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John Ridd (27) muss sich bis am 28. Dezember in seinem Hotelzimmer isolieren. Letzten Freitag kam er zum Skifahren nach Verbier. Das Risiko war ihm bewusst, doch mit diesem Szenario hat er nicht gerechnet, wie er am Telefon sagt.
Hallo John! Wie geht es dir in der Hotel-Quarantäne?
John Ridd: Nicht schlecht, wenn man meine Situation bedenkt. Es kam alles ein bisschen überraschend.
Wie hast du von deinem Schicksal erfahren?
Es war Montagabend und ich schaute die Nachrichten. Ich erfuhr, dass alle Flüge zwischen England und der Schweiz gestoppt sind. Kurz darauf klopfte der Hotelier an meiner Zimmertür. Er hielt ein Fax in den Händen, vom Kanton Wallis, glaube ich. Die Hotels mussten sicherstellen, dass Gäste aus England im Zimmer bleiben und nicht rausgehen würden. Es tat ihm sehr leid, aber er befolgte ja auch nur die Regeln.
Und du? Hältst du dich auch an die Regeln?
Da ich am 18. Dezember in die Schweiz kam, muss ich bis am 28. Dezember in Quarantäne bleiben. Ich würde gegen das Gesetz verstossen, wenn ich jetzt rausgehen würde. Ich habe beschlossen, die Situation zu akzeptieren. Aber ich beneide die Leute, die jetzt Skifahren gehen können. Ich sehe sie von meinem Fenster aus, wie sie zum Skilift gehen.
In welchem Zimmer bist du?
Nummer 28. Ein seltsamer Zufall, dass es die gleiche Zahl ist wie das Datum, an dem ich aus der Isolation darf.
Wie sehen deine Tage aus?
Ich stehe um 7:30 Uhr auf und der Hotelier bringt mir das Frühstück. Ich mache einen Tagesplan, arbeite und mache zwischendurch Sportübungen. Ich will aktiv bleiben und einen Tagesrhythmus beibehalten. Am Ende des Tages versuche ich auch den Feierabend einzuhalten und lese, telefoniere mit Freunden oder höre einen Podcast.
Was arbeitest du?
Ich bin selbständig und verdiene mein Geld im Digital Marketing. Deshalb kann ich gut von hier aus arbeiten.
Während einer Pandemie international zu reisen ist riskant. Wieso bist du nach Verbier gekommen?
Fürs Skifahren. In London wurde das Leben heruntergefahren und ich wollte ein Pause von all dem. Ich war schon öfters in den Schweizer Bergen, aber das ist mein erster richtiger Aufenthalt in der Schweiz. Den werde ich sicher nicht so schnell vergessen.
Hast du mit diesem Szenario gerechnet?
Nein. Ich wusste, dass ich ein Risiko eingehe, habe nur zwei Optionen in Betracht gezogen: Dass ich entweder früher nach London zurückreisen muss. Oder – worst case – dass ich gezwungen bin, in der Schweiz zu bleiben, aber wenigstens Skifahren kann. Dass ich aufgrund meiner Nationalität eingesperrt sein werde, habe ich nicht gedacht.
Findest du das unfair?
Es ist logisch, dass die Schweiz so handelt. Die mutierte Form des Virus wurde in England entdeckt. Das bedeutet zwar nicht, dass dort auch die Quelle ist, aber ich verstehe die Massnahmen. Trotzdem fühlt es sich unfair an.
Kennst du andere Briten oder Britinnen, die betroffen sind?
Ich habe einen Freund, der auch in Verbier ist. Aber er ist früher angereist, deshalb ist die Quarantäne-Zeit für ihn jetzt schon vorbei.
Aber er muss auch noch in Verbier bleiben?
Ja, soweit ich weiss, sind die ersten Rückflüge nach England erst im Jahr 2021.
Das heisst, du musst auch nach deiner Quarantänezeit in der Schweiz bleiben.
Ja, aber wenigstens kann ich dann Skifahren. Wenn sie nicht alle Lifte bis dann abstellen.
Wie sieht es geldtechnisch aus? Verbier ist ein Touristenort und nicht gerade günstig.
Bis auf den Rückflug muss ich alles aus der eigenen Tasche zahlen. Ich erhalte keine Unterstützung von der britischen Regierung, was ich aber nachvollziehen kann.
Wie hat eigentlich deine Familie reagiert?
Meine Mutter war natürlich besorgt. Mein Vater meinte, ich sei das Risiko eingegangen, womit er natürlich recht hat. Ich telefoniere oft mit ihnen.
Wie wirst du Weihnachten feiern?
Alleine. Aber die Festtage in London zu verbringen, ist vermutlich nicht wirklich besser. Die Regierung hat harte Massnahmen getroffen und Weihnachten quasi gestrichen. Ich könnte meine Familie sowieso nicht sehen. Ich hoffe, dass mir das Hotel eine Flasche Champagner aufs Zimmer schickt, dass ich wenigstens ein bisschen feiern kann.