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Statt nur zu reagieren, wollen die Hausärzte vermehrt politisch agieren und an konstruktiven Lösungen mitwirken. Zu diesem Zweck soll im September in Basel ein Berufsverband für Hausärzte gegründet werden.
Dass die Hausärzte unzufrieden sind, ist hinlänglich bekannt. Sie taten das am 1.April 2009 kund und protestierten gegen die vom Bundesrat verordneten Labortarife. Schon am 1.April 2006 gingen 10000 Weisskittel auf die Strasse und lieferten Bundesrat Pascal Couchepin die Petition «gegen die Schwächung der Hausarztmedizin» mit 250000 Unterschriften ab. Vordergründig protestieren die Hausärzte gegen die Senkung ihres Einkommens. Doch unzufrieden sind sie wegen der generellen Arbeitsbedingungen, die den Beruf des Hausarztes unattraktiv machen. Ältere Hausärzte bekunden zunehmend Mühe, einen Nachfolger zu finden. Wenn eine Arztpraxis zugeht, müssen die verbleibenden Ärzte vermehrt Notfalldienste übernehmen, was insbesondere in ländlichen Regionen zu einer grossen Mehrbelastung führt. Im Weiteren bemängeln die Hausärzte die offensichtlichen Defizite in der Aus- und Weiterbildung zum Hausarzt.
Verschiedenste Interessen
Doch was tun die Hausärzte dagegen, ausser alle drei Jahre ihren Unmut auf der Strasse zu manifestieren? FMH, die Verbindung der Schweizer Ärzte, wird zwar mit Jacques de Haller von einem ehemaligen Hausarzt präsidiert. Doch die FMH muss auch die Interessen von Spezial- und Spitalärzten vertreten. Und dass ein kantonal angestellter Spitalarzt ganz andere Interessen hat als ein freipraktizierender Hausarzt, liegt auf der Hand.
Deshalb wollen die Hausärzte einen eigenen Berufsverband gründen. Sie tun dies voraussichtlich am 17.September 2009 in Basel, wenn gleichzeitig der Jahreskongress der Wonca, der europäischen Sektion des Weltverbands der Hausarztmediziner, stattfindet.
Giesskannenprinzip
Bisher erfolgte die politische Aktivität der Hausärzte nach dem Giesskannenprinzip: Es gibt eine Schweizerische Gesellschaft für Allgemeinmedizin mit einem Sekretariat in Lichtensteig (SGAM), dann gibt es eine Schweizerische Gesellschaft für Innere Medizin in Basel (SGIM) und eine Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrie (SGP) in Freiburg. Alle vertreten sie die Interessen von Hausärzten, machen etwas Standespolitik, sind aber vorab in der Fort- und Weiterbildung tätig.
Als Dachorganisation all dieser Gesellschaften fungiert das Kollegium für Hausarztmedizin (KHM) mit dem Grindelwalder Allgemeinpraktiker Marc Müller als dessen Stiftungsratspräsident. Das Sekretariat ist in Bern. Der Stiftungszweck besteht darin, «die Qualität der medizinischen Grundversorgung in Praxis, Lehre und Forschung zu unterstützen, zu koordinieren und zu fördern».
Eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der diversen Fachgesellschaften hat ein Konzept für den zu gründenden Berufsverband entwickelt. Die SGAM-Jahresversammlung hat im Herbst vergangenen Jahres diesem Ansinnen zugestimmt. SGIM und SGP werden an ihren Generalversammlungen im Mai und Juni 2009 darüber abstimmen. Eine der ersten Amtshandlungen dieses neuen Verbands wird die Lancierung der Verfassungsinitiative «zur Stärkung der Hausarztmedizin» sein, wie KHM-Präsident Marc Müller bestätigt. Konkrete Lösungen, wie genau die Hausarztmedizin gestärkt werden soll, müssen die Hausärzte zuerst ausformulieren.
Bei den Parteien besteht die Absicht, die Hausärzte zu stärken, beispielsweise durch eine bessere Entlöhnung gegenüber den Spezialärzten.
Erschienen in der BZ am 20. April 2009