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Bei der Behandlung eines Ebola-Patienten in Texas hat sich eine Klinikmitarbeiterin offenbar mit dem tödlichen Virus infiziert. Die Frau habe sich am Freitagabend mit leichtem Fieber gemeldet und sei unter Quarantäne gestellt worden, teilten die Behörden am Sonntag mit. Sie wurde demnach positiv auf Ebola getestet. Es war das erste Mal, dass sich ein Mensch in den USA infizierte. Ebola grassiert als Seuche in Westafrika und wurde von einem Liberianer nach Texas eingeschleppt.
Die erkrankte Frau betreute den Mann, der am Mittwoch elf Tage nach seiner Einweisung in die Klinik gestorben war. Damit nimmt die Sorge zu, dass sich Ebola auch ausserhalb der bislang betroffenen Länder ausbreiten könnte. Ein zugelassenes Medikament oder einen Impfstoff gibt es nicht.
Auch andere Mitarbeiter könnten sich angesteckt haben
Unklar war zunächst, wie genau sich die Frau mit dem Virus anstecken konnte. Das Texas Health Presbyterian Hospital in Dallas erklärte, die Mitarbeiterin habe alle Vorsichtsmassnahmen eingehalten, die von der Bundesgesundheitsbehörde CDC vorgeschrieben seien. Dazu gehörten etwa Schutzmantel, Handschuhe und Atemmaske. CDC-Direktor Thomas Frieden aber erklärte, es seien eindeutig Anweisungen verletzt worden. Das gesamte Behandlungsteam stehe nun unter Ebola-Verdacht. Es sei nicht ausgeschlossen, dass sich weitere Mitarbeiter angesteckt hätten. Den Angaben zufolge hatte die Frau offenbar nur mit einer Person Kontakt, während sie ansteckend war.
Ebola-Infizierte können andere Menschen anstecken, wenn sie selbst Symptome der Krankheit zeigen. Dazu gehören Fieber, Kopfschmerzen, Durchfall, Erbrechen oder Muskelschmerzen. Das Krankenhaus in Dallas, das nach eigenen Angaben über 900 Betten verfügt, steht bereits in der Kritik: Der inzwischen gestorbene Liberianer begab sich bereits Ende September in die Klinik. Zu diesem Zeitpunkt litt er schon unter Fieber und erklärte, in Westafrika gewesen zu sein. Trotzdem wurde er nach Hause geschickt. Zwei Tage später wurde er mit einem Rettungswagen in die Klinik gebracht und auf der Isolierstation behandelt, wo sich insgesamt mehr als 50 Mitarbeiter um ihn kümmerten.
Nach Klinikangaben mass die infizierte Mitarbeiterin zweimal täglich selbst bei ihr Fieber und wandte sich an ihren Arbeitgeber. Bei der Ankunft in der Klinik sei sie sofort isoliert worden, teilte das Krankenhaus mit.
Wohnung der Frau wurde dekontaminiert
Der Bürgermeister von Dallas, Mike Rawlings, sagte, die Wohnung und das Auto der Frau würden dekontaminiert. Unter den Anwohnern wurden Flugblätter mit Hinweisen verteilt. Der 57-jährige Nachbar Cliff Lawson sagte, er sei am Sonntagmorgen um 06.00 Uhr von zwei Polizisten geweckt worden. Sie hätten ihn aufgefordert, ruhig zu bleiben. «Danach bin ich wieder ins Bett gegangen. Man kann nichts machen. Man kann sein Haus nicht in Luftpolsterfolie einpacken.»
In Spanien hatte sich eine Krankenschwester bei der Behandlung eines Ebola-Patienten angesteckt. Die Behörden des Landes äußerten sich am Sonntag über die Heilungschancen vorsichtig optimistisch. Die 44-Jährige sei noch nicht außer Gefahr, aber es bestehe die große Hoffnung, dass die Krankheit bei ihr langsam unter Kontrolle gebracht werde, erklärte das Gesundheitsministerium. Das Virus im Körper der Frau sei auf dem Rückzug. Ihr Zustand sei ernst, aber offenbar stabil.
Kontrollen an US-Flughäfen
Aus Angst vor weiteren Ebola-Fällen haben die USA inzwischen besondere Kontrollen von Reisenden aus den betroffenen Gebieten in Westafrika angeordnet. Am New Yorker Flughafen JFK erfassten die Behörden am Wochenende erstmals im grossen Umfang mit Strahlungsthermometern die Körpertemperatur von Passagieren aus Guinea, Sierra Leone und Liberia.
Andere Staaten haben ähnliche Massnahmen eingeführt. Für Deutschland lehnte der Flughafenverband ADV dieses Thermoscreening ab. Der Aufwand sei extrem hoch, der Nutzen zugleich sehr zweifelhaft, da schon die Einnahme eines einfachen fiebersenkenden Medikaments genüge, um einen erkrankten Passagier für die Temperaturkontrolle unauffällig zu machen.
«Wir alle haben die Folgen von Ebola unterschätzt»
Die Weltgesundheitsorganisation gibt die offizielle Zahl der Ebola-Toten inzwischen mit 4033 an. Insgesamt sind 8399 Fälle gezählt worden, wobei die Dunkelziffer weit höher liegen dürfte. Bundesaussenminister Frank-Walter Steinmeier räumte ein, das Ausmass der Seuche in Westafrika sei verkannt worden. Der «Bild am Sonntag» sagte er: «Wir alle haben die katastrophalen Folgen von Ebola unterschätzt. Jetzt beginnt die Aufholjagd. Wir werden die Epidemie besiegen und müssen jetzt entschlossen mit vereinten Kräften handeln.»
Das Deutsche Rote Kreuz sucht noch immer nach Freiwilligen, um in Westafrika gegen die Seuche zu kämpfen. Sprecher Dieter Schütz zufolge gingen zunächst 350 Bewerbungen ein. Davon wurden nach einer ersten Durchsicht 117 Personen als grundsätzlich geeignet eingestuft, darunter 43 Ärzte. Insgesamt hätten sich rund 1600 Interessenten gemeldet. Schütz betonte, die Zahl der infragekommenden Personen reiche bei weitem noch nicht aus, um mit der Bundeswehr ein mobiles Krankenhaus in Liberia und ein Behandlungszentrum in Sierra Leone aufzubauen. Gesucht würden Ärzte, Krankenschwestern ebenso wie Hebammen und Physiotherapeuten.
(reuters/dbe)