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Tracey Rose
CrooningCroonCrooners (2005)
Die Arbeit wurde für eine Ausstellung mit dem Titel The David Exhibition konzipiert, die von Liza Essers für das Michelangelo Towers Hotel, ein Fünf-Sterne-Hotel in Sandton, Johannesburg, kuratiert worden war. Eine Reihe Künstler:innen waren eingeladen, sich mit Michelangelos David auseinanderzusetzen. Rose entschied sich, David von seinem Sockel zu stossen, ihn von seinem Podest herunterzuholen. Zu diesem Zweck entwickelte sie drei Figuren, von denen eine von ihr selbst verkörpert wurde. Ein von Rose verfasster Text, ein kritischer Gesellschaftskommentar, sollte als Performance zur Eröffnung in dem Einkaufszentrum neben dem Hotel vorgetragen werden – parallel zum Empfang, an den unter anderem der damalige Präsident Thabo Mbeki eingeladen war. Die beiden titelgebenden Schnulzensänger (crooners) waren an einer abwärts fahrenden Rolltreppe positioniert, einer am oberen Ende und einer unten, während Rose, mit Steppschuhen ausgerüstet und kontinuierlich gegen die Abwärtsbewegung ankämpfend, auf der Rolltreppe nach oben zu klettern versuchte und dabei unablässig Kate Bushs Running Up That Hill sang, bis sie erschöpft aufgab und nach unten gefahren wurde, wo sie von ihrem Mitsänger weggeführt wurde. Die Künstlerin hatte Nachforschungen über König David angestellt – tatsächlich war dieser ein schwacher, alter Mann, der nicht in der Lage gewesen sein konnte, den Riesen Goliath zu töten. Rose hatte Michelangelos Darstellung und die in der westlichen Kunst herrschende Vorstellung vom starken, schönen Kämpfer somit als falsch entlarvt. Darüber hinaus ist die Figur, wie sie Michelangelo darstellt, nicht beschnitten, aus Sicht von Rose eine weitere Ungenauigkeit, wenn man bedenkt, dass David jüdisch war. Das in den Fotografien benutzte Blackface-Makeup verweist auf den Minstrel-Karneval in Kapstadt, den Tweede Nuwe Jaar, der jedes Jahr am 2. Januar stattfindet. Mit den Mitteln der Parodie kommentiert Rose das Zurschaustellen von Macht am Beispiel des David. Ähnlich ironisch geht Rose mit Davids Steinwurf um, indem sie die Frage aufwirft, wie ein Akt der Gewalt in eine poetische Geste umgewandelt werden kann.