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Wasserprojekt der Superlative: Indien möchte 37 Flüsse landesweit miteinander verbinden, um Überschwemmungen, Dürren und Stromknappheit zu verhindern. Doch Umweltschützer wollen den Kanalbau unbedingt verhindern.
«Gebt unseren Bauern Wasser und seht, welche Wunder sie vollbringen können», sagt Narendra Modi. Um die Wirtschaft auf dem Subkontinent anzukurbeln, unterstützt Indiens Ministerpräsident ein gewaltiges Wasserbauvorhaben – das sogenannte River-Linking-Projekt.
Der Plan ist ambitioniert: Kanäle sollen Wasser aus Überschwemmungsgebieten in von Dürre geplagte Regionen leiten, sodass in beiden Landstrichen die landwirtschaftliche Produktivität erhöht werden kann. Gleichzeitig sollen Dämme und Wasserkraftwerke grosse Mengen des in Indien händeringend benötigten Stroms produzieren.
Fast 15'000 Kilometer neue Wasserstrassen sollen gebaut werden – siehe Karte unten. Deutlich länger als das gesamte deutsche Autobahnnetz. 3000 teils riesige Staudämme und 30 Kanäle sind vorgesehen.
175 Billionen Liter Wasser könnten so laut der zuständigen Behörde für Wasserentwicklung (NWDA) pro Jahr umgeleitet werden – das entspricht der vierfachen Wassermenge des Bodensees. An den Staudämmen, die für das Projekt gebaut werden sollen, könnten laut Plan 34 Gigawatt Strom produziert werden. Die Gesamtkosten werden mit mehr als 150 Milliarden Euro veranschlagt.
Doch das Mammutprojekt stösst auf immer mehr Widerstand. Etwa bei Himanshu Thakkar, einem Ingenieur vom Südasiatischen Netzwerk für Dämme, Flüsse und Menschen (SANDRP). Wenn man ihn nach seiner Meinung zum grössten Wasserbauprojekt in der Geschichte Indiens fragt, wird selbst ein so besonnener, akribischer Mensch wie er deutlich. «Das ganze Vorhaben gehört verboten», sagt Thakkar.
Wenn Indien allen Ernstes 37 seiner Flüsse miteinander verbinden wolle, müssten «Hunderte riesiger Dämme gebaut werden», so Thakkar. «Die Schäden für die Umwelt und die Bevölkerung wären wesentlich grösser als beim Drei-Schluchten-Staudamm in China. Es wäre ein gigantisches Disaster.» Der Stausee des Drei-Schluchten-Damms ist mehr als 600 Kilometer lang, Millionen Menschen wurden zwangsweise umgesiedelt.
Eigentlich stand der erste Spatenstich zu Indiens kühnstem Bauvorhaben unmittelbar bevor. Ende Dezember sollte mit dem Bau eines ersten 220 Kilometer langen Kanals begonnen werden, mit dem im Bundesstaat Madhya Pradesh zwei Flüsse, der Ken und der Betwa, verbunden werden sollten. Doch der bevorstehende Baubeginn rief Umweltschützer und Aktivisten auf den Plan. Sie überzogen die zuständigen Gerichte mit Petitionen, das Projekt liegt vorerst auf Eis.
Kritiker kreiden der Unternehmung River-Linking eine ganze Reihe von Schwächen an:
Doch trotz der Einwände der Experten macht die Regierung Druck, das auf Jahrzehnte angelegte Projekt in Angriff zu nehmen. Den Kritikern bleibt der Gang vor den Kadi, und auf den ist in Indien in einer Hinsicht Verlass: Klagen und Prozesse gehen nur im Schneckentempo voran. «Wir werden River-Linking im Gerichtssaal ausbremsen», sagt Thakkar.
Zusammengefasst: Ein gigantisches Wasserbauprojekt soll mehrere der grossen Probleme Indiens auf einen Schlag lösen. Die Regierung verspricht Strom, weniger Überschwemmungen und bessere Ernten. Doch Umweltschützer kritisieren die Kanalpläne. Sie warnen vor Zwangsumsiedlungen, Umweltzerstörung und Grossunternehmern, die nur ans eigene Geschäft denken.