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Distrikt Lugini
Lugini - Hauptort der Region
Lugini liegt etwa 150 km nordwestlich von Kiew. Dieser Ort liegt in einer kleinen Senke und wird von einem schmutzigen, aber malerischen Flüsschen in zwei Hälften geteilt. Die Umgebung ist ziemlich eben mit kaum erkennbaren Hebungen und Senkungen, die es aber erlauben, die weiten Felder und Wälder zu überblicken, welche die Landschaft prägen. Der Hauptort Lugini ist weitläufig angelegt, nur der Kern ist kompakt. Da befinden sich der Markt und verschiedene kleine Geschäfte mit beschränkter Auswahl. Der wöchentliche Strassenmarkt erfreut sich immer grosser Beliebtheit, da an diesen Tagen das Sortiment für dortige Verhältnisse besonders gross ist.
Nur die Durchfahrtswege und das Dorfzentrum sind asphaltiert. Ansonsten geht man über Trampelpfade, die man sich mit Gänsen, Truthähnen, Hühnern und Enten teilen muss. Was einerseits sehr idyllisch wirkt, verwandelt sich andererseits bei Tauwetter in Morast, so dass man etwa doppelt so lange braucht, um irgendwo hinzukommen.
Die alten Kirchen waren in den dreissiger Jahren zerstört worden. Erst seit ein paar Jahren gibt es wieder welche in dem Ort. Offenbar traute man der sowjetischen Religionspolitik nicht ganz, denn obwohl es im Zentrum genug Platz gehabt hätte, steht die orthodoxe Kirche etwas verloren am Dorfrand. Da dieses Gebiet bis 1993 zu Polen gehörte, sind heute noch viele Leute katholischen Glaubens. So wurde vor ein paar Jahren auch eine katholische Kirche errichtet, die nicht ganz so nah am Dorfrand steht wie die der Orthodoxen.
Glaubt man überzeugten Kommunisten, so ging es für Lugini ab 1917 nur noch aufwärts. Die Erfolgsgeschichte sei lediglich durch den grossen, vaterländischen Krieg unterbrochen worden. Gerade in den siebziger und achtziger Jahren habe es alles gegeben. Heute hingegen lebten sie in bitterer Armut.
Lugini wurde 1929 zum Rayonzentrum ernannt, das heisst, es erhielt eine eigene Verwaltung. Der Rayon umfasste 51 kleine Dörfer auf einem Gebiet von ungefähr 1000km2.Vor dem zweiten Weltkrieg lebten auch viele Juden in Lugini, das im ehemaligen Ansiedlungsrayon lag. Dieser lag an der russischen Westgrenze und erstreckte sich von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer. Während der zweijährigen Besatzungszeit nach Ausbruch des Krieges wurde praktisch die ganze jüdische Bevölkerung ermordet. Auch Ukrainerinnen und Ukrainer wurden erschossen oder verschleppt. Etwa 1000 bis 4000 Einwohner liessen ihr Leben und das Zentrum von Lugini wurde völlig verwüstet.
Der Aufbau nach dem Krieg war unendlich schwer, denn es fehlte an allem. Zum Teil musste die Erde von Hand oder mit kleinen Schaufeln umgegraben werden. Etwas besser wurde es, als die Männer, die überlebt hatten, aus dem Krieg heimkehrten. Doch erst in den fünfziger Jahren setzte eine langsame Besserung ein. Während des achten Fünfjahresplanes von 1965 bis 1970 wurden die Strassen im Zentrum geteert, Wohnblöcke errichtet, erste Gasleitungen gelegt und eine neue Schule gebaut. Das Dorf erhielt daraufhin auch die Benennung „poselok gorodskogo tipa“, Dorf städtischen Charakters. Nun gab es zum Teil fliessendes Wasser, weitere Strassen wurden asphaltiert und die öffentliche Sauna nahm ihren Betrieb auf.
Die politischen Machtverhältnisse haben sich in Lugini kaum verändert. Die negativen Auswüchse des Kapitalismus machen sich auch in Lugini bemerkbar. Die politischen Vertreter in den oberen Etagen sind noch dieselben, wie zur Sowjetzeit. Entweder fehlen Alternativen oder die Politik ist wie vielerorts personenverbunden, so dass die Gesinnung nicht unbedingt mit der eigenen Haltung übereinstimmt, doch der Mensch an sich vertretbar erscheint. Der fehlende Wechsel in den Behörden mag dafür verantwortlich sein, dass sich in Lugini seit dem Ende der Sowjetunion nur wenig geändert hat. Eigeninitiative wird nach wie vor kritisch beobachtet.