Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03480.jsonl.gz/1363

Ja, der Grat zwischen Normalität und Wahnsinn ist manchmal ziemlich schmal. Und wer kann sich schon anmaßen darüber urteilen zu können? Ist Herr Jensen jetzt eigentlich "verrückt? Oder lebt er nur den "Traum", den jeder irgendwie kennen dürfte, wenn er/sie sagt "Ich bin reif für die einsame Insel"?
Die Geschichte von Herrn Jensen beginnt damit, dass dieser seinen Job als Postbote verliert. Als Postbote ohne Ausbildung ist er der erste, der dem Stellenabbau zum Opfer fällt. Was aber nun anfangen mit der "freien Zeit"?
Zunächst gestaltet Herr Jensen seine Tage mit Ausschlafen und Fernsehen, bis er beginnt dem Sinn (oder Unsinn?) von Talk-Shows auf den Grund zu gehen. Als er schließlich für sich erkennt, dass hier im Sinne von gesellschaftlichen Normen vorgeschrieben wird, wie ein Mensch in der hiesigen Gesellschaft nicht zu sein hat oder was nicht normal ist, muss er bemerken, dass er (ledig, keine Freunde, arbeitslos etc.) nicht "normal" ist. Er beginnt sich mehr und mehr aus der Gesellschaft zu lösen. So untersagt er sich Informationen in jeglicher Form zu "konsumieren" und gestaltet seine Tage mit spazierengehen und der Freude am "Nichtstun". Mehr und mehr ist aber auch zu erkennen, dass Herr Jensen zunehmend ver-rückt wird. Ver-rückt vielleicht aber auch nur im Sinne des Steppenwolfes bei Hesse: nämlich abgerückt aus der Gesellschaft.
Wer es gesellschaftskritisch und auch ein bisschen schräg mag, ist mit diesem Büchlein gut beraten. Schlicht, leicht lesbar und doch "irgendwie" anspruchsvolle Literatur.
Hat Ihnen diese Empfehlung geholfen?