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Schon von Anfang an wird merklich auf Umgangsformen geachtet. Wer sich vorstellt, tut dies mit kräftigem Händedruck und Augenkontakt oder steht auf und hält dazu eine kleine Rede vor allen. Ein bis zwei Mal pro Monat trifft sich der Rhetorik-Club “Multilingual Toastmasters” im Kollegiengebäude, um die Kunst der Rede vor einem Publikum zu üben.
Eine solche Versammlung dauert zwei Stunden und wird von Sitzung zu Sitzung von einem anderen Toastmaster vorbereitet. Es werden “Stegreifreden” zu einer beliebigen Thematik (dieses Mal in Form einer Debatte) geführt, vorbereitete Reden präsentiert und anschliessend alle Redner (natürlich in Form von Reden) bewertet. Als Erstes werden aber Rollen verteilt. Der “Zeitnehmer” soll darauf achten, dass die Sprecher nicht zu lange reden, der “Füllwörterzähler” zählt, wie der Name schon verrät, die vom Redner benutzten Füllwörter wie “ähm” und der „Sprachhüter“ achtet während des Abends auf grammatikalische Korrektheit. Alle Teilnehmende erhalten zudem Wahlzettel, auf denen sie über die besten Redner abstimmen und Feedback für alle Redner geben sollen.
Die Toastmaster bereiten ihre selbstgeschriebenen, wahlweise auf Englisch oder Deutsch gehaltenen Reden merklich gut vor. Es werden ein Lobgesang der Hosentaschen, das Verhältnis zwischen dem Recht und Flip Flops und die Fragestellung, ob Technologie kreativitätshemmend wirkt, präsentiert. Zuvor rangen in einer Debatte Pro- und Contra-Gruppen von je drei Personen um die Gunst der Zuhörenden. Die Gruppen hatten zwei Minuten Zeit, um sich auf ihr Thema vorzubereiten: Stammzellenklonen. Dies fand ich besonders interessant, weil hier eher gewisse Rhetoriktechniken, wie Zugeständnisse an den Kontrahenten oder emotionale Überzeugung, erkennbar waren.
Bei einer Toastmastersitzung fällt schnell auf, dass es sich um einen sehr international durchmischten Club handelt. Unter den 17 Anwesenden –darunter vier Studierende – waren auch Mitglieder aus Finnland, England, Weissrussland und Spanien anzutreffen, die wohl ihre Stilsicherheit in der deutschen und englischen Sprache üben wollen. Die einzelnen Toastmaster-Clubs sind weltweit miteinander vernetzt und die Mitglieder sind Teil eines Stufensystems. Zufälligerweise war ein “District Leader” aus Finnland zu Besuch und hat, natürlich in Form einer Rede, die Mitgliederhierarchie und die Aufstiegsmöglichkeiten erklärt. Vom gewöhnlichen Toastmaster kann man anschliessend Club Leader, dann Area Leader, Division Leader, District Leader, bis schliesslich zum Teil des “World Headquarters” werden. Diese Leiter steigt man mittels “Mentoring-Programmen” auf.
Mein persönliches Fazit zu den Toastmaster-Treffen ist, dass es sich für diejenigen sicher lohnt, die vor einem Publikum schnell nervös werden und das verbessern wollen. Selbstvertrauen wird bei den Toastmasters auf jeden Fall gestärkt und mit dem detaillierten Feedback, den Bewertungen und “Ähm”-Zählern ist eine steile Lernkurve zu erwarten. Die Webseite der Toastmaster lässt sich unter http://www.toastmasters.ch/tmbsmulti/ finden.