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Bild
Titel:
Gruss aus Kalifornien
Thema: Leute
Datum: --.06.1920
Masse: 13 x 19 cm
Standort: Privatbesitz Ernst Steingruber, Matzingen
Urheber/-in:
Beschreibung:
Die in Kalifornien entstandene Schwarzweissfotographie zeigt das Ehepaar Robert und Rosa Lauchenauer-Inauen vor ihrem Fahrzeug in der Weite von San Rafael, Kalifornien. Im offenen Wagen sitzen ihre zwei Buben Emil und Robert. Beide halten eine grosse Bratpfanne in der Hand, welche sie wohl als Blinker zum abbiegen benutzt haben. Robert Lauchauer trägt einen lockeren dunklen Anzug, ein Polohemd, helle Cowboystiefel und einen dunklen Hut. In der rechten Hand trägt er eine grosse Korbflasche. Seine Frau Rosa ist mit einem weiten hellen Kleid, dunklen Strümpfen, einem dunklen Mantel, hellen Schuhen ohne Absätze und einer Ballonmütze bekleidet und schenkt aus einem Krug in ein Schälchen ein. Die Fotographie trägt das Datum „June 1920“, den Zeitpunkt, als der ausgewanderte Robert Lauchenauer das Bild einem seiner Brüder in Herisau schickte. Auf der Rückseite des Fotos ist vermerkt: „Mein Bruder u. Frau. Müsst uns nicht etwa im Verdacht haben, dass wir gegen die Prohibition gehandelt haben, in dieser Korbflasche führte ich bloss Wasser mit für die Maschine.“
Geschichte:
Robert Lauchenauer (*1885) wanderte vor 1910 als lediger junger Mann gemeinsam mit seinem Bruder Ulrich nach Kalifornien aus. Er stammte aus einer kinderreichen Hundwiler Bauernfamilie, welche in Herisau Ufem Tobel, nahe der Hundwiler Grenze, wohnhaft war. Manche Appenzeller erhofften sich anfangs des 20. Jahrhunderts bessere Arbeitschancen und wirtschaftliche Sicherheit in den Vereinigten Staaten. Vor allem in den Jahren vor dem 1. Weltkrieg verzeichnete der Kanton Appenzell Ausserrhoden, wie auch eine Vielzahl der übrigen Schweizer Kantone, eine hohe Auswanderungsrate von ca. 60 Auswanderern pro Jahr nach Übersee. Die Auswanderer stammten aus allen Berufsgruppen, sie waren Kaufleute, Handwerker, Landwirte. Das genaue Datum der Auswanderung Robert Lauchenauers ist nicht bekannt. Im Familienregister wurde jedoch notiert, dass er sich 1910 in San Rafael (Kalifornien) mit der Innerrhoderin Rosa Inauen verehelichte. Gemeinsam führten sie eine Milchviehfarm in San Rafael. Ein Jahr nach der Heirat wurde ihr erster Sohn Robert geboren, zwei Jahre später kam Sohn Emil zur Welt. 1920 reiste ein weiterer Bruder nach San Rafael: Emil Lauchenauer. Dreissig Jahre half dieser als Arbeiter auf der Milchfarm mit. Keiner der Auswanderer kehrte mehr ins Appenzellerland zurück. In einem Zeitungsinterview meinte der damals 74jährige Emil 1973: „No, I don’t want to go back, no. The family, they told me they would give me land, my own land, if I would go back. But I don’t want to go back. I’ll stay here until I die.“
Das Foto wurde ein Jahr nach der Einführung der Alkoholprohibition in Amerika aufgenommen. Von 1919 bis 1933 war in den Vereinigten Staaten das landesweite Verbot des Verkaufs, der Herstellung und des Transports von Alkohol in Kraft, welches unter dem Druck der Enthaltungsbewegung zustande gekommen war. Das neue Gesetz war schwierig durchzusetzen: Die illegale Produktion und Verbreitung von Alkohol breitete sich schnell aus und die Regierung hatte nicht die Mittel, die Grenzen Amerikas und der einzelnen Staaten zu überwachen. So schreibt wohl auch Robert Lauchenauer mit einem leicht ironischen Ton über die Prohibition, als er meint, in der Korbflasche sei nur Wasser.
Die zwanziger Jahre waren wirtschaftlich gute Jahre. Was im deutschsprachigen Raum unter „Goldene Zwanziger“ bekannt ist, nannte man im englischen Sprachraum „Roaring Twenties“. Nach Phasen von Krieg, Hungersnot und Arbeitslosigkeit besserte sich die Situation in der zweiten Hälfte der 20er Jahre, es setzte eine wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung und politische Beruhigung ein. Neue Technologien und Produkte setzten sich durch, v.a. die Automobilindustrie fasste Fuss und schnellte von Amerika ausgehend in den 20er Jahren in die Höhe. Beim Auto der Familie Lauchenauer handelt es sich sehr wahrscheinlich um einen Ford Modell T, der als erstes Auto in Fliessbandarbeit gefertigt wurde. Zwischen 1908 und 1927 liess Henry Ford 15 Millionen dieses Fahrzeugtyps herstellen und bereits 1918 war jeder zweite Wagen in Amerika ein Modell T. Mit der industriellen Massenanfertigung wurde es auch weniger Reichen möglich, in den Besitz eines Autos zu kommen. Der äusserst robuste Wagen Ford Modell T hatte um 1916 einen Kaufpreis von ungefähr 350 Dollar.
Autorin: Kathrin Hoesli, Herisau
Literatur:
Head-König, Anne-Lise: Auswanderung. In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 25.11.2010 [18.11.2010]. http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D7988.php (25.11.2010).
StAAR, Ca.C12-037 Regierungsakten. Auswanderungswesen.
StAAR, ZFR-04-B04-126 Familienregister Hundwil.
StAAR, ZFR-04-B05-790 Familienregister Hundwil.
Transkription:
„Mein Bruder u. Frau. Müsst uns nicht etwa im Verdacht haben, dass wir gegen die Prohibition gehandelt haben, in dieser Korbflasche führte ich bloss Wasser mit für die Maschine.“
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