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In der Unterrichtseinheit bei Mark wurde das Konzept der drei Wirklichkeiten vorgestellt. Zuhause angekommen, liess mich dieses Konzept kaum in Ruhe. Ja was ist denn die Wirklichkeit? Inwiefern verschwimmen die mediale und die „reale“ Wirklichkeit und ist die mediale Wirklichkeit denn nicht auch real?
Um meine Verwirrtheit zu stoppen, recherchierte ich im Internet zuerst nach einer grafischen Abbildung des Modells der drei Wirklichkeiten und die dazugehörenden Begrifflichkeiten: Es beschreibt die primäre Wirklichkeit, also die uns umgebende, mit den fünf Sinnen wahrnehmbare Wirklichkeit, dann die mediale Wirklichkeit, welche die Repräsentationen, wie sie auf dem Bildschirm und als Tonwiedergabe erscheinen und im Buch, in Zeitungen und Zeitschriften gedruckt sind, und dann noch die wahrgenommene mediale Wirklichkeit, welche die Wahrnehmung, wie sie nur im Kopf des Zuschauers, des Hörers und des Lesers, besteht. Okay, soweit habe ich mal die Begrifflichkeiten zusammen.
Ich interpretiere, dass es meine Aufgabe als Medienpädagogin ist, mit den Kindern und Jugendlichen vor allem in die Auseinandersetzung dieser dritten Wirklichkeit, der eigenen, subjektiven Wahrnehmung der Medieninhalte, zu gehen. Dass sie die Arbeitsweisen der Medien kennen- und durchschauen lernen. Nur so können sie später selber entscheiden, ob und wie „wahr“ diese Wirklichkeit ist.
Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest legt als Grundsatz voraus, dass Medien Wirklichkeiten nie vollständig abbilden können. Weiter behauptet er, dass ein seriöser Journalismus solche Hilfsmittel offen darlegen würde – dabei kritisiert er die Seriosität des heutigen Journalismus (hier sehe ich den Bezug zur Agenda-Setting-Theorie: wie schaffen es die Medien, Themen in die breite Masse zu platzieren?).
Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest hat zum Thema „Medien und Wirklichkeit“ 10 Antworten geliefert, welche für unsere Auseinandersetzung mit dem Thema interessant sind. So auch, ob Medien falsche Vorbilder liefern, ob durch häufiges Fernsehen und allgemein häufigen Medienkonsum falsche Vorstellungen von der Wirklichkeit oder sogar ein falsches Weltbild entstehen kann (dies ist hier ähnlich zu diskutieren wie die Kultivierungsthese, nämlich, ob Vielseher stärker zu Angst und Depressionen neigen).
Genannt wird dabei auch eine sogenannte Bildschirmmethode, mit der bei traumatisch festgesetzten Bildern von Wirklichkeit in der Vorstellungswelt von Kindern interveniert werden kann. Dies ist insofern für mich interessant, da ich in meinem Alltag als Sozialpädagogin immer wieder mit Kindern und Jugendlichen arbeite, bei denen Medieninhalte traumatische Auswirkungen haben oder aber, wo Medien bereits vorhandene Traumatisierungen verstärken.
In einem Artikel von Christian Doelker „Neue Medienkompetenz gefordert – Künstliche Wirklichkeit und Imagination in Konkurrenz“, der auch als Autor der Grafik der drei Wirklichkeiten genannt wird, beschreibt diese Bildschirmmethode etwas genauer, jedoch auch nicht wirklich ausführlich. Interessant für mich ist aber, dass dabei ein fiktiver Bildveränderungsprozess hervorgerufen werden soll. Ein bedrängendes Bild wird auf einen fiktiven Bildschirm transferiert und auf diesem Bildschirm mit den klassischen Methoden der Bildveränderung, also Grösse, Sättigung, Kontrast, Farbigkeit usw. gedämpft und ausgeblendet. Durch Ausschalten des Bildschirms soll versucht werden, die Wahrnehmungsinhalte zu löschen. Dies ist für mich als gelernte Polygrafin und daher Profi-Bildbearbeiterin (haha) besonders interessant.
Ebenfalls bemerkt Doelker in seinem Artikel, dass die technische Neuerung im Medienbereich schrittweise dazu führte, dass Wirklichkeit immer wirklichkeitsgetreuer wiedergegeben werden kann und mit der technischen Medienentwicklung auch ein ständiger Zuwachs an Realitätsnähe- und treue einhergeht. Diese Entwicklung findet ihren Kulminationspunkt in der Virtual Reality.
Zum Thema wie real die mediale Wirklichkeit ist, hat Sarah Maria Frantzen einen interessanten Artikel mit dem Titel „Film – Macht der Laufbilder – Mediale Wirklichkeitskonstruktionen“ geschrieben. Dabei geht es um mediale Wirklichkeitskonstruktionen bezogen auf Journalisten und Instanzen wie Medien. Sie stellt sich die Frage, inwiefern diese die von ihnen erkannte Wirklichkeit abbilden bzw. widerspiegeln (Realismus) oder ob sie die Wirklichkeit selber hervorbringen bzw. aufbauen (Konstruktivismus). Ich empfehle sehr, ihn zu lesen.
Zurück zum Artikel des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest: Sehr schön finde ich die Abschlussantworte, nämlich, dass Fernsehen ein wertvolles Fenster zur Wirklichkeit sein kann und sich wertvolle Fremderfahrungen und eine wichtige Erweiterung von Kenntnissen des Horizontes ergeben können. Zu der These, dass die mediale Wirklichkeit nicht real ist, bzw. die Medien die Wirklichkeit nie vollständig abbilden können, möchte ich abschliessend noch sagen, dass ich es persönlich immer wichtig finde, mit den Kindern und Jugendlichen beim Thema Internet auch in eine Auseinandersetzung darüber zu gehen, dass es zwar nicht real ist, jedoch die Kontakte und Konsequenzen darin schon.
Quellen:
Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs). (2010). Infoset „Medienkompetenz und Medienpädagogik in einer sich wandelnden Welt“: Medien und Wirklichkeit – 10 Antworten – Gefunden am 26.02.2017 unter https://www.mpfs.de/fileadmin/files/Infoset/PDF/MPFS_Infoset_Wirklichkeit_2016.pdfFr
Frantzen, Sarah Maria. (2008). Film – Macht der Laufbilder. Mediale Wirklichkeitskonstruktion – Gefunden am 26.02.2017 unter http://www.qucosa.de/fileadmin/data/qucosa/documents/5626/data/04-frantzen-mediale-wirklichkeitskonstruktion.pdf
PH Luzern Pädagogische Hochschule. Von den drei Wirklichkeiten – Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Gefunden am 26.02.2017 unter https://fotoikonen.jimdo.com/von-den-drei-wirklichkeiten/
Doelker. Christian. (1998). Neue Medienkompetenz gefordert Künstliche Wirklichkeit und Imagination in Konkurrenz. Gefunden am 26.02.2017 unter http://mediaculture-online.de/fileadmin/user_upload/Medienbildung_MCO/fileadmin/bibliothek/doelker_neue/doelker_neue.pdf