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48,8 Prozent der 47'500 Kälber, die im Juli 2015 das Licht der Welt erblickten, waren weiblich. Im September 2018 lag der Anteil gemäss Schweizer Bauernverband bei 52,7 Prozent (siehe Grafik).
Dass immer mehr weibliche Kälber geboren werden, ist kein Zufall. Denn seit einigen Jahren können Bauern selber das Geschlecht der Kälber bestimmen. Möglich macht das eine Technologie, welche die Trennung von X- und Y-Spermien erlaubt (siehe Textbox).
Immer beliebter bei Bauern
Swissgenetics, grösster Anbieter von Rindersperma für die künstliche Besamung (KB), bietet seit rund 10 Jahren geschlechtergetrenntes Sperma an. 2015 hat die KB-Organisation im aargauischen Mülligen ein Labor zur Spermientrennung in Betrieb genommen. Bis dahin musste Swissgenetics die eigenen Stiere nach Frankreich bringen, um geschlechtergetrenntes Sperma produzieren zu können – eine aufwendige und kostspielige Prozedur. Dank dem eigenen Labor konnte die KB-Organisation das Angebot nun ausweiten und die Kosten senken.
So funktioniert die Spermientrennung
Das Geschlecht eines Kalbes kann bestimmt werden, indem Kühe entweder mit "weiblichen" Spermien (X-Chromosom) oder "männlichen" Spermien (Y-Chromosom) besamt werden.
Dafür müssen die Spermien vorgängig getrennt werden. Samensexing wird dieser Vorgang in der Branche genannt. Inhaberin dieser Technologie ist die US-Firma "Sexing Technologies", die weltweit rund 30 Trennlabors betreibt, seit 2015 auch dasjenige von Swissgenetics in Mülligen AG.
Unterschieden werden X- und Y-Chromosomen anhand der unterschiedlichen Menge an DNA. Die X-Spermien enthalten rund 3,8 Prozent mehr DNA als die Y-Spermien. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kalb das gewünschte Geschlecht hat, liegt bei 90 Prozent.
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Die Nachfrage nach "gesextem" Sperma, wie es in der Branche genannt wird, ist in den letzten Jahren geradezu explodiert. Im Geschäftsjahr 2017/18 verkaufte Swissgenetics 130'000 Dosen mit geschlechtergetrenntem Sperma – 22 Prozent mehr als im Vorjahr. Die "gesexten" Samendosen machen mittlerweile rund 15 Prozent aller Samendosen-Verkäufe bei Swissgenetics aus.
Effizienter züchten
Geschlechtergetrenntes Sperma ist zwar teurer als konventionelles. Laut Swissgenetics zahlt sich der Mehrpreis aber aus, weil es eine effizientere Zucht ermöglicht. So können Bauern bei den leistungsstärksten Kühen gezielt weibliche Kälber für die Milchproduktion zeugen lassen – und damit den Zuchtfortschritt beschleunigen. Zudem ermöglicht das gesexte Sperma Bauern, exakt so viele weibliche Kälber zu "produzieren", wie sie als Ersatz für abgehende Kühe benötigen.
Die übrigen Kühe, die weniger leistungsstark sind und nicht zur Zucht gebraucht werden, können mit Fleischrassestieren besamt und männliche Tiere gezeugt werden. Diese setzen mehr Fleisch an, was einen höheren Erlös einbringt.
Vor allem bei Milchrassen
Geschlechtergetrenntes Sperma kommt vor allem bei Kühen zum Einsatz, die viel Milch geben, aber kaum Fleisch ansetzen – Rassen wie Jersey, Red Holstein, Holstein und Brown Swiss. Das Problem sind die männlichen Kälber.
Für die Milchproduktion haben sie keine Bedeutung, für das Zeugen von Nachkommen werden sie im Zeitalter der künstlichen Besamung nicht gebraucht und für die Mast sind sie auch nicht geeignet, weil sie kaum Fleisch ansetzen. Entsprechend unwirtschaftlich sind diese Kälber für Bauern. Eine Lösung bietet das geschlechtergetrennte Sperma: Mit diesem können männliche Milchrasse-Kälber vermieden werden.
Im Bio-Landbau verboten
Im Gegensatz zu den konventionell wirtschaftenden Bauern dürfen Bio-Landwirte kein geschlechtergetrenntes Sperma einsetzen. Ein Antrag auf Zulassung scheiterte zuletzt 2015 am Nein der Delegiertenversammlung.