Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03642.jsonl.gz/2199

George Armstrong Custer war eine der umstrittensten Figuren der US-Armee im späten 19. Jahrhundert. Held und viel gelobter Kavallerist im Sezessionskrieg. Diva, unnachgiebiger Anführer und Schlächter in den Feldzügen gegen die Indianer – auch mit seinen eigenen Truppen ging er nicht wirklich menschlich um. In seiner Hitzköpfigkeit führte der damalige Captain seinen zahlen- und waffenmässig unterlegenen Trupp schliesslich in eine verhängnisvolle Schlacht am Little Big Horn.
Im TV-Zweiteiler SON OF THE MORNING STAR wird in Rückblenden der Hergang einmal aus Sicht von Custers Frau und aus indianischer Perspektive erzählt.
Craig Safan hatte ab Mitte der 80er Jahre mit THE LAST STARFIGHTER, REMO WILLIAMS: THE ADVENTURE BEGINS und STAND AND DELIVER für Aufsehen gesorgt, für einige erschien gar ein neuer Stern am Filmmusikhimmel. 1988 vertonte er ausserdem den vierten Teil der populären NIGHTMARE ON ELM STREET Serie. Leider geriet Safans Karriere in den 90ern ins Stocken, während andere, neue Komponisten wie Hans Zimmer oder James Newton Howard in Hollywood mehr und mehr auftauchten.
Eine Filmmusik Safans, die sich bei vielen Fans einbrannte, war 1991 SON OF THE MORNING STAR, wie Custer bei den Indianern genannt wurde, damals bei Intrada erschienen.
Anfangs dieses Jahres legte das Label nach und brachte die Musik mit einer Laufzeit von etwas mehr als 100 Minuten als Doppelalbum heraus.
Die Musik kann in drei markante Elemente aufgeteilt werden:
– Der dramatisch orchestrale Teil mit Safans Titelthema, in den Anfangscredits passenderweise von einer Solotrompete gespielt und gefolgt von einem dazugehörenden zweiten Thema. Safan setzt diesen, die er auch für sich alleine variiert, allerdings ein kurzes, aber intensives und oft verwendetes, nach Schmerz und Trauer «schreiendes» Motiv voran. Schliesslich bedient Safan auch den von Rosanna Arquette gespielten Charakter, Custers Frau, mit einem Thema («To Libby»).
– Der traditionelle Teil mit Safans Arrangements zeitgenössischer ebenso wie irischer Musik.
– Und last but not least der, man verzeihe mir den Ausdruck, indianische Teil, ausgestattet mit traditionellem Flötenspiel von Tom Ware, sowie perkussiven Bestandteilen.
Anstatt diese drei Elemente voneinander abzukoppeln, sind sie in chronologischer Folge integriert, wie im Zweiteiler zu hören. Das mag für die ein oder anderen Ohren etwas zu holprig klingen, gibt dem Score aber seinen speziellen Reiz und hält die Musik frisch und in Gang, denn Safans Themen sind dominant und häufig eingesetzt, manchmal gering variiert, aber emotional packend und für sich alleine stehend vielleicht zu gleichförmig.
Schliesslich setzt Safan in den letzten Tracks mit der Schlacht am Little Big Horn seine Themen ergreifend und richtig packend ein.
Für Sammler, denen es wichtig ist, auch die allerletzten Sekunden einer Musik zu erhalten, hat Intrada 10 Bumper, also kurze sechs bis acht sekündige Ein- und Ausgangsmusiken für die unvermeidlichen Werbepausen angehängt. Für den «gemeinen Hörer» ist das sicherlich zu viel des Guten. Abgerundet wird die Veröffentlichung mit einem 20-seitigen Booklet, gewohnt routiniert geschrieben von Frank DeWald und Douglass Fakes’ Abschlusssätzen.
Ein klares Ja für Safan-Fans und sicherlich all jene, die bisher nicht über das 91er CD verfügten, aber auch eine Aufwertung der 60 Minuten Dauer jenes Albums.
Phil, 22.7.2019
SON OF THE MORNING STAR
Craig Safan
Intrada Special Collection
CD 1:
45 Min. / 30 Tracks
CD 2:
56 Min. / 42 Tracks