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Der nordafrikan. Staat erlangte 1956 seine Unabhängigkeit, nachdem er ab 1912 ein franz. Protektorat gewesen war. Die Beziehungen zwischen der Schweiz und M. gehen auf den Solddienst in Spanien zurück: Im 18. Jh. standen Schweizer Regimenter in versch. Feldzügen gegen den Sultan im Einsatz. Im 20. Jh. dienten Schweizer als franz. Fremdenlegionäre in M. Schweizer Kaufleute liessen sich ab Ende des 19. Jh. in Tanger (1923-56 internat. Zone, 1940-45 von Spanien besetzt) nieder und stellten sich unter den diplomat. Schutz der Grossmächte.
1906 entschied die Konferenz von Algeciras (Spanien), dass die Klagen gegen die künftige Nationalbank M.s in letzter Instanz vom Schweizer Bundesgericht beurteilt werden sollen. Zudem wurde die Organisation der marokkan. Polizei einem vom Bundesrat ernannten Generalinspektor anvertraut: 1907-11 erfüllte Armin Müller in Tanger diesen Auftrag zur vollen Zufriedenheit des Sultans sowie Frankreichs und Spaniens.
Im Lauf des 20. Jh. stieg die Zahl der Schweizer, v.a. Kaufleute und Gutsbesitzer, bis 1956 auf rund 2'600 Personen an. 1921 eröffnete die Schweiz in Casablanca ein Konsulat, das 1947 nach Rabat verlegt wurde. Die Wirren 1955-56 beeinträchtigten auch Schweizer Interessen, was die Schweiz aber nicht davon abhielt, am 2.3.1956 die Unabhängigkeit M.s anzuerkennen und in Rabat eine Gesandtschaft (ab 1960 im Rang einer Botschaft) und in Tanger ein Konsulat (1958-68) zu eröffnen. Im Gegenzug errichtete M. im Juli 1959 in Bern eine Gesandtschaft. Da die Schweizer Banken im Kreditgeschäft dem jungen Staat gegenüber zurückhaltend auftraten, verringerte sich die Zahl der in M. lebenden Schweizer. Eine Neuregelung der aus der Zeit des franz. Protektorats stammenden Verträge drängte sich auf; mit dem bilateralen Handelsabkommen von 1957 wurde dieser Prozess in die Wege geleitet. Darüber hinaus leistete die Schweiz techn. Hilfe (u.a. in der Berufsbildung, Milchproduktion, Kartografie) und unterstützte M. in beträchtl. Umfang nach dem Erdbeben von Agadir 1960. Da die Schweiz M. den Ländern mit mittlerem Einkommen zuordnete, wurde es kein Schwerpunktland der Entwicklungszusammenarbeit.
Nach der Unabhängigkeit verstaatlichte M. im Rahmen seiner Agrarreform auch Landwirtschaftsbetriebe in Schweizer Hand, deren Wert Schweizer Experten 1970 auf 10 Mio. Fr. veranschlagten. Die 1967 aufgenommenen Verhandlungen über eine Entschädigung führten 1978 zur Unterzeichnung eines Abkommens, das die Zahlung von 2 Mio. Fr. an die 43 Eigentümer der 5'116 ha verstaatlichten Landes festsetzte.
Zahlreiche Reiseberichte (v.a. von Isabelle Eberhardt und Jacques-Edouard Chable), die ab dem Beginn des 20. Jh. veröffentlicht wurden, zeugen von der anhaltenden Faszination, die M. auf die Schweizer ausübt. Die Zahl der Touristen aus der Schweiz nahm in den 1960er Jahren zu und erreichte in den 80er Jahren jährlich mehrere zehntausend Personen. Die Schweizerkolonie zählte in den 1970er Jahren rund 600 Personen, wobei die meisten in Casablanca lebten, und erneuerte sich ständig dank der Anwesenheit von Projektleitern für Infrastrukturarbeiten (v.a. Staudämme, Elektrifizierung) sowie Mitarbeitern schweiz. Chemieunternehmen und multinationaler Konzerne; 200 hielten sich 1018 Schweizer in M. auf. Aufgrund günstiger Finanzierungsbedingungen, namentlich der von den Bundesbehörden und Handelskreisen ausgehandelten Mischkredite, wuchs das Volumen der schweiz. Exporte an, v.a. im Bereich der Textilmaschinen, der Chemie und der Metallverarbeitung. 1981 stand die Schweiz an vierter Stelle der ausländ. Investoren. 1985 wurde ein bilaterales Investitionsschutzabkommen unterzeichnet. Die Schweiz importiert Kunstgewerbeartikel, Phosphate, Blei, Früchte und Gemüse. Die Zahl der Marokkaner in der Schweiz stieg von rund 1'000 1980 auf 6'607 2006.
Der Konflikt um die Westsahara löste auch in der Schweiz Reaktionen aus. Persönlichkeiten und Bewegungen, die mit den Sahrauis sympathisierten, halfen den Flüchtlingen, fochten die M. gewährten finanziellen Erleichterungen an und verlangten ein Verbot der Kriegsmaterialexporte, die sich in den 1980er Jahren jährlich auf ca. 500'000 Fr. beliefen. Doch das EDA verweigert im Einklang mit der internat. Gemeinschaft die Anerkennung der Unabhängigkeit der Demokrat. Arabischen Republik Sahara und unterstützt die Bemühungen um eine Beilegung des Konflikts.
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– EDA, Dok.
Autorin/Autor: Marc Perrenoud / AHB