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Damit totholzabhängige Organismen langfristig überleben, braucht es vielfältige, totholzreiche Lebensräume. Naturwaldreservate bilden Kernlebensräume und bieten vielen xylobionten Arten eine unabdingbare Lebensgrundlage. Altholzinseln und auch Habitatbäume sind kleinräumige Habitate und bieten die Möglichkeit, Naturwaldreservate miteinander zu vernetzen. Einerseits haben sie eine wichtige Funktion als Trittsteinbiotope, die den Austausch von Individuen zwischen Populationen fördert. Andererseits können sie auch selber eigene Lebensräume sein. So besiedelt der Eremit (Osmoderma eremita), ein äusserst seltener und stark gefährdeter Käfer, ausschliesslich grössere Baumhöhlen mit Mulmablagerungen. Ein einziger Baum kann Generationen dieser Käfer über viele Jahre beherbergen.
Es gibt kein allgemeingültiges Rezept für die Verteilung der drei Komponenten Naturwaldreservate, Altholzinseln und Habitatbäume in der Landschaft. Die Ansprüche der mobilen, flugfreudigen und der sesshaften, wenig mobilen Totholzarten betreffend Habitatsvernetzung unterscheiden sich stark. Zudem sind die Prozesse des Individuen- und Genaustauschs für viele Arten noch wenig bekannt, wie auch die maximal überwindbaren Distanzen zwischen den Lebensräumen. Neue Erkenntnisse zeigen jedoch, dass xylobionte Käfer und saprophytische Pilze eher durch die Prozesse Kolonisation und Etablierung und nicht durch die Ausbreitung limitiert sind (Komonen and Müller 2018) . Habitate mit hoher Quantität und Qualität an Totholz wären also wichtiger für den Erhalt von Totholzorganismennutzern als ihre räumliche Verteilung in der Landschaft (Seibold et al. 2017). Dies bedeutet, dass Bestände mit überdurchschnittlich hohen Totholzmengen wo immer möglich gefördert werden sollten. Die räumliche Vernetzung auf Landschaftsebene ist grundsätzlich gut, aber die Priorität sollte auf Erhalt und Förderung von solchen qualitativ hochwertigen Habitaten gelegt werden, falls die Ressourcen für Fördermassnahmen begrenzt sind.
Für lokal ausgestorbene Arten infolge von Lebensraumverlust sind spezifische Massnahmen innerhalb der restlichen Verbreitungsgebiete unabdingbar und Habitate sollten so in der Landschaft verteilt sein, dass sie die Ausbreitung über längere Distanzen ermöglichen.
Um die Ausbreitung von stark gefährdeten Arten mit fragmentierten Lokalvorkommen zu fördern, sind aber Vernetzungskonzepte nötig. Damit können sich Individuen aus Restpopulationen über längere Distanzen zu geeigneten Habitate ausbreiten. Für solche Arten gilt als Faustregel, dass zusätzlich zu den Naturwaldreservaten ungefähr 2 bis 3 Altholzinseln pro Quadratkilometer Wald mit einer Minimalfläche von einem Hektar ausgeschieden sowie 5 bis 10 Habitatbäume pro Hektar erhalten werden sollten. Habitatbäume können als Einzelbäume regelmässig verteilt sein oder – vorzugsweise – in Gruppen stehen. Letzteres stellt bei forstlichen Arbeiten eine geringere Gefahr dar. Randzonen bleiben jedoch gefährlich und bei Waldarbeiten ist besondere Vorsicht geboten.
Waldfläche, die nicht mehr genutzt wird, auf der sämtliche Bäume ihren ganzen natürlichen Lebenszyklus durchlaufen bis und mit Zerfall und folgender Zersetzung. Ein Bestand, der als Altholzinsel in Frage kommt, weist standortsgerechte, einheimische Baumarten, bereits alte Bäume und relativ viel Totholz auf.
Grösserer lebender Baum (>40 cm Durchmesser) mit Baummikrohabitaten, der nicht genutzt wird und seinen ganzen Lebenszyklus bis zum natürlichen Zerfall durchläuft.
Wie lange soll eine Altholzinsel ungenutzt bleiben?
Im französischen Sprachgebrauch gibt es zwei verschiedene Begriffe für Altholzinseln: îlot de sénescence und îlot de vieillissement. Diese Begriffe entsprechen zwei unterschiedlichen Konzepten. Die aus ökologischer Sicht sinnvolle Altholzinsel (îlot de sénescence) ist ein Bestand, der dauerhaft aus der Nutzung genommen wird. Es wird also auf jegliche Holznutzung verzichtet. Eine solche Altholzinsel ist eigentlich ein Mini-Naturwaldreservat.
Ökologisch fraglich ist das Konzept der Altholzinsel (îlot de vieillissement), wo der Bestand etwas länger (z.B. 10 oder 15 Jahre) als die übliche Umtriebszeit stehen bleibt, letztlich aber trotzdem geerntet wird. Den dort lebenden, auf Alt- und Totholz angewiesenen Organismen geht durch den Holzschlag der Lebensraum verloren. Das kann zum lokalen Aussterben einer Population führen. Nur falls Altholzinseln sehr zahlreich und gut miteinander vernetzt sind, können die - oft wenig mobilen - Tiere, Pflanzen und Pilze in der Nähe ein Ausweichhabitat finden. Vielfach gelingt ihnen dies aber nicht.
Warum sind Alt- und Totholzarten anspruchsvoll?
In den einstigen Urwäldern hatten Tiere, Pflanzen und Pilze Jahrtausende Zeit, um sich auf gewisse ökologische Nischen zu spezialisieren. Alte Bäume und Totholz sind häufige und typische Urwaldmerkmale, weil dort in jedem Baumgenerationen-Zyklus das gesamte Holz an Ort und Stelle zersetzt wird. Alte Bäume und Totholz gab es in ungenutzten Wäldern also reichlich, und sie wurden allmählich zum bevorzugten Lebensraum von äusserst spezialisierten Alt- und Totholzarten, die ohne diese Substrate keine Überlebensmöglichkeit haben.
Oft waren die Ausbreitungsversuche von Totholzorganismen erfolgreich: Es gab ja in Urwäldern sehr viele tote und alte Bäume, sodass sie meistens auf ein geeignetes Habitat stossen konnten. Heutzutage, wo Totholz und alte Bäume in Wirtschaftswäldern selten sind, haben viele Alt- und Totholzarten ein Problem. Sie können sich zwar ausbreiten, finden aber keine passenden Habitate auf ihren Wanderrouten. Sie sind in ihrem klein gewordenen Lebensraum sprichwörtlich gefangen und über kurz oder lang vom lokalen Aussterben bedroht. Genau aus diesem Grund ist die Förderung der Lebensräume wichtig.
ungefähr 2-3 Altholzinseln pro km2
mindestens 1 ha gross, wenn immer möglich grösser
ungefähr 5-10 Habitatbäume pro Hektare
Um die Bewirtschaftung zu erleichtern und aus Gründen der Sicherheit können Habitatbäume auch gruppenweise platziert werden. Als Bezugseinheit sind 10 Hektaren sinnvoll: also 50-100 Habitatbäume pro 10 Hektaren Waldfläche.