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Der Schwarze Schwan
Bevor Australien entdeckt wurde, waren die Menschen in der Alten Welt überzeugt, alle Schwäne seien weiss. Diese Überzeugung war unanfechtbar, da sie durch die empirische Evidenz anscheinend völlig bestätigt wurde. Als niederländische Entdecker 1697 in Westaustralien den ersten schwarzen Schwan sichteten, wurde das bisherige Gedankengebäude schwer erschüttert. Das vermeintlich Unmögliche war widerlegt worden.
Der Ausdruck Black Swan dient seitdem als Metapher für ein extrem seltenes Ereignis mit grossen Auswirkungen, das häufig zu einer Veränderung oder Erweiterung der bisherigen Theorie führt.
Schwarze Schwäne und Actuarial Science
Aktuare*innen werden in der Praxis mit einer Vielzahl von Schwarzen Schwänen konfrontiert, die einen enormen Einfluss auf die Entwicklung der Finanz- und Versicherungsmärkte haben. Zum Beispiel sind der immense Erfolg von Google und Amazon, die Anschläge vom 11. September 2001, die globale Banken- und Finanzkrise 2008, die Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011 oder die rasante Entwicklung des World Wide Webs in der 90er Jahren des letzten Jahrhunderts Beispiele für solche Schwarzen Schwäne.
Es ist eine der wichtigsten Aufgaben von Aktuar*innen, die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Schwarzen Schwänen und deren Einfluss auf die Finanz- und Versicherungsmärkte sowie die damit verbundenen Chancen und Risiken zu analysieren. Auf diese Weise können deren gewaltige Auswirkungen bei der Berechnung von Solvenzwahrscheinlichkeiten, risikogerechten Prämien und angemessenen Schadenreserven berücksichtigt und so wenigstens zum Teil beherrschbar gemacht werden. Damit tragen Aktuare*innen nicht nur zum nachhaltigen Erfolg der Versicherungs- und Bankenindustrie, sondern auch zum Funktionieren der sozialen Versicherungssysteme und zur positiven Entwicklung der Volkswirtschaft massgeblich bei.