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Der Spalenschwibbogen

Spalenberg 65
Tram 3 - Universität / Bus 37 - Universität
Ein Tor der Inneren Stadtmauer
Das innere Spalentor, auch Spalenturm oder nach der Errichtung des äusseren Mauerrings Spalenschwibbogen genannt, war einst am oberen Ende des Spalenbergs die Porte zur Stadt. Die in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtete Innere Stadtmauer erstreckte sich vom Petersgraben bis hierher, um danach in den Leonhardsgraben überzugehen. Die beiden Strassennamen machen deutlich, dass an dieser Stelle früher der Stadtgraben vor der Mauer verlief.
Diese jüngere Mauer folgte hier übrigens weitgehend einer älteren die um das Jahr 1100 vom damaligen Bischof Burkhard von Fenis errichtet wurde. Mit dem Unterschied jedoch, dass diese neue Mauer einige Meter vor des Bischofs Mauer in den Stadtgraben hinein gebaut wurde. Den Raum zwischen der alten und der neuen Mauer füllte man auf, und erhielt so einen erhöht liegenden Weg, auf dem die Wache entlang der Mauer ihre Rundgänge machen konnte.
Eben dieser Umstand, dass die Burkhardsche Mauer hinter der jüngeren Mauer zurückversetzt lag, weist darauf hin dass der Schwibbogen wahrscheinlich der Nachfolgebau eines älteren Tores aus der Zeit des Bischofs Burkhard gewesen ist. Das Tor lag merkwürdigerweise einige Meter hinter der Flucht der neuen Mauer. Dies obwohl der Torbau, wie er bis zum Abbruch im Jahr 1838 zu sehen, war aus der selben Zeit wie die Mauer selbst stammte.
Erkenntnisse der Archäologischen Bodenforschung belegen, dass dieses Tor sich allerdings einmal relativ exakt in die Achse der Burkhardschen Mauer fügte. Das legt den Schluss nahe, dass man sich bei der Errichtung dieses Tores zur jüngeren Mauer an einem bestehenden Vorgängerbau der alten Mauer orientierte. Mit einigen wenig eleganten aber zweckdienlichen Verbindungsmauern verband man dann die neue Stadtmauer mit dem hinter ihrer Linie liegenden Tor.
Der Schwibbogen auf dem Stadtmodell im Klingentalmuseum um 1615. Links vorne im Bild sieht man den Treppengiebel des Kornhauses und vor dem Tor den Stadtgraben, wo heute der Leonhardsgraben in den Petersgraben übergeht.
Schriftlich bezeugt ist der Spalenschwibbogen erstmals für das Jahr 1230. Zu dieser Zeit begann sich die Spalenvorstadt zu entwickeln. In der Nähe des Tores, beim heutigen Kollegiengebäude der Universität, begruben die Juden von Basel ihre Verstorbenen auf einen speziellen Friedhof. Im Jahr 1231 gründeten der Orden der Franziskaner direkt vor dem Tor sein erstes Basler Kloster. Es wurde später zu einem Frauenkonvent mit dem Namen Gnadental.
Das frühe Stadttor verfügte über eine Zugbrücke. Sie wurde wahrscheinlich nach dem Bau des äusseren Mauerrings Ende des 14. Jahrhunderts durch eine feste Steinbrücke ersetzt, die auf einem Merian-Stadtplan von 1615 deutlich erkennbar ist. Wie die meisten übrigen Basler Stadttore, bestand auch dieses hauptsächlich aus einem massiven viereckigen Turm, gemauert aus Hausteinen. An ihm war lediglich ein Teil der stadtseitigen Partie glatt verputzt.
Als Gefängnis genutzt
Meister Niklaus Lawelin (gestorben vor 1454), der 1440 auch die Hoffassade Zeughauses dekorierte, schmückte das Tor 1428 mit Malereien. 1518 wurde Hans Frank mit ähnlichen Malereien beauftragt. Die späteren Darstellungen zeigen den Torturm mit einem Pyramidendach welches ein Glockentürmchen auf der Spitze trug. Das oberste Geschoss war mit einem hölzernen Kranz verkleidet. Dieser Kranz verlief auf der Feldseite als Laube die über die Fassadenlinie hinausragte.
Im 16. Jahrhundert wurde direkt unter dem Kranz feld- und stadtseitig eine Uhr angebracht. Über dem Zifferblatt auf der Stadtseite hatte ein Künstler ein Fenster mit einem herausblickenden Mann auf das Holz gemalt. Die drei Turmgeschosse über dem Torbogen beherbergten für einige Zeit ein Gefängnis mit sechs "Gefangenschaften". Für besonders schwere Fälle gab es die Zelle "Eichenwald", welche aus Balken des gleichnamigen Holzes gefertigt war.
Ferner gab es den "Hexenkäfig" und den "Saal", die besonders peinigend gewesen sein sollen und zuoberst im Turm lagen, wo man noch Foltergerät verwahrte. Es gab ausserdem, tiefer gelegen, das Gewahrsamsstüblein, welches mit einem Ofen versehen war. Dann das Herren Küfer Stüblein, welches einen kleinen Kachelofen aufwies. Und schliesslich das als ungesund beschriebene "Hurenkämmerlein", vermutlich zur Inhaftierung Prostituierter (in der Nähe lagen zwei Bordelle).
Blick von der Spalenvorstadt auf den einstigen Standort des Spalenschwibbogens. Mit schematischen Rotflächen und Elementen einer alten Illustration ist hier das Aussehen des Tores kurz vor seinem Abriss 1838 rekonstuiert.
Nicht nur Dirnen sassen im Spalenturm in Haft. Einmal schmachtete sogar der Erzbischof von Granea hier. Er hatte sich von Rom abgewandt um in Basel gegen den Papst zu rebellieren, mit Duldung der Stadt. Ein kaiserlicher Erlass vom Dezember 1482 erzwang seine Verhaftung. Er wurde im Spalenturm eingekerkert. Papst Sixtus IV. (1414-1484) forderte Basel unter heftigen Drohungen auf, den durch den Kaiser mit Reichsacht belegten Abtrünnigen auszuliefern.
Doch die mit päpstlichem Interdikt belegte Stadt weigerte sich standhaft, den Festgenommenen herauszugeben. Erzbischof Andrea Zamometic (ca 1420-1484) wurde am 13. November 1484 an einem Strick hängend in seiner Zelle gefunden, nach fast zweijähriger Inhaftierung . Der Leichnam blieb wochenlang hängen. Dann übergab man den Toten in einem Fass dem Rhein. Nach dem Tod Zamometics wurden am 23. Januar 1485 das Interdikt über Basel wieder aufgehoben.
Die Gefängnisräume im Spalenturm wurden 1822 aufgehoben. 1837 versteigerte man den Schwibbogen. Der alte Wehrbau wurde zum Preis von 7200 Franken verkauft um 1838 abgerissen zu werden. Die Zifferblätter der Uhren demontierte man um sie am Spalentor anzubringen. Der Spalenschwibbogen war das erste grosse Stadttor, welches der aufkommenden Abrissfreude zum Opfer fiel. Nur gerade ein Jahr später machte man das Rheintor dem Erdboden gleich.
Beitrag erstellt 18.03.03 / Korrektur Quellen 11.01.17
Quellen:
Casimir Hermann Baer, Beitrag "Bilddokumente der abgetragenen Befestigungen", publiziert in Kunstdenkmäler des Kantons Basel Stadt, Band 1, herausgegeben von der Schweizerischen Gesellschaft für Erhaltung historischer Kunstdenkmäler, Birkhäuser Verlag, Basel, 1932/1971 Seiten 176 und 177
Emil Blum / Theophil Nüesch, Basel Einst und Jetzt, Eine kulturhistorische Heimatkunde (Textband), Verlag Hermann Krüsi, Basel, 1913, Seite 22
Guido Helmig, Beitrag "Ein neuer Aufschluss der Inneren Stadtmauer an Leonhardsgraben 3" publiziert im Jahresbericht 1989 der Archäologischen Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt, herausgegeben von Rolf d'Aujourd'hui, Basel, 1991, ISBN 3-905098-10-5, Seiten 40 bis 45 mit vergleichendem Plan Seite 40
Christoph Philipp Matt, Beitrag "Beobachtungen zum Spalenschwibbogen und zur Brücke", im "Jahresbericht 1985 der Archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt", publiziert in der Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde, Band 86 Nummer 2, herausgegeben von der Historischen und Antiquarischen Gesellschaft zu Basel, Verlag der Historischen und Antiquarischen Gesellschaft, Basel, 1986, Seite 165
Eugen Anton Meier, Basel Einst und Jetzt, Buchverlag Basler Zeitung, Basel, 3. Auflage, 1995, ISBN 3-85815-266-3, Seiten 176 bis 177
Christian Adolf Müller, Die Stadtbefestigung von Basel, Teil 2, 134. Neujahrsblatt der GGG, herausgegeben von der Gesellschaft zur Beförderung des Guten und Gemeinnützigen, Kommissionsverlag Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1956, Seiten 18 bis 19
Wilhelm Vischer, Abschnitt "Berichtigungen und Nachträge", publiziert in Basler Chroniken Band 2, herausgegeben von Wilhelm Vischer, Verlag von S. Hirzel, Leipzig, 1887, Seite 639 (Zu Lebensdaten von Meister Niklaus Lawelin)