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Nachdem die FEI im Frühling die Vereinigten Arabischen Emirate wegen Verstössen gegen Reglemente und Tierquälerei suspendiert hatte, wurde diese Suspendierung nun Ende Juli nach der Ausarbeitung eines Massnahmenkataloges wieder aufgehoben, direkt vor dem Nennschluss für die Europameisterschaft Mitte September in Samorin (SVK).
An Endurancerennen in den Vereinigten Arabischen Emiraten (UAE) kam es letzten Winter zu weiteren schweren Vorfällen mit schwer verletzten Pferden, Regelverstössen und Betrügereien. Darum hat die FEI (Fédération Equestre Internationale) in diesem Frühjahr unter ihrem neuen Präsidenten Ingmar de Vos (BEL) den Verband der UAE (EEF) überraschend suspendiert. Das heisst, die UAE durften keine Anlässe mehr durchführen, Endurance-Reiter konnten keine FEI-Rennen starten und Reiter aller anderen Disziplinen durften nur unter der FEI-Flagge an Wettkämpfen teilnehmen.
Die Schweiz hat bereits seit Jahren mit Clean Endurance auf die katastrophalen Zustände bei Ritten im arabischen Raum aufmerksam gemacht und für einen besseren Schutz der Pferde gekämpft.
Auflagen
Nun wurde die Suspendierung Ende Juli aufgehoben, nachdem die FEI und die EEF eine Vereinbarung unterzeichnet haben, die die angeprangerten Missstände in Zukunft verhindern soll. So sollen unter anderem Massnahmen getroffen werden, dass schwere Unfälle von Pferden vermieden werden und dass auch bei nationalen Wettkämpfen die Regeln der FEI vollumfänglich eingehalten werden. Auch soll das im Reglement verbotene Befahren von Reitstrecken unterbunden werden.
Weiter wird ein unabhängiger nationaler Berater eingesetzt, der von der FEI autorisiert ist. Die EEF wird zudem der FEI in der Saison 2015/16 monatliche Berichte einreichen.
Die EEF hat auch zugestimmt, dass die FEI bei Verstössen gegen diese Massnahmen Sanktionen ergreifen kann, und zwar bis zur Wiedereinsetzung der Sperre.
Die Vereinbarung gilt im Moment für drei Jahre. In dieser Zeit ist die EEF eine Art Mitglied auf Bewährung und man wird sich einmal jährlich treffen, um die Lage zu besprechen. Die Bewährungsperiode kann von der FEI bei Bedarf verlängert werden.
Es ist wirklich zu hoffen, dass die ganzen Beschlüsse auch umgesetzt werden und es nicht, wie in der Vergangenheit, einfach eine schöne Absichtserklärung bleibt. Die FEI ist gefordert, ihre Kontrollfunktion wirklich und unter allen Umständen wahrzunehmen und die Reglemente und Abmachungen mit aller Konsequenz durchzusetzen.
Ob sich nun Reiter aus den Emiraten für eine Teilnahme an den offen ausgeschriebenen Europameisterschaften in der Slowakei einschreiben, zeigt sich Anfang August.
EM in Samorin (SVK)
Unabhängig vom Geschehen um die Reiter aus den UAE laufen die Vorbereitungen auf die Europameisterschaft 2015. Sie wird Mitte September in Samorin in der Slowakei ausgetragen. Start und Ziel liegen an der Donau in der Nähe der Hauptstadt Bratislava. Beschrieben wird die Strecke als abwechslungsreich mit Schlaufen im flachen Ufergelände und einer Runde in den Hügeln.
Die Schweiz setzt alles daran, ein Team zu entsenden. Im Moment haben drei Reiterinnen die internationalen und nationalen Selektionsvorgaben erfüllt. Es sind dies Andrea Amacher, Véronique Curchod und Natalie Miller.
Um das Team zu verstärken, hat sich die Selektionskommission (SELKO) entschieden auch Gaby von Felten an das Sichtungsweekend Anfang August einzuladen. Sie ist die einzige Kaderreiterin, die zusätzlich zu den drei Reiterinnen der Long List in der Qualifikationsperiode der EM einen CEI*** bestanden hat.
Erster Titelkampf
Für Véronique Curchod ist es die erste Teilnahme an internationalen Endurance-Titelkämpfen. Die Tierärztin aus dem Waadtland reitet seit 2012 international und hat Ende März in Fontainebleau (FRA) auf der zwölfjährigen Vollblutaraberstute Nuwaif ihren ersten Ritt über 160 Kilometer absolviert. Sie ist ausserdem die erste Reiterin aus der Romandie, die für einen Titelkampf selektionierbar ist. Das freut sie besonders, denn es ist ihr ein Anliegen, den Endurancesport auch in der Westschweiz weiter zu verbreiten, und darum hat sie auch schon verschiedentlich Kurse organisiert.
Betreut wird sie an den Ritten unter anderem von ihrem Mann, der selber über internationale Erfahrung verfügt und das Team der Grooms führt: «Wir vertrauen uns vollumfänglich.» Alle Betreuer waren schon in Fontainebleau dabei, so dass bei einer EM-Teilnahme ein eingespieltes Team bereitsteht. Für Véronique Curchod war diese Qualifikation ein Ziel: «Ich freue mich sehr, dass wir es geschafft haben und so mehr Erfahrung sammeln dürfen. Es ist mir ganz klar, dass ich individuell keine Chance habe, aber mit der Mannschaft ist es sicher möglich, etwas zu erreichen.»
Vom Fohlen bis zum Pferd mit internationalem Niveau
Auch Andrea Amacher bestand in Fontainebleau den Ritt über 160 Kilometer mit Rustik d’Alsace, mit dem sie an den Weltreiterspielen 2014 in der Normandie mit dem Schweizer Team Bronze gewann. Die Teilnahme an dieser Europameisterschaft war seit letztem Jahr ein Ziel. «Ich möchte gerne einmal in der Slowakei reiten und dort die Schweiz vertreten.»
Auch ist es für sie die Bestätigung ihrer jahrelangen Aufbauarbeit mit Rustik d’Alsace, den sie als Absatzfohlen erworben hat und nun mit grosser Beharrlichkeit bis auf internationales Niveau gefördert hat. «Wir kennen uns sehr gut: Rustik macht sich nie kaputt, ich kann ihn auch bei einem Massenstart von Beginn an sehr gut kontrollieren und genau mein Tempo reiten.» Für Andrea Amacher steht ebenfalls die Mannschaft im Vordergrund. «Wenn alles klappt, ist ein Rang unter den besten sechs Nationen durchaus möglich.»
Natalie Miller ist mit 19 Jahren noch Junge Reiterin und hat in Rambouillet (FRA) mit dem elfjährigen Wallach Assidaroi de Bozouls bei schwierigen Bedingungen und tiefem Boden ihren ersten Ritt über 160 Kilometer in der Wertung beendet. Das war ihr Ziel für diese Saison.
Begonnen hat sie mit dem Endurancesport vor etwa fünf Jahren mit einem Freiberger mit dem sie alle nationalen Qualifikationen absolviert hat. International reitet sie seit 2012 und national war sie zweimal Meisterin bei den Junioren. Die ebenfalls selektionierte Natalie Miller musste ihr Pferd jedoch wegen einer Verletzung zurückziehen.
Zur Vervollständigung der Equipe wurde nun zusätzlich die Kaderreiterin Gaby von Felten mit Farah du Cavallon nominiert, nachdem sie im Juni die ursprünglich nicht als Selektionsrennen vorgesehene Deutsche Meisterschaft über 160 Kilometer erfolgreich beendet hatte. Sie lebt in Frankreich und auch für sie sind es die ersten Titelkämpfe als Athletin für die Schweiz.
Die SELKO hatte am ersten Augustwochenende alle Paare nach Avenches aufgeboten, um Trainingsstand und Gesundheit der Pferde zu überprüfen. Danach wurde selektioniert.
Claudia A. Spitz