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Festlichkeit verlangt nach Farbigkeit
Im „liturgischen Malkasten" finden wir die Farben Weiss, Violett, Schwarz, Grün, Rot und Rosa - eine vertraute Farbpalette. Nur woher kommt der Brauch der liturgischen Farben?
Alte Kirche
Im frühen Christentum gab es für liturgische Kleidung keine bestimmten Farbvorschriften. Als teuerstes Färbeverfahren galt jedoch die Färbung von Stoffen mit dem Sekret der Purpurschnecke. Für ein Gramm Purpursekret braucht es rund 10'000 Schnecken! Kein Wunder, dass die Purpurfärbung von Stoffen kostbar und teuer war. „Je dunkler – desto vornehmer" konnte man deshalb von dunkel gefärbten Kleidungsstoffen sagen. Die Verwendung von gefärbten liturgischen Kleidern wurde zunächst auf einer Wertabstufung einer „Purpurskala" bestimmt, die von dunkelviolett und schwarz über rot bis zu blassroten Farbtönen reicht. Alte Mosaike in Rom und Ravenna zeigen deshalb Bischöfe mit dunklen, purpurgefärbten Übergewändern. Im Orient wurde jedoch die weisse Farbe bevorzugt. Die weissen Kleider der Neugetauften erinnern die Christen an ihre neue Taufwürde, die sie mit Christus „angezogen" haben. Klemens von Alexandrien meinte die Gläubigen vor buntfarbigen Kleidern warnen zu müssen und schrieb: „Für Menschen, die weiss im Innern (= gerechtfertigt, in Christus zu Licht geworden) und nicht verdorben sind, ziemt sich am besten das Tragen weisser und einfacher Kleidung. Die sardisch gefärbten Stoffe und die olivengrünen, die blassgrünen, die rosafarbenen und scharlachroten und die tausend andern künstlich gefärbten Stoffe sind Erfindungen verderblicher Üppigkeit." Zum Glück konnte sich diese ziemlich farbenfeindliche Haltung nicht durchsetzen.
Mittelalter
Schwarz war lange keine Trauerfarbe, sondern die Farbe einer teuren, festlichen Kleidung. Kein Wunder, verzichteten die Bettelorden im Mittelalter auf schwarz gefärbte Kutten und trugen rauhe, ungefärbte Kleidungsstoffe um sich von andern Orden auch farblich abzusetzen und vor allem um ihre Armut zum Ausdruck zu bringen. Im Mittelalter wurde die Bedeutung der liturgischen Farben neu erschlossen. Es gab jedoch noch keinen obligatorischen Farbkanon, sondern es herrschte auf dem Gebiet der Farben eine reiche Vielfalt. Im 12. Jahrhundert entstand unter Papst Innozenz III. (1198–1216) ein liturgischer Farbkanon, der bis heute weitgehend seine Geltung behalten hat. Papst Innozenz ordnet die einzelnen Farben den entsprechenden Festgeheimnissen zu. In Ludwig Eisenhofers Handbuch der Liturgik können wir nachlesen, dass für Innozenz III. die weisse Farbe an den Glanz des Sternes, der die Weisen zur Krippe führte, erinnert, an die Reinheit Mariens und an Jesus, das „Licht, das die Heiden erleuchtet" (vgl. Lk 2,32). Am Gründonnerstag wird die weisse Farbe gebraucht, weil das an diesem Tag geweihte Chrisam zur Heiligung der Seele dient und das Evangelium von der Fusswaschung die Reinheit der Seele nahelegt. An Ostern erinnert die weisse Farbe an die weissgekleideten Engel am Grabe. Als Bild für die himmlische Verklärung wird diese Farbe auch an Festen der Engel und der Gottesmutter Maria sowie an Festen von Heiligen verwendet, die nicht Märtyrer sind. Am Kirchweihfest bedeutet nach Innozenz III. die weisse Farbe auch, dass die Kirche die Braut des Gottessohnes ist. Eisenhofer schreibt: „Die rote Farbe gebraucht man nach Innozenz III. an den Festen der Apostel und Märtyrer, weil diese ihr Blut für Christus vergossen; an Pfingsten, weil der Heilige Geist in Gestalt (roter) Feuerzungen über den Aposteln erschien." Für Innozenz III. ist Grün eine Farbe, die als „mittlere" Farbe betrachtet werden kann, die weder einen Festcharakter noch das Gepräge von Trauer und Busse, im Gegensatz zu Schwarz und Violett, hat.
Heutige Regelung
Das Pastoralliturgische Handlexikon fasst die heutige Regelung zusammen: „Weiss für Oster- und Weihnachtszeit, Feste des Herrn, Marias, der Engel und jener Heiligen, die nicht Märtyrer sind. Rot für Palmsonntag, Karfreitag und Kreuzerhöhung, Pfingsten, Apostel- und Märtyrerfeste. Grün für die allgemeine Kirchenjahreszeit. Violett für Advents- und Fastenzeit, möglich auch bei der Liturgie für Verstorbene, für die aber auch weiterhin Schwarz verwendet werden kann. Rosa an Gaudete (3. Adventssonntag) und Laetare (4. Sonntag der Fastenzeit)."
Mut zur Farbe
Damit unsere Kirche nicht farblos bleibt, braucht es Mut zur Farbe und die Sehnsucht, die Welt der kirchlichen Symbole zu erschliessen. Liturgische Farben haben deshalb auch heute, gerade in einer Zeit, die Aroma- und Farbtherapien anbietet, durchaus ihre Bedeutung. Sie sind ein wichtiges Element in der nonverbalen Kommunikation. Farben können gerade auch in der Liturgie den Mitfeiernden helfen, ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen, Freud und Leid, Hoffnung und Lebendigkeit. Farben helfen uns, Eintönigkeit zu überwinden. In der Liturgie verlangt deshalb Festlichkeit nach Farbigkeit. Dunkle Farben können uns zur inneren Einkehr, die ein Umkehren ermöglicht, führen – so in der Advents- und Fastenzeit. Das Weiss der Weihnachts- und Osterzeit erinnert uns an das Kommen des Lichtes der Welt und die Überwindung der Finsternis des Todes durch die Auferstehung Christi am Ostermorgen. Das im Rot der Märtyrerfeste zum Ausdruck gebrachte Blut, das unzählige Menschen als Glaubenszeugen vergossen haben, verweist auf die Verletzlichkeit der Kirche. Die Kirche wird aber durch das Feuer des Heiligen Geistes, daran erinnert die rote Farbe an Pfingsten und bei der Feier der Firmung, ihre brennende Liebe zu Christus nicht verlieren, denn „wenn wir durch den Geist leben, dann wollen wir dem Geist auch folgen" (Gal 5,25).
Jürg Stuker

Wider-Worte
"Den grundlegenden Feier- und Festcharakter, der z. B. ein Bewusstsein für den Herrentag schaffen kann ..., haben Menschen heute durch einen Verzicht auf den Unterschied zwischen Alltags- und Sonntagskleidung weitgehend abgelegt. ... Eine einheitlich als festlich empfundene Kategorie innerhalb einer festen Kleiderordnung existiert kaum noch, so dass nicht nur 'der Graben zwischen dem Kleidungsverhalten der Leute und einer festgelegten liturgischen Kleiderordnung grösser geworden ist', sondern auch ein Teil des erinnerten Festcharakters der Liturgie verlorenging."
Dietmar Thönnes (1997)
Facts"Die verschiedenen Farben der liturgischen Kleidung sollen den besonderen Charakter der jeweils gefeierten Glaubensgeheimnisse und den Weg des christlichen Lebens im Verlauf des liturgischen Jahres verdeutlichen."
Allgemeine Einführung in das Römische Messbuch (1975) Nr. 307
LesetippRupert Berger. Liturgische Gewänder und Insignien, in: Gottesdienst der Kirche, Bd. III, Regensburg 1987
Rupert Berger. Pastoralliturgisches Handlexikon, Freiburg 2005
Linksliturgische Farben evangelisch