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Hast ihr gewusst, dass man Schmetterlingsflügelschläge hören kann?
Die nordamerikanischen Monarchfalter sind bekannt für die beeindruckende Massenwanderung, denn sie fliegen jeden Winter vom Norden der USA oder Canada nach Kalifornien oder Mexiko. Der Monarchfalter ist der einzige Schmetterling, der eine solch spektakuläre Reise von 4000 Kilometern unternimmt.
Die Schmetterlinge, die im Hochland von Mexiko überwintert haben, machen sich im Februar/März auf die Reise über die Grenze nach Kalifornien und Texas auf. Dort werden sie Ende April ankommen und sich fortpflanzen. Diese neue Generation, sagen wir die erste Generation, fliegt dann weiter in den Norden und stirbt, nachdem sie im Juni/Juli der zweiten Generation das Leben geschenkt hat. Die dritte und eventuell vierte Generation schlüpft im August/September aus ihrer Verpuppung. Diese Urenkel oder Ururenkel der letztjährigen Spätsommergeneration sind geboren um zu fliegen und sie wissen, dass sie sich auf eine lange Reise vorbereiten müssen.
Ihr Orientierungssinn ist ein Wunder, denn oft kehrt diese Generation zum gleichen Baum im mexikanischen Hochland zurück, wo ihre Verwandten schon überwintert haben.
Interessanterweise erfolgt diese Rückkehr genau auf den 1./2. November, den Tag des Día de los Muertos. Im Dorf wird ein Fest der Freude gefeiert, denn die Schmetterlinge verkörpern hier die Seelen der Verstorbenen, die nun zurückgekommen sind.
Viele Wissenschaftler und auch unser einheimische ß besorgt über die schwindende Population von Monarchfaltern, die den Sommer östlich der Rocky Mountains verbringen. Diese Gruppe wird immer kleiner und ihr Überleben kann durch folgende Begebenheiten bedroht sein: Durch zu viel Schnee oder Regen und durch das (illegale?) Abholzen von Eichen, Zypressen und Tannen in den mexikanischen Überwinterungsquartieren, sowie durch die immer kleiner werdenden Wolfsmilchpflanzen-Flächen in ihren Sommergebieten. Die Raupen fressen nur diese Pflanzen, die durch die Monokulturen in den USA eben stark zurückgehen.
Schon länger hat der WWF hier die Patenschaft des Santuarios übernommen. Sie schaffen Arbeitsplätze und versuchen das illegale Abholzen zu unterbinden, was aber keine einfache Aufgabe ist.
Die Menschen in dieser ländlichen Gegend sind arm. Sie bewohnen einfache Hütten, pflegen ein paar Maisfelder in der Nähe ihres Hauses, ein paar Hühner gackern im Garten herum. Die Gemeinde verdient etwas Geld mit Strassensperren, vom Staat erwartet man wohl schon längst keine Unterstützung mehr. Wir werden auch von Kindern angebettelt, bleiben aber jeweils hart. Auf dem Heimweg fuhren wir fast in eine Schnur, die von zwei Kindern gespannt worden war, sie wollten wie ihre Eltern auch Geld mit der Sperre verdienen.
Ein paar wenige haben das Glück und können vom Tourismus leben. Wir geben dem Parkplatzwächter etwas Geld, kaufen ein Schmetterling-Magnet und essen frisch gemachte Tortillas, die auf dem Holzofen gebraten werden.
Per Zufall ist kurz nach unserem Besuch hier in einer deutschen Zeitung ein Artikel erschienen. Er berichtet über eine junge Frau, die aus ihrem Dorf fliehen musste, weil sie sich öffentlich gegen die Abholzung eingesetzt hatte und ihr mit dem Tod gedroht wurde. Es ist leider auch wahr, dass vor ein paar Jahren Umweltaktivisten auf mysteriöse Weise verschwunden sind. Das ist nur eine von vielen traurigen mexikanischen Geschichten zum Thema Menschenrechtsmissachtung.
Wir hatten das Glück und sahen diese wunderschönen Tiere millionenfach in Trauben an den Bäumen hängen. Tausende flogen über unseren Köpfen, hoch in der Luft, auf dem Weg ihr Plätzchen zu finden. Wir standen still und andächtig im Wald, umgeben von diesen uralten riesigen Bäumen und lauschten dem Geräusch der Flügelschläge. Schön, konnten wir Zeugen sein von diesem beindruckenden Schauspiel.