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Gerteis Martel, Redaktor, Politiker
Martel Gerteis ist in Töss aufgewachsen und hat jahrelang die politische Landschaft Winterthurs mitgeprägt. Als Vertreter der Sozialdemokratischen Partei sass er vom 6. März 1966 bis zum 31. August 1972 im Parlament und präsidierte den Grossen Gemeinderat 1971/72. 1965 bis 1972 war er Redaktor der Winterthurer AZ.
Gerteis war ein begnadeter Politiker, Autor und Schreiber und ein rhetorisches Talent. Er kam in Töss am 25. Februar 1924 zur Welt. Nach Schul- und Ausbildungszeit war er publizistisch tätig. Dabei widmete er sich vor allem technischen Problematiken, die er hinterfragte. Was ihm dann die Aufnahme in die Liste der „Kritischen Autoren“ bescherte. Aber er befasst sich auch mit näher liegendem. So erschien 1966 im Team Verlag Arbon, die Publikation über die Anfänge und Entwicklung des Tierparks Tierli-Walter in Gossau SG.
1965 kehrte Gerteis von Eggersriet SG in seine Vaterstadt zurück und übernahm die Redaktion der Winterthurer AZ als Nachfolger des legendären Robert Wipf. Er profilierte sich als schnell und scharf denkender Redakteur und lieferte seinen Berufskollegen beim „Landboten“ manche Diskussionen in prägnant formulierten Leitartikeln. 1966 wurde er auf Vorschlag der Sozialdemokratischen Partei in den Grossen Gemeinderat gewählt. Er bewies sofort, dass er nicht nur schreiben konnte, sondern auch in Rhetorik nirgends hinten anstehen musste. Zwar war Rauchen im Ratssaal verboten, trotzdem hat Martel Gerteis vielfach seine Zigarettenschachtel in den Händen. Dort hatte er nämlich auf der Rückseite die Stichworte notiert, die ihn zu schlagkräftigen Voten führten. Unvergesslich sind seine Rededuelle mir dem späteren kurzzeit Bundesrat Rudolf Friedrich. 1971/72 präsidierte er das Winterthurer Stadtparlament. 1972 verliess er sein Tätigkeitsfeld in Winterthur. Das Fernsehen hatte gerufen. Er ging in die Redaktion des neuen Sendegefässe „Menschen-Technik-Wissenschaften“, wo er sein umfassendes Wissen auf seine gut verständliche Art weiter vermitteln konnte. Am 20. Mai 1989 verstarb Martel Gerteis unverhofft mitten aus seiner Arbeit und seinem Wirkungskreis, womit so viele noch vorhandene Ideen unverwirklicht blieben.
Beispiele seiner Publikationen:
Einsteins Zeitdehnung: Ein Fehler im Rechenprogramm?
Gebundene Ausgabe: 115 Seiten, im Biblio-Verlag (1984)
“Zeit-Relativität: in zwei Zügen schachmatt?“ In Schweizerische technische Zeitschrift. 1982, Nr. 1, S. 4-15.
“Zeit-Relativität: Kritik unter Beschuß“. In Schweizerische technische Zeitschrift. 1982, Nr. 12, S. 14-15.
„Automation. Chancen und Folgen für Mensch, Wirtschaft und Politik“. 1964 Zürich , Stuttgart: Organisator / Forkel
In der Publikation „Weltuntergangs-Vision aus dem Computer, Zur Geschichte der Studie „Die Grenzen des Wachstums““ zitierte Patrick Kupper 1972 Gerteis wie folgt:
So hatte der Schweizer Martel Gerteis, Redakteur und sozialdemokratischer Politiker, 1964 ein populärwissenschaftliches Buch „Automation: Chancen und Folgen für Mensch, Wirtschaft und Politik“ publiziert, in dem er der Kybernetik „Ansätze zu einer Art von „Über-Wissenschaft““ zuschrieb. Die Regierungen des Jahres 2000, prophezeite Gerteis, würden wohl Kybernetiker beschäftigen, die vor wichtigen Beschlüssen, die Auswirkungen verschiedener möglicher Varianten mit Hilfe von „Gehirn-Zentren“ simulieren würden. Wenn Meadows und Mitarbeiter ihr Weltmodell schilderten, waren die „Regierungsmaschinen“ eines Gerteis und anderer Apostel der „Automation“ nicht fern:
„Ein dynamisches Modell beruht auf denselben unvollständigen Informationen, wie sie intuitiven Modellen zu eigen sind, aber es ermöglicht die organisierte Ordnung zahlreicher Informationen aus den verschiedenen Quellen mittels einer Struktur von Regelkreisen, die sie exakt miteinander verknüpft und jederzeit der Analyse zugänglich macht. Wenn einmal alle Annahmen zusammengetragen und niedergeschrieben sind, stehen sie der Kritik zu Verfügung. Die Reaktion des Systems auf verschiedenartige Massnahmen lässt sich jederzeit überprüfen.“