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1972-1974
Kollektive Leitung
... beliebte Rock-Abende, das Ende
Laut Vereinbarung und vom KREIS her übernommener Tradition blieb der Conti-Club mit dem Club 68 verbunden und war ihm in gewisser Hinsicht unterstellt. Ende 1971 erschien die letzte Ausgabe der Zeitschrift club68. Im April 1971 konnte sich der Club 68 zur SOH, Schweizerische Organisation der Homophilen, umbenennen, denn er war zur Dachorganisation geworden. Conti-Club-Leiter Hugo Portmann zog daraus den Schluss, der Conti-Club sollte sich abtrennen und als selbständiger Betrieb weitergeführt werden.
Mit diesem Anliegen stiess er jedoch vor allem bei SOH-Präsident Robert Abraham auf Opposition, denn statutengemäss sah dieser den Conti-Club genauso mit der SOH liiert wie die anderen Clubs, die Basler Isola und den Berner Ursus. Sie dienten unter anderem als Geldquelle für die allen zugute kommenden emanzipatorischen Tätigkeiten der SOH. Von der Richtigkeit seiner Sichtweise konnte Robert auch Mitarbeiter des Conti-Clubs überzeugen.
Hugo Portmann sah sich von diesen Helfern in der für ihn entscheidenden Frage nicht mehr unterstützt. Daher zog er die Konsequenz und trat per 31. März 1972 aus allen seinen Funktionen zurück, was die SOH-Vorstandsitzung vom 22. Februar bestätigte1.
Die Leitung des Conti-Clubs übernahm nun eine Frau, Jeanette Hakim. Sie wurde an der Vorstandssitzung vom 7. März 1972 als Nachfolgerin gewählt. Annemarie Schmutz entlastete sie bei der Führung der Frauenabende. Der bisherige Leiter der Show-Gruppe und ehemalige Chefredaktor der Zeitschrift club68, Peter Urs Lerch / Urs Frank übernahm die künstlerische Leitung, während Hans Schweizer administrativer Leiter wurde. Alle erarbeiteten ein Konzept und Programm für die Jahre 1972/73. Erwin Scheiwiller betreute die Veranstaltungen für Herren.
Die regelmässigen Rock-Abende wurden rasch bekannt und waren beliebt. An der SOH-Vorstandssitzung vom 8. Dezember 1972 wurde beschlossen, dass es ab 1. Januar 1973 nur noch gemischte Abende für Frauen und Männer geben solle.
Ab April 1973 wurde mit einem neuen Dance-Programm DISC'IN jeweils am Mittwoch eine Öffnung auch für Heterosexuelle versucht. In der neuen Zeitschrift hey erschien ein klärender Artikel dazu und ein Inserat2:
"Eintritt für Fr. 3.-, Zutritt für Jedermann ab 18 Jahren, alkoholfreie Getränke Fr. 2.-, geöffnet von 20.00 - 24.00. Mit Rock, Electronic, Soul, Psychodelic, Country-Music."
Erklärend hiess es:
"[...] Der Sinn des DISC'IN ist die Eingliederung homosexuellen Benehmens und homosexueller Beziehungsformen in unsere Gesellschaft. [...] Das DISC'IN erlaubt heterosexuellen Besuchern, unsere Leute von der menschlichen Seite zu erleben und dient dem Abbau einer von der Gesellschaft manipulierten Diffamierung. [...]
Bedauerlicherweise hat sich das Verhältnis einiger Homophilen zum Gedanken des DISC'IN emotionalisiert. Das DISC'IN tangiert die übrigen Veranstaltungen des Conti-Clubs in keiner Weise. Es kann nur als nützliche Ergänzung zu der von der SOH geleisteten Tätigkeit angesehen werden."
Ab Oktober gab es keine Ankündigungen des DISC'IN mehr. Es fehlten die heterosexuellen Besucher3. Ein um Jahrzehnte verfrühter Versuch war fehlgeschlagen.
1974 wollte Heinz Plüss, der Sohn von Walter Plüss, offenbar die Druckerei ausbauen. Daher kündigte er den Mietvertrag per 31. März, was das Ende des Conti-Clubs bedeutete.
Allen war klar, dass man etwas Eigenes finden und aufbauen musste. Von Vermietern wollte man nicht mehr abhängig sein.
Dies gelang bereits zwei Jahre später mit dem Club HEY.
Ernst Ostertag, März 2006
Weiterführende Links intern
Quellenverweise
- 1
Protokoll im sas
- 2
hey, Nr. 6/1973, Seite 8
- 3
hey, Nr. 10/1973