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29.03.2021 // Neue Normen und Produkte
Chain of Custody
Umfassende Bemühungen zur Standardisierung und Vereinfachung von Grenzverfahren, wie zum Beispiel Zoll-, Gesundheits- und Pflanzenschutzverfahren, wurden durch das WTO-Abkommen über Handelshemmnisse umgesetzt. In diesen Bemühungen fehlt jedoch zum einen eine standardisierte Sprache und zum anderen ein detaillierter horizontaler Ansatz. Dieser Ansatz stellt sicher, dass die angegebenen Eigenschaften, die auf einem Material oder Produkt angepriesen werden, korrekt sind und die Produktintegrität auch nach der Lieferung überwacht werden kann.
In diesem Zusammenhang spielt die Produktkette, auch Chain of Custody oder kurz CoC genannt, eine wichtige Rolle. Die Produktkette ist der Prozess, in welchem Inputs und Outputs sowie die zugehörigen Informationen transferiert und kontrolliert werden und dies während das Produkt sich durch die jeweiligen Schritte in der Lieferkette bewegt. Die Dokumentation der Produktkette führt also alle Organisationen in einer Lieferkette auf, die während der Produktion, der Verarbeitung, des Versands oder des Einzelhandels mit dem Produkt in Kontakt gekommen sind.
Das Ziel eines CoC-Systems ist es, die Glaubwürdigkeit von Produkten und Produktionsbedingungen sowie deren Rückverfolgbarkeit sicherzustellen, so dass man sich auf die Produktdeklaration verlassen kann. Um dies zu erreichen, müssen Anforderungen und Massnahmen auf jeder Stufe der Lieferkette definiert werden. Es gibt eine Reihe von verschiedenen CoC-Modellen, um die Bewegung von Produkten durch eine Lieferkette zu verfolgen. Diese unterscheiden sich in Bezug auf die genaue Kenntnis bezüglich der Produktherkunft und der Komplexität der Implementierung. Jede Branche und jedes System sind jedoch anders und die Anforderungen an das CoC-System variieren manchmal sogar innerhalb von den einzelnen Modellen. Daher können auch ein oder mehrere CoC-Modelle als Mittel zur Überprüfung der Einhaltung der Anforderungen einbezogen werden.
Ein Grossteil der aktuellen Arbeit im Bereich der Handelserleichterung konzentriert sich auf die Erfüllung spezifischer rechtlicher und regulatorischer Anforderungen, wie zum Beispiel das harmonisierte Warencodierungssystem (Harmonized System) für den Zoll. Über diesen spezifischen regulatorischen Bereich hinaus gibt es für die freiwillige Normung die Möglichkeit Einfluss zu nehmen. Dies, indem sie definiert, dass die angegebenen Merkmale von Produkten in der gesamten Lieferkette eingehalten und kontrolliert werden sollen. Ein Beispiel hierfür ist die ISO 22095 «Chain of Custody - Allgemeine Terminologie und Modelle» , welche von den ISO-Mitgliedern als horizontale Norm anerkannt und im Oktober 2020 veröffentlicht wurde.
Da man noch mehr Normen für den Bereich Chain of Custody entwickelt möchte, soll das bestehende ISO Projekt Komitee ISO/PC 308 in ein technisches Komitee, das ISO/TC 308, umgewandelt werden. Das geplante ISO/TC 308 soll Normen für Produkte und deren Prozesse definieren und die folgenden in der ISO 22095 definierten Modelle der Produktkette abdecken:
- Identity preserved
- Segregated
- Controlled blending
- Mass balance
- Book and claim
Die Massenbilanz- und Book-and-Claim-Normen sollen zuerst entwickelt werden, da Massenbilanz-Implementierungsmethoden in der internationalen Handelserleichterung weit verbreitet sind. Die ISO-Normen sollen den Wandel hin zu einer verantwortungsvolleren Produktion und einem verantwortungsvolleren Konsum ermöglichen und damit zur Erreichung der nachhaltigen Entwicklungsziele (SDG12) der Vereinten Nationen und dem europäischen Green Deal beitragen.
Um den horizontalen Charakter der vom ISO/TC 308 geplanten Normen zu gewährleisten, ist eine enge Zusammenarbeit mit diversen bestehenden Komitees geplant, wie zum Beispiel:
- ISO/TC 287 Nachhaltige Prozesse für Holz und Holzwerkstoffe
- ISO/TC 292 Sicherheit und Widerstandsfähigkeit
- ISO/TC 298 Seltene Erden
- ISO/TC 307 Blockchain und Distributed-Ledger-Technologien
- ISO/PC 315 Indirekte, temperaturgeführte Kühllieferdienste - Landtransport von Paketen mit Zwischenübergabe
Darüber hinaus wird auch eine Zusammenarbeit mit diversen anderen technischen Komitees angestrebt.
Die geplante generische Produktketten-Normenreihe ISO 22095 soll die modulare Nutzung verschiedener, verwandter und bereits bestehender Normen oder interner Systeme ermöglichen. Das bedeutet, dass es keine Überschneidungen mit den bestehenden sektorspezifischen oder produktspezifischen ISO-Initiativen oder mit privaten Standards geben soll. Die geplanten Normen sollen vielmehr als Massstab dienen, um die Unterschiede zwischen den Anforderungen in verschiedenen Normen und Zertifizierungssystemen zu identifizieren. Sie sollen allen Organisationen, die in der globalen Lieferkette tätig sind, ermöglichen, die steigende Marktnachfrage nach Transparenz besser zu erfüllen und den Marktzugang zu vereinfachen. Dies, indem sie eine einheitliche Sprache und Kriterien in der gesamten Lieferkette verwenden. Die Vorteile kommen allen Beteiligten zugute, da sie alle durch die Verwendung der allgemeinen Terminologie und der Produktkettenmodelle Zeit und Kosten sparen. Der erste Arbeitsentwurf der Massenbilanz- und Book-and-Claim-Normen für die committee-draft-Abstimmung soll voraussichtlich im 2021 verfügbar sein.
Potentielle Struktur des technischen Komitees Chain of Custody (Quelle: FORM 1: proposal for a new filed of technical activity )
Quellen:
Weiterführende Informationen finden Sie hier:
Sind Sie eine Expertin oder ein Experte auf dem Gebiet und möchten Normen beeinflussen? Durch Ihre Teilnahme können Sie aktiv Einfluss auf Normen nehmen, Einblicke in die Welt der Normung gewinnen und sich mit anderen Expertinnen und Experten Ihres Fachgebietes vernetzen. Das ISO/PC 308 ist im Nationalen Komitee INB/NK 501 «Consumer policy» gespiegelt.
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