Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03634.jsonl.gz/3159

Schulsystem
Das togolesische Schulsystem ist eine Kopie des Vorbildes aus Frankreich, der früheren Kolonialmacht, aber beeinflusst durch die bescheidenen finanziellen Möglichkeiten des Landes:
Kindergarten nur in 3-4 grösseren Städten, oft schon für 3-4jährige Kinder, sehr teuer.
6 Jahre Primarschule,
Abschluss CEPD Certificat de fin d'études de l'Enseignement du Premier Degré.
Klassen CP I & II, CE I & II, CM I & II.
4 Jahre Bezirksschule/Collège,
Abschluss BEPC Brevet d'Etude du Premier Cycle du secondaire.
Klassen 6ème, 5ème, 4ème, 3ème.
In grösseren Städten gibt es bereits verschiedene Studienrichtungen: die 'CEG Collège d'enseignement général' , also allgemeine Studienrichtung und die 'Collèges techniques', die auf eine naturwissenschaftliche Studienrichtung vorbereiten.
3 Jahre Gymnasium/Lycée,
Abschluss Baccalauréat, kurz BAC ( entspricht Matura/Abitur)
Klassen 2ème, 1ère, terminale.
Auch an den Gymnasien gibt es ähnlich wie in Europa verschiedene Studienrichtungen. In Lomé und Kara stehen öffentliche, technische Gymnasien.
Die Klassen werden im Gegensatz zu den meisten europäischen Systemen ab dem Collège rückwärts gezählt. Weiter ist zu beachten, dass die Primarschule für weniger begabte Kinder nicht parallel zum Collège weitergeführt wird. Wer den Abschluss der Primarschule, das CEPD, nicht rechtzeitig schafft, kann nach den 6 Jahren Primarschule keine weitere Schule besuchen. 'Rechtzeitig' heisst: wer das CEPD schafft, aber älter ist als 13, darf seine Studien nicht mehr an einer öffentlichen Schule weiterführen.
Ein weiterer Unterschied zu vielen Europäischen Schulsystemen ist die Benotung. Die Bestnote ist eine 20. Das erlaubt natürlich eine feinere Abstufung als ein Notensystem von 6-1. In der Regel wird für ein Diplom eine Durchschnittsnote von 10 verlangt (entsprechend also einer 3 bei Bestnote 6).
Im Landesmittel bestehen häufig nur etwa 50% der Kinder die jeweiligen Prüfungen. Wer nicht besteht, kann oder muss repetieren und erhöht dadurch die Bestände der nachfolgenden Klassen.
Es gibt Jahre, in denen beim BAC weniger als 20% der Kandidaten und Kandidatinnen die Prüfungen bestehen. In Jahren mit besonders tiefen Erfolgszahlen kann die Regierung verordnen, dass auch Kinder mit einer Durchschnittsnote von weniger als 10 in die folgende Klasse aufsteigen dürfen.
Für das Weiterkommen in eine höhere Klasse zählt nur die Note an der Abschlussprüfung. Wer da einen schlechten Tag erwischt -vielleicht weil er krank ist- kann sich also nicht auf gute Noten während des Jahres abstützen.
Da vor allem in den grösseren Ortschaften die Klassenbestände enorm hoch sind (oft über 100 Schüler) und den Lehrern auch praktisch keine technischen Hilfsmittel zur Verfügung stehen (die meisten Schulzimmer selbst in der Hauptstadt Lomé haben gar keinen Stromanschluss), können die meisten Lehrer nur sehr selten Zwischenprüfungen während des Schuljahres durchführen. Viele Lehrer klagen auch, dass sie keine Kompetenzen hätten um die Durchführung der Hausaufgaben durchzusetzen. Dadurch haben Schüler und Lehrer nur wenig Übersicht über Fortschritte und Mängel in den einzelnen Fächern und sind nicht selten von den Ergebnissen der Abschlussprüfungen überrascht.
Erschwerend für die Erreichung einer qualitativ verbesserten Ausbildung wirkt sich auch aus, dass sehr viel Lehrkräfte kaum eine pädagogische oder sonst wie höhere Ausbildung genossen haben. An vielen Primarschulen unterrichten Lehrkräfte, die selber nicht einmal einen Collège-Abschluss mitbringen.
Ein anderes Hindernis auf dem Weg zu einer besseren Schule ist die Sprachenvielfalt in Togo (und vielen anderen afrikanischen Ländern): Es ist nicht denkbar, dass die Regierung dieses armen Landes Schulmittel in den über 30 Sprachen produziert, die im Land gesprochen werden. Das wäre auch deshalb gar nicht möglich, weil heute nur 9 dieser Sprachen auch geschrieben werden können. Also wird an allen Schulen ab dem 1. Schultag der Unterricht in Französisch erteilt. Französisch ist aber für sehr viele Kinder eine unbekannte Fremdsprache, was natürlich den Zugang zum Unterrichtsstoff wesentlich erschwert.
Allerdings führt diese Situation auch zu Erleichterungen: wer die Schule besucht hat, spricht wenigstens ein wenig Französisch und kann sich im ganzen Land verständigen - u.a. auch mit uns Ausländern.
Es gibt also hier noch sehr vieles zu Verbessern, aber es ist sicher gut, dass es die Schulen schon mal in dieser Qualität gibt.