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Seit dem Staatsputsch in Honduras am 28. Juni 2009 haben Gewalt und Militarisierung, Armut, Arbeitslosigkeit und die Unterdrückung sozialer Bewegungen massiv zugenommen. Auch Honduras Kunstschaffende spüren die Veränderungen. Wer Kritik übt, dem wird die staatliche Unterstützung gestrichen. Orte zu finden, um kritische Kunst öffentlich zu präsentieren, erfordert heute einen riesigen Effort seitens der Kunstschaffenden.
In Zusammenarbeit mit dem Honduras Forum Schweiz präsentiert der honduranische Kurator Adán Vallecillo in der Ausstellung Golpe #10 in Bern und Zürich ausgewählte Werke von 10 honduranischen und 1 Schweizer Kunstschaffenden. Mit Fotografie, Video- und Performancekunst nehmen sie die sozialen und politischen Veränderungen seit dem Militärputsch vor 10 Jahren unter die Lupe.
Das Colectivo Mitch zum Beispiel wurde anlässlich des 20. Jahrestags des Hurrikans Mitch im Jahre 1988 gegründet. Die verheerenden Auswirkungen dieses Hurrikans spürt das Land bis heute. Während die Regierung zum 20. Jahrestag schwieg, versuchte das Kollektiv mit Plakataktionen und anderen Gedenkveranstaltungen die Öffentlichkeit zum Nachdenken anzuregen und die traumatische Erfahrung wieder ins kollektive Gedächtnis zu rufen.
In seiner verstörenden Performance «Retransmisión» interpretiert Pavel Aguilar, verkleidet als Soldat der honduranischen Anti-Aufstand-Einheit, auf seiner Violine die honduranische Nationalhymne. Diese Nationalhymne hat eine sehr starke Bedeutung für den Staat, das Militär und für alle HonduranerInnen. Indem Aguilar sie verzerrt, entmystifiziert und zerstört er dieses nationale Symbol. Dabei bezieht sich Aguilar direkt auf den Staatsputsch von 2009: Dieser Umsturz war nur möglich, weil das Militär den demokratisch gewählten Präsidenten Manuel Zelaya verhaftete, eine De-Facto-Regierung einsetzte und die Demonstrationen gewaltsam unterdrückte.
Plakatsammlung des Colectivo Mitch, 2018 / Retransmisión von Pavel Aguilar, 2011 / Melting von Leonardo González, 2014
RaBe im Gespräch mit Kurator Adán Vallecillo: