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Die jetzt laufende Schwimm-WM in Budapest ist eine tägliche, magische Dosis für alle Liebhaber der menschlichen Schönheit. Die Körper sind schlank, v-förmig, muskulös, ideal proportioniert. Kleine Meisterwerke der amphibischen Menschheit. Dennoch leben sie nicht von Glamour und frischem Wasser, sondern von diversen «Schweinereien». Swann Oberson, Weltmeisterin im Freiwasserschwimmen über 10 Kilometer, schwört, dass sie «höchstens einmal pro Woche auf die Waage stand».
Die Erklärung ist einfach: Schwimmen gehört zu den energieintensivsten Sportarten im olympischen Repertoire. «Der Druck des Wassers erzeugt einen viel höheren Widerstand als der Luftwiderstand. Dadurch wird der gesamte Körper permanent beansprucht. Alle Muskeln arbeiten», erklären die Spezialisten des französischen Sportartikelherstellers Decathlon.
Und bei der Intensität, mit denen die Profis schwimmen, erreicht der Kalorienverbrauch Abgründe, auf die es keine vernünftige Antwort gibt. «Man hat ständig Hunger. Und man isst wie ein Fresssack», sagt Swann Oberson.
Die Genferin muss immer noch darüber lachen: «Das Geniale ist, dass man alles in sich reinstopfen kann, was man in die Hände kriegt, man nimmt kein Gramm zu. Läufer oder Radfahrer achten ständig auf ihr Gewicht. Wir nicht. Beim Schwimmen kann man alle Anleitungen zur perfekten Ernährung in den Papierkorb werfen.»
Dano Halsall, der einst der schnellste Schwimmer der Welt war, erklärte einige Jahre nach seinem Rücktritt: «In meiner besten Zeit hatte ich einen Körperfettanteil von 3 bis 4 %, was einem aussergewöhnlichen Muskelvolumen entspricht. Ich ass sehr viel, aber mein Körper war ein grosser Boiler, der alles verbrannte, was er konnte.»
Während ihrer Karriere schwamm Swann Oberson zwischen 100 und 120 Kilometer pro Woche. «Selbst beim Laufen ist das eine Distanz, die Sportler nicht so leicht zurücklegen», sagt sie. Ihre Tage waren in zwei verschiedene Blöcke aufgeteilt, die aus Schwimmen (vier Stunden) und Arbeit «am Trockenen» (eine Stunde) bestanden. «Frei hatte ich nur am Sonntag und am Donnerstagmorgen», was insgesamt 27 Stunden Training pro Woche bedeutete.
Oberson gesteht: «Ich ass Jeden Mittag 250 Gramm Spaghetti mit viel Sauce.» Dazu gab es zwei weitere grosse Mahlzeiten am Tag, und zwischendurch den einen oder anderen Snack. Gerade genug Zeit, um die Mayo zu wechseln.
Wir haben es bei den Spielen 2008 in Peking gesehen, als ein australischer Trainer seine Mannschaft in den dortigen McDonald's brachte: Eine Schwimmerin mit der Figur eines Streichholzes bestellte drei Big Mac-Menüs für sich allein, dazu zwei Schoko-Sundaes und einen Bananen-Milchshake.
Jérémy Desplanches, der bei den Spielen in Tokio die Bronzemedaille gewann, gibt zu: «Ich esse wirklich viel. Aber ich verbrenne diese Kalorien ja auch alle wieder. Ich muss nur aufpassen, dass ich meinen Energieverbrauch auch nach der Karriere hoch halte, sonst könnte ich ernsthafte gesundheitliche Probleme bekommen». Desplanches' ideales Menü: «Als Vorspeise einen guten Salat mit Tomaten und Burrata, ein wenig gewürzt. Als Hauptgericht nicht eine Pizza, sondern ein paar Pizzen. Zum Nachtisch entweder ein Mille-feuille oder ein wenig Zitronenkuchen.»
Ausserdem muss man viel trinken, nicht nur ab und zu eine Tasse. «Im Wasser hat man kein Durstgefühl oder einen trockenen Mund wie beim Laufen. Und man schwitzt recht wenig», erklärt Swann Oberson. Die Gefahr bestünde darin, nichts zu trinken. «Ich zum Beispiel war ein Kamel. Aber man muss sich auf jeden Fall zwingen.»
Nach der Karriere verlassen die Schwimmer also mit vollem Bauch die Becken und treten in das sogenannte «Arbeitsleben» ein. Und dann fangen die Probleme an. Dano Halsall gestand nach seiner Karriere eine Art Sucht nach Anstrengung und Exzess, die durch kein Glück besänftigt werden konnte.
Unwohlsein, Schmerzen, Ängste. Einige, wie Phelps oder Manaudou, kehrten nach dem Rücktritt noch einmal zurück. «Die Sucht nach Bewegung ist die eines schweren Drogenabhängigen», sagt Dano Halsall. «Ich kenne eine ehemalige Schwimmerin, die trotz eines ausgeglichenen Lebens keine Anstrengung gefunden hat, die heftig genug war, um ihre Entzugserscheinungen zu stillen. Mit 40 Jahren verlangte ihr Körper nach immer mehr körperlicher Aktivität. Die Frau hat es mit Triathlons und Marathons versucht. Nichts schien sie zu sättigen.»
Also essen sie. «Viele Schwimmer, die ich treffe, sind übergewichtig geworden», sagt eine bewegte Swann Oberson, die mit Trailrunning und dem Marathonlauf begonnen hat. «Es ist traurig zu sagen, aber wenn man aufhört, verliert man seinen athletischen Körper, vor allem die Frauen. Es ist schwierig, wieder normale Essgewohnheiten anzunehmen. Man hat nicht unbedingt weniger Hunger und möchte immer noch alles essen.»
In einem klassischen Fall der Überkompensation sucht der Körper im Kühlschrank nach Gefühlen des Glücks, die er im realen Leben nicht mehr findet. «Er verlangt nach Essen», sagt Oberson. Andere Schwimmer steigen auf Zigaretten oder Getränke um, aber im Grunde ist das Ergebnis das gleiche: «Der Übergang vom durchtrainierten Schwimmprofi zum gewöhnlichen Menschen ist oft sehr schwierig.»
Am anderen Ende des Schwimmbeckens ist der Glamour plötzlich weg.
Der Titelverteidiger schlug Aufsteiger Bournemouth dank Treffern von Ilkay Gündogan, Kevin de Bruyne und Phil Foden sowie mit einem Eigentor.