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<h2>SubmittedText<h2><p>Mehrere in Schweizer Gewässern lebende Fischarten geniessen Artenschutz, manche durch die Berner Konvention sogar auf europäischer Ebene. Dies gilt insbesondere für die Nase (Chondrostoma nasus), die südwesteuropäische Nase (Parachondrostoma toxostoma) und den Apron (Zingel asper). Wie dies bei der gesamten Fischfauna der Fall ist, nehmen die Bestände dieser drei Arten seit mehreren Jahren konstant ab. Als häufigste Ursachen für diese Abnahme werden Verschmutzung, Staudämme von Kraftwerken und Gewässerkorrekturen genannt.</p><p>Gegenwärtig ist die Verschmutzung der Gewässer hauptsächlich auf zunehmende Mikroverunreinigungen zurückzuführen, die sich negativ auf die Fortpflanzung der Fische sowie auf die Qualität und die Quantität der benthischen Makrowirbellosen-Fauna, also auch auf das Nahrungsangebot, auswirken. Dieses wird zusätzlich durch einen anderen Umstand eingeschränkt: den drastischen Rückgang von Phosphor. Studien über die Schweizer Seen zeigen klar, dass der konstant sinkende Phosphorgehalt die Primärproduktion einschränkt, was in einem starken Rückgang der Fischbestände resultiert. Wie hoch ist der Phosphorgehalt in unseren Flüssen? </p><p>Sind die möglicherweise immer stärker oligotrophen Schweizer Wasserläufe ein Grund für den Fischrückgang in unseren Flüssen? </p><p>Da die obenerwähnten Fischarten Schutzstatus haben, verdient es diese Frage, geklärt zu werden. Die physikalische Wasserqualität wird von den Kantonen kontrolliert, und es wäre wahrscheinlich einfach, nach einem Zusammenhang zwischen dem seit Jahren graduell rückläufigen Phosphorgehalt und der Verringerung des Bestandes dieser geschützten Arten zu suchen.</p><p>Ich bitte den Bundesrat, die folgenden Fragen zu beantworten:</p><p>1. Wurden Untersuchungen dazu gemacht, wie sich eine Verringerung des Nahrungsangebots infolge der rückläufigen Primärproduktion auf die Cypriniden und die Sofie auswirkt? Beide Arten sind nach dem Bundesgesetz über die Fischerei geschützt.</p><p>2. Wäre es angesichts der Beschwerde beim Europarat betreffend das Aussterben des Aprons im Doubs nicht ratsam, zusätzlich zu anderen Massnahmen auch mögliche Auswirkungen eines angepassten Nahrungsangebots auf diese Art zu untersuchen? Dies wäre insbesondere mit Blick auf den oft niedrigen Phosphorgehalt zu tun, der nun seit einigen Jahren im schweizerischen Teil dieses grenzüberschreitenden Gewässers gemessen wird.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Sofie und Nase sind zwei in fliessenden Gewässern lebende Cyprinidenarten, die in der Schweiz gefährdet sind. Sie ernähren sich im Wesentlichen von Mikroalgen, die auf Steinen wachsen (Periphyton), und sind somit auf die Primärproduktion angewiesen. Anders als in Seen wird die Primärproduktion in Fliessgewässern hauptsächlich vom Periphyton und von Makrophyten geleistet. Phosphor wird erst ab etwa 0,0006 bis 0,015 Milligramm pro Liter und Stickstoff erst ab etwa 0,05 bis 0,06 Milligramm pro Liter limitierend für das Algenwachstum (Quelle: Schlussbericht "Fischnetz"). Im Doubs, dem Lebensraum der Sofie, betrug die bei Ocourt im Zeitraum 2011-2013 gemessene mittlere Phosphor- und Stickstoffkonzentration 0,021 Milligramm pro Liter bzw. 1,6 Milligramm pro Liter (Quelle: Nationale Beobachtung Oberflächengewässerqualität, Nawa). Diese Werte liegen deutlich über den Werten, die das Algenwachstum limitieren. Die gemessenen Phosphorkonzentrationen in den Fliessgewässern, in denen die beiden genannten Cypriniden (Nase und Sofie) vorkommen, genügen somit für die Primärproduktion. Dass eine Verminderung des Nahrungsangebots der Grund für das Verschwinden von Nase und Sofie sein könnte, erscheint daher wenig wahrscheinlich.</p><p>2. Der Apron kommt in der Schweiz nur im Doubs vor. Im Unterschied zu Nase und Sofie, die sich ausschliesslich von Mikroalgen ernähren, ist die Nahrung des Aprons vielfältiger. Sie besteht aus verschiedenen Kleinlebewesen, die auf und unter Steinen leben. Das Nahrungsangebot, das dem Fisch zur Verfügung steht, wurde in dem gesamtschweizerischen Projekt "Fischnetz" (1998-2003) untersucht. In mehreren Schweizer Fliessgewässern wurden die vorhandenen Nahrungsorganismen analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass sich im Untersuchungszeitraum, gesamthaft gesehen, weder die Häufigkeit noch die Biomasse der Fischnährtiere deutlich verändert hat. Demnach erscheint es ebenfalls wenig wahrscheinlich, dass eine Verminderung des Nahrungsangebots der Grund für das Verschwinden des Aprons sein könnte.</p><p>Aufgrund der bei der Berner Konvention eingereichten Klage erarbeitete eine internationale Arbeitsgruppe für die Verbesserung der Wasserqualität und des Lebensraums des Doubs 2014 einen Aktionsplan. Dieser sieht eine Reihe von Massnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität und des Lebensraums vor, die auch dem Apron zugutekommen.</p><p>Die Frage einer allfälligen künstlichen Zugabe von Phosphor in die Gewässer haben Bundesrat und Parlament im Rahmen der Motionen Luginbühl 11.4091 und von Siebenthal 11.4158 zum Phosphatmanagement im Brienzersee behandelt. Beide Motionen wurden vom Parlament abgelehnt. Dabei wurde klargestellt, dass eine künstliche Zugabe von Nährstoffen zur Steigerung der Fischfangerträge im Hinblick auf die Gewässerschutzpolitik falsche Signale setzen, die bisherigen Anstrengungen und Investitionen infrage stellen und der Zielsetzung der Umweltschutzgesetzgebung zuwiderlaufen würde. Zudem geht aus Studien der Eawag klar hervor, dass für den Erhalt der Artenvielfalt Gewässer mit guter Wasserqualität und niedrigen Nährstoffkonzentrationen erforderlich sind.</p>  Antwort des Bundesrates.