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Das älteste Kloster des Abendlandes – die Abtei St-Maurice feiert ihr 1500-jähriges Bestehen
Das seit 1500 Jahren ständig bewohnte und somit älteste christliche Kloster weltweit feiert ein ganzes Jahr lang sein Bestehen: die Abtei St-Maurice im Unterwallis. Als religiöses und kulturelles Erbe ist es von unschätzbarem Wert und steht natürlich unter Denkmalschutz.
Vom 22. September 2014 bis zum 22. September 2015 dauern die Feierlichkeiten, zu denen auch Papst Franziskus eingeladen war. Er wird jedoch, sehr zum Bedauern der Veranstalter, leider nicht persönlich anreisen.
Saint-Maurice – eine politische Gemeinde im Wallis mit reicher Geschichte
Saint-Maurice liegt im Kanton Wallis und wird im Norden durch die Rhone begrenzt. Die strategisch günstige Lage am Eingang des oberen Rhonetales weckte schon das Interesse der Römer. Diese eroberten etwa um 15 v. Chr. den Ort und errichteten eine Zollstation sowie Militärposten. An einer der grossen Handelsstrassen von Italien nach Germanien gelegen, lohnte es sich, hier Abgaben von den Händlern zu erheben. Im 3. Jahrhundert waren mehrere römische Legionen stationiert. Eine davon wurde von dem Heiligen Mauritius angeführt.
Mauritius, ein römischer Offizier und Christ, stammte ursprünglich wahrscheinlich aus Theben, dem heutigen Luxor, in Ägypten. Eine Statue in der Kathedrale in Magdeburg (Deutschland) zeigt Mauritius als schwarzen Mann. Es heisst, dass er gemeinsam mit seiner Truppe Ende des 3. Jahrhunderts den Märtyrertod gestorben sei, da er sich dem Befehl des Kaisers, gegen die Christen vorzugehen, widersetzt hatte. Die sterblichen Überreste der Männer wurden zu einem Heiligtum in einem Felsen nahe des Ortes Saint-Maurice gebracht.
In ganz Europa gibt es ca. 800 dem Heiligen Mauritius geweihte Kirchen.
Anfang des 6. Jahrhunderts liess König Sigismund von Burgund durch Burgunder Mönche in Saint-Maurice ein Kloster errichten. Das Jahr 515 war das Gründungsjahr der ältesten Schweizer Abtei. Diese zog gleich nach ihrer Gründung viele Pilger aus den Nachbarländern an. Auch immer mehr neue Bewohner liessen sich im Ort nieder. Die Geschichte von Saint-Maurice ist deshalb eng mit jener der Abtei verbunden. Hiess der Ort ursprünglich noch Agaune, erhielt er im 9. Jahrhundert zu Ehren Mauritii den Namen Saint-Maurice d’Agaune.
Mehrfach wurde die Stadt überfallen und geplündert. 574 waren es die Langobarden, im 10. Jahrhundert die Sarazenen, die über den Ort herfielen. Dass der Stiftungsschatz der Abtei erhalten blieb und nie erbeutet wurde, gilt als Wunder.
Saint-Maurice ist heute bekannt für seine Mauritius-Verehrung, vor allem aber kennt man das Städtchen natürlich wegen der Abtei und deren unermesslichem Schatz. Sehenswert ist auch das Schloss mit dem Museum. Mehrere Bildungseinrichtungen und religiöse Institutionen haben ihren Sitz im Ort. Freilich gäbe es noch viel mehr über diese geschichtsträchtige Stadt zu berichten, ich möchte mich aber im Folgenden auf die Abtei St-Maurice und das zu ihr gehörende Kloster beschränken.
Wertvolle Zeugen der Geschichte des Christentums
Während wir alle früher im Geschichtsunterricht die einzelnen Epochen voneinander getrennt und abgeschlossen behandelten, erleben wir an einem solchen Ort, wie sie fliessend ineinander übergehen. Die Stelle, an der die Abtei errichtet wurde, war bereits viel früher ein römisches Heiligtum. Alte Gedenksteine am Eingang des Klosters und ein uralter Steinaltar werden bis heute gehütet.
Nachdem der Burgunderkönig Sigismund 515 das Kloster und eine grössere Kirche hatte errichten lassen, wurden im Laufe der Jahrhunderte weitere Gotteshäuser erbaut, so dass die Anlage heute über acht Kirchen verfügt. In der gesamten Anlage sind unschätzbare Zeitzeugen christlicher Geschichte zu sehen. Dazu gehören Grabsteine, Mosaike, einmalig schöne Kirchenfenster, beeindruckendes Mobiliar sowie viele Kult- und Kunstgegenstände.
Weitere Sehenswürdigkeiten sind die Katakomben aus dem 7. Jahrhundert, durch die man zu archäologisch wichtigen Ausgrabungsstätten gelangt. Hier fand man Zeitzeugen aus der Römerzeit und aus der Zeit der urchristlichen Kirche. Ebenfalls sehenswert sind das Taufbecken aus dem 4. Jahrhundert und der kleine Kreuzgang.
Der Stiftsschatz – einer der reichsten Kirchenschätze der Welt
Das Kloster St-Maurice hütet einen der weltweit reichsten Kirchenschätze. Es wird, wie bereits erwähnt, als Wunder bezeichnet, dass er tatsächlich bis heute vollständig erhalten blieb. Schliesslich musste die Abtei nicht nur Brände und Felsstürze verschmerzen. Im Laufe der langen Zeit waren so manche Vandalen an dem unermesslichen Schatz interessiert. Sogar Napoleon wollte sich bereichern. Auch ihm gelang es nicht, denn die Mönche wurden rechtzeitig gewarnt und konnten die einmaligen Reliquien verstecken. Als Kaiser Napoleon eintraf, schien das Kloster unbewohnt, und der Abt, welcher damals dort seines Amtes waltete, bestätigte dies sogar. Diese Notlüge wurde ihm mit Sicherheit verziehen!
So befinden sich bis zur heutigen Zeit beispielsweise ein Gefäss aus dem 1. Jahrhundert, eine goldene Wasserkanne aus dem 8. Jahrhundert (ein Geschenk Karls des Grossen), der Sigismund-Schrein und viele teils uralte Kultobjekte in der Schatzkammer des Klosters.
Die heutige Situation des Klosters
Im Laufe der 15 Jahrhunderte, in welchen das Kloster St-Maurice ohne Unterbrechung von Mönchen bewohnt war und noch immer ist, gab es natürlich gute und nicht so gute Zeiten. 1500 Jahre lebendige Geschichte können in einem Artikel nur in sehr stark gekürzter Form wiedergegeben werden. Es finden im Jubiläumsjahr die verschiedensten informativen Veranstaltungen statt, die zu besuchen sich unbedingt lohnt!
Die heute noch im Kloster lebenden 42 Chorherren und vier Konversen treffen sich viermal täglich zum Chorgebet. Die Abtei betreut mehrere Pfarreien in der Umgebung. Als Territorialabtei untersteht St-Maurice direkt dem Heiligen Stuhl. Mehr als 1000 Schülerinnen und Schüler besuchen das Kollegium des Klosters. Wie in allen Schweizer Klöstern gibt es allerdings auch hier ein Nachwuchsproblem. Sollte der Klosterbetrieb nach 1500 Jahren ein Auslaufmodell sein? Daran glaubt der gerade neu gewählte Abt Jean Scarcella nicht. Einerseits bekommt St-Maurice aktuell sehr viel Aufmerksamkeit durch die Feierlichkeiten, anderseits liegt es direkt am Pilgerweg der Via Francigena.
Auch die UNESCO würdigt das Engagement der Abtei in Bezug auf Völkerverständigung und die internationale Zusammenarbeit für Respekt und Frieden. Sie beteiligt sich an den Feierlichkeiten, die noch bis zum 22. September dieses Jahres andauern werden und die 1500-jährige Abtei würdigen.
Informationen für Besucher
Besucher sind, ausser an religiösen Feiertagen, immer Samstag und Sonntag von 13.30 bis 17.30 Uhr sowie von Dienstag bis Freitag von 10.00 Uhr bis 17.30 Uhr willkommen.
Besichtigt werden können der Kreuzgang, die Katakomben mit den archäologischen Ausgrabungsstätten, die Basilika sowie der Stiftsschatz. Im Eintrittspreis von 14 Franken für erwachsene Besucher ist der Audioguide in mehreren Sprachen inbegriffen.
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