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Alle drei Kanadier holten mit den ZSC Lions Pokale und standen einst auch bei Gottéron an der Bande: Larry Huras, Hans Kossmann und Sean Simpson blicken in den FN auf die Playoff-Halbfinalserie zwischen ihren Ex-Clubs voraus.
Larry Huras feierte 2001 mit den ZSC Lions den Meistertitel, in der Saison 2016/17 hielt er Gottéron in der National League, nachdem er den Trainerposten von Gerd Zenhäusern übernommen hatte. Hans Kossmann führte die Zürcher 2018 als Notnagel zum Titel, zuvor war er von 2011 bis 2015 Headcoach der Freiburger, mit welchen er 2013 den Playoff-Final gegen den SCB verlor. Der spätere Schweizer Nationaltrainer Sean Simpson schliesslich gewann mit den Lions 2008 die Champions Hockey League und den Victoria Cup. In der Saison 2019/20 unterstützte er den Trainerneuling Christian Dubé in beratender Funktion bei Gottéron und trug seinen Teil dazu bei, dass es die Freiburger doch noch in die Playoffs schafften (die wegen Corona jedoch abgesagt wurden).
Während Simpson heute noch als Trainer der ungarischen Nationalmannschaft aktiv ist, betreuen Huras, der unter anderem Mitbegründer einer Firma ist, die ein Coaching-Tool entwickelt hat, und Kossmann, der zuletzt 2020 beim SCB Kari Jalonen ersetzt hatte, aktuell keine Mannschaften mehr. Alle drei verfolgen das Schweizer Eishockey und notabene ihre Ex-Clubs nach wie vor und haben sich bereit erklärt, für die FN die Viertelfinalserie zwischen Gottéron und den ZSC Lions anhand ihres Wissenstands zu analysieren.
Grönborg und Dubé auf Augenhöhe
«Weil ich seit einigen Jahren nicht mehr in der Liga bin, wäre es für mich schwierig, die Serie bezüglich Stärken und Schwächen oder gar personellen Duellen und Ähnliches zu analysieren», räumt Simpson ein. «Aber es wird eine grossartige Serie. Der Zweite trifft auf den Dritten, beide Teams sind gut aufgebaut und auf dem Papier ebenbürtig.» Detaillierter als Simpson gehen Huras und Kossmann auf die Ausgangslage der Best-of-7-Serie ein. Beide verfolgen aus der Ferne, wenn immer möglich, die Spiele der National League. Vorteile für die eine oder andere Seite können sie auf dem Trainerposten keine ausmachen, obwohl Zürichs Rikard Grönborg, der Schweden 2017 zum Weltmeistertitel gecoacht hat, über deutlich mehr Erfahrung verfügt als sein Gegenüber Dubé. «Grönborg hatte Erfolg auf der internationalen Bühne.
Das sind aber National-League-Playoffs. Dubé hat als Spieler viele Playoffs erlebt und er wird seine Lehren aus seinen ersten Playoffs als Trainer gezogen haben. Zudem hatte er einige wirklich, wirklich gute Trainer in der Vergangenheit», sagt Huras mit dem ihm ganz eigenen Schalk – und meint natürlich in erster Linie sich selbst, als er den heutigen Gottéron-Trainer beim SCB coachte. Auch Kossmann sieht seinen ehemaligen Spieler auf Augenhöhe mit dem Schweden. «Christian macht diesen Job lang genug und hat gezeigt, dass er dazu fähig ist. Gottéron war das konstanteste Team des Jahres. Die Playoffs sind zwar etwas anderes, aber Freiburg hat schon gegen den LHC gezeigt, dass es ein Top-Team ist in dieser Saison», erklärt der 60-Jährige, der wieder in seiner kanadischen Heimat lebt und sagt, dass er Freiburg vermisse und dass er mit seiner Frau hier eine wunderbare Zeit hatte.
Beeindruckendes Powerplay
Ein klares Plus sieht Kossmann im Powerplay der Freiburger, das in den Viertelfinals gegen Lausanne so überzeugt hatte. «Das 5-gegen-5 ist gegen jedes Team gut genug. Wenn das Powerplay weiter so stark ist, dann kann Gottéron gewinnen. Ich liebe das Überzahlspiel der Freiburger. Sie haben alles, um konstant zu skoren. Das müssen sie gegen die Lions auch tun!» Huras sieht die Stärkeverhältnisse in den Special Teams ausgeglichener. «Zu diesem Zeitpunkt der Playoffs gibt es keine Geheimnisse mehr. Beide Teams kennen die Spielzüge des anderen. Es geht in erster Linie um die Ausführung der Spieler auf dem Eis und die Anpassungen der Trainer während des Spiels. Am Ende des Tages gewinnt das Team mit dem heissesten Torhüter den Kampf der Special Teams.» Den Goalies kommt laut Kossmann insbesondere im Boxplay eine zentrale Rolle zu. «Oft wird das Boxplay von den Torhütern bestimmt. Das ist für Gottéron kein Problem.»
Game-Changer Diaz
Apropos Stärken, auch wenn er die Teams nicht bis ins letzte Detail kenne, sei er von den Leaderqualitäten von David Desharnais und Chris DiDomenico begeistert, so Kossmann. «Philippe Furrer und Raphael Diaz sorgen zudem für eine Menge Routine in der Defensive. Und Andrei Bykow sowie Julien Sprunger haben gegen den LHC zusammen fünf Tore geschossen. Wenn die zwei gut spielen, machen sie Gottéron zu einem gefährlichen Team, wobei beide gegen die Lions oft gut spielen.
Nicht zu vergessen ist auch die Entwicklung von Nathan Marchon und Killian Mottet.» Die offensive Feuerkraft Gottérons beeindruckt Huras ebenfalls. «Zwei oder drei Linien können skoren. Das ist in den Playoffs ausschlaggebend. Die Freiburger sind auch von der blauen Linie offensiv produktiv. Diaz ist ein Gamechanger und Furrer ist auf einer Mission. Nicht zu vergessen ist Berra, der ein Team tragen kann, wenn es defensiv nicht 100-prozentig steht.»
Glücksgriff Kovar
Den Lions attestiert Huras sehr viel Tempo und einige Spieler, die eine Partie im Alleingang entscheiden können. «Denis Hollenstein etwa liebt das Scheinwerferlicht. Ich erwarte einige grossartige Aktionen von ihm.» Für Kossmann hat der im Verlauf der Saison engagierte tschechische Goalie Jakub Kovar – der Bruder von EVZ-Stürmer Jan Kovar – grossen Einfluss auf die Qualitäten der Zürcher. «Mit Kovar im Tor wurden die Lions beständiger und haben mehr Selbstvertrauen. Überdies haben Spieler wie Sven Andrighetto, Simon Bodenmann, Denis Malgin oder Denis Hollenstein ihr Niveau seit Playoff-Start erhöht. Das Kader der Zürcher ist tief und mit so vielen guten Spielern besetzt.»
Lions aus der Komfortzone
Allerdings hat im Fall der Lions nicht erst diese Saison aufgezeigt, dass die besten Spieler nicht immer auch die beste Mannschaft bilden. «Zürich und Grönborg werden den Druck spüren. Er hat grossartige Spieler, hatte aber bis anhin keinen Erfolg in den Playoffs. Vom ZSC wird erwartet, dass er gewinnt. Der Trainer muss einen guten Job machen, damit mit diesem Druck umgegangen werden kann», sagt der 66-jährige Huras, der dank seinem Coaching-Tool sowohl in Europa als auch in Übersee geschäftlich tätig ist. Um eine Meisterschaft gewinnen zu können, müsse das Team im richtigen Moment heiss sein. «Der Druck war grösser für Gottéron in den Viertelfinals gegen Lausanne. Die Freiburger sind nun befreit und spielen mit viel Vertrauen.» Kossmann seinerseits ist überzeugt, dass die Lions immer gefährlich sind, wenn sie die Viertelfinals einmal überstanden haben. «Während der Qualifikation bereiten sie sich trotz so viel Talent selbst Probleme. Aber wenn die Playoffs beginnen, können sich die Spieler fokussieren und die Egos beiseitelegen. Das scheint im Viertelfinal gegen Biel mit Spiel 7 der Fall gewesen zu sein. Vielleicht war dies das Beste für Zürich, das so endlich seine Komfortzone verlassen musste.»
Affiche verspricht viel
Alles in allem würden sich die beiden Mannschaften bezüglich Qualitäten und Aufbau ziemlich ähnlich sehen, sagen Huras und Kossmann unisono. «Gottéron und Zürich repräsentieren das Beste der Liga: Tempo und Skills», bringt es Huras auf den Punkt. «Ja, die Teams sind sich unglaublich ähnlich», unterstreicht Kossmann. «Deshalb werden die Special Teams und das Secondary Scoring, bei dem beide Teams aufregende Optionen haben, entscheidend sein.»
Huras erwartet eine enge Serie über sechs oder sieben Spiele. «Am Ende wird die Mannschaft mit dem besseren Goalie siegen. Ich wünsche den Spielern und dem Trainer viel Glück. Ich freue mich darauf, die Spiele zu schauen.» Mit einer packenden Serie rechnet auch Kossmann. «Die zwei Teams standen immer für grossartige Duelle. Gottéron muss gesund bleiben, will es mit der Kadertiefe der Zürcher rivalisieren. Der Beginn der Serie wird wegweisend. Die Freiburger müssen stark starten.»
Gottérons Entwicklung
Er sei stolz, dass er den ZSC während zwei Jahren coachen konnte, blickt derweil Simpson zurück. «Wir hatten einige Erfolge und eine grossartige Gruppe von Spielern und Staffmitgliedern. Zürich ist definitiv eine Top-Organisation. Nicht weniger dankbar und glücklich ist der heute 61-Jährige, dass er Teil von Gottéron sein konnte. «Ich habe es genossen, an der Seite von Christian (Dubé – Red.), Pavel (Rosa) und David (Aebischer) zu arbeiten. Ich genoss auch den Austausch mit den Spielern und dem Staff. Leider endete die Saison abrupt und ich konnte nicht allen persönlich danken und auf Wiedersehen sagen.» Er habe die Entwicklung der Mannschaft in den letzten zwei Jahren mit Freude zur Kenntnis genommen. «Christian hat als Teammanager einige gute und smarte Transfers gemacht und ist ein Top-Coach. Es macht Spass, die Einstellung, das Tempo und den Spielstil des Teams zu sehen. Ich freue mich auf die Spiele gegen den ZSC.»