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Was ist eine Rot-Grün-Sehschwäche?
Eine Rot-Grün-Sehschwäche ist eine Fehlsichtigkeit des Auges. Betroffene können die Farben rot und grün nicht so klar und deutlich erkennen und unterschieden wie Normalsichtige. Häufig wird auch der Begriff "Farbenblinddheit" benutzt, obwohl er eigentlich nicht korrekt ist. Denn eine Rot-Grün-Sehschwäche kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein.
Nur die wenigsten leider an einer echten "Rot-Grün-Blindheit", die nach ihrem Entdecker John Dalton auch Daltonismus genannt wird.
Wie sieht man mit Rot-Grün-Schwäche?
Die Farben Rot und Grün werden nicht so intensiv wahrgenommen wie bei Normalsichtigen. Je nach Ausprägung wirken sie matter und farbloser. Menschen mit einer stark ausgeprägten Rot-Grün-Schwäche sehen die Farben rot und grün eher als graue Flächen. Die folgenden Grafiken können das veranschaulichen:
Auf der linken Seite erkennt man ein Bild, das aus Roten und Grünen Punkten besteht. Diese Art des Rot-Grün-Sehtests wurde von dem japanischen Augenarzt Ishihara Shinobu entwickelt und ist heute weltweit verbreitet. Eine Linien aus kleinen roten und orangen Punkten bildet die Umrisse eines Hauses. Rechts der Seheindruck mit einer ausgeprägten Rot-Grünschwäche: Die rote und grüne Farbwahrnehmung ist erheblich reduziert - das führt dazu, dass man das Haus nicht mehr erkennen kann. Für diejenigen, die von einer Rot-Grün-Schwäche betroffen sind, hier das Bild noch mal mit Hell-Dunkel-Kontrast:
Ursache der Rot-Grün-Schwäche
Die Ursache der Rot-Grün-Schwäche ist ein genetischer Defekt. Der führt dazu, dass sich ein wichtiger Stoff, der bei der Farbwahrnehmung wichtig ist, nicht normal entwickeln kann. Um das genau zu verstehen, muss man sich zunächst bewußt machen, wie Farbwahrnehmung funktioniert:
Auf der Netzhaut des Auges gibt es zwei Arten von Photorezeptoren, die Lichtimpulse aus der Umwelt so umwandeln können, dass sie vom Gehirn verarbeitet werden können - woraus letztlich das entsteht, was wir als visuelles Bild im Kopf haben. Neben den sogenannten Stäbchen, die für das Hell-Dunkel-Sehen verantwortlich sind (in der Regel erst ab Dämmerlicht), verfügt das Auge über drei sog. Zapfen-Rezeptoren. Die drei unterscheiden sich darin, jeweils bei Licht einer bestimmten Wellenlänge aktiv zu werden:
- Rot (L-Zapfen, "L" für langwelliges Licht, engl. "long")
- Grün (M-Zapfen, "M" für mittelwelliges Licht, engl. "medium")
- Blau (S-Zapfen, "S" für short, also kurzwelliges Licht).
Im Falle einer Rot-Grün-Schwäche kann das für die Lichtumwandlung entscheidende Protein "Opsin" für die rot- und grün-empfindlichen Zapfen nur zum Teil gebildet werden. Das führt dazu, dass Licht dieser Wellenlängen die verantwortlichen Rezeptoren nur sehr reduziert aktiviert. Im Gehirn kommt daher an, dass im visuellen Feld nur sehr wenig rot und grün vorhanden ist.
Die Anzahl der Zapfen ist übrigens nicht gleichmäßig. Die menschliche Netzhaut enthält ...
- Rot-Zapfen ca. 46%
- Grün-Zapfen ca. 46%
- Blau-Zapfen ca. 8%
Brille gegen Rot-Grün-Schwäche
Die Behandlung einer Rot-Grün-Sehschwäche ist nicht möglich, weil sie auf einem genetisch bedingten Defekt der Rot- bzw. Grünzapfen basiert. Da diese nun mal degeneriert sind, kann es auch keine Brille geben, um eine Rot-Grün-Schwäche zu korrigieren. Aber: die kanadische Firma Enchroma bietet seit 2014 eine spezielle Brille an, mit der man die Rot-Grün-Schwäche zumindest teilweise "überlisten" kann.
Diese sog. Rot-Grün-Brille funktioniert im Prinzip wie eine Sonnenbrille: das Brillenglas filtert einen großen Teil des Lichtspektrums heraus, vor allem die Wellenlängen zwischen Rot und Grün. Wenn grünwelliges Licht ins Auge fällt, springen dann nur die (wenigen) Grünzapfen an, bei rotwelligem Licht entsprechend nur die Rot-Zapfen. Dadurch entsteht für viele Menschen ein deutlich farbigeres Bild als sonst.
Die Menschen, die zum ersten mal so eine Rot-Grün-Brille nutzen, sind oft überwältigt. Bei einigen ist es auf Videos dokumentiert:
Die Rot-Grün-Brille von Enchroma kostet ca. 400 Euro, hinzukommen aber noch Zoll- und Versandgebühren (bis zu 100 Euro). Update: inzwischen kann man die Enchroma Brille offenbar nicht mehr bei Amazon bestellen. Aber es gibt eine gute und zudem wesentlich günstigere Alternative: die Rot-Grün-Brille von Pilestone ( direkt bei Amazon ansehen* ).
Man sollte beachten, dass man sie nur bei hellem Tageslicht bzw. Sonnenlicht wirklich gut nutzen kann. Wenn das Licht zu schwach ist (z.B. im Gebäude bei Kunstlicht oder bei starker Bewölkung), ist der Effekt nicht so groß.
Farbsehtests zum Ermitteln einer Rot-Grün-Schwäche
Der oben erwähnte Augenarzt Ishihara Shinobu hat einen Farbsehtest entwickelt, mit dem man relativ zuverlässig eine Rot-Grün-Schwäche diagnostizieren kann. Hier geht es zum Farbsehtest.
Da Kinder (und Analphabeten) die häufig zu erkennenden Zahlen und Buchstaben nicht richtig lesen können, gibt es hier einen Farbsehtest für Kinder.
Siehe auch: Sehtestbilder.de
Weitere Farb-Fehlsichtigkeiten
- Protanomalie (Rotsehschwäche)
- Protanopie (Rotblindheit)
- Deuteranomalie (Grünsehschwäche)
- Deuteranopie (Grünblindheit)
- Tritanomalie (Blausehschwäche)
- Tritanopie (Blaublindheit)
Hier noch ein unterhaltsames Video, das als Zeitraffer zeigt, wie so ein Rot-Grün-Sehtest entsteht: