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Daniel Aenishänslin
Die Geschichte der Monopol AG, heute Monopol Colors, ist wahrlich eine abenteuerliche. Alles begann damit, dass Manfred Schlessinger 1947 in den Handel mit Farben einstieg. Diese Farben erhielt er kurz nach dem Zweiten Weltkrieg aus den Niederlanden. Sind heute die Kreationen aus dem Labor speziell, war es damals die Herkunft der Farben. Noch bevor die Wehrmacht 1940 in den Niederlanden eingefallen war, hatten die Niederländer diese Farben in Fässern verstaut und in der Zuiderzee versenkt, um sie vor dem Zugriff der Schergen der deutschen Westoffensive zu verstecken. Nach dem Krieg wurden die Farben geborgen.
Zu dieser Zeit pflegte Manfred Schlessinger Beziehungen zur niederländischen Regierung. Es war schliesslich die staatliche Gesellschaft für den Wiederaufbau, die Monopole N.V., die Schlessinger die Waren gegen harte Devisen anbot. Den Firmennamen importierte er gleich mit. Manfred Schlessinger verkaufte die niederländischen Produkte in der Schweiz, ehe er 1950 in einem Badener Einfamilienhaus damit begann, selbst Farben herzustellen. Geholfen habe ihm lediglich ein Lehrling. Seit 1957 hat die Firma ihren Sitz in Fislisbach. Seit 1991 leitet mit Lionel Schlesinger die zweite Generation die Geschicke des Unternehmens. Monopol Colors steht heute für Farben für metallische Fassaden, Industrielacke und Korrosionsschutzsysteme.
Die Firma beschäftigt an ihrem Stammsitz in Fislisbach 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Seit 2015 ist das Unternehmen im kenianischen Nairobi präsent, wo 15 Angestellte arbeiten; seit 2018 betreiben 110 Angestellte die Niederlassung im indischen Mumbai. «Wir müssen auf diesen Märkten präsent sein, um unsere globalen Kunden unterstützen zu können», begründet Lionel Schlessinger, «auch weil es Märkte der Zukunft sind.»
Die Angestellten seien ihm wichtig, sagt Patron Schlessinger. Er setze auf eine kommunikative Firmenkultur. Spass darf es auch machen. Beispielsweise wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Fislisbach farbenfroh das Holi feiern, ein indisches Frühlingsfest der Farben, an dem man sich gegenseitig mit farbigem Puder bewirft.
Der bislang spektakulärste Coup gelang Monopol Colors in den USA. Das Aargauer Unternehmen konnte 2017 Apples neuen Hauptsitz in Cupertino lackieren, den ringförmigen Apple Park im Silicon Valley. Aber auch in der Drop-Off-Zone des Züricher Flughafens hat Monopol seine Farben im Spiel. Nicht zuletzt im spanischen Vigo. Für das Hospital Álvaro Cunqueiro lieferte Fislisbach einen prismatischen Farbton, der je nach Blickwinkel von Blau zu Grün und umgekehrt wechselt. Diesen Farbton durfte Architekt Luis Vidal persönlich im Labor in Fislisbach mischen. Das ist Teil des Konzepts von Monopol Colors: Der Kunde erhält einen persönlichen Farbton, der für ihn geschützt bleibt. Inzwischen lagern im Monopol-System 36'500 Farbton-Rezepturen.
Doch Lionel Schlessinger denkt nicht nur in Farben. «Letztes Jahr wurden weltweit bereits 14 Städte mit einer Hitze von 50 und mehr Grad konfrontiert», sagt er, «wir fragen uns, wie man mit Farben den städtischen Wärmeinseleffekt lindern kann.» Die Antwort lautet Coolest White. Eine Hochleistungsfarbe, die Wärmebildung an Fassaden reduziert.
«Wir fragen uns, wie man mit Farben den städtischen Wärmeinseleffekt lindern kann.»
– Lionel Schlessinger, Ceo Monopol Colors
Kurzfristig sieht Schlessinger die grösste Herausforderung in den Engpässen an den Rohstoffmärkten. Er selbst hat sich frühzeitig eingedeckt, «denn das Schlimmste, was wir unseren Kunden zumuten könnten, wäre ein Lieferunterbruch». Langfristig ortet er eine andere Schwierigkeit: «Ganz klar den Schweizer Regulierungswahnsinn.» Statt den internationalen Normen zu folgen, müsse die Schweiz viele Gesetze «helvetisieren» und damit einen Sonderweg eingeschlagen. «Wir sehen nicht, dass wir uns in einem globalen Wettbewerb befinden», kritisiert Schlessinger, Präsident des Verbands der Schweizerischen Lack- und Farbindustrie sowie Mitglied der Gewerbekammer des Schweizerischen Gewerbeverbandes, «damit schiessen wir uns ins Abseits und staunen über die in der Schweiz stattfindende Deindustrialisierung.»
Welche Bedeutung hat die Teilnahme am Prix SVC Nordschweiz für Ihre Firma und Sie persönlich?
Man blickt immer voraus. Der Prix SVC hingegen liess uns zurückschauen und innehalten. Uns wurde klar: Wir haben viel Gutes gemacht. Darum ist die Nomination von meinen Mitarbeitenden und mir eine Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Persönlich habe ich vor zehn Jahren damit begonnen, mich als Person und Führungskraft zu transformieren. Zuvor habe ich immer mehr aufs Gaspedal gedrückt, immer mehr von meinen Mitarbeitern gefordert, sie aber eigentlich abgehängt. Heute geht es vielmehr darum, wie wir auf die Märkte treten und wie ich die Mitarbeitenden auf diesen Weg mitnehmen.
Was macht Ihr Unternehmen anders als andere? Wie lauten Ihre Erfolgsrezepte?
Unser Auge ist in der Lage, 20 Millionen Farbtöne zu unterscheiden. Trotzdem werden wir immer uniformierter. Wir werden beispielsweise von Modeströmungen in ein Korsett gedrängt. Dazu sagen wir nein. Wir versuchen dem Architekten die Möglichkeit zu geben, mit Farben und Materialien zu spielen – und dies nicht nur bei Grossmengen. Das läuft nicht auf Massenware hinaus, sondern auf Individualität. Wir nehmen uns also auch Aufträgen im Umfang von nicht einmal 100 Kilo an.
Wie ist Ihre Firma in der Öffentlichkeit präsent? Werbung, Social Media, Public Relations oder anderes?
Lange haben wir versucht, mittels Facebook und LinkedIn unser Business zu pushen. Aber in unserem Fall sind diese Kommunikationskanäle überbewertet. Zwar generieren wir viele Klicks, jedoch nicht direkt Kunden. Wir werden immer noch hauptsächlich durch Mund-zu-Mund-Werbung vermittelt. Da hilft uns auch unsere starke Marke, mit der wir uns klar differenzieren.
Von welchen Prinzipien lassen Sie sich als Vorgesetzter leiten?
Wir folgen vier Leitsätzen. Darin geht es um unsere offene Firmenkultur, wegweisenden Produkte, Streitkultur und höchste Kundenzufriedenheit. Für mich ist es entscheidend, diesen Sätzen Leben einzuhauchen. Wie ich das tue? Als Patron lebe ich die Leitsätze vor. Nur dann leben sie meine Mitarbeitenden auch.
Wie beurteilen Sie die Zukunftsaussichten Ihrer Firma?
Wir stehen vor einer farbigen und bunten Zukunft. Unser Modell wird bestehen bleiben. Denn für uns geht es darum, den Markt mit den Augen des Kunden zu betrachten. Es ist nicht entscheidend, um jeden Preis zu wachsen. Gigantismus braucht es nicht. Individualisierung und höchste Qualität aber schon.
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