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Täglich geht einer von acht Menschen hungrig zu Bett, obwohl weltweit genügend Nahrung erzeugt wird, um damit mehr als die derzeitige Weltbevölkerung satt zu machen. Zurzeit leidet knapp eine Milliarde Menschen an Unterernährung.
Recht auf nahrung und grundbesitz und das problem der ausgrenzung
Das Recht auf Nahrung ist einer der Grundpfeiler, auf denen die weltweite Tätigkeit von ActionAid basiert. Unser Einsatz entspricht den nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen, zu denen auch das Programm „Null Hunger“ gehört: Bis 2030 soll kein Mensch mehr auf der Welt an Hunger leiden.
Für ActionAid ist Hunger das „Resultat“ aus den falschen Entscheidungen von Unternehmen, Regierungen, internationalen Organisationen und mangelndem politischen Willen. Eine Politik, die Nahrungsmittel als reines Handelsprodukt betrachtet und das Grundrecht auf Nahrung ignoriert, führt dazu, dass ausgerechnet Landwirte und Bauern zu den ärmsten Menschen der Welt zählen, die am stärksten unter Hunger leiden. Die Kleinbauern produzieren weltweit mehr als die Hälfte aller Nahrungsmittel, und dennoch fällt es ihnen schwer, sich selbst und ihre Familien zu ernähren. Das liegt daran, dass die Felder, die sie bewirtschaften, zu klein sind, um ausreichend Nahrung zu produzieren, oder dass sie ihnen nicht gehören.
Vom Problem des Zugangs zu natürlichen Ressourcen und der Verweigerung des Rechts auf Grundbesitz sind vor allem Frauen betroffen. In den armen Ländern stellen die Frauen 43 % der landwirtschaftlichen Arbeitskraft, produzieren 50 % der Nahrungsmittel und verdienen lediglich 10 % des globalen Einkommens. Nur 1 % des Grundbesitzes gehört den Frauen. Sie erhalten gerade einmal 7 % der technischen Unterstützung und nur 1 % der Direktkredite, die in diesem Sektor vergeben werden. Diese Daten belegen die in den Traditionen und der patriarchalischen Gesellschaft tief verwurzelten Probleme der Frauen beim Erlangen von Grundbesitz zur Sicherstellung ihrer Ernährung.
Actionaid in indien
In Indien produzieren die Frauen 80 % der Landwirtschaftsprodukte, doch nur 1 % des Grund und Bodens befindet sich im ihrem Besitz. ActionAid unterstützt ethnische Gemeinschaften, wie die Dalit und andere Stammesgruppen, beim Kampf um die Anerkennung ihres Rechts auf Grundbesitz. Wir helfen vor allem Frauen, einen Eigentumsnachweis für ihren Grundbesitz zu erhalten. Dank der Unterstützung von ActionAid und der Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden erhielten 2014 über 3‘000 Frauen das Eigentumsrecht an insgesamt 809 Hektar Land. Die Zahl der registrierten Anträge übersteigt 200‘000. Es bleibt also noch viel zu tun für ActionAid.
Darüber hinaus hat ActionAid Schulungen über landwirtschaftliche Praktiken im Zusammenhang mit dem Klimawandel für 19'000 Bauern organisiert, wovon 35 % Frauen sind. 122‘000 Frauen und Männer wissen heute besser über ihre Rechte Bescheid und verfügen über adäquate Mittel, um sie durchzusetzen. ActionAid setzt sich dafür ein, dass über 500 Frauen und ihre Familien im indischen Bundesstaat Tamil Nadu ihre Versorgung sicherstellen können, indem sie ihre Einkommensquellen diversifizieren. Dadurch werden sie autonom und können sich von ihrer wirtschaftlichen Abhängigkeit von den Männern befreien. Und schliesslich trägt auch die bessere Kenntnis der Anbautechniken zur nachhaltigen Entwicklung der Landwirtschaft bei und stellt einen entscheidenden Schritt zur Beseitigung des Hungers in der Welt dar.
Die bedeutung der frauen
Würde man mehr Geld in landwirtschaftlich tätige Frauen in den ländlichen Regionen der Welt investieren, so würde die weltweite Nahrungsmittelproduktion um 2,5–4 % steigen. Die Anzahl der Hunger leidenden Menschen würde um 12–17 % verringert. Das heisst, 100 Millionen Menschen müssten nicht mehr an Hunger leiden. Das zeigt, dass die Beseitigung der geschlechterspezifischen Diskriminierung nicht nur eine soziale bzw. politische Pflicht ist, sondern ein wichtiges Mittel zur definitiven Beseitigung der Armut.