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Nur ein kleiner Teil der Gebäude, in denen sich das Museum für Kunst und Geschichte heute befindet, wurde für museale Zwecke gebaut: die beiden Säle für Sonderausstellungen (1964). Im Übrigen hat sich die Institution in drei Bauten eingerichtet, die ursprünglich ganz andere Funktionen hatten: in einem vornehmen Stadtpalais aus der Renaissance – Ratzehof – sowie in einem Schlacht- und einem Zeughaus des 19. Jahrhunderts. Sie alle gruppieren sich um den Standort eines ehemaligen Stadttors, des Bösen Turms (1848 zerstört).
Der sogenannte Ratzehof galt einst als das schönste Wohnhaus Freiburgs. Der Tuchhändler Hans Ratze, der in Lyon gelebt und dort die Schweizer Garde befehligt hatte, liess ihn zwischen 1581 und 1584 durch einen Lyoneser Baumeister errichten. Dieser – Jean Fumal hiess er – schuf hier einen Bau, der in der Westschweiz seinesgleichen sucht. Der mächtige freistehende Kubus wird an der ursprünglichen Eingangsfront von zwei Pavillons flankiert und weist gartenseitig einen Treppenturm auf. Eine doppelstöckige Galerie auf hohen Arkaden verbindet letzteren mit dem Latrinenturm; solche Galerien sind typisch für die Lyoneser Architektur. Ein paar Jahrzehnte nach dem Tod Ratzes, 1628, verkauften seine Nachkommen das prächtige Haus an die Brüder Franz Peter und Albrecht Niklaus König, die im Dreissigjährigen Krieg als kaiserliche Söldnerführer reich geworden waren. Schliesslich gelangte es über Heirat in den Besitz der Familie de Buman und anschliessend an den Schultheissen François-Romain de Werro, der Umbauten im Stil des Rokoko anordnete. 1830 wurde der Ratzehof an den Kanton Freiburg verkauft, der darin zuerst sein Oberamt, ab den 1920er Jahren schliesslich das kantonale Museum einrichtete. In den stimmungsvollen Räumen ist heute die Sammlung von Gemälden und Skulpturen aus Mittelalter und Barock ausgestellt; eine Reihe von Räumen sind kulturgeschichtlichen Themen gewidmet.
Das ehemalige Schlachthaus, dem Ratzehof gegenüber an der Murtengasse gelegen, entstand 1834–1836 am Wallriss längs der alten Stadtmauer. Erst 1778 hatte man im Burgquartier einen neuen Schlachthof gebaut, der zu Beginn der 1830er Jahre jedoch die Errichtung der grossen Hängebrücke behinderte. Wie es scheint, verwendete man nun umfangreiche Teile dieses Baus an der Murtengasse wieder; beratend wirkte dabei der berühmte Freiburger Orgelbauer Aloys Mooser mit. Die Arkaden des Erdgeschosses beherbergten ursprünglich Metzgerläden. Im 19. Jahrhundert diente das Gebäude nicht nur dem Schlachten, sondern enthielt unter anderem auch eine Bibliothek! Ab 1972, nach der Errichtung eines modernen Schlachthofs ausserhalb des Stadtzentrums, verlotterte der Bau zusehends, und 1975 brannte er völlig aus. Die Architekten Pierre Zoelly und Michel Waeber gaben seinen Innenräumen in einer umfassenden Neuinterpretation schliesslich die Form, in der sie seit 1981 das Museum erweitern. Steinskulptur, archäologische Funde, Goldschmiedekunst, Werke der Bildhauerin Marcello und Freiburger Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts sind hier zu sehen.
Das Zeughaus, 1858–1860 vom Stadtbaumeister Ulrich Lendi errichtet, schliesst längs der Murtengasse stadtauswärts an den Ratzehof an. Es beherbergte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch das Kriegskommissariat. Ab 1903 erhielt es eine neue Verwendung als Konservatorium für Musik – dazu wurde es um ein Stockwerk erhöht. In seinen Räumen befindet sich heute die Museumsverwaltung.