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Das 19. Jahrhundert stand ganz im Zeichen der Wasserstrassen. 1869 öffnete nach über zehn Jahren Bauzeit der Suezkanal, der das Mittelmeer mit dem Roten Meer verbindet. Initiiert wurde das Projekt von Ferdinand de Lesseps, der sich selbst als «Schöpfer des Suez-Kanals» betitelte. Über 1.5 Millionen Arbeiter waren am Aushub beteiligt und der Bau verschlang umgerechnet 2.45 Milliarden US-Dollar.
Lesseps brachte die Wüsten-Wasserstrasse Ruhm und Ehre – und ihn auf eine ambitionierte Idee. Der frühere Diplomat gründete im Alter von 73 Jahren die Interozeanische Panamakanal-Baugesellschaft, um dieses Mal den Pazifik mit dem Atlantik zu verbinden. 1881 begannen die Bauarbeiten mit einem Kapital von 300 Millionen Francs, angedacht war eine Konstruktionszeit von acht Jahren. «Der Panamakanal wird leichter zu beginnen, leichter zu vollenden und leichter zu unterhalten sein als der Suezkanal», soll Lesseps prophezeit haben.
Der Bauherr vergass dabei offenbar die geografischen Gegebenheiten der Region und liess vor dem Spatenstich nicht mal das Terrain ausmessen. Genau wie der Suezkanal wollte man den Panamakanal auf Meereshöhe graben, ohne jegliche Schleusen. Das Bauprojekt mauserte sich zur Katastrophe, vier Jahre nach Beginn war erst ein Zehntel des Kanals ausgehoben, der Baugesellschaft ging das Geld aus.
Auch die Arbeiter wurden weniger. Durch Krankheiten wie Gelbfieber, Malaria und Typhus starben während Lesseps Bauzeit über 20’000 Menschen. Im Tagesrhythmus holte ein Zug die Leichen ab. Sie sollen später in Essigfässer eingelegt und nach Europa verschifft worden sein, um sie als Anschauungsmaterial an Krankenhäuser und Fakultäten zu verkaufen.
Die französischen Investoren kriegten vom Panama-Desaster vorerst nichts mit. Lesseps bestach systematisch Journalisten, Politiker und Banken, um die Realität zu beschönigen. 1887 wechselte der Visionär den Kurs und holte Gustave Eiffel an Bord, um nun doch Schleusen zu errichten. Mittlerweile hatte Lesseps unter anderem dank 350’000 französischen Kleininvestoren weitere finanzielle Mittel aufgetrieben.
Trotz aller Bemühungen: 1889 war Lesseps Interozeanische Panamakanal-Baugesellschaft bankrott, seine Machenschaften flogen auf und das Projekt Panamakanal wurde sistiert. Frankreich stürzte in eine Krise, als das Ausmass der Bestechungen ans Tageslicht kam – alleine im Parlament hatten sich 510 Abgeordnete von Lesseps schmieren lassen.
Im Alter von 83 Jahren wurde Lesseps zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, musste seine Strafe aber nicht absitzen. Mit 89 starb «der grosse Franzose» – ein Übername aus früheren Zeiten – angeblich so arm, dass nicht mal seine Beerdigung bezahlt werden konnte. Zehn Jahre nach Lesseps Tod gingen die Bauarbeiten unter amerikanischer Führung weiter. 1914 wurde der Panamakanal schliesslich eröffnet.