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Die Alte Garde wird weniger
Die Redaktion verabschiedet sich von zwei Urgesteinen: Pieder Caminada und Dario Morandi gehen in Pension.
Die Redaktion verabschiedet sich von zwei Urgesteinen: Pieder Caminada und Dario Morandi gehen in Pension.
Napoleon hat immer eine Träne verdrückt, wenn er jemanden aus seiner Elitetruppe, der Alten Garde, verabschieden musste. So geht es nun auch den Verantwortlichen in der Redaktion der «Südostschweiz». Pieder Caminada arbeitete 37 Jahre auf der Redaktion, Dario Morandi gar 41 Jahre. Dieser Tage wurden sie in den Ruhestand entlassen; Pieder fristgerecht, Dario auf seinen Wunsch um ein Jahr verfrüht.
Als die beiden in die Redaktion eintraten, wurden die Texte noch in Blei gesetzt und die Zeitung auf einer Buchdruckmaschine produziert. Heute, da sie gehen, diskutiert die Welt über die Allmacht der sozialen Medien. Einen grösseren Entwicklungssprung haben nur wenige noch aktive Journalisten erlebt.
Pieder, der Ausbildungschef
Pieder Caminada begann als Redaktor und Redaktionsleiter der Lokalzeitung «Il Mundaun», die aus dem Bündner Oberland berichtete. Später wechselte er zur ersten regionalen Sonntagszeitung der Schweiz, zum «Neuen Sonntagsblatt». Die Bündner Ausgabe, die er aufbaute und verantwortete, galt als die beste in der Schweiz. Als schliesslich die «Berner Zeitung» aus dem Projekt ausstieg und ihm damit den Stecker zog, berichtete Caminada in der Folge für die «Bündner Zeitung» (BZ) aus der Surselva. Später holte ihn der Schreibende als stellvertretenden Chefredaktor nach Chur, wo er als Chef der Tagesredaktion für die inhaltliche Planung zuständig war.
In den letzten Jahren widmete sich Caminada der internen Journalistenausbildung, die er als Projektleiter organisierte und mit viel Umsicht führte. Während seines ganzen Berufslebens waren ihm die Grundlagen des Journalismus und die korrekte deutsche Sprache wichtige Anliegen; die sprachlichen Richtlinien für die Redaktionen stammten aus seiner Feder. So war es auch klar, dass er beim Aufbau des Bündner Journalistendiploms in führender Stellung mitwirkte und diesen Ausbildungslehrgang der Bündner Fachhochschule mitentwickelte. Lange Jahre war er dann als Dozent für diesen Lehrgang tätig.
Dario, der Vernetzte
Dario Morandi war der Beruf des Journalisten auf den Leib geschneidert: Interessiert, neugierig und ungemein kontaktfreudig fügte er sich nach kurzer Einarbeitungszeit perfekt in die BZ-Regionalredaktion ein. Diese verliess er nur zweimal, und nur kurz: Das eine Mal wechselte er als Redaktor zum «Oberländer Tagblatt» nach Sargans, nachdem die damalige Gasser AG diese Zeitung zu einem Kopfblatt der «Bündner Zeitung» gemacht hatte. Und nach der Eingliederung des «Bündner Tagblatts» (BT) in das Bündner Zweititelsystem agierte er während einiger Zeit als stellvertretender Chefredaktor des BT. Nach einem kurzen Abstecher in die Betriebstechnik der Zeitung kam er als Nachrichtenchef in die Regionalredaktion zurück.
Morandi war stets bestens vernetzt, mit Regierungsräten und Grossräten bekannt, er pflegte Kontakte mit Lokalpolitikern und Gemeindepräsidenten bis in die kleinsten Talschaften hinein. Dies prädestinierte ihn für manche Insiderstory und für viele Artikel, die Staub aufwirbelten und bei Kolleginnen und Kollegen auf Bewunderung stiessen. Später setzte er sein Hobby Auto und Verkehr auch journalistisch um, er schrieb regelmässig Testberichte über neue Automodelle und betreute jahrelang die Autoseite. Diesen Job wird er auch nach der Pensionierung noch weiter ausüben, insofern wird man also weiterhin von ihm lesen.
Dario Morandi und Pieder Caminada zeichneten viele Eigenschaften gleichermassen aus: Sie waren stets gute, hilfsbereite Kollegen, keine Arbeit war ihnen zu viel und sie setzten an sich selbst einen hohen Standard. Ihre grosse Loyalität und Treue zum Unternehmen wird man nicht so schnell vergessen. Und die Redaktion wird sie vermissen.
Diese beiden Herren gehören zu einer Spezies die leider bald ausgestorben ist.
Die heutigen Journalisten haben nach meiner Ansicht nach einen teilweise fehlenden Ehrenkodex.
Geschrieben wird nach dem Mainstream und dabei die wirkliche Realität aussen vor gelassen.
Das Geschäft ist schwierig geworden, und Geldflüsse sind ein nicht zu unterschätzender Einfluss in dieser Materie. Leider!!
Wünsche diesen beiden Herren alles Gute für ihren neuen Lebensabschnitt.
ps habe selber vor vielen Jahren für eine Zeitung im Zürcher Unterland als freier Journalist über diverse Materien immer wieder geschrieben. Damals war ein Bündner dor Chefredaktor