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In China sind Millionen von arbeitssuchenden Menschen jeglichen Alters unterwegs - laut Schätzungen sollen es zwischen 150 und 200 Millionen WanderarbeiterInnen sein. Sie haben die ärmlichen ländlichen Gebiete und die ihnen vertraute Umgebung verlassen, strömen in die schnell wachsenden gigantischen Grossstädte der aufstrebenden Wirtschaftszonen. Dort hält sich der grössere Teil von ihnen illegal auf. Sie leben ohne soziale Absicherung, ohne medizinische Versorgung, sind oft ohne Besitz und Wohnung und somit auf jede sich bietende Arbeit zu jeder Bedingung angewiesen. Sie leisten unbezahlt Überzeit und Extraschichten und müssen oft froh sein, wenn sie überhaupt einen Lohn erhalten.
Der 1970 in Wettingen geborene Fotograf Andreas Seibert, der seit 1997 in Tokio lebt und arbeitet, hat sich während sechs Jahren Zeit genommen und an einer Dokumentation über die Lebensbedingungen von WanderarbeiterInnen in China gearbeitet. Eine Auswahl seiner beinahe 10000 Fotos ist im Buch «From Somewhere to Nowhere. China’s Internal Migrants» vereint. Die beiden chinesischen AutorInnen Chen Guidi und Wu Chantao beschreiben im Text, der die Fotos begleitet, wie schnell sich diese Entwicklung abspielt: Noch 1984 war von zwei Millionen WanderarbeiterInnen die Rede. Fünf Jahre später waren es bereits dreissig Millionen, und 2006 lagen die Schätzungen bei 200 Millionen.
Weggehen, um zu arbeiten, wurde für die Landbevölkerung zu einer Perspektive. «Eine Person verlässt das Haus, um zu arbeiten, und eine Familie kann der Armut entfliehen; hundert Leute gehen weg, und ein ganzes Dorf kann der Armut entfliehen» ist zu einem Slogan geworden. Durch die weltweite ökonomische Krise und die sinkende Wachstumsrate in China haben in den vergangenen Monaten gegen zwanzig Millionen WanderarbeiterInnen ihren Job verloren. Sie sind dabei, in die ländlichen Gebiete zurückzukehren, und hoffen auf ein Konjunkturprogramm.