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Annus horriblis 1956
Frost und Dickmaulrüssler
Im Februar 1956 sinken die Temperaturen auf -27 °C und zerstören die Rebstöcke massenhaft. Es soll in den Rebbergen richtiggehend «geknallt» haben, als der Frost die Rebstöcke sprengte.
In diesem Jahr wird auf Schloss Salenegg 0,3 Liter Wein trüb pro Are geerntet, was bei 560 Aren lediglich 168 Liter Wein ergibt Das Wenige, das geerntet werden konnte, stammte aus einer kleinen Versuchsanlage mit Drahtbau.
Doch nicht genug damit: Was den Frost überlebt hatte, wurde vom Dickmaulrüssler befallen. Der Otiorhynchus sulcatus, der Rüsselkäfer, stammt aus Nordamerika. Seine erste Invasion wurde zwischen 1913 und 1917 in Frankreich festgestellt. In den 1940er und 1950er Jahren trat er in Deutschland in stärkerem Masse auf. Man bezeichnete ihn dort als «Reblaus der Mosel und der Saar». Der Schaden, den der Käfer durch nächtliches Benagen der jungen Blätter verursacht, ist zwar relativ gering. Die im Erdreich lebenden Larven (Engerlinge) richten jedoch durch Benagen und Schälen der Rebwurzeln grossen Schaden an, indem der Wasserhaushalt der Reben empfindlich gestört wird. Im Kreis Maienfeld wurden bis Ende 1956 ca. 30 Hektaren Reben gerodet, 30 weitere Hektaren waren gefährdet. Daher erklärte der Grosse Rat des Kantons Graubünden im Herbst 1956 die Bekämpfung des Dickmaulrüsslers in der Bündner Herrschaft als obligatorisch. Zu dieser Zeit waren noch ca. 80 Prozent der Reben wurzelecht, diese wurden viel stärker befallen als die veredelten.
Der Frost und der Dickmaulrüssler haben die Umstellung vom Stickelbau auf den Drahtbau wie auch die Veredelung der Reben stark forciert. Bis 1961 waren auf Schloss Salenegg alle Rebberge auf Drahtbau umgestellt. Die Umstellung auf veredelte Reben nahm etwas mehr Zeit in Anspruch und wurde 1975 abgeschlossen.
Obligatorische Dickmaulrüssler-Bekämpfung in den Rebbergen der Bündner Herrschaft