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DMZ - SOZIALES - Patricia Jungo ¦
#mittellaendische ¦
„Empathie“ ist in aller Munde. Wo eine Mehrheit darauf schwört, dass nur mehr Empathie die Welt zu einer besseren wandeln kann, hört man andere Stimmen, die überzeugt sind, dass es sich um einen Modebegriff handelt, der unberechtigterweise hochgepriesen wird, dessen Einfluss auf das „Schicksal“ der Welt jedoch weit geringer ist als häufig suggeriert. Das Wort „Empathie“ hat in den letzten Jahren unbestritten Karriere gemacht. So liest und hört man, der Smartphone-Generation komme dieses Gefühl immer mehr abhanden, zwischen Reich und Arm würde der „Empathie-Graben“ immer tiefer, Psychopathen würden es kurzerhand ausschalten, Kindern solle es vorgelebt werden und Elefanten und Nagetiere hätten es schon. Auch wenn es für das Phänomen „Empathie“ verschiedene Erklärungen und Meinungen gibt, sind sich alle zumindest über die Begriffserklärung einig: Empathie bedeutet die Fähigkeit, sich in andere Personen zu versetzen, um zu verstehen, was diese fühlen. An sich scheint dies eine einfache Angelegenheit zu sein. Die Mechanismen, die dahinter stecken, sind jedoch etwas komplizierter. Dies erklärt, weshalb sich Empathie in den letzten Jahren für Erziehungsexperten, Soziologen, Psychologen und Philosophen zu einem beliebten Forschungsthema entwickelt hat. So unterscheiden sie meist zwischen emotionaler Empathie, dem Mitgefühl, das Menschen spüren, wenn sie das Gleiche wie andere empfinden, kognitiver Empathie als Fähigkeit, neben den Emotionen auch die Beweggründe und Gedanken anderer Menschen zu erraten; zum Bespiel aufgrund nonverbaler Botschaften; und sozialer Empathie. Die letztere Form bedeutet, das Verhalten von Gruppen oder Organisationen nachvollziehen zu können; dies unabhängig von deren Kultur, Alter oder sozialen Status. Alle Formen haben gemeinsam, dass beim mitfühlenden Menschen die gleichen Hirnareale aktiviert werden wie beim Gegenüber; dieser fühlt also im wahrsten Sinne des Wort mit, was im Kopf des Gegenüber abläuft. Eine grundlegende Bedingung dafür ist demnach sich selber zu spüren, sich seiner Emotionen bewusst zu sein und diese zu kennen. Empathie scheint eine angeborene Fähigkeit zu sein, die jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen weiter gedeihen kann. So müssen dem Kind Gefühle und Mitgefühl vorgelebt werden, die „Intelligenz des Herzens“ will geschult sein. Wenn Eltern Kindern vermitteln, dass beispielsweise auch Gefühle wie Trauer und Frust zugelassen sind und diese auch nicht unterdrückt werden, können sie Mitgefühl entwickeln. Sensibilität bei Kindern zu wecken, trägt Früchte in ihr Erwachsenenleben und demnach in die Gesellschaft, in unsere Welt. Sind Kinder zum Beispiel gemein zueinander, helfen Strafen meist wenig. Hilfreicher ist es, sich mit dem Kind zusammenzusetzen und es zu fragen, wie es sich wohl an der Stelle des betroffenen Kindes fühlen würde. Auf diese Weise wird die Aufmerksamkeit auf dessen Gefühle gelenkt. Das Kind lernt, dass es Verantwortung für sein Handeln tragen muss. Empathie macht unsere Kinder stark für ein erfülltes Leben mit sich selber und anderen. Ohne andere geht es nicht und mit Empathie fällt es leichter, miteinander zurechtzukommen. Neben dem Vorbild der Eltern, den Möglichkeiten, Empathie zu lernen und auszubauen, gibt es eine Anzahl praktischer Ratschläge, die Kindern helfen können, ihr Einfühlungsvermögen zu entwickeln:
Vorlesen und Geschichten erzählen: Wenn Kinder in die Welt anderer eintauchen können, ihre Erlebnisse teilen dürfen, ist dies immer spannend. Es fördert gleichzeitig das Verständnis dafür, was andere tun und fühlen.
Gefühle respektieren: Ein Kind, das erfährt, dass seine Gefühle in Ordnung sind, sein dürfen und respektiert werden, kann sich eher in die Gefühle anderer versetzen.
Regelmässiger Kontakt zu anderen Kindern: Im Miteinander lernen und fühlen
Familienton: Einander zuhören, ausreden lassen fördert das gegenseitige Verständnis.
Vorsicht vor brutalen Spielen und Filmen: Das Kind empfindet so Gefühle nach, die in ihm Angst und auch Aggressionen auslösen können.
All diese Gedanken lassen sich natürlich auch auf Schule und Arbeitswelt übertragen. So sind gute Noten in der Schule und übertriebenes Leistungsstreben bei der Arbeit eben nicht alles und Empathie soll und muss auch in diesen Bereichen ihren sicheren Platz innehaben. Der Gedanke, dass Empathie zwar angeboren ist, aber auch erlern- und ausbaubar ist, stimmt zuversichtlich. Doch zahlt sich Empathie immer aus oder hat auch sie ihre Schattenseiten? Verschiedene Studien weisen darauf hin, dass Menschen, die sehr empathisch sind, deutlich mehr unter Stress, Depressionen und dem Gefühl von Hoffnungslosigkeit leiden als weniger einfühlsame. Zu viel Mitgefühl kann demnach auch Probleme schaffen; nämlich dann, wenn die Emotionen anderer vorwiegend negativ sind und wir sie auf uns selbst beziehen. Die richtige „Dosierung“ macht es aus. Je besser wir mit unseren eigenen Emotionen umgehen können, desto besser erkennen wir die Gefühle der anderen und den konstruktiven Umgang damit.
In dem Sinne ist auch Empathie kein „Allheilmittel“, das unsere Welt von heute auf morgen ändert. Zweifelsohne trägt sie jedoch in „sinnvoller Dosierung“ viel zum leichteren und besseren Zusammenleben bei. Es bleibt also zu hoffen, dass Empathie weiterhin in Mode bleibt und die „Intelligenz der Herzen“ auf der Karriereleiter noch etwas höher klettert.