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von
Peter Kasser
Bilder schaffen Ordnung - so könnte man die Fähigkeit, oder das Bedürfnis, des Menschen erklären, in chaotisch anmutenden Strukturen irgendwelche Bilder zu erkennen, etwa ein Gesicht, oder ein Tier, ein Arbeitsinstrument - irgend etwas Gegenständliches.
Die funkelnden Sterne am Nachthimmel stellen eine solche willkürliche Struktur dar. Eine erkennbare Ordnung zeigt sich dem Laien da nicht. Erst durch die Gruppierung einzelner markanten Sterne zu einem Phantasiebild gelingt es ihm, sich einigermassen zu orientieren.
So hat der Mensch es geschafft, im Verlaufe der Jahrhunderte den gesamten Nachthimmel in imaginäre Einzelbilder zu zerlegen und so eine gewisse nachvollziehbare Ordnung in das sonst unüberschaubare stellare Wirrwarr zu bringen.

Meine Faszination für Sterne hatte ich im australischen Busch entdeckt. Hier, weit ab von störendem Stadtgeflimmer, wird man geradezu erschlagen von der Pracht schier unendlich vieler (*) funkelnder Lichter am Himmel.
Ich lernte, dass der gesamte Himmel in exakt 88 Felder unterteilt wird, die je einem einzelnen Sternbild zugeteilt sind. So versuchte ich, nach und nach einzelne dieser Sternbilder zu erkennen - was mir nach vielen Nächten tatsächlich auch immer besser gelang.
Diverse Sternführer, die ich zu diesem Zweck erstanden hatte, erwiesen sich als hilfreich, überzeugten mich aber aus didaktischer Sicht nie so richtig. Sie waren alle zu vollbepackt mit Informationen, die zwar interessant sein mochten aber für den Laien vorerst nur störend und überflüssig, wenn es ihm in erster Linie doch nur darum ging, sich am Nachthimmel überhaupt ein wenig zurechtzufinden und das eine oder andere schöne Sternbild als solches für sich zu entdecken.
So reifte in mir die Idee heran, selber einen Sternführer zu entwerfen Das Konzept bestand darin, zuerst von Künstlern alle 88 Sternbilder neu zeichnen oder malen zu lassen, dann den Himmelsausschnitt für jedes dieser Sternbilder in exakter Nord-Süd-Ausrichtung einzeln abzubilden, und diesen Himmelsausschnitt anschliessend mit der bildlichen Darstellung des fraglichen Sternbildes zu überlagern. So würde dem Betrachter die Möglichkeit geboten, nachzuvollziehen, wie man unter all den Hunderten von sichtbaren Sternen auf die Idee kommen konnte, ausgerechnet diese und jene Sterne zu einem einheitlichen Bild zusammenzuführen.
Für die Präsentation der Sternbilder hatte ich vorgesehen, pro Saison jeweils sechs der dann sichtbaren, auffälligsten Sternbilder zu zeigen - zusätzlich zu einer Darstellung der sechs prominentesten Sternbilder der Nordpolregion, die man (zumindest auf der nördlichen Hälfte der Erde), während des ganzen Jahres sieht. Die Präsentation dieser insgesamt 30 nördlichen Sternbilder sollte dann mit weiteren 30 prominenten Sternbildern der südlichen Hemisphäre ergänzt werden. Die verbleibenden 28 eher unscheinbaren Sternbilder konnten dann gleichsam im Schnellverfahren im Anhang ergänzt werden - der interessierte Laie würde sie ohnehin kaum je beachten - und wenn doch, wäre er über das Niveau dieser Laien-Präsentation längstens herausgewachsen...
Aus nachvollziehbaren materiellen Gründen wurde dieses Projekt nie realisiert.
Immerhin sei hier die Grundidee des Sternführers als "Projektskizze" publiziert. Vielleicht findet sich irgendwann ein idealistischer (und betuchter) Sternfreund, der es verwirklichen will.
Peter Kasser, Dezember 2012
*)Astronomen lehren uns, dass es in unserer Galaxis, der Milchstrasse, mindestens 200 Milliarden Sterne gibt. Von der Erde aus sehen wir von blossem Auge allerdings "nur" rund deren 6'000.
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