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Im weiblichen Akt «Nue Debout» von Marguerite Frey-Surbek treffen Klassik und Moderne aufeinander. Die Figur steht in klassischer Kontrapoststellung, mit Standbein und angewinkeltem Spielbein. Schon die Bildhauer der Antike verwendeten die Pose, um Bewegung in ihre Körperdarstellungen zu bringen. In der Seitenansicht wird der Eindruck noch verstärkt, und bei Surbek scheint die Frau tatsächlich loszuschreiten. Gleichzeitig ruht sie mit hängenden Armen und leicht geneigtem Haupt, mehr in sich gekehrt als vorausblickend. Das Bild entsteht zu einer Zeit, als die junge Künstlerin öfters in Paris weilt und an der Académie Ranson studiert. Für den modernen Stil der dort lehrenden Postimpressionisten spricht auch der dunkle, malerische Hintergrund, mit subtilen Farbnuancen und bloss angedeuteten Vorhängen links und rechts. Die Figur, teils im Halbschatten, teils im Licht tritt umso plastischer aus dem Dunkel hervor. Ein weiterer Akt aus demselben Jahr, «Nue assise», befindet sich ebenfalls im Kunstmuseum Thun. Beide geben sie Einblick in das schon früh versierte Schaffen der Künstlerin, inspiriert von der französischen Moderne.
Marc Munter
Die Künstlerin malt ein nacktes Modell.
Die Frau steht seitlich.
Ein Bein ist angewinkelt.
Das nennt man Spiel-Bein.
Auf einem Bein steht sie.
Das nennt man Stand-Bein.
Dieses Motiv finden wir oft in der klassischen Malerei.
Doch der dunkle Hinter-grund ist ganz modern gemalt.
Die Künstlerin war öfters in Paris.
Sie studierte an einer Kunst-Akademie.
Dort bekam sie Anregungen.
Sara Smidt