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Grando versus RIO-Gitarren
Neue Fakten zu den geheimnisvollen "Grando"- Gitarren
Update von Dieter Schneider (Belp, 7. 1.2017)
Nach dem viel zu frühen Tod meiner Schwester, Elsbeth Vocat-Schneider, am 29. November 2015, sind entscheidende neue Indizien zur geheimnisvollen Geschichte der Grando-Gitarren aufgetaucht. Ein Gitarrenkenner, Herr René De Martin aus Graz, hat mir freudlicherwise eine Beschreibung und Fotos einer alten Grando Hawaii-Gitarre geschickt. Das gut erhaltene Instrument ist dem RIO-Modell 135 sehr ähnlich, nur mit einer Bemalung statt der Brandmalerei (siehe Fotos rechts). Sie weist gleichzeitig sowohl einen schwarzen Grando-Stempel ("Grando Made in Switzerland") wie auch eine Etikette mit dem Aufdruck: "Gitarren- und Hawai-Fabrikation H.Schmitz vormals Meinel, Basel Steinenvorstadt 3" auf. Dies hat mich dazu bewogen, eine neue Hypothese zur Grando-Geschichte aufzustellen und hier darzulegen. Damit lassen sich die offenen Fragen im Exposé von Elsbeth Vocat-Schneider (s. unten) beantworten.
Quintessenz: Die älteren Grando-Instrumente (vor 1945) sind im Atelier H. Schmitz vormals P. Meinel an der Steinenvorstadt 3 in Basel durch meinen Vater hergestellt worden. "Grando" ist sozusagen der Vorläufer von "RIO" und gehörte dem Musikhändler H. Schmitz in Basel.
Mein Vater, Geigenbauer Karl Schneider (1905-1998), arbeitete zwischen 1920-1945 im Geigenbauatelier und Musikhaus von Paul Meinel (1865-1928), nachmals H. Schmitz-Meinel, an der Steinenvorstadt 3 in Basel. H. Schmitz war der Schwiegersohn des Geigenbauers und Lehrmeisters meines Vaters, Paul Meinel. Er war kein Instrumentenbauer sondern hat das Musikhaus seines Schwiegervaters als Musikhändler bis zur Geschäftsaufgabe ca. 1950 weiter geführt. Von 1928 bis 1945 war Karl Schneider der einzige Fachmann bei Schmitz-Meinel. In den Krisenjahren nach 1930 lief das Geschäft schlecht, sodass mein Vater zeitweise andere Arbeiten annehmen musste, damit die Familie überleben konnte.
Karl Schneider hat schon in den Vorkriegs- und Kriegsjahren in Basel begonnen, Gitarren zu bauen. Sein Firmenchef, H. Schmitz-Meinel, führte vermutlich damals das Label "Grando" ein und verkaufte die Instrumente unter diesem Brand in seinem Musikhaus in Basel. Es entstanden in dieser Zeit Jazz-Gitarren (in Geigenbau-Manier gebaute Archtop-Modelle), welche die Gibson-Modelle aus den USA zum Vorbild hatten. Mein Vater erkannte nach Ende des Krieges, dass die Nachfrage nach Gitarren vorhanden war und dass man diese Instrumente in einer gewerblichen Serienproduktion effizient herstellen könnte. Da aber die Zusammenarbeit mit H. Schmitz-Meinel nicht befriedigte, entschloss sich Karl Schneider 1945, in Riehen b. Basel ein eigenes Atelier zu eröffnen und Gitarren in eigener Regie her zu stellen. Da das Label "Grando" dem ehemaligen Chef, Schmitz-Meinel, gehörte, führte er einen neuen Brand "RIO" ein.