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Wer ist die Älteste im ganzen Land?
Die älteste Bank der Schweiz, die Wegelin, ist nicht mehr. Als offizielles Geburtsdatum gilt das Jahr 1741, als der Kaufmann Caspar Zyli in St. Gallen eine Einzelunternehmung gründete, die nicht nur im Handel, sondern auch im Bankgeschäft tätig war.
Wer tritt nun altermässig an die Stelle der Bank Wegelin? Dazu ein kleiner Rückblick auf die Schweizer Bankengeschichte.
Mit Sicherheit ist es keine Grossbank, denn im Unterschied zu den grossen Finanzplätzen Amsterdam oder London dauerte es in der Schweiz relativ lange, bis sich Geschäftsbanken etablierten. Noch 1850 gab es in der Schweiz keine einzige Grossbank (siehe Tabelle unten). Erst mit dem Eisenbahnbau begann der grosse Aufschwung des Firmenkreditgeschäfts, des Aktienhandels, der Emissionen etc. Die erste Geschäftsbank war die Schweizerische Kreditanstalt in Zürich (heute Credit Suisse), die 1856 gegründet wurde – also rund hundert Jahre nach der Wegelin.
Auch die übrigen Banktypen, die in der Tabelle aufgeführt sind, wurden erst im 19. Jahrhundert gegründet. Der sogenannte Sparkassenfrühling begann nicht vor dem Ende der napoleonischen Kriege (1815), die ersten Kantonalbanken entstanden im Nachzug der liberalen Revolutionen in einzelnen Kantonen in den 1830er-Jahren und im Jahrzehnt der Demokratischen Bewegung in den 1860er-Jahren. Die Zürcher Kantonalbank zum Beispiel öffnete ihre Schalter erst 1870, gleichzeitig mit der Umsetzung der neuen Kantonsverfassung. Auch die Bodenkreditbanken und Lokalbanken entstanden nicht vor 1815.
Es muss also wieder eine Privatbank sein, die sich als älteste Bank der Schweiz bezeichnen darf. Mit der Datierung des Gründungsdatums gibt es jedoch Schwierigkeiten, denn wie schon bei der Wegelin war es im 18. Jahrhundert ganz normal, dass Handels- und Bankgeschäfte vermischt waren. Rahn & Bodmer schreiben zum Beispiel auf ihrer Homepage, das Gründungsdatum ihrer Bank sei 1750:
Im Jahr 1750 gründeten die Zürcher Kaufleute Caspar und Hans Conrad Schulthess ein Seidenhandelshaus. Noch zu ihren Lebzeiten gewann der Handel mit Effekten und Wechseln an Wichtigkeit für das Geschäft.
Als Rahn & Bodmer firmiert die Bank allerdings erst seit knapp hundert Jahren. Dennoch kann man sie durchaus als älteste Zürcher Privatbank bezeichnen. Dasselbe gilt für La Roche & Co Banquiers, 1787 von Benedikt La Roche gegründet, und die Landolt & Cie., die seit 1780 existiert. Beide bezeichnen sich als älteste Privatbank Basels bzw. der Westschweiz.
Nimmt man die offizielle Gründung eines Bankhauses zum Massstab, dann gewinnt das Genfer Institut Lombard Odier Darier Hentsch & Cie., denn seine Vorgängerbanken sind alle über 200 Jahre alt: 1795 Ferrier, Darier & Cie., 1796 Hentsch & Cie., 1798 Henri Hentsch & Jean Gédéon Lombard.
Interessant und verblüffend ist die Häufung der Gründungsdaten. Waren die 1790er Jahren nicht die schlechteste Zeit, um eine Bank in Genf zu gründen? Denn 1789 brach die Französische Revolution aus, 1792 kam es zu einem Umsturz in Genf selber, der einen Massenkonkurs unter den Genfer Banken auslöste, und 1798 annektierte Frankreich die Genfer Republik, was die Handlungsfreiheit der Bankiers stark einschränkte. Dennoch waren die Bankgründungen erfolgreich – eine verblüffende und bis heute kaum erforschte Geschichte.
Als Pictet 2005 das zweihundertjährige Jubiläum feierte, publizierte die Bank ein tolles Buch zur Geschichte der internationalen Finanzplätze (Capitals of Capital, geschrieben vom Genfer Professor Youssef Cassis). Was die eigene Geschichte anbelangte, so erfuhr die Öffentlichkeit leider wenig Neues. 1805 war die Bank De Candolle, Mallet & Cie., aus der später die Pictet & Cie. hervorging, gegründet worden. 1805 war auch das Jahr, in dem Napoleon Österreich und Russland in Austerlitz besiegte. Wie war es möglich, während des europäischen Krieges eine Bank zum Florieren zu bringen? Man wüsste gerne mehr über die Geschichte der schweizerischen Privatbanken.