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Das zur Gemeinde Montreux gehörende Dorf Les Avants liegt rund 980 m ü. M., am Fuss des Dent de Jaman im Übergangsbereich zwischen Berner Oberland und Waadtländer Voralpen. Es gehört zu einer der ersten Skistationen der Schweiz. Treibende Kraft für die Förderung des Fremdenverkehrs waren die Gebrüder Louis und Ami Dufour und in der Folge die Société du Grand Hôtel des Avants. Die Gebrüder Dufour waren nicht nur Förderer der Hotellerie, sondern sie stehen auch am Anfang der Montreux-Oberland Bahn (MOB) – die Les Avants 1901 erreichte – und der 1913 eingeweihten Standseilbahn Les Avants-Sonloup. Daneben engagierten sich die Gebrüder Dufour für den Ausbau der Strasse Chernex-Les Avants (frühe 1880er-Jahre) und derjenigen von Les Avant nach Sonloup (1901). Das Buffet de la Gare, das Postgebäude und das 1911 fertig gestellte Hôtel de Sonloup – ein mächtiges Chalet, das wie eine Zitadelle mit Belvederetürmchen und Verandas auf einem massiven Sockel thront – sind ebenfalls ihr Werk. Diese und weitere Bauten wie die Station der MOB und das Hôtel de Jaman liessen sie durch den Architekten Louis Villard (1856-1937) erstellen.
Im April 1910 erhielt das vom Ingenieur Roland Zehnder-Spoerri, dem Direktor der MOB, entworfene Projekt der Standseilbahn Les Avants-Sonloup die Konzession. Im Juli des gleichen Jahres begann die Firma von Johann Frutiger (1848-1913) aus Oberhofen mit den Bauarbeiten, die bereits fünf Monate später abgeschlossen waren. Die mechanischen Teile lieferte die Firma Von Roll aus Bern und den elektrischen Antrieb die Maschinenfabrik Oerlikon.
Die Strecke der im Dezember 1910 eröffneten Standseilbahn führt im direkten Weg von der Station der MOB in Les Avants auf den Col de Sonloup. Neben der Erschliessung des Hotels diente die Bahn auch zum Transport der Wintersportler mit Bobsleigh und Schlitten.
Die gegenüber der Bahnstation der MOB liegende Talstation präsentiert sich seit jeher als schlichte brückenartige Überdeckung aus Beton. Die ehemals schmucke Bergstation mit Dachreiter wurde durch spätere Um- und Ausbauten zu einem bescheidenen chaletartigen Bau umgestaltet. Unterhalb des überdeckten Bahnsteigs steht seit den Anfängen der Bahn ein Kran zum Laden beziehungsweise Entladen der Transportanhänger.
Die gerade Linienführung der eingleisigen Bahn mit Abt'scher Weiche beschreibt eine für Standseilbahnen fast ideale Parabel. Die leichte Mulde im unteren Streckenabschnitt wird durch einen eindrücklichen, aus Steinquadern gefügten Viadukt mit elf Bogen überbrückt. Zwei Strassenüberführungen werden durch schlichte Stahlbrücken bewerkstelligt.
Die 1910 durch die Firma Von Roll erbauten und mit Zangenbremsen ausgerüsteten, zweiachsigen Fahrgestelle der beiden Wagen sind heute noch in Betrieb. Aus dem gleichen Jahr stammen die von der Schweizerischen Industriegesellschaft SIG Neuhausen erstellten Wagenkasten aus Holz mit je vier Abteilen, die 40 Fahrgäste fassen. 1980 wurden die beiden äusseren Abteile verglast und die ehemals offenen Plattformen mit einer verglasten Blechkonstruktion geschlossen. Seit dem Umbau sind die einzelnen Abteile nur noch durch eine automatische Tür und neu eingebaute Innentreppen erreichbar. Beide Wagen besitzen einen zusätzlichen Schlittentransportanhänger.
Der Antrieb in der Bergstation zeigt noch den ursprünglichen Gleichstrommotor von 1919 und das alte offene Getriebe mit Kraftübertragung durch Riemen und Zahnräder, davon eines mit Holzzähnen. Der handbetriebene Kontroller wurde 1950 durch eine automatische Steuerung und 1980 durch eine Fernüberwachungsanlage ergänzt.
Die Bahn erwirtschaftet auch heute noch einen guten Teil des Geldes mit dem Transport von Wintersportlern und Schlitten, was der ursprüngliche Hauptzweck ihrer Errichtung war. Die entsprechenden Anhänger und die passende Länge der Stationen sind dafür Zeugen.
Die von Les Avants auf den Col de Sonloup mit seinem Hotel und der einzigartigen Panoramasicht führende Standseilbahn ist in grossem Umfang erhalten. Die klassische, von der Firma Von Roll stammende Standseilbahn mit Abt'scher Weiche wird von der MOB vorzüglich unterhalten. Sicherheitsrelevante Anpassungen und nutzungsbedingte Änderungen erfolgten unter weitgehender Beibehaltung der älteren Komponenten. Die Antriebsgruppe mit Gleichstrommotor und spektakulärem offenem Getriebe ist von hoher technikgeschichtlicher Bedeutung. Die Bahn mit ihren an die heutigen Anforderungen angepassten Wagen inklusive Transportanhängern vermittelt ein Bild von der touristischen Infrastruktur in Les Avants kurz vor dem Ersten Weltkrieg. Die Standseilbahn Les Avant-Sonloup bezeugt wie beispielsweise das Buffet de la Gare, das Postgebäude oder das Hôtel de Sonloup auch die unternehmerische Initiative der Gebrüder Dufour.
|Konzeption|
|Erschliessungsidee (Vision)||Erschliessung des von herausragender Panoramasicht geprägten Passes von Sonloup, oberhalb von Les Avants (Gemeinde Montreux), für Wintersport (Bobsleigh u. Schlitten); Hotelerschliessung|
|Linienführung: Planung, Umsetzung||gerade Strecke; Linienführung mit Graben u. Mauerwerk fast perfekt an die für Standseilbahnen ideale Parabel angepasst; symmetrische Kreuzungsstelle im Anschluss an die Bogenbrücke|
|Seilbahntechnik|
|besondere oder typische tech. Konstruktion, Ausführung, Lösung, Materialien||typische eingleisige Standseilbahn mit zwei Wagen im Pendelbetrieb, Gleichstrom-Antrieb, Bremszangensystem u. Abt'scher Weiche; Schlittentransportanhänger (talseitig!)|
|seilbahntechnische Bedeutung: Prinzip, Hersteller||mehrheitlich überlieferte, exemplarische Vertreterin einer Von Roll-Anlage der zweiten Standseilbahngeneration|
|Baukunst: Streckenbauwerke, Hochbauten|
|Ingenieurbau||eindrückliches, mit Natursteinquadern gefügtes Brückenbauwerk mit elf Bögen; zwei Strassenüberführungen in Stahlbau; Terrainanpassungen wie z. B. Stützmauern aus Natursteinquadern gefügt|
|Architektur||ursprüngliche Architektur in den Grundstrukturen erhalten; Talstation seit jeher schlicht u. als brückenartige Überdeckung ausgebildet, mit hölzernem Kassenpavillon; Bergstation erneuert u. purifiziert (neuer Aufbau)|
|besondere oder typische arch. Konstruktion, Ausführung, Lösung, Materialien||zeittypische, sich an Chalets u. der lokalen Bauweise (Heimatstil, formal u. materiell) orientierende Architektur|
|bautypologische Bedeutung||klassische Anordnung bei der Bergstation: offene Holzkonstruktion für Wagenüberdeckung u. abgetreppter Personenausstieg; Kopfgebäude mit Antriebstechnik u. (ehem.) Betriebsleiterwohnung; zweckmässiger, wenig spektakulärer Empfang bei Talstation|
|Authentizität: materielle, ideelle Überlieferung|
|Umfang und Qualität der ursprünglichen Komponenten||alle ursprünglichen Komponenten einschliesslich der ursprünglichen Schalt- u. Steuerungsinstrumente erhalten; neue Bauteile additiv eingesetzt|
|Qualität der Nachrüstungen||Ergänzung von automatischer Steuerung; sicherheitsrelevante Anpassungen u. Änderungen betreffend Nutzung (Fahrzeugkabine) additiv, funktional u. "low tech" unter Beibehaltung älterer Komponenten|
|funktionale Unversehrtheit||Bahn dient nach wie vor der Erschliessung des Schlittelgebiets u. des Hotels|
|Kulturgeschichte|
|Personen, Firmen, Institutionen||im Rahmen des Aufbaus u. der Entwicklung vom Touristenstandort Les Avants durch die Société du Grand Hôtel des Avants der Gebr. Dufour|
|Wirtschaft, Tourismus, Verkehr, Militär||Les Avants wurde bereits vor 1910 als "Winterkurort" benutzt; die Standseilbahn ergänzte das Angebot (Bobbahn, Aussichtspunkt, später Berghotel)|
|Räumliche Situation|
|Berücksichtigung der Landschaft, der natürlichen Umgebung, des urban. Kontexts||die Bahnlinie folgt der Linie der Talflanke; Positionierung der Talstation in Bezug auf die Station der MOB|
|Infrastruktur|
|touristische/betriebliche Infrastruktur||Hotel de Sonloup von Louis Villard, 1911; bei Bergstation Ausstiegsstelle des Skilifts; seit den Anfängen der Bahn fest installierter Kran, um Schlitten zu laden bzw. entladen (1911)|
|Verkehrsnetze||perfekte Anbindung an die MOB (gegenüber Bahnstation)|
|Bundesinventare|
|-||IVS (national)||VD 18.2: Montreux-Montbovon FR (Les Avant, col de Jaman)|
|Literatur|
|-||Le chemin de fer funiculaire Les Avants-Col de Sonloup, in: Bulletin technique de la Suisse romande BTSR, vol. 36 (1910), p. 273|
|-||Zehnder-Spoerry, R.; Laplage, M.: Le funiculaire Les Avants-Sonloup, in: Bulletin technique de la Suisse romande BTSR, vol. 37 (1911), p. 1-3; 17-18; 25-28; 42-43|
|-||Styger, Edgar; Kollros, Jean-Charles: Au Paradis des Narcisses, Montreux: Chemin der fer MOB, 1986|
|-||Montreux, INSA Inventaire Suisse d'Architecture 1850-1920, vol. 7, Zürich: Orell Füssli, 2000, p. 11-137|
|-||Schweizer Heimatschutz (Hg.): Die schönsten Verkehrsmittel der Schweiz, Zürich, 2007, p. 13|
|e-docs|
|-||http://www.youtube.com/watch?v=qFmDykwzewc |
|-||http://www.trainlgb.com/album/europe/las/las.php |
|-||http://www.lesavants.ch |