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Zwischen dem 1. Oktober 1982 und dem 31. Dezember 2001 war ich Mitglied der Produktionsgenossenschaft infolink, die seit dem Oktober 1981 die WochenZeitung (WoZ, seit Herbst 2003: WOZ) herausgibt.
In den frühen 1980er Jahren verstand man sich als Teil der Selbstverwaltungsbewegung und als Kollektiv, dessen Mitglieder basisdemokratisch – und später, nachdem der Betrieb auf mehr als zwei, drei Dutzend Vollstellen angewachsen war – in flachen, ziemlich kraftlosen hierarchischen Strukturen und bei Lohngleichheit über alle Funktionen hinweg gearbeitet haben. Die formelle Macht wurde vom «Plenum» der MacherInnen ausgeübt, Altgediente verfügten daneben von Fall zu Fall über eine beträchtliche informelle Macht.
Die Zeitung positionierte sich von Anfang an parteiunabhängig links und eroberte innert weniger Jahre einen Nischenmarkt, in dem gegen fünfzehntausend Zeitungen absetzt wurden – zu Beginn mehrheitlich an Kiosken und im Strassenverkauf, bald einmal mehrheitlich über Abonnemente. Diese Nische wuchs bis Ende 2001 nicht stark.
Wenn Othmar Hersche seine berufliche Autobiografie «Erinnerungen an den Journalismus»[1] nennt, dann sind die in diesem Mäander versammelten Werkstücke einige Erinnerungen an den alternativen Journalismus. Gemeinsam ist seinen und meinen Aufzeichnungen, dass sie von einem Beruf handeln, dessen Ethos von kunsthandwerklichem Nonkonformismus und pathetisch verteidigtem Aufklärungsanspruch getragen worden ist. Mit der heutigen, elektronisch gestützten Fliessbandarbeit der Medienindustrie-Arbeiterschaft, die es sich nicht einmal mehr leisten will, zwischen «Journalismus» und «Public relations» prinzipiell zu unterscheiden, hatte diese Berufsauffassung wenig zu tun. So gesehen stehen sich Hersche und ich vermutlich näher als mir junge «engagierte» Festangestellte auf den heute verbliebenen Printredaktionen stehen – auch wenn Hersche als Mann der CVP damals bis zum Chefredaktor des «Vaterlands» und zum SRG-Direktor aufgestiegen ist und ich zeitlebens ein linksalternativer Querein- und -aussteiger geblieben bin.
[1] Otmar Hersche: Erinnerungen an den Journalismus. Zürich (Rotpunktverlag) 2008.
(2009; 22.08.+10.09.2017)