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John Kinchen beschloss im Jahr vor seinem 50. Geburtstag jeden Monat einen Marathon zu absolvieren. Jetzt will er in jedem europäischen Land ein Rennen bestreiten. Mit dem Zürich-Marathon kann er die Schweiz abhaken.
«Ich kann ehrlich sagen, dass ich bis jetzt jede Minute genossen habe. Es gibt nicht viel Schöneres, als das Gefühl am Ende eines Marathons.» Das sagt einer, der es wissen muss: John Kinchen bestritt in den letzten neun Jahren 34 Marathons – 25 davon in den letzten dreieinhalb Jahren. Das macht fast einen Marathon pro Monat; eine schier unfassbare Quote.
Jetzt kommt er erstmals in die Schweiz. Am 19. April rennt der 52-Jährige den Zürich Marathon. Er feiert dabei ein kleines Jubiläum: Die Schweiz ist das 20. Land, in welchem er einen Marathon bestreitet. Bis 2019 sollen alle 39 europäischen Länder mit einem offiziellen IAAF-Marathon auf der Liste abgehakt sein (siehe Infobox unten).
Die Frage, die sich unweigerlich stellt: Warum? Kinchen erklärt gegenüber watson: «Als ich 49 wurde, habe ich mich entschieden, für mein 50. Jahr etwas Spezielles zu machen. Ich wollte zwölf Marathons in zwölf Monaten laufen, um für das lokale Pflegeheim «The Rowans Hospice», das sich fantastisch um meinen Vater gekümmert hatte, Geld zu sammeln.» Es sei schwierig gewesen, jeden Monat ein Rennen zu finden, weshalb er durch verschiedene Länder reisen musste.
Während diesem Jahr hat ihn das Marathon-Fieber definitiv erreicht: «Ich genoss es zu reisen und traf viele sehr interessante Menschen in diesem Jahr. Deshalb beschloss ich zu schauen, ob es möglich ist, in jedem europäischen Land einen Marathon zu laufen. Nach einer kurzen Recherche fand ich heraus, dass es tatsächlich in 39 Länder einen IAAF-anerkannten Marathon gibt.» Und so sammelt der Brite aus Portsmouth fleissig Marathons. 34 ist er bisher in 19 Ländern gelaufen. Zürich ist das 20. Land. Danach folgen im Jahr 2015 mit Dänemark, Irland und Porto drei weitere Nationen. Auch der Plan für die nächsten Jahre steht zumindest provisorisch: Israel, Polen, Mazedonien, Georgien und die Ukraine stehen unter anderem auf dem Programm.
Angefangen mit Marathons hatte Kinchen schon fünf Jahre vor der «12 in 12»-Challenge. Er sei damals nicht ganz so sportlich gewesen: «Ich konnte am Anfang nicht weiter als einen Kilometer joggen. Ich war nie der Läufer. Also habe ich mir im Internet einen Trainingsplan gesucht. Ich wurde immer besser und habe mir gesagt: Das muss funktionieren. Nach etwa sechs Monaten war ich soweit.» In London absolvierte Kinchen die Strecke 2006 in 4:28 Stunden. «Anfangs wollte ich immer eine neue Bestzeit aufstellen. Aber das endete eher in kleinen Verletzungen als in Zeitrekorden. Bald sah ich ein, dass ich ein 4h-Läufer bin. Wichtiger ist mir, dass ich in jedem Land einen Marathon beenden kann.»
Erlebt hat der Laufbegeisterte bei seinen Versuchen bisher einiges. Ob beim «Sandrennen» in Scheveningen (Holland) am Meer, bei über 30 Grad in Riga, beim «Nachtrennen» in Luxemburg oder bei der chaotischen Organisation in Istanbul. Der heikelste Moment durchlebte Kinchen in Malta, bei seinem siebten von zwölf Marathons in einem Jahr: «Ich verspannte kurz davor einen Muskel im Rücken. Ohne Physio und Akupunktur hätte ich es nicht geschafft.»
Was bei so vielen verschiedenen Marathons immer gleich bleibt, ist «die Mauer». Bekannt unter Langstreckenläufern als derjenige Punkt, an dem man eigentlich nicht mehr kann: «Bei mir kommt der immer zwischen 25 und 32 Kilometern. Am Anfang, war das brutal hart. Jetzt weiss ich: Ich kann Marathons beenden und kämpfe mich da einfach durch. Es ist eine Willensfrage.»
Einen Universal-Tipp, um die Mauer schneller zu überwinden, hat Kinchen nicht. Aber vielleicht hat er im letzten Oktober in Budapest das Wundermittel gefunden: «Ich habe in eine Zitrone gebissen. Kurz danach ging's mir besser.»
Auch für Neueinsteiger hat der 52-Jährige Tipps bereit. «Man sollte es nicht unterschätzen, aber wenn du dich reinhängst, schaffst du es. Und was wirklich wahr ist: Laufen kann einsam sein. Darum sollte man sich einen Trainingspartner suchen.»
Aber kann denn wirklich jeder einen Marathon beenden? «Glaub an dich. Wenn du willst, kannst du das. Ich bin kein geborener Athlet und mir geht es nicht um den Wettkampf. Wenn ich es kann, kann es jeder.»