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Liberales Institut
Rennweg 42
8001 Zürich, Schweiz
Tel.: +41 (0)44 364 16 66
Fax: +41 (0)44 364 16 69
Tradition
Das Liberale Institut steht in der Tradition des Schweizer Freiheitsverständnisses, dessen Wurzeln bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen. Damals verteidigten die Eidgenossen ihre Unabhängigkeit gegenüber der Steuertyrannei eines fremden Herrn, die sie durch eine freiwillige Gemeinschaft mit einem Mindestmass an gemeinsamen Regeln ersetzten. Diese — 1804 durch den grossen Dichter Friedrich von Schiller bewegend dramatisierte — Geschichte widerspiegelt die beiden Komponenten der Freiheitsidee, das Spannungsfeld zwischen Auflehnung gegen Zwang und der Bereitschaft zur vertraglichen autonomen Bindung.
Eine universale Idee
Die Freiheit wurde natürlich nicht in der Schweiz erfunden — sie ist ein Bestandteil des kulturellen Erbes der Menschheit. Die liberale Machtskepsis steht am Ursprung jeder pluralistischen Gesellschaft, jeder innovativen und prosperierenden Wirtschaft, ja der Zivilisation als solcher. Sie findet ihren Ausdruck in der altjüdischen und griechischen Idee, dass auch der Herrschende an bestimmte moralische Normen gebunden sei und nicht souverän über unbeschränkte Zwangsbefugnis verfüge. Wie sich in einer Gesellschaft auch ohne staatlichen Zwang eine harmonische Ordnung spontan entwickeln kann, beschrieb der chinesische Philosoph Lao-Tse im 6. Jahrhundert v. Chr.
Germaine de Staël und Benjamin Constant
In der Schweiz erhielt die Freiheitsidee im späten 18. Jahrhundert durch Germaine de Staël, die Tochter des Genfer Bankiers Jacques Necker, neue Impulse. Sie führte einen einflussreichen europäischen Salon im Schloss Coppet und pflegte den Umgang mit namhaften Zeitgenossen im deutschsprachigen Raum wie Friedrich von Schiller und Johann Wolfgang von Goethe (der eines ihrer Essays übersetzte). Engagiert plädierte sie dabei für gesellschaftlichen Pluralismus und gegen die verhängnisvolle Zentralisierung des Staates. Ähnliche Ideen vertrat auch ihr Gefährte Benjamin Constant — zweifellos einer der produktivsten Philosophen seiner Zeit. Constant entmystifizierte den Staat als eine blosse Zweckvereinigung von Menschen, die alleine der Wahrung individueller Freiheit dient.
Ludwig von Mises, Wilhelm Röpke
Im letzten Jahrhundert spielte die Schweiz als Hort der Freiheit in einem im Kollektivismus und in staatlichen Exzessen versinkenden Europa eine Schlüsselrolle. 1934 bot das von William Rappard geführte Genfer Institut des Hautes Etudes Internationales dem grossen österreichischen Ökonom Ludwig von Mises ein Refugium. Hier verfasste er sein unentbehrliches Meisterwerk „Nationalökonomie. Theorie des Handelns und Wirtschaftens“, welches 1940 veröffentlicht wurde. An das gleiche Institut stiess 1937 der deutsche Ökonom Wilhelm Röpke. In Genf brachte er seine grundlegende Sozialphilosophie zu Papier — und verteidigte in der öffentlichen Debatte durch die Neue Zürcher Zeitung die Idee der Freiheit.
F. A. von Hayek und die Mont Pèlerin Society
Als es schliesslich galt, auf den Trümmerfeldern Europas die intellektuelle Wiedergeburt der Zivilisation zu begründen, versammelte der Ökonom (und spätere Nobelpreisträger) Friedrich August von Hayek 1947 in Mont-Pèlerin oberhalb Veveys 39 führende liberale Persönlichkeiten — darunter L. von Mises, W. Rappard und W. Röpke. Mit der Mont Pèlerin Society wurde hier eine akademische Vereinigung geboren, welche heute weltweit mehr als 700 liberale Denker und Praktiker zu ihren Mitgliedern zählt. F. A. von Hayek veröffentlichte ferner in Zürich die erste deutschsprachige Ausgabe seines einflussreichen Werkes „Der Weg zur Knechtschaft“. 1947 bis 1959 publizierte er einige seiner wichtigsten Aufsätze in den Schweizer Monatsheften.
Die Schweizer Staatsrechtslehrer
Im 20. Jahrhundert lehrten drei Generationen von Staatsrechtlern, die den an der Idee der Ordnung in Freiheit orientierten Rechtsstaat ins Zentrum stellten. Die Bundesstaatsrechtslehre von Fritz Fleiner und Zaccaria Giacometti sowie die liberale Auffassung der Handels- und Gewerbefreiheit als verfassungsrechtliche Vermutung zugunsten der Wirtschaftsfreiheit durch Hans Nef deuteten die Freiheitsrechte als individuelle Abwehrrechte gegen den Staat.
Das Liberale Institut trägt seit 1979 die umfassende intellektuelle und humanistische Tradition der macht-, staats- und zentralismusskeptischen Freiheitsidee weiter und hat sich die Aufgabe gesetzt, sie auch im 21. Jahrhundert mit Leben zu füllen.