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| Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Achtes Buch
36. Einer ist jeder dem Geist, nicht der Person nach.
Der Apostel hat aber das Geheimnis des Herrenwortes festgehalten, das da lautet: „Ich und der Vater sind eins.”1 Wenn er die Einheit von beiden lehrt, so bezeichnet er die beiden in der Weise als einen, daß nicht eine vereinzelte Vereinsamung, sondern eine geistige Einheit besteht. Denn wenn auch der eine Gott Vater und der eine Christus Herr ist und jeder ebensosehr Herr wie Gott ist, so dulden sie doch in unserem Glauben weder zwei Götter noch zwei Herren. Einer ist also jeder, und weil dieses Einer-sein von jedem gilt, so gibt es nicht einen vereinzelten.
Wir können das Geheimnis des Glaubens auch nicht anders als mit den Worten des Apostels aussprechen. Einer nämlich ist Gott, und einer ist Herr. Deswegen, weil [das] Gott[-sein] nur von einem und von einem nur [das] Herr[-sein] gilt, so wird dadurch in dem Gott[-sein] auch das Herr[-sein] aufgewiesen, wie auch das Gott[-sein] in dem Herr[-sein].
Da hat man nichts von [zahlmäßiger] Einheit, so daß Gott vereinzelt sei; aber dennoch auch darf man nicht den Geist zerteilen, um die beiden nicht eine [wesensmäßige] Einheit bilden zu lassen. In dem einen Gott und dem einen Herrn vermag man auch nicht die Macht auseinanderzuhalten, um den Herrn nicht auch Gott sein zu lassen oder um dem Gott nicht auch das Herr-sein zuzugestehen. Durch das Aussprechen der Namen hat sich nämlich der Apostel davor bewahrt, entweder zwei Götter oder zwei Herren zu lehren. Deswegen hat er diese Darstellungsweise sich zu eigen gemacht, daß er in dem einen Herrn Christus zugleich auch den einen Gott bezeichnete und in dem einen Gott-Vater auch den einen Herrn bezeichnete; daß er aber auch nicht ein falschgläubiges Eins-sein einführte, um die Geburt des eingeborenen Gottes zunichte zu machen, und daß er deswegen [vielmehr] den Vater und den Christus bekannte.
1: Joh 10,30