Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03530.jsonl.gz/2005

Winterangriff aus dem Norden
Bereits in den Vortagen hatten alle Wetterdienste einen markanten Wintereinbruch von Samstag auf Sonntag angekündigt. Heute befanden wir uns tagsüber noch im Vorfeld der aktiven Kaltfront, welche sich aus Nordwesten der Schweiz annäherte. Nördlich der Alpen gab es nur noch kurze sonnige Abschnitte verbunden mit ersten Schauern und einem Rückgang der Temperatur. Inneralpin und im Süden blieb es dagegen noch freundlicher und etwas sonniger sowie wärmer.
Drei Luftmassenbereiche
Auf dem Satellitenbild konnte man die drei Luftmassenbereiche sehr gut erkennen:
1. Südlich (oder vor ) der Kaltfront die (noch) wärmere aber instabile Luftmasse mit ersten Schauerzellen
2. Der Bereich der Kaltfront mit kompakter Bewölkung und ausgedehnter Niederschlagszone
3. Nördlich (oder hinter) der Kaltfront das Einfliessen von „wetteraktiver“ polarer Kaltluft mit seiner gleichmässig verteilten, typischen Zellenstruktur (Schauerzellen).
Interessant ist auch der schmale Bereich unmittelbar hinter der Kaltfront (zwischen „gelb und blau“ im Bild). Diese Region ohne Schaueraktivität zeigt das rasche Absinken der Luftmasse hinter der Kaltfront, was zu einer vorübergehenden Stabilisierung führt. Es gilt: je stärker das postfrontale Absinken der Luft umso markanter die Abtrocknung und damit die Wolkenauflösung. Bei kompletter Wolkenauflösung ist ein Druckanstieg hinter der Front von mehr als etwa 5 hPa innerhalb 3 Stunden nötig. Im heutigen Fall betrug der Druckanstieg lediglich 2-4 hPa, womit zwar die Schaueraktivität nachliess, aber die Bewölkung eben nicht auflöste.
Vor der Kaltfront
Südlich der Kaltfront, also bei uns, befand sich die noch wärmere Luftmasse unter allmählicher Anfeuchtung und Destabilisierung. Darin entstanden vom Jura her die ersten Schauerzellen, verbunden mit einem auffrischenden Westwind. Am südlichen Rand des Zugersees wurden am späten Vormittag einzelne Gewitter registriert, am frühen Nachmittag dann auch im Raum Diepoldsau.
Aber auch auf der Alpensüdseite stimmten die Bedingungen für feuchte Konvektion. Obwohl die Luftmasse dort etwas weniger feucht war, entwickelten sich am späteren Vormittag dank der grösseren Labilität und der bodennahen Erwärmung der Luft ebenfalls Schauerzellen.
Mit der Kaltfront
Gegen Mitte Nachmittag erreichte die Kaltfront den Jura. Für uns Meteorlogen war dies nicht nur an der Radarsignatur gut erkennbar, sondern auch an den typischen Änderungen von Wind und Temperatur. Mit der Winddrehung von Südwest bis West auf Nordwest und gleichzeitiger Zunahme der Windspitzen war auch ein Temperaturrückgang um ca. 6 Grad zu beobachten.
Mit dem Einströmen der kälteren Luft in den bodennahen Schichten ist typischerweise auch ein deutlicher Druckanstieg verbunden, welcher zu einer weiteren Windzunahme führt. Deutlich war dies am Jurasüdfuss zu sehen. Der dort bestens bekannte Joran (Fallwind über den Jura) erreichte am späten Nachmittag Windspitzen von 50 bis 65 km/h, auf dem Chasseral wurden 92 km/h registriert. Aber auch im Flachland und am Voralpenrand traten anschliessend mit 40 bis 60 km/h ebenfalls starke Winde auf.
Langsame Verlagerung der Kaltluft
Die Schneefallgrenze sank mit der Kaltfront zunächst vor allem im Flachland der Deutschschweiz rasch in tiefe Lagen. Wie zum Beispiel in Basel, wo man am späteren Nachmittag in der Stadt dicke Flocken zu sehen bekam. Die weitere Verlagerung der Kaltfront verlangsamte sich dann allerdings am Abend, so dass die Unterschiede der Schneefallgrenze vom Flachland zu den Alpen noch länger gross blieben. In den Voralpen und Alpen sowie in der Westschweiz blieb die Schneefallgrenze noch über 1000 Meter. Im weiteren Verlauf des Abends wird sich die polare Kaltluft überall durchsetzen, weil dann auch in den höheren Schichten kältere Luft aus Nordwesten einfliesst.