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Hergestellt von Hallicrafters Co., Chicago IL.
Schon die ersten Audionempfänger aus dem Hause Hallicrafters trugen den Namen Skyrider, ab 1934 wurden unter der Bezeichnung S-4 bis S-6 Super-Skyrider Super-(Überlagerungs-) empfänger angeboten. 1936 folgte der S-9, der auch mit Kristallfilter zur Verbesserung der Trennschärfe als SX-9 angeboten wurde. Spitzengeräte im Jahre 1937 waren derS(X)-16 und der zusätzlich mit einer HF-Stufe und einem Noise Limiter ausgestattete S(X)-17, diese Geräte verfügten sämtliche eine runde gravierte Metall-Frequenzskala, die in Gänze aussen vor der Frontplatte montiert war. In den folgenden Jahren ging die Entwicklung rasch weiter bis zum SX-28, dem Traum - Empfänger der Vorkriegszeit, der mit allen damals erdenklichen Schikanen ausgestattet war und in seiner Ausstattung Urvater der „grossen Weltempfänger“ war. Angesichts des grossen Bedarfes der amerikanischen Staats- und militärischen Stellen wurde der SX-28A der erste in grösseren Serien und industriell gefertigte Kommunikationsempfänger aus dem Hause Hallicrafters.
|SX-28||1940/1||Einfachsuper||540 kHz - 43 MHz, ZF 455 kHz, 15 Röhren|
|SX-28A||1944||Einfachsuper||technische Verbesserungen zum militär./ staatlichen Einsatz|
|R-12||passender Konsolenlautsprecher|
|PM-23||passender Tischlautsprecher|
Das Stahlblechgehäuse des 34 kg schweren und 52,1 x 25,4 x 37,5 cm grossen Empfängers ist in schwarzgrau gehalten, in die massive Frontplatte ist die Typen- und Herstellerbezeichnung und ein Ledermuster graviert. Ein Klappdeckel verschafft von oben Einblick ins Innenleben des SX-28. Zum Empfänger gehörte der PM-23 Lautsprecher, im Stahlgehäuse des Tisch - Lautsprechers fand auch der Übertrager Platz, der Empfängerausgang ist hochohmig ausgelegt. Als R-12 war zum SX-28 auch ein überdimensionierter Standlautsprecher erhältlich. Zierleisten an den Oberkanten der Seiten und die abgerundeten Ecken des Gehäuses tragen viel zum Charme dieses Empfängers bei, der Hallicrafters SX - 28 ist für mich ein Beispiel des Einbezugs von Art Deco ins Industriedesign und einer der schönsten Kurzwellenempfänger überhaupt. Die Nachkriegsmodelle, auch die von Hallicrafters, vermögen in meinen Augen in der Nüchternheit nicht mehr mit der „Ausstrahlung“ des SX-28 mitzuhalten.
Die Frontplatte wird dominiert von der Frequenzskala, diese dreht sich beim SX-28 hinter der Frontplatte in einem Sichtfenster. Einige Hallicrafters- Empfänger verfügen über den typischen halbmondförmigen Fensterausschnitt, beim SX-28 ist das Sichtfenster sektorförmig beschnitten. Die Frequenzskala ist hintergrundbeleuchtet und dreht sich, der Skalenstrich ist als längsstehendes Metallblatt ausgeführt, so werden Parallaxfehler vermindert und die Ablesegenauigkeit verbessert. Schattenzeiger bezeichnen das eingestellte Frequenzband auf der Skala.
Rechts von der Frequenzskala findet sich die Skala der Bandspreizung mit einer Log-Skala von 0 - 100 und den gespreizten Amateurfunkbändern, zur Linken das grosszügig dimensionierte S-Meter.
Der Hauptabstimmknopf links unterhalb des S-Meters wie auch der Abstimmknopf der Feinabstimmung sind als Steuerradknöpfe in Bakelit ausgeführt, die Abstimmung erfolgt bei dem SX-28 gegenüber den früheren Geräten erstmals über Zahnräder und somit Schlupf-frei und seidenweich. Der Hauptabstimmknopf ist mit einer mechanischen Bremse, die das unbeabsichtigte Verstimmen verhindert, ausgestattet. Die Frequenzablesegenauigkeit des SX-28 auf der nicht linearen Analogskala ist vor allem in den hohen Bändern ungenügend, aber das Problem mit der Wiederkehrgenauigkeit, eine einmal eingestellte Station wieder einstellen zu können, wurde mit den erstmals eingeführten Log-Skalen auf Haupt- und Bandspreizskala sowie einem Ring am Hauptabstimmknopf gelöst; wurden die Einstellungen notiert, konnte die Frequenz nächstentags wiedergefunden werden. Anhand von Frequenzansagen, Notierungen im Logbuch und Millimeterpapier konnten Stationen im 5 kHz-Raster interpoliert und recht zuverlässig lokalisiert werden.
Links oben findet sich auf der Frontplatte der Netzschalter, der wie auch in späteren Empfängern von Hallicrafters typisch, gemeinsam mit dem Tonblendenschalter und nicht wie bei den Japanern üblich mit dem Lautstärkeregler kombiniert ist. Unterhalb des darunterliegenden BFO-Reglers aktiviert ein Schalter eine Bass- Booster- Schaltung, wie sie sich auch in den Kassettengeräten der achziger Jahre wieder findet. Zuunterst liegt der AF-Gain- resp. Lautstärkeregler. Der RF-Gain- Regler zur Einstellung der Hochfrequenzverstärkung liegt rechts von der Hauptabstimmung.
In der Mitte unter der Haupt-Frequenzskala liegt der Bandschalter, der die Bandabschnitte 550 kHz - 1,6 MHz, also das MW-Band, 1,6 - 3 MHz, 3 - 5,8 MHz, 5,8 - 11 MHz, 11 - 21 MHz und 21 - 43 MHz umschaltet. Der Antennentrimmer rechts davon passt Langdrahtantennen am Eingang optimal an. Rechts des zweiten „steering wheel“-Knopfes der die Bandspreizung bedient, liegt der Schalter für AVC und manuelle Verstärkungsregelung, der in der dritten Stellung zum CW und Einseitenbandempfang den BFO aktiviert. Der Drehschalter unten rechts aktiviert die verschiedenen ZF-Filter. Neben den drei aufgrund der Technik nicht sehr steilflankigen Spulenfiltern von ca. 14 - 5 kHz Breite können auch drei Quarzfilter geschaltet werden, das schmalste ist für CW-Empfang sehr gut geeignet. Ähnlich wie beim Collins 51J-4 ergibt sich beim Einsatz der Quarzfilter dank einer Phasing- Schaltung ein Notchfilter- Effekt zur Elimination von Störsignalen, der Phasing- Regler ist oberhalb des Empfangs- /Sende(standby)- Umschalters angeordnet. Oben rechts auf der Frontplatte schliesst der abschaltbare und in der Einsatzstärke regelbare recht wirksame Störbegrenzer den Riegen der Bedienelemente ab.
Im praktischen Betrieb fällt der Einsatz des SX-28 leicht: Mit der Hauptabstimmung kann grob auf die Frequenz abgestimmt und dann feinfühlig mit der Bandspreizung eingestellt werden, zum Empfang auf den 10 - 80 m - Amateurfunkbändern gibt es Marken auf der Hauptskala, auf diese eingestellt, ist auf die Eichung der Bandspreizskala Verlass. Der SX-28 ist auf Signale von Langdrahtantennen eingestellt und verträgt diese ohne Anzeichen von Übersteuerung, auch im Vergleich mit modernen Stationsempfängern ist die Empfindlichkeit recht gut. Problematisch ist die Nachbarkanaltrennung vor allem aufgrund der schlechten Formfaktoren der Spulenfilter in der 455 kHz-ZF, in dichtbelegten Rundfunkbändern kommt es sehr häufig zu 5 kHz-Pfeiftönen durch die oben- oder untenliegende Nachbarstation, teils schafft das Quarzfilter in der breiten Stellung da Abhilfe. Zum CW-Empfang empfiehlt sich die Kombination von schmalem Quarzfilter mit der Phasing-Schaltung um Störsignale auszublenden, der Einseitenbandempfang ist aufgrund der Technik mit BFO nur mit Abstrichen möglich. Zum SSB- und sogar ISB-Empfang hat es gemäss dem Bericht von John Bryant eine von der FCC eingesetzten Spezialvariante des SX-28 mit zwei ZF-Zügen und schmalen ZF-Filtern gegeben, so dass selektiv von einer AM-Station das obere oder untere ungestörte Seitenband empfangen werden konnte. Aufgrund des Designs als Einfachsuper ist die Grossignalfestigkeit beschränkt, von starken Signalen können an anderen Stellen auf der Skala Spiegelfrequenzen durchschlagen, ein Preselektor kann die Situation verbessern. Der Ton von ungestörten mittelstarken AM-Signalen ist vor allem mit der Bass-Booster-Funktion hervorragend, so dass das Zuhören bei entsprechend der Röhrentechnik rauschfreier NF ein Genuss ist.
Offenbar ist der SX-28 in USA und auch in Russland, wohin im 2. Weltkrieg viele Geräte geliefert wurden, noch häufig zu finden, in der Schweiz sind Hallicrafters Empfänger rarer. Ich suche übrigens immer noch einen Steuerrad- Drehknopf, um meinen SX-28 wieder in den Originalzustand versetzen zu können…
Vom hochohmigen Antennenanschluss gelangt das Eingangssignal auf zwei HF-Verstärkerstufen mit den zwei Röhren 6AB7 und 6SK7, in den Bereichen 1 und 2 wird die erste HF-Stufe bei geringerer Empfindlichkeit überbrückt. Der RF-Gain- Regler wirkt hier auf die Kathodenleitung dieser Röhre und auch später auf die zwei ZF- Verstärkerstufen. Das Oszillatorsignal wird in V4 (6SA7) aufbereitet und damit das Eingangssignal im Mischer V3 (6SA7) auf die Zwischenfrequenz von 455 kHz umgesetzt. Zwischen den zwei ZF-Verstärkerstufen, auch hier wirkt die RF-Gain- Regelung, mit einer 6L7 und 6SK7 bestückt, sind die ZF-Spulenfilter und die drei Quarzfilter geschaltet. Als AM-Detektor wirkt die Diode in V7 (6B8), hier wird auch die Regelspannung für die automatische Lautstärkenkontrolle AVC abgegriffen und die S-Meterspannung verstärkt. Das NF-Signal wird in der Treiberröhre 6SC7 verstärkt und gelangt über dieGegentaktendstufe mit 2 x 6V6GT zum Lautsprecherübertrager, die Lautsprecherausgänge des SX-28 sind hochohmig ausgeführt.
Interessant ist die Schaltung des Noise Blankers. Das Eingangssignal wird auf ZF-Ebene über einen breitbandigen ZF-Trafo ausgekoppelt und verstärkt, das Nutzträgersignal wird durch einen 455 kHz-Sperrkreis entfernt und und verstärkt. Die breitbandigen Signalspitzen, welche von Störungen herrühren, führen zu einer negativen Spannung am Gitter der Röhre V5 (6L7) und neutralisieren die Störimpulse ohne die Modulationsspitzen des Trägersignals zu stark zu beschneiden.