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1. Ältere Geschichte
Autor: Dr. Walter Gfeller, Herzogenbuchsee
Texte: Teilweise aus dem Buch „Die Kirche der Bergpredigt“ von Hans Henzi & Werner Staub
Um 200 n.Chr. Erster fassbarer Bau auf dem Kirchhügel ist der römische Gutshof. Erhalten haben sich der Hypokaust, eine Art Warmluftheizung und Reste von Mosaikböden, darunter der Panther, der jetzt in der Sekundarschule ausgestellt ist.
886 Vertrag von Madiswil: Witwe Aba tätigt Austausch von Gütern mit der Vollmacht ihres Sohnes Adalgoz und dem Rechtsbeistand des Klosters St. Gallen. Die Forschung schliesst drei Dinge daraus:
1. Gemessen an der Wichtigkeit der Vertragspartner ist „puchsa“ auch ein kirchliiches Zentrum im Oberaargau, die sog. „Urpfarrei“.
2. Die Adalgozze, ein Dienstadelsgeschlecht, haben ihren Sitz in Buchse („puchsa“).
3. Ersterwähnung von Herzogenbuchsee.
1090 erbt Agnes von Rheinfelden, Gemahlin Berchtolds II. von Zähringen den Kirchensatz von Buchse, Seeberg und Huttwil. Sie hat das Recht, Priester einzusetzen und Einkünfte zu beziehen.
1109 wird in Buchse eine Filiale des Klosters St. Peter im Schwarzwald erbaut. Ab 1275 steht sie definitiv an Stelle des heutigen Gemeindehauses. Auf dem Kirchhof ist der Sitz des weltlichen Verwalters, des Kastvogts als Stellvertreter der Herzöge von Zähringen, später der Grafen von Kyburg und ab 1406 der Berner. Zugleich ist das Jahr 1109 die frühestmögliche Benennung von „Herzogenbuchsee“.
1332 Erstürmung des Kirchhofs durch die Berner, 1375 durch die Gugler.
1528 Reformation. Die Berner nehmen Rechte und Güter des Klosters St. Peter in Besitz und entschädigen dieses 1557 mit 5‘000 Gulden.
1706 Der Blitz beschädigt den Turmhelm, der ersetzt werden muss. Ist es im Willading-Plan von 1653 ein Spitzhelm mit waagrechter Basis, so wie z.B. Burgdorf, werden der Tuffstein-Mauer hölzerne Giebel aufgesetzt, die ein „gotisches“ Alter vortäuschen sollen. Der Helm sieht bis 1897 „mager“ aus und ist auf Fotos erhalten.
1728/29 Neubau der Kirche anlässlich des Jubiläums 200 Jahre Reformation. Den gotischen Vorgängerbau wollte man nicht mehr „flicken“. Es wird der grösste sakrale Saalbau in altbernischen Landen, inkl. Berner Aargau und Waadt. Die Kirchgemeinde Herzogenbuchsee ist die drittgrösste im Kanton Bern.
Von der barocken Ausstattung sind erhalten: die Kanzel, der Taufstein, der Abendmahlstisch, das Chorgestühl sowie die zahlreichen historischen Stifterscheiben.
1770 Einbau einer Orgel durch Johann Conrad Speisegger, einem der besten damaligen Orgelbauer. Weitere Orgeln u.a. in Aarau, Lenzburg, Büren a.A., Freiburg Franziskaner, Vuisternens FR.
1800 21. Dezember: Blitzschlag in den Helm.
1801 18. September hat „Weiß-Spängler“ Hans Ulrich Ammon den Helm geflickt und in der Helmkugel einen ausführlichen Bericht gesetzt.
1808 Neuguss der vier Glocken durch J.H. Bär in Aarau.
1862/63 Erneuerung der Speisegger-Orgel durch Orgelbauer Weber von Juchten.
1867 Renovation des Turmhelms mit neuen Holzschindeln und Füllen der Helmkugel mit zahlreichen Einlagen, vor allem aus der Dorfgeschichte ab 1833.1837. Dezember: Neue Orgel der Firma Goll, mit reich beschnitztem Renaissance-Prospekt. Die alte Speisegger-Orgel kann Goll nach Aesch LU vermitteln, wo heute noch zumindest der Prospekt zu bewundern ist. Mit der neuen Orgel wird die Decke zu einem sog. Mulden-Gips-Gewölbe angehoben, was eine kreuzweise Verstrebung des Dachwerks bedingt.
1897 Umbau des Turms. Die gotischen Schallöffnungen mit sanfter Hohlkehle und Masswerk werden ersetzt durch stilwidrige Doppelfenster, sog. Biforien. Der alte Helm weicht einem neuen höheren, der den Proportionen des Turmstumpfs angepasst ist. Die Eindeckung mit Kupferplatten hält dem Wassereintritt nicht stand. Die hölzernen Giebel bleiben einstweilen erhalten.