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Seit September wurden in Uganda 60 Ebola-Fälle bestätigt, 24 davon endeten tödlich. Der aktuell grassierende Virusstamm tritt selten auf, weshalb es bisher noch keine Impfung dagegen gibt. Das Wichtigste zum Ausbruch in 6 Punkten.
19.10.2022, 19:2319.10.2022, 19:58
Wann ist das Virus ausgebrochen?
«Wir möchten das Land darüber informieren, dass wir einen Ebola-Ausbruch haben, den wir gestern bestätigt haben.»
Diese Worte liess Diana Atwine, Staatssekretärin des ugandischen Gesundheitsministeriums, am 20. September verlauten.
Seither wurden 60 Fälle bestätigt. 24 davon endeten tödlich. 20 weitere Todesfälle ereigneten sich vor Bekanntgabe des Ausbruchs, womit die geschätzte Todeszahl insgesamt 44 beträgt. Die Dunkelziffer dürfte allerdings höher sein.
Wie hat der Ausbruch begonnen? Das ist nicht ganz klar. Beim ersten bestätigten Ebola-Fall handelt es sich um einen 24-jährigen Mann aus dem Bezirk Mubende in Zentraluganda. Er starb am 19. September, nachdem er unter hohem Fieber, Durchfall und Bauchschmerzen gelitten und Blut erbrochen hatte.
Es ist aber davon auszugehen, dass es sich beim 24-Jährigen nicht um «Patient Zero» handelt. Das heisst, dass er nicht der erste Träger des Virus war. Grund für diese Annahme ist die Tatsache, dass bereits drei Wochen zuvor sechs Verwandte des jungen Mannes gestorben waren. Drei Erwachsene und drei Kinder.
Aufgrund ihres Kontaktes zum 24-Jährigen gilt Ebola als die wahrscheinliche Todesursache. Diese Erkenntnis ist erschütternd, da es bedeutet, dass das Virus bereits seit mindestens drei Wochen im Umlauf war.
Matshidiso Moeti, der Regionaldirektor der WHO für Afrika, zeigte sich zunächst aber optimistisch:
«Uganda ist in der wirksamen Bekämpfung von Ebola kein Unbekannter. Dank des vorhandenen Fachwissens wurden Massnahmen ergriffen, um das Virus schnell zu erkennen, und wir können uns auf dieses Wissen stützen, um die Ausbreitung von Infektionen zu stoppen.»
Beim bisher grössten Ausbruch in Uganda im Jahr 2000 infizierten sich insgesamt 425 Menschen, wovon 224 starben. Später kam es zu kleineren Ausbrüchen. Der grösste globale Ebola-Ausbruch ereignete sich in Westafrika. Dort forderte das Virus zwischen 2013 und 2016 über 11'000 Leben.
Wie schnell breitet sich das Virus in Uganda aus?
Mit der Bekanntgabe des Ebola-Ausbruchs befanden sich bereits acht Menschen mit Verdacht auf Ebola in Behandlung. Schnell wurde klar, dass eine Eindämmung des Virus nicht so einfach werden würde. Der Ebola-Chef des ugandischen Gesundheitsministeriums, Kyobe Henry Bbosa, warnte vor einer sich schnell entwickelnden Situation und vermutet steigende Fallzahlen.
Besonders besorgniserregend ist die Tatsache, dass das Epizentrum des Ausbruchs in Mubende liegt. Die gleichnamige Hauptstadt des Bezirks liegt in einer Region, die aufgrund ihrer Goldminen viele Menschen anzieht. Zudem liegt Mubende an einer wichtigen Strasse – ist also einfach erreichbar. In die eine Richtung führt sie in das 130 Kilometer entfernte Kampala, die Hauptstadt des Landes, in die andere führt sie ins Nachbarland Kongo.
Fünf Tage nach Bekanntgabe des Ausbruchs gab es bereits 16 bestätigte und 18 wahrscheinliche Fälle. Davon wurden vier ausserhalb von Mubende entdeckt.
Am 11. Oktober schliesslich, genau drei Wochen nach Bekanntgabe des Ausbruchs, wurde in der Hauptstadt Kampala der erste Ebola-Todesfall gemeldet. Der Mann war der Behörde in Mubende bereits bekannt, da er möglicherweise mit dem Virus in Kontakt gekommen war.
Doch statt sich in Behandlung zu begeben, flüchtete er und besuchte einen Heiler in einer anderen Region. Schliesslich starb er im Kiruddu National Referral Hospital in Kampala. Das Spitalpersonal war sich der Gefahr bereits bewusst und schützte sich entsprechend. Der Mann war aber davor vermutlich mit etwa 42 Personen in Kontakt, welche daraufhin unter Beobachtung gestellt wurden.
Wie erfolgt eine Ansteckung?
Das Ebolavirus ist wie das Coronavirus ein zoonotischer Erreger. Das heisst, der natürliche Wirt des Virus ist ein Tier. Im Falle des Ebolavirus ist das eine fruchtfressende Fledermaus, die vor allem in Afrika verbreitet ist. Die Infektion erfolgt entweder durch den Verzehr infizierter Früchte oder durch die Berührung von Fledermäusen oder ihrem Kot.
Zwischen Menschen wird das Virus ebenfalls durch direkten körperlichen Kontakt übertragen. Insbesondere Körperflüssigkeiten wie Blut, Speichel, Schweiss, Urin, Stuhl oder Erbrochenes sind hochansteckend. Sogar durch Sperma kann das Virus weitergegeben werden – dies sogar noch lange nach Genesung des Patienten:
Infizierte Menschen sind allerdings erst ab dem Zeitpunkt ansteckend, ab dem sie Symptome haben. Dabei gilt: je stärker die Symptome, desto grösser die Ansteckungsgefahr. Anders als das Coronavirus wird Ebola nicht über Aerosole übertragen. Mit diesem Argument hat der ugandische Präsident Yoweri Museveni zunächst von strikten Massnahmen abgesehen: Ebola verbreite sich nicht wie das Coronavirus über die Luft und erfordere deshalb nicht dieselben Massnahmen.
Welche Massnahmen ergreift die Regierung?
Wenige Tage später aber krebst Museveni zurück und verkündet am 15. Oktober in zwei ugandischen Distrikten einen Lockdown. Bars, Nachtclubs, Gebetsstätten und Unterhaltungslokale sollen in Mubende und im benachbarten Kassanda während drei Wochen geschlossen bleiben. Zudem soll eine Ausgangssperre gelten.
Der Fokus der Behörden liegt nun hauptsächlich auf dem Contact-Tracing. Es müssen alle Personen ausfindig gemacht werden, die mit Patientinnen und Patienten in Kontakt waren – dies gilt auch für Personen, die bereits am Virus gestorben sind. Oftmals verbreitet sich das Virus nämlich an Beerdigungen.
Ein Isolationseinrichtung in Mubende.Bild: keystone
Bei Nowa Paye, 9, wurden Anzeichen einer Ebola-Infektion ausgemacht, 2014.Bild: keystone
In Mubende wurde bereits eine Einrichtung für Ebola-Kranke errichtet, eine zweite ist noch im Aufbau. Zudem hat Präsident Museveni zwei mobile Laboratorien in die Bezirkshauptstadt geschickt. Damit soll vermieden werden, dass Menschen zu Testzentren reisen müssen. Weiter bildet die WHO Gesundheitspersonal aus, welches die Ausbreitung des Virus verhindern soll.
Die restlichen Massnahmen dürften der ugandischen Bevölkerung bestens bekannt sein: häufiges Händewaschen, Verzicht auf Händeschütteln und Umarmungen bei Begrüssungen, Säubern von Oberflächen. Am Wichtigsten ist aber vor allem die Kontaktvermeidung mit infizierten Personen.
Gibt es einen Impfstoff?
Nein, noch nicht. Die US-amerikanische Food and Drug Administration liess 2019 zwar einen Ebola-Impfstoff zu, dieser ist aber nur gegen den Zaire-Stamm des Ebola-Virus wirksam. Gemäss einer Studie aus dem Jahr 2016 soll die Wirksamkeit 70 bis 100 Prozent betragen. Beim jetzigen Ausbruch handelt es sich allerdings um den selteneren Sudan-Stamm, zu dem es keine Impfung gibt.
Es laufen allerdings Experimente. So hat beispielsweise die USA letzte Woche ein experimentelles Ebola-Antikörper-Medikament nach Uganda geschickt. Damit soll primär das Gesundheitspersonal geschützt werden.
Ohne eine zugelassene Impfung kann die Überlebensrate der Ebola-Kranken zu diesem Zeitpunkt einzig durch Rehydrierung verbessert werden. Bei der restlichen Behandlung handelt es sich bloss um Symptombekämpfung.
Wie verläuft die Krankheit?
Zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit vergehen zwischen zwei bis 21 Tage. Erste Symptome sind meist sehr unspezifisch wie beispielsweise Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber und Unwohlsein, was eine frühzeitige Diagnose erschwert. Danach können Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall auftreten.
Nach Ausbruch der Krankheit kommt es bei schweren Verläufen zu starken inneren und äusseren Blutungen. Zudem können lebenswichtige Organe wie die Leber und die Nieren versagen. Die Sterblichkeitsrate ist vom Virustyp abhängig, Ebola verläuft aber in etwa 30–90 Prozent aller Fälle tödlich. Im Falle des jetzt aktiven Sudan-Stammes geht die WHO von einer Sterblichkeitsrate zwischen 41 und 100 Prozent aus.
Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz sieht derzeit keine Gefahr, dass Westeuropa in den Ukraine-Krieg hineingezogen wird. Gespräche mit Putin seien kontrovers, verriet er.
Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz ist Befürchtungen entgegengetreten, Deutschland könnte mit der Lieferung von Kampfpanzern in den Krieg Russlands gegen die Ukraine hineingezogen werden. Er sagte der «Bild am Sonntag»: «Jede Waffenlieferung haben wir sorgfältig abgewogen, eng mit unseren Verbündeten koordiniert, allen voran mit Amerika. Dieses gemeinsame Vorgehen verhindert eine Eskalation des Krieges.»