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Aktiv ist der Luzerner noch immer. "Es geht mir gut", sagt er kurz vor seinem runden Geburtstag auf Anfrage von Keystone-SDA. "Es ist mir wichtig, dass ich meine schöpferische Ader trotz meiner 90 Jahre weiterhin ausleben und neue Ideen verwirklichen kann."
Erwünscht seien dagegen Veränderungen im Zusammenleben mit seiner Ehefrau Niccel. Steinberger möchte, dass sie, die seine Tätigkeiten bisher zu 100 Prozent mitgetragen und ihm den Rücken frei gehalten habe, "ihre kreativen Fähigkeiten intensiver ausleben kann".
Erst Anfang November beendete der Kabarettist sein Programm "Emil schnädered". Im September wurde er bei der Verleihung des Swiss Comedy Award für sein Lebenswerk geehrt. Auch auf der virtuellen Bühne ist er präsent - etwa mit einer auf Twitter veröffentlichten Fotomontage des WM-Matches Brasilien-Schweiz, mit ihm als lachenden und erfolglosen Torschützen. Und er arbeitet an seiner Autobiografie, die 2023 erscheinen soll.
Dass er auch ernst sein kann, zeigte Steinberger nach der russischen Invasion in der Ukraine, als er im April zusammen mit über 100 Schweizer Kulturschaffenden einen offenen Brief an den Bundesrat unterzeichnete. Sie verlangten ein "entschiedenes Vorgehen gegen die Kriegsfinanzierung aus der Schweiz". Politische Äusserungen würden bei ihm aber nicht über die Bühne gehen, sondern über den "privaten Emil", sagte Steinberger in einem Gespräch mit SRF1 zu seinem 90.
Steinberger entdeckte seine Liebe zur Bühne, als er noch auf der Post arbeitete und in einer Theatergruppe mitmachte. Die sichere Beamtenstelle gab er 1960, zum Schock seiner Eltern, auf, um Grafiker zu werden.
Er spielte in Cabaret-Ensembles wie dem "Güggürüggüü". Dann folgten die ersten, noch von seinem Schulfreund Armin Beeler geschriebenen und von der Lokalpolitik geprägten Soloprogramme "Emil und die 40 Räuber", "Emils Neid-Club" und "Onkel Emils Hütte".
Steinberger spielte damals im Speisesaal eines Hotels - ein Haus für Kleinkunst gab es in Luzern nicht, bis er 1967 das heute noch existierende "Kleintheater" gründete. Steinbergers erste Frau Maya leitete das Haus, in dem auch internationale Stars wie der Clown Charlie Rivel oder der Schauspieler Gert Fröbe auftraten.
Im "Kleintheater" hatte Steinberger Ende der 1960er-Jahre mit "Geschichten, die das Leben schrieb" und "E wie Emil" den Durchbruch. Dazu ermutigt, diese eigenen Programme zu schreiben, hatte ihn der Kabarettist Franz Hohler.
Steinbergers Bünzli "Emil" erreichte in den 1970er-Jahren eine ungeheure Popularität. Die Schweiz konnte dank der Figur über sich selbst lachen. Als er kürzlich alte Nummern angeschaut habe, habe er selbst gestaunt, was ihm alles in den Sinn gekommen sei, sagte Steinberger gegenüber SRF1.
"Emil" gab es auf Schallplatte, im Radio, am Fernsehen - und an Familienfesten, wenn Jugendliche einen populären Sketch nachspielten. 1977 tourte "Emil" mit dem Zirkus Knie durch die Schweiz. Steinberger trat in Deutschland auf und, "français fédéral" parlierend, in der Romandie.
Steinberger war aber nicht nur Kabarettist. Als Schauspieler spielte er 1978 in Rolf Lyssys "Schweizermacher" mit, in einem der erfolgreichsten Schweizer Filme überhaupt. In Luzern war er auch Kulturunternehmer: Neben dem "Kleintheater" gründete er das Kino "Atelier" und führte das Kino "Moderne". Dazu hatte er ein eigenes Grafikbüro.
1987 gab Steinberger seine vorerst letzte Vorstellung. Der damals 54-Jährige zog sich zurück. 1989 kam es zur Scheidung zwischen ihm und seiner Frau Maya. Von 1993 bis 1999 lebte Steinberger in New York, wo er seine zweite Frau Niccel Kristuf kennenlernte und heiratete.
Zurück in der Schweiz, lebte Steinberger in Montreux und wählte 2014 Basel als Wohnort. Mit Erfolg kehrte er wieder auf die Bühne zurück: "Drei Engel" spielte er ab 1999 während 15 Jahren 900 Mal, mit "Lachzig" beschenkte er sein Publikum anlässlich seines 80. Geburtstages, es folgten "Emil - No einisch", "Alles Emil, oder?!" und "Emil schnädered".
Sicher ist: "Es wird auch in Zukunft keine Jahre ohne Arbeit geben", so Emil Steinberger. Ebenso wenig plant der Jubilar eine grosse Geburtstagsfeier. "Wir werden stattdessen bei einem Kunstmaler das Malen mit Ölfarbe kennenlernen." Das sei das Geburtstagsgeschenk seiner Frau, "da ich immer bedauerte, dass ich das an der Luzerner Schule für Gestaltung nicht gelernt habe".
(sda)