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Diese sehr kurz gehaltene Buchempfehlung beginnt mit einer - im Gegensatz zu Torsten Sträters Schrift - eher humorlosen, trockenen, tendenziell theoretischen Überlegung. Da müssen Sie jetzt durch, wollen Sie bis zum Ende lesen.
Der Verfasser lässt sich im Autorenhinweis seines Werkes "Du kannst alles lassen, Du musst es nur wollen" als "zu den beliebtesten Komikern und Kabarettisten des Landes" zählende Person bejubeln. Das ist marketingtechnisch seitens des Verlages sicherlich clever; es findet eine erfolgversprechende Diversifizierung der Zielgruppen statt: Diejenigen, die Kabarret mögen und solche, welche dem Comedy/Comedian-Zeitgeist verfallen sind. Aber kann ein Typ wie Sträter alles sein? Und das gleichzeitig? Ist die Bezeichnung Komiker für einen Kabarettisten nicht gar eine Beleidigung? Oder gilt das nur im Vergleich mit Comedians?
Als Kabarettist stellt man, so gängige Vorstellungen, nicht seine eigene Person in den Vordergrund, sondern politisch-gesellschaftliche Themen in kritischer Perspektive (s. u. a. Vogel: Fiktionskulisse. Poetik und Geschichte des Kabaretts, Paderborn 1993). Macht das Herr Sträter eigentlich? Als wahrscheinlich herausragendste Beispiele kabarettistischer Persönlichkeiten in der BRD dürfen Dieter Hildebrandt, Hanns Dieter Hüsch oder Gerhard Polt gelten. Zwei sind schon tot. Eine gewiss nicht einfach zu nehmende Hürde. (Nicht das mit dem Verstorbensein!) Oder eher Ansporn? (Nicht das mit dem Versterben!) Es stellt sich also nochmals die eingehende Frage: Gehört Torsten Sträter zu den Kabarettisten, den Komikern oder gar den Comedians? Mir käme als Antwort die in Worte zu fassende Hoffnung in den Sinn: Er könnte sich zum ersteren entwickeln - wenn er denn wollte. Dazu ist er aber wohl zu stolz: Herkunft Ruhrgebiet.
Dieser Diskurs interessiert jetzt eher gar nicht? Ok. Im Grunde mag er auch weitgehend überflüssiger, nämlich akademischer Natur sein.
Zum Buch: Es umfasst 284 Seiten, welche in neun Teile geteilt sind. Traf man gewollt oder per Zufall bereits im noch real existierenden Fernsehen auf den Autor, so wird einem das eine oder andere bekannt sein. Ließen wir die obige Diskussion beiseite, in welche Kategorie man den alles andere als langweiligen Verfasser des genannten Buches nunmehr einzuordnen geneigt ist, so ist allerdings festzustellen: Lustich isser! Dafür spricht nicht alleine seine Herkunft, das bereits erwähnte Ruhrgebiet. Auch wenn er aus Dortmund stammt. Vielmehr (ach was?) sind es Sträters Inhalte. Zum größten Teil paaren sich Humor und Alltag. Kann nichts Gutes bei rauskommen? Doch! Diese Kombination passt zu vielen Lebensbereichen von Menschen nicht abgehobener Herkunft. Also zu denen aus dem Pott sowie allen anderen Realisten außerhalb der bourgeoisen Selbstverliebtheit.
Was gerade in diesem Kontext für den Autor spricht, ist seine Authentizität. Seine Erzählungen sind gleichermaßen passgenau zu seinem Ursprung als auch seiner politisch nicht reaktionären Einstellung. Dabei stossen wir wieder auf die schwer zu widerlegende These, dass eigentlich alles politisch sei - primär auch der Alltag. Nur nicht so richtig halt. Dass Sträter den Faschistenlumpis der AfD ablehnend gegenüber steht, was eine Selbstverständlichkeit sein sollte, sei ebenfalls positiv erwähnt.
Bevor nunmehr mittels einiger Beispiele des meines Erachtens (das wird Torsten Sträter möglicherweise als geschäftsschädigend sehen) vielfach gelungenen Humors des Autors den Lesern dieser Zeilen nahezubringen versucht wird, sei zuvor kritisch erwähnt, dass die Struktur des Buches leider von einer gewissen Unstrukturiertheit zeugt. Dialektik des Widerspruchs? Macht aber eigentlich auch nix.
Nunmehr folgen einige Textzeilen besagten Verfassers, mit denen sich der Leser, ggf. auch die Leserin, ein eigenes Bild des humoresken Talents Sträters zu machen vermag:
"Sie können jedes, aber auch wirklich jedes Gespräch bestreiten, wenn Sie lediglich diese vier Sätze einstreuen:
1. Das würde ich jetzt mal so stehen lassen.
2. Du hast aber so ein Talent.
3. Dafür müssen Sie sich nicht schämen.
Das ist alles, was Sie brauchen. Und bei allem anderen antworten Sie: Blödsinn.
Ich zum Beispiel bin neulich gefragt worden: 'Sach mal, hast du jetzt Schilddrüsenunter- oder nicht unter, also Überfunktion?' Ich antwortete: 'Umluft'. So was gibt Raum für tiefe Gedanken." (S. 88-89)
Tips für einen gelungenen Smalltalk.
Ein weiteres Beispiel aus dem Buch:
"Du musst deine Komfortzone verlassen. Ein gern genutzter Ausruf von Leuten, die dir persönliches Wachstum an den Hals wünschen. ... Warum? Warum muss ich es möglichst unkomfortabel haben, um etwas zu lernen ...? ... Das ist meist ein Kommando von Dritten." (S. 122).
Stimmt auch irgendwie!
Abschließend sei eine weitere Redewendung erwähnt, auf die Sträter zu Recht vernichtend eingeht:
"Da könnt ich mich reinsetzen! Das sagen Menschen, die generell einen verabscheuungswürdigen Sprachgebrauch in Verbindung mit Speisen an den Tag legen. ... Wenn ich das schon höre: 'Boah, Krautsalat - da könnt ich mich reinsetzen!' Nein, könntest Du nicht! Willst Du vielleicht, warum auch immer, aber selbst Krautsalat ist ja ... eher für den Verzehr gedacht als für dein sesselwarmes Sitzfleisch." (S. 123-124).
Letztendlich darf das kurzweilige Buch von Torsten Sträter zwecks Unterhaltung als durchaus empfehlenswert gelten. Ob nun als Kabarettist oder Comedian - Hauptsache keinen Humor à la der zuletzt zu erwähnenden Gestalt des geistigen Baumrückschnittes:
"Es sind meist nur drei Worte, die wir hören, bevor etwas Schlimmes passiert: zum Beispiel:
Links ist frei!
Der rote Draht!
Hugo Egon Balder!" (S. 55).
In diesem Sinne: Viel Freude bei der Lektüre!