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Liebe Joëlle, eine Frage wurde mir neuerdings mehrmals gestellt: Fahren Sie noch Ski? Mit Betonung auf «noch». Meinst du, ich werde das gefragt, weil man es einem Mann in meinem Alter nicht mehr zutraut, auf den Pisten eine schneidige Gestalt abzugeben? Oder ist Skifahren nicht mehr angesagt, nicht mehr Status, zu umständlich, zu teuer, zu gestrig? (Übrigens: Ich fahre nicht mehr Ski, weil ich es in der Jugend versäumt habe, es gut genug zu ausreichendem Genuss zu lernen.)
Lieber Herr Ramspeck
Sie müssen wohl der Tatsache ins Auge blicken, dass Sie als Senior wahrgenommen werden. Wer sich mit knapp 80 Jahren noch elegant auf der Piste bewegt, vor dem ziehe ich den Hut. Ich beobachte in Familie und Freundeskreis die unterschiedlichsten körperlichen Entwicklungen. Ich sehe Menschen um die 70, die kaum mehr eigenständig überleben würden. Ich sehe die Grossmutter meiner besten Freundin, die mit über 90 noch selbständig lebt, nächtelang die Tennisturniere von Roger Federer schaut und viele Längen schwimmt. Ich wünschte, ich könnte auf ein Rezept schliessen, wie man lange vital bleibt. Ich kann es nicht. Der körperliche Zerfall scheint willkürlich. Ich kenne Kettenraucher, die sehr alt wurden. Ich kenne Nichtraucher, die früh sterben mussten. Vielleicht hängt ein junger Körper mit einem jungen Geist zusammen? Ich weiss es nicht. Die Frage, ob Sie noch Ski fahren, ist nicht degradierend gemeint. Die Information soll uns jüngeren Menschen helfen, eine Statistik zu erstellen. Ich fahre übrigens auch nicht mehr Ski: Weil ich diese 1000 Kleiderschichten, die Kälte und den unwürdigen Gang mit Skischuhen zum Klo nicht mag. Und weil mir auf dem Skilift übel wird.