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Nicola Spirig will Ironman unter 8 Stunden laufen
Nicola Spirig nimmt nach den Olympischen Spielen in Tokio ein herausforderndes Projekt in Angriff. Sie will die Ironman-Distanz unter acht Stunden zurücklegen.
Spirig absolvierte in ihrer Karriere erst einen Ironman, den sie 2014 im mexikanischen Cozumel in 9:14:07 Stunden gewann. Ihre grössten Erfolge feierte die 38-jährige Zürcherin über die kurze Distanz. 2012 wurde sie in London Olympiasiegerin, vier Jahre später holte sie in Rio de Janeiro Silber. Ausserdem ist sie sechsfache Europameisterin. Im Juli nimmt Spirig in Tokio zum fünften Mal an Olympischen Spielen teil.
Insofern erstaunt ihr sehr ambitiöses Ziel, einen Ironman unter acht Stunden beenden zu wollen - der Weltrekord der Britin Chrissie Wellington liegt bei 8:18:13 Stunden. Spirig ist allerdings Teil eines Projekts, das gross aufgezogen wird, nach dem Vorbild der "1:59 Challenge", bei dem der Kenianer Eliud Kipchoge 2019 in Wien unter Laborbedingungen einen Marathon unter zwei Stunden (1:59:40) gelaufen ist.
Neben Spirig versucht auch die Britin Lucy Charles-Barclay, dreimal Zweite beim Ironman Hawaii, das scheinbar Unmögliche zu schaffen. Bei den Männern streben der zweifache Olympiasieger Alistair Brownlee aus England sowie der norwegische Halbmarathon-Weltrekordhalter Kristian Blummenfelt eine Zeit unter sieben Stunden an.
Spirig wurde das Sub-8-Projekt vor knapp einem Jahr vorgestellt, als sie Chris McCormack, ein ehemaliger Triathlet und heutiger Unternehmer, anrief. "Ich habe aus verschiedensten Gründen nicht gleich ja gesagt, sondern lange nachgedacht", führt Spirig aus. Schliesslich ist das Vorhaben mit grossem Trainingsaufwand verbunden - und die Mutter dreier Kinder macht keine halben Sachen. Je mehr sie jedoch vom Projekt erfuhr, desto interessierter wurde sie. Ziel des Ganzen ist nämlich, Geld zu sammeln, "um Kindern den Zugang zum Sport zu ermöglichen und ihnen aufzuzeigen, was sie durch den Sport fürs Leben gewinnen können". Genau diese Ziele verfolgt Spirig mit einer eigenen Stiftung.
Ausserdem soll das Projekt Menschen dazu ermutigen, sich keine Limiten zu setzen, von Grossem zu träumen und alles dafür zu tun, es zu erreichen. Deshalb gibt es eine Netflix-Dokumentation darüber, wie sich das Quartett vorbereitet, wie der Wettkampf verläuft und was mit dem gesammelten Geld gemacht wird. So soll die breite Bevölkerung und nicht nur die Triathlon-Szene erreicht werden.
Wann und wo das Ganze über die Bühne geht, ist noch offen. Es soll im März oder April 2022 und irgendwo in Europa stattfinden. Klar ist, dass optimale Bedingungen herrschen müssen, damit eine Chance besteht, das Vorhaben zu schaffen. Unterstützt werden die vier durch Tempomacher, die zum Teil selber ausgewählt werden können. Spirig wird Männer hinzuziehen. Auf dem Velo ist im Gegensatz zu einem "normalen" Ironman Windschattenfahren erlaubt. Die Wechselzone wird so klein wie möglich sein.
Auch so ist das Vorhaben für Spirig "extrem ambitiös. Es ist eine riesige Herausforderung." Sie wird im Vergleich zum derzeitigen Training mehr Zeit auf dem Velo verbringen müssen, ausserdem gilt es, ihre Muskulatur auf einen Marathon vorzubereiten. "Das Schwierigste wird sein, so Velo zu fahren, dass ich nachher noch den Marathon im geforderten Tempo absolvieren kann", sagt Spirig.
Doch reicht die kurze Vorbereitungszeit für ein solches Vorhaben, schliesslich gilt ihr Fokus bis im Juli den Olympischen Spielen? Was das Körperliche betreffe, sehe sie keine Probleme, da sie das Projekt ja topfit in Angriff nehme, sagt Spirig. "Die Frage ist, ob ich es mental hinbekomme." Jedoch wäre es für sie bei einer Zeit über acht Stunden ebenfalls kein Scheitern. "Auch wenn ich es nicht schaffen sollte, kann ich hoffentlich sehr viele Menschen inspirieren."
So oder so ist es für Spirig eine Win-Win-Situation. Aufgrund der Teilnahme erhält sie Geld für ihre Stiftung. Ausserdem wird sie auch danach mit der Stiftung von Organisator Pho3nix zusammenarbeiten, die ähnliche Ziele verfolgt wie ihre eigene. Das führt dazu, dass der Kids Cup by Nicola Spirig nicht nur weitergeführt, sondern sogar ausgebaut werden kann, auch wenn ihre Sponsoren einmal aussteigen sollten, wenn sie keine aktive Athletin mehr ist.
Ihren Rücktritt wird sie allerdings auch nach diesem Projekt nicht erklären, "auch wenn ich keine Karriere über die Langdistanz plane und danach kein grösseres Ziel mehr habe". Vielleicht wird sie aber noch kleinere Wettkämpfe bestreiten, vor allem aber wird sie sich mehr Zeit für die Stiftung und den Kids Cup nehmen.