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Zürich-Oerlikon
Projektwettbewerb, 2017
Städtebau, Volumetrie und Ausdruck
Die neue Wache Nord führt in ihrer städtebaulichen Setzung, der Volumetrie sowie im architektonischen Ausdruck den grossen Massstab, die flächige Ausdehnung und den industriellen Charakter der Nachbarschaft im ehemaligen Industriequartier Oerlikon fort. Gleichzeitig setzt das Gebäude an der Binzmühlestrasse auf einen markanten Ausdruck, der die Anonymität der bestehenden Strassenflucht aufhebt und eine Adresse für die Wache Nord mit Zentraler Einsatzlogistik (ZEL) ausbildet: Hier erscheint der Bau als dreischiffige Anlage mit einem mittleren, hohen Gebäudetrakt und zwei flacheren, ausladenden Seitenarmen.
Die beabsichtigte Wertigkeit der Fassade an der Binzmühlestrasse wird gegenüber den verputzten Seitenfassaden über den roten Stein des Klinkers und den erhöhten Dachschild aus Aluminiumpaneelen unterstrichen. Die städtebauliche Bedeutung des neuen «Gesichtes» wird zudem über die grossmassstäbliche Komposition von offenen und geschlossenen Fassadenfeldern sowie einer plastisch vortretenden Wendeltreppe hervorgehoben, die im Erdgeschoss einen Haupteingang markiert. Damit erhält das Gebäude neben den vorgegebenen Zugängen auch eine sichtbare Adresse an der Binzmühlestrasse. Dieser Eingang kann unter anderem der direkten Erschliessung der im Rahmen einer 2. Etappe vorgesehenen Aufstockung mit Büros im 5. Obergeschoss dienen.
Der vorgeschlagene Gebäudekomplex für die neue Wache mit ZEL besteht aus einem mittleren drei- respektive fünfgeschossigen Haupttrakt und zwei flacheren Seitentrakten. Der Haupttrakt in Skelettbauweise nimmt die unterschiedlich grossen Räume des Einsatzes und der Logistik auf. In den «angehängten» Seitentrakten sind die weitgehend stützenfreien und hohen Hallenräume untergebracht, die den grossräumigen Nutzungen dienen (Fahrzeughalle, Werkstatt, Einstellhalle, Anlieferung). Zwischen den teilweise hohen Unterzügen dieser Räume sind weitere Logistikräume und Bereiche des Einsatzes «eingehängt». Die prägnante Volumetrie begründet sich folglich aus städtebaulichen, programmatischen und statischen Überlegungen: Sie ist gleichzeitig gestaltgebende Figur wie auch Abbild des betrieblichen Konzeptes.
Erschliessung, Verkehr und Aussenraum
Die Zu- und Wegfahrt sämtlicher motorisierter Fahrzeuge erfolgt wie vorgegeben über den nördlich angebundenen Zugangsweg ab der Eduard-Imhof-Strasse. Davon ausgenommen ist die Ausfahrt für Ersteinsatzfahrzeuge direkt an der Binzmühlestrasse. Mitarbeitende wie auch Besucher, die zu Fuss kommen, gelangen ebenfalls über die Eduard-Imhof-Strasse zum Gebäude. Alternativ ist es möglich, Besucher direkt über den Eingang an der Binzmühlestrasse zu empfangen.
Der arealinterne Verkehrsraum wird über den Umriss der Gebäudefigur strukturiert und organisiert. Von der Eduard-Imhof-Strasse her kommend verzweigt sich der Verkehr in einen östlichen und einen westlichen Bereich. Im westlichen Teil, unmittelbar bei der Arealzufahrt, werden die stärker frequentierten Nutzungen erreicht: die Einfahrt in die Tiefgaragen, die Anlieferung sowie die Werkstätten. Über den östlichen Teil kommen die Einsatzfahrzeuge zurück und wird die Halle der Container-Stellplätze erreicht. Hier sind deutlich weniger Bewegungen zu erwarten. Auf beiden Seiten wird über je zwei Seitentrakte und den Haupttrakt ein Halbhof gebildet. Neben dem Rangieren der Fahrzeuge dienen diese zentralen, multifunktionalen Räume dem Retablieren etc.. Beide Halbhöfe sind mit einer leichten, lichtdurchlässigen Stahl-Glas-Konstruktion vor der Witterung geschützt.
Neben den befestigten Flächen sind ausreichend Ruderalflächen und Gehölze, sowohl im Erdgeschoss wie auch auf den Dachflächen der Seitentrakte und auf dem Hauptdach vorgesehen. Der Grünbereich an der Binzmühlestrasse soll als Verlängerung des bestehenden, östlichen Streifens und als Teil des Strassenraumes verstanden und deshalb nicht abgezäunt werden. Die Zäune schliessen in der Fassadenflucht an.
Zugänge und Erschliessung innerhalb des Gebäudes
Die neue Wache besitzt drei Zugänge. Ein erster für Besucher und Mitarbeiter befindet sich wie beschrieben direkt an der Binzmühlestrasse, die anderen beiden Eingänge sind vom östlichen respektive vom westlichen Halbhof zu erreichen. Damit können einzelne Nutzungsbereiche direkt erschlossen werden und die Wege im Gebäude werden verkürzt.
Im Innern sorgen zwei Treppenanlagen, die eine ist dem Einsatz in der südlichen, die andere der Logistik in der nördlichen Gebäudehälfte zugeordnet, sowie drei Lifte (zwei davon Warenlifte) für einen reibungslosen Ablauf im Betrieb. Ein Warenlift ist der Logistik vorbehalten, der andere bedient die Bereiche Werkstatt, sekundär Logistik und Einsatz. Der dritte Lift dient primär der Personenbeförderung im Bereich des Einsatzes und sekundär dem Transport kleinerer Güter. Da sich Waren- und Leanlift zweiseitig öffnen lassen, werden darüber sämtliche Niveaus erschlossen, die sich aus den unterschiedlichen Anforderungen an die Raumhöhen ergeben.
Die horizontale Erschliessung auf den Geschossen erfolgt mehrheitlich über Korridore, die ringförmig und auf den Geschossen wiederkehrend gleich angelegt sind. Damit ist eine einfache Orientierung möglich. Neben der Erschliessung sämtlicher Räume verbinden die Korridore die Vertikalerschliessungen untereinander. Innere, nutzungsübergreifende Sichtverbindungen über Verglasungen unterstützen die Übersichtlichkeit und gewährleisten eine gute Orientierung innerhalb des Gebäudes.
Programm und Betrieb
Die primäre Gliederung der Nutzung entspricht der plastischen Durchbildung des Baukörpers mit dem mittleren, hohen Haupttrakt und den vier flacheren Seitentrakten. Innerhalb des Haupttraktes besteht eine Zweiteilung in einen nördlichen Logistikbereich mit den Seitenbauten der Anlieferung (nordwestliche offene Halle) und der Container-Stellplätze (nordöstliche Halle) sowie einen südlichen Einsatzbereich mit den Seitenbauten von Fahrzeughalle (südöstliche Halle) und Werkstatt (südwestliche Halle). Aufgrund unterschiedlicher Raumhöhen entsprechen die drei Geschosse der nördlichen Logistik fünf Geschossen für Einsatz und Büro an der Binzmühlestrasse.
Das Erdgeschoss wird bestimmt durch eine hohe Permeabilität zwischen Innen und Aussen, die eine direkte und effiziente Erschliessung des Gebäudes mit Personen, Fahrzeugen und Waren sicherstellt. Das 1. Obergeschoss des Haupttraktes ist als «Zwischengeschoss» über dem Erdgeschoss eingefügt. Nördlich schliesst es an die überhohen Räume der Logistik an. In Querrichtung verbindet es als «Brücke» die Werkstatthalle mit der Einstellhalle der Einsatzfahrzeuge. Hier sind die wichtigen Räume des Einsatzes wie das Büro des Stützpunktchefs oder der Einsatzraum aufgereiht. Der Einsatzraum besetzt eine wichtige Schaltstelle mit Anschluss an zwei Fassaden, nämlich an die äussere Fassade der Binzmühlestrasse, sowie an die innere der Fahrzeughalle. Damit sind Sichtverbindungen in die Halle sowie auf Strasse gewährleistet.
Das 2. Obergeschoss ist mit den Aufenthalts-, Rapport- und Essräumen (Einsatz) sowie dem Textillager und der Schneiderei (Logistik) das «öffentlichste» Geschoss und stellt mit einer Raumhöhe von 3.5 Metern ein eigentliches «Piano nobile» dar, was auch an der Hauptfassade zur Binzmühlestrasse ablesbar ist. Über den beiden nördlichen Seitentrakten sind hier zusätzliche Lagerräume der Logistik untergebracht.
Ab dem 3. bis zum 4. (respektive 5.) Obergeschoss tritt das Volumen des Haupttraktes deutlich über die Seitenbauten heraus. Im 3. Obergeschoss befinden sich im Süden die Ruhe- und Aufenthaltsräume für die Feuerwehr und den Rettungsdienst (Einsatz); dieses Geschoss ist deswegen eher als ruhiges und «privates» Geschoss gedacht. Der nördliche Bereich des 3. Obergeschosses ist zweigeschossig. Hier sind die Räume für die Kommissionierung, die Kleingerätewerkstatt und die Metallbearbeitung untergebracht (Logistik). Das 4. Obergeschoss ist wiederum ein «Zwischengeschoss» und nur im südlichen Bereich des Haupttraktes ausgebildet. Hier befinden sich Büros, Sanitätsräume (Infrastruktur), Sportraum (Einsatz) sowie Technikräume.
Als Erweiterung der 2. Etappe wird eine Aufstockung im 5. Obergeschoss für die vorgesehene Büronutzung vorgeschlagen. Die innenliegenden Arbeitsplätze (vornehmlich Kombibereiche, Sitzungsräume und Infrastruktur) werden über Oberlichtbänder im Dach belichtet. Bei diesem Vorschlag erreicht die Gebäudehöhe die maximal zulässigen zwanzig Meter.
Der Bereich des Einsatzes ist derart organisiert, dass zwischen Feuerwehr und Rettungsdienst zahlreiche räumliche und betriebliche Synergien entstehen können. Im Noteinsatzbereich des Erdgeschosses und des 1. Obergeschosses sind Feuerwehr und Rettungsdienst aber zugunsten eines reibungslosen Ablaufs konsequent voneinander getrennt. Bei einem Notfalleinsatz erfolgt die vertikale Schnellerschliessung über Rutschstangen. Feuerwehr und Rettungsdienst teilen sich die Rutschstangen bis ins erste Obergeschoss. Der Weg der Feuerwehr zur Fahrzeughalle führt am Einsatzraum im 1. Obergeschoss vorbei. Von hier leitet die letzte Rutschstange direkt in die Fahrzeughalle der Feuerwehr im Erdgeschoss. Der Rettungsdienst wechselt im 1. Obergeschoss auf die gleich nebenanliegende Rutschstange und gelangt so rasch in die Einstellhalle der Rettungsfahrzeuge im Erdgeschoss.
Das Gebäude verfügt über zwei Untergeschosse. Im ersten Untergeschoss sind hauptsächlich Parkplätze für Mitarbeiter und Dienstfahrzeuge untergebracht. Im zweiten überhohen Untergeschoss sind die Parkfelder für Grossfahrzeuge (LKW und Rettungswagen) angeordnet. Zudem sind hier die Anlage für die Fahrzeugreinigung und das Lager Einsatz/Logistik-Vorhaltung vorzufinden. Die beiden Untergeschosse werden über eine gerade verlaufende, kaskadierende Rampe erschlossen. Das zweite Untergeschoss befindet sich damit ausserhalb des Haupttraktes, das heisst teilweise unter Aussenraum und teilweise unter den nahezu stützenfreien Seitenbauten. Die Einstellhalle wird damit nur bedingt über darüberliegende Tragstruktur determiniert und bietet ein hohes Mass an Flexibilität im Planungsprozess.
Konstruktion
Um im Betrieb und bei zukünftigen Anpassungen eine hohe Flexibilität zu gewährleisten, soll das Gebäude in Skelettbauweise (Haupttrakt) mit seitlichen Hallenbauten erstellt werden. Oberirdisch wird das massiv konzipierte Skelett konsequent in Elementbauweise ausgeführt, um über den Verzicht auf konventionelle Schalungen den Bauablauf zu optimieren. Gleichzeitig bestimmen Skelett und die tektonischen Qualitäten des Elementbaus den architektonischen Ausdruck im Innenraum. Das Stützenraster im Haupttrakt wurde auf 5.4 x 5.8 Meter ausgelegt. Die Raumabschlüsse werden in Leichtbauweise ausgeführt.
Die Fassaden an der Front zur Binzmühlestrasse sowie der Seitentrakte bestehen aus ebenfalls vorfabrizierten Sandwichelementen in Beton. Zur Strasse ist eine Veredlung der äusseren Schale mittels Klinker vorgesehen, entlang der Seitenwände der Nebentrakte werden die Sandwichelemente verputzt und gestrichen. Die langen Ost- und Westfassaden des Haupttraktes bestehen aus ausgedämmten Holzelementen und sind im opaken Bereich mit Aluminiumpaneelen verkleidet. Die Fenster werden als Holz-Metall-Fenster ausgeführt.
Mitarbeiter Wettbewerb
Ron Edelaar, Elli Mosayebi, Christian Inderbitzin, Simon Cheung, Theres Hollenstein, Pascal Ruckstuhl, Basil Bründler
Bauherrschaft
Immobilien Zürich
Ingenieur: APT Ingenieure GmbH, Zürich