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Die Geschichte der Zunft zu Wiedikon
Die ersten Jahre der Zunft zu Wiedikon
Die ersten Kapitel über die Zunft zu Wiedikon verdanken wir vor allem dem Zunftschreiber Albert Hofmann. Albert Hofmann hat in wunderschöner Alter Deutscher Schrift von 1897 – 1923 die Protokolle unserer Zunft geschrieben. Ausschnitte aus diesen Protokollen sind hier z.T. wörtlich wiedergegeben.
Die Wiediker gründen eine Zunft
„Im Schosse des Quartiervereins Wiedikon referierte deren Aktuar Herr Carl Gattiker in der Generalversammlung vom 13. Februar 1897 über die Gründung einer Zunft. Er sagte u. a.: Gemäss den Vorschriften des Sechseläuten-Central – Committe könne jetzt jedes Quartier eine Zunft gründen und habe nur vorzuweisen 2 Fahnen, 2 Becher und die Zunftinsignien…“
An dieser Generalversammlung wurde eine Kommission gebildet mit dem Auftrag, an der Versammlung vom 23. November die Statuten für eine Zunft vorzulegen.
„Diese Commission hat dem Quartierverein ihre entworfenen Statuen in der Versammlung vom 23. November vorgelegt und durchberaten“ Von diesen Statuten sei nur Paragraph 1 im Wortlaut wiedergegeben: „Die Zunft zu Wiedikon bezweckt die Hebung und Pflege der Geselligkeit unter den in der ehemaligen Gemeinde Wiedikon wohnenden Schweizer-Activbürger; sie soll insbesondere bei der Feier der allgemeinen stadtzürcherischen Feste und Anlässe jeder Art mitwirken und soweit es die ordentlichen Zunftmittel gestatten, edle Bestrebungen fördern helfen und namentlich tüchtigen jungen Leuten von gutem Charakter mit Rat und That beizustehen.“
Die erste Zunftversammlung, also die Gründungsversammlung fand am Samstag, den 11. Dezember 1897 abends um 8 Uhr im Gasthof Falken dem heutigen Falcone statt. Zu dieser Versammlung waren 23 Zünfter erschienen.
Die Traktanden waren:
- Entgegennahme weiterer Beitrittserklärungen
- Vornahme der Zunftwahlen
- Mitteilungen
Als Zunftmeister, damals Präsident genannt, wurde Carl Gattiker gewählt. Zudem wurde die Fahnenkommission bestimmt. Der Mitgliederbestand war 68 Mitglieder.
Schon am 14. Dezember war die erste Vorstandsitzung (heute Vorstehersitzung). In dieser Sitzung wurde über die Finanzbeschaffung für die Zunftfahne diskutiert und die Zunftfahne bestellt. Zudem wurde der Abgeordnete in das „Centralcomite“ gewählt.
An der zweiten Vorstandsitzung vom 1. Februar wurden die Fahne und zwei Zunftbecher bestellt. Dabei wurde festgestellt, dass das Geld für die Fahne und die zwei Becher schon vorhanden war.
„Es wurde eine Einigung getroffen über eine Vorlage, die nach Zeichnung des Caspar Koller sen. das Wappen erhalten soll. Der Commission wurde übertragen, die Fahne schön und doch zu billigem Preis anfertigen zu lassen“
Aufnahme ins ZZZ
|„Das Sechseläuten-Central-Comite Zürich hat in seiner Sitzung vom 22. Februar 1898 die Zunft Wiedikon

gemäss ihrem Gesuch vom 12. Februar 1898 einstimmig in seinen Verband aufgenommen.
Zürich, den 25. Februar 1898. Für das Sechseläuten-Central-Comite
Der Präsident, sig. W. Jaenike Der Aktuar, sig. F. Glättli“
Hierbei knüpfen die beiden Unterzeichnenden noch folgende Mitteilung an:
„Wir benützen diesen erfreulichen Anlass, um Sie in unserer Mitte willkommen zu heissen und wünschen, dass die neue Zunft Wiedikon ein reges Mitglied unseres Verbandes werden und bleiben möge. Gleichzeitig ersuchen wir Sie um gefl. Kenntnisgabe Ihres Lokals und theilen Ihnen mit, dass unser Quästor sich in Bälde gestatten wird, den Jahresbeitrag von Ihnen zu beziehen.“
In der Zunftversammlung vom 26. Februar 1898 wurde als Zunftlokal der Falken (heute Falcone) gewählt.
An der Zunftversammlung vom 12. April 1898 wurde die Schaafzunft (heute Zunft zur Schneidern) als Götti gewählt.
Am 18. April 1898 war unsere Zunft zum ersten Mal am Sechseläuten dabei. An diesem Sechseläuten wurde die Fahnenweihe in Anwesenheit des Zunftgöttis durchgeführt.
„Die Schaafzunft hat der Einladung zur Uebernahme der Patenstelle in freundl. Weise entsprochen…..“
Vorstandsitzung 27. April 1898
„2. Fahnenangelegenheit: Der Zunftmeister eröffnet, dass die von Herrn Burri gestickte Fahne zwei gleiche Seiten, also ein Fehler in der Farbe habe; es könne dieser Fehler dadurch gehoben werden, dass die erste Fahne mit geringen Kosten geändert und damit eine zweite Fahne billig angeschafft wird; eine zweite Fahne müsse die Zunft noch haben und es könne von der jetzigen Fahne die eine Seite leicht abgetrennt und zu zweiten Fahne verwendet werden.“
Auf diese Weise hatte dann unsere Zunft ein Reisebanner und ein Stubenbanner.
Aus dieser Fahnengeschichte sehen wir, dass schon bei unseren Vorfahren nicht immer alles glatt gelaufen ist. Hier noch andere Beispiele aus den alten Akten:
„Vorstandsitzung den 28. März 1898 nachm. 1 ¼ Uhr: Diese war nicht beschlussfähig.“
„Vorstandsitzung den 1. August 1898: Die auf heute angeordnete Vorstandsitzung war mangels ungenügender Beteiligung nicht beschlussfähig“
„Zunftversammlung 16. Dezember 1898: Der Zunftmeister eröffnet, dass jedenfalls in Folge eines Irrtums des Zunftschreibers auf heut eingeladen wurde, es habe der Vorstand die Versammlung auf Montag den 19. Dezember einzuladen beschlossen und auf diesen Tag auch das Lokal bestellt. Heute ist das Lokal nicht frei und der in Aussicht gestellte Vortrag nicht vorbereitet es können somit heute nur geschäftl. Traktanden erledigt werden…“
Dass unsere Vorfahren auch Humor und einen grossen Durst hatten, möge aus folgenden Aufzeichnungen hervorgehen:
Im Bericht über das Sechseläuten 1899, als der Auszug erst morgens um 2 Uhr zurückkam, schreibt der Zunftschreiber: „Trotz den Zunftlaternen …… hatten einige Zünfter Mühe, die Wegweiser zur Heimkehr zu finden, eine Vermehrung der Zunftlaternen und einen Stadtplan in die Westentasche der Ausziehenden scheint angezeigt zu sein.“
Aus dem Bericht des Zunftmeisters über das Martinimahl vom 6. November 1900 vernehmen wir: „…. Bis spät nach Mitternacht liessen sich die Zünfter ergehen in Freude und Freundschaft und zum Schluss übten sich die jüngeren Herr Zünfter noch einlässlich im Boxerspiel, in Kraftübungen u. s. w. bis sogar zum Abdrehen von Tisch- und Stuhlbeinen….“
Zum Schluss lesen wir noch kurz aus dem Bericht über das Sechsläuten, vom 23. April 1901: „…Der Zunftmeister hütete unterdessen daheim im Zunftlokal das Weinfass mit dem Zunftwein und die keuschen Zunftkellnerinnen….“
Welche Ideen haben die Zunftgründer beflügelt?
Die Quellen schweigen sich darüber aus, aber man darf doch vermuten, dass hinter den Neugründungen vor allem zwei Motive standen:
- Die neu in die Stadt inkorporierten Bürger wollten beweisen, dass sie voll und ganz zur Stadt mit ihrem Brauchtum gehören, dass sie waschechte Stadtzürcher geworden sind. Das zeigt sich jedes Jahr augenfällig am Sechseläuten, wo sich zwischen die ehrwürdigen Zünfte der alten Linie die neuen Zünfte aus Höngg, Wollishofen, Schwamendingen oder eben auch Wiedikon einreihen. Sie sind ins Stadtzentrum gekommen, um dieses eminent zürcherische Fest mitzufeiern.
- In ihren Quartieren widmen sich die neuen Zünfte der Aufgabe, die Tradition der ehemaligen Gemeinde, den "Dorfgeist", die unverwechselbaren Gesichtszüge und Eigenheiten ihrer engsten Heimat in die Gegenwart und Zukunft hinüber zu retten. Das alte Gemeindewappen lebt als Zunftwappen weiter. Die Zünfte sind ganz besonders dafür verantwortlich, dass aus Zürich nicht ein amorpher Siedlungsbrei geworden ist oder noch werden könnte, dass die althergebrachten Strukturen in zeitgemässer Form den nächsten Generationen weitervererbt werden.
Unsere Zunftmeister
|1897 – 1916||Carl Gattiker

Weinhändler
|1917 – 1927||Kaspar Koller

Malermeister
|1928 – 1937||Hermann Wolfensberger

Verwalter Tierspital
|1937 – 1947||Albert Sieber

Stadtrat
|1948 – 1964||Walter Kamer

Apotheker
|1965 – 1973||Jakob Baur

Stadtrat
|1974 – 1984||Alfons F. Meyer

Apotheker
|1985 – 1994||Karl F. Schneider

PR-Berater
|1995 – 2006||Hans Keller

Chirurg
|2007 – 2012||Kaspar Luchsinger

Bankdirektor
|2013 -||Felix Blumer

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