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Als diplomatisches «Leichtgewicht» hatte ihn Donald Trump vor einigen Jahren beschimpft – nun hat ihn der Präsident für den wohl heikelsten US-Auslandsposten ernannt. Jon Huntsman, früher in Singapur und China im Einsatz, soll der neue Botschafter in Moskau werden. Wegen der Affäre um die dubiosen Russland-Verbindungen von Trumps Wahlkampfteam ist die Entsendung mit schwerem politischen Gepäck befrachtet.
Trump setzt auf die langjährigen Erfahrungen des 57-jährigen Mormonen im politischen und diplomatischen Gewerbe. Huntsman blickt auf eine facettenreiche Laufbahn als Regierungsbeamter, Gouverneur und Botschafter zurück. Das Weisse Haus hob am Dienstag zudem hervor, dass er den Leitungsgremien mehrerer Grossunternehmen wie Chevron, Ford und Hilton angehört.
Erfahrungen unter Präsident Reagan
Huntsman ist der Sohn eines milliardenschweren Unternehmers. Sein Vater gründete den Chemiekonzern Huntsman Corporation. Als Huntsman in Kalifornien als ältestes von später neun Kindern zur Welt kam, stand der Vater aber noch am Anfang und arbeitete für einen Eier-Produzenten. Huntsman hat erzählt, dass er mit dem Vater und den Eiern von Geschäft zu Geschäft gezogen sei.
Als junger Mann arbeitete Huntsman nicht nur im späteren eigenen Unternehmen des Vaters, sondern sammelte auch erste Erfahrungen in der Politik. Nach zwei Jahren als Missionar der Mormonen in Taiwan, wo er Mandarin lernte, bekam er einen Assistentenjob im Stab von Präsident Ronald Reagan. Später machte er einen Abschluss in internationaler Politik an der University of Pennsylvania.
Zahlreiche Spitzenjobs
Unter Präsident George Bush senior übernahm Huntsman hochrangige Posten im Handelsministerium und den Botschafterjob in Singapur. Später wurde er stellvertretender Handelsbeauftragter unter Präsident George Bush junior, bevor er in den Mormonenstaat Utah umzog, um für das Gouverneursamt zu kandidieren.
Während seiner Amtszeit setzte Huntsman das umfassendste Steuersenkungsprogramm in der Geschichte des Bundesstaates in Kraft. Er war ein populärer Gouverneur und wurde 2008 mit 78 Prozent wiedergewählt.
Ohne Chance im Präsidentschaftsrennen
Allerdings wechselte Huntsman wenig später als Botschafter nach Peking. Seine Ernennung durch Präsident Barack Obama entsprang wohl wahltaktischem Kalkül: Obama wollte so laut US-Medien verhindern, dass ihm Huntsman als republikanischer Präsidentschaftskandidat gefährlich würde.
Huntsman gab dennoch den Botschafterposten auf, um in das Präsidentschaftsrennen einzusteigen. Er scheiterte 2012 allerdings bereits in der Frühphase der Vorwahlen. In den vergangenen Jahren leitete der Vater von sieben Kindern, darunter zwei Adoptivtöchter aus China und Indien, den Atlantikrat, eine Denkfabrik in Washington.
Wechselhafte Beziehung mit Trump
Huntsmans Beziehung zu Trump war in den vergangenen Jahren durch Höhen und Tiefen geprägt. Der Immobilienmogul warf ihm vor, als Botschafter «unser Land an China weggegeben» zu haben. Dennoch unterstützte Huntsman den Rechtspopulisten zunächst im Präsidentschaftsrennen. Nach Veröffentlichung der Videoaufnahme mit Trumps vulgären Sprüchen über Frauen forderte er ihn dann aber zum Rückzug auf.
Dennoch kamen die beiden nach Trumps Wahlsieg offensichtlich miteinander klar. Huntsman wurde vorübergehend sogar für den Posten des Aussenministers gehandelt. Seine Nominierung für den Moskau-Job ist nun ein grosser Vertrauensbeweis.
Denn Huntsman wird sich dort auf sehr dünnem Eis bewegen. Er soll einerseits das durch die Konflikte in der Ukraine und Syrien schwer belastete Verhältnis zu Moskau verbessern helfen. Andererseits muss er vor dem Hintergrund der Russland-Affäre sorgfältigst darauf achten, sich nicht zu sehr bei den Russen einzuschmeicheln.
Heikle Aufgabe
Wie delikat der Posten ist, dürfte Huntsman schon während des Nominierungsverfahrens im Senat zu spüren bekommen, selbst wenn an seiner endgültigen Ernennung kaum ein Zweifel besteht. Die unternehmerischen Aktivitäten seines Vaters in Russland könnten zur Sprache kommen.
Vor allem aber muss sich Huntsman auf bohrende Fragen der Opposition dazu gefasst machen, wie er die möglichen Kungeleien von Trump-Verwandten und -Mitarbeitern mit Russland bewertet.
(sda/jfr)