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Psychische Gesundheit und Arbeitswelt: Eine Herausforderung für die Soziale Arbeit?
Die Anzahl Personen mit psychischen Beeinträchtigungen ist im System der Sozialen Sicherheit während der letzten Jahre deutlich gestiegen. Dies ist vermutlich auch darauf zurückzuführen, dass es durch das Auftreten von psychischen Problemen am Arbeitsplatz häufiger als früher zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses kommt. Mit der heutigen Arbeitswelt werden im Vergleich zu früheren Jahrzehnten vermehrt Stress und erhöhte Anforderungen an die Leistungsfähigkeit in Verbindung gebracht. Dies führt zu der Frage, wie psychische Gesundheit im Arbeitsprozess gefördert werden kann und wie psychisch belastete oder erkrankte sowie weniger leistungsfähige Menschen im Arbeitsmarkt besser unterstützt werden können, um eine Exklusion zu vermeiden. Ein Fokus dieser Arbeit richtet sich auf die Rolle und den Handlungsbedarf der Sozialen Arbeit bei der Vermeidung solcher Exklusionen.
Zur Beschreibung der Ausgangslage werden die veränderten Anforderungen des aktuellen Arbeitsmarkts im historischen Bezug aufgezeigt. Als markanter Befund dieser Entwicklungen zeigt sich die steigende Bedeutung überfachlicher Kompetenzen, die eng in Verbindung mit dem psychischen System eines Menschen stehen. Diese richten sich insbesondere auf die Steuerung von Emotionen und motivationalen Prozessen. Durch die Darstellung von Merkmalen psychischer Störungen und ausgewählten psychischen Störungsbildern wird deutlich, dass mit dem Vorhandensein einer psychischen Störung die Möglichkeit, den Anforderungen des Arbeitsmarktes zu genügen, in vielen Bereichen eingeschränkt wird. Die Auseinandersetzung mit den Folgen der Arbeitsbedingungen für die psychische Gesundheit macht deutlich, dass kausale Zusammenhänge selten eindeutig bestimmt werden können. Es wird aber aufgezeigt, dass der Erhalt der psychischen Gesundheit und die Integration in den Arbeitsprozess durch die Entwicklungen der Arbeitswelt anspruchsvoller geworden sind. Dies verschärft sich für Menschen, die psychisch erkrankt sind oder deren psychische Eigenschaften und Fähigkeiten weniger kompatibel mit den Anforderungen des Arbeitsmarkts sind.
Die dargestellte Entwicklung wird anschliessend aus verschiedenen Perspektiven problematisiert. Die Soziale Arbeit wird als Funktionssystem kapitalistischer und demokratischer Gesellschaften verortet, welches das strukturelle Integrationsproblem dieser Gesellschaftsform professionell bearbeiten soll. Mit Blick auf die Praxis in ihren verschiedenen Handlungsfeldern wird der Handlungsbedarf für die Soziale Arbeit aufgezeigt. Hier werden Möglichkeiten ausgelotet, wie Interventionen vermehrt frühzeitig und auf verschiedenen Ebenen angesetzt werden können. Wichtige Elemente sind die Ausweitung des Konzepts „Supported Employment“ und die verstärkte arbeitsbezogene Unterstützung innerhalb der psychiatrischen Versorgung. Von besonderer Bedeutung für die frühzeitige Intervention wäre zudem eine stärkere Positionierung der Betrieblichen Sozialen Arbeit.