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Die Geschichte zu Flight of the Intruder ist nicht das, was man als Komponist erleben möchte. Poledouris sollte eigentlich Kevin Costners Dances with Wolves vertonen, doch sein Freund John Milius (mit ihm hat Poledouris zuvor an vier Filmen gearbeitet: Red Dawn, Big Wednesday, Farewell to the King und sein magnum opus Conan the Barbarian) überredete ihn dieses Projekt für Flight of the Intruder fallen zu lassen. John Barry schliesslich gewann den Oscar und feierte nach einer Krankheitspause ein grandioses Comeback. Probleme mit den Produzenten führten allerdings dazu, dass die Postproduction zu Flight of the Intruder mehr Zeit in Anspruch nahm und Poledouris schlussendlich an beiden Filme hätte arbeiten können. Für Poledouris muss das Ganze ein traumatisches Erlebnis gewesen sein – und die nachfolgende Filmographie zeigt, dass er nie mehr den Sprung zurück in die Blockbuster-Topliga schaffte. Weit weniger allerdings war nach Intruder John Milius als Regisseur gefragt.
Flight of the Intruder spielt während des Vietnamkriegs und erzählt von Piloten von Bomberkampfflugzeugen (die A6 Intruder), die bei ihren Tiefflugeinsätzen Leib und Leben riskieren, nur um wieder irgend ein Reisfeld in die Luft zu jagen. So beschliessen Grafton und Cole auf eigene Faust tief ins Landesinnere zu fliegen um ein Raketenlager in die Luft zu jagen. Irgendwie hinterlässt der mit Danny Glover und Willem Defoe Film das Gefühl als wisse Milius mit Intruder nicht so ganz ob er nun Antikriegsfilm oder „juchhei, wir jagen Charly in die Luft“oder irgendwie beides inszenieren wollte. Ein Hinweis auf diese Zwiespältigkeit gibt auch die rockig-popige Trailermusik von John Beal à la Top Gun, die als Bonus ebenfalls zu hören ist.
Poledouris Score beginnt in den ersten beiden Tracks „Morg’s Death“ und „Morg’s Funeral“ zunächst recht elegisch. In „Morg’s Death“ benützt Poledouris kurz ein Shakhuachi oder Panflöten-Sample um den asiatischen Spielraum des Films anzutönen, ausserdem sind hier erste Spannungsmomente zu hören. Erst mit „Chase for Five Dollars“ tauchen Poledouris-typische Rhythmen und Orchestrationen für später folgende, pfundigere Musik vordergründig auf. In den actionreicheren Passagen setzt Poledouris elektronische Beigaben zu, die nicht unähnlich jenen aus Red Dawn (auch in „I Get Good Vibes“ zu hören) sind und sich in späteren Actionscores des Komponisten immer wieder finden werden. Doch bleibt Poledouris idurchwegs immer merkwürdig zurückhaltend, geht selten in die Vollen. „Iron Hand Mission“ wiederum ist ein Spannungstracks mit Snares, elektronischen Rhythmen, seinen geliebten Becken, prägnanteren Streichern und charakteristischen Holzbläserfiguren sowie einem Finale, das Poledouris so und sehr ähnlich ein Jahr zuvor in Hunt for Red October verwendet hat. „Boxman’s Death“ nimmt die elegische Stimmung aus „Morg’s Death“ wieder auf, lässt aber für einen kurzen Moment die schrillen Piccolo und kurzen crescendi aus Robocoperahnen.
Gelungen ist der fast 6 minütigen „Raid on Hanoi“. Ostinati im Perkussionsbereich, danach gesellen sich Posaunen und Tubas hinzu. Ein auffälliger Synthiesound setzt ein, die Hörner lassen kurz das Hauptthema erahnen, die Trompeten kommen hinzu, Streicher werden lauter. In der Mitte des Tracks dann Spannung mit Holzbläsern, Streichern, Synthies, ein langsam aufbauendes crescendo mit Flöten, Piccolo, Hörnern, Violinen bis hin zum markanten Rhythmusmotiv. Es folgen weitere Spannungspassagen, langsam vorantreibend (die Becken sind wieder zu hören) bis hin zum tutti mit abschliessendem Gong.
Jetzt wäre (wäre?) langsam aber sicher Zeit für mehr Action auf dem Musikgelände: „Alpha Strike“, in dem zum ersten Mal eine voll ausgearbeitete Version seines Marsches, das Hauptthema von Flight of the Intruder, zu hören ist. Danach die nobleren „Keeping the Faith“ und „Alpha Mike Fox Trot“ sowie das voll (naja, sagen wir halbvoll) getankte „Rescue“ und das abschliessende „Final Scene“ mit der sicher schönsten Wiedergabe des Hauptthemas.
Zweifellos, Poledouris hat bessere, knackigere und sicher auch melodiösere Scores aus der Feder gelassen, doch die Geschichte um das Engagement anstelle von Dances with Wolves als auch die vielen unverkennbaren Poledouris’men lassen Flight of the Intruder insbesondere bei Fans des Komponisten durchaus einen Stein im Brett haben, wenn man alleine vom Filminhalt auch ein Mehr an musikalischer Action erwarten würde.
Mit dieser Intrada CD kann ein weiteres Bootleg, vor vielen Jahren bei Soundtrack Library erschienen, quasi entsorgt werden. Gut so. Die Liner Notes stammen von Nick Redman und im Tech Talk erfahren wir, dass Poledouris analoge Aufnahmen seiner Musiken bevorzugte.
Phil, 20.2.2013
FLIGHT OF THE INTRUDER Basil Poledouris Intrada Special Collection Volume 227 20 Tracks / 55:25 Min.