Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03545.jsonl.gz/2178

Während des sogenannten Boxerkrieges fanden in Teilen Nordostchinas nicht nur gewaltsame Zusammenstösse zwischen den ausländischen Truppen und chinesischen „Boxern“ statt; die Gebiete der Provinz Zhili fielen unter direkte Kontrolle durch die Repräsentanten der Interventionsmächte. Zu diesen Gebieten gehörten auch die bevölkerungsreichen Städte Tianjin, Beijing und Baoding. Zu diesem Zweck wurden unterschiedliche Besatzungsverwaltungen installiert, die die Beziehungen zwischen der chinesischen Bevölkerung und den Militärs, aber auch zwischen den Militärs der verschiedenen Nationen regulieren und garantieren sollten.
Der städtische Raum soll im vorliegenden Projekt als Prisma dienen, um die Dynamiken von Momenten inter-imperialer Interaktion erfassen und analysieren zu können. Dabei gilt ein besonderes Augenmerk den jeder Form von Interaktion inhärenten Abgrenzungs- und Kooperationsprozessen. Anstelle eines statischen Verständnisses der situation d’occupation soll diese im vorliegenden Projekt als dynamischer Prozess der kontinuierlichen Aushandlung und Abwägung teilweise konfligierender Interessen unterschiedlicher Akteure betrachtet werden. Hierbei müssen auch wechselseitige Einflüsse berücksichtigt werden, als die Besatzungssituation nicht nur eine Positionierung der Besatzer gegenüber der chinesischen Bevölkerung, sondern auch gegenüber den Vertretern der anderen Interventionsmächte erforderte. Daher muss die Anwesenheit unterschiedlicher imperialer Akteure mit ihren konzentrierten Formen kolonialer Herrschaft in das Forschungsdesign einbezogen werden, um die Relationalität der Besatzungssituation adäquat reflektieren zu können.