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Er hat ein Hotelimperium gegründet und das Wort Luxus neu definiert. Nicht schlecht für das 13. Kind eines Schweizer Bergbauern. César Ritz starb vor genau 100 Jahren.
"Wenn du traurig bist und nicht weisst, wohin du gehen sollst, warum gehst du dann nicht dorthin, wo die Mode sitzt: ins Ritz." Jeder kennt zumindest den Titel von Irving Berlins Lied von 1927 über elegante und dekadente New Yorker, aber nur wenige kennen den Mann, dessen Name heute für "ostentativer Luxus" steht.
César Ritz wurde 1850 in Niederwaldexterner Link geboren, einem Dorf im Kanton Wallis.
Als Junge hütete Ritz die Schafe seines Vaters. Nach der Schule begann er im Alter von 15 Jahren eine Lehre als Sommelier in einem Hotel in der Nähe von Brig. Es war nicht der grosse Durchbruch. "Du wirst es nie schaffen", sagte sein Chef beim Abschied. "Man braucht ein besonderes Flair in der Hotellerie und – entschuldige, wenn ich das sage – du hast es nicht."
Das entmutigte den 17-jährigen Ritz nicht, der zugab, "viel Ehrgeiz, aber wenig Geld" zu haben. Er ging nach Paris, wo er als Kellner arbeitete und im Voisin landete, dem angesagtesten Restaurant der damaligen Zeit, wo sich die Promis trafen.
Er hatte ein hervorragendes Gedächtnis und machte es sich zur Aufgabe, herauszufinden, was ein Gast mochte: Welches Essen, welchen Wein, welche Musik. Der Prinz von Wales, der spätere König Edward VII, sagte einmal: "Ritz, du weisst besser als ich selbst, was ich mag. Stell einfach ein Abendessen nach meinem Geschmack zusammen."
Später kehrte Ritz in die Schweiz zurück, um das Hotel Rigi Kulm und das Grand Hotel National zu leiten, beide mit Blick auf den Vierwaldstättersee. Dort wurden seine Fähigkeiten und seine Liebe zum Detail wahrgenommen und anerkannt.
"Der Kunde hat immer Recht"
Fortan leitete er im Sommer Schweizer Hotels, und im Winter folgte er der Kundschaft aus der europäischen High Society ans Mittelmeer, wo er Hotels in Nizza, San Remo und Monte Carlo leitete.
In Monte Carlo entdeckte er das Talent des französischen Kochs Auguste Escoffier, der heute als Vater der französischen Küche gilt. Er bat ihn 1880, die Küche des neuen Grand Hôtel zu leiten. 1887 eröffneten sie gemeinsam ein Restaurant in Baden-Baden in Deutschland und zogen für etwa zehn Jahre nach London, wo sie das Savoyen und dann das Carlton leiteten.
1898 eröffnete das erste wirklich luxuriöse Hotel der Welt – das Hôtel Ritz – an der Place Vendôme in Paris. Es folgten 1905 das Ritz Hotel in London und ein Jahr später das Ritz Hotel in Madrid.
Ritz war der Erste, der sagte: "Der Kunde hat immer Recht." Sein Kodex war: Alles sehen, ohne zu schauen; alles hören, ohne zu lauschen; aufmerksam sein, ohne unterwürfig zu werden; vorausschauend handeln, ohne anmassend zu sein. "Wenn sich ein Gast über ein Gericht oder den Wein beschwert, entfernen Sie es sofort und ersetzen Sie es, ohne Fragen zu stellen."
Er sparte an nichts, wenn es um das Essen ging. Zudem gehörte es zu seiner Strategie, das zu kochen, was Frauen mögen – schöne, elegante Frauen spielten eine immer grössere Rolle in den Speisesälen der grossen Hotels. Zuvor waren aristokratische Frauen es nicht gewohnt, in der Öffentlichkeit zu dinieren.
Doch trotz all dieser Erfolge und der Anerkennung litt Ritz unter Depressionen. Seine französische Frau Marie-Louise schrieb, dass er sie jeweils fragte: "Was habe ich erreicht? Nichts." Nach einem Nervenzusammenbruch im Jahr 1902 arbeitete er während den letzten 15 Jahren seines Lebens kaum noch.
César Ritz starb am 26. Oktober 1918 im Alter von 68 Jahren in einer Klinik in Küssnacht am Rigi am Vierwaldstättersee – wenige Wochen vor dem Ende des Kriegs, der einen Grossteil Europas zerstört hatte. Ritz wurde in Paris begraben, aber seine Überreste wurden später nach Niederwald zurückgebracht. Dort können Besucher heute dem "Lebensweg César Ritzexterner Link" folgen, der die Meilensteine des berühmten Bergbauernsohnes nachzeichnet.
(Übertragung aus dem Englischen: Sibilla Bondolfi), swissinfo.ch