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Nach dem Besuch von Felton Road haben wir uns am nächsten Tag ein weiteres Weingut in Bannockburn angeschaut, Burn Cottage. Das Weingut gehört dem amerikanischen Weinhändler Marquis Sauvage, welcher auch das Weingut Köhler-Ruprecht in der Pfalz in Deutschland besitzt. Sauvage war auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Er fand sie in einer Schafweide in Central Otago. Auf das Land hatten schon andere Personen ein Auge geworfen, es schien der ideale Standort für einen neuen Rebberg. Im Jahre 2001 konnte er das Land schliesslich kaufen und er suchte einen passenden Winemaker. Nach diversen Absagen, auch von französischen Oenologen konnte er seinen langjährigen Geschäftspartner, Ted Lemon, den Winemaker von Littorai im Sonoma County überzeugen sich auf das Abenteuer einzulassen.
Dies fiel Ted Lemon auch deshalb leicht, weil er mit vielen Winemakern auf Neuseeland gut befreundet ist, so auch mit Blair Walter vom Weingut Felton Road. Es war beiden von Anfang an klar, dass nur die biologisch-dynamische Bearbeitung nach den Lehren von Rudolf Steiner in Frage kam. Ted Lemon war der erste amerikanische Winmaker, welcher ein Weingut im Burgund leitete, er übernahm im Jahre 1985 die Domaine Guy Roulot in Meursault. Es zog in aber bald zurück nach Amerika, wo er nach langem Suchen zusammen mit seiner Frau Heidi das Weingut Littorai gründete. Sein Ziel war schon damals keine Kopien von europäischen Weinen zu erzeugen sondern Weine, deren Herkunft klar zu erkennen ist. Er ist der festen Ansicht, dass die „Neue Welt“ aufhören soll sich an der „Alten Welt“ zu messen. Es stellt sich nicht die Frage, welche Weine besser sind, sondern, ob sie ihre Herkunft klar aufzeigen.
Er empfindet es als einmalige Chance ein Weingut oder sogar eine Herkunft wie Central Otago neu definieren zu können. Diese Gelegenheit wird nicht so schnell wieder kommen. Seiner Ansicht nach ist das Klima in Central Otago hervorragend für den Weinbau geeignet. Die Niederschlagsmengen sind zwar eher knapp, sie fallen aber zum richtigen Zeitpunkt. Dementsprechend glaubt Ted Lemon auch daran, dass wenn die Reben alt genug sind, sie so tief wurzeln werden, dass auf eine Bewässerung ganz verzichtet werden kann.
Auf eine Aufsäuerung oder Chaptalisierung wird auf prinzipiellen Gründen verzichtet. Sie sind bei guter Weinbergsarbeit in diesem Gebiet auch nicht nötig. Geleitet wird das Weingut von Claire Mulholland, einer Winemakerin, welche zuvor auf Martinborough Vineyards und Amisfield in Neuseeland gearbeitet hatte.
Das Weingut umfasst total 28ha, wovon 11 ha mit Reben bepflanzt sind, der Rest dient als Ausgleichsflächen und als Weide für die eigenen Kühe zur Kompostherstellung. Eigentlich alles Pinot noir, aber zu Versuchszwecken wurde kürzlich auch etwas Riesling und Grüner Veltliner angepflanzt.
Vom Pinot noir wurden 10 verschiedene Klone auf 5 verschiedenen Unterlagsreben blockweise angepflanzt. Zur Ermittlung der passenden Klone und Unterlagsreben wurden gegen 60 Bodenproben genommen, um die jeweils passende Auswahl zu treffen. Die Blöcke unterscheiden sich auch in der Bodenzusammensetzung, zumeist handelt es sich um Moränen und Flussgestein. Die einzelnen Blöcke werden separat geerntet und vinifiziert.
Geerntet wird von Hand, die Trauben werden bei der Ankunft in der Winery von sechs Personen vorsortiert und nach dem Entstielen werden die einzelnen Beeren nochmals von vier weiteren Personen ausgelesen, um sicherzustellen, dass wirklich nur gesundes und reifes Lesegut verarbeitet wird. Die Weinbereitung ist traditionell, 5 Tage Kaltmazeration, dann Vergärung mit Naturhefen bei maximal 30°C mit 3-4 maligem Unterstossen des Tresterhutes täglich. Der Ausbau erfolgt in französichen Barriques mit einem Neuholzanteil von 25-30%, ein kleiner Anteil wird in Stahltanks gelagert um die frischen Fruchtnoten zu behalten. Erst nach acht Jahren, mit dem Jahrgang 2009 wurde der erste Wein unter dem Burn Cottage Label herausgegeben.
Burn Cottage Vineyard Central Otago Pinot noir 2011
Der dritte Jahrgang, er enthält 10% Ganztrauben, es wurden 11’200 Flaschen abgefüllt.Das Jahr war 40% regenreicher als das Vorjahr, aber alles zum richtigen Zeitpunkt.
In der Nase dezente Holznoten und rote Früchte, noch recht verhalten, etwas mineralische Untertöne. Schlanker, eleganter Antrunk, leicht erdige Töne, filigran, noch deutlich spürbare Holzaromen, das Tannin ist präsent, aber mürb. Langer, mineralischer Abgang. 17.5/20 2014 – 2021