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Auf kleinem bewaldetem Hügel am Ende des breiten Talkessels bei Zweisimmen steht das Schloss Blankenburg. Ursprünglich im Besitz der Freiherren v. Weissenburg,1329 erstmals urkundlich erwähnt, seit 1386 bernischer Amtssitz. Die mittelalterliche Burg brannte 1767 vollständig ab; Neubau in Form einer barocken Campagne 1768–70 durch Niklaus Hebler, die nach der obrigkeitlichen Weisung "commod doch nicht zu spatios" sein sollte.
Historische Stellung
Das Obersimmental gelangte aus der Hand der Herren von Tüdingen um 1378 in Etappen an den Stand Freiburg. Bern benutzte die Gelegenheit des Sempacherkrieges, um das Obersimmental zu besetzen und für den Kanton Bern zu retten. Seit 1386 gehört das Obersimmental zu Bern, Sitz der Verwaltung war die ehemalige Blankenburg.
Kunsthistorische Stellung
1767 brannte die turmbewehrte Burg völlig aus. In der Folge errichtete der obrigkeitliche Werkmeister Niklaus Hebler auf den mittelalterlichen Substruktionen und unter Einbezug älteren Mauerwerks einen völlig neuen Wohnsitz für den hier Kastlan genannten Amtmann. Der L-förmige Baukörper besteht aus einem zweigeschossigen Corps-de-Logis und einem eingeschossigen Seitenflügel je unter Walmdach, welcher den erhöhten Schlosshof einfasst. Südlich vorgelagert ein grosser terrassierter Garten mit Blick Richtung Lenk. Zum Ensemble gehört eine ehemalige Pferdescheune. Schloss Blankenburg bietet heute das Erscheinungsbild einer spätbarocken Campagne, also eines Landsitzes. Einzig die doppelläufige gedeckte Freitreppe erinnert an öffentliches und obrigkeitliches Bauen, in dem sie einen Reflex der damaligen Rathaustreppe in Bern wiedergibt.
Das Schloss Blankenburg ist ein Baudenkmal von regionaler Bedeutung und reiht sich in die Kette der verschwundenen Obersimmentalischen Burgen Laubegg, Mannenberg (Ruine) und Reichenstein ein.
1386-1798 Amtssitz der bernischen Kastlanei, nach 1798 Sitz des helvetischen Distrikts, ab 1803 des Oberamts bzw. Amtsbezirks Obersimmental. Die 1329 erstmals erwähnte Burg Blankenburg im Besitz der Herren von Tüdingen (Düdingen) war ab 1356 Zentrum von deren Herrschaft Mannenberg-Laubegg.
Die 1276-1370 erwähnten domicelli de Blanchenburch (ab 1327 Ritter), eine angesehene Burger- und Rätefamilie der Stadt Bern, standen während dieser Zeit in keinerlei Verbindung zur Burg. Über deren Erbauer ist nichts bekannt, ausser dass der Burgname auf die Frh. von Weissenburg hindeutet. Mit der Herrschaft gelangte die Burg 1371 an die Stadt Freiburg. Im Sempacherkrieg wurde sie 1386 von Bern erobert und als Verwaltungssitz der Kastlanei Obersimmental ausgebaut. 1768-70 ersetzte Bern die 1767 abgebrannte ma. Burg durch den heutigen Amtssitz im Stil einer Campagne.
Heutige Situation Schloss Blankenburg
Mit dem Inkrafttreten der Reform der dezentralen kantonalen Verwaltung und Justiz hat der Kanton für das Schloss Blankenburg inskünftig keine Verwendung mehr. Deshalb hat das kantonale Amt für Grundstücke und Gebäude vor zwei Jahren das Ensemble zum Verkauf ausgeschrieben. Die Ausschreibung ergab mehrere Kaufangebote mit interessanten Nutzungskonzepten. Beim Entscheid der Kantonsregierung waren die Beteiligung der Gemeinden und die Nutzung für öffentliche Zwecke ausschlaggebend.
Die Interessengemeinschaft Schloss Blankenburg (IG) möchte das Schloss erwerben. Als Trägerschaft ist eine gemeinnützige Stiftung mit öffentlichem Zweck vorgesehen. Die IG besteht aus sämtlichen Gemeinden des Simmentals (Diemtigen bis Lenk) und des Saanenlands, weiteren Institutionen sowie zahlreichen Privatpersonen und Firmen aus der Region. Die IG will die Schlossanlage als Kulturgut erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich machen. Das Konzept beinhaltet den Betrieb eines Trauungs- und Zeremonielokals mit kleinem Gastrobetrieb sowie öffentliche Veranstaltungen, kulturelle Angebote, Ausstellungen etc. Zudem ist das Schloss auch für private Anlässe, Feste und Feiern offen. Die Parteien haben sich in den wesentlichen Punkten geeinigt. Über die Verkaufskonditionen orientieren die Parteien erst nach Abschluss der entsprechenden Kaufverträge.Die IG will die Schlossanlage als Kulturgut erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich machen. Das Konzept beinhaltet den Betrieb eines Trauungs- und Zeremonielokals mit kleinem Gastrobetrieb sowie öffentliche Veranstaltungen sowie kulturelle Angebote oder Ausstellungen. Zudem ist das Schloss auch für private Anlässe offen. Die IG will das Schloss so erhalten wie es ist. Einzig die Gefängniszelle soll zu einer Küche umgebaut werden. Nun steht die Stiftungsgründung bevor: Einzig müssten noch die Personen für den Stiftungsrat bestimmt werden. Danach soll die Finanzierung an die Hand genommen werden und im März 2011 soll die Übergabe stattfinden.
Diese einheimische Verbundenheit hat auch den Ausschlag gegeben, dass die IG vom Kanton den Vorzug gegenüber dem vor kurzem aufgetauchten Kaufinteressenten Daniel Köppel erhalten hat, obwohl dessen Angebot wesentlich höher sein solle als die 1,25 Millionen Franken der IG.
(Stand Dez. 2010)
Quellen:
Devestitionskonzept des Kantons Bern vom 16.10.2007
Historisches Lexikon der Schweiz
Diverse Zeitungsberichte
Daniel Rindlisbacher