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Nähe zu Gott
Nationen, Volk, Leviten, Priester
Für die Wüstenwanderung Israels stellte der Herr eine ganz bestimmte Lagerordnung auf (4. Mose 1–4), in welcher zwischen drei Klassen des Volkes Israels unterschieden wurde. Berücksichtigt man die übrigen Nationen, die im Lager Israels nichts zu suchen hatten, denn zwischen Israel und den anderen Nationen gab es eine strikte Trennung, die nur innerhalb der Kirche Gottes (als dritte Gruppe nebst Israel und Nationen; vgl. 1. Kor 10, 32) aufgelöst ist (vgl. 1. Kor 12, 13 und Gal 3, 28), ergibt sich eine Unterteilung in vier Gruppen: Nationen, Volk, Leviten und Priester.
Wie erwähnt, hatten die übrigen Nationen im Lager Israels grundsätzlich nichts zu suchen. Es stand aber jedem Angehörigen eines anderen Volkes ebenso grundsätzlich offen, sich dem Volk Israel anzuschliessen (vgl. 2. Mose 12, 48), doch galt er dann als Israelit und nicht mehr als einer aus den Nationen (sog. Proselyt). Von den vier erwähnten Gruppen waren die Nationen also, etwas verkürzt ausgedrückt, am weitesten vom Herrn entfernt.
Im Gegensatz zu den Nationen durfte sich jeder Israelit, von hier nicht interessierenden Ausnahmen abgesehen, im Lager und damit auch in der Nähe Gottes aufhalten. In 4. Mose 1–3 wird die Ordnung dieses Lagers rund um die Wohnung Gottes herum detailliert beschrieben. Alles in allem wurden 603 550 kriegsfähige Männer, d. h. Männer im Alter von mindestens zwanzig Jahren, gemustert (4. Mose 1, 46). Rechnet man Frauen und Kinder dazu, ergibt sich eine Summe von zwischen einer und eineinhalb Millionen Israeliten – die Leviten allerdings nicht mit berücksichtigt (4. Mose 1, 49). Diese gehörten zum Volk Gottes und zum Lager, lagerten sich entsprechend rings um die Wohnung Gottes, durften ihr allerdings nicht zu nahe kommen (4. Mose 1, 51). Das Volk war dem Herrn also nahe gebracht worden. Jeder Einzelne war dem Herrn auch bekannt, denn Er kannte ihre Zahl. Diesbezüglich ist noch auf den schönen Gedanken in 4. Mose 3, 46 hinzuweisen: Die Leviten waren dem Herrn stellvertretend für die Erstgeburt nach der Zahl des Volkes gelöst worden, doch waren ihrer 273 zu wenig, für welche aber der Herr eine andere Lösung vorsah. So ist der Herr um jeden Einzelnen Seines grossen Volkes besorgt. Gepriesen sei Sein Name!
Und doch, zum Volk Gottes zu gehören, von Ihm erkannt und dazu gezählt zu sein, bedeutete noch nicht innigste Gemeinschaft mit Ihm, denn das Herzunahen zu Seiner Wohnung war dem Volk, wie erwähnt, nicht gestattet. Es war den Leviten vorbehalten, sich unmittelbar rings um die Wohnung zu lagern, und es war auch die Aufgabe der Leviten, sich um die Wohnung zu kümmern (4. Mose 1, 53). In 4. Mose 3 werden die Leviten besonders gemustert; es waren ihrer 22 000 (Männliche im Alter von mindestens einem Monat; 4. Mose 3, 39). Ausserdem wird dort beschrieben, welches ihr Dienst war: Den Söhne Gersons oblagen die Wohnung, das Zelt, dessen Decke, der Vorhang vom Eingang und die Umhänge des Vorhofes und der Vorhang vom Eingang des Vorhofes (4. Mose 3, 25. 26), den Söhnen Kehats die Lade und der Tisch und der Leuchter und die Altäre und die Geräte des Heiligtums und der Vorhang und der ganze Dienst des Heiligtums (4. Mose 3, 31) und den Söhnen Meraris die Bretter, die Riegel, die Säulen und ihre Füsse und alle Geräte und ihr ganzer Dienst (4. Mose 3, 36).
Die Leviten durften sich also – im Gegensatz zum übrigen Volk – gleichsam mit himmlischen Dingen beschäftigen, denn die Wohnung war ja ein Abbild dessen, was in den Himmeln ist (Hebr 9, 23. 24). In diesem Sinne waren sie dem Herrn nochmals ein ganzes Stück näher als das übrige Volk.
Doch in 4. Mose 4, 15. 19. 20 heisst es, dass es den Leviten – obwohl ihr Dienst darin bestand, die Geräte der Wohnung zu transportieren – verwehrt war, das Heilige anzurühren und zu sehen. Alle Dinge mussten erst von Aaron und seinen Söhnen, den Priestern, mit Tüchern aus blauem Purpur (über das Schaubrot ein Tuch aus Karmesin und über den Altar ein Tuch von rotem Purpur) und Decken aus Fellen bedeckt werden, bevor die Leviten herzutreten und die Dinge aufheben durften. Die heiligen Dinge, obwohl sie sich mit ihnen beschäftigen durften, waren also vor ihren Augen verborgen.
Damit ist bereits beschrieben, dass es den Priestern alleine vergönnt war, die heiligen Dinge zu sehen. Sie waren die Einzigen, die – wenn auch nur unter ganz einschränkenden Bedingungen und äusserst selten – ins Allerheiligste eintreten durften. Ihren Augen allein war es vergönnt, die heiligsten Dinge zu sehen. Da Nadab und Abihu, die beiden Söhne Aarons bei der Darbringung fremden Feuers getötet worden waren (3. Mose 10), handelte es sich bei den Priestern im Zeitpunkt der Aufstellung der geschilderten Ordnung um Mose, Aaron, Eleasar und Ithamar, die beiden verbliebenen Söhne Aarons, gesamthaft also um vier Männer. Von den weit mehr als einer Million Israeliten war es einzig diesen vier vergönnt, in die unmittelbare Nähe Gottes zu gelangen. Führen wir uns diese Verhältnisse bewusst vor Augen!
Christen
Wie erwähnt, wurde an Pfingsten eine neue Gruppe von Menschen gebildet und von den übrigen abgesondert: Die Christen. Als die Kirche Gottes werden sie in der Bibel von den Nationen wie auch von Israel unterschieden. Fragen wir uns also, wo bzw. wie nahe die Christen im Allgemeinen zu Gott stehen. Weil die Dinge des Alten Testaments als Vorbilder für die Christen geschehen sind (1. Kor 10, 6), liegt es nahe, die Ordnung im Lager auf die Kirche Gottes zu übertragen: Da gibt es viele, die einfach im Lager sind, einige, die in der Nähe der Wohnung sind und an ihr dienen, und schliesslich wenige, die die heiligsten Dinge sehen und in die unmittelbare Gegenwart Gottes treten dürfen.
Doch wie grundfalsch wäre eine solche Übertragung! Es gibt innerhalb der Kirche weder eine Klasse von Leviten noch eine Klasse von Priestern, sondern alle Christen sind Brüder mit einem Lehrer, einem Vater und einem Meister (Mt 23, 8–10). Da ist auch nur ein Mittler, nämlich der Mensch Christus Jesus (1. Tim 2, 5). Aber, gehören wir dann alle einfach zum Volk?
Gott sei Dank, nein:
9 Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft 1. Petr 2, 9; gemacht
zu einem Königtum, zu Priestern Offb 1, 6. Ihrer Stellung nach sind alle Christen Priester, gehören alle zur Klasse derjenigen, denen nur vier von mehr als einer Million Israeliten angehörten.
Damit aber nicht genug, denn der Vorhang, das ist das Fleisch Christi (Hebr 10, 20), ist hinweggetan, entzwei gerissen (vgl. z. B. Mt 27, 51). Es gibt keinen Vorhang mehr, der das Allerheiligste vom Heiligsten trennt und damit den Zugang des Priesters in die unmittelbare Gegenwart Gottes beschränkt. Ja, im Gegenteil: Den Zusammenkünften der Christen wird ausdrücklich die Verheissung der unmittelbaren Gegenwart gegeben (Mt 18, 20). Es wäre also zu wenig zu sagen, wir Christen seien mit den Priestern Israels zu vergleichen, denn wir sind Gott noch näher gebracht als jene! Bedenken wir auch, dass erst uns Gott als Himmlischer Vater geoffenbart wurde.
Praktische Verwirklichung
Bei diesem unermesslichen Vorrecht, direkt in die unmittelbare Gegenwart Gottes treten zu dürfen, handelt es sich nicht um ein theoretisches Privileg, um eine abstrakte Idee ohne tatsächliche Entsprechung, sondern vielmehr um eine Tatsache, um ein Privileg, von dem jeder Christ Gebrauch machen darf, denn wir sind passend gemacht worden für die Gegenwart Gottes. So wahr kein Mensch in der Gegenwart Gottes bestehen kann, so wahr sind die Christen durch den Herrn Jesus in den rechten Zustand für eine innige und glückliche Gemeinschaft mit Gott gebracht worden.
Doch leider verwirklichen viele Christen dieses Vorrecht nicht. Das liegt teilweise daran, dass sie sich gar nicht bewusst sind, was es bedeutet, derart in die Nähe Gottes gebracht worden zu sein, teilweise daran, dass keine allzu grosse Wertschätzung für dieses Vorrecht vorhanden ist, und vielfach leider auch daran, dass unbereinigte Sünden den Zugang hemmen.
Auch wenn wir in Christo passend für den Eintritt ins Allerheiligste gemacht sind, bedeutet das noch lange nicht, dass wir einfach so eintreten können, wann und wie es uns passt. Es handelt sich dabei nämlich jedes Mal um den Eintritt in die Gegenwart in die Heiligkeit Gottes, in Sein Licht. Wie unpassend wäre es, wenn wir an bewusst an Sünde festhielten und so in diese Heiligkeit eintreten würden! Deshalb heisst es etwa:
23 Wenn du nun deine Gabe zum Altar bringst und dich dort erinnerst, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, 24 so lass deine Gabe dort vor dem Altar und geh zuvor hin, versöhne dich mit deinem Bruder; und dann komm und bring deine Gabe dar Mt 5, 23. 24, oder:
4 Wer sagt: Ich kenne ihn, und hält seine Gebote nicht, ist ein Lügner, und in diesem ist die Wahrheit nicht. 5 Wer aber irgend sein Wort hält, in diesem ist wahrhaftig die Liebe Gottes vollendet. Hieran wissen wir, dass wir in ihm sind. 6 Wer sagt, dass er in ihm bleibe, ist schuldig, selbst auch so zu wandeln, wie er gewandelt ist 1. Joh 2, 4–6, oder:
14 Jagt dem Frieden nach mit allen und der Heiligkeit, ohne die niemand den Herrn schauen wird Hebr 12, 14.
Im Besitze eines bestimmten Vorrechts zu sein und von diesem auch tatsächlich Gebrauch zu machen, sind also zwei völlig verschiedene Dinge. Es ist die Sache des Herrn, uns dieses Vorrecht zu verschaffen, Er hat es getan, aber es ist unsere Sache, in rechter Weise Gebrauch davon zu machen – wobei der Herr uns auch diesbezüglich unterstützt. Also: Lassen wir nicht zu, dass unbereinigte Sünde den Zugang in die Gegenwart Gottes hindert, und trachten wir danach, von diesem unermesslichen Vorrecht Gebrauch zu machen!