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Aktuelle Debatten um Tierschutz, Tierrechte und Veganismus beschäftigen sich mit der Frage, ob und wie Mensch-Tier-Beziehungen auf einer ethischen Grundlage neu geregelt werden sollen. Nicht selten knüpfen heutige Diskussionen um Tierrechte an Argumente aus der feministischen Bewegung an, indem der Mechanismus, mit dem patriarchale Gesellschaften das Männliche in Abgrenzung zum Weiblichen als Norm konstruiert und daraus Machtverhältnisse abgeleitet haben, übertragen wird auf die Konstruktion des Menschlichen im Gegensatz zum Tierischen, die ihrerseits einen Machtanspruch des Menschen über das Tier legitimiert. Inwiefern sind solche Vergleiche gewinnbringend und öffnen eine neue Perspektive auf unseren Umgang mit Tieren? Oder aber inwiefern neigen sie andererseits dazu, Stereotype über Weiblichkeit als das Natürliche, Tierverbundene zu (re-)produzieren und in diesem Sinn die "Menschlichkeit" von Frauen in Frage zu stellen?
Das Projekt versteht sich als einen Beitrag zu diesen Fragen, indem es den Diskurs über Tiere und Geschlecht in der französischen Spätaufklärung untersucht. Durch die neuen Strömungen des Materialismus und des Sensualismus entstand in dieser Zeit ein neues Körperbild, das zunehmend die Natur und die Kreatürlichkeit des Menschen betonte. Dies führte einerseits dazu, dass Geschlechterunterschiede ab Mitte des 18. Jahrhunderts immer mehr zum Gegenstand der neuen Naturwissenschaften wurden. Andererseits war der Mensch durch den Naturdiskurs zunehmend mit seiner körperlichen Ähnlichkeit zum Tier konfrontiert. In der daran anschliessenden philosophischen Spurensuche nach dem entscheidenden Unterschied zwischen Mensch und Tier, wie beispielsweise der Vernunft- oder Sprachfähigkeit, wurde nicht zuletzt die Frage nach dem Wesen des Menschen selbst verhandelt.
Das Projekt untersucht anhand von moralischen und naturphilosophischen Schriften der Spätaufklärung inwiefern diese Kriterien des "Mensch-Seins" geschlechtlich markiert waren, das heisst, ob und wie sie auch zur Abgrenzung von Männern zu Frauen oder von Männern zu "unmännlichen" Männern verwendet wurden. Ende des 18. Jahrhunderts gewann diese Frage nochmals an Brisanz, weil sie mit der französischen Revolution eine verstärkt politische Dimension erhielt. Mit der Einführung der Menschenrechte (franz. "déclaration des droits de l'homme") musste schliesslich definiert werden, wer als Mensch mitgemeint war.