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| Origenes († 253/54) - Gegen Celsus (Contra Celsum)

Erstes Buch
56.
Nicht bemerkt haben aber Celsus und sein Jude, sowie alle, die nicht an Jesus glauben, dass die Weissagungen von einer zweimaligen Ankunft Christi reden: von der früheren in menschlicher Schwäche und Niedrigkeit, um durch seinen Wandel unter den Menschen den Weg, der zu Gott führt, zu lehren und keinem der im irdischen Leben stehenden Menschen die Möglichkeit der Entschuldigung zu lassen, dass er von dem künftigen Gerichte nichts erfahren hätte; und von einer anderen Ankunft in Herrlichkeit und nur in göttlicher Art, die kein menschliches Leiden mehr, verflochten mit der Göttlichkeit, kennt. Es würde uns allzusehr aufhalten, wenn wir [alle] die Weissagungen anführen wollten; es mag für jetzt genügen, die eine aus dem vierundvierzigsten Psalm mitzuteilen, dessen Überschrift unter anderem auch die Bezeichnung enthält: "Ein Lobgesang auf den Geliebten", und in dem er deutlich Gott genannt wird in den Worten: "Anmut ist ausgegossen über deine Lippen; darum hat dich Gott gesegnet in Ewigkeit. Gürte dein Schwert um deine Hüfte, Gewaltiger, in deiner Jugendkraft und deiner Schönheit! Und strenge dich an und habe guten Fortgang und herrsche um der Wahrheit und Sanftmut und Gerechtigkeit willen, so wird dich wunderbar führen deine Rechte.
Deine Pfeile sind scharf, Gewaltiger, Völker werden unter dir fallen:1 ins Herz der Feinde des Königs"2 . Betrachte dann aufmerksam die folgenden Worte, in denen er Gott genannt wird! Sie lauten: "Dein Thron, o Gott, steht immer und ewig, ein Szepter der Gerechtigkeit ist das Szepter deines Reiches. Du liebtest Gerechtigkeit und haßtest Ungesetzlichkeit; deshalb hat dich, o Gott, dein Gott mit Freudenöl gesalbt, mehr als deine Genossen"3 . Beachte, wie der Prophet seine Worte an Gott richtet, von dem er sagt, "dass sein Thron immer und ewig steht, und dass das Szepter seines Reiches ein Szepter der Gerechtigkeit ist", und wie er trotzdem sagt, dass "dieser Gott gesalbt worden ist von Gott, der sein Gott war"; dass er aber gesalbt ist, "weil er mehr als seine Genossen Gerechtigkeit geliebt und Ungesetzlichkeit gehaßt hat". Und ich erinnere mich, wie ich jenen Juden, der für einen Gelehrten galt, mit dieser Stelle gar sehr in die Enge trieb. Da er nicht wußte, was er mit ihr anfangen sollte, gab er entsprechend seinem jüdischen Standpunkt die Antwort. Er sagte [nämlich], dass an den Gott der Welt diese Worte gerichtet seien: "Dein Thron, o Gott, steht immer und ewig, ein Szepter der Gerechtigkeit ist das Szepter deines Reiches"4 , an den Messias dagegen die folgenden: "Du liebtest Gerechtigkeit und haßtest Ungesetzlichkeit, deshalb hat dich, o Gott, dein Gott gesalbt usw.".
1: sie gehen
2: Ps 44,3-6
3: Ps 44,7-8
4: Ps 44,7