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Frühreif, weil die Mutter Lakritze liebt
Aus Tiermodellen wusste man bereits, dass eine pränatale Glukokortikoid-Exposition den Zeitpunkt der Pubertät vorverlegt. Wie sich dies beim Menschen verhielt, war allerdings unbekannt. Der fetale Cortisolspiegel liegt normalerweise etwa um das Zehnfache niedriger als der mütterliche. Diese Differenz ist zurückzuführen auf die Arbeit eines Enzyms in der Plazentaschranke, das 80–90 % des mütterlichen Cortisols vor der Passage durch den fetalen Kreislauf inaktiviert. Dieses Enzym wird gehemmt durch Glycyrrhizin, einen natürlichen Bestandteil von Lakritze.
Unter der Überdosis in utero leidet die spätere Intelligenz
Eine finnische Kohortenstudie hat sich deshalb mit den Nachkommen von Frauen beschäftigt, die während der Schwangerschaft reichlich Lakritze konsumierten. Diese wurden verglichen mit Kindern von Müttern ohne Vorliebe für das Naschwerk.
Im Alter von acht Jahren wurden die Kinder erstmals untersucht: Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede in Intelligenz und Gedächtnis-Tests, je nachdem, ob die Mütter in der Schwangerschaft ≥ 500 mg Glycyrrhizin pro Woche oder ≤ 249 mg konsumiert hatten – zu Ungunsten der Nachkommen von Frauen mit hohem Verzehr.
Eine erneute Untersuchung der Kohorte im mittleren Alter von 12,5 Jahren ergab, dass die Töchter von Müttern mit hoher Glycyrrhizin-Exposition in der pubertären Entwicklung weiter vorangeschritten waren als die Mädchen von Müttern mit geringem Verzehr. Dies kam auch darin zum Ausdruck, dass sie mehr als 3 cm grösser und 8 kg schwerer waren. Bei den Jungen fand sich ein ähnlicher Unterschied nicht. Söhne und Töchter der Mütter mit hohem Konsum in der Schwangerschaft schnitten in Intelligenz- und Gedächtnistests erneut schlechter ab. Ausserdem hatten sie mehr als dreimal so häufig mit einem ADHS zu kämpfen wie die Kontrollkinder.
Räikkönen K et al. Am J Epidemiol 2017; 185: 317–328.