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Darunter befindet sich auch ein Änderungsvorschlag, der erreichen möchte, dass traditionelle Bezeichnungen für Fleisch- und Wurstwaren für die Vermarktung von vegetarischen und veganen Imitaten von Fleisch und Fleischprodukten geöffnet werden. Dazu würde lediglich ein Zusatz wie "pflanzlich", "fleischlos" oder "veggie" ausreichen, um Produkte als Schinken, Rostbratwürste, Burger, Steak oder Pariser Wurst zu bezeichnen.
Das würde die ursprüngliche Intention des EU-Gesetzesvorhabens, nämlich den Schutz von Bezeichnungen für Fleisch- und Wurstwaren (analog zur bereits bestehenden Regelung für Milchprodukte) vor Nachahmerprodukten und Imitaten zu gewährleisten und europaweit zu vereinheitlichen, ins komplette Gegenteil verkehren. Aus Sicht der europäischen, aber auch der heimischen Fleischwirtschaft und der Landwirtschaft wäre das eine Konsumententäuschung und Wettbewerbsverzerrung.
Codex Alimentarius ausgehebelt
Österreich hat im Bereich der Fleisch- und Wurstwaren besonders hohe Qualitätsstandards, die europaweit Anerkennung finden. Die Grundlage dafür bildet seit 1911 das österreichische Lebensmittelbuch (Codex Alimentarius Austriacus). Darin sind für jede bekannte Wurstsorte die zulässigen Inhaltsstoffe definiert, also wie hoch der Anteil von Rind-, Schweinefleisch und Wasser sein darf beziehungsweise muss. Unter anderem heisst es darin: "Burger (Hamburger) werden ausschliesslich aus Rindfleisch ohne Zugabe anderer Lebensmittel ausgenommen Salz und Gewürze hergestellt."
Kampagne zu Zusatzstoffen in Fleischimitaten
Ein Vorstoss des EU-Abgeordneten Eric Andrieu zielt darauf ab, dass die Kommission über delegierte Rechtsakte im Alleingang entscheiden kann, welche Bezeichnungen geschützt werden. Das ist einer breiten europäischen Allianz aus Landwirtschaft, Viehzuchtorganisationen und Fleischwirtschaft zu unsicher: Sie haben eine Kampagne gestartet, um die EU-Abgeordneten dafür zu sensibilisieren, was die langfristigen Folgen für Verbraucher, die Fleischbranche und die tierhaltenden Landwirte wären. Unter dem Slogan "Ceci n'est pas un burger/jambon/steak" wird darauf hingewiesen, welche Fülle an Zusatz- und Konservierungsstoffen sich in Fleischimitaten findet, sodass nicht alles, was wie ein Burger aussieht, auch tatsächlich ein Burger ist (aiz.info berichtete).
Unterstützt wird diese Kampagne von der Fleisch verarbeitenden Industrie der EU (CLITRAVI), dem Europäischen Forum der Tierzüchter (EFFAB), dem Verband der Geflügelfleischverarbeiter (AVED), COPA-COGECA (Dachorganisation der europäischen Landwirte und landwirtschaftlichen Genossenschaften), dem Internationalen Metzgermeister-Verband (IBC) und dem Verband des europäischen Vieh- und Fleischhandels (UECBV).
Einige grosse europäische Länder wie Frankreich und Deutschland haben bereits vorsorglich reagiert und eigene Gesetzesbestimmungen erlassen, um Wurst- und Fleischwaren vor Imitaten zu schützen. Somit droht einmal mehr ein regulatorischer Fleckerlteppich.