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Bern Bear Gifts: Den Souvenir-Laden gegenüber dem Rathaus in New Bern, North Carolina, kann man nicht verpassen. Das Ehepaar John P. und Hanna Sturman, dem der Laden gehört, lebt seit 28 Jahren in der kleinen Stadt an der Ostküste der USA.
Neben dem Eingang steht ein mannshoher geschnitzter Bär mit einer Berner Flagge in der Tatze. Im Laden finden sich allerlei Souvenirs aus Bern und andere Schweizer Produkte wie Schokolade, Thomy-Senf oder Knorr-Würfel.
Sturman ist ein begeisterter Kämpfer für das Schweizer Erbe von New Bern. Sturman hat selber Berner Wurzeln: "Meine Grossmutter, die Ende des 19. Jahrhunderts in die USA gekommen war, stammte aus der Gegend um Riggisberg."
Von Heidelberg in die Schweiz
Dieser Verwandtschaft hat er auch die Bekanntschaft mit seiner späteren Frau Hanna zu verdanken, die aus Belp stammt. 1956 reiste Sturman, der damals mit der amerikanischen Armee in Heidelberg stationiert war, zum ersten Mal in die Schweiz.
Dabei lernte er seine spätere Frau kennen. "Wir haben uns einige Male getroffen, bevor John in die USA zurückkehrte. Ich dachte mir damals, das sei es dann wohl gewesen", erklärt Hanna Sturman.
Doch später habe ihr John Briefe geschrieben, und ihre Beziehung habe sich nach und nach vertieft. John Sturman erklärt mit einem Lachen: "Sie hat mich eingewickelt und an Land gezogen."
Auswanderung in die USA
Um John nach Amerika folgen zu können, musste sich Hanna um ein Einreisevisum bemühen. "Ich brauchte einen so genannten Sponsor, was Johns Vater übernahm."
Schliesslich habe sie alle notwendigen Dokumente gehabt, um in die USA zu reisen. "Aber ich habe bis zum letzten Moment gezögert. Ich hatte unter anderem Gewissensbisse wegen meiner Mutter." Sie war die jüngste Tochter und als letzte noch zu Hause.
Ihre Mutter habe sie aber überzeugt, dass sie diese Gelegenheit nutzen sollte. "So reiste ich Ende 1958 nach Amerika, kurz bevor meine Einreisebewilligung wieder erloschen wäre."
Andere Kultur
Johns Vater arbeitete für das Traktorunternehmen John Deere und hatte dort für seine künftige Schwiegertochter eine Sekretariatsstelle gefunden. "Das war nicht nur einfach, auch weil mein Englisch noch nicht fliessend war. Ich musste mich zudem an eine andere Kultur gewöhnen."
Hanna Sturman erwähnt unter anderem die offensive Art vieler Amerikaner, teilweise sehr persönliche Fragen zu stellen, auch wenn man jemanden kaum kennt. "Das ist für uns Europäer ja doch eher ungewohnt."
Karriere bei den Streitkräften
Doch Hanna blieb und die beiden heirateten. John schloss sein Studium ab und begann eine Berufskarriere bei der Air Force. Diese führte das Ehepaar in viele US-Bundesstaaten und rund um die Welt, so nach Japan, Thailand, Äthiopien.
Hanna Sturman machte ihrerseits eine Ausbildung, um als zivile Angestellte für die amerikanischen Streitkräfte arbeiten zu können. So konnte sie ihrem Mann bei seinen Stationierungen ins Ausland folgen und ebenfalls arbeiten.
1966 kam ihre Tochter zur Welt. Sie ist verheiratet und lebt heute mit ihrem Mann und zwei Kindern in Albany, im Bundesstaat New York.
Umzug nach New Bern
Zuletzt war Sturman vor der Pensionierung vor 28 Jahren in New Jersey stationiert. Was brachte die Sturmans nach New Bern? "Wir hatten nach einem geeigneten Ort gesucht, mehrere Städte besucht. In New Bern gefiel uns die Atmosphäre, und so haben wir uns hier niedergelassen", erklärt er.
Und diesen Entscheid haben sie bis heute nicht bereut: "Die letzten 28 Jahre sind fast im Flug vergangen." Eigentlich hatte Sturman gemeint, er werde nach der Pensionierung vor allem Golf spielen.
"Doch schon nach wenigen Monaten langweilte er sich", erklärt Hanna Sturman lachend. Und so kam die Idee auf, einen Souvenir-Laden aufzumachen, der auf der Verbindung des Ortes zur Schweiz fusste.
"Berner" und "Schweizer" Bär
"Ich fand damals, die Stadt habe zu wenig getan, um ihre Schweizer, ihre Berner Wurzeln vor allem, touristisch zu vermarkten", sagt John. "Der Berner Bär wurde in diesen Jahren zu wenig zur Promotion der Stadt genutzt."
Ein Beispiel sei die Bürger-Initiative Swiss Bear, die sich für die Wiederaufwertung und Verschönerung des historischen Zentrums eingesetzt habe.
"Dass sie sich Swiss Bear nannten, kam mir aber zugute, denn so konnte ich meinen Shop 'Bern Bear' nennen, da dieser Name nicht besetzt war."
Zuerst hatte Sturman auf Souvenirs aus der Schweiz gesetzt, musste aber bald einmal merken, dass das nicht ausreichte. Daher erweiterte er das Angebot.
Heute findet man in dem kleinen Geschäft an der Ecke direkt gegenüber dem Rathaus Souvenirs mit Produkten aus New Bern selber, aus North Carolina, Deutschland und Österreich.
Hanna hatte nach dem Umzug des Paars aus New Jersey noch einige Jahre weiter für die Streitkräfte gearbeitet, bevor auch sie in Pension ging. Heute arbeitet sie im Laden mit.
Das 300-Jahre-Jubiläum von New Bern, das die Kleinstadt 2010 mit zahlreichen Veranstaltungen gefeiert hatte, wirkte sich positiv auf das Geschäft aus. Aber auch in diesem Jahr laufe es gut, sagt Hanna Sturman.
Regelmässig in der Schweiz
Das Paar reist bis heute regelmässig in die Schweiz, vor allem für Besuche bei Hannas Schwester in Interlaken, aber auch, um sich Nachschub für den Laden zu besorgen. Wie seine Tochter und deren Kinder hat auch Sturman heute einen Schweizer Pass.
Die Geschichte
1710 gründete der Berner Christophe de Graffenried mit einer Gruppe von Auswanderern an der Ostküste der USA im heutigen North Carolina die Siedlung New Bern.
Zu der Gruppe hatten neben rund 100 Auswanderern aus Bern auch 650 Deutsche aus der Pfalz gehört, von denen nach einem sehr harten Trek nach Carolina nur etwa 250 überlebt hatten.
Von Graffenried und die Auswanderer aus der Schweiz folgten ein paar Monate später. Ihre Überfahrt war gut verlaufen, wie auch die erste Zeit der Ansiedlung.
Doch im Jahr darauf folgten Probleme und Kämpfe mit dem Volk der Tuscarora. Von Graffenried geriet in Gefangenschaft und kam nur knapp mit dem Leben davon.
Nach einem Angriff der Tuscarora, bei dem neben etwa 80 Briten auch etwa 70 Siedler aus der Gruppe um von Graffenried getötet wurden, führten englische Truppen einen Vernichtungskrieg gegen die Angreifer und versklavten die Überlebenden.
Von Graffenried verliess New Bern 1713 enttäuscht wieder und kehrte 1714 in die Schweiz zurück. Die weiteren 296 Jahre der Geschichte New Berns sollten von anderen geschrieben werden, geblieben ist der Name.
Schliesslich waren es vor allem englische Siedler, die sich in New Bern niederliessen und dort einen Hafen einrichteten. Ab 1766 hatte der britische Gouverneur William Tryon in New Bern seinen Sitz.
An der amerikanischen Revolution waren Vertreter New Berns aktiv beteiligt. 1776 unterzeichnet North Carolina die Unabhängigkeits-Erklärung, New Bern wird erste Hauptstadt des unabhängigen Staats North Carolina, Tryons Palast zum Staats-Kapitol.
Später wird die Hauptstadt ins zentraler gelegene Raleigh im Landesinnern verlegt.
Im Sezessionskrieg 1861-1865 stand North Carolina auf Seite der Konföderierten. 1862 nahmen Nordstaaten-Truppen das strategisch wichtige New Bern ein.
Heute ist New Bern eine Kleinstadt mit rund 28'000 Einwohnern, die als Tourismusdestination auf ihr historisches Erbe setzt und sich nach einer wirtschaftlich schwierigen Zeit in den 60er- und 70er-Jahren wieder aufrappeln konnte.
Das alte Stadtzentrum wurde saniert, die Flussufer mit Hotels, einem Konferenzzentrum und einem Jachthafen erschlossen.
Zudem wurde ein modernes Zentrum gebaut, in dem die Geschichte North Carolinas auf moderne Art und Weise einem weiten Publikum vermittelt werden soll.
swissinfo.ch