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Welcome to Sodom
Regie: Christian Krönes, Florian Weigensamer
Mitw.: Kwasi Yefter, Awal Mohammed, Mohammed Abubakar, Sulemana Junah, Fauzia Mohammed, Musa Abukari aka D-Boy, David Berihun Cohen, Columbus John Osei u.a.
Am Anfang steht die Grossaufnahme eines Chamäleons. Als die Kamera zurückfährt, sieht man, dass sich die anpassungsfähige Echse auf dem Wrack eines Computerbildschirms platziert hat. Dann liest man: «Agbogbloshie, Accra. Vor gar nicht allzu langer Zeit war diese Gegend unberührtes Sumpfland. Heute ist hier eine der weltgrössten Müllhalden für Elektroschrott. Die Deponie zählt zu den giftigsten Gebieten der Erde. Rund 6000 Frauen, Männer und Kinder leben und arbeiten hier. Sie nennen diesen Ort Sodom.» Ein vielleicht zehnjähriger Junge ist zu sehen, wie er mit dem Magneten eines alten Lautsprechers den Boden nach kleinen Metallteilen absucht und diese in einem Sack verstaut. Beissender Rauch und eine über die riesige Halde streifende Schafherde, die in diesem Dreck nach Futter sucht, runden das apokalyptische Bild ab, als eine Off-Stimme sagt: «Alle Kinder arbeiten hier.» Neben diesem Jungen präsentiert der Film der beiden österreichischen Regisseure Christian Krönes und Florian Weigensamer eine Reihe eindrücklicher Menschen, die sich in dieser Umgebung eingerichtet haben: So etwa ein Mädchen, das sich den Kopf rasiert hat, um als Junge durchzugehen und in Ruhe auf der Deponie arbeiten zu können, einen jungen Schwulen, der aus Gambia hierher flüchtete, um wenigstens vor Verfolgung sicher zu sein, oder eine ältere Frau, die Trinkwasser in Plastiktüten verkauft. Ulrich Sonnenschein schrieb auf epd-film: «Das Grossartige an diesem Film ist seine Haltung. Voller Respekt und Achtung begegnet er den Menschen, die Würde haben, obwohl sie in würdelosen Bedingungen leben müssen. Die Welt aus Schrott und Müll gibt ihnen Brot und Zukunft. Selbstironisch wird ein Rap aufgenommen: You are welcome to Sodom. Der Film lässt die Menschen erzählen, was sie bewegt. Nicht im Interview, sondern aus dem Off, mit klarer Stimme in afrikanischem Englisch. Die mythischen Höllenbilder von Agbogbloshie sind die Negativfolie unserer aseptischen, glanzvollen digitalen Welt. Und in diesem Ort, den es nur gibt, weil wir unseren Müll nicht sehen wollen, spiegelt sich der ganze Umgang der westlichen Welt mit dem afrikanischen Kontinent. Ein Ort, der eigentlich voller Hass und Wut auf den Teil der Welt schauen müsste, der sein Elend verursacht. Und dass diese Wut allenfalls produktiv genutzt wird, sich in schwerer Arbeit entlädt, sollte uns zu denken geben.»
Die Premiere am 25. Oktober findet in Anwesenheit von Maria Malin und Salome Erhardt, «Chance for Children», statt. Sie kennen die Deponie Agbogbloshie und berichten von den Lebensumständen der dort arbeitenden Menschen. Das Gespräch führt der Historiker Matthias Fässler.