Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03651.jsonl.gz/2988

Hauptmenü:
Begriff
Dr. h.c. H. Weiss-Stauffacher definiert den Begriff «mechanische Musikinstrumente» - im Gegensatz zu den vom Menschen zu spielenden Instrumenten - als Musikinstrumente, die mechanisch, d.h. ohne künstlerische Einwirkung des Menschen, Schall oder Klang erzeugen. Bei ihnen werden die Schallquellen (elastische Festkörper, Membranen, Saiten, Luftsäulen etc.) entweder durch ausser-menschliche Kräfte (Wind, Luftdruck, Wasser, Gewicht, Zugfeder, Strom) oder durch rein mechanischen, kunstlosen, gleichförmigen Antrieb durch den Menschen (Kurbeldrehen bei Drehorgeln, Balgtreten bei Selbstspielklavieren, Orgeln, Harmoniums etc.) erregt.Diese Instrumente sind «mechanisch spielbar», die andern «selbstspielend», «selbsttätig» oder «automatisch».
Automatisches Glockenspiel aus
"Musurgia Universalis" von Athanasius Kirche, Rom, 1650
Geschichte
Nach dem Bau der ersten Turmglockenspiele (Carillons) im Mittelalter, wurden später so viele verschiedene mechanische Musikinstrumente geschaffen, dass viele Bücher geschrieben werden müssten, um der Geschichte umfassend gerecht zu werden.
Im Jahre 1909 präsentierte die Firma Hupfeld, welche in Leipzig als erste Fabrik die Produktion von Orchestrionen aufnahm, das wohl spektakulärste mechanische Musikinstrument - die Hupfeld-Phonoliszt-Violina. Auf ein pneumatisches Selbstspielklavier wurde ein Gehäuse mit echten Geigen gebaut, welche durch einen Kreisbogen, der mit Rosshaaren versehen war, zum Erklingen gebracht wurden. Der Erfolg der Orchestrione der Firma Hupfeld war so überwältigend, dass noch weitere bedeutende Hersteller pneumatischer Instrumente Fabriken in Leipzig aufbauten. Zu nennen sind hier die Firmen Popper & Co., Paul Lösche und Kühl & Klatt.
Eine geniale Erfindung und für viele Sammler der Höhepunkt der Entwicklung mechanischer Musikinstrumente war das Reproduktionsklavier. Es war möglich, das Spiel von Pianisten so naturgetreu in eine Notenrolle zu stanzen, dass selbst Experten nicht unterscheiden vermochten, ob ein Piani selbst, oder ein Reproduktionsklavier zu hören war. Im Jahre 1904 brachte die Firm Welte in Freiburg das erste Welte-Mignon-Reproduktionsklavier auf den Markt. Eine lange Liste berühmter Komponisten und Piani sten bespielte in den Aufnahmestudios der Hersteller die Notenrollen. Edvard Grieg, Richard Strauss, Maurice Ravel, Claude Debussy, Eugen d’Albert, J.J. Paderewski, Georg Gershwin und viele mehr können auch heute noch original ab Notenrollen angehört werden. Auch in Amerika entstandene berühmte Firmen wie Duo-Art und Ampico.
J.J. Paderewsiki bespielte Musikrollen für die Firma Welte