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Die
Lilith war weltweit eine der ersten Workstations mit einem
hochauflösenden grafikfähigen Bildschirm und einer Maus. Sie wurde von
Niklaus Wirth und seiner Gruppe zwischen 1978 und 1980 entwickelt, als
Hardware-Spezialist wurde der Amerikaner Richard Ohran hinzugezogen.
Das Vorbild der Lilith war der Alto-Computer im Xerox
PARC-Forschungszentrum in Kalifornien, mit welchem Wirth in seinem Forschungsurlaub 1976/77 gearbeitet hatte. Der Alto-Computer konnte
nicht gekauft werden, einzig eine Computermaus hatte Wirth damals als
Abschiedsgeschenk bekommen.
Die gesamte
Systemsoftware der Lilith war in Modula-2 geschrieben, eine
strukturierte Programmiersprache, die Wirth zur selben Zeit
entwickelte. Die Programme wurden in low-level M-Code-Instruktionen
compiliert, welche von der Hardware ausgeführt werden konnten. Als
Benutzerinterface wurden Fenster, Icons und Popup-Menus verwendet, im
Vergleich zu den damaligen textbasierten Systemen waren dies neue
Metaphern im Umgang mit Computern.

Die
Lilith-Computer wurden sowohl in der Lehre - ein Hauptgrund für die Entwicklung der Lilith - als auch in der Verwaltung
des Instituts für Informatik verwendet. Zudem bildete die Workstation
eine Basis, auf der verschiedene andere Forschungsprojekte aufbauten.
Ein Versuch zum kommerziellen Bau dieses Computers scheiterte 1982,
obwohl die Lilith bereits zu diesem Zeitpunkt über alle Merkmale
verfügte, die dann 1985 den ersten Macintosh auszeichneten.
Auf
den Namen "Lilith" war Wirth durch einen Freund gekommen, der ihm von
einer männerverführenden Dämonin erzählte, die diesen Namen trug.
Wirths Gruppe arbeitete auch Nachts und am Wochenende an der eigenen
Workstation und war buchstäblich verführt worden.
Die Lilith bewährte sich während den 1980er Jahren bei der täglichen Arbeit wie in der Lehre. Die wachsenden Anforderungen gingen aber auch an ihr nicht spurlos vorüber, und so wurde die Workstation am Institut laufend weiterentwickelt. Die Forschungsinteressen an diesem Projekt lagen aber mehr auf der Integration moderner Hardware-Komponenten. Zusammen mit Hans Eberle, später mit Beat Heeb, baute Wirth ab 1984 die Ceres-Linie, mit der er einige Jahre später den ersten 32-Bit-Rechner präsentierte. 1990 wurde die zweite und letzte Revision der Serie - die Ceres-3 - in grösserer Stückzahl in der Schweiz produziert und damit Computerräume ausgestattet. Parallel zur Entwicklung der Ceres-Linie fand insbesondere der Umstieg auf Oberon als Unterrichtssprache für das Programmieren sowie auch als Betriebssystem statt.