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Pontifex
(lat. Wort ungewisser Etymologie, angeblich »Brückenbauer«),
im alten
Rom
[* 2] ein Mitglied des obersten Priesterkollegiums,
dem die
Aufsicht und
Verwaltung des gesamten Religionswesens, des
Staats- und Privatkultus zukam. Die
Stiftung
des
Pontifikats wird auf
Numa zurückgeführt, unter welchem vier Pontifices aus den beiden
Stämmen der
Ramnes und
Tities ernannt
worden, zu denen als fünfter der
Pontifex maximus (s. unten) gekommen sein soll. Durch das
Ogulnische
Gesetz kamen 300
v. Chr. noch vier plebejische Pontifices hinzu.
Sulla erhöhte die Zahl auf 15,
und die
Kaiser ernannten in ihrer
Eigenschaft als Pontifices maximi nach
Willkür Mitglieder des
Kollegiums.
Die Würde war lebenslänglich. Die Wahl der Pontifices stand ursprünglich dem Kollegium derselben zu (Kooptation); doch wurde 104 das Wahlrecht auf die Tributkomitien übertragen, und diese übten es (mit kurzer Unterbrechung unter und nach Sulla) bis zur Zeit der Kaiser. Erfordernis zur Bekleidung des Pontifikats war anfangs patrizische Geburt, dann nur ein reiferes Lebensalter und Freiheit von andern Ämtern. Später wurden auch diese Erfordernisse nicht mehr berücksichtigt.
Die Amtsgeschäfte der Pontifices bestanden in der Aufsicht über die richtige Vornahme der vorgeschriebenen Ritualhandlungen und über die Priester und deren Diener, in der Führung des gesamten Kalenderwesens und in Entscheidungen und Gutachten über sakralrechtliche Verhältnisse. Auch war bei manchen Verrichtungen des Staats- und Privatlebens, welche auf das Sakralrecht basiert waren, eine persönliche Assistenz der Pontifices erforderlich, so bei allen Weihungen etc. Endlich vernichteten die Pontifices auch Kultushandlungen, Opfer u. dgl., wenn der dazu bestimmte Flamen abgehalten war.
Der Vorsteher des
Kollegiums war der
Pontifex maximus, dessen
Amt von
Augustus bis auf
Gratian stets als
Attribut der Kaiserwürde fortbestanden
hat. Die
Wahl desselben geschah zur Zeit der
Republik durch das
Volk in den Tributkomitien und zwar auf Lebenszeit.
Der
Pontifex maximus trug als
Amtstracht ein weißes
Kleid mit Purpursaum und hatte die von seinem
Kollegium gefaßten Beschlüsse
zu vollziehen sowie die Annales maximi oder pontificum (Aufzeichnungen der denkwürdigen Begebenheiten des
Jahrs) abzufassen.
Von diesen sind zu scheiden die
Libri und Commentarii pontificum (Aufzeichnungen über
Ritual- und Sakralrecht).
Vgl. Hüllmann, Jus pontificium der Römer [* 3] (Bonn [* 4] 1837);
Ambrosch, Über die Religionsbücher der Römer (das. 1843);
Preibisch, Fragmenta librorum pontificiorum (Tilsit [* 5] 1878).
In der christlichen Zeit ist
Pontifex maximus Bezeichnung für den
Papst.