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Mit nur 19 Jahren schreibt Bianca Andreescu an den US Open gleich in vielerlei Hinsicht Tennis-Geschichte. «Bluewin» stellt die junge Kanadierin, die vor ein paar Wochen noch kaum jemand kannte, vor.
Als Serena Williams ihren ersten von sechs US-Open-Titeln gewonnen hatte, war Bianca Andreescu noch nicht einmal geboren. Bis zum Final am Samstag verlor die 37-Jährige im Turnier nur einen einzigen Satz. Und dann wird sie vom 19-jährigen Tennis-Küken mit 6:3, 7:5 vom Platz geschickt. Das hätte so wohl niemand erwartet – bis auf Andreescu selbst, wie sie nach ihrem grossen Triumph vermittelt.
«Ich habe die längste Zeit von diesem Moment geträumt. Nachdem ich den Orange Bowl gewonnen hatte (ein prestigeträchtiger Juniorentitel, den Andreescu 2015 in der U-18 Kategorie errang, Anm. d. Red.), glaubte ich wirklich daran, dass ich es auf diese Bühne schaffen könnte. Seitdem visualisierte ich das beinahe jeden einzelnen Tag, um ehrlich zu sein», so Andreescu.
Das Selbstbewusstsein könnte bei der Teenagerin grösser nicht sein. Zwar verrät sie, dass sie sich stets bemühte, wie Serena Williams zu sein, sagt dann aber auch: «Wer weiss? Vielleicht kann ich sogar noch besser werden als sie.» Und als ihr Trainer Sylvain Bruneau seine Trophäe beim Foto verkehrt herum hält und den Fauxpas mit den Worten «ich bin sowas nicht gewohnt» erklärt, entgegnet Andreescu mit einem breiten Grinsen: «Dann gewöhnst du dich besser daran.»
Phänomenaler Aufstieg
Die grosse Selbstsicherheit kommt nicht von ungefähr. Andreescu blickt auf einen märchenhaften Aufstieg zurück. Vor einem Jahr noch war sie in der Weltrangliste jenseits der Top 200 klassiert, das Jahr 2019 begann sie als Weltnummer 152. Vor den US Open hatte sie erst dreimal an einem Grand-Slam-Turnier gespielt – und kam nie über die 2. Runde hinaus. Nach ihrem Sieg in New York ist sie seit heute Montag die Weltnummer 5.
Der Triumph an den US Open ist «erst» ihr dritter WTA-Titel. Aber einer, der historisch ist. Denn Andreescu ist die erste Grand-Slam-Siegerin, die in diesem Jahrtausend geboren wurde. Und: Noch nie zuvor hatte ein kanadischer Tennisprofi bei einem Major-Turnier triumphiert. Dafür erhält die 19-Jährige sogar Lob von Kanadas Premier-Minister Justin Trudeau, der auf Twitter gratuliert: «Du hast ein ganzes Land sehr stolz gemacht.»
Unglaubliche Coolness
Beeindruckend bei der jungen Kanadierin ist vor allem die Lockerheit, die sie selbst beim grössten Spiel ihrer Karriere an den Tag legt: Vor dem Final gegen Williams ist zu sehen, wie sie unmittelbar vor dem Einmarsch ins grösste Tennis-Stadion der Welt im Spielertunnel zum Rhythmus der Musik auf ihren Kopfhörern wippt. Von Nervosität ist dann auch auf dem Platz keine Spur – obwohl das Publikum natürlich zu Serena Williams hält und die US-Amerikanerin lautstark anfeuert.
Fast schon ein Markenzeichen der jungen Kanadierin rumänischer Wurzeln: Das Haarband am rechten Oberarm. Es ist ihr Glücksbringer, der ihr in den letzten beiden Turnieren zum Sieg verhalf. Mittlerweile hat Andreescu schon seit 13 Spielen nicht mehr verloren – das Haargummi hat sie seit Beginn der Siegesserie nicht mehr abgenommen.
Kerber beschimpfte sie als «grösste Drama Queen»
Was Andreescu auch auszeichnet: Ihr unbändiger Siegeswille. Dies bekam auch Belinda Bencic im Halbfinal zu spüren. «Sie hat Indian Wells und Toronto gewonnen und viele grossartige Spielerinnen bezwungen. Da sollte wirklich niemand überrascht sein. Sie ist eine tolle Spielerin und verdient es total, im Final zu sein», sagte die Schweizerin nach ihrem Ausscheiden.
Es gibt keinen Schlag, den die 19-Jährige nicht spielen kann. Sie kann durch kraftvolle Grundschläge punkten, hat einen guten Service, ist schnell auf den Beinen und auch in der Defensive stark. Und: Andreescu weiss auch, wie man die Gegnerin aus dem Konzept bringen kann. Im März ärgerte sich Angelique Kerber grün und blau, weil Andreescu sich im Spiel gegen die Deutsche mehrmals behandeln liess und Kerber so aus dem Rhythmus brachte. So hatte Kerber nach der Niederlage auch keine warmen Worte für Andreescu übrig und nannte sie am Netz «die grösste Drama Queen aller Zeiten». Und auch Kerbers Landsfrau Julia Görges beschuldigte Andreescu, medizinische Timeouts als taktisches Mittel einzusetzen: «So verletzt kannst du gar nicht sein.»
Doch Andreescu kann auch anders. Als Serena Williams vor drei Wochen bei der US-Open-Generalprobe in Toronto im Final verletzungsbedingt aufgeben musste und in Tränen ausbrach, spendete die 19-Jährige Trost. «Ich mag sie als Mensch, sie ist unglaublich», sagte Williams in Toronto. Und obwohl ihr die kanadische Überfliegerin den Rekord von 24 Grand-Slam-Titel vermieste, wiederholt Serena in New York ihre Worte: «Ich liebe Bianca, sie ist einfach ein tolles Mädchen.»