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Elspeth Beard, was bedeutete Ihnen Freiheit, als Sie aufwuchsen?
Ich hatte Glück, dass meine Eltern mir allerhand Freiheiten gewährten. Meine Erziehung war wahrscheinlich ungewöhnlich. Mein Vater war ein äusserst exzentrischer Psychiater, der Wert darauf legte, seinen Kindern die Freiheit zu geben, Fehler zu machen und durch diese zu lernen. Uns wurde nie gesagt, dieses oder jenes zu tun beziehungsweise dieses oder jenes zu lassen. Im Familienurlaub fuhren wir mit dem Auto quer durch Europa, ich und meine beiden Geschwister hinten zusammengepfercht. Mein Vater war besessen davon, alles zu sehen, was im Michelin-Reiseführer aufgezählt wird. Also fuhren wir von einer Kirche zum nächsten Altarbild und von diesem zur nächsten Ruine, wobei jeder Tag hauptsächlich darin bestand, zu fahren, zu fahren, zu fahren und zu fahren, um dann abends irgendwo das Zelt aufzuschlagen. Morgens um 6 Uhr ging es dann wieder raus, das Zelt wurde abgebaut, und wir setzten uns erneut ins Auto, um so viel wie möglich zu sehen. Das wurde uns sehr früh mitgegeben.
Das hört sich an wie eine frühe Lektion in Sachen Spontaneität, was das Reisen angeht.
Für uns war das Reisen normal, wir verbrachten jeden Sommer so. Das träufelte uns dieses forsche Bewusstsein ein, mehr über die Welt und über andere Länder zu erfahren. Zusammen mit dem Anspruch unserer Eltern, uns so viel Freiheit einzuräumen wie irgend möglich, bescherte mir das eine gute geistige Verfassung. Als ich Anfang 20 war, hatte ich keinerlei Bedenken, hinauszugehen und etwas zu wagen. Ich fuhr Motorrad. Ich wollte die Welt sehen.
Erinnern Sie sich noch an den Moment, in dem Sie sich der Motorradkultur gewahr wurden?
Als ich zu fahren begann, war das schlichtweg eine günstige wie einfache Art, mich durch London zu bewegen. Ich bin mit 16 von der Schule geflogen, was aber in Ordnung war. Meine Eltern schrieben mich für ein College ein, damit ich dort meinen Schulabschluss mache und ich mich später an einer Universität immatrikulieren könnte. Am College traf ich dann eine Gruppe Biker, die mir eine erste Einführung gaben; ein Freund verkaufte mir seine kleine Yamaha 100. Das war mein erstes Motorrad. Ich habe es verwendet, um mich durch London zu bewegen – es kostete nicht viel, war schnell und effizient. Ich verstand es wirklich vorwiegend als Transportmittel. Danach habe ich mir ein etwas grösseres Motorrad zugelegt, eine 250er. Darauf habe ich dann die Fahrprüfung bestanden; zuvor konnte man in Grossbritannien mit einer 250er-Maschine ohne Fahrerlaubnis unterwegs sein. Heute klingt das wahnsinnig, aber so war es.
Wann wechselten Sie zu stärkeren Motorrädern?
Ein Jahr später kaufte ich meine BMW 600. Plötzlich dämmerte mir, dass man mit solch einer Maschine wirklich weit kommt. Ein weiteres Jahr später flog ich an die amerikanische Westküste. Ich kaufte mir eine sehr günstige, alte 750 BMW R75 mit Fünftaktmotor und fuhr damit von der West- an die Ostküste. Auf dieser Reise dachte ich irgendwann: Das ist ziemlich cool, vielleicht ist es möglich, so…