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Forschung im Hochgebirge: Strahlung und medizinische Auswirkungen der Höhenluft
Der Gedanke, in Davos ein Forschungsinstitut zu errichten, geht auf Dr. Carl Turban zurück, der diese Idee bereits im Jahre 1905 vertrat und einen entsprechenden Antrag an den Davoser Ärzteverein richtete. Sein Wunsch wurde jedoch erst 1922 verwirklicht, als in Davos das Institut für Hochgebirgsphysiologie und Tuberkuloseforschung in Form einer Stiftung gegründet wurde.
In der Zwischenzeit hat Dr. Carl Dorno, Begründer der Strahlungsklimatologie, im Jahre 1907 ein Observatorium, die Keimzelle des heutigen Physikalisch-Meteorologischen Observatoriums Davos (PMOD) eingerichtet und mit eigenen Mitteln betrieben. Dorno hatte sich zum Ziel gesetzt, das Davoser Klima und seine Heilwirkung zu ergründen. 1926 wurde das Observatorium Teil des Instituts für Hochgebirgsphysiologie und Tuberkuloseforschung. Die Stiftung unterschied zwei voneinander getrennte Abteilungen, das Physikalisch-Meteorologische Observatorium Davos (PMOD) und die Medizinische Abteilung, Vorgängerin des heutigen Schweizerischen Instituts für Allergie- und Asthmaforschung (SIAF).
Das PMOD leitete Dornos Nachfolger, Dr. Walter Mörikofer, fast 38 Jahre lang. Mörikofers über grosse Zeiträume mit verschiedenen Instrumenten ausgeführte vergleichende Strahlungsmessungen hatten dazu beigetragen, die Messmethoden zu vereinheitlichen und für die Strahlungsstationen weltweit gleiche Vorschriften und Einheiten einzuführen.
1964 wurde von der World Meteorologic Organisation erwogen, ein Weltstrahlungszentrum zu errichten. In Verhandlungen mit der Schweizerischen Meteorologischen Anstalt und der Eidgenossenschaft wurde angeregt, das Davoser Observatorium sollte als Weltstrahlungszentrum und als Beitrag der Schweiz zum Welt-Wetterbeobachtungsprogramm dienen. Nach langwierigen Beratungen entschloss sich der Bundesrat, den Aufbau des Weltstrahlungszentrums in Davos zu unterstützen und das Institut fortlaufend mit Betriebsmitteln zu versehen. Mit der Unterstützung durch den Bund wurde 1975 das alte Schulhaus in Davos Dorf gründlich renoviert und Ende 1976 bezogen.
Um die Resultate ihrer Messungen zu ermöglichen und zu verbessern, haben die Physiker am PMOD ihre Messinstrumente aus dem Dunstkreis der Erde entfernt und der Sonne nähergebracht. Ab 1979 wurde mit Stratosphärenballons und Raketen experimentiert und Erfahrungen mit Weltraum-Insrumenten gesammelt. Das erste echte Weltraumexperiment zur Erforschung der Sonne wurde vom PMOD mit Hilfe der russischen Missionen PHOBOS I und II, die den Marsmond Phobos erreichen sollten, im Juli 1988 gestartet. Auch an EURECA, der europäischen Weltraumplattform, die im Juli 1992 gestartet wurde, ist das Institut aus Davos beteiligt. Der Satellit wurde Ende Juli 1992 mit der Atlantis-Raumfähre in die Umlaufbahn gebracht und vom Schweizer Astronauten Claude Nicollier ausgesetzt.
Auch die Medizinische Abteilung des Instituts für Hochgebirgsphysiologie und Tuberkuloseforschung hat sich rasant weiterentwicklen können: Ende der 1950er Jahre wurde klar, dass für das Tuberkulose-Forschungsinstitut eine neue Zweckbestimmung zu kreieren war. Im Dezember 1960 kam es zu einer aus heutiger Sicht denkwürdigen Sitzung des zuständigen Stiftungsrats im Bahnhof in Zürich. Der Tagungsort wurde gewählt, weil zu der Sitzung die Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats, der sich aus Professoren der Universitäten von Bern und Zürich zusammensetze, geladen waren. Die neuen Themen lagen buchstäblich in der Luft, boten aber wissenschaftliches Neuland. Ein Grundgedanke beruhte auf der alten Erfahrung, dass Kranke mit allergischem Asthma im Hochgebirge oft völlig beschwerdefrei wurden. Diese Neuorientierung wurde nach langen Diskussionen und dank Zusagen für Forschungsmittel von der Industrie und der Gemeinde Davos auch tatsächlich umgesetzt. Das hiess, das man der „apparativen Ausstattung und der modernen Kurortentwicklung“ Rechnung tragen wollte und die zukünftige Forschung auf Allergien und asthmatischen Leiden ausrichtete. Somit entstand das Schweizerische Institut für Allergie- und Asthmaforschung (SIAF).
Schnee- und Lawinenforschung
Bis anfangs des 20. Jahrhunderts widmeten sich vor allem einzelne Personen – oft Förster – dem Problem der Lawinen. So entstanden bereits einzelne Werke über Lawinen und Lawinenverbau. Vertreter des Skitourismus, der Verkehrsbetriebe und der Wasserkraftwerke forderten ab den 1920er Jahren verstärkt wissenschaftliche Methoden zur Erforschung der Lawinen und unterstützten 1931 die Gründung der Kommission für Schnee- und Lawinenforschung.
Schon bald wurde den Kommissionsmitgliedern jedoch klar, dass es nicht genügte, sich im Sommer mit Lawinen auseinanderzusetzen, sondern dass sie den Schnee im Winter beobachten und in seiner Struktur bis hin zur mikroskopischen Ebene der Schneekristalle verstehen mussten. Zu diesem Zweck bauten sie 1935 in Davos ein erstes Laborgebäude aus Schnee. Da bei Wärmeeinbrüchen nicht nur die Experimente, sondern gar die Behausung dahinzuschmelzen drohte, erstellten sie im darauf folgenden Winter auf dem Weissfluhjoch, mitten im Lawinengebiet, eine Forschungsstätte aus Holz und errichteten ein Versuchsfeld. Dort arbeitete die Kommission, bis 1942 auf Beschluss des Bundesrates das Eidg. Institut für Schnee- und Lawinenforschung gegründet wurde. Bereits ein Jahr später, im April 1943, konnte das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF sein neues Institutsgebäude auf dem Weissfluhjoch offiziell einweihen.
Von der experimentellen Chriurgie zur Knochenheilung
Dr. Martin Allgöwer, 1958 noch Privatdozent und Chefarzt der Chirurgischen Abteilung am Kantonsspital Chur, suchte für seine Forschungen in experimenteller Chirurgie geeignete Räume. Da die „Villa Fontana“ des Schweizerischen Forschungsinstituts für Hochgebirgsklima und Medizin Davos leerstand, konnte man Dr. Allgöwer vier Räume zur Verfügung stellen, wo er seine Arbeiten mit der mit anderen Schweizer Chirurgen ins Leben gerufenen Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen (kurz AO) fortsetzte. 1967 wurde der damalige Direktor, Herbert Fleisch, als Ordinarius für Pathophysiologie nach Bern berufen, wohin ihm viele Akademiker, die in Davos tätig waren, folgten. Stefan M. Perren wurde im gleichen Jahr die Leitung des Davoser Instituts übertragen, wo er gemeinsam mit einem kleinen verbliebenen Teil der Belegschaft den Schwerpunkt der Forschung des AO-Zentrums auf die Biologie und die Biomechanik des Knochens sowie der Knochenheilung verlagerte. Unter Prof. Dr. Perren wurde das Laboratorium für experimentelle Chirurgie, wie es früher genannt wurde, eine durchorganisierte, multidisziplinäre Forschungsstätte mit allen Möglichkeiten für die erforderlichen Experimente, Untersuchungen, Prüfungen und Kontrollen.
Quellen:
Christian Virchow, Forschungsinstitute in Davos und ihre heutigen Aufgaben, in: Ernst Halter (Hrsg.), 1997: Davos, Profil eines Phänomens
WSL-Insititut für Schnee- und Lawinenforschung SLF: http://www.slf.ch/ueber/geschichte/anfaenge_lawinenforschung/index_DE
Dania Achermann, 2009: Die Schnee- und Lawinenforschung in der Schweiz. Lizenziatsarbeit.