Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03133.jsonl.gz/1785

Die 1826 – 1836 erstellte Spinnerei Bebié ist die erste grosse Fabrik im östlichen, damals noch katholischen und vergleichsweise schwach industriealisierten Kantonsteil. In der Abgeschiedenheit der Limmatschlaufe erlaubten sich die ersten zwei, drei Fabrikantengenerationen ein so hartes Auftreten gegenüber ihren Beschäftigten, dass ihre Fabrik unter die in sozialer Hinsicht schlimmsten Betriebe im Kanton eingereiht wurde. Wegen eines Bruderstreits im Jahr 1843 war der riesige Fabrikkomplex bis zur Aufgabe des Spinnereibetriebs 1962 in zwei unabhängige Unternehmen geteilt.
Zwecks besserem Zugang zur Fabrik von Norden erstellten die Bebié 1845 eine gedeckte Holzbrücke anstelle einer Fähre. 1921 wurde die baufällige Brücke ersetzt und 1990 erneut renoviert. Die benachbarte Strassenbrücke entstand 1963.
Wegen seiner wichtigen Rolle als Drehscheibe im Verkehr mit Deutschland erhielt Turgi nicht nur Buffets, sondern auch eine imposante Geleiseanlage (zehn Geleise!). Für die Bedürfnisse der Gegenwart waren Aufnahmegebäude und übrige Installationen überdimensioniert. Die mechanischen Stellwerke von 1911 gehörten zu den ältesten Sicherheitseinrichtungen der SBB. Zur Bedienung waren während zwanzig Stunden pro Tag drei Beamte erforderlich. Das elektronische Stellwerk 1996 kann von Brugg aus fernbedient werden.
|1882||Wasserräder mit Transmissionen|
|1884 – 1889||Beide Firmen ersetzen die Wasserräder durch je eine Turbine|
|1905||Kappeler-Bebié erstellt auf der Insel ein Maschinenhaus mit Generator und elektrifiziert die Spinnerei|
|1909||Elektrifizierung auch bei Bebié, zweites Maschinenhaus auf der Insel|
|1980||Stilllegung der Kraftwerksanlage|
|1986||Bau eines neuen Kraftwerks mit S-Rohrturbinen, knapp 1 MW Leistung|
|1993||ABB verkauft das Kraftwerk an das Aargauische Elektrizitätswerk|
|1995||Übernahme des Kraftwerks durch die Limmatwerke AG|
In Turgi fanden anfänglich viele arme Menschen aus abgelegenen Gebieten des Aargaus und Süddeutschlands Arbeit. Die Bebié und ihre Aufseher nahmen alle billigen Hände an und nutzten sie weidlich aus. Die Fabrikuhr stellten sie so, dass sie sechs Uhr zeigte, wenn es hell wurde. Dadurch sparten sie morgens die Fabrikbeleuchtung. Soziale Besserungen traten erst dank dem kantonalen Fabrikgesetz von 1862 ein. Ludwig Kappeler-Bebié hatte als Experte aber dafür gesorgt, dass es für die Fabrikanten moderat ausfiel.
In Turgi und Ennetturgi sind ABB Industrie AG und ABB Network Partner AG die wichtigsten Unternehmen. Sie stellen elektronische Komponenten für elektrische Antriebe und für die Prozessautomation her bzw. Netzleit- und Kommunikationssysteme für die Energie- und Wasserversorgungen. ABB beschäftigte 1996 hier rund 1300 Personen; um 1980 waren es über 2000.
|1||Kraftwerksanlagen siehe Detailplan|
|2||Spinnereigebäude|
|3||Büro- und Wohnhaus|
|4||Wohnhaus, sog. Hochhaus|
|5||Schreinerei, Schlosserei, Scheune, Türmli mit Fabrikuhr|
|6||Schreinerei, Schlosserei, Giesserei|
|7||Baumwolllager|
|8||Scheune|
|9||Fabrikschulhaus|
|10||Holzbrücke, 1845|
|⃘||Standort|
Grundrissskizze der verschachtelten Kraftwerksanlagen.
Ringspinnereimaschinen in der Spinnerei ‘AG vormals E- Kappeler-Bebié‘. Aufnahme ca. 1930 Jahre.
Die 1845 erbaute Holzbrücke vor dem 1921 erfolgten Neubau.
|1816||Bau einer Spinnerei durch Heinrich Bebié und seine drei Söhne in Oberengstringen|
|1826||Konzession für zwei Wasserräder in Turgi für die Bebié-Söhne|
|1828||Betriebsaufnahme in der sechsstöckigen Spinnerei Turgi|
|1836||Verdoppelung des Baukörpers nach Westen, mit 34‘000 Spindeln grösste Spinnerei der Schweiz (bis 1858)|
|1843||Aufteilung unter die drei Brüder: Heinrich erhält den Westteil (Firma Bebié, später mit Betrieben in Rupperswil, Linthtal und Spanien), Rudolf den Ostteil (später Kappeler-Bebié), Kaspar die Spinnerei in Oberengstringen|
|1879||Brand der westlichen Fabrik. Wiederaufbau mit niedrigerem Dachstuhl und neuem Anbau|
|1885||Bebié beschäftigt 137, Kappeler-Bebié 159 Personen; zusammen bilden die beiden Spinnereien die drittgrösste Fabrik im Aargau|
|1930er Jahre
||Ringspindeln ersetzen Selfaktorspindeln|
|1962||Aufkauf der Firmen Bebié durch Brown Boveri. Liquidation der Spinnereien, ein Projekt für eine Wohnüberbauung auf dem Areal stösst auf den Widerstand der Gemeinde Turgi|
|1965||Baubeginn des BBC-Werks in Ennetturgi|
|1985 – 1986
||Umbau der ehemaligen Spinnereien im Innern. Einrichtung von Büros und Fertigungshallen für die BBC-Informationstechnik|