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Musiker, Widerstandskämpfer, Komponist, Dirigent und Politiker: All das vereint Mikis Theodoraki in einer Person. Er gilt als die Stimme Griechenlands und als Komponist der heimlichen griechischen Nationalhymne: der Musik zum Film «Alexis Sorbas». Heute wird er 90.
Theodorakis hat das Dirigieren und Komponieren seit langem aufgegeben. Das Bild des 1.90 Meter grossen Mannes, der mit ausgestreckten Armen Orchester, Sänger und manchmal auch das Publikum «in den musikalischen Himmel» erhob, sieht man nur noch im Fernsehen oder in alten Filmen.
«Mikis», wie jeder in Griechenland ihn nennt, wirkt jedoch immer noch jung und dynamisch, wenn er sich mit leuchtenden Augen und lauter Stimme zu politischen Themen äussert, die sein Land beschäftigen.
Zwar hat er sich zunehmend in sein Haus unterhalb der Akropolis zurückgezogen. Doch jeder, der in Griechenland eine Rolle spielt, muss einmal mit Mikis gesprochen haben. Zuletzt war es Regierungschef Alexis Tsipras, der ihn nach seinem Wahlsieg im Januar besuchte. Theodorakis gab ihm mit den Worten «Ich stehe Dir bei» bildlich seinen Segen.
Zur Musik kam der 1925 auf der Ägäisinsel Chios geborene Theodorakis durch einen alten Film über Beethoven. «Ich bat meinen Vater, der beruflich nach Athen fuhr, mir alles zu bringen, was er in der Hauptstadt über Musik finden konnte. So fing es an.» Später studierte er Musik am Athener Konservatorium.
Politisch ein wechselndes Farbenspiel
Während des Zweiten Weltkrieges wurde er Widerstandskämpfer. Beim anschliessenden Bürgerkrieg (1947-1949) schlug er sich auf die Seite der Linken. Er wurde in die Verbannung geschickt.
Als Komponist wurde Theodorakis Anfang der 1960er Jahre weltbekannt mit der Musik zu «Alexis Sorbas», dem Film von Michael Cacoyannis mit Anthony Quinn in der Titelrolle. Danach kämpfte er gegen die Obristenjunta in Griechenland (1967-1974). Er wurde festgenommen und gefoltert. Bis 1974 lebte er im Pariser Exil. Dort komponierte er «Axion Esti», «Das Lied vom Toten Bruder» und den «Canto General».
Nach der Wiederherstellung der Demokratie 1974 kehrte er in seine Heimat zurück und startete ein politisches Wechselspiel ohnegleichen. Theodorakis wurde Abgeordneter für die Kommunisten; als sie ihn enttäuschten, wurde er für die Konservativen ins Parlament gewählt. Eine Weile lang war er Minister der konservativen Partei, danach näherte er sich den Sozialisten an.
Nach Ausbruch der schweren Finanzkrise gründete er aus Protest gegen die harten Sparmassnahmen eine Bewegung gegen die Unterwerfung Griechenlands. Sie blieb ohne politischen Widerhall. (sda/dpa)