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Zwar wurde auch Ryanair von der Corona-Krise schwer getroffen, doch sieht die Bilanz bei den Iren noch deutlich besser aus, als bei der Konkurrenz. Nun hat sich die Low-Budget-Airline zudem neues Kapital besorgt, um die eigene Position sich nach der Krise zu stärken.
Ryanair hat 400 Millionen Euro (über 432 Millionen Franken) von den eigenen Aktionären aufbringen können, um die Bilanz der Günstig-Airline zu stärken, da die Iren nach der COVID-19-Pandemie potenzielle Marktchancen sehen, wie Europas grösster Low-Budget-Carrier erklärte.
Grössere Flexibilität um “Chancen zu nutzen”
Die Airline ist weniger stark von der Pandemie betroffen als viele ihrer Konkurrenten. Gründe dafür sind ihre relativ geringe Verschuldung und das fehlende Engagement auf den stark von der Krise betroffenen Langstrecken- und Business Class-, beziehungsweise Premium-Märkten. Ryanair gab insgesamt 35’242’291 Aktien und somit etwa 3,2 Prozent ihres gesamten Aktienkapitals, zu einem Preis von 11,35 Euro (12,27 Franken) pro Aktie aus. Das entspricht einem Abschlag von etwa 2,6 Prozent auf den Schlusskurs vom vergangenen Donnerstag.
Die Fluggesellschaft erklärte, dass sie die Mittel aufbringe, um die durch die durch COVID-19 hervorgerufene Unterbrechung geschaffenen Möglichkeiten zu nutzen und die Schuldenrückzahlungen in den nächsten zwölf Monaten risikofrei zu gestalten. “Wenn wir über das nächste Jahr hinausblicken, gehen wir davon aus, dass es für das Niedrigpreismodell von Ryanair erhebliche Wachstumschancen geben wird, da Konkurrenten schrumpfen, scheitern oder von staatlich geretteten Fluggesellschaften aufgekauft werden”, gab die Airline bekannt und führte weiter aus, dass die (neue) Platzierung Ryanairs dieser “grössere finanzielle Flexibilität verschaffen” würde, um “diese Chancen zu nutzen”.
Gutes Polster, dennoch Schulden
Ryanair flog im August etwas weniger als halb so viele Passagiere wie im gleichen Monat des letzten Jahres, kann aber mit bis Ende Juni mehr als 3,9 Milliarden Euro zur Verfügung stehenden Barmitteln und unbelasteter Boeing 737-Jets im Wert von rund sieben Milliarden Euro, eine der stärksten Bilanzen in der Branche vorweisen. Das Unternehmen hat jedoch auch 1,9 Milliarden Euro (etwa 2,05 Milliarden Franken) an Schulden angehäuft, die im nächsten Jahr fällig werden, darunter eine Anleihe über 850 Millionen Euro (knapp 919 Millionen Franken) und eine im Wert von 600 Millionen Pfund (über 722 Millionen Franken), die im Rahmen der britischen “COVID Corporate Financing Facility” aufgenommen wurden.
Fazit zur Finanzsituation bei Ryanair
Es zeichnet sich immer mehr ab, dass die Günstig-Airlines die – mehr oder weniger – Gewinner der aktuellen Krise werden könnten, während die grossen Airlines sehr tief in der Krise strecken und auf Barmittel aus staatlicher Hand angewiesen sind. So scheint Ryanair vergleichsweise gut gewappnet zu sein, um wieder auf dem Markt angreifen zu können. Natürlich haben aber auch die Iren nicht wenige Schulden. Inwieweit sich der Schritt mit der Mittelbeschaffung durch die Aktienveräusserung positiv auf die Position der Iren auswirken kann, wird sich erst zeigen müssen.