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Geschichte Gemeinde Gisikon
Gisiker Wappen
Geologische Beschaffenheit
Gisikon ist mit 1,08 Quadratkilometern die flächenmässig kleinste Gemeinde des Kantons Luzern. Gisikon liegt am Hang des Rooterberges der aus Moränen des Reussgletschers, aus Sandstein, Mergel und Nagelfluh besteht. Die Ortschaft liegt 421 Meter über Meer (beim Bahnhof), auf 620 Metern über Meer steht der Weidhof.
Früher floss die unkorrigierte Reuss wie ein Delta durch die Gegend. Die ganze Reussebene war ein Sumpfland. Ab 1820 begann man die Reuss tiefer zu legen. Als der Kanton Luzern 1848 von Ebikon nach Gisikon eine Strasse der II. Klasse anlegen wollte, schrieben die Gisiker, dass sie eine Strasse der I. Klasse angemessener fänden. 1849 wurde dann der Bau der heutigen Kantonsstrasse in Angriff genommen. 1864 wurde die Bahnlinie Zug-Luzern eröffnet.
Neuere Entwicklung
Aber trotz gutem Anschluss an Bahn und Strassenetz scheint das Gemeindeleben bis zum Jahre 1965 geruhsam und relativ unbewegt. Ende der 60er-Jahre setzte eine rege Bautätigkeit ein. Vorausschauend auf die weitere Bautätigkeit erstellte die Gemeinde 1976 ein schönes Gemeindehaus, in dem neben einem Verwaltungsgeschoss die Feuerwehrlokalitäten und Zivilschutzräume für 100 Personen gebaut wurden. 1977 wurde im Zonenplan ein kompaktes Baugebiet Reussblick/Scheidegg/Mühlehof/Bühl ausgeschieden und unterdessen auch fast vollständig überbaut. Vor ein paar Jahren setzte eine grosse Nachfrage nach Bauland und Einfamilienhäusern ein, dies nicht zuletzt darum, weil Gisikon mit dem Autobahnanschluss an die N14 und dem nahen SBB-Bahnhof verkehrstechnisch gut erschlossen ist.
1985 wurden in der Klausmatt die ersten Mehrfamilienhäuser mit 28 Wohnungen realisiert Weitere Mehrfamilienhäuser entstanden seit 1990 in der «Wüeschti» dessen Flurname allerdings in «Lindenfeld» umbenannt wurde.
Brücken
Gisikon war ein bedeutender Brückenkopf für den Regionalverkehr aus dem Seetal und den Freien Ämtern sowie für den Fernverkehr vom Schwarzwald über Schaffhausen und Baden nach Luzern und dem Gotthard.
Seit 1426 beriet der Luzerner Rat über die Frage eines Brückenbaus in Gisikon. Er entschied sich Jahr 1431, eine gedeckte Brücke über die Reuss zu schlagen. Der Unterhalt war seit 1432 aus den Zollerträgen zu bestreiten.
Am 11. Januar 1811 beschloss der Regierungsrat einen Brückenbau nach dem Plan des Zimmermeisters Hug. Aber erst nachdem die alte gedeckte Holzbrücke beim Entscheidungsgefecht des Sonderbundskrieges am 23. November 1847 durch Einschüsse schwere Schäden erlitt, wurde 1854 ein Brückenneubau in Angriff genommen.
Als der Grosse Rat am 27. Oktober 1913 beschloss, die projektierte, vom Bund mit 50 % unterstützte Reusskorrektion ab Einfluss der Kleinen Emme bis zur Kantonsgrenze mit 25 % zu subventionieren, war bereits ein Brückenneubau für Fr. 220’000.00 im Kostenvoranschlag inbegriffen. Aus den verschiedensten Gründen, auch weil das Bauwerk den Ansprüchen des aufkommenden Autoverkehrs immer weniger genügte, wurde 1933/1934 die 72 m lange, mit einer 6 m breiten Fahrbahn mit je 1,5 m breiten beidseitigen Trottoirs versehene Eisenbetonbrücke erstellt, welche am 12. Juni 1934 dem Verkehr übergeben wurde.
Das Anschlusswerk an die N14 bedingte erneut einen Brückenneubau über die Reuss als vierspurigen Zubringer für die Autobahn. Am 15. Oktober 1974 wurde die jüngste Reussbrücke dem Verkehr übergeben.
Zoll
Das letzterbaute Zollhaus, der heutige Gasthof Tell, entstand 1847/48. Am 12. September 1845 stellte die Baukommission fest, dass sich eine Reparatur nicht lohne, und schlug den Neubau an der neuen Kantonsstrasse vor. Der Bauauftrag für eine Summe von Fr. 2’750 wurde am 21. Februar 1847 vergeben. Der Bau sollte Mitte August 1847 vollendet sein. Die sonderbündische Truppenmobilisierung und das Entscheidungsgefecht zwischen Eidgenössischen- und Sonderbundstruppen in Gisikon verzögerten die fristgemässe Ausführung. Am 27. Dezember 1847 meldete Bauunternehmer Arnet der Baukommission, das Gebäude sei bis an die Riegelverkleidung, Wandtäfelung sowie Türen und Fenster fertig erstellt.
Dieses Zollhaus, ausgestattet mit dem Tavernenrecht, wurde durch den Bundesvertrag von 1848, der die Binnenzölle abschaffte, unnötig. Vorerst wurde es von alt Zöllner und Metzger Franz Portmann in Pacht geführt. Die Staatsdomänenverwaltung versteigerte die Wirtschaft zum Wilhelm Tell samt zugehöriger Scheune und Grundstücken schliesslich am 9. Oktober 1855 auf Mitte März 1856 um Fr. 33’050, vorbehältlich der grossrätlicher Ratifikation, in öffentlicher Steigerung und unter Aufsicht des Gemeinderates, an Anton Rüssli von Luzern. Am 27. Dezember 1858 ging die Liegenschaft zum Wilhelm Tell auf den 1. Januar 1859 um Fr. 26’000 an Kaspar Weingartner von Inwil über. Nach Weingartners Tod wurde der Tell am 17. November 1868 unter konkursrichterlicher Aufsicht für Fr. 43’300 an Gemeindepräsident Kaspar Knüsel von Honau versteigert. Dieser verkaufte die Liegenschaft am 28. März 1898 mit Handänderung auf den 1. Mai für Fr. 70’500 an Xaver Waldispühl, den Gemeinderatspräsidenten von Honau. Am 7. November 1902 erwarb Burkhard Mattmann von Inwil die Wirtschaft zum Wilhelm Tell für Fr. 77’000 auf den 1. Mai 1903. Seither ist der inzwischen mehrfach umgebaute und um ein Motel erweiterte Betrieb in Familienbesitz.
Gisikon und die Schlachten der Schweiz
Der Brückenkopf Gisikon war militärisch bedeutsam. Im Bauernkrieg 1653 besetzten die aufständischen Bauern die Brücke. Die ansässigen Bauern von Root, Meierskappel, Gisikon und Honau, «unsere liebe und getrüwe underthanen der graffschaft hapsburg», kämpften damals auf der Seite der Regierung. Sie erhielten deshalb am 25. September 1653 urkundlich ein rotseidenes Banner mit einer weissen Burg und einem goldenen Habicht samt der Inschrift «Inconcussae fidei symbolum» sowie Zollfreiheit bei der Gisikoner Brücke und am Weggistor, aber auch eine Ermässigung der Vogtsteuer zugesprochen.
Zur Zeit der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den reformierten und katholischen Orten war Gisikon erneut militärisches Aufmarschgebiet. Im ersten Villmerger-Krieg wurde der Brückenkopf im Januar 1656 vorsorglich gegen mögliche Einfälle bernischer reformierter Truppen von einer katholischen Luzerner Kompagnie besetzt gehalten. Als im zweiten Villmerger-Krieg von 1712 Luzern erkannte, dass ein Sieg kaum zu erringen war, wollte es um des Friedens willen die Grafschaft Baden und das Freiamt abtreten. Die Aufrührer besetzten die Brücke und behändigten die Geschütze. Am 19. Juli passierten etwa 4’000 Mann aus den «innern Orten» die Brücke auf dem Weg ins Freiamt.
Diese Aufbruchstimmung verhinderte aber nicht die Niederlage am 25. Juli 1712 bei Villmergen. Nach dem Friedensschluss rechnete die Stadt mit der aufmüpfigen Landschaft ab. Unter anderem wurde der Rooter Hirschenwirt Hans Jakob Petermann als Anführer der Bauern zu ihrer Befreiung aus der Knechtschaft der Stadt am 21. September 1712 geköpft; auch musste die Privilegien-Urkunde für das Amt Habsburg vom 25. September 1653 den Rät und Hundert der Stadt Luzern wieder zurückgegeben werden.
Ein letztes Mal Schauplatz eines Gefechtes war die Gisiker Brücke am 23. November 1847 im Sonderbundskrieg, als die liberalen und konservativen Kantone den Streit um die Neuordnung der Schweiz mit Waffengewalt austrugen. Die Sonderbundstruppen hatten die Brückenzugänge befestigt. Nördlich des Zollhauses oberhalb der Landstrasse befanden sich zwei Artillerieschanzen, südlich davon eine. Die letzte Schlacht im Sonderbundskrieg wurde an der Brücke zu Gisikon am 23. November 1847 geschlagen und vom Sonderbund verloren. Damit war das Schicksal besiegelt, die Umwandlung vom Staatenbund in den Bundesstaat konnte vollzogen werden.
Post, Telegraf, Telefon
Zwischen 1850 und 1873 gab es eine, von 1874 bis 1881 zwei tägliche Postwagenverbindungen Gisikon-Sins-Muri. Sogar bis Eschenbach verkehrten täglich zwei Postwagenkurse ab Gisikon, 1823 auf Postautobetrieb umgestellt und 1935 eingestellt.
Gisikon gehörte vor 1849 zum Postkreis Root, besass aber seit 1804 im Zollhaus eine Briefablage der kantonalen Post. Beim Tellen wurde die Postablage bis 1864 weitergeführt und die Ablagestelle wurde 1864 in ein Postbüro umgewandelt. Seither trug man die Post täglich aus; der Sonntagsdienst entfiel erst ab 1919. Am 15. Februar 1866 kam ein Telegraf in Betrieb. Am 6. August 1896 eröffnete man die Telefonzentrale Root. Die ersten drei Gisiker Abonnenten sind im Telefonbuch von 1897 nachgewiesen.
Postbüro und Restaurant Post übernahm 1867 Felix Altermatt, nach dessen Tod 1872 wurde es von Witwe Aloisia Altermatt-Estermann als Posthalterin weitergeführt. Ab 1912 führte Elise Süess-Furrer die Poststelle beim Restaurant Post in Gisikon (22. Oktober 1966 abgebrannt und nicht wieder aufgebaut – heute befindet sich dort die Überbauung Klausmatt) . Ab 1931 bis 1961 deren Tochter Emma Süess. Als die Gasthausbesitzerin Elisabeth Stöckli wegen Eigenbedarfs 1933 Büro und Wohnung der Posthalterin kündigte, erwarb deren Schwager Josef Steiner in 500 m Entfernung vom Bahnhof an der Strasse nach Honau ein Grundstück des Obermühlehofes, um darauf eine neue Post zu bauen. Die Generaldirektion war erst auf Intervention der Gemeinderäte von Gisikon und Honau hin bereit, den neuen bahnfernen Standort zu bewilligen. Der Gemeinderat bewilligte das Baugesuch am 3. Mai 1934. Bereits am 1. April 1935 konnte Posthalterin Emma Süess den Neubau beziehen. Er verfügte als Neuerung eine von aussen zugängliche Sprechstation (Telefonautomat). Das waren noch Zeiten!!
Die Post Gisikon wurde am 30. Juni 2004 geschlossen und die Post für die Gisiker Bevölkerung wird wieder von der Poststelle Root aus zugestellt.
Das Gespenst auf der Brücke von Gisikon – eine Sage
Früher standen an der Strasse zwischen Honau und der Gisiker Brücke sowie auf der Brücke selbst viele Bildstöcklein. Sie waren alle errichtet worden, weil an diesen Stellen ein Gespenst vorbeizugehen und dort auszuruhen pflegte.
Das Gespenst legte dem Wanderer in der Nacht allerlei Dinge in den Weg. Ein Jüngling, der vom Gespenst nichts wusste, wollte einst des Nachts noch über die Brücke. Leute aus der Umgebung baten ihn, ein Licht mitzunehmen. Aber der Bursche lachte und meinte, er werde den Weg schon finden. Als er auf die Mitte der Brücke gelangte, spürte er zu seinen Füssen einen Haufen, der ihm vorkam wie eine zusammengerollte Kalbshaut. Er gab ihm mit seinem Fuss einen Stoß und rollte ihn zur Seite. Kaum hatte sein Fuß das Ding berührt, überfiel den Burschen ein eiskalter Frost. Mit seinem Mut war es aus, und er rannte zurück, bis er ein Haus erreichte. Dort brach er zusammen und fiel in eine so heftige Krankheit, dass alle meinten, er müsste sterben.
Ein andermal fuhr ein Bauer mit einem schwerbeladenen Wagen über die Brücke. Plötzlich standen die Kühe, die den Wagen zogen, wie festgenagelt und waren nicht mehr von der Stelle zu bringen. Der Bauer mühte sich, rief, stiess und schlug die Tiere, aber sie taten keinen Schritt. Der Bauer in seinem Eigensinn holte ein zweites Gespann vor den Wagen und führte ihn nun trotz allem Widerstand über die Brücke. Innert wenigen Wochen aber verendeten ihm die Tiere, die er für seine trotzige Fahrt verwendet hatte.
Oft kam es vor, dass Pferde, die man über die Brücke reiten oder fahren wollte, sich auf der Brücke bäumten, kehrtmachten und wild in die Felder ausrissen.
Zuweilen kam es vor, dass Kinder auf der Brücke ein seltsames Tier liegen sahen, das sie mit einem einzigen grossen Auge anglotzte.
Mühlen in Gisikon
Über die Müller und Mühlen im alten Staat Luzern hat Anne-Marie Dubler 1978 eine historische Veröffentlichung herausgegeben. Dabei stellte sie unter anderem fest, dass die Mühlenbauer nicht davor zurückschreckten, auch in wasserarmen Lagen Mühlen zu erstellen, sei es, dass eine Siedlung unbedingt mit einer Mühle versorgt werden musste, oder dass ein Bauer eine Mühle auf dem eigenen Land betreiben wollte. Auch in Gisikon hatte man Mühe, die Mühlen mit genügend Wasser zu versorgen. In der Vogtei Habsburg, dazu gehörte Gisikon, gab es um 1695 je eine Mühle in Meggen, Greppen, Adligenswil, Meierskappel und Root, aber zwei Mühlen in Gisikon, die Untermühle und die Obermühle.
Die beiden Mühlen mussten sich die Wasserzuleitung mit aufwendigen Zuleitungen sichern. 1603 wurde der Niklausenbach aufgrund eines Abkommens mit dem Hof «Wisserlen» (weisse Erlen) auf die Mühlen umgeleitet. Eine Trockenperiode zwang die Müller 1645, einen Weiher anzulegen, der von beiden Besitzern unterhalten wurde. Über Nacht füllte sich der Weiher, tagsüber konnte man ihn «abmahlen». Die Müller mussten das Wasser während 12 Stunden anschwellen lassen, um dann in der Mühle etwa vier Stunden mahlen oder rellen können. Die Gisiker Mühlen erreichten um 1695, mit 230 Gulden im Jahr, den dritthöchsten Ertrag in der Vogtei.
Es ist nicht ganz genau eruierbar, wann der Obermühlehof gebaut wurde. Er wird vermutlich über 300 Jahre alt sein, eine Jahrzahl im Dachstock kann nicht mehr entziffert werden.
Von der Untermühle wissen wir, dass sie ihren Betrieb 1870 einstellte.