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Performative Konzepte des Gemeinschaftlichen in der polnischen Kultur seit Beginn des 20. Jahrhunderts
SNF-Forschungsprojekt
Laufzeit: 2018-2022
Im 20. Jahrhundert brachten auch in Polen soziale und historische Krisenmomente unterschiedliche Konzepte des Gemeinschaftlichen hervor. Den Rahmen bildete das kommunistische Projekt: dessen theoretische Entwicklung, reale Umsetzung und schliessliche Überwindung. Das Forschungsprojekt untersucht den Kommunismus jenseits grosser Politik, in der polnischen Kunst und Kultur als politische Idee, kritische Utopie und soziale Realität.
Das Projekt widmet sich vier distinkten Krisenmomenten in der polnischen Kulturgeschichte. 1905 mündete die Krise kapitalistisch-imperialer Herrschaft in die erste proletarische Revolution. Nach 1956 kam es zu einer Neuorientierung des kommunistischen Projekts auch im Kontext der Dekolonisierung. Die Repressionen von 1968 gegen Pol*innen jüdischer Abstammung hingegen zerstörten die Idee eines visionären Sozialismus. Nach 1989 letztlich wich der Kommunismus einem neoliberalen System.
Im Zuge gerade dieser historischen Prozesse entstanden jenseits der offiziellen Staatspolitik Visionen einer gerechteren Gesellschaft und internationalen Gemeinschaft. Diese Formen einer Communitas bildeten sich in der kulturellen Praxis von Theater, Literatur, Film und bildenden Künsten; sie zeigten sich in politischen Protesten, subkulturellen Praktiken und sozialen Bewegungen. Das Projekt untersucht das Wechselspiel von Krisenprozessen und der Inszenierung einer anderen Gemeinschaft anhand von konkreten historischen und künstlerischen Materialien.
Das Projekt schreibt sich ein in die politische Anthropologie am Material kultureller Diskurse mit intersektionellen und transnationalen Verflechtungen. Somit werden soziologische, kultur- und kunstwissenschaftliche Ansätze mit einer postkolonialen Forschung zur dezentralen Wissensbildung und -vermittlung verknüpft.