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| Laktanz († nach 317) - Auszug aus den göttlichen Unterweisungen (Epitome divinarum institutionum).

16. Seltsame Gottheiten der Römer.
Noch andere eingebildete Gottheiten hat der Senat eingesetzt, so die Hoffnung, die Treue, die Eintracht, den Frieden, die Züchtigkeit, die Frömmigkeit, lauter Tugenden, die im Herzen der Menschen hätten Wahrheit und Wirklichkeit haben sollen, die aber durch Aufstellung innerhalb der Tempelwände zu falschen Gottheiten wurden. Doch könnte man sich mit der Verehrung dieser Gottheiten, denen zwar außerhalb des Menschen keinerlei Wirklichkeit zukommt, noch leichter befreunden als mit der Verehrung des Rubigo und der Febris, des Mehltaus und des Fiebers, Dinge, die man nicht zu Göttern machen, sondern um deren Abwendung man die [S. 144] Götter bitten soll. Was soll denn Fornax, die Göttin des Backofens, mit ihren Backofenfesten? Was soll Stercutus, der zuerst das Düngen des Feldbodens gezeigt hat, was die Göttin Muta, die Mutter der Laren, was Cunina, die die Kindlein in der Wiege schützt, was Caca, die dem Herkules die Kunde vom Diebstahl der Rinder brachte und so schuld wurde am Blute ihres Bruders? Und was gibt es sonst noch für Seltsamkeiten und Lächerlichkeiten! Es verleidet einem fast, davon zu reden. Doch den Terminus dürfen wir nicht übergehen; er soll ja nicht einmal dem Jupiter Capitolinus von der Stelle gewichen sein, er, der nur ein unförmlicher Stein war. Diesem stellt man die Hut der Grenzen anheim; zu ihm fleht man feierlich von Staats wegen, daß er "des Kapitols unbeweglichen Felsen"1, daß er des römischen Reiches Grenzen erhalten und erweitern möge.
1: Aen. IX 446.