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Facebook-Gebote
Wir müssen noch mal auf Facebook zurückkommen, meine Damen und Herren. Vielleicht kennen Sie dieses berühmte Zitat von John Lennon, der im Jahre 1966 konstatierte, dass die Beatles populärer als Jesus geworden seien. Dies scheint aktuell für Facebook zuzutreffen. Jedenfalls wurde unlängst bekannt, dass an einem durchschnittlichen Tag nicht nur mehr als eine Milliarde Menschen auf Facebook aktiv sind, sondern auch dass Facebook die Bibel überholt hat, jedenfalls in den Vereinigten Staaten: Bloss 37 Prozent der US-Amerikaner geben an, die Bibel entweder täglich oder wöchentlich zu lesen. Während mehr als die Hälfte, nämlich 56 Prozent, der Amerikaner mindestens einmal wöchentlich Facebook konsultiert. Was läge da näher als eine Facebook-Version der Zehn Gebote? Beziehungsweise eine Art Zuckerbergpredigt, wenn Sie so wollen. Der reduzierten Aufmerksamkeitsspanne unserer spätdigitalen Epoche entsprechend haben wir die Gebote zunächst um die Hälfte auf fünf reduziert. Die lauten:
Du sollst nicht falsch Zeugnis posten wider deinen Nächsten.
Du sollst keine Identitäten stehlen.
Du sollst nicht mit Missgunst blicken auf die Ferienbildpostings deines Nächsten. Auch nicht, wenn diese mit Zusätzen versehen sind wie: «Ein weiterer Tag im Paradies».
Du sollst keine Badehosenfotos des Mannes deines/-r Nächsten liken.
Du sollst nicht, wie das ein werdender Vater neulich tat, die Geburt deines Sohnes via Facebook livestreamen. Keiner will das sehen. Besagter Vater hat sich später entschuldigt und gesagt, er wollte das nur für Freunde und Verwandtschaft zugänglich machen. Die wollen das aber auch nicht sehen.
Bild oben: Der Social-Media-Prophet wird während einer Zuckerbergpredigt von Jüngern bestürmt. (Keystone)