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Die einheimischen Inuit nennen ihre Heimat «Kalaallit Nunaat» – was so viel bedeutet wie «das Land der Menschen». Auf der grössten Insel der Welt leben allerdings nur gerade so viele Menschen wie in einer mittelgrossen Schweizer Stadt: 56000.
Erste Spuren der Besiedlung der Insel Grönland sind 5000 Jahre zurückzuverfolgen. Vorfahren der Inuit wandern über die Beringstrasse aus Asien ein. Auf der gegenüberliegenden Seite ziehen Einwanderer aus Kanada über die zugefrorene Meeresstrasse im Norden nach Thule. Die Gesichtszüge der Inuit ähneln nordamerikanischen Indianern und haben dazu einen asiatischen Einschlag.
Man nimmt an, dass sechs unterschiedliche Kulturen in mehreren Wellen eingewandert sind. Die bekanntesten Kulturen sind diejenigen der «Thule» und der «Saqqaq».
Ins 9. Jahrhundert datiert die Ankunft der Wikinger auf Grönland. Sie machen sich von Norwegen aus auf, um die Welt im Westen zu entdecken, und fahren mit ihren Schiffen zu den atlantischen Inseln Shetland, Orkney, Färöer und Island. Im Jahre 982 erreicht Erik der Rote den Süden Grönlands, nachdem er aus Island fliehen muss. Er gibt der Insel den Namen «Graenland», altnordisch für «Grünland», vermutlich um sie zukünftigen Siedlern schmackhaft zu machen. 986 gelangen 14 Auswandererschiffe aus Island mit 700 Menschen an Bord in die Gegend von Brattahlíð im Süden.
Zahlreiche Ruinen von Steinhäusern der Wikinger im Süden und bei Nuuk sind heute noch zu sehen. Wieso sich die Wikinger um 1500 wieder aus Grönland zurückziehen, bleibt ein Rätsel. Es wird spekuliert, dass die sogenannte «kleine Eiszeit» eine nicht unwesentliche Rolle gespielt hat.
Nach englischen und skandinavischen Expeditionen im 16. Jahrhundert sind es europäische Walfänger, die mit den Inuit in Kontakt treten. Dies löst einen regen Handel aus. Im 18. Jahrhundert erfolgt eine Art «Wiederentdeckung» und eine Kolonisation durch Dänemark.
Der Weihnachtsmann ist zwar in finnisch Lappland zuhause; wenn er sich aber im Sommer vom Stress der Weihnachtszeit erholen möchte, reist er nach Grönland. In Uummannaq, unterhalb des markanten Herzberges, steht sein leuchtend grünes Haus. Tausende Briefe von Kindern aus der ganzen Welt treffen hier im Sommer ein.
Grönland gehört zwar offiziell immer noch zum dänischen Königreich, geniesst aber seit dem 1. Mai 1979 eine weitgehende Autonomie und Selbstverwaltung. Da in Grönland reiche Bodenschätze vermutet werden, ist die Autonomie in Dänemark aber umstritten. Unter dem Eis könnten mit neuen Fördermethoden schon bald Öl, Erdgas, Zink, Uran und Seltene Erden gefördert werden.
Wirtschaftlich lebt Grönland in erster Linie von der Fischerei (90% der Warenexporte). Ganz im Süden wird auch Ackerbau betrieben – es wachsen zum Beispiel Gurken, Brokkoli und Kartoffeln – und es gibt auch etwas Schafzucht. Eine immer wichtigere Einnahmequelle ist der Tourismus.
Das Leben der Grönländer hat sich in den letzten Jahren grundlegend geändert. Obwohl die Traditionen noch immer hochgehalten werden, hat die moderne Gesellschaft Einzug gehalten. Die Jungen wachsen ebenso mit Internet und Smartphone auf wie bei uns.
Grönland hat unvorstellbar grosse Eisvorkommen. Nur knapp 20 % der Fläche sind eisfrei. Die restlichen 1,7 Millionen km2 sind von durchschnittlich 2000 Meter dickem Eis bedeckt. An einigen Orten erreicht die Eisdicke 3400 Meter, was nur noch in der Antarktis übertroffen wird. Der Meeresspiegel würde weltweit um sechs Meter ansteigen, wenn das gesamte Inlandeis von Grönland schmelzen würde.
Auch die Geologie von Grönland ist äusserst interessant. Auf der vulkanischen Diskoinsel an der Westküste und östlich von Nuuk hat sich quasi das Erdinnere nach aussen gestülpt. So untersuchen hier Wissenschaftler die ältesten Gesteinsformationen der Welt, darunter Grönlandit, entstanden vor 3,8 Milliarden Jahren.
In der deutschen Sprache haben wir Begriffe aus dem grönländischen Sprachgebrauch übernommen: «Kajak» und «Iglu» sind auch bei uns geläufig.
In Ilulissat befindet sich einer der am schnellsten fliessenden Gletscher der Welt. Der Jakobshavn- Gletscher schiebt sich täglich um 20 Meter gegen Westen. Kilometerlange und mehrere Hundert Meter hohe Eisberge brechen ab und treiben durch den Fjord Richtung offenes Meer. Ein Siebtel des Eisberges ragt dabei über die Wasseroberfläche und so sind eindrückliche Gebilde mit bis zu 100 Metern Höhe zu bestaunen.
Der Sommer in Grönland ist kurz, Frühling und Herbst fehlen fast ganz. Es herrscht arktisches Klima, die Sommermonate empfindet man aber trotzdem als sehr angenehm. Das liegt an der äusserst niedrigen Luftfeuchtigkeit, die auch tiefe Temperaturen wärmer erscheinen lässt.
Manchmal bringen «Föhnlagen» der Westküste schwül-warmes Wetter, und auch sonst sind sommerliche 15 bis 20° Celsius im Juli keine Seltenheit. Auf der Höhe der Diskobucht scheint von Mitte Mai bis Mitte Juli die Mitternachtssonne, es bleibt also 24 Stunden hell.