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Der lange Schatten der Vergangenheit
Gefäss:
Bern hat einen und Zürich bekommt möglicherweise keinen: Derzeit klärt der Zürcher Stadtrat ab, ob der Platz bei der geplanten Europaallee nahe des Hauptbahnhofs und der Sihlpost nun doch nicht Le-Corbusier-Platz heissen soll. Grund dafür ist die antisemitische Vergangenheit der Architektenikone.
Quelle:
zvg
So soll der künftige Le-Corbusier-Platz in Zürich aussehen.
Nachdem in der „Sonntagszeitung“ vom vergangenen Wochenende zu lesen war, dass die UBS bei ihrer Werbekampagne auf Le Corbusier setzt, löste dies Entrüstung und Empörung aus. In der Folge strich die UBS Le Corbusier aus ihrer Kampagne. Denn Le Corbusier war nicht nur ein genialer Architekt, sondern er sympathisierte auch mit totalitären Regimes. Zumal sich in Diktaturen grossangelegte Entwürfe leichter realisieren lassen als in Demokratien. So hatte Le Corbusier etwa mit dem Plan Voisin 1925 gezeigt, wie er sich die Pariser Innenstadt vorstellen könnte: Er wollte sie grösstenteils niederreissen, völlig neu aufbauen und dort 245 Meter hohe Wolkenkratzer errichten. Für Algier schwebte ihm ein kilometerlanges Gebäude entlang der Küste vor, dessen Dach als Autobahn funktionieren sollte. Als Frankreich im Zweiten Weltkrieg von Deutschland erobert worden war, bescherten seine Sympathien Le Corbusier die Funktion eines städtebaulichen Beraters im Vichy-Regime, das mit Hitler kooperierte. Le Corbusier hatte auch versucht, sich mit seinen Plänen bei Mussolini anzudienen, allerdings interessierte sich der Duce nicht für ihn. Das Scheitern des Dritten Reiches und das Ende des Zweiten Weltkrieges setzten Le Corbusiers unrühmlicher Zeit ein Ende. Le Corbusier hatte seine Fühler übrigens auch nach Russland ausgestreckt: Er hatte am Architekturwettbewerb für Stalins „Palast der Sowjets“ teilgenommen, jedoch erfolglos.
Als man sich in Zürich 2007 für den Namen „Le-Corbusier-Platz“ entschied, haben wohl die wenigsten realisiert, wie delikat dieser Name eigentlich ist. Immerhin liess Polizeivorsteher Daniel Leupi gegenüber dem „Tages-Anzeiger“ ausrichten, dass der Name an der Oktobersitzung der Strassenbenennungskommission überprüft wird. (mai)