Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03516.jsonl.gz/1589

Luigi Snozzi zählt zu den Hauptvertretern der Neuen Tessiner Architektur. Dank ihm hat Monte Carasso bei Bellinzona 1993 den Wakker-Preis erhalten. Heute feiert er in Locarno den 85. Geburtstag.
In den 1970er Jahren drohte Monte Carasso zu einer Schlafstätte Bellinzonas zu werden. Luigi Snozzis Richtplan, dem die Gemeinde 1979 zustimmte, leitete die Wende ein. Den Beginn machte Snozzis Renovation des mittelalterlichen Augustinerinnen-Klosters, das weitgehend das ursprüngliche Aussehen zurückerlangte, das der Architekt aber gleichzeitig fit machte für die Gegenwart.
Das Kloster, wo auch die Primarschule untergebracht ist, ist das Zentrum des Dorfes. Ein rechteckiger Innenhof, Ausstellungsräume und eine Bar machen aus der Anlage einen öffentlichen Ort.
Rund um das Dorfzentrum mit Kloster, Kirche und Friedhof hat Snozzi eine Ringstrasse angelegt. Sie führt vorbei an Snozzis weiteren Bauten: dazu gehören eine Raiffeisen-Bank, ein turmähnliches Wohnhaus und eine Turnhalle mit Garderobengebäude.
Die Neugestaltung Monte Carassos hat weltweit für Aufsehen gesorgt. Für ihre Bemühungen, einen festen Rahmen für die ungeordnete Bebauung auszuarbeiten, hat die Gemeinde 1993 den Wakker-Preis des Schweizer Heimatschutzes erhalten. Zudem nahm Snozzi dafür in Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts den «Prince of Wales Prize in Urban Design» der Harvard-Universität entgegen.
Snozzi versteht Architektur anspruchsvoll als etwas Ganzheitliches. Das hat dazu geführt, dass er im Tessin - nach Monte Carasso - keine grossen Projekte mehr realisieren konnte, also «gescheitert» ist. Das räumte er 2011 in einem Gespräch mit der Zeitschrift «Hochparterre» ein. Tatsächlich ist die Liste seiner nicht realisierten Projekte länger als diejenige der realisierten.
Geboren wurde Luigi Snozzi am 29. Juli 1932 in Mendrisio TI. Ursprünglich wollte er Tierarzt werden, oder Maler. Dann lernte er den Architekten Peppo Brivio kennen und studierte an der ETH in Zürich. 1958 eröffnete er sein eigenes Büro in Locarno, später zusätzlich Büros in Zürich und Lausanne. 1985 übernahm Snozzi eine Professur an der EPFL in Lausanne, wo er bis 1997 lehrte. 1996 vertrat er die Schweiz an der Architekturbiennale in Venedig. (sda)