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aus Talg, Stearin, Stearinsäure, Paraffin, Walrat, Wachs bestehende Cylinder, in deren Achse ein Docht verläuft,
dessen Beschaffenheit sich nach dem Kerzenmaterial, besonders nach dessen Schmelzpunkt, und nach der Stärke der Kerzen richten
muß. Bei verhältnismäßig zu dicken Kerzen bleibt an der Peripherie derselben ein ungeschmolzener Rand,
innerhalb dessen sich zu viel flüssiges Fett ansammelt, durch welches die Flamme verkleinert wird, während beim endlichen
Zusammenbrechen des Randes der Überschuß des flüssigen Fettes herabrinnt.
Ist
die Kerze im Verhältnis zum Docht zu dünn, so schmilzt das Fett zu schnell, rinnt herab und bildet
kein Bassin, aus welchem der Docht gleichmäßig gespeist werden muß. Der Docht wird aus Baumwolle gefertigt und ist entweder
gedreht, so daß die einzelnen Fäden mehr parallel und geradlinig oder in steiler Schraubenlinie nebeneinander liegen, oder
geflochten. Dochte ersterer Art werden noch für Talg- und Wachskerzen, geflochtene für Stearin-, Paraffin-
und Walratkerzen benutzt.
Die Dicke der Dochte wird teils durch die verschiedene Zahl der den Docht bildenden Fäden, teils durch die Feinheitsnummern
derselben bedingt. Talgkerzen erhalten wegen der leichten Schmelzbarkeit des Materials einen dickern Docht, um die Flamme möglichst
über das Fett hinaufzurücken. Man benutzt aber auch bisweilen für sie sehr locker geflochtene Dochte
und spart dann das Putzen der Flamme. Unter dem Einfluß der Spannung, in welcher sich die einzelnen Fäden der geflochtenen
Dochte befinden, erleidet das aus der Kerze hervorragende Ende eine Krümmung, so daß die Spitze in den Mantel der Flamme
reicht und hier verbrennt.
Damit aber der Docht bei unvollkommener Verbrennung nicht Kohle hinterläßt, imprägniert man ihn mit einer Lösung von Borsäure
oder phosphorsaurem Ammoniak. Talglichte werden in der Regel gezogen. Man reiht 16-18 Dochte auf einen langen Holzstab (Dochtspieß)
in gleichen Entfernungen voneinander auf und taucht 10-12 Spieße zuerst in heißes, dann wiederholt in
fast bis zum Erstarrungspunkt abgekühltes Fett, bis die Kerzen die gewünschte Stärke erlangt haben, worauf sie noch einmal in
etwas heißeres Fett gebracht werden, um eine möglichst glatte Oberfläche zu erhalten. Zur Erleichterung der Arbeit hängt
man an das in
Fig. 1 abgebildete Rad aus mehreren Dochtspießen gebildete Rahmen, die leicht gesenkt und
gehoben und durch Drehung des Rades über den Talgkasten gebracht werden können. Die gezogenen Kerzen werden wesentlich verschönert,
wenn man sie durch den runden Ausschnitt eines warmen Bleches zieht; auch kann man ihnen leicht einen Mantel aus besserm Material
geben (plattierte Kerzen).
Die Kerzen, welche gegenwärtig unter dem Namen Stearinkerzen im Handel vorkommen, bestehen nicht aus Stearin (und Palmitin), welches
man durch Abpressen des flüssigen Oleins aus dem untersetzten Fett erhalten kann, sondern aus Stearinsäure (und Palmitinsäure),
welche durch Verseifung des Fettes mit Kalk und Zersetzung der Kalkseife mit Säure gewonnen wird. Dies Produkt
schmilzt um 10-20° schwerer als Talg, erstarrt aber beim Erkalten kristallinisch, so daß die Kerzen rauh und brüchig werden
und beim Brennen leicht ablaufen. Zur Verhütung dieses Übelstandes mischt man der Stearinsäure (bis 20 Proz.) Paraffin bei,
welches das Kristallinischwerden verhindert. Diese Kerzen werden in Formen gegossen, welche
meist aus einer Bleizinnlegierung bestehen und mit einem Trichter zur Erleichterung des Eingießens und einem Steg zur Befestigung
des Dochtes, welcher anderseits knapp durch eine Öffnung in der Spitze geht und diese verschließt, versehen sind. Das Fett
darf beim Gießen nicht zu heiß sein, sondern muß an der Oberfläche eben zu erstarren beginnen, weil
die Kerzen sonst schwer aus der Form herausgehen. Beim Gießen von Stearin- und Paraffinkerzen müssen die Formen im Kasten durch
Dampf oder heißes Wasser angewärmt werden.
Dies Verfahren ist durch zahlreiche Erfindungen nach allen Seiten hin ausgebildet worden und gestattet jetzt mit Hilfe besonderer
Maschinen kontinuierlichen Betrieb.
Fig. 2 zeigt eine Gießmaschine für Stearinkerzen. Bei derselben befinden
sich 200 Formen in der obern Abteilung ab, und je 20 haben einen gemeinsamen Einguß auf der Platte aa; die untere Abteilung
enthält so viele Dochtspulen, als Formen vorhanden sind, und die mittlere Abteilung Röhren, durch welche die Dochte
den Formen zugeführt werden.
Über den letztern werden die Dochte durch zwei Blechschienen gefaßt, und wenn nun gegossen werden soll, wärmt man die Formen
mittels Wasserdampfes welcher durch das Rohr c und die Hähne d zuströmt, an, füllt dann die Stearinsäure ein, bläst zur
raschen Abkühlung der Formen durch das weite Rohr h kalte Luft ein und zieht dann die Kerzen aus den Formen,
indem man die auf eisernen Schienen laufende Hebevorrichtung über die betreffenden Formen schiebt, die Blechschienen mit der
Stange e in Verbindung bringt und durch die Kurbel f hebt.
Damit dies um so sicherer geschehe, legt man in den gemeinsamen Einguß eiserne Bügel g ein, welche nach
dem Erkalten mit dem Gießkopf entfernt werden. Zunächst aber faßt man nach dem Heben der Kerzen den Docht sofort wieder mit
Blechschienen und füllt die Formen von neuem. Die fertigen Kerzen werden bisweilen durch Luft und Licht gebleicht, mit Seife
oder Soda gewaschen, dann auf einer besondern Maschine mit einer Kreissäge am untern Ende beschnitten und durch Rollen zwischen
Tuch poliert. Im Handel bemißt sich der Wert der Stearinkerzen nach ihrer Härte und Farblosigkeit; österreichische Stearinkerzen
sind als Millykerzen (nach dem Begründer der ersten Fabrik benannt) oder Apollokerzen (nach der Wiener
Apollogesellschaft benannt) im Handel; Kerzen aus Stearinsäure, die aus Palmöl gewonnen wurde, nennt man Palmwachskerzen.
Sehr leicht schmelzbar sind die Kompositkerzen, welche sehr viel Stearin aus Kokosnußöl
enthalten. Paraffinkerzen werden
wie Stearinkerzen gegossen; doch setzt man, um den Schmelzpunkt des Materials zu erhöhen und das Krummwerden im Leuchter zu
vermeiden, 3-15 Proz. Stearinsäure zu. Um die Kristallisation und das Ankleben der in den Formen zu verhindern, erwärmt man
die Masse auf 60°, die Formen etwa auf 70° und taucht sie nach einigen Minuten in kaltes Wasser.
Deutsche Fabriken unterscheiden: Kristallparaffinkerzen, kanneliert und glatt bei 54° schmelzend;
Brillantparaffinkerzen,
kanneliert bei 52°, glatt bei 49° schmelzend;
Naturellkerzen, bei 49° schmelzend.
Melanylkerzen bestehen
aus einem Gemisch von Stearinsäure mit weichem Paraffin. Zu Trauerkerzen wird Paraffin mit Anacardiumschalen (Elefantenläusen)
schwarz gefärbt; sie brennen ohne Dampf und Geruch. Wachskerzen bereitet man auf die einfachste Weise, indem man das Wachs in
warmem Wasser erweicht, mit den Händen durchknetet, bis es vollständig gleichmäßig geworden ist, dann
Bänder daraus formt und diese um den gespannten Docht wickelt. Nach dem ältesten Verfahren dreht der Arbeiter die über einer
Pfanne aufgehängten Dochte mit der linken Hand um sich selbst, während er sie mit der rechten Hand mit geschmolzenem
Wachs begießt.
Die Temperatur des Wachses darf nur so hoch sein, daß immer noch einige ungeschmolzene Scheiben in demselben schwimmen; nur
zum ersten Angießen wird es etwas heißer genommen. Haben die Kerzen eine gewisse Stärke erlangt, so rollt man sie etwas und
fährt dann wieder mit dem Angießen fort. Endlich werden die auf einer Marmortafel völlig glatt gerollt.
Beim Gießen der Wachskerzen werden die Formen nach dem Erstarren des Wachses rasch in heißes Wasser getaucht, um die Kerzen leicht
herausziehen zu können. In neuerer Zeit stellt man auch Wachskerzen aus einem Gemisch von Paraffin (aus Ozokerit) und Wachs
dar. Zu Wachsstöcken benutzt man Wachs oder eine Mischung aus Wachs und Talg oder Fichtenharz und Terpentin,
auch wohl Paraffin und leitet den Docht, der sich an einer großen Trommel ab und auf eine zweite ähnliche Trommel aufwickelt,
wiederholt durch die geschmolzene Masse, bis der Wachsstock die gewünschte Stärke erreicht hat. Um ihn
vollständig rund zu erhalten, läßt man ihn nach dem Passieren des Wachses zunächst durch ein in einem Blech angebrachtes
rundes Loch gehen. Walratkerzen (Spermacetikerzen), die besonders in England und Nordamerika sehr gebräuchlich sind, werden
aus gereinigtem Wal-
rat, dessen Kristallisationsfähigkeit durch Zusatz von 3 Proz. Wachs oder Paraffin aufgehoben wurde, wie die Stearinsäurekerzen,
nur etwas heißer, gegossen. Sie sind sehr schön durchsichtig u. farblos, brennen mit hoher,
hell leuchtender Flamme, verzehren sich aber ziemlich schnell und sind daher teuer.
Vgl. Engelhardt, Handbuch der prakt.
Kerzenfabrikation
(Wien 1887).
Geschichtliches. Die Römer benutzten anstatt der Kerzen mit Pech oder Wachs getränkte Flachsschnüre, später in Pech getauchte
und mit Wachs überzogene Streifen von Papiergras oder Binsen. Fettgetränktes Mark vom Schilfrohr wurde als Nachtlicht neben
den Leichen aufgestellt. Die ersten Kerzen unsrer Art scheinen zur Zeit der Christenverfolgungen aufgekommen zu sein,
und vielleicht hängt damit der ausgedehnte Gebrauch der Kerzen bei kirchlichen Zeremonien zusammen. Apulejus unterschied zu Ende
des 2. Jahrh. schon Wachs- und Talgkerzen, doch verdrängten letztere erst mit Anfang des 9. Jahrh. den Kienspan.
Im Mittelalter wurden Wachskerzen und Wachsfackeln mit Dochten von gedrehtem Werg in Formen gegossen.
Die Brenndauer der Wachskerzen von bestimmter Länge und Dicke diente neben der Sanduhr zu ungefährer Zeitbestimmung,
namentlich bei Gerichtsverhandlungen u. dgl. (Ȉ
chandelle éteinte«). Wachskerzen waren im 14. Jahrh. an den Höfen reicher Fürsten immer noch sparsam im Gebrauch; aber die
katholische Kirche dehnte ihren Gebrauch ins Fabelhafte aus, und es wurden z. B. in der Schloßkirche
zu Wittenberg zu Luthers Zeit 35,750 Pfd. in einem Jahr verbrannt. Als durch den Protestantismus diese Konsumtion beschränkt
wurde, traten die Höfe besonders im 18. Jahrh. mit großartigem Luxus dafür ein: in Dresden verbrauchte ein einziges Hoffest
14,000 Stück Wachslichte.
Seit dem 15. Jahrh. kamen die Talglichte in allgemeinen Gebrauch. Braconnot und Simonin (1818) und Manjot
(1820) in Paris fertigten Kerzen aus Stearin. 1831 stellte man in England solche Kerzen aus Palmöl dar, aber schon 1825 hatte Chevreul
mit Gay-Lussac ein Patent auf Kerzen aus Stearinsäure genommen, deren tadellose Herstellung indes erst 1834 gelang, nachdem
Cambacérès geflochtene und gedrehte Dochte und Milly die Verseifung der Fette durch Kalk erfunden hatte. Milly, welchem die
Stearinkerzenindustrie viele wesentliche Verbesserungen verdankt, verpflanzte dieselbe 1837 mit großem Erfolg nach Wien,
und um dieselbe Zeit wurde in Berlin die erste derartige Fabrik errichtet.
Milly tränkte zuerst die Dochte mit Salzen, wußte das Kristallinischwerden der Stearinsäure zu beseitigen
und führte die Dampfheizung, die hydraulische Presse und das Gießen in die Stearinkerzenfabrikation ein. 1839 stellte Seligue
in Paris Paraffinkerzen aus bituminösen Schiefern dar; bessere Resultate gewann aber erst Young in Manchester, und bald darauf
entwickelte sich die Paraffinindustrie der Provinz Sachsen, welche seitdem das Ausgezeichnetste leistete.
Eine Konkurrenz erwuchs der letztern durch die Belmontinkerzen (nach der im Belmontquartier in London liegenden Fabrik benannt)
und noch mehr durch die Kerzen aus Ozokerit, welches Material schon vor der Entdeckung des Paraffins in der Moldau verarbeitet ward.
Die ersten Talg- und Wachslichte wurden gezogen, die Erfindung des Gießens scheint nicht über das 17. Jahrh.
hinauszugehen.
(Lichter, Lichtkerzen, frz. bougies, engl. candles);
es sind dies bekanntlich aus verschiednen brennbaren und leicht schmelzbaren Stoffen gefertigte lange cylinderförmige Körper,
in deren Mitte, der Längenaxe entsprechend, ein Docht angebracht ist. Je nach dem Materiale, aus dem die K. gefertigt werden,
unterscheidet man: Talgkerzen, Stearinkerzen, Wachskerzen, Palmwachskerzen, Walratkerzen, Paraffinkerzen
und Ceresinkerzen. Die Materialien dieser K. sind unter ihren
mehr
besondern Namen beschrieben, sodaß es genügt, hier nur einiges Allgemeine über die K. selbst hinzuzufügen. Es tritt uns
hier zunächst die volkstümliche Talgkerze entgegen, welche allerdings bei uns mehr und mehr vor den wohlfeil gewordenen
Stearinkerzen weichen muß. Indes ist ihre Fabrikation in Süddeutschland, in Polen und Rußland immerhin noch
sehr bedeutend. Das Talglicht hat bekanntlich den Übelstand, daß es trübe brennt, wenn es nicht fleißig geputzt wird,
und dies ist nicht abzustellen, denn die Erfindung der bei den übrigen K. gebräuchlichen sich selbst verzehrenden Dochte
kann hier nicht angebracht werden, da der Talg unter allen Umständen einen dicken Docht haben muß, weil
er zu leichtflüssig ist und der Docht zugleich als Reservoir für den geschmolzenen Teil desselben zu dienen hat.
Man bereitet die Lichter aus einer Mischung von gereinigtem Rinds- und Hammeltalg, die vereint eine bessere Masse bilden
als jeder Stoff einzeln. Das früher übliche Ziehen derselben, indem man eine Anzahl an einem Stabe
hängender Dochte wiederholt in geschmolzenen Talg tauchte, bis die verlangte Dicke erreicht war, kommt kaum mehr vor, vielmehr
ist jetzt das Gießen der K. allgemein und zwar dienen hierzu Formen aus einer Komposition von Zinn und Blei. Die einzelnen
Formen, welche etwas konisch sind, damit die gegossene Kerze sich herausheben läßt, werden mit dem
obern Ende nach unten in großer Anzahl in den mit einer Menge runder Löcher versehenen Gußtisch eingehangen, dann die
Dochte mit Haken eingezogen und zugleich ein kleiner Eingußtrichter auf jede Form gesetzt, der einen Quersteg hat, an welchen
der Docht angehangen wird, indes derselbe in dem an der Spitze befindlichen Loche sich von selbst einklemmt.
Jede Form wird einzeln vollgegossen, wenn der Talg die rechte Temperatur hat, die sich dadurch kenntlich macht, daß sich
auf der Oberfläche ein Häutchen zu bilden beginnt. Das Gießen in dieser Weise läßt sich nur bei
kühler Witterung, also zur Winterzeit ausführen, denn wenn die Lufttemperatur höher als 8° R. ist, gehen die K., die
immer mehrere Stunden zur Abkühlung brauchen, gar nicht aus den Formen. Man hat aber diesen Übelstand durch Gießmaschinen,
bei denen eine künstliche Wasserkühlung in Anwendung kommt, zu beseitigen vermocht, und es können
mit solchen Apparaten in den heißesten Sommertagen K. bequem gegossen werden. - Die Talglichter gewinnen durch Ablagern
an Härte und Güte; ihre gelbliche Farbe kann durch Aussetzen an die Luft verbessert werden. -
Das Gießen der Stearinkerzen, die erst seit Anfang der dreißiger Jahre Gegenstand der Fabrikation sind, ist
nicht so einfach wie das der Talglichter. Das Stearin nimmt beim Erstarren ein großkristallinisches Gefüge an, was den K. ein
häßliches Ansehen gibt und sie außerdem sehr zerbrechlich macht. Zur Vermeidung dieses Übelstandes muß man der Masse
stets einige Prozente Wachs zusetzen, statt dessen man jetzt auch Paraffin verwendet. Ferner läßt man
vor dem Gießen das Stearin unter beständigem Umrühren so weit erkalten, daß es dickflüssig zu werden beginnt.
Es ist
dies die Folge der schon beginnenden Kristallbildung, die aber durch das Rühren gestört wird, sodaß große Kristalle nicht
auftreten können.
Eine solche dem Gestehen nahe Masse läßt sich aber begreiflich nicht in kalte Formen gießen; diese
müssen vielmehr auf etwa 50° C. angewärmt sein. Die Formen werden entweder einzeln vollgegossen und haben dann eine trichterförmige
Erweiterung, oder häufiger in Vereinigung von 20-30 Stück mit gemeinschaftlichem Einguß. Ein solches Ensemble heißt ein
Park. Nachdem die Dochte eingezogen sind, werden die
Parks in warmem Wasser oder in einem Dampfkasten angewärmt und dann soviel Stearin hineingegeben, daß auch der Einguß mit
gefüllt ist. In diese überschüssige Masse legt man sogleich zwei Handhaben ein, die nach dem Erkalten festhaften und zum
Ausheben des Gusses dienen.
Durch Abbrechen werden die einzelnen K. von der Gießleiste getrennt. Man hat in großen Fabriken auch
Maschinen, welche den Guß wesentlich fördern. Dies geschieht vornehmlich dadurch, daß das Einziehen der einzelnen
Dochte erspart wird, indem man so zu sagen endlose Dochte anwendet. Für jede Form ist eine Dochtrolle vorhanden; wird ein
erkalteter Einguß durch ein Hebezeug aus der Form gehoben, so folgt von unten frischer Docht nach und
die Form ist wieder zum Einguß bereit. Die Formen stehen zu etwa 200 in einem ganz geschlossenen Kasten, durch dessen Decke
die Mündungen herausstehen, und in welchem sie durch abwechselnden Zutritt von Dampf und kalter Luft oder Wasser gewärmt
und gekühlt werden. Die Stearinkerzen haben das Gute, daß ihre Masse beim Erkalten ziemlich stark schwindet,
daher das Herausziehen aus den Formen keine Schwierigkeiten hat.
Der Guß von Paraffinkerzen erfolgt ähnlich wie bei den vorigen: die Formen werden angewärmt, die Masse ganz dünnflüssig
eingegossen und die Formen dann mit kaltem Wasser gekühlt. Die Paraffinmasse, namentlich wenn sie etwas
weicher Konsistenz ist, hat wieder die Eigenheit, daß sie schwierig aus der Form geht. Zur Beseitigung dieses Übelstandes
hat man den Gießmaschinen, welche meistens für den Guß dieser K. in Anwendung sind, die Einrichtung gegeben, daß jede
Kerze nach dem Erkalten durch einen Piston, welcher vom spitzen Ende nach dem dicken zu schiebt, hinausgetrieben
wird.
Endlose Dochte und alle zweckmäßigen Vorkehrungen zur Erwärmung und Kühlung sind auch bei diesen Maschinen in Anwendung.
Die Fabrikation von Stearinkerzen ist jetzt überall vertreten, indes Paraffinkerzen und ihre Fabrikation ihren Hauptsitz
in der preußischen Provinz Sachsen haben, weil da die passenden Braunkohlen liegen. Die Fabrikation ist
zu großer Bedeutung gelangt und man stellt jetzt die Ware weit besser her als früher, sodaß das unangenehme Krummziehen
fast ganz beseitigt ist. Einesteils wird jetzt das Paraffin selbst besser hergestellt, andernteils gibt der Zusatz von einigen
Prozenten Stearin der Masse eine größere Härte. Auch aus zu weichem Paraffin macht man durch Zusatz
von ebenso viel Stearin noch K., die für Primasorte Stearinkerzen
mehr
gelten können und natürlich im Handel als solche verkauft werden. In neurer Zeit fertigt man in Österreich und seit kurzem
auch in der preußischen Provinz Sachsen K. aus gleichen Teilen Paraffin und Stearin, die viel Beifall finden. Sie werden Melanylkerzen
genannt. Walratkerzen sind in neurer Zeit durch das ganz ebenso gute billigere und schöne Paraffin bei
uns fast ganz verdrängt worden. In England und Nordamerika sind sie noch viel in Gebrauch; übrigens kaufen die Engländer
in Deutschland auch Paraffin.
Die Walratkerzen sind ein kostspieliger Artikel, besonders da sie rasch wegbrennen. Dieser Kerzenstoff verhält sich in seiner
Eigenschaft, großkristallinisch zu erstarren, dem Stearin ähnlich und bedarf, damit er eine homogene
Masse gebe, eines Zusatzes von einigen Prozenten Wachs, und da die Masse beim Erstarren so sehr schwindet, daß die Güsse
auf den ersten Wurf zur Hälfte hohl werden, muß man die Höhlung durch Nachgießen ausfüllen. Übrigens hat der Guß solcher
K. keine Schwierigkeit und bedarf keiner besondern Vorrichtungen. -
Das Wachs dagegen ist wieder ein Stoff, der Schwierigkeiten macht, indem er sich gleich dem Paraffin zu fest an die Formen
hängt und im Innern der Güsse gern Hohlräume bildet. Man hat sich daher in der gewöhnlichen Praxis für Wachslichter
des Formgusses nicht bedient, sondern des Angießens. Man hängt nämlich die Dochte über dem Schmelzkasten
senkrecht auf und begießt sie von oben herab so lange, bis sie die verlangte Dicke haben. Die regelmäßige Form erhalten
sie dann durch Rollen mit einem Brett auf einer glatten Tafel. Große Altarkerzen werden ganz durch Rollarbeit
fertig gemacht. Übrigens sind die Schwierigkeiten, die das Wachs dem Formenguß entgegengesetzt, nicht unübersteiglich,
und es werden in neurer Zeit tadellose und schöne Wachslichter durch Gießen erzeugt, namentlich in einer Berliner Fabrik.
-
Aus Palmwachs werden jetzt auch viel K. gegossen, es eignet sich infolge seiner Härte und seines hohen
Schmelzpunktes sehr gut hierzu. Die Fortschritte in der Kerzenfabrikation, überhaupt haben sich nicht nur auf die Verbesserung
der Darstellungsweisen und auf die Veredelung des Materials, sondern bekanntlich auch auf die Einrichtung der Dochte erstreckt.
Diese sind bei den Stearin- und Paraffinkerzen viel schwächer als bei Talglichtern und bestehen nicht aus
parallel laufenden Baumwollfäden, sondern sind aus drei Strähnen geflochten und haben überdies eine chemische Behandlung
erfahren, welche ihre Verzehrung beim Brennen vervollständigen soll.
Diese K. putzen sich also gleichsam von selbst. In dem Maße, wie die Dochtenden frei werden, krümmen sie sich nach außen,
sodaß sie in den nicht leuchtenden, aber sehr heißen äußern Mantel der Flamme hineinreichen, wo sie
bis auf die Asche verzehrt werden. Die Krümmung ist lediglich Folge des Flechtens, welches eine ungleiche Spannung hervorruft.
Die Ingredienzen, mit welchen die Dochte getränkt werden, heißen Beizen, sie sind verschiedner Art und sollen auf verschiednen
Wegen den Zweck des vollständigen Abbrennens erreichen.
Nicht selten machen Fabriken
aus ihrer Beize ein Geheimnis. Im allgemeinen sind die Mittel entweder Sauerstoff abgebende,
wie Salpeter, chromsaures Kali u. dgl., oder sie sollen die
schnellere Zerstörung des Dochtes bewirken, wie Schwefelsäure, oder endlich sind es solche Stoffe, welche in der Hitze mit
den Aschenbestandteilen des Dochtes in schmelzende Verbindung treten und dadurch das große Volumen der
Asche auf ein verschwindend kleines reduzieren. Solche Stoffe sind Borsäure, phosphorsaures Ammoniak etc. Sämtliche Beizen
werden nur in sehr verdünntem Zustande angewandt. Um das häßliche Abrinnen und dadurch herbeigeführte Vergeuden des Materiales
der K. zu beseitigen, fertigt man häufig K. mit Kanälen (Hohlkerzen).
Die Erzeugung von K. hat in den letzten Jahren eine erstaunliche Höhe erreicht und es ist schwer zu begreifen, wie alle
diese Fabrikate verbraucht werden können neben elektrischem Licht, Gas, Photogen, Solar- und Rüböl; dabei ist weder Talg,
noch Stearin und Paraffin wohlfeiler geworden. Die Fabriken haben zwar nicht mehr so hohe Gewinne wie ehemals,
aber die Massenproduktion läßt sie doch gut auskommen. Über die Fabrikatmenge der so häufig in Deutschland und Österreich
bestehenden Stearinkerzenfabriken fehlen Zahlen; aber auch die viel kleinere Produktion von Paraffinkerzen ist an sich schon
kolossal: in der Gegend von Halle bis Zeitz werden von den sechs bedeutendsten Geschäften auf 138 Gießmaschinen
täglich 552000 Stück oder circa 1100 Ztr. K. geliefert.
Hierzu kommt noch das Erzeugnis einiger österreichischen Fabriken in Aussig, Florisdorf, Mährisch-Ostrau, Wien, Neupest,
Temesvar, Stockerau und Hermannstadt. Sie bringen zusammen mit 66 Maschinen täglich 264000 Stück fertig und verarbeiten
nicht Braunkohle, sondern galizisches Erdwachs (s. d.), von welchem jährlich circa 120000 Ztr.
gegraben werden. Diese könnten aber für die obige Stückzahl unmöglich ausreichen, und es muß also die Zentnerzahl zu
niedrig gegriffen sein oder die Angabe der Fabriken bezieht sich auf ihre Stearin- und Paraffinprodukte zugleich. Diese aus
dem galizischem Erdwachs gefertigten K., die Ozokeritkerzen oder Ceresinkerzen, können jetzt auch, ohne
daß das Erdwachs vorher destilliert wurde, wobei es Zersetzung erleidet und leichter schmelzbares Material liefert, von ganz
weißer Farbe hergestellt werden und haben dann größere Härte und einen höheren Schmelzpunkt als die Stearinkerzen. -
Zoll: K. aller Art s. Tarif im Anh. Nr. 23.