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Mit eigenen Grossraumflugzeugen will China künftig den Marktführern Boeing und Airbus Konkurrenz machen: Jetzt wurde hierfür in Schanghai die Herstellerfirma Commercial Aircraft Corporation of China (CACC) gegründet. Das erklärte Ziel: Bis 2020 will Peking in der Lage sein, Flugzeuge für mindestens 150 Passagiere zu bauen und weltweit zu vermarkten.
Die Entwicklung eines eigenen Jumbos bedeute aber keine Abkapselung vom Ausland, betonte der chinesische Ministerpräsident Wen Jibao. In vielen technologischen Bereichen sei Chinas Abstand zum Weltstandard noch immer gross. Der Chef des neuen Unternehmens, Jin Zhuanglong, erklärte, Bestandteile wie Antriebs- und Bordsysteme sollten aus dem Ausland zugekauft werden. Die Zusammenarbeit mit Airbus, Boeing und anderen ausländischen Firmen wie General Electric, Bombardier und Honeywell werde fortgesetzt.
In Forschung, Entwicklung und Produktion des neuen Unternehmens sollen rund 2000 Ingenieure arbeiten. Die Commercial Aircraft Corporation of China ist mit einem Startkapital von 19 Mrd Yuan, umgerechnet rund 1,75 Mrd Euro, ausgestattet. Grösster Anteilseigner ist die chinesische Regierung mit einem Anteil von knapp 32%. Daneben sind die Stadt Schanghai mit 26,3% und die beiden grössten Flugzeugbauer, die Aviation Industry Corp (AVIC I.) mit 21% und AVIC II. mit 5,3%, beteiligt. Weitere Konsortialpartner sind die Stahl-, Aluminium- und Chemiekonzerne Baosteel, Chinalco und Sinochem mit je einer Mrd Yuan, was einem Anteil von 5,26% entspricht. Boeing und Airbus reagierten gelassen auf das chinesische Hochtechnologieprojekt.
Tausende Flugzeuge für China
Der Sprecher von Airbus, Rainer Ohler, hatte erst vor kurzem bei einem Besuch in Peking gesagt, die chinesischen Fluggesellschaften müssten bis zum Jahr 2027 schätzungsweise 2000 Flugzeuge in Grösse des A320 und rund 800 Grossflugzeuge wie den A380 kaufen. Ohlers Einschätzung wird auch von chinesischen Bedarfsanalysen gestützt. In der Tageszeitung «China Daily» sagten Experten, bis 2026 werde China voraussichtlich fast 3400 neue Passagierflugzeuge benötigen. Nur ein Teil davon sei durch die Produktion im eigenen Land zu sichern.
CACC-Vorstandschef Zhang Qingwei sagte der Zeitung «China Economic News», der neue Flugzeughersteller könnte sich künftig für Beteiligungen «von Investoren aus dem In- und Ausland und der Privatindustrie» öffnen. Seit Monaten schon wird darüber spekuliert, dass die Flugzeugbauer AVIC I., zu dem mehrere Werke und Forschungsinstitute gehören, und AVAC II. mit seinen Produktionsstätten zusammengelegt werden sollen und dann an die Börse gehen könnten.
AVIC I. entwickelt derzeit einen Regionaljet. Der 85-sitzige Prototyp war im Dezember vorgestellt worden. Eigentlich hätte der Testflug zur Gründung des neuen Herstellers CACC stattfinden sollen, musste aber verschoben werden.