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Projektinformationen: 'Winterferien' in Bolivien vom 12. Juni bis 14. Juli 2004, 1. Teil
Ein Reisebericht von Daniel F.
Andreas Kolb in Riberalta wünschte sich, dass ich seine zwei Computer anschaue. Für die CGG wurden neue Fotos von der Schule Arca gewünscht. Priscilla, eine hörende Missionarin in Cochabamba (ich versende ihren Missions-Rundbrief), hätte gerne Fotos von ihrer Arbeit in der Schule, die sie später auf Heimaturlaub in der Schweiz zeigen kann. Dann meldete sich noch Paola, auch eine hörende Missionarin aus Cochabamba, für Fotos von Kursen, die sie durchführt. Und weil Fanny im Flughafen Zürich bei ihrer Abreise nicht alles Gepäck mitnehmen konnte, bekam ich 6 Paar Schuhe, ein grosses Paket voll Wasserfilter und anderes in die Hand gedrückt, um es später selber mitzunehmen. So passt alles wunderbar zusammen, fand ich, nur die Erholung kommt vielleicht ein wenig zu kurz. Aber das war mir egal.
So reiste ich am Samstag, 12. Juni abends über Madrid, São Paulo und Brasilia nach Porto Velho in Brasilien. Dort kam ich am Sonntag um die Mittagszeit an. Nach fünf Stunden Busfahrt war ich am Abend in Guajara Mirim an der Grenze zu Bolivien und nahm gleich ein Taxi in ein Hotel. Am Morgen darauf setzte ich mich in die Veranda vor dem Hotel und wartete. Es dauerte nicht lange, und: - ¡Hola! - da kam schon Andreas Kolb in Begleitung von José, dem ‹Hausvater› der Casa Sol.
Riberalta im Winter
In Riberalta blieb ich acht Tage. Im Juni/Juli ist es in Riberalta feucht wie im Dezember/Januar, aber nicht so warm. Ein paar Mal war es am Morgen so kühl, dass es Nebel gab. Der löst sich schnell auf, wenn die Sonne aufgeht. Die Pflanzen wachsen und blühen wie immer. Es regnet in dieser Zeit wenig. Die Strassen sind staubig. Ich musste meine zwei Fotoapparate (ein Apparat für Diafilm, eine Digitalkamera) vor dem Staub schützen.
Alltag in der Gehörlosenschule Arca
Schon am ersten Abend habe ich bei einem Gebärdensprachkurs des CILS zugeschaut und Fotos gemacht. CILS heisst: Comité interinstitucional de la lengua de señas = Komitee für Gebärdensprache, ist für alle Institutionen da, wie Gehörlosenbund, GebärdensprachlehrerInnen, DolmetscherInnen, ErzieherInnen, Schulen usw.) Fanny Pérez und Fernando Avila haben je eine Gruppe unterrichtet. In diesen Kurs (zwei mal pro Woche je zwei Stunden) kommen 40 Personen. Das finde ich beeindruckend. Riberalta liegt ‹am Ende der Welt› und hat so viele Teilnehmer im Gebärdensprachkurs!
Am nächsten Tag wurde ich am Morgen den kleinen und am Nachmittag den grossen Schülern der Gehörlosenschule Arca vorgestellt. Ich fand es interessant, den Tagesablauf der Schüler zu verfolgen.
In der Schreinerei
Am Donnerstagnachmittag nahm mich Andreas mit an den Stadtrand hinaus zur Sägerei und Schreinerei ‹Pacahuaras›. Dort arbeitet eine ganze Anzahl Gehörlose. Ihr Chef hat sogar Gebärdensprache gelernt. In der Schreinerei hat Andreas Kolb fünf Kommoden aus schönem Tropenholz für das Internat ‹Casa Sol› bestellt. Die holten wir jetzt mit einem gemieteten Kleinlastwagen ab. Eine solche Kommode kostet 400 Bolivianos, das sind etwa 80 Franken. In der Sägerei durfte ich die Gehörlosen bei der Arbeit fotografieren. Es war sehr interessant und das Personal war sehr freundlich. Diese Holzverarbeitungsfirma ist vorbildlich. In der Schreinerei wird das Sägemehl von den Maschinen abgesaugt, damit es nicht in der Luft herum schwebt und in die Lungen der Arbeiter kommt. Es ist sauber und aufgeräumt.
Die Schreinerei
Auf dem Rückweg schaute ich mich im Haus und auf dem Grundstück der ‹Casa Sol› um. Dort wächst ein Strauch mit kleinen roten Pfefferschoten. Ich probierte eine davon aus. Die war aber scharf! - Bei meinem letzten Besuch in Riberalta habe ich mit zwei kleinen grau-grünen Papageien geknuddelt. Die Papageien wohnen jetzt in der ‹Casa Sol›. Ich wollte wieder mit den Papageien spielen, aber die bissen mich in die Hand!
Daniel mit einem bissigen Papagei
Auf diesem Grundstück steht auch die frühere Wohnung von Mirjam de Callo-Weber. Dort betreibt jetzt der gehörlose Fernando Avila eine Schreinerwerkstatt. Ricky druckt seine T-Shirts ebenfalls dort.
Licht und Schatten in Riberalta
Am Freitagabend gab Alicia Inchauste, Mitglied der Kirche Maranatha, Direktorin einer Schule in Riberalta, die viel für die Gehörlosen arbeitet, ein Geburtstagsfest in ihrem Haus. Es war sehr schön und gemütlich und ein bisschen vornehm.
Das war die schöne Seite von Riberalta. Es gibt auch weniger schöne Seiten. Alicia war diese Woche unterwegs mit dem Motorrad. Eine Hand am Lenker, in der anderen Hand eine Torte, so fährt man dort, das ist kein Problem. Am Gürtel hatte sie das Mobiltelefon. Und was passierte? Na klar, in einem dummen Moment, vielleicht an einer Strassenkreuzung, schnappte sich ein Dieb das Telefon. Alicia konnte nichts machen. Vielleicht dem Dieb die Torte ins Gesicht drücken? Das hätte ihr das Telefon nicht wieder zurück gebracht. So etwas passiert ganz schnell.
Wohnen in einer Villa in Cochabamba
Am Dienstag, 22. Juni reiste ich per Flugzeug über Guayaramerin und Trinidad nach Cochabamba. Am Flughafen von Cochabamba wurde ich von Priscilla Maag (hörend) und Alberto Soria (gehörlos) begrüsst.
In Cochabamba durfte ich in der Villa von Alberto wohnen. Alberto ist nicht reich. Wie kommt er zu einer Villa, die ihm nicht gehört? Die Geschichte geht so: Dieses Haus wurde vom ersten Besitzer mit einem Bankkredit gebaut. Dann ging dem Besitzer das Geld aus. Die Bank übernahm das Haus und suchte jemanden, der es bewohnt und unterhält. Albertos Bruder arbeitet in dieser Bank und vermittelte das Haus an Alberto. Der wohnt jetzt mit Tochter Ivet und Sohn Moise dort. - Im Garten der Villa steht ein Grapefruitbaum, im Hof ein Orangenbaum, beide mit reifen Früchten.
Winter in Cochabamba
Im Gegensatz zu Riberalta ist das Klima in Cochabamba sehr trocken. In Riberalta muss man viel trinken, weil man so schwitzt. In Cochabamba muss man viel trinken, damit man nicht austrocknet. Cochabamba liegt auf über 2500 m über Meer, und man muss aufpassen, dass man keinen Sonnenbrand bekommt. Am Tag wird es 20 bis 30 Grad warm. Nachts aber wird es kalt, sehr kalt. Bis am Morgen sinkt die Temperatur auf gegen Null Grad. Und das Haus von Alberto ist ungeheizt. Am Anfang hatte in der Nacht kalt, bis ich auf dem Markt eine Decke kaufte. Trotzdem merkt man in Cochabamba nicht so direkt, dass Winter ist. Überall blühen Blumen: Hibiskus, Geranium, Jasmin. Man sieht Schwalben und Kolibris fliegen. Cochabamba wird auch ‹die Stadt des ewigen Frühlings› genannt. Die ganzen drei Wochen, die ich in Cochabamba wohnte, hat es nie geregnet. Nur die Berge (über 5200 m über Meer) waren oft in Wolken gehüllt. Wenn die Wolken weg waren, konnte man hoch oben zwei, drei Tage lang etwas weissen Neuschnee sehen.
Mit Priscilla in der Schule
Am Mittwoch und Donnerstag nahm mich Priscilla Maag in ihre Schule mit. Diese Schule (eine christliche Privatschule für hörende Kinder) steht in einem Armenviertel oberhalb der Stadt, wo man nachts besser nicht hingeht, weil die Gegend von Banden beherrscht wird. Das ist ähnlich wie in Brasilien. Priscilla gibt in dieser Schule Bibelunterricht und wird dabei von einigen jungen Leuten unterstützt. Ich konnte mit Priscilla einige Klassen besuchen und wurde diesen vorgestellt. Priscilla lehrte die Kinder ein Gebärdenlied.
Daniel F.
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