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16.09.2019 13:30:41

Ölmarkt im Schockzustand
Energie: Die Ölpreise eröffneten mit einem Plus von bis zu 20%, was einem der stärksten prozentualen Tagesanstiege überhaupt entsprach. Brent stieg in der Spitze auf 72 USD je Barrel. Der Ölmarkt reagierte damit auf die folgenreichen Drohnenattacken von Huthi-Rebellen aus dem Jemen auf ein grosses Ölfeld und die grösste Ölraffinerie in Saudi-Arabien. Infolge der Angriffe sind 5,7 Mio. Barrel des täglichen Ölangebots Saudi-Arabiens abgeschnitten. Das entspricht ca. 60% der zuletzt berichteten saudi-arabischen Ölproduktion bzw. mehr als 5% des weltweiten Ölangebots. Die Frage ist nun, wie lange es dauert, bis Saudi-Arabien die Schäden behoben und die Ölproduktion sich wieder normalisiert hat. Die saudi-arabischen Rohölbestände würden theoretisch ausreichen, um den gegenwärtigen Ausfall für ungefähr einen Monat auszugleichen, wenn man die aktuellen JODI-Daten für Juni zurate zieht. Zudem verfügen die Verbrauchsländer über hinreichend Notfallreserven, auf die sie zurückgreifen könnten. US-Präsident Trump hat bereits angekündigt, die strategischen Reserven falls erforderlich freigeben zu wollen. Ein Angebotsengpass droht daher zunächst nicht. Entsprechend haben die Ölpreise etwa die Hälfte der anfänglichen Gewinne wieder abgegeben. Der Drohnenangriff hat darüber hinaus das Potenzial, die Situation im Mittleren Osten zu eskalieren. Die USA machen den Iran für die Angriffe verantwortlich und drohen mit Gegenmassnahmen. Die Drohung von Trump war unmissverständlich. Die USA seien “geladen und gesichert”, um auf die Attacken zu reagieren. Die Huthis haben unterdessen mit weiteren Angriffen gedroht. Die in der letzten Woche aufgekommene Hoffnung auf eine Deeskalation im Konflikt zwischen den USA und dem Iran ist nach den Ereignissen vom Wochenende verflogen. Dies rechtfertigt eine Risikoprämie auf den Ölpreis, so dass die Preise zunächst nicht wieder auf das Niveau von vor den Angriffen zurückkehren dürften.
Edelmetalle: Gold springt im Zuge der Angriffe auf die saudi-arabische Ölinfrastruktur (siehe Energie oben) wieder über die Marke von 1.500 USD je Feinunze. Dies ist Ausdruck der allgemeinen Risikoaversion nach den Vorfällen am Wochenende, aber auch Besorgnis über eine Ausweitung des Konflikts in der Region. Denn die USA machen den Iran für die Anschläge verantwortlich und haben sich Vergeltungsmassnahmen vorbehalten. Im Fahrwasser von Gold springt Silber nach oben. Es hat sich wieder der 18 USD-Marke genähert. Am Freitag waren Gold und Silber im Zuge guter US-Konjunkturdaten und steigender Anleiherenditen deutlich unter Druck geraten: Gold rutschte auf 1.485 USD ab, Silber fiel auf 17,4 USD je Feinunze. Der Preisrückgang ging in beiden Fällen mit merklichen ETF-Abflüssen einher. Die von Bloomberg erfassten Gold-ETFs verloren am Freitag 5,6 Tonnen und verzeichneten damit den fünften Tagesabfluss in Folge. Ähnlich ist die Lage bei Silber: Hier summieren sich die ETF-Abflüsse seit Monatsbeginn auf 425 Tonnen. Dabei dürfte es sich um Gewinnmitnahmen gehandelt haben, zumal auch die spekulativen Finanzinvestoren in der Woche zum 10. September ihre Netto-Long-Positionen etwas abgebaut (Gold) bzw. nicht mehr weiter aufgebaut (Silber) haben. Sobald sich der erste Schock über die Ereignisse in Saudi-Arabien gelegt hat, dürften sich die Goldmarktteilnehmer auf die Fed-Sitzung konzentrieren. Die Fed wird unserer Meinung nach Mitte der Woche die Zinsen um weitere 25 Basispunkte senken. Heute trifft sich EU-Kommissionspräsident Juncker mit dem britischen Premierminister Johnson. Ob es bei diesem Gespräch Fortschritte beim Brexit gibt, ist fraglich.
Industriemetalle: Nach einer starken letzten Woche wegen eines höheren Optimismus im Handelsstreit zwischen den USA und China stehen die Industriemetallpreise zum Wochenauftakt zumeist unter Druck: Kupfer fällt auf 5.900 USD je Tonne, Nickel rutscht auf 17.200 USD je Tonne ab. Wir führen dies auf die schwachen chinesischen Konjunkturdaten zurück, die heute Morgen vom Nationalen Statistikbüro veröffentlicht wurden. Demnach ist die Industrieproduktion im August nur noch um 4,4% gestiegen (erwartet wurden 5,2%). Dies war das geringste Wachstum seit Anfang 2002. Die Anlageinvestitionen legten um 5,5% zu, ebenfalls weniger als erwartet. Und auch die Einzelhandelsumsätze blieben wegen schwacher Autoverkäufe hinter den Erwartungen zurück. Der chinesische Wirtschaftsmotor stottert also weiter.
Die Daten des Nationalen Statistikbüro zeigen auch, dass China im August 2,97 Mio. Tonnen Aluminium produziert hat. Auf Tagesbasis war dies die geringste Menge seit März. Grund hierfür waren Probleme in zwei grossen Schmelzen, die ihre Produktion deswegen drosseln mussten (wetterbedingt nach einem Taifun sowie wegen einer Explosion in einem Transformator). Damit waren die geringeren Aluminiumexporte im August – wie von uns gemutmasst – auf eine niedrigere Produktion zurückzuführen. Die Stahlproduktion hat dagegen auf Tagesbasis wieder etwas angezogen. Sie lag zudem mit 87,3 Mio. Tonnen gut 9% über Vorjahr.
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