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Schon in alter Zeit hatten die Rosenzüchter bemerkt, dass sie Rosen nicht über die Samen sortenrein vermehren konnten. Deswegen wurden die historischen Rosen alle mit Steckhölzern vermehrt. Dabei konnte man von einem Rosenstock vielleicht 5 bis 15 Steckhölzer schneiden und das Anwachsergebnis war manchmal nicht sehr befriedigend. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren Rosen ohnehin eher den wohlhabenden Gartenbesitzern vorbehalten.
Eine revolutionäre Erfindung
Im Jahre 1849 übernahm Jean Baptiste André Guillot Fils die Rosengärtnerei seiner Vaters Jean Baptiste Guillot, genannt "Pere Guillot", bei Lyon (F) und erfand, erst 22-jährig, die Technik der Okulation in den Wurzelhals einer Wildrose. Das brachte ihm die Anerkennung der Rosenzüchter auf der ganzen Welt ein. Als gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Nachfrage nach Rosen sprunghaft anstieg, begannen viele Rosenschulen, diese Technik anzuwenden, denn sie konnten nun aus jedem einzelnen Auge eine neue Rosenpflanze produzieren. Die Wildlingsunterlagen konnte man leicht durch Aussaat vermehren.
Der Preis des Neuen
Man wählte als Unterlage stark wachsende Sorten, die schon nach einer Vegetationsperiode kräftige Pflanzen hervorbrachten. Manche schwächerwachsende Rosensorte wuchs auf der Unterlage kräftiger und andere starktriebige Rosensorten wurden in der Wuchskraft gemildert, so dass man einheitlichere Pflanzen bekam. Den Kunden gefiel das auch. Allerdings waren die veredelten Rosen nicht so langlebig wie die wurzelechten Rosenstöcke, die leicht mal hundert Jahre als werden konnten, während die veredelten Rosen eine Lebenserwartung von 30-40 Jahren haben. Auch wenn in einem strengen Winter die Rose bis auf die Veredlungsstelle zurückgefroren ist, treibt nur noch der Wildling aus und die Edelsorte ist verloren. Das war den Rosenschulen jedoch nicht unrecht, konnten sie doch wieder neue Rosenstöcke verkaufen. Sie ersparten sich auch die langwierige Arbeit, wurzelechte Rosen aus Steckhölzern zu produzieren und allmählich geriet diese Vermehrungstechnik in Vergessenheit.
Zurück zu den Wurzeln
Im besten Sinne dieses Spruchs habe ich nun wieder begonnen, wurzelechte Rosen zu produzieren. Allerdings vermehre ich die Rosen nicht nur wie früher mit Steckhölzern, die in der Vegetationsruhe in den Boden gesteckt werden, sondern auch mit Grünstecklingen. Heute bieten sich mir viele Möglichkeiten, die man früher nicht oder nur mit sehr viel Aufwand realisieren konnte. Ich habe ein Gewächshaus, das eine konstante Temperatur halten kann und ich kann darin die Luftfeuchtigkeit mit Sprühnebel auf einem hohen Niveau halten. Durch die gleichmässige Temperatur und die hohe Luftfeuchte beginnen die Stecklinge an der Schnittfläche Kallus zu bilden. Aus dem Kallus entwickeln sich erste kleine Wurzeln, die dann die Versorgung des Stecklings übernehmen. So entstehen neue wurzelchte Rosenjungpflanzen.
Vorteile und Nachteile der wurzelechten Rosen
Rosen sind auf eigener Wurzel erheblich langlebiger als veredelte Rosen. Selbst wenn in strengen Wintern alle oberirdischen Triebe zurückfrieren, würde die Rose aus ihren wurzeln wieder sortenrein austreiben. Und weil sie keine Wildlingsunterlage haben, können auch keine wilden Triebe entstehen. Lediglich bei älteren Rosenstöcken können sich Ausläufer der wurzelechten Rose bilden, die man aber leicht abstechen kann, wenn die Rose eher einen beschränkten Raum zur Verfügung hat. Andererseits kann auch das in einer Rosenhecke oder bei genügend Platzangebot von Vorteil sein.