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Die Abbildung zeigt die Abweichung von der durchschnittlichen Sommertemperatur (Juni/Juli/August) in der Schweiz zum Referenzzeitraum 1961 bis 1990. Vier der fünf wärmsten je gemessenen Sommer traten in den letzten fünf Jahren auf.
Stephan Bader: Die Schweiz blickt auf den drittheissesten Sommer seit Messbeginn zurück. Er ist in guter Gesellschaft mit den letzten ähnlich heissen Sommern 2018, 2017 und 2015. Wesentlich heisser zeigte sich nur der legendäre Hitzesommer 2003. Im Vergleich zu den Sommern im 20. Jahrhundert waren dies alles Jahrhundertereignisse.
Extrem war die Wärme im Juni und im Juli. Im landesweiten Mittel war es der zweitwärmste Juni seit Messbeginn 1864. Einen Monat später registrierte die Schweiz den sechstwärmsten Juli seit Messbeginn. Die hohen Monatstemperaturen waren die Folge von zwei intensiven Hitzewellen. Die anhaltend hohe Temperatur gegen Ende Juni führte zu einer der intensivsten siebentägigen Hitzewelle seit Messbeginn vor über 100 Jahren. Die Junihitze brachte an über 50 Messstandorten neue Junirekorde der Tagesmaximum-Temperatur. 15 Messstandorte, 14 davon in höheren Lagen, registrierten neue Allzeitrekorde, darunter die beiden Standorte Davos und Säntis mit Messreihen von über 100 Jahren. In Davos war es mit 29,8 °C noch nie so heiss wie am 26. Juni 2019. Die Temperatur der Juni-Juli-Periode stieg im landesweiten Mittel auf den zweithöchsten Wert seit Messbeginn 1864. Gleich warm war die Juni-Juli-Periode im Sommer 2015. Landesweit mehr Wärme brachte nur die Juni-Juli-Periode im extremen Hitzesommer 2003.
Monatsmittel der Temperaturen in Grad Celsius in der Schweiz seit 1864
Ein einzelnes extremes Ereignis kann nicht dem Klimawandel zugeschrieben werden. Der Sommer 2019 ist jedoch kein Einzelfall. Auffallend und einzigartig für den bisherigen Klimaverlauf seit Messbeginn 1864 ist die Häufung extrem warmer Sommer verbunden mit mehr Hitzewellen in den vergangenen 20 Jahren. Darin zeigt sich die Klimaänderung. Und genau diese Entwicklung hin zu wärmeren Sommern und mehr Hitzewellen zeigen die Klimamodelle für die Zukunft.
Eine einzelne Hitzewelle ist und bleibt ein Wetterereignis, eingebettet in die bekannte Variabilität des Wetterverlaufs. Im Verbund mit den heute häufigeren Hitzewellen erhält das einzelne Ereignis aber eine wichtige klimatische Bedeutung. Es ist Teil einer Entwicklung. Mit den immer wärmeren Sommern und den häufigeren Hitzewellen hat sich der Charakter des Sommerklimas in der Schweiz markant verändert. Das Klimaänderungssignal ergibt sich also aus der Summe der einzelnen Wetterereignisse.
Monatsmittel der Sonnenstunden in der Schweiz seit 1961
Vielleicht nicht jedes Jahr, aber sehr häufig. Mit zunehmender globaler Erwärmung dehnt sich das sommerliche Hochdruckgebiet über dem Mittelmeer vermehrt nach Norden Richtung Zentraleuropa aus, so wie wir es auch in diesem Sommer intensiv erlebt haben. Die ans Mittelmeer angrenzenden Grossregionen Europas, und damit auch die Schweiz, sind deshalb weltweit von einer der stärksten Zunahmen von Hitzeextremen betroffen. Dieser Trend lässt sich bereits in den vergangenen Jahrzehnten beobachten, und er wird sich sehr wahrscheinlich auch in Zukunft fortsetzen.
Die Junitemperatur lag in den Niederungen nördlich und südlich der Alpen 2 bis 3 °C über der Norm 1981‒2010. In den Alpen und auf den Jurahöhen bewegte sich die Monatstemperatur 3 bis 4 °C über der Norm. Gipfellagen registrierten zum Teil extreme Werte von knapp 5 °C über der Norm. Im landesweiten Mittel stieg die Junitemperatur 3,4 °C über die Norm 1981‒2010.
Nach dem zweitheissesten Juni registrierte die Schweiz den sechstwärmsten Juli seit Messbeginn. Die Julitemperatur lag in den meisten Gebieten der Schweiz 2 bis 2,5 °C über der Norm 1981‒2010. In den Ostalpen und im Gotthardgebiet bewegte sich die Monatstemperatur 1,5 bis 2 °C über der Norm. Im landesweiten Mittel stieg die Julitemperatur 2 °C über die Norm 1981‒2010.
Nein, auch die Augusttemperatur wird im landesweiten Mittel knapp 1,5 °C über die Norm 1981‒2010 zu liegen kommen. Eine Hitzewelle blieb aus. Die Augustwärme 2019 belegt Rang 14 seit Messbeginn 1864.
Monatsmittel der Niederschlagsmenge in Milimeter in der Schweiz seit 1900
Die sommerlichen Niederschlagssummen (Juni bis August) stiegen in der Westschweiz, auf der Alpensüdseite und im Wallis regional über die Norm 1981‒2010. Im Wallis und im Tessin gab es lokal Werte zwischen 130 und über 140% der Norm. Ganz im Süden des Tessins lieferten die drei Sommermonate hingegen nur rund die Hälfte der normalen Mengen. In den übrigen Gebieten der Schweiz bewegten sich die Niederschlagssummen zwischen 80 und 100% der Norm 1981‒2010. Trockenheit war in diesem Sommer im Vergleich zur letztjährigen Jahrhunderttrockenheit kein Thema. Aktuell ist in der Schweiz über die letzten 30 Tage betrachtet keine Trockenheit feststellbar.