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Die strategische Verbindung zwischen dem Atlantik und dem Pazifik wird im August ohne Glanz und Gloria 100 Jahre alt. Die ehrgeizige Erweiterung des Kanals führte zu einem finanziellen Konflikt, bei dessen Lösung die Versicherungsgesellschaft Zurich Insurance die Hauptrolle spielt.
Das Problem: Die Rechnung geht nicht auf. 2009 wurden die Kosten zur Erweiterung des Panama-Kanals auf 3,3 Mrd. Dollar geschätzt. Fünf Jahre später beliefen sich die zusätzlichen Kosten auf 1,625 Mrd. Dollar.
Stecken die Fehler in einer falschen Kostenberechnung oder der Ineffizienz der Baufirmen? Und vor allem: Wer bezahlt den Schaden?
Die aus Mitgliedern der Exekutive und Legislative bestehende Autorität des Panama-Kanals (ACP) und das Baukonsortium Vereinte Gruppe für den Kanal (GUPC) - Sacyr (Spanien), Impreglio (Italien), CUSA (Panama) und Jan de Nul (Belgien) - haben sich in einen Konflikt verstrickt, der 10'000 Arbeitsplätze gefährdet. Bei der Beschaffung neuer Geldmittel spielt Zurich Insurance eine Schlüsselrolle.
Probleme der Geologie
Anfangs 2014 machte der Koordinator der GUPC, Paolo Moder, Panama öffentlich für die Mehrkosten von 50% verantwortlich, da es vor der internationalen Ausschreibung die geologischen Probleme nicht klar zu identifizieren wusste. Dies habe es den Baufirmen verunmöglicht, die vereinbarten Termine und Kosten einzuhalten.
Die ACP wies dieses Vorwurf zurück und forderte das Baukonsortium auf, den Vertrag einzuhalten. Im Februar erreichte der Konflikt seinen Höhepunkt und die Arbeiten wurden vollständig eingestellt. Ein kostspieliger Entscheid für alle Beteiligten.
"Wir rechneten mit der Einweihung des Projekts Ende dieses Jahres. Pro Jahr Verzögerung beträgt der Schaden 300 Mio. Dollar", enthüllte der Verwalter der APC, Jorge Quijano, anlässlich der Einweihung des regionalen Weltwirtschaftsforums (WEF) in Panama City.
Für die spanische Firma Sacyr, die das Baukonsortium anführt, bedeutete der Konflikt den Verlust an Glaubwürdigkeit und den Absturz ihrer Aktien an den Börsen.
Für Zurich Insurance hingegen ist der Konflikt ein neues Geschäft: Grosse Bauvorhaben benötigen Sicherheit, und diese sucht man in der Versicherungsbranche.
Panama-Kanal
Laut der Regierung Panamas benützen jährlich 14'000 Schiffe mit insgesamt 300 Mio Tonnen Fracht diesen Seeweg, der in Zentralamerika den Atlantik mit dem Pazifik verbindet.
Der Kanal wurde von den USA gebaut und 1914 eingeweiht. Bis Ende 1999 verwalteten die USA den Kanal, um die Kontrolle laut einem in den 70er-Jahren unterzeichneten bilateralen Vertrag ab 2000 an Panama zu übergeben.
Seither ist die staatliche ACP für dessen Management und Verwaltung verantwortlich. Der Bau eines dritten Sets von Schleusen ist der erste Ausbau des Kanals.
Zurich Insurance ist die Versicherungsgesellschaft, welche die Garantie für das Baukonsortium GUPC übernommen hat. Zur GUPC, welche die internationale Ausschreibung mit einem Kostenvoranschlag von 3,118 Mrd. Dollar gewann, gehören Sacyr (Spanien), Impreglio (Italien), CUSA (Panama) und Jan de Nul (Belgien).
Zurich Insurance ist eine der weltweit führenden Versicherungsgesellschaften. Mit einer Belegschaft von 55'000 Angestellten ist sie in 170 Ländern vertreten.
(Quelle: Regierung Panamas und Zurich Insurance)Infobox Ende
Die Zürich greift ein
Die Bauarbeiten konnten nicht auf unbefristete Zeit eingestellt werden. Der aus unabhängigen panamaischen Experten zusammengesetzte Rat zur Konfliktlösung (DAB) ermahnte Panama und die Baufirmen, dass die wirksamste und kostengünstigste Lösung die Wiederaufnahme der Arbeiten sei. Auch Zurich Insurance forderte die Konfliktparteien zu einer Versöhnung auf.
Obwohl der Konflikt noch nicht vollständig beigelegt ist, kamen die ACP und die GUPC im März nach mehrwöchigen Verhandlungen und unter Ausschluss der Presse zu einem Übereinkommen, das die langsame Wiederaufnahme der Arbeiten ermöglichte.
Die GUPC bestätigt diese ersten Fortschritte: "Sowohl die ACP als auch wir als Baufirmen haben uns verpflichtet, je 100 Millionen Dollar zur Fortsetzung der Arbeiten beizusteuern. Auch eine neue Finanzspritze von 400 Millionen Dollar seitens der GUPC ist vorgesehen. Daran ist Zurich Insurance beteiligt, die das Übereinkommen ebenfalls unterzeichnet hat."
90% der von der ACP und der CUPC beigesteuerten Mittel sind für die Begleichung ausstehender Zahlungen an Zulieferfirmen bestimmt. "Es besteht die Absicht, das dritte Set der Schleusen bis Dezember 2015 zu beenden, also 15 Monate nach dem ursprünglich geplanten Termin", erklärt die CUPC.
Zürich verweigerte wegen der Vertraulichkeit seiner Rolle jegliche Erklärung betreffend ihre Beteiligung am Projekt.
Anonyme an den Verhandlungen beteiligte panamaische Quellen bestätigten jedoch gegenüber swissinfo.ch, dass Zürich eine Erfüllungsgarantie von 400 Mio. Dollar bereitgestellt habe, welche die Fortsetzung der Bauarbeiten ermögliche.
Dies bedeute jedoch nicht, dass Zurich diese Gelder freigeben werde, sondern sie dienten als Garantie, damit die GUPC zu neuen Bankkrediten komme.
Weiter will die CUPC Baumaschinen verkaufen, um zusätzliche 200 Mio. Dollar zur Verfügung zu haben.
Die Arbeiten wurden im Februar wieder aufgenommen.
Neuer Markt
Während der gegenwärtigen Nachkrise sind Geldmittel für grosse Bauprojekte ausschlaggebend.
In einer Analyse zum Thema bestätigt Michael Bond, Vorsteher der Abteilung Garantien der Zurich Insurance für Nordamerika, die für das Panama-Projekt verantwortlich zeichnet, dass die Wirtschaftskrise dem Finanzmarkt zugute komme.
"Da so viele Baufirmen Geschäfte machen wollen, ist es wichtiger denn je, dass die Ausführung der Arbeiten garantiert ist und Verträge eingehalten werden können. Und für Firmen, die unter grossem finanziellen Druck stehen, ist es lebenswichtig geworden, Verträge mit Dritten zu unterzeichnen, welche die Ausführung der Projekte absichern", schreibt Bond.
Diese Garantien geben den Firmen den notwendigen Rückhalt für "komplexe Projekte, an welchen fünf oder 6 Unternehmen beteiligt sind. Dies können eine Bankgarantie oder ein Kreditbrief nicht anbieten", fügt er hinzu.
Panamaische Quellen versichern gegenüber swissinfo.ch, dass in den kommenden Wochen Einzelheiten über die der GUPC zur Verfügung stehenden Geldmittel und die Lösung des Konflikts bekannt gegeben würden. Doch sie bestätigen auch, "ohne Garantie gibt es kein Geld."
Chronologie eines Konflikts
2006: Bekanntgabe der Absicht, den Panama-Kanal mittels eines dritten Sets von Schleusen auszubauen. Das Projekt soll Ende 2014 fertiggestellt sein.
2009: Das Baukonsortium GUPC gewinnt die internationale Ausschreibung.
2014: Ausbruch des Konflikts
- Januar: Die GUPC gibt bekannt, dass sie die Arbeiten mangels an Liquidität einstellen werde. Die ACP lehnt den Entscheid sowie den Vermittlungsvorschlag der Europäischen Kommission ab. Beide Parteien ersuchen Zurich Insurance um Verhandlungen.
- Februar: Die Verhandlungen werden abgebrochen und die Arbeiten stillgelegt. Laut der ACP sollte Zurich erlauben, die mit der CUPC vereinbarteGarantie von 400 Mio. Dollar zur Wiederaufnahme der Arbeiten freizugeben.
- März: Die GUPC, die APC sowie Zurich Insurance unterzeichnen ein erstes Übereinkommen und die Arbeiten werden fortgesetzt. Laut an den Verhandlungen beteiligten Quellen wird der Vertrag die Vergabe neuer Gelder ermöglichen.Infobox Ende
(Übertragung aus dem Spanischen: Regula Ochsenbein), swissinfo.ch