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Wie sieht die Stadt der Zukunft aus? Wie gestaltet man sie um, damit Menschen auch künftig gerne in den Städten wohnen und arbeiten? Die Rede ist von «Smart Cities», also schlauen Städten. Solche, die die heutigen Bedürfnisse der Bewohner berücksichtigen; sei es bei der Telekommunikation, beim Strassenverkehr oder ganz allgemein beim Zusammenleben. Kerry O’Connor sieht in diesem Bereich noch Handlungsbedarf, lobt aber die Schweiz.
Kerry O’Connor
Expertin für Innovation
Kerry O'Connor ist Chief Innovation Officer der US-amerikanischen Stadt Austin in Texas und «Smart Cities»-Expertin.
SRF News: Was ist die Definition vom «Smart Cities»?
Kerry O'Connor: Ideal finde ich eine Definition der Internationalen Organisation für Normung in Genf. Demnach ist eine «Smart City» eine Stadt, die belastbarer und nachhaltiger wird, indem sie die Bevölkerung mit einbezieht, über verschiedene Behörden zusammenarbeitet sowie Daten und Technologie nützt, um die Lebensqualität aller zu verbessern.
Können Sie uns ein konkretes Beispiel nennen?
Nehmen Sie Austin, die elftgrösste Metropole der Vereinigten Staaten. Wir wachsen sehr schnell, jedoch wird es teuer, in der Stadt zu leben. Wir haben wegen des grossen Verkehrsaufkommens viele verstopfte Strassen, der Westteil der Stadt ist reich, der Osten hingegen arm.
Eine «Smart City» wäre nicht so aufgestellt. Wenn wir beispielsweise die Verkehrslage verbessern wollen, müssen wir die Stadt, die Gemeinde, den Staat und Private an einen Tisch bekommen, um Wege zu finden, wie wir den Verkehr besser managen oder fahrerlose Fahrzeuge integrieren.
Aber das ist sowieso die Aufgabe einer Stadt. Ist «Smart Cities» eine neue Bezeichnung für eine alte Aufgabe?
Ja, es ist ein Label, mit dem wir eine Entwicklung oder einen Prozess zu beschreiben versuchen. Es ist vergleichbar mit der Zeit, als die Städte zum ersten Mal elektrischen Strom erhielten. Das war ein grosser Schritt und hatte ebenfalls Folgen, an die damals niemand gedacht hatte.
Die Infrastruktur der Vereinigten Staaten steht regelmässig in der Kritik. Wie baut man in einem solchen Zustand eine schlaue Infrastruktur?
Wir müssen neue Finanzquellen erschliessen. Zum Thema Mobilität: ein grosser Teil der Infrastruktur wird heute durch eine Benzinsteuer finanziert. Das reicht vermutlich nicht, um damit auch noch die Infrastruktur von Morgen zu bauen. Da muss in Washington eine Lösung gefunden werden.
Das Geld ist nur eine der Herausforderungen.
Auf lokaler Ebene können wir aber viele Dinge auch schon jetzt tun. Wir haben Glasfasernetze, viele Daten über Verkehrsverläufe und wissen auch, wie der Verkehr umgeleitet werden kann, um Staus zu reduzieren. Wir arbeiten mit privaten Firmen wie Uber und Lyft zusammen um zu verstehen, wie die Leute von A nach B kommen.
Ist das Geld das grösste Problem? Oder gibt es weitere Schwierigkeiten?
Das Geld ist nur eine der Herausforderungen. Man muss sich überlegen, wie Private und der Staat bei den Projekten zusammenarbeiten und welche Firmen ausgewählt werden. Zudem muss der Datenschutz in den USA verbessert werden, der nicht mit jenem in Europa vergleichbar ist.
«Smart Cities» oder Ideen für «Smart Cities» gibt es auf der ganzen Welt, auch hier in der Schweiz. Wie gut sind wir da aufgestellt?
Die Schweiz ist gut unterwegs. In Austin ist der grösste Teil des Verkehrs auf das Auto ausgerichtet. Ich bewundere das ÖV-System der Schweiz und würde mir wünschen, dass wir auch so etwas hätten. Die Schweiz muss sich nicht verstecken. Estland ist ebenfalls ein Vorbild. Der baltische Staat ist bei den digitalen Dienstleistungen sehr weit fortgeschritten.
Das Gespräch führte Beat Soltermann.