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Hintergrund
Das Magenkarzinom steht weltweit an zweiter Stelle der malignen Tumoren des Gastrointestinaltraktes und betrifft etwa 800 Patienten pro Jahr in der Schweiz. Die klassische und bei weitem häufigste Form des Magenkarzinoms, das sogenannte Adenokarzinom, geht von der Schleimhaut des Magens aus. In den letzten Jahrzehnten ist das Magenkarzinom insgesamt immer seltener geworden, dafür hat die Häufigkeit der weiter proximal am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen gelegenen Tumore (sogenannte Kardiakarzinome) stark zugenommen - die Ursachen für diese Entwicklung sind noch unklar.
Die wichtigsten Risikofaktoren für ein Magenkarzinom sind:
- Chronische Besiedelung des Magens mit dem Bakterium Helicobacter pylori
- Chronische Magenschleimhautentzündung
- Langjährig erhöhte orale Zufuhr von nitrat- und nitrithaltigen Nahrungsmitteln (geräuchertes, gesalzenes oder gepökeltes Fleisch, Konserven)
- geringe Zufuhr von Früchten oder Gemüse
- Übergewicht
- Rauchen
- genetische Faktoren (männliches Geschlecht, Blutgruppe A, erbliches Magen-Carcinom)
Die Symptomatik ist häufig unspezifisch und reicht von Unwohlsein und Übelkeit über ungewollten Gewichtsverlust bis zu Blutarmut und Erschöpfungszuständen. Frühe Karzinome sind in der Regel vollkommen asymptomatisch und werden häufig als Zufallsbefund bei einer Magenspiegelung gefunden; fortgeschrittene Tumoren hingegen können die umliegenden Organe (Leber, Bauchspeicheldrüse, Milz, Zwerchfell, Dick- und Dünndarm) infiltrieren, in die Bauchhöhle streuen oder durch eine Verlegung des Magenlumens (Magenentleerungsstörung) erstmals auffallen.
Diagnostik
Ein akkurat durchgeführtes diagnostisches „Staging" ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Behandlung. Vor Beginn der Therapie ist es absolut entscheidend die Lage, Grösse und die exakte feingewebliche Einordnung des Tumors zu bestimmen. Ebenso müssen etwaige Absiedelungen in anderen Organen (Metastasen) ausgeschlossen werden.
Die hierzu eingesetzten diagnostischen Verfahren sind:
Magenspiegelung (Ösophago-Gastroskopie)
Mit einem Fiberendoskop werden unter Sedierung (leichte Betäubung) die Speiseröhre und der Magen von innen betrachtet und der makroskopische Aspekt sowie die genaue Lage des Tumors beschrieben. Des Weiteren ist es bei dieser Untersuchung möglich, durch Biopsien Tumorgewebe zu gewinnen.
Histologische und immunhistochemische Untersuchung
Durch den Pathologen erfolgt die feingewebliche Untersuchung des bei der Endoskopie gewonnenen Tumorgewebes. Mit neuesten Verfahren können durch spezifische Antikörper auch bestimmte Merkmale des Tumors analysiert werden, die für die weitere Therapieplanung wichtig sind.
Endosonographie (EUS)
Bei dieser Untersuchung wird über ein Endoskop eine direkte Ultraschalluntersuchung des Tumors vorgenommen. Die EUS ermöglicht eine Einschätzung, wie tief der Tumor bereits in die Wand der Speiseröhre eingewachsen ist und ob die Lymphknoten um den Tumor herum möglicherweise befallen sind.
Computertomographie (CT)
Diese Untersuchung ermöglicht eine Beurteilung der Grösse und Lokalisation des Befundes, aber auch ob der Tumor möglicherweise bereits Nachbarorgane infiltriert und ob Absiedelungen (Metastasen) in anderen Organen vorliegen. Die CT kann mit einer PET (siehe unten) kombiniert werden (PET-CT).
Positronenemissionstomographie (PET)
Dieses nuklearmedizinische Verfahren erlaubt eine Beurteilung möglicher Absiedelungen des Tumors in Lymphknoten oder Organen. Ebenso kann die PET bei der Einschätzung des Ansprechens des Tumors auf eine Behandlung mit Chemotherapie und / oder Bestrahlung von Nutzen sein.
Für die erfolgreiche Behandlung des Magenkarzinoms ist nicht nur die Qualität jeder einzelnen oben genannten Untersuchung von entscheidender Bedeutung. Die Ergebnisse müssen für jeden einzelnen Patienten im Rahmen einer regelmäßig stattfindenden interdisziplinären Sitzung (Tumorboard) diskutiert werden. Unter Mitwirkung von Experten der verschiedenen Fachrichtungen wird dann gemeinsam entschieden und der individuelle Therapieplan festgelegt. Es ist bekannt, dass die besten Ergebnisse bei der Behandlung des Magenkarzinoms in grossen Zentren mit hoher Patientenzahl erzielt werden. Das UniversitätsSpital Zürich ist in der Schweiz das grösste dieser Zentren. Unser Team aus international anerkannten Chirurgen, Gastroenterologen, Onkologen und Radio-Onkologen bietet Ihnen eine integrierte onkologische Versorgung gemäss dem neuesten Stand der medizinischen Forschung.
Therapie
Für die Behandlung des Magenkarzinoms stehen heute verschiedene Verfahren zur Verfügung, die je nach Stadium angewendet werden. Eine sorgfältige Abklärung mittels Endoskopie, endoskopischem Ultraschall und bildgebenden Verfahren (CT, PET, PET-CT) und eine anschliessende Entscheidung im interdisziplinären Tumorboard bezüglich der individuellen weiteren Therapie ist daher von besonderer Wichtigkeit.
Die chirurgische Entfernung des Tumors samt den zugehörigen Lymphknoten ist die Standardtherapie bei einem bösartigen Tumor des Magens. In Abhängigkeit von der Lage des Tumors im Magen und auch von bestimmten feingeweblichen Eigenschaften des Gewebes wird entweder der untere Teil des Magens (subtotale Gastrektomie), der gesamte Magen (Gastrektomie) oder ein Teil der unteren Speiseöhre und der gesamte Magen (transhiatal erweiterte Gastrektomie) reseziert. Als Ersatz für den Magen wird im Regelfall der Dünndarm verwendet. Dies ermöglicht nach einer gewissen Eingewöhnungsphase eine sehr gute Lebensqualität; die meisten Betroffenen können völlig problemlos feste und flüssige Nahrung zu sich nehmen.
Frühe Stadien des Magenkarzinoms können heute durch eine lokale endoskopische Behandlung
(EMR = endoskopische Mukosaresektion; ESD = endoskopische Submukosadissektion) therapiert werden. Diese Verfahren sind Spezialisten vorbehalten, da die Einschätzung, ob ein Tumor für eine solche Behandlungsalternative qualifiziert, große Erfahrung voraussetzt.
Die weitaus häufigeren fortgeschrittenen Karzinome werden heute üblicherweise mit einer Kombination aus präoperativer Chemotherapie (neoadjuvante Therapie) und nachfolgender Operation behandelt. In einer Reihe von Studien konnte nachgewiesen werden, dass diese Strategie zu einer signifikanten Verbesserung der Heilungschancen gegenüber einer alleinigen chirurgischen Therapie ohne entsprechende Vorbehandlung führt.
Manche Magenkarzinome besitzen Oberflächenantigene, die mittels spezifischer Antikörper behandelt werden können. Das wichtigste Beispiel für diese auch „Targeted Therapy" genannten Behandlungsoption ist der Einsatz von Herceptin• (Trastuzumab) bei HER-2 exprimierenden Tumoren.
Unser Experte für
Tumoren der Speiseröhre (Ösophagus), Magenoperationen, Endokrine Chirurgie)
Umfassende Diagnose und Behandlung von Krankheiten des oberen Gastrointestinaltraktes (Speiseröhre, Magen und Duodenum) durch ein hochspezialisiertes Team von national und international bekannten Experten. Wir verfügen über langjährige chirurgische Erfahrung auf dem gesamten Spektrum bösartiger und gutartiger Krankheitsbilder der Speiseröhre und des Magens. Als Universitätsklinik ist uns zudem die rasche klinische Umsetzung von Innovationen aus der Forschung ein wichtiges Anliegen. Diesem Ziel dient ein grosses Angebot klinischer Studien zur Evaluation neuer Therapieansätze.
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Prof. Dr. C.A. Gutschow
Dr. D. Vetter
Prof. Dr. M. Bueter, PhD
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