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Python-Programmierer in Kampala
Für meine fachliche Weiterbildung besuche ich am liebsten Software-Entwickler-Konferenzen, und unter diesen ist mir die EuroPython-Konferenz ans Herz gewachsen. Was diese Konferenz auszeichnet, ist der Umstand, dass sie Community-getrieben ist und aus diesem Grund wohl eine Bandbreite an Präsentationen und Veranstaltungen anbietet, wie man sie an üblichen Entwickler-Konferenzen selten antrifft. Von der EuroPython-Konferenz 2017 ist mir eine Keynote in Erinnerung geblieben, in welcher die Referentin aus Nigeria über die lebendige Python-Entwickler-Szene in Subsahara-Ländern berichtete. In diversen Ländern wurden Django-Girls-Kurse organisiert (Django ist ein Python-basiertes Web-Framework) und in Zimbabwe, Südafrika und Nigeria sind nationale Python-Konferenzen durchgeführt worden.
Das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden, dachte ich mir, als ich meine Reise nach Uganda (ein Dienstaltersgeschenk) plante. Warum nicht diese Reise nutzen und einen Einblick in die Python-Entwickler-Szene in Kampala, der ugandischen Metropole gewinnen? Mit dieser vagen Idee im Kopf schrieb ich eine Mail an die Referentin besagter Keynote und erhielt eine Woche später ihre Antwortmail, in welcher sie mich an eine ugandische Software-Entwicklerin verwies. Damit war der Erstkontakt geschafft und das Eine ergab sich aus dem Anderen und am Schluss sass ich mit rund einem Dutzend Python-Software-Entwicklern an einem heissen Donnerstag-Abend in einem Hochhaus in Kampala und diskutierte die Möglichkeiten und Probleme der Software-Entwicklung in diesem Land.
App-Ökonomie und Lebensqualität
Wenn wir die Aussage hören, dass die neuen Technologien (Internet, Smartphone und die dazugehörigen Applikationen) unser Leben verändert habe und den Alltag durchdringen würde, dann denken wir an unser Leben in wohlhabenden Ländern. Dass diese Aussage für die Leute in wenig entwickelten Ländern noch viel mehr zutrifft, mag einige erstaunen. Tatsache ist, dass Anwendungen, welche das Abschliessen von Versicherungen oder das Übertragen von Geld von einer Person zur anderen ermöglichen, in Ostafrika viel weiter verbreitet sind als bei uns. Auch wenn der Mobilfunk in diesen Ländern Löcher aufweist, so wird er doch von der Bevölkerung intensiv genutzt. Wie die App-Ökonomie die Lebensqualität in Entwicklungsländern verbessern kann, war erst kürzlich in einem NZZ-Artikel über «Safe Boda» in Kampala zu lesen.
Wie die meisten Millionenstädte in Sub-Sahara-Afrika ist Kampala ein Moloch mit absolut ungenügender Verkehrsinfrastruktur. Konkret bedeutet das für die Bewohner stundenlange Staus während den Stosszeiten. Wer in Kampala pünktlich an einem Treffpunkt ankommen und dabei nicht zu viel Zeit verlieren will, ist auf den Transport mit Bodas angewiesen. Bei den Bodas handelt es sich um Motorradtaxis, welche sich in halsbrecherischer Art durch die verstopften Strassen schlängeln. Mit der Folge, dass zeitweise bis zu 70% der Notfallaufnahmen in den Spitälern auf Unfällen mit Bodas zurückgingen. Mit «Safe Boda» ist seit drei Jahren eine Firma im Geschäft, welche sicheren Transport mit Motorradtaxis anbietet. Die Fahrer der Firma haben alle den Führerausweis und halten sich an die Verkehrsregeln. Die Fahrer zeichnen sich durch orange Helme und eine orange Weste aus, auch die Kunden sind mit einem Helm geschützt. Und ganz wichtig: die Fahrer können mit einer entsprechenden App an jeden Punkt in der Stadt bestellt werden. Während Uber für die Konsumenten eine preiswerte Transportmöglichkeit darstellt, bedeutet «Safe Boda» für die Kunden einen Zeitgewinn gekoppelt mit einer massiven Stressreduktion. «Safe Boda» bringt für die Bewohner Kampalas somit eine wesentliche Verbesserung der Lebensqualität.
Python in Afrika – mehr als eine Schlange
Am Treffen mit den Python-Programmierern in Kampala haben wir festgestellt, dass Python als agile Sprache sich grundsätzlich gut für die Entwicklung von Smartphone-Apps eigenen würde. Allerdings sind die beiden beherrschenden Smartphone-Betriebssysteme auf bestimmte Programmiersprachen ausgerichtet. Für Android-Applikationen beispielsweise hat Google mit Android-Studio eine hervorragende Entwicklungs-Umgebung bereitgestellt. Diese ist aber speziell auf die Programmiersprachen Java und Kotlin ausgerichtet. Das mag ein Grund sein, weshalb Python in der App-Ökonomie bisher keine grosse Rolle gespielt hat. Das könnte sich mit der Verbreitung von progressiven Web-Applikationen (PWA) ändern.
Als weiteres Thema haben wir Bitcoin und Blockchain diskutiert. Uganda ist auf dem Transparency-Index ziemlich schlecht platziert (Rang 151 von 180). Korruption und Rechtsunsicherheit erschweren die geschäftlichen Aktivitäten zwischen Personen, die sich nicht kennen und die aus diesem Grund noch kein Vertrauensverhältnis entwickeln konnten. In einem solchen Umfeld kann die Blockchain die Geschäftstätigkeit erleichtern, weil der Algorithmus regelbasiertes Verhalten sicherstellt und damit das Problem des fehlenden Vertrauens in den Rechtsstaat löst.
Weiter interessierten sich die Teilnehmer, wie man Python-Core-Contributor werden könne. Da ich bisher noch keinen Beitrag zum Python-Core geleistet habe, konnte ich nur eine ungesicherte Antwort geben. In jedem Open-Source-Projekt gibt es immer ganz unterschiedliche Aufgaben. Nicht nur der Code muss entwickelt werden, zum Code gehört eine Dokumentation, welche geschrieben, übersetzt und bereinigt werden muss. Gerade im Bereich der Dokumentation und deren Übersetzungen gibt es für interessierte Personen gute Gelegenheiten, in einer Community Fuss zu fassen. Bei Open-Source-Projekten generell sind die Communities sehr offen und gute Beiträge werden schnell honoriert. Wer das Interesse und die Zeit hat, kann, die notwendigen Fähigkeiten vorausgesetzt, auch im Python-Core recht schnell zu einem wichtigen Beitragsleister werden.
Zum Schluss fragte mich ein Teilnehmer, mit Hinweis auf meine Dissertation im Open-Source-Bereich, was meine Erkenntnisse seien bezüglich dem Erfolg von Open-Source-Projekten. Da meine Untersuchung diesbezüglich wirklich handliche Resultate lieferte, gebe ich diese gerne auch hier wieder: Open-Source-Projekte sind erfolgreich, wenn sie den beteiligten erstens eine Projektvision bieten können. Die Beteiligten müssen wissen, welcher Nutzen die fertige Anwendung bringen wird. Zweitens muss das Projekt den Beteiligten die richtigen Herausforderungen bieten. Wenn der Programmierer weder über- noch unterfordert ist, engagiert er sich langfristig am Projekt und hat dabei viel Spass bei seiner Arbeit.
Benno Luthiger, Community Head „Software-Entwicklung“