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Zeichen des Wandelsvon Katja Zellweger Hirte, Volk und König zwischen Verführung und Vision: Ludger Engels inszeniert am Stadttheater Bern im Rahmen von Culturescapes Karol Szymanowskis Oper «Król Roger».
Veranstaltungsdaten
«Ich kenne kein vergleichbares Stück in der Opernliteratur, worin ein friedlicher Umbruch einer systemischen Gesellschaftsstruktur so eingehend beschrieben wird.» Regisseur Ludger Engels ist angetan von der Oper des polnischen Komponisten Karol Szymanowski, «Król Roger», («König Roger»), die er am Stadttheater Bern in Zusammenarbeit mit Culturescapes inszeniert. Die Oper in drei Akten von 1926 stehe auch im Geiste eines Europas, in dem Künstlerinnen und Künstler auf dem Monte Verità oder ein Rudolf Steiner neue Gesellschaftsformen ausprobiert hätten. Szymanowski hat sich an den Orten (u.a. Marokko, Sizilien) aufgehalten, wo solche Formen ausprobiert wurden. Das sei in den vielen musikalischen Einflüssen bemerkbar, die ein «riesiges Klanggemälde zum drin baden» ergäben.
In König Rogers christlichem Gottesstaat ist ein Hirte aufgetaucht, der die Ordnung durcheinanderbringt. «Der Hirte tritt nicht fordernd auf, er predigt Liebe, es ist ein Appell an sich selbst», sagt Engels. Roger selbst aber hadert, ist verführ- und manipulierbar, was eine friedliche Revolution ermöglicht.
Zeichen der Öffnung
Der Regisseur, der in Bern unter anderem die Opern «Tristan und Isolde», «Alzheim» und «Peter Grimes» realisiert hat, inszeniert Roger mit einem klaren Aktualitätsanspruch: «Das, was im Königreich passiert, verbinde ich stark mit den friedlichen, bunten und fröhlichen Fridays-for-Future-Demonstrationen.» Und so wie sich die Gesellschaftsstruktur im Stück wandelt, so wandelt sie Engels auf der Bühne: Das Berner Symphonieorchester unter der Leitung von Matthew Toogood spielt mitten auf der Bühne, von der eine Treppe direkt in den Zuschauerraum führt.