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Worte können verletzten. So auch in der europäischen Frühen Neuzeit. Dem zweiten Gebot gemäß („Du sollst den Namen Deines Herrn nicht missbrauchen“) verletzten Gotteslästerer mit ihren Flüchen, Schwüren und Schmähungen die Ehre Gottes. Aber taten sie allein dies? Wie sich an Hand von Justizakten und theologischen Texten zeigen lässt, meinten Gotteslästerer mit ihren Worten noch viel mehr als das, was sie mit ihren „unchristlichen Worten“ sagten. Sie provozierten Gott und die Welt, disputierten über religiöse Fragen, rangen mit ihrem Schöpfer und vollzogen dabei Sprechhandlungen, die auf spezifische politische, soziale sowie religiöse Kontexte verwiesen und die entsprechende Reaktionen auslösten. Nicht nur die Ehre Gottes stand auf dem Spiel, sondern auch die Ehre der Gotteslästerer und ihrer Adressaten. Das Delikt der Gotteslästerung u.a. mit Mitteln der Sprachpragmatik, Sprache und Geisteswissenschaft zu analysieren, heißt daher zwei Grundsatzfragen zu behandeln: die nach der Bedeutung religiöser Normen für ihre jeweiligen Gesellschaften zum einen und die nach der Konzeptionalisierung einer Neueren Kulturgeschichte des Religiösen zum anderen.
Bildnachweis: Collage aus Hans Guldenmundt, Holzschnitt 1547, Der falsche Klaffer und einer Gerichtsakte von 1518 mit Auflistung gotteslästerlicher Schwüre, StAZH, A.27.3.
Words can hurt, today as in the Early Modern era. According to the second commandment (“You shall not take the name of the Lord in vain”), blasphemers harm God’s honour with their cursing, swearing and abusing God. But is that the whole story? Records of the judiciary as well as theological texts reveal that blasphemers meant a great deal more than they said in their “unchristian words”. They provoked God and the world around them, they disputed religious questions and they struggled with their creator. In doing so, they executed speech actions which had reference to specific political, social and religious contexts and gave rise in turn to corresponding responses. It was not only God’s honour which was at stake, but also that of the blasphemers and those they addressed. Analysing the offence of blasphemy by means of pragmatics means treating two fundamental questions: that of the meaning of religious norms in a given society, and that of the conceptualisation of a cultural history of religiousness.