Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03325.jsonl.gz/1712

Printed in
dodis.ch/30943
Das Direktorium der schweizerischen Nationalbank an die Abteilung für Politische Angelegenheiten des Politischen Departements1
Betrifft: Bank of America2
Wir bestätigen den Empfang Ihrer Schreiben vom 13.3 und 27. v. M.4 und danken Ihnen verbindlich für Ihre Mitteilungen wie auch für die Zustellung einer Kopie der Notiz5 des schweizerischen Generalkonsuls in San Francisco6 über den vermutlichen Zweck der Schweizerreise des früheren amerikanischen Schatzsekretärs, Herrn Robert B. Anderson.
Wie aus den vorliegenden Informationen hervorgeht, besteht Grund zur Annahme, dass die Bank of America beabsichtigt, in der Schweiz eine Bank zu gründen oder aufzukaufen, deren Kapital aus Mitteln finanziert werden soll, welche die Bank of America in unser Land beschaffen will. Die aktive Rolle, die dabei von Herrn Anderson gespielt wird, lässt vermuten, dass das Tochterinstitut der Bank of America in der Schweiz u. a. auch damit betraut werden soll, Gelder von Geschäftsfreunden des Herrn Anderson entgegenzunehmen. Nach dem Bericht des schweizerischen Generalkonsuls in San Francisco zählen zu diesen Geschäftsfreunden auch verschiedene «not-so-respected businessmen, big-time gamblers and big-name gangsters».
Die Realisierung dieser Pläne müsste schweizerischerseits als höchst unerwünscht betrachtet werden. Sie würde einen neuen Kanal öffnen, durch den ausländische Gelder in voraussichtlich erheblichem Umfange in unser Land einströmen würden. Muss dies unter den gegenwärtigen Verhältnissen schon an sich als unwillkommen bezeichnet werden, so kommt im vorliegenden Falle noch erschwerend hinzu, dass es sich zum Teil offenbar um Gelder recht zweifelhaften Ursprungs handeln dürfte. Damit erhielten die gerade von amerikanischer Seite immer wieder erhobenen Verdächtigungen, die schweizerischen Banken seien ein Zufluchtsort für Vermögen von Schiebern und Steuerhinterziehern, neue Nahrung. Es scheint uns keineswegs ausgeschlossen, dass sich hieraus früher oder später einmal ernstliche Schwierigkeiten für die Wahrung legitimer schweizerischer Interessen im Ausland ergeben könnten.
Aus den dargelegten Gründen erachten wir es als geboten, an die Leitung der Bank of America zu gelangen, um ihr einen Verzicht auf die Verwirklichung ihres Vorhabens nahezulegen. Nachdem Sie uns jedoch um vertrauliche Behandlung Ihrer Informationen ersucht haben, möchten wir einen solchen Schritt nicht ohne Ihr Einverständnis unternehmen. Wir bitte Sie uns mitzuteilen, inwieweit wir anlässlich der beabsichtigten Intervention bei der Bank of America von den Mitteilungen Ihrer Schreiben vom 13. und 27. Januar d. J. und vom Inhalt der Notiz des schweizerischen Generalkonsuls in San Francisco Gebrauch machen dürfen, wobei wir selbstverständlich die Quelle dieser Informationen nicht nennen würden. Für Ihre Antwort7, der wir mit Interesse entgegensehen, danken wir Ihnen zum voraus bestens.
- 1
- Schreiben: E 2001(E) 1978/84 Bd. 439 (B.<ip-pii>.0). Unterzeichnet von W. Schwegler und H. Huber.↩
- 2
- Vgl. auch das Schreiben von A. Geiser an das schweizerische Generalkonsulat in San Francisco vom 9. Februar 1965, dodis.ch/31239.↩
- 3
- Schreiben von H. Hess an die Schweizerische Nationalbank vom 13. Januar 1965, E 2001(E) 1978/84 Bd. 252 (C.41.731).↩
- 5
- Notiz World Banking Corporation, Nassau, îles Bahamas, Cosmos Bank, Zurich vom 22. Dezember 1964, dodis.ch/31209.↩
- 6
- W. Sauser.↩