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Das grösste Passagierflugzeug der Welt erlebt ein unwahrscheinliches Revival, um den enormen Aufschwung im Flugverkehr zu bewältigen.
Viele Fluggesellschaften sahen keine Zukunft mehr für ihre riesigen A380 von Airbus, als die Pandemie die Flotten Anfang 2020 am Boden hielt. So parkte Qantas seine zwölf Flieger des Typs in der kalifornischen Wüste und erklärte, sie würden mindestens drei Jahre lang nicht gebraucht, während Etihad infrage stellte, ob die eigenen zehn Superjumbos jemals wieder fliegen würden.
Doch der plötzliche Aufschwung des Reiseverkehrs haucht den riesigen Jets – die oft mehr als 500 Passagieren Platz bieten – neues Leben ein. Sie sind zum Langstrecken-Jumbo der Wahl für Fluggesellschaften von Grossbritannien bis zur Golfregion und Australien geworden, da das Passagieraufkommen die während der Krise abgebauten Arbeitskräfte in der Luftfahrt überfordert.
Emirates hat auf das richtige Flugzeug gesetzt
Bis Ende 2022 werden die monatlichen A380-Flüge nach Angaben des Aviatik-Analysten und Datenanbieters Cirium fast 60 Prozent der Gesamtzahlen von vor der Krise betragen und damit die Zweifler an dem Jet widerlegen. British Airways wird bis Ende des Jahres mehr A380-Flüge durchführen als vor der Pandemie.
Mit der Wiederaufnahme des internationalen Reiseverkehrs bestätigt die Tragfähigkeit des A380 die massive Wette des grössten Käufers, Emirates aus Dubai, und erweist sich als nützlich für Fluggesellschaften wie Qantas, die dem Riesenflugzeug nicht dauerhaft den Rücken gekehrt haben.
Viele Airlines setzten auf kleinere Flieger
Der Superjumbo, der bei seiner Einführung im Jahr 2005 mit seinen Bordbars und dem leisen Innenraum ein neues, luxuriöses Kapitel in der Luftfahrt einläutete, war bereits vor der Pandemie in Ungnade gefallen, da sich die Fluggesellschaften kleineren, treibstoffsparenderen Flugzeugen zuwandten. Airbus hat das Programm im Jahr 2019 eingestellt.
Malaysia Airlines, die Deutsche Lufthansa und Air France-KLM gehören zu den Fluggesellschaften, die ihre Flotten verkaufen oder ausmustern.
Im Juni 2020, als Covid-19 auf der ganzen Welt grassierte, führten Fluggesellschaften weltweit nur 43 Passagierflüge mit A380 durch. Die Einführung von Impfungen, die es den Regierungen ermöglichte, die Grenzkontrollen zu lockern, hat das Bild seitdem verändert.
In diesem Monat gibt es fast 4000 Linienflüge mit der A380, und bis Januar 2023 sind laut Cirium rund 6000 geplant. Die Superjumbo-Flüge der Singapore Airlines, die einen der Jets während der Pandemie in ein Restaurant umgewandelt hatte, werden gemäss den Daten bis Ende 2022 fast wieder normal verkehren.
Begrenzte Attraktivität des A380 für Fluggesellschaften
Die Attraktivität des A380 für Fluggesellschaften war schon immer begrenzt. So fand er beispielsweise in den USA, Lateinamerika oder Afrika keine Käufer. Sollte der derzeitige Nachfrageschub nach Reisen nachlassen und die Ölpreise hoch bleiben, könnten Fluggesellschaften wie British Airways Schwierigkeiten damit haben, den Betrieb von nur teilweise ausgelasteten, vierstrahligen A380 zu rechtfertigen. Das Aufkommen neuerer, treibstoffeffizienter Flugzeuge würde den Superjumbo einmal mehr existenziell bedrohen.
John Grant, Chefanalyst des Luftfahrtdatenanbieters OAG, ist der Ansicht, dass der Wert der A380 für die Fluggesellschaften auch über den derzeitigen Aufschwung hinaus bestehen bleiben wird. Das liege zum Teil daran, dass die kleine Gruppe von Fluggesellschaften, die das Flugzeug fliegt, entweder finanziell an den Jet gebunden sei oder keine unmittelbare Alternative habe, sagte er.
«Ich glaube, dass es für einige Fluggesellschaften eine Zukunft hat», sagte Grant. «Die Fluggesellschaften hoffen, dass der Ölpreis in 18 Monaten niedriger sein wird und der A380 damit ein ideales Flugzeug wäre.»
Beliebt bei den Passagieren – umstritten bei den Airlines
Der A380 hatte den Erstflug im Jahr 2005 und überzeugte die Passagiere mit seiner Grösse – seine Flügelspannweite ist breiter als ein Fussballfeld. Doch die hohen Betriebskosten schreckten die Fluggesellschaften letztlich ab.
Airbus verkaufte nur 251 Flugzeuge, die letzte Auslieferung erfolgte im November 2021 an Emirates. Das Flugzeug bleibt eine polarisierende Kraft. Der CEO von Qatar Airways, Akbar al-Baker, bezeichnete die A380 als den «grössten Fehler» der Fluggesellschaft.
Kommentar:
Der französische Zweig von Air France-KLM ist froh, seine zehn A380 im Jahr 2020, zwei Jahre früher als ursprünglich geplant, aus dem Verkehr gezogen zu haben, um so eine Modernisierungsrechnung von etwa 400 Millionen Euro (rund 406 Millionen Franken) zu vermeiden, sagte Anne Rigail, die Leiterin der Abteilung, am Donnerstag in Paris.
«Die Kosten waren so hoch, dass es in unserem Interesse war, auf Flugzeuge der neuen Generation umzusteigen, die treibstoffeffizienter sind», sagte sie. «Die A380 wurden auf den wichtigsten Routen eingesetzt, waren aber ziemlich kompliziert zu füllen.»
Nicht jeder sieht das so. Die in Sydney ansässige Qantas hat bereits drei ihrer Flugzeuge wieder in Betrieb genommen und plant, bis Ende 2022 die Hälfte der Flotte für Langstreckenflüge einzusetzen, darunter auch für den Flaggschiffdienst Sydney–London. Zehn umgerüstete A380 von Qantas sollen bis Anfang 2024 wieder in die Luft gehen.
Emirates setzt voll auf den A380
Emirates, das mehr als hundert A380 betreibt, rüstet viele von ihnen mit Premium-Economy-Sitzen nach. Die Klasse ist bei Touristen beliebt, die nach der Pandemie viel angespartes Geld für Reisen haben.
Und selbst nicht mehr benötigte A380 werden vorerst nicht auf dem Schrottplatz landen. Der französische Flughafen Châteauroux, etwa 250 Kilometer südlich von Paris, weiht Anfang nächsten Monats einen riesigen Hangar ein, in dem die Superjumbos untergebracht werden können.
(bloomberg/gku)