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Vererbbar oder nicht?
Es heisst, Parkinson sei nicht vererbbar. Mein Vater hatte Parkinson, und nun leiden zwei seiner drei Kinder, darunter ich (75), auch an Parkinson. Was heisst das für meine bislang gesunde Tochter (40)? Was kann sie tun?
Bei den allermeisten Patienten liegt eine sogenannte sporadische, das heisst eine nicht erbliche Form des Leidens vor. Es sind aber einige Familien bekannt, in denen die Krankheit vererbt wird. In Ihrem Fall halte ich dies zwar für möglich – aber keineswegs für bewiesen. Es gibt heute genetische Untersuchungsmethoden, die diese Frage beantworten könnten. Dabei handelt es sich um aufwendige Untersuchungen, die noch nicht zur Routine gehören. Am besten fragen Sie einen Neurologen, der Sie und Ihre Geschwister kennt, ob er eine solche Abklärung empfehlen würde. Dabei könnte auch Ihre Tochter untersucht werden. Sollten Sie tatsächlich an einer erblichen Parkinsonform leiden, könnte man Ihrer Tochter sagen, ob bei ihr ebenfalls ein erhöhtes Risiko besteht. Mehr würde man aber nicht tun können, da das Auftreten der Krankheit bislang nicht verhindert werden kann. Prof. Dr. med. Hans-Peter Ludin
Vererbbarkeit von Parkinson
Im Dezember kam im Schweizer Fernsehen eine jüngere parkinsonkranke Frau, deren Mutter auch an Parkinson leidet. Ich dachte immer, Parkinson sei nicht vererbbar?
In den letzten Jahren hat die Forschung eine zunehmende Anzahl Gene mit der Parkinsonkrankheit in Zusammenhang gebracht. Heute wissen wir, dass Parkinson tatsächlich in sehr wenigen Familien weltweit vererbt wird: Hier weist jedes Kind sogar ein bis zu 50-%iges Risiko auf, die Krankheit selber zu entwickeln. In Island wurde vor wenigen Jahren eine Studie durchgeführt, in der die Familiengeschichte über mehrere Jahrhunderte dokumentiert werden konnte, was in anderen Populationen und Kulturen eine absolute Ausnahme ist. In dieser Studie zeigten Geschwister von Parkinsonbetroffenen, bei welchen die Krankheit im Erwachsenenalter auftrat, ein erhöhtes Parkinsonrisiko; bei Kindern war das Risiko «lediglich» verdreifacht.
Aber machen Sie sich keine Sorgen! Diese Hinweise auf eine dominante Rolle der Gene für den Ausbruch der Krankheit wurden in anderen grossen Studien (ausserhalb Islands und mit der Ausnahme der wenigen betroffenen Familien) nicht bestätigt. Auch Studien über eineiige und zweieiige Zwillinge konnten eine direkte Vererbbarkeit der parkinsonschen Krankheit nicht bestätigen.
Heute denken die meisten Experten, dass hauptsächlich bei den Verwandten von Betroffenen, bei denen die Krankheit in juvenilem Alter ausgebrochen ist, ein erhöhtes Risiko besteht. Bei allen anderen spielen die genetischen Faktoren entweder keine Rolle oder verursachen eine leichte Steigerung des Risikos. Die Auswirkung mehrerer (noch unbekannter) Umweltfaktoren wäre nötig, um den Ausbruch der Krankheit auszulösen.
Der bekannte US-Parkinsonexperte Abraham Liebermann hat geschätzt, dass bei Vorhandensein eines betroffenen Familienmitglieds sich das Risiko auf 0,07 % verdoppeln, bei zwei betroffenen Angehörigen verdreifachen (0,105 %) könnte. Es handelt sich um subjektive Schätzungen, die wissenschaftlich nicht belegt sind. Dr. med. Fabio Baronti