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Seetelefonkabel im Vierwaldstättersee
Kabelverlergung 1957 in Luzern. Im PTT-Archiv finden sich Berichte, Korrespondenzen und Schwarz-Weiss Aufnahmen zur Verlegung von Spissenegg nach Stansstad.
Mitte April 1957 verlässt ein Verlegungsschiff mit einer immensen Kabelrolle an Deck den Hafen in Luzern. Begleitet wird es von zwei Booten, der Seepolizei, Mitarbeitern und Funktionären der PTT. Unter widrigen Wetterbedingungen (Schnee, Regen und Nebel) verlegen die Verantwortlichen ein Telefonkabel in den Vierwaldstättersee. Berichte, Korrespondenzen und Schwarz-Weiss Aufnahmen aus dem PTT-Archiv (T-09 BCD 0031) dokumentieren den Arbeitsprozess der Verlegung von Spissenegg nach Stansstad detailliert.
Die Teilverkabelung des Vierwaldstättersees im Jahre 1957 hatte zwei Gründe: Die damalige Bezirkskabelanlage war durch den Bau des neuen Autobahnabschnittes Horw-Stans erheblich gefährdet. Der Schutz der Kabel hätte aber zu kostspieligen Sicherungsmassnahmen geführt. Da die Seekabellegung in diesem Fall preiswerter und der Bedarf an zusätzlichen Leitungen gross war, bewilligte die Telefondirektion in Bern das Projekt.
Interessanterweise verlegte die PTT 100 Jahre zuvor (1854) exakt auf dieser Strecke das erste, in den Telegrafenwerkstätten in Bern eigens hergestellte Seetelefonkabel. Es diente zur Verbindung der anschliessenden oberirdischen Telegrafenlinien Luzern-Brünig-Interlaken.
Die PTT verfügte über ein detailliertes Vorschriftenwesen zur Montage und Unterhalt der Telefonlinien (PTT-Archiv, P B-121 1962 Bd. 2a). Spleissungen (Verbindungen der Kabeladern an den Kabelenden), die in den See versenkt wurden, mussten „mit besonderer Sorgfalt“ realisiert und mit „besonderen Garnituren“ gegen den Wasserdruck geschützt werden. Wichtig bei den Verlegungsarbeiten war auch die Verständigung zwischen Schiff und Ufer: „Es ist dienlich, vom Kabelschiff aus mit der Uferstelle über eine radiotelephonische Verbindung zu verfügen“. Jahre vor der Entwicklung des Natels griff die PTT so auf eine mobile, kabellose Funkverbindungen zurück, um die Kommunikation bei der Kabelverlegung sicher zu stellen.
Autor
Jonas Veress
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
PTT-Archiv