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Kunstgeschichtliches
Die Elisabethenkirche ist die bedeutendste neugotische Kirche der Schweiz und steht unter eidgenössischem Denkmalschutz. Sie wurde von 1857 bis 1865 als erste evangelische Kirche in Basel nach der Reformation erbaut. Sie diente als Ersatz für eine kurz vor der Reformation errichtete Pfarrkirche, die ihrerseits auf die Spitalkapelle des 13. Jahrhunderts zurück geht. Diese war der heiligen Elisabeth von Thüringen geweiht, der damals volkstümlichsten Vertreterin der Barmherzigkeit.
Die finanziellen Mittel für den Bau stammen vom Grossgrundbesitzer Christoph Merian (1800-1858). Bevor er am Ende seines Lebens sein gesamtes Vermögen der „lieben Vaterstadt Basel“ vermachte, hat er den Neubau für die Elisabethenkirche ausgeschrieben. Es sollte eine Kirche entstehen, an der nicht gespart werde und die "ein Mahnmal gegen den Ungeist der Zeit und gegen die Entchristlichung der Gesellschaft" darstellen sollte. Er wollte einen Monumentalbau mit Umgebungsanlage in mittelalterlicher Form, der 1200 Sitzplätze umfasst.
1856 wurde aus einem nationalen Wettbewerb keiner der 16 eingereichten Arbeiten der erste Preis zugesprochen. Von den beiden zweitrangierten Entwürfen wurde nach der Überarbeitung Ferdinand Stadler von Zürich mit der Ausführung betraut. Von 1857 bis 1865 dauerten die Arbeiten, die nach den Plänen Stadlers von Christoph Riggenbach und nach dessen Tod von Karl Wartner geleitet wurden.
Die Kirche
Die Elisabethenkirche als dreischiffige gewölbte Hallenkirche mit Emporen, Frontturm (Osten) und polygonalem Chor (Westen), erfuhr im Laufe der Planung und Ausführung vor allem im Innern unzählige Projektänderungen und Überarbeitungen. Das Äussere der Kirche aus grauem Sandstein wurde, bedingt durch die Verwitterung, bereits 1895 bis 1899 renoviert. Im figürlichen Schmuck wurde Zurückhaltung geübt: Die Wasserspeier am Dach, das Giebelrelief über dem Haupteingang (Christus mit der Samariterin am Jakobsbrunnen), die Kanzel und die übrige Bauplastik wurden von Jacques-Ange Corbel (Paris) gestaltet. Die Steinkanzel stellt den eigentlichen Kernpunkt der Kirche dar (Baldachin aus Holz, steinfarbig bemalt). Die Holzkanzel wurde 15 Jahre später wegen der schwierigen Akustik eingebaut.
Boden
Marmorstreifen resp. Steinzeugplättchen in Muster gelegt.
Decke
Gewölbe in Backstein gemauert.
Beleuchtung
Ursprünglich Gas, Kandelaber und Wandarme später auf Elektrizität umgebaut.
Geläute
4 Glocken im C-Dur-Vierklang.
›› Hörprobe
Kupferdach Turm
70,5 m hoch (Georgsturm des Münsters: 66,5m), hat eine Plattform auf 52,5 m und 228 Stufen.
Orgel
von Merklin, Paris. 1862 erbaut mit 29 Registern, 2800 Pfeifen. 1949 wird ein Umbau vorgenommen und das Orgelwerk mit 41 klingenden Registern ausgerüstet.
Scheiben
Die strahlend farbigen Chorfenster (Die Anbetung der drei Könige, Kreuzigung und Auferstehung Christi) wurden1865 von den Gebrüdern Christian und Heinrich Burkard (München) geschaffen. Im Langhaus finden sich Doppelfenster mit Grisaillemuster und bunten Bordüren.
Die Krypta
Sie befindet sich unter dem Chor der Kirche und bildet als Kapelle den Vorraum zur Grabkammer des Stifterehepaars Christoph und Margaretha Merian-Burckhardt.
Diese liegen in zwei schwarzen löwenfüssigen Marmorsarkophagen bestattet, hinter denen sich in zwei Spitzbogennischen ihre weiss-marmornen Portraitbüsten befinden: Christoph Merian 1859 von H.R. Meili, Binningen (Elisabethenbrunnen), Margaretha Merian-Burckhardt 1886 von Ferdinand Schlöth, (St. Jakobs-Denkmal) geschaffen.
Die spätere Geschichte
1968 entbrennt eine öffentliche Diskussion um den Abriss der Elisabethenkirche. Sie soll einem Parkhaus weichen. Nach der Erstellung der Lukaskirche 1973 fällt die Funktion als eigentliche Gemeindekirche weg, und sie wird von der Elisabethengemeinde nur noch sporadisch benutzt. 1975 erfährt sie durch den Neubau des Stadttheaters eine sehr grosse Veränderung in ihrem Umfeld. Die Kleinkinderschule wird abgebrochen, die Pfalz durch den Neubau verdeckt und die beidseits der Kirche herunterführenden Treppen aufgefüllt. Dadurch ist der Zugang zur Krypta und der Gruft nur noch durch einen Erschliessungsgang des Theaters möglich. 1978/79 wird eine Umnutzungsstudie für ein Musikinstrumenten-Museum (heute im Lohnhof) mit Konzert- und Vortragsmöglichkeiten erarbeitet (durch die Basler Denkmalpflege und den Regierungsrat abgelehnt). Nach verschiedenen Zwischennutzungen wird die Elisabethenkirche 1990 zur Durchführung einer vierjährigen Aussenrenovation (10 Mio. CHF) geschlossen.
Die Umgestaltung
Zum Zweck der heutigen Nutzung werden im Innern der Kirche verschiedene bauliche Massnahmen im Umfang von 0,5 Mio. CHF getroffen, die die Christoph Merian Stiftung übernimmt. Ein Grossteil der Bänke werden im Kirchenestrich eingelagert, der Kirchenraum mit den restlichen Bänken und neugotischen Stühlen aus den Seitenschiffen neu möbliert. Dadurch wird eine flexible und vielfältige Nutzung des Kirchenraums möglich. Auf den Emporen werden die Bänke abgebaut und die abgetreppten Böden ausgeebnet, aus der Sakristei wird ein Aufenthaltsraum für den Präsenzdienst. In den zwei strassenseitigen Treppenhäusern wird eine Café-Bar mit Innen- und Aussenbestuhlung eingebaut, im andern Aufgang eine WC-Anlage. Die Elektro-Anlage wird an die neuen Bedürfnisse angepasst und eine Grundausrüstung für Licht und Ton installiert. Die übrige Ausstattung wie Kanzeln, Chorgestühl und Beleuchtungskörper bleiben unverändert.
Die heutige Nutzung
Am 30.April 1994 wird die Elisabethenkirche wieder eröffnet und von der Evangelisch-Reformierten Kirche Basel-Stadt in einem Leihvertrag dem ökumenischen Verein Offene Kirche Elisabethen übergeben. Dieser betreibt die Elisabethenkirche nach dem Grundkonzept der City-Kirche als Werktagskirche. Es ist die erste City-Kirche der Schweiz und vielleicht eine der offensten Kirchen Europas. Sie ist Gotteshaus und Menschenhaus in einem, ein Ort für Stille und Ruhe, aber auch für Feste und Lebensfreude. Sie ergänzt mit ihrem Programm die Angebote der traditionellen kirchlichen Einrichtungen und belebt in Spannung zwischen Tradition und Zeitgeist alte und vergessene Traditionen wieder neu.