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Caution Wet Paint
von Dorothea Rust
publiziert auf APRESPERF — Plattform für Texte zu Performances / Text, 2016
Dorothea Rust schreibt im Auftrag von Füsun Ipek.
Sie hat sie gefragt, ob sie etwas über ihre Performance «Caution Wet Paint» am ACT (Performance Festival der Schweizer Kunsthochschulen) Basel, auf dem Gelände Campus der Künste, im April 2016 gezeigt, schreiben würde. Dorothea Rust hat auch Bezug genommen auf zwei Vorgängerinnen- Performances von Füsun Ipek mit dem gleichen Titel: am ACT Zürich der ZHdK im Toni- Areal, im April 2016, und am LEGS im Corner College Zürich, im Februar 2016.
Mit einem dicken Pinsel und roter Acryl-Farbe malt Füsun ein rotes Quadrat direkt auf die Wand. Wie ich ihr zuschaue, habe ich das Gefühl, das Quadrat sei auf der grossen Wand zu klein geraten. Deswegen sieht es vielleicht auch eher wie ein Rechteck aus. Füsun malt vom Rand her, also von aussen nach innen. Durch zwei Aussparungen entstehen nicht ‚ein’ Halbmond und ‚ein’ Stern, sondern ‚der’ Halbmond und ‚der’ Stern der türkischen Fahne. Diese Zeichenbotschaft kommt bei uns, die wir in einem Halbkreis ziemlich nahe um sie herumstehen, sofort an. Jetzt nimmt Füsun weisse Farbe und übermalt alles. ‚Achtung - Frisch gestrichen!’ gilt hier nicht, denn Füsun pinselt sofort über die weisse Farbe im oberen Drittel des Rechtecks einen roten Balken und im unteren Drittel einen grünen Balken. Ergo bleibt im mittleren Drittel ein weisser Balken. Sie muss die Farbe dick auftragen, denn Rot, Weiss und Grün verschmieren, es entstehen unscharfe, unklare Farbbalken. Wie durch Nebelschwaden hindurch erkenne ich allmählich Form und Farben der ungarischen Flagge. ...