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«Mein Name ist Nakati. Sie nennen mich John. Früher habe ich Masken hergestellt. Jetzt werden meine Schuhe von Königen getragen. Aber ich habe die Farbe.»
In dem Kunstwerk «Naming the Money» der afrobritischen Künstlerin Lubaina Himid werden hundert Figuren gezeigt, die für das Schicksal ehemaliger schwarzer Sklav:innen in Europa stehen. Zu jeder Figur gibt es einen Text genau nach dem hier zitierten Muster. In meisterhafter Kürze bringen diese Sätze auf den Punkt, wie menschenfeindlich das System war: Der Name, der zum innersten Kern, zur Identität der Person gehört, wurde ausgelöscht und durch einen aus der Sprache der Sklavenhalter ersetzt. Auch die bisherigen Tätigkeiten dieser Menschen und ihre Rolle in ihrer Gesellschaft wurden durch neue ersetzt. Solche, die ausschliesslich den Interessen der Besitzer dienten. Im letzten Satz zeigt die Künstlerin jedoch, dass diese Menschen sich minime Restbestände ihrer eigentlichen Existenz bewahrten. Sie liessen sich ihre Würde nicht ganz nehmen. (Link zum Werk https://lubainahimid.uk/portfolio/naming-the-money/).
Die Sklaverei ist in Europa abgeschafft. Aber Menschen, die in unserer Gesellschaft nichts zu sagen haben und übersehen werden, gibt es viele. Menschen, die ihrer angestammten Tätigkeit nicht mehr nachgehen können, die «keine Rolle» mehr spielen und deren Namen man oft nicht kennt. Stellenlose, Bezüger:innen einer IV-Rente, Asylsuchende. Ich erinnere mich an einen psychisch schwer angeschlagenen Mann, der mir stolz von früher erzählte, als er eine Kadertätigkeit in der Gemeindeverwaltung ausübte. Es beschämte mich, dass ich ihm das keinesfalls zugetraut hatte.
Es braucht viel Kraft, sich ein kleines Stück Würde zu bewahren, wenn man nicht gesehen wird. Schon nur danach zu fragen, wie jemand heisst und was er gerne tut oder getan hat, hilft dabei.
Abb: Alexej von Jawlenskij, Abstrakter Kopf: Begierde, ca. 1925, Berlin, Nationalgalerie. Quelle: Wikimedia Commons