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Die Instabilität des Goldstandards
Die Liste der Vorschläge zur Verbesserung des heutigen Währungssystems ist in den letzten Jahren immer länger geworden. Der populärste Gegenentwurf ist zweifellos der Goldstandard. Seine Anhänger argumentieren, dass die Weltwirtschaft unter einem Goldstandard viel stabiler wäre.
Stimmt das wirklich?
Langfristig gesehen, sieht man nur bei den Preisen eine höhere Stabilität als in den letzten 40 Jahren, in denen das Gold für das Währungssystem keine Rolle mehr gespielt hat. Aber bereits bei kurzfristiger Betrachtung ist der Befund weniger eindeutig. In der Zeit, in der Grossbritannien den Goldstandard hatte (1821 bis 1914), waren die kurzfristigen Schwankungen der Inflationsrate höher als in den letzten zwanzig Jahren, wie die Grafik zeigt.
Auch bei der Finanzstabilität schneidet der Goldstandard nicht besser ab als das heutige Währungssystem mit flexiblen Wechselkursen. Das 19. Jahrhundert war eine Zeit, in der die Krisenfrequenz recht hoch war. Zwischen 1815 und 1914 gab es nicht weniger als zehn Bankenkrisen, die international übertragen wurden. Zudem nahm die Heftigkeit der Krisen zu. 1890 konnte die Bank of England den Goldstandard nur aufrechterhalten, weil die französische Zentralbank zu Hilfe eilte. Auch 1907 war die Lage besonders kritisch. In den USA war die Stabilität des Finanzsystems so stark bedroht, dass der Kongress zur Gründung einer Zentralbank (1913) schritt.
Wie eine Grafik von Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff zeigt, hängt die Stärke von internationalen Finanzkrisen weniger mit dem Währungssystem als mit dem Ausmass internationaler Kapitalmobilität zusammen. Die rote Linie zeigt den Anstieg der internationalen Kapitalmobilität (linke Skala), die blaue Linie zeigt die Häufigkeit von Bankenkrisen (rechte Skala).
- Die Frage des Währungssystems ist wichtig, aber viele Probleme bleiben, auch wenn man ein anderes Währungssystem wählt. (Der Euro hat die deutsche Dominanz nicht zum Verschwinden gebracht, wie französische Politiker naiverweise glaubten.)
- Wenn man Bankenkrisen verhindern will, muss man die Kapitalmobilität einschränken. Weil das aber niemand wirklich will, muss man die Eigenkapitalbasis der Banken stärken, damit sie die Krisen absorbieren können.