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Der Australier Hillcoat ist fasziniert vom amerikanischen Genrekino. In seiner Studienzeit in Kanada habe er sich unzählige Siebzigerjahrfilme aus den USA angesehen. Und nun hat er, ähnlich wie einst Sergio Leone, das Stilgefühl, das ihm das Spiel mit den Genrekonventionen erlaubt. Mit der Cormac McCarthy-Verfilmung The Road hat er den Endzeitfilm neu definiert (und, wenn man an Millers Mad Max zurückdenkt, für ewige Zeiten in die Hand der Australier gegeben).
Lawless nun kombiniert die urbanen Prohibitionszeit-Gangsterfilme mit den ruralen Depressions-Kisten wie etwa Paper Moon, hängt sich dabei aber direkt ans knallharte 70er-Jahr-Kino der unzähligen Bonnie and Clyde-Nachfolger an.
Der Film spielt im Moonshine-Country, auf dem Land 1931, zwei Jahre vor dem Ende der Prohibition. In jedem Winkel, in jeder Farm, hinter jeder Lichtung wird illegaler Alkohol gebrannt. Die Gesetzeshüter und die Moonshiner haben sich arrangiert, das Land beliefert die Städte. Und abgesehen davon, dass zwischendurch mal ein urbaner Gangster einen Konkurrenten mit der Maschinenpistole auf der Dorfstrasse durchsiebt, läuft die Brennerei und Schieberei relativ ruhig.
Die Bondurant-Brüder betreiben einen Saloon, und daneben eine gutlaufende Brennerei. Dies auch darum, weil der älteste der drei (Tom Hardy) nicht nur besonnen, knallhart und umsichtig ist, sondern überdies im Ruf steht unzerstörbar zu sein. Im Gegensatz zum von Shia LaBeouf gespielten Jack Bondurant, dem Jüngsten, der sich in die Tochter des Priesters verliebt und am liebsten mit seinem gehbehinderten Cousin, dem Brennmeister auf der Farm, herumhängt.
Das Leben nähme seinen Lauf zwischen kleineren Scharmützeln mit Rivalen und den städtischen Gangstern auf der Abnehmerseite – käme nicht eines Tages ein eiskalter, geschniegelter, entschlossener, von Guy Pearce als absoluten Widerwart gespielter, korrupter Gesetzeshüter ins County, der die Kontrolle über das Moonshine-Business übernehmen möchte.
Und fast gleichzeitig kommt die von Jessica Chastain gespielte Tänzerin aus der Stadt, die das gesunde Landleben sucht (und Arbeit im Saloon der Bondurants).
Lawless ist ein Genrefilm, der bei den Gangsterepen eben so erbt, wie bei den Western und natürlich und zuvorderst bei Bonnie and Clyde. Das ist gut gespielt, toll gefilmt und hin und wieder äusserst brutal. Darüber hinaus hat der Film aber auch noch einen doppelbödigen Witz, einerseits auf der Storyebene, andererseits – und das macht besonders Spass – beim Spiel mit der Erzähltechnik. Dass der von Shia LaBeouf gespielte Jack zugleich der Erzähler ist, wird einem dabei erst am Ende wieder in Erinnerung gerufen, während er dramaturgisch gesehen den Filmschluss als kleinen Treppenwitz wie eine Coda auf die Erzählung am Anfang gestaltet. Um aber, wie etwa die Amerika-Filme von Sergio Leone, zum Instant-Klassiker und Epitaph eines Genres zu werden, ist Lawless dann doch nicht breit genug angelegt. Am Ende bleibt die Erinnerung an eine aufwändig gefilmte und hochkarätig besetzte, ziemlich brutale Folge von „Unsere kleine Farm“ – mit Maschinenpistolen und Gangstern.