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Was tun, wenn man gerade eine tödliche Diagnose erhalten hat? Vor diese Frage sieht sich der erfolgreiche Psychoanalytiker Julius Hertzfeldt nach einem scheinbaren Routinecheck bei seinem Hausarzt gestellt. Jahrelang hat der 65jährige anderen dabei geholfen, sich der Endlichkeit von allem zu stellen - jetzt muss er sich mit seiner eigenen auseinandersetzen. War seine Arbeit wirklich bedeutungsvoll? Was ist mit jenen Patienten, bei denen er versagt hat? Besonders ein Fall, der Jahrzehnte zurückliegt, macht ihm zu schaffen. Damals hatte er einen Mann wegen dessen Sexsucht behandelt - über drei Jahre lang und absolut ergebnislos. Was ist aus diesem Philip Slate geworden? Als Hertzfeldt seinen Patienten von damals wieder findet, macht er eine erstaunliche Entdeckung: Slate behauptet, sich selbst geheilt zu haben, und zwar mit Hilfe der Lektüre von Arthur Schopenhauer. Er arbeitet inzwischen sogar als eine Art philosophischer Berater, und er will noch mehr: eine Lizenz als ausgewiesener Therapeut. Dazu braucht er einen Supervisor. Ob Hertzfeldt ihn nicht betreuen wolle? Dieser ist fassungslos, denn sein ehemaliger Patient ist noch derselbe arrogante, ichbezogene, skrupellose Mann wie früher. Schliesslich sagt Hertzfeldt zu - unter einer Bedingung: Slate muss im Gegenzug seine Therapiegruppe besuchen ...
Rezension
"Ein so kluger wie spannender Schmöker." Spiegel online
Portrait
Yalom, Irvin D.
Irvin D. Yalom wurde 1931 als Sohn russischer Einwanderer in Washington, D.C. geboren. Er gilt als einer der einflussreichsten Psychoanalytiker in den USA und ist vielfach ausgezeichnet. Seine Fachbücher gelten als Klassiker. Seine Romane wurden international zu Bestsellern und zeigen, dass die Psychoanalyse Stoff für die schönsten und aufregendsten Geschichten bietet, wenn man sie nur zu erzählen weiss.
Carstens, Almuth
Almuth Carstens, 1948 in Kiel geboren, hat u. a. Soziologie studiert und lebte längere Zeit in Amerika. Sie ist Übersetzerin von u. a. Kathy Acker, Jane Rogers, Alice Sebold und Jeff Talarigo. Sie lebt heute in Berlin.
Yaloms Roman ist das Hohelied auf die Gruppentherapie und nebenbei eine kleine Schopenhauerbiographie. Wieder einmal hat der amerikanische Psychotherapeut ein faszinierendes Thema!
Philosophie trifft Psychotherapie!
von einer Kundin/einem Kunden am 02.06.2018
Bewertet: Einband: Taschenbuch
Julius hat nur noch ein Jahr zu leben und möchte nun Vergangenes reflektieren.
In seinem Job als Therapeut war er bisher immer sehr erfolgreich, bis auf einige wenige Ausnahmen, wo er trotz langjähriger Beratung von einzelnen Patienten keinen Erfolg erzielen konnte. Philipp ist einer dieser Härtefälle, die sich Julius nun wieder...
Julius hat nur noch ein Jahr zu leben und möchte nun Vergangenes reflektieren.
In seinem Job als Therapeut war er bisher immer sehr erfolgreich, bis auf einige wenige Ausnahmen, wo er trotz langjähriger Beratung von einzelnen Patienten keinen Erfolg erzielen konnte. Philipp ist einer dieser Härtefälle, die sich Julius nun wieder in Erinnerung ruft. Er meldet sich bei seinem ehemaligen Klienten und trifft sich mit ihm um herauszufinden, ob seine Therapie vielleicht doch eine langfristige Besserung hervorbrachte.
Doch das Treffen verläuft dann ganz anders, als Julius das geplant hatte: Philipp scheint vollständig geheilt von seinem damals sehr stark ausgeprägtem Suchtverhalten und möchte eine Praxis als philosophischer Berater eröffnen. Um die Berechtigung zu erhalten benötigt er eine Supervision - die Julius ihm geben könnte.
Doch Julius ist skeptisch, da Philipp zwar von seinen Süchten geheilt scheint, jedoch immer noch kalte, dissoziale Charakterzüge aufweist. Darum fordert er eine Gegenleistung in Form einer halbjährigen Teilnahme Philipps an Julius Gruppentherapiesitzungen.
Neben der Handlung in der Jetzt-Zeit beschäftigt sich jedes zweite Kapitel mit der Geschichte Arthur Schopenhauers.
Von der Beschreibung der Ehe vor der Geburt Arthurs bis zu seinem Leben als einsamer Sonderling erhält man ein Grundverständnis von der Literatur und der Denkweise Schopenhauers und dadurch auch von Philips Denkweise, da dieser Schopenhauer in der Jetzt-Zeit darstellt.
Da ich ab dem ersten Buch, das ich von Irvin Yalom gelesen habe von seinem Schreibstil sehr angetan war, hat mir auch dieser Roman wieder sehr gut gefallen.
Ohne dieses Buch hätte ich wohl nie mit so viel Vergnügen über Arthur Schopenhauers Leben gelernt!
Schopenhauer, Psychologie und die Frage nach Heilung
von einer Kundin/einem Kunden am 18.05.2018
Schopenhauer war für viele ein eher unangenehmer Zeitgenosse, Menschen hat er abwertend als "Volk der bipedes" bezeichnet. Er sah sich selbst als Genie, den alten Meistern der Philosophie ebenbürtig und nur Goethe vermag in seiner Zeit seinem Anspruch genügen.
Warum Schopenhauer womöglich dennoch den sexsüchtigen Philip Slate b...
Schopenhauer war für viele ein eher unangenehmer Zeitgenosse, Menschen hat er abwertend als "Volk der bipedes" bezeichnet. Er sah sich selbst als Genie, den alten Meistern der Philosophie ebenbürtig und nur Goethe vermag in seiner Zeit seinem Anspruch genügen.
Warum Schopenhauer womöglich dennoch den sexsüchtigen Philip Slate besser heilen konnte, als der feinfühlige und anerkannte Psychiater Julius Hertzfeldt erfahren wir in diesem Buch.
Dafür hat der Autor verschiedene Herangehensweisen gewählt. Die Kapitel sind teils einer Biografie Schopenhauers nachempfunden und teils direkte Einblicke in die Gruppentherapie von Hertzfeldt. Dieser muss Slate mittlerweile auch beiwohnen und wird dort mit dem baldigen Tod des Psychiaters konfrontiert.
Yalom verbindet die Gedanken Schopenhauers mit dem Leben eines Mannes, der Antworten sucht und glaubt sie in den Schriften des Philosophen gefunden zu haben. Dabei gelingt das Zusammenspiel von Psychologie, Philosophie und Existenzialismus auf eine faszinierende Art und Weise.