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Die Beziehungen zwischen Text und Musik, Wort und Ton, Sprache und Klang sind äusserst vielschichtig. Die Richtung des Gefälles innerhalb dieser Beziehung hat sich im Verlauf der Musikgeschichte immer wieder geändert. Dies wird an den gattungsspezifischen Ausprägungen der Wort- Ton-Beziehung in der geistlichen wie weltlichen Vokalmusik deutlich. Den an Bibel und Liturgie geknüpften Erwartungen oder Forderungen seitens der Kirche stand der Anspruch auf künstlerische Autonomie seitens der Komponisten gegenüber. In der Oper war «prima la musica, poi le parole» nur eine der denkbaren Gewichtungen. Und die poetische Eigenständigkeit eines lyrischen Gedichtes fand in dessen Vertonung nicht immer ein ästhetisches Äquivalent. Zudem hat sich ebenso verwirrend wie bereichernd ausgewirkt, dass die gesprochene Sprache eine Lautgestalt besitzt; andererseits hat man seit dem 18. Jahrhundert die Instrumentalmusik als eine Klangrede verstanden.
«Klangrede und Wortlaut» widmet sich diesem komplexen Sachverhalt unter verschiedenen Aspekten, so etwa dem des Mythos, der Rhetorik, der Form und der Botschaft. Vortragsbezeichnungen, Werkkommentare, Widmungen und Musikkritik sind Brücken, die im praxisbezogenen Musikleben von der Wort- zur Tonsprache führen.
Obwohl ein Nachdenken über Musik nur unter Einbezug der historischen Wandlungen sinnvoll ist, die die Musik und deren Reflexion durchlaufen, kann es sich hier weder um eine Geschichte der Wort-Ton-Beziehungen noch um deren Systematik handeln; vielmehr soll, indem die Vielfalt der einschlägigen Aspekte thematisiert wird, ein Bild des Mit- und Gegeneinanders von Ton- und Wortsprache entstehen.