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In den 80er-Jahren war David Carr ein Junkie und Drogendealer. Dann wurde er Journalist. Das rettet ihm das Leben. Am Donnerstagabend brach er mitten im Newsroom seiner Zeitung, der «New York Times» zusammen und starb. Nachdem er eben noch ein Podium an der New School zum oscarnominitierten Film «Citizenfour» moderiert hatte, der atemberaubenden Dokumentation über Edward Snowdens Enthüllungen.
Und deshalb ist die Geschichte von David Carrs Tod die traurigste, die es jetzt, vor den Oscars zu erzählen gibt. Denn selbstverständlich gehörte das Podium zu den Oscar-bezogenen Werbemassnahmen. Auf dem Podium befanden sich die beiden Macher des Films, der Journalist Glenn Greenwald und die Regisseurin Laura Poitras. Snowden selbst wurde aus Moskau zugeschaltet.
Greenwald erschien in Anzug mit Krawatte, David Carr, der wichtigste Medienkritiker Amerikas, in einem alten T-Shirt und einer Strickjacke. «Ich habe ihren Film gesehen. Dann hab ich das Licht ausgemacht. Dann hab ich es wieder angemacht. Es ist etwas an ihrem Film, das mich nicht einschlafen lässt», begrüsste er Poitras. An ihrer Stelle, sagte er, wäre er «scared shitless».
Carrs älteste Tochter war da, nach der Veranstaltung redete sie mit Greenwald, er erzählte ihr, dass ihr Vater irrsinnig stolz auf sie sei und ihr grösster Fan. «Und ich seiner», antwortete sie.
David Carr war zu diesem Zeitpunkt am Donnerstag, den 12. Februar, 58 Jahre alt und seit einem Vierteljahrhundert Journalist. Der klassische gute Text war für ihn das Wichtigste, aber er liebte auch die Social Media – auf Twitter folgte ihm eine halbe Million – und nannte das Internet sein «AKTOCA»: All Known Thought One Click Away. Jeder bekannte Gedanken bloss einen Click entfernt. All das würde Journalismus zu einer «unendlich tiefgründigeren, reicheren Beschäftigung machen, als er es je zu sein pflegte.
Carr beendete die einstündige Diskussion kurz vor 20 Uhr mit den Worten «See you, Ed! Goodbye!» Dann fuhr er erlöst und glücklich nach Manhattan in die Redaktion zurück. Um 21 Uhr brach er im Newsroom der «New York Times» zusammen. Er wurde ins Roosevelt Hospital gebracht, wo nur noch sein Tod festgestellt werden konnte.
Er hinterlässt sein Buch «The Night of the Gun» über seine Drogensucht, seine Frau und seine drei Töchter.