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Leider wird noch immer behauptet, Videospiele würden Aggressionen fördern, den Spieler emotional abstumpfen, sein Sozialleben mindern oder zu schlechten Schulnoten führen – bislang ohne je wirklich belegt worden zu sein. Dass sich Games aber durchaus positiv auf den Spieler auswirken können, wird von den Kritikern meist gekonnt ignoriert. Solch eine positive Eigenschaft konnte nun auch die University of Auckland durch eine Studie belegen. Ein eigens entwickeltes Videospiel hilft Betroffenen, die Symptome von Depressionen zu mindern – teilweise effektiver als bei herkömmlichen Methoden.
„SPARX“ (kurz für: Smart, Positive, Active, Realistic, X-factor thoughts) nennt sich das Spiel, welches vielleicht in Zukunft Jugendlichen bei der Behandlung von Depressionssymptomen helfen könnte. Das Spielprinzip wirkt simpel: Der Spieler steuert einen virtuellen Avatar durch eine Reihe von Provinzen, welche mit unterschiedlichen Aufgaben aufwarten, die bewältigt werden wollen. Der interessante Teil liegt natürlich in der Gestaltung der einzelnen Herausforderungen und deren Absichten, denn jeder Provinz wurde eine Thematik zugeordnet („Hoffnung finden“, „Aktiv sein“, „Mit Emotionen umgehen“, „Probleme bewältigen“, „Unnütze Gedanken erkennen“, „Unnütze Gedanken bewältigen“ sowie eine Provinz, welche alle Themen in sich vereint). Folglich gilt es nun, der jeweiligen Thematik entsprechende, virtuelle Probleme zu lösen - mit dem Ziel, anschliessend von den erlangten Fähigkeiten im realen Leben zu profitieren und somit die Symptome von Depressionen zu mindern.
Durchgeführt wurde die Studie mit Hilfe von 187 Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 19 Jahren, welche ein Mittel gegen die Symptome von Depressionen suchten. Die Probanden wurden während der Dauer von vier bis sechs Wochen in zwei Gruppen aufgeteilt, wobei eine nach dem klassischen System (Beratung durch Fachpersonal) behandelt wurde, während die zweite Gruppe SPARX spielte. Im Anschluss folgte die Auswertung durch diverse Beurteilungen sowie Fragebögen. Das Resultat überzeugt: Die Studie kommt zum Schluss, dass SPARX als potentielle Alternative zur klassischen Behandlung von Depressionen in Betracht kommen könnte.
Folglich stellen wir fest, dass ein weiteres Mal positive Eigenschaften der ach so verrufenen Videospiele nachgewiesen werden konnten, während die Behauptung, Actiongames würden den Spieler aggressiv machen, bis heute nicht belegt werden kann. Weiter verdeutlicht dieses Beispiel vor allem, inwiefern dieses Medium über dessen ursprüngliches Ziel (die reine Unterhaltung des Spielers) hinaus eingesetzt werden kann – wenn man dies zulässt und sich gegenüber solchen Innovationen offen zeigt. Die Botschaft ist klar: Auch für Nichtspieler - insbesondere für Actionspiel-Gegner - wird es höchste Zeit, ihre Vorurteile gegenüber Games zu begraben und dem Medium in Zukunft offener entgegenzutreten.
Quelle: Merry et al. 2012: The effectiveness of SPARX, a computerised self help intervention for adolescents seeking help for depression: randomised controlled non-inferiority trial