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Trotz des wieder erlaubten Walfanges: Die steigenden Kosten und die fehlende Nachfrage für isländisches Walfleisch könnte das Aus für den Fang der Meeressäuger bedeuten. Nebenbei könnte Island einen grösseren Boom von Walbeobachtungs-Touristen erleben.
Zwar ist der Walfangstopp Ende August ausgelaufen und damit zumindest noch für einen Monat lang wieder erlaubt. Doch Island werde seine kommerziellen Walfangpraktiken wegen schwindender wirtschaftlicher Vorteile bis 2024 beenden, schrieb Fischereiministerin Svandis Svavarsdottir vor einer Weile in der isländischen Zeitung Morgunbladid. „Es gibt nur wenige Rechtfertigungen, die Waljagd über 2024 hinaus zu genehmigen“, schrieb der links-grüne Minister. „Es gibt kaum Beweise dafür, dass diese Aktivität einen wirtschaftlichen Vorteil hat“, fügte sie hinzu. Island ist neben Norwegen und Japan eines der wenigen Länder, die den kommerziellen Walfang erlauben.
Das Fischereiministerium stoppte am 20. Juni, kurz vor Beginn der Fangsaison, die Jagd auf den Finnwal. Das ist die einzige Walart, die in Islands Gewässern noch getötet wird. Um das Jagdverbot zu begründen, berief sich Svandís Svavarsdóttir, die Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Fischerei, auf einem von ihr in Auftrag gegeben Bericht vom 8. Mai. Darin untersuchte eine Fachgruppe, ob der isländische Walfang die Tierschutzgesetze einhält oder nicht.
Dass da einiges im Argen lag, bestätigten Videos von August und September 2022, welche die Veterinär-Aufsichtsbehörde auf den Walfängerbooten gemacht hat. Von Jägern wird erwartet, dass sie Wale mit einer einzigen, gezielten Harpune mit Granatenspitze töten, die Sekunden nach dem Aufprall explodiert.
Die Filme zeigten aber, wie qualvoll die Jagd auf den Finnwal abläuft. Ein knappes Viertel der erlegten Tiere musste mehrfach harpuniert werden, sie hatten die erste Sprengladung überlebt. Der Todeskampf zweier Finnwale zog sich über ein bis zwei Stunden hin. Einem anderen Tier wurde fünf Stunden lang nachgejagt. Da die Leine der Harpune, die in seinem Rücken steckte gerissen war.
Der isländische Rat für Tierwohl hat den Bericht begutachtet, kam zu dem Schluss, dass der Walfang in diesem Ausmass mit den Tierschutzgesetzen nicht vereinbar ist. Svavarsdóttir reagierte umgehend mit dem Verbot der Jagd, Tierschutz-Organisationen in aller Welt brachen in Jubel aus. Robert Read von Sea Shepherd UK bezeichnete die Aussetzung als „einen schweren Schlag“ für den Walfang im Allgemeinen.
Doch Ende August wurde zur Überraschung vieler dieser Stopp nicht verlängert. Vielmehr trat die Ministerin vor die Medien und erklärte die Wiederaufnahme des Walfangs für rechtens. Dafür erhielt sie Beifall auch von Befürworterinnen und Befürwortern des Walfangs in Island, wo noch rund 150 Arbeitsplätze davon abhängig sind.
Doch das Ganze hat einen Haken für die Walfänger: strengere Vorschriften und mehr Überwachung. Hat Ministerin Svavarsdottir damit ihre Aussage für das Aus des international stark kritisierten kommerziellen Walfangs ihres Landes wahr gemacht und der Industrie tatsächlich den Todesstoss versetzt? Das wird sich im kommenden Jahr zeigen.
Tourismus steigt mit schwindendem Walfang
Auch Islands boomende Tourismusbranche, zu dem die beliebten Walbeobachtungs-Touren gehören, begrüsste das Ende der Jagd und zeigte sich schockiert über die Wiederaufnahme. Umfragen haben gezeigt, dass sich die breite Öffentlichkeit in Island gegen die Waljagd ausgesprochen hat. Dabei gaben im Juni 51% an, dass sie dagegen seien.
Im Jahr 2019, vor Beginn der Pandemie, besuchten etwa 360.000 Walbeobachter die Insel, was der isländischen Bevölkerung entspricht. Dies dürfte sich auch nicht ändern, trotz der Kehrtwende Ende August. Und sollte Ministerin Svavarsdottir Recht behalten, könnte in Zukunft Island einen Boom von Walbeobachtungs-Touristen erleben, was dem Tourismus im Allgemeinen zugute kommt.
Heiner Kubny, PolarJournal