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Um Tutanchamun und seine Mumie ranken sich viele Legenden. Alles zum Pharao, zu seinem Grab, seiner Totenmaske und seinem Fluch erfährst du hier.
Das Wichtigste in Kürze
Tutanchamun war ein altägyptischer Pharao des sogenannten "Neuen Reiches" und lebte ungefähr von 1341 bis 1323 vor Christus. Mit neun Jahren wurde er König. Seine Regierungszeit war wenig bemerkenswert. Er gilt eher als unbedeutender Pharao.
Ruhm sicherte ihm die Entdeckung seines Grabes im Tal der Könige. Der britische Forscher Howard Carter fand es 1922. Es war voll von Schätzen, allen voran die berühmte blau-goldene Totenmaske.
Das Grab war so gut wie nicht geplündert und enthielt auch noch die Mumie, die bis heute ausgestellt wird. Durch diesen reichhaltigen Fund wurde Tutanchamun zu einem der berühmtesten Pharaonen der Geschichte.
Dazu trugen auch viele ungelöste Rätsel und Legenden um den Tod des jungen Königs bei. Da einige Expeditionsteilnehmer von 1922 kurz darauf starben, spukt auch die Legende vom Fluch des Pharaos durch die Welt.
Wer war Tutanchamun und wie lebte er?
Der ägyptische Pharao Tutanchamun lebte vermutlich von 1341 bis 1323 vor Christus. DNA-Tests sollen inzwischen eindeutig belegen, dass Echnaton sein Vater war. Was die Mutter angeht, herrschen noch Zweifel. Hier kommen unter anderem Echnatons Frau Nofretete, aber auch andere Nebenfrauen in Frage.
Vater Echnaton hatte dem Sohn ein ziemliches Chaos hinterlassen. Er hatte die Religion der zahlreichen ägyptischen Götter in eine Religion mit Sonnengott Amon als einer Art Chef aller Götter umgewandelt. Echnaton verdonnerte sein Volk von oben herab dazu, daran zu glauben. Das Reich war daher sehr instabil als Tutanchamun es übernahm. Zwischen ihm und Echnaton gab es wohl auch noch eine ungeklärte Übergangsherrschaft, die ebenfalls nicht zur Festigung der Politik beitrug. Das neunjährige Kind Tutanchamun wurde von vielen Beratern beeinflusst. Der wichtigste davon war Eje, der dafür sorgte, dass der Kind-Pharao die Umstrukturierung der Religion von Vater Echnaton wieder rückgängig machte.
Tutanchamun starb mit ungefähr 20 Jahren. Seine Lebensspanne wird aufgrund unterschiedlicher Untersuchungen der Mumie und verschiedener Analysen und Datierungsmethoden unterschiedlich eingeordnet. Verheiratet wurde er schon früh mit seiner Schwester oder Halbschwester Anchesenamun. Nachkommen hinterließ er keine. Er war der letzte legitime König der 18. Dynastie.
Der plötzliche Tod von Tutanchamun und die Todesursache
Jagdunfall? Malaria? Wundbrand? Die Vermutungen, wie es zum sehr plötzlichen Tod des jungen Königs kam, sind zahlreich. Doch die wahre Todesursache ist nach wie vor unbekannt. Gerne wird natürlich auch über einen intriganten Mord spekuliert. Zumal der Pharao wohl ziemlich schnell begraben und auch ziemlich schnell vergessen wurde. Es gibt nur wenige Inschriften, die an ihn erinnern, obwohl er eine unglaubliche Bautätigkeit an den Tag legte. Er ließ die Tempel der alten Götter wieder in Stand setzen, hätte also von seiner Nachwelt weitaus mehr gefeiert werden müssen. Lag das daran, dass seine Nachfolger wollten, dass er in Vergessenheit geriet und sich seiner Taten selbst rühmten? Denn es waren Beamte, unter anderem sein einstiger Berater Eje, die sich den Thron unter den Nagel rissen und viele Inschriften und Erinnerungen an den jungen König zerstörten.
All diese vielen Thesen und Umstände führten am Ende ebenfalls zur Berühmtheit des Pharaos. Denn sein Tod wirkt wie ein Mysterium.
Die Entdeckung des Grabs von Tutanchamun durch Howard Carter
Am 4. November 1922 entdeckte der Brite Howard Carter das Grab Tutanchamuns im sogenannten Tal der Könige, nahe der ägyptischen Stadt Luxor. Es war ein Sensationsfund. Solch reiche Grabschätze waren bis dahin noch nie entdeckt worden. Auch die Mumie des Königs ist noch erhalten und heute die Einzige, die noch in einer Original-Grabkammer zu besichtigen ist.
Howard Carter interessierte sich früh für Archäologie, arbeitete schon als 17-Jähriger als Zeichner für das Britische Museum. So kam er auch das erste Mal nach Ägypten und sammelte viel Erfahrung bei Ausgrabungen.
Die eigentliche Lizenz für die Grabungen im Tal der Könige hatte Lord Carnarvon inne, genauer gesagt Georg Herbert, der 5. Earl of Carnarvon. Er ernannte Carter zum Grabungsleiter und finanzierte die Arbeiten. Carnarvon war damals schon ein guter PR-Mann und wusste die Entdeckung medial auszuschlachten und fütterte die Zeitungen mit allen möglichen Geschichten über Carters und somit ja auch "seinen" Fund.
"Ich sehe wunderbare Dinge - Gold wohin das Auge blickt"
, Howard Carter, britischer Archäologe (1874-1939)
Der Entdecker: Howard Carter (l.) soll den Ruhm um seine Person nicht gemocht haben. Während sein Geldgeber Lord Carnarvon einen wahren Medien-Hype befeuerte, wollte sich Carter eher der wahren Wissenschaft widmen. Später geriet er jedoch auch in die Kritik, er habe Grab-Beigaben nicht katalogisiert und für sich behalten. Auch merkten Forschende an, die Geschichte um die Entdeckung des Grabes könne nicht ganz stimmen, er müsse gewusst haben, wo das Grab liege. Carter zog sich nach England zurück, hielt Vorträge, und starb mit 64 Jahren an Krebs in London.
Tutanchamun: Die goldene Totenmaske, Föten und andere Schätze im Grab
💎 Vier Grabkammern: Darin lagen rund 5.400 Beigaben. Dazu zählten Waffen, wie 46 Bögen, und auch Streitwägen. Alltagsgegenstände wie Betten oder Vasen, ein Thron aber auch kunstvolle Statuen, Spiele oder Schmuckstücke wurden gefunden. Unter anderem waren rund 100 reichverzierte Goldbleche dabei. Für das leibliche Wohl nach dem Tod sorgten unter anderem 30 Weinkrüge und Palmfrüchte.
🎭 Die Totenmaske: Aus Gold gefertigt, rund 54 mal 39 Zentimeter groß, wiegt sie über neun Kilo, oft ist sogar von elf Kilo die Rede. Die schwarzen Augen sind aus dem vulkanischen Gesteinsglas Obsidian gefertigt und mit dem Edelstein Lapislazuli umrandet. 2014 passierte das Unvorstellbare: Reinigungskräfte im Museum brachen aus Versehen den Bart ab. Und noch schlimmer: Sie klebten ihn mit Sekundenkleber wieder an. Daraufhin mussten Expert:innen das Artefakt "retten" und restaurierten es aufwendig. Dabei wurde entdeckt, dass es wohl nicht das erste Mal war, dass der Bart abgebrochen wurde.
🏆 Die Sarkophage: Es gab drei Sarkophage, die ineinander lagen. Diese wurden wiederum von vier Schreinen geschützt, von denen ebenfalls jeder im nächstgrößeren lagerte. Der kleinste Sarkophag, in dem dann direkt die Mumie lag, war ebenfalls aus purem Gold und wog rund 110 Kilo. Der zweite Sarkophag drumherum war immerhin noch vergoldet. Und der Dritte hatte schließlich eine Länge von 2,23 Metern.
🗡 Dolch aus Meteor: Besondere Aufmerksamkeit erweckte ein 34 Zentimeter langer Dolch mit goldenem Griff, der direkt bei der Mumie gefunden wurde. Während Gold und Edelsteinverzierung für die damalige Zeit normal waren, ist es die Klinge nicht. Denn diese wurde aus Eisen geschmiedet. Da es aber noch keine Eisenerzschmelze gab, gehen Forschende davon aus, dass es von einem Meteoriten stammen könnte. Ebenso sollen ein Armreif und eine Kopfstütze aus dem Grab aus diesem Meteoriten-Eisen gefertigt sein.
🧬 Föten: Auch zwei mumifizierte Föten wurden im Grab des Königs entdeckt. Es wird angenommen, dass es sich dabei um Totgeburten handelt. Nach einer DNA-Analyse waren es wohl zwei Töchter des Tutanchamuns. Wer ihre Mutter war, ist nicht gesichert. Es war aber wohl nicht seine Ehefrau Anchesenamun.
Tutanchamuns Mumie: Rätsel um den einbalsamierten Leichnam
🧠 Wie schon die Leichname vieler Ägypter:innen zuvor, wurde auch der des Tutanchamun nach einem komplizierten Verfahren mumifiziert. Hirn und Innereien wurden entfernt - normalerweise jedoch nicht das Herz entnommen. Der Körper wurde unter anderem mit Hilfe von Natron getrocknet. Dann wurde die Leiche einbalsamiert. Hierzu wurden Pflanzenextrakte, Fette und Harze benutzt, die zur "Haltbarkeit" der Leiche führten. Der Leichnam wurde mit Bandagen und Tüchern umwickelt.
🫀Bei Tutanchamun fehlt das Herz. Das ist ungewöhnlich, da dieses normalerweise nicht entfernt wurde. Theorien gehen davon aus, dass man Tutanchamun als Osiris, Gott der Unterwelt, also auch als Herrscher über das Totenreich darstellen wollte. Denn auch dessen Herz wurde der Überlieferung nach getrennt von ihm begraben.
🌅 Der Penis des Pharaos war so einbalsamiert, dass er im 90-Grad-Winkel abstand, also erigiert dargestellt wurde. Dies ist sonst bei keiner Mumie entdeckt worden. Auch hier sehen Theorien die Verbindung zu Osiris. Es sollte wohl eine immerwährende Regeneration dargestellt werden. Osiris ist auch der Gott der Wiedergeburt.
💀 An der Mumie wurden verschiedene Verletzungen festgestellt, unter anderem am Knie. Der Schädel wies Knochensplitter auf. Anhand dieser Verletzungen erhofften Forschende sich klare Hinweise auf die Todesursache. Leider konnte diese bisher nicht geklärt werden. Woher die Verletzungen stammen, ist ebenso unklar. Der Schädel könnte beim Entfernen der Totenmaske in Mitleidenschaft gezogen worden sein.
Der Fluch des Tutanchamun
Eine Mischung aus Aberglauben, Legendenbildung und Sensationslust führte zum Mysterium um den Fluch des Pharaos. In einer Zeit, in der sich die feine britische Gesellschaft gerne von gruselige Geistergeschichten unterhalten ließ, und das Mysteriöse und Überirdische viele Anhänger:innen fand, wurde auch das Grab von Tutenchamun entdeckt.
Legenden berichteten außerdem davon, dass altägyptsche Priester die Gräber der Könige mit Flüchen, Sprüchen und Zauber gegen Grabräuber geschützt hätten. Diese sollten als Strafe für die Störung der heiligen Gräber sterben.
Da sich nach der Öffnung des Grabes einige Todesfälle ergaben spekulierte die Gesellschaft und auch die Presse sofort über den vermeintlichen Fluch des Pharaos. Angeblich sei eine Tontafel im Grab gefunden worden, die sagt, dass alle sterben, die das Grab öffnen. Diese Tontafel ist aber verschwunden - oder existierte nie.
Am 5. April 1923 starb Geldgeber Lord Carnarvon, der bei der Öffnung des Grabes anwesend war. Heute geht man von einer Blutvergiftung in Verbindung mit einer Lungenentzündung aus.
Auch ein Freund Carnarvons, der Millionär George Gould, erkrankte nach einem Besuch des Grabes und starb. Er hatte sich wohl eine Erkältung und anschließend ebenfalls eine Lungenentzündung zugezogen.
Wann immer jemand starb, der mit dem Grab, dessen Untersuchung oder später auch der Ausstellung der Schätze in Verbindung stand, wurde das von der Presse, der Öffentlichkeit und Mystiker:innen mit dem angeblichen Fluch in Verbindung gebracht. Es handelte sich um Unfälle, Suizide, Morde oder Krankheiten. Das Einzige, was manchmal wirklich in Erwägung gezogen werden kann, ist, dass beim Öffnen des Grabes Pilze oder Bakterien freigesetzt wurden, die die Gesundheit vielleicht schwächten. Aber selbst dies wären natürliche und keine mystischen Ursachen - und sie erklären auf keinen Fall die Unfälle, Suizide oder Morde.