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Bewegung lindert Kreuzschmerzen oft sehr gut und wird deshalb auch in Leitlinien wie der NVL «Nicht spezifischer Kreuzschmerz»
empfohlen. Allerdings gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Konzepte, von denen viele für sich in Anspruch nehmen, am wirsamsten zu sein. In einem Cochrane-Review untersuchten Experten nun die Effektivität unterschiedlicher Bewegungstherapien bezüglich der Schmerzlinderung und der Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit.
Welche Art von Kreuzschmerzen waren Gegenstand des Reviews?
In dem Cochrane-Review geht es um Erwachsene mit chronischen nicht-spezifischen Kreuzschmerzen, die mindestens über 12 Wochen hinweg bestehen oder mehrfach wiederkehren.
Wie wurde der Review durchgeführt?
- Die Autoren berücksichtigten klinische Studien, in denen eine Bewegungstherapie mit einer «Minimalbehandlung», einer anderen konservativen (nicht-operativen) Behandlung oder einer anderen Bewegungstherapie verglichen wurde.
- «Minimaltherapie» wurde definiert als keine Behandlung, die „übliche», meist vom Hausarzt veranlasste Behandlung, oder einer Plazebo- («Schein»-) Behandlung.
- Die Bewegungstherapie konnte Übungen zur Kräftigung, Dehnung, Stabilisierung (einschließlich Pilates), Beweglichkeit, Ausdauer, funktionelle Übungen, McKenzie-Übungen, Yoga oder Kombinationen aus diesen beinhalten.
- Die wichtigsten Ergebniskriterien waren, welche Wirkung die Therapien auf die Kreuzschmerzen und die funktionellen Beeinträchtigungen der Teilnehmenden hatte. Zudem wurden unerwünschte Wirkungen dokumentiert.
- Die 249 in den Cochrane Review eingeschlossenen Studien umfassen über 24.000 Teilnehmende. Die Netzwerk-Metaanalyse umfasst die Daten von 20.969 Teilnehmenden aus 217 Studien.
Die wichtigsten Ergebnisse
- Insgesamt wirkten fast alle Übungsformen besser gegen Schmerzen und funktionelle Beeinträchtigungen als eine Minimalbehandlung und als die meisten anderen Vergleichsbehandlungen.
- Pilates und Bewegungstherapien mit dem Fokus auf der Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit sowie Therapien nach dem McKenzie-Konzept waren insgesamt wirksamer in der Verringerung der Schmerzen als andere Bewegungstherapien und Vergleichsbehandlungen.
- Bei den meisten Bewegungstherapien schien eine hohe Dosierung eine bessere Wirkung auf Schmerzen und funktionelle Beeinträchtigungen zu haben als eine niedrige Dosierung. Zudem schien die Ergänzung der Bewegungstherapien durch zusätzliche Maßnahmen die Wirksamkeit zu verbessern.
- Studien, in denen unerwünschte Wirkungen untersucht wurden, berichteten größtenteils von lediglich milden unerwünschten Wirkungen, vor allem von verstärkten Kreuzschmerzen und Muskelkater.
Fazit der Cochrane-Autoren
Der Review stärkt die bereits verfügbare Evidenz zur Wirksamkeit der meisten Bewegungstherapien zur Behandlung von Kreuzschmerzen. Aus Sicht der Autoren sollte man deshalb Patienten in erster Linie ermutigen, eine Bewegungsart auszuwählen, die ihnen Spaß macht. Denn das hilft, auch über einen längeren Zeitraum bei der Stange zu bleiben.
Videointerview mit einem Physiotherapeuten
In einem Videointerview erklärt ein erfahrener Praktiker, was die Ergebnisse des Reviews für die Arbeit von Physiotherapeuten bedeuten. Sebastian Köcker ist Physiotherapeut (MSc) und Orthopädischer Manualtherapeut. Er arbeitet bei UNIFIT an der Uniklinik Freiburg.PS