Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03537.jsonl.gz/2111

Der Artikel 273 des Zivilgesetzbuches sieht vor, dass Eltern, denen die elterliche Sorge oder Obhut nicht zusteht, sowie das unmündige Kind gegenseitig Anspruch auf angemessenen persönlichen Kontakt haben. Das Kind hat also einen eigenständigen Anspruch auf eine persönliche Beziehung zu beiden Eltern. Der Artikel 274 seinerseits sieht vor, dass der Vater und die Mutter alles zu unterlassen haben, was das Kindesverhältnis zum anderen Elternteil beeinträchtigt oder die Aufgabe der erziehenden Person erschwert.
Das Besuchsrecht vermittelt Anspruch und Pflicht zugleich. In der Praxis ist es schwierig, einen Elternteil zur Ausübung seines Besuchsrechts zu zwingen. Im allerhöchsten Fall schreitet das Kindes- und Erwachsenenschutzgericht ein. Vor allem dann, wenn die Nichtausübung des Besuchsrecht zum Nachteil des Kindes ist. Das Kindes- und Erwachsenenschutzgericht kann den nachlässigen Elternteil nur ermahnen bzw. ihm Weisungen erteilen. Im Extremfall benennt dieses eine Drittperson, der ein Auskunfts- und Informationsrecht zusteht.
Der Inhaber des Sorgerechts (falls dieses zugeteilt wird, in der Regel wird ein gemeinsames Sorgerecht vorgesehen) muss im Rahmen des Möglichen den persönlichen Verkehr zwischen dem Kind und dem anderen Elternteil begünstigen. Er hat schliesslich die Pflicht, den anderen von besonderen Ereignissen im Leben des Kindes zu benachrichtigen und ihn vor wichtigen Entscheidungen im Leben des Kindes anzuhören (Schulresultate, Krankheit, Unfall etc.).
Es ist das Prinzip des Artikels 275a des Zivilgesetzbuches.
Zur Erinnerung: je harmonischer die Sachlage zwischen den Eltern ist, umso eher kann das Kind konstruktive persönliche Beziehungen zu jedem Elternteil entwickeln.
Selbstverständlich betreffen die Streitigkeiten zwischen den Eltern die Kinder nicht, und sie sollten nicht in eine Parteistellung gezogen werden. In der Gegenwart des Kindes sind harte oder verletzende Worte gegenüber dem anderen Elternteil zu vermeiden. Das Kind ist auch keine Informationsquelle, um sich über das Leben und die Aktivitäten des anderen Elternteils zu unterrichten. Kurz, man sollte vermeiden, die Kinder in die bereits schwierige Beziehung und allfällige neue Schwierigkeiten zwischen den Eltern zu verwickeln.
Ganz wichtig ist es, die Kinder nicht in einen Loyalitätskonflikt zu bringen, oder sie zu beschuldigen. Die psychologischen Folgeschäden könnten das Gleichgewicht des Kindes langfristig beeinträchtigen.
Jeder Elternteil hat die Pflicht, eine gute Beziehung des Kindes zum anderen Elternteil zu fördern. Der Elternteil, welcher ein ausgeprägteres Obhutsrecht hat, muss das Kind positiv auf den Besuch beim / vom anderen Elternteil, beispielsweise durch Skype, vorbereiten. Diese Pflicht resultiert aus dem Sorgerecht: die emotionale Beziehung zum anderen Elternteil hat immer eine grosse Bedeutung (ATF 142 III 1).
Besuchsrecht von Dritten (besonders der Grosseltern)
Gegenteilig zu vielen ausländischen Gesetzgebungen, anerkannt das Schweizer Recht praktisch nie ein Recht auf persönlichen Verkehr an Dritte, insbesondere an die Grosseltern mit ihren Enkeln. Gemäss Art. 274a ZGB wird ein solches Recht nur unter "ausserordentlichen Umständen" anerkannt, zum Beispiel beim Tod eines Elternteiles (5A_463/2017).
Bei Grosseltern darf im Allgemeinen angenommen werden, dass der persönliche Verkehr dem Wohl des Kindes dient. Bestehen Konflikte zwischen den Grosseltern und der Mutter, ist entscheidend, dass die Beteiligten Differenzen nicht auf eine das Kindeswohl gefährdende Art une Weise austragen. (5A_380/2018)