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Revolution ist einer jener Gigantismusfilme, die ein Filmstudio in die Knie gezwungen haben. Ähnlich wie wenige Jahre zuvor bei Heaven’s Gate kam mit Hugh Hudson ein Regisseur zum Zug, der mit seinen ersten Filmen für Aufsehen sorgte: Chariots of Fire feierte einen riesigen Erfolg bei den Oscars, Greystoke war durchaus bei den Kritikern beliebt. Doch mit dem Revolutionsopus, sinnigerweise Revolution genannt, kam alles ganz anderes. Der Film über die Geburt einer Nation, die sich gegen die Engländer aufzulehnen wagte, verschlang fast das Doppelte vom veranschlagten Budget, floppte gewaltig an den Kinokassen (das US-Publikum war zu jener Zeit in der Reagan-Ära ganz und gar nicht bereit einen kritischen Film zu ihrer allzu jungen Historie und dem Freiheitskampf aufzunehmen) und versank die Goldcrest Studios, aus deren Schmiede Filme wie Ghandiund eben Chariots of Fire stammten.
Mit dem Film verschwand aber auch ein Komponist für lange Zeit von der Filmleinwand. John Corigliano, dessen Musik zu Altered States für Aufsehen sorgte und der für Greystoke, den schliesslich John Scott vertonte, wegen Terminproblemen absagen musste, setzte ungemein viel Herzblut in das Projekt. Doch die Art und Weise wie mit seiner Musik im fertigen Film umgesprungen wurde, schlug Corigliano derart auf den Magen, dass er sich eine Auszeit von der Filmmusik nehmen wollte. Erst 1998 kehrte Corigliano, 13 Jahre später, mit The Red Violin zurück (und holte einen Oscar dafür ab).
Varèse Sarabande hat die Chance gepackt mit der Veröffentlichung der Regieversion Revolution Revisited die Bänder für ein ursprünglich vorgesehenes Soundtrack Album auszugraben und sie nun auf CD zu präsentieren. Zu schade, dass
dem wunderbaren Score Coriglianos nicht mehr Platz geschenkt wurde und lediglich 40 Minuten auf der CD verewigt wurden. Das vollmundige “But what better album could be issued on CD than the one already planned and prepared by the composer himself?” im Booklet klingt nach heutigen Erfahrungen leider unecht und es würde wohl niemanden überraschen, wenn in 5 Jahren die definitive Version, vielleicht sogar beim gleichen Label, rauskäme.
Zur Musik. Corigliano wäre nicht Corigliano, wenn er nicht seine kräftige Musiksprache mit kakaphonseken Einflüssen und der markant klassischen Art einfliessen lassen würde. So beginnt Revolutionexplosiv mit dem kurzen aber prägnanten Opening Titles: Revolution in the Air. Der Komponist bereitet damit den Weg für einen Film, der eine vor der Geburt stehende Nation zeigt, mit all ihren Wehen und Nachwehen: Gewalt, Eskalation, Krieg. Dies ist auch im fantastischen Stück Forest Search: Attack zu hören, während Corigliano in seinem War Lament mit ansteigender Dramatik, dem Adagio for Strings von Samuel Barber vom hinterlassenden Eindruck her nicht unähnlich, dem Grauen des Krieges Tribut zollt.
Für den Sohn Al Pacinos schrieb Corigliano ein unschuldiges, fast traumatisch-reminiszierendes Thema, auf der Tinwhistle übrigens von Sir James Galway gespielt: Children’s Theme, Abduction of Ned. Die im Film sonderbar anmutende Liebesbeziehung zwischen von Nastassja Kinski und Al Pacino umgibt er mit einem ausladend schwelgerischen Thema für Streicher und Hörner (Daisy’s Theme, Searching for Daisy). Abgeschlossen wird die CD passend mit dem kraft- und unheilvoll beginnenden Searching for Daisy/End Title, das dann in Daisys und sehr ausführlich in Neds Thema mündet um den Score zu einem Ende zu bringen.
Leider ist, wie oben angesprochen, nach 40 Minuten schon Schluss, wo man doch gerne noch eine Viertelstunde mehr gehört hätte. Nick Redmans Liner Notes sind für eine Varèse Produktion ungewohnt ausführlich, aber so scheint es öfters, wenn man Townsons scheinbar favorisiertere Musiken veröffentlicht sieht.
Für Fans des Komponisten ist die CD ein absolutes Muss und, so bin ich mir sicher, sie werden es auch nicht bereuen. Wenn man später irische Einflüsse in die Filmmusik, wie in Braveheart, Titanic oder Burwells Rob Roy (eher schottischer Natur)und in unzähligen anderen Musiken zu hören bekam, so ist Revolution ein für Carigliano schon fast traditioneller Score ohne diese Klischees zu bedienen.
Auch den Film kann ich übrigens empfehlen. Wenn er auch seine Schwächen hat, so ist er doch ein bildstarkes Epos mit einem kritischen Blick auf die Revolutionsjahre Amerikas.