Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03159.jsonl.gz/1393

Als die Weimarer Republik in den letzten Zügen lag, schlug die Stunde der Pfeffermühle.
1. Januar 1933, München. Erika Julia Hedwig Mann, geschiedene Gründgens, 27 Jahre alt, älteste Tochter Thomas Manns (und sein besonderer Liebling), gründet im Kleintheater „Bonbonniere“ das Kabarett Pfeffermühle. Mit dabei: Therese Giehse, Schauspielerin, und Magnus Henning, Pianist. Natürlich gehören zeitweise auch noch Andere dazu, aber dieses Trio bildet sozusagen den ständigen Kern des Ensembles. Das Prinzip ist von Anfang an klar – hochpolitisch, aber ohne Namen zu nennen. Man arbeitet mit Gleichnissen und Parabeln. Hauptadressat sind natürlich die Nazis; deshalb ist es nicht überraschend, dass die Kabarettisten nach zwei Monaten und zwei Programmen die Flucht ins Ausland antreten. Die Pfeffermühle übersiedelt nach Zürich, in das Hotel Hirschen im Niederdorf. 1934 folgt eine Schweiz-Tournee, insbesondere ein Abstecher nach Basel, dann die Rückkehr nach Zürich. Doch im Hirschen hat sich inzwischen die Konkurrenz einquartiert, das Cabaret Cornichon (Blog vom 10. April 2014). Erika bemerkt dazu pikiert: „Schweizerisch bleibt schweizerisch und wenn es zehnmal ein so freches wie schwaches Plagiat von Ausländischem darstellt.“ Von nun an tritt die Pfeffermühle im Kursaal auf, und dort kommt es zu den berühmten Saalschlachten. Die „Nationale Front“, der Schweizer Ableger der Nazis, hat gar keine Freude an den politisch aktiven Emigranten, auch seitens der Politik gibt es Schwierigkeiten. Die Pfeffermühle geht auf Reisen, in die Niederlande, in die Tschechoslowakei und sogar nach Amerika. Doch jenseits des Atlantiks reüssiert die „Peppermill“ nicht, denn „Cabaret ist dem amerikanischen Menschen nicht bekannt„, wie Erika es formuliert. 1937 muss der Betrieb endgültig eingestellt werden. Das Ensemble zerstreut sich, Therese kehrt in die Schweiz zurück (wo sie in den folgenden Jahrzehnten eine der wichtigsten Persönlichkeiten am Zürcher Schauspielhaus wird), während Erika sich mit ihren Eltern im Amerika niederlässt.
Buchplanet.ch hat das Buch Erika Mann und die „Pfeffermühle“ von Helga Keiser-Hayne im Angebot, mit Bildern und Texten.