Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03484.jsonl.gz/2684

Eigentlich müsste es im Titel heissen …«bei der Lauimatt». Leider reimt sich dies aber nicht und weckt auch nicht den Wiedererkennungseffekt des Liedes «Louenesee» der Mundartband Span. Aber eigentlich befinden wir uns nicht am Lauenensee, auch wenn es dort sehr schön ist, sondern es geht um die «Lauimatt» in der Gemeinde Rüeggisberg BE.
«Laui»
Ruth Riesen möchte gerne wissen, was die Namen «Lauimatt» und «Krommen» bedeuten. Beginnen wir mit der «Lauimatt». Das Flurstück liegt südlich des Dorfkernes, an einem Abhang, nahe des Grüenibachs. Das schweizerdeutsche Wort «Laui» wird heute kaum noch verstanden. Ein Blick ins Schweizerdeutsche Wörterbuch Idiotikon klärt schnell auf: Das schweizerdeutsche Wort «Laui» oder in der Verkleinerungsform «Laueli» bedeutet Lawine und kommt vom althochdeutschen Wort «Leuuina», das auch Sturzbach bedeuten kann.
«Laui» ist dabei eine Pluralform von «Lauwelen» oder «Lauenen» das Lawine, Erdrutsch bedeutet. Die Lauimatt bezeichnet also eine Stelle, an der eine Lawine oder ein Erdrutsch abgehen kann. Die Lage der Flur unterstützt diese Theorie, liegt doch die Lauimatt östlich des Baches der von Rüeggisberg ins Tal führt. Bei hohem Wasserstand also gut möglich, dass es zu kleineren Erdrutschen kommen kann. Die Gemeinde «Lauene», in der der berühmte «Louenesee» liegt, hat ihren Namen ebenfalls von Erdrutschen erhalten. Die Gemeinde ist bekannt als Ort mit vielen Bergstürzen und grosser Lawinengefahr. Die Ersterwähnung der Ortschaft ist übrigens bereits im 13. Jahrhundert bezeugt.
Krumme Dinge in Krommen
Gehen wir weiter auf den Hof Krommen von Ruth Riesen. Der Hofname ist erstmals 1838 als «Krummen» belegt. Ein Blick ins Berner Namenbuch klärt auf: Das schweizerdeutsche Wort «Chrummen», «Chrommen» bedeutet Bretterverschlag, besonders im Stall oder Keller oder abgeteilter, enger Raum sowie eingezäuntes Stück Weidland.
Da jedoch ein enger lautlicher Zusammenhang mit dem Adjektiv «chrumm» besteht, kann es natürlich auch sein, dass die gekrümmte Flurform namensgebend war. Abschliessend kann ich leider nicht beurteilen, ob es sich nun um ein eingezäuntes Stück Weidland oder um eine gekrümmte Flur handelt.
Beatrice Hofmann-Wiggenhauser aus Allschwil ist Journalistin und Sprachwissenschaftlerin. Sie studierte Germanistik und Medienwissenschaften an den Universitäten Basel und Zürich und schrieb eine Dissertation zum Namengebrauch als immaterielles Kulturerbe. Zurzeit arbeitet sie an der Universität Basel in der Forschungsstelle Solothurnisches Orts- und Flurnamenbuch als Namenforscherin. Wenn sie nicht das Archiv nach historischen Namen durchstöbert, trifft man sie auf den solothurnischen Feldern und Äckern auf der Suche nach neuen Flurnamen.