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Mit einer Struktur aus Beton und Mauern aus Backstein im Stil Luis XVI, geschmückt mit Skulpturen und minutiösen Details, war der Júlio-Prestes-Bahnhof als Anfang der Eisenbahnlinie „Estrada de Ferro Sorocabana“ konzipiert worden, der Hauptarterie zum Transport der Kaffeeernte aus dem Interior des Bundesstaates São Paulo. Auf einer Gesamtfläche von 25.000 Quadratmetern, seine Architektur von Cristiano Stockler das Neves und Samuel das Neves, wurde das Gebäude beim „III° Congresso Panamericano de Arquitetos“ im Jahr 1927 prämiert.
1930 wurden seine Einrichtungen der Öffentlichkeit übergeben. Im Anschluss wurde das Gebäude erneut beschlagnahmt aus Gründen der Revolution 1932, und zwei Jahre später eröffnete man den Bahnhof wieder, schon mit dem Namen „Júlio Prestes“.
Das Ende der goldenen Jahre des Kaffees, zusammen mit der Degradierung der Zentralregion von São Paulo und des Eisenbahntransports in Brasilien allgemein, liessen den Bahnhof verkommen, er wurde Opfer von Vandalen und geriet schliesslich ganz in Vergessenheit. Während des Militärregimes (zwischen 1964 und 1983) liess sich in einem Teil des Gebäudes das „Departamento de Ordem Política e Social (DOPS)“ nieder, ein Regierungsorgan, das, so sagt der Name, die politische und gesellschaftliche Ordnung aufrecht zu erhalten hatte (in Wirklichkeit kümmerten sich deren gefürchtete Schergen um die Unterdrückung von Regimegegnern und schreckten auch vor Folterungen nicht zurück). Der andere Teil des Gebäudes wurde von der „Companhia Paulista de Trens Metropolitanos (CPTM)“ wieder für Transporte genutzt, und das ist bis heute so geblieben.
1990 wurde der Vorschlag gemacht, den Bahnhof zu restaurieren und einen Teil des schönen Gebäudes als Sitz des „Orquestra Sinfônica do Estado de São Paulo“ einzurichten – dem „Sala São Paulo“, heute als bester Konzertsaal Lateinamerikas bezeichnet. Um das Symphonieorchester des Bundesstaates São Paulo (OSESP) auf einen internationalen Standard zu bringen, brauchte es einen eigenen Konzertsaal mit einer entsprechenden Infrastruktur, die eines grossen Orchesters würdig war.
Nach einer längeren Untersuchung mit dem Ziel, welches der beste Ort für den Bau dieses Saals sei, führte ein Zufall zur Idee, die grosse Halle des Julio-Prestes-Bahnhofs dafür zu nutzen. Dieser Raum bot Ähnlichkeiten hinsichtlich Volumen, Geometrie und Proportionen mit jenen Konzertsälen, die als Weltklasse bekannt waren, wie die Boston Symphony Hall in den USA oder der Musikreinsaal in Wien. Das definitive Stammhaus der OSESP wurde geboren!
Am 9. Juli 1999 präsentiert die OSESP unter der Regie des cariocanischen Maestro John Neschling als Einweihungsstück die Simphonie Nr.2 Wiederauferstehung von Gustav Mahler. Vor einem begeisterten Publikum – darunter auch der Präsident Fernando Henrique Cardoso – begründet die „Sala São Paulo“ auch die Wiederauferstehung der gesamten Region des Stadtteils Luz!
Achtzehn Monate brauchte man für die Reform mit Hunderten von Arbeitern, spezialisierte Techniker mit modernster Technologie verwandelten die Mitte des Bahnhofs (eine enorme Halle in Form eines Schuhkartons, der rechte Schuh 24 Meter lang) in einen der schönsten, modernsten und komplettesten Konzertsäle der Welt: Die „Sala São Paulo“. Bei der Einweihung 1999 präsentierte man sogar eine bewegliche Wand (motorisiert, bestehend aus diversen, voneinander unabhängigen Blöcken), damit kann man die Akustik des Saals an unterschiedliche Musikstile anpassen.
Die Schönheit des Gebäudes kann man entweder an Konzerttagen bewundern oder anlässlich von Besuchen, die man vorher vereinbaren muss.
Weitere Angaben:
Sala São Paulo
Praça Júlio Prestes, s/n
Luz – Center – São Paulo
Metrô-Station: Luz
Tel.: (11) 3367 – 9500
Öffnungszeiten: Kartenvorverkauf – Montag bis Freitag von 10h bis 18h;
Samstag, von 10h bis 16h30; Sonntag von 15h bis 17h
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