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Der Dollar ist das Zahlungsmittel für viele Rohstoffe, daher beeinflusst seine Entwicklung die Kurse. Die Korrelation zwischen dem Dollar und den Rohstoffpreisen ist im Durchschnitt negativ. Wenn der Dollar an Stärke gewinnt, werden die Rohstoffe in anderen Währungen als dem Dollar teurer. Dieser Effekt wirkt sich tendenziell negativ auf die weltweite Nachfrage aus, die dann zu sinkenden Kursen führt.
Der Greenback ist auch eine «Risk-off»-Währung, das heisst, sie geniesst den Status eines «sicheren Hafens», wenn die Risikoaversion auf den Finanzmärkten hoch ist. Zu Beginn des Jahres liessen die Befürchtungen einer weltweiten Rezession nach, was mit dem Rückgang der Energiepreise, insbesondere für den Euro-Raum, zusammenhing. Die Folge war ein schwächerer Dollar, wie der ICE-Dollar-Index zeigt, der seit Anfang November 2022 einen Rückgang von fast 10 Prozent verzeichnet hat. Die Verbesserung der Anlegerstimmung dürfte zu einer weiteren Abschwächung des Greenbacks führen.
China ist der «Game-Changer»
China ist ein unverzichtbarer Akteur auf den Rohstoffmärkten. Sein Anteil am weltweiten Verbrauch vieler Rohstoffe übersteigt den der USA, insbesondere bei Industriemetallen und Agrarprodukten. Es ist daher die bedeutendste Preisdeterminante.
Über die Autorin
Zouhoure Bousbih ist Ökonomin bei Ostrum Asset Management.
Nach drei langen Jahren der Abwesenheit öffnet sich China endlich. Die Covid-19-Infektionen erreichten in den Grossstädten sowie in vielen Provinzen rasch einen Höhepunkt. Der Flugverkehr erholt sich wieder. Die Öffnung Chinas und das Ende der Reisebeschränkungen in anderen asiatischen Ländern dürften zu einem Aufschwung des Flugverkehrs und damit zu einer höheren Kerosinnachfrage führen.
Der Rohwarenmarkt, der bislang durch das Angebot gesteuert wurde, dürfte künftig durch die Nachfrage, insbesondere aus China, reguliert werden. Nach dem Ende der Zero-Covid-Politik in China stiegen die chinesischen Rohölimporte im Dezember wieder auf 48 Millionen Tonnen an, 20 Prozent mehr als in den drei Monaten zuvor; eine Zahl, die weit über dem Durchschnitt der Jahre 2017bis 2021 von 41,5 Millionen Tonnen liegt.
Neue Rekordnachfrage bei Öl möglich
China erhöhte ausserdem zum zweiten Mal im Januar seine Rohölimportquoten für 2023 um 20 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2022. Diese Zuteilung erfolgte früher als üblich, um seine durch die Zero-Covid-Ideologie geschwächte Wirtschaft anzukurbeln und die Produktion der privaten Raffinerien zu fördern. Das Risiko für die chinesische Rohstoffnachfrage ist daher aufwärtsgerichtet.
Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) könnte die weltweite Ölnachfrage um 1,9 Millionen Barrel pro Tag (b/d) steigen und 2023 mit 101,7 Millionen b/d (im Vergleich zu 99,9 Millionen b/d für 2022) einen neuen Rekordwert erreichen, was mit der Öffnung Chinas zusammenhängt, die für mehr als die Hälfte des Anstiegs verantwortlich sein soll. Die Zero-Covid-Ideologie dämpfte die Wirtschaftsaktivität im letzten Jahr, was zu einem Rückgang der chinesischen Ölnachfrage um 390’000 b/d führte – dem stärksten jährlichen Rückgang, zum ersten Mal seit 1990!
Das Jahr 2022 war durch einen Rückgang der Preise für Industriemetalle gekennzeichnet, insbesondere für Kupfer (–13,6 Prozent), Zink (–16 Prozent) und Aluminium (–15,3 Prozent), das heisst für «grüne» Metalle, die bei der Zusammensetzung erneuerbarer Technologien eine Rolle spielen. Die Preise für diese Metalle hatten 2020 bis 2021 einen gewaltigen Anstieg verzeichnet, der die Bereitschaft, zu einem nachhaltigen Konsum überzugehen, sowie die Verzerrungen der Lieferketten im Zusammenhang mit Covid-19 widerspiegelte.
Der Aufschwung der «grünen» Metalle
Im Jahr 2022 fielen die Kurse aufgrund der Befürchtungen einer weltweiten Rezession infolge des Ausbruchs des Ukraine-Kriegs. Ab Ende 2022 setzten die Kurse angesichts der Aussicht auf die Öffnung Chinas zu einer Erholung an. Zink verzeichnete seit Anfang 2023 eine Performance von über 10 Prozent und Kupfer überschritt zum ersten Mal seit Juni die Marke von 9000 Dollar pro Tonne. Da auf China fast 40 Prozent des weltweiten Verbrauchs von Kupfer und Zink und 35 Prozent bei Aluminium entfallen, stellt sich das Land somit als wichtigste Treibkraft für die Preise dieser Metalle dar.
Die Planeten sind so ausgerichtet, dass 2023 das Jahr der Rohstoffe sein wird. In Bezug auf die Anlagestrategie sollte man Lateinamerika bevorzugen, insbesondere metallproduzierende Länder wie Peru, den weltweit zweitgrössten Produzenten von Kupfer, Silber und Zink sowie den grössten Produzenten von Gold und Zink Lateinamerikas. Seine Exporte nach China machen 8 Prozent seines BIP aus.
Aufgrund der mangelnden Sichtbarkeit seiner politischen Lage wird Chile bevorzugt, ein grosser Kupferproduzent, dessen Exporte nach China 12 Prozent des BIP ausmachen. Die steigenden Metallpreise dürften die Terms of Trade beider Länder verbessern, was ihren Währungen zugutekommt. Seit Jahresbeginn gehört der Chilenische Peso zu den drei wichtigsten Schwellenländerwährungen mit der besten Performance gegenüber dem Dollar: Rubel (7,65 Prozent), Thailändischer Baht (4,76 Prozent), der von der Erholung des chinesischen Tourismus profitiert, und Chilenischer Peso (3,37 Prozent).