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Der Archäologische Dienst des Kantons Graubünden (ADG) hat im Zusammenhang mit dem Neubau und der massiven Erweiterung (Aufnahme von Kriminellen aus anderen Kantonen gegen finanzielle Vergütung an Graubünden) der JVA Realta in einer Notgrabung einen Friedhof aus dem 19. Jahrhundert freigelegt und wissenschaftlich untersucht.
Dieser Friedhof gehörte zur einstmaligen Korrektionsanstalt Realta und geriet in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts offenbar in Vergessenheit.
Nun fragt sich, was mit den Gräbern passiert. Aber das ist nicht die einzige offene Frage.
Kantonsrat (SP) und Räpper Andri Perl und die unten-genannten Unterzeichnenden stellen aktuell in einer Anfrage der bündner Regierung folgende Fragen:
1. Hat die Notgrabung finanzielle und terminliche Auswirkungen auf den Neubau der JVA Realta?
2. Weshalb waren der Friedhof und seine archäologische Untersuchung nicht Teil der regierungsrätlichen Botschaft zur JVA Realta?
3. Was weiß man über die Bestatteten des Friedhofs und was ist mit ihren sterblichen Überresten geschehen?
4. Wie schätzen Regierung und ADG den wissenschaftlichen Wert der Fundstelle im schweizweiten Vergleich ein?
5. Wann und in welcher Form wird die Öffentlichkeit über die Grabung und die wissenschaftliche Auswertung der Fundstelle informiert?
6. Gedenkt die Regierung vor Ort an diese Begräbnisstätte und die Bestatteten zu erinnern?
Hintergrund zur JVA Realta
1840 wurde das Zwangsarbeitshaus im bischöflichen Schloß Fürstenau für „arme, arbeitsfähige, aber dem Müßiggang und Bettel ergebene Menschen“ eröffnet.
„Von 1851 bis 1855 erfolgte der Bau der neuen „Korrektionsanstalt für trunksüchtige, liederliche, haltlose Frauen und Männer„ auf der kantonalen Domäne Realta. Eine Volksabstimmung entschied über den Bau einer „Versorgungsanstalt“ im kleinen Dorf Realta im Domleschg, heißt es auf der Webseite Kulturgueter.ch und: „Damit wurde das Asyl Realta eröffnet (heute psychiatrische Klinik). Dadurch kam es zur Trennung von Kranken und Korrektionellen.
Weiter heißt es auf der Webseite Kulturgueter.ch: „Das „Asyl Neu-Realta“, heute Psychiatrische Klinik Beverin, war ein umzäunter Komplex von neun Pavillons, die in einem Tannenwald lagen, von der Rhätischen Bahn aus kaum zu entdecken. Hier konnten 70 Frauen und ebenso viele Männer aufgenommen werden. Seit 1924 gab es eine Arbeiterkolonie, in die ruhige und arbeitsfähige Kranke verlegt wurden: sie kamen hier für ihren eigenen Lebensunterhalt auf. Auch in die Korrektionsanstalt Alt-Realta wurden nach Bedarf Patienten verlegt, ein Altersheim- und ein Kinderheim im Bad Rothenbrunnen ergänzten die Anlage.
Von ungefähr 4680 Krankengeschichten aus den psychiatrischen Kliniken Waldhaus und Beverin aus dem Zeitraum 1892-1930 wurde ein Viertel (1487 Akten) untersucht.“
Im den „Bündner Monatsblättern“ von 1951 erfährt man dazu: „Im Jahre 1919 wurde in nächster Nähe der seit 1854 bestehenden Korrektionsanstalt Realta die zweite bündnerische Irrenanstalt bezogen. Der ganze Anstaltskomplex, zu welchem organisatorisch auch noch das Altersheim Rothenbrunnen gehört, erhielt den Namen «Allgemeine Versorgungsanstalt Realta»“
Die Frauenabteilung wurde 1948 aufgehoben.
Die neuerbaute, halboffene Anstalt für Männer im Straf- und Maßnahmenvollzug wurde 1965 eröffnet (gemäß Vereinbarung im Ostschweizer Konkordat). In den Jahren 1976 bis 1977 erfolgten Erweiterungsbauten (Gewerbebetriebe).
Per 1. Januar 1991 wurde die Anstalt Realta von der Psychiatrischen Klinik Beverin getrennt; seither wird sie selbständig geführt.
Seit 2001 werden unter medizinischer Kontrolle Opiate an Schwersta…
Aktuell wird ein Neubau vorgenommen, durch den es anzahlmäßig auch möglich sein soll, Kriminelle aus anderen Kantonen unterzubringen.
Weitere Unterzeichner der Anfrage sind:
Schneider, Atanes, Baselgia-Brunner, Bleiker, Bucher-Brini, Cahenzli-Philipp, Caviezel (Chur), Crameri, Deplazes, Dermont, Epp, Gartmann-Albin, Jaag, Kunfermann, Locher Benguerel, Monigatti, Noi-Togni, Peyer, Pfenninger, Pult, Thöny, Tomaschett-Berther (Trun), von Ballmoos, Widmer-Spreiter, Antognini
(Bild oben: Symbolbild)by