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Networker David Streiff hat eine Biografie über den schillernden Schweizer Publizisten Manuel Gasser verfasst. Ende November präsentierte er sein Werk am «Apéro Plus» der Regionalgruppe Zürich.
Manuel Gasser war ein bedeutender Schweizer Publizist des 20. Jahrhunderts. Er gründete, gemeinsam mit Journalist Karl von Schumacher, die Wochenzeitung «Die Weltwoche» sowie die Frauenzeitschrift «Annabelle», und war zwei Jahrzehnte lang Feuilletonchef der «Weltwoche». Später prägte er das Kulturmagazin «du» als jahrelanger Chefredaktor. Seine Homosexualität lebte er dabei stets offen und selbstbewusst. «Das macht ihn zu einem modernen Mann», findet Networker David Streiff. Der Kunsthistoriker hat eine Biografie über Gasser veröffentlicht und das Buch am 30. November im Rahmen eines «Apéro Plus» vorgestellt.
David, wann hast du Manuel Gasser zum ersten Mal bewusst wahrgenommen?
Das war Anfang der Sechzigerjahre, als ich die Mittelschule besuchte.. Zu jener Zeit war Gasser Chefredaktor der Publikation. Wie für viele meiner Generation war das «du» eine enorme Quelle der Inspriation und eine eigentliche Sehschule. Sein Schaffen hatte einen grossen Einfluss auf meinen Entscheid, Kunstgeschichte zu studieren.
Und wann hast du den Entschluss gefasst, ein Buch über ihn zu schreiben?
Die Idee entstand vor neun Jahren. Damals arbeitete ich an einer Biografie über den Schweizer Bildhauer und Fotografen Karl Geiser. Im Zuge dessen stiess ich auf Briefe, die Gasser an ihn geschickt hatte. So erfuhr ich zum Beispiel, dass Gasser Geiser früh förderte und ihm Aufträge vergab. Und ich merkte, dass die beiden dieselbe Begeisterung für gutaussehende junge Männer teilten. Ich erinnerte mich an seine Bedeutung als Publizist und fing an zu recherchieren. Als ich 2008 Präsident der Fotostiftung Schweiz wurde, trat ich überdies in seine Fusstapfen, dann Gasser war Gründungspräsident der Stiftung.
Wie bist du bei den Recherchen vorgegangen?
Ich begann mit dem Befragen von Leuten, mit denen er zusammen gearbeitet hatte, und dem Studium der Artikel, die Gasser verfasst hatte – in der NZZ, in der Weltwoche oder im «du», aber auch in anderen Zeitschriften. Das waren Tausende von Beiträgen! Später bekam ich Zugang zu seinem privaten Nachlass. Darunter waren die Tagebücher seiner Jugend, Hunderte von Briefen und Fotografien: der Reichtum dieses Materials ist der Grund, weshalb ich so lange, nämlich bald neun Jahre, dran gearbeitet habe und das Buch so umfangreich geworden ist.
Was war das Überraschendste, das du über ihn erfahren hast?
Erstaunlich ist, wie er in Liebesdingen funktionierte. Gasser bezeichnete sich selbst als «Don Juan». Er fuhr auf junge, meist heterosexuelle Männer ab, die er oft auswechselte: Matrosen, Velorennfahrer waren seine Idole, keine Intellektuellen. In seinen Liebschaften legte er eine gewisse Rücksichtslosigkeit an den Tag. Er wechselte seine Partner rasch und oft abrupt, allerdings kann ich im Buch einige grössere Liebesgeschichten nacherzählen, in denen er um die Liebe seines jeweiligen Partners ringt.
Warum liessen sich diese Männer überhaupt auf ihn ein, wenn sie heterosexuell waren?
Das ist eine gute Frage, auf die ich keine definitive Antwort habe. Bei manchen mag es daran gelegen haben, dass Gasser sich gut um sie kümmerte und sie unterstützte. Er förderte sie in ihrem beruflichen Werdegang oder lud sie in die Ferien ein. Andere waren ziemlich sicher bisexuell. Diese Männer führten längere Beziehungen mit ihm, bevor sie dann doch eine Frau heirateten. Meist, aber nicht immer, war das dann jeweils das Ende der Beziehung.
Was kann ein heutiger junger Schwuler von ihm mitnehmen?
Für viele ist das Coming-out nach wie vor schwierig. Insofern kann Gasser als ermutigendes Vorbild dienen. Er war seit seiner Schulzeit selbstverständlich out, er hat sein Schwulsein nie verleugnet. Dieser Umgang mit der eigenen Homosexualität macht ihn zu einem modernen Mann.
Noch eine Frage zum «Apéro Plus», an dem du das Buch vorgestellt hast: Wie war der Abend?
Sehr gut. Um die 40 Personen nahmen teil. In einer Diskussion, die Hans-Peter Fricker moderierte, sprachen wir über Gassers Leben, besonders auch über sein schwules Leben. Es ist ein schönes Gefühl, vor einer Gruppe von Gleichgesinnten über ein Buch sprechen zu können, in dem so viel Herzblut steckt.
Das vollständige Interview mit David Streiff erscheint im Network Magazin 2017.
Interview: Markus Stehle