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Im Jahre 1981 ist der Zürcher Kaufmann Georges Bloch von der Universität Zürich mit dem Grad eines Doktors der Philosophie ehrenhalber ausgezeichnet worden »in Würdigung seiner sammlerischen und wissenschaftlichen Erfassung und Darstellung von Pablo Picassos graphischem Werk und in Anerkennung seiner bedeutenden Picasso Schenkungen an schweizerische Museen über die Gottfried Keller Stiftung«.
Georges Bloch starb am 15. Mai 1984. Seinen Plan, der Philosophischen Fakultät I der Universität Zürich ein Legat zukommen zu lassen, hatte er selber nicht mehr verwirklichen können. Da beschloss die Georges und Jenny Bloch Stiftung, gemeinsam mit Frau Jenny Bloch, die von Georges Bloch geplante Zuwendung. Schon im Herbst 1984 konnte der Regierungsrat des Kantons Zürich das grosszügige Legat zu Gunsten der Philosophischen Fakultät I der Universität Zürich entgegennehmen.
Im Sommer 1989 starb Jenny Bloch. Es war ihr Wunsch gewesen, das Legat ihres Gatten entschieden zu erhöhen. Am 14. Februar 1990 hat der Regierungsrat dieses zusätzlich verfügte Legat registriert.
Für die Verwendung des Legats hat der Regierungsrat am 13. Februar 1985, auf Antrag der Philosphischen Fakultät I, ein Reglement verabschiedet. Darin wird unter anderem festgehalten:
»Der Fonds soll für Beiträge an die Herausgabe von Publikationen sowie die Durchführung von Seminarien, Kolloquien und Tagungen Verwendung finden, wobei das Kunstgeschichtliche Seminar in erster Linie zu berücksichtigen ist.«
»Über die Verwendung des Fonds und der Fondserträgnisse entscheidet eine Komission, welcher folgende Professoren angehören: Prof. Werner Weber, der Dekan der Philosophischen Fakultät I, der jeweilige Vorsteher des Kunstgeschichtlichen Seminars sowie ein weiterer Vertreter der Kunstgeschichte.«
Ausgehend von den Gesprächen, die ich mit Georges Bloch in dessen letzten Jahren erlebte (dies im genauen Wortsinn), glaube ich sagen zu dürfen, dass er den Plan für ein »Jahrbuch« des Kunstgeschichtlichen Seminars der Universität Zürich gebilligt hätte mit einem Vorbehalt: Seinen Namen hätte er weghaben wollen. Sich Zurücknehmen war sein Stil. Vieles hat er gefördert, Vielen hat er geholfen und die Betroffenen erfuhren oft nicht, wer der Förderer, wer der Helfer war.
Beim Nachdenken über Georges Bloch passt ein Wort aus dem epochemachenden Grossunternehmen von Diderot und D'Alembert nicht schlecht: »L'honnête homme est attaché à ses devoirs, & il fait par goût pour l'ordre & par sentiment des actions honnêtes, que les devoirs ne lui imposent pas.« Georges Bloch, honnête homme; das war er. Ergreifend: die gut verborgene Leidenschaft dieses Mannes. Kaum an einem Ort wurde sie spürbar wie dort, wo er (sein Wort) auf eine »Urkraft« reagierte auf Picasso. Bei diesem Zeitgenossen erlebte Georges Bloch das künstlerische Schaffen als ein Bezeugen von Geheimnis und Handwerk.
Unter dem Datum »7. 3. 68.« hat ihm Picasso ein Blatt gewidmet. Ein Pro Memoria für den Weggenossen das alles haben wir gesehen (erschrocken, staunend, verängstigt, bezaubert): die Tänzerin auf der Kugel, als wisse sie das Gleichgewicht auswendig; den Knaben, in dessen Augen das Kindliche seinen Abschied meldet; das Mädchen, das einfach herschaut und seinen Körper gelten lässt; die nackte Frau, umfangend umfangen; den hockenden alten Zuschauer, den soliden Verwandten Pans; den Voyeur Kopf voller Frenesie. Und hinter allem der Lenker, der Herrscher über ein wunderbares Blickgewebe: Amor. Unter dem Bild könnte stehen: In Sachen Leben macht man uns nichts vor. Da steht aber: »pour Georges Bloch, son ami Picasso«.
Danach soll »Georges Bloch« auch beim Titel »Jahrbuch« stehen: als ein Gütezeichen, dem die Beiträger zu genügen hätten.
»Nunc, nunc incumbere tempus.«
Zürich, im Dezember 1993 Werner Weber
Abb.: Gravure inédite offerte par l`artiste pour servir de frontispice à cet ouvrage.
(Georges Bloch, Pablo Picasso, Catalogue de l'oeuvre gravé et lithographié 1904-1967, Bern 1968; vgl. Bloch Nr. 1489)