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Schauspieltruppe der Zentralleitung der Arbeitslager
Tourneetheater, Eigenproduktionen mit festem Ensemble, selten Stückverträge
Die S. spielte 1945–47 hauptsächlich in den Flüchtlingsheimen und Arbeitslagern, die von der Eidgenössischen Zentralleitung der Arbeitslager (ZL) geleitet wurden, gelegentlich an öffentlichen Spielstätten. Die ZL-Abteilung "Schulung und Freizeit" unterstützte die Truppe mit einem kleinem Geldbetrag aus dem Freizeitkredit der Lager und organisierte im Rahmen des Freizeitausschusses der Schweizerischen Zentralstelle für Flüchtlingshilfe (zusammengesetzt aus Vertretern der schweizerischen Flüchtlingshilfswerke) die Tourneen durch die Lager und Heime mit. Das mehrheitlich aus internierten Flüchtlingen zusammengesetzte Ensemble machte bereits 1943/44 unter dem Namen Max Fischer/→Hans Sanden-Truppe mit einer Inszenierung von Goethes "Faust" auf sich aufmerksam. Mit der zweiten Produktion, "Nathan der Weise", gelang es der S., sich beim Freizeitausschuss mehr als alle anderen in den Lagern entstandenen Schauspielensembles zu etablieren. Die Premiere erfolgte am 3.1.1945 mit Sanden als Nathan, mit Fischer, Renate Garden (eigentlich Gradenwitz), Julia Gerhard-Benedek, Sigurd Mahr, Peter Drost, Elisabeth Mayen und anderen. Diese Inszenierung fand bei den Flüchtlingen, in der Flüchtlingszeitschrift "Über die Grenzen" und in der Schweizer Presse Anerkennung. Daraufhin übernahm der Freizeitausschuss die Verantwortung für die Produktionen der S. und legte den Spielplan fest. Gegen die geplante Inszenierung von Friedrich Wolfs "Professor Mamlock" hatte er Bedenken und verbot die Einstudierung dieses Anti-Nazi-Dramas; stattdessen erfolgte am 16.6.1945 im Hotel "Titlis"/Lager Engelberg die Premiere von Schillers "Kabale und Liebe". Doch die S. hatte trotz des Verbots auch "Professor Mamlock" einstudiert und brachte es am 24.7.1945 im Hotel "Tivoli"/Flüchtlingslager Luzern zur Aufführung (mit Sanden in der Titelrolle, Max Strassberg, Jacques Lewinsohn, Gina Petruschka und anderen). Mit Wolfs Stück führte die ZL am 14.9.1945 im →Theater am Neumarkt Zürich erstmals eine (halb)öffentliche Vorstellung für Angehörige der ZL, geladene Gäste und Journalisten durch. Zuletzt wurde die in der Schweizer Presse lobend erwähnte Inszenierung am 28.10.1945 in einer Matinee am →Schauspielhaus Zürich aufgeführt. Auf Grund dieses Erfolgs liess die ZL die Truppe ab Sommer 1945 unter dem Namen "Schauspieltruppe der Zentralleitung der Heime und Lager" auftreten. Die S. genoss damit gegenüber anderen in den Heimen und Lagern auftretenden Gruppen eine bevorzugte Behandlung, auch in finanzieller Hinsicht. Bis Ende Februar 1947 inszenierte die S. "Hänsel und Gretel" nach Humperdinck, Molières "Der Geizige" (mit Fischer als Harpagon) und "Der eingebildete Kranke" (mit Sanden als Argan), Wildes "Lady Windermeres Fächer" (Premiere am 4.6.1946 im Lager Brissago, mit Garden in der Titelrolle), Grimms "Dornröschen", Priestleys "Und ein Tor tat sich auf" (dafür wurde →Maria von Ostfelden engagiert). Mit keinem dieser Stücke aber konnte die S. an den "Professor Mamlock"-Erfolg anknüpfen. Anfang 1947 sah die ZL die Aufgabe der S. als erfüllt an und entliess sie aus ihrer Funktion. Im Sommer 1947 spielte die S. auf eigenes Risiko in einer Anzahl Heime ein Sommerprogramm mit Einaktern von Arthur Schnitzler, →Curt Goetz und Felix Salten. Danach verliessen die meisten Mitglieder der S. die Schweiz.
Literatur
- Ziegler, Nicole: Flüchtlinge spielen für Flüchtlinge. Die Schauspieltruppe der Zentralleitung der Arbeitslager 1944–1947 [Seminararbeit am Institut für Theaterwissenschaft, Bern], 1998.
Autorin: Nicole Ziegler
Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:
Ziegler, Nicole: Schauspieltruppe der Zentralleitung der Arbeitslager, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1588–1589.