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Die Pille für den Mann?
An der Erfindung der "Pille für den Mann" wird bereits seit Jahrzehnten gearbeitet. Inzwischen steht fest: Durch eine Kombination aus den Hormonen Testosteron und Progestin kann die Spermienproduktion unterbunden werden. Die Wirkung einer solchen Pille soll so zuverlässig wie eine Vasektomie (Unterbindung der Samenleiter) sein, hat aber natürlich den Vorteil, dass der Effekt bei Kinderwunsch wieder rückgängig zu machen ist.
Allerdings gab die auf Verhütung spezialisierte Pharmafirma Schering die Forschung an ihren Präparaten vor einem Jahr auf, da die männlichen Versuchspersonen mit starken Nebenwirkungen wie z.B. unerklärlichen Stimmungsschwankungen reagierten - auch jene Testgruppen, denen nur Placebos (Tabletten ohne Wirkstoffgehalt) verabreicht wurden. Das gibt einen Hinweis darauf, dass Männer mit der Pille psychisch nicht klar kommen.
Bei der Weltgesundheitsorganisation WHO ist man hartnäckiger. Die Genfer Forscherin Kirsten Vogelsong hat eine der 30 Studien geleitet, bei denen weltweit insgesamt 1.756 Männer zwischen 18 und 51 Jahren getestet wurden. Sie ist von der Methode überzeugt und behauptet: "Das Verhütungsmittel ist so sicher wie die Pille für die Frau." Wenn auch noch mit kleinen Einschränkungen: Jüngere Testpersonen verzeichneten bisher einen grösseren Verhütungserfolg als ältere. Anscheinend spielt auch die Hautfarbe eine Rolle: Weisse Männer sprechen besser auf die Pille an als schwarze oder asiatische.
Diese Kinderkrankheiten will die WHO überwinden. "Noch dieses Jahr werden wir eine neue Studie starten", sagt Vogelsong. "Jetzt geht es darum, die Verlässlichkeit einer bestimmten Hormonkombination nachzuweisen." Weitere Testreihen mit 400 Paaren in sieben Ländern sollen nun folgen.
Noch ist die "Pille für den Mann" ein flüssiges Gemisch, bestehend aus den Hormonen Gestagen und Testosteron, und alle sechs Wochen gibt es eine Injektion. Diese soll die Zahl der Spermien so verringern, dass eine Schwangerschaft ausgeschlossen ist. Nach Absetzen der Hormone sollen die Männer innerhalb von drei Monaten wieder zeugungsfähig sein. Der Hormonmix soll vor allem eine taugliche Alternative zur Pille für die Frau bieten: "Viele Frauen sind es leid, ständig selber verhüten zu müssen. Sie möchten sich mit ihrem Partner abwechseln", sagt Vogelsong.
Quelle: Mai-Ausgabe des "Journals of Clinical Endocrinology & Metabolism"
Stand: 04/08, BH