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Bereits 2019 offenbarte der von Biovision miterstellte «Money Flows»-Report (siehe Box), dass nur ein Bruchteil der Forschungsgelder in die agrarökologische Forschung fliesst und nach wie vor auf konventionelle Praktiken in der Landwirtschaft gesetzt wird. Die Geldgebenden argumentierten, dass ein wichtiges Entscheidungskriterium für die Unterstützung eines Projekts sei, dass dieses schnell Ergebnisse liefere und rasch rentabel sei – beides ungenügende Kriterien, welche die konventionelle Landwirtschaft begünstigen. Jedoch nimmt die Anzahl wissenschaftlicher Belege zu, welche die zahlreichen langfristigen ökologischen und sozialen Vorteile der Agrarökologie aufzeigen und deutlich machen, dass sie auch rentabel sein kann.
Der «Money Flows»-Report
Der von Biovision in Zusammenarbeit mit IPES-Food und dem Institute of Development Studies (IDS) durchgeführte und 2019 publizierte «Money Flows»-Report untersuchte die Finanzflüsse, welche die landwirtschaftliche Forschung für Entwicklung unterstützen. Sie kam zu folgenden drei Schlüssen:
- Der Grossteil der Forschungsgelder fliesst nach wie vor in die konventionelle umweltschädliche Landwirtschaft.
- Dort wo agrarökologische Praktiken gefördert werden, liegt der Fokus auf der Anbaumethode und Produktion. Damit wird nur ein Teilaspekt der Agrarökologie betrachtet. Soziale, gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Aspekte, also beispielsweise Fragen der Kreislauf oder Solidarwirtschaft oder wem der Boden gehört, auf dem angebaut wird, werden damit nur unzureichend untersucht – obwohl diese eigentlich entscheidend wären für die Gestaltung eines zukunftsfähigen Ernährungssystems.
- Die meisten Gelder, die für die Entwicklung des afrikanischen Kontinents bestimmt sind, fliessen nicht nach Afrika, sondern unterstützen Projekte, die von Forschungsinstituten im globalen Norden geleitet werden. Dabei haben die Untersuchungen gezeigt, dass afrikanische Forschungsprogramme agrarökologischer ausgerichtet sind und somit das Ernährungssystem ganzheitlicher miteinbeziehen.
Praxisbeispiele werden Geldgebende überzeugen
Die Theorie bestätigt, dass die Agrarökologie rentabel ist und viele weitere Vorteile bietet: etwa die Förderung von Kreislauf- und Solidarwirtschaft oder die faire Verwaltung des Bodens. «Die Agrarökologie ist wissensintensiv. Was man beispielsweise im Anbau an Inputs, wie Dünger oder zugekauftem Saatgut spart, wird an anderer Stelle in Form von Wissen gebraucht. Das Verständnis für die Agrarökologie bei Bauern und Unternehmerinnen zu schärfen, benötigt darum Investitionen. Wenn junge Unternehmer unter Beweis stellen können, dass sie wirtschaftlich arbeiten, zieht dies auch Investorinnen an. Damit können wir die Agrarökologie endgültig aus der Nische holen.», so Stefanie Pondini, Programmverantwortliche Politikdialog und Anwaltschaft bei Biovision.
Noch gibt es nur wenige Vorzeigeprojekte, wie COMACO oder Sylvas Food Solution aus Sambia, die über die kleinbäuerliche Struktur hinausgehen und Investor:innen von der Wirtschaftlichkeit der Agrarökologie überzeugen können. Doch erste agrarökologisch strukturierte Unternehmen sind am Entstehen. Die Biovision-Partnerorganisation Sustainable Agriculture Tanzania (SAT) hat mit der Gründung der SAT Holistic Group Limited bereits einen grossen Schritt in diese Richtung getan.
Erfahren Sie mehr über den agrarökologischen Ansatz bei SAT im Video
Sustainable Agriculture Tanzania: Vermarktung von Bioprodukten in Tansania – Janet Maro am Symposium
Biovision weiss, dass es weitere ausgezeichnete agrarökologische Akteur:innen und Kleinunternehmungen gibt, die mit entsprechender initialer Förderung an den Punkt kommen, dass sie wirtschaftlich und eigenständig funktionieren.
Mit Wissen den Erfolg sichern
Damit dauerhaft mehr in solche agrarökologischen Projekte und Unternehmen investiert wird, braucht es aber nicht nur sensibilisierte und überzeugte Geldgebende, sondern auch ein mehr agrarökologisches und unternehmerisches Wissen auf Seiten der Bäuerinnen und Bauern.
Erste Abklärungen von Biovision mit Expert:innen aus Uganda und Kenia ergaben, dass es sich lohne einen Wissens- und Vernetzungs-Hub zu gestalten, in welchem Hintergrundinformationen über betriebswirtschaftliche Vorgänge vermittelt und Unternehmer:innen darin geschult werden, agrarökologische Geschäftsmodelle zu entwickeln. Zudem fehle es an einem Ort, wo die Vernetzung und Zusammenarbeit, also das «Matchmaking» zwischen Unternehmer:innen und Geldgebenden stattfinden kann.
«Hier sieht Biovision eine grosse Chance, sich zu engagieren, damit schon bald mehr philanthropische aber auch privatwirtschaftliche Investoren einsteigen und mit ihren Investments aktiv zur Gestaltung eines zukunftsfähigen Ernährungssystems beitragen.», so Fabio Leippert, Programmverantwortlicher Politikdialog und Anwaltschaft bei Biovision.