Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03520.jsonl.gz/1231

Der Horror aller Männer - Prostatakrebs
Die Statistik für die Schweiz weist aus, dass Prostatakrebs bei Männern die häufigste Krebserkrankung ist. Zugleich ist Prostatakrebs nach Lungenkrebs die zweithäufigste Todesursache in Verbindung mit einer Krebserkrankung. Betroffen sind vor allem Männer in etwas fortgeschrittenem Alter. Die Häufigkeit von Neuerkrankungen (Inzidenz) hat in den Zeiträumen 1987–1991 sowie 2002–2006 deutlich zugenommen. Seither hat sie sich aber wieder rückläufig entwickelt. Insgesamt ist auch die Mortalitätsrate zurückgegangen. Dieser Rückgang ist übrigens im Tessin und in der Westschweiz weniger ausgeprägt. Im Vergleich dazu steht Prostatakrebs als Todesursache bei deutschen Männern nach Lungen- und Darmkrebs an 3. Stelle.
Früherkennung - der PSA-Test
Zur Feststellung einer beginnenden Prostatavergrösserung wird die digital-rektale Untersuchung, also die Tastuntersuchung mit dem Finger durch den Arzt bzw. Urologen vorgenommen. Ab dem 40. Lebensjahr empfehlen viele Ärzte auch den sogenannten PSA-Test. Beide Vorsorgemassnahmen kombiniert können zu dem Ziel führen, einen sich möglicherweise entwickelnden Prostatakrebs so früh wie möglich zu erkennen.
PSA ist die Abkürzung für Prostata spezifisches Antigen, dessen Konzentration sich im Blut messen lässt. Es geht dabei um ein bestimmtes Enzym, das vom Prostatagewebe produziert wird. Seine eigentliche Aufgabe ist die Verflüssigung des Ejakulats mit dem Ziel einer besseren Beweglichkeit der Spermien. Im Normalfall befindet sich sehr wenig PSA im Blut. Wenn aber die Prostata erkrankt ist, produziert sie deutlich mehr PSA, wovon ein Teil auch in den Blutkreislauf gelangt.
Viele Ursachen für erhöhte PSA-Werte
Nicht jede Prostata, die grössere Mengen PSA produziert, muss unbedingt von Krebs befallen sein. Häufig ist die Prostata gutartig vergrössert oder auch mal entzündet. ACP steht für "American College of Physicians", das ist jene Ärztevereinigung im Sinne eines Expertengremiums, die die amerikanische Regierung in allen Fragen der Gesundheit berät. Sie hat sich auch mit den Risiken befasst, die mit erhöhten PSA-Werten einhergehen können. Diese Experten kommen zu dem Schluss, dass der PSA-Test eher nur einen begrenzten Nutzen hat und auf der anderen Seite durchaus gewisse Gefahren birgt. Dieser Einschätzung schliesst sich das NIDDK (National Institute of Diabetes, Digestive and Kidney Diseases) an und fügt noch hinzu, dass eine Vergrösserung der Prostata bei älteren Männern ein eher normaler Vorgang ist. Und in der Tat lässt eben auch die "benigne Prostatahyperplasie" (BPH), also die gutartige Prostatavergrösserung den PSA-Wert ansteigen, kein Grund also für sofortigen übertriebenen Aktionismus bei den verunsicherten Patienten. Es wurden daraufhin immer wieder weitere Testverfahren veranlasst und "vorsichtshalber" direkt mit Krebsbehandlungen begonnen. Letztere sind aber meistens von schweren Nebenwirkungen begleitet, also mit einer zusätzlichen Schädigung der Gesundheit, die in keinem sinnvollen Verhältnis zu ihrem möglichen Nutzen stehen.
Nebenwirkungen bei der Behandlung von Prostatakrebs
Bei Chemotherapien und Bestrahlungen werden immer auch (benachbarte) gesunde Zellen in Mitleidenschaft gezogen, was zu den bekannten sehr unangenehmen Nebenwirkungen führt. Eine Operation ist immer auch mit dem Risiko der erektilen Dysfunktion verbunden, im Klartext: In fast 40 Prozent der Fälle ist Sterilität (Impotenz) die Folge und Inkontinenz schlägt mit ca. 11 % zu Buche. Oftmals sind Hormonbehandlungen erforderlich, die zu einer "Verweiblichung" führen können, ausserdem sind als Folgen der Prostataoperation Persönlichkeitsänderungen, Depressionen, Hitzewallungen, Knochenschwund bis hin zum Schlaganfall zu beobachten. Das Medical Center der University of Rochester beherbergt das "George Whipple Laboratory for Cancer Research", das mit seinen interessanten Studien 2010 zu dem Ergebnis kam, dass paradoxerweise die Hormontherapien bei Prostatakrebs sogar Wachstum und Ausbreitung von Krebszellen fördern können.
Bei Betrachtung der konkreten Todesfallzahlen bezogen auf die unterschiedlichen Erkrankungen fällt auf, dass Prostatakrebs vergleichsweise sogar eher weniger Opfer fordert, als viele andere gesundheitliche Bedrohungen, denen die Menschen ausgesetzt sind. Um hier auch mal eine bezeichnende Zahl zu nennen: Die Anzahl der Verstorbenen mit Ursache Prostatakrebs beträgt ca. 5 Prozent von jener Zahl, die an Herz-Kreislauf-Krankheiten verstorben sind. Die gute Nachricht bei diesem traurigen Thema ist, dass nur ein geringer Anteil aller Prostatakrebserkrankungen so schwerwiegend verläuft, dass die Fälle unmittelbar tödlich enden. Die meisten Männer mit Prostatakrebs werden sogar erstaunlich alt und sterben schliesslich an ganz anderen Organversagen, womit ihre defekte Prostata gar nichts zu tun hat.
Eine drastische Schlussbemerkung
Die moderne Krankheitsindustrie entscheidet sich sehr gern und sehr schnell für den chirurgischen Eingriff, weil dessen Abrechnungsmodus ziemlich klar geregelt und auch lukrativ ist. Ähnliches gilt für aufwendige Chemotherapien. Mit dem Schüren von Ängsten erreicht man eine schnelle Freiwilligkeit bei den Patienten, sich langen, quälenden Prozeduren zu unterwerfen, die im Ergebnis ihre Gesundheit eher ruinieren.
Bildquelle: Brigitte Kreuzwirth / pixelio.de