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Wenn man ein Foto- oder Videoprojekt beginnt, wird das Projekt in drei Phasen unterteilt. Bei der ersten Phase spricht man von der sogenannten Pre-Production (=Vorproduktion). Hier geht es darum, das Konzept, Drehbuch und Exposé zu erstellen. Auch beinhaltet die Pre-Production das sogenannte Casting und das Aussuchen der Location sowie die Materialauswahl. Das Gemeine an der Pre-Production ist, dass sich die Fehler in dieser Phase durch das ganze Projekt ziehen können.
Die zweite Phase, auch Production genannt, umfasst die gesamte Erstellung des Rohmaterials für den Film bzw. für die Fotos. Hier wird vor Ort fotografiert/gefilmt.
Heute befassen wir uns mit der Post-Production.
Da es manchmal etwas schwer ist, nachzuvollziehen, was genau an einem Foto bearbeitet wurde, zeige ich Euch heute anhand von vorher/nachher Beispielen wie man in der Post-Production tricksen und mehr aus seinen Fotos machen kann.
Bevor ich mit der Post-Production beginne, lade ich logischerweise die Fotos zuerst auf den Computer. Hierbei erstelle ich bereits im Ordner ein Verzeichnis. Dieses sieht bei mir so aus:
Im Ordner 01_RAW befinden sich die Rohdateien, je nach Hersteller ist die Endung der Datei hier unterschiedlich. Wichtig zu wissen ist, dass deine RAW-Datei keine Bilddatei ist. Sprich Ihr könnt eine RAW-Datei nicht ohne ein bestimmtes Programm ansehen oder bearbeiten. In einer RAW-Datei sind nur Bilddaten gespeichert, um ein Bild am Ende zu generieren, muss die Datei also in eine .jpg-Datei exportiert werden. Für die Nachbearbeitung sind die RAW-Dateien perfekt. Da sie nie komprimiert oder exportiert wurden, ist der Qualitätsverlust durch die Bearbeitung um einiges geringer als bei einem jpg, png, gif, etc.
Fangen wir aber mit dem vorher/nachher Thema an:
Lichtquelle im Hintergrund
Was wurde hier bearbeitet?
Auf den ersten Blick sieht man ganz klar, dass Diana aufgehellt wurde. Gleichzeitig wurde aber auch der Kontrast erhöht, die Lichter etwas reduziert und die Tiefen aufgehellt.
Aber warum habe ich die Lichter reduziert, wenn ich die dunklen Stellen heller gemacht habe? Einerseits wollte ich dadurch verhindern, dass im Bild zu intensive, weisse Flächen erscheinen. Andererseits wollte ich trotzdem den Kontrast zum Hintergrund und Diana verstärken, ohne dass es zu sehr gezwungen wirkt. Um dies noch mehr zum Vorschein zu bringen, habe ich die Vignette ergänzt. Darum wirkt es so, als ob hinter Diana eine Lichtquelle ist.
Um die Farben noch etwas mehr hervorzuheben, wurde zuerst die Dynamik erhöht. Paradoxerweise wurde die Farbsättigung reduziert, damit die Farben trotz verstärkter Dynamik nicht zu intensiv erscheinen. Zu guter Letzt verbessere ich die Schärfe des Bildes in dem ich die Konturen scharfzeichne.
Seitenlicht
Mit Seitenlicht ist gemeint, dass das Licht von zwei Seiten, im oberen Beispiel also von links und von rechts kommt. Genau wie beim vorherigen Beispiel besteht hier das Problem, dass Diana im Vergleich zum Hintergrund zu dunkel ist. Der einfachheitshalber könnte man einfach einen Blitz auf Diana oder die Decke richten und das Problem ist gelöst. Allerdings kann so eine Mischlichtsituation entstehen oder unter Umständen die natürlichen Lichtverhältnisse stören. Hätte ich ein zweites Paar Hände gehabt, hätte ich den Reflektor ausgepackt und Voilà… Na ja.
Wie man auf dem unbearbeiteten Bild sieht, ist ein Gelbstich vorhanden. Um diesen zu entfernen gibt es mehrere Möglichkeiten. Am einfachsten ist es, wenn man durch Lightroom den Weissabgleich korrigieren lässt. Alternativ kann man den Weissabgleich auch selbst korrigieren. Die dritte Methode, die ich nicht empfehle, ist, dass man die Farbanteile im Bild anfängt zu verändern.
Ist der Gelbstich entfernt, folgt die eigentliche Arbeit. Bei diesem Foto ist von Anfang klar, dass viel Licht vorhanden ist und die gesättigten Farben hervorgehoben werden sollen. Aus diesem Grund wurde die Belichtung erhöht, die Tiefen und Lichter aufgehellt. Damit die Konturen und Linien etwas mehr Gewichtung erhalten, wurde die Klarheit erhöht.
Um das Ganze etwas besser zu veranschaulichen, habe ich Euch das folgende Bild aus dem Photoshop Plugin Camera RAW ausgeschnitten:
Lichtquelle von vorne
Mit Wenig viel erreichen
Bei diesem Foto ist die Lichtquelle eine Fensterfront. Durch den Abstand vom Model zur Fensterfront fällt das Licht etwas weicher auf das Eva. Dadurch entsteht eine gleichmässige Belichtung auf der Haut und sorgt somit für eine natürliche Stimmung.
Bei der Nachbearbeitung habe ich darauf geachtet, dass diese Stimmung noch etwas intensiver wirkt. Aus diesem Grund wurde die Belichtung bei Eva noch ein bisschen angepasst. Und zwar habe ich die dunklen und hellen Stellen im Bild ein wenig aufgehellt und den Kontrast ganz leicht erhöht.
Beim genaueren Betrachten des Fotos stellt man sofort fest, dass ich eine leichte Körnung ergänzt habe. Obwohl man eine Körnung im Foto heutzutage als „Fehler“ bezeichnet, wird diese wie die Vignettierung oftmals zur Ergänzung zur Stimmung verwendet. Man verbindet die Körnung meist mit alten Filmen und Fotos.
Zu guter Letzt wurden die Hautunreinheiten mit dem Bereichsreperaturwerkzeug korrigiert und die Lichter in den Augen mit dem Radial-Filter aufgehellt.
Outdoor Portrait
Bei Aussenfotos gibt es einiges zu beachten. Einerseits darf der Hintergrund nicht durch störende Elemente wie Fussgänger, Verkehr oder unruhige Farbkombinationen ablenken. Obwohl man mit der Tiefenschärfe vieles reduzieren kann, bedeutet das nicht automatisch, dass der Hintergrund keine Rolle spielt. Natürlich könnte man als Konter nun behaupten, dass ein ausgebrannter Hintergrund (Beispiel oben) nicht ablenkt, jedoch ist es für den Betrachter auch nicht allzu spannend, wenn nichts im Hintergrund ist.
In den folgenden Screenshots aus Camera RAW von Photoshop zeige ich Euch auf, wie ich beim Bearbeiten des Bildes von Carla vorgegangen bin. Da sie im Schatten gestanden ist, ist Carla im Bild (oben) dunkel, aber der Hintergrund ist zu hell (Überbelichtet). Bei dieser Art von Fotos ist für mich persönlich klar, dass die dunklen Stellen heller werden müssen, obwohl damit der Hintergrund ebenfalls noch heller wird. Es gäbe alternativ die Option mit dem Korrekturpinsel Carla auszuwählen und dann die Belichtung so zu bearbeiten. Dies kann jedoch zur Folge haben, dass das Bild plötzlich unnatürlich aussieht. Für mich ist das nicht das Ziel, ganz einfach weil es mir nicht gefällt und ich Realismus im Bild bevorzuge.
Stattdessen zeige ich Euch mit den folgenden Screenshots, wie ich hier vorgehe:
Bevor ich ein Bild bearbeite, prüfe ich immer zuerst den Weissabgleich. Da wir im Tageslicht fotografiert haben, habe ich den Weissabgleich auch entsprechend so eingestellt. Da mir das Bild aber immer noch etwas zu gelb/orange war, habe ich selbst eine kleine Anpassung vorgenommen und mehr blau ergänzt.
Im Anschluss habe ich mich um die Helligkeit des Bildes gekümmert. Hierbei wurde die Belichtung erhöht, damit die Schatten bei Carla etwas reduziert werden. Dann wurden die Lichter aufgehellt und die Tiefen wieder reduziert, um den Kontrast zu verstärken. Natürlich hätte ich die Tiefen auch aufhellen und somit die Schatten noch mehr reduzieren können, aber es ging mir auch darum, dass die Tiefenwirkung im Bild erhalten bleibt.
Nun wurden die Struktur und Klarheit des Bildes erhöht, was zu schärferen Konturen führt. Die Dynamik sowie die Sättigung der Farbe trägt zu einem belebten/lebhaften Bild bei.
Um Carla noch etwas mehr hervorzuheben, habe ich mit dem Radialfilter die Belichtung noch etwas angepasst. Um dies kurz zu erklären: Alles innerhalb des rot/weissen Kreises wird angepasst, der Rest bleibt so wie zuvor eingestellt. Im Prinzip habe ich hier die gleichen Einstellungen vorgenommen wie vorhin, jedoch wurde die Struktur und Klarheit nochmals etwas korrigiert. Auch wurde alles innerhalb des Filters noch etwas schärfer gemacht. Die Rauschreduzierung wurde ebenfalls angewendet, um das leichte Rauschen im Bild zu reduzieren.
Abschliessend wurden die Konturen noch scharfgezeichnet und eine Vignette ergänzt. Die Vignette dient hier dem Zweck, den Blick des Betrachters auf die hellen Stellen im Bild zu führen.
Und Voilà, hier haben wir den vorher nachher Vergleich.