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Geschichte und Wesen des Ju Jitsu
Sagen und Legenden
Die Anfänge des Ju Jitsu bleiben, wie bei vielen anderen Kampfsportarten auch, im Nebel der Vergangenheit verborgen. Vieles ist schon darüber geschrieben worden, doch das Meiste ist nur Legende. So soll zum Beispiel ein junger Chinese, namens Li Tei Feng, irgendwann einmal gesehen haben, wie ein kleiner Baum dem Sturm nachgab und dadurch unversehrt blieb. Das soll ihn zur Schaffung des Ju Jitsu, der sanften Kunst, angeregt haben.
Ursprung des Ju Jitsu
Ziemlich sicher ist jedoch, dass die Ursprünge des Ju Jitsu, wie so vieles, in China liegen und im Laufe der Zeit von den Japanern übernommen wurden. Es ist aber ebenso unbestreitbar ein Verdienst der Japaner, dieses weiterentwickelt und als Vorläufer des Judo, Karate und Aikido populär gemacht zu haben.
Nach einer langen Zeit der Bürgerkriege stabilisierten sich die politischen Verhältnisse in Japan nach 1603 (Edo Periode). Die Samurais (japanische Ritter) hatten eine tragende Rolle im Staat. Die Untergebenen der Clanherren (Daimyo) wurden zu Samurais ausgebildet, damit diese das Leben, die Grundstücke und Ländereien der Clanherren verteidigen konnten. Sie übten sich regelmässig in den verschiedenen Kampfkünsten wie Ken Jitsu (Schwertkampf), Naginata Jitsu (jap. Hellebarde), Yari Jitsu (Speer), Jo Jitsu (langer Stock), Tanto Jitsu (Messer), Kyudo (Bogenschiessen), Hoba Jitsu (Reiten) und der Kunst des Kampfes ohne Waffen, dem Ju Jitsu. Im Ju Jitsu lernte ein Samurai zu schlagen, zu treten, zu würgen, Gelenke zu verdrehen, den Gegner zu Boden zu werfen und waffenlos zu besiegen oder zu kontrollieren.
Um 1870 nahm die Meji-Restauration den Samurai die politische und soziale Stellung. Da sich die allgemeine Lage im ganzen Land stabilisiert hatte und sich die verschiedenen Daimyos nicht mehr bekämpften, wurden die Dienste eines Samurai immer weniger von Nöten. Einige von ihnen eröffneten daraufhin Schulen (Dojos), in welchen sie einem auserwählten Personenkreis die verschiedenen Künste der Samurai lehrten.
Verbreitung in Europa
Matrosen, die auf ihrer Weltbereisung in verschiedensten Schulen, bei verschiedensten Meistern trainieren durften, brachten etwa um 1900 das Ju Jitsu nach Europa. Es vermischte sich daraufhin mit Ringkämpfen und Boxtechniken, was dazu führte, dass nur noch wenig vom „ausweichenden“ oder „nachgebenden“ Prinzip zu erkennen war. Verschiedene Meister nahmen aus den Wurzeln des Ju Jitsu einzelne Elemente und so entstanden das Judo, das Karate und das Aikido. Diese einzelnen Elemente wurden daraufhin weiterentwickelt und die daraus gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen flossen wieder im heutigen Ju Jitsu zusammen, in eine moderne und wirkungsvolle Selbstverteidigung.
Wesen des Ju Jitsu
Blickt man tiefer, so erweist sich Ju Jitsu als klassisches Beispiel eines sogenannten „reinen Budo“. Ju Jitsu ist eine Weise der Einstellung zum Leben. Ein Stil zweckvoller ethisch-ästhetisch-funktionaler Daseinsbewältigung, wovon der Kampf im engen Sinn, die Selbstverteidigung, die Tätigkeit auf der Matte, nur kleine Ausschnitte, sozusagen Spezialfälle sind. Authentisches Ju Jitsu ist also kein Sport und schon gar nicht ein Wettkampfsport. Sondern entsprechend dem japanischen Vorbild eine die Persönlichkeit formende, körperlich-geistige Übung und Kunst, sich mit der Welt auseinanderzusetzen.
Bestandteile und Prinzip des Ju Jitsu
Ju Jitsu ist zusammengesetzt aus den beiden Wörtern „Ju“, was soviel wie „nachgeben“ oder „ausweichen“ bedeutet und „Jitsu“, welches mit „Kunst“ oder „Kunstgriff“ übersetzt werden kann. Ju Jitsu ist die Kunst, durch Nachgeben oder Ausweichen mit der Kraft des Gegners zu siegen. Anders ausgedrückt heisst das, es soll mit möglichst geringem Aufwand ein grösstmöglicher Nutzen erzielt werden.
Was unterscheidet Ju Jitsu von den anderen Kampfsportarten?
Im Gegensatz zu anderen populären Budopraktiken wie Judo, Aikido und Karate, ist Ju Jitsu ein umfassendes Selbstverteidigungssystem. So fehlen dem Karateka die Fallübungen, dem Aikidoka die Tritte, Würfe und Würger und dem Judoka die Tritte, Stösse, Schläge und Blocktechniken. Ein Jiuka ist somit in der Lage, sich auf Distanz, im Nahkampf, sowie am Boden verteidigen zu können und dabei den Angreifer unter Kontrolle zu bringen und zu halten.
Techniken des Ju Jitsu
Im Ju Jitsu stehen sowohl „harte“ als auch „weiche“ Techniken zur Verfügung. Unter den harten Techniken versteht man in erster Linie sämtliche Schläge, Stösse und Tritte, die schwere Verletzungen bewirken oder gar zum Tode führen können. Die Wurftechniken, auf hartem Boden ausgeführt, sind ebenfalls zu den harten Techniken zu zählen. Die weichen Techniken ermöglichen es, einen Angreifer abzuwehren, bzw. unter Kontrolle zu halten, ohne ihn ernsthaft verletzen zu müssen. Dazu zählen sämtliche Block-, Sperr-, Hebel- und Würgetechniken.
Jiu Jitsu, Ju Jutsu, Ju Jitsu
Ob wir nun Jiu Jitsu oder Ju Jitsu schreiben, ist einfach ein Unterschied in der Übersetzung ein- und desselben japanischen Schriftzeichens „Kanji“ in lateinische Buchstaben. Weitere Schreibweisen existieren in Europa und sind ebenso korrekt.
„Wer die Technik beherrscht, ist noch nicht Meister.“
Zen-Buddhistisches Sprichwort
Bushido:
Ju Jitsu:
Judo: