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Schon seit den 1930er Jahren hatte die SRG (Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft) alleine das Monopol, Radiosendungen in der Schweiz betreiben zu dürfen. Gegen Ende der 70er Jahre tauchten diverse Piratensender auf, die ihr Programm von unbekannten Standorten aus illegal auf UKW sendeten. Die PTT (damalige staatliche Behörde für Post-, Telefon- und Telegrafenbetriebe) aber konnte mit ihren Peilwagen die Sendestationen bald aufspüren und wieder schliessen. Dieses Katz- und Maus-Spiel zwischen der PTT und den Radiobetreibern fand längere Zeit statt, doch die Radiopiraten blieben immer die Verlierer.
Bilder aus der Zeit, als Radio 24 mal wieder den Betrieb aufnehmen durfte (Bilder von Jürg Hofer, einem der Radio 24-Moderatoren erster Stunde):
Um sich dem Zugriff der Schweizer PTT zu entziehen, bauten Roger Schawinski und sein Team 1979 ein Radiostudio mit Sender in Italien. Dort waren sie nach italienischem Recht nämlich ein legaler Radiosender und konnten ihr Programm trotzdem bis in die Schweiz senden.
Der stärkste UKW-Sender der Welt
Das erste Sendestudio von Radio 24 befand sich in einem Einfamilienhaus in Cernobbio in der Provinz Como, nahe an der Schweizer Grenze. Der Sender wurde auf dem 2948m hohen Pizzo Groppera errichtet, von dessen Berg-Station man freie Sicht Richtung Schweiz hat. Mit einer Sendeleistung von 8 Millionen Watt war Radio 24 damals der stärkste UKW-Sender der Welt.
Mit dieser Anlage war Radio 24 im Raum Zürich gut hörbar, was sowohl die PTT als auch die Schweizer Behörden sehr verärgerte. Sie drängten die Italienische Regierung dazu, den Sender wieder zu schliessen, was unter den damaligen Radio 24-Hörern eine spontane Protest-Welle auslöste. Im ganzen Empfangsgebiet wurden über 212'000 Unterschriften für eine Petition gesammelt, die Roger Schawinski am 29. Dezember 1979 im Bundeshaus in Bern für seinen Sender abgegeben hat.
Der Sender wurde zum ersten Mal am 22. Januar 1980 auf richterliche Weisung von der Polizei geschlossen. Teilweise wurden dabei Sender-Installationen beschädigt, beschlagnahmt und auch Kabel durchtrennt.
Am 26. Januar 1980 kamen über 3000 Personen auf dem Bürkliplatz in Zürich zusammen und demonstrierten gegen die Stilllegung der Sendeanlagen von Radio 24 in Italien.
You can get it, if you really want
Obwohl der Sender noch zwei weitere Male geschlossen wurde, gab Schawinski nicht auf. Mit der Hilfe von italienischen Juristen und Advokaten wurden die richterlich verfügten Schliessungen jedes Mal wieder aufgehoben und der Sender wieder in Betrieb genommen. Unzählige Schweizerinnen und Schweizer setzten sich aber weiterhin für die Legalisierung von Privatradios in der Schweiz ein.
Im Juni 1982 kündete der damalige Bundesrat Leo Schlumpf eine neue Rundfunk-Verordnung an, in der neben der SRG auch andere Radiobetriebe in der Schweiz zugelassen werden sollten. Ungefähr 260 Anträge um Sende-Erlaubnis sind in den folgenden Monaten eingegangen, von denen 35 vom Staat bewilligt wurden – darunter auch Radio 24.
Am 30. September 1983 sendete Radio 24 ein letztes Mal von Italien aus, denn am Tag darauf sind sie nach Zürich umgezogen. Der Sender auf dem Pizzo Groppera wurde vom Schweizer Medienunternehmer Jürg Marquard für sein «Sound Radio» übernommen. Im Sommer 1984 wurde die Anlage aber durch einen Blitzschlag zerstört, seither blieb der Sender stumm. Die Antenne auf dem Pizzo Groppera steht aber noch heute.
Am 1. November 1983 sendete Radio 24 zum ersten Mal in UKW aus Zürich mit einem neuen Sender auf dem Uetliberg. Neben Radio 24 sendeten an diesem Tag sechs weitere Privatradios zum ersten Mal legal in der Schweiz.
Die Ankunft der Radiopiraten in der Schweiz
Um ihre Zeit als legaler Schweizer Radiosender richtig einzuläuten, segelten Roger Schawinski und seine Radio 24 Crew am 1. November 1983 in einem Piratenschiff über den Zürichsee zur Stadt Zürich hin. Bei ihrer Ankunft am Bürkliplatz wurden sie vom damaligen Stadtpräsident Thomas Wagner in der Stadt willkommen geheissen, indem er ihnen die symbolischen «Stadtschlüssel» übergab.