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Jubiläumspreis 2007
An der diesjährigen Jahresversammlung der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW) wurden zwei hervorragende Artikel von Nachwuchsforschenden prämiert. Vergeben wurde der Prix Jubilé und der «Literaturpreis» der Stiftung Marie und Ernst Alker-Pawelke.
Anlässlich der Jahresversammlung vom 15.–16. Juni 2007 in Bern hat die Akademie zwei junge Forschende für ihre hervorragenden Leistungen ausgezeichnet. Vergeben wurde der mit Fr. 10’000.– dotierte Prix Jubilé an Cyrill Rigamonti. Caroline Torra-Mattenklott gewann den mit Fr. 5000.– dotierten «Literaturpreis» der Stiftung Marie und Ernst Alker-Pawelke. Dieser Literaturpreis wird zum letzten Mal vergeben, weil die Mittel der Stiftung Marie und Ernst Alker-Pawelke aufgebraucht wurden.
Der Prix Jubilé
Den Prix Jubilé 2007 erhielt Cyrill Rigamonti für seinen Artikel «Deconstructing Moral Rights». Sein Artikel wurde im Harvard International Law Journal veröffentlicht.
Studie im Bereich des Urheberrechts
C. Rigamonti widmet sich in seiner Studie in einer komparatistischen Perspektive einem zentralen Element des (transnationalen) Urheberrechts, seiner nicht-ökonomischen Komponente, welche in der juristischen Anerkennung der engen Bindung zwischen dem Autor und seinem Werk besteht. Die Vorgehensweise des Autors basiert auf einer profunden Kenntnis nationaler Rechte, welche einer zivilrechtlichen Tradition angehören, die wiederum auf der dominierenden westeuropäischen Gesetzgebung oder auf dem Common Law des angelsächsischen Systems basieren. Die in fünf Teilen aufgebaute Analyse zeigt, dass die Entlehnung eines Systems in ein anderes den Schutz der Autoren nicht unbedingt verbessert. Nach der Definition des Inhalts des Urheberrechts und seiner Konsequenzen für den Schutz des kulturellen Erbes einer Gesellschaft zeigt der Preisträger die angelsächsische Herangehensweise und ihre Alternativen und bringt den Leser schliesslich zu einem atypischen Fall (den Fall der Schweiz gemäss Artikeln 27 und 28 unseres Gesetzbuches) und beleuchtet ihn unter historischer Perspektive. Die Jury wurde durch die Relevanz der Thematik, die Klarheit der Argumentation und die Komplexität der Vergleiche zwischen den zwei, oder sogar drei komplexen juristischen Systemen, die reiche Dokumentation und das Format des intellektu-ellen Diskurses sehr beeindruckt. C. Rigamonti tritt im Herbst dieses Jahres eine Förderungsprofessur des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) im Bereich Wirtschaftsrecht an der Universität Bern an.
Der «Literaturpreis» der Stiftung Marie und Ernst Alker-Pawelke
Im Rahmen des Prix Jubilé 2007 wurde der «Literaturpreis» Alker-Pawelke vergeben. Caroline Torra-Mattenklott erhielt für ihren Artikel «The Fable as Figure: Christian Wolff’s Geometric Fable Theory and Its Creative Reception by Lessing and Herder» die Auszeichnung. Der Artikel erschien in der Zeitschrift Science in Context.
Studie über die Fabel bei Wolff
Im Fall des Artikels von C. Torra-Mattenklott geht es nicht nur darum, eine literarische Gattung, die Fabel, zu studieren, sondern eine «philosophische» Gattung, den Apolog, und eine sowohl philosophische, mathematische, moralische und literarisch Denkweise: diejenige von Christian Wolff. Die Kenntnisse der Autorin im Bereiche der Literaturwissenschaft, der Philosophie und der Wissenschaftsgeschichte sind aussergewöhnlich und sie beherrscht die entsprechenden Diskurse (philosophische, mathematische, poetologische, narratologischen und literaturhistorische) souverän. Thema dieses Artikels ist die Fabeltheorie bei Wolff (Fabel im engeren Sinn des Apologs und nicht im weiteren Sinn der Mythologie). Die zentrale Frage ist die folgende: Wie kann im Kontext einer naturwissenschaftlich orientierten Philosophie eine Theorie der Poetik entwickelt werden, die die spezifischen Gegebenheiten des poetischen Diskurses berücksichtigt? Diese auf ein historisches Problem bezogene Fragestellung macht den Brückenschlag zu aktuellen, poetologischen und epistemologischen Fragen offensichtlich.
Der vorgelegte Aufsatz überzeugt durch seine Verbindung einer höchst aktuellen, epistemologischen Fragestellung mit einer subtilen, detaillierten philologischen Kenntnis der Texte und ihrem wissenschaftlichem und mathematisch-philosophischen Kontext.
C. Torra-Mattenklott ist Oberassistentin bei Prof. B. Naumann am Deutschen Seminar der Universität der Zürich.
Verantwortlich für die Preise der SAGW:
Martine Stoffel, E-Mail: <email-pii>, Tel. 031 313 14 55.
Der mit Fr. 10'000.– dotierte Prix Jubilé wurde anlässlich des 50jährigen Jubiläums der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften im Jahr 1996 erstmals verliehen und hat die Förderung des human- und sozialwissenschaftlichen Nachwuchses zum Ziel. Mit dem Preis wird einmal jährlich eine junge Forscherin oder ein junger Forscher für einen qualitativ hochstehenden Artikel ausgezeichnet, der in einer Fachzeitschrift publiziert worden ist.