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Literaturhinweis: Semmelweis, von Louis-Ferdinand Céline (1894-1961)
In den 40er- und 50er Jahren des 19. Jahrhunderts war es für Frauen erschreckenderweise sicherer, in den Gassen von Wien zu gebären, als ein Krankenhaus aufzusuchen.
43Angesichts der Pandemie erleben wir zurzeit heftige medizinische Debatten und mir wurde in selber Zeit dieses kleine Buch von knapp hundert Seiten über die tragische Geschichte vom ungarischen Arzt Ignaz Philipp Semmelweis, welcher 1846 die Ursachen des Kindbettfiebers erforschte, empfohlen. In den 40er- und 50er Jahren des 19. Jahrhunderts war es für Frauen erschreckenderweise sicherer, in den Gassen von Wien zu gebären, als ein Krankenhaus aufzusuchen. Im Jahr 1846 starben nämlich über 30% der Frauen, die im Krankenhaus gebaren, an Kindbettfieber. Semmelweis erforschte die Ursachen und stellte mittels einer blossen Ausschlussdiagnose fest, dass das Kindbettfieber eine Infektion sei, welche durch die behandelten Ärzte übertragen wurde. Semmelweis machte für die hohe Infektionsrate die mangelnde Hygiene der Kollegen verantwortlich, weshalb er die Waschung der Hände mit Chlorkalklösung einführen wollte. Die Entdeckung und vor allem die Vorgehensweise von Semmelweis wurde von seinen Arbeitskollegen jedoch alles andere als gut aufgenommen und er bekam dafür heftige Gegenwehr, da seine Kernaussage eigentlich jene ist, dass die Ärzte den Tod übertragen.
Louis-Ferdinand Céline hat mit diesem Buch die bahnbrechende Entdeckung von Semmelweis gewürdigt und dabei mit eindrücklicher Art und Weise den unermüdlichen Kampf von Semmelweis gegen das Kindbettfieber, gegen die fast gesamte Medizinwelt, sowie gegen die Institutionen, dargelegt. Es ist eines dieser Bücher, die beim Lesen, eine gewisse Fassungslosigkeit hervorruft, da es deutlich aufzeigt wie sehr sich die Geschichte wiederholen kann.
Nicolas Chardonnens