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Menschen mit traumatischen Kindheitserfahrungen haben es oft schwer im späteren Leben. Bei Pavianen ist das nicht anders.
Die Kindheit ist wohl die wichtigste Phase in der menschlichen Entwicklung. Wird hier doch der Grundstein für vieles gelegt, das sich später nur noch mit viel Mühe korrigieren lässt – so ist es etwa mit Übergewicht und Bildung, aber auch mit Schäden etwa durch Alkohol- oder Drogenkonsum. Wer schon in der Kindheit viele schlechte Erfahrungen macht, der hat es oft auch später nicht leicht.
Dass gilt offenbar auch für Paviane: In einer Untersuchung zeigte sich sogar, dass Tiere, die in ihrer Kindheit viel Elend erlitten hatten, früher starben als unbeschwert aufgewachsene Artgenossen. Der Unterschied in der Lebenserwartung betrage im Schnitt mehr als zehn Jahre, berichten die Forscher im Fachblatt «Nature Communications».
Sie glauben, dass bei Mensch und Pavian ähnliche Mechanismen die nachteiligen Spätfolgen traumatischer Kindheitserfahrungen verursachen. Die Forscher um Jenny Tung von der Duke University in Durham, US-Staat North Carolina, hatten Daten aus einer Pavian-Population in Kenia ausgewertet. Die Tiere werden seit 1971 nahezu täglich beobachtet. Für 73 der insgesamt 196 betrachteten weiblichen Paviane lagen vollständige Lebensgeschichten vor.
Statistisch analysierten die Forscher den Zusammenhang zwischen traumatischen Ereignissen in der Kindheit und der Lebenserwartung der Tiere. Als traumatisches Ereignis bewerteten sie zum Beispiel den frühen Tod der Mutter, das Aufwachsen unter grosser Konkurrenz oder das Erleben von Dürrezeiten.
Soziale Isolation, früherer Tod
Die Auswertung ergab, dass Weibchen, die drei oder mehr solcher Erfahrungen in ihrer Kindheit gemacht hatten, im Schnitt mit neun Jahren starben. Weibchen, die nur eine schlechte Erfahrung gemacht hatten, wurden hingegen mehr als doppelt so alt. Und Tiere mit einer ganz und gar unbeschwerten Kindheit erreichten sogar ein Alter von durchschnittlich 24 Jahren. Die am schwersten traumatisierten Tiere bekamen im späteren Leben auch weniger Nachwuchs, berichten die Forscher.
Auf welchem Weg traumatische Erfahrungen das Leben verkürzen, wissen die Forscher noch nicht. Eine Rolle spiele sicherlich die Verknappung von Ressourcen, etwa in Dürrezeiten oder bei starker Konkurrenz unter den Tieren. Aber auch die soziale Interaktion unter den Tieren scheint mit der Lebenserwartung im Zusammenhang zu stehen.
So hätten frühere Studien gezeigt, dass sozial isolierte Weibchen früher sterben. Passend dazu fanden die Forscher in der jetzt vorgestellten Untersuchung, dass die traumatisierten Tiere im späteren Leben weniger soziale Kontakte zu anderen Weibchen hatten.
Die Wissenschaftler vermuten, dass ähnliche Mechanismen auch beim Menschen die festgestellte Verkürzung der Lebenszeit durch frühe traumatische Erfahrungen auslösen. Viele Fachleute nehmen an, dass Menschen mit einer schweren Kindheit im späteren Leben häufiger zu Alkohol oder Drogen greifen und deshalb früher sterben. Bei Pavianen schieden diese Erklärungen aus. Sie seien vermutlich nur ein Teil der Wahrheit, sagt Studienleiterin Susan Alberts von der Duke University.
joe/dpa