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Der Terminus Anthropozän wurde in den 1980er-Jahren von dem Ökologen Eugene Stoermer als Bezeichnung für unser gegenwärtiges geologisches Zeitalter vorgeschlagen, um dieses als von menschlichen Aktivitäten bestimmt zu charakterisieren. Die Expertenmeinungen darüber, wann das Anthropozän einsetzte, variieren, wobei die Bandbreite der Angaben vom Beginn der landwirtschaftlichen Revolution vor etwa 10 000 Jahren über den Beginn der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert bis hin zur Mitte des 20. Jahrhunderts reicht. Der Begriff ist zwar hilfreich, um Klimaleugner zu widerlegen, ist aber auch in die Kritik geraten, weil er die Verantwortung für den vom Menschen verursachten Klimawandel zu gleichmässig auf die gesamte Menschheit verteilt, anstatt anzuerkennen, dass die Hauptverursacher bestimmte Menschen und Konzerne aus bestimmten Ländern sind. Befürworter des Post-Anthropozentrismus stehen dem Begriff des Anthropozän ebenfalls kritisch gegenüber: Der Mensch ist ihrer Meinung nach nicht die Schlüsselfigur der gegenwärtigen Epoche, sondern nur ein Akteur unter vielen – er ist verstrickt in eine komplexe Ökologie von lebenden und nicht lebenden Dingen und abhängig von dieser.
Gaia – das seine Wurzeln in einem griechischen Wort für „Erde“ hat – war der Name der Muttergöttin, die die Erde personifizierte und auch über sie herrschte. Der Begriff wurde von James Lovelock in den 1960er-Jahren entlehnt, um gemeinsam mit Lynn Margulis die Gaia-Hypothese zu entwickeln.1 Das Prinzip besagt, dass die planetaren Beziehungen zwischen Organismen, anorganischer Materie und terrestrischen Prozessen die Erde zu einem synergetischen, selbstregulierenden System machen. Von zentraler Bedeutung ist die im Namen dieser These vertretene Sichtweise, dass der Fortbestand des Lebens auf der Erde von dem Gleichgewicht jener systemischen Interaktionen abhängt.
Der Begriff Planthropozän wurde von der Anthropologin Natasha Myers ins Spiel gebracht: „Ich möchte, dass das, was ich halb ironisch und halb ernsthaft als Planthropozän bezeichne, in den Ruinen des anthropozänen Denkens Fuss fasst. Es handelt sich um ein wünschenswertes Erkenntnismodell und um eine Lebensweise, in der die Menschen ihrer tiefen Verbundenheit mit den Pflanzen gerecht werden. Von entscheidender Bedeutung ist, dass das Planthropozän keine zeitgebundene Epoche bezeichnet. […] Das Planthropozän ist ein Aufruf, die Grundvoraussetzungen für Formen von Begegnung zu verändern und sich mit […] diesen grünen Wesen zu verbünden.“2
1 James Lovelock und Lynn Margulis: „Atmospheric Homeostasis by and for the Biosphere: The Gaia Hypothesis“, in: Tellus, Bd. 26, Nr. 1–2, 1974, S. 2–10.
2 Natasha Myers: „From the Anthropocene to the Planthroposcene: Designing Gardens for Plant/People Involution“ in: History and Anthropology, 28, 30, 2017, S. 297–301.