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KAPELLE ST. ANTONIUS ABBAS UND ST. WENDELIN, WITERSCHWANDEN
Das Kirchlein der Leute von Witerschwanden
Die Kapelle Witerschwanden hat als Patrone Maria, die Bauernheiligen Antonius und Wendelin, ursprünglich gehörte auch der Pestheilige Sebastian dazu. Das Heiligtum liegt in der Pfarrei Springen. Es finden regelmässig Gottesdienste statt. Die Patronatsfeste St. Antonius (17.01.) und St. Wendelin (20.10.) und die Kapellweihe am Sonntag nach Auffahrt werden feierlich begangen. Immer wieder versammelt sich gläubiges Volk abends zu gemeinsamem Beten. Am Dienstag in der Karwoche findet ein Bittgang statt. Die von der Pest geplagten Vorfahren pilgerten auch am Sebastianstag (20.01.) zum Heiligtum.
Das Kirchlein steht mitten im uralten Weiler Witerschwanden. Der Standort am alten Weg nach Spiringen und Ennetmärcht zeichnet es als Wegkapelle aus.
Entstehung und Entwicklung
Spiringen stieg 1591 zur selbständigen Pfarrei auf, als die katholische Reform in Blüte stand. Zahlreiche Schenkungen an die Pfarrkirche und die Kapelle Getschwiler, Stiftungen und Bruderschaftsgründungen zeugen vom Glaubenseifer des damaligen Volkes.
In dieser Epoche entstand auch die Kapelle in Witerschwanden. Sie konnte 1621eingeweiht werden. Das Fresko an der Gegenfassade entstand 1627 und ist ein Geschenk von Sebastian Heinrich Trösch und seiner Gemahlin Regina Zumbüel. Trösch bekleidete 1629-1631 das Amt des Landammanns. Das Fresko am Chorbogen wurde gestiftet von Jakob Gisler und seiner Gemahlin Dorothea Brücke, die wohl in der Derelen zu Hause waren. Die Chorausmalung entstand mutmasslich in der nämlichen Epoche. Diese erste malerische Ausschmückung könnte von Kunstmaler Friedrich Schröter aus Freiburg i. Br. Stammen. 1758 wurde von den zwei Glöcklein das kleinere umgegossen, die Patenschaft hatte Ratsherr Jost Anton Schmid mit seiner Frau Franziska Brand übernommen. Das Barockaltärchen datiert von 1766 und dürfte von Lukas Regli geschaffen worden sein. Die Malereien erhielten 1777 eine zweite Fassung, für welche Kunstmaler Joseph Anton Schuler aus dem Lechtal verantwortlich zeichnete. Bei der Renovation von 1914 verschönerte Albert Hinter die Kassettendecke mit Ziermalereien. Das Kirchlein erfuhr 1955 eine weitere Auffrischung, dabei schuf Pfarrer Gustav Schnüriger von Maladers GR das Fresko der Westfassade. 2002 fand unter Pfarrer Viktor Hürlimann eine Gesamtrestauration statt.
Beschreibung
Das geostete Kirchlein über rechteckigem Grundriss weist ein Fensterpaar im Langhaus und eines im Chor auf. Das Satteldach kragt westseits weit vor. Im Türmchen über quadratischem Sockel mit Spitzhelm, Kugel und Kreuz hängen zwei Glöcklein. Auf der Westseite befindet sich der Eingang mit geschweiftem Türsturz, darüber sind ein Rundfenster und im Giebel eine kreuzförmige Lichtöffnung. Die Fassade ist geschmückt mit einem Fresko. Es zeigt den Gekreuzigten mit Maria und Johannes, beseitet von den heiligen Antonius und Wendelin.
Der Innenraum ist zweigeteilt. Das Schiff ist mit einer gebrochenen Holzkassette gedeckt. Hinter dem Rundbogen, von einem Schmiedgitter verschlossen, folgt der um zwei Stufen erhöhte Chor. Sein Gewölbe öffnet sich in Stichkappen zu den beiden Fenstern.
Die Wandmalerei auf der Innenfassade stellt das Martyrium des Pestheiligen Sebastian dar. Numidische Bogenschützen schiessen Pfeile gegen den an einen Baum Gefesselten. Kaiser Diokletian, unter dem zwischen 303 und 316 n. Chr. Sich das Martyrium in Rom ereignet haben soll, reitet in imperialer Haltung vom Feldlager her auf die Richtstätte zu. Im Hintergrund breiten sich auf grünem Hügel antike Bauten aus. Im Rundfenster darüber strahlt die Heiliggeisttaube. In der Leibung sind das Treschwappen und der Stiftervermerk von 1627 angebracht. Auf dem Chorbogen verkündet der Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria den Ratschluss Gottes, sie zur Mutter seines Sohnes auszuerwählen. Die Heiliggeisttaube fliegt zur Begnadeten, Gottvater wohnt dem Geschehen bei. Links und rechts kniend mit ihren Wappen das Stifterehepaar Jakob Gisler und Dorothea Brücker. Darunter die Tafelbilder der Schmerzensmutter und des Ecce homo.
Das Fresko im Chorgewölbe stellt die Krönung Marias dar. Vier Engel umschweben das Geschehen. In den Stichkappen und Fensterleibungen sind Heilige wiedergegeben: Barbara mit Turm, Katharina mit Krone und Schwert, Margareta mit Handkreuz und Lindwurm, Agatha mit brennender Fackel, ein Bischof mit Kelch und Traube, Johannes der Täufer mit Lamm.
Die dekorativen Malereien der Kassettendecke im Schiff beinhalten stilisierte Darstellungen der Leidenswerkzeuge und des Altarssakramentes, sie veranschaulichen Anrufungen aus der lauretanischen Litanei und enthalten, nächst dem Chorbogen, die Symbole der vier Evangelisten.
Der prachtvolle Altar erstrahlt in Gold und Silber und geizt nicht mit weiteren Farben. Über der Predella, auf der eine Inschrift von 1914 die Geschichte der Kapelle erzählt, wächst das von vier Säulen gegliederte Retabel zum breiten Gesimse empor und findet im geschwungenen Oberteil seinen Abschluss. In der Nische steht über der Weltkugel Maria, den rechten Fuss auf der Mondsichel, mit dem linken der Schlange den Kopf zertretend. Die hohe Frau ist bekrönt und hält Szepter und Rosenkranz in den Händen. Die heiligen Antonius, mit Buch und T-Stab, und Wendelin mit Hirtenstab beseiten die Himmelskönigin. Das Oberblatt zeigt Bruder Klaus.
Würdigung
Die Kapelle St. Anton und St. Wendelin hält Wache am Weg zum Klausen und gibt dem Weiler Witerschwanden Mitte und Halt. Die Architektur und die auserlesenen Kunstwerke aus dem 17. bis 20. Jahrhundert erfreuen und laden ein zu Ruhe und Gebet.