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Wie soll der Wähler die richtige Person an die Spitze des Staates wählen? Die Sprache spricht oft in Bildern.
Da wird von jemandem gesagt, er verhalte sich wie ein Elefant im Porzellanladen oder er mache aus einer Mücke einen Elefanten. Schon Vater sagte, als wir Kaninchen kaufen wollten, wir sollten sie genau anschauen und sie nicht wie eine Katze im Sack kaufen. Warum sagte Vater nicht, wir sollten keine Hasen im Sack kaufen? Dieses Bild hat sich als Metapher nicht durchgesetzt. Vielleicht ganz einfach, weil Kaninchen keine Krallen haben und Elefanten nicht in Säcke passen.
Wer liest, freut sich an überraschenden Sprachbildern. So habe ich mir vor einigen Wochen einen Satz notiert, auf den ich im italienischen „Corriere della Sera“ gestossen war. Es ging um den Kommentar zu den Wahlen in Italien und um das Gerangel, das nach der Patt-Situation entstanden ist. Berlusconi versuchte seine „Forza Italia“, die viel schlechter abschnitt, als die Auguren vorausgesagt hatten, mit seinen Favoriten in hohe Ämter zu bringen. Er selber darf kein Amt beanspruchen, weil er wegen Skandalen und Gerichtsurteilen nicht mehr wählbar ist. Dennoch versucht er nach wie vor hartnäckig, Einfluss auf die italienische Politik zu gewinnen.
Der Kommentator gab Berlusconis Bestrebungen keine Chance und schrieb: „E la storia è ormai fuori dal sacco.“ (Die Geschichte ist nunmehr ausserhalb des Sackes). Was steckt in diesem Satz? Er spielt auf „die Katze im Sack kaufen“ an und meint, die Italiener kennen die Katze nun zu gut. Die Geschichte hat genügend gezeigt, was von Berlusconi zu erwarten ist. Er ist kein Neuer wie Luigi Di Maio von der Fünfsterne Bewegung des Komikers Pepe Grillo. Die Katze im Sack ist nach der Wahl nun aber Di Maio, der Jungstar der Cinque Stelle. Er ging mit seiner Partei als strahlender Sieger hervor. Wieder einmal haben die Italiener die Katze im Sack gewählt, und hoffen, dass sie von Di Maio Gutes erwarten dürfen. Wird er sich positiv entwickeln, wenn er Paolo Gentiloni als Ministerpräsident abgelöst hat? Staunend schauen wir nach Italien.
Der Wähler ist unberechenbar. Er lässt sich beeinflussen. Man hätte von Donald Trump schon bei der Wahl sagen können, er sei „fuori dal sacco“. Er versteckte sich in seinem Wahlkampf nicht. Seine Biographie war bekannt. Die Amerikaner hörten Unerhörtes, konnten ahnen, was von ihm zu erwarten war. Nun zeigt er seine Krallen, mit denen er schon den Wahlkampf bestritt, erst recht. Es zeigt sich als Machtmensch, der Putin bewundert. Alle Minister, die seine Meinung nicht teilen, schaltet er sukzessive aus.
Die Geschichte hat zu allen Zeiten Menschen an die Spitze der Macht geschwemmt, die sich mit dem Machtbesitz veränderten. Bald schon empfanden sie sich selbst als das Gesetz des Handelns. Aktuell schauen wir einigen dieser Machtmenschen mit besonderer Skepsis und mit grosser Sorge zu. Darum ist es gut, wenn in unseren Demokratien lange öffentliche Diskussionen stattfinden, bevor eine Person in den Sattel gehoben wird. Die Auseinandersetzung um die Regierungsbildung in Deutschland war nicht von schlechter demokratischer Tradition. E la storia è ormai – für Angela Merkel – fuori dal sacco. Wir wissen, was wir an ihr haben und von ihr erwarten dürfen.