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Nestlé-freie Zone
Weltweit sterben die Kleinen: Bauern, Läden, Firmen… Die grossen Konzerne übernehmen die Kontrolle und diktieren die Regeln. Die RohstoffproduzentInnen müssen ihre Produkte immer billiger verkaufen und können immer schlechter oder gar nicht mehr davon leben. Sie brauchen viel Chemie, um mehr produzieren zu können. Dies geht klar auf Kosten der Umwelt. Ausserdem gibt es immer mehr gentechnisch verändertes Saatgut, welches gegen gewisse Schädlinge resistent sein soll, sich aber nicht selbst fortpflanzen kann. Die Bauern geraten damit in die totale Abhängigkeit der großen Agrarfirmen, von denen sie alljährlich neues Saatgut beziehen müssen und dazu gleich die passenden Pestizide.
Nestlé ist der grösste Nahrungsmittel-konzern der Welt. Seit der Liberalisierung des Welthandels durch Gründung der Welthandelsorganisation WTO im Jahre 1995 hat Nestlé seinen Gewinn auf aktuell 8 Milliarden Franken mehr als verdoppelt. Dem Konzern mit Sitz in der Schweiz gehören weltweit einige hundert Marken, welche laufend durch neu aufgekaufte Unternehmen ergänzt werden. Dadurch werden regionale Märkte zerstört und monopolisiert. Der hoch gelobte "freie Wettbewerb" ist in Wirklichkeit ein Gefressen Werden der Kleinen durch die Grossen.
Alle trinken Kaffee…?
Alle? Nein, denn diejenigen, die Kaffee produzieren, können ihn sich nicht mehr leisten. Du glaubst es kaum, wie viel wir KonsumentInnen in der Schweiz für eine Packung Kaffee im Laden bezahlen müssen und wie wenig davon die KaffeeproduzentInnen bekommen. Gerade 50 US-Cents pro Pfund wird ihnen ausbezahlt. Sie bräuchten hingegen mindestens das Dreifache, damit sich der Aufwand für das Pflegen, Düngen, Pflücken, Schälen, Waschen, Verpacken und Transportieren überhaupt lohnt.
30 Jahre lang reglementierte die "International Coffee Organisation (ICO)" die Kontingente an Kaffee, die jedes Kaffeeanbauland exportieren durfte. Damit blieb der Kaffeepreis stabil. Seit der Deregulierung des Kaffeemarktes nach dem Zusammenbruch einiger kommunistisch regierten Staaten Zentralamerikas und dem Austritt der USA aus dem ICO im Jahre 1990 sinkt der Preis an den Rohstoffbörsen in London und New York. Ab Mitte des Jahres 2000 fiel der Preis auf das tiefste Niveau seit 100 Jahren, wo er seither verharrt. Während also Grosskonzerne wie Nestlé mit Produkten wie der weltweit am häufigsten getrunkene Nescafé den Kaffeepreis drücken und Rekordgewinne machen, stehen Millionen von KaffeeproduzentInnen vor dem Ruin.
Alle trinken Wasser...!
Eines der besten Geschäfte des Nahrungsmittelmulti ist das Wasser. Der Konzern hat regionale Unternehmen und Marken in großem Stil aufgekauft. Hast du gewußt, daß Vittel, Perrier und S. Pellegrino zu Nestlé gehören? In Ländern oder Regionen, in welchen der Staat keine saubere Trinkwasser-versorgung für alle garantieren kann, will Nestlé mit Flaschenwasser in die Bresche springen - natürlich ist dieses Wasser nicht gratis. Wasser soll so von einem grundlegenden Menschenrecht zu einer mit Geld erwerbbaren Ware wie jede andere degradiert werden. Natürlich trifft es gerade jene, welche sich ohnehin kein teures Falschen-wasser leisten können.
Coca Cola statt Nestlé?
Warum wir "nur" Nestlé und nicht alle Multis an der Tour de Lorraine boykottieren, ist eine berechtigte Frage. Um es klar zu machen: Wir bevorzugen weder Coca Cola noch Marlboro noch Produkte oder Dienstleistungen anderer trans-nationalen Unternehmen. Trotzdem werden deren Produkte teilweise an der Tour de Lorraine verkauft. Es ist leider sehr schwer bis unmöglich, konsequent "unsaubere" Produkte zu boykottieren. Unser Nestlé Boykott ist symbolisch gemeint. Uns ist klar, dass ein Verzicht an einem Abend einem Multi mit 8 Milliarden Franken Reingewinn und einem Umsatz von über 90 Milliarden Franken kaum Schaden zufügen wird. Es geht uns hauptsächlich darum, sinnvolle Alternativen zu den Grosskonzernen aufzuzeigen und für diese Alternativen zu werben.
Die Alternative ist bio, saisonal, regional und fair
Wir alle sind KonsumentInnen von Lebensmitteln. Und als solche haben wir es in der Hand, Produkten aus fairem Handel und biologischem Anbau den Vorzug zu geben. Damit können Multis wie Nestlé unter Druck gesetzt werden, ihre Produktionen sozial und ökologisch verträglicher zu machen.
Die Faustregel zum alternativen Lebensmittelkauf lautet: Bio, saisonal und aus der Region. Falls dir die Preise im Bioladen zu hoch sind, dann gibt es auch die Möglichkeit, Lebensmittel auf dem Markt oder direkt ab Hof zu kaufen.
Bei Produkten aus dem Süden (z.B. Kaffee, Reis, Bananen) ist es wichtig darauf zu achten, dass sie aus fairem Handel stammen. Der wichtigste Unterschied zwischen Produkten aus fairem Handel und beispielsweise Nestlé-Produkten ist das Zustande-kommen des Preises für die Produkte. Der Fair-Trade-Preis setzt sich aus zwei Teilen zusammen: dem garantierten Mindestpreis und der Fair-Trade-Prämie. Der garantierte Mindestpreis ist unabhängig vom teilweise stark schwankenden Weltmarktpreis. Etwa alle zwei Jahre werden diese Preise überarbeitet und die ProduzentInnen bei der Festlegung der Mindestpreise in den Entschei-dungsprozess eingebunden. Die Fair-Trade-Prämie wird den ProduzentInnen von Fair-Trade Produkten direkt ausbezahlt. Sie entscheiden demokratisch, wie sie die Fair-Trade-Prämie einsetzen wollen. Damit wird zum Beispiel ein Traktor gekauft oder eine Schule gebaut. Durch den garantierten Mindestpreis und die Fair-Trade-Prämie liegen die Mehrerlöse für die ProduzentInnen im Durchschnitt bei knapp 40%.
Mehr unter:
- http://www.maxhavelaar.ch
- http://www.claro.ch
- http://www.demeterkonsumenten.ch
- http://www.gebana.ch (inkl. bio&fair Shop)
- http://www.bio-suisse.ch
Ernährungssouveränität und Nestlé - freie Zone an der Tour de Lorraine
Die Tour de Lorraine 07 setzt sich mit dem Thema Ernährungs-souveränität auseinander. Ernäh-rungssouveränität bedeutet auf nachhaltige Weise Nahrung für die lokale Bevölkerung zu produzieren. Selbstversorgung, lokaler und regionaler Handel sollen Vorrang vor Exporten und Welthandel haben. Ein Konzept, das nicht nur für die verarmten Bauern und Bäuerinnen des Südens Sinn macht, sondern auch eine Alternative zur aktuellen Landwirtschaftspolitik in Europa und der Schweiz darstellt. Die Forderung nach Ernährungs-souveränität steht den Interessen der globalen Lebensmittelmultis entgegen. Aus diesem Grund werden an der Tour de Lorraine alle beteiligten Lokale von den Produkten des weltweit grössten Lebensmittelmultis befreit und zur Nestlé-freien Zone erklärt.