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Mit dem Velo der Grenze zwischen Bern und Ostermundigen zu folgen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Über weite Strecken verläuft die Grenze durch private Gärten, führt entlang der für Velofahrer lebensgefährlichen Bolligenstrasse oder in die Sackgasse der Industriezone etwa an der Güterstrasse. Dann wieder verläuft sie Waldrändern entlang, dem Schermen- und dem Schosshaldenwald und zum Schluss führt sie querfeldein über das Obermoos zum Melchenbühl.
Vielleicht wird es diese Grenze in ein paar Jahren nicht mehr geben. Der Ostermundiger Gemeinderat klärt ab, ob eine Fusion mit der Stadt Bern die Probleme der Gemeinde lösen könnte. Das Parlament überwies ihm diesen Auftrag im August mit überraschender Einigkeit. Doch was trennt die beiden Gemeinden heute überhaupt? Und wie würde die Fusion Bern und Ostermundigen verändern?
Martin Frei, Schulleiter Mösli in Ostermundigen, und Urs Schenk, Schulleiter Bitzius in Bern, beim Schulhaus Pavillon an der Biderstrasse. Hinter verläuft die Grenze.
Martin Frei, Schulleiter Mösli in Ostermundigen, und Urs Schenk, Schulleiter Bitzius in Bern, beim Schulhaus Pavillon an der Biderstrasse. Hinter verläuft die Grenze.
Mit dem Velo der Grenze zwischen Bern und Ostermundigen zu folgen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Über weite Strecken verläuft die Grenze durch private Gärten, führt entlang der für Velofahrer lebensgefährlichen Bolligenstrasse oder in die Sackgasse der Industriezone etwa an der Güterstrasse. Dann wieder verläuft sie Waldrändern entlang, dem Schermen- und dem Schosshaldenwald und zum Schluss führt sie querfeldein über das Obermoos zum Melchenbühl.
Die Schule trennt mehr als die Bahn
Aus der Vogelperspektive betrachtet, trennen vor allem die Bahngleise Richtung Thun Bern und Ostermundigen. In den Quartieren, wo Bern und Ostermundigen zusammengewachsen sind, ist es die Schule, die die Menschen trennt. Christine Lehmann erlebt es jeden Tag.
Sie wohnt mit ihrer Familie an der Biderstrasse im Burgfeldquartier. Tritt sie aus ihrem Haus heraus und überquert die Strasse, um auf den gegenüberliegenden Schulhausplatz zu gelangen, steht sie noch auf Berner Boden. Nur wenige Schritte weiter beginnt Ostermundigen. Einige ihrer direkten Nachbarn wohnen in der Nachbargemeinde. Vor acht Jahren, als die Familie Lehmann hierhinzog, waren die paar Schritte Unterschied wichtig. So mussten die drei Kinder ihre Schule nicht wechseln. Das prägt ihre soziale Ausrichtung: Die Familie hat vor allem mit Berner Nachbarn zu tun, die sie an Schulanlässen kennen lernt. Andere Kinder von genauso nahen Nachbarn hingegen gehen in eine Ostermundiger Schule. «Das trennt sehr», sagt Christina Lehmann. Erst jetzt, da die Kinder grösser seien, beginne sich die Grenze aufzuweichen.
«Für die Schule wäre die Fusion kein Problem, da sind sich die Schulleiter Frei und Schenk einig.»
Ihre Beobachtung bestätigen auch die Schulleiter der umliegenden Schulen. Etwa Martin Frei von der Ostermundiger Schule Mösli. Von seinen Berner Kollegen und Kolleginnen weiss er nur wenig. Denn Ostermundigen hat einen anderen Schulinspektor als Bern. Und wenn dieser die Schulleiterinnen und Lehrer der Gemeinde zum Austausch einlädt, dann trifft Frei die Kollegen aus Zollikofen und Ittigen, aber nicht Urs Schenk vom Berner Bitziusschulhaus, wo Christine Lehmanns Kinder zur Schule gehen.
Grundsätzlich unterscheiden sich die Schulen in den beiden Gemeinden aber nur wenig. Denn sowohl der Lehrplan wie auch die Anstellungsbedingungen für die Lehrkräfte sind kantonal geregelt. Die Struktur des Schulsystems mit Schulkommissionen als strategischen Organen ist in beiden Gemeinden gleich. Bei einer Fusion würde Ostermundigen mit seinen vier Schulstandorten vermutlich einen eigenen Schulkreis der Stadt bilden, den siebten nämlich. Die Ostermundiger Schulen würden wohl dem Berner Schulinspektor zugeteilt, und die Kinder im Grenzgebiet könnten diejenige Schule besuchen, die für sie am nächsten ist.
Die Ostermundiger Kinder könnten auch von der Berner Kulturförderung an der Schule profitieren: «Die ist in der Stadt aussergewöhnlich gut», sagt Schenk. So finanziert die Stadt Bern Schulklassen zum Beispiel den Besuch einer Theatervorstellung oder schickt Künstler in die Klassen, um mit den Kindern zu arbeiten. Auch die von der Schule in der Freizeit angebotenen Sportkurse wären in Ostermundigen vermutlich wieder möglich. Diese hat das Ostermundiger Parlament letztes Jahr trotz Widerstand der Elternorganisationen aus Spargründen gestrichen. In Bern werden die Kurse vom Sportamt angeboten, und nach einer Fusion könnten sie mit einiger Wahrscheinlichkeit auch in Ostermundigen wieder aufgebaut werden.
Für die Schule wäre die Fusion kein Problem, da sind sich die Schulleiter Frei und Schenk einig. Und auch der für die Schule zuständige Ostermundiger Gemeinderat, Henrik Schoop, sieht das so. Da gebe es andere Themen, die viel emotionaler diskutiert würden, sagt er. Welche denn?
Viele identifizieren sich mit ihrem Dorf
Die Antwort darauf findet sich in Stef’s Kulturbistro. Es ist der Ort, wo sich viele Ostermundiger treffen. «Ostermundigen ist ländlich und der Stadt trotzdem nahe», erklärt die Wirtin Stefanie Affolter. Ihr Lokal unterscheidet sich in seiner Art zwar nicht wesentlich von anderen Berner Trendlokalen wie etwa dem Löscher in der alten Feuerwehrkaserne. Die Tische und Stühle in der Gaststube sind bunt zusammengewürfelte Brocante-Möbel: Ledersessel im alten englischen Stil oder ein violettes Plüschsofa. Dazu ein hübsches Salontischchen aus dem vorigen Jahrhundert und moderne Bilder. Trotzdem ist es anders: Man kennt sich, man grüsst sich. Wer eintritt, wird von der Wirtin mit dem modischen Kurzhaarschnitt herzlich begrüsst, manchmal umarmt, wie etwa der ältere Herr, der soeben gekommen ist.
Er sucht sich einen freien Tisch, sieht hier ein bekanntes Gesicht, winkt dorthin und schüttelt einem Kreuzenden die Hand. Derweil sucht sich ein junges Paar mit zwei Kleinkindern im Kinderwagen einen Weg durch das Gedränge. So geht es den ganzen Abend. Darum glaubt Affolter nicht, dass sich Ostermundigen bei einer allfälligen Fusion mit der Stadt wesentlich verändern würde. «Der Dorfcharakter wird bleiben», sagt sie. Und ein Vorort von Bern sei Ostermundigen schon immer gewesen.
Viele Ostermundiger identifizieren sich mit ihrem Dorf. Für sie bleibt die Gemeinde ein Dorf, obwohl sie mit ihren rund 17000 Einwohnern die Grösse eines durchschnittlichen Stadtquartiers hat, etwa der Länggasse. Und obwohl Ostermundigen nicht ländlicher ist als Bern. Bauernhöfe etwa gibt es in Bern im Verhältnis zur Einwohnerzahl ähnlich viele wie in Ostermundigen: 41 auf 142000 Einwohner. In Ostermundigen gibt es noch 5 Bauernhöfe. Und in Ostermundigen gibt es mehr Orte, die dank pulsierender Unordnung ein grossstädtisches Lebensgefühl vermitteln, als in der vielerorts beschaulichen Stadt Bern. Zum Beispiel die Bernstrasse. Dort ist es eng, der Verkehr ist dicht, die Strasse gesäumt von Essständen und Läden aus aller Welt. Bereits stehen grosse Wohnblöcke in der Gemeinde. Und erst kürzlich ist der alte Landgasthof Bären der Abrissbirne zum Opfer gefallen. An seiner Stelle soll ein Hochhaus in den Himmel wachsen. Das haben die Ostermundiger in einer Abstimmung beschlossen.
«Der Dorfcharakter wird bleiben», sagt Stefanie Affolter.
Gentrifizierung nach Plan
Auch die Tage des Kulturbistros sind gezählt. Es befindet sich im alten Restaurant Tell. Der stattliche Gasthof aus dem 19. Jahrhundert liegt in einer Kurve der Bernstrasse. Einst stand er vermutlich am Dorfeingang oder am Dorfausgang. Nicht weit davon war der Schiessplatz. Im Tell konnten die Schützen ihren Durst löschen. Später wurde ein grosser Saal mit Bühne angebaut. Die Dorfvereine veranstalten hier ihre Aufführungen, und einmal im Monat tagt hier das Gemeindeparlament. Doch der Tell soll wie der Bären einem Hochhaus weichen. Dies sieht zumindest der aktuelle Stand der sich in Revision befindenden Ortsplanung vor. Entlang der Bernstrasse sind vier Zentren mit weiteren Hochhäusern geplant. Dazwischen soll eine verdichtete Bauweise möglich sein. Durch die Bernstrasse selbst wird die neue Tramstrecke führen. Das wird ihr Gesicht zusätzlich verändern.
Ostermundigen will weiter wachsen. 18000 Einwohner sind das Ziel. Aber dafür soll kein weiteres Kulturland überbaut werden. Die Gemeinde will nach innen wachsen, wie der parteilose Gemeindepräsident Thomas Iten bei jeder Gelegenheit sagt. Neben der urbanen Hauptachse solle die Gemeinde dörflich bleiben, pflegt er zu sagen. Also ähnlich wie das Berner Länggassquartier.
Das Wachstum ist aber nicht der einzige Grund, warum die Ortsplanung überarbeitet wird. Die Gemeinde will die Grundeigentümer dazu animieren, ihre Parzellen besser auszunutzen. Sie hofft, damit einen kleinen Bauboom auszulösen. Nicht unbedingt, weil das Dorf städtischer werden soll, sondern damit die Eigentümer ihre in die Jahre gekommenen Häuser und Wohnblöcke sanieren oder gar neu bauen. Dadurch sollen auch die Wohnungen in Ostermundigen teurer werden. Anders als in Bern wird in Ostermundigen gerade mal jede zehnte 3,5-Zimmer-Wohnung für mehr als 1500 Franken im Monat vermietet. Das ist der Kern von Ostermundigens Misere. Der günstige Wohnraum zieht Menschen mit kleinem Budget an: Arme, Arbeitslose, Auszubildende und Ausländer.
Neben der urbanen Hauptachse solle die Gemeinde dörflich bleiben, pflegt der parteilose Gemeindepräsident Thomas Iten zu sagen.
Teile Ostermundigens gelten als Armenquartiere. Der ehemalige Jugendarbeiter und Vater von vier Teenagern, Chris Schröer: «In Bümpliz sagen die Kids zueinander: ‹Chasch ou uf Oschtermundige i ds Ghetto ga.›» Eine Fusion mit der Stadt Bern hätte einen hohen sozialen Preis, befürchtet er. Nämlich dann, wenn durch die Gentrifizierung die Wohnungsmieten derart stiegen, dass etwa pensionierte Arbeiter und Arbeiterinnen wegziehen müssten. Mit ihrer kleinen Rente wohnen sie oft für wenig Geld schon seit Jahrzehnten in der gleichen Wohnung. Einen Umzug in eine renovierte Wohnung könnten sie sich nicht leisten. «Wo sollen sie dann hingehen?», fragt Schröer. Sie müssten aus dem Ort, wo sie verwurzelt sind, wegziehen.
Doch genau dies dürfte auch ohne Fusion mit der Stadt Bern geschehen. Das Ziel der neuen Ostermundiger Ortsplanung sind höhere Mieten und zahlungskräftige Einwohner, also Gentrifizierung. Schröer stimmt dem Einwand zu. «Wenn die Fusion gut gemanagt ist, dann ist sie vielleicht sogar der Schutz des sozialen Friedens», sinniert er.
Vielleicht wird seine Hoffnung erfüllt, und die Fusion erweist sich gerade für die ärmeren Menschen in Ostermundigen als Chance. Insbesondere der aktuelle Berner Finanzdirektor Michael Aebersold (SP) treibt die städtische Wohnbaustrategie mit Verve voran.
So könnte durch die Fusion mit der Stadt zwar preisgünstiger Wohnraum verloren gehen. Der Leiter des Berner Sozialamts, Felix Wolffers, gibt aber auch zu bedenken: «Die Stadt will vermehrt selber bauen und so allen Personen das Wohnen in der Stadt ermöglichen.»
Eine Fusion mit der Stadt Bern hätte einen hohen sozialen Preis, befürchtet Chris Schröer.
Tiefere Steuern für Ostermundigen
Als im November das Ostermundiger Parlament über die Finanzprobleme der Gemeinde debattierte, sagte der als Experte herbeigezogene Peter Seiler von Res Publica Consulting, Ostermundigen habe ein «Ertragsproblem». Die Beraterfirma analysierte die Aufgaben und Ausgaben Ostermundigens im Hinblick auf mögliches Sparpotenzial. Ein solches gebe es kaum, sagte Seiler. Die meisten Ausgaben seien nötig. Er empfahl der Gemeinde, ihre Bevölkerungsstruktur zu verändern, also bessere Steuerzahler anzulocken. Im Raum Bern haben die Ostermundiger das tiefste Durchschnittseinkommen. 18 Prozent der Steuerpflichtigen verdienen zu wenig, um Steuern zahlen zu müssen. Die Sozialhilfequote der Gemeinde ist mit über 8 Prozent die höchste der Gegend. Doch was bedeutet dies für die Stadt Bern im Fall einer Fusion?
Weil die Sozialhilfequote in Ostermundigen höher ist als in Bern, stiege die Quote in der ganzen Stadt leicht an, auf etwas über fünf Prozent. Dies hätte unter dem Strich aber keine Auswirkungen auf die Sozialausgaben. «Die Stadt müsste zwar wegen der grösseren Zahl von unterstützten Personen mehr Leistungen ausrichten, würde aber im Gegenzug auch mehr Geld aus dem kantonalen Lastenausgleich erhalten», erklärt Felix Wolffers vom Berner Sozialamt.
Allerdings könnte die Gemeindefusion dazu führen, dass der durchschnittliche Steuerertrag pro Kopf in der fusionierten Stadt sänke. Auch deshalb, weil es politisch kaum mehrheitsfähig wäre, mit Blick auf die Fusion in Bern die Steuern zu erhöhen. Eher würden die Ostermundiger Steuern gesenkt, wie dies bei der Fusion von Luzern mit der Gemeinde Littau geschehen ist. Die fusionierten Gemeinden mussten einen Steuerausfall von jährlich sieben Millionen Franken auffangen. Dazu kamen nochmals zwanzig Millionen Franken während einer Übergangszeit, bis die Fusion vollzogen war und die Synergieeffekte zum Tragen kamen.
«Man muss eine Fusion langfristig betrachten», sagt der ehemalige Berner Gemeinderat Alexandre Schmidt (FDP) dazu. Er äusserte sich bereits mehrfach im «Bund» zu den Chancen einer Fusion von Bern und Ostermundigen. Kurzfristig werde die Finanzkraft vielleicht beeinträchtigt. Aber langfristig könne die Fusion eine Entwicklung der Region in Gang setzen, die sonst nicht möglich gewesen wäre – und zwar nicht bloss auf wirtschaftlicher Ebene, sondern das Lebensgefühl und den Alltag in allen möglichen Facetten betreffend. Zudem sei Bern in der Lage, die allfälligen finanziellen Einbussen aufzufangen, sagt der ehemalige Finanzdirektor.
Eine Steuererhöhung in Bern mit Blick auf die Fusion wäre politisch kaum mehrheitsfähig.
«Integrationsmaschine» Ostermundigen
Ein Kostentreiber in Ostermundigen sei heute auch der hohe Ausländeranteil, sagt Gemeindepräsident Thomas Iten. Ostermundigen habe dadurch etwa höhere Ausgaben in der Schulsozialarbeit. Mit gut 28 Prozent ist der Ausländeranteil Ostermundigens allerdings nur wenig höher als in Bern. In der Stadt Bern sind 24 Prozent der Bevölkerung nicht Schweizer.
Der Ausländeranteil ist auch ein Zeichen dafür, wie städtisch ein Ort ist. Und damit auch ein Ort, wo sich die Gesellschaft verändert und lebendig bleibt. Nicht ohne Stolz verkündet Iten immer wieder, Ostermundigen sei eine «Integrationsmaschine».
Eine der Integrierten ist Enisa Qerkinaj. Sie zog vor zehn Jahren mit ihren Eltern von Bümpliz nach Ostermundigen. Die gelernte Dentalassistentin trainiert in ihrer Freizeit in der ersten Frauenmannschaft des FC Ostermundigen. Zum Team gehören Schweizerinnen ebenso wie Secondas. Qerkinaj sagt: «Ich fühle mich als Schweizerin und Albanerin.»
Das sei aber nicht immer so gewesen. In der Schulzeit sei sie vor allem mit anderen Secondas zusammen gewesen. «Sie waren ähnlicher», sagt sie. Auch die Schweizer Kinder seien unter sich geblieben. Für den Austausch mit Schweizern und deren Kultur begann sie sich erst während der Lehre zu interessieren. Trotzdem war die Kindheit in Ostermundigen wichtig für ihre Integration, wie sie sagt. «Ich hatte hier super Lehrer.» Diese hätten ihr nicht nur in der Schule, sondern zum Beispiel auch bei der Stellensuche geholfen. Was sie von ihren Lehrern erhalten hat, will sie jetzt an andere Kinder mit Migrationshintergrund weitergeben. Deshalb studiert die junge Frau an der Pädagogischen Hochschule Bern. Wenn das Leben nichts anderes mit ihr vorgesehen hat, dann möchte sie später in Ostermundigen unterrichten. Egal, ob die Gemeinde dereinst zur Stadt Bern gehört oder nicht.
Wenn das Leben nichts Anderes mit ihr vorgesehen hat, dann möchte sie später in Ostermundigen unterrichten. Egal ob die Gemeinde dereinst zur Stadt Bern gehört oder nicht.
«Durch die Fusion hat sich die Bevölkerung der Stadt Luzern verjüngt»
Thomas Schrerer aus der Luzerner Stadtverwaltung weiss, worauf es bei einer Gemeindefusion ankommt, damit sich niemand übergangen fühlt. Er ist Projektleiter in der Luzerner Stadtverwaltung. Vor acht Jahren begleitete er die Fusion der Stadt mit der Gemeinde Littau als Sekretär und Koordinator. Im Interview sagt er, wie sich die Stadt nach der Fusion mit der Gemeinde Littau verändert hat und worauf die Behörden bei einem solchen Projekt achten sollten.
Zum Interview
Wie geht es in Bern und Ostermundigen weiter?
Wenn es nach dem Berner Stadtpräsidenten Alec von Graffenried (GFL) geht, dann können die Bernerinnen und die Ostermundiger bereits in sechs Jahren ein gemeinsames Parlament wählen. Die sagte er gegenüber dem Verein «Bern neu gründen». Das allerdings nur, sofern sowohl die Berner als auch die Ostermundigerinnen einer Fusion zustimmen. Von Graffenried rechnet damit, dass der Fusionsprozess bis zur Abstimmung etwa vier Jahre dauert. Als erstes muss sich in Bern der Stadtrat dazu äusseren, ob auch Bern eine allfällige Fusion mit Ostermundigen überhaupt prüfen soll.
Zudem will er anderen Gemeinden die Gelegenheit geben, ebenfalls eine Fusion mit Bern zu prüfen. «Die Gemeinden haben jetzt die Gelegenheit auf den Zug aufzuspringen», sagt er. Nebst Bern sind Kehrsatz und Frauenkappelen Mitglied beim Verein, der Bern neu gründen will.
In Ostermundigen will der Gemeinderat sein Parlament am 13. Dezember darüber informieren, wie er es sich vorstellt, eine mögliche Fusion zu prüfen. Grundsätzlich soll der Ostermundiger Gemeinderat die Chancen und Risiken einer Fusion mit Bern oder anderen Gemeinden bis 2020 analysieren und dem Parlament in Form eines Berichtes vorlegen. Der Gemeindepräsident Thomas Iten (parteilos) möchte danach möglichst bald eine Konsultativabstimmung in Ostermundigen durchführen, um herauszufinden ob eine allfällige Fusion auch in der Bevölkerung auf Interesse stösst.
Stadtgespräch: Ist es Zeit für Gross-Bern?
Zwischen Bern und Ostermundigen herrscht Tauwetter: Eine Gemeindefusion liegt auf einmal wieder im Bereich des Möglichen. Auch die anderen Gemeinden der Kernagglomeration Bern, also Köniz, Bremgarten, Ittigen, Zollikofen, Muri und Kehrsatz sind näher an die Stadt gerückt. Die Geschichte zeigt: Wo Zürich zu Beginn des 20. Jahrhunderts konsequent eingemeindet hat, sind die Gemeinden um Bern eigenständig geblieben. Öffnet sich nun ein neues Zeitfenster für die Vision einer Stadt Bern, vereinigt mit den umliegenden Gemeinden? Braucht es überhaupt Fusionen oder funktionert es im jetztigen Zustand eigentlich ganz gut?
Hier geht es zur Diskussion im «Bund»-Stadtgespräch.