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Nach dem tagelangen Wirbel um ihr womögliches Dopingvergehen zeigte Valieva Nerven. Der Teenager stürzte beim Vierfach-Salchow und patzte auch bei weiteren Sprüngen gleich mehrmals. Als sie ihr Programm zu den Klängen des «Bolero» von Maurice Ravel beendet hatte, bedeckte Valieva die Augen mit ihren roten Handschuhen. Das Wunderkind kämpfte nach der verpatzten Kür gegen die Tränen an. Aus dem erhofften Olympiasieg wurde nichts.
«Sie war ein Schatten ihrer selbst und ist daran zerbrochen», analysierte die deutsche Eiskunstlauf-Legende Katarina Witt. «Man hat sie jetzt wirklich der Welt zum Frass vorgeworfen. Irgendjemand Verantwortungsvolles hätte sie rausnehmen müssen, bevor überhaupt dieser Tsunami losging.»
Während Valieva durch die Hintertür verschwand, freuten sich die Russinnen dennoch – und dies gar über einen Doppelsieg. Gold erbte mit 255,95 Punkten die Weltmeisterin Anna Schtscherbakowa. Silber sicherte sich Alexandra Trussowa, die dank ihrer Athletik die beste Kür zeigte und sich noch um drei Plätze verbesserte. Bronze ging an die Japanerin Kaori Sakamoto.
Das Trio erhielt auf dem Eis bereits ein Maskottchen überreicht und dürfte nun auch seine Medaillen offiziell erhalten. Das IOC hatte im Vorfeld beschlossen, dass es für den Fall eines weiteren Medaillengewinns von Valieva keine Siegerehrung geben wird. Obwohl Valieva nun nur Vierte geworden ist, das Resultat wird vorerst trotzdem als vorläufig angesehen – bis der Fall Valieva geklärt ist.
Valieva hatte im Dezember einen positiven Dopingtest abgeliefert. Dessen Ergebnis war aber erst nach dem Teamwettkampf, bei dem Valieva das russische Team zu Gold geführt hatte, bekannt geworden. Ihre Starterlaubnis für das Einzel kriegte sie deshalb erst nach einem Eilverfahren des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS). Wie die Geschichte weitergeht, ist offen.
Nicht nur Valieva lief enttäuscht aus dem Stadion, sondern auch Alexia Paganini. Die in den USA geborene Athletin fiel noch um drei Positionen zurück und wurde nur 22. Mit ihren 168,91 Punkten blieb sie rund 23 Punkte und damit sehr deutlich unter ihrer Bestleistung der EM 2020 (192,88) und auch unter dem Wert der diesjährigen EM im Januar (178,10).
Paganini zeigte sich nach dem Wettkampf enttäuscht. «Es ist schade, dass ich heute nicht zeigen konnte, was ich trainiert hatte», kommentierte die 20-Jährige ihren zweiten Olympia-Auftritt in Peking.
In der Tat lief es für Paganini in der Kür von Beginn weg nicht nach Wunsch. Bereits die erste Kombination ging schief; der Lutz gelang ihr nur doppelt statt dreifach. Das brachte sie aus dem Rhythmus, und sie musste deshalb im Verlauf der Kür improvisieren und reagieren. «Das war nicht einfach für mich», so die neunfache Schweizer Meisterin und EM-Zehnte von diesem Januar.
Eine Erklärung für den missglückten Start in die Kür, die sie zur Sinfonie Scheherazade absolvierte, hatte Paganini ebenfalls: «Nach dem Einlaufen dauerte es bis zum Start fast eine Stunde. Es war das erste Mal, dass ich so lange warten musste, bis ich dran war. Es war schwierig, warm zu bleiben und nicht müde zu werden.»
Nach der Olympia-Premiere vor vier Jahren in Pyeongchang (21.) hatte sich Paganini für Peking mehr erhofft. Allerdings lief es für die Tochter einer Niederländerin und eines Schweizers in den letzten Monaten nicht immer nach Wunsch. Unter anderem scheiterte ein Projekt mit Weltmeister Stéphane Lambiel als Trainer. (zap/sda)
Alain Sutter, wie war Ihre Gefühlswelt in den vergangenen Tagen nach dem 1:4 im Cupfinal?
Alain Sutter: Am Sonntag war ich schon während des Spiels enttäuscht und traurig. Es tat richtig weh. Ab Montag war das weg. Ich habe das gelernt: Dinge, die vorbei sind, werden nicht besser, wenn man ihnen lange nachtrauert. Nur schon für meine Gesundheit, Lebensqualität und mein Wohlbefinden habe ich für mich entschieden, solche Dinge abzuhaken und vorwärts zu schauen. Man hat stets die Wahl: Aufhören, weitermachen.