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Wir kochten uns mit wunderbarer Sicht auf das Bergpanorama von El Chaltén ein spätes Mittagessen, als wir auf einmal ein Fahrzeug neben uns hörten. Wir blickten um die Ecke und sahen Sybille und Alex, die wir zuletzt vor etwa 7 Wochen in Montevideo gesehen haben!
Die Sonne brannte vom wolkenlosen Himmel und ausser der Strasse, die sich ihre Bahn mitten durch das flache staubige Land suchte, war da nichts. Der Fahrradfahrer stand am Strassenrand und winkte uns mit seiner Trinkflasche zu, er war sichtlich erschöpft. Er hätte von seiner langen Reise von Alaska bis hierher bestimmt manches zu erzählen gewusst. Wir versorgten den Herrn aus Avignon mit Wasser und Essen bevor sich unsere Wege wieder trennten.
Die Route 40 ist die Hauptstrasse an der Westküste von Argentinien. Daher erstaunt es umso mehr, dass davon ein Teilstück von 75 Kilometer nicht asphaltiert ist. Die Strasse ist so schlecht, dass sie bei Regen selbst für Allrad-Fahrzeuge unpassierbar ist. Wir wollten ursprünglich in der kleinen Ortschaft Tres Lagos übernachten, haben uns kurzerhand jedoch entschieden, doch noch weiter zu fahren. Unter einem Dach von Sternen holperten wir mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 30 km/h über die Strasse und sahen nur einige Hasen, die an unserem Fahrzeug vorbei hoppelten. Wir trafen nach Mitternacht in Gobernador Gregores ein und fanden bei einer YPF Tankstelle den lang ersehnten Schlafplatz. Aufgrund von Wassermangel konnten wir da jedoch nicht duschen und so suchten wir uns einen hübschen und sehr ruhigen Platz am Rio Chico. Wir badeten im kalten Fluss, wuschen unsere Wäsche und sahen vier Waschbären, die schnell kehrt machten als sie uns entdeckten.
Mitten im Nirgendwo stand es auf der Strasse, mit Warnblinker und aufgestelltem Pannendreieck. Der Motor sprang nicht mehr an und das Kühlwasser lief aus. Als Denis den Chilenen nach einem Abschleppseil fragte, kramte er ein gewöhnliches und ziemlich abgenutztes Seil hervor. Denis grinste und holte rasch sein Abschleppseil aus dem Büssli. Wir schleppten die zwei bis zur nächsten kleinen Ortschaft ab – immerhin ganze 80 Kilometer! Glücklicherweise war dieser Teil der Strasse wieder asphaltiert.
Wir überquerten erneut die Grenze nach Chile, wo sie abermals den (argentinischen) Pfeffer kritisch beäugten und die Dame in ihrem Bestreben etwas Verbotenes zu finden unsere Vorhangstange herunterriss.
Es folgte eine abenteuerliche Schotterstrasse durch Gebirge, stets mit toller Aussicht auf den Lago General Carrera, die bis zur Carretera Austral führte. Nach einem einsamen Schlafplatz genossen wir auf einem Campingplatz eine heisse Dusche. Als wir wieder zurück zu Louis liefen, vernahmen wir den Geruch von frisch gebackenem Brot. Wir entdeckten bei dem kleinen Häuschen vor dem Campingplatz das Schild „PAN“ und kauften in der bescheiden eingerichteten Backstube noch warme leckere Brötchen.
Am nächsten Morgen brachte uns eine rasante Fahrt in einem kleinen Boot über türkises Wasser zu Marmorhöhlen und faszinierenden Gesteinsformationen. Die Weiterfahrt nach Villa Cerro Castillo ging durch Wälder, Berge und über schlechte Schotterstrassen, die mit Löchern übersät waren und Dich regelrecht zum Slalom fahren zwingen. Zu weit ausgeholt, zu weit rechts, und schon steckten wir im Kies fest. Mist. Doch nur Sekunden nachdem wir ausgestiegen waren, hielten schon zwei Jeeps an und zogen uns innert wenigen Minuten wieder heraus. Während wir uns noch bei den Männern für die Hilfe bedankten, zog Louis bereits die Aufmerksamkeit der ganzen Familie auf sich.
Wir fanden einen Schlafplatz in einem Waldstück, spannten unsere Slackline und lasen bis spät in unseren Büchern. In der Nacht begann es zu regnen und als es frühmorgens immer noch auf Louis tropfte und wir die Kälte in unserem Bus wahrnahmen, genossen wir die Freiheit, einfach noch eine Weile liegen bleiben zu können.