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Der Beitrag der personalen Psychologie zum allgemeinen Wohl in einer demokratischen Gesellschaft
Moritz Nestor
2007 Vortrag am Kongress der Ungarischen Pädagogischen Werkstatt in Budapest
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Frau und Herr Baryni, liebe Kollegen und Freunde, herzlichen Dank, dass wir auch dieses Jahr wieder an Ihrer Konferenz teilnehmen dürfen. Ich empfinde es ganz persönlich als eine grosse Ehre, hier teilnehmen zu dürfen und auch mit ein paar Gedanken an Ihrer wertvollen Arbeit mithelfen zu können. Sie haben die Frage gestellt nach den Werten für das nächste Jahrtausend. Ich möchte aus der Sicht des Psychologen dazu etwas sagen.
Ich werde nie jenen Tag vergessen, als ich als Jugendlicher entsetzt eine Aufnahme der furchtbaren Rede von Hitlers Propagandaminister Josef Goebbels im Berliner Sportpalast hörte: Der Zweite Weltkrieg war längst verloren und Goebbels brüllte die Frage in die Menge: “Wollt ihr den totalen Krieg? Wollt ihr ihn womöglich noch totaler und radikaler als je zuvor?” Ein frenetisches “Jaaaa!” aus Tausenden Kehlen antwortete. Und dann skandierte die Masse minutenlang: “Führer befiehl, wir folgen!”
Nach der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges stand die Welt fassungslos vor der Frage: Wie hatte das passieren können? Ein Kulturvolk, das der Welt auch Kostbares geschenkt hatte, war einer geistig primitiven Verbrecherbande – zum Teil sogar in vorauseilendem Gehorsam – nachgelaufen. Wie hatte der Mensch, von dem Pico de la Mirandola bewundernd sagte, dass ihn seine Vernunft gottähnlich sein lässt, seine Würde gänzlich verraten und in dumpfem Kadavergehorsam schreckliche Verbrechen verüben können?