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Das lange Warten hat ein Ende. Joe Biden hat gemäss Projektionen aller wichtigen Medienhäuser den Bundesstaat Pennsylvania für sich entschieden und kann von Amtsinhaber Donald Trump nicht mehr eingeholt werden. Doch dieser lehnt es ab, seine Niederlage einzuräumen.
Afroamerikaner bringen Biden den Sieg
Joe Biden konnte die Wahl für sich entscheiden, weil es ihm unter anderem gelang unter der weissen Wählerschaft in den nördlichen Industriestaaten im sogenannten Rostgürtel Stimmen zurückzugewinnen, Stimmen, die vor vier Jahren Donald Trump noch einen knappen Sieg bescherten. Hinzu kommt aber auch, dass Joe Biden in traditionell republikanischen Südstaaten wie Arizona und Georgia die demografische Entwicklung in überraschend hohe Stimmengewinne ummünzen konnte.
Der frühere Vizepräsident hat seinen Sieg aber vor allem auch der schwarzen Wählerschaft zu verdanken. Sie gab bereits im Vorwahlkampf den Ausschlag, dass sich Joe Biden nach schwachem Start doch noch klar durchsetzen konnte gegen Bernie Sanders. Aber auch bei der Wahl strömten Afroamerikaner in grosser Zahl an die Urnen und sicherten Biden so die nötigen Stimmen in knappen Entscheidungen zum Beispiel in Michigan oder Pennsylvania.
Corona und ein republikanischer Senat
Wenn Joe Biden am 20. Januar ins Weisse Haus einzieht, wird er mit 78 Jahren der älteste Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten sein. Erstmals wird mit Kamala Harris eine Frau zur Vizepräsidentin. Auf beide warten riesige Herausforderungen.
Die Corona-Pandemie ist längst ausser Kontrolle geraten und die wirtschaftliche Erholung verläuft schleppender als im Sommer noch gehofft werden konnte. Gleichzeitig dürfte Joe Biden im Kongress mit einer republikanischen Mehrheit im Senat konfrontiert sein, die nicht nur sämtliche Reform-Vorhaben Bidens, sondern auch die Besetzung von Minister- und Richterposten blockieren kann.
Republikaner müssen von Trump abkehren
Und dann ist da noch Donald Trump. Er weigert sich, die Realität anzuerkennen und wird mit allen juristischen Mitteln versuchen, seine Niederlage noch einige Zeit hinauszuzögern. Doch um die Gerichte vom behaupteten Wahlbetrug überzeugen zu können, muss Trump irgendwann Beweise vorlegen und die scheint es selbst laut den republikanischen Wahlbehörden in den umstrittenen Staaten nicht zu geben. Zwar könnte es in einigen Staaten wie Georgia oder Michigan noch zu einer Nachzählung kommen. Aber die Erfahrung zeigt, dass diese höchstens eine Veränderung von einigen Hundert Stimmen auslösen kann.
Umso wichtiger ist es, dass wichtige Exponenten der Republikanischen Partei jetzt endlich ihr Schweigen brechen und sich öffentlich gegen Donald Trumps verantwortungsloses Verhalten stellen. Denn die letzten Wochen haben gezeigt, dass Trumps Anhänger bereit sind, ihr Idol bis zum Letzten zu verteidigen.
Matthias Kündig
USA-Korrespondent, SRF
Matthias Kündig berichtet seit Herbst 2018 aus Miami über die USA, Mexiko, Zentralamerika und die Karibik. Davor war er Produzent beim «Echo der Zeit» und Sonderkorrespondent in Ägypten. Kündig studierte an der Universität Bern Geschichte und Politologie.