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Der gejagte König der Tiere
Zusammenleben mit dem Löwen in der Kaza-Region: Erfahren Sie, wie der Klimawandel den Lebensraum der majestätischen Tier bedroht, und wie der WWF mit den Menschen vor Ort für dessen Schutz einsteht.
Die Prinzessin der Savanne
Eine Königin der Tiere ist sie noch nicht. Zu ihrer imposanten Statur als zweitgrösste Grosskatze fehlen ihr noch ein paar Zentimeter Schulterhöhe. Noch hört man ihr Brüllen nicht kilometerweit. Die junge Löwin ist noch ein Teenager. An diesem Nachmittag in der Savanne weckt ein Warzenschwein, welches unweit ihres Rudels in Sicht kommt, ihr Interesse. Vom Schwein selbst sieht man nur das Schwänzchen, das wie ein Wimpel über das dichte Gras ragt und sich langsam fortbewegt. Die junge Löwin pirscht sich an, das Schwänzchen des Warzenschweins entfernt sich um die gleiche Distanz. Wenn die Löwin stoppt, stoppt auch das Warzenschwein. Wenn sie sich abdreht, kommt es wieder näher. Spielen sie miteinander? Necken sie sich? Was die Tiere denken, wissen wir nicht. Faszinierend anzuschauen sei es aber allemal gewesen, erzählt Doris Calegari, Artenschutzverantwortliche beim WWF Schweiz, die dieses Katz-und-Maus-Spiel bei einem Projektbesuch beobachtet hat. Irgendwann hat die junge Löwin genug. Nötig hat sie die Beute nicht. Ihr Rudel hat früher am Tag bereits eine Antilope erlegt, das Rudel hat ausgiebig gefressen und liegt nun entspannt im Gras. Auch die junge Löwin legt sich wieder hin.
Soziale Grosskatze
Löwen sind die einzig wirklich sozialen Katzen. Sie leben in Rudeln von durchschnittlich vier bis sechs Weibchen und deren Jungen. Die Rudel werden von einem einzelnen Männchen oder einer Gruppe von bis zu sieben Männchen angeführt. Einst erstreckte sich das Verbreitungsgebiet der Löwen von Nordafrika bis Südwestasien und von Europa über den Mittleren Osten bis Indien. Heute findet man sie nur noch in Teilen Afrikas südlich der Sahara und einem kleinen Gebiet im Westen Indiens.
Zum Beispiel in der Kavango-Zambezi-Transfrontier-Conservation-Area (Kaza):
Kaza liegt im Kalahari-Becken
und ist mit einer Grösse von 520'000 km2 rund zwölfmal so gross wie die Schweiz.
Der grösste Schutzgebietsverbund in Afrika
erstreckt sich über Gebiete in Angola, Botswana, Namibia, Sambia und Simbabwe.
Ein reiches Mosaik an Landschaften:
Grasland, Busch, Wälder und Feuchtgebiete beheimaten eine beeindruckende Artenvielfalt.
Beeindruckende Artenvielfalt
Rund 50 Prozent der Afrikanischen Savannen-Elefanten, 25 Prozent der Afrikanischen Wildhunde, 15 Prozent der Löwen in Afrika und unzählige weitere Arten wie Büffel, Giraffen und Flusspferde leben hier.
Artensterben: es ist bald zu spät!
Der Löwe ist Teil eines komplexen Ökosystems, wo jede Art ein wichtiges Puzzleteil im grossen Ganzen ist. Dank einer reichen Artenvielfalt kann die Natur viele Funktionen erfüllen, die auch für uns Menschen lebensnotwendig sind. Weidende Wildtiere wie das Nashorn beispielsweise reduzieren die Menge an Gras in einer Landschaft, so dass Brände sich weniger weit ausbreiten und weniger intensiv verlaufen. Ein anderes Beispiel: Kot und Urin von Wildtieren erhöhen den Gehalt an Nährstoffen in den Böden, was viele Pflanzen, auch Kulturpflanzen besser gedeihen lässt. Die Vielfalt an Arten und Lebensräumen ist also auch für uns Menschen relevant! Doch die Artenvielfalt ist bedroht: Seit 1970 sind die Populationen von über 4000 untersuchten Säugetieren, Fischen, Vögeln, Amphibien und Reptilien durchschnittlich um 69 Prozent geschwunden.
Beim Löwen etwa ist die Hauptursache für den Rückgang vieler Populationen die Zerstörung von Lebensraum. Die Grosskatzen wurden aus 92 Prozent ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets verdrängt. Der Mensch fordert immer mehr Land für die landwirtschaftliche Nutzung ein. Nicht selten erschiessen oder vergiften Viehzüchter Löwen, wenn diese Vieh aus ihren Herden reissen. Die Nutztierhalter töten die Löwen aber auch aus Angst um ihr eigenes Leben. Der Lebensraumverlust durch den Menschen trifft nicht nur den Löwen, sondern auch seine Beutetiere: Büffel, Antilopen und Zebras werden immer rarer und fehlen als Nahrung für die Raubkatzen. Zudem bedroht die Wilderei an Beutetieren den Löwen aber auch direkt: Löwen sterben qualvoll in Drahtschlingen und Fangeisen, welche die Wilderer für Huftiere auslegen. Weltweit gibt es nur noch rund 25'000 freilebende Löwen: Die Tierart gilt als verletzlich.
Klimawandel: Eine gefährliche Unbekannte
Bisher war der Klimawandel global gesehen nicht der wichtigste Grund für den Verlust der biologischen Vielfalt. Doch das wird sich in den kommenden Jahrzehnten voraussichtlich ändern. Bis zu einem Fünftel aller wild lebenden Arten könnte durch den Klimawandel vom Aussterben bedroht werden, weil sich ihr Lebensraum zu stark und schnell verändert.
Je mehr Arten wir aussterben lassen, desto mehr gerät das Gleichgewicht unserer Natur unter Druck. Und wenn Ökosysteme aus dem Gleichgewicht geraten, hat das einen Einfluss auf unser Klima, unsere Nahrung, unser Überleben. Der Erhalt der Artenvielfalt ist eine Notwendigkeit.
Gemeinsam mit den Menschen vor Ort und verschiedenen Partnern entwickelt der WWF Wege, wie die Artenvielfalt erhalten werden kann und wie das Zusammenleben mit grossen Tieren wie etwa dem Löwen oder dem Elefanten konfliktarm gestaltet werden kann. In der Kaza-Region eignet sich die offene Landschaft besonders für die Beobachtung der eindrücklichen Tiere. Deshalb ist der Tourismus neben der Landwirtschaft ein wichtiger Wirtschaftszweig. Die ländliche Bevölkerung profitiert heute aber oft noch zu wenig von den Tourismuseinnahmen. Gleichzeitig leidet sie besonders darunter, wenn Wildtiere Felder und Ernten zerstören oder gar zur Gefahr für Leib und Leben werden. Lässt man die betroffenen Menschen und Gemeinden mit dieser Bedrohung allein, töten sie die Tiere, um sich und ihre Ernte zu schützen. Der WWF unterstützt die lokale Bevölkerung in Kaza deshalb unter anderem dabei, löwensichere Zäune zu bauen.
Mit Partnern auf der ganzen Welt
Und das ist nur ein Projektbeispiel, wie der WWF weltweit mit der Bevölkerung vor Ort die Artenvielfalt schützt. Gleichzeitig arbeiten wir mit verschiedenen Partnern aus der Wirtschaft daran, dass Produktion und Lieferketten nachprüfbar nachhaltiger werden. Und auf politischer Ebene machen wir uns für Schutzgebiete, für die nachhaltige Verwaltung und Bewirtschaftung von Pufferzonen sowie verbindliche Massnahmen gegen die Wilderei und die Klimakrise stark.
Unsere Bemühungen wirken: In den letzten Jahrzehnten konnten wir mithelfen, Arten wie etwa den Amurtiger, den Berggorilla oder den Panda vor dem Aussterben zu bewahren. Es ist also nicht zu spät für internationale Anstrengungen, um Politik, Wirtschaft, lokale Entwicklung und den ökologischen Fussabdruck der Menschheit zu verändern. Es ist eine gewaltige Anstrengung, die jedoch immer wieder Erfolge zeitigt. Internationale Abkommen, Veränderungen in Produktion und Konsum oder riesige, neue Schutzgebiete machen Hoffnung. Das alles zeigt: Gemeinsam können wir die Artenvielfalt auf der Erde schützen und bewahren.
Für einen lebendigen Planeten
Erfahren Sie mehr über den Zustand der Artenvielfalt im neuen «Living Planet Report» des WWF:
Wie wir arbeiten
Um die grösstmögliche Wirkung zu erzielen, arbeiten wir auf verschiedenen Ebenen: Wir schützen und regenerieren Lebensräume für Menschen und Arten. Mit Firmen und Finanzinstitutionen sowie mit der Politik suchen wir Lösungen, um die notwendigen Rahmenbedingungen zum Schutz unseres Planeten zu etablieren. Diesen Weg gehen wir nicht alleine - wir haben starke Partner aus unterschiedlichsten Bereichen. Und wir brauchen jede und jeden.
Ihre Spende macht den Unterschied
Mit Ihrer Hilfe kommen wir unserer Vision einen Schritt näher – einer Welt mit Schutz für die am meisten gefährdeten Tierarten der Welt, damit sich ihre Bestände in der Wildnis erholen können. Damit unsere Natur im Gleichgewicht bleibt, für uns und nachkommende Generationen.