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Kleopatra, Dschingis Khan und Elvis sind nur einige der historischen Persönlichkeiten, die in unseren Geschichtsbüchern und unserem kollektiven Gedächtnis weiterleben. Aber was ist mit den Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die erst kürzlich gestorben sind und vielleicht nicht ganz so berühmt waren? Wer von ihnen wird von der Gesellschaft nach dem Tod in Erinnerung behalten?
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Data Science Lab (dlab) der EPFL an der School of Computer and Communication Sciences haben gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen des Departements für Informatik und des Departements für Linguistik der Stanford University begonnen, diese Frage zu beantworten, indem sie die Erwähnungen von mehr als zweitausend Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die zwischen 2009 und 2014 verstorben sind, nachverfolgt und die Zahlen mithilfe von Algorithmen ausgewertet haben.
In der Studie, die in der Zeitschrift «Proceedings of the National Academy of Sciences» publiziert wurde, analysierte man die tägliche Häufigkeit, mit der sie sowohl in den Hauptnachrichten als auch auf Twitter im Jahr vor und nach ihrem Tod Erwähnung fanden. Die Studie ergab vier prototypische Muster des postmortalen Gedächtnisses: «Aufblitzen», «Schweigen», «Zunahme» und «Abnahme».
«Das häufigste Muster betrifft etwa die Hälfte aller Menschen. Vor ihrem Tod wird nicht viel über sie geredet, nach ihrem Tod gibt es einen kleinen Aufschwung und dann geht es wieder auf das Niveau vor ihrem Tod zurück. Ein weiteres Viertel der Menschen weist ein im Grunde völlig flaches Muster auf. Über sie erscheint in den meisten Zeitungen nicht einmal ein Nachruf», sagte der Leiter des Data Science Lab, Assistenzprofessor Robert West, und Hauptautor der Studie.
«Bei einem weiteren Achtel ist beim Ableben ein Anstieg zu verzeichnen, daraufhin pendeln sich die Werte auf einem höheren Niveau ein als zu Lebzeiten. Beim Rest steigen die Erwähnungen beim Tod an und fallen dann auf ein niedrigeres Niveau als zu Lebzeiten. Dabei handelt es sich oft um Personen aus den Bereichen Politik oder Sport, die nicht mehr die Dinge tun, die sie in die Schlagzeilen gebracht haben. Demnach gibt es ein paar wenige Leute, die sehr berühmt sind, doch auf die Mehrheit trifft dies überhaupt nicht zu. Es gibt eine Handvoll Superstars, an die man sich wirklich erinnert, während die meisten anderen in Vergessenheit geraten», fuhr er fort.
Wer sind also diejenigen, deren Ruhm nach dem Tod zunimmt? Es ist wahrscheinlich, dass man kurzfristig mehr Aufmerksamkeit erhält, wenn man jung stirbt. Ähnlich ist es, wenn man eines unnatürlichen Todes stirbt. Die Studie ergab jedoch, dass der grösste durchschnittliche langfristige Aufmerksamkeitszuwachs bei Kunstschaffenden zu verzeichnen ist, da sie ein kulturelles Erbe hinterlassen, das sie überdauern wird.
«So wurden beispielsweise Whitney Houston und Hugo Chavez in die Stichprobengruppe aufgenommen. Am Tag ihres Todes stieg die Zahl der Erwähnungen sprunghaft an, da die Welt sich an sie erinnerte. Im darauffolgenden Jahr sah es anders aus: Houstons ‹Aufstieg›󠅒 dauerte ein Jahr, während Chavez in den ‹Abstieg›󠅒 rutschte», erklärte West.
Er war auch überrascht über die konsistente Erwähnung in den Mainstream-Nachrichten und in den sozialen Medien sowie über die Feststellung, dass die Nachrichten in den sozialen Netzwerken eine zusätzliche Rolle zu spielen scheinen. Dadurch wird sowohl die Neugier der Öffentlichkeit befriedigt, indem beispielsweise über den spektakulären Tod eines jungen Menschen berichtet wird, als auch ein kollektives Gedächtnis geschaffen, wenn ein alter Mensch oder eine bedeutende Persönlichkeit nach einem erfolgreichen Leben stirbt. Twitter spielt hier bei beiden Aspekten eine weitaus geringere Rolle.
Mit Blick auf die Zukunft wollen West und sein Team die Auswirkungen der Todesumstände erforschen und herausfinden, ob und wie diese die Erinnerung an eine Person beeinflussen. Er interessiert sich auch für die Art und Weise, wie Menschen in Erinnerung bleiben, obwohl dies viel schwieriger zu messen ist.
Die Arbeit hat West dazu veranlasst, über unsere Vorstellungen von Ruhm nachzudenken und das Beste aus jedem Tag zu machen: «Die Untersuchung zeigt mir, dass Ruhm eine seltene Sache ist und es sich wahrscheinlich nicht lohnt, danach zu streben, denn selbst wenn man sich sehr anstrengt – und die Leute in diesem Datensatz gehören wahrscheinlich zu denen, die sich am meisten anstrengen – ist er nicht von Dauer. Ich schätze es, ‹im Moment zu leben›󠅒, denn wenn man sich nicht einmal an diese berühmten Menschen erinnert, dann weiss ich, dass dies bei mir auch nicht der Fall sein wird.»