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Der Familiennamen NÜESCH geht auf die Lebens-Oertlichkeit einer Person zurück. Sie hatte ihren Wohnsitz bei einem NEU angelegten gemeinsamen Ackerfeld, einem ESCH. Die Person war also jene, die beim NEU-ESCH wohnte. Daraus entwickelte sich NÜESCH.
Im Familiennamen NÜESCH steckt ein Wort, das jetzt nicht mehr verwendet wird: «das Esch» (seltener «der Esch»). Das Wort wird auch in den Formen «Ösch» oder «Äsch» geschrieben. «Esch» war die uralte Bezeichnung für die mit Getreide bebaute Feldflur, das Wort ist urverwandt mit «essen».
Das Esch waren die von den Bauern eines Orts gemeinsam bewirtschafteten Flächen. Die einzelnen Bauern bewirtschafteten auf dem Esch nebeneinander lange, schmale Ackerstreifen, soviel, wie sich an einem Arbeitstag pflügen liess. Nach dem System der Dreifelderwirtschaft wurde auf jedem Esch im Turnus Winter-, dann Sommergetreide angebaut, bevor zur Regeneration des Bodens ein drittes Jahr von Brachliegen mit unkontrolliertem Graswuchs folgte.
Als Esch wurden oft auch die Zäune um ein Esch, meistens Dornenhecken, bezeichnet. Wenn man auf das Esch zur Arbeit ging, musste man den Esch-Zaun durchschreiten, durch das sogenanntes «Esch-Tor». Die Esch-Zäune trennten einerseits die Häuser des Dorfs vom Bereich der Ackerfelder und hinderten so Kleinvieh und Geflügel daran, die Getreideernte zu schmälern, andererseits schieden sie die Saat- und Brachfelder gegen die offenen Weidegebiete der Allmend.
Wuchs die Dorfbevölkerung, wurden neue Ackerflächen angelegt. Jetzt gab es nicht nur das bisherige «Esch», sondern auch das «Nüw-Esch». Um die Familien, deren Oberhäupter oft den gleichen Vornamen hatten, auseinanderzuhalten, hängte man ein Merkmal an. So wusste man in Gesprächen, von wem die Rede war. Daraus konnten sich Familiennamen entwickeln. Wohnte ein Ulrich mit seiner Familie am Rande des älteren Esch, dann nannte man ihn Uoli am Esch, Uoli Esch, Uli Oesch. Der Uoli, wohnhaft beim neuen Esch oder in der Nähe des abtrennenden Lebhages, bekam zwecks Unterscheidung die Bezeichnung Uoli bim Nüw-Esch, Nüw-Oesch, Nuosch, Nüesch.
Auch der Balgacher Familienname Eschenmoser ist eine Bildung mit «Esch» oder «Ösch». Das ist ausführlich dargelegt in der Geschichte eines Zweiges dieser Balgacher Sippe (Karl Eschenmoser, »Lebenspläne und Schicksale«. in: Edgar Oehler (Hrsg.): Johann Justin und Johanna Franziska Eschenmoser-Rohner von Balgach und ihre Kinder: mit Stammtafeln Eschenmoser von Balgach SG. 2019, S. 66/67)
Auf das Esch gehen recht viele andere Schweizer Familiennamen zurück, etwa Escher, Eschbach, Eschler, Eschmann; in Verbindung mit dem Eschtor oder Eschtörli entstanden die Familiennamen Oesterle und Estermann.
Kommentar:
Version 5 entspricht in ihrem Grundgedanken der Version 4, bietet aber den etymologischen und geschichtlichen Hintergrund.
Das Schweizerische Idiotikon belegt Esch in Bd I, 569 wie folgt: „Esch: das gemäss der alten Dreifelderwirtschaft aus der sommer- und Winterzelg bestehende, auch Wiesen umschliessende, eingezäunte, gewöhnlich vom Weidrecht ausgeschlossene Saatfeld einer Dorfgemeinde.“
Der Spurensucher dankt Karl Eschenmoser für die wertvollen Hinweise und Textvorschläge.
20.12.2020 Ernst Nüesch, Spurensucher