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Zu Beginn dieser Arbeit stand die Lektüre zweier Texte, an denen ich mich sehr gerieben habe bzw. die mich in ihrem Inhalt und der Art ihrer Argumentation provozierten oder zu einer Reaktion herausforderten. Es sind dies zum einen die «Rede über die Schauspielkunst», die der Schauspieler Fabian Hinrichs anlässlich der Verleihung des Alfred-Kerr-Darstellerpreises beim Berliner Theatertreffen 2018 in seiner Funktion als Alleinjuror hielt, zum anderen Bernd Stegemanns «Kritik des Theaters», eine 2013 im Verlag «Theater der Zeit» erschienene Abrechnung mit dem zeitgenössischen Theater, entlang der er eine Gegenposition entwirft, die dem Versuch eines Entwurfs für ein zeitgenössisches Theater nach seinen Vorstellungen entspricht. In vorliegender Arbeit werde ich mich spezifisch mit dem Kapitel 4 seiner Kritik, dem Kapitel über das Schauspielen, und darin intensiv dem dritten Unterkapitel «How to perform...» auseinandersetzen.
Meine heftige Reaktion auf die Lektüre dieser Texte erklärt sich aus dem subjektiven Eindruck, dass die Erläuterungen von Hinrichs und Stegemann beispielhaft für eine aktuelle Debatte über das zeitgenössische Schauspiel sind, also über die Frage, wie das Sein und Tun der Schauspieler*in im Kontext zeitgenössischen Theaters zu sein habe, die meinem Empfinden nach bestenfalls leidenschaftlich oder aber eben unbedacht geführt wird, dahingehend dass sie unreflektiert verschiedene Diskurse innerhalb der Schauspielkunst vermischt und daraus Forderungen an einen Berufsstand formuliert. So wird, um nur ein Beispiel zu nennen, von den Spielweisen der Schauspieler*innen ein Bogen zu institutionellen Missständen der deutschsprachigen Theaterszene geschlagen, ohne dass dies einer Herleitung oder transparenten Argumentation zu bedürfen scheint. Zweifelsohne stehen die verschiedenen Bereiche und Themenkomplexe der Schauspielkunst, wie auch die Diskurse, die in Bezug auf sie geführt werden, in enger Relation zueinander und in der Diskussion kann sich die Trennschärfe zwischen ihnen leicht verlieren, allerdings scheint kein bewusster oder transparenter Umgang mit der interthematischen Argumentation gegeben zu sein. Hinzu kommt meine subjektive Wahrnehmung, dass in der aktuellen Debatte über zeitgenössisches Schauspiel häufig ungeklärte Begrifflichkeiten bemüht werden und in ein dichotomisches Verhältnis gesetzt werden, während ich diese in meinem Erleben als Schauspieler vielfach als symbiotisch oder zumindest als eine bereichernde Paradoxie erlebe.
Es stellt sich also die Frage, worin sich diese Debatte eigentlich begründet und ob sich daraus die argumentativen Mängel, die ich festzustellen glaube, erklären lassen.