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Ertragswirkung von Fungizidbehandlungen gegen Septoria im Winterweizen 2020
Hintergrund und Versuchsfragen
Septoria-Blattflecken können in nassen Anbaujahren in Kombination mit einer ertragreichen, aber anfälligen Sorte, den Ertrag stark reduzieren, wenn der Weizen nicht mit Fungiziden geschützt wird. In der Praxis scheint es oft, dass eine starke Vermehrung in diesem Fall nur verhindert werden kann, wenn im Schossen ein Fungizid eingesetzt wird. Gemäss Arbeiten zur Ermittlung der Bekämpfungsschwelle ist dies aber nicht nötig und streng nach ÖLN auch nicht zulässig (H.-R. Forrer et al. 1998). Da Septoria eine lange Latenzzeit aufweist, ist es im Schossen nicht möglich eine Bekämpfungsschwelle herzuleiten. Die Bekämpfungsschwelle kann deshalb erst ab Stadium DC 37 angewendet werden. Ermittelt wurde sie durch Auswertung verschieden stark befallener Bestände. Dabei ergab sich, dass pro Prozent Befallsstärke auf dem zweitobersten Blatt im Stadium der Milchreife bis frühen Teigreife (DC 85) 0,58 dt/ha Ertrag verloren geht. Dies ist der Durchschnitt verschiedenster Sorten und bei einem Maximalertrag um 70 dt/ha. Zudem konnte ein Zusammenhang zwischen der Befallshäufigkeit auf dem viertobersten Blatt im Fahnenblattstadium (DC 39) und der Befallsstärke auf dem zweitobersten Blatt in der Milchreife aufgezeigt werden. Gemäss Schadschwellenversuchen darf die Befallsstärke auf dem zweitobersten Blatt nicht über 10% liegen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Fall eintritt ist klein, wenn die Befallshäufigkeit von Septoria und DTR auf dem viertobersten Blatt im Stadium DC 39 20% nicht übertrifft. Deshalb liegt die offizielle Bekämpfungsschwelle bei 20% Befallshäufigkeit auf dem viertobersten Blatt im Stadium DC 37-51. In der Praxis zeigt sich, dass in nassen Jahren diese Bekämpfungsschwelle bei robusten Sorten teilweise, bei mittelanfälligen meist und bei anfälligen immer und stark überschritten ist. Die Krankheitsentwicklung kann bei anfälligen Sorten mit Fungizidbehandlungen erst ab dem Fahnenblattstadium aber nur noch ungenügend gebremst werden. Weil Landwirte bei anfälligen Sorten diese Erfahrung gemacht haben und wenig darüber bekannt ist, mit welcher Sorte wie viele Infektionsereignisse im Schossen problemlos sind, wird in der Praxis im intensiven Anbau zumindest bei mittelanfälligen Sorten sehr häufig ein Fungizid im Schossen eingesetzt. Ab dem Jahr 2021 soll im Ressourcenprojekt PFLOPF mit dem Prognoseprogramm Septri von ISIP gearbeitet werden, welches den Befall auf den verschiedenen Blattetagen berechnet und den Landwirt bei der Entscheidung unterstützt, ob und wann im Schossen behandelt werden muss. Im Jahr 2020 stand dieses Programm noch nicht zur Verfügung. Um das Programm zu evaluieren, muss im Jahr 2021 mit Spritzfenstern die Wirkung der Behandlungen im Schossen ermittelt werden. Dies soll durch Bestimmung der Befallsstärke auf dem zweitobersten Blatt und Umrechnung in Ertragsverlust erfolgen. In diesem Tastversuch soll diese Methode erprobt werden.
Die Fragestellungen lauteten:
- Führt das Überschreiten der Bekämpfungsschwelle bei anfälligen und robusten Sorten tatsächlich zu einer Befallsstärke von über 10% auf dem zweitobersten Blatt im Stadium DC 85?
- Waren die Behandlungen wirtschaftlich?
- Ist es richtig, wenn Septoria bei anfälligen Sorten schon bei mittlerem Infektionsdruck im Schossen bekämpft wird?
- Ist eine Bekämpfung bei mittelanfälligen Sorten wie Spontan im Schossen im Jahr 2020 nötig?
- Kann mit Spritzfenstern und dem beschriebenen Zusammenhang zwischen Befall auf dem zweitobersten Blatt und dem Ertrag das Programm Septri evaluiert werden?
Methodik
|Anzahl Standorte||Anzahl Versuchsjahre||Anzahl Wiederholungen||Art des Versuchs||Aussagekraft|
|3||1||1||Spritzfenster||*|
Auf zwei Praxisbetrieben wurden bei den Fungizidbehandlungen Spritzfenster angelegt. Angebaut wurden die Sorten Claro, Spontan und Ludwig. Beide Betriebe liegen im Raum Winterthur. Am 6. Mai 2020 wurde im Fahnenblattstadium (DC 39) auf einem Betrieb bei den Sorten Claro und Spontan die Befallshäufigkeit auf dem viertobersten Blatt an 100 Pflanzen erhoben. Dies entspricht der Erhebung des Befalls zum Vergleich mit der Bekämpfungsschwelle. In den Spritzfenstern und dem behandelten Feld wurde am 25. Juni 2020 im Stadium Milchreife (DC 85) die Befallsstärke auf dem zweitobersten Blatt an 30 Pflanzen erhoben.
Die Befallshäufigkeit im Stadium DC 39 wurde mit dem Befall auf dem zweitobersten Blatt verglichen. Anschliessend wurde ermittelt, ob die wirtschaftliche Schadschwelle von 10% auf dem zweitobersten Blatt überschritten ist. Der Feldertrag wurde sowohl bei der Abgabe des Weizens wie auch auf zwei Feldern mit einem Drescher der Marke New Holland CX7.90 erhoben. Der auf das ganze Feld gemessene Ertrag entspricht dem Verfahren mit der maximalen Anzahl Fungizide.
Ausgehend von diesem Ertrag wurden mit der Annahme, dass 1% Befallszunahme zu einer Ertragsabnahme von 0,58 dt/ha führt, die Erträge in den Spritzfenstern aufgrund der Befallsstärke errechnet. Mit der daraus errechneten Ertragssicherung durch eine Behandlungen wurde die Wirtschaftlichkeit der Behandlungen ermittelt. Dabei wird für Claro ein Richtpreis von 52 Fr./dt und für Ludwig und Spontan von 49 Fr./dt eingesetzt. Die Fungizide, Behandlungszeitpunkte und Stadium sind in der Tabelle 1 ersichtlich. Für die Fungizidpreise wurden die Angaben aus dem Heft „Pflanzenschutzmittel im Feldbau 2020“ eingesetzt. Capalo kostet demnach 84 Fr./ha und Elatus Era 97 Fr./ha. Für eine Durchfahrt mit der Pflanzenschutzspritze wurde 80 Fr./ha eingesetzt.
Ende März fielen an drei Tagen hintereinander 10mm Regen. Dies hat während zwei Tagen zu Infektionsbedingungen im Stadium DC 30 geführt. In diesem Stadium wird das viertoberste Blatt geschoben. Vom 1-Knoten- bis ins 4-Knotenstadium war es trocken und entsprechend gab es keine Infektionsereignisse. Auch keine andere Krankheit war über der Bekämpfungsschwelle vorhanden. Zwischen 4-Knoten- und Fahnenblattstadium regnete es fast durchgehend, was während rund einer Woche zu Infektionsbedingungen geführt hat.
Resultate
Vergleich der Bekämpfungsschwelle mit der wirtschaftlichen Schadschwelle
Die Bekämpfungsschwelle von 20% befallenen, viertobersten Blättern im Stadium DC 39 war bei beiden Feldern klar überschritten. Bei der mittelanfälligen Sorte Spontan lag die Befallshäufigkeit bei 41% und bei der anfälligen Sorte Claro bei 86%. Die wirtschaftliche Schadschwelle im Stadium DC 85 wurde bei der Sorte Spontan im unbehandelten Fenster mit 10% Befallsstärke auf dem zweitobersten Blatt aber nicht überschritten. Bei Claro betrug die Befallsstärke 64%, was weit über der wirtschaftlichen Schadschwelle von 10% liegt.
Weizenertrag in Abhängigkeit des Befalls auf dem zweitobersten Blatt verschiedener Behandlungsvarianten
Bei der Sorte Ludwig wurde bei der zweiten von zwei Behandlungen ein Spritzfenster angelegt. Darin wurde eine Befallsstärke von 10% ausgezählt. Im Vergleich dazu wurde in der Variante mit zwei Fungiziden eine Befallsstärke von 6% ermittelt. Aufgrund des Befalls in diesem Fenster auf dem zweitobersten Blatt ergibt sich eine Ertragswirkung der zweiten Behandlung im Stadium DC 51 von 2,3 dt/ha. Die zwei Behandlungen bei Spontan führten ebenfalls zu einem Unterschied der Befallsstärke von 4% und ebenfalls 2,3 dt/ha Ertragswirkung der Behandlungen. Beim Spritzfenster ohne Behandlung bei Claro wurde eine Befallsstärke von 64% bonitiert und im Feld mit der Zweifungizidstrategie 34%. Dieser Unterschied von 30% Befallsstärke führt zu einer errechneten Ertragsreduktion von 17,4 dt/ha.
Der durch Behandlungen gesicherte Ertrag wurden dann unter der Annahme des Richtpreises, der Fungizidpreise und der Durchfahrten umgerechnet in Gewinn oder Verlust. Dabei zeigte sich, dass bei Claro für beide Behandlungen ein Plus resultierte. Die untersuchten Behandlungen bei Spontan und Ludwig waren unter der Annahme von 0,58 dt/ha pro 1% Befallsstärke nicht wirtschaftlich.
Diskussion und Schlussfolgerung
Vergleich der Bekämpfungsschwelle mit der wirtschaftlichen Schadschwelle
Bei Spontan führte das Überschreiten der Bekämpfungsschwelle nicht zum Überschreiten der wirtschaftlichen Schadschwelle, obwohl Spontan als mittelanfällig gilt. Beim anfälligen Claro führte das massive Überschreiten der Bekämpfungsschwelle auch zu einer starken Überschreitung der wirtschaftlichen Schadschwelle im Stadium DC 85. Aus der Praxis ist bekannt, dass die Bekämpfungsschwelle bei mittelanfälligen und sowieso bei anfälligen Sorten, die ja in der intensiven Produktion mehrheitlich angebaut werden, sehr oft überschritten ist. Bei der mittelanfälligen Sorte Spontan liegt die Bekämpfungsschwelle in diesem Versuch aber zu tief. Mit der Bekämpfungsschwelle wird der Schaden also überschätzt. Bei der anfälligen Sorte Claro ist die Bekämpfungsschwelle sehr stark überschritten, was auch zu hohem Ertragsverlust führt. Es hat aber wetterbedingt ein mittlerer Infektionsdruck im Vergleich zu anderen Jahre zu dieser starken Überschreitung geführt. Man müsste also im Schossen eine Entscheidungshilfe haben, wann eine Behandlung nötig ist, da die zwei Behandlungen ab Fahnenblattstadium offensichtlich den Befall nicht genügend bremsen konnten.
Weizenertrag in Abhängigkeit des Befalls auf dem zweitobersten Blatt verschiedener Behandlungsvarianten
Bei Claro konnte auch mit zwei Fungizidbehandlungen eine hohe Befallsstärke von 34% auf dem zweitobersten Blatt zum Stadium DC 85 nicht verhindert werden. Im Stadium DC 30 gab es zwei schwache Infektionstage. Zu diesem Zeitpunkt wird das viertoberste Blatt geschoben. Allenfalls hätten erste Infektionen auf dem viertobersten Blatt also kurativ behandelt werden können. Viel stärker und länger war aber die Infektionsphase von Stadium DC 34-39. Eine Behandlung im DC 32 hätte diese Phase nicht mehr abgedeckt, da im Schossen ein Fungizid nach maximal zwei Wochen zu stark verdünnt ist und nicht mehr wirkt. Die Behandlung im Stadium DC 39 war entweder zu wenig kurativ oder es war tatsächlich auf den unteren Blattetagen zu viel Befall von der Infektionsphase im Stadium DC 31 vorhanden. Der hohe Befall auf dem viertobersten Blatt im DC 39 spricht dafür, dass schon frühe Infektionen stattgefunden haben. Allenfalls war aber auch die kurative Leistung der Fungizide nicht ausreichend, um die Infektionsperiode ab dem Stadium DC 34 abzudecken. Da im Schossen aber keine Behandlung stattgefunden hat, sind solche Aussagen Spekulation. Die beiden Behandlungen nach Stadium DC 39 waren wirtschaftlich. Ob die Behandlung im Stadium DC 39 viel wirksamer war als die späte Behandlung kann nicht gesagt werden, da bei beiden Behandlungen das gleiche Spritzfenster angelegt worden ist. Allenfalls hätte die erste behandlung den besseren Effekt gehabt, wenn Sie im DC 34 vor der Infektionsphase appliziert worden wäre. Um Aussagen über die Wirkung einzelner Behandlungen machen zu können, müsste bei jeder Behandlung ein separates Spritzfenster angelegt werden. Nicht sicher ist beispielsweise auch, ob eine letzte Behandlung wirtschaftlich gewesen wäre, wenn im späten Schossen eine stark wirksame Behandlung stattgefunden hätte. Beim Ludwig ist dafür nur die Aussage zulässig, dass die zweite Behandlung nicht wirtschaftlich war. Bei der ersten Behandlung kann das wegen fehlendem Fenster nicht gesagt werden. Zusätzlich kommt hinzu, dass bei den Versuchen von H.-R. Forrer et al. der Maximalertrag bei 70 dt/ha lag. In diesem Jahr wurden in den Versuchsfeldern aber überall über 90 dt/ha geerntet. Es ist gut vorstellbar, dass in diesem Ertragsbereich der Ertrag pro 1% Befallsstärke nicht nur um 0,58 dt /ha abnimmt, sondern eher bei 0,8 dt/ha liegt. Würde man beim Spontan mit diesem Faktor rechnen ergäbe sich ein Ertragsunterschied von 4,5 dt/ha, was knapp wirtschaftlich wäre. Im Gegensatz zu Claro waren unter diesen Bedingungen Behandlungen im Schossen schon bei mittelanfälligen Sorten überflüssig. Herauszufinden gilt es, ob dies auch bei viel Regen während dem Schossen stimmt und ob das Prognoseprogramm solche Infektionsereignisse sortenabhängig zuverlässig einschätzt.
Bei der Ertragsmessung mit dem Drescher im Claro-Feld wurde im Spritzfenster ein Ertrag von 60 dt/ha angezeigt. Der Feldertrag von 92 dt/ha stimmte recht genau mit dem Wert der Abgabe überein. Man würde rechnerisch genau auf die 60 dt/ha kommen, wenn man mit einem Faktor von 0,8 dt/ha pro 1% Befallsstärke rechnen würde.
Die Methode scheint aber annäherungsweise zu funktionieren. Bei hohen Erträgen muss wohl mit einem etwas höheren Verlust-Faktor gerechnet werden. Dies könnte im nächsten Jahr mit Ertragserhebungen in den Fenstern nochmals evaluiert werden. Wichtig ist, dass für die Evaluation des Prognoseprogramms Septri von ISIP für jede Behandlung ein separates Spritzfenster angelegt wird, damit genauere Angaben zur Ertragswirkung der einzelnen Fungizide möglich sind. Besonders wichtig ist dies bei den mittelanfälligen Sorten, da dort am meisten Unsicherheit bei der Entscheidung für eine Behandlung besteht.