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LID. Der belgische Ministerpräsident und zur Zeit amtierende EU-Ratspräsident Guy Verhofstadt hat sich in einem offenen Brief für eine "ethische Globalisierung" ausgesprochen. Gemäss einem Bericht von Agra-Europe forderte Verhofstadt, dass die westlichen Agrarüberschüsse künftig nicht mehr auf den Dritt-Welt-Märkten abgeladen werden sollten. Zudem müssten die "ungerechten Ausnahmeregelungen" für Zucker-, Bananen- und Reisproduzenten in der EU beseitigt werden. Verhofstadt schätzt, dass eine Liberalisierung aller Märkte den Entwicklungsländern jährlich zusätzliche Einkommen von 700 Milliarden US-Dollar (1‘129.8 Mrd. Franken) bringen würde. Neben der Ausweitung des Freihandels versteht der EU-Ratspräsident unter der "ethischen Globalisierung" auch eine Aufstockung der Entwicklungshilfe sowie eine Stärkung der Demokratie. Kritik bringt Verhofstadt bei der Definition des freien Handels durch den reichen Norden an. Freihandel sei nur solange eine Selbstverständlichkeit, wie er nicht Produkte betreffen, die der eigenen Wirtschaft schaden könnten. Zucker aus Dritt-Welt-Ländern lehne man deshalb ab. Der so laut propagierte Welthandel sei damit meist eine Einbahnstrasse: vom reichen Norden in den armen Süden, nicht aber in die umgekehrte Richtung.
Mediendienst Nr. 2536 vom 04. Oktober 2001