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Delémont-En La Pran ist der letzte archäologische Fundort auf dem Abschnitt Porrentruy-Delémont der Autobahn A16 Transjurane. Seine Ausgrabung erfolgte von 1996 bis 2002 unter der Leitung von Nicole Pousaz. Bei der umfangreichen Untersuchung der flächenmässig ausgedehnten Fundstelle (mittlere Höhe 426 m.ü.M.) in der Schwemmebene des Baches La Pran konnten Horizonte des Mesolithikums, des Neolithikums, sowie der Bronze- und Eisenzeit freigelegt werden.
Der zweite Band der insgesamt vier Monographien (CAJ 22 bis 25), die die Resultate von zehn Jahren multidisziplinärer Auswertung unter gleicher Leitung zusammenfassen, ist dem kleinen Urnenfeld der Spätbronzezeit gewidmet. Seine Entdeckung und Ausgrabung erfolgte in zwei Etappen, zu Beginn der Arbeiten im Februar 1996 und im August 1998. Der Korpus umfasst 35 vollständige Brandgräber und 4 Teilbestattungen; ebenfalls aufgenommen wurden 17 weitere Strukturen, deren Lage innerhalb des Bestattungsareals oder unmittelbar daran angrenzend eine Besprechung rechtfertigen. Da im näheren Umkreis jüngere Befunde weitgehend fehlen und aufgrund der geringen Funddichte in der gräberführenden Schicht A3, darf ein chronologisch homogenes, in die Stufe Hallstatt B1 zu datierendes Ensemble angenommen werden.
Aufgrund ihres fragilen Erhaltungszustandes und dem sehr knappen zeitlichen Rahmen bot sich eine Blockbergung der Gräber mit anschliessender Laborgrabung an. Die dadurch geschaffenen optimalen Untersuchungsbedingungen erlaubten es, spezifische Freilegungs- und Dokumentationstechniken zu definieren sowie adäquate Massnahmen für die Konservierung und Restaurierung zu entwickeln und somit das wissenschaftliche Potential voll auszuschöpfen. In Kapitel 2 werden die jeweils angewandten Methoden dargestellt.
Kapitel 3 ist der umfangreichste Beitrag, in dem der vollständige Befundkatalog, nach vorangehender Erläuterung seines Aufbaus, ausführlich dargelegt wird. Jedes Grab enthält zunächst Angaben zum Erhaltungszustand, gefolgt von der Beschreibung des Inhaltes im Moment der sorgfältigen Freilegung sowie einer, je nach Erhaltungszustand mehr oder weniger hypothetischen Rekonstruktion des Befundes. Darauf folgen die wichtigsten Resultate der anthropologischen Analyse, ein vollständiges Inventar der Grabbeigaben, Grundrisse, Schnitte und Abbildungstafeln sowie, bei genügend Anhaltspunkten, eine zeichnerische Rekonstruktion der ursprünglichen Niederlegung.
Kapitel 4 ist der Analyse der menschlichen Gebeine gewidmet. Die Verwendung von für Brandgräber bewährten Auswertungsmethoden ermöglicht Aussagen zu demografischen Parametern, zu anatomischen und pathologischen Unterschieden sowie zu spezifischen Knochenmerkmalen. Die Zahl der identifizierten Individuen beträgt mindestens 38, bzw. 41, je nachdem ob das kalzinierte Knochenmaterial der vier Teilbestattungen mitgezählt wird. Es handelt sich überwiegend um Einzelbestattungen, nur drei Gräber enthalten unterschiedliche Leichenbrände. Die Bevölkerungsstruktur der Bestatteten entspricht durchaus einer urgeschichtlichen Lebensgemeinschaft, in der alle Altersklassen, mit einem erhöhten Anteil von Kleinkindern, vertreten sind. Durch die Analyse der anatomischen Varianten und der krankhaften Erscheinungen konnten Aussagen zu verwandtschaftlichen Beziehungen und Gesundheitszustand der kleinen Lebensgemeinschaft gewonnen werden, deren Toten uns ein repräsentatives Bild der spätbronzezeitlichen Bewohner des heutigen Kanton Jura und seiner angrenzenden Gebiete geben.
Die verschiedenen Kategorien von Grabbeigaben werden in zwei getrennten Teilen von Kapitel 5 besprochen, zuerst die Keramik und anschliessend Schmuck sowie persönliche Gerätschaften. Ordnung und Beschreibung des Korpus der Gefässkeramik mit 156 Fragmenten folgen formellen und stilistischen Kriterien. Vergleiche mit Seeufersiedlungen der West- und Ostschweiz, mit Süddeutschland, dem Elsass, der Franche-Comté und dem Burgund lassen zahlreiche Analogien zur Keramik des älteren Hallstatt B1 des Schweizerischen Mittellandes erkennen. Die funktionelle Analyse der Gefässe ermöglicht Aussagen zum Bestattungsritual, wie z.B. die Brandmale auf den Gefässkörpern, die von einem direkten Kontakt mit dem Feuer während der Kremation zeugen. Im Unterschied zur stetigen Geschirrbeigabe in den Urnengräbern sowie dem einzigen Brandschüttungsgrab, enthalten nur 14 Gräber Schmuck und persönliche Gerätschaften : 43 Bronzeartefakte, 6 beinerne Gegenstände, 34 aus Glas, 2 aus Keramik und 1 aus bituminösen Schiefer. Auch das nichtkeramische Fundmaterial lässt insgesamt den Vergleich mit Pfahlbaustationen des Schweizerischen Mitellandes und eine Datierung in das ältere Hallstatt B1, d.h. zwischen 1050 und 1000 v. Chr zu. Die Übereinstimmung zwischen keramischem und nichtkeramischem Fundgut wird auch von der Relativchronologie und dem breiteren chronologischen Rahmen der 14C-Daten gestützt.
Nach der ausführlichen Beschreibung und Untersuchung der Einzelbestandteile folgt eine Gesamtschau des Friedhofes. Darin werden Grabbau, Beigaben- und Bestattungssitten sowie die Organisation des Gräberfeldes untersucht. Die Einteilung der Bestattungen folgt weitgehend den von Patrick Moinat und Mireille David-Elbiali oder Yannick Prouin entwickelten Modellen, mit einigen für Delémont-En La Pran spezifischen Anpassungen. Aufgrund der dreidimensionalen Lokalisierung der Objekte sowie der Verteilung des kalzinierten Knochenmaterials und der Kremationsreste lassen sich vier Hauptgrabtypen definieren. Die Annahme von Holzkisten und Brettern oder von anderen Grablegen, sowohl aus weichem als auch festem vergänglichem Material, erlaubt ein besseres Verständnis für die besondere Verteilung der Objekte und Kremationsreste. Obwohl es sich um eine verhältnismässig kleine Nekropole mit bescheidener Grabausstattung handelt, fällt die sehr sorgfältige Bestattungsweise auf sowie das Auftreten von gewissen Riten, die wahrscheinlich mit dem sozialem Status der Verstorbenen in Verbindung gebracht werden müssen. Die räumliche Organisation der Nekropole erfolgte hauptsächlich nach Sterbealter der Individuen und entspricht der Verteilung der Gräber mit bzw. ohne Kremationsreste : Erwachsene und Jugendliche liegen im östlichen Teil des Friedhofes, während Kinder mehrheitlich im Westteil ihre letzte Ruhe gefunden haben.
Die Resultate der naturwissenschaftlichen Analysen werden in Kapitel 9 dargestellt. Zuerst wird die Taphonomie einiger besonderer Bestattungen mit Hilfe der Mikromorphologie und Geoarchäologie untersucht. Darauf folgt die physikalisch-chemische Analyse der Importstücke, Glasperlen oder Armreifen aus Asphaltschiefer, die Lokalisierung ihres Herkunftsortes und die Veranschaulichung der Handelsnetze in der ausgehenden Bronzezeit. Die Bestimmung der verkohlten oder samenfesten botanischen Makroreste sowie der faunischen Überreste des Leichenbrandes schliessen das Kapitel ab.
Eine Übersicht über die Gesamtheit der zahlreichen von der pluridisziplinären Forschung erarbeiteten Daten, die während der gesamten Untersuchungszeit kontinuierlich in den Grabungs- und Auswertungsprozess einflossen, ist im letzten Kapitel als Synthese zu finden. Es wurde bewusst ein bildlich-erzählender Redaktionsstil gewählt, um das Verständnis für die Handlungen im Bestattungsritual zu erleichtern, mit dem die Bewohner des Dorfes Delémont-En La Pran ihre Verstorbenen im Zeitraum zwischen 1050 und 1000 v.Chr. beisetzten. Für das Fachpublikum folgt in fine eine Zusammenstellung der wichtigsten Resultate aus dem Gräberkatalog in Form einer Synthese-Tabelle.
Übersetzung: Monika Kleiner
Delémont-En La Pran ist der letzte archäologische Fundort auf dem Abschnitt Porrentruy-Delémont der Autobahn A16 Transjurane. Seine Ausgrabung erfolgte von 1996 bis 2002 unter der Leitung von Nicole Pousaz. Bei der umfangreichen Untersuchung der flächenmässig ausgedehnten Fundstelle (mittlere Höhe 426 m.ü.M.) in der Schwemmebene des Baches La Pran konnten Horizonte des Mesolithikums, des Neolithikums, sowie der Bronze- und Eisenzeit freigelegt werden.