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| Prof. Heyler, Ueber Zosimus und dessen Glaubwürdigkeit. In: Geschichte des Zosimus. Erster Band und zweiter Band. Aus dem Griechischen zum Erstenmale übersetzt und mit Anmerkungen begleitet von Seybold und Heyler. (Sammlung der neuesten Übersetzungen der Griechischen prosaischen Schriftsteller 10), Frankfurt am Main 1802.

Ueber Zosimus und dessen Glaubwürdigkeit
5.
Wiewohl nun unseres Geschichtschreibers Ansehen von der erstgenannten Schriftsteller Glaubwürdigkeit abhängt, so darf man dessen ungeachtet nicht [S. 17] annehmen, daß er bloßer sklavischer Abkürzer gewesen, welcher, ohne aus ihren Fusstapfen zu treten, blindlings denselben nachgegangen wäre. Vielmehr zeigt sich deutlich genug, daß er einen eignen Plan hatte, nach welchem er die aus andern Schriftstellern genommenen Materien, bald mit Weglassung, bald mit Erweiterung dessen, was er vorfand, bearbeitete, nicht ohne Benutzung anderer Schriftsteller, als seiner schon oft genannten Hauptführer. Wer wollte indessen den Zosimus fehlerfrei sprechen? Seine Erzählung ist bisweilen durch Weglassung von wissenswürdigen Umständen dunkel; ein Fehler, welcher dem Abkürzer der ausführlichen Erzählungen eines Eunapius und Olympiodorus, bei schlummernder Aufmerksamkeit leicht begegnen konnte; hauptsächlich, wenn, wie man doch immer bei Zosimus vermuthen darf, etwa ein früherer Tod die Ausfeilung des Werkes verhindert haben sollte.
Bei aufmerksamen Lesern möchte indessen doch der Umstand den wichtigsten Verdacht gegen unsern Schriftsteller erwecken, daß er im siebenten Kapitel des zweiten Buches den Verfall des Reiches dem Abfall von der väterlichen Religion oder eigentlich der unterlassenen Feier der säkularischen Spiele zuschreibt. Sollte ihn nicht diese Hypothese, an welcher der heidnische Glaube von Schutzgottheiten eines Landes oder Reiches fest hängen mochte, verleitet haben, Ursachen des Verfalls nur unter der Regierung christlicher Kaiser gewahr zu werden? Allerdings eine Frage, welche Zosimus selbst [S. 18] veranlasset, und welche nur eine sorgfältige Erwägung aller derjenigen Ursachen, in denen er den Grund des Verfalles erblicket; ferner des Betragens, das er bei der Geschichtserzählung der christlichen Kaiser und bei deren Lob und Tadel zeigt; endlich der Aufrichtigkeit in treuer Anführung aller Begebenheiten, gehörig beantworten kann.
Was nun vor allen Dingen jene Aeusserung betrift, daß von geänderter Religionsverfassung der Umsturz des Reiches herzuleiten sey; so zeigt schon die nur obenhin geschehene Einstreuung dieses Vorurtheils und die weit sorgfältigere Bemerkung der mehrern übrigen Ursachen, theils daß er nicht jenem Umstande allein den Verfall beimesse, theils daß er nicht partheiisch und boshaft dabei verfahren, weil er sonst die übrigen Ursachen verschwiegen und alles auf jene zu beziehen würde gesucht haben. Sein Aberglaube verdient dabei immer den Tadel des richtigen Beurtheilers; aber sein Herz wird gerade deswegen keine Anklage verdienen; weniger noch das übrige seiner Räsonnements und Erzählungen darum verwerflich seyn; vornämlich, da wir bemerken, daß er Lob und Tadel nicht nach der Beschaffenheit des Religionsbekenntnisses austheilet oder vortheilhafte Seiten der Christen boshaft verdecket und löbliche Handlungen heidnischer Regenten erdichtet.