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2. Abendmusik
Orgel trifft Gregorianik. Die Choralschola der Dreifaltigkeitskirche Bern unter der Leitung von Kantor Kurt Meier gestaltet zusammen mit der Organistin Caroline Marti das zweite Konzert dieses Zyklus'.
Caroline Marti,
Gregorianik
Der Name der gregorianischen Gesänge leitet sich von Papst Gregor dem Grossen her (Papst von 590-604), der im späteren Mittelalter auch mit einer Taube auf der Schulter, dem Heiligen Geist, dargestellt wurde, welche ihm die Gesänge inspirierend in die Feder diktierte. Nun trug Gregor durch eine von ihm durchgeführte Liturgie-reform nicht unwesentlich zur Einheit des liturgischen Gesangs bei. Entstanden aber ist dieser erst um 760 durch eine Zusammenarbeit römischer und fränkischer Kantoren im französischen Metz und hat seine Wurzeln im jüdischen Tempelgesang und in frühmittelalterlichen römischen Liturgiegesängen. Eine spätere Liturgiereform im 8. Jahrhundert unter Karl dem Grossen bediente sich der Autorität des Papstes Gregor, um diese Gesänge einheitlich im ganzen karolingischen Reich durchzusetzen.
Diese Musik war erst mündlich, dann nur textlich über-liefert, mit einer immensen Gedächtnisleistung der Kantoren (das Erarbeiten des Repertoires dauerte an die sieben Jahre). Ab ca. 950 wurden über den Texten erst Vortragszeichen («Neumen», «Winke») eingetragen, mit der Zeit höher und tiefer, woraus sich dann anhand von zwei, später vier Notenlinien und Fixierung der Töne die hochmittelalterliche Notenschrift entwickelte.
Im Laufe der Jahrhunderte geriet die Gregorianik zwar nicht in Vergessenheit, trat aber doch sehr in den Hintergrund des musikalischen Geschehens, und wurde erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch die Wiederentdeckung der Neumen neu gepflegt: Was zuvor alles in gleichen, langen Notenwerten gesungen wurde, erhielt nun eine ursprünglichere, interessante, lebendigere rhythmische Gestalt, wenngleich natürlich bis heute nicht gesagt werden kann, ob die Gesänge um 800 so tönten, wie wir sie heute anhand der Neumen interpretieren.
Die Choralschola der Berner Dreifaltigkeitskirche besteht seit gut 50 Jahren. Sie singt regelmässig in Gottesdiensten jeweils das Proprium vom Tag und im Wechsel mit der Gemeinde das Ordinarium. Zudem wirkt sie regelmässig in Konzerten an der eignen Kirche und auswärts mit.
Sie orientiert sich an den Neumen der Handschriften von St. Gallen und Einsiedeln in der Herausgabe des Einsiedler Paters Roman Bannwart. Geleitet wird sie seit 2004 von Kurt Meier.
Kurt Meier
Sonntag, 22. Mai, 17 Uhr
Reformierte Kirche