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| Cassian († 430/35) - Von den Einrichtungen der Klöster (De institutis coenobiorum et de octo principalium vitiorum remediis)

Viertes Buch: Regeln für die Novizen.
20. Wie ein Hausmeister drei Linsenkörner fand.
Als ein Bruder bei seinem Wochendienste Linsen zum Essen bereitete, fielen ihm in der Eile mit dem Wasser, womit sie abgespült wurden, drei Körner zur Erde. Kaum sah der Oekonom im Vorbeigehen dieselben auf der Erde liegen, als er den Abt sofort darüber zu Rathe zog. Dieser erklärte Jenen für einen Verschleuderer und Verächter des heiligen Gutes und untersagte ihm die Theilnahme am Gebete. Die Schuld seiner Nachläßigkeit wurde ihm erst nach Uebernahme einer öffentlichen Buße erlassen. Wie nämlich die Mönche ihre Person nicht mehr als ihr Eigenthum betrachten, so glauben sie auch alles Ihrige dem Herrn geweiht. Wenn daher einmal Etwas in’s Kloster gebracht ist, so muß es nach ihren Regeln als Gott geweiht mit aller Ehrfurcht behandelt werden. Und mit solcher Gewissenhaftigkeit besorgen und ordnen sie Alles, daß, wenn sie auch das für verächtlich und gering Geltende von seiner Stelle wegbringen oder ihm eine passende Lage geben, wenn sie den Krug mit Wasser [S. 75] füllen und Jemandem daraus zu trinken geben, wenn sie ein Grashälmchen aus dem Oratorium oder der Zelle entfernen, sie für alle diese Kleinigkeiten mit fester Zuversicht vom Herrn einen Lohn erwarten.