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Gio Ponti (1891–1979) ist der Schöpfer zahlreicher Kultobjekte, darunter das 32-stöckige Pirelli-Hochhaus in Mailand, das als einer der elegantesten Wolkenkratzer der Welt gilt, und der bekannte «Superleggera»-Stuhl, der sowohl unter ästhetischen als auch physikalischen Gesichtspunkten als Sinnbild für Leichtigkeit steht. 1928 war er Mitbegründer der einflussreichen Architektur- und Designzeitschrift Domus, die 2018 ihren 90. Geburtstag feiert und Grand Basel als Kulturpartner unterstützt.
Das revolutionäre «Linea Diamante»-Fahrzeug
1953 konzipierte Ponti – mit Unterstützung seines Kollegen Alberto Rosselli – ein Fahrzeug, das auf Gestaltungsprinzipien basierte, die nie zuvor in der Autoindustrie angewandt worden waren. Ausgehend von einer aerodynamischen Tränenform entwickelten sie rasch die eckigere «Linea Diamante» (diamantförmige Linie).
Für Ponti war sein neues Design eine unumgängliche Reaktion auf die behäbige Formgebung jener Zeit: Autos zeichneten sich durch breite, bauchige Formen, kleine Fenster und dunkle Interieurs aus. Im Vergleich dazu verfolgte er einen von der Architektur beeinflussten Ansatz mit flachen Karosserieteilen und Fenstern sowie einer üppigen Glaspartie, die einen lichtdurchfluteten Innenraum ermöglichen sollte.
Der durchdachte Wagenaufbau sollte den funktionalen Aspekt des Autos unterstreichen und zielte auf eine grosszügig bemessene Fahrgastzelle und einen geräumigen Kofferraum. Die clevere Innovation eines Rundum-Stossfängers aus Gummi – mit gefederten «Stossstangen» an Front und Heck – sollte zudem in einer speziellen Zusammenarbeit mit dem Reifenhersteller Pirelli münden.
Ursprünglich sollte der Wagen auf dem Fahrwerk einer Alfa Romeo 1900 Limousine aufgebaut werden, weshalb sich Ponti zunächst um eine Partnerschaft mit dem in Mailand ansässigen Unternehmen Carrozzeria Touring bemühte. Später wandte er sich zwecks Produktion eines Kleinwagens an Fiat, doch das Design stiess auf Ablehnung. Zwei Jahrzehnte später waren in zahlreichen Autos die Gestaltungsideen von Pontis Fahrzeugkonzept zu finden: Ein klarer Beweis für sein Genie und seinen Weitblick! Bis heute sind lediglich Modelle bis zu einem Massstab von 1:10 von Pontis Auto entstanden.
«The Automobile by Ponti»-Projekt
2018 – also 65 Jahre nachdem Gio Ponti die innovative Form ersann – wurde das faszinierende Fahrzeug dank der Bemühungen des «The Automobile by Ponti»-Projekts zum Leben erweckt.
Das an der Grand Basel erstmals gezeigte Modell des «Linea Diamante»-Fahrzeugs hat Originalgrösse und wurde von einem Designerteam unter der Leitung von Roberto Giolito, Head of FCA Heritage, gemäss den Angaben auf Pontis Originalzeichnungen gebaut: Eine angemessene Würdigung des ausserordentlichen gestalterischen Talents von Gio Ponti. Pirelli steuerte als Referenz an die erste Zusammenarbeit mit Ponti im Jahr 1953 historische Reifen mit der korrekten Spezifikation für einen Alfa Romeo 1900 bei.
«Grand Basel ist nicht einfach ein weiterer Automobil-Salon, sondern eine einmalige Möglichkeit, um einen Diskurs über alle künstlerischen und inspirativen Aspekte im automobilen Kontext zu beginnen», sagt Prof. Paolo Tumminelli, Chairman des Grand Basel Kuratoriums.
«Im Lauf der Geschichte hat das Automobil Design, Architektur und Kunst beeinflusst und wurde selbst davon geprägt. Das ‹The Automobile by Ponti›-Projekt ist der Inbegriff für diese mannigfaltigen Verflechtungen», erläutert Prof. Tumminelli, der das Projekt 2017 ins Leben rief.
«Wir freuen uns ausserordentlich, Pontis ‹Linea Diamante›-Fahrzeug als Modell in Originalgrösse zum ersten Mal auf der Grand Basel zeigen zu dürfen. Das ist genau die Art von Exponat, die wir unseren Besucherinnen und Besuchern versprochen haben: etwas Unerwartetes, was sie nie zuvor gesehen haben», merkt Mark Backé, Global Director der Grand Basel, an.
Salvatore Licitra, Vertreter der Gio Ponti Archives und Enkelsohn von Gio Ponti, ergänzt: «Dass dieses Design 65 Jahre nach Erstellung der Originalzeichnungen zum ersten Mal Gestalt annimmt, ist wirklich bemerkenswert. Seinerzeit wurde das Auto für zu radikal gehalten, doch viele seiner Merkmale waren zwei Jahrzehnte später elementarer Bestandteil des Fahrzeugdesigns.»
«Als die Idee, Gio Pontis visionäres Auto zu bauen, an uns herangetragen wurde, haben wir dem Projekt begeistert zugestimmt. Die Zusammenarbeit passt perfekt zur Domus, die 1928 von Gio Ponti gegründet wurde und in diesem Jahr 90 Jahre jung wird», sagt Maria Giovanna Mazzocchi, Vorstandsvorsitzende des Editoriale Domus-Verlags. «Wir haben uns dieser anspruchsvollen Herausforderung voller Enthusiasmus gestellt und sind stolz und zufrieden mit den Ergebnissen.»
Präsentation aussergewöhnlicher Designs an der Grand Basel
Das einzigartige, unabhängige Kuratorium der Grand Basel setzt sich aus führenden Persönlichkeiten aus den Bereichen Kultur, Design, Architektur und Kunst zusammen.
Daher ist es mehr als passend, dass das «The Automobile by Ponti»-Projekt sein internationales Debüt auf dieser Show geben wird, da sich hier Liebhaber und Experten dieser Fachgebiete über die kulturellen und historischen Bezugspunkte von Pontis Design austauschen können.
Architektur als Inspirationsquelle für das Ausstellungsformat
Herausragende Automobile werden an der Grand Basel in einem aussergewöhnlichen Rahmen präsentiert, dank des mutigen Ausstellungskonzepts. Zeitgenössische Architektur stand bei dem homogenen Design Pate, das auf das oft nostalgische Ambiente etablierter Autoshows verzichtet. Stattdessen werden die Fahrzeuge in einer an moderne Museen erinnernden Umgebung zu bewundern sein.
Die erste Grand Basel Show findet vom 6. bis 9. September 2018 in Basel, Schweiz, statt. Weitere Shows folgen vom 22. bis 24. Februar 2019 in Miami Beach und im Mai 2019 in Hongkong.