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Worum handelt es sich nun bei den sog. paranormalen Materialisationen? Soweit wir das bislang wissen, wird die "gebildete" und in Erscheinung tretende Materie nicht etwa aus dem Nichts erschaffen, sondern unserer materiellen Umgebung entzogen, vorzugsweise dem Körper eines anwesenden Mediums. Dieses Entziehen findet oft in Form eines deutlich sichtbaren Herausströmens aus dem Körper des Mediums statt und ist häufig photographiert worden. Die Substanz, die dabei sichtbar und fühlbar wird, nennt man meist "Ektoplasma" oder "Teleplasma". Von den vielen in der Literatur verbreiteten photographischen Aufnahmen dieses Vorganges werden hier zunächst zwei wiedergegeben. Bild 1 zeigt das englische Tieftrance- und Materialisationsmedium Jack Webber (1907 - 1940), wie es in Trance gefesselt auf seinem Stuhl sitzt. Seinem Mund entströmt ein breiter Ektoplasmaschleier. Bei ihm wurden Ektoplasmaproduktionen beobachtet und photographiert, die bis zu fünf Meter lang waren.
Bild 2 zeigt das dänische Medium Einer Nielsen (Fussnote 1). Es befindet sich ebenfalls in Trance. Seinem Mund entströmt die gazeähnliche Substanz, das Ektoplasma. Dessen Struktur war meist dichter als bei Jack Webber. Es konnte ebenfalls mehrere Meter lang werden, sich vom Medium loslösen, selbständige Bewegungen ausführen, wie es Bild 3 zeigt, und sich in kurzer Zeit zu einer menschlichen Gestalt umbilden.
Gegner und Kritiker der Parapsychologie haben immer behauptet, auch bei Nielsen, dass derartige Ektoplasmaproduktionen ganz normale Gaze gewesen seien, die das Medium entweder vorher verschluckt und später wieder ausgewürgt habe oder aber im After verborgen und dann während der Sitzung herausgezogen habe. Um derartigen Behauptungen entgegenzutreten, wurden Materialisationsmedien bei Kontrollsitzungen vorher körperlich oral und rektal untersucht, so auch Einer Nielsen. Andere Medien wurden für den Verlauf der nachfolgenden Sitzung auf ihren Stuhl gefesselt (z. B. Jack Webber) und wieder andere in spezielle, am Hals zugenähte Kleidung gesteckt. Trotzdem traten Ektoplasmaproduktionen auf und verschwanden anschliessend auch wieder im Körper der Medien.
Der Münchener Nervenarzt Dr. Albert v. Schrenck-Notzing ging bei seinen Untersuchungen aber noch einen Schritt weiter. Er untersuchte im Januar/Februar 1913, Juni bis August 1913, Februar 1914 und Juli/August 1916 in München ein junges polnisches Medium namens Stanislawa P., geb. 1894, von Beruf Kassiererin in einem Geschäft in Warschau. Bei ihr traten ebenfalls aus dem Mund fliessende EktoplasmaSubstanzen auf.
Bei den Versuchen im Sommer 1913 wurde das Medium vor jeder Sitzung völlig entkleidet (8, S. 529) und anschliessend in ein den ganzen Körper umschliessendes schwarzes Trikot gesteckt. Zusätzlich wurden Kopf und Mund noch mit einem Schleier überzogen, der am Trikot angenäht war. Aus dieser Umkleidung konnte man rein mechanisch-betrügerisch Gazesubstanz weder heraus- noch wieder hineinbefördern.
Trotzdem floss das Ektoplasma aus dem Mund des Mediums durch den unversehrten Schleier hindurch. Dieser Vorgang wurde am 1. Juli 1913 von Schrenck-Notzing auch photographiert, und zwar mit drei Kameras gleichzeitig von vorne und von rechts und links. Bild 4 zeigt eine der Aufnahmen. Man erkennt darauf den schwarzen Gesichtsschleier des Mediums und das hindurchfliessende Ektoplasma. Am 25. Juni und 13. Juli 1913 wurde das Geschehen auch gefilmt, und zwar sowohl das Austreten als auch das Zurückfliessen des Ektoplasmas. Schrenck-Notzing veröffentlichte in seinem Buch (8, Tafeln 140 u. 141, Abb. 216 u. 217) 32 Bilder aus diesem Filmstreifen. Man erkennt aus ihnen und den durchgeführten Untersuchungen mit letzter Deutlichkeit, dass das Ektoplasma-Phänomen kein Trick ist, wie die Gegner immer behaupten.
Am 20. Februar 1916 gelang es dem polnischen Forscher Liebiedczinski, ein kleines Stück dieses Ektoplamas vor seinem Verschwinden in dem Mund der Stanislawa P. in einem sterilisierten Porzellangefäss aufzufangen und an zwei Instituten medizinisch-biologisch untersuchen zu lassen. Die Probe hatte einen Durchmesser von 10 mm, eine Dicke von 5 mm und eine Masse von 0,101 g. Sie sah porös, gelblichweiss und glänzend aus und war geruchlos. Die Untersuchungen ergaben (8, S. 528), dass es sich um einen albuminartigen (Fussnote 2) Stoff handelte, verbunden mit Fettsubstanz und Zellen, wie sie sich im menschlichen Organismus vorfinden [ finden lassen ]. Besonders auffallend war die grosse Zahl von Leukozyten, wie sie z. B. im Sputum (Spucke) niemals anzutreffen sind. Die Substanz erinnerte stark an die Lymphflüssigkeit im menschlichen Körper, ohne aber mit ihr identisch zu sein. Es war also eine organische Substanz, die vermutlich dem Körper des Mediums entzogen war. Bemühungen anderer Forscher, ebenfalls Ektoplasma für Untersuchungszwecke zurückzuhalten, schlugen, soweit bekannt, fehl. Das Ektoplasma löste sich nämlich nach dem Versuch auf, verschwand also vermutlich wieder im Körper des Mediums.
Gleichartige Versuche wie Dr. v. Schrenck-Notzing unternahm der Ingenieur Fritz Grunewald mit Einer Nielsen. Grunewald brachte dazu grosse Teile seines Laboratoriums für parapsychologische Untersuchungen von Berlin nach Kopenhagen (5, S. 56). Die Beobachtungen fanden im Beisein des Nervenarztes Dr. Krabbe und des Physikers Prof. Christian Winther vom 15. September bis Mitte Dezember 1921 statt. Dabei kam es zu dreizehn Laboratoriumssitzungen. Von der vierten Sitzung an wurde Nielsen vor und nach jedem Versuch einer eingehenden körperlichen Kontrolle unterzogen, so dass er keine Stoffe oder Gegenstände zu Täuschungszwecken mitbringen konnte. Von der neunten Sitzung an kleidete man ihn in ein spezielles Trikot mit angenähter Schleierhaube und Schleierhandschuhen. Trotzdem traten bei allen Versuchen weisse Stoffmassen, also Ektoplasma, aus dem Munde des Mediums heraus und durch den unverletzten Schleier hindurch. In der zwölften Sitzung wurde der in das Trikot eingenähte Nielsen ausserdem noch in einen "Käfig" mit Wänden aus Tüll (5, S. 58) gesetzt, so dass ihm auch kein Aussenstehender einen Schleier hätte zureichen können. Wiederum wurde wie früher ein aus dem Munde des Mediums heraushängender und bis auf den Schoss reichender Schleier von den Untersuchern beobachtet. Dabei erfolgte die Beleuchtung durch eine Rotlichtlampe von 100 Watt, und es wurde mit fünf Stereokameras photographiert.
Bei solchen Vorsichtsmassnahmen, die jede Täuschung unmöglich machten, müssten alle Kritiker verstummen. Sie tun es aber nicht und nehmen derartige Versuche einfach nicht zur Kenntnis. Bis auf den heutigen Tag behaupten sie, dass alles nur Trick gewesen sei.
Nach dem heutigen Kenntnisstand muss man das Ektoplasma (oder Teleplasma) als die Grundsubstanz der "Materialisationen" ansehen, also der "Scheinglieder" und der materialisierten "menschlichen Gliedmassen", die imstande waren, Kräfte auszuüben und Bewegungen zu verursachen, und der Phantomgestalten.
Für die Frage, woher denn die physikalischen Energien kommen, welche die verschiedenen Umwandlungsvorgänge erfordern, ist folgendes wichtig: Nach manchen Experimentalsitzungen fühlten sich nicht nur das Medium, sondern manchmal auch die übrigen Teilnehmer ausgesprochen erschöpft.
Das kann ein Hinweis dafür sein, dass ihnen für die Vorgänge nicht nur Materie, sondern auch Energie entzogen wurde. Bei anderen Sitzungen trat während der paranormalen Vorgänge (Telekinesen und Materialisationen) eine von allen Anwesenden deutlich empfundene Abkühlung der Umgebungstemperatur auf (1, S. 91). Ich selbst habe solches bei telekinetischen Versuchen ebenfalls erlebt. Diese Abkühlungen könnten durch Energieentzug hervorgerufen worden sein, wobei die der Umgebung entzogene Energie für die paranormalen Vorgänge verwendet wurde. Das sind vorerst aber nur Hypothesen. Genaue Messungen dieser Erscheinungen liegen bislang nicht vor.
Bild 3 zeigt, wie sich bei dem Kopenhagener Materialisationsmedium Einer Nielsen das von ihm ausgestossene Ektoplasma gelöst hat, selbständig im Raum bewegt und zur Vorform eines Phantoms aufgetürmt hat. In wenigen Sekunden konnte sich daraus eine vollkommen ausgebildete Menschengestalt, ein Vollphantom, entwickeln. Bei Einer Nielsen wurden sie in grosser Zahl beobachtet. Nach Schätzungen (3, S. 109) sind es im Verlauf von 47 Jahren etwa 17'000 gewesen.
Diese sich aus Ektoplasma aufbauenden Phantome hatten bei Nielsen meistens vollkommen menschenähnliche Gestalt. Sie zeigten Herzschlag, Pulsschlag und ganz normale Atmung. Auch konnte man sich fliessend mit ihnen unterhalten. Es waren also Wesen mit einem irdischen Körper auf Zeit, etwa für die Dauer von einigen Minuten bis maximal einer Stunde.
In den Büchern "Der Tod, die Brücke zu neuem Leben" (6) und "Zeugnis für die jenseitige Welt" (7) habe ich ausführlich über den Ablauf von Materialisationssitzungen bei Nielsen und anderen Medien berichtet und zahlreiche Phantombilder wiedergegeben.
Bild 5 zeigt eines der Phantombilder, die bei Nielsen aufgenommen wurden. Auf ihm ist rechts der damals lebende schwedische Geistliche Martin Liljeblad (1877-1950) zusammen mit einem "materialisierten" Geistwesen zu sehen. Die Gestalt gab an, zu Lebzeiten ein dänischer Geistlicher namens Christensen gewesen zu sein. Liljeblad erkannte ihn als seinen verstorbenen Freund. Das Phantom ist aus dem geöffneten "Kabinett", einer durch einen Vorhang abgetrennten Zimmerecke, herausgetreten und legt seinem Amtsbruder eine Hand auf die Schulter.
Dr. Hans Gerloff (1887-1967), der verdienstvolle Berichterstatter, Untersucher und Verteidiger von Einer Nielsen, prüfte bei dessen Phantomen u. a. Herzschlag und Atmung, letzteres dadurch, dass er eine erschienene Gestalt ihren Atem in eine Flasche mit Kalkwasser (in Wasser gelöstes Calciumhydroxyd Ca(OH)2) hineinblasen liess. In der völlig klaren wässrigen Lösung entstand durch die ausgeatmete Luft ein trüber Niederschlag von unlöslichem Calziumcarbonat CaCO3, ein Beweis dafür, dass die von dem Phantom ausgeatmete Luft in starkem Masse Kohlendioxyd C02 enthielt. Es ist in der normalen Umgebungsluft nur mit 0,03 Vol. % vertreten und ruft keinen sichtbaren Niederschlag hervor. Das C02 gelangt beim lebenden Menschen durch den Gasaustausch in der Lunge (Aufnahme von Sauerstoff, Abgabe von 4,5 Vol. % Kohlendioxyd) in die ausgeatmete Luft.
Diesen Versuch nahm Dr. Gerloff mit dem Phantom des oben erwähnten schwedischen Geistlichen Martin Liljeblad vor, der sich nach seinem Tode 1950 in Kopenhagen oftmals materialisierte. Dr. Gerloff beschreibt den Ablauf dieses Versuches folgendermassen (3, S. 64):
"Liljeblad starb gut ein Jahr nach meinem Besuch bei ihm im Sommer 1950. Bei meiner ersten Sitzung für Materialisation bei Einer Nielsen in Kopenhagen am 19. Januar 1952 erschien er als 16. Phantom, nannte seinen Namen und führte mich in das Kabinett zu dem Medium, um dessen Hand zu fassen, während er selbst seinen Arm auf meine Schulter legte und mich auf die Schläfe küsste. So wollte er mir zeigen, dass Medium und Phantom verschiedene Wesen waren. Auch auf der zweiten Sitzung umarmte er mich, wobei sein weites Teleplasmagewand mich einhüllte und küsste mich auf die Stirn. Auf der Sitzung am 18. Januar 1953 gab er mir durch einen Strohhalm seine Atmung in meine Röhre mit Kalkwasser. Als ich dann in das Kabinett gerufen wurde und mich zuerst im Dunkeln nicht orientieren konnte, leuchtete seine Gestalt plötzlich stark auf. Ich konnte daraufhin mit einem hochempfindlichen Hörgerät (Phonendoskop) zuerst den Herzschlag des Mediums abnehmen und feststellen, dass er in seiner Tieftrance nicht mehr zu hören war. Danach hörte ich mit aller Deutlichkeit den sehr klaren Herzschlag Liljeblads, während ich mit der Linken das Medium berührte. Vielleicht werden die Herzschläge des Mediums auf das Phantom übertragen. Liljeblad gab noch Fingerabdrücke in meine Kassette voll Kitt wie andere Gestalten. Auf der Sitzung am 20. Februar 1956 blies er seinen Atem in meine chemische Waschflasche, riss sich ein Stück Teleplasma vom Ärmel seines Gewandes und steckte es in die bereitgehaltene Flasche. Leider verflüchtigte es sich, noch ehe diese geschlossen wurde, so dass die spätere Untersuchung ergebnislos blieb. Es ist erstaunlich, wie diese Phantome wissenschaftliche Experimente mit sich vornehmen lassen, um sich zu identifizieren und die Tatsache ihrer Existenz zu beweisen."
Dr. Gerloff gelang es also nicht, ein Stück des Ektoplasmas bleibend zu konservieren. Dafür erreichte er es aber, die Haarlocke eines Phantoms zu erhalten. Er berichtet über eine Sitzung bei Einer Nielsen in Kopenhagen vom 13. Februar 1956 um 20.45 Uhr, die er selbst mitgestaltete. Ausser dem Medium waren 22 Personen anwesend. Ein Tonbandgerät nahm alles Gesprochene auf, und eine 15 Watt Rotlichtlampe beleuchtete das Geschehen. Gerloff schreibt (4, S. 31):
"Nach Dr. Monark, dem Phantom eines französischen Arztes, der die Teilnehmer zuerst begrüsste, war die etwa 15jährige Rita gekommen, ein Fischermädchen, die auf der ersten Sitzung eine Perlenkette nicht hatte annehmen wollen, weil sie telepathisch wusste, dass der Verfasser eine Locke von ihr als Gegengabe erwartete. Auch heute lehnte sie diese ab mit der Begründung, dass sie ja kein schönes Haar habe, also aus Eitelkeit. Auf den Zuruf der Teilnehmer, sie glaubten doch, dass sie hübsches Haar hätte, hatte sie lachend erwidert: "Glaubt ihr das? Na, dann bleibt nur im Glauben!" Nach dem arabischen Kaufmann Abdullah, der später seinen Namen schrieb und dem Marokkaner Saxonius, der die Abgabe von Teleplasma auf der nächsten Sitzung versprach, war ein junger Mann von 22 Jahren erschienen, der als Kind einen halben Tag nach der Geburt verstorben war und nun seine hocherfreuten Eltern begrüsste. Es folgten zwei weibliche Phantome, und dann kam Valborg, ein Mädchen von 14 Jahren, Freundin der Rita. Sie stellte sich dem Verfasser in liebenswürdiger Weise mit Namen vor und fragte neugierig, was er denn da alles auf dem Tisch habe. Er zeigte ihr die kleine Flasche zur Aufnahme von Teleplasma. Sie sagte aber gleich, das könne sie jetzt nicht geben. Ganz erschrocken war sie über eine Flasche für Speichel eines Phantoms. Davon wollte sie gar nichts wissen. Aber ihren Namen schrieb sie bereitwillig mit einem hingereichten Bleistift langsam und deutlich in Schulschrift auf einen kleinen Papierblock (Bild 6). Dann interessierte sie besonders die Schere. Ganz erstaunt hörte sie, dass ein Phantom gebeten werden sollte, sich eine Locke abzuschneiden. 'Ach, etwas Haar? Willst Du von meinem Haar etwas haben? Ach ja, das kannst Du bekommen!' Auf die Frage, ob sie selbst schneiden wolle, wünschte sie lieber, der Verfasser solle es tun. Man sah nun deutlich, wie sie mit der linken Hand den festsitzenden Schleier abhob und mit der rechten eine lange blonde Locke herauszog, am Ende festhielt, den Kopf dicht vor des Verfassers Gesicht, den Mund halb offen. Der Verfasser fasste nun das Ende der Locke mit der Linken, schob die Schere langsam an ihrer Schläfe entlang, die er mit den Fingern berührte: 'Ich bin ganz vorsichtig - jetzt schneide ich - ich habe sie schon!' Beim Schneiden war kein Widerstand zu spüren, es war, als fiele die Locke von selbst ab. Valborg (gespannt): 'Hast Du sie?' -Verfasser laut (erfreut): 'Tausend Dank, liebe Valborg!' - Valborg: 'Nun gehe ich aber.' (Sie war zweieinhalb Minuten geblieben!) Das war also der Akt der Abnahme dieser Locke. Sie wurde sofort in eine Glasröhre gesteckt, diese mit einem Korken verschlossen und etwas später dieser mit Paraffin luftdicht umgeben. Vom weiteren Verlauf der Sitzung sei hier nur berichtet, dass der berühmte John King (Pseudonym für den Kaperführer und späteren Gouverneur von Jamaika Sir Henry Owen de Morgan, gestorben 1688) seine Tochter Katie mitbrachte, die, nachdem er sich wieder zurückgezogen hatte, auf Befragen ihrer Personalien angab, eine uneheliche Tochter ihres Vaters zu sein. Am Schluss der Sitzung dematerialisierte sich ein Phantom nach vorheriger Ankündigung vor den Augen aller Teilnehmer."
So weit der Bericht von Dr. Gerloff über die Gewinnung einer Phantomlocke. Er liess sie natürlich auch gleich wissenschaftlich untersuchen und berichtet darüber (3, S. 81): "Die Untersuchung des Haares in wissenschaftlichen deutschen Instituten, zuletzt im Anatomischen Institut zu Bonn, ergab, wie Professor Stöhr mitteilte, dass es sich um echtes "strapaziertes" menschliches Haar handelt. Nur dies war die Aufgabe der Untersuchung. Die Verantwortung dafür, dass es Phantomhaar ist, trägt der Verfasser mit seinen Zeugen (darunter ein deutscher Nervenarzt), die den Vorgang genau verfolgen konnten. Zudem wurde in dieser Sitzung alles Gesprochene auf Tonband aufgenommen. Phantomhaar darf sich nicht von normalem Menschenhaar unterscheiden. Dazu gehört auch seine Beschädigung durch Kämmen.
Schrenck-Notzing erhielt einmal eine Locke durch Eva C. von einem nur als Relief entwickelten Köpfchen. Die Oberhäutchen des Haares waren typisch wie vom Kämmen durchfurcht, der Unterschied vom Haar des Mediums wurde festgestellt. Vergl. sein Hauptwerk (8) S. 163 ff mit Abb. 58 von den Mikrophotogrammen beider Haararten. Wo die von früheren Forschern, z. B. Crookes, bei Phantomen erhaltenen Locken (Katie King) geblieben sind, ist mir nicht bekannt. Unsere Valborg-Locke dürfte die einzige gegenwärtig der Öffentlichkeit zugängliche sein, also ein Unikum ihrer Art."
Die Locke, das Tonband in dänischer Sprache und die Originalunterschrift des Geistwesens Valborg sind heute in meinem Besitz. Die Locke habe ich 1969 nochmals beim Wissenschaftlichen Dienst der Stadtpolizei Zürich untersuchen lassen, wobei als Fragestellung angegeben war: Handelt es sich um Kunsthaar, Tierhaar oder Menschenhaar?
Der Untersuchungsbefund von Dr. sc. nat. Jakob Meier vom 22.8.1969 lautet: "Die Haare in der Länge von 5 bis 6 cm sind durchweg Abschnitte; d. h. Wurzelzonen, die am meisten Informationen beinhalten könnten, fehlen vollständig. Die Haare sind ausserordentlich fein und von blonder Farbe. Sie sind pigmentiert und somit nicht ergraut. Das Mark ist zum Teil unterbrochen. Der Abdruck auf der Acetatfolie liess eine sehr feine Kutikularstruktur erkennen. Die Breite der Haare ist auf dem ganzen Abschnitt konstant. Daraus lässt sich aufgrund unserer Erfahrung das Material mit Sicherheit als blondes Naturhaar, mit grosser Wahrscheinlichkeit als Menschenhaar einer jungen Person indentifizieren."
Ich habe am 28. Oktober 1996 von einem Haar der Valborg-Locke am Institut für Werkstoffkunde der Fachhochschule Ravensburg-Weingarten eine Aufnahme mit einem Rasterelektronenmikroskop anfertigen lassen. Dazu wurde das Haar zuvor mit Gold bedampft und dann im Vakuum durch einen Elektronenstrahl abgetastet. Das Ergebnis zeigt Bild 7. Zum Vergleich wurden Aufnahmen von einem blonden Haar eines lebenden zehnjährigen Mädchens und einem Puppenhaar gemacht (Bilder 8 und 9). Man erkennt die gleichartige Schuppenoberfläche bei dem Phantomhaar und dem Menschenhaar. Das Puppenhaar, obwohl äusserlich dem Menschenhaar sehr ähnlich, hat dagegen eine glatte Oberfläche, sieht also ganz anders aus. Auch Abbildungen von meinem eigenen Haar und einem anderen Kinderhaar zeigen die gleiche Struktur wie das Valborg-Haar. Dieses Haar ist von dem Haar eines normalen lebenden Menschen nicht zu unterscheiden. Es ist aber nach den Umständen unmöglich, dass Dr. Gerloff es damals einem noch nicht verstorbenen irdischen Menschen abgeschnitten haben könnte. Die Valborg war also am Abend des 13. Februar 1956 für wenige Minuten ein materieller Mensch auf Zeit, bei uns zu Besuch aus einem anderen Daseinsbereich. Warum sich ihr Haar nicht wieder aufgelöst, nicht entmaterialisiert hat, wie ihr übriger Körper, bleibt zunächst ein Geheimnis. Das Geschehen ist aber ein Erfahrungsbeweis für das Vorhandensein einer anders strukturierten Welt, aus der heraus Besuch erfolgen kann und in die wir nach unserem irdischen Tod eintreten werden.
Prof. Dr. Werner Schiebeler
Letzte Änderung am 25. Juli 2000