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Die Ürtekorporation Stansstad wird nach den Bestimmungen des auf dem Kantonalen Korporationsgesetz basierenden Grundgesetzes geführt. Zweimal im Jahr finden die Ürtegemeindeversammlungen statt, an denen die Ürtebürgerinnen und Ürtebürger zu den traktandierten Geschäften Stellung nehmen. Zurzeit sind 64 Ürtebügerinnen und Ürtebürger im Register eingetragen.
Die Ürtekorporation Stansstad, also die Vorgängerin der heutigen Gemeinde, lässt sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Bis zirka 1420 war die Ürte ein Teil der Genossenkorporation Stans und wurde in diesem Jahr selbstständig.
Die Wälder der Korporation
Auf den Wäldern von Obbürgen lastete bis 1970 ein Servitut. Dieses ermöglichte es 28 Liegenschaften Holz zu beziehen für den Bau und Unterhalt von Gebäuden. Für Sag- und Bauholz musste der Arbeitslohn bezahlt werden sowie ein so genanntes Luoder von Fr. 7.00 pro Kubikmeter, für das Brennholz der Arbeitslohn sowie ein Luoder von Fr. 2.00 pro Klafter. Das Luoder war für den Unterhalt und die Verwaltung des Waldes bestimmt. Am 23. Februar 1967 wurde der Obbürger Wald durch einen Orkan teilweise zerstört. 4000 Kubikmeter Holz lagen am Boden. Die Ürte forstete den Wald mit 20’000 Jungbäumen auf und erschloss die Wälder mit Forststrassen. Der Lopperwald gehörte ursprünglich dem Staat. Damit dieser jedoch seine Schulden aus dem Sonderbundskrieg begleichen konnte, verkaufte er die Waldungen für 3000 Gulden (Fr. 5400.00) an die Ürte.
Mit einer vielfältigen Baum- und Pflanzenwelt scheint der Lopperwald eher im Süden der Schweiz zu liegen - mit einer entsprechend grossen Waldbrandgefahr. Nach dem letzten grossen Waldbrand vom 29. März 1953 mussten 600 Kubikmeter Holz gefällt werden. Zur besseren Durchforstung wurde der Lopperwald 1985 durch Waldstrassen erschlossen. Noch heute sind die Lopperwaldungen mit einem so genannten Geissrecht belastet. Die Besitzer der Acheregg haben das Recht, 30 Ziegen in den Wald zu treiben. Auf Grund des neuen Forstgesetzes sollte dieser Waldtrieb verboten werden. Schliesslich sprach das Gericht dem Besitzer der Acheregg eine jährliche Rente von Fr. 300.00 zu, so lange ein Ürtner deren Besitzer ist.
Das Ried wurde aufgeteilt
Das Stansstader Ried wurde früher unter den Bürgern durch das Los aufgeteilt. Jeder erhielt ein Stück für seine Nutzung. Meist wurden Getreide und Gemüse angebaut oder Streu gewonnen. Zudem durfte jeder Bürger im Wald zwei bis drei Tage Holz für seinen Haushalt sammeln. Da aber der Ertrag der verschiedenen Lose nicht gleich war, kam es zu Unzufriedenheiten. Aus diesem Grund wurde beschlossen, die Streuflächen sowie das Holz zu versteigern und den Erlös gleichmässig zu verteilen.
Im Krisenjahr 1847 wurde zwischen der Ürte und Kaspar Blättler ein Vertrag unterzeichnet. Blättler erhielt 6000 Klafter (21’000 Quadratmeter) Riedland zur freien Verfügung. Er verpflichtete sich jedoch, das Ried in gutes Wiesland zu verbessern und es jährlich mit fünf Rappen pro Klafter zu verzinsen. Davon gingen drei Rappen an die Schulen von Stansstad, Obbürgen und Kehrsiten, zwei Rappen als Grundzins an die Ürte. Nach Ablauf der Vertragsdauer wurde die Ürte verpflichtet, die Hälfte des jährlichen Reinertrages an die Schule abzuliefern. Dies sicherte die Besoldung des Lehrers. So wurde das so genannte «Schulried» geboren und verbrieft.
1936 trat die Ürte 15 Hektaren Streuland für 30 bis 40 Rappen pro Quadratmeter an den Kanton ab. Bedingungen waren, dass der Kanton die Fischrechte in den Rohren (zwischen Acheregg und Rotzbach ) ablöste und dass der Seerosenweg, der 1932 dem Verkehrsverein Stansstad kostenlos zur Verfügung gestellt wurde, nicht vom Seeufer wegverlegt werden darf. Der Erlös wurde in den Kriegsjahren 1939 bis 1945 in die Melioration des Riedes Stans-Stansstad investiert.
Der Bau der Autobahn
1961 wurden der Bau der Autobahn sowie der Luzern-Stans-Engelberbahn (heute Zentralbahn) aktuell. Die Ürtekorporation Stansstad musste 22’000 Quadratmeter Land verkaufen. Mit dem Erlös erstand sie die Liegenschaft «Stollen» in Malters. Diese wurde in der Folge saniert und erhielt eine neue Scheune. Seither sind zwei landwirtschaftliche Liegenschaften, die «Allmend» in Obbürgen und der «Stollen» in Malters, im Besitz der Ürtekorporation Stansstad.
Den Grossteil ihrer Besitzungen in Stansstad hat die Ürte im Verlauf der Jahrzehnte als Bauland veräussert. Die Ürtekorporation überbaute selber das Seehofgebiet und besitzt heute 120 Mietwohnungen am Vierwaldstättersee. Weitere Teile sind als Baugebiete reserviert, um eine weitere Entwicklung der Gemeinde sicherzustellen. Die Entwicklung von Stansstad sowie der Zuzug von Fabrikations- und Gewerbebetrieben sind also zu einem grossen Teil der Korporation zu verdanken.
Bis 1850 waren die Ürtner auch für das Wohl und die Verwaltung der Gemeinde zuständig. 1502 stellten sie das für den Bau einer Kapelle benötigte Land auf dem heutigen Dorfplatz gratis zur Verfügung. Der Unterhalt der Kirche wurde aus dem Holzertrag des Kilchliwaldes bestritten, welcher der Ürte gehört. Auf Grund der Bundesverfassung von 1848 übernahmen Mitte des vorletzten Jahrhunderts Bezirksgemeinden die Aufgabe der Ürte. Diese befasste sich fortan nur noch mit der Verwaltung und Bewirtschaftung ihrer Güter und Waldungen.
Andacher / Adacher
1385 erstmals urkundlich erwähnt. Ihre ersten Vorfahren hatten ihren Stammsitz im «Ennetacker» zu Büren ob dem Bach oder Blätzeten Ürthi1642, 1659 und 1668 erwarben sie das Stansstader Ürterecht.
Baggenstoss
1559 erstmals erwähnt im Zusammenhang mit einer Schuld an die Frauen von Engelberg. 1629 stirbt ein Zweig der Familie aus. Heute sind keine Ürtner mit diesem Namen mehr in Stansstad ansässig.
Bircher
1608 flüchteten die Bürchers wegen des Glaubenskrieges aus dem Kanton Bern nach Nidwalden. Auf dem Bürgenberg übernahmen sie eine Liegenschaft. 1614 an der Landsgemeinde nach fünfmaliger Abstimmung für 300 Gulden eingebürgert. Seit 1647 Ürtner von Stansstad.
Engelberger
1396 erstmals erwähnt. Der Name scheint mit den Boten des Klosters Engelberg in Verbindung zu stehen. 1442 wird der Name Engelberger erstmals als Ürtner von Stansstad erwähnt.
Flüeler
1396 wird erstmals ein Jenni Flüeler als Stifter der Frühmesserei in Stans erwähnt. Der Wohnsitz befand sich in Büren. 1514 wandte sich ein Teil nach Stans, 1586 nach Buochs, 1630 nach Waltersberg. Letztere nannten sich fortan Flühler, während der andere Teil 1637 in Stansstad das Ürterecht erhielt.
Hermann
Um 1300 in Zug beheimatet. In Stansstad erscheinen sie 1397 als Ürtner. Sie sind somit das älteste Geschlecht, das noch in der Ürte vertreten ist.
Rothenfluh
Dieses Geschlecht wird erstmals 1380 im Kanton Luzern erwähnt. 1638 wurden die Rothenflue in Nidwalden für 300 Gulden als «Landlüth» angenommen. Seit 1668 Ürtebürger von Stansstad.
von Büren
Ein altes Nidwaldner Adels-Geschlecht, das im Jahr 1375 zum ersten Mal erwähnt ist. Ürtner seit 1651.
Ein weiteres Geschlecht, dasjenige der «von Kirsiten», ist um 1780 ausgestorben. Heute leben noch ungefähr 65 Ürtebürgerinnen und Ürtebürger in der Gemeinde Stansstad. Sie sind Eigentümer der Wälder und der Liegenschaft «Allmend» in Obbürgen, dem Lopperwald, dem 1961 gekauften Heimwesen «Stollen» in Malters und der Überbauung Seehof in Stansstad.
Die Ürtekorporation Stansstad ist Besitzerin von über 100 Mietwohnungen im Seehofgebiet in Stansstad. Um das Holz aus den eigenen Wäldern gut verwerten zu können plante die Korporation ursprünglich eine Fernwärmeheizung mit Holzschnitzel. Dabei wurde die Planungskommission auf eine weitere Möglichkeit aufmerksam – eine Fernwärmeheizung – bei der das gereinigte Wasser der ARA als Energiequelle genutzt werden kann. Die Anlage ist in dieser Grösse eine der ersten in der Schweiz.
Damit ein Wald ausreichend vor Steinschlägen, Erdrutschen oder Erosionen schützt, muss er stabil sein. Deshalb führt die Ürtekorporation Stansstad mit ihrem Forstteam regelmässig Holzschläge im unwegsamen Gelände im Schutzwald Stansstad durch, um den Wald zu verjüngen.