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Lars Wagner: «Wir müssen Genf
vermehrt als Resort- und Leisure-
Destination verkaufen. Genf wurde in der Vergangenheit zu stark als Business-Destination vermarktet.»
Frage an Lars Wagner, General Manager im Hotel Beau-Rivage, Genf:
Treppenhaus
Signature Room
Bar & Lounge
Hotelhalle
Lars Wagner, mit dem Komponisten Richard Wagner sind Sie nicht verwandt.
Nein, bin ich nicht (lacht).
Die Situation in der Genfer Hotellerie ist wegen Covid-19 dramatisch, die Nachfrage ist fast komplett weggebrochen. Wie führen Sie Ihr Haus mit rund 100 Zimmern und Suiten sowie 120 Mitarbeitenden durch die Krise?
Wir sind in der glücklichen Lage, dass uns der schweizerische Staat über die Kurzarbeit unterstützt und absichert. Die Kurzarbeit führt dazu, dass wir keine Mitarbeitenden entlassen müssen und wollen.
Das ist die gesetzliche Seite, wie aber führen Sie das Haus operativ durch die Flaute?
Wir betreiben das Hotel mit einem minimalen personellen Aufwand. Von den etwa 120 Mitarbeitern sind, je nach Auslastung des Hauses, vielleicht nur gerade zehn, fünfzehn oder zwanzig im Einsatz. Statt zehn Frauen im Housekeeping, arbeitet bei neun oder zehn besetzten Zimmern eben nur ein Zimmermädchen, oder statt vier Front Desk-Leute steht nur eine Rezeptionistin hinter der Theke. Der Concierge arbeitet nur vier Stunden am Tag. Im Room Service, der nur am Morgen aktiv ist, arbeitet nur gerade ein Mitarbeiter.
Das Beau-Rivage ist das älteste Hotel in Genf, das sich in privater Hand befindet. Es wurde 1865 von Jean-Jacques Mayer gegründet. Das Hotel hat 72 Gästezimmer und 23 Suiten. Im Beau-Rivage waren viele prominente Persönlichkeiten wie der Kaiser von Japan und der Dalai Lama oder Eleanor Roosevelt zu Gast.
Weltweit in die Schlagzeilen geriet das Hotel durch zwei Todesfälle: Die österreichische Kaiserin Elisabeth (Sisi) verbrachte die letzte Nacht ihres Lebens im Hotel Beau-Rivage (heute Suite 119/120). Sie erreichte Genf am 9. September 1898 und logierte inkognito als Gräfin von Hohenems. Am 10. September 1898 wollte sie nach Caux weiterreisen, wurde aber auf dem Weg vom Hotel zum Schiff vom Anarchisten Luigi Lucheni niedergestochen. Als man auf dem Schiff die Verletzungen bemerkte, brachte man sie ins Hotel zurück, wo sie noch am selben Tag ihren Verletzungen erlag.
Am 11. Oktober 1987 wurde Uwe Barschel, der im Rahmen der Barschel-Affäre neun Tage zuvor als Ministerpräsident von Schleswig-Holstein zurückgetreten war, in Zimmer 317 tot in der Badewanne aufgefunden. Die Zeitschrift Stern veröffentlichte ein Foto der Leiche – in Hemd und Krawatte im Wasser – auf ihrer Titelseite.
Das Fünf-Sterne-Superior-Hotel am rechten Genferseeufer wurde Mitte des 19. Jahrhunderts eröffnet, als Genf noch eine kleine Stadt war, aber bereits in rasanter wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung, wie Jacques Mayer, Urenkel des Hotelgründers sagt. Während seiner 21 Jahren an der Spitze des Beau-Rivage liess Gründer Jean-Jacques Mayer unter anderem 1873 den ersten Lift in der Schweiz einbauen – einer von nur dreien weltweit zu dieser Zeit. Das älteste Luxushotel von Genf wird strategisch von der fünften Generation geführt. Lars Wagner ist erst der zweite Generaldirektor des Hauses.
Nominiert für «Hotelier des Jahres 2016»
2016 wurde Lars Wagner für den Schweizer Fach-Award «Hotelier des Jahres» nominiert. Die damalige Begründung der Jury: «Seit bald vier Jahren ist Lars Wagner in die grossen Fussstapfen von Marco Torriani getreten. In dieser Zeit machte der deutsche Top-Manager alles richtig und verhalf dem Luxushaus an der Rhone zu tollen Ergebnissen. Das Mandarin Oriental zählt heute zu den besten Luxushäusern der Schweiz.»