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Roger Federer rettete die Schweizer Ehre, nachdem zuvor Belinda Bencic im Einzel, Viktorija Golubic im Doppel sowie die beiden Junioren Leandro Riedi und Valentina Ryser allesamt verloren hatten. Den ersten wirklichen Test gegen den Franzosen Lucas Pouille (ATP 28) bestand der 37-Jährige mit Bravour. "Ich bin froh, dass ich dieses Level erreichen konnte", sagte Federer. "Das lässt hoffen, dass ich noch besser spielen kann."
Im ersten Satz wurde Federer vom Australian-Open-Halbfinalisten ernsthaft gefordert, beim Stand von 3:3 und 5:5 musste er je eine Breakchance abwehren. Danach drehte der achtfache Champion vor den Augen der in der Royal Box sitzenden ehemaligen britischen Sportgrössen wie Ben Ainslie, Chris Hoy, Sebastian Coe, Mo Farah oder Gareth Southgate auf. Mit einem Break brachte Federer den ersten Satz unter Dach und Fach, im zweiten zog er gleich mit 4:0 davon, was letztlich der Schlüssel zum Sieg war.
Federers Fahrplan bei seiner 21. Wimbledon-Teilnahme stimmt. "Ich bin zufrieden, denn die schwierigsten Partien in Wimbledon sind immer die ersten beiden", sagte der Rekordsieger im All England Club. Die natürliche Unterlage hat ihre Tücken und sorgt auch in diesem Jahr für Diskussionen. Einige Spieler empfinden sie als langsamer als in früheren Jahren. "Die Plätze waren etwas weicher in der ersten Woche als sonst", sagte Federer. Durch die Sonneneinstrahlung und die Abnutzung würden diese nun aber automatisch schneller werden.
Neben dem Platz gilt der Fokus Federers in erster Linie der Erholung, seit Beginn des Turniers verbringt er seine Freizeit vorwiegend im Haus mit Familie und Freunden. "Ich muss schauen, dass ich zur Ruhe komme", sagte der Baselbieter. Er habe in diesem Jahr sehr oft gespielt und nach dem French Open und dem Sieg in Halle Müdigkeit verspürt. Viel Energie hat er in Wimbledon noch nicht verbraucht, für seine drei Siege stand Federer nur fünfeinhalb Stunden auf dem Platz.
Mit seinem Sieg am Samstag erreichte der 20-fache Major-Champion weitere Bestmarken. 350 Siege an einem Grand-Slam-Turnier hat noch nie jemand geschafft, wobei Federer diese Zahl relativierte. "Natürlich ist es eine schöne Zahl, aber früher war das Reisen schwieriger und nicht alle haben alle Grand Slams gespielt." Mit seinem 17. Einzug in die zweite Woche in Wimbledon übertraf Federer Jimmy Connors, dem dies zwischen 1972 und 1988 16 Mal gelungen war.
Am "Manic Monday", an dem traditionsgemäss alle Achtelfinals gespielt werden, trifft Federer in seinem 65. Grand-Slam-Achtelfinal auf den Italiener Matteo Berrettini (ATP 20). Der 23-jährige Römer wehrte gegen den Argentinier Diego Schwartzman drei Matchbälle ab, ehe er sich nach mehr als vier Stunden 6:7 (5:7), 7:6 (7:2), 4:6, 7:6 (7:5), 6:3 durchsetzte. "Ich bin sehr stolz", sagte Berrettini. Dass er nun erstmals gegen Federer spielen könne, sei verrückt, sagte der Sieger des Turniers von Stuttgart und Halbfinalist von Halle. "Es wird eine unglaubliche Erfahrung."
(sda)