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War es eine Verrücktheit? Und wozu? Robert Heim und ich waren uns jedenfalls schon rund anderthalb Jahre vor dem 14. Juni 2014 anlässlich eines Kongresses über Alfred Lorenzer in Frankfurt a.M.darüber einig geworden, dass wir das scheinbar Unmögliche versuchen wollten, die zwei letzten grossen Sprachtheoretiker der Freudschen Psychoanalyse miteinander ins Gespräch zu bringen. Sie sollten nicht nur aneinander vorbeireden, sondern sich gegenseitig austauschen. Wir fanden erstaunlich schnell die Paladine, die gewillt waren, für ihre physisch nicht mehr existenten Meister in die Bresche zu springen. Sie sollten die entsprechenden Lacanschen und Lorenzerschen Positionen ohne falsche Anbiederung, aber auch möglichst unpolemisch, in Theorie, Klinik und Literaturkritik (als psychoanalytische Anwendung) pointiert auf den Begriff bringen.
Wir setzten über der Einladung zum Treffen von Jacques Lacan mit Alfred Lorenzer als Motto oder als insgeheimen Wunsch das Wörtchen „encore“, welches wir umstandslos mit „noch einmal“ ins Deutsche übertrugen. Natürlich musste dieser Signifikant als Anspielung an das Lacansche Seminar von 1972/3 verstanden werden; wie es Stefan Köchel in seiner Rezension der Tagung in der Psyche (Psyche 69, 2015, 71-74) schreibt: „Encore, die Wiederholung, die Zugabe, die Inkorporation oder Verkörperung. Schliesslich encore, die Programmatik der Psychoanalyse selbst, nach Freud, zurück zu Freud.“ Ich verstand die Weitläufigkeit des Begriffs, aber auch den Hintersinn und die Ironie des Grossmeisters der sprachlichen Mehrdeutigkeit und Lautmalerei (hier: „en-corps“) erst, nachdem ich mich im „Dictionnaire du Français primordial“ von Paul Robert und seinen vielen MitarbeiterInnen in der mir vorliegenden Ausgabe von 1988 (1. Auflage 1979) umgesehen hatte. Dort steht „encore“ zwischen den zwei anderen Begriffen „encorder“ und „encorner“ und kann in gut fünf verschiedenen Bedeutungen Verwendung finden. Zunächst als zeitliches Adverb, wie wir das benutzt haben: Lassen wir uns noch einmal auf Lacan ein und vergleichen wir ihn mit Lorenzer. Das Adverb kann aber auch die Vorstellung einer Wiederholung oder einer Ergänzung evozieren (umgangssprachlich: Nehmen Sie noch ein Glas?) Und es kann darüber hinaus auch explizit nach klärenden Präzisierungen fragen („mais encore?“). Aber Vorsicht! Das Wort kann ferner auch auf einen Mangel hinweisen, z.B.: Man müsste noch eine Anstrengung unternehmen oder noch mehr Zeit haben … Schliesslich kann es verwendet werden, um einen Diskurs zu begrenzen, wenn ein „mehr“ die Realität des Gesagten überschritte.
Der linguistische Zufall hat es nun so eingerichtet, dass das Wort „encore“ zwischen zwei völlig gegensätzlichen anderen Signifikanten steht: „Encorder“ meint eine Seilschaft von Alpinisten, die sich aneinander binden, um sich beim Aufstieg vor Gefahren abzusichern. Dagegen bedeutet „encorner“ „schlagen, durch Hornstösse verletzen“. Ich erwähne diesen Zufall, obschon es primär nichts mit unserer Intention zu tun hatte, die zwei Grossmeister sprachlicher Theorie in der Psychoanalyse aufeinander treffen zu lassen, jedoch seltsamerweise die zwei Möglichkeiten verbalisiert, die sich bei einem solchen Treffen hätten ergeben können: Solidarische Anbindung kontra verletzenden Zweikampf. An dem von uns inszenierten Treffen stand allerdings klar die Metapher der Alpinisten im Vordergrund und nicht die anderswo stattfindende mörderische Polemik verschiedener psychoanalytischer Schulen. Um diesen Umstand zu erklären, muss ich allerdings ziemlich weit ausholen und die Akteure kurz vorstellen, die das Treffen vom 14. Juni 2014 in Zürich ermöglicht haben. Es handelt sich um vier Gruppierungen, die alle schon seit Jahrzehnten bestehen.
Zunächst die Idee. Sie geht auf Robert Heim zurück, mit welchem ich seit langer Zeit im Frankfurter „Arbeitskreis Politische Psychologie / Arbeitsgruppe Psychoanalyse Gesellschaft Kultur“ am Sigmund Freud-Institut zusammenarbeite. Dank gründlicher Kenntnis des Lacanschen Oeuvres war seine Idee, dass trotz grundlegender Unterschiede mehr Gemeinsamkeiten zwischen Lacan und Lorenzer bestünden, als gemeinhin angenommen wurde. Es war seit langem sein Bestreben, das französische Denken in den deutschen Diskurs kritischer Theorie einzubringen, wozu er sich gegen erhebliche Widerstände (auch von mir selbst) durcharbeiten musste. Doch steter Tropfen höhlt den Stein; nach einer spannenden Tagung 2011 über „Triebökonomie und Krise des Kapitalismus“, an welcher sich auch an Lacan orientierte Referenten beteiligten (dokumentiert in psychosozial 129/2012), war der Arbeitskreis an seiner Business-Sitzung 2013 bereit, der eingangs erwähnten „Verrücktheit“ seine moralische Unterstützung zu verleihen. Trotzdem wäre es nicht möglich gewesen, das virtuelle Treffen in Frankfurt zu arrangieren; zu rigide waren da noch die psychoanalytischen Strukturen und es fehlten infolgedessen auch die Möglichkeiten zur Finanzierung.
In Zürich sah die psychoanalytische Szene grundsätzlich anders aus. Das dortige Psychoanalytische Seminar (PSZ) hatte sich bereits 1977 von der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse und der Internationalen Psychoanalytischen Gesellschaft getrennt und sich als selbstverwaltete Institution mit grosser Anhängerschaft etabliert. Dank seiner Offenheit, aber auch dank seiner Seriosität und seinem psychoanalytischem Rigorismus zählte es in den letzten Jahren immer noch über 400 TeilnehmerInnen, hatte Dutzende von Neu-InteressentInnen und eine ganze Reihe erfahrener DozentInnen und SupervisorInnen. Seit den Zeiten von Paul Parin und Fritz Morgenthaler und der Entwicklung der Ethnopsychoanalyse hatte sich das PSZ zwar stark verändert: Der ursprünglich marxistisch orientierte Kern der Gründergeneration war minoritär geworden, und es hatten sich dank der offenen Strukturen (Selbstbestimmung und Selbstautorisierung der TeilnehmerInnen) eine ganze Reihe autonom agierender Gruppierungen in seinem Kreis etabliert, die zwar alle mit- und gegeneinander konkurrierten, sich aber gegenseitig respektierten (ob mehr an Melanie Klein, an Bion oder anderen orientiert) und sich weiterhin dem PSZ als Dachorganisation zugehörig fühlten. Unter diesen Untergruppen sind insbesondere die Lacanianer zu nennen, die zwar unter der Führung von Peter Widmer von der „Assoziation für die Freudsche Psychoanalyse“ das eigenständige Lacan-Seminar mit eigener Zeitschrift („Riss“) gegründet hatten, von denen aber viele gleichzeitig TeilnehmerInnen des PSZ geblieben waren. So war es in all den Jahren möglich gewesen, einen offenen Diskurs unter allen TeilnehmerInnen aufrecht zu erhalten. Und wir fanden im Umfeld des Lacan-Seminars für unsere „Verrücktheit“ bereitwillige Diskutanten. Es war dann auch fast selbstverständlich, dass die Teilnehmerversammlung des PSZ die Idee eines Treffens von Lacanianern und Lorenzianern positiv wertete, uns die Tore öffnete und auch eine Defizitgarantie zur Verfügung stellte. Trotz dieser Offenheit blieb allerdings die Hauptarbeit und auch das finanzielle Risiko grösstenteils bei der Zürcher „Stiftung für Psychotherapie und Psychoanalyse“ hängen.
Diese Stiftung hatte ich 1979 mit zwei anderen KollegInnen in der Tradition der Freudomarxisten gegründet, um „mit den Mitteln der Psychoanalyse“ das Bewusstsein des Proletariats zu erforschen, natürlich in der Absicht, die gewonnenen Erkenntnisse der Arbeiterbewegung und der gesamten Linken zur Verfügung zu stellen, um möglichst Fehler zu vermeiden, die in der Geschichte immer wieder von Neuem auftauchten und in Niederlagen führten. Zum 20-jährigen Bestehen der Stiftung, die sich mittlerweile zu einer eigenständigen psychoanalytischen Poliklinik entwickelt hatte, formulierte ich das „Projekt Kritische Psychoanalyse“, welches die Notwendigkeit zur Überwindung mehrerer Missstände in der psychoanalytischen Theorie und Praxis begründete (erstmals erschienen in „Werkblatt“ 1/2000 und dann in dem von mir herausgegebenen Buch „Mit den Mitteln der Psychoanalyse …“ 2002, Giessen, Psychosozial-Verlag, S.451-465). Es ging darin einerseits um Korrekturen im Bereich der freudschen Triebtheorie (insbesondere Aggression und Narzissmus), anderseits um Fragen der „Neurosewahl“ in der Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Umwelt und deren real existierenden Widersprüchen, es ging aber wesentlich auch um die Überwindung der mittlerweile koexistierenden psychoanalytischen Theorien, die von Klein, Bion, Lacan, der Ich-Psychologie und der Ethno-Psychoanalyse bis zur Bindungs- und Mentalisierungstheorie reichen. Ich entnehme dem Abschnitt des Projektes, der sich mit der notwendigen Überwindung der verschiedenen „psychoanalytischen Dialekte“ befasst, die folgenden Überlegungen.
Wir sind in der Praxis darauf angewiesen, eine Vielzahl sehr verschiedener PatientInnen anzunehmen. Die ganze Palette der Psychopathologie steht im Verbund mit mannigfachen sozialen Beeinträchtigungen – wie Emigration, Arbeitslosigkeit, Armut – vor unserer Tür. Und jeder „Fall“ ist anders! Ich jedenfalls komme trotz fast 40-jähriger Praxis aus dem Staunen nicht heraus; immer wieder überraschen mich die Menschen vis-à-vis oder auf der Couch mit unerwarteten Wendungen, mit unerhörten Mitteilungen, mit raffinierten Widerständen und kreativen Sprüngen. Wir müssen uns eingestehen, dass wir sehr oft mit unserem Wissen an Grenzen stossen, nicht mehr weiter kommen, verunsichert, ja verzweifelt sind. Wir müssen diese Unsicherheit aushalten und brauchen hierfür Orientierung. So wie es Fritz Morgenthaler erkannt hatte, ist das in der Kur die Funktion der Theorie der Technik und – wenn auch diese nicht mehr weiter hilft – der Metapsychologie: Die technischen Gebote und das metapsychologische Wissen sind unsere Orientierungsmarken, unsere Leitplanken, wenn wir vor lauter Nebel nicht mehr wissen, wo wir stehen oder wohin wir fahren. Wenn es uns dann mit deren Hilfe gelungen ist, erfolgreich weiter zu kommen und uns die Sonne gewissermassen wieder anstrahlt, glauben wir, wir hätten uns nur dank dieser spezifischen Konzepte aus der Gefahrenzone herausarbeiten können und fühlen uns ideologisch in unseren theoretischen und technischen Annahmen bestärkt. Von daher denke ich, dass die Funktion der Theorie im konkreten Übertragungs/Gegenübertragungsfeld nur zum Teil eine inhaltliche ist (da ist sie ganz unverzichtbar, will man zu korrekten Deutungen mit „mutativer Wirkung“ [Strachey 1934] gelangen). Zum andern dient sie aber dazu, den Analytiker und die Analytikerin vor ihren Selbstzweifeln zu schützen und sie damit zu befähigen, die Schwierigkeiten mit den PatientInnen aus- und die Beziehung mit ihnen aufrecht zu erhalten und so den analytischen Prozess weiter voranzutreiben. In dieser zweiten Funktion spielt die Spezifität der Theorie eine untergeordnete Rolle. Ich erkläre mir damit, dass man oft zum Beispiel sowohl mit ich-psychologischen, als auch mit kleinianischen oder anderen Konzepten klinisch Erfolg haben kann, Hauptsache der Patient oder die Patientin fühlen sich verstanden, fassen wieder Vertrauen in uns und können infolgedessen eine weitere peinliche oder angsterregende Facette ihres Selbst in Angriff nehmen.
Die heute nebeneinander praktizierten theoretischen und klinischen Konzepte haben innerhalb der psychoanalytischen Bewegung zu einer gewissen Sprachverwirrung geführt. Mit dem Projekt „Kritische Psychoanalyse“ sollte versucht werden, diese Sprachverwirrung unter den PsychoanalytikerInnen zu entwirren, das heisst, die unterschiedlichen „Dialekte“ auf ihren gemeinsamen Nenner zu untersuchen und zu einer gemeinsamen Sprache hinzuführen. Meine Arbeitshypothese ist, dass sowohl Trieb-, Ich- und Selbstpsychologie wie auch Klein und Lacan jeweils gewisse Aspekte in der komplizierten Dialektik der Entwicklungslinien von Trieben, Ich, Selbst und Objektbeziehungen richtig erfasst haben, sie jedoch im weiteren Verlauf ihrer Theoriebildung einseitig betont oder ganz verallgemeinert und den Rest vernachlässigt haben. Es käme also darauf an, genauer zu untersuchen, was in den verschiedenen Systemen Allgemeingültigkeit beanspruchen darf und was unfruchtbare Privatlogik von Einzelnen und von rivalisierenden Gruppen darstellt. Nur im Verlauf einer solchen „säkularen“ Anstrengung (um einen Begriff von Berthold Rothschild aufzunehmen) kann sich erweisen, was zueinander passt und was inkompatibel ist.
Damit dürfte klar geworden sein, dass ich das Lacansche „encore“ mit einem Ausrufezeichen ausstatte: „Noch mehr!“ Wir müssen noch mehr über das Unbewusste in seiner konkreten Dialektik mit den gesellschaftlichen Verhältnissen, aber auch mit Ich und Über-Ich zu verstehen suchen und können es uns nicht leisten, uns in sterilen theoretischen Grabenkämpfen aufzureiben. Statt Hornochserei („encorner“) brauchen wir Seilschaften („encorder“), die ihre ganze Kraft im Kampf für einen Ausstieg aus dem Kapitalismus einsetzen, so wie es André Gorz gesehen hat. Ich hoffe nicht nur, ich bin mir dessen sicher, dass die in diesem Buch erfolgte Annäherung Lacanscher und Lorenzerscher Konzepte ohne Verwischung ihrer grundlegenden Unterschiede zu einem besseren Verständnis unserer komplexen Realität im XXI. Jahrhundert beitragen kann. Freilich genügt dabei die Einsicht der Fachleute noch nicht. Es ginge auch darum, das Verstandene in die breite Masse zu tragen, denn nur dort, „wo sie die Massen ergreift“ wird die Ideologie zur „materiellen Gewalt“. Das ist der ideologische Mehrwert aus der Anwendung der Psychoanalyse auf die Politik, die Zugabe, die ich mir wünschte.
Das fiktive Gespräch
Die erste Sequenz des Buches ist der Grundlegung der Theorie gewidmet. Peter Widmer („Sprachspiel als Diskurs: Lacans Algebra der Psychoanalyse“) spricht als Erster. Er kann die oft schwer verständlichen Lacan’schen Matheme leicht aus den vier typischen Diskursen ableiten, die die Dimension des Symbolischen konstituieren, in welcher das Subjekt eingebunden ist. Und er fügt noch einen fünften – sonst wenig zitierten – Diskurs hinzu, den „Diskurs des Kapitalisten“, in welchem Lacan explizit eine gesellschaftskritische Position einnimmt. Hans-Dieter Königs Antithese gilt der ausführlichen Darstellung der Lorenzer’schen Re-Interpretation der Freud’schen Psychoanalyse („Alfred Lorenzers methodologische und methodische Rekonstruktion der Psychoanalyse. Zugleich eine tiefenhermeneutische Reinterpretation von Lacans Spiegelstadium“). Er lässt es alledings nicht allein bei der Darstellung der Lorenzer’schen Theorie bewenden, sondern greift zum Schluss noch in unsere dritte Abteilung des Buches vor, die der kritischen Diskussion gewidmet ist. Der vierte Abschnitt seiner Arbeit beinhaltet die kulturanalytische Interpretation eines Kurzfilmes aus dem Internet, welches die Interaktion eines 14 Monate alten Kleinkindes mit seinem Spiegelbild zeigt. Sein Fazit lautet, Lacan ontologisiere die im Spiegelstadium auftretende Entfremdung. Damit unterstreicht der Autor einen wesentlichen Unterschied im Denken der beiden Theoretiker.
Wir wenden uns anschliessend der Literaturinterpretation zu unter dem Titel „Wahlverwandtschaften“. Marianne Schuller („Goethes Wahlverwandtschaften – ein Sprach-Roman“) interpretiert auf Lacanscher Grundlage, während Ulrike Prokop („Die Wahlverwandtschaften – eine tiefenhermeneutische Perspektive“) dasselbe Buch nach den Regeln einer Lorenzer’schen Kulturanalyse deutet. Beide Interpretinnen vermochten an der Tagung das Publikum restlos zu faszinieren, wobei sich in erstaunlicher und bemerkenswerter Weise beide – theoretisch recht verschieden hergeleiteten Lektüren – weitgehend zu ein- und demselben kritischen Bild des Goethe’schen Romans verdichteten. Man darf meiner Meinung nach von einer „Wahlverwandtschaft“ zwischen den Autorinnen sprechen und mag sich weiter fragen, inwieweit hinter den prägnanten theoretischen Unterschieden nicht auch eine Wahlverwandtschaft in der Sache zwischen den beiden grossen Metatheoretikern der Psychoanalyse bestehe.
Im dritten Teil des Buches, der kritischen Diskussion gewidmet, nehmen die Autoren Thierry Simonelli („Szenen mit Pferd – Der ‚Kleine Hans‘ und seine Schicksale“), André Michels („Wissen der Sprache/Wahrheit des Unbewussten. Zu einer nicht stattgefundenen Begegnung zwischen Lacan und Lorenzer“), sowie – als Zugabe zu den Tagungsbeiträgen – Robert Heim („Encore: Jacques Lacan trifft Alfred Lorenzer. Nachforschungen zu einer ‘verlorenen Zeit’“) recht unterschiedliche Positionen ein, der eine (Michels) mehr an der Seilschaft („encorder“!), der andere (Simonelli) mehr an der Kritik („encorner“!) interessiert, was beides weiterzudiskutieren wäre. Das letzte Wort nimmt Robert Heim in Anspruch, der nach einer in der Identifikation mit Lacan recht freundlich gehaltenenen Zurückweisung der Lorenzer’schen Kritik an diesem zum Schluss von der Notwendigkeit für alle Analytiker und Analytikerinnen spricht, beide charismatischen „Überväter“ zu dekonstruieren, um sie sich aneignen zu können, um zu einer eigenen, autonomen psychoanalytischen Identität zu gelangen.
Ich denke, dass nur dank einer klaren autonomen Denk-Identität – unter Berücksichtigung und kritischen Abgrenzung aller Theorien – PsychoanalytikerInnen ihren „unmöglichen Beruf“ wirklich erfolgreich ausüben können.
* Dieser Text stammt aus dem von Robert Heim und Emilio Modena herausgegebenen Diskussionsband Jacques Lacan trifft Alfred Lorenzer. Über das Unbewusste und die Sprache, den Trieb und das Begehren. Der Band erscheint im Dezember 2015 im Psychosozial-Verlag. Wir danken dem Autor und dem Verlag für die Vorabdruckgenehmigung.