Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03534.jsonl.gz/1302

Geschlechtervielfalt im Geschlechtergetrennten Kontext
Umgang mit Geschlechtervielfalt in geschlossenen, geschlechtergetrennten, sozialpädagogischen Wohngruppen.
Während viele Angebote der Kinder- und Jugendhilfe nach wie vor auf ein binäres Geschlechterverständnis ausgerichtet sind, steigen die Zahlen von Jugendlichen, die sich als trans*, inter* oder non-binär outen und sich nicht in ein zweigeschlechtliches Kategoriensystem einfügen lassen. In geschlechtergetrennten Angeboten wird die binäre Strukturierung besonders deutlich und erschwert eine bedürfnisgerechte Integration und Betreuung nicht-cisgeschlechtlicher Jugendlicher. In geschlossenen, geschlechtergetrennten Institutionen drängt sich diese Diskrepanz auf, da in Situationen, die eine geschlossene Platzierung erfordern, häufig keine Alternativen zur Verfügung stehen. Anhand von Gruppendiskussionen mit Mitarbeitenden einer Wohngruppe für weibliche und einer Wohngruppe für männliche Jugendliche sowie Interviews mit den beiden Leitungspersonen wird untersucht, inwiefern ein affirmativer Umgang mit Geschlechtervielfalt in geschlossenen, geschlechtergetrennten Wohngruppen umgesetzt wird und welche spezifischen Herausforderungen sich dabei für die Institutionen und Mitarbeitenden stellen. Die generierten Daten werden anhand einer inhaltlich strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet. Es zeigt sich, dass sich beide untersuchten Institutionen im Prozess befinden, die Betreuung von nicht-cisgeschlechtlichen Jugendlichen zu optimieren und bedürfnisgerecht zu gestalten. Es werden zahlreiche queer-inklusive Handlungsweisen umgesetzt. Die Herausforderungen, welche sich stellen, sind insbesondere eine generelle mangelnde Handlungssicherheit im pädagogischen Alltag mit trans* oder non-binären Jugendlichen, der Umgang mit Urinproben und Leibesvisitationen, die Frage nach der notwendigen Gewichtung der Thematik, der Umgang mit den anderen Jugendlichen auf der Wohngruppe sowie der Umgang mit dem Spannungsfeld zwischen biologischem Geschlecht, Rollenverhalten und Bedürfnisgerechtigkeit des Angebotes