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Quellenangaben
StAAG NL.A-0041: Flühmann, Elisabeth, Zur Frauenstimmrechtsfrage, Erwiderung an Pater Othmar Scheiwiller, 1920, darin: Theiner und Hefele, Gregor von Tours: Geschichte der Franken
Der Wert der Frau wird seit vielen Jahrhunderten kontrovers diskutiert. Abwertungen konnten im Frühmittelalter möglicherweise noch christlich belegt werden, doch bereits im Mittelalter gibt es erste schriftlich belegte feministische Stimmen, die Gegenargumente liefern. Um so erstaunlicher ist es, dass 1919/1920 ein Disput zwischen Elisabeth Flühmann und einem Kleriker über den Wert der Frau ausbrechen konnte.
Die Frau kann nicht Mensch genannt werden.
Während der dritten Synode vom 23. Oktober 585 kam es zu einer beiläufigen Diskussion, bei welcher einem einzelnen Bischofs erklärt wurde, dass sein Gebrauch des lateinischen Wortes "homo" (im klassischen Latein meinte der Begriff erst "Mensch", später "Mann") falsch war. Seine Aussage "Die Frau kann nicht Mensch genannt werden" bzw. "mulierem hominem non posse vocitari" wurde unter anderem durch Bibelzitate widerlegt. Seit dem 17. Jahrhundert wird immer wieder (fälschlich) behauptet, die dritte Synode habe darüber diskutiert, ob Frauen eine Seele haben.
1919 nahm auch Elisabeth Flühmann darauf Bezug. In ihrem Vortrag "Zur Frauenstimmrechtsfrage" schreibt sie: "Für die Wertung der Frau zeigt das frühe Mittelalter sogar einen Rückschritt. Diskutierten doch hochernste Theologen allen Ernstes auf einem Konzil des fünften Jahrhunderts, ob die Frauen auch eine Seele haben!"
Auf Flühmanns Broschüre reagierte Pater Othmar Scheiwiller aus Einsiedeln und meinte: "Wenn die Frau kein Mensch ist, so hat sie auch keine Menschenseele." 1920 konterte Flühmann in einer zehnseitigen Erwiderung jeden Vor- und Anwurf Scheiwillers. Sehr ausführlich und gut belegt führte sie Scheiwillers falsche Interpretation der obgenannten Diskussion des Konzils vom 23.10.585 ad absurdum. Scheiwiller hatte sich daraufhin nie mehr gemeldet.
Elisabeth Flühmann (1851 – 1929) war eine Schweizer Pädagogin – unter anderem am Lehrerinnenseminar Aarau (Vorläuferorganisation der Neuen Kantonsschule Aarau) – und eine treibende Kraft in der Frauenbewegung des frühen 20. Jahrhunderts in der Schweiz.
Zwischen der verstörenden Aussage von 585 und Flühmanns Disput mit dem Einsiedler Kleriker, antwortete Christine de Pizan als erste professionelle französische Schriftstellerin 1405 auf das Frauenbild der Kirche. De Pizan gilt als eine der ersten Philosophinnen und ihr Werk wurde im Frühfeminismus (Querelle des Femmes) häufig rezipiert.
Ach Gott, wie ist das überhaupt möglich? Denn wenn mich mein Glaube nicht trügt, dann darf ich doch annehmen, dass Du in Deiner grenzenlosen Weisheit und vollkommenen Güte nichts Unvollkommenes erschaffen hast.
Christine de Pizan (1364 – 1429) war eine französische Schriftstellerin und Philosophin. Sie gilt als die erste französische Schriftstellerin, die von der Schriftstellerei leben konnte. Ihr heute bekanntestes Werk ist "Le Livre de la Cité des Dames" (Das Buch von der Stadt der Frauen). Darin will sie unter anderem das Selbstbewusstsein der Frauen ihrer Zeit stärken.
StAAG NL.A-0041: Flühmann, Elisabeth, Zur Frauenstimmrechtsfrage, Erwiderung an Pater Othmar Scheiwiller, 1920, darin: Theiner und Hefele, Gregor von Tours: Geschichte der Franken