besetzte Weihnachtskantate
Das Werk des Aargauer Frühromantikers Friedrich Theodor Fröhlich überrascht mit sich stark ändernder Besetzung und einer eher dramatischen Anlage.
Friedrich Theodor Fröhlich (1803–1836) stammt aus dem aargauischen Brugg und gilt heute als bedeutendster Schweizer Komponist der Frühromantik. Seit nunmehr fünf Jahren kümmert sich die Internationale Fröhlich-Gesellschaft in Brugg um die Aufführung und Bekanntmachung seiner Musik. Die Initiantin Barbara Vigfusson organisiert jährlich einen Fröhlich-Tag mit namhaften Interpretinnen und Interpreten, ihr Mann Johannes Vigfusson widmet sich mit grosser Sorgfalt der Edition von dessen Werken.
Nun ist vor rund einem Jahr im Amadeus-Verlag der von Vigfusson betreute Erstdruck von Fröhlichs Weihnacht-Cantate für Soli, Chor und Klavier erschienen. Eigentlich hätte diese Kantate im Oktober 2020 am Fröhlich-Tag auch aufgeführt werden sollen, doch Corona hat dies verunmöglicht.
Die Weihnacht-Cantate ist Fröhlichs Passions-Cantate (Éditions Cantate Domino, Neuchâtel, CD 1193), die 2019 am Fröhlich-Tag gesungen wurde, sehr ähnlich. Formal haben beide eine originelle, variable Besetzung mit verschiedenen Chören und Soli, beide werden von einem Klavier begleitet und bei beiden stammt der Text von Fröhlichs Bruder, dem reformierten Theologen und Dichter Abraham Emanuel Fröhlich. Auch entstanden beide oratorischen Werke kurz nach Fröhlichs Rückkehr aus Berlin, wo er an Zelters Singinstitut studiert hatte, in die Schweiz.
So entstand die Weihnacht-Cantate im November 1830, und zwar «ohne Kompromisse bezüglich der musikalischen Ansprüche», wie Vigfusson in seinem Editionsbericht schreibt. «Sie erweckt den Eindruck einer Demonstration der verschiedenen Möglichkeiten der Chorkunst, worin der Komponist dem Schweizer Publikum auch seine Beherrschung des Kontrapunkts unter Beweis stellt.»
Jeder der acht Teile hat eine andere Besetzung: Das geht vom einfachen Klavierlied über ein Soloquartett, vom Frauen- und Männerchor bis zum achtstimmigen gemischten Chor a cappella. Liedhaft begonnene Abschnitte münden immer wieder in fugierte Steigerungen mit Schlussfuge. Eher überraschend für eine Weihnachtskantate ist die eher dramatische Anlage der Musik, die sich am eindrücklichsten in den solistischen Teilen mit Klavierbegleitung zeigt. Sie wird durch liebliche Kantilenen kontrastiert. Eine abwechslungsreiche und erfrischend vitale Weihnachtsmusik.
Friedrich Theodor Fröhlich: Weihnacht-Cantate für Soli, Chor und Klavier, Erstdruck der Partitur, hg. von Johannes Vigfusson, BP 2861, € 36.00, Amadeus, Winterthur