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Walter Sauvain
|Walter Sauvain|
|* 1929|
Ich hätte nie gedacht, dass hier einmal Jets landen werden." Dies sagt ein Mann, der den grössten Teil der Geschichte des Regionalflughafens Grenchen miterlebt hat. 63 Jahre von den acht Jahrzehnten hat der Grenchner Walter Sauvain selber Flugzeuge gesteuert. Als "Mister Rundflug" geht er in die Flugplatzhistorie ein.
Ein Grenchner Knabe mit dem Fliegen im Kopf: Walter Sauvain wurde zwei Jahre vor der Gründung des Flugplatzes geboren, also 1929. Als Primarschüler erlebte er die erste Blütezeit des Flugplatzes. "Wir wollten fliegen, das war das Thema unserer Jugend." Mit dem "wir" meint er neben seiner Person noch seine Schulkameraden Hans Kaiser und Walter Nussbaumer. Zusammen begannen sie 1937 mit dem Bau von Modellflugzeugen und schleppten das Seil von der Winde zu den Segelflugzeugen. Einfach nahe am Flugbetrieb sein, das war das erklärte Ziel des Trios. Hans Kaiser wurde später Militärpilot, starb aber erst 22-jährig am 24. September 1951 in den Trümmern des Kampfflugzeuges C-3603. Walter Nussbaumer stieg zum technischen Chef der Swissair auf.
Von Adolf Schild angestellt
Anders verlief das Leben von Walter Sauvain. Er blieb Grenchen, der Uhrenindustrie und der Fliegerei treu. Otto Sallaz, der Gründer der Flugschule Grenchen, drückte dem Modellflieger Sauvain das Anmeldeformular für die Fliegerische Vorschulung in die Hand. 1946 absolvierte der junge Grenchner die Grundausbildung zum Piloten in Bern-Belp, 1947 erhielt er den Führerausweis für Touristikflugzeuge. Militärpilot konnte Sauvain nicht anvisieren, da sein Blinddarm zum falschen Zeitpunkt platzte. Nach der Rekrutenschule, die er als Flugzeugmechaniker bei der Luftwaffe in Payerne absolvierte, begann er in der ASSA zu arbeiten. Unternehmer Adolf Schild, der Gründer des Flugplatzes, stellte den jungen Flieger eigenhändig an. Hier wurde ihm bald einmal die Leitung der Abteilung Hartmetall-Werkzeugbau übertragen. Eine Tätigkeit, die er während seiner ganzen Berufszeit ausübte, auch dann, als die ETA die ASSA übernommen hatte. Das "fliegerfreundliche" berufliche Umfeld in der ASSA kam Walter Sauvain zugute: Nicht selten durfte er während der Arbeitszeit fliegen gehen, wenn auf dem Flugplatz Not am Mann war. So war er beispielsweise während zehn Jahren als Pilot für Paul Zaugg tätig: Der Fotograf und Kinobesitzer aus Solothurn war für Luftaufnahmen über der Schweiz unterwegs. "Als Angestellter und Familienvater wäre für mich das Fliegen kaum möglich gewesen", sagt Walter Sauvain, "deshalb musste ich meine Dienstleistungen anbieten." Er tat dies, indem er Piloten auf neue Flugzeugtypen umschulte, vor allem war er aber im Rundflug aktiv. Die rege Tätigkeit mit den Passagierflügen und seine Erscheinung brachten ihm den Übernamen "Mister Rundflug" ein. Denn eines war sicher: Walter Sauvain war beim Fliegen stets gepflegt gekleidet, die Krawatte ein Muss. Tausende von Passagieren zeigte er die Schönheiten der Schweiz aus der Vogelperspektive. Rund 1'000 Mal war er am Matterhorn, hinzu kamen Schleppflüge für Segelflugzeuge, Taxiflüge und Absetzflüge für Fallschirmspringer.
Ehrenmitglied
Die Entwicklung des Flugplatzes erlebte er an vorderster Stelle mit, so als Vorstandsmitglied des Aero-Clubs Grenchen von 1951 bis 1996. Auch war er Präsident der Segel- und Motorfluggruppe Grenchen von 1992 bis 2007. Beim Aero-Club wie bei der Segel- und Motorfluggruppe Grenchen wurde er zum Ehrenmitglied ernannt. Als er mit dem Fliegen begann, gab es auf dem Flugplatz nur den Rundbogenhangar von 1931, das Beizli, die Farner Flugzeugwerke und die zwei Militärhangars, die heute verschwunden sind. In guter Erinnerung ist ihm die Einweihung der Hartbelagspiste 1971: Er flog Robert Mathys, Gründer von Mathys Medical und damals Verwaltungsratspräsident der Regionalflugplatz Jura-Grenchen AG, nach Bern-Belp. Somit darf Sauvain für sich in Anspruch nehmen, den ersten offiziellen Start auf der neuen Piste vorgenommen zu haben. Robert Mathys flog anschliessend mit seiner Piper Navajo von Bern nach Grenchen und landete als erster Pilot auf dem Asphaltstreifen. Ende 2010 hat Walter Sauvain nach 63 Jahren seinen Flugausweis abgegeben. Insgesamt war er 8'300 Stunden in der Luft und machte über 26'500 Landungen, also deutlich mehr als ein Berufspilot bei der Luftwaffe am Ende seiner Karriere hat. Abgesehen von zwei kleineren Schäden an Flugzeugen ist nie ein grösserer Unfall passiert, auch musste er nie eine Notlandung vornehmen wegen eines Motorschadens. Das Fliegerschicksal war aber nicht für alle gleich gnädig, Walter Sauvain hat viele Freunde und Kollegen verloren. Dennoch strahlt er mit seinen über 80 Jahren die Zufriedenheit eines Mannes aus, der das gelebt hat, was er wirklich wollte.
Quellen
- Text von Peter Brotschi
(Dieser Artikel ist Eigentum des Autors / der Autorin und kann deshalb nicht editiert werden.)