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Etwas über den Bau des Kaplanei- und Vereinshauses Erstfeld, "Josefshaus" genannt.
Von Thomas Herger,
Pfarrer Pfarrer Gedeon Furrer, der seit 1873 bis 1931 Pfarrer von Erstfeld war, erlebte einen großen Aufschwung der Gemeinde. In seine Amtszeit hinein kam der Bau von drei großen Schulhäusern. Im Jahre 1884 wurde das Kirchmatt-, 1906/07 jenes in der Stegmatt und 1913/14 das große Wydheitschulhaus erbaut. Bei der Volkszählung von 1866 zählte Erstfeld 1004 Einwohner und 111 Schulkinder.
Entwicklung
Im Jahre 1910 war die Einwohnerzahl auf 3139 gestiegen, wovon 2514 Katholiken waren, und Schulkinder wurden in allen Abteilungen der. Primar und Sekundarschulen 535 gezählt. Diese Entwicklung brachte auch für die Seelsorge neue Aufgaben und Probleme. Bis 1915 waren in Erstfeld nur zwei Seelsorger tätig, der Pfarrer und Pfarrhelfer. Die rasche Entwicklung der Gemeinde rief nach Vermehrung der Seelsorger. Diese Aufgabe hatten Pfarrer Gedeon Furrer und weitsichtige Männer schon längst erkannt. Schon seit der Jahrhundertwende fing der Pfarrer an, für die Gründung einer dritten Pfründe einen Fonds anzulegen, dazu sollte auch noch ein neues Kaplaneihaus gebaut werden.
Zudem machte sich die Notwendigkeit immer dringender bemerkbar, Jugendvereine zu gründen. Für solche sollte ein Heim offenstehen. Im Jahre 1914 wurde die Jünglingskongregation und 1915 die Jungfrauenkongregation gegründet. Trotz des vorgerückten Alters hatte der rüstige Pfarrherr genug Initiative, um diese Pläne der Verwirklichung entgegenzuführen. Er fand auch an einem Pfarrhelfer Johann Baptist Kälin, an den Kirchenbehörden und an dem im Jahre 1906 gegründeten katholischen Volksverein eine starke Stütze.
Dritter Seelsorger
Das bischöfliche Ordinariat Chur hatte die Zusage für einen dritten Seelsorger gegeben, sobald die Fondation der neuen Pfründe gesichert sei. So machte man sich eifrig ans Werk. Als 1913 die Einwohnergemeinde an den Bau eines neuen Schulhauses ging und hiefür einen ideal gelegenen Bauplatz in der Wydheitmatte des Gemeinderates Emil Aschwanden erwerben konnte, sicherte sich im gleichen Jahre durch notarielle Beurkundung der Kirchenrat ein Vorkaufsrecht für einen Bauplatz von 870 m2 zu 6.50 Franken für den Bau eines Kaplanei- und Vereinshauses. Das war ein Weitblick. Am 6. Januar 1913 rief die Generalversammlung des katholischen Volksvereins statutarisch einen Bauverein für das zu planende Pfrund- und Vereinshaus ins Leben mit der Verpflichtung, durch finanzielle Beiträge die nötigen Lokalitäten auch für die gemeinnützigen Unternehmungen des Volksvereins, z. B. für die Krankenpflegestation, Volksbibliothek, den Vereinssaal, zu ermöglichen.
Sammellisten
Der neue Bauverein stellte sich unter das Patronat des hl. Joseph und Ambrosius, weshalb das neue Vereinshaus den Namen Josephshaus erhalten sollte. Jedes Mitglied verpflichtete sich, monatlich 20 Rappen zu entrichten. Es wurden eigene Sammellisten aufgestellt. Die Sammler und Sammlerinnen mußten jeden Monat dem Kassier des kath. Volksvereins die Sammelgelder abliefern und an der Generalversammlung des kathol. Volksvereins mußte jedes Jahr über die Sammeltätigkeit Bericht erstattet werden. Der Bauverein nahm seine Sammeltätigkeit auf. Das Ergebnis war erfreulich, es konnten Ende 1915 dem Pfarramte Fr. 5 569,- übergeben werden. Die Kollekten dehnten sich bis zum Dezember 1921 aus.
Inzwischen war durch Kirchgemeinde-Versammlungsbeschluss am 21. Juli 1921 die Einführung der Kirchensteuer beschlossen worden. Man. kann sich nun vorstellen, wie mühselig bis anhin die Finanzen zusammengebettelt werden mußten. Im Ganzen sammelte der Bauverein allein die Summe von Fr. 15284.-. Das machte nach damaligem Geldwert ein bedeutendes Kapital aus. Damit war die unentgeltliche Benützung des Vereinshauses durch den kath. Volksverein, seine Organisationen und die kath. Standesvereine der Jünglinge und Jungfrauen gerechtfertigt. Wie schon bemerkt. sammelte Pfarrer Gedeon Furrer schon seit Jahren für die Gründung der Kaplaneipfründe als III Seelsorgeposten.
Hauskollekten
Im Jahre 1911, - Mitte März - begann auch der Kirchenrat in Verbindung mit dem Pfarrer und Pfarrhelfer Kälin mit Hauskollekten. Sie legten den Familien eine Subskriptionsliste auf. Die gezeichneten Beiträge mussten sofort bezahlt werden. Bis zur endgültigen Rechnungsablage über den Bau des Pfrundhauses, die erst am 2. November 1919 erfolgte, hatte der Stiftungsfonds für die II!. Pfründe eine Höhe von Fr. 29774.- erreicht. Als ein großer Wohltäter zeigte sich nachträglich alt Regierungsrat Johann Furrer, Stützli, Erstfeld, der kurz vor seinem Ableben am 5. Juli 1921 der Kaplaneipfründe 10000.- Franken in bar vermachte. Ermutigt durch den Sammeleifer erfolgte am 13. Juli 1915 durch die Kirchgemeindeversammlung der Baubeschluss für das neue Kaplanei- und Vereinshaus. Man wollte nicht mehr länger zuwarten.
Der Bau sollte im Anschluß an die Vollendung des großen Wydheitschulhauses in Angriff genommen werden, zumal die gleiche Baufirma, Baumann & Jauch, Altdorf, den Auftrag erhalten sollte. Der Finanzplan für das ganze Bauvorhaben sah folgende Aufwendungen vor: Eine Bankanleihe von Fr. 30000.-, zu 5 Prozent verzinslich, sollte aufgenommen werden, dazu kam ein Legat von Herrn Franz Gerig sel. mit Fr. 3 000.-; die Korporation Uri hatte einen Beitrag von Fr. 2000.- zugesichert, der Rest bis zur Höhe des Voranschlages von Fr, 54000.- sollte durch neue Kollekten gedeckt werden.
Wie die Bauabrechnung schließlich zeigte, wurde der Voranschlag um Fr. 10 000.- überschritten. Die Ausführung des ganzen Bauvorhabens wurde nun der Firma Baumann & Jauch, Architektur- und Baugeschäft, Altdorf, welche in Verbindung mit Architekt Griot, Luzern, die Pläne entworfen hatte, vertraglich übergeben. Die gleiche Firma hatte zwei Jahre vorher das große Wydheitschulhaus erstellt. Die Wahl der Firma erwies sich in der Folge nicht als glücklich.
Baukommission
Es wurde eine siebengliedrige Baukommission bestellt aus den Herren: Pfarrhelfer Johann Baptist Kälin, Präsident; Pfarrer Gedeon Furrer, Kassier(er wurde meistens als Kassier gewählt, wenn gebettelt werden mußte oder Rechnungsdefizite zu befürchten waren); alt Landammann Josef Wipfli; Gemeindepräsident und Ratsherr Josef Wipfli; Ratsherr Johann Püntener; Kirchenvogt Josef Maria Zberg und alt Ratsherr Alois Püntener, Zum Sekretär wurde gewählt Vikar Josef Maria Aschwanden, der am 1. Februar 1915 als dritter Seelsorgegeistlicher gekommen war und die Wohnung bei Pfarrer Gedeon Furrer bezog und dann nach Vollendung des neuen Pfrundhauses als erster Kaplan einziehen durfte.
Mangelhafte Arbeiten
Mit den Bauarbeiten wurde sofort begonnen. Mit der ausführenden Firma Baumann & Jauch hatte man nicht eine glückliche Wahl getroffen. Wie das Bauprotokoll berichtet, entstanden wiederholte Male Differenzen wegen nicht genauer Ausführung der Baupläne und wegen mangelhafter Arbeit. Die Zusammenarbeit zwischen der Firma und der Baukommission ließ zu wünschen übrig. Im ganzen Bauvorhaben' waren folgende Räume vorgesehen: Im Kaplaneihaus, welches einen eigenen Wohntrakt bildet, sieben Zimmer, eine Küche, Toiletten und Kellerräume mit Waschküche. Im Vereinshaus, das mit der Kaplanei zusammengebaut. ist, befinden sich ein großer Vereinssaal, ein Bibliothekzimmer, das auch Vereinen als Sitzungszimmer dienen kann, außen angebaut Toiletten. Im oberen Stock ist eine Dreizimmerwohnung mit Küche. Toilette und Bad und außerhalb des Wohnungs-abschlusses ist noch ein größeres Zimmer, das ebenfalls Vereinszwecken dienen kann. Zu beiden Häusern gehört noch je ein größerer Estrich.
Differenzen
Der Aufstieg zu denselben gab zwischen der Baukommission und der Baufirma zu großen Differenzen Anlass. Das Vereinshaus entspricht heutzutage nicht den Anforderungen, die man an ein Heim für Jugendvereine stellen darf. Wenn man vom großen Saale, der leider nicht unterkellert ist, absieht, sind alle anderen Vereinslokale zu klein und zu wenig praktisch projektiert worden. Gewiß, es war damals der Vereinsbetrieb noch nicht so eingestellt wie er heutzutage notwendig sein muß, aber dennoch hat der Projektverfasser schon für die damaligen Verhältnisse zu wenig praktisch gebaut. Man hat zu viel auf äußere Formen - genau wie beim Wydheitschulhausbau geschaut.
Verfehlte Dachkonstruktion
Die Dachkonstruktionen müssen einfach als verfehlt bezeichnet werden. Zudem hat .man den ganzen Gebäudekomplex in eine Bodenvertiefung hineingestellt, statt ihn zu heben. Der Wasserdruck von der Reuss machte sich oft schädlich bemerkbar. Eine Renovation der Gebäulichkeiten wird in absehbarer Zeit innen und außen fällig werden. Ausgaben laut Abrechnung: Bauplatz, Umgebungsarbeiten Garten Umfassungsmauern Fr. 7' 947.45 Baukosten Gebäulichkeiten Fr. 56'836.90 Total Kosten samt Bankzinsen Fr. 64' 774.35 Heutzutage würden die Gebäulichkeiten samt Bauplatz das Vierfache kosten. Trotz der Bankanleihe von Fr. 30 000, die hernach von der Kirchenverwaltung zu amortisieren war, und des Stiftungsronds der III. Pfründe von Fr. 29 774.- blieb noch eine ungedeckte Schuld von Fr. 5 000.-
Das Protokoll bemerkt dazu kurz aber bedeutungsvoll: "Diese Mehrausgabe ist durch eine Schenkung des Hochwürdigsten Herrn Prälat (Pfr. Gedeon Furrer) sichergestellt." - Die Gebäude konnten nun bezogen werden. Die Kaplanei wurde 1916 besetzt, die Krankenpflegestation wurde anfänglich von 'einer Schwester des St.-Anna- Vereins, Luzern, geleitet, die Volksbibliothek wurde 1917 eröffnet, und der große Saal, in dem sogar eine Bühne stand, wurde von der Jünglings- und Jungfrauenkongregation als Versammlungsraum benützt.
Kleinkinderschule
Im Jahre 1931 wurde die kath. Kleinkinderschule gegründet. Weil kein geeignetes Lokal vorhanden war, stellte der kath. Volksverein den großen Vereinssaal vorläufig zur Verfügung. So ist es bis jetzt geblieben. Seit 1939 wird die Kleinkinderschule und die Krankenpflegestation von Menzinger Schwestern betreut, Die Eigentumsverhältnisse am Kaplanei- und Vereinshaus sind folgende: Die ganze Liegenschaft samt Garten ist Eigenturn der katholischen Kirchgemeinde resp. der Kaplaneipfründe. Sie ist als Kirchengut im Grundbuch Uri eingetragen. Das Vereinshaus als Anbau der Kaplanei ist dem kath. Volksverein und seinen Institutionen, dem Mütterverein und den kath. Standesvereinen der Jünglinge und Jungfrauen zur freien Benützung überlassen. Für das Inventar haben diese selber zu sorgen. Umbauten oder Reparaturen an den Gebäulichkeiten fallen zu Lasten der kathol. Kirchenverwaltung. Betriebseinrichtungen des Vereinshauses oder Betriebsrechnungen der Institutionen und Vereine sind von diesen selber zu bezahlen.
Wenn auch das Vereinshaus zu klein ist, hat es doch während vieler Jahrzehnte sich als große Wohltat erwiesen. - Die Entwicklung der Gemeinde bringt es jedoch mit sich, daß die Kirchgemeinde auf die Schaffung vermehrter Vereinslokale oder eines neuen Pfarreiheims Bedacht nehmen muß. Vielleicht läßt sich beim Neubau eines Sigristenhauses eine Verbindung erzielen, indem ein Pfarreiheim erstellt wird, in das eine Wohnung eingebaut würde. Eine zeitgemäße Jugendbetreuung von Seiten der katholischen Kirchgemeinde ist notwendig. Möge es in absehbarer Zeit geschehen!