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Kantonsschule Oerlikon
1957 publiziert Toby J. Gersbach im Werk einen Erfahrungsbericht über den nordamerika-nischen Schulbau, den er als Mitarbeiter der Detroiter Firma Eberle Minard Smith kennen-gelernt hatte. Das ist sein Einstieg.
1961 beteiligt er sich am Wettbewerb um die Kantonsschule Oerlikon. Er gewinnt mit Ernst Breit, wechselt Partner und macht mit Paul Kollbrunner weiter, bis er zusammen mit dessen Kollegen Guhl, Lechner und Philipp den Auftrag erhält, den Entwurf auszuführen. Die Volks-abstimmung von 1967 lehnt jedoch den Kredit dafür ab. Eine Überarbeitung reduziert die Kosten von 72 auf 53 Millionen, die zweite Abstimmung 1972 bewilligt schliesslich das Projekt. Rasch gebaut, wird der Bau 1974 fertig und kann 1976 in Betrieb gehen.
Einbettung: die neue Schulanlage wurde als eine offene Reihe zwischen die Wohnsiedlungen gelegt. Sie kommt ohne markierten Anfang oder Ende aus, ohne zentralen Zugang und ohne dominierende Front. Das seriell erweiterbare Prinzip wird vom Körper der Mensa illustriert. Auch wenn er frei und ungebunden abseits steht, ordnet er sich in die Gesamtanlage ein, besteht aus den gleichen Teilen und besetzt eine Fläche, die der Hauptbau unberührt lässt. Mit dem Hauptbau und den flankierenden Pavillons ist er in einem gemeinsamen Raster einge-bunden.
Das Raster bestimmt die räumliche Organisation der Bauteile, definiert die Spannweiten und Raumgrössen, reguliert die Masse und Fügung der Elemente. Zunächst einmal ist es also ein Planungsinstrument. Zugleich aber entfesseln es Obsessionen, die in einer Stilistik münden. So prägt es die Bauten einer ganzen Epoche, und reicht schliesslich hinein bis in die Alpträume einer ganzen Generation. Erst die Bildschirme des CAD absorbieren es und bringen es zum Verschwinden.
Konstruktion, Erscheinung und Bedeutung des Gebäudes fallen ineinander, in eine architektonische Sprache. Wiederum ist jedes Detail technisch und kulturell zugleich zu deuten, um zu konkreten Prämissen für die Massnahmen der Gesamtinstandsetzung zu gelangen.
Fassade: Um den erforderlichen Dämmwert zu erreichen, ist die Fensterverglasung zu erneuern. Die Rahmen sollen die Stärken und Proportionen behalten, um das Fassadenbild nicht zu verfälschen. Die Dämmung von Brüstungen und tragenden Wänden soll innen erfolgen, um die Leca-elemente in ihrem ganzen Ausmass sichtbar zu belassen. Ihre Aussen-flächen sollen gewaschen und gereinigt, ihr Fugenmaterial ersetzt werden. Stützen und Deckenanschlüsse werden innen mit einer zurückgesetzen Flankendämmung versehen, damit ihr Zusammentreffen am Fussboden wie an der Decke sichtbar bleibt.
Oberflächen: Ihre Texturen und Farbigkeiten sind zu erhalten. Soweit möglich sind die Originalmaterialien einzusetzen. Wenn sie ersetzt werden müssen, ist es wichtig, dass ihre Fugenbild erhalten bleiben, zumindest dort, wo es intrinsisch zum Bestand gehört.
Provisorium: Jeder Umbau wird den Schulbetrieb stören. Um die Folgen so gering als möglich zu halten, schlagen wir einen provisorischen Anbau am Trakt C vor.
Er soll Höhenlagen und Dimensionen des Bestandes weitestgehend übernehmen. Zum einen ist damit der barrierefreie Zugang über die bestehenden Lifte gewährleistet. Es macht aber auch alle Transporte, Umzüge und Verschiebungen aus dem Bestand ins Provisorium leichter und schneller. Weil die Dimensionen der Klassenzimmer, Gänge und der Treppe dem Bestand angeglichen sind, können Enrichtungen und Möbel mitgenommen und in ihrer Aufstellung übernommen werden. Das schafft auch eine Kontinuität der Lernatmosphäre.
Bilder 1,3: Pfister Schiess Tropeano / Bild 2: ETH-Bibliothek, Zürich, Bildarchiv
Text: Markus Grob