Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03161.jsonl.gz/26

Gilles Tschudi ist am 24.Januar um 19 Uhr mit einem humorvollen Plädoyer für die Freiheit in der Kunst im Anna Göldi-Museum zu Gast. Im Theaterstück „NippleJesus“ sinniert der bekannte Schauspieler Gilles Tschudi über die Kunstszene.
In der Rolle des Museumsaufsehers Dave empört sich der Schauspieler über eine Darstellung von Jesus am Kreuz. Bei näherer Betrachtung entpuppt sich die gezeigte Collage als weibliche Brustwarzen, eben „NippleJesus“.
Dave lernt die Künstlerin kennen, spricht mit ihr und findet neue Zugänge zum provokativen Werk. Die Folge ist, dass er die Darstellung von Jesus verteidigt. Das Exponat wird bei einem Anschlag zerstört und die Dinge nehmen eine überraschende Wendung. Wie diese Wendung geschieht, erfahren Sie am besten bei einer Teilnahme am 24.1.22. Wenn Sie aber befürchten im moralischen und religiösen Empfinden verletzt zu werden, dann meiden Sie am besten die Aufführung. So wird eine Vorwarnung im Einladungsflyer kommuniziert.
Der Bestseller-Autor Nick Hornby stellt mit seinem Stück den zeitgenössischen Kunstbetrieb auf eine humorvolle Art und Weise in Frage. Er plädiert für die Freiheit der Kunst und der Kunstschaffenden. Die Zuschauer kommen nicht umhin, sich über die Ausprägungen der zeitgenössischen Kunst Gedanken zu machen.
Der britische Autor gehört zu den bekanntesten zeitgenössischen Vertretern der Pop-Literatur. Er studierte in Cambridge und arbeitete zunächst als Lehrperson. Mit seinen Romanen feierte er grosse Erfolge und gilt seitdem als Kultautor. Bestseller-Romane aus seiner Hand sind: „Fever Pitch“ oder „High Fidelty“. Teilweise sind seine Romane verfilmt worden. Zur Geschichte „NippleJesus“ ist Hornby vom Fotokünstler Andres Serano inspiriert worden.
Schauspieler Gilles Tschudi ist zweisprachig (d/f) in Basel aufgewachsen und ist mit dem Glarnerland verbunden. An der Schauspielakademie in Zürich ist er ausgebildet worden. Seit den 70-iger Jahren ist er als Schauspieler unterwegs. Sowohl im deutsch- und französischsprachigen Raum ist er auch als Filmschauspieler gefragt. Lange Jahre war er am Theater am Neumarkt tätig. Für ein grösseres Publikum ist der Schauspieler durch seine Rolle als Bösewicht Michael Frick in der Fernsehserie „Lüthi und Blanc“ bekannt geworden. Auch die Verkörperung des UBS-Chefs Marcel Ospel im „die letzten Tage der Swissair“ hat Gilles Tschudi bekannt gemacht. Gilles Tschudi engagiert sich für die Schweizer Kultur und ist im Patronatskommitee von ART-TV, dem Schweizer Kulturfernsehen im Netz.
Der globale Kunstmarkt umfasst rund Mrd 65.—Dollars. Die USA und China erzielen die grössten Wertschöpfungen, gefolgt von Deutschland. Die Schweiz gehört zu den zehn stärksten Umsatzreibern. Nachkriegs- und Gegenwartskunst haben einen Marktanteil von rund 48%. Auktionshäuser registrieren Anbieter aus 47 Nationen. Die Ausweitung der Märkte befeuert den globalen Kunstmarkt. Die Gegenwartskunst ist nicht mehr sperrig oder schwierig. Die Protagonisten waren Antihelden und die Avantgarde schwamm, wie lebendige Fische, gegen den Strom. Heute ist dies anders. Die Gegenwartskunst ist stark kommerziell und wird zärtlich umarmt. Die Art zeitgenössischer Kunst ist ein Leitmedium unserer Zeit geworden. Es sind Assets für Milliardäre entstanden, die horrende Preise für Kunst bezahlen und fürchten, dass ein Mitmilliardär für ein Werk noch einen höheren Preis bezahlt hat. Kunst, in dieser Art zelebriert, ist zu einer Ersatzreligion geworden, die Prestigebedürfnisse der Klientel befriedigt. Internationale Modebrands verfügen über eigene Stiftungen für Gegenwartskunst. Die Preisspirale dreht sich auch für Schweizer Künstler:innen. Die Preise bei Topkünstlern haben sich in den letzten Jahren verdoppelt.
Von den Schweizer Künstlern ist Urs Fischer der Spitzenreiter im Auktions- oder Sekundärmarkt. Er wird als „Schweizerischer Jeff Koons“ bezeichnet. Franz Gertsch gehört als Maler zu den hochpreisigen Künstlern auf dem Sekundärmarkt. Übrige Schweizer Künstler:innen gehören auf dem Sekundärmarkt nicht zu den Spitzenreitern. Die Preise spiegeln nicht unbedingt den Marktwert. Viel wichtiger ist, wer wo ausgestellt worden ist. Interessant ist, dass immer mehr Frauen im Markt zur Bedeutung gelangen. Frauen haben aber immer noch weniger Marktchancen als die Männer. Unter den 25 teuersten Künstlern an Auktionen waren lediglich zwei Frauen vertreten. 15% weniger Frauen als Männer schaffen den Sprung zu etablierten Künstlern, also vom Primärmarkt der Galerien hin zum Sekundärmarkt der Auktionen.
Die Schweizer Malerin Miriam Cahn hat, im inländischen Ranking der Kunstschaffenden, mit ihren beängstigenden Bildern Pipilotti Rist vom ersten Platz verdrängt, die mit ihren Videoprojektionen die Menschen in eine andere Welt versetzt und opulente, sinnliche Kunst zelebriert. Das vordere Ranking der Künstlerliste ist stabil. Positionen sind stabil geworden und entziehen sich den schnellen High-Flyern Es findet eine Rückbesinnung auf solide Karrieren statt. Insofern ist die Kunstwelt „konservativer“ geworden.
Nun, wie das Stück „NippleJesus“ seinen Humor in der Kunstwelt platziert, erfährt jedermann am besten bei einem Besuch der Aufführung am 24.1.22. Reservationen erfolgen unter: <email-pii>" >DE;"><email-pii>
Eduard Hauser