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Wortklaubereien statt verbindliche CO2-AbsenkpfadeDie Klimakonferenz COP26 der Vereinten Nationen sollte das Pariser Klimaabkommen konkretisieren und es in eine verbindliche Umsetzungsphase überführen. Am Ende der Verhandlungen wurde das Abkommen zum Punkt des Kohleausstiegs, insbesondere durch Intervention von Indien und China, nochmals abgeschwächt. Der Ausstieg aus der Kohle-Verstromung wurde anfänglich mit der Formulierung "phase-out" verfasst. Diese wurde dann zu "phase-down" abgeschwächt.Das ursprüngliche noch stärker formulierte Abkommen kann aktuell noch unter folgendem Link gefunden werden.
Die Hoffnung schwindetEs ist wenig sinnvoll, das komplexe und vielschichtige Ergebnis von Glasgow auf eine sprachliche Wortklauberei zu reduzieren. Die Fortsetzung des Dialogs und die Präzisierung des Pariser Klimaabkommens auf seine Umsetzungsaspekte hin sind ohnehin als langer und mühseliger Prozess zu sehen. Immerhin sichert die COP26 in Glasgow, dass dieser komplexe Prozess durch die Vereinten Nationen fortgesetzt wird. Dennoch gibt es Grund für grossen Pessimismus: Die Hoffnung, dass das extrem ambitiöse Ziel einer Begrenzung der Klimaerwärmung auf 1.5 Grad noch erreicht werden kann, schwindet.
1,5 Grad-Ziel könnte schon in zehn Jahren Makulatur seinDie Haltung der Wissenschaft (s. IPCC AR6: Summary for Decision Makers) ist klipp und klar: Eine Klimaerwärmung um 1.5 Grad, ausgehend von den 1.1 Grad die gegenüber der vor-industriellen Periode 1850-1900 bereist erreicht sind, wird mit den nächsten 600 Gigatonnen CO2-Ausstoss in etwa erreicht. Bei einem CO-2 Ausstoss von aktuell etwa 40 Gigatonnen pro Jahr sind wir also schon in 15 Jahren bei etwa 1.5 Grad globale Klimaerwärmung. Sollte der CO2-Ausstoss aufgrund des starken Wirtschaftswachstums in Asien und Afrika Jahr für Jahr weiter steigen, dann könnte das 1.5 Grad Ziel schon in 10 Jahren Makulatur sein.
Für Indien ist der Kohleausstieg politisch und sozial kaum umzusetzenFür ein Land wie Indien, in dem Kohle knapp die Hälfte seiner gesamten Energieversorgung liefert, ist der Kohle-Ausstieg eine enorme Herausforderung. Das Unternehmen "Coal India Ltd." produziert etwa 85% des heutigen indischen Kohlebedarfs und beschäftigt rund 300'000 Mitarbeiter. Das Unternehmen gehört zu zwei Dritteln dem indischen Staat. Es subventioniert aufgrund der Bedeutung für den Kohletransportes,die gesamte indische Eisenbahn und sorgt damit für bezahlbare Mobilität in Indien.
Die politischen und wirtschaftlichen Folgen eines klimakompatiblen und raschen kompletten Ausstiegs aus der Kohle bis 2035 sind für Indien politisch und sozial kaum umzusetzen oder abzufedern. In China ist die Ausgangslage nicht weniger komplex. Die Erwartung, dass man wenigstens aus den offensichtlichsten Sackgassen (Kohle) in Bezug auf die sich langsam aber stetig eskalierende Klimakrise heraustreten wird, ist aufgrund der Analyse der heutigen Situation kaum glaubhaft.
Wertverlust lässt indische Regierung kaltDie Aktie von Coal India verliert seit zehn Jahren zwar kontinuierlich an Wert und der Titel ist für nachhaltige Anlageportfolios Tabu. Die indische Regierung kommt dadurch aber wenig unter Druck. Notfalls könnte das Unternehmen zum Schnäppchenpreis einfach ganz verstaatlicht werden. Dieses Beispiel zeigt die Grenzen des nachhaltigen Anlegens in den Sekundärmärkten auf. Der Versuch, die Kapitalströme von solchen klimaschädlichen Aktivitäten fernzuhalten, kann nur begrenzt einen Beitrag zur Lösung der Probleme liefern. Jeder Beitrag bleibt aufgrund der dramatischen Perspektive aber dennoch sinnvoll. Es ist schwer vorauszusagen, wie sich die internationalen Anstrengungen zur Bewahrung gewohnter klimatischer Bedingungen weiterentwickeln werden. Es ist aber damit zu rechnen, dass die teure Anpassung an die bereits heute deutlich spürbaren Folgen der sich rasch anbahnenden Erwärmung um 1.5 Grad, die nationalen Regierungen am Ende zum Handeln zwingen wird.
Dramatische Notlagen zu erwarten
Die zu erwartenden dramatischen Notlagen könnten aufzeigen, dass viele Länder diese Krisen nicht aus eigener Kraft bewältigen können. Im besten Fall führen solche Krisen zu verstärkter internationaler Kooperation. Im schlimmsten Fall wird der Kampf um knapper werdende Ressourcen zu neuen Migrationsbewegungen und dramatischen geostrategischen Konflikten führen.
In Glasgow war es schon fünf vor zwölf und die Uhr tickt weiter.
Heutige Marktentwicklung und Anlagestrategie
Die Woche beginnt an den Finanzmärkten eher ruhig. Der SMI ist praktisch unverändert und der DAX ist aktuell 0.20% im Plus. Für die US-Aktienindices wird heute eine freundliche aber wenig veränderte Eröffnung erwartet. (Stand ca. 14:00, 15.11.2021, Basel Zeit)
Dr. Sandro Merino
Chief Investement Officer und Leiter Asset Management, BKB
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