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Die UNESCO hat das Pantanal von Mato Grosso zu einer der artenreichsten und diversifiziertesten Naturreserven unseres Planeten erklärt und das Gebiet in ihr Verzeichnis der „Heritages of Mankind“ aufgenommen. Es erstreckt sich über eine Ebene von annähernd 230.000 km² – über den extremen Mittelwesten Brasiliens sowie einen Teil von Paraguay und Bolivien – die grösste Überschwemmungsebene Amerikas. Die Pantanal-Szenerie ist einzigartig auf der Welt, jedoch nicht zu verwechseln mit einer Sumpflandschaft. Es handelt sich hier vielmehr um eine unglaubliche Mischung von verschiedenen Ökosystemen, welche die unterschiedlichsten Landschaften in sich vereint, wie zum Beispiel Savannen, überschwemmte Ebenen, Wälder mit amazonischem Charakter, Dschungel und Steppengebiete. Diese Landschaften sind total abhängig vom Wasser und werden vom Phänomen der alljährlichen Regen- und Trockenzeiten dirigiert. Diese enorme Ebene besitzt als einzigen Ausfluss: den Rio Paraguai, und das gesamte Regenwasser – welches gegen Jahreswechsel die Seen und Lagunen füllt und die zahlreichen Flüsse im Norden anschwellen lässt – fliesst schliesslich wieder, während folgender sechs Monate, träge gegen Süden – jedes Jahr.
der Überschwemmungen, die in der Regel im Januar einsetzen und, langsam aber stetig, gegen Mai bis Juni ihren Höhepunkt erreicht haben, bildet das Wasser Buchten, Lagunen und unzählige Flussarme. Und mit Ende der Regenperiode konzentriert sich eine grosse Vielfalt von Lebewesen im Wasser und im Uferschlamm der Lagunen, welche wiederum andere Tiere anlocken, die auf Nahrungssuche sind, wie zum Beispiel: Wildschweine, Nasenbären, Hirsche und Wasservögel. Wenn das Wasser fällt – in der Trockenzeit zwischen August und Dezember – lagern sich die mit dem Wasser eingeflossenen Nahrungsstoffe im Boden ab, düngen ihn und bieten den Tieren des Gebiets neue Nahrung. In dieser Zeit blüht zum Beispiel der Ipê Roxo, der symbolische Baum des Pantanal. Dank diesem Kommen und Gehen des Wassers finden wir im Pantanal eine enorme Vielfalt von Fauna und Flora – sowohl zu Wasser als auch zu Land. Die Gegend liegt ausserdem auf einer wichtigen Route verschiedener Wandervogelarten. Um etwas von der Biodiversität des Pantanal zu erfahren, muss man sich hier nur einmal umschauen – am frühen Morgen oder auch während der Dämmerung: Kaimane, Marabus, Jaguare, Fischotter, Kraniche, Reiher, Falken, Hirsche, Brüllaffen, Aras und Papageien, und eine Unzahl von Insekten, bevölkern die Flüsse, Wälder und Seen – und ihre unterschiedlichen Stimmen und Farben geben dem Ökosystem des Pantanal sein unvergleichliches Flair, das jeden Besucher bezaubert.
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Das Pantanal ist eine ausgedehnte Ebene, deren Erhebungen lediglich zwischen 100 – 200 Meter über dem Meeresspiegel liegen. Sie ist umgeben von schroffen Gebirgsketten und Hügelland. Die folgenden Gebirge bilden einige ihrer Grenzen: die „Serra da Bodoquena“, die „Chapado dos Guimarães“, die „Serra do Amolar“ und der „Maciço do Urucum“. Charakteristisch für dieses Gebiet ist die Tatsache der periodischen Überschwemmungen – und das geschieht, weil der Rio Paraguai, einziger Ausfluss der Wasser aus dem Pantanal, nur ein durchschnittliches Gefälle von 1 Zentimeter pro Kilometer Verlauf besitzt – und so den Abfluss des vielen Wassers stark verzögert. Ausserdem gibt es, im extremen Süden des Pantanal, eine natürliche Barriere – ungefähr auf der Höhe des Ortes „Porto Murtinho“ – die bekannt ist unter dem Namen „Fecho dos Morros“ (etwa: Verschluss der Felswände).
Sie trägt ebenfalls zum Stau der Wasser in der Pantanalebene bei. Das Pantanal befindet sich im Zentrum von Südamerika und alle seine Gewässer sind Teil des Paraguay-Flussbeckens. Die verschiedenen Bodenerhebungen haben lokale Eigennamen, manchmal sehr eigenartige:
Serras
Nennt man die grösseren Gebirgsketten, die eine Höhe von bis zu 1.000 Metern erreichen können. Zum Beispiel der „Maciço do Urucum“ – im Süden des Pantanal – wo die Erde felsig und trocken ist. Hier bildet der „Cerrado“ die lokaltypische Vegetation, (eine Busch- und Krüppelbaum-Savanne), die in höheren Lagen in die „Caatinga“ (Halbwüste) übergeht – mit Kakteen und anderen typischen Pflanzenarten.
Morros
An einigen stellen der Pantanal-Ebene tauchen Hügellandschaften von etwa 100 bis 150 Metern Höhe auf, die „Morros isolados“ genannt werden (isolierte Hügel). Sie bilden während der Überschwemmungen ideale Fluchtinseln für die native Fauna, die dort, dicht zusammengepfercht, dem Wasser zu entrinnen sucht. Hier sieht man häufig Raubtier und Beute im gemeinsamen Überlebenskampf gegen den Tod durch Ertrinken, nebeneinander. Auf den Hochebenen findet man ebenfalls die „Caatinga“ typische Vegetation.
Cordilheiras
Sind kleine Erhebungen in der Ebene – bis zu 2 Metern – im Allgemeinen zwischen sandigen Geländeabschnitten. Ihre Vegetationsdecke wird selten von den Überschwemmungen erreicht und bietet ebenfalls willkommene Nahrung für verschiedene Tiere auf der Flucht vor dem Wasser. Diese Erhebungen bilden ausserdem natürliche Barrieren gegen das Hochwasser und schotten das Wasser der Lagunen gegen schnelleren Abfluss ab.
Jedes Jahr wiederholt sich im Pantanal der Zyklus der Überschwemmung. Die Wasser, welche sich über die Pantanal-Ebene ergiessen, haben als wichtigste Quelle die heftigen Regenfälle an den Oberläufen der Flüsse, besonders im Norden, an den Quellflüssen des Rio Paraguai. Von dieser Region aus treten die Wasser über die Ufer, und die Überschwemmung nimmt ihren Lauf hinunter gegen Süden – langsam und träge. Obwohl die wichtigste Regenperiode auf zwischen Dezember bis Februar fällt, haben die Wasser erst gegen Mai ihren höchsten Stand in der Ebene erreicht. Es gibt ausserdem noch einen gewissen periodischen Überschwemmungs-Zyklus, der aber mit weniger Regelmässigkeit eintritt: hierbei handelt es sich um aussergewöhnlich hohe Überschwemmungen, die katastrophale Ausmasse annehmen können, wie zum Beispiel in den Jahren 1905, 1959, 1974, 1976, 1977 und 1979. In diesen Jahren wurden sogar Strassen und Eisenbahnlinien überschwemmt – eine grosse Anzahl der lokalen Fauna ertrank – ebenso eine grosse Zahl von Rindern der Farmen in diesem Gebiet. Im Februar 1977 wurde zum Beispiel wegen der historischen Hochwasserkatastrophe der Ausnahmezustand in der Stadt Corumbá erklärt.
Innerhalb der verschiedenen Landschaften, die das Pantanal formen, sind die Flüsse die wichtigsten Komponenten – sie bringen immer neue Zufuhr zur natürlichen Nahrungskette. Ihre Wasser sind in der Regel lehmgetrübt und fliessen mit sehr geringer Geschwindigkeit – wegen dem schon erwähnten geringen geografischen Gefälle. Die Vegetation ihrer Ufer wechselt von Galeriewäldern über Grasebenen, Busch-Savannen und Überschwemmungs-Lagunen.
Vazantes
Sind breite, ausgedehnte Kanäle, die durch die Überschwemmung entstehen und später wieder austrocknen. Während des Hochwassers als Verbindungen zwischen zwei Flüssen zu benutzen.
Corixos
Kleinere Bäche, die permanent als Entwässerungskanäle funktionieren. Ihr Volumen schwillt allerdings während des Hochwassers derart an, dass man sie mit den Hauptflüssen verwechselt.
Banhados
Sind Tiefebenen in der Nähe von Flüssen, in die das überschüssige Wasser einfliesst und sie auffüllt. Man nennt sie auch „Brejos“ oder „Alagadiços“, je nach ihrer Grösse und Wassermenge. Um sie herum bildet sich eine typische Vegetation (Biotop), die auf feuchtem Boden gedeiht – und auf dem Wasser eine schwimmende Vegetation.
Baías
Sind Seen, deren Wasser mit einem Fluss in Verbindung steht. Sie bilden sich in der Regel auf den tiefst gelegenen Stellen der Ebene. Sie werden durch die „Cordilheiras“ voneinander getrennt und können sowohl von temporärer Existenz sein (weil sie austrocknen) als auch von permanenter. Ihre Wasser sind ruhig und präsentieren normalerweise schwimmende Vegetation, besonders an den Stellen mit wenig Wassertiefe.
Einige dieser Baías haben eine grosse Salzkonzentration, die verschiedene Tiere auf der Suche nach Nahrung während der Trockenperiode anlockt. Man nennt sie auch Lagoas Salinas (Salzlagunen).
Weil das Pantanal eine Tiefebene ist, mit Millionen von diesen Lagunen, haben sich einige Wissenschaftler überlegt, ob man hier vielleicht die Überreste eines antiken inneren Meeres vor sich hätte. Bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts glaubte man, dass diese Region ein riesiger Süsswassersee sei. Der deutsche Historiker Schmidel taufte die Gegend sogar „Lago dos Xaraés“ (See der Xaraés) nach einem Indianerstamm der dort lebte. Selbst als man später feststellte, dass es sich in diesem Fall um eine Überschwemmungs-Ebene und nicht um einen See handelte, benutzte man diesen Namen noch lange Zeit weiter.
Erst am Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Region unter dem Namen Pantanal bekannt – eine ebenfalls irreführende Bezeichnung, denn es ist eben kein Sumpf, wie der Name Pantanal (von: Pantano) aber suggeriert. Der Mythos des „Inneren Meeres“ bekam erneut Auftrieb und Anhänger in den 30er Jahren unseres vergangenen Jahrhunderts: und die Verteidiger dieser Idee glaubten, dass dort grosse Erdöllager existierten, ähnlich derer in Bolivien. Glücklicherweise fanden die Inspektoren der brasilianischen „Petrobras“, die bis in die 60er Jahre Proben des Bodens entnahmen, im Pantanal keine Anzeichen für Öl. Die Muscheln der Gegend sind aus dem Süsswasser, und die Salzwasser-Lagunen präsentieren in Wirklichkeit kohlenstoffhaltiges Wasser, welches in keinerlei Relation mit Meerwasser steht.
Jene ausgedehnte Ebene wurde, vor 60 Millionen Jahren, emporgehoben, Ergebnis des gleichen Prozesses, der die Cordilheira dos Andes (die Andenkette) schuf. In diesem angehobenen Areal klafften Brüche und senkten sich gigantische Blöcke – es entstand die Urform der Pantanal-Tiefebene. Später noch von den Sedimenten der umliegenden Gebirge, die von den Flüssen herangetragen wurden, um Hunderte von Metern aufgefüllt. Dieser Prozess dauerte Millionen von Jahren, unterbrochen von plötzlichen Klimaveränderungen – einmal trocken, dann wieder feucht.
Während der trockenen Perioden entstanden ausgedehnte Sandfelder, vom Wind zu Dünen aufgetürmt und fast ohne Vegetation. Die Regenperioden transportierten jenen Sand in riesigen Mengen bis ins Becken des Rio Paraguai – der sich in diese Sanddünen-Böschungen einfrass.
Unter diesen gigantischen Sandablagerungen, die man hierzulande „Leques“ nennt, fällt besonders die des Taquarí auf, die sich über ein Drittel der gesamten Pantanalebene hinwegzieht und die wichtigsten Flüsse der Region in sich vereint. Über diesen Sand fliesst auch der Rio Taquarí, von einer Reihe von Kanälen gespeist, deren Bett sich jeden Moment verändern kann. In den an die Taquarí-Ablagerung angrenzenden Gebieten finden sich die Flüsse Rio Miranda und Rio Paraguai, welche sich in gewundenen Kanälen, aber in einem gut definierten Bett, präsentieren.
Das Pantanal setzt sich aus einem Mosaik von verschiedenen Landschaftsformen zusammen, die alle kreuz und quer über die immense Ebene verstreut sind. Die grossen benachbarten Biosphären – der „Cerrado“ (Buschsavanne) und der Amazonas-Regenwald – komponieren sie, jeder auf seine besondere Art, mischen Pflanzen und Tiere, wie zum Beispiel die Burití-Palme und die Victoria-Regia-Wasserlilie, das „Capivara“-Wasserschwein und den blauen Hiazynth-Ara. Die „Caatinga“, obwohl normalerweise weit weg, im Nordosten Brasiliens, hat ebenfalls ihre Repräsentanten im Pantanal, besonders auf den Höhen der umgebenden Gebirge und in der Hügellandschaft – wie zum Beispiel den Kaktus „Mandacarú“.
Campo
Dies ist die im Pantanal wohl häufigste Landschaft. Sowohl in überschwemmten Gebieten als auch in höheren und trockenen Flächen anzutreffen. In den Überschwemmungsgebieten sind die Campos sauberer, das heisst, verschiedener Spezies von Gras und wenigen Bäumen oder Büschen. Dort grasen Wildtiere und Rinder in friedlicher Gemeinschaft während der Trockenperiode. In den höheren Regionen entwickeln sich die „Campos Cerrados“ – mit der typischen Vegetation des benachbarten Ökosystems: verkrüppelte Bäume mit dicker Rinde erheben sich aus der Mitte der verschiedenen Gräser.
Mata
Als Unterbrechung zwischen der niedrigen Vegetation der Campos finden wir die Waldstücke. Die so genannten Galerie-Wälder – man nennt sie hier „Matas Ciliares“ – begleiten den Verlauf der Flüsse zu beiden Seiten. Sie lieben die Feuchtigkeit, die sie in unmittelbarer Nähe der Wasserläufe das ganze Jahr über speichern können (sie bewahren die Flüsse vor Erosion). Daneben sind die „Capõe de Mata“ zu benennen: Waldstücke mit kräftigen alten Bäumen, die an eine Amazonas-Regenwaldidylle erinnern. Sie bevorzugen höher gelegenes Terrain mit fruchtbarerem Boden. Diese „Capões“ haben je nach bevorzugtem Baumbestand Namen wie „Carandazal“ – wenn die Mehrheit der Bäume aus „Carandas“ besteht, oder „Acurizal“ – wenn die meisten der Bäume „Acuris“ sind, oder „Piuvak“ – wenn die „Piuvas“ in der Überzahl sind.
Die Gegend des Pantanal gehört zu den tropisch-heissen und feuchten Klimazonen. Jährliche Durchschnittswerte der Luft liegen bei +24 Grad Celsius. Die jährliche Regenmenge beläuft sich auf 1.000 bis 1.250 Millimeter, was nicht viel ist, wenn man dies mit den Nachbarstaaten von Mato Grosso und Mato Grosso do Sul vergleicht. In diesen Bundesstaaten steigt derselbe Index auf 1.500 Millimeter pro Jahr – was die Tatsache untermauert, dass es sich im Pantanal um eine halbtrockene Region handelt.
Anmerkung: In den letzten Jahren hinterlässt der Klimawandel auch im Pantanal seine Spuren und die jeweiligen Perioden verschieben sich um einige Wochen!
Von Mai bis Juni ist die Zeit der Ebbe
Während das Wasser mit dem Rio Paraguay abfliesst, entwickelt sich in der Natur das neue Leben: Im Wasser, auf dem Land und in den Bäumen wird es jetzt besonders interessant und die Beobachtungen der Tierfamilien gehören zu den schönsten Erlebnissen und Fotomotiven. Die Temperaturen gehen zurück.
Von Juli bis Oktober sprechen wir von der Trockenzeit
Jetzt ist das Pantanal am angenehmsten. Die Flüsse sind auf ihr normales Ausmass zurückgegangen, die Wege sind wieder begeh- und befahrbar – keine Moskitos. Alle Arten von Tieren können in der Umgebung der Flüsse beobachtet werden. Die Temperaturen gehen nachts bis auf 10 Grad Celsius herunter.
Von November bis Januar ist Regenzeit
Die Fische ziehen mit den steigenden Wassern stromauf um zu laichen. Die Mückenplage – in den übrigen Monaten unbedeutend – nimmt jetzt ein lästiges Ausmass an, geht aber merkbar zurück, sobald die ersten Regenfälle einsetzen. Trotzdem eine besonders schöne Zeit für das Erleben der Landschaft, die mit der Feuchtigkeit wieder grünt und blüht. Die Tierwelt lebt in dieser Zeit etwas zurückgezogener, denn Wasser gibt es jetzt in den verstecktesten Winkeln genug. Die Temperaturen steigen auf 37 Grad Celsius an.
Obwohl die jährlichen Temperaturwerte als relativ konstant anzusehen sind, gibt es immer mal wieder Temperatureinbrüche, die schon mal auf –1 Grad heruntersinken oder auf +41 Grad anstiegen. Der Grund dieser thermischen Kontraste liegt beim Austausch der Luftströmungen in Richtung Nord-Süd – zwischen der „Cordilheira dos Andes“, dem Westen, und dem „Planalto Brasileiro“, dem Osten. Im Winter (Juni/Juli/August) kanalisiert dieser Korridor die kalten Winde vom Süden, die zum Äquator hinfliessen und verursacht so eine ausgeprägte Abkühlung – die man im Pantanal „Friagem“ nennt.
Dieses Phänomen erlebt man manchmal bis zu fünfmal in einem Jahr, und in anderen Jahren kann es völlig ausbleiben. Diese Abkühlung erreicht sogar das Tal des Amazonas. Dies geschah zum Beispiel im Juli 1975, als der Zentrale Süden und der brasilianische Westen den „Frost des Jahrhunderts“ erlebten: kalte, trockene Winde wehten über das Pantanal mit 40 km/Std. und die Temperatur sank während einer Nacht auf 0 Grad! Das Gegenteil kann ebenfalls eintreffen, wenn die Winde vom Norden her wehen, heiss und feucht kommen sie vom Amazonas her und werden durch denselben Kanal geschleust.
Solche plötzlichen Klimaumstürze werden in der Regel von orgastischen Regengüssen im Pantanal begleitet. Hier fällt dann in wenigen Stunden soviel Wasser vom Himmel, wie unter normalen Umständen während eines ganzen Monats. Im Januar 1987 wurden in Corumbá (Süd Mato Grosso) binnen 24 Stunden 145 mm Regen registriert! Die erwähnten Winde aus dem Norden verbinden sich gelegentlich noch mit denen aus dem Westen, welche, vom Pazifik kommend, die Anden überqueren – es entstehen Sturmfronten, die sich im allgemeinen während der Nacht über Paraguay bilden und sich dann in Richtung Mato Grosso verlagern. Unablässiger Donner und Blitz, heftiger Regen und peitschender Sturm sind die Folgen.
Zwischen Mai und Juni präsentiert die Ebene ihren höchsten Wasserstand. In dieser Zeit funktionieren die gefüllten Lagunen wie riesige Wasserreservatorien. Einige von ihnen speisen nun die Flüsse, die anfangen, in ihr normales Bett zurückzuweichen. Obwohl man zwischen den einzelnen Lagunen mit dem Auge kaum bemerkenswerte Unterschiede erkennen kann, unterscheidet sich einer jeden Fauna und Flora doch wesentlich voneinander. Das hängt von der unterschiedlichen Wassertiefe, der jeweiligen Bodenbeschaffenheit und dem Mineralgehalt des Wassers zusammen. Lagunen sind bevorzugte Aufenthaltsorte der grossen Vögel und der Kaimane auf der Suche nach Nahrung. Manche Lagunen besitzen darüber hinaus noch einen geringen Salzgehalt – aus aufgelösten Salzen des Bodens – diese „Salzlagunen“ locken bestimmte Tiere an, die das abgelagerte Mineral an ihren Ufern auflecken. Aquatische Kleinlebewesen wachsen in dieser Umgebung heran, die wiederum besonders bestimmten Wasservogelarten zur Nahrung dienen.
Die Fauna des Pantanal besteht aus unzähligen Spezies. Einige sind auch in den benachbarten Ökosystemen vertreten (im Cerrado und im Amazonas), andere wiederum kommen exklusiv im Pantanal vor.
Das herausragende Symbol der pantanensischen Fauna ist der „Tuiuiú-Storch“ – auch „Jabirú“ genannt – ein gigantischer Vogel, der die Aufmerksamkeit des Besuchers sowohl durch seine Grösse als auch durch seine Farben Weiss, Schwarz und Rot auf sich lenkt. Eine andere Tierart, die ebenfalls unmittelbar von diesem besonderen Ökosystem abhängig ist, ist der Brillenkaiman (Jacaré), häufig im gesamten Pantanal und leicht zu entdecken, wenn er ein Sonnenbad am Fluss- oder Seeufer nimmt.
Ein aufmerksames Ohr
Ein scharfes Auge, eine Taschenlampe für die nächtlichen Abenteurer und ein Fernglas für die Beobachter am Tag – das ist alles, was man braucht, um unwahrscheinlich interessante Eindrücke aus diesem Tierparadies einzufangen. Trockenheit oder Überschwemmungszeit? Egal wann! Die reiche lokale Fauna erlaubt Begegnungen mit Tieren an jeder Stelle und zu jeder Tages- und Nachtzeit. Wer schon einmal davon gehört hat, dass man die Tiere in der Trockenzeit konzentriert um die Lagunen herum vorfindet, dem sei gesagt, dass man solche Tierkonzentrationen während der Überschwemmung dafür um das höher gelegene Festland beobachten kann. Wenn man einen Bootsausflug macht, sollte man die Ufer nach Wasser trinkenden Tieren absuchen.
Säugetiere
Verschiedene Arten leben im Pantanal. Einige bevorzugen die Nähe des Wassers – wie zum Beispiel das Capivara (Wasserschwein) und der Pantanal-Hirsch – andere leben direkt im Wasser, wie der Flussotter (Ariranha) und es gibt auch Arten, die grundsätzlich nur in höher gelegenen Regionen ohne Wasserläufe anzutreffen sind, wie der Ameisenbär (Tamanduá) oder der Veado-Campeiro (Hirschart, welche die trockenen Campos bevorzugt). Das bekannteste und gefürchtetste Säugetier ist der gefleckte Jaguar (Onça Pintada). Ein erfolgreicher Jäger, dessen Überlebenschancen nicht allzu gut stehen, weil er von den Farmern des Pantanal besonders verfolgt wird. Die vom Menschen in dieser Region eingeleitete Verdrängung seiner natürlichen Beutetiere hat den Jaguar auf das Schlagen von Rindern spezialisiert – und dies seine gnadenlose Verfolgung ausgelöst.
Vögel
Die grossen Wasservögel ziehen die Aufmerksamkeit des Pantanal-Besuchers zuerst auf sich. Reiher (Garças), Schlangenhalsvögel (Biguás), Störche (Jabirús) und (Cabeça Secas) fallen zuerst auf. Die Nester der „Jabirú-Störche“ entsprechen der Grösse ihrer Bewohner: riesige verflochtene Äste – ein Durchmesser von 2 Metern in der Regel – in schwindelnder Höhe eines alten Baumes, der den Eltern und ihren Jungen als Wohnung dient. Im Allgemeinen wird derselbe Baum über mehrere Jahre vom gleichen Storchenpaar als Wohnung benutzt. Neben den erwähnten Wasservögeln sind es besonders die bunten Aras und Papageien-Arten, die der Region eine besondere Bedeutung für Vogelliebhaber einräumen.
Die Araras Azul (blauen Aras) zum Beispiel, sind in anderen Gegenden Brasiliens fast ausgestorben, können aber im südlichen Pantanal regelmässig beobachtet werden. Die Anhumas fallen auf durch ihre besonders schrillen Warnrufe, mit denen sie der gesamten Fauna signalisieren, wenn sich in ihrer Umgebung eine verdächtige Bewegung bemerkbar macht. Aus diesem Grund nennt man sie auch die „Schildwachen des Pantanal“. Die Vielfalt der Vögel im Pantanal ist ausserordentlich – mehr als 690 verschiedene Arten von grossen und kleinen, bunten und lärmenden Vertretern der Vogelwelt kann man hier begegnen – auf jeden Fall ein herrliches Spektakel.
Reptilien
Auf den ersten Blick können Kaimane und Anacondas den Besucher wohl erschrecken, aber sie entzücken durchaus, wenn man ihnen ein bisschen länger zuschaut. Als Beutemacher der obersten Ernährungskategorie, sind sie sehr wichtig für das Gleichgewicht in der Pantanal-Fauna. Die Jagdmethode der Anaconda-Riesenschlange ist besonders interessant: sie umschlingt ihre Beute derart, dass der Tod durch Ersticken eintritt. Cágados (Landschildkröten), Jiboias (Boa Constrictor), Jararácas (Puffottern) und Lagartos (Eidechsen) – wie Tejús, Iguanas und die Víbora-do-Pantanal – können den Weg des Besuchers kreuzen – letztere kann eine Körperlänge von 1,5 Metern erreichen. Es ist kein aggressives Tier und, trotz des gefährlichen Namens, ist es nicht giftig, und es flüchtet immer, wenn es sich bedroht fühlt.
Amphibien und Wirbellose
Frösche und Kröten sind sehr zahlreich durch die grossen Wassermengen in dieser Region. Die Insekten sind eine andere Gruppe, die durch ihre Farben und Formen dem Besucher auffallen: Libelulas (Libellen), Borboletas (Schmetterlinge), Mariposas (Nachtfalter), Formigas (Ameisen) und eine Unzahl der verschiedensten Moskitos und anderer stechender Insekten, machen dem unvorbereiteten Besucher das Leben nicht leicht.
Muscheln, wie zum Beispiel die Caramujo-Aruá, beliebte Speise der Kaimane und besonders des Gavião-Caramujeiro (Muscheln fressende Falkenart), findet man im Überfluss an den Seeufern. Ihre rosafarbenen Ei-Ketten sind an die Stängel der Wasserpflanzen geklebt.
KAIMANE AUS DER NÄHE BETRACHTET
Im Verlauf von Jahrzehnten wurden im Pantanal Millionen von Jacarés (Kaimane) getötet, um deren Häute an die Fabrikanten von Taschen, Schuhen, Gürteln und anderen Produkten zu verkaufen. Während der Nacht treiben diese Tiere im Wasser, nur ihr Kopf schaute über die Wasseroberfläche. Wenn man den Lampenstrahl auf sie richtet, reflektieren ihre Augen den Lichtstrahl feuerrot – dadurch entdeckt man sie mit Leichtigkeit. Ein geübter Jäger konnte sie so sehr leicht abschiessen oder mit einer Harpune aufspiessen. Und den Häute-Jägern fielen Hunderte von diesen Tieren in wenigen Stunden einer Nacht zum Opfer.
Heute ist diese Problem praktisch gelöst: das Brasilianische Institut für Umwelt (IBAMA) hat bereits die Genehmigung zur Züchtung von Kaimanen in Gehegen erteilt: jetzt können sowohl ihr Fleisch als auch ihre Häute – mit Züchtungs-Zertifikat – in den Handel gebracht werden. Solange es Abnehmer für Produkte gibt, die von Wildtieren herstammen, solange wird es auch Jäger geben, die solche Tiere abschiessen. Eine Möglichkeit, diese illegale Jagd und den entsprechenden Handel mit Tierprodukten zu unterbinden besteht darin, sie den Behörden zu melden.
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WENN DIE PIRANHAS ANGREIFEN
Viele Leute glauben, dass diese Raubfische einfach Personen angreifen und sie sogar mit ihren spitzen Zähnen zerfleischen und verschlingen können. In Wirklichkeit ist Piranha ein genetischer Name für verschiedene fleischfressende Spezies des Süsswassers, welche normalerweise in seichten und ruhigen Gewässern leben, unter der aquatischen Vegetation. Sie greifen keine grösseren Tiere an, es sei denn, sie wären verletzt oder dringen in ihr Territorium ein. Sie sind extrem gefrässig und können, in nur wenigen Minuten, ein grosses Beutetier zerstückeln und verschlingen. Grösste Vorsicht ist geboten, denn es ist schwierig zu sagen, an welchen Stellen sie sich in grossen Konzentrationen aufhalten, und noch schwieriger, wann man ihr Territorium verletzt. Im Allgemeinen wissen die Bewohner der jeweiligen Gegend am besten Bescheid, und man sollte sie konsultieren, bevor man zu einem erfrischenden Bad in einen Fluss oder See springt. Der natürliche Feind der Piranhas ist der Kaiman – wo sich Kaimane aufhalten, sind die Piranhas weniger vertreten.
„NINHAL“, DIE WOHNGEMEINSCHAFT
Hierbei handelt es sich meist um einen riesigen Verbund von ausladenden Bäumen, auf denen die verschiedensten Arten von Wasservögeln ihre Nester gebaut haben – man nennt diese Wohngemeinschaften auch „Viveiros“ (etwa: Lebensgemeinschaften). Sie finden sich als Baumgruppen, in der Regel am Rand von Lagunen, Seen und Flussufern, in und an deren Wasser die einzelnen Bewohner reichlich Nahrung finden. Eine solche Wohngemeinschaft hat verschiedene Vorteile für die einzelnen Mitglieder: zum Beispiel den der grösseren Chance vor Beutejägern gewarnt zu werden und so zu überleben. Der Streit um die tägliche Nahrung am Wasser hält sich in Grenzen, denn an den für die Wohngemeinschaft ausgesuchten Stellen ist Nahrung während der gesamten Brutzeit reichlich vorhanden.
„PIRACEMA“, DIE SCHONZEIT DER FISCHE
Die Periode zwischen Oktober und März, wenn die Fische gegen den Strom schwimmen, um zu ihren Laichplätzen zu gelangen und sich fortzupflanzen, nennt man in Brasilien „Piracema“. Die ungestörte Entfaltung dieses Phänomens ist von grundsätzlicher Bedeutung für den bekannten Fischreichtum der Flüsse und Seen des Pantanal. Die Regierungen von Mato Grosso und von Mato Grosso do Sul, vertreten durch ihre „Polícia Florestal“ (Naturschutz-Polizei), sowie die Landesregierung in Brasília, vertreten durch die IBAMA (Umweltschutz-Behörde), machen zusammen die grössten Anstrengungen, nicht nur die Fischerei in diesen besonderen Monaten vollkommen zu unterbinden, sondern die Fischerei – sowohl die der Amateure wie die der Professionellen – Regeln und Kontrollen zu unterwerfen, die zum Wohl des zukünftigen Fischbestandes festgelegt wurden.
Das Fischen (Angeln) wird als kriminelles Delikt betrachtet…
…an Plätzen oder innerhalb von Zeiten, die vom Naturschutz untersagt sind.
…wenn es mit Hilfe von Explosiv- oder toxischen Stoffen vorgenommen wird.
…innerhalb eines Abstands von weniger als 500 m zu einem Abwasserkanal.
…innerhalb weniger als 200 m zu Dämmen, Stromschnellen, Wasserfällen, Zu- und Abflüssen von Lagunen und Seen.
…von seltenen Arten, die erhalten werden müssen oder von Exemplaren, deren Grösse unter dem erlaubten Limit liegt.
…wenn verbotene technische Hilfsmittel oder Methoden angewendet werden.
Verbotene technische Hilfsmittel oder Methoden sind:
…Fallen vom Typ Reuse und jedwede fixierte Fanggerätschaft.
…Apparaturen zum Tauchen
…Apparaturen, die elektrische, auditive oder Lichtsignale aussenden.
…Dreizack, Harpune, Dreier-Haken, etc.
…Schleppnetz, Wurfnetz, Netze aller Art.
…Toxische Substanzen oder Explosivstoffe – jedwede Art von Apparat.
Geangelt werden darf:
Mit Schnur in der Hand, mit einer einfachen Angelrute oder einer mit Rolle gerüsteter Angelrute. Jeder Amateur-Angler darf aus den Gewässern 30 kg Fisch und ein Exemplar zusätzlich, egal welchen Gewichts, mitnehmen. Der Fang darf nicht ohne Kopf und nicht ohne das behördliche Siegel der „Polícia Florestal“ transportiert werden.