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Das Innere
Im Innern der Talkirche zeigt sich ein Rechtecksaal mit angebautem Chor. Dieser ehemalige Altarraum ist gegenüber dem Schiff um zwei Stufen erhöht. Er verfügt über keinen Chorbogen, wie er etwa in der «Schwesterkirche» Leerau vorhanden ist. Der Raum weist eine flache Gipsdecke auf, die durchgehend den ganzen Innenraum überdacht.
Dem Chor gegenüber befindet sich die Empore mit dem Orgelinstrument. Die Lichtführung erfolgt über drei Chorfenster sowie je zwei grosse und zwei kleine Seitenfenster im Kirchenschiff. Hier sind die Glasmalereien zu finden.
An den Seitenwänden wurden in deutlicher Höhe zudem drei alte Grabplatten (Epitaphien) angebracht. Die weitere Innenausstattung besteht aus Kanzel, Taufstein und einem Chorgestühl. Hinter dem Taufstein liegt der Zugang zu einer mittelalterlichen Grabkammer.
Der Taufstein der Talkirche muss trotz seiner schlichten Erscheinung zweifellos als besonderes Ausstattungsstück gesehen werden. Er stammt noch aus vorreformatorischer Zeit (1. Viertel des 16. Jh.). Der spätgotische, prismatische Kelch aus Molasse-Sandstein der näheren Umgebung steht auf einem achtkantigen Schaft, welcher nach unten in einen viereckigen Fuss übergeht. Er gilt als einer der ältesten Taufsteine des Kantons.
Die Kanzel wurde vom letzten Oberherrn der Herrschaft Rued, Junker Carl Friedrich Rudolf May (1768–1846), anlässlich der Geburt seines Sohnes Carl Friedrich Albert im Mai 1792, gestiftet. Dieser Sohn kam 1806 während einer Studienreise beim Felssturz von Goldau ums Leben. Ähnlich den barocken Kanzeln der Region besteht diejenige der Talkirche Rued aus einem Treppenaufgang mit durchbrochener klassizistischer Brüstung, einem schmalen, reich mit Profilen verzierten Korb, und dem dazu gehörenden Schalldeckel.
Das fünfplätzige Chorgestühl aus der Zeit um 1600 nach der Entfernung der zweiten Bankreihe im Chor gut wieder sichtbar und lässt die Verwendung als Sitzplätze für Schlossrueder Herrschaftsfamilie erahnen, welche bis 1807 in der Talkirche das Patronatsrecht ausgeübt hat.
Eine Orgel liess die Kirchgemeinde von Rued in der Talkirche erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts errichten. Vorher wurde der Kirchengesang – wenn überhaupt – von Posaunen und anderen Blasinstrumenten begleitet. Orgelmusik war bei den Reformatoren der Frühen Neuzeit grundsätzlich verpönt. Noch 1805 amtierte der jeweiligen Schulmeister während den Gottesdiensten auch als Vorsänger.
Im Jahr 1807 wurde beim Orgelbauer Speisegger in Lenzburg ein erstes Instrument für 500 Gulden (=750 alte Franken) bestellt. Weitere Orgeln ersetzten 1879 und 1911 die Vorgängerinstrumente. Der Orgelprospekt (=Äussere Ansicht des Instruments) von 1810 mit geschnitztem Rankenwerk und Putten blieb bis 1965 bestehen. In diesem Jahr wurde das heutige Instrument nach der notwendigen Verkürzung und Tieferlegung der Empore von der Firma Orgelbau Genf AG ins Rueder Gotteshaus eingebaut.
Anlässlich einer archäologischen Untersuchung im Jahr 1953 wurde hinter dem Taufstein eine Grabkammer aus dem Spätmittelalter entdeckt. Hier waren Markwart von Rued (†1369) – Oberherr der Herrschaft Rued – und seine Gattin Margaretha von Rinach (†1369) beerdigt worden. Ihr Epitaph ist hat an der nördlichen Innenmauer des Schiffs einen neuen Platz gefunden. Im Kircheninnern befinden sich heute insgesamt drei Grabplatten:
(A) Epitaph von Margaretha von Rinach. Die Grabplatte zeigt die beiden Allianzwappen der Familien Ruoda (alte Bezeichnung für Rued) und Rinach, in welchen die familiäre Verbindung der beiden Ehegatten ihren Ausdruck findet. Die lateinische Inschrift zeichnet sich durch eine den damaligen Gewohnheiten entsprechende Verwendung vieler Abkürzungen aus. Sie lautet: MARGARETHA DE RINA(C)H UXOR D(OMI)NI MARCH(WARDI) D(E) RUDA MILI(TIS) IN VIG(ILIA) AS(SUMPTIONIS) B(EATAE) M(ARIAE) V(IRGINIS) ANNO DO(MINI)I MCCCLX (=1360) O(BIIT) — deutsch: «Margaretha von Rinach, Ehefrau von Herrn Markward von Rued, Ritter, starb am Vorabend des Himmelfahrtsfestes der seligen Jungfrau Maria im Jahr des Herrn 1360», also am Samstag, den 14. August 1360.
(B) In der Chorsüdwand findet sich das Epitaph von Magdalena May geborene Manuel (1644–1733). Vgl. auch die Wappenscheibe Nr. 9 (weiter unten).
(C) In die Chornordwand eingelassen ist die Grabplatte von Georg I. May (†1581), seines Zeichens Herr zu Rued. Auch hier werden die Gläubigen mit einem Denkspruch ermahnt: «Wir schlaffend hie in Hoffnung, die Zit / der Uferstentnus sie nit wit / da Lib und Sel wirt zamen kon / zu Christo in des Himmels Thron».