Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03651.jsonl.gz/913

Seit 25 Jahren schaut Jakob «Jack» Säuberli, 70, von seinem Haus hoch über Vitznau LU direkt auf den Wiesenberg auf der gegenüberliegenden Seite des Vierwaldstättersees. «Wer hätte gedacht, dass meine Verbindung zu diesem Stück Nidwaldner Land einmal so eng sein wird», sagt Säuberli lachend zu seiner Frau Maria-Pia, 65.
«Land ob de Wolke» heisst das Stück, das den Wiesenberg und die Teufibalm, wo Säuberlis wohnen, miteinander verbindet. Es stammt aus der Feder von Jack Säuberli und ist das erste Lied, das speziell für den Jodlerklub Wiesenberg geschrieben wurde. Ein wahrhaft himmlisches Bündnis: Das Gemeinschaftswerk des berühmtesten Jodlerklubs des Landes und des umtriebigen Musikers und Komponisten landete direkt an der Spitze der Hitparade. Über 250 000 Mal wurde der Clip dazu in einer einzigen Woche angeklickt, die Noten über 200 Mal heruntergeladen. Das hat es so noch nie gegeben!
Dabei begegneten sich Jack Säuberli und die Wiesenbergler erstmals als Konkurrenten. 2009 schafften es beide ins Finale der SRF-Sendung «Die grössten Schweizer Hits». Die Jodler gewannen, Säuberli landete mit seinem Wunderbar-Ensemble auf Rang 5. Die Idee, sich zusammenzutun, kam aber erst Jahre später vom Inhaber des Tonstudios Phonoplay, in dem beide ihre Lieder aufnehmen.
Jack Säuberli ist mit Volksmusik aufgewachsen, sein Vater war ein begabter Jodler. «Aber wenn dein Papa jeweils in der Beiz der Erste ist, der auf dem Tisch steht und juzt, ist dir das als Teenager peinlich.» Jakob, jüngster von drei Brüdern, musste wie der älteste Klavier spielen, um das Instrument zu amortisieren – und klaute bei jeder Gelegenheit das Saxofon des mittleren Bruders, um darauf zu üben. Mit 15 spielte er erstmals in einem Tanzorchester, er brauchte noch die Einwilligung des Dorfpfarrers, um auftreten zu dürfen. Es folgten diverse Bigbands, die er auch leitete. In dieser Zeit begann Jack zu komponieren – aus Mangel an Arrangements von Titeln, die ihm gefielen.
Neben der Musik machte Säuberli eine ganz bodenständige Lehre – schliesslich habe der Vater zu sagen gepflegt: «Wir sind keine Künstler, Köbi!» Da er auch eine Vorliebe fürs Zeichnen hat, liess er sich bei Ringier zum Lithografen ausbilden, arbeitete eine Weile als Grafiker bei einer Werbeagentur, zeichnete für den «Blick», illustrierte auch Kinderbücher. Die Musik war aber stets wichtig in Jacks Leben. So spielte er mit Legenden wie Othella Dallas, bei Galas mit Hazy Osterwald oder war mit dem späteren Top-Banker Lukas Mühlemann in der Popband The New Five. In dieser Zeit lernte er auch seine Frau kennen. Maria-Pia Forster ist eine ehemalige Profiballerina, tanzte etwa am Zürcher Opernhaus oder bei den Salzburger Festspielen. Heute führt sie eine eigene Ballettschule. «Die Bühne habe ich gern ihr überlassen, mich hat sie nie wirklich interessiert», sagt ihr Gatte. «Ich liebe das Komponieren, grosse Klangkörper. Musik schreiben ist für mich wie ein Bild malen.»
Auf eine Stilrichtung mag sich Jack Säuberli dabei nicht festlegen. Er komponiert nach wie vor Jazz für Bigbands, Titel für Blasorchester, aber auch Jodelmusik, Klezmer-Musik oder Klassik – manches davon unter Pseudonymen. «Es gibt Leute, die denken, man sei unglaubwürdig, wenn man musikalisch auf verschiedenen Hochzeiten tanzt», erklärt er. Dabei weiss kaum einer so gut wie Säuberli, dass gerade Authentizität ein wichtiger Erfolgsfaktor ist: «Die Wiesenbergler sind genau so, wie sie sich geben. Sie lieben ihre Heimat, die Natur, ihre Musik und das Jodeln», sagt er. «Hat einer von ihnen Geburtstag und haben sie an dem Tag eine Anfrage für einen TV-Auftritt, dann sagen sie diesen ab und juzen lieber dem Geburtstagskind ein Ständchen.» Wie die Arbeit im Tonstudio war mit diesen 18 «Naturgewalten»? Säuberli lacht vielsagend. «Grossartig. Und intensiv.»
Der Musiker setzt sich auf ein Bänkli in seinem Garten. Sein kleines Paradies, in dem er mit seiner Frau lebt – die beiden Kinder sind längst erwachsen –, ist nur über eine private Seilbahn erreichbar. «Ha scho ghört vo dem Land ob de Wolke, s gäbi dete kei Not, Ängscht und Chrieg.» Kein Wunder, ist dieses Lied auf der Teufibalm entstanden. Direkt gegenüber dem Wiesenberg.