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«Best Lun» zum 100-Jahre-Jubiläum der Hilari-Zunft zu Olten
Nun ist es soweit –die Hilari-Zunft feiert 2020 ihr 100-jähriges Bestehen. Sie ist damit die älteste Zunft in der Stadt Olten und steht am Anfang der modernen Fasnacht, wie wir sie heutzutage in Olten feiern.
Die Entstehungsgeschichte der Hilari-Zunft
Die «Hilari-Zunft zu Olten»verdankt ihre Entstehung der Lust einflussreicher Oltner Bürger am Theaterspiel. Diese Tradition wurde bis in die Zeit nach der vorletzten Jahrhundertwende fleissig gepflegt. Doch der Erste Weltkrieg liess die Stimmen der Schauspieler verstummen und die beiden grossen Säle des Oltner Stadttheaters dienten zwischenzeitlich den Truppen als Schlafstätte. Die an den Weltkrieg anschliessende Grippewelle forderte viele Tote und hinterliess Trauer und Niedergeschlagenheit. Allen Widrigkeiten zum Trotz beschloss 1919 der Vorstand des damaligen Theaterkomitees das Heft wieder selber in die Hand zu nehmen und er erteilte dem «Maskenballkomitee»den Auftrag, im Februar 1920 einen grösseren Maskenball durchzuführen.
Es war die Idee von Oskar Giroud aus diesem Komitee eine stehende Gruppierung zu machen, die auch für die Organisation künftiger Anlässe herangezogen werden könnte. Er schlug deshalb vor, mit dem Namenstag des heiligen Hilarius vom 13. Januar beginnend, die zungenbrecherische Bezeichnung «Maskenballorganisationskomitee» aufzugeben und der Gruppe den einprägsamen Namen «Hilari-Zunft» zu verpassen. Und so war am 19. Januar 1920 der Name «Hilari-Zunft» aus der Taufe gehoben.
Die Zunftgründung war das eine, ihr Form und Beständigkeit zu geben, das andere. Die Zünfter tranken ihr Feierabendbier am runden Tisch in der Südostecke des Bahnhofbuffets. Hier trafen sie sich, um das Tagesgeschehen zu kommentieren und über das weitere Gedeihen der «Zunft» zu sinnieren. Das Zusammentreffen am 8. Juni 1920 «auf der grossen Zunftstube», wurde zur eigentlichen Gründungsversammlung. Das dazugehörige Protokoll beschreibt in witziger Prosa und lustigen Versen die Wahl des Vorstands der «Hilari-Bruderschaft». Heitere Reden und Gesang begleiteten den formellen Akt und am Abend war die Hilari-Zunft rechtens gegründet.
Die Zunft, ihr Wappen und ihre Farben
Eine Zunft muss auch ein Zunftwappen haben. Malermeister Ernst Rudolf Bloch kramte noch während der Vorstandssitzung vom 3. September 1920 einen Bleistiftstummel aus dem Gilet-Täschchen und entwarf kurz und bündig das Zunftwappen: Die Eule mit gelbschwarzem Schild und der Narrenschelle in der Mitte.
Früh wurde die Farbe Gelb als Zunftfarbe gewählt, die Farbe der Bürgerlichen und des Freisinns. Unabhängig im Denken, frei in der Rede – das sollte auch in der Hilari-Zunft gelten. Das Wappen ist zweigeteilt, gelb und schwarz, und symbolisiert wohl die Tatsache, dass auch konservative, also schwarze Parteigänger, bald Mitglieder in der Hilari-Zunft wurden. Die vorhandenen Protokolle schweigen sich dazu aus, doch die beiden Farben haben sich —obwohl die Parteifarben der Zünfter heute bunter sein dürften —über die hundert Jahre als Zunftfarben gehalten.
Die Zunftmitglieder
An der ersten Sitzung der Hilari-Zunft 1920 wurde gerätselt, welches wohl die vernünftigste maximale Zünfterzahl wäre. Nach langer Beratung kam man überein, dass es entsprechend dem Grundsatz «närrischer als närrisch zu sein», die Zahl 77 es sein soll. Auch die Auswahlkriterien für künftige Zunftbrüder mussten definiert werden: Über allem sollte stehen, dass alle Zünfter eine enge Beziehung zu Olten vorweisen konnten, den hilarischen Geist in sich trugen und sich verdienstvoll um die Oltner Fasnacht hervorgetan haben.
Die Hilari-Zunft hatte ihre Anfänge in Zeiten der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Unordnung. Sie stellte sich damals eine Aufgabe, welche Zeit, finanzielles Engagement und Ideen der Zünfter verlangte. Dies zu leisten war häufig ein Privileg der freien Berufe. Früher bildeten deshalb vor allem Selbständige den Hauptharst der Zunft, doch heute ist das Zunft- rodel nach Bildung und Berufen bunt durchmischt.
Aus der Hilari-Zunft gingen über die Jahre zahlreiche Persönlichkeiten hervor, die das wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Leben in Olten, im Kanton und in der Schweiz prägten.
Das Zunftleben und der hilarische Geist
In den Jahren nach der Gründung, wurde strikt nach Zunftregeln, niedergeschrieben in «Satzungen und Stubenordtnung», gelebt und gefeiert. So soll in der Hilari-Zunft «humor und naerrisch tryben so recht und wuerdig pfleget werdendt, wie unns all fuer unser leben noth unnd nuetzlich ist».
Diese Aufgabe gab den Hilari-Brüdern eine Vision und den Zusammenhalt. Die heute geltende Zunftsatzung entspricht in den wesentlichsten Teilen der ursprünglichen Fassung, so dass auch der zitierte Leitspruch nach wie vor seine Gültigkeit hat.
Im Zentrum des Zunftlebens steht die Hilarität. Anfänglich war dies die Lust für eine kurze Zeit aus dem grauen Alltag auszubrechen und im Spass, im lustvollen Genuss von Tranksamen und im fröhlichen Freundeskreis beisammen zu sein, lustige Lieder zu singen, aber auch über selbstgeschriebene und selbstinszenierte Theaterstücke und Schwänke zu lachen. Der hilari- sche Geist erhielt in der Gründungszeit und erhält noch heute seinen Ausdruck vor allem an der Fasnacht – aber nicht nur. Hilarität leben die Zünfter auch im Alltag und an ihren Zunftan- lässen. Hilarität ist diese besondere Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit, Lebensfreude und Verantwortung – es geht um ehrenhafte Werte, Heiterkeit und Frohmut.
Das Zunftjahr
Es liegt im Selbstverständnis der Zunft, dass die Pflege der Freundschaft und der Hilarität innerhalb der Zunft, die höchste Aufgabe ist. Gute Auftritte an der Fasnacht, von Clique und Wagenbau, waren und sind immer wichtig. Man freute sich an jeder Fasnacht über gelungene Produktionen, getreu der Devise, Hilarität weit verbreiten zu wollen.
Das Zunftjahr beginnt jeweils mit dem Grossbott im Mai. Hier werden die eigentlichen Vereinsgeschäfte beraten, Rück- und Ausschau gehalten. Im Sommer und Herbst werden auf Zunftreisen, beispielsweise dem Cliquenausflug oder der traditionellen Sommerfahrt, die Gesellschaft genossen.
Anfangs Dezember folgt dann das festliche und sinnliche St. Niklaus Bott. Diesem geht jeweils die traditionelle Kinderbescherung voraus. Seit Jahrzehnten beschenken die Hilari-Chläuse jeweils am Chlausentag die Kinder.
Samichlaus und Schmutzli besuchen die Kinder zuhause oder in ihren Krippen, erzählen eine Weihnachtsgeschichte, lauschen den Versen und Liedern der Kinder und verteilen die feinen Hilari-Chlausensäckli.
Mitte Januar am Samstag kurz vor oder nach dem St. Hilarius wird das Hilari-Bott mit Zunftaufnahmen und Gästen gefeiert, worauf später die Fasnacht folgt und so das Zunftjahr sich schliesst.
Hilari-Zunft und Fasnacht
Die Gründung der Hilari-Zunft ist eng mit dem Fasnachtstreiben in der Stadt Olten verbunden. So darf erwähnt werden, dass die Hilari-Zunft die eigentliche Gründerin der heutigen, «modernen»Fasnacht im Dreitannen- städtchen ist und die Zunft die Fasnacht nach den zwei Weltkriegen vor dem Aus bewahrt hat.
Neben den heute noch gefeierten Fasnachtsanlässen wie Naarenstopf, «Schmutzigen Donnschtig», Maskenball und Umzug, gab es anfänglich die kleinen, internen Nebenanlässe, wie den Mollikopf oder die «stille Einkehr». Es zeigte sich bald, dass die Hilari-Zunft nicht die einzige Gruppierung war, die es verstand Humor und Heiterkeit zu verbreiten. Die Arbeit wurde mit den Jahren immer umfangreicher und die Idee, den Fastnachtsumzug am Sonntagnachmittag besser zu organisieren, nahm Formen an. Die FUKO, das Fasnachts- und Umzugs-Komitee Olten, wurde 1928 erfolgreich gegründet und schloss die anderen Oltner Fastnachtsvereine mit ein. Die Hilari-Zunft ist seit 1920 mit Clique, Wagenbau und Laternenkunst fester Bestandteil der Oltner Fasnacht. Seit ihrer Gründung durfte die Hilari- Zunft bisher neunmal den Obernaar stellen. In den letzten 25 Jahren waren dies Arthur Kohler alias «Turi I» anno 1995 und 2009 Ueli Trautweiler, der als Obernaar «Uli Baba» die Stadt unter dem Motto «1001 Fasnacht» verzauberte. Die Hilari-Zunft ist stolz, auch im Jubiläumsjahr 2020, mit Philipp Müller alias «Hilarius 100.», den Obernaar in ihren Reihen zu wissen.
Die Zukunft der Zunft
Es ist den bisher 14 Zunftmeistern und ihren Mitstreitern im Zunft- und Schatzungsrat über die hundert Jahre immer wieder gelungen, den hilarischen Geist hochzuhalten. Wirtschaftskrisen und Weltkriege mögen an den Kräften der Zunft gezehrt und gesellschaftliche Veränderungen die Zunfttradition herausgefordert haben. Doch die festen Rituale und Traditionen geben der Zunft Halt und ermöglichen gleichzeitig eine stete Modernisierung. «Die gesellschaftlichen Veränderungen spornen uns an, unsere Satzungen, Rituale und Zunfttraditionen weiter hochzuhalten, sie voller Freude, Frohmut und Engagement zu zelebrieren und trotzdem auch weiterzuentwickeln», so drückt es der aktuelle 1. Zunftmeister Bernhard Wyss aus. Es gehört zum hilarischen Geist wach zu sein, in Selbstkritik gewisse Abweichungen zum Zeitgeist zu erkennen und gegebenenfalls sanfte Anpassungen vorzunehmen. So wird es die Hilari-Zunft womöglich und hoffentlich weitere 100 Jahre geben, denn Hilarität und «best lun» braucht es immer und passen in jede Zeit.