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| Ephräm d. Syrer († 373) - Rede über den Propheten Jonas und die Busse der Niniviten. (Jonas 3,2. 3.)

45.
Mit diesen Worten stiegen sie angstvoll 1 wieder [von dem Berge] herab. Die Seligen brachen dann von dort auf und kehrten fröhlich heim. Alle sprachen, mit echter Freude erfüllt, in Weisheit also: „Preis sei Gott, der das Volk [der Juden] durch die Völker beschämt hat! Als gerechtfertigte Sünder wollen wir ihm Loblieder darbringen; als bekehrte und gereinigte Unreine wollen wir ihm reine Früchte darreichen; mit der [ehedem] getrübten Denkkraft wollen wir ihm ein neues Loblied darbringen!“ 2 Auch die Rachsüchtigen und die Zornmütigen dankten ihm für [ihre] Friedfertigkeit; auch die Unkeuschen priesen ihn und dankten ihm dafür, daß sie keusch geworden waren. Es dankten ihm auch die Bedrücker dafür, daß er sie Almosen geben gelehrt hatte. Es dankten ihm auch die Schlemmer dafür, daß er sie fasten gelehrt hatte. Es dankten ihm auch die Trunkenbolde dafür, daß er sie mit Maß trinken gelehrt hatte. Es dankten ihm auch die Räuber dafür, daß sie in Geber verwandelt wurden. Es dankten ihm auch die Ehebrecher dafür, daß ihnen nunmehr der eheliche Umgang genügte. Es benedeiten ihn gar sehr die Wollüstigen dafür, daß sie von der Wollust befreit worden waren. Es dankten ihm die Frevler dafür, daß sie jetzt die Grenze des Erlaubten einhielten. Großes Lob spendeten ihm die Ausgelassenen dafür, daß sie Vernunft und Einsicht angenommen hatten. Es dankten ihm auch die Flucher dafür, daß ihr Mund das Segnen gelernt hatte. Es dankte ihm der Verwaiste dafür, daß er ihm zum Pflegevater geworden war. Es betete ihn die Witwe an dafür, daß er sich mitleidig ihrer Unterdrückung angenommen hatte. Es dankte ihm der Bettler dafür, daß sich sein Korb mit reichem Segen angefüllt hatte. Es dankte ihm der Ackersmann dafür, daß er seinen Pflug wieder bespannt und seinen Leib mit Sättigung angefüllt hatte. Es dankte ihm der Landmann, und der Winzer pries ihn, es dankten ihm auch die Handwerker dafür, daß sie wieder ihr Gewerbe ausüben konnten. Es dankten ihm die Könige dafür, daß sie die Städte wieder in Frieden und ihre Kronen in Sicherheit sahen. Es dankten ihm die Heere dafür, daß sie der Vernichtung entronnen waren. Es dankten ihm die Herrscher dafür, daß sie wieder zu ihrer Herrschaft zurückkehren konnten. Es dankten ihm die Reichen dafür, daß sie ihre Schätze wieder sahen. Es dankten ihm die Eltern dafür, daß sie wieder große Hoffnung auf ihre Sprößlinge setzen konnten. Es dankten ihm die Sprößlinge beim Anblick ihrer Eltern. Es dankten ihm die unschuldigen Kinder dafür, daß ihr Leben verlängert worden war. Es dankten ihm die Kleinen dafür, daß sie [wieder] auf den Schultern getragen werden konnten. Es dankten ihm die Schwangeren dafür, daß ihr Schoß nicht aufgeschlitzt worden war. Es dankten ihm die Bräute dafür, daß sie ihre Brautgemächer mit Freuden betreten konnten. Es dankten ihm die Gebärenden dafür, daß sie mit ihren Säuglingen niederkommen konnten. Es segnete ihn die Säugende dafür, daß sie gesegnet war mit dem Säugling an ihrer Brust. Es dankten ihm die Jungfrauen dafür, daß sie dem Untergang entgangen waren. Es benedeiten ihn gar sehr die Richter dafür, daß sie nicht nach ihren Gerichten gerichtet worden waren. Es benedeiten den Gütigen [Gott] die Schuldforderer dafür, daß von ihnen nicht in der Weise gefordert wurde, wie sie zu fordern pflegten. Es priesen ihn die Wucherer dafür, daß ihre Schulden nicht eingefordert worden waren. Es benedeiten ihn die Schuldner dafür, daß man ihre Schuldbriefe zerrissen hatte. Es brachten die Plünderer ihren Lobpreis dar dafür, daß sie plötzlich zu Gebern geworden sind. Es priesen der Peiniger und sein Opfer Gott gar sehr, und zwar taten es beide auf dieselbe Weise, dafür, daß ihnen in gleicher Weise geholfen worden war: dem Peiniger dadurch, daß er nicht beschädigt wurde, seinem Opfer dadurch, daß es unversehrt blieb. Man brachte in den Palästen Danksagung dar dafür, daß deren Bewohner nicht mehr zu zittern brauchten. Man pries Gott laut in den Burgen dafür, daß sie vor dem Untergang bewahrt worden waren und ihrem Leben noch Jahre hinzugefügt wurden. Ihre Knechte und Mägde dankten und priesen gar sehr; denn eine schwere Knechtschaft ist besser als die Freiheit in den Gräbern. Es freute sich die Mutter und war getröstet; denn sie sah ihren Liebling wieder. Alle Stände und Lebensalter priesen miteinander einander Gott in großem Jubel dafür, daß sie vom Untergang gerettet und gleichsam aufs neue geboren worden waren.
1: Sie befürchteten, mit dem sündhaften Lande unterzugehen, wenn sie sich nicht schleunigst entfernten.
2: Man erwartet, daß jetzt diese Loblied folgen werde, und Zingerle hat auch tatsächlich alle Verba bis Nr. 46 als Kohortative übersetzt, obwohl sie im Präteritum stehen. Es ist dies grammatikalisch kaum zu rechtfertigen, jedenfalls aber in diesem Zusammenhang und in dieser Ausdehnung sehr auffallend. Daher bin ich ihm hierin nicht gefolgt. Es scheint, daß der Rest von Nr. 45 hier an falscher Stelle steht oder daß ein überleitender Passus, der auch das Loblied enthielt, ausfiel.