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In vielen, vor allem östlichen, Religionen ist Meditation seit Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden, eine Form von Übung, die die übende Person in einen Bewusstseinszustand versetzt, der zu einer Erfahrung des "Erwachens" und der "Befreiung" führt. Für den religiösen Mystiker ist es der Weg zur "Erleuchtung", zum Verschmelzen mit dem Göttlichen. Für uns extravertierte Westler, die wir in einer hoch-technisierten Wohlstandsgesellschaft leben, sind aber solche Vorstellungen reichlich unverständlich und wahrscheinlich können wir im Normalfall, auch mit viel Praxis, gar nicht zu so etwas wie "Erleuchtung" gelangen. Das ist aber nicht wichtig. Denn Meditation ist zwar ein "Heilmittel", darf aber nicht als blosses Mittel zum Zweck aufgefasst werden. Das Wesentliche ist: Der Weg ist das Ziel.
Man muss auch überhaupt nicht Anhänger irgendeiner Religion sein, um Meditation praktizieren zu können. Das zeigt sich darin, dass sie im Westen als Methode der individuellen Psychotherapie bei humanistisch oder transpersonal orientierten Psychologen grosse Verbreitung gefunden hat. Für unser Verständnis können wir Meditation als eine Versenkungstechnik bezeichnen, die die meditierende Person in einen Bewusstseinszustand bringen soll, der verschieden ist vom normalen Tagesbewusstsein. Bildlich ausgedrückt: Wir können die Meditation vergleichen mit einem Vorgang, bei dem das Tageslicht ausgelöscht wird, und nun die Sterne am Himmel, die sonst nicht sichtbar sind, hervortreten. Oder noch ein anderer Vergleich: Die Meditation soll den Geist der übenden Person so sammeln und beruhigen, dass er sich klärt wie die Oberfläche eines aufgewühlten Gewässers, so dass man nun plötzlich auf den Grund sieht.
Es ist nicht der Sinn der Meditation, mit allen Kräften einen bestimmten Zustand anzustreben; auch soll man sich nicht darüber aufregen, wenn die Sitzung nicht so verläuft, wie man sich vorgestellt hat, dass sie "richtigerweise" verlaufen sollte. Es gibt hier kein "richtig" oder "falsch". Es ist alles gut, was während der Meditation passiert. Wesentlich ist eine Einstellung der passiven Offenheit, ein Wille, die Dinge geschehen zu lassen, so wie sie geschehen, eine nicht-eingreifende Aufmerksamkeit. Der Zen-Buddhist sagt: "Tu nicht etwas, sondern sei einfach!" (während wir im "normalen" Leben zu sagen geneigt sind: "Sei nicht einfach, tu etwas!"). Es bedeutet, dass man versuchen soll, einfach im Hier und Jetzt präsent zu sein, auch sich selbst wahrzunehmen, kein Ziel vor Augen zu haben (auch nicht das Ende der Meditation).