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Februar 2023
Bodensee – MF Konstanz (I)
Als im November 1925 der Stadtrat von Konstanz den Anträgen für die Errichtung einer Fährverbindung zwischen Konstanz und Meersburg zustimmte, war das Automobil noch nicht weit verbreitet. Es galt als Fahrzeug für reiche Leute. Erst wenige Monate zuvor war im Kanton Graubünden das Fahrverbot für Autos aufgehoben worden.
Foto: Die Ansichtskarte zeigt das Fährschiff Konstanz in seinen ersten Betriebsjahren 1928-1930.
Die Stadt Konstanz fühlte sich durch ihre südliche Lage von Deutschland abgeschnitten und war auf dem Landweg nur über Umwege zu erreichen. Daher war das örtliche Gewerbe mit seinen Lastwagen an der Errichtung einer Fährverbindung zum nördlichen Bodenseeufer interessiert.
Foto: Damals trug man noch Hut – Die Fähre Konstanz zwischen Meersburg und Konstanz.
Im Februar 1927 wurde bei der Bodan-Werft in Kressbronn ein Fährschiff zum Preis von 140’000 Reichsmark bestellt. Da auch die Landestellen neu zu errichten waren, beliefen sich die gesamten Kosten für das Projekt auf rund 600’000 Reichsmark. Die Deutsche Reichsbahn hatte sich gegen die Anbindung der Fähre in ihrem Hafen in Konstanz ausgesprochen, daher wurde in Staad ein Fährhafen erbaut. Dadurch reduzierte sich die Fahrzeit des Schiffes nach Meersburg erheblich.
Foto: An Bord der MF Konstanz.
Bereits nach zwölf Monaten Bauzeit lief die Fähre in Kressbronn vom Stapel. Da jedoch die Anlegestellen noch nicht fertig gebaut waren, verzögerte sich die Inbetriebnahme um ein halbes Jahr. Schmerzlich wurde in der lokalen Presse festgehalten, dass das gute Pfingstgeschäft verpasst wurde.
Foto: Fährehafen in Konstanz-Staad: Rechts an der Mole die «Meersburg» (ex «Konstanz»). Die neue «Konstanz» wird entladen.
Am 30. September 1928 nahm die auf den Namen Konstanz getaufte Fähre ihren Betrieb auf. Auf Grund lokalpolitischer Streitigkeiten wurde auf eine Eröffnungsfeier verzichtet. Das Schiff hatte eine Länge von 32 Meter und eine Breite von 9,4 Meter. Der Tiefgang lag beladen bei 1,25 m. Zwei Motoren mit je 90 PS waren eingebaut. Mitnehmen konnte die Fähre 200 Personen und etwa 15 Autos (berechnet zu je 4,3 m Länge).
Foto: Die «Lukas» beim Bau der Seewasser-Entnahmestelle vor Sipplingen, vermutlich 1969.
Bereits am ersten Tag wurden 57 Autos und 548 Personen über den See transportiert. Als im Juni 1930 ein weiteres Schiff mit dem Namen Konstanz in Betrieb genommen wurde, taufte man die ältere Fähre in „Meersburg“ um. Unter diesem Namen blieb sie im Pendeldienst, bis 1963 die Fähre Fritz Arnold in Fahrt kam. Danach wurde sie verkauft und als Ramm- und Baggerschiff verwendet.
Foto: Die Revision der «Konstanz» fand unter einer Strassenbrücke bei Konstanz statt.
Nachdem 1996 die Bodan-Werft die Möglichkeit einer Renovation geprüft hatte, wurde die «Konstanz» von einem Verein unter einer Rheinbrücke restauriert und wieder fahrbar gemacht.
Foto: Der originale Schiffsdieselmotor wurde ausgebaut und revidiert.
Nach 15 Jahren Arbeit konnte die Fähre im Sommer 2011 zur zweiten Jungfernfahrt auslaufen. Auch heute ist die «Konstanz» noch im zeitweiligen Einsatz, mehr darüber auf der Homepage des Vereins.
Foto: Die Wiederinbetriebnahme wurde anlässlich einer zweiten Jungfernfahrt am 16. Juli 2011 gefeiert.