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Die Tätigkeit des Schweizerischen Burgenvereins war 2004 wie in vorangehenden Jahren einerseits durch Veranstaltungen, andererseits durch die Herausgabe von Publikationen geprägt. Zudem betreibt der Verein seit einigen Jahren eine Internetseite, die in näherer Zukunft mit einer Jugendsite zu Burgen ausgebaut werden soll.
Im Jahr 2004 führte der Schweizerische Burgenverein seine statutarische Jahresversammlung in Basel durch. Die Tagung begann mit einem Referat von Christoph Ph. Matt, einem langjährigen Mitarbeiter der archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt. Er berichtete über die verschiedenen Phasen der Stadtbefestigung von Basel, die in den vergangenen Jahrzehnten intensiv erforscht werden konnte. Die so genannte Burkhardsche und die Innere Stadtmauer sowie ein wehrhafter Turm an der Schneidergasse waren anschliessend Ziele der Stadtführungen am Nachmittag. Neben den mittelalterlichen Anlagen war auch der keltische Murus gallicus ein Thema der Besichtigungen, die u. a. zu den Informationsstellen der archäologischen Bodenforschung an der Rittergasse, im Lohnhof, im Teufelhof und in der Aussenkrypta des Münsters führten. Damit wurden verschiedene wichtige Etappen der Stadtgeschichte fassbar.
Die Sonntagsexkursion führte in den Sundgau, ein im Vergleich mit dem nördlich anschliessenden Elsass wenig bekanntes Hügelland am Nordrand des Juras. Mit der Burg und dem Städtchen von Ferrette/Pfirt und der ehemaligen Klosterkirche von Feldbach standen die Grafen von Pfirt im Blickfeld, die im Hochmittelalter in der Region eine erhebliche Rolle gespielt hatten. Mit dem Besuch von Morimont, einer Burg, die in der frühen Neuzeit zur Festung ausgebaut worden war, schloss die Exkursion.
Die Frühjahrsversammlung war dem mittelalterlichen Städtchen Aarau gewidmet. Nach einem einführenden Referat zur Stadtwerdung und Entwicklung Aaraus folgten Führungen durch das Schlössli und die Altstadt.
Im Rahmen der Zürcher Vortragsreihe referierten zum Abschluss des Wintersemesters 2003/2004 Dr. Reto Marti (Dörfer, Kirchen, Burgen – Die Besiedlung der Landschaft Basel im Mittelalter) und PD Dr. Martina Stercken (Statussymbol und herrschaftliche Legitimation – Habsburgische Privilegien für kleine Städte im Gebiet der heutigen Schweiz). Die Vortragsreihe 2004/2005 wurde durch Christian Sieber (Der Vater tot, das Haus verbrannt – Der Alte Zürichkrieg [1436–1450] aus der Sicht der Opfer in Stadt und Landschaft Zürich) eröffnet. Der Besuch dieser Vortragsreihe, die abwechslungsweise Themen aus Archäologie, Geschichte und Kunstgeschichte aufgreift, hat sich in den letzten Jahren sehr erfreulich entwickelt.
Zur Zürcher Vortragsreihe gehört stets auch eine halbtägige Exkursion, die 2004 im Anschluss an den stadtgeschichtlichen Vortrag nach Eglisau im Zürcher Unterland führte. Die Führung bot Einblick in die Entwicklung des Städtchens vom 13. Jahrhundert bis zu den grossen Veränderungen im 19. Jahrhundert, bei denen u. a. die Burg und die alte Rheinbrücke beseitigt wurden.
Die Herbstexkursion führte in das Gebiet beidseits des Genfersees. Auf dem Programm standen am ersten Tag La Tour-de-Peilz und Schloss Chillon, am zweiten Tag Château de Ripaille, die Ruine Allinges und Yvoire. Es ist vorgesehen, im Anschluss an diese Veranstaltung das Heft 4/2005 der Zeitschrift «Mittelalter – Moyen Age – Medioevo – Temp medieval» savoyischen Burgen zu widmen.
Die Jahresgabe 2004 in der Monographienreihe «Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters» ist einem Thema gewidmet, das in der Tätigkeit des Schweizerischen Burgenvereins seit jeher ein zentrales Thema ist: der Erhaltung, Instandstellung und Nutzung von Burgruinen. Ausgangspunkte sind eine Vortragsreihe der Landesgruppe Schweiz des ICOMOS in den Jahren 2003/2004 in Zürich sowie eine Tagung der eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege im August 2003 in Asuel JU, die beide diesem Themenbereich gewidmet waren. Im Sammelband, der Mitte 2005 erscheinen wird, werden verschiedene Beiträge dieser Veranstaltungen, u. a. ergänzt durch einzelne weitere Artikel sowie eine umfangreiche Bibliographie, veröffentlicht werden. Bereits im Gang waren 2004 zudem die Vorbereitungen für Band 32 (Appenzeller Burgenforschung), dessen Herausgabe auf November 2005 festgelegt ist. Weitere Bände sind in Planung.
Die Zeitschrift «Mittelalter – Moyen Age – Medioevo – Temp medieval» umfasst im Berichtsjahr vier Hefte mit insgesamt 125 Seiten. In Heft 1 stehen die Sanierung der Ruine Neuburg bei Mammern TG (2001–2003) und die in diesem Zusammenhang vorgenommenen baugeschichtlichen Untersuchungen im Zentrum. Heft 2 ist der Jahresversammlung gewidmet und gibt einen Überblick über die Befestigungen der Stadt Basel. Heft 3 vereinigt drei thematisch unterschiedliche Beiträge zu höfischer Sachkultur im Spiegel archäologischer Funde aus dem Kanton Bern, zur Torre di Riazzino bei Lavertezzo TI und zu Notgrabungen in Sarnen. In Heft 4 erschienen Beiträge zum Castello di San Michele in Ascona und zur jüngst restaurierten Ruine Schenkenberg im Kanton Aargau. Ein Besuch der letzteren ist für die Herbstexkursion 2005 vorgesehen.
Sowohl bei der Herausgabe der Monographienreihe wie auch der Zeitschrift kann der Schweizerische Burgenverein als Mitgliedgesellschaft Jahr für Jahr namhafte Unterstützungsbeiträge der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW) entgegen nehmen. Ohne diese wäre eine Publikationstätigkeit im heutigen Umfang unmöglich. Sehr erfreulich waren die Ergebnisse einer Evaluation, welche die SAGW bei sämtlichen Zeitschriften ihrer Mitgliedgesellschaften durchgeführt hatte. Einzelne Forderungen betreffend Gestaltung können mit dem neuen Layout erfüllt werden, das mit Heft 1/2005 eingeführt wird.
Im Jahr 2004 konnte schliesslich ein wichtiges Projekt, die Neuausgabe der Burgenkarte der Schweiz, auf gute Wege geleitet werden. Voraussichtlich Ende 2006 bzw. Ende 2007 wird die Karte – neu in Ost- und ein Westblatt unterteilt – erscheinen können.
Seit Jahren pflegt der Schweizerische Burgenverein den Kontakt mit verschiedenen ausländischen Vereinigungen. Einen Teilbereich bildet der Schriftentausch mit Fachinstituten in Mittel-, Süd- und Osteuropa. Wie in anderen Jahren besuchten zudem verschiedene Vorstandsmitglieder Tagungen im Ausland und hielten Referate.
Neben den alljährlich in Zürich stattfindenden Vorträgen ist die Mitwirkung des Schweizerischen Burgenvereins am Burgfest «750 Jahre Freienstein» (Freienstein-Teufen ZH) zu erwähnen, das rund 3000 Besucherinnen und Besucher anlockte. Der Verein war mit Führungen auf der Burgruine und einem Informationsstand präsent. Für 2005 ist die Beteiligung an Öffentlichkeitsanlässen im Kanton Bern und im Fürstentum Liechtenstein geplant. Beim Internetauftritt ist ein Konzept für die eingangs erwähnte Jugendsite in Arbeit.
Renata Windler