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Bilder: Janina Fink
In einem beichtstuhlartig geformten Gehäuse, seitlich im Kapellenraum des Schlosses Meggenhorn, steht der Spieltisch der Orgel. Die 777 klangerzeugenden Teile sitzen jedoch einen Stock tiefer, nämlich im Keller. Der Klang des Instruments gelangt so entweder durch einen Gitterrost in den Kapellenraum, oder aber seitlich zur Schlossterrasse, wenn man die Fensterläden des Kellergeschosses öffnet. So wurde in Meggen an diesem Sonntag ein sonniges Open-Air-Orgelkonzert mit Aussicht geboten.
Ursprünglich stand auf dem Meggenhorn seit 1675 ein Landhaus, das fast ein Jahrhundert später vom Grossindustriellen Edouard Hofer-Grosjean aus Mühlhausen zu einem Schloss umgebaut wurde. 1886 kaufte eine Pariser Gräfin das herrschaftliche Anwesen und liess eine kleine freistehende Kapelle im neugotischen Stil errichten. 1920 übernahm der Zürcher Textilfabrikant Jakob-Heinrich Frey-Baumann das Schloss Meggenhorn, welcher 1926 die Kapelle renovieren liess und mit einer Orgel schmückte.
Das in der Kapelle installierte Instrument hat heute grossen Raritätswert: es ist eine Welte-Philharmonie-Orgel. 1904 entwickelte Edwin Welte gemeinsam mit seinem Schwager Karl Bockisch eine Klaviertechnologie, die innert kürzester Zeit weltweit grosses Interesse weckte. Dieses System wurde in den darauffolgenden Jahren in Freiburg im Breisgau auch auf die Welte-Philharmonie-Orgel übertragen.
Diese Technologie machte es möglich, Tonträger in Form von Papierrollen mit Lochstreifen herzustellen. Heute sind insgesamt 104 Papierrollen Bestandteil einer bestens erhaltenen Sammlung des Schlosses, die teilweise von namhaften Komponisten eingespielt wurden. Drei dieser Rollen – eingespielt von Sergej Rachmaninoff, Richard Wagner und Franz Joseph Breitenbach – waren diesen Sonntag im Konzertprogramm des stattfindenden Orgelkonzerts vorgesehen. Die Veranstaltung war zur Feier der Wiederöffnung der Orgel, nachdem sie umfassend restauriert worden war.
Die Kuratorin des Schlosses, Susanne Morger, eröffnete das Konzert bei glühendem Sonnenschein mit einer erfrischenden Begrüssungsrede und stellte die beiden Männer vor, die zusammen mit ihr das Einweihungsfest gestalteten. Ersterer war Dieter Utz, Inhaber der Orgelbau Kuhn AG in Männedorf. Letzterer war niemand Geringeres als Wolfgang Sieber, Hof- und Stiftsorganist zu St. Leodegar in Luzern.
Dieser hatte für jenen besonderen Anlass bekannte Werke für das Megger Orgelinstrument transkribiert und, wie sollte es auch anders sein, nach jedem Werk eine Sieber’sche Stilkopie des vorangegangenen Komponisten mit dem Tonmaterial des Meggerlieds (1980) von Hans Lustenberger zum Besten gegeben. Die Vielfalt an Ideen, die farbenreiche Abwechslung und der rote Faden, geschmückt mit witzigen Anekdoten aus der Schlossvergangenheit waren ein gelungenes Gesamtpaket, dass die Zuhörer*innen begeisterte und die sengende Hitze etwas erträglicher machte. Als Zugabe katapultierte Sieber das Publikum mit einer schwungvollen Interpretation des Calypsos «Matilda» zurück in die Gegenwart der Schlossgeschichte.