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Offen - in Form von Nadeln, Röhrchen und Platten - und eingepackt in schwere Bleibabschirmungen diente es seit Anfang des Jahrhunderts der sogenannten Curietherapie von Krebs und oft auch von Hauterkrankungen. Typischerweise enthielt eine solche Quelle 5 mg reines Radium-226, das in einem Abstand von 10 cm zu einer Dosis von 4 mSv in der Stunde führt. Ferner fand es in der Industrie besonders für selbst leuchtende Zifferblätter vielfältige Anwendung. Radium war sehr gesucht und kostete 2000-mal mehr als eine gleiche Menge Gold. So wurde es nicht selten als Wertgegenstand und Anlageobjekt gehandelt. Entsprechend liegen jetzt noch beträchtliche Mengen in Banktresoren und bei Notaren zur Verwahrung, obschon Radium heute nicht nur keinen kommerziellen Wert mehr hat, sondern wegen der Kosten für die fachgerechte Entsorgung eine Belastung darstellt.
Über die in den Jahrzehnten vor der Schaffung eines offiziellen Strahlenschutzes erzeugten Radiumquellen wurde kein systematisches Inventar geführt. In den letzten 20 Jahren sammelte das französische Commissariat à l'énergie atomique (CEA) in Zusammenarbeit mit dem Office de protection contre les rayonnements ionisants (Opri) allein in Frankreich 65 g Radium-226 ein, um es zur Lagerung in eine Spezialeinheit des Kernforschungszentrums Saclay zu überführen. 50 g stammten aus rund 5000 medizinischen Quellen und 15 g aus industriellen Rückständen. Doch dürften sich allein in Frankreich immer noch 20-40 g in über 1000 Objekten verteilt über das ganze Land befinden. Sie stellen - besonders wenn die Besitzer sich über die Art des Objekts nicht im Klaren sind - eine Strahlengefahr dar, nachdem in ungeschützter Nachbarschaft die zulässige Jahresdosis in wenigen Stunden erreicht ist.
Die zuständigen Behörden haben daher beschlossen, in Zusammenarbeit mit der Agence nationale pour la gestion des déchets radioactifs (Andra) eine nationale Sammelaktion zu unternehmen. Alle möglichen Spitäler, Arztpraxen und Privatpersonen werden angeschrieben, Inserate und Aufrufe werden in den Medien veröffentlicht und ein telefonischer Beratungsdienst wird aufgezogen, um den Verbleib dieser Quellen zu ermitteln und sie in sichere Verwahrung zu bringen. Für eine symbolische Gebühr von FF 100.- werden die Radiumquellen - notfalls sofort und mit einem Spezialfahrzeug des Opri - abgeholt und nach Saclay gebracht.
Quelle
P.B. nach Correspondance nucléaire de SFEN, 30. November 1999