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Alghero-Sassari-Olbia
02.07.2017 Alghero-Sassari-Olbia
Der Himmel ist mit dunklen Regenwolken verhangen. Es wird gar nicht richtig hell. Ich fahre aus Alghero heraus Richtung Sassari. Die Autobahn ist für Scooter nicht zulässig, so verlasse ich sie bei der ersten Ausfahrt wieder und mogle mich auf Nebenstrassen nach Sassari durch. Die letzten drei Kilometer bis nach Sassari muss ich dann wieder auf die Autobahn, weil keine Alternativen bestehen. Ich halte erst bei der Chiesa di Santa Maria di Betlem (12. Jhdt.) und fahre dann weiter bis zum Stadtzentrum, wo ich den Scooter auf der Piazza Universita, direkt vor dem Universitätsgebäude, abstelle. Dann laufe ich Richtung Duomo San Niccolo. Es ist Sonntagmorgen zehn Uhr und die Stadt ist wie ausgestorben. Auf der Piazza Santa Caterina sehe ich, dass die Pinacoteca Nazionale di Sassari, bereits geöffnet hat. Und heute sind alle Museen des italienischen Staats gratis. So besuche ich dieses Museum, das zu meiner grossen Freude viele Werke sardinischer Maler zeigt, wie z.B. vom Mastro di Ozieri, von Stanis Dessy (1900-1986), Mario Delitala (1887-1990), Antonio Ballero (1864-1932), Battista Ardau Cannas (1893-1984), Giuseppe Biasi (1885-1945), Carmelo Floris (1891-1960) oder Filippo Figari (1885-1973). Nichts anfangen kann ich mit den modernen Werken von Carlo Battaglia (1933-2005). Es hat auch ein paar Werke namhafter in- und ausländischer Maler, wie Jan Gossaert, Mattia Preti oder Giovanni Battista Paggi. Zwei lustige Bilder sind „Bertoldino schneidet dem Esel die Ohren ab” und “Bertoldino sät Mehl”, nach einer Sage des dummen Sprosses von Bertold, einem Günstling des Königs. 16 Bilder zeigen die „Giudici di Torres” (1665). Herauszuheben ist Giovanni Marghinottis Porträt von General Alberto Ferrero Conte de La Marmora (1854). Ich besuche nun den Duomo San Nicola, nachdem die Predigt nun fertig ist. In der Capella di Santa Lucia liegen in einem Glaskasten die Relikte des römischen Märtyrers St. Benedikt. Prunkvoll ist das Grab von Placido Benedikt von Savoyen. Ueber die modern Piazza Arcivescovo Arcangelo Mazzotti erreiche ich den Corso Vittorio Emanuele II, die Hauptgeschäftsstrasse von Sassari. Seitlich davon befindet sich die Piazza Tola, fest in afrikanischer Hand. Ein Denkmal für Pasquale Tola dominiert den Platz. In einem afrikanischen Café esse ich ein typisch afrikanisches Menü, Fleischbällchen mit (verbrannten) Kartoffeln. Ich laufe weiter zur Piazza Castello, die von der Kaserne Alberto de la Marmora dominiert wird. Durch einen Durchgang erreicht man die Piazza d'Italia. Auf der einen Seite thront der Provinzialpalast (1878), gegenüber ein pseudo-venezianisches Bankgebäude. Nun muss ich alles zurück laufen, denn ich habe nicht rechtzeitig nachgesehen, wo der Rosello-Brunnen liegt. Vorbei an den malerischen Arkaden des Archivolto del Carmine und der Chiesa Santa Trinita erreiche ich den Ponte Rosello, von dem aus ich die Fontana di Rosello sehen kann. Ich laufe nach unten, doch wo immer ich schaue, es ist immer ein Zaun zwischen mir und dem Brunnen. Auf der anderen Seite des Rätsels Lösung: Der Brunnen ist permanent für die Oeffentlichkeit gesperrt. Nun laufe ich zum Museo Nazionale Archeologico Etnografico G.A. Sanna. Hier hat es einmal mehr ein paar neolithische Statuen von weiblichen Gottheiten, aus der Zeit von 4000 bis 2700 v. Chr. Auch die eigenartigen weiblichen Gottheiten aus der Kultur von Ozieri mit den angewinkelten Armen (3200-2700 v. Chr.) sind ausgestellt. Ein Abguss eines Eingangs eines Domus de Janas zeigt die Stiersymbole, die ich, als ich in Anghelu Ruju war, nicht sehen konnte. Wieder hat es Modelle von Nuraghi aus Stein und aus Bronze. Dann hat es die kleinen Bronzebarren und einen mittelalterlichen Bleisarg. Interessant ist ein stark verrosteter Degen (16./17. Jhdt.). Nachdem Rost viel mehr Platz beansprucht als Stahl, ist er regelrecht aufgequollen. Schliesslich hat es noch versteinerte Bäume aus Perfugas und eine Anzahl von Baetylen. Beim Zurücklaufen fällt mir die prunkvolle Fassade der Kirche San Giuseppe auf. Mein Scooter steht immer noch da auf der Piazza Universita. So fahre ich weiter auf der Landstrasse und gelange nach Osilo, malerisch auf der Spitze eines Berges gelegen. Meinen Scooter parkiere ich auf der Piazza della Parrocchia. Ich laufe zum Palazzo Monte Granatico (18. Jhdt.) und möchte zum Castello Malaspina, doch dieses ist für das Publikum gesperrt. Durch eine malerische Landschaft fahre ich weiter. Fast hätte ich eine lange, dünne Schlange überfahren, die wie ein Riss im Asphalt aussah, bis sie sich bewegte. Sie hebt den Kopf und reklamiert, aber ich kann sie gerade noch umrunden. Unglaublich, aber bei Chiaramonti steht ein Nuraghe gleich bei der Hauptstrasse und es gibt keinen Billettschalter. Es ist der Nuraghe Ruju. Ich halte an und besuche ihn. Die Ueberraschung ist gross: Der Nuraghe ist in hervorragendem Zustand, die Innenkammern sind alle intakt und es gibt eine Treppe nach oben, die ich hochsteige. Nun fahre ich weiter nach Tempio Pausania. Die Agip Tankstelle ist in einem dermassen schlechten Zustand, dass keine von den vielen Tanksäulen funktioniert, so dass ich stattdessen mit dem Scooter durch die Altstadt kreise und dann am Dorfausgang zur Esso-Tankstelle fahre, mit denen ich in Sardinien die besten Erfahrungen gemacht habe. Ein deutsches Pärchen auf einer BMW hat ebenfalls gerade angehalten. Der Kreditkartenautomat ist wie meistens kaputt, doch sie möchten mit Banknoten tanken und ihre Banknote ist zu verbraucht, wird nicht mehr akzeptiert. Gerne wollen sie mir helfen, ich gebe ihnen zwei Euro und darf die ersten zwei Euro in meinen Tank fliessen lassen. Dafür tausche ich die lumpige 10-Euro-Note gegen eine fast neue von mir und nun klappts, nur dass ich etwas zu spät abstelle und ein paar Cents mehr als zwei Euro in den Tank flossen. Nun rufe ich meinen Zimmerwirt in Olbia an und kündige meine Ankunft in einer Stunde an. Doch das könnte knapp werden: In Calangianus folge ich einem Schild „Tomba dei giganti Pascaredda“ und komme erst nach rund drei Kilometern ausgewaschenem Feldweg zum Fussweg, der nochmals 500 Meter in Anspruch nimmt. Doch die Mühe hat sich gelohnt. Es ist das besterhaltene Gigantengrab, das ich bisher gesehen habe. Fast noch vollständig, natürlich etwas verwittert. Ich kehre zurück zur Hauptstrasse und halte nochmals bei La Conca Fraicata. Nun muss ich wie verrückt Gas geben und nehme die engen Kurven mit einem konstanten 80er. So komme ich trotz allem noch rechtzeitig in Olbia an. Marco kommt gleich und weist mich in mein Zimmer ein. Wir plaudern noch lange. Danach esse ich im Restaurant gegenüber einen Dürüm und laufe zum Museo Archeologico di Olbia, das tatsächlich noch offen hat. Die Ausstellung ist leider nur auf Italienisch beschriftet. Herauszuheben sind vielleicht die prähistorischen Anker aus Stein, die kleinen Bronzebarren, die phönizischen Funde, eine Steintafel mit einer Widmung in punischer Sprache (300-200BC), ein Stadtmodell zur römischen Zeit, römische Keramik und der Kopf einer Statue der Stadtgottheit von Olbia, Herakles Iolao. Im Hof sind eine Nuragische Hütte und eine Kopie des Gigantengrabs S'Ena e Thomes (17th c. BC) ausgestellt.