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Rüdiger Campe
Alfred C. and Martha F. Mohr Professor of Germanic Languages & Literatures, Director of Graduate Studies, Professor of Comparative Literatur
an der Yale University in New Haven, Connecticut.
Öffentlicher Abendvortrag
Die Institution im Roman. Von Musils „Törless“ zum „Mann ohne Eigenschaften“
Mit dem Institutionenroman ist ein Typus des Erzählens in der Moderne des Zwanzigsten Jahrhunderts gemeint, in dem die Aufmerksamkeit vom Helden des klassischen Bildungsromans umorientiert wird auf das soziale Feld, in dem Leben und Lebensläufe geformt werden. Robert Walser und Franz Kafka haben den Typus wohl im reinsten Sinne verwirklichkeit in Jakob von Gunten oder in Der Räuber, in Der Process oder Das Schloss. Robert Musils Werk verhält sich zur Institution im Roman aus einer Art beobachtenden Distanz: Im frühen Roman Törless erzählt er eine Episode aus der Lebensgeschichte des Protagonisten, in der ihn das „Institut“ – das Internat – bleibend prägt. Es ist wie ein letztes Stück Bildungsroman vor dem Institutionenroman. Im großen Hauptwerk, an dem Musil bis zu seinem Tod schrieb, Der Mann ohne Eigenschaften, wird mit dem Plan von Feierlichkeiten zum Thronjubiläum des Österreichischen Kaiser das Erzählen so gerahmt und organisiert, dass es gar nicht mehr die Art eines an Lebensläufen orientierten Romans hat. Es ist wie der Vorbote eines Erzählens nach dem Roman, dessen letzter Typus vielleicht der Institutionenroman gewesen ist.