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Der deutsche Bahnpionier Carl von Etzel hat die Schweiz vor rund 160 Jahren zum Eisenbahnland gemacht. Auch das Viadukt von Rümlingen entstand unter seiner Oberaufsicht.
Ingenieure geraten nach ihrem Tod meist rasch in Vergessenheit, und oft kennt das breite Publikum ihren Namen nicht einmal zu Lebzeiten. Dies, obwohl die Welt ohne sie und ihre Kunst nicht das wäre, was sie heute ist. Der Eisenbahningenieur Carl von Etzel ist keine Ausnahme von dieser Regel.
Carl von Etzel wurde am 6. Januar 1812 in Stuttgart geboren. Sein Vater, Oberbaurat Eberhard von Etzel, hätte es gerne gesehen, wenn sein Sohn Theologie studiert hätte und Pfarrer geworden wäre. Nach reiflicher Überlegung kam Carl aber zum Schluss, lieber Baumeister zu werden und sich an der Gewerbeschule Stuttgart zum Architekten ausbilden zu lassen.
Nach Abschluss seines Studiums ging von Etzel nach Paris, um dort seine praktischen Kenntnisse zu erweitern. In der französischen Hauptstadt erlebte er den Anbruch des Eisenbahnzeitalters aus nächster Nähe. In den Jahren 1836 und 1837 arbeitete er im Büro des französischen Eisenbahnpioniers Benoît Paul Émile Clapeyron (1799–1864). Dieser baute damals eben die zwei Eisenbahnen Paris–Saint-Germain und Paris–Versailles.
Oberbaurat der württembergischen Bahnen
Während seiner Pariser Zeit unternahm von Etzel auch eine Studienreise nach Grossbritannien, jenem Land, dem im Bahnbau die Vorreiterrolle zukam, nachdem 1825 mit der Stockton and Darlington Railway die erste öffentliche Eisenbahn den Betrieb aufgenommen hatte.
Auch in Württemberg, der Heimat Carl von Etzels, zeigte man früh Interesse an dem neuen Transportmittel. Bereits 1830 wurde dort von König Wilhelm I. eine Eisenbahnkommission eingesetzt. Nach einer längeren Planungsphase beschloss die württembergische Ständeversammlung am 22. März 1843, die geplanten Eisenbahnen auf Staatskosten zu bauen.
Zur Ausführung des Vorhabens wurde am 16. August desselben Jahres Carl von Etzel im Rang eines Oberbaurats berufen. Für diesen Posten hatte er sich durch eine Reihe von Artikeln in der «Allgemeinen Bauzeitung» empfohlen. Seinem Renommee als Eisenbahnfachmann war sicher auch die 1843 von ihm mitgegründete «Eisenbahnzeitung» förderlich.
Oberingenieur der Schweizerischen Centralbahn
Bald war Carl von Etzel auch in der Schweiz ein gefragter Mann. 1846 war er zusammen mit dem Inspektor der österreichischen Staatseisenbahnen Negrelli und Regierungsrat Pauli von Nürnberg als Berater für den Bau einer Bahn von Rorschach und St. Gallen nach Wil tätig. Und 1852 sicherte sich die Schweizerische Centralbahn seine Dienste als Oberingenieur.
Ziel der Bahngesellschaft war der Bau einer Bahnlinie von Basel nach Olten und von dort nach Aarau. Weitere Linien sollten nach Bern und Solothurn sowie Luzern führen. Damit wurde das beschauliche Städtchen Olten zu einem zentralen Verkehrsknotenpunkt der Schweiz.
Diese Inschrift ist der einzige Hinweis auf Carl von Etzels Wirken in Baselland. (Bild: Martin Stohler)
Von Etzel teilte die einzelnen Bauabschnitte zehn Sektionen zu, für die jeweils ein Ingenieur zuständig war, während er selbst als Oberingenieur des Unternehmens amtete. An Letzteres erinnert im Homburgertal zwischen Buckten und Rümlingen eine einfache in eine Felswand gemeisselte Inschrift. Sie ist meines Wissens der einzige Hinweis auf Carl von Etzels Wirken in Baselland.
Der Streckenabschnitt von Sissach nach Olten durch das Homburgertal und unter dem Hauenstein hindurch sollte sich – nicht unerwartet – als die grösste Herausforderung für Planer und Bauarbeiter erweisen. So musste bei Rümlingen das Häfelfingertal mit einem imposanten Viadukt von 127,5 Metern Länge überbrückt werden. Und beim Bau des Hauensteintunnels zwischen Läufelfingen und Trimbach kam es am 18. Mai 1857 zu einem schlimmen Unglück, bei dem 63 Arbeiter das Leben verloren.
Das Viadukt des «Läufelfingerli» bei Rümlingen. (Bild: Markus Stücklin)
Erbauer der Brennerbahn
Schliesslich konnte die Linie Sissach–Olten im Mai 1858 in Betrieb genommen werden, nachdem die Strecke Basel–Sissach bereits früher eingeweiht worden war.
Carl von Etzel wirkte fortan in Österreich-Ungarn. Bereits 1857 war er zum Direktor der Orientbahn ernannt worden. Im Jahr 1863 begann er für die private k. u. k. Südbahngesellschaft den Bau der Brennerbahn. Deren Eröffnung im Jahr 1867 erlebte er allerdings nicht mehr.
Am 2. Mai 1865 erlag er einem Schlaganfall.
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Angela Jursitzka, Helmut Pawelka: «Carl von Etzel – Ein Leben für die Eisenbahn», Tyrolia, Innsbruck/Wien 2017.