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16. bis 31. Mai 2017: In der Höhe nasse Lawinen an Nordhängen und rasche Schneeschmelze
Abb. 1: Grosse Nassschneelawine an der Nordwestflanke des Gsür (BE, 2707 m). Mit dem Anriss auf rund 2500 m und der Ablagerung auf rund 1800 m wurde die Lawine 1.6 km lang. Sie löste sich am 18. Mai nachmittags spontan. Die Aufnahme ist vom 26.05.2017 (Foto: U. Ryter).
Wetterentwicklung
Die zweite Maihälfte begann und endete sommerlich mit einer Nullgradgrenze meist zwischen 3500 und 4000 m (Abbildung 2). Vom 16. bis 17. Mai war es nach klaren Nächten meist sonnig.
Abb.
2: Verlauf der Nullgradgrenze in dieser Berichtsperiode. Sie
befand sich - mit Ausnahme einer kurzen Abkühlung vom 18. bis 21. Mai - meist
zwischen 3400 und 4000 m. Sie lag damit in der zweiten Maihälfte 2017 rund 1000 m höher als im Durchschnitt der letzten 15 Jahre um diese Jahreszeit (Informationen zur Berechnung der Nullgradgrenze).
Mit einer Kaltfront sank die Nullgradgrenze zwischen dem 17. und 19. Mai kurzzeitig auf rund 2200 m. Vom 18. bis 19. Mai fiel im Süden gebietsweise intensiver Niederschlag. Im Norden war es meist bewölkt mit föhnigen Aufhellungen im Osten. Am 19.05. griffen die Niederschläge auch auf den Norden über. Die Schneefallgrenze sank von 2800 m auf rund 2400 m im Süden und auf rund 2000 m im Norden. Am Alpenhauptkamm fielen in der Höhe oberhalb von rund 2800 m verbreitet 30 bis 50 cm, vom Simplongebiet bis ins nordwestliche Tessin bis 70 cm Schnee (Abbildung 3). Der Südwind bliess in der Nacht auf den 19. Mai mässig bis stark und verfrachtete den Neuschnee im Hochgebirge.
Abb. 3: Niederschlags- und Neuschneesumme vom Donnerstagmorgen, 18.05. bis Samstagmorgen, 20.05. gemessen an den automatischen Stationen von MeteoSchweiz und SLF. Oberhalb von
rund 2800 m entsprach ein Millimeter Regen etwa einem Zentimeter Schnee. Damit
fielen am Alpenhauptkamm verbreitet 30 bis 50 cm, vom Simplongebiet bis ins nordwestliche Tessin bis 70 cm Schnee.
Schneedecke, Lawinengefahr und Lawinenaktivität
Mitte Mai begann die Schneedecke im Hochgebirge sowie an Nordhängen oberhalb von rund 2500 m allmählich zu durchfeuchten und die Gefahr von nassen Lawinen stand im Vordergrund. Dies am 16. Mai mit einem tageszeitlichen Anstieg. Am 17. und 18. Mai war sie nach bedeckten Nächten bereits am Vormittag erhöht. Nasse Rutsche und Lawinen lösten sich vor allem an Nordhängen oberhalb von rund 2500 m. An Nordhängen lagen an der Basis der Schneedecke immer noch schwache Schichten, die mit der ersten Durchfeuchtung der Schneedecke störanfällig wurden. Das Potential für eine grössere Bruchausbreitung und damit für grössere Lawinen war somit vorhanden. Dies war besonders in den inneralpinen Gebieten des Wallis und Graubündens, teils aber auch am Alpennordhang der Fall (Abbildung 1 und 4).
Abb. 4: Nasse Rutsche und eine mittlere, nasse Bodenlawine an den Nordosthängen im Gebiet des Jatzhorns (Davos, GR) auf rund 2500 m (Foto: SLF/B. Zweifel,
16.05.2017).
Mit intensiven Schneefällen im Hochgebirge, starkem Wind und der angefeuchteten Schneedecke an Nordhängen stieg die Lawinengefahr am Alpenhauptkamm, insbesondere in den Oberwalliser Gebieten und im nordwestlichen Tessin am 19. Mai rasch und markant an, gebietsweise auf die Stufe "Gross" (Stufe 4) an (Lawinenbulletin vom 18.05.2017). Oberhalb von 3000 m ging die Gefahr von spontanen trockenen Lawinen aus, unterhalb von nassen Rutschen und Lawinen. Der Neuschnee vom 18. und 19. Mai wurde im Hochgebirge zunächst mit Südwind, und anschliessend mit Nordwind verfrachtet, dadurch nahm die Gefahr von trockenen Lawinen im Hochgebirge für Schneesportler bis zum 22. Mai nur langsam ab. In der letzten Maiwoche stand die Gefahr von nassen Lawinen im Tagesverlauf wieder im Vordergrund. Einzelne, teils mittelgrosse nasse oder feuchte Lawinen wurden auch noch in der letzten Maiwoche beobachtet (vgl. Kartierung in Abbildung 5).
Abb. 5: Kartierung einer mittelgrossen Lawine am Piz Mitgel (Filisur, GR), Nordhang auf 2900 m. Die Lawine ging am 26.05. um 9 Uhr nieder (Quelle: SLF/ProTools, Kartierung R. Meister).
Schneelage Ende Mai
Ende Mai waren Südhänge verbreitet bis auf rund 3000 m ausgeapert. Im Hochgebirge und in steilen, nordexponierten Rinnen und Mulden oberhalb von 2200 bis 2500 m lag Ende Mai noch eine geschlossene Schneedecke. Im flachen Gelände lagen auf 2500 m am nördlichen Alpenkamm, im Unterwallis, am Oberwalliser Alpenhauptkamm, in Nordbünden und im Gotthardgebiet verbreitet rund 100 cm, lokal bis 200 cm Schnee, sonst 30 bis 80 cm.
An hochgelegenen Messfeldern (Flachfelder) nahmen die Schneehöhen in der zweiten Maihälfte rasant ab, wie in der Verlaufsgrafik der langjährigen, manuellen Messstation auf dem Weissfluhjoch (Davos, GR, 2540 m) zu sehen ist (blaue Kurve in Abbildung 6).
Abb. 6: Der aktuelle Winter 2016/17 am Verlauf der
Schneehöhe (blau) auf dem Versuchsfeld Weissfluhjoch (2540 m, Davos, GR). Grün dargestellt ist die durchschnittliche Schneehöhe, pink die
minimal und schwarz die maximal je gemessene Schneehöhe. Die roten Balken
stellen die gemessenen Neuschneehöhen über 24 h dar. Am 14. und 15. April wurden auf dem Weissfluhjoch neue Minimum-Rekorde gemessen. Zudem nahm die Schneehöhe mit der starken Schneeschmelze in der zweiten Maihälfte rasch ab und mass am 31.05. noch 92 cm. Dies entspricht 61% der normalen Schneehöhe um diese Jahreszeit.
Abbildung 7 zeigt, dass die Schneedecke an den meisten Orten durchnässt war. Nur in grossen Höhen des Hochgebirges war die Schneedecke teils noch trocken.
Abb. 7: Schneebedeckung und Schneedeckenzustand Ende Mai 2017. Vor allem im Hochgebirge und an Nordhängen lag oberhalb von 2200 bis 2500 m noch Schnee (grüne Flächen sind schneefrei). Der Schnee war verbreitet durchnässt (rote Flächen). Nur im Hochgebirge waren tiefere Schichten der Schneedecke teilweise noch trocken (blaue Flächen). Quelle: SLF/Operationeller schneehydrologischer Dienst (Grafik gross).
Abb. 8: Vergleich des mittleren Schneewasseräquivalents (SWE) über die ganze Schweiz zu den Vorjahren. Der aktuelle Winter (schwarze Kurve) war einer der schneeärmsten in den letzten 18 Jahren. Quelle: SLF/Operationeller schneehydrologischer Dienst (Bild gross).
Lawinenbulletin und Lawinenunfälle
In der zweiten Maihälfte erschien am 17., am 18., am 19. und zuletzt am 22. Mai jeweils ein Lawinenbulletin
in Form eines angekündigten Textbulletins.
Auch wenn das SLF kein Lawinenbulletin publiziert, sollte vor allem bei Neuschnee die Lawinensituation beachtet werden. Sie können sich via SMS oder RSS-Feed über die Herausgabe eines Bulletins informieren lassen: