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Kirchen, Kapellen, Alpkreuze und Bildstöckli können als materialisierte Zeugnisse der religiösen Kultur von Weggis gesehen werden. Neben der katholischen bzw. reformierten Pfarrkirche finden sich zahlreiche katholische Kapellen, verstreut über das ganze Gemeindegebiet.
Äusserlich erscheint die 400 Jahre alte Kapelle schlicht und unscheinbar, im Innern entpuppt sie sich als ein seltenes Juwel.
Sie wurde in den Jahren 1623 bis 1635 von den Bewohnern des Weggiser Niederdorfs erbaut, mitfinanziert vom Luzerner Patrizier Ludwig Amrhyn. Dieser besass den nahegelegenen Trottenhof in Hertenstein. Ihm soll, so die Überlieferung, der sonntägliche Weg in die Pfarrkirche zu weit gewesen sein, sodass er die Kapelle im Unterdorf erbauen liess.
Ihren Namen verdankt die Kapelle der Vorstellung, dass die verstorbenen Seelen im Fegefeuer warten und erst durch die Fürbitte der Heiligen und Apostel in den Himmel aufsteigen. Über dem Eingangsportal wird diese Vorstellung durch zwei Freskenmalereien bildlich dargestellt.
Die Kapelle steht unter Denkmalschutz und gilt als wichtiges Baudenkmal aus der Zeit des Dreissigjährigen Krieges (1618-1648). Besonders hervorzuheben sind die dekorativen Freskenmalereien, die vermutlich vom Maler Johann Wägmann stammen und 1642-1648 entstanden sind.
Die Kapelle wurde 1978-1980 umfassend renoviert und seitlich zwei Meter seewärts verschoben, um dem Verkehr auf der kurvenreichen, engen Unterdorfstrasse mehr Platz zu verschaffen. Sie ist täglich geöffnet.
Fotonachweise: Historisches Archiv Weggis
Sie thront auf einem markanten Hügel in Hertenstein und ist von weit her sichtbar, die kleine Hügelkapelle Eggisbühl mit dem vorgelagerten Rebberg. Wer mit dem Schiff von Luzern nach Weggis fährt, kann sie kurz nach der Haltestelle Hertenstein nicht übersehen.
Über ihre Geschichte ist wenig bekannt. Der Herrschaftssitz Eggisbühl wurde um 1700 an die Herren von Hertenstein verkauft und diente den Luzerner Patrizierfamilien von Fleckenstein sowie Meyer von Schauensee als Sommerresidenz. Sie liessen die Kapelle für sich errichten.
1835 erwarb die Einwohnergemeinde Weggis das gesamte Gut Eggisbühl einschliesslich der Hügelkapelle. Diese wurde ab 1879 als Sakralraum des Weggiser Bürgerheims (Altersheims) Eggisbühl verwendet. Die Kapelle zerfiel gegen Ende des 20. Jahrhunderts zusehends, da das Bürgerheim geschlossen wurde.
Sie wurde 2007 bis 2009 innen und aussen vollständig renoviert. Die Innenausstattung ist sehr schlicht gehalten. Heute ist die Kapelle beliebt bei Hochzeitspaaren, da die Kapelle mit ihrer freien Sicht auf See und Berge unvergessliche Fotos ermöglicht.
Fotonachweise: Historisches Archiv Weggis und https://www.weggis.ch/bildergalerie/detail/37400#lg=1&slide=65
Die Kapelle Heiligkreuz liegt, umgeben von Wald, am Alpweg von Weggis nach Rigi Kaltbad und ist Eigentum der Korporation Weggis.
Sie befindet sich kurz vor jenem Punkt, an dem der Alpweg zwei Felsbänder queren muss. Diese Wegpartie galt als sehr gefährlich, bis 1818-1820 ein Weg durch die Felsbänder herausgesprengt wurde.
Zur Heiligkreuz Kapelle gehörte bis 1885 eine Waldbruderklause. Der Waldbruder hatte mehrmals täglich das Glöcklein der Kapelle zu läuten und verabreichte den Pilgern auf Wunsch eine Erfrischung. Die Pilger wanderten von Weggis nach Rigi Kaltbad oder Rigi Klösterli. 1685 wurde die heutige Kapelle am Rigiweg erstellt.
Davor bestand bereits eine einfache Kapelle am selben Ort. Besucht wurde sie – nebst den zahlreichen Pilgern – in den Sommermonaten von den Weggiser Alpfamilien.
Durch die Sprengungen wurde der Weg auf die Rigi 1820 mit Pferden begehbar gemacht. Er galt danach als bequemster Aufstieg auf die Rigi. Mit dem Dampfschiffbetrieb ab 1837 nahm die Zahl der Rigitouristen so stark zu, dass neben der Kapelle eine kleine Schenke entstand, die gute Einnahmen für den Betreiber erzielte. Sie wurde 1869 abgelöst durch das Restaurant Felsentor etwas oberhalb der Kapelle.
Bau und Ausstattung der Kapelle sind äusserst schlicht gehalten – die Kapelle steht unter Denkmalschutz und soll 2024 renoviert werden. Grund dafür ist, dass der Baugrund instabil ist und bereits zu Rissen in den Wänden und zu Verschiebungen führte.
Fotonachweise: Historisches Archiv Weggis und Stich aus: Kur- und Verkehrsverein Weggis (Hrsg.): Weggiser Lesebuch «Chestene und Fiige». 1993. S. 82.
Die Kapelle St. Michael auf Rigi Kaltbad liegt etwas versteckt in einem «gevierten Loch zwischen den Felsen … im Loch findet man eine gemauerte Kapelle mit Turm und Glöcklein» schrieb Ratsschreiber Cysat um 1600.
Der Sage nach sind im 14. Jahrhundert drei Schwestern auf die Rigi geflohen, weil sie den Nachstellungen von Rittern entfliehen wollten. Sie sollen sich in die Wildnis von Kaltbad zurückgezogen und dort ein christlich-ehrsames Leben geführt haben. Nach dem Tod der Schwestern habe die aus einem Felsen sprudelnde kalte Quelle, der sogenannte «Schwesternborn», wundersame Heilungen bei Pilgern bewirkt.
1585 wurde die erste Kapelle von Bischof Balthasar eingeweiht zu Ehren des Hl. Michael, des Hl. Wendelin und der Gottesmutter Maria. 1879 wurde die alte Kapelle abgerissen und durch Justus Xaver Zimmermann von Grund auf neu und deutlich grösser wiedererrichtet. Sprengungen waren nötig, um Platz für die grössere Kapelle zu schaffen.
Bis Anfang des 19. Jahrhundert war die Felsenkapelle mit ihrer kalter Quelle ein Pilgerort mit grosser Anziehungskraft. 72 Votivtafeln zeugten bei einer Renovation 1905 von Heilungen, göttlicher Hilfe und Wundern.
Feuchtigkeit und Schneedruck machten immer wieder Renovationen der Kapelle nötig (1810, 1838, 1860/61, 1903-05, 1949, 1971/72). Die zahlreichen Renovationen haben das Innere der Kapelle stark verändert. So ist etwa von den drei Altären des Jahres 1779 lediglich der Hochaltar geblieben. Die farbigen Glasfenster sind im 20. Jahrhundert eingebaut worden; sie passen eigentlich «nicht zum ursprünglich barocken Kirchenraum» schrieb R. Fischer anlässlich des 200-Jahrjubiläums 1979.
Die Kapelle ist Eigentum der Korporation Weggis.
Fotonachweise: Historisches Archiv Weggis und Kapelle Rigi Kaltbad 1790 (Stich von H. Füssli) https://uzb.swisscovery.slsp.ch/view/delivery/41SLSP_UZB/12463972300005508 3. Juli 2023