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Mehr als ein Albatros
Am 25. Juli ist in seinem Geburtsland England Peter Green gestorben, Gründungsmitglied der Band Fleetwood Mac und Pionier des Britischen Bluesrock und der British Invasion. Nachrufe von NZZ bis Rolling Stone feiern den am 29. Oktober 1946 geborenen Peter Allen Greenbaum. Peter Green hat in der Schaffensphase von 1968 bis 1970 wunderbare Musik gemacht, er schrieb das zeitlose Instrumentalstück Albatross und Carlos Santanas unsterblichen Hit Black Magic Woman; er spielte für John Mayalls Bluesbreakers und er jammte mit B.B. King. Er fuhr nach Chicago und machte Aufnahmen mit Willie Dixon, S.P. Leary, Walter «Shakey» Horton, David «Honeyboy» Edwards und Otis Spann und er war eine wichtige und einflussreiche Stimme in der Britischen Bluesszene der 1960er Jahre. Das ist unbestritten und sein historischer Verdienst, und dafür hat er seinen unbestreitbaren Platz im Pantheon des Blues, doch die Nachrufe enden mit seinem Drogentrip 1970, weil das so wunderbar ins Narrativ passt: Britischer Gitarrist der Sechziger Jahre vemasselt sein Talent mit Drogen. Im Gegensatz zu Drogentoten wie Jimi Hendrix, Janis Joplin oder Jim Morrison hat Peter Green aber nicht einfach eine «scheene Leich» abgegeben, wie der Wiener sagt, sondern er lebte danach noch 50 Jahre.
Ohne Zweifel war Peter Green ein feinfühliger, wohl auch spiritueller Mann, der als unmittelbar nach dem Holocaust In Grossbritannien geborener Jude sein Schicksal hinterfragte. Er lebte eine Zeit im Kibbuz, er litt an psychischen Krankheiten und er zeige ein eigenwilliges Faible für eigenartige Kleidungsstücke. Nach einem LSD-Trip im Jahr 1970 brach seine psychische Erkrankung aus und damit war die Karriere von Peter Green als Gitarrengott beendet. Dass sich die Drogenerfahrung in Deutschland ereignete, ist lediglich eine weitere Koinzidenz, aber es mag zur Erkrankung beigetragen haben.
Was das zeigt ist, dass das Leben auch als «Gitarrengott» kein leichtes ist. Auch wenn man sphärische Musik schreiben kann, auch wenn man als junger Mann Vorbild wird für Scharen von Amateur-Gitarristen und einige Profis (Gary Moore), die Aufgabe des Lebens ist es, auf Dauer glücklich zu werden und nicht, einen Höhepunkt zu haben und diesem ein Leben lang nachzutrauern. Das spätere Schaffen Greens zeigt, dass er diese Herausforderung angenommen hat und dass er Freude und Erfüllung im Leben fand, die ihm nun in allzu vielen Nachrufen wieder abgesprochen wird, indem sein Leben auf die Jahre 68 bis 70 reduziert wird.
Peter Green gründete die Peter Green Splinter Group, mit der er von 1997 bis 2003 acht grossartige Alben einspielte, darunter Hot Foot Powder (2000) und The Robert Johnson Songbook (1998), die in eine Zeit fielen, da auch andere sich am musikalischen Erbe Robert Johnsons abarbeiteten. Aber mit seiner musikalischen wie menschlichen Sensibilität erreichte Green eine einzigartige Einfühlsamkeit in diese Musik.
Als Jemand, der sich zeitlebens um sein Wohlergehen kümmern musste und der sein Leben mit Sinn füllen musste, nachdem er im Alter von lediglich 24 den Olymp erreicht hatte, nötigt Peter Green mehr Respekt ab denn als Saitenvirtuose. Er suchte nicht das perfekte Solo, er suchte die Musik dahinter, und dadurch wird der Mensch spürbar, die Seele im Musiker, die bei Peter Green stets ein wenig zu offen lag.