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Den überraschenden Rücktritt des Swiss-Konzernchefs André Dosé erachten die meisten Zeitungen als richtig. Die Umstände seien allerdings zweifelhaft.
Der Rücktritt hängt mit der Strafuntersuchung der Bundesanwaltschaft über den Crossair-Absturz vom November 2001 mit 24 Toten zusammen.
"André Dosé s'éjecte de Swiss", titelt die Genfer Zeitung LE TEMPS. André Dosé schleudere sich aus der Swiss, schreibt sie in Anspielung auf den Schleudersitz.
Noch stehe offiziell nicht fest, ob gegen André Dosé eine Strafuntersuchung eröffnet wird, betont der TAGES ANZEIGER: "Dennoch ist der Manager vom Verwaltungsrat aus dem Amt gedrängt worden. Weiss das oberste Entscheidungsgremium mehr als die Öffentlichkeit?" Der Verwaltungsrat habe hier gegenüber den Mitarbeitenden, den Aktionären und der Öffentlichkeit Erklärungs- und Handlungsbedarf.
Für das Wohl der Firma
Auch die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG ist der Meinung, dass man im Zusammenhang mit dem Flugzeugabsturz von Bassersdorf "das Risiko des Zuwartens" auf sich hätte nehmen sollen. Die NZZ spricht von "Kurzschluss" und ist überzeugt: "Das kann nicht die Lösung sein." Der "Sinkflug" der Airline sei "noch lange nicht unter Kontrolle".
DER BUND fragt: "André Dosés Entschluss zum Rücktritt ist gewiss ein vernünftiger Entscheid. Doch ist er auch notwendig?". Allerdings ist die in Bern erscheinende Zeitung überzeugt, dass der Rücktritt gerechtfertigt sei:
"Der Rücktritt eines Konzern-Verantwortlichen ist dann gerechtfertigt, wenn die Strafuntersuchung seine Tätigkeit und das Image der Firma beeinträchtigen." Ein Rücktritt vor diesem Hintergrund sei zum Wohl der Firma und kein Eingeständnis von Schuld, betont der Kommentator.
Nachfolge ungelöst
Die meisten Zeitungen sind der Meinung, dass Dosés Rücktritt richtig war. "Dosés Schritt ist mutig. Aber er war auch unausweichlich", meint die NEUE LUZERNER ZEITUNG. Die Hypothek einer möglichen Strafuntersuchung gegen Dosé sei zu gross gewesen.
Gleicher Meinung ist auch die BERNER ZEITUNG. "Dieser Entscheid ist richtig", schreibt sie. Dosé sei für den abnehmenden Sicherheits-Standard bei Crossair mitverantwortlich gewesen. Vieles deute darauf hin, dass dem Verwaltungsrat die Sache gelegen gekommen sei, um Dosé loszuwerden. Denn es sei offensichtlich gewesen, "dass dieser zuletzt überfordert war".
Für die BASLER ZEITUNG gibt es jetzt zwei neue Probleme: "Das eine Problem wird durch zwei andere ersetzt". Erstens sei die Nachfolge ungelöst. Das andere Problem sei, dass die Swiss dringend Kontinuität brauche.
Bundesrat ist gefordert
LE TEMPS stellt fest, André Dosé verlasse das Unternehmen erhobenen Hauptes. Denn für die Sicherheitsprobleme bei der ehemaligen Crossair sei vor allem auch die Aufsichtsbehörde, also der Bund zuständig.
"Aussi est-on surpris d'entendre le conseiller fédéral Hans Rudolf Merz déclarer que la démission d`André Dosé éclaircit l'avenir de Swiss. - Es sei schon erstaunlich, dass Bundesrat Hans Rudolf Merz nun erklärt, der Rücktritt Dosés erhelle die Zukunft der Swiss.
Die Swiss habe Dosé fallengelassen, schreibt der BLICK. "Am Schluss stand er alleine da." Die Boulevardzeitung appelliert an das Verantwortungs-Bewusstsein des Bundesrats:
"Es ist Steuergeld in Milliardenhöhe in die Fluggesellschaft gesteckt worden. Unser Geld", erinnert BLICK. Man sei in den letzten Jahren den Eindruck nicht los geworden, dass "die Swiss für die Bundesräte eine heisse Kartoffel" sei.
swissinfo, Alina Kunz Popper