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Maligne Lymphome, auch Lymphdrüsenkrebs genannt, sind bösartige Erkrankungen des lymphatischen Systems. Das heisst, die Erkrankung entsteht in lymphatischen Organen oder lymphatischen Zellen. Dabei vermehren sich die malignen (bösartigen) Lymphozyten auf unkontrollierte Art und Weise. Diese Tumoren verursachen ein Anschwellen der Lymphknoten. Mit der Zeit verdrängen die malignen (bösartigen) Lymphozyten die normalen, gesunden Lymphozyten. Dadurch kann die Immunabwehr geschwächt werden oder die Blutbildung im Knochenmark nicht mehr normal funktionieren. Da sich in vielen Regionen des menschlichen Körpers lymphatisches Gewebe befindet, können maligne Lymphome auch andere Bereiche und Organe, wie die Haut, den Magen, den Darm oder das Gehirn betreffen.
In der Schweiz werden pro Jahr mehr als 1'700 Lymphome diagnostiziert, ca. 250 davon sind Hodgkin-Lymphome und ca. 1'450 verteilt auf Lymphom-Subtypen, auch Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) genannt. 90% der Lymphome sind B-Zell-Lymphome, 10% sind T-Zell-Lymphome.
Das lymphatische System, auch Lymphsystem genannt, wird oft als ein Baum beschrieben, mit vielen ausgestreckten Ästen, genannt Lymphgefäße. Es durchzieht praktisch den ganzen Körper und ist ein wichtiger Teil des körpereigenen Abwehrsystems, des sogenannten Immunsystems. Zu den anatomischen Grundstrukturen des Immunsystems gehören die Milz, die Thymusdrüse, das Knochenmark, die Lymphknoten und die Lymphgefässe.
Gesunde Lymphknoten haben etwa die Grösse einer Kaffeebohne und dienen als Filterstation für das lymphatische System. Eine der Hauptaufgaben des lymphatischen Systems ist die Abwehr von Bakterien, Viren, und anderen Fremdstoffen, die den menschlichen Organismus bedrohen. Sobald der Körper gegen eine Infektion ankämpft, werden die Lymphknoten grösser, weil sie mehr Energie benötigen, um ihre Arbeit zu tun.
Die zweite Aufgabe liegt in der Unterscheidung zwischen fremdem und eigenem Gewebe. Bestimmte Immunzellen bewachen und erkennen das eigene Körpergewebe und wehren sich gegen fremdes. Dies spielt eine grosse Rolle bei Organtransplantationen.
Das Immunsystem besteht aus verschiedenen Zellarten. Die wichtigsten im Zusammenhang mit Lymphomen sind die B- und T-Lymphozyten. Alle Lymphozyten entstehen im Knochenmark aus einer gemeinsamen ‚Mutterzelle’, der Stammzelle. Während die B-Lymphozyten bereits im Knochenmark zu funktionstüchtigen Abwehrzellen heranreifen und erst danach ins Blut und in die lymphatischen Gewebe auswandern, erfolgt die Reifung der T-Lymphozyten in der Thymusdrüse.
Die B-Lymphozyten stellen biologische Abwehrstoffe, die Antikörper, her. Antikörper können fremdes Gewebe oder Erreger wie Bakterien und Viren erkennen und lösen in der Folge eine Immunantwort aus.
T-Lymphozyten können sich direkt an Fremdstoffe binden und produzieren dann zellabtötende Substanzen.
Das Hodgkin-Lymphom
Die Bezeichnung Hodkin-Lymphom geht auf den Entdecker und Pathologen Thomas Hodgkin zurück. Hodgkin-Lymphome sind typischerweise durch das Vorhandensein von abnormalen Zellen, den sogenannten Reed-Sternberg-Zellen charakterisiert. Von den beiden Lymphomgruppen ist das Hodgkin-Lymphom seltener. Obwohl das Hodgkin-Lymphom jede Altersgruppe betreffen kann, findet sich eine starke Häufung bei jungen Erwachsenen.
Alle übrigen Lymphomtypen, auch Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) genannt
Bei der Erstdiagnose wird immer noch vielen Patienten mitgeteilt, dass sie an einem Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) erkrankt sind. NHL ist jedoch keine Krankheit! Es ist der Begriff für eine Gruppe von mehr als 60 Lymphomtypen. Diese unterscheiden sich anhand der Zellen unter dem Mikroskop und entwickeln sich unterschiedlich (z. B. langsam oder aggressiv).
Warum sind Subtypen wichtig?
Jeder Subtyp erfordert unterschiedliche diagnostische Auswertungs- und Behandlungsansätze. Dadurch wird sichergestellt, dass Patienten zur richtigen Zeit die richtige Behandlung für den richtigen Lymphomtyp erhalten.
Das häufigste Symptom von Lymphomen sind Lymphknotenschwellungen am Nacken, Hals, in der Achselhöhle oder in der Leiste. Oft, vor allem in den frühen Stadien der Erkrankung, sind die Schwellungen beschwerde- und schmerzfrei.
Weitere Symptome sind:
Lymphome wachsen oft längere Zeit unbemerkt. Wenn erste Beschwerden auftreten, so lassen diese meist nicht direkt auf ein Lymphom schliessen. Oft werden die Anzeichen und Symptome von Lymphomen fälschlicherweise als Grippe, Erkältung oder einfache Müdigkeit eingestuft, was eine Diagnose verzögern kann. Bei Unsicherheit über solche Beschwerden und dem Gefühl, derartige Krankheitszeichen bisher nicht zu kennen, sollte immer ein Arzt konsultiert werden.
Unbehandelt kann der Verlauf einiger Lymphomtypen innerhalb weniger Monate tödlich sein. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Ärzte und die Bevölkerung sensibilisiert sind und die Anzeichen und Symptome eines Lymphoms verstehen, sodass eine möglichst frühzeitige Diagnose möglich ist.
Manche Patienten verspüren nach dem Trinken von Alkohol Schmerzen in den Lymphknoten, der sogenannte „Alkoholschmerz“.
Vergrößerte Lymphknoten können auch andere Symptome verursachen, z.B. Schwellung eines Armes oder Beines durch Komprimierung eines Butgefässes oder Rückenschmerzen, Taubheit oder Kribbeln in den Extremitäten durch Einengung eines Nervs.
Die Stadieneinteilung hilft bei der Entscheidung, welche Behandlung nötig ist. Je nach Art des Lymphoms werden noch weitere Entscheidungskriterien beigezogen wie etwa das Alter, der Allgemeinzustand, Herz- und Nierenfunktion usw.
Stadium I
Es sind nur ein Lymphknotenbereich oder nur ein Organ und keine weiteren Lymphknoten betroffen.
Stadium II
Es sind mehrere Lymphknotenbereiche, aber höchstens eine begrenzte Stelle eines Organs ausserhalb der Lymphknoten betroffen (Beispiel: einzelner Knoten in der Leber). Die betroffenen Stellen müssen sich auf derselben Seite des Zwerchfells befinden.
Stadium III
Der Tumor wird auf beiden Seiten des Zwerchfells nachgewiesen (Beispiel: Hals, Brustraum und Bauchraum).
Stadium IV
Es besteht ein ausgedehnter Befall von Organen oder des Knochenmarks.
Beim Hodgkin Lymphom wird jedes Stadium zusätzlich in A- oder B-Kategorien unterteilt.
A-Symptome
Fehlen der drei typischen B-Symptome. Dies bedeutet aber nicht, dass überhaupt keine Beschwerden vorliegen.
B-Symptome
Gewichtsabnahme von mehr als zehn Prozent des Körpergewichts innerhalb von sechs Monaten; ausgeprägter Nachtschweiss, unerklärbares Fieber über 38 Grad Celsius während mehr als drei Wochen.
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Lymphome zu behandeln. Die Behandlung wird jeweils auf den Lymphomtyp abgestimmt. Zu den Behandlungsmöglichkeiten zählen Chemotherapie, Immuntherapie (monoklonale Antikörper), Tyrokenase-Inhibitor, Strahlentherapie, Stammzell-Transplantation und bei einigen Lymphomtypen die Strategie "Watch and Wait" (Beobachten und Abwarten). Die Entnahme (Biopsie) eines Lymphoms ist erforderlich, um bei der mikroskopischen Untersuchung des Gewebes erkennen zu können, um welchen Lymphomtyp es sich handelt. Der chirurgische Eingriff dient bei den Lymphomen zur Diagnose und nur ausnahmsweise zur Therapie.
Nachdem die Ärztin oder der Arzt die Art und das Stadium des Lymphoms festgestellt hat, kann eine Prognose für den weiteren Verlauf der Krankheit erstellt werden. Prognosen sind allerdings heikel, denn jeder Mensch reagiert individuell auf Medikamente und Therapien, sodass sich auch bei gleicher Behandlung ein unterschiedlicher Krankheitsverlauf einstellen kann.
Statistiken sind zwar wichtig für den eigenen Krankheitsverlauf, man sollte ihre Aussagekraft aber nicht überschätzen. Lassen Sie sich durch Prognoseangaben nicht verunsichern. Viele aggressive Lymphome haben eine gute Prognose.