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Alpine Unglücksfälle 1890
Die Liste der alpinen Unglücksfälle mit tödtlichem Ausgang ist leider im letzten Jahre wieder eine sehr lange, auch wenn wir, wie gewohnt, von den Fällen absehen, die mit dem Bergsteigen in keinem ursächlichen Zusammenhang stehen, sondern sich nur zufällig im Hochgebirge ereignet haben. Wir rechnen dahin die zahlreichen Unglücksfälle, die jedes Jahr Alpine Unglücksfälle 1890.
beim Blumenpflücken an steilen Berghängen vorzukommen pflegen und auch das letzte Jahr mehreren Blumenfreunden ( Abbé Lombard im Massiv von Belledonne bei Grenoble, Hrn. v. Leon am Iffinger bei Meran u. A. ) das Leben gekostet haben; ferner die Unglücksfälle, die bei leichten Ausflügen im Voralpenlande oder auf wegsamen Gipfeln und Pässen der Hochalpen durch plötzliches Unwohlsein, Verlieren des Weges, Unvorsichtigkeit, mangelhafte Ausrüstung u. dgl. verursacht worden sind. Zu dieser Kategorie gehören fünf, wahrscheinlich sechs Fälle. Am 25. Mai fand ein junger Mann, R. Schnetzer aus Kempten, an der Rothen Wand bei Rohrmoos im Algäu seinen Tod, indem er, vom rechten Wege abgekommen, mit ungenagelten Schuhen durch eine steile Rasen- und Felskehle direkt absteigen wollte und abstürzte; am 4. Juni verunglückte auf dem Gamsecksteig an der Raxalpe L. Kronberger aus Wien infolge plötzlichen Unwohlseins, und derselben Ursache ist wohl auch der Tod C. Vanda's am 20. Juli in den Vorbergen des obern Sturathales bei Balme ( Piemont ) zuzuschreiben. Am 3. August verunglückte am Piz Languard der Post-commis Ferber aus Chur, der beim Abstieg den Hut verlor, demselben nacheilte und dabei ( mit ungenagelten Schuhen ) den Stand verlor und abstürzte. Gegen Ende August starb am Hörnli ( Arosa ) E. Stern, der ( ohne Bergstock ) von plötzlichem Sturm erfaßt und über den Abhang hinabgeworfen wurde, während seine drei Gefährten sich durch Niederlegen auf den Boden retten konnten. Wahrscheinlich gehört dahin auch der Tod des Gymnasiasten Oberhofer auf der Eidechsspitze bei Pfunders ( Tirol ). Außer Betracht fallen endlich die Fälle von vermißten Touristen ( Dr. Schweizer aus Weimar, R. Suttner aus Wien, Wanger aus Karlsruhe ), von denen nichts Genaues, oft nicht einmal das Reiseziel, bekannt ist.
Von eigentlichen Unglücksfällen, die sich bei Touren im Hochgebirge oder bei Besteigungen in den Voralpen zu ungünstiger Jahreszeit ereignet haben, zählen wir 13 mit 23 Todten:
31. März. Rochers de Naye 1 ). Prof. Odin aus Lausanne t, Privat-lehrer Jansen. Die beiden jungen Touristen brachen um 4 Uhr Morgens von Veytaux auf, erreichten erst um 9 Uhr den Fuß der Felsen und versuchten, den verschneiten Weg verlassend, direct über dieselben zum Gipfel aufzusteigen. Um 5 Uhr Abends, nach achtstündigem Klettern, entschlossen sie sich, da sie erst 150 bis 200 m gestiegen waren und ein Weiterkommen unmöglich schien, zur Umkehr. Beim Abstieg stürzte Odin ab und blieb todt auf dem Trümmerfeld am Fuße der Naye liegen. Jansen wagte es nicht, den Abstieg allein fortzusetzen, sondern verbrachte die Nacht auf einer Felsleiste, wo eine kleine Tanne Gelegenheit zum Anbinden bot. Erst um 6 Uhr 20 Min. Morgens wurde er von einer Hülfsexpedition erlöst. Beide Touristen waren des Weges unkundig und ungeübte Kletterer. Feuille d' avis de Vevey 1890, Nrn. 52, 53, 55.
Redaction.
26. Mai. Watzmann ( Salzburger Alpen ). Ch. Schöllhorn † aus München mit Führer Joh. Punz genannt Preiß. Die Beiden brachen um 2 ½ Uhr Morgens von der Eiskapelle auf und erreichten nach fünfstündigem Steigen einen Felsabsatz, von dem aus über eine stark geneigte glatte Platte hinweggeschritten werden muß. Hier entledigte sich Preiß der Schuhe und Steigeisen, löste sich, um leichter vorwärts zu kommen, vom Seile ab, das er nur lose um die linke Hand schlang, und begann die Platte zu erklettern, nachdem er Schöllhorn geboten, an sicherer Stelle stehen zu bleiben, bis er ihm rufe. Plötzlich verspürte Preiß einen heftigen Ruck, der ihm das Seil entriß und ihn selbst zu Fall gebracht hätte, wäre er nicht im Stande gewesen, sich am Felsen anzuklammern. Schöllhorn war, vielleicht beim Versuche, nachzuklettern, abgestürzt. Da Preiß von dem Verunglückten keine Spur fand und außer Stande war, ihn allein zu suchen, so eilte er nach St. Bartholomä hinunter und, da dort keine Hülfe erhältlich war, nach Berchtesgaden, von wo am 27. eine Führerexpedition nach der Unglücksstelle abging. Es gelang jedoch erst einer zweiten Expedition, am 30. den Verunglückten als Leiche ( mit zerschmettertem Hinterhaupte ) in einer Schneespalte aufzufinden. Schöllhorn war ein gewandter Bergsteiger, Preiß gilt als tüchtiger Führer. Die Besteigung des Watzmann von der Eiskapelle aus, über abwechselnde schwierige Wandstufen und schmale Bänder, ist aber eine nicht unbedenkliche, namentlich im Frühsommer. Preiß schlug deshalb vor, einen zweiten Führer mitzunehmen, was aber von Schöllhorn entschieden abgelehnt wurde, wie derselbe auch an der kritischen Stelle es nicht über sich gewinnen konnte, sich nach dem Rathe des Führers der Schuhe und Steigeisen zu entledigen. Den Führer Preiß trifft nach diesem Berichte nur die Schuld, daß er nicht kategorisch auf der Mitnahme eines zweiten Führers bestanden hat. M. D. Oe. A.V. Nr. 11 und 14; S.A.Z. Nr. 13; Oe.A. Z. Nr. 298.
25. Mai. Spitzliberg ( zwischen Urseren und Geschenen ). Glasmaler Hlavaty aus Wien f. Hlavaty hatte in Gesellschaft von sieben Gefährten einen Gipfel ( welchendes Spitzlibergs bestiegen; beim Abstieg trennte sich die Gesellschaft; Hlavaty gerieth mit einem Gefährten an eine besonders mißliche Stelle, wurde vom Schwindel befallen und stürzte ab. Nach vierstündigem Suchen wurde er noch lebend aufgefunden und nach Hospenthal gebracht, wo er Nachts 12 Uhr verschied. S.A.Z. Nr. 12.
20. Juni. Planspitze ( Ennsthaler Alpen ). E. Böhm † und Z. Pallausch, ohne Führer. Die beiden Wienertouristen Böhm und Pallausch brachen am 19. Juni unmittelbar nach einer langen, ermüdenden Eisenbahnfahrt Nachmittags 1 Uhr vom Gstatterboden auf, um die Planspitze über den Peternpfad zu besteigen. Das Wetter war ungünstig, die Tageszeit weit vorgeschritten, die Touristen führerlos; der Peternpfad gilt als eine schwierige Anstiegsroute. Böhm, der infolge schlechter Disposition der Partie nicht gewachsen war, kam langsam vorwärts, so daß sie erst gegen 9 Uhr in der Nähe der Peternscharte anlangten und dort bei ganz schlechtem Wetter campiren mußten. Am 20. früh war Böhm außer Stande, weiter zu gehen; Pallausch band ihn deshalb mit Alpine Unglücksfälle 1890.
dem Seile an einen Felsen und ging nach Johnsbach hinab, um Hülfe zu holen. Die abgesandte Expedition, die von dem erschöpften Pallausch nicht begleitet wurde, fand aber die Stelle nicht, und erst am 21. wurde Böhm als Leiche an dem Orte gefunden, wo der Unglückliche am 20. von seinem Schwager Pallausch verlassen worden war. Ob der Tod durch Erschöpfung schon am 20. eingetreten ist oder ob der Unglückliche ohne Schutz und Lebensmittel noch eine zweite Nacht auf der Höhe hat verbringen müssen, bevor der Tod ihn erlöste, wird nie aufgehellt werden; wahrscheinlich ist es aber, daß die erste Expedition Böhm noch am Leben gefunden hätte, wenn sie von Pallausch begleitet worden wäre, und ganz unzweifelhaft ist es, daß die ganze Tour mit unglaublichem Leichtsinn und Unverstand unternommen und ausgeführt worden ist. M. D. Oe.A.V. Nr. 14; Oe. A. Z. Nr. 300; Oe. T. Z. Nr. 13.
24. Juli. Similaun ( Oetzthaler Alpen ). Lehrer R. Poppe aus Kirchberg i. S. mit Führer P. P. Gstrein, Beide t. Beim Abstieg vom Similaun wagte sich der Tourist auf eine Schneewächte hinaus, die mit ihm durchbrach; er stürzte ab, riß den Führer mit und Beide blieben todt. M.D. Oe.A.V. Nr. 15; Oe. A. Z. Nr. 303.
31. Juli. Kitzsteinhorn ( Hohe Tauern ). Dr. E. Mayer aus Wien, sein Sohn Guido ( 16 Jahr alt ), Führer J. Schernthanner, Alle †.
Die Gesellschaft hatte in der Absicht, am nächsten Tage das Kitzsteinhorn zu besteigen und vom Gipfel zum Wasserfallboden abzusteigen, vom 30. zum 31. Juli in der Salzburgerhütte ( Kaprun ) übernachtet. Als sie am vierten Tage noch nicht wieder zu Thal gelangt war, wurden Führerexpeditionen auf die Suche geschickt, welche die Leichen der drei Theilnehmer auf dem kleinen Grubenalpkees auf der Abstiegseite auffanden. Die Leichen der beiden Mayer zeigten tödtliche Schädelbrüche, auch Schernthanner wies schwere Verletzungen auf und seine Handgelenke waren vom Seile tief eingeschnitten, was darauf hinweist, daß er sein Bestes gethan hat, den Sturz aufzuhalten. Der Abstieg vom Horn zum Wasserfallboden gilt als nicht unschwierig. Dr. Mayer litt an Kurzsichtigkeit und Kurzathmigkeit; sein Sohn war kein geübter Berggänger. Was die unmittelbare Ursache der Katastrophe gewesen ist, kann nur vermuthet werden; sicher aber ist es, daß ein einziger Führer für zwei untüchtige Gänger bei einer schwierigen Tour nicht genügen konnte und daß es somit sowohl der Tourist wie vielleicht auch der Führer an der nöthigen Vorsicht haben fehlen lassen. Oe. T. Z. 1890, Nr. 17; M. D. Oe. A.V. Nr. 15.
31. Juli. Dorfergletscher ( Venedigergruppe, Hohe Tauern ). Führer A. Untersteiner t. Die Führer Gebrüder A. und J. Untersteiner hatten am 30. mit Hrn. Kassower aus Stettin den Venediger bestiegen und waren von demselben zur Kürsingerhütte abgestiegen, von der A. Untersteiner, während die Andern ihren Weg fortsetzten, allein über den Dorferkees nach Matrei zurückgehen wollte. Er wurde noch auf der Paßhöhe des Obersulzbach-thörls beobachtet und seine Spur ließ sich im Dorferkees eine Strecke weit verfolgen. Ohne Zweifel ist er in eine Spalte gestürzt und darin, Redaction.
weniger glücklich als sein Lauterbrunner College Chr. Linder 1 ), umgekommen; doch wurde seine Leiche bis jetzt nicht gefunden. Oe. A. Z. Nr. 303.
12. August. Col du Géant. P. Ronchetti und A. Carones aus Mailand mit den Führern Graziano Brunod † und Ferdinand Brunod und zwei Trägern. Die Gesellschaft befand sich in der Hütte des Col du Géant und beabsichtigte, am folgenden Tage die Dent du Géant zu besteigen. Graziano Brunod und ein Träger wollten in dem Thälchen, das sich von der Hütte gegen den Toule-Gletscher absenkt, Wasser holen und unterließen es dabei, in dem vereisten Abhang Stufen zu schlagen; Brunod glitt aus und stürzte circa 300 m tief über den steilen Eishang auf den Gletscher hinab, wo er von einer sofort organisirten Führer- und Trägerexpedition todt aufgefunden wurde. Brunod soll ein guter, hie und da verwegener Führer gewesen sein. R.M. Nr. 8.
16. August. Düßistock ( Maderan ). Mr. Macnamara † und Mr. Th. Cornish aus Southbourne, ohne Führer. Die Beiden hatten den Düßistock bestiegen; beim Abstieg verfehlten sie auf dem Tschingel die richtige Abstiegsstelle, indem sie sich zu weit nach links ( Süd ) hielten, und versuchten nun, direct über die Felsen abzuklettern. Zwei schwierige Stellen waren schon glücklich überwunden, als plötzlich um 4 Uhr 30 Min. Macnamara abstürzte, an dem vorangehenden Cornish vorbei kopfüber auf einen Vorsprung flog und von da in gewaltigem Bogen circa 150 m tief hinunter stürzte. Auf dem Geröll am Fuße der Tschingelplanke glitt der Körper noch circa 30 m hinab und blieb dann unten in einer Rinne liegen. Cornish blieb längere Zeit bei der Leiche, vergeblich nach Hülfe rufend. Eine Expedition zur Abholung des Verunglückten wurde, da die Angehörigen der beiden Touristen keine Besorgniß wegen ihres Ausbleibens zeigten, erst am 17. Juli ausgesandt, als Cornish zurückkam. Die Touristen hatten beim Abstieg über die Felsen das Seil nicht angelegt. S.A.Z. Nr. 17; A.J. Nr. 110.
18. oder 19. August. Mont Blanc. Graf Umberto di Villanova mit den Führern A. Castagneri und Jos. Maquignaz, Alle †.
Nachdem die Gesellschaft am 17.!18. August in der Hütte von Avisaille, zwei Stunden oberhalb Courmayeur, übernachtet, brach sie von derselben am 18. früh um 3 Uhr 30 Min. auf, um den Mont Blanc zu besteigen, und ist seither spurlos verschwunden. Da sie nach St-Gervais oder Chamonix abzusteigen beabsichtigt hatte, hätte spätestens am 20. oder 21. Nachricht von ihr in Courmayeur eintreffen sollen. Als auch am 22. noch keine Kunde angelangt war, wurde eine Führerexpedition ausgeschickt, welche am Chaut des Pesses Fußstapfen und unweit einer Quelle Spuren einer Mahlzeit fand, vom Unwetter aber bald zur Umkehr gezwungen Alpine Unglücksfälle 1890.
wurde. Nicht besseren Erfolg hatten die späteren Expeditionen. Abgesehen von den Spuren am Chaut des Pesses, die höchst wahrscheinlich von der verunglückten Colonne herrühren, ist von derselben nichts mehr gefunden worden. Die beiden Führer waren durchaus tüchtige und zuverlässige Leute, von ebenso großer Erfahrung und Vorsicht, wie Kraft und Ausdauer. Es ist demnach als Ursache der Katastrophe nicht irgend eine Unvorsichtigkeit anzusehen, sondern wahrscheinlicherweise das furchtbare Unwetter, das in der Nacht vom 18. zum 19. August ausbrach und acht Tage lang anhielt. R.M. Nr. 8.
25./26. August. Matterhorn ( italienische Seite ). L. Sinigaglia aus Turin mit den Führern J. A. Carrel † und C. Gorret. Die Gesellschaft war am 23. um 2 Uhr 15 Min. Morgens bei gutem Wetter von Breuil aufgebrochen, um das Matterhorn zu traversiren; da sie, theilweise infolge eines Unwohlseins Carrel's, ziemlich langsam vorwärts rückte und erst um 10 Uhr 30 Min. die Hütte della Gran Torre erreichte, entschloß sie sich, die Besteigung auf den nächsten Tag zu verschieben und in der Hütte zu übernachten. Am Abend brach ein furchtbares Unwetter los, das die ganze Nacht und den folgenden Tag mit unglaublicher Heftigkeit und Hartnäckigkeit anhielt. Die Temperatur in der Hütte sank auf — 3der Proviant und das Holz drohten auszugehen. Am 25. früh ließ der Sturm etwas nach und um 9 Uhr wurde der Abstieg angetreten. Der Berg war im schlechtesten Zustand, die Felsen mit Glatteis und Neuschnee bedeckt, die Seile halb gefroren. Auf dem Col du Lion, der um 2 Uhr 30 Min. nach Ueberwindung großer Schwierigkeiten erreicht wurde, brach das Unwetter von Neuem los. Carrel führte aber, von Gorret, dem eine Hand erfroren war, wacker secundirt, unentwegt und sicher zu dem großen Schneefeld oberhalb der Weiden von Riondé hinab, wo die Colonne sich in Sicherheit befand. Beim Ueberschreiten dieses Schneefeldes fiel Carrel mehrmals zu Boden, was der Ermattung zugeschrieben wurde, und Gorret übernahm die Führung. Beim Abstieg durch eine steile Rasenkehle konnte Carrel plötzlich vor Entkräftung nicht mehr weiter; seine Gefährten trugen ihn an eine sichere Stelle, wo er binnen Kurzem, trotz aller Belebungsversuche, den Geist aufgab. Erst um 5 Uhr früh am 26. kam der Rest der Gesellschaft nach zwanzigstündigem, fast ununterbrochenem Marsche in Giomein an, von wo sogleich eine Führerexpedition abging, um die Leiche zu holen, die dann am 29. in Valtournanche bestattet wurde. Auch bei diesem Unglücksfall, der einem der besten italienischen Führer das Leben kostete, ist die schlechte Witterung als eigentliche Ursache zu betrachten. R.M. Nr. 8.
12. September. Matterhorn ( Schweizerseite ). Ed. Göhrs aus Straßburg mit den Führern Brantschen und Graben, Alle i. Die Gesellschaft war am 11. beim schönsten Wetter zur Matterhornhütte aufgebrochen, wo die Nacht zugebracht wurde. Um 3 Uhr 30 Min. früh verließen sie die Hütte, als eben in derselben eine andere Colonne, Hr. Dames aus Frankfurt a. d. O. mit Fridolin Burgener und Peter Knubel, anlangte, die nach einer Stunde Rast ebenfalls zum Matterhorn aufbrach, so daß beide Colonnen einander beständig in Sicht blieben. Nach der Aussage X. Imfeld.
der zweiten Colonne erhob sich zwischen 8 und 9 Uhr Morgens ein furchtbarer cyclonartiger Sturm, der beide Partien zum Abstieg zwang. Die untere wartete, bis sie die obere, die bis etwa eine halbe Stunde unterhalb der Epaule gelangt war, umkehren sah. Plötzlich nach circa einer halben Stunde hört Burgener ein Geräusch wie von einem fallenden Stein, er springt auf den Grat und sieht circa 30 Schritt von ihm entfernt drei durch das Seil mit einander verbundene, bereits leblose Körper blitzschnell und unaufhaltsam 700 bis 800 m tief abstürzen, bis sie unten auf dem Furkengletscher aufschlugen und zerschmettert liegen blieben, von wo sie noch am selben Tage von einer Führerexpedition zu Thale gebracht wurden. Göhrs, ein Neffe unseres verehrten Hochgebirgsphotographen J. Beck, war ein ungemein kräftiger Mann und erprobter Bergsteiger. Seine beiden Führer waren ebenfalls junge, kräftige, bergtüchtige Männer. Die Ursache des Unglücks ist höchst wahrscheinlich direct oder indirect der Sturm, sei es, daß derselbe die Colonne auf dem Grate erfaßt und hinabgeschleudert, sei es, daß er in dem losen Gestein einen Steinschlag verursacht habe. S.A.Z. Nr. 20.
17. October. Säntis. Herren Leuch und Paganini ohne Führer, Beide t. Die beiden jungen Touristen beabsichtigten auf dem schwierigen Wege von der Bottersalp aus über den Hühnerberg den Säntis zu besteigen, wurden am Vormittag des 26. noch in der Schwarzhütte gesehen und sind seither verschwunden. Die Ursache der Katastrophe ist wahrscheinlich das gewaltige Unwetter ( mit Schneefall ), das an jenem Vormittag eintrat. Zwei Expeditionen zur Auffindung der Verunglückten blieben erfolglos. S.A.Z. Nr. 22.
Sieben dieser Fälle mit vierzehn Todten ( sechs Touristen, acht Führer ) kamen auf geführte Expeditionen, sechs mit neun Todten auf Führerlose und Alleingänger. In mindestens zwei Fällen war die Führerzahl im Verhältniß zur Schwierigkeit der Tour und der Bergtüchtigkeit der Touristen ungenügend. In fünf Fällen liegt die Ursache der Katastrophe ganz oder theilweise bei den von Stürmen eingeleiteten jähen Witterungswechseln des letzten Jahres.Red.