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In einem Interview nennt er die hohen Boni "eine Rücksichtslosigkeit". Diese würden sich früher oder später bei den sozialpartnerschaftlichen Auseinandersetzungen rächen, sagte der Wirtschaftsminister im Interview mit der "Zentralschweiz am Sonntag", als er auf die Boni der Spitzenleute der Schweizer Grossbank angesprochen wurde.
"Ich habe in meiner Zeit als Industrieller und Swissmem-Präsident meinen Kollegen in der Economiesuisse beizubringen versucht, dass sie mit den Vergütungsexzessen eine Dummheit begehen, die nichts mit den Weltmarktverhältnissen zu tun hat." Die Credit Suisse wollte ursprünglich die Löhne für die Geschäftsleitung ohne Sonderzahlungen von 64 Millionen Franken im Vorjahr auf 82 Millionen anheben. Der Verwaltungsrat begründete diese Erhöhung mit der guten Leistung des Managements.
Die Credit Suisse schrieb jedoch im Geschäftsjahr 2016 einen Verlust von 2,7 Milliarden Franken nach einem Verlust von 2,9 Milliarden im Vorjahr. Grund waren in beiden Fällen vor allem Altlasten, die das Management unter der damaligen Führung von Brady Dougan der Bank eingebrockt hatte.
Boni-Reduktion von 40 Prozent
Nachdem einflussreiche Stimmrechtsberater die Entschädigungen scharf kritisiert und den Aktionären die Ablehnung der Vergütungsanträge empfohlen hatten, krebste die Grossbank in der Nacht auf Karfreitag zurück und kündigte eine Boni-Reduktion von 40 Prozent an. Für CS-Chef Tidjane Thiam wird die Bezahlung für 2016 damit von 11,9 Millionen auf 10,24 Millionen Franken gekürzt.
Ob das genügt, will Schneider-Ammann den Aktionären überlassen: "Das werden wir in weniger als einer Woche wissen", sagte er auf eine entsprechende Frage. Die Generalversammlung findet am Freitag statt. Die drei Stimmrechtsvertreter ISS, Glass Lewis und Ethos empfehlen trotz der Kürzungen weiterhin eine Ablehnung der Vergütungsanträge.
Ein Grossaktionär, der norwegische Staatsfonds, hat sich dagegen nach dem Bonusverzicht umentschieden. Grossaktionär Harris Associates hatte schon vor der Kürzung Zustimmung signalisiert. Neben diesen beiden Aktionären halten auch der katarische Staatsfonds, die saudische Olayan-Gruppe und Vermögensverwalter Blackrock einen Anteil über der Meldeschwelle von 3 Prozent an der CS. Ihre Position ist nicht bekannt.
Noch nicht entschieden hat sich der AHV/IV/EO-Fonds Compenswiss. Fonds-Präsident Manuel Leuthold betonte allerdings in einem Interview mit der "NZZ am Sonntag": "Wenn ein Vergütungssystem intransparent ist oder die Entschädigungen nicht mit den Leistungen übereinstimmen, lehnen wir uns auf."
Vermehrter Widerstand
Der Schaffhauser Ständerat Thomas Minder und Initiant der Abzockerinitiative, die mit ihrer Annahme den Aktionären mehr Mitbestimmung bei den Vergütungen gebracht hat, hofft auf ein Nein am Freitag: "Wenn die Aktionäre die Gehälter, die Dividende und die Wiederwahl des Verwaltungsrats durchwinken, ist das eine Katastrophe", sagte er in einem Interview mit der "SonntagsZeitung".
Solche Teilhaber müsse man bevormunden. "Ich fürchte aber, dass die CS mit ihren Anträgen durchkommt." Vier Jahre nach Annahme der Abzockerinitiative hat sich bei der Höhe der Spitzenboni kaum etwas getan. Minder kritisiert denn auch Schlupflöcher wie vorausschauende Abstimmungen für die Löhne des nächsten Jahres.
Allerdings regt sich seit diesem Jahr verstärkt Widerstand gegen unverhältnismässige Managerlöhne aus den Reihen der Aktionäre und Stimmrechtsberater. Als Stein des Anstosses gilt dabei weniger die Höhe der Boni an sich, als ein Auseinanderklaffen von Leistung und Vergütung.
So verweigerten die Aktionäre von Georg Fischer jüngst aus Missmut über das Vergütungsmodell die Zustimmung zum Vergütungsbericht. Beim Industriekonzern ABB votierten 38 Prozent der ABB-Aktionäre gegen die Vergütung für die Geschäftsleitung. Ein Nein-Anteil von 20 Prozent gilt als Unmutsbekundung und Warnsignal. Auch beim Pharmakonzern Novartis gab es mit 40-prozentiger Ablehnung des Vergütungsberichts einen deutlichen Schuss vor den Bug der Führungsspitze.
(AWP)