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Jahre 1920 – 1945
Die Sorgen um den Schiessplatz waren nicht verschwunden.
Ein in Riehen wohnhafter Eigentümer einer Parzelle, die im Schussbereich lag, klagte gegen den Verein, und 1923 konnte das umstrittene Gebiet für 400 Franken durch die Einwohnergemeinde gekauft werden. Weiter konnte man sich im Verein entschliessen, eine vor dem damaligen Scheibenstand am Schützenrain gelegene Parzelle für 350 Franken zu kaufen. Sie war 1907 für 60 Franken angeboten worden!
Das Geld musste allerdings die Gemeinde leihen. Damit war wieder einmal das Schlimmste abgewendet. Das Jahr 1923 ist von den Vereinsmitgliedern als Schicksalsjahr betrachtet worden, denn eine Unnachgiebigkeit des Klägers hätte das Ende des Vereins bedeuten können. Nur den gemeinsamen Anstrengungen des Schiessoffiziers, Oberst Metzger aus Aarau, des damaligen Gemeindepräsidenten Emil Schlup und des Vereinsvorstandes mit seinem Präsidenten Fritz Krebs war dieser glückliche Ausgang zu verdanken.
Nach den Protokollen zu schliessen, herrschte in den folgenden Jahren wieder ein unbeschwertes Vereinsleben. Man besuchte Schützenfeste in Allschwil, Pratteln und Witterswil und veranstaltete Freundschaftsschiessen mit den Schützenvereinen in Riehen. Ebenfalls gehörte es zu einer vornehmen Pflicht des Vereines, abwechselnd mit dem Turnverein die jährliche Kilbi zu organisieren und durchzuführen. 1929 trat der Verein dem Kantonalen Schützenverband Basel bei, und am 9.10.1932 feierte man den 50. Geburtstag des Vereins mit einem Jubiläumsschiessen.
Die Gäste waren damals eine Delegation der Schützengesellschaft Riehen, die Freischützen Birsfelden und die Fünferschützen Basel. Es war offenbar ein gelungener Anlass mit 65 Schützen, denn, wir zitieren:
„Der auch eingeladene Feldschützenverein Riehen schickte eine Absage, weil er gerade an dem Sonntag sein Endschiessen durchführte. Doch das tat der Sache keinen Einhalt, denn wenn noch mehr gekommen wären, hätten wir sie auf das Dach beigen müssen.“ Und am Schluss seines Berichtes über die Jubiläumsfeier im Brohus nach viel Schnitzelbank, Gesang und Wein schreibt der damalige Aktuar Jakob Bertschmann:
„Und nun wünsche ich denen, die das zweite halbe Jahrhundert erleben und feiern, ebenso viel Humor und Saft, wie wir es hatten; auf nun, in die nächsten 50!“
Dieser fromme Wunsch soll nicht in den Protokollbüchern
vergraben bleiben. Hoffen wir nur, dass die Dächer von Bettingen ausreichen, um die Gäste aufzubeigen. Aus Anlass dieses Jubiläums begann man mit der Sammlung für eine Standarte, aber erst sechs Jahre später sollte es soweit sein, dass man sie wirklich kaufen konnte. Vorher verzeichnen wir noch die erste Teilnahme an einem
Kantonalen Schützenfest, dem 10. in Allschwil, am 8. bis 16. Juli 1933. Eine Gruppe von 16 Mann errang immerhin einen Eichenkranz.
Dann kam eine neue Herausforderung für den Verein. Zunehmende Beschwerden über den Schiessbetrieb in Bettingen, aber auch eine zunehmende Bautätigkeit im Gebiet des Buck, zwangen offensichtlich zu einer Verlegung des Schiessplatzes. Ende 1934 beschloss die Vereinsversammlung, einen neuen, nämlich den heutigen Schiessplatz zu bauen. Der Voranschlag belief sich auf 7.000 Franken, eine horrende Summe, wenn man die Finanzkapazität des kleinen Vereins von damals 33 zahlenden Mitgliedern bedenkt. Des weiteren waren rechtliche Fragen zu lösen, da man über die Parzellen dreier verschiedener Besitzer schiessen musste. Es waren Nutzungsrechte für Wege zu erwerben, und schliesslich musste der Wald zurückgeschnitten werden. Insgesamt waren so sechs Parteien betroffen. Da bereits im Januar 1935 die Zusage von Regierungsrat Niederhauser über eine Spende des Kantons Basel-Stadt von Fr. 2.000.– eintraf, fiel der Entschluss, die neue Anlage zu bauen, nicht mehr so schwer. Der Vereinspräsident Fritz Kerker fand auch den Mut, den damaligen Bundespräsidenten Rudolf Minger um finanzielle Hilfe zu bitten. Dieser empfahl wohlwollend das Bundesamt für Industrie, Gewerbe und Arbeit, mit Erfolg, wie sich später herausstellte. 1935 stand ganz im Zeichen des Baus der neuen Anlage, die nur unter kräftiger Mithilfe der Mitglieder entstehen konnte. Eine vorläufige Abrechnung ergab bei Fr. 8.835.– Ausgaben und Fr. 5.400.– Einnahmen eine Schuld von ungefähr Fr. 3.400.–, die man wenigstens teilweise mit den Einnahmen eines Schützenfestes hoffte, tilgen zu können. Die Bürgergemeinde gab dem Verein dazu ein Darlehen von Fr. 3.000.– zu 3% Zins.
Im folgenden Jahr, 1936, war der Stand mit modernen Zugscheiben, System Moser, fertiggestellt. Im Mai wurde das beschlossene Schützenfest ein voller Erfolg mit einem Gewinn von Fr. 3.220.–. Als dann ein Jahr später noch die lange erhoffte Subvention aus Bern eintraf, konnte die Schuld voll zurückbezahlt werden. Noch heute weist manches Vereinsmitglied, das in jener Zeit hart mitgearbeitet hat, mit grimmem Stolz darauf hin, dass man ohne Hilfe der Einwohnergemeinde auskommen musste und konnte. Endlich 1938 konnten sich die Feldschützen Bettingen eine Standarte kaufen. Bereits zehn Jahre zuvor waren die ersten Anträge dazu eingereicht worden, denn das erste Exemplar war längst unbrauchbar.
Es ist hier Gelegenheit, kurz auf das Wappen der Feldschützen Bettingen einzugehen. Der Bettinger Becher, allgemein als Hinweis auf den früher hier betriebenen Rebbau bekannt, ist eigentlich ein Erbe der Truchsessen von Wolhusen. Das Wappen der Feldschützen enthält aber noch ein zweites, spezifisch geschichtsbezogenes Symbol, nämlich den schwarzen Bären auf drei roten Bergen (Felsen) vor goldenem Hintergrund. Es ist das Wappen der Familie Bärenfels, das an die Frühgeschichte von Bettingen erinnert, wie sie in der Dorfchronik von L.E. Jselin beschrieben ist.
Das Geschlecht der Bärenfels, das ein Schloss bei Wehr bewohnte, war mehr als 160 Jahre Eigentümer von Twing (Bezirk) und Bann in Bettingen. Diese Grundrechte waren möglicherweise durch die Heirat des Johann von Bärenfels mit Margareta von Hertenberg, einer Tochter des ehemaligen Vogtes von Riehen, Konrad von Hertenberg, im Jahr 1311 erworben worden. Der Urenkel, Arnold II von Bärenfels, trat seine Lehnsrechte in Bettikon 1392 an die Stadt Basel ab, und sein Sohn Arnold III von Bärenfels, Bürgermeister von Basel, bekam 1437 wieder die „hohen Gerichte zu Bettiken“ vom Bischoff als Lehen übertragen. 1472 verkauften drei Brüder von Bärenfels ihren Besitz und die Rechte an Arnold Truchsess von Wolhusen.
Wir sehen, das Wahrzeichen der Feldschützen hat viel Bezug zur Geschichte des Dorfes, und es wird verständlich, wenn dieses beziehungsreiche Symbol zum 100. Geburtstag des Vereins nach immerhin 44 Jahren in Form einer Fahne erneuert werden soll.
Dann kam die Zeit, wo die Gewehre im Zeughaus abgeliefert werden mussten, und es war zu befürchten, dass sie einem weit ernsteren Zweck dienen würden. Der Zweite Weltkrieg war ausgebrochen. Aus Mangel an Munition wandte man sich 1940 mehr dem Kleinkaliberschiessen zu. Die obligatorischen Uebungen mussten ausfallen, und die Statuten wurden dahin geändert, künftig keine Ausländer mehr in den Verein aufzunehmen. Die folgenden Jahre waren eine Durststrecke für die Bettinger Schützen, da die Munitionszuteilung für einen regulären Schiessbetrieb nicht ausreichte. Wohl gab es vereinzelte Ausmärsche und Winterschiessen. 1942 feierte man auch den 75. Geburtstag der Feldschützen Riehen, und in diesem Jahr absolvierte man im Verein zum ersten Mal das obligatorische und fakultative Programm für Pistole und Revolver.