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Saillon
(Kt. Wallis, Bez. Martinach). Kirche in 522 m. Gem. und ehemaliger Flecken, der längst zu einem bescheidenen Dorf herabgesunken ist; rechts der Rhone und 12 km nö. Martinach Ville. Lehnt sich an einen Felssporn an und ist von Mauern mit Toren umgeben. Fahrweg Leytron-Saillon-Fully, der besonders zwischen Saillon und Fully von den Hochwassern des Wildbaches Sarvaz oft überschwemmt wird. 3,5 km nö. der Station Saxon der Simplonbahn führt eine Brücke über die Rhone. Postablage, Telegraph, Telephon; Postwagen Riddes-Leytron-Saillon (im Sommer wöchentlich dreimal). 422 kathol. Ew. (1888: 416 Ew.). Kirchgemeinde.
Das Dorf bietet einen sehr malerischen Anblick, namentlich seiner Ringmauer wegen, die mit 4 Türmchen gekrönt ist und oben auf dem Felsen in 560 m Höhe mit einem seines Daches beraubten grossen Rundturm abschliesst. Der dem Rhonethal zugekehrte, heisse Hang des Felshügels ist mit Weinreben bepflanzt. Früher zog sich die Mauer bis gegen die Rhone hin, wo sich ein Tor auf eine Brücke öffnete. Nachdem dann die Rhone 1559 die Brücke weggerissen und das Tor beschädigt hatte, wurde dieses abgebrochen und jene nicht mehr ersetzt.
Zudem hatte Saillon zu jener Zeit seine einst nicht unbedeutende Rolle als fester Platz bereits ausgespielt, indem sein Schloss gleich denen von Saxon, La Bâtiaz etc. bei der Eroberung des Unter Wallis 1475 verbrannt worden war. Vorher hatten sich die Grafen von Savoyen alle Mühe gegeben, Saillon zu einer der bedeutenderen Städte im Rhonethal zu machen. Aymon von Savoyen, Bischof von Sitten, schenkte 1052 dem Stift Sitten neben andern Gütern auch sein Schloss Saillon, das dann aber im Laufe des 13. Jahrhunderts von Savoyen wieder
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zurückgekauft wurde. Ein Burgvogt erscheint zum erstenmal 1233. 1271 gab der Graf dem Flecken das Stadtrecht und die Erlaubnis, Märkte und Messen abhalten zu dürfen. Nachdem die hier als Vögte sitzenden Herren von Saillon, deren einer, Wilhelm, Bischof von Sitten gewesen war, das Wallis verlassen hatten, folgten ihnen andere feudale Geschlechter, wie die Collombey, die Châtillon-Larringes und die Châtillon aus Aosta, im Amte nach. Vieles zum allmähligen Niedergang des einst blühenden Fleckens hat namentlich auch die Verlegung der Thalstrasse beigetragen, die durch die beständigen Ueberschwemmungen notwendig geworden war.
Die Gemeinde Saillon ist ziemlich umfangreich. In der Ebene reicht sie bis zur Saleintse einerseits, die sie von Leytron trennt, und bis zur Sarvaz (Grenze gegen Fully) andererseits. Während das Stück ö. der Strasse nach Saxon oft unter Wasser liegt, zeigt der Teil w. dieser Strasse eine Reihe von Inselchen, die mit Unterholz und Weidengebüsch bewachsen und von den gewundenen Armen der Sarvaz umflossen sind. Es ist dies eines der heute selten gewordenen Landschaftsbilder, das uns noch an den verwahrlosten Charakter des einstigen innern Wallis erinnert und das sein Vorhandensein den periodischen Ueberschwemmungen durch die Sarvaz, einer am Fuss der Felswand der Grande Garde nahe der Marmorsägen entspringenden starken Stromquelle, verdankt.
Der Hang ö. vom Dorf trägt Weinreben, während w. davon steinige und felsige Steilhänge aufsteigen, an deren Fuss Marmorsägen stehen. Der von diesen verarbeitete Marmor entstammt einer wahrscheinlich triadischen Schicht von etwa 15 m Mächtigkeit, die dem Karbon und den krystallinen Schiefern aufruht und von grauen Kieselkalken jurassischen Alters überlagert wird, die hier in starker Mächtigkeit entwickelt sind und die Stöcke der Tête de Bletton und der Grande Garde (2144 m) aufbauen.
Der genannte Marmor, der seit 1875 gebrochen wird, hat dadurch eine gewisse Berühmtheit erlangt, dass er in seiner grün und weiss geaderten Varietät sehr stark dem sog. cipollino antico der alten Römer gleicht. Doch ist der Marmor von Saillon kein echter Zipollin, da er keinen Glimmer enthält. Seine Zeichnungen und Farbentöne sind bemerkenswert schön und zeigen sich besonders vorteilhaft, wenn man den Stein schief zur Schichtung oder Bänderung durchsägt. Neben der genannten Varietät des sog. Cipollino antico (cipolla italien. = Zwiebel; zwiebelschalenartige Anordnung der Adern und Bänder) finden sich in der Marmorschicht noch folgende andere Spielarten: tiefschwarzer Marmor (Schweizer-Portor genannt), türkischblauer Marmor mit Goldadern, reinweisser Marmor, weisser Marmor mit prachtvollen grünen Flecken.
«Diese Sorten kommen im Handel teilweise noch gar nicht vor und spotten deswegen jeder Konkurrenz. Besonders darf aber nicht übersehen werden, dass der Zipollin nur noch in den Brüchen von Saillon vorkommt und deswegen folgerecht als ein Monopol von sehr grosser Tragweite zu betrachten ist, weil er heutzutage seiner Schönheit wegen, so gut wie zur Zeit der alten Römer, zu Dekorationen ... angewendet werden wird, sobald er bekannt geworden ist.» (Die Eisenbahn. VII, 1877). Der heute ausgebeutete Marmorbruch liegt in etwa 1000 m Höhe und ist mit den Marmorsägen von La Cleusettaz in der Ebene durch eine Drahtseilbahn verbunden.
Das Unternehmen, von dem man sich am Anfang grosse Erfolge versprach, hat mit mancherlei Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt und lag der Reihe nach in der Hand verschiedener Gesellschaften. Heute gehört es einer französischen Aktiengesellschaft. Von den Werk- und Lagerplätzen von La Cleusettaz werden die Blöcke auf Wagen nach der 5 km entfernten Station Saxon befördert. Das Fehlen eines direkten Geleiseanschlusses mit Brücke über die Rhone macht sich sehr unangenehm fühlbar.
Vergl. Wolf. F. O. Saillon's Umgebung und seine Marmorbrüche (im Jahrbuch des S. A. C. 14). ^[Ergänzung: Vergl. die Schrift: Die Marmorbrüche der «Société anonyme des carrières de marbres antiques de Saillon» in Saxon. 1880.] 1 km n. Saillon führt ein Weg mit Gallerien und Brücken in die sehr sehenswerte Schlucht der Salence (s. diesen Art.). 1050: castellum Psallionis;
1213: de Sallon;
1217: de Sallun;
1220: Sallum;
1250: apud Salions. Gräber aus der zweiten Eisenzeit;
Fund einer Merowingermünze.