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Streunende und bettelnde Katzen erweichen so manches Touristenherz.
Souvenir aus dem Süden
Manche Katzen werden aus den Ferien hierhergebracht. Oft sind das ehemalige Streuner. Und manchmal bringen sie besondere Andenken mit aus ihren Ursprungsländern.
Er war ein Feriensouvenir aus dem Süden. Der orange Kater zeigte tatsächlich exotische Merkmale. Siamgleich hatte er lange Beine, einen langen dünnen Schwanz und einen spitzen Kopf. Er war aus dem sonnigen Süden direkt in unsere neblige Kälte geholt worden. «Er fühlt sich wohl bei uns!», meinte die Besitzerin. Wenigstens hatte Mykonos hier Freigang. Der Wechsel von einer frei lebenden Inselkatze zu einer Dreizimmerwohnungskatze wäre für viele Vierbeiner ein zu grosser Wechsel.
Ich versuchte, den Katzenpass zu entziffern. Zum Glück war dieser in mehreren Sprachen verfasst. Mykonos hatte alle notwendigen Impfungen. Selbst die Wartefrist für die Einreise war eingehalten worden. Die neuen Besitzer hatten sich im Sommer in ihn verliebt, und ihn im Herbst zu sich geholt, nachdem seine Papiere alle beisammen waren. «Mykonos hat, seit er bei uns angekommen ist, so kahle Flecken», erzählte der Besitzer. Er zeigte mir schuppende, haarlose Stellen, verteilt an Pfoten und am Kopf der Katze. Sie schienen nicht zu jucken. Nach längerem Suchen fand ich noch etliche andere Stellen in Mykonos' Pelz. Einige waren am Abheilen und es wuchs neues rotes Fell nach. «Ich werde eine Probe nehmen, doch Mykonos scheint eine Pilzerkrankung zu haben. Ebenfalls griechisch: eine Mykose!»
Ich fragte das Halterpaar, ob es auch rote Punkte oder Kreise an sich gesehen hätte, denn die meisten Pilzerkrankungen sind auf Menschen übertragbar. Langsam hob die Besitzerin ihren Pulli. Neben einem Nabelpiercing waren viele rote Punkte verteilt. «Er liebt es, auf meinem Bauch zu liegen!» Auch der Besitzer zeigte mir einen roten Kreis am Nacken. «Bei mir liegt er immer auf die Sofalehne beim Fussballschauen!»
Die Erkrankung ist heilbar, kann aber auch hartnäckig sein. «Hatten Sie in letzter Zeit auch Besuch, der mit Mykonos spielte?» Beide wurden bleich. Gleich mehrere Familien mit Kindern seien den hübschen Südländer bewundern gekommen und hätten auch ausgiebig mit ihm gespielt. Gerade beim Spielen kann die Haut ein wenig verletzt werden, und so ist die Chance grösser, sich anzustecken. Während Mykonos mit seinen Medikamenten nach Hause gebracht wurde, wusch ich mir sorgfältig die Hände. Auch wurde der Tisch noch gründlicher als sonst desinfiziert. Ich musste grinsen. Auch eine Art Feriensouvenir. Irgendein Hautarzt in Luzern würde nächstens viel Besuch erhalten …
Sprechstunde: Fragen Sie Chantal Ritter
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