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Fein säuberlich aufgestapelt füllen die Schädel fast die halbe Wand im hinteren Teil des Beinhauses der Sebastianskapelle. Früher lagerten hier noch mehr Köpfe.
von Stefanie Garcia Lainez (Fotos: Historisches Museum/Sandra Ardizzone)
Sonnenstrahlen dringen durch die grossen Fenster der Krypta unterhalb der Sebastianskapelle und lassen die Gruft hell erstrahlen. Das warme Licht lässt beinahe vergessen, dass im hinteren Teil des Raumes über 300 Schädel dicht aufeinandergeschichtet sind. Hier waren früher 15’000 Skelette aus ausgehobenen Gräbern stapelweise eingemauert.
Nur die Fenstermalereien des Zürchers August Frey von 1938 erinnern an die frühere Funktion der Kapelle als Krypta, Ossarium oder Beinhaus: Freys Totentanz zeigt, dass der Tod jeden Menschen einholt – ob den armen Bauern, den reichen Geschäftsmann, Pfarrer oder Kinder. Rund 40 Ossarien oder Beinhäuser gibt es heute noch in der Schweiz.
Das Beinhaus an der südlichen Hangkante des Kirchhofs errichtete die Stadt im Jahr 1480 neben der rund 20 Jahre vorher erbauten katholischen Stadtkirche. Stadtführer Fredy Hauser sagt: «Aufgrund der Pestepidemien, die ab Mitte des 14. bis ins 17. Jahrhunderts die Schweiz immer wieder heimsuchten, war der Friedhof rund um die Kirche voll.» Die Toten beziehungsweise deren Schädel oder Oberschenkelknochen seien deshalb ausgegraben und im Ossarium bestattet worden. Die Gruft war zudem Bestandteil der Wehrbefestigung.
«Das erkennt man noch heute an der Mauer, die auf der Südseite über zwei Meter dick ist.» In Richtung Graben befindet sich der letzte, noch übrig gebliebene Teil der Befestigung.
Erst in den Jahren 1503 bis 1505 wurde über dem Beinhaus die Kapelle gebaut, die den Heiligen Drei Königen geweiht wurde. «Zweistöckige Kapellen sind heute selten», sagt Hauser, «entsprachen aber dem damaligen gotischen Stil».