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Beide Thalstrecken scheidet ein vorspringendes
Stück des bernischen Ober-Aargaues (Wangen-Wiedlisbach), und eine Jurakette,
deren
HäupterHasenmatt (1449 m),
Weißenstein (1284
m) und Röthifluh (1398 m) sind, schließt sie nach der Seite der jurassischen
Landschaften ab. In der Klus von Önsingen-Balsthal bricht die
Dünnern aus ihrem dem Aarelauf parallelen
jurassischen Hochthal hervor, um bei
Olten in die
Aare zu münden, während ebenfalls bei Balsthal das jenem parallele Guldenthal
sich öffnet.
Ein zweiter Jurazug, die
Kette des
Paßwang (1005 m), führt von Mümliswyl hinüber in das Birsgebiet
(Schwarzbubenland). Das
Klima
[* 7] gehört eher zu den rauhen als milden, so daß das Land ohne Weinbau ist. Die Volkszahl beläuft
sich auf (1888) 85,720
Köpfe. Die Solothurner, deutschen
Stammes und katholischer
Konfession (nur 21,898
Protestanten, vorwiegend
im Bucheggberger
Amt), gelten für »ein gutmütiges, munteres und rechtschaffenes Völkchen«.
Seit durch
Referendum vom die Benediktinerabtei Mariastein und die beiden Chorherrenstifter
von Solothurn
und Schönenwerd aufgehoben sind, besitzt der
Kanton noch drei
Kapuziner- und drei Nonnenklöster.
gebrochen und weithin versandt. Bohnerzlager finden sich bei Matzendorf (seit 1877 so gut wie erschöpft). Gerlafingen hat
in neuerer Zeit Baumwollspinnerei (Derendingen) u. Papierfabrikation
[* 14] eingeführt. Sonst besitzt
die Gegend von Olten-Schönenwerd eine rege Industrie: einen Eisendrahtzug, eine große Maschinenbauwerkstätte, Strumpffabrikation
u. a. Die Bandweberei des Schwarzbubenlandes ist eine Dependenz von Basel
(s. d., S. 418). Ferner bestehen Glashütten,
Parkettfabriken etc. Wenn auch weder die Stadt S. noch Olten zu den Handelsplätzen gehört, sind beide doch bedeutsame Knotenpunkte
im Schweizer Bahnnetz geworden. Im Kur- und Touristenverkehr nimmt S. keine hervorragende Stelle ein; nur der Weißenstein und
Bad
[* 15] Lostorf sind stark besuchte Punkte. Die heutige Volksschule gliedert sich, wie in den meisten Kantonen,
in eine allgemein verbindliche primäre und eine fakultative sekundäre Stufe. Von humanitären Anstalten besitzt der Kanton
eine Irrenheilanstalt (Rosegg), die Dischersche Rettungsanstalt Hofmatt und eine von Schwendimann dotierte Blindenanstalt.
Die öffentlichen Bibliotheken zählen ca. 85,000 Bände (die Stadtbibliothek Solothurns allein 40,000).
Der Kanton ist in fünf Amteien eingeteilt, jede mit Oberamtmann und Amtsgericht. Die Staatsrechnung für 1887 ergibt
an Einnahmen 1,736,746 Frank, davon an Abgaben611,581Fr.; die Ausgaben belaufen sich auf 1,865,956 Fr., wovon 333,558 Fr. auf
das Erziehungswesen entfallen. Zu Ende 1887 betrugen die Aktiva des Staatsvermögens 13,245,122 Fr., die Passiva 10,079,000
Fr., also reines Staatsvermögen 3,166,122Fr.; dazu die Spezialfonds, 15 an Zahl, im Betrag von 3,685,089
Fr., zusammen 6,851,211 Fr.
Vgl.
Hartmann, S. und seine Umgebungen (Soloth. 1885).
[Geschichte.]
Die Stadt S. (Salodurum) war schon zur Römerzeit ein Knotenpunkt der großen Heerstraßen Helvetiens. Im Mittelalter
lehnt sich ihre Geschichte an das im 10. Jahrh. entstandene Chorherrenstift
des heil. Ursus an, das ursprünglich alle Hoheitsrechte mit Ausnahme des Blutbanns innehatte, von dem sich die Bürgerschaft
aber allmählich emanzipierte. Nach dem Aussterben der Zähringer (1218), welche die Reichsvogtei besessen, wurde S. reichsunmittelbar; 1295 schloß
es mit Bern
ein ewiges Bündnis und hatte 1318 eine Belagerung durch HerzogLeopold auszustehen, weil es Friedrich
den Schönen nicht als König anerkannte. Ein Versuch des verarmten GrafenRudolf vonKyburg, sich der Stadt durch Verrat zu bemächtigen,
wurde glücklich vereitelt (Solothurner Mordnacht, vom 10. zum u. führte zu dem
KyburgerKrieg, in welchem Bern
und S. das Grafenhaus vernichteten.
Doch blieb S. der Reformation verloren und schloß sich 1586 dem BorromeischenBund an. Dagegen hielt es sich fern von dem Bunde
der übrigen katholischen Orte mit Spanien
[* 19] (1587), vornehmlich aus Ergebenheit gegen Frankreich, dessen Ambassadoren S. zu ihrer
regelmäßigen Residenz erwählt hatten. Aus ihrem glänzenden Hofhalt und den reichlich fließenden französischen
Gnadengeldern schöpfte die Stadt einen Wohlstand, den derAdel in höfischen Festlichkeiten zu entfalten liebte.
Kanton trotz seiner überwiegend katholischen Bevölkerung
[* 22] zu den entschiedensten Gegnern des Sonderbundes und nahm die neue
Bundesverfassung 1848 mit großer Mehrheit an. Durch zwei Verfassungsrevisionen (1851 und 1856) ward das lange festgehaltene
System der indirekten Wahlen und der Allmacht der Regierung auch in Kommunalangelegenheiten beseitigt. Nachdem 1869 Referendum
und Initiative eingeführt worden waren, wurde 1875 die gesamte Verfassung revidiert.
französ. Soleure, italien. Soletta. Kanton der schweizerischen Eidgenossenschaft, in der offiziellen Reihenfolge
der Kantone der zehnte.
1. Lage, Grösse, Gestalt, Grenzen.
Der Kanton Solothurn
liegt im nnw. Randgebiet der Schweiz und erstreckt sich von 47° 4' 30" (Junkholz, Gemeinde Messen, Bucheggberg)
bis 47° 30' 12" NBr.
(Hintenabefeld nördl. Bättwil) und von 7° 20' 32 " (nordwestl. vom Bürennkopf am Monto) bis 8° 2'
OL. von Greenw. (MühleWöschnau). Das Areal des Kantons beträgt 791,52 km2, die Wohnbevölkerung (1900) 100762 Seelen,
die Bevölkerungsdichte also 127 Ew. auf 1 km2. Unter den schweizerischen Kantonen steht Solothurn
nach der Grösse und Einwohnerzahl
im 15. und nach der Bevölkerungsdichte im 9. Rang. Ihm eignet die zerrissenste Gestalt von allen Kantonen.
Die Bodenfläche besteht aus 4 Stücken: dem Hauptgebiet
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mehr
Solothurn-Olten-Dornach (748,04 km2) und den 3 Exklaven Kleinlützel (16,19 km2), Leimenthal (25,65 km2) und Steinhof
(1,64 km2). Kleinlützel und Leimenthal (Mariastein) liegen an der elsässischen Grenze, Steinhof bei Herzogenbuchsee. Das
Hauptstück ist seinerseits wieder in drei schlanke und zum Teil mehrfach gelappte Zipfel ausgezogen. Die geometrische Grundform
des Kantons ist ein gleichschenkliges Dreieck mit der ungefähr NO. streichenden Basis Schnottwil-Schönenwerd
und der Spitze in Rodersdorf. Jene Grundlinie, die ungefähr dem Aarethal entlang geht, misst rund 56 km Länge, die beiden
übrigen Seiten je rund 45 km, die Höhe (Wangen-Rodersdorf) des Dreieckes 33 km, sein Flächeninhalt 950 km2. Die Nachbarschaft
und teilweise Umklammerung durch den von jeher übermächtigen Kanton Bern
brachte es hauptsächlich mit sich, dass Solothurn
sein Gebiet nicht
zu einem einigermassen isometrischen Komplex abrunden konnte.
Solothurn
gehört im grossen und ganzen zu den Jurakantonen, haben doch 8 von den 10 Bezirken Anteil am Kettenjura.
Immerhin liegen die zwei südlichsten Bezirke Bucheggberg und Kriegstetten ganz und vom Bezirk Balsthal-Gäu der s. der Dünnern
befindliche Hauptteil im Mittelland. Im ganzen entfallen auf das Mittelland rund 180 km2, d. h. ¼- 1/5 vom Gesamtareal.
Zwei Stellen des Kantons greifen (im ganzen mit rund 1/10 seines Gebiets) noch auf den Platten- oder Tafeljura
hinauf, nämlich 1) derjenige Teil der Bezirke Dorneck und Thierstein, welcher n. Meltingen und ö. der Birs liegt;
2) das Gebiet von Kienberg n. der Geissfluh. Bei Dornach berührt der Bezirk Dorneck mit seiner Birsgrenze auch noch die südöstlichste
Ausbuchtung der oberrheinischen Tiefebene.
Als Grenze zwischen Jura und Mittelland kann auf der Strecke Biel-Wangen das Aarethal und von Wangen bis Kappel das alte Stammthal
der Aare, die breite Gäuebene, angenommen werden.
Zwischen Kappel und Aarau dagegen tritt jurassisches Gestein auch s. vom
Gäu und seiner ö. Fortsetzung, dem heutigen Aarethal, auf, mit Ausnahme einer schmalen Lücke bei Gretzenbach.
Der solothurnische Anteil am Mittelland besteht in der Hauptsache aus zwei verschiedenartigen und scharf getrennten Gebieten:
dem Bucheggberg w. und dem Wasseramt ö. der Emme.
Der Bucheggberg hat den Charakter der westschweizerischen Plateaulandschaft, deren durch die Annäherung an dess Jura
etwas modifiziertes NO.-Ende er darstellt. Zwar scheint der Zusammenhang mit dem bernisch-freiburgischen Hochplateau durch
das Limpachthal unterbrochen; aber ein Blick vom «Rappenstübli» (ob Balm) oder einem andern der hübschen Aussichtspunkte
an der Oberkante des steilen S.-Abfalls des Bucheggbergs lehrt, dass jenseits dieses Thales der selbe Landschaftstypus sich
nach SW. hin fortsetzt. Auch hinsichtlich der Mundart, der Konfession, der wirtschaftlichen Verhältnisse,
des Temperaments, ja des gesamten Volkscharakters bestehen die engsten Beziehungen zwischen dem Bucheggberg und dem benachbarten
Bernbiet. Der Bucheggberg erhebt sich um rund 100-200 m über die Thalsohlen der Aare im N. und des Limpachs im S.
Zwei nach NO. verlaufende Thälchen gliedern die Hochfläche in drei niedrige und ziemlich parallele
Hügelzüge. Das nördliche der Thälchen ist schärfer ausgebildet und heisst Bibernthälchen. Der mittlere Höhenzug kulminiert
im Schöniberg (657 m) und Bockstein (652 m). Noch höher erhebt sich die südlichste Zone beim BiezwilerSignal (669 m), wo
eine hübsche Aussicht auf das bernische Seeland sich öffnet. Der Bucheggberg ist in seiner heutigen Form
eine Erosionslandschaft. Gerade die orographisch höchsten Partien erweisen sich geologisch als eine, allerdings flache Synklinale.
Der an den Rand des Bucheggbergplateaus sich anlehnende Teil des Wasseramts bildet eine Diluvialschotterebene, auf welche
im ö. Abschnitt niedere Moränenhügelzüge aufgesetzt sind, die zum Endmoränenzirkus von Wangen gehören.
Dem zusammenhängenden Jurakettensystem sind s. zwei kleinere Vorfalten angelagert:
1) der Kreuzen-Martinsfluhhügel (587 m) n. der Stadt Solothurn mit dem viel besuchten Aussichtspunkt Wengistein und 2) die
Kette Born (720 m)-Säli (667 m)-Engelberg (700 m) bei Olten. Ueber den Verlauf und Charakter der nun folgenden
Ketten vergl. man den Art. Jura dieses Lexikons. Sie ziehen von W. aus dem Kanton Bern
büschelförmig heran und konvergieren nach O.
gegen den Untern Hauenstein (n. Olten) hin. Die südl. Ketten haben nö. Streichen, während die nördl. W.-O. verlaufen. Von
Alters her unterscheidet man im Solothurner Juravon S. nach N. folgende fünf Hauptketten: Weissenstein-,
Hauenstein-, Passwang-, Wiesenberg- und Blauenkette. Während die ersten vier bis gegen die O.-Grenze des Kantons hin, wenigstens
geologisch, mehr oder weniger deutlich erkennbar sind und
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mehr
somit dem S.-Rand des Tafeljura entlang ziehen, stösst die Blauenkette seitlich an diesen letztern und bricht in der Nähe
des Birsthals ab. Im sw. Solothurner Jura entspricht im allgemeinen noch jeder orographischen Kette ein geologisches Schichtgewölbe
und jedem Längenthal eine tektonische Mulde. Gegen N. und O. aber wird dieses einfache Verhältnis immer
mehr gestört; die Falten werden zerknittert, zusammengeschoben und die Mulden dazwischen enger, kürzer, unregelmässiger
und ihre Sohle mehr gehoben.
Die Kammlinie, die im w. Teil der Weissensteinkette auf weite Strecken waagrecht verläuft, wird gegen NO. gezackter und
der horizontale Kamm durch die Gipfel- und Schollenform abgelöst (Belchen). Die Blauenkette hat wieder
mehr den Charakter der südlichsten Falte. Die bekannteste und höchste dieser Ketten ist diejenige des Weissenstein. Ihre
Erhebungsaxe kulminiert in dem prächtigen Doggergewölbe der Rötifluh (1399 m). Nach W. senkt sich die Axe etwas und bildet
dort die Hochfläche des Weissenstein.
Dieser Name rührt offenbar von den weiss schimmernden Kalkplatten der obern Jurastufen her, die an dieser
Stelle den S.-Schenkel der Falte nach aussen verkleiden. Weiter w. folgt die höchste Erhebung der Kette und des ganzen Kantons,
der schmale und kurze Längskamm der Hasenmatt mit 1447 m. (Tiefster Punkt des Kantons ist der Spiegel der Birs
bei Dornachbrugg mit 290 m). Oestl. schliessen sich an die Hasenmatt die Geissfluh, w. die Stall- und Wandfluh an. Von der Röti
an ostwärts bis zur Oensinger Klus ist die Kette nur in ihrem N.-Schenkel erhalten und daher niedriger. In der Roggenfluh
erreicht sie noch 999 m., um dann abzuflachen und ö. Holderbank mit der zweiten Kette zu verschmelzen.
Die ganze Weissensteinkette (besonders Roggenfluh, Röti, Weissenstein und Hasenmatt) bietet eine wundervolle Fernsicht nicht
nur auf die Alpen und das Mittelland, sondern auch auf den Jura selbst, ja bis gegen Basel,
Schwarzwald und Vogesen hin. (Höhenweg;
Imfeld'sches Panorama vom Weissenstein).
Von Büren bis Attisholz unterhalb Solothurn
bietet die Aare mit ihren Serpentinen und Inseln, ihrem trägen Lauf und der Durchnässung
und teilweisen Vertorfung des angrenzenden Landes das typische Bild eines Flussmittellaufs. Sie harrt hier noch der Kanalisierung
als Vollendung der Juragewässerkorrektion, deren Durchführung im Seeland den früher so verhängnisvollen
Ueberschwemmungen oberhalb Solothurn
bereits abgeholfen hat. Bei Grenchen beginnt die Aare den Kanton zu tangieren, um dann bei Nennigkofen
ganz in ihn einzutreten und ihn bei Flumenthal wieder zu verlassen.
Bei Wolfwil tritt sie zum zweiten-mal an die Kantonsgrenze heran, und oberhalb Olten, wo sie das Querthal
der «Klos» zwischen Born und Säli stürmisch durchbricht (Elektrizitätswerk Olten-Aarburg bei Ruppoldingen), wendet sie ihren
Lauf wieder ganz in den Kanton hinein, um denselben dann bei der Wöschnau endgiltig hinter sich zu lassen. Von Olten ab ist
der Charakter des Flusses der selbe wie vor Attisholz. Auf dem Gebiet des Kantons gehen der Aare nur zwei
grössere Wasseradern zu: die GrosseEmme unterhalb der Hauptstadt von rechts und bei Olten die Dünnern von links.
Die N.-Flanke des Bucheggbergs ist reich an guten und ergibigen Quellen. Zur Flussentwicklung ist hier aber kein Raum vorhanden;
zu nennen ist höchstens der bei Lüterswil entspringende Rütibach. Der S.-Hang der Weissensteinkette entsendet
eine Anzahl Bäche, die sich mehr oder weniger tief in die Bergflanke einschnitten und sie abwechslungsreich gliederten, aber
nirgends klusartig zu durchbrechen vermochten. Sie haben nur Senkungen der Kammlinie verursacht und dadurch zur Herausbildung
von Passübergängen Anlass gegeben (Balmberg, Hinterer Weissenstein).
Der Umstand, dass im Innern der Ketten Mergelgesteine überwiegen, die Flanken dagegen aus festem durchlässigem Kalk bestehen,
bringt es mit sich, dass die Oberläufe dieser Bäche vielfach steile, reich verzweigte Runsen und viele kurze Comben aufweisen,
welche durch ein gemeinsames enges Austrittstor ihre Wasser zu entsenden pflegen, die dann über einen
Schuttkegel der Aare zueilen. Hervorzuheben sind der Grenchenbach, der Brügglibach vom Grenchenberg, der OberdorferWildbach
und der Siggerbach vom Balmberg. Besonders die beiden letztern treiben, obwohl
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Die
Hälfte der Betriebe entfällt auf Landwirtschaft und verwandte Zweige; das Personal in diesen Betrieben beläuft sich
nicht auf 50% des Gesamtpersonals.
Urproduktion. In 10 Kalk-, Zement- und Gipsfabrikbetrieben sind 159, in 12 Kalksteinbrüchen und 34 Sand- und Kiesgruben 190 Personen
beschäftigt. Die Landwirtschaft weist wenig Spezialzweige auf. Es gab:
Dies sind die grossen, exportierenden, einen grossen Teil des Solothurner Volkes ernährenden Fabrikbetriebe
der Metallbranche. Eine ebenso wichtige Exportindustrie steckt in der Branche Kleidung und Putz; es ist die Schuhwarenfabrikation
(Bally) und Schuhmacherei. Es sind 586 Betriebe, davon 274 Heimarbeitsbetriebe, 98 Alleinbetriebe. Es bleiben somit 98 Gehilfenbetriebe
mit 3508 Arbeitern.
In weitem Abstande an Zahl und volkswirtschaftlicher Bedeutung folgen
Neben landwirtschaftlich stark tätiger Bevölkerung findet sich ein sehr starker Einschlag von Fabrikarbeitern, die in den
bekannten grossen Etablissementen der Uhrenindustrie, Schuhfabrikation, Eisenverarbeitung, Tuch-, Papier- und Bandfabrikation
u. a. tätig sind. Viele arbeiten auch als Heimarbeiter für einheimische und fremde Fabrikanten zu Hause.
Die Gesamtzahl beträgt 1864 Heimarbeiter, wovon 1486 weibliche. Von allen schweizerischen Heimarbeitern der Schuhfabrikation
wohnen 28,5%, von denen der Wollenspinnerei und -weberei 10,4% und von denen der Uhrenindustrie 5-6% Kanton Solothurn.
Von sämtlichen schweizerischen
Heimarbeitern befinden sich indes nur 2% im Kanton Solothurn.
Hausiererbetriebe: Am gab es 121 Hausiererbetriebe mit 77 männlichen und 69 weiblichen Personen.
[Dr F. Mangold.]
Politische Organisation.
Die gegenwärtige Verfassung des Kantons Solothurn
datiert vom sie hat seither einige Abänderungen und Zusätze erhalten. Die
Rechte des Volkes sind sehr ausgedehnt. Nebst der Wahl des Kantonsrates kommt ihm die Ernennung des Regierungsrates, der
Ständeräte und sämtlicher Bezirksbeamten zu. Es hat das Recht der Abberufung des Kantonsrates und des Regierungsrates.
Es besteht das obligatorische Referendum für Gesetze und wichtigere Finanzbeschlüsse. Das Volk hat das Recht der
Initiative in der allgemeinen Form der Anregung oder des ausgearbeiteten Entwurfes.
Die gesetzgebende Behörde, der Kantonsrats, wird in 10 Bezirken nach dem proportionalen Wahlverfahren gewählt; auf je 800 Ew.
und einen Bruchteil von über 400 entfällt ein Abgeordneter. Die Amtsdauer beträgt 4 Jahre. Dem Kantonsrate kommt, unter
Vorbehalt der Volksrechte, der Erlass der Gesetze zu. Verfassungsänderungen benötigen eine zweimalige
Beratung. Dem Kantonsrat steht zu die Festsetzung des Budgets und die Genehmigung der Rechnung. Er ist auch Wahlbehörde
für die Mitglieder des Obergerichts und die höhern Justiz- und Verwaltungsbeamten.
Die oberste Vollziehungs- und Verwaltungsbehörde, der Regierungsrat, besteht aus 5 Mitgliedern und
wird auf eine Amtsdauer von 4 Jahren gewählt. Er bezeichnet alljährlich seinen Vorsitzenden, den Landammann. Die Geschäfte
sind nach Departementen verteilt. Der Regierungsrat versieht auch die Funktionen eines
Verwaltungsgerichtshofes. Dem Regierungsrat
untersteht in jeder der 5 Amteien (Solothurn-Lebern; Bucheggberg-Kriegstetten; Balsthal-Gäu; Olten-Gösgen; Dorneck-Thierstein)
ein Oberamtmann, der vom Volke gewählt wird.
Die Gerichtsorganisation ist folgende: Jede Gemeinde wählt einen Friedensrichter. Dieser ist kompetent in Zivilsachen bis
zu Fr. 12 und in Strafsachen bis zu Bussen von 10 Fr., daneben hat er die Aufgabe, Streitigkeiten zu schlichten. Im Fernern
besteht in jeder der 5 Amteien ein Amtsgericht von 5 Mitgliedern, vom Volke auf 4 Jahre gewählt. Der
Präsident des Amtsgerichtes ist ständiger Beamter. Er entscheidet als Einzelrichter in Zivilsachen bis zu Fr. 100, sowie
in Rechtsöffnungssachen und bei kleineren Straffällen; er leitet die Instruktion der Zivilprozesse und ist Untersuchungsrichter
im Strafverfahren.
Das Amtsgericht entscheidet inappellabel in Zivilsachen bis zu Fr. 300 und in bestimmten Strafsachen;
es bildet im übrigen erste Instanz. Das Obergericht, bestehend aus 7 Mitgliedern, ist die höchste kantonale Instanz in
Zivil- und Strafsachen; es ist zugleich auch einzige Instanz für Streitigkeiten in Patentsachen u. s. w., sowie für gewisse
Straffälle wie Betrug und betrügerischen Bankrott. Das Obergericht bildet die Kammern für das Schwurgericht,
das in wichtigeren Straffällen amtet. Das Kassationsgericht für schwurgerichtliche Urteile wird vom Kantonsrate bestellt.
Das Grundbuchwesen, sowie die Besorgung erbrechtlicher Inventaríen ist den Amtschreibereien übertragen, deren Vorsteher
regelmässig zugleich auch Betreibungs- und Konkursbeamte sind.
Bezüglich der Gemeinden unterscheidet die Verfassung die Einwohnergemeinde, die Burgergemeinde und die Kirchgemeinde. Die
erstere ist die politische Gemeinde. Die Burgergemeinde hat nicht blos die Verwaltung der Korporationsgüter, sondern auch
noch Funktionen im Vormundschaftswesen und in der Armenpflege. Die Kirchgemeinden haben insofern öffentlichen Charakter,
als die Verwaltung der Staatsaufsicht unterstellt ist und die Anstellung der Geistlichen sich nach staatlichen Vorschriften
zu vollziehen hat. Die Gemeinden sind in ihrer Organisation ziemlich
¶
1) In der histor. Rangordnung der 10., dem Flächeninhalt nach der 15., der Einwohnerzahl nach der 14. Kanton
der schweiz. Eidgenossenschaft, im NW. des Landes, grenzt im N. an Elsaß, im NO. an Basel-Land, im O. an Aargau,
im S. und W. an Bern,
besteht
aus dem Hauptstück und drei Exklaven und hat 791,4 qkm.
Oberflächengestaltung. Von Südwesten nach Nordosten wird das Land von fünf Hauptketten des Juras
durchzogen, deren südlichste die höchsten Punkte des Kantons, den Weißenstein mit der Hasenmatt (1447 m) und Röthifluh
(1399 m) ausweist. Der Süden mit dem breiten Rücken des Bucheggbergs (649 m) und der fruchtbaren Ebene des Buchsgaues gehört
der Hochebene an. Die nördl. Juragegenden gehören zum Gebiete der Birs, die südlichen sowie die Hochebene
zu demjenigen der Aare, die unweit der Hauptstadt die Große Emmen und bei Ölten die Dünnern aufnimmt. Das Klima ist je nach
der freiern oder abgeschlossenem Lage der Ortschaften sehr verschieden.
Bevölkerung. Der Kanton hatte 1880 eine Wohnbevölkerung von 80362, 1888: 85621 (41903 männl., 43718 weibl.)
E., d. i. 108 E. auf 1 qkm und eine Zunahme 1880–88 von 6,5 Proz.,
darunter 63706 Katholiken, 21655 Evangelische, 145 Israeliten und 115 andere und ohne Bekenntnis;
ferner 10917 bewohnte Gebäude
mit 17842 Haushaltungen. Im Kanton geboren sind 67033, in der übrigen Eidgenossenschaft 16605, im Auslande 1983;
Bürger
ihrer Wohngemeinde sind 47656, einer andern Gemeinde des Kantons 14959, eines andern Kantons 20438, Ausländer 2568. Der Muttersprache
nach sind 84207 Deutsche,
[* 27] 1213 Franzosen, 144 Italiener, 3 Romanen und 54 andere.
Landwirtschaft,
Bergbau.
[* 28] Von der Fläche sind 717,8 qkm, d. i. 91,6 Proz., produktives Land: 244,8 qkm Waldungen und 472,3
Acker-, Garten-, Wiesen- und Weideland. Von dem unproduktiven Lande sind 2,4 qkm Städte, Dörfer und Gebäude, 8 Schienen- und
Straßenwege, 7,6 Flüsse
[* 29] und Bäche 47,6 Felsen und Schutthalden. Der Boden ist sehr fruchtbar und liefert
besonders Getreide; die Wiesenkultur ist bedeutend. Der Weinbau ist gering, wichtig dagegen der Obstbau, der Obst und Kirschwasser
zur Ausfuhr bringt.
In den höhern Juragegenden wird, wie in den Alpen,
[* 30] die Viehzucht
[* 31] selbständig als Alpwirtschaft betrieben. Nach der Viehzählung
von 1896 zählt der Kanton 3200 Pferde, 36162 Stück Rindvieh, 15365 Schweine,
[* 32] 2098 Schafe, 11602 Ziegen, 8640 Bienenkörbe.
1894–95 wurden in den fünf Fischzuchtanstalten 205000 Eier
[* 33] von Fluß- und Bachforellen ein- und 181900 Fischchen ausgesetzt.
Der Bergbau liefert im Jura vorzüglichen Kalkstein (Solothurner Marmor) und Gips, ferner Mühlsteine,
[* 34] Mergel, und in der Hochebene
Sandsteine. Von Mineralwassern sind zu erwähnen die salinisch-muriatischen Schwefelquellen von Lostorf
und das seit der Römerzeit bekannte Attisholzbad (Schwefel- und salzsaure Salze).
Verfassung und Verwaltung. Die Verfassung vom (revidiert und ist demokratisch. Der Kantonsrat,
je ein Mitglied auf 800 E., ist gesetzgebende, der aus fünf Mitgliedern bestehende Regierungsrat, dessen
Präsident den TitelLandammann führt, vollziehende Behörde. Für Gesetze und Ausgaben über 100000 Frs. ist das Referendum (s. d.)
obligatorisch; überdies steht dem Volke auf Begehren von 2000 stimmfähigen Bürgern die Initiative zu Gesetzen und Verfassungsrevision
zu. Seit besteht in S. Proportionalvertretung für den Kantonsrat und größere Gemeinderäte.
Jede polit. Gemeinde besitzt einen Friedensrichter, jeder Bezirk ein Amtsgericht. Über Kriminalfälle urteilt das Schwurgericht.
Oberste Instanz in allen appellabeln Rechtsfällen ist das Obergericht. Die Staatseinnahmen betrugen 1895: 1,952, die Ausgaben
2,025 Mill. Frs., die Staatsschulden 9,971, das Vermögen 0,873 Mill. Frs. In kirchlicher Beziehung gehört
der Kanton, der noch 7 Klöster zählt, zum BistumBasel.
Die prot. Gemeinden schließen sich an die bernische Landeskirche, die
Altkatholiken an die schweiz. Nationaldiöcese an.
Unterrichtswesen. Für den Unterricht sorgen 266 Primärschulen mit (1894) 14079 Schulkindern,
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13 Sekundärschulen mit 679 Schülern und Schülerinnen, 1 Mittelschule mit Anschluß an das akademische Studium (Gymnasium,
Gewerbeschule, Handelsschule u. s. w., in S.), 4 gewerbliche und industrielle Schulen, 8 gewerbliche
Fortbildungsschulen. Bei den Rekrutenprüfungen 1895 hatten von 100 Rekruten 20 die beste Note in mehr als zwei Fächern, 12 die
schlechteste Note in mehr als einem Fach. In militär. Hinsicht gehört S. zum Stammbezirk der 5. Division
(2. Armeekorps). Das Wappen ist ein von rot und weiß quer geteilter Schild.
[* 36] - 2) S., frz. Soleure (lat. Solodurum), Hauptstadt
des Kantons, an der Aare, über die hier drei Brücken
[* 37] führen, in 435 m Höhe am Südfuß des Juras, an den
Linien Basel-Biel und Herzogenbuchsee-Lyß der Schweiz.
Centralbahn und S.-Langnau (43 km) der Emmenthalbahn, in fruchtbarer Gegend, Sitz eines Bischofs, hat (1888) 8460 E., darunter 2583 Evangelische
und 88 Israeliten, (1896) 9420 E., Post, Telegraph,
[* 38] Fernsprecheinrichtung, Elektricitätswerk, breite Straßen, alte Wälle
und Türme, 11 Kirchen, darunter die St. Ursuskathedrale, seit 1828 Domkirche des BistumsBasel,
1762-73 an der
Stelle einer 1050 gegründeten eingestürzten Kirche erbaut, mit großer Kuppel und zwei Halbkuppeln und einem Kirchenschatz
(Metall- und Textilarbeiten aus dem 14. bis 18. Jahrh. in der St. Ursuskirche), 4 Klöster,
einen Zeitglockenturm, angeblich 400 v. Chr. gebaut, ein frühburgund.
Bau aus dem 5. oder 6. Jahrh. n. Chr., ein Rathaus,
eine bischöfl. Residenz, Zeughaus mit den Waffen der Kantonsmiliz und einer Sammlung alter Waffen und Rüstungen, Gemeindehaus
mit Stadtbibliothek (40000 Bände, 200 Inkunabeln) sowie Münz- und Medaillensammlung, städtische Gemäldesammlung mit einem
Hauptwerk (Madonna mit dem Kinde) von Hans Holbein
[* 39] dem Jüngern (1522), eine Kantonsschule mit Bibliothek,
eine Sammlung röm. und mittelalterlicher Altertümer, Naturalienkabinett mit wichtigen Juraversteinerungen, ein Theater
[* 40] und
eine Kantonalbank; ferner Uhrmacherei, berühmte Steinbrüche, lebhaften Verkehr und Produktenhandel.
S.ist nach einer lat. Inschrift am Glockenturm nebst Trier
[* 41] die älteste Stadt nördlich von den Alpen. In der reizenden,
mit Villen und Landhäusern besetzten Umgegend sind die bekanntesten Punkte das Dorf Zuchwyl (642 E.), in dessen Kirchhof
das Herz Kosciuszkos (gest. 1817 zu S.) beigesetzt war (jetzt in der Kapelle der Villa Morosini bei Vegia), die St. Verenaschlucht
mit der Einsiedelei St. Verena, der Aussichtspunkt Wengistein, die Irrenanstalt Rosegg, das Bad Attisholz
und der Aussichtspunkt und Kurort Weißenstein.
Geschichte. Zur Römerzeit gehörte das Gebiet nördlich von der Aare mit Solodurum zu Raurachien, das südliche zu Helvetien.
Im 5. Jahrh. ward das Land von Alamannen besiedelt, im 6. kam es unter fränk. Herrschaft, 888 an Burgund und mit
diesem 1032 an das Deutsche Reich, später unter die Herrschaft der Herzöge von Zähringen, durch deren Erlöschen 1218 die
Stadt S. Reichsfreiheit erlangte. Seit 1295 mit Bern
verbündet, nahm S. an dessen Kämpfen gegen den österr.-burgund.
Adel teil, erweiterte im 14. und 15. Jahrh. sein Gebiet durch Erwerbung mehrerer Herrschaften
der Grafen von Kyburg, Thierstein u. a. und trat 1481 nach den Burgunderkriegen gleichzeitig mit Freiburg
der Eidgenossenschaft bei.
Im Schwabenkriege nahm
es teil an der entscheidenden Schlacht von Dorneck (1499). Die Reformation, die 1532 ohne die Dazwischenkunft
des Schultheißen Wengi zu einem Bürgerkriege geführt hätte, wurde 1533 auf Antrieb der kath. Orte
bis auf die Gemeinden des Bucheggbergs unterdrückt.
Während des 16. und 17. Jahrh. machte in S. die ursprünglich mehr demokratische Form des
Gemeinwesens der aristokratischen Platz, die im 18. zur Oligarchie ausartete. Damals wurde die Stadt Sitz der franz. Gesandtschaft
in der Schweiz. Dem Patriciat ward 1798, als die Franzosen die Stadt ohne Widerstand besetzten und den Kanton
der helvet. Einheitsrepublik einverleibten, ein Ende gemacht. Durch die Mediationsakte von 1803, welche wieder den Staatenbund
an die Stelle des Einheitsstaates setzte, erlangte S. mit Zürich,
[* 42] Bern,
Luzern,
Freiburg
und Basel
den Rang eines Vororts. 1814 wurde hier, ebenso wie
an andern Orten, durch einen Handstreich der aristokratischen Partei (8./9. Jan.) die frühere
Staatsform, wenn auch in gemilderter Form, wieder eingeführt und erhielt sich bis 1830, wo unter dem Eindruck der Pariser
Julirevolution die Volksversammlung von Balsthal(22. Dez.) die aristokratische Regierung stürzte und polit. Gleichberechtigung
des Landes mit der Hauptstadt errang; die letzten Vorrechte der Stadt wurden indessen thatsächlich erst 1841 vollständig
aufgehoben. Seither hat sich der Kanton ruhig in demokratischer Richtung weiter entwickelt, besonders unter der Verwaltung
des radikalen Landammanns Vigier; durch die vom Volke angenommene neue Verfassung mit Referendum und Initiative wurde
der Übergang von der repräsentativen zur reinen Demokratie vollzogen. Wie S. im Sonderbundskriege (1847)
in der Reihe der bundestreuen Kantone stand, so stand es auch bei den Abstimmungen von 1872 und 1874 über Revision der Bundesverfassung
mit großer Mehrheit in der Reihe der Annehmenden.
In dem Kampf zwischen dem Staate und der röm.-kath. Kirche, der 1873 mit der Absetzung und Ausweisung des
Bischofs Lachat aus S. durch die Diöcesankonferenz begonnen und 1885 durch Wiederanschluß der beteiligten Kantone an
das BistumBasel
beigelegt wurde, stand S. auf Seite dieser Kantone. (S. Schweiz.) Im April 1887 entstand ein Sturm gegen die radikale
Regierung infolge von Verlusten der Kantonalbank und Unregelmäßigkeiten in der Verwaltung. Die Regierung
wurde abberufen, eine Totalrevision durchgesetzt und 23. Okt. eine neue demokratische Verfassung angenommen. Eine neue Revision
der Verfassung (umfassend: Verfassungsinitiative, Proportionalwahlsystem, Finanzreform) ist mit 8342 gegen 2777 Stimmen
angenommen worden. -