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(auch Vispach, franz. Viège),
Gemeinde im schweizer. Kanton Wallis,
[* 2]
Station der
EisenbahnVilleneuve-Brieg, mit (1888) 838 Einw.,
wurde 25.-30. Juli 1855 von einem
Erdbeben
[* 3] heimgesucht, welches viele Gebäude in Trümmer legte. Jenseit
des
Rhône, am Dörfchen Baltschieder, öffnet sich das in mineralogischer Beziehung interessante Baltschiederthal, welches
zu den
Firnen zwischen Bietsch- und Nesthorn hinansteigt. Visp ist die
Pforte zum VisperThal,
[* 4] das, von der Visp durchflossen,
hier ins Hauptthal mündet.
Der Thalfluß, 37 km lang, beginnt als Gorner Visp hinter
Zermatt (1620 m), wo die Abflüsse des Zmutt-,
Gorner und Findelengletschers sich vereinigen. Fortwährend durch seitliche Gletscherwasser verstärkt, zieht er durch das
majestätisch eingerahmte Matterthal, abwärts durch das
Nikolaithal und nimmt bei Stalden (790 m) die fast gleich lange Saaser
Visp auf, um nach kurzem
Lauf den
Rhône zu erreichen (650 m). Einer der Eisströme des Saaser
Thals, der
Allalingletscher, tritt quer in das
Thal vor, staut den rückwärts liegenden Alpensee und verursacht, wenn der Querriegel
plötzlich dem
Druck weicht, gewaltige
Hochwasser und Verheerungen (s.
Monte Rosa). Im
Hintergrund steigt man zumPaß
[* 5] des
Monte Moro hinan (nach
Macugnaga); bei
Zermatt beginnt der Weg nach dem Theodulpaß (Matterjoch). Das VisperThal, mit Inbegriff
des Nebenthals von Saas, gehört unter die renommiertesten und besuchtesten Alpenthäler; es bildet den
BezirkVisp, mit 6964 deutsch
sprechenden und kath. Einwohnern, die namentlich auf
Viehzucht,
[* 6] den Waldertrag und den Fremdenverkehr
angewiesen sind.
oder Vispbach, französisch La Viège (Kt. Wallis,
Bez. Visp). 1900-649 m. Gebirgsfluss mit Wildbachcharakter; linksseitiger
Zufluss der Rhone, in welche er 1,2 km nw. der Brücke von Visp (Simplonstrasse) mündet. Vom gesamten
Einzugsgebiet, das 787,25 km2 umfasst, entfallen mehr als 280 km2auf Eis und Firn. Die beiden grossen Quellarme (Saaservisp
und Mattervisp) vereinigen sich erst unterhalb Stalden zur Visp im engern Sinn, die dann kurz nachher das Rhonethal erreicht.
Die Länge beträgt von der Vereinigung des Gorner-, Zmutt- und Findelenbaches zur Mattervisp an 40 km,
beläuft sich aber auf 42 km, wenn man den Gornerbach als Hauptquellarm betrachtet. Von allen schweizerischen Zuflüssen der
Bone steht die Visp hinsichtlich der Länge des Laufes einzig der Dranse nach. Für die Einzelbetrachtung müssen wir den gesamten
Flusslauf zunächst in seine hauptsächlichsten Komponenten zerlegen.
am grossen Fremdenzentrum Zermatt mit seinen schwarzen Hirten- oder Führerhäusern und den glänzenden Hotelpalästen vorbei,
erhält östl. des Dorfes von links den vom Gabelhorn und Trifthorn herabkommenden Triftbach und wird noch vor seinem Austritt
aus diesem Alpweidenbecken von der Gornergratbahn überbrückt. 500 m nördl. Zermatt erreicht die Mattervisp die
erste der Schluchten (Klusen), die das Zermatter- oder Nikolaithal charakterisieren und beständig mit Thalerweiterungen und
kleinen ebenen Thalböden abwechseln.
Nachdem sie diesen 3 km langen Engpass zwischen dem Taugwald und den Felshängen des Aeusserberges durchzogen, eilt die Visp
raschen Laufes durch das Wiesengelände von Täsch, lässt das Dorf rechts liegen und erhält von rechts
her den Täschbach, der die Schmelzwasser der Gletscher am Rimpfischhorn, Allalin und Alphubel sammelt. Längs dem Täschsand,
den sie früher oft genug mit Geschiebe überführte, sorgfältig kanalisiert, sammelt die Mattervisp nun von links den dem
Hohlichtgletscher und der O.-Flanke des Zinal Rothorns entspringenden Schallibach, weiter unten von rechts
den Wildibach, dessen grüner Schuttkegel sie gegen den Fuss des Schallibergs hinüberdrängt, und noch tiefer ebenfalls
von rechts den Randaierbach, auf dessen breitem Schuttkegel das schöne Dorf Randa sich ausbreitet.
Gegenüber dieser Station der Visp-Zermattbahn folgt die Mattervisp den Felswänden, ob denen der grosse Biesgletscher liegt
und über welche sich der Biesbach mit zwei verschiedenen Armen herabstürzt. Um die Mündung dieses Baches
liegt für gewöhnlich ein mächtiger Wall von zertrümmertem und zu Pulver zerriebenem Eis, das der gefährliche Gletscher
über die Felswände hinaus ins Thal hinunter gesandt hat. Es wiederholt sich hier also nahezu das gleiche Phänomen, wie
es sich am Fuss des Giétrozgletschers im Bagnesthal zeigt. Wenn auch das hier breitere Thal Katastrophen von der Art, wie
sie die Ausbrüche des Giétrozgletschers verursachen können, nicht aufkommen lässt, bildet doch der Biesgletscher mit seinen
Eisabbrüchen einen von den Leuten von Randa gefürchteten Nachbarn, der schon mehrfach den Thalfluss
aufzustauen vermochte.
Gleich nachdem die Mattervisp um den Schuttkegel mit dem Dorf Randa (1409 m) im mittlern Abschnitt des Nikolaithales gebogen,
kommt ihr von rechts der dem Festi- und dem Domgletscher entspringende Randaierbach zu. Dann stürzt sie sich neuerdings in
einen, zwischen die hohen Felswände der Ausläufer von Brunegghorn und Nadelhorn eingeschnittenen Engpass
und erhält unterhalb des Weilers Im Lerch von rechts den vom Hohberggletscher herabströmenden Birchbach, dessen unterstes
Laufstück die Grenze zwischen den Gemeinden Randa und St. Niklaus bildet.
Weitere Nebenadern sind dann von links: 500 m südl. Herbrigen der Abbergbach mit seinen zahlreichen Wasserfallen und der Blattbach
zwischen Herbrigen und dem WeilerSchwiedernen; von rechts zwischen Mattsand und Bifig der mehr festes Material
als Wasser herabbringende Wildbach aus dem Grossgraben, durch dessen Rinne im Sommer von Gewitterregen losgerissener Schutt
und im Winter mächtige Lawinen zu Thal stürzen. Alle diese Bachrunsen schneiden aus den Bergflanken hohe Terrassen heraus,
auf denen dunkle Alphütten kühn
am Rand der Abstürze stehen und weissschimmernde Kapellen an mehr oder
minder denkwürdige Unglücksfälle erinnern.
Von St. Niklaus an, das links über dem Fluss sich erhebt, biegt dieser mehr und mehr nordostwärts ab, indem er sich zugleich
zwischen den anmutigen Terrassen von Gazenried und von Grächen rechts, sowie den steilen Gehängen von
Jungen, Augstbord und Törbel links bis nach Stalden hinunter immer tiefer einschneidet. Auf dieser letzten Laufstrecke sind
als Zuflüsse noch nennenswert: von rechts der dem Riedgletscher entspringende Riedbach und von links der Jungbach, Emdbach
und Mühlebach, welch letztern eine bemerkenswerte Eisenbahnbrücke überschreitet. Nachdem dann die
Mattervisp endlich noch die ganze Reihe der künstlichen Wasserfälle von Kipfen und Seeli gebildet, vereinigt sie sich unterhalb
der malerischen Kinnbrücke in tiefer Schlucht (750 m) mit der von rechts her kommenden Saaservisp zur eigentlichen Visp. Ihr
Einzugsgebiet bis an diese Stelle umfasst 489,5 km2, wovon 202,5 auf Eis und Firn entfallen.
Unterhalb des rechts gelegenen Pfarrdorfes Almagell bildet der Almagellbach vor seiner Vereinigung mit
der Saaservisp den bekannten prachtvollen Wasserfall. Von dieser Stelle an beginnt sich die bisher nordwärts gerichtete Saaservisp
allmählig gegen NW. zu wenden. Sie geht zunächst nochmals durch einen Engpass und erreicht dann den schön grünen und
mit Kapellen und Häusergruppen bestandenen Thalboden von Im Grund (1562 m), dem Hauptort des Thales, wo
ihr durch die Feevisp von links die Schmelzwasser des prachtvollen Gletscherkranzes hinten über dem
¶
Von Fällmatten an schneidet sich endlich der Thalfluss zwischen steilen Waldhängen, denen der Saumpfad hoch über dem Wasserlauf
entlang zieht, immer tiefer ein. Diese letzte Strecke von 10 km Länge zeigt da und dort kleine Lichtungen
mit Maiensässen und Häusergruppen, wie Niedergut, Huteggen (Gasthof halbwegs zwischen Stalden und Saas Im Grund), Im Boden,
Im Ahorn, Eisten, Resti und Bergli. Sie befinden sich zur Mehrzahl am linken Ufer und am Fuss der Ausläufer des Balfrin, über
welche noch der Schweibbach und der Eistbach herabfliessen, während am jenseitigen Gehänge der Mattwaldgletscher
den Mattwald- oder Sävibach zur Tiefe sendet. Abwärts Eisten vertieft sich die Schlucht stets-fort bis unterhalb Staldenried,
dessen kleiner Weinberg am Steilhang über der Vereinigung der Saaservisp mit der Mattervisp wie in der Luft hängend erscheint.
Das Einzugsgebiet der Saaservisp umfasst 253 km2, wovon 80 auf Eis und Firn entfallen.
3. Den Namen Visp führt, mehr seiner Wassermenge als der Lauflänge wegen auch noch der Abfluss der ausgedehnten Gletscherfelder,
die sich hinter dem Dorf Fee ausbreiten. Die bedeutendsten dieser Gletscherbäche sammeln sich im kleinen Moränenstausee
(1920 m) unter der Gletscheralp und zwischen den beiden Hauptzungen des Feegletschers. Etwa 1 km weiter
unten vergrössert sich die so entstandene Feevisp durch die Schmelzwasser der kleinen Eisfelder des Fall- und Hochbalmgletschers,
um dann 300 m s. vom Dorf Fee vorbeizufliessen und zwischen dem vordern Abschnitt des Plateaus von Fee und dem
Kalbermattenwald eine 1 km lange wilde Schlucht, die durch eine Gallerie teilweise zugänglich gemacht ist, mit zahlreichen
Kaskaden und Schnellen zu durcheilen und weissschäumend im Thalboden von Grund anzulangen, wo sie sich 1 km s. vom Pfarrdorf
Im Grund in 1560 m von links mit der Saaservisp vereinigt. Die Gesamtlänge der Feevisp beträgt nicht
über 3,5 km.
4. Visp im engern Sinn. 600 m nördl. der Vereinigung der Matter- mit der Saaservisp erreicht die Visp (im engern Sinn) die
S.-N. orientierte kleine Thalaue von Ackersand, wo sie zwar raschen Laufes, aber nicht mehr wildschäumend und ohne Schnellen
zwischen den Aeckern, Wiesen und kleinen Weinbergen von Visperterminen im O. und von Zeneggen im W. ihren
Weg fortsetzt. Nachdem sie weiter unten noch die Mühlen und Sägen von Stalden getrieben, geht sie unter der romantischen Neubrücke
durch, um bald nachher westl. vom Flecken Visp das Rhonethal zu erreichen.
Halbwegs zwischen der Neubrücke und Stalden ist der Flusslauf im Juni 1907 durch den Ausbruch des Sees
von Visperterminen zu einem ziemlich grossen See aufgestaut worden, der noch im folgenden Jahr nicht ganz verschwunden war.
Im Rhonethal selbst eilt die Visp gleich der Dranse in Martinach unter einer gedeckten Holzbrücke durch und wird bald
nachher von einer Eisenbahnbrücke überschritten, worauf sie durch die Alluvionen des Rhonethales einen Bogen gegen NW. beschreibt
und gegenüber dem Gehänge von Eggerberg in 650 m Höhe von links mit der Rhone sich vereinigt.
In der Ebene von Ackersand unterhalb Stalden steht ein Elektrizitätswerk, das von der Visp und ihren Quelladern
in Betrieb gesetzt wird. So wird das Wasser der Saaservisp bei Balen in 1450 m Höhe gefasst und durch eine Reihe von zusammen
10,5 km langen Stollen bis Riedje (1420 m) geführt, von wo es eine doppelte Metallröhrenleitung bis zum Werk im Ackersand
(700 m) hinunterbringt.
In frühern Zeiten bildete der Fluss für die Bewohner des Fleckens Visp eine ständige Gefahr, indem
er bei Hochwasser über seine Ufer trat und das offene Gelände überschwemmte. Häuser und andere Bauten des Fleckens, sowie
Wiesen, Aecker und Gärten in seiner Umgebung wurden
weggerissen, unter Wasser gesetzt und mit Geschiebemassen überführt.
Die letzten grossen Katastrophen solcher Art ereigneten sich in den Jahren 1860 und 1868, in welchen
sowohl die Rhone als ihre bedeutenderen Zuflüsse verheerend über die Ufer traten, was dringend einer rationellen und endgiltigen
Verbauung und Kanalisation rief. Im Flecken Visp lassen sich heute noch Spuren dieser letzten Ueberschwemmungen erkennen.
Jetzt ist mit der Rhone auch der im Rhonethal verlaufende unterste Abschnitt der Visp gründlich verbaut
und gebändigt. Obwohl nun zwar die Verheerungen der beiden letzten Hochwasser nicht dem Allalingletscher aufs Kerbholz geschrieben
werden können, war dieser doch in frühern Zeiten die Ursache der grössten Katastrophen, indem er mit seinen Eismassen
den Mattmarksee aufstaute. Sobald dann dessen Wassermassen die Eisbarre durchbrachen, stürzten sie sich
mit ungeheurer Wucht thalauswärts.
Die erste derartige Ueberschwemmung, von der die Chroniken berichten, ist diejenige vom Eine andre ereignete sich 1680. Nach
solchen Katastrophen, die jeweilen alles vernichteten, was dem entfesselten Element irgendwie erreichbar war,
pflegten die Bewohner des Saasthales mit verdoppeltem Fleiss, Ausdauer und Sparsamkeit gegen das Missgeschick anzukämpfen
und versagten sich einmal sogar durch öffentliches Gelübde jede Eheschliessung auf eine Reihe von Jahren hinaus.
französisch Viège. Bezirk und ehemaliger Zehnten des Kantons Wallis.
Bildet mit seinen 898,60 km2 Fläche den umfangreichsten
und mit 7914 Ew. den hinsichtlich der Bevölkerungsziffer im 8. Rang stehenden Bezirk des Kantons. Infolge
des grossen Prozentsatzes von unproduktivem Boden, an dem sich namentlich ein ungeheures Firn- und Eisgebiet beteiligt, vermochte
die Bevölkerungsdichte bis jetzt nicht über 8,7 Ew. auf den km2 anzusteigen. Die im Jahr 1900 gezählten 7914 Ew.
verteilten sich wie folgt: 7886 Katholiken und 28 Reformierte;
7800 Ew. deutscher, 74 französischer, 38 italienischer und 2 andrer
Zunge. 1702 Haushaltungen in 1133 Häusern.
Das Gebiet des Bezirkes Visp umfasst damit: im Hauptthal selbst einen rechts der Rhone 6 km und links
davon 7 km langen Landstrich;
links vom Rhonethal das ganze Einzugsgebiet der Visp, d. h. das Nikolai- oder Zermatterthal
und das Saasthal mit all ihren unzählbaren Verzweigungen, sowie ferner den obern und mittlern Abschnitt des Thales der Gamsa
(Nanzthal).
Begrenzt wird der Bezirk: im N. durch die Bezirke Raron und Brig, im O. durch den Bezirk Brig
und die italienischen Thäler von Bognanco und Antrona, im S. durch die italienischen Thalschaften von Macugnaga, Gressoney
und Valtournanche, im W. durch die grosse Gebirgskette, die von der Dent Blanche nordwärts bis zum Dreizehnenhorn
und zum Bönigersee hinzieht und ihn der Reihe nach von den Bezirken Hérens, Siders, Leuk und Raron scheidet. Tiefster Punkt
ist mit 643 m die Stelle, wo die Rhone unter Aeusserberg auf Hoden des Bezirkes Raron übertritt, höchster Punkt mit 4638 m
die Dufourspitze im Massiv des Monte Rosa. Im Bezirk Visp liegen die höchsten Gipfel der ganzen Schweiz.
Der Monte Rosa (4638 m) steht inmitten einer grossen Anzahl von Rivalen, die die Kote von 4000 m entweder übersteigen oder
nahezu erreichen, und beherrscht das umfangreichste Eisrevier im ganzen Alpensystem. Von den dominierenden Hochgipfeln dieses
Gebietes seien genannt: das Matterhorn (4505 m) und der Lyskamm (4538 m) im S., die Dent Blanche (4365 m)
und das Weisshorn (4512 m) im W., Alphubel (4554 m) und Dom (4498 m) in der Kette der Mischabelhörner, die das Nikolai- vom
Saasthal trennt;