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In Zeiten, in denen in Europas Top-5-Ligen die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Klubs Lichtjahre weit auseinanderklaffen, sind die grossen Sensationen rar. Die Meistertitel teilen sich in der Regel die grossen Vereine untereinander auf. Doch am 2. Mai vor 4 Jahren fand für einmal ein veritables Fussball-Märchen sein Happy End.
In der Hauptrolle: Leicester City. Die «Foxes» haben im Vorjahr knapp den Abstieg abwenden können, waren eine weitere Saison zuvor erst in die Premier League aufgestiegen.
Am 13. Spieltag erobert das Team von Claudio Ranieri erstmals die Tabellenspitze. Dass Leicester am Ende der Saison immer noch oben steht, bezweifeln jedoch gar die grössten Optimisten. Ausnahme: der angeschickerte Zimmermann, der 5 Pfund bei einer Quote von 1:5000 setzt.
Apropos Wettquoten:
Der Spiegel rechnete vor: Laut britischen Wettbüros war der Leicester-Titel Anfang Saison so wahrscheinlich, wie dass der Yeti oder das Monster von Loch Ness gefunden werden, der heisseste Tag des Jahres auf Weihnachten fällt – oder dass eine Frau ein Premier-League-Team trainiert.
Wahrscheinlicher als Leicesters 5000-zu-1-Titel galt, dass ...:
- der Papst für die schwer protestantisch geprägten Glasgow Rangers aufläuft (4000 zu 1),
- Elvis lebt (2000 zu 1),
- die Queen zu Weihnachten an der Spitze der britischen Single-Charts steht (1000 zu 1),
- Andy Murray sein erstes Kind nach Novak Djokovic benennt (500 zu 1)
- oder US-Präsident Obama die Verschwörungstheorie bestätigt, dass die Mondlandung nie stattgefunden habe (ebenfalls 500 zu 1).
Doch das Team aus den Midlands zieht durch. Das kongeniale Duo Riyad Mahrez und Jamie Vardy kommt zusammen auf 42 Tore. Neben dem Flügelflitzer und dem Knipser mit der Vorliebe für Energy Drinks und Kautabak darf auch Gökhan Inler für 5 (Teil-)Einsätze ran.
Nach einem Auswärtssieg bei ManCity Anfang Februar wird Leicester erstmals als ernsthafter Titelaspirant betrachtet. In der 36. Runde ist es dann soweit: Am Montag, dem 2. Mai 2016, macht Chelsea mit einem Remis gegen Tottenham den spielfreien Aussenseiter zum Meister.
Kaiserslautern: Vom Aufsteiger zum Meister
Fussballmärchen am 2. Mai? War da nicht schon einmal was? Richtig – exakt 18 Jahre vor der Leicester-Sensation hatte sich ebenfalls Unglaubliches ereignet: Der 1. FC Kaiserslautern holt sich als erster und bislang einziger Aufsteiger die Meisterschale der Bundesliga. Das Team von Otto Rehhagel lässt schon am 1. Spieltag der Saison 1997/98 mit einem 1:0 über Branchenprimus Bayern aufhorchen.
Danach steht das Team vom Betzenberg während 32 von 34 Runden an der Tabellenspitze. Am Ende der Saison nimmt Captain Ciriaco Sforza die «Salatschüssel» entgegen. Mit 21 Toren hat Kopfball-Ungeheuer Olaf Marschall grossen Anteil am Erfolg. Seither warten die «Roten Teufel», die aktuell in der 3. Liga herumdümpeln, auf einen weiteren Meistertitel.