Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03434.jsonl.gz/733

Glenn Close gibt es unverblümt zu. Sie sei nun «eine Frau eines gewissen, gewissen Alters», sagte die Schauspielerin wenige Wochen vor ihrem 70. Geburtstag dem New York Magazine. Am 19. März 2017 feiert sie ihr rundes Jubiläum.
Mit der Bemerkung spielte Close auf ihre derzeitige Rolle in dem Star-Musical ‹Sunset Boulevard› auf dem New Yorker Broadway an. «Norma Desmond ist eine der grossen Charakterrollen, die je für eine Frau geschrieben wurden, ganz bestimmt für eine Frau fortgeschrittenen Alters».
Rückkehr an den Broadway
Schon vor 22 Jahren wurde Glen Close in der Rolle der alternden Stummfilm-Diva Norma Desmond im Musical von Andrew Lloyd Webber gross gefeiert und mit einem Tony Award ausgezeichnet. Zwei Jahrzehnte danach hat der Star nichts an Ausstrahlung, Stimme und Kraft verloren. Ihre Rückkehr an den Broadway in diesem Februar wurde von den Kritikern als Triumph bejubelt.
Norma Desmond (nach einem Billy Wilder-Film von 1950) ist eine abgehalfterte Diva, ohne Aufträge, die in Hollywood auf ihr grosses Comeback hofft. Im richtigen Leben hat Glenn Close damit nichts gemein. Auch mit ergrauten Haaren steht die Schauspielerin pausenlos vor der Kamera, zuletzt als Wissenschaftlerin in dem Horror-Thriller ‹The Girl with All the Gifts›.
Ende April kehrt sie in der Fortsetzung des Superhelden-Spektakels ‹Guardians of The Galaxy› als knallharte Chefin Nova Prime einer Art Weltraum-Polizei ins Kino zurück. Ab Mitte September ist sie in der Agatha-Christie-Verfilmung ‹Crooked House› an der Seite von Gillian Anderson zu sehen.
Furie und Aristokratin
Ihre erste Filmrolle spielte Close 1982 in der John Irving-Verfilmung ‹The World According to Garp›. Sie glänzte als terrorisierende Geliebte in ‹Fatal Attraction›, als intrigante Adlige in ‹Dangerous Liaisons›, als komatöse Aristokratin in ‹Reversal of Fortune› und als Pelzliebhaberin Cruella De Vil in ‹101 Dalmatians›.
Für ihren Auftritt als Kanzleichefin in der Fernsehserie ‹Damages› erhielt sie 2008 den Golden Globe als beste TV-Darstellerin.
Immer noch kein Oscar
Dem Hollywood-Star fehlt nur noch ein Oscar. Ihre Nominierung als beste Hauptdarstellerin für ‹Albert Nobbs› 2012 war schon ihre sechste Chance, den Goldjungen zu gewinnen. Doch am Ende schnappte ihr Meryl Streep als ‹Eiserne Lady› die Trophäe weg.
‹Albert Nobbs› war für Close mehr als nur eine Rolle. Die Schauspielerin lieferte auch das Drehbuch und produzierte das Drama um eine Frau in Irland Ende des 19. Jahrhunderts, die als Mann verkleidet ihren Lebensunterhalt bestreitet.
Auch die Rolle als kaltblütige Alex Forrest, die sich in ›Fatal Attraction› als abgewiesene Geliebte eines Familienvaters mit Telefonterror und Selbstmorddrohungen rächt, brachte ihr eine Oscar-Nominierung ein. 1987 löste die Rolle von Close in den USA eine kontroverse Diskussion über Frauen, Sex und Treue aus.
Ein Jahr später glänzte Glen Close als hinterhältige Marquise in Stephen Frears’ Barockdrama ‹Dangerous Liaisons›, und ging doch bei der Oscar-Verleihung wieder leer aus.
Nach ihren Leinwanderfolgen in den 1980er Jahren kam für Close eine neue Rolle dazu. Mit 41 Jahren brachte sie 1988 ihr einziges Kind zur Welt. Tochter Annie Maude stammt aus der Beziehung mit ihrem damaligen Freund, dem Filmproduzenten John Starke.
2015 hat sich Close von ihrem dritten Ehemann, dem Biotech-Unternehmer David Shaw, scheiden lassen.
Soziales Engagement
Close wuchs im US-Staat Connecticut in einer streng puritanischen Arztfamilie auf. Als sie noch klein war, schloss sich die Familie der Bewegung Moral Re-Armament (MRA) an, die Glen Close später als Kult beschrieb. Als Teenager machte sie in der MRA-Gesangsgruppe Up with People mit, die weltweit auf Tour ging. Erst mit 22 Jahren konnte sie sich von der Organisation lösen.
Seit mehreren Jahren setzt sich Glen Close für Menschen mit psychischen Problemen ein. Ihre Schwester leidet unter bipolaren Depressionen, ihr Neffe an schizoaffektiven Störungen, heisst es auf der Webseite ihrer gemeinsamen Stiftung Bring Change 2 Mind (BC2M). In einem 2015 veröffentlichten Buch sprechen die Schwestern über die Schwierigkeiten und das Stigma, mit psychischen Störungen zu leben.
(sda dpa/Barbara Munker)