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«Jede Szene ist eine Seifenoper»von Katja Zellweger Ein Dorf, ein Fest in einer Turnhalle, ein unklarer Heiratsvertrag und eine verworrene Liebesgeschichte: Die Sopranistin Evgenia Grekova spricht über die Tücken der Marie aus Bedřich Smetanas Oper «Die verkaufte Braut» und deren Wiederaufnahme.
Stellt man aktuell im Kulturbereich die Frage nach den Tücken der Umsetzung, erhält man meistens lange Ausführungen über Corona-bedingte Massnahmen. Nicht so bei der Sopranistin Evgenia Grekova. Ausführlich berichtet sie von ihrer Auseinandersetzung mit der Rolle der Marie. Die Operfeierte noch vor dem Lockdown Premiere. Sie ist die titelgebende «verkaufte Braut» in der Oper Bedřich Smetanas. Die Schöne vom Dorfe wird per Ehevertrag einem Sohn des reichen Bauern versprochen, was Verwirrung und Ränkespiele zur Folge hat.
«Entstaubte» Übersetzung
Die Arien der Marie seien zwar sehr sängerfreundlich geschrieben, aber den Entscheid, auf Deutsch zu singen, empfindet die Sängerin, die auch Dozentin für slawische Vokalmusik ist, als Herausforderung: «In der tschechischen Version greifen Musik und Text geschmeidig ineinander. Man merkt, dass Smetana nicht für die deutsche Sprachlogik komponiert hat.» Die Übersetzung aber sei überzeugend – «entstaubt, nicht so wie die ältere Version aus den 80ern», sagt Grekova.
Maske auf, Diskussion beendet
Dennoch kommt Corona zur Sprache – der Wiederaufnahmeprozess ist ein ganz anderer. Anstelle von zwei Proben musste während einer Woche alles umgedacht werden: Welches Requisit darf von wem angefasst werden? Wer zieht bei welchem Solo die Maske aus? Wer singt in welche Richtung? Wann und wie darf man sich in der Liebesszene umarmen? Wie kann die Maske in die Handlung einbezogen werden? Wie singt der Chor mit Maske?
Das Rauf und Runter der Masken hätten sie, so gut es geht, in die Handlung einzubetten versucht. «Diese Oper lebt von vielen Dialogen und Verhandlungen – setzt man die Maske auf, kann man signalisieren, dass das letzte Wort gesprochen ist», meint Grekova und schmunzelt.
Witz, Tempo, Duktus
Die Handlung der komischen Oper ist nicht im böhmischen 19. Jahrhundert, sondern in der aktuelleren Schweizer Gegenwart angesiedelt – also «keine Helden und Götter», wie Grekova sagt. «Jede Szene ist eine Seifenoper für sich». In Anlehnung an den Film «Der Feuerwehrball» von Miloš Forman hat Regisseurin Adriana Altaras die Dorfgemeinschaft in die ländliche Schulaula, an Kirmes, Lottoabend, in Fitnesszentrum und Zirkus - in einem vereint - versetzt. Mit viel Witz und schnellen Tempi unterstreichen Altaras und Matthew Toogood als musikalischer Leiter diese Seiten der komischen Oper – «mit ihren unbändigen Ideen haben sie den Duktus der Musik gut getroffen», sagt Grekova.