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Kindermedizin zur Zeit der Römer
Vortrag von Philippe Mudry im Museum von Avenches
Im Rahmen der «Apéritifs du musée» in Avenches hält heute Samstag Philippe Mudry, Professor an der Uni Lausanne, einen Vortrag über die Kindermedizin während der Römerzeit.
Gab es im antiken Rom bereits eine Kindermedizin? Haben die Ärzte einen Unterschied gemacht bei der Behandlung von Kindern und Erwachsenen? Beachteten Sie, dass es spezielle Kinderkrankheiten gibt? Gab es bereits spezialisierte Ärzte für Kinder, wie es beispielsweise Chirurgen und Augenärzte gab?
Um Antworten auf diese Fragen zu bekommen, hat Philippe Mudry, Professor an der Universität in Lausanne, sich auf die Aufzeichnungen des römischen Arztes Celse gestützt, in welchen er die medizinischen Praktiken in Rom während des ersten Jahrhunderts nach Julius Cäsar festhielt.
In seinem Katalog, in welchem er die Krankheiten nach Lebensjahr auflistete, stellt man zwei generelle Regeln fest: Erstens gibt es Perioden, in welchen Kinder wegen Krankheiten speziell gefährdet sind. Dies ist gegen den 40. Tag nach seiner Geburt, gegen den siebten Monat und dann wieder gegen die Pubertät.
Eine zweite Regel besagt, dass die Krankheiten, an welchen Kinder leiden, chronisch werden, wenn sie nicht während der Pubertät verschwinden. Als Beispiel wird die Epilepsie genannt. Eher selten sind Krankheiten, die nur während der Kindheit vorkommen.
Unterschiede bei Behandlung
Einen Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen machten die römischen Mediziner vor allem bei der Prognose und bei der Behandlung.
Was die Prognose anbelangt, wird das Leiden bei einem Kind entweder schlimmer oder weniger schlimm bewertet als bei einem Erwachsenen. Zudem war bekannt, dass sich eine Krankheit bei Kindern schneller in Richtung Genesung oder Tod bewegt als bei Erwachsenen.
Bei der Behandlung von Krankheiten stützten sich die Ärzte sowohl bei Kindern wie bei Erwachsenen auf ein spezielles medizinisches Prinzip. Gemäss diesem muss jede Behandlung mit wenig aggressiven Mitteln begonnen werden. Sie sollen erst gesteigert werden, wenn Erstere nichts nützen. So wurden die Patienten erst mit einer speziellen Diät behandelt, bevor man zu Medikamenten griff. Und erst wenn diese nichts nützten, zog man die Chirurgie bei.
Gemäss den Untersuchungen von Mudry gab es zwar zur Zeit der Römer keine eigentliche spezialisierte Kindermedizin, aber den Kindern wurde besondere Aufmerksamkeit geschenkt, was die Prognose sowie die Behandlung von Krankheiten anbelangte.
Dieses Prinzip werde auch heute noch angewendet.
Philippe Mudry/
übersetzt und bearbeitet von ca
Aperitif im Museum heute Samstag, 12. April, um 11 Uhr im Römermuseum in Avechens.
Vortragsreihe im Museum
Unter dem Titel «Apéritifs du musée» gibt es im Römermuseum in Avenches von Oktober bis Juni jeweils an einem Samstag im Monat einen Vortrag, an welchem spezielle Themen behandelt werden. Oft sind es solche aus dem Alltag der Menschen zur Römerzeit. Der Vortrag beginnt jeweils um 11 Uhr und dauert eine Stunde. Abgerundet wird er mit einem Apéritif. An diesen Anlässen, die von Museumsdirektorin Anne Hochuli-Gysel sowie ihren Mitarbeitern organisiert und bestritten werden, hat man oft auch Gelegenheit, Gegenstände zu sehen, die nicht im Museum ausgestellt sind.
Die Vorträge werden in französischer Sprache gehalten. Der Eintritt ist frei. ca
Programm bis
Juni 2003
l 10. Mai: Antike Korbflechterei, Unterhaltung und Vorführung anlässlich der temporären Ausstellung. Guy Barbier, Korbflechter aus Frankreich, und Catherine Meystre, Archäologin.
l 14. Juni: Besuch des Amphitheaters von Avenches. Philippe Bridel, Archäologe. ca