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Intimität, Care-Arbeit und Solidarität: Covid-19 Pandemie aus Perspektive der Geschlechterforschung
Eine adäquate Gesellschaftsdiagnose erfordert es, Geschlechterverhältnisse in ihrem historischen und gesellschaftlichen Kontext zu analysieren. Wie wirken sich die aktuellen pandemiebedingten Transformationen auf die Geschlechterverhältnisse aus? Der Softskillkurs untersucht die Auswirkungen der COVID-19 Pandemie aus Sicht der Geschlechterforschung in drei Bereichen:
1.) Die Pandemie mit ihren Kontaktbeschränkungen hat intime Beziehungen restrukturiert. Distanzierungsmaßnahmen orientierten sich in vielen Ländern an traditionellen heteronormativen Partnerschaftskonzepten. Die gelebten Formen von Intimität geschlechtlicher, sexueller und amouröser Minderheiten wurden in vielen Gesellschaften während der Lockdowns marginalisiert. In diesem Themenblock beschäftigen wir uns damit, wie sich die Pandemie auf nicht-traditionelle Intimitätsformen ausgewirkt hat und sich Geburtenplanung, Dating und Gewalt in Paarbeziehungen im Verlauf der Pandemie verändert haben.
2.) Nationale Lockdowns haben verschiedene Bevölkerungsgruppen psychosozial stark belastet. Die emotionale Bewältigung dieser negativen Pandemiefolgen wurde häufig von Frauen geleistet, die im Verlauf der Pandemie zunehmend überfordert von den an sie gestellten Unterstützungserwartungen waren. In diesem Themenblock beschäftigen wir uns mit Theorien unbezahlter Care-Arbeit und der gestiegenen Mehrfachbelastung von Frauen in der Pandemie.
3.) Die Pandemiemaßnahmen haben sowohl zu einer Polarisierung der öffentlichen Meinung geführt, als auch neue Formen der Solidarität hervorgebracht. Politisches und ehrenamtliches Engagement wurde besonders häufig in queeren Communities geleistet, die als "soziale Familien" häufig die Benachteiligung geschlechtlicher und sexueller Minderheiten abfedern. In diesem Themenblock beschäftigen wir uns mit queer kinship und solidarischen Formen der Bewältigung von Minderheitenstress während der COVID-19 Pandemie im Vergleich zur HIV-Pandemie.
Ziel des Softskillkurses ist die reflexive Auseinandersetzung mit den unintendierten Folgen der COVID-19 Pandemie auf die Geschlechterverhältnisse. Die Studierenden lernen aktuelle Positionen der Geschlechterforschung zur Pandemie kennen und können diese kritisch auf mediale Gesellschaftsdiagnosen anwenden.
Leistungsnachweis sind 4 (etwa 1-seitige) Lektürekommentare zur Pflichtliteratur sowie eine kurze open book Prüfung am Ende des zweiten Blocktermins im Oktober.
Semester:
Stufe:
BA
Themen:
Institutionen:
ETCS:
3
Fächer:
Psychologie, Soziale Arbeit, Sozialpolitik, Soziologie, Literatur, Slavistik