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In unserer Reihe von luxuriösen Objekten zeigen wir Ihnen im
Oktober wieder ein ganz spezielles Objekt:
Korsett
Dieses reich mit Seide bestickte Korsett stellte für seine Besitzerin auf dem Lande einen echten Luxus dar, der wohl nur zu besseren Gelegenheiten getragen wurde. Deshalb ist das Korsett wohl erhalten geblieben.
Der Begriff des Korsetts stammt aus Frankreich. Aus dem Lateinischen corpus wurde der Körper französisch le corps genannt und zu le corpsette verkleinert, um das Leibchen zu benennen, woraus schliesslich "le corset" entstand. Es werden auch Begriffe wie Schnürleib oder Mieder verwendet. Wir sprechen hier von Objekten, die die Taille einengen und die Brust anheben. Mit der Schnürung konnte eng auf die gewünschte Figur geschnürt werden. Aber auch Haken und Ösen fanden Verwendung, was der Trägerin doch etwas mehr Luft verschaffte. Das ist aber ebenso eine Modeerscheinung wie der Umstand, dass das Korsett über der Unterbekleidung getragen werden kann - wie beispielsweise heute noch bei den meisten Trachten - oder aber unter der Bekleidung als Bestandteil der Unterwäsche.
Im Rokoko, aus dem unser Korsett stammt, war alles etwas geschwungener. Die Korsetts wurden dazu verwendet, alle Bereiche des weiblichen Oberkörpers ins rechte Licht zu rücken. Zur Versteifung wurden dünne Fischbeinstäbe eingesetzt. Unser Korsett ist mit wertvoller Seide bestickt und gehörte zur Oberbekleidung. Es ist mit Schulterträgern versehen und im Hüftbereich so gearbeitet, dass ein Übergang zum modischen Reifrock gebildet wird. Die geschnürte Taille wirkte so unglaublich schmal. Der vornehmen Dame half eine Zofe, die Rückenschnürung straff zu schliessen. Das einfache Volk behalf sich mit Miedern ohne Stützstäbchen und mit Frontschnürung. Viele Volkstrachten haben ihren Ursprung im Rokoko.
Interessant ist die Tatsache, dass heute die Korsetts noch immer viele Lieberhaberinnen und Liebhaber finden ... und das nicht nur am Mittelaltermarkt und in der Gothic-Scene!
Mineralwasserkrug
Dieser Steinzeugkrug erzählt von einem heute fast selbstverständlichen Luxus, nämlich Wasser aus fremden Landen zu importieren und hier zu trinken.
Schon sehr lange wird kohlensäurehaltiges Mineralwasser getrunken, früher allerdings ausschliesslich aus medizinischen Gründen in einer Kur. Bereits die alten Römer nannten Stellen, an denen sprudelndes, "tanzendes Wasser" aus der Tiefe an die Oberfläche drang - Aqua Saltare. Aus diesem Saltare wurde im Verlauf der Zeit Saltrissa und dann Selters. Den Begriff Selters kennen wir heute noch.
In Niedersachsen (D) erkannte man im 16. Jahrhundert nach ärztlichen Untersuchungen den monetären Wert des Wassers. Seit damals wurde es in Millionen von Steinzeugkrügen abgefüllt und in die Welt versandt. Eine Brunnenverordnung regelte den Verkauf. Auch mussten alle Krüge ein Siegel mit der Herkunftsbezeichnung tragen. Damit hat sich der Begriff Selters zum Gattungsbegriff für Mineralwasser etabliert, obwohl heute die meisten Wasser weder aus Selters stammen noch kohlensäurehaltig aus dem Boden sprudeln. "Künstliches Mineralwasser" ist nicht mehr und nicht weniger als mit Kohlensäure unter hohem Druck gesättigtes reines Wasser. Dieses Verfahren wurde bereits 1817 von einem deutschen Apotheker entwickelt. Und so verfeinert man auch heute noch die meisten "Mineralwasser".
Die braunen Wasserkrüge stammen alle aus dem Westerwald, genauer aus dem Kannenbäckerland mit seinen reichen Tonvorkommen. Dort wurden diese länglichen, zylindrischen Krüge hergestellt. Seit Ende des 19. Jahrhunderts trugen sie aber keine Stempel mehr, sondern nur noch Papier-Etiketten. Diese konnten leicht abgelöst und die Krüge wieder mit anderem gefüllt werden. Alle Steinzeugkrüge zeichnen sich durch Lichtundurchlässigkeit, eine besonders lange Kühlwirkung und Säurfestigkeit aus. Nach 1900 wurde Wasser jedoch nur noch in Glasflaschen abgefüllt. Und heute wird es vorwiegend in PET-Flaschen geliefert. Heutige Steinzeugkrüge enthalten alkoholische Erzeugnisse wie den Steinhäger und den berühmten Schötzer "Ur-Met".
Getarnter Toilettenstuhl
So alt wie die Menschheit ist das tägliche Bedürfnis, das schon lange nicht mehr nur in der freien Natur verrichtet wird. Diese täglichen Bedürfnisse mussten von den allermeisten Leuten bis nach dem zweiten Weltkrieg auf einem Plumpsklo auf der Laube vor dem Eingang zur Wohnung oder in einem Nebengebäude vor dem Haus verrichtet werden. Der Nachttopf bewahrte den Bedürftigen aber davor, im Winter oder des Nachts draussen im kalten und finsteren Klohäuschen sich und seinen Hintern der Kälte auszusetzen.
Zu dieser Zeit existierte jedoch bereits ein Toilettenstuhl, auch Nachtstuhl und früher Leibstuhl genannt, der vor allem von älteren und gebrechlichen Leuten benutzt wurde. Er bestand aus einer einfachen Sitzgelegenheit mit Armlehnen als Sicherung und einer Öffnung in der Sitzfläche. Unter dieser Öffnung enthielt der Stuhl einen Blech- oder Steingut-Topf, welcher die Fäkalien und den Urin auffing und mit einem Deckel verschlossen werden konnte. Während des komfortablen Sitzens in sicherer Position entfiel das umständliche Kauern über dem Nachthafen. Und der Stuhlgang und das Urinieren wurden so diskret in den eigenen warmen Räumen ermöglicht.
Unser Luxusobjekt ist ein solcher Toilettenstuhl und wurde seit Ende des 19. Jahrhunderts benutzt. Das Luxeriöse daran ist die geschickte Tarnung in einer Kommode, die mit einem Mechanismus für ihren Verwendungszweck geöffnet werden kann. Eine komfortable und sichere Benutzung ist gewährleistet. Das gefüllte Geschirr kann an seinem relativ dichten Ort belassen werden, bis eine diskrete Leerung des zugedeckten Nachthafens möglich ist.
Heute dürfen wir unsere Bedürfnisse in beheizten, belüfteten Räumen und spülbaren Toilettenschüsseln verrichten. Das ist für den grössten Teil der Erdbevölkerung noch nicht möglich!
Geldbeutel mit Scherenverschluss: links geschlossen, rechts geöffnet.
Mit der Erfindung des Geldes als handliches, unverderbliches und wertstabiles Tauschmittel wurde schon lange vor uns für die Gesellschaft ein dauerhaftes System geschaffen. Das Geld wurde zu einem Gegenstand des alltäglichen Handelns. Und zu den Dingen, die uns ständig umgeben, entwickeln wir eine persönliche Beziehung. Zu allen Zeiten schon bewahrten Menschen deshalb ihr Geld in individuell gestalteten Börsen, Beuteln und Portemonnaies auf und konnten und können es so gut mit sich führen.
Zu einem herausragenden und relativ unauffälligen Geldbehälter gehört sicher dieser Geldbeutel aus feinem Kettengeflecht mit verlöteten Ringen. Obwohl man ein relativ transparentes Geflecht zu sehen meint, bleibt der Inhalt gut verborgen. Auch bleibt einem der Verschluss des Beutels lange rätselhaft und man zweifelt daran, dass auch die alten grossen Fünfliber in diesem Beutel Platz fanden. Notengeld müsste dann wohl ganz klein zusammengefaltet hineingestopft und bei Gebrauch wieder mühsam herausgeklaubt werden? Von wegen! Der Verschluss bedient sich eines seit Jahrhunderten bekannten Systems, nämlich der sogenannten Nürnberger Schere. Mit diesen aus vernieteten Rippen gebildeten Scheren kann das Beutelchen weit und übersichtlich geöffnet werden. Noten und Kleingeld können entnommen und anschliessend wieder sicher verschlossen werden. Sogar andere kleine Objekte können darin aufbewahrt und sicher mitgetragen werden.
Dieser Geldbeutel konnte auch mittels einer Öse an einer Uhrenkette gesichert in einer Handtasche oder am Gewand befestigt werden ... was ja durchaus der Mode Mitte des 19. Jahrhunderts entsprach. Und etwa aus dieser Zeit stammt auch dieser Geldbeutel.
Bettflasche mit Schoppenwärmer
Luxus bezeichnet nicht nur eine Lebensart, sondern auch Objekte des täglichen Lebens, welche über das übliche Mass hinausgehen, was sich normale Mitmenschen leisten oder leisten können.
Dazu gehört sicher auch diese sehr spezielle Bettflasche in der Ronmühle, die neben der gebräuchlichen Funktion auch zwei sogenannte Ludel-Löcher aufweist. Ein uralter Begriff, der im 19. Jahrhundert noch verwendet wurde und heute weitgehend verschwunden ist. Die Ludel ist ein Glasfläschchen mit einem Schraubverschluss zum Ernähren der Säuglinge. Der darauf geschraubte Metallsauger bestand aus Zinn, vornehme Leute hatten Silbersauger, ganz arme Kinder hingegen mussten sich mit einem Läppchen zum Saugen begnügen. Erst viel später, nach 1870, ersetzten die ersten Gummisauger aus Amerika diejenigen aus Metall.
Unsere Zinn-Bettflasche besitzt übrigens auf der Standfläche eine Herstellermarke von Johann Jakob Schneck (1797-1858) in Basel, auch Schnegg geschrieben. Neben seinen bekannten Zinnwaren goss er auch Kirchenglocken.
Am Abend, wenn man zu Bett ging, wurde die Bettflasche in der Küche mit heissem Wasser gefüllt und das Bett damit wie mit einem Bügeleisen vorgewärmt. Danach musste die heisse Bettflasche mit Tüchern umwickelt werden, um sich nicht daran zu verbrennen. Sofort schlüpfte man zusammen mit der Bettflasche ins vorgewärmte Bett und ergab sich einem sanften Schlaf. Wenn nun eines der Kleinkinder hungrig erwachte, konnte die ebenfalls erwachte Mutter sogleich die Tücher von ihrer Bettflasche entfernen und im Ludel-Loch den Schoppen wärmen. Unsere Zinn-Bettflasche besitzt sogar zwei Vertiefungen, um Zwillinge gleichzeitig mit warmer Milch zu versorgen. Zehn Minuten später durften alle zufrieden weiterschlafen.
Glacemaschine von 1891
Ein spezielles Ding ist diese amerikanische Glacemaschine in der Küche der Ronmühle. Das ist ein "Cream Freezer Shepard's Lightning" von 1891. Modernere Varianten davon gab es bis in die späten 1950er Jahre. Eine erste Eismaschine liess sich 1843 die amerikanische Hausfrau Nancy Johnson patentieren. 1851 kam der Milchhändler Jacob Fussell in Baltimore auf die Idee, überschüssigen Rahm als Speiseeis zu verarbeiten. Er gründete die erste Fabrik für Speiseeis in Seven Valleys, Pennsylvania. Ende des 19. Jahrhunderts wurden auch in der Schweiz diese amerikanischen Maschinen verwendet, erst in bessergestellten Privatküchen, später mit grösseren Modellen auch in Käsereien.
In einem robusten Holzeimer steht ein vernickelter Kühlkübel aus Metall, oben drauf sitzt ein Getriebe mit einer Kurbel. Damit kann manuell das Rührwerk im Inneren des Blechbehälters angetrieben werden.
Man füllte eine Mischung aus Eiern, Milch, Rahm, Zucker und Früchten in den verschliessbaren Kühlkessel mit seinem mechanischen Rührwerk, stellte diesen dann in den Holzeimer und füllte diesen mit Natureis und Salz auf. Mit dem beigegebenen Salz setzte man den Taupunkt des Eises herab und somit auch die Temperatur. Nun musste etwa eine halbe Stunde fleissig an der Kurbel gedreht werden. Die Kälte liess die Mischung im Inneren des Kübels gefrieren. Durch das Rühren blieb das Speiseeis geschmeidig und schmeckte sicherlich nicht nur den Kindern gut.
Eisplatten wurden im Winter aus zugefrorenen Weihern gesägt und in den Eiskellern der Brauereien aufbewahrt. Zusammen mit dem Bier wurden diese Platten nach Hause geliefert und dort im Kühlschrank aus Holz in einer Blechwanne aufbewahrt. Der Familienvater musste dann sein Bier wohl etwas schneller trinken, wenn sein "Bier"-Eis für Glace gebraucht wurde!