Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03130.jsonl.gz/1894

Kalauer sind alle Buchstaben von A bis J – weil sie alle auf das K lauern.
Ein mehr oder weniger geistreiches Wortspiel mit unterschiedlichen Bedeutungen nennt man «Kalauer». Über ihren Witz lässt sich trefflich streiten – tatsächlich sind Kalauer oft platt. Mehr noch: Sie sind gerade deshalb witzig, weil sie schlechte Witze sind – ganz nach dem Motto: Je Flachwitz, desto Kalauer.
Seinen Ursprung hat der Kalauer in calembour, dem französischen Wort für «fauler Witz». Die sprichwörtliche Berliner Schnauze machte daraus unseren heutigen «Kalauer», nach dem Vorbild der 100 Kilometer südlich gelegenen, für ihre tüchtigen Schuster bekannten Kleinstadt Calau (früher mit K, heute mit C geschrieben). Die Berliner Schnauze, das war vor allem der jüdische Satiriker Elias Levy, der nach seiner Taufe mit neun den Namen Ernst Dohm annahm. Dohm studierte Theologie und Philosophie und wurde Chefredakteur des «Kladderadatsch», einer von 1848 bis 1944 erschienenen Satirezeitung, die für ihre bissige Satire ebenso berühmt wie berüchtigt war und die unter Dohms Leitung zu einer der einflussreichsten Zeitschriften Deutschlands wurde. Dohm pflegte seinen Urlaub in Calau zu verbringen, und von da schickte er seine oft derben Witze in die Redaktion, die stets mit der Formel begannen: «Aus Kalau wird berichtet…».
Heute wird gekalauert, was das Zeug hält: Dohms Flachwitzen sollte ein langes Leben beschieden sein. Genau wie diesem hier, der noch heute auf dem Witzerundgang in der Stadt Calau zu lesen steht:
Sagt der Arzt zum Künstler: «Sie sind kerngesund. Sie werden noch sehr lange leben.» Darauf der Künstler erschrocken: «Aber Herr Doktor, wovon denn?»