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Pascaline Sordet
21. September 2020
Welches war die grösste strategische Herausforderung, die es zu bewältigen galt?
Die SRG eine komplexe und dezentrale Organisation. Vor drei oder fünf Jahren wäre ein solches Projekt nicht möglich gewesen. Heute haben wir eine flexible Struktur, mit Leuten aus allen Regionen, die zwischen Zürich und Genf zusammenarbeiten. Das war eine interne Herausforderung, die wir gut gemeistert haben und die von allen Regionen unterstützt wurde.
Wie viel kosten der Unterhalt und die Entwicklung der Plattform?
Fünf Millionen sind für Unterhalt und technische Entwicklung eingeplant. Momentan gehen wir davon aus, dass dieses Budget jedes Jahr benötigt wird. Ein grosser Teil der Mittel wird zum Rechteerwerb und für die Untertitelung verwendet. Zudem möchten wir Investitionen tätigen, um Play Suisse auf neuen Diensten anzubieten. Wir beginnen mit Apple TV, ziehen für die Zukunft aber auch PlayStation in Betracht.
Denken Sie, dass Play Suisse über ein eigenes Produktions- oder Programmbudget verfügen wird?
Momentan ist das nicht vorgesehen, wir bieten das an, was unsere Fernsehsender produzieren oder koproduzieren. Wir werden sehen, wie diese Produktionen sich entwickeln und ob neue Bedürfnisse entstehen. Sollte dies der Fall sein, werden wir mit den Regionen besprechen, wie wir darauf reagieren können. Zunächst möchten wir aber die bestehenden Inhalte sichtbarer machen.
Welche Rolle nimmt Play Suisse im Vergleich zum linearen Fernsehen ein?
Die meisten unserer Produktionen werden zuerst linear gezeigt und dann digital auf Play Suisse. Ich kann mir vorstellen, dass wir mehr und mehr in Web-Serien investieren, die in Vorpremiere auf Play Suisse und erst später im linearen Fernsehen gezeigt werden. Animationsfilme zum Beispiel werden gar nicht linear gezeigt, das ist schade. Play Suisse könnte ein Spielort für diese Filme sein, und die Fernsehsender könnten sie trotzdem zeigen. Wir betreten hier wirklich Neuland. Niemand weiss, wie der Markt sich entwickeln wird.
Ist die Länge der Produktionen ein Auswahlkriterium?
Wir haben festgelegt, dass wir Inhalte ab 20 Minuten zeigen. Bei Kurzfilmen, Web-Serien, Kinder- und Jugendprogrammen und Animationsfilmen spielt die Länge jedoch keine Rolle.
Wird es auf Play Suisse Werbung geben?
Nein, das ist gesetzlich verboten. (Anm. d. Red.: TV-Sponsoring wird wie beim linearen Fernsehen in der Beschreibung der Inhalte erwähnt)
Weshalb haben Sie beschlossen, dass die Nutzer sich anmelden müssen?
Wir haben ausführlich über diese Frage diskutiert. Über das lineare Fernsehen werden die Inhalte immer ohne Anmeldung zugänglich sein, doch für ein personalisiertes Schauen, um Inhalte anhand der eigenen Interessen und in der eigenen Sprache zu erkunden, braucht es ein Nutzerprofil. Auch um von einem Gerät zum anderen wechseln und an der gleichen Stelle weiterschauen zu können, ist es notwendig. Nicht zuletzt sind dank der Anmeldedaten benutzerdefinierte Empfehlungen von Inhalten möglich.
Wie werden diese Daten genutzt werden?
Wir wollen maximale Transparenz und Sicherheit. Die Anmeldung ist sehr einfach: Es braucht nur eine E-Mail-Adresse und einen Namen. Wir geben diese Daten unter keinen Umständen an andere Unternehmen weiter.
Und die Statistik und Auswertung der Nutzungsdaten?
Diese Zahlen werden veröffentlicht, insbesondere die Anzahl Besucher, und die Auswertungen werden unabhängig durchgeführt. Technisch haben wir die Möglichkeit festzustellen, ob zum Beispiel ein Programm zu Ende geschaut wird oder nicht, oder wieviel Zeit das Deutschschweizer Publikum damit verbringt, sich Produktionen aus der Westschweiz anzusehen. Wir werden mit den Produktionsfirmen besprechen, welche Inhalte besser ankommen und welche weniger. All dies ist neu für uns, wir müssen herausfinden, wie wir am besten kommunizieren, und ein Gleichgewicht finden zwischen totaler Transparenz und totaler Abschottung, wie es die grossen internationalen Plattformen tun.
▶ Originaltext: Französisch