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Metaanalyse bildet Risiken der (neo-)adjuvanten Immuntherapie ab
Toxizitäten von Checkpoint-Inhibitoren wiegen vor allem dann schwer, wenn sie Erkrankte mit heilbaren Tumoren erhalten. Daten von knapp 17.000 Behandelten schaffen mehr Klarheit über ihr Kosten-Nutzen-Profil.
Da Ärzte Checkpoint-Inhibitoren immer häufiger in kurativer Intention einsetzen, gewinnt deren langfristige Verträglichkeit an Bedeutung.
Um die Risiken in der adjuvanten und neoadjuvanten Situation genauer zu bestimmen, haben Forscher unter der Leitung von Dr. Yu Fujiwara von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York Daten von 16.976 Personen aus 28 Studien analysiert (1).
Odds Ratio für höhergradige Toxizitäten fast verdreifacht
Die Ergänzung der prä- oder postoperativen Standardtherapie mit Checkpoint-Inhibitoren führte in der Analyse dabei nicht signifikant zu einer erhöhten Anzahl behandlungsbedingter Todesfälle (OR 1,76; 95%-KI 0,95–3,25; p = 0,073). Eine Ausnahme stellte die Subgruppe dar, in der Checkpoint-Inhibitoren mit Placebo verglichen wurden (OR 4,02; p = 0,044).
Von den 9.864 Patienten, die eine Immuntherapie erhielten, starben insgesamt 40 an behandlungsbedingten Toxizitäten. Die häufigsten Todesursachen waren Pneumonitis (15 %), Myokarditis (12,5 %) und Kolitis (7,5 %).
Unter der Behandlung mit Checkpoint-Inhibitoren traten vermehrt Nebenwirkungen vom Grad 3 und 4 auf (OR 2,73; p < 0,0001). Das galt auch für behandlungsbedingte unerwünschte Ereignisse im Allgemeinen (OR 2,60; p < 0,0001) und solche, die zur Unterbrechung oder zum Abbruch der Therapie führten (OR 3,67; p < 0,0001). In Kombination mit einer Chemotherapie traten häufig Neutropenie und Anämie auf. Darüber hinaus entwickelten die behandelten Patienten oft verschiedene immunvermittelte Beschwerden wie Kolitis, Hautreaktionen und Hypophysitis.
Wenn die Autoren ausschliesslich die neoadjuvante Situation betrachteten, konnte kein statistischer Zusammenhang zwischen Immuntherapien und höhergradigen Komplikationen mehr nachgewiesen werden (OR 1,17; p = 0,23).
Multidisziplinäre Betreuung für Adhärenz erforderlich
Dr. Fujiwara und seine Kollegen kommen zu dem Schluss, dass die Zugabe von Checkpoint-Inhibitoren zu konventionellen perioperativen Strategien die Rate an behandlungsbedingten Komplikationen vom Grad 3 und 4 erhöht.
Eine multidisziplinäre Betreuung und Schulung der Patienten seien erforderlich, um Behandlungsabbrüche zu vermeiden. In vielen Bereichen bestehe allerdings noch Forschungsbedarf, beispielsweise zu den Spätfolgen einer Immuntherapie. Künftig eröffne sich dabei möglicherweise auch die Möglichkeit, individuelle Toxizitäten der Checkpoint-Inhibitor-Behandlung durch Biomarker vorherzusagen.
Chancen und Risiken sorgfältig abwägen
Prof. Dr. Dr. Julie Delyon, Saint-Louis Hospital, Paris, und Prof. Dr. Dr. Olivier Michielin, Universitätsklinikum Genf, verweisen in einem begleitenden Kommentar darauf, dass man Chancen und Risiken der Immuntherapien neu abwägen müsse, wenn auch durch konventionelle Behandlungen Heilungsaussichten bestehen (2).
Für sie unterstreichen die Todesfälle, wie wichtig es ist, immunologische Komplikationen sorgfältig zu überwachen und Patienten in Hinblick auf Warnsymptome aufzuklären. Unklar bleibe, inwiefern sich schwere Nebenwirkungen letztendlich auf den Therapieerfolg auswirken. Allgemein sollten Ärzte Erkrankte in die Behandlungsentscheidung einbeziehen und vor Beginn über die Risiken einer Checkpoint-Inhibition aufklären.
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