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Ottokars Cinétips
Das Genie im Beton-Sarg
Vor 30 Jahren, am Weihnachtstag, dem 25. Dezember 1977, starb Charlie Chaplin in der Schweiz und wurde danach zwei Mal begraben - ein Kriminalfall mit chaplinesken Zügen
Von Ottokar Schnepf
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Das grösste Genie der Filmgeschichte in einer seiner grossartigen filmischen Umsetzungen seiner präzisen Beobachtung der Zeit: «Modern Times» - der Mensch, wie er ins Räderwerk der Maschinen und Technik gerät. Foto: Still Nr. 141 aus dem Chaplin-Archiv «Modern Times © Roy Export Company Establishment 2007», mit freundlicher Genehmigung von Claire Byrski, London.
Doch dem friedvoll in seinem Alterssitz am Genfersee verstorbenen Tramp der Filmgeschichte stand statt der ewigen Ruhe noch ein weiteres makabres Abenteuer bevor, das er zwar nicht mehr verfilmen konnte, aber als chaplineskes Kinostück durchaus denkbar gewesen wäre.
Zwei Monate nach Chaplins Beerdigung in Vevey fand der morgens zur Arbeit erschienene Friedhofgärtner dessen Grab geöffnet und ohne Sarg vor. Die Medien übertrumpften sich mit Spekulationen: Von einer späten Rache der Nazis, die Chaplin seine Hitler-Parodie nicht verziehen hätten, aberwitzelten die einen, über einen fanatischen Bewunderer, der sich die sterblichen Überreste des Genies unter den Nagel reissen wollte, mutmassten andere; der Sargraub sei nichts anderes als eine Aktion von Antisemiten, die verhindern wollten, dass ein Jude (der Chaplin eigentlich nur für die NS-Propaganda war) in christlicher Erde bestattet werde, wussten wiederum andere. Sogar das FBI öffnete nochmals Chaplins Akte, um irgend einen Hinweis auf die Grabschändung zu finden.
Als sich die Wogen um den Verbleib von Chaplins Überreste glätteten und der Fall beinahe ad acta gelegt wurde, meldete sich ein Monsieur Cohat telefonisch bei der Familie Chaplin und verlangte für die Rückgabe des Sargs die Summe von 600.000 Franken.
Doch der Entführer und sein Komplize hatten nicht mit dem Starrsinn von Chaplins Witwe gerechnet. Zweieinhalb Monate und 27 Telefonanrufe lang liess sie die Ganoven zittern, die sich bald mit einem Bruchteil des Lösegeldes zufrieden gegeben hätten.
Doch die beiden waren ihrem Vorhaben von Anfang an nicht gewachsen. Schon die nächtliche Exhumierung bei strömendem Regen drohte zu scheitern. Und als Roman W. und Gantscho G. allmählich nachlässig wurden und für ihre Telefonate an Madame Chaplin einfach die Telefonkabinen ihrer Heimatstadt Lausanne benutzten, war es für die Polizei ein Kinderspiel, die beiden Leichendiebe zu schnappen.
Chaplin wurde nun ein zweites Mal bestattet - und sein Sarg in Beton eingegossen. Was für eine herrlich makabre Kino-Komödie hätte Charlie Chaplin aus dieser wahren Geschichte wohl gedreht?
Auf den Spuren von Charlie Chaplin
Radio DRS hat am Donnerstag, 20. Dezember 2007, in der Sendung «Siesta» einen Beitrag ausgestrahlt, in dem auch Charlies Sohn Eugene zu Wort kommt. Nach-hörbar via untenstehendem Link.
Charlie Chaplin ist einer der grössten Künstler des 20. Jahrhunderts. Unvergessen sind seine Filme wie «Moderne Zeiten», «Der grosse Diktator» oder «Rampenlicht».
In Erinnerung an seinen 30. Todestag am 25. Dezember, geht die Radio DRS in der Sendung «Siesta» auf Spurensuche. Eugene Chaplin, einer der Söhne, erinnert sich an seinen berühmten Vater und erzählt vom gemeinsamen Fussballspielen und Familienfesten.
Von Ottokar Schnepf
Für weitere Informationen klicken Sie hier:
• «Siesta» auf Radio DRS 1 vom 20.12.2007