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| Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)

Erste Rede
41.
Wenn aber auch, wie David im 71. Psalm singt, "sein Name vor der Sonne besteht und vor dem Mond von Geschlecht zu Geschlecht"1, wie empfing er, was er immer hatte, und bevor er es jetzt empfing? Oder wie wird er erhöht, da er auch schon vor der Erhöhung der Höchste war? Oder wie empfing er die Anbetung, er, der auch, bevor er sie erst jetzt empfing, immer angebetet wurde? Es ist kein Rätsel, sondern ein göttliches Geheimnis: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort"2. Unsertwegen ist aber später dieses Wort Fleisch geworden, und wenn jetzt gesagt wird: "Er hat erhöht", so bedeutet dies nicht eine Erhöhung der Substanz des Wortes, — denn sie war immer und ist Gott gleich, — sondern der Menschheit kommt die Erhöhung zu. Nicht eher also ist dies gesprochen worden, als bis das Wort Fleisch geworden war, damit offenbar würde, daß die Ausdrücke "er erniedrigte" und "er erhöhte" von der menschlichen Seite gelten. Denn nur was niedrig ist, kann wohl auch erhöht werden, und wenn das "er erniedrigte" wegen der Annahme des Fleisches geschrieben steht, so steht offenbar auch ihretwegen das "er erhöhte" da. Denn der Mensch war dessen bedürftig wegen der Niedrigkeit des Fleisches und des Todes. Nun nahm das Wort, das des Vaters Bild und unsterblich ist, die Gestalt des Knechtes an und erlitt um unsertwillen als Mensch in seinem Fleische den Tod, um sich so für uns im Tod dem Vater darzubringen. Deshalb heißt es von ihm, als Mensch sei er um unsertwillen und für uns erhöht worden, damit wir, wie wir in seinem Tode alle in Christus starben, ebenso in Christus selbst wieder erhöht würden, indem wir von den Toten auferweckt werden und in die Himmel uns erheben, "wohin Jesus als Vorläufer [S. 78] für uns gegangen ist3, nicht in ein Nachbild des wahrhaftigen, sondern in den Himmel selbst, um nunmehr vor dem Angesichte Gottes für uns zu erscheinen"4. Wenn aber Christus jetzt für uns in den Himmel selbst eingegangen ist, obschon er auch vorher immer Herr und Schöpfer des Himmels war, so steht also auch hier geschrieben, daß er für uns erhöht wurde. Und wie er, der alle heiligt, selbst wiederum sagt, daß er für uns sich dem Vater heilige, nicht damit das Wort heilig werde, sondern damit er in sich selbst uns alle heilige, so nun heißt es jetzt auch: "Er erhöhte ihn", nicht damit er selbst erhöht würde, — denn er ist der Höchste, — sondern damit er selbst für uns Gerechtigkeit würde, wir aber in ihm erhöht würden und in die Pforten der Himmel eingingen, die er selbst wieder für uns eröffnet hat, wie die Vorläufer sagen: "Erhebet, Fürsten, eure Tore, und erhebt euch, ewige Tore, und einziehen wird der König der Herrlichkeit"5. Denn auch hier waren ihm, dem Herrn und Schöpfer aller Dinge, die Tore nicht verschlossen, vielmehr ist auch dies unsertwegen geschrieben, denen das Tor des Paradieses verschlossen war. Deshalb wird auch in menschlicher Weise wegen des Fleisches, das er trug, mit Bezug auf ihn gesagt: "Erhebet eure Tore" und "er wird eingehen", wie wenn ein Mensch einzöge. Aber da das Wort auch Gott ist, so wird in göttlicher Weise wiederum von ihm gesagt: "Herr und König der Herrlichkeit". Diese unsere Erhöhung hat der Geist im 88. Psalme vorhergesagt: "In Deiner Gerechtigkeit werden sie erhöht werden, weil Du der Ruhm ihrer Macht bist"6. Wenn aber der Sohn Gerechtigkeit ist, so wird nicht er selbst erhöht, als wäre er dessen bedürftig, sondern wir sind es, die erhöht werden in der Gerechtigkeit, die er selbst ist.
1: Ps. 71,17.
2: Joh. 1,1.
3: Hebr. 6,20.
4: Hebr. 9,24.
5: Ps. 23,7.
6: Ps. 88,17.18.