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Zeckenstiche Indikationen ArthropodenZecken stechen Menschen, um sich von ihrem Blut zu ernähren. Der Stich an sich ist in der Regel harmlos und kann einen milden Ausschlag verursachen. Problematisch ist hingegen die Übertragung von Krankheiten durch Zecken. In der Schweiz gehören dazu die bakterielle Borreliose und die virale FSME (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis), die beide zu schwerwiegenden Komplikationen führen können. Aus diesem Grund sollen Zeckenstiche mit geeigneten Massnahmen möglichst vermieden werden. Die Zecke soll so rasch wie möglich mit einer guten Pinzette entfernt werden. Die betroffene Hautstelle wird anschliessend desinfiziert.Symptome
Ein Zeckenstich ist in der Regel harmlos. Es kann sich eine lokale allergische Hautreaktion mit Juckreiz entwickeln, die innert Stunden bis zwei Tage nach dem Stich auftritt. Selten ist eine gefährliche Anaphylaxie möglich. Problematisch ist die Übertragung von Infektionskrankheiten beim Zeckenstich. Zwei Erkrankung sind von besonderer Bedeutung:
1. Die Lyme-Borreliose ist eine Infektionskrankheit, die von Bakterien der Gattung Borrelia verursacht und durch einen Zeckenstich auf den Menschen übertragen wird. Die Erkrankung kann sich zunächst lokal als Hautausschlag äussern, der sich ringförmig um die Einstichstelle ausdehnt und mehrere Wochen bestehen bleibt. Neben der Haut können innert Wochen bis Jahren auch das Nervensystem, der Bewegungsapparat und weitere Organe befallen werden. Zur Behandlung werden Antibiotika eingesetzt.
© Lucille Solomon, 2012 http://www.lucille-solomon.com
2. Die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) ist eine seltene von Zecken übertragene virale Infektionskrankheit. Der Krankheitsverlauf ist zweiphasig und beginnt mit einer grippeähnlichen Erkrankung. Für die meisten Patienten ist die Infektion damit abgeschlossen. Bei 20-30% setzt die zweite Phase ein, die durch den Befall des zentralen Nervensystems mit Ausbildung einer Hirnhaut- und Gehirnentzündung charakterisiert ist. Der Verlauf ist bei Erwachsenen schwerer als bei Kindern. Eine antivirale Therapie gegen FSME-Viren existiert noch nicht, weshalb die Infektion nur symptomatisch behandelt werden kann. Zur Vorbeugung steht eine Impfung mit inaktivierten Viren zur Verfügung.
Neben diesen zwei bekannten Erregern übertragen Zecken (Ixodes ricinus) in Mitteleuropa weitere, seltenere Erkrankungen, die den Menschen, Wild- und Haustiere betreffen:
- Humane granulozytäre Anaplasmose
- Q-Fieber
- Ehrlichiose
- Tularämie (Hasenpest)
- Rickettsiose
- Bartonellose, z.B. die Katzenkratzkrankheit
- Babesiose
Weltweit gibt es über 900 verschiedene Zeckenarten, die alle Ektoparasiten sind und sich von Blut des Wirts ernähren. Die wichtigste Spezies in Mitteleuropa ist die Schildzecke Ixodes ricinus, der gemeine Holzbock. Die aus Eiern geschlüpften Larven entwickeln sich zu Nymphen und schliesslich zur erwachsenen Zecke. Jede dieser Entwicklungsstadien benötigt eine Blutmahlzeit. Zecken stechen, indem sie ein Art Saugrohr mit Widerhaken in die Haut einschieben, das für zahlreiche Stunden dort verbleibt. Sie beissen nicht - deshalb heisst es korrekt Zeckenstich und nicht Zeckenbiss.
Die Parasiten leben auf einer Höhe von 10-50 cm in der Nähe des Bodens, wo es ausreichend feucht ist und sie Zugang zu ihren Wirten haben, also zum Beispiel im Gras, im Laub und im Unterholz. Sie werden beim Vorbeigehen von niedrig wachsenden Pflanzen abgestreift und gelangen so auf den menschlichen Körper. Sie fallen jedoch nicht, wie manchmal angenommen wird, von Bäumen herunter. Zu den Wirten gehören neben dem Menschen auch das Wild, Haus- und Nutztiere, Nagetiere, Vögel und Reptilien. Das Risiko eines Zeckenbisses ist im Frühling und Herbst am höchsten. Zecken überleben bis zu einer Höhe von maximal 1500 Metern über dem Meer. Bis zur Hälfte der in der Schweiz verbreiteten Zecken tragen das Bakterium Borrelia burgdorferi in sich, das die Borreliose verursacht. Zecken, die mit FSME infiziert sind, kommen hingegen nur in bestimmten Risikogebieten vor.Entfernung der Zecken
- Die Zecke soll so bald wie möglich entfernt werden, weil das Risiko einer Übertragung von Borrelien mit der Zeit und nach 24 Stunden steigt.
- Vorgängig keine Hausmittel wie Kölnisch Wasser, Öl oder Klebstoff anwenden.
- Entfernung der Zecke mit einer gewöhnlichen spitzen Pinzette, einer professionellen Zeckenpinzette oder allenfalls mit einem anderem Werkzeug wie einer Zeckenkarte. Die Zecke knapp oberhalb der Haut gut greifen, fest und ganz herausziehen. Den Parasiten nicht zerdrücken.
- In der Haut verbleibendes Mundwerkzeug wenn möglich entfernen. Falls dies nicht einfach möglich ist, kann es auch in der Haut verbleiben und wird vom Körper mit der Zeit abgestossen.
- Desinfektion der Stelle mit einem Desinfektionsmittel.
- Das Werkzeug muss, falls es wieder verwendet wird, anschliessend gut gereinigt und sterilisiert werden.
- Datum des Stichs notieren und die Stelle in den kommenden Wochen beobachten. Auf fiebrige Erkrankungen in dieser Zeit achten.
Die beste Vorbeugung der Infektionskrankheiten besteht darin, Zeckenstiche zu meiden. Zecken befinden sich im Unterholz und an niederwachsenden Pflanzen. Beim Wandern oder Sport sollen geschlossene Schuhe und lange, glatte und helle Hosen getragen werden. Auf hellen Materialien lassen sich die Zecken besser entdecken. Die Socken sollen über die Hosen gestülpt werden. Das Unterholz und Wegränder meiden. Nach dem Aufenthalt in einem Risikogebiet soll der Körper auf Zecken untersucht und die Zecken so rasch wie möglich entfernt werden. Zecken finden sich vor allem im Bereich der Achseln, an den Leisten und Kniekehlen, bei Kindern auch im Gesicht, am Nacken und auf der Kopfhaut. Zur chemischen Vorbeugung werden Repellents, zum Beispiel mit dem Wirkstoff Diethyltoluamid (DEET), eingesetzt.
Von der Amerikanischen Gesellschaft für Infektionskrankheiten (http://www.idsociety.org ) wird zur Sekundärprophylaxe nach einem Zeckenbiss bei Erfüllung von 4 Kriterien die Einnahme von 200 mg Doxycyclin als Einzeldosis empfohlen. In der Schweiz wird keine derartige Antibiotikaprophylaxe durchgeführt, weil der Nutzen wissenschaftlich nicht belegt ist. Eine Impfung gegen die Borreliose ist bisher nicht im Handel. In den USA wurde eine Impfung lanciert, aber wieder von Markt zurückgezogen. Hingegen ist in der Schweiz eine FSME-Impfung (Encepur®, FSME-Immun®) möglich → siehe unter FSME-Impfungsiehe auchLiteratur
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- Nahimana I., Gern L., Blanc D.S., Praz G., Francioli P., Péter O. Risk of Borrelia burgdorferi infection in western Switzerland following a tick bite. Eur J Clin Microbiol Infect Dis, 2004, 23(8), 603-8 Pubmed
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Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.
Abbildung: Lucille Solomon, http://www.lucille-solomon.com