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Sebastian Ofner hat vor Wimbledon noch nie auf Rasen gespielt, kein ATP-Turnier bestritten und kein einziges Fünfsatz-Match absolviert. Nun hat sich der 21-jährige Österreicher mit der Falco-Frisur wie aus dem Nichts für die 3. Runde qualifiziert.
Er ist bislang DIE Sensation des diesjährigen Wimbledon-Turniers: Sebastian Ofner. Der 21-jährige Österreicher (ATP 217) hat sich dank eines Siegs über den Amerikaner Jack Sock (ATP 18) für die dritte Runde qualifiziert. Die Geschichte des Rechtshänders im All England Lawn Tennis and Croquet Club klingt wie ein Märchen, ein überaus verrücktes Märchen.
Ofner, der vor einem Jahr noch ausserhalb der Top 500 klassiert war, stand vor Wimbledon noch nie im Hauptfeld eines ATP-Turniers. Lediglich die Quali bei seinem Heimturnier in Wien durfte er im letzten Jahr bestreiten.
Auch in Wimbledon musste der Mann mit der Falco-Frisur die Qualifikation bestreiten. Die Erstrunden-Partie dort gegen den Belgier Kimmer Coppejans war sein erstes Spiel auf Rasen überhaupt. Ein zweistündiges Training in Roehampton musste dem Sandplatz-Spezialisten genügen, um sich an die schnelle Unterlage zu gewöhnen. Der Österreicher gewann schliesslich hauchdünn mit 7:6, 3:6 und 10:8. Unmittelbar davor hatte er noch einen Sandplatz-Challenger in der Slowakei bestritten.
Im Quali-Finale von Wimbledon bestritt Ofner schliesslich das erste Fünfsatz-Match seiner Karriere. Gegen den Briten Jay Clarke lag er bereits mit 0:2-Sätzen hinten, drehte die Partie dann aber doch noch. Kurios: Bei allen anderen Grand-Slam-Turnieren wäre Ofner bereits draussen gewesen. Nur in Wimbledon wird das letzte Quali-Match über fünf Sätze gespielt.
Über fünf Sätze musste Ofner auch in Runde 2 gegen Jack Sock, nachdem er zuvor in der 1. Runde den Brasilianer Thomaz Bellucci in drei Sätzen aus dem Weg geräumt hatte. «Ich kann es gar nicht glauben, ich habe vor diesem Turnier noch nie auf Rasen gespielt, jetzt stehe ich in der dritten Runde», freute sich der Shooting Star danach. Mit dem Sensationssieg hat Ofner nun bereits mehr als doppelt so viel Preisgeld kassiert (knapp 100'000 Franken) wie in seiner ganzen Karriere (45'000 Franken) zuvor.
Die Stärken des 1,91 Meter grossen Rechtshänders sind der Aufschlag sowie die krachende Vorhand. In Wimbledon ist aber auch seine zweihändige Rückhand eine Waffe. Weil sie sehr flach und schnell ist, ist sie prädestiniert fürs Rasentennis. Sein Vorbild? Na klar, Roger Federer.
Aber eigentlich spielte Ofner als Teenager ja lieber Fussball. Erst nachdem er vor zwei Jahren die Matura bestand, konzentrierte er sich voll aufs Profi-Tennis. Seither wird er von der österreichischen Armee unterstützt, einen Privatsponsor hat der Fan des FC Barcelona aber nicht. Shirt, Hose, Socken, Schuhe, Racket – alles stammt von unterschiedlichen Firmen.
«In der Qualifikation habe ich mit dem gleichen Dress alle drei Matches gespielt. Einmal habe ich es gewaschen», erzählt Österreichs Nummer 4, die von Dominic Thiems Vater Wolfgang gecoacht wird, nach dem Sieg gegen Sock. «Jetzt im Hauptfeld habe ich wieder die gleichen Klamotten benutzt, aber gewaschen.» Da muss er selbst lachen.
In der 3. Runde wartet nun aber nochmals ein ganz anderer Brocken: Die Weltnummer 12 Alex Zverev. Der um ein Jahr jüngere Deutsche gilt als künftige Weltnummer 1 und geht deutlich ausgeruhter in die Partie als Ofner. Während der Österreicher in Wimbledon und Roehampton bereits 18 Sätze gespielt hat, ist Zverev nach zwei Partien noch ohne Satzverlust.
«Ich bin ziemlich geschafft», gesteht Ofner nach dem Sieg gegen Sock ein. Deshalb wollte er den Sieg gegen Sock nur ganz kurz feiern: «Jetzt gibt es noch zwei Bier, dann wird aber geschlafen. Ich will ja für Samstag ready sein», so Ofner.
Was ihn gegen Zverev erwartet, weiss der Überraschungsmann ganz genau: «Gegen ‹Sascha› wird's wahrscheinlich schwerer als gegen Sock. Ich werde alles versuchen, um das Match zu gewinnen. Ich habe ein paar Matches von ihm gegen Dominic Thiem gesehen, auch sein Finale in Rom gegen Novak Djokovic. Daher weiss ich genau, wie er spielt.»
Verstecken muss sich Ofner nicht. Der Österreicher hat nichts zu verlieren, kann befreit aufspielen. Und: Im Gegensatz zu Zverev hat Ofner noch kein einziges Rasenmatch verloren.