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1410 – Sainte Marie (Nosy Boraha)
Eine Reise an die Ostküste (Andasibe, Tamatave) oder an die Nordostküste (Masoala Regenwald) lässt man am besten mit einigen idyllischen und erholsamen Tagen auf dem Inselparadies Sainte Marie ausklingen.
Sainte Marie ist per Boot oder Flug erreichbar. Nach einem ca. einstündigen Flug ab der Hauptstadt Antananarivo oder ab der Ostküste per Boot heisst uns die tropische Insel Sainte Marie willkommen. Sie liegt wie ein Ausrufezeichen in Sichtweite vor der mittleren Ostküste Madagaskars.
Das Naturparadies an der Ostküste Madagaskars heisst auf Französisch Sainte Marie oder Nosy Boraha auf Madagassisch und dieser Name ist heute der offizielle madagassische Name. Der Name Boraha ist mit verschiedenen Legenden und mit der Geschichte der Insel verbunden.
Boraha soll vom Namen Ibrahim oder Abraham abstammen, ein arabischer oder jüdischer Seefahrer, der sich gegen Ende des 16. Jahrhunderts mit weiteren Leuten aus seiner Heimat auf der Insel niederliess. Die mündliche Überlieferung erzählt auch von einem Mann namens Boraha, der einst von einem Wal aufs offene Meer getrieben wurde, schliesslich auf der Insel strandete und hier siedelte.
Im lokalen Dialekt wird diese Tropeninsel auch Nosy Mbavy oder “Insel der Frauen“ genannt.
Die Insel bedeckt eine Fläche von ca. 210 km², ist etwa 58 km lang und zwischen einem und knapp 6 km breit. Am Südende der „Hauptinsel“ Sainte Marie schlisst sich die klitzekleine Insel „IIe aux Nattes“ an: auf einer Landkarte wirken beide wie ein Ausrufezeichen.
Landschaftlich hat die Insel einiges zu bieten, ein grünes, tropisches Fleckchen mit üppiger Vegetation und exotischen Früchten, schattenspendenden Kokospalmen, rauschenden Wasserfällen, türkisfarbenen Lagunen, weissen Sandbuchten, endlosen warmen Sandstränden, einem blaugrünen Meer – und nicht zu vergessen: die gastfreundlichen Insulaner! Diese Eigenschaften faszinieren bis heute die Madagaskar-Besucher!
Man braucht nur Augen und Ohren offen zu halten und jeder Reisende kann diese Schatzinsel in vollen Zügen geniessen. Inselfeeling pur.
Seine Pflanzenpracht verdankt Sainte Marie dem Ostenküstenklima mit seinen reichlichen Niederschlägen. Der fruchtbare Boden lässt auch edle Gewürze wie Vanille, Zimt, Gewürznelken und Pfeffer, sowie duftende Orchideen und zahlreiche andere Blüten im Überfluss wachsen. Die wichtigste Einkommensquellen der Inselbewohner sind der Anbau und der Verkauf der Gewürznelken. Wenn man Glück hat, entdeckt man auf einem Sparziergang am Waldweg die seltene Orchideenart Stern von Madagaskar (Angraecum sesquipedale).
Gute Eindrücke vom Inselleben erhält man bei Rundgängen auf schmalen Pfaden über flache Hügel, entlang kleiner Wasserläufe und vorbei an tropischer Pflanzenpracht. Im Inselinneren trifft man die Einheimischen in ihren Palmhütten, auf Reisfeldern oder in Pflanzgärten. Das Motto für den Badeurlaub auf der Insel heisst auf madagassisch “Moramora“, dies bedeutet soviel wie “immer mit der Ruhe“ oder “nimm dir Zeit“ und einfach “geniessen“. Ungeduld ist unhöflich und dies trifft sehr gut den Alltag der Inselbewohner, denn sie haben Zeit im Überfluss. Das Leben läuft entsprechend geruhsam ab. Hier reparieren die Männer die Dächer der blattbedeckten Pfahlhütten, in der Nähe stampfen die Frauen Reis oder Mais, die Grosseltern tauschen auf Strohmatten sitzend Neuigkeiten mit ihren Nachbarn aus und die Kinder spielen miteinander und passen auf ihre kleinen Geschwister auf. Nur bei Sonnenuntergang herrscht ein fast geschäftiges Treiben. Die Fischer machen sich mit Speeren und Netzen auf, um das Abendessen zu fangen und abends vor dem Schlafen gehen, sitzen alle Familienglieder bei Kerzenschein oder am Feuer zusammen.
Das Leben ist recht beschaulich auf dieser Insel. Wenn die Reisenden auf der teilweise geteerten Strasse mit dem Tuk Tuk oder mit dem Fahrrad unterwegs sind, lässt sich die Insel Stück für Stück erkunden. Die verschiedenen Ausflugziele sind relativ einfach vom Hauptort Ambodifotatra zu erreichen.
Der Hauptort der Insel heisst Ambodifotatra (wörtlich heisst das “in der Nähe des Baumes Fotatra“. Dieser Riesenbaum mit wissenschaftlichem Namen Barringtonia butonica wächst häufig auf dieser Tropeninsel und ist eine immergrüne, schattenspendende Baumart, deren Blüten nachts einen intensiven Duft verströmen. Ambodifotatra liegt ca. 12 km nördlich des Flughafens an der Westküste und ist ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge. Hier befinden sich auch der kleine Hafen für die Ein- und Ausreise zum Festland, verschiedene Banken, die Post, auch Internetcafés und viele Läden. Ein Spaziergang durch das verträumte Nest, das bunte Markttreiben mit vielen Gemüsesorten oder ein Bummel durch die Kunsthandwerksläden vermitteln viele Eindrücke über das Leben der Leute von Sainte Marie.
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Die einzige Piste vom Süden nach Norden führt zum “Naturpool“. Man fährt etwa 40 km auf einer holprigen Piste, über mehrere Hügelketten, vorbei an malerischen Dörfern und an kleinen Gewürzfeldern. Hier locken auch ein Wasserfall und ein klarer Teich, nicht umsonst zählt diese Strecke zu den beliebtesten Ausflugszielen der ganzen Insel.
Das “Piscine Naturelle“ (natürliches Schwimmbad) mit wunderbaren Rast- und Bademöglichkeiten liegt ganz am nördlichen Ende der Insel und nicht weit vom grossen Leuchtturm Phare Albrand entfernt. Die kurze Wandertour zu diesem “heiligen Wasserbecken“ sollte man wegen der Tabus unbedingt in Begleitung eines einheimischen Führers machen, denn an diesem Ort mit mehreren Felslöchern wohnen – so heisst es . die Vorfahren der Leute von Sainte Marie. An diesem idyllischen und erholsamen Sandstrand, weit weg vom grossen Rummel, ist natürlich baden möglich und wer kein Picknick-Mittagessen mitgenommen hat, kann im kleinen lokalen Gasthaus mit offener Terrasse eine madagassische Spezialität bestellen.
In den Monaten Juli bis September bietet sich ein ganz besonderes Erlebnis auf der Insel: Die Buckelwale aus der Antarktis kommen wegen des planktonreichen Gewässers hierher und tummeln sich an der Westküste der Insel. Also zwischen Sainte Marie und der Hauptinsel Madagaskar. Alljährlich um diese Zeit ziehen viele dieser beeindruckenden Meeresriesen der Küste Madagaskars entlang, um sich zu paaren oder zu kalben. Ein eindrucksvolles Schauspiel, das lange in Erinnerung bleibt! Motorboote ermöglichen einzigartige Walbeobachtungen: die durchziehenden Riesentiere mit ihren Kälbern zu sehen gehört zu einer der Hauptattraktionen auf der Insel.
Eine weitere beliebte Exkursion auf Sainte Marie ist der Besuch des sagenumwobenen Piratenfriedhofs am Südende der Baie des Forbans oder auf Deutsch die “Seeräuberbucht“. Der Zugang befindet sich am Südende der Bucht und ist etwa eine halbe Stunde zu Fuss bei Ebbe zu erreichen.
Dieser Friedhof erinnert in vielen Aspekten an die ehemalige Inselgeschichte. Oben auf den Hügeln öffnet sich der Blick nicht nur auf die Bucht der Insel, sondern auch auf die Ruhestätten zahlreicher Piraten, die hier zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert bestattet wurden. Viele Gräber sind mit Totenschädeln und mit zwei gekreuzten Knochen geschmückt und die Gravuren auf den vermoosten Grabsteinen lassen die Phantasie schweifen. Der lokale Führer erzählt gerne die spannende Geschichte dieser Freibeuter, die sich damals in die madagassische Gesellschaft integrierten.
Man kann sich sehr gut vorstellen, warum einst die Seeräuber diese verträumten und versteckten Buchten als ihren bevorzugten Rückzugsort oder Schlupfwinkel ausgewählt hatten. Die Lage und die Bedingungen waren ideal für einen Piratenstützpunkt: fruchtbarer Boden mit tropischem Klima, genügend Lebensmittel, frisches Wasser und vor allem die Handelsrouten im nördlichen Indischen Ozean, um die vorbeisegelnden Handelsschiffe auf ihrem Weg zwischen Arabien und Asien zu überfallen.
Tatsächlich war Madagaskar zwischen 1680 und 1720 ein berüchtigter Piratenhort, wo Seeräuber ihre Segelschiffe reparierten, ihr Diebesgut verhökerten und sie es sich einfach gut gehen liessen. Das erste und einzige Piratenmuseum in Antananarivo beschreibt und beleuchtet ausführlich die Hintergründe und die Aktivitäten der damaligen Freibeuter in Madagaskar und berichtet auch über das Ende der Piraterie im Indischen Ozean. (Zu sagen ist, dass wir den der PRIORI dieses Piratenmuseum erstellt haben und es unterhalten.)
Noch immer führt die Inselbevölkerung auf Sainte Marie ein recht ursprüngliches Dasein, denn als Unterkünfte dienen meist einfache palmengedeckte Hütten, gebaut aus der stolzen Ravinala-Palme, die das wichtigste Baumaterial liefert.
Die verschiedenen Spaziergänge durch die malerischen Fischerdörfer mit den duftenden Nelkenfeldern, die gemächlichen Pirogenfahrten entlang der Küste, die vielen Badebuchten oder die Velofahrten durch die duftenden Gewürzfelder mit Vanille, Zimt und Nelken lassen allen Besuchern Raum, um die Insel zu erkunden.
Die schönen Korallenriffe und interessanten Wracks rund um die Insel sind fast das ganze Jahr über eine Herausforderung für Taucher und Schnorchler.
Mit dem Tuk Tuk oder dem Taxi geht es zum kleinen Meereskanal, der die grosse Insel Ste. Marie vom schönen Naturparadies, der kleinen Insel Ile aux Nattes oder Nosy Nato, trennt. Man erreicht die paradiesische, romantische Insel mit einer Piroge (Einbaum). Ruhesuchende finden hier ein Eiland ohne Strassen, denn die Insel ist autofrei!
Die traumhaften Strände, das beschauliche Inselleben, die hervorragende Küche, die freundlichen Insulaner machen die Insel zu einem märchenhaften Ort.
Die Insel ist weitaus ursprünglicher als auf der Hauptinsel Sainte Marie, das Leben geht seinen ruhigen Gang. Hier tummeln sich die Fische in allen Farben und Formen. Das wissen auch die Fischer, die aus ihren kunstvoll aus einem Stamm gehauenen Pirogen ihre Netze auswerfen. Hier gibt es nur einige schmale Fusspfade über den sandigen Boden, die sich zwischen Palmen, tropischen Gewächsen, kleinen Bungalows und Hütten hindurchschlängeln.
Durch Reisfelder, Dörfer und Weiler gelangt man bis zum Leuchtturm, von dem aus man einen weiten Rundblick über das Meer und die Insel hat.
Gäste sind in hübschen Bungalows untergebracht, die sehr geschmackvoll eingerichtet sind und über Bad und Terrasse verfügen. Auf der Speisekarte stehen die Spezialitäten des Hauses: frisch gefangene Garnelen mit grüner Pfeffer Sauce oder gegrillter Fisch nach madagassischer Art.
Ein paar Schritte über den feinen weissen Sandstrand und das warme Wasser des Indischen Ozeans umspült die Füsse. Oder man geht bis zum Korallenriff, wo man bereits nach wenigen Metern viele bunte Fische und Meerestiere beobachten kann.
Natürlich bleibt Zeit und Musse, unter den schönen Palmen am Strand “die Seele baumeln zu lassen“ und bei einem erfrischenden Getränk und mit einem guten Buch im Liegestuhl den Abend und später den Sonnentergang zu geniessen.
Die beiden Inseln Sainte Marie und Ile aux Nattes sind kleine Paradiese für Reisende, die mehr Natürlichkeit und persönlichen Kontakt suchen.
Man kann die Madagaskarreise hier starten bzw. sich hier in aller Ruhe akklimatisieren und sich für die bevorstehenden Entdeckungstouren vorbereiten oder sich am Ende einer Madagaskarreise auf diesen Tropenparadiesen entspannen und die vielen Reiseeindrücke verarbeiten.
Wer einmal hier war, den packt irgendwann wieder das Fieber der Sehnsucht, nach all dem, was unentdeckt blieb, denn die Vielfalt der Inseln und die Gastfreundlichkeit der Insulaner wecken in einem die Lust, die verschiedenen Highlights dieser Naturparadiese in Madagaskar noch einmal zu erleben.
August 2020; geschrieben von: Bodo, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker PRIORI Madagaskarhaus Basel