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Er war ein alter, weisser Mann, und obendrein ein «Père blanc», ein christlicher Ordensbruder. Im Alter von etwas mehr 20 Jahren kam er nach Tunesien, just zum Zeitpunkt, als das Land seine Unabhängigkeit erlangte. 65 Jahre lang blieb er seiner Wahlheimat treu – bis zu seinem Tod am 1. Mai 2021. Jean Fontaine war während Jahrzehnten zuerst Leiter der Bibliothek des «Institut des Belles Lettres Arabes» (IBLA), einer einzigartigen Institution, dann verantwortlicher Redaktor der Revue IBLA, die in Tunesien einen hervorragenden Ruf geniesst. Bis kurz vor seinem Tod blieb er publizistisch tätig, engagierte sich für die kleine christliche Gemeinde in der Region von Tunis und für den interreligiösen Dialog. Seine Bescheidenheit war legendär. – Für mich als Journalist war Jean Fontaine eine überaus wertvolle Quelle. Er hatte als Seelsorger Zugang zu Bereichen – etwa zu Gefängnissen – die den meisten Journalisten verwehrt bleiben. Er wusste unglaublich viel über dieses Land, das er so sehr liebte. So erstaunt es nicht, dass ihn regelmässig Botschafter, Forscherinnen und Autoren aus der halben Welt in seiner kleinen Wohnung in Sidi Dhrif aufsuchten. Vor allem in universitären Kreisen hatte Jean Fontaine einen ausgezeichneten Ruf. Entsprechend gross ist die Trauer über seinen Tod. –
In der letzten Aprilwoche hatte ich mit Jean Fontaine ein Treffen vereinbart. Wegen der Pandemie musste die Reise verschoben werden. Ich hatte mich sehr gefreut, Jean wieder zu sehen und mit ihm über Gott und die Welt – und natürlich über Tunesien – zu reden. Adieu, Jean!