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Man hat angenommen, daß die Krankheit eine rein kontagiöse sei, und daß sie nur diejenigen befalle,
welche von einem andern daran leidenden Menschen damit angesteckt werden. Viel wahrscheinlicher aber erzeugt sich die Krankheit
neu, wenn viele Menschen dicht zusammengedrängt in einer mit schädlichen Bodenausdünstungen und tierischen Ausflüssen
etc. verunreinigten Atmosphäre leben, und wenn sie gleichzeitig großen körperlichen Anstrengungen und
klimatisch Schädlichkeiten aller Art ausgesetzt sind.
Sobald aber die Krankheit sich einmal entwickelt hat, breitet sie sich auf dem Weg der Ansteckung weiter aus, so daß sie also
zu den miasmatisch-kontagiösen Krankheiten zu rechnen ist. Der Träger
[* 9] des Ansteckungsstoffs bei der ägyptischen Augenentzündung
ist der Eiter, welcher sich auf der Bindehaut der entzündeten Augen erzeugt. Wird dieser Eiter, selbst in
minimaler Menge, auf ein bis dahin gesundes Auge
[* 10] übertragen, was durch Berührung der Kranken, durch Benutzung ihres Waschgeräts
und auf ähnliche Weise ja so leicht geschehen kann, so erkrankt dieses in der gleichen Weise.
Dadurch erklärt sich die epidemische Verbreitung der Krankheit auch auf solche, welche sonst unter günstigen
äußern Verhältnissen leben. Die ägyptische Augenentzündung tritt unter drei verschiedenen Formen auf. Die mildeste ist diejenige, welche sich
als einfacher Katarrh der Bindehaut des Auges darstellt; die heftigere ist die akute Blennorrhöe, bei welcher sehr reichlicher
Eiter gebildet wird, und die dritte, aus diesen entstehende, die granulöse ägyptische Augenentzündung, das
Trachom. Der Verlauf der Entzündung ist bei der ägyptischen Augenentzündung kein andrer als bei jeder auf andrer Ursache beruhender
Ophthalmie (vgl. Augenentzündung).