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Auster.
[* 2] Von den tierischen Feinden der
Auster hat in letzter Zeit ein kleiner
Wurm,
[* 3] Polydora ciliata,
besondern
Schaden angerichtet und zwar sowohl auf englischen
Austernbänken als auch in
Neusüdwales in
Australien.
[* 4] Teils bohrt
er sich in die
¶
mehr
Schale der
Auster, die er nach allen Richtungen hin durchzieht und dadurch mürbe und zum Verpacken der Tiere untauglich macht,
teils dringt er zwischen den Schalen ein und verursacht hier eine unnatürlich massige Perlmutterbildung, wodurch der Innenraum
der Schalen so verkleinert wird, daß die
Auster abstirbt. Als der größte Feind der
Auster erscheinen
aber stets Seesterne;
[* 6] so wird der Schade, welchen die Seesterne auf den neu angelegten
Austernbänken in der Buzzard Bay, am
äußersten Ende der Long Island-Enge in Nordamerika,
[* 7] angerichtet haben, auf 200,000 Doll. geschätzt. Die Seesterne greifen hauptsächlich
die jungen Austern an, umfassen sie mit ihren Armen und brechen den noch schwachen Muschelrand weg, um
so zu dem Tier zu gelangen, dann drängen sie ihren Magen
[* 8] in die Muschel und saugen so allmählich den ganzen Körper des Tieres
heraus.
Die fortgesetzte Pflege, die man der
Austernzucht zu teil werden läßt, findet ihren Ausdruck in der Gründung mancherlei Gesellschaften.
In Amerika
[* 9] ist eine
Austernkompanie im Staat Maine gegründet worden: American Oyster Company, die mit einem Kapital von 500,000
Doll. beginnt. In London
[* 10] hat sich eine English Channel and Ocean Fisheries Company gebildet, welche an der Küste Frankreichs vier
Seebecken erwerben und für Austern- und Fischzucht verwenden will: das eine Becken liegt bei Celino an der
Ausmündung des Flusses Anray, ein zweites bei Regneville an der französischen Küste des Englischen Kanals und das dritte und
vierte im Departement Finistère.
Für rationelle
Austernzucht in Triest
[* 11] bat sich daselbst ein Komitee mit einem Gründungskapital von 4000 Gulden gebildet, welches
bei Zaule eine
Austernzucht anlegen will. Für die Austernbänke
[* 12] auf Helgoland
[* 13] ist mit Übernahme der
Insel durch die deutsche Regierung von dieser ein neuer Pachtvertrag abgeschlossen worden, der Art, daß für die ersten 10,000
Stück gefischte Austern je 10 Mk. für das Tausend gezahlt werden; jedoch müssen auch bei keinem Fangergebnis mindestens 30 Mt.
gezahlt werden.
Für den weitern Fang über 10,000 Stück bis zu 250,000 Stück werden je 5 Mk. für das Tausend gezahlt. Mehr als 250,000 Stück
Helgoländer Austern darf der Pachter im Pachtjahr nicht fischen, während der Schonzeit vom 1. Mai bis 31. Aug. darf die Bank überhaupt
nicht befischt werden. Die gleiche Schonzeit gilt für die dänischen
Austernbänke, deren Befischung
ebenfalls Regal ist und von der dänischen Regierung verpachtet wird; der Pacht umfaßt die
Austernfischerei im Limfjord, westlich
von Logstor, und sämtliche Bänke innerhalb der im Kattegat zwischen Skagen und nördlich von der Saeby-Kirche nach der Vestro-Kirche
auf Lasoo gezogenen Linien. Im Limfjord dürfen die Austern nur durch Taucher gefischt werden; der Schraper
ist verboten.
Die Pachtabgabe beträgt 4 ½ Öre für das Stück, doch nicht unter 22,500 Kronen [* 14] jährlich. Eine Statistik des jährlichen Gesamtverbrauchs der Austern in der ganzen Welt ist schwer zu ermitteln. Aus Seeland in Holland betrug beispielsweise die Austernausfuhr 1888 im ganzen 2,581,844 kg; hiervon entfallen auf holländische Märkte 232,368 kg, auf Deutschland [* 15] 665,236 kg, auf Belgien [* 16] und Frankreich 730,317 und auf England 953,923 kg. Da 1200 holländische Austern im Durchschnitt 85 kg wiegen, so betrug die Ausfuhr ungefähr 36,145,816 Stück im Gesamtwert von 2,542,370 Mk. Von Seeland aus wird auch eine künstliche Austernbank bepflanzt, die mit Genehmigung der preußischen Regierung an der Südostküste von Borkum angelegt werden soll.
Einen bedeutenden Aufschwung hat die Austernzucht und die Austernausfuhr in Ostende [* 17] erfahren, von wo die Hauptfirma im J. 1888/89 z. B. 2,173,136 Stück Austern versandt hat. Die Austernparke in Ostende sind übrigens nur Durchgangsorte, indem die Austern nicht von Ostende stammen, sondern alle englischen Ursprungs sind und in die Bassins von Ostende nur zur Mästung, Aufbewahrung und zum Versand gelangen. In Frankreich beschäftigt nach der Zusammenstellung von Nonsauty der Fang und die Zucht der Austern ungefähr 300,000 Personen.
Die der Regierung unterstellten oder von ihr verpachteten Austernparke nehmen eine Fläche von ungefähr 13,000 Hektar ein. Von Privaten wird auf 1940 Hektar Austernwirtschaft getrieben. Die neueste offizielle Zusammenstellung des Austernverbrauchs in Frankreich bezieht sich noch auf das Jahr 1887. Demnach wurden in diesem Jahr auf den natürlichen Austernbänken erbeutet im ganzen 155,646,278 Stück Austern im Wert von 1,317,996 Franken; aus Parken, Bassins etc. kamen zum Verkauf 604,284,350 Stück, die einen Preis von 11,087,873 Fr. erzielten.