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Am 14. Juni ist Schang Hutter verstorben. zmitz-Blogger Fabian Gressly war und ist Zeit seines Lebens vom Künstler umgeben und kann noch gar nicht erfassen, dass er nicht mehr da ist.
Dass Schang Hutter nicht mehr ist, ist irgendwie schwer zu glauben. Er war in den letzten Jahrzehnten omnipräsent. Bei meinen Eltern im Haus leibhaftig zu Besuch oder in Form vieler Werke. Das Konterfei, das die Vorlage zum Plakat der Solothurner Filmtage 1974 bildete, zu Hause über dem schwarzen Telefon und jetzt bei mir auf dem Sideboard. Mit der Skulptur auf dem Areal der Kanti Solothurn, die damals aufgestellt wurde, als ich als junger «Chnübis» dort ein- und ausging. Mit Skulpturen und Arbeiten in der ganzen Region – vom Bahnhof Biel über einen Strassenkreisel in Langenthal bis zu Fassaden in der Solothurner Altstadt. Und zuletzt im Sommer vergangenen Jahres, als ich ihn in Wangen an der Aare kurz am Festival «nomen est omen» gesehen habe, das sein Freund Rolf Walker, der uns Anfang Februar ebenfalls viel zu früh verlassen hat, kuratierte.
1934 in Solothurn geboren, machte Schang Hutter eine Lehre als Steinmetz im elterlichen Betrieb und besuchte die Kunstgewerbeschule in Bern. 1954 zog er nach München, wo er an der Akademie der Bildenden Künste studierte. In den 60ern kehrte er in den Kanton Solothurn zurück, ehe es kurz nach Warschau ging und in den 80ern dann nach Hamburg und Berlin. Ende der 80er zog es den Kunstschaffenden wieder in die Schweiz zurück. Hier enstand eine Vielzahl an Skulpturen, am berühmtesten dürfte «Shoa» sein: Die Skulptur wurde als Mahnmal für den Mord an den Juden während des Zweiten Weltkriegs vor dem Bundeshaus aufgestellt, von der damaligen Freiheitspartei an den Absender zurückgeführt und wurde Anlass für eine weitreichende Diskussion darüber, was Kunst darf und soll oder sogar muss.
Meine letzte Begegnung mit dem aktiv Kunstschaffenden Schang Hutter ist vielleicht 18 Jahre her. Eine unvorsichtige Lenkerin hatte den Kosciusko-Brunnen auf dem Amthausplatz ramponiert. Hutter beaufsichtigte, wie seine Figur auf eine Stele platziert wurde, die seither da steht. Kosciusko, die Ermordung der Juden während des Holocausts…: So mächtig, kraftstrotzend, eindrücklich Hutters Erscheinung war – ein Bär von einem Mann -, so sehr hat er immer für die Benachteiligten, Geschundenen, für das Verletzliche gearbeitet. Ein Dokumentarfilm, den Ivo Kummer 2007 über Hutter machte, trug denn auch den Namen «Der Verletzlichkeit Raum geben». Vor sieben Jahren, als Schang Hutter 80 wurde, erwies ihm eine grosse Ausstellung im Tramdepot Burgernziel in Bern die Ehre. 800 Werke waren in einer Umgebung zu sehen, die perfekt passte: archaisch, industriell und doch von einer Leichtigkeit und Eleganz geprägt.
Am 14. Juni – rund zwei Monate vor seinem 87. Geburtstag – ist Schang Hutter nach schwerer Krankheit verstorben. Verschwinden wird er nie.
zmitz würde es ohne Fabian nicht geben. Denn im Jahr 2014 gründeten er und Lucilia den Kulturblog, um die vielseitige Kultur rund um Solothurn sichtbar zu machen. Fabian erzählt unter anderem die Hintergrundgeschichten. Denn auf dem Kulturparkett fühlt er sich wohl, kennt die Kulturschaffenden mindestens genau so gut wie die Kulturveranstalter und weiss auch um kulturpolitische Zusammenhänge. Als Blogger ist er in allen Sparten zuhause. Er ist aber nicht nur Co-Leiter der Redaktion, sondern kümmert sich als Präsident des Vereins darum, dass auch formal bei uns nichts aus dem Ruder läuft.