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Das Urteil gegen Pierin Vincenz und Beat Stocker sei hart, urteilen Prozessbeobachter. Ein Schock dürfte es auch für den früheren Raiffeisen-Präsidenten Franz Marty sein, der die Machenschaften von Pierin Vincenz während Jahren deckte.
Marty, der bis 2011 Vincenz’ Vorgesetzter war, wusste insbesondere von dem Commtrain-Deal, für den Vincenz unter anderem wegen Betrugs, des versuchten Betrugs, der Veruntreuung, ungetreuer Geschäftsbesorgung und Urkundenfälschung zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 9 Monaten verurteilt wurde.
Im Jahr 2009 tauchten erste Gerüchte auf, dass bei dem Kauf von Commtrain möglicherweise nicht alles mit rechten Dingen zuging. Marty wusste davon und liess mehrere Gutachten erstellen, unter anderem bei Professor Peter Forstmoser.
Statt zu informieren, deckte Marty seinen CEO
Am 1. September 2009 schickte Forstmoser das vertraulich deklarierte Gutachten an Franz Marty und Pierin Vincenz. Danach kam zu einem Gespräch zwischen den beiden. Das Gutachten «vermochte Marty zu überzeugen, keine Weiterungen zu unternehmen und namentlich keine Meldung an die Aduno zu erstatten», heisst es in der Anklage.
Marty unterliess es auch, den Raiffeisen-Verwaltungsrat zu informieren. Er deckte seinen damaligen CEO für einen Deal, an dem Vincenz persönlich massiv profitierte und für den dieser jetzt verurteilt wurde. Das Gericht taxierte das Verhalten als arglistig.
Dabei wäre es Martys Aufgabe gewesen, die Interessen der Eigner von Raiffeisen zu schützen. Er hätte erkennen müssen, dass er es mit einem CEO zu tun hatte, der seine persönlichen Interessen über jene der Bank stellte. Durch sein Nichtstun konnte Vincenz weitere Deals zum Schaden von Raiffeisen und Aduno durchziehen.
Die Raiffeisen-Banken, die Straf- und Zivilklage gegen Vincenz eingereicht haben, müssen im Lichte des Urteils über die Bücher und das Verhalten ihres früheren Präsidenten ebenfalls juristisch abklären lassen. Das ist die Bank ihren über zwei Millionen Genossenschafterinnen und Genossenschafter schuldig.