Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03608.jsonl.gz/1917

Nebel trägt wesentlich stärker zur Schädigung der Wälder bei, als bisher angenommen. Dies zeigt eine Studie, die von der Universität Bern durchgeführt wurde.Dieser Inhalt wurde am 04. November 2002 - 08:37 publiziert
Das Problem des Waldsterbens sei damit noch nicht gelöst, teilte der Nationalfonds am Mittwoch mit.
Laut der Studie trägt Nebel deutlich mehr Stickstoff und Schwefel in die Wälder als in den 80er Jahren, als die Diskussion um das Waldsterben voll im Gange war. Wie der Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung mitteilte, beträgt bei der Stickstoffbelastung der Anteil des Nebels gut einen Drittel, statt wie bisher angenommen einen Sechstel.
Die Messungen wurden von Forschern des Geographischen Instituts der Universität Bern am bewaldeten Südhang der Lägern oberhalb von Wettingen (AG) vorgenommen, wo solche Erhebungen schon vor rund 20 Jahren vorgenommen worden waren.
Schwefelbelastung hausgemacht
Die Forscher Werner Eugster und Reto Burkhard hatten bei beiden Schadstoffen gegenüber den 80er Jahren eine Abnahme erwartet, da die Emissionen an den Quellen durch gesetzliche Vorschriften deutlich vermindert worden sind.
Die stärkere Stickstoffbelastung wird auf das stark gestiegene Verkehrsaufkommen zurückgeführt. Dies habe vorübergehende Verbesserungen durch die Einführung des Katalysators zunichte gemacht. Die Stickstoffemissionen aus der Landwirtschaft seien nach wie vor hoch.
Die Schwefelbelastung ist gemäss den Angaben mit Sicherheit hausgemacht, da die hohen Werte nur bei so genanntem Strahlungsnebel gemessen worden seien. Dieser bildet sich vom Boden her, während so genannter Frontennebel vom Wind von weit her herangetragen wird.
Flughafen als Verursacher?
Als mögliche Erklärung für die Schwefelbelastung wurden die Auswirkungen des Grossraums Zürich mit seinem Flughafen unweit der Messstelle angeführt. Ob tatsächlich Flugzeugemissionen zu den erhöhten Schwefelwerten führten, wurde bisher zwar noch nicht untersucht, doch gibt es sonst keine andere Erklärung, wie Eugster zitiert wird.
Dass Nebel zum Waldsterben beiträgt, war schon in den 80er Jahren vermutet worden. Hohe Nebel-Schadstoffwerte und grössere Waldschäden in höheren und damit nebelreicheren Lagen legten einen Zusammenhang nahe. Das Problem Waldsterben sei noch nicht gelöst, heisst es in der Studie.
Nebeltröpfchen sind schwer zu messen, da sie nur 15 bis 25 Mikrometer gross sind. Die Berner Forscher verwendeten ein Gerät, das die Tröpfchen an feinen Teflonfäden einer so genannten Nebelharfe abperlen lässt. Das Gerät wurde in Zusammenarbeit mit dem Theodor-Kocher-Institut entwickelt.
swissinfo und Agenturen