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In der Geschichte der Menschheit hat es immer wieder Phasen mit technologischer Innovation gegeben, die von Phasen geringen Wachstums unterbrochen wurden. Aktuell befinden wir uns in einer Ära beschleunigter Innovation, durch die Waren schnell und kostengünstig erfunden und hergestellt werden können. Strukturell führt das zu einer höheren Produktion, einem verringerten Bedarf an Arbeitskräften und billigeren Gütern.
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Ein Mitarbeiter statt dreissig
Das klassische Beispiel sind Computer: Heute besitzt fast jeder einen PC oder ein Handy mit exponentiell höherer Rechenleistung und deutlich geringerem Gewicht als in den 1970er Jahren. Durch diese und andere Innovationen ist die Produktivität gestiegen, während die Lohnkosten gefallen sind. Ein Mitarbeiter mit Spitzensoftware kann heute die Arbeit erledigen, für die mit veralteten Systemen zwanzig bis dreissig Leute nötig gewesen waren.
Auch durch Corona hat sich einiges getan. Der reale Gesamtwert konsumierter Waren ist seit dem Ausbruch der Pandemie um über 7 Prozent gestiegen, während die Zahl der Beschäftigten in der Distribution um etwa 2,5 Prozent gesunken ist. Mit anderen Worten: Die Menge an Waren, die man bei einer bestimmten Anzahl von Mitarbeitenden in Handel und Logistik kaufen kann, hat in kurzer Zeit um rund 10 Prozent zugenommen.
Matthew Moberg ist Vizepräsident, Portfoliomanager und Research-Analyst bei der Franklin Equity Group. Er ist auch der leitende Portfoliomanager des Franklin Dynatech Fund. Moberg kam im Jahr 1999 als Aktienanalyst zu Franklin Templeton und spezialisierte sich auf Research-Analysen in den Bereichen Internet, Medien, Software und Spiele.
Matt Moberg erwarb seinen BA in Geschichte an der Washington and Lee University und einen MBA mit Auszeichnung an der University of Michigan in Ann Arbor. Moberg studierte ausserdem Rechnungswesen an der University of Southern California. Er ist ein Certified Public Accountant (CPA) Inactive.
Insgesamt zeigt sich die deflationäre Wirkung der Innovation anhand von drei Faktoren: beim Boom des Online-Handels, bei Asset-Light-Geschäftsmodellen sowie in Form von Produktivitätssteigerungen durch neue Technologien.
Der Online-Handel lässt die Preise purzeln
Die Verbraucherpreise spiegeln die Inflation nicht exakt wider, da sie die Online-Umsätze nicht angemessen berücksichtigen. So kam die Studie «Internet Rising, Prices Falling» zu dem Ergebnis, dass die Preise für Computer, Spielzeug und Fotoausrüstung im Internet deutlich stärker fielen, als der offizielle Index auswies. Und es gibt strukturelle Gründe, warum die Online-Preise fallen. Zum Beispiel sind die Betriebskosten meist niedriger als bei stationären Filialen. Weiterhin können Verbraucher die Produkte weltweit kaufen, also auch an Orten, an denen die Kostenstruktur niedriger ist als am eigenen Wohnsitz. Ausserdem lassen sich die Preise viel leichter vergleichen, weshalb oft auf Preiserhöhungen verzichtet wird.
Insgesamt ist zu erwarten, dass sich die deflationäre Wirkung des Online-Handels weiter verstärkt. Das Verhalten der Verbraucher wurde durch die Pandemie dauerhaft in diese Richtung verändert. Der E-Commerce nimmt dem traditionellen Handel immer mehr Anteile ab, was die Preise langfristig nach unten drücken sollte.
Schlanke Geschäftsmodelle
Auch der starke Trend zu Asset-Light-Geschäftsmodellen wirkt deflationär. Damit sind schlanke Unternehmen mit geringem materiellen Vermögen gemeint, die wenig Kapital für Investitionen benötigen. So erwerben etwa Online-Händler keine teuren Läden und Fahrdienstvermittler keine eigenen Fahrzeuge. Das verringert den Inflationsdruck bei Immobilien, Autos und anderen Vermögenswerten. Die variablen Strukturen führen ausserdem zu insgesamt niedrigen operativen Kosten und der Möglichkeit, das Angebot leichter an die Nachfrage anzupassen, was wiederum die Kosten für Verbraucher senkt.
Zum Beispiel kann Airbnb die Kapazität von Beherbergungen erhöhen, ohne in Hotels investieren zu müssen, und Uber kann auf eine flexible Anzahl an Fahrern zurückgreifen. Die Menschen in diesen Beispielen haben ausserdem bisher keinen Status als Mitarbeitende der Unternehmen, sodass die Sozialleistungen entfallen – ein Vorteil bei den Arbeitskosten, der potenziell ebenfalls zu niedrigeren Preisen führt.
Die Lohninflation ist vorübergehend
Die meisten Preissteigerungen aufgrund von Lieferengpässen dürften in absehbarer Zeit vorüber sein. Doch wie sieht es mit der potenziellen Lohninflation infolge des Mangels an Arbeitskräften aus?
Wir gehen davon aus, dass diese aufgrund von Innovationen langfristig nicht aus dem Ruder läuft. Dazu trägt vor allem die deutliche Steigerung der Produktivität bei, die von vielen unterschätzt wird. Dadurch kann die klassische Spirale von Lohninflation und generellen Preisanstiegen gestoppt werden.
Immer mehr Home- und Telearbeit
Zum Beispiel war der Lohndruck bei Fernfahrern kurzfristig hoch, nachdem Lieferketten unterbrochen wurden. Langfristig können die Personalkosten in den Lieferketten durch autonomes Fahren und automatisierte Lagersysteme jedoch drastisch gesenkt werden. In Bürojobs hat der Trend zum Homeoffice dazu geführt, dass Unternehmen eine schnellere Digitalisierung vorantrieben.
Manche Wissenschafter erwarten, dass die Produktivität der Wirtschaft durch Telearbeit um 5 Prozent verbessert wird («Why Working From Home Will Stick»). Auch Vertriebsmitarbeiter können Produkte heute digital vorführen, statt um die halbe Welt zu fliegen.
Starke Effizienzsteigerung
Viele Unternehmen haben sich in der Pandemie neu organisiert. Sie haben Innovationen wie Videokonferenzen, Online-Handel und Simulationssoftware eingeführt und sind effizienter geworden. Diese Effizienzsteigerungen führen zu einem Personalabbau.
Laut Weltwirtschaftsforum wollen 53 Prozent der Führungskräfte ihre Belegschaft aufgrund der Integration von Technologien reduzieren. Gleichzeitig können einige Unternehmen heute Talente ohne geografische Hürden einstellen. Für bestimmte Jobs steht ein grosser internationaler Pool an potenziellen Arbeitskräften zur Verfügung, der die Lohninflation ebenfalls dämpfen sollte.
Fazit
Aus der Vergangenheit wissen wir, dass sich innovative Unternehmen auch im inflationären Umfeld gut entwickeln können. Das gilt vor allem für Spitzenreiter mit Produkten, für die es kaum Alternativen gibt, und die ihre Preise selbst bestimmen. Fortschritte in der Genomik oder bei künstlicher Intelligenz werden sich beispielsweise unabhängig von der Inflation weiter beschleunigen. Ein aktives Management ist vor diesem Hintergrund entscheidend, um erfolgreich durch diese dynamischen Märkte zu navigieren.