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September 2023
Vierwaldstättersee – DS Helvetia
Das erste Schiff der Vereinigten Dampfschiff-Gesellschaft des Vierwaldstättersees (VDGV) erhält den Namen Helvetia und läuft am 22. Mai 1870 vom Stapel. Der Glattdeckdampfer hat eine Länge von 51.10 Meter (über Perpendikel) und eine Breite von 10.20 Meter (über alles). Die «Helvetia» wird von Escher Wyss gebaut und erhält eine oszillierende Nassdampf-Zweifach-Expansionsanlage mit einer Leistung von 300 PSi. 500 Personen haben Platz auf dem Dampfer.
Foto: Die «Helvetia» befindet sich hier im Jahre 1873 im Originalzustand als Glattdecker am Schwanenplatz in Luzern.
Als Glattdecker war sie gegenüber den zwei Jahre später erbauten «Germania» und «Italia» im Nachteil. Diese beiden Raddampfer boten mit ihren Salonaufbauten den Passagieren Schutz vor Wind und Regen. Zudem war das mit einem Zeltdach geschützte Oberdeck auf diesen Schiffen eine weitere Attraktion. Um den Nachteil bei der «Helvetia» etwas auszugleichen, wurde sie 1884 zu einem Halbsalondampfer umgebaut.
Foto: Bauzustand um 1900, wiederum fotografiert am Luzerner Schwanenplatz.
Rund zehn Jahr später machte die Maschinenanlage Sorgen. Die Kurbelwelle brach zweimal innert kurzer Zeit und 1899 stellte der Maschinist während einer Fahrt nach Flüelen einen Riss in der Oberplatte des Maschinenstuhls fest. Zwar blieb das Schiff nach einer Reparatur im Dienst, jedoch stellte die Verwaltung fest, dass der Zustand der Maschine im Allgemeinen kein Vertrauen einflösste.
Foto: Im Bauzustand von 1908 und 1923 trifft die «Helvetia» in Kehrsiten-Bürgenstock ein.
Nach rund 57’500 Betriebsstunden und 990’000 gefahrenen Kilometern wurde der Ersatz der oszillierenden Dampfmaschine beschlossen. Da eine schrägliegende Maschine nicht eingebaut werden konnte und Sulzer keine oszillierende Anlage bauen wollte, erhielt Escher Wyss den Bauauftrag. Vorerst wurden die aus dem Jahre 1884 stammenden Kessel weiter verwendet. Diese ersetzte man 1908 und danach erbrachte die neue Maschine eine deutlich wirtschaftlichere Leistung.
Foto: Rückwärtsmanöver der «Helvetia» an die Brücke 1.
1924 bewältigte die Flotte das Verkehrsaufkommen auf dem Vierwaldstättersee nur dank dem Umstand, dass im Hochsommer das Wetter schlecht war. Die «Helvetia», sie stand bis zum Ersten Weltkrieg im Einsatz, musste wieder in Dienst gestellt werden. Zuvor war aber eine umfassende Renovation nötig. Damit die Passagiere wieder das Oberdeck betreten konnten, musste die Stabilität verbessert werden. Die Schale wurde verlängert und mittschiffs verbreitert. Die Tragfähigkeit erhöhte sich dadurch von 500 auf 650 Personen. Der Dampfer stand danach im regelmässigen Einsatz.
Foto: Blick in den Salon der «Helvetia».
1949, mit der Inbetriebnahme des MS Waldstätter (II), gehen die Einsätze massiv zurück. Die jährlichen Fahrleistungen gingen von 40’000 Kilometer auf 280 Kilometer pro Jahr zurück. 1959 unternimmt die «Helvetia» mit der Probefahrt ihre letzte Fahrt. Bis zu seiner Ausserdienstnahme legte die «Helvetia“ 2’160’229 Kilometer zurück.
Foto: Im letzten Betriebsjahr trifft die «Helvetia» auf einem Supplementskurs, von Stansstad kommend, in Luzern ein (1958).
1961 wird das Stationsgebäude in Flüelen neu erbaut, die «Helvetia» dient in dieser Zeit an der Güterbrücke als Stationsbüro. Für mich war dies ein «komischer» Anblick, denn für uns als Kinder sind die Salondampfer das Nonplusultra und nicht so ein kleines gedrungenes Schiff. Trotzdem sind wir immer, bei einem längeren Aufenthalt in Flüelen, zur «Helvetia» gerannt und haben uns dieses angeschaut. An Bord haben wir uns jedoch nicht getraut…
Foto: Nach der Inbetriebnahme des Stationsgebäudes in Flüelen hat die «Helvetia» endgültig ausgedient und wird mit dem MS Schwyz nach Luzern abtransportiert.
Eine Privatperson aus dem Kanton Nidwalden kaufte am 1. Februar 1963 das ausrangierte Schiff. Die Schiffschale wird eine Zeitlang weiterverwendet, und zwar als Arbeitsschiff einer Bauunternehmung.
Foto: In der Luzerner Werft wurde die «Helvetia» bis auf die Schale abgebrochen (Aufnahme von 1964).