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| Gregor der Grosse († 604) - Ausgewählte Briefe

Erstes Buch. Briefe aus den Jahren 590—591.
XIII. (26.) An den Patriarchen Athanasius von Antiochia.
Inhalt
XIII.
Gesammtausgabe 26.
An den Patriarchen Athanasius von Antiochia.
Inhalt: Der erste Theil ist fast identisch mit dem sechsten Brief dieses Buches. Gregor zeigt noch deutlich seine Verehrung für den heldenmüthigen Beekenner, dessen Recht er schon im Synodalschreiben gewahrt hatte, und sendet ihm Schlüssel des hl. Apostel Petrus. — (Daß der erste Theil des Briefes gleichlautend ist mit Brief 6, hat wohl darin seinen Grund, daß letzterer nicht abgesandt worden, sondern als Concept liegen geblieben war. Siehe 6. Brief.) [S. 49]
Was die Ruhe für den Müden, die Gesundheit für den Kranken, die Quelle für den Dürstenden, das waren die Briefe Ew. Heiligkeit für mich. Denn jene Worte schien nicht die fleischliche Zunge zu sprechen, sondern ließen so sehr die geistige Liebe, von der sie eingegeben waren, erkennen, als ob die Seele selbst reden würde. Aber was Ihr weiter schreibet, ist sehr hart: Eure Liebe verlangt, daß ich die Last der Erde trage; und während Ihr zuerst mich in geistiger Weise liebet, liebet Ihr mich gleich darauf, wie mir scheint, nach Art dieser Welt und drückt mich durch die auferlegte Last zu Boden, so daß ich ganz die gerade Richtung und den Sinn für die Betrachtung verliere und nicht im Geiste der Weissagung, sondern nach Erfahrung sprechen muß: „Ich bin gebeugt und gar sehr verdemüthigt worden." Denn mich drücken so lästige Geschäfte, daß ich kaum die Seele nach oben zu erheben vermag. Denn wie von vielen Wellen werde ich von Streitigleiten hin- und hergezogen und nach so friedlicher Ruhe vom betäubenden Stürm des Lebens bedrängt, so daß ich mit Recht sagen kann: „Ich bin in die Tiefe des Meeres gekommen, und der Sturm hat mich versenkt.“ Reichet mir in dieser Gefahr durch Euer Gebet die Hand, Ihr, die Ihr am Ufer stehet. Wenn Ihr aber mich den Mund des Herrn und eine Leuchte nennet, von der Ihr behauptet, daß sie Vielen nützen, Vielen leuchten könne, so gestehe ich, Ihr habt mich in den größten Zweifel gestürzt. Erwäge ich nämlich, wer ich bin, so finde ich an mir kein Zeichen solcher Vortrefflichkeit. Erwäge ich aber, wer Ihr seid, so denke ich, Ihr könnt nicht lügen. Wenn ich also Euren Worten glauben will, so lehnt sich meine Armseligkeit dagegen auf. Will ich aber anstreiten, was zu meinem Lob gesagt wird, so steht Eure Heiligkeit dagegen. Aber ich bitte, heiliger Mann, laßt uns diesen Streit durch einen Vergleich dabin beenden, daß Euer Wort Wahrheit werde, weil Ihr es sprächet, obschon es bis jetzt nicht Wahrheit ist. Übrigens habe ich das Synodalschreiben ebenso an Euch wie an die andern Patriarchen als Eure Standesgenossen gerichtet; denn vor mir seid Ihr immer das, wozu euch der [S. 50] allmächtige Gott durch seine Gnadengabe gemacht hat, nicht was die Menschen durch willkürliche Entsetzung aus Euch gemacht haben. Dem Überbringer dieses Briefes, dem Defensor Bonifacius, habe ich Einiges aufgetragen, was er Euch im Geheimen melden soll. Auch übersende ich Euch Schlüssel des Apostels Petrus, der Euch lieb hat; Kranken aufgelegt, pflegen sie durch Wunder zu glänzen.