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X. Internationales Symposium für Kinderrechte Kinderrechte und religiöse Überzeugungen: Autonomie, Erziehung, Tradition
Internationales Symposium
2 und 3 mai 2019
Auditoire LOUIS-JEANTET
Route de Florissant 77, 1206, GENF, SCHWEIZ
MIT SIMULTANER ÜBERSETZUNG FRANZÖSISCH - DEUTSCH - ENGLISCH
Die Religionslandschaft in der Schweiz verändert sich. Wie in anderen Ländern nimmt der Anteil gewisser religiöser Gemeinschaften ab (römisch-katholisch, evangelisch-reformiert), während andere Glaubensgemeinschaften wachsen (z. B. islamische oder andere christliche Gemeinschaften) und die Zahl der konfessionslosen Personen steigt. Das in Artikel 14 der UN-Kinderrechtskonvention verankerte Recht des Kindes auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit ist in einer Reihe von Gesetzen festgeschrieben, die zugunsten der Kinder gesamthaft angewandt werden müssen.
ArgumentE
Die Religionslandschaft in der Schweiz verändert sich. Wie in anderen Ländern nimmt der Anteil gewisser religiöser Gemeinschaften ab (römisch-katholisch, evangelisch-reformiert), während andere Glaubensgemeinschaften wachsen (z. B. islamische oder andere christliche Gemeinschaften) und die Zahl der konfessionslosen Personen steigt. Das in Artikel 14 der UN-Kinderrechtskonvention verankerte Recht des Kindes auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit ist in einer Reihe von Gesetzen festgeschrieben, die zugunsten der Kinder gesamthaft angewandt werden müssen.
Gleichzeitig erteilt die Kinderrechtskonvention den Eltern oder rechtlichen Vertretern das Recht und die Pflicht, die auf den Entwicklungsstand des Kindes abgestimmte religiöse Erziehung zu übernehmen. Der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte achtet die Freiheit der Eltern, die „religiöse und sittliche Erziehung ihrer Kinder in Übereinstimmung mit ihren eigenen Überzeugungen sicherzustellen“. In Deutschland und in Österreich kann ein Kind ab 12 Jahren nicht gegen seinen Willen in einem anderen Bekenntnis als bisher erzogen werden und ab 14 Jahren steht ihm die Entscheidung darüber zu, zu welchem religiösen Bekenntnis es sich halten will. In der Schweiz sind die Eltern für die religiöse Erziehung ihrer Kinder bis zum 16. Altersjahr verantwortlich. In restriktiveren Ländern Europas wurde das Alter der Religionsfreiheit auf 18 Jahre festgelegt.
Die UN-Kinderrechtskonvention anerkennt all diese Rechte und insbesondere das äusserst wichtige Schutzrecht des Kindes ab seiner Geburt. Sein Mitwirkungsrecht, d. h. sein Recht, die Religion selbst zu wählen, wird bis zum Zeitpunkt seiner vollständigen Selbständigkeit progressiv erworben. Dadurch kann eine gewisse Spannung zwischen der von den Eltern vermittelten religiösen Erziehung und dem Selbstbestimmungsprinzip des Kindes entstehen. Nicht angesprochen werden hier extreme Situationen wie die Radikalisierung von Kindern und insbesondere Jugendlichen, die ihren religiösen Glauben bekräftigen, zeigen und sogar bereit sind, dafür zu sterben. Auch wenn die Glaubensgemeinschaften, denen sie angehören, solche Radikalisierungsprozesse zumeist bekämpfen.
An öffentlichen Schulen, wo Glaubenspraktiken von Familien und der Gesellschaft aufeinandertreffen und Spannungen erzeugen können, entsteht ein grosser Teil der Debatten zum Thema Religion. Die nachstehenden Beispiele aus der Schweiz verdeutlichen diese Spannungsfelder: Gesuche um Freistellung vom Schwimmunterricht, vom Sexualkundeunterricht oder ganz allgemein von religiösen Veranstaltungen, Anträge auf Anpassung des Essens in Schulkantinen an religiöse Vorschriften, Beanstandung von religiösen Symbolen usw. Gleichzeitig müssen auch die positiven Aspekte der religiösen Betreuung durch Familie und Gesellschaft in unterschiedlichen und vielfältigen – manchmal sogar ausgefallenen – Konfessionen in einem normativen Rahmen, der eher weltliche Werte, soziale Normen, Moralvorstellungen und ethische Haltungen vermittelt, anerkannt werden.
Kinder, die in einem religiösen Umfeld aufwachsen, sind manchmal mit besonderen Praktiken konfrontiert, die mehr oder weniger mit religiösen oder sozialen Überzeugungen zusammenhängen: Ernährungsgewohnheiten, häufige Gebete, Ablehnung von Bluttransfusionen bei medizinischen Behandlungen, Frühehen, weibliche Genitalverstümmelung oder männliche Beschneidung. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um illegale Handlungen und somit schwere Verletzungen der Menschenrechte. In anderen Fällen kann dadurch die harmonische Entwicklung des Kindes gestört werden.
Das Recht auf Religionsfreiheit des Kindes als Rechtssubjekt wird in den nationalen Gesetzgebungen oft noch zu wenig berücksichtigt. Die von den Eltern oft in guter Absicht vermittelten religiösen Regeln können in gewissen Situationen nicht nur die Beteiligung und Mitwirkung des Kindes während seiner obligatorischen Schulzeit einschränken, sondern auch seine Gesundheit, seine körperliche und geistige Integrität, sein Recht auf Meinungsäusserung und sein Recht darauf, dass seine Interessen vorrangig berücksichtig werden, stark beeinträchtigen.
Es stellen sich deshalb die folgenden Fragen: Wie soll mit der Autonomie des Kindes in einem laizistischen Staat umgegangen werden, wenn das Kind einer Religionsgemeinschaft angehört, deren Grundsätze die harmonische Entwicklung des Kindes fördern? Ist die Religionserziehung ein Hindernis für das Prinzip der Chancengleichheit? Wie kann die Selbstbestimmung des Kindes in Bezug auf sein Recht auf Religionsfreiheit gestärkt werden? Wie kann die Radikalisierung von Kindern und Jugendlichen mit Unterstützung ihrer Religionsgemeinschaften verhindert werden? Sind die Selbständigkeit der Kinder, ein wohlwollender Religionsunterricht, der ihre Persönlichkeit und ihre wachsende Fähigkeit zur Selbstbestimmung respektiert, und die Auflagen eines laizistischen Staats miteinander vereinbar?
Der Aspekt der Religionsfreiheit von Kindern wird in Hochschul- und Berufskreisen nur wenig thematisiert. Das internationale Symposium will sich mit diesem komplexen Thema vor dem Hintergrund der sich verändernden Religionslandschaft befassen und dabei das Recht der Kinder, ihre Rechte gemäss ihrem Alter und ihrer Reife autonom auszuüben, in den Mittelpunkt stellen.
Zielsetzungen
Diese wissenschaftliche Veranstaltung will zu Diskussionen zu einem wenig behandelten Thema anregen. Zu den Zielsetzungen des Symposiums gehören unter anderem:
- Analyse der Argumente zu einem in Hochschul- und Berufskreisen nur wenig behandelten Thema
- Stärkung des Dialogs und Förderung des Wissens über das Recht auf Religionsfreiheit des Kindes
- Sensibilisierung für das Thema des Kindes als Rechtsinhaber
- Nutzung der Good Practice in Situationen, in denen aufgrund des Rechts auf religiöse Erziehung der Eltern und des Rechts auf Religionsfreiheit des Kindes Spannungen entstehen.
- Bauen auf Erfahrungen und Lektionen gelehrt in Engagieren mit Kindern, die entweder Opfer oder die Anstiftung zur Gewalt in Namen der Religion fähig sind (sieh Erklärung von Beirut und seine(ihre) 18 Verpflichtungen auf " Glauben für Rechte commitment XIII)
Zielpublikum
Dieses Symposium richtet sich an Politiker/innen und Fachleute: Anwälte und Anwältinnen, Juristen und Juristinnen, Lehrende, Sozialarbeitende, Familienmediatoren und
-mediatorinnen, Psychologen und Psychologinnen, medizinische Fachpersonen, Soziologen und Soziologinnen, Pädagogen und Pädagoginnen, Mitarbeitende in Verwaltungen, die sich um Kinder, die Erziehung und Religionsfragen kümmern, Vertreter/innen von Verbänden und der Medien, Studierende (höhere Semester) sowie Doktoranden und Doktorandinnen.
Die Vorträge werden auf Deutsch, Französisch und Englisch gehalten und simultan in die beiden anderen Sprachen übersetzt.
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