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Charlie Chaplins Vermächtnis als Musiker
Ein cineastischer Leonardo: Charlie Chaplin war in allem gut. Eine neue Ausstellung im Museum Chaplin’s World widmet sich seinem musikalischen Werk. «The Sound of Charlie Chaplin» ist ab heute (13. März) zu sehen.
Bevor das Kino sprechen lernte, war es nicht stumm. Schon immer hatten einzelne Musiker oder ganze Orchester Filme live begleitet. Das war ein Erbe der Herkunft des Films aus dem Theater.
Die Sonderausstellung «The Sound of Charlie Chaplin» im Dachgeschoss des Manoir de Ban, wo Chaplin seit 1953 bis zu seinem Tod 1977 lebte, ruft dieses Vermächtnis in Erinnerung. Seinen ersten Auftritt soll der 1889 geborene Charlie Chaplin im Alter von fünf Jahren gehabt haben, als er in einer Music Hall nahe London für seine kranke Mutter Hannah einsprang. Der kleine Charlie sang und erntete einen Münzregen dafür.
Nie ohne Geigenkasten
Nachdem Hannah Chaplin in eine Nervenklinik eingeliefert worden war, wuchs Charlie auf der Strasse und im Tingeltangel Londons auf, wo er zwar nicht besonders gross, aber aussergewöhnlich lustig wurde.
Mit seiner ersten Gage kaufte er sich eine Geige und übte jeden Tag stundenlang. Stan Laurel, damals in der gleichen Truppe wie Chaplin engagiert, sagte später, man habe Chaplin nie ohne seinen Geigenkasten gesehen. Besagte Geige gehört zu den Exponaten in Vevey.
Ab 1931, dem Erscheinungsjahr von «City Lights» («Lichter der Grossstadt»), wird Chaplin als Urheber der Musik zu seinen Werken geführt. Die früheren stattete er nach und nach mit eigenen Kompositionen aus. Als «The Gold Rush» («Goldrausch») 1942, als der Tonfilm sich durchgesetzt hatte, zum zweiten Mal erschien, schnitt Chaplin ihn neu, um ihn besser mit seiner Komposition zu verbinden.
Oscar für beste Filmmusik
Die Ausstellung in Vevey macht Chaplins Arbeitsweise nachvollziehbar, indem sie die beiden Versionen nebeneinander präsentiert oder das Publikum Varianten der Begleitmusik zu der berühmten Brötchen-Tanznummer wählen lässt.
Neben vielen Bildern sind auch Originalpartituren zu sehen. Sie geben aber nur ein unzureichendes Bild davon, wie Chaplin komponierte. Da er keine Noten schreiben konnte, arbeitete der Regisseur mit Arrangeuren zusammen, denen er in stundenlangen Session Melodien vorsang, bis sie in der Lage waren, aufs Papier zu bringen, was ihm im Kopf klang.
Folgerichtig erhielt Chaplin 1973 den Oscar für die beste Filmmusik gemeinsam mit seinen Mitarbeitern Raymond Rasch und Larry Russell. Beide waren zu diesem Zeitpunkt jedoch schon tot und bis heute ist unklar, ob die Wahl auf die richtigen fiel. Der prämierte Film «Limelight» («Rampenlicht») war erst 1972 in den USA erschienen, 20 Jahre nach seiner eigentlichen Entstehung.
Rasch war sich anfänglich nicht sicher gewesen ob er es mit einem «Genie» oder einem «Verrückten» zu tun hatte: «Chaplin schrie stundenlang und alles, was ich erkennen konnte, war ein unauflösliches Durcheinander. Aber plötzlich sang er eine Note oder einen ganzen Satz und schrie mich an, dies zu spielen und die Noten aufzuschreiben.»
Im Widerspruch zum Geschmack der Zeit, der von der Musik erwartete, die Komik von Filmen hervorzuheben, komponierte Chaplin romantische Musik zu seinen Komödien, um ihnen Eleganz und Emotionalität zu verleihen. Das so genannte «Micky Mouseing», bei dem Gags mit Geräuscheffekten unterlegt wurden, lehnte er ab.