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Baumeister in Schussenried
Im Stafflanger Taufregister ist am 16. Juli 1707 (?) Jacobus als Sohn des Mathäus Emele und der Maria Heppin eingetragen. Stafflangen, eine kleine Gemeinde von kaum damals 500 Einwohner, liegt im Herrschaftsgebiet des Klosters Schussenried. Klosterbaumeister ist zu dieser Zeit der Vorarlberger Michael Moor II (1682−1732). Moor setzt 1721−1722 die Kirche in Stafflangen instand und baut anschliessend die neuen Pfarrkirchen der Klosterpfarreien Eggmannsried, Attenweiler und Untereggatsweiler. Bei ihm geht Jakob Emele in die Lehre.[1]
Aus Ropperstweiler, einem noch kleineren Dorf der Klosterherrschaft gleich nördlich der Abtei, stammt die Tochter eines Maurermeisters, Katharina Schwärzler, die der erst 22-jährige Jakob Emele 1729 heiratet. Zu dieser Zeit arbeitet er als Maurergeselle beim Wessobrunner Palier Johann Michael Köpf[2] auf der Baustelle der Wallfahrtskirche Steinhausen. Hier lernt er die Arbeitsweise der Wessobrunner Baumeister und Stuckateure kennen, die in grosser Zahl unter der Leitung von Köpf auf dieser Baustelle arbeiten. 1730 kauft sich Jakob Emele in die Schussenriedener Zunft ein und ist bereits 1738 «Zunfftmeister und Maurermeister zu Ropportsweiler». Er hat damit im Dorf seiner Ehefrau Wohnsitz. Emele bildet nun selber Lehrlinge aus, der berühmteste ist Januarius Zick,[3] der 1748 lediggesprochen wird.
Nach dem Tod seines Lehrmeisters, des Klosterbaumeisters Michael Moor, wird Jakob Emele von Abt Siard Frick als Baumeister beigezogen. 1735 wird ihm der Neubau des Schussenriedener Hofes in Hagnau am Bodensee zugeschrieben. Sein erstes dokumentiertes Werk ist der 1739−1741 erbaute Pfarrhof von Eberhardszell. Pfarrherr ist hier Magnus Kleber, der 1750 zum Abt gewählt wird. Im gleichen Jahr wird Jakob Emele offiziell Klosterbaumeister. Er baut in Muttensweiler die neue Pfarrkirche und übernimmt noch 1750 den grossen Klosterneubau nach der Planung von Dominik Zimmermann. 1754 sind Ost- und Nordflügel im Rohbau errichtet. 1754 wird Jakob Emele zum Wiederaufbau des Schlosses von Tettnang gerufen, ein Brand hat das von Baumeister P. Christoph Gessinger erst 1712 erbaute Schloss zerstört. 1758 plant er einen Neubau für das Kloster Petershausen und liefert auch ein Modell. Die Bezahlung von 500 Gulden deutet auf einen grossen Auftrag hin. Die Planung ist heute nicht mehr erhalten. 1758−1767 kann er in Stafflangen den Kirchturm und das Pfarrhaus neu bauen. Nun wird Emele auch vermehrt als Gutachter beigezogen, so in Biberach oder im Stift Waldsee, wo er 1765−1768 die doppeltürmige Westfassade der Stiftskirche baut.[4] 1777−1779 baut er die Pfarrkirche von Otterswang.
Jakob Emele stirbt im Alter von 73 Jahren am 8. August 1780 in Roppertsweiler.
Er muss in die grosse Reihe der regional tätigen selbstständigen Baumeister eingestuft werden, die durchaus beachtliche schöpferische Leistungen vollbringen können, ohne aber in der Kunstgeschichte eine bedeutende Rolle zu spielen. Sein heutiger Bekanntheitsgrad beruht auf der Ausführung der Kloster-Neubauten in Schussenried, auf der Wiederherstellung des Tettnanger Schlosses und auf der Doppelturmfassade der Stiftskirche von Wurzach. Nur gerade die Wurzacher Doppelturmfassade beruht auf seiner Planung, vielleicht sogar auf einem früheren Entwurf des jungen Bagnato. Schussenried und Tettnang sind Entwürfe anderer Meister. Die schmälert aber seine eigenständige Leistung beim Bau der zwei Dorfkirchen und der vielen Pfarrhöfe nicht. Sie sind solides barockes Baumeisterhandwerk.
Pius Bieri 2009
Benutzte Literatur:
Kasper, Alfons: Das Prämonstratenser-Stift Schussenried, Teil 1 und 2, Schussenried 1960.
Beck, Otto und Buck, Ingebog Maria: Oberschwäbische Barockstrasse, Regensburg 1997.
Anmerkungen:
[2] Im Wikipedia-Beitrag wird Köpf (auch Käpf) irrtümlich als Vorarlberger bezeichnet.
[3] Mit dem Vater, dem Maler Johann Zick, der 1745 die Gewölbe der Schussenriedener Stiftskirche freskiert, vereinbart Jakob Emele im Lehrvertrag Unterrichtung in der «Reüsskunst». Dies irritiert, denn das Zeichnen von Planrissen wird vom Baumeister erwartet. Ob mit der Reisskunst die perspektivische Darstellung gemeint ist?
[4] Gemäss Alfons Kaspar wird am 17. August 1757, nach dem Turmeinsturz in Biberach, Jakob Emele nebst dem Baumeister Bagnato als Gutachter beigezogen. Bei Bagnato kann nur der 26-jährige Sohn Franz Anton gemeint sein, da der berühmte Ordensbaumeister Johann Caspar Bagnato zu diesem Zeitpunkt schon verstorben ist.
|Jakob Emele (1707–1780)|
|Biografische Daten|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land|
|13. Juli 1707||Stafflangen (Biberach)||Baden-Württemberg D|
|Land 18.Jh.||Bistum 18.Jh.|
|Herrschaft Reichsabtei Schussenried||Konstanz|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land|
|8. August 1780||Ropperstweiler Bad Schussenried||Baden-Württemberg D|
|Land 18. Jh.||Bistum 18. Jh.|
|Herrschaft Reichsabtei Schussenried||Konstanz|
|Kurzbiografie|
|Der Schussenriedener Klosterbaumeister Jakob Emele ist ein regional tätiger und gesuchter Baumeister-Architekt. Seine Ausbildung bei Vorarlberger Baumeistern und Wessobrunner Stuckateuren befähigen ihn zu eigenständigen schöpferischen Leistungen, wie vor allem seine Pfarrhof- und Kirchenbauten in der Klosterherrschaft zeigen. Obwohl das Konzept des Klosterneubaus von Schussenried auf Dominikus Zimmermann zurückgeht, geht die ausgeführte Architektur auf die Planung von Jakob Emele zurück. Die Wertschätzung seiner schöpferischen Tätigkeit zeigt sich auch im Beizug für die Neubauplanungen der Abtei Petershausen, welche allerdings nicht mehr erhalten sind.|