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Nathaniel Gray Sutanto gehört für mich zu den wichtigsten Theologen der jungen Generation weltweit. Durch seine Herkunft als Asiate (Indonesien), seine Studien in den USA und Europa und sein aktuelles Engagement in Washington DC vereint er eine globale Perspektive mit einem feinen Gespür für die kulturell drängenden Fragen des Westens. Für die Antworten schöpft er u. a. aus der ergiebigen Quelle Herman Bavincks. Dieser Podcast (45 Minuten) aus dem Jahr 2020 kurz nach seiner Ernennung in Washington bringt ihn uns als Person näher. Ab Minute 7 führt er aus, wie er zu seiner Disziplin “Systematische Theologie” gelangt war. Man lese zudem den von ihm verfassten TGC Aufsatz zum Begriff “Evangelium”.
Gray Sutanto schafft es, komplexe Themen verständlich und tiefgründig gleichzeitig zu beantworten. Zum Einstieg empfehle ich den Podcast “Herman Bavinck and the Modern World” (55 Minuten). Der Interviewer verfügt über wenig Vorwissen zum niederländischen Vordenker und stellt präzise Fragen (Min 3-14: Aktualität Bavincks, Konturen des Begriffs Weltsicht: untergründige Vorannahmen, moralische Intuitionen, einendes Zentrum; ab Min 16: die Naivität des absoluten Ausgangspunktes der Sinneswahrnehmung; ab Min 20 zum Begriff der Allgemeinen Offenbarung; ab Min 25 zum Schriftverständnis Bavincks inkl. der Analogie zur Menschwerdung Jesu und dem Verhältnis zu den Naturwissenschaften; ab Min 31 Bavincks Auseinandersetzung mit den Entwicklungen der liberalen Theologie des ausgehenden 19. Jahrhunderts inkl. einer wunderschönen Argumentation zur modernen Definition des Verstandes in den Min 34-36; zirkuläres Denken und sola scriptura ab Min 38; Einordnung der Bekenntnisse und ein Vergleich zur römisch-katholischen Argumentation ab Min 40; die Rolle der Subjektivität und religiöser Erfahrung als letztem Bezugspunkt ab Min 45).
Als Weiterführung dazu empfehle ich Gray Sutantos Vorlesung “Bavinck’s Christian Worldview” (31 Minuten; 2020) begleitend zu dem gleichnamigen, neu übersetzten und kommentierten Werk (1904). Kombiniert mit der neuen Übersetzung “Philosophy of Revelation” (1908) und dem wichtigen Text “Christianity and Science” (1904) liefert es eine solide Grundlage in der Thematik “Glaube und Wissenschaft”.
Gray Sutantos Dissertation “God and Knowledge” ist 2020 in überarbeiteter Form erschienen. Eine ausführliche Rezension meinerseits wird in nächster Zeit in Glauben und Denken heute erscheinen. Eine eher knapp gehaltene Rezension ist bei Themelios veröffentlicht worden, eine ausführliche von Gijsbert van den Brink (VU Amsterdam).
Gray Sutanto ist auch Mitautor der neu erschienenen theologischen Einführung zum Neo-Calvinismus (Themelios; Acton; eigene Rezension folgt). Ein hilfreiches Interview am RTS Washington (36 Minuten), ein weiteres auf dem reformedforum.org (80 Minuten) sowie mehrere Folgen im Podcast “Grace in Common” sind zu empfehlen (Is Neo-Calvinism Theological?; General Revelation and Reason; Neo-Calvinism and Scripture; Creation and Recreation; The Image of God and the Fall of Man; Common Grace and the Gospel).
Ein weiterer hilfreich “Ausflug” stellt die akutelle Diskussion um den Bezug Timothy Kellers zu Bavinck dar. Kurz: Über den Podcast mit Keller habe ich berichtet, ebenso über den Beitrag von Gray Sutanto Doktorvater Eglinton an der kürzlich veranstalteten Konferenz in den Niederlanden.