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| Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat

9. Buch
1. Rückblick auf die Ausführungen im vorangegangenen Buche.
Manche haben vermeint, es gebe gute und böse Götter; andere dagegen haben von den Göttern eine bessere Meinung gehabt und ihnen soviel Ehre und Achtung zuteil werden lassen, daß sie es nicht gewagt hätten, einen Gott für böse zu halten. Indes jene, die die Götter teils als gut teils als böse bezeichneten, legten auch den Dämonen den Namen Götter bei, jedoch auch, wenn schon seltener, den Göttern den Namen Dämonen, wie sie denn gestehen, daß selbst Jupiter, den sie zum König und Haupt aller Götter machen, von Homer als Dämon bezeichnet worden sei. Die anderen dagegen, nach denen alle Götter gut sind und weit vortrefflicher als die Menschen, die man als gut bezeichnet, nehmen mit Recht Anstoß an den Handlungen der Dämonen, die sie nicht in Abrede stellen können, und da solche Handlungen nach ihrer Ansicht unmöglich von Göttern, die sie alle für gut erklären, begangen werden können, so sehen sie sich genötigt, zwischen Göttern und Dämonen einen Unterschied zu machen, wobei sie alles, was mit Recht ihre Mißbilligung findet an den schlechten Werken und Absichten, wodurch die unsichtbaren Geister ihre Macht offenbaren, den Dämonen und nicht den Göttern zuschreiben. Nun haben aber nach ihnen, da kein Gott angeblich mit einem Menschen in Berührung tritt, diese Dämonen in der Weise ihre Stelle zwischen den Menschen und den Göttern, daß sie von der einen Seite die Wünsche überbringen und von der andern die Gewährung zurückbringen, und zwar sind es die Platoniker, die dieser Meinung sind, die vorzüglichsten und berühmtesten unter den Philosophen, weshalb gerade mit ihnen die Frage, ob die Verehrung vieler Götter nützlich sei zur Erlangung eines glückseligen Lebens, das nach dem Tode eintreten wird, zu erörtern war. Daher haben wir im vorigen Buch die Frage aufgeworfen, wie denn die Dämonen, die an Dingen ihre Freude haben, dergleichen gute und einsichtsvolle Menschen verabscheuen und verwerfen, nämlich an gotteslästerlichen, schandbaren und schmachvollen Erfindungen der Dichter nicht über den nächstbesten Menschen, sondern über die Götter selbst, und an der gewalttätigen, frevelhaften und sträflichen Kunst der Magie, wie also die Dämonen mit den guten Göttern, als ihnen näherstehend und vertrauter, gute Menschen in Verbindung bringen könnten; und es zeigte sich klar, daß dies ganz unmöglich sei.