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Die reformierte Kirche St. Blasius thront hoch über den Dächern von Ziefen auf dem Kirchhügel auf der linken Talseite. Laut einer Sage soll an Stelle der Kirche einst eine Burg gestanden haben. Vier Glocken beherbergt der 14 m hohe Kirchturm. Die älteste der vier Glocken, es ist die Pestglocke, stammt aus dem Jahr 1569. Die Kirchenuhr wird immer noch mit einem mechanischen Uhrwerk angetrieben, nur das Glockengeläut wird elektronisch gesteuert. Die Fresken an der West- und Nordwand der Kirche stammen aus dem 14. Jahrhundert und sind von nationaler Bedeutung.
Geschichte
Über den Ursprung der Kirche ist nichts bekannt. Man erzählte sich von ihrer Erbauung auf dem Berg über dem Dorf, es sei eigentlich dafür die Örtlichkeit „Hell“ und „Chäppele“ oder das Brunnmätteli“ ausersehen gewesen, doch hätten Engel das Baumaterial nächtlicherweise an ihren heutigen Standort getragen.
In ihrem Kern mag sie mindestens ins 9. Jahrhundert zurück reichen, denn das Fundament und die untere Partie des ältesten Teiles der Nordwand sind noch im Fischgratmuster aufgeführt.
Der Verputz, auf dem im 14. Jahrhundert die Wandbilder gemalt wurden, ist auf einem weit älteren aufgetragen, unter welchem die Mauersteine rot gebrannt sind.
Die Kirche muss einem Brand zum Opfer gefallen sein, vermutlich im 13. Jahrhundert.
Die Ausgrabung bei der Renovation von 1936 hat eine prachtvoll erhaltene romanische Apsis freigelegt, an der noch der ursprüngliche Verputz zu sehen war.
In der Reformationszeit wurden 1529 die Altäre abgebrochen und das reiche Reliquiar entfernt. Die Fresken wurden nach Ratschluss übertüncht und so den Blicken der Gläubigen entzogen. So blieben sie, einzig unwissentlich beschädigt durch die Vergipsung 1817, auf den alten Wänden bis auf unsere Zeit erhalten.
Eine alte Scheibe, zweifellos diejenige von 1583, wurde in neuem Blei gefast und eine neue eingesetzt. Sie ist verloren gegangen. Bei der Weisselung des nüchternen Kirchenraumes wurden drei Sprüche, einer an der Ostwand, zwei an der Südwand in zeitgenössischer Kalligraphie gemalt. Sie wirken heute noch sehr dekorativ.
1922 wurde in die Ecke Ost-Süd die erste Orgel gestellt. Damit viel auch der dreiteilige Herrenstuhl der Schlossherrschaft von Wildenstein. Die Wappen der Eptinger, Sevogel und Fischer, die ihn gekrönt hatten, kamen an die Empore.
Walter Eglin malte die Chorwandung mit den vier Evangelistensybolen Mathäus, Marcus, Johannes und Lucas. Das Wappen der Stadt Basel über dem Chorbogen, gemalt von Otto Plattner, erinnert daran, dass Ziefen in den Trennungswirren loyal zur Stadt hielt, von den Aufständischen schwer heimgesucht wurde und in den Kämpfen zwei Mann verlor.
1944 wurde bei der Fünfhundertjahrfeier zum Andenken an die Schlacht von St.Jakob (1444) eine Steintafel eingesetzt, die im lateinischen Wortlaut des Eintrages im Jahrzeitbuch des 15. Jahrhunderts die Namen der aus unserer Kirchgemeinde stammenden Gefallen festhält.
Heute steht die Kirche unter Denkmalschutz.
Fresken aus dem 14. Jahrundert
Beim trostlosen Zustand des Kircheninneren liess es sich wohl verantworten, am 16. August 1931 rechts vom Eingang zum Turm die Gipswand zu lösen. Was kühnste Erwartung kaum zu hoffen wagte, erfüllte sich: Schon am 23. August konnte der Gemeinde der Fund wertvoller Fresken aus dem 14. Jahrhundert bekanntgegeben und diese ihrem Schutz empfohlen werden.
Die Aufdeckung der Wandmalereien in der schlichten Kirche auf dem Berg erregte weithin Aufsehen.
Die Eidgenössische Kommission für historische Kunstdenkmäler erschien, und ihr Präsident, Prof. Dr. albert Näf in Genf, würdigte in seinem Bericht die Fresken als von grosser Bedeutung und ihre Erhaltung als dringend.
Die Aufdeckung der Fresken brachte auch eine Gesamtrenovation der Kirche im Jahr 1936 in Gang, in deren Zusammenhang die Wandbilder durch Maler Otto Plattner von Liestal und Albert Zehntner von Gelterkinden gesichert wurden.
Wer die Fresken gemalt hat, ist unbekannt, ebenso der Auftraggeber. Es können auch mehrere Mahler gewesen sein. Auch über die Zeit der Entstehung der Ziefner Fresken gehen die Meinungen auseinander. Während einige Forscher sie in die Zeit vor dem grossen Basler Erdbeben von 1356 setzen, nimmt Rudolf Riggenbach dafür die Zeitspanne 1330 – 1340, entstanden, zu Recht, denn sie gründet sich darauf, dass ein Münch von Münchenstein auf dem roten Grund der „Gefangennahme“ an der unteren Nordwand unten links sein Wappen eingekritzt hat. Die Helmzier zeigt einen Schopf, wie er zu Ende des 13. Jahrhunderts auf kam und nur noch gelegentlich zu anfangs des 14. Jahrhunderts vorkommt.
Die Glocken
Bereits im hohen Mittelalter hat unsere Kirche ihre zwei Glocken besessen. Früh bezeugt ist auch eine „Zeiguhr“, denn auf einer Kirchenrechnung um 1540 findet sich ein Posten „Öl für das Zytt“. Über die ersten Glocken ist nichts mehr bekannt. Max Sperle ist der Schöpfer der grossen Heinrichsglocke am Basler Münster (1568), auch unserer Gemeinde goss er eine neue grosse Glocke. In ihrer Inschrift zittert noch das furchtbare Erlebnis der letzten grossen Pestzeit von 1564 nach, in der 211 Menschen in der Kirchgemeinde von der Seuche hinweggerafft und auf dem Pestfriedhof auf Banholz, unweit der Kirche, begraben worden sind.
Auf der Glocke steht eine Inschrift die lautet:
ALLES FLEISCH VERSCHLISST WIE EIN KLEID / DAS IST DER ALTE BUND / MENSCH DU MUSST STERBEN. 1569
Sie klingt auch im heutigen Geläute als ernste Mahnerin weiter.
Eine weitere Glocke von 1701, ursprünglich von 1468, trägt die Innschrift:
GOTT ALLEIN DIE EHR / HANS FRIEDRICH WEITNAUER GOSS MICH ZU BASELL FÜR DIE EHRSAME GMEIN ZEFEN 1701
Ihr Schmuck waren die vier Evangelistenzeichen in Medaillons. Sie sind beim Umguss 1950 auf ihre Nachfolgerin übertragen worden, ebenso die Jahreszahl 1701.
Am 4. August 1950 konnten in Aarau drei neue Glocken gegossen werden. Dort wurde auch die Pestglocke von 1569 in das neue Geläute eingestimmt.
Am Samstag, 18. November 1950 hielten die vier Glocken ihren Einzug in Ziefen und wurden am Sonntag, den 19. November, auf drei Pferdegespannen erst durchs Dorf, dann in einem feierlichen Festzug zur Kirche geleitet und dort zur Freude einer gewaltigen Volksmenge aus nah und fern in den Turm gezogen.
Einige Daten zu den vier Glocken:
Glocke 1
Sie enthält den Ton e, das Bronzegewicht der Glocke beträgt 1230 kg. Die Inschrift an der Glocke laute:
„VERBVM DOMINI MANET IN AETERNVM“
(Gottes Wort bleibt in Ewigkeit).
„ERHALT UNS / HERR / BEI DEINEM WORT“
(Luther).
1950 geziert mit den Wappen der drei die Kirchgemeinde bildenden Dörfer Ziefen, Arboldswil und Lupsingen.
Glocke 2
Sie enthält den Ton fis, das Bronzegewicht beträgt 907 kg. Die Inschrift der Bürgerglocke lautet:
O REX GLORIAE CHRISTE VENI NOBIS CVM
(O König der Herrlichkeit, Christus, komm zu uns mit deinem Frieden.
BÜRGERGEMEINDE ZYFEN 1950
Wappen von Ziefen.
Glocke 3
Sie enthält den Ton gis, das Bronzegewicht beträgt ca. 600 kg. Die Inschrift der Glocke lautet:
ALLES FLEISCH VERSCHLISST WIE EIN KLEID / DAS IST DER ALTE BUND / MENSCH DU MUSST STERBEN. 1569
Die Pestglocke von 1569.
Glocke 4
Sie enthält den Ton h, das Bronzegewicht beträgt 359 kg. Die Inschrift lautet:
LVX LUCET IN TENEBRIS
(Das Licht scheint in der Finsternis).
ALL MORGEN IST GANZ FRISCH UND NEU DES HERREN GNAD UND GROSSE TREU. ST.BLASIUS ZYFEN
Stiftername.
Dekoriert ist die Glocke mit den Emblemen der Glocke von 1701 und dieser Jahreszahl.
Umgegossene Morgenglocke von 1701. Neuguss gestiftet von Walter Zeller, Liestal, Bürger von Ziefen.
Strübinscheibe
Die Strübinscheibe in der Kirche von 1583 ist eine Kopie. Die Originalscheibe hängt im Schloss Wildenstein, östlich von Ziefen gelegen. Gestiftet von Heinrich Strübin, damals Pfarrer von Ziefen und Bubendorf, für die Ziefner Kirche.
Fantasievedute der von den Eptingern erbauten Burg auf dem Kirchhügel von Ziefen, umgeben von Wappen und Inschriften.
Quellen:
- Auszüge aus der Heimatkunde Ziefen 1973 von Franz Stohler und Team.
- Kirche St. Blasius Ziefen Kanton Baselland
- Strübinscheibe Kanton Baselland
Fotogalerie
Alle Fotos Copyright © by Dominik Stohler, Ziefen – stohler-fotos.ch.