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12. Jul 2021
In der Zeit der landesweiten Lockerung von Mitte Juni bis Mitte Juli 2020 wurde in der Schweiz zum dreizehnten Mal in Folge die Bevölkerungs- und Expertenbefragung zum Gründungsverhalten im Rahmen des Global Entrepreneurship Monitor (GEM; www.gemconsortium.org) durchgeführt. Die Schweizer Ausgabe wird jährlich von der Hochschule für Wirtschaft Freiburg (HSW-FR) und mit diesjähriger Unterstützung des Impact Hub Bern und des Swiss Economic Forum (SEF) herausgegeben.
Die Auswirkungen des Shutdowns vom Frühjahr/Sommer 2020 auf das Gründungsverhalten waren insofern spürbar, als die Gründerinnen und Gründer weniger Geschäftsgelegenheiten erkannten und weniger unternehmerische Vorhaben umsetzen mochten. Trotz der Coronakrise hegen noch immer 7.3% (Entrepreneurial intentions) der befragten Erwachsenenbevölkerung im arbeitsfähigen Alter die Absicht, innerhalb der nächsten drei Jahren ein unternehmerisches Vorhaben zu realisieren. Es zeigt sich auch, dass die Krise als Opportunität wahrgenommen wurde. Die Gründungsquote, die «Total Entrepreneurial Activity» (TEA), ist mit 9.24% im Vergleich zu 2019 (9.77%) nur geringfügig geringer ausgefallen.
Die Chancenerkennung (Opportunity Recognition), also die Einschätzung, ob die befragten Personen eine gute Geschäftsmöglichkeit in ihrer Umgebung wahrnehmen und diese in den nächsten sechs Monaten umsetzen könnten, sank von 40,6 % im Jahr 2019 auf 26,7 % im Jahr 2020. Dieser Wert liegt normalerweise zwischen 35 % und knapp 50 %; seit 2011 war die Opportunity Recognition nie unter 40 % gefallen. Dieser Rückgang ist vor allem auf die befragten Personen in der Deutschschweiz zurückzuführen. In den französisch- und italienischsprachigen Landesteilen war die Veränderung zum Vorjahr nicht signifikant.
Nur rund ein Drittel (33,5%) derjenigen, die angaben, unternehmerische Chancen zu erkennen, werden durch die Angst vor dem Scheitern an der tatsächlichen Umsetzung dieser Chancen gehindert. Obwohl die Angst vor dem Scheitern von Jahr zu Jahr stark schwankt, lag sie im vergangenen Jahr mit 23,8 % auf einem historischen Tiefstand.
Auswirkungen der COVID-19-Pandemie und des Shutdowns
Die Absicht, innerhalb der nächsten drei Jahre ein Unternehmen zu gründen, ging unter den erwachsenen SchweizerInnen von 11 % im Jahr 2019 auf 7.3 % im Jahr 2020 zurück. Dieser Rückgang in Verbindung mit der Tatsache, dass nur rund die Hälfte der Gründungswilligen durch die Pandemie beeinflusst wurden, deutet darauf hin, dass potenzielle Schweizer Unternehmer möglicherweise aus makroökonomischen und politischen Gründen - zusätzlich zur Pandemie - davon abgehalten werden, ein neues Unternehmen zu betreiben. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren haben wir deutlich weniger unternehmerische Absichten bei den gut ausgebildeten und mittleren bis hohen Einkommensschichten.
Doch trotz des Rückgangs der unternehmerischen Absichten blieb die Rate der UnternehmerInnen in der Frühphase in der Schweiz von 2019 (9,8 %) bis 2020 (9,2 %) relativ konstant. Die Rate der etablierten Unternehmer (die ein Unternehmen seit mehr als 42 Monaten besitzen und führen) ging jedoch deutlich zurück, von 11,6 % im Jahr 2019 auf 6,7 % im Jahr 2020.
Im Gegensatz zu vergleichbaren und umliegenden Ländern sehen über drei Viertel (76 %) der Schweizer Unternehmenden in der Frühphase keine pandemiebedingten Chancen. Dieser Pessimismus könnte erklären, warum nur 1 % der erwachsenen Schweizer Jungunternehmenden erwartet, in den nächsten fünf Jahren sechs oder mehr Mitarbeiter einzustellen, gegenüber 3 % im Jahr 2019.
Die befragten Experten stellten hingegen der Anpassungsfähigkeit der Unternehmerinnen und Unternehmer ein gutes Zeugnis aus. Überdies hebt sich die Zusammenarbeit zwischen neuen und wachsenden Unternehmen mit etablierten Unternehmen im internationalen Vergleich ebenso positiv ab[1], wie die Regierungsmassnahmen im Vergleich zu anderen Ländern als gut beurteilt, wobei Letztere im Fokus auf einzelne Aspekte noch besser abschneiden.
Die gemeinsame Krisenbewältigung beweist Solidarität unter Start-ups, KMUs und Grossbetrieben. Für die Schweiz wird ein Wert von 6.39 verzeichnet, der klar über dem Durchschnitt (5.56) der ausgewählten Länder liegt. Es bestätigt die These, dass in der Schweiz die Bedeutung eines unternehmerischen Ökosystems der Schlüssel für Erfolg und stetiges Wachstum sein kann.
Der Global Entrepreneurship Monitor (GEM) ist ein Konsortium nationaler Länderteams, die hauptsächlich mit akademischen Institutionen verbunden sind und weltweit umfragebasierte Untersuchungen zum Unternehmertum durchführen. Die Schweizer Ausgabe wird jährlich von der Hochschule für Wirtschaft Freiburg (HSW-FR) herausgegeben.
[1] Im dritten und vierten Quartal 2020 konnten in der Schweiz auch mehr Gründungen verzeichnet werden.