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Wenn die internationale Diplomatie ein Geben und Nehmen ist, hat Emmanuel Macron nicht viel erhalten. In einem Telefongespräch mit US-Präsident Joe Biden willigte der französische Präsident ein, seine zurückberufenen Botschafter nächste Woche wieder nach Washington zu entsenden. Noch vergangene Woche hatte Paris den Verlust seines U-Boot-Geschäftes mit Australien als «brutal» und als «Verrat» bezeichnet.
Grosse Zugeständnisse macht die amerikanische Seite nicht. Das gemeinsame Communique enthält keinerlei Hinweis auf eine finanzielle Entschädigung oder auch nur auf eine Entschuldigung für das Vorgehen der neuen indopazifischen «Aukus»-Allianz aus Australien, Grossbritannien und den USA. Biden und Macron befanden nur sehr floskelhaft, dass «es offene Beratungen unter Alliierten erlaubt hätten, diese Situation zu vermeiden».
Laut Communique wollen die beiden Staatschefs «vertiefte Beratungen» starten, um «mit konkreten Massnahmen gemeinsame Ziele zu erreichen». Ungesagt bleibt, ob dies auch für den Pazifik gilt, wo Frankreich über mehrere Überseeterritorien wie Neukaledonien verfügt. Kein Wort auch zu den zwölf französischen U-Booten, die Australien nun abbestellt und durch amerikanische ersetzt. Das französische Verteidigungsministerium hatte kurz vor dem Telefonat publik gemacht, dass Australien die seit 2019 vereinbarten französischen Unterseeboote noch vor wenigen Tagen als «befriedigend» bezeichnet hatte - Stunden später sattelte Canberra auf das amerikanische Angebot um.
Um den französischen Ärger zu beschwichtigen, zeigt sich Biden bereit, den Antiterrorkampf Frankreichs im Sahelgebiet «stärker zu unterstützen». Die französische Operation Barkhane ist vor allem auf die Luftüberwachung durch US-Satelliten angewiesen.
Wie von Macron gewünscht, wird Biden ihn Ende Oktober in Europa zu einem Gespräch treffen. Das dürfte am Rande eines G20-Treffens in Rom der Fall sein. Ob der amerikanische Präsident in Paris Halt machen wird, scheint unsicher. Macrons Berater hatten dies gewünscht, weil das Treffen eine gute Kulisse für den französischen Präsidentschaftswahlkampf hergegeben hätte.
In Paris wird der französische Staatschef kritisiert, er habe gegenüber dem amerikanischen Amtskollegen nichts erreicht. Linkenchef Jean-Luc Mélenchon erklärte sogar, Macron habe vor den Amerikanern «kapituliert». Solche wütenden Reaktionen sprechen Bände über das Gefühl französischer Diplomaten, gegenüber der angelsächsischen Front nichts ausrichten zu können.
Der britische Premier Boris Johnson streute noch Salz in die Wunden: Bei einem Besuch im Weissen Haus – wo Macron seit Bidens Wahl bis heute nicht empfangen wurde – meinte er flapsig, die Franzosen sollten gefälligst «die Luft anhalten» (take a break). Macron darf sich auch deshalb darüber ärgern, weil er bisher darauf verzichtet hatte, seinen Botschafter in London zurückzuziehen.
Seinen Vertreter in Australien will er aber nicht so schnell zurückschicken. Bei der Uno-Vollversammlung in New York liess der französische Aussenminister ein Treffen mit seinem US-Amtskollegen Antony Blinken zuerst platzen, bevor er ihm dann in der deutschen Uno-Vertretung die Hand schüttelte. Die EU hatte sich diese Woche hinter Frankreich gestellt und die Vorbereitungsgespräche für einen europäisch-amerikanischen Wirtschaftsgipfel storniert. Auch den geplanten Freihandelsvertrag mit Australien verfolgt Brüssel vorerst nicht weiter.
Auch Frankreich versucht, mit der abgestuften Rückkehr zur diplomatischen Normalität den Druck auf die Aukus-Partner aufrecht zu erhalten. Dabei geht es Macron nicht so sehr um die finanzielle Entschädigung für den verlorenen Deal im Umfang von 56 Milliarden Dollar – dieser Aspekt wird zweifellos vor internationalen Schiedsgerichten erklärt werden. Paris will dagegen im Indopazifik, wo 1.5 Millionen Franzosen leben, ein Wörtchen mitreden. Demonstrativ unterhielt sich Macron diese Woche mit dem indischen Premier Narendra Modi. Sie kamen überein, in dem Gebiet «jede Form von Hegemonie» zu bekämpfen – was sich natürlich gegen China richtete, aber auch als Kritik am amerikanischen Vorgehen in der U-Boot-Krise lesen lässt.