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Um was geht es? Das Buch von Franco Ruault «Geschäftsmodell Judenhass. Martin Hilti» arbeitet die politische und wirtschaftliche Verstrickung von Martin Hilti in der Zeit des Zweiten Weltkrieges auf. Martin Hilti ist zusammen mit seinem Bruder der Gründer der Hilti AG, einer heute mit gut 25 000 Mitarbeitenden weltweit tätigen Unternehmung aus dem Fürstentum Liechtenstein. Unbestritten ist, dass Martin Hilti ein bekennender Nazi und ein führender Kopf in der nazionalsozialistischen Bewegung im Fürstentum Liechtenstein während des Zweiten Weltkrieges war. Doch Ruault geht weiter als die bisherige Forschung. Denn er macht eine enge kausale Verknüpfung zwischen der politischen Gesinnung und dem geschäftlichen Erfolg.
Wie reagieren Historiker auf das Buch? Franco Ruault wird sowohl vom Liechtensteiner Historiker und ehemaligen Präsidenten der «Unabhängigen Historikerkommission Liechtenstein Zweiter Weltkrieg» Peter Geiger als auch vom an der ETH Zürich tätigen Historiker Werner Hagmann eine solide Quellenbasis attestiert. Und es wird ihm bescheinigt, einen wichtigen Beitrag zur Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus während des Zweiten Weltkriegs im Fürstentum Liechtenstein geleistet zu haben.
Franco Ruaults Forschungsarbeit kommt das Verdienst zu, die politische und wirtschaftliche NS-Verstrickung Martin Hiltis als führende Figur der Volksdeutschen Bewegung erstmals umfassend und vertieft aufgearbeitet zu haben.
Dennoch wirke die Kernthese von Ruault ein wenig forciert, denn - so Hagmann - man «wird kaum behaupten können, jeder Unternehmer, welcher mit dem Dritten Reich erfolgreiche geschäftliche Beziehungen gepflegt habe, sei zwangsläufig ein überzeugter Nationalsozialist gewesen».
Wie reagiert die heutige Hilti AG auf das Buch? Die Leiterin der Kommunikation der Hilti AG, Jessica Nowak, schreibt auf Anfrage des Regionaljournals, dass zwar die damalige Firma von den Aufträgen aus Deutschland profitiert habe. Aber nach dem Krieg sei die Firma vor der Insolvenz gestanden. Erst mit technologischen Innovationen in den 50er-Jahren sei der Firma der Durchbruch auch international geglückt. Aus Sicht von Jessica Nowak seien das deshalb zwei verschiedene Firmen. Und sie betont auch, dass sich Martin Hilti nach dem Krieg öffentlich von seiner nationalsozialistischen Vergangenheit distanziert habe.
SRF1, Regionaljournal Ostschweiz, 17:30 Uhr