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Das Gesundheitswesen wurde aufgrund der Corona-Pandemie einem massiven Stresstest unterzogen. Während die Notfallmedizin z.B. bei Herzinfarkt-Diagnostik und Schlaganfällen weniger Fälle verzeichnete, stiegen die Krisenkonsultation bei Psychiatern phasenweise markant an. Einbrüche gab es hingegen bei den sogenannten Wahlbehandlungen wie orthopädischen Eingriffen und Krebs-Screenings, wenngleich sie im weiteren Verlauf der Pandemie wieder aufgeholt wurden. Bei Kindern fanden gewisse Basis-Impfungen deutlich seltener statt, was dem Ziel einer hohen Durchimpfungsrate zuwiderläuft. Zu diesen Erkenntnissen kommt der neue Helsana-Report mit datenbasierten Fakten zur medizinischen Grundversorgung während der Corona-Pandemie.
13.09.2021
Die Corona-Pandemie rief die Bedeutung eines intakten Gesundheitswesens wieder in das gesellschaftliche Bewusstsein. Die Schweizer Gesundheitsversorger wurden nicht nur durch das Virus, sondern auch durch staatliche Eingriffe und deren Auswirkungen beeinflusst. Gleichwohl galt es zu jeder Zeit die medizinische Versorgung aufrechtzuerhalten. Der neue Helsana-Report wirft einen kritischen Blick auf die Gesundheitsversorgung im Jahr 2020 im Lichte von Corona und liefert datenbasierte Fakten.
Die Kosten zulasten der Grundversicherung im Jahr 2020 blieben entgegen allen Befürchtungen stabil. Dies ist zum einen auf das Verbot nicht-dringlicher Behandlungen durch den Bund zurückzuführen und zum anderen auf die individuellen Risikoabwägungen der Bevölkerung, die sich wohl hemmend auf die Nachfrage ausgewirkt haben. Im Tessin, in der Romandie sowie in ländlichen Gegenden war der Kostenrückgang besonders ausgeprägt. Eine wichtige Rolle in der Aufrechterhaltung des Leistungsangebots stellten Telefon- und Videokonsultationen dar. Während der ersten Welle haben sie sich beispielsweise bei den Hausärzten zeitweise vervierfacht, in der zweiten Welle fast verdoppelt. Insgesamt nahm ein grösserer Teil der jüngeren Bevölkerung eine medizinische Leistung in Anspruch (z.B. Arztkonsultation, Medikamente oder auch Covid-Test). Bei den älteren Bevölkerungsgruppen führte die Pandemie zu einer intensiveren Versorgung verbunden mit einer Zunahme der Kosten bei den über 70-Jährigen.
Im Jahr 2020 wurden deutlich weniger Herzinfarkte und kardiale Notfälle in den Spitälern untersucht als im Vorjahr. Auf Basis der Helsana-Daten kann davon ausgegangen werden, dass viele Betroffene mit eher leichten oder unspezifischen Symptomen ungenügend versorgt wurden und ein gewisses Risiko für negative Langzeitfolgen besteht. Andererseits hat die Pandemiesituation für manche Bevölkerungsteile zu einer Stressreduktion geführt. Ebenso haben die soziale Distanz und verbesserte Hygiene weniger Infektionskrankheiten wie die Grippe auftreten lassen, die als Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall gelten.
Im Allgemeinen wurden in etwa gleich viele Leistungen in der ambulanten Psychiatrie und Psychologie erbracht wie im Vorjahr. Während des ersten Lockdowns fand jedoch ein starker Anstieg bei den durch die Psychiater erbrachten ambulanten Kriseninterventionen statt, während diese bei den Hausärzten abnahmen. Im Bereich der psychischen Notfälle hat die Möglichkeit zu Telefon- und Videointerventionen einen erleichterten Zugang zu Psychiatern ermöglicht. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sowie Personen im unmittelbaren Pensionsalter nahmen im Gegensatz zu den restlichen Altersgruppen häufiger psychiatrische Hilfe in Anspruch. Sie sind offensichtlich stärker von der Pandemie und den gesundheitlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen betroffen.
Wahlbehandlungen sind nicht dringliche Behandlungen oder Operationen, die aus medizinischen Gründen dennoch angezeigt sind. Das Behandlungsverbot während der ersten Pandemiewelle führte kurzfristig zu einem markanten Rückgang z.B. bei orthopädischen Eingriffen und Krebsscreenings. Beide wurden in den darauffolgenden Monaten weitestgehend nachgeholt. Bei den Impfungen hingegen war eine Zurückhaltung während der Pandemie spürbar: Insgesamt wurden im Jahr 2020 weniger Basis-Impfungen verabreicht. Impfungen bei Kleinkindern erfolgen im Rahmen einer ganzheitlichen Untersuchung zum Entwicklungsstand, die nicht hinausgeschoben werden sollte.
Der Coronareport liefert Fakten und Denkanstösse, um die Versorgung sowohl während normaler wie auch ausserordentlicher Situationen besser zu gestalten. Die Analysen basieren auf den Leistungsdaten von rund 1.4 Millionen Versicherten der Helsana-Gruppe zulasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) aus den Jahren 2018 bis 2020. Sämtliche Zahlen wurden auf Grundlage der Risikoausgleichs-Statistik für die gesamte schweizerische Bevölkerung hochgerechnet.
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