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In wenigen Tagen, am 27. Dezember 2017, feiert der Basler Spezialist Glur Reisen ein besonderes Jubiläum: Die Firma wird 40 Jahre alt. Doch eigentlich beginnt die Geschichte des Unternehmens nochmals 30 Jahre früher…
Jakob Glur (Bild rechts) organisierte nämlich bereits 1947, kurz nach dem Krieg, erstmals eine Gruppenreise nach Finnland. Glur arbeitete damals in der Logistik in der Coop-Zentrale und organisierte die Reise im Rahmen des Coop-Projekts «Basler Freizeitaktion». Die Reise dauerte 14 Tage und kostete die damals stattliche Summe von 265 Franken. Einfach war die Organisation nicht: Nonstopflüge gab es noch keine und die nordeuropäischen Staaten verlangten für die Einreise noch ein Visum und eine Devisendeklaration, weshalb Glur für die Reise diverse Bewilligungen einholen musste. Dennoch war sie ein Erfolg und Glur baute in der Folge erfolgreich weitere solche Touren auf. Schon 1951 folgte der erste Charterflug nach Skandinavien, durchgeführt von Balair, der damaligen Basler Konkurrentin der Swissair. Die Flüge wurden zunächst mit einer DC-3, später mit DC-4 und DC-6 durchgeführt.
Glur gründet Esco Reisen
1953 dann wagte Glur den Sprung in die Selbständigkeit und gründete die Firma Esco Reisen, deren Büros in den ersten beiden Existenzjahren noch in Glurs Zuhause angesiedelt waren. Diese war anfänglich ein Skandinavien-Spezialist. Das Geschäft lief gut - im folgenden Link ein Beispiel eines Reiseangebots aus dem Jahr 1959, mit Finnair-Charterflug und Rundreise durch die finnische Seenplatte. 1960 erfolgte dann der Verkauf von Esco an Hotelplan.
Zeiten als Angestellter
Glur selber gab dann für längere Zeit das eigene Unternehmertum auf und arbeitete zunächst für Kuoni, im Auftrag von Kuoni eine Zeit lang dann auch als Berater für den marokkanischen Tourismusminister (die Familie Glur wohnte dafür zwei Jahre in Rabat). Aus der Zeit bei Kuoni stammt dieses Skandinavien-Angebot von 1964. Es folgten noch Engagements bei Danzas Reisen und beim Basler Reisebüro Bieri.
Ein Pionier des Skandinavien-Reisegeschäfts
Doch dann packte ihn der Unternehmergeist wieder und Glur gründete gemeinsam mit seiner Frau und seiner Tochter 1977 ein Skandinavien-Reisebüro unter eigenem Namen. Firmensitz war der Spalenring 111 in Basel - er ist es noch heute. Obwohl die Büros schon im September bezogen wurden, datiert der Handelsregister-Eintrag vom 27.12.1977, weshalb der runde Geburtstag eigentlich erst nächste Woche begangen wird.
Bereits im Jahr darauf erschienen im Frühjahr erste Skandinavien-Kataloge unter der Marke Glur. Diese wurden sowohl auf Deutsch als auch auf Französisch publiziert; rund 40 Reisen wurden damals auf 12 Katalogseiten (noch in schwarz-weiss) gepresst. Kosten damals für den Flug nach Helsinki: 540 Franken pro Person, was nach heutigem Geldwert rund 1000 Franken entspricht.
Das Geschäft boomte, vor allem mit Gruppenreisen, welche auf eigenen Charterflügen nach Nordeuropa transportiert wurden. Ein vorläufiger Höhepunkt wurde im Sommer 1984 erreicht, als allein Helsinki 42 Mal und Stockholm 21 Mal mit eigenen Glur-Sonderflügen angesteuert wurden.
1986 dann wurde Glur Reisen zum Hauptagent der norwegischen Hurtigruten-Reederei für die Schweiz und somit erster Anbieter der «schönsten Seereise der Welt» in der Schweiz. 1992 dann zog sich Glur aus der Geschäftsleitung zurück und übergab das Szepter an seine Tochter Heidi Glur-Schmutz. Bis zu seinem Tod 1997 wurden Jakob Glur für seine touristische Pionierarbeit noch diverse Verdienstmedaillen von verschiedenen skandinavischen Ländern verliehen; er wurde sogar mit einer Ernennung zum Ritterorden ausgezeichnet.
TTS-Mitgliedschaft und Verkauf an Knecht
In der Folge führte Heidi Glur zusammen mit Madeleine Schweizer, welche seit 1988 bei Glur Reisen arbeitete, das Reisebüro als unabhängigen Reiseveranstalter für Skandinavien weiter. Der Spezialist aus Basel konnte seine Position trotz inzwischen aufgekommener, harter Konkurrenz stets gut behaupten. Um auf Vertriebsseite bessere Sicherheiten zu haben, wurde Glur Reisen dann 2012 TTS-Mitglied.
Nur ein Jahr später verkaufte Heidi Glur das Unternehmen an Knecht Reisen, wobei der Standort Basel und die Marke beibehalten wurden. Zum Geschäftsführer wurde Philipp Jordi ernannt, für welchen es gewissermassen eine Rückkehr war: 1988 hatte er als Gymnasiast eine Schnupperwoche in der Buchhaltung von Glur Reisen absolviert.
Heute ist Glur Reisen ein bestens etablierter Schweizer Spezialist mit 21 Mitarbeitenden, welche ein riesiges Know-how zusammenbringen: Zwei Mitarbeitende haben schon mehr als 30 Dienstjahre hinter sich, drei mehr als 20 Dienstjahre. Das durchschnittliche Dienstalter beträgt acht Jahre. Angeboten werden je ein Sommer- und ein Winterkatalog, ein Hurtigruten-Katalog sowie ein Expeditionskatalog. Im neusten Sommerkatalog sind Angebote zu folgenden Zielen zu finden: Arktis, Åland, Baltikum, Dänemark, Deutschland, Färöer, Finnland, Grönland, Island, Norwegen, Russland, Schweden und Spitzbergen (Norwegen).
Das Wichtigste zum neuen Katalog
Im neuen Katalog fallen vor allem die Angebote im Finnischen Schärenmeer und auf den Åland-Inseln, welche zwischen Finnland und Schweden liegen, auf (Seiten 114, 116, 120, 124). «Wir sind meines Wissens in der Schweiz der einzige Veranstalter, der Rundreisen dorthin anbietet», erklärt Glur-Geschäftsführer Philipp Jordi. Ihm zufolge wurde zudem das Angebot an Gruppenreisen ausgebaut (S. 14-29).
Auf der Front prangt ein spezielles «40 Jahre Glur»-Logo, und im Katalog findet sich eine «Jubiläumsreise». Diese führt nach Nordnorwegen, wo Kunden mit der vergleichsweise kleinen «MS Cape Race» Wale und Nordlichter beobachten gehen (S. 8/9).
Ansonsten bietet Glur das übliche, abgerundete Angebot an abwechslungsreichen Rundreisen und Blockhaus-Ferien in allen skandinavischen Ländern und in Island an, sowie Reisen in die arktischen Regionen Grönland und Spitzbergen.