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Nach dem Wortlaut einer Basler Klosterhandschrift soll in Basel das Kartenspiel im Jahre 1377 Eingang gefunden haben. Anfänglich liess der Rat dem Vergnügen freien Lauf, aber schon wenige Jahre später gibt sich der obrigkeitliche Wille kund, Schranken zu setzen, namentlich dem «groben, uffsetzigen spil», das zu Streit und gotteslästerlichem Fluchen Anlass bot. So liess man 1386 den Kürschner Tschan Pirrin schwören, dass er, so lange er lebe, nicht mehr spiele bei Strafe des Augenausstechens und zwei Jahre später wurde einem Wachtknecht, wohl wegen Falschspielens, die gleiche Tortur in Aussieht gestellt.
Als Formen des Kartenspiels nennen die ältesten Ratsbücher nicht weniger als neun verschiedene Spielarten: «bochen, schlahen, mutten, zer offnen oder heimlichen rusch, zen ougen, zen pfunden, in thurn, quentzlis, eyns und hundert».
In der Konzilszeit erhob auch die Kirche, im Hinblick umfassender Regelung der öffentlichen Sitten, Einspruch gegen das Kartenspiel. So wurde das allgemeine Spielverbot mehr und mehr Grundsatz, und Befreiung hiervon nur für harmloses Spielen mit bescheidenem Einsatz gewährt. In diesem Sinn gebot 1437 die Safranzunft, nicht höher zu karten als um einen Pfennig «nun sol nieman mitt an keinem froemden spielen unn der siben karten oder der acht karten». Und im Jahre 1472 setzte der Zunftvorstand die hohe Busse von einem Pfund Wachs fest für diejenigen, welche ein Kartenspiel «zerzerrten» oder ohne Wissen und Willen des Stubenknechts forttrugen.
Ein gedrucktes Mandat der 1490er Jahre setzte schliesslich die erlaubten Spiele fest. Unbeschränkte Spielfreiheit wie von altershalber blieb nur den Adeligen und Achtburgern der Hohen Stube vorbehalten, wie auch noch im 15. Jahrhundert die Ratsmitglieder aus dem Ritterstand für ihre dem Gemeinwesen geleisteten Dienste ein jährliches «Spielgeld» als Gratifikation erhielten.
Die Herstellung der Spielkarten war Sache der Kartenmacher und Kartenmaler. Vielfach waren die letzteren zugleich auch Brief- und Helgenmaler. Der in der Wohnstube des Bürgers an der Wand aufgehängte «Bilderbrief » – ursprünglich eine auf Papier oder Pergament entworfene ausgemalte Federzeichnung mit irgend einer Heiligendarstellung – wurde noch in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts durch den für die Reproduktion bequemeren Holztafeldruck verdrängt, dessen derbe Konturen der Brief- oder Helgenmaler bunt ausmalte.
Aus einer Aufzeichnung des Jahres 1459 erhellt deutlich dass damals bei der Herstellung von Helgen und Spielkarten strenge Arbeitsteilung herrschte, in der Weise, als der Kartenmacher mit seinen Holzstöcken Karten und Helgen auf das Papier vordruckte, worauf die Blätter dem Maler zur Ausmalung übergeben wurden, um dann als fertige wieder in die Hände des Kartenmachers zurückzukommen. Aus der nämlichen Zeit lernen wir auch den Verkaufspreis für Spielkarten kennen. Der 1457 die Zunft annehmende Kartenmaler Jakob Lips trug die Einkaufsgebühr durch Liefern von Spielkarten an die Zunft ab. So übergab er 1459 vier Dutzend Kartenspiele, das Dutzend zu 8 Schilling; der Preis eines Spieles belief sich somit auf 8 Pfennige.
Im Jahre 1526 garantierte der Rat den Kartenmalern für die Beschaffung ihres Papiers aus dem Kaufhaus das übliche vierundzwanzigstündige Vorkaufsrecht.
Aus dem Karten- und Briefmalergewerbe gingen die Formenschneider hervor, die im 16. Jahrhundert, in der Blütezeit der Basler Buchkunst, durch ihr Können zu Bedeutung gelangten. Der erste namhafte Vertreter dieses die Technik des Metall- und Holzschnittes handhabenden Berufs war der Formenschneider Hans Heinrich Kupferwurm, bekannt als Verfertiger von Holzschnitten für den «Teuerdank» Kaiser Maximilian I. Im Jahre 1502 trat Kupferwurm der Safranzunft bei. An den Zunftkauf zahlte er einen Gulden bar; statt des Restbetrags von drei Gulden übergab er «ein tuch dorin Venedig ist, für III fl. angeslagen».
Auch die Basler Kartenmacher und Maler unterzogen sich den für das Deutsche Reich geltenden Handwerksartikeln, die nach einer Kopie aus der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts also lauteten:
«Der Kartenmacher geschenckht handtwerckh hat im römischen reich und sonderlichen zu Augspurg nachfolgende befreyte ordnung:
Erstlichen: dass die uffding- und ledigsprechung der lehrjungen vor ehrlichen meisteren und gesellen der karthenmachern, fahls aber desselbigen orthes sich nicht genugsame meister und gesellen der karttenmachern befunden, alssdann zue beförderung der uffding- und ledigsprechung von anderen geschenckhten handtwerckhern, sonderlichen der pappeyerern beschechen, undt dass ein lehrjung minder nicht als vier jahr ufdingt werden solle.
Zum andern: Wann ein gesell in ein werckhstatt kompt, solle er da den gewöhnlichen gruss, von wannen er kommen ist, mit sich bringen und nach verfliessung 14 tagen, so er arbeit funden hat, die anderen vor ihme in arbeit gestandenen gesellen, ihme das geschenckh nach handtwerckhs brauch halten, fals aber der gesell kein arbeit findet, so wird derselbige von meister und gesellen sowohl von pappeyerern als aber auch karttenmachern mit essen undt trinckhen der gebür nach beherbergt, wie dann den pappeyerern von den karttenmachern wann sie die pappeyerer kein geschenckhte müllen antreffen, solches auch beschicht, inmassen die karttenmacher und pappeyrer auf den schenckhmüllen ihr freyheiten mit einander haben.
Zum dritten: Wann ein meister oder geselle, scheltworten oder anderer sachen wegen ungelegenheit hette, so solle die sach, alda sie sich verloffen vor meister und gesellen selbigen orths verglichen und der verfählte sich nach geschenckhten handtwerckhsbrauch von karttenmachern, so genugsamb vorhanden, und widrigen fals mit beystandt anderer geschenckhten handtwerkhern sich straffen und wider redlich machen lassen und kann einer den andern nach geschenckhten handtwerckhern brauch und ordnung treiben.
Zum viertten: Soll ein gesell zu wuchenlohn haben der geringste 10 s., der mitelmessig 12 s. und der grösste 15 s. Wan aber ein gesell das stuckhwerckh machen kahn, soll derselbige (jedoch wanns den meister gefellig) von dem tagwerch ein batzen haben.»
Im Sinne dieser Ordnung bat der 1635 letzte zünftig gewordene Kartenmaler Michael Euttinger um obrigkeitlichen Schutz seines Berufs, «damit ihme von stümplern, so das handwerckh nicht ehrlich und redlich erlernt, kein eingriff geschehe und also schaden zugefügt werde».
Schon im Jahre 1599 hatte sich der Safran seiner als Gesellen anzunehmen gehabt. In einer im Zunftarchiv aufbewahrten Urkunde bekennen nämlich Jakob Klemm und Hans Braun, die Kartenmaler zu Strassburg, dass ihr Streit mit dem Kartenmalergesellen Michael Eydinger, der angeblich bei unredlichen Meistern gearbeitet hatte, vor einem ehrsamen Gericht der Zunftstube zu Stelzen in Strassburg beigelegt worden sei und fordern Meister und Gesellen auf, Michael Eydinger als einen redlichen Gesellen zu halten.
Das Kartenmalerhandwerk scheint überhaupt nicht allseitig in besonderen Ehren gestanden zu haben. Schon in den 1520er Jahren hatten Meister und Sechser zu Safran zu seinen Gunsten gegen das klagende Gürtlerhandwerk intervenieren müssen, wegen eines augsburgischen Gürtlergesellen Michel Roichlin, der vom hiesigen Handwerk für unehrlich gehalten und aufgetrieben wurde, weil er der Sohn eines Kartenmalers war.