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Rolf Fehlbaum, Präsident des Verwaltungsrats des Möbelherstelllers Vitra, unterscheidet bei Möbeln zwischen «Elefanten» und «Ameisen». Die Elefanten sind dabei die heute häufig anzutreffenden, aus einem Material gegossenen, gezogenen oder überzogenen Möbelstücke. Die Ameisen symbolisieren handwerklich oder industriell zusammengesetzte, differenziertere Objekte.
Bezogen auf die Architektur erkennen wir in der heutigen Zeit eine Tendenz zu den Elefanten – schöne «Skulpturen» mit einer möglichst homogenen Hülle und wenig Störungen. Diese für das Auge widerstandslosen Oberflächen bedeuten für uns einen Verlust in der Wahrnehmung der Stadt.
Auch das Haus an der Weststrasse ist eine Skulptur – wir haben sie anlässlich der Grundsteinlegung sogar aus massivem Messing gefräst.
Die skulpturalen Qualitäten haben wir in einem langen Prozess anhand verschiedenster Arbeitsmodelle untersucht – bis wir die erwünschte «vertraute» Wirkung im Stadtkörper gefunden haben. Wichtig ist es uns aber, dass die Suche nicht bei der Grossform der Stadt und an der Oberfläche aufhört, sondern dass der skupturale Bauköper durch eine differenzierte Detailierung auf den Massstab des Menschen und in die Tiefe der Materialität heruntergebrochen wird.
Das «Hohe Haus» an der Weststrasse will sowohl mit den leichten, eleganten und plattengefügten Geschäftshäusern der 1950er und 1960er Jahre wie mit den steinernen Wohnbauten der Gründerzeit kommunizieren. Die Fassadenkonstruktion soll auf Grund der knappen Platzverhältnisse möglichst gering ausfallen, aber doch auch eine gewisse Schwere thematisieren.
Das abgebildete Wohn- und Geschäftshaus von Asnago Vender in Mailand ist aus Natursteinplatten gefügt und zeichnet die verschiedenen, aufeinandergestapelten Nutzungen und deren Verhältnis zur Stadt ab. Es interessiert uns, dass sein Oben nicht gleich seinem Unten ist. Es hat einen Sockel, einen Rumpf, einen Kopf und eine Krone – es reagiert auf die verschiedenen Schichten der Stadt.
Ein Kleid von fein ondulierenden Faserzementplatten, zusammengehalten durch ein Netz golden eloxierter Aluminiumprofile spannt sich vertikal und horizontal über das gesamte Gebäude. Das Gewichten der Kanten in ihrer Dimension und Position, sowie minimale Versetzungen der Plattenebene in der Tiefe ergeben ein ablesbares Ordnungsprinzip und eine übergeordnete Hierarchisierung über die ganze Fassade.
Die Wahrnehmung der Fassadenplatten changiert je nach Lichtverhältnissen in ihrer Wirkung von leicht zu schwer. Bei Sonne zerteilen die goldenen Profile die Fassade – bei Schatten verbinden sich die Platten und Fugen zu einem übergeordneten Ganzen.
Das Erdgeschoss wird mit einer gefalteten Fassade aus einem starken eloxierten Aluminiumblech speziell ausgezeichnet. Sichtbar im 1:1 Fassadenmodell – sowie beim Restaurant Clipper bei der Sihlpost in Zürich, 1951 von Roland Rohn erstellt.
Grössere Flächen der Aluminiumbleche im Bereich der Leibungen werden mehrfach gebrochen und so strukturiert. Dieselbe Struktur – auf ein feineres Mass skaliert – findet sich auch in der Fläche der vorgehängten Faserbetonplatten.
Auf dem Dach findet sich die strukturierte Fläche nochmals in einer zu «Stein» gewordenen Welle.
Die Häuser an der Winkelriedstrasse reagieren durch eine sehr differenzierte Materialisierung, eine zarte Farbigkeit und eine vielschichtige Staffelung der Fassaden auf die grosse Nähe der Nachbarschaft. Die vielen Schichten der Fassade ermöglichen trotz der äusserst nahen Bestandsgebäude rundum eine fein dosierte Öffnung der Wohnungen. So wird die Fassade zur kommunizierenden Membran als Grenze zwischen der Intimität des privaten Wohnens und der Öffentlichkeit im Stadtraum.
Unterschiedliche Füllungen aus Fenstern oder Putz verleihen der Fassade je nach Orientierung und dahinterliegender Nutzung einen ganz anderen Ausdruck.
Beim Einfamilienhaus «Zur Stiege» wird die Konstruktion aus dem traditionellen Strickbau des Vorgängerbaues hergeleitet. Das Fassadenbild der kreuzweise gestapelten Bretterlagen wird für das komplette Wandelement weiterentwickelt, vom Witterungsschutz über die Holzständerkonstruktion, die Konterlattung für die Elektroinstallationen bis zur inneren Wandverkleidung. Die einzelnen Holzschichten werden so kreuzweise wieder zu einem kompakten Holzelement zusammengebunden. Die Geländer und die Laube werden durch das Weglassen einer Bretterschicht ausgedünnt und von aussen ablesbar.
Das gleiche Prinzip findet auch für die Boden- und Deckenelemente Verwendung.