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Es war die Kombination: König Hassan II. von Marokko und Gérald Genta, der Genfer Stardesigner von Luxusuhren. Die Geschichte setzt sich nun fort.
Die Medien nannten ihn zu Recht den Picasso der Schweizer Uhrenbranche. Die Rede ist von Gérald Genta, dem berühmten Schweizer Uhrendesigner.
Er arbeitete für die Luxusmarken Omega, Rolex, Audemars Piguet, Patek Philippe oder auch für Cartier. Im Jahr 1969 hatte er sogar seine eigene Marke «Gérald Genta» gegründet.
Arbeiten für Walt Disney
Der Uhrendesigner entwarf beispielsweise unter seinem Brand die «Evolution» sowie die «Grande Sonnerie» und revolutionierte mit der automatischen Minuten-Repetition in einem nur 2,72 mm hohen Gehäuse sowie der weltweit kompliziertesten Armbanduhr die ganze Uhrenindustrie.
Später kaufte seine Marke die Bulgari-Gruppe.
Noch bekannter sind aber die Armbanduhren in limitierter Auflage, die Genta in Lizenz der Walt Disney Company kreierte und die Micky Maus, Minnie Maus, Donald Duck, Dagobert sowie Goofy darstellten.
Von Nautilus bis Da Vinci
Gentas Entwürfe, die zu Klassikern geworden sind, überdauern Zeit und bleiben Leuchttürme der Haute Horlogerie des 20. und des 21. Jahrhunderts.
Zu den berühmtesten Armbanduhren, die Genta entworfen hat, gehören bekannte Modelle wie die «Royal Oak» von Audemars Piguet (1972), die «Nautilus» von Patek Philippe (1976), die «Constellation» von Omega (1959), die «Golden Ellipse» von Patek Philippe (1968), die «Ingenieur» von IWC (1976), die «Pasha de Cartier» von Cartier (1985) und die «Da Vinci» von IWC.
Fünf Jahre des Wartens
Der im Jahr 2011 verstorbene Schweizer Uhrenhandwerker konnte aber auch direkt illustre Persönlichkeiten zu seiner Kundschaft zählen.
Für private Anfragen entwarf er nämlich die Uhrwerke, Zifferblätter und Gehäuse seiner Zeitmesser von Hand und setzte dabei nur wenig oder gar keine externe Unterstützung, Outsourcing oder Mechanisierung ein.
Es war zudem nicht ungewöhnlich, dass die Fertigstellung einer einzigen Uhr bis zu fünf Jahre dauerte. Dies illustriert die Parallelen zur heutigen Branche, wo die Zeit und Langsamkeit immer noch grosse Rollen bei der Schweizer Präzessionsarbeit spielen.
Ausbildung in Frankreich
Zu den direkten Kunden von Genta gehörten Sportler, Geschäftsleute, Musiker, Filmstars, Politiker und Königshäuser, darunter Prinz Ranier III. von Monaco, König Juan Carlos und Königin Sofia von Spanien, König Fahd von Saudiarabien und Her Majesty Königin Elizabeth, The Queen Mother of England.
Und da kommt auch König Hassan II. von Marokko ins Spiel.
Nach dem Tod seines Vaters kam er im Jahr 1961 auf den Thron und war wegen seiner Ausbildung in Frankreich ein Verbündeter des Westens.
Modernisierung des Landes
Er forcierte die freie Marktwirtschaft und positionierte die nationale Wirtschaft Marokkos in den Bereichen Landwirtschaft, Tourismus sowie Phosphatabbau.
Während die ersten Jahre seiner Herrschaft zwar von einem eher konservativen Regime geprägt waren, wurde der Ansatz in den 1990er Jahren wesentlich moderner und reichte bis hin zur Schaffung eines Königlichen Rates für Menschenrechte.
König Hassan II. starb im Jahr 1999 eines natürlichen Todes und wurde im Mausoleum von Mohammed V. in Rabat beigesetzt.
Prachtvoller Zeitmesser
Für ihn entwarf Grossmeister Genta eine ganz besondere Uhr und wie Recherchen von muula.ch ergaben, kommt dieses Liebhaberstück sogar bald unter den Hammer.
Es wird nämlich in wenigen Tagen beim Auktionshaus Christie’s in Genf für geschätzte 10.000 bis 20.000 Franken plus 26 Prozent Auktionsgebühren und Steuern versteigert.
Die Armbanduhr strahlt eine unglaubliche Magie aus.
Genta kam auf eine wirklich prachtvolle Idee für den Zeitmesser eines bedeutenden Herrschers im Nahen Osten.
Aus purem Gold
Die Initialen Seiner Majestät des Königs Hassan II. von Marokko sind sogar auf der Rückseite des Gehäuses eingraviert, wie die Abbildung eindrücklich zeigt.
Die Bedeutung eines solch illustren Vorbesitzers, der die im Jahr 1980 geschaffene Uhr auch wirklich getragen hat, werde durch die ästhetischen und technischen Merkmale des Stücks noch unterstrichen, erklärte Christie’s zu dem Meisterstück.
Bei der Luxusuhr mit manuellem Laufwerk aus 18-karätigem Weissgold handle es sich um eine spezielle Auftragsarbeit, die Sammlern und all jenen, die feine Uhrmacherkunst zu schätzen wüssten, die Möglichkeit biete, einen höchst ungewöhnlichen Zeitmesser von Genta zu erwerben, hiess es weiter.
Glückliche Kombination
Das mit einem blauen Muster verzierte Korallenzifferblatt spiegelt islamische Kunst in der Verwendung eines geometrischen Musters wider.
Es wird angenommen, dass diese Geometrie die Sprache des Universums spiegelt und Gläubigen hilft, über das Leben und die Grösse der Schöpfung nachzudenken.
Es war also ein Glücksfall für diese Welt und eine fantastische Kombination, dass der König diesen Zeitmesser bei Genta in Auftrag gab.
Unterstützung junger Talente
Und damit die herausragenden Arbeiten von Genta nicht in Vergessenheit geraten, gründete die Frau und Partnerin des Uhrendesigners, Évelyne Genta, im Jahr 2019 den Verein Gérald Genta Heritage, um das Andenken für die Welt der Uhrmacherei zu bewahren.
Gleichzeitig versucht sie damit, junge Talente zu ermutigen und zu unterstützen, ihre Fähigkeiten zu perfektionieren, damit es bald noch mehr Picassos in der Schweizer Uhrenbranche gibt und sich Präsidenten sowie Königshäuser dieser Welt um diese Luxusobjekte streiten.
01.05.2023/kut.