Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03550.jsonl.gz/758

Kappadokien ist eine malerische Tuffstein-Landschaft in Zentralanatolien, die wegen bizarrer Gesteinsformationen sowie zerklüfteter Täler und Berge berühmt ist. Das Wort Kappadokien kommt aus dem Persischen und bedeutet „Land der schönen Pferde“. Entstanden ist diese aussergewöhnliche Landschaft durch Eruptionen der heute erloschenen Vulkanberge Erciyes Hasan und Dagi Hasan im zentralanatolischen Hochland. Die ausströmende Lava und die Vulkanasche hatten sich zu porösem Tuffstein verhärtet, Wind und Wassererosionen hatten die Landschaft zu Kegeln, Pyramiden und Felsspitzen geformt. Prägendes Element dieser Landschaft sind die so genannten „Feenkamine“, steil aufragende Steinsäulen, die mit „Mützen“ aus härterem Gestein bekrönt sind. Da die Bearbeitung des weichen Tuffgesteins weniger mühsam ist als die Bearbeitung von hartem Felsgestein, höhlten die Menschen, die hier siedelten, den Tuffstein aus und bauten in den Kegeln Wohnungen, auch legten sie unterirdische Behausungen an, die sie zu ganzen Städten ausweiteten. Man vermutet, dass bereits in der frühen Bronzezeit Höhlen in die Tuffsteinkegel getrieben wurden, die im Laufe der Zeit zu ganzen Wohnkomplexen und Lagerräumen ausgebaut wurden. Die früheste Erwähnung dieser besonderen Siedlungsarchitektur stammt vom griechischen Schriftsteller Xenophon (4. Jh. v. Chr.). Da die Christen dieser Region von den Osmanen keine Verfolgungen zu befürchten hatten, entwickelten auch sie eine rege Bautätigkeit – sie bauten Kirchen in das Gestein.
Die fantastische Landschaft, die Höhlenarchitektur sowie die unterirdisch angelegten Städte sind weltberühmt und erhielten 1985 von der UNESCO den Status als Weltkulturerbe verliehen.
Von Süden, von der Mittelmeerküste her kommend, erreicht man Kappadokien über das Plateau von Konya, eine Hochebene, ca. 1000 m über dem Meeresspiegel gelegen. Diese Ebene war einst eine fruchtbare Landschaft und seit Urzeiten Siedlungsgebiet für zahlreiche Völker unterschiedlicher Provenienz. Durch übermässige Nutzung wurde der Boden jedoch vollständig ausgelaugt, und die Landschaft ist heute öde und karg. Hethiter, Griechen, Römer, Perser und andere mehr waren auf ihren Eroberungszügen durch diese Region gekommen und hatten ihre Spuren hinterlassen. Auch das Christentum hatte sich hier relativ früh etabliert, da die Apostel Paulus und Barnabas in dieser Region missionarisch tätig waren. 1071 hatten die Seldschuken das Gebiet erobert und Konya, das antike Iconium, zur Hauptstadt ihres neu gegründeten Reiches gemacht. Heute ist Konya Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und eine wichtige Industriestadt (Nahrungsmittel-, Auto- und Schuhindustrie – 60% aller Schuhe, die in der Türkei gekauft werden, werden hier produziert), zugleich aber auch eine fundamentalistisch geprägte Stadt – hier wird auf die Einhaltung religiöser Vorschriften mehr geachtet als in der übrigen Türkei. Hier gilt auch ein absolutes Alkoholverbot, das aber nicht verhindern kann, dass in Konya der Höchstverbrauch an Raki registriert wird!