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Der erste demokratische Versuch der Abgeordnetenversammlung in der Paulskirche 1848, einen Deutschen Nationalstaat als konstitutionelle Monarchie - als Kaiserreich unter preussischer Führung - zu schaffen (Kaiserdeputation), ist im November 1849 endgültig gescheitert. Der preussische König Wilhelm IV. lehnt eine Kaiserwürde „von Volkes Gnaden“ ab. Damit ist die Idee des deutschen Einheitsstaates vorerst gestorben.
1850 gibt sich Preussen eine Verfassung als konstitutionelle Monarchie. Das Dreiklassenwahlrecht (4% der Bevölkerung, die grössten Steuerzahler der 1. Klasse stehen 81% der Wähler der 3. Klasse gegenüber; jede Klasse stellt 1/3 der Abgeordneten) sichert eine regierungstreue Mehrheit im Abgeordnetenhaus. Aber 10 Jahre später kommt es zum Konflikt. Der König will eine Armeereform, das Abgeordnetenhaus will das Geld dazu nicht freigeben. Wilhelm I. (Bild rechts, Bruder und Nachfolger Wilhelms IV.) ruft den deutschen Gesandten in Paris Otto von Bismarck (Bild links) nach Berlin und macht ihn zum Reichskanzler. Damit wird Bismarck zum mächtigsten Mann in Preussen nach dem König. Bismarck boxt die Heeresreform gegen den Willen des Parlaments durch und erstickt jede Opposition im Keim. Sein Vorgehen rechtfertigt er mit der „Lückentheorie“: Wenn die Verfassung „eine Lücke“ hat, ist der König gezwungen, auch gegen das Parlament zu entscheiden, wenn es der Fortbestand des Staates verlangt. So baut Preussen zwischen 1850 und 1871 unter dem Reichskanzler Bismarck seine Macht bedeutend aus. Im Gegenzug wird 1850 der Deutsche Bund von 1815 als Bund gegen Preussen wieder aktiviert.
Der Deutsche Krieg 1866 (auch Preussisch-Österreichischer Krieg)
Bismarck ist entschlossen, die kleindeutsche Lösung zu verwirklichen und Preussen zur Führungsmacht der Deutschen Nation zu machen. Auf den Weg dahin muss Bismarck Österreich weiter isolieren. Dabei kommt ihm zu Hilfe, dass Dänemark sich unter Missachtung internationaler Abmachungen, Schleswig angliedert. Österreichische und preussische Truppen ziehen – vorerst noch vereint - in die Herzogtümer Schleswig und Holstein ein und besetzen sie. Die Interessen der beiden Staaten in Bezug auf die Zukunft der Herzogtümer gehen aber auseinander und 1866 kommt es zum Krieg zwischen Österreich (das den Deutschen Bund auf seiner Seite hat) und Preussen. Relativ schnell erringt Preussen bei Königgrätz einen Sieg dank seiner neuen Gewehre (Hinterlader mit deutlich höherer Feuerrate als die Vorderlader der Österreicher). Schleswig-Holstein geht an Preussen. Österreich muss im Frieden von Prag (1867) der Auflösung des Deutschen Bundes und dessen Neugestaltung ohne Österreich zustimmen (die kleindeutsche Lösung setzt sich durch, der Norddeutscher Bund entsteht). Im gleichen Jahr wird Österreich zur Doppelmonarchie Österreich-Ungarn (k&k - kaiserlich-königliche Doppelmonarchie). Es hat eigene Probleme, die nichts mit einer deutschen Nation zu tun haben. Preussen aber hat die Weichen für eine deutsche Einigung gestellt. Es hat Österreich in seine Schranken gewiesen. Um die eigene Grösse und Bedeutung in Europa zu untermauern, bleibt nur noch, das Verhältnis zum anderen Kaiserreich - Frankreich - zu klären und selber ein Kaiserreich zu werden.
Bayern, das sich in der Hoffnung, selber eine Grossmacht zu werden, auf die Seite Österreichs geschlagen hat, gehört zu den Verlierermächten und muss zurückstecken. Der bayrische König Ludwig II. unterzeichnet 1866 einen Vertrag mit Preussen, mit dem er de facto die bayerische Unabhängigkeit aufgibt. Ludwig II. zieht sich in seine Märchenwelt (der „Märchenkönig“ mit seinem „Märchenschloss“ Neuschwanstein) zurück, bevor er 1886 auf mysteriöse Weise aus dem Leben scheidet. 1871 wird Bayern Teil des neu ausgerufenen Deutschen Reichs, allerdings kann es sich als zweitgrösster deutscher Staat nach Preussen gewisse Vorrechte sichern, wie die Beibehaltung einer eigenen Armee, der eigenen Post und Eisenbahn.
Preussen arbeitet nun zielstrebig an der Gründung seines Deutschen Reiches (des Zweiten Deutschen Reichs!). Bismarck geniesst eine ungeheure Popularität. In Frankreich stehen angesichts der Machtausweitung der Preussen die Zeichen auf Sturm. Die Franzosen verfolgen mit Argwohn die Entwicklung des erstarkenden Preussen.
Aufgaben und Recherchen
Was ist die „Frankfurter Paulskirche“ und wie endet sie?
Wie sieht die Verfassung Preussens von 1850 aus?
Wer ist der Mann (voller Name), der 1862 die preussische Heeresreform gegen den Willen des Parlaments durchboxt? Wie legitimiert er seine reaktionäre Handlung?
Worum geht es Bismarck im Krieg gegen Österreich 1866?
Wieso ist Österreich für Preussen in einem deutschen Zusammenschluss eine Gefahr?
Wo und wie endet der Deutsche Krieg?
Wie heisst Österreich zwischen 1867 und 1918 auch noch?
Was spielt Bayern in diesem Spiel für eine Rolle?
Wen muss die Machtausweitung Preussens auf den Plan rufen und warum?