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Prostata richtig behandeln
Bei vielen Männern verursacht die Prostata im Lauf des Lebens Probleme. Die Behandlung ist individuell und richtet sich nach der Art der Beschwerden.
Eigentlich ist die Prostata (Vorsteherdrüse) ein unauffälliges Organ. Gross wie eine Kastanie schmiegt sie sich um den obersten Abschnitt der Harnröhre direkt unterhalb der Harnblase. Ihre Aufgabe besteht darin, ein milchig-trübes Sekret zu bilden, das einen Teil der Samenflüssigkeit ausmacht. Es enthält Substanzen, die dafür sorgen, dass die Spermien gut beweglich sind.
Bei vielen Männern macht die Prostata mit der Zeit jedoch durch unangenehme Beschwerden auf sich aufmerksam. Etwa ab dem 30. Lebensjahr beginnt sie zu wachsen. Man spricht dabei von einer gutartigen Vergrösserung der Prostata oder der benignen Prostatahyperplasie (BPH). Sie ist ab dem 50. Lebensjahr bei jedem zweiten Mann feststellbar, im späteren Alter sind 80 bis 90% der Männer davon betroffen.
Prostatauntersuchung beim Arzt
Die Prostatavergrösserung kann unauffällig verlaufen. Vermehrt sich das Drüsengewebe jedoch so stark, dass es die Harnröhre einengt, kommt es häufig zu Problemen beim Wasserlassen. Typische Symptome sind ein schwacher oder verzögert einsetzender Harnstrahl, Nachträufeln oder Schmerzen beim Wasserlassen. Mit Beschwerden wie diesen suchen die meisten Betroffenen das erste Mal einen Arzt auf. Da die Prostata unmittelbar am untersten Abschnitt des Enddarms (Rektum) liegt, kann der Arzt sie von dort aus ertasten und dabei ihre Grösse und Struktur beurteilen.
Um die Auswirkungen der Vergrösserung besser einschätzen zu können, zieht der Arzt in der Regel weitere Untersuchungen heran: Mit einem speziellen Fragebogen bewertet er, wie ausgeprägt die Symptome sind. Dabei fragt er beispielsweise, ob der Patient das Gefühl hat, die Blase nicht vollständig entleeren zu können. Zusätzlich kann der Arzt eine Blut- und Urinuntersuchung durchführen, bei der er die Nierenfunktion überprüft oder testet, ob eine Infektion der Blase oder der Harnwege vorliegt. Eine Harnstrahlmessung zeigt an, ob der Urinfluss normal stark oder abgeschwächt ist. Mit einer Ultraschalluntersuchung kann der Arzt erkennen, ob Restharn in der Blase verbleibt. Dabei handelt es sich um Urin, der durch die Prostatavergrösserung nicht ausgeschieden werden kann. In ihm können sich Bakterien sammeln und Infektionen verursachen.
Training für den Beckenboden
Das vergrösserte Drüsengewebe bei der benignen Prostatahyperplasie kann Druck auf die Blase ausüben. Die Betroffenen haben dann das Gefühl, ständig auf die Toilette zu müssen. Auch ein unwillkürlicher Urinverlust, eine sogenannte Inkontinenz, kann damit verbunden sein. Die betroffenen Männer schämen sich dafür und fühlen sich oft hilflos.
Ein gezieltes Beckenbodentraining kann dazu beitragen, die Beschwerden zu lindern. Der Beckenboden ist eine versteckte Muskelgruppe, die die Beckenorgane schützt und stabilisiert. Sind die Muskeln stark und flexibel, kann der Beckenboden den Schliessmuskel von Darm und Blase besser kontrollieren und verhindert, dass bei Druck im Bauchraum, wie beim Husten oder Lachen, Urin abgeht.
Da der Beckenboden bei Männern und Frauen die gleiche Funktion erfüllt, ist das Training für beide Geschlechter empfehlenswert. Muss bei einer gutartigen Prostatavergrösserung mit ausgeprägten Beschwerden eine Operation vorgenommen werden, verringert das Beckenbodentraining vor und nach dem Eingriff das Risiko für eine Inkontinenz. Gezielte Übungen für den Beckenboden kann man zum Beispiel beim Physiotherapeuten oder in Reha-Zentren erlernen.
Individuell behandeln
Kontrolliertes Beobachten: Verursacht die Vergrösserung der Prostata keine oder nur leichte Beschwerden, ist es meistens ausreichend, regelmässig zur Kontrolluntersuchung beim Arzt zu gehen. So kann dieser verfolgen, ob die Erkrankung fortschreitet und eventuell eine medikamentöse Therapie notwendig ist.
- Pflanzliche Arzneimittel: Zur Behandlung leichter Beschwerden bei der gutartigen Prostatavergrösserung stehen eine Reihe Phytopharmaka zur Verfügung, die möglichst schon im Anfangsstadium angewendet werden sollten. Dazu gehört der Extrakt des Arzneikürbisses sowie Präparate aus Sägepalmenfrüchten, Brennnesselwurzeln oder Roggenpollen. Sie enthalten pflanzliche Hormone, sogenannte Phytosterole, die möglicherweise in den männlichen Hormonhaushalt eingreifen und dabei die Bildung von Dihydrotestosteron drosseln sollen. Diese Substanz entsteht aus dem männlichen Sexualhormon Testosteron und scheint nach heutigem Wissensstand an der Entwicklung der gutartigen Prostatavergrösserung beteiligt zu sein. Welche Mittel in welcher Dosierung geeignet sind, muss immer individuell entschieden werden.
- Medikamentöse Therapie: Bei stärkeren Beschwerden kann der Arzt α-Rezeptorblocker oder 5-Alpha-Reduktase-Inhibitoren verordnen. Während α-Rezeptorblocker vor allem zu einer Verbesserung des Harnflusses beitragen, können 5-Alpha-Reduktase-Inhibitoren zusätzlich das Volumen der Prostata reduzieren und so das Risiko für das Fortschreiten der Erkrankung beeinflussen. Welches Medikament im individuellen Fall geeignet ist, kann jedoch nur der behandelnde Arzt entscheiden.
- Operation: Bei sehr starken Beschwerden oder Komplikationen, wie der Bildung von Blasensteinen oder einem akuten Harnverhalt, bei dem die Entleerung der Blase nicht mehr möglich ist, kann es nötig sein, das Volumen der Prostata operativ zu verkleinern. Dafür stehen verschiedene Operationsverfahren zur Verfügung. Der Operateur entscheidet gemeinsam mit dem Patienten, welche Therapie für ihn am besten geeignet ist.