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Zwei U-Bahnstationen weit fahren und drei Mal das Jeepney, den philippinischen Kleinbus, wechseln, und schon ist man vom Stadtzentrum Manilas in den Smokey Mountains, den rauchenden Hügeln, angelangt. Die meisten der BewohnerInnen, die vom Land hierher gekommen sind, kommen nie wieder weg.
Gegen Ende des Nachmittags beginnt der Berg aus Kehricht und Müll zu rauchen. Der Abfall entzündet sich selbst, der Berg stösst weisse Rauchschwaden in die Luft. Nur erfahrene BeobachterInnen erkennen den Grund für den Rauch, denn in den letzten 40 Jahren hat die Natur den ganzen Abfallberg mit einer Grasdecke überzogen. Tomaten und Bohnen werden angepflanzt, trotz Vergiftungsgefahr und drohenden Erdrutschen und entgegen den ständigen Warnungen der philippinischen Regierung. Die Regierung hat mehrmals versucht die 25'000 BewohnerInnen der Smokey Mountains in ein anderes Quartier umzusiedeln, aber sie ist gescheitert. Die Weigerung der Regierung, das Agrarsystem grundlegend zu reformieren und die Politik der wilden Verstädterung, die die Ärmsten aus dem Stadtzentrum vertreibt, haben immer mehr Bauern und Vertriebene in die Smokey Mountains abgedrängt.
Zwischen dem Meer und dem Fuss der Smokey Mountains liegt eine riesige Abfalldeponie von mehr als 20 Hektaren Land. Sie bildet die Nahrungsgrundlage für die neuen Opfer der Wirtschaftspolitik der philippinischen Regierung. Diese Deponie ist die Lebensader einer Schattenwirtschaft, die Hunderten von Familien, die aus der Hauptstadt vertrieben wurden, das Überleben ermöglicht. Lumpensammler arbeiten auf der Deponie für ein paar hundert Pesos pro Tag (der Wert eines Sackes Reis, bevor die Lebensmittelkrise ausgebrochen ist), aber auch Inhaber von Abfallsortieranlagen und Händler. Budenbesitzer haben ihre Hütten direkt auf der Deponie oder direkt an den Abwasserkanälen, die offen aus dem reichen Manila hierher fliessen, aufgestellt. Sie haben nichts, aber die Leute wissen sich zu helfen. Sie ernähren sich von den Resten aus dem Abfall von Fastfood-Restaurants. Frauen schliessen sich zusammen, um die Kinder zu unterrichten, so gut sie können – ohne Bücher und Hefte.
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Ausgeschlossen
Die philippinische Regierung betont, dass sie verschiedene Initiativen ergriffen hat, um die Lebensbedingungen dieser Menschen zu verbessern. Tatsächlich sind in den 1990er-Jahren in der Nähe der Deponie zwei Dutzend Wohnhäuser gebaut worden. Aber die Wohnsiedlung verlottert seit Jahren, sie wird von der Deponie geschluckt.
Die Bevölkerung der Smokey Mountains ist vom pulsierenden Wachstum der Metropole ausgeschlossen, aber sie hält sich nicht still. An Kundgebungen gegen die Korruption der Regierung Arroyo marschierten die BewohnerInnen der Abfalldeponie an vorderster Front mit, Hand in Hand mit den Bauern, die aus allen Teilen des Landes angereist waren. 40 Prozent der philippinischen Bevölkerung leben in absoluter Armut.
Erschienen in «amnesty - Magazin der Menschenrechte» vom November 2008
Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion