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J. Haydn: Streichquartette G-Dur op. 77 Nr. 1 und d-Moll op. 77 Nr. 3 (Fragment) W. A. Mozart: Streichquartett F-Dur KV 590 (3. Preussisches Quartett)
Im Jahr 1799 schloss Joseph Haydn, der "Vater des Streichquartetts", für sich langsam mit dieser Gattung ab. Seine Quartette op. 77 sind aber keineswegs ein Abgesang: In ihnen zeigt Haydn noch einmal seine ganze Erfahrung - und weist auch in die Zukunft. Auftraggeber war Fürst Franz Joseph Maximilian von Lobkowitz. Obwohl Haydn bloss zwei der bestellten sechs Quartette fertiggeschrieben hat, klingt die Musik nicht, als hätte hier jemand keine Lust mehr aufs Komponieren gehabt. Umso mehr fragt man sich: Warum hat er den Auftrag nicht fertig ausgeführt? Wollte er sich auf andere Kompositionen konzentrieren? War er zu krank? Wir wissen es nicht, Joseph Haydn hat dieses Geheimnis mit ins Grab genommen. Die drei Quartette - eines davon nur ein Fragment bleiben Haydns letztes vollendetes Quartettopus.
Mozart hingegen schrieb seine «Preussischen Quartette» ohne ausdrücklichen Auftrag des preussischen Königs Friedrich Wilhelm II, denn bei seiner Reise nach Potsdam blieb ihm eine Audienz beim Cello spielenden Monarchen verwehrt. Dieser delegierte die Anfrage kurzerhand an seinen Cellolehrer Jean-Pierre Duport, und da auch die Musikliebhaber Berlins kein Interesse an dem Besucher aus Wien zeigten, kehrte er unverrichteter Dinge nach Wien zurück. Was er von dieser deprimierenden Reise mit nach Hause nahm, war die schwache Hoffnung, dem König wenigstens durch Werke imponieren zu können. Friedrich Wilhelm II. war ein leidenschaftlicher Cellist und ein Liebhaber des Streichquartetts. Deshalb kaufte Mozart auf der Rückreise in einer Papiermühle zwischen Dresden und Prag einige Bögen böhmisches Notenpapier und begann, drei Streichquartette für den Preußenkönig zu entwerfen - mit entsprechend dankbaren Soli für das Cello. Als "drittes preussisches Quartett" ist Mozarts letztes Streichquartett damit in die Annalen der Musikgeschichte eingegangen - ein völlig unverdientes Prädikat, hat die preussische Hauptstadt dem grossen Komponisten aus Wien doch zu Lebzeiten die kalte Schulter gezeigt.