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Hubert de Givenchy kleidete Audrey Hepburn ein und entwarf Jackie Kennedys Trauerkleid. Nun ist der Modeschöpfer mit 91 Jahren gestorben. Er hat unser Empfinden für Mode geprägt, sagt Kulturredaktorin Noëmi Gradwohl.
Noëmi Gradwohl
Kulturredaktorin, SRF
Noëmi Gradwohl ist Redaktorin und Modeexpertin bei Radio SRF 2 Kultur.
SRF: Hubert de Givenchy wurde vor allem als legendärer Einkleider von Audrey Hepburn berühmt. Wie kam es, dass er als Modeschöpfer ihre Filmkostüme entwarf?
Noëmi Gradwohl: Ihre Karrieren sind eng miteinander verknüpft. Als die Schauspielerin den Film «Sabrina» (1954) drehte, brauchte sie elegante Kostüme. Sie wünschte sich, dass ein Couturier, ein Modeschöpfer, diese entwerfe – und nicht, wie bis anhin, eine Kostümbildnerin. Dafür wurde Givenchy engagiert.
Audrey Hepburn sei für ihn ein grosses Glück gewesen, sagte Givenchy.
Aus dieser Arbeitsbeziehung ist eine grosse Freundschaft entstanden. Audrey sei für ihn ein grosses Glück gewesen, sagte Hubert de Givenchy einmal.
Man würde Givenchy wohl kaum in dem Ausmass kennen, wenn nicht die Filmschauspielerin seine Kostüme in ihren erfolgreichen Filmen getragen hätte. Umgekehrt ist Audrey Hepburn bis heute eine Stilikone – das hat sie vor allem Givenchys Kreationen zu verdanken.
Was machen Hubert de Givenchys Kreationen aus?
Auffällig sind seine Farben: Er benutzte viel Schwarz oder starke, monochrome Farben, seine Schnitte sind schlicht und klassisch. Man findet keine Schnörkel und kein Brimborium – das war ihm ein Gräuel. Sein Markenzeichen sind grosse Hüte, die teilweise das Gesicht verdecken, und die eleganten Cocktailkleider.
Die weisse Bluse hat er erstmals als wichtiges modisches Kleidungsstücke definiert. Ausserdem hat Givenchy das «Kleine Schwarze» miterfunden.
Zentral für seine Art, zu entwerfen, ist die Arbeit mit dem Stoff. Der Stoff ermöglicht die Form und nicht umgekehrt: Das war sein Credo. Man müsse die Beschaffenheit des Materials respektieren, sagte Givenchy, und nicht den Stoff quälen.
Der Stoff ermöglicht die Form: Das war Givenchys Credo.
Diese Philosophie teilte er mit Cristóbal Balenciaga. Der spanische Modeschöpfer war das grosse Vorbild von Givenchy.
Wie ist Givenchy zur Mode gekommen und wie hat er sein Handwerk gelernt?
Givenchy stammte aus einer wohlhabenden, adeligen Familie in Frankreich. Er wurde protestantisch erzogen – und sagte später, dass ihm diese Erziehung Arbeitsmoral und Disziplin gelehrt habe.
Sein Vater war ein Marquis und ist früh gestorben. Danach ist er im Haus seiner Grosseltern aufgewachsen. Sein Grossvater war in Beauvais, im Norden Frankreichs, Verwalter der Gobelin-Manufaktur. Er hat viele Kostüme, Kleider und Haartrachten gekauft. Das alles habe sein Interesse geweckt, sagte Givenchy später.
Prägend war für ihn auch die Weltausstellung in Paris 1937. Die Schau hat bei ihm – er war damals erst zehn Jahre alt – den Wunsch geweckt, Mode zu entwerfen. Zwar begann er zuerst Recht zu studieren, wechselte dann aber an die Kunsthochschule. Er arbeitete bei Pierre Balmain und Christian Dior und bei der legendären Modeschöpferin Elsa Schiaparelli.
Bereits mit 24 Jahren gründete er sein eigenes Modelabel und zeigte ein Jahr später in Paris seine erste Kollektion, die gleich für Aufsehen sorgte. Darauf stand seiner Karriere nichts mehr im Weg.
Ende der 1980er-Jahre verkaufte Givenchy sein Label dem grossen Luxuskonzern LVMH, entwarf jedoch weitere Kollektionen. Bis 1995 – dann zog er sich aus dem Geschäft zurück.
Was bleibt von ihm heute?
Nebst seinen ikonischen Kleidern vor allem sein ästhetisches Erbe: Er erschuf ja auch Kleider für Grace Kelly, Elizabeth Taylor und Marlene Dietrich. Die Eleganz dieser Frauen sei heute allerdings «passé», sagte Givenchy einst.
Givenchys Erbe ist unser Empfinden für Mode.
Trotzdem sind seine Kreationen eingegangen «in das kollektive Gedächtnis des guten Geschmacks» – so hat es die Frankfurter Allgemeine Zeitung , Link öffnet in einem neuen Fenstereinmal beschrieben. Das fasst seinen Einfluss auf die heutige Mode treffend zusammen.
Givenchys Erbe ist unser Empfinden für Mode – denn dieses hat er massgeblich geprägt. Gerade in der Frauenmode: Weil er Frauen nicht zugekleistert hat mit Schulterpolstern und sonstigen Ausstopfungen. Dank seinen schlichten Schnitten hat er uns gelehrt, was Eleganz und Klasse bedeuten.
Das Gespräch führte Caroline Lüchinger.
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