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Die Hirten
Der „guten Hirte“ ist im Christentum eine der ältesten und verbreitetesten Bezeichnungen für Jesus Christus. Dem Hirten-Bild begegnet man aber schon in vorneutestamentlicher Zeit. Es hat – als Sinnbild für Nomadentum und Hüten und Beschützen – hat meist einen religiösen Symbolcharakter. Auch in der Bibel ist das Hirtenbild weit verbreitet, schon im Alten Testament. Abel, Abraham, Isaak, Jakob waren Hirten, und Moses wurde „als Hirte seines Volkes“ angesehen, auf dem Weg ins verheissene Land Kanaan.
Wir finden etwa 15 verschiedene Hirten in der Krippe, aber auch einen Hirtenwagen, drei Feuerstellen, einen Bori (Steinhütte), Hirtenhunde, Schafe und Ziegen…
Die frühe Bindung der Menschen an Ziegen und Schafe ist uns kaum mehr bewusst. Schon rund 5‘000 Jahre vor Christi hat sich in Südfrankreich (am Mittelmeer) so etwas wie eine bäuerliche, sesshafte Hirtenkultur entwickelt und von da aus über ganz Europa ausgebreitet. Man weiss heute, dass schon zu diesem frühen Zeitpunkt ein reger Handels-Austausch mit Gütern über das Mittelmeer stattgefunden hat, wobei der Seefahrt eine grosse Bedeutung zukam. Ziegen (und später auch Schafe) konnten leicht auf den Schiffen mitgenommen werden.
Die entscheidende Stelle für die Verbindung von Hirten mit der Geburt Christi finden wir aber im Evangelium von Lukas (geschrieben zwischen 80 und 90 Jahren nach Christus): Maria gebar ihren Sohn in einem Tierstall, wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe. Zur gleichen Zeit hüteten Hirten ihre Herde auf dem Feld. Da erschien ihnen ein Engel Gottes, der sie aufforderte, sich auf den Weg nach Bethlehem zu machen, wo soeben der angekündigte „Retter der Welt“ auf die Welt gekommen ist (Lukas 2,1-19)
Diese Geschichte ist wohl der Grund, dass die Hirten in vielen (fast allen) Krippendarstellungen zu finden sind, in der südfranzösischen Santonskrippe, in den Holzschnitzereien aus dem Grödnertal, der neaplitanischen Presepe etc. Der religiöse Charakter tritt in der Santonskrippe – wie bei allen Santonsfiguren – in den Hintergrund. Die Hirten sind ein Teil südfranzösischer, ländlicher Kultur. Deshalb sind sie in dieser Krippe überall verteilt, nicht nur in der Nähe des Stalls. Sie hüten Schafe, wechseln zu anderen Weiden, sie Kochen, essen, schlafen…
Für Marcel Pagnol sind die provenzalischen Hügel, die Quellen und Grotten, die Hirten und Schafe, ein gutes Stück Heimat („Kindheit in der Provence“). In vielen Elementen der Krippe wird
versucht, ein Stück nachzuzeichnen (deshalb auch die Grotte, der Wasserfall etc.). Pagnol träumte davon, am Fusse dieser Hügel ein provenzalisches „Hollywood“ aufzubauen (hier drehte er auch
einige seiner Filme). Der Bau der Krippenlandschaft übernimmt vielleicht eine ähnliche Funktion. Ich jedenfalls hoffe es.