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Im Grunde fühlt sich das Leben in Neapel jeden Tag so an wie kurz vor einem Vulkanausbruch. Schon der morgendliche Berufsverkehr kommt daher wie eine schlecht koordinierte Evakuierung während des Ausnahmezustands: Alle Rechte sind ausser Kraft gesetzt, jeder versucht sich irgendwie durchzuschlagen. Mitten auf der Kreuzung verkauft ein Zwerg Lose für die Lotteria italiana, das Leben brüllt dir in die Ohren, und vor dem Eingang zur Circumvesuviana an der Porta Nolana bittet eine Dragqueen um Almosen: Als zwei Meter grosser, in pinkfarbenen Satin gehüllter Cerberus bewacht sie den Eingang zur Unterwelt.
Um diese Uhrzeit sieht man an der Porta Nolana vor allem Touristen: Der Aufstieg auf den Vesuv gehört zum Standardprogramm eines jeden Neapelbesuchers. Die verwitterten und mit grauem Vulkanstaub bedeckten Züge der Circumvesuviana muten an wie ausgemusterte Blade-Runner-Requisiten aus der Zeit nach dem Angriff der Replikanten: Als wimmle es von künstlichen, dem Menschen zwar identischen und doch feindseligen Wesen. Schaudernd erzählt eine französische Touristin, wie jemand, der ganz normal aussah, lächelnd versucht habe, ihr die Handtasche zu entreissen. Der Schriftsteller Guido Ceronetti meinte: Nur einem Volk von Philosophen oder ahnungslosen Teufeln ist es möglich, das Leben in einer solchen Stadt zu ertragen.
Dass die Apokalypse nicht weit ist, glaubt man in Neapel sofort. Schliesslich befinden wir uns in einer Stadt, die voller Lottoannahmestellen steckt, in denen man eine 58 tippt, wenn man von Zahnfleisch geträumt hat, und eine 78, wenn einem im Traum ein Heizkörper erschienen ist. Weshalb hier selbst Nostradamus’ Prophezeiung einleuchtend klingt: dass der Vesuv im Jahr 2018 mit neuen, sehr starken Eruptionen erwachen werde und die vulkanischen Ausbrüche nicht nur die Mittelmeerregion beträfen, sondern die ganze Erde erbeben liessen.
Natürlich könnte man einwenden, dass Nostradamus auch für 2017 komische Sachen prophezeit hat. Dass ein Fuchs zu einem Herrscher gewählt würde, der anfangs wie ein Heiliger verehrt und sich dann als Tyrann herausstellen werde. Traf nicht ein. Oder hatte er am Ende Trump damit gemeint? Diese Haarfarbe, hat die nicht etwas… Fuchsrotes? Egal. Auf jeden Fall befinden wir uns in einer Stadt, in der es als normal betrachtet wird, dass das Blut eines Heiligen, der seit 1712 Jahren tot ist, zwei Mal jährlich brodelt und sich zeitgleich ein Stein an der Stelle rot färbt, wo der Heilige geköpft wurde – und die Gläubigen ihrem Stadtheiligen mit Prügeln drohen, wenn er sein Blut nicht pünktlich wallen lässt.
«Neapel ist eine Stadt im Zustand der Fäulnis. Ich liebe es, und ich finde es schrecklich. Man geht nach Neapel wie Heranwachsende, die zu einer Obduktion in ein Leichenschauhaus gehen: Mit dem Grauen, Zeuge zu sein», schrieb Jean-Paul Sartre, weshalb man sich vom Blick in den Schlund des Vesuvs einiges verspricht. Schon beim Aufstieg von Ercolano aus kann man einen Blick auf die erstarrte Lava vom letzten Ausbruch 1944 werfen und angemessen schaudern. Wobei der Aufstieg nur auf den letzten Tausend Metern seinen Namen verdient, wo man zu Fuss gehen muss. Sonst bezwingt man den Vesuv bequem im Reisebus oder Taxi.
Der Vulkantourismus war bereits im 18.Jahrhundert fester Bestandteil der Grand Tour, der Bildungsreise der Begüterten. «Wir versuchten noch ein paar Dutzend Schritte, aber der Boden ward immer glühender; sonneverfinsternd und erstickend wirbelte ein unüberwindlicher Qualm. Der vorausgegangene Führer kehrte bald um, ergriff mich, und wir entwanden uns diesem Höllenbrudel», schrieb Goethe nach seiner dritten Vesuvbesteigung am 20. März 1787.
Genau das ist die Erwartungshaltung der Touristen, die als Busladungen auf den Berg gekarrt werden; im Schnitt sind es 2000 Besucher täglich. Sie kämpfen sich an den glitzernden Vulkan-Aschenbechern der Souvenirstände vorbei und stapfen durch das Geröll einer verstaubten Mondlandschaft – manche gestützt auf Holzstöcke –, um schliesslich in einen Abgrund zu blicken, in dem sich nichts tut. Kein rotglühendes Magma, keine Rauchsäule, nichts. Er raucht nicht. Er faucht nicht. Er tut überhaupt nichts, was man von einem Vulkan erwarten würde. Man sieht nichts als graue Asche. Und ein paar Schönwetterwolken, die über den Krater hinwegziehen. Wahrscheinlich kriegt der Tagesausflug auf den Vesuv jetzt eine miese Bewertung auf Tripadvisor: «Worst day of my life».
In Ermangelung eines Spektakels blickt man aus der erhabenen Höhe von 1281 Metern erst Richtung Pompeii (im Jahr 79 vom Vesuv verschüttet), dann aufs Meer, bewundert die Silhouette von Capri und Sorrent und den Schwung des Golfs von Neapel (eigentlich ein Vulkankessel) – und hält den Vesuv sonst für jenen «pittoresken Hügel», über den sich schon Alexander von Humboldt lustig machte.
Vulkanologen sehen das natürlich anders. Auch wenn der Vesuv nicht spuckt wie der Stromboli oder der Ätna weiter südlich und er deshalb als quiescente, also ruhend, gilt, kann das schon morgen anders sein. Und man muss kein Vulkanologe sein, um zu begreifen, was das bedeutet, wenn sich der Vulkan mitten in einer Region befindet, deren Bevölkerungsdichte zur höchsten Europas zählt. Nicht nur die Hänge des Vesuvs wurden zur «zona rossa» erklärt, sondern 25 Gemeinden im Umkreis von 15 Kilometern: 800000 Menschen leben in dem Gebiet, das bei einem Ausbruch des Vesuvs extrem gefährdet wäre, und sie wären die ersten, die evakuiert würden. Vor Jahren bot die Region Kampanien eine Wegzugsprämie von 30000 Euro an. Manche nahmen sie an – und vermieteten ihre Häuser danach schwarz.
In der eng besiedelten «zona rossa» darf kein Haus neu gebaut werden – was der Taxifahrer für übertrieben hält. Auf dem Weg zurück vom Vesuv nach Ercolano deutet er auf einige leer stehende Pizzerien und Restaurants: So eine Verschwendung! Bei dieser Aussicht über den Golf von Neapel!
Ob sie nicht vielleicht wegen der Wegzugsprämie…? Der Taxifahrer winkt ab und murmelt etwas von der Plage der bürokratischen Auflagen für die Gastronomie und den entfesselten Umweltschützern, in denen er eine grössere Gefahr sieht als im Vesuv.
Ein grosses Wort – angesichts der Waldbrände, die im letzten Sommer hier wüteten. Die ersten Feuer brachen unweit von Ercolano aus, weil jemand wohl asbesthaltigen Giftmüll beseitigen wollte. Ganze Flanken des Vesuvs sind nun verkohlt: Fast 2000 Hektaren. Zehn Quadratkilometer Pinienwald fielen dem Feuer zum Opfer – und brachten den Giftmüll im Untergrund zum Vorschein: Baumüll, Autocarrosserien, Gerippe von Kühlschränken und Waschmaschinen, mit Asbest versetzten Zement. Ein abtrünniger Camorrista hat die Existenz einer illegalen Müllhalde mitten im Naturschutzgebiet des Vesuvs enthüllt, gross wie ein Fussballfeld, 15 Hektaren Giftmüll, der beim Waldbrand die Luft verseuchte. In den 1980er Jahren wurden ganze Lastwagenladungen voll Müll an den Hängen des Vesuv vergraben.
Angesichts eines solchen Grauens ist man in Neapel tatsächlich geneigt, den möglichen Ausbruch des Vesuvs für die kleinste Sorge zu halten. Zumal es hier einen ungleich gefährlicheren Supervulkan gibt, einen, den man gar nicht sieht: Die Campi Flegrei, die Phlegräischen Felder an der westlichen Seite von Neapel. Die «brennenden Felder» sind nicht, wie viele meinen, lediglich eine archäologische Ausgrabungsstätte, sondern schlafende Riesen. Das 180 Quadratkilometer grosse Vulkanfeld sieht von der Erde aus betrachtet relativ unscheinbar aus. Erst in der Luftaufnahme erkennt man, dass es sich um eine Kette von Kratern handelt, die wie riesige Pockennarben die Landschaft überziehen.
1538 kam es zur letzten Eruption in den Phlegräischen Feldern, die eine kleine gewesen sein soll – aber immerhin einen Berg gebar, den Monte Nuovo. In der letzten Zeit rumort es hier ständig: Seit 2012 haben die Zivilschutzbehörden für die Campi Flegrei die Warnstufe erhöht – von Grün auf Gelb. Und im Dezember 2016 haben Wissenschafter des Osservatorio Vesuviano in der Zeitschrift «Nature» eine Computersimulation mit aufsteigender Magma veröffentlicht, die zur Eruption kommt. Seit diesen Bildern war kein Halten mehr: Kaum eine europäische Zeitung, die nicht die Gefahr des unsichtbaren Supervulkans beschworen hätte: von «Supervulkan könnte Millionen in Europa töten» bis «Supervulkan erwacht» war so ziemlich alles mit dabei.
«Es ist wahrscheinlicher, von einem Meteoriten erschlagen zu werden, als einen Vulkanausbruch zu erleben», sagt der Zivilschutzexperte Edoardo Cosenza, der als Regionalrat für öffentliche Arbeiten an der Entwicklung des Rettungsplans des Zivilschutzes für Neapel beteiligt war. Seit kurzem ist er Präsident des Ingenieurrats von Neapel, das Büro hat er gerade erst bezogen, die obligatorischen Stiche mit dem rauchenden Vesuv hängen schon an der Wand.
«Es ist alles eine Frage der Wahrscheinlichkeitsrechnung», sagt er – und weist darauf hin, dass es in den letzten 24000 Jahren in Neapel lediglich zu zwei Vulkanausbrüchen gekommen sei. Also etwa einer alle 10000 Jahre. Jener von 1944 sei nicht von Belang gewesen, angesichts der Bomben, die von den Alliierten auf Neapel geworfen wurden. Sicher, die Phlegräischen Felder seien seit 2012 mit der Warnstufe Gelb markiert, also erhöhte Wachsamkeit, sagt Cosenza. Aber die Lava befinde sich drei Kilometer tief in der Erde und benötige Zeit, um aufzusteigen.
Falls sie das täte, würde das komplexe Überwachungssystem (Sensoren in der Erde, Satelliten im Himmel) früh genug Alarm auslösen. Letztlich gehe es immer um drei Faktoren, die kontinuierlich gemessen werden: ob die Erde bebt, ob sie sich hebt oder senkt und ob Gase austreten. Erst wenn alle drei Faktoren beunruhigende Werte aufzeigten, werde drei Tage vor der Evakuierung ein Voralarm ausgelöst. Der bedeute, dass sich jeder mit seinem eigenen Verkehrsmittel in Sicherheit bringen könne.
Mit dem eigenen Verkehrsmittel? In Neapel? Sofort steigen vor dem inneren Auge die apokalyptischen Bilder des morgendlichen Berufsverkehrs auf: ineinander verhakte Pandas, Vespageschwader und verkeilte Busse. «Ja, ja», sagt Edoardo Cosenza beschwichtigend. «Alle denken immer sofort an den Verkehr in Neapel. Aber bei Alarm würde der Ablauf von der Armee überwacht werden.»
Auf seinen Powerpoint-Folien sieht die Evakuierung schön ordentlich aus, bunte Pfeile, Zeichen und Schnittmengen zeigen, wie bei einem Ausbruch in den Phlegräischen Feldern mehr als eine halbe Million Menschen evakuiert würden: Von zentralen Sammelstellen (Stadien, Kongresshallen, Turnhallen) ausserhalb der roten Zone ist ein Transport der Anwohner in italienische Regionen geplant, in die Toscana, nach Sardinien – für jede gefährdete Gemeinde um Neapel steht eine Patengemeinde bereit. Rote, gelbe, blaue Gefahrenzonen, alles sauber organisiert.
Am Ende seiner Ausführungen lehnt sich Edoardo Cosenza zufrieden zurück und sagt: «Sehen Sie, hier weiss man seit 3000 Jahren, dass wir auf einem Vulkan leben. Vergil und Dante haben ihre Werke darüber verfasst. Wir leben hier nicht, weil wir verrückt sind – das natürlich auch –, wir leben hier vor allem, weil die Erde fruchtbarer und die Landschaft schöner ist. Warum schmecken die Tomaten hier besser als anderswo? Wenn die Vulkane nicht wären, hätten wir hier eine schnurgerade Küste wie an der Adria!» Es besteht kein Zweifel, dass Edoardo Cosenza darin einen schweren Schicksalsschlag sieht.
Wenn man weiss, dass sich mitten in Neapel ein Krater an den anderen reiht, betrachtet man die Landschaft mit anderen Augen. Ganze Ortschaften befinden sich im Kessel der Phlegräischen Felder, sogar das Stadion des SSC Neapel. Erhebungen, die man für Hügel hielt, sind Kraterränder, etwa die von Posillipo, wo alle Reichen wohnen wollen. Posillipo ist zum Weinen schön, mit in Tuff gegrabenen Grotten am Lungomare und Palazzi aus Tuffstein, die verwunschen im Wasser stehen. Wer hier aufwächst, ist sein Leben lang damit geschlagen, alles mit dieser Schönheit zu vergleichen. Das ist Segen und Fluch zugleich. «Ferito a morte», wie es der neapolitanische Schriftsteller Raffaele La Capria ausdrückte: Es ist eine Schönheit, die dich tödlich verletzt. Und die man den Vulkanen verdankt.
Das Osservatorio Vesuviano, das nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie, befindet sich mitten in der «zona rossa» in Fuorigrotta. Wenn man aus dem Fenster schaut, blickt man auf den Rand der Caldera. Hier weiss man, dass all die Folien, die der Zivilschutz für den Ernstfall zusammengestellt hat, nur Theorie sind. Denn in den Phlegräischen Feldern hebt und senkt sich der Boden manchmal so bedenklich, dass darüber schon der Verkehr zusammengebrochen ist – zuletzt in Pozzuoli vor zwei Jahren. Was das im Falle eines Vulkanausbruchs für die Fluchtwege bedeutet, kann sich jeder ausmalen. Vielleicht wurde auch deshalb der Notfall nie geprobt.
In der Kommandozentrale des Osservatorio Vesuviano laufen die Messdaten des Vesuvs, der Phlegräischen Felder und des benachbarten Vulkans Stromboli auf 48 Monitoren zusammen. Zwei Wissenschafterinnen sitzen im Kontrollraum und beobachten die Monitoren wie Krankenschwestern jene auf der Intensivstation. Kein noch so kleines Röcheln entgeht ihnen. Gemessen wird jede Lebensäusserung der Vulkane: Ob sie sich bewegen, zittern, beben, wie ihr Atem beschaffen ist und ob ihre Temperatur steigt. Erdstösse, Fumarolen, also vulkanischer Dampf, das Heben oder Senken des Bodens, die Zusammensetzung der Gase – all das wird registriert. Erst im vergangenen August kam es zu einem echten Erdbeben auf der benachbarten Insel Ischia – was aber nichts mit den Vulkanen zu tun hatte, wie die Geophysikerin Lucia Pappalardo erklärt. Sondern damit, dass bei Casamicciola zwei Erdplatten aufeinandertreffen. Anders als Vulkanausbrüche sind Erdbeben nicht voraussehbar – trotz allen Sensoren.
Vor 40000 Jahren sei es zu einem Superausbruch in den Phlegräischen Feldern gekommen, der hundert Mal schlimmer war als der von Pompeii, sagt Lucia Pappalardo. Da habe sich der Himmel verdunkelt, und ein vulkanischer Winter sei ausgebrochen. Dagegen sei die letzte Eruption im Jahr 1538 eine kleine gewesen – die immerhin acht Tage dauerte und nicht nur den Monte Nuovo gebar, sondern auch einen See: den von Vergil zitierten Lago d’Averno. Das Gewässer fand nicht nur Eingang in die Literatur, sondern auch in die Polizeiakten: 2010 wurde der See von Antimafia-Ermittlern beschlagnahmt, weil das Grundstück einem Strohmann des Camorra-Clans der Casalesi gehörte.
Anders als der Vesuv gelten die Phlegräischen Felder nicht als Touristenattraktion – bis auf eine Ausnahme: der Solfatara-Krater in Pozzuoli. Umzingelt von Sozialbauten, erstreckt sich eine Landschaft aus Lavagestein, Sand und giftgelb gefärbtem Geröll, aus dem Dampf und Rauchsäulen aufsteigen. Gleich daneben befindet sich ein Campingplatz. Willkommen in der Hölle.
In der Hafenstadt Pozzuoli, wo es nach faulen Eiern riecht und jeder zweite arbeitslos ist, hebt und senkt sich der Boden seit Jahrzehnten – 1976 wurde die gesamte Altstadt, der Rione Terra wegen eines bevorstehenden Ausbruchs geräumt. Den letzten Stoss gab das Erdbeben 1980, seitdem steht die Altstadt leer, die Bewohner wurden umgesiedelt. Doch wenn es nach dem Bürgermeister geht, werden hier demnächst Bed and Breakfast für Touristen eröffnet; vergangenen Juni spendierte die Region Kampanien 70 Millionen Euro für die Sanierung des Rione Terra: Die Altstadt werde sich damit in ein Unesco-Kleinod verwandeln, in einen archäologischen und kulturellen Anziehungspunkt ohnegleichen, ja in eine Goldmine, wie der für Tourismus zuständige Regionalrat beschwört.
Bis dahin war der Höllenschlund der Solfatara die einzige Attraktion, an der sich etwas verdienen liess. Das änderte sich, als im vergangenen September eine venezianische Familie, Vater, Mutter, Sohn, hier ihren Tod fand: Der elfjährige Junge war in einen Erdspalt gefallen, erst kam ihm der Vater vergeblich zur Hilfe, dann die Mutter. Alle drei starben – vergiftet durch Kohlendioxid und Schwefelwasserstoff, der sich in dem Loch angesammelt hatte.
«Tristissimo» sei das Schicksal dieser Familie, sagen die Vulkanologinnen des Osservatorio Vesuviano, die seit dem Unglück die Solfatara nicht mehr betreten dürfen: Der Krater ist von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt, die Ermittlungen laufen. Und während man sich noch fragt, gegen wen hier eigentlich ermittelt werde – das Schicksal? die Betreiber des Höllenschlunds? –, erfährt man, dass der Vulkankrater der Solfatara seit der Zeit der Bourbonen, als hier noch Schwefel gewonnen wurde, in Privatbesitz ist: Er gehört zwei neapolitanischen Familien, Angarano und Di Salvo, den Betreibern der «Vulcano Solfatara s.r.l.».
Neapel eben.
Petra Reski ist Journalistin und Schriftstellerin; sie lebt in Venedig.