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Eine zierliche Person in kurzer Kleidung steht barfuss auf einer Weide. Die Hände sind vor der Brust zusammengefaltet. Ihr Blick scheint nach oben gerichtet, wobei das Gesicht nicht genau erkennbar ist. Verschiedene grau schraffierte Flächen definieren die Bleistiftzeichnung im Hochformat. Einzelne Striche markieren hohe Grashalme im Vorder- und Mittelgrund. Die dunkle Haut des abgebildeten Körpers steht im Kontrast zu weiss belassenen Flecken im Hintergrund. Beinahe glänzend drängen sich diese dicht aneinander und heben sich deutlich von ihrer Umgebung ab. Es ist wohl eine Schafherde, die hier friedlich grast. Gehütet wird sie von Chloë. Die Dargestellte ist Protagonistin einer spätantiken Liebesgeschichte des griechischen Schriftstellers Longos. Auf der Insel Lesbos wächst Chloë als Findelkind bei Hirten auf und verliebt sich unsterblich in Daphnis, der auch ein Findelkind ist. Trudy Schlatter fertigt zahlreiche Buchillustrationen an, die jedoch nicht veröffentlicht werden. Neben Darstellungen zu «Daphnis und Chloë» gilt ihr Interesse insbesondere der Lyrik und Prosa der literarischen Moderne.
Laura Bohnenblust
Das Bild erzählt eine Geschichte aus der Antike.
Das Mädchen heisst Chloë.
Das Mädchen ist zierlich.
Ihr Gesicht bleibt dunkel.
Hirten fanden sie, als sie klein war.
Sie wuchs mit Schafen auf.
Die weissen Tiere grasen im Hinter-Grund.
Das Hoch-Format betont die Grösse der Herde.
Chloë hütet die Herde.
Später verliebt sie sich in Daphnis,
auch ein Findel-Kind.
Die Künstlerin zeichnet viele Geschichten.
Doch sie erscheinen nie als Buch.
Sara Smidt