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Wer sich mit der Absicht, gemütlich ein paar Bier zu trinken, auf den Weg zur Saisoneröffnung des Südpols gemacht hatte, wurde recht schnell eines Besseren belehrt. Nach reichlicher Apéro-Verköstigung begrüsste Patrick Müller die Anwesenden, informierte über den Ablauf des Abends und liess es sich nicht nehmen, seinem Team ein ganz grosses Dankeschön auszusprechen. Er übergab das Wort an Stadtpräsident Stefan Roth, der in bester Politiker-Manier seine Rede begann: Es wurde die Finanzierung des Südpols angesprochen, der Stadtrat wurde erwähnt und vom bevorstehenden Jahresprogramm geschwärmt.
Interview with myself
Nachdem die Ansprachen gemacht waren und man die Getränke ausgetrunken und draussen gelassen hatte (auf Wunsch der Künstlerin), durfte man sich in die Grosse Halle begeben, wo ein minimalistisches Bühnenbild wartete. Ein Fenster mit Vorhang und ein Stuhl, auf dem ein Kassettenspieler lag. Kaum hatten sich alle hingesetzt, trat Lina Majdalanie hinter dem Vorhang hervor und stellte sich hinter das Fenster. Sie legte die Kassette, die sie in der Hand hielt, ein und das Interview mit ihr selbst konnte beginnen. Sie warf sich selber kritische Fragen entgegen und musste sich manchmal zügeln, nicht sich selber anzuschreien. Das Interview wurde dann und wann auch wieder zurückgespult und man fing nochmals von vorne an. Im Verlauf der Diskussion füllte sich das Fenster mit Wasser und das Bild der Künstlerin wurde darauf projiziert. Die Antworten kamen nun von diesem Bild und ebenfalls ab Band. Lina Majdalanie setzte sich an die Seite der Bühne und schaute sich selbst zu, wie sie auf ihre eigenen Fragen antwortete. Schlussendlich liess sie das Wasser aus dem Fenster ab und füllte es in kleine Fläschchen. Sie öffnete die Türen der Halle, setzte sich daneben und bot die Wasserfläschchen für 75.- an. Man wusste nicht wirklich ob das Stück schon fertig war, ob man applaudieren durfte, ob man gehen durfte. Endlich standen einige Leute auf, was der Rest des Publikums als Signal hinnahm, dass es wohl wirklich zu Ende war.
Wohnwageneskapaden mit Chanson
Beatrice Fleischlin ist der erste Associated Artist des Südpols. Sie zieht mit ihrem Wohnwagen in den Südpol ein und versucht, daraus ein Zuhause zu machen. Sie liess den Besuchern nach einer kurzen Ansprache eine Verschnaufpause, um währenddessen ihren etwas lädierten Wohnwagen mit einigen bereitwilligen Helfern in den Warenlift und in den Südpol hineinzuschieben. Die Helfer und die Künstlerin selbst wurden mit diesem mobilen Heim von Klavierklängen und einem Halbkreis von Leuten empfangen. Das Klavier verstummte und die gesprochene Kunst konnte beginnen. Man wurde mit der essenziellen Frage konfrontiert, wie wichtig ein Haus im eigentlichen Sinne ist und weshalb wir uns noch nicht soweit entwickelt haben, dass ein Haus unseren Körperteilen angeboren ist. Special Guest Andreas Liebmann und Beatrice Fleischlin stimmten dann in den Chanson «pour ne pas vivre seul» ein und tauften feierlich mit Champagner ihr neues Zuhause.
Interpretationen mit alten Meistern
Einer der Old Masters, Marius Schaffter, enthüllte dann das Kunstwerk an dem er und Jérôme Stünzi seit dem 8. September im Südpol gearbeitet hatten. Es ist ein zusammengestelltes Irgendwas aus im Südpol gefundenen Möbeln. Marius Schaffter interpretierte vor den interessierten Zuschauern die genaue Bedeutung dieses Kunstwerkes. Von Schweizer Sehenswürdigkeiten über Ausländerpolitik bis hin zum Alpamare. Die Erklärungen waren so überzeugend ausgeführt, dass man manchmal das Gefühl hatte, es könnte tatsächlich wahr sein.
Indieklänge und DJ Sets
Für diejenigen, die noch nicht genug hatten, kamen Dans La Tente auf die Bühne. Es war eine willkommene musikalische Wohltat, bei der man einfach nur zuhören (natürlich auch Tanzen) und die Musik auf sich wirken lassen durfte. Die Stimmung wird auf eine angenehmes Level der Euphorie angehoben und der holländische DJ Young Marco fing an seine Platten zu drehen. Die Stimmung ist ausgelassen, das Partyvolk ging dem nach, was es am besten konnte und der Saisonstart des Südpols kann als Erfolg verbucht werden.