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Konkret sollten in den durchgeführten Studien Personen Lösungsvorschläge für schwierige Lebenssituationen entwickeln. Eine solche schwierige Lebenssituation war beispielsweise die Folgende:
Sinnkrise:
Beim Nachdenken über ihr Leben stellen Personen manchmal fest, daß sie im Leben nicht das erreicht haben, was sie sich vorgestellt hatten. Was könnte man/was könnten diese Personen in einer solchen Situation bedenken und tun?
Auszüge einer hoch bewerteten Antwort auf solch eine Fragestellung lauteten:
Zunächst möchte ich sagen, dass wahrscheinlich nur sehr wenige und wenn dann recht unkritische Personen von sich sagen würden, dass sie mit dem, was sie erreicht haben, völlig zufrieden sind. … Es hängt sehr von der Art der Ziele ab, die sich die Person gesetzt hat, ob es eher idealistische oder eher materialistische Ziele sind. Es hängt auch vom Alter der Person ab und von den Lebensumständen, in denen sie sich befindet. … Dann würde man wahrscheinlich versuchen die Gründe zu untersuchen, warum bestimmte Ziele nicht erreicht wurden. Oft ist es so, dass viele Dinge gleichzeitig verfolgt wurden, ohne Schwerpunkte zu setzen und dann am Ende gar nichts dabei herauskommt. … Man muss allmählich realistischer werden in den eigenen Zielen. Oft hilft es, wenn man mit anderen darüber redet. … Schwierigkeiten im Leben können in der Person aber auch in der Umgebung liegen oder in der Passung zwischen beiden.…
Die Ergebnisse der Studien deuten darauf hin, dass Intelligenz und Persönlichkeit zur Weisheit beitragen, Alter jedoch nicht. Interessanterweise zeigt sich allerdings eine altersspezifische «Verdichtung und Spezifizierung des Wertesystems». Das bedeutet, dass man der beste Experte für die Probleme der eigenen Altersgruppe zu sein scheint. Dieser Befund unterstützt die Annahmen der Lebensspannenpsychologie, nach der die Entwicklung weisheitsbezogenen Wissens nicht ein sich «anhäufender» sondern ein sich verändernder Prozess ist, bei dem Wissen aus spezifischen Lebensbereichen Wissen aus anderen Lebensbereichen überformt, verdrängt und sogar aus mangelnder Anwendung in Vergessenheit gerät.
Staudinger, U. M., & Baltes, P. B. (1996). Weisheit als Gegenstand psychologischer Forschung. Psychologische Rundschau, 47, 57–77.