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In Thailand haben die Abgeordneten des Repräsentantenhauses mit überwältigender Mehrheit ein Gesetz zur Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare verabschiedet. Sowohl die Regierung als auch die grossen Parteien im Parlament waren für das Gesetz. Thailand unterscheidet sich damit stark von seinen Nachbarn in der Region.
Klares Signal in der Politik
Das Votum im Repräsentantenhaus war deutlich: Von insgesamt 415 anwesenden Abgeordneten stimmten 400 für das neue Gesetz. Darin soll neu nicht mehr ausschliesslich von «Ehemann» und «Ehefrau» die Rede sein, sondern von Personen bzw. Ehepartnern.
Der Gesetzesentwurf geht nun an den Senat. Dieser hat bislang selten ein Gesetz abgelehnt, das bereits vom Repräsentantenhaus verabschiedet worden war. Danach muss das Gesetz vom König unterzeichnet werden, bevor es in Kraft treten kann. Die neue Regierung unter der Führung der Pheu-Thai-Partei, die letztes Jahr an die Macht kam, hatte die «Ehe für alle» zu einem ihrer wichtigsten Ziele erklärt.
LGBTQ-freundlichstes Land in Südostasien
Thailand ist bekannt für seine Akzeptanz unterschiedlicher Lebensformen und hebt sich damit von vielen anderen Ländern in der Region ab. Mit der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare zementiert es seine Stellung als das LGBTQ-freundlichste Land in Südostasien.
Wie weit voraus Thailand ist, zeigt sich daran, dass in Staaten wie Malaysia oder Indonesien Homosexualität stark tabuisiert ist. Im vergangenen Jahr beschlagnahmten die malaysischen Behörden regenbogenfarbene Swatch-Uhren. Diese seien «schädlich für die Moral», so die Erklärung der Justizbehörde.
Und: Im Sultanat Brunei wurde erst vor ein paar Jahren die Todesstrafe durch Steinigung für Sex zwischen Männern angekündigt. Erst nach heftiger internationaler Kritik, sagte der Sultan, dass die Strafe nicht vollstreckt werde.
Hoffnung auf Tourismusbonus
Das mehrheitlich buddhistische Thailand hingegen gilt als sehr liberal gegenüber Transgender und Homosexuellen. So sind romantische schwule TV-Serien aus Thailand seit Jahren ein Exportschlager auf dem gesamten Kontinent.
Thailand wirbt auch gezielt um queere Touristinnen und Touristen: Der jährliche Pride-Monat im Juni etwa zieht Besucher aus ganz Asien und darüber hinaus an. Die Hoffnung vieler ist, dass nicht zuletzt auch die Tourismus-Industrie von der Ehe-Öffnung profitieren wird.
«Ich lade Sie alle dazu ein, Geschichte zu schreiben», sagte der Vorsitzende des Parlamentsausschusses für den Gesetzesentwurf heute vor der Abstimmung im Parlament. In der Tat: Thailand ist auf dem besten Weg als erstes Land in Südostasien die «Ehe für alle» einzuführen.
Martin Aldrovandi
Auslandredaktor
Martin Aldrovandi war von 2016 bis Sommer 2022 Korrespondent für Radio SRF in Nordostasien mit Sitz in Schanghai. Zuvor hatte er mehrere Jahre lang als freier Journalist aus dem chinesischsprachigen Raum berichtet. Nun ist er als Auslandredaktor für Radio SRF in Bern tätig.