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Quelle: Gewerbezeitung Donnerstag, 16. März 2017 von Peter Ziegler
Mit verschiedenen Veranstaltungen feiert Wädenswil dieses Jahr das 250-jährige Bestehen der reformierten Kirche. Deren kunsthistorische Bedeutung ist schon verschiedentlich beschrieben worden. Darum soll hier die Bauzeit gewürdigt werden. Als Quelle dient die zeitgenössische handschriftliche Beschreibung des Kirchenbaus von Landrichter Heinrich Höhn, kopiert 1833 von Geometer Rudolf Diezinger (1770–1847).
Die Planung
1760 befindet sich die aus dem Mittelalter stammende Kirche «in üblem Zustand». Der Stillstand (Kirchenpflege) berät daher über einen Kirchenneubau, da sich eine Renovation kaum lohnt und die Platzzahl für die stark angewachsene Bevölkerung nicht mehr genügt. 1763 stimmt die Gemeindeversammlung einem Neubau mit grossem Mehr zu. Ein Antrag, die neue Kirche in der Obern Chalchtaren zu erstellen, scheitert. Der Entscheid fällt zugunsten des bisherigen Standorts.
Die 1764/65 abgebrochene Vorgängerkirche.
Der Architekt: Hans Ulrich Grubenmann.
Der Stillstand setzt sich mit Hans Ulrich Grubenmann (1709–1783) in Teufen in Verbindung, der 1761 die Kirche Oberrieden gebaut hat. Der Baumeister legt bald einen Bauplan vor, «der der alten Kirche ähnlich, aber beträchtlich länger» ist. Dieser gefällt vielen Bürgern nicht. Untervogt Hans Caspar Blattmann (1716–1786) unterbreitet das Projekt einer Querkirche, das Grubenmann zunächst ablehnt. Dank der Vermittlung von Pfarrer Johann Heinrich Hofmeister (1721–1770) stellt Grubenmann dennoch ein Modell her. Der Zürcher Rat sichert eine Subvention zu.
Die Ausführung
Am 14. Mai 1764 beschliesst die Gemeindeversammlung, die neue Kirche solle nach Grubenmanns Modell gebaut werden, und wählt eine Baukommission von acht Mitgliedern. Die Steinmetzte nehmen sogleich die Arbeit auf, und man beginnt mit dem Ausheben der Fundamentgruben. Ende Juli ist der erste Mauerkranz aufgeführt. Am 1. August wird unter Glockengeläut der Eckstein gesetzt. Da die neue Kirche bedeutend grösser wird als die alte, kann man grosse Teile des Mauerwerks erstellen, ohne den alten Bau abzubrechen. Im Winter 1764/65 beseitigt man den Glockenturm und stellt eine Glocke, die man behalten will, auf der Tanzlaube des Gesellenhauses auf. Im März 1765 wird der Dachstuhl abgebrochen, und nun ist «alles ruiniert».
Am 17. März 1765 ermächtigt die Gemeindeversammlung den Stillstand zur Anschaffung «eines neuen Kirchenzeits» von Uhrmacher Landtwing in Zug und von vier neuen Glocken aus der Giesserei Schalch in Schaffhausen. Eine bisherige soll weiterverwendet werden. Am 29. Mai beginnt Zimmerpolier Hans Jakob Messmer (1730–1801) aus Erlen im Thurgau mit seinen Gesellen auf dem Acker unterhalb des Schulhauses mit dem Abbinden von Dachstuhl und Turmhelm. Die Aufrichte des Dachstuhls wird am 21. September gefeiert, jene des Turmhelms anfangs November. Am 12. Oktober treffen zwei Glocken in Wädenswil ein. Da der Kirchturm noch nicht vollendet ist, werden sie auf dem Kirchhof platziert und am 10. Dezember in den dort aufgestellten neuen Glockenstuhl gehängt, damit man den ganzen Winter über läuten kann.
Im März 1766 gipsen Peter Anton Moosbrugger (1732–1806) und zwei Gesellen die Kirchendecke und beginnen dann mit den Stuckarbeiten. Am 25. Juli trifft die grosse Glocke ein und wird am nächsten Tag in den Turm aufgezogen, wie anschliessend die vier andern Glocken. Im August fällt der Entscheid, auf den Emporen statt Bänken Kirchenörter (Stühle) aufzustellen. Im September wird die kleinste Glocke geliefert. Beim ersten Läuten springt sie und muss neu gegossen werden, ebenso eine zweite Glocke im November. Im Herbst setzt der Wädenswiler Glaser Hans Jakob Scheller die Kirchenfenster ein. An sechs Tagen im November vergantet man die 581 Kirchenstühle auf den drei Emporen zu Erb und Eigen. Im Februar und April 1767 liefert Glockengiesser Schalch je eine der neu gegossenen Glocken. Im März findet die Versteigerung der «Weiberbänke» im Schiff statt. Zimmermann Jakob Messmer verfertigt die hölzerne Kanzel, die bis am 18. Juli von Moosbrugger und einem Gesellen mit schwarzen und weissen Adern marmoriert wird. Tags darauf hält Pfarrer Hofmeister auf der neuen Kanzel die erste Predigt. Pfarrer und Untervogt sitzen erstmals in ihren neuen Stühlen an der Kanzelwand. Am 16. Juli beschliesst der Stillstand, einen Teil der Bänke im Schiff nicht zu versteigern, sondern als Freibänke zu bezeichnen. Am 11. August werden die Stühle beidseits der Kanzel vergantet. Am 12. August beginnen vier Maler aus Bregenz, Name und Wappen der Eigentümer an die Lehnen der gekauften Kirchenörter zu malen. Am 15. August hängt Schlosser Heinrich Diezinger das geschmiedete Turmportal ein. Am 22. August stellt man den aus schwarzem Bündner Marmor verfertigten Taufstein in die Kirche.
Untervogt Hans Caspar Blattmann, Säckelmeister des Kirchenbaus.
Kirchenstuhl von Hans Caspar Blattmann.
Einweihung und Bauabrechnung
Mit Festpredigt, Kantate und grossem Volksfest feiert Wädenswil am Sonntag nach Bernhard, am 23. August 1767, die Einweihung der neuen Kirche mit dank kühner Dachkonstruktion stützenlosem Innenraum.
Quittung über den Erwerb eines Kirchenstuhls.
Die im Druck herausgegebene Predigt von Johannes Hofmeister zur Einweihung der Kirche am 23. August 1767.
Am 15. Februar 1768 befestigt man an den Weiberbänken «die Blächlein mit darauf gemalten Wappen», das Werk des einheimischen Malers Johannes Rhyner. Am 17. April überbringen zwei Mitglieder des Stillstandes dem Baumeister Grubenmann die letzte Rate des Honorars. Am 22. August verliest Untervogt Blattmann vor in der Kirche versammelter Gemeinde in Gegenwart des Landvogts Johann Caspar Huber und des Pfarrers die Kirchenbaurechnung, welche wegen der Versteigung der Sitzplätze gegenüber dem Budget mit Gewinn abschliesst.
Der Innenraum. Zeichnung von Johann Jakob Hofmann, 1771.
Die neue Kirche Wädenswil, gezeichnet von Johannes Isler 1768, ein Jahr nach der Einweihung.