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7. März 1954: In Stockholm beginnt mit dem Spiel Kanada gegen die Sowjetunion die Geschichte des modernen Eishockeys. Vom Debakel der Kanadier und wie sich Paul Henderson am Seriensieger UdSSR rächte.
Die Sowjets besiegen am letzten Spieltag der Eishockey-WM 1954 Kanada mit 7:2 und holen bei ihrer ersten WM-Teilnahme gleich den ersten Titel. Bis zur WM 1954 beherrschen die Kanadier das internationale Hockey. Sie haben bis dahin an WM- und Olympia-Turnieren nur zwei Partien verloren: Bei der WM 1933 gegen die USA und beim Olympiaturnier 1936 gegen Grossbritannien. Dabei spielten nicht einmal die besten Spieler im Nationalteam: Die Kanadier schickten jeweils ein Amateurteam zur WM und zu den Olympischen Spielen.
1954 ist es das Team der East York Lindhurst Motors. Die NHL-Profis sollten erst ab 1977 zur WM und ab 1998 zum Olympischen Turnier zugelassen sein. Die Kanadier gelten 1954 als haushohe Favoriten.
1953 haben sie die WM in der Schweiz nicht bestritten, doch nun sind sie wieder da: In den sechs ersten WM-Partien brausen sie über ihre Gegner hinweg. 8:0 über Titelverteidiger Schweden, 5:2 über die Tschechoslowakei, 8:1 über Deutschland, 20:1 über Finnland, 8:1 über die Schweiz und 8:2 über Norwegen. Sechs Siege, 57:5 Tore. Nun brauchen die Kanadier am Schlusstag gegen die Sowjets nur noch ein Unentschieden zum Titelgewinn.
Die Sowjets sorgen ebenfalls für Aufsehen. Zum ersten Mal nehmen sie an einer WM teil. Sie sind sehr gut vorbereitet. Zwischen 1949 und 1953 tragen sie 25 Testspiele gegen Polen, die Tschechoslowakei, Deutschland und Norwegen aus und gewinnen bis auf ein 1:1 am 1. April 1952 in Ostrava gegen die Tschechoslowakei alle. Die Sowjets überstehen die ersten sechs WM-Partien ohne Niederlage: Sie siegen gegen Norwegen (7:0), Finnland (7:1), Deutschland (6:2), die Schweiz (4:2), und die Tschechoslowakei (5:2). Gegen Schweden reicht es nur zu einem 1:1.
Sie brauchen also gegen die Kanadier im letzten Spiel einen Sieg – und das scheint eigentlich unmöglich. Die Schweizer haben beim 2:4 gegen die Russen ihr bestes WM-Spiel gezeigt und kassieren den vierten Treffer erst 50 Sekunden vor Schluss, als sie auf den Ausgleich drücken. Am Ende reicht es bei zwei Remis (gegen Deutschland und Finnland) und sechs Niederlagen allerdings nur zum zweitletzten Platz.
In einer der denkwürdigsten Partien der Hockeygeschichte besiegen die Sowjets am 7. März vor 16'000 Zuschauern in Stockholm die Kanadier 7:2 und holen ihren ersten Titel. Sie führen bereits nach dem ersten Drittel 4:0, nach zwei Dritteln steht es 7:1 und das gewonnene Schlussdrittel (1:0) ist für die Kanadier nur ein schwacher Trost.
Die Sowjets revolutionieren das Eishockey. Sie zelebrieren ein für die damalige Zeit neuartiges, auf Schnelligkeit und Technik basierendes, beinahe körperloses Hockey in einer bis dahin nie gesehenen Perfektion. Es ist eine Sinfonie aus Tempo, Beweglichkeit, Präzision, Kombinationsspiel und Torschusstechnik. Selbst mit Härte sind diese Zauberer nicht aus der Fassung zu bringen. Und dazu kommt eine klare konditionelle Überlegenheit.
Die Niederlage löst in Kanada einen Schock und einen Sturm der Polemik aus. Sogar das Parlament befasst sich mit der WM in Stockholm. Zwar gelingt 1955 in Deutschland umgehend die Revanche. Mit einem sorgfältig ausgewählten und verstärkten Amateurteam (den Penticton Vees) besiegen die Kanadier im WM-Schlusspiel die Sowjets 5:0. Aber niemand ahnt, dass die Kanadier bis zur Auflösung der Sowjetunion nur noch dreimal (1958, 1959 und 1961) die WM gewinnen sollen.
Fortan dominiert die Nationalmannschaft der UdSSR das internationale Hockey fast nach Belieben und gewinnt die WM 1956, 1963, 1964, 1965, 1966, 1967, 1968, 1969, 1970, 1971, 1973, 1974, 1975, 1978, 1979, 1981, 1982, 1983, 1986,1989 und 1990.
Am 2. September 1972 wird daraus die grösste Rivalität in der Geschichte des Eishockeys: Jene zwischen den kanadischen NHL-Profis und den Sowjets. Zwischen den politischen Systemen Kommunismus und Kapitalismus. An diesem historischem Tag treten die kanadischen NHL-Profis zum ersten Mal gegen den «Amateur-Weltmeister» aus der UdSSR an.
Die Sowjets gewinnen die erste Partie von einer Serie über acht Spiele gleich mit 7:3. Es ist bis heute eine der schlimmsten Niederlagen in der internationalen Geschichte des kanadischen Sportes überhaupt. Vor dem achten Spiel dieser «Summit Series 1972» müssen die Kanadier die letzte Partie gewinnen.
Am 28. September 1972 kommt es in Moskau zur einer der dramatischsten Partien der Hockeygeschichte. Nach dem ersten Drittel steht es 2:2. Nach dem zweiten Drittel führt die UdSSR mit 5:3, doch den Kanadiern gelingt im Schlussdrittel der Ausgleich.
34 Sekunden vor Ende der Partie erzielte Paul Henderson den Siegtreffer für Kanada. Damit hat Kanada in der Endabrechnung die «Summit Series 1972» doch noch knapp für sich entschieden. Kanadas Ehre ist gerettet und Paul Henderson ist seither ein Nationalheld.