Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03334.jsonl.gz/1648

Während inzwischen auch in Ecuador und anderen Ländern Lateinamerikas grossflächig geimpft wird, suchen einzelne HeilerInnen nach Alternativen zur industriellen Medizin. In den Anden setzen sie zum Beispiel auf heilende Kräuter und auf Chlordioxidlösung. Eine Geschichte über die Heilung von Körper, Geist und Seele, über alternative Heilungsmethoden sowie die Versuche des Staates, solche Methoden zu unterbinden.
10. Juni 2021, Tumbaco, Ecuador – Don Pedro war mit sich im Reinen. Er wollte nichts mehr wissen, weder von der Ärztin noch vom Leben. Das einzige, was er sich noch wünschte: ein Glas chicha, etwas Hochprozentiges und dass seine Familie tanzte. Am liebsten die ganze Nacht lang. Der 87-jährige litt an Myomen in der Lunge, und hatte das Gefühl, bald zu gehen. Deshalb war er irgendwann genervt von der drängelnden Ärztin, die unbedingt wollte, dass er die verschriebenen Medikamente weiter schlucke. Hören Sie Frau Doktor, sagte er eines Tages, sie können meinen Körper nicht kontrollieren. Obwohl sie an Gott glauben, kommen sie hierher, um mir zu sagen, wann oder wie ich mich von dieser Erde verabschieden soll? Deshalb bitte ich sie nun, dieses Haus zu verlassen.
Wenige Tage später verlies Don Pedro Casahualpa, Bauer aus einem Vorort von Quito und geschätzt für seine Qualitäten als Musiker, seinen physischen Körper. Fünfzehn Minuten später wurde seine Urenkelin geboren.
Die Gemeinschaft, sein ayllu, trug ihn im Sarg zum Friedhof. Im Schlepptau mehr als zweihundert Menschen. Es regnete in Strömen an diesem Tag im Dezember 2020, doch das Bedürfnis der Hinterbliebenen, Don Pedro die letzte Ehre zu erweisen, war stärker – stärker als die Angst vor der Polizei oder einer Covid-19-Ansteckung. Denn offiziell war die Zeremonie verboten. Doch sie war wichtig für den ayllu. „Die Prozession hatte eine Art Verständnis generiert und sorgte gleichzeitig für eine Stärkung innerhalb der Gemeinschaft“, erinnert sich Avelina Rogel. „An diesem Tag streiften wir die Angst ab und verstanden Don Pedros Lehre. Dass er dem Tod, einem so wichtigen Teil des Lebens, mit offenen Armen begegnete und nicht künstlich am Leben erhalten werden wollte, war eine Lebenslektion für uns alle.“
Avelina Rogel ist Agraringenieurin, Homöopathin, Ethnomedizinerin und Yachak. Ihre Grossmutter hatte sie einst in die Geheimnisse der anzestralen Andenmedizin eingeführt. Sie brachte ihr die Aufgaben einer Yachak bei. Diese bestehen nicht nur in der Begleitung von Menschen in ihrem Heilungsprozess, sondern auch im Übernehmen von Verantwortung innerhalb der Gemeinde, etwa wenn es um spirituelle oder politischen Fragen geht. Die 44-jährige ist mit einem Franzosen verheiratet, Mutter einer Tochter und lebte rund zwanzig Jahre im Ausland, hauptsächlich in Bolivien, Argentinien und Frankreich. Dort hat sie sich jenes Wissen angeeignet, das sie heute in Ecuador anwendet – sofern sie von der Polizei nicht daran gehindert wird.
Banker und Manager, die sich reinigen lassen
Nach über einem Jahr Covid-19-Pandemie sind die Pharmakonzerne in Absprache mit den Nationalstaaten daran, Millionen von Menschen rund um den Planeten zu impfen. Um genau zu sein: Ein paar hundert multinationale und staatliche Unternehmen führen Massenimpfungen durch, wie dies vorher in der Geschichte der Menschheit noch nicht der Fall gewesen war – und all dies, ohne die möglichen Folgen im Detail zu kennen. Auch in Ecuador wird seit Ende Mai grossflächig geimpft. Innerhalb von hundert Tagen sollen neun Millionen Personen gespritzt werden: über die Hälfte der Bevölkerung.
Der neue Präsident des Landes, der rechtskonservative Banker Guillermo Lasso, wird dafür allenthalben beklatscht. Viele erhoffen sich durch das im Globalen Norden entwickelte Arzneimittel eine Rückkehr zum Alltag; einzelne Personen aus der Oberschicht sind in den Wochen zuvor sogar in die USA geflogen, um sich dort spritzen zu lassen …
Während in Ländern wie der Schweiz die Freiwilligkeit des Impfens zumindest vordergründig hochgehalten wird, sind die Mitarbeiter einzelner Ministerien des Andenstaates dazu angehalten worden, sich impfen zu lassen – oder zu gehen. Selbst AlternativmedizinerInnen sind aufgefordert worden, sich die Dosis von AstraZeneca, Pfizer/Biontech oder Sinovac – die drei im Lande zugelassenen Impfstoffe – injektieren zu lassen.
Und obwohl sich das Narrativ zu Gesundheit und Krankheit der grossen Pharmafirmen auch in Lateinamerika in vielen Köpfen festgesetzt hat, ist der Glaube und das Vertrauen in anzestrale Heilmethoden indigener Völker und Nationen nach wie vor vorhanden. „Ich habe Banker, Manager und sogar Politiker behandelt“, sagt Avelina Rogel in ihrem Behandlungszimmer in Tumbaco, einer Vorstadt von Quito. „Sie kamen, um sich reinigen oder harmonisieren zu lassen, oder eine Gesundheits-Diagnose via Meerschweinchen* zu erhalten.“
Avelina Rogel arbeitet mit dem Wissen ihrer Vorfahren, das ihr bereits als Kind und später als Jugendliche mitgegeben worden war. Ihre Methoden beruhen auf Heilkräutern, kolloidalen Metallen, Massagen und Schröpfen. Doch der zentrale Bestandteil ihrer Behandlungen ist ein anderer: die aktive Begleitung ihrer PatientInnen, sowohl körperlich, emotional als auch spirituell. In den Anden wird Gesundheit als etwas Ganzheitliches betrachtet, und eine Behandlung reduziert sich in keinem Falle nur auf die Symptome des Patienten. „Wenn wir über Krankheiten sprechen, sprechen wir nicht nur über ein Symptom, sondern über das, was in unserer Umgebung passiert, in unserer kosmischen Gemeinschaft, die wir als ayllu kennen“, sagt Avelina Rogel. „Nur auf diese Weise können wir verstehen, was im Körper eines jeden Einzelnen geschieht.“
Eines ihrer Werkzeugen sind Steine, die sie in einer Holzkiste aufbewahrt, jeder von ihnen ein sogenannter Shungo-Rumi: ein Herzstein. Er ist mit „der Erinnerung des Kosmos imprägniert“ und symbolisiert die Ahnen, sagt Avelina. „Mit diesen Steinen führe ich oft Reinigungen durch. Sie alle haben einen eigenen Geist und helfen uns, wahrzunehmen, was in unserem Körper vor sich geht.“
Staatliche Verfolgung wegen Solidaritätsaktion
Die Anspannung vor einem Jahr ist inzwischen der Anspannung des Alltags gewichen. Nach dem harten Lockdown im Frühjahr 2020 – drei Monate lang herrschte in Ecuador eine Ausgangssperre von 14 Uhr bis 5 Uhr morgens – haben tausende Menschen ihre Arbeit verloren oder verrichten diese mittlerweile unter widrigsten Bedingungen, allen voran die StrassenverkäuferInnen. Sie versuchen sich irgendwie über Wasser zu halten, genauso wie Millionen von anderen Menschen im Land.
Home-Office ist auf einem Kontinent wie Lateinamerika, wo der Rohstoff-Export zentral für die Wirtschaftsleistung ist, nur für wenige eine Option. Auf den Plantagen werden die Hände der ArbeiterInnen gebraucht, in den Hochhäusern oder an den Pforten der „Gated Communities“ jene des Wachpersonals, in den Gold- und Kupferminen jene der Bergleute und in der Häusern der Privilegierten jene der Putzfrauen und Kindermädchen. Zuhause bleiben, wie dies die Regierung propagierte, bedeutete für einen grossen Teil der Bevölkerung Hunger leiden – daran hat sich bis heute nichts geändert.
Avelina Rogel hatte die Situation damals schnell erkannt und ihr Daheim kurzerhand in eine Lebensmittelsammelstelle verwandelt. Dank des Vereins Madre Sabia, den NachbarInnen sowie den FreundInnen in Europa konnten über 8.000 Lebensmittelpakete ausgeliefert werden.
Allerdings wurde diese Form der Solidarität von der Stadtverwaltung Tumbacos mit Argwohn beäugt. Die Polizei markierte immer wieder Präsenz, sowohl vor dem Haus Avelinas als auch in den anderen Sammelstellen. Rasch wurde sie beschuldigt, gegen die staatlichen Massnahmen zu verstossen; gemäss Avelina sollen sogar Mitglieder des Geheimdienstes anwesend gewesen sein. „Die Behörden hatten das Gefühl, ich sei eine Politikerin, die die Gunst der Stunde nutzte und auf Stimmenfang ginge. Doch das war keineswegs der Fall. Mir wurde das Mandat einer Yachak gegeben und als solche kann ich in einer Notsituation nicht einfach Zuhause sitzen und zusehen, was passiert. Ich muss der Gemeinschaft dienen. Und das bedeutet, auf der Strasse präsent zu sein.“
„Das wichtigste für meine Heilung war spiritueller Natur, also die Begleitung meiner Freunde und Familie, sowie mein Glaube und meine Gebete.“
Pascual Yépez
Covid-19-Patient
Avelina und ihre Familie wurden telefonisch bedroht – allerdings nicht nur wegen der Auslieferung der Lebensmittelpakete, sondern auch wegen der Anwendung von Chlordioxid (CDS) bei Patienten mit Covid-19. CDS ist von diversen Arzneimittelbehörden im Globalen Norden nicht zugelassen und wird in den Massenmedien gerne als Hokuspokus abgetan. In den Ländern Lateinamerikas hingegen spielt die Chlordioxidlösung in Zusammenhang mit Covid-19 eine wichtige Rolle, gleich mehr dazu.
Doch zunächst zum lokalen Kampf der Avelina Rogel, die sich gegen wohlhabende Nachbarn zur Wehr setzen musste, weil diese keine hungrigen Menschen in ihrem Quartier sehen wollten. „Die Strasse und das Trottoir sind öffentlicher Raum“, rechtfertigt sich Avelina. „Wenn die Menschen das Recht haben, bei der Bank anzustehen, um Geld abzuheben oder im Supermarkt einzukaufen, warum nicht auch, um kostenlos Lebensmittel zu erhalten?“ Bald sorgten sich die bedürftigen BewohnerInnen im Quartier um die Sicherheit ihrer Yachak. Immerhin wurden sie kostenlos von ihr behandelt. Die Sorge ging soweit, dass dutzende von Unterschriften bei der lokalen Polizei eingereicht wurden und die Nachbarn ankündigten, dass es zu einem Aufstand kommen werde, sollte Avelina oder ihrer Familie etwas zustossen.
Passiert ist am Ende nichts – auch weil via Video international auf das Problem aufmerksam gemacht und entsprechender Druck auf die lokalen Behörden ausgeübt worden war. Ende Juni 2020 schliesslich unterzeichneten der Verein Madre Sabia, die Verantwortlichen der Stadtverwaltung, die Polizei sowie das zuständige Ministerium eine Vereinbarung, in der sie sich dazu verpflichteten, die Arbeit der Zivilgesellschaft zu unterstützen …
Ausschlaggebend für die feindliche Haltung der Behörden war, dass die MitarbeiterInnen von Madre Sabia den Finger auf etliche Wunden gelegt hatten: den Mangel an Medikamenten und Personal in den staatlichen Gesundheitszentren sowie die fehlende Hilfeleistung in den Armenvierteln. Am Ende taten die Menschen das, was sie überleben liess: Sie organisierten sich selber. Entsprechend ist es keine Überraschung, dass an diversen Orten Ecuadors und anderswo auf dem Kontinent CDS eingenommen wird – sowohl zur Prävention als auch zur Heilung von Covid-19. Die Regierungen in der Region – abgesehen von Bolivien – rieten zwar von der Verwendung der Chlordioxidlösung ab, doch auf lokaler Ebene wurde es dennoch eingesetzt, gemäss Avelina Rogel mit Erfolg.
Während Monaten reiste sie durchs Land, um den Menschen beizubringen, wie sie CDS selber herstellen und anwenden können. „Dieser Prozess ist von vielen lokalen Kirchenvertretern mitgetragen worden“, erinnert sie sich. CDS wird in Ecuador bis heute versteckt produziert und konsumiert, oft in den indigenen Gemeinden.
Die unzähligen Schattenseiten des Home-Office
Pascual Yépez ist einer der Covid-19-Patienten, die mit CDS behandelt worden sind. Der Anthropologe und Universitätsprofessor sitzt neben Avelina Rogel auf dem Sofa und erinnert sich traurig an jene Tage vor einem Jahr, die sein Leben veränderten. Er konnte damals kaum noch atmen, sein Seele war unruhig und er hatte Angst und war verzweifelt, bald sterben zu müssen. Dabei wusste er zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht, ob er sich tatsächlich mit Covid-19 angesteckt hatte. Doch die Massenpanik trieb ihre eigenen Blüten. Zwar liess er im lokalen Gesundheitszentrum einen PCR-Test machen, das Ergebnis sollte er jedoch nie erfahren.
Sein Hauptproblem, sagt Avelina Rogel, sei aber ohnehin ein anderes gewesen: Einsamkeit und Stress. „Pascuals Nerven lagen blank. Er wohnte damals alleine, war völlig überarbeitet und ass kaum noch. Und da er keine fixen Arbeitszeiten mehr hatte, erlebte er jeden Tag mit grossem Druck, ständig Termine einhalten und Arbeiten abliefern zu müssen.“ Es sind die Schattenseiten des Home-Office, die bis heute kaum sichtbar geworden sind.
“Je mehr wir das Virus in Verbindung mit dem Tod bringen,
desto stärker wird es. Dadurch programmieren wir uns quasi
auf Angst und Furcht, ohne zu realisieren, dass Viren, Bakterien und
Pilze schon immer Teil unserer Leben waren und weiter sein werden.“
Avelina Rogel
Homöopathin und Ethnomedizinerin
Avelina und ihre Familie kümmerten persönlich um ihren gemeinsamen Freund, und luden Pascual ein, einige Zeit bei ihnen Zuhause zu leben. Der Kontakt zu einem ayllu half dem Mittvierziger, wieder auf die Beine zu kommen. „Angst und Isolation bringen uns um“, sagt Avelina, die im Laufe des Jahres viele depressive Grosseltern besucht und gepflegt hatte. Früher kümmerten sich die alten Leute um ihre Enkelkinder, spielten und kochten für sie. Seit März 2020, isoliert in ihren Wohnungen und Häusern verharrend, mussten sie sich damit begnügen, ihre Lieben vom Fenster aus zu grüssen. „Viele sehen keinen Sinn mehr, so weiterzuleben“, sagt Avelina.
Wochen später beschloss Pascual Yépez in sein eigenes ayllu im Zentrum des Landes zurückzukehren. Er wollte wieder Kontakt zu seiner Familie, zur Landwirtschaft, zur Natur. Doch kaum war er dort, wurde er erneut krank. Und dieses Mal bestätigte sich seine Covid-19-Infektion. Er liess sich zunächst von einem Schulmediziner behandeln. Doch das einzig Positive sei das Arztzeugnis gewesen, das ihn von den Verpflichtungen der Arbeit befreite und ihn ausruhen liess. Das verschrieben Paracetamol sowie die Amoxilin-Injektionen hätten das Virus „nicht einmal gekitzelt“, sagt Pascual Yépez rückblickend. „Das wichtigste für meine Heilung war spiritueller Natur, also die Begleitung meiner Freunde und Familie, sowie mein Glaube und meine Gebete.“
Der Körperkontakt ist unabdingbar
Inzwischen hat Avelina Rogel den Raum für die Behandlung vorbereitet. Auf dem Boden liegt eine aus Totora-Schilf geflochtene Matte, eine Kerze sowie ein Kelch voller Palo Santo, der gemütlich vor sich hinräuchelt. Pascual Yépez hat Covid-19 zwar überstanden, doch er leidet bis heute an Müdigkeit und reagiert empfindlich, wenn es regnet.
Während Avelina die Schröpfgläser aus einem Koffer holt, erklärt sie die Kosmovision der andinen Völker bei Gesundheitsfragen. „Es geht um die Corpus-Praxis, also den menschlichen Körper, der ständig übt und fühlt. Dazu gibt es keine festgeschriebenen Protokolle wie in der Schulmedizin, sondern eine Begegnung zwischen Menschen sowie eine Anerkennung von Herz zu Herz. Dabei geht es nicht um Glauben, sondern um ein Wissen. Wenn wir also Therapien durchführen, ist es wichtig, dieses Bewusstsein miteinzubeziehen. Es ist die Energie zwischen Pascual und mir, aus der eine dritte Partei geboren wird. Und diese dritte Partei ist die Energie, die bestimmt, wie die Therapie ablaufen soll.“
Heute zum Beispiel wird Avelina Pascuals Rücken schröpfen. Zudem erhält er eine Massage an Füssen und Knöcheln und wird im Gespräch daran erinnert, dass er weniger arbeiten soll …
Pascual löst seine Maske vom Gesicht und legt sich auf die Totora-Schilf-Matte. Es ist ein Bild, wie man es in den vergangene 365 Tagen selten gesehen hat: zwei Menschen, die gemeinsam atmen, sich verbinden und heilen, ohne ihre Nasen und Münder zu bedecken. „Für uns ist der Körperkontakt sehr wichtig“, sagt Avelina, die das Geschehen auf dem Planeten mit Sorge verfolgt. „Ich behaupte nicht, dass es das Virus nicht gäbe. Aber je mehr wir es in Verbindung mit dem Tod bringen, desto stärker wird es. Dadurch programmieren wir uns quasi auf Angst und Furcht, ohne zu realisieren, dass Viren, Bakterien und Pilze schon immer Teil unserer Leben waren und weiter sein werden.“
Teil des Lebens ist auch der ayllu, die Gemeinschaft. Diese gab Don Pedro Casahualpa, dem Bauern aus dem Vorort von Quito, Klarheit über den Zeitpunkt seines Todes. Sie gab auch dem Anthropologen Pascual Yépez die Kraft, sich zusammenzureissen, und selbstverständlich gab und gibt sie Avelina Rogel die Zuversicht, ihre Arbeit trotz Drohungen und Verfolgungen fortzusetzen.
Der ayllu lässt uns erkennen, wo wir stehen und gibt uns Energie, damit unser Geist, unsere Emotionen, unser physischer Körper und damit unsere Gesundheit im Gleichgewicht stehen. Beim Glauben an die heilende Kraft ist es wie beim Glauben an die Angst: Er wirkt. Allerdings ermöglicht nur ein ayllu im Einklang mit seiner Umgebung die Gesundheit seiner BewohnerInnen. Es lohnt sich deshalb zu fragen: Wie war es möglich, dass sich ein Virus mit derartiger Wucht auf dem gesamten Planeten ausbreiten konnte?
*Bei der Meerschweinchen-Diagnose, die bei den indigenen Völkern in den Anden Bestandteil der ancestralen Medizin ist, wird das Meerschweinchen während Minuten am Körper des Patienten gerieben und geklopft. Das Tier, das bei dieser Prozedur stirbt, wird danach aufgeschnitten und Stück für Stück ausgenommen. Die einzelnen Organe des Meerschweinchens sollen den Gesundheitszustand der Organe des jeweiligen Patienten widerspiegeln.
Zur spanischen Version des Textes: Para la medicina ancestral, el contacto físico es indispensable
Text: Romano Paganini – Der Autor studiert seit 2017 Traditionelle Chinesische Medizin.
Korrektur: Katharina Hohenstein
Hauptbild: „Für uns ist der Körperkontakt sehr wichtig“: Avelina Rogel beim Schröpfen von Pascual Yépez’ Rücken. Sämtliche Bilder in dieser Geschichte stammen vom Fotografen Alejandro Ramirez Anderson.