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Walter Benjamin sagte einmal: Geschichte schreiben heisst, Jahreszahlen ihre Physiognomie zu geben. 1973 war zweifelsohne ein Jahr mit besonders markanten Gesichtszügen, geprägt vom Ende eines umsonst geführten Krieges in Vietnam, von der sich zuspitzenden Watergate-Affäre, vom Putsch gegen Salvador Allende in Chile und vom ersten Erdölschock, der wie kein anderes Ereignis zum Sinnbild für die Grenzen des Wachstums und für das Ende eines seit dem 19. Jahrhundert optimistischen technischen Fortschrittsglaubens wurde.
In diesem Jahr enttäuschter Hoffnungen und allgemeiner Desillusionierung drehte James William Guercio (der von Beruf eigentlich Musik-Produzent und Komponist ist) mit einem bescheidenen Budget von knapp einer Million Dollar einen heute leider fast vergessenen Cop-Film, der meiner Meinung nach zum Allerbesten gehört, was der amerikanische Film der frühen siebziger Jahre in diesem Genre hervorgebracht hat: Electra Glide in Blue.
Der Plot ist einfach gehalten und erzählt von den Hoffnungen und jähen Enttäuschungen des körperlich eher klein geratenen Motorradpolizisten John Wintergreen (gespielt von Robert Blake), der in der gelangweilten Einsamkeit der Wüste von Arizona auf seinem Motorrad Streife fährt und von nichts mehr träumt, als endlich aus seiner Uniform zu schlüpfen und als Detective mit schickem Anzug und Hut zur Mordkommission zu wechseln. Zahlreich, wenn auch nicht immer ganz gelungen, sind die Anspielungen auf den gesellschaftlich-politischen Kontext der damaligen Zeit.
Der in herrlicher Panavision von Kamera-Altmeister Conrad Hall auf Zelluloid gebannte Film lebt nebst des einfachen, aber starken Plots vor allem auch von der übergrossen Naturkulisse des Monument Valley, die zusammen mit der kompromisslosen Männlichkeit des Hauptdarstellers an die raue Atmosphäre eines Westerns erinnert. Zahlreich sind die Einstellungen, die sich als Homage an John Ford verstehen. Der von Guercio selbst geschriebene rockige Soundtrack unterstreicht die monumentale Kulisse aufs vorzüglichste. Es sei vor allem auf die sehr lange Schlussszene inkl. Abspann verwiesen, die vermutlich deshalb so ausgedehnt wurde, um fehlende Filmminuten zu kompensieren, aber indirekt eine unglaubliche Wirkung entfaltet.