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Als Riesenteleskope wurden im 17. und 18. Jahrhundert astronomische Fernrohre mit enorm grossen Dimensionen bezeichnet. Die Grösse bezog sich sowohl auf die Länge des Teleskops als auch auf die Öffnung des Objektivs.
Abb.: Astronomisches Riesenfernrohr aus „Hesperi et phosphori nova phaenomena, sive Observationes circa planetam Veneris“ (1728)
Nach der Erfindung des Fernrohrs durch Galilei und Kepler war man bestrebt, die Vergrösserung und Lichtstärke der Objektive möglichst zu steigern. So entstanden spektakuläre Linsenfernrohre von enormer Länge (bis zu 25 m).
Einer der wenigen Wissenschaftler, welcher den Einsatz dieser hochkomplizierten Teleskope beherrschte, war der italienische Astronome und Philosoph Francesco Bianchini (1662-1729). Der aus Verona stammende Bianchini absolvierte eine sehr breitgefächerte Ausbildung, indem er sich nicht nur den Naturwissenschaften widmete sondern sich auch mit der Theologie und der Rechtswissenschaft befasste. Berühmt wurde Bianchini durch seine Bemühungen, die Genauigkeit des Kalenders zu verbessern, indem er einige wichtige Mittagslinien (Meridiane) konstruierte, mit denen man die Position der Sonne und der Sterne berechnet. Die bekanntesten sind in der Kirche San Petronio in Bologna und in der Basilika von Santa Maria degli Angeli e die Martiri in Rom zu sehen.
Dank persönlicher Beziehungen und Kontakte gelang ihm die Übersiedlung nach Rom, wo er bei Kardinal Ottoboni, einem grossen Förderer der Künste und Wissenschaften, als Bibliothekar angestellt wurde. Bei der Familie Ottoboni war er unter das Patronat einer der wichtigsten Mäzenatenfamilien Roms gelangt, was ihm ausgezeichnete Möglichkeiten für die Fortsetzung seiner wissenschaftlichen Karriere bot und ihn schliesslich zum päpstlichen Kurialbeamten werden liess.
Zu seinen populärsten naturwissenschaftlichen Werken zählen die Ergebnisse seiner Venus-Beobachtungen, welche er in „Hesperi et Phosphori nova phaenomena sive observationes circa planetam Veneris“ (online via e-rara.ch http://dx.doi.org/10.3931/e-rara-423) veröffentlichte. In seiner Theorie leitet Bianchini eine Rotationsperiode von der Beobachtung der Oberfläche der Venus ab. Heute weiss man, dass dies wegen der starken Wolkenabdeckung auf der Venus unmöglich ist, aber zu seiner Zeit waren solche Beobachtungen spektakulär, insbesondere auch aufgrund der Art ihres Zustandekommens mittels der Verwendung eines Riesenteleskops.
Quellen:
Kockel/Sölch (Hrsg.), Francesco Bianchini und die europäische gelehrte Welt um 1700, Berlin, 2005