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Zugdidi ist die Hauptstadt der Region Megrelien und Oberswanetien im Westen Georgiens (320 km von Tiflis entfernt) und grenzt an die gegenwärtige Administrativ-Grenze zu Abchasien. Von rund 120’000 Einwohnern sind rund ein Drittel Flüchtlinge. Die meisten von ihnen kamen in den Jahren 1993/1994 aus Abchasien und haben Zuflucht bei Verwandten, in Hotels, Schulen oder leerstehenden Fabriken in und um Zugdidi gefunden. In den vergangenen, knapp 20 Jahren hat sich die Wohnsituation in manchen ihrer Unterkünften leicht verbessert und einige Familien wurden umgesiedelt. Die Mehrheit der Flüchtlinge lebt jedoch weiter in Armut und leidet besonders stark unter den mangelnden ökonomischen Perspektiven, mit denen auch die einheimische Bevölkerung konfrontiert ist. Die gegenwärtige Arbeitslosenrate in der Region beläuft sich auf ungefähr 80% und die Abwanderung ist hoch.
2008 wurde Zugdidi kurzzeitig von russischen Truppen besetzt. Diese zogen sich später hinter den Fluss Enguri zurück, welcher nun einen Teil der aktuellen Administrativ-Grenze darstellt. Über die Enguri-Brücke führt der einzige offizielle Grenzübergang. Dieser liegt ungefähr 8 km von Zugdidi entfernt und kann nur mit einer Spezialbewilligung überquert werden (oder im Falle von Ausländern mit einer voraus beantragten Genehmigung).
Unter dem Titel „Bring your own Chair“ veranstaltete artasfoundation gemeinsam mit der georgischen NGO Samegrelo Medea im Herbst 2012 eine Serie von open-air Kinovorführungen. In einem Zeitraum von vier Wochen fanden insgesamt 28 Filmabende an 13 verschiedenen Orten in und um die Stadt Zugdidi statt. Das open-air Kino wurde in kleinen Dörfern oder bei Unterkünften für Vertriebene (IDP-Collective Centers) aufgebaut. Bei freiem Eintritt waren jeweils ein Vorfilm aus der georgischen Filmgeschichte und ein internationaler Feature Film zu sehen (Filmliste).
Ziel des Projektes war es, nach einer Unterbrechung von 25 Jahren wieder Filmkunst in eine abgelegene und von Krieg betroffene Region in Georgien zu bringen. Für die lokale Bevölkerung und die aus Abchasien vertriebenen Menschen wollte das Projekt eine Art Fenster zu verschiedenen Regionen der Welt öffnen und Themen präsentieren, die aktuell im internationalen Kino diskutiert werden. Dabei konnte es auf eine Tradition von Filmvorführungen bezugnehmen, die in Westgeorgien/Abchasien bis in die 1990er Jahre existierte.
Obwohl Filmvorführungen und ausserpolitische Veranstaltungen an öffentlichen Orten für die meisten Besucher ungewohnt waren, fanden sie regen Zuspruch. Das Publikum reichte von 30 bis ca. 120 Personen, darunter viele Kinder. Von den Filmen (12 Kurzfilme und 14 Feature Filme zur Auswahl) trafen insbesondere europäische und amerikanische Klassiker den Geschmack des Publikums.
Im Zuge der Filmvorführungen in Zugdidi wurden Kontakte zu lokalen Schulen und Behörden geknüpft, mit denen der Aufbau einer lokal getragenen Kinoinitiative begonnen werden kann.
Ein Team aus drei Mitarbeiter_innen von artasfoundation und drei Mitarbeiter_innen der lokalen NGO Samegrelo-Medea organisierte die Filmvorführungen. Als technische Grundlage diente ein mobiles Projektionssystem, welches durch Sonnenenergie betrieben wurde (Entwicklung: Cinema Solaire, Winterthur).
April – Juli 2012: Projektvorbereitung in Georgien und in Zürich, Auswahl
der Filme, Abklärung Rechte, usw.
August / September 2012: 28 Vorstellungen in Zugdidi und verschiedenen Orten in der Umgebung
Oktober 2012: Evaluation
Samegrelo Medea, Zugdidi (Marina Davitaia, <email-pii>)
DEZA Kooperationsbüro für den Südkaukasus
https://www.eda.admin.ch/deza/
Wir danken
den Unterstützern und Unterstützerinnen des Projekts
Astrablu Media (Josi Konski), Zviad Arabidze, Natia Bachilava, Lana Chakhaia, Gaga Chkheidze, HFF München (Ferdinand Freising), Hunter Group (Christina Hunter), Lavan Jabua, Tamara Janashia, Nana Janelidze, Maka Jikia, Rusudan Kalichava, Peter Liechti, Fiona Meisel, Stadtverwaltung Zugdidi, Pandorafilm (Eva Blondiau), Birgit Reichert, Cinéma Solaire (Christoph Seiler), Sounding Images (Claus Wischmann), Cyrill Schläpfer, Beat Schneider, Volgafilm (Ludmila Sirokova), Yves Yersin und Stucky Film, Zaentz Media Center (David Bergad) und vielen anderen;
den zusätzlichen Sponsoren
RhW Stiftung, Valüna Stiftung und SDC-Südkaukasus
und dem Projektteam
artasfoundation: Patrick Kull (Leitung), Adrian Bodisch und Corina Caviezel.
Samegrelo Medea: Marina Davitaia (Leitung), Iana Emukhvari, Teimuraz Gitolendia und Shorena Ketsbaia