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| Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).

Siebtes Buch
VII. Kapitel
39.
1. Deshalb ist es vor allem für diejenigen angemessen zu beten, die die Gottheit in der richtigen Weise kennen und die Tugend besitzen, die der Gottheit entspricht; denn sie sind es, die wissen, was die wahren Güter sind und was man erbitten muß und wann und wie alles einzelne.
2. Es ist aber die größte Torheit, von denen, die keine Götter sind, etwas zu erbitten, als ob sie Götter wären, oder das zu erbitten, was nicht zuträglich ist, wobei man in der Vorstellung, daß es sich um etwas Gutes handle, für sich selbst etwas Schlimmes erbittet.
3. Da der gute Gott nur einer ist,1 so ist es richtig, wenn wir von ihm allein erbitten, daß von dem Guten uns das eine gegeben werden, das andre uns erhalten bleiben möge; das erbitten wir und die Engel, aber wir tun beides nicht in gleicher Weise.
4 Denn es ist nicht das nämliche, darum zu bitten, daß die Gabe bei uns bleiben möge, und uns darum zu bemühen, daß wir sie überhaupt erhalten. Aber auch die Bitte um Abwendung des Bösen ist eine Form des Gebets.
5. Aber ein solches Gebet darf man nie zum Schaden für andere Menschen verwenden, es sei denn, daß der Gnostiker sein Gebet so gestaltet, um bei denen, die "verhärteten Herzens"2 sind, die Achtung vor der Gerechtigkeit geschickt zu bewirken.
6. Es ist also das Gebet, um diesen kühnen Ausdruck zu wagen, ein Gespräch mit Gott. Wenn wir daher auch nur flüsternd und, selbst ohne die Lippen zu [S. 46] öffnen,3 schweigend zu ihm sprechen, so rufen wir laut zu ihm in unserem Herzen; denn Gott hört ununterbrochen die innere Stimme unseres Herzens.
1: Vgl. Mt 19,17.
2: Vgl. Eph 4,19.
3: 1Kön 1,13.