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Der Titel dieses Textes verweist auf einen der berühmtesten und bekanntesten Essays Friedrich August von Hayeks unter dem Titel «Warum ich kein Konservativer bin», den er seiner 1960 veröffentlichten Abhandlung «Die Verfassung der Freiheit» als Anhang beigefügt hat. Hayek empfand es als notwendig, seinen Anspruch darauf anzumelden, als klassischer Liberaler identifiziert zu werden, und dabei zugleich auch der Vereinnahmung des Begriffs «liberal» durch Leute Einhalt zu gebieten, die dessen altbewährte Betonung der individuellen Freiheit unterliefen. Konservative Bettgenossen waren Hayek, dessen bête noire zeit seines Lebens der Sozialismus blieb, durchaus willkommen, aber er sah keinen Grund, auch terminologisch unter ihre Decke zu schlüpfen.
Die eigentliche Anregung zu meiner Überschrift geht auf das Buch «Equality, Rights, and the Autonomous Self» (2004) von Timothy Roth zurück, dem dieser den Untertitel «Toward a Conservative Economics» beigefügt hat. Da sich die Position, die Roth und zuvor Hayek dargelegt haben, nicht wesentlich von meiner eigenen unterscheidet, fühle ich mich nun verpflichtet, den klassischen Liberalismus zu verteidigen, so wie Hayek es vor mehr als vier Jahrzehnten tat – als einen Begriff, der eine kohärente politische Philosophie beschreiben soll, die sich in ihren grundlegenden Elementen von dem unterscheidet, was man unter der Rubrik «Konservatismus» zusammenfasst. Hier geht es um mehr als um «Ökonomie» oder «politische Ökonomie», und es ist beinahe ein Kategorienfehler, einen derart allgemeinen Begriff auf einen möglichen Standpunkt anzuwenden, demzufolge die Politik zu einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort auf die Offenheit der Märkte gerichtet sein sollte.
Konservatismus, Liberalismus und der Status quo
Konservatismus und Liberalismus sind zwei unterschiedliche Blickwinkel, aus denen man das ganze Feld der menschlichen Interaktion betrachten und bedenken kann, oder, noch grundsätzlicher, die Menschen, die interagieren. In meiner Interpretation hat der konservative Standpunkt bzw. die konservative Sichtweise mehr mit dem gemeinsam, was man unter dem Rubrum des Dirigismus oder des Paternalismus zusammenfasst, als mit dem klassischen Liberalismus. Und die andauernde Dominanz jener dirigistischen Haltung, die gemeinsam mit dem sie konterkarierenden Liberalisierungsdruck das Erbe sozialistischer Sehnsüchte antrat, hat die widersprüchliche Ethik hervorgebracht, mit der wir es zu tun haben. Die vorherrschende «öffentliche Philosophie» ist ein Durcheinander, und das macht es noch dringender als in den unmittelbar postsozialistischen Jahren, die klassisch liberale Sichtweise zum Ausdruck zu bringen.
Etymologisch besagt das Wort «konservativ», dass «dem, was ist», ein positiver Wert zugemessen wird, ob es sich dabei um Verhaltensweisen handelt, um Konventionen, Traditionen, moralische Standards, Koordinationsregeln oder auch um ökonomische, soziale oder politische Institutionen (einschliesslich Verfassungsstrukturen). «Das, was ist», beschreibt darüber hinaus die Zuordnung der Menschen zu ihren verschiedenen Rollen als Untertanen, Herrscher, Prinzipale oder Agenten. Folglich obliegt die Beweislast jenen, die für Wandel plädieren, denn dieser bringt – per Definition – Unsicherheit mit sich, oder, um Shackles Ausdruck zu benutzen, eine Verlagerung hin zu einer Welt der «unknowledge», des Unwissens. Dem Konservativen fällt die Auflösung von Hamlets Zwickmühle leicht; es ist besser, «die Übel, die wir haben», zu ertragen, «als zu unbekannten [zu] fliehn».
Der Konservative verleiht dem Status quo per se ein Wertprivileg. Der klassische Liberale erkennt vielleicht an, dass der Status quo durch die schiere Tatsache seiner Existenz privilegiert ist, aber damit ist kein unabhängiger positiver Wert verbunden. Der Liberale ist bereit, Alternativen zu untersuchen, ohne die Schwelle überschreiten zu müssen, die der Konservative zwischen dem errichtet, was ist, und dem, was sein könnte. Allerdings kommen klassische Liberale auch untereinander zu unterschiedlichen Ergebnissen, wenn spezifische Abweichungen vom Status quo in Betracht gezogen werden. Sie sind sich vermutlich einig, was die alternative institutionelle Struktur angeht, die klassisch liberale Ideale am besten erfüllt – eine Struktur, die vor allem der individuellen Freiheit einen weiten Spielraum einräumt. Doch zwischen allen, die sich…