Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03585.jsonl.gz/2356

Interview mit Prof. Dr. Aebli.
«Wirbelsäule muss nicht immer versteift werden«»
Autor: | Branded Content
Professor Aebli, sehr viel Menschen leiden an Rückenschmerzen. Wie steht es bei Ihnen? Leiden Sie auch an Rückenschmerzen?
Ja, seit Jahren und die Schmerzen nehmen zu. Ich habe Schmerzen im Nacken, zwischen und über den Schulterblättern, sowie im Kreuz, zum Teil stark. Diese Schmerzen habe ich vor allem, nachdem ich beim Operieren stundenlange gestanden bin und in das Operationsfeld nach unten blicken musste. Wenn ich mich am Abend hinlege, bessern sich die Schmerzen wieder und am kommenden Tag habe ich keine Schmerzen mehr.
Haben in Ihrer Familie auch andere Mitglieder Rückenschmerzen?
Ja, meine 83-jährige Mutter, zwei meiner Brüder, meine Schwester und früher auch mein 82-jähriger Vater. Meine Mutter und zwei meiner Brüder mussten sich bereits einer Operation unterziehen. Meine Mutter wurde von einem Kollegen in St.Gallen und meine Brüder von mir erfolgreich operiert.
Kann man daraus schliessen, dass Rückenschmerzen genetisch bedingt sind?
Ja, sicher. Man vererbt an die Kinder leider nicht nur das Gute, sondern auch das weniger Gute. Ich behandle immer wieder mehrere Mitglieder aus derselben Familie.
Mehrere Mitglieder Ihrer Familie haben somit recht grosse Rückenprobleme. Ist dies der Grund, weshalb Sie sich in Neuseeland, Australien und in der Schweiz, im Paraplegiker-Zentrum Nottwil, zum Wirbelsäulenchirurgen ausbilden liessen?
Man könnte dies tatsächlich meinen, wenn man die Rückengeschichte meiner Familie hört. Nein, ich begann im Bereich der Abnützung des Rückens zu forschen, weil dort anfangs des 20. Jahrhunderts noch viel Fragen offen waren und mich vor allen die feinen Operationen an den Rückennerven interessierten.
Wie kommt es eigentlich zu Rückenschmerzen?
Die Alterung und körperliche Belastung verursachen ein Elastizitätsverlust der Bandscheiben, weshalb es zu einer vermehrten Beweglichkeit zwischen den Wirbelkörpern kommt. Die vermehrte Beweglichkeit kann in der Folge in vielen Fällen zur Einklemmung der Rückennerven führen, was die Rücken- und Extremitätenschmerzen verursacht.
Was tut in diesem Fall der Rückenchirurg?
Der Rückenchirurg legt die Nerven frei, sodass sie wieder Platz haben. Und er vermindert während der Operation die vermehrte Beweglichkeit zwischen den Wirbelkörpern.
Meinen Sie damit die Versteifung von Teilen der Wirbelsäule?
Ja, zum Teil ist die Wirbelsäule so abgenützt, dass nur noch die Versteifung möglich ist. Damit meint man, dass der Chirurg mit Schrauben, Stangen und Platzhalter die Wirbelsäule zusammenschraubt. Der Nachteil hiervon sind in aller «Leute Munde», nämlich dass die Wirbelsäule anschliessend an dieser versteiften Stelle keine Beweglichkeit mehr hat und sich damit die Wirbelsäule oberhalb und unterhalb der versteiften Wirbelsäulenabschnittes vermehrt abnützt.
Gibt es Alternativen zur Versteifung?
Ja, in den letzten 30 Jahren wurden grosse Anstrengungen unternommen, um dynamische, bewegliche Implantate zu entwickeln. Diese Implantate erlauben eine teilweise Beweglichkeit der Wirbelsäule und vermindern damit die Abnutzung der Nachbarsegmente.
Benützen Sie solche Implantate oft?
Ja. Seit dem Beginn der Entwicklung dieser beweglichen Implantate sind Schweizer Firmen an vorderster Front bei der Entwicklung solcher Implantate. Es gibt auf dem Markt viele verschiedene Typen. Ich benütze Spineshape, das ist ein Implantat, welches in den letzten zwölf Jahren in der Schweiz entwickelt wurde und nun mehr und mehr in der Schweiz und in ganz Europa eingesetzt wird. Bei meinem Bruder habe ich den Vorgänger dieses Implantates vor sieben Jahren erfolgreich implantiert.
Im Interview:
Dr. med. Niklaus Aebli
Prof. em. (Griffith University, Brisbane, Australia)
Dr. phil. (PhD)
Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, spez. Wirbelsäulenchirurgie
veröffentlicht: 13.03.2022