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Également: Rapport sur des entretiens avec des diplomates français repliés en Allemagne. Annexe de 4.10.1944
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Am 11. Oktober2 fand sich Herr Botschafter Scapini auf der Schweizerischen Gesandtschaft in Berlin ein. Er brachte folgende Angelegenheiten vor:Marschall Pétain, welchen er in Sigmaringen besucht habe, beauftragte ihn, der Gesandtschaft mitzuteilen, er betrachte sich nach wie vor als Kriegsgefangener. Er habe sein Einverständnis zur Bildung der Délégation générale du Gouvernement français nicht gegeben; er wäre auch, da er sich nicht mehr als Staatschef betrachte, dazu nicht befugt. Der Marschall habe, sobald ihm bekannt wurde, dass die deutsche Regierung und Presse anders lautende und nicht der Wahrheit entsprechende Mitteilungen ausgeben, Hitler und dem Reichsaussenminister Briefe geschrieben, in welchen er gegen das deutsche Vorgehen Verwahrung einlegte und die Tatsachen richtig stellte. Von diesen zwei Schreiben wurden je drei Durchschläge angefertigt, wovon zwei Durchschläge in den Akten abgelegt wurden. Der dritte Durchschlag nahm der Marschall auf sich. Die abgelegten Durchschläge sind verschwunden und der Marschall glaube, sie seien widerrechtlich von den Deutschen erhoben worden. Er bittet im Interesse der Festhaltung der historischen Wahrheit die dritten Durchschläge auf direktem Wege der Gesandtschaft übermitteln zu dürfen mit den Begehren:
a) sie aufzubewahren, oder, lieber noch,
b) sie dem Bundesrat zu treuen Händen zu übermitteln. Der Bundesrat möchte sie der Regierung de Gaulle nicht aushändigen, damit sie nicht veröffentlicht werden und durch die Veröffentlichung das Leben seiner Umgebung in Gefahr komme.
Herr Legationsrat Dr. Zehnder erklärte sich bereit, diese Durchschläge zur Aufbewahrung entgegen nehmen zu wollen. Ihre Weiterleitung wurde, vorbehältlich anderer Weisungen des Eidg. Politischen Departementes, abgelehnt3. II.
Der Marschall hat die Briefe, welche Herr Minister Stucki durch Vermittlung der Abteilung für Auswärtiges und Herrn Minister Frölicher an ihm absandte, nicht erhalten. Herr Minister Frölicher hat sie seinerzeit Baron von Steengracht dem Staatssekretär im Auswärtigen Amt, mit der Bitte um Weiterleitung übergeben.
Der Marschall, welcher sich über seine Verpflegung beklagt, möchte Herrn Minister Stucki einen Brief zukommen lassen, wieder auf direktem Wege über die Gesandtschaft Berlin und ohne Vermittlung der deutschen Behörden, in welchem er um Übersendung von etwas Lebensmitteln, wie Ovomaltine und Schokolade sowie von Zigaretten bittet4.
Herr Legationsrat Zehnder hat aus humanitären Gründen Empfangnahme und Weiterleitung nach Bern eines solchen Schreibens zugesagt.III.
Botschafter Scapini wurde von Herrn de Brinon empfangen, welcher ihn auffordete, seine Mission im Rahmen der Délégation générale du Gouvernement français weiter zu führen. De Brinon verlangte vor allem, dass sich Herr Scapini zur Durchführung seiner Aufgaben nicht mehr der Geldmittel bediene, über welche er bisher verfügte und die im französischen Budget ausgewiesen sind. Herr Scapani lehnte diesen Vorschlag ab. Namentlich wies er die Zumutung zurück, sich von Herrn de Brinon Geldmittel übergeben zu lassen. Mit diesem Geld hat er folgende Bewandtnis: Das Reich schuldet heute Frankreich 162 Milliarden französische Franken. Diesen Betrag stellte die Reichsregierung der Délégation zur Verfügung. Es wird denn auch behauptet, dass das Motiv des Herrn de Brinon und seiner Gesinungsgenossen für die Gründung der Exilregierung einzig in diesem Geld zu suchen sei.
Nach seiner Weigerung, die von Herrn de Brinon sehr schlecht aufgenommen wurde, befürchtet Herr Scapini, die deutsche Regierung oder die Délégation mit deutscher Zustimmung könnte ihn an der Fortsetzung seiner Tätigkeit hindern. Er stellte die Frage, für den Fall, dass ein Hinderungsgrund eintrete, ob
a) die Gesandtschaft bereit wäre, seine Aufgabe im Sinne eines Schutzmachtmandates zu übernehmen5;
b) falls dies nicht geschehen könnte, ob die Gesandtschaft als Treuhänder bereit wäre, seine Bureaux zu versiegeln und seine Geldmittel in Verwahrung zu nehmen und bei den Banken sperren zu lassen6.
Zur Begründung führte Herr Scapini aus:
Der deutsch-französische Staatsvertrag von 1940, welcher seine Mission begründet, besteht noch zu Recht7. Der Marschall habe ihm Vollmacht gegeben, sich aller Mittel zu bedienen, die geeignet sind, seine Aufgabe zu fördern. Gestützt auf diese Vollmacht halte er es für angezeigt, die schweizerische Gesandtschaft zu betrauen, die von ihm vertretenen Interessen inskünftig wahrzunehmen.
Herr Legationsrat Dr. Zehnder hielt dem entgegen, dass der Vertrag von 1940 zwischen der Regierung Pétain und der Reichsregierung abgeschlossen wurde. Da Marschall Pétain sein Amt niederlegte, ist es sehr fraglich ob der Vertrag noch zu Recht besteht. Ohne Zweifel jedoch ist die von Marschall Pétain ausgestellte Vollmacht mit dem Rücktritt des Marschalls erloschen. Deshalb beabsichtigt Herr Legationsrat Dr. Zehnder, falls Botschafter Scapini mit seinem Begehren an ihn herantritt, ablehnend zu antworten. Falls indessen der Bundesrat die Übernahme der französischen Interessen durch die Gesandtschaft für angezeigt betrachtete, glaubt Herr Zehnder, dem Auswärtigen Amt gegenüber durchdringen zu können8. In diesem Falle bittet er um entsprechende Weisungen.
Wie weit bei Herrn Botschafter Scapini die Wahrung der ihm anvertrauten französischen Interessen Beweggrund für seine Handlungen bildet und wie weit es sich um eine persönliche Rettungsaktion handelt, ist nicht ganz klar.
- 1
- E 2300 Paris/98. Cette notice a été rédigée par H. Vischer, de la Division des Affaires étrangères du D PF.M. Pilet-Golaz l’a lue le 16 octobre et a écrit: Conféré avec M. Bonna. Celui-ci a écrit en tête du document le 16 octobre: J’ai orienté M. Frölicher.↩
- 3
- Pilet-Golaz a inscrit un point d’interrogation dans la marge et Bonna a écrit: Il vaudrait mieux les envoyer à Berlin.↩
- 5
- Pilet-Golaz a écrit dans la marge: Non. C’est à de Gaulle à nous en charger. Scapini ne représente rien.↩
- 7
- Pilet-Golaz a souligné cette phrase dans la marge et y a écrit: ce n’est pas l’avis je crois du Gouvernement provisoire.↩
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