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Die Themenordnung dieser Vorlesung sowie die Beispielsätze sind grösstenteils entnommen aus [Borsley 91].
Der `Head' einer Konstituente ist vom selben Typ wie die Konstituente, wobei das Bar-Level gleich oder geringer ist. Der lexikalische `Head' ist ein Head mit Bar-Level 0. So ist beispielsweise der Head einer VP entweder ein V' oder ein V.
Die lexikalischen Elemente A, N, P und V unterscheiden sich grundlegend in ihrem Verhalten. Insbesondere unterscheiden sich aber auch Elemente der selben Klasse bzgl. ihrer Komplemente. Dieses Phänomen bezeichnet man als Subkategorisierung.
Peter schläft. Peter findet ein Buch.
Im Englischen gilt, dass die Komplemente auf den Head folgen.
Peter [V sees [NP the house]]. Peter is [Adj angry [PP about Mary]]. Peter asks [P for [NP more money]]. Peter watches the [N house [PP with the open window]].
Jedoch sind nicht alle Konstituenten, die auf einen Head folgen Komplemente. Es können auch Adjunkte sein. Die jeweiligen Komplemente werden durch den Head festgelegt, wohingegen Adjunkte beliebig hinzugefügt werden können. Bzgl. ihrer Rolle in der Syntax gilt folgende Unterscheidung:
Damit erhalten wir folgende Unterschiede, wobei [PP in the bathroom] einmal Adjunkt und einmal Komplement ist:
[V' [V' [V wash [NP his socks]]] [PP in the bathroom]] [V' [V put] [NP his socks] [PP in the bathroom]]
In vielen Fällen ist diese Aufteilung unkritisch. Jedoch gibt es grundsätzliche Unterschiede in der Beurteilung des folgenden Satzes:
Stefan considers Ben to be a fool.
In GB wird [Ben to be a fool] als eigenständiger Satz angesehen, der ein Komplement des Verbes ist. Im Gegensatz dazu wird in PS-Grammatiken [Ben] als NP und [to be a fool] als VP und beide als Komplemente des Verbes interpretiert.
Valenz ist ein Spezialfall der syntagmatischen Relation REKTION. Mit Valenz bezeichnet man die Beziehung zwischen einem Verb und den von ihm abhängigen nicht-lexikalischen Konstituenten. Das Verb bestimmt:
Ein Verb wird also charakterisiert durch seine valenznotwendigen Konstituenten. Es wird weiter danach beschrieben, welche dieser valenznotwendigen Konstituenten in einem Aktiv-Deklarativsatz obligatorisch realisiert werden und welche fakultativ realisiert werden.
Valenznotwendig ist eine Konstituente dann, wenn sie als Verbkontext insofern gefordert wird, als das Verb eine Leerstelle eröffnet, die in die semantische Interpretation des Satzes eingeht und die in der Regel auch syntaktisch realisiert wird.
Peter wohnt in Berlin. (Stelligkeit 2: NP, PP) Ihr Freund raucht Zigaretten. (Stelligkeit 2: NP, NP) Peter raucht. (Stelligkeit 1: NP)
Valenzunmöglich ist eine Konstituente dann, wenn sie vom Verb als Verbkontext ausgeschlossen ist.
* Die Katze gähnt die Maus.
Nicht-valenznotwendig ist eine Konstituente dann, wenn sie als Verbkontext weder gefordert noch ausgeschlossen ist.
Die Katze gähnt [den ganzen Morgen]. Sie wartet [auf dem Bahnsteig].
Valenznotwendige Konstituenten heissen Komplemente (oder Ergänzungen). Nicht -valenznotwendige Konstituenten heissen Adjunkte (oder Angaben).
Folgendes Verfahren dient zur Unterscheidung zwischen obligatorischem und fakultativem Komplement.
[Ich] lege [das Buch] [auf den Tisch]. [Wir] erwarten [ihn] am kommenden Sonntag.
Ulrike brennt [auf Rache]. Olaf verspricht sich [ein gutes Ergebnis].
Ulrike wartet [auf ihren Freund].
Man kann es mit Schumacher, H. (Hrsg.), Verben in Feldern, Berlin 1986, S.21, auch so formulieren: ... und eine inhaltliche Implikationsbeziehung zwischen dem Satz ohne die fragliche Konstituente und dem Satz mit der fraglichen Konstituente besteht:'a wartet' --> 'a wartet auf x'
In GB geht man von einer kategorie-neutralen ID-Regel aus, die ein Template (Muster) für die Subkategorisierung bietet.
X' --> X, YP*
Diese besagt, dass eine Konstituente der Zwischenebene einen entsprechenden lexikalischen Head sowie eine beliebige Anzahl von Komplementen dominiert. Die Subkategorisierungsinformation liegt im Lexikon und wird aufgrund des Projektionsprinzips auf die Konstituenten übertragen:
Syntaktische Konstituenten sind Projektionen des Lexikons und müssen den Subkategorisierungsbedingungen der Lexikoneinträge genügen.
Innerhalb von PS-Grammatiken wurden zwei Ansätze zur Behandlung von Subkategorisierung vorgeschlagen:
V' --> V[SUBCAT=1] V' --> V[SUBCAT=2], NP V' --> V[SUBCAT=3], PP V' --> V[SUBCAT=4], NP, PPDieser Zahlenwert wird im Lexikon bei den entsprechenden Verben angebracht.
V[SUBCAT=<>] --> sleep V[SUBCAT=<NP>] --> see V[SUBCAT=<PP>] --> wait V[SUBCAT=<NP, PP>] --> putDiese lexikalischen Kategorien sind abgestimmt mit einer kategorie-neutralen Head-Komplement Regel.
X[SUBCAT=< >] -> X[SUBCAT=<...>], C*Dabei steht < > für eine leere Liste, <...> für eine beliebige Liste und C für ein Komplement. Diese Regel besagt also: Eine Konstituente, die keine Komplemente erfordert, kann eine verwandte Konstituente, die Komplemente fordert, und eine Anzahl dieser Komplemente unmittelbar dominieren. Wichtiger ist aber noch das Subkategorisierungs-Prinzip, das den Abgleich zwischen der Subkat-Liste des Verbs und den Komplementen beschreibt:
Wenn ein Head mehr Elemente in der Subkat-Liste hat als der dazugehörige Mutterknoten, so müssen die fehlenden Elemente unifizierbar mit den Geschwistern des Heads sein.
Die Art und Anzahl der Komplemente, die ein lexikalischer Head einfordert, steht in Bezug zu seiner Bedeutung. Die Tatsache, dass lachen ein intransitives Verb ist, beruht darauf, dass es sich um eine Aktion handelt, die eine Person selbst ausführt. Im Gegensatz dazu ist geben ein doppelt transitives Verb, da es einen Akteur, einen Gegenstand und einen Rezipienten erfordert. Dieser inhaltliche Aspekt wird in GB durch die Zuweisung von thematischen Rollen, sog. Theta-Rollen, an die Komplemente beschrieben.
Mit Theta-Rollen wird auch der Unterschied zwischen bedeutungstragenden und bedeutungsleeren Komplementen deutlich. Das Komplement it in den folgenden Beispielen ist bedeutungsleer und erhält somit keine Theta-Rolle zugewiesen.
It rains. I believe it to be easy to fool Maja.
Bisher haben wir lediglich die Objekte als Komplemente des Verbes betrachtet. Das Subjekt nimmt eine Sonderstellung ein. In vielen Sprachen kongruiert es mit dem Prädikat in z.B. Numerus und Person.
Def. Subjekt: Ein Subjekt ist eine Konstituente, die mit einem Prädikat als Geschwisterknoten verbunden wird.
Vorsicht! Es gibt keine eindeutige Definition des Begriffs 'Prädikat'. In der obigen Subjekt-Definition wird angenommen:
The predicate consists of the verb and its complements and also most adverbials. Excluded from the predicate are sentence adverbials, which point to logical links with what precedes or express a comment by the speaker or writer. (Sidney Greenbaum: The Oxford English Grammar. 1996. p.60)
Vergleiche dazu:
[Das Prädikat] besteht aus einfachen oder zusammengesetzten Verbformen oder aus Kopulativverb und Prädikatsnomen. ... Das Prädikat ist nicht gleichzusetzen mit der Verbalphrase der generativen TG, da diese Konstituente im Strukturbaum nicht nur das Verb sondern auch alle vom Verb abhängigen Elemente (-> Objekte) dominiert. (Bussmann 83 S.398)
Das Subjekt ist in vielerlei Hinsicht ähnlich einem Komplement, da der Typ des Subjekts durch das Hauptverb eingeschränkt wird.
It rained all day. There is a man in the field. That Stefan was late annoyed Maja.
Es regnete den ganzen Tag. Es ärgerte Maja, dass Stefan zu spät kam. Dass Stefan zu spät kam, ärgerte Maja.
In GB geht man davon aus, dass alle Sätze ein Subjekt und ein Prädikat haben. Wenn das Subjekt nicht realisiert wird, wie z.B. in sog. Pro-Drop Sprachen wie Latein, Spanisch oder Estnisch, wird ein leerer Subjektknoten angenommen.
In PS-Grammatiken gibt es wiederum zwei grundsätzlich unterschiedliche Methoden:
V[SUBCAT=2, AGR=NP] V[SUBCAT=3, AGR=NP]Bedeutungsleere Subjekte werden von normalen Subjekten unterschieden durch ein Merkmal NFORM.
V[SUBCAT=2, AGR=NP[NFORM=NORM]] V[SUBCAT=3, AGR=NP[NFORM=NORM]] V[SUBCAT=4, AGR=NP[NFORM=IT]]
Ungewöhnliche (nicht-kanonische) Komplemente sind solche, die als Komplement eines lexikalischen Heads fungieren, aber nicht als Geschwisterknoten auftreten (wie das üblicherweise der Fall ist). Dazu gehören im Englischen:
Who did John see? What did John want? I wonder [who Stefan annoyed].
In diesen Beispielen fehlt das Komplement zum transitiven Verb an der erwarteten Stelle und wird durch das Fragepronomen an anderer Stelle ersetzt.
Mary was annoyed. * Mary was annoyed Stefan.
In diesen Beispielen fehlt das Komplement zum transitiven Verb, da es zum formalen Subjekt des Passivsatzes geworden ist. Das Subjekt ist jedoch immer noch Komplement, da diese Position nicht von einem anderen Komplement eingenommen werden kann.
Ungewöhnliche (nicht-kanonische) Subjekte sind solche, die als Subjekt eines Prädikates fungieren, aber nicht in der Geschwister-Position auftreten. Dazu gehören im Englischen:
Who do you think annoyed Maja? I wonder [who do you think annoyed Maja]?
In beiden Fällen ist das Subjekt zu annoyed Maja nicht eine Geschwister-Konstituente dieses Prädikats. Die Vermutung liegt nahe, dass das Fragepronomen die Subjektfunktion übernimmt.
Stefan seemed to be a fool.
Das Subjekt des Gesamtsatzes dient auch als Subjekt des untergeordneten Satzes to be a fool.
Stefan is considered to be a fool.ebenso
Zu den Sätzen mit ungewöhnlichen Komplementen bzw. Subjekten gibt es oft nah verwandte Sätze mit gewöhnlicher Struktur.
Who did John see? <==> John saw whom? Stefan seemed to be a fool. <==> It seemed that Stefan was a fool.
Diese Verwandtschaft war der Ausgangspunkt für die Aussage der Transformationsgrammatik, dass Sätze, die an der Oberfläche ein ungewöhnliches Subjekt bzw. Komplemente haben, in einer darunterliegenden Ebene eine gewöhnliche Struktur haben, und dass die Strukturen dieser Ebenen durch systematische Transformationen ineinander überführt werden können. In PS-Grammatiken wird demgegenüber nur eine Ebene angenommen und die notwendigen Informationen werden mit Hilfe der Unifikation von Merkmalstrukturen durch die Syntaxstruktur "transportiert".
Bisher haben wir von Subjekt und Komplementen gesprochen und wir haben Komplemente mit Objekten gleichgesetzt. Jetzt wollen wir untersuchen, was ein Subjekt und was ein Objekt ausmacht. Oder sind Subjekt und Objekt axiomatische Begriffe (engl. primitive concepts), die man als gegeben betrachten muss?
Die Subjekt-Definition bricht zusammen, wenn durch Inversion das Subjekt und Teile des Prädikats vertauscht werden.
Is Stefan in town? Weiss er die Antwort? Den Mann hat der Hund gebissen.
Ähnlich problematisch ist deshalb die Definition eines syntaktischen Objektes.
Def. Objekt: Ein Objekt ist eine NP oder eine PP, die als Geschwisterknoten mit dem Verb verbunden ist, um ein V' oder eine VP zu bilden.
Es gibt Grammatiktheorien (wie z.B. LFG, Lexical Functional Grammar), die aus diesen Gründen, Subjekt und Objekt als axiomatische Einheiten ansehen, die in der Grammatik explizit zur Konstituentenstruktur in Beziehung gesetzt werden müssen. D.h. in der Grammatik wird vom Grammatikschreiber festgelegt, welche Konstituente Subjekt und welche Objekt ist. LFG unterscheidet folgerichtig zwischen der Konstituentenstruktur (dort c-Struktur genannt) und der funktionalen Struktur (f-Struktur). In der c-Struktur werden Dominanzbeziehungen festgehalten und in der f-Struktur werden funktionale Abhängigkeiten wie Subjekt, Prädikat, Objekt und auch Spezifikatoren benannt.
Demgegenüber wird in der TG das Problem dadurch 'gelöst', dass invertierte Sätze lediglich als Oberflächenrealisierungen von regulären Strukturen betrachtet werden, wo der Subjektbegriff nach der obigen Definition besteht.
In PS-Grammatiken, wie GPSG oder HPSG, wird das Subjekt in der oben beschriebenen Weise behandelt. Prädikat und Objekte werden nicht speziell differenziert.
Problematisch bei der Behandlung des Passivs ist die Veränderung der Subkategorisierungseigenschaften des Verbs. Ein Verb im Passiv nimmt prinzipiell ein Komplement weniger als in der aktiven Form.
Passivsätze in TG werden durch eine Transformation aus Aktivsätzen abgeleitet. In PS-Grammatiken werden Passivsätze durch ein Merkmal 'Passiv' beschrieben, das von der entsprechenden Verbform im Lexikon stammt.
Bei Raising-Sätzen wird das Subjekt einer Infinitivkonstruktion zum Subjekt einer übergeordneten Phrase 'angehoben'. Im Englischen unterscheidet man zwei Typen:
Stefan seems to be happy.
Stefan is likely to be happy.
In beiden Fällen bestimmt der Infinitiv (und nicht das Raising-Verb bzw. -Adjektiv) die Eigenschaften des Subjekts. Wenn der Infinitiv z.B. ein Dummy-Subjekt fordert, so muss das übergeordnete Subjekt ein Dummy sein.
It seems to be easy to please Maja. * Stefan seems to be easy to please Maja.
Im Deutschen gelten als Raising-Sätze: (entnommen aus [Bussmann 83])
Caroline liess/hörte den Bruder kommen.
Philip scheint/pflegt viel zu lesen.
Control-Sätze (dt. Kontrolle) sind auf den ersten Blick ähnlich wie Raising-Sätze. Sie enthalten ebenfalls eine Infinitivkonstruktion.
Stefan tried to please Maja. Stefan is eager to please Maja.
Aber im Gegensatz zu Raising-Sätzen können Control-Sätze nur normale Subjekte haben. Ein Dummy-Subjekt oder ein Satz-Subjekt ist nicht möglich. Einige Control-Sätze haben nicht das Subjekt sondern eine andere Konstituente als Controller.
Stefan persuaded Ben to be careful. Stefan appealed to Ben to go home.
Im ersten Beispiel ist der Controller, Ben, ein NP-Objekt; im zweiten Fall ist es Teil eines PP-Objekts.
Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist, dass der Controller durch einen Satz (mit finitem Verb) vom Infinitiv getrennt sein kann.
Ben wondered [if it was possible to tickle himself].
Im Deutschen gehören folgende Sätze zu den Control-Sätzen: (entnommen aus [Bussmann 83])
Sie versprach ihm, nach London zu fliegen. Sie überredete ihn, nach London zu fliegen. Sie versprach, uns nach London zu fliegen. Sie versprach uns, nach London zu fliegen.
Dabei ist zu beachten, dass beim ersten Beispiel das logische Subjekt der Infinitivkonstruktion identisch ist mit dem Subjekt des übergeordneten Satzes, während beim zweiten Beispiel das logische Subjekt der Infinitivkonstruktion identisch ist mit dem Objekt des übergeordneten Satzes.