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Zum östl. Abschnitt dieser öden
und wilden Landschaft steigt der
Glacier de la Plaine Morte herab.
Bildet einen alten Gletscherboden, in den zahlreiche Riesentöpfe
und kleine Seebecken eingesenkt sind, deren
Wasser unterirdisch zur Derzence abfliesst. Es ist begreiflich, dass diese seltsame
Fels- und Steinwüste dem Volk zur Bildung verschiedener
Sagen und Legenden Veranlassung gegeben hat.
So sollen die bösen
Geister oder Hexen in den runden Gletschertöpfen jeweilen den Hagel bereiten, den sie dann über die
Weinberge im
Rhonethal ausschütten.
Die Plaine Morte ist eine abgesunkene
Platte von Jurakalk (Argovien) und Nummulitenschiefern,
die nach allen Richtungen hin von Verwerfungen durchsetzt ist und einen auffallenden Gegensatz zu den
Urgonkalkwänden der benachbarten Bergstöcke bildet.
Das Ganze gleicht von ferne gesehen einer Mosaike oder einem unregelmässig
gefelderten Schachbrett.
(Kt. Genf,
Linkes Ufer). 374-426 m. Aussengemeinde und Vorort der Stadt
Genf, w.
und s. vor derselben und durch
die elektrischen Strassenbahnen
Genf-Chancy,
Genf-Saint Georges,
Versoix-Lancy und
Annemasse-Saint Julien mit
ihr verbunden. Postbureau, Telegraph, Telephon. 1172
Häuser, 20066 Ew., wovon 54% Reformierte der Kirchgemeinde Plainpalais.
Römisch-katholische Kirchgemeinde. Die Altkatholiken sind nach
Carouge eingepfarrt. Die im N. an die
Rhone und die Stadtgemeinde
Genf
grenzende Gemeinde Plainpalais wird von der nach NW. fliessenden
Arve in zwei ungleich grosse Teile zerlegt.
Das ziemlich schwankend umgrenzte
Quartier Plainpalais liegt zwischen der
Coulouvrenière und der
Jonction
einerseits und den
ViertelnLes Philosophes und
La Cluse andererseits, von welch' letzteren es durch die stark belebte
Rue de
Carouge getrennt wird. Gegen die Stadt
Genf zu wird Plainpalais durch den Boulevard Georges Favon (bis vor kurzem Boulevard
de Plainpalais geheissen) begrenzt. Besteht meist aus Mietshäusern, hat aber gegen die Peripherie zu auch zahlreiche Fabriken
und
Villen, sowie grosse Gemüsegärtnereien.
Sehenswert ist in erster Linie der alte Friedhof (Cimetière de Plainpalais), wo sich das
Grab von Calvin (1509-1564) - eine
in den Boden eingelassene kleine Steinplatte mit den Anfangsbuchstaben des Namens des Reformators - befindet
und wo ausserdem noch viele aus Genf
gebürtige oder einst in Genf
wohnende berühmte Persönlichkeiten begraben liegen: der Chemiker
Sir Humphrey Davy (1778-1829), der berühmte Uhrenmacher Bautte (1772-1837), der Wohltäter der Stadt
GenfBaron de Grenus
(1785-1851), die Staatsmänner und Diplomaten Saladin (1760-1822) und Pictet de Rochemont (1755-1824),
der Botaniker Alphonse de Candolle (1778-1841), der General in französischen Diensten Rilliet (1791-1853), General Dufour
(1787-1875), die
MalerCalame (1810-1864) und Diday (1802-1877), Ch. Galland (1816-1901), der der Stadt
Genf sein grosses Vermögen
testierte, die Staatsräte James Fazy (1794-1878), J. E. Dufour (1840-1893), E. Empeytaz (1843-1889),
Antoine Carteret (1813-1889), Alexandre Gavard (1845-1898), Georges Favon (1843-
¶
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1902) u. A. In Plainpalais befinden sich das Gebäude der medizinischen Fakultät der Genfer Universität, das Schlachthaus,
das bald durch eine in grösserer Entfernung von der Stadt stehende Anlage ersetzt werden soll, Zeughaus und Kaserne, der alpine
Versuchsgarten (Jardin alpin d'acclimatation), der Zirkus etc. Reformierte Pfarrkirche. Gemeinnützige Institute: die vom
Kantonsspital aus geleitete Poliklinik und Frauenklinik, der Kinderspital, der private Spital Butini für Frauen und Kinder,
das Mädchenheim (Le Secours), das stellenlosen jungen Mädchen gegen Arbeitsleistung Wohnung und Nahrung bietet, ein privates
Waisenhaus für Mädchen reformierten Glaubens, eine Kinderkrippe.
Primar- und Kleinkinderschulen. Badanstalten an der Arve. Rege industrielle Tätigkeit: GenferFabrik für
physikalische Instrumente, Stein- und Bildhauerwerkstätten, mechanische Werkstätten und Schlossereien, Fabriken für elektrische
Apparate, Fabrikation von Grabkränzen, Verbandstoffen;
Velofabriken. Zimmerplätze und Brennholzniederlagen etc. Requisiten-
und Kulissenhaus des Theaters.
Ueber die übrigen Quartiere der Gemeinde Plainpalais vergl. die betr. Spezialartikel. Die
in ihrem grossen Durchmesser 700 m lange Wiesenfläche der sog. Plaine de Plainpalais dient als Platz für
Volksfeste und hie und da auch als Exerzierplatz; sie war aber auch Zeuge verschiedener Hinrichtungen, so z. B. derjenigen
des Banditen Frésier (1678), der lange Zeit die Strasse von Genf
nach dem Mandament Peney unsicher gemacht hatte.
Der Name Plainpalais soll von den zwei mundartlichen Ausdrücken pllan =Ebene und palé = Pfahlreihe
herrühren, da hier der von Julius Caesar im Jahr 58 v. Chr. gegen die Helvetier gezogene berühmte Pfahlwall begonnen habe.
Römische Altertümer hat man an verschiedenen Stellen der Gemeinde in grosser Anzahl aufgefunden. Im 15. Jahrhundert reichte
Plainpalais bis an den Fuss der Mauern von Genf
und umfasste damals noch die vom Stift St. Pierre verwalteten
Vororte La Corraterie und Saint Léger, die im Interesse der leichteren Verteidigung der Stadt im 16. Jahrhundert abgetragen,
dann wieder aufgebaut und 1687 aus dem gleichen Grund neuerdings zerstört worden sind.
Nachdem das nahe der Madeleine stehende erste Kloster der 1222 in Genf
eingezogenen Dominikaner abgebrannt
war, verlegten diese Mönche ihr neues Kloster mit seiner prunkvollen Kirche nach Plainpalais. Dieser Bau mag etwa 1263 aufgeführt
worden sein. Als Farel 1535 eines Tages in dieser Kirche die Reformation verkündet hatte, wurde sie vom Volk geplündert
und zerstört, worauf man die Trümmer auf Abbruch verkaufte. In Plainpalais bestand ausserdem noch ein
Augustinerkloster.
Auf dem von Philippe Compeys, dem damaligen Generalvikar der Diözese, 1469 der Stadt Genf geschenkten Platz des jetzigen Friedhofes
errichtete man 1489 einen Spital für Pestkranke und eine der Sainte Marie de Miséricorde und St. Peter
und Paul geweihte Kirche, welch' beide Bauten 1776 abgetragen worden sind. Das von René, Bastard von Savoyen, nahe der Arvebrücke 1480 gestiftete
Kloster mit der Kirche zu Notre Dame de Grâce wurde 1536 zerstört. In Plainpalais fand 1529 das erste Schützenfest - ein
Vogelschiessen oder «tir au papegay» - der Société
du Jeu de l'Arc statt. An andere hier gepflogene Volksbelustigungen erinnern heute noch die Namen der Avenue du Mail, der Rue
du Vieux Billard und anderer Gassen. Im 15. Jahrhundert legten die Dominikaner Gemüsegärten an, die bald eine lokale Berühmtheit
erlangten und zu Beginn des 18. Jahrhunderts wesentlich vergrössert wurden.
Sie zogen sich damals vom Pont deCarouge bis zur Jonction dem rechten Ufer der Arve entlang und wurden im N. von der Avenue du
Mail begrenzt. Dieser Gemüsebau gestaltete sich immer lohnender, so dass sich die sehr zahlreichen Gärtner bald zu
einer besonderen Zunft organisierten, die von 1706 an alljährlich ein Fest zu feiern pflegte, das seit 1831 zu
einem allgemeinen Volksfest, einer sog. «vogue», wurde. Der volkstümliche
Name «les plantaporets» (d. h. planteurs de poireaux = Lauchpflanzer),
den sich diese Gärtner seinerzeit beigelegt hatten, wird heute noch hie und da scherzweise auf die Bewohner von Plainpalais
angewendet. Die rasch sich
ausdehnende Stadt Genf hat dann allmählig, besonders gegen Ende des 19. Jahrhunderts,
auf die fruchtbaren Gemüsegärten von Plainpalais übergegriffen, so dass davon blos noch einige mitten in den Häusermassen
versteckte Reste erhalten geblieben sind. Vergl. Fontaine-Borgel, Claude. Souvenirs de Plainpalais.Genève 1887; Bonifas,
Ch. Genèvequis'en va; vieuxMoulinset jardins de Plainpalais.Genève 1900.