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Das Geheimnis der psychischen Stärke
Resilienz nennen die Psychologen die Widerstandskraft der Seele, die Menschen hilft, ihre Traumata zu bewältigen. Die Frage, warum dies den einen Menschen gelingt und den anderen nicht, ist nicht neu: Die Griechen erklärten sie mit der Gunst der Götter. Die Calvinisten mit der Vorbestimmung und Erwählung durch Gott. Selbst die Märchen erzählen in Symbolen, warum Aschenputtel zur Prinzessin, Schneewittchen zur Königin und warum Pechmarie mit Schande übergossen wird.
Die amerikanischen Psychologinnen Emmy Werner und Ruth Smith untersuchten bereits in den Siebzigerjahren das Resilienz-Phänomen. Sie beobachteten über vier Jahrzehnte hinweg den Lebensweg von 698 Kindern auf der hawaiischen Insel Kauai. Die Kinder, die alle 1955 auf die Welt kamen, litten unter Armut, geringer Bildung und der psychischen Krankheit eines Elternteils.
Einem grossen Teil dieser Risikokinder gelang es nicht, den Teufelskreis zu durchbrechen: Sie wurden kriminell und nahmen Drogen. Die anderen Kinder liessen ihre schwierige Vergangenheit hinter sich und fanden den Einstieg ins Leben. Werner und Smith führten dies auf bestimmte Merkmale wie gutes Aussehen, ein positives Temperament und Intelligenz zurück. Diese Schutz-
faktoren stiessen in der Umwelt der Kinder auf positive Reaktionen.
Deutsche Studien bestätigen dieses Resultat: Kinder, die häufig lächeln, freundlich sind, früh die Sprache und das Lesen beherrschen, erhalten mehr Anerkennung und werden stärker gefördert.
Auch wenn die Resilienz-Forschung einräumt, dass für die Bewältigung eines Schicksalsschlags sicher die Umwelt, die Genetik und der Charakter eine Rolle spielen, so machen sie doch sieben Faktoren aus, die ausschlaggebend sind: Den Optimismus, in den schwierigen Situationen auch das Positive zu sehen, den gesunden Realitätssinn, Dinge und Menschen zu akzeptieren, die Kreativität, Lösungen zu entwickeln, ein gesundes Selbstvertrauen, um der Opferrolle zu entrinnen, den Willen, Verantwortung zu übernehmen und die Zukunft zu gestalten und zu planen, und die soziale Kompetenz, auf andere zuzugehen und Freundschaften zu pflegen.
Gerade die Beziehungen seien wichtig, so die Resilienz-Forscher. Werner und Smith stellten bei ihren Untersuchungen fest, wie entscheidend es für die Kinder war, dass sie eine stabile Beziehung zu einer Bezugsperson, einem Mentor, Lehrer oder
einem Freund hatten, der an sie glaubte und sie unterstützte.
Tilmann Zuber
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