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Treibhausgas-Fussabdruck
Die Endnachfrage von Gütern und Dienstleistungen ist häufig mit dem Ausstoss von Treibhausgasemissionen entlang der Wertschöpfungskette im In- und Ausland verbunden, beispielsweise Kohlendioxid aus dem Verkehr, der Gebäudeheizung, der Industrie, aber auch aus der Gewinnung von Rohstoffen. Lachgas- und Methanemissionen stammen insbesondere aus der Land- und Abfallwirtschaft.
In einer globalisierten Wirtschaft müssen nicht nur die in der Schweiz emittierten Treibhausgase erfasst werden, sondern auch die im Ausland aufgrund der Schweizer Endnachfrage (Summe der Ausgaben der privaten Haushalte und des Staates für den Endverbrauch) entstandenen Emissionen. Wegen des hohen Import-Anteils am Gesamtkonsum fällt ein grosser Teil des Fussabdrucks im Ausland an.
Der Treibhausgas-Fussabdruck pro Kopf betrug im Jahr 2020 rund 11.9 Tonnen CO2-Äquivalente und liegt damit deutlich über dem Durchschnitt der EU-Länder. Im Jahr 2000 betrug er noch 16.4 Tonnen pro Kopf, das heisst er reduzierte sich um knapp einen Viertel – wobei ein Teil der Abnahme auf die Covid-19-Pandemie zurückzuführen ist.
Der Treibhausgas-Fussabdruck liegt weit über einem Mass, das mit den Belastbarkeitsgrenzen des Planeten vereinbar ist. Global gesehen darf nur eine begrenzte Menge an Emissionen in die Atmosphäre gelangen, um die Klimaerwärmung auf 1.5 Grad zu beschränken. Geht man davon aus, dass ein weltweit gleiches Anrecht auf Emissionen besteht, dann ist der Anteil der Schweiz bereits aufgebraucht oder kurz davor. Ausgehend von bestehenden politischen Zielen für die territorialen Emissionen beträgt der Reduktionsbedarf für den Treibhausgas-Fussabdruck gemäss -90% des heutigen Niveaus bis 2040. Aus diesen Gründen wird der Zustand als negativ und die Entwicklung trotz Abnahme als unbefriedigend eingestuft.
Das Bundesamt für Statistik unterteilt den Anteil am Fussabdruck, der auf die Haushalte zurückgeht, in separate Ausgabenposten. Die relevantesten Ausgabenposten sind der Verkehr, das Wohnen und die Lebensmittel. Sie machen zusammen rund zwei Drittel des Treibhausgasfussabdrucks der Haushalte aus.
In der Strategie «Nachhaltige Entwicklung 2030» setzt sich der Bundesrat zum Ziel, den Treibhausgas-Fussabdruck der Ernährung bis 2030 um einen Viertel gegenüber 2020 zu reduzieren, im Postulatsbericht «Zukünftige Ausrichtung der Agrarpolitik» um mindestens zwei Drittel bis 2050.
Obwohl die Bevölkerung im Betrachtungszeitraum um 20% zunahm, haben die Gesamtemissionen abgenommen, nämlich um 13% auf rund 103 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente. Zwischen 2000 und 2019 sank der Treibhausgas-Fussabdruck um 2% und zwischen 2019 und 2020 um 10%, was insbesondere auf die Covid-19-Pandemie zurückzuführen ist.
Die Anteile der inländischen und importbedingten Emissionen blieben relativ konstant. Im Jahr 2020 wurden 66% der Emissionen im Ausland verursacht.
Die Treibhausgas-Fussabdruck-Effizienz nahm zwischen 2000 und 2020 um rund 33% zu. Somit hat eine Entkoppelung zwischen Wohlstandszunahme und Treibhausgasemissionen stattgefunden.
Die Abnahme des Treibhausgasfussabdrucks sowie die Verbesserung der Effizienz haben unterschiedliche Ursachen – abgesehen von der Covid-19-Pandemie. Einerseits haben umwelt-, energie- und agrarpolitische Vorgaben einen Einfluss. Beispielweise setzt die CO2-Abgabe auf fossile Brennstoffe wie Heizöl oder Erdgas Anreize zum sparsamen Verbrauch und zum vermehrten Einsatz klimafreundlicher Energieträger. Andererseits können auch ressourceneffizientere Technologien, ein steigender Marktanteil umweltschonender Güter und Dienstleistungen oder die Verlagerung emissionsintensiver Produktion ins Ausland einen Einfluss gehabt haben.
Aufgrund unterschiedlicher Datenquellen und Berechnungsmethoden ist ein internationaler Vergleich nur indirekt möglich. Gemäss Tukker et al. (2014), sowie Berechnungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der UNEP Life Cycle Initiative (LCI) ist der Treibhausgas-Fussabdruck der Schweiz pro Person mehr als doppelt so hoch wie der globale Durchschnitt – und ein Vielfaches höher als in vielen Entwicklungsländern. Beispielsweise beträgt derjenige von Tansania gemäss UNEP LCI etwa 0.7 Tonnen pro Person (SCP Hotspot Analysis).
Mit dem statistischen Konzept des Treibhausgas-Fussabdrucks werden die Treibhausgasemissionen ermittelt, die durch die Endnachfrage nach Gütern und Dienstleistungen in der Schweiz gesamthaft entstehen. Berücksichtigt sind dabei neben dem inländischen Ausstoss auch die Emissionen, die im Ausland bei der Herstellung von für die Schweiz bestimmten Gütern und Dienstleistungen entstehen.
Der Fussabdruck setzt sich aus den direkten Emissionen der Haushalte, den Emissionen aufgrund der Endnachfrage der Haushalte und des öffentlichen Sektors, sowie den Emissionen im Zusammenhang mit den Bruttoanlageinvestitionen zusammen. Die Emissionen im Inland zur Produktion von Exporten werden dabei nicht miterfasst.
Beim Treibhausgas-Fussabdruck handelt es sich um eine Grösse, die modelliert werden muss. Die vorliegenden Resultate beruhen auf Berechnungen des Bundesamtes für Statistik (BFS). Die Methode verwendet die Luftemissionskonten, Input-Output Tabellen (IOT) der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und eine Gewichtung der importierten Emissionen. Diese Gewichtung berücksichtigt die CO2-Intensität der Herkunft der Schweizer Importe. Die Treibhausgasintensität der Exporte aus der EU wird mit einem gesamtwirtschaftlichen Verhältnis des gesamten CO2-Ausstosses zum Bruttoinlandprodukt (BIP) der jeweiligen Wirtschaftsregion gewichtet.
Als Treibhausgase berücksichtigt werden Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4), Lachgas (N2O) und synthetische Gase (HFC, PFC, SF6, NF3) in CO2-Äquivalenten.
|Angestrebte Entwicklung
|Anfangswert
|Endwert
|Abweichung vom theoret. Zielpfad in %
|Beobachtete Entwicklung
|Beurteilung
|1.4 in 2040
|2000
|2020
|59.74%
|In Richtung des theoretischen Zielpfads
|unbefriedigend
|Basis: Emissionen im Inland , Emissionen im Ausland
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