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Hodentumore
Hodentumore sind mit 1 bis 1,5% aller bösartigen Tumoren des Mannes eher selten. Andererseits sind sie bei Männern zwischen dem 20. und 35. Lebensjahr die häufigsten bösartigen Tumore und nahmen in den letzten 30 Jahren an Häufigkeit zu. Jährlich erkranken 3-6 Patienten pro 100000 Männer daran. Nach dem 60. Lebensjahr sind Hodentumore selten. Begünstigende Faktoren für das Auftreten von Hodentumoren sind Entwicklungsstörungen und Fehllagerungen der Hoden. Bei Hodenhochstand, d.h. wenn der Hoden nicht im Hodensack, sondern im Leistenkanal oder im Bauchraum liegt, ist das Risiko, an einem bösartigen Hodentumor zu erkranken, 20 bis 30 Mal grösser, als bei normaler Hodenlage.
Hodentumore machen im frühen Stadium oftmals keine Beschwerden, weshalb betroffene Männer oft erst relativ spät einen Arzt aufsuchen. Im Vordergrund steht ein neu aufgetretener, schmerzloser "Knoten" des Hodens. Seltene klininsche Symptome sind Vergrösserung der Brustdrüsen sowie unklare Bauchschmerzen oder Luftnot, wenn der Tumor bereits fortgeschritten ist und zu Ablegern in Bauchlymphknoten oder in der Lunge geführt hat. Dann kommen oft auch Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, Leistungsknick, Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme hinzu.
Mit 85-90% aller Hodentumore stehen die sog. Keimzelltumore im Vordergrund. Dies ist eine heterogene Gruppe bösartiger Geschwulste (Seminom, embryonales Karzinom, Chorionkarzinom, Dottersacktumor, Teratom). Die übrigen Hodentumore sind sogennante Stromatumore (Leydig-Zell-Tumor, Sertoli-Zell-Tumor, Granulosa-Zell-Tumor, Gonadoblastom, Thekome) und leiten sich von den Bindegewebszellen des Hodens ab. Diese Tumore sind überwiegend gutartig, lediglich 10-20% von ihnen verhalten sich bösartig und können Ableger in verschiedenen Organen bilden. Vereinzelt findet man auch Metastasen bösartiger Tumore anderer Organe im Hoden.
Die Prognose der Hodentumore hängt ab von der Art und geweblichen Ausreifung des Tumors, der Ausdehnung sowie dem Vorhandensein von Metastasen. Um die ersten beiden prognostischen Faktoren zu bestimmen, muss der tumorverdächtige Hoden zuerst operativ freigelegt und bei Bestätigung des Verdachtes auf einen bösartigen Hodentumor entfernt werden. In Abhängigkeit der Tumorart und seiner Ausdehnung sowie röntgenologisch festgestellter Metastasierung erfolgen gegebenenfalls nachfolgend eine Bestrahlungs- oder Chemotherapie, selten weitere operative Behandlungen. Allgemein kann gesagt werden, dass über 90% der Hodentumore geheilt werden können. Gutartige Hodentumore können organerhaltend operiert werden und bedürfen keiner zusätzlichen Therapie.
Eine weitere Gruppe von Tumoren, die im Hodensack liegen, sind die sogenannten paratestikulären Tumore. Paratestikulär bedeutet hierbei, dass sie zwar im Hodensack, jedoch nicht im Hoden, sondern neben ihm, z.B. im Nebenhoden oder im Samenstrang, lokalisiert sind. Diese Tumore machen weniger als 10% aller Tumore im Hodensack aus. Sie gehen in der Mehrzahl vom Bindegewebe aus und sind gutartig.