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IAEO: gebremster Zuwachs der Nuklearkapazitäten erwartet
Der Ausbau der Kernenergie hat sich nach Fukushima-Daiichi im Jahr 2011 verlangsamt. Die Verfasser des diesjährigen, 35. Berichts über die Aussichten der Kernenergie schätzen, dass der weltweite Ausbau bis 2030 zwischen 2,4% und 68% betragen werde. In der letztjährigen Ausgabe ging die IAEO noch von Werten zwischen 7,7% und 88% aus.
Die grosse Bandbreite entstehe durch Unsicherheiten bei lokalen Energiepolitiken, Laufzeitverlängerungen, Stilllegungen und Neubauprojekten. Die tiefen Ausbauzahlen (Low-Case-Szenario) beruhten auf konservativen Annahmen, bei denen sich Markt-, Technologie- und Rohstofftrends nur unwesentlich veränderten. Das High-Case-Szenario gehe von einem Wirtschaftswachstum aus und trage einem steigenden Strombedarf Rechnung. In diesem Szenario werde der Kernenergie eine wichtige Rolle bei der Verringerung des Treibhausgasausstosses zugeschrieben.
Ausbaufaktoren
Verschiedene Faktoren übten laut Bericht kurzfristig einen negativen Einfluss auf den Ausbau der Kernenergie aus. Zu diesen zählten die tiefen Gaspreise, die Subventionierung neuer Erneuerbarer sowie die weltweit angespannte Finanzlage, die sich negativ auf kapitalintensive Projekte auswirkten. Verzögerungen sind gemäss der IAEO auch auf die im Nachgang von Fukushima-Daiichi erhöhten Sicherheitsanforderungen zurückzuführen.
Von den 438 Kernkraftwerkseinheiten ist mehr als die Hälfte über 30 Jahre alt. «In unserem Low-Case-Szenario gehen wir davon aus, dass für jede stillgelegte Einheit bis 2030 irgendwo auf der Welt ein Ersatzblock gebaut wird. Im High-Case-Szenario wird ein Kapazitätsausbau um den Faktor 1,7 angenommen», so David Shropshire, Leiter der Sektion Planning and Economic Studies der IAEO.
Ausbau im Osten, Rückgang im Westen
Laut IAEO erwägen oder planen über 30 Länder, die Kernenergie in ihrem Strommix aufzunehmen. Im Mittleren Osten tragen die Vereinigen Arabischen Emirate (VAE) mit den vier in Bau stehenden APR-1400-Einheiten zum Ausbau bei. Treibende Kraft in Südasien ist Indien, wo sechs Neubauprojekte laufen. In der Region sind 6,9 GW elektrische Kernkraftwerksleistung installiert. Bis 2030 soll dieser Wert auf rund 26 GW bis knapp 44 GW steigen.
Das grösste Ausbaupotenzial sieht die IAEO im Fernen Osten, wo China und Südkorea die wesentlichen Beiträge liefern. Die derzeit installierten 87,1 GW sollen bis 2030 auf 132 GW im Low-Case-Szenario und auf 219 GW im High-Case-Szenario ausgebaut werden.
Einen Zuwachs im Kernkraftwerkspark schreibt die IAEO auch Osteuropa zu. Dort sind derzeit 49,7 GW elektrische Kernkraftwerksleistung installiert. Je nach Szenario steigt sie bis 2030 auf 64 GW oder 94 GW. Zu dieser Region gehören auch Russland und Weissrussland. In Russland stehen neun Kernkraftwerkseinheiten in Bau und in Weissrussland werden die ersten zwei Blöcke gebaut.
Im Gegensatz dazu steht gemäss Erwartungen der IAEO ein grösserer Rückgang in Westeuropa an. Wegen bevorstehender Stilllegungen könnten statt derzeit 113,7 GW bis 2030 nur noch knapp 63 GW an Kernkraftwerksleistung zur Verfügung stehen. Im High-Case-Szenario geht die IAEO mit 112 GW von einem bloss leichten Rückgang aus.
Für Nordamerika sieht die IAEO im Low-Case Szenario zwar auch einen Rückgang von 112,1 GW auf 92 GW voraus. Hingegen wäre dort unter günstigen Umständen ein Ausbau auf 140 GW möglich.