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Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
Jules Chérets (1836‒1932) sonnige „Belle-Époque“-Plakate erfreuten die Pariser um die vorletzte Jahrhundertwende (1900), selbst und besonders an trüben Wintertagen. Sie belustigten sie und stimmten sie heiter, zumal sie beschwingt und flockig-locker die bildhübschen Pariserinnen veranschaulichten. Der Franzose ist dafür sehr empfänglich – und ich auch.
Jules Chéret – und auch Henri de Toulouse-Lautrec – haben der Steinlithographie zum Durchbruch verholfen. Beide sind die Begründer und Meister der Farblithographie, und ihre Plakate schmückten die Litfasssäulen an allen Strassenecken. Chérets Plakate lockten das Publikum in Kabarette (Moulin Rouge, Folies Bergère) und Museumsausstellungen (Musée Grévin) warben für Liköre und Apéritive, Fahrräder usf.
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Lily und ich flanierten der Pariser Rue de Rivoli entlang und entdeckten unverhofft auf der gegenüber liegenden Strassenseite die Anzeige der Jules Chéret gewidmeten Ausstellung im Museum „Les Arts Décoratives“. Wir entwichen prompt den langweiligen Souvenir-Geschäften und ergötzten uns an seinen Plakaten und anderer Graphik im 3. Stock. Wir waren um 11 Uhr morgens die einzigen Besucher dieser Sonderausstellung. (Sie dauert noch bis zum 7. November 2010.)
Chéret, angesichts der Popularität seiner Plakate, gründete die Publikation „Les Maîtres de l’Affiche“ (1895‒1900). Die grossformatigen Plakate wurden den Sammlern in verkleinertem Format angeboten, und sie gelten als Originallithographien, wurden kurz nach dem Erscheinen der Plakate in beschränkter Auflage veröffentlicht. Alle namhaften Plakatkünstler sind in dieser Serie vertreten.
Als Jüngling klopfte ich bei jeder Gelegenheit die Galerien im Quartier Saint-Germain-des-Prés ab und erstand mir nach und nach auch eine Anzahl von diesen Plakaten in Miniatur von Cheret, worunter das Blatt Nr. 1 „Papier à Cigarettes ,JOB'", Nr. 28 „Les Coulisses de l’Opéra au Musée Grévin“ und Nr. 133 „Olympia anciennes Montagnes Russes, Boulevard des Capucines“. Alle 3 haben bei uns Unterkunft an der Wand gefunden und beschwören, jedesmal, wenn wir sie betrachten, heitere Erinnerungen herauf. (Die Academy Editions, London, hat alle diese Kleinplakate mit 256 Farbbilder publiziert, betitelt „Masters of the Poster 1896‒1900“.)
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Es liegt nicht in meiner Natur, planlos durch Städte zu watscheln. Im Nu waren wir nach dem Museumsbesuch in Saint-Germain und mussten zuerst unseren Hunger stillen. Die Hauptmahlzeit ist dem Abend vorbehalten. So begnügten wir uns mit einer „Omelette aux fines herbes“ für Lily und einer mit Schinken für mich, draussen in einem Strassencafé verzehrt, unterm Sonnenschirm, denn die Sonne brannte auch an diesem Tag, stärker noch als tags zuvor.
Nachher verwirklichte ich meinen Plan und fragte in verschiedenen Galerien nach Chéret-Lithographien. „Nous n’en avons plus“, kriegte ich zur Antwort. „Fin de la Belle Époque“ Immerhin konnten wir sie heute vergnügt aufleben lassen im „Musée des Arts Décoratifs“.
P.S. Die nächstfolgenden Pariser Feuilletons sind der Gegenwart gewidmet.
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