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Der Hallux valgus beschreibt eine Deformität mit Abweichung der Grosszehe zur Aussenseite des Fusses hin, also in Richtung der übrigen Zehen. Gleichzeitig tritt oft auch eine Drehung der Grosszehe ein, sodass der Nagel der Grosszehe schräg nach innen abkippt (Pronation). Das optische Ausmass der Hallux valgus Deformität muss nicht mit subjektiven Beschwerden korrelieren. Ein objektiv nicht besonders ausgeprägter Hallux valgus kann sehr schmerzhaft sein – eine sehr ausgeprägte Deformität kann aber auch nur geringfügige Beschwerden auslösen. Es gibt keine nicht-operativen Methoden, die einen Hallux valgus dauerhaft korrigieren können. Konservative (Selbst)Therapie mittels Schienen, Bandagen etc. zielen auf eine Schmerzlinderung ab. Eine Operation ist deshalb immer dann indiziert, wenn genügend Leidensdruck vorhanden ist. Es gibt insgesamt 150 verschiedene Operations-Techniken zum Hallux valgus, von denen die Operationen nach Chevron/Akin und Scarf /Akin sowie Lapidus und Keilosteotomie am proximalen Metatarsale 1 (open Wedge oder closing Wedge) am häufigsten sind.
Die Operation vermag die Hallux valgus Fehlstellung vollständig zu korrigieren. Dadurch werden auch die Schmerzen behoben. Der richtige Zeitpunkt einer Operation ist dann, wenn der Leidensdruck gross genug ist. Dies ist meist dann der Fall, wenn der Patient in seinem Alltag, sportlichen Aktivitäten oder der Schuhwahl relevant eingeschränkt ist.
Ein Winkel von weniger als 15° im Grosszehengrundgelenk ist normal, d.h. dass eine leichte Abweichung der Grosszehe zur Aussenseite hin (valgus) normal ist und ohne Krankheitswert. Über einem Winkel von 15° spricht man von einem leichten Hallux valgus, bei einem Winkel zwischen 20-40° von einem mittelschweren und über 40° von einem schweren Hallux valgus. Die Fehlstellung entwickelt sich über die Jahre aber nicht kontinuierlich, d.h. dass häufig die Fehlstellung zunächst langsam über Jahre zunimmt und dann, wenn ein gewisser Winkel überschritten ist, durch den exzentrischen Sehnenzug plötzlich sehr rasch zunehmen kann.
20-50% der Patienten mit Hallux valgus haben eine beginnende Fehlstellung bereits in der Jugend – häufig liegt eine familiäre Prädisposition vor und es sind weitere Familienmitglieder betroffen. Am meisten treten Symptome des Hallux valgus irgendwann im Leben zwischen 30-50 Jahren auf und 2-3 mal häufiger bei Frauen als bei Männern. In 84% tritt die Deformität beidseitig auf, meist aber zeitlich versetzt. Häufiger Auslöser des symptomatischen Hallux valgus ist in der Tat das Schuhwerk. In anderen Kulturen, wo mehr barfuss oder in Sandalen umhergegangen wird, ist die Hallux valgus-Fehlstellung häufig asymptomatisch und kann damit besser vertragen werden. Beim erworbenen Hallux valgus (also nicht dem angeborenen juvenilen) ist die häufigste Ursache, dass der Fuss über die Jahrzehnte von der Schwerkraft platt-gedrückt wird und sich vorne zusätzlich ein Spreizfuss bildet. Neben der Entstehung des Hallux valgus entsteht häufig gleichzeitig auch eine Bunionette (umgekehrter Fehlstellung an der 5. Kleinzehe) sowie Metatarsalgien (Schmerzen unter den Mittelfussköpfchen) und eine Fehlstellung der Kleinzehen
Die nicht operative Behandlung besteht aus dem Tragen von Schuhen mit breiter Zehenbox oder normalen Schuhen mit zusätzlich zur Schuhnummer den Buchstaben G bis K. Vorübergehende Linderung kann durch Silikonspacer, welche tagsüber zwischen der 1. und 2. Zehe getragen werden, erreicht werden. Wissenschaftlich hat sich aber gezeigt, dass sogenannte Hallux-Schienen oder Hallux-Nachtschienen nichts nützen. Oft ist dies nur mit Beschwerden und Schmerzen verbunden, bringt aber langfristig keine Korrektur der Hallux valgus-Fehlstellung. Bei gleichzeitigem Vorhandensein eines Plattfusses oder Spreizfusses können Einlagen und Physiotherapie mit aufrichtenden Fuss-Übungen die Deformität aufhalten oder deren weitere Zunahme verlangsamen. Nur in Einzelfällen konnten durch solche Massnahmen ein Hallux valgus etwas rückgängig gemacht werden (z.B. durch Spiraldynamik).
Wenn ein Hallux valgus deutlich symptomatisch ist, d.h. dass der Patient überhaupt keine Schuhe mehr findet oder im Sport oder Alltag durch das schmerzhafte Grosszehengrundgelenk eingeschränkt ist, bleibt nur noch eine Operation. Die häufigste Operationstechnik ist die Chevron-Osteotomie bei der das Metatarsale 1 Köpfchen V- oder L-förmig durchgesägt wird, sowie die Operation nach Scarf bei der einfach der L-Schenkel länger ist, aber ähnlich wie bei der Chevron-Osteotomie verläuft. Zusätzlich wird in Kombination mit diesen beiden Techniken oft ein Keilstück, ähnlich einem Kuchenstück, aus dem ersten Zehenknochen entnommen (Phalanx proximalis), so dass die Grosszehe noch zusätzlich nach innen geklappt werden und die Korrektur vervollständigt werden kann. Dieser Teil der Operation kann so gut wie immer minimalinvasiv gemacht werden. Die Chevron- und Scarf-Osteotomie können auch über kleine Schnitte sogenannte Mini open-Technik (2.5-4 cm) bei einer leichten und mittelschweren Fehlstellung durchgeführt werden.
Wenn der Winkel zwischen dem ersten und dem zweiten Metatarsale-Knochen sehr gross ist, als Faustregel grösser als eine Breite des Metatarsale-1-Kopfes, dann kann eine Chevron- oder Scarf-Osteotomie nicht erfolgen, weil kein ausreichender Korrekturwinkel erreicht werden kann (unter der Vorraussetzung, dass sich die Knochenflächen ausreichend berühren müssen, um wieder heilen zu können). In einem solchen Fall kann weiter hinten am ersten Mittelfussknochen entweder eine open Wedge- oder closing Wedge-Osteotomie erfolgen, welche den ersten Metatarsaleknochen gerade stellt, oder es kann das TMT 1-Gelenk (das Gelenk der Fusswurzel zu Metatarsale 1-Knochen) in korrigierter Stellung verschraubt werden (Lapidus Arthrodese). Mit dieser Operation können gut sehr grosse Fehlstellungen korrigiert werden. Diese Operation ist auch insbesondere passend, wenn z.B. bei einem Plattfuss dieses TMT 1-Gelenk überbeweglich ist. Dann ist insbesondere eine Versteifung nach Lapidus die richtige Wahl, da es sonst in einem sehr hohen Prozentsatz wieder zu einem Hallux valgus Rezidiv kommen kann.
Alle Verfahren, welche in der Nähe/auf Höhe des Grosszehengrundgelenks eingreifen (Chevron, Scarf, Akin), können in einem sohlensteifen Verbandsschuh mit Abrollrampe und bei erlaubter Vollbelastung während 6 Wochen nachbehandelt werden. Bei Patienten mit schlechter Knochenqualität wird ein sogenannter Barouk-Schuh (Vorfussentlastungsschuh) verwendet. Bei Operationen weiter hinten am ersten Mittelfussknochen oder mit Versteifung des TMT 1-Gelenkes (Lapidus-Arthrodese) wird eine Ruhigstellung in einer Unterschenkelorthese (wie ein Skischuh) und Teilbelastung von 10 kg während 8-12 Wochen nötig.
Das häufigste Risiko ist eine Vernarbung des Grosszehen-Grundgelenkes mit einer verminderten Beweglichkeit im Vergleich zu vor einer Operation und zur gesunden Gegenseite (ca. 20%), die Entwicklung eines chronischen Schmerzsyndromes (Morbus Sudeck in ca. 4-10%) sowie eines Rezidivs (=Wiederauftreten eines Hallux valgus) in ca. 10% der Fälle. Zudem kann es zu einer Irritation oder Läsion eines Hautnervs im Bereich der Narbe kommen, was zu einer – häufig nur vorübergehenden – Störung der Sensibilität auf der Innenseite der Grosszehe führt.
Nein, die Risiken sind wie oben erwähnt. Ist jedoch der Leidensdruck gross, lindert die Operation die Beschwerden in der überwiegenden Zahl der Patienten erheblich und liefert auch ein kosmetisch ansprechendes Resultat, das auch bezüglich Schuhwahl wieder viel mehr Freiheiten lässt. Die genannten Operationsverfahren stellen jahrzehntelang etablierte Standardmethoden dar, die bestens erprobt und wissenschaftlich untersucht sind.
Weitere Informationen zu Hallux valgus und den genannten Operationstechniken finden Sie unter:
Inhaltsübersicht
- Was ist Hallux valgus – die krumme Grosszehe?
- Welche Probleme treten bei einer Behandlung auf, welche Probleme können gelöst werden?
- Was sind mögliche Auslöser/Ursachen für Hallux-Probleme?
- Was für Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
- Wie ist die Nachbehandlung nach einer Hallux valgus-Operation?
- Welche Risiken hat eine Hallux valgus-Operation?
- Kommt eine Hallux valgus-Operation immer gut?
- Weitere Informationen zum Thema (tiefergehendes Wissen)