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GwattZum Dorf Gwatt gehören die Weiler, Orte und Höfe: Gwattgut, Bellerive, Engi, Gstüd, Station, Gwattegg, Strättligut, Hintergut, Gwattstutz, Hütten, Kumm, Steinhaufen, Strättlighügel, Vogelsang, Obermatt.
1764 bestand Gwatt aus 24 Gütern und einem Pulverturm (Ruine Strättligen). 1838 wuchs der Ort auf 46 Höfe an, und 1910 waren es schon 76.
Darunter war das Gwattgut mit Landsitz (Bellerive), das Strättliggut mit Landsitz (heute abgebrochen), eine Wirtschaft mit Gerichtsstube («Lamm»), zwei Mühlen (eine auf Spiezer Boden in Obergwatt), eine «Ribi» und «Stampfe» sowie eine Ziegelhütte (Ziegelei). In der Wirtschaft zum Lamm waren auch eine Metzgerei und eine Bäckerei. Neben dem «Lamm» in der Gartenwirtschaft befand sich jahrelang eine Schmiede und gegenüber an der Stationsstrasse, die früher Gwatt- und Allmendingenstrasse hiess, eine Wagnerei. Gegenüber an der Gwattstrasse steht heute noch eine Dorfschmiede, die seit Generationen von der Familie Wenger geführt wird. Ihren Namen erhielt die Wirtschaft «Lamm» von den Schafherden, die vor der Eröffnung der Bahn (1893) in «Färichen» neben dem Wirtshaus nächtigten, wenn sie auf die Alpweiden zogen. Vorher hiess die Wirtschaft «Weisses Kreuz». In der «Engi» an der Gwattstrasse bestand eine Nagelschmiede und im «Lamm» in der Gaststube an einem Schreibsekretär die erste Post von Strättligen. 1822 wurde sie in das Haus verlegt, das gegenüber dem «Rössli» stand. Es wurde, wie so viele Häuser in Gwatt, wegen der Verbreiterung der Gwattstrasse abgerissen. Ende des 19. Jahrhunderts kam die Post wieder ins «Lamm» zurück, bis dann neben dem «Kisslinghaus», im Haus Bähler, ein Postbüro eingebaut wurde.
Im Restaurant Rössli befand sich ein «Tuchladen». Im Obergwatt, wie das Spiezer Gwatt genannt wurde, gab es eine Schleiferei und eine Silberschmelze. So stellte Gwatt den eigentlichen Gewerbeort von Strättligen dar, der sich 1919 mit dem Bau der Walzwerkfabrik «Laminoir» und der Firma Nobs zum eigentlichen Industrieort von Strättligen entwickelte. Am unteren Teil des Grenzweges stand bis 1980 ein Brunnen mit einem besonderen Wasser, das früher zu Heilzwecken verwendet wurde. Vermutlich hatte es dieselbe Zusammensetzung wie das der Quelle für das Bad «Glütsch» in Zwieselberg.
Einige Funde in der Umgebung des uralten Oberlandweges und der Burg Strättligen lassen darauf schliessen, dass die Umgebung von Gwatt, am und auf dem Strättlig-hügel, in vor Überschwemmungen sicherer Lage über der Sumpflandschaft, schon seit der Bronzezeit bewohnt war.
Der Name Gwatt stammt von «Wat», was «Sumpflandschaft» oder allgemein eine Furt (passierbare Stelle) im Sumpfland bedeutet und auf ein ehemaliges Fluss- oder Seebett hinweisen kann. Der Ort wurde bis in die 1940er Jahre oft überschwemmt, weshalb es in der Umgebung viel Sumpfland gab und noch gibt. Nach der Strättliger Chronik hiess das Moos um Gwatt herum «Höllenmoos». Man war auf alle Fälle gezwungen, durch Sumpf zu «waten». Es war also ein Ort, wo «gewatet» werden musste. Unter «Wat» oder «Watt» ist ein einzelnes Sumpflandstück zu verstehen. Die Vorsilbe «Ge» in Gwatt bezeichnet eine Ansammlung von einzelnen Sumpfland-parzellen zu einem grösseren Stück Sumpfland. Aus Ge-Watt entstand, wie erwähnt, Gwatt. Das Gwattlischenmoos erinnert noch an den Ursprung des Namens. Gwatt wird erstmals 1296 in einer Urkunde erwähnt. Am 4. April 1296 nahm der Bischof von Sitten Burgrecht zu Bern und verband sich mit dem Grafen von Visp, um den Bernern gegen die Herren von Weissenburg, von Wädiswil und von Raron beizustehen, und zwar «vom Walliser Gebirge bis ins Gwatt (Wat) bei Strättligen».
Dass Spiez, der letzte Sitz der Herren von Strättligen, noch sehr lange in Strättligen gewisse Rechte besass, beweist die Tatsache, dass die Zehnten für den Rebberg auf der Gwattegg und einige andere bis ins 19. Jahrhundert nach Spiez abzuliefern waren. Spiezer und Strättliger Gwattner fühlten sich noch im 20. Jahrhundert als Gemeinschaft. Die Schule besuchten sie gemeinsam in Schoren, und auch wirtschaftlich waren sie aufeinander angewiesen.
Während der Helvetik, im Jahr 1798, wurde als Gemeindegrenze zwischen Strättligen und Spiez die Kanderschlucht festgelegt, so dass Obergwatt, bestehend aus sieben Häusern, endlich zu Strättligen kam. Die meisten Bewohner waren bis in die Neuzeit hinein sowieso Strättlig-Burger oder hatten Verwandte in «Untergwatt». Merkwürdigerweise wurde aber Obergwatt im April 1799 auf Bitten der Bewohner von den helvetischen Räten wieder mit Einigen und also mit Spiez vereinigt. Vermutlich waren es steuertechnische Gründe; denn Strättligen war schon immer eine arme Gemeinde und hatte seit der Helvetik hohe Steueransätze. Die Gemeinde Spiez kannte nie so hohe Armenlasten wie Strättligen.
Der Kern des Dörfchens lag am alten Gwattstutz und an der Gwattstrasse bis gegen die Bettlereiche beim Campingplatz (Trüllplatz). Die weit ausragenden Äste der Bettlereiche wurden im Jahr 1922 auf frevelhafte Weise abgesägt. Das nachher daneben aufgestellte Haus war die ehemalige Wirtschaft beim Bahnhof Scherzligen; sie stand gegenüber dem Kleist-Haus. Das ehemalige Bahnwärterhäuschen steht noch neben dem Gwattbahnhof. Das ehemalige Bahnhofgebäude wurde bei der Station Bern-Fischermätteli wieder aufgerichtet.
Die militärischen Übungen der Strättliger fanden bis ins 19. Jahrhundert auf dem Trüllplatz bei der Bettlereiche statt, wo auch die ersten Schiessübungen abgehalten wurden. Ende des 18. Jahrhunderts wurde neben dem Gasthof Lamm die erste feste «Zielstatt» (Schiessanlage) gebaut, die bis 1912 verwendet wurde. der «Trüllplatz» ist zu einem beliebten internationalen Bade- und Campingplatz geworden.
Auch in Gwatt begann um 1950 eine starke Wohnbautätigkeit, so dass 1956 eine Kirche und 1957 das Obermattschulhaus gebaut werden mussten. An der Gwattstrasse wurden vorwiegend Mehrfamilienhäuser und Wohnblöcke gebaut, während am Strättlighügel zahlreiche Einfamilienhäuser erstellt wurden. Auf weite Sicht ist heute schon die grosse letzte Matte beim Bellerive (Bonstettengut) zur Überbauung vorgesehen. Der seeseitige Park bleibt der Öffentlichkeit zugänglich als Erholungsraum. Aus dem «Stöckli» beim Gwattgut oder dem «Kisslinghaus» gegenüber an der Gwattstrasse hätten einige Interessierte gerne ein Heimatmuseum gemacht, was aber vorläufig nicht mehr in Frage kommt, da beide Häuser restauriert und bewohnbar gemacht wurden. Am Hännisweg wurden ein Wohn- und Arbeitsheim für Schwerbehinderte sowie eine Eingliederungsstätte mit Wohnheim und Werkstätte für geistig und mehrfach Behinderte errichtet.
Bellerive (Bonstettengut oder Gwattgut)Auch das Bellerivegut in Gwatt war eine Besitzung der Herren von Strättligen. In einer Urkunde von 1273 ist ein Rudolf von Strättligen als Besitzer genannt. Dazu gehörte das Dorf Gwatt mit den Gewerbebetrieben, so die Wirtschaft zum Lamm, die 1678 noch «Weisses Kreuz» hiess, die danebenliegende Schmiede, die beiden Mühlen sowie eine Stampfe, Ribi, Bläue und Schleife. Der Stoffverkaufsladen im «Rössli» wurde später erstellt. Die Wirtschaft Lamm besass ausser dem Tavernenrecht die Gerichtsstube, das Beherbergungsrecht und das Bäcker- und Metzgerrecht. Nach der Gründung der Post in Bern (1675) kam noch die erste Postablage von Strättligen dazu. Die Schmiede stand in der heutigen Gartenwirtschaft. In der Pestzeit von 1663 bis 1670 wurde der Thuner Markt zuzeiten beim «Lamm» abgehalten. Der Besitz kam von den Strättligern an die Bubenberg, die von Erlach und 1516 an die May. In der Folge gehörten das Gut und die Taverne (Wirtschaft) zeitweise noch zusammen.
Nach dem Dreissigjährigen Krieg (1648) war Hans Hofstetter Besitzer des Gutes. Sein Nachfolger war alt Castlan Bachmann. Von seiner Witwe kam das Gut an den Handelsmann Stephan Brand, der bekannt ist aus dem Gedicht des Sigriswiler Dichterpfarrers Gottlieb Jakob Kuhn: «Vom Thuner Märit bin i cho.» Er kaufte rund um den See Käse, Butter, Felle, Holz, Kirschwasser und Wein. Die Waren verkaufte er dann weiter in Thun und Bern. Der gute Erlös erlaubte ihm, in ganz Strättligen Häuser und Grundstücke zu erwerben. 1756 brannte ihm der Hof in Gwatt ab. Er liess das jetzt noch stehende stattliche Gut bauen. Unter dem Kellerboden kommen bisweilen noch Brandreste zum Vorschein. Das Stöckli ist offenbar vom Brand verschont geblieben.
Bald erwarb Hauptmann Christian Minnig von Lauerbach das Gwattgut. Er hatte als Oberstleutnant in Carolina USA Dienst geleistet. Am 3. Februar 1763 verkaufte er es weiter dem Dragoner-Hauptmann Emanuel Friedrich von Fischer (geb. 1732), Er war ein Urenkel des Begründers des bernischen Postwesens. Er sass im Rat der Zweihundert, wurde Ratsherr, Landvogt in Erlach, Böspfenniger, Präsident der Salzdirektion, Venner, Feldkriegsrat, und im Übergang von 1798 kam er mit neun andern Razsherren als Geisel nach Strassburg. In der Helvetik konnte er sich nach Gwatt zurückziehen.
Schon vorher hatte er den Landsitz im Stil der damaligen Zeit renovieren und ergänzen lassen. Ein Kachelofen trägt die Jahreszahl 1764. Geometer Schmalz fertigte 1780 einen Plan über den damaligen Besitz an. Die «Campagne» umfasste 153 Jucharten und 1670 Quadratschuh und bestand aus der Moos-, der Buchholz- und der Seematte, der Guntelsey und der Weid beim Pulverturm. Die Flurbezeichnung «Hofacher» beim Küherhaus ist in Vergessenheit geraten. Vom See her liess er 1794 den heutigen Kanal ausheben und mit dem Aushub das kleine Inselchen aufschütten. Eine Bogenbrücke verband es mit dem Festland. Die prächtigen Parkanlagen mit dem mächtigen Sprinbrunnen und den Charmilliers (Alleen) luden zu Spaziergängen und der See zu Lustfahrten ein. Die Quelle des Springbrunnens befindet sich heute noch auf der Liegenschaft «Im Gstüd» an der Ribigasse in Gwatt.