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Während die herausragenden Karrieren von Roger Federer und Stan Wawrinka aufgrund von Verletzungen ins Stocken geraten sind und sich langsam aber sicher dem Ende zuneigen, erlebt das Schweizer Frauen-Tennis in diesem Sommer einen Höhenflug. Mit Bencic (WTA 12), Teichmann (WTA 44) und Golubic (WTA 45) verfügt die Schweiz über drei Spielerinnen in den Top 50. Alle drei starten am Dienstag ins letzte Major-Turnier des Jahres.
Den Anfang des helvetischen Sommermärchens machte Viktorija Golubic, die Anfang Juli in Wimbledon erstmals einen Grand-Slam-Viertelfinal erreichte. Ihre Hausse setzte die Zürcherin an den Olympischen Spielen in Tokio fort, als sie an der Seite von Belinda Bencic Silber im Doppel gewann. Bencic ihrerseits löste in der japanischen Hauptstadt endlich ihr Versprechen ein und setzte sich bei einem grossen Turnier durch. Mit Olympia-Gold im Einzel feierte sie den grössten Triumph ihrer Karriere. Keinen Titel, aber immerhin den Final erreichte Jil Teichmann zuletzt in Cincinnati, als sie sich erst im Endspiel der Weltnummer 1 Ashleigh Barty beugen musste.
Vieles ist möglich
«Wenn alles zusammenkommt, ist vieles möglich. Gerade im Frauen-Tennis weiss man nie.» Die vor dem Olympia-Turnier getätigte Aussage Bencics gilt auch für das US Open. Seit dem Ende der Dominanz von Serena Williams Anfang 2017 aufgrund der Schwangerschaft der Amerikanerin gewannen zwölf verschiedene Spielerinnen ein Grand-Slam-Turnier, darunter überraschende Namen wie Sloane Stephens, Bianca Andreescu, Sofia Kenin, Iga Swiatek und Barbora Krejcikova.
Dass auch Bencic das Potenzial hat, in diesen erlauchten Kreis vorzustossen, hatte sie bereits vor ihrem Coup in Tokio angedeutet, sei es mit den Siegen an den hochkarätig besetzten Turnieren in Toronto (2015) und Dubai (2019) oder dem Einzug in den US-Open-Halbfinal vor zwei Jahren, als sie den Grundstein für die spätere Qualifikation für die WTA Finals in Shenzhen legte.
Laut Auslosung dürften für Bencic zumindest in der ersten Woche keine allzu grossen Steine im Weg liegen. Die 24-jährige Ostschweizerin wird sich allerdings davor hüten, vermeintlich leichte Aufgaben wie ihre niederländische Startgegnerin Arantxa Rus (WTA 69), die sie bereits zweimal geschlagen hat, zu unterschätzen. Das schwierigste Los erwischte Golubic, die in der 1. Runde auf die Weltnummer 7 Andreescu trifft.
Barty als Favoritin, Fragezeichen um Osaka
Im selben Viertel wie Bencic und Teichmann, die gegen die Qualifikantin Cristina Bucsa startet, befindet sich auch die Weltnummer 1 Ashleigh Barty, die bislang einzige Konstante in dieser Saison. Für die 25-Jährige aus Queensland zahlt sich aus, dass sie nach Ausbruch der Corona-Pandemie knapp ein Jahr der Tour ferngeblieben ist. 2021 gewann Barty unter anderen die Turniere in Miami und und Wimbledon zuletzt auch dasjenige in Cincinnati.
Seit ihrem Sieg am Australian Open nicht mehr auf Touren kam Naomi Osaka. Die Titelverteidigerin kehrte zuletzt immerhin wieder auf den Platz zurück, nachdem sie sich wegen mentaler Probleme vom French Open zurückgezogen und auf eine Teilnahme in Wimbledon verzichtet hatte. In New York nicht am Start ist die bald 40-jährige Serena Williams. Die 23-fache Major-Siegerin leidet noch immer an den Folgen ihrer in Wimbledon erlittenen Oberschenkelverletzung.
Djokovic greift nach den Sternen
Bei den Männern ist der Fokus noch mehr als sonst auf Novak Djokovic gerichtet. Während die Zukunft des erneut am Knie operierten Roger Federer und des am Fuss verletzten Rafael Nadal unsicherer denn je ist, spielt der Serbe im Big Apple um den heiligen Gral des Tennis: den Grand Slam.
Dem Weltranglisten-Ersten bietet sich nach den Erfolgen in Melbourne, Paris und Wimbledon die einmalige Chance, als erst dritter Spieler nach Donald Budge (1938) und Rod Laver (1962 und 1969) alle vier Major-Turniere innerhalb eines Jahres zu gewinnen. Zuletzt hatte dies Steffi Grad 1988 geschafft, als die Deutsche in Seoul auch noch Olympia-Gold holte.
Der Traum vom Golden Slam platzte für Djokovic bei der Halbfinal-Niederlage in Tokio gegen Alexander Zverev, was der 34-Jährige bei einem Triumph in New York allerdings verkraften dürfte. Der Deutsche bewies allerdings, dass auch Djokovic mental nicht unantastbar ist, als er diesen trotz Satz- und Breakrückstand besiegte. Mit dem 21. Grand-Slam-Titel würde Djokovic Federer und Nadal überflügeln und statistisch zu dem werden, was er zweifellos ist: der beste Spieler der Geschichte.
Der einzige Schweizer Teilnehmer Henri Laaksonen trifft nach überstandener Qualifikation am Montag beim Start des Turniers auf den Australier John Millman, den Viertelfinalisten von 2018.