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Aussenhandel 2015 im Fokus der Frankenaufwertung
05.02.2016
Für die Schweizer Exporteure begann das Jahr 2015 denkbar schlecht: Die Aufhebung des Mindestkurses und die darauf folgende starke Aufwertung des Frankens verteuerte quasi über Nacht die Schweizer Exportprodukte.
Zwar schwächte sich der Franken in den Folgewochen des 15. Januars, insbesondere gegenüber dem Dollar und dem britischen Pfund, wieder ab, doch die Schweizer Exporteure verloren durch die Aufwertung gegenüber dem Euro auch auf den Drittmärkten preisliche Wettbewerbsfähigkeit gegenüber der Konkurrenz aus dem Euroraum. Demgegenüber standen allerdings die positiven Effekte durch die verbilligten Importgüter.
Neben dem starken Franken spielte auch die verhaltene Nachfrage aus den Schwellenländern im letzten Jahr eine wichtige Rolle für den Aussenhandel. So schwächte sich das Wirtschaftswachstum in China weiter ab, in Russland und Brasilien schrumpfte die Wirtschaftsleistung und ihre Währungen werteten gegenüber dem Franken stark ab und die erdölexportierenden Staaten litten unter den tiefen Rohwarenpreisen. Demgegenüber entwickelte sich die Nachfrage nach Schweizer Waren insbesondere aus den USA und dem Vereinigten Königreich robust. Auch in Europa setzte die anziehende Konjunktur vereinzelte Impulse für die Nachfrage.
Starke Bewegung bei den Preisen
Gemäss den von der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) publizierten provisorischen Daten zum Warenhandel im Jahr 2015 exportierte die Schweiz im letzten Jahr Waren im Wert von 202.9 Mrd. Fr. Dies entspricht einem Minus von 2.6% gegenüber dem Vorjahr. Ein Grossteil dieses Rückgangs ist auf Preissenkungen im ersten Halbjahr im Zuge der Frankenaufwertung zurückzuführen. Preisbereinigt sanken die Ausfuhren um 0.7%. Viele exportorientierte Firmen haben somit Preissenkungen auf Kosten der Marge in Kauf genommen, um ihre Marktanteile zu halten.
Auf der anderen Seite wurden im letzten Jahr Waren im Wert von 166.3 Mrd. Fr. importiert, was einem Rückgang von 6.9% im Vergleich zum Vorjahr entspricht (siehe G 1). Der Warenhandelsüberschuss stieg somit auf 36.6 Mrd. Fr. Auch importseitig prägten Preisbewegungen das Ergebnis: Neben der Frankenaufwertung führten insbesondere auch die gesunkenen Energiepreise zu tieferen Importen. Preisbereinigt sanken die Warenimporte im letzten Jahr um 0.5%.
Maschinen- und Elektronikindustrie am stärksten von der Aufwertung betroffen
Von der Frankenaufwertung am stärksten betroffen zeigten sich die Warenexporte der Maschinen- und Elektronikgüter. Nachdem die Ausfuhren dieser Warenkategorie schon während der letzten Aufwertungsperiode im Jahr 2011 stark rückläufig gewesen waren und sich seither seitwärts bewegten, sanken die preisbereinigten Ausfuhren 2015 erneut um 4.2% (siehe G 2). Die Exporte der chemisch-pharmazeutischen Industrie entwickelten sich einmal mehr robust und stiegen, nach einem Dämpfer im ersten Halbjahr, zum Jahresende wieder an. Die Uhrenexporte verzeichneten 2015 den ersten Rückgang seit 2009 und sanken, vor allem aufgrund einer tieferen Nachfrage aus dem wichtigen asiatischen Markt, um 4.7%. Alle grossen Exportkategorien verzeichneten zudem signifikante Preisrückgänge.
Die durch die Frankenaufwertung eingetrübten Exportaussichten dämpften im letzten Jahr auch die Importnachfrage. Trotz relativer Verbilligung von Vorleistungsgütern aus dem Euroraum sanken die preisbereinigten Einfuhren von Rohstoffen und Halbfabrikaten um 2.2%. Weniger nachgefragt wurden insbesondere chemische Halbfabrikate und Metallwaren. Die Einfuhren von Investitionsgütern lagen um 0.6% tiefer als im Vorjahr. Viele Industriebetriebe verhängten im Frühjahr einen Investitionsstopp, um sich aufgrund der geänderten Ausgangslage neu ausrichten zu können. Die Importe von Konsumgütern stagnierten. Als einzige Kategorie verbuchten die Importe von Personenfahrzeugen einen starken Zuwachs und stiegen um rund 10%.
Lichtblick zum Jahresende
Gemäss den Aussenhandelszahlen der Zollverwaltung hellte sich die Exportentwicklung gegen Ende des letzten Jahres etwas auf. Der Zuwachs im 4. Quartal war zwar vornehmlich einem Exportplus der chemisch-pharmazeutischen Produkte geschuldet, doch stabilisierten sich die Maschinenexporte zumindest. Schlussendlich zog gegen Ende des Jahres, trotz des weiterhin stark bewerteten Frankens gegenüber dem Euro, auch die Nachfrage der wichtigen Handelspartner aus dem Euroraum wieder leicht an. Während in der letzten Aufwertungsphase 2011 die Frankenaufwertung mit einer wirtschaftlichen Schwäche des Euroraums einherging, dürfte die konjunkturelle Festigung in den Euroländern die negativen Effekte des starken Frankens zumindest teilweise kompensieren.