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Der Klimawandel führt zu einem geringeren Heizbedarf in der Schweiz – im Gegenzug steigt der Kühlbedarf. Diese Vermutung bestätigt sich im Rahmen eines vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) finanzierten Programms zu den Effekten der Klimaänderungen.[1] Zur Veranschaulichung der Entwicklung haben wir drei verschiedene Klimaszenarien herangezogen, die alle in dieselbe Richtung weisen (siehe Kasten und Abbildung).
Heiz- und Kühlgradtage im Jahr 2060 (Veränderung gegenüber Referenzszenario in %, anhand von drei Szenarien)
Quelle: Berechnung der Autoren / Die Volkswirtschaft
Im Folgenden gehen wir auf das mittlere Szenario (Szenario B) ein. Dieses rechnet für das Jahr 2060 in der Schweiz, je nach Region und Jahreszeit, mit einem Temperaturanstieg von 2,0 bis 2,9 Grad Celsius. Daraus ergibt sich gegenüber dem Referenzszenario ein Rückgang der Heizgradtage um 18,3 Prozent. Hingegen steigt die Zahl der Kühlgradtage um 364 Prozent.
Die Veränderung bei den Heizgradtagen korreliert direkt mit dem Energiebedarf, der notwendig ist, um denselben Wärmekomfort zu erreichen. Dieser Bedarf sinkt in den Haushalten, in der Industrie und im Dienstleistungssektor um 18,3 Prozent. Der Energieverbrauch der Haushalte für Gebäude (inklusive Heizen) nimmt um 15,9 Prozent ab.
Bei der Klimatisierung ist die Umrechnung etwas komplizierter. Hier verwenden wir eine empirisch geschätzte lineare Beziehung zwischen Energiebedarf und Kühlgradtagen. Basierend darauf resultiert bei den Haushalten für 2060 ein steigender Energiebedarf von 0,6 Terawattstunden. Im Dienstleistungssektor steigt der Bedarf aufgrund der Klimatisierung um 1,4 Terawattstunden.
Während ein geringerer Energiebedarf beim Heizen als Effizienzgewinn interpretiert werden kann, stellt ein höherer Energieverbrauch bei der Klimatisierung einen Effizienzverlust dar. In den Szenarien zu den Klimaänderungen sind die Parameter zur Entwicklung der Energieeffizienz dem sich verändernden Energiebedarf angepasst.
Aufgrund von zahlreichen endogenen Anpassungen im Modell, insbesondere zum Niveau des angestrebten Wärmekomforts, verringert sich der Energieverbrauch der Haushalte für die Gebäude insgesamt um lediglich 10,4 Prozent. Angesichts der theoretisch möglichen 15,9 Prozent bedeutet dies, dass ein Drittel des Energiesparpotenzials durch sogenannte Rebound-Effekte verloren geht.
Rebound-Effekte erhöhen den Energieverbrauch
Der erste Rebound-Effekt hat mit dem tieferen impliziten Preis für den Wärmekomfort zu tun: Dank der Erwärmung können Haushalte und Unternehmen denselben Komfort mit weniger Energie erreichen. Mit anderen Worten: Sie erhalten einen Anreiz, den Wärmekomfort zu erhöhen.
Neben diesem direkten Rebound-Effekt treten auch indirekte Effekte auf, wie eine Analyse der Entwicklung des Energieverbrauchs in der Schweizer Wirtschaft zeigt: Einerseits können die Haushalte dank Einsparungen bei den Heizkosten ihren Konsum an Waren und Dienstleistungen ausweiten. Die Herstellung und die Verwendung dieser zusätzlichen Produkte gehen somit mit einem höheren Energieverbrauch einher. Andererseits produzieren die Unternehmen mehr für den Export, da dank einer effizienteren Nutzung der Heizenergie ihre Wettbewerbsfähigkeit steigt. Beide Effekte haben einen Anstieg des Energiebedarfs zur Folge.
Wohlstandsgewinn für Haushalte
Was bleibt unter dem Strich von den potenziellen Gewinnen aufgrund der Klimaerwärmung übrig? Dank Nettoeinsparungen bei den Heiz- und Klimatisierungskosten in allen Sektoren können die Haushalte im Jahr 2060 zu konstanten Preisen 0,16 Prozent mehr konsumieren als im Referenzszenario. Das ist wenig, aber doch signifikant, wenn berücksichtigt wird, dass die simulierten Einflüsse sehr lokal sind.
Gegenüber dem Referenzszenario sinken die CO2-Emissionen um 3,9 Prozent: Der Verbrauch von Erdölprodukten in der Schweiz geht um 4,8 Prozent zurück, derjenige von Erdgas bleibt mit einem Rückgang von 0,3 Prozent praktisch unverändert. Weil aber der Stromverbrauch um 2,8 Prozent zunimmt, hängt der Gesamteffekt auf die CO2-Emissionen auch davon ab, wie die Elektrizität produziert wird. Unser Referenzszenario berücksichtigt den geplanten Atomausstieg und geht davon aus, dass der Mehrbedarf an Strom im Jahr 2060 zu zwei Dritteln durch Erdgas (dessen Verbrauch deshalb schweizweit nur wenig zurückgeht) und zu einem Drittel durch erneuerbare Energien (ohne Wasserkraft) gedeckt wird.
Zusammenfassend ist festzustellen: Die Schweiz profitiert von der Klimaerwärmung insofern, als sie weniger Energie benötigt, um den gleichen Wärmekomfort in Gebäuden zu gewährleisten. Die zahlreichen erwarteten und teilweise bereits spürbaren negativen Folgen der Klimaerwärmung wiegt dies jedoch nicht auf.
- Ein Artikel über diese Arbeit erscheint demnächst in der Ausgabe vom Dezember 2017 der Schweizerischen Zeitschrift für Volkswirtschaft und Statistik.