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Zugegeben: Wenn es um die schwedische Kriegsmaschine Sabaton geht, bin ich nicht immer neutral. Die Jungs um Sänger Joakim Brodén und Basser / Mastermind Pär Sundström gehören längstens zu meinen absoluten Faves. Und so ist es naheliegend, dass ich mich (zusammen mit vielen anderen!) auf ihre neue Scheibe freue wie ein kleines Kind!
Ich gebe mir jetzt alle Mühe, bei diesem Review so objektiv wie möglich zu bleiben. Man möge es mir jedoch nachsehen, wenn der Fan in mir mal durchschimmern sollte…
Um es vorweg zu nehmen: Das siebte Studioalbum von Sabaton braucht mehr als nur einen Durchlauf! Denn viele feine, kleine Details entdeckt man nicht grade beim ersten Mal…
Sabaton sind bekannt für ihr textliches Konzept, welches ihnen nicht nur Freunde bescherte. Nach vielen Erzählungen über diverse Schlachten folgte vor zwei Jahren mit „Carolus Rex“ ein Album über die heimische Geschichte. Und jetzt sind Kriegshelden an der Reihe: Zehn Songs über einzelne Personen, die sich in kriegerischen Konflikten auf diverse Arten heldenhaft verhalten haben. Wer sich nicht nur für die Musik interessiert, lernt hier interessante Charaktere kennen. Ein paar Beispiele gefällig?
„Inmate 4859“ handelt vom Polen Witold Pilecki, der sich im zweiten Weltkrieg freiwillig verhaften und nach Auschwitz deportieren liess, um dort den Widerstand zu organisieren. 1948 wurde er von den Russen als Spion verurteilt und hingerichtet.
„Soldiers of 3 Armies“ beschreibt die Geschichte des Finnen Lauri Törni, der zuerst als Offizier in der finnischen Armee gegen die Russen kämpfte. Nachdem die Russen Finnland besiegten, schloss er sich den Deutschen an und war sogar kurze Zeit Mitglied der Waffen SS. Nach dem zweiten Weltkrieg wanderte Törni in die USA aus, nannte sich dort Larry Thorne und kämpfte für die Amerikaner im Vietnamkrieg. Thorne erhielt diverse militärische Auszeichnungen und starb 1965 bei einem Hubschrauberabsturz.
In der ersten Single „To hell and back“ geht es um den Texaner Audie Murphy, der sich während dem zweiten Weltkrieg in Kämpfen durch besonderen Mut auszeichnete. Er wurde zum höchst dekorierten US Soldat und erhielt jede militärische Auszeichnung, die sein Land zu vergeben hatte, einige sogar mehrmals. 1955 wurde seine Geschichte von Hollywood verfilmt, er selber spielte die Hauptrolle.
Insgesamt sind es also zehn solcher Geschichten, sicherlich eine spannende Änderung zu den alten Alben.
Nun, das Wichtigste ist und bleibt jedoch die Musik! Und da bieten Sabaton für einmal mehr als „nur“ Sabaton – die eine oder andere Nummer liefert teilweise grössere Überraschungen…
Los geht’s mit einem Paukenschlag: „Night Witches“ geht vom ersten Takt an mitten auf die zwölf – dies könnte durchaus ein Song sein, der live „Ghost Division“ als Opener ersetzt! Dann folgen zwei urtypische Nummern, die man so von den Schweden kennt und liebt: „No bullets fly“ und „Smoking Snakes“, wobei letzterer zu Beginn ziemliche Ähnlichkeit mit „Aces in Exile“ aufweist. Als ich die rauchenden Schlangen das erste Mal hörte, hat’s mich nicht gerade vom Sockel gehauen. Aber der Song wächst, und ich kann mir vorstellen, dass dies eine ziemliche Live Granate sein kann!
Das erste grosse Highlight folgt jetzt: „Inmate 4859“. Düster, schleppend, vom Stil her etwas an „The final Solution“ erinnernd. Eine träge, fast beängstigende Atmosphäre, die Sabaton so kaum je hinbekommen haben. Hier passt die Musik perfekt zur Story!
Das pure Gegenteil ist danach „To hell and back“. Wenn „Inmate 4859“ der düsterste Song war, dann ist die erste Single der fröhlichste! Eine Melodie, die einem einfach ein Grinsen auf’s Gesicht zaubert, die Keyboards imitieren eine mexikanische Kappelle, der ganze Song hat dieses mexikanische Flair. Und zwischendurch wähnt man sich plötzlich irgendwo im wilden Westen – wohl nahe der mexikanischen Grenze… Diesen Song liebe ich einfach, solches Zeugs find ich einfach geil!
Achtung – „Sell out“-Alarm! Eine Ballade…! Bitte, wie geht denn so was? Sabaton machen doch keine Heiratsbeschleuniger… Ich hatte den Verdacht, dass „The Ballad of Bull“ entstand, nachdem auf der letzten Tour die Uralt-Nummer „The Hammer has fallen“ solch grossen Anklang gefunden hat. Joakim Brodén hat das jedoch dementiert. Spannend ist der Song aber auf jeden Fall! Sehr ungewöhnlich für Sabaton, dennoch irgendwie eine gute Abwechslung. Aber als persönlichen Favoriten würd ich das Ding jetzt dann doch nicht bezeichnen.
Bei der nächsten Nummer sieht das dann dafür ganz anders aus: „Resist and bite“ beginnt mit einem fast AC/DC mässigem Riff, der Songaufbau erinnert mich an „Carolus Rex“: Keine grossartigen Melodien, dafür Power ohne Ende. Ich würde das gerne mal mit richtig Punch hören, auf der mir vorliegenden Version vermisse ich die Bassdrums schon etwas. Tönt etwas dünn und ich hoffe nicht, dass dies wirklich so fade produziert ist. Dieser Song jedenfalls hätte eine saufette Produktion mehr als verdient!
Es folgt mit „Soldiers of 3 Armies“ eine weitere typische Nummer, bevor mit „Far from the Fame“ der Song kommt, der schon eine Weile im Internet rumgeistert. Ebenfalls ein starkes Stück, hat das Flair der ganz alten Scheiben. Also wirklich alt, „Metalizer“ und so!
Den Abschluss bildet „Hearts of Iron“. Ein Epos mit grossartigen Melodien, ganz auf der Linie von „The Price of a Mile“. Allerdings wird dieses Level dann nicht ganz erreicht. Der Song wächst allerdings und gefällt mir von mal zu mal besser! Ein starkes Ende ist es allemal.
Und jetzt also das Fanzit. Etwas enttäuscht bin ich von der Spielzeit: 38 Minuten find ich heutzutage einfach etwas mager*. Sag ich ja auch nicht das erste Mal… Ansonsten liefern Sabaton ein grundsolides Album ab, welches zwar nicht an das Meisterwerk „The Art of War“ herankommt, aber von Fans bedenkenlos gekauft werden kann. Nicht alle Songs zünden sofort, aber das muss ja nicht schlecht sein! Zudem bieten die Schweden stilistisch mehr Abwechslung als auch schon, allerdings ohne ihrer Linie wirklich untreu zu werden. Wer sich etwas intensiver mit „Heroes“ auseinander setzt, wird jedenfalls grosse Freude daran haben!
Ich werfe einen kleinen Blick durch die Fanbrille und gebe 9 von 10 Punkten.