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Im Alter von fünf saß ich auf einem Barhocker am Tresen meiner Großmutter, die eine Kneipe in Dortmund hatte, in der ich auch aufgewachsen bin. Sie rechnete gerade einem Gast vor, was er alles zu zahlen hätte, und ich warf wild eine Zahl in ihre Rechnung. Sie war nicht amüsiert darüber, aber als sie die Summe ausgerechnet hatte, stimmte sie genau mit meiner Zahl überein. Ich erinnere mich gut an das Gefühl, das sich dann bei mir einstellte und das erstaunte Gesicht meiner Großmutter. Dieses Wissen aus einer anderen Quelle hat mich seitdem beschäftig. Wie konnte ich etwas wissen, was ich eigentlich nicht wissen konnte? Woher kommt dieses innere Wissen?
Bei einem Meditationslehrer in Dänemark hatte ich mit 21 den ersten Kontakt mit dieser inneren Welt. Von ihm lernte ich Yoga und Meditationstechniken. Mein Geist wurde ruhiger und mein Körper entspannte sich. Im Psychologie- und Soziologiestudium lernte ich meine Erfahrungen zu konzeptualisieren und, dass jede Kultur und Zeitepoche den Menschen eine Art von Programmierung verpasst, an die sie den Rest ihres Lebens glauben. Die Tätigkeit in der Psychiatrie als klinischer Psychologe, nach dem Studium, zeigt mir u.a., dass die Welt innerhalb der Irrenhäuser nicht weniger drollig ist, als die draussen, wie Herman Hesse einmal bemerkte.
Mit dem Umzug in die Schweiz Anfang der 80iger Jahre, machte ich eine Ausbildung als Investmentbanker und betrat eine neue Welt. Ich arbeitete als institutioneller Finanzberater für eine kanadische Investmentbank. Gleichzeitig begegnete ich meinem Sufi-Lehrer, der mich 12 Jahre unterrichtete. Er kam aus der Tradition der Yogis des Himalaya und der afghanischen Sufi-Mystiker. Er brachte mir die geheimen Atemtechniken des Kaschmir-Tradition des Himalaya bei, und wie man mit der kostbarsten Ressource umgeht, die wir besitzen: Aufmerksamkeit. 1989, auf einer Reise mit ihm nach Indien, begegnete ich einem machtvollen Lehrer der Sikh Tradition, der mir half, meinen Geist in eine tiefe Ruhe zu bringen.
Mit der Geburt meines Sohnes 1988 kamen zusätzlich viele Veränderungen in mein Leben. Ich knüpfte wieder an die Frage nach dem inneren Wissen an und begab mich auf die Suche nach meiner Intuition. Im Vordergrund stand die Frage, ob man Intuition lernen kann oder nicht. In Wirklichkeit aber führte mich die Frage schnurstracks zu meiner Lebensaufgabe: Menschen in ihrer Suche nach Ihrem Kern, ihrem Wesen, ihrer Seele zu unterstützen. Ich begann Seminare zu geben, fast ausschließlich im Businesskontext, weil aus dem kam ich. Ich lernte die klassischen Inhalte: Management, Führung und Verkauf. Ich wunderte mich, wie man mit so banalen Inhalten Führungskräfte beglückte. Zwei Jahre später, 1990, begann ich eigene Seminare zu entwickeln und gründete meine Firma: Ralph Wilms & Partner. 1997 ging ich nochmals in den Finanzbereich zurück und gründete eine nachhaltige Finanzgesellschaft, die Care Group AG. Mir war es ein grosses Anliegen, neben Ökologie, auch soziale Nachhaltigkeit in den Finanzbereich zu bringen. 2011 habe ich die Firma verkauft. Es war Zeit mich aus der Finanzwelt zu verabschieden und mich wieder hauptsächlich auf meine Lehrtätigkeit zu konzentrieren.
Parallel begegnete ich vielen buddhistischen Lehrern. Sie ließen mich tiefer in die Natur des Geistes schauen. Kaum eine Philosophie hat den Verstand so genau untersucht wie der Buddhismus. Ich schätze nach wie vor die buddhistische Ideologiefreiheit und geistige Klarheit. Die wirkliche Transformation aber ereignete sich, als ich Ende der 90iger Jahre auf einen Lehrer der Advaita-Tradition traf. Er lehrte mich das absichtslose und natürliche Eintauchen in die Stille. Er nannte seine Unterweisungen:Teaching in Silence. Über 10 Jahre begleite er mich, in immer tiefere Dimensionen der Meditation, bis eines Tages der „Meditierende“ verschwand. Danach unterrichtete er mich darin, aus diesem anderen Bewusstseinszustand, aus der Stille und Leere heraus, zu sprechen und zu handeln. Das veränderte radikal mein Leben, die Inhalte meiner Arbeit und die Art meines Unterrichtens in Seminaren.
Die siebenjährige Zusammenarbeit mit Shi Yan Bao, einem authentischen Shaolin-Mönch, ließ mich tiefer in die Geheimnisse des Zen-Buddhismus eintauchen, und erweiterte meine Kenntnisse im Umgang mit dem Qi, dieser machtvollen , kosmischen Energie. Die Begegnung mit Prof. Peter Kingsley, der die mystischen Ursprünge und die Techniken unserer westlichen Kultur wiederentdeckte, rundete meine Erfahrungen mit spirituellen Traditionen und Lehrern ab. Bei ihm lernte ich, mit welchen Techniken wir im Westen Zugang zu unserer eigenen Quelle finden und wie wichtig ist es, dass wir uns mit der Tiefenqualität unserer eigenen Kultur verbinden.
Nach rund 40 Jahren des Lernens und 25 Jahren des Unterrichtens sehe ich es heute als meine Aufgabe an, Menschen mit den wirkungsvollsten Techniken aus unterschiedlichsten Kulturen auf Ihrer Reise in die Heilung und die Tiefendimension Ihrer Seele zu begleiten. Der Rahmen, in dem ich Inhalte und Methoden unterrichte, ist die Transpersonale Akademie. Ich bin keiner spirituellen Tradition verpflichtet und sehe meine Aufgabe darin kulturübergreifende Methoden zu vermitteln, die frei sind von Glaubenssystemen. Mein besonderes Interesse gilt zur Zeit der neurologischen Forschung verschiedener Techniken in Bezug auf ihre Wirksamkeit.
Diessenhofen April 2017