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Nimrud war ein grosser Jäger vor dem Herrn. Es war die Vorzeit, als Bab-ilu, die spätere glanzvolle Stadt zwischen den beiden Strömen, noch aus ein paar ärmlichen Hütten bestand. Nebst den sesshaften Bauern gab es Sippen von Jägern und Sammlern, die ohne festen Wohnsitz das Land durchstreiften.
Das Wild wurde weniger und weniger, die Jäger litten Not, Männer, Kinder und Weiber schrien nach Fleisch. Da machte sich Nimrud, das Oberhaupt der Sippe, auf den Weg.
Vorher leistete er einen Eid: «Ich werde nicht eher ruhen, als bis ich den Gott Karnon mit einem Tieropfer versöhnt habe. Dann wird er die Herden mit den Gazellen, Hirschen und Rehen wieder zunehmen lassen an Zahl und Grösse.»
Auch schwor Nimrud, sich so lange nur mit den Früchten des Feldes und des Waldes zu ernähren, bis er ein Wild erlegt haben würde, das des Gottes würdig war. Makellos sollte es sein, dieses Tier, nicht nur Fleisch, sondern Fleisch vom Fleisch, das fleischigste Fleisch, das sich irgend denken liess.
Schiru hiess das Tier, das Nimrud aufspüren und mit dem Bogen erlegen wollte. Denn das Schiru jagte, anders als andere Raubtiere, nicht pflanzenfressende Tiere, sondern eine Katzenart, die sich ihrerseits aus dem Fleisch von kleinen fleischfressenden Tieren ernährte.
Weil also das Fleisch des Schiru aus Fleisch vom Fleisch vom Fleisch vom Fleisch bestand, war es gerade würdig genug, als Brand-, Rauch- und Versöhnungsopfer dem Gott Karnon dargebracht zu werden.
Nimrud durchstreifte karge Wüsteneien und liebliche Fluren, ohne auf ein Schiru zu stossen. Er ass Äpfel, Feigen, Trauben und Wurzeln, wie er es gelobt hatte, und sehnte sich nach dem Augenblick, wo er das Schiru erlegen und gemeinsam mit dem Gott vom zarten und milden Fleisch kosten würde.
Jahr für Jahr zog der grosse Jäger durch die Lande, ohne Jagdbeute, aber zunehmend gierig nach dem vierfachen Fleisch, dem Grossen Fleisch, das im Tal des Indus auch als Mahamamsa bekannt war.
Als sieben Jahre verflossen waren, kehrte Nimrud mit leeren Händen nach Hause zurück. Die Menschen riefen: «Hast du das Tier erlegt? Hast du das Opfer dargebracht? Hast du den Gott gnädig gestimmt? Wo sind die Herden, unsere Leiber zu ernähren und unsere Seelen zu stärken mit dem süssen Fleisch von Gazelle, Hirsch und Reh?»
Da entbrannte der Zorn von Nimrud, und er liess schlachten eine Jungfrau aus seinem Volk. «Ist das Fleisch des Menschen nicht auch Fleisch vom Fleisch, da er nebst den Früchten vom Feld als auch das Fleisch von Tieren isst?», sagte er.
Und er opferte und gebot allen, vom Fleisch der Jungfrau zu schmausen, und wer sich weigerte, kam ebenfalls unter das Schlachtmesser. So wurde Nimrud der erste Gewaltherrscher unter der Sonne.
Dem Gott aber missfiel's. Er liess dem Frevler einen dichten Pelz wachsen und verbannte ihn an den Sternenhimmel, wo er nun zur Strafe ausharren muss sieben Jahrtausende, sieben Jahrhunderte, sieben Jahrzehnte, sieben Jahre, sieben Monate, sieben Wochen, sieben Tage, sieben Stunden, sieben Minuten und sieben Sekunden.