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Kurzbeschreibung
Im Projekt PISA (Programme for International Student Assessment) wird das Wissen von Jugendlichen am Ende der obligatorischen Schulzeit in den Fachbereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften in sämtlichen OECD-Ländern im Dreijahresrhythmus getestet und international verglichen. Im Jahr 2000 lag der Schwerpunkt der Untersuchung bei der Prüfung der Lesefähigkeit. In der Schweiz beteiligten sich über 9000 Schülerinnen und Schüler an der ersten PISA Studie.
Zusätzlich zu dem im April 2002 veröffentlichen nationalen Bericht der Schweiz wurden in einer Zusatzstudie die PISA-Daten der Kantone Bern (deutschsprachiger Teil), St. Gallen und Zürich verglichen und auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten hin analysiert. Das Kompetenzzentrum war für zwei Kapitel (mit-)verantwortlich.
Ein Kapitel widmet sich der vergleichenden Analyse der Grundbildung in den drei Kantonen. Es zeigt sich, dass die Ergebnisse der drei Kantone im Lesen, der Mathematik und den Naturwissenschaften nahe beieinander liegen, die Jugendlichen des Kantons St. Gallen jedoch in allen drei Bereichen signifikant bessere Resultate erzielen. Allerdings sind die Rückstände der Neuntklässler und Neuntklässlerinnen der Kantone Bern und Zürich eher klein. Die Unterschiede zwischen den Kantonen sind kaum auf kantonale Unterschiede in den Schulsystemen zurückzuführen, sondern primär eine Folge der Zusammensetzung der Schülerschaft, vorab der unterschiedlichen Anteile Fremdsprachiger. Allerdings bleibt der Leistungsunterschied zwischen den Kantonen Bern und St. Gallen auch dann bestehen, wenn für den Vergleich nur die einheimlichen Jugendlichen berücksichtigt werden. Für die Jugendlichen aus immigrierten Familien gilt, dass ihre Leistungen besser werden, je länger sie in der Deutschschweiz unterrichtet worden sind. Insgesamt trifft die gesamtschweizerische Beurteilung der Ergebnisse – gut in Mathematik, mittelmässig im Lesen und in den Naturwissenschaften – auch für die Kantone Bern, St. Gallen und Zürich zu.
Das zweite Kapitel befasst sich mit einer Gesamtbeurteilung der PISA-Ergebnisse der Schweiz. Es wird festgehalten, dass rund 20 Prozent der 15-jährigen in der Schweiz nur rudimentäre Lesekompetenzen erreichen und nicht fähig sind, Lesen zum Lernen und für Weiterbildungszwecke einzusetzen. Eine Ursache dafür liegt im Anteil an Jugendlichen aus immigrierten Familien, der in der Schweiz mit knapp 20 Prozent im internationalen Vergleich besonders hoch ist. Ein Teil dieser Jugendlichen war im PISA-Test mehrfach benachteiligt, weil sie die Unterrichtssprache nur ungenügend beherrschen und mehrheitlich aus bildungsfernen Familien stammen, von denen sie nur beschränkt Unterstützung in ihrer Entwicklung und der Schullaufbahn erhalten. Doch auch die Lesekompetenz der einheimischen Jugendlichen, die lediglich 8 Punkte über dem OECD-Mittelwert liegt, kann im internationalen Vergleich nicht als Spitzenergebnis bezeichnet werden. Dies macht deutlich, dass auch bei einer ausschliesslichen Berücksichtigung der einheimischen Jugendlichen der Rückstand gegenüber den führenden Ländern nicht aufgeholt werden kann. Die Ergebnisse legen nahe, dass die grosse Herausforderung für das Schweizer Bildungssystem in Zukunft die Integration von Kindern mit unterschiedlicher kultureller und sozialer Herkunft ist.
Dauer: 2002
Projektbearbeitung: Urs Moser, Simone Berweger
Publikationen
Moser, U. & Berweger, S. (2002). Eine Beurteilung der PISA-Ergebnisse der Schweiz. In E. Ramseier u.a., Bern, St. Gallen, Zürich: Für das Leben gerüstet? Die Grundkompetenzen der Jugendlichen - Kantonaler Bericht der Erhebung PISA 2000. Bern und Neuenburg: Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren und Bundesamt für Statistik, S. 77-86.
Moser, U., Ramseier, E. & Berweger, S. (2002). Die Grundbildung in den drei Kantonen. In E. Ramseier u.a., Bern, St. Gallen, Zürich: Für das Leben gerüstet? Die Grundkompetenzen der Jugendlichen - Kantonaler Bericht der Erhebung PISA 2000. Bern und Neuenburg: Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren und Bundesamt für Statistik, S. 17-34.