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Das ausgehende 18. Jahrhundert, die Zeit, in der Hahnemann lebte und praktizierte, war die Zeit der Aufklärung. Es war eine Zeit des Aufbruchs und der Neuorientierung. Das magische Weltverständnis des Mittelalters wurde hinterfragt, man versuchte sich mit der Vernunft von Aberglauben und Vorurteilen zu befreien. Der Mensch fühlte sich immer weniger als Teil eines Ganzen, eingebettet in einem gottgegebenen System, dem er sich fraglos unterordnete.
Er verstand sich vermehrt als Individuum und zog aus diesem Verständnis Schlussfolgerungen für sein Handeln. Er selbst und seine Umwelt wurden zu Objekten der Erforschung.
Die Aufklärung war eine Zeit grosser Entwicklungen in Wissenschaft und Bildung. Im Gefolge kam es zu tiefgreifenden Veränderungen und Entwicklungen in Technik, Kultur und Politik. In der damaligen Zeit lag in der Medizin einiges im Argen. Sie war in erster Linie eine Erfahrungsheilkunde, wo neben dem überlieferten Wissen vom Wirken der Heilpflanzen viele obskure Methoden praktiziert wurden, welche oft mehr Schaden als Nutzen mit sich brachten.
Die Hauptrichtung der Medizin, aus welcher sich die heutige konventionelle Medizin entwickelte, ging im aufklärerischen Sinne den naturwissenschaftlichen Weg.
Dieser gehorcht kausal-analytischen Gesetzen von Ursache und Wirkung. Die Ursache einer Krankheit wird gesucht und dann bekämpft, Organe, welche nicht mehr funktionieren, werden unterstützt oder ersetzt.
Entwicklungen in der Physik, Chemie, Mikrobiologie gaben der Forschung Werkzeuge in die Hand, die dem Verständnis vom Menschen als biologische Maschine Vorschub leisteten. Immer mehr Funktionen wurden der Analyse zugänglich und die Medizin verbuchte in diesem Ausmass bisher unvorstellbare Erfolge.
Hahnemann, dem nicht die heutigen technischen Hilfsmittel zur Verfügung standen, brachte auf seine Weise Wissenschaft in die damalige Medizin ein: Sein Ansatz war die genaue Beobachtung der Symptome des Patienten in seinem Umfeld auf der einen Seite, und das exakte Studium der Arzneimittelwirkungen auf der anderen.
Er führte die Systematik der Krankengeschichte als unabdingbares Instrument der Verlaufsbeobachtung und Grundlage der Krankheitslehre sowie die minutiöse Beobachtung der Arzneiwirkung in die ärztliche Tätigkeit ein. Zwei Elemente, die aus heutiger Sicht Grundlage jeder wissenschaftlichen Tätigkeit sind.
Sein wissenschaftliches Vorgehen war indessen nicht ein zerlegendes analytisches, sondern ein synthetisches. In seinem Weltbild sah er den Menschen nicht als Maschine, sondern als ein komplexes in sich und mit der Umwelt interagierendes Wesen, welches nur als Ganzheit verstanden werden kann.
Er sah den Menschen als Individuum, welches zwar mehr oder weniger Ähnlichkeiten mit anderen Individuen hat, aber nicht als austauschbarer Teil einer vergleichbaren Gruppe betrachtet werden darf.
Wie Hahnemann und seine Schüler in den peinlich genauen Krankenjournalen die Krankheitsverläufe und die Wirkungen der Medikamente schilderten, entspricht heute noch den Kriterien einer genauen vorurteilsfreien im wahrsten Sinne wissenschaftlichen Beobachtung.
Auch die Art und Weise wie er im Laufe der Jahre seiner beruflichen Tätigkeit die Methode des homöopathischen Vorgehens immer weiter entwickelte und modifizierte, entspricht einem wissenschaftlichen Vorgehen.
Ob er das Ähnlichkeitsgesetz, aufgrund dessen er die Arzneimittel beim Kranken einsetzte, selbst gefunden hat, oder ob er es aus alten Quellen als Teil der hippokratischen Medizin kannte, ist unbekannt, aber auch unwichtig. Seiner genauen Beschreibung des Vorgehens verdanken wir die Methode, welche wir seit nunmehr über 200 Jahren in der Praxis anwenden.
Dass die Homöopathie mit der konventionellen Medizin seit Anbeginn in einem Widerstreit steht, lässt sich mit den grundsätzlich verschiedenen Paradigmen erklären.
Seit die Naturwissenschaft erkennt, dass Leben mit kausal-analytischen Methoden nur teilweise verstanden werden kann, zeichnet sich jedoch eine gewisse Annäherung ab, welche möglicherweise auch zu einem besseren Verständnis der Wirkungsweise der Homöopathie beitragen wird.
In einer integrativen Zusammenarbeit der verschiedenen Methoden liegt zukünftiges Potential für die Medizin. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Homöopathie weiter auch von Ärztinnen und Ärzten praktiziert wird.