Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03406.jsonl.gz/692

Die Manie kann man sich als Gegenteil der Depression vorstellen. Die Betroffenen leiden an einem Zuviel an Antrieb, Gefühlen und Impulsen. Für das soziale Umfeld können Maniker zwar fröhlich, witzig, ausgelassen und ansteckend wirken. Ebenso häufig sind sie jedoch gereizt, aggressiv und streitsüchtig.
Eine Erkrankung mit rein manischen Episoden ist selten. Häufig treten sowohl manische als auch depressive Episoden wechselnd auf. Man spricht dann von einer manisch-depressiven Störung oder von einer bipolaren Erkrankung.
Eine manische Episode kann akut innerhalb kurzer Zeit auftreten oder sich langsam über Wochen und Monate steigern. Die Dauer einer solchen Episode kann dabei sehr unterschiedlich sein - meist zwischen 4 bis 6 Monaten. Manische Episoden klingen in der Regel wieder vollständig ab. Allerdings treten danach häufig vorübergehende depressive Nachschwankungen auf.
Eine nur leicht ausgeprägte manische Phase wird als hypomanisch bezeichnet.
Die Symptome lassen sich in drei Hauptbereiche einteilen:
- Stimmungsveränderung: ein Maniker ist grundlos übermässig gut gelaunt (euphorisch). Diese Euphorie kann aber auch sehr schnell wechseln in eine gereizte, aggressive Stimmung (Dysphorie).
- Antriebssteigerung: zeigt sich in gesteigertem Rededrang, Bewegungsdrang, Betätigungsdrang (sozial, beruflich, sexuell) oder einem verminderten Schlafbedürfnis.
- Ideenflucht: Sprunghaftigkeit der Gedanken, Aktivitäten und Pläne wechseln oft; Hemmungslosigkeit, Kritiklosigkeit und Selbstüberschätzung führen zu leichtsinnigem, tollkühnem Verhalten (z.B. Autorasen, Kaufrausch, Promiskuität = häufiger Partnerwechsel). Solche Grössenideen können sich bis zum Grössenwahn steigern.
Typisch ist auch, dass sich Maniker im manischen Schub nicht krank fühlen (fehlende Krankheitseinsicht).
Die Diagnose wird durch den Arzt im ärztlichen Gespräch gestellt. Der Arzt achtet dabei auf das Verhalten und auf Aussagen des Betroffenen. Auch Angaben von Dritten können weiterhelfen.
Wichtig: Der Drogenmissbrauch oder der Konsum anderer Substanzen sowie körperliche Erkrankungen als Ursache, müssen ausgeschlossen werden.
Akutbehandlung
In der akuten Phase kann die Behandlung sehr schwierig sein, da der Betroffene im manischen Schub meist nicht krankheitseinsichtig ist. Bei Fremd- oder Selbstgefährdung ist eine stationäre Zwangsunterbringung notwendig.
Allgemeine Massnahmen
- Betroffenen von stimulierenden Aussenreizen abschirmen
- Betroffenen ernst nehmen, jedoch ohne zu stark auf die manischen Inhalte einzugehen
- Bei starkem Aktivitätsdrangs Möglichkeit zur Betätigung geben
- Wichtig ist auch den Schlafrhythmus wieder zu normalisieren
Medikamente
In der akuten Phase geht es meist nicht ohne Medikamente. Zum Einsatz kommen vor allem Neuroleptika und Lithium; alternativ Valproinsäure oder Benzodiazepine .
Langzeitbehandlung
Um eine neue manische Episode zu verhindern, muss der Betroffene über eine lange Zeit hinweg behandelt werden.
Neuroleptika sollen wegen der Nebenwirkungen nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Daher wird nach Abklingen der manischen Episode eine Therapie mit Lithium (alternativ auch Carbamazepin) begonnen. Das Neuroleptikum wird dann langsam reduziert. Die Therapie mit Lithium soll mindestens über 2-3 Jahre erfolgen, bei Kombination mit einer Depression auch länger.
Wichtig: bei einer Lanzeitbehandlung müssen die Blutspiegel der Medikamente regelmässig gemessen werden. Der Patient muss vor Beginn der Lithiumtherapie über Zeichen einer Überdosierung aufgeklärt werden.
Psychotherapie
Häufig treten nach dem Abklingen einer manischen Episode Schamgefühle auf, die das Verhalten während der manischen Episode betreffen. Diese können im therapeutischen Gespräch aufgearbeitet werden. Eine psychotherapeutische Begleitung von Manikern über die unmittelbare Krankheitsphase hinaus ist generell empfehlenswert.
Eine manische Depression kann unter anderem folgende Komplikationen verursachen:
- Soziale Probleme: Beziehungsprobleme, berufliche und finanzielle Probleme, Maniker treffen oft im Freundeskreis oder in der Familie auf Unverständnis und Ablehnung.
- Straftaten
- Drogen- und/oder Alkoholmissbrauch
- Physische Erschöpfung (Schlafmangel...), Verwahrlosung, Herz-Kreislaufkomplikationen
- Nach einer manischen Episode kann das Suizidrisiko durch Schuld-, Schamgefühle oder einer depressiven Nachschwankung erhöht sein.