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Grönemeyers letzte Projektarbeit im Jahr 2010 war die Filmmusik zum Film "The American" mit George Clooney. Der Holländer Anton Corbijn, einer der bedeutendsten zeitgenössischen Porträtfotografen und gleichzeitig der Filmregisseur, fragte bei ihm als Komponisten an. Beide verbindet eine jahrelange Freundschaft. So drehte Corbijn bereits einige Videoclips für Herbert Grönemeyer ("Bleibt alles anders", "Mensch", "Zum Meer"). Für den Score von "The American" arbeitete Grönemeyer in den Londoner Abbey Road Studios mit seinem langjährigen Produzenten Alex Silva zusammen. Bei den sphärisch getragenen Kompositionen, die dem ruhigen Filmtempo angepasst sind, übernahm Grönemeyer nicht nur alle Klavierparts, sondern spielte auch Gitarrenparts ein.
"Komm zur Ruhr" - die neue Ruhrgebiets-Hymne
Ein besonderes Highlight im Jahr 2010 war für Herbert Grönemeyer die offizielle Eröffnungsfeier des Kulturhauptstadtjahres Essen, RUHR.2010. Denn dort stellte er die für dieses besondere Ereignis geschriebene Ruhrgebiets-Hymne "Komm zur Ruhr" erstmals vor. RUHR.2010-Chef Fritz Pleitgen sprach von einer "echten Revier-Hymne, die das Zeug hat, nach 25 Jahren ´Bochum´ als Erkennungslied des Ruhrgebiets abzulösen". Die Uraufführung der über sechs Minuten langen Hymne markierte den musikalischen Höhepunkt des Festakts. Dieser fand vor mehr als 1.200 geladenen Gästen auf dem Außengelände des Welterbes Zeche Zollverein in Essen statt und wurde im ZDF als auch im WDR übertragen. "Komm zur Ruhr", dessen Streicherarrangements von Nick Ingman stammen, wurden von Grönemeyer und Alex Silva produziert.
Rezension
Vier Jahre sind seit dem letzten Album, "12", von Herbert Grönemeyer vergangen, das fünf Wochen auf Rang eins der MusikWoche Top 100 Longplay stand. Nun erscheint "Schiffsverkehr" in bewährter Grönemeyer-Tradition und untermauert die Ausnahmestellung des Künstlers in Deutschland. Nachdem Herbert Grönemeyer im vergangenen Jahr die Arbeiten zum Soundtrack von Anton Corbijns Thriller "The American" geschickt als Aufwärmphase genutzt hat, geht er auf seinem 13. Studioalbum, eingespielt unter der Regie von Alex Silva in London, Stockholm, Berlin und New York, gleich in die Vollen. Die elf Stücke werden auch diesmal durch seine unverwechselbare Stimme und den teils schwierigen Texten zu echten Grönemeyern, doch gleichzeitig sind die Arrangements auf der Höhe der Zeit. Der Titelsong ist eine kompakte und moderne Hymne, unterlegt mit einem wuchtigen Beat und geheimnisvollen Elektronikklängen. Nicht weniger spannend klingen die folgenden Nummern wie "Kreuz meinen Weg" und der geradezu beschwingt dahingleitende Track "Fernweh", bevor Grönemeyer beim Song "Unfassbarer Grund" und der mit Streicherklängen veredelten Ballade "Deine Zeit" das Tempo deutlich reduziert. Und selbst vor kontrovers diskutierten Themen wie dem Krieg in Afghanistan und dem seltsamen Umgang der Deutschen damit schreckt Herbert Grönemeyer nicht zurück. Der Titel "Auf dem Feld" offenbart einen verstörenden Blick in seelische Abgründe und ist ohne Frage der dramaturgische Höhepunkte eines auch musikalisch überzeugenden Albums. Norbert Schiegl (Quelle/Copyright: G+J Entertainment Media)