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Die Schweizer Landwirtschaft steht in einem Wandlungsprozess. Weniger als 4 % der Beschäftigten in der Schweiz sind im primären Sektor (Land- und Forstwirtschaft) beschäftigt. Die Schweiz hat sich zu einer Dienstleistungsgesellschaft gewandelt. Die grösste Wertschöpfungen werden in der Banken-, Versicherungs- und Chemiebranche erzielt.
Durch
die neue WTO-Runde (WTO = World Trade Organization = Welthandelsorganisation) kommt die Schweiz wegen ihrer Subventionen und Schutzzölle unter Druck.
Ein freier Welthandel (der Import und Export von Waren und Dienstleistungen
ohne Schutzzölle oder ohne eine durch Subventionen verzerrte Marktssituation)
zwingt die Schweiz ihre Grenzen als Gegenleistung für den freien Export
von Schweizer Waren und Dienstleistungen schrittweise zu öffnen. Die
Nahrungsmittelpreise sinken und damit werden auch die Erträge der
Schweizer Bauern vermindert. Da die Produktionskosten der Bauern auch der
allgemeinen Preisentwicklung im Inland folgen, stagnieren bzw. sinken die
Einkommen der Bauern. Viele Betriebe kämpfen um das Überleben.
Besonders kleinere und mittlere Betriebe versuchen, den Einkommenschwund durch kreative Produktions- oder Verkaufsideen (Verkauf direkt ab Hof oder Feld, besondere Dienstleistungen wie "Ferien auf dem Hof", "Streichelzoos", die Umstellung auf umweltschonende Produktionsmethoden usw.) zu stoppen oder zu mildern
Der Strukturwandel in der Thurgauer Landwirtschaft setzt sich kontinuierlich fort. Einer sinkenden Anzahl Betriebe steht eine zunehmende durchschnittliche Bewirtschaftungsfläche gegenüber. Auch werden immer mehr Tiere gehalten, wobei insbesondere die Geflügelhaltung weiter an Bedeutung gewinnt. Dies geht aus der soeben erschienenen Statistischen Mitteilung «Landwirtschaftliche Betriebsstrukturdaten 2010» hervor.
Der Kanton Thurgau zählte Anfang Mai 2010 insgesamt 2901 landwirtschaftliche Betriebe mit Kulturland, wovon 2440 Direktzahlungen erhielten. Innerhalb eines Jahres hat sich die Anzahl Betriebe um 26 (-0,9 %) verringert.
Durchschnittlicher Thurgauer Betrieb bewirtschaftet 17 Hektaren
Auch 2010 gehörten die meisten Bauernhöfe (70 %) zur Grössenklasse «10 bis 50 Hektaren». 28 Prozent der Betriebe hatten eine Nutzfläche von weniger als 10 Hektaren. Nach wie vor gibt es verhältnismässig wenige Landbewirtschafter mit einer Fläche von über 50 Hektaren (2 %). Die längerfristige Analyse bestätigt aber den Trend zu grösseren Einheiten. In den vergangenen zehn Jahren ist die Anzahl der Landbewirtschafter mit einer Nutzfläche zwischen 5 und 15 Hektaren um über ein Viertel gesunken. Hingegen hat die Anzahl der Betriebe mit einer Fläche von über 50 Hektaren um drei Viertel zugenommen.
Rückläufige landwirtschaftliche Nutzfläche
Von 2009 auf 2010 nahm die von Thurgauer Betrieben bewirtschaftete Nutzfläche um 204 Hektaren (+0,4 %) auf insgesamt 50 428 Hektaren ab. In den letzten zehn Jahren verringerte sich die den Thurgauer Landbewirtschaftern zur Verfügung stehende Nutzfläche gar um 1694 Hektaren (-3,3 %). Am stärksten rückläufig waren die Grünflächen. Leicht zugelegt haben dagegen Spezialkulturen, wie Dauerkulturen (z.B. Obstanlagen) und Kulturen im geschützten Anbau.
Fortlaufender Anstieg des Nutztierbestandes
Im Jahr 2010 wurden mit Ausnahme der Schafe mehr Tiere im Kanton Thurgau gehalten als im Jahr davor. Weitaus am stärksten zugenommen hat der Nutzgeflügelbestand. Aber auch die Zahl der Schweine und Ziegen ist deutlich gestiegen. Die Tiere konzentrieren sich auf immer weniger Betriebe. So ist beispielsweise der durchschnittliche Schweinebestand pro Betrieb von rund 250 Schweinen im Jahr 2000 auf über 400 im Jahr 2010 gestiegen.
Direktzahlungen praktisch auf Vorjahresniveau
Beiträge von knapp 120 Millionen Franken wurden 2010 an die Thurgauer Landwirte entrichtet. Im Vergleich zum Vorjahr sank das Total der Beiträge um 0,4 Prozent. Dieser Rückgang beruht hauptsächlich auf dem um knapp 10 Prozent geringer ausgefallenen Total der Ackerbaubeiträge. Da 2010 die Anbauflächen für Zuckerrüben im Vorjahresvergleich um 12 Prozent reduziert wurden, nahm entsprechend die Summe der Anbaubeiträge für Zuckerrüben um über eine halbe Million Franken (-12 %) ab.