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Referenz an Maurice Gendron
Der französische Cello-Virtuose hat nicht nur Adrien-François Servais’ «Grande Fantaisie» angereichert, sondern beispielsweise auch Tschaikowskys «Pezzo capriccioso».
Die Fantasien und Souvenirs des belgischen Virtuosen Adrien-François Servais (1807–1866) gehören zu den technisch anspruchsvollsten Werken des Cellorepertoires. Nicht umsonst wurde der Komponist auch Paganini des Cellos genannt, treiben doch seine Werke die Virtuosität bis an die Grenze des Möglichen. Ein grosser Erfolg war seiner 1843 geschriebenen und 1847 veröffentlichten Grande Fantaisie sur des motifs de l'opéra Le Barbier de Séville de G. Rossini op. 6 beschieden. Servais variiert darin beliebte Motive der populären Oper wie Buona sera, Ecco ridente in cielo oder La testa vi gira ma zitto, dottore.
1958 erstellte der französische Cellist Maurice Gendron (1920–1990) davon eine eigene Konzertfassung, in der er als Einleitung die Rossini-Arie Una voce poco fa einschob, die Tutti straffte, um dafür die Kadenzen auszuschmücken und schliesslich das Figaro-Thema als krönendes Finale variierte. So erhielt diese Pièce de genre eine persönliche Note des virtuosen Ausnahmekönners.
Gendron richtete zudem zahlreiche andere Werke berühmter Komponisten nach seinem Geschmack für die eigene Praxis ein. Er betrachtete deren Vorlagen nicht als starren Urtext, sondern als Basis für eine freie künstlerische Auseinandersetzung. Ein bekanntes Beispiel ist seine Fassung des Pezzo capriccioso op. 62 von Peter Tschaikowsky, erschienen bei Schott (CB 212).
Die Neuedition der Fantaisie op. 6 besorgte der Schweizer Cellist Walter Grimmer, der seinem Lehrer Maurice Gendron zu dessen 100. Geburtstag im Jahre 2020 eine Referenz erwies.
Adrien-François Servais: Grande Fantaisie sur des motifs de l‘opéra Le Barbier de Séville de G. Rossini op. 6, version de concert de Maurice Gendron, révision Walter Grimmer, pour violoncelle et piano, GB 10263, ca. € 19.50, Editions Billaudot, Paris