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Der Begriff D. findet sich bereits 1563 bei Pierre Viret, doch die Bewegung der Deisten erlebte ihren Aufschwung erst im 17. und 18. Jh. Der D. war zunächst v.a. in England lebendig, wo Herbert von Cherbury, Matthew Tindal, John Toland und Anthony Collins die geistigen Grundlagen schufen. Deren Werke verursachten einen Skandal. Obwohl es innerhalb der Bewegung sehr unterschiedl. Ausrichtungen gab, war der D. von einer heftigen Polemik gegen die bibl. Offenbarung und gegen die Amtskirche gekennzeichnet. Er ging von einer Naturreligion aus, zu der der Mensch allein durch den Gebrauch seiner Vernunft finden kann. Zwar beriefen sich die Anhänger des D. auf John Locke und dessen vernünftiges und tolerantes Christentum, entfernten sich aber durch die Radikalität ihrer Äusserungen von ihrem Vorbild. Die Apologeten des Christentums stellten die Deisten den Atheisten (Atheismus) gleich, obwohl diese keineswegs die Existenz Gottes verneinten. Sie prangerten jedoch ohne Nachsicht die angeblichen Widersprüche, ja die Immoralität der Hl. Schrift an. Diese erachteten sie bestenfalls als widersprüchlich und schlimmstenfalls als eine von der Kirche geschickt ausgenützte Täuschung. Damit verlor die Bibel ihren sakralen Charakter. Dennoch, trotz Radikalität und polem. Schärfe, trugen die deistischen Reflexionen über das Alte und das Neue Testmament zur Entwicklung der wissenschaftl. Bibelkritik bei, v.a. was die Aufklärung der jüd. und christl. Ursprünge, die Geschichte des Bibelkanons und die Deutung der Prophezeiungen betrifft.
In der Schweiz kam es erst im 18. Jh. zu Debatten über den D., obwohl bereits im letzten Viertel des 17. Jh. gewisse Theologen dessen Gefahr angeprangert hatten. Es waren v.a. die Apologeten des Christentums, an ihrer Spitze Albrecht von Haller, die an dieser Diskussion teilnahmen. Sie wandten sich gegen eine Bewegung, die sich in Europa zunehmend verbreitete, nicht zuletzt dank des grossen Einflusses von Voltaire. In der zeitgenöss. Literatur der Schweiz finden sich hingegen kaum Spuren des D.; zu erwähnen wäre allenfalls Jakob Heinrich Meister. Bezeichnenderweise hat sich Jean Salchli, damals Vikar der Lausanner Akademie, in seinem 1756 veröffentlichten apologet. Werk "Lettres sur le déisme" fast ausschliesslich gegen die engl. Deisten gewendet, wobei er davon ausging, dass diese Denkart eine Religion "à la mode" geworden sei. Am fassbarsten sind deistische Einflüsse im Werk von Marie Huber und Jean-Jacques Rousseau, die beide den grössten Teil ihres Lebens im Ausland verbrachten. Die Genferin Marie Huber veröffentlichte 1738 anonym in Amsterdam die "Lettres sur la religion essentielle à l'homme", die sofort als deistisch galten. Huber verwarf die christl. Theologie, die orthodoxe wie auch die aufgeklärte, und vertrat eine Naturreligion, die sich auf einige Grundwahrheiten beschränkte und weitgehend von der Moral bestimmt wurde. Damit ging Huber weiter als die meisten der genferischen und schweiz. Protestanten, die für ein vernünftiges Christentum einstanden (Protestantische Orthodoxie, Aufklärung). Rousseau vertrat v.a. im ersten Teil des Werks "Profession de foi d'un vicaire savoyard" einige Standpunkte, die deistischen sehr nahe kamen, und die er mit einem mechanist. Weltbild in Verbindung brachte. Seine religiösen Überzeugungen entziehen sich jedoch einer genauen Festlegung, zumal er sein deistisches Credo mit Vorstellungen verband, die dem D. fremd sind, z.B. jene von der Güte und Vorsehung Gottes.
Literatur
– P. Wernle, Der schweiz. Protestantismus im 18. Jh., 3 Bde., 1923-25
– H. Vuilleumier, Histoire de l'Eglise réformée du Pays de Vaud sous le régime bernois 4, 1938
– A. Pintor Ramos, El deismo religioso de Rousseau, 1982
– M.-C. Pitassi, «Etre femme et théologienne au XVIIIe siècle», in De l'humanisme aux Lumières: Bayle et le protestantisme, 1996, 395-409
Autorin/Autor: Maria-Cristina Pitassi / AW