Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03404.jsonl.gz/933

Während sich Schneesportler im Norden über Neuschnee freuen durften, blieb es im Süden meist trocken und schneearm. Die Lawinengefahr ging vor allem vom Neu- und Triebschnee aus. Auf der Regenkruste von Ende Dezember hatte sich zudem eine Schwachschicht gebildet, die für einige Lawinenauslösungen verantwortlich war.
Nach dem sehr milden Jahresende und -anfang, war es in der ersten Hälfte der Berichtsperiode fast schon ungewohnt kalt. Die Nullgradgrenze (Abb. 1) lag grösstenteils unter 1000 m. Doch bereits ab Dienstag, 11. Januar stieg die Temperatur wieder an und die Nullgradgrenze kletterte bis am Donnerstag wieder auf über 2000 m.
Am Freitag und Samstag war das Wetter wechselhaft mit teils starkem Westwind. Es fiel aber erst wenig Schnee. In der Nacht auf Sonntag setzte im Norden verbreitet Schneefall ein, der bis am Montagmorgen anhielt. Dabei blies erneut ein starker bis stürmischer Westwind. Im Osten gab es auch tagsüber noch Schneeschauer, während der Himmel im Wallis bereits strahlend blau war. Im Westen und im Norden fielen in dieser Phase verbreitet 30 bis 50 cm Schnee, lokal gab es bis zu 70 cm. (Abb. 2). Auch im Jura kehrte der Winter zurück (Abb. 3), nachdem dort während der vergangenen Wärmeperiode beinahe der gesamte Schnee geschmolzen war. In Nordbünden fiel nur wenig Schnee, während es im mittleren und südlichen Tessin, sowie im Engadin meist ganz trocken blieb.
Ab Dienstag installierte sich ein ausgeprägtes Hochdruckgebiet über der Schweiz und brachte in den Bergen wolkenloses Traumwetter. Am Dienstag und Mittwoch blies eine starke, im Jura teils sogar stürmische Bise und auch in der Höhe gab es teils starken Nordostwind.
Die Berichtsperiode begann mit einer recht günstigen Lawinensituation und mässiger Lawinengefahr (Stufe 2). Regen und Wärme der Altjahreswoche hatten im Westen und Norden eine mächtige Kruste hinterlassen, welche die Altschneedecke in diesen Gebieten stabilisierte.
Mit dem Neuschnee und dem starken Westwind stieg am Wochenende die Lawinengefahr an. In den neuschneereichen Gebieten wurde vor erheblicher Gefahr (Stufe 3) gewarnt. Trotz der beachtlichen Neuschneemenge wurden dem Lawinenwarndienst verhältnismässig wenig Lawinen gemeldet. Zudem waren diese häufig nur klein bis mittelgross (Lawinengrösse 1 bis 2). Durch die tiefen Temperaturen war der Neuschnee trotz Wind häufig locker und relativ ungebunden geblieben.
Anfang der Woche wurde mit starker Bise und in der Höhe Nordostwind der immer noch lockere Neuschnee intensiv verfrachtet (Abb. 4).
Abb. 4: Video der Schneeverfrachtung durch starken Nordostwind am Dienstag, 11.01. auf 2552 m in der Nähe vom Col du Bel Oiseau (Salvan, VS). (Foto: J.L. Lugon)
Ab Mittwoch stabilisierten sich Neu- und Triebschnee zunehmend und die Lawinengefahr wurde nur noch als mässig (Stufe 2) eingeschätzt.
Im Laufe der Woche begann sich der Schnee vielerorts direkt oberhalb der Dezemberregenkruste aufbauend umzuwandeln und es bildete sich teils eine Schwachschicht. Es wurden einige Personenauslösungen in dieser Schwachschicht gemeldet. Zum Teil wurden die Lawinen auch fern ausgelöst, was auf eine flächige Verbreitung der Schwachschicht hindeutet.
Es passiert immer wieder, dass sich rund um Krusten Schwachschichten bilden. Dieses Phänomen war auch letztes Jahr, als sich oberhalb einer Schmelzharschkruste mit Saharasand eine Schwachschicht gebildet hatte, gut zu beobachten (siehe auch Wochenbericht 26. - 31. März 2021). Lawinen, bei denen durch den Lawinenabgang eine gut erkennbare Kruste freigelegt wird, werden dem Lawinenwarndienst oft als Gleitschneelawinen gemeldet. Die Vorstellung ist, dass der Schnee auf der Kruste abgleitet. Dies ist jedoch ein Irrglaube. Lawinen, wie in Abb. 5, sind Schneebrettlawinen. Sie können entstehen, wenn eine Schneeschicht durch das Kollabieren einer darunterliegenden Schwachschicht in einem mehr als 30° steilen Hang abrutscht. Bei Gleitschneelawinen ist hingegen keine Schwachschicht im Spiel. Dort gleitet die gesamte Schneedecke auf dem Boden (Gras oder glatte Felsplatten) ab. Dieses Abrutschen passiert nicht auf einer Kruste, auch wenn diese sehr glatt ist.
Im zentralen Wallis und in Graubünden wurde während der gesamten Berichtsperiode weiterhin vor schwachem Altschnee tief in der Schneedecke gewarnt. Es wurden allerdings keine Lawinenauslösungen in diesen Schichten gemeldet. Der schwache Altschnee war also vermutlich deutlich weniger störanfällig als angenommen. Zudem war er bis in hohe Lagen von der Regenkruste überlagert, die ein Durchdringen bis in den schwachen Altschnee erschwerte. Es kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass der frühwinterliche Altschnee im Laufe des Winters nochmals zum Thema wird.
Während man nach dem Schneefall in den nördlichen Teilen der Schweiz wunderschöne Pulverabfahrten geniessen konnte, waren im Süden zum Teil Wanderschuhe das passendere Sportgerät (Abb. 6). Die Schneehöhen waren vom Simplongebiet über das Tessin bis in die Bündner Südtäler für die Jahreszeit stark unterdurchschnittlich (Abb. 7). Nennenswerten Niederschlag hatte es im mittleren und südlichen Tessin zuletzt am 12. Dezember gegeben.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.