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Mit Steuern gegen Drogen kämpfen
Nobelpreisträger fordert Legalisierung der Rauschmittel
"Die Menschheit verbrachte den größten Teil der letzten Jahrhunderte auf der Suche nach Anästhesie", soll Oscar Wilde einmal gesagt haben. Seit den Tagen des irischen Dichters hat sich daran wenig geändert. Der Handel mit Drogen floriert, und die Industriestaaten führen seit Jahrzehnten einen ebenso erbitterten wie kostspieligen Krieg gegen den Rausch.
Die Ergebnisse indes sind mager. Nicht nur gelang es nie, der Drogenmafia den Garaus zu machen. Der Schwarzmarktpreis für einige der beliebtesten Rauschmittel, wie Kokain oder Marihuana, ist vielerorts in den vergangenen Jahren sogar gefallen - weil das Angebot immer größer wird.
In regelmäßigen Abständen gibt es daher Anläufe, zumindest weiche Drogen zu entkriminalisieren, um die Konsumenten aus der Illegalität zu holen. Was meist allerdings nur dazu führt, daß die Gegner solcher Schritte den Befürwortern vorwerfen, sie seien linke Sozialkuschler und der gelegentlichen "Bewußtseinserweiterung" auch selber nicht abgeneigt. Denn warum sollten sie sonst deren Legalisierung fordern?
Daß es auch anders geht, beweist Gary Becker. Der amerikanische Wirtschaftsnobelpreisträger will herausgefunden haben, daß eine grundsätzliche Liberalisierung aller Drogen nicht nur zu weniger Kriminalität beitragen würde. Legale und hoch besteuerte Drogen würden sogar dazu führen, daß insgesamt weniger Rauschmittel konsumiert würden. Dazu wäre die ganze Sache noch kostengünstiger, weil erstens weniger für die Drogenbekämpfung ausgegeben werden müßte und zweitens durch die Steuern Geld für den Staatshaushalt zusammenkäme. "Drogen durch Legalisierung zu bekämpfen dürfte mehr bringen, als sie zu verbieten", schreibt Becker in seiner Studie "The Economic Theory of Illegal Godds: The Case of Drugs".
Hauptgrund dafür ist, daß die Drogennachfrage kaum auf Preisänderungen reagiert. Wird Heroin teurer, bezahlt ein Abhängiger mehr. Weniger süchtig machende Drogen wie Cannabis sind meist so billig, daß selbst starke Preissteigerungen kaum Einfluß auf die Nachfrage haben. Das Resultat ist, daß die Drogenbekämpfung durch Verknappung des Angebots meist nur den Schwarzmarktpreis erhöht - und damit den Profit der nicht verhafteten Dealer. Am Drogenverbrauch ändert das wenig.
Anders sieht die Sache bei Steuern aus. Würden Drogen legalisiert und besteuert, so Becker, ergäbe sich wie bei jedem Gut ein normaler Marktpreis. Zwar würde ein Teil der Produktion weiterhin kriminell bleiben oder es sogar erst werden, um diesen Preis zu unterbieten. Ziel der Anti-Drogen-Strategie des Staates müsse es dann allerdings nur noch sein, das illegale Angebot durch Strafverfolgung bis zu einem bestimmten Punkt zu verteuern. Dem Punkt, an dem der illegale Preis über dem legalen Marktpreis läge. Jeder kriminelle Produzent würde als Folge automatisch pleite gehen - denn welcher Konsument würde schon beim Dealer an der Ecke mehr bezahlen als in der Apotheke seines Vertrauens? Weil es dadurch weniger Produzenten gäbe, könnte der Preis für Drogen plus Steuern sogar höher liegen als der momentane Straßenpreis. Ulrich Machold
Artikel erschienen am 9. Januar 2005