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Mr. Majestyk ist ein kurioser Film. Charles Bronson als Vietnam-Veteran, der im staubigen Colorado Melonen anbaut. Melonenbauer? Wohl einer der am wenigsten verfilmten Berufe Hollywoods… Doch es wäre kein Bronson-Film, bekäme er hier keinen Ärger. Majestyk wird ins Gefängnis geworfen um dann gemeinsam mit einem gesuchten Killer auszubrechen, den er den Behörden danach aber wieder ausliefert um von seinen eigenen Anklagepunkten freigesprochen zu werden. Der Mob findet das weniger toll und rächt sich an Mr. Majestyk.
Charles Bernstein hat zwar einen sehr bekannten Nachnamen, mit Elmer Bernstein direkt aber nichts zu tun. Heutigen Kinogängern dürfte er mit seinem Thema zu White Lightning wegen dessen Verwendung in Kill Bill Vol. I bekannter sein als für sein sonstiges Schaffen, wenn er sich auch in den 80er Jahren mit Musiken zu Horrorfilmen einen Namen machte: April Fool’s Day, Cujo, The Entity aber insbesondere A Nightmare at Elm Street dürfte den meisten geläufig sein. Heute schreibt der 66jährige Amerikaner fast ausnahmslos für TV-Musiken. Ich selber besitze nur wenige Scores von Charles Bernstein, die erwähnten Elm Street und Cujo sowie Saddat.
Für Mr. Majestyk (1974) wurde Bernstein engagiert, weil die Macher etwas Frisches, Unverbrauchtes suchten. Und so kreierte Charles Bernstein einen bluesig-staubigen, sehr sparsamen Score, der den kantigen Melonenbauer Bronsons und die Umgebung, in der der Film spielt, treffend untermalte. Die Sparsamkeit ist ein typisches Indiz für Anfangs- bis Mitte 70er Scores, weniger aber der angesprochene Bluescharakter, dem Bernstein ausserdem mexikanische und sogar Italowestern Elemente beimischt.
Auffallend schön ist das Solotrompeten-Thema (genauer der zweite Teil des Themas, das mehr Verwendung im übrigen Score findet) der beiden Titelmusiken (Majestyk Main Title, Majestyk’s Land), das auch etwas an Jerry Goldsmiths Extreme Prejudice, insbesondere aber an das einsame Thema aus First Blood oder Bruce Brougthons Jackknifeerinnert. Es hat dieselbe treffliche Qualität von „einsamer Wolf“ und Melancholie. Ein weiteres auffallendes Element ist die E-Gitarre mit ihrem effektvollen „wah-wah“ und die zeitgemässe, funkige Unterstützung mit Perkussion, Bass und Rhythmusgitarre.
Bernsteins Instrumentation nimmt sich mit kleinem Streicherensemble (keine Bratschen und Kontrabässe), E- und Akustikgitarren, Mundharmonika, elektronischen Beigaben und pointiertem E-Bass sowie einer Rhythmussektion, Klavier und einem Bouzouki – eine griechische Laute mit langem Hals (findet in ähnlicher Form auch in der irischen Musik Verwendung) – recht besonders aus.
Erwähnenswert neben dem Hauptthema ist ein mal leichterer (Up to No Good), mal recht auffälliger (Tension Dimension, On the Move) Morricone-Touch und die flotten, leider sehr kurzen Actiontracks Another Ride on the Bus, Bus Escape und Chasing the Chase. Hier ist ganz klar perkussiv forcierter Funk angesagt. Feine Sache.
Es finden sich auch drei sogenannte source music Stücke, so zum Beispiel das mexikanische At the Cantina, Bobby’s Truck Rock’n’Roll und Country Junk. Diese stammen ebenfalls aus Charles Bernsteins Feder.
Bei einer Lauflänge von nur 33 Minuten – zieht man die 6 Minuten source music ab, sind es gerade mal 27 Minuten – fragt man sich schon, weshalb Intrada hier keinen anderen Score zusätzlich auf die Scheibe gebracht hat. Es hätte sich sicher noch ein anderer Genrescore aus den 70ern finden lassen um uns, dem Kunden, eine „volle“ CD präsentieren zu können.
Die Liner Notes stammen unter anderem von Daniel Schweiger und enthalten aktuelle, durchaus interessante Anmerkungen von Charles Bernstein.
Mr. Majestyk ein gelungenes kleines Werk, das noch mehr Spass macht, wenn man den Melonen-Film kennt und die Musik mit dem zerfurchten Gesicht Bronsons assoziieren kann.
MR. MAJESTYK Charles Bernstein Intrada Special Collection Volume 109 33:27 Min. / 21 Track Limitiert auf 1200 Stk.