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Das Flüchtlingslager Azraq in Jordanien beherbergt rund 35’000 syrische Flüchtlinge und ist somit das zweitgrösste Lager im Land. Es wurde von den jordanischen Behörden im April 2014 in einer Wüstenebene neunzig Kilometer von der Grenze zu Syrien entfernt eingerichtet. Das Lager wird vom UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) verwaltet und kann maximal 55’000 Menschen aufnehmen.
Angesichts der glühenden Sommerhitze ist ein gesicherter Zugang zu Trinkwasser für die Bewohnerinnen und Bewohner prioritär. Zu Beginn transportierten vierzig bis fünfzig Tankwagen laufend Wasser von einer fünfzig Kilometer entfernten Quelle heran. Diese Transporte waren kostspielig: pro Kubikmeter Wasser schlugen 4.30 Franken zu Buche. Eine Brunnenbohrung zweieinhalb Kilometer vom Lager entfernt ermöglichte es im August 2015, die Kosten auf 1.50 Franken zu senken. Weil die Zahl der im Lager wohnenden Flüchtlinge stets anstieg, musste dringend eine effizientere und günstigere Lösung gefunden werden, um den Zugang zu Trinkwasser zu gewährleisten.
Trinkwasser bis in die Unterkünfte
Das Kinderhilfswerk UNICEF leitet sämtliche Aktivitäten der UNO im Bereich Wasser- und Sanitärversorgung im Nahen Osten und ist somit auch für jene im Lager von Azraq zuständig. Im Herbst 2015 unterzeichnete UNICEF ein Abkommen mit der Humanitären Hilfe der DEZA, nachdem diese auf einen Appell zum Bau einer Wasserversorgungsanlage innerhalb des Flüchtlingslagers geantwortet hatte. Mehrere Experten für Wasser und sanitäre Versorgung des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe (SKH) wurden nach Jordanien entsandt, um das Projekt umzusetzen. Ein Experte wurde an UNICEF delegiert.
Mit einer zweiten Bohrung in unmittelbarer Nähe des Lagers wurde eine zweite Versorgungsquelle erschlossen und die Abhängigkeit von einer einzigen Quelle behoben. Eine Kontamination dieser einen Quelle hätte verheerende Konsequenzen gehabt, weil dadurch die Trinkwasserversorgung sämtlicher Lagerbewohnerinnen und -bewohner gefährdet gewesen wäre. Schliesslich wurden Leitungsrohre mit einer Gesamtlänge von 35 Kilometern verlegt und 214 Wasserhähne installiert, um das Lager an die beiden Quellen anzuschliessen. Darüber hinaus wurden lokale Fachkräfte ausgebildet, um die Wartung der Anlage sicherzustellen.
Einsparungen zugunsten der Bildung
Im Mai 2017 wurden die Tankwagen durch die neue Anlage abgelöst, die für eine unterbrechungsfreie Versorgung der Flüchtlinge mit Trinkwasser sorgt. Durch den Wegfall der Tankwagen kann pro Jahr eine Million Franken an Transportkosten eingespart werden. Dieser Betrag kann fortan für Bildungsprogramme zugunsten der Flüchtlinge eingesetzt werden.
Am 19. Mai 2017, achtzehn Monate nach seinem ersten Besuch des Flüchtlingslagers, nahm Bundesrat Didier Burkhalter an der Einweihung der Wasserversorgungsanlage teil. Die gesamte Projektverantwortung wurde mittlerweile UNICEF und dem jordanischen Ministerium für Wasser und Bewässerung übergeben.