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Vor langer, langer Zeit, als die Stadt Belém noch nicht existierte, gab es an jenem Ort ein sehr zahlreiches Indianervolk. Und es wurde immer schwieriger, sie alle zu ernähren, denn die wenigen Felder gaben nicht mehr her, und selbst die Jagd und der Fischfang hatten ihre produktive Grenze erreicht.
Also entschloss sich ihr Häuptling Itaki zu einem grausamen Erlass: alle Neugeborenen sollten in Zukunft geopfert werden, um ein Anwachsen der Bevölkerung zu verhindern. Und es geschah, dass seine eigene Tochter Iaçã einem hübschen Mädchen das Leben schenkte – das ebenfalls geopfert wurde. Iaçã verzweifelte, sie weinte Tag und Nacht vor Sehnsucht nach ihrem Kind. Sie zog sich viele Tage in ihre “Oca“ (Hütte) zurück und betete zu Tupã, er möge ihrem Vater eine andere Möglichkeit zeigen, wie er sein Volk vor Hunger bewahren könne, ohne die Kinder zu opfern.
In einer Vollmondnacht hörte Iaçã plötzlich ein Baby schreien. Sie schaute aus der Tür ihrer Oca und sah ihr kleines Mädchen, das an den Stamm einer Palme gelehnt sass und die Ärmchen nach ihr ausstreckte. Erst einmal stand sie wie gelähmt – dann stürzte sie auf das kleine Wesen zu – aber die Erscheinung verflog, noch ehe sie es in ihre Arme schliessen konnte. Iaçã wurde derart von Trauer und Verzweiflung erfasst, dass ihr Herz aufhörte zu schlagen. Am Morgen fand sie ihr Vater am Fuss der Palme, ihre Arme umklammerten den Stamm und ihre Augen waren zum Wipfel der Palme gerichtet, der beladen war mit kleinen, dunklen Früchten.
Itaki befahl ein paar Burschen, die Früchte in Körben herunter zu holen – und stellte überrascht fest, dass sie angenehm dufteten und ihr Fruchtfleisch, sowohl roh als auch gekocht, sehr gut zum Verzehr geeignet war. Er gab diesen Früchten den Namen “Açaí“ (den umgekehrten Namen seiner Tochter) – und weil es in ihrem Gebiet Unmengen dieser Palmen gab, hatte sein Volk von da an wieder genügend zu essen – und Itaki wiederrief seinen Erlass, die Neugeborenen zu opfern.