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Allein sein Name ist eine literarische Setzung: «Cendrars», abgeleitet vom französischen Wort für Asche - «cendre» - nannte sich der junge Dichter Frédéric-Louis Sauser bereits, als er die literarische Bühne betrat. Die Erklärung lieferte er später nach: «Schreiben bedeutet, lebendigen Leibes zu verbrennen. Aber auch: Aus der Asche wiedergeboren werden.» Das heisst, hier hat sich einer als Schriftsteller selbst erfunden, und als fiktives Zentralgestirn seines künftigen Werkes.
Unterwegs sein und Gedichte schreiben
Geboren wurde Cendrars 1887 in La-Chaux-de-Fonds. Mit 16 Jahren lief er von zu Hause und aus der Schule weg. Er reiste mit der transsibirischen Eisenbahn bis nach China und arbeitete für einen Juwelier in St. Petersburg. Zurück in der Schweiz, begann er in Bern ein Medizinstudium, das er jedoch bald wieder abbrach, um seiner Neigung zu folgen: unterwegs sein und Gedichte schreiben.
Nach einem Aufenthalt in New York bahnte sich Blaise Cendrars 1912 seinen Weg nach Paris, ins vibrierende Zentrum der damaligen Avantgarde-Kunst. Der innovative Gestus seiner Poeme beeindruckte und inspirierte Künstler wie Chagall, Léger, Modigliani und insbesondere Guillaume Apollinaire. Es war eine Zeit des Aufbruchs, aber auch der Unsicherheit und Nervosität. Die Explosion stand kurz bevor.
Die Zäsur des Krieges
Dann brach der 1. Weltkrieg aus und Cendrars trat der Fremdenlegion bei. Seine Erlebnisse in den Schützengräben an der Front hat er später in verschiedenen Büchern sprachmächtig aufgearbeitet. Er war ein vom Krieg Gezeichneter - buchstäblich: Bei Gefechten in der Champagne verlor er 1915 seinen rechten Arm. Was immer Cendrars fortan zu Papier brachte, er schrieb es mit der linken Hand.
Doch auch sonst markiert der Krieg eine Zäsur. Zwar gehörte der «linkshändige Poet», wie Henry Miller ihn nannte, weiter zur Kunstszene von Montparnasse, doch hatte sich die Poesie als abstrakte Ausdrucksform für ihn erschöpft. Cendrars war zurück im Leben und er war begierig darauf, es in seiner ganzen wilden, rohen Schönheit und Brutalität adäquat darzustellen. Ansätze dazu sah er im neuen Medium Film. Er begann, Erzählungen, Reportagen und Romane zu schreiben. Dabei experimentierte er mit filmischen Erzähltechniken: Verschachtelungen, Brüchen, Tempo- und Perspektivwechseln.
Gold- und Sprachrausch
So findet ein aussergewöhnliches Leben Stück für Stück seine literarische Form. Und Cendrars findet Figuren, die diese mit prallem Leben füllen. So wie jener Schweizer Auswanderer in seinem Roman «Gold», der zum König von Kalifornien wurde.
Cendrars kannte die Geschichte des Johann August Suter aus dem Baselbiet seit seiner Jugend. Die Geschichte jenes Pioniers und Grossgrundbesitzers, der damals zu einem Oligarchen der westlichen Welt aufstieg, dann aber durch den Goldrausch von 1848 ruiniert wurde. Das war ein Stoff, der wie geschaffen war für ein Sprachkunstwerk, wie es Cendrars vorschwebte.
Am Rand des Irrsinns
In sechs Wochen hämmerte er die Story in die Maschine. Was oberflächlich wie eine Biographie erscheint, ist ein effektvoll und raffiniert inszeniertes und instrumentiertes Epos, das einen ungeheuren Drive entwickelt. Es ist eben jener Drive, der noch heute unsere von Gier getriebene Zeit bestimmt.
Cendrars hat aus der Sprachbewegung heraus seinen eigenen Suter erfunden. Einer, der rastlos und ohne Skrupel seinem eigenen Traum nachjagt. Eine Gestalt am Rand des Irrsinns. Einer jener modernen Krieger, denen nichts übrig bleibt, als sich zu Tode zu siegen.