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Am 2. März, dem Weltgebetstag, rückt in diesem Jahr ein Land in den Fokus der Aufmerksamkeit, von dem in der Schweiz nur wenig bekannt ist: Surinam an der Nordküste Südamerikas. Die Liturgie wurde von Frauen aus diesem Land zusammengestellt.
Surinam liegt zwar auf dem südamerikanischen Kontinent, fühlt sich von seiner Geschichte und Kultur her aber sehr viel stärker der Karibik zugehörig. Das Land ist knapp viermal so gross wie die Schweiz, hat aber nur eine knappe halbe Million Einwohner, von denen die Hälfte in der Hauptstadt Paramaribo lebt.
Viele Ethnien
Aufgrund seiner gemischten Bevölkerung wird es mitunter eine Art «Vereinte Nationen im Kleinen» genannt. Es gibt einen kleinen Rest der Urbevölkerung. Der grösste Teil der heutigen Bewohner hat jedoch Vorfahren, die aus ganz anderen Teilen der Welt dorthin gekommen sind – die wenigsten von ihnen freiwillig. Es gibt die Gruppe der Kreolen, Nachfahren von Plantagensklaven, die aus Westafrika hierher verschleppt worden sind. Es gibt die Gruppe der Marons, deren Vorfahren es gelang, sich aus der Sklaverei zu befreien und im abgeschiedenen Landesinneren unter Bewahrung ihrer afrikanischen Kultur neue Stammesgemeinschaften zu bilden. Es gibt die Gruppe der Hindustanen und Javanen, die nach der Abschaffung der Sklaverei als Kontraktarbeiter ins Land geholt worden sind und nach Ablauf der Dienstzeit, zu der sie sich verpflichtet hatten, nicht wieder in ihre ursprüngliche Heimat zurückkehren konnten. Es gibt die Gruppe der Chinesen, die vor allem als Händler ins Land gekommen sind und heute mehr und mehr die Wirtschaft dominieren.
Bunter Religionsmix
So bunt wie die Bevölkerung, so bunt ist auch ihre Religionszugehörigkeit. Es gibt viele christliche Gemeinden. Unter ihnen hat die Herrnhuter Brüdergemeine als grösste protestantische Kirche eine starke Position inne und prägt das gesamte kirchliche Leben. Es gibt muslimische und Hindugemeinschaften. Es gibt eine jüdische Gemeinde. Es gibt traditionelle afrikanische Religionsformen. Die Grenzen der Religionszugehörigkeit gehen mitunter mitten durch Familien hindurch. Und doch leben alle Bevölkerungsgruppen friedlich zusammen. Es gibt keine nennenswerten ethnischen oder religiösen Spannungen. Viele Erfahrungen, was es bedeutet miteinander in einer multikulturellen Welt zu leben – die wir in unserem Teil der Erde erst noch mühsam nachholen müssen – sind in Surinam im Laufe seiner Geschichte natürlich gewachsen und zu einer Selbstverständlichkeit geworden.
Bemerkenswert sind die Naturschönheiten des Landes. Es besteht zu über 90 Prozent aus tropischem Regenwald und es gibt zum Glück noch weite Teile, die wenig von Menschenhand berührt oder gar zerstört worden sind. Nicht zufällig lautet das Thema des Weltgebetstages deshalb auch: «Gottes Schöpfung ist sehr gut.» Aber an vielen Stellen trügt die Idylle. Denn der illegale Goldabbau und die ungeordnete Ausbeutung der natürlichen Rohstoffe stellt ein wachsendes Problem dar.
Land mit Widersprüchen
Auch in politischer Hinsicht liegt vieles im Argen. Seit seiner Unabhängigkeit von den Niederlanden, im Jahr 1975, ist Surinam zwar eine Republik. Es gibt ein Mehrparteiensystem und demokratische Wahlen. Der gegenwärtige Staatspräsident war jedoch 1981 Anführer eines Militärputsches, in dessen Folge es zu vielen Menschenrechtsverletzungen kam, die bis heute nicht wirklich aufgearbeitet worden sind. Korruption prägt das Zusammenleben in wachsendem Masse. Eines der grössten Probleme ist der Drogenhandel.
So ist Surinam insgesamt ein Land mit grossen Widersprüchen. Wohin die weitere Entwicklung gehen wird, ist an vielen Stellen offen. Wer mehr über das Land und seine Menschen erfahren möchte, ist am 25. Februar, um 10 Uhr, sehr herzlich ins Zinzendorfhaus an der Leimenstrasse 10, eingeladen, wo es im Vorfeld des Weltgebetstages eine Informationsveranstaltung gibt.
Frieder Vollprecht
Pfarrer der Herrnhuter Sozietät Basel