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Die indische Wirtschaft wird 2017 infolge der unerwarteten Demonetarisierung der Regierung voraussichtlich einigen kurzfristigen Turbulenzen ausgesetzt sein. Entwicklungen, wie die Einführung einer nationalen Steuer auf Güter und Dienstleistungen (GST) sowie mögliche niedrigere Zinssätze, dürften sich auf lange Sicht für die Zukunft des Landes jedoch positiv auswirken.
Anfang November gab Premierminister Modi bekannt, dass grössere Banknoten künftig kein gesetzliches Zahlungsmittel mehr sein werden. Insbesondere die alten 500-Rupien- und 1'000-Rupien-Scheine werden in Geschäften nicht mehr angenommen. Sie können jedoch bei Banken eingezahlt werden. Die aus dem Umlauf genommenen Scheine entsprechen ca. 86 Prozent des in Indien im Umlauf befindlichen Bargelds bzw. etwa 220 Mrd. USD. Die Regierung will damit nicht erfasste Vermögen bzw. Schwarzgelder eindämmen.
Dies führt kurzfristig zu Problemen, da die indische Wirtschaft überwiegend mit Bargeld funktioniert und vor dieser Änderung 98 Prozent der Geschäftstransaktionen in bar erfolgten. Doch andererseits dürften auf lange Sicht enorme positive Auswirkungen auf die indische Wirtschaft erkennbar werden. Die Massnahme wird zu einer Vermögensübertragung von den Schwarzgeldbesitzern auf die Regierung führen. Letztere kann diese Gelder für höhere Investitionen in die Infrastruktur oder höhere Leistungen für die ärmeren Bevölkerungsschichten verwenden, die einen grösseren Konsumbedarf haben.
Die Regierung legte den Grundstein für diese Massnahme bereits durch die Eröffnung von fast 270 Mio. neuen Bankkonten im Rahmen ihrer Initiative Pradhan Mantri Jan – Dhan Yojana. Auf diese Weise kann sie leichter Geld an Menschen mit niedrigem Einkommen ausgeben. Das neue "Direct Benefit Transfer Scheme", das als weltweit grösstes Sozialversicherungssystem angekündigt wurde, ermöglicht der Regierung, Unterstützungszahlungen direkt auf die Bankkonten der Begünstigten zu überweisen, anstatt sie in Subventionen fliessen zu lassen.
Die nationale Steuer auf Güter und Dienstleistungen wird bis April 2017 umgesetzt. Die gestaffelte Steuertabelle ist bereits fertiggestellt und ein Entwurf des GST-Gesetzes wurde dem Parlament zur Erörterung vorgelegt. Indien wird aus dieser bahnbrechenden Reform voraussichtlich erheblichen und weitreichenden Nutzen ziehen. Die Überführung der unterschiedlichen Regelungen für Steuern in den einzelnen indischen Bundesstaaten in ein einheitliches Steuersystem erhöht nicht nur die Einnahmen der Zentralregierung, sie treibt auch die Wirtschafts-Formalisierung beträchtlich voran, senkt die Logistikkosten der Unternehmen und steigert so die Effizienz erheblich. Zusammengenommen werden diese Massnahmen das Steuereinkommen des Staates deutlich erhöhen.
Es wird einige Monate dauern, bis diese langfristigen positiven Faktoren greifen und während dieser Phase wird eine gewisse Unsicherheit vorherrschen. In den nächsten beiden Quartalen wird das Bruttoinlandsprodukt wahrscheinlich nicht wachsen, da sich die Konsumausgaben aufgrund mangelnder Liquidität voraussichtlich abschwächen werden. In den kommenden Monaten zeichnen sich aber auch positive Entwicklungen ab, wie eine Verschiebung von Sachanlagen zu Finanzanlagen, die öffentlichen Banken und Finanztechnologieunternehmen zugutekommen dürfte. Der organisierte, Steuer zahlende Sektor wird auf Kosten der Steuerhinterzieher profitieren. Und eine Zinssenkung hätte für viele Unternehmen niedrigere Fremdkapitalkosten zur Folge. Man wird es hier mit einem Szenario zu tun haben, in dem auf kurzfristige Nachteile auch langfristige Vorteile folgen. Jupiter AMs langfristige Prognose für die Binnenwirtschaft und den Aktienmarkt in Indien ist jedenfalls nach wie vor sehr positiv.