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In den 1940er-Jahren galt das Tragen von Kleidung des anderen Geschlechts in den USA als Verbrechen. Schon damals schlüpfte Bugs Bunny immer wieder in weibliche Rollen. Als Meerjungfrau mit Marilyn-Monroe-Frisur. Oder als Brunhilde mit grossen Brüsten und Zöpfen unter einem geflügelten Helm, eine Parodie auf Richard Wagners Walküre aus dem «Ring des Nibelungen».
Der clevere Hase aus den Warner-Brothers-Zeichentrickfilmen ist Held der Kindheit mancher trans Menschen.
So freut sich ein Twitter-User, er habe von Bugs Bunnys genderfluidem Auftreten gelernt, dass es mehr gebe als zwei Geschlechter. Ende Juli ehrte die US-Post den Hasen zu seinem 80. Geburtstag mit zehn Briefmarken.
Trans Menschen fehlen Vorbilder
Positiv besetzte trans Rollen gibt es in der Filmgeschichte kaum. In der «Netflix»-Dokumentation, Link öffnet in einem neuen Fenster «Disclosure» erzählen trans Menschen von ihren Erfahrungen in Hollywood und der Darstellung von trans Personen.
Das Fazit: Wenn Transidente überhaupt eine Rolle spielten, dann als Witzfigur (stolpernde Männer in Stöckelschuhen) oder Killer (Buffalo Bill in «Schweigen der Lämmer»): Irritation des Kinopublikums auf Kosten von trans Menschen.
Was ist eigentlich trans?
Trans Menschen wurde bei der Geburt ein Geschlecht zugeordnet, mit dem sie sich nicht identifizieren können. Ihre äusserlichen Geschlechtsmerkmale entsprechen nicht dem tiefen inneren Wissen über ihr Geschlecht. Nicht alle trans Menschen wollen über eine Transition ihr biologisches Geschlecht operativ angleichen. Die Geschlechtsidentität ist nicht sichtbar. Viele leiden unter der binären Geschlechterwahrnehmung, die nur Frauen und Männer unterscheidet.
Im Unterschied dazu schlüpfen «Drag Queens» oder «Drag Kings» meist nur vorübergehend in eine Rolle.
Comic als einzig positive Darstellung
Irritieren will auch Bugs Bunny. Und dennoch: «Die einzige positive Darstellung von irgendetwas trans Femininem war Bugs Bunny», erinnert sich Filmemacherin und Transgender-Aktivistin Susan Stryker in «Disclosure» an ihre Kindheit vor dem Fernseher in den 1960er-Jahren.
Auch die «Matrix»-Regisseurin Lilly Wachowski sagt in der Netflix-Serie, dass sie sich nie in Filmen wiederfinden konnte. Ausser im Zeichentrickhasen: «Da war etwas an Bugs Bunny, das in mir die Idee von Transformation weckte.»
Doch Bugs Bunnys weibliche Tarnung fliegt in den Trickfilmen stets auf. Dann wird der Cartoon-Hase gejagt und zur Lachnummer für das Publikum.
Bugs Bunny will vor allem Lacher kassieren
Stimmen aus der LGBTQ-Community finden Bugs Bunnys «Drag»-Verkörperung begehrenswert, sehen ihn als starke Frau. Eine Projektion, die Animationsfilmexperte Rolf Bächler nicht versteht: «Auch wenn er als Weibchen auftrat, war er völlig überdreht. Er will die anderen verarschen».
Von starken Frauen könne man da nicht reden, sagt der Zürcher Trickfilmmacher. Man müsse sich vergegenwärtigen, dass Bugs Bunny während des 2. Weltkriegs aufkam. Der smarte Zeichentrickhase sollte die Soldaten unterhalten.
Ist Bugs Bunny also doch kein passendes Idol für trans Menschen? Laut Laverne Cox, Produzentin der «Disclosure»-Doku, hat Hollywood der Gesellschaft mit der einseitigen Darstellung von trans Menschen beigebracht, wie sie im Alltag auf sie reagieren sollen.
In der Serie erzählt Cox, sie erlebe das selbst immer wieder: Als sie zu Beginn ihrer Transformation in die New Yorker U-Bahn steigen wollte, hätten andere Fahrgäste sie ausgelacht. Wie das Publikum Bugs Bunny.
Sendung: SRF eins, Treffpunkt, 11.8.2020, 10:03 Uhr.