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Am Waldrand in Liestal-Weideli wird seit 1894 ein wilder Kirschbaum beobachtet. Eduard Heinis, Lehrer, Regierungsrat und Direktor der im Ort Liestal domizilierten Strafanstalt, begann mit den jährlichen Beobachtungen, die von seinem Sohn und anschliessend von der Kantonalen Obstbauberatungsstelle weitergeführt wurden. Heute werden die Aufzeichnungen durch das Landwirtschaftliche Zentrum Ebenrain in Sissach fortgesetzt. Im letzten Jahrhundert wurde der Beobachtungstermin in Liestal-Weideli sogar dazu verwendet, den Erntebeginn und die Erntespitze der Kirschen im Kanton zu berechnen und vorherzusagen.
Lange Beobachtung
Die lange Beobachtungsreihe von Liestal ist äusserst wertvoll. Es ist eine der weltweit längsten Reihen mit Angaben zur Blütezeit. Solche phänologischen Beobachtungen sind im Zusammenhang mit dem Klimawandel sehr wichtig. Die Daten zeigen anschaulich, wie der Kirschbaum auf die sich ändernden Temperaturen reagiert. Seit etwa 1989 ist eine starke Verfrühung der Blüte sichtbar, die parallel mit einer deutlichen Zunahme der Frühlingstemperatur verläuft. Die früheste Kirschenblüte wurde am 16. März 1990 beobachtet, die späteste am 4. Mai 1917. Vor 1989 blühte der Kirschbaum im Mittel am 14. April und in den letzten 30 Jahren (1991–2020) schon am 3. April.
Abb.: Zeitpunkt der Blüte des Kirschbaums in Liestal-Weideli seit 1894. Die rote Linie zeigt das 20-jährige, gewichtete Mittel. (Quelle: Landw. Zentrum Ebenrain, Sissach und MeteoSchweiz)
Negative Folgen
Die frühe Blüte kann auch negative Folgen haben, denn während der Blütezeit sind die Kirschen sehr anfällig auf Frost. Frostschäden an Kirschenblüten sind im vergangenen April wie auch in den Vorjahren aufgetreten.