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Die Geschichte wiederhole sich nicht, sagt ein geflügeltes Wort. Jackie Young beweist: Sie wiederholt sich eben doch. So wie 1992 Dänemarks Fussballer aus den Ferien geholt und Europameister wurden, so wurde die junge Basketballerin nun in Tokio zur Olympiasiegerin.
Es gab schon oft Olympiasieger praktisch aus dem Nichts. Zuallererst kommt einem Steven Bradbury in den Sinn. Der australische Shorttracker gewann 2002 in Salt Lake City die Goldmedaille, weil alle vier Konkurrenten in der letzten Kurve stürzten.
Bradbury war damals immerhin als Aussenseiter angetreten. Jackie Young hingegen dachte vor zwei Wochen noch nicht einmal daran, überhaupt an Olympischen Spielen teilzunehmen. Nun ist sie eine der ersten Olympiasiegerinnen der Geschichte im 3x3-Basketball.
Die 23-jährige US-Amerikanerin ist Profi bei den Las Vegas Aces in der WNBA, deren Spielbetrieb während der Olympischen Spiele ruht. Eine gute Gelegenheit, um ein wenig auszuspannen, dachte sich Young, und buchte einen Kurztrip nach Florida.
Doch lange blieb sie nicht dort. Am 17. Juli klingelte ihr Smartphone. Young wurde von einem Anschluss angerufen, dessen Nummer sie weder gespeichert hatte, noch kannte. «Ich dachte mir, dass ich trotzdem ran gehe und das machte ich dann», erzählte sie der Zeitung «USA Today».
Es lohnte sich. Denn am anderen Ende der Leitung waren die Verantwortlichen des amerikanischen 3x3-Olympiateams. Sie teilten Jackie Young mit, dass eine vorgesehene Spielerin wegen eines positiven Covid-19-Tests ausfalle und fragten sie als Ersatz an.
Young wollte an die Olympischen Spiele und so flog sie von Florida umgehend nach Las Vegas zurück, um das Testprotokoll zu beginnen. Die Zeit drängte, schliesslich begann schon eine Woche nach der Anfrage das 3x3-Turnier in Tokio. «Ich wusste, dass ich eine Chance hatte, aber wir waren uns nicht sicher, ob es reicht», schildert Young.
Während der Rest des Teams am Montag vor den Eröffnungsspielen nach Japan flog, reiste ihre neue Mitspielerin dann tags darauf nach. Im 3x3-Format hatte sie letztmals vor zwei Jahren gespielt. Doch dem Nummer-1-Draftpick von 2019 gelang die Umstellung auf die andere Basketball-Disziplin spielend.
«Wir haben gleich nach ihrer Ankunft hier Spielzüge geübt», erzählte Mitspielerin Stefanie «Big Mama Stef» Dolson. «Dafür, dass sie sich so schnell eingearbeitet und unser System gelernt hat, verdient Jackie ein grosses Lob.»
Mit 18:15 siegten die Amerikanerinnen im Final gegen Russland. Jackie Young, eben noch am Strand in Florida, ist seit gestern Olympiasiegerin. «Schon verrückt, wie das Leben manchmal spielt», sagte sie staunend. «Vor zehn Tagen war ich noch in den Ferien, jetzt habe ich eine olympische Goldmedaille.»