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Bezeichnet man eine Person als Rindvieh, so ist das eine Beleidigung. Mein Vater pflegte Personen, die dumme, peinliche Fehler machten als „Guschti“ zu bezeichnen und es klang im Ton den er dazu verwendete eine gewisse Nachsicht mit. War der Fehler aber besonders grob, so bezeichnete er die Person als hornlosen Ochsen und in seinem Ton erkannte man seinen Ärger. Damals gab es noch keine hornlose „Guschtis“. Man redet nicht über die Gefahr der Hörner. Wenn ein Viehzüchter bemerkte, dass bei einem Kalb die Hörner nicht schön wuchsen, so spannte man dem Kalb eine Form auf die Stirn um den Hornwuchs zu steuern. Die Hörner gehöhrten zur Würde der Tiere. Heute empfinde ich Alpaufzüge von hornlosem Rindvieh als deprimierend. Traurige Tiere, die um ihre Würde beraubt worden sind.
Trotzdem habe ich Verständnis für die modernen Viehzüchter. Man zwingt sie zu masslosen Leistungen und sie verdienen immer weniger. Anstatt einer tiergerechten Haltung müssen sie die Tiere in überfüllte Laufställe sperren und sich selbst überlassen. Die gesunde Herdenbildung, wo jedes Rind seinen verdienten Rangplatz hat, wird durch das tägliche Gerammel erschwert. Hornlose Rindviecher lassen sich leichter zusammenpferchen.
In der Schweiz gibt es dreimal mehr Autos als Rindviecher und jeden Tag 50 Verletzte in Verkehrsunfällen, davon 10 schwer. Es gibt keine Statistik über Hornunfälle.
Ich würde für Milch und Milchprodukte, die garantiert von Kühen mit Hörnern stammen, den doppelten Preis bezahlen. Ist das ein Angebot?