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Vor zwei Jahren wurde der 100. Todestag des Abenteuerromanautors Karl May (1842-1912) in den Medien ausgiebig begangen. Ein deutscher Finanzpolitiker, begeisterter Leser von Mays Wildwestgeschichten, wollte gar die Kavallerie ins Nachbarland der Alpenindianer reiten lassen, um dort frei nach der Erzählung „Der Schatz im Silbersee“ vor dem Fiskus versteckte Vermögen germanischer Bleichgesichter auszuheben.
Karl May am Eidgenössischen Polytechnikum 1860/61 (ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, EZ-REK/1/1/0)
„Der Schatz im Silbersee“, als Buch erstmals 1894 vor 110 Jahren erschienen, spielt wie weitere Wildwestwerke vor dem Hintergrund der verkehrstechnischen Erschliessung des nordamerikanischen Kontinents mit Bahnlinien. Schienenbau und Überfälle von Eingeborenen auf das „Feuerross“ oder von weissen Banditen auf Dampfeisenbahnzüge sind wiederkehrende Handlungsmotive. Im ersten Band der „Winnetou“ Trilogie wird ein aus Deutschland eingewanderter Hauslehrer, der spätere Old Shatterhand, aufgrund seiner Vorkenntnisse nach gründlicher Prüfung von der Atlantic and Pacific Railroad Company als Vermessungsingenieur angestellt.
Woher hatte Karl May sein technisches Wissen? Ein Hinweis findet sich in den Akten der Studierenden der ETH Zürich. Ein Einschreibebogen belegt, dass Karl May im Wintersemester 1860/61 am Eidgenössischen Polytechnikum den mathematischen Vorkurs besuchte. Einige Semester später ist er abgelichtet auf der Erinnerungsfotografie des 3. Kurses der Ingenieurschule von 1862 im Kreise seiner Kommilitonen und Professoren, vor der Kulisse des kurz zuvor erbauten Wipkinger Eisenbahnviadukts und der dahinter liegenden Stadt Zürich mit dem See und den Voralpen in der Ferne.
Ausschnitt aus: Eidgenössisches Polytechnikum Zürich, Ingenieurschule 3. Kurs 1862
Eidgenössisches Polytechnikum Zürich, Ingenieurschule 3. Kurs, 1862 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Portr_10676-FL)