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Mit ihren 4 olympischen Goldmedaillen in Rio katapultierte sich Simone Biles endgültig in den Kunstturn-Himmel. Dabei hatte sie zu diesem Zeitpunkt schon 10 Mal WM-Gold in der Tasche, mehr als jede Turnerin vor ihr.
Dann nahm sich Biles eine Auszeit. Während des Jahres 2017 postete sie zahllose Urlaubs-Bilder, nahm an der TV-Show «Dancing with the Stars» teil (wo sie im Halbfinal ausschied) und liess es sich (vermeintlich) gut gehen.
Prompt prasselte Kritik auf die damals 20-Jährige ein:
- Ein Instagram-Follower warf ihr vor, sie sei mit ihrer Dauer-Party ein schlechtes Vorbild. Ihre Antwort: «Sprich mit mir, wenn du 14 Jahre lang trainiert und fünf Olympiamedaillen gewonnen hast.»
- In DWTS bemängelte ein Juror, sie lächle zu selten. Ihre Antwort: «Lächeln gewinnt keine Gold-Medaillen.»
Eines von vielen Missbrauch-Opfern
Was damals niemand wusste: Biles gehörte ebenfalls zu den Missbrauchs-Opfern des US-Teamarztes Larry Nassar, der bis zu 260 Turnerinnen sexuell missbrauchte und zu jahrzehntelanger Haft verurteilt wurde.
Es ist zu vermuten, dass Biles in ihrem angeblichen «Party-Jahr» 2017 auch mit Vergangenheits-Bewältigung beschäftigt war. Dass sie sich Anfang 2018 als Nassar-Opfer outete, sei nach so langem Schweigen eine «Erleichterung» gewesen, bekannte sie später.
Seither setzt sie immer wieder Zeichen der Solidarität mit den weniger bekannten Opfern, etwa an den US-Meisterschaften im August. «Der blaugrüne Turnanzug ist für die Überlebenden», sagte sie nach ihrem totalen Triumph (Gold im Mehrkampf und sämtlichen 4 Geräten). Blaugrün ist die Farbe einer US-Kampagne gegen sexuellen Missbrauch.
Favoritin in Doha
Nun gibt Simone Biles an der WM in Katar ihr internationales Comeback. Die Qualifikation steht ab Samstag auf dem Programm. Alle Augen werden auf die Frau mit der Startnummer 756 gerichtet sein.
Sendebezug: SRF zwei, sportaktuell, 22.10.18, 22:20 Uhr