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Am Tochtertag dürfen Schülerinnen offiziell die Schule "schwänzen" und ihre Eltern zur Arbeit begleiten.Dieser Inhalt wurde am 14. November 2002 - 11:43 publiziert
Damit soll den Mädchen die Vielfalt der Arbeitswelt gezeigt und den Zugang zu männlich dominierten Berufen erleichtert werden.
Während die Buben die Schulbank drücken müssen, dürfen die Mädchen zwischen 10 und 15 Jahren einen ganzen Tag am Arbeitsplatz ihrer Väter oder Mütter verbringen.
Horizont erweitern
Die Schweizerische Konferenz der Gleichstellungs-Delegierten führt jeweils am zweiten Donnerstag im Monat November einen nationalen Tochtertag durch. Dieses Projekt wurde letztes Jahr lanciert.
Mädchen von der 4. bis 9. Schulklasse einen ganzen Tag lang mit ihren Eltern zusammenarbeiten, ihren Arbeitsplatz und ihre Arbeitskolleginnen und -kollegen kennenlernen. Auf diese Weise erhalten sie einen ersten Einblick in die Berufsweltswelt.
"Drei von vier Mädchen, die eine Berufslehre machen, wählen heute einen Büro- oder Verkaufsberuf, einen Beruf im Gastgewerbe oder der Schönheits- und Körperpflege", erklärt Ursula Huber, eine der Projektverantwortlichen. Die Buben hingegen würden bei der Berufswahl viel mehr Möglichkeiten nützen.
Der Tochtertag soll den Mädchen die Vielfalt der Arbeitswelt zeigen. Auch erhalten sie so auf spielerische Art einen Einblick in männlich dominierte Berufe.
Gleichstellung noch keine Realität
In der Schweiz gibt es nach wie vor Ungleichheit in der Arbeitswelt - trotz jahrzehntelanger Bemühungen zur Bekämpfung dieser Diskriminierung.
So verdienen beispielsweise die Frauen noch heute bei der gleichen Berufstätigkeit rund 20% weniger als ihre Arbeitskollegen.
Und das, obwohl die schweizerische Verfassung seit über 20 Jahren "gleicher Lohn für gleiche Arbeit" garantiert. Seit 1996 ist ausserdem das Gleichstellungs-Gesetz in Kraft.
Unterschiedliche Arbeiten und Hierarchien
"Die Gründe für die Ungleichheit liegen darin, dass Frauen andere Berufe als die Männer ergreifen und innerhalb eines Betriebes andere Positionen als diese einnehmen", sagt Maria Roth-Bernasconi, eine der Projektverantwortlichen.
Frauen müssten sich häufig aus familiären oder gesellschaftlichen Gründen mit weniger gut bezahlten und weniger anerkannten Tätigkeiten zufrieden geben.
Diesbezüglich habe sich in den letzten 20 Jahren nicht viel verändert. Hingegen müssten Männer weniger Hindernisse überwinden, wenn sie Karriere machen wollten. So erstaune es nicht, dass 80% der Führungspositionen immer noch von Männern eingenommen würden.
Gesellschaftliche Hindernisse
Der Tochtertag soll den Mädchen die Vielfalt der Berufswelt nahe bringen und sie sensibilisieren. Vor allem soll das Projekt den Mädchen Mut bei der Berufsauswahl machen.
Noch existieren viele kulturell oder sozial bedingte Barrieren. Viele Mädchen haben Angst, einen "typisch männlichen" Beruf zu ergreifen. Sie haben Angst davor, belächelt zu werden oder anders zu sein.
"Dafür gibt es keinen Grund - ausser vielleicht einen gesellschaftlichen oder kulturellen", betont Maria Roth-Bernasconi. Es sei zwar verständlich, dass sich etwa wenig Frauen im Bauwesen betätigen. Aber es sei nicht nachvollziehbar, wieso beispielsweise nur 10% aller Informatiker Frauen seien.
Aktuelle Familienpolitik bremst
Ein Mentalitätswechsel sei unbedingt notwendig. Denn anders als im Ausland seien hierzulande gewisse Gebiete wie die Mathematik fast immer noch ausschliesslich männliche Bastionen.
Um die Berufsaussichten für die Frauen zu verändern, braucht es laut Roth-Bernasconi vor allem eine andere Familienpolitik. Die heutigen Rahmenbedingungen würden es denn Frauen zu wenig ermöglichen, anspruchsvollere Tätigkeiten auszuüben.
Dies wiederum hat Auswirkungen auf die Berufswahl der nächsten Generation. Denn Mädchen sind stark durch das Elternhaus beeinflusst und orientieren sich häufig nach den Müttern. Dabei spielt insbesondere auch die Aufgabenteilung zuhause eine grosse Rolle.
swissinfo, Armando Mombelli
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