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Die Geschichte des Brillenglases
Entscheidend für die heutigen Brillengläser war natürlich die Entdeckung der Glasherstellung in Mesopothamien und zeitgleich in Ägypten um etwa 3000 v.Chr. Um ca. 1500 v. Chr. entwickelten die Ägypter erste Hohlgefässe aus Glas, um Salben darin aufzubewahren. Farbloses Glas erfanden sie etwa um den Beginn unserer Zeitrechunng. Aus Schriften des römischen Philosophs Seneca ist bekannt, dass die Römer die vergrössernde Wirkung von mit Wasser gefüllten Glaskugeln kannten, allerdings kamen sie zum Schluss, dass sich diese Wirkung aufgrund des Wassers und nicht des Glases einstellte.
Aber auch in der Antike war sowohl das Material Glas als auch der Effekt der Lichtbrechung bekannt, allerdings erkannten die Griechen den Zusammenhang noch nicht. Erst um 1000 n.Chr. veröffentlichte ein Araber ein Schriftstück, wo er beschreibt, wie er mit einem gläsernen Kugelsegment Gegenstände vergrössert. Eine praktische Umsetzung als Brille wurde aber erst viel später in Angriff genommen und zwar in einem Franziskanerkloster in Italien im 13. Jahrhundert. Mönche und Nonnen mussten eine Lösung für ihre Alterssichtigkeit finden, weil sie sonst im Alter zur Untätigkeit verdammt wurden, da ihre Hauptaufgabe darin bestand, Schriftstücke zu übersetzen und zu kopieren. Sie verwendeten als erste Sehhilfe sogenannte Lesesteine. Diese waren meistens aus Bergkristall oder Beryll, woher sich auch der Name Brille ableitete. Bis eine Gesetzmässigkeit für die Berechnung des Abbildungsvorganges entdeckt wurde, dauerte es aber nochmals 300 Jahre.
Die Lesesteine wurden für die bessere Handhabung bald bikonvex geschliffen (auf beide Seiten gewölbt), eingefasst und mit einer Halterung versehen. Das Monokel entstand. Um 1500 entwickelten sich zwei Arten von Gläsern und zwar bikonvexe Sammellinsen für die Weitsichtigkeit und bikonkave Zerstreuungslinsen für die Kurzsichtigkeit.
Zur Herstellung von Brillengläsern wurde um 1500 bevorzugt weißes Kristallglas verwendet, das von der italienischen Insel Murano bezogen wurde. Das geblasene böhmische Glas war nämlich von erheblich schlechterer Qualität und aufgrund seiner geringeren Plattenstärke nur für die Herstellung sehr schwacher Gläser geeignet. Während die Brillenfassungen seit dem Mittelalter stetig weiterentwickelt wurden, lassen sich bezüglich der Gläser bis zum 18. Jahrhundert keine wesentlichen Veränderungen feststellen. Verbessert wurden lediglich die Verfahren zur Glasherstellung und die Schleiftechniken bei der Bearbeitung der Linsenflächen.
Der englische Arzt Wollaston konnte um 1804 feststellen, da ein durchgebogenes Brillenglas, dessen Hohlseite dem Auge zugewandt ist, eine wesentlich schärfere Abbildung liefert als eine gleichseitige Linse mit derselben Brechkraft. Aber auch hier blieb es zunächst bei der Idee, weil die Gläser nur mit einer schwachen Durchbiegung hergestellt wurden. Dennoch gilt er als Begründer von periskopischen Gläsern. Das heisst Gläser, die mit der konkaven (also hohlen) Seite dem Auge zugewandt sind. Diese Gläser bilden vor dem Auge also eine gekrümmte Fläche, die einigermassen mit der Krümmung des Auges im Einklang sind. Durch diese können auch seitwärts noch deutliche Bilder gesehen werden. Der Vorreiter des Brillenglases ist entstanden.