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Weberhaus
erbaut 1823
Was dem Betrachter, von der Dorfstrasse herkommend, besonders auffällt, ist die verschachtelte Dachsituation. Es handelt sich hier um ein mehrfach an- und umgebautes Haus. Der älteste Teil des Gebäudes ist heute nur noch als kleiner Querbau gleich neben dem Hirschen sichtbar. Das dunkle, stöckliähnliche Haus wurde 1743 erbaut und wohl mit dem um 1800 errichteten Haupthaus verbunden, das nur vom Höheweg aus sichtbar ist. Das kleine Querhaus ist einer der ältesten erhaltenen Gewerbebauten im Dorfkern; obschon er viele Veränderungen erfahren hat, sind originale Details erhalten.
Der ursprüngliche Hauptbau, Dorfstrasse 15, wird meist übersehen, obschon es sich um ein besonders hochwertiges, schützenswertes Gebäude handelt. Es lohnt sich, vom Höheweg aus die Ostfassade zu betrachten. Hier waren Könner am Werk. Es handelt sich um die traditionelle Bauweise des Emmentals, eine Ständer- Bohlenkonstruktion. Die Fenster sind gekuppelt, also in Gruppen zusammengefasst. Oft wurde in späteren Umbauten Einzelfenster eingebaut, hier ist die ursprüngliche Einteilung noch vorhanden. Die Fensterbänke ziehen sich durch und werden nur von den Ständern, resp. Bügen unterbrochen. Die zurückhaltend geschnitzte Flugbundkonstruktion wird mit doppelten Zopfbügen kombiniert. Die heutige Hauptfassade gegen den Hirschenplatz ersetzt möglicherweise einen ursprünglichen Ökonomieteil zu diesem älteren Haus. Das «Weberhaus», benannt nach dem früheren Besitzer Coiffeur Weber, wurde im ländlichen Stil errichtet; ursprünglich war es wohl ebenfalls unverkleidet wie das Hauptgebäude, wurde dann aber verrandet und gestrichen, um einen bürgerlichen Anschein zu erwecken.
Ungewöhnlich ist die Grösse des Hauses, hat es doch vier Stockwerke, also eines mehr als praktisch alle anderen Gebäude im Dorf. Das führt zu der seltsamen Dachverschachtelung der Bauten.
Anders als die meisten Häuser im Dorf hat das Weberhaus eine Giebellaube zum Platz hin. Sie ist mit zwei Säulen abgestützt, die dank der schwarz-roten Bemalung besonders auffallen. Ein um 1900 noch diskreter kleiner Laden eines Buchbinders Christian Blaser wurde wohl um 1930/40 auf die heutige Grösse erweitert; links befand sich der Coiffeur, rechts die Papeterie Müller.