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Donnerstag, 10. Mai 2012 – 16. Reisetag
Überraschung des Morgens war ein Mail, mit dem mir jemand eine Notebook-Bestellung bestätigte und eine Belastung von Euro 9148.14 in Aussicht stellte. Ein längeres Telefongespräch mit VISA ergab, dass keine solche Belastung erfolgte. Offensichtlich versuchte jemand mit fiesen Mitteln, Kreditkartennummern in Erfahrung zu bringen. Eine solche Belastung ist nicht erfolgt. Empfehlung von Visa, ich solle mir mein Notebook von einem Experten kontrollieren lassen. Ich beschränke mich darauf, das Mail zu löschen und seither in dieser Sache nie mehr etwas gehört. Wir handeln uns eine rechte Verspätung ein.
Ausgangs Oklahoma-City hat der ”NW/39th Expressway” auf jeder Seite eine ”Service Road“, an denen sich verschiedene ältere Motels mit interessanten Neons befinden. In Bethany wird das Bild durch einen grossen metallenen Globus aufgelockert, auf dem Gelände der ”Southern Christian University.“
Bethany
Der heutige Tag auf der Route 66 wird zu einem Tag der Brücken. Zuerst die 1924 gebaute Lake Overholser Bridge, eine elegante und damals mutige Konstruktion, zusammengefügt mit verschiedenartige Brückenbogen. 1958 wurde eine neue vierspurige Highway-Brücke als Entlastung und Umfahrung gebaut. Die „Lake Overholser Bridge“ dient seitdem nur noch dem Lokalverkehr. Diesem glücklichen Umstand hat sie es wohl zu verdanken, dass sie überlebt hat.
Yukon
Wieder einmal ein gewaltiges und dazu noch beschriftetes Getreidesilo. Daneben befindet sich das ”Yukon’s Best Railroad Museum”. Es besteht aus ein paar Schienen und Eisenbahnwagons und ist wohl “so wichtig”, dass es nur auf Vorreservation besucht werden kann… Und beim “Cisholm Trail Wall Mural” – an der Rückwand des daneben liegenden zweiten Museums – blättert die Farbe ab… Wir fahren weiter.
El Reno
Die “Rock Island Avenue“ führt ins Städtchen hinein. Ein zweistrahliger Bomber wirbt für ein Unternehmen. Imposante Getreidesilos und ein Wasserturm auch hier. Wir zweigen ab zum Museum.
Das “Canadian County Historical Museum” besteht aus einem Eisenbahndepot – das im National Register eingetragen ist – und verschiedenen Gebäuden und Eisenbahnwagen, einem alten Motel und einer Kapelle. Alle Räumlichkeiten sind voll von Sammlerstücken. Es wirkt aber leider etwas überfüllt, ungepflegt und schmuddelig. Wir wären stundenlang betreut worden und hätten noch eine Trolley-Tour machen können. Wir aber wollen weiter, in das ausserhalb der Stadt gelegene Fort Reno (Bild 12), das aber Mittagspause hat. Diese Stätte hat mehr zu tun mit der US Army und nichts mit der Route 66.
Calumet
Dieser Ort wird uns Anfängerfehler in Erinnerung bleiben: Wir sind „auf dem Land“ und merken nach dem Lunch, dass wir nur noch wenig Benzin haben. Weil wir in diesem Dorf weit und breit keine Tankstelle und keinen Menschen sehen, beschliessen wir, zum nahen Highway zu fahren, finden aber bei der Auffahrt keine Tankstelle. Wir kommen schliesslich doch noch auf die Idee, unser Navi zu fragen. Es zeigt die nächste Tankstelle in 8 km Entfernung an. Wir landen schliesslich wieder an der gleichen Stelle, an der wir zur Benzinsuche aufgebrochen waren. Eine einzige verlassene Tanksäule stand wenige Meter hinter einem Gebäude… Wir haben wenigstens etwas von der Landschaft mitbekommen. Nur von weitem haben wir gesehen, dass es auch in diesem Ort ein Museum gibt.
Geary
Hier entscheiden wir uns für die Weiterfahrt auf der ”Pre-33 66“, vor der gewarnt wird, wenn es nass oder heiss sei. Wie heiss wird nicht gesagt. Wir fahren über zehn Meilen auf “gravel road“, die nie asphaltiert war, vorbei an verbrannter Landschaft, an abgestellte Eisenbahnwagons und dann immer tiefer in den Wald hinein. Wir finden zwei in den Boden gerammte Brückenpfeiler. Das ist alles, was von einer früheren Brücke übrig geblieben ist, die den Verkehr über den Canadian River nach Bridgeport führte. Auf der anderen Seite des Flusses können wir keine Spuren erkennen. Wir verzichten darauf, noch die in der Nähe gelegene zerfallene Eisenbahnbrücke zu suchen. Das wäre nur mit einem längeren Fussmarsch zu machen, was wir hier „am Ende der Welt“ und in Unkenntnis der Wildnis nicht riskieren wollen. Auch bei trockener Strasse ist schon die Fahrt nicht ganz ungefährlich.
Bridgeport
Die 1933 gebaute ”Pony-Bridge“, ist eine der markantesten und faszinierendsten Brücken auf der Route 66. Sie besticht mit ihren 38 Auslegern und mit einer Länge von 1202 m. Wir können es natürlich nicht lassen und versuchen, unter die Brücke zu fahren, um ein noch besseres Foto zu schiessen, müssen aber umkehren, um nicht im tiefen Sand stecken zu bleiben.
- Gemäss Bericht von Route 66 News vom 9. Juli 2016 „Preservation Oklahoma“ diese Brücke auf die Liste 2016 der am meisten gefährdeten historischen Plätze gesetzt.
- Wie Route 66 News am 23. September 2016 berichtet, wird das „Oklahoma Department of Transportation“ diese Brücke wegen Verschlechterung des Zustandes wahrscheinlich schliessen, sie aber als Denkmal für Reisende erhalten. Das gleiche Schicksal droht der „Horse-Creek Bridge“ bei Afton OK, die einzige Brücke in Oklahoma mit Fusswegen auf beiden Seiten. (Siehe Bericht Kansas – Afton OK)
In Bridgeport wollen wir wissen, ob es eine Geisterstadt ist, wie in verschiedenen Publikationen beschrieben wird. Die Durchfahrt ist eigentlich verboten und teilweise abgesperrt. Der Wasserturm steht noch. Zerfallene Häuser am Wegesrand zeigen, dass man diese einfach verlottern lässt. Auf der anderen Strassenseite hat es einige neue Häuser. Gemäss Statistik wohnen etwas über 100 Personen dort, was bedeutet, dass dieser Ort zumindest teilweise wieder bewohnt wird. Eine Geisterstadt der modernen Tage? Wir ziehen uns wieder zurück.
Bei der Zusammenstellung der Webseite bin ich auf ein interessantes Video von AO AbandonedOK gestossen, dass einige Einblicke in den Zerfall von Bridgeport gibt.
Hydro
Obwohl Lucille schon längst das zeitliche gesegnet hat, wir ”Lucille’s Famous Rt 66 Gas Station” von einem Route 66 Fan liebevoll restauriert. Dieser hat auch das vier Milen entfernte ”Lucilles Roadhouse aufgebaut“, ein Restaurant mit einem Interieur aus den Glanzzeiten der Route 66.
Clinton
Das Wetter will auf den letzten Meilen nicht mehr so recht, doch wir schaffen es. 22 Kirchen begrüssen uns in Clinton. Fünf hätten noch Platz. Unser Fahrt endet um halb acht im Ramada Inn, wo wir beim Nachtessen mit einem Schmuckhändler ins Gespräch komme. Er weiss einiges über die Geschichte in Europa. Er ist Republikaner und glaubt, dass es einen Wechsel im Weissen Haus geben wird, da der Durchschnittsamerikaner mit Obama nicht zufrieden ist. Wir lassen ihn in diesem Glauben, da wir uns auf der Reise politisch nie äussern. Er ist Stammgast und empfiehlt uns eine „Schlachtplatte,“ die nicht auf der Menükarte zu finden ist. Wir bezahlen inkl. einem Getränk 8 Dollars; vermutlich ein Spezialpreis, denn das Frühstück am nächsten Morgen wird $14.75 kosten.