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In Pakistan leben viele Geflüchtete und Minderheiten in Slums. Ihre Kinder haben häufig keinen Zugang zu Schulbildung.
Wer in Islamabad in der Nähe des berühmten Sunday Bazar von der 7th Avenue abbiegt, findet sich in üppigem Grün wieder. Prächtige Blumengärten beglücken das Auge, und auf beiden Seiten stehen pompöse Regierungsgebäude. Nur ein paar hundert Meter weiter jedoch ändert sich das Bild: Hier beginnt der Slum Rimsha.
Heimat der Ausgegrenzten
Slums gibt es viele in Islamabad. Über fast alle Stadtteile verstreut, sind sie ein Zeichen der raschen Urbanisierung, begleitet von Ungleichheit und Marginalisierung. Prognosen zufolge wird bis 2030 mehr als die Hälfte der pakistanischen Bevölkerung in Grossstädten leben. Bereits heute wohnen nach Angaben der Weltbank in pakistanischen Städten mehr als 40 Prozent der Menschen in Slums: afghanische Geflüchtete, Binnenvertriebene, religiöse und ethnische Minderheiten. Sie sind häufig in die Stadt gezogen, um Arbeit und eine bessere Lebensgrundlage zu finden. Ihre Hoffnungen werden aber meist enttäuscht. Sie werden als kriminell und unzivilisiert stigmatisiert, grundlegende Einrichtungen und sanitäre Anlagen gibt es kaum, der Zugang zu Gesundheit und Bildung ist erschwert. «Die Kinder erhalten keine qualitativ gute Bildung – sofern sie überhaupt zur Schule gehen können –, und die Überzeugung, sowieso keine gute Arbeit finden zu können, ist in ihren Köpfen verankert», weiss Maria Saif, Lehrerin an der Community-Schule in Rimsha.
Neue Perspektiven
Solidar Suisse ermöglicht seit 2014 marginalisierten Kindern mit Community-Schulen den Zugang zu Bildung. Als wir 2021 die Arbeit in Rimsha aufnahmen, war der Slum schwer von der Covid-19-Pandemie getroffen. Arbeitsplätze und Unternehmen waren verschwunden, und weil die Eltern keine Arbeit hatten, mussten die Kinder zum Einkommen beitragen. Bildung war – vor allem für Mädchen – kein Thema mehr. Solidar unterstützte die einzige Schule in der Umgebung, stellte den Lehrer*innen Unterrichtsmaterial zur Verfügung und bezahlte ihre Löhne. Jetzt haben die Eltern begonnen, ihre Kinder zur Schule zu schicken. «Ich habe mit vielen Frauen gesprochen und erreicht, dass sich zwei Mädchen angemeldet haben, die vorher nicht zur Schule gingen», sagt Naseem Akhter vom Schulkomitee. Das Solidar-Team sprach mit Eltern, Kindern und der Gemeinschaft über die Bedeutung von Bildung und führte mit Sportveranstaltungen nach der Pandemie wieder Freizeitaktivitäten ein. «Mein Leben hat sich durch den Besuch der Community-Schule völlig verändert», erzählt die Schülerin Nadia Ashraf. Früher habe sie sich nicht getraut, mit anderen Kindern zu sprechen, «jetzt geniesse ich es zu lernen.»
«Die Kinder erhalten keine qualitativ gute Bildung, und die Überzeugung, sowieso keine gute Arbeit finden zu können, ist in ihren Köpfen verankert.»