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Mitte der dreissiger Jahre, als die grosse Depression sich hartnäckig weigert abzuklingen, kommt Jazz so nahe wie noch nie dahin, Amerikas Populärmusik zu werden. Sie hat einen neue Namen - Swing - und zum ersten Mal werden die Musiker zur Matinee salonfähig. Benny Goodman findet sich als „King of Swing" gehuldigt, aber er hat eine Menge Rivalen, u. a. Tommy Dorsey, Jimmie Lunceford, Glenn Miller und Artie Shaw. Louis Armstrong führt eine eigene Grossband, Duke Ellington setzt seinen unabhängigen Kurs fort. Billie Holiday erscheint aus einer Kindheit voll von Tragödien, um ihre ersten Aufnahmen zu machen und eine Karriere als die grösste aller weiblichen Sängerinnen anzufangen.Benny Goodman zeigt, dass, in einem streng rassengetrennten Land, es im Jazz für grosse schwarze und weisse Musiker möglich ist neben einander auf der Bühne zu spielen. Diese Episode endet am 11. Mai 1937, als 4000 Leute sich im Savoy Ballroom versammeln, um Zeuge zu werden von - was in der Werbung als „Musikschlacht des Jahrhunderts" angekündigt war,- einer Kraftprobe zwischen Goodman und dem unverwüstlichen Chick Webb, einem Mann, der es hasste zu verlieren.
In den Jahren 1961 - 1966 war Johnny Hodges häufig in den Studios mit Wild Bill Davis. Die Musik, die da entstand, sollte in die Jazz-Geschichte eingehen. "The Complete Small Group Recordings" umfasste 8 LPs. Wir
werden an 2 Jazz-Abenden Höhepunkte daraus hören und geniessen.
Am ersten Abend werden die zwei Hauptmusiker vorgestellt. Johnny Hodges war neben Benny Carter der bedeutendste Alt-Saxophonist der älteren Generation. Wild Bill Davis, der eine klassische Klavierausbildung erhielt, war derjenige Jazzmusiker, der entdeckte, dass die elektroakustische Orgel durchaus als swingendes Jazzinstrument eingesetzt werden kann.
Im zweiten Abend stehen die Musiker im Vordergrund, die einen wesentlichen Anteil zum guten Gelingen des "Johnny Hodges/Wild Bill Davis Project" beigetragen haben.
In den späten 30gern ist Swing immer noch die nationale Verrücktheit, die sich ständig trotz Depression verbreitet. Doch Kommerz führt zu Kompromissen, und der persönliche Ausdruck im Herzen des Jazz wird manchmal vernachlässigt. Aber mitten im Land - in schwarzen Tanzhallen, Wirtschaften und Musikspelunken - ist eine neue Musiklinie am Entstehen, Pulsierend, stampfend und von Blues durchtränkt wird sie gespielt von Männern und Frauen, die in Wettstreiten, die gelegentlich die ganze Nacht dauern, bestanden haben. Es werden Count Basie und Lester Young sein, die ihre heilende Kraft dieser Musik den übrigen Teilen der Nation übermitteln. In der Zwischenzeit findet Louis Armstrong seine wahre Liebe. Benny Goodman nimmt seine heissen Töne mit in die Carnegie Hall und muss nachher seine populäre Band neu aufbauen. Und Chick Webb, in einem Versuch, eine nationale Zuhörerschaft zu erreichen, riskiert, eine jugendliche Sängerin namens Elia Fitzgerald zu heuern und erreicht alles wovon er geträumt hatte, bevor die Tragödie eintrifft. Billie Holiday findet einen musikalischen Seelenverwandten, tourt mit zwei der besten Bands des Landes und drückt dann ihren Schmerz und ihre Entrüstung in einem qualvollen Lied - „Strange Fruit" - aus. Anno 1939 nimmt Coleman Hawkins eine bekannte Melodie auf, in einer Art so kühn und so schön, dass es schliesslich wegweisend für eine musikalische Revolution im Jazz wird. Duke Ellington unternimmt eine triumphale Tournee in Europa und beobachtet für sich, dass der zweite Weltkrieg nur Wochen entfernt ist.
Wir sehen und hören einen kleinen Ausschnitt aus der grossen, mehrjährigen Serie Jazzlcons. Es handelt sich dabei meist um faszinierende Live-Konzerte, wie sie diverse unserer Mitglieder zum Teil in ähnlicher
Art selbst erleben konnten. Geniessen wir diese Ausschnitte als Reminiszenz oder als neue Erfahrung für diejenigen, welche die entsprechenden Künstler nie live erleben konnten. Es handelt sich um Konzerte von u.a.
Thelonious Monk, Roland Kirk, Buddy Rich Big Band, John Coltrane mit einem Teil von „Love Supreme" und einige mehr.
Die Serie ist zum Teil noch erhältlich, zum Beispiel unter "www.cede.ch" oder auch unter Mosaicrecords.
Albert Mangelsdorff gilt als einer der wichtigsten lnnovatoren des Posaunenspiels. Indem er gleichzeitig ins Mundstück bläst und singt, entstehen Obertöne, die so stark sind, dass Akkorde hörbar werden. Diese Fähigkeit, mehrstimmig zu spielen, erlaubte ihm als erstem Jazz-Musiker, auf einem Blasinstrument abendfüllende Solokonzerte zu geben. Begonnen hat er in der Tradition des Cool Jazz, wurde zu einem wichtigen Exponenten des freien Spiels und trat auffallend häufig mit Perkussionsgruppen auf. Albert Mangelsdorff gewann öfter als jeder andere die Wahl zum „Europäischen Jazzmusiker des Jahres" und tauchte regelmässig in den amerikanischen Polls auf. Wir verfolgen die Karriere des äusserst vielseitigen Musikers von den Anfängen bei Hans Koller und John Lewis, über einen Auftritt in der Big Band von Kenny Clarke - Francis Boland und Ausflüge in den Free Jazz mit Rolf und Joachim Kühn bis hin zu eigenen Kleinformationen und intimen Solokonzerten.
Nach ihrer klassischen Gesangsausbildung in den USA gründete Rebecca eine eigene Band. Die ersten Berufserfahrungen sammelte sie in London als Solounterhalterin in verschiedenen Clubs. Anfangs der 80er Jahre
hatte sie verschiedene TV-Auftritte in Caracas (Venezuela). Es folgten Studioaufnahmen [EMI und GM Records]. 1986 gründete sie die Gruppe CHEVERE (Latin/Salsa) in Zürich mit Musikern aus New York, Puerto Rico und der
Schweiz und trat u.a. im Albani/ Winterthur, Bazillus/Zürich, El Cubanito, ETH Polyball, etc. auf.
Rebecca hat sich in den letzten Jahren im Main Stream Jazz mit Latin Crossover spezialisiert [interpretiert Songs in Englisch, Spanisch und Portugiesisch] und tritt zur Zeit u.a. mit dem Rolf Lyssy Trio, den Sophistocats sowie Formationen von Richi Schmied auf.
* Zürich Regensdorferstrasse 237 Bus 485 ab Zürich, Frankental 19:10/25/40/55 Richtung Buchs ZH, Linde [4Minuten bis Grün¬wald] - - ab Grünwald 22:09/39 - 23:09/39 Richtung Frankental. Parklätze vorhanden.
Das Label Silkheart Records wurde 1985 von Lars-Olof Gustavsson und Keith Knox in Stockholm gegründet. Das Anliegen von Silkheart Records war, den Jazzfreunden den aktuellen modernen, amerikanischen Jazz zu vermitteln, einen Jazz auf der Basis von Post-Bop, Free-Jazz aber auch mit Einflüssen von afrikanischer und karibischer Musik. Es sind dabei Musiker zu hören wie Ahmed Abdullah, Dennis Gonzalez (tp.), Charles Brackeen, Charles Gayle, David S. Ware (ts.), Charles Tyler [as.), VVilliam Parker, Fred Hopkins [b.), Charles Moffet, Andrew Cyrille (d.), etc. Unter den Musikstücken findet man auch solche, die verstorbenen Musikern gewidmet sind, wie .z.B. Johnny 'Mbizo' Dyani. Meines Wissens existiert das Label Silkheart Records nicht mehr.
In meiner Schachtel "Bebop Story" (beim TCS bestellt, von Gabriela Amgarten des CH-TV abgemeldet, aber von Aibi Matter der Western Shows im Albisgüetli schliesslich angeliefert), habe ich echt seltsame Personels unter
der Leitung bekannter Bebop-Grössen gefunden. Die Leiter dieser Plattenaufnahmen sind Grössen wie Thelonious Monk. Bud Powell, Howard McGhee, Teddy Edwards, James Moody, J.J. Johnson, Sonny Stitt, Gene Ammons [eher ein
Swing-Tenorsaxer) Milt Jackson, Miles Davis und sogar Coleman Hawkins (hier als "Godfather of Bebop' bezeichnet).
Die Sidemen dieser Bop-Grössen sind jedoch einigermassen erstaunlich, und die Plattenaufnahmen habe ich kaum je in einem Zürcher Record Shop gesehen, dürften also für unsere JCZ-Freunde eigentliche Ueberraschungen sein.
Von Rumba Congolaise zu Rumba Africaine
In der vierten und zweitletzten Folge dieser Afrika-Serie befassen wir uns mit dem grossen Einfluss, den die kongolesische Rumba- oder Soukous-Musik auf die Musikszenen vieler anderer Länder Schwarzafrikas ausgeübt hatte. Legendäre Musiker wie Franco Makiadi Luambo, Papa VVendo Kolosoy oder Joseph "Grand Kalle" Kabasele Tshamala waren mit ihren Bands "T.P.O.K. JAZZ", "AFRICAN FIESTA NATIONAL" und "AFRICAN JAZZ" in den 40er-, 50er und 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts die ganz grossen Sterne am Himmel der "Rumba Congoraise". In der Folge griff dieses Rumba-Feuer wie ein Steppenbrand auch auf andere Länder der Region über, wie etwa Kenia, Tansania, Sambia, Zimbabwe, Zentralafrika, Kamerun oder Nigeria. Wir werden stilistisch mit der original-kongolesischen Musik verwandte Tonbeispiele aus all diesen Staaten hören, inklusive einem kurzen Abstecher zum karibischen Rumba-Ableger in Kuba und auch ganz kurz die geschichtlichen und sozialen Hintergründe beleuchten, die zu all diesen Entwicklungen geführt hatten.
Der Schlagzeuger Günter „Baby" Sommer wurde in Dresden, im „Paradies der Werktätigen und Bauern" geboren und machte sich als Free-Jazzer der ersten Stunde einen Spass daraus, „mit Trommelstöcken an den Stühlen der Partei zu sägen". Offenbar erfolgreich. Die DDR ist auf dem Müllhaufen der Geschichte gelandet. Die wichtigste Band der DDR die sich etwas spöttisch „Zentralquartett" nannte, erfreut sich nach wie vor bester Gesundheit und gewinnt deutschen Volksliedern völlig neue Facetten ab. „Baby" Sommer legte unter dem etwas verwirrenden Titel „Hörmusik" eine eindrückliche Serie von Solo-Platten vor und trat oft im Duo auf, etwa mit Irene' Schweizer und Cecil Taylor.
Inzwischen sind die Bärte etwas kürzer und die Musik gesitteter geworden, aber nicht weniger engagiert. Das Album „Song for Kommeno", das unter dem Eindruck der Kriegsgräuel deutscher Truppen in Griechenland entstand, legt dazu ein beklemmendes Zeugnis ab. Wir hören, wie Sommer die Geschichten des deutsch-syrischen Schriftstellers Rafik Schami auf den Trommeln weiterspinnt und Zwiegespräche mit dem Jugendfreund Ulrich Gumpert, mit Ausflügen in freies Spiel über Gospelsongs bis hin zur Hymne an La Paloma, die weisse Taube.