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Der Standort Mittelhäusern ist das Schweizer Referenzlabor für hochansteckende Tierseuchen wie die Maul- und Klauenseuche oder die Klassische Schweinepest sowie für weitere in der Tierseuchenverordnung aufgelistete Krankheiten. Die Referenzlaborfunktionen beinhalten unter anderem die Diagnostik der hochansteckenden Tierseuchen sowie Bestätigungsuntersuchungen von nicht hochansteckenden Tierseuchen für externe Labors.
Aktuell
Hochpathogenes aviäres Influenzavirus H5N1 bestätigt
Am 22. Februar 2022 wurden im Tierpark Bern in der Pelikananlage ein toter Graureiher und ein toter Pelikan mit Vogelgrippe gefunden. Die Proben von Tieren mit Verdacht auf eine Infektion mit dem Aviären Influenzavirus (AIV) wurden ans Nationale Referenzlabor für Geflügel- und Kaninchenkrankheiten (NRGK) geschickt. Untersuchungen am NRGK ergaben eine Infektion mit dem aviären Influenzavirus des Subtyps H5N1. Anschliessend wurden Proben am Institut für Virologie und Immunologie (IVI) dem nationalen Referenzzentrum für hochansteckende Tierseuchen untersucht. Mittels Sequenzierung konnte am IVI festgestellt werden, dass es sich um ein hochpathogenes H5N1 AIV handelt. Bereits im November 2021 war bei Hühnern in einer Hobbyzucht im Kanton Zürich ein H5N1-Virus nachgewiesen worden.
Aviäre Influenzaviren haben ihr natürliches Reservoir in Wildvögeln. Insbesondere Wasservögel beherbergen eine Vielzahl von verschiedenen Influenzavirus-Subtypen, die sich in ihren Oberflächenstrukturen HA (Hämagglutinin) und NA (Neuraminidase) unterscheiden. Aviäre Influenzaviren sind perfekt an ihre natürlichen Wirte angepasst und lösen in diesen Wirten keine schweren Erkrankungen aus. Sie vermehren sich vor allem im Darmepithel ihrer Wirte und werden mit dem Kot in die Umwelt ausgeschieden. Daher kommt es immer wieder Mal zur Übertragung von aviären Influenzaviren auf Hühner oder Puten, die in der Nähe von Rastplätzen von Zugvögeln gehalten werden.
Bei der Feststellung eines H5 oder H7 Subtyps des Virus wird eine Pathotypisierung mittels Sequenzierung am IVI vorgenommen. Somit kann zwischen niedrig pathogenen und hochpathogenen Viren unterschieden werden. Eine besondere Aufmerksamkeit gilt aviären Influenzaviren der Subtypen H5 und H7, da sie durch Veränderungen im HA-Protein zu hochpathogenen Influenzaviren mutieren können, die bei Hühnern und Puten zu einer Sterblichkeit bis zu 100% führen können ein hergehen und deshalb auch als Geflügelpest bezeichnet werden. Die Bezeichnung «hochpathogen» bezieht sich aber nur auf die Infektion von Geflügel! Aviäre Influenzaviren haben zwar auch ein zoonotisches Potential. d.h. sie können auch auf den Menschen übertragen werden, doch ist die Barriere für solche Infektionen relativ hoch.
Newcastle-Krankheit bei Legehennen
16.03.2022 - Von einem Geflügelbetrieb in Develier bei Delémont wurden Serumproben von mehreren Legehennen eines Betriebes mit Verdacht auf die Newcastle-Krankheit (NCD) an das Nationale Referenzlabor (NRGK) in Zürich geschickt. Positive Resultate in den serologischen Untersuchungen lassen auf eine Infektion mit dem Newcastle-Disease-Virus (NDV), dem Erreger der Newcastle Krankheit, schliessen. Am IVI laufen derzeit weitere Abklärungen zur Typisierung der positiven Proben.
Verschiedene Pathotypen
Das Newcastle-Disease-Virus (NDV) ist ein Avulavirus, das zur Virusfamilie der Paramyxoviren gehört. Das Virus kann viele verschiedene Arten von Vögeln infizieren und kommt im Wesentlichen in 3 unterschiedlichen Pathotypen vor. Die lentogenen (nicht-virulenten) NDV lösen nur milde oder keine Symptome aus. Die mesogenen Stämme (mittlere Virulenz) beeinträchtigen die Eiqualität und -produktion deutlich und sind auch mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden. Die velogenen (hoch-virulenten) Stämme können schwere neurologische und respiratorische Symptome erzeugen, breiten sich sehr schnell aus, und sind in der Regel mit einer hohen Mortalität verbunden, die bis zu 100% betragen kann.
Übertragung und Symptome
Da die Symptome der durch hochpathogene aviäre Influenza-A-Viren verursachten klassischen Geflügelpest sehr ähnlich sind, wird die durch velogene Stämme ausgelöste Krankheit auch als «atypische Geflügelpest» bezeichnet. Es handelt sich um eine anzeigenpflichtige Tierseuche. Velogene NDV sind hoch-infektiös und können über die Luft als auch durch den direkten Kontakt mit Kot und Körperflüssigkeiten wie Nasen-, Rachen-, und Augensekret übertragen werden. Ein erhöhtes Risiko besteht für Geflügel, das im Freien gehalten wird, und sich über den Kontakt mit Ausscheidungen von Wildvögeln infizieren kann. Auch kontaminierter Stallstaub, Käfige, Futter, Trinkwasser, Schuhe, Kleidung oder Untersuchungsbesteck sind potentielle Infektionsquellen.
Der letzte Fall von Newcastle-Krankheit ist erst kürzlich im Januar 2022 im Kanton Zürich aufgetreten. Die Schweiz ist amtlich anerkannt frei von der Newcastle-Krankheit. Für Hühner ist die Impfung gegen NDV in der Schweiz verboten. Es gibt Sonderregelungen für Tauben gemäss Tierseuchenverordnung Art 124.