Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03115.jsonl.gz/2718

Uber die Methoden SEKEMs zur Verbesserung von Wüstenboden wird viel berichtet. Doch was tut SEKEM genau, wenn es Bio-Landbau betreibt?
Als die SEKEM-Initiative auf etwa 60 Hektar Wüstenland gegründet wurde, war es das erklärte Ziel, aufbauend auf der biologisch-dynamischen Landwirtschaft im zuerst sandigen Wüstenboden ein nachhaltiges Modell für eine ganzheitliche Gesellschaftsentwicklung aufzubauen. Die materielle Grundlage dafür sollte eine Farmanlage bilden, die auf dem kargen, sandigen Boden erst noch zur Entwicklung gebracht werden musste. Aus den biologischen Farmerzeugnissen sollten dann demeter-zertifizierte Produkte hergestellt werden, die in Ägypten und durch internationalen Export vertrieben werden würden.
Erfolge zeigen richtigen Ansatz
Heute zeigt sich immer deutlicher, wie richtig der Ansatz war, biologisch-dynamische Landwirtschaft und die Arbeit am Boden ins Zentrum der ganzen Entwicklungsarbeit
SEKEMs zu stellen. In den 34 Jahren Entwicklungsgeschichte SEKEMs ist in Ägypten einer der grössten Bio-Märkte ausserhalb des globalen Westens industrialisierter Länder entstanden. Mehr als 6000 Hektar Wüstenboden konnten durch bio-dynamische Methoden des Landbaus der Wüste abgerungen werden. Gleichzeitig haben weltweit sowohl die Urwald- als auch landwirtschaftlich nutzbaren
Flächen dramatisch abgenommen. Laut der Organisation für Ernährung und Landwirtschaft der Vereinten Nationen (FAO) standen 1961 noch 4307m2 landwirtschaftlich nutzbarer Fläche pro Person zur Verfügung, 2007 waren es nur noch 2137m2.
SEKEMs landwirtschaftlicher Ansatz
Die SEKEM-Farm wurde durch Flutbewässerung aus Brunnenwasser urbar gemacht. Flächen wurden mit Kompost, der mit den biologisch-dynamischen
Präparaten veredelt wurde, gedüngt. Im Laufe der Jahre konnten weitere Flächen in der Nachbarschaft erworben werden, so dass heute allein auf der SEKEM-Farm etwa 180 Hektar bewirtschaftet werden. Abhängig von den jeweiligen Kulturen wird inzwischen auch viel mit Sprenkler- und Tröpfchenbewässerung gearbeitet.
SEKEM arbeitet ausserdem mit mehr als 200 demeter-Landwirten im ganzen Land zusammen, die verschiedenste Produkte anbauen, die in den SEKEM-Firmen weiter verarbeitet werden. Die Palette reicht von Futterpflanzen über Getreide- und Ölsaaten sowie Hülsenfrüchten zu Tee- und Heilkräutern, Obst, Gemüse und
Baumwolle.
Seit 2007 wurde die Produktion von Kompost zusammen mit der Firma Soil & More (Niederlande) enorm verbessert und ausgeweitet, so dass inzwischen 60,000 Tonnen jährlich produziert werden.
Diese Entwicklung machte es möglich, dass SEKEM drei weitere grosse Wüstengrundstücke bearbeiten konnte, deren Flächen durch Bewässerung und
Kompostausbringung Stück für Stück urbar gemacht werden:
Die Sinai-Farm von rund 1000ha, auf der Orangen, Kartoffeln, Bohnen und Futterpflanzen angebaut werden, sowie die Farm in Minya, die sich am Boden eines 18km langen Tals auf knapp 1000ha Fläche parallel zum Nil in die Berge schlängelt. Hier werden Kräuter wie Basilikum, Kamille, Dill und Zwiebeln angebaut. Ausserdem werden in der Bahareya-Senke in der "westlichen Wüste" auf etwa 150ha Krauseminze, Palmen, Agroforst, Süssolz, Klee, Luzerne und Geranium angebaut. Auch diese Farm wird in einigen Jahren etwa 1000ha bewirtschaften.
Alle Böden werden mit einem eigens dafür hergestellten Kompost gedüngt. Er besteht aus Reisstroh, Wasserhyazinthen, Holzchips, organischem Abfall, Ton, Hühner- und Kuhmist. Bisher wird das anfallende Reisstroh im Land grösstenteils
verbrannt, was fatale Umweltschädigungen bewirkt und wertvolle Biomasse zerstört. Mit SEKEMs Methode gelingt es erstmals, Reisstroh in Ägypten in grossem Massstab zu kompostieren. Der Kompost wird meist zweimal jährlich in der Vorbereitungszeit auf die Felder aufgebracht, die dazu gepflügt werden.
Die Wüstenböden in der Umgebung SEKEMs sind leicht alkalisch und zeichnen sich durch einen niedrige Kohlenstoff- und hohen Salzgehalt aus. Die Bearbeitung mit Kompost, Gründünger, Präparaten und regelmässiger Bewässerung hat im Laufe
der Zeit zu einer Änderung der Bodenzusammensetzung mit höheren Konzentrationen organischer Substanzen geführt.
Studien belegen Erfolge
In einer Studie von Soil & More International, dem Louis Bolk Institut und der Heliopolis University konnten Joris van der Kamp und Boki Luske die positiven Effekte langjähriger biodynamischer Landwirtschaft auf den Ägyptischen Wüstenboden zeigen. Ihre Ergebnisse zeigen eine starke Zunahme von organischem Kohlenstoff bis in Schichten von 30cm Tiefe in den durch SEKEM bearbeiteten Böden. Im unberührtem Wüstenboden rundum Sekem konnte demgegenüber ein Gehalt von 0.06-0.08% nachgewiesen werden. Auf Böden die bereits seit 30 Jahren bewirtschaftet werden, hat sich der Gehalt in 0-10cm Tiefe
auf 0,99-1,39% und in 10-30cm Tiefe bereits auf 0,32-0,39% erhöht.
Pro Hektar und Jahr können so durch SEKEMs Massnahmen durchschnittlich
3 Tonnen CO2-äquivalente Treibhausgase gebunden werden. Dies wiederum führt dazu, dass weniger Bewässerungswasser benötigt wird und die Bodenfruchtbarkeit sich verbessert - wichtige Faktoren um die Nahrungsmittelsicherheit in einem Land wie Ägypten zu verbessern, das zu rund 96% aus Wüste besteht.
Christina Boecker