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Über den Nutzen von Krebs-Früherkennungsprogrammen ist man sich schweizweit uneinig. Gewisse Kantone sind überzeugt, dass sie Leben retten und bieten Ihrer Bevölkerung flächendeckende Screeningprogramme. Andere Kantone wiederum verzichten darauf.
Bei einer Mammographie wird bei Frauen ab 50 Jahren eine Röntgenuntersuchung der Brust durchgeführt mit dem Ziel, bestehende Tumore möglichst frühzeitig zu entdecken und dadurch die Heilungschancen zu verbessern. Doch was ist der tatsächliche Nutzen des Mammographie-Screenings und wie gross der mögliche Schaden?
Medizinische Fragestellungen können oft nicht pauschal beantwortet werden. Deshalb sind transparente Informationen wichtig. Damit Sie den Nutzen und die Risiken des Mammographie-Screenings abwägen können, zeigen wir an dieser Stelle die Faktenlage auf – in Zusammenarbeit mit dem Harding-Zentrum für Risikokompetenz. Die wichtigsten Vor- und Nachteile werden klar und übersichtlich gegenüberstellt.
In Langzeitstudien nahmen Tausende Frauen über 50 Jahren entweder regelmässig am Screening teil oder nicht. Die Zahlen beziehen sich auf je 1000 Frauen über 50 Jahre*, die zehn Jahre oder länger am Mammografie-Screening teilgenommen haben (Screening-Gruppe), und eine gleich grosse Gruppe, die nicht am Screening teilgenommen hat (Vergleichsgruppe).
Langzeitstudien zur Brustkrebs-Früherkennung
Die Auswertung der wissenschaftlichen Studien zeigt, dass das Mammografie-Screening die Zahl der in zehn Jahren an Brustkrebs verstorbenen von fünf auf vier je 1000 Frauen senkte. Dieser Effekt schlug sich nicht auf die Gesamtkrebssterblichkeit nieder: Die Zahl der insgesamt an Krebs verstorbenen Frauen war in den Gruppen mit und ohne Mammografie-Screening identisch.
100 der je 1000 Frauen in der Screening-Gruppe hatten während der zehn Jahre mindestens ein auffälliges Ergebnis, obwohl sich später zeigte, dass sie keinen Brustkrebs hatten. Diese Frauen mussten zum Teil monatelang mit dieser Unsicherheit leben und weitere Diagnostik über sich ergehen lassen, bis Entwarnung gegeben werden konnte.
Mit dem Mammografie-Screening werden auch sogenannte «indolente» (langsam wachsende oder weniger aggressive) Tumore entdeckt, die sich nie zu einer lebensgefährlichen Krebserkrankung ausbilden. Da man die Entwicklung zu indolenten oder lebensgefährlichen Tumoren nicht vorhersagen kann, wurde bei etwa fünf von je 1000 Frauen in der Screening-Gruppe eine teilweise oder vollständige Brustentfernung durchgeführt, obwohl dies nicht nötig gewesen wäre.
Das Mammografie-Screening wird in der Schweiz von der obligatorischen Grundversicherung übernommen. In einigen Kantonen wird im Rahmen von kantonalen Programmen auf die Erhebung der Franchise verzichtet.
Weitere Informationen:
Das Swiss Medical Board empfiehlt in seinem Bericht vom Dezember 2013 keine systematischen Mammographie-Screening-Programme einzuführen und bei allen Formen des Mammographie-Screenings eine vorgängige gründliche ärztliche Abklärung und eine verständliche Aufklärung mit Darstellung der erwünschten und unerwünschten Wirkungen durchzuführen. Zum Bericht >