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Mit jedem Atemzug füllen sich die Lungen mit frischer Luft. Beim Ausatmen stossen wir die verbrauchte Luft wieder aus. So nehmen wir Sauerstoff auf und geben Kohlendioxid ab. Immer und immer und immer wieder. Etwa 450 Liter Luft verbrauchen wir im Stehen innerhalb einer Stunde. Das ist der Inhalt von fast drei Badewannen. Atmen müssen wir, weil unsere Zellen laufend Sauerstoff verbrauchen, um aus Glukose Energie zu gewinnen.
Das Einatmen
Damit wir einatmen können, muss sich unsere Lunge ausdehnen. Dafür sind Muskeln wie die Zwischenrippenmuskulatur oder die Atemhilfsmuskulatur zuständig, die den Brustkorb erweitern. Durch das Zusammenwirken der verschiedenen Muskeln hebt sich der Brustkorb. Das ist die sogenannte Brustatmung. Ausserdem zieht sich das Zwerchfell, auch ein Muskel, zusammen. Jetzt kann sich die Lunge auch nach unten ausdehnen. Das ist die sogenannte Bauchatmung.
Um die beiden Lungenflügel liegt eine schützende, dünne Haut, das Lungenfell (Pleura visceralis). Das Lungenfell sowie das innen an Brustkorb und Zwerchfell liegende Brustfell (Pleura parietalis) sind sehr wichtig für die Atmung. Beide kleben aneinander. Etwa so wie zwei Glasplatten, die dank eines Flüssigkeitsfilms im Spalt zwischen ihnen aneinander haften. Der Spalt zwischen Lungenfell und Brustfell heisst Pleurahöhle. Sie ist auch mit einer Flüssigkeit gefüllt. Dadurch können sich Brustfell und Lungefell problemlos gegeneinander verschieben. Wenn sich nun die eine Haut bewegt, etwa durch ein Heben des Brustkorbes, zieht sie automatisch die andere mit. Das führt zu einem Unterdruck, ähnlich wie bei einem Blasebalg, und Luft in die Lunge gesogen.
Das Ausatmen
Beim Ausatmen entspannt und wölbt sich das Zwerchfell. Zwischenrippen- und Zwerchfellmuskeln erschlaffen. Der Brustkorb senkt sich, kehrt also in seine Ausgangslage zurück. Das Volumen des Brustkorbs wird kleiner, die Lunge zieht sich zusammen. Dadurch wird der Luftdruck in der Lunge grösser als ausserhalb. Folge: Die Luft wird aus der Lunge heraus gepresst.
Der Gasaustausch
Durch das Atmen transportieren wir Sauerstoff in unseren Organismus und Kohlendioxid heraus: Die rechte Herzkammer pumpt kohlendioxidreiches, sauerstoffarmes Blut Richtung Lunge. Die Blutgefässe, die zur Lunge führen, verästeln sich immer feiner, das Blut wird immer langsamer, die Wände der Blutgefässe immer dünner. So kann, bei den Lungenbläschen angekommen, das Kohlendioxid in die Lunge wandern. Im Gegenzug nimmt das Blut Sauerstoff auf. Nach diesem Austausch wird das Blut wieder zum Herzen gepumpt und von der linken Herzkammer im restlichen Körper verteilt.
60 Liter Luft pro Minute
Je tiefer und je öfter wir atmen, desto mehr Sauerstoff gelangt in unser Blut. Der Bedarf hängt davon ab, was wir gerade tun. Anstrengende Tätigkeiten brauchen mehr Sauerstoff, denn die Muskelzellen brauchen ihn zum arbeiten. Wenn wir schlafen, benötigen wir pro Minute etwa 4,7 Liter Luft, beim schnellen Laufen etwa 12 Mal mehr, also ca. 60 Liter Luft pro Minute.
Wie oft wir in der Minute atmen, hängt vom Alter ab. Ein Neugeborenes macht etwa 40 Atemzüge in der Minute, 15- bis 20-Jährige ca. 20 und Erwachsene rund 16 Atemzüge pro Minute.
Bei einem normalen Atemzug nehmen wir rund 0,5 Liter Luft auf. Wer besonders tief Luft holt, kann diese Menge auf etwa 2 Liter erhöhen. Dieses maximale Atemvolumen heisst «Vitalkapazität der Lunge». Die Lunge leert sich nie ganz, auch bei maximaler Ausatmung bleiben 1 bis 1,5 Liter Luft übrig. Zählt man diesen Wert zur Vitalkapazität hinzu, kommt man auf eine Totalkapazität der Lunge von 3,5 bis 4 Liter.
67 Badewannen
Im Schnitt atmen wir in unserem Leben 300 Millionen Liter Luft ein. Jeden Tag veratmen wir durchschnittlich 12'000 Liter Luft, das entspricht dem Inhalt von rund 67 Badewannen. Die eingeatmete Luft setzt sich zusammen aus ca. 78 Prozent Stickstoff, 21 Prozent Sauerstoff, 1 Prozent Edelgase und 0,03 Prozent Kohlendioxid. Wenn wir die Luft wieder ausatmen, enthält sie noch 17 Prozent Sauerstoff und 4 Prozent Kohlendioxid.
Als Baby atmen wir instinktiv richtig. Im Laufe der Zeit atmen aber viele immer schlechter, oft zu wenig tief. Das führt dazu, dass wir nicht genügend Sauerstoff aufnehmen, wir werden schlapp. Einfache Übungen können helfen, besser zu atmen und damit Leistungsfähiger zu werden. Ausserdem gibt es Atemtherapien.
- Quellen
Lungenliga Schweiz
Carolin Lockstein, Susanne Faust, «Relax! Der schnelle Weg zu neuer Energie», Gräfe und Unzer Verlag GmbH, 2001
Dieter Grabbe, «Move & Relax. Fitness für den Körper – Wellness für die Seele», Südwest Verlag, 2002
«Der Brockhaus. Gesundheit», F. A. Brockhaus, 2004
Richard Walker, «Der Mensch», Dorling Kindersley Verlag GmbH, 2005
Lungeninformationsdienst