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Auf welchen Strecken darf man die neue Lufthansa First Class erwarten? Wie teuer werden die Flüge? Wird es Verfügbarkeiten mit Meilen geben? Wir geben Euch einen Überblick!
Die Lufthansa hat am 28. Februar das neue Allegris Produkt im Rahmen einer Pressekonferenz offiziell vorgestellt – zahlreiche neue Sitzplatztypen in der Business Class und eine bis dato komplett geheim gehaltene First Class Suite Plus inklusive. Natürlich haben wir uns die neue Lufthansa Business Class genauso wie auch die neue Lufthansa First Class schon im Detail angesehen. Doch so einiges steht an dieser Stelle noch nicht fest – wir werfen einen Blick auf die wichtigsten Spekulationen.
Auf welchen Strecken wird man die neue Lufthansa First Class finden?
Fest steht, dass die neue Lufthansa First Class ab dem Jahr 2024 in den neu ausgelieferten Airbus A350 zu finden sein wird. Klar ist dabei auch bereits, dass diese Maschinen in München ihr zu Hause finden werden und dabei die zuletzt aus der Rente zurückgeholten Airbus A340-600 ersetzen oder zumindest ergänzen werden. Entsprechend kann man sich an den Lufthansa First Class Strecken ab München orientieren. Im Winterflugplan waren das Boston, Miami und New York. Im Sommerflugplan sind es Boston, Chicago, Hongkong, Los Angeles, Newark, New York JFK und Washington D.C. – man darf entsprechend davon ausgehen, dass diese Strecken auch die besten Chancen auf die neue First Class haben werden.
Hierbei sollte man auch im Hinterkopf haben, dass davon auszugehen ist, dass die Lufthansa nur auf vier Sitze in der neuen First Class im Airbus A350 setzen wird, während alle anderen Maschinen in der Flotte acht Sitzplätze in der First Class bieten. Das heisst konkret, dass gerade am Anfang längere Flüge eher unwahrscheinlich sind, weil hier mindestens zwei Maschinen mit der neuen First Class notwendig wären, um konstant dasselbe Produkt anbieten zu können. Daher sind die Verbindungen nach Hongkong und Los Angeles als Start für die neue First Class sicherlich eher unwahrscheinlich, obwohl besonders die letztgenannte Strecke als enorm ertragreich gilt.
Die besten Chancen dürfte es wohl auf der Verbindung nach New York JFK geben, die als eine der Paradestrecken der Lufthansa gilt. Hier könnte man auch mit nur einer Maschine mit neuer First Class in der Flotte agieren und das Produkt dennoch auf einem Grossteil der Verbindungen anbieten. Dazu kommt, dass es mit Newark eine zweite Strecke mit First Class in die Region gibt, womit man die Kapazität nicht direkt halbieren, sondern nur um 25 Prozent reduzieren würde. Passend ist auch, dass Konkurrenten wie British Airways oder Air France ihre neue Business und First Class jeweils auf den Strecken nach New York eingeführt haben.
Natürlich bleibt dies weiterhin spekulativ, dennoch dürfte man mit einer Buchung für die Strecke nach New York in Richtung zweites Quartal 2024 gute Chance haben, die neue First Class zu erleben. Nach und nach dürfte das Produkt dann auf weiteren Strecken zum Einsatz kommen, denkbar wären hier etwa Boston oder Chicago. Ab wann und auf welchen Strecken das neue Produkt ab Frankfurt eingesetzt wird, ist aktuell noch komplett offen.
Wie teuer werden Flüge in der neuen Lufthansa First Class?
Bleibt die Frage nach dem Preis, die alles andere als leicht zu beantworten ist. Das liegt schon daran, dass die Preise für Flüge generell enorm volatil sind und enorm von der Saisonalität und dem Abflugort abhängen – das gilt in der First Class sogar besonders. Wer beispielsweise einen First Class Flug von München nach New York ohne Zwischenstopp bei der Lufthansa bucht, der muss zwischen 5’000 und 10’000 Franken für den Hin- und Rückflug berappen, bei Abflug in Warschau zahlt man oft mehrere tausend Euro weniger. An den Höchstpreisen, die sich rund um die 5’000 Franken pro Richtung für eine relativ spontane Buchung beziehungsweise ein Ticket mit voller Flexibilität bewegen, wird sich vermutlich nicht viel ändern. Bewegung ist aber bei den günstigeren Tickets zu erwarten, die man mit Vorlauf buchen kann.
Hier gab es in der Vergangenheit immer wieder Angebot für Partnertarife, die bei etwa 2’000 Franken pro Person lagen. Bei einer deutlich verbesserten First Class und insbesondere einer Halbierung der First Class Plätze (sofern die Lufthansa die Zahl der Maschinen mit First Class nicht erhöht und in allen Maschinen auf nur vier First Class Plätze setzt) wird es das voraussichtlich nicht mehr geben. Auch deutlich reduzierte Tickets bei Abflug im Ausland – eben zum Beispiel – in Polen dürften deutlich seltener werden. Zwar wird sich durch das neue Lufthansa Produkt der Markt nicht radikal verändern, je nach Strecke und Abflugort sowie Datum und Tickettyp wird es weiter grosse Unterschiede geben. Doch die Lufthansa wird versuchen, die neue First Class nur noch in teureren Buchungsklassen und nicht mehr im Rahmen von Sales zu verkaufen.
Wie es werden könnte, zeigt bereits jetzt Air France. Die Franzosen setzen auf ein besonders exklusives First Class Produkt, das es nur auf ausgewählten Strecken gibt. Auch hier sind in die Boeing 777 gerade einmal vier Sitze verbaut. Die Preise sind entsprechend. Kurzfristige Tickets kosten etwa auf der Strecke nach New York noch einmal doppelt so viel wie bei der Lufthansa – 16’000 Franken für einen Hin- und Rückflug sind keine Seltenheit. Auch bei den im Voraus gebuchten Tickets werden 8’000 Franken für einen Hin- und Rückflug fällig, selbst ab anderen Ländern spart man nur marginal – 6’000 bis 7’000 Franken für einen Hin- und Rückflug sind im Normalfall das höchste der Gefühle.
Natürlich lassen sich die beiden Airlines nicht eins zu eins vergleichen, bespielen sie doch einen ganz anderen Heimatmarkt und haben sie doch eine ganz andere Flotte und ein anderes Streckennetz. Dennoch gibt es viele Gemeinsamkeiten, vor denen man sich eher sorgen sollte, wenn man auf die Preisentwicklung blickt. Zwar wird die Lufthansa vermutlich nicht so schnell auf dasselbe Preisniveau kommen wie Air France – schon weil sie viel mehr Maschinen mit First Class hat, wenn man Swiss und die 19 Boeing 747-8 in Frankfurt hinzuzählt, doch der langfristige Trend dürfte eine Entwicklung in Richtung des exklusiveren Preisniveaus sein.
Welchen Aufpreis kostet die Lufthansa First Class Suite Plus?
Spannend wird in dieser Hinsicht sicherlich auch der Aufpreis für die neue First Class Suite Plus, die im Grunde genommen ein First Class Sitz für zwei Personen ist. Beschrieben wird das Ganze von der Lufthansa wie folgt:
Eine separate Doppel-Kabine mit deckenhohen Wänden und verschliessbarer Tür, grossem Tisch und zwei breiten Sitzen, die sich bei Bedarf zu einem bequemen Doppelbett kombinieren lassen. Lufthansa setzt mit diesem fliegenden Privatzimmer neue Massstäbe bei Komfort und Individualität in der höchsten Klasse.Pressemeldung der Lufthansa
Was dabei auffällt, ist die Verwendung der Worte “bei Bedarf”, was darauf hindeutet, dass man diese Suite auch für nur eine Person buchen kann. Das ist insofern ein Kuriosum, als es den Verkauf besonders komplex machen dürfte. Bucht man zukünftig ein First Class Ticket, kann man die Doppel-Suite dann einfach gegen Aufpreis reservieren? Bucht man zwei First Class Sitze auf einmal, kostet die Suite dann dennoch einen Aufpreis? Kann man die Suite beim Check-in einfach so auswählen, wenn der Platz nicht verkauft wurde? Fragen über Fragen.
Gerade, sofern es auch bei zwei Personen einen Aufpreis geben sollte, muss man sich fragen, inwiefern das attraktiv ist: Die Suite mag zwar mehr Privatsphäre und Gemeinsamkeit bieten, ist aber in ihrer Gesamtheit deutlich schmaler als zwei Einzelsitze, zudem muss man sich einen Entertainment-Bildschirm teilen. Die Ablagefläche ist gegenüber den anderen Suiten auch deutlich reduziert. Im Grunde genommen würde ich dafür sogar erwarten, dass man bei zwei Personen einen niedrigeren Preis zahlt. Bei einem identischen Preis wären zumindest in der Theorie die beiden “normalen” Suiten attraktiver, weil sie mehr Platz bieten. Gleichzeitig wären diese für Paare maximal unpraktisch, weil sie enorm weit auseinander liegen und dazwischen eben die andere Suite ist.
Was kann man also erwarten? Zumindest meines Erachtens dürfte es nur zwei Optionen geben: Bei der Buchung mit zwei Personen, kann man die Suite “kostenlos” auswählen und zahlt damit dasselbe wie für zwei Einzelsitze. Sofern man dagegen alleine bucht, kann man die Suite gegen Aufpreis reservieren (denkbar wäre auch, dass das erst beim Check-in geht, sodass die Suite auch spontan verkauft werden kann). Der Aufpreis müsste bei Vorausbuchung dabei allerdings enorm hoch sein, da ansonsten ein enormes Ertragspotenzial verloren geht – denkbar wäre hier eigentlich nur ein vierstelliger Betrag. Beim Check-in oder am Airport könnte die Suite dagegen günstiger, möglicherweise für einige hundert Euro Aufpreis, verkauft werden. Man kann in jedem Fall gespannt sein.
Kann man die neue Lufthansa First Class mit Meilen buchen?
Das Meilensammeln ist schon deshalb für viele so spannend, weil sich mit Meilen einmalige Erlebnisse in der First Class buchen lassen. Ob das zukünftig auch in der neuen Lufthansa First Class möglich sein wird, darf man mit einem “ja, aber” beantworten. Es ist schwer davon auszugehen, dass die First Class auch weiterhin mit Miles & More Meilen gebucht werden kann. Allerdings werden sich voraussichtlich drei Dinge verändern: Die Verfügbarkeit von Prämienplätzen, die Möglichkeit für jedermann die First Class zu buchen und nicht zuletzt auch die Meilenwerte. Ähnliche Entwicklungen hat man auch bei anderen Airlines gesehen, die ihre First Class auf ein neues Niveau gehoben und dafür die Zahl der Plätze reduziert haben.
Hinsichtlich der Verfügbarkeit von Prämienflügen wird die Lufthansa zwar schon heute gerne kritisiert, unsere Analyse der Lufthansa First Class Verfügbarkeiten mit Meilen hat allerdings ergeben, dass man mit ein wenig Flexibilität durchaus den einen oder anderen Platz findet. Zuletzt konnte ich sogar an meinem Wunschdatum zwei First Class Flüge nach New York mit Meilen buchen. Das wird sich vermutlich ändern, denn wenn es nach und nach immer weniger First Class Plätze gibt, weil in vielen Maschinen nur noch vier statt acht Plätze in der höchsten Reiseklasse eingebaut sind, wird auch die Verfügbarkeit für Flüge mit Meilen deutlich sinken. Dabei sollte man nicht erwarten, dass diese nur um 50 Prozent zurückgeht, denn vier Plätze wird die Lufthansa deutlich leichter an zahlende Kundschaft verkaufen können als acht Plätze. Entsprechend könnte die Verfügbarkeit mit dem neuen Produkt enorm einbrechen.
Zwar wird es garantiert einen längeren Übergangszeitraum geben, allerdings darf man davon ausgehen, dass es in Zukunft nahezu unmöglich sein wird, mehr als einen First Class Platz mit Meilen zu buchen und schon das dürfte beim neuen Produkt schwer genug werden. Das gilt zumindest dann, wenn die Lufthansa nicht einen Schritt geht, den man schon von anderen Vielfliegerprogrammen kennt: dynamische Preise. Einen Versuch in dieser Hinsicht gab es vor wenigen Monaten bereits, sodass es nicht unwahrscheinlich ist, dass die Lufthansa die Meilenwerte für die neue First Class einfach so stark erhöht, dass sie zwar theoretisch mit Meilen buchbar ist, aber dann beispielsweise den vierfachen Preis kostet wie aktuell für eine First Class Einlösung mit dem “alten” Produkt fällig wird.
Denkbar ist scheinbar auch noch eine andere Einschränkung, denn schon jetzt gibt es für die Einlösung von Meilen bei Miles & More zwei Regeln:
- Die Swiss First Class ist nur mit einem Senator oder HON Circle Status buchbar (nicht für Partnerprogramme)
- Die Lufthansa First Class kann in Partnerprogrammen maximal 15 Tage vor Abflug gebucht werden
Es scheint keineswegs undenkbar, dass die Lufthansa bei der neuen First Class ähnlich vorgehen wird und eine Buchung über Partnerprogramme gänzlich unmöglich macht und auch ähnlich wie bei der Swiss First Class nur noch eine Buchung für Vielflieger mit einem der beiden höchsten Statuslevel möglich macht. Das muss deshalb allerdings nicht heissen, dass die Verfügbarkeiten deshalb besonders gut sind, denn selbst als Senator sucht man aktuell oft vergeblich nach Swiss First Class Verfügbarkeiten – und das, obwohl die Airline auf allen Langstreckenmaschinen je acht Plätze in der höchsten Reiseklasse anbietet.
Eine Sache wird die Lufthansa aber möglicherweise beibehalten: Am Tag des Abflugs oder ein bis zwei Tage vorher werden oft noch einmal Prämienverfügbarkeiten freigegeben, wenn ein Verkauf der Tickets nicht mehr erwartet wird – das könnte potenziell die einzige Möglichkeit werden, mit Meilen zu moderaten Werten in die neue First Class zu kommen. Sei es durch ein Upgrade oder eben eine sehr kurzfristige Buchung.