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Hispano-Suiza – die spanisch-schweizerische Automobillegende
Schweizer Ingenieurskunst und spanisches Kapital brachten in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts eine der exklusivsten Automarken überhaupt hervor, die die bilaterale Kooperation im Namen und die Flaggen beider Länder auch in ihrem Logo trug – Hispano-Suiza. Neben den Luxuslimousinen, die keinen Vergleich mit Fabrikaten wie Rolls-Royce, Duesenberg oder Bentley scheuen mussten, wurde das Unternehmen aber auch für seine Flugzeugmotoren bekannt.
Das Geld stammte von dem Bankier Damian Mateu, das technische Know-how vom Chefkonstrukteur Marc Birkigt (1878-1953). Birkigt hatte in Genf an der École de mécanique studiert und ging 1899 nach Barcelona, um bei dem Lastwagenhersteller La Cuadra zu arbeiten. Einer seiner ersten Entwürfe war ein elektrisch angetriebener Autobus. Kurz danach startete er mit der Entwicklung von Verbrennungsmotoren und konstruierte auch das Fahrgestell, den Motor und die Kraftübertragung für einen in Gänze neuen Pkw. La Cuadra ging allerdings bald in Konkurs, worauf Birkigt nach Genf zurückkehrte.
1902 trat der Bankier Juan Castro, Hauptgläubiger von La Cuadra, an Birkigt heran mit der Bitte, wieder nach Spanien zu kommen und beim Aufbau einer neuen Automobilproduktion mitzuhelfen. Der inzwischen verheiratete Ingenieur sagte zu und entwickelte während der Zeit bei der J. Castro Fabrica Hispano-Suiza de automoviles u.a. eine Kardanwelle für seine Fahrzeuge. Leider war auch dieser Unternehmung kein Erfolg beschieden – 1904 ging sie pleite.
Noch im gleichen Jahr sprangen finanziell der schon erwähnte Damian Mateu sowie Francisco Seix ein. Birkigt wurde Chefkonstrukteur und Mitinhaber der neugegründeten Hispano-Suiza, Fabrica de automoviles S.A. Der extraorbitante Preis der Fahrzeuge liess allerdings den Absatz in Spanien stagnieren, so dass die Firma Niederlassungen in Genf und Paris eröffnete, um mehr wohlhabende Kunden zu erreichen. In der französischen Hauptstadt gelang Hispano-Suiza dann 1906 auf dem Automobilsalon auch der endgültige Durchbruch.
Um die steigende Nachfrage vor allem in Frankreich zu bedienen, wurde 1911 ein neues Zweigwerk in Levallois bei Paris errichtet, 1913 ein weiteres in Bois-Colombes. Wie bei den meisten anderen Autoherstellern auch, brach mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs die Produktion von Zivilfahrzeugen fast gänzlich zusammen. Dass Hispano-Suiza diese Zeit erfolgreich überstand, lag ebenfalls am Genie und an der Voraussicht von Marc Birkigt. Der Ingenieur entwickelte einen neuartigen, wassergekühlten Flugzeugmotor, der sehr leistungsfähig und vor allem besonders zuverlässig war. Hispano-Suiza produzierte Tausende dieser Aggregate selbst und vergab Lizenzen in andere Länder. Viele Jagdmaschinen der Luftwaffen Frankreichs, Italiens, Grossbritanniens und der Vereinigten Staaten wurden damit ausgerüstet.
Aus dieser Zeit stammt auch das Firmenlogo, ein fliegender Storch. Es geht zurück auf das Emblem des französischen Kampfpiloten und Fliegerasses Georges Guynemer bzw. seines Jagdgeschwaders „Cigogne“, dessen Flugzeuge mit Hispano-Suiza-Motoren bestückt waren. Grossen Erfolg hatte nach dem Krieg eine Bordkanone, die in der Propellerachse integriert war und die bis dahin notwendige Synchronisation von Schussgeschwindigkeit und Propellerdrehzahl überflüssig machte. Auch der Zweite Weltkrieg bescherte Hispano-Suiza hervorragende Geschäfte mit der Lieferung von Munition und Kanonen für die alliierten Truppen.
Mit der Autoproduktion ging es allerdings bereits vor dem Krieg stark bergab. Das französische Werk in Bois-Colombes wurde 1937 geschlossen. In Spanien entstanden zwar noch Fahrzeuge, aber auch hier wurde der Bau wegen des seit 1936 herrschenden Bürgerkriegs massiv gedrosselt und durch Rüstungsgüter ersetzt. 1944 verstaatlichte die spanische Regierung schliesslich das Unternehmen.
1946 trat der Spanier Wifredo Ricart die Nachfolge von Birkigt als Chefkonstrukteur an, der vorher lange Jahre für Alfa Romeo tätig gewesen war. Hispano-Suiza war zu dieser Zeit aber schon in ENESA umbenannt worden, so dass die Marke als Autoname nicht mehr existierte. Seit dem Zweiten Weltkrieg entwickelt und baut Hispano-Suiza vor allem Flugzeugmotoren, Turbinen, Kraftübertragungen, Zubehör für Düsentriebwerke und Kriegsgerät. Im Zusammenhang mit Letzterem machte das Unternehmen in den 1960er Jahren durch einen grossen Skandal von sich reden. Als Generalunternehmer für den Schützenpanzer HS-30 der deutschen Bundeswehr war es in millionenschwere Bestechungen involviert, mit denen vor allem Politiker der CDU geschmiert wurden.
Seit dem Jahr 2000 steht Hispano-Suiza aber auch wieder für edle Autos. Auf dem Salon in Genf wurde damals der HS21 vorgestellt, eine Supersportwagen-Studie mit einem BMW-Heckmotor. 2001 folgte der K8, 2002 mit dem HS21-GTS ein weiterer Supersportwagen. All diese Prototypen entwarf der spanische Designer Mazel.
Ein richtiger Knaller war schliesslich der V10 Supercharged, der auf dem Genfer Salon 2010 präsentiert wurde. Das markante und auffällige Design stammt von Erwin Himmel, zuvor viele Jahre für VW und Audi erfolgreich, der 750 PS-Motor von Lamborghini. Allerdings müssen Käufer für jedes PS auch fast 1’000 Euro hinblättern: Der Preis liegt bei 700’000 Euro. Man darf gespannt sein, ob Hispano-Suiza als Automarke wieder langfristig Erfolg hat und welche Modelle noch folgen werden.
Oberstes Bild: Hispano-Suiza HS21 GTS (© Pepe, Wikimedia, CC)