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Publikationen zu James Bond gibt es in Hülle und Fülle. Von filmwissenschaftlichen Abhandlungen über den James-Bond-Atlas bis zu Betrachtungen zum Humor in den Bond-Filmen. Was bislang fehlte, war eine politikwissenschaftliche Auseinandersetzung mit 007.
Dass sich Professor Francesco Mancini, Prorektor an der Nationalen Universität in Singapur, überhaupt mit der Figur des James Bond beschäftigt, hat mit einer Frage zu tun, die er sich selber stellte: Warum ist die Marke «007» seit sechs Jahrzehnten derart erfolgreich?
Es muss um mehr gehen als um schnelle Autos, tolle Drehorte und gutaussende Frauen.
Mancinis Antwort lautet: «Es muss um mehr gehen als um schnelle Autos, tolle Drehorte und gutaussende Frauen. Das Erfolgsrezept besteht vielmehr darin, dass die Autoren in ihren Bond-Drehbüchern stets die grossen weltpolitischen Ängste der Menschen aufgreifen.»
Zur Zeit der Romane von Ian Fleming und der Bond-Filme mit Sean Connery war die Realität vom Kalten Krieg geprägt, sagt Mancini: «Als später zwischen Moskau und Washington Abrüstungsgespräche begannen, sich das Ende des Sowjetimperiums abzeichnete, rückte hingegen die Angst vor einem nuklearen Weltuntergang in den Hintergrund.»
Bond, inzwischen von Roger Moore verkörpert, begann mit KGB-Agenten zusammenzuarbeiten. Mit dem Fall der Berliner Mauer, dem Ende des Kalten Krieges hielt eine gewisse Leichtigkeit Einzug. Die James-Bond-Filme wurden lustiger.
«Doch bald zeichneten sich neue Bedrohungen ab», sagt der Politologe weiter. «Etwa die Macht und Ruchlosigkeit von Drogenkartellen, die anhand eines nur leicht verfremdeten Narko-Panama aufgegriffen wurde.»
Sprung ins 21. Jahrhundert geglückt
Mancherlei Ängste und Bedrohungen habe Bond sogar vorweggenommen – Jahre bevor sie voll ins Bewusstsein der Menschen rückten: So etwa die Macht von Medienmoguln, die mit ihrer Propagandamaschinerie sogar Kriege vom Zaun brechen können. Und ebenso Cyberattacken oder die weltweite Totalüberwachung.
Bond schaffte also problemlos den Sprung ins 21. Jahrhundert. Mancini drückt es so aus: «War Bond in den 1960er Jahren noch stark von Winston Churchill geprägt, so ist er nun näher bei Batman. Gab es früher klar Gut und Böse, war damals fast alles schwarz oder weiss, so gibt es heute Grautöne.»
China als Feindbild ausgeblendet
Bei allen Parallelen zwischen Bond-Fiktion und weltpolitischer Realität, dürfte jedoch eine Anpassung nicht erfolgen: Dass China im Westen immer mehr als Feindbild gesehen wird, wird bei Bond keinen Niederschlag finden. Dem stehen kommerzielle Überlegungen entgegen: Der chinesische Kinomarkt ist mittlerweile viel zu bedeutend, als dass die Bond-Macher ihren Agenten gegen Peking ins Feld ziehen liessen.
Der heutige Bond ist eine recht düstere Figur, mit Schwächen, mit einer Vergangenheit, einem Schicksal.
Doch nicht nur geopolitisch, sondern auch gesellschaftspolitisch verändert sich der Agent «007» ständig. Der Ursprungs-Bond war eine Action-Figur ohne Tiefgang, ein oberflächlicher Macho und Charmeur. «Der heutige Bond mit Daniel Craig ist eine recht düstere Figur, mit Schwächen, mit einer Vergangenheit, mit einem Schicksal», findet Mancini.
Und während frühere Bond-Girls auf- und am Filmende wieder abtraten, während Bond selber zwar Liebschaften kannte, jedoch keine Liebe, ändert sich nun selbst dies. Im neuesten Bond kehrt eine alte Bekannte als neue Liebe zurück. Was die bange Frage aufwerfen dürfte, ob Bond am Ende doch noch monogam wird.