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Eric Varvel hat in seinen 31 Jahren bei der Credit Suisse weit über hundert Millionen verdient. Allein 2010 kriegte er im Rahmen eines Sonder-Bonus-Programms rund 20 Millionen Franken.
Nun wird bekannt, dass Kinder des Amerikaners und deren Partner ebenfalls Karriere machten bei der Schweizer Grossbank.
Eine Tochter von Eric Varvel war laut ihrem Profil bis Frühling 2020 bei der CS, ebenso ein Sohn, der bei der Grossbank letzten Sommer ein Praktikum im Investmentbanking gemacht hatte.
Zudem gehört ein Schwiegersohn Varvels als „Vice President“ zum Kader im Investment Banking des Schweizer Multis, ein zweiter Schwiegersohn arbeitet in New York als CS-Associate.
Somit sind oder waren vier engste Varvel-Vertraute auf der Payroll der CS, nämlich zwei Kinder sowie zwei Partner von Kindern. Das Ehepaar Varvel hat fünf Sprösslinge: drei Töchter und zwei Söhne.
Für die CS sind die Anstellungen und Praktika der Varvel-Familien-Angehörigen kein Problem.
„Die Credit Suisse verfügt über klare Richtlinien bezüglich persönlicher oder familiärer Beziehungen am Arbeitsplatz und zur Vermeidung von Interessenkonflikten und Machtmissbrauch“, meinte gestern eine Sprecherin auf Anfrage.
Es gebe unmissverständliche Vorgaben. „Dazu gehört auch eine Meldepflicht für solche Beziehungen.“
Als globaler CEO stand Eric Varvel bis April dem weltweiten Asset Management der CS vor. Damit ist Varvel hauptverantwortlich für eine der beiden Grosspleiten der Bank der jüngsten Zeit.
Unter Varvel waren 10 Milliarden Kundenvermögen in Fonds des Australiers Alexander „Lex“ Greensill gelandet. Bei diesem könnte es sich um einen Betrüger handeln.
Trotz dem Greensill-Fiasko blieb Varvel auf der Lohnliste der CS. Er hat vor Monatsfrist lediglich die Verantwortung für das Asset Management abgegeben.
Nach der Anfrage zu den Familienmitgliedern bei der CS wurden Spuren im Netz gelöscht, darunter bis dahin frei zugängliche Fotos der Familie Varvel. Diese zeigte stolz ihre Villen in Frankreich und im Bundesstaat Utah in den USA.
Eine CS-Sprecherin wollte zu den Löschungen nichts sagen; sie liess gestern Abend die Frage unbeantwortet, ob Eric Varvel gegenüber der Bank sämtliche Interessenkonflikte offengelegt hatte.
Varvel ist Mormone und studierte an einer Universität der Religionsgemeinschaft, der Marriott School of Business an der Brigham Young University (BYU).
Dort hielt der CS-Spitzenmann vor 5 Jahren eine Rede vor der Abschlussklasse, zu welcher auch zwei seiner Töchter und ein Schwiegersohn zählten.
„Be a light to the world“, forderte Varvel damals. „We, as Mormons, can have a very insular culture. We are concentrated in certain states and tend to move to communities with strong Mormon populations with good wards for our children.“
„We can do more, and we can be more. Retreating to our wards and stakes and not reaching out does not allow us to be the light that we are intended to be.“
„We must challenge ourselves to be examples of service outside of our church communities. When we do this, we gain influence, drive policy and culture, and influence the world for good. We all have the ability to let our light shine.“
Varvel war 2008 unter dem damaligen CEO Brady Dougan, einem Landsmann und Investment Banker, in die Konzernleitung der CS aufgestiegen. Dort blieb er bis 2014 und übte verschiedene Aufgaben aus.
Nach seinem Ausscheiden aus der obersten Führung blieb Varvel bei der CS und kassierte weiterhin Lohn und Bonus. 2016 kürte ihn dann Iqbal Khan zum Chef des weltweiten Asset Managements der Bank.
„Wir sind erfreut, dass eine derart erfahrene und fähige Führungspersönlichkeit die Leitung des Asset Management übernimmt“, hielt Khan damals in einem Communiqué der Bank fest.
„Wir sind überzeugt, dass seine internationale Erfahrung, sein Leistungsausweis und sein Know-how einen wesentlichen Beitrag zum weiteren Wachstum unseres Asset Management und zur Erreichung unserer ambitionierten Ziele erbringen werden.“
Varvel gilt als enger Verbündeter des Herrscherhauses von Katar. Dieses gehört zu den CS-Grossaktionären. Im 2008 bewahrten die Kataris mittels Frischkapital die CS vor einer Staatsbeteiligung.
Die CS hatte die Kapitalerhöhung der Kataris durch einen Kredit finanziert, welche die Finma später rügte. Die Scheichs investierten darauf in hochverzinsliche Schuldpapiere der CS, mit einem Coupon bis 9,5 Prozent.
2010 wurde Varvel VR-Mitglied der Börse von Katar. In dieser Rolle ist Varvel für die CS-Spitze von Bedeutung. Diese muss sicherstellen, dass die Katar-Herrscherfamilie als Grossaktionärin ihr die Stange hält.
Das Beispiel von Eric Varvel bringt das Grundproblem der CS auf den Punkt. Der 57jährige Amerikaner hat trotz all den erhaltenen Boni das Debakel mit den Greensill-Fonds nicht verhindert, umgekehrt konnten viele Familienmitglieder bei der Bank landen und Karriere machen.
Die Konzernspitze in Zürich schaute dem Treiben ihres hochrangigen Investmentbankers tatenlos zu. Dessen Beziehungen zu den Scheichs am Golf waren offenbar zu wichtig, als dass die Führung am Paradeplatz Varvel hinterfragt hätte.