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Live Earth. Die Bedeutung einer Konzertreihe für den Umweltdiskurs in den USA.
Dissertationsprojekt
Am 7. Juli 2007 engagierten sich rund 150 MusikerInnen und Bands wie Bon Jovi, Genesis, Madonna, The Police, Red Hot Chili Peppers und Rihanna an den Live Earth-Konzerten, um ein Zeichen gegen den Klimawandel zu setzen. Die durch den ehemaligen US-Vizepräsidenten initiierte globale Veranstaltung fand in Städten auf allen sieben Kontinenten statt und hatte das Ziel, Musikfans zu AktivistInnen zu transformieren.
Die Dissertation zieht die Live Earth-Konzerte und insbesondere die beiden in den USA durchgeführten Konzerte ins Blickfeld. Diese sollen in Bezug auf ihren Beitrag zur Politisierung des Umweltdiskurses in den USA untersucht und in die jüngere Entwicklung der Umweltbewegung in den Vereinigten Staaten eingeordnet werden. Zu diesem Zweck wird nach den Kommunikationsprozessen gefragt, in welchen Themen, Probleme und Gegenstände als politisch angesehen und als solche wahrgenommen werden. Das Politische wird dabei als etwas verstanden, das sich in Kommunikationsprozessen konstituiert, welche sich nicht nur auf Sprache allein, sondern auch auf non-verbale Kommunikation, oder genauer, auf Performanz beziehen. Durch den Fokus auf diese Kommunikationsprozesse der an den Konzerten beteiligten AkteurInnen soll die Frage geklärt werden, wie die Live Earth-Konzerte im politischen Diskurs zum Thema Umweltschutz und Klimawandel in den USA positioniert wurden und welchen Beitrag die Veranstaltung ihrerseits in Bezug auf die Politisierung der Thematik leistete. Die Verbindung zwischen musikalischen Aktivitäten und Umweltschutz wird dabei als langfristiger diskursiver Prozess verstanden, in welchem Veränderungen und Brüche nicht nur, aber insbesondere auch in Zusammenhang mit Live Earth sichtbar gemacht werden sollen.
Zur Beantwortung der Fragestellung wird eine diskurs- und performanceanalytische Methodik angewendet. Dadurch sollen die Konstruktionsprozesse, die dem von Gesellschaften und Individuen akzeptierten Wissen und ihrer wahrgenommenen Wirklichkeit zugrunde liegen, dekonstruiert und die Bedeutungsmuster hinterfragt werden, mit denen AkteurInnen ihre Umwelt ausstatten. Es interessiert hier sowohl die semantische als auch die kommunikative Ebene. Unter Berücksichtigung der Neuen Kulturgeschichte, die den Menschen in Form des homo culturalis als ein durch Kultur geprägtes und zugleich Kultur hervorbringendes Wesen konzeptualisiert, konzentrieren sich die Untersuchungen auf die Verbindung einer akteursgebundenen Sicht im Rahmen des Umweltdiskurses mit einer Analyse von strukturalen Aspekten, die wiederum auf die AkteurInnen einwirken. Somit rückt einerseits das Handeln der beteiligten AkteurInnen, andererseits aber auch dessen Regelung und Begrenzung durch die Struktur des Diskurses selbst ins Blickfeld. Als Quellen dienen hierfür zunächst Texte von Songs und Filmaufnahmen von Live Earth. Weiter werden aber auch persönliche Erinnerungen und Autobiographien von Nutzen sein, um die persönlichen Hintergründe und Interessen der AkteurInnen zu untersuchen. Auch Zeitungs-, Radio- und Fernsehberichte sind Gegenstand der Untersuchungen.