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- Der diesjährige Literaturnobelpreis geht an Abdulrazak Gurnah, einen 1948 in Sansibar geborenen Schriftsteller, der heute in Grossbritannien lebt.
- Das teilt die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm mit.
- Gurnah verfasst seine Bücher auf Englisch, ist Autor von zehn Romanen und schreibt auch Novellen. Auf Deutsch erschien von ihm etwa «Das verlorene Paradies».
Abdulrazak Gurnah konnte erst überhaupt nicht glauben, dass er mit dem renommierten Preis ausgezeichnet wird. «Ich dachte, das wäre ein Streich», sagte der tansanische Schriftsteller in einem Interview, das auf dem Twitter-Kanal der Nobelpreise veröffentlicht wurde. «Das war überhaupt nichts, was ich im Sinn hatte. Ich habe nur gedacht: Wer wird ihn bekommen?»
Das war eine völlige Überraschung.
Es sei «brillant und wundervoll», mit dieser Auszeichnung geehrt zu werden, sagte der frisch gekürte Nobelpreisträger ferner gegenüber dem britischen Sender BBC. «Das war eine völlige Überraschung, dass ich wirklich warten musste, bis ich die Bekanntgabe gehört habe, bevor ich es glauben konnte.»
Mit 21 begann er zu schreiben
Der 1948 geborene Autor erhält den Preis «für sein kompromissloses und mitfühlendes Durchdringen der Auswirkungen des Kolonialismus und des Schicksals des Flüchtlings in der Kluft zwischen Kulturen und Kontinenten», wie der Ständige Sekretär der Schwedischen Akademie, Mats Malm, bei der Bekanntgabe sagte.
Abdulrazak Gurnah wuchs auf der Insel Sansibar auf, kam als Flüchtling aber Ende der 60er-Jahre nach Grossbritannien, wo er seither lebt. Er hat nach Angaben der Schwedischen Akademie zehn Romane veröffentlicht, ausserdem eine Reihe von Kurzgeschichten.
Mit dem Schreiben begann er als 21-Jähriger. Obwohl Suaheli seine Muttersprache ist, schreibe er seine Bücher auf Englisch. Auch andere Sprachen wie Deutsch hätten einen Einfluss auf sein Werk, sagte der Vorsitzende des Nobelkomitees der Akademie, Anders Olsson. Gurnahs vierter Roman «Paradise» von 1994 (in Deutschland erschienen als «Das verlorene Paradies») brachte ihm den Durchbruch als Schriftsteller.
Bislang 120 Preisträgerinnen und Preisträger
Der Nobelpreis für Literatur gilt als die prestigeträchtigste literarische Auszeichnung der Welt. 1901 war er zum ersten Mal verliehen worden, damals an den Franzosen Sully Prudhomme. Seitdem haben ihn fast 120 Persönlichkeiten erhalten. Der bislang jüngste Preisträger war 1907 der damals 41 Jahre alte «Dschungelbuch»-Autor Rudyard Kipling, die älteste Doris Lessing, die ihn 2007 im Alter von 88 Jahren bekommen hatte.
Im letzten Jahr war die amerikanische Dichterin Louise Glück ausgezeichnet worden. Sie war damit eine von 16 Frauen, die den Preis bislang in Empfang genommen haben.
Die letzten zehn Preisträger
- 2020: Louise Glück (USA)
- 2019: Peter Handke (Österreich)
- 2018: Olga Tokarczuk (Polen)
- 2017: Kazuo Ishiguro (Grossbritannien/Japan)
- 2016: Bob Dylan (USA)
- 2015: Swetlana Alexijewitsch (Weissrussland)
- 2014: Patrick Modiano (Frankreich)
- 2013: Alice Munro (Kanada)
- 2012: Mo Yan (China)
- 2011: Tomas Tranströmer (Schweden)
Nach der Kategorie Literatur folgt am Freitag die Bekanntgabe des Friedensnobelpreisträgers, der als einziger in der norwegischen Hauptstadt Oslo gekürt wird.
Zurück in Stockholm werden dann zum Abschluss die Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften verkündet – diese Kategorie ist die einzige, die nicht auf das Testament von Preisstifter und Dynamit-Erfinder Alfred Nobel (1833-1896) zurückgeht.
Preisverleihung am 10. Dezember
Bereits in der ersten Wochenhälfte waren in Stockholm die Preisträger in den Kategorien Medizin, Physik und Chemie verkündet worden.
Alle Nobelpreise sind wie im Vorjahr mit zehn Millionen schwedischen Kronen – umgerechnet rund 1.05 Millionen Franken – pro Kategorie dotiert. Verliehen werden die Auszeichnungen traditionell am 10. Dezember, dem Todestag Nobels.
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