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J&J will mindestens 67% aller Actelion-Aktien übernehmen, heisst es in Mitteilungen von Actelion und J&J vom Donnerstag. Der offerierte Angebotspreis entspreche einem Aufschlag von 46% gegenüber dem Durchschnittskurs der Actelion-Aktie vor der Voranmeldung des Kaufangebots (191,20 CHF). Die Verwaltungsräte beider Unternehmen haben der Transaktion einstimmig zugestimmt.
Die Angebotsfrist läuft voraussichtlich vom 3. März bis zum 30. März, wie es weiter heisst. Die Actelion-Aktionäre sollen an einer ausserordentlichen Generalversammlung über die Fusion befinden können, die im zweiten Quartal 2017 abgehalten werden soll. Mit dem Vollzug der Übernahme werden alle Verwaltungsräte von Actelion zurücktreten.
LANGE ÜBERNAHMEGESPRÄCHE
Die auf die Behandlung von Lungenbluthochdruck (pulmonale arterielle Hypertonie, PAH) spezialisierte Actelion wird seit längerem von Kaufinteressenten umworben. Ende November 2016 hatte Actelion Gespräche mit Johnson&Johnson über eine mögliche Übernahme bestätigt, Mitte Dezember waren die Gespräche aber als erfolglos erklärt worden. Nachdem offenbar zwischenzeitlich auch die französische Sanofi Kaufinteresse gezeigt hatte, kehrten Actelion und J&J am 21. Dezember wieder offiziell zu "exklusiven Gesprächen" zurück.
Johnson&Johnson sieht die Übernahme des Actelion-Geschäfts und dessen Eingliederung als "hoch komplementär" zum bestehenden Portfolio der zu J&J gehörenden Janssen Pharmaceuticals an. Der US-Konzern will die Präsenz von Actelion in der Schweiz aufrechterhalten. Die Transaktion werde unmittelbar zum Gewinn pro Aktie von J&J beitragen. Die Übernahme wird mit Mitteln finanzieren, die J&J ausserhalb der USA hält.
NEUE SIX-KOTIERTE FORSCHUNGSGESELLSCHAFT UNTER FÜHRUNG VON CLOZEL
Wie bereits aus den Übernahmeverhandlungen durchgesickert war, wird eine Forschungs- und Entwicklungsgesellschaft ("R&D New Co") abgespalten, die unter der Führung von Actelion-Mitgründer und CEO Jean-Paul Clozel stehen wird und an der Schweizer Börse SIX kotiert sein wird. Der bisherige Actelion-Verwaltungsratspräsident Jean-Pierre Garnier soll VR-Präsident der neuen Gesellschaft werden. Die Aktien der "R&D New Co" sollen an die Actelion-Aktionäre als Sachdividende ausgeschüttet werden.
Für Clozel dürfte der Abgang von Actelion einen folgerichtigen Schritt darstellen. In der Vergangenheit hatte er eine Übernahme seiner Actelion stets vehement abgelehnt. Dass J&J nun doch den Zuschlag erhält, ist wohl auf den starken Druck der weiteren Aktionäre zurückzuführen, wie verschiedene Medien in den letzten Wochen berichtet hatten.
Die Vereinbarung beinhaltet zudem ein Wandeldarlehen des US-Konzerns an die "R&D New Co" in zwei Tranchen. Eine erste Tranche wird nach dem Vollzug der Abspaltungstransaktion gewandelt und führt dazu, dass J&J einen Anteil von 16% an der R&D NewCo halten wird und die bisherigen Actelion-Aktionäre 84%. Die neue Forschungsgesellschaft werde mit einem Cash-Bestand von 1 Mrd CHF starten können. J&J will zudem während der kommenden fünf Jahre grundsätzlich einen Anteil von 32% nicht überschreiten.
ACTELION-KURS SPRINGT UM 20% NACH OBEN
Am Schweizer Aktienmarkt springt der Kurs der Actelion-Aktie in die Nähe des Übernahmepreises - im Vergleich zum Vortagesschluss notiert der Titel gegen 10.30 Uhr um gut 20% im Plus bei 273,80. Händler zeigten sich in ersten Reaktionen wenig überrascht von dem nun vorliegenden Angebot: Im Grunde sei es nur noch offen gewesen, wann es zu einer solchen Offerte komme, hiess es. Angesichts der Konditionen sollte die Offerte ohne weitere Turbulenzen angenommen werden, so ein Marktteilnehmer.
tp/ra
(AWP)