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Fünfeinhalb Stunden lang brannte am vergangenen Freitag eine Unterwasser-Pipeline im Golf von Mexiko, bevor das Feuer gelöscht werden konnte. Und am Wochenende kam es im Kaspischen Meer vor der Küste Aserbaidschans unweit eines Erdgasfeldes zu einer gewaltigen Explosion. Danach war eine riesige Feuersäule kilometerweit zu sehen. Die Ursache der Explosion ist noch unklar, vielleicht handelt es sich nicht um ein Gasleck, sondern um den Ausbruch eines Schlammvulkans.
Die spektakulären Aufnahmen der Brände rufen Bilder von brennenden Ölquellen in Erinnerung, wie sie etwa 1991 während des Zweiten Golfkriegs in Kuwait zu sehen waren. Solche Grossbrände sind schwierig zu löschen; herkömmliche Löschmethoden versagen hier. Wasser eignet sich dazu nicht gut, da solche Brandherde Temperaturen bis zu 1200 °C entwickeln. Zudem ist Wasser schwerer als Öl oder Gas und kann den Brandherd daher nicht abdecken – im Gegenteil entstehen grosse Mengen Dampf, wodurch die brennende Flüssigkeit weiter in der Umgebung verteilt wird. Wasser dient in solchen Fällen meistens lediglich als Kühlmittel, damit die Brandlöscher überhaupt in die Nähe des Brandherds vordringen können.
Bei den Löscharbeiten in Kuwait wie bei anderen solchen Grossbränden wurden deshalb unkonventionelle Methoden angewandt, etwa Sprengstoffe oder flüssiger Beton. Kuwait war zugleich der letzte grosse Einsatz des berühmten Brandlöschers Red Adair. Dieser texanische Pionier bei der Bekämpfung von Grossbränden setzte sich 1994 zur Ruhe. Sein erster Grossauftrag 1962 eröffnet die folgende Liste von spektakulären Löschaktionen:
Am 9. November 1961 brach auf dem Gasfeld von Gassi Touil in Algerien – damals noch unter französischer Verwaltung – ein Rohr. Das Gas entzündete sich durch statische Elektrizität, und eine gewaltige Feuersäule schoss in den Wüstenhimmel. Das «Feuerzeug des Teufels», wie die Flamme bald genannt wurde, nährte sich von 170 Kubikmetern Gas pro Sekunde, erreichte Höhen zwischen 140 und 240 Metern und war aus dem All zu sehen, wie der amerikanische Astronaut John Glenn feststellen konnte.
Nach fünf Monaten Vorbereitungszeit schaffte es Paul Neal Adair, wegen seines roten Haarschopfs «Red Adair» genannt, das Feuer zu löschen. Am 28. April 1962 fuhr er mit zwei Helfern in einem durch Hitzeschilder geschützten Bulldozer, der auf einem 20 Meter langen Ausleger zwei mit Asbest isolierte Fässer mit 250 Kilogramm Nitroglyzerin transportierte, in die Nähe der Feuersäule. Dann rannten die Männer zurück und suchten Schutz in einem 46 Meter entfernten Graben, wo Adair die Detonation auslöste. Die Explosion erstickte das Feuer, indem sie den Sauerstoff vom Brandherd wegblies. Danach pumpten die Brandlöscher Wasser und Bohrschlamm in das Bohrloch. Dieser Einsatz begründete Adairs Ruhm – und war das Vorbild für den Film «Hellfighters» aus dem Jahr 1968.
Adair war auch zur Stelle, um den Brand der Bohrinsel Piper Alpha zu löschen. Die Plattform, die in der Nordsee vor der schottischen Küste Öl und Gas förderte, war eine der ertragreichsten Bohrinseln Grossbritanniens. Am 6. Juli 1988 hatte sie sich in ein brennendes Inferno verwandelt. Aufgrund von Sicherheitsmängeln und menschlichem Versagen konnte sich ein kleines Gasleck entzünden. Ein Grossbrand brach aus, 167 Menschen kamen ums Leben, nur 59 Arbeiter überlebten. Der grösste Teil der Bohrinsel versank im Meer, nur das Modul mit den Steigleitungen zu den Bohrlöchern blieb stehen – und brannte weiter.
Drei Wochen lang loderte das Feuer, bis es Red Adair und seinem Team gelang, den Brand zu löschen. Nach zwei Wochen hatten sie ein erstes Bohrloch mit riesigen Mengen von Meerwasser gelöscht, in die restlichen vier konnten sie schliesslich Zement pumpen und sie dann kappen. «Es ist das Schlimmste, was ich je gesehen habe», sagte Adair über diesen tödlichsten aller Bohrinsel-Grossbrände.
Auf der Bohrinsel Enchova vor der brasilianischen Küste nahe bei Rio de Janeiro kam es im August 1984 zu einem sogenannten Blowout, der zu einer Explosion und einem Brand führte, dem 42 Arbeiter zum Opfer fielen. Nur knapp vier Jahre später, im April 1988, ereignete sich auf der Plattform, die gerade von Öl auf Gas umgerüstet wurde, eine weitere Katastrophe: Nach einem Blowout an einem der 21 Bohrlöcher entzündete sich das Gas, doch diesmal konnte die Bohrinsel evakuiert werden und es gab keine Todesopfer.
Das Feuer wütete 31 Tage. Während die Bohrinsel ständig mit Wasser gekühlt wurde, um das Feuer einzudämmen, bohrte der Betreiber der Plattform, der brasilianische Ölkonzern Petrobras, zwei Entlastungsbohrungen und brachte den Blowout schliesslich unter Kontrolle. Beim Vortrieb dieser Bohrlöcher mussten die Ingenieure ständig Messungen vornehmen, um die Richtung der Bohrung exakt zu bestimmen, denn beide Entlastungsbohrungen mussten an den 21 bestehenden Bohrlöchern vorbeikommen. Dies gelang. Die Plattform war jedoch nicht mehr zu retten und wurde durch eine komplett neue Anlage ersetzt.
Bei ihrem Rückzug aus Kuwait während des Golfkriegs setzten irakische Truppen im Februar 1991 beinahe 700 kuwaitische Ölquellen in Brand. Zugleich öffneten sie die Sperrriegel an kuwaitischen Ölterminals, was zu einer Umweltkatastrophe durch das in den Persischen Golf auslaufende Öl führte. Regelrechte Ölseen und riesige Rauchsäulen sollten den Vormarsch der feindlichen Truppen behindern – die apokalyptische Szenerie wurde von diesen «Nationalpark des Satans» genannt.
Erst im April begannen zentral organisierte Löscharbeiten. Es dauerte sieben Monate, bis die letzte Ölquelle verschlossen werden konnte. Die meisten Brände konnten mit Meerwasser gelöscht werden, das unter hohem Druck auf den Brandherd gespritzt wurde. Red Adairs Firma war an den Löscharbeiten ebenfalls beteiligt; doch der mittlerweile 76 Jahre alte Haudegen selbst trat nach zwei Wochen den Rückzug an und liess sein Team arbeiten.
Am 20. April 2010 ereignete sich auf der Bohrplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko ein Blowout, der zu einem Brand führte. Der sogenannte Blowout-Preventer, ein 450 Tonnen schweres Sicherheitsventil, hatte nicht funktioniert. Elf Arbeiter kamen bei der Explosion ums Leben. Löschversuche waren nicht erfolgreich, und nach zwei Tagen versank die Plattform im Meer. Das Feuer war damit gelöscht, doch aus dem geknickten Steigrohr strömten nun 87 Tage lang ungeheure Mengen Öl ins Meer – es war das bisher schlimmste Umweltdesaster dieser Art.
Der Erdölkonzern BP, der die Plattform geleast hatte, versuchte zunächst erfolglos, den Blowout-Preventer am Bohrlochkopf mithilfe von ferngesteuerten U-Booten zu schliessen. Auch eine 125 Tonnen schwere Kuppel über dem grössten Leck blieb ohne Erfolg. Erst am 15. Juli konnte ein Deckel über dem Blowout-Preventer installiert werden, der den Ölaustritt weitgehend stoppte. Zwei Entlastungsbohrungen, die im Mai begonnen hatten, konnten schliesslich das Bohrloch erreichen; Bohrschlamm und dann Zement wurden in das Bohrloch gepumpt. Im September gelang es, den Blowout-Preventer abzumontieren und zu ersetzen. Am 19. September wurde das Bohrloch dann für «effektiv tot» erklärt.
Das von der staatlichen aserbaidschanischen Gesellschaft Socar betriebene Ölfeld Gunashli 10 im Kaspischen Meer umfasst 24 Ölquellen und 4 Gasquellen. Am 4. Dezember 2015 brach während eines Sturms wegen einer beschädigten Gassteigleitung ein Feuer aus, das mehrere Öl- und Gasquellen erfasste. Die Plattform stürzte teilweise ein. 30 Arbeiter kamen ums Leben, 33 konnten gerettet werden.
Spezialbrigaden der Feuerwehr, die mit Helikoptern zur Plattform gebracht wurden, bekämpften den Brand. Bis zum 14. Dezember gelang es ihnen, alle Öl-Feuer zu löschen; die Gas-Feuer hingegen brannten weiter. Um die Bohrlöcher abzudichten, wurde die US-Firma Boots & Coots herbeigezogen. Erst am 10. Februar 2016 konnte der letzte Brand gelöscht werden.
Im indischen Bundesstaat Assam liegt im Bezirk Tinsukia das Baghjan-Ölfeld, das sich in der Nähe eines Nationalparks und eines Feuchtgebiets befindet. Von den 21 Bohrlöchern produzieren 4 Erdgas, die restlichen Erdöl. Am 27. Mai 2020 kam es beim Bohrloch Nummer 5, das Gas produziert, zu einem Blowout. Weil gerade Arbeiten stattfanden, um eine neue Gas-Schicht anzuzapfen, war bei diesem Bohrloch der Blowout-Preventer abmontiert worden. Nachdem Versuche, das Bohrloch abzudichten, fehlgeschlagen waren, entzündete sich das ausströmende Gas am 9. Juni. Das Feuer breitete sich auf die Umgebung aus und zerstörte 50 Häuser.
Nach mehreren Anläufen gelang es am 18. August, einen Blowout-Preventer über dem Bohrloch anzubringen, doch es trat weiterhin Gas aus, weil ein Ventil beschädigt wurde. Erst im November gelang es kanadischen Experten, den Blowout endgültig zu stoppen. Sie begannen am 5. November damit, das Bohrloch mit einer aus Calgary eingeflogenen, 60 Tonnen schweren sogenannten Snubbing Unit abzudichten, was am 15. November schliesslich gelang. In der Endphase dieser Operation wurde mit Zement versetzter chemischer Schlamm in das Bohrloch eingebracht. Der Blowout verschmutzte die Gewässer im Nationalpark und im Feuchtgebiet, was zu schweren Umweltschäden führte. Es stellte sich zudem heraus, dass die Betreiberfirma Oil India Limited mit Bohrungen begonnen hatte, ohne zuvor die Risiken für die Umwelt abzuklären.