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Beerdigungen sind stets eine heikle Angelegenheit, weshalb ich jede Gelegenheit wahrgenommen habe, nicht daran teilzunehmen. Einerseits befindet sich der Verstorbene auf dem Weg in den Himmel, sofern er vom rechten Glauben erfüllt war, wie dies im Falle von Martin Senn sicher zugetroffen ist; anderseits ist der Selbstmord dem rechten Christen verboten, was den Eintritt durch die Paradiespforte etwas verzögern könnte.
Martin Senn, den vormaligen Chef der Zürich Versicherungen, könnte man als Opfer des Kapitalismus bezeichnen, rief ihm sein Freund Marwan Shakarchi bei der Trauerzeremonie doch nach: „Konzerne haben keine Seele.“ Anderseits hat Senn als CEO nicht jene Leistungen erbracht, welche Verwaltungsrat und Aktionäre von ihm erwartet haben, die Mehrung des Gewinns.
Die Trauerzeremonie selber war von den üblichen Eitelkeiten und Besonderheiten angereichert. Marwan Shakarchi, während er die Trauernden umarmte, vergass nicht, dabei auch in die Kameras der Medien zu blicken. Carolina Müller-Möhl, im Gesicht irgendwie wieder einmal anders aussehend, hatte das Handy am Ohr. Philipp Hildebrand, Vize-Chairman von Blackrock, kam gleich mit drei Frauen: Seiner neuen Partnerin Margarita Louis-Dreyfus, seiner Ex Kashya und deren erwachsener Tochter. Er, elegant wie immer, die Frauen in Mini-Röcken, die oberhalb der Knie endeten. Wie man Kirchen besucht, haben viele der jüngeren Generation schon verlernt.
Martin Senn hat mit 59 Jahren den Zieleinlauf verpasst; das ist immer schade. Im Krieg nennt man dies Kollateralschäden.