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Manchmal ist eine Geschichte zu schön, um wahr zu sein. Ein Teenager aus Deutschland gründet zusammen mit drei Partnern eine europäische Regional-Airline, um mit ihr die grosse Lufthansa herauszufordern. Die Story klingt unglaublich, ja auch etwas absurd – und ist für die Boulevardmedien ein gefundenes Fressen.
In den letzten Monaten stürzten sich verschiedene Medien, darunter einige grosse deutsche Zeitungen und Magazine, auf das irre Vorhaben des vermeintlich 18-jährigen A. K. und dessen Bavarian Airlines, die schon dieses Jahr ab München nach Berlin, Düsseldorf und Frankfurt fliegen wollte. Einer Boulevardzeitung gegenüber sagte der Gründer, dass ein "zweistelliger Millionenbetrag" als Startkapital und drei Co-Gründer an Bord seien.
Im Businessplan waren ehrgeizige Ziele definiert: Bis Ende Jahr sollten auch Auslandflüge dazukommen. Die Destinationen: Amsterdam, Genf, London und Wien. Das sind keine Nischenstrecken, Lufthansa bietet diese Routen an. Als Flotte wollten die Gründer zwölf Jets des Typs Embraer E195-E2 mieten. Und schon 2024 sollte Bavarian Airlines 2,1 Millionen Passagiere befördern – bei 21’900 Flügen, also 60 Flügen täglich. Nur: Die Pläne dürften nichts weiter als warme Luft sein.
Ungereimtheiten bei Firma hinter Bavarian Airlines
Erste Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Vorhabens kamen auf, als sich herausstellte, dass K. in dubiose Geschäfte verwickelt gewesen war. So hatte er verschiedene Fake-Firmen aufgebaut und fragwürdige Krypto-Projekte initiiert. Unter anderem soll der Teenager eine luxemburgische Privatbank gegründet haben, die in Tat und Wahrheit nicht existiert. Und mit einer ebenfalls ausgedachten Firma gab er vor, einen "fairen Token" und "Blockchain Services" anzubieten.
Irritierend waren auch gewisse Hintergründe zum offiziellen Firmennamen der Bavarian Airlines. Auf der professionell gestalteten Website ist eine Gesellschaft im Vereinigten Königreich angegeben. Bavarian Airlines Limited heisst sie und hat ihren Sitz im hippen Londoner Künstlerviertel Shoreditch.
Hinter der Adresse steckt aber ein Standort für Briefkastenfirmen, geben doch über 200 Unternehmen das dortige Bürogebäude als Firmensitz an. Laut Medienberichten wurde die Gesellschaft hinter der neuen Airline im September 2022 als hessische Finanzgruppe gegründet. Im Dezember erhielt sie ihren heutigen Namen. Das einbezahlte Kapital beträgt 150’000 Euro.
Bis vor kurzem wies die Website Berichten zufolge zudem noch eine zweite Firma als offizielle Trägerin der Fluggesellschaft aus: die Bayerische Fluggesellschaft GmbH. Bis heute ist im deutschen Handelsregister aber kein Unternehmen mit diesem Namen eingetragen. Übergangsmässig stand dahinter deshalb die Abkürzung "i. G.", in Gründung. Der Hinweis auf die deutsche Firma ist mittlerweile ganz von der Website verschwunden.
Der Teenager wurde von der Bundespolizei aufgegriffen
Inzwischen hat sich der Traum von A. K. vollkommen in Luft aufgelöst. Gegen ihn liegen mehrere Strafanzeigen vor. Er soll Schulden von rund einer halben Million Euro angehäuft haben. Und die deutsche Bundespolizei nahm ihn kurzzeitig an einem Flughafen fest, um einen möglicherweise gefälschten Ausweis zu überprüfen.
Das wohl Kurioseste an der ganzen Geschichte: A. K., der sich in der Öffentlichkeit stets als 18-Jähriger ausgibt, ist erst 15 Jahre alt. Dies deckte das Startup-Magazin "Gründerszene", das zum gleichen Verlagshaus wie die "Handelszeitung" gehört, in einer gemeinsamen Recherche zusammen mit dem Luftfahrt-Experten Sebastian Steinbach von "Air Crash Podcast" auf.
Ein vom Airline-Gründer geprellter Investor bestätigte gegenüber dem Rechercheteam den Befund. Er habe einen Ausweis gesehen, auf dem das korrekte Geburtsdatum von K. stehe. Der Teenager widerspricht dieser Darstellung. Dafür, dass K. aber wirklich erst 15-jährig ist, spricht auch die inzwischen entfernte Personenangabe auf seinem Linkedin-Profil, wonach er 2026 sein Abitur machen wird.
Der schwerwiegendste Vorwurf, der gegen K. vorliegt, ist aber jener wegen gewerbsmässigen Betrugs. Allein der bereits erwähnte Investor macht Forderungen von über 165’000 Euro geltend. Der Unternehmer aus dem Saarland spendierte dem jungen Teenager Flüge, Hotelaufenthalte sowie Geschäftsessen und zahlte für Consulting, ein Security-Unternehmen und PR, wie er "Gründerszene" berichtete.
Als Sicherheit für diese Zahlungen legte K. seinem Förderer einen Kontoauszug vor, wonach er bei der UBS 3 Millionen Franken parkiert haben soll. Laut den Recherchen hat er aber das Dokument mit Photoshop gefälscht. Zu den Geschädigten zählt auch ein Immobilienmakler aus Frankfurt, der 100’000 Euro für die Rückabwicklung eines Wohnungskaufs verlangt.
A. K. ist nicht einfach ein "reiner Schwindler"
Die Geschäftsidee für Bavarian Airlines basiert auf dem Prinzip von sogenannten virtuellen Airlines. Die neue Fluggesellschaft sollte unter eigenem Namen Flüge anbieten, ohne aber selbst etwa über ein Flugzertifikat, Flugzeuge, Piloten und Kabinenpersonal zu verfügen. Einen solchen Wet-Lease-Vertrag schloss Bavarian Airlines mit dem maltesischen Anbieter United Airlines. Die dafür fälligen 300’000 Euro sind aber laut "Gründerszene" nie übermittelt worden.
Zurück bleibt die Frage, wie diese Unternehmen und Geschäftsmänner auf einen 15-jährigen Teenager reinfallen konnten. "Der war einfach in seiner manipulativen und überzeugenden Art grossartig", sagt der Aviatik-Kenner Steinbach im "Gründerszene"-Podcast "So geht Startup". K. sei nicht einfach nur ein Schwindler, sondern verfüge ziemlich sicher über eine hohe Intelligenz.
Der Beschuldigte selbst weist alle Anschuldigungen von sich – und beharrt darauf, dass er an der Partnerschaft mit United Airlines festhalten wolle. Auf der Website der Fluggesellschaft lebt er seinen Traum weiter. Dort heisst es prominent: "Explore Beyond Boundaries with Bavarian Airlines". Frei übersetzt: Gehen Sie mit Bavarian Airlines über die Grenzen hinaus.
Dieser Artikel erschien in der Handelszeitung unter dem Titel "Wie ein Teenie die Lufthansa rivalisieren wollte – und abstürzte".