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Dragana aus Serbien
Ich heisse Dragana, bin 33 Jahre alt und lebe seit 10 Jahren in Basel. Ich bin verheiratet und habe 2 Mädchen, eines ist 9 Jahre alt und das andere ist 7.
Mein Vater war Angestellter bei der Post, und meine Mutter arbeitete als Coiffeuse in einem Salon. Meine Eltern waren eher ruhige Menschen. Sie haben uns auch nie geschlagen oder mit uns geschimpft. Am Wochenende haben sie selten etwas mit uns unternommen. Mein Vater schaute Fussball am Fernsehen oder las die Zeitung. Meine Mutter kochte, putzte oder beschäftigte sich mit Handarbeiten. Ich glaube, meine Eltern liebten sich nicht wirklich. Eine Zeit lang lebte meine Grossmutter bei uns. Sie trug ein graues Kopftuch, war ganz still und konnte weder lesen noch schreiben. Sie war wie ein Geist in unserem Haus! Ich habe nicht viel mit ihr gesprochen und sie auch nicht vermisst, als sie später zu meinem Onkel gezogen ist.
Mein kleiner Bruder ist bei einem Verkehrsunfall auf der Autobahn gestorben, als er 9 Jahre alt war. Er war mit dem Cousin meiner Mutter unterwegs. Der Cousin aus Amerika war bei uns zu Besuch. Es wurde noch ruhiger bei uns zu Hause. Meine Eltern haben fast nichts mehr miteinander gesprochen. Eine Woche nach dem Unglück ist ein kleiner Vogel in unsere Küche geflogen und hat auf dem Tisch Brosamen aufgepickt. Mein anderer Bruder und ich waren überzeugt, dass die Seele unseres kleinen Bruders jetzt in diesem Vogel steckte und er uns auf diese Weise Hallo sagen wollte. Wir haben immer wieder solche Zeichen vom kleinen Bruder gesucht und viele gefunden. Dann waren wir glücklich. Den Eltern haben wir aber nichts davon erzählt.
Ich bin 8 Jahre zur Schule gegangen. Die Schule war ok für mich. Ich war nicht gut und nicht schlecht. Wir mussten zu Hause nicht viel helfen. Die Schule sei wichtiger, sagten meine Eltern. Ich war Mitglied der Pionierorganisation und hatte eine sehr schöne Uniform!
Nach der Schule ging ich für 3 Monate in die Schweiz zu meiner Tante, denn es war Krieg in Jugoslawien. Dort habe ich als Babysitterin bei verschiedenen serbischen Familien gearbeitet. Deutsch habe ich nicht gelernt und von Basel wenig gesehen. Ich musste dann aber zurück und Geld verdienen, denn das Leben war durch den Krieg sehr teuer geworden. Ich habe für verschiedene Firmen an Messeständen temporär gearbeitet, vor allem Flyers verteilt und Auskunft gegeben. Das war sehr langweilig. Den ganzen Tag lang stehen und lächeln!
Meine Mutter fand dann für mich eine regelmässige Arbeit im Coiffeursalon. Das Leben zu Hause war aber schwierig. Mein Bruder war weg, meine Eltern sprachen nichts. Ich war einsam und ohne Ziel. Als meine Tante vorschlug, ich solle wieder nach Basel kommen, bin ich gerne gegangen. An einem grossen Fest in Basel habe ich einen Serben kennengelernt, der schon lange in der Schweiz lebte. Er war nett und seriös. Bald war ich schwanger, und wir haben geheiratet. Wir haben jetzt 2 Kinder.
Ich liebe meine Mädchen sehr. Ich wünsche mir, dass sie beide eine Berufslehre machen oder studieren und später einen guten Beruf haben.