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Im letzten Jahr (2000) meines Elektrotechnik-Studium an der Zürcher Fachhochschule
Winterthur (ZHW) dachte ich mir, dass es an der Zeit wäre, mal etwas Aussergewöhnliches
zu tun. Anstatt wie die meisten meiner Freunde nach einem Job zu suchen, verfolgte
ich die Idee, meine Studien in den USA fortzusetzen. Ich bewarb mich für das
Landis & Stäfa Programm, das ein Masters Studium an der Northwestern University
in Evanston, Illinois (nördlich von Chicago) ermöglicht. Zur gleichen Zeit empfahl
einer meiner Professoren an der ZHW mich an Gaston Wolf von der ZHW zu wenden,
da er Erfahrung und Kontakte hat mit verschiedenen Universitäten in den USA.
In den ersten Treffen mit Professor Wolf ging es vor allem darum, einen Konsens zu finden: was ist möglich und was genau möchte ich tun. Er machte mir auch relativ schnell klar, dass es nicht einfach sein wird, an einer der besseren Universitäten als Student aufgenommen zu werden. Es steckt viel Arbeit dahinter: verschiedene Essays müssen geschrieben werden, Empfehlungsschreiben verfasst werden und all die Anmeldeformulare ausgefüllt werden. Zudem müssen standatisierte Tests wie der GRE und der TOEFL abgelegt werden und die Resultate zusammen mit den Anmeldeformularen verschickt werden. Mindestens ein Jahr Vorbereitungszeit ist notwendig, um das alles zu bewältigen. Mein Ziel war es dann auch, im Sommer 2001 mit dem Studium in den USA zu beginnen.
Einer der ersten und wichtigsten Entscheide sind die Universitäten, an welchen man studieren möchte. Ich hatte zuerst keine Ahnung, wie gross die Auswahl wirklich ist (es gibt zurzeit mehr als 5000 akkreditierte Universitäten in den USA). Ein gutes Auswahlkriterium ist das Ranking einer Universität, je höher es ist, umso besser angesehen ist ein Diplom dieser Universität. Die Universitäten in den USA sind in einem andauernden Wettstreit um die besten Rankings. Professor Wolf hat einige Kontakte zu den besten Universitäten in den USA, und er machte mir klar, dass mit meinen Notendurchschnitt nur die besten Universitäten in Frage kommen sollten. Da ich keine Präferenzen hatte, in welche Region der USA ich genau möchte (Kalifornien wäre schön gewesen), riet mir Professor Wolf, mich an der University of Illinois at Urbana-Champaign (kurz UIUC) zu bewerben, und mich hauptsächlich auf diese zu konzentrieren. UIUC ist eine der führenden und grössten Universitäten in den USA, und haben eines der besten Electrical Engineering Programme in der Welt.
Im Sommer 2000, also ein Jahr vor dem Beginn des Studiums, absolvierte ich die notwendigen Tests (GRE und TOEFL). Gute Resultate in diesen Tests sind wichtig für internationale Studenten, da es die einzige Vergleichsmöglichkeit für die Professoren in den USA ist. Allerdings weiss ich heute, drei Jahre nach Beginn des Studiums, dass europäische Studenten trotz schlechteren Resultaten normalerweise den Vorzug erhalten gegenüber asiatischen oder afrikanischen Studenten. Der Grund dafür liegt im mündlichen Englisch, das Europäer normalerweise viel besser beherrschen. Dies vereinfacht vieles für die Professoren, da die Studenten mehr oder weniger von Tag eins einsatzfähig sind, und nicht zuerst Englischkurse besuchen müssen.
Im Herbst 2000 war es an der Zeit, all die kompletten Bewerbungen / Anmeldungen an die Universitäten zu senden. Obwohl der Anmeldeschluss normalerweise Mitte bis Ende Januar ist, ist es besser, sich früh zu bewerben, da die Universitäten Studenten normalerweise auf einer first-come-first-served Basis akzeptieren. Nach dem Versenden der Anmeldung begann das grosse Warten: die ersten Entscheide werden ungefähr im Februar gefällt. Ich erhielt meinen Acceptance letter von der UIUC im März 2001 mit einem Angebot, als Forschungs-Assistent für einen Professor zu arbeiten. Auf diesem Weg ist das Studium beinahe gratis, da man keine Studiengebühren bezahlen muss, und man etwas Geld verdient um Unterhaltskosten zu bezahlen. Ohne dieses Angebot würden Schulgebühren so um die $ 8000 pro Semester betragen, plus ca. $ 4000 für Leben und Unterhaltskosten! Studieren in den USA ist also keine billige Angelegenheit.
Nachdem ich meine Anmeldung an der UIUC bestätigt habe, musste alles mögliche an Papieren ausgefüllt werden. Unter anderem sind dies die Beantragung für ein Studenten-Visum für die USA und verschiedene medizinische Formulare, die jede Universität verlangt. Also, Abklärungen müssen gemacht werden wie Krankenkasse, Versicherungen und ein Platz zu Leben bis man ein Apartment hat um nur einige zu nennen. Am 12. August 2001 war es dann endlich soweit. Mit zwei riesigen Koffern verliess ich die Schweiz, um mein Abenteuer an der UIUC zu starten.
Urbana und Champaign sind zwei Städte eng zusammengebaut, etwa 150 km südlich von Chicago. Insgesamt haben sie 100'000 Einwohner, was einer Kleinstadt in der USA entspricht. Rund um diese beiden Städte gibt es nur eines: Kornfelder wohin das Auge reicht. Illinois ist einer der grössten Kornproduzenten in den USA. Es gibt auch keine Berge in den näheren Umgebung, die Landschaft ist superflach.
Die Universität ist eine der grössten im Land mit mittlerweilen ca. 35'000 bis 40'000 Studenten. Es gibt eigentlich nichts, was man hier nicht studieren kann. Die meisten Programme gehören zu den besten im Land, vor allem in Engineering, wo UIUC regelmässig zu den besten fünf Universitäten des Landes gehört. Etwa 5000 Studenten sind Graduate Students, die für einen Masters Degree oder Doktortitel studieren, alle anderen sind Undergraduate Students, die einen Bachelors Degree erhalten (ähnlich zu einem Fachhochschul-Abschluss). UIUC ist auch eine der besten Partyschools in den USA. Der Grund dafür ist, dass die Universität das grösste griechische System der USA hat, also die meisten Studentengemeinschaften (Fraternities and Sororities) mit griechischen Namen (wie Kappa Kappa Delta oder so). Ausserschulische Aktivitäten gibt es en masse. Ich bervorzuge es, in meiner Freizeit soviel Fussball wie möglich zu spielen (nebst Grillieren oder Golfen mit Freunden). Da die Universität so gross ist, sind die Möglichkeiten beinahe unbeschränkt.
Ich kam am an einem Sonntagabend am lokalen Flughafen an, und wurde dort zusammen mit ein paar anderen Studenten von Angestellten des Office for International Student Affairs abgeholt. Diese sind dafür zuständig, dass sich die internationalen Studenten in den ersten paar Tagen zurechtfinden, und sie erledigen auch all die notwendigen Papierangelegenheiten. Ich verbrachte zwei Nächte im universitätseigenen Hotel, bis ich in mein Apartment einzog, das etwa eine halbe Meile nödlich der Universität liegt. Die ersten Tage verbrachte ich vor allem mit Erledigen von verschiedenen notwendigen Sachen wie medizinischen Checks (die wollen genau wissen, ob du gesund bist), verschiedenen Seminaren über Health Care, Security etc., und auch die Anmeldung für eine Social Security Number (ähnlich wie die AHV-Nr.). Ich traf auch Professor Philip T. Krein zum ersten Mal, mein Advisor und Arbeitgeber (ich arbeite für ihn als Forschungsassistent). Wie ich mittlerweile herausgefunden habe, ist er einer der berühmtesten und besten Leute in seinem Forschungsgebiet (Power Electronics). Ich hatte sehr viel Glück, von ihm ausgewählt zu werden, da er ein sehr begeehrter Advisor ist.
Ich teilte mein Apartment mit Thomas Bjorklund, einem Ph.D. Chemie-Studenten von Appleton, Wisconsin. Er hat sich in den ersten Tagen und Wochen sehr viel Zeit genommen für mich und mir vieles erklärt, wie verschiedene Dinge in den USA und im speziellen an der Universität laufen. Ich konnte mir sein Auto ausleihen, um die Fahrprüfung in den USA zu machen. Dies ist eine Notwendigkeit wenn man ein Auto kaufen möchte, und ohne Auto ist man hier mehr oder weniger abgeschnitten. Das öffentliche Transportsystem ist nicht sehr zuverlässig. Es ist ok, mit dem Bus zur Universität zu fahren, aber ansonsten kann man ohne Auto wirklich nichts anfangen. Wie auch dem, ich hatte grosses Glück mit meinen Roommate (Zimmerkollegen), da wir uns sehr gut verstanden. Als er letztes Jahr heiratete, war ich einer seiner Trauzeugen, was sehr viel Spass machte. Er lebt jetzt mit seiner Frau in Housten, Texas.
Die ersten Klassen starteten zehn Tage nach meiner Ankunft in den USA. Die Art, wie die Klassen gehalten werden, ist nicht allzu verschieden von einer Fachhochschule. Viele Klassen haben eine kleinere Anzahl Studenten (bis zu 35), und nur wenige Klassen haben mehr als 100 Studenten. Diese sind vor allem Klassen, die alle Erstsemester nehmen müssen (sogenannte Introduction-Courses). Die Lernintensität ist allerdings höher als an Fachhochschulen. Wöchentliche Hausaufgaben und manchmal wöchentliche Kurztests sind die Ursachen für konstantes Lernen. Das hat auch seine guten Seiten, da man am Ende des Semester nicht alles wieder erlernen muss für das Schlussexamen.
Acht Credit-Units sind nötig, um an der UIUC einen Master of Science zu erhalten. Eine Klasse entspricht entweder ¾ oder 1 credit unit. Es ist möglich, das Studium innerhalb eines Jahres abzuschliessen, aber es benötigt viel Einsatz und eine sehr gut strukturierte und kurze Forschungszeit. Eine Diplomarbeit (Thesis) muss auch geschrieben werden in dieser Zeit. Normalerweise studiert man drei oder vier Semester für einen Master Degree. Ich erhielt meinen Master Degree im Dezember 2003, also zwei-einhalb Jahre nach dem Start meines Studiums. Verschiedene Gründe führten zu dieser langen Studienzeit. Meine Forschungsarbeit war über Design und Analysis von elektrischen Motoren. Das Designen und Bauen der verschiedenen Motoren brauchte sehr viel Zeit, da beinahe kein Fachwissen über dieses Thema an unserer Universität vorhanden war. Anstatt die neuen Motoren wie geplant nach drei Semestern zu haben, waren sie erst nach vier Semestern komplett, was zu einer Verspätung meiner Thesis führte. Ein anderer Grund war, dass ich im dritten Semester die Qualifying Examination für das Ph.D. Programm absolvierte; ein sechs-stündiger Test über das ganze Gebiet der Elektrotechnik, für welchen ich vier Monate mehr oder weniger ununterbrochen lernte. Zum Glück bestand ich den Test beim ersten Mal (man hat zwei Versuche), so dass ich nicht ein zweites Mal durch das ganze Hoffen und Bangen gehen musste. Der letzte Grund für die lange Studienzeit war meine Abschlussarbeit. Ist die erwartete Grösse etwa 50 Seiten, war meine schlussendlich 140 Seiten, da viele kleine Details meiner Forschung notwendigerweise niedergeschrieben werden musste.
Jetzt, im Sommer 2004 bin ich inmitten meines Ph.D. Studiums. Letztes Semester habe ich alle notwendigen Credits units (16 insgesamt) gesammelt und könnte eigentlich abschliessen. Unglücklicherweise habe ich mit meiner Forschung noch keine wesentlichen Fortschritte erzielt, weshalb ich wohl noch für zwei bis drei Jahre hier an der UIUC bleiben werde. Ich habe es allerdings auch nicht eilig, hier schnell zu verschwinden. Mir gefällt es hier ausgezeichnet, ich habe viele neue Freunde aus aller Welt gefunden (Australien, Mexico, Europa, Latein-Amerika, Asien und speziell natürlich von den USA), und meine Freundin startet ihr Medizin-Studium in diesem Sommer, was sie noch sechs Jahre hier behalten wird.
Nach meinen Abschluss werde ich mir hier in der Nähe einen Job suchen (es gibt verschiedene grössere Unternehmen, die Power Electronics und Machines Engineers mit einem Ph.D. benötigen). Das Arbeitsvisum sollte auch kein Problem darstellen, da man ein Jahr mit dem Studentenvisum F1 arbeiten kann (ein ‚Practical Training'). Meine Freundin ist zudem Amerikanerin, was das Erlangen einer Aufenthaltsbewilligung sehr vereinfacht. Ich plane also meine Zukunft in den USA, da ich dieses Land wirklich zu schätzen und lieben gelernt habe, und es für mich tatsächlich das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist.
Für alle, die ein Studium in den USA anstreben, ich kann es nur wärmsten empfehlen. Es ist ein mutiger Schritt, der viel Vorbereitung und Willen braucht, aber die Belohnung ist es wert. Ich möchte mich auch noch bei Professor Gaston Wolf bedanken für seine kostbare Zeit, seine unzähligen Tips und das benützen seiner Kontakte, um mich an der UIUC einzuschleusen. Ohne ihn wäre es unmöglich gewesen, einen Platz an dieser renommierten Universität zu erhalten. Ich möchte mich auch bei Professor Philip Krein bedanken, der mir die Möglichkeit und Mittel gegeben hat, an der UIUC zu studieren.
Wer gerne mehr über die University of Illinois at Urbana-Champaign (http://www.uiuc.edu) wissen möchte, oder im generellen über ein Studium in den USA, kann mich gerne kontaktieren. Ich bin mehr als glücklich, alle Fragen zu beantworten und viele Tips weiterzugeben. Meine email ist <email-pii>, und die Kontaktadresse ist von FHM-Network erhältlich (http://fhmnetwork.ch/).
Mein Graduation-Kuchen.
Award-Verleihung im April 2004. Ich erhielt einen Award über $ 5000 für ausgezeichnete schulische Leistungen. Prof. Jean-Pierre Leburton (links) und Marco Amrhein (rechts).