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Bachmann Hans, Dr. iur. Stadtrat FDP, 1912-1997
Wer Stadtrat Hans Bachmann gekannt hat vergisst ihn nie mehr. Das Engagement mit dem er dreissig Jahre lang (1947-1977) seine Anträge als Stadtrat vertreten hat, war bewundernswert, auch wenn man seine Meinung nicht teilen sollte. Mit wenigen Sätzen kam er auf den Punkt und formulierte in druckreifer Sprache und immer höflich und elegant was er zu sagen hatte. In seinen Kommentaren als Finanzvorstand zur Rechnung und zum Budget war er im Element und hatte eine enorme Überzeugungskraft.
Würdigung Hans Bachmanns durch Urs Widmer, Stadtpräsident, anlässlich des Trauer-Gottesdienstes:
Hans Bachmann verbrachte seine Jugendjahre in Winterthur, wo er auch die Schulen bis zur Maturitätsprüfung 1931 an der hiesigen Kantonsschule besuchte. Nach einem einjährigen Volontariat bei der Kantonalbank in Neuenburg studierte er Jurisprudenz in Genf und Zürich, wo er 1938 mit dem Doktorexamen abschloss.
Nach einer Tätigkeit als Auditor am Bezirksgericht Andelfingen und als Substitut auf einem Anwaltsbüro in Zürich war Hans Bachmann vom September 1939 bis 1941 fast ununterbrochen im Militärdienst, zuletzt als Kommandant der Feldbatterie 71. Prägend für sein weiters Wirken war der Eintritt in die Dienste des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz im Jahre 1942.
Als enger Mitarbeiter des damaligen Präsidenten Carl J. Burckhardt war sein erstes Ziel, der vom Krieg betroffenen Bevölkerung hilfreich beizustehen. Der ehemalige Bundesrat Max Petitpierre und spätere Präsident des IKRK hat die Tätigkeit von Hans Bachmann wie folgt umschrieben: "Avec quelques autres, vous avez été d'emblée pour moi l'image typique de "l'homme de Croix-Rouge", c'est-â-dire d'une personnalité pour laquelle servir la Croix-Rouge est une vocation et qui se dévoue totalement et sans réserve aux tâches que les événements lui imposent." Während vier Jahren war Hans Bachmann in der Leitung der Hilfsaktionen für Gefangene und Zivilbevölkerung beim IKRK tätig.
Am 12. März 1945 war Hans Bachmann an der Seite von Carl J. Burckhardt, um dem Obergruppenführer Kaltenbrunner die Wünsche des IKRK zum Besuch der Konzentrationslager vorzutragen. Ein Unmensch wandelte sich im Gespräch mit Hans Bachmann zum Menschen zurück und musste seiner menschlichen Forderung nach Schutz der Häftlinge, die er doch dem Tode geweiht hatte, entsprechen.
1946 kehrte der weltoffene Jurist wieder in seine Vaterstadt zurück, wo er von Robert Corti und Friedrich T. Gubler in ihr Rechtsanwaltsbureau aufgenommen wurde. Als es Mitte des Jahres darum ging, einen Nachfolger für den gleichzeitig mit zwei weiteren Stadtratskollegen in den Nationalrat gewählten Robert Bühler zu finden, schlug der damalige Freisinnige Gemeindeverein den wieder heimgekehrten Hans Bachmann vor.
Am 8. Dezember 1946 wurde er glanzvoll gewählt, und ab Mitte Januar 1947 übernahm er von seinem Vorgänger das Finanz- und Steueramt sowie das Werkamt, bei dem alle städtischen Betriebe vereint waren.
Mit grossem persönlichem Engagement hat Hans Bachmann während dreissig Jahren nicht nur sein engeres Amtsgebiet mit seinem persönlichem Stempel geprägt, sondern sich intensiv um das Ganze, um das Stadtwohl, gekümmert. Während zwölf Jahren war es mir vergönnt, zusammen mit ihm am Gedeihen unserer Stadt zu wirken.
In häufigen, während der gemeinsamen Amtsdauer fast täglichen Gesprächen die verschiedenen Probleme zu besprechen. Sie reichten von der letzten Sonntagswanderung, vom Licht, das über Feld und Fluren des Weinlandes lag, bis zum vergangenen Konzertabend, den Personalproblemen, bis hin zur Tarifpolitik der städtischen Werke.
Was es auch immer war, ich ging bereichert von diesen Gesprächen, welche in lockerer Art bis in die letzten Monate andauerten, und schöpfte neue Kraft für den Alltag. Das Gespräch war für Hans Bachmann ein zentrales Anliegen.
Darum ist für Dich das Gespräch immer gemeinsames Bemühen um das Richtige, nie Wettbewerb des Überzeugens oder Rechbehaltens." Diesen Gesprächen gleichzusetzen ist auch die kollegiale Grussgeste zu jedem vorbeifahrenden Trolleybus, Dank und Gruss an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter; sie hat bis heute bei den älteren "Büslern" noch ihre Fortsetzung.
Sein Studienfreund, der Rechtsanwalt Dr. Felix Wiget aus Zürich hat es einmal auf den Punkt gebracht: "Dich bewegt die Leidenschaft des Suchens mehr als die Freude am Gefundenen. Neben der Tätigkeit im amtlichen Stadthaus galt seine ganz besondere Liebe der Tätigkeit im musischen Bereich, ganz im speziellen dem Musikkollegium Winterthur. Bereits 1938 wurde Hans Bachmann in die Vorsteherschaft des Musikkollegiums gewählt, welches er von 1955 - 1982 mit grossem persönlichen Einsatz präsidierte.
Der ehemalige Stadtbibliothekar Dr. Peter Sulzer, Kollege in der Vorsteherschaft, hat die Zeit wie folgt umschrieben: "Sein Präsidium stand nicht allein durch den Szenenwechsel in den Führungsspitzen von Orchester und Musikschule in der Mitte zwischen Vergangenem und Gegenwärtigem; Hans Bachmann hatte in der Programmgestaltung und in der Wahl von Solisten und Dirigenten auch stets die "richtige Mitte" gesucht, die Mitte nämlich zwischen jungen, unbekannten Talenten und bereits anerkannten auffallenden Erscheinungen des In- und Auslandes, zwischen erstmals Berufenen und alten Freundschaften; und was die Musik selber anbelangt, so strebte er nach der richtigen Mitte "zwischen den hohen, uns unangefochten überkommenen Werken vergangener Epochen und dem zeitgenössischen Schaffen."
Um nur einige Namen zu nennen hörten wir im Winterthurer Stadthaus während Hans Bachmanns Präsidialzeit die Geigerin Edith Peinemann, den Geiger Henryk Szeryng, den Violincellisten Raffaele Altwegg, den Trompeter Maurice André und unter den alten Freundschaften, deren Beziehung zu Winterthur teils noch auf Werner Reinhart zurückgeht, die Geiger Arthur Grumiaux und Wolfgang Schneiderhan, die Pianistin Clara Haskil und viele andere.
Hans Bachmann war aber nicht nur Präsident des Musikkollegiums, sondern auch seine omnipräsente gute Seele.
1958 wurde Hans Bachmann Mitglied des Komitees des Internationalen Roten Kreuzes und von 1963 bis 1971 Mitglied und Vizepräsident des Präsidialrates. Neben seinen Tätigkeiten in Winterthur war ihm das Mitwirken im IKRK ein grosses inneres Bedürfnis aus der er auch immer wieder Kraft schöpfte.
Dass neben diesen Tätigkeiten bei Hans Bachmann auch der Freundeskreis nicht zu kurz kommen durfte, war für ihn selbstverständlich. So traf er seine Freunde am ersten Dienstag des Monats zu einem Abendschoppen in Zürich, ein Freundeskreis, dem einst sein Vater, der Präsident der Generaldirektion der Nationalbank, Gottlieb Bachmann-Herold angehört hatte.
Hans Bachmann rückte sich nie von sich aus in den Vordergrund des Gesprächs. Aber er erzählte begeistert von seinen durch Lektüre wohlvorbereiteten Reisen und vor allem von seinen Wanderungen, wobei er den Freundeskreis das von der Natur gebotene Schöne nachempfinden liess.
Zusammen mit seiner Gattin und den Familien seiner vier Kinder trauern die Stadt Winterthur, seine ehemaligen Kollegen, ein grosser Freundeskreis um die ausserordentliche Persönlichkeit Hans Bachmann. Ein Vorbild, ein Diener am Staate, ein Mann des 20. Jahrhunderts, tief verwurzelt im 19. Jahrhundert hat uns verlassen, eine Epoche geht zu Ende.
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