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Diese Woche treffen sich in Genf über 4000 Delegierte zur 107. Konferenz der internationalen Arbeitsorganisation (ILO). ArbeitnehmerInnen, ArbeitgeberInnen und die Mitgliedsstaaten definieren im Rahmen der ILO die globalen Rahmenbedingungen für faire Arbeit. An dieser Stelle ein kurzer Überblick über die wichtigsten Errungenschaften der ILO – und ihre Probleme.
Die ILO-Kernarbeitsnormen verbieten Zwangsarbeit und Kinderarbeit, garantieren das Recht Gewerkschaften zu bilden, fordern Lohngleichheit zwischen Frauen und Männern und untersagen jegliche Form von Diskriminierung. Diese Kernkonventionen wurden von der ILO als grundlegende und für alle Mitglieder verpflichtende Standards deklariert, selbst wenn sie diese nicht ratifiziert haben. Die Schweiz hat alle acht Konventionen unterzeichnet und ist damit die völkerrechtliche Verpflichtung eingegangen, die Normen in nationales Recht umzusetzen.
Die Probleme der ILO
Die tripartite Präsenz von ArbeitgeberInnen, ArbeitnehmerInnen und den Staaten führt zu einer umfassenden Beteiligung, aber auch zu grosser Schwerfälligkeit der Organisation und des Regelwerks. Im Rahmen der jährlich stattfindenden Konferenz werden zwar Verfehlungen durch Staaten und Konzerne diskutiert, aber es gibt keine effektiven Sanktionsmechanismen. So ist der Vorwurf, dass die ILO ein zahnloser Tiger sei, nicht unbegründet. Ein Vertreter der ILO meinte dazu: "Vielleicht sind wir ein zahnloser Tiger, aber wir sind immerhin ein Tiger." Solange dem Tiger die Zähne fehlen, bleibt immer noch das Brüllen: Für die weltweite Verbesserung der Arbeitsbedingungen bleibt die ILO unerlässlich.
ILO-Konferenz 2018
Ein wichtiges Thema der diesjährigen Konferenz ist der Kampf gegen Gewalt und sexuelle Belästigung bei der Arbeit. Solidar Suisse wird mit TeilnehmerInnen Interviews führen und über die Konferenz berichten.
- Konvention 29 über Zwangs- oder Pflichtarbeit (1930)
- Konvention 87 über die Vereinigungsfreiheit und den Schutz des Vereinigungsrechts (1948)
- Konvention 98 über das Vereinigungsrecht und das Recht auf Kollektivverhandlungen (1949)
- Konvention 100 über die Gleichheit des Entgelts für Männer und Frauen für gleichwertige Arbeit (1951)
- Konvention 105 über die Abschaffung der Zwangsarbeit (1957)
- Konvention 111 über das Verbot der Diskriminierung (1958)
- Konvention 138 über das Mindestalter für die Zulassung zur Beschäftigung (1973)
- Konvention 182 über das Verbot und Massnahmen zur Beseitigung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit (1999)