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Wir betraten ein winziges Geschäft in der weiten Leere der texanischen Wüste. Draussen wirbelten ein paar runde Strohbüsche über die einsame Strasse. Die nette Frau sah uns kommen und öffnete ihren Tauchladen extra für uns. Sie ging auf Krücken; wir fragten nicht warum. Ihr Mann arbeite als Tauchlehrer im Hotel-Camping nebenan. Da hatte es nämlich ein riesiges und sehr tiefes Schwimmbad, das von einer unterirdischen Quelle gespeist wurde.
Wir waren gekommen, um eine Taucherbrille zum Schnorcheln für Desmond zu kaufen. Das kleine Geschäft hatte Charme, die Frau um die sechzig auch.
Sie fragte, ob wir tauchten
“Nein, leider nicht.” Sie meinte, das sei auch nicht nötig, man sehe Fische auch von der Wasseroberfläche, wenn man gut hinschaue. “In Malaysia“, schwärmte ich, “da waren wir auf einer Insel, wo wir im warmen Meer stehen konnten und innerhalb von wenigen Minuten umzingelten uns die schönsten Tropenfische. Das Wasser war so klar, dass wir die schwimmenden Tiere wunderbar beobachten konnten.”
Die herzige Frau lächelte und fragte: “Wo ist das, ist das weit weg?” “Ja, sehr weit weg”, erklärte ich. Die blauen Augen meines Gegenübers wurden ganz feucht: “Ah, das ist aber schade, das würde ich in meinem Leben so gerne auch mal erleben. Wäre es nicht schön, wenn meine Familie und ich da hin könnten?”
Und in dem Moment wünschte ich mir ganz reich zu sein. Wünschte ich mir, einfach zum nächsten Reisebüro fahren und ein paar Pauschalangebote nach Malaysia buchen zu können. Wäre es nicht schön, wenn wir anderen Menschen solche Träume erfüllen könnten?
Aus meinem Reisetagebuch: Im Tauchgeschäft in Texas, USA, 2011