Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03531.jsonl.gz/940

Der Erfinder
Regie: Kurt Gloor
Darst.: Bruno Ganz, Walo Lüönd, Verena Peter, Oliver Diggelmann, Klaus Knuth, Thomas Ott, Babett Arens, Inigo Gallo, Brigitt, Erwin Kohlund, Mathias Gnädinger u.a.
1916 tobt in Europa der Erste Weltkrieg. Im Zürcher Oberland erfindet Jakob Nüssli, Fabrikarbeiter, Tüftler und Pazifist, einen Wagen, der nicht mehr im Dreck einsinkt und baut ein Fahrzeug mit «künstlicher Strasse». Als er seine Erfindung bei einem Anwalt in der Stadt patentieren lassen will, sieht er zufälligerweise in einem Kino eine Wochenschau mit Kriegsbildern. Und erblickt seine Erfindung auf der Leinwand: einen geländegängigen Panzerwagen, den die Engländer erstmals in der Schlacht an der Somme einsetzten. Kurt Gloors brillante Mischung aus Melodrama und Komödie ist eine Adaption von Hansjörg Schneiders Theaterstück aus dem Jahr 1972. Der Film, eine der teuersten Schweizer Produktionen jener Zeit, versammelte mit Walo Lüönd, Ettore Cella, Mathias Gnädinger, Inigo Gallo und Margrit Rainer einige der Stars des älteren Schweizer Films an der Seite von Hauptdarsteller Bruno Ganz. Kurt Gloor setzte mit seinem Film all jenen genialen Bastlern und Phantasten ein filmisches Denkmal, die eine gute Idee zur falschen Zeit hatten. Für Bruno Ganz war «Der Erfinder» 1980 der erste Abstecher zurück zum Schweizer Film, nachdem er zwei Jahrzehnte zuvor bei Kurt Früh seine ersten Gehversuche vor der Kamera gemacht hatte. Kurt Gloor, der mit «Die Landschaftsgärtner» (1969) und «Die grünen Kinder» (1971) zwei der wichtigsten Schweizer Dokumentarfilme der Nach-1968er-Jahre geschaffen und 1976 mit seinem Spielfilmerstling «Die plötzliche Einsamkeit des Konrad Steiner» internationalen Erfolg hatte, konnte nach «Der Erfinder» nur noch einen Kinospielfilm, «Mann ohne Gedächtnis», realisieren. Dieser wurde ein Flop, und Gloor, zermürbt vom Filmfördersystem, drehte fortan nur noch Dokumentarfilme für das Schweizer Fernsehen. Im September 1997 nahm er sich 54-jährig das Leben – ein tragisches Schicksal von einem der talentiertesten Cineasten der Schweiz. Fred Zaugg schrieb in Der Bund: «Ein einzigartiger Bruno Ganz vermittelt hier als Erfinder Jakob Nüssli die alte, doch deswegen nicht minder ungeheuerliche Wahrheit, dass aller Erfindergeist des Menschen, seine ganze grossartige Kreativität, dem Krieg und der Vernichtung dieses unseres blauen Planeten dienstbar gemacht wird.»