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Wie versprochen folgt hier mein zweiter Teil der Wahlanalyse, dieses Mal mit dem Wissen um die Ergebnisse.
Zuerst die Fakten:
- Ich habe 2’190 Stimmen erzielt.
- 1’273 Stimmen stammten von unveränderten Wahlzetteln, 917 von veränderten Wahlzetteln.
- 2 Stimmen habe ich von der Piratenpartei erhalten, 11 von der SP, 41 von der CVP, 23 von der GLP, 23 von der SVP und 183 mal stand ich auf einer Liste ohne Parteibezeichnung.
- In der Stadt Zug habe ich einen Drittel meiner Stimmen (724) erhalten und in Baar 371. In den meisten anderen Gemeinden fielen 100-200 Stimmen auf mich.
- 59.91 Stunden investierte ich in dedizierte Wahlkampf-Aktivitäten (exkl. Mails, Telefonate, Social Media Aktivitäten, allgemeine Veranstaltungen etc.)
- Und auch das ist ein Fakt, es hat nicht zur Wahl gereicht 😉
Seit dem Wahltag haben mir eine Vielzahl von Personen zu meinem Wahlresultat gratuliert. Einige haben mich gefragt, ob ich zufrieden sei - und ich kam dann jeweils ins Stocken. Natürlich habe ich nicht mit einer Wahl gerechnet, aber trotzdem hätte ich mir etwas mehr Stimmen erhofft.
Nun ist es natürlich schwierig, die Anzahl Stimmen so absolut gesehen zu beurteilen. Klar habe ich mehr Stimmen als andere Kandidaten erhalten, aber ich war ja auch auf der Liste des bisherigen Nationalrates. Entsprechend habe ich sicherlich sehr viele Stimmen von treuen FDP-Wählern erhalten, welche einfach diese Liste einwarfen, um ihn zu unterstützen (wohl ein Grossteil der 1’273 unveränderten Stimmzettel).
Also habe ich es mal mit den Wahlresultaten von vor vier Jahren verglichen und dort haben die «Wahlhelfer» der FDP ebenfalls zwischen 2’000-2’200 Stimmen erzielt. Insofern scheint dies die Anzahl Stimmen zu sein, die «man» wohl so im Schnitt erzielen kann.
Der direkteste Vergleich lässt sich natürlich mit der dritten Kandidatin auf unserer Liste ziehen. Sie hat mit 3’637 Stimmen 66% mehr Stimmen geholt als ich. Einerseits hat sie als langjährige Kantonsrätin sicher das klassischere Profil als ich, andererseits hat sie mit zwei eigenen Plakatkampagnen, vielen Zeitungsinseraten und grosser persönlicher Präsenz auch viel mehr Zeit und vor allem viel mehr Geld in ihren Wahlkampf gesteckt als ich.
Spannend ist der Vergleich zwischen uns beiden aber auch bezogen auf Panaschierstimmen und die Verteilung in den Gemeinden: So erhielt sie 2’364 Stimmen auf veränderten Stimmzetteln, fast dreimal so viel wie ich. Von den anderen Parteien hat sie nur unwesentlich mehr Stimmen erhalten. Auf die 10 Stimmen, welche sie von den Alternativen erhielt, bin ich nicht neidisch. Hingegen hat sie auf unserer eigenen Liste FDP Zug Ost fast 3x mehr Stimmen erhalten als ich. Hier zeigt sich ein bekanntes Muster: Viele Wähler wollen den bisherigen Kandidaten doppelt wählen und streichen dabei einfach die Person auf dem letzten Listenplatz. Insofern ist der Listenplatz wohl auch bei nur 3 Kandidaten wichtig. In der Stadt Zug habe ich vergleichsweise gut abgeschnitten (-28%), aber in ihrer Wohngemeinde Unterägeri hat sie 639 Stimmen und damit fast 500 mehr geholt als ich. In den anderen Gemeinden beträgt die Differenz je etwa 50%.
Um auf die Eingangsfrage zurückzukommen: Ja, ich bin zufrieden, aber ein bisschen ernüchtert und mit der Politrealität konfrontiert. Ich habe aus diesem Wahlkampf und den Resultaten folgende Erkenntnisse gewonnen:
- Ein solides politisches Profil (z.B. ein Kantonsratsmandant) ist von Vorteil.
- Investitionen in klassische Marketingmassnahmen (z.B. Plakate, Inserate) zahlen sich immer noch aus.
- Wer gewählt werden will, muss über ein substantielles Budget verfügen, und bereit sein, sehr viel präsent zu sein. Schlussendlich summieren sich die 10 Stimmen hier und die 15 Stimmen da zum entscheidenden Unterschied.
- Eine starke Hausmacht (z.B. Verband, grosser Verein) ist viel wert.
- In den Gemeinden werden die «eigenen» Kandidaten viel stärker unterstützt, auch parteiübergreifend, als in der Stadt. Beziehungsweise ich konnte mein urbanes Wählerpotential zu wenig mobilisieren.
- Social Media ist ein effizienter Kanal, mit dem ich mit sehr geringem Budget gleich viel bzw. mehr erreicht habe als viele andere Kandidaten mit Flyer-Aktionen. Ausserdem kann ich auf dieser Basis meinen Wahlkampf sehr einfach über die Wahlen hinaus weiterführen. Aber von den Personen, welche ich auf Facebook angesprochen habe, gingen wohl vergleichsweise wenige wählen.