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Beschreibung
Werner Wild und Peter Niederhäuser: Vom Steinhaus und Adelssitz zum «Bauhof»
Christina Schmid: Raumfunktionen und Ausstattungsmuster auf Burgen – die Möglichkeiten der Archäologie
Vom Steinhaus und Adelssitz zum „Bauhof“
2009–2011 untersuchte die Kantonsarchäologie Zürich im Zuge von Umbauarbeiten im wesentlichen die Untergeschoss- und Erdgeschossräume zweier Häuser an Technikumstrasse 66 und 68 in Winterthur.
Der älteste fassbare Kernbau I – ein rechteckiges, 6,5 auf 8,5 m grosses Steinhaus – ist zum Teil noch zweigeschossig erhalten. Die Mauern sind aus unterschiedlichem Steinmaterial gefügt. Auf je eine Zone aus Quadern und kleinformatigen Sandsteinen folgen stellenweise in Ährenverband gefügte Bollensteine.
In den Pietra-rasa-Verputz wurden mit der Maurerkelle horizontale und auch einzelne vertikale Fugenstriche gezogen, in denen noch wenige Reste einer Ausmalung mit rotem Ocker vorhanden waren. Die Ecken bestehen aus Buckelquadern.
Das Steinhaus entstand im Verlauf des 12. Jh. und ist älter als die Stadtmauer, die 2,2 bis 2,7 m südlich verlief. Ob beim Bau des Hauses bereits eine ältere Befestigung bestand, bleibt ungewiss. Später integrierte man den Freiraum zur Stadtmauer in das Steinhaus.
Zu den folgenden Bauphasen liegen Dendrodatierungen vor. Das östliche Nachbarhaus (Kernbau II) wurde 1281 (d) an die Stadtmauer angefügt. Zwischen den beiden Häusern befand sich ein hölzerner Bau, der bei einem Brand massive Rötungen und Schäden auf den Mauern hinterliess.
Von einem 1317 (d) zwischen den Steinhäusern gesetzten Neubau (Kernbau III) ist der Keller vollständig erhalten. 1343 (d) fasste man diesen Neubau und das älteste Steinhaus zu einem grossen Baukörper zusammen und erreichte so ungefähr das heutige Volumen der Liegenschaft Technikumstrasse 68, dem sogenannten «Bauhof».
1405 befindet sich das Haus im Besitz der Herren von Adlikon. Ab jener Zeit lassen sich die Hausgeschichte rekonstruieren und Aussagen zu den Nachbarn machen. Während der «Bauhof» bis ins späte 16. Jh. ein Adelssitz blieb, wohnen der Nachbarschaft auch Geistliche und Handwerker.
Die im «Bauhof» und im Nachbarhaus Technikumstrasse 66 entdeckte mittelalterliche Bausubstanz wurde weitgehend ins neue Gestaltungskonzept übernommen. Der gute Erhaltungszustand veranlasste den Eigentümer der Technikumstrasse 68, die spätmittelalterlichen Keller heute als Raum für Wechselausstellungen moderner Kunst zu nutzen.
Raumfunktionen und Ausstattungsmuster auf Burgen – die Möglichkeiten der Archäologie
Im Zentrum der hier vorgestellten Untersuchung steht die Frage nach dem archäologischen Beitrag zu einer Untersuchung von Raumfunktionen und Ausstattungsmustern auf Adelssitzen.
Für eine funktionale Analyse von Räumen sind neben den architektonischen Überresten besonders auch die in den Räumen gefundenen Objekte aussagekräftig. Dabei erweisen sich Befunde mit bestimmten Entstehungsbedingungen für eine solche Untersuchung räumlicher Verteilungsmuster als besonders geeignet: Fundstellen, bei denen das Ende der menschlichen Aktivität durch ein unvermittelt auftretendes Ereignis herbeigeführt wurde (z. B. einer Brandkatastrophe). In diesem Fall stand den handelnden Menschen wenig Zeit zur Verfügung, um die Befundbildung entscheidend zu beeinflussen.
Wenn der in diesem Zusammenhang entstandene Niederschlag nach seiner Ablagerung auch keinen entscheidenden räumlichen Veränderungen unterlag, besteht aufgrund der besonderen Depositionsumstände Grund zur Annahme, dass über die Fundlage der Objekte sowie ihre Vergesellschaftung mit anderen Objekten auf ihre Funktion bzw. Verwendung geschlossen werden kann.
Es konnte gezeigt werden, dass sich bestimmte auf Burgen durchgeführte Aktivitäten anhand räumlicher Analysen von Funden nachweisen lassen. Bei besonders günstigen Fundumständen sind auch Rückschlüsse auf die Funktion eines Raumes oder Gebäudes möglich.
Die derzeit zur Verfügung stehende Basis solcher Befunde ist allerdings noch zu klein, um aus den gewonnenen Aussagen Muster bzw. Konzepte abzuleiten. Wenn in Zukunft vermehrt Augenmerk auf die Fundlage der Objekte gelegt wird, werden sicher noch umfangreichere Aussagen zur Nutzung der verschiedenen Bereiche innerhalb einer Burg, sowie zu den in ihnen handelnden Menschen möglich.