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1998
Projekt Herrmann
… für männliche Prostituierte
Dazu schrieb François Baur in den Network News vom September 1998:1
"Der Network-Informationsapero am 26. August 1998 war gut besucht. Der Vorstand hatte dazu Ruth Rutmann eingeladen, die Geschäftsführerin der Aids-Hilfe Schweiz (AHS) und als solche verantwortlich für das HIV/Aidsprojekt 'Male Sex Work' (für männliche Prostituierte) der AHS, worunter auch das stadtzürcherische Projekt Herrmann läuft. Als weiterer Experte war Professor Dr. Felix Gutzwiller anwesend. Auch Roger Staub als Vertreter des (Abstimmungs-)Komitee Herrmann hatte sich eingefunden. Ziel der Veranstaltung war es, das Projekt Herrmann den Mitgliedern vorzustellen und sich ein Bild von der Notwendigkeit einer möglichen Unterstützung des Abstimmungskampfes durch Network zu machen.
[...] Die Beratungsstelle Herrmann in der Stadt Zürich wird mit 94'000 Franken hauptsächlich durch die AHS getragen. Je 30'000 Franken steuern der Kanton Zürich und die Stadt zusätzlich bei. Gegen den städtischen Beitrag hat die SVP, (rechtsbürgerliche) Schweizerische Volkspartei der Stadt Zürich, nun das Referendum ergriffen. Damit ist nicht nur das Aidspräventionsprojekt in der Stadt Zürich gefährdet, sondern auch das System der Aids-Hilfe Schweiz, welches als Bedingung für eine Unterstützung des Bundes auf einem klaren Engagement der betroffenen Gemeinden aufbaut.
Während früher vor allem Schwule und Drogenabhängige die Hauptlast der Krankheit zu tragen hatten, sind heute immer mehr Heterosexuelle vom Virus bedroht. [...] Nicht mehr die breite Bevölkerung [...] muss über Prävention informiert werden, sondern spezifische Nischengruppen, welche heute als besonders gefährdet und Dritte gefährdend angesehen werden müssen. Dies sind beispielsweise heterosexuelle Männer und Frauen, die sich hin und wieder einen Seitensprung leisten, und das Sexgewerbe, in welchem die meist männlichen Kunden [...] Sex ohne Kondom verlangen. Diese Gruppen sind besonders resistent gegen herkömmliche Aufklärungsmethoden. Ausserdem sind das Bereiche, die auch heute noch durch viele gesellschaftliche Tabus gekennzeichnet sind. [...]
Zu einer solchen Nischengruppe gehören die männlichen Prostituierten. Ein typischer Sexworker ist zwischen 18 und 27 Jahre alt, oft heterosexuell veranlagt, und befindet sich nur vorübergehend und illegal in der Schweiz. [...]
Die Bereitschaft, für mehr Geld ungeschützten Verkehr zuzulassen, ist bei Amateur-Strichern und Drogenabhängigen besonders hoch. Dies wird von Experten auch darauf zurückgeführt, dass männliche Prostituierte oft ein sehr niedriges Selbstwertgefühl haben. Und hier setzt das Präventionsprojekt der AHS ein: Nur wer sich selbst etwas wert ist, sieht auch ein, dass er sich schützen muss [...]. Deshalb ist ein wichtiges Ziel des Projekts Herrmann die Stärkung des Selbstbewusstseins [...]. Dies geschieht durch das Bereitstellen einfachster Infrastruktur, wie der Möglichkeit, sich zu duschen und mit Gassenarbeitern in der eigenen Sprache über persönliche Probleme zu sprechen. Erst das Vertrauen zu Beratern des Projekts Herrmann ermöglicht es, diesen Männern die Notwendigkeit von Präventionsmassnahmen gegen Aids bewusst zu machen."
Ernst Ostertag, Juni 2008 und November 2011
Quellenverweise
- 1
Network News, Nr. 13, September 1998, Seiten 3 ff