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Im Brockhaus Konversationslexikon, Ausgabe 1894, wird das 1652 gegründete
Irkutsk als
Hauptstadt des damaligen Generalgouvernements Irkutsk im russischen
Ostsibirien beschrieben. Es bestand damals aus den Gouvernements Jenissei und aus dem Gebiet Jakutsk und mass 7'271'641,5
Quadratkilometer. Die Schweiz würde mit ihren 41'288 Quadratkilometern
176 Mal in dieser Fläche Platz finden. Sowohl unter den Zaren als auch
nach der Machtergreifung der Sowjets wurden viele missliebige Bürger in
das Gebiet verbannt. Die misslungene Dezember-Revolution im Jahr 1825
führte zur Verbannung und Inhaftierung der sog. Decabristen (Decabre =
Dezember) unter ihrem Anführer Prinz Sergei Trubetskoy. Einige Ehefrauen, aussergewöhnliche Persönlichkeiten wie
die Gräfinnen Trubetskaya und Wolkonskaya, folgten ihren Gatten unter Verzicht
auf Titel und Gut. Dank ihrer Hilfe konnten die
Revolutionäre die Gefängnisjahre überleben und später in Irkutsk
Wohnsitz nehmen, wo die Familien vielfältige Aufbauarbeit in sozialer und
kultureller Hinsicht leisteten.

Heute ist die am Südwestende des Baikalsees liegende Ortschaft Hauptstadt des Gebietes (Oblast) Irkutsk mit einem vom Volk gewählten Gouverneur als Regierungschef. Das Gebiet umfasst immer noch 774'800 Quadratkilometer mit rund 2,9 Millionen Einwohnern, davon leben rund 650'000 in der Stadt. Kulturell hat Irkutsk ausserordentlich viel zu bieten, so ein Symphonieorchester, viele Theater und Museen (Kunst, Geschichte etc.) sowie viele wunderschöne Kirchen. Zudem verfügt die Stadt über mehrere Hochschulen und eine Universität. Die wissenschaftliche Bibliothek der Universität ist mit ihren rund vier Millionen Titeln eine der grössten Russland.
Irkutsk wird von vielen schönen Holzhäusern mitgeprägt, die mit Schnitzereien reich verziert sind. Im Zentrum dominieren Steinbauten, die oft architektonisch von hohem Wert sind. Viele davon stammen aus der Jahrhundertwende. Nicht unerwartet erwarten den Touristen auch viele sowjetische Plattenbauten und weitere bauliche Hässlichkeiten. Die kürzlich erneuerte Markthalle hat zwar viel von ihrem Charme eingebüsst, dafür ist das Verkaufspersonal jetzt durchgehend gegen Wettereinflüsse geschützt und die Hygiene entspricht westlichen Standards.
Das Klima in Irkutsk ist im Juli und August sehr angenehm (Durchschnittstemperaturen von 16° - 26°), die Zeit wird zum Baden in der gestauten Angara rege genutzt. Mein erster Schwimmversuch im Baikalsee dauerte einige Sekunden - trotz sommerlicher Wärme war das Wasser an dieser Stelle vielleicht 10 Grad warm. Die langen Winter setzen oft im Oktober schon ein und bringen Temperaturen von durchschnittlich -1° und -27°. Trotzdem empfiehlt sich Irkutsk dank der geringen Luftfeuchtigkeit und der vielen Sonnenstunden durchaus auch als interessantes Reiseziel im Winter.
Wirtschaftlich gesehen ist Irkutsk ein Industrie- und Handelszentrum, das während Jahrhunderten von seiner Lage zwischen China und Europa profitieren konnte (Pelz- und Goldhandel). Dank der Transsibirischen Eisenbahn verfügt die Region seit 1898 über einen direkten Gleisanschluss in die Mongolei und nach China sowie westwärts nach Europa. Das an der gestauten Angara gelegene Wasserkraftwerk ist wichtiger Bestandteil der lokalen Wirtschaft. Vom lokalen Flughafen fliegen verschiedene Gesellschaften regelmässig zu den grossen russischen Metropolen sowie zu weiteren Destinationen im In- und Ausland.