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Jetzt gehört auch der Winterthurer Landbote zur Tamedia – er wurde für über 49 Millionen Franken verkauft. Offenbar geht der eigenständige Mantelteil für die Redaktion in Winterthur verloren. Von Philipp Cueni
Der selbständige "Landbote" in der Stadt Winterthur war seit 1836 auch ein Ausdruck des speziellen Winterthurer Stolzes gegenüber dem grossen Zürich. Den Landboten gibt es zwar immer noch, aber jetzt ist er verkauft an die Tamedia aus Zürich.
Tamedia war bereits mit 20 Prozent am Landboten beteiligt und hatte ein Vorkaufsrecht. Es gab monatelange Gerüchte über einen Verkauf der Winterthurer Zeitung. Als Interessent wurde neben Tamedia die NZZ genannt, die Basler Zeitung schreibt, "Christoph Blochers Robinvest stand mit der Eigentümerfamilie Ziegler ebenfalls in Verhandlungen". Jetzt hat die Besitzerin Ziegler Druck- und Verlags-AG alles klar gemacht: Für 49.6 Millionen verkauft sie die Zeitung sowie die Druckerei und die Immobilien an Tamedia. Immobilien und Druckerei wurden gemäss Angaben der Tamedia mit 35 Millionen bewertet, die Zeitung mit 14.6 Millionen.
Bereits diesen Sommer hatte Tamedia dem Landboten den Auftrag zur Produktion des Mantelteils der Zürcher Landzeitungen ("Zürichsee-Zeitung", "Zürcher Oberländer", "Zürcher Unterländer") entzogen und lässt diesen künftig von der eigenen "Berner Zeitung" produzieren. Einen Mantel nur gerade für die eigene Zeitung zu produzieren, wäre für den "Landboten" vermutlich zu teuer gewesen. Damit war der Landbote geschwächt. Denn andere Kooperationspartner waren nicht in Sicht.
Ob der Landbote damit gezielt für den Kauf geschwächt worden ist, ist eine mögliche Vermutung. Ob Tamedia den Landboten vor einem Kauf durch Blocher gerettet hat, ist eine andere mögliche Variante.
Die Zeitung "Landbote" und die Redaktion für die regionale und lokale Berichterstattung werden bestehen bleiben. Bei internationalen und nationalen Themen sei ein Austausch mit der BZ Berner Zeitung vorgesehen – eine offenbar sanfte Bezeichnung für die Integration des Landboten in das Kopfblattsystem der Berner Zeitung. Woher der Landbote die überregionalen Texte zu Sport, Wirtschaft und Kultur beziehen wird, ist noch nicht bekannt. Und ob die Redaktion der Mantel-Ressorts in Winterthur abgebaut wird, weiss man auch noch nicht.
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Sicher ist: Es gibt in der Schweiz eine Zeitung mit eigenproduziertem Vollangebot weniger. Es gibt eine eigenständige unabhängige Zeitung weniger. Im wichtigen Bereich Inland schwindet die Vielfalt im Angebot. Die Tamedia hat ihr Zeitungsreich weiter ausgebaut und auch ihr Kopfblattsystem via BZ gestärkt.
Der Landbote hat eine Auflage von 32’000 – ähnlich hoch wie die Zürichsee Zeitung und der Zürcher Oberländer.
Auf Facebook hat sich "Rettet den Landboten" konstituiert: ""Der Landbote" soll eine unabhängige Winterthurer Stimme im Kanton Zürich mit einer eigenen Redaktion bleiben."
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