Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03265.jsonl.gz/3183

BIG, glossy hills
Häuser auf Hügel zu bauen ist eine weit verbreitete Praxis. Häuser wie Hügel zu bauen ist hingegen ein eher seltenes Phänomen (Es sei denn man interpretiert Pyramiden als stark abstrahierte Berge.) Gleich mehrfach findet diese Idee Eingang in das Werk der Bjarke Ingels Group.
(… vorher) Neben vielen anderen topografischen Arbeiten hat BIG seit seiner Gründung fast jedes Jahr ein Projekt in gebirgsähnlicher Form entworfen: 2005 Faste Batteri, 2006 Lego, 2006 Trysil Ski Resort, 2008 Zira Island Masterplan, 2009 Hurlien Residences, 2010 West 57 Street New York City, 2011 Kullen. Es scheint bei BIG eine regelrechte Vernarrtheit für das bewohnbare Gebirge zu geben.
Die Bergprojekte sind selbstverständlich nicht identisch. Das Faste Batteri ist ein Gebäudekomplex, der aus terrassenförmig abgestuften Volumenformationen gebildet ist. Die zurückversetzten Geschosse sind dabei so gegeneinander abgedreht, dass von weitem der Eindruck einer natürlichen Gebirgsmodulierung entsteht.
Dem gegenüber ist das Lego-Projekt nicht aus polygonal geformten Schichten aufgebaut. Der Bauweise des Plastikspielzeuges entsprechend, ist die Grossform des Gebirges aus aufeinander geschichteten Würfeln zusammengesetzt.
Das Projekt Trysil Ski Resort unterscheidet sich stark von diesen beiden Formen der Schichtung. Die Berge sind hier das Resultat gewöhnlicher Gebäudescheiben, die mit einem wellenartigen Steildach versehen sind, dass auf beiden Seiten mit dem Boden verschmilzt.
Der Masterplan für Zira Island bedient sich aller drei Bergtypologien und entwickelt diese weiter. Die Steildachtypologie wird hier beispielsweise von der einfachen Scheibe auf einen verästelten Grundriss übertragen.
Die Hurlien Residences sind das Resultat von mehreren, parallel aneinander gestellten Steildachscheiben. Die Bauten sind im Grunde vertikal aufgerichtete Reliefstrukturen.
Ob hingegen das Wohnprojekt an der West 57 Street in New York in die Kategorie Berg fällt, ist eine strittige Sache. Vielleicht liegt das Projekt näher an einer Pyramide (welche wir Eingangs schon vom Berg unterschieden haben). Allerdings erinnert die ausgerundete Hauptseite des Hauses an einen Schnee bedeckten Hang und auch die Asymmetrie deutet nicht auf eine abstrakte geometrische Grundform hin.
Das vorläufig letzte Projekt in dieser Reihe ist das Kullen, das nach dem Lego-Prinzip gestaltet wurde. Im Grundriss folgt es zwar der Blockrandtypologie, in der Höhenentwicklung bildet es aber die Skyline eines kleinen reduzierten Gebirges.
Trotz ihrer unterschiedlichen Prinzipien, nach denen die Projekte gestaltet wurden, erinnern sie doch alle an Berge und Hügel im weitesten Sinne. In sich sind alles spannende Formexperimente, die zumindest in den Visualisierungen eine starke formale Eigenständigkeit unter Beweis stellen. Berge sind etwas, zu dem wir alle einen Zugang haben. Wenn sie uns vorgesetzt werden, erkennen wir sie sofort. Die Projekte profitieren von diesem Erfahrungsschatz, von der Kraft der Grösse und Massivität, die wir mit diesen Topografien verbinden. (Weiter bei…)