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3.1 Das FiBL entsteht: Gründung der Stiftung und des Institutes
"Der Zürcher Nationalrat Heinrich Schalcher begründete 1970 eine Motion, die vom Bundesrat die ,Schaffung einer landwirtschaftlichen Versuchsanstalt für chemiefreie, biologische Anbaumethoden’ verlangte", schreibt Peter Moser. "Anfang der 70er Jahre wehrten sich die landwirtschaftlichen Versuchsanstalten, die in der Nachkriegszeit stark ausgebaut worden waren, vehement gegen die Übernahme einer solchen Aufgabe. Nach der Überweisung des Postulats Schalcher beauftragte Bundesrat Brugger eine aus Vertretern des Bundesamtes für Landwirtschaft und einigen Bio-Bauern zusammengesetzte Arbeitsgruppe, abzuklären, ob es wirklich einen Bedarf an Forschungsarbeit auf diesem Gebiet gäbe. Die Arbeitsgruppe kam zum Schluss, dass eine private Initiative allenfalls mit Bundesgeldern unterstützt werden könnte. Mit Vertretern aus der Praxis, der Wissenschaft, der Wirtschaft und der Verwaltung gründete Schalcher, der sich schon in den 50er Jahren im Zürcher Kantonsrat für den biologischen Landbau eingesetzt und in den 60er Jahren die "Liga für biologische Landesverteidigung" präsidiert hatte, am 1. Februar 1973 die Schweizerische Stiftung zur Förderung des biologischen Landbaus, die seit 1974 das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) betreibt.
Im Bruderholzhof in Oberwil (BL) fand das Forschungsinstitut auch einen Versuchsbetrieb, dessen Bewirtschaftung Fritz Baumgartner, der Präsident des biologisch-dynamischen Produzentenvereins, übernahm. Erster Leiter und Mitarbeiter zugleich wurde Hartmut Vogtmann, der 1976 in Zusammenarbeit mit der Forschungsanstalt Bern-Liebefeld mit einem umfangreichen pflanzenbaulichen Vergleichsversuch, dem so genannten DOK-Versuch (d = dynamisch, o = organisch, k = konventionell) begann. Auf Grund der Zusammensetzung des Stiftungsrates und des 1976 bereits ein halbes Dutzend wissenschaftlicher Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen umfassenden Teams war die Forschungsarbeit zunächst stark auf biologisch-dynamische Forschungsansätze und Methoden ausgerichtet. Ende der 70er Jahre rückten die klassischen naturwissenschaftlichen Methoden in den Vordergrund. Langsam nahm auch die Zahl der Wissenschaftler an den Eidgenössischen Forschungsanstalten und an der ETH zu, die an einer Zusammenarbeit mit dem FiBL interessiert waren.
Die Organisationen der organisch-biologisch wirtschaftenden Bauern machten anfänglich beim FiBL nicht mit, da sich namentlich Hans Müller dagegen wehrte. Doch Müllers Autorität war im Schwinden, so dass die Integration schrittweise doch erfolgte. Im September 1975 nahm Werner Scheidegger von der Biofarm den seit zwei Jahren für die organisch-biologisch wirtschaftenden Bauern freigehaltenen Sitz im Stiftungsrat ein." (2)
1973
3.2 Die ersten schweizerischen Bio-Richtlinien
"1971 stellte Hans Müller bei der Eidgenössischen Ernährungskommission den Antrag, der biologische Landbau sei rechtlich anzuerkennen und damit zu schützen", schreibt Peter Moser. "Die Ernährungskommission übertrug die Behandlung dieses Antrags ihrer wissenschaftlichen Subkommission, die ihrerseits eine Arbeitsgruppe von Wissenschaftlern und Beamten einsetzte. Nach 18-monatigen Beratungen kam dieses Gremium zum Schluss, eine wissenschaftliche Charakterisierung sogenannt ‹biologischer› und ‹nicht biologischer› Erzeugnisse sei nicht möglich; der «Begriff ‹biologisches Produkt› im Zusammenhang mit Lebensmitteln sei deshalb zu verbieten».
Mit der steigenden Nachfrage nach biologischen, ökologischen oder natürlichen Lebensmitteln nahm die Gefahr des Missbrauchs zu. Produzenten und Händler begannen immer skrupelloser, ihre Ware als biologisch zu kennzeichnen, da der Begriff ja weder gesetzlich geschützt noch verbindlich definiert war. Die verschiedenen Organisationen des biologischen Landbaus gaben deshalb ihre Bestrebungen zur Anerkennung ihrer Anbauweisen auch nach dem Null-Entscheid der der Eidgenössischen Gesundheitskommission von 1974 nicht auf und begannen, selber Richtlinien für den biologischen Land- und Gartenbau zu erarbeiten." (2)
1976 trafen sich auf Anregung von Hartmut Vogtmann, Leiter FiBL, die Vertreter der fünf Bio-Organisationen FiBL, SGBL (heute Bioterra), Produzentenverein für biologisch-dynamische Landwirtschaft, Progana und Biofarm mit dem Ziel, gemeinsame Basisrichtlinien für den biologischen Landbau zu erarbeiten. Die damals grösste Produzentengruppe, die Bio-Gemüse AVG unter Leitung von Hans Müller, blieb den Gesprächen fern und liess sich nur schriftlich zu den Entwürfen vernehmen.
Am 20. Oktober 1980 wurden die gemeinsamen «Richtlinien für Verkaufsprodukte aus biologischem Anbau» mit einer gemeinsamen Vereinbarung verabschiedet. Gleichzeitig wurde beschlossen, das Signet "Knospe" – es war damals noch das Logo des FiBL – als Schutzmarke anzumelden.