Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03381.jsonl.gz/33

Fürstbischof von Passau 1664–1673
Familie Thun-Hohenstein
Wenzeslaus oder Wenzel wird am 13. August 1629 auf Schloss Tetschen (Děčín) geboren. Seine Eltern sind Johann Siegmund Graf von Thun-Hohenstein[1] und dessen zweite Ehefrau Anna Margarethe Gräfin von Wolkenstein-Trostburg. Er ist erster Sohn von fünf Kindern dieser Ehe. Insgesamt hat sein Vater mit drei Ehefrauen dreizehn Kinder, die das Erwachsenenalter erreichen.
Der ältere Halbbruder von Wenzeslaus, Guidobald, wird später Fürsterzbischof von Salzburg und Bischof von Regensburg.[2] Mit dem jüngeren Bruder Michael Oswald verbindet ihn die Kindheit auf Schloss Tetschen[3] und die gemeinsame Ausbildung.[4] Seine Mutter verliert er mit sechs Jahren. Sie stirbt bei der Geburt des fünften Kindes. Der Vater heiratet nochmals. Wieder bekleiden zwei Halbbrüder dieser Ehe später wichtige Ämter der Reichskirche. Der zehn Jahre jüngere Franz Siegmund wird Grossprior des Malteserordens[5] und der 14 Jahre jüngere Johann Ernst wird der zweite Salzburger Fürsterzbischof der Familie.[6]
Stammsitze der Familie sind das Castel Thun und das Castel die Castelfondo im Nonstal nördlich von Trient.[7] Grossvater Johann Cyprian[8] und Grossonkel Christoph Simon[9] stehen schon Anfang des 17. Jahrhunderts in kaiserlichen Diensten. Christoph Simon erwirbt nach der Schlacht am Weissen Berg (1620) zahlreiche konfiszierte Güter und Herrschaften des vertriebenen böhmischen Adels, darunter auch die Herrschaft Tetschen im Tal der Eger. Er erhält auch die Grafschaft Hohenstein im Harz, verliert diese aber schon im Dreissigjährigen Krieg wieder an Brandenburg. Sie bleibt aber Namensgeberin der neuen Linie Thun-Hohenstein, die durch Johann Siegmund, dem Vater von Wenzeslaus, gesichert wird. Dieser hat seinen Wohnsitz seit 1628 in Tetschen. 1635 wird er Alleinerbe des von Christoph Simon erworbenen böhmischen Vermögens.
|Der Fürstbischof von Passau und seine Geschwister. Stammbaum.|
Ausbildungswege
Mit seinem Bruder Michael Oswald wächst Wenzeslaus auf Schloss Tetschen auf. Wie sein älterer Halbruder Guidobald wird er für eine geistliche Laufbahn in der Reichskirche bestimmt. Vorerst werden für Guidobald die dafür notwendigen Mitgliedschaften in Domkapiteln gesucht. Er wird 1633 durch den Verzicht des Stiefonkels, Graf Wolkenstein, Domkapitular in Salzburg. Wenzel wird 1643 ins Salzburger Domkapitel aufgenommen. Guidobald, der inzwischen Romstudium und Kavalierstour hinter sich hat, ist für die Aufnahme Wenzels treibende Kraft. Er dürfte auch den vorangegangenen Studienbeginn von Wenzel und Michael Oswald an der Benediktineruniversität von Salzburg eingefädelt haben.[10] 1651 trennen sich die Wege, als Wenzel das Studium der Rechte an der Ingolstädter Jesuitenuniversität aufnimmt. 1654 ist er, wie sein Halbbruder Guidobald vor 20 Jahren, am Collegium Germanicum in Rom eingeschrieben. Im gleichen Jahr wird Guidobald zum Fürsterzbischof von Salzburg gewählt. Die übliche Kavaliertour durch Europa nach dem kurzen Aufenthalt in Rom entfällt vermutlich, denn für 1655 ist seine Priesterweihe gemeldet.[11] 1656 kann er auch ein Kanonikat in Passau erwerben. Sein Wohnort bleibt Salzburg. 1663 wird er hier zum Dompropst gewählt. Er ist 1664 am Reichstag in Regensburg als Gesandter beider Fürstbistümer notiert.
Kunstpatronage der Brüder Thun-Hohenstein
Guidobald, jetzt Fürsterzbischof eines der grössten Erzstifte im Reich, hat spätestens nach seinem langjährigen Aufenthalt in Rom ein geschultes Auge für Architektur und Kunst. Als sein Halbbruder Wenzeslaus in Rom eintrifft, wirken Gianlorenzo Bernini, Francesco Borromini und Pietro da Cortona als wichtigste Protagonisten des römischen Barocks. Nur wenig vor Wenzeslaus ist auch sein Bruder Michael Oswald auf seiner Kavalierstour 1652 in Rom bezeugt. Zurückgekehrt, nutzen die drei Brüder ihre Stellung, um in ihrem Einflussgebiet dem römischen Hochbarock in Architektur und Kunst zum Durchbruch zu verhelfen. Sie halten dafür vor allem die Baumeister, Stuckateure, Bildhauer und Freskanten aus der Gegend der oberitalienischen Seen für geeignet. Nur für die Gemälde zieht Guidobald bereits niederländische und deutsche Grössen bei.
Der erst 1643 geborenen Halbbruder Johann Ernst fällt durch seine hohen Privatschulden während der Kavalierstour durch Europa aus dem Rahmen. Wenzeslaus, der die Schulden übernehmen muss, schreibt an den Vater Maximilian 1667 verärgert, dass Johann Ernst nicht wisse, wie hart das Geld von den armen Untertanen zu erpressen sei. 1679 zum Fürsterzbischof gewählt, wird der junge Tunichtgut aber zum eigentlichen Gestalter des barocken Salzburg. Was ihn als Fürsterzbischof von den älteren Brüdern unterscheidet, ist der ausschliessliche Beizug italienisch geschulter, aber deutscher Architekten. Er entscheidet sich bei den wichtigsten Bauten für Johann Bernhard Fischer von Erlach und setzt bei allen Bauten ein klares Zeichen für das Ende der italienischen Dominanz.
Die Beurteilung der unbesorgten Schuldenmacherei seines jungen Halbbruders durch Wenzeslaus zeigt, dass sich der barocke Kirchenfürst über die Herkunft der Finanzmittel durchaus im Klaren ist.
Wenzeslaus Graf von Thun-Hohenstein als Fürstbischof von Passau und Gurk
Im Januar 1664 stirbt der Passauer Fürstbischof Erzherzog Karl Joseph von Österreich, der 1662 als 13-Jähriger gewählt wird und mit nur 15 Jahren stirbt.[12] Am 27. März 1664 wählt das Passauer Domkapitel Wenzeslaus Graf von Thun, der zu dieser Zeit als Gesandter am Reichstag in Regensburg teilnimmt, zum neuen Fürstbischof. Obwohl Wenzeslaus eine Wahlkapitulation unterschreiben muss und die Stadt nach dem Feuer von 1662[13] kaum einladend wirkt, nimmt er die Wahl an. Er verlegt den Wohnsitz von Salzburg nach Passau, wo er im unversehrt gebliebenen Chorherrenstift St. Nikola ausserhalb der Stadtmauern residiert. Den Wiederaufbau des Domes stellt er vorerst zurück, auch um die Finanzierung zu sichern und die Planung zu bereinigen. Erste Priorität hat der Wiederaufbau der Residenz. 1665 verschafft ihm der Salzburger Fürsterzbischof Guidobald den freiwerdenden Bischofssitz Gurk. Die Einnahmen des Hochstiftes Gurk sollen zur Finanzierung des Wiederaufbaus dienen.
Fürstbischof Wenzeslaus regiert klug, aber mit absolutistischem Selbstverständnis. Eine Einberufung der Landstände kommt für ihn und auch für seine Nachfolger nicht mehr in Frage.[14] Der Landtag von 1660 bleibt der letzte in der Geschichte des Fürstbistums. Steuern setzt der Fürstbischof jetzt aus eigener Machtbefugnis fest. Er betreibt eine frühe merkantilistische Wirtschaftspolitik. Mit der Förderung des Flachsanbaus und der Leinenweberei, auch mit der Einführung der Alp- und Grünlandwirtschaft in den Höhenlagen des bayrischen Waldes, erreicht er einen wirtschaftlichen Aufschwung. In Passau kümmert er sich vor allem um den Wiederaufbau der Stadt, ist aber wegen der daraus resultierenden hohen Steuerlasten unbeliebt. Sein Rückzugsort ist das Jagdschloss Wolfstein.[15] Er dürfte sich nach Wolfstein nicht vor anreisenden Gästen geflüchtet haben, wie dies die «Geschichte der Bischöfe von Passau» erzählt, sondern standesgemäss der Hochjagd gefrönt haben.[16]
Wiederaufbau von Residenz und Domkirche
Schon 1665 kauft Fürstbischof Wenzeslaus vom Domkapitel den südlich vor dem Dom liegenden Zengerhof. Der ausgebrannte Hof bildet, anschliessend an die ebenfalls zerstörte spätgotische Hofkapelle,[17] den Westabschluss der alten Residenz. Er lässt das Gebäude aus privaten Mitteln als neue Bischofswohnung wieder aufbauen. Wie die lateinische Inschrift am Hauptportal des Zengerhofes zeigt, ist dieser 1670 wieder aufgebaut und wird mit Recht als sein Werk bezeichnet.[18]
1668 schliesst der Fürstbischof einen ersten Bauakkord über 25 500 Gulden mit dem Prager Baumeister Carlo Lurago für den Wiederaufbau der Domkirche. Lurago ist um diese Zeit für den Bruder Michael Oswald in Klösterle tätig und baut dort nebst dem Schloss auch die Dreifaltigkeitskirche.[19] Dies erklärt den Beizug und auch die Bevorzugung Luragos vor dem schon seit 1665 in Passau tätigen Pietro Francesco Carlone.[20] Aus der Akkordvereinbarung geht nicht klar hervor, ob Lurago die beiden neuen Türme und die Westfassade nach der Zeichnung des Fürstbischofs ausführen muss oder ob der Fürstbischof den Entwurf Lurago nur ab- oder gegenzeichnet.[21] Der Akkord zeigt aber, dass sich der Fürstbischof Wenzeslaus intensiv mit der Gestaltung des Bauwerks auseinandersetzt und auch die Leitung der Steinmetz- und Bildhauerarbeiten in eigene Hände nimmt. Seine Ausbildung bei den Jesuiten, sein Romaufenthalt und seine langjährige Tätigkeit im barocken Salzburg lassen vermuten, dass er der eigentliche Gestalter der Passauer Fassade ist, wie dies dann später die Carlone für den Innenraum der Domkirche werden.
Lebensende
Sein Halbbruder Guidobald stirbt 1668 nach einem unbedeutenden Unfall an einer Blutvergiftung. Auch Wenzeslaus stirbt früh. Am 8. Januar 1673 erliegt er einem Nierenleiden, im Alter von 43 Jahren und im neunten Jahr seiner Regierung. Er kann die Fertigstellung der Domkirche nicht mehr erleben. Die Arbeiten sind bei seinem Tod zwar schon recht weit gediehen, aber erst 1675 ist der Rohbau vollendet. Anfänglich in der Trenbachkapelle begraben, findet er 1688 in der neuen Bischofsgruft die letzte Ruhe. Schon vor seinem Tod hat er mit dem Bildhauer Seitz sein Epitaph besprochen und den Aufstellungsort an der Nordwand neben dem Hochaltar fixiert.
Dieses Epitaph wird um 1678 aufgerichtet. Es ist eine noch stark manieristisch geprägte Ädikula mit seinem Porträt. Im Sockel berichtet eine Inschrift über sein Leben und im Sprenggiebel befindet sich sein Wappenschild.
Die Wappen Thun-Hohenstein
Das Stammwappen der Herren von Thun ist in Blau ein goldener Schrägbalken. 1516 vermehren sie das Wappen mit der neu erworbenen Herrschaft Königsberg. Das Wappen Königsberg ist gespalten, heraldisch rechts ist am Spalt in Silber ein halber roter Adler und links in Schwarz ein silberner Balken zu sehen. Der nach diesem Herrschaftserwerb nun gevierte Schild zeigt in Feld 1 und 4 das Stammwappen, in Feld 2 und 3 das Wappen Königsberg. Siebmacher stellt es 1605 vor. Es ist mit zwei Helmen bekrönt. 1619 wird im Herzschild das Wappen Caldes, in Rot ein silberner Balken, zugefügt. Jetzt sind auch drei Helme als Helmzier angebracht. Dieses Wappen ist auch in den Schilden des Fürstbischofs Wenzeslaus zu finden. Anstelle der Helme ist bei ihm der Fürstenhut und die Mitra mit Stab und Schwert zu sehen, im Epitaph sind es gleich drei Mitren (für die Bischofsitze Passau, Gurk und den Propstsitz Salzburg). Speziell interessant ist der Wappenschild über dem Innbrucktor der Residenz, das zwei Ebenen aufweist. Im grösseren Hauptschild ist das oben beschriebene Wappen zu sehen. Das kleinere gevierte Mittelschild hat in Feld 1 und 4 das Wappen des Hochstifts Passau, in Silber ein einwärts gewendeter roter Wolf, und in Feld 2 und 3 das gespaltene Wappen des Bistums Gurk. Siehe zu diesen fürstbischöflichen Wappen den detaillierten Beschrieb in der Webseite von Bernhard Peter: Der Passauer Innbrückbogen.
Weitere Infos zum Wappen Thun-Hohenstein in siehe:
|Heraldik Passau und Thun-Hohenstein|
Pius Bieri 2017
Die Inschrift im Epitaph
Sie ist in einer Kartusche im Sockel des Epitaphs angebracht und lautet:
|SISTE GRADVM VIATOR.

WENCESLAVS
EX S.R.I.COM: DE THVNN, EPS PASSA: & CVRGEN: S.R.I. PRINCEPS, PRÆPOSITVS
SALISBVRGENSIS HIC QVIESCIT. PRINCEPS EXCELSI ANIMI MAGNÆ PRVDENTIÆ.
INDEFESSI LABORIS & PROBATÆ VITÆ; DE ECCLESIA TOTAQ DIOECESI PRÆCLARE MERITVS;
QVAM ECCLESIASTICÆ DISCIPLINÆ LEGIBVS EXEMPLISQ FIRMAVIT, CVRIAM EPISCOPALEM
INCENDIO DEFORMATAM RESTITVIT, BASILICAM CATHEDRALEM CVM TVRRIBVS
EODEM INFORTVNIO PENE COLLAPSAM EX FVNDAMENTIS ELEGANTI STRVCTVRA REÆDI-
FICARE COEPIT, OPVS IN INSIGNEM ALTITVDINEM IAM ASSVRGENS RELINQVERE
IMPERFECTVM MORS PRÆPROPERA COEGIT, ECCLESIASTICÆ LIBERTATIS,
IVRIVMQ. EPISCOPALIVM STVDIOSISSIMVS ASSERTOR, PACIS TAMEN AMANS
OMNEM DISSIDV FOMITEM EXTINXIT, CVIVS VITA EXEMPLO MAGNA
NIMITAS IN MORTE ADMIRATIONI FVIT. HVIC IANVARIVS ÆTERNITATIS IANVAM
APERVIT, DVM E VITA DECEDERET VIII IDVS EIVSDEM ANNO SALVTIS
M.D.CLXXIII. ÆTATIS SVÆ XLIII. REGIMINIS IX.
TV PRO DEO, & ECCLESIA IN VITA IN DEFESSO FAVE, & VOVE POST MORTEM
REQVIEM ÆTERNAM.
«Bleib stehen, Wanderer!
Hier ruht Wenzeslaus,
Reichsgraf von Thun, Bischof von Passau und Gurk, Fürst des Heiligen Römischen Reiches, Dompropst zu Salzburg. Ein Fürst von hervorragender Gesinnung, grosser Klugheit, unermüdlicher Arbeitskraft und vorbildlicher Lebensführung, um die ganze Kirche und Diözese höchst verdient; indem er die kirchliche Disziplin durch Gesetze gefestigt und durch sein Beispiel Kraft gegeben hat. Die durch den Brand verwüstete Bischofsresidenz hat er wiederaufgebaut, die Kathedralbasilika, die durch dasselbe Unglück nahezu eingestürzt war, mit ihren Türmen von den Fundamenten auf in kunstvoller Bauweise wieder zu errichten begonnen. Ein vorzeitiger Tod zwang ihn, das schon in beachtliche Höhe gewachsene Werk unvollendet zurückzulassen. Äusserst eifriger Verteidiger der Freiheit der Kirche und der bischöflichen Rechte, dennoch den Frieden liebend, hat er jeden Zunder der Zwietracht gelöscht. Sein Leben gereichte zum Vorbild, seine Seelengrösse im Tode zur Bewunderung. Ihm hat der Januar die Tür zur Ewigkeit eröffnet, als er aus dem Leben schied am achten Tag vor den Iden desselben im Jahre des Heils 1673, im 43. seines Alters und neunten seiner Regierung. Du sei dem um Gott und die Kirche im Leben rastlos sich Mühenden gewogen und wünsche ihm nach dem Tode
die ewige Ruhe!
Literatur:
|Hyper, P. Bernhard: Chronologisches Verzeichnis der Bischöfe von Passau in: Antoine Godeau, Kirchengeschichte, 18. Teil, Seite 67–245. Augsburg 1780.|
|Meraviglia-Crivelli, Rudolf Johann: Der böhmische Adel. Mautern an der Donau 1885.|
|Drost, Ludger: Der Dombau unter Fürstbischof Wenzeslaus Graf von Thun 1664–1673, in: Der Dom in Passau. Passau 1995.|
|Ramisch, Hans: Drei Fürstbischöfe aus dem Hause Thun-Hohenstein als Mäzene barocker Kunst, in: Barockberichte, Heft 31, Salzburg 2001.|
|Juffinger, Roswitha und Brandhuber, Christoph: Familienbande – Der Fürsterzbischof und seine Familie, in: Erzbischof Guidobald Graf von Thun 1654–1668, ein Bauherr für die Zukunft. Ausstellung Residenzgalerie Salzburg 2008.|
Genealogie (Web):
|Thun und Hohenstein in Salzburg-Wiki (hier das Geburtsdatum Wenzeslaus 13. 08. 1629).|
|Stammbaum Johann Cyprian von Thun-Hohenstein in genealogy.eu (hier das Geburtsdatum 13.08.1629).|
|Die Familie Thun, Familiengeschichte und Stammbäume (hier das Geburtsdatum Wenzeslaus 6.12.1629).|
|Stammbaum der böhmischen Linie als PDF im Thun-Web.|
Web:
|Wenzeslaus Graf von Thun und Hohenstein in Wikipedia (hier *Geburtsdatum Wenzeslaus 13. 08. 1629).|
|Pátek, Jakub: Umělecké objednávky Michaela Osvalda Thuna. Disertační práce 2013.|
Anmerkungen:
[1] Johann Siegmund Graf von Thun-Hohenstein (1594–1646), böhmischer Statthalter. Er heiratet 1612 Barbara von Thun-Caldes (†1618), 1628 Anna Margarethe Gräfin von Wolkenstein-Trostburg (†1635) und 1637 Margareta Anna von Oettingen-Baldern (†1684).
[2] Guidobald Graf von Thun-Hohenstein (1616–1668). Fürsterzbischof von Salzburg 1654–1668. Bischof von Regensburg 1666–1668. Kardinal 1667–1668.
[3] Das Schloss liegt am Oberlauf der Elbe, nahe an der Grenze zum Kurfürstentum Sachsen.
[4] Michael Oswald Graf von Thun-Hohenstein (1631–1694). 1654 kaiserlicher Kämmerer, 1687 Geheimer Rat, Statthalter in Böhmen. Er übernimmt 1655 die Herrschaft Klösterle (Klášterec nad Ohří) und stiftet 1671 das Fideikommiss Klösterle. Er zieht 1665 den Baumeister Carlo Lurago zum Wiederaufbau des Schlosses und zum Neubau der Dreifaltigkeitskirche bei. Mehr dazu siehe in der Biografie Carlo Lurago in dieser Webseite.
[5] Franz Siegmund Graf von Thun-Hohenstein (1639–1702), k. k. Kämmerer und Geheimer Rat, Grossprior des Malteserordens in Böhmen, k. k. Feldmarschall und Hofkriegsrat, Admiral des Malteserordens und der päpstlichen Flotte auf Malta, ist in der Johanneskathedrale von Malta begraben.
[6] Johann Ernst Graf von Thun-Hohenstein (1643–1709), 1679–1709 Fürstbischof von Seckau, 1687–1709 Fürsterzbischof von Salzburg.
[7] Die Familie stammt nicht, wie verschiedentlich geschrieben wird, aus der Schweiz. Mit den mittelalterlichen Freiherren von Thun im Berner Oberland ist keine Verwandtschaft vorhanden.
[8] Johann Cyprian Freiherr, dann Graf von Thun und Hohenstein (1569–1630), Rat und Kämmerer des Erzherzog Leopold von Tirol, Herr auf Tetschen, Klösterle, Castelfondo und Sarntal; verheiratet mit Anna Maria von Preysing.
[9] Christoph Simon Freiherr, dann Graf von Thun und Hohenstein (1582–1635), Reichsfreiherr 1604, Reichsgraf 1629 , Herr zu Roken, Castelfondo, Königsberg und Sarntal sowie Tetschen, Klösterle, Choltitz und Felixburg. Begründer der böhmischen Vermögen, Geheimer Rat und Kämmerer sowie Obersthofmeister Ferdinands III., Grossprior des Malteser-Ordens in Ungarn, sowie Komtur in Klein Öls, Eger und Bozen.
[10] Sie werden 1642 in der Liste der adeligen Studenten aufgeführt.
[11] Die Angabe der Priesterweihe in catholic-hierarchy.org, ohne Ortsangabe. Während für Guidobald die Priesterweihe in Salzburg nach längerem Theologiestudium in Rom belegt ist, fehlen präzise Angaben für Wenzel. Obwohl eine Priesterweihe weder für die Kanonikate noch für die Wahl als Fürstbischof Voraussetzung ist, hat sie Wenzeslaus im Gegensatz zu vielen Fürstbischöfe der Barockzeit besessen.
[12] Erzherzog Karl Joseph von Österreich (1649–1664), ist 1662-1664 Fürstbischof von Passau, 1663–1664 auch Bischof von Breslau und Olmütz. Der mit 13 Jahren zum Fürstbischof gewählte Sohn von Kaiser Ferdinand III. hält sich nur zu einem kurzen Besuch im brandversehrten Passau auf und stirbt mit 15 Jahren in Linz.
Er ist in Passau Nachfolger von Erzherzog Leopold Wilhelm von Österreich (1614-1662), der als Sohn von Kaiser Ferdinand II. schon 1625, mit elf Jahren! zum Fürstbischof von Passau gewählt wird. Dann folgen die Sitze in Strassburg (1626), in Halberstadt (1628), in Magdeburg (1631), in Olmütz (1637) und in Breslau (1656). Zusätzlich zu diesen sechs Bischofssitzen ist er 1647-1656 Statthalter in den Spanischen Niederlanden. Trotz der Ämterkumulation hält er sich in Passau auf, gründet hier ein Priesterseminar und fördert das Jesuitenkolleg. Nach dem Brand von 1662 stiftet er ein Legat von 20 000 Gulden, das aber in der Folge von Österreich nie ausbezahlt wird. Auch dieser Fürstbischof und Feldherr hat keine Priesterweihe. «Er war einer der grössten Fürsten und Bischöfe, die jemals der Erdboden getragen» schreibt P. Bernhard Hyper OSB 1780 überschwänglich im Chronologischen Verzeichnis der Bischöfe von Passau.
[13] Im Stadtbrand von Passau 1662 werden die meisten Häuser und Kirchen zerstört. Auch Teile der Innstadt am gegenüberliegenden Innufer fallen dem Feuer zum Opfer. Nur der westlich gelegene Neumarkt mit dem Franziskanerkloster und das ausserhalb der Mauern gelegene Chorherrenstift St. Nikola bleiben verschont. Im Franziskanerkloster werden die Domherren einquartiert.
[14] An den Landtagen sind die Vertreter der Stände (Prälaten, Domkapitel, Adel) und der Passauer Bürgerschaft anwesend. Sie bilden ein politisches Gegengewicht zum Fürstbischof. Mehr dazu siehe im Beitrag «Landstände des Hochstifts Passau» im Historischen Lexikon Bayerns.
[15] Es liegt fünf Meilen nördlich von Passau im gleichnamigen Amt, bei Freyung. Das nahe waldreiche Gebiet an der Grenze zu Böhmen ist heute Nationalpark Bayrischer Wald. Hier gründet Fürstbischof Wenzeslaus 1670 mit Obergrainet und Hinterfreunddorf zwei neue Hofsiedlungen.
[16] «Wenn er die Nachricht erhielt, dass hohe Reisende ihren Weg über Passau nehmen, entfernte er sich nach Wolfstein, um der kostspieligen Bewirthung enthoben zu seyn» (in: Schöller, Die Bischöfe von Passau, 1844).
[18] EPISCOPALEM CURIAM 27 APRILIS ANNO MDCLXII PER IGNEM TOTALITER DEVASTATAM WENCESLAVS EPICOPVS PATAVIENSIS ET GVRCENSIS SACRI ROMANI IMPERII PRINCEPS PRAEPOSITVS SALISBVRGENSIS, COMES DE THUN, AETATIS ANNO XLI REGIMINIS AVTEM VI SIBI ET SVCCESSORIBVS IN FORMAM PRAESENTEM ANTERIORI MVLTO PRAESTANTIOREM REDEGIT ET PERFECIT ANNO MDCLXX.
(Bischöfliche Residenz / am 27. April 1662 durch einen Brand vollständig zerstört / wurde von Wenzeslaus Graf von Thun/ Bischof von Passau und Gurk / Reichsfürst / Dompropst in Salzburg / im Alter von 41 Jahren / nach sechsjähriger Regierung / für sich und seine Nachfolger / in einen gegenüber dem Vorgängerbau weit ansehnlicherem Zustand gebracht / und 1670 vollendet).
Die Inschrift befindet sich in einer Draperie über dem Hauptportal an der Zengergasse 1. Beidseitig sind Wappenkartuschen angebracht, links das Wappenschild des Hochstiftes Passau und rechts das Schild des Hauses Thun-Hohenstein. Im Sprenggiebel der Portalarchitektur befindet sich in einer Nische die vollplastische Büste des Fürstbischofs.
[20] Pietro Francesco Carlone (1606–1681) aus Scaria Val d'Intelvi. Er baut ab 1665 das Jesuitenkolleg und die Jesuitenkirche in Passau, zusammen mit seinen Söhnen Carlo Antonio und Giovanni Battista. Die Berufung der im Bistum Passau längst bekannten Carlone erfolgt durch den Rektor des Kollegiums, Nicolaus Avancinus (1611–1686). Mit diesem bedeutenden Jesuiten, Theaterdramaturgen und Literaten im Umkreis des Kaiserhofs und mit den Jesuiten in Passau scheint sich aber Fürstbischof Wenzeslaus nicht zu vertragen, jedenfalls behindert er ihre Tätigkeit und Bauvorhaben eindrücklich.
[21] «wie auch soll er 3tio: dem gemachten und von Ihr fürstlichen Gnaden gezeichneten Desgnio gemess zway neüe Thurn sambt der Facciata mit denen dreyen Absezen alles vollkhombentlich nach der Architectur aufs bestendig- und seüberist aufzuführen…»
|Wenzeslaus Graf von Thun-Hohenstein (1629–1673)|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|13. August 1629||Tetschen (Děčín CZ)||Königreich Böhmen|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Fürstbischof von Passau||1664–1673|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|8. Januar 1673||Passau||Hochstift Passau|
|Kurzbiografie|
|Fürstbischof Wenzeslaus Graf von Thun wird 1664, zwei Jahre nach dem verheerenden Stadtbrand von Passau, gewählt. Stadt, Dom und Residenz liegen noch immer in Trümmern. Zielgerichtet geht der Fürstbischof, mit dem barocken Rom zur Zeit Berninis vertraut, an den Wiederaufbau. Bis 1668 stoppt er begonnene Arbeiten am Dom, um zuerst den Zengerhof der Residenz als neuen Wohnsitz einzurichten. Für den weitgehenden Neubau der Domkirche zieht er Carlo Lurago, einen in Böhmen für seinen Bruder tätigen Baumeister aus dem Val d'Intelvi bei. Als der rührige Fürstbischof 1673 stirbt, sind der Rohbau und die Fassade mit den neuen seitlichen Türmen beinahe vollendet. Vor allem diese Fassade dürfte der in Rom geschulte Kirchenfürst seinem Baumeister vorgegeben haben.|
|PDF (nur Text)||Bildlegende|