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Der Volksmund nennt sie auch: Cagaiteira
Wissenschaftlicher Name: Eugenia dysenterica DC
Deutscher Name: Kirschmyrte
Botanische Familie: Myrtaceae
Herkunft: Brasilien – Cerrado
Charakteristika der Pflanze
Baum mittlerer Grösse, der zwischen 3 bis 4 Meter hoch werden kann, stark verzweigt. Grüne, glänzende Blätter, wenn sie jung sind, von hellgrüner Färbung und fast durchsichtig. Weisse, aromatische Blüten.
Die Frucht
Abgeflachte Kugelform von blassgelber Färbung, mit 1 bis 3 weissen Samenkernen, die von cremigem Fruchtfleisch umgeben sind, das etwas säuerlich schmeckt.
Verbreitung
Die Pflanze wächst wild in den Serrado-Regionen. Die Cagaita ist eine in Brasilien beheimatete Frucht, die aus dem Cerrado stammt.
Seit langem weiss man, dass die Cerrados – die einen grossen Teil der Zentralregion des brasilianischen Territoriums bedecken – einige der schlechtesten intertropischen Böden präsentieren. „Es ist eine wahrhaftige Heldentat“, so drückt es der Professor Aziz Ab’Saber aus, „dass der Cerrado sich gegen natürliche und durch den Menschen verursachte Brände hat behaupten können – und bis heute immer wieder aus der eigenen Asche neu ersteht“.
Erst kürzlich vollendete Studien beweisen – im Gegenteil zu dem, was man bis vor kurzem glaubte – das der Cerrado in seiner scheinbaren Einöde und Trockenheit viele Überraschungen hinsichtlich der Vielfalt und dem Reichtum seiner natürlichen Ressourcen bereit hält. Man weiss heute ebenfalls, dass die Cerrados innerhalb ihrer bescheidenen vegetativen Formationen einen natürlichen Obstgarten verbergen. Mehr als einhundert nativer Arten dieser Region bieten dem Menschen, der sich auskennt, wohlschmeckende Früchte von hohem Nährwert. Und viel mehr noch, ausser diesen, werden von den wilden Tieren geschätzt.
Unter jenen Arten sind erwähnenswert: die Mangaba (Hancornia speciosa), Marmelada-Nativa (Alibertia edulis), Bacupari (Garcinia gardneriana), Araticum (Annona crassiflora), Marolo (Araticum ou marolo), Buriti (Mauritia flexuosa), Pequi (Caryocar brasiliense), Cajuí (Anacardium Nanum), Guariroba (Syagrus oleracea), Jatobá (Hymenaea L.), Murici (Byrsonima crassifolia), Araçá (Eugenia stipitata), Baru ((Dipteryx alata), Jaracatiá (Carica dodecaphyll), Curiola (Pouteria ucuqui), Gabiroba (Campomanesia pubescens) und die Cagaita (Eugenia dysenterica DC) – unter anderen.
Verwandt mit der Pitanga (Eugenia uniflora – Surinam-Kirsche), der Araça (Eugenia stipitata) und der Uvaia (Eugenia uvalha), präsentiert sich die Cagaita als eine kleine, runde Frucht von hellgelber Farbe. Sie hat eine feine Schale, einen säuerlichen Geschmack und ist recht saftig – in ihrem Innern zirka 90% Saft.
Trotz ihres angenehmen Geschmacks und ihres erfrischenden Effekts wissen die Bewohner des Cerrado, dass man die Cagaita mit Umsicht geniessen soll – nicht umsonst weisst ihr volkstümlicher Name (cagar=kacken), und auch ihr wissenschaftlicher, bereits auf die Gefahr hin, der man sich aussetzt, wenn man zuviel davon isst. Ob aus einer Laune der Natur – Tatsache ist jedenfalls, dass die Cagaita bei exzessivem Genuss eine Fermentierung provoziert, die einerseits die Darmfunktion stimuliert und andererseits einen Zustand wie bei Betrunkenheit hervorruft. Ihre Blätter dagegen, haben einen gegenteiligen Effekt: Eine entsprechende Infusion aus Blättern und Rinde wird in der Volksmedizin als Durchfall-Bremse angewendet!
Im Centro de Tecnologia Agroindustrial der EMBRAPA (Landwirtschaftlich-Technisches Institut) von Rio de Janeiro entwickelt und testet man neue Rezepte für Säfte, Gelees und Süssigkeiten mit Mustern von Früchten aus dem Cerrado. Dort gehört der Saft der Cagaita, zusammen mit den gerösteten Kernen der Baru (Dipteryx alata), zu den von Besuchern wie Mitarbeitern bevorzugten Aperitifs. Dort hat man auch bewiesen, was die Cerrado-Bewohner schon lange wussten: dass der Genuss der Frucht in natura zwar unangenehme innere Begleiterscheinungen haben kann, ihr Fruchtfleisch jedoch bei Verwendung für Säfte, Gelees, Erfrischungsgetränke, Speiseeis, Süssigkeiten und Liköre lediglich die angenehmen Eigenschaften von Geschmack und Geruch mitbringt.