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Der Bundesstaat Tocantins ist Lebensraum für 7 verschiedene Indianervölker:
Karajá, Apinajé, Krahô, Xerenté, Xambioá, Javaé und Avá-Canoeiros. Insgesamt um die 5.300 Indios leben innerhalb des staatlichen Territoriums, das eine Gesamtfläche von 2.171.028 Hektar darstellt.
Die KARAJÁ-Indianer
Dieses ehemals sehr zahlreiche Volk, welches schon seit 1920 mit den Siedlern, Farmern, Jägern und Goldsuchern in der Araguaia-Region friedliche Kontakte pflegte, hat durch denselben Kontakt auch sehr viele Opfer bringen müssen, besonders die von den Zivilisierten eingeschleppten Krankheiten dezimierten ihr Volk enorm. Das gleiche geschah auch mit vielen anderen Indianervölkern Brasiliens, die ihre Ahnungslosigkeit und natürliche Gastfreundschaft mit Epidemien, ausgelöst durch so genannte
Zivilisationskrankheiten, bitter bezahlen mussten. Erst mit der Einführung einer Indianerschutz-Organisation von Seiten der brasilianischen Regierung, die sich SPI (Serviço de Proteção aos Índios) nannte – Initiator und Gründer war der legendäre Marschall Candido Rondon, selbst ein Halbindianer – wurden den Indianern Brasiliens erstmals im Grundgesetz verankerte Menschenrechte eingeräumt, ihre Wohngebiete in unter SPI-Schutz gestellte Reservate verwandelt und ein medizinisches Versorgungsprogramm entwickelt, deren Ärzte und Zahnmediziner mit Hilfe der brasilianischen Luftwaffe (Força Aérea Brasileira – kurz FAB) regelmässig in die einzelnen Reservate geflogen wurden.
Ein Korruptionsskandal, in den zahlreiche hohe Funktionäre verwickelt waren, war dann das Ende des SPI, der in die FUNAI (Fundação Nacional do Índio) umgewandelt wurde, deren Statuten vor allem auch den Indianern selbst erweiterte Menschenrechte einräumten: während sie, zum Beispiel, unter dem SPI als “unmündige Individuen”, ohne Recht auf Personalausweis und Selbstbestimmung, in dem ihnen zugeteilten Lebensraum verharren mussten – als lebende Ausstellungsstücke, sozusagen – hob die FUNAI diese menschenverachtenden Bestimmungen auf. Ein ganz neues Indianerschutz-Programm wurde geschaffen, in dem der Indianer vor allem als mündiger Staatsbürger rehabilitiert wurde, mit allen Rechten und Pflichten eines solchen.
Heute “verharren” Indianer in ihren, ihnen als Privateigentum überschriebenen Reservaten, weil sie stolz auf ihre angestammte Kultur und eigenen gesellschaftlichen Werte sind und in diesen ihre persönliche Lebensqualität finden. Andere, meist die jüngere Generation, sucht den Anschluss an die Zivilisation – besucht Schulen und Universitäten der Städte. Heute sind für sie diese Lebensarten kein Hindernis mehr. Brasília hatte sogar einmal einen “Minister für Indianerfragen”, einen Xavante-Indianer mit Namen Mario, der allerdings in Ungnade fiel, als er den “Weissen” mit einem Tonbandgerät zu beweisen versuchte, wie viele Versprechungen sie machten und dann nicht einhielten!
Zurück zu den Karajá. Sie gehören zum linguistischen Stamm “Macro-Jê” – Sprachfamilie nicht klassifiziert – und unterteilen sich in Karajá, Javaé und Xambioá. Selbst bezeichnen sie sich als “Iny”. Alle drei Untergruppen besitzen ähnliche Sitten und Gebräuche und sprechen einen gemeinsamen Dialekt. Der “Indianerpark vom Araguaia” (Parque Indígena do Araguaia) mit einer Fläche von 1.600 Hektar, auf der grössten Flussinsel der Welt, der “Ilha do Bananal” (20.000 km2), besitzt allein eine Bevölkerung von 2.922 Eingeborenen, unter denen die Karajá die grösste Zahl stellen, neben Javaé und ein paar “Avá-Canoeiro”. Letztere wurden erst um 1980 in der Region von Nord-Goiás entdeckt, 30 bis 40 heruntergekommene Individuen, immer auf der Flucht vor den berittenen “Vaqueiros” der Viehfarmen, in deren Waldstücken sie sich versteckten und von deren Rindern sie sich heimlich ernährten.
Als die FUNAI sie während einer regelrechten Menschenjagd einfing – unter Leitung des damaligen “Indigenista Apoena Meirelles”, ging das nicht ohne Blutvergiessen ab, diesmal auf Seiten der Jäger: einer der erschreckten, aufgescheuchten Canoeiro-Männer schoss einem Xavante-Indianer, der die Jäger als Fährtensucher begleitete, mit einem Pfeil die Nase ab. Nur mit Mühe konnten die Jäger den Bruder des Verletzten davon abhalten, sich nun seinerseits auf den eingefangenen Canoeiro zu stürzen, um ihn zu töten. Der Schwerverletzte Xavante wurde mit einem herbeigerufenen Helikopter ins nächste Krankenhaus geflogen und die sorgfältig in Blätter eingewickelte Nase wieder angenäht. (Klaus D. Günther, der als Fotograf des Magazins “MANCHETE” persönlich dabei war.)
Heute hat man die Avá-Canoeiro im Indianerpark der Bananal-Insel angesiedelt. Die einzigen Indianer Brasiliens, deren Männer Vollbärte tragen. Sie sind ausserdem von wesentlich dunklerer Hautfarbe als die meisten anderen Stämme und ihre Sprache ist den Linguistikern der FUNAI immer noch ein Rätsel. Sie gelten allgemein als wesentlich primitiver als die mit ihnen den Lebensraum teilenden anderen Indianer, die sich von der Jagd, ein bisschen Ackerbau zum Eigenbedarf und hauptsächlich vom Fischfang ernähren.
Dieses Volk gehörte einmal der Eingeborenengruppe Timbira an, welche ursprünglich in der Gegend des heutigen “Carolina”, im Bundesstaat Maranhão, zuhause war. Auseinander gerissen, durch fortwährende Kämpfe um ihr angestammtes Land und Wohngebiet, gingen aus ihnen die Untergruppen Xerente, Xavante, Krahô, Apinajé und noch andere hervor. Was Wunder, dass diese Neugruppierungen sich in unzugänglichere Gebiete zurückzogen und diese nun über jahrzehntelang blutig gegen alle weissen Eindringlinge verteidigten.
Die Xerente leben inmitten des Bundesstaates Tocantins. Ihr Reservat hat eine Fläche von 183.542 Hektar, in dem heute 1.546 Personen, verteilt auf 29 Dörfer, leben. Immer noch feiern sie ihre eigenen Feste – bemalen ihre Körper, veranstalten jenen interessanten Stafettenlauf, bei dem ein Stück Palmstamm von der Grösse eines Bierfasses, abwechselnd von den jungen Kriegern über eine Strecke von mehreren Kilometern rennend getragen wird. Zwei Teams rennen, mit jeweils dem etwa gleichen Gewicht eines Palmstamms, um die Wette – nackt und barfuss. Und dann tanzen sie in der Mitte des Dorfplatzes – Tage und Nächte – und das rhythmische Stampfen der nackten Füsse auf dem harten Lehmboden erschreckt die Affen und die Vögel in den umliegenden Bäumen. Sie ernähren sich vom Ackerbau für den eigenen Bedarf, ihrem Kunstgewerbe und der Jagd. Jagdbare Tiere allerdings sind im Reservat schon selten geworden.
Sie gehören zum linguistischen Stamm Macro-Jê und sind, wie die Xerente und die Krahô, aus den Timbira hervorgegangen. Dieses Volk fällt besonders durch seine kreisrund angelegten Dorfkonstruktionen auf und durch seine, in ihrer ganzen Originalität erhaltenen Wettläufe – in denen, wie bei allen “Jê-Stämmen”, der Palmstamm eine besondere Rolle spielt. Überhaupt ist ihre Kultur eine der besterhaltensten und gepflegt von der Mehrheit der Mitglieder des Stammes.
Sie leben im Munizip Tocantinópolis, im extremen Norden des Bundesstaates, mit einer jetzt wachsenden Zahl von 730 Personen. Ihr Reservat besitzt eine Fläche von 141.904 Hektar. Sie ernähren sich vom Sammeln der Babaçú-Palmnuss, ein bisschen Ackerbau zur Selbstversorgung und ihrem Kunstgewerbe.
Gehören ebenfalls dem linguistischen Stamm Macro-Jê an, aus der Familie Jê, der Timbira-Sprache mit Dialekt Krahô. Die Sprachfamilie Jê beinhaltet Indianersprachen, welche in Maranhão, Pará, Goiás, Mato Grosso, Mato Grosso do Sul, São Paulo, Paraná, Santa Catarina und Rio Grande do Sul gesprochen wurden und noch werden, von Eingeborenengruppen, die sich unterteilen in Timbira,, Caiapô, Akwen und Kaingang.
Das Reservat der Krahô befindet sich in den Munizipien Goiatins und Itacajá, im Nordosten des Bundesstaates Tocantins. Die Bevölkerung besteht heute aus 1.280 Personen, die sich auf 13 Dörfer verteilen. Das Reservat hat eine Gesamtfläche von 302.533 Hektar, von faszinierender Schönheit der Landschaft. Ein typisches “Cerrado-Ökosystem” geht in eine blau leuchtende Bergkette über, in der es Höhlen und kleinere idyllische Wasserfälle zu entdecken gibt.
Die Krahô leben von der Landwirtschaft, der Jagd und dem Fischfang. Sie sind besonders am Erhalt ihrer originalen Sitten und Gebräuche interessiert – ihre Feste sind ein Augen- und Ohrenschmaus und haben Namen wie: “Wakamye, Katamye”. Sie feiern das Fest der “Kartoffelernte” (gemeint ist die Süsskartoffel), das Sommer- und das Winterfest und ein Fest zum Häuptlingswechsel.
Diese kleine Untergruppe der Carajá, heute gemischt mit einigen Guaraní, lebt mit 280 Personen, in 2 Dörfern, am Ufer des Rio Araguaia, dicht an der Grenze zum Bundesstaat Pará, im Munizip Santa Fé. Sie überleben vom Fischfang, den sie auch verkaufen und vom Ackerbau zum Eigenbedarf. Das ihnen zugeteilte Reservat hat eine Fläche von 3.263 Hektar.