Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03514.jsonl.gz/731

Vor 116 Jahren, am 16. August 1896, brach einer der folgenreichsten Goldräusche am Klondike-River im nordwestlichen Teil Kanadas nahe der Grenze zu Alaska aus. In der Geschichte Amerikas war es das grösste Ereignis dieser Art. Doch dieser Goldrausch war nur ein Glied in der Kette von gleichartigen Grossereignissen, die mit dem ersten bekannten Goldrausch von Minas Gerais in Brasilien in den Jahren 1693 bis 1695 ihren Beginn hatte. Später wurden in dieser Region auch Diamanten gefunden. In Kalifornien entfachte der Goldrausch im Jahr 1848, als ein leitender Angestellter von Johann August Sutter auf dessen Territorium, einer Privatkolonie, mehrere »Goldklumpen« – Goldnuggets – endeckte.
Johann August Sutter wurde – als Schweizer – am 28. Februar 1803 in Kandern, einer Kleinstadt in Baden-Württemberg geboren. Er stammte aus einer wohlhabenden Familie, welche über mehrere Papierfabriken und Druckereien verfügte. Nach seiner Ausbildung zum Kaufmann in Basel, zog er nach Burgdorf (BE), eröffnete und betrieb, nachdem er bei einer Firma vorerst als Handelsagent gearbeitet hatte, sein eigenes Tuchwarengeschäft. Suter – so war sein eigentlicher Nachname – übersiedelte mit einundreissig Jahren, im Mai 1834, in das damals noch mexikanische Kalifornien, weil seine Unternehmung kurz vor dem Konkurs stand und er wegen Betrugs von den Behörden gesucht wurde. Nach fünf Jahren kolonisierte Sutter ein Gebiet, welches er kostenlos bekommen hatte und etwa der Grösse des Kantons Basel-Land entsprach. Um sein Anwesen auszubauen, liess Sutter vom Zimmermann James W. Marshall ein wassergetriebenes Sägewerk errichten. Genau dieser Zimmermann fand das erste Gold; Dies sprach sich schnell herum und New-Helvetia wurde mit Goldgräbern überschwemmt.
Auf dem obenstehenden Foto ist James W. Marshall vor der Sägemühle »Sutter’s Mill« zu sehen. Das Sägewerk wurde erstellt, um Baumaterial für neue Gebäude zu produzieren. Das Fort, welches rund um die Uhr durch General Sutter’s Privat-Armee, die über 18 Kanonen verfügte, bewacht wurde, hatte eine riesige Dimension: 20’000 Stück Vieh, 2500 Pferde, 2000 Schafe, 1000 Schweine und viele weitere Tiere gehörten zum lebenden Inventar des Imperiums.
Im selben Jahr endete der Mexikanisch-Amerikanische Krieg und Oberkalifornien, der heutige Bundesstaat Kalifornien und somit auch das Gebiet von General Sutter, wie er in seinem »Reich« auch genannt wurde, fiel an die USA. Da keine ausreichenden rechtstaatlichen Grundlagen für die Eigentumsverhältnisse des gefundenen Goldes bestanden, Recht und Ordnung geradezu in sich zusammenbrachen, verlor Johann August Sutter alles was er hatte, sein Imperium fiel zusammen und er verarmte. Am 18. Juni 1880 starb der Gründer von New-Helvetia in Washington. New-Helvetia bleibt in der Erinnerung der Bewohner der einstigen Privatkolonie: Im Jahr 1948 wurde im ehemaligen New-Helvetia die »John A. Sutter Middle School eröffnet«; Sie besitzt ein Logo, welches zwei wichtige Werkzeuge der Goldgräber – die Doppel-Schaufel und den Pickel – zeigt.
Mehr über die nach Johann August Sutter benannte Mittel-Schule ist durch Anklicken des obenstehenden Logos zu erfahren. Die Schule besteht aus verschiedenen Departementen. Im »The Sutter Instrumental Music Department« schliessen jährich 200 Studentinnen und Studenten ihr Studium ab; Die ganze Schule bildet jährlich über 1500 Studierende aus.
Dem Film »Der Kaiser von Kalifornien« von Luis Trenker – Bergsteiger, Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller – diente das Leben des ausgewanderten Schweizers als Vorlage. Über diesen Film schrieb der deutsche Filmkritiker Joe Hembus: «Der Kaiser von Kalifornien ist trotz der deutschen Western-Schwemme der sechziger Jahre einer der besten deutschen Western geblieben: Rhythmus und Realismus der Reise nach Kalifornien, der Massenszenen beim Aufbau von Nova Helvetia und der Szenen auf den Goldfeldern sind allem, was vergleichbare deutsche und sogar die meisten amerikanischen Produktionen der Zeit zu bieten hatten, weit voraus.» In seinem Heimatort Rünenberg (BL) erhielt Johann August Sutter einen Gedenkstein mit Tafel. Verschiedene Autoren liessen sich vom Leben und Wirken des »Schillernden Vogels«, der, wenn er das gefundene Gold sein eigen hätte nennen können, wohl zu den reichsten Leuten der Erde geworden wäre, inspirieren.
Im Buch mit dem Titel »General J. A. Sutter – Ein Leben auf der Flucht nach vorn«, stellt, analysiert und beantwortet der Verfasser, Bernard R. Bachmann, die Fragen: «War Sutter ein Lump?», «War er ein Held?», «War Sutter ein Pionier, der Gründer Kaliforniens?», «Hat Sutter die Indianer dezimiert?», «Hat er die Annexion Kaliforniens durch die USA initiiert?», «Hat der Gold Rush Sutter zugrunde gerichtet und Neu-Helvetien zerstört?», «Wer war er wirklich, Johann August Sutter?».
Das broschierte, 231 Seiten umfassende Buch mit den Massen b x h = 21 cm x 29.5 cm kommt äusserst spannend daher. Es beschreibt die Zusammenhänge der Geschichte Kaliforniens mit den Indianern, der Person General Sutter usw. – In Einschüben sind Berichte von anderen Autoren nachzulesen und es beinhaltet viele Farb-Fotografien, Abbildungen von Gemälden sowie Zeichnungen und Skizzen.
Die Monografie geht der Frage nach, ob Sutter ein Opfer der Zeitumstände war oder ob er sein pathetisches Scheitem selbst verschuldete. Sie zeichnet das vielschichtige Bild seiner Persönlichkeit. Das Buch ist zudem reich bebildert.
Bild-Quellen:
Bild A: Unbekannt
Bild B: Wikipedia
Bild C: http://www.sutterms.org/
Bild D: Buchdeckel