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Die wohl bekannteste Form der Zucht bildet die Rassezucht bzw. Reinzucht. Sie dient dem Erhalt und der Förderung einer Rasse. Jeweils die besten Tiere werden zur Erzeugung des Nachwuchses angepaart. Die Beurteilung der Tiere erfolgt nach einheitlichen Kriterien (vgl. unten).
Bei der Gebrauchskreuzung werden Rassentiere gezielt gekreuzt, um gewisse Merkmale zu kombinieren (Milchleistung, Bemuskelung, Wettbeständigkeit, etc.). So werden teilweise Milchziegen mit Fleischziegenböcken angepaart, wenn der Nachwuchs zu Schlachtzwecken genutzt werden soll (in Erwartung gut bemuskelter, rasch wachsender Kreuzungslämmer).
Bei der Veredelungskreuzung wird vorübergehend eine leistungsstärkere Rasse eingekreuzt. So werden zum Beispiel Saanenziegenböcke mit anderen Rassen zur Steigerung der Milchleistung angepaart.
Die Verdrängungskreuzung dient schliesslich dem Aufbau einer Rasse, wenn zu wenige reinrassige Tiere zur Verfügung stehen. Die Böcke vertreten die Zielrasse. Sie werden mit weiblichen Tieren einer anderen Rasse angepaart. Die Kreuzungslämmer müssen wiederum von weiteren, reinrassigen Böcken gedeckt werden. Bereits nach vier Generationen beträgt der Anteil der Zielrasse 7/8.
Unter Inzucht ist die Anpaarung verwandter Tiere zu verstehen. Der Inzuchtgrad wird jeweils in Prozenten ausgedrückt (z.B. bei Paarung von Elternteil/Kind 25%, Vollgeschwistern 25%, Halbgeschwistern, 12.5%, Onkel/Nichte bzw. Tante/Neffe 12.5%, 1-fache Cousins ersten Grades 6.25%, 2-fache Cousins zweiten Grades, 3.13%, 1-fache Cousins ersten Grades 1.56%).
Grundsätzlich muss für die Erhaltungszucht einer Rasse der Inzuchtgrad nahe bei oder Null sein. Auch wenn Ziegen weniger anfällig auf Inzuchtschäden sind wie andere Tierarten, besteht doch auch bei ihnen die reelle Gefahr von Erbfehlern und Leistungs- bzw. Inzuchtdepressionen, mit negativen Folgen für die Fruchtbarkeit, Widerstandskraft und Milchleistung. Nach eingetretener Inzucht mit hohem Inzuchtgrad wird deshalb der Nachwuchs nicht selten zur Fleischproduktion verwendet.
Gerade bei gefährdeten Ziegenrassen gilt es zusätzlich zu berücksichtigen, dass die Ziegen aufgrund des insgesamt geringen Bestandes meist bereits einen gewissen Inzuchtgrad aufweisen. Eine Paarung (nahe) verwandter Tiere ist dann umso schädlicher.
Das Herdebuch bildet eine wichtige Grundlage zur Zucht der verschiedenen Ziegenrassen. Die erfassten Daten unterstützen die zielkonforme Zuchtauswahl. Sie helfen Inzucht zu vermeiden und die genetische Breite zu erhalten. Das Herdebuch von Ziegen und Schafen wird in der Schweiz von der Caprovis Data AG (CDAG) geführt. Hauptaktionäre sind der Schweizerische Ziegenzuchtverband (SZZV)und der Schweizerische Schafzuchtverband.
Mitte 2010 waren rund 30'000 Ziegen und Böcke im Herdebuch eingetragen. Enthalten sind die Angaben über Abstammung, Identifikation, Leistungs- und Qualitätsmerkmale sowie Körperform der Zuchttiere. Die Herdebuchaufnahme liegt in der Kompetenz des SZZV. Von Herdebuch-Eltern abstammende weibliche Gitzi gelten bis 42 Monate nach der Geburt "Herdebuch anerkannt". Sofern innert 42 Monaten keine Exterieurbeurteilung erfolgt, wird das Tier aus dem Herdebuch ausgeschlossen. Die definitive Aufnahme wird vollzogen, wenn die Ziege nach dem ersten Wurf eine Punktierung von mindestens Note 2 in allen Positionen erhält. Bei den männlichen HB-Tieren ist eine jährliche Burteilung bis und mit dem vierten Altersjahr erforderlich. Die Exterieurbeurteilung muss ebenfalls mindestens die Note 2 in allen Positionen betragen.
Bewertung der Experten (kant. Ziegenschau 2006 in Urnäsch)
Die Beurteilung von Zuchttieren erfolgt üblicherweise im Rahmen von Ziegenschauen. Aufgeführt werden dürfen alle Ziegenrassen von anerkannten Zuchtorganisationen (SZZV/PSR).
Die Bewertung gliedert sich nach fünf verschiedenen Positionen:
Position 1: Rassenmerkmale (însb. Haarkleid, Farbe)
Position 2: Format (Körperbau, Masse und Gewicht)
Position 3: Fundament (Gliedmassen und Stellung)
Position 4: Euter (Aufhängung, Form und Grösse)
Position 5: Zitzen (Länge und Ausrichtung mit Blick auf die Melkbarkeit)
Die Bewertung soll gute Leistungsmerkmale hervorheben und Mängel aufzeigen. Die Notenskala reicht von 1 bis 6; Die Note 6 steht für ausgezeichnet, 5 für sehr gut, 4 für gut, 3 für befriedigend und 2 für genügend. Die Note 6 wird nur an die Ausstich-Tiere vergeben. Die Note 1 bedeutet ungenügend und damit Ausschluss aus dem Herdebuch. In Deutschland und Österreich gilt das Neun-Punkte-System (von 1 für sehr schlecht bis 9 für ausgezeichnet).
Die erste offizielle Beurteilung und Herdbuchaufnahme erfolgt nach der ersten Ablammung. Böcke können bereits ab dem vierten Monat bewertet werden.
Nach der Bewertung erfolgt an der Ziegenschau jeweils die Rangierung. Aufgeteilt nach Alterskategorien werden die Ziegen und Böcke in jeder Gruppe von den Experten platziert.
Die wichtigsten Reglemente können auf der Internetseite des Schweizerischen Ziegenzuchtverbandes (www.szzv.ch) eingesehen werden.
Die Brunst tritt in der zweiten Jahreshälfte ein. Die Lammung fällt nach fünf Monaten auf den Jahresanfang. Der Fortpflanzungsrhytmus ist von der Tageslänge gesteuert. Bereits zwei Stunden wirken sich aus. Die Brunstsaison beginnt im Herbst, wenn die Tage kürzer werden, etwa 8 -10 Wochen nach dem längsten Tag.
Für die Steuerung der Brunst gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zum Beispiel fördert das Einstellen eines Bockes, nach einer längeren Trennung von den Ziegen, die Brünstigkeit. Die Brunstsaison kann aber auch mittels Lichtprogrammen gesteuert werden. Durch die Veränderung der Verhältnisse von Tag und Nacht wird der Herbst vorgetäuscht. Wenn im Frühjahr den Ziegen durch elektrisches Licht einen längeren Tag simuliert wird, kommt es etwa 10 Wochen nach dem Ende der künstlich verlängerten Tage zur Brunst. Dasselbe Resultat kann auch erreicht werden, wenn der Tag abends verkürzt wird und die Nacht durch Abdunkeln verlängert wird. Hormonbehandlung und spezielle Fütterung sind weitere Mittel zur Bunstbeeinflussung.
Die Brunstdauer liegt zwischen einigen Stunden bis drei Tagen. Tritt keine Trächtigkeit ein, wiederholt sich die Brunst nach rund drei Wochen.
Die künstliche Besamung gewinnt immer mehr an Bedeutung. Vor allem Grossbetriebe greifen immer häufiger auf diese Befruchtungsmethode zurück. Nach wie vor sind aber viele Züchter skeptisch.
Als Vorteile der künstlichen Besamung werden unter anderem genannt:
- raschere Zuchtfortschritte
- Vermeidung von Inzucht
- örtliche und zeitliche Unabhängigkeit
- erleichterte Tierseuchenbekämpfung
In Deutschland und Österreich ist die künstliche Befruchtungsart bei Ziegen noch wenig verbreitet. In der Schweiz und in Frankreich hat sie sich hingegen bereits wesentlich stärker durchgesetzt. Die künstliche Besamung macht aber auch hier noch immer lediglich einen Bruchteil aller Deckungen aus.
Die künstliche Besamung ist nach EU-Recht auch für den Öko-Landbau zugelassen. Sie wird dennoch von etlichen Züchtern als grob und wenig tiergerecht angesehen. Zu beachten gilt es auch, dass nicht nach jeder Besamung zwingend eine Trächtigkeit eintritt. Die Erfolgsquote liegt heute im optimalen Fall bei rund 2/3 der Tiere. Wenn hingegen der Bock rund vier Wochen mit der Herde mitläuft, beträgt die Deckquote meist 100 Prozent. Wer die Möglichkeit hat, sollte deshalb den natürlichen Weg gehen. Dafür spricht die Effizienz wie auch die Tiergerechtigkeit.
Einige Links zur künstlichen Besamung:
Ziegenzuchtverbände wollen die Ziegenzucht verbessern, die Verwertung ihrer Erzeugnisse fördern und damit die Ertragsfähigkeit der Ziegenhaltung steigern. Zu den Aufgaben der Verbände gehören unter anderem die Führung des Zuchtbuches, die Planung und Durchführung von Zuchtprogrammen und Zuchtmassnahmen, die Organisation von Leistungsprüfungen und Ziegenschauen, die Beratung der Mitglieder und vieles mehr.
Auf den nachfolgenden Internetseiten finden Sie interessante Informationen und kompetente Ansprechpartner: