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1911-1977
Paul Burkhard
Am Samstag, 1. April 1939 ging am Schauspielhaus die Uraufführung einer "Musikalischen Komödie" nach einem Dialektlustspiel von Emil Sautter über die Bühne. Sie war gedacht als heiterer Beitrag zur Landesausstellung, die am 6. Mai ihre Tore öffnete. Regie hatte Oskar Wälterlin, das Bühnenbild machte Teo Otto (1904-1968). Den neuen und mit vielen eingebauten Liedern umgestalteten Text hatte Jürg Amstein (1915-1988) geschrieben, komponiert waren die Lieder von Paul Burkhard, der auch die musikalische Leitung übernommen hatte. Das Stück hiess "Der Schwarze Hecht".
Die Premiere war ein grosser Erfolg, das Lied "O mein Papa" musste zweimal wiederholt werden. Die Kritiken waren gut, in der NZZ stand:
"Zum erstenmal erscheint hier unsere Mundart durchgehend als Trägerin des gesungenen Wortes in einem Bühnenspiel [...], und die Wirkung ist köstlich."
Trotzdem wurde das Stück nirgendwo nachgespielt. Es hatte seine Mängel und der Krieg stoppte das Bedürfnis nach leichter Muse. Später machten die Autoren einen Dreiakter daraus, in welchem Annas Traum die Mitte bildete und Paul Burkhard das Ganze vollständig durchkomponierte. Die Premiere vom 17. November 1948 am Schauspielhaus wurde zur Geburtsstunde eines Grosserfolgs, der sich schliesslich mit dem Titel "Feuerwerk" als Musical und Film durch die ganze Welt fortsetzte. Als das Stück in den 60er Jahren wieder am Schauspielhaus inszeniert wurde, spielte auch Karl Meier / Rolf neben Ruedi Walter und Inigo Gallo einen der drei Onkel.
"Wälterlin, der P.B. [Paul Burkhard] sehr wohlgesinnt war, engagierte den Stellenlosen als Kapellmeister und Hauskomponisten ans Schauspielhaus."1
Das war im Frühling 1939.
"Er blieb bis 1944, als ihn Hermann Scherchen ans Radio-Orchester Beromünster holte; in den fünf Jahren hat er mehr als vierzig Schauspielmusiken komponiert. [...] Als Hauskomponist war Burkhard auch für 'Mutter Courage und ihre Kinder' [Uraufführung am 19. April 1941] zuständig. Seine Musik umfasst zehn Nummern [Lieder], die zum Teil mehrfach eingesetzt sind. [...] Seine Musik erhielt beste Kritiken. [...] 1947 entstand Paul Dessaus Musik zu 'Mutter Courage'; Bertolt Brecht band sie exklusiv an sein Theaterstück und Paul Burkhard zog seine Partitur sofort zurück."2
Mit dem Radio-Orchester Beromünster führte Burkhard unter anderem auch klassische Musik und solche zeitgenössischer Schweizer Komponisten auf, wie Heinrich Sutermeister und Arthur Honegger - sowie Werke seiner Freunde Nico Kaufmann und Hans Schaeuble.
Er komponierte schon vor dem "Hecht" und erst recht danach viele musikalische Theaterstücke. Eines der erfolgreichsten war "Die kleine Niederdorf-Oper", in welcher die grosse Zeit des Cabaret Cornichon und seiner Umgebung mit dem Hirschenplatz wieder aufleben liess. Walter Lesch schrieb den Text, Oskar Wälterlin führte Regie. Uraufführung war am 31. Dezember 1951, Silvesterpremiere, im Schauspielhaus mit Ruedi Walter als Bäuerlein, und mit Margrit Rainer, Heinrich Gretler, Anne-Marie Blanc, Sigfrit Steiner, Karl Meier / Rolf und anderen. Es gab mehr als 50 Vorstellungen - und bald stand diese Volksoper im Programm fast aller Theaterbühnen des Landes.
Paul Burkhard lebte seine Homosexualität versteckt, war aber völlig offen, wenn er sich allein in Gesellschaft mit Freunden wusste. Das erzählten uns Hans Schaeuble und Jürg Amstein. Beide waren Abonnenten des Kreis und mit Burkhard befreundet. Gelegentlich habe er, als Alte Tante verkleidet, die Maskenbälle im KREIS besucht, dies in Begleitung seiner um etliche Jahre älteren Schwester, die jeweils vor der "Eintracht" am Neumarkt wieder umgekehrt sei. Auch "Päuli", wie ihn seine Freunde nannten, habe dann kurz vor der Demaskierung um Mitternacht das Haus verlassen und gleichfalls den Rückweg angetreten.
Als Röbi Rapp Anfang der 50er Jahre einige Burkhard-Lieder im KREIS vortragen wollte, durfte er sie beim Komponisten einüben, der ihn dazu am Klavier begleitete. An der Aufführung im KREIS allerdings war Nico Kaufmann der Begleiter.
Ernst Ostertag, Oktober 2004
Weiterführende Links extern
Quellenverweise
- 1
Philipp Flury und Peter Kaufmann: O mein Papa… Paul Burkhard, Leben und Werk, Orell Füssli, Zürich, 1979
- 2
Fritz Hennenberg: NZZ vom 9./10. März 2002, zur Schauspielhaus-Zeit Burkhards, "Dichter, Komponist - und einige Schwierigkeiten", Seite 80