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Grippeimpfung auch für Schwangere
Indische und amerikanische Wissenschafter kommen in einer soeben veröffentlichten Studie zum Schluss, dass die Grippeimpfung für Schwangere nicht nur risikolos, sondern sogar empfehlenswert ist: Wird eine werdende Mutter gegen Grippe (Influenza) geimpft, verringert sich auch das Risiko des neugeborenen Kindes, schwere Infektionen der oberen Atemwege zu erleiden.
An der in Bangladesch durchgeführten Untersuchung hatten mehr als 300 Frauen im letzten Schwangerschaftsdrittel mitgewirkt. Alle Probandinnen willigten ein, sich kurz vor Beginn der Grippesaison impfen zu lassen – eine Hälfte von ihnen mit einem inaktivierten Impfstoff gegen Influenza und die andere Hälfte, die sogenannte Kontrollgruppe, gegen einen von Lungenentzündungen (Pneumokokken).
Von den 159 Babys der gegen Grippe geimpften Mütter erkrankten bis zum Alter von einem halben Jahr sechs an Influenza und 110 an verschiedenen Atemwegsinfektionen mit teilweise hohem Fieber. Bei den 157 Säuglingen der Vergleichsgruppe lagen die entsprechenden Erkrankungsraten bei 16 und 153, also deutlich höher. Dies ergibt rechnerisch einen Grippeschutz von 63%.
Ausserdem zeigte sich, dass der Grippeimpfschutz der Schwangeren einen positiven Einfluss nicht nur auf die Häufigkeit, sondern auch auf den Schweregrad der Erkrankung beim Kind hatte. Die Säuglinge der betreffenden Frauen wurden nur etwa halb so oft wegen einer schweren Erkältungskrankheit in die Klinik gebracht wie jene der Vergleichsgruppe. Was die Erkrankungshäufigkeit bei den Müttern anbelangt, konnte die Grippeimpfung insgesamt etwa ein Drittel der Infektionen abwenden.
In einigen Ländern, darunter den USA, rät man Schwangeren, die während der Grippesaison hochschwanger sind, schon seit 1997 zu einer Impfung gegen die Influenza. Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit (BAG) spricht sich in seinem Bulletin vom 6. Oktober nun ebenfalls für diese Vorsichtsmassnahme aus. Das eigentliche Ziel der Impfung sei, die Gesundheit des Kindes zu schützen. Mehr noch als im Mutterleib ist es in den ersten Monaten nach der Geburt gefährdet – und auch mehr noch als alte Menschen. Bis zu einem Alter von sechs Monaten können sie zudem nicht selber gegen die Influenza geimpft werden, weil ihr Abwehrsystem noch nicht ausgereift ist und keine Antikörper gegen die Grippeviren ausbilden kann. Die Kinder sind während dieser Zeit auf den Schutz durch Antikörper der Mutter angewiesen, die sie vorgeburtlich über die Plazenta erhalten hatten und die in den ersten Lebenswochen noch in ihrem Blut nachweisbar sind. Ausserdem scheint das Stillen eine gewisse Schutzwirkung zu bieten. Die Teilnehmerinnen der Studie stillten ihre Kinder im Durchschnitt 15 Wochen.
Neben der Mutter sollten sich laut BAG auch die anderen Familienangehörigen, etwa der Vater und die Geschwister des Babys, impfen lassen.
Quelle: K. Zaman et al.: New England Journal of Medicine 359, 1555–1564, 2008.
Stand: 10/08, BH