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Das Ende der Esche?
Der Pilz, der einen Grossteil der Eschen in Europa befällt, ist aktiv wie eh und je. Ob das ein Problem darstellt, ist umstritten.
Klammheimlich hat sich bei Eschen ein Pilz verbreitet, der sie zum Absterben bringt. Zuerst nur im Jura aufgetreten, hat sich der Hymenoscyphus pseudoalbidus im Land breit gemacht. Einzig im Tessin und in einigen Bündner Seitentälern tritt er nicht auf. Die Ursache konnte erst 2006 gefunden werden, jedoch wurde der weissliche tödliche Pilz zuerst verwechselt. Denn äusserlich unterscheidet sich das «Falsche Weisse Stengelbecherchen» nicht von seinem harmlosen Verwandten, dem «Weissen Stengelbecherchen». Erst 2009 konnte Valentin Queloz, Forscher an der ETH Zürich, den Pilz eindeutig identifizieren, die offizielle Publikation erfolgte 2011. Die Situation ist durchaus dramatisch: Mehr als neunzig Prozent der jungen Eschen sind befallen. Forschungsergebnisse zeigen, dass nur zwischen einem und fünf Prozent der Eschen resistent oder zumindest tolerant gegenüber der Krankheit sind. Queloz erklärt, man könnte die Eschen theoretisch «komplett ausrotten und nach einigen Jahren wieder ansiedeln.» Damit der Pilz aber tatsächlich verschwindet, müsste die Ausrottung auf einem grossen Gebiet vorgenommen werden. «Zudem müsste man absolut sicher sein, dass keine Neueinschleppungen erfolgen, was beim heutigen globalen Handel und infolge der Sporenausbreitung durch den Wind unmöglich ist.» Man kann das Geschehen auch weniger dramatisch sehen, denn Eschen machen lediglich vier Prozent des Schweizer Waldes aus. Zudem könnte sich die Esche wieder erholen, nachdem die anfälligen Bäume ausgerottet sind. Der Bestand wäre dann zwar drastisch kleiner, doch die überlebenden Eschen könnten sich wieder ausbreiten. Queloz will dieser Argumentation nicht komplett widersprechen, äussert jedoch Bedenken. «Wenn zu viele Eschen verschwunden sind, besteht die Gefahr, dass sie sich wegen der grossen Distanzen nicht mehr fortpflanzen können. Zudem reduziert eine starke ‹natürliche› Selektion die genetische Vielfalt, was die Esche verwundbar für weitere Angriffe machen könnte.» Aber Panik sei Fehl am Platz, denn «die Wälder werden ohne auch ohne die Esche weiterleben.» Ob dieser Wald anders funktionieren würde, sei noch unklar. «Heutzutage weiss man sehr wenig über die ganze Flora und Fauna, die von der Esche abhängig ist. Das wird derzeit untersucht.»