Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03264.jsonl.gz/2151

1) Silvan Riedeners Passion für die Schifffahrt kommt nicht von ungefähr. Sein Vater ist bei der Seepolizei Thurgau tätig. Schon als Jugendlicher kaufte sich Silvan ein eigenes Boot und machte die Motorbootsprüfung. Nach erfolgreicher Schreinerausbildung kam er vor vier Jahren, zwei Jahre später als seine heutige Lebenspartnern Manuela Umiker, als Saisonnier zur SBS. Seit dem Umbau der „St. Gallen“ hat er nun eine Festanstellung, fährt im Sommer auf den Schiffen und arbeitet im Winter in der Werft.
2) Seit über 160 Jahren betreiben Schweizer die Schifffahrt auf dem Bodensee. 1853 als «Schweizerische Nordostbahn-Gesellschaft» (NOB) gegründet, transportierte das Unternehmen in den ersten Betriebsjahren neben Passagieren vor allem Züge über den Bodensee. Im Jahr 1902 übernahmen die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) die Firma. Seit dem Jahr 2007 besitzt eine private Investorengruppe das Unternehmen und heisst neu «Schweizerische Bodensee-Schifffahrt» SBS. 2014 wurde die sanierte und erweiterte Werft in Romanshorn in Betrieb genommen. Es folgten weitere Projekte wie die neue Hafenplattform mit Restaurant in Romanshorn oder die Komplettsanierung vom MS Säntis und MS St. Gallen. Die SBS betreibet heute eine Flotte von sieben Ausflugsschiffen und teilt sich mit der der Deutschen Bodensee-Schiffsbetriebe GmbH den Fährbetrieb zwischen Romanshorn und Friedrichshafen.
3) Innengestaltung: Verena Huber / Mitarbeit: Eliane Schilliger / Künstlerischer Schmuck: Rosmarie Vogt-Rippmann / Stühle: Bruno Rey / Beleuchtung: Charles Keller. Bei der Medienorientierung der SBB betonte Jakob Rutschmann, stv. Direktor der Kreisdirektion III am 10. Mai 1991: «Vor zwei Jahren zeigten wir das renovierte MS Zürich, liebevoll und gekonnt in ein Schiff mit einem Hauch der Dreissigerjahre verwandelt. … In den Wänden und Decken der Innenräume wurden Elemente aus der Bauzeit 1932 fachgerecht aufgearbeitet.»
4) Verena Huber hat sich einen guten Ruf erarbeitet und wurde für ihre Werke mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem «Schweizer Grand Prix Design» vom Bundesamt für Kultur. Sie war übrigens auch bei der Gestaltung der drei Schiffe der Albis-Klasse auf dem Zürichsee verantwortlich (Fertigstellung 1997). Verena Huber dazu: «Leider war die äussere Form bereits bestimmt, als wir mit der Innenarchitektur begannen. Wir arbeiteten eng mit der Bodanwerft am Bodensee zusammen. Der Treppenturm symbolisiert einen Schiffskamin.»
5) Die SBS hat ein turbulentes Jahr hinter sich. Umso erstaunlicher, dass das Fest ‚90-Jahre MS Thurgau‘ trotzdem zustande gekommen ist. Silvan Riedener dazu: „Da das Fest nur indirekt etwas mit der SBS zu tun hatte und wir als gewöhnlicher Charterkunde gehandhabt wurden, spielten die Begleitumstände keine Rolle. Wir waren hinsichtlich des Festes und der Schiffsmiete Privatkunden.»
Noch im alten Jahr hatte die Fähre Romanshorn einen Motorenschaden, dessen Reparatur sich ins ganze erste Quartal 2022 hinzog. Ab dem 16. Dezember 2021 musste das Schiff in die Werft. Wegen fehlender Ersatzteile dauerten die Reparaturarbeiten der Fähre Romanshorn bis Ende März 2022. Gleichzeitig standen unaufschiebbare Revisionsarbeiten an der Fähre Euregia an. Aus diesem Grunde musste der Fährenkurs von Montag, 28. Februar 2022 bis Freitag, 1. April 2022 angepasst werden, doch der Personen- und Veloverkehr war einmal mehr durch den Einsatz des Kursschiffs Thurgau gewährleistet. Die Fähre Friedrichshafen stellte den Autotransport alle zwei Stunden sicher.
Auf den 31. Dezember 2021 trat Erich Hefti, Oberkapitän, Leiter Nautik und Werft und Mitglied der Geschäftsleitung der SBS, nach 40 Jahren vorzeitig in den Ruhestand. Am 28. Dezember 2021 fuhr er die letzte Tour als Oberkapitän mit der Fähre von Romanshorn nach Friedrichshafen und zurück. Mit dem Abgang von Erich Hefti ging bei der Bodensee-Schifffahrt eine Ära zu Ende. Sein Nachfolger ist Silvan Paganini.
Im April 2022 kündigte Andrea Ruf, CEO der SBS, ihren Job, dies offenbar nicht ganz freiwillig. Denn im Medienkommuniqué des Verwaltungsrates der SBS heisst es: «Aufgrund unterschiedlicher Auffassungen zur Unternehmensführung in der jetzigen Situation hat unsere langjährige Geschäftsführerin Andrea Ruf ihr Arbeitsverhältnis gekündigt». Der Vizepräsident des Verwaltungsrates, Benno Gmür, übernimmt die operative Leitung, bis mit einem Assessmentverfahren eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger gefunden wird. Andrea Ruf war zehn Jahre lang Geschäftsführerin der SBS und hat mit der grossen Renovation der Werft und den Erneuerungen der Einheiten Säntis und St. Gallen sowie dem Bau der tollen Plattform mit den neuen Schiffsanlegestellen einen beachtlichen Leistungskatalog auszuweisen.
Als Folge der finanziell schwierigen Coronajahre 2020 und 2021 und vermutlich bedingt durch die erwähnten, personellen Mutationen, kündigte die SBS schliesslich im September 2022 an, den Kursverkehr im kommenden Jahr um 15 % zu kürzen. Während die Verbindungen zwischen Kreuzlingen und Meersburg/Insel Mainau bleiben, fallen die direkten Längsverbindungen am Schweizer Ufer praktisch weg. Dafür bietet die SBS täglich zwei Kurspaare zwischen Romanshorn und Langenargen (resp. Rorschach und Langenargen) an sowie einen neuen Kurs nach Bregenz an.
6) Obwohl die über 60-jährigen Langsamläufer der SLM faszinieren, sind doch die Tage dieser Motoren für den täglichen Gebrauch nicht nur wegen fehlender Ersatzteile, sondern wohl auch aus energie-politischen Gründen gezählt. Jeder der sechs Zylinder pro Motor hat einen Hubraum von 14,8 Litern; sie leisten 220 kW. Ein neuer Motor mit der gleichen Leistung hat 13 Liter, aber für alle vier Zylinder zusammen… Verbraucht der SLM-Motor 55 bis 60 Liter Diesel pro Stunde, liegt der Verbrauch eines neuen, gleich starken Motors um einiges tiefer. Die «Thurgau» besitzt zwei Dieseltanks mit je 3 500 l Fassungsvermögen, was im Kursbetrieb etwa für eine Woche reicht.