Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03569.jsonl.gz/606

Ein grosser Erzähler und Meister der englischen Kurzgeschichte ist wiederzuentdecken. Die Spannungen zwischen Mann und Frau, Zivilisation und Natur, Gesellschaft und Individuum, Geist und Materialismus – D.H. Lawrence' Erzählungen sind so modern wie seine Themen.
Portrait
David Herbert Lawrence (1885–1930), lange als Skandalautor verkannt, »zählt heute zu den bedeutendsten Autoren der englischen Literatur im 20. Jahrhundert« (Romeo Giger/Neue Zürcher Zeitung). Lawrence, viertes Kind einer Lehrerin aus bürgerlichem Haus und eines ungebildeten Bergarbeiters, wurde dank Stipendien und selbsterarbeitetem Geld Lehrer. Eine Freundin schickte erste Gedichte an die einflussreiche ›English Review‹, wo er von Ford Madox Ford entdeckt und gefördert wurde. Lawrence wurde rasch berühmt – und berüchtigt, denn sein Hauptthema, die Beziehung zwischen Mann und Frau, und seine offene literarische Darstellung schockierten das puritanische Publikum. Auch im eigenen Leben setzte er sich über die Konventionen hinweg: Er brannte mit Frieda von Richthofen, der Frau seines ehemaligen Professors, nach Deutschland und Italien durch, ihre drei kleinen Kinder liess Frieda zurück. Die stürmische Beziehung hielt, trotz Affären und bitterer Armut, ein Leben lang. 1914 heirateten sie in London, zwei Wochen später brach der Krieg aus, beide sassen in England fest – sie hatten weder Ausreisepapiere noch Geld, da Lawrence’ Roman ›Der Regenbogen‹ wegen Pornographie verboten worden war und die Verlage seine Werke mieden. Seinen Landsleuten war Lawrence wegen seiner antimilitaristischen und antinationalen Gesinnung suspekt, die Polizei bespitzelte das Paar, weil sie in Frieda eine Spionin vermutete. Kaum war der Krieg vorbei, fuhren die Lawrences auch schon nach Italien: Florenz, Capri, Sizilien waren die ersten Stationen eines rastlosen Herumvagabundierens, das über Ceylon, Australien, Neuseeland nach Neu Mexiko führte, wo das Paar den langgehegten Traum verwirklichte, mit einer Gruppe gleichgesinnter Freunde in einer utopischen Kolonie naturverbunden und in Freiheit zu leben. »Der einzige wegweisende Romancier unserer Gegenwart« wurde D.H. Lawrence von E.M. Forster genannt. Doch sein bekanntester Roman, ›Lady Chatterley’s Lover‹, der 1928 erschien, blieb in England dreissig Jahre verboten. In seinen letzten zwei Lebensjahren reiste Lawrence wieder unstet durch Europa, diesmal auf der Suche nach einem Klima, das seine Tuberkulose mildern sollte. Vergeblich, er starb 1930 in Frankreich, begraben ist er aber in Neu Mexiko.
Herrliche, nachdenkliche und spannungsgeladene Erzählungen und Novellen von Lawrence, da macht es Spaß und viel Vergnügen, sich einfach in seiner Welt treiben zu lassen.
Lawrence ist ein hervorragender Erzähler, nicht nur in seinen Romanen.