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Obwohl schon an der ersten Versammlung der Schweizerischen Football-Association die Durchführung einer Meisterschaft das erklärte Ziel war, vergingen nochmals drei Jahre bis zum Start derselben im Sommer 1898. Der Anglo American Football Club musste sich zuerst gegen die Lokalrivalen GC (3:3 und 2:1 im Wiederholungsspiel) und FCZ (5:0) durchsetzen und war damit für die Finalspiele qualifiziert. Die beiden anderen regionalen Sieger waren die Old Boys Basel und der Lausanne Football- and Cricket-Club. Kurioserweise erklärten die Waadtländer Forfait, da sie sich offenbar weigerten, an einem Sonntag zu spielen. Somit durfte der Anglo-Club am 12. März 1899 in Zürich auch den zweiten Basler Verein nach allen Regeln der Kunst zerpflücken. 7:0 endete das erste offizielle Finalspiel. Dabei spielten die Engländer gemäss Chronisten «mit einem Feuereifer, als ob sie sich durch jedes Goal erst die Führung verschaffen müssten». Ihre Spielweise riss «die zahlreich anwesende englische Kolonie» mit, doch längst nicht alle waren ob des neuen Meisters begeistert. Bei der Becherübergabe hielt Herr Schmid vom Grasshopper-Club in seiner Ansprache fest, «dass man vielerorts vielleicht lieber einen schweizerischen Club als Sieger aus dem Kampf hervorgehen gesehen hätte».
Das knappe Kader und die grosse Fluktuation im Team stellten den frischgebackenen Schweizer Meister vor nahezu unlösbare Probleme. Schon in der Erstausgabe des vom FCZ-Spieler Hans Enderli herausgegebenen «Schweizer Sportblatts» hiess es Anfang 1898, dass «die Engländer bei der Vervollständigung ihrer Mannschaft immer mit einem Mangel an eigenen Leuten zu kämpfen hatten». Ein Jahr später wurde die Situation noch prekärer: Nicht weniger als fünf Spieler aus dem Meisterteam verliessen die Limmatstadt, zwei weitere folgten kurz darauf. Im Februar 1900 zerfiel das Team vollends. Zwei Meisterschaftsspiele gegen den FCZ und gegen Old Boys mussten abgesagt werden: «Die Engländer, von denen einige Mitglieder krank sein sollen, verzichteten auf das Match.» Als Dritter der Ostgruppe verpasste der vormals so überlegene Anglo American Football Club die Finalspiele.
Die anglo-amerikanische Verwirrung
Tatsächlich scheint Anglo American stets der Zürcher Verein mit den wenigsten Aktiven gewesen zu sein. Zeitgenössische Statistiken von Ferdinand Isler weisen den Anglos für das Jahr 1898 und 1899 gerade mal 15 Fussballer zu. Zum Vergleich: Der FC Zürich wird mit 25 und 52, GC in beiden Jahren mit 40 Mitgliedern gelistet. Das Ende war absehbar: In ihrem Jahresbericht 1900/01 schreibt die SFA, dass der «Anglo-American F.C. Zürich wegen Mangels an Mitgliedern» seinen Austritt erklärt hat, «immerhin in der Hoffnung, im nächsten Jahre wieder beitreten zu können».
Zu einer Wiederauferstehung des ersten offiziellen Schweizer Meisters kam es indes nie. Der plötzliche Rückzug aus der Meisterschaft hinterliess eine Reihe von Rätseln. So etwa die Frage, welches denn nun der erste Fussballklub in Zürich gewesen sei. Diese Ehre nimmt GC für sich in Anspruch und weist mit dem Motto «First Club in Town» stolz darauf hin. Im 30-Jahr-Jubiläums-Buch des Schweizerischen Fussball- und Athletikverbands schrieb aber Fritz Klipstein 1925: «Die Tatsache, dass der Anglo American-Club bereits seit Jahren bestand, als sich 1886 der Grasshopper-Club mit einer Fussballsektion hervorwagte, lässt darauf schliessen, dass schon ums Jahr 1880 herum der Fussballsport in Zürich heimisch gewesen sein muss.» Ein exakteres Gründungsdatum zu schätzen, wagte 1970 Arnold Wehrle in seinem Text «Das Werden und Gedeihen des Schweizerischen Fussballverbands», als er die Entstehung auf «ca. 1884» einordnete. In Islers Fussballstatistiken wird schliesslich erst 1893 als Gründungsjahr angegeben.
Zur Verwirrung beigetragen haben sicherlich die bisher unerforschten Verbindungen zwischen dem Anglo American Football Club und anderen gleichnamigen Organisationen: Bereits 1869 wurde nämlich in Zürich der Anglo American Boating Club gegründet, der als einer der ältesten Ruderclubs der Stadt bis 1911 existierte. Von 1895 bis 1921 stand an der Bahnhofstrasse auch ein Sportartikel-Fachgeschäft namens Anglo-American, das ab 1909 auch den ersten Schweizer Fussballcup sponserte. Und schliesslich spielte 1903 bis 1905 ein Team namens Anglo American Wanderers in der obersten Schweizer Spielklasse mit. Die Namen lassen auf Überschneidungen schliessen. Doch gibt es diese wirklich?