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Postpartale Depression beim Vater
Bis heute hat sich die Wissenschaft vorwiegend auf den Effekt der mütterlichen postnatalen Depression auf die kindliche Entwicklung konzentriert. Aber nicht nur Mütter, auch frischgebackene Väter können nach der Geburt ihres Kindes unter Depressionen leiden. Vier Prozent der männlichen Teilnehmer leiden unter einer postnatalen Depression, die Erkrankungsrate ist somit bei jungen Vätern doppelt so hoch wie bei Männer in der Allgemeinbevölkerung. Die Häufigkeit einer Wochenbettdepression liegt bei den Frauen bei ca. zehn Prozent.
Ein britisch-amerikanisches Forscherteam führte acht Wochen nach Geburt des Kindes an 8.400 Vätern und Müttern eine Untersuchung durch, mit deren Hilfe die Ärzte einen möglichen Einfluss dieser väterlichen Depression auf das kindliche Verhalten und die emotionale Befindlichkeit der Kinder erkennen wollten. Dazu mussten die Mütter das kindliche Verhalten und die Stimmung der Kinder im Alter von 42 Monaten beschreiben.
Das erstaunliche Ergebnis: Kinder von Vätern mit postnatalen Depressionen waren häufiger hyperaktiv und zeigten Verhaltensstörungen. Auf depressive Stimmungen ihrer Mütter hingegen reagierten die Kinder häufig mit Traurigkeit und Ängsten. Depressionen der Väter wirkten sich auf Söhne viel öfter negativ aus, Depressionen der Mütter auf Söhne und Töchter gleichermassen.
Eine andere US-Studie zur frühen Kindheitsentwicklung wertete Interviews und Beobachtungsdaten von 5.089 Paaren mit neun Monate alten Kindern aus. Die Forscher stellten fest, dass 14 Prozent der Mütter an mittelschweren oder schweren Depressionen litten. Aber auch zehn Prozent der Väter waren depressiv. Depressive Mütter berichteten über weniger Interaktionen mit ihren Babys, zum Beispiel Vorlesen und Spielen, als nicht depressive Mamas. Depressive Mütter stillten seltener und legten ihre Kinder seltener zum Schlafen auf den Rücken. Depressive Väter berichteten ebenfalls darüber, weniger mit den Babys zu spielen.
Die Forscher zeigten noch weitere Erkenntnisse: Wo ein Elternteil deprimiert ist, wirkt sich das auch auf den Partner aus. So sang ein Vater, dessen Frau den Baby-Blues hatte, dem Kind seltener ein Lied vor. Umgekehrt hatten anscheinend Mütter mit betrübten Vätern keine Lust, ihrem Kind aus dem Geschichtenbuch vorzulesen.
Die Forscher empfehlen frischgebackenen Eltern, Symptome übermässiger Müdigkeit und Anzeichen von Stress ernst zu nehmen und bei Anhalten der Symptome über zwei Wochen lang zum Arzt zu gehen, um eine eventuelle Depression erkennen und behandeln zu können.
Paulson J. et al.: Pediatrics 118,2006, S. 659-668
Ramchandani, P. et al.: The Lancet, Bd. 365, 2005, S. 2201-2205
Stand: 09/06, BH