Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03598.jsonl.gz/894

Durch die Augen von vier Charakteren erlebt man in «Valiant Hearts» den grossen Krieg an der französischen Front.
«Der Krieg, der Krieg bleibt immer gleich», sagte der bekannte US-Oberbefehlshaber Ulysses S. Grant im 19. Jahrhundert. Globale und industrielle Ausmasse nahmen die Völkerstreitigkeiten aber erst mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs an. Das Game «Valiant Hearts» des französischen Entwicklers Ubisoft hat sich dem prägenden Ereignis angenommen und in ein schaurig-schönes Spiel verwandelt.
«Valiant Hearts» erzählt die Geschichte vier tragischer Figuren, die im grossen Krieg an der Westfront ums Überleben kämpfen. Einer davon ist Karl, ein Deutscher, der für seine Liebe nach Frankreich gezogen ist. Nach dem Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 wird er eingezogen und muss Frau und Kind zurücklassen, um fortan gegen seine neue Heimat zu kämpfen. Sein Schwiegervater Emile wiederum kämpft auf der gegnerischen Seite.
Dann gibt es da noch den amerikanischen Fremdenlegionär Eddie, der den Tod seiner Frau rächen will und die belgische Sanitäterin Anna, die ihren entführten Vater sucht. Der Spieler kontrolliert abwechselnd Emile, Eddie, Anna, Karl sowie Walt, den Sanitätshund (kraulen Sie ihn, es lohnt sich).
Die Wege der Protagonisten kreuzen sich im Verlauf des Spiels, so dass man regelmässig zwischen den Figuren hin und her wechselt. Der Spielverlauf besteht meist aus kleinen Rätseln. Einen Mann aus einem brennenden Haus retten oder Giftgasbomben entschärfen. Daneben wird auch die Reaktion gefordert mit Quick-Time-Events, in denen man in kurzer Zeit die richtigen Tasten drücken muss – beispielsweise, wenn man mit Anna Verletze pflegt. Etwas Aufheiterung in das düstere Geschehen bringen kurze Autofahrten, in denen man Bomben ausweicht, die im Takt der Musik einschlagen. Kaum fünf Sekunden vergehen und man summt lauthals mit. Dadadadadada Dam Dam Dam! Auch Rest des Spiels wird vom stimmungsvollen Soundtrack getragen.
«Valiant Hearts» setzt auf die Ubiart-Engine, die schon bei «Rayman» zum Einsatz kam und nun auch beim Kriegsdrama wunderschöne Szenen auf den Bildschirm zaubert. Der Comic-Stil sorgt dafür, dass der Schrecken des Krieges nicht ganz überhand nimmt, aber auch nicht vergessen geht. Dass man wegen der Haare im Gesicht nie die Augen der Menschen sieht und sie meist nur undeutlich murmeln und primär mit Sprechblasen kommunizieren, sorgt für Charme und überlässt noch etwas der Fantasie. Trotz 2-D-Grafik wirkt auch der Hintergrund in «Valiant Hearts» belebt und kann manchmal auch betreten werden.
«Valiant Hearts» schafft den Spagat zwischen Ernsthaftigkeit und Spielspass. Das Gameplay bietet genug Abwechslung und verknüpft auf clevere Weise Spielmechaniken mit Geschehnissen aus dem Ersten Weltkrieg. Wenn man als Sanitäterin vor lauter Leid kaum weiss, wem man als erstes helfen soll oder Walt, den Hund, aus Stacheldraht befreien muss, ist man mit dem ganzen Herz dabei. Zeitweise erinnert das Spiel an das Buch «Im Westen nichts Neues», wenn auch nicht ganz so düster.
Hinzu kommt, dass man auf Tastendruck spannende Informationen zu den jeweiligen Ereignissen und Spielabschnitten erhält. Wussten Sie zum Beispiel, dass sich Soldaten zu Beginn nur mit uringetränkten Taschentüchern vor Giftgasangriffen schützen konnten oder rund 50'000 Hunde eingesetzt wurden, um Sprengstoff zu erschnüffeln und Verschüttete zu bergen? «Valiant Hearts» ist ein grossartiges Spiel und für 20 Franken sein Geld allemal wert.
«Valiant Hearts» wurde uns von Ubisoft zur Verfügung gestellt. Getestet wurde die PC-Version. Erhältlich ist das Spiel ausserdem als Download für die PS4 und die Xbox One.