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„Die Spielhaltung soll so sein, als ob man durch das Mittel der Musik eine rituelle Handlung ausführen würde. Es wird in dieser Musik nichts ausgedrückt oder lyrisch umschrieben, alles muss äusserst streng sein“, so heisst es im Vorwort meiner Partitur.
Inspirationsquelle für die Komposition IN war die Philosophie und Praxis des indischen Yoga, die mich seit meiner Indienreise im Jahr 1998 beschäftigte. Das Sanskritwort kommt von „yuga“, Joch, und „yuj“, anjochen, zusammen binden, womit das Anbinden an den Ursprung des Seins, oder anders gesagt, an das Göttliche, gemeint ist. Diese Anbindung geschieht nicht durch theoretische Studien, sondern regelmässige körperliche Übung nach strengen Regeln. Letztendlich geht es darum, dass das kleine Ich als Bestimmendes zugunsten einer grösseren Wirklichkeit zurücktritt.
Mich faszinierte der Ansatz, den ich später auch im japanischen Zazen entdeckte, dass der Mensch durch körperliche Übung und Disziplinierung eine innere Entwicklung und Veränderung erlebt, und dass die Trennung zwischen Innen und Aussen letztlich unwichtig wird.
IN ist als Ritual komponiert, das heisst, es wird dabei kein Ritual dargestellt, sondern die Anlage der Komposition selbst besteht aus wenigen Elementen (musikalischen Handlungen), die nach strenger Ordnung immer wiederkehren und so einen rituellen Ablauf bilden. Insofern nehmen die Ausführenden selbst am Ritual teil. Das geht am Ende so weit, dass jeder Spieler nur noch einem ruhigen Atemrhythmus folgend für sich alleine spielt. Die Dauernverhältnisse dieses Rhythmus stammen aus dem „Visama Vrtti Pranayama“, einer Atemübung im Yoga.