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Liberale in der Politik: Erst denken, dann handeln
LI-ESSAY. Was Freiheitsfreunde von Louis Guisan, dem einstigen Präsidenten der Liberalen Partei der Schweiz, lernen können.
Liberale präferieren freiwillige, zivilgesellschaftliche Lösungen gegenüber staatlichen Massnahmen. Auch deshalb fühlen sich viele Liberale von der Politik und ihrem Zwangscharakter abgestossen. Es braucht jedoch in den Regierungen und Parlamenten auch freiheitlich orientierte Persönlichkeiten, die sich gegen freiheitsbedrohende Gesetze zur Wehr setzen und diese abschaffen, damit wieder mehr Raum für marktwirtschaftliche Lösungen entstehen kann.
Ein Vorbild stellte in dieser Hinsicht Lous Guisan (1911—1998) dar, der diesen Typus eines Politikers, der mit der Tradition und dem Wesen des Liberalismus ausgezeichnet vertraut war, ideal verkörperte und es damit schaffte, das Meinungsklima zugunsten der Freiheit zu prägen. Louis Guisan, von Beruf Rechtsanwalt, war Regierungsrat des Kantons Waadt, Nationalrat, Ständerat, Präsident der Liberalen Partei der Schweiz und Direktor der ehemaligen, urliberalen Gazette de Lausanne. Guisan hatte die wertvolle Gabe, das Hauptsächliche vom Nebensächlichen zu unterscheiden. Seine Tätigkeiten als Politiker hielten ihn nicht davon ab, seine grundlegende liberale Skepsis gegenüber der politischen Macht zum Ausdruck zu bringen.
Guisan zufolge hat der Liberale in der Politik unter anderem die freiwilligen Beziehungen zwischen Menschen zu respektieren, individuelle Rechte zu schützen, die Sphäre des Privaten zulasten der Spähre des Staates zu stärken, sich gegen übertriebene staatliche Fürsorge einzusetzen, das Milizparlament und die private Parteienfinanzierung zu verteidigen, sowie sich in Bezug auf die Verschiebung von Kompetenzen vom Individuum zum Staat und von der kleineren zur grösseren politischen Einheit mit grösster Zurückhaltung zu verhalten. Guisan bleibt deshalb auch für die Liberalen von heute hochgradig aktuell.
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(21 Seiten, PDF)
2017