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Bündner will Gletscher mit Schnee retten
In den kommenden Wochen startet im Oberengadin ein Pilotprojekt, das entscheidend zur Rettung von Gletschern beitragen könnte. Ein Teil des Gletschers soll dabei ganzjährig mit Schnee bedeckt werden, um so das Schmelzen des Eises zu stoppen. Das Pilotprojekt kostet 2,5 Millionen Franken und soll 30 Monate dauern.
In den kommenden Wochen startet im Oberengadin ein Pilotprojekt, das entscheidend zur Rettung von Gletschern beitragen könnte. Ein Teil des Gletschers soll dabei ganzjährig mit Schnee bedeckt werden, um so das Schmelzen des Eises zu stoppen. Das Pilotprojekt kostet 2,5 Millionen Franken und soll 30 Monate dauern.
Anfang Juni reichte die Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur bei der Schweizerischen Agentur für Innovationsförderung (Innosuisse) ein Projekt mit dem Ziel dem Gletscherschwund entgegen zu wirken ein. Die Gesamtkosten werden sich auf 2,5 Millionen Franken belaufen. Dieses Projekt wurde nun bewilligt. Innosuisse übernimmt deshalb die Hälfte der Kosten.
Doch um was genau geht es bei diesem Gletscherettungsprojekt eigentlich? Der Glaziologe Felix Keller stellte sich 2015 an der Academia Engiadina in Samedan zusammen mit Johannes Oerlemans von der Universität Utrecht (NL) im Auftrag der Gemeinde Pontresina folgende Frage: Was passiert, wenn man einen Gletscher mit Schnee abdeckt? Es folgten zahlreiche Studien und Feldversuche auf den Oberengadiner Gletschern und eine Machbarkeitsstudie wurde durchgeführt. Schliesslich konnte rechnerisch dargelegt werden, dass unter den heutigen Bedingungen sogar ein Gletscherwachstum in zehn Jahren möglich sei, wenn man zehn Prozent der Gletscherfläche ganzjährig mit Schnee abdecken würde.
Schneeerzeugung ohne elektrische Energie
Dann gingen die Forscher auf die Suche nach einer Möglichkeit, Schnee zu produzieren. Keine einfache Sache, denn für das lokale Beschneien eines Gletschers sind gemäss einer Mitteilung verschiedene Aspekte zu berücksichtigen. Die Installation herkömmlicher Schneelanzen sei aufgrund der Bodenbeschaffenheit (Permafrost- und Gletschergebiete) nicht möglich. Zudem sollte möglichst keine elektrische Energie für den Wassertransport und die Schneeerzeugung notwendig sein und es muss genug Schmelzwasser vorhanden sein.
Die Idee eines bodenunabhängigen Beschneiungssystems entstand. Dabei werden neu zu entwickelnde Beschneiungsseile mit Schneeerzeugern über den Gletscher angebracht. Die Schweizer Firma Bartholet Maschinenbau AG ist auf dem Weltmarkt führender Hersteller von Seilbahnsystemen. Die Firma Bächler Top Track AG hat zudem ein Patent auf das «Nessy» System, dass eine stromfreie Schneeproduktion möglich macht. Beide Industriepartner hat Felix Keller zusammengebracht und für die Idee begeistern können.
Viele Interessenten
Potentielle Kunden für ein solches bodenunabhängiges Beschneiungssystem finden sich in Regionen Europas, Zentralasiens sowie in den Anden. In vielen Regionen hängt die Existenz vom Schmelzwasser nahegelegener Gletscher ab. Das Verschwinden der Gletscher bedroht das Überleben der dort ansässigen Menschen. Gemäss einer kürzlich erschienenen Studie des Glaziologen Hamish D. Pritchard im Wissenschaftsmagazin «Nature» sind in wenigen Jahrzehnten bis zu 221 Millionen Menschen im Himalayagebiet von einer knappen Trinkwasserversorgung direkt betroffen. Mit dem Abdecken der dortigen Gletscher mit Schnee könnte das Schmelzen stark verzögert werden. «Eine Verzögerung von bis zu 50 Jahren könnte dort möglich sein», so Keller. Weitere Regionen mit touristischen Hintergründen würden Interesse zeigen. Vermehrt müssen in Skigebieten Zonen mit Permafrost und Gletschereis beschneit werden um den Skibetrieb zu gewährleisten.
«Das ist ein Meilenstein für unsere Arbeit. Alle Studien und Forschungen sind fast wertlos, wenn wir diese nicht technisch umsetzen können», lässt sich Keller zum positiven Entscheid von Innosuisse zitieren. Deshalb wird nun im Oberengadin in den nächsten Wochen das Pilotprojekt gestartet. (kup)