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Um den Einfluss der Klimaveränderungen auf den antarktischen Kontinenten zu bestimmen, sind Forscher auf Karten zu den Gletscherbewegungen angewiesen. Doch solche Karten waren in der Vergangenheit mit einer grossen Unsicherheitsspanne belegt. Eine neue Methode, die von Wissenschaftlern der Universitäten von Kalifornien und Grenoble entwickelt worden ist, erlaubte die Erstellung einer brandneuen Karte. Auf dieser sind die Gletscherbewegungen zehnmal genauer abgebildet als bisher.
Während die früheren Karten eine Geschwindigkeitsunsicherheit von bis zu mehreren Metern pro Jahr anzeigten, sind die Fliessgeschwindigkeiten auf der neuen Karte auf bis zu 20 Zentimeter genau eingezeichnet. Sogar die Fliessrichtungen sind erkennbar in Form von farbigen Linien. Damit konnte zum ersten Mal eine umfangreiche Eisflusskarte des gesamten Kontinents erstellt werden, inklusive der sehr langsam fliessenden Eismassen in der Mitte des Kontinents. Diese neue Karte gibt Forschern die Möglichkeit, exaktere Aussagen zu den Mengen an Eis, die sich in das Südpolarmeer ergiessen werden in der Zukunft, zu erstellen. Dies wird auch für Vorhersagen zum Anstieg des Meeresspiegels eine wichtige Rolle spielen.
Die Daten, die für diese exakte Karte benötigt worden waren, sammelten Satelliten aus Kanada, Japan und Europa im Verlaufe von Jahrzehnten. Die Forscher um Jeremie Mouginot von der Universität Kalifornien, Irving (UCI) entwickelten dann eine neue Methode, die Synthetic Aperture Radar Interferomic Phase Data. Dabei berechnete die neue Methode die Eisflussgeschwindigkeit und die Richtung aus verschiedenen von den Satelliten aufgenommenen Winkeln. So können nicht nur wichtige Erkenntnisse zu den Eisflüssen gewonnen werden, sondern auch eine detailliertere Karte über den Untergrund und die verschiedenen Höhenzüge unter dem Eis erstellt werden. Die Ergebnisse der Studie zu den Geschwindigkeiten zeigt, dass rund 80 Prozent des antarktischen Eises mit durchschnittlich 20 Zentimeter pro Jahr fliessen. Jedoch an den Rändern im Inland und an den Küsten beschleunigen die Eismengen auf bis zu 3 Kilometer pro Jahr. Dabei zeigt sich, dass die bekannten Gletscher wie der Thwaites-Gletscher und der Pine Island Gletscher tatsächlich zu den am schnellsten sich bewegenden Gletscher Antarktikas gehören. Um nun die Bewegungen der Gletscher besser zu beobachten, planen die NASA und die Indische Raumfahrtbehörde die Lancierung eines Satelliten für 2021. Dieser soll genügend Daten liefern, damit die Karte alle paar Monate neu erstellt werden kann und die profunden Veränderungen in Antarktika zeigen soll.
Quelle: Maria Temming, ScienceNews / Mouginot et al. (2019) Geophys Res Let, EPub