Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/68899

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt, innert Jahresfrist zusammen mit den Kantonen in einem ausführlichen Bericht, welcher auf einer Untersuchung beruht, zu folgenden Fragen Stellung zu nehmen:</p><p>1. In welchen Berufsfeldern wird in welchen Regionen ein Lehrstellendefizit ausgemacht und von welchem Ausmass ist das jeweilige Defizit? Wo gibt es einen Angebotsüberhang und wie gross ist er?</p><p>2. In welchen Berufsfeldern sind die Anfangsanforderungen und die mitgebrachten Voraussetzungen der Lehrlinge bzw. der Kandidatinnen und Kandidaten nicht deckungsgleich? Wo sind diese Differenzen am grössten bzw. wo sind die Unterschiede klein? Braucht es zur Beantwortung dieser Fragen ein separates Forschungsprojekt, oder kann die verlangte Information auf einfache Weise in Zusammenarbeit mit den Berufsverbänden zusammengestellt werden?</p><p>3. Welche Massnahmen sind sinnvoll und möglich, um die festgestellten strukturellen Defizite auszugleichen?</p><p>4. Wie viele Lehrlinge pro Jahr brechen ihre Ausbildung ab (Frauen, Männer, Schweizerinnen und Schweizer, Ausländerinnen und Ausländer)?</p><p>5. Wie viele junge Leute finden nach Abschluss der Lehre innerhalb eines Jahres keine Anstellung (Frauen, Männer, Schweizerinnen und Schweizer, Ausländerinnen und Ausländer)?</p><p>6. Welche Rolle kann der verbreitete Einsatz von Basislehrjahren, wie sie in der IT-Ausbildung angewendet werden, als eine mögliche und ergänzende Form des ersten Lehrjahres, so wie es das neue Berufsbildungsgesetz als Möglichkeit vorsieht, spielen?</p><p>7. Wo können Basislehrjahre weiter ausgebaut werden? Und wo ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis am grössten, wenn solche Basislehrjahre neu entwickelt und angeboten werden? Welches sind die Bedürfnisse der Branchenverbände, bzw. wo werden Branchenverbände ausgemacht, die allenfalls bereit wären, unter gewissen Bedingungen Basislehrjahre auszubauen bzw. neu zu entwickeln? In welchen Branchen ist es opportun, ein Basislehrjahr einzuführen? Und welches wären diese Bedingungen? Wir hätten zu diesen Fragen gerne eine übersichtliche Berichterstattung.</p><p>8. Wir möchten eine aktualisierte Übersicht über die Nutzung der Basislehrjahrangebote unterteilt in Kantone und Branchen.</p><p>Begriffsdefinition Basislehrjahre: Bei den Basislehrjahren handelt es sich nicht um Brückenangebote, sondern um Teilabschnitte einer Berufslehre, wie sie sich beispielsweise im IT-Bereich bewährt haben.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Das Postulat der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur wirft eine Reihe von grundsätzlichen Fragen zur beruflichen Grundbildung auf, deren Beantwortung von höchstem Interesse für die Steuerung der Berufsbildung ist.</p><p>Die meisten der im Postulat aufgelisteten Fragen können jedoch nur durch eine Analyse individueller Bildungsverläufe beantwortet werden. Die Grundlagen für diese Analysen sind gelegt: Das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie beteiligt sich am Projekt "Modernisierung der Erhebungen im Bildungsbereich" des Bundesamtes für Statistik. Dieses auf mehrere Jahre angelegte Projekt sieht u. a. "Identifikatoren" vor, damit individuelle Bildungsverläufe erfasst werden können. Ansätze zu Verlaufsanalysen ermöglicht ausserdem das Projekt "Transitionen von der Erstausbildung ins Erwerbsleben", das auf einer Kohorte von Teilnehmenden an der Pisa-Studie beruht. Dieser Jahrgang befindet sich jetzt in der Phase des Übergangs ins Erwerbsleben.</p><p>Effizienz und Effektivität von Bildungsangeboten ihrerseits sind im Zuge des Aufbaus von nachhaltiger Forschungsinfrastruktur in der Berufsbildungsforschung (vgl. Art. 2 der Berufsbildungsverordnung) Themen verschiedener Studien an sogenannten universitären "Leading Houses" (Forschungsschwerpunkte u. a. zu beruflichem Lehren und Lernen, betrieblichen Entscheidungen, Qualifikationen, Systemen und Übergängen).</p><p>Die angesprochenen vielfältigen und komplexen Probleme lassen sich nicht innerhalb eines Jahres in befriedigender Form erfassen und darstellen. Selbst bei arbeitsintensiven zusätzlichen Forschungsprojekten liessen sich in der kurzen Zeit nur Resultate von inhaltlich, regional und branchenmässig beschränkter Tragweite gewinnen.</p><p>Unter dem obenerwähnten zeitlichen Vorbehalt ist der Bundesrat bereit, zu den aufgeworfenen Fragen Stellung zu nehmen.</p>  Der Bundesrat beantragt die Annahme des Postulates.