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Es ist wahrlich eine unglaubliche Lebensgeschichte, die dieses feinsinnige Buch enthüllt. Tenzin Priyardarshi erzählt seine eigene Geschichte auf dem Weg vom indischen Schuljungen zum buddhistischen Mönch, der heute das Dalai Lama-Zentrum für Ethik und transformative Werte am Massachusetts Institute of Technology leitet.
Priyardarshi wird in Indien in eine gut gebildete und privilegierte Brahmanenfamilie hineingeboren. Schon mit sechs Jahren hat er geheimnisvolle, wiederkehrende Träume, in denen ihm ein älterer Mann erscheint. Als Zehnjähriger schleicht er sich eines Nachts aus dem Internat, um sich auf eine spirituelle Suche zu begeben. Er wisse nicht, wohin sie ihn führe, schreibt er in einer Notiz an seine Eltern, doch sie sollten sich keine Sorgen machen. Was sie natürlich trotzdem tun; sie lassen ihn in ganz Indien in Tempeln suchen. Sie finden ihn dort, wo es ihn intuitiv auf abenteuerlichen Wegen hingezogen hat: in einem Tempel, den der dazumal bereits verstorbene ältere Mann aus seinen Träumen, der japanische buddhistische Mönch Nichidatsu Fujii, als Friedenspagode errichtet hatte. Der junge Pryardarshi fühlt sich dort und auf dem nahen Geierberg, auf dem Buddha gelehrt haben soll, angekommen und zu Hause.
Seine Familie tut sich schwer mit der Vorstellung, dass er kein weltliches Leben führen, sondern sich dem Studium der Spiritualität widmen möchte, und das in einer anderen als der angestammten Religion. Es wird entschieden, dass er zumindest die Schulbildung abschliessen und in die Familie zurückkehren soll. Es folgen Jahre der Auseinandersetzungen mit der Familie, die mit Verbündeten versuchen, ihn von der «Erleuchtung» durch Bildung und einen weltlichen Weg zu überzeugen. Er sucht in der Freizeit Tempel und Gemeinschaften auf, um sich mit der buddhistischen Lehre und spirituellen Fragen generell zu befassen. Dabei spürt er instinktiv, «dass die zwei Welten des Glaubens und des Intellekts einander nicht ausschliessen mussten. Irgendwie musste es möglich sein, ein Mönch zu werden, ohne den Verstand dafür zu opfern.»
Flüssig geschrieben, zeigt das Buch Stadien seines von Neugier und Wissensdrang begleiteten Entwicklungsprozesses auf. Anekdotenreich erzählt er von inspirierenden Begegnungen mit grossen Lehrmeistern, auch anderer Glaubensrichtungen.
Man spürt gut, wie tief sich Pryadarshi mit dem Sinn des Lebens beschäftigt, einerseits über den logischen Verstand, anderseits über die Botschaften von nicht immer erklärbaren Mysterien.
Dania Koch
Tenzin Priyadarshi mit Zara Houshmand. Dem Sinn des Lebens ist es egal, wo er dich findet. Die unglaubliche Lebensgeschichte eines buddhistischen Mönchs. O. W. Barth Verlag 2020. 320 Seiten, Fr. 31.90