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Neuseeland ist der weltweit grösste Exporteur von Milchprodukten. Doch die globale Bevölkerung verlangt nach mehr. Die Produktion in Neuseeland zu erhöhen, könnte allerdings dauern. Aufgrund der erhöhten Nachfrage wollte eine Kooperative, die einen Grossteil der neuseeländischen Milch vertreibt, über 1 Mrd Dollar von ausländischen Anlegern einsammeln, um die Produktion hochzufahren. Aber dafür brauchte sie die Zustimmung der Anteilseigner: 11000 Bauern. Diese – voller Angst, Aussenstehende könnten ein Wort mitreden – haben den Plan bisher abgelehnt.
Kleiner Farmer im Zugzwang
Dieser Stillstand bei der Fonterra Cooperative Group zeigt ein zentrales Problem der globalen Agrarbranche auf. Wenn die Preise von Rohstoffen wie Öl oder Metallen nachhaltig steigen, investieren grosse Unternehmen in die Erschliessung neuer Vorräte. Bei Lebensmitteln gab es auch Preissprünge, aber deren Produktion liegt in den Händen von Millionen kleiner Bauern. Diese Tatsache macht es schwierig, schnell auf Preissteigerungen zu reagieren. Die Kleinbauern sind nicht so produktiv wie die grossen, und es fehlt ihnen oft an Kapital, um in neue Produktionskapazitäten zu investieren.
Anleger haben dieses Kapital, aber es gibt kaum Möglichkeiten für sie, in diesem Bereich zu investieren. Bei Milchprodukten soll die Nachfrage innerhalb eines Jahres um 2,5 bis 3% wachsen, die Produktion jedoch nur zwischen 1,5 und 2%. Dieses Defizit macht die Milchpreise ebenso volatil wie die von Öl. Als aufgrund einer Dürre die Milchproduktion in Australien zurückging, stieg der Preis von Milchpulver von 2000 auf 5000 Dollar pro t.
China als Konkurrent
«Wir müssen mehr Kapital in den Sektor bringen, da wir eine höhere Produktivität brauchen», sagt Donald Coxe, Portfoliostratege bei BMO Capital Markets. Das hiesse «mehr und grössere Farmen». In den USA sind Farmen im Schnitt 450 Acres (1 Acre= 0,40 ha) gross und schaffen einen Produktionswert von jährlich über 50000 Dollar pro Arbeiter. In China sind 95% der Farmen unter 5 Acres, die Leistung liegt bei 1000 Dollar pro Arbeiter.
Im November 2007 stellte Fonterra einen Restrukturierungsplan vor, der es ermöglichen sollte, mehr Milch im Ausland zu produzieren. Die Vermögenswerte der Kooperative würden auf ein neues Unternehmen übergehen, das an der neuseeländischen Börse gelistet würde. Laut Analysten könnten 1,5 Mrd Dollar von Anlegern eingesammelt werden.
Fonterra könnte das Geld nutzen, in anderen Ländern Kooperativen zu gründen. Auch nach dem Aktienverkauf würden die Mitglieder noch etwa 80% halten. Doch bisher wurde der Plan von den Mitgliedern nicht abgesegnet.