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Im Jahr 2016 exportierte der Kanton Tessin Waren im Wert von 6,6 Mrd. Fr. ins Ausland. Das sind knapp 23% des Tessiner BIP, das für 2016 auf 28,5 Mrd. Fr. geschätzt wird. Verglichen mit der Schweiz, deren Güterausfuhren 32% des BIP ausmachen, ist das ein tiefer Wert. Aber diese Zahl verdeckt eine turbulente Entwicklung.
Exportboom dank Bilateralen
Von 1995 bis 2008 konnte das Tessin seine wertmässigen Warenexporte verdreifachen, und besonders ab 2002 setzten sie zum Höhenflug an. Das Tessin war ein Nutzniesser der bilateralen Verträge mit der EU, die damals in Kraft traten. Die ehemals umständlichen EU-Handelsbeziehungen wurden dank dem Abkommen über die technischen Handelshemmnisse erleichtert. Davon profitierten vor allem die KMU, denn für sie fallen zumeist die Fixkosten von technischen Handelshürden (wie zum Beispiel Konformitätsprüfungen von Produktnormen) mehr ins Gewicht. Heute sind 42% der Tessiner KMU auch Exportfirmen. Sicher half auch der Franken, der Mitte der 2000er Jahre als unterbewertet galt. In nur zehn Jahren konnten die Ausfuhren nach Italien verdoppelt, jene ins restliche Europa fast verdreifacht werden. Zusätzlich wurden die USA und Asien als Tessiner Exportmärkte entdeckt. Überdies profitierten die Konsumenten, denn auch die Importe aus Italien zogen stark an.
Einbruch des Italiengeschäfts ab 2009
Dem Boom folgte der Kater. Die Finanz- und die Euro-Schuldenkrise, die Frankenaufwertung und die Sklerose Italiens warfen die Tessiner Exporte von 2009 bis 2015 zurück. Das Italiengeschäft brach massiv ein und erholte sich seither nicht mehr. Immerhin konnten die Handelsbeziehungen mit den USA weiter ausgebaut werden, und auch in die EU exportiert das Tessin heute noch immer doppelt so viel wie 1995. So kommt es, dass mittlerweile nur noch 17% der Exporte nach Italien gehen, 39 % hingegen ins restliche Europa und 22% in die USA. Die reduzierte Abhängigkeit von Italien dürfte die Tessiner Exporte künftig stabilisieren. Noch ausbaufähig erscheint mit einem kombinierten Anteil von 16% (2016) hingegen das Asiengeschäft.
Der Strukturwandel ist in vollem Gange
Diese turbulente Geschichte veränderte auch den Exportmix nach Branchen. Krise und Frankenaufwertung zogen vor allem die konjunktur- und preissensitiven Ausfuhren von Textilien und Kleidern in Mitleidenschaft. Sie machten 2016 noch 12% (1996: 18%) des Gesamtvolumens aus. Aus gleichem Grund sind die Ausfuhren der MEM-Branche auf dem Rückzug, ihr Anteil sank von 32% (1996) auf 21% (2016). Die grosse Gewinnerin war die Pharmaindustrie, die mittlerweile 42% der Tessiner Exporte bestreitet. Dazu kommen Präzisionsinstrumente aus dem Medtech-Bereich, die 10% zum Export beitragen. Dieser Erfolg verdankt sich nicht zuletzt der Erschliessung der USA als Absatzmarkt. Dazu ist der kleine Tessiner Pharma-Cluster viel mehr von KMU geprägt als etwa der Basler.
Dieser Beitrag ist in «avenir spezial» zum Tessin vom Dezember 2017 erschienen.