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Song Yunlong: Wie geht es Ihnen, was haben Sie seit der Pandemie gemacht?
Zhu Rikun: Seit anfangs 2020 habe ich die meiste Zeit mit meinen beiden Kindern, meiner Tochter und meinem Sohn, bei mir Zuhause in Upstate New York verbracht und mir parallel dazu Zeit genommen, mich mit Schnitt- und weiteren Postproduktionsarbeiten an meinem eigenen Filmprojekt zu beschäftigen. Im vergangenen Jahr habe ich zahlreiche Online-Filmvorführungen und -Diskussionen organisiert. Auch zusammen mit Ai Weiwei auf der Plattform «Clubhaus». Einige unserer Veranstaltungen sind Filmvorführungen, andere widmen sich der Poesie oder Kunst.
Song Yunlong: Auch «Fanhall», eine Plattform für den chinesischen Independentfilm, haben Sie neu gestartet und dort mit der Programmierung von Filmvorführungen begonnen. Wie wirken diese im Cyberspace bisher?
Zhu Rikun: Früher war für mich der Geschäftsanteil beim Film eher beiläufig. Nun, da ich älter geworden bin, denke ich darüber nach, welche Dinge wirklich sinnvoll sind: Wenn ich auf mein bisheriges Wirken zurückblicke, stelle ich fest, dass einige Sachen, die ich damals einfach nicht verfolgt habe, eigentlich sehr wertvoll gewesen wären. Etwa Fanhall: Die Website ist nun 20 Jahre alt. In den ersten zehn Jahren habe ich sie sehr sorgfältig gepflegt, dann aber im Grunde genommen total ignoriert. Die Filmszene in China hat sich inzwischen aber stark verändert; Der unabhängige Film ist nicht mehr so sichtbar. Das macht mich sehr traurig. Ich hoffe sehr, dass Chinas unabhängige Filmszene durch die Wiederaufnahme meiner kuratorischen Arbeiten wieder eine gewisse Vitalität erhält. Und: Wenn jemand anderes bereit ist, meine Arbeit zu übernehmen, würde ich das Geschäft auch gerne weitergeben.
Song Yunlong: Wird das Publikum in China die Möglichkeit haben, diese Filme in Kinos zu sehen? Was sind die Anforderungen und Einschränkungen, wenn diese Filme im chinesischen Netzwerk online gezeigt werden sollen?
Zhu Rikun: Unabhängige Filme dürfen in China nicht in Kinos gezeigt werden. Alle in Kinos gezeigten Filme müssen von der Filmzensurabteilung überprüft werden, um eine Genehmigung zu erhalten, bevor sie veröffentlicht werden können. In China wird dies als «Erwerb der Drachenmarke» (獲得龍標) bezeichnet. Die Zuschauer*innen können dieses Logo jeweils am Anfang eines chinesischen Films sehen, es ist Teil des Vorspanns. Dort steht dann «Filmbüro der staatlichen Verwaltung für Presse, Veröffentlichung, Radio, Film und Fernsehen» (auch als SAPPRFT bekannt – State Administration of Press, Publication, Radio, Film and Television), zusammen mit dem «Public Screening Permit» und ihrer Seriennummer.
Filme, die im chinesischen Internet gestreamt werden, werden ebenfalls zuerst geprüft, und diese Zensur ist zweifach: Zum einen wird der Inhalt bei der Zensur der Website intern untersucht, gleichzeitig findet durch die Regierung eine enge Überwachung der Websites statt. Wenn Regierungsstellen Inhalte finden, die sie für problematisch halten, werden sie die betroffenen Websitebetreiber*innen auffordern, die Inhalte zu entfernen und im schlimmsten Fall gibt es Strafen. In China haben diese Websites grundsätzlich keine Möglichkeit, sich den Anforderungen von Regierungsabteilungen zu widersetzen. Natürlich werden sie, die Behörden, keine klaren Standards veröffentlichen: Man erahnt schlicht, dass es keine «sensiblen» Inhalte geben darf, insbesondere keine politischen.
Das vollständige Interview gibt es in der Nr. 2/21 nachzulesen.
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