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Ein erhöhter Kaffeekonsum könnte ältere Frauen vor Depressionen schützen, schreiben Forscher um Michel Lucas von der Harvard School of Public Health in Boston. In einer prospektiven Studie untersuchten die Wissenschaftler von 1980 bis 2004 über 50 000 US-amerikanische Frauen mit einem Durchschnittsalter von 63 Jahren, die zu Beginn nicht unter einer Depression litten.
Frauen, die täglich mindestens drei Tassen Kaffee konsumierten, hatten ein um 15 Prozent tieferes relatives Risiko an einer Depression zu erkranken als diejenigen, die nur maximal ein koffeinhaltiges Getränk pro Woche tranken (weniger als 100 Milligramm Coffein täglich). Bei vier oder mehr Tassen Kaffee am Tag, also mindestens 550 Milligramm Coffein täglich, verminderte sich das relative Risiko um 20 Prozent. Der Konsum von entkoffeiniertem Kaffee hatte auf das Erkrankungsrisiko keinen Einfluss. Das schreiben die Forscher im Fachjournal «Archives of Internal Medicine».
Coffein ist weltweit das am häufigsten angewandte zentralnervöse Stimulans. Etwa 80 % des Konsums erfolgt in Form von Kaffee. Die Autoren der Studie sehen in ihren Resultaten keinen eindeutigen Beweis dafür, dass Coffein tatsächlich das Depressionsrisiko reduziert. Es lassen sich aus ihrer Sicht jedoch protektive Eigenschaften vermuten. Weitere Untersuchungen müssten zeigen, ob der regelmäßige Konsum von coffeinhaltigem Kaffee einer Depression vorbeugen kann.
Quelle:
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=39504&Nachricht_Title=Nachrichten_Kaffee+sch%FCtzt+im+Alter+vor+Depressionen&type=0
http://archinte.ama-assn.org/cgi/content/short/171/17/1571
Kommentar & Ergänzung:
Epidemiologische Studien wie die vorliegende können einen Zusammenhang nahe legen, ihn aber nie zweifelsfrei belegen. Es kann jedenfalls nicht mit letzter Gewissheit ausgeschlossen werden, dass Kaffeetrinkerinnen einen anderen Faktor gemeinsam haben, der für den Schutzeffekt gegen Depressionen verantwortlich ist.
Es handelt sich bei dieser Untersuchung um die Nurses Health Study.
Je mehr Kaffee die Krankenschwestern konsumiert hatten, desto seltener wurde bei ihnen später eine Depression diagnostiziert.
Diese Dosis-Wirkungsbeziehung sowie die Feststellung, dass der Zusammenhang nur für koffeinhaltigen Kaffee gefunden wurde, sprechen dafür, dass koffeinhaltiger Kaffee tatsächlich das Depressionsrisiko beeinflusst. Entkoffeinisierte Getränke zeigten wie erwähnt keinerlei Schutzwirkung.
Die Effekte von Koffein waren allerdings nicht besonders stark, wie die Resultate der Multivariat-Analyse zeigen. Sie berücksichtigt andere potentielle Einflüsse, zum Beispiel, dass Kaffeetrinkerinnen häufiger rauchen und Alkohol trinken und seltener in kirchliche und andere Gemeinschaften eingebunden sind, die die Psyche stützen können.
Eine Therapieempfehlung lässt sich aus dieser Studie natürlich ablesen. Sie könnte jedoch das positive Image fördern, welches Kaffee bei Epidemiologen derzeit genießt. Anders als bei anderen „Drogen“ hat der maßvolle Kaffee-Konsum keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit: Wer Kaffee trinkt erkrankt und stirbt nicht häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs.
Der Einfluss auf Entzündungsmarker, die bei der Pathogenese der Atherosklerose eine Rolle spielen, ist sogar positiv. Ebenso haben jüngere Studien ein reduziertes Typ-2-Diabetesrisiko aufgezeigt. Stets handelte es sich aber um prospektive Beobachtungsstudien oder Fall-Kontroll-Studien, deren Aussagekraft nicht überbewertet werden sollte.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
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