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Dienstag 01.09.2020
Unerhört
19.30 Uhr
Konzert ohne Pause.
Dauer ca. 75 Minuten.
Tickets CHF 35
Studenten CHF 15
Nutzen Sie bitte den Vorverkauf
oder ,
T 041 660 91 18
Konzertkasse 19:00
Konzertprogramm
Ludwig van Beethoven
Klaviersonate op. 109 E-Dur
Ludwig van Beethoven
Violinsonate Nr. 8 G-Dur op. 30/3
Ludwig van Beethoven
Cellosonate Nr. 4 C-Dur op. 102/1
Gabriel Fauré
Klaviertrio d-Moll op. 120
Das Motto des Konzertprogramms bezieht sich vorab auf den Umstand, dass Ludwig van Beethoven und Gabriel Fauré an Gehörlosigkeit bzw. an Schwerhörigkeit litten und ihre späten Werke selbst nie akustisch hören konnten. Doch darüber hinaus spielt das Wort »unerhört« auch auf andere Schwierigkeiten an. So weist es beispielsweise auf die Verständnisproblematik des Publikums bezüglich Beethovens ›Spätwerks‹ hin: Vielen erschlossen sich der Kompositionsstil und die musikalischen Zusammenhänge nicht – sie blieben von ihnen im eigentlichen Sinne »unerhört«.
Die Klaviersonate in E-Dur op. 109 komponierte Beethoven in seiner dritten und letzten Schaffensperiode. In ihr wird die Sonatenform experimentell neu ausgedeutet. So geben beispielweise die Takte 1 bis 8 des Vivace, ma non troppo nicht wie üblich die erste Hälfte eines Themas wieder, sondern stellen auf engstem Raum gleich zwei auf ihre Essenz komprimierte Formteile dar: die des Hauptthemas bis Takt 4 und die der Überleitung bis Takt 8. Dass dabei im ganzen Satz musikalisch kontrastierende Elemente dicht aufeinander folgen, ist ein typisches Merkmal in Beethovens ›Spätstil‹. Der zweite Satz stellt in etwas weniger konzentrierter Form ebenfalls ein Sonatensatz dar: Mit seinem ganz anderen Charakter – ein wildes Scherzo – steht es komplementär zum Ersten da. Der Finalsatz wiederum endet, entgegen aller Erwartungen, leise, über einem Pedalklang sich verlierend. Der Musikkritiker Adolph Karl Marx schrieb 1824 dazu poetisch: »Nachdem die Figuren des Basses, wie Meereswelten am Strand ausgetobt haben, scheint die Sonne des milden Andante scheidend noch einmal und belächelt ruhig und abendlich die Landschaft.«
Die Cellosonate in C-Dur op. 102, Nr. 1 bildet mit ihrem Schwesterwerk eine Zäsur in Beethovens Arbeit. Statt der üblichen Drei- oder Viersätzigkeit besteht die Sonate lediglich aus zwei Satzpaaren. Der im Autograf angebrachte Zusatz »Freye Sonate« deutet den experimentellen Charakter an.
Weiter setzte sich Beethoven ab 1815 vermehrt mit der barocken Fugentechnik auseinander um sie mit neuen »poetischen Moment(en)« zu bereichern: Denn »allein die Freiheit, weiter (zu) gehen ist in der Kunstwelt (…) zweck.« Daher ist nicht erstaunlich, dass ursprünglich als Finalsatz eine Fuge vorgehsehen war. Er verwarf den Plan zwar, setzte aber an zentraler Stelle des Schlussrondos ein Fugato ein.
Die Violinsonate in G-Dur op. 30, Nr. 3 steht am Ende der ersten bzw. am Beginn der zweiten Schaffensperiode Beethovens. Der Komponist war zu jener Zeit in hocharistokratischen Adelshäusern ein gefragter Klaviervirtuose und wusste sich durchaus in diesen Kreisen zu bewegen. Allerdings machte sich schon damals sein Gehörleiden bemerkbar, wie das erschütternde 1802 geschriebene ›Heiligenstädter Testament‹ uns eindrücklich vermittelt. Doch in der Violinsonate ist von seiner persönlichen Verzweiflung nichts zu spüren. Sie ist viel weniger von Ernst geprägt als ihr Schwesterwerk in c-Moll; der Finalsatz etwa ist ein zündendes Rondo, das eine urtümliche Spielfreude ausstrahlt.
Ungefähr im Alter von 58 Jahren begann auch Gabriel Fauré an Schwerhörigkeit zu leiden. Erschwerend dazu trat noch die irritierende Verzerrung der wahrgenommenen Töne gegenüber den notierten hinzu. Dennoch komponierte Fauré noch weitere 20 Jahre. Das Trio für Violine, Violoncello und Klavier in d-Moll op. 120 ist sein vorletztes Werk. Dazu angeregt wurde er vom Verleger Jacques Durand, wobei für Fauré lange offenblieb, ob die Oberstimme mit Violine oder Klarinette besetzt werden soll. Zu Beginn fehlte dem 77-Jährigen der entscheidende Antrieb. Mehr als einen Monat nach Auftragsbeginn klagt er, dass er »noch nicht zwei Noten gefunden (habe), die würdig wären, aufgeschrieben zu werden». Ein Jahr später lag die Komposition vollendet vor, doch bei der Uraufführung konnte Fauré aus gesundheitlichen Gründen nicht anwesend sein. Dies bedauerte er umso mehr, als das Werk begeistert aufgenommen wurde. Es sei »eines der vollgültigsten Musterbeispiele an Kammermusik« schrieb etwa der Musikkritiker Roland-Manuel, es besitze »allen Schwung, allen Elan, alle Kühnheit der Jugend.«
(Roman Dosch)