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Die wichtigsten Röhrlingsgattungen
Xanders 7. Pilzbrief
Lieber Jörg
Vielen Dank für Deinen Brief. Es freut mich natürlich zu hören, dass Du den Röhrlingsschlüssel und die Einführung ins Bestimmen brauchen kannst. Und dass du den Schlüssel benützt - und zwar mit Erfolg - freut mich noch mehr. Schon eine ganze Reihe von Röhrlingen hast Du Dir so zu eigen gemacht; den Netzstieligen Hexenröhrling, den Goldröhrling, den Gallenröhrling (darauf habe ich natürlich gewartet), den Birkenröhrling, den Maronenröhrling, die Birkenrotkappe, den grauen Lärchenröhrling und den Rotfussröhrling. Zusammen mit dem Steinpilz sind dies also neun Dir bekannte Röhrlinge.
Versuche einmal, diese neun Arten zu gruppieren, dass Du jene zusammenlegst, die ähnliche oder sogar gleiche Merkmale aufweisen. So bekommst Du nämlich einen
Überblick über die wichtigsten Röhrlingsgattungen
Was wichtige und weniger wichtige Merkmale sind, wirst Du mit der Zeit schon noch zu unterscheiden vermögen. Wenn Du gleich sortiert hast wie in der folgenden Zusammenstellung, hast Du es so getan, wie es auch ein Mykologe (ein "Pilzgelehrter") tut, nämlich:
Gruppe A: Steinpilz und netzstieliger Hexenröhrling
Gruppe B: Grauer Lärchenröhrling und Goldröhrling
Gruppe C: Rotfussröhrling und Maronenröhrling
Gruppe D: Birkenröhrling und Birkenrotkappe
als Aussenseiter bleibt der Gallenröhrling.
Die Gattung Boletus
Der Steinpilz und der Netzstielige Hexenröhrling sind "Röhrlinge im engeren Sinne", sie gehören zur Gattung Boletus. Die Fruchtkörper dieser Gattung sind ziemlich gross und ausgesprochen fleischig. Der Stiel ist fast immer dickbauchig (besonders gegen die Basis) und häufig genetzt. In Mitteleuropa gibt es gut zwei Dutzend Boletusarten. Ihre häufigsten Vertreter und deren wichtigste Unterscheidungsmerkmale sind:
Steinpilz (Boletus edulis)
Hut bräunlich, Stiel weiss bis blassbraun, mit feinem, weissem Netz. Röhren frei, zuerst weiss, dann gelb und schliesslich olivgrün. Fleisch verfärbt sich nicht.
Netzstieliger Hexenröhrling (Boletus luridus)
Hut olivbraun, Stiel rötlich mit grobem, rotbraunem Netz, Poren rotorange, bei Druck sofort blau-schwarz.
Satansröhrling (Boletus satanas)
Hut grauweisslich, filzig, Stiel sehr dickbauchig, mit roter Zone in der Mitte und feinem, rotem Netz. Poren rot. Fleisch blauend und widerlich riechend.
Schusterpilz oder Flockenstieliger Hexenröhrling (Boletus erythropus)
Wie Netzstieliger Hexenröhrling, aber Stiel nicht genetzt, sondern rotflockig querschuppig.
Schönfussröhrling (Boletus calopus)
Hut graubraun. Stiel unten rot und oben gelb mit weissrotem Netz. Poren gelb. Fleisch blauend und sehr bitter.
Die Gattung Suillus - Schmierröhrlinge
Der graue Lärchenröhrling und der Goldröhrling sind Vertreter der Gattung Suillus , der Schmierröhrlinge . Dieser Name ist sehr zutreffend, haben doch die Schmierröhrlinge immer einen schmierigen oder sogar schleimigen Hut, was davon herrührt, dass die Huthaut auf eine ganz besondere, aber nur mit dem Mikroskop feststellbare Art ausgebildet ist. Der Stiel ist aber meistens trocken - abgesehen vom vielleicht schleimigen Ring, den viele Arten aufweisen. Die Schmierröhrlinge sind kleiner, nicht so fleischig und sie haben auch einen viel dünneren Stiel als die Boletus-Arten. Ihr Fleisch verfärbt sich nicht oder nur schwach. Immer wachsen sie bei bestimmten Nadelbäumen. Je nach Pilzart kann dies die Föhre, die Lärche, die Arve oder ein anderer Nadelbaum sein. Von den etwa 20 Schmierröhrlingen, die in unseren Gegenden vorkommen, sind die folgenden wohl die häufigsten:
Goldröhrling (Suillus elegans oder Suillus grevillei)
Hut goldgelb, schmierig, Stiel goldgelb bis rotbraun mit weissem, häutigem Ring. Röhrenmündungen schwefel- bis goldgelb, klein. Nur bei Lärchen.
Grauer Lärchenröhrling (Suillus laricinus oder Suillus aeruginascens)
Hut grau oder braungrau, schmierig. Stiel heller als der Hut, ebenfalls schmierig, mit einem vergänglichen weissflockigen Ring. Röhrenmündungen grauweiss, ziemlich gross. Standort immer bei Lärchen.
Rostroter Lärchenröhrling (Suillus tridentinus)
Ähnlich wie Goldröhrlinge, aber ganzer Pilz orangerotbraun. Weniger schmierig als der Goldröhrling. Röhrenmündungen ziemlich weit und orangerot bis rotbraun. Nur bei Lärchen.
Körnchenröhrling oder Schmerling (Suillus granulatus)
Hut gelbbraun, schleimig. Stiel hellgelb, ohne Ring. Stielpilz tränt und ist weissbräunlich gekörnelt. Röhrenmündungen hell- bis braungelb. Unter zweinadligen Föhren.
Butterpilz (Suillus luteus)
Hut hell- oder dunkelbraun, schmierig bis radialfaserig, mit leicht abziehbarer Oberhaut. Stiel gelblich mit zuerst weissem und dann violettbräunlichem Ring. Röhren gelb. Bei Föhren.
Die Gattung Xerocomus - Filzröhrlingen
Die Rotfussröhrlinge und die Marone gehören zu den Filzröhrlingen (Gattung Xerocomus ). Formmässig sehen die Filzröhrlinge den Schmierröhrlingen recht ähnlich; aber ihr Name sagt's: Ihr Hut ist nicht schleimig, sondern trocken und samtig-filzig. Sie weisen keinen Ring auf und sind auch nicht an Nadelbäume gebunden. Immer sind die Röhren irgendwie gelb. Von den etwa zehn bis uns vorkommenden Filzröhrlingen sind drei recht häufig, nämlich:
Maronenröhrling (Xerocomus badius)
Hut kastanienbraun, samtig (höchstens bei feuchtem Wetter etwas schmierig). Stiel ziemlich dick, bräunlich und ohne Netz. Röhren grüngelb und auf Druck blaugrün verfärbend. Fleisch verfärbt blau.
Rotfussröhrling (Xerocomus chrysenteron)
Hut samtig schmutzig-oliv bis braunschwarz, oft felderig aufspringend, Risse und Frassstellen rötlich. Fleisch gelb, direkt unter der Huthaut purpurrot. Stiel ziemlich schlank, ganz oder teilweise rötlich. Röhren grüngelb.
Ziegenlippe (Xerocomus subtomentosus)
Hut braunoliv, filzig, Stiel schlank, gelbbraun. Röhrenmündungen goldgelb und weit.
Die Gattung Leccinum - Rauhfüsse
Die Rotkappe und der Birkenröhrling sind Rauhfüsse (Gattung Leccinum). Rauhfüsse werden sie genannt, denn dunkle Schuppen geben dem Stiel ein rauhliches Aussehen. Die Huthaut ist matt und die Röhren (mit einer seltenen Ausnahme) weiss und um den Stiel stark niedergedrückt. Häufig quellen die Röhren am Hutrand vor. Die meisten Rauhfüsse sind an bestimmte Laubbäume gebunden. Heute unterscheidet man etwa anderthalb Dutzend Arten; die zwei wichtigsten sind:
Birkenröhrlinge (Leccinum scabrum)
Hut mittelgross, graubraun. Stiel weiss und dunkelschuppig. Fleisch verfärbt sich nicht. Röhren grauweiss. Kommt nur bei Birken vor.
Birkenrotkappe (Leccinum versipelle oder Leccinum testaceoscabrum)
Grosser Pilz. Hut orangegelb, trocken. Stiel hart, weiss mit schwärzlichen Schüppchen. Fleisch weiss und im Stiel blaugrün verfärbend. Nur bei Birken. Ähnlich ist die orangerote Espen-Rotkappe (Leccinum rufum) oder Leccinum aurantiacum) mit rotbraunen Stielschüppchen und schwärzendem Fleisch.
Die Gattung Tylopilus
Der Gallenröhrling (Tylopilus felleus) ist ein Aussenseiter und das einzige Mitglied seiner Gattung.
Natürlich gibt es noch eine ganze Reihe von weiteren Aussenseitern; von ihnen soll später einmal die Rede sein.
Bis zum nächsten Mal sei gegrüsst von
Deinem Xander