Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03381.jsonl.gz/120

Welche Fructose-Unverträglichkeit gibt es?
Unterschieden wird die
- Fructose-Malabsorption, oft auch intestinale Fructoseintoleranz oder Fruchtzuckerunverträglichkeit genannt, und die
- hereditäre Fructose-Intoleranz (HFI).
Gibt es überhaupt Fructoseintoleranz oder ist dies eine normale, gesunde Reaktion des Körpers auf zu viel Fructose?
Es gibt neuere Forschungen, die einen Zusammenhang von hoher Zuckeraufnahme und Stoffwechselstörungen allgemein beweisen - unabhängig vom Krankheitsbild "Fructoseintoleranz". Schuld könnte laut der Studien die im Kristallzucker gebundene Fructose sein (Kristallzucker besteht zur Hälfte aus Fructose und Glucose): Fructose wird, das ist seit langem bekannt, völlig anders verstoffwechselt als ihr weniger süßer Partner im Saccharose-Molekül, die Glucose (Traubenzucker): Während der Körper die Glucose direkt als Energielieferant verwerten kann, muss die Fructose zwingend in der Leber umgebaut werden - und deren Kapazität ist begrenzt. Bekommt die Leber es ständig mit mehr Fructose zu tun, als sie verarbeiten kann, reagiert sie ähnlich wie bei einem Zuviel an Alkohol, mit weitreichenden Folgen für den Stoffwechsel. Regelkreise zur Insulinausschüttung und zur Fetteinlagerung können aus dem Tritt kommen mit der Folge von Adipositas; die Leber selbst kann bei extremer Überlastung mit einer Fettleber bis hin zur Leberzirrhose reagieren. Wir würden nicht so weit gehen, plakativ zu sagen "Zucker ist Gift", wie das verschiedene Wissenschaftler tun. Wenn man aber einige der entsprechenden Studien liest, könnte man durchaus zu dieser Meinung gelangen, denn die Dosis macht das Gift: Für die heutige extrem hohe Fructoseaufnahme scheint der Körper prinzipiell nicht ausgelegt zu sein.
Könnte es sein, dass es zwischen einer hereditären Fructose-Intoleranz (Fructose-Verarbeitungskapazität der Leber von unter 1g pro Tag) und der Norm-Fructose-Verarbeitungskapazität der Leber (die Quellen sprechen von 25g/Tag) jede Abstufung individueller Fructose-Verarbeitungskapazitäten der Leber gibt? Könnte es sein, dass Fructosemalabsorption eine gesunde Reaktion des Körpers auf ein Zuviel an Fructose ist - er verweigert die Aufnahme, um sich nicht zu schädigen?
Die Fructosemalabsorption beruht vermutlich auf einem defekten Transportsystem für Fructose im Dünndarm. Die Kapazität des GLUT-5 Transporters, der dafür sorgt, dass die über die Nahrung aufgenommene Fructose resorbiert wird, ist erworbenerweise oder auch angeborenerweise vermindert. Dies führt zu zwei Hauptbeschwerden: Erstens sammelt sich durch Osmose Wasser im Dünndarm, und es entstehen Durchfälle, da die Flüssigkeit vom Dickdarm nicht mehr resorbiert werden kann. Zweitens wird die Fructose im Dickdarm bakteriell abgebaut, es entstehen kurzkettige Fettsäuren und Gase, die verschiedene Beschwerden wie Flatulenz, Blähbauch und Kopfschmerzen hervorrufen. Oft wird eine Fructose-Malabsorption genau wie andere Kohlenhydrat-Malabsorptionen (z.B. Lactose-Malabsorption) als Reizdarm-Syndrom (RDS) fehldiagnostiziert.
Die Diagnose einer Fructose-Malabsorption erfolgt einfach und schmerzlos durch den H2-Atemtest. (Achtung! Bei Verdacht auf HFI ist der H2-Atemtest mit hohen Risiken verbunden, siehe unten).
Therapiert werden kann die Fructose-Malabsorption momentan nicht, Betroffene müssen eine fructosearme, in schweren Fällen auch fructosefreie Diät halten.
Die hereditäre Fructoseintoleranz (HFI) ist eine sehr seltene, angeborene Störung des Fructosestoffwechsels, die zu schweren Leber- und Nierenschädigungen und zu Hypoglykämien führt. Patienten mit HFI werden nach Aufnahme von Fructose klinisch auffällig, meist schon im ersten Lebensjahr bei der ersten Aufnahme von Beikost. Viele Betroffene, aber keineswegs alle, haben eine natürliche Aversion gegen Süßes, Obst und Gemüse, was sie vor der Aufnahme von Fructose schützt. Im Gegensatz zur Fructose-Malabsorption genügt bei der hereditären Fructoseintoleranz eine fructosearme Diät nicht, es muss streng fructosefrei gegessen werden.
Bei einem Verdacht auf HFI muss vor der Belastung eines H2-Atemtests gewarnt werden, da bei HFI-Patienten während des Fructose-Belastungstests schwere hypoglykämische Reaktionen auftreten können.
Diagnostiziert werden kann eine hereditäre Fructoseintoleranz u.a. durch eine molekulargenetische Untersuchung auf die 3 häufigsten Mutationen des Aldolase B-Gens (A149P, A174D und N334K).
Zu verbotenen und erlaubten Zuckern bei Fructoseintoleranz siehe > Zuckerarten.