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Der Struggle mit der Babynahrung ist real. In einer Umfrage von SI Family gibt ein Drittel der Eltern an, dass sie sich Sorgen machen, ob ihr Neugeborenes genug Nahrung erhält. Besonders betroffen sind Mütter, die ihre Kinder stillen. Denn auch wenn ein Baby aktiv an der Brust saugt, weiss man nie genau, wie viel es getrunken hat und ob es nach dem Stillen wirklich satt ist. Stillberaterin Christa Watermann erklärt, wie diese Unsicherheit entsteht und was Eltern dagegen unternehmen können.
Christa Watermann, ist die Angst, dass das Kind an der Brust zu wenig Nahrung erhält, begründet?
Viele Frauen, die ihr erstes Kind gebären, sind besorgt, dass sie ihr Kind nicht ausreichend an der Brust ernähren können. Oft, weil sie nicht wissen, dass sich die Brust in der Schwangerschaft hormonell bedingt auf das Stillen vorbereitet. Frauen nehmen zum Teil die Veränderung der Brust wahr und können z.B das Kolostrum, die sogenannte Vormilch, die schon in der Schwangerschaft gebildet wird, gegen Ende der Schwangerschaft gewinnen.
Woher kommt die Unsicherheit?
Oft sind es die Erstgebärenden, die unsicher sind, ob die geringen Mengen Kolostrum in den ersten Tagen für das Neugeborene ausreichen. Die reichliche Milchbildung kommt nach der Geburt in Gang, unter anderem durch das Wegfallen der Plazentahormone und vor allem durch das regelmässige Saugen des Kindes an der Brust, oder, falls das nicht möglich ist, durch regelmässige Stimulation einer elektrischen Milchpumpe. So ist zu erwarten, dass die Milchbildung nach der Geburt täglich zunimmt und sich ca. sechs Wochen nach der Geburt etabliert hat. Dann produziert eine Frau eine tägliche Muttermilchmenge von 800 – 1000 ml.
«Werden die vorgesehenen Untersuchungen wahrgenommen, ist es unwahrscheinlich, dass ein Neugeborenes in den ersten Lebenswochen zu wenig Nahrung erhält.»Christa Watermann, Stillberaterin
Also sind Fälle, an in denen das Kind an der Brust zu wenig Milch trinkt, unwahrscheinlich?
In der Schweiz haben alle Kinder regelmässige Vorsorgeuntersuchungen durch den Kinderarzt und alle Mütter Anspruch auf Stillberatung und die Begleitung durch eine Hebamme auch nach der Geburt. Werden all diese Angebote wahrgenommen und finden die vorgesehenen Untersuchungen statt, ist es also eher unwahrscheinlich, dass ein Neugeborenes in den ersten Lebenswochen zu wenig Nahrung erhält.
Welche Angebote stehen Müttern und ihren Neugeborenen zur Verfügung?
Alle Neugeborenen verlieren in den ersten Tagen physiologisch an Gewicht. Ab dem 3. - 4. Lebenstag sollten sie wieder zunehmen. Um die physiologische Gewichtsentwicklung der Neugeborenen nach der Geburt zu beurteilen werden die Neugeborenen während des stationären Aufenthaltes einmal am Tag gewogen. Am 2. Lebenstag der Kinder findet die erste Kinderarztuntersuchung statt. In den ersten Wochen nach der Geburt werden viele Familien von einer nachbetreuenden Hebamme, oder Pflegefachfrau begleitet, die unter anderem die Gewichtsentwicklung beurteilt. Den Frauen stehen drei Begleitungen durch die Stillberatung zur Verfügung. Es gibt die Begleitung durch die Mütter/ Väter Beratung.
Diese Anzeichen deuten darauf hin, dass ein Neugeborenes zu wenig trinkt
- Geringe Urin- und Stuhlmenge
- Unruhe oder im Gegenteil ungewöhnlich ruhiges Verhalten
- Abweichungen in der Gewichtszunahmekurve (kontrolliert von Hebamme und Kinderarzt)
Falls ein Kind dennoch zu wenig Nahrung erhält, welche Anzeichen deuten darauf hin?
Die nicht adäquate Gewichtsentwicklung. Neugeborene sollten am 10. Lebenstag ihr Geburtsgewicht wieder erreicht haben. In den ersten acht Wochen nach der Geburt sollten sie mindestens 170 g /Woche zunehmen. Kinder, die zu wenig zunehmen, haben weniger Urin- und Stuhl-Ausscheidungen. Sie können von ihrem Verhalten unruhig sein, aber auch sehr ruhig werden.
Wenn ein Kind diese Anzeichen aufweist, wie ist das weitere Vorgehen?
In diesem Fall muss nach der möglichen Ursache gesucht werden. Da gibt es mütterliche, wie kindliche Gründe die ursächlich dafür sein können. Die gilt es herauszufinden und ggf. zu beheben. Das ist nicht immer möglich. Es gibt zum Beispiel Erkrankungen der Mutter, die gehen mit einer geringen Milchproduktion einher, oder das Kind hat eine Erkrankung, die das ausschliessliche Ernähren an der Brust beeinträchtigen. In diesen Fällen wird das Kind vorübergehend, oder auch langfristig mit Muttermilch und Säuglingsmilch ernährt.
Welche eventuell falschen Annahmen führen dazu, dass Eltern im Zweifelsfall nicht zur Flaschenmilch greifen?
Möglicherweise, weil die Eltern das Kind ausschliesslich mit Muttermilch ernähren wollen.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, Babys 6 Monate lang ausschliesslich zu stillen. Jedoch ist Fläschchennahrung deswegen noch lange nicht ungesund. Es gibt viele Kinder, die sich auch durch Zufüttern oder komplette Fläschchenernährung gesund entwickeln, wie unser Erfahrungsbericht zeigt.