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Am 6. Juli 2015 um 10:09 Uhr löscht die ZKB-Pressestelle den kompletten Abschnitt «Mangelnde Einhaltung interner Richtlinien 2006/2007» im Wikipedia-Artikel «Zürcher Kantonalbank». Doch es gibt noch viel dreistere Beispiele.
Die ZKB-Pressestelle versuchte das heikle Kapitel «Mangelnde Einhaltung interner Richtlinien 2006/2007» im Wiki-Artikel der ZKB zu löschen. Nach wenigen Minuten wird das Kapitel von einem «Sichter» wieder aufgeschaltet, schreibt der «Tages-Anzeiger».
Doch es gibt viele solche Fälle von «Vandalismus» auf der Webseite des Online-Lexikons. Das Presse-Team der Bank war dabei wenigstens transparent genug, klar anzugeben, dass es die Passage entfernen wollte. Die meisten PR-Einträge werden anonym gepostet. Über wikiwatchdog.com lassen sich solche anonyme Einträge, die über eine IP eines spezifischen Konzerns getätigt wurden, zurückverfolgen. In den folgenden Fällen versuchten Firmen und Personen, ihre Wikipedia-Seiten anonym aufzupolieren.
Die Handelskette «Real» geriet 2005 in die Medien, weil Mitarbeiter gefilmt wurden, wie sie abgelaufene Waren neu verpackten und das Ablaufdatum erneuerten. 2006 wurde kurzerhand der gesamte Absatz dazu auf Wikipedia gelöscht. Die IP-Adresse führte zu «Real». Der Versuch schlug fehl und der Text wurde nur zwei Minuten später wieder eingefügt.
Der Gesundheitskonzern Fresenius entwickelte ein Medikament mit Hydroxyethylstärke zur Linderung der Folgen eines sogenannten Hörsturzes. Damit soll die Durchblutung des Innenohrs wieder gefördert werden. Auf Wikipedia wurde 2005 das Zitat eines Hausarztes gelöscht, in dem er sich gegen die Behandlung mit Hydroxyethylstärke aussprach: «Es ist meiner Meinung nach unverantwortlich, Patienten mit diesen Nebenwirkungen zu belasten, ohne einen wissenschaftlichen Grundsätzen genügenden Wirksamkeitsbeleg zu haben.»
Ein Autor, dessen IP auf Fresenius zurückzuführen ist, ersetzte das Zitat mit dem folgendem Text: «Neuere Therapieempfehlungen begrenzen die empfohlene Therapiedauer für solche Infusionen auf maximal 10 Tage, wodurch die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Nebenwirkungen reduziert wird.»
Mittlerweile gibt es bereits Bots auf Twitter, die automatisch tweeten, wenn ein Wikipedia-Artikel von gewissen IP-Adressen geändert wird. Der Bot congress-edits deckte zum Beispiel auf, dass die Wikipedia-Seite zum CIA-Folterbericht durch den US-Kongress geändert wurde. Dabei wurde ein Abschnitt gelöscht, der die «enhanced interrogation techniques» (erweiterte Verhörmethoden) der CIA als Beschönigung des Wortes «torture» (Folter) beschrieb. Die Änderung des US-Kongress wurde zweimal rückgängig gemacht und seither blieb der Abschnitt bestehen.
Das gleiche gibt es für die deutsche Regierung. Der Bot Regierungsedits veröffentlicht alle Wikipedia-Änderungen von IP-Adressen der Bundesregierung, Landesregierungen, Ministerien, Parteien, Landtagen, Ämtern und Agenturen Deutschlands.
2005 wurde der Wiki-Seite von Scientology folgender Absatz hinzugefügt: «Etwa 98% der Leute die diese Programme von Hubbard machen sind davon überzeugt dass sie ein sehr viel glücklicheres Leben führen als vorher und das Hubbard ihnen geholfen hat besser zu studieren, besser zu kommunizieren und von Drogen heruntergekommen zu sein.» [sic!] Gemeint ist L. Ron Hubbard, der Gründer von Scientology. Die IP des Autors konnte auf Scientology zurückgeführt werden. Weiter wurde noch hinzugefügt, dass «niemand Profit an der Kirche und in der Kirche» mache.
2007 veröffentlichte die «Sonntagszeitung» einen Artikel, in dem Roger Köppel, Chefredaktor der Weltwoche, beschuldigt wird, seine Wikipedia-Seite anonym geschönt zu haben. Zum Beispiel wurde mit einer IP des Axel Springer Verlages die Passage gelöscht, dass mehr «als ein Dutzend Redaktionsmitglieder das Blatt verliessen». Ersetzt wurde der Abschnitt durch einen kurzen Text darüber, dass Köppel zum Journalisten des Jahres gewählt worden war. Köppel äusserte sich folgendermassen zum Artikel in der «Sonntagszeitung»: «Ich habe bloss tendenziöse bis falsche Angaben korrigiert.»
2006 änderte jemand den Wikipedia-Artikel des deutschen Kernkraftwerkes Biblis. Zum Beispiel wurde folgender Satz hinzugefügt: «Das Kraftwerk Biblis ist ein Meilenstein in punkto Sicherheit.» Weiter wurde ein Abschnitt zu einer Studie über die mangelhafte Sicherheit des Kraftwerkes folgendermassen ergänzt: «Dies ist aber nur eine sehr einseitige vom BMU durchgeführte Studie. Andere Studien widerlegen das.» Hier findest du alle Änderungen des «anonymen» Autors. Seine oder ihre IP-Adresse lässt sich auf die RWE AG, die Betreiberin des Kraftwerkes, zurückzuführen. Das Atomkraftwerk ist seit 2011 stillgelegt.