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Das Wichtigste in Kürze
- Forscher haben einen neuen Vorschlag zur Klimawende entwickelt.
- Die Kraftwerke sollen voll ausgelastet werden und so einen schnellen Wechsel ermöglichen.
- Es soll dadurch in Solaranlagen und andere erneuerbare Energien investiert werden.
Es klingt eigentlich kontraintuitiv: Wenn die Welt die fossilen Kraftwerke voll auslasten würde, wäre die Energiewende in fünf Jahren abgeschlossen. So liesse sich das 1,5-Grad-Ziel mit einer 80-prozentigen Wahrscheinlichkeit einhalten. Das geht aus einer Modellierungsstudie der Empa-Forscher Harald Desing und Rolf Widmer hervor.
Zum Vergleich: Bei den optimistischen Transitionspfaden des Weltklimarats IPCC liegen die Chancen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, bei 50 Prozent. Dies teilte die Empa am Donnerstag mit.
Desing und Widmer erstellten eine «Zwei-Maschinen-Welt», um zu berechnen, wie die Energiewende mit den geringst möglichen kumulierten Treibhausgasemissionen gelingen könnte. In der vereinfachten Welt gibt es zum einen die «fossile Maschine», zum anderen die «solare Maschine».
Es braucht viel Startenergie
Um das Energiesystem umzukrempeln, braucht es zunächst allerdings Energie, um die solaren Maschinerie hochzufahren. Am allerschnellsten und auf lange Sicht am emissionsärmsten gelingt dies, wenn die fossilen Kraftwerke für fünf Jahre auf Hochtouren laufen. Dies berichteten die Forscher in den «Environmental Research Letters».
Die fossilen Kraftwerke laufen heute nur auf etwa 60 Prozent. Die verbleibenden 40 Prozent könnten genutzt werden, um die Solar-Maschine zu bauen. Nach dem Umbau könnte die fossile Maschine für immer abgestellt werden.
Würde man hingegen versuchen, die solare Welt ausschliesslich mit Erneuerbaren zu erschaffen, würde die Transformation fünf- bis zehnmal länger dauern. Die Konsequenz: Die Welt bliebe viel länger abhängig von den Fossilen und die kumulierten Emissionen lägen höher.
Die Energiewende wäre machbar
Natürlich bildet das Modell der Forscher nur ein Puzzlestück der Transformation ab: Nämlich die Gewissheit, dass die Wende energetisch zumindest machbar wäre. Die Frage nach genügend Rohstoffen war nicht Gegenstand der vorliegenden Studie. Es ging auch nicht um Fabriken für den Bau der Solaranlagen oder Speichertechnologien, um die Spitzen der Erneuerbaren zu glätten.
Während einer schnellen Transformation steht kaum überschüssige Energie zur Verfügung, um Technologien zu bauen und zu betreiben. Diese würden der Atmosphäre CO2 entziehen, darauf weisen die Forscher in ihrer Studie hin.
Diese dritte Maschine - die «Aufräum-Maschine» - könnte anschliessend aber helfen, die CO2-Konzentration auf 350 ppm zu senken. «Was als sicheres Niveau für ein bewohnbares Klima gilt», schreiben die Forscher. Heute liegt die CO2-Konzentration bei über 410 ppm.