Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03301.jsonl.gz/1410

Spy Game
Regie: Tony Scott
Darst.: Robert Redford, Brad Pitt, Catherine McCormack, Stephen Dillane, Larry Bryggman, Marianne Jean-Baptiste, Matthew Marsh, David Hemmings, Charlotte Rampling u.a.
Nathan Muir ist ein Agent der alten Schule und erfährt an seinem letzten Arbeitstag, dass sein einstiger Schützling Tom Bishop in China bei einer Befreiungsaktion, die er ohne Auftrag unternommen hat, gefangen wurde und in 24 Stunden hingerichtet werden soll. Während Nathan seinem Chef sowie seinem arroganten Nachfolger in der CIA-Zentrale Informationen über Bishop liefert, sucht er nach einer Möglichkeit, das Leben des Kollegen zu retten – denn er weiss genau, warum Tom in China ist. Der entscheidende Faktor in der gesamten Dramaturgie und Inszenierung des furiosen Spionagethrillers von Regisseur Tony Scott ist die Zeit. Einerseits ist es die ablaufende Frist bis zur Exekution in China sowie die geografische Distanz zwischen Muir und Bishop, andererseits springt die Geschichte zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her; zwischen Muirs Versuch, einen Fluchtplan zu entwickeln, sowie den Rückblenden in die gemeinsame Vergangenheit der beiden. Sie beginnt in den Siebzigerjahren, als Muir den Hitzkopf und Scharfschützen Tom Bishop für die CIA anwirbt. Nach einer heiklen Unternehmung im geteilten Berlin in den Achtzigerjahren endet ihre Zusammenarbeit im Beirut der Neunzigerjahre, als eine Liebesgeschichte ihr gegenseitiges Vertrauen aufs Spiel setzt – hier findet sich auch die Antwort darauf, weshalb Bishop in China ist. Mit seinem Charisma ist Robert Redford als CIA-Veteran Nathan Muir der ruhende Pol im harten Thriller, der mit technischer Raffinesse und viel Tempo inszeniert ist. Brad Pitt als intuitiver und emotionaler Tom Bishop fungiert als Gegenpol zum bedachten Muir. Während «Spy Game» in der New York Times als «visuelles Sperrfeuer» beschrieben wurde, bezeichnete Die Welt ihn als «einen Essay über den Zustand der Vereinigten Staaten nach dem Kalten Krieg». Auch Rüdiger Suchsland notiert auf artechock.de: «Politisch ist Tony Scotts Film trotzdem, und dies nicht als Verteidigung des Zynismus. Wie schon ‹Enemy of the State› zeigt er einen Einzelnen im Kampf mit einem System, an dem es nichts schönzufärben gibt.»