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Wer in alten Dokumenten liest, begegnet häufig dem Begriff Juchart (auch Jucharte oder Juchert genannt). Um einen Eindruck von der Grösse dieses Flächenmasses zu haben, möchte man natürlich wissen, wieviel so ein Juchart in den heute gebräuchlichen Quadratmetern, Aren oder Hektaren misst.
Da gilt es eine wichtige Lektion zu lernen: Ein Juchart ist nicht immer gleich gross. Es kommt auf die Lage an. M.L. Frischknechts Artikel (siehe WeiachBlog vom 26. und 27. Februar) erklärt, weshalb:
«Die Landmasse beruhten meist auf Schätzungen von Arbeitsprozessen. Ein Juchart bezeichnete den in einem Tag gepflügten Boden Ackerland. Der Mannsmad (Mad, Mannswerk etc.) bezeichnete die Fläche Wiese, die ein Mann an einem Tag mähen konnte. In Kaiserstuhl betrug ein Juchart 36.09 Aren, in Zurzach nur 32.41 Aren. Es ist eine gewagte Hypothese, daraus zu schliessen, dass die Zurzacher damals fauler waren als die Kaiserstuhler.
Ist ein Juchart aufgrund einer in einem Tag vollführten Arbeit definiert, so variiert der Juchart je nach Geländebeschaffenheit. Im Mittelland lag die Einheit für Ackerland zwischen 27 und 36 Aren, in Gebieten mit vorwiegend Getreidebau betrug ein Juchart zwischen 32 und 36 Aren, mit vorwiegend Wiesland 27 bis 34 Aren. Je hügeliger und steiler das Land wurde, desto kleiner der Juchart.
Der Tessin hatte die kleinsten Ackermasse (zwischen 0.5 bis 5 Quadratmeter). Im Rebbau lag der Juchart zwischen 3 und 4 Aren. In den Alpen galten spezielle Masse für Alpweiden, sog. Kuhrechte. Man schätzte die Ertragsfähigkeit einer Alp nach der Anzahl der gesömmerten Kühe. Besass einer 5 Kuhrechte, so durfte er 5 Kühe oder eine höhere Anzahl Kleinvieh auf die Weide treiben. Mit Kuhrechten konnte ein Handel abgegolten werden wie mit Geld. Diese Kuhrechte haben noch heute ihre Gültigkeit und sind in ihrem Ursprung Landmasse.»
Ein sehr sinnvolle Einrichtung übrigens, welche die so genannte Tragödie der Allmende verhindert, also die Übernutzung eines im Gemeinbesitz befindlichen Gebiets durch zu starke Beweidung.
Quelle
Frischknecht, M. L.: Masse und Gewichte im alten Kaiserstuhl. Erstmals erschienen in: Echo – Zeitung für Kaiserstuhl, August 1984, S. 4-6. Abgedruckt im Sammelband: Keiserstul. Geschichte und Geschichten – aus dem Nachlass von Bruno Müller. Kaiserstuhl 1989 – S. 178-180.