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Der F. als Prinzip für die Ausgestaltung des internat. Handels etablierte sich gegen Ende des 18. Jh. Grundlagen waren die liberale ökonom. Theorie über den Wohlstand der Nationen von Adam Smith (Liberalismus) und die Theorie der komparativen Vorteile von David Ricardo (Kapitalismus), welche die Vorteile des freien grenzüberschreitenden Güterverkehrs gegenüber der protektionist. Wirtschaftspolitik des Merkantilismus aufzeigten. In der 1. Hälfte des 19. Jh. konkurrierte das Konzept des F.s mit der binnenmarktorientierten, v.a. von Friedrich List geprägten "Nationalökonomie", die den staatl. Schutz und die Förderung der nationalen Produktivkräfte im Rahmen des nach aussen abzugrenzenden Binnenmarktes betonte.
Vom F. als Leitbild der Aussenhandelspolitik eines Landes ist dessen reale Umsetzung zu unterscheiden (Aussenwirtschaft). Zu jedem Zeitpunkt gab es Handelsbeschränkungen, v.a. in Form von Zöllen, die teils auf den Schutz des Binnenmarktes, teils auf die Aussenhandelspolitik der Nachbarländer ausgerichtet waren oder auch rein fiskal. Zwecke verfolgten. Grundsätzlich kann F. von einem einzelnen Staat zwar angestrebt, aber nur in Zusammenarbeit mit seinen Handelspartnern realisiert werden.
Die Schweiz als kleine, exportorientierte Volkswirtschaft mit engem Binnenmarkt orientierte sich in ihrer Aussenhandelspolitik im 19. und 20. Jh. überwiegend am Prinzip des F.s, wobei die konkreten Handlungsspielräume jeweils von den wechselnden externen und internen Verhältnissen geprägt waren.
Autorin/Autor: Margrit Müller, Patrick Halbeisen
Abgesehen von der erzwungenen Schaffung eines Grenzüberwachungs- und Zollsystems im Rahmen der franz. Kontinentalsperre dominierte in der 1. Hälfte des 19. Jh. auf Grund der stark auf das Ausland ausgerichteten Industrien (v.a. Textilien und Uhren) das Interesse am Zugang zu den Weltmärkten die Handelspolitik der Kantone und der Tagsatzung. Der Bundesvertrag von 1815 stellte die kant. Souveränität in wirtschaftl. Belangen fast wieder vollständig her. Der von der Tagsatzung zur Finanzierung der eidg. Kriegskasse erhobene bescheidene Grenzzoll verfolgte keinerlei handelspolit. Ziele. Auch die kant. Zölle und Abgaben waren insgesamt niedrig und dienten v.a. fiskal. Zwecken. Zwar setzte um 1820 auch in der Schweiz eine Debatte über die Vor- und Nachteile von F. oder Schutzzöllen ein, doch scheiterten erste Versuche, mittels Kampfzöllen im Rahmen von Konkordaten eine Herabsetzung der franz. Schutzzölle zu erzwingen. Auch der von einigen Ostschweizer Grenzkantonen erwogene Anschluss an den Dt. Zollverein kam aus polit. Gründen nicht in Frage. Somit verblieben die von der Tagsatzung oder einzelnen Kantonen abgeschlossenen Verträge mit ausländ. Staaten als einziges Mittel der Aussenhandelspolitik.
Mit der Gründung des Bundesstaates wurde der Abschluss von Zoll- und Handelsverträgen mit dem Ausland Bundeskompetenz, die Binnenzölle aufgehoben und an die Landesgrenze verlegt. Der 1849 eingeführte erste eidg. Zolltarif bezweckte v.a. die Abgeltung der Einnahmenausfälle der Kantone und die Deckung der Bundesausgaben, erlaubte jedoch einen beschränkten Schutz des Gewerbes und besonders gefährdeter Industriezweige. Insgesamt hatten sich die Interessen der mehrheitlich freihändlerisch eingestellten Exportwirtschaft durchgesetzt, während die Anliegen der Schutzzöllner nur sehr begrenzt berücksichtigt worden waren.
Mit dem Mitte des 19. Jh. einsetzenden schrittweisen Übergang Grossbritanniens zum F. und dem Abschluss einer Serie von Freihandelsverträgen, die mit der Meistbegünstigungsklausel ausgestattet waren, veränderten sich die Bedingungen für den internat. Wirtschaftsverkehr in Europa nachhaltig. Auch die mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes stark sinkenden Transportkosten und das auf dem Bimetallismus gründende stabile internat. Währungssystem förderten das Wachstum des Welthandels.
Die Schweiz hatte grosse Mühe, sich in das System europ. Freihandelsverträge zu integrieren, weil sie aufgrund ihres niedrigen Zolltarifs den Handelspartnern kaum Kompensationen anbieten konnte. Ab Mitte der 1870er Jahre nahmen die protektionist. Tendenzen v.a. in Deutschland, Frankreich und Österreich zu. Auch in der Schweiz mehrten sich die Forderungen nach Schutzzöllen von Seiten der Landwirtschaft und des Gewerbes, aber auch von der Baumwollindustrie, die von der Krise der 1870er Jahre hart getroffen wurde. Der Bundesrat reagierte auf den externen und internen Druck mit einer mehrmaligen Revision des Zolltarifs in den 1880er und 90er Jahren. Mit diesen Kampfzöllen, die später mehrheitlich wieder gesenkt wurden, gelang es, die schweiz. Verhandlungsposition gegenüber dem Ausland zu stärken. Die Forderungen nach einer Politik der Importsubstitution mittels Schutzzöllen seitens der Landwirtschaft und des Gewerbes blieben vorerst weitgehend unberücksichtigt.
Autorin/Autor: Margrit Müller, Patrick Halbeisen
Der 1. Weltkrieg und der damit einhergehende Zusammenbruch des Goldstandards entzogen dem internat. Wirtschaftsverkehr die Grundlage weitgehend. Nach dem Krieg gestaltete sich die Rückkehr zu einem liberalen internat. Wirtschaftsverkehrs aufgrund der Kriegsfolgen und der instabilen polit. Situation schwierig.
Durch die Erhöhung der Zölle im Rahmen des Zolltarifs von 1921 wurden in der Schweiz nicht nur die Kriegsinflation ausgeglichen und neue Verhandlungspositionen gegenüber dem Ausland aufgebaut, sondern erstmals eigentl. Schutzzölle für die Landwirtschaft eingeführt. Zudem zwang die Finanznot den Bund zu einer Erhöhung der Fiskalzölle. Im Bereich der Währung waren mit der Wiedereinführung der Vorkriegsparität bereits Ende 1924 die Voraussetzungen für die Rückkehr zum liberalen Wirtschaftssystem der Vorkriegszeit günstig, andere Staaten hatten damit jedoch erheblich mehr Schwierigkeiten. Auch bei der Liberalisierung der Handels- und Zollpolitik konnten nur allmählich Fortschritte erzielt werden. So verhalf erst die 1927 vom Völkerbund nach Genf einberufene Weltwirtschaftskonferenz dem Meistbegünstigungsprinzip wieder zu allgemeiner Geltung.
Mit der durch die Weltwirtschaftskrise erzwungenen Abkehr Grossbritanniens vom Goldstandard im Jahre 1931 und der anschliessenden Serie von Abwertungen nationaler Währungen sowie der Einführung protektionist. Massnahmen im Güter- und Kapitalverkehr wurden die Liberalisierungsschritte der 1920er Jahre kurze Zeit später bereits wieder rückgängig gemacht. Auch die Schweiz wurde dadurch gezwungen, ihre am Prinzip des F.s orientierte multilaterale Handelspolitik weitgehend durch den "Bilateralismus" abzulösen, d.h. Zahlungs- und Clearingverträge mit einzelnen Staaten abzuschliessen (Clearing). Während des 2. Weltkriegs ergaben sich aufgrund der kriegswirtschaftl. Erfordernisse und der geostrateg. Lage zusätzl. Einschränkungen für den grenzüberschreitenden Handel.
Autorin/Autor: Margrit Müller, Patrick Halbeisen
Die institutionellen Voraussetzungen für die internat. Wirtschaftsordnung in der Nachkriegszeit wurden bereits 1944 mit dem Abkommen von Bretton Woods geschaffen, das mit der Einrichtung des Internat. Währungsfonds und der Internat. Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (Weltbank) auf die Wiederherstellung des freien multilateralen Handels zielte. Die Schweiz glaubte aufgrund ihrer wirtschaftl. Situation (Gläubigerland, konvertible Währung) vorerst nicht beitreten zu können; der Beitritt sollte erst 1992 erfolgen.
Die Liberalisierung der Weltmärkte und die Verbreitung des F.s erfolgten in der Nachkriegszeit jedoch nur schrittweise. Dabei sind im westeurop. Raum, wie bereits in der 1. Hälfte des 19. Jh., zwei teils gegenläufige Leitbilder für die internat. Handelspolitik festzustellen: Einerseits der im Rahmen der Organisation für europ. wirtschaftl. Zusammenarbeit OEEC (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) und des Allg. Zoll- und Handelsabkommens (GATT) angestrebte "globale F." (Welthandelsorganisation), welcher die Liberalisierung des Zahlungsverkehrs und den Abbau von Handelsbeschränkungen in möglichst vielen Ländern anstrebte, andererseits der Zusammenschluss europ. Nationalstaaten zur Schaffung eines grossen Binnenmarktes. Letzteres führte zur Bildung der auch polit. Zielsetzungen verfolgenden Europ. Gemeinschaft (EG, seit 1993 Europäische Union) und der auf rein wirtschaftl. Ziele ausgerichteten Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA).
Der am Prinzip des globalen F.s orientierte Abbau von Handelsschranken im Rahmen internat. Organisationen wurde von der Schweiz unterstützt. Der OEEC trat die Schweiz bereits 1948 bei. Ebenfalls von Anfang an war sie Mitglied der 1950 gegr. Europ. Zahlungsunion (EZU), die im zwischenstaatl. Handelsverkehr den Übergang vom Bi- zum Multilateralismus sowie eine Liberalisierung des Handels brachte. 1958 erfolgte der zunächst provisor. Beitritt zum GATT, wobei der einzige Vorbehalt dem Schutz der Landwirtschaft galt, ein Anliegen das von den meisten europ. Ländern vorgebracht wurde. Die Schweiz beteiligte sich auch an der Gründung der EFTA im Jahre 1960, hingegen bestanden gegenüber der EG erhebl. Vorbehalte, die v.a. politisch begründet wurden.
Seit den 1970er Jahren hat der weitgehend abgebaute Zoll auf Industriegütern und die nach dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems beschleunigte Deregulierung nationaler Kapitalmärkte die Weltwirtschaft nochmals entscheidend in Richtung globaler F. getrieben, wobei zunehmend bisher geschützte Bereiche der internat. Konkurrenz ausgesetzt wurden (Kapitalverkehr). Diese mit dem Begriff Globalisierung charakterisierte Entwicklung löst auf der einen Seite grosse Hoffnungen in Bezug auf weltweite Wachstumsimpulse aus, stösst auf der anderen Seite auf Grund des damit einher gehenden rapiden Strukturwandels und der kaum absehbaren Auswirkungen auf die Lebenswelt zunehmend auf öffentl. Kritik.
Autorin/Autor: Margrit Müller, Patrick Halbeisen