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Mathieu Bertholet
Umtriebiger Autor und Brückenbauer
Schweizer Preis Darstellende Künste 2021
Mathieu Bertholet, 1977 im Wallis geboren, ging 1997 nach Berlin, wo er an der Universität der Künste den Studiengang «Szenisches Schreiben» absolvierte. Nach zehn Jahren kehrte er zurück in die Schweiz, war 2001 Hausautor an der Comédie de Genève und von 2006 bis 2009 in gleicher Funktion am Théâtre du Grütli in Genf, wo er auch mal als Tänzer in Werken von Cindy van Acker und Foofwa d’Imobilité auftrat. 2007 gründete er die Gruppe MuFuThe (Multifunktionstheater), mit der er seine eigenen Werke produziert. Er schreibt auf Französisch und Deutsch und übersetzt auch Theatertexte. Für Nicolas Stemanns Stück «Nathan !?» schuf er eine französische Fassung von Lessings «Nathan der Weise» und zwei deutschen Texten von Elfriede Jelinek. Seit 2015 ist er künstlerischer Leiter des Théâtre du Poche in Genf. Dort setzt er sich weiterhin als Autor, Übersetzer und Regisseur für experimentelle Formate ein und wirkt als Brückenbauer zwischen der deutsch- und französischsprachigen Schweiz.
Mathieu Bertholet erhielt 2001 für sein erstes Stück «Farben» den Förderpreis des Deutschen Schauspielhauses Hamburg und 2009 den Prix Italia. 2007 war er Stipendiat der Villa Aurora in Los Angeles. Er mag Stoffe aus historischen Konstellationen des 20. Jahrhunderts in Deutschland und interessiert sich für Neuinterpretationen antiker Mythen. Bei Actes Sud erschien 2006 «Farben / Rien qu’un acteur» und 2010 «Shadow House / Case Study House», Texte, die nach seinem Aufenthalt in LA entstanden. Inszeniert wurden seine Texte von Anna Van Brée, Anne Bisang, Maya Bösch oder Marc Liebens. Am Théâtre Vidy-Lausanne inszenierte er «Derborence» (2015) von C.-F. Ramuz. Am Théâtre de Poche kuratiert er nicht nur die Aufführungen, oft von Nachwuchstalenten der Regie, sondern veranstaltet auch Dramaturgie-Beratungen und engagiert junge Autorinnen und Autoren.
Aus seinem Wallis hat Mathieu Bertholet die Vorliebe für Abhänge und sich ständig ändernde Ausblicke mitgenommen. Er überwindet Pässe und überschreitet die Grenzen zwischen Sprachen, Epochen und Tätigkeiten: Er schreibt, übersetzt, adaptiert, inszeniert, programmiert und vermittelt. Für die Architektur interessiert er sich ebenso wie für die Landschaft und er konstruiert Formen, erfindet Protokolle und entwirft Kombinationen, deren Themen gleichzeitig politisch und poetisch sind. Passend zu seinen Texten stellt der «Dirlo» seit 2015 in seinem Théâtre de Poche in Genf Programme und Aufführungsformate vor, denen es gelingt, Debatten anzuregen.
Danielle Chaperon, Präsidentin Theaterjury