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Die
wichtigste Grundlage des Islams ist der Koran (arab.: qur'an: Rezitation).
Der Koran ist nicht das Wort des Propheten Mohammed, sondern das
unverfälschte Wort Gottes, das durch den Propheten, Gottes Instrument Mohammed,
den Menschen verkündet wurde.
Der "Urkoran", der nach muslimischem
Glauben, im Himmel auf einer "wohl verwahrten Tafel" verborgen ist, hat
sich manifestiert im geschriebenen Koran, das zu berühren nur dem
rituell Reinen erlaubt ist und daszu rezitieren "die erhebendste und erbaulichste
Beschäftigung" ist.
Der
Stil des Korans ist nach islamischer Auffassung einzigartig, unnachahmbar
und enthält nicht nur in übermenschlicher Schönheit die
Lösung aller Probleme, daneben liegen auch in der Anordnung seiner
Verse, seiner Buchstaben ungeahnte, dem menschlichen Auge verborgene,
göttliche Geheimnisse.
Die
jetzige Anordnung der Koranverse ist nicht chronologisch. Unter dem Kalifen
Uthman wurden die einzelnen Kapitel, die Suren, ihrer Länge nach in
absteigender Ordnung zusammengefasst.
So stehen die kurzen ältesten
Drohungen des letzten Gerichts ziemlich am Ende des Korans. Lediglich zu
Beginn ist als Einleitung eines kurzes Gebet gewählt worden, die Fatiha,
die "Eröffnende", ein kurzes Gebet, das zu den meistzitierten Gebeten
des Islams zählt.
Nach
der Sure des Einheitsbekenntnisses sind zwei abschliessende Gebetsformeln
gesetzt, in denen um Schutz vor bösen Menschen und Geistern gebeten
wird.
Alle 114 Suren tragen kurze Überschriften ("Die Kuh",
"Der Stern" usw.) Vor der Rezitation jeder Sure ist eine Schutzformel gegen
den Satan zu sprechen und die "Basmala" (im Namen Gottes des Barmherzigen,
des Erbarmers).
Die Fatiha und eine Reihe der kurzen Suren werden im täglichen Gebet rezitiert,
manchen Suren werden besondere Kräfte zugeschrieben. Bestimmte Verse sind besonders beliebt zum Schmuck der Moscheen oder gelten als schutz-
und segenbringend.
Der
Koran, dessen spätere Teile so manche irdischen Befehle, Anordnungen
des Alltags und der staatlichen Ordnung enthalten, stand durch die Jahrhunderte
hindurch im Mittelpunkt islamischer Forschung und Studien.
Aus
der Beschäftigung mit seiner Sprache entwickelte sich die Grammatik
und Rhetorik, der Glaube an seine Unübersetzbarkeit zwang die den
Islam annehmenden Nationen, Arabisch zu lernen mit der Folge, dass
viele afrikanische und asiatische Sprachenteilweise von der Bildfläche
verschwanden.
Um der Heiligkeit des Gotteswortes auch sichtbaren Ausdruck
zu verleihen, wird es im Haus an einem möglichst hohen Ort aufgehängt,
so dass kein Buch über ihm stehen kann.
Der Koran,
die "Mutter des Buches" umm al-kitab, ist für einen Muslim zunächst
oberste Richtschnur für alles Handeln, dient ihm aber auch zur Belehrung
und Erbauung. Er enthält Ermahnungen, Erzählungen von den Propheten,
Gerichtsreden und endzeitliche Weissagungen.
Ein für den muslimischen
Alltag essentieller Teil nennt gesetzliche und religiöse Pflichten
und Verbote,sowohl für die religiösen als auch für die weltlichen
Lebensbereiche, die im Islam ohnehin nicht streng abgegrenzt werden können.
Der Koran ist durchweg in Reimprosa gehalten.
Eine
Übersetzung des Korans ist nach muslimischen Verständnis nicht
möglich, dem Sinn des vollkommenen Wortes Gottes vermag man durch
die Übersetzung in eine andere Sprache nur näher zu kommen. Jeder
Gläubige, der den Koran rezitiert, muss dies auf arabisch tun. Nicht
zuletzt deshalb hat der Koran einen entscheidenden Anteil an der Verbreitung
der arabischen Sprache und Schrift, noch heute lernen die meisten Kinder Hocharabisch anhand des Korans.
Zur
Koranexegese und der rechtlichen Auslegungvon Koran und Sunna gehören
die genauen Kenntnisse des klassischen Arabisch und der Grammatik. Da es
erforderlich war, den durch den Engel Gabriel übermittelten
Originaltext adäquat wiederzugeben, entwickelte sich eine wissenschaftliche
Koranrezitation. Hierbei wurde minutiös festgelegt, wie Konsonanten
zu artikulieren sind, wie die Vokalisierung erfolgt und in welches Zeitmass
Lautgruppen gebracht werden dürfen. Daneben müssen Vorschriften
hinsichtlich der Texteinteilung beachtet werden, damit der Sinn des Textes
nicht entstellt wird. Anerkannte Koranleser sind Spezialisten, die ein
jahrelanges Studium hinter sich haben.
Man
unterscheidet zwei Arten von Koranlesung: Die eine erfolgt im normalen
Sprechtempo und dazu sollte jeder Muslim in der Lage sein. Die zweite vollzieht
der Koranleser hingegen in einem wesentlich langsameren Sprechtempo unter
peinlich genauer Einhaltung der Artikulationsregeln. Bei letzterer, die
auch das Ziel hat, ästhetische Qualitäten des Textes herauszustellen,
rezitiertder Leser meist unter Zuhilfenahme einer Melodisierung, die bei
Meistern ihres Fachs den höchsten Ansprüchen der arabischen Kunstmusik
entsprechen kann - wenn gleich eine solche Koranlesung nach islamischem
Verständnis niemals als Musik verstanden wird.
Anlässe, bei denen
der Koran gelesen wird, gibt es viele: Beim Gottesdienst in der Moschee,
bei Zeremonien und Feiern wie Hochzeit und Begräbnis, aber auch bei
weltlichen Veranstaltungen wie politischen Zusammenkünften oder der
Einweihung von Gebäuden. Es ist aber auch durchaus üblich, dass
man sich zwanglos trifft, um Koranlesungen zu lauschen und darüber
zu diskutieren.
Obwohl
der Islam weder Sakramente noch eine Priesterweihe oder Konzile kennt und
ihm die Dreifaltigkeit in Erinnerung an den vorislamischen Polytheismus
verdächtig ist, hat er mit dem Judentum und Christentum mehr gemeinsam,
als allen für gewöhnlich bewusst ist.
Die
direkte Verwandtschaft zeigt sich unter anderem darin, dass Muslime sämtliche
Propheten der beiden Vorgängerreligionen verehren, allen voran Abraham
(Ibrahim), Moses (Musa) und Jesus (Isa) und deren heilige Bücher
- das Alte und das Neue Testament, Psalter, Thora und Evangelium, anerkennen.
Allen Propheten gemeinsam ist die Aufgabe, den Menschen in seiner Vergesslichkeit
an die ursprüngliche Offenbarung zu erinnern, zum Gehorsam zu ermahnen
und falls nötig, wieder auf den richtigen Weg zu führen.