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Erdbeben in Haiti
Das Erdbeben in Haiti 2010 machte fast 1.5 Millionen Menschen obdachlos. Die Humanitäre Hilfe des Bundes führte die grösste Soforthilfeaktion ihrer Geschichte durch. Heute engagiert sich
die Humanitäre Hilfe im Wiederaufbau. Während die Nothilfe und Early-Recovery-Aktivitäten dazu beitragen, die Grundbedürfnisse der Menschen zu decken, muss die internationale Gemeinschaft das Land
langfristig beim Aufbau einer neuen Infrastruktur unterstützen.
150 Schweizer Expertinnen und Experten verarzten u.a. über 800 Frauen und Kinder und richteten rund 50 Trinkwasserstellen ein, die täglich bis zu 50`000 Personen mit Trinkwasser versorgen. Heute engagiert sich die Humanitäre Hilfe im Wiederaufbau: In 2011 wurde mit dem Bau von zwei Pilotschulen in Petit-Goâve für 1000 Kinder begonnen.
Das Erdbeben, das Haiti am 12. Januar 2010 heimsuchte, hinterliess Verwüstung und Zerstörung in noch nie dagewesenem Ausmass. Gemäss UNO-Quellen kamen über 230000 Menschen ums Leben und gegen
300000 Personen wurden verletzt. Rund 1,5 Millionen Menschen sind seither obdachlos und müssen in provisorischen Unterkünften wohnen. Viele Menschen sind traumatisiert.
Humanitäre Hilfe und Nothilfe
Medizinische Versorgung, Aufbau von Notunterkünften und Zugang zu Trinkwasser
Der Bund hat den Opfern des Erdbebens vom 12. Januar 2010 insgesamt 170 Tonnen Hilfsgüter bereitgestellt. Nebst Zelten, Decken, Moskitonetzen, Wassertanks und Küchensets führten die Flugzeuge auch ein komplettes Feldspital mit, das mit Operationstischen, Medikamenten und medizinischen Geräten ausgestattet ist. Über 150 Fachleute (Ärzte, Logistiker, Fachleute in den Bereichen Wasser, Hygiene und Notunterkünfte) wurden in die zerstörten Regionen entsandt. Aufgrund der Armut und der schlechten Infrastruktur (namentlich Strassen und Kommunikationsverbindungen) stellt Haiti eine besondere Herausforderung dar, insbesondere im Sicherheitsbereich. In Haiti ist die Bewegungsfreiheit des Personals der humanitären Hilfe stark eingeschränkt. Während der ersten Monate nach der Katastrophe behandelte das Schweizer Medizinteam mehr als 800 Patientinnen und Patienten, nahm 620 chirurgische Eingriffe vor, die viele Menschenleben retten konnten. Das Team war bei 95 Geburten dabei, wobei viele Babys per Kaiserschnitt zur Welt kamen, und behandelte Hunderte von Kindern. Mit dem zur Verfügung gestellten Material konnten die Erdbebenopfer Unterkünfte bauen. Die humanitäre Hilfe analysierte den Zustand der Schulen und errichtete Zelte, um eine Fortsetzung des Unterrichts zu gewährleisten. Da die Mehrheit der Trinkwasserverteilstellen der Hauptstadt zerstört wurde, kümmerte sich die humanitäre Hilfe der Schweiz als erstes um eine rasche Instandstellung der sogenannten «Wasser-Kioske».
Interview mit Suzette André, Begünstigte der Hilfe der Schweiz in Haiti
"Das Zelt der DEZA schützt uns vor dem Regen"
Wiederaufbau
Im März 2010 beschloss der Bundesrat, 36 Millionen Franken für den Wiederaufbau Haitis bereitzustellen. Aus Spenden der Glückskette und ihrer Partnerorganisationen wurden weitere 66 Millionen Franken beigesteuert.
Die Humanitäre Hilfe des Bundes engagiert sich im Bereich des Wiederaufbaus sozialer Infrastrukturen (Schulen und Gesundheitseinrichtungen). Dieses Engagement erfolgt in enger Zusammenarbeit mit den haitianischen Behörden und der internationalen Gemeinschaft, z.B. im Rahmen des Projekts zur Unterstützung des Wiederaufbaus / der Sanierung der schulischen Infrastruktur (PARIS). Sie unterstützt auch dezentrale Projekte, um eine ausschliessliche Konzentration der Hilfe auf die Hauptstadt Port-au-Prince zu vermeiden. Die Projekte der DEZA umfassen auch Aktivitäten, welche die Risiken von Naturkatastrophen mindern und Standards für erdbebensicheres Bauen fördern.
Technische Unterstützung und Ausbildung im Bereich des Wiederaufbaus
Seit Juli 2010 unterstützt ein Kompetenzzentrum für Wiederaufbau (Centre de compétence reconstruction, CCR) das Kooperationsbüro der Humanitären Hilfe in Port-au-Prince. Im Vordergrund seiner Arbeit stehen die Verbesserung der Qualität der durchgeführten Projekte und die Stärkung der lokalen Kapazitäten. Die Wiederaufbauarbeiten der DEZA und ihrer Partner sollen unter anderem durch die Bereitstellung von spezifischem Fach- und Methodenwissen unterstützt werden. Das CCR trägt zur Verbesserung der praktischen Fertigkeiten von Maurern und Arbeitern bei, indem es in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Institut für Berufsbildung Ausbildungsmodule konzipiert und Schulungen durchführt. Zudem unterstützt das CCR das Bauministerium bei der Entwicklung und Verbreitung von verständlichen Informationen zu einfachen Bautechniken und wirkt so bei der Aufklärung und Sensibilisierung der breiten Öffentlichkeit für erdbeben- und hurrikansicheres Bauen mit.
Interview mit Martin Weiersmüller, ehemaliger Koordinator des Kooperationsbüros in Haiti. 26.11. 2010
Flyer "Haiti: Centre de Compétences Reconstruction - Bureau de la Coopération suisse en Haïti"
Weitere Informationen
Weiterführende Informationen und Dokumente
- Erdbeben in Haiti und Wiederaufbau Factsheet
Juli 2012, 2 1/2 Jahre danach
Download (PDF, 418 KB) : [de] [fr]
- Evaluation SDC Humanitarian Aid: Emergency Relief
Cases: Haiti, Sumatra, Gaza and Sudan
Download (PDF, 4482 KB) : [en]
- Eine Welt
Nur in der Schweiz bestellbar
Nr. 4/2011: Der urbane Planet - Eine Reportage aus La Paz/El Alto
Download (PDF, 10799 KB) : [de] [fr] [it]
Bestellen
- Haiti: Von der Lebensrettenden Nothilfe zur nachhaltigen Entwicklungszusammenarbeit
Latin Brief Juni 2011
Download (PDF, 621 KB) : [de] [fr] [es]
- Rede von Martin Dahinden: Haiti braucht rasche Hilfe und langfristige Unterstützung
Download (PDF, 102 KB) : [de]
- Factsheet Cholera-Epidemie Haiti - Dezember 2011
Download (PDF, 87 KB) : [de] [fr]
- Factsheet Erdbeben Haiti: Ein Jahr danach - Januar 2011
Download (PDF, 374 KB) : [de] [fr]
- Erdbebensicheres Bauen in Haiti