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Beeindruckendes Zeugnis
Gespräche mit Madeleine Duc-Jordan
Während mehr als zwei Jahrzehnten war Madeleine Duc eine engagierte Politikerin, bevor sie für zwei Jahre ins Kloster ging. Wieder ins zivile Leben zurückgekehrt, bietet die tiefgläubige Frau ganz ungezwungen und unauffällig dort ihre Dienste an, wo sie gebraucht wird.
Die heute 61-jährige, seit rund 35 Jahren in der Stadt Freiburg wohnhafte Madeleine Duc ist eine Persönlichkeit, die man in der Politlandschaft eigentlich nicht erwarten würde. Ihr starkes Engagement im Sozialkatholizismus und das Vermächtnis ihres vor dreissig Jahren verstorbenen Mannes, als sie gerade 30-jährig war, haben den Weg vorgezeichnet und stark geprägt. Dies geht aus den Gesprächen hervor, die der Verantwortliche der «Editions La Sarine», Jean-Bernard Repond, mit ihr geführt hat. Diese sind soeben in Buchform erschienen.
Engagement nicht Karrieredenken
Madeleine Duc gehörte 1971 zu den ersten neun Freiburgerinnen, die ins Kantonsparlament gewählt wurden. Erst ein paar Monate vorher hatte sie mit der Partei, die sie aufgestellt hatte, der PICS und heutigen CSP, erste Kontakte. 1994 war sie Grossratspräsidentin. 1982 wurde sie ebenfalls als erste Frau in den Gemeinderat der Stadt gewählt und war dann später auch vollamtliche Gemeinderätin. 1981 hatte sie als erste Frau für den Staatsrat kandidiert und 1995 stellte sie sich ihrer Partei als Ständeratskandidatin zur Verfügung. 1996 gab sie ihre politischen Ämter ab.
Wie kam eine Bauerntochter aus dem Broyebezirk und gelernte Hauswirtschaftslehrerin, die nach dem Diplom sofort in diesen Beruf einstieg, zu dieser Laufbahn? In erster Linie ist dies auf die gemeinsamen Interessen und das gemeinsame Engagement mit ihrem Mann François Duc zurückzuführen. In sozialen und kulturellen Vereinigungen und kirchlichen Organisationen lernte sie den ebenfalls im Broyebezirk lebenden Primarlehrer kennen. Sie heirateten. Die Ehe blieb kinderlos.
Gemeinsam entschieden sie sich, sich an der Universität zu Sozialarbeitern ausbilden zu lassen. Sie machten in Algerien ein Sommerpraktikum und dann das zum Studium gehörende Stage in der Region Paris im Rahmen der Organisation ATD Vierte Welt, deren Schweizer Sitz sich in Treyvaux (Saane-Land) befindet. Namentlich der Gründer dieser Organisation, P. Joseph Wresinski, hat Madeleine Duc den Ansporn gegeben, sich politisch im Interesse der Ärmsten und Ausgestossenen dieser Gesellschaft zu engagieren.
Madeleine und François Duc-Jordan hätten sich auf der gemeinsamen Suche nach dem Sinn des Lebens vorstellen können, nach dem Studium einmal im Dienste einer humanitären Organisation in der Dritten Welt tätig zu sein. Doch dazu kam es nicht mehr. François erkrankte an Krebs und starb 1974. «Die Liebe ist stärker als der Tod. Noch fliessen Tränen, doch es sind Tränen tiefer Verbindung,» sagt sie nach dreissig Jahren. Die schmerzhafte Trennung hat ihr Engagement nicht gebrochen, sondern neue Kräfte im politischen und sozialen Alltag freigemacht.
Mit 53 Jahren verlässt Madeleine Duc die politische Bühne, um das im Laufe der Jahre immer stärker werdende Bedürfnis nach mehr Spiritualität auch leben zu können. Zuerst vertieft sie ihre theologischen Kenntnisse in Paris, bevor sie ins Kloster der Heimsuchung (Visitation) in der Murtengasse in Freiburg eintritt. Gut zwei Jahre später vor den ersten zeitlichen Gelübden verlässt sie im Frühjahr 2000 dieses wieder. Still, unauffällig und eher zurückgezogen steht sie heute in verschiedenen sozialen Institutionen und in der Kirche dort zur Verfügung, wo sie gebraucht wird.
Das in französischer Sprache abgefasste Buch sagt auf sehr beeindruckende Art vieles über die Überzeugungen und Beweggründe einer Persönlichkeit aus, der viele in den vergangenen Jahrzehnten begegenet sind. Eine Lektüre, die bewegend, beeindruckend, aufwühlend und bereichernd zugleich ist. wb
Madeleine Duc-Jordan, Une vie engagée, Entretien avec Jean-Bernard Repond, Editions La Sarine, Imprimerie Saint-Paul, Fribourg, ISBN 2-88355-078-6.