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Bucher war vor 19 Jahren im Final über 800 m der klare Favorit und wurde dieser Rolle auf souveräne Weise gerecht. Nachdem der Kenianer Wilfred Bungei für schnelle erste 400 m (50,41) verantwortlich gezeichnet hatte, übernahm der heute 43-Jährige auf der Gegengeraden der zweiten Runde die Führung und liess den Konkurrenten keine Chance. Mit einer Zeit von 1:43,70 Minuten betrug der Vorsprung auf Bungei 85 Hundertstel. Der Final ist so verlaufen, wie ich es mir in meinen schönsten Träumen ausgemalt hatte, sagte Bucher danach.
Hätte Bungei nicht für Tempo gesorgt, hätte der Schweizer das selber gemacht. Schliesslich galt es zu verhindern, dass starke Sprinter wie der Deutsche Nils Schumann, der Pole Pawel Czapiewski und der Südafrikaner Hezekiel Sepeng ihre Endschnelligkeit ausspielen können. Bucher wollte nicht wie ein Jahr zuvor an den Olympischen Spielen in Sydney eine Enttäuschung erleben. Im damaligen Final war er wie in Edmonton als Jahresbester angetreten. Nach der langsamen ersten Runde (53,43) wurde er vom später disqualifizierten Italiener Andrea Longo rund 200 m vor dem Ziel aus der Bahn auf den Rasen gedrückt. Zwar ging Bucher als Zweiter auf die Zielgeraden, die verlorene Kraft fehlt ihm jedoch im Endspurt und er fiel noch in den 5. Rang zurück - Gold ging an Schumann (1:45,08).
Trotzdem verbindet er gute Erinnerungen mit den Olympischen Spielen 2000. Bucher haderte nicht, viel mehr gab ihm der 5. Platz den entscheidenden Schub für den letzten Schritt an die Weltspitze. Das Ergebnis ist bekannt, 2001 gewann er nicht nur WM-Gold, sondern er dominierte in diesem Jahr quasi nach Belieben. Er sicherte sich als erster Schweizer den Gesamtsieg im Grand Prix, holte einen Anteil am Jackpot der damaligen Golden League und schaffte bei Weltklasse Zürich mit 1:42,55 Minuten den noch heute gültigen Schweizer Rekord über 800 m - mit dieser Zeit ist er in der ewigen Bestenliste die Nummer 17. Als Belohnung für die starken Leistungen wurde er zum Schweizer Sportler des Jahres und zu Europas Leichtathlet des Jahres gekürt.
Bucher war bis dahin nach einem langsamen und konsequenten Aufbau - er kam über die Ausdauer auf die 800 m - ohne ernsthafte Verletzung geblieben. Auf diesem Niveau braucht es jedoch wenig, bis es auf die negative Seite kippt. Das bekam Bucher zu spüren - ein Stauchungsbruch führte zum Karriereknick. Zwar sicherte er sich 2002 trotz Trainingsrückstands in München noch EM-Silber, es folgten jedoch weitere Verletzungen. 2006 legte er eine Wettkampfpause ein, um sorgfältig aufzubauen, dennoch stellten sich Mitte April 2007 Beschwerden an der linken Ferse ein. Die Diagnose: starke Reizung der Achillessehne mit drohendem Teilabriss aufgrund chronisch starker Belastung im Sport und aufgrund einer ausgeprägten Haglund-Ferse - oder anders ausgedrückt, der Knochen drückte auf die Sehne und umgekehrt. Bucher entschied sich gegen eine Operation und trat vom Spitzensport zurück.
Das Rampenlicht war für ihn stets ein notwendiges Übel, er kam sich manchmal vor wie ein Tier im Zoo. Das Privatleben liess er aussen vor, was durch den Eintrag auf Wikipedia unterstrichen wird, dass er drei Kinder hat, dabei sind es vier. In diesem Jahr erhielt er aufgrund der Coronavirus-Pandemie einige Anfragen für Interviews, er schlug jedoch alle aus und möchte dies im Moment bis auf Weiteres nicht ändern. Vielmehr setzt er seine Energie neben der Familie für den Job ein. Im November 2013 gründete er mit seinem Jugendfreund Dominik Meier die Allaleen AG, im März 2014 lancierten die beiden erfolgreich zakwatch.ch, sie vertreiben Uhren, Schmuck und Accessoires. Zudem eröffneten sie in Luzern ein Uhrengeschäft. Zwar sei es als Spitzensportler eine coole Zeit gewesen, doch es hat sich auch vieles relativiert. Nun zählen andere Dinge im Leben, so Bucher.
(sda)