Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03618.jsonl.gz/573

Sie sind klein. Sie sind farbig. Sie sind unscheinbar. Aber sie reden. Das was sie sagen ist aber nicht auf den ersten Blick verständlich. Die Rede ist von den kleinen Fenstern in der Kirche in Turgi. Entworfen und gestaltet wurden sie von Paul Hänni (Symbole aus dem Leben Christi) und Simone Hänni-Bozon (Evangelisten) aus Baden. Obwohl sie auf Augenhöhe sind, kann man sie leicht übersehen. Sie drängen sich nicht penetrant auf. Aber wer sich Zeit nimmt, kann ihre leise Stimme hören. Ich möchte Ihnen eine kleine Übersetzungshilfe anbieten:
Das erste Bild zeigt einen Stern in leuchtendem Gelb und Orange. Auf der rechten Seite kann man einen Schweif erahnen. Das Fenster berichtet von der Geburt von Jesus. Der Stern steht als Symbol für Weinachten.
Auf dem zweiten Fenster kann man einen Engel erkennen. Vielleicht steht das gelbe für den Heiligenschein oder die Verbundenheit mit Gott. Der Engel selber und seine Umgebung sind in verschiedenen Blautönen gehalten. Unten links steht «Matthaeus». Der Engel ist das Symbol für den Evangelisten Matthäus.
Auf dem dritten Fenster ist eine Taube zu sehen. Sie schwebt über den Wellen. Ganz deutlich ist auch ein Kreuz zu erkennen. Es überspannt das ganze Bild. Die Taube steht für den Heiligen Geist. Das Kreuz ist das Sinnbild für Jesus. Somit weist das Werk auf die Taufe von Jesus hin. Sie steht am Anfang seines Wirkens.
Das vierte Bild sticht durch seine grellen Farben heraus. Wer genau hinschaut erkennt oben in der Mitte den Kopf eines Löwen. Mächtig und breit nimmt das Tier das ganze Bild ein. Seine Flügel breiten sich weit aus. Unten rechts ist «Markus» zu lesen. Der Löwe verkörpert den Evangelisten Markus.
Das fünfte Bild ist voller Symbole. In der Mitte stehen Brot und Wein. Sie sind umgeben von einem Rahmen, der ganz in blau und grün gehalten ist. Oben erkennt man ein Kreuz. Es ist gelb und zieht sich weiter bis ans untere Ende des Tisches. Es steht für Jesus, den Gastgeber des Mahles. Um den Tisch herum sind elf gleich grosse Kreuze, die die Jünger repräsentieren. In der rechten unteren Ecke ist die Schlange als Sinnbild für Judas, der Jesus verraten hat. Das kleine Kreuz oben rechts berührt als einziges das grosse Kreuz. Das stellt die Verbundenheit zwischen dem Jünger Johannes und Jesus dar. Das Fenster gibt uns einen Einblick in das letzte Abendmahl.
Auf dem sechsten Bild erkennt man unschwer einen Ochsen. Auf der linken Seite präsentiert sich sein grüner Kopf mit roten Augen und Hörnen. Die kleinen blauen Flügel auf seinem Rücken werden ihn kaum tragen können. Unten in der Mitte steht «Lukas» geschrieben. Der Ochse ist das symbolische Tier für den Evangelisten Lukas.
Das Kreuz ist im siebten Bild gross und schwer im Zentrum. Das dunkle Blau und die rote Mitte lassen es düster erscheinen. Der Tod Jesu an Karfreitag ist Thema. Die Dornenkrone sticht fies in den Kern des Holzes. Oben am Kreuz stehen die Buchstaben «INRI» für den lateinischen Satz Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum (Jesus von Nazaret, König der Juden). Was am unteren Rand wie Pilze aussieht, sind die Nägel, die Jesus‘ Hände durchbohrt haben. Auch der Speer ist zu erkennen. Er sticht durch das Kreuz hindurch.
Im achten Bild erscheint der Adler als Symbol für den Evangelisten Johannes in blau und weinrot. Es scheint, als will das Tier wegfliegen. Unten links ist der Name des Evangelisten erwähnt.
Das letzte Bild trägt den schönen Titel «Sprengung des Grabes». Mit etwas Fantasie sieht man das leere Grab in der Mitte und daneben die Steine, die dem Auferstandenen weichen mussten. Über das ganze Bild verläuft ein Kreuz als Symbol für Jesus Christus, der an Ostern den Tod besiegt hat.
Quelle: Festschrift zur Einweihung der Evangelisch-Reformierten Kirche Turgi, 1960