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5:2 gegen Belgien! Gruppensieg in der Nations League vor der Weltnummer 1! Ja, die Schweiz kann einen grossen Gegner in einem wichtigen Spiel schlagen. Ja, sie kann auf einen peinlichen Fehltritt (Katar) eine positive Reaktion zeigen. Ja, Haris Seferovic kann so gut sein, dass ihn auch das kritische Schweizer Publikum akzeptiert (und vielleicht sogar ein bisschen mag).
Auf ein paar Fragen rund um das Schweizer Nationalteam erhielt man im Spiel gegen Belgien eine klare Antwort. Zum Abschluss des Jahres und im Hinblick auf 2019 gibt es aber weitere Punkte, die erklärt werden müssen oder die noch zu klären sind.
1. Wo und wann findet das Finalturnier statt?
Vom 5. bis 9. Juni in Portugal. Die Spielorte sind mit grösster Wahrscheinlichkeit Porto (Estadio do Dragão) und Guimarães. In beiden Stadien wurden an der EM 2004 Spiele ausgetragen. Die Auslosung der Halbfinals (ohne Setzung) findet am 3. Dezember 2018 in Dublin statt, einen Tag nach der Auslosung der Gruppen für die EM-Qualifikation.
2. Was bedeutet der Gruppensieg für die EM-Qualifikation?
Vorerst nicht viel. Die Schweiz wird als Gruppensieger in eine Fünfergruppe (statt in eine Sechsergruppe) eingeteilt. Dass sie in Topf 1 gesetzt ist, war schon seit dem Sieg auf Island im Oktober klar. Der Gruppensieg bringt der Schweiz in der Qualifikation dann etwas, wenn sie sich nicht direkt für die Endrunde qualifiziert, also nicht einen der beiden ersten Plätze erreicht. In dem Falle wäre sie unabhängig vom Abschneiden in der Qualifikation als Gruppensieger der Nations League zumindest für die EM-Barrage vom März 2020 qualifiziert.
3. Was bringt das Finalturnier dem SFV finanziell?
Die Startprämie und der Gruppensieg bringen dem SFV insgesamt 4,5 Millionen Euro ein. Gewinnt die Schweiz das Final Four, erhält sie nochmals 6 Mio. Euro. Als Finalist bekommt sie 4,5 Mio. Euro, als Dritter 3,5 Mio. Euro und als Vierter 2,5 Mio. Euro. Im schlechtesten Fall kassiert sie in der Nations League also Prämien von insgesamt 7 Mio. Euro. Als Turniersieger wären es 10,5 Mio. Euro.
4. Hat sich das Publikum mit dem Team versöhnt?
Eine Versöhnung war nicht nötig. Das Nationalteam hat 2018 trotz enttäuschendem WM-Achtelfinal gegen Schweden und trotz Diskussionen um Doppeladler und Doppelbürger nichts von seiner Zugkraft eingebüsst. Das Spiel in Luzern gegen Belgien war in zwei Stunden ausverkauft. Und auch das erste Spiel nach dem schwierigen Sommer gegen die eher unattraktiven Isländer fand in St. Gallen vor fast 15 000 Zuschauern statt.
5. Ist Nationalcoach Vladimir Petkovic nun unantastbar?
In der externen Wahrnehmung hat Petkovic einen Meilenstein gesetzt. Der Sieg gegen Belgien ist der spektakulärste Erfolg einer Schweizer Nationalmannschaft seit dem 4:1 an der WM 1994 gegen Rumänien. Zumindest seine Qualitäten als Trainer dürften nun öffentlich weniger infrage gestellt werden. Intern hat der Support offenbar nie gefehlt. Das haben die Führungsspieler Granit Xhaka («Nur die Medien meinen, dass der Trainer uns nicht im Griff hat.») und Xherdan Shaqiri («Ich verstehe nicht, weshalb Petkovic immer wieder infrage gestellt wird.») in den letzten Tagen mehrmals betont. Die Reaktion auf den 0:2-Rückstand war vonseiten der Mannschaft ein klares Votum für den Trainer.
6. Hat Captain Stephan Lichtsteiner eine Zukunft im Nationalteam?
Es gibt die Tendenz, dass Vladimir Petkovic nicht auf die Führungsqualitäten des Arsenal-Professionals verzichten will, auch wenn Kevin Mbabu auf der rechten Seite angedeutet hat, dass er zumindest spielerisch eine valable Alternative darstellt. Lichtsteiner selbst hat schon früh im Herbst ein Statement abgegeben: «Ich spiele seit Jahren im Ausland auf Top-Niveau. Ich bin mir den Konkurrenzkampf gewohnt. Das ist kein Problem für mich.»
7. Haben sich neue Spieler für die Stammformation aufgedrängt?
Zumindest gegen Belgien haben neben Mbabu auch Remo Freuler und Edimilson Fernandes angedeutet, dass sie eine Alternative sein können. Die Hierarchien wurden gleichwohl nicht über den Haufen geworfen. Wenn Petkovic sagt, es sei in diesem Herbst nicht um einen Umbruch gegangen, sondern darum, «einen grösseren Konkurrenzkampf zu bekommen», dann hat er das Ziel erreicht.
8. Spielt die Schweiz jetzt immer mit der Dreierabwehr?
Die leichte Modifizierung des Systems mit einem etwas offensiveren Kevin Mbabu hat gegen Belgien ab der 20. Minute zwar zum Umsturz geführt. Doch wenn Petkovic das Stammpersonal zur Verfügung steht, bleibt das 4-2-3-1 die erste Option. In diesem System fühlt sich das Team wohl, das haben verschiedene Führungsspieler so kommuniziert. Die Dreierabwehr bleibt ein Plan B.