Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03209.jsonl.gz/1068

Dario Cologna: Ein leidenschaftlicher Meister auf schmalen Latten
Ende Saison ist Schluss. Mit dem vierfachen Langlauf-Olympiasieger Dario Cologna verlässt einer der grössten Schweizer Sportler die Bühne der Aktiven.
Im Januar 2009 stieg Dario Cologna kometenhaft in die Weltspitze auf. Sein Name war zuvor nur Insidern ein Begriff. Als der damals 22-jährige Naturbursche aus dem Val Müstair mit der Schweizer Fahne in der Hand die letzten Meter zur Alpe Cermis im Val di Fiemme erklomm und als Sieger der prestigeträchtigen Tour de Ski oben ankam, änderte dies schlagartig. Quasi aus dem Nichts stand ein ganz junger Läufer an der Spitze des Weltcup-Klassements. Auf einen Schlag wurde allen klar, dass die Schweiz ein Juwel besitzt und der Name Cologna über Jahre hinaus im Langlauf eine bedeutende Rolle spielen könnte. Und so kam es dann auch.
Schon als Junior top
Seine Trainer hatten diesen Schritt viel früher prophezeit. In seinem zweiten Juniorenjahr holte Cologna Bronze an den Junioren-Weltmeisterschaften und bei den U23-Titelkämpfen 2007 und 2008 sammelte er insgesamt drei Goldmedaillen. 2007 gewann er als jüngster Sieger den Engadin-Marathon. Dass sein Scheitelpunkt eine derartige Höhe erreichen und sich über eine derart lange Zeit erstrecken würde, war trotz der Vorschusslorbeeren nicht absehbar.
Am 22. März 2009 wurde Cologna als erster Schweizer und jüngster Langläufer seit 25 Jahren Gesamtweltcup-Sieger. In der folgenden Saison galt der Fokus den Spielen in Vancouver. Cologna reüssierte mit dem Sieg über 15 km Freistil auf Anhieb. Die Schweiz feierte die erste Olympia-Einzelmedaille im Langlauf seit Andi Grünenfelders Bronze 1988 in Calgary und die erste Goldmedaille auf den schmalen Latten überhaupt.
2013 stand er nach dem leicht enttäuschenden Abschneiden an den Titelkämpfen 2009 in Liberec und 2011 in Oslo unter Druck, endlich Weltmeister zu werden. Im Val di Fiemme, seiner zweiten sportlichen Heimat nebst Davos, schaffte er dies gleich im ersten Anlauf. Cologna gewann den Skiathlon im Stil eines Champions.
Vom Operationstisch auf den Olymp
Vor seinen zwei Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi gewann Cologna bereits den Wettlauf gegen die Zeit. Ein Misstritt am 11. November 2013 schien alles in Frage zu stellen und stand zugleich am Ursprung seines schönsten, emotionalsten und grössten Erfolges. Die Aussagekraft der Bilder seiner Freudentränen nach dem Skiathlon stellt selbst die Schweizer Fahne auf der Alpe Cermis in den Schatten. In drei Monaten stieg er vom Operationstisch auf den Olymp. Dies hob ihn nochmals in eine höhere Umlaufbahn. Der Schweizer des Jahres 2012 und Sportler des Jahres 2013 hielt diese Flughöhe mit Olympia-Gold über 15 km klassisch.
Zu Beginn des Jahres 2018 ist er letztmals wieder ganz oben angekommen - und zwar gleich in zweifacher Hinsicht. Der Bündner traf wie 2009, 2011 und 2012 als Erster auf der Alpe Cermis ein und meldete sich mit seinem vierten Triumph an der Tour de Ski in der absoluten Weltspitze zurück. Der Zeitpunkt war perfekt. Knapp zwei Monate später gewann er in Pyeongchang sein viertes Olympiagold. Mit vier Olympia-Siegen dockte er am Satelliten «Air Ammann» an. Und triumphierte danach im März am Holmenkollen endlich in einem wichtigen Fünfziger. Mit dem 26. und letzten Weltcupsieg - ohne Staffel - beseitigte er den Fluch, der sich bei ihm über diese Distanz - primär wegen Stürzen im dümmsten Moment - gelegt hatte.
Cologna präsentierte sich 2018 so stark wie seit den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi nicht mehr. Weit weg von der Spitze war er zwar nie gewesen, aber es standen andere im Fokus - Martin Johnsrud Sundby, Petter Northug, Sergej Ustjugow, Alex Harvey oder Johannes Hösflot Klaebo. Und ab der Saison 2019/20 übernahm Alexander Bolschunow das Zepter.
Zum Glück für die Schweiz
Cologna ist bei der Tour de Ski mit vier Erfolgen Rekordsieger. Viermal stand er auch bei Olympischen Spielen zuoberst auf dem Podest, eine goldene und zwei Silber-Medaillen zieren sein Palmarès bei Weltmeisterschaften, viermal nahm er die grosse Kristallkugel für den Sieg im Gesamtweltcup nach Hause, 26mal gewann er ein Weltcuprennen, und vier Siege beim Engadin Skimarathon runden sein Palmarès ab.
Als Sohn eines Italieners verschaffte Cologna der Schweiz ein noch nie dagewesenes Hoch - er hätte im Prinzip die Loipen auch im Zeichen der grün-weiss-roten Trikolore erobern können. Doch zum Glück für die Schweiz gab der im Münstertal nur einen Kilometer von der Grenze zu Italien aufgewachsene Ausnahmeathlet den Avancen der südlichen Nachbarn nicht nach. Statt sich als herausragender Star der Italiener feiern zu lassen, schrieb Cologna Schweizer Sportgeschichte.
Kommentieren
Giulia Tanno wird Siebte
Die Schweizer Freestyle-Spezialistinnen bleiben beim Big-Air-Weltcup im amerikanischen Steamboat ohne Exploit. Olympiasiegerin Sarah Höfflin klassiert sich auf Platz 6, Giulia Tanno auf Platz 7.
Top Ten in der Verfolgung für Lena Häcki
Lena Häcki nutzt in Östersund ihre ordentliche Ausgangslage nach dem Sprint für einen Top-Ten-Platz in der Verfolgung. Die Schweizerin beendet das Rennen im 9. Rang.