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Cappuccino hiess der kleine, aber zähe rotgetigerte Kater meiner Nachbarin Susanna. Er ist schon seit einigen Jahren im Katzenhimmel. Aber das ist jetzt nicht wichtig. Seine Geschichte fesselte unsere Aufmerksamkeit und Anteilnahme über mehrere Wochen hinweg…
Alles begann ganz harmlos. Cappuccino hatte es bei Susanna sehr gut. Er war verwöhnt, konnte ein und aus, wie es ihm beliebte, wurde geliebt und gestreichelt und erhielt all ihre Aufmerksamkeit und immer wieder die besten «Goodies» zum Fressen…
Eines Tages wurde Susanna von einer Freundin ins Glarnerland eingeladen, um dort ein paar Tage mit ihr in deren Ferienhaus zu verbringen. Da sie so kurzfristig niemanden fand, der auf Cappuccino aufpassen konnte, packte sie diesen kurzentschlossen in seinen Transportkorb und fuhr mit dem Auto los. Sie erreichten das Ferienhaus, stiegen aus und warteten auf die Freundin. Susanna nahm Cappuccino auf den Arm und versicherte ihm, dass er ein paar wunderschöne Tage hier verbringen werde. Kurz darauf fuhr die Freundin mit dem Auto vors Haus. Cappuccino erschrak, riss sich los und verschwand. Und hier beginnt diese Geschichte erst richtig.
Der Kater reagierte auf alles Rufen und Betteln nicht und blieb verschwunden. Auch in den folgenden Tagen erschien er nicht wieder und jede Suche blieb erfolglos. Nach ein paar Tagen mussten die beiden Freundinnen wieder abreisen; Susanna ohne ihren Cappuccino, dafür aber mit schwerem Herzen. Wo war er geblieben? Wo hielt er sich auf? Weshalb kam er nicht, wenn sie nach ihm rief? Was sollte sie nun tun?
Susanna musste wieder zur Arbeit und konnte sich während des Tages nicht mehr um ihn kümmern. Sie überlegte, was sie tun könnte, um den schmerzlich vermissten Kater wieder zu finden, und setzte alle Hebel in Bewegung. Als Erstes schickte sie einen Aufruf per Post in alle Haushalte der Umgebung des Ferienhauses. Dann publizierte sie eine Vermisstenanzeige in der Glarner Zeitung «Fridolin» und bat um Mithilfe der Bewohnerinnen und Bewohner. Sie reiste bei jeder Gelegenheit ins Glarnerland und suchte ihren Cappuccino. Durch die Anzeige erhielt sie viele Rückmeldungen aus der Gegend. Bei einigen wurde vermutet, dass es sich um Cappuccino handelte, aber jede Fahrt von Susanna war eine Enttäuschung. Der Kater war und blieb verschollen. Ob er wohl seinen Heimweg suchte und finden würde, wie man es doch immer wieder in fast unwahrscheinlichen Geschichten lesen konnte? Oder ob ihn jemand behalten wollte und für eine gewisse Zeit einsperrte, wie es eine Hellseherin «sah»?
Es vergingen Tage und Wochen. Immer wieder fuhr Susanna ins Glarnerland und suchte das Gespräch mit vielen Menschen. Die meisten hatten im «Fridolin» den Aufruf gelesen und versuchten ihr zu helfen. Immer wieder erschien ihr Inserat in der Zeitung. Bis auch Pankraz, ein Journalist des Blattes, einen grösseren Bericht samt Bild über Cappuccino veröffentlichte. Und doch wurde Susanna immer wieder enttäuscht. Entweder handelte es sich eindeutig nicht um ihren Kater, oder der Vermeintliche war nicht auffindbar, wenn sie am Ort war. Sie war am Ende und gab mit der Zeit jede Hoffnung auf.
Bis eines Tages – nach sage und schreibe fast 7 Wochen – eine Frau sie anrief und den gefundenen Kater beschrieb. Er sei im Haus und gerade am Fressen. Susanna bat sie, ihn auf keinen Fall ins Freie zu lassen, und fuhr sogleich los. Und diesmal hatte sie wirklich Glück. Es war tatsächlich ihr Cappuccino. Obwohl… sie erkannte ihn kaum. Er war dünn, ja abgemagert. Aber er kam sofort auf sie zu, schnurrte lautstark und wich nicht mehr von ihrer Seite.
Wieder zu Hause erholte er sich recht schnell. Er war anhänglicher denn je und blieb immer in ihrer Nähe. Es war, wie wenn er eines seiner sieben Leben wieder erhalten hätte, und seine Zeit mit Susanna blieb bis zum endgültigen Abschied harmonisch und schön.
Zu erwähnen ist noch, dass Susanna sich bei all den vielen Menschen im Glarnerland bedankte, die ihr halfen, den kleinen Kater wieder zu finden. Es war wirklich unglaublich, wie viele Katzenfreunde sich an der Suche beteiligten, mit ihr litten und sich über die glückliche Fügung freuten, welche die beiden wieder zusammen brachte. Wer könnte dies besser nachempfinden als wir alle, die wir Katzen lieben?!
KM-Leserin Kathrin Hunziker