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Bei einer gutartigen Prostatavergrösserung vermehrt sich das Gewebe der sogenannten Vorsteherdrüse. Typische Symptome sind häufiger Harndrang oder nächtliche Toilettengänge. In der Regel sind davon ältere Männer ab dem 50. Lebensjahr betroffen. Die gutartige Prostatavergrösserung kann lästig sein, ist aber normalerweise harmlos. Bei starken Beschwerden oder zusätzlichen Komplikationen stehen verschiedene, wirksame Behandlungsansätze zur Verfügung.
Die Prostata, auch Vorsteherdrüse genannt, gehört zu den inneren Geschlechtsorganen des Mannes. Sie liegt unterhalb der Harnblase. Die Harnröhre führt durch sie hindurch. Während des Samenergusses sondert die Prostata ein Sekret ab, das für eine grössere Beweglichkeit der Spermien sorgt. Mit steigendem Alter kann es vorkommen, dass sich die Gewebezellen der Prostata zu stark vermehren und eine sogenannte gutartige Prostatavergrösserung oder benigne Prostatahyperplasie (BHP) entsteht. Sie ist in der Regel harmlos. Vergrössert sich die Prostata aber immer mehr, kann sie die Funktion der Harnwege beeinträchtigen. Die Probleme, die dabei auftreten, bezeichnen Fachleute als benignes Prostatasyndrom.
Das Risiko, eine gutartige Prostatavergrösserung zu entwickeln, steigt mit zunehmendem Lebensalter. In den westlichen Industriestaaten leiden etwa 65 Prozent der Männer mit 65 Jahren sowie 80 bis 90 Prozent der 80-Jährigen an einer vergrösserten Prostata.
Es ist ganz normal, dass die Prostata mit steigendem Lebensalter langsam grösser wird. Bei einigen Männern wächst sie aber übermässig. Typisch für eine gutartige Prostatavergrösserung ist, dass sich die Zellen von drei Gewebearten stark vermehren:
Bislang konnten Forschende den Auslöser für die Gewebewucherungen noch nicht vollständig identifizieren. Sie vermuten aber, dass hormonelle Schwankungen im Alter dafür verantwortlich sein könnten. Beispielsweise sinkt der Testosteronspiegel eines Mannes, je älter er wird. Der Östrogenspiegel bleibt aber gleich. Dieser Östrogenüberschuss kann dazu führen, dass weniger Prostatazellen einen natürlichen Zelltod sterben. Auch Dihydrotestosteron (DHT) könnte eine Rolle spielen. Dabei handelt es sich um die biologisch aktivere Form von Testosteron. Erhöhte DHT-Spiegel können bewirken, dass sich Drüsengewebe krankhaft vermehrt.
Da die Prostata unterhalb der Blase liegt und die Harnröhre umschliesst, erhöht sich durch eine zunehmende Prostatavergrösserung der Druck auf Harnröhre und Blase. Das kann zu verschiedenen Problemen führen. Fachleute sprechen dann von einem sogenannten benignen Prostatasyndrom (BPS):
Mitunter spüren manche Männer trotz einer starken Prostatavergrösserung nichts davon. Bei anderen wiederum führt schon eine kleine Gewebevermehrung in der Prostata zu den oben genannten Beschwerden.
Um eine Prostatavergrösserung festzustellen, sollten Sie uns zu Beginn der Untersuchung Ihre Beschwerden möglichst genau schildern. Die typischen Probleme beim Wasserlösen weisen oft schon auf eine Prostatavergrösserung hin. Um den Verdacht zu bestätigen, folgt nach dem Gespräch die körperliche Untersuchung. Dabei führt der Arzt oder die Ärztin einen Finger in den Mastdarm (Rektum) ein, um die Prostata zu ertasten. Das fühlt sich vielleicht unangenehm an, ist aber wichtig. Denn die sogenannte rektale Untersuchung kann einen konkreten Hinweis auf eine vergrösserte Prostata liefern. Verschiedene weitere Untersuchungen können anschliessend helfen, eine genaue Diagnose zu stellen und andere Krankheiten auszuschliessen.
Um das Ausmass der Gewebewucherung näher zu bestimmen, führen wir in der Regel eine Ultraschalluntersuchung durch. Gleichzeitig können wir damit auch feststellen, ob und wieviel Restharn in der Blase bleibt, nachdem Sie zuvor auf der Toilette waren. Auch die Nieren werden auf eventuell vorhandene Schäden untersucht.
Eine Urinprobe kann Hinweise darüber geben, ob ein Harnwegs- oder Prostatainfekt vorliegt. Diese verursachen ähnliche Beschwerden wie eine Prostatavergrösserung.
Für die Uroflowmetrie müssen Sie mit möglichst voller Blase in ein spezielles Gerät urinieren, das die Fliessgeschwindigkeit des Urins erfasst. Mit dieser Methode können wir messen, ob der Urin ungehindert aus der Harnblase abfliessen kann.
Auch Prostatakrebs kann ähnliche Beschwerden verursachen wie eine gutartige Prostatavergrösserung. Um einen Prostatatumor auszuschliessen, nehmen wir manchmal eine Blutprobe und bestimmen die darin enthaltene Konzentration des prostataspezifischen Antigens (PSA). Ist der PSA-Wert erhöht oder nimmt er innerhalb eines Jahres um mehr als 20 Prozent zu, kann das auf eine bösartige Gewebewucherung hinweisen. Es gibt aber auch viele andere Gründe für einen erhöhten PSA-Wert, wie zum Beispiel eine entzündete Prostata oder eine gutartige Prostatavergrösserung. Daher ist der PSA-Wert alleine wenig aussagekräftig.
Prostatakrebs lässt sich nur durch eine Gewebeprobe aus der Prostata (Prostatabiopsie) zweifelsfrei ausschliessen. Diese entnehmen wir mit der sogenannten Stanzbiopsie. Dies kann über die Haut im Dammbereich oder über den Mastdarm erfolgen. Und kann in lokal oder Allgemeinanästhesie erfolgen. Eine anschliessende Untersuchung des entnommenen Gewebes gibt Aufschluss darüber, ob die Prostatavergrösserung gut- oder bösartig ist.
Probleme beim Wasserlösen können ein erster Hinweis darauf sein, dass Sie an einer Prostatavergrösserung leiden. Lassen Sie die Beschwerden möglichst schnell von uns abklären, denn auch andere Krankheiten wie Entzündungen oder Tumore können die Beschwerden auslösen. Ab dem 50. Lebensjahr ist es zudem sinnvoll, regelmässig zur urologischen Vorsorgeuntersuchung zu gehen – auch wenn keine Symptome vorliegen. Je früher Prostatakrebs und eine gutartige Prostatavergrösserung festgestellt werden, desto besser sind die Heilungschancen.
Da die Ursache für eine Prostatavergrösserung noch ungeklärt ist, ist es schwierig, ihr direkt vorzubeugen. Generell ist es aber ratsam, auf eine gesunde Lebensweise zu achten. Dazu gehört,
Eine Prostatavergrösserung führt oft dazu, dass Restharn in der Blase zurückbleibt. Das erhöht das Risiko, dass sich Harnwegsinfekte oder Blasensteine bilden. Bleibt die Prostatavergrösserung unbehandelt, kann sich der Urin bis in beide Nieren stauen. Im schlimmsten Fall kann das zu irreparablen Schäden bis hin zu Nierenversagen führen. Mitunter kommt es durch die stark vergrösserte Prostata auch zu einer vollständigen Harnsperre. In diesem Fall können die betroffenen Männer gar kein Wasser mehr lassen. Dadurch dehnt sich die Blase möglicherweise stark aus, was Schmerzen verursachen kann. Der sogenannte Harnverhalt ist ein medizinischer Notfall, der allerdings nur sehr selten auftritt.
Ein grosser Teil der Männer mit einer gutartigen Prostatavergrösserung hat nur leichte bis mittelschwere Beschwerden und kann im Alltag gut damit leben. Mitunter bessern sich die Symptome auch vorübergehend. Trotzdem nehmen die Probleme im Laufe der Jahre normalerweise langsam zu. Wenn andere Therapien die Beschwerden nicht ausreichend mildern können oder immer wieder Komplikationen wie Harnwegsinfekte auftreten, kann eine Operation hilfreich sein. Diese kann die Symptome in der Regel wirksam lindern.
Bei einer gutartigen Prostatavergrösserung richtet sich die Behandlung danach, ob Beschwerden vorhanden und wie stark ausgeprägt diese sind. Bei leichten Symptomen und fehlenden Komplikationen reicht eine regelmässige, jährliche Kontrolluntersuchung meist aus. Zudem können verschiedene Medikamente helfen, die Beschwerden zu lindern.
Bei einem operativen Eingriff wird vom Institut für Anästhesiologie das individuell auf Sie angepasste Anästhesie-Verfahren ausgewählt.