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«Es könnte Gold wert sein, dass ich so kämpfen musste», versicherte Federer nach seinem ersten Auftritt unter geschlossenem Dach in New York. Er habe Informationen, ein besseres Gefühl und Selbstvertrauen gesammelt in den gut zweieinhalb Stunden auf dem Court, die er für den 4:6, 6:2, 6:1, 1:6, 6:4-Sieg benötigte: «Alles, was ich brauche. Jetzt muss nur noch der Rücken halten.» Ob und wie sehr ihm der Rücken noch zu schaffen macht, sagte Federer nicht. Er erklärte aber, dass er damit rechne, dass der Rücken von Tag zu Tag besser werde, was impliziert, dass er noch nicht in perfektem Zustand ist.
In den letzten gut zwei Wochen hat Federer viel Zeit investiert, um seinen Rücken in Ordnung zu bringen. Deshalb konnte er nicht so viel Tennis spielen, wie er gern gewollt hätte. Die fehlenden Stunden auf dem Trainingsplatz machten sich gegen Tiafoe bemerkbar. Er sei im ersten Satz alles eine Spur zu defensiv angegangen: «Ich habe den Ball nicht richtig gesehen, und die Koordination der Beine war nicht richtig da.» Da würden schnell mal 40 Prozent der Leistungsfähigkeit verloren gehen. Dem Break, das er im ersten Game nach drei Rückhand-Fehlern kassiert hatte, rannte er danach bis zum Satzende vergeblich nach.
Nach dem verlorenen Startsatz wurde nicht alles gut, aber Federer begann sich besser zu bewegen, offensiver zu spielen. Wie verwundbar er an diesem Abend aber war, zeigte sich in den letzten beiden Umgängen. Im vierten, den er in 24 Minuten und nach 13 unerzwungenen Fehlern und nur vier Gewinnschlägen verlor. Aber auch im fünften, als er den Aussenseiter nach einer 5:2-Führung nochmals bis auf ein Game heranlassen musste.
Tiafoe zeigte seine Qualitäten, die ihn zu einer der grossen amerikanischen Nachwuchs-Hoffnungen machen, immer wieder, war aber dann doch zu unkonstant, um für die grosse Überraschung zu sorgen. Der Teenager mit Wurzeln in Sierra Leone verlor seine Unbekümmertheit vor den über 23 000 Zuschauern nach dem gewonnen Startsatz und fand sie erst wieder, als er mit dem Rücken zur Wand stand.
Mehr Kampf als Magie
Federer blieb immer ruhig und positiv. Öfter als normalerweise ballte er die Faust. Er hatte sich darauf eingestellt, dass es ein schwieriger Match werden würde gegen Tiafoe, der vorletzte Woche in Cincinnati Alexander Zverev geschlagen hatte. Nun habe er wieder einmal seine Kämpferqualitäten unter Beweis stellen können, meinte Federer. In den ersten Runden kommt er ansonsten selten dazu. Beim US Open hatte er in einem Auftaktmatch seit 2003 keinen Satz mehr abgegeben.
Noch erinnerte in New York wenig an jenen Federer, der sich in diesem Jahr fast magisch von Erfolg zu Erfolg gespielt hat. Er sei mental nicht bereit gewesen, ans Netz zu gehen, erklärte er seine spielerische Zurückhaltung. «Ich habe mir gesagt: ‹Ich bin einfach mal zufrieden, wenn ich meine Schläge voll durchziehen kann und beim Aufschlag keine Schmerzen habe.›»
In den nächsten Runden soll alles einfacher gehen. «Ich bin ins Turnier gestartet mit der Hoffnung, aber auch im Wissen, dass alles besser wird von jetzt an», sagte Federer.
US Open
Del Potro zu stark für Henri Laaksonen
Henri Laaksonen ist bei seiner ersten Teilnahme im Hauptfeld am US Open in New York erwartungsgemäss in der 1. Runde gescheitert. Der Schweizer verlor gestern Abend gegen Juan Martin Del Potro (ATP 28) in gut zweieinhalb Stunden 4:6, 6:7 (3:7), 6:7 (5:7).
Die Dreisatz-Niederlage des 25-jährigen Schaffhausers (ATP 94) im grössten Tennisstadion der Welt war keineswegs zwingend. Unterliefen Laaksonen im ersten Satz noch zu viele Fehler, um dem US-Open-Sieger von 2009 aus Argentinien gefährlich zu werden, war er in den Sätzen zwei und drei seinem deutlich erfahrereren Widersacher über weite Strecken ebenbürtig. Am Ende der Partie standen für Laaksonen 45 Winner zu Buche.
Im Tiebreak des zweiten Satzes machten dem Schweizer drei einfache Vorhandfehler einen Strich durch die Rechnung, im dritten Durchgang hatte er bereits einen Breakvorsprung preisgegeben, ehe er beim Stand von 3:3 zwei Breakchancen vergab – eine davon fahrlässig.