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Ortsbezeichnungen belegen eine Besiedelung des Linthtales etwa ab dem 5. Jahrhundert vor Christus; sie lassen die Anwesenheit von Ligurern, Räten, Kelten und Romanen erkennen.Laut durch Ausgrabungen gewonnener Erkenntnis stand die erste Talkirche im 6. Jahrhundert an der Stelle des heutigen Gerichtshauses in Glarus. Die Siedlung ist demnach viel älter als die meisten Schweizer Städte ohne römische Wurzeln.Erste urkundliche Erwähnung findet „Clarona“ in einer aus dem 9. Jahrhundert stammenden Lebensgeschichte der Heiligen Felix und Regula. Diese seien auf ihrer Flucht nach dem Gemetzel der thebäischen Legion in St-Maurice durch „wüste Orte der Einöde, die Clarona heisst,“ gezogen: nach Zürich, wo sie als Märtyrer den Tod fanden. Der Meierhof, als Sitz der Verwalter des Frauenklosters Säckingen befand sich in Glarus, das lange Zeit aus zwei getrennten Siedlungen bestand. Grosse Teile des Glarnerlandes gehörten bis Ende des 14. Jahrhunderts dieser Grundherrschaft, von der sich die Talleute loskauften, ihr aber noch bis 1790 einen „ewigen Jahreszins“ entrichteten.Auch die ersten Landsgemeinden mögen hier abgehalten worden sein; die älteste urkundlich belegte Landsgemeinde, an der sich die Glarner Landessatzungen gaben, fand 1387 statt. – Der Wert dieser Institution wird auch heutzutage kaum angezweifelt. Sie findet am 1. Sonntag im Mai auf dem Zaunplatz in Glarus statt; bei sehr schlechtem Wetter wird sie um eine Woche verschoben.Der frühe Kirchenbau – die Glarner Kirche war bis ins 13. Jahrhundert die einzige Pfarrkirche des Tales – und die zentrale Lage bestimmten die Entwicklung der Siedlung mit, die 1419 von der Landsgemeinde zum Hauptort bestimmt worden ist. Hier befanden sich die Ratshäuser des Landes, wurde Recht gesprochen, wurden Leute gefangen gehalten, an den Pranger gestellt oder gar zur Richtstätte geführt; hier gründete Huldrych Zwingli – von 1506 bis 1516 Pfarrer von Glarus, das sich nicht zuletzt wegen dieser Beziehung seiner Reformation anschloss – eine Lateinschule, und hier wurde 1560 das erste „Spital“ als Unterkunft für arme und „pesthafte“ Leute gebaut.Während der Helvetik war Glarus Hauptort des Kantons Linth (1798-1803).Da nach der Reformation die Gemeinde konfessionell gemischt blieb, ergab sich eine äusserst komplizierte Gemeindeorganisation. Dem Tagwen (inzwischen in der Ortsgemeinde aufgegangene Bürgergemeinde) gehörten alle Stimmberechtigten, gleich welcher Konfession, an. Das traf auch auf die gemeine Kirchgemeinde zu, welcher die mit der Einwohnerschaft von Riedern gemeinsam genutzte Kirche sowie einiges Vermögen unterstand. Deshalb trennten sich die Kirchgenossen von Mitlödi, Netstal und Ennenda auch nicht von ihr, als sie eigene Kirchen gebaut und eigene Kirchgemeinden gegründet hatten: Es setzte sich die gemeine Kirchgemeinde nicht nur aus Angehörigen verschiedener Konfessionen, sondern auch aus Aktiv- und Passivkirchgenossen zusammen, die zudem verschiedenen Gebietskörperschaften angehörten. – Auch war das Schul- und Fürsorgewesen konfessionell organisiert. Die verschiedenen Gruppierungen waren gezwungen, zusammenzuarbeiten, Verträge auszuhandeln, gemeinsame Gremien zu bilden. Der Stand Glarus nahm manche Entwicklung in der Beziehung der Konfessionen zueinander vorab – und dies glücklicher- und bezeichnenderweise -, ohne dass es zu offenem Krieg gekommen wäre.Nachdem Schule und Fürsorge zu Aufgaben der staatlichen Politik geworden sind und das Simultanverhältnis an der Stadtkirche 1964 mit der Weihe der St.-Fridolins-Kirche untergegangen ist, gibt es noch folgende selbstständigen Körperschaften: Ortsgemeinde Glarus, Schulgemeinde Glarus-Riedern, Fürsorgegemeinde Glarus-Riedern, Evang.-Ref. Kirchgemeinde Glarus-Riedern, Röm.-kath. Kirchgemeinde Glarus-Riedern-Ennenda.Die Gemeinden Glarus und Riedern bilden einen Landratswahlkreis, der 13 der 80 Glarner Landräte (Legislative) zu wählen hat. Zudem haben sie in einer Vereinbarung die Zusammenarbeit in Zivilschutz, Feuerwehr, Vormundschaft, Altersbetreuung, Spitex, Friedhofwesen geregelt.Im 20. Jahrhundert wurde Glarus vom Industriestandort zum Dienstleistungszentrum. Die Bevölkerungsentwicklung verläuft vergleichbar mit „echten“ Städten: wies die Volkszählung 1970 noch 6189 Personen aus, betrug die mittlere Wohnbevölkerung 1998 noch rund 5500 Personen. Wohnraum wird zum Arbeitsraum; in den Sektoren 2 und 3 bieten 512 Arbeitsstätten annähernd 4000 Arbeitsplätze an, davon 3300 im Dienstleistungsbereich. Die einst wichtigen Textilfabriken sind aus dem Ortsbild weitgehend verschwunden. Grösster Arbeitgeber ist das Kantonsspital, das über 400 Stellen anbietet.Glarus baute seine Infrastruktur stets aus. Es verfügt über unerschöpfliche Quellwasserreserven, ein Grundwasserpumpwerk, drei kleinere Stromproduktionsanlagen, eine Erdgasversorgung, und die Kommunikationsdaten werden von einer Grossgemeinschaftsantennenanlage bezogen und teils bereits durch Glaskabel (www.wbg-glarus.ch) verteilt.Das Schulangebot ist hervorragend: Sitz von Kantonsschule, Diplommittelschule, kaufmännischer Berufsschule, Pflegeschule. In der Grundstufe wird die Möglichkeit der Einführungsklasse angeboten sowie ein freiwilliges 10. Schuljahr, ein Werkjahr und eine Integrationsklasse. Die Schulen von Glarus besuchen rund 1700 Kinder und Jugendliche. Die Schulgemeinde betreibt einen Kinderhort und je ein privater Verein eine Kinderkrippe / die Musikschule. Das Freizeit- und Sportangebot ist ebenfalls vielfältig.