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Der Zuger Jonny Fischer, den viele als Teil des bekannten Komiker-Duos «Divertimento» kennen, hat kürzlich ein Buch über sich veröffentlicht. Darin offenbart er schonungslose Einblicke in seine traumatische Kindheit und sein Leben neben der Bühne.
Den Namen Jonny Fischer assoziiert man in erster Linie mit Unterhaltung, mit lachen, mit Spass – kurz: Mit dem erfolgreichen Komiker-Duo «Divertimento». Dass es für den Zuger aber auch ein Leben abseits des Scheinwerferlichts gibt, geht schnell vergessen. Weil er sich aber nicht länger nur als gutgelaunten Komiker identifizieren wollte, hat Fischer Mitte September ein Buch mit dem Namen «Ich bin auch Jonathan» veröffentlicht.
In diesem Buch verarbeitet er unter anderem seine traumatischen Erfahrungen als Kind einer Sektenfamilie. In einem Interview mit der «Luzerner Zeitung» beschreibt Fischer seine Kindheit: «Bei uns wurde gebetet oder gearbeitet, alles andere war sündig, ich kam mir sündig vor. Ich habe mich dauernd geschämt, zu Hause für meine Gedanken, draussen für meine Familie. Ich gehörte nirgends dazu.»
Weil er von seinen drei Brüdern aber dennoch derjenige war, der am meisten gegen die Ansichten des Vaters rebellierte, setzte es für den jungen Jonathan regelmässig Schläge des Vaters ab. Diese Auseinandersetzungen mit dem Vater gingen so weit, dass Jonny während eines Streits sogar drohte, sich das Leben zu nehmen und mit einem Küchenmesser in sein Zimmer rannte – gefolgt sei ihm aber niemand, schreibt der «Blick». Dort sagt Jonny Fischer: «Es war allen egal, ob ich lebe oder sterbe.»
Bruch mit der Familie
Im Alter von 15 Jahren kam es zum unvermeidbaren Bruch mit seiner Familie. Jonny hielt die Ansichten des Vaters nicht mehr länger aus. Fortan wurde er von seiner Familie konsequent ignoriert, obwohl sie alle noch gemeinsam unter einem Dach wohnten.
Zwei Jahre später folgte der Auszug aus dem Elternhaus, als Jonathan mit dem Lehrerseminar in Zug begann. Ab diesem Moment nannte er sich nur noch Jonny. Am Seminar traf er auf Manuel Burkart, seinen heutigen Bühnenkollegen. Die beiden verstanden sich auf Anhieb und gründeten fünf Jahre darauf das bekannte Komiker-Duo «Divertimento.»
Gratwanderung zwischen Euphorie und Selbstzweifeln
Ein vorläufiges Happy End? Überhaupt nicht. Denn Jonny kämpfte auch nach dem Bruch mit seiner Familie mit Selbstzweifeln. Mit 22 realisierte er, dass er schwul ist und eröffnete dies seinen Eltern. Eine Reaktion gab es auch in diesem Fall nicht.
«Ich hatte wirklich das Gefühl, es nicht wert zu sein, dass man sich um mich kümmert. Mir hat das Nest gefehlt, wo ich mich jederzeit und bedingungslos sicher fühlen konnte.»
Jonny Fischer gegenüber der «Luzerner Zeitung»
Die folgenden Jahre wurden für Jonny Fischer zu einer schmalen Gratwanderung zwischen Momenten der Euphorie auf der Bühne und Nächten voller Selbstzweifel und Alkohol. 2011 wurde er mit einer Alkoholvergiftung ins Spital eingeliefert. 2012 wies er sich selbst in eine Burnout-Klinik ein, die auf Alkoholkranke spezialisiert ist. Dort stellte der zuständige Psychologe fest, dass es Jonny an Selbstliebe mangelt.
Diese Einschätzung teilt der Komiker: «Ich hatte wirklich das Gefühl, es nicht wert zu sein, dass man sich um mich kümmert. Mir hat das Nest gefehlt, wo ich mich jederzeit und bedingungslos sicher fühlen konnte.»
Ehemann und Buchprojekt halfen bei der Versöhnung
Heute, knapp zehn Jahre nach der Einweisung in die Klinik, geht es Jonny Fischer besser. Auch hat er sich mit seinen Eltern versöhnt, wobei er seinem Vater erst nach dessen Tod im Jahr 2016 verzeihen konnte.
Auf dem Weg zur Versöhnung mit sich und seinen Eltern hat ihm nebst seinem Ehemann, mit dem er seit 2016 verheiratet ist, auch sein Buchprojekt geholfen: «Ich habe sehr lange versucht, so zu tun, als gäbe es nur noch Jonny, den erfolgreichen Komiker, den immer gut gelaunten Freund, aber das hat nicht funktioniert, das war schlimm. Ich will zu Jonathan stehen.»