Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03187.jsonl.gz/2300

- News
Von Weiss zu Schwarz
03.09.2021 Die «Schwarze Madonna» aus dem Kloster Einsiedeln besass ursprünglich ein helles Inkarnat und wurde 1799 schwarz übermalt. Handelt es sich um einen Farbwechsel aus kultischen Gründen?
Es ist kein Geheimnis und dennoch wissen es nicht alle Pilger, dass die «Schwarze Madonna» aus dem Kloster Einsiedeln, datiert in das 15. Jh., ursprünglich ein helles Inkarnat besass und 1799 schwarz übermalt wurde. Als Grund wurde laut einer sehr frühen Dokumentation die optische Rückführung zum verrussten Aussehen angegeben. Dieser Farbwechsel aus kultischen Gründen ist kein Einzelfall. Bei einigen schwarzen Madonnen in Europa, wie z.B. aus Le Puy-en-Velay, Monserrat und Altötting, wird dies ebenfalls vermutet. Doch handelt es sich bei der Einsiedler Schwarzen Madonna tatsächlich um einen Farbwechsel aus kultischen Gründen und kann dieser Frage, hunderte Jahre später, auf die Spur gekommen werden.
Diesen Fragen geht die Master-Thesis von Meret Haudenschild (2020) aus verschiedenen Blickwinkeln nach. Zahlreiche Bild- und Literaturquellen wurden zu diesem Zweck ausgewertet, technologische Untersuchungen, wie C14-, Röntgen- und stratigrafische Analysen sowie Farb- bzw. Bindemittel Untersuchungen (FTIR, FTIR-FPA und SEM-BSE/-EDS) konnten interpretiert werden.
Auf diese Weise konnten der Wechsel zum dunklen Inkarnat viel früher datiert und der Grund des Wechsels in einer Fassungstradition gefunden werden.
Publikation: Meret Haudenschild et al., «Von Weiss zu Schwarz – Der Inkarnatwechsel der Einsiedler Madonna und ausgewählter Kopien», Zeitschrift für Kunsttechnologie und Konservierung, 34. Jahrgang 2021, Heft 1, Seite: 197-205.