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Muschelkalk, Lettenkohlendolomit und Keuper), des Jura (Lias, Dogger und Malm); von känozoische Formationen: eozäner Bohnerzton und Huppererde, Untere Süsswassermolasse, Meeresmolasse und Obere Süsswassermolasse.
Ganz besonders reich, wie sonst nirgends in der Schweiz und ringsum, ist das Diluvium oder Quartär (während der Vergletscherungen und in interglazialen Perioden erzeugte Ablagerungen) entwickelt. Der Neuzeit gehören die meisten Bergstürze, Trümmerhalden, Tuff, Torf, die Lehm- und Kieslagen der tiefsten Thalsohlen und die künstlichen Aufschüttungen an. Innerhalb der genannten Formationen spielen in der Orographie und Tektonik folgende Gesteine die wichtigste Rolle:
der Gips, Anhydrit, das Steinsalz und der Salzton des mittleren Muschelkalkes, die rauchgrauen Kalkbänke des Hauptmuschelkalkes;
die bunten Mergel, der Gips, Sandstein und Dolomit des Keupers;
die schwarzen Schiefermergel und dunkeln Kalke des Lias;
die dunkelgrauen Mergel des unteren und die braun anwitternden Rogensteine des mittleren Doggers;
die hellgrauen Mergel und Tonkalke des unteren Malmes (Argovien), die teils ockerfarbigen und etwas tonigen, teils reinweissen Kalkbänke des mittleren Malmes (Sequan) und oberen Malmes (Kimmeridien);
die meist olivenfarbenen Mergel und Sandsteine der Molasse, unter denen namentlich die Muschelsandsteinbänke der Meeresmolasse hervorstechen.
In den beiden Süsswassermolassen finden sich in verschiedenen Horizonten dünne Lager von Süsswasserkalk. Im obern Teil der Meeresmolasse liegt eine 2-20 m mächtige Bank bunter Nagelfluh. Im Diluvium sind fünf verschieden alte Schotter (älterer und jüngerer Deckenschotter, Hochterrassenschotter, Kiesablagerungen aus der Zeit der grössten Vergletscherung und ¶
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[Abbildung.] ¶
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Niederterrassenschotter der Hauptthäler) und zweierlei Moränen (Ablagerungen der zweitletzten grössten und der letzten Vergletscherung) zu unterscheiden. Die End- und Seiten-Moränen der letzten Vergletscherung bilden im südl. Aargau viele, zum Teil mächtige Wälle von charakteristischem Verlauf und typischer Gestalt, die das eigentümliche Gepräge der betreffenden Landschaft bedingen. Die Endmoränen bilden in den Thalsohlen thalauswärts convexe Wälle ähnlich einem Hufeisen; deren Schenkel gehen in thalaufwärts steigende Seitenmoränen über, welche die Endmoränen der verschiedenen Thäler miteinander verbinden.
In tektonischer Beziehung sind im Aargau übereinstimmend mit der orographischen Gestaltung drei Hauptgebiete zu unterscheiden, nämlich von N. nach S.: Der Tafeljura, der Kettenjura und das Molasseland.
1) Der Tafeljura
ist das südl. des Rheines gelegene Tafelland. Im Osten (zwischen Lägern und Rhein) ist er ca. 9 km. breit; bis 50 km westwärts erreicht er allmälig nördlich des Hauensteins die Breite von 16 km. Er ist durch meist SO.-NW. gerichtete Thäler mit dem Rhein zufliessenden Bächen in entsprechend zahlreiche flachrückige Berge zerteilt. Seine aus fast allen oben erwähnten Formationen bestehenden Gesteinsschichten sind im ganzen schwach südwärts geneigt. Deshalb ist der südlichste Teil jeder einzelnen Gesteinsschicht am tiefsten gelegen.
Gleichwohl steigt die Oberfläche des Tafeljura im Ganzen von N., dem Rheinthal her, gegen S. und zwar stufenförmig an. Das rührt daher, dass die ursprünglich im N. am höchsten aufragenden Gesteinsschichten am meisten erodiert sind. Die stufen- oder staffelförmige Bodengestaltung ist dadurch bedingt, dass gewisse harte und schwer verwitterbare Gesteine der Erosion jeweilen länger widerstehen und sich als schützende Decke darunter liegender weicher Gesteine erhalten haben.
Sie kehren meistens ihre in steilen Flühen ausstreichenden Schichtenköpfe gegen N., bezw. gegen die zwischen ihnen ausgewaschenen Thäler. Solche Flühe und Staffeln werden in der Richtung von N. nach S. gebildet: an der Schlossruine zu Laufenburg und in der äusseren Christenmatt westl. Schwaderloch von Gneiss. Der Zeininger Herrschaftsberg, die Katzenfluh bei Mumpf, der Ebneberg bei Laufenburg, die Wandfluh bei Schwaderloch und die Höhe bei Reuenthal von Hauptmuschelkalk;
der Liaskalk bildet nur aus dem Terrain vorspringende Kanten und Gräte;
der Thiersteinberg, der Frickberg, Schimberg, Geissacker, Wessenberg und der Achenberg bei Zurzach von Hauptrogenstein;
die Wideregg bei Effingen, der Geissberg, die Rhyfluh und die Flühe von Beckingen bis Kaiserstuhl von den Kalkbänken des Malm und im südlichsten Teil von Kienberg bis zum Bötzberg von verhältnismässig wenig mächtigen Bänken tertiären Süsswasserkalkes und der Jura-Nagelfluh, die mit den zwischenliegenden roten Helicitenmergeln nur besondere, dem Tafeljura eigentümliche ¶
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Ausbildungsformen Fazies der im Molasseland als graugrüne Mergel und Sandsteine entwickelten oberen Süsswassermolasse sind.
Seiner Lagerung gemäss zeigt der westl. Teil des Aargauer Tafeljuras eine nahe Beziehung zum Dinkelberg und Schwarzwald; diese sind gewissermassen seine nördl., aber bedeutend höher ansteigende und entsprechend stärker, im Schwarzwald meist bis auf das Grundgebirge hinab erodierte Fortsetzung. Der östl. Tafeljura geht nordostwärts in den schwäbischen Jura, ost- und südostwärts in den östl. Teil des Molasselandes über.
Der Tafeljura wird von mehreren, meist SW.-NO. verlaufenden Verwerfungen durchzogen. Die wichtigste streicht von Wallbach über Zeiningen und Wintersingen bis ins südliche Baselland. Das Gebiet zwischen den Verwerfungen Leibstadt-Käsiberg einerseits und Beznau-Frick anderseits ist eine Grabenversenkung. Kleinere Grabenversenkungen finden sich in den Gebirgstafeln südl. Wallbach. Eine Verwerfung mit gesunkenem O.-Flügel durchzieht das Gebiet quer zur obigen Regel NW.-SO. von Degerfelden über Rheinfelden zum Brand bei Magden.
2) Der Kettenjura
ist noch komplizierter gebaut als der Tafeljura, Aeltere Formationen als der Salzton treten darin nicht zu Tage, wohl aber die Mehrzahl der übrigen. Die wichtigsten tektonischen Verhältnisse lassen sich durch folgende Sätze andeuten. Vom westl. Jura her ziehen sich zwischen dem S.-Rand des Tafeljuras und der Aare mehrere Gebirgsfalten (Gewölbe, Antiklinalen), dazwischen Mulden, zunächst ostnordostwärts, von der Geissfluh an im Ganzen ostwärts. Die Gewölbe sind von S. nach N. zunehmend einseitig gebaut, der S.-Schenkel mächtiger und weniger steil als der N.-Schenkel und mehr oder weniger über diesen hinüber geschoben.
Auch der N.-Rand des Kettenjuras als Ganzes erscheint beträchtlich über den zu ein oder zwei Falten aufgestülpten S.-Rand des Tafeljuras hinübergeschoben. Alle Gewölbescheitel sind in von S. nach N. zunehmendem Betrage, in den nördlichsten und westlichsten Falten am beträchtlichsten, also dort bis auf den Muschelkalk, ja bis auf den Salzton hinab erodiert. Gleichwohl gehören die Berge des nördl. Kettenjuras zu den höchsten Erhebungen des Gebietes, die Schichten gleichen Alters steigen hier am höchsten an, weil sie nachweislich in breiter Zone über dem S.-Rand des Tafeljuras liegen. Von S. nach N. sind folgende Ketten zu nennen: l) Die Born-Engelbergkette beginnt schon bei Kappel, südl. des O.-Endes der Weissensteinkette.
2) Der Scheitel eines flachen Gewölbes zwischen Schönenwerd und Aarau ist durch Erosion grösstenteils zerstört.
3) Die Gugenkette entsteht östl. des unteren Hauenstein aus der Vereinigung der Farisbergkette mit der Passwangkette.
4) Die Leutschenbergkette vereinigt sich am alten Wolf mit der Sodacker-Stellikopf-Benken-Kette, dann an der Staffelegg mit der Bärnhalden und der Strichenkette zur Gislifluhkette (mit einer merkwürdigen Flexur am S.-Abhang) und diese mit der Kalmeggkette bei Wildegg zur Kestenbergkette.
5) Die Dreierberg-Bözeneggkette geht ostwärts in die Habsburgkette über, deren östl. Aequivalent die Lägernkette ist. Die Gewölbe des Klapfen, des Risshubels bei Oberdorf, der Kohlhalde die Pfaffenhalde mit Urgiz und die Ueberschiebungen des Zeiher Homberges und des Linnerberges gehören dem Südrand des Tafeljuras an. Im allgemeinen sinken die Ketten gegen O. und zwar an ihrem Ende jeweilen verhältnismässig rasch und schiessen unter das Molasseland ein. Die südlichsten Ketten erstrecken sich am wenigsten ostwärts; demgemäss endigt die mit ihrem östl. Teil, dem Engelberg, noch südl. der Aare gelegene Born-Engelbergkette bei Däniken, die Gugenkette bei Erlisbach und die Gislifluh-Kestenbergkette bei Brunegg, so dass schliesslich der Jura östl. der Reuss nur noch aus einer langgezogenen Falte, der Lägernkette besteht, die bei Regensberg endet.
Der Kettenjura zeichnet sich durch seine steilen Flühe und scharfen Kämme aus, die im nordwestl. Teil hauptsächlich von Hauptmuschelkalk (Wisenberg, Leutschenberg, Densbürenstricken, Dreierberg, Habsburg) im mittleren Teil von Hauptrogenstein (Gugen, Geisstluh, Wasserfluh, Egg, Achenberg, Gisifluh) im südlichsten und östl. Teil von den Kalksteinen des oberen Malmes (Engelberg, Kestenberg, Lägern) gebildet werden.
Die Thäler des Kettenjuras sind teils tektonische Mulden (Schinznacherthal) teils durch Erosion zwischen harten Bänken in weichen Mergeln erzeugte langgezogene Comben teils kurze durch Erosion erzeugte Querthäler und zwar Klusen (Aarethal von Aarburg bis Olten, Reussthal von Mülligen bis Gebensdorf und Limmatthal bei Baden) oder Halbklusen (bei Erlisbach, Benken, Staffelegg), durch welche von W. nach O. zunehmend gangbare Verkehrswege den Kettenjura kreuzen. Ganz eigentümlich ist das Aarethal von Wildegg bis Vilnachern, das einem Einsinken aller Ketten, also einer die Ketten dieser Strecke kreuzenden Quermulde seine Entstehung verdankt.
3) Das Molasseland
umfasst das ganze Gebiet südl. und östl. des Kettenjuras und östl. des Tafeljuras, in dem nur die drei Stufen der Molasseformation zu Tage treten. Es dringt auch in die Mulden zwischen der Born-Engelbergkette und die nördl. davon gelegene Gugenkette zwischen die Gislifluh-Kestenbergkette und die Kalmegg-Habsburgkette und bildet den südl. Teil des östl. Tafeljuras. Es kann überhaupt als die vom Tafeljura durch die Aufstauung des Kettenjuras getrennte Fortsetzung desselben bezeichnet werden, in der alle ältern Formationen unter dem Niveau der Thalsohle liegen und an dessen Aufbau (der allgemeinen Regel gemäss, dass die jüngeren Gesteinsschichten südwärts zunehmend vor der Erosion geschützt geblieben sind) nur das mittlere und das jüngste Tertiär in den früher genannten drei Stufen, sowie das Diluvium beteiligt sind.
Die Schichten der Molasse sind, wo sie auf solchen des Juras liegen, gleich geneigt wie diese, fallen also am S.-Fuss des Kettenjuras 10-40 Grad nach S. Die Steilheit des Fallens nimmt südwärts rasch ab, so dass die Schichten im südl. Aargau fast horizontal, resp. 1-2 Grad südwärts geneigt erscheinen. Der südwestliche Teil zeigt einzelne schwache, im ganzen WO. streichende Antiklinalen; ein Ausläufer derselben scheint durch das sanfte Ansteigen der tertiären Nagelfluh im oberen Ruederthal angedeutet. Die Grenzfläche zwischen den drei Stufen ist im westl. Teil des Molasselandes deutlich nach SO. geneigt, derart, dass die obere Meeresmolasse bei Moosleerau ca. 640 m, am Abhang westl. Villmergen 460 m, am Boll östl. Villmergen 440 m ü. M., im mittleren und oberen Seethal unter der Thalsohle liegt. Das Molasseland ist durch mehrere nordwärts gegen das breite Aarethal sich öffnende Seitenthäler tief in entsprechend viele ¶
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von S. nach N. verlaufende Höhenzüge zerschnitten. Deren Höhe nimmt im allgemeinen nach S. (und zwar am Schiltwald und Stierenberg auffallend) rasch zu, aber in der Grenzzone der grössten Ausdehnung der Gletscher während der letzten Vergletscherung rasch ab, so z. B. am S.-Abhang des Schildwaldes, des Stierenberges, des Reinacher Homberges und des Lindenberges.
Ausserhalb der Endmoränen der letzten Vergletscherung sind die Höhenzüge der Molasse von den Hauptthälern aus durch tiefe Seitenthälchen in quere Bergrücken und diese zum Teil wieder durch quere Seitenthälchen zweiter und dritter Ordnung in quere Rücken zerschnitten. Auf zwei verschiedenen Höhenlagen der Molassehügel (in der Umgebung von Brugg 600 und 470 m) liegen zu löcheriger Nagelfluh verkittete Schotter, die als Reste von Ablagerungen aus den Zwischenperioden des entsprechend tief vorgeschrittenen Beginnes der Erosion des Molasselandes nach seiner wohl gleichzeitig mit den Alpen und dem Jura erfolgten Hebung anzusehen sind (älterer und jüngerer Deckenschotter).
Die Haupt-Erosion der Thäler hat erst nach der Ablagerung dieser Deckenschotter stattgefunden. Deren Sohle liegt heute mehrere Dekameter (an der Limmat oberhalb Baden mindestens 26 m) unter dem heutigen Flussniveau. Bei diesem Anlass ist das Gebiet des Juras und des Molasselandes direkt oberhalb der Vereinigung der Aare, Reuss und Limmat (also südl. der Habsburg und des Gebenstorfer Hornes) am weitesten und tiefsten erodiert worden, weil an dieser Abzugstelle der wichtigsten Gewässer der Schweiz naturgemäss die mächtigsten Kräfte zusammen wirkten. In Folge dieser Erosion ist von den Gebirgsmassen, die früher im Gebiet über dem Niveau der Thalsohlen lagen, kaum ein Vierteil als Rest übrig geblieben. Da, wo die Aare durch weiche Gesteine sich durch unteren Malm (zwischen Aarburg und Olten, zwischen Schönenwerd und Aarau, Wildegg bis Villnachern, von Stilli abwärts), oder durch Molasse fliesst (von Murgenthal bis Aarburg, Olten bis Schönenwerd, Aarau bis Wildegg) wurde ein bis 5 km weites Thal ausgewaschen; zwischen den harten Kalkbänken bei Aarburg, Olten, Schönenwerd, Aarau, Wildegg und Stilli konnte nur ein schmales Thal durchsägt werden.
In die derart erzeugten Thäler sind später die Hochterassenschotter, in den verschiedenen Thälern ungleich hoch, eingelagert und daraus später wieder grösstenteils bis auf schmale Umsäumungen des unteren Teiles der Abhänge erodiert worden. Ueber das so erzeugte Relief sind noch weit nordwärts über den Aargau hinaus die Moränen und Schotter der grössten Vergletscherung ausgebreitet und zwar sowohl in den Tiefen als an den Abhängen und auf den höchsten Höhen im Molasseland (auf dem Schiltwald 70 m, dem Stierenberg 50 m, dem Hasenberg und Lindenberg über 100 m mächtig).
Gletscherschliffe auf Fels da und dort im Jura und südl. und nördl. desselben deuten die Richtung an, in der sich die Gletscher bewegten. Nur an wenigen Stellen liegt darauf ein gelber sandiger Lehm («Löss» genannt) mit kleinen Schneckenschalen, der durch Wind aus den während des Rückzuges der Gletscher freiliegenden Schottern zusammengeweht wurde. Erst in späterer Zeit sind in den aus der Molasse und Hochterrasse ausgewaschenen Thalgründen die Kieslager der Niederterrasse von aus den Alpen herfliessenden Gewässern abgesetzt worden.
Zur Zeit der grössten Ausdehnung der letzten Vergletscherung reichten die Gletscher nur noch bis zu der Linie Dagmersellen-Würenlos, in allen Thälern des Molasselandes wurden mächtige Moränenwälle abgelagert, so bei Wauwil, Uffikon, Staffelbach, Zezwil, Seon, Othmarsingen, Mellingen, Killwangen, Würenlos, Steinmaur und Stadel. Ausserdem finden sich in jedem Thal hintereinander noch zwei quere Moränenwälle als Zeichen zweier Stadien des Stillstandes der Gletscher während ihres Rückzuges. Diesen Querwällen verdanken die Seen des Molasselandes ihre Entstehung oder doch einen wesentlichen Anteil an ihrer Aufstauung.
Nach dem Rückzug der Gletscher hinter die Randseen der Alpen haben die Flüsse ihre frühere Erosionstätigkeit neuerdings ausüben und wenigstens in den Hauptthälern der Aare, Reuss, Limmat und des Rheins terrassenförmig modellierte Thalsohlen auswaschen können, die bis 35 m unter das Niveau der Aufschüttungshöhe der Niederterrasse ausgetieft sind. Damit ist jedoch die Tiefe der früheren Thalerosionen bei weitem noch nicht erreicht. In den Seitenthälern hat die Auswaschung der Niederterrasse erst im untersten Teil begonnen. Diese erneute Erosion hat stellenweise nicht da am stärksten ¶
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gewirkt, wo früher schon die Thalsohle am meisten vertieft gewesen war; die heutigen Flüsse kreuzen vielfach ihre früheren Bahnen. Auf manchen Strecken haben sich die Flüsse in der letzten Erosionsperiode, statt in den jüngst abgelagerten Kies der Thalmitte, auf einer der beiden Thalseiten in den anstehenden Fels der seitlichen Bergabhänge eingenagt und fliessen in diesen schwer erodierbaren Gesteinen in engen Schluchten und rascherem Lauf, weil je die unteren Thalabschnitte in loserem Kies bereits mehr ausgetieft sind. So fliesst die Aare statt wie früher südl. jetzt nördlich von Brugg in einem Bett von Kalkstein der Malmformation, oberhalb der Beznau, statt wie früher östl. jetzt westl. des Nietenbuckes in Mergel des unteren Dogger und Lias, die Limmat statt wie früher nördl. jetzt südl. des Seminars Wettingen, in Molasse-Sandstein und Mergel, bei Baden in Keuper-Mergel und Gips, zwischen Oberwil und Niederwil in Molasse, der Rhein bei Kaiserstuhl in oberem Malmkalk nördlicher, oberhalb Koblenz in Muschelkalk, bedeutend südlicher als früher, bei Laufenburg statt wie früher südl. jetzt nördl. des Städtchens in Gneiss, bei Säckingen in Gneis und Buntsandstein nördlicher, bei Mumpf in Buntsandstein südlicher, von Schwörstadt bis Beuggen in Muschelkalk nördlicher, von Rheinfelden bis Kaiseraugst in Muschelkalk und Buntsandstein südlicher als früher, der Aabach von der Siegesmühle abwärts östlicher als früher, in Sandstein.
Diese Flussstrecken in felsigem Bett sind die sog. Laufen, deren starkes Gefälle an mehreren der erwähnten Strecken durch Erstellung von zum Teil bedeutenden Wasserwerken nutzbar gemacht wird. Wenigstens einseitig auf Fels an der einen Thalseite statt in der Mitte der Thalsohle fliesst die Aare von oberhalb Kirchberg bis Wildegg, dann von Wildegg bis Schinznach Bad, oberhalb des Aarhofes bei Villnachern, bei Lauffohr und in der Felsenau; die Reuss bei Birmenstorf und in der Schambelen, die Limmat nördl. Turgi, der Rhein bei Schwaderloch und Hauenstein.
In Folge der feinen Verteilung der aus verschiedenen Gesteinsarten entstandenen Mischung und der Lockerheit und gleichzeitigen Bündigkeit des Moränenmateriales, des Lösses und der verwitterten Schotter zeichnen sich die davon bedeckten Gebiete des Aargaus durch grosse Fruchtbarkeit aus. In solchen Gegenden rühmt der Landwirt die Tiefgründigkeit und Fruchtbarkeit seines Bodens mit den Worten: «Unter meinem Acker liegt noch ein Acker». Diesen Böden sind etwa noch die Mergel des untern Dogger und Lias an Fruchtbarkeit zu vergleichen. Aus dem früher Gesagten erhellt, dass die meisten Thäler des Aargaus durch Erosion entstanden und dass die Berge nur Reste früher meist grösserer Gebirgsmassen sind.
Die Sohlen der durch fliessendes Wasser erodierten Thäler ausserhalb des Gebietes der letzten Vergletscherung werden aufwärts schmaler; die Thäler innerhalb der Grenzen der Vergletscherung dagegen sind südwärts gleich breit oder breiter und unterscheiden sich von ersteren auch dadurch, dass ihre Seitenabhänge nicht von Querthälchen durchzogen, höchstens von rezenten Bachschluchten gefurcht sind, an denen der geringe Betrag der seit der letzten Vergletscherung stattgehabten Erosion erkannt werden kann.
Bedeutende Bergrutsche finden sich sowohl im Jura als im Molasseland da, wo mächtige durchlässige Gesteine (Muschelkalk, Rogenstein, Malmkalk oder Sandstein und Schotter) auf weichen Mergeln liegen, die durch das hinabsickernde Wasser schlüpfrig werden. Viele Erdschlipfe haben sich im Jura in den Mergeln des Lias des untern Dogger und unteren Malmes ereignet. Unterhalb allen Felswänden sind zum Teil mächtige Trümmerhalden entstanden, die zur Beschotterung der Strassen ausgebeutet werden.
Die Veränderungen, welche durch den Menschen am Relief des Landes bewirkt wurden, sind im Ganzen unbedeutend: Es sind teils Aufschüttungen von Eisenbahn- und Strassendämmen und von Abraum der Städte (von letzteren ist derjenige von Vindonissa mit 7000 m3 am N.-Abhang der Terrasse von Königsfelden am bedeutendsten). Anderseits sind durch Anlagen von Strassen und Eisenbahnen zahlreiche Einschnitte in das Terrain nötig geworden. Zahlreiche Kies- und Sandgruben sind besonders in der Niederterrasse und Hochterasse eröffnet. An mehreren hundert Stellen werden ausgezeichnete Sandsteine, Kalksandsteine, Gyps, Lehm und Zementmergel der verschiedenen Gebirgsformationen ausgebeutet.
Früher wurden auch die Eisenrogensteine des Oxfordien (Frickthal, Erlisbach) und das Bohnerz des Eozäns (z. B. am Hungerberg bei Aarau) zur Eisengewinnung verwertet. Steinsalz wird bei Rheinfelden und Möhlin (früher auch bei Augst) gewonnen. Das Salzlager bei Koblenz harrt noch auf Verwertung. Die Ausbeutung alluvialer Torflager (z. B. im Bünzermoos) ist bedeutend zurückgegangen. Tuff und Tropfstein finden sich an wenigen Stellen in der Nähe starker kalkhaltiger Quellen (Lindmühle, Wöschnau).
Geringe Spuren von Steinkohlen, namentlich des Lias und der Süsswassermolasse, zum Teil auch blosse grundlose Vermutungen haben wiederholt zu vergeblichen Nachgrabungen Veranlassung gegeben. Viele grosse erratische Blöcke, bes. Granit, sind zu Bau- und Grenzsteinen, Brunntrögen, Trottoir-Randsteine zersprengt worden. Andere wurden vertraglich konserviert. Die Mergel des Lias und des unteren Dogger wurden früher ausgiebiger als jetzt zum Düngen der Wiesen ausgebeutet.
Für die mangelnden mineralischen Schätze bieten die Wasserkräfte der Flösse reichen Ersatz. Nach den Messungen von Ingenieur Olivier Zschokke ergiessen im Minimum
|m3 per Sek.|
|Aare beim Eintritt in den Aargau||78.84|
|Murg||1.3|
|Rothkanal||0.54|
|Pfaffnern||0.08|
|Wigger||1.0|
|Aarauer Stadtbach||0.66|
|Sengelbach||0.70|
|Suhr mit Wina||0.25|
|Quellbäche im Rohrschachen||1.35|
|Aa||0.665|
|Bünz||0.135|
|Reuss bei ihrer Mündung||28.10|
|Limmat bei ihrer Mündung||18.0|
|Surb||0.46|
|Rhein bei Koblenz||71.19|
|Bäche des Frickthales zusammen||0.40|
|Sonstige Zuflüsse oberhalb Basel||7.61|
|Rhein bei Augst||210.32|
Zur Zeit des höchsten Hochwassers im Sept. 1852 ¶