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Ab und zu gelingt es uns, zur rechten Zeit am richtigen Ort zu sein ohne vorherige grosse Planung. In Enkhuizen findet nämlich über das Wochenende ein Jazzfestival statt. Darauf freuen wir uns.
Zuerst besuchen wir zu Fuss die Stadt, die durch den Handel mit den Ostseeländern und später durch den Heringsfang zum Wohlstand kam. Damals zählte die Stadt rund 40’000 Einwohner. Zahlreiche Bauwerke zeugen von diesem Wohlstand. Der Niedergang setzte mit der Abwanderung der meisten Kaufleute nach Amsterdam ein. 1625 wurde die Heringsflotte, umfassend von 400 Booten, vernichtet und der Hafen versandete. 10 Jahre später wütete die Pestepidemie. Die Zahl der Einwohner ging drastisch zurück. Mit der Errichtung des Afsluitdijks (1932) erging es Enkhuizen wie anderen Städten, die wir besuchten. Sie verloren ihre endgültige Bedeutung als Hafenstadt. Heute zählt die Stadt 18’500 Einwohner.
In wenigen Minuten vom Hafen erreichen wir den imposanten Drommedaristurm. Vor ihm ist ein Hochzeitspaar im Begriff sich das Jawort im Beisein einer Standesbeamtin und der Hochzeitsgesellschaft zugeben. Der Platz ist festlich eingerichtet.
Der Turm ist für die Öffentlichkeit leider nicht zugängig. Er diente als Gefängnis und enthält heute noch einige Gefängniszellen. Die Kronprinzessin und Studentin Beatrix übernachtete einmal mit ihren Kommilitonen im Turm.
Nachher geht es weiter zum alten Hafen, Lagerhaus und Zollhaus der Ostindischen Handelskompanie aus dem 17. Jahrhundert. Das ehemalige Stadtgefängnis ist beachtlich schief. Gleich im Anschluss sehen wir das Rathaus aus Sandstein, das Glanzstück des Goldenen Zeitalters. Das Eingangsportal ist mit einem herrlichen Giebel bestückt. Die Fassade benötigt bald eine Renovation, sie sieht verrusst aus. Das Rathaus ist ebenfalls öffentlich nicht zugängig.
Die Zuiderkerk, erbaut 1458 und 1572 von den Protestanten übernommen und die Westerkerk erbaut 1311, die für Anlässe vermietet wird, lassen wir für ein Fotoshooting nicht aus. Die Kirchen sind riesengross und teuer im Unterhalt. Bei der dritten Kirche weist ein grosser Schild zum Verkauf hin. Ob die Kirche damit gemeint ist, wissen wir nicht sicher.
Neben der Kirche befindet sich das Waisenhaus aus dem goldigen Jahrhundert. Nach der schmucken Fassade zu urteilen, könnte man meinen, dass es den Waisenkindern an Nichts fehlte. Dem war nicht so, die Kinder wurden auf die VOC-Handelsschiffe als Arbeitskraft geschickt. Die Spenden wurden anderweitig verwendet.
In der Einkaufstrasse verbergen sich hinter den geschichtsträchtigen Fassaden unterschiedliche Läden. Das Angebot ist sehr verlockend! Hungern müssen wir nicht, den die Auswahl an Cafés und Restaurant ist gross.
Auf unserem Heimweg gelangen wir zum walk of fame stars. Jedes Jahr wird während des Jazzfestivals ein neuer Stern im Boden eingelassen zur Erinnerung an eine Jazzlegende oder Band.
Eine Überraschung erwartet uns: Drei Segelboote liegen seitlich in einer Reihe an unserem Boot. Bei Platzknappheit ist dies üblich und wird von allen anstandslos akzeptiert.