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Pressespiegel (Auswahl)
Sharif Waked (*1964, Nazareth; lebt und arbeitet in Nazareth and Santa Barbara CA) untersucht in seiner Praxis kulturelle und politische Ereignisse der Gegenwart und der Vergangenheit, indem er verschiedene Positionen und Narrative spielerisch verschränkt und paradoxe und absurde Gegenüberstellungen erzeugt. Seine Werkkomplexe – Reflexionen über die Bedeutung des Schaffens und Wahrnehmens von Kunst im digitalen Zeitalter – beruhen einerseits auf Konzepten wie Aneignung und Übersetzung und andererseits auf dem Spannungsverhältnis von Bild und Text. Die umfangreiche Ausstellung im Kunsthaus Baselland – die erste Ausstellung von Sharif Waked in der Schweiz – präsentiert Werke aus seinen Serien Arabesque und Just A Moment neben eigenständigen, nicht-seriellen Arbeiten.
Im ersten Ausstellungsraum begleitet die Videoarbeit Just A Moment No. 4 (Away From You) (2011) die Diva Umm Kulthum, die ihren Kultsong Away From You (1965) performed. Die Cadrage des Videos fokussiert auf Kulthums im Takt wippenden, linken Fuß, über dessen Ferse der Saum ihres Kleides streift. Daneben reproduziert MoM – Museum of Mosul (2017) Filmmaterial von den durch den IS im Irak angerichteten Zerstörungen für einen Imagefilm, der für ein Museum wirbt, das inzwischen ein neues Branding erhalten hat. Ein Fragment desselben Filmmaterials kommt in der Videoarbeit Just A Moment No. 17 (Smiley) (2016) vor. Hier kämpft eine Armee zeitgenössischer Emojis darum, ihren lächelnden Vorfahren vor dem Ruin zu bewahren.
Im zweiten Ausstellungsraum dient eine ortsspezifische architektonische Intervention als Display für zwei Arbeiten: Auf einer Seite zeigt Bath Time (2012) einen Esel, der, nachdem er tagsüber im Zoo von Gaza ein Zebra abgeben musste, eine ausgiebige Dusche nimmt. Auf der anderen Seite präsentiert Just A Moment No. 21 (Shit) (2018) Outtakes von der Hauptdarstellerin von Bath Time, in denen sie die Grundpfeiler unserer Alltagsroutine verrichtet: essen und wieder ausscheiden. Bath Time und Just A Moment No. 21 (Shit) werden von Bildern aus der Serie Arabesque (2016, fortlaufend) flankiert, die Waked in ihre Grundelemente zerlegt hat, um sie anschließend zu geometrisch und abstrakt anmutenden Flächen zusammenzufügen. In allen drei Serien legt Waked den Fokus auf die vermeintlichen Grenzen zwischen dem Visuellem und dem Verbalem, zwischen Wahrnehmung und Täuschung, zwischen historischen Bildtraditionen und den digitalen Manipulationen der Gegenwart, um den Begriff der Sinnhaftigkeit auf recht formalistische Weise zu hinterfragen, zu brechen und neu zu formulieren.
Der dritte Ausstellungsraum präsentiert eingangs Just A Moment No. 5 (Jericho First) (2012). In diesem Diptychon – das an der Schnittstelle der beiden Serien Just a Moment und Jericho First angesiedelt ist – treffen die Osloer Abkommen der 1990er Jahre auf die Kachelmosaiken des Umayyaden-Kalifats aus dem achten Jahrhundert. Daneben verwandelt To Be Continued (2009) einen Selbstmordattentäter in Scheherazade, die Erzählerin aus Tausendundeiner Nacht (10. Jh.), die den Tod in Schach hielt, indem sie König Schahryârs Neugierde auf Geschichten befriedigte.
In den hier gezeigten Serien und in seinem gesamten Werk hinterfragt der Künstler die Trennung zwischen dem Visuellen und dem Verbalen, zwischen Wahrnehmung und Täuschung, zwischen den visuellen Traditionen der Vergangenheit und den digitalen Manipulationen der Gegenwart, um auf eher formalistische Weise die Infragestellung, das Brechen und das Wiederherstellen von Bedeutung zu liefern. Der Parcours durch die Räume des Kunsthauses ermöglicht einen umfangreichen Einblick in das Schaffen des Künstlers Sharif Waked.