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Hepatitis C: Auswirkungen auf das Gehirn?
Patienten mit einer chronischen Hepatitis C leiden gehäuft unter Depressionen, Angststörungen und chronischer Müdigkeit. In der CHARTER-Studie wurde die neurokognitive Leistung bei HIV-/Hepatitis-C-koinfizierten Patienten untersucht.
Neurokognitive Einschränkungen sind bei HIV-Patienten auch unter antiretroviraler Therapie häufig. Ausmass und Ursachen werden in der CHARTER-Studie untersucht. Ca. 30% der HIV-Patienten sind mit Hepatitis C koinfiziert. Patienten mit chronischer Hepatitis C leiden gehäuft unter neuropsychiatrischen Störungen. Eine Hepatitis C-Virusreplikation im Gehirn (in Astroglia, Hirn-Markrophagen) konnte gezeigt werden und diverse Publikationen lassen einen ungünstigen Effekt einer Hepatitis C-Infektion auf die neurokognitive Leistung vermuten.
Methoden:
HIV-positive Patienten die an der CHARTER-Kohorte teilnehmen werden einer detailierten neuropsychologische Testung unterzogen. 1’582 Teilnehmer dieser Kohorte mit bekanntem HCV-AK-Test wurden in die aktuelle Studie eingeschlossen. 408 Patienten waren seropositiv für Hepatitis C, 1‘174 waren HCV-negativ. Von 346 HCV-positiven Patienten war eine HCV-RNA verfügbar. Eine Subgruppe von 160 HCV-positiven und 707 HCV-negativen Patienten ohne reelvante Komorbidität mut potentiellem Einfluss auf die neurokognitive Leistung wurde definiert und separat analysiert. Die beiden Gruppen (HCV-positiv, HCV-negativ) wurden mittels Linearer Regression verglichen, für potentielle Confounder wurde korrigiert.
Resultate:
Die neurokognitive Leistung (Global Deficit Score + Leistung in den 7 Hauptdomänen) war in beiden Gruppen (HCV-positiv / HCV-negativ) vergleichbar. Dies traf sowohl für die Gesamtkohorte als auch für die Subgruppe ohne signifikante Komorbidität zu.
Bei den HCV-positiven Patienten fand sich zudem keine Assoziation zwischen der HCV-RNA im Blut und der neurokognitiven Leistung.
Konklusion:
Bei HIV-positiven Patienten wird die Hirnleistung durch eine Hepatitis C-Koinfektion nicht zusätzlich beeinträchtigt. Dies trifft zumindest zu, wenn kein substantieller HCV-assoziierter Leberschaden vorhanden ist.
Kommentar:
Die wichtigste Limitation der Studie ist, dass sie den Effekt der Hepatitis C alleine auf die neurokognitive Funktion nicht untersuchen kann, da alle Studienteilnehmer HIV-positiv waren. Die Resultate zeigen in eine andere Richtung als in mehreren bisherigen Publikationen. Für potentielle Confounder hat man in dieser Studie korrigiert, was nicht in allen früheren Studien der Fall ist.
Die Frage, ob Hepatitis C eine Schädigung des Gehirns verursacht, bleibt auch nach dieser Studie offen. Eine wesentliche Beeinträchtigung der neurokognitiven Leistung durch Hepatitis C scheint aber unwahrscheinlich.