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Um den Wein haltbar zu machen, wurde Brandy zugesetzt. Der Abt des Klosters bevorzugte, diesen während der Gärung dem Most hinzuzufügen statt danach. Dadurch starben die Alkohol produzierenden Hefen ab und der Zucker verblieb im unvergorenen Saft. Für diesen ersten Portwein entstand in England rasch ein florierender Markt. Aus den Handelsstreitigkeiten zwischen England und Frankreich im 18. Jahrhundert zogen die Portugiesen ihren Vorteil, indem sie mit der Unterzeichnung des sogenannten Methuen Treaty den englischen Markt für sich sicherten und Frankreich gesperrt wurde. Um die Qualität zu gewährleisten und Betrug zu verhindern, schuf der Marquês de Pombal, Minister Königs José I., das erste portugiesische Weingesetz und liess das Gebiet für Portweinproduktion im Dourotal eingrenzen. Es gilt heute als das älteste geschützte Anbaugebiet der Welt.
Die Engländer etablierten sich, kauften Land auf, erbauten landwirtschaftliche Anwesen (Quintas), um Wein anzubauen, und gründeten grosse Handelsgesellschaften mit Sitz in Vila Nova de Gaia an der Flussmündung des Douro auf dem gegenüberliegenden Ufer von Porto. Ihre Nachfahren halten heute Produktion und Handel nach wie vor in Schwung, nicht nur indem sie Traditionen bewahren, sondern auch mit innovativen Ideen und grossem Engagement, um sich auf dem Weltmarkt zu behaupten; so auch Sophia Bergqvist.
Sie ist die Enkelin von Claire Feuerheerd, die Quinta de la Rosa als Taufgeschenk von ihrer englischen Grossmutter erhielt. Sophias Vater Tim Bergqvist übernahm die Führung 1972 nach Claire Feuerheerds Tod. Die Quinta hatte turbulente Zeiten erlebt – die Depression in den 1930er Jahren, den Zweiten Weltkrieg und schwierige Zeiten in den 1960ern. Die portugiesische Revolution brach aus und die Versuchung war gross, das Anwesen zu verkaufen. Doch Sophias Mutter Patricia sprach sich entschieden dagegen aus. Bis 1985 besserten sich die Umstände. Das Handelshaus Sandeman war Abnehmer des erstklassigen Traubenguts.
Mit dem Eintritt Portugals 1986 in die Europäische Gemeinschaft änderte sich die Situation schlagartig. Es war von nun an erlaubt, Portwein direkt ab Weingut zu exportieren. Da entschlossen sich Vater und Tochter, mit vereinten Kräften Quinta de la Rosa zu einem der qualitativ führenden und unabhängigen Portweinproduzenten zu machen. 1988 begann der Verkauf von Port unter dem eigenen Namen. Ab 1991 kelterte Quinta de la Rosa als einer der ersten Produzenten auch trockenen Dourowein.
Heute präsentiert sich das Weingut dem Besucher in strahlendem Glanz. Was verdient wird, wird gleich wieder investiert; nicht nur im Rebberg und in der Kellereinrichtung. Für die immer zahlreicher werdenden Gäste wurde auch ein sehr komfortables Gästehaus erstellt.
Die Quinta befindet sich im Gebiet Cima Corgo im Alto Douro, rund 1 Kilometer vom charmanten Provinzstädtchen Pinhão entfernt. Das ist das pulsierende Herz des Dourotals, welches zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. 55 Hektaren sind auf verschiedene Lagen verteilt, nahe am Wasser auf ca. 80 Metern über Meer oder bis auf ca. 400 Metern in den Hügeln. Es sind alles beste „A“-klassifizierte (die Skala reicht bis F), teilweise sehr steile Lagen mit bis zu 60 Grad Hangneigung auf Schieferböden. Die ältesten wurden 1930 im Mischsatz bepflanzt, wie das früher üblich war. Auf den schmalen, alten Terrassen aus Trockenmauern, den Socalcos, oder den breiteren, modern gebauten Patamares wachsen die Roten Touriga Nacional, Touriga Franca, Tinta Barroca, Tinta Cão, Tinta Roriz und Souzão sowie die Weissen Viosinho, Gouveia, Rabigato, Códega do Larinho und Malvasia Fina. Neupflanzungen werden reinsortig angelegt. Mechanisierung ist beim Weinbau – wenn überhaupt – nur in sehr kleinem Rahmen möglich.
Das Klima ist kontinental geprägt mit kalten Wintern und sehr heissen Sommern bei Temperaturen von oft über 40° C und rund 400 Millimetern Regen pro Jahr. Pilzkrankheiten sind deshalb kein allzu grosses Problem. Ein naturnaher Anbau mit umweltfreundlichen Mitteln ist ohne weiteres möglich. Die Reben werden bei Quinta de la Rosa nach den Richtlinien der integrierten Produktion gepflegt und die Produktion ist zertifiziert.
Zur Erntezeit herrscht 24-Stunden-Betrieb. In schweisstreibender Arbeit werden die Trauben in den steilen Rebbergen von Hand gepflückt und in kleine Kisten gelegt. Von dort werden sie in der Quinta in die grossen Granitbecken, Lagares genannt, befördert. Am Abend „erholen“ sich die Mitarbeiter beim Stampfen der Trauben mit den Füssen. Je nach Lust und Laune wird dabei gesungen oder man lässt das Radio auf höchster Lautstärke plärren. Die Lagares stammen noch aus dem frühen 19. Jahrhundert, sind aber mittlerweile mit moderner Temperaturkontrolle und einem automatischen Gerät ausgestattet, welches bei den meisten trockenen Weinen das Fussstampfen ersetzt.
Die Qualität der Trauben ist das A und O. Wichtig ist bei der Portweinbereitung auch der Zeitpunkt, an welchem man den Alkohol (ca. 70 Vol.-%) zum Stoppen der Gärung hinzufügt. Auch deshalb herrscht zur Erntezeit ein Dauerbetrieb rund um die Uhr, denn der richtige Zeitpunkt kann mitten in der Nacht sein – wie die Geburt eines Kindes. Ebenso ist die Güte des zugesetzten Alkohols für die Qualität des fertigen Portweins von wesentlicher Bedeutung. Und selbstverständlich ist auch das Geheimnis der Assemblage der verschiedenen Traubensorten und Weine ausschlaggebend. Für die gesamte Weinproduktion ist Jorge Moreira seit 2002 zuständig. Sein grosses Können wurde 2010 in Portugal mit dem Titel „Winemaker of the Year“ geehrt.
Jorge Moreiras Liebe gilt nicht nur den Portweinen, sondern auch den trockenen Weinen wie dem Quinta de la Rosa red wine oder der Reserva La Rosa. Tim und Sophia Bergqvist waren nicht nur Pioniere bei der Einführung trockener Weine im Douro, sie sind auch führend geblieben. Aus den gleichen Trauben wie die Portweine und mit ebenso grosser Sorgfalt gekeltert, sind diese Weine würdige Vertreter dieser Region in manchen Weinkarten der besten Hotels und Restaurants der Welt.
Das Dourotal ist in jedem Fall eine Reise wert. Von der Schweiz aus gibt es direkte Flüge nach Porto – eine sehenswerte Stadt, die einen Aufenthalt von zwei Tagen ohne weiteres lohnt. Den Douro hinauf reist man mit dem Auto, dem Zug oder dem Schiff, je nach verfügbarer Zeit. Vom etwas verschlafenen Städtchen Pinhão sind es nur 2 Kilometer bis Quinta de la Rosa. Zu Füssen schimmert der majestätische Douro, auf der Terrasse oder am Pool lässt es sich leicht und verträumt ein kühlendes Glas White Port oder ein Port & Tonic nippen. Die Umgebung lädt zu kleineren oder grösseren Spaziergängen ein. Die Kochkünste der Köchin Carla lässt man sich auf Quinta gerne zusammen mit den Weinen des Hauses schmecken. Sophia hat auch bei der Einrichtung der neuen Zimmer eine sichere Hand und viel Geschmack bewiesen. Die Räume im alten Haus bezaubern mit ihrem englischen Charme aus einer früheren Zeit. Es stehen auch zwei Villen für Wochenaufenthalte zur Verfügung. Reservationen können unter www.quintadelarosa.com getätigt werden.