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Die Ergebnisse von zwei Ausgrabungen an ganz unterschiedlichen Standorten im mittelalterlichen Stadtgefüge Biberachs werden in diesem Band veröffentlicht. Die Grabung auf dem Viehmarktplatz erbrachte neue Erkenntnisse zum Siedlungsbeginn und der Entwicklung in Stadtrandlage und zur ersten Stadtbefestigung. Die Untersuchung des Gebäudes Marktplatz 7 befasst sich mit der Baugeschichte und Nutzung eines spätmittelalterlichen Bürgerhauses in zentraler Lage zwischen Kirche und Markt, das im Laufe seiner langen Geschichte unter anderem von einem Apotheker genutzt wurde.
Die Stadt Biberach bewahrte über Jahrhunderte eine weitgehend ungestörte mittelalterliche Altstadt mit einem beachtlichen Bestand an spätmittelalterlicher Bausubstanz. In der vorliegenden Publikation werden die Ergebnisse von zwei Untersuchungen vorgestellt, die unter völlig unterschiedlichen Fragestellungen und an gegensätzlichen Standorten im mittelalterlichen Stadtgefüge durchgeführt wurden. Die Untersuchung auf dem Viehmarktplatz galt primär der Frage nach dem Siedlungsbeginn und der Siedlungsentwicklung in Stadtrandlage und damit verbunden auch nach Verlauf, Art und Stärke der ersten Stadtbefestigung. Durch die Vorlage sowie die Interpretation des Fundmaterials wird ein Bild vom Alltagsleben in einer mittelalterlichen Stadt vermittelt. Bei der Untersuchung des Gebäudes Marktplatz 7 stand die Baugeschichte und die Nutzung eines Patrizierhauses in zentraler Lage zwischen Kirche und Markt im Vordergrund. Der Beitrag thematisiert weniger strukturelle Fragen der städtischen Entwicklung, sondern erhellt vielmehr die wechselvolle Hausgeschichte eines spätmittelalterlichen Bürgerhauses. Schwerpunkt der Betrachtung ist die Beurteilung und Interpretation eines umfangreichen Fundspektrums, das Rückschlüsse auf die Bewohner des Gebäudes erlaubt. So kann nachgewiesen werden, dass das Haus über einen gewissen Zeitraum von einem Apotheker genutzt wurde, und das Fundmaterial vermittelt einen Eindruck von der Praxis dieses Berufs. Weitere Funde ermöglichen Rückschlüsse auf unterschiedliche Lebensbereiche eines Haushalts und auf den Wandel seiner Sachkultur über Jahrhunderte.
Autorentext
Dr. Beate Schmid
geboren 1955 in Villingen-Schwenningen. Studium der Ur- und Frühgeschichte, Klassischen Archäologie und Ethnologie in Tübingen, Marburg und Freiburg; Promotion 1985 über "Die urgeschichtliche Besiedlung der Baar". Seit 1986 abwechselnd für das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg in Tübingen und für das Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz in Mainz als Mittelalterarchäologin tätig. Leitung, wissenschaftliche Auswertung und Publikation diverser archäologischer Ausgrabungen, vorwiegend Großgrabungen in mittelalterlichen Stadtkernen. Seit Frühjahr 2006 Referentin für Mittelalter- und Neuzeitarchäologie im Regierungsbezirk Tübingen, zunächst im Regierungspräsidium Tübingen, seit 2015 beim Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart.
Dr. Birgit Kulessa
geboren 1969 in Wuppertal. Studium der Ur- und Frühgeschichte, Klassischen Archäologie und Latein in Bochum und Tübingen. In ihrer Magisterarbeit und Dissertation beschäftigte sie sich mit Themen der Mittelalter- und Neuzeitarchäologie. Nach dem Studium verschiedene Grabungstätigkeiten und ein wissenschaftliches Volontariat im Kulturhistorischen Museum der Hansestadt Stralsund. Nach Geburt einer Tochter war Birgit Kulessa als wissenschaftliche Angestellte im Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Tübingen (Arbeitsbereich Archäologie des Mittelalters) im Rahmen eines DFG-Projektes beschäftigt. Aus dieser Tätigkeit ging die Promotion "Siedlungsgeschichte und Hafenentwicklung in der Hansestadt Stralsund vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit" hervor. Seit 2007 ist sie als Referentin für den "Archäologischen Stadtkataster Baden-Württemberg" beim Landesamt für Denkmalpflege beschäftigt. Ihr besonderes Interesse gilt vor allem der stadtarchäologischen Forschung.