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Ich möchte selbst über mein Leben bestimmen
Radhika ist 17 Jahre alt und lebt im östlichen Teil von Terai, in Nepal. Letztes Jahr, als sie erst 16 war, sagte der Vater zu ihr, sie solle das Haus in Ordnung bringen, denn in Kürze würde sie ihren Ehemann kennenlernen. Als sie noch minderjährig war, wurde von ihr verlangt, dass sie auf ihre Freiheit verzichte: auf die Schule, auf die Freundinnen, auf ihre Träume und auf ihre Zukunft. Radhika war verzweifelt.
Ihr machte diese Entscheidung schwer zu schaffen. “Ich möchte selbst über mein Leben bestimmen.”
Aber ihr war bewusst, dass sie dafür kämpfen musste mit dem Risiko die Hilfe und die Unterstützung der Familie zu verlieren und alleine zu bleiben.
Aber Radhika war nicht alleine!
Sie konnte sich an den Girls Club wenden, eines der von ActionAid errichteten Zentren für Mädchen, dem Radhika angehörte. Dort lernte sie, dass die frühkindlichen Zwangsehen illegal sind, und vor allem gab es dort eine Mädchengemeinschaft, die bereit war ihrem Hilferuf nachzukommen.
Seit 2020 standen wir ihr, gemeinsam mit dem Girls Club, für einige Monate zur Seite. Dabei organisierten wir zahlreiche Treffen mit ihrem Vater und informierten ihn über die negativen Auswirkungen einer frühkindlichen Zwangsehe: von den verheerenden Auswirkungen auf das Leben der jungen Mädchen bis zu den strafrechtlichen Folgen (das Gesetz sieht dafür bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe vor). Wir nahmen zusammen mit den Familien und der gesamten Gemeinschaft eine schwierige Aufklärungsarbeit vor, um diese frauenrechtswidrige Praktiken zu verhindern.
“Als mein Vater beschlossen hatte, die Hochzeit zu annullieren, war ich im siebten Himmel: ich war überglücklich, dass ich weiter in die Schule gehen durfte: ich und zwei weitere Freundinnen sind unter den wenigen Mädchen, die das fünfte Schuljahr besuchen“. Das ist für ein sechszehnjähriges Mädchen in Nepal eine riesige Errungenschaft!
Heute ist Radhika 17 Jahre alt. Jetzt, wo sie sich über sich selbst, ihre Kraft und die ihr zustehenden Rechte bewusst wurde, träumt sie davon „Lehrerin zu werden und den Mädchen dabei helfen zu verstehen wie wichtig Bildung ist“.
2021, dank allen unseren örtlichen Kolleginnen und Kollegen ist es uns gelungen allein in der Gemeinschaft, wo Radhika in Terai lebt, 24 Zwangsehen zu verhindern. 24 wertvolle Erfolge, die in der Lage sind eine positive Spirale im Kampf gegen die Gewalt an Frauen in Gang zu setzen.
Aber die Gewalt an Frauen kennt keine Grenzen und es gibt noch sehr viel was wir gemeinsam tun können. Weltweit werden 15 Millionen Mädchen jährlich zu einer Zwangsehe gezwungen. Jede Minute sind es 28.
In den über 45 Ländern, in denen wir anwesend sind, arbeiten wir von ActionAid eng mit den örtlichen Vereinen zusammen: um Bildung und Schulung zu gewährleisten, um ein flächendeckendes Netz von Projekte und somit aktive und selbständige lokale Gemeinschaften zu schaffen. Diese Gemeinschaften, welche in Gruppen von Frauen, Kinder und Landwirte organisiert sind, werden die Hauptakteure unserer Arbeit sein und dabei lernen, selbst für die Förderung und den Schutz ihrer Rechte zu kämpfen.
Es gibt noch zahlreiche Mädchen und Frauen, die wir auf dem Weg zu einem gewaltfreien Leben begleiten müssen. Gemeinsam können wir ein anderes Finale schreiben und eine Welt aufbauen ohne geschlechterbezogene Gewalt!