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Links zu den Kapiteln:
Swinging London im Millennium
die Mitwirkenden
der unveröffentlichte Beatlessong
von Collage zu Collage
Rezeption und Statistik
Versatzstücke aus
Paul McCartneys «Liverpool Oratorio» sind mit Bruchstücken
aus Interviews auf Liverpools Strassen gemischt. Dazu hört
man ab und zu die Beatles, die sich im Studio miteinander unterhalten.
Ambientmässig gespielte Gitarren ergänzen die Klanglandschaften. Das meiste aber sind Synthesizersounds. Man fühlt sich
zunächst an «Rushes» erinnert, McCartneys 98er Ambient-Album mit den Fireman. Die «Liverpool Sound Collage» ist akkustischer
Surrealismus in seiner reinsten Form.
Swinging London im Millennium
Der Titel «Liverpool Sound Collage» kündigt den Inhalt des Albums adäquat an. Die von Paul McCartney gemischte Collage steht in bester
Tradition der Soundcollagen von den Beatles, also von «Revolution 9» und «What’s The New Mary Jane?» von 1968 sowie dem bis heute unveröffentlichten «Carnival Of Light» aus den «Sgt. Pepper»-Sessions von 1967. Das Album transformiert den künstlerischen Geist von Swinging London ins Millennium, in dem Peter Blake für die Tate Liverpool die Ausstellung «About Collage» kuratiert.
Peter Blake gilt als Vater der britischen Pop Art und ist ein Compagnon McCartneys aus den Swinging London
Tagen. Es ist nicht die erste Zusammenarbeit von Paul und Peter Blake: Zusammen mit seiner Frau Jann Haworth gestaltete er 1967 das Cover von «Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band». Um seine 2000er-Ausstellung in der Tate Liverpool abzurunden, hat sich Peter Blake mit der Bitte an Paul gewandt, etwas Musikalisches mit Liverpooler Geist zu machen. Paul hat sich dieser Aufgabe mit der dazugehörigen Portion Patriotismus angenommen hat. So wirken neben ihml die walisische Gruppe Super Furry Animals und Pauls Fireman-Partner Youth mit, der aus dem Lancashire stammt.
Mittlerweile Sir, posiert Peter Blake für das Liverpool Echo in seiner Ausstellung «About Collage» in der Tate Liverpool.
die Mitwirkenden
Auf seiner Webseite erinnert sich Paul: «Ich stellte die Sounds zusammen und machte die Grundcollage. Dann fragte ich Cian Ciarán von den Super Furry Animals, um daraus etwas zu mischen, was er freundlicherweise tat. Und mein Partner Youth benutzte seine Talente, um die Sache abzurunden». Obwohl Paul den grössten Teil des Albums gemischt hat und in jedem Song zu hören ist, sind die Credits für die fünf Collagen wie folgt verteilt:
Plastic Beetle – Paul McCartney, The Beatles
Peter Blake 2000 – Super Furry Animals, The Beatles
Real Gone Dub Made In Manifest… – Youth
Made Up – Paul McCartney, The Beatles
Free Now – Paul McCartney, The Beatles, Super Furry Animals
Die Super Furry Animals erzählen den Beginn ihrer Zusammenarbeit genau umgekehrt. So hat sich scheinbar ihr Keyboarder Cian Ciarán am 1. Februar 2000 bei der Feier der NME-Awards mit Paul unterhalten, bei denen die Band als bester Live Act ausgezeichnet worden war. «In der einen Minute zieht Cian Paul McCartney zu einem Tisch und innerhalb von zwei Wochen sind vier Schachteln mit Original-Beatlesbändern in unserem Büro in Cardiff angekommen», erinnerte sich Gruff Rhys von den Super Furry Animals. «Wir haben Bruchstücke von John und Pauls Dialogen gesampelt und diese mit Loops von Georges Gitarre und Ringos Schlagzeug ergänzt. Das war extrem surreal», fährt er fort.
Paul hat sich für das Remixen ordentlich bedankt. 2001 wirkte er auf ihrem Album «Rings Around The World» mit. Für den Song «Respectable Of The Respectables», eine Hommage an «Vegetables» von den Beach Boys, soll Paul, seit Anfang der 70er-Jahre Vegetarier, seine Kaugeräusche beigesteuert haben. Nochmals Gruff Rhys: «Er (Paul) bezeichnet als seinen Lieblingsmoment im letzten Jahr das Kauen von Sellerie und Karotten zum Beat.» Und fügt entschuldigend an: «Wir wollten weder, dass er seine Stimme belastet noch dass er Bass spielt, weil er das schon so oft in seinem Leben getan hat. Er ist wahrscheinlich dieser Cameo-Rollen überdrüssig». Richtig und falsch zugleich, denn Paul war sich noch für keinen Blödsinn zu schade.
der unveröffentlichte Beatlessong
Die Samples von den Beatles stammen hauptsächlich aus der Aufnahme für «Think For Yourself» vom 8. November 1965. George Martin liess die Bänder während den Proben mitlaufen, weil er hoffte, aus den Gesprächsfetzen etwas für die jährliche Weichnachtssingle für den Beatles Fan Club zusammenstellen zu können. «Free Now» ist der kürzeste Song auf der Collage. er beginnt mit einem Gesprächsfetzen von George Harrison und fokussiert sich auf die Titelphrase, die Paul singt: «I feel it / I get it / Baby free now, gotta be free now.»
Ein unveröffentlichter Song von den Beatles ist es nicht wirklich, denn das Stück stammt aus der Jamsession von Take 1 von «Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band». Aus solchen Fetzen haben die Beatles wiederum neue Songs entwickelt, «Revolution 9» entstand aus einer solchen Collage am Ende von «Revolution 1». Dass «Free Now» nun ein eigenständiger Song ist, liegt daran, dass Paul das Snippet von «Sgt. Pepper» zu einem eigenständigen Song überarbeitet hat. Deshalb sind die Autorangaben auch The Beatles und Paul McCartney.
von Collage zu Collage
Das Album beginnt mit «Plastic Beetle». Den Basistrack bilden Synthesizersounds und Drum Loops, über die Gesprächsfetzen und instrumentelle Fetzen gemischt wurden. Der Song enthält verschiedene Snippets aus Aufnahmesessions der Beatles, die zwischen 1964 und 1968 eingespielt wurden. Die meisten stammen aus den «Think For Yourself» Aufnahmen vom 8. November 1965. Eine exakte Aufschlüsselung bietet die Beatles-Bible.
Die Collage für das Cover gestaltete Paul McCartney, der sich mit einem Selbstporträt abgebildet hat. Der schreiende Mann auf dem Foto ist Yout, die Tiere repräsentieren wohl die Super Furry Animals.
Pauls «Peter Blake 2000» ist eigentlich eine längere Version von «Free Now» . Die Gesprächssamples stammen aus den Aufnahmen von «Think For Yourself». Man hört die ganze Aussge von George Harrison: «I’'s okay. We know. I think we know. We just go chinga chinga ching. Boom boom boom. The bit that John finally got just after that. And we'll do both of the do what you want to do…» Paul sing den Refrain von «Free Now». Es sind Samples aus dem «Liverpool Oratorio» zu hören, ebenso kurze Stücke aus der «Magical Mystery Tour» und aus einer bis heute noch nicht definitiv eruierten Aufnahmesession der Beatles.
«Real Gone Dub Made In Manifest In The Vortex Of The Eternal Now» hat nicht nur den längsten Titel, sondern ist mit 16.37 Minuten auch der längste Song auf dem Album. Er ist eine längerer Remix von «Made Up». Neben Interviewfetzen, die Paul McCartney auf Liverpools Strassen geführt hat, ist ein Dialog zwischen den Beatles zu hören:
Paul: Hang on. John’s just broken a string.
Ringo: Mal, will you come down and fix the seat?
George: The bit that John finally got.
John: Oh, well I can get back of it.
«Made Up» hat als Grundlage einen Drum Loop und Pauls Bass-Sample. Hinzugemischt wurden Stücke aus dem «Liverpool Oratorio». 1999 interviewte Paul Leute auf Liverpools Strassen und fragte sie, was sie von den Beatles und Liverpool hielten. Ein paar der Antworten sind hineingemischt.
Rezeption und Statistik
Der New Musical Express begab sich mit dem Album in Blakes Ausstellung in der Tate Liverpool und holte sich den Gesamteindruck ab. So kommt die Redakton zum Schluss, dass das Album unter dem Gesichtpunkt der Functional Art beurteilt werden und gibt neutrale 5 von 10 Punkten.
Im Gegensatz zu den ersten beiden Fireman-Alben hat Paul für die «Liverpool Sound Collage» die PR-Trommel geschwungen und das Album, das ohne eigentlichen Absender veröffentlicht wurde, wurde von Anfang an als Teil von McCartneys Werkekatalog betrachtet. Das damals offene Geheimnis um die Besetzung der Fireman lüfteten McCartney und Youth erst 2008 mit dem Album «Electric Arguments».
Die «Liverpool Sound Collage» wurde 2001 für den Grammy in der Sparte Best Alternative Album nominiert. Ausgezeichnet wurde jedoch das kommerziell erfolgreiche Album «Kid A» von Radiohead, das als eines der wichtigsten Albend er 00er-Jahre gilt. Die «Liverpool Sound Collage» konnte sich wenig überraschend nirgendwo in den Charts platzieren. In England wurde eine Promosingle CD und Vinyl) von «Free Now» veröffentlicht. Die aber nicht in das engformatige Netz der modernen Landschaft passt, weshalb sich auch die Single nicht in der Hitparade klassieren konnte.
Paul McCartney bei seinem Cavern Club Konzert 1999. Vor dem Konzert hat er Konzertbesucher interviewt. Stücke davon verwendete er in «Made Up».
Foto: paulmccartney.com

Tracklisting
Plastic Beetle
Peter Blake 2000
Real Gone Dub Made In Manifest In
The Vortex Of The Etenal Now
Made Up
Free Now