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Wir analysieren die Raumplanung als eine öffentliche Politik, deren Aufgabe die Steuerung der Raumentwicklung ist. Gemäss Raumplanungsgesetz besteht das Hauptziel der Raumplanung in der «haushälterischen» Bodennutzung. Dieses und weitere Ziele werden historisch durch eine flächendeckende Einteilung des Landes in Zonen angegangen. Dieser Ansatz funktionierte dabei solange die Raumentwicklung auf der grüne Wiese stattfand. Der Kontext hat sich aber zuletzt radikal geändert: die Entwicklung muss stärker nach Innen stattfinden und die Zersiedelung muss effektiv bekämpft werden. Gleichzeitig müssen die Wohnqualität gewährleistet und die Wohnungspreise erschwinglich bleiben.
Wir betrachten bebaute Parzellen als komplexe Geflechte von Rechten und Pflichten. Die InhaberInnen von solchen geschützten Rechtspostitionen sind oftmals in der Lage, ein neues Projekt zu blockieren oder mindestens zu bremsen. Wir sind der Meinung, dass ein dreifacher Perspektivwechsel nötig ist, um aktuelle raumplanerische Herausforderungen zu verstehen: (1) Akteure und ihre Strategien müssen im Zentrum der Analyse stehen; (2) ein institutioneller Ansatz muss auf die Spielregel fokussieren, die von den Akteuren aktiviert werden. Neben dem Raumplanungsgesetz spielen in diesem Zusammenhang Eigentumsrechte eine zentrale Rolle; (3) das Land muss als Ressource betrachtet werden, deren Nutzungen potentiell in Konkurrenz zueinander stehen. Wir arbeiten an der Entwicklung von diesem neuen Ansatz mit der Überzeugung, dass die Wissenschaft einen Beitrag zu einer besseren Raumplanung leisten kann.
Das Planungsrecht enthält eine Reihe von eigentumsrechtlich relevanten Bestimmungen, die als bodenpolitische Instrumente bezeichnet werden. Diese Instrumente sollen eine Planumsetzung und damit auch die tatsächliche Erreichung der planungsrechtlichen und planungspolitischen Ziele gewährleisten.
Instrumente wirken jedoch nicht automatisch. Sie müssen von den jeweiligen Akteuren, insbesondere den lokalen Planungsträgern, aktiviert und möglichst strategisch eingesetzt werden. Das Projekt untersucht, ob und wie die Planungsträger die Möglichkeiten der bodenpolitischen Instrumente nutzen. Dabei wird die Grundhypothese untersucht, dass die Verwendung solcher bodenpolitischen Instrumente das Planungssystem insgesamt wirksamer machen müsste. Entsprechend müsste die tatsächliche Raumentwicklung durch bodenpolitische Strategien stärker den planungspolitischen und planungsrechtlichen Zielen entsprechen.
Um Ergebnisse zu erzielen, die gemeinde- und kantonsübergreifend gültig sind, und um den variierenden Einfluss der privaten Akteure auf diesen Wirkungsmechanismen zu reduzieren wird ein quasi-experimenteller Untersuchungsaufbau verfolgt. Als Untersuchungseinheit werden Lebensmittel-Discounter-Filialen herangezogen. Diese sind einerseits durch ihr Geschäfts- und Standortmodel der Unternehmen sowie das Einkaufs- und Mobilitätsverhalten der KundInnen hochgradig raumrelevant. Andererseits sind die Interessen der Konzerne und die Möglichkeiten diese vor Ort zu erreichen nahezu standardisiert. Discounter-Filialen eigenen sich daher aussergewöhnlich gut, um vergleichende Studien in unterschiedlichen räumlichen Kontexten durchzuführen.
Empirisch wird dabei in drei Schritten vorgegangen, wobei mehrere methodische Ansätze miteinander kombiniert werden:
Die Ergebnisse des Projekts erlauben es, die Differenz zwischen den planungsrechtlichen und planungspolitischen Vorstellungen und der tatsächlichen Raumentwicklung besser zu erklären. Damit wird ein wesentlicher Beitrag geleistet das Umsetzungsdefizit der Raumplanungspolitik evidenzbasiert zu erklären. Zudem trägt das Projekt dazu bei die bodenpolitische Forschungslücke zu verkleinern. Für planerische Praxis ist zudem relevant, dass sich auch Handlungsempfehlungen zum Umgang mit Discounter-Filialen ableiten lassen.
(2) Wie trägt die leistungsorientierte Planung dazu bei, die Hindernisse für die Verdichtung zu überwinden?