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Mehr als ein Prototyp
Jean-Baptiste Mosset will einen Neutronendetektor zur Erkennung von Plutonium und Uran kommerzialisieren.
Nach seinem Physikstudium an der EPFL in Lausanne wollte Jean-Baptiste Mosset Physiklehrer werden. Doch in der einjährigen Ausbildung zum Oberstufenlehrer wurde dem damals 25-Jährigen klar, dass er sein Arbeitsleben nicht in einem Schulzimmer verbringen wollte. Jean-Baptiste Mosset wurde Forscher. Heute, 15 Jahre später, steht Jean-Baptiste Mosset wiederum vor einer Weichenstellung. Er wagt den Schritt zum Entrepreneur.
Meine ganze wissenschaftliche Karriere lang habe ich Prototypen gebaut, sagt Mosset.
Jetzt will ich ein Produkt entwickeln, das in Serie geht.
Der erste Prototyp war ein Positronen-Emissions-Tomograph (PET), der in der Biologie und Pharmakologie verwendet wurde, zum Beispiel um die Bewegung von Antikörpern in Labormäusen zu verfolgen. Mosset entwickelte dafür als Dissertationsprojekt einen Detektor für Gamma-Strahlen. Danach trat er eine Postdoktorandenstelle an der EPFL an, wo er als Teil einer Forschungsgruppe ein elektromagnetisches Kalorimeter baute, das an einem Forschungsballon hängend die Energieverteilung der kosmischen Strahlung vermessen sollte. Das Projekt wurde jedoch vor Fertigstellung des Prototyps abgebrochen. Mosset fand eine Stelle am Labor für Teilchenphysik des PSI.
Ich hatte grosses Glück, sagt er.
Es war die perfekte Position für mich. Das Labor entwickelte einen Neutronendetektor, der zum Beispiel für den Nachweis von Neutronen bei Materialuntersuchungen an der Neutronenquelle SINQ des PSI eingesetzt werden könnte. Das Besondere: Der Detektor sollte Neutronen ohne das teure Gas Helium-3 nachweisen, das bisher in den Neutronendetektoren eingesetzt wird. Mosset und seine Forschungskollegen ersetzten Helium-3 durch eine günstigere Technologie, basierend auf mit Lithiumfluorid angereichertem Zinksulfid-Phosphor und optischen Fasern, und erreichten damit eine gleich gute Leistung.
Im Januar 2016 erzählte Jean-Baptiste Mosset einem PSI-Kollegen aus dem Forschungsbereich Nukleare Energie und Sicherheit, der unter anderem die Brennstäbe der Schweizer Kernkraftwerke analysiert, von seiner neuen Methode. Der Kollege fragte Mosset, ob man diese Methode auch zur Erkennung schneller Neutronen, wie sie in manchem radioaktiven Material entstehen, nutzen könnte. Mosset baute einen kleinen Prototyp, den er erfolgreich für diesen Zweck modifizierte. Nur: Wo gibt es, abgesehen von wissenschaftlichen Instituten, einen Markt für ein solches Gerät? Mosset recherchierte. Und fand heraus, dass in den Jahren nach 9/11 weltweit 12 000 Neutronendetektoren in Frachthäfen, Grenzübergängen und Flughäfen aufgestellt wurden, um Terroranschläge mit Plutonium zu verhindern. Mit Jean-Baptiste Mossets neuer Technologie könnte man billigere und effizientere Neutronendetektoren entwickeln. In den nächsten 18 Monaten will Mosset seinen Prototyp weiterentwickeln und herausfinden, ob in der Industrie Bedarf an dieser Technologie besteht.
Text: Joel Bedetti
Vom Forscher zum UnternehmerMit dem neuen Founder Fellowship gibt das Paul Scherrer Institut PSI jungen Forschenden die Möglichkeit, zum Entrepreneur zu werden. Innerhalb von achtzehn Monaten müssen sie das Kommerzialisierungspotenzial ihrer Geschäftsidee aufzeigen und einen ersten Businessplan erstellen. Am 8. November 2017 fand die offizielle Verleihung dieses Stipendiums an drei Forschende statt. Die UBS unterstützt die Initiative mit einem Beitrag an die Stipendien.
Weil der Weg von einem erfolgsversprechenden Forschungsresultat bis hin zum innovativen und vermarktungsfähigen Produkt lang und steinig ist, sterben viele gute Ideen auf einer frühen Durststrecke. Deshalb hat das Paul Scherrer Institut mit dem Founder Fellowship ein neues Förderinstrument ins Leben gerufen, ein 18-monatiges Stipendium, welches junge Forschende und Ingenieure des PSI auf dem Karriereweg zum Unternehmer sowohl finanziell als auch durch Coaching und Beratung unterstützt.
Wir wollen Entrepreneurship und eine Kultur des Unternehmertums am PSI fördern, erklärt John Millard von der Technologietransferstelle.
Mit dem Founder Fellowship können wir talentierte Forscher am PSI dazu ermutigen, ihren vielversprechenden Geschäftsideen nachzugehen und ein Spin-off zu gründen.
Das Founder Fellowship ist mit 150 000 Franken pro Person dotiert, die die Gewinner für Lohn-, Material- oder sonstige Kosten aufwenden können. Die Fellows erhalten während der achtzehn Monate vollen Zugriff auf die Forschungseinrichtungen des PSI. Danach aber müssen sie das Paul Scherrer Institut verlassen.
Wir wollen einen klaren Strich ziehen, sagt John Millard.
Zwar muss nach Ablauf des Fellowships weder ein fertiges Produkt noch ein Prototyp vorhanden sein; aber es muss klar sein, ob sich die Technologie kommerzialisieren lässt oder nicht.Als nächsten Schritt würden sich die Forscher dann auf die Suche nach Investoren begeben und ein Spin-off gründen.
Im Januar rief das PSI seine Forscher auf, sich um ein Founder Fellowship zu bewerben. Eine externe Experten-Jury hat im Sommer unter den eingereichten Geschäftsideen drei Gewinner für die erste Runde des Founder Fellowships ausgewählt, die am 8. November in feierlichem Rahmen ihr Fellowship-Zertifikat überreicht bekamen. Überzeugt von der Nützlichkeit der Massnahme leistete die UBS einen Beitrag an die Stipendien. So erläutert Thomas Sommerhalder, UBS Regionaldirektor Aargau/Solothurn:
Es ist schon beeindruckend zu sehen, was für intellektuell anspruchsvolle Hightech-Geschäftsideen hier am PSI entwickelt werden. Für uns ist es ein zentrales Anliegen, die Entwicklung von Start-ups in unserer Region zu unterstützen, um die kantonale Wirtschaft und Innovationskraft nachhaltig zu stärken.
Im neuen Jahr wird das Founder Fellowship erneut ausgeschrieben werden.
Unser Ziel ist, dass sich das Founder Fellowship als Förderinstrument für angehende Unternehmer fest am PSI etabliert, erklärt John Millard.