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Der Meister
Er war einer der letzten noch lebenden und in Tibet ausgebildeten Dzogchen Meister. Chögyal Namkhai Norbu ist am 28. September 2018 um 9 Uhr abends in seinem Privathaus beim Buddhistischen Dzogchen Zentrum Merigar West (Italien) friedlich verstorben.
Rinpoche wurde 1938 in Derge, Osttibet geboren und als Kind als die Reinkarnation eines bekannten Meisters der Dzogchen-Tradition bestätigt. Ungeachtet seines jugendlichen Alters, war er bereits Ende der 50er Jahre für sein grosses Wissen um die tibetische Kultur und als großer spiritueller Meister bekannt. Deshalb lud ihn Professor Giuseppe Tucci, ein angesehener Gelehrter und Gründer des I.S.M.E.O. an die Universtät nach Rom/Italien ein. 1964 trat Chögyal Namkhai Norbu am Istituto Universitario Orientale der Universität Neapel seine Stelle als Professor für Tibetische und Mongolische Sprache und Literatur an, die er bis zu seiner Pensionierung 1992 ausübte. Lange Zeit konzentrierten sich seine Studien und wissenschaftlichen Publikationen hauptsächlich auf die frühe Geschichte Tibets. Seine Arbeiten sind ein Beleg für sein tiefes Wissen um die tibetische Kultur. Sie sind den jungen Menschen Tibets gewidmet, damit ihr Bewusstsein über ihre alten kulturellen Traditionen nicht verloren gehe.
1991 gründet Professor Namkhai das Shang Shung Institute, mittlerweile eine Stiftung, die sich ausschliesslich dem kulturellen Erbe der tibetischen Kultur widmet.
Mitte der 1970er Jahre begann Chögyal Namkhai Norbu einer kleinen Gruppe italienischer Studenten Yantra Yoga und Dzogchen zu unterrichten. Das wachsende Interesse und die vielen Einladungen bekräftigte ihn, sich vermehrt auch den Lehraktivitäten als Lehrer des tibetischen Buddhismus zu widmen. Zusammen mit einigen seiner Studenten gründete er in Arcidosso, in der Toskana, die Dzogchen Gemeinschaft (Comunità Dzogchen) und deren erstes Zentrum, Merigar. Später gründete er weitere Zentren in verschiedenen Teilen Europas, Russlands, den USA, Südamerika und Australien.
Namkhai Norbu Rinpoche ist einer der wenigen noch bis ins 21. Jahrhundert gelebt habenden Vertreter der Tradition der "Grossen Befreiung" – Dzog Chen – die noch in Tibet geboren wurden und aufgewachsen und dort eine umfassende traditionelle geistige Ausbildung erhielt.