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Matt Mullican denkt gerne in grossen Zusammenhängen. Entsprechend selbstbewusst bezeichnet er sein üppig wucherndes Werk als «Kosmologie». Seit Mitte der 1970er-Jahre setzt sich der Konzeptkünstler in unterschiedlichsten Techniken und Medien mit den Ordnungssystemen auseinander, in denen der Mensch die Welt und sein Verhältnis zu ihr zu fassen versucht.
Mullican wuchs in Santa Monica auf, wo seine Eltern in den 1950er-Jahren zur kalifornischen Malerei-Avantgarde gehörten. Nach dem Studium am California Institute of the Arts bei Los Angeles zog er nach New York und begann, sich mit dem Verhältnis von Wahrnehmung, Wirklichkeit und ihrer sprachlichen und bildlichen Vermittlung zu beschäftigen. Er entwickelte ein Welterklärungssystem, das ermöglichen sollte, in der freien Kombination seiner Elemente jeden erdenklichen Aspekt des menschlichen Lebens zu erfassen. Ausgangspunkt ist bis heute seine «Theorie der fünf Welten», in der er bestimmten Wahrnehmungsebenen je eine Farbe zuordnet: Grün steht für Material, Blau für die Alltagswelt, Gelb für die Ideen, Schwarz und Weiss für die Sprache und Rot für das Subjektive. Diese Farbsymbolik wiederum kombiniert Mullican mit einem Zeichensystem aus bereits existierenden oder selbst entworfenen Piktogrammen, das er mal in Wandmalereien übersetzt, mal in Frottagen, Flaggenbilder, Steinätzungen, Metallabgüsse – oder in Glasarbeiten wie die Objekte der 2012 entstandenen Serie Untitled (Models of the cosmology 1–5) aus der Sammlung der Mobiliar. Jede dieser Arbeiten besteht aus zwei mundgeblasenen Objekten, die entfernt an wissenschaftliche Instrumente oder an Kreislaufmodelle erinnern, deren Symmetrie gebrochen wird durch kugel-, kegel- oder blütenförmige Ausbuchtungen. Sie illustrieren den Zyklus, welchen alle Lebewesen zwischen Werden und Vergehen, Himmel und Hölle durchlaufen.
Der kühne Anspruch, die Welt mit den Mitteln der Kunst in der Gesamtheit ihrer Erscheinungen erfassen zu können, bestimmt Mullicans bildnerisches Werk ebenso wie das Wissen um das wahrscheinliche Scheitern dieses Projekts. Seine vielschichtige Inszenierung der Zusammenhänge von Vernunft, Emotion und Intuition macht den dreifachen documenta-Teilnehmer (1982, 1992 und 1997) zu einem der interessantesten Vertreter der Konzeptkunst seit den 1980er-Jahren.
Matt Mullican, 1951 in Santa Monica (USA) geboren, lebt und arbeitet in New York und Berlin.
Tätigkeitsbereiche: Sprache, Konzeptkunst, Flaggen, Malerei, Skulptur, Zeichnung, Fotografie, Film, Neon, Glasmalerei, Installation, Performance, Computerkunst, Leuchtkästen, Reliefs