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24 Stunden nach Michelle Gisin und Wendy Holdener in der alpinen Kombination der Frauen sorgten Ryan Regez und Alex Fiva im Skicross der Männer für den nächsten Schweizer Doppelsieg. Damit kommt die Schweiz zu einer Premiere: Noch nie gab es an den gleichen Winterspielen gleich zwei Doppelsiege.
Mit den Doppelsiegen gelang den Ski-Cracks ein Kunststück, welches Schweizer Athletinnen und Athleten vor Peking noch nicht häufig gelungen war. Seit 1936 holte sich die Schweiz zehn weitere Male Gold und Silber. Wir blicken auf die sporthistorischen Momente zurück.
Olympia 1936 in Garmisch-Partenkirchen
Bobsport, Viererbob
Den ersten Schweizer Doppelsieg bei Olympia gab es 1936 im Eiskanal von Garmisch-Partenkirchen. Der Viererbob Schweiz II mit Pierre Musy, Arnold Gartmann, Charles Bouvier und Joseph Beerli setzte sich mit dem klaren Vorsprung von 2,88 Sekunden vor Schweiz I mit Reto Capadrutt, Hans Aichele, Fritz Feierabend und Hans Büttikofer durch.
Eine grosse Überraschung war der Sieg des Teams um Musy nicht, schliesslich hatte man im Vorjahr bei der WM bereits mit Rang zwei eine Medaille gewonnen. Dennoch ist die Leistung rückblickend erstaunlich – so waren im Schweizer Sieger-Bob gleich zwei Fahrer, welche gleichzeitig noch einem zweiten Sport nachgingen.
Musy gehörte zu den besten Springreitern der Schweiz, entwickelte sich zum Vielseitigkeitsreiter weiter und nahm 1948 in dieser Disziplin bei Olympia teil. Anschieber Bouvier hatte bis 1931 für Servette Fussball gespielt, absolvierte fünf Spiele für die Nati und wurde für das olympische Turnier 1924 aufgeboten, wo er allerdings nicht mitreiste.
Reto Capradutt, der Pilot von Schweiz I, verpasste ein Jahr nach dem Weltmeistertitel seinen ersten Olympiasieg erneut knapp, nachdem er 1932 im Zweier schon Silber geholt hatte. Eine weitere Gelegenheit sollte der Bündner nicht bekommen: Bei der WM 1939 verunglückte er im Alter von 26 Jahren im Zweierbob-Rennen von St.Moritz tödlich.
Olympia 1948 in St. Moritz
Bobsport, Zweierbob
Auch den zweite Schweizer Doppelsieg bei Olympia-Sieg gab es im Bobsport – zwölf Jahre nach dem Erfolg von Garmisch im Zweier-Rennen von St.Moritz: Felix Endrich und Fritz Waller setzten sich vor Fritz Feierabend und Paul Eberhard durch. Dabei hatten die Schweizer alles im Griff: USA II, das Bronze holte, büsste fast fünf Sekunden auf den Silberrang ein.
Nur eine Woche nach dem hochklassigen Duell im Zweier-Wettbewerb spannten Feierabend, Waller und Endrich mit Heinrich Angst dann im Vierer-Rennen zusammen. Eine Medaille blieb ihnen in dieser Disziplin aber knapp verwehrt. Der Bob Schweiz 1 musste sich mit Rang 4 begnügen, da er am zweiten Tag nach heftigen Schneefällen noch viel Zeit verlor.
Olympia 1956 in Cortina d'Ampezzo
Ski alpin, Abfahrt
Den ersten Ski-Doppelsieg durfte die Schweiz im Jahr 1956 bejubeln. In Cortina d'Ampezzo setzte sich die Waadtländerin Madeleine Berthod vor der Berner Oberländerin Frieda Dänzer durch und feierte so den grössten Erfolg ihrer Karriere.
Berthod war dabei eine Klasse für sich. Die Romande erreichte das Ziel mit einer Schlusszeit von 1:40,7, womit sie Dänzler um fast fünf Sekunden distanzieren konnte. Dahinter waren die Abstände deutlich geringer: Die Kanadierin Lucille Wheeler müsste auf ihrem Bronzeplatz nur eine halbe Sekunde auf Dänzler ein.
Mit ihrem Sieg in der Abfahrt rehabilitierte sich Berthod derweil von ihrer Enttäuschung im Riesenslalom wenige Tage zuvor. In dieser Disziplin gehörte die Waadtländerin zu den grossen Favoritinnen und war tatsächlich auf Medaillenkurs, ehe sie nach einem Fehler ein Tor verpasste. Berthod stieg zwar zurück und versuchte, den Rückstand aufzuholen, musste sich aber wegen einer mickrigen Zehntelssekunde Rückstand mit Rang 4 zufriedengeben.
Olympia 1972 in Sapporo
Ski alpin, Abfahrt
Nach dem Erfolg in Cortina musste die Schweiz 16 Jahre auf einen Doppelsieg warten – bis heute die längste Durststrecke. Erst in Sapporo reichte es wieder zu den Rängen 1 und 2 im selben Wettkampf, dafür gleich bei einem ganz Grossen. In der alpinen Königsdisziplin Abfahrt setzte sich Bernhard Russi vor Roland Collombin durch.
Dabei war die Ausgangslage schon vor dem Rennen äusserst spannend. Russi hatte 1970 den Weltmeistertitel und in der Vorsaison die Abfahrtswertung gewonnen und reiste als grosser Favorit nach Japan. Der 20-jährige Collombin hatte bis dahin hingegen noch nie einen Sieg gefeiert, war aber mit der Bestzeit im Training ins Rampenlicht gerückt.
Im Rennen legt Russi mit der Startnummer 4 einen absoluten Traumlauf hin. Mit 1,68 Sekunden Vorsprung übernimmt er die Führung und weiss bereits: Das reicht mit Sicherheit für eine Medaille. An diese Zeit kommt tatsächlich niemand mehr heran, als Collombin oben steht, ist die Lücke zwischen den Rängen 1 und 2 fast eine Sekunde gross. Dies nutzt der Romand und fährt mit einer beherzten Fahrt auf Platz 2. Es ist der Start einer grossen Karriere – in den folgenden Jahren sollte sich Collombin im Weltcup etablieren und acht Siege feiern.
Auch hinter Russi und Collombin sind die Schweizer Resultate derweil stark, auch wenn sie im Schatten des Doppelsieges nicht viel Beachtung kriegen. Andreas Sprechner klassiert sich auf Rang 4, Walter Tresch auf Platz 6. «Im Ziel herrschte eine Stimmung, als ob wir an einem Rennen in der Schweiz gewesen wären», erinnert sich Russi deshalb noch immer.
Olympia 1976 in Innsbruck
Ski alpin, Riesenslalom
Bei Olympia 1976 rechnet im Riesenslalom der Männer kaum jemand mit den Schweizern. Grosser Favorit ist der Südtiroler Gustav Thöni, auch Ingemar Stenmark aus Schweden zählt zu den heissesten Anwärtern auf den Sieg.
Doch am Ende jubeln trotzdem zwei Schweizer, welche im Weltcup noch nie gewonnen haben: Heini Hemmi siegt vor Ernst Good. Das Duo fängt den Halbzeit-Führenden Thöni überraschend ab und bremst die Aufholjagd Stenmarks, der mit Laufbestzeit im zweiten Durchgang brilliert hat.
In Innsbruck stehen Hemmi und Good damit gemeinsam auf dem Podest, danach verlaufen die Karrieren der beiden Schweizer allerdings unterschiedlich. Hemmi schafft auch im Weltcup den Sprung ganz an die Spitze, holt in der Folgesaison die kleine Kristallkugel im Riesenslalom, insgesamt vier Weltcupsiege und 13 Podestplätze. Bei Good bleibt dieser Leistungssprung hingegen aus. 1977 tritt er mit nur 27 Jahren zurück, wechselte in die Gastronomie und führte viele Jahre ein Restaurant, den Alpenblick in Flumserberg.
Olympia 1984 in Sarajevo
Ski alpin, Abfahrt
Die 80er-Jahre im Frauen-Skizirkus sind von einer intensiven Rivalität im Schweizer Team geprägt. Michela Figini und Maria Walliser gehören beide zu den besten Fahrerinnen der Welt – es gilt als offenes Geheimnis, dass sich die beiden gegenseitig nicht viel gönnen. So sagt etwa Walliser Jahre später, es sei ihr lieber gewesen, hinter einer Amerikanerin oder Österreicherin Zweite zu werden als hinter der Tessinerin.
Auch bei den Olympischen Spielen 1984 liefern sich die beiden Schweizerinnen ein hochkarätiges Duell in der Abfahrt. Am Ende setzt sich Figini knapp durch, fünf Hundertstel vor Walliser und 27 vor der Tschechin Olga Charvatova. Mit Ariane Ehrat als Vierte klappt es für die Schweiz sogar fast mit dem kompletten Medaillensatz.
Auch in den folgenden Jahren kommt es immer wieder zu spannenden Duellen zwischen Figini und Walliser. Bei der WM 1985 schlägt die Toggenburgerin zurück und holt vor der Tessinerin Gold, Figini schlägt aber wiederum mit dem Gewinn der Abfahrtskugel zurück. Zum Ende ihrer Karriere sind die beiden fast gleich erfolgreich. Figini ist im Gegensatz zu Walliser Olympiasiegerin und hat einen Weltcup-Sieg mehr auf dem Konto (26:25), Walliser gewann dafür mehr WM-Goldmedaillen (3:1). Beide gewinnen je zweimal den Gesamtweltcup und fünf kleine Kristallkugeln.
Olympia 1988 in Calgary
Ski alpin, Abfahrt
Auch vier Jahre nach Sarajevo bahnt sich bei Olympia ein Schweizer Duell in der Abfahrt an, diesmal aber bei den Männern. Pirmin Zurbriggen ist der grosse Dominator im Weltcup, hat in der Vorsaison den Gesamt- und den Abfahrtsweltcup gewonnen und hinterlässt in den Trainings in Nakiska den stärksten Eindruck.
Sein grosser Herausforderer ist der Zürcher Peter Müller. Dieser hat 1987 die WM-Abfahrt in Crans-Montana vor Zurbriggen gewonnen, hat bereits 1984 mit Silber eine Olympia-Medaille geholt und die Olympia-Hauptprobe in Nakiska im Vorjahr gewonnen.
Müller eröffnet die Olympia-Abfahrt dann gleich, er trägt die Nummer 1. Dem Mann aus Adliswil glückt eine starke Fahrt, ein Gegner nach dem anderen beisst sich die Zähne an seiner Zeit aus. Doch dann steht Zurbriggen im Starthaus – und diesem gelingt eine Traumfahrt. Auf jedem einzelnen Streckenabschnitt ist Pirmin Zurbriggen der schnellste Fahrer: im steilen Gelände wie in den kurvenreichen Abschnitten und auf der Gleitpassage. So schlägt er Müller um 51 Hundertstel und krönt seine Karriere mit seinem ersten Olympiasieg.
Wie überlegen die beiden Schweizer zu diesem Zeitpunkt waren, zeigen auch die weiteren Zeitabstände. Franck Piccard, der Bronze-Gewinner, verliert als erster Verfolger 1,61 Sekunden auf Zurbriggen und 1,1 auf Müller.
Olympia 1994 in Lillehammer
Bobsport, Zweierbob
Die Olympischen Spiele 1994 bringen der Familie Acklin gleich zwei olympische Medaillen ein – die beiden Söhne Donat und Guido fahren im Zweierbob beide aufs Podest. Allerdings nicht als Teamkollegen, sondern als Gegner: Donat ist Anschieber von Gustan Weder, Guido von Reto Götschi.
Die beiden Schweizer Teams können sich gleich im ersten Run absetzen und liefern sich in der Folge ein äusserst spannendes Duell. Im ersten Lauf nimmt Schweiz I mit Weder und Donat Acklin Schweiz II fünf Hundertstel ab, verliert dann aber 15 Hundertstel im zweiten Lauf. Nach dem dritten ist die Situation dann fast ausgeglichen: Schweiz II führt mit drei Hundertsteln Vorsprung, zudem ist auch der erste Verfolger Italien nicht weit weg.
Und so kommt es im letzten Run doch noch zur erneuten Wende: Weder und Donat Acklin sind acht Hundertstel schneller und fangen so den zweiten Schweizer Bob noch ab. Dieser verteidigt immerhin noch seinen zweiten Platz und sorgt für den Schweizer Doppelsieg.
Olympia 2006 in Turin
Snowboard, Parallel-Riesenslalom
2006 kommt es erneut zu einem hochklassigen Schweizer Bruderduell bei Olympia. Diesmal nicht im Bob, sondern im Snowboard: Philipp und Simon Schoch erreichen im Parallel-Riesenslalom beide den Final und treffen in diesem im direkten Duell um Olympiagold aufeinander. Philipp, der jüngere der beiden, ist in der Favoritenrolle: Er geht als Titelverteidiger ins Rennen, 2005 hat er zudem den Weltcup gewonnen und schon 14 Weltcupsiege geholt. Simon hingegen siegte in seiner Karriere erst drei Mal.
Und so ist es tatsächlich Philipp, der im Final die Oberhand behält. Er zeigt einen starken Lauf und distanziert Simon um satte 88 Hundertstel. In der Folge läuft Simon seinem Bruder aber etwas den Rang ab, da ersterer immer wieder von Rückenschmerzen geplagt wird. Nach seinem Olympiasieg holt Philipp noch einen Sieg im Weltcup zweimal WM-Silber 2007, Simon holt 2007 Gold im Parallelslalom, 2011 in dieser Disziplin Silber und gewinnt bis zu seinem Rücktritt fünf weitere Rennen im Weltcup.
Olympia 2018 in Pyeongchang
Ski Freestyle, Slopestyle
Mit 15 Medaillen waren die Olympischen Spiele von Pyeongchang aus Schweizer Sicht äusserst erfolgreich. Für das grosse Highlight sorgten dabei zwei Freestyle-Skifahrerinnen. Sarah Hoefflin holte sich im zweiten olympischen Slopestyle-Wettbewerb überhaupt Gold, Mathilde Gremaud sorgte mit Silber für den Doppelsieg. Dabei machten sie schon früh alles klar: Nach der souveränen Qualifikation für den Final der Top 12 setzten sie gleich im ersten von drei Finaldurchgängen eine Marke, welche für die Konkurrenz unerreicht blieb.
Auch dieses Jahr waren die beiden wieder bei Olympia dabei. Sowohl Hoefflin als auch Gremaud zählten sowohl im Slopestyle als auch im neu eingeführten Big-Air-Wettkampf zu den Medaillenanwärterinnen. Und während Hoefflin hinter den Erwartungen blieb, konnte Gremaud ihre Leistung aus Südkorea gar noch übertreffen: Die Freiburgerin holte Bronze im Big Air und Gold im Slopestyle, womit sie ihren Medaillensatz komplettierte.
Olympia 2022 in Peking
Ski Alpin, Kombination
Schweizer Doppelsieg in der Kombination: Michelle Gisin fährt im Slalom wie 2018 in Südkorea traumhaft sicher zu Gold, Wendy Holdener gewinnt die Silbermedaille. Von Position 12 nach der nicht fehlerfrei absolvierten Abfahrt fuhr Michelle Gisin am Nachmittag zwischen den Stangen traumhaft sicher zu Olympia-Gold. Die 28-jährige Obwaldnerin nahm ihrer gleichaltrigen Teamkollegin Wendy Holdener im Slalom mehr als eine Sekunde ab.
Die in der Abfahrt eine Hundertstel schnellere Schwyzerin, vor vier Jahren hinter Gisin und Mikaela Shiffrin mit Kombi-Bronze, verpasste als Zweite das angestrebte erste Einzelgold an Olympischen Spielen gleich um 1,05 Sekunden und konnte sich im Zielraum zunächst nicht wirklich über Silber freuen. Erst bei der Siegerehrung war die erste, grosse Enttäuschung dann überwunden und Holdener fand ihr Lächeln wieder.
Olympia 2022 in Peking
Skicross
Totaler Triumph für die Schweizer Skicrosser: Ryan Regez und Alex Fiva feiern einen Doppelsieg und sichern sich Gold und Silber.
Die Taktik von Ryan Regez ging auch im Final voll auf. Nach einem kontrollierten Start setzte er sich in den ersten Wellen an die Spitze des Vierer-Feldes, von der er sich nicht mehr verdrängen liess. Mit dem letztlich souveränen Start-Ziel-Sieg wurde er seiner Favoritenrolle gerecht; der Wengener mit britischen Wurzeln hat in dieser Saison bereits drei Weltcup-Siege gefeiert und liegt in der Weltcup-Wertung an der Spitze.
Hinter Regez verteidigte Alex Fiva seinen zweiten Platz hartnäckig und hielt den Russen Sergej Ridsik, der Bronze holte, und den Schweden Erik Mobärg in Schach. Nach dem WM-Titel 2021 krönte der 36-Jährige aus Chur mit Olympia-Silber seine Karriere.