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Ariane Ehrat (56) fuhr früher Skirennen und erreichte an den Olympischen Spielen 1984 den vierten Platz in der Abfahrt. Ein Jahr später gewann sie bei der Ski-WM die Silbermedaille in der gleichen Diziplin. Nach dem Studium der Kommunikationswissenschaften wechselte sie in die Tourismusbranche.
Ehart leitete 2008 bis 2017 in einer nicht gerade einfachen Zeit für den Schweizer Tourismus die Fremdenverkehrsorganisation Engadin St. Moritz. Nicht nur die Frankenstärke, auch die Krise der Bankenbranche prägte die Ferienregion nach der Finanzkrise. "Das waren die grössten Herausforderungen seit dem Zweiten Weltkrieg", sagt Ehrat heute.
Nach ihrem Rücktritt orientierte sie sich über den vergangenen Sommer neu. Bei ihren Entscheidungen spielten auch die Erfahrungen aus dem Spitzensport eine Rolle.
cash: War der Rücktritt eine Erleichterung? Oder überwiegten andere Emotionen wie Wehmut oder Ungewissheit?
Ariane Ehrat: Auch wenn das etwas naiv klingen mag - es überwiegte eine sehr grosse Dankbarkeit. Ich konnte in meiner Position sehr viele wichtige Erfahrungen machen. Wehmut hingegen kenne ich schlicht nicht. Ich nehme mit meinen Entscheidungen gerne das Heft in die Hand. Und was ich selbst entscheide, ist wohlüberlegt.
Können Sie leicht loslassen?
Ja. Das hat mich der Spitzensport gelehrt. Ob man auf dem Podest steht, eine Medaille gewinnt, oder ob man schlecht fährt und aus dem Klassement fällt: Es ist im Nachhinein vollkommen egal, denn jeder Morgen ist ein anderer Tag. Man kann jeden Tag zu einer neuen Chance machen. Ohne loslassen kann man nicht überleben.
1987 hörten Sie auf, Skirennen zu fahren. Ist der Rücktritt aus dem aktiven Spitzensport vergleichbar mit dem Rückzug aus einer beruflichen Funktion?
Der emotionale Ablauf ist ähnlich. Es gibt den Entscheid, den Trennungsprozess und den Neuanfang. Aber dann kommt dazu: Im alpinen Skisport beispielsweise besteht ja immer das Risiko von Unfällen und Verletzungen. Dies prägt den Rückzug natürlich auch. Mir ist dies auch immer noch bewusst.
Was haben Sie nach Ihrem letzten Arbeitstag im Engadin gemacht?
Ich gehöre zu den Menschen, die etwas aufhören und erst danach neu anfangen. Ich bin mit meinem Partner für vier Wochen am Stück nach Oregon an der amerikanischen Pazifikküste gegangen. So lange in die Ferien zu gehen war vorher gar nicht möglich. In Oregon verbrachten wir viel Zeit mit Wandern.
War der Abstand, auch geographisch, für Sie wichtig?
Ich habe in dieser Zeit keine e-mails gelesen und das Telefon wenn immer möglich abgestellt – ich durchlief ein 'Digital Detox', wie man sagen könnte. Das brauchte es auch.
Setzten Sie sich mit der Zukunft auseinander?
Es kristallisierte sich für mich in dieser Zeit heraus, dass ich verschiedene Dinge wollte: Eine Aufgabe, die ich vermehrt aus dem Hintergrund heraus wahrnehmen konnte, aber auch Pionierarbeit zu leisten und wenn möglich noch in einer anderen Branche tätig zu sein als im Tourismus. Gleichzeitig wollte ich visionäre Unternehmerinnen und Unternehmer unterstützen. Den Wunsch nach verschiedenen Engagements spürte ich innerlich sehr. Einen Gang in die Selbständigkeit schloss ich aber aus.
Haben sich diese Vorstellungen verwirklicht?
Ja. Ich bekam glücklicherweise verschiedene Angebote von Unternehmen. Konkret bin ich jetzt mit rund 50 Prozent bei den Lenzerheide Bergbahnen engagiert, wo ich daran arbeite, einen internationalen Verkauf und Vertrieb aufzubauen. Rund 30 Prozent bin für die Globalance Bank in Zürich tätig, eine Privatbank, die sich nachhaltigen Anlagen verschrieben hat. Ich unterstütze diese Bank dabei, sich in der Gesellschaft weiter zu verankern. Daneben habe ich noch zwei philanthropische Engagements.
Das heisst, Sie sind nun vor allem als Managerin und Beraterin tätig?
Ich bin eine 'Macherin', ich möchte etwas bewegen. Mir gefällt als Umschreibung meiner Tätigkeiten der Ausdruck 'Unterstützerin' besser als 'Beraterin'.
Sind sie wegen Ihrer neuen Aufgaben auch umgezogen?
Ich bin vom Engadin zu meinem Partner nach Flims gezogen. Zwei Tage in der Woche bin ich zudem nun in Zürich. Das Engadin besuche ich aber nach wie vor oft.
Last but not least: Wie verbringen Sie Weihnachten?
Es wäre mir eine Riesenfreude, wenn ich Weihnachten wieder einmal im Familienkreis verbringen könnte. Das war in den vergangenen Jahren nicht möglich. Meine Mutter und meine Geschwister leben im Kanton Schaffhausen beziehungsweise im Appenzellerland.
Bisher erschienen in der cash-Interviewserie "Rücktritte 2017":