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Bernie Ecclestone ist in Ungarn dabei - und ein gern gesehener Gast. Er rechtfertigt seinen Hockenheim-Verzicht. Rettet er nun sogar noch den Nürburgring?
Bernie Ecclestone soll ein Vermögen von rund drei Milliarden Euro haben
Budapest - In Budapest ist Bernie Ecclestone willkommen.
Die Zufahrtsstrasse zum Hungaroring trägt den Namen "Bernie Avenue".
Als Zeichen der Dankbarkeit dafür, dass der Formel-1-Patron die Königsklasse hier 1986 erstmals im Ostblock fahren liess.
Der Veranstalter der Premiere, Tamas Rohanyi, erklärte später gar, das Rennen habe "weltpolitische Bedeutung" gehabt und sei "ein bisschen am Fall der Mauer beteiligt".
Staatsmännisch in Budapest
Auch wenn dies natürlich masslos übertrieben ist, so ist es doch ein idealer Ort für Bernie Ecclestones Rückkehr auf die grosse Bühne.
Nachdem der Brite in der Vorwoche in Hockenheim noch alle Gesprächspartner durch sein Fernbleiben ohne Abmeldung verprellt hatte, stolzierte der 1,58 m kleine Formel-1-Boss am Freitag in Budapest wieder staatsmännisch durch das Fahrerlager .
Zuvor hatte sich der 81-Jährige schon in den Medien zurückgemeldet. Mit einer aufsehenerregenden Ankündigung in der Rheinpfalz, er plane den finanziell angeschlagenen Nürburgring zu kaufen .
Eine Aussage, von der niemand so recht wusste, wofür sie stand: einen revolutionären Plan, ein taktisches Manöver oder einen von Ecclestones gefürchteten Scherze?
Keine Angst vor Verhaftung
In der "Bild" rechtfertigte Ecclestone schliesslich seinen Verzicht auf den Besuch am Hockenheimring.
Er habe nicht, wie mancherorts gemutmasst, Angst gehabt, wegen angeblicher Bestechung des verurteilten Bankers Gerhard Gribkowsky verhaftet zu werden.
"Niemand hat mir gesagt, dass ich verhaftet werden würde. Ich glaube nicht, dass die Justiz in Deutschland so vorgeht", sagte er:
"Ich gehe davon aus, dass die deutschen Behörden mir so etwas vorher mitteilen würden. Mag sein, das sie anders handeln, wenn jemand einen Mord begangen hat oder wenn er ein Terrorist ist."
Zahlreiche Erklärungen
Der wahre Grund für sein Fernbleiben sei "ein Treffen in London mit Leuten vom Olympischen Komitee und vom Fernsehen aus Amerika. Es hat nicht geklappt, sie mit nach Hockenheim zu nehmen."
Warum er angesichts dieses sicher absehbaren Termins seinen Partnern in Deutschland nicht absagte, erläuterte Ecclestone nicht.
Es sei allerdings auch hinzugekommen, dass "meine Tochter Tamara private Probleme hatte, die ich regeln musste. Ich will nicht näher darauf eingehen."
Tamara Ecclestone hatte sich vor wenigen Tagen von ihrem Lebensgefährten getrennt.
Ecclestone droht Ärger
Vater Ecclestone droht in der mancherorts als "Berniegate" bezeichneten Schmiergeldaffäre um 44 Millionen Dollar möglicherweise eine Anklage, nachdem der zu achteinhalb Jahren Haft verurteilte Gribkowsky, Ex-Risikovorstand der Bayerischen Landesbank (BayernLB), gegen den Briten ausgesagt haben soll.
Die Staatsanwaltschaft in München äusserte sich bisher nicht offiziell, treibt die Ermittlungen aber voran.
Der Staatsanwalt hatte schon im Prozess gegen Gribkowsky gesagt, Ecclestone sei nicht das Opfer einer Erpressung, sondern er habe Gribkowsky bestochen.
Ecclestone als Nürburgring-Retter
Doch in Deutschland droht "Big Bernie" nicht nur Ungemach, manche hoffen auch auf ihn als den Retter. Er soll den Nürburgring in der Formel 1 halten - und am besten auch noch retten.
Der Vorstoss Ecclestones, den Traditionskurs in der Eifel möglicherweise kaufen zu wollen, kam dennoch unerwartet.
Bereitschaft, als Veranstalter auf eigenes Risiko in der Eifel aufzutreten, soll bei ihm nach Angaben der Rheinpfalz aber nicht bestehen.
Alle Einnahmen beanspruchen
Der "Bild" sagte Ecclestone, dass er möglicherweise schon "sehr bald" nach Deutschland kommen werde: "Ich will die Leute vom Nürburgring treffen. Wir wollen sehen, ob wir ihnen helfen können."
Dass er sich, wie von den Betreibern behauptet, bereit erklärt habe, künftig auf die Zahlung einer Fahrerfeld-Gebühr zu verzichten, dementierte er aber.
"Im Gegenzug würde Ecclestone als Veranstalter am Nürburgring auftreten und sämtliche Kosten tragen, aber auch alle Einnahmen beanspruchen", hatten die Betreiber, die inzwischen selbst ihr Interesse an einem Kauf äusserten, in einer Pressemitteilung erklärt.
SPORT1