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Strassennamen erinnern an wichtige Politiker
1. September 2020 von Stefan Hohler
Online seit
1. September 2020
Printausgabe vom
03. September 2020
Mit Konrad Ilg, Emil Klöti und Stefano Franscini erhielten Exponenten der Schweizer Demokratiegeschichte in Höngg einen Strassennamen.
Die Emil-Klöti-Strasse ist Teil der Verbindungsstrecke zwischen Affoltern und Wipkingen. Der lange Strassenzug unterhalb der ETH Hönggerberg und des Käferbergs hat verschiedene Namen: In Affoltern sind es die Glaubtenstrasse und Schauenbergstrasse, in Höngg die Emil-Klöti-Strasse und ab Waidspital in Wipkingen die Tièchestrasse. Von der Bushaltestelle Waidbadstrasse hat man einen eindrücklichen Ausblick über die ganze Stadt, den See und die Berge.
Benannt wurde die Strasse nach Dr. Emil Klöti (1877-1963), einem Zürcher sozialdemokratischen Politiker. Klöti war Stadtrat und von 1928 bis 1942 Stadtpräsident von Zürich sowie National- und Ständerat. Geboren 1877 in Winterthur, studierte er Volkswirtschaft an der Universität Zürich und trat 1902 der SP bei. Er engagierte sich stark für die Proporzwahl für den Nationalrat (Verhältniswahlrecht). Eine entsprechende Volksinitiative der SP und Katholisch-Konservativen, heutige CVP, nahmen Volk und Stände 1918 an.
Eine weitere Strasse, die einen ehemaligen SP-Nationalrat ehrt, ist die Konrad-Ilg-Strasse beim Frankental an der Grenze zu Oberengstringen. An dieser Strasse hatte die Baugenossenschaft Gewobag eine grosse Wohnüberbauung errichtet. Konrad Ilg wurde 1877 in Ermatingen im Kanton Thurgau geboren und absolvierte eine Schlosserlehre. Seine politische Karriere gipfelte in der Wahl zum Nationalrat 1922. Dort blieb er bis 1947 und galt als eine der wichtigsten Figuren der Schweizer Arbeiterbewegung.
Ilg setzte sich während seiner Zeit als Präsident des Schweizerischen Metall- und Uhrenarbeiter-Verbandes (1917 bis zu seinem Tod 1954) für ein Friedensabkommen in der Maschinenindustrie ein. Im Friedensabkommen von 1937 verzichtete die Gewerkschaft auf Streiks, die Firmenchefs auf Aussperrungen. Das Abkommen war die Grundlage des Schweizerischen Arbeitsfriedens: Arbeitnehmer und Arbeitgeber verpflichten sich, Konflikte auf dem Verhandlungsweg beizulegen.
Stefano-Franscini-Platz auf dem ETH Campus
Einer der wenigen Schweizer Politiker, der zwischen zahlreichen Wissenschaftler in der «Science City» in der ETH Hönggerberg einen eigenen Platz erhalten hat, ist Stefano Franscini. Im Mai 2010 genehmigte die städtische Strassenbenennungskommission die Bezeichnung für den grossen Platz, der sich neben der Alumni-Lounge vor der Wolfgang-Pauli-Strasse befindet. Der Tessiner Franscini wurde 1796 in Bodio als Sohn eines Landwirtsehepaares geboren. Von 1814 bis zu seinem Tod 1857 war er Bundesrat der Liberalen (FDP), Publizist und Statistiker, ausserdem Mitbegründer des Eidgenössischen Polytechnikums. Während seiner Anfangszeit arbeitete Franscini auch als Lehrer im Tessin. Seine Aufbauarbeit im Bereich der Statistik bildete die Grundlage für das heutige Bundesamt für Statistik.
Online seit
1. September 2020
Printausgabe vom
03. September 2020