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Corporate Governance umfasst eine Reihe von Regeln, welche die Stabilität des Unternehmens gewährleisten sollen. Deren Anwendung ist keinesfalls ausschliesslich börsenkotierten Firmen vorbehalten.
"Unter Corporate Governance versteht man die Gesamtheit der firmeninternen Verfahren im Sinne von ʹChecks and Balancesʹ, deren Ziel darin besteht, die Beständigkeit des Unternehmens zu gewährleisten", erklärt Erich Herzog. Der stellvertretende Direktor der Abteilung Wettbewerb und Regulatorisches von Economiesuisse weiss, welche Vorteile den KMU durch die Anwendung dieser Prinzipien der guten Unternehmensführung entstehen, besonders denjenigen, die schnell wachsen.
"Einige Grundsätze der Corporate Governance sind verpflichtend, da sie im Obligationenrecht, in der Börsenverordnung oder auch im Bankenrecht festgeschrieben sind", ergänzt Herzog. Zu diesen gesetzlichen Verpflichtungen gehört insbesondere die Pflicht, seine Jahresrechnung von einer unabhängigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft prüfen zu lassen (Art. 728 OR). "Je grösser eine Gesellschaft, desto obligatorischer wird die Corporate Governance gemäss den verschiedenen Regelungen verlangt. Für KMU beschränkt sich diese Verpflichtung jedoch auf die im Obligationenrecht formulierten Regeln."
André Baladi, Mitgründer des International Corporate Governance Network (ICGN), kennt sich mit dem Thema bestens aus. Aus seiner Sicht ist Corporate Governance sehr wichtig, selbst wenn sie nicht gänzlich obligatorisch ist. "Mit diesem Instrument kann die Funktionsweise des Unternehmens und damit seine Wettbewerbsfähigkeit verbessert werden, aber es hilft auch dabei, Investoren zu beruhigen oder die Übergabe eines Familienunternehmens an die nächste Generation zu erleichtern."
Das Konzept stammt aus den Pensionsfonds
Die Grundsätze der Corporate Governance lassen sich zwar auf die KMU anwenden, doch ursprünglich waren sie vor allem dazu gedacht, das Management der börsenkotierten Unternehmen zu verbessern. André Baladi, dessen internationales Netzwerk ICGN Pensionsfonds mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 18'000 Milliarden Dollar umfasst, kommt auf die Geschichte dieser Regeln zu sprechen. "Corporate Governance hat seinen Ursprung in den internen Vorschriften der Pensionsfonds, insbesondere in Amerika, da das enorme Volumen der zu verwaltenden Vermögen eine besonders strenge Regulierung erforderte."
Die zunehmende Machtverschiebung von den Aktionären zu den Top-Managern war ausschlaggebend für die wachsende Bedeutung der Corporate Governance. Im Zuge des Bankrotts von Enron im Jahr 2001 und der darauf folgenden Pleite der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen wurden erhebliche Schwachstellen zutage gefördert. In der Schweiz hat der Konkurs von Swissair im Jahr 2001 die Problematik der Verteidigung der Aktionärsinteressen gegenüber den mitunter gegensätzlichen Interessen der Geschäftsführung ins Zentrum der Debatte gerückt.
Jede Menge "Codes"
Die Regeln der Corporate Governance sind zahlreich und werden ständig weiterentwickelt, wie die Zahl der in der Schweiz und weltweit bestehenden Leitlinien oder "Codes" belegt. Es ist jedoch möglich, neun wesentliche Grundprinzipien abzuleiten, die im Kasten am rechten Rand aufgeführt sind.
Seit es vor 20 Jahren die ersten Überlegungen zum Thema Corporate Governance gab, haben über hundert Länder dazu einen eigenen rechtlichen Rahmen entwickelt. Zudem wird das Konzept auch als Bewertungskriterium in den Berichten der OECD oder der Europäischen Union immer wichtiger. In der Schweiz betrifft die Minder-Initiative einen Teil der Corporate Governance, nämlich die Vergütung des Managements. Laut den Prinzipien der Corporate Governance soll diese von einem Vergütungsausschuss begleitet und festgelegt werden.
Die jüngste Ausgabe des "Swiss Code of Best Practices for Corporate Governance", die im November 2014 von Economiesuisse herausgegeben wurde, legt den Schwerpunkt auf die nachhaltige Entwicklung von Unternehmen. "Beim Thema Corporate Governance ist ein Mentalitätswandel zu beobachten, der vor allem auf empirischen Erkenntnissen basiert", erklärt Erich Herzog. "Der 2002 erschienene Code hatte im Wesentlichen die Verteidigung der Aktionärsrechte zum Gegenstand, während die aktuelle Version dieses Thema als notwendiges Instrument für das dauerhafte Bestehen eines Unternehmens integriert."
In Zukunft will Economiesuisse die Corporate Governance verbessern, indem insbesondere die positiven Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit und die Langlebigkeit des Unternehmens hervorgehoben werden. Erich Herzog weist auf die Möglichkeit hin, bei den Managern Anreize dafür zu schaffen, dass diese die nachhaltige Entwicklung ihres Unternehmens an erste Stelle setzen, indem ihre Vergütung an die langfristige wirtschaftliche Performance gekoppelt wird.
Informationen
Zum Thema
Die 9 Prinzipien der Corporate Governance
1999 vom ICGN aufgestellt
- Das vorrangige Ziel der Gesellschaft sollte darin bestehen, die Rendite (ROI) ihrer Aktionäre zu optimieren.
- Die Gesellschaften sollten Informationen exakt, angemessen und zeitgerecht bekanntgeben, sodass die Investoren bezüglich des Kaufs und Verkaufs von Aktien aufgeklärte Entscheidungen treffen können.
- Die Stammaktien von Gesellschaften sollten zu einer Stimme pro Aktie berechtigen.
- Der Verwaltungsrat oder Aufsichtsrat als Gremium und jedes seiner Mitglieder als Individuum sollten vor der Gesamtheit der Aktionäre haftbar sein.
- Die Vergütungen der Verwaltungsräte von Gesellschaften oder der Mitglieder des Aufsichtsrates und der operativen Geschäftsführung sollten an den Interessen der Aktionäre ausgerichtet werden.
- Umfangreiche strategische Veränderungen in einer Gesellschaft sollten nicht ohne das vorherige Einverständnis der Aktionäre erfolgen.
- Die Corporate Governance sollte sich über längere Sicht auf die Optimierung der Rendite aus den operativen Geschäften der Gesellschaft konzentrieren.
- Die Gesellschaften haben sämtliche anzuwendenden Gesetze der Amtsbezirke, in denen sie tätig sind, einzuhalten.
- Die Corporate Governance sollte dort, wo es sie gibt, pragmatisch umgesetzt werden. Und dort, wo sie nicht gilt, sollten sich die Investoren darum bemühen, sie zu entwickeln.
Letzte Änderung 04.03.2015