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Januar 2018: Henning Wegter
Henning Wegter ist ein ehemaliger deutscher Volleyballspieler und heutiger Geschäftsführer des Bundesligavereins United Volleys Rhein-Main. Wegter begann seine aktive Karriere 1999 beim TV Nordhorn. 2002 folgte er seinem Vater Bernd zum FC Schüttorf 09. Später ging der Mittelblocker zum Nachwuchsteam VC Olympia Berlin und spielte in der Junioren-Nationalmannschaft. Aus der Hauptstadt wechselte er zum Bundesligisten TSV Giesen/Hildesheim. Daraufhin wurde er vom Moerser SC verpflichtet und anschliessend wechselte er zu den TSG Solingen Volleys. In seiner letzten Station beim TG 1862 Rüsselsheim gelang ihm 2015 der Aufstieg in die erste Bundesliga. Nach der Umbenennung der Mannschaft in United Volleys Rhein-Main ist Wegter heute Geschäftsführer. Für die Volleyball-Europameisterschaft 2017 in Polen stellten die United Volleys als einziger Verein mehr als einen Spieler (deren drei) für den 14-Mann-Kader von Deutschland.
Noch während seiner aktiven Volleyballkarriere schloss Henning Wegter sein Studium der Wirtschaftswissenschaft mit Schwerpunkt Marketing ab. Seine Tätigkeit als Geschäftsführer des Vereins bewog ihn dazu, seine Managementkompetenzen sportspezifisch zu erweitern. Demzufolge besucht er im letzten Jahr erfolgreich die Sportmanagement-Weiterbildung der Universität St. Gallen.
Frage 1: Henning Wegter, Sie haben während Ihrer aktiven Volleyballkarriere bereits ein Bachelorstudium in Wirtschaftswissenschaften abgeschlossen. Zudem konnten Sie diverse Erfahrungen im Marketingbereich sammeln. Wie brachten sie alles unter einen Hut?
Als Leistungssportler gewöhnt man sich relativ früh an die Doppelbelastung – wobei Belastung das falsche Wort ist. Schon in der Schule habe ich aus Spass am Sport acht bis zehn Mal pro Woche trainiert. Nach meinem Abitur war klar, dass ich neben dem Sport auch die berufliche Karriere vorantreiben möchte. Gemeinsam mit meinen Vereinen hatte ich Lösungen gefunden, wie ich neben dem Leistungssport studieren und Berufserfahrungen sammeln konnte. Dazu gehört auch immer eine grosse Portion Selbstdisziplin. Das hilft mir heute noch.
Frage 2: Die grössten Erfolge als Spieler waren ein dritter Platz in der deutschen Meisterschaft und der Vizepokalsieg 2013. Ärgert Sie es, dass Sie keinen Titel gewonnen haben?
Auf jeden Fall! Das war selbst bei den Junioren häufig so, dass ich Dritter oder Zweiter geworden bin. Umso mehr spornt es mich nun an als Manager Titel zu holen.
Frage 3: Als Manager konnten Sie bereits einige Ausrufezeichen setzen: Erfolgreichster Aufsteiger aller Zeiten, der dritte Platz in der deutschen Meisterschaft 2016, die Qualifikation für den CEV-Cup (vergleichbar mit der Europa League im Fussball) sind alles Erfolge, die Sie seit Ihrem Antritt verbuchen durften. Wie lautet Ihr Zwischenfazit?
Der sportliche Erfolg ist natürlich toll. Uns geht es bei den United Volleys aber auch darum, Volleyball allgemein und speziell in der Region rund um Frankfurt bekannter zu machen und den Zuschauern die Attraktivität des Sports näherzubringen. Das ist uns in den letzten Jahren gut gelungen und wir merken, dass wir langsam angekommen sind. Das Projekt hat aber noch viel Potenzial und wir sind hungrig auf mehr.
Frage 4: Mit welchen Tätigkeiten beschäftigt sich ein Geschäftsführer eines Volleyballbundesligisten?
Die Mannschaft und das Event ist unser Produkt, welches wir vermarkten und deshalb im Vordergrund steht. Aktuell liegt mein Fokus auf dem Partnermanagement respektive der Gewinnung neuer Sponsoren und damit zusammenhängend verantworte ich unsere Marketingaktivitäten. Auch administrative Aufgaben fallen an, die es zu erledigen gilt. Ich habe ein tolles Team aus hauptamtlichen Mitarbeitern und ehrenamtlichen Helfern, das mich unterstützt.
Frage 5: Gefühlt haben Sie eine der jüngsten Volleyball-Bundesligamannschaften aller Zeiten – was ist Ihnen bei der Kaderplanung besonders wichtig?
Neben den sportlichen Voraussetzungen ist die Persönlichkeit des Spielers im Volleyball besonders wichtig. Es geht nicht um das Gehalt, sondern um das was ich in meiner Karriere erreichen will. Volleyball hat viel mit Idealismus zu tun. Da braucht man Spieler die hungrig sind und unseren Ehrgeiz teilen und somit das Projekt United Volleys nach vorne bringen.
Frage 6: Wie lauten die kurz- und längerfristigen Ziele der United Volleys?
Diese Saison wollen wir in der Meisterschaft das Finale erreichen. Die Liga ist so eng wie schon lange nicht mehr und es wird schwierig. Das Erreichen würde uns für die Champions League qualifizieren, was ein riesiger Erfolg wäre. Langfristig wollen wir uns neben VfB Friedrichshafen und den Berlin Recycling Volleys etablieren und um die Meisterschaft mitspielen. Ich brauche ja langsam mal einen Titel (lacht).
Frage 7: Nach dem sensationellen Vizeeuropameistertitel konnten Sie alle Ihrer drei Nationalspieler halten. Nach so einer Performance an einem grossen Turnier ist das nicht üblich. Wie konnten Sie die drei Nationalspieler von einem Verbleib überzeugen?
Glücklicherweise standen die drei Spieler schon vor der EM unter Vertrag und haben auch noch für die kommende Saison Verträge bei uns. Das ist unüblich im Volleyball. Wir setzen bewusst auf langfristige Verträge und geben den Spielern mehr Planungssicherheit und unseren Fans Identifikationsfiguren.
Frage 8: Welche Erkenntnisse/Inhalte des Studiums können Sie besonders gut im beruflichen Alltag gebrauchen?
Besonders beeindruckt hat mich der Vortrag von Prof. Dr. Wolfgang Jenewein. Die Inhalte helfen mir täglich in puncto Mitarbeitermotivation und strategische Ausrichtung der United Volleys. Aber auch die anderen Referenten haben von ihren Themen einen sehr hilfreichen praxisnahen Bezug zu Sportorganisationen hergestellt.
Frage 9: Durch den Lehrgang erhielten Sie einen Einblick in einen der grössten Fussballvereine der Welt. Inwiefern ist das für eine Führungskraft aus einer anderen Sportart interessant?
Der Austausch mit anderen Experten im Sportbusiness ist enorm hilfreich. Die Vorstände und Direktoren von Schalke 04 waren sehr transparent und gaben äusserst interessante Einblicke in die tägliche Arbeit. Die Tatsache wie sich der FC Schalke 04 als Marke versteht und welche Zukunftsabsichten sie haben, hilft mir bei den United Volleys gewisse Dinge zu adaptieren und weiterzuentwickeln. Beispielsweise ist die Digitalisierung nicht nur für einen „Riesen“ wie Schalke 04 eine grosse Chance, sondern auch für kleine Vereine wie uns.
Frage 10: Der Volleyballsport fristet im Vergleich zum König Fussball immer noch ein Schattendasein. Wie sehen Sie die Entwicklung des Volleyballsports in Deutschland?
Volleyball darf man nicht mit Fussball in Deutschland vergleichen. Volleyball (und auch Basketball, Handball und Eishockey) ist ein völlig anderes Erlebnis und Event. Wir müssen unsere Vorzüge in den Vordergrund stellen. Volleyball ist schnell, dynamisch, athletisch und alle paar Sekunden gibt es einen Punkt, den man bejubeln kann. In der gesellschaftlichen und medialen Wahrnehmung sehe ich eine stetige Verbesserung in Deutschland. Wir müssen unsere Free-TV-Zeiten weiter ausbauen und zudem braucht die Liga einen Hauptsponsor. Wenn wir – die Vereine – die positive Entwicklung nutzen, traue ich dem Volleyball zu, bald zu den anderen drei Indoor-Sportarten aufzuschliessen.
Vielen Dank für die interessanten Einblicke, Herr Wegter!