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Ottokars Cinétips
Bilder ohne Geschichten
Hongkongs Starregisseur Wong Kar-wai übersiedelt sein Gefühlsuniversum in die USA und schickt die Sängerin Norah Jones von New York in die Wüste Nevadas
Von Ottokar Schnepf
Obsessive Charaktere: Jude Law und Norah Jones.
Wong Kar-wai wird mit seinen chinesischen Filmen wie «In The Mood For Love», «2046», «Chungking Express» und anderen identifiziert. Aber «My Blueberry Nights» ist nicht in Hongkong gedreht, sondern in den USA, mit englischsprachigen Schauspielern.
Während Wong Kar-ways Regie-Kollege Zhang Yimou, dem wir so wunderbare Fime verdanken wie «Rote Laterne», «Leben», «Heimweg» u.a.m. ein Angebot aus dem Westen glattweg ablehnen würde: «Im Ausland wäre ich nicht mehr in der Lage, gute Fime zu machen», sieht Wong Kar-way das ganz anders: «Ich habe diese Herausforderung gesucht, einen Film in den USA auf Englisch zu realisieren.»
Kar-way ist nicht der erste, immer schon hat Amerika die Fantasie von Filmregisseuren angeregt, die in anderen Weltgegenden aufgewachsen sind. Jetzt wollte Kar-way versuchen, herauszufinden, was passiert, wenn eine seiner typischen Liebesverfehlungen einmal nicht im dichten Stadtraum von Hongkong stattfindet. Das Resultat: Es geschieht nicht viel, Wong Kar-ways Umweg hat sich nicht gelohnt!
Gleich zu Beginn spaziert das Mädchen Elizabeth (Norah Jones) in eine Imbiss-Bar, hinter der steht Jeremy (Jude Law). Die beiden parlieren miteinander; Weltschmerz, Liebeskummer. Elizabeth macht sich auf den Weg nach Westen; jobbt in Memphis und schreibt Postkarten an Jeremy. Weiter westlich trifft sie auf die Spielerin Leslie (Natalie Portman), von der wird sie betrogen und begreift, dass sie sich nicht länger treiben lassen kann.
«My Blueberry Nights» ist ein Film des Aufbrechens, ein amerikanisches Roadmovie aus der Sicht eines Chinesen, der keine Geschichte gefunden hat, die den Film tragen könnte. Stattdessen die Lücken füllende Episoden - über einen liebeskranken Cop in Memphis, eine zornige Tochter in Vegas. Alles aufgenommen in verwischten und satten Farben, um malerische Stimmungen zu erwirken - und ein Geheimnis zu suggerieren, das es nicht gibt.
Von den USA gibt es doch schon genügend Bilder - doch sie brauchen Geschichten, wenn man nicht einen Hochglanzprospekt abliefern will.
Von Ottokar Schnepf