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Kein Beruf im Kaiserreich hat so wenig mit Gleichstellung zu tun wie der einer Geisha. Moe wollte trotzdem nichts anderes sein. Von der Kunst, eine perfekte Frau zu werden – und der noch viel grösseren Kunst, sich wieder zurückzuverwandeln.
Für die Rolle der Maiko musste Moe alles ablegen, was ihre Persönlichkeit ausmachte, ihre Launen, Eigenheiten, Interessen, Meinungen, selbst ihre Sprache – und ihren Namen.
Foto: John Paul Foster
Moe war 16, als sie ins Geisha-Haus kam. Sie stellte keine Ansprüche damals, sie wollte nur eines: Geisha werden. Sie hatte ihre Freiheit als normale Schülerin aufgegeben, ihre Familie verlassen und war in Kyotos berühmten Geisha-Distrikt gezogen – Gion, mit den schmalen Gassen, den kleinen Brücken und Steinlaternen. Dort lebte sie mit anderen Mädchen zusammen, die wie sie zu einer Geisha ausgebildet wurden, man nennt sie Maikos. Das Ziel: Eines Tages eine vollendete Frau der Kunst zu sein, eine Geiko, wie man in Kyoto die Geishas nennt.
Sie war noch nicht reif genug für tiefere Zweifel, und wenn Moe zurückdenkt, würde sie sagen, dass sie genau deswegen den strengen Unterricht und die unumstösslichen Verhaltensregeln ertrug. «Wenn ich über 20 gewesen wäre, wäre das schwieriger gewesen», sagt Moe, «wenn man älter ist, hat man etwas mehr Ego.»»