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Michail Chodorkowski wurde in der postsowjetischen Ära im Ölgeschäft zum Milliardär. Er war Chef des russischen Yukos-Konzerns. 2004 galt er mit einem geschätzten Vermögen von 15,2 Milliarden Dollar als reichster Russe und eine der reichsten Personen weltweit. Dann profilierte er sich als Gegenspieler von Präsident Wladimir Putin. Das rächte sich. 2005 wurde Chodorkowski wegen Steuerhinterziehung und Betrugs verurteilt und sass bis Ende 2013 in Haft.
Nach seiner überraschenden Begnadigung durch Präsident Putin kurz vor Weihnachten 2013 reiste Chodorkowski Anfang Januar in die Schweiz. Er lebt nun in Rapperswil SG. Nun spricht er erstmals ausführlich. Trotz der Zerschlagung von Yukos bleib ihm genug Geld. «Ich habe noch mehr als hundert Millionen Dollar, aber hier in der Schweiz ist alles deklariert», sagte er der «Neuen Zürcher Zeitung».
Chodorkowski fordert eine Revolution
Unternehmerisch tätig werden will er nicht mehr. Er will keine Firma mehr gründen. Stattdessen lässt er Geld in die von ihm gegründete Organisation «Offenes Russland» fliessen, um ausserhalb des Parteiensystems Kräfte des Übergangs in seiner Heimat zu unterstützen. Um das Putin-Regime in Russland abzulösen braucht es nach Ansicht des in der Schweiz lebenden Kreml-Kritikers Michail Chodorkowski «revolutionäre» Massnahmen. Einen demokratischen Weg sehe er nicht, sagte er in einem Interview mit der «NZZ».
«Ich sehe nicht, wie ein Wechsel in Russland auf demokratischem, sanftem Weg geschehen könnte», sagt Chodorkowski. DerPutin habe sich 2011 mit seiner erneuten Präsidentschaft in eine Sackgasse manövriert: «Sein Nachfolger kann nur dann der reale Machthaber sein, wenn er Putin zerstört, physisch oder politisch.» Für einen Übergang in eine Zukunft ohne Putin brauche es glaubwürdige Leute, die an seine Stelle treten könnten. Chodorkowski möchte dazu eine Elite heranziehen.
Russland braucht Übergangsregierung
In einer ersten Phase müsse das politische System geändert werden, das Putin alle Macht gebe. Dies geschehe nicht auf demokratischem Wege. Erst in der zweiten Phase gehe es darum, zu einer demokratischen Politik überzugehen. Dazu brauche es eine Übergangsregierung und in der zweiten Phase dann eine Regierung, die aus freien Wahlen hervorgehe. «Die erste Aufgabe traue ich mir zu, denn ich bin ein Krisenmanager», empfahl sich der frühere Konzernchef gleich selber.