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Berge und Bergler im Bild
Ritschards Werdegang als Kunstmaler begann während seiner Berufslehre in Männedorf (ZH). Sein Zeichenlehrer an der Gewerbeschule, Gottlieb Merki (1874-1965), erkannte bald die zeichnerischen Fähigkeiten und ermunterte ihn, mit seinen Talenten zu arbeiten. Ritschard nahm in der Folge Malunterricht bei Kunstmaler August Aeppli (1894-1954) in Uerikon. Es entstanden die ersten Bilder. In Genf besuchte der als Tapezierer-Dekorateur tätige Jüngling Kurse an der Ecole des Beaux-Arts.
Eine entscheidende Vertiefung, vor allem der zeichnerischen Ausbildung, erfolgte sodann an der Fachschule für Innenausbau in Frankfurt a.M. Dort zog ihn einer seiner Lehrer bei, um ein Stilkundebuch zu verfassen, wobei Ritschard die Aufgabe zufiel, nach Abschluss des Studiums und vorher im schulfreien Zwischensemester in die verschiedenen Museen Deutschlands (Hamburg, Bremen, Köln, Berlin, Dresden, München und natürlich Frankfurt) zu reisen und dort bestimmte Objekte zeichnerisch festzuhalten. Die politischen Ereignisse setzten indessen dem Projekt ein vorzeitiges Ende, indem Ritschard nicht, wie beabsichtigt, im Anschluss an die Studienzeit ausschliesslich daran weiterarbeiten konnte, sondern in die Schweiz zurückreiste.
Die zeichnerischen Fähigkeiten und Kenntnisse sollten Ritschard fortan in seinen beruflichen Tätigkeiten von grösstem Nutzen sein und ihn ständig begleiten. Mit Bezug auf die Malerei wurden mehr und mehr die Berge und das Leben der Bergler zum zentralen Thema. Dies heisst nicht, dass er andere Sujets, denen er im Laufe des Lebens begegnet war und die sein Interesse weckten, grundsätzlich mied. Seinen Ruf als Maler begründen aber seine zahlreichen Bergbilder.
In zahlreichen Ausstellungen konnte Ritschard stets Bilder verkaufen. Unter diesen Ausstellungen seien herausgegriffen:
Während mehrerer Jahre wirkte Ritschard als Kursleiter und zwar im Naturschutzzentrum Aletschwald des Schweizerischen Bundes für Naturschutz – der ehemaligen Villa Cassel auf der Riederalp – und in Grindelwald in Zusammenarbeit mit der Firstbahn. Aus diesen Kursen entwickelten sich einige enge Freundschaften, die bis zum Lebensende andauerten. Einer dieser Freunde war Walter Knechtenhofer aus Thun, mit dem Ritschard anschliessend während Jahren in die Berge malen ging. Dies veranschaulicht ein von Knechtenhofer seinerzeit abgefasster Bericht:
«Als einer der vielen Schüler, denen Gustav Ritschard Freude am Bergmalen vermittelt hat, möchte ich auch etwas zu dieser Schrift beitragen. Als Freimitglieder des SAC (mit über 50-jähriger Zugehörigkeit), als Naturfreunde mit ähnlichem Empfinden zu den Bergen sowie auch als Kameraden mit ähnlichen Lebenseinstellungen verbinden uns viele schöne Erinnerungen. An den vom Schweizerischen Naturschutzbund durchgeführten Bergmalkursen auf der Riederalp und einem gleichen von der Firstbahn in Grindelwald habe ich unter seiner Leitung meine frühere Neigung zum Malen wiederentdeckt. Anschliessend konnte ich während den verschiedenen ‘Dienstjahren’, die ich bei Gustav Ritschard als Malknecht, Rucksackküchenchef und vorab als beflissener Schüler absolvierte, meine Fähigkeiten so vervollkommnen, dass ich im verflossenen Frühjahr in Thun sogar eine eigene Ausstellung machen konnte. Diese fand bei meinen Freunden erstaunlichen Anklang, nicht zuletzt dank der durch ihn beeinflussten Farbpalette. Durch seinen unerschöpflichen Arbeitseifer, der gelegentlich bis an die 16 Stunden im Tag grenzt und nur durch das Teilungszeremoniell eines Apfels oder einer Tomate oder auch durch einen hellen Jodel in die frische Alpenluft, der immer mehr auch meine Begleitstimme lockert, unterbrochen wird, werde ich immer wieder zu frischem Wirken ermuntert. Humor in jeder Schattierung und harte Kritik an meinem Schaffen bewirken meine Faszination an der Bergmalerei, wofür ich meinem Freund Gustav dankbar bin.»