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Gerät der Verwaltungsrat der „Credit Suisse Asset Management (Schweiz) AG“ in den Greensill-Strudel? Dort sitzen FDP-Ständerat Ruedi Noser und Ex-Swiss Life-Chef Bruno Pfister.
Die Frage stellt sich wegen des Prospekts zu den Greensill-Fonds der CS. Im 39seitigen Dokument („Offering Memorandum“) ist als „Portfolio Manager“ nämlich „Credit Suisse Asset Management (Schweiz) AG“ aufgeführt.
Und nicht Greensill Capital. Die Firma von Alexander „Lex“ Greensill, der möglicherweise kriminell ist, wird im Prospekt kein einziges Mal erwähnt.
Der Prospekt ist das entscheidende Dokument, wenn es darum geht, die Verantwortungen zu klären. Auf Seite 29 steht, dass die CS Asset Management Schweiz nur begrenzten Einfluss auf das Konstrukt hatte.
„The Portfolio Manager will therefore not exercise discretionary investment management powers in respect of the Notes at the time of their acquisition (…)“, steht da.
Und weiter zu den „Notes“: „(…) will always meet certain predetermined criteria as negotiated by the Portfolio Manager before entering into the warehouse facility arrangement(s) (…)“.
Kurz: Die CSAM-Leute gaben den wahren, aber nicht genannten „Chefs“ des Konstrukts, den Managern von Greensill, faktisch Carte Blanche. Was sie mit diesen im „Warehouse facility arrangement“ vereinbart hatten, blieb geheim.
Umso mehr müssten die Fonds bei der Gründung auf sichere Beine gestellt werden, was die Risiken und Kontrollen sowie alle rechtlichen Vorschriften angeht.
Hier zeigt sich, dass die Supply Chain Fonds der CS massive Klumpenrisiken beinhalteten. Bei Funds of Hedgefunds gilt die 20-Prozent-Regel: 5 Mal 20 Prozent, grössere Risiken sind verpönt.
Die maximalen Risiken sind unter anderem in der „Verordnung über die kollektiven Kapitalanlagen“ geregelt. Als Leitschnur gilt, dass die Fondsmanager höchstens „20 Prozent des Fondsvermögens in Anteilen desselben Zielfonds anlegen“ sollten.
Bei den Greensill-Fonds lag das Maximum bei 30 Prozent. Es bestand faktisch keine genügende Risiko-Verteilung. Die Fonds waren nicht wirklich diversifiziert.
Trotzdem wurden die Greensill-Vehikel von der CS wie „sichere“ Geldmarktfonds angepriesen. Und dies alles mit dem Hinweis, dass der Portfolio-Manager die CSAM Schweiz sei.
Sichere und zuverlässige Swiss Banking Quality also, so jedenfalls der Eindruck, der im Prospekt erweckt wurde.
Dies führte zu einem enormen Erfolg im Markt. Die Greensill-Fonds der CS umfassten per Anfang März, als sie dichtgemacht wurden, rund 10 Milliarden Dollar investierte Kundenvermögen.
Effektiv handelte es sich nicht um Geldmarktfonds, die hoch liquide sind, sondern um Private Debt-Vehikel: Anlagen in Schuldpapiere. Diese hatten mit zunehmender Dauer erst noch statt wie geplant kurze plötzlich richtig lange Lauffristen – mit entsprechenden Ausfallrisiken.
Die Fonds ähnelten damit jenen der Zuger Erfolgsfirma Partners Group. Doch dort liegen die investierten Summen niemals in der Höhe der CS-Greensill-Konstrukte.
Damit stellt sich die Frage: Wer trägt die Verantwortung für die Fehler beim Aufbau, der Vermarktung und der Kontrolle der Fonds?
Im Management sind das die Rechts-, Compliance- und Operationsleute der CS Schweiz und Europa. Diese unterstanden den operativen Chefs, also Michel Degen als Leiter CSAM Schweiz-Europa, Lara Warner als Compliance- und Risiko-Chefin und Romeo Cerutti als General Counsel und damit oberster Jurist der Gruppe.
Die auf subalterner Stufe Verantwortlichen sind alle noch an Bord. Selbst Michel Degen, der Chef der CSAM Schweiz-Europa, ist weiter auf der Payroll der Bank, Rechtsleiter Cerutti sowieso. Einzig Lara Warner musste den Kopf für das Debakel hinhalten.
Es fragt sich, ob die zuständigen Spezialisten ihre Vorgesetzten ganz oben in der CS-Hierarchie ins Bild gesetzt hatten? Sind sie deshalb untouchable, haben sie ihren Job aus diesem Grund immer noch?
Falls dies der Fall ist, dann reicht der Greensill-Skandal bis an die Spitze der Bank. Der Verwaltungsrat der CS Asset Management (Schweiz) mit seinen „honorigen“ Mitgliedern stünde dann ebenso in der Verantwortung wie der ganze Rechtsbereich der Bank sowie die Spitzenleute von Compliance und Risk.