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von Dr. Simone Schoch
Bitte überlegen Sie sich kurz, was Sie in den letzten zwei Jahren glücklich gemacht hat. Das können konkrete Ereignisse wie Ferien, ein Date mit jemandem, den sie mögen, oder auch etwas ganz anderes sein. Würden Sie dieses Erlebnis jemandem erzählen? Oder doch lieber für sich behalten? Amerikanische Forscher der Universität Rochester und Singapur baten ihre Studienteilnehmenden von ihren erfreulichen Erlebnissen und Ereignissen zu erzählen. Sie untersuchten, welche Auswirkungen das Erzählen von erfreulichen Ereignissen auf die Person selbst aber auch auf den Zuhörer hat. Frühere Studien haben nämlich gezeigt, dass das Berichten von positiven Neuigkeiten zu einer besseren Stimmung bei der erzählenden Person führte. Erklärt wurde dieser Zusammenhang dadurch, dass das Erzählen dazu führt, dass man sich die Ereignisse selbst besser merken kann. Zudem gewinnen die Ereignisse an persönlicher Relevanz und bilden soziale Ressourcen.
Die Forscher untersuchten in mehreren Experimenten, ob das Erzählen von positiven Ereignissen dazu führt, dass die Erzählenden das Ereignis anschliessend als wichtiger einstuften. Um diese Frage zu überprüfen, wurden die Teilnehmer in einem ersten Experiment verschiedenen Bedingungen zugeteilt. Auf diese Weise konnte untersucht werden, ob es einen Unterschied macht, ob positive Ereignisse erzählt, aufgeschrieben oder nur erinnert werden. In der einen Bedingung mussten die Teilnehmer einer anderen Person von einem positiven Erlebnis erzählen. Der Zuhörer zeigte dabei Interesse und freute sich mit dem Erzähler. In den anderen Bedingungen wurden die Teilnehmer gebeten, ein positives Erlebnis aufzuschreiben oder sich mit anderen Aufgaben zu beschäftigen. In diesem ersten Experiment konnte gezeigt werden, dass nur das Erzählen von positiven Ereignissen dazu geführt hat, dass die Person selbst das Ereignis anschliessend als noch positiver und wichtiger einschätzte. Keine der anderen Bedingungen zeigte ähnliche Effekte.
Eine weitere Frage, die sich die Forscher stellten war, ob dieser Effekt durch die Reaktion des Zuhörers beeinflusst wurde. So gingen die Forscher in einem nächsten Experiment der Frage nach, ob die Reaktion des Zuhörers einen Einfluss auf den gefundenen Zusammenhang hat. Die Teilnehmer in diesem Experiment erzählten das Erlebnis entweder einer Person, die Interesse und Freude am Erzählten zeigte oder sich aber passiv und distanziert verhielt. Die Ergebnisse zeigten, dass die Ergebnisse der ersten Studie nur dann erzielt wurden, wenn der Zuhörer Interesse und Freude am Erzählten zeigte. Nicht das Erzählen alleine hat also zu einer positiveren und wichtigeren Einschätzung des Ereignisses geführt. Vielmehr war diese Einschätzung vom Verhalten des Zuhörers abhängig.
Im nächsten Schritt untersuchten die Forscher, wie sich das wertschätzende Verhalten des Zuhörers auf die Beziehung zwischen dem Erzähler und Zuhörer auswirkt. Hier konnten die Forscher zeigen, dass die Erzähler wertschätzenden Zuhörern gegenüber mehr Vertrauen und Zuneigung zeigten.
Alle diese Ergebnisse konnten die Forscher sowohl in Interaktion mit Fremden als auch mit bekannten Personen finden. Um nun auf die Frage von ganz zu Beginn zurückzukommen: Würden Sie ein positives Erlebnis jemandem erzählen? Oder doch lieber für sich behalten? Die Ergebnisse dieser Studien sprechen dafür, dass positive Erlebnisse weitererzählt werden sollten. Freut sich der Zuhörer mit Ihnen, können Sie sich gleich noch mehr darüber freuen. Und auch für den Zuhörer hat es einen positiven Effekt: Das Verhältnis zwischen dem Erzähler und dem Zuhörer verbessert sich. Der Erzähler zeigt dem Zuhörer gegenüber mehr Vertrauen und setzt sich im Gegenzug auch für ihn ein. Die Forscher sprechen gar von einer Art Freundschaftsregulation, welche durch das Erzählen von erfreulichen Ereignissen und das Mitfreuen des Zuhörers entsteht. Somit stimmt wohl auch folgendes Sprichwort in umgekehrter Weise: Geteiltes Leid ist halbes Leid – oder eben: geteilte Freude ist doppelte Freude!
Quelle: Reis, H. T., Smith, S. M., Carmichael, C. L., Caprariello, P. A., Tsai, F., Rodrigues, A., & Maniaci, M. R. (2010). Are you happy for me? How sharing positive events with others provides personal and interpersonal benefits. Journal of Personality and Social Psychology, 99, 311–329.
Bitte beachten Sie, dass diese Studie nicht in unserem Labor durchgeführt wurde. Wenn Sie an einer Studie in unserem Labor teilnehmen möchten, finden Sie dazu hier weitere Informationen.