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Sir John Lubbock: Scenery of Switzerland
Dr. Hermann Walser: Veränderungen der Erdoberfläche im Umkreis des Kantons Zürich seit der Mitte des 17. Jahrhunderts. Bern 1896.
Leonidas Swerinzew: Zur Entstehung der Alpenseen. Eine geologisch - geographische Studie. St. Petersburg 1896.
Der große englische Gelehrte, dem wir das obgenannte Buch verdanken, ist ein treuer Freund der Schweizeralpen geblieben, seitdem er im Sommer 1861 einen kurzen Aufenthalt in denselben mit Huxley und Tyndall machte, wobei der Galenstock erstiegen wurde und eine Besteigung der Jungfrau nur vereitelt wurde durch den Unfall eines Trägers auf dem Aletschgletscher, den Tyndall in bekannter Weise geschildert hat. Sir John Lubbock spricht in der Vorrede zu dieser zweiten Auflage seines Werks mit Bewunderung von den Schweizeralpen, denen er Gesundheit und Glück, und von einigen Schweizergelehrten, denen er Freundschaft verdanke. Ich verweise gern auf diese Vorrede als auf einen Beweis, wie viel weiter man durch den freundschaftlichen Austausch zwischen Gelehrten verschiedener Länder kommt, als durch die nationale Eifersüchtelei, die leider auch in wissenschaftlichen Büchern gar nicht selten zu treffen ist. Um von dem reichen Inhalt des Buches eine Vorstellung zu geben, nenne ich die Überschriften der Kapitel in deutschen Ausdrücken: Die Geologie der Schweiz; der Ursprung der Gebirge; die Gebirge der Schweiz; Eis und Schnee; die frühere Ausdehnung der Gletscher; die Thäler; Wirkung der Flüsse; Richtung der Flüsse; Seen; Einfluß der Schichtung auf die Scenerie; der Jura; Centralebene; die Voralpen; die Centralmassive; der Genfersee; das Montblancmassiv; das Wallis; das Berner Oberland; das obere Aarethal; Zürich und Glarus; der Rhein; die Reuß; der Tessin; das Engadin; Schlußfolgerungen. Die Ausstattung des Buches in Druck, Illustrationen und Einband ist die vornehmer Einfachheit der Macmillan-Ausgaben.
Die Doktor-Dissertation des Herrn Walser bezieht sich zwar auf eine Ebenen- und Hügelgegend ohne alpinen Charakter und scheint also dieses Jahrbuch nichts anzugehen. Ich erwähne sie gleichwohl hier kurz wegen der Methode und des in der Einleitung aufgestellten und im Verlauf der Arbeit durchgeführten Fundamentalsatzes: „ Eine Vergleichung topographischer Karten aus verschiedenen Zeiten gewährt die Möglichkeit, erdgeschichtliche Vorgänge messend zu verfolgen. " Ich glaube, daß dieser Gedanke auch für alpine Historie, Gletschertheorie, Ortsetymologie u.a. fruchtbar und geeignet ist, den bezüglichen Untersuchungen eine feste Grundlage zu geben. Allerdings sind die uns für das Alpengebiet aus früheren Jahrhunderten zu Gebote stehenden Karten sehr viel weniger ausführlich und zuverlässig als die Gygersche Karte des Kantons Zürich von 1667, auf welche Herr Walser seine Vergleichung stützt. Aber für unser Jahrhundert wenigstens erlaubt das Material schon manche und wichtige Schlüsse.
In direkterer Beziehung zu unserem Interesse steht die Zürcher Doktor-Dissertation des Herrn Leonidas Swerinzew, die mir erst in letzter Stunde zugekommen ist, so daß ich sie nur mit wenigen Worten anzeigen kann. Dieser Beitrag zur Morphologie der Erdoberfläche befaßt sich speciell mit den kleineren Berg- oder Alpenseen, die in großen Massen auch im Schweizerhochgebirge zerstreut liegen, und zwar ist ihre Zahl für das Auge des Geologen noch größer als für den Geographen, da er sie auch in ebenen Thalböden, Torfmooren, trockenen Gebirgswannen und Moränen-amphitheatern erblickt. Nach Swerinzew wären die größte Mehrzahl derselben, cirka 90 °/o, in Thalwegen liegende Flußseen, die durch Denudation bei der Thalbildung entstanden seien. Auch die von andern als Trichterseen angenommenen Obersee, Niedersee, Oberblegisee im Glarnerlande und den Gelmersee im Haslithal rechnet er zu diesen typischen Flußseen. Ich kann natürlich auf die Theorie über die empirischen Gesetze der Flußarbeit, die Gletscherwirkungen auf die Sohle, die Bildung der Seebecken und Querriegel hier nicht eintreten, bin dazu auch nicht Fachmann; die von dem Doktoranden gewählten Beispiele sind aber alle schweizerischen Thälern und Seen, sowie dem bekannten Moränenamphitheater von Ivrea entnommen, so daß sie leicht nachgeprüft werden können.Redaktion.