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|Abt Johannes (759-782)

Abt Johannes
Johannes, 759/60-782. Nach der Verbannung Otrnars hat Bischof Sidonius von Konstanz unter dem Einfluß und dem nachdrücklichen Betreiben der fränkischen Grafen Warin und Ruthard Johannes, einen Mönch des Klosters Reichenau, auf den Abtsthron von St. Gallen gehoben. Über die nunmehr guten Beziehungen zu Konstanz legt der Vertrag von 759/760 zwischen Abt Johannes und Bischof Sidonius Zeugnis ab, wonach das Kloster außer einem jährlichen Zins dem Bischof zu nichts verpflichtet ist. Nach dem 4.7.760 wurde Johannes zum Bischof von Konstanz und Abt von Reichenau ernannt. Damit waren die drei großen geistlichen Stiftungen im alemannischen Raum in einer Hand vereint, deren weltliche Machtmittel den Hauptstützpunkt der karolingischen Herrschaft in Alemannien bildeten. Trotz der politischen Umorientierung unter Abt Johannes wurde der Konvent Otmars nicht vertrieben, einzelne Professen lassen sich unter beiden Äbten nachweisen. Doch die Schreiber und Notare wechselten gänzlich. Zeugnis für die Kontinuität ist auch, daß zahlreiche Schenkungen aus denselben Gegenden kamen wie unter Otmar. Die Intensität des Güteranfalles stieg unter Johannes auf das Achtfache der vorhergehenden Zeit. Der neue Abt betrieb eine gezielte Besitz- und Erwerbspolitik. Es gelang ihm der Ausbau der Besitzungen im südlichen Breisgau, im südlichen und östlichen Thurgau und jenseits des Sees im Linz- und Argengau. Die Verbindung zu den Gütern jenseits des Sees stellte er durch Besitzerwerb in Romanshorn und Steinach bei Arbon her. Seine Besitzpolitik für St.Gallen brachte aber auch die Abgrenzung von deren Einflußgebiet gegenüber den beiden andern ihm unterstellten Kirchen, nämlich gegen Konstanz im mittleren Thurgau und gegen die Reichenau im Bodenseegebiet. Unter ihm beginnt die Gruppe der bedingten Schenkungen, d. h. der Schenker behält das ans Kloster übertragene Gut, verpflichtet sich aber zu einem jährlichen Zins. Das schaffte Beziehungen vom Volk zum Kloster, die von Johannes gefördert und kontrolliert wurden, auch im Interesse fränkischer Politik. 78o hat Karl der Große den Vertrag zwischen Abtei und Bistum bestätigt. In die Regierungszeit von Abt Johannes fällt die Tätigkeit des ersten berühmten Leiters von Scriptorium und Schule, des Mönchs Winithar. Die letzte Urkunde, in der Johannes vorkommt, datiert vom 13.5.781, während die erste seines zweiten Nachfolgers Waldo das Datum 8.11.782 trägt. Nach dem Reichenauer Necrologium starb er am 9. Februar, somit muß es im Jahre 782 gewesen sein. Der Reichenauer Liber Viventium führt Johannes episcopus auf.
(Duft, Johannes; Die Abtei St.Gallen, St. Gallen 1986)