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Vor 20 Jahren verkaufte Marco Pfister den Dorfladen in Tuggen, den er während zwei Jahrzehnten geführt hatte, und zog ins Tessin. Dort begann er, Palmen zu züchten und Bilder zu gestalten.
Ein Pult mit grosser, freier Arbeitsfläche dominiert den Raum. Vor dem Fenster, das den Blick ins Grün des Malcantone freigeben würde, wenn es nicht schon dunkel wäre, lädt ein gemütlicher Sessel zum Verweilen ein. An den Wänden hängen soeben fertig gewordene Bilder: Kreise kontrastieren mit geometrischen Linien. Marko Karlos Arbeitsraum ist sauber aufgeräumt, passt nicht zur Vorstellung, die man von einem Künstleratelier hat. Beim Wort Künstler winkt Marco Pfister ab, er will nicht als solcher bezeichnet werden.
Hatte den Ausstieg geplant
Marco Pfister – Marko Karlo? Offiziell heisst der 60-Jährige Markus Karl Pfister, daraus entstand das Pseudonym Marko Karlo, unter dem er heute seine Bilder ausstellt. In Tuggen aber ist er unter dem Namen Marcus Pfister bekannt. 20 Jahre lang hatte er den Dorfladen geführt, bevor er 1990 – im Alter von 41 Jahren – mit seiner Frau nach Banco im Tessin zog, «ohne das Tessin vorher gekannt zu haben». Gemeinsam hatten Marcus und Marianna Pfister im Laden gearbeitet, gemeinsam haben sie die Zukunft und somit den Ausstieg aus dem Detailhandel geplant: «Es war belastend, 20 Jahre lang ohne Freizeit und Ferien zu arbeiten.» Eigentlich hätte Marco Pfister Lehrer werden wollen, als folgsamer Sohn, wie er es ausdrückt, fühlte er sich verpflichtet, den Laden zu übernehmen. «Ich bereue es aber im Nachhinein nicht.» Rückblickend ist für Pfister klar, dass der Ausstieg im richtigen Moment erfolgte: «Wir hatten die 20 besten Jahre im Detailhandel im 20. Jahrhundert. Andere in der Branche hatten bereits Schwierigkeiten, uns ging es gut.» Die Einkaufszentren, die bereits da und dort entstanden waren, machten Pfisters Dorfladen in Tuggen noch nicht zu schaffen.
Reben und Palmen
In der Nähe seines Hauses in Banco, das Marianna und Marco Pfister nach eigenen Plänen erbauen liessen, errichtete er einen kleinen Rebberg. Rund zehn Jahre lang verkaufte er biologischen Wein und Grappa. Irgendwann begann Pfister, rund 20 frostresistente Palmenarten fürs Tessiner Klima zu züchten. «Die meisten Leute glaubten damals, dass nur eine Palmen-Sorte fürs Tessin geeignet wäre.» Er errichtete einen Verkaufsstand vor der Haustüre, die Kunden, meist Touristen, bedienten sich selbst und legten das Geld in den Briefkasten. Bald hatte er weltweit Kontakte, Palmen-Liebhaber kamen aus halb Europa, und Marco Pfister musste Pflanzen dazukaufen. «Bevor ich wieder gleich weit wie in Tuggen war, habe ich dieses ‹Geschäft› nach zwölf Jahren beendet und konzentriere mich jetzt ganz auf meine Bilder.»
Ein Millimeter ist ein Millimeter
Für Marco Pfister war es von Anfang an klar gewesen, am neuen Ort gestalterisch tätig zu sein. So begann er sofort, Bilder zu entwerfen. «Ich hatte mir vorgestellt, so wie Hermann Hesse – mit Strohhut – unter schattenspendenden Kastanien zu malen», schmunzelt Marco Pfister. «Aber es kam anders: Statt süsse Aquarelle entstanden nur Kreise.» Marko Karlos Bilder sind mehrschichtig aufgebaut: im Vordergrund einerseits rhythmisierende Kreise in teils schrillen, teils gedämpften Farben, andererseits gestanzte weisse Kreise, in der Mittelschicht schwerelose Tuschkreise, verbunden mit filigranen Linien, der dezente Hintergrund als immer wiederkehrendes Dreieck. Marko Karlo überlässt nichts dem Zufall, ein Bild ist von Anfang an geplant. Zuerst entsteht eine kleine Handskizze, dann zeichnet er das Bild in Originalgrösse, bevor er das eigentliche Bild konstruiert, Kreise ausschneidet und farbige einsetzt, weisse Kreise stanzt und mit Tusche feine Linien zieht. Marko Karlo arbeitet exakt: «Ein Millimeter ist ein Millimeter.» Und fast entschuldigend fügt er an: «Das ist mein Charakter.»
Ausstellung in Wädenswil
Marco Pfister sieht die Arbeit mit Zirkel und Lineal als Abwechslung zur Arbeit im grossen Garten, ja als eigentlichen Gegensatz. «Die Gartenarbeit ist grob, schmutzig, schweisstreibend, die Arbeit an meinen Bildern ist exakt, sauber, fein.» Der spielerische Umgang mit der Symmetrie verleiht seinen Bildern
Autor
Höfner Volksblatt & March Anzeiger
Kategorie
- Kunst & Design
Publiziert am
Webcode
schwyzkultur.ch/Rccu4p