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Mittwoch, 21. März 2012
Zehn Jahre nach der Pleite der Kirch-Gruppe hat Insolvenzverwalter Michael Jaffé tiefe Einblicke in riskante Geldgeschäfte des Konzerns gegeben und chaotische Zustände beschrieben - als Zeuge in einem Gerichtsprozess.
Für einen Kredit über 235 Millionen Dollar, den Kirchs Formel-1-Beteiligungsgesellschaft nur ein Jahr vor der Insolvenz an die Formel-1-Holding Slec vergab, habe es keinerlei schriftliche Verträge gegeben, sagte Jaffé heute vor dem Landgericht München im Prozess um Schmiergeldzahlungen beim Formel-1-Verkauf durch den früheren BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowksy.
Jaffé stiess nur auf einige Faxe über den Kredit, ansonsten seien die Gespräche mündlich geführt worden. Auch die Modalitäten über die Rückzahlung blieben offen: Im Kern lautete die Vereinbarung nur, dass der Kredit erst zurückgezahlt werden muss, wenn die Formel-1-Holding dazu in der Lage ist. Die Holding hatte von dem Geld im Jahr 2001 vom Internationalen Automobilverband (Fia) die Übertragungsrechte am Grand-Prix für 100 Jahre gekauft. Durch die finanzielle Hilfe bei dem Deal wollte Kirch sicherstellen, dass das Milliarden-Engagement des Konzerns in der Formel 1 langfristig Erfolg hat.
Die Forderung auf die Rückzahlung des Darlehens von 235 Millionen Dollar reichte die Kirch-Gesellschaft danach gleich zweimal als Pfand weiter, um sich damit selbst Kredite zu sichern. Aus Sicht des Insolvenzverwalters handelte es sich dabei um ein Versehen, weil zwei Manager den Kredit unabhängig voneinander abgetreten hätten.
Die Insolvenz der Kirch-Gruppe mit früher 10'000 Beschäftigten und Sendern wie ProSieben und Sat1 am 8. April 2002 gehörte zu den grössten Pleiten in Deutschland und beschäftigt die Gerichte bis heute.