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Denken ist Luxus. Das hörte ich schon von meinem Vater. Dass ich diesen Luxus des Denkens einmal in meinem Glaubensleben anwenden würde, hätte ihn sehr erstaunt. Denken half mir, die Bibel, Gottes Wort, zu verstehen. Leider sah ich bald, dass man in christlichen Gemeinschaften dem Denken wenig Gewicht zuordnete. Man zitiert wichtige Bibeltexte, aber denkt oft nicht tiefer darüber nach. Auch beachtet man nur wenig den genauen griechischen Grundtext.
Die unbeachtete DIANOIA.
Sehen wir uns die übliche Übersetzung von Markus 12,30 an: "Du sollst Gott deinen Herrn lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften" (Luthertext Markus-Evangelium 12,30). Die Elberfelder Übersetzung sagt "aus ganzem Verstand" anstatt "von ganzem Gemüt". Beide Begriffe gehen vom griechischen Wort DIANOIA aus, was eigentlich "Durchdenken" heisst. DIANOIA mit "Gemüt und Verstand" zu übersetzen, trifft die Aussage des Textes nicht. Durchdenken ist ein aktiver Vorgang, dagegen sind Gemüt und Verstand feststehende, passive Werte und gehören naturgemäß zur Seele. Der oben zitierte Text aus dem Markus-Evangelium sollte besser heissen: "Du sollst Gott deinen Herrn lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit all deinem Durchdenken und von allen deinen Kräften". Als mir die Feinheit der Sprache bewusster wurde, konnte ich auch Gott anders begegnen.
Die DIANOIA verarbeitet.
Mit der DIANOIA, dem Durchdenken, werden alle Sinneseindrücke im Gehirn "durchdacht" verarbeitet. Jeder der fünf Sinne überträgt sich durch eine zentrale Steuerung und ordnet sich der gesamten Orientierung des Menschen unter. Die DIANOIA - meiner Meinung nach der wichtigste Sinn - steuert, plaziert und verarbeitet geistig alle Eindrücke. DIANOIA ist der Sinn oder das Sinnen schlechthin. Das zeigt sich auch in der Aussage von Petrus in seinem ersten Brief, Kapitel 1, Vers 13: "Umgürtet nun die Lenden eures Sinnens (DIANOIA), indem ihr ganz auf die Gnade hofft, die euch durch die Enthüllung Jesu Christi gebracht wird". In seinem zweiten Brief, im Kapitel 3, Vers 1 sagt er: "Ich erwecke euren lautern Sinn (DIANOIA), dass ihr der Worte der heiligen Propheten gedenket." Diese Umgürtung und Erweckung der DIANOIA beeinflusst den ganzen Menschen.
Unser Durchdenken soll also erweckt und auch im Verständnis der Gnade gefestigt werden. Unser Durchdenken zieht uns nach oben, zu Gott hin. Gott denkt und ist fest mit denkenden Menschen verbunden. Ich kann ihm meine Liebe durch mein Denken zeigen. Beflügelt das nicht alle Denker unter den Gläubigen?
Die besondere DIANOIA.
Unsere durch die natürlichen Fähigkeiten gesteuerten Sinne reichen aber nicht aus, um geistlich verborgene Dinge zu verstehen. Dazu braucht es einen besonderen Sinn. Johannes offenbart ihn uns (1.Johannesbrief 5,20): "Wir wissen aber, dass der Sohn Gottes gekommen ist und hat uns einen Sinn (DIANOIA) gegeben, dass wir den Wahrhaftigen (oder das Wahrhaftige) erkennen...". Somit kann dieser Sinn in vielen scheinbar "offensichtlichen" Dingen ein anderes, inneres Verständnis geben und uns Jesus, den Wahrhaftigen, darin offenbaren. Es ist grossartig, dass Gott uns nicht nur auffordert alles durchzudenken, sondern uns auch noch das Werkzeug dazu gibt. Denken ist Luxus, ja. Wir sind aber von Gott damit beschenkt worden. Nutzen wir also unser Luxusgut!