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Kaffee wächst vor allem in den Tropen, wo er auf kleinen Farmen und großen Plantagen angebaut wird. Ist er eine Pflanze oder ein Baum? Die Kaffeepflanze ist eine mehrjährige Holzpflanze, die bis zu 30 Fuß hoch werden kann, mit einem soliden Hauptstamm und vielen Schichten von Ästen, so dass sie auch als Baum betrachtet werden kann. Eine Kaffeepflanze braucht 3-4 Jahre nach der Aussaat, um ihre ersten duftenden Blüten zu entwickeln.
An den internationalen Rohstoffmärkten in New York, London und Amsterdam wird Kaffee als meistgehandelte Ware nur von Öl übertroffen. Kaffee ist ein großes Geschäft, und Millionen von Menschen auf der ganzen Welt verdienen auf die eine oder andere Weise ihren Lebensunterhalt mit Kaffee. Auf dem Weg dorthin profitieren viele Menschen vom Kaffee, und es sind viele Zwischenhändler und Unternehmen beteiligt.
Brasilien ist das größte Anbauland für Kaffee und damit ebenfalls weltweit der größte Kaffeeexporteuer. Im Jahr 2019 exportierte Brasilien rund 40,7 Millionen Säcke Kaffee zu jeweils 60 Kilogramm, dies entspricht einer Gesamtmenge von rund 2,4 Millionen Tonnen – und Deutschland gehört zu seinen bedeutendsten Abnehmern!
Die Voraussetzungen Brasiliens sind optimal, wodurch sich das südamerikanische Land über viele Jahrzehnte unangefochten an der Spitze als größter Kaffeeproduzent der Welt festgesetzt hat. Der Abstand auf die nachfolgenden Nationen ist enorm. Vietnam als Zweitplatzierter bringt es lediglich auf 40 Prozent des brasilianischen Produktionsvolumens. Große Anbaugebiete sind in 17 der 26 brasilianischen Bundesstaaten vorhanden.
Die Bundesstaaten Paranà, São Paulo, Minas Gerais und Espirito Santo gelten als die wichtigsten Regionen und liegen allesamt im Südosten. Hier ist die Landschaft vornehmlich durch Hochland, Berge und hügelige Gegenden gekennzeichnet. Das Klima zeigt sich von einer eher gemäßigten Seite.
Amerikanische Wissenschaftler untersuchten auf einer Kaffeeplantage in Minas Gerais, die direkt an tropischen Regenwald grenzt, ob verschiedene wilde Bienenarten aus dem Regenwald einen Vorteil für die Kaffeepflanzen bringen können. Der Wald beheimatet eine Mischung aus nicht-heimischen, wilden Honigbienen (Apis mellifera) und zehn Arten von eingeborenen Bienen (aus der Familie der (Apidae Meliponinae).
Der dort angebaute Kaffee der Sorte “Arabica“ kann sich selbst befruchten, aber die Forscher wollten herausfinden, ob eine zusätzliche Befruchtung durch benachbarte Bienen die Erträge steigern kann.
Bei Pflanzen, die bis zu einem Kilometer vom Wald entfernt waren, stellten die Forscher tatsächlich eine Ertragssteigerung von 20 Prozent fest. Zudem sorgten die Bienen für eine bessere Qualität der Bohnen: Durch ihre zusätzliche Bestäubung gab es weniger so genannte “Peaberries“ (unterentwickelte Kaffeekirschen).
Diese kleinen deformierten Früchte entstehen durch eine unzureichende Befruchtung und führen zu einem minderwertigeren Kaffee. Weiter vom Regenwald entfernte Pflanzen profitierten allerdings nicht mehr von den fleißigen Helfern.
Fazit: Regenwälder können den Ertrag von benachbarten Kaffeeplantagen erhöhen. Waldbienen befruchten die nahen gelegenen Büsche und steigern die Kaffeeerträge um bis zu 20 Prozent sowie die Einkommen der Bauern um bis zu sieben Prozent.
Diese Entdeckung bietet auch einen neuen Ansatz zum Schutz der Regenwälder. Durch die ökonomischen Vorteile, die ein Regenwald und seine Bewohner in unmittelbarer Nähe einer Kaffeeplantage bieten, könnte der Schutz dieser Wälder in ein völlig neues Interesse gerückt werden!
Bisher wurden große Waldflächen abgeholzt, um Raum für die Kaffeeplantagen zu schaffen. Die Forscher hoffen nun, dass ihre Erkenntnisse die Kaffeebauern davon überzeugen, die tropischen Wälder neben ihren Anbaugebieten zu erhalten. „Der Schutz des Ökosystems bietet Vorteile für Artenvielfalt und Menschen – eine “Win-win-Situation“, bemerkte einer von ihnen.
Die ökonomischen Vorteile einer solchen Befruchtung durch die Bienen können sehr groß sein. Das Forscherteam schätzt, dass die Erträge durch die Bienen bei 35 Hektar Wald zu einer Umsatzsteigerung um 60.000 Dollar pro Jahr beitragen. „Umweltschützer berufen sich oft auf die Werte des Ökosystems als Berechtigung für den Schutz dieser Gebiete, aber es gibt nur wenige Beispiele, wo der Wert des Lebensraumes so klar demonstriert wird.
Das ist eines davon“, so die Umweltbiologin Claire von der “Princeton Universität“ in New Jersey. Die feldforschenden Wissenschaftler hoffen inzwischen, ihre Erkenntnisse um die Vorteile der Vernetzung von Landwirtschaft. und Regenwald den örtlichen Umweltministern und Landschaftsgenossenschaften näherbringen zu können.
Etwa zwei Drittel der Kulturpflanzen, die vom Menschen gegessen werden, sind teilweise von der Befruchtung durch Tiere abhängig. Daher ist es wahrscheinlich, dass andere landwirtschaftliche Pflanzen, wie Wassermelonen und Sonnenblumen, auch von nahen gelegenen Einzugsgebieten der Artenvielfalt profitieren werden.
Kaffee-Sorten
Alle Kaffeeliebhaber und -kenner sollten bedenken, dass die Kaffeebauern in vielen Ländern am Rande der Armut leben und schon eine einzige schlechte Saison den Ruin bedeuten kann. Für die einen ist Kaffee eine “Cash-Crop-Ware“, für die anderen ein marginales Familienunternehmen mit mehreren Generationen.
Die menschliche Komponente wird nicht immer in Betracht gezogen. Die Kaffeebauern müssen in der Lage sein, einen angemessenen Lebensunterhalt zu verdienen, ihre Schulden zu bezahlen und ihre Familien zu ernähren, damit auch künftige Generationen weiterhin hervorragende Kaffees für die Welt anbauen können.
Obwohl die Kaffeepflanze aufgrund ihrer enormen Ausmaße allgemein als Kaffeebaum bezeichnet wird, ist sie ein immergrünes Gewächs, das in den warmen subtropischen Gebieten der ganzen Welt beheimatet ist. Obwohl es sehr viele Arten gibt, werden nur zwei Arten von Kaffeepflanzen, von der Weltwirtschaft in großem Umfang genutzt: “Arabica“ (Coffea arabica) und “Robusta“ (Coffea canephora) – zwei Kaffeesorten, von denen der internationale Handel abhängt.
Obwohl diese beiden Sorten der Kaffeepflanze verwendet werden, ist Arabica zweifellos führend, da sie für 75 % der weltweiten Kaffeeproduktion verantwortlich ist, während Robusta nur 20 % ausmacht. Dieser enorme Unterschied ergibt sich aus der jeweiligen Besonderheit dieser beiden Unterarten. Die von der Robusta-Kaffeepflanze produzierten Bohnen sind aufgrund des höheren Koffeingehalts, der auch den Geschmack beeinflusst, qualitativ minderwertig.
Robusta-Kaffee ist etwas bitterer als Arabica-Kaffee und auch dunkler; dennoch sind bestimmte Kaffeebauern für ihr wirtschaftliches Überleben allein auf diese Kaffeesorte angewiesen. Um die Ernte zu erleichtern, wird die Höhe der Kaffeepflanze in den Plantagen unter Kontrolle gehalten, so dass sie nicht bis zu zehn Meter wachsen kann, wie es normalerweise der Fall wäre, wenn sie wild wachsen würde.
Ein weiterer großer Unterschied zwischen Arabica- und Robusta-Kaffeepflanzen liegt in der Bestäubungsspezifität: Arabica beispielsweise ist, wie schon erwähnt, selbstbefruchtend, während Robusta auf Fremdbestäubung angewiesen ist. Die volle Entwicklung der Kaffeefrucht, der köstlichen Bohne, die wir für unseren Morgenkaffee benötigen, dauert etwa dreißig bis fünfunddreißig Wochen, danach ist es Zeit für die Ernte. Die Wachstumsphase der Kaffeepflanze bis zur Fruchtbarkeit liegt zwischen vier und fünf Jahren.
Für eine gute Entwicklung sind beide Kaffeepflanzen auf ziemlich viel Niederschlag pro Jahr angewiesen; sie sind kälteempfindlich, sterben aber nicht durch zufällig kühleres Wetter. Die Abhängigkeit von warmen Temperaturen macht es jedoch unmöglich, die Kaffeepflanzen in Europa oder in anderen ähnlichen Teilen der Welt anzubauen, wo ein gemäßigtes Klima ihnen nur unverträgliche Bedingungen bietet.
Was bedeutet Fremdbestäubung?
Wenn sich Pflanzen fortpflanzen, muss das weibliche Fortpflanzungsmaterial mit dem männlichen in Kontakt kommen. Wie wir wissen, können sich Pflanzen nicht bewegen, also brauchen sie Helfer. Das kann der Wind sein, der den Pollen durch die Luft trägt. Ebenso können diese Helfer bestäubende Insekten sein, die, angelockt durch den angebotenen Nektar einer Blüte, auch den Blütenstaub von Pflanze zu Pflanze übertragen.
Fremdbestäubte Pflanzen sind in der Regel selbststeril. Das bedeutet, dass sie nicht mit ihrem eigenen Pollen befruchtet werden können (wie im Fall der Robusta-Pflanze). Sie brauchen daher den Pollen anderer Pflanzen. Wie bekommt man den Pollen von der anderen Pflanze? Durch Bienen und andere Bestäuber! Aus diesem Grund kommt den Bienen für die weltweite Produktion von Kaffee eine entscheidende Bedeutung zu.
Und auch die selbstbestäubende Arabica-Pflanze steigert ihre Produktion, wenn sie zusätzlich von Bienen befruchtet wird – aus Gesprächen mit Bio-Kaffeebauern wissen wir, dass die Anwesenheit von Bienen ihre Arabica-Produktion um bis zu 40 % gesteigert hat!
Die meisten des brasilianischen Kaffees stammen von riesigen Kaffeefarmen, welche die gleichen Probleme haben wie viele Monokulturbetriebe: Während der Blütezeit ist die Farm ein Paradies für Bienen (solange keine Pestizide eingesetzt werden). Nach der Kaffeeblüte jedoch wird die gesamte Kaffeefarm zu einer „Nahrungswüste“ für Bienen wie für andere Bestäuber.
Die ganze Welt liebt Kaffee!
Kaffee ist einer der beliebtesten natürlichen Genussmittel der Menschheit, und wir verdanken es zu einem großen Teil den Bienen, dass er so leicht verfügbar ist. Schätzungen zufolge bestäuben Bienen 20 bis 25 % des Kaffees, den wir trinken, und steigern so den Ertrag. Außerdem sorgen sie dafür, dass die Bohnen eine einheitlichere Größe haben, was die Qualität des Kaffees verbessert. Dies kann den kleinen Kaffeebauern ein zusätzliches Einkommen bescheren.
Es hat sich herausgestellt, dass Bienen Kaffee genauso lieben wie wir! Koffein steigert unsere Energie und unsere Stimmung. Kaffee ist ein beliebtes Gesellschaftsgetränk, das uns einfach rundum wohlfühlen lässt – und die Bienen anscheinend auch. Wenn sie eine Kaffeepflanze bestäuben, nehmen sie beim Trinken des Blütennektars eine geringe Dosis Koffein mit an Bord. Das bringt die Kaffeebienen zum Summen und lässt sie hochfliegen, genau wie wir summen und brummen, wenn wir die Köstlichkeiten der Bohne genießen, die die Räder der Gesellschaft am Laufen hält.
Honigbienen haben heutzutage mit vielen Gefahren wie Pestiziden, dem Zusammenbruch von Bienenvölkern, dem Mangel an Wildblütennektar und der Varroamilbe zu kämpfen. Der Kaffeestrauch hat mit Problemen wie Bodenfruchtbarkeit, Pestiziden, Krankheiten wie Kaffeerost und Schädlingen wie dem Kaffeebockkäfer zu kämpfen. Bienen und Kaffee kämpfen und gedeihen also gemeinsam.
Wie können Kaffeebauern den Bienen helfen und ihre Kaffeeproduktion steigern?
Sie können Kaffeebäume mit anderen Arten von Bäumen mischen. Eine größere Artenvielfalt macht die Pflanzung weniger anfällig für Schädlinge und bietet mehr Nektarquellen für nützliche Insekten wie die Bienen.
Es kann von Vorteil sein, einige Teile der Kaffeefarm als unberührten Wald oder Garten zu belassen. Bienen und andere Wildtiere können sich hierher zurückziehen. Indem man Unkraut aufnimmt und es mit der Methode „hacken und fallen lassen“ als organisches Material verwendet. Inzwischen finden Bienen auch auf blühendem Unkraut Nektar.
Außerdem stellt das “World Coffee Research Institute“ fest, dass es dem Kaffee in der Natur an genetischer Vielfalt mangelt. Durch Fremdbefruchtung kann der Genpool diversifiziert werden. Auch aus diesem Grund spielen Bienen in der Welt des Kaffees eine wichtige Rolle. Last not least: Sollten die Kaffeebauern den Einsatz von Pestiziden unbedingt vermeiden!
Sind Bienen die Antwort auf die Zukunft des Kaffees?
Arabica-Kaffeepflanzen, die qualitativ hochwertigen Kaffee produzieren, bestäuben sich selbst, so dass sie die Hilfe von Bienen und anderen Insekten nicht benötigen – so dachte man bisher. Mehrere sorgfältige Studien haben jedoch gezeigt, dass Bienen nicht nur den Ertrag einer Arabica-Pflanze um 40 % oder mehr steigern, sondern auch die Qualität der Ernte verbessern können. Und das ist nur der Anfang – neben der Übertragung von Pollen helfen die Bienen auch dabei, mit einigen anderen lebenswichtigen Insekten und Tieren zu die Kaffeepflanzen gesund zu erhalten.
Kaffeeplantagen sind in unterschiedlichem Maße funktionierende Ökosysteme, in denen Tiere und Pflanzen nebeneinander existieren – sie konkurrieren miteinander, fressen sich gegenseitig, profitieren jedoch auch voneinander. Diese Gemeinschaft verfügt auch über natürliche Schädlingsbekämpfer wie Frösche, Schlangen, Vögel, Fledermäuse, Insekten, Spinnen – bis hin zu Mikroben.
Es wächst die wissenschaftlich untermauerte Überzeugung, dass die Erhaltung dieser Ökosysteme bei vielen Nutzpflanzen, auch beim Kaffee, nicht nur gut für die Umwelt ist, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll.
Die Intensivierung der Landwirtschaft durch den Einsatz neuer Pflanzensorten, Kunstdünger, Pestizide und anderer Verfahren hat den Ertrag der Kaffeekulturen zwar massiv gesteigert, dies geschah jedoch meist auf Kosten der Umwelt – die Intensivierung der Landwirtschaft ist nicht immer nachhaltig.
In dem Bestreben, größere Ernten zu erzielen, wurden Systeme eingeführt, welche die Artenvielfalt drastisch reduzieren, die Bodenfruchtbarkeit und -struktur beeinträchtigen und sich negativ auf die menschliche Gesundheit auswirken. Aber die Art und Weise, wie man inzwischen Kaffee, oder zumindest Spezialitätenkaffee, anbaut, ändert sich langsam, aber sicher.
Bereits in den 1970er Jahren wurde in einer groß angelegten Studie auf einer Arabica-Plantage in Jamaika festgestellt, dass die Einführung von gezüchteten Honigbienen zu 52 % mehr reifen Kaffeebeeren führte – ein Ergebnis, das sich über mehrere Ernten hinweg wiederholte.
Dazu wurde ein ganzes Feld mit Netzen versehen, wobei die Bienen von einigen Pflanzen ferngehalten wurden, während sie zu anderen Zugang hatten, und die Unterschiede wurden beobachtet. Dreißig Jahre später zeigten unabhängige Studien in Costa Rica und Panama, dass auch Wildbienen den Kaffeeertrag steigern.
In beiden Ländern besuchten über 20 einheimische wilde Bienenarten die Blüten des Arabica-Kaffees. Die Bedeutung der Fremdbestäubung durch Bienen variierte in diesen späteren Studien enorm, war aber immer signifikant. Bei den verschiedenen Kaffeesorten variiert der Anteil der Blüten, die eine Fremdbestäubung benötigen, von nur wenigen Prozent bis zu über 90 %. Viele andere Studien in Kaffeeanbaugebieten auf der ganzen Welt kommen zu ähnlichen Ergebnissen, was für die Landwirte ein guter Grund ist, die Bienen und die Lebensräume, auf die diese angewiesen sind, zu fördern.
Dass die Fremdbestäubung durch Bienen auch die Qualität der Ernte verbessern kann, sollte ebenfalls nicht unerklärt bleiben. Das liegt daran, dass die Bohnen an einem Strauch oder sogar an einem einzelnen Zweig nicht zur gleichen Zeit reifen. Um sicherzustellen, dass jede Bohne den Höhepunkt der Reife erreicht, um den besten Geschmack und die beste Süße zu erhalten, müssten die Bohnen einzeln gepflückt werden, wenn sie reif sind, was in der Regel unerschwinglich ist.
Der Kompromiss besteht darin, ganze Trauben zu pflücken, wenn die meisten Bohnen reif sind, und dabei in Kauf zu nehmen, dass einige unter- oder überreif sein können. Die Fremdbestäubung durch Bienen verbessert die Synchronität von Bestäubung und Reifung, so dass ein höherer Anteil der Trauben bei der Ernte in ihrem besten Zustand ist.
Was sollten Arabica-Erzeuger also tun, wenn sie Ertrag und Qualität steigern wollen? Sie könnten Bienenstöcke aufstellen, um ihre Kaffeeblüten zu bestäuben, oder sie könnten den Lebensraum auf ihren Plantagen verbessern, um einheimische Bienen zu fördern. Was am besten geeignet ist, hängt von den Bedingungen auf der jeweiligen Plantage ab, aber wenn möglich, sind einheimische, wilde Bienen am besten geeignet, da Studien zeigen, dass sie effektivere Bestäuber sind und sich selbst versorgen, wenn sie die richtigen Bedingungen vorfinden.
Die Einführung von Honigbienen führt in der Regel zu einem Rückgang der einheimischen Wildbienen, da diese nicht mit den riesigen kommerziellen Bienenvölkern konkurrieren können. Honigbienen müssen auch gepflegt werden, und die Kosten für ihren Unterhalt müssen einkalkuliert werden. Sie produzieren jedoch Honig, und Kaffeeblütenhonig wird in mindestens zwei Kaffeeanbauländern als profitabler Nebenerwerb vermarktet.
Wie unterstützt man die Wildbienen in der Nachbarschaft? Man gibt ihnen Nahrung und Unterschlupf. Die meisten Arten sind Einzelgänger oder leben in relativ kleinen Kolonien, die ihre Nester im Boden oder in Bäumen bauen und oft auch ihre eigenen Höhlen graben. Landwirte können niedrige Erdbänke für Bodennester und alte oder tote Bäume für diejenigen bereitstellen, die diese bevorzugen.
Sie können ihnen sogar die Mühe des Grabens ersparen, indem sie einfache, billige künstliche Nester anbieten. Wenn der Kaffee nicht blüht, ernähren sich die Bienen von einheimischen blühenden Pflanzen, und die Anbauer müssen nur kleine Teile ihres Landes für sie reservieren. Die Bienen werden es den Erzeugern mit der Bestäubung ihrer Kaffeeblüten danken.
Einsatz von Bienen in Brasilien
Bis vor kurzem kümmerten sich die brasilianischen Landwirte kaum um eine Bestäubung ihrer Kaffeeplantagen durch Bienen – schließlich übernahmen ihre Arabica-Pflanzen diesen Teil der Kaffeeproduktion selbst – also brauchten sie keinen Finger dafür zu rühren. Diese Einstellung hat sich jedoch inzwischen geändert, seit sie davon erfuhren, dass man durch eine zusätzliche Befruchtung durch Bienen eine stattliche Ertragsverbesserung und –steigerung auslösen kann.
„Die Bienen arbeiten so gerne, sie sind wie kleine Roboter, und wir bemühen uns, sie zu beschäftigen“, sagt eine Exekutivdirektorin des brasilianischen Verbandes für Spezialitätenkaffee“, der die Bemühungen der Kaffeepflanzer nachdrücklich unterstützt, weil dadurch besserer und nachhaltigerer Kaffee produziert wird.
Das von den Bienen verbesserte Ergebnis könnte im Jahr 2022 sehr nützlich sein. Die brasilianische Arabica-Kaffeeproduktion unterliegt einem zweijährigen Zyklus, wobei die Ernten in den geraden Jahren größer ausfallen als in den ungeraden Jahren, in denen sich die Pflanzen erholen.
Eine Möglichkeit, den Zugang zu Bienen zu erleichtern, sind Apps. Guilherme Sousa und zwei Partner bieten seit 2019 über die Firma “Agrobee“, den Service an, Imker mit Kaffeebauern zu verbinden. Das ursprüngliche Ziel der Partner war es, die Produktivität zu steigern, aber sie wissen auch, dass die Bestäubung durch Bienen viele andere Vorteile hat, insbesondere für die Umwelt.
“Es ist definitiv nachhaltiger, weil man die Produktivität zu sehr geringen Kosten für die Umwelt erhöht. Es werden keine Wälder abgeholzt, es müssen nicht mehr Pestizide eingesetzt werden, so dass die Kohlendioxidemissionen für jede produzierte Tonne Kaffee reduziert werden. Und man verbraucht auch weniger Wasser, weil man mehr Kaffee für die gleiche Menge Wasser bekommt“, bemerkt er.
Marisa nutzt die Dienste von “AgroBee“ seit 2020 versuchsweise auf 10 Hektar, die sie und ihr Mann auf ihrem Land, der “Capoeira Coffee Farm“ in Minas Gerais, bepflanzt haben. Die Bauern waren von den Ergebnissen so beeindruckt, dass sie den Einsatz von Bienen bis 2025 auf alle 100 Hektar Kaffeeanbaufläche ausweiten wollen.
In dem Gebiet, in dem sie zum ersten Mal Bienen eingesetzt haben, wurde 15 % mehr produziert als in dem Gebiet mit Selbstbestäubung, und der Kaffee schmeckt auch besser, so Contreras. “Wenn wir brasilianischen Erzeuger unsere Bohnen verkaufen, wird der Kaffee je nach Geschmack eingestuft, wobei höhere Noten mehr Geld einbringen, und Kaffee aus von Bienen bestäubten Gebieten kann einige Punkte mehr einbringen als nahe gelegene Felder, auf denen sich die Pflanzen selbst bestäubt haben“, erklärt Maria Contreras.
„Der erste Hinweis darauf, dass der Kaffee gut sein würde, war, als wir uns der Erntezeit näherten. Wir haben einen Test gemacht, um den Zuckergehalt des Kaffees zu messen, und es waren die süßesten Bohnen der Plantage. Das erste, was ich dachte, als ich ihn getrunken habe, war: „Das ist süß, das ist so ausgewogen – es war wunderbar“, sagte Marisa.
“AgroBee“ arbeitet mit 200 bis 300 Imkern zusammen, und da die Nachfrage nach den Dienstleistungen des Unternehmens exponentiell ansteigt, wird die Liste der Interessenten ständig erweitert. Laut Guilherme Sousa bestäubten die Insekten im Jahr 2021 450 Hektar Kaffeeplantagen und sollen im Jahr 2022 auf etwa 4.000 Hektar eingesetzt werden.
Entdeckung
Eine große Überraschung war die Entdeckung einer natürlich entkoffeinierten Kaffeepflanze in Brasilien, die einen viel besseren Geschmack hat als die derzeit produzierten koffeinfreien Kaffeesorten. Normalerweise wird das Aroma nämlich gemindert, weil das Koffein mit Hilfe von Lösungsmitteln extrahiert wird, während das volle Aroma erhalten bliebe, wenn Koffein in der natürlichen Zusammensetzung der Pflanze gar nicht enthalten wäre.
Der Anbau dieser Art von Kaffeepflanzen würde eine echte Revolution in der Branche bedeuten, und die Dinge sind nicht weit davon entfernt, sich in dieser Richtung zu entwickeln.
Zur Erinnerung
- Die Arabica-Pflanzen sind als Hochland-Kaffeepflanzen bekannt und werden in Höhen von 1.200 bis 1.5000 Metern angebaut.
- Sie sind selbstbefruchtend und benötigen in der Regel keine Bienen zur Bestäubung, da sie eine windbestäubte Pflanzenart sind.
- Wenn jedoch Bienen in der Nähe von Arabica-Pflanzen sind, steigt die Ernte von Kaffeefrüchten um bis zu 40 %!
- Im Gegensatz dazu sind Robusta-Pflanzen Flachland-Kaffeepflanzen. Robusta-Kaffee macht etwa 40 % der Weltkaffeeproduktion aus.
- Sie sind an eine Umgebung mit einer großen Artenvielfalt gewöhnt.
- Sie sind selbst steril und hängen vollständig von der Fremdbestäubung ab. Kurz gesagt: Sie brauchen Bienen!
- Wenn Sie also Kaffee lieben, sollten Sie auch die Bienen lieben!