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God Box I, ein 2013 entstandenes Werk von Isabelle Cornaro, wurde von einem der berühmtesten ‚concept tableaux’ Edward Kienholz’ inspiriert: The God Box I 1963. Darin empfiehlt Kienholz, „eine erste in einer ganzen Reihe von Kisten zu bauen, deren Ausmasse zwischen einem Orgonakkumulator gemäss den Entwürfen Wilhelm Reichs und einem klassischen westlichen Plumpsklo angesiedelt sind. Ihr einziger Zweck ist es, Gedankengänge über institutionalisierte Religionen und deren Auswirkungen auf die Zivilisation anzuregen.“
Isabelle Cornaro adaptiert dieses Konzept, indem sie dreizehn schwarze Gummiplatten auf einem Stahlrahmen zu einer Box montiert. Die Platten sind Gusskompositionen aus Objekten, welche die Künstlerin auf Flohmärkten erwarb – hier wird einem systematischen Entwertungsprozess Form verliehen. Die Objekte, einst aufwendig gefertigte Einzelstücke, wurden zunächst reproduziert und sind nun Teil einer standardisierten Massen- beziehungsweise Semi-Massenproduktion. Frühere Guss-Zyklen Cornaros, beispielsweise Homonymes (2010-2012), brachten ästhetische Grössen wie „Abstraktion“, „Stilisierung“ und „Naturalismus“ zur Darstellung. Ihre God Boxes dagegen exemplifizieren unterschiedliche sprachliche Organisationsformen: das „Narrative“, das „Formale“ oder das „Fragmentierte und Elliptische“. Anders ausgedrückt: Während frühere Arbeiten der Künstlerin dazu tendierten, existierende kunsthistorische Kategorien zu reflektieren, tragen die Tableaux der God Boxes das Gepräge einer gleichsam symbolischen Beweisführung. In den Worten der Künstlerin: „In diesen Werken sind Gedanken repräsentiert, die ich mir über unser intimes Verständnis der Welt gemacht habe. In diesem Sinne sind die God Boxes viel subjektiver und existenzieller.“
God Box 1, mit ihren monumentalen und klassischen Proportionen und Massen, wirkt zugleich fetischistisch und elegisch – und erfüllt Kienholz’ Programm in einem streng materialistischen Sinne. In den Guss der dreizehnten Gummiplatte, die das Dach oder den Deckel der Kiste bildet, sind Glühbirnen und Neonröhren von unterschiedlicher Grösse inkorporiert. Eine zugleich weltliche und ephemere Lichtquelle, die nach Film-lampe (2010) modelliert ist, einem Film, der selbstreflexiv den filmischen Prozess abbildet, indem er die Bewegung einer Glühbirne im von ihr selbst generierten Zwielicht aufzeichnet.