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Im März 1989 entwarf ein junger Physiker am Cern das Konzept für ein Netzwerk zum Informationsaustausch. Am Dienstag kehrt Tim Berners-Lee ans Cern zurück, um diese Geburtsstunde des World Wide Web zu feiern.
«Informationsmanagement: Ein Vorschlag»: Hinter diesem unscheinbaren Titel versteckt sich der Grundstein des World Wide Web, den Sir Tim Berners-Lee am 12. März 1989 am Cern legte. Privatnutzer hatte der Physiker damals allerdings noch nicht im Sinn: Ziel des Thesenpapiers war es, den weltweiten Datenaustausch in der Forschungsgemeinschaft zu vereinfachen.
Kernpunkt des Konzepts war eine gemeinsame «Sprache», mit der am Internet angeschlossene Rechner kommunizieren und Daten austauschen konnten: das Hypertext Transfer Protocol, kurz HTTP. In der Folgezeit tüftelte Berners-Lee weiter an seinem «Netz aus Informationsknotenpunkten, in dem sich Nutzer nach belieben bewegen können». Unterstützung bekam er von seinem Cern-Kollegen Robert Cailliau und formalisierte seinen Vorschlag im Jahr 1990: «WorldWideWeb: Vorschlag für ein Hypertext-Projekt».
Bis zum Ende des Jahres 1990 hatte er die Schlüsselkomponenten des WWW implementiert, HTML, HTTP und URL, und hatte den ersten Web-Server, -Browser und -Editor erschaffen. Im August 1991 stellte Berners-Lee das Projekt öffentlich vor: Das World Wide Web öffnete seine Türen der breiten Öffentlichkeit. Heute existieren rund 3 Milliarden Websites und die Hälfte der Weltbevölkerung ist online.
Entscheidend für den Erfolg des Internets war auch, dass das Cern 1993 die WWW-Software frei zugänglich machte und jedem erlaubte, sie zu nutzen und zu verbessern, wie das Forschungsinstitut anlässlich des Jahrestages schrieb. Berners-Lee verzichtete auf eine Patentierung. Ganz leer ging der Begründer des WWW jedoch nicht aus: Für seine Leistung wurde er mit mehreren hochdotierten Preisen ausgezeichnet, unter anderem dem «Turing Award».
«Die Erfindung des Web hat unsere Welt verwandelt und zeigt, wie Grundlagenforschung Innovation befeuert», liess sich Cern-Direktorin Fabiola Gianotti zitieren. Es sei eine grosse Freude, dass Sir Tim Berners-Lee dem Anlass des Cern zum 30-jährigen Jubiläum seines Thesenpapiers beiwohnen werde.
Um die Erinnerung an die bahnbrechenden Entwicklungen vor 30 Jahren zu erhalten, bemüht sich das Cern seit 2013, einige der digitalen Komponenten aus den Anfängen des World Wide Web wiederherzustellen. So gelang es kürzlich im Zuge eines Hackathon, den ersten Browser mit heutiger Technologie zu rekonstruieren. Zuvor war es gelungen, die erste Website wiederherzustellen, die dem World Wide Web-Projekt selbst gewidmet war.
Nach 30 Jahren scheint das WWW allerdings alles andere als erwachsen: Fake News, Wahlmanipulation, das Sammeln persönlicher Daten von Nutzern und der Missbrauch dieser Daten sind nur einige der Schattenseiten, die Berners-Lee damals wohl kaum vorhersehen konnte. So engagiert sich der Informatiker inzwischen, um das Internet wieder auf einen besseren Kurs zu bringen.
Zum einen setzt er sich für einen «Vertrag für das Web» ein, um die Integrität von Online-Informationen sicherzustellen. Zum anderen lanciert er mit seinem Team am Massachusetts Institute of Technology (MIT) eine Plattform namens «Solid», die Nutzern die Kontrolle über ihre persönlichen Daten zurückgeben soll.
(sda)