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Eric Patrick Clapton wurde am 30. März 1945 in Ripley in der englischen Grafschaft Surrey geboren. Seine Mutter Patricia Molly Clapton war gerade einmal 16 Jahre alt. Seinen Vater, den damals 24-jährigen kanadischen Soldaten Edward Walter Fryer, lernte Eric Clapton nie kennen. Um einen Skandal wegen des unehelichen Kindes zu vermeiden, übernahmen Eric Claptons Grosseltern die Erziehung des Jungen und liessen ihn im Glauben, sie seien seine Eltern – bis er im Alter von neun Jahren hinter das Geheimnis kam. Als er seine leibliche Mutter fragte, ob er sie Mommy nennen dürfe, lehnte sie ab. Dieses Erlebnis beschrieb der Star später als «Fundament eines Jahrzehnte dauernden Gefühls der Abweisung».
Es hatte seine Persönlichkeit mit seiner Suche nach Liebe und Anerkennung und seinen Selbstzweifeln entscheidend geprägt. Trost und Halt fand Eric Clapton in der Musik: «Musik wurde meine Heilerin. Ich lernte, mit meinem ganzen Sein zuzuhören.» Bald wurde die Musik für den ruhigen, schüchternen Jungen auch ein wichtiges Mittel, um sich mitzuteilen. Nur in der Musik seines Instruments könne er sich wirklich ausdrücken, hat der Musiker einmal gesagt. Ein Jahr lang lag er seinen mittellosen Grosseltern in den Ohren, bis er als 13-Jähriger seine erste Gitarre geschenkt bekam. Bald begann der bluesbegeisterte Teenager, das Gitarrenspiel seiner Vorbilder zu kopieren. Er verfolgte die Fernsehauftritte von Blind Lemon und Chuck Berry und spielte jeden Rhythmus, jedes Gitarrenriff nach. Eric Clapton übte stundenlang exzessiv, bis er das Instrument beherrschte – ohne je Gitarrenunterricht besucht zu haben.
Die Schule schloss der hochbegabte junge Mann ohne Probleme ab. Nach seinem Abschluss 1961 an der Hollyfield School in Surbiton schrieb sich Clapton am Kingston College of Art ein. Das Kunststudium brach er aber nach kurzer Zeit wieder ab, um sich ganz der Musik zu widmen. Sein Gitarrenspiel war im Alter von nur 16 Jahren bereits so weit fortgeschritten, dass er auf sich aufmerksam machte, zunächst als Strassenmusiker in und um London und ab 1962 im Duo mit seinem Kollegen David Brock in Pubs. Mit siebzehn Jahren trat Eric Clapton der Band The Roosters bei, bei der er von Januar bis August 1963 blieb. Im Oktober desselben Jahres hatte Eric Clapton bereits sieben Auftritte mit der Band Casey Jones & the Engineers bestritten.
Eine lange Karriere
Ebenfalls 1963 wurde Clapton Mitglied der überregional bekannten Band Yardbirds. Sechs Jahre später gründete er mit drei anderen Musikern die Bluesrockgruppe Blind Faith. Diese nahm ein Album mit Publikumshits auf und ging auf Tournee. Ein Jahr später veröffentlichte Eric Clapton sein erstes Soloalbum, das ein grosser Erfolg wurde. Er sagte später dazu: «Der Klang einer Gitarre mit Verstärker in einem Raum voller Leute war so hypnotisch für mich und machte mich süchtig, dass ich alle Arten von Grenzen überquert hätte, um zu so einem Ort zu gelangen.»
In den frühen 1970er Jahren war Eric Clapton bereits ganz oben. Er arbeitete mit anderen Grossen zusammen, etwa mit den Beatles- Mitgliedern John Lennon und George Harrison. Mit Letzterem verband ihn eine langjährige Freundschaft. Mit der Band Derek and the Dominos nahm er das Lied «Layla» auf – es wurde zu Claptons musikalischem Markenzeichen und zu einem der meistgespielten Rocksongs der Siebzigerjahre. Es folgte eine Reihe erfolgreicher Soloalben. In den folgenden Jahrzehnten bewegte sich das Multitalent mit Erfolg in anderen Musikwelten als im angestammten Blues, etwa mit dem von Country geprägten Album «Slowhand» (1977), dem Poprockwerk «August» (1986) sowie dem vom Rhythm and Blues beeinflussten «Change the World» (1998). Eric Claptons Interpretation von Bob Marleys Hit «I Shot the Sheriff» machte den Reggae massentauglich. Auch neue Musikformate nutzte Clapton für seine Karriere. Eine MTV-Unplugged-Session brachte ihm 1993 sechs Grammys ein, unter anderem für seinen Song «Tears in Heaven», der zum Welthit wurde. Das Album «Unplugged» wurde weltweit über 26 Millionen Mal verkauft und damit zu seinem grössten kommerziellen Erfolg. Ab 1999 nahm Eric Clapton eine Reihe von Blues- und Bluesrockalben auf. Sein neustes Werk, «Happy Xmas», erschien 2018.
Mit seinem Gitarrenspiel, aber auch mit seinem Gesang wurde Eric Clapton zur Legende: Bereits ab Mitte der 1960er Jahre hatte er in England den Ruf, ein musikalisches Genie zu sein. Der Erfolg schlug sich in zahlreichen Auszeichnungen nieder, darunter zwanzig Grammys. Dreimal gewann er einen American Music Award als beliebtester Pop- und Rockkünstler, zweimal einen World Music Award und schon 1987 wurde er vom British Phonographic Institute für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Im Jahr 1994 erhielt der Musiker von Queen Elisabeth II. den Titel «Officer» des Order of the British Empire für seinen Beitrag zur Musikgeschichte. Zehn Jahre später wurde er zum «Commander» dieses Ordens ernannt. Auch finanziell zahlte sich Eric Claptons lange Karriere aus: Sein Vermögen wird auf rund 120 Millionen Pfund geschätzt.
Die Kehrseite: Leid und Sucht
Vielleicht war Eric Claptons traumatische Kindheitserfahrung der Ablehnung ein Grund für seine unsteten Beziehungen mit Frauen. Im Jahr 1979 heiratete er Pattie Boyd-Harrison, die frühere Frau des Beatle George Harrison. Während dieser Ehe zeugte Clapton zwei Kinder mit anderen Frauen. Vor der Öffentlichkeit geheimgehalten, kam 1985 seine erste Tochter Ruth Kelly und ein Jahr später sein Sohn Conor zur Welt. Nach der Scheidung von Pattie 1988 ging Clapton bis Ende der 1990er Jahre mehrere kurze Beziehungen ein. Im Jahr 2002 heiratete er Melia McEnery. Seither leben die beiden zusammen und haben drei Töchter: Julie Rose, Sophie Belle und Ella May.
Anfang der 1990er Jahre trafen Eric Clapton zwei Schicksalsschläge. Am 27. August 1990 kam sein Freund, der Musiker Stevie Ray Vaughan, bei einem Helikopterabsturz ums Leben. Sieben Monate später starb sein vierjähriger Sohn Conor bei einem unfallbedingten Sturz aus Claptons New Yorker Wohnung im 53. Stock. Seine Trauer verarbeitete Eric Clapton im Song «Tears in Heaven», den er seinem verstorbenen Sohn widmete. Dazu sagte er: «Unplugged» war mein am günstigsten produziertes Album und brauchte am wenigsten Vorbereitungszeit und Arbeit. Wenn Sie aber wissen wollen, was es mich wirklich gekostet hat, gehen Sie nach Ripley und besuchen Sie das Grab meines Sohnes.»
Mitte der 1990er Jahre starb Eric Claptons gute Freundin Alice, die Tochter eines ehemaligen britischen Botschafters, an einer Überdosis Heroin. Gut zwanzig Jahre zuvor steckten sie beide tief im Drogensumpf. Die frühen 1970er Jahre durchlebte der Star nach eigenen Angaben in einer «Wolke aus rosa Watte». Exzesse mit Heroin forderten nicht nur ihren seelischen, sondern auch ihren körperlichen Tribut: 1971 brach Eric Clapton an einem Konzert auf der Bühne zusammen. Erst durch eine neuartige Elektrotherapie sowie die Hilfe seines damaligen Freundes Pete Townshend kam er von der Sucht los. Es dauerte aber nicht lange, da ersetzte Clapton die Heroinsucht durch die Sucht nach Alkohol, Kokain und Tabletten. Der Musiker verbrachte Jahre im Kampf gegen die Sucht. Mehrmals versuchte er, trocken zu werden.
Nach der ersten Entziehungskur 1979 erlitt er einen Rückfall. Ein zweiter Entzugsklinikaufenthalt veranlasste ihn später, auf der Karibikinsel Antigua das Rehabilitationszentrum Crossroads Centre zu gründen. Erst mit der Geburt seines Sohnes Conor gelang Eric Clapton 1987 der Alkoholentzug. «Irgendwie hatte ich das unglaubliche Gefühl, zum ersten Mal etwas wirklich Reales zu erleben», erinnert sich Eric Clapton an Conors Geburt. Im Rückblick auf seine Sucht meinte der Star: «Ich weiss nicht, wie ich überlebt habe. Aus irgendeinem Grund wurde ich aus den Klauen der Hölle geholt und bekam eine neue Chance.» Seine Familie gibt ihm bis heute Halt, sodass er seinem ungebrochenen Bedürfnis nach Alkohol nicht mehr nachgibt. «Ich weiss, wenn ich meine Nüchternheit nicht ganz oben auf die Prioritätenliste setze, werde ich alles verlieren.»
«Es funktioniert»
Auch etwas anderes gab und gibt Eric Clapton die Kraft, um nicht mehr der Sucht zu verfallen: sein Glaube an Gott. Im Umfeld der Anglikanischen Kirche aufgewachsen, verspürte Eric Clapton schon früh eine «starke Neugier» auf spirituelle Dinge. Als Schlüsselerlebnis bezeichnet er eine Begegnung mit zwei Christen, die ihn 1969 nach einem Konzert in seiner Garderobe besuchten. Bei einem gemeinsamen Gebet sah Eric Clapton «ein blendendes Licht» und spürte Gottes Gegenwart. Danach bezeichnete er sich öffentlich als «wiedergeborenen Christen». Wirklich zum Glauben fand er in seinen dunkelsten Zeiten, während eines Aufenthalts in einer Entzugsklinik. Vor der Entlassung sei er voller Angst auf die Knie gesunken und habe um Hilfe gefleht. «Ich hatte keinen Begriff davon, mit wem ich da redete. Ich wusste nur, dass ich mit meiner Kraft am Ende war und den Kampf verloren gegeben hatte.» Durch diese Kapitulation vor Gott veränderte sich Claptons Lebenseinstellung. «Ich hatte einen Ort gefunden, an den ich mich wenden konnte, einen Ort, von dem ich immer gewusst hatte, dass es ihn gab, an den ich aber nie wirklich hatte glauben wollen.» Seither betet Eric Clapton jeden Tag. Auf die Frage nach dem Warum antwortet er: «Weil es funktioniert!»
Netzfund
Der amerikanische Stand-up-Comedian und Podcaster Theo Von spricht mit dem Psychologen Jordan Peterson über seine Genesung von der Alkoholsucht durch die Teilnahme bei den Anonymen Alkoholikern und seine Entdeckung des Glaubens an Gott.
-> zumVideo (auf Englisch)
Quelle: Blaues Kreuz 6/2021