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Eichhörnchen führen ein Leben mit hohem Energieaufwand. Sie flitzen Bäume hoch und runter, klettern, springen, hüpfen. Dafür verbrauchen sie extrem viel Energie und müssen gleichzeitig schlank bleiben, weil sonst das Klettern schwierig würde. Bei einer Körpertemperatur von 38 bis 40 Grad Celsius brauchen die Tiere pro Kilogramm Körpergewicht und Stunde vier- bis fünfmal mehr Sauerstoff als der Mensch für die Aufrechterhaltung des inneren Stoffwechselgleichgewichts. Um ihren Energiebedarf zu decken, benötigen Eichhörnchen Protein, Fett und Zucker.
Diese Nährstoffe finden sie in den von ihnen bevorzugten Nüssen – bei Haselnüssen etwa kommen auf ein Gramm Eiweiss drei bis vier Gramm Fett und ein Gramm Zucker. Wenn im Jahresverlauf die Nüsse möglicherweise knapp werden, haben sich die Hörnchen einen genügend grossen Überschuss an Fett und Kohlenhydraten im Körper zugelegt, damit sie sich viel bewegen und intensiv nach Proteinen suchen können, die sie für die Fortpflanzung benötigen. Eichhörnchen müssen sich also viel bewegen, weil sie so viel Energie aufnehmen müssen, um ihren Eiweissbedarf zu decken.
Umwelt und Lebensraum
Das Vorkommen von Eichhörnchen erstreckt sich fast rund um den ganzen Erdball – vom europäisch-atlantischen Westen durch Nordasien bis in den Fernen Osten, von Gegenden auf Meeresniveau bis hinauf zu solchen im Hochgebirge. In diesen verschiedenen Lebensräumen ist das Eichhörnchen mitunter Temperaturen von weit unter dem Gefrierpunkt bis an die 40 Grad Celsius ausgesetzt.
Eichhörnchen passen sich nicht eng an ihre Umwelt an, Hauptsache ist für sie, dass es dort, wo sie leben, übers ganze Jahr genügend Nahrung gibt, um ihren Nährstoffbedarf zu decken. In unseren Breitengraden ist dies mittlerweile in Siedlungsgebieten eher der Fall als in Wäldern, weshalb die Häufigkeit der Eichhörnchen im Siedlungsraum von Menschen zu und in Wäldern abgenommen hat.
Nester und Nestbau
Nester sind für Eichhörnchen wichtig. Sie bauen deshalb gleich mehrere der sogenannten Kobeln, schlafen aber auch in Baumhöhlen. Da ist die Konkurrenz mit anderen Tieren, die auch gern in Baumhöhlen schlafen, allerdings gross. Ausserdem sind die Eichhörnchen darin nicht unbedingt sicher vor ihrem grösstem Feind, dem Marder. In den runden Kobeln sind sie vor ihm hingegen geschützt. Die Nester haben aber den Nachteil, dass sich in ihnen Flöhe und Milben gut entwickeln und halten können. Sie dürfen also nicht zu warm und dicht gebaut sein.
Ausserdem droht im Nest Gefahr von oben, wenn Krähen die Nester zerpflücken, um die Jungen fressen zu können. Doch gerade wenn ein Eichhörnchen Nachwuchs hat, sollte das Nest Wärme eine Zeitlang bewahren können, wenn die Eichhörnchenmutter auf Futtersuche gehen und die Kleinen, die schnell auskühlen, alleine zurücklassen muss.
Die Nager und ihr Gebiss
Eichhörnchen gehören zu den Nagetieren und sind damit auch verwandt mit Mäusen, Ratten, Hamstern, Murmeltieren, Bibern und dem grössten unter ihnen, dem Wasserschwein. Weltweit gesehen gibt es mindestens 2280 verschiedene Arten von Nagetieren, sie machen damit nach aktuellem Kenntnisstand fast die Hälfte aller Säugetiere aus. Eine erfolgreiche Spezies also, deren Erfolgsrezept ihre besonderen Gebisse sind.
Das Eichhörnchengebiss besteht aus Schneidezähnen zum Nagen und Backenzähnen zum Kauen. Eckzähne hat es keine. Weil die Schneidezähne oben wie unten gebogen und scharf abgeschrägt sind, verfügen sie wie eine Kneifzange über enorme Kraft – das ist praktisch beim Aufnagen harter Nussschalen wie die der Walnuss, wäre aber im Fall eines Bisses ziemlich schmerzhaft. Die Nagezähne des Eichhörnchens wachsen zeitlebens nach.
Die Nahrung und ihre Tücken
«Für Eichhörnchen ist das Alter der Bäume wichtiger als die artliche Zusammensetzung, da es auf Baumsamen angewiesen ist, die erst von einem gewissen Alter der Bäume an produziert werden.» So steht es geschrieben im «Handbuch der Säugetiere Europas» von Niethammer und Krapp, 1978, und damit ist eine der Schwierigkeiten der Eichhörnchen-Ernährung angesprochen. Denn Eichhörnchen fressen verschiedene Samen (Früchte) von Bäumen, die diese im Weiteren je in einer beträchtlichen Unregelmässigkeit produzieren. Im Jahresdurchschnitt braucht das Hörnchen etwa 70 Gramm Nahrung pro Tag – im Frühling und Herbst etwas mehr, im Sommer und Winter weniger.
Doch was hat es nun mit dem Alter der Bäume auf sich? Eine Eichel, die auch zur Nahrung der Eichhörnchen, aber auch vieler anderer Tiere gehört und von einem solchen aber nicht gefressen wird, sondern zu Boden fällt, im Jahr darauf keimt und langsam zu einem Bäumchen, später Baum, heranwächst, trägt etwa nach 80 Jahren erstmals eigene Früchte. In unseren bewirtschafteten Wäldern mit oftmals ziemlich einheitlichem Baumbestand werden jedoch viele Bäume früher gefällt – im Gegensatz etwa zu Stadtparks, in denen alte Bäume sehr beliebt sind und ihre genetische Vielfalt grösser ist.
Hinzu kommt wie erwähnt, dass die Samensätze von Eichen, Buchen und Fichten, aber auch Hasel- und Walnussbäumen, von Jahr zu Jahr schwanken. Die Abstände der Mastjahre, in denen die Bäume viele Samen tragen, folgen dem Zyklus der Sonnenflecken, in denen sich die schwankende Aktivität der Sonne ausdrückt und die alle elf Jahre ein Maximum erreichen. Zwischendurch gibt es Jahre mit kaum Samensätzen und solche mit wenigen.
Ein letzter Punkt, der gegen den Lebensraum Wald und für den Lebensraum Stadtpark spricht, ist das Weniger an Stickstoffdünger, dem sorgfältig gepflegte Stadtbäume ausgesetzt sind. Wälder grenzen oftmals an Landwirtschaftsgebiete, in denen regelmässig zu viel gedüngt wird, sodass die Böden nicht alle Gülle aufnehmen können. So entweicht Ammoniak daraus in die Luft, überdüngt die Wälder und macht die Bäume damit instabil und anfällig für Krankheiten und Insektenbefall.
Fortpflanzung und Aufzucht
Die Bestände von Eichhörnchen, die in Wäldern leben, folgen den Mastjahren deutlich. Nach fetten Jahren ist es möglich, dass die Weibchen bis zu drei Würfe kurz nacheinander haben. Darauf wird naturgemäss die Nahrung knapp, worauf die Bestände wieder zurückgehen. In mageren Jahren haben die Weibchen keinen Nachwuchs. Selbst der Zeitpunkt, zu dem sich Eichhörnchen paaren, folgt mehr oder weniger ihrem Futterangebot, das sich auf ihre Konstitution auswirkt, die für eine Paarung intakt sein muss.
Ein fortpflanzungswilliges Männchen sucht sich ein Weibchen, worauf sich die beiden auf eine Verfolgungsjagd mit fixen Regeln einlassen. Im Laufe dieser Jagd muss das Männchen seine körperliche Fitness beweisen, ansonsten es nicht zum Zuge kommen wird. Zudem dient die Rennerei beim Weibchen dazu, einen Eisprung auszulösen. Jagen gleichzeitig mehrere Männchen hinter einem Weibchen her, das seine Paarungsbereitschaft mit Duftstoffen signalisiert, gewinnt in der Regel das ranghöchste Tier.
Das ausgewählte Männchen paart sich daraufhin mehrmals mit dem Weibchen und erhöht durch die zunehmende Menge an Samenflüssigkeit die Chance, dass die Jungen tatsächlich auf sein Konto gehen. Nach 38 Tagen Tragzeit kommen drei bis fünf Junge mit einem Geburtsgewicht von je zehn Gramm blind und nackt zur Welt. Nach zehn bis zwölf Tagen beginnt ihnen ein Fell zu wachsen, nach einem Monat öffnen sie ihre Augen. Zu diesem Zeitpunkt sind die Jungen bereits je etwa 70 Gramm schwer. Nach ungefähr 40 Tagen beginnen sie mit dem Verzehr von fester Nahrung und bereits mit 70 Tagen suchen sie sich diese selbst, bleiben aber noch einige Wochen von der Mutter abhängig.
Nach frühestens einem Jahr ist der Nachwuchs selbst zeugungsfähig, etwa die Hälfte der weiblichen Tiere jedoch erst mit etwa drei Jahren. Grund dafür sind die optimalen Bedingungen, die Eichhörnchenweibchen brauchen, um überhaupt paarungsbereit zu sein – nämlich nicht zu schlank und nicht zu dick. Sind sie zu dünn, weil sie zu wenig Nahrung fanden, überleben sie den Winter und die Aufzucht der Jungen nicht. Sind sie zu dick, können sie nicht mehr klettern und damit keine Nahrung für sich und die Jungen suchen.
Eichhörnchen und Grauhörnchen
Vom US-amerikanischen Grauhörnchen, das im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert erst in Grossbritannien und später in Italien ausgewildert worden war, hört man oft, dass es mitverantwortlich sei für eine krasse Dezimierung des europäischen Eichhörnchens. Verantwortlich dafür seien Pockenviren, die Grauhörnchen in sich tragen. Eichhörnchen würden sich damit infizieren, wenn sie dieselben Schlafplätze benutzen wie die Grauhörnchen. Voraussetzung dafür wäre, dass das viel kleinere Eichhörnchen das grössere und schwerere Grauhörnchen aus seinem Nest vertreiben könnte und wollte.
Beides ist jedoch nicht der Fall, erstens aus physischen Gründen und zweitens, weil Eichhörnchen selbst Nester bauen. Zudem könnte unter dieser Annahme auch der umgekehrte Fall eintreten, dass das Grauhörnchen das Eichhörnchen aus seinem Nest vertreibt und sich darin mit Lepra-Bakterien infiziert, die britische Eichhörnchen teilweise in sich tragen.
Der wichtigste Grund, weshalb sich das Grauhörnchen in Europa gebietsweise rasant ausgebreitet hat, ist die Bejagung seiner natürlichen Feinde wie Marder und Raubvögel durch den Menschen. Wo immer der Mensch versucht, Bestände am einen Ende mit Jagd zu regulieren, wird am anderen eine Kettenreaktion ausgelöst, die nicht kontrollierbar ist. Wildtierbestände regulieren sich in aller Regel von selbst. Denn wenn es von einer Art zu viele hat, wird die Nahrung knapp, womit wieder eine Regulierung eintritt. Voraussetzung für diese natürlichen Kreisläufe ist das Vorhandensein von natürlichen Feinden.
Der Teufel ist ein Eichhörnchen
Im Mittelalter galt das Tierlein, dessen Ohren annähernd wie kleine Hörner aussehen, als Teufelchen – oder als zumindest mit diesem in nahem Kontakt stehend. In der Kunst gibt es zahlreiche Darstellungen wie beispielsweise das Gemälde über den Sündenfall des flämischen Malers Michiel Coxcie (1499–1592), in dem das Eichhörnchen zu Füssen Evas sitzt und den Teufel repräsentiert. Und wenn das Tierlein mit seinem leuchtend roten Schwanz über ein Dach sprang, galt die Überzeugung, dass alsbald mit einer Feuersbrunst zu rechnen sei. Eingedenk der Tatsache, dass einige Eichhörnchen bis heute Lepra-Bakterien in sich tragen, hatten die Menschen im Mittelalter aber vielleicht gar nicht so unrecht damit, dass man von den flinken Kletterspezialisten besser Abstand hält.