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Als Manchester City vor sieben Jahren Pep Guardiola als Trainer verpflichtete, war das Ziel klar: der erstmalige Gewinn der Champions League. Umso mehr, als Geld bei den «Sky Blues» keine Rolle mehr spielt, seit Scheich Mansour Bin Zayed Al Nahyan den Verein 2009 übernommen hat. Der 52-Jährige ist Mitglied der Herrscherfamilie des Emirats Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Guardiola ist ein Besessener, was den Fussball betrifft, er steht für eine Philosophie, die nicht nur erfolgreich, sondern auch attraktiv ist. Als er 2007 die B-Mannschaft des FC Barcelona übernahm, forderte er im ersten Training, dass fortan nur noch gepasst und nicht gedribbelt werden solle. Er will das Spiel mit möglichst viel Ballbesitz dominieren, weshalb seine Teams auch ein gutes Gegenpressing auszeichnen. Den Begriff Tiki Taka mag er allerdings nicht, weil er es als ein sinnloses Hin- und Herschieben des Balles bezeichnet. Das ist nicht das, was er will.
Kollektiv gross geschrieben
Für Guardiola ist jedes Detail entscheidend. Er erklärt seinen Spielern die Gründe hinter allem, will, dass sie verstehen, was sie tun, überlässt nichts dem Zufall. «Der plant den ganzen Tag vor sich hin. Seine Maschine läuft 24 Stunden. Und dann ist er allen anderen zwei Spielzüge voraus», sagte einst sein ehemaliger Spieler Xavi, der heute Trainer des FC Barcelona ist. Von daher erstaunt es nicht, dass er ein Faible für Hybrid-Positionen hat, die Spieler also mehrere Rollen auf dem Platz ausfüllen.
Damit das System von Guardiola funktioniert, muss sich jeder in den Dienst der Mannschaft stellen und auch defensiv arbeiten. So verwundert es nicht, dass ein Spieler wie Zlatan Ibrahimovic, der sehr von sich selbst überzeugt ist und sich während der Karriere dementsprechend verhalten hat, unter dem heute 52-Jährigen einen schweren Stand hatte.
Besonders erfolgreich war Guardiola in den vier Jahren - von 2008 bis 2012 - als Trainer des FC Barcelona. Mit den Katalanen gewann er unter anderem 2009 und 2011 die Champions League. Dass er den Verein, für den er auch sehr erfolgreich gespielt hatte, verliess, sagt vieles über ihn aus. Er hatte das Gefühl, die Mannschaft nicht mehr wie gewünscht zu erreichen. Nach einer einjährigen Auszeit arbeitete er drei Saisons bei Bayern München, ehe er nach Manchester weiterzog.
Trotz all seiner Akribie und trotz grosser Investitionen verpasste Guardiola mit City in den ersten sechs Anläufen, wie schon mit den Bayern zuvor, den angestrebten Triumph in der Königsklasse. Deshalb gab es auch kritische Stimmen. 2021 setzte es im Final gegen Chelsea eine 0:1-Niederlage ab. Heuer klappte es nun endlich.
Mundpflaster und spezielle Ernährung
Vor einem Jahr wechselte Erling Haaland für eine Ablösesumme von 75 Millionen Euro von Borussia Dortmund nach Manchester. Ob City auch ohne den Norweger die Champions League gewonnen hätte, ist eine Frage, die ungeklärt bleibt, klar ist aber, dass Haaland ein Phänomen ist. Der erst 23-Jährige erzielte in seiner ersten Saison in der Premier League in 35 Partien sagenhafte 36 Tore, in der Champions League war er in elf Spielen zwölfmal erfolgreich.
Zwar gab es Zweifel, ob Haaland ins System von Guardiola passt. Zweifellos bringt er jedoch jene Einstellung mit, die der Spanier fordert, nämlich alles dem Fussball unterzuordnen. So setzt Haaland, für einen optimalen Schlaf, nicht nur auf eine Brille mit einem Blaulicht-Filter, sondern klebt er sich auch den Mund mit einem Pflaster zu, um die Atmung durch die Nasenlöcher zu maximieren. Eine solche ist besser als jene durch den Mund.
Für sein Trinkwasser verwendet Haaland ein spezielles Filter-System. Bei der Ernährung hat er zwar ungewöhnliche Vorlieben, er schwört auf Herz und Leber von gut gehaltenen Kühen. Doch wie auch immer: Haalands Physis ist beeindruckend. Angesichts der Grösse von 1,94 m ist es erstaunlich, wie schnell er ist. Seine Höchstgeschwindigkeit beträgt über 36 km/h. Zudem ist er äussert beweglich.
Eine weitere Eigenschaft, die Haaland auszeichnet, ist, dass er ein herausragender Informationssammler ist. Er scannt sozusagen den Platz. Oder in seinen Worten: «Wenn das Team hinten aufbaut, weiss ich, dass ich nicht einbezogen werden muss. Ich warte auf den richtigen Moment, mache Bewegungen in meiner eigenen Welt. Es ist schwer zu erklären, ich verlasse meinen Körper und werde ein Zombie.»
Zwar hat Haaland in der laufenden Saison in der Premier League schon neunmal getroffen, in der Champions League blieb er in den ersten beiden Partien allerdings torlos. Gegen die Young Boys will der Zombie nun auch in der Königsklasse wieder zuschlagen.