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Die Erfolgsstorys von Kreiseln in der Schweiz beginnt 1985 in Wettingen. Dort wurde damals der erste Kreisverkehr im Aargau gebaut. Er existiert heute noch: vor dem Ratshaus in Wettingen. Ob es tatsächlich der Kreisel war, welcher den «Boom» danach auslöste, ist nicht klar. Sicher ist: In den späten 1980ern und frühen 1990ern begann der Siegeszug der Kreisel in der Schweiz.
Zuvor gab es hierzulande einige riesige Kreisel mit rund 100 Metern Durchmesser – in Lausanne, im Neeracherried, bei Bülach und in Eglisau. Wo der wirklich älteste Kleinkreisel der Schweiz steht, ist nicht ganz klar. Am Dufourplatz in Zollikon wurde bereits 1935 einer gebaut, am Bundesplatz in Luzern ebenfalls in den 1930er Jahren. Auch der Burgernzielkreisel in Bern existiert schon länger, wie Luftaufnahmen von 1949 zeigen. Allerdings handelt es sich bei Letzterem um eine etwas kompliziertere Kreiselvariante (u.a. mit Tramgleisen, die queren). Darum gilt ein Kreisel in Worb als ältester Kreisel im Kanton Bern (1986). Und zwischen Gland und Vich wurde 1977 ein Kreisel eröffnet.
Doch zurück vor das Ratshaus in Wettingen. Strippenzieher war der damalige Wettinger Verkehrsplaner Hans Ruedi Schilling. In der Aargauer Zeitung erinnerte er sich vor Jahren, wie alles begann. Er habe den Kreiselboom in der Deutschschweiz ausgelöst: «Genau genommen habe ich den Kreisel nicht erfunden, sondern von den Engländern abgeschaut.» Während Ferien in England hatte Schilling die Verkehrsmassnahme schätzen gelernt. Wettingen war dabei nicht sein erster Versuch: «In den 1970er-Jahren wurde ich für verrückt erklärt, als ich auf der Kreuzung ‹Graströchni› in Schinznach-Dorf einen Kreisel bauen wollte.»
In Wettingen konnte er die Behörden überzeugen. Doch Skepsis blieb, viele Unfälle wurden befürchtet – oder dass Busse da nicht durchkommen würden. Darum einigte man sich zunächst auf einen Versuchsbetrieb, bei welchem man den Kreisel mit Pfosten absteckte. Das passende Verkehrszeichen wurde gleichzeitig erfunden.
Die Verkehrsteilnehmer gewöhnten sich schnell an den Kreisel. Der Linksvortritt war zwar neu und einige Autos fuhren sehr langsam – aber schwere Unfälle blieben aus. Vier Jahre später wurde der provisorische Kreisel in Wettingen zu einem richtigen umgebaut.
Mit dem ersten Kreisverkehr in Wettingen war der Auftakt gemacht. Bald kamen in anderen Orten die ersten Kreisel hinzu. Im Jahr 2023 (Stichtag: 1. Oktober) sorgen 254 Kreisel im Kanton Aargau für einen flüssigeren Verkehr. 40 davon liegen auf Gemeindestrassen, der Rest auf Kantonsstrassen.
Die 254 Kreisel verteilen sich auf genau 100 der 198 politischen Gemeinden des Kantons, wobei Gränichen und Wohlenschwil erst seit diesem Jahr zu den Gemeinden mit Kreiseln zählen. Dabei können Kreisel auch wieder verschwinden: So geschehen bei einem Exemplar in Spreitenbach, welcher im Rahmen des Baus der Limmattalbahn wieder entfernt wurde.
Nicht nur im Aargau, auch in der restlichen Schweiz nahm der Kreisverkehr ab 1990 seinen Siegeszug in Angriff. Mittlerweile kann man im Kanton Waadt fast in 500 Kreiseln Kreuzungen überwinden, auch Bern weist über 400 aus. Der Kanton Aargau folgt mit seinen 254 Rundbauten auf Rang sechs.
Schweizweit sind beim Bundesamt für Landestopografie swisstopo mittlerweile rund 3400 Kreisel erfasst. Die Daten ändern sich laufend. So sieht die Schweizer Kreiselkarte aktuell aus:
Aber welcher Schweizer Ort ist nun die Kreiselhauptstadt der Schweiz? In 1168 Gemeinden steht mindestens ein Kreisel, also in etwas mehr als der Hälfte der Schweizer Gemeinden:
Kreiselhauptstadt ist dabei keine der Grossstädte Zürich (8 Kreisel), Bern (29), Basel (20) oder Genf (22). In zu städtischem Verkehr sind Kreisel wegen des Platzmangels oft keine sinnvolle Lösung. Mit 47 Kreiseln auf dem Gemeindegebiet hat Sion im Ranking die Nase vorne. Auf den nächsten Plätzen folgen Lausanne (39), Neuenburg (38), Thun (25) und Bulle (32).
Um die ganze Kreisel-Situation noch besser einordnen zu können, nehmen wir die Einwohnerzahl zu Hilfe und konzentrieren uns auf alle Gemeinden, welche mindestens 10'000 Einwohner ausweisen:
Das sind die Schweizer Kreiselhauptstädte in Bezug auf die Einwohner. Bei über 10'000 Einwohnerinnen und Einwohnern hat Payerne VD die höchste Kreisel-Quote:
Blicken wir noch auf die 50 Gemeinden, welche mindestens 20'000 Einwohnerinnen und Einwohner zählen – hier belegt Sion VS den Spitzenplatz knapp vor Bulle FR:
Zürich weist mit einem Kreisel pro 52'000 Einwohner übrigens die tiefste Kreiselquote aus – kein Wunder bei nur acht Kreiseln. Allerdings ist dies immer noch mehr als Davos GR, welches mit über 10'000 Einwohnern die grösste Gemeinde ohne einen einzigen Kreisel ist. Gefolgt wird die Bündner Stadt der Einwohnergrösse nach von den ebenfalls (noch) kreiselfreien Gemeinden Eschenbach SG, Glarus Süd und Schübelbach SZ.
Kreisel sind ja nicht nur eine Verkehrsmassnahme, sondern werden dank der freien Fläche in der Mitte auch zum Kunstobjekt. Einige präsentieren sich dabei seit Jahren gleich, andere wechseln immer mal wieder das Motiv. So wie hier beispielsweise der Kreisel in Buchs ZH bei der Amag:
Andere Kunstwerke verbinden gar zwei Kreisel, so wie hier im luzernischen Root:
Wir haben hier noch ein bisschen Inspiration: Vor einigen Jahren suchten wir die schönsten Kreiselkunstwerke der Schweiz. Aber wir sind uns sicher, da geht noch mehr ...
Die SBB wollen grüner werden. Bis 2030 sollen die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 2018 halbiert werden. Ausserdem sollen die Züge so bald wie möglich nur noch mit erneuerbarer Energie fahren. Damit dies gelingt und die Bahn, neben dem Langsamverkehr, das klimafreundlichste Verkehrsmittel bleibt, laufen mehr als 200 Nachhaltigkeitsprojekte.