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Am 16. September 1666 wird der spätere Abt Thassilo als Sohn des Mesners zu Erling beim Kloster Andechs geboren. Er wird auf den Namen Michael getauft. Die Schulausbildung erhält er an der Andechser Klosterschule und im Collegium Gregorianum in München. 1687 ist er Novize und legt 1688 Profess in Wessobrunn ab. Hier nimmt er den Klosternamen Thassilo an. Er beginnt das Philosophiestudium im Kloster Scheyern, studiert ab 1691 Theologie in Mallersdorf und Frauenzell. 1695 feiert er Primiz. Im Kloster ist er vorerst Prior, ab 1703 Ökonom. Er wird am 13. Oktober 1706 zum Abt gewählt.
Er wird in der Kongregationschronik als ausgezeichneter Ökonom und Verfechter monastischer Disziplin gelobt. Erstaunlich, dass er bei diesen Qualitäten trotz schlechter Finanzlage[1] sofort nach seiner Wahl mit der weiteren Verwirklichung des repräsentativen Klosterneubaus nach dem Idealplan von 1679 beginnt. Er muss mit dem berühmten barocken «Bauwurmb» infiziert worden sein. Für die Neubauten sollen die noch im 16. Jahrhundert angefügten und umgebauten Konvent- und Abteigebäude weichen. 1707 lässt Abt Thassilo als erstes die hochgotisch umgebaute Marienkapelle, das «Alte Münster»,[2] von ihren Einrichtungen und Gräbern räumen, diese würdig umstatten, um dann mit dem Abbruch der Kapelle Platz für den Konventneubau des Baumeisters Joseph Schmuzer zu gewinnen. Als erstes ist 1715 der Südflügel mit der Bibliothek im Mittelrisalit fertig. 1718 ist der Ostflügel, 1728 der östliche Teil des Nordflügels erstellt. Schon 1716 beginnt Abt Thassilo auch mit dem Kirchenumbau. Er lässt den nördlichen Kreuzgangflügel abbrechen, um mehr Licht in das südliche Seitenschiff zu bringen, für eine bessere Belichtung des Chores erstellt er ein Querschiff und erweitert die Kirche um einen neuen Mönchschor im Osten. 1723–1725 fügt er dem Langhaus im Norden und Süden zwei neue Kuppelbauten, die Marien- und Benediktskapelle, an. Nebst dem grossen Klosterneubau ist Abt Thassilo auch Bauherr von neuen Kirchenbauten in den zu Wessobrunn gehörenden Pfarreien. Mit Joseph Schmuzer baut er 1716−1716 in Issing, 1718−1742 in Moorenweis, 1722−1734 in Pähl, 1723−1739 in Wielenbach und 1726−1735 in St. Leonhard.
Der grosse Bauabt ist im Konvent nicht unumstritten. Er führt die Umbauten im Mönchschor ohne vorherige Konsultation der Konventualen durch und provoziert Beschwerden, in denen gar sein Lebenswandel mit demjenigen der Äbte «in Gallia» verglichen wird und die ihm damit französische Lebensart vorwerfen. Er kann aber mit Recht auf grosse innere Erfolge hinweisen. In seiner Regierungszeit nimmt er neben zwei Konversen 31 Fraters auf, die er allesamt studieren lässt und für diese Studien 36 000 Gulden aufwendet.
Abt Thassilo Boelzl stirbt am 21. April 1743 nach einem Schlaganfall im Alter von 77 Jahren. Er wird in der neuen Benediktskapelle begraben. Sein geviertetes Wappen mit der Jahreszahl 1735 ist über dem Haupteingang des südlichen Gästeflügels angebracht. Allerdings ist dieser schon zu Zeiten des Abtes Leonhard III. Weiss erstellt worden. Das Abtswappen scheint erst kürzlich anstelle des im Führer erwähnten Wappens der Freiherren von Cramer-Klett angebracht worden sein.
Pius Bieri 2009
Benutzte Literatur:
Andrian-Werburg, Irmtraud: Die Benediktinerabtei Wessobrunn (Germania Sacra. Das Bistum Augsburg), Berlin 2001.
Dischinger, Gabriele: Johann und Joseph Schmuzer, Sigmaringen 1977.
[2] Auf dem Merian-Stich ist die Marienkapelle als nach Osten vorspringender gotischer Sakralbau deutlich erkennbar.
|Thassilo Boelzl (1666–1743), Abt 1706–1743 in Wessobrunn|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|16. September 1666||Erling bei Andechs Bayern D||Kurfürstentum Bayern|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Abt OSB der Benedikterabtei Wessobrunn||1706–1743|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|21. April 1743||Wessobrunn Bayern D||Kurfürstentum Bayern|
|Kurzbiografie|

Abt Thassilo Boelzl steht Wessobrunn während 27 Jahren vor. Er ist guter Ökonom, gleichzeitig auch vom barocken «Bauwurmb» befallen. Denn trotz Geldmangel und Schulden setzt er den Klosterneubau nach dem Idealplan von Johann Schmuzer fort. Klosterbaumeister ist jetzt Joseph Schmuzer, der ihm auch fünf Kirchen in den Klosterpfarreien baut. Intern ist der entscheidungsfreudige Abt nicht unumstritten, er scheint wenig von basisdemokratischer Mitsprache zu halten. Sein Lebensstil in französischer Art wird bemängelt. Sein Wirken in Wessobrunn, das in eine fast zwanzig Jahre dauernde Friedenszeit fällt, ist für das Kloster aber insgesamt segensreich, sei es auf wirtschaftlichem Gebiet oder in Bezug auf die grosse Anzahl gebildeter Konventualen.
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