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Wegkreuze haben unterschiedliche Daseinsbegründungen. Sie können religiöse Hinweise sein, z.B. Markierungen von Stations- und Pilgerwegen, Feldsegnungen, für besonderen Schutz an gefährlichen Wegstrecken, Erinnerungen an Unfälle, Sühnekreuze oder Gedenkstätten von geschichtlichen Schauplätzen. Auf dem Gemeindegebiet Däniken stehen heute noch drei Kreuze aus der Zeit von 1790 bis 1912. Zwei Kreuze aus jener Zeit sind verschwunden.
Das älteste Kreuz von 1790 ist aus Granitstein. Dieses Steinkreuz ist etwas anders als die übrigen Wegkreuze im Ort. Zwischen 1950 und 2000 hat es seinen Standort zweimal gewechselt. Soweit sich das öffentliche Gedächtnis zu erinnern vermag, stand es bis 1953 an der Kreuzung Dorfstrasse–Hauptstrasse, im Garten der ehemaligen Bäckerei Misteli.
Anlässlich der Teerung der Dorfstrasse und der Sanierung der Dorfkreuzung musste es dem Verkehr weichen. Es wurde in den Garten des «Henzmann-Hauses», dem heutigen Werkhof an der Oberdorfstrasse, transferiert. Beim Neubau der Eicherstrasse 1974 musste es abermals den Standort wechseln. Heute steht es am unteren Eingang zur Hohlen Gasse.
Die beiden Enden der Kreuzarme sind dekoriert, links mit einem Gesicht von vorne (evtl. stellt es die Sonne dar), und rechts mit einem Gesicht von der Seite nach der Mitte blickend (oder zunehmender Mond). Im Zentrum des Kreuzes erkennt man ein Herz mit zwei Armen/Händen und zwei Beinen/Füssen.
In dieses Kreuz ist folgender ungewöhnliche Text eingemeisselt:
«INRI - Nicolaus Schenker zu Däniken 20 Jahre alt hat dieses Kreuz machen lassen im Jahre 1970.»
Die Angaben über das Entstehungsjahr sind unklar. In den Unterlagen der Denkmalpflege liest man 1710 und 1720 und anderswo wird 1780 gelesen. Interpretiert man 1790, so wäre Nicolaus Schenker 1770 geboren.
Auf der Suche nach dem Bezug des Textes ist die Autorin beim Staatsarchiv auf folgende Spuren gestossen, die heute noch nicht abschliessend analysiert sind:
Im Ratsmanual von 1815 bittet Niklaus Schenker von Däniken um Unterstützung für die Wiederherstellung seines erblindeten Sohns.
Im Ratsmanual von 1817 bittet «Überlebender des 10.8.92 (1792) um Unterstützung seines Söhnleins mit Beingebrechen im Spital Solothurn.
Seit 1818 erhält er aus der Staatscassa 1/4 Mühlgut im Quartal. Niklaus Schenker stirbt 1824.
Weiter haben die Nachforschungen ergeben, dass seine verwitwete Frau, Magdalena (Schenker-)Siggeli, 1824 der Regierung ein weiteres Unterstützungsgesuch unterbreitet. Diesem wird stattgegeben. Die Gemeinde unterstützt sie mit eineinhalb Juchart Gemeindeland.
Der ältere Sohn wurde wegen Leibgebrechens aus dem französischen Kriegsdienst entlassen und fällt ihr zusätzlich zur Last. Gleichzeitig wird die Unterstützung gekürzt. Neu erhält sie auf zwei Jahre statt vier Mass Mühlgut nur noch deren zwei per Quartal. 1827 verheiratet sich Magdalena (Schenker)-Siggeli mit dem Tierarzt Josef Rudolf Schenker. Sie vererbt ihr Haus an ihre drei Söhne.
Das Kreuz im Eich stand ursprünglich in der Hofstatt der Liegenschaft Gröderstrasse 42. 1970 wurden die Wiesen oberhalb der Nothelferkapelle als Wohnquartier erschlossen. Das Kreuz sollte entsorgt werden. Der umsichtige Landwirt Walter Schürmann setzte sich dafür ein, dass es an den heutigen Standort versetzt wurde. Gemäss mündlicher Überlieferung war dieses Kreuz einst Teil eines Pilgerweges zur Kapelle der Vierzehn Nothelfer. Während der Hungersnot von 1816 wurde zur Kapelle im Eich gepilgert.
Susanne Müller-Rieder erinnert sich, dass noch in den 1960er-Jahren die Erstkommunikanten und Erstkommunikantinnen vom Rothacker anlässlich des Weissen Sonntags zur Kapelle gepilgert sind. Die Kinder hätten anschliessend bei ihrer Mutter im «Rieder-Lädeli» an der Gröderstrasse 36 ein Zvieri erhalten.
Das Wegkreuz im Talhubel wurde 1912 von Pfarrer Otto Widmer geweiht. Es gab bereits ein Vorgänger-Kreuz, ebenfalls aus Stein, weiter westlich, beim «alten Schibo-Haus». Die Geschichtenforscherin Elisabeth Pfluger erzählt, dass es beim Bauernhof im Talhubel einen tiefen Sodbrunnen gegeben habe und dort jemand ertrunken sei. Deshalb sei dort ein Kreuz errichtet worden.
Verschwundene Kreuze
Verschwunden ist das Holzkreuz im Garten des ehemaligen «Steffenhauses». Beim Umbau des Hochstudhauses mit Strohdach wurde das Kreuz auf die gegenüberliegende Strassenseite, in den Garten des «Karli-Dolfi-Hauses» versetzt.
Dort blieb es bis zur Aufhebung des Bahnübergangs 1970. Es wurde «entsorgt».
Kurt Leuenberger übernahm den Steinsockel und liess ein neues Holzkreuz darauf setzen. Dieses steht heute in den Gulachen.
Von 1898 bis 1960 stand in der Gartenecke der St. Josefsanstalt ein Kreuz aus Eichenholz mit einem Christuskorpus. Nach dem Wegzug des Kinderheims 1916 ins Bachtelenbad bei Grenchen wurde die Anstalt in Wohnungen umgebaut. 1962 mussten das Mehrfamilienhaus, die Josefskapelle sowie das Kreuz dem Neubau der katholischen Kirche weichen.
Autorin: Marianne Frei
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Nachfolgendes Foto
Kreuz von 1790, Hohle Gasse unten, erhalten von Niklaus Schenker