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Filmfestival Locarno 2017 | Retrospektive Jacques Tourneur
Publiziert am 04. Juli 2017
Publiziert am 04. Juli 2017
Filme die ihre Zeit überdauern
Jacques Tourneur kam 1904 in Paris zur Welt. Sein Vater war der Regisseur Maurice Tourneur, ein Pionier des französischen Films. Nach den ersten Dreherfahrungen in Frankreich wanderte Maurice kurz vor dem Ausbruch des ersten Weltkriegs mit der Familie in die Vereinigten Staaten aus. Dort wurde er zu einer gestandenen Kinogrösse und feierte grosse Publikumserfolge. 1928 kehrte er nach Frankreich zurück, wo sein Sohn Jacques drei Jahre später mit «Tout ça ne vaut pas l’amour» seinen Debutfilm realisierte. Nach weiteren drei Filmen in Frankreich beschloss Jacques, in die USA zurück zu kehren. Die Begegnung mit dem Produzenten Val Lewton bei RKO führte zu einem der konstruktivsten Zweigespanne der Filmgeschichte: Gemeinsam arbeiteten sie an einigen faszinierenden aber auch unheimlichen Streifen, die noch heute zu den Meilensteinen der Kinogeschichte gehören: «Cat People» (1942), «The Leopard Man» (1943), «I Walked with a Zombie» (1943).
Jack of all trades
Doch das Werk Tourneurs kann nicht auf diese zu recht bekanntesten Titel reduziert werden. Als er in den 60er Jahren wiederentdeckt wurde, kam ein Filmemacher zum Vorschein, der sich als Universalgenie entpuppte, der sich leichtfüssig in den unterschiedlichsten Genres bewegen konnte: vom Krimi (Nick Carter, Master Detective) über den Western (Canyon Passage, Great Day in the Morning) zu Mantel-und-Degen-Komödien (Anne of the Indies, The Flame and the Arrow) oder Kriegs- und Spionageepen bis zum Noir (Nightfall, Out of the Past), dem Melodrama (Experiment Perilous, Easy Living) oder zu Abenteuerfilmen (Appointment in Honduras, The City Under the Sea).
Wiederentdeckung des Gesamtwerks
Carlo Chatrian, künstlerischer Leiter des Locarno Festivals: „Der Name Tourneur ist den meisten Kinofans ein Begriff, und einige seiner Filme sind untrennbar mit der faszinierenden Nachkriegszeit in Amerika verbunden. Das gilt aber nicht für sein Gesamtwerk, obwohl es von hoher Qualität ist. Diese Retrospektive, die in Zusammenarbeit mit wichtigen und namhaften Institutionen, denen ich an dieser Stelle meinen Dank ausspreche, entstanden ist, soll eine Gelegenheit sein, um den neuen Generationen die Kraft eines Regisseurs aufzuzeigen, der ein Kino mitgestaltet hat, das seine Ausdruckskraft weniger in Worten als vielmehr in Bildern, in Einstellungen, in der Bewegung von Maschinen, dem Einsatz von Licht, Ton und Farben fand. Tourneur gilt als der Meister des Phantasy und versuchte stets, über das Sichtbare hinaus jene tiefen Gefühle auszudrücken, die unter die Haut gehen, und die Oberfläche der Dinge zu durchbrechen. Deshalb haben seine Filme die Zeiten überdauert und so viele Regisseure inspiriert.“
Die Retrospektive unter der Leitung von Roberto Tuigliatto und Rinaldo Censi konnte dank der wertvollen Zusammenarbeit mit der Cinémathèque suisse und der Cinémathèque française realisiert werden. Darüber hinaus hat der französische Verlag Capricci eine Publikation auf Englisch und Französisch vorbereitet.
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