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Auf dem Foto, welches der Palast nach dem Treffen der Halbgeschwister veröffentlicht, wirken sowohl der König als auch die Neo-Prinzessin noch etwas steif. Was allerdings kaum Wunder nimmt, sind sich die beiden doch erstmals überhaupt gegenübergetreten. Hinzu kommt: Philippe stellt sich mit diesem Treffen direkt gegen seinen Vater Albert und seine Mutter Paola, 83. Denn seine Halbschwester Delphine ist der lebende Beweis für die Untreue seines Vaters. Und auch seine Mutter soll Affären gehabt haben.
Insgesamt 18 Jahre dauerte Alberts Affäre mit Delphines Mutter, Baronin Sybille de Sélys Longchamps, 79. Es gibt sogar Fotos aus Delphines Kindertagen, die sie mit ihrer Mutter und ihrem leiblichen Vater bei Spaziergängen und Ausflügen zeigen. Allerdings weiss das damals kleine Mädchen nicht, dass der Mann an dessen Beine sie sich schmiegt, ihr leiblicher Vater ist. Das offenbart ihr die Mutter erst, als sie 17 wird. Und obwohl ihr Vater vor 30 Jahren seine Affäre öffentlich bekennt, verleugnet er seine Tochter all die Jahre, schnauzt sie 2001 sogar am Telefon an: «Du bist nicht meine Tochter!»
Nach dem Gerichtsentscheid Anfang Monat, der Delphine Boël von einem auf den anderen Tag zur Prinzessin und damit zum Mitglied einer der bedeutenden Adelsdynastien Europas machte, hat die Künstlerin eine Pressekonferenz in der Freien Universität Brüssel gegeben. Sie hat dort einen Einblick in ihr Innerstes gegeben und wie sie den jahrelang dauernden Kampf empfunden hat: «Du bist die ganze Zeit wie auf einem Schlachtfeld, immer wie in einem kleinen Krieg. Es fühlte sich so unnatürlich an, vor Gericht zu gehen, besonders dafür, von meinem eigenen Blut, meinem eigenen Vater, anerkannt zu werden.» Es sei vor allem ihr Ehemann James «Jim» O’Hare, ein Texaner, gewesen, der ihr Kraft gegeben habe. «Er war meine starke Schulter.» Er eilte sogar zu ihr ans Podium, um ihr ein Taschentuch zu reichen, als sie von Tränen übermannt wurde.
Dass König Philippe nur eine Woche nach dem Gerichtsentscheid zugunsten von Delphine Boël seiner Schwester die Hand reicht und zu sich aufs Schloss eingeladen hat, um sie kennenzulernen, ist fürs belgische Königshaus sicher eine gute Entscheidung. In einem gemeinsamen öffentlichen Statement schreibt das Geschwisterpaar: «Am Freitag, den 9. Oktober, haben wir uns zum ersten Mal auf Schloss Laken getroffen. Es war eine herzliche Begegnung.» Es soll erst ein Anfang sein, wie das Schreiben impliziert. Weiter heisst es: «Eine lange und reiche Diskussion gab uns die Gelegenheit, uns kennenzulernen. Wir sprachen über unser jeweiliges Leben und Bereiche von gemeinsamem Interesse. Diese Bindung wird sich im familiären Umfeld weiterentwickeln.»
Damit wird klar. Es bleibt nicht bei einem einmaligen Treffen. Und vielleicht lässt sich ja auch Alberts Herz irgendwann erweichen lassen und er möchte doch noch seine Tochter Delphine und deren Kinder, seine Enkel Joséphine, 17, und Oscar, 12, kennenlernen. Nachdem ein DNA-Test Anfang Jahr zweifelsfrei ergeben hatte, dass Albert Delphines Vater ist, hatte er via Anwalt noch kühl ausrichten lassen, dass er nie in Betracht gezogen habe, dass Boël seine Tochter sei und er keinerlei väterliche Gefühle für sie hege. Nachdem sein Sohn Philippe seine Halbschwester akzeptiert und in der Familie willkommen geheissen hat, sollte Albert noch einmal in sich gehen. Mit 86 Jahren bleibt auch einem Blaublüter nicht ewig Zeit für eine Versöhnung.