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Im Saal Aula Nova ist ein Teil der achtzig historischen Truhen aus der Sammlung von Chillon ausgestellt. Die meisten stammen aus dem 17. oder 18. Jahrhundert, einige sind jedoch gotischen oder romanischen Stils. In weiteren Räumen des Schlosses sind Möbelstücke wie Tische, Stühle, Kredenzen und geschnitzte Türen zu sehen.
Die Vereinigung zur Restaurierung von Schloss Chillon wurde 1887 gegründet. Sie hatte zum Ziel, das Monument zu restaurieren und ein Museum einzurichten, das die verschiedenen Epochen der Waadtländer Geschichte illustrieren sollte. Ab diesem Zeitpunkt bereicherten Ankäufe, Schenkungen und Legate fortlaufend die Sammlungen von Chillon.
Einige der schönsten Möbelstücke verdankt das Schloss Ernest Burnat (1833-1922), einem Architekten aus Vevey, der 1889 als Konservator die Akquisitionsstrategie der Vereinigung prägte. Sein Glanzstück war zweifellos der Kauf einer Truhe des schwäbischen Möbelschreiners Alexander Mayer, der Ende des 17. Jahrhunderts im Wallis mehrere seiner Meisterwerke herstellte.
1912 bestellte der Schlossarchitekt und erste Waadtländer Kantonsarchäologe Albert Naef (1862-1936) sechs Nachbildungen von Truhen aus der Basilika von Valère (Sion, Wallis), die für die Möblierung der grossen Säle bestimmt waren. Eine durchdachte Wahl, stammen die Truhen doch aus dem 13. Jh., während das Schloss Chillon hauptsächlich rund um 1260 erbaut wurde.
Corinne CHARLES und Claude VEUILLET, Coffres et coffrets du Moyen Âge dans les collections du Musée d’histoires du Valais, Aoste: Musumeci SpA, 2012.
Claire HUGUENIN, Patrimoine en stock : les collections de Chillon, Lausanne: IRL, 2010.
Denis BERTHOLET, Olivier FEIHL und Claire HUGUENIN, Autour de Chillon : archéologie et restauration au début du siècle, Ecublens: DIP SA, 1998.
ORT
Schlosskapelle, Raum Nr. 24
Diese Statue, die aus einem einzigen Stück Lindenholz geschnitzt wurde, stellt Georg von Lydda, einen Märtyrer aus dem 4. Jahrhundert, dar.
Die Legende besagt, dass er die Stadt Silene (Libyen) von einem geflügelten Monster, einer Allegorie des Teufels, befreite.
Der Heilige, Schutzpatron der Ritter, ist nach den stilistischen Regeln des 15. Jahrhunderts gefertigt: Er steht auf dem Bauch des Drachens, ist bartlos und trägt eine Rüstung, die Harnisch genannt wird. Sein Schild ist mit einem Kreuz verziert und in der rechten Hand hielt er vermutlich eine Lanze.
Die Herkunft der Skulptur ist vollkommen unbekannt. Sie wurde jedoch hergestellt, um von vorne betrachtet zu werden, denn die Hinterseite und die rechte und linke Seite sind nicht verziert. Der Heilige blickt nach unten, was denken lässt, dass die Skulptur sich in der Höhe befand. Kleine, verschiedenfarbige Fragmente sind auf dem Gesicht und der Rüstung auszumachen: Rot, Schwarz, Silber und Gold.
Die Kapelle von Chillon wurde im Jahr 1351 von der Familie von Savoyen dem Heiligen Georg geweiht. Um diese Widmung zu feiern, erwarb die Vereinigung für die Restaurierung von Schloss Chillon diese Statue im Jahr 1895.
Der Heilige Georg streckt den Drachen nieder
1480-1500
Lindenholz
MCAHL
Inv.: CH 135 bis
ORT
Eingangsbrücke ins Schloss Chillon
Die „Louis Crot“-Uhr ist die erste Sehenswürdigkeit, welche die Besuchenden entdecken, wenn sie sich der Eingangsbrücke des Schloss Chillon nähern. Auf der Fassade des viereckigen Turms am Osteingang des Schlosses ist das grosse Zifferblatt zu sehen, das 1540 gemalt wurde. 1776 liessen die Berner das Wappen ihrer Stadt hinzufügen.
Das erste Uhrwerk stammte von einem Uhrmachermeister mit Namen André de Morges. Es wurde 1543 im Obergeschoss des Turmes angebracht. Eine Übertragungsachse durchquerte die Mauer und bewegte die Zeiger an der Fassade. Hier wurde von anonymer Hand das Zifferblatt mit den römischen Ziffern gemalt, das heute noch als einziges von den Anfängen der Uhr erzählt. 1583 wurde im Dachgeschoss eine Glocke eingebaut. Schon bald gab die Uhr dem Turm seinen Namen: Uhrenturm.
Die Glocke verfügte als eine der letzten im Kanton Waadt über ein schmiedeeisernes Joch als Aufhängung, was ihr eine beträchtliche kulturgeschichtliche Bedeutung verleiht.
1897 bemerkte der damalige Kantonsarchäologe und Schlossarchitekt Albert Naef, dass der Mechanismus ausser Gebrauch ist. Er konsultierte Louis Crot, einen Uhrmacher aus Granges-Marnand, der zum Schluss kam, das Uhrwerk müsse durch eine modernere Anlage ersetzt werden. Die Technische Kommission des Schlosses schloss sich seiner Meinung an und beschloss, das alte Uhrwerk als Museumsstück aufzubewahren. Im gleichen Jahr wurde die neue Uhr mitsamt ihrem Zubehör hergestellt und anstelle des alten Uhrwerks von 1543 installiert. Dieses wurde in das Eingangsgebäude gebracht, wo es bis heute zu sehen ist, dieses heute äusserst seltene mittelalterliche Uhrwerk.
André de Morges / Louis Crot
Turmuhr und Uhrwerk
1543 / 1897
ORT
Wachturm von Chillon, Raum Nr. 39
Der Wachturm von Chillon befindet sich neben dem Schlosseingang und beherbergt ganz oben eine Glocke aus dem 16. Jahrhundert, die mit dem benachbarten Uhrwerk verbunden war. 2013 wurde die Glocke, deren Restaurierung schon länger zurück liegt, von einem Fachmann untersucht.
Die Glocke hat einen Durchmesser von 42 Zentimetern, eine Höhe von 45 Zentimetern und schlägt in G. Sie wurde 1583 gegossen, weist jedoch keine Spur des Namens ihres Giessers auf. Ein Jahr nach ihrer Herstellung, wurde die Chablais-Region von einem schweren Erdbeben heimgesucht. Der Wachturm wurde nach dieser Katastrophe mehrfach repariert, daher ist unklar, ob die Glocke sich schon immer hier befand oder erst während der Reparaturarbeiten zu ihrem heutigen Platz kam. Sie ist mit einem Fries verziert, der oft als dekoratives Element auf Westschweizer Glocken aus dem 15. und 16. Jahrhundert zu finden ist. Ein mit roter Farbe geschriebener Text überdeckt ihn teilweise: „FELIX BERARD 1896“. Dabei handelt es sich vermutlich um einen Dachdecker, der zu dieser Zeit am Turm gearbeitet hat. Das Glockengeläut wird durch einen Hammerschlag auf den unteren Glockenrand erzeugt. Der Hammer und der dazugehörige Hebel sind noch vorhanden, benötigten jedoch eine Restaurierung, um wieder funktionieren zu können. Die Glocke von Chillon ist eine der wenigen Glocken im Kanton Waadt, die im 20. Jahrhundert nicht mit einem Kugellager ausgestattet worden ist, sondern ihre Originalaufhängung behielt, was ihr grossen historischen Wert verleiht.
Glocke des Wachturms.
16. Jahrhundert
Foto ©Rémy Gindroz
ORT
Kantonales Museum für Archäologie und Geschichte, Lausanne
Dieser Automat, der gemeinsam vom Kantonalen Museum für Archäologie und Geschichte von Lausanne und der Schloss-Chillon-Stiftung erworben wurde, zeigt das Schloss vor den archäologischen Ausgrabungskampagnen und Restaurierungen der 1890er Jahre. Er ist in der Regel im Museum, in der Sektion „Waadtländer Geschichte“, ausgestellt. Alle zwei bis drei Jahre kommt der Automat jedoch is Schloss verlegt, wo er für einige Monate im Wappensaal zu sehen ist.
Dieser aussergewöhnliche Automat wurde Ende des 19. Jahrhunderts vom Waadtländer Uhrmacher Edouard-Gabriel Wüthrich hergestellt. Wie viele seiner Zeitgenossen liess sich der Künstler von Lord Byrons Gedicht Der Gefangene von Chillon inspirieren und illustrierte mit dem Automaten die Gefangenschaft des Genfer Gefangenen François Bonivard.
„Das Schloss Chillon“ ist ein Meisterwerk unter den mechanischen Musikautomaten. Dank Mechanismen auf beiden Seiten des Modells zeigt es das gesamte Schloss. Das komplexe Uhrwerk bewegt rund hundert Figuren, die den Angriff der Genfer und Berner Truppen auf Chillon und die Befreiung Bonivards im Jahr 1536 nachspielen. Mit Gitterstäben bestückte Fenster geben den Blick ins Schlossinnere frei, wo unter anderem Folterszenen im Gefängnis zu sehen sind.
Der Automat wurde ursprünglich auf einem Wagen ausgestellt und konnte so bequem von Stadt zu Stadt gebracht werden. Er wurde unter anderem auf dem Beaulieu-Platz in Lausanne und an der Waadtländer Kantonsausstellung von 1894 in Yverdon gezeigt.
Der Automat konnte 2016 dank der grosszügigen Unterstützung des Freundeskreis des Schloss Chillon, des Kantonalen Museums für Archäologie und Geschichte und der Schloss Chillon Stiftung erworben werden.
Edouard-Gabriel Wüthrich (1865?-1927)
Schloss Chillon
Ende des 19. Jahrhunderts
Sandgestrahltes Zink, Kupfer und Holz
Kantonales Museum für Archäologie und Geschichte, Lausanne
HIS16/007
ORT
Raum Nr. 22
Bei den Ausgrabungen im Schloss Chillon ab Ende des 19. Jahrhunderts wurden zahlreiche Fragmente von Öfen aus glasierten und geprägten Kacheln, die teilweise aus dem 14. Jahrhundert stammen, gefunden. Gleichzeitig wurden mehrere vollständige Kachelöfen – verschiedener Art und Herkunft – erworben, um das Schloss auszustatten. Dieser aussergewöhnliche Ofen befindet sich seit 1888 in der Sammlung. Zuvor stand er mehr als zwei Jahrhunderte im Rathaus von Lutry.
Der Ofen wurde 1602 zur Beheizung des Stadtratssaals erbaut und besteht aus einem Nialin-Steinkörper und einem mit Kacheln besetzten Turm. Seine Herstellung ist besonders gut dokumentiert, da die Namen des Maurers und des Töpfers, die an ihm gearbeitet haben, bekannt sind: Amaudruz de Lutry und Henri Baud, ein Freiburger.
Der schwer beschädigte Ofen wurde Mitte des 19. Jahrhunderts in einen Nebenraum des Rathauses verbannt; in Fachkreisen war seine historische Bedeutung jedoch unbestritten und so wurde er 1888 von der Vereinigung für die Restaurierung von Schloss Chillon erworben. Zuerst befand er sich fünfzig Jahre lang im Speisesaal des Kastellans, bevor er in die Camera Nova versetzt wurde, als diese für die Vorstandssitzungen des Vereins neu hergerichtet wurde. Der Ofenbauer Marius Grognuz stattete ihn bei dieser Gelegenheit mit einem gusseisernen Wärmespeicher im Turm und Warmluftaustritten aus.
Seine Form – ein rechteckiger, vorne abgerundeter Körper mit einem Turm – entspricht der gängigen Typologie des 17. Jahrhunderts. Der untere Teil ist mit einer Sonne, sechs Sternen und einem Schild mit dem Gemeindewappen von Lutrys geschmückt, während der Turm mit grünen Kacheln besetzt ist, auf die diagonal bunte Motive gemalt sind. In der Mitte des Turms sind zwei Putten zu sehen, die das rot-weisse Gemeindewappen halten. Unterhalb der Abschlusskacheln ist „Lutry“ und „Winter“ zu lesen und an zwei Stellen steht 1602 geschrieben. Dieser Ofen ist das älteste vollständig erhaltene Exemplar im Kanton Waadt und der älteste datierte und der Freiburger Produktion zugeschriebene Ofen.
Ofen mit dem Gemeindewappen von Lutry
1602
Nialin-Stein und glasierte Kelten
MCAH
Inv.: CH 402
ORT
Aula nova, Raum Nr. 14
Dieses Möbelstück wurde 1691 vom Holzschnitzer Alexandre Mayer hergestellt. Die Qualität der Schnitzereien zeugt davon, dass es sich um ein dekoratives Möbelstück handelt, daher die Bezeichnung „Prunkkoffer“. Er war zudem dazu bestimmt, immer am gleichen Ort zu bleiben, nicht wie die Truhen mit gebogenem Deckel, die als Gepäck dienten.
Ab 1888 erstand Ernest Burnat (1833-1922), Architekt und Mitglied der Technischen Kommission, mehrere historische Objekte für das Schloss Chillon. Zu seiner Sammlung gehören zwei Möbelstücke aus dem 17. Jh.: ein Aargauer Sessel und dieser Walliser Koffer.
Mehrere stilistische Elemente erlauben es, letzteren der Werkstatt von Alexandre Mayer zuzuordnen. Dazu gehören insbesondere die drei Rahmen aus Flammen, die typisch sind für den Schnitzer. Dieser stammte ursprünglich aus Schwaben, arbeitete und lebte aber zuerst in Broc und zog dann ins Walliser Chablais. Die Familienwappen und Initialen des Gouverneurs Joseph Jost und seiner Ehefrau Marie Schwick zeigen jedoch, dass das Möbelstück für die Stadt Monthey bestimmt war. Alexandre Mayer stellte mehrere Prunkkoffer für die Gouverneure der Stadt her, wovon fünf noch heute bestehen.
Die drei geschnitzten Reliefs erzählen die Geschichte von Adam und Eva. Das erste Bild zeigt, wie Gott Eva aus einer Rippe Adams schafft. Im zweiten spielt sich die Szene der Versuchung rund um den Baum der Erkenntnis und die Schlange ab. Im dritten Bild werden Adam und Eva schliesslich aus dem Garten Eden verjagt, weil sie trotz des göttlichen Verbots einen Apfel gegessen haben.
Prunkkoffer
1691
Monthey
Nussbaumholz
MCAHL
Inv.: CH 168