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Die Banque Pictet ist bekannt für ihre langfristigen Renditevergleiche. Vergangene Woche hat sie ihre Studie aktualisiert.
Aktien sind zwar kurzfristigen Schwankungen unterworfen. Doch hält man die Papiere über viele Jahre, so rentieren sie wie kaum ein anderes Wertpapier – und vor allem rentieren sie mehr als Obligationen. Wer das belegen will, nimmt die Statistik von Pictet zur Hand. Die Genfer Privatbank vergleicht die Performance von Aktien und Obligationen in der Schweiz bis zurück ins Jahr 1926. Sie hat sich damit einen Namen gemacht.
Nun hat Pictet ihren Langzeitvergleich aktualisiert. Auf den Punkt gebracht: Im Durchschnitt erzielten die Aktien von 1926 bis 2011 eine Jahresrendite von 7,52 Prozent. Das ist ein Nominalwert. Real, also unter Berücksichtigung der Preisentwicklung, beträgt die jährliche Durchschnittsrendite 5,25 Prozent. Das ist mehr als mit Schweizer-Franken-Obligationen.
Eindrücklicher ist die Wertentwicklung in Franken ausgedrückt: Hätte man per Ende 1925 in ein diversifiziertes Schweizer Aktienportfolio 100 Franken investiert, so wäre der Wert dieses Portfolios bis Ende 2011 auf 51140 Franken angewachsen. Bei einer 100-fränkigen Investition in Schweizer-Franken-Obligation betrüge der Wert des Depots per Ende 2011 dagegen «lediglich» 4362 Franken — die Teuerung nicht mitberücksichtigt.
Weniger eindrücklich manifestiert sich der Wertzuwachs inflationsbereinigt. Bei dieser Betrachtung wachsen die Portefeuilles bloss auf 8161 beziehungsweise 696 Franken.
Die Behauptung sei gewagt, dass nur die wenigsten der Leserinnen und Leser ihr Geld schon im Jahr 1926 in Aktien oder Obligationen anlegten. Und doch hat dieser Langfristvergleich seine Aussagekraft. Er besagt, dass die Wahrscheinlichkeit, mit Aktien eine höhere Performance zu erzielen als mit Obligationen, höher ist als eins.
Die Ausnahme von der Regel
Dass es über eine längere Periode auch umgekehrt sein kann, beweisen die Nullerjahre: «Über die letzten zehn Jahre konnte mit Aktien zwar eine positive Performance von durchschnittlich 2 Prozent pro Jahr erzielt werden; Obligationen hatten im gleichen Zeitraum aber eine Performance von durchschnittlich 4,3 Prozent pro Jahr aufgewiesen», schreibt Pictet in der eben publizierten Studie. Und dies erst noch bei deutlich geringeren Schwankungen der Erträge.
Daraus abzuleiten, dass auch in Zukunft mit Obligationen höhere Renditen zu erwirtschaften sind, dürfte sich als Trugschluss erweisen. Die Obligationen verdanken den hohen Wertzuwachs der letzten Jahre den rekordtiefen Zinsen. Weiter können diese kaum sinken. Weiteren Kurssteigerungen sind daher bei Obligationen Grenzen gesetzt.
Warum steigt der Obligationenkurs, wenn die Zinsen sinken? Nehmen wir das Beispiel einer Obligation eines Topschuldners mit einem AAA-Rating. Angenommen, der Schuldner hat vor zwei Jahren
eine zehnjährige Obligation zu einem festen Zins von 3 Prozent herausgegeben. Heute gibt nun der gleiche Schuldner eine weitere Tranche für zehn Jahre
heraus, diesmal aber zu 2 Prozent. Er zahlt einen tieferen Zins, da ja das Zinsniveau generell gesunken ist. Nun haben die Investoren lieber Obligationen mit 3 Prozent statt mit 2 Prozent im Depot. Ergo steigt die Nachfrage nach den vor zwei Jahren emittierten 3-Prozent-Obligationen, was den Kurs in die Höhe treibt.
Erschienen in der BZ am 31. Januar 2012