Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03526.jsonl.gz/2320

Römisches Reich: Die Spätantike bildet den letzten Abschnitt des Altertums im römischen Reich, der zwar nicht mehr der „klassischen“ Antike angehört aber auch noch nicht dem Mittelalter zugerechnet werden kann. Sie ist durch ein Nebeneinander von antiken Traditionen und christlich-germanischer Überformung gekennzeichnet. Statt wie früher von einem Niedergang spricht man dabei heute für die Jahre von etwa 300 bis 600 meist neutraler von einer Transformation des antiken Rom’s. Ein herausragendes Ereignis dieser Epoche stellt der Siegeszug des Christentums und damit verbunden das langsame Verschwinden vorchristlicher Kulte und Traditionen dar.
Raetia: Im frühen 4. Jahrhundert wurde Raetia in Raetia prima und Raetia seconda aufgeteilt. Raetia prima hiess damals auch nach ihrer Hauptstadt Raetia Curiensis. Nach dem Tod des Churer Bischofs Tello nutzte Karl der Grosse etwa im Jahre 774 die Gelegenheit, indem er dem Nachfolger Bischof und Rector Constantius eine Schutzurkunde ausstellte. Damit band man ihn wieder an die Königsherrschaft. Dessen Nachfolger Remedius kam dann bereits vom Kaiserhof. Den Tod des Remedius benutzte Karl schliesslich zur endgültigen Integration des strategisch wichtigen Churrätiens in sein Reich. Indem er eine Ausscheidung zwischen Reichs- und Kirchengut vornahm entzog er den Bischöfen von Chur praktisch die materielle Grundlage ihrer weltlichen Herrschaft. Weiter wurde in Churrätien die Grafschaftsverfassung eingeführt, also auch direkt die weltliche von der geistlichen Gerichtsgewalt geschieden.
Raetia Curiensis: Die Mark-Grafschaft ChurRätien bildete fortan einen Teil des fränkischen Reiches. Im Jahre 917 proklamierte Markgraf Burchard II. von Churrätien das Herzogtum Schwaben. Unter seinen Nachfolgern wurde Churrätien deshalb Teil des Herzogtums Schwaben.. Im 10. und 11. Jahrhundert bestanden in Churrätien drei Grafschaften: Oberrätien und Unterrätien, getrennt durch die Landquart und die Rätikonkette, sowie das Vinschgau welches auch das Unterengadin umfasste. Die Grafschaft über das Vinschgau fiel Mitte des 12. Jahrhunderts an die Grafen von Tirol, Oberrätien an die Grafen von Buchhorn und Unterrätien an die Grafen von Bregenz.
Unterengadin: Etwa 2 km nördlich von Zernez ist aus der Spätantike die befestigte Siedlung Muottas da Clüs (46°43’7.80″N – 10° 5’23.90″E) aus dem Fritzens-Sanzeno-Kulturkreis bekannt. Sie richtete sich stark in Richtung des Val Camonica im Veltlin aus. Die Bewohner haben wohl Ackerbau und Viehzucht und über den Ofenpass bereits Handel betrieben. Von hier aus konnte man zudem den Transitweg über die Talfurche des Inn sperren und die Route Ofen-Flüela kontrollieren. Conrad hat von der „höchstgelegenen Festung des ganzen Raeterkreises“ gesprochen. Davon erhalten geblieben ist einzig eine etwa 150 m lange Trockenmauer die diese Siedlung umgeben haben könnte.
Bei einer Friedhofserweiterung bei der reformierten Kirche in Zernez fand man Grundmauern eines römischen Hauses und einer karolingischen Dreiabsiden-Kirche aus dem 8. Jahrhundert.