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Riffreiher
Egretta sacra
© 2010 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Numisbriefe Kollektion)
Artwork © Owen Bell
Der Riffreiher (Egretta sacra) ist ein mittelgrosses Mitglied der weltweit rund sechzig Arten umfassenden Familie der Reiher (Ardeidae). Erwachsene Individuen weisen eine Länge von 57 bis 66 Zentimetern, eine Flügelspannweite von 90 bis 110 Zentimetern und ein Gewicht um 400 Gramm auf. Männchen und Weibchen lassen sich äusserlich nicht voneinander unterscheiden.
Der Riffreiher gehört zu den rund 330 Vogelarten - das entspricht 3,3 Prozent der total rund 10 000 bekannten Vogelarten -, bei welchen unabhängig von Geschlecht und Alter zwei verschiedene Farbschläge vorkommen: Sowohl bei den männlichen als auch bei den weiblichen Riffreihern tragen manche Individuen ein schiefer- bis blaugraues Gefieder, andere ein weisses.
Der Riffreiher ist auch insofern ein ungewöhnlicher Vogel, als man ihn weder als tag- noch als nachtaktiv bezeichnen kann. Seine Aktivitätszeit richtet sich nach dem Gezeitenstand: Er geht im Allgemeinen dann auf Beutefang, wenn die Flut vorüber ist und das Meer die Küsten nach und nach wieder freigibt. Da sich diese Gezeitenphase wegen des Mondzyklus Tag für Tag um etwa fünfzig Minuten im Uhrzeigersinn verschiebt, verschiebt sich die Aktivitätsphase des Riffreihers im Laufe eines Monats einmal rund um die Uhr.
Das Artverbreitungsgebiet des Riffreihers erstreckt sich über weite Bereiche des indopazifischen Raums, von den Andamanen im Westen bis zu den Tuamotu-Inseln im Osten. Im Unterschied zu den meisten anderen Reiherarten hält sich der grazile Stelzvogel in aller Regel nicht im Bereich von Süssgewässern auf, sondern an den Rändern von Salz- oder Brackgewässern, das heisst an Meeresküsten und an den Ufern von Flussmündungen. Am häufigsten begegnet man ihm an felsigen Küstenabschnitten oder - wie sein Name andeutet - bei Korallenriffen.
An den genannten Gewässerrändern betätigt sich der Riffreiher als Beutegreifer. Langsam und umsichtig bewegt er sich in geduckter Haltung fort. Entdeckt er ein mögliches Opfer, so fasst er es zunächst genau ins Auge, dann wirft er seinen Kopf wie einen Speer nach vorn und packt es zielsicher mit dem Schnabel oder spiesst es mit demselben auf.
Zum Opfer fallen ihm hauptsächlich kleinere Fische aller Art. Aber auch kleine Krabben und andere Krebstiere, Weichtiere, Insekten und deren Larven, Geckos und weitere kleine Echsen, frisch geschlüpfte Meeresschildkröten und sogar nestjunge Meeresvögel stehen auf seinem Speiseplan.
Der Riffreiher ist ein ausgeprägt territorialer Vogel. Gewöhnlich streift er einzeln oder paarweise umher. Jeder fremde Artgenosse, der ins Territorium eindringt, wird sofort gestellt und verjagt. Sein Nest baut das Riffreiherpaar an einem vor Wind und Blicken geschützten Ort, manchmal am Boden, manchmal zwischen Felsen oder auf einem kleinen Strauch. Es handelt sich um eine kreisrunde, aus Stöckchen, Zweigen, Schilfhalmen und anderen Pflanzenstoffen gefertigte Plattform, welche eine Höhe von ein paar wenigen Zentimetern und einen Durchmesser von etwa 40 Zentimetern aufweist.
Je Brut zieht das Riffreiherpaar gewöhnlich zwei oder drei Junge auf. Wenn dieselben nach einer Brutzeit von knapp vier Wochen aus den Eiern schlüpfen, sind sie fast vollständig nackt. Bald wächst ihnen aber ein weisses bzw. dunkelgraues Daunenkleid, und wenig später ein ebenso gefärbtes Jugendgefieder. Im Alter von etwa drei Wochen verlassen die noch flugunfähigen Jungvögel ihr Nest zu Fuss und verstecken sich in einem Unterschlupf in der Nähe. Die Flugfähigkeit erreichen sie im Alter von etwa sieben Wochen.
Die Weltnaturschutzunion (IUCN) stuft die Bestandssituation des Riffreihers gegenwärtig als «Nicht Besorgniserregend» («Least Concern») ein. Dies in der Meinung, dass seine Population im Verlauf der nächsten zehn Jahre wohl kaum um mehr als dreissig Prozent schwinden wird. Es handelt sich dabei allerdings um eine pure Einschätzung, denn eine Abklärung der Entwicklung der Riffreiherpopulation hat nie stattgefunden.
Man muss in diesem Zusammenhang bedenken, dass der Schutz des Riffreihers gleichbedeutend ist mit dem Schutz der Küsten und der Küstengewässer. Je mehr von ihnen verbaut, touristisch erschlossen, verschmutzt oder sonstwie beeinträchtigt werden, desto weniger Lebensraum und Nahrungsgrundlage bleiben für den Riffreiher übrig. Genau diese Entwicklung findet jedoch seit geraumer Zeit im ganzen indopazifischen Raum auf breiter Front statt. Tatsächlich existieren Berichte über Bestandsrückgänge vom südlichen Australien, von Tasmanien, von Neuseeland und auch von China. Es gilt darum, die Populationsentwicklung dieses zweifarbigen Stelzvogels mit wachsamen Augen zu verfolgen.
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