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Der von Paul Lüty als Doppelsitzer für die Kunstflugschulung konstruierte Ly-542-K Stösser flog erstmals 1955. Gebaut wurde das einzige Exemplar bei Ahrens Sportflugzeugbau in Krefeld. Für seine Zeit war der Stösser ein sehr fortschrittliches Flugzeug, das sich aber aufgrund seiner aufwändigen Bauweise und Mängeln in den Flugeigenschaften nicht durchsetzen konnte.
Bei einer Spannweite von knapp 13 m und einer maximalen Flugmasse von rund 500 kg war die Flächenbelastung des Stösser mit über 35 daN/m²
für damalige Verhältnisse sehr hoch. Alle Ruder sind massenausgeglichen und die Höchstgeschwindigkeit war anfangs mit 410 km/h angegeben, wurde später aber auf 300 km/h
reduziert. Der auf der Oberseite voll mit Sperrholz beplankte Flügel hat Schempp-Hirth-Bremsklappen und an der Flügelnase eine negative Pfeilung von 5 Grad. Die Holmgurte
sind aus Buchenschichtholz (TBu 20) wie bei der Lo 100.
Das Flugzeug ist nach den Bauvorschriften von 1939 in der höchsten Beanspruchungsgruppe (3) ausgelegt.
Eine Besonderheit des Stösser waren die mit 10 cm Tiefe extrem schmalen Querruder, die aber einen Ausschlag von fast 60° hatten.
Lüty versuchte ein u.a. von dem Schweizer Aerodynamiker Fritz Dubs 1953 beschriebenes System zur Grenzschichtabsaugung zu realisieren. Die Idee war, die turbulente Grenzschicht aus dem Querruderspalt abzusaugen. Man erhoffte sich davon einen reduzierten Widerstand und trotz der minimalen Querrudertiefe eine akzeptable Rollwendigkeit. Dazu dienten Schlitze an der Oberseite des Flügelendes, von denen Kanäle zu den Querrudern führten. Da oben am Flügelende im Flug ein grosser Unterdruck herrscht, sollte so durch die Druckdifferenz die Grenzschicht ohne äussere Energiezufuhr abgesaugt werden.
In einer russischen Veröffentlichung von 1955 fand ich die schematische Darstellung dieser Idee.
Leider funktionierte dieses System nie richtig. Die Querruderwirkung des Stösser war generell ungenügend und bei geringer Fahrt praktisch null. Beim Windenstart war das kein Problem. Um aber beim F-Schlepp-Start keine Fläche abzulegen, musste man mit kräftigen Seitensteuerausschlägen nachhelfen.
Seit dem Erstflug 1955 hatte der Stösser eine ausgesprochen bewegte Geschichte. Er ging von Hand zu Hand, und weil damals die Kennzeichen der deutschen
Segelflugzeuge vom Bundesland abhängig waren, flog er unter vier verschiedenen Immatrikulationen. Zuerst als D-5440, später D-0026 und D-7128. In den 1970ern
gehörte er als D-5500 der IGK (Interessengemeinschaft Kunstflug) von Heinz Clasen und war meistens auf dem Militärflugplatz Nörvenich bei Kerpen
stationiert. Bei der DM 1979 flog ein Pilot mit dem Stösser im Nachwuchswettbewerb mit. Danach ging er für einige Zeit zum LSV Pinneberg bei Hamburg. Damals
waren grössere Reparaturen und Änderungen erforderlich, bevor man überhaupt wieder damit fliegen konnte. Unter anderem ersetzte man die Kufe durch ein
Zwillingsrad vor dem Schwerpunkt und erneuerte einen Teil der Rumpfbeplankung.
Hier ein Bild vom August 1989 (mit dem typisch norddeutschen Sommerhimmel):
Foto © Hans-Jürgen Sählandt
In den Jahren 1995 bis 2000 hat Joachim Beh in Esslingen den Stösser von Grund auf restauriert und umgebaut. Heraus kam ein praktisch neues
Flugzeug.
Alle Beschläge wurden erneuert und eine neue, zweiteilige Kabinenhaube angepasst. Und vor allem bekam der Stösser endlich richtige Querruder: J. Beh verpasste ihm Frise-Querruder à la Swift / Fox. Das Resultat ist ein "Fox aus Holz". Die Rollrate verbesserte sich auf hervorragende 5s / 360°.
Foto © Henk Miedema
Ende 2004 verkaufte Joachim Beh den verjüngten Oldtimer an eine Gruppe von Kunstflug-Enthusiasten am Flugplatz Blomberg (EDVF).
Den Beweis für seine guten Kunstflugeigenschaften erbrachte der "neue" Stösser beim Salzmann Cup im Mai 2005 in Ziegenhain: Mirko Mattke siegte in der Aufsteigerklasse (heute Advanced) gegen 11 Konkurrenten auf Swift und Fox. Sein Vereinskollege Stefan Koprek belegte mit dem Stösser Platz 6.
Inzwischen hat der Stösser in Hayingen auf der Schwäbischen Alb einen neuen "Horst" gefunden. Hayingen hat sich in den letzten Jahren unter der engagierten Führung von Udo Markert zum wichtigsten Zentrum für den Segelkunstflug in Baden-Württemberg entwickelt.
Technische Daten
|Spannweite||12,9 m|
|Flügelfläche||14,0 m²|
|Profil||Gö 549 mod.|
|Länge||7,8 m|
|Leermasse||342 kg|
|max. Flugmasse||502 kg|
|Manövergeschwindigkeit VA||200 km/h|
|Höchstgeschwindigkeit VNE||300 km/h|
|beste Gleitzahl||26 bei 88 km/h|
|geringstes Sinken||0,9 m/s bei 80 km/h|
Quelle: LBA-Kennblatt Nr. 202/SP vom 30.12.2004
Stand, 12-2016