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Sonntag (Bettag), 16. September 2018, 17 Uhr
Gioacchino Rossini (1792 - 1868)
«Petite Messe solennelle»
für Soli, Chor, Klavier und Orgel
Die «Petite Messe solennelle» ist neben dem «Stabat mater» das andere kirchenmusikalische Hauptwerk Rossinis und entstand 1863 in Passy, 34 (!) Jahre nach der Komposition seiner letzten Oper. Die «Petite Messe solennelle» war, wie eine Beischrift auf dem Manuskript lautet, leider die letzte Todsünde meines Alters und enthielt eine Widmung eigener Art:
«Lieber Gott - voilà, nun ist diese arme kleine Messe beendet. Ist es wirklich heilige Musik, die ich gemacht habe oder ist es vermaledeite Musik? Ich wurde für die Opera buffa geboren, das weisst Du wohl! Wenig Wissen, ein bisschen Herz, das ist alles. Sei also gepriesen und gewähre mir das Paradies.»
In Passy, damals eine eigenständigen Gemeinde nahe Paris, verbrachte Rossini die letzten Jahrzehnte seines Lebens. Rossini schrieb das Werk zur Einweihung der Privatkapelle des Comte Alexis Pillet-Will und am 14. März 1864 wurde es in dessen Salon aufgeführt.
Gioacchino Antonio Rossini wurde am 29. Februar 1792 in Pesaro als einziges Kind von Giuseppe Rossini und Anna, geb. Guidarini, geboren.
Schon in seiner Kindheit genoss er musische Erziehung und bereits 1804, ohne eigentliches Studium, geschult nur durch den praktischen Umgang mit Musik, schrieb er die «Sei sonate à quattro» für zwei Violinen, Cello Kontrabass.
1805 zog die Familie nach Bologna wo er von Padre Angelo Tesei seinen ersten Kompositionsunterricht bekam. 1806 schrieb er sich am dortigen Musiklyzeum ein und studierte Cello, Klavier und Kontrapunkt. Für seine Leistungen als Sänger wird er durch die Aufnahme in die Accademia Filarmonica die Bologna geehrt. Aus mehreren Einzelsätzen, die er für die befreundete Familie Mombelli schrieb, entstand seine erste Oper «Demetrio e Polibio», die 1812 in Rom uraufgeführt wurde.
1810 verliess er das Konservatorium und begann für Theaterunternehmer in Bologna, Venedig, Ferrara, Mailand und Rom zu arbeiten, für die er kleinere Stücke, aber auch schon Opern komponierte. Seine ersten Erfolge verbanden sich mit den Opern «Il Signor Bruschino», «Tancredi» und «L’Italiana in Algeri», die alle drei erstmals 1813 in Venedig zur Aufführung gelangten.
Der Impresario des berühmten Teatro di San Carlo, Domenico Barbaia, verpflichtete ihn 1815. Rossini debütierte mit der Oper «Elisabetta, regina d’Inghilterra» unter Mitwirkung der Sopranistin Isabella Colbran, die er dann 1822 heiratete. Der Vertrag verpflichtete ihn zur Komposition zweier Opern, sah aber auch Aufführungen in andern Städten vor. 1816 führte Rossini erstmals den «Barbiere di Siviglia» in Rom auf, der trotz eines anfänglichen Misserfolges den Ruhm des Komponisten nicht nur in ganz Italien, sondern auch in Europa begründete. Noch im selben Jahr feierte man seinen «Otello» in Neapel als triumphalen Erfolg. Sofort darauf folgte im Januar 1817 die römische Erstaufführung der «Cenerentola».
In den folgenden Jahren komponierte er mehrere Opern, die er an verschiedenen italienischen Opernhäusern, aber auch in Wien, meist mit großem Erfolg aufführte. 1820 gab Rossini in Neapel mit der «Messa di Gloria» ein typisches Beispiel für die kirchenmusikalische Praxis der Zeit, indem er neben neukomponierten Teilen auch Opernnummern mit geistlichem Text unterlegte und in die Komposition aufnahm.
1824 ließ sich das Ehepaar Rossini in Paris nieder, wo der Maestro zunächst mit der Leitung der Italienischen Oper betraut wurde. 1826 erhob man ihn zum Hofkomponisten des französischen Königs Charles X. und zum Generalinspektor des Gesangs in Frankreich. Das Pariser Publikum feierte ihn in jenen Jahren vor allem für «Le Comte Ory» (1828), seine einzige französische komische Oper und seinem letzten Bühnenwerk «Guillaume Tell» (1829). Danach schrieb Rossini kein Werk mehr fürs Musiktheater. Der Siebenundreissigjährige beendete sein offizielles Wirken als Komponist.
Die französische Juli-Revolution zog 1830 mit der Absetzung Charles X. für Rossini den Verlust seiner Ämter nach sich. In den Pariser Jahren vollzog er auch die Trennung von seiner ersten Frau, um sich mit Olimpia Pélissier zu verbinden, die er 1846 heiratete.
Nach der Juli-Revolution zog er nach Bologna, seiner eigentlichen Heimat. Dort war er ab 1840 als Direktor des Liceo Musicale tätig. Anlässlich der Revolution von 1848 zwang Rossini ein Konflikt mit der liberal-patriotischen Bewegung, deren politischen Befreiungsziele er nicht teilte, zur Flucht nach Florenz.
1855 wechselte er erneut nach Paris, wo er - von der internationalen Musikkultur gefeiert - seinen Ruhm und seine letzten Lebensjahre genoss.
Als er einmal gefragt wurde, warum er sich entschlossen habe nichts mehr für die Bühne zu komponieren antwortete er: «Seien Sie still! – sprechen Sie zu mir nicht davon! Ich komponiere dauernd! Sehen Sie diesen Schrank voll Noten. All das habe ich seit Guillaume Tell geschrieben. Aber ich veröffentliche nichts. Ich komponiere, weil ich nicht anders kann». Nur wenige grosse Werke waren darunter. Das meiste waren kleine Stücke, die Rossini als «Sünden des Alters» bezeichnete.
Gioacchino Antonio Rossini starb am 13. November 1868 in Paris. Seine Gebeine wurden 1887 nach Italien überführt und in der Kirche Santa Croce in Florenz beigesetzt.
(Quelle: Gioacchino Rossini von Volker Scherliess)