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Im 1. Halbjahr 2007 wurden in der Schweiz rund 10% mehr Nutzfahrzeuge verkauft. Mercedes-Benz verzeichnete nur einen marginalen Zuwachs. Wird sich dies im 2. Halbjahr ändern?
Paul Grossenbacher: Auf den ersten schnellen Blick stimmt Ihre Aussage. Bedenkt man jedoch die Tatsache, dass viele Fahrzeuge von anderen Nutzfahrzeugherstellern letztes Jahr verkauft wurden, jedoch aufgrund der Lieferfähigkeit erst dieses Jahr zugelassen wurden, ändert sich das Bild stark. Wir sind sehr optimistisch, dass Mercedes-Benz auch im Jahr 2007 zu den Gewinnern zählen wird. Unser Bestellungseingang, als vorlaufender Indikator, bestätigt uns in dieser Annahme.
Gibt es Branchen, in denen eine stärkere Nachfrage nach Nutzfahrzeugen festzustellen ist?
Grossenbacher: Aufgrund des breiten Wirtschaftswachstums in der Schweiz, steigt die Nachfrage in allen Branchen. Besonders stark ist die Nachfrage im Bereich Bau und im gewerblichen Verkehr, insbesondere bei Flottenkunden.
Wie beeinflusst die Euro-4- und Euro-5-Diskussion die Kaufentscheide der Kundschaft?
Grossenbacher: Der Markt hat sich klar für Euro-5-Fahrzeuge entschieden. Wenn der Kunde die Wahl hat zwischen Euro-5- und Euro-4-Fahrzeugen, entscheidet er sich für Euro 5. Mercedes-Benz hat seit der Einführung von Euro-5-Fahrzeugen im Jahr 2005 fast ausschliesslich nur noch diese Fahrzeuge verkauft.
Ältere Fahrzeuge müssen also wegen der nochmals erhöhten LSVA früher ersetzt werden als dies von den Betreibern geplant war. Was passiert mit diesen Occasionsfahrzeugen? Wohin werden diese verkauft?
Grossenbacher: Die Nachfrage nach gebrauchten Nutzfahrzeugen ist derzeit sehr hoch, von daher bestehen in der Branche keine Absatzprobleme. Im Gegenteil, der Markt ist fast leergefegt. Rund 60% unserer Occasionsfahrzeuge gehen derzeit ins Ausland, davon der grösste Teil in europäische Länder, aber auch nach Afrika oder Südamerika.
Wie geht Mercedes-Benz mit dem Preiskampf auf dem Schweizer Markt um? Ist es wirklich nicht möglich, das Preisniveau wieder etwas nach oben zu bewegen?
Grossenbacher: Der Markt macht die Preise. Es ist unsere Aufgabe, die Bedürfnisse des Marktes abzudecken. Der Kunde ist nur bereit mehr zu bezahlen, wenn er auch einen Mehrwert erhält. Dank den modernen Technologien im Bereich Sicherheit und Wirtschaftlichkeit kann Mercedes-Benz diesen Mehrwert den Kunden bieten.
In den vergangenen Jahren wurden die Motorenleistungen moderner Nutzfahrzeuge stetig gesteigert. Der stärkste Motor leistet derzeit rund 660 PS. Wohin führt diese «PS-Euphorie» noch?
Grossenbacher: Von diesen leistungsstarken Fahrzeugen werden in der Schweiz nur sehr wenige Exemplare verkauft, für ganz spezielle Einsätze. Die meisten Kunden kaufen Fahrzeuge in der Leistungsklasse zwischen 420 und 500 PS. Wir gehen nicht davon aus, dass sich in der Schweiz eine PS-Euphorie entwickeln wird.
Einige Ihrer Konkurrenten verkaufen mittlerweile neue Fahrzeuge auch direkt im Markt. Welche Absatzstrategie verfolgt Mercedes-Benz in der Schweiz?
Grossenbacher: Mercedes-Benz hat 1999 ein neues Vertriebssystem, das Agentensystem, eingeführt. Der Agent verkauft Neufahrzeuge im Namen und auf Rechnung der DaimlerChrysler Schweiz AG. Er ist der unmittelbare Partner des Kunden in Verkauf und Service. Die Kundenbetreuung erfolgt dezentral über die 15 Mercedes-Benz Verkaufsstützpunkte, die zugleich auch Servicevertreter sind. Dazu kommen 28 reine Servicestellen. Für uns ist der lokale Kontakt zum Kunden in Verkauf und Service sehr wichtig. Aus diesem Grund streben wir auch in Zukunft keinen zentralen Vertrieb an.
Nicht wenige Schweizer Transportunternehmer kaufen noch immer ihre Fahrzeuge, statt sie etwa zu leasen oder zu mieten. Wie überzeugen Sie die Schweizer Kundschaft, dass sie ihre Fahrzeuge nicht mehr unbedingt kaufen muss?
Grossenbacher: Grundsätzlich entscheidet der Kunde über die Art der Finanzierung und Nutzung von Lastwagen. Jede Beschaffung muss individuell geprüft werden. Wir beraten die Kunden jedoch sehr gerne und zeigen die Vor- und Nachteile auf. Der Trend zum Leasing- oder Mietmodell ist seit einiger Zeit klar erkennbar. Mit der DaimlerChrysler Financial Services verfügen wir über eine eigene Konzerngesellschaft, welche sämtliche Dienstleistungen rund um die Fahrzeugfinanzierung anbietet.
Oft müssen die Strassentransportfirmen Auftragsspitzen überbrücken, doch dafür müssen zusätzliche Fahrzeuge angeschafft werden. Wie läuft derzeit das Mietgeschäft von schweren Lastwagen?
Grossenbacher: Diese Aktivität erfreut sich europaweit einer immer stärkeren Nachfrage und wird zunehmend auch in der Schweiz zu einer attraktiven Alternative zu Kauf oder Leasing. Die Miete bietet die Möglichkeit, kurz- bis mittelfristige Auslastungsspitzen abzudecken. Daneben sprechen bei vielen Firmen aber auch bilanztechnische Gründe für das Mietmodell.
Wie gross ist die derzeitige Mietfahrzeugflotte von DaimlerChrysler Schweiz?
Grossenbacher: Das sind derzeit rund 160 Mieteinheiten (Fahrzeuge, Auflieger, Anhänger) für die klassische Miete. Daneben bieten wir den Kunden, zur kurzzeitigen Überbrückung von Engpässen, Mobilitätsfahrzeuge über unser Agentennetz an.
Im Bereich Service und Unterhalt sind ebenfalls Änderungen festzustellen, immer mehr Fahrzeugbesitzer vergeben Reparatur- und Wartungsarbeiten an spezialisierte Dienstleister. Wie stellt sich der
Importeur auf diesen Trend ein?
Grossenbacher: Es kann in vielen Fällen für den Kunden sinnvoll sein, Wartungs- und Reparaturarbeiten an den Fahrzeugen in einer eigenen Werkstatt auszuführen, insbesondere dann, wenn diese Infrastruktur auch für Unterhaltsarbeiten an weiteren Maschinen und Geräten eingesetzt wird. Meist findet eine Aufteilung des Arbeitsumfangs nach Komplexität und Dringlichkeit zwischen der Betriebswerkstätte des Kunden und dem lokalen Mercedes-Vertreter statt. Diese Voraussetzung ist bei Mercedes-Benz durch das dichte Werkstättennetz in der Schweiz gegeben. Der Trend, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren, nimmt zu und dürfte auch zu einer weiteren Verlagerung des Fahrzeugunterhalts in die Markenwerkstätten führen. Begünstigt wird diese Entwicklung durch die zunehmende Nachfrage nach Wartungs- und Reparaturverträgen.
Die Aspekte der Sicherheit spielen beim Nutzfahrzeug eine immer wichtigere Rolle. Wie geht DaimlerChrysler mit diesem Problem um?
Grossenbacher: Wir stellen erfreulicherweise fest, dass eine immer grösser werdende Anzahl unserer Kunden ihr Fahrzeug mit einem Sicherheitspaket bestellt (Abstandsregeltempomat, Spurassistent, Safety-Brake). Im 1. Halbjahr 2007 waren dies bei schweren Strassenfahrzeugen rund 90%. Die Marke Mercedes-Benz steht für Sicherheit und wir sind stolz, unseren Kunden auch in diesem Bereich moderne Technologien anbieten zu können.
Der Chauffeur ist ebenfalls ein wichtiger Faktor in den Bemühungen, die Sicherheit auf der Strasse weiter zu verbessern. Was unternimmt DaimlerChrysler in diesem Bereich?
Grossenbacher: Zum einen instruieren wir jeden Käufer bei der Fahrzeugablieferung über die technischen Aspekte seines Fahrzeuges. Jeder Kunde, welcher einen Sprinter oder ein schweres Nutzfahrzeug erwirbt, erhält zudem kostenlos eine intensive Fahrerschulung, die wir in Zusammenarbeit mit dem TCS durchführen. Zudem bieten wir Schulungen an mit den Schwerpunktthemen ökonomisches Fahren, Ladungssicherung und Fahrsicherheit.
Im Bereich leichter Nutzfahrzeuge bietet DaimlerChrysler auch das Modell Sprinter an, welches bis zu einem Gesamtgewicht von etwa 5 t ausgebaut werden kann. Im Rahmen der Einführung der LSVA beziehungsweise wegen des Nachtfahrverbotes, gewinnen diese Fahrzeuge an Attraktivität, weil sie auch nachts unterwegs sein können. Spürte man bei DaimlerChrysler eine zusätzliche Nachfrage nach diesen Fahrzeugen?
Grossenbacher: Es gibt Fälle, in denen der Einsatz eines solchen Fünftonners sinnvoll sein kann. Bei der Einführung der LSVA rechnete man anfänglich mit einer starken Zunahme dieser Fahrzeugklasse. Dies ist so nicht eingetroffen. Für zeitsensible Güter wie etwa Ersatzteile, aber auch Zeitungen oder Medikamente, werden eher 3,5-t-Fahrzeuge mit einem 3,5-t-Anhänger eingesetzt, welche nicht der LSVA und dem Nachtfahrverbot unterstellt sind.
Auf der anderen Seite sind in Europa Versuche mit überlangen Lastwagen, sogenannten Mega-Linern oder Euro-Combi mit 60 t Gesamtgewicht und 25,25 m Länge gefahren worden. Sind diese Fahrzeuge aus Schweizer Sicht sinnvoll einsetzbar?
Grossenbacher: Nach den ersten Versuchen mit diesen Fahrzeugen wurde von Seiten der EU dieser Testlauf abgebrochen. In der Schweiz wären diese Fahrzeuge kaum sinnvoll einsetzbar.
Derzeit verfügt Mercedes-Benz über ein recht junges und modernes Fahrzeugprogramm, dennoch die Frage, welche neuen Modelle kann die Kundschaft in der nahen Zukunft erwarten?
Grossenbacher: Um den zukünftigen Anforderungen unserer Kunden gerecht zu werden, bleiben wir nicht stehen. Bekannt ist, dass der Transporter Sprinter im kommenden Jahr mit Allradantrieb lieferbar sein wird. Für die schweren Fahrzeuge wird eine serienmässige Ausstattung mit einem wartungsfreien Partikelfilter folgen. Die Actros Baureihe wird im kommenden Jahr ein Facelifting erhalten und serienmässig mit einem automatisierten Getriebe ausgerüstet sein. Schliesslich wird die gesamte Atego-Baureihe 2008 in Euro-5 lieferbar sein. Über weitere Neueinführungen, welche kommen, werden wir die Öffentlichkeit zum gegebenem Zeitpunkt informieren.