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SOH 1990-1992
Drei fast stille Jahre
1990: Verstaubtes Selbstbild
Am 28. April fand die Generalversammlung (GV) im Centro statt. Der Jahresbericht des Präsidenten (Markus Gantner) enthielt Sätze wie:
"Noch vor einigen Jahren war die SOH durchaus ein Begriff. [...] Ich habe einige Male die ketzerische Frage gestellt, ob und wie wir denn die SOH überhaupt noch weiterführen sollen."
Der Vorstand gab nicht auf, weil die Mitglieder
"sich eben mit der SOH und nicht mit irgend einer anderen Organisation identifizieren wollen."
Auch der Name SOH sollte bleiben,
"so haben wir immer noch die Möglichkeit, mit der SOH quasi neu zu beginnen."
Es gab am 20. April nur noch 210 Mitglieder. Trotzdem berichtete der Vizepräsident (Heinz Schweizer):
"Der Vorstand stellt eine erfreuliche Tendenz fest. Vermehrt treten wieder jüngere Schwule der etwas 'verstaubten' SOH bei."
1991: Wenig Aktivitäten
Die Einladung zur Generalversammlung (GV) vom 27. April im Centro, verfasst von Marcel Tappeiner, wollte aufrütteln:
"[...] Die einzigen Aktivitäten der SOH sind: vier Vorstandssitzungen, vier Versände A/K an unsere Mitglieder, eine GV! [...] Auf Grund der jetzigen Situation haben die Vorstandsmitglieder Heinz Schweizer, Charly Büchi und Präsident Markus Gantner den Rücktritt erklärt. Nachfolger sind (bis jetzt) keine in Sicht. Die SOH ist die älteste Schwulenorganisation der Schweiz, und die SOH ist euer Verein. Es liegt in eurer Macht zu bestimmen, was zu geschehen hat."
An der GV selbst trat dann nur Charly Büchi zurück. Alle übrigen blieben und führten die Geschäfte weiter.
1992: Vernehmlassung Revision des Zivilgesetzbuches und "Schwulen-Ehe"
Die Generalversammlung (GV) fand am 25. April im Centro statt. Heinz Schweizer trat zurück, dafür kam mit Michael Reichstein wieder ein Delegierter des Spot25 dazu. Markus Gantner blieb Präsident und die übrigen wurden wiedergewählt: Beat Meyenberg, Marcel Tappeiner und Rolf Trechsel. Marcel Ulmann als Ehrenmitglied blieb weiterhin Kassier. Mäni Widmer als Präsident des ICB (Isola Club Basel) wurde Delegierter dieses Städteclubs und Revisoren blieben Carl Diethelm und Max Schori (Ursus Club).
Zum Vorentwurf Revision des Zivilgesetzbuches führte das Bundesamt für Justiz eine Vernehmlassung durch. In der offiziellen Stellungnahme der SOH schrieb Markus Gantner am 15. Oktober:
"[...] Als älteste Organisation homosexueller Männer in der Schweiz fordert die SOH [...] dass die Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet wird. Nachdem der Gesetzgeber bei der Revision des Sexualstrafrechts Homo- und Heterosexualität in jeder Beziehung gleichgestellt hat und das Volk die entsprechende Revision sehr deutlich guthiess, ist es nichts als konsequent, diese Gleichstellung nun auch im Bereich der homo- und heterosexuellen Partnerschaften zu gewähren.
Der in diesem Zusammenhang häufig genannte Hinweis, die Ehe sei vor allem für Familien vorgesehen und homosexuelle Paare hätten keine Kinder, trifft ins Leere: Einesteils gibt es in der Schweiz rund 100'000 kinderlose Ehepaare, andernteils existieren durchaus auch lesbische und schwule Paare mit Kindern. [...]
Im Rahmen der Aids-Prävention werden vom Bundesamt für Gesundheit gerade auch für Schwule stabile Beziehungen mit sexueller Treue empfohlen. Ohne diese Forderung hier zu bewerten muss doch gesagt werden, dass es absurd wäre, dauerhafte Partnerschaften als Ideal anzupreisen und gleichzeitig deren rechtliche und gesellschaftliche Anerkennung weiter zu hintertreiben. [...]"
Ernst Ostertag, April 2007