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Die Edmonton Oilers wurden von einigen Fachleuten in den erweiterten Kreis der Geheimfavoriten auf den Stanley Cup-Finaleinzug gehandelt. Zu dominant und beeindruckend waren die Auftritte von Connor McDavid und Leon Draisaitl, von Darnell Nurse und Tyson Barrie. Die Verteidiger und Rollenspieler erfüllten während der Qualifikationsphase die Erwartungen und einige der jungen Cracks zeigten ebenfalls positive Tendenzen. Für die Playoffs war man scheinbar gerüstet. Und dann....wurde den Oilers von den Winnipeg Jets vorgeführt, was es heisst, in den Playoffs einen ausbalancierten Kader zu besitzen. Es stellt sich also die berechtigte Frage nach 2020 und 2021 und zwei Playoff-Enttäuschungen in Folge: Sind die Edmonton Oilers überhaupt für die Playoffs richtig aufgestellt? Angesichts der aktuellen Kaderstruktur mit der klaren und eindeutigen Hierarchie im Teamgefüge muss man dies eigentlich verneinen.
Kaderstruktur ungeeignet für die Playoffs...
Wenn man die Effizienz eines Unternehmens analysieren möchte, werden gewisse Analysetools angewendet, die schlussendlich aussagen, ob man als Firma mit seinen Produkten oder Dienstleistungen marktfähig ist oder nicht. Würde man eine dieser Analysen auf die Edmonton Oilers anwenden, hiesse die Antwort: Für die „reguläre Saison“ ein „Ja“ - für die Playoffs wie bereits angedeutet ein „Nein“.
Das eindeutige „Nein“ bezieht sich nicht in erster Linie auf die Gesamtleistung der Oilers-Teamstützen. Diese mussten jedoch über die Massen Eiszeit schieben, um das Tempo und vor allem das Niveau innerhalb einer Partie durchgehend aufrecht zu halten. Der Vergleich zu den „Bolts“ 2020/21 hinkt dementsprechend, denn diese hatten zwar beim erlittenen Sweep 2020 auch ihre vier bis fünf Schlüsselspieler im Kader, aber die Kaderstruktur der Lightning war und ist viel ausgeglichener; der Leistungsabfall innerhalb der Mannschaft geringer. Fällt einer der Topstars aus oder ein Top-Produktivtrio wird neutralisiert, fällt dies weniger ins Gewicht, als es dies bei den Oilers der Fall ist. Für die Oilers könnte Tampa – und vor allem die Kaderplanung und das Kadermanagement der Lightning – in der Aufarbeitung der schmerzhaften Ereignisse zu einem Role Model werden. Aus dem Erstrunden-Aus in den Bubble-Playoffs 2020 haben die Oilers jedenfalls, im Gegensatz zu Tampa ein Jahr zuvor, erstaunlicherweise nicht die richtigen Schlüsse gezogen.
Ohne „Secondary Scoring“ keine Chance auf einen Playoff-Run
Eine Annahme: Hätten die Oilers das Ruder gegen die Jets herumreissen können und in sieben Partien Runde 2 erreicht, so wären McDavid, Draisaitl, Nurse & Co. bereits physisch extrem beansprucht worden. Vielleicht reichen in solchen Fällen die Kräfte für eine oder zwei Runden, aber wohl nicht, um „all in“ Richtung Stanley Cup-Sieg zu gehen. In der Statistik der meisten Eiszeit pro Playoffpartie 2021 werden die ersten fünf Plätze durch Oilers besetzt - mit McDavid und Draisaitl zwei Stürmer, die über 30 Minuten pro Partie auf dem Eis powern und sich Shift für Shift gegen physisch hart spielende Gegner wehren müssen. Es braucht zudem auch einen dominanten Keeper, der in den Playoffs nicht nur konstanter aufspielt, sondern auch über sich hinauswachsen kann.
Was benötigen die Edmonton Oilers also, damit dieses sehr talentierte Team auch in den Playoffs performen kann? Es braucht einen leistungskonstanten, dominanten Keeper, der seine Leistung in den Playoffs noch einmal steigert. Und vor allem braucht es ein „Secondary Scoring“, welches auch funktioniert. Die Rollenspieler sollen hierbei nicht nur neutralisieren, sondern auch Skorerpunkte produzieren und für das viel zitierte Momentum sorgen. Das macht ein gutes Playoff-Team aus, damit die Topstars zumindest bezüglich Eiszeit entlastet werden.
Joël Ch. Wuethrich publiziert wöchentlich Hintergrundberichte über die NHL in der führenden Deutschen Fachpublikation Eishockey News und hat ein ausgezeichnetes Beziehungsnetz in Nordamerika. Seit 1992 ist er Chefredaktor diverser namhafter Publikationen, unter anderem auch war er beim Slapshot sowie beim Top Hockey Chefredakteur und war zudem lange Jahre für den Spengler Cup strategisch in Marketing und PR sowie als Chefredaktor tätig. Joël Ch. Wuethrich leitet seit 1992 hauptberuflich eine crossmedial aufgestellte PR-Agentur und eine Player's Management Agentur (Sportagon), ist Crossmedia-Stratege und HF-Dozent mit Lehrauftrag für Kommunikation und Marketing. Er analysiert seit 30 Jahren als Autor/Chefredakteur in der Schweiz, Deutschland sowie in Kanada die NHL und beobachtet das Eishockeygeschehen weltweit intensiv. Der Familienvater (zwei Kinder) arbeitet in der Schweiz und in Montréal, wo ein grosser Teil seiner Verwandtschaft wohnt.