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Blutwurz - Potentilla erecta
Potentilla erecta (syn. Fragaria tormentilla, Potentilla officinalis, Tormentilla erecta, T. officinalis);
Blutwurz (syn. Aufrechtes Fingerkraut, Blutwurzel, Bauchwehkraut, Bauchwehwurz, Fingerkraut, Rotwurzel, Ruhrwurz).
VORKOMMEN
Das Verbreitungsgebiet der Blutwurz umfasst die gemässigten Zonen Europas ostwärts bis zum Altai. Im Süden tritt sie nur in den Gebirgen auf. Die Vorkommen im östlichen Nordamerika beruhen wahrscheinlich auf Einschleppung. Als Standort werden Mischwälder, Heiden, Magerwiesen, Streuwiesen, Niedermoore mit mässig sauren Böden bevorzugt. Die Pflanze gilt als Magerkeitszeiger.
MERKMALE
Die Blutwurz ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von meist 10 bis 30 (5 bis 50) Zentimeter erreicht. Sie wächst aus einem kräftigen und kriechenden Rhizom, das einen Durchmesser von 1 bis 3 cm hat, verholzt und innen an Schnittflächen blutrot anläuft (daher der Name). Die langen und verzweigenden Stängel stehen meist aufrecht, können aber auch auf dem Boden liegen. Die Stängelblätter bestehen aus fünf Teilblättern, wobei die Teilblätter oval und grob gezähnt sind.
Der Gemeine Tormentill - oder eben der Blutwurz - blüht vom Frühling bis in den Herbst. Die Blüten sitzen auf 2 bis 6 cm langen, dünnen Stielen und ihr Durchmesser beträgt etwa 1 cm. Die gelben Kronblätter sind herzförmig und etwa so lang wie die Kelchblätter. Im Gegensatz zu den meisten anderen Potentilla-Arten findet man pro Blüte meist nur vier Kronblätter.
DROGEN (verwendete Pflanzenteile)
Tormentillae rhizoma (syn. Radix Tormentillae, Rhizoma Tormentillae).
Tormentillwurzel (syn. Tormentillwurzelstock).
WIRKSTOFFE / INHALTSSTOFFE
Wirksame Inhaltsstoffe sind neben Gerbstoffen (Tanninen) der rote Farbstoff Tormentol, das Glykosid Tormentillin, Flavonoide, Phenolkarbonsäure, Saponine, Harz, Gummi und ätherische Öle. Im weiteren Triterpensäuren wie z.B. Tormentillsäure.
Der Saft der Pflanze wirkt im Laborversuch hemmend auf das Wachstum von Bakterien und Viren.
ANWENDUNG
Anerkannte medizinische Anwendung (Kommission E):
- Wirkungen: Adstringierend.
- Anwendungsgebiete: Unspezifische, akute Durchfallerkrankungen; leichte Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum.
- Nebenwirkungen: Bei empfindlichen Patienten Magenbeschwerden.
- Gegenanzeigen, Wechselwirkungen mit anderen Mitteln: Keine bekannt.
- Dosierung: Soweit nicht anders verordnet: Tagesdosis: 4 bis 6 g Droge; Zubereitungen entsprechend.
- Art der Anwendung: Zerkleinerte Droge für Abkochungen und Aufgüsse sowie andere galenische Zubereitungen zum Einnehmen und zur lokalen Anwendung.
- Dauer der Anwendung: Sollten die Durchfälle länger als 3-4 Tage anhalten, ist ein Arzt aufzusuchen.
Die ESCOP äussert sich in gleicher Weise zu den Anwendungsgebieten, ergänz aber wie folgt: "unterstützend bei akuter und chronischer Darmentzündung".
Tormentillwurzelstock wurde vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft.
Blutwurz wirkt stark zusammenziehend (adstringierend), austrocknend und entzündungshemmend (antiphlogistisch), Zubereitungen des Tormentill werden daher wie andere gerbstoffhaltige Drogen (Eichenrinde, Ratanhiawurzel) äusserlich in Form von Spülungen oder Pinselungen bei entzündlichen Erkrankungen der Mund- und Rachenschleimhaut, bei Entzündungen des Zahnfleischs und anderen Erkrankungen des Rachens und des Kehlkopfes und gegen Hämorrhoiden verwendet, ausserdem bei Verbrennungen. Innerlich genommen werden sie bei akuten, unspezifischen Durchfallerkrankungen eingesetzt und sind indiziert bei Enteritis und Fieber sowie zur Stärkung des Magens.
ZUBEREITUNG UND DOSIERUNG
Meistens wird der Blutwurz in Form der Tormentilltinktur (syn. Tormentillae tinctura) oder als Trockenextrakt in Dragees und Kapseln verwendet.
Teebereitung:
Etwa 2 g geschnittener Tormentillwurzelstock wird mit einer Tasse kaltem Wasser angesetzt und kurz zum Sieden erhitzt. Nach kurzem Ziehen wird durch ein Teesieb filtriert. Zwischen den Mahlzeiten 2 bis 3 mal täglich eine Tasse trinken.
Der Teeaufguss kann auch zur Mundspülung erwendet werden.
STATUS
- Kommission E: - positive Bewertung
- ESCOP: - positive Bewertung
- HMPC: - als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft
HOMÖOPATHIE
1. Potentilla erecta HAB 1, die frischen, im Frühling gesammelten unterirdischen Teile.
2. Potentilla erecta, äthanol. Decoctum HAB 1, alkoholischer Auszug der Tormentillwurzel.
Anwendungsgebiet: anthroposophische Therapierichtung.
BLUTWURZ IM GARTEN
Der Anbau von Blutwurz ist nicht schwierig. Am einfachsten Blutwurz im Garten zu pflanzen, ist die Aussaat ins Freiland. Die geeignete Zeit ist zwischen Spätsommer und zeitigem Frühjahr. Als Standortbedingungen sind vollsonnige Standorte mit trockenen, sandigen, durchlässigen und nährstoffarmen Böden zu wählen. Der Boden sollte kalkhaltig sein. Nur bei sehr starker Trockenheit sollten Sie die Potentilla erecta mit Wasser versorgen. Blutwurz ist eine winterharte Pflanze und benötigt keinen besonderen Kälteschutz.
SONSTIGES
Die Blutwurz hat ihren Namen von dem blutroten Saft, der beim Anschneiden aus dem gelblich-weissen Rhizom austritt. Im Mittelalter wurden mit Blutwurz noch verschiedene Drogen bezeichnet, denen man blutstillende Eigenschaften nachsagte, heute meint man damit ausschliesslich den Tormentill, den die moderne Phytotherapie als ausgezeichnet verträgliche Gerbstoffdroge schätzt, die akute Durchfälle lindert. In einigen Regionen, z. B. im Bayerischen Wald, wird aus Blutwurz ein Likör oder Schnaps hergestellt, der als Digestif gereicht wird
Letzte Änderung: 13.12.2016 / © W. Arnold