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Surreal, wie das Leben so spielt: René Crevel (10. August 1900 - 18. Juni 1935
«Er ist als Revolutionär geboren wie andere mit blauen Augen», hat Philippe Soupault von ihm gesagt, und tatsächlich lässt sich alles, was zwischen 1900 und 1935 als outsiderhaft und provokant galt, für diesen René Crevel reklamieren: Surrealist, Dadaist, Homosexueller, Opiumsüchtiger, Kommunist. Früh betätigte sich der Sohn eines Pariser Druckereidirektors literarisch, und die drei ersten Bücher brauchte er allein, um in monomanisch-aufwühlender Weise den Verlust des Vaters (der sich erhängte, als er 14 war) und den Hass auf die Mutter (die den Toten vor dem Kind aufs Wüsteste beschimpfte) zu verarbeiten und sich die eigene Todessehnsucht von Hals zu halten. «Détours», «Mon corps et moi», «La mort difficile» , hiessen dieTitel, denen dann 1929 der kühn-experimentelle Roman folgte, mit dem es Crevel gelang, den Surrealismus der Malerei in Sprache umzusetzen: «Êtes-vous fou?», die Frucht turbulenter Jahre als Verehrer der exzentrischen Mopsa Sternheim und als Bewunderer von Paul Klee, Renée Sintenis und Salvador Dali, die er innert kürzestem allesamt auch in hinreissenden Monographien porträtierte.
Doch hinter den exzentrischen Auftritten verbarg sich das schwere Schicksal eines Tuberkulösen, der immer wieder in Davos oder Leysin Hilfe suchen musste und sich in den gesunden Phasen dazwischen schonungslos verausgabte. Anfangs 1935 fühlte er sich völlig geheilt und setzte sich ebenso engagiert wie erfolglos für die Teilnahme der Surrealisten am Pariser «Congrès international des écrivains pour la défense de la Culture» ein. Aber die Krankheit entliess ihn nicht aus ihren Klauen. Am 17.Juni 1935 erfuhr er, dass er doch wieder tuberkulös war, diesmal an den Nieren, und tags darauf nahm er sich 35jährig in seiner Pariser Wohnung durch Öffnen des Gashahns das Leben. Ein Tod, den er in seinem Werk von Anfang an angekündigt hatte und auf den angesichts von dessen Eigenwilligkeit tatsächlich nicht der leuchtende Nachruhm eines Bréton oder Dali, sondern jenes endgültige Scheitern folgte, das er als einzig wirklich revolutionäres Ende gelten liess.