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Die Geschichte der Brauerei Haldengut ist auch ein Stück Wirtschaftsgeschichte der Stadt Winterthur. Diesen Herbst wurde mit einem grossem Fest das 175-Jahre-Jubiläum mit rund 1500 Besuchern gefeiert. Lesen Sie sich im folgenden Artikel durch 175 Jahre Biergeschichte, angefangen mit dem ersten gebrauten Bier anno 1843.
Im Jahre 1843 braute Stadtbauer Ferdinand Ernst zum ersten Mal ein Haldengut-Bier. Sein landwirtschaftlicher Betrieb am Südhang des Lindbergs war allerdings nicht der ideale Standort für ein Brauereigewerbe: die Quelle verfügte über zu wenig Wasser, was zu Qualitätsschwankungen in der Produktion führte und zeitweise sogar die Existenz des Unternehmens bedrohte.
Entscheid für den Standort Winterthur
Nach dem Tod des Gründers führten sein Sohn Hans und der Getreidehändler Johann Georg Schoellhorn als Kollektivgesellschaft die Brauerei weiter. Die Brauer-Dynastie Schoellhorn prägte die Brauerei mit ihren unternehmerischen Entscheidungen über Jahrzehnte. Als eine der ersten verfügte die Brauerei über eine Flaschenabfüllmaschine mit Gegendruck, was den Verkauf von Flaschenbier ermöglichte. Später wurden weitere Brauereien übernommen und zur Aktiengesellschaft "Vereinigte Schweizer Brauereien" verschmolzen. Durch unternehmerischen Geist wurden vor der Jahrhundertwende bereits 53'000 Hektoliter Bier gebraut. 1904 entschied man sich definitiv für einen einzigen Standort, schloss oder verkaufte die anderen und gründete in Winterthur die Brauerei Haldengut AG.
Haldengut gehörte um die Jahrhundertwende zu den Technikpionieren ihrer Branche, sei es im Transportwesen (mit Saurer) oder in der Wärme- und Kältetechnik (mit Sulzer).
Nebst der Betriebserweiterung konnte durch den Bau eines Pumpwerks mit Reservoir auch das Wasserproblem der Brauerei gelöst werden und Haldengut wuchs zur viertgrössten Brauerei der Schweiz heran. Innovation zeigte die Brauerei auch als Arbeitgeberin: sie schaffte 1894 als erste das Freibier (5-7 Liter Bier pro Tag) für die Angestellten ab und erhöhte dafür die Löhne. Die Arbeiter waren bereits damals unfallversichert. Ab 1902 waren die Angestellten zudem am Gewinn ihrer Brauerei beteiligt.
Mangel an Gerste und Malz in den Kriegsjahren
Während des 1. Weltkrieges mussten ein Grossteil des Personals wie auch die Brauereipferde in die Armee einrücken. Gerste und Malz wurden rar und teuer. Die Bierproduktion sank und stieg erst in den 20er Jahren wieder an. Auch der 2. Weltkrieg brachte erneut Einschränkungen. Die Bierproduktion brach massiv ein. Dennoch gelang es, 90 Prozent der Mitarbeiter weiter zu beschäftigen und dank des Wirtschaftswachstums nach dem Krieg zog die Produktion schnell wieder an.
Pferde und Rössli
Zum neuen Symbol für Haldengut wurden die Brauereipferde. Bereits im 19. Jahrhundert transportierten sie nebst Bier auch grosse Mengen Eis vom Klöntalersee nach Winterthur, welches für die Kühlung der Gärkeller verwendet wurde. Trotz technischem Fortschritt blieben sich Haldengut und die Pferde treu. Seit 1951 ist das "Haldengut-Rössli" das Logo für die Brauerei und das Bier. Anlässlich des 125-jährigen Jubiläums wurde der Slogan "Ende gut - Haldengut" ins Leben gerufen, welcher Werbegeschichte schrieb. Und die Brauerei-Pferde ziehen zur Freude von Gross und Klein auch heute noch durch die Gassen von Winterthur.
Harte Jahre nach Zusammenschluss
In den 80er Jahren herrschte ein starker Konkurrenzkampf in der Schweizer Bierbranche. Wie bereits 100 Jahre zuvor setzte Haldengut auch jetzt auf Zusammenarbeit über die Grenzen des eigenen Absatzgebietes hinaus. Die Fusion mit der Calanda Bräu in Chur in den 90er Jahren zeigte leider nicht die gewünschte Wirkung und Calanda Haldengut kam in wirtschaftliche Schwierigkeiten. 1994 beteiligte sich HEINEKEN an der Gruppe und sicherte damit den Fortbestand der beiden Marken. Da Calanda über die moderneren Anlagen verfügte, entschied man sich zur Zusammenlegung der Braustätten. Seit 2002 wird Haldengut in Chur gebraut und abgefüllt.
Heute wird auf dem Areal in Winterthur zwar kein Bier mehr gebraut sondern gewohnt und auch in neuen Branchen gearbeitet. Doch das Bier und seine Tradition sind weiterhin präsent. Rund 70 Personen sind heute für HEINEKEN Switzerland tätig, unter anderem in den Bereichen Kundenservicecenter und Draft-Beer-Organisation.
Weitere Informationen
Quelle Text: mit bestem Dank an Martin Wyss, Communication Specialist, Heineken Switzerland