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Matt Damon, Sie sind kahl geschoren. Gibt es dafür einen speziellen Grund?
Ich habe mich kahl rasiert für meine Rolle im Science-Fiction-Film «Elysium» des Südafrikaners Neill Blomkamp — ein Supertalent im Bereich Regie, er ist der nächste James Cameron.
Wie kommt der Look bei Ihnen zu Hause an?
Die Kleinste trommelt vergnügt auf meiner Glatze herum, die anderen nennen mich nun «Baldy», nicht mehr «Fatty». Mein Vater sagt, ich sei das Gegenteil von Jackie Gleason in der Comedy-Serie «The Honeymooners». Dieser hatte es als Busfahrer schwer in der Welt, aber zu Hause war er der König. Bei mir sei das genau umgekehrt. Ich werde auf den Filmsets verwöhnt, und zu Hause bin ich «Glatzkopf» und «Dicksack» …
Wann waren Sie denn dick?
Um die Zeit von «The Informant» herum, also vor etwa drei Jahren. Ich stellte fest, dass ich das Gegenteil von magersüchtig war. Wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich immer eine tolle Figur, egal, ob ich gerade 15 Kilo schwerer bin. Eines Tages gingen mir aber meine Anzüge nicht mehr. Zuerst erkundigte ich mich bei der Haushälterin, ob die Anzüge vielleicht in unserer chemischen Reinigung eingegangen waren. Dann vermutete ich George Clooney dahinter. Vielleicht hatte er sie einnehmen lassen, um mir einen Streich zu spielen. Meine Frau wies mich dann darauf hin, dass ich vermutlich etwas zugenommen hatte.
In Ihrem neuesten Film «We Bought a Zoo» spielen Sie einen Witwer mit zwei Kindern, der einen Zoo kauft, um die Familie wieder zusammenzuschweissen. Haben Sie auch schon grössere Spontankäufe gemacht?
Als ich mit dem Film «Good Will Hunting» den Durchbruch schaffte, ging ich in einen Calvin-Klein-Shop, um mir gleich zehn Paar von diesen bequemen Boxershorts zu kaufen. Ich hatte bisher praktisch nur billige Unterwäsche gekauft, die man im Dreierpack bekam. Jetzt konnte ich mir die exklusiven leisten. Aber die Verkäuferin bestand darauf, sie mir gratis einzupacken. Wir stritten eine Weile: Ich versuchte ihr zu erklären, dass es symbolisch wichtig für mich sei, diese Unterhosen zu erstehen, und sie versuchte mir klar zu machen, dass sie ihren Job verlieren würde, wenn sie mich bezahlen liesse. Sie würden ja sogar Anzüge an Promis verschenken. Da ich ihr keinen Ärger machen wollte, nahm ich das Geschenk schliesslich an — das war also ein Impulskauf, für den ich aber nichts bezahlt hatte.
Auf dem Filmset werde ich verwöhnt, zuhause nennen sie mich ‹Dicksack›.
Sie gehören zu den Nice Guys von Hollywood, wie George Clooney und Tom Hanks. Wie wird man das?
Da bin ich ja in sehr netter Gesellschaft, danke. Beide investieren ihr Herz in ihre Beziehung mit ihren Freunden und Familien. Das ist der Schlüssel. In Hollywood etabliert zu sein, ist toll, aber wenn das alles morgen für einen von uns verschwinden würde, ginge die Welt nicht unter, denn wir definieren uns nicht durch unseren Hollywood-Status, sondern durch unsere Beziehungen. Ansonsten arbeite ich hart und behandle die Leute so, wie ich selbst behandelt werden möchte. Damit bin ich immer gut gefahren.
Haben Sie auch schlechte Qualitäten?
Ich bin ein bisschen ein Chaot, das höre ich von meiner Frau andauernd. Sie sagt zum Beispiel: «Glaubst du, die Socken wandern von alleine in den Wäschekorb?» Zu Hause verwandle ich mich diesbezüglich manchmal in einen Achtjährigen, da könnte ich mich schon noch etwas verbessern.
Sind Sie dafür ein guter Heimwerker?
Nein, überhaupt nicht. Mein Bruder ist Bildhauer — er kann alles bauen. Als das handwerkliche Geschick in unserer Familie verteilt wurde, bekam er 100 Prozent ab und ich nichts. Ich rufe ihn an, wenn ich einen Nagel einschlagen muss.
In Ihrem neuen Film «We Bought a Zoo» müssen Sie nicht nur Nägel einschlagen, sondern auch mit Raubkatzen, Schlangen und einem Grizzlybären umgehen. Welche Zootiere sind die talentiertesten Schauspieler?
Crystal, das Kapuzineräffchen, das man auch aus «Hangover 2» kennt, war vermutlich am besten — besser als gewisse Menschen. Jeden Morgen wurden wir informiert, was man von den verschiedenen Tieren erwarten konnte und wie wir uns ihnen gegenüber verhalten mussten. Als die Tiger auf dem Set waren, durfte beispielsweise die kleine Maggie, die meine Tochter spielt, nicht alleine herumspazieren, denn für Tiger hatte sie gerade die richtige Häppchengrösse.
Gab es heikle Momente?
Nein, aber die Nerven fangen schon ein bisschen an zu flattern, wenn sich ein Grizzly gegen die Autoscheibe lehnt. Und die Szene mit dem Löwen war auch speziell: Unser Löwe hatte keine Ahnung von der Wildnis und war zahm, aber als die Trainer ihn nicht dazu brachten, zu mir Richtung Kamera zu schauen, liessen sie ein paar Schritte hinter mir ein Zebra durchspazieren. Und schon schaute er auf und war plötzlich sehr interessiert. Auch wenn er vermutlich noch nie ein Zebra gesehen hatte, stand dieses eindeutig ganz weit oben auf seinem Speiseplan. Und ich stand in diesem Moment dazwischen.
Im Film sprechen Sie davon, dass es im Leben oft nur 20 Sekunden Mut braucht, um Weichen zu stellen. Können Sie sich an solche Momente in Ihrem Leben erinnern?
Beruflich gab es einige solcher Momente bei Castings. Wie oft war ich nervös und wollte rechtsumkehrt machen! Ich war ein Typ aus Boston, allein in L.A. — was wusste ich schon!
Und privat?
Da kommt mir momentan nichts in den Sinn, aber vielleicht habe ich diese Momente ins Unterbewusste verbannt.
Der Heiratsantrag war also nicht einer dieser Momente?
Nein, wir wussten beide, dass es so stimmt und wir zusammen gehören. Ich habe Lucy gesucht und sie gefunden. Ich hatte auch nie das Gefühl, ich gebe etwas auf, als ich geheiratet habe.
Auch nicht als einziger Mann in einem sechsköpfigen Haushalt?
Es ist schon ein östrogengeladener Haushalt. Aber ich sehe meinen Bruder relativ oft, ebenso meine Freunde, so sichere ich mir meine männliche Gesellschaft.
Wie fühlen Sie sich als Mann, wenn Ihnen jemand wie Scarlett Johansson im Film gesteht, in Sie verknallt zu sein?
Scarlett ist eine sehr gute Schauspielerin, das darf man dabei nicht vergessen … Ich kannte sie ja vorher nicht, und sie stellte sich als sehr humorvoll und clever heraus. Der Regisseur Cameron Crowe nahm praktisch jeden ihrer Vorschläge auf, weil sie die Szenen besser machten.
Ich arbeite bei jedem Film ein wenig am Skript mit.
Sie spielen kaum je unsympathische oder unverantwortliche Figuren – weil das verwerflich wäre?
«The Good Shepherd» war nicht gerade eine sympathische Biografie, und auch «The Informant» war keine schmeichelhafte Rolle. Und wenn mir Clint Eastwood die J.-Edgar-Hoover-Rolle offeriert hätte, hätte ich die auch gemacht. Wenn Christopher Nolan gefragt hätte, ob ich «Inception» mit ihm machen wollte, hätte ich mir das nicht überlegen müssen. Ich würde sogar «Inception 2» machen. Wir Schauspieler reagieren auf die Angebote, die wir kriegen.
Hat Christopher Nolan denn Ihre Telefonnummer?
Ich hoffe es! Ich will mit Regisseuren arbeiten, die mir zusagen, und dabei versuche ich, nicht immer das Gleiche zu machen. Denn Schauspielern, die das tun, verleidet die Arbeit mit der Zeit, und ich will nicht, dass mir das passiert. «We Bought a Zoo» hat mich emotional berührt, und ich wollte etwas Positives in die Welt bringen. «Elysium» wiederum ist ein brutaler Science-Fiction-Film und das pure Gegenteil von «We Bought a Zoo».
Ihr «Good Will Hunting»-Kumpel Ben Affleck hat in letzter Zeit seine eigenen Filme geschrieben und inszeniert. Sie scheinen sich auf die Schauspielerei zu konzentrieren.
Ich arbeite bei jedem Film beim Script etwas mit, deshalb kommt es mir nicht so vor, als hätte ich seit «Good Will Hunting» nichts mehr geschrieben. Aber jetzt drehe ich tatsächlich einen kleinen Film, bei dem ich mit John Krasinski das ganze Drehbuch geschrieben habe. Ich wollte auch Regie führen, aber das geht nun zeitlich nicht. Es geht um einen Händler, der in eine neue Stadt zieht und die Dynamik da neu aufmischt. John Krasinski und Frances McDormand sind vor der Kamera mit von der Partie, wir machen den Dreh zum Preis des Lunchbudgets von «Elysium».
Es gibt dieses Jahr auch einen neuen Bourne-Film, mit einer anderen Hauptfigur und ohne Sie. Wie ist das für Sie?
Das ist okay für mich. Regisseur Paul Greengrass und ich waren uns einig, dass wir nicht nochmals das Gleiche durchmachen wollten wie bei «Bourne Ultimatum», als wir das Drehbuch quasi während der Dreharbeiten aus dem Ärmel schüttelten. Das hat damals zum Glück geklappt, aber es ist zu riskant und nicht die richtige Art, Filme zu machen. Wir hatten keine Story für einen vierten Film, aber das Studio wollte halt jetzt einen weiteren Bourne-Streifen. Der neue Film macht es zum Glück nicht unmöglich, dass ich eines Tages wieder in Jason Bournes Schuhe schlüpfen kann.
Autor: Marlène von Arx