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Geschichte
Friedrich Fromm - nicht nur eine Figur um den "20. Juli"
Ein weiser Gelehrtenspruch sagt: Je dicker das Buch, desto geringer die Intelligenz. Dass diese pauschale Wertung voluminöser Werke nicht immer zutreffend ist, versteht sich von selbst. So auch bei Bernhard Kroeners aktueller Biographie über Friedrich Fromm, der zum engsten militärischen Führungskreis des Dritten Reiches gehörte.
Trotz des schier unlesbaren Volumens von knapp 800 Seiten eng bedruckten Texts (dazu kommen noch knapp 200 Seiten Anmerkungen und Literaturverzeichnis!) gelingt es Kroener, den Leser zu fesseln und ihn am Leben Fromms teilhaben zu lassen. Beinahe minutiös zeichnet der Autor die einzelnen Lebensstationen Fromms nach. Interessant ist dies gerade deshalb, weil General Friedrich Fromm den meisten nur aufgrund seiner Rolle während des "20. Juli" bekannt sein dürfte. Dabei spielte Fromm schon zu Beginn der NS-Zeit eine wichtige Rolle im Machtgefüge des Regimes: Seit 1933 hatte er die Verantwortung für die personelle und materielle Aufrüstung des deutschen Heeres. Da Fromm zudem ab 1939 Chef der Heeresrüstung und Befehlshaber des Ersatzheeres war, ging die Kriegsplanung auch auf ihn zurück. Sein Stellenwert in der NS-Hierarchie ist also nicht zu unterschätzen. Man kann Fromm als bekannten Unbekannten bezeichnen.
Nach der umfangreichen Beschreibung der Kinder- und Jugendzeit Fromms, von der Geburt im Dreikaiserjahr 1888 über die strenge protestantische Erziehung in der Altmark bis hin zu Fromms Rolle im Ersten Weltkrieg, geht Bernhard Kroener, Professor für Militärgeschichte in Potsdam, auf Fromms Rolle rund um den "20. Juli" ein. Fromm ordnete die Erschießung von Stauffenberg und drei seiner Mittäter an. So weit so bekannt. Über die Deutung von Kroener bezüglich dieser Anordnung lässt sich allerdings trefflich streiten. Dem Autor zufolge hat Fromm die Verschwörer des "20. Juli" aus "edlen Motiven" erschossen. Hätte er dies nicht getan, wäre Stauffenberg & Co. die schreckliche "Rache des Regimes" sicher gewesen. Fromm habe das mit seinem Handeln verhindert. Damit wird u.a. auch deutlich, dass der Chef der Heeresrüstung nicht zum Regime gehörte. Man wird Kroener entgegen halten können, dass es keinen Mord aus edlen Motiven geben kann. Fromm hätte schließlich auch alternativ die "Operation Walküre" der Verschwörer unterstützen können. Dazu jedoch fehlte ihm anscheinend der Mut.
Kroener beleuchtet den Lebensweg Fromms jedoch nicht gänzlich aus der Perspektive des "20. Juli", sondern rekonstruiert Fromms Lebenslauf umfassend. General Fromm war demnach zwar ein talentierter Organisator aber doch eher ein durchschnittlicher Mann. Kein "Großer" der deutschen Geschichte. Der Eindruck, den man nach der Lektüre über Friedrich Fromm hat, bleibt zwiespältig. Fromm wurde wegen Feigheit zum Tod verurteilt und am 12. März 1945 in Plötzensee hingerichtet.