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Der ultrarechte Präsidentschaftskandidat Jair Bolsonaro hat bei den Wahlen in Brasilien nach der Auszählung von 99 Prozent der Urnen 46 Prozent der Stimmen erhalten. Auf Fernando Haddad von der linksgerichteten Arbeiterpartei PT entfallen 29,3 Prozent.
Damit wird es am 28. Oktober einen zweiten Wahlgang geben, bei dem die Urnengänger entscheiden werden, welcher der beiden Kandidaten ab 2019 das Präsidentschaftsamt inne haben wird.
Auch wenn im Vorfeld von einem zweiten Wahlgang bereits ausgegangen worden ist, war das Ergebnis dennoch überraschend. Jair Bolsonaro hat wesentlich mehr Stimmen erhalten als bei Umfragen vorab prognostiziert worden ist.
Fast in allen Regionen hat der Ex-Militär und Berufspolitiker mehr Stimmen als seine Gegner erhalten. In den nördlichen Bundesstaaten Roraima, Rondônia und Acre sowie in Mato Grosso und Santa Catarina liegt der erzielte Prozentsatz sogar bei mehr als 60 Prozent.
In den Bundesstaaten des ärmeren Nordosten Brasiliens hat hingegen PT-Kandidat Fernando Haddad wesentlich mehr Stimmen erhalten als Bolsonaro.
Der große Verlierer der Wahlen ist die Zentrumspartei PSDB. PSDB-Präsidentschaftskandidat Geraldo Alckmin schaffte gerade einmal 4,8 Prozent. Bei den bereits feststehenden, neu gewählten Gouverneuren des Landes ist seine Partei bisher nicht vertreten. Lediglich in vier der 27 Bundesstaaten können PSDB-Kandidaten in einem zweiten Urnengang ihre Wahl zum Gouverneur versuchen.
Die Arbeiterpartei PT stellt hingegen schon nach dem ersten Wahlgang vier Gouverneure. In 13 Bundesstaaten wird es einen zweiten Wahlgang zur Besetzung des Gouverneuramtes geben. In fast allen von ihnen werden Unterstützer und Verbündete Bolsonaros antreten.
Auffällig hoch war die Stimmenthaltung. Sie hat über 20 Prozent betragen und lag damit höher als bei den Wahlen im Jahr 2014. Hinzu kommen 6,1 Prozent ungültige Stimmen und 2,65 Prozent “weiße“ Stimmen, bei denen keiner der Kandidaten gewählt wurde.
Fernando Haddad trat kurz nach bekanntwerden des Auszählungsergebnisses mit einer Ansprache an die Öffentlichkeit. Er fühle sich geehrt angesichts des Wahlausgangs, so Haddad, der ebenso von einer goldenen Möglichkeit durch den zweiten Wahlgang sprach. Er wolle das Land einen, Demokratie und Freiheit stärken und sich für eine soziale Gerechtigkeit einsetzen.
Jair Bolsonaro hat einmal mehr die Öffentlichkeit vermieden. Statt eines angekündigten Pressetermins verlag er sich auf eine Videoaufnahme, die er über die sozialen Netzwerke verbreiten ließ. Darin sprach er unter anderem Probleme mit den Wahlurnen an. Ohne diese hätte er wahrscheinlich schon auf Anhieb gewonnen, so Bolsonaro.
Gerüchte über Fehler und Probleme bei den Urnen sowie über Betrug hat es schon am Sonntagnachmittag (7.) gegeben. Sie haben sich rasend schnell über die sozialen Netzwerke verbreitet. Wahlgerichtspräsidentin (TSE) Rosa Weber widerlegte diese jedoch.
Sie garantiere ein einwandfreies funktionieren der Urnen. Die elektronischen Urnen seien hundertprozentig sicher so Weber, die von Fake-News sprach. Sie und Generalstaatsanwältin Raquel Dodge haben umgehend Ermittlungen über den Ursprung der Fake-News angekündigt.
Die Wahlen in Brasilien sind aber auch zum Tag der langen Schlangen geworden. Ein Grund dafür war die Biometrie, die den Wahlvorgang eigentlich hätte beschleunigen sollen. Allerdings hatte das System teilweise Probleme, die Fingerabdrücke der Urnengänger zu erkennen.
Insgesamt hätten über 73,6 Millionen Wähler (50,3 Prozent) statt mit Unterschrift mit ihrem Fingerabdruck ihre Abstimmung besiegeln können. Zm Teil wurde dann aber doch auf die herkömmliche Form zurückgegriffen.