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Die Stadt Biel hat kürzlich die grösste Fotovoltaik-Anlage der Welt in Betrieb genommen, die je in einem Stadion integriert wurde. 2007 hatte bereits das Stade de Suisse in Bern diesen Rekord erzielt. Solche Leistungen bedeuten allerdings nicht, dass die Eidgenossenschaft in der Disziplin Solarenergie Weltmeister ist. Bis ins Ziel, in der Energieproduktion einen Solaranteil von 20% zu erreichen, steht ihr noch ein langer Weg bevor.
Die 8100 Solarmodule, die auf dem Dach des neuen Sportstadions in Biel installiert wurden, sind vom Fuss der "Tissot Arena" aus nicht sichtbar. Um die gigantische Fotovoltaik-Anlage auf einer Fläche von 16'000 m2 zu betrachten, muss man auf eine Plattform hinaufsteigen, die extra für Besucher errichtet wurde.
Mit der Leistung von 2106 kWp (Kilowatt Peak, Leistung des Solarmoduls) lassen sich 500 Haushalte während des ganzen Jahres versorgen. "Wenn die Zentrale auf dem Maximum seiner Kapazität läuft, erzeugt sie genügend Energie für den Betrieb von 2000 Raclette-Öfen", veranschaulicht Heinz Binggeli, Direktor des städtischen Betriebs "Energie Service Biel", der die Zentrale bewirtschaftet.
Tissot Arena schlägt Weltrekord
Auf dem Dach der "Tissot Arena" in Biel befindet sich die grösste Solaranlage der Welt (2106 kWp), die je in einem Stadion installiert wurde. Den Rekord hielt vorher das brasilianische Stadion von Mineiroa (1400 kWp), das 2013 vor der Fussball-Weltmeisterschaft fertiggestellt wurde. Den dritten Platz belegt die Fotovoltaik-Anlage des Fritz-Walter-Stadions in Kaiserslautern (1350kWp).
Das Stade de Suisse in Bern, dessen Solaranlage (1300 kWp) 2007 installiert wurde, hatte den Rekord drei Jahre lang gehalten. Inzwischen muss es sich mit dem vierten Platz begnügen.
Der Rekord wurde in Biel in nur 6 Wochen erzielt. "Die Installation der Kollektoren brauchte nicht viel Zeit. Diese werden nicht fixiert, sondern nur aufs Dach gelegt", sagt Binggeli. Der Bieler Stromanbieter hatte für die Verwirklichung des Projekts eine Firma aus der Region beauftragt. Die Sonnenkollektoren hingegen kommen aus China. "Wir haben die Graue Energie in Rechnung gezogen, aber in Europa gibt es keine Fabrikanten mehr."
Die Anlage ist mit der neuesten Technologie ausgestattet. Die Kollektoren haben eine Ost-West- statt eine Süd-Ausrichtung, was eine effizientere Nutzung der Oberflächen und eine Optimierung der Energieproduktion ermöglicht. "Hingegen haben wir auf eine Speicherung der Energie mit Batterien verzichtet, weil dieses System sehr teuer und noch nicht ausgereift ist", sagt der ESB-Direktor.
Die Fussball- und Eishockeyspiele werden nicht direkt mit Strom aus der Solaranlage beleuchtet. Die produzierte Energie wird ins Bieler Stromnetz eingespeist. "Das Gebäude wird aber trotzdem erneuerbare Energie konsumieren", sagt Binggeli.
Während der Hundstage im Juli konnte die Anlage nicht voll genutzt werden. Die Leistungsfähigkeit der Zellen vermindert sich um die Hälfte, wenn die Temperaturen über 30 Grad steigen. Rund um das Gebäude sind die Handwerker noch mit Abschlussarbeiten beschäftigt. Die Einweihungsfeier findet am 25. September statt.
Rekord dank Preisrückgang
"Der Weltrekord ist symbolisch. Wir wollten vor allem unseren Beitrag zur Energiewende leisten", sagt Binggeli. Der Bieler Stromanbieter konnte von einem Preisrückgang auf dem Solarmarkt profitieren, um eine Infrastruktur dieser Grösse finanzieren zu können. Bei den ersten Diskussionen von 2007 über das Projekt hatte die Unternehmung eine Solaranlage von 11'000 m2 für veranschlagte 5 Mio. Franken geplant. Schliesslich haben 3 Mio. für die Installation von Kollektoren auf 16'000 m2 ausgereicht. Die Stromanlage sollte dem Betreiber jährlich rund 200'000 Franken einbringen, sodass die Investition bis in 20 Jahren amortisiert sein wird.
"Ein solches Projekt kann nur dank der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) rentabel sein", sagt Heinz Binggeli. Dieses Förderinstrument der Eidgenossenschaft für erneuerbare Energien kompensiert die Differenz zwischen den Produktionskosten und dem Marktpreis.
Die KEV stehe im Zentrum der Debatte, sagt David Stickelberger, Direktor von Swissolar, einem Fachverband für Solarenergie. "Es ist der einzige Weg, um in der Fotovoltaik Investitionen von mehreren Millionen Franken zu garantieren, wie im Fall des Bieler Stadions", sagt er.
Schweiz auf Rang 14
Der Anteil der Solarenergie am Total der erneuerbaren Energie beträgt in der Schweiz laut Swissolar knapp 2%. Bis 2050 sollte der Anteil auf 20% klettern, um die Ziele der Eidgenossenschaft zu erreichen.
In den 1990er-Jahren gehörte die Schweiz in dieser Sparte noch zu den Musterschülern. Das trifft heute nicht mehr zu: Im "SolarSuperState-Ranking" 2015, einer Statistik der Fotovoltaik-Leistung pro Einwohner und Land, liegt die Schweiz mit 134 Watt auf Rang 14 hinter Japan und Katar. Gegenüber 2014 hat die Eidgenossenschaft immerhin einen Rang gutgemacht und Spanien überholt. Sie liegt aber weit hinter den Besten zurück. Weltmeister Liechtenstein produziert mit 480 Watt pro Einwohner rund 3,5 Mal so viel wie die Schweiz.
"Die Dächer sind die Zukunft der Solarenergie in der Schweiz", ist Stickelberger überzeugt, "aber der Markt braucht ein klares politisches Signal, um das Wachstum fortzusetzen". Im letzten Jahr hat sich eine neue Tendenz abgezeichnet. Eine Analyse des Solarenergie-Markts hat ergeben, dass die Anzahl kleinerer Anlagen zugenommen hat. Diese decken bis zu 30% der Kosten. Grosse Installationen auf industriellen, öffentlichen oder landwirtschaftlichen Gebäuden hingegen haben einen Rückgang zu verzeichnen. Sie haben derzeit kaum Chancen, einen Beitrag via KEV zu erhalten. Für die staatliche Unterstützung fehlt das Geld. Mehr als 35'000 Installationen figurieren auf der Warteliste.
Ein wichtiger Entscheid könnte im September fallen, wenn sich der Ständerat (kleine Parlamentskammer) zu einer Erhöhung der Konsumentenbeiträge für die Finanzierung der KEV äussern wird. Demnach würde sich die Abgabe von 1,3 auf 2,3 Rappen pro Kilowattstunde konsumierter Energie erhöhen. Der Nationalrat (grosse Kammer) hat diese Erhöhung bereits im letzten Dezember gutgeheissen. Swissolar unterstützt die Erhöhung, obwohl diese nicht ausreichend sei. Die Vorbehalte dürften zahlreich sein, vor allem seitens der politischen Rechten, die sich kritisch gibt gegenüber dem KEV-System.
Laut Stickelberger sollten die Kantone Regeln erlassen, damit das Solarpotenzial der Gebäude genutzt würde. Er spricht sich für eine Anwendung der neuen Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich aus. Dieser Leitfaden enthält Empfehlungen für die Konstruktion und Sanierung der Gebäude. Eine davon wurde im vergangenen Januar eingeführt. Sie sieht vor, dass die Eigentümer einen Teil ihres Stromverbrauchs selber produzieren sollen. Damit wären sie gezwungen, auf ihren Gebäuden Solarzellen zu montieren.
(Übertragung aus dem Französischen: Peter Siegenthaler)