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Exchange Traded Funds (kurz ETFs genannt) sind Investmentfonds, die an der Börse gehandelt werden.
Ursprünglich wurde diese Möglichkeit für Indexfonds eingeführt. Mittlerweile handelt es sich bei der Mehrheit der Exchange Traded Funds aber nicht mehr um Indexfonds.
ETFs waren zunächst synonym mit Indexfonds. Das heißt, die Ideen Fonds an der Börse zu notieren und Indexe nachzubilden wurden in einem erfunden. Dies passierte in den USA (ca. 1970). Die ersten Fonds wurden vom Asset Management-Riesen State Street Global Advisors auf den Markt gebracht. Der 1993 eingeführte erste Fonds, mit dem Namen Standard & Poors Depositary Reiceipt (Abkürzung SPDR, umgangssprachlich Spider genannt), hat heute ein Volumen von 50 Mrd. USD. Ihm folgten der auf dem Dow Jones Industrial Average basierenden Diamonds und die auf dem NASDAQ 100 basierenden Cubes (QQQ). Gestartet ist der SPDR übrigens 1993 mit einer Verwaltungsvergütung von 0,75%, daran denken heute nur noch die wenigsten Anbieter und Anleger.
Das eigentliche Konzept stammt von der American Stock Exchange (AMEX), an der bis vor rund zwei Jahren die meisten ETFs in den USA gelistet waren. Durch das Festhalten am Parketthandel hat die AMEX massiv an Handelsvolumen verloren, und die ETF-Anbieter außer State Street sind mittlerweile zu anderen Börsen abgewandert - vor allem zur New York Stock Exchange.
Der Markt wurde vor wenigen Jahren umgekrempelt, als der große passive Anbieter Barclays Global Investors seine anfangs belächelten iShares auf den Markt brachte. Heute ist iShares der größte Anbieter der Welt mit rund 140 Mrd. USD in ETFs angelegtem Kundengeld. Der Gesamtmarkt für ETFs weltweit wird auf rund 440 Mrd. USD (03/2007) beziffert. Allein in Deutschland verwaltet iShares knapp 20 Mrd. € und ist damit Marktführer. Die Nummer 2 db x-trackers verwaltet rund 5,7 Mrd. € (12/2007).
ETFs können jederzeit wie Aktien an der Börse zu den für Aktien üblichen Spesen (Indexfonds ohne Ausgabeaufschlag) gehandelt werden. Deshalb treffen sie aufgrund der günstigen Kostenstruktur zunehmend auf Nachfrage auch von privaten Investoren.
Allerdings ist der provisionsorientierte Vertrieb meist nicht begeistert von diesen Low-Cost-Produkten, die über einen längeren Betrachtungszeitraum gesehen oft sogar besser abschneiden als die entsprechenden aktiv gemanagten Fonds.
Ein Effekt des Börsenhandels ist, dass Indexaktien den ganzen Tag über zu verschiedenen Kursen, je nach Indexstand, gehandelt werden können. In Europa ist die Deutsche Börse mit dem Handelssegment XTF klarer Marktführer. Alle großen Handelshäuser sind hier aktiv, was sich im Marktanteil im Börsenhandel ablesen lässt. ETFs werden allerdings hauptsächlich über das Handelssystem Xetra gehandelt, worauf der Anleger achten sollte. Nur im liquiden Handel sind faire Preise für An- und Verkauf zu erzielen - und beim Handel über Xetra entfällt zusätzlich die Makler-Courtage.
ETFs sind für fast alle Anlageklassen verfügbar. Man kann mittels ETFs in Aktien, Rohstoffe, Anleihen und den Geldmarkt investieren.
Die stetig wachsende Nachfrage nach ETFs gerade bei den institutionellen Investoren im europäischen Raum ist eng mit dem Begriffen „Indextracking“ oder mit der Investmentphilosophie des passiven Portfoliomanagements verbunden. Unter Indextracking wird die Nachbildung geeigneter Kapitalmarktindizes in Form von Wertpapierportfolios verstanden. Schon das Capital Asset Pricing Model (CAPM) zeigte unter der Annahme eines rationalen, risikoaversen und nutzenmaximierenden Investors, dass im Optimum jeder Anleger das Marktportfolio bzw. „den Markt“ in identischer Zusammensetzung hält. Demzufolge können aktive Strategien langfristig und systematisch nicht besser als „der Markt“ sein. Die Aussagen des CAPM werden zudem unterstützt durch eine andere Sichtweise Sharpe’s, der aufgrund einfachster Annahmen schlussfolgert, dass der Durchschnitt aller aktiv gemanagten Wertpapierportfolios auch nur die durchschnittliche Marktrendite erzielen kann und daher nach Berücksichtigung von Kosten die durchschnittliche Rendite der aktiv gemanagten Wertpapierportfolios unter der durchschnittlichen Rendite der passiv gemanagten Wertpapierportfolios liegen muss. Zudem basiert die Entwicklung und Historie von ETFs auch auf einem der meist kontrovers diskutierten Themen unter Finanzmarktexperten, nämlich der Debatte, ob Portfolios mit einem aktiven oder passiven Managementansatz verwaltet werden sollten.
Die Idee des Indextracking vertritt dabei die Investmentphilosophie des passiven Portfoliomanagementansatzes. Der passive Portfoliomanagementansatz verfolgt im Gegensatz zum aktiven Portfoliomanagementansatz ein anderes Ziel, nämlich den Referenzindex nachzubilden bzw. zu „tracken“ und demzufolge ein vergleichbares Anlageresultat zu erzielen. Indexorientierung bedeutet daher auch, die Wertentwicklung des Referenzindex (Benchmark) prozyklisch nachzuvollziehen. Somit streben indexorientierte Produkte auch eine möglichst vollständige Korrelation bzw. einen geringen Tracking Error zu ihrem Referenzindex an.
Der aktive Portfoliomanagementansatz hingegen visiert das Ziel an, seinen Referenzindex zu schlagen und somit eine Überrendite (Outperformance) zu erzielen. Hinsichtlich des Risikos beinhalten passive Managementansätze daher auch nur das systematische Risiko, während aktive Managementansätze darüber hinaus auch ein unsystematisches Risiko besitzen. Das systematische Risiko beschreibt dabei die gemeinsame Abhängigkeit der Wertpapiere von den Bewegungen des Marktes, weswegen es auch als Marktrisiko bezeichnet wird. Dieses Risiko, dem alle Wertpapiere gleichermaßen ausgesetzt sind, lässt sich im Portfolio nicht beseitigen. Das über das Marktrisiko hinausgehende Risiko wird als unsystematisches Risiko bezeichnet, wobei hierbei noch in Risiken aus Residualfaktoren und spezifische Risiken der im Index gelisteten Unternehmen unterschieden wird. Zentrales Merkmal des unsystematischen Risikos ist, dass es mit zunehmendem Diversifikationsgrad im Portfolio reduziert werden kann. Da passive Anlageformen wie klassische Indexfonds oder passive ETFs mit ihren jeweiligen Referenzindizes ganze Märkte nachbilden, weisen sie bezüglich des jeweiligen Marktes die gleiche Diversifikation und das gleiche Risiko auf. Eine Übernahme von unsystematischen Risiken ist somit ausgeschlossen.
Die wachsende Bedeutung von Indextracking wird insbesondere durch viele akademische Studien und Untersuchungen forciert, die immer wieder zu dem Ergebnis gelangen, dass bei aktiv gemanagten Investmentfonds nur ein geringer Anteil langfristig besser abschneidet als die zugrundeliegende Benchmark. Die Ergebnisse dieser Studien sind übereinstimmend mit den Annahmen der Theorie der Kapitalmarkteffizienz (engl.: Efficient Market Theory), welche behauptet, dass Marktpreise am Kapitalmarkt unverzögert sämtliche relevanten Erwartungen und Informationen reflektieren und zukünftige Marktentwicklungen aufgrund dessen nicht voraussehbar sind. Die Annahme, dass der Kapitalmarkt effizient ist, impliziert zudem, dass sowohl Fundamental- als auch Chartanalyse keine geeigneten Mittel darstellen, um Informationsvorsprünge gegenüber anderen Marktteilnehmern zu erlangen und kontinuierlich über einen längerfristigen Zeitraum eine höhere Rendite (Outperformance) nach Abzug aller Kosten als der Gesamtmarkt zu erzielen. Anhänger der Theorie effizienter Märkte glauben daher, dass ein Investment in den Gesamtmarkt über einen Index die geeignetere Variante darstellt, um ein diversifiziertes Portfolio zu konstruieren bzw. nachzubilden. Die Untersuchungsergebnisse unterstreichen daher auch, warum ETF- Produkte derzeit massive Nettomittelzuflüsse erleben. Allerdings gibt es auch eine Vielzahl von Kritik am passiven Portfoliomanagementansatz bzw. am Indextracking. Das wohl gewichtigste Argument dieser Kritiker ist die Tatsache, dass Anleger sich mit einer Investition in ein den Gesamtmarkt nachbildendes Finanzprodukt zwar die durchschnittliche Marktrendite aller Marktteilnehmer sichern, diese „Sicherheit“ aber mit einem Verzicht auf eine Überrendite erkauft werden muss. Somit ist keine Outperformance gegenüber der Benchmark möglich. Weitere Kritikpunkte sind die Nichtanerkennung der Effizienz von Kapitalmärkten von vielen Marktteilnehmern sowie die Tatsache, dass Indizes keine optimal diversifizierten Portfolios im Sinne der Portfoliotheorie darstellen.
Privatanleger in Deutschland investieren derzeit noch sehr stark in traditionelle Indexfonds und insbesondere Indexzertifikate, wenn Sie kostengünstig einen Index bzw. „den Markt" kaufen möchten. Index-Zertifikate haben indes den Nachteil, dass sie Schuldverschreibungen sind und im Insolvenzfall der Bank die Anleger aus der Insolvenzmasse bedient werden, genau wie alle anderen Gläubiger der Bank - bei ETFs ist dies nicht der Fall. ETFs ermöglichen es auch Privatanlegern, kleinere Volumina unter denselben Bedingungen handeln zu können wie institutionelle Investoren. Für Privatanleger jeder Vermögensstruktur bieten sich daher zahlreiche Einsatzmöglichkeiten von ETFs an. Insbesondere die folgenden Einsatzmöglichkeiten stellen sinnvolle Alternativen zu traditionellen Investmentfonds, Indexzertifikaten oder anderen indexorientierten Anlagen für Privatanleger dar.
-Einmalanlagen in ETFs
-ETFs im Rahmen von Sparplänen (z.B. zur Altersvorsorge)
-ETFs als Substitut für Futures-Investments
-Einsatz von ETFs bei handelsorientierten Privatanlegern
-ETFs im Rahmen von Core-Satellite-Strategien
Bisher haben sich ETFs allerdings bei der Kapitalanlage, sei es bei Sparplänen oder auch als Einmalanlage, in Deutschland bei den Privatanlegern nicht durchsetzen können. Dennoch steigt auch der Anteil der deutschen Privatanleger sechs Jahre nach der Einführung der ETFs in Deutschland und wird vom Anbieter Indexchange auf ca. fünfzehn Prozent des Markvolumens geschätzt. Sehr wahrscheinlich ist, dass ein großer Anteil dieses geschätzten Volumens bei individuellen Vermögensverwaltungen durch unabhängige Finanzvermittler oder durch die Vermittlung von gebührenpflichtigen Finanzberatungen von z.B. Honorarberatern zustande kommt. Insbesondere im Bereich des Private Wealth Managements bzw. bei Family-Offices finden auch Core-Satellite-Ansätze im Rahmen von professionellem Portfoliomanagement für Privatanleger Anwendung, sodass auch dort ein großer Teil des privat verwalteten ETF- Vermögens zu vermuten ist. In Kooperation mit verschiedenen Brokern bzw. Direktbanken bieten einige ETF- Anbieter wie z.B. Indexchange Sparpläne auf die gängigsten Aktien bzw. Renten- ETFs schon mit geringen Anlagebeträgen an. Allerdings lassen sich die Kooperationspartner diesen Service auch wieder über einen Ausgabeaufschlag bzw. eine Managementgebühr vergüten, da sie die einzelnen Aufträge der Privatanleger bündeln müssen, um entsprechende Volumina für die Abwicklung über einen Broker generieren zu können und somit die Sparplanfähigkeit von ETFs möglich zu machen. Trotz dieser berechneten Kosten eignen sich ETF- Sparpläne sehr gut zum langfristigen Vermögensaufbau.
Auch der bei herkömmlichen Fondssparplänen auftretende Cost-Average-Effekt zeigt sich bei einem ETF- Sparplan. Der Cost-Average-Effekt ist dabei umso größer, je niedriger der Kaufkurs des ETFs ist, verringert sich aber bei steigenden ETF- Kursen. Anlagemöglichkeiten im Rahmen des fünften Vermögensbildungsgesetzes (5. VermBG) der Vermögenswirksamen Leistungen (VL) von Arbeitnehmern in Aktien- ETF- Sparpläne werden allerdings in Deutschland nicht vom Staat gefördert, obwohl Anlagen in Investmentfonds förderfähig sind, bei welchen die Aktienquote mindestens 60 Prozent beträgt. Somit ist eine Förderung in Deutschland durch die Arbeitnehmer-Sparzulage nicht möglich.