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Die offizielle Münze für King Charles III. (73) wurde vorgestellt. Am Donnerstag präsentierte die Münzprägeanstalt des Vereinigten Königreichs (Royal Mint) die Münzsammlung, die auch die verstorbene Queen Elizabeth II. (†96) würdigt. «Heute haben wir die Ehre, das erste offizielle Bildnis Seiner Majestät König Charles III. zu enthüllen, das zum ersten Mal auf einer Gedenkmünzensammlung zu Ehren des Lebens und des Vermächtnisses von Queen Elizabeth II. erscheint», so die Royal Mint auf ihrer Website.
Der britische Bildhauer Martin Jennings (65) hat die neuen Münzen entworfen und Charles hat sie auch «persönlich genehmigt», heisst es. «Es ist das kleinste Werk, das ich geschaffen habe, aber es ist Ehrfurcht einflössend, zu wissen, dass es von Menschen auf der ganzen Welt über Jahrhunderte hinweg gesehen und gehalten werden wird», sagte Jennings und fügte hinzu, dass die Prägung nach einem Foto von Charles geschaffen wurde.
Bedeutung der Blickrichtung
Das Profil des Monarchen soll zunächst auf einer neuen 5-Pfund-Sondermünze und einer 50-Pence-Münze zu sehen sein. Die Prägung folgt einer Tradition, denn das Porträt von Charles blickt nach links, während das seiner Mutter nach rechts gerichtet ist. «Charles folgt der allgemeinen Tradition in der britischen Münzprägung, die bis zu Charles II. (1630-1685) zurückreicht, dass der Monarch in die entgegengesetzte Richtung zu seinem Vorgänger blickt», sagte Chris Barker laut «Mail Online» vom Royal Mint Museum dazu.
Auf dem Porträt trägt er keine Krone; die lateinischen Worte «King Charles III, by the Grace of God, Defender of the Faith» (Dt. König Charles III. von Gottes Gnaden, Verteidiger des Glaubens) umrahmen das Porträt.
Was passiert mit den Queen-Münzen?
Die bisherigen Münzen behalten ihre Gültigkeit. Nach und nach soll das Geld aber umgetauscht werden. «Münzen mit den Porträts von Queen Elizabeth II. und König Charles III. werden beide noch jahrelang als Wechselgeld im Umlauf sein», so die Royal Mint.
Auf der Instagram-Seite der Royal Mint heisst es zudem zu einer Queen-Sonderkollektion: «Die ersten Münzen mit dem Bildnis sind Teil einer Gedenkkollektion für Ihre verstorbene Majestät Queen Elizabeth II., die am 3. Oktober erscheinen wird. Wir freuen uns auch, ankündigen zu können, dass die 50-Pence-Münze in den kommenden Monaten in Umlauf kommen wird.»
Geschichte der Münzprägung
Die Münzprägung für die Monarchen hat nicht nur eine lange Tradition, sie erfüllte auch mal einen Zweck. «Als wir die ersten Münzen herstellten, war das die einzige Möglichkeit für die Menschen zu erfahren, wie der Monarch tatsächlich aussah, nicht so wie heute in den Tagen der sozialen Medien», sagte Anne Jessopp, Geschäftsführerin der Royal Mint. «Daher wird auch das Porträt von König Charles auf jeder einzelnen Münze zu sehen sein.»
Die Münzprägeanstalt prägt seit mehr als 1.100 Jahren Münzen für das Vereinigte Königreich, darunter auch die Münzen während der 70-jährigen Regentschaft Ihrer Majestät.
Charles erbte den Thron nach dem Tod der Königin, die am 8. September im Alter von 96 auf ihrem Anwesen im schottischen Balmoral verstarb.
Was ändert sich mit Charles auf dem Thron noch alles?
Eine neue Münze ist nicht das Einzige, was sich in England nach dem Tod der Queen im öffentlichen Raum ändern wird. Denn nicht nur auf dem Kleingeld prangte seit 70 Jahren das Gesicht der nun verstorbenen Monarchin, sondern auch von den Geldscheinen. Auch diese müssen nun neu gedruckt werden. Gemäss britischen Medien sind derzeit etwa 29 Milliarden Münzen mit dem Gesicht der Queen im Umlauf und 4,5 Milliarden Pfund-Scheine, mit einem Gesamtwert von rund 80 Milliarden Pfund. Das Geld mit dem Profil der Queen wird vorerst noch gültig bleiben, nach und nach aber aus dem Verkehr gezogen werden. Wie der britische «Guardian» berichtet, wird es etwa zwei Jahre dauern, bis alleine die Banknoten vollständig ausgetauscht sind.
Veränderungen bei der Royal Mail
Die britische Post hat bekanntgegeben, dass die Briefmarken mit dem Gesicht der Queen weiterhin Gültigkeit haben werden, man allerdings keine neuen drucken werde. Auch die öffentlichen Briefkästen lässt die Royal Mail stehen – diese sind mit den Initialen des lateinischen Namen von Queen Elizabeth II., Elizabeth Regina II., versehen: «ER II». Die britische Post bestätigt allerdings, dass neue Mailboxen hinzugefügt werden, die ab sofort das lateinische Kürzel des neuen Königs King Charles III., Charles Rex III., also «CR III» tragen werden.
Ministerien und Behörden erwarten Wechsel
Alle öffentlichen Behörden werden als «Her Majesty's» bezeichnet, beispielsweise das Finanzamt trägt den Namen «Her Majesty's Revenue and Customs». Auf Websites, Schildern und Briefköpfen muss nun das Pronomen «Her» gegen «His» ausgetauscht werden, sofern nicht sowieso schon nur die Abkürzung «H.M.» vorhanden ist.
Justiz
Während die britischen Anwälte bisher unter der Bezeichnung «Queen's Counsel» liefen, werden sie ab sofort als «King's Counsel» bezeichnet werden. Ebenso müssen sich die einzelnen Gerichte umbenennen und aus der «Queen's Bench Division» wird nun «King's Bench Division».
Siegel für Hoflieferanten
Hersteller von bestimmten Produkten bekommen vom regierenden Monarchen oder der regierenden Monarchin das Recht, sich mit einem Hoflieferanten-Siegel auszustatten. Alle Lieferanten, die das Siegel der Königin tragen durften, verlieren in zwei Jahren das Recht, dieses zu tragen – zwei Jahre nach dem Tod der Queen. Auch der Thronfolger kann solche Siegel verleihen, daher werden die Siegel von Charles weiterhin Gültigkeit behalten, auch wenn er diese als Prince of Wales verteilte. Neu erhält Prinz William (40) als Kronprinz das Recht, Hoflieferanten zu ernennen.
Lohnt sich der Aufwand?
Mit jeder neuen Person auf dem Thron muss das Geld in Grossbritannien ausgetauscht werden. Das ist ein teures Unterfangen. Man fragt sich, ob es sich wirklich lohnt, jedes Mal Geld, Briefmarken, Reisepässe – auch im Commonwealth –, Polizeihelme und so weiter neu herzustellen. Vor allem, wenn jemand den Thron besteigt, der selbst nicht mehr der Jüngste ist, so wie es bei King Charles III. mit seinen 73 Jahren der Fall ist.
Vorerst sieht es aber wohl nicht so aus, als würde Grossbritannien von dieser Tradition zurücktreten. In einigen Commonwealth-Mitgliedstaaten wie etwa Jamaica oder Belize könnte es aber zu Aufständen kommen, die fordern, dass die Ländern unabhängige Republiken werden. Denn mit dem Tod der Queen müsste in vielen Gesetzen statt «Her Majesty» nun «His Majesty» stehen. Die Staaten könnten diese Gelegenheit also nutzen wollen, um diesen Zusatz ganz abzuschaffen.
Die Steuerzahlenden dürften sich ebenfalls fragen, wie viel wert – im wahrsten Sinne des Wortes – diese ganzen Abänderungen tatsächlich sind, denn sie werden wohl diejenigen sein, die für all das tiefer in die Tasche greifen müssen. Vielleicht wäre es für Grossbritannien aber auch eine Überlegung wert, ein neutrales Sujet für das Geld zu wählen, damit man künftig nicht abhängig von der Lebensdauer eines Monarchen oder einer Monarchin ist.