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| Cassian († 430/35) - Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum)

Fünfte Unterredung, welche die des Abtes Serapion über die acht Hauptsünden ist.
27. Daß die Reihenfolge der Kämpfe nicht dieselbe sei wie die der Laster.
Man muß jedoch wissen, daß die Reihenfolge der Kämpfe nicht in Allen dieselbe sei, weil wir, wie gesagt, nicht alle auf gleiche Weise angefochten werden und nun ein Jeder von uns nach der Art des Angriffes, durch den er in erster Reihe beunruhigt wird, den Gegenkampf aufnehmen muß, so daß der Eine nöthig hat, gegen das Laster, welches als drittes angesetzt ist, zuerst sich im Kampfe zu üben, der andere aber gegen das vierte oder fünfte und so fort, wie gerade die Laster in uns ihre Herrschaft behaupten. Wie es also die Art der Anfechtung erfordert, so müssen wir die Reihenfolge der Kämpfe ordnen, der gemäß dann auch der eintretende Erfolg des Sieges und Triumphes uns zur Reinheit des Herzens und zur Fülle der Vollkommenheit führen wird.
[S. 442] Soweit der Abt Serapion in seiner Abhandlung über die Natur der acht Hauptsünden, in der er uns die Gattungen dieser in unseren Herzen verborgenen Leidenschaften, deren Ursachen und Verwandtschaft wir vorher, obwohl wir täglich von ihnen Schaden litten, weder ganz erkennen noch unterscheiden konnten, so lichtvoll ausschloß, daß wir sie wie vor Augen gestellt gleichsam im Spiegel zu schauen meinten.