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Minister oder Ministerinnen bleiben im Durchschnitt gut zehn Jahre im Amt. In dieser Zeit stehen sie Tausenden von Angestellten vor und schliessen gleichzeitig politische Kompromisse.Dieser Inhalt wurde am 19. November 2002 - 10:14 publiziert
Aber welche Eigenschaften sind für dieses Amt gefragt? Hier die Antwort eines Headhunters.
"Einen Bundesrat zu suchen, ist nicht einfach", sagt Pascal Forster, Headhunter bei der Firma Heidrick & Struggles.
Im Privatsektor können die Fähigkeiten definiert werden, die für eine Stelle nötig sind, und danach sucht man die Person, welche diese Bedingungen erfüllt. Aber die von den Headhuntern ausgearbeiteten Evaluationssysteme sind in der Politik nicht anwendbar, wenn auch ein grosser Teil der Arbeit auf diesem Posten administrativer Art ist.
"Das Problem liegt darin, dass die sieben Ratsmitglieder nach jeder Neuwahl die Departemente neu verteilen", erklärt Forster. "Und plötzlich gilt das Kriterium der Fähigkeiten nicht mehr." Die neu gewählte Person kann ebenso gut für die Armee zuständig sein wie für die Finanzen oder die Wirtschaft.
Man muss also allgemeinere Kriterien suchen, dabei aber Gemeinplätze wie "flexibel" und "dynamisch" vermeiden. Eine schwierige Aufgabe, umso mehr, als die politischen Aspekte wie Parteizugehörigkeit, Geschlecht sowie sprachliche und regionale Herkunft eine entscheidende Rolle spielen.
Schwierig, aber nicht unmöglich
Doch für Pascal Forster ist das nicht unmöglich. Und die Tatsachen geben ihm Recht, denn seit 1848 wurde das Amt 105 Mal besetzt, ohne dass die Schweiz dadurch zur Bananenrepublik wurde.
Laut einer anderen Theorie jedoch spielen Bundesräte und Bundesrätinnen keine so entscheidende Rolle: Die eigentliche Macht soll vielmehr in den Händen des bürokratischen Apparats liegen.
Diese These wird unter anderem vom Walliser Peter Bodenmann vertreten, einem ehemaligen Präsidenten der sozialdemokratischen Partei. Der alte Fuchs der Bundespolitik hat sich vor kurzem in einem Interview mit dem Tages Anzeiger dazu geäussert.
"Wir haben einen gut funktionierenden Beamtenapparat", erklärte Bodenmann. "Die Bundesräte könnten ein Jahr lang nur das unterschreiben, was ihre Beamtinnen und Beamten aufgesetzt haben. Sagen wir mal zwischen 9.30 und 10.30 Uhr. Den Rest des Tages verbrächten sie in einem Fitnessklub, wo sie niemand sieht. Ich bezweifle, dass dies jemand merken würde."
Die nötigen Qualitäten
Wie auch immer, ein Regierungsmitglied muss schon auch etwas tun. Headhunter Forster gibt einige Beispiele:
"Die für diesen Posten geeignete Person muss viel Erfahrung in der öffentlichen Verwaltung haben. Sie muss nicht unbedingt im öffentlichen Sektor gearbeitet, aber zumindest direkte Kontakte mit den Verwaltungsorganen gehabt haben. Ferner muss sie über grosse intellektuelle Fähigkeiten verfügen und wissen, wie die Politik funktioniert."
Warum also nicht irgend ein Manager? "Nein!", meint Forster. "Ein Manager, der ans Befehlen gewöhnt ist, wäre schnell im Abseits, obwohl die Eigenschaft, Schläge einstecken zu können, von erstrangiger Bedeutung ist. Das Kollegialsystem erfordert nämlich Sinn für Teamarbeit."
Und der Headhunter wird noch etwas genauer: "Diese Person muss delegieren können, um Zeit zu haben, Ideen zu entwickeln und in Diskussionen Lösungen zu finden, welche so viele Leute wie möglich befriedigen."
Aber die geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten müssen auch körperlich fit sein. Nicht alle sind gesund genug, um über 70 Stunden pro Woche arbeiten zu können.
Die richtige Person zur richtigen Zeit
Doch auch äussere Faktoren beeinflussen die Wahl eines Regierungsmitglieds, namentlich der Bekanntheitsgrad auf nationaler Ebene und der repräsentative Charakter. "Ein Bundesrat, eine Bundesrätin muss die Positionen eines beträchtlichen Prozentsatzes des Stimmvolkes vertreten", glaubt Forster.
Aber vor allem muss die Person, welche die nötigen Qualitäten in sich vereinigt, zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Wenn man nicht auf die "Zauberformel" verzichten will, muss sie aus der gleichen Partei und der gleichen politischen Region kommen wie ihr Vorgänger oder ihre Vorgängerin.
Und seit gut zehn Jahren spielt auch das Geschlecht eine Rolle. Die Religionszugehörigkeit dagegen scheint kein Kriterium mehr zu sein.
Kurz, die Person zu finden, die alle nötigen Qualitäten hat, um Mitglied des Bundesrates zu werden, ist eine komplizierte Aufgabe. Es kommt deshalb nicht von ungefähr, dass die Bundesversammlung schliesslich aus einer recht eingeschränkten Zahl von Kandidaten wählen muss.
swissinfo, Daniele Papacella
In Kürze
Es ist nicht einfach, das Profil zu definieren, welches es braucht, um Bundesrat zu werden.
Von den 105 Bundesräten seit 1848 waren einzig zwei Frauen vor ihrer Wahl nicht schon im Parlament tätig (Ruth Dreifuss und Ruth Metzler). Die Tatsache, schon einmal für ein politisches Amt vom Volk gewählt geworden zu sein, wird demnach als eine grundsätzliche Bedingung für das Profil betrachtet.
Die meisten Bundesräte genossen eine Ausbildung als Jurist. Eine militärische Karriere ist inzwischen unwichtig geworden, während zahlenmässig die Kompetenz in Sachen Wirtschaft und Politikwissenschaft zunimmt.
Selten hatten Minister keine akademische Ausbildung: Willy Ritschard (Bundesrat von 1974 bis 1983) war Sanitär, Adolf Ogi (1988 bis 1999) hatte eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen.
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