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Die Finanzierung des Baus der neuen Schutzhülle um die Atomruine in Tschernobyl ist vorerst gesichert. Auf einer Geberkonferenz in London unter deutscher Leitung kamen am Mittwoch insgesamt 530 Millionen Euro zusammen.
Für die Bauarbeiten werden nach derzeitigen Schätzungen zwar 615 Millionen Euro zusätzlich benötigt. Es sei aber «sehr wahrscheinlich», dass weitere Geberländer den noch fehlenden Betrag bald beisteuern würden, sagte der deutsche Staatssekretär Jochen Flasbarth, der als Vertreter der G7-Staaten sprach. Unter anderem hätten Russland und China Zusagen gemacht, ohne konkrete Summen zu nennen.
Der Neubau soll die brüchige Schutzhülle aus Beton ersetzen, die nach der Explosion eines Reaktors in dem ukrainischen Atomkraftwerk 1986 über den Trümmern errichtet worden war.
Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) übernimmt mit 350 Millionen Euro den grössten Teil. Der Rest kommt von der EU-Kommission und den G7-Staaten Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Grossbritannien und USA. Deutschland hat derzeit die Präsidentschaft der sieben führenden westlichen Industrienationen (G7) inne.
Der «Sarkophag» genannte derzeitige Schutzhülle sollte die tödliche Verstrahlung stoppen. In den vergangenen rund 30 Jahren setzten Regen, Frost und Sturm dem 65 Meter hohen Provisorium zu. Es bildeten sich mehr als 100 Risse, tragende Wände drohen einzustürzen.
Dem Einsturz könnte nach Ansicht von Atomphysikern eine zweite Strahlen-Katastrophe folgen. Der Neubau einer stabileren Schutzhülle soll für die nächsten 100 Jahre Sicherheit bringen. Der Sarkophag soll 108 Meter hoch, 165 Meter lang und 260 Meter breit werden.
Die Katastrophe von Tschernobyl in der Ukraine gilt als der schwerste Unfall in der zivilen Nutzung der Atomkraft. Am 26. April 1986 führten Bedienungsfehler und Sicherheitsmängel zu Explosionen in dem Atomkraftwerk.
Ein Reaktor wurde zerstört, eine radioaktive Wolke breitete sich aus. Am stärksten war Weissrussland betroffen, doch die Strahlung erreichte auch weite Teile Westeuropas. Tagelang verschwieg die damalige sowjetische Führung das Ausmass des Unglücks.
Die Zahl der Toten infolge der Katastrophe ist umstritten. Nach einer Schätzung der Weltgesundheitsorganisation starben in der damaligen Sowjetunion bis zu 17'000 Menschen, Atomkraftgegner sprechen von bis zu 100'000 Toten. (gag/sda/dpa)