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Der Roman des Apuleius in tiefenpsychologischer Sicht
Daß die Kunstwerke der Antike nicht nur historisch aufschlußreich sind, sondern von verblüffender Aktualität, und daß sie die Menschen unseres Jahrhunderts unmittelbar betreffen, zeigt Marie-Louise von Franz in der vorliegenden, anschaulich geschriebenen Interpretation des aus dem 2. Jahrhundert stammenden Klassikers von Apuleius.
«Der Goldene Esel» ist ein märchenhafter Roman. Und wie die Märchen kann man ihn als symbolischen Ausdruck unbewußter Prozesse verstehen. Der ursprüngliche Anstoß zu der umfassenden Deutung kam noch von Jung persönlich, und seine Psychologie des Unbewußten ist es auch, die der Autorin den Schlüssel für ihre Interpretation liefert.
Marie-Louise von Franz folgt dem Weg des Helden, Lucius, der in einen Esel verwandelt wird und in Tiergestalt unter großem Leiden einen Wandlungs- und Integrationsprozeß durchlebt. Sie interpretiert das Geschehen als einen Prozeß, der heute immer stärker ins Bewußtsein unserer patriarchalen Gesellschaft drängt: die Wieder-Anerkennung des weiblichen Prinzips. Und da der Held der Geschichte männlichen Geschlechtes ist, liegt der Schwerpunkt auf der Erlösung des vernachlässigten Weiblichen im Manne.
Die früheren Auflagen des Buches erschienen unter dem Titel: «Die Erlösung des Weiblichen im Manne».
Umschlagbild Barbara Hannah: Tal mit Flußmäander (Aquarell, undatiert)