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Indigene Völker und Land in Paraguay
Vor dem Beginn des Kolonisierungsprozesses im Chaco besassen indigene Völker jeweils grosse eigene Territorien, die von verschiedenen Lokalgruppen genutzt wurden. Vorwiegende Subsistenztätigkeiten waren das Jagen, Sammeln und Fischen sowie saisonaler Gartenbau. Im Zuge des Kolonisierungsprozesses – durch militärische Besetzung von paraguayischen und bolivianischen Armeeeinheiten (Chaco-Krieg 1932 – 35), durch ihre Ansiedlung auf Missionsstationen und vor allem durch die Landnahme eingewanderter Siedler – wurden indigene Völker ihres Landes enteignet.
Heute befinden sich 55% der indigenen Bevölkerung im Besitz kleiner Ländereien, während 45% auf Land leben, das ihnen nicht mehr gehört. Ihren Lebensunterthalt bestreiten sie mit Subsistenzwirtschaft und Taglohnarbeit. Ihr Alltag ist von Armut, Ausbeutung und Diskriminierung durch die kolonisierende Gesellschaft geprägt.
Nach dem paraguayischen Gesetz haben alle Indigenen das Recht auf Land für ihre Subsistenz, das ihnen der paraguayische Staat kostenlos zur Verfügung stellen muss. In Paraguay ist jedoch auch Privateigentum gesetzlich geschützt. Dadurch entstand im Laufe der 1990er Jahre eine Pattsituation zwischen indigenen Landrechten und -forderungen und dem Anspruch von Grossgrundbesitzern auf Privateigentum. Die Konsequenz dieses legalen Dilemmas sind schleichende bis stillstehende Prozesse in der Landsicherung für indigene Gemeinschaften.