Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03317.jsonl.gz/2307

Was ist Taijiquan?
Unter dem Begriff Taijiquan (chin. tàijíquán 太极拳) versteht man grundsätzlich eine der drei daoistischen inneren Kampfkünste (chin. nèijiāquán 内家拳), welche allesamt in China entwickelt wurden. Ausserhalb von China ist Taijiquan die bekannteste innere Kampfkunst. Die anderen beiden Systeme sind Xingyiquan (chin. xíngyìquán 形意拳)und Baguazhang (chin. bāguà zhǎng 八卦掌). Alle drei Systeme bauen auf der typisch daoistischen Idee auf, dass das Weiche stets das Harte überwinden kann. So wird bei einer inneren Kampfkunst bewusst nicht Muskelkraft trainiert, sondern darauf geachtet, dass die Bewegungen immer langsam und sanft ausgeführt werden. Dies geschieht aus dem Grund, weil nur aus Langsamkeit Geschwindigkeit entstehen kann.
Der Legende nach wurde das System des Taijiquan (traditionell noch „Lange Faust genannt; chin. chángquán 长拳) von einem daoistischen Unsterblichen namens Zhang Sanfeng (chin. Zhāng Sānfēng 张三丰) entwickelt, der in der Song oder Ming Dynastie gelebt haben soll. Es gibt hinsichtlich seines Geburtsdatums keine eindeutigen Beweise. Es haben sich in der Geschichte drei mögliche Daten etabliert: 960, 1247 oder 1279. Nachdem Zhang Sanfeng eines Tages auf dem Berg mit Namen Wudang (chin. wǔdāngshān武当山) den Kampf zwischen einem Kranich und einer Schlange zusah, erkannte er die Muster hinter den natürlichen Bewegungen beider Tiere. Er bemerkte, dass der Kranich stets mit schnellen und geraden Attacken auf die Schlange niederfuhr. Er hatte aber damit keinen Erfolg, da sich die Schlange immer ohne jegliche Anstrengung mit fliessenden und weichen Bewegungen dem Angriff des Kranichs entzog. Dies ging sogar so weit, dass es die Schlange schaffte, sich um den Hals des Kranichs zu schlingen und dieser sie nur mit letzter Kraft abschütteln konnte. Aus dieser Beobachtung erwuchs in Zhang Sanfeng die Erkenntnis, dass das Weiche und Sanfte immer über das Harte und Unnachgiebige siegen würde. Mit diesem Wissen entwickelte er die erste Taijiform der 13 Bewegungen (chin. shísān shì 十三式).
Nun war durchwegs von Kampfkünstendie Rede. Im europäischen Kontext wird Taijiquan fast nie wirklich als Kampfkunst unterrichtet und geübt. Fakt ist, dass Taijiquan die perfekte ganzheitliche Methode ist, um die Gesundheit zu verbessern und zu erhalten. Somit bietet dieses System in sich eine Methode, mit welcher eine Kampfkunst geübt und/oder an der persönlichen Gesundheit gearbeitet werden kann.