Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03529.jsonl.gz/2371

DAS GEHEIMNIS DES BLINDEN MEISTERS
29.05.2015 (CH & D)
Tatverdächtige(r):
Cord
Tatbestand:
In einer fremden Welt macht sich der Krieger Cord auf die Suche nach dem Buch der Weisheit. Jenes befindet sich im Besitz des legendären Kämpfers Zetan, der noch von keinem Krieger besiegt werden konnte. Auf seiner Reise durch ein unwirkliches Land muss Cord diverse Prüfungen bestehen. Dabei kreuzt sich sein Weg immer wieder mit dem eines mysteriösen blinden Meisters.
Beweisaufnahme:
Über DAS GEHEIMNIS DES BLINDEN MEISTERS (OT: CIRCLE OF IRON) zu schreiben, bedeutet zuallererst, sich seiner Hintergrundgeschichte anzunehmen. Schließlich stammt die Idee zu dem Film von dem legendären Bruce Lee. Zusammen mit Hollywoodstar James Coburn und Drehbuchautor/Filmproduzent Stirling Silliphant brachte Lee 1969 die Geschichte zu Papier. Sie sollte als Grundlage für einen philosophischen Martial-Arts-Film dienen, welcher dem westlichen Publikum die fernöstliche Philosophie näherbringen sollte. Bruce Lee selbst wollte in dem geplanten Film gleich vier Rollen übernehmen, sowohl den blinden Meister, den Affenkämpfer, den Tod und den Clanführer Chang-Sha verkörpern. Lees unerwartetes Ableben im Jahr 1973 vereitelte jedoch das geplante Filmprojekt. Erst 1978 wurde Bruce Lees Idee wieder aufgegriffen und unter der Regie des oscarprämierten Kameramanns Richard Moor auf die Leinwand gebracht. Herausgekommen ist ein seltsamer Film, eine krude Mischung aus Fantasy, Martial-Arts und philosophischen Einschüben. Die vier Rollen, die sich Bruce Lee innerhalb der Geschichte zugedacht hatte, werden hierbei von David Carradine verkörpert. Die Besetzung von Carradine macht insofern Sinn, da er Jahre zuvor schon einmal eine Rolle übernommen hatte, die von Bruce Lee erdacht worden war und von Lee selbst auch gespielt werden sollte. Die Rede ist natürlich von der Rolle als junger Shaolinmönch Kwai Chang Caine in der Kultserie KUNG FU.
David Carradine selbst bezeichnete seine Performance in DAS GEHEIMNIS DES BLINDEN MEISTERS nachträglich als eine seiner besten schauspielerischen Leistung. Und tatsächlich ist Carradine das Highlight des Filmes und es ist seine Präsenz, die DAS GEHEIMNIS DES BLINDEN MEISTERS zusammenhält. Die Geschichte an sich erweist sich nämlich als sehr episodenhaft: Der tumbe Cord (hölzern dargestellt vom weitgehend unbekannten Jeff Cooper) wandert gewissermassen von einem Abenteuer ins nächste, ohne dass sich dabei ein übergreifender Spannungsbogen ausmachen lässt. Dabei begegnet Cord nicht nur den von Carradine verkörperten Figuren, sondern auch diversen anderen Personen. Darunter befinden sich auch drei richtig bekannte Gesichter: Roddy McDowall spielt einen Kampfrichter in einer weißen Robe, Eli Wallach einen Mann in einem Ölfass (?) und Christopher Lee den bereits erwähnten Zetan. McDowall, Wallach und Lee haben jedoch jeweils nur sehr wenig Screentime zur Verfügung und einzig Wallach hinterlässt aufgrund seiner merkwürdigen Rolle einen bleibenden Eindruck. Die wenigen Kämpfe wissen zu gefallen, auch wenn sie in ihrer statischen Inszenierung den heutigen Sehgewohnheiten nicht mehr entsprechen. Die philosophischen Gespräche wiederum regen einerseits zum Nachdenken an, hinterlassen anderseits aber oftmals auch ein großes Fragezeichen. Doch das könnte auch Absicht sein, da man sich dadurch noch intensiver mit dem Film und seiner Intention auseinandersetzt. Die Antwort darauf kennt wohl nur Bruce Lee…
Urteil:
Schlusswort:
DAS GEHEIMNIS DES BLINDEN MEISTERS zu bewerten fällt nicht leicht. Wer aufgrund des Namens Bruce Lee die Hoffnung auf ein Martial-Arts-Fest hegt, der wird von dem Film herb enttäuscht werden. Wer jedoch dazu bereit ist, ein wenig unter die Oberfläche zu blicken und sich selbst seine Gedanken zu machen, für den könnte der Film etwas sein. Fakt ist: DAS GEHEIMNIS DES BLINDEN MEISTERS ist ein sehr merkwürdiger, aber gerade deswegen auch kein langweiliger Film. Kann man sich durchaus ansehen.