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| Irenäus († um 200) - Gegen die Häresien (Contra Haereses)

Zweites Buch
17. Kapitel: Die Emanationen stimmen nicht
11.
Da also der Vater, sobald er wollte, nicht nur von den Äonen, sondern auch von den Menschen der jüngsten Zeiten erkannt wurde, wo er aber anfangs nicht wollte, unbekannt blieb, so ist die Ursache der Unwissenheit nach euch lediglich der Wille des Vaters. Wenn er nämlich das Kommende voraussah, warum hat er dann nicht lieber von vorneherein die Unwissenheit jener aufgehoben, als daß er gleichsam aus Reue nachher dafür durch die Aussendung Christi sorgte? Denn die Kenntnis, die er später durch Christus allen verlieh, die konnte er viel eher verleihen durch den Logos, der der Erstgeborene des Eingeborenen war. Wollte er aber von vorneherein dies so haben, dann müssen die Werke der Unwissenheit fortdauern und gehen niemals vorüber. Was nämlich aus dem Willen eures Urvaters entstanden ist, das muß auch mit seinem Willen fortdauern, oder wenn dies vorübergeht, dann geht auch damit der Wille dessen vorüber, der ihm das Dasein verliehen hat. Durch welche Wissenschaft denn gaben sich die Äonen zufrieden und erlangten die vollkommene Erkenntnis, wenn der Vater selbst unfaßbar und unbegreifbar ist? Konnten sie denn nicht ihre Erkenntnis auch erlangen, bevor sie in Leiden gerieten, oder wurde denn die Größe des Vaters verringert für die, die von Anfang an wußten, daß er unfaßbar und unbegreiflich ist? Blieb er nämlich wegen seiner unfaßbaren Größe unbekannt, dann hätte er auch wegen seiner unfaßbaren Liebe die vor Leiden bewahren müssen, die aus ihm geboren waren. Dem stand nicht nur nichts im Wege, sondern es wäre sogar viel besser gewesen, wenn sie gleich von Anfang erkannt hätten, daß der Vater unfaßbar und unbegreiflich ist.