Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03181.jsonl.gz/1569

| Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Schutzschrift gegen die Arianer (Apologia contra Arianos [seu Apologia secunda])

74.
So lautet also das Schreiben der Kleriker aus der Stadt mit ihren Namen. Der Brief aber, den die Kleriker aus der Mareotis schrieben, welche die Lebensweise des Anklägers kannten und mich auf der Rundreise begleiteten, lautet, wie folgt:
Der heiligen Synode der seligen1 Bischöfe der katholischen Kirche alle Priester und Diakonen in der Mareotis Gruß im Herrn.
Indem wir die Worte der Schrift kennen: „Was deine Augen sahen, das rede,“2 und: „Ein falscher Zeuge wird nicht ohne Strafe bleiben,“3 bezeugen wir, was wir gesehen haben, zumal da dieß Zeugniß die gegen den Bischof Athanasius gesponnenen Intriguen uns abnöthigten. Denn es nimmt uns Wunder, daß Ischyras überhaupt nach dem Maßstab der Kirche gemessen wurde, und davon glauben wir zuerst reden zu müssen. Ischyras ist niemals Diener der Kirche gewesen. Er nannte sich wohl vordem einen [S. 149] Priester des Kolluthus, aber Niemand glaubte es ihm mit Ausnahme seiner Verwandten. Denn er hatte weder jemals eine Kirche, noch wurde er überhaupt jemals in der nächsten Umgebung seines Dorfes von Jemand als Priester angesehen, ausser, wie gesagt, von seinen Verwandten. Aber da er sich einmal diesen Namen beilegte, so wurde er auf der in Alexandria versammelten Synode in Gegenwart unsers Vaters Hosius abgesetzt und unter die Laien versetzt, und diese Stellung behielt er in der Folge bei, und man war von dem falschen Glauben an seine Priesterwürde abgekommen. Wir halten es für überflüssig, von seinen Sitten zu reden, da Jedermann von denselben sich Kenntniß verschaffen kann. Da er aber unsern Bischof Athanasius wegen der Zerbrechung eines Kelches und Tisches verleumdet hat, so sind wir genöthigt, auch hierüber euch Aufschluß zu geben. Wir haben schon im Vorhergehenden gesagt, daß er niemals in der Mareotis eine Kirche hatte. So sei auch Gott unser Zeuge, daß von unserm Bischof kein Kelch zerbrochen und kein Tisch umgestürzt wurde, noch auch von irgend einem Andern aus seiner Begleitung. Vielmehr ist Alles, was man gesagt hat, Verleumdung. Das können wir sagen, da wir in der Nähe des Bischofs waren; denn wir begleiten ihn alle, wenn er in der Mareotis eine Rundreise macht, und er macht die Rundreise niemals allein, sondern er wird von uns Priestern und Diakonen insgesammt und einer ziemlichen Anzahl von Laien begleitet. Darum können wir auch, da wir während der ganzen Rundreise, die er bei uns gemacht hat, in seiner Begleitung uns befanden, Dieß sagen und bezeugen, daß weder ein Kelch zerbrochen worden ist, noch ein Tisch umgestürzt wurde, sondern daß er in Allem lügt, wie er selbst in einem eigenhändigen Schreiben bezeugt. Denn da er, nachdem er zu den Melitianern abgefallen war und bereits diese Aussagen gegen unsern Bischof Athanasius gemacht hatte, wieder in die Kirchengemeinschaft aufgenommen werden wollte, nahmen sie ihn nicht auf, obschon er in einem eigenhändigen Schreiben eingestand, daß hievon Nichts geschehen, sondern daß [S. 150] er von gewissen Leuten angestiftet worden sei, Dieß zu sagen.
1: Nach einer andern Leseart: „der heiligen.“
2: Sprüchw. 25, 8.
3: Sprüchw. 19, 5.