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Giovanni del Virgilio, Rhetoriklehrer und frühhumanistischer Dichter aus dem Kreis von Dante und Mussato, wurde 1322 in Bologna eingestellt, um eine Vorlesung über lateinische Autoren der Antike zu halten. Überliefert ist allein seine sog. ‚Expositio’ von Ovids Verwandlungssagen. Didaktisch verabschiedet er sich bei der Behandlung dieses Klassikers von der überkommenen scholastischen Auslegungsmethode, die den Text in kleinste Einheiten zerlegt, um diese nach fest vorgegebenen Schemata zu kommentieren. Statt dessen paraphrasiert er die ovidischen Mythen in geradezu novellistisch anmutender Weise und passt sie sprachlich und durch Zusatzinformationen an den Horizont seiner Zuhörer an.
Diese ansprechende und leicht verständliche Adaptation wurde schon bald ins Italienische übertragen, nämlich im ‚Ovidio metamorphoseos vulgare’ des Giovanni dei Bonsignori (1375/ 1377), der selbst wiederum weiteren volgarizzamenti zugrundelag und über die Illustrationen, die seinen Erstdruck (Venedig 1497) begleiteten, auch auf mythologische Darstellungen in verschiedenen Kunstgattungen ausstrahlte.
Während diese Nachwirkungen in den letzten Jahrzehnten intensiv erforscht wurden, existiert noch immer keine gedruckte Ausgabe des Ausgangstextes: von Giovannis ‚Expositio’. Diesem Missstand soll nun mit einer kritischen Edition abgeholfen werden.
Ergänzend werden in einleitenden Kapiteln Fragen nach Giovannis Lehrmethodik, nach dem Bezug zu zeitgenössischen literarischen Erzählformen und nach dem Umgang mit dem antiken Mythos nachgegangen. Auf diese Weise soll auch der geistige Kosmos eines Lehrers in der Übergangsphase vom scholastischen Lehrbetrieb des Spätmittelalters zu humanistischen Praxis der Frühneuzeit erschlossen werden.
Projektleiterin: Prof. Dr. Gerlinde Huber-Rebenich
Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Dr. Beatrice Wyss