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Vor 15 Jahren waren E-Bikes noch eine Seltenheit auf den Schweizer Strassen. Im Jahr 2006 wurden lediglich 3‘200 Exemplare verkauft; ein Bruchteil der heutigen Verkäufe (171‘132 im 2020). Die damals in ostasiatischen Städten schon äusserst populären Gefährte wurden eher belächelt. Besonders im letzten Jahr 2020 stieg, beflügelt durch die Corona-Krise, die Zahl der verkauften E-Bikes und herkömmlichen Fahrräder stark an. Die Verkaufszahlen aller Fahrräder, E-Bikes inbegriffen, waren im Vergleich zum Vorjahr um 38.1 Prozent höher.
Sicherheit im Strassenverkehr
Das E-Bike hat in letzter Zeit immer wieder mit hohen Unfallzahlen für Negativschlagzeilen gesorgt. Nebst den Sensibilisierungsarbeiten, die seit einigen Jahren durchgeführt werden, ist sicher auch eine Verbesserung der Veloinfrastruktur nötig. Die Schweizer Bevölkerung stimmte im Jahr 2018 für das sogenannte Velogesetz, welches den Ausbau von Velowegen zu einem zusammenhängenden, sicheren Velowegnetz ermöglichen soll. Es ist zu erwarten, dass das Gesetz nächstes Jahr in Kraft tritt. Sicherheit ist oftmals ein wichtiges Argument für oder gegen Velofahren. Ein sicheres, zusammenhängendes Velowegnetz dürfte folglich die Anzahl an E-Bikes noch weiter begünstigen.
Neue Modelle für den Stadtverkehr
Grundsätzlich sollte hinterfragt werden, ob die Bevorzugung des Automobilverkehrs in Städten in Zukunft noch angebracht ist. Die Stadt Berlin hat die Dominanz der Vierräder erfolgreich in Frage gestellt und damit ein Tabu gebrochen. Im Rahmen der Einrichtung eines zusammenhängenden und sicheren Velowegnetzes ist vorgesehen, Fahrstreifen für den Autoverkehr zugunsten des Fahrradverkehrs zu verengen oder sogar aufzuheben. Um einen Teil des Verkehrs während der Corona-Krise aufs Fahrrad zu verlagern, wurden einige der geplanten Velowege bereits temporär eingerichtet.
Um maximale Sicherheit zu gewährleisten, werden in Berlin zurzeit geschützte Fahrradstreifen eingeführt, wobei der Fahrweg mindestens zwei Meter breit ist und etwa durch Pfosten von der Strasse getrennt wird. Für Pendler aus der Agglomeration werden Radschnellverbindungen eingerichtet. Insgesamt sollen 100 km dieser Velo-Highways gebaut werden. Auch in der Schweiz scheinen immer mehr Pendler auf das E-Bike umzusteigen. 2020 wurden etwa gleich viele S-Pedelecs (E-Bikes bis 45 km/h) verkauft wie reine Elektroautos.
Mit der höheren Einwohnerdichte und den beschränkten Platzverhältnissen in Schweizer Städten sind neue Lösungen gefragt. Eine Möglichkeit, den Verkehr zu verringern und gleichzeitig das Klima zu schützen, wären autofreie Stadtzentren. Paris plant eine weitgehend autofreie Innenstadt ab 2022. Zurzeit durchqueren täglich 180‘000 Autos jene Strassen, welche bald nur noch für Fahrradfahrerinnen, Fussgängerinnen, Busse, Taxis, Lieferwagen und Handwerker befahrbar sein sollen. Bereits 2013 wurde auf der linken Seite der Seine eine Auto-Schnellstrasse zugunsten einer Fussgängerzone aufgehoben.
Der Trend hält an
Ein Ende des E-Bike Trends ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Durch den Ausbau des Velowegnetzes dürften E-Bikes und E-Scooter in Zukunft noch attraktiver werden. Vielleicht setzen wir ja in Zukunft ähnliche Modelle um wie zurzeit die Millionenstädte Paris und Berlin? Wünschenswert wäre es und machbar auch, wie diese Städte zeigen.