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Filmfestivals wollen, dass über sie gesprochen wird. Das schaffte Cannes schon mit der Bekanntgabe des Eröffnungsfilms «Jeanne du Barry».
Denn die Regisseurin und Hauptdarstellerin Maïwenn wurde gerade wegen Körperverletzung verklagt – von dem in Frankreich bekannten Journalisten Edwy Plenel. Sie soll ihn in einem Pariser Restaurant mit Gewalt an den Haaren gepackt, seinen Kopf nach hinten gezogen und ihm ins Gesicht gespuckt haben.
Johnny Depp ist wieder da
Über den Eröffnungsfilm wurde auch diskutiert, weil Maïwenn Johnny Depp angeheuert hatte.
Seitdem gilt das französische Kostümspektakel als Comeback-Film des Hollywood-Stars. Wegen der Prozesse zwischen ihm und seiner Ex-Frau Amber Heard, in dem es um Verleumdung und sexuelle Gewalt ging und viele intime Details der Beziehung öffentlich wurden, hatte seine Karriere einen Knick bekommen.
Der 59-Jährige verlor unter anderem die Rolle des Jack Sparrow in der Disney-Filmreihe «Pirates of the Caribbean».
Maïwenn hatte Johnny Depp noch während des Prozesses als König Ludwig XV. besetzt. Sie spielt seine Geliebte Jeanne du Barry, eine historische Figur.
Viel Vergangenheit und alte Hasen
Auch neben dem Eröffnungsfilm sind auffällig viele historische Filme im Programm: ein Film über die Judenverfolgung im Dritten Reich («Zone of Interest»), über die Morde an First Americans in den USA der 1920er (Marin Scorseses True-Crime Thriller «Killers of the Flower Moon»), oder die Umerziehung eines jüdischen Jungen zum Katholiken im 19. Jahrhundert durch den Papst («Rapito»).
Um die Goldene Palme kämpfen bekannte Namen, die den Hauptpreis schon einmal gewonnen haben. Darunter Wim Wenders, Nanni Moretti, Hirokazu Kore-eda, Nuri Bilge Ceylan und der 86-jährige Brite Ken Loach. Letzterer hat verkündet, dass «The Old Oak», ein Film über syrische Flüchtlinge im Nordosten Englands, sein wohl letzter sein werde.
Ein 80-jähriger Indiana Jones
Die meisten Schlagzeilen während des Festivals wird es wegen des fünften Auftritts des mittlerweile 80-jährigen Harrison Ford als Indiana Jones geben. «Indiana Jones and the Dial of Destiny» feiert in Cannes seine Weltpremiere, bevor er Ende Juni bei uns in die Kinos kommt.
Nur zwei Jahre jünger als Harrison Ford ist Michael Douglas. Der 78-jährige Hollywoodstar wird mit der Ehrenpalme fürs Lebenswerk ausgezeichnet.
Die grösste Stardichte bietet «Asteroid City» von Wes Anderson. Dort versammeln sich unter anderem Scarlett Johansson, Tom Hanks, Tilda Swinton, Edward Norton, Adrien Brody und Margot Robbie.
Eidgenössisches an der Croisette
Und die Schweiz? Eine RSI-SRG-Koproduktion ist im Wettbewerb: «La Chimera» von der italienischen Regisseurin Alice Rohrwacher. Es geht um einen Kunstraub im Italien der 1980er-Jahre.
Alice Rohrwacher ist eine von sieben Filmemacherinnen im offiziellen Wettbewerb. Das ist eine mehr als im vergangenen Jahr. So viele Frauen waren in Cannes noch nie dabei.
Am Ende wird's lustig
Zum Abschluss, ausserhalb des Wettbewerbs, wird der Animationsfilm «Elemental» von Pixar gezeigt.
Cannes mag die Filme der Firma, die seit einigen Jahren zum Disney-Konzern gehört. Nach «Up», «Inside Out» und «Soul» ist es bereits der vierte Pixar-Film in der offiziellen Auswahl.
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