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Kasernen Areal - Untersuchungen im ehemaligen Kloster Klingental
Kaserne, Juni 2019
Warum graben wir?
Der Umbau der Kaserne führt zu Bodeneingriffen im für die Basler Stadtgeschichte wichtigen Areal des ehemaligen Klosters Klingental. Bauliche Eingriffe wie etwa die Tieferlegung des Kircheninnern und die Unterkellerung des Kopfbaus erfordern seit September 2018, dass die Archäologische Bodenforschung etappenweise immer wieder vor Ort die Baustelle begleitet.
Was erwarten wir?
1274 wurde das Kloster Klingental von Dominikanerinnen gegründet. Es stieg schnell zum vornehmsten und reichsten Kloster Basels auf und wurde zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor für die Stadt. 1278 wurde die Kleinbasler Stadtmauer erweitert, um das Kloster und damit das heutige Kasernenareal ins Stadtgebiet zu integrieren und zu schützen. Als Folge der Reformation wurde es – wie alle Stifte und Klöster der Stadt – 1529 aufgehoben. 1860 brach man die Wohngebäude mitsamt Kreuzgang und Stadtbefestigung bodeneben ab. Übrig blieb einzig die Kirche, die bis 1779 teilweise für Gottesdienste, gleichzeitig aber auch als Lagerraum genutzt wurde. Ferner blieb ein Konventsbau erhalten, der heute das Museum Kleines Klingental beherbergt.
Die archäologische Baubegleitung konzentriert sich zum einen auf die Bauarbeiten im Innern des aussergewöhnlich langen Kirchenchors, zum anderen auf die Umbauten im Kopfbau der Kaserne. Innerhalb des Kirchenchors kann mit Gräbern der Klosterbewohner und der Stifterfamilie von Klingen und Spuren der klosterzeitlichen Innenausstattung gerechnet werden. Im Kopfbau könnten Überreste der Wohnbauten und der oben erwähnten Stadtbefestigung zum Vorschein kommen.
Was wurde bisher gefunden?
Bei den bisherigen archäologischen Untersuchungen wurden im ganzen Kirchenchor die Überreste eines klosterzeitlichen Mörtelunterbodens aus dem Spätmittelalter aufgedeckt, auf dem die Abdrücke von Tonplatten sichtbar sind. Die Tonplatten wurden nach dem Rückbau des Bodens im 19. Jahrhundert sekundär verwendet, u. a. im selben Raum als Auflager für Balken. Diese nicht mehr erhaltenen Balken haben wahrscheinlich einen Boden getragen, der nach der Umnutzung der Kirche eingebaut wurde. Ferner wurden farbige Glasfragmente gefunden, die wahrscheinlich zu den Kirchenfenstern aus der Klosterzeit gehören. In zwei gemauerten Gräbern wurden die Überreste von mindestens 10 Personen aufgedeckt. Bei den männlichen und weiblichen Bestatteten handelt es sich wahrscheinlich um Angehörige der Basler Oberschicht, da die Bestattung innerhalb der Kirche wohlhabenden Leuten vorbehalten war. Viele der Skelette sind durch spätere Bestattungen gestört, da man die bereits vorhandenen Skelette einfach zur Seite geschoben hat. Einige der Skelette weisen Besonderheiten auf, etwa verheilte Brüche oder eine Wirbelsäulenkrümmung.
Im Kopfbau der Kaserne stiessen die Ausgräber auf die Überreste eines Kalkbrennofens mit mehreren Nutzungsschichten. Der Ofen war aussen mit Ziegeln vermauert. Gebrannter Kalk wurde und wird noch heute als Bau- und Werkstoff verwendet, beispielsweise als Beimischung zum Mörtel. Ob der Ofen beim Bau des Klosters oder des Kasernenareals zum Einsatz kam, ist noch nicht geklärt. Es wurde zudem ein vorkasernenzeitlicher Abwasserkanal gefunden, der das Abwasser von der Stadt zum Rhein geführt hat.
Massengrab aus der Zeit der Napoleonischen Kriege
Überraschend kam im nördlichen Anbau der Kaserne ein Massengrab mit 27 Skeletten zum Vorschein. Sie dürften von Soldaten stammen, die im 19. Jahrhundert einer Epidemie zum Opfer gefallen waren und schnell bestattet werden mussten.
Mehr Informationen zum Massengrab finden Sie in der Medienmitteilung.
Wie lange graben wir?
Die baubegleitenden Untersuchungen im Bereich des Kirchenchors sind abgeschlossen, im Areal des Kopfbaus sind wir bis in den Herbst 2019 tätig.