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Mehr als ⅓ der
Gesamtbevölkerung sind Ausländer (Deutsche, Oesterreicher, Italiener). Kathol. und reform. Kirchgemeinde.
1900: 1867 Haushaltungen in 695
Häusern. 1905 betrug das Steuerkapital 22 Mill. Franken.
Rorschach ist ein bedeutender Handels- und Transitplatz und war einst einer der grössten Weizenmärkte der
Schweiz. Der Bahnhof
steht unter allen schweizerischen Bahnstationen mit Bezug auf den Personenverkehr im 7., mit Bezug auf
den Warenverkehr im 13. und mit Bezug auf die Einnahmen im 8.
Rang. Auch der
Hafen zeigt reges Leben. Rorschach verdankt einen
grossen Teil seines Aufschwunges dem Dampferverkehr auf dem
Bodensee und der hier stattfindenden Kreuzung von vier bedeutenden
Eisenbahnlinien.
Die
Umgebungen bilden einen wahren Obstbaumwald, in den zahlreiche Landhäuser und
Schlösser eingestreut
erscheinen. Gesundes Klima; mitunter starke und heftige
Winde im Winter, erfrischende und kräftigende Seebrise im Sommer.
Beliebtes Ausflugsziel der Ostschweizer. Mehrere Badanstalten. Kranken- und Waisenhaus. Reformierte Kirchgemeinde seit 1854. Zu
der 1862 erbauten ersten reformierten Kirche hat sich 1904 ein imposantes neues Gotteshaus gesellt, dessenTurm
die zweitgrösste Glocke der
Schweiz enthält.
Die aus dem 17. Jahrhundert stammende katholische Pfarrkirche ist vor mehreren Jahren restauriert worden und enthält schöne
Gemälde und eine bedeutende
Orgel. Katholische Jugendkirche in gotischem Stil. Elektrizitäts- und Gaswerk, Hauswasserversorgung.
In dem vom Staat 1864 angekauften Kloster
Mariaberg befindet sich das kantonale Lehrerseminar. Zwei Primarschulhäuser.
Realschule. Katholisches Töchterinstitut mit Internat. Je ein grosses privates Knaben- und Mädcheninstitut.
Sehr reges geselliges Leben und zahlreiche Vereine und Gesellschaften aller Art. Bankgeschäfte; Hauptfiliale der
Toggenburger
Bank in monumentalem Neubau.
Vier Buchdruckereien und drei Zeitungen. Grosse Stickerei-,
Spitzen- und Musselinfabrik (Aktiengesellschaft)
mit eigener Färberei, Appretur und Kartonschachtelfabrik; sie beschäftigt 2000 Arbeiter, zählt etwa 100 Stickmaschinen
mit
Wasser- oder Dampfbetrieb und steht vor einer bedeutenden Erweiterung mit umfangreichen Neubauten.
Giesserei und Maschinenfabrik (speziell für maschinelle Einrichtung von Ziegeleien und Backsteinfabriken) mit 180 Arbeitern.
Marmor-, Granit- und Syenitwerke
(Sägen,
Schleifen und Bildhauerei). Armeekonservenfabrik (Obst-, Gemüse- und Fleischkonserven).
Bitterfabrikation. Teigwarenfabrik. Reparaturwerkstätten der S. B. B. mit 200 Arbeitern. Mechanische
Werkstätten, Turbinenbau. Zementindustrie. Grosse Bleicherei und Appretur. Bedeutender Handel mit Brettern.
Piano- und Orgelfabrik. Grosse Indiennedruckerei mit 250 Arbeitern. Bedeutende
Mühlen in der Nähe. Gartenbau, Baumschule
auf
Mariaberg. Ziegelei.
Drei Bierbrauereien. Photographen- und Lithographenateliers. Umfangreiche Bahnhofanlage mit geräumigen
Bauten. Am Seeufer das aus dem 18. Jahrhundert stammende monumentale Kornhaus. Viele alte Patrizierhäuser
mit Erkern und reichem ornamentalen Schmuck; besonders bemerkenswert das Rathaus und das sog. Kettenhaus.
Ueber der Stadt in beherrschender Lage das ehemalige Kloster
Mariaberg (s. diesen Art.). Prachtvolles Postgebäude. Monumentaler
St. Jakobsbrunnen. Neues Bezirksgefängnis. Man plant den Bau eines neuen Stadthauses. In der Umgebung
viele schöne Landhäuser, so u. a. die
VillaSeefeld, Eigentum der Prinzessin von
Wied. Im
See vor Rorschach hat man 1865 und 1866 Pfahlbauten
aufgefunden; Reste der alten
Römerstrasse von Arbor Felix
(Arbon) nach Brigantium (Bregenz) beim ehemaligen
Frauenkloster zu
St. Scholastika.
Dieses entstand 1616 aus der Vereinigung der beiden alten
Klöster im Hundtobel (1411 gegründet) und
im Steinertobel bei
Steinach (1430 gegründet) und ist mit seinen Insassen 1905 nach
Tübach übergesiedelt. Im
See stand einst
ein alter Wachtturm. Nach dem Sturz der Römerherrschaft erscheint Rorschach seit dem 7. Jahrhundert als ein dem Kloster
St. Gallen gehörender
Meierhof. Im 7. Jahrhundert Rorshahun;
Schiffahrt und Fischfang liessen hier ein Dorf entstehen, das bald zusammen mit dem Rorschacherberg und Grub zu einer eigenen
Pfarrei erhoben wurde, deren Kirche zu den ältesten im Lande zählte. Als der Personen- und Warenverkehr zwischen Deutschland
und Italien immer bedeutender wurde, erhielt Abt Cralo 917 von Kaiser Otto I. für Rorschach das Markt-,
Zoll- und Münzrecht. Obwohl der Abt als Reichsfürst über alle der Abtei gehörenden Ländereien die Oberhoheit hatte,
blieb doch der Blutbann über Rorschach und einige andere Orte dem Kaiser selbst vorbehalten, der ihn durch besondere Reichsvögte
ausüben liess. Es waren dies zuerst die reichen Herren von Wartensee, als deren erster 1264 Ritter Heinrich
erscheint.
Nach ihrem Erlöschen 1361 folgten die Blarer und dann die Edeln von Rorschach, deren Burg (das heutige St. Annaschloss) oben
am Rorschacherberg stand und die zu jener Zeit zu den wohlhabendsten und einflussreichsten Dienstleuten der Fürstäbte
von St. Gallen
zählten. Weil sie zugleich Bürger der Stadt St. Gallen waren, blieben sie zur Zeit der Appenzellerkriege
neutral, während die Bürger des Fleckens Rorschach treu zum Abt hielten und dafür schwer büssen mussten, bis sie sich 1406 mit
den St. Gallern und den Appenzellern verbündeten. Im Frieden von 1408 wurde aber Rorschach dem Abt zurückgegeben.
1449 mussten die Edeln von Rorschach alle ihre Güter und Rechte dem Kloster St. Gallen
verkaufen, worauf ihr Schloss
Sitz des äbtischen
Vogtes oder Amtmannes wurde. Um dem beständigen Streit mit der Stadt St. Gallen ein Ende zu machen, beschloss Abt Ulrich Rösch
1486, das Kloster nach Rorschach zu verlegen. Aber schon 1489 wurden die neuen Bauten von den St. Gallern
und Appenzellern zerstört, denen sich 1490 auch die Bewohner von Rorschach und des Unter Rheinthales anschlossen.
Als der Kampf allgemein zu werden drohte, legten sich die Eidgenossen ins Mittel und zwangen die Aufständischen zur Unterwerfung.
Die Appenzeller verloren ihre Vogteien, die Untertanen des Abtes wurden bestraft, und die Stadt St. Gallen
musste eine Entschädigung von 10000 Gulden bezahlen. Abt Gotthard baute das zerstörte Kloster in Rorschach unter dem Namen
Mariaberg wieder auf. Es diente nun zunächst für Schulzwecke und wurde dann Sitz des äbtischen Vogtes.
Rorschach ging als eine der ersten Gemeinden der äbtischen Länder zur Reformation über, musste aber
bald zum alten Glauben zurückkehren. Abt Bernhard (1588-1622) suchte den Ort als Handelsplatz zu fördern, begünstigte die
Einführung neuer Industrien und gründete hier eine Buchdruckerei. Abt Pius wollte auf Mariaberg eine katholische Universität
einrichten, musste aber das dafür bestimmte Kapital zu Verteidigungsmassregeln gegen die schwedischen
Armeen (30 jähriger Krieg) verwenden. Fürstabt Zölestin II. gestaltete Rorschach zum ersten Kornmarkt der Schweiz und liess 1748 durch
den Italiener Bognato am Seeufer das grosse
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