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Viele Finanzinstitute werden von unterschiedlichen Seiten unter Druck gesetzt: Regulatorische Auflagen haben in den letzten Jahren stark zugenommen, das Niedrigzinsumfeld drückt auf Gewinnmargen und neue Marktteilnehmer mit innovativen Geschäftsmodellen bedrohen etablierte Unternehmen, indem sie die Wertschöpfungskette aufbrechen und sich Marktanteile sichern. Viele Unternehmen ändern ihre Arbeitsmodelle in Richtung einer offenen Struktur, die es anderen Parteien ermöglicht, Dienstleistungen entlang ihrer Wertschöpfungskette zu erbringen. Dies schafft trotz geringerer vertikaler Integration mehr Flexibilität und Effizienz.
In einem Geschäftsmodell, an dem verschiedene Parteien beteiligt sind, ist eine sichere Plattform notwendig, um ein hohes Mass an Automatisierung und Effizienz zu erreichen. Eine solche dezentrale Plattform kann durch die Blockchain-Technologie bereitgestellt werden. So ermöglicht die Tokenisierung von Finanzprodukten Effizienzgewinne durch Automatisierung im Emissionsprozess sowie eine Minimierung der Risiken einer Bank im Zusammenspiel mit anderen an der Emission beteiligten Akteuren.
Was ist Tokenisierung genau?
Tokenisierung beschreibt den Prozess der Erstellung einer zählbaren Einheit, respektive eines Tokens, der einen realen und oft physisch handelbaren Vermögenswert digital repräsentiert. Dies wird mithilfe der Distributed-Ledger-Technologie (DLT), z. B. einer Blockchain, ermöglicht. In diesem Zusammenhang wird oft der Begriff „Security-Token“ verwendet. Diese sind definiert als ein Instrument, welches ein Eigentumsrecht und den Anspruch auf einen Anteil an zukünftigen Gewinnen oder Cashflows gewährleistet. Diese Token können Eigentum an einem Finanzinstrument wie einer Anleihe oder einem Schuldtitel abbilden. Security-Token sind eine der drei Hauptkategorien von digitalen Assets, die auch in hybriden Formen kombiniert werden können (häufig als Hybrid-Token bezeichnet).
Die drei Hauptkategorien von Digitalen Vermögenswerten
Ein Security-Token-Offering (STO) bezeichnet das öffentliche Anbieten eines tokenisierten Assets. Es ist eine Kombination aus einem Initial-Coin-Offering (ICO), das besonders in 2017 und 2018 beliebt war, und einem traditionellen Börsengang (IPO). Da ICOs nur sehr wenig Anlegerschutz boten, entstanden als Reaktion des Marktes STOs, um mehr Sicherheit im Blockchain-basierten Crowdfunding zu gewährleisten.
Da Security-Token traditionellen Finanzanlagen wie Anleihen, Aktien und strukturierten Produkten ähneln, gewinnt hier der regulatorische Aspekt an Bedeutung. Für viele Security-Token wenden Regulierungsbehörden die bestehende Gesetzgebung für Wertpapiere an.
Lebenszyklus eines tokenisierten Vermögenswertes am Beispiel einer Anleihe
Vorteile
Tokenisierung bietet das Potenzial, die Finanzindustrie effizienter und transparenter zu gestalten, besonders dort, wo es gemeinsame Handlungsebenen gibt und mehrere Parteien miteinander interagieren.
- Erhöhte Liquidität: die Token vormals illiquider Vermögenswerte können dank Tokenisierung auf einem Sekundärmarkt gehandelt und so einer viel breiteren Basis von Marktteilnehmern zugänglich gemacht werden. Trotz dieses primären Vorteils besteht das potenzielle Risiko einer Liquiditätsreduktion, wenn ein Vermögenswert sowohl on-chain als auch auf dem konventionellen Markt gehandelt wird.
- Schnellere und günstigere Transaktionen: durch die Abwicklung von Token-Transaktionen auf der Blockchain kann die Automatisierung im Handelsprozess und die Disintermediation erhöht werden. Handels-Clearing und -Abwicklung können sich bis auf Echtzeit beschleunigen, was das Gegenparteien-Risiko reduziert, Sicherheitsleistungen freisetzt und die Kapitaleffizienz für Handelsteilnehmer erhöht. Ein deutlich vereinfachter Post-Trade-Prozess und der geringere Verwaltungsaufwand im Back-Office führen zu einer schnelleren Geschäftsabwicklung und niedrigeren Transaktionskosten.
- Erhöhte Transparenz: die zur Verfügung stehenden Blockchain-Transaktionsdaten, Informationen zu den Emittenten und den Eigenschaften der Vermögenswerte ermöglichen mehr Transparenz für alle Parteien. Ansprüche und rechtlichen Verantwortlichkeiten der Token-Inhaber sowie die Dokumentation des Eigentums können in den Token integriert werden.
- Erhöhte Zugänglichkeit: ein viel breiteres Anlegerpublikum kann erreicht werden, indem die Hürden für Investitionen gesenkt werden. Die Möglichkeit von Teileigentum («Fractional Ownership») sowie der offenere Zugang eröffnen Anlegern Investitionsmöglichkeiten in bisher unerschwingliche oder unzureichend unterteilbare Anlageklassen.
Herausforderungen
Es gibt eine Reihe von Herausforderungen, die bewältigt werden müssen, damit Tokenisierung in grossem Umfang eingesetzt werden kann. Einige Herausforderungen sind technologischer, andere regulatorischer Art – wobei diese zu einem gewissen Grad miteinander verwoben sind.
Die meisten öffentlichen Blockchains müssen noch ihre Limitierungen bei der Skalierbarkeit lösen. Die Transaktionszahl in der Grössenordnung eines effizienten, globalen Finanzmarktes erfordert hier eine deutliche Steigerung. Die Endgültigkeit und Unwiderrufbarkeit von Blockchain-Transaktionen stellt für Finanzinstitute eine weitere Hürde dar. Neue Sicherheitsverfahren und die Integration innovativer Governance-Richtlinien sind erforderlich.
Die technologische Trennung von Blockchain-Anwendungen verschiedener Protokolle führt einerseits zu Ineffizienzen, treibt aber gleichzeitig einen starken Wettbewerb unter den unterschiedlichen Protokollen an. Das Fehlen von Industriestandards führt hier zu einer erhöhten Komplexität für Nutzer und Dienstleister. Es gibt zwar Interoperabilitäts-Protokolle, die versuchen, Brücken zwischen Blockchains zu schlagen, diese stehen aber noch in den Anfängen.
Eine weitere Herausforderung ist die Brücke zwischen On- und Off-Chain-Daten – allgemein auch als das „Oracle“-Problem bezeichnet. Dieses sucht nach einer Lösung, Daten aus der realen Welt zuverlässig und sicher auf Blockchains zu übertragen. Wie kann man die korrekte Abbildung eines Tokens von seinem Gegenstück in der realen Welt gewährleisten? Was passiert mit Token und Token-Besitzern, wenn der „echte“ Vermögenswert gestohlen oder zerstört wird? Dies sind nur einige Fragestellungen, die einer Antwort bedürfen. Die Tokenisierung von physischen Vermögenswerten wird deshalb auch in Zukunft mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer vertrauenswürdigen zentralen Instanz abhängen, z. B. einem Verwahrer, der die Hinterlegung eines Tokens mit einem realen Vermögenswert garantiert.
Das Garantieren langfristiger Netzwerkstabilität und das Minimieren von Cyber-Sicherheitsrisiken sind aufgrund des jungen Alters der Blockchain-Technologie weitere kritische Aspekte. Mit der richtigen technologischen und operativen Expertise können diese Risiken Stand heute wesentlich gesenkt werden. Der Schlüssel hierzu ist ein vertrauenswürdiger Partner wie Crypto Finance, der die für Finanzinstitute bestehenden Risiken genau kennt und über Erfahrung bei deren Minimierung verfügt.
In Bezug auf Compliance und Geldwäschereibekämpfung wirft vor allem die Ausgabe und der Austausch von Token rechtliche und regulatorische Fragen auf. Die Entwicklung hin zu einem breiten Spektrum von Handelsplätzen über verschiedene Jurisdiktionen hinweg sowie zu offenen Netzwerken, die eine gewisse Anonymität für Nutzer ermöglichen, schaffen neue Problemstellungen. Ein unzureichender regulatorischer Rahmen verleitet zu «Wash-Trading» und anderen Marktmanipulationstechniken, die den Marktpreis von digitalen Assets beeinflussen können. Dies unterstreicht die Bedeutung von Know-Your-Customer (KYC)- und Anti-Money Laundering (AML)-Verfahren. Als öffentlich zugänglicher, transparenter Ledger sind die meisten Blockchains jedoch nur pseudo-anonym, was prinzipiell On-Chain-Analysen ermöglicht, mit denen Transaktionen analysiert werden können.
Auf der anderen Seite stellen Datenschutzgesetze, wie z. B. die GDPR in Europa oder der Schutz von Patientendaten im Gesundheitswesen, gewisse Rahmenbedingungen für die Tokenisierung auf. Je nach Anwendungsfall darf der Zugriff auf kritische Datensätze auf einem Ledger nur berechtigten Parteien möglich sein. Aus diesem Grund werden auch nicht-öffentliche Ledger, respektive private Blockchains, entwickelt. Optionale Privatsphäre-Funktionen auf öffentlichen Blockchains werden vom Gesetzgeber hingegen aufgrund des Missbrauchspotenzials zur Zeit eher mit Skepsis beobachtet. Dennoch kann ein gewisses Mass an Datenschutz durch die korrekte Anwendung erreicht werden. Der rechtliche Rahmen von Smart Contracts ist aber bei weitem noch nicht vollständig definiert und es ist zum Beispiel unklar, ob das Vertragsrecht anwendbar ist, und ob Fragen der Durchsetzbarkeit und des Vermögensschutzes Anwendung finden.
Ein klarer regulatorischer Rahmen ist für eine funktionierende Token-Ökonomie unerlässlich. Derzeit werden viele Security-Token, entsprechend ihrer Eigenschaften, wie traditionelle Wertpapiere behandelt. Die Vorschriften unterscheiden sich jedoch erheblich zwischen einzelnen Jurisdiktionen und es ist unwahrscheinlich, dass die benötigte internationale regulatorische Vereinheitlichung in naher Zukunft stattfinden wird. Dennoch erkennen innovative Länder das Potenzial der Blockchain-Technologie und arbeiten an mehr regulatorischer Klarheit für Security-Token, um gesetzeskonforme Anwendungen zu erleichtern. Die Schweiz steht an der Spitze dieser Entwicklungen und hat ein umfassendes DLT-Gesetz in Kraft gesetzt, das tokenisierte Wertpapiere auf dezentralen Ledgern erlaubt. Noch vorhandene Herausforderungen zu lösen und das volle Potenzial der Tokenisierung zu entfesseln, kann gelingen, wenn Marktteilnehmer die notwendigen Erfahrungen sammeln, relevante Fragen stellen und Best Practices entwickeln und miteinander teilen. Da Crypto Finance seinen Hauptsitz in der Schweiz hat und aktiv an verschiedenen Arbeitsgruppen teilnimmt, sind wir an vorderster Front der Blockchain-Entwicklungen, welche dieses neue Ökosystem formen.
Der Weg in die Zukunft
Das Crypto Finance-Team arbeitet daran, die verbleibenden Herausforderungen mit und für unsere Kunden zu lösen, um das volle Potenzial der Tokenisierung zu realisieren und innovative neue Geschäftsmodelle zu ermöglichen. Security-Token versprechen im Vergleich zu ihren papiergebundenen Pendants erhebliche Vorteile für die Zukunft. Allerdings bergen sie auch Risiken, die verstanden und mit denen Umgegangen werden muss. Das Team von Crypto Finance besteht aus Experten sowohl aus der Finanzbranche als auch der Blockchain-Welt und hat in den vergangenen Jahren mehrere erfolgreiche Projekte und Systemintegrationen für Kunden durchgeführt. Banken und Finanzinstitute nutzen die Tokenisierungs-Lösungen von Crypto Finance, um regulatorische, technologische und operative Herausforderungen zu lösen. Die zugrundeliegende sichere Infrastruktur für digitale Vermögenswerte ermöglicht es etablierten Akteuren, diese Vermögenswerte einfach, sicher und flexibel zu verwalten, verwahren und transferieren.
Selbst grosse Finanzinstitute haben gemerkt, dass es für sie essenziell ist, frühzeitig mit disruptiven Technologien zu experimentieren – auch wenn der potenzielle Gewinn kurzfristig denjenigen von etablierten Produkte nicht zu übersteigen scheint. Durch eine steile Lernkurve bleiben sie aber zukünftigen Wettbewerbern einen Schritt voraus. Unsere Kunden profitieren von diesem Vorteil: Sie fangen klein an und nutzen unseren Sandbox-Ansatz, um in einer sicheren und vertrauenswürdigen Umgebung einen Proof-of-Concept (PoC) durchzuführen, welcher später in Live-Produkte weiterentwickelt werden kann.
Quellen:
OECD. Blockchain Policy Series. The Tokenisation of Assets and Potential Implications for Financial Markets. https://www.researchgate.net/publication/338740098_The_Tokenisation_of_Assets_and_Potential_Implications_for_Financial_Markets
Ernst&Young Ltd. Tokenization of Assets. Volume 1. 2020: https://assets.ey.com/content/dam/ey-sites/ey-com/en_ch/topics/blockchain/ey-tokenization-of-assets-broschure-final.pdf
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