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“Wohnen in Zürich West”
|Jahr||Wintersemester 1999/2000|
|Art||Neubau / Wohnen|
|Auftraggeber||ETH Zürich

|Leistungsumfang||Diplomarbeit|
Diplomarbeit Wintersemester 1999/2000
Die städtebauliche Situation
Zwischen der Hardbrücke und dem Wipkingerviadukt vermischt sich das Industriegebiet (im Westen) mit dem Wohngebiet (im Osten). Die grosse Körnung der Industriebebäude beinhalten heute neue Nutzungen wie Fitnesscenter, Bars, Kino, Galerien, Clubs und Wohnungen. Der Bauplatz wird auf allen vier Seiten stark durch Lärm und Abgasemissionen belastet. Für die Ausrichtung von Wohnungen erscheint mir die Seite des Geleisefeldes als die attraktivste, da man (aus einer gewissen Höhe) einen schönen Blick über das weite unverstellte Geleisefeld und den Üetliberg im Hintergrund hat. Die Hardbrücke, das Viadukt und die Geroldrampe bilden einen erhöhten Rahmen um den Bauplatz.
Das städtebauliche Konzept besteht aus drei Baukörpern, welche die Grossmassstäblichkeit der Industriebauten aufnehmen, und zwei diagonal gelegenen Plätzen, welche sich in Funktion und Orientierung voneinander unterscheiden. Durch die Setzung von drei einzelnen Baukörpern werden die Hardbrücke und das Viadukt freigespielt und können als skulpturale Elemente im Stadtraum gelesen werden.
Das nahe an die Hardbrücke geschobene und auf das Geleisefeld ausgerichtete Hochhaus markiert den Eingang in das “neue” Quartier. Es enthält Loftwohnungen und bildet so über das Geleisefeld hinweg einen Gegenpol zu den vier Hardau-Wohntürmen.
Die Geroldstrasse wird durch einen 135m langen, geschlossenen Riegel befestigt, welcher ein Warenhaus beinhaltet. Dieser Riegel bildet das Rückgrat der Situation zur Strasse hin und richtet so den dahinterliegenden Platz (ein Eisfeld) auf das Geleisefeld aus. Dieses Eisfeld (Rollschuhbahn oder Skaterplatz im Sommer) nimmt in seiner Flachheit Bezug auf das Geleisefeld und bildet eine Art Gegenpol zur Eisbahn Dolder, welche versteckt im Wald auf dem Zürichberg liegt.
Etwas versetzt hinter dem Riegel steht eine grossflächige Halle mit gemischter Nutzung (Restaurant, Fitnesscenter, Galerie) in Anlehnung an die heutige Nutzungsmischung des Areals (Badminton, Ateliers, Clubs, Brockenhaus). Diese Halle ist das Verbindungsglied zwischen den beiden Plätzen.
In Entsprechung zum Riegel schirmt das Hochhaus den vorderen Platz vor den Geleisen ab. Dieser ist mit Bäumen in einem Raster bepflanzt. Diese Bäume nehmen mit ihren Baumkronen in etwa die Höhe der Hardbrücke auf, und führen mit ihren Stämmen in gewisser Weise die Betonpfeiler weiter. Dieser Platz stellt den “Knotenpunkt” des Projektes dar: hier befinden sich die Eingänge zu allen drei Gebäuden. Vom Escher-Wyss Platz oder vom Bahnhof Hardbrücke gelangt man unter dieses Baumdach.
Die einzelnen Gebäude
Jeder der drei Baukörper hat seinen eigenen Charakter. Gemeinsam ist ihnen die kubische Grundform und die äussere Hülle aus Glas.
Der Riegel ist ein Massivbau aus Ortbeton verkleidet mit Michglasplatten. Grosse Schaukästen zur Geroldrampe und zum Viadukt hin preisen den Vorbeifahrenden die zu verkaufende Ware an. Der Eingangsbereich des Warenhauses ist zum öffentlichen Platz hin ausgerichtet, im hinteren Teil des Erdgeschosses befindet sich sowohl die Anlieferung und das Warenlager, sowie die Einfahrt der Tiefgarage. Rolltreppen entlang der Fassade führen in die oberen Geschosse und geben während der Fahrt den Blick aufs Eisfeld frei. Der Riegel wird in der Mitte druch Stützen und Kerne zoniert, welche Nebenräume wie Toiletten und Umziehkabinen oder kleinere Shops und Snackbars beinhalten. Im obersten Geschoss (Verwaltung) lösen sich die Kerne in gläserne Patios auf.
Die Halle präsentiert sich als Stahlbau mit umlaufender Hülle aus Klarsichtglas. Ein grosses Dach spannt sich über drei Boxen, in welchen sich Nebenräume wie Küche, Lager, Garderobe etc. befinden. Diese Boxen teilen die Halle in drei Zonen: ein zum Platz hin ausgerichtetes Restaurant, eine introvertierte Sporthalle und eine Galerie entlang den Geleisen. Auf der eingeschossigen Box der Sporthalle eine Fitnesszone. Im Erdgeschoss dieser letzteren Box befinden sich auch die Einrichtungen für die Eisbahn.
Das Hochhaus erscheint gegen aussen als horizontal gegliederter Glasbau (die Deckenstirnen laufen nach aussen). Die Fassade wird durch drei verschiedene Fenstergrössen strukturiert. Diese sind auf jedem Stockwerk anders angeordnet, so dass keine vertikale Gliederung entsteht. Das Erdgeschoss wird durch eine Eingangshalle mit Concierge in Besitz genommen. Dieses Geschoss bildet eine Ausnahme insofern es von der kubischen Form abweicht und dadurch mehr Privatheit vermittelt als die anderen beiden Gebäude. Die Erschliessung ist dezentralisiert. Im Erdgeschoss erkennt man sieben farbige Liftkerne, die direkt in die Wohnug füren, und drei graue Kerne mit Fluchttreppen. In den oberen Wohngeschossen können zwei der Lifte weggelassen werden (grössere Wohnungen). Die Kerne aber gehen alle durch bis zum Dachgeschoss, da sie die Haupttrageelemente des Gebäudes darstellen. Dieses öffentlich zugängliche Dachgeschoss (Club, Bar mit Tanzfläche) bildet das Gegenstück zur Eingangshalle: die Kerne enden hier auf unterschiedlicher Höhe und die Hülle aber bleibt in ihrer kubischen Form.
Wohnen
Die verkehrsreiche Gegend eignet sich nicht besonders gut für Familienwohnungen. Meine Wohnungen sind konzipiert für gutverdienende Singles oder Paare, welche gerne in der Stadt wohnen und nicht Lust haben, in einer Standardwohnung zu leben. Es gibt deshalb nicht einen Grundtyp von Wohnungen sondern eine grosse Vielfalt. Im unteren Teil (11 Geschosse) des Hochhauses befinden sich eher “kleinere” Wohnungen (ca. 7 pro Geschoss), in den oberen 10 Geschossen sind grössere, teurere Wohnungen angesiedelt (ca. 5 pro Geschoss). Sowohl für die kleineren als auch für die grösseren Wohnungen bestehen drei verschiedene Geschosse, die sich repetieren. Man kann wählen zwischen ganz hohen doppelgeschossigen Wohnungen, verwinkelten oder ganz geraden Wohnungen, auf nur eine Seite ausgerichteten kleineren, zwei- oder dreiseitigen Typen.
Grosse Freiheit soll auch bei der Möblierung bestehen. Es gibt keine Zimmertrennwände. Die einzige vorgegebene Nutzung stellen die Liftkerne mit eingebautem Badezimmer und angehängter Küche dar. Der Raum wird sowohl durch die Liftkerne, als auch durch die Wohnungstrennwände unterteilt, welche engere und weitere Bereiche in der Wohnung schaffen.
Die Unannehmlichkeiten der Umgebung sollen durch Grosszügigkeit in den Wohnbereichen kompensiert werden. Dies geschieht durch eine grosse bis sehr grosse Grundfläche und eine überdurchschnittliche Raumhöhe (3m in den unteren Geschossen, 3.35m in den oberen Geschossen). Zudem schafft die für Wohngebäude ungewöhnliche Gebäudetiefe von 20m verschiedene Wohnbereiche: helle, aussichtsreiche Bereiche nahe der Glasfassade zum Wohnen, Arbeiten, etc. und dunklere “Höhlen” im Gebäudeinnern zum Schlafen, Fernsehen, etc.
Die doppelschichtige Glasfassade weist eine Tiefe von 60cm auf, was erlaubt Sonnenschutz, Stützen und Geländer dazwischen zu schieben. Raumhohe Schiebefenster wenden den Innen- zum Aussenraum. Durch die drei verschiedenen Fenstergrössen und ihre unregelmässige Abfolge und durch den teilweisen Einsatz von Milchglas in der äusseren Schicht, erhält die Fassade einen individuellen Ausdruck.