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1. Anfang meines Romans:
Wenn du draußen bist bei mir, dann wird es anders sein. Hier draussen ist es laut. Hier draußen musst du laufen lernen und musst du mir zuhören. Hier draußen sind deine Eltern und sie erwarten von dir, dass du die Augen öffnest. Sie erwarten, dass du dich umdrehst. Sie erwarten, dass du aus einem Glas trinkst, und dass du redest, dass du ihre Augenfarbe bekommst und ihr dickes Haar. Sie erwarten, dass du so gut im Rechnen bist wie sie oder besser.
2. Ich bemerke keine Veränderung meines Schreibens, durch den Wechsel des Raumes. Das Schreiben ist ein Durchlesen des Ganzen geworden, ein ewiges. Und dann das Verschieben von Worten, dann streichen, dann ein neues Wort, ein altes raus, beim nächsten Mal das neue wieder raus, das alte rein oder ein ganz anderes. Und wieder anders.
Ich bemerke keinen Einfluss des Raumes, in dem ich sitze, der Raum, in dem ich bin, war ein Altersheim, genauer war es das Kino des Altersheim, man merkt es an der gelblichen Leinwand, die aus der Decke gelassen werden kann, man merkt es an braunen Flecken an der Wand, da wo jemand vielleicht mit der Kaffeetasse stürchelte, man merkt es an den alten Büchern, sehr alten Büchern.
Und am Geruch, ja auch ein bisschen am Geruch. Obwohl ich mir nicht sicher bin, ob vielleicht gerade die Welt an sich etwas alt riecht, des Winters wegen, weil es wieder wärmer wird und nun auf das Eingefrorene, das Alte der Regen fällt.
3. Atelier/ Altersheim/ Kino/ Wandflecken:
4. Bald muss ein Ende gefunden werden. Bald hat Anais' Stimme eine Härte, die nicht ihre ist, sondern meine gegenüber dem Text.
5. Das Wort und meine Härte:
6. Vor dem Fenster sitzt eine rote Katze im Regen, das Fell nimmt den Regen auf und die Katze ist gelangweilt, vom Regen, von mir, die ihr nicht das Fester öffnet, ihr nichts gibt. Sie drückt den Kopf an die Scheibe und bewegt den Schwanz.
Auch die Strasse ist vom Regen gelangweilt, die Baume, die gelangweilt ihre Äste bewegen, nur gerade so, dass man merkt, dass Regen fällt. Auch die für den Winter eingepackten Terrassenpflanzen sind gelangweilt, auch die vergilbte Obergingenfarbe der Fassade ist gelangweilt, das vom Regen aufgeweichte Holz ist glitschig und gelangweilt von den Schnecken, die sich so langsam durch den Regen hindurch auf dem Holz bewegen.
7. Nebenan klopft jemand mit einer Gabel auf einen Teller und reisst dann die Serviette in Streifen.
8. Mein Kind vermisst den Schnee. Mein Kind sagt bei Regen, Regen schön. Mein Kind tanzt mehr, als dass es läuft, es schaut eine Stunde lang auf ein Stück Schnur, das sich an einem Gitter befestigt im Wind und regen leicht bewegt.
Mein Kind kümmert sich nicht um Jahreszeiten, es kümmert sich mehr um Lieder, um die Möglichkeit von Sehen und Berühren.
9. Manchmal versucht das Kind erwachsen zu sein und ich versuche Kind zu sein.
10. Weil ich verstanden habe, um was es in meinem Text geht, kann ich nicht mehr an ihm schreiben.
Ich kann nur noch Lücken füllen, aber das hat nichts mit Gefühl zu tun, deswegen bleibt es eine Lückenfüllerei und erfüllt mich nicht.
11. Ich lese laut den Text, bis die Katze geht. Sie geht ins Gebüsch, legt sich hin, vollgesogen, und hört mir weiter zu.
Ich lese laut den Text, bis mir der Hals wehtut oder der Kopf oder das Auge im Kopf.
12. (auch mein Rücken ist gelangweilt)
13. Katze im Regen:
15. In Gedanken versuchen mit den Figuren zu tanzen.
In Gedanken versuchen die eigenen Worte zu lieben.
Auch mit mir selber tanzen, in Gedanken.
Versuchen Laut zu sein.
Laut sein.
Auf Trockenheit und Feuermöglichkeit warten.
Sätze machen, immer Sätze machen, auch wenn sie sich anfühlen wie die über Nacht in Wasser stehengelassene Haferflocken.