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GG 238
Phlabiou Iōsēphou Ioudaikēs archaiologias logoi k. Ioudaikēs halōseōs logoi z. Peri archaiotētos Ioudaiōn kata Apiōnos logoi b. Eis tous Makkabaious logos, ē peri autokratoros logismou.
Flavii Iosephi Opera. Basel: Hieronymus Froben und Nicolaus Episcopius 1544. Fol.
Nachdem bis dahin nur erst das sog. 4. Makkabäerbuch, das heute nicht mehr als Werk des Josephus gilt (in unserm Druck S. 955-967), griechisch gedruckt worden war (in griechischen Bibeldrucken in Strassburg 1526 und Basel, Brylinger 1550 [GG 383]), erscheint hier, bis auf diese kurze Beigabe, der erste griechische Druck überhaupt eines Werks des jüdischen Historikers (37 - um 95 n. Chr.) - Staatsmanns in Galiläa, Historikers in Rom - zugleich eine Gesamtausgabe seiner Werke, die er griechisch verfasst hat, um den Griechen die Kultur und Geschichte seines Volkes darzustellen. Eine spätantike, dem Ruffinus von Aquileia zugeschriebene lateinische Übersetzung ist zwischen 1470 und 1528 über fünfzehn Mal gedruckt worden, bis sie nach einer ersten verbesserten Ausgabe Johannes Frobens von 1524 (GG 236), zum erstenmal für den Druck Frobens und des Episcopius von 1534 (GG 237) anhand griechischer Handschriften verbessert und das Werk ergänzt wurde; Nachdrucken bei Froben 1537 und 1540 folgte eine neue Übersetzung durch Sigismund Gelenius in der selben Offizin 1548 (GG 239), 1554, 1559 und zum Teil in neuer Übersetzung 1567 und 1582. Die erste zweisprachig griechisch-lateinische Ausgabe von Genf 1611 (sie hat die Übersetzung des Gelenius übernommen) ist zugleich erst die zweite griechische überhaupt. Ungewöhnlich früh und häufig sind dagegen volkssprachliche Übersetzungen erschienen: zwei verschiedene französische schon 1492 bzw. 1534, eine deutsche, von Caspar Hedio nach der Fassung des Ruffinus, in Strassburg 1531, 1535, 1539, 1544, 1556 und 1561, eine zweite, von Conrad Lautenbach nach Gelenius, ebenfalls mehrmals nachgedruckt, in Frankfurt 1569, einzelne Schriften spanisch seit 1492, italienisch seit 1493. Herausgeber unseres griechischen Erstdrucks ist der niederländische Humanist Arnoldus Peraxylus Arlenius (1510-1582), seit seinen Studien in Paris und Ferrara in Florenz, Rom, Venedig und zuletzt Mondovi als Kopist vor allem griechischer Handschriften, als deren Vermittler in den Norden, seit 1538 vor allem an Basler Drucker, als Bibliothekar des spanischen Adligen, Humanisten und Staatsmanns Diego Hurtado de Mendoza, als Herausgeber griechischer Autoren und Drucker tätig. 1541 und 1543 hatte er sich in Basel und in Strassburg mit Druckern und Editoren getroffen. Unser Josephus ist seine erste Textausgabe. Er hat sie seinem Herrn Diego Hurtado de Mendoza - damals Kaiserlicher Gesandter in Venedig - in Venedig am 4. März 1544 gewidmet: Jedes grosse Vorhaben, beginnt er die Widmung, brauche einen Entschluss, entsprechende äussere Umstände und sorgfältige Arbeit bei der Ausführung (voluntatem, facultatem & diligens exequendi studium). Diese drei Bedingungen hätten sich in seinem, Mendozas, Studium der Literatur - mit dem Nutzen für die humanitas und die doctrina - erfüllt. Doch er habe nicht nur ausgesuchteste Handschriftenschätze für seine Bibliothek gesammelt, sondern dies mit der Absicht getan, sie durch den Druck für die Gelehrtenwelt fruchtbar zu machen, ihm nicht nur gestattet, sie zu benützen, sondern sie auch zu durchforschen und daraus, was ihm nützlich scheine, drucken zu lassen. Dem fühle er sich verpflichtet, hier nun mit diesem Flavius Josephus, da Historiker der jeweiligen Gegenwart den grössten Nutzen brächten. Sogar die Philosophie sollte ihre Beispiele aus der Geschichte ziehen, wie auch Aristoteles belege: grosse Beispiele aus dem Welttheater für jede Lebenslage. Worauf Arlenius Cicero als Zeugen für die Bedeutung der Geschichte anruft, deren Kenntnis allein den Menschen erwachsen werden lasse, und ihn und Thukydides dafür, dass nicht jeder Erzähler Historiker sei: furchtlose Wahrhaftigkeit und unabhängige Unparteilichkeit seien aber Kennzeichen gerade des Josephus. Ebenso der klare Aufbau und der Stil, wofür Arlenius neben zahlreichen andern Autoren Photius, dessen Bibliotheke Mendoza ebenfalls besitze (und die Arlenius ebenfalls herauszugeben geplant hat; der erste Photiusdruck - Bibliotheke mit Briefeanhang - ist dann erst 1601 in Augsburg erschienen), und Theodorus Metochita anruft (seine Historia Romana erst 1618 im Druck erschienen, die von Arlenius zitierten Gnōmikai sēmeiōseis sogar erst 1790 und 1821: also muss Mendoza 1544 auch von diesen eine Handschrift besessen haben). Auf die Biographie des Josephus verzichte er hier, da sie der Autor selber in einem besonderen eigenen Werk behandelt habe, das er jetzt ebenfalls als erster herausgebe (S. 625-656 im Anhang an die Antiquitates). Es folgt eine kurze Charakteristik der chronologisch angeordneten Werke: der Origines (was er der Bezeichnung Antiquitates vorziehe) Iudaicae, des Bellum Iudaicum, der Apologie über das Alter des jüdischen Volkes usw. Seine griechische Bildung habe er mit Philo gemein, die die Gelehrtenwelt kennenlernen werde, wenn er seine 48 Bücher verschiedenen Inhalts aus der Bibliothek des Mendoza publizieren werde (dessen erste Gesamtausgabe wird - lateinisch - 1554 [GG 109] in unserer Offizin erscheinen). Anderseits dürften dem Christentum verwandte Gedanken bei Josephus nicht leichthin zur Absprechung eines Werkes führen, wie bei peri tēs tou pantos aitias vel ousias; er hoffe, die Schrift bald den Gelehrten zur Verfügung stellen zu können. Anderseits habe auch Josephus ein geplantes Werk, das schon Eusebius und Photius vermisst hätten, wohl nicht mehr vollendet. Eine sorgfältige Edition des Erhaltenen könne aber über die Verluste hinwegtrösten. Deshalb habe er das Werk in der Officina Frobeniana herausgeben wollen, aus der nie etwas, wie man wisse, ohne grösste Sorgfalt und Zuverlässigkeit hervorkomme, in diesem Fall schon gar nicht. Der hintere Teil der Archäologie sei allerdings durch die Kopisten so schlecht überliefert gewesen, dass man ihn allein dank der Epitome, die er vor einigen Jahren in Rom erworben habe, habe wiederherstellen können. Das habe vor allem der ungewöhnlich umgängliche, kluge und gelehrte Sigismund Gelenius besorgt (Mendozas Handschrift der Antiquitates 1-20 ist 1542 in Venedig von Johannes Mauromates in Venedig angefertigt worden und befindet sich heute im Escorial). Beim Bellum Iudaicum hätten sie weniger Mühe gehabt, da seine Handschrift sorgfältiger geschrieben gewesen sei und sie zudem von den Gelehrten Johannes Crotus (1480 - um 1545, Theologe, seit 1531 Rat Albrechts von Brandenburg, des Erzbischofs von Mainz und Magdeburg) und Petrus Gillius weitere erhalten hätten (wohl Pierre Gilles, 1490-1555, der Bearbeiter des Basler Lexicon Graecolatinum von 1532), die ihrerseits auch mitgeholfen hätten (deren Mitarbeit dürfte direkt durch Gelenius veranlasst worden sein). Widmen aber wolle er das Werk demjenigen, von dem es herkomme, der es vor den Motten und Würmern gerettet habe, der sich neben allen seinen Beschäftigungen zu seinem Studium Zeit nehme, sich bewusst, dass alles mit Schwierigkeiten verbunden sei. So sei er, einem hohen spanischen Geschlecht entstammend, durch seine Bildung in Italien berühmt geworden, so dass Kaiser Karl ihn zum Gesandten zu den mächtigsten Königen und dem Senat Venedigs auserwählt habe. Und er habe als solcher ebenso Bedeutendes geleistet wie durch seine Bemühungen, die bedeutendsten Autoren, die unter der unseligen Knechtschaft Griechenlands sich vergraben hätten, durch grosszügige Finanzierung wieder ans Licht und zu neuem Leben zu bringen. Daneben habe Mendoza selber einen Aristoteleskommentar begonnen, der alle wertvollen Äusserungen der Griechen, Araber und Lateiner vereinige. Wenn seine Freunde und sein Amt ihn diesen vollenden liessen, werde dieser viele einheimische Kommentare überflüssig machen, welche die Masse der Philosophanten bisher gerühmt habe, die aus Unkenntnis des Griechischen die besseren bisher nicht gesehen habe. Den Staat führe er wie wenige, die Wissenschaften fördere er wie noch wenigere - beides zugleich wie er leiste ausser ihm keiner. - Der Aristoteleskommentar Mendozas scheint nicht erschienen zu sein, aber auch die Schrift über den Ursprung des Ganzen oder des Seins hat Arlenius leider nicht herausgebracht; sie wäre so erhalten geblieben. Sie ist von Photius (Cod. 48) als Schrift des Josephus gelesen und resümiert worden, nach ihm jedoch eher einem Gaius zuzuschreiben; sie gilt heute als Werk des Bischofs von Rom Hippolytos (1. Hälfte 3. Jh.), dessen Schriften, da im Westen das Griechische noch im 3. Jahrhundert in Vergessenheit geriet, nur in der byzantinischen Kirche, meist nur fragmentarisch, erhalten geblieben sind. Die hier von Arlenius nach der Photius vorliegenden Überlieferung dem Josephus zugeschriebene Schrift ist, da sie Arlenius noch vorlag, immerhin noch fast sieben Jahrhunderte über die Zeit des Photius, aus dessen Erwähnung sie in der heutigen Literatur allein noch bekannt ist, erhalten geblieben. Liesse sie sich gar noch heute aus der Bibliothek Mendozas in einer spanischen Bibliothek finden?
In einem kurzen zusätzlichen Vorwort zur Ausgabe der Officina Valderiana der Introductionis grammaticae libri quatuor Theodoros Gazas vom März 1541 berichtet der junge Hieronymus Curio, dass im Vorjahr seinem Vater (d.h. Stiefvater) Johannes Walder vom jungen Gelehrten Arlenius (er war damals immerhin 31 Jahre alt, der 1536/37 in Basel immatrikulierte Curio wohl erst um die zwanzig) die Grammatik Gazas mit den Ergänzungen einer mehr als alltäglichen Durchsicht (cum recognitione non vulgari) und einer Kollation nach sehr alten Handschriften aus Italien gebracht worden sei. Er habe geschworen und es sei auch deutlich sichtbar gewesen, dass hier nicht wenig geboten werde gegenüber der ersten Ausgabe seines Vaters (1523, hier Nr. 31; deren Text war allerdings laut ergänzter Vorrede schon für die Ausgabe von 1529 von Heresbach nochmals durchgesehen, den Büchern Inhaltsangaben vorangestellt und ein Index beigegeben worden - der hier wieder weggelassen ist), so sorgfältig diese auch gemacht worden sei, wie das Alter alles gut aufbewahre und überliefere. Das habe er, damit man nicht um solche Vorzüge gebracht werde, in diesem zusätzlichen Brieflein mitteilen wollen. Auf der Titelseite ist denn auch auf diesen Beitrag aus Italien hingewiesen: ... Recognitione vero ex vetustis manuscriptis exemplaribus Italicis (das Exemplar B c VII 633 ist 1951 erworben worden, hat im 16. Jahrhundert einem J. Petreius gehört - dem grossen Nürnberger Drucker, der mit den Basler Petri zumindest weitläufig verwandt war?).
Das Basler Exemplar F Q I 9 stammt aus dem Besitz Bonifacius Amerbachs, dem es die Drucker Froben und Episcopius geschenkt haben (Eintrag Amerbachs).