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Im Ursprungsland des Arabica-Kaffees
Im Ursprungsland des Kaffees wird in einem prägenden Hochland bis in Höhen von über 2000 m ü. M. Kaffee angebaut. Geschmacklich bietet der äthiopische Kaffee eine Komplexität, wie sie andernorts schwer zu finden ist. Kein Wunder, denn es ist schliesslich das einzige Land mit 13 Monaten Sonnenschein. In Äthiopien rechnet man mit eigenem Kalender, folglich befinden sie sich sieben Jahre hinter unserer Zeitrechnung.
Kein Wunder, denn es ist schliesslich das einzige Land mit 13 Monaten Sonnenschein. In Äthiopien rechnet man mit eigenem Kalender.
Mit angepasstem Kalender und richtig eingestellten Uhren brachen wir von der Hauptstadt Addis Abeba in Richtung Süden in die „Southern Region“ auf, welche für rund 1/3 der äthiopischen Kaffeeproduktion verantwortlich ist. Äthiopien ist aufgeteilt in Regionen, Zonen und Distrikte – analog unseren Kantonen, Bezirken und Gemeinden. Staubige Strassen, von tiefen Schlaglöchern durchzogen, liessen den Kilometerzähler nur träge ansteigen.
Dies erlaubte es uns, die Eindrücke der einfachen Dörfer und der trockenen Weite besser auf uns wirken zu lassen. Während sich die Sonne weiter und weiter Richtung Zenit schob, änderte sich die Landschaft. Auf kurvigen Strassen schlängelten wir uns durch das saftig grüne Hochland Äthiopiens. Wir durchquerten auf unserem Weg die Gedio Zone, in welcher sich im Geddeb District der wohl bekannteste Ort befindet, wenn es um äthiopischen Kaffee geht: Yirgacheffe [ihr-ga-cheffe]. Baristi lassen sich in der Regel mit der korrekten Aussprache beeindrucken. Bis weit in die Ferne erstrecken sich die sanften Wellen aus facettenreichem Grün. Sonnenstrahlen stachen durch gelegentlich aufsteigende Rauchschwaden. Die schwüle Luft liess berghohe Gewitterwolken heranschwellen, was uns nicht vom Ziel auf der Suche nach der perfekten Bohne abzubringen vermochte.
Bei Sonnenuntergang erreichten wir eine von zwölf Brüdern geführte Farm. Sie erzählten uns, dass ihr Vater und Gründer dieser Kaffeefarm diesen Sommer verstorben sei. Die Herausforderungen seien gross und die Verantwortungen noch nicht genau verteilt. Sie alle wohnen in einem ländlichen Dorf mit ihren Frauen und Kindern. Die Gastfreundschaft und Wärme, die sie uns entgegenbrachten, war endlos.
Nebst einer Führung durch das angrenzende, bewaldete Kaffeefeld wurden wir auf eine zeremonielle Kaffeerunde im Herzen des Dorfes eingeladen – der Kaffee schmeckte fabelhaft.
Als die Nacht hereinbrach, wurden uns auf dem Heimweg politische Unruhen angekündigt, welche unsere Fahrer verunsicherten und uns eine ungeplante Übernachtung in Yirgacheffe bescherten. Das Dorf ist sehr einfach und unauffällig. Die Bewohner sind nichtsahnend, wie oft in Cafés rund um den Globus über ihre Heimat gesprochen wird.
Kaffee ist Äthiopiens wichtigstes Exportgut und die Haupteinnahmequelle für ausländische Währung, weshalb die Regierung strenge Richtlinien und Gesetze für den Kaffeehandel erlassen hat. Die Qualitätsskala für äthiopischen Kaffee reicht von den der Kategorie 1 bis 5, wobei die Qualitäten 1 bis 4 für den Export bestimmt sind und nur die schlechtesten Kaffees auf den lokalen Markt gelangen.
Das Sourcing des Kaffees ist hier etwas komplizierter als in anderen Ländern. Ein direkter Handel mit den Kaffeefarmern ist praktisch unmöglich.
Der Weg führt fast immer über Zwischeninstanzen. Grundsätzlich gibt es zwei Wege, wie der Kaffee in unsere Rösterei nach Eglisau gelangen kann.
Die erste Variante ist, dass der Kaffeefarmer einer Kooperative angehört. Die Kooperativen agieren als „umbrella“-Organisation. Sie beziehen Kaffee ausschliesslich von ihren Mitgliedern und zentralisieren die kostenintensiven Verarbeitungsprozesse in einer „Wetmill“, wo der Kaffee maschinell weiterverarbeitet wird. Danach verkaufen sie die Rohbohnen an eine Union, welche dann schlussendlich den Export ins Ausland abwickelt. Am Ende des Jahres zahlt die Union einen Grossteil ihres jährlichen Profits aus dem Handel an die Kooperativen zurück. Diese investieren das Geld wiederum in die Infrastruktur und verteilen den Rest gleichmässig unter ihren Mitgliedern.
Um dies besser zu verstehen, besuchten wir nebst diversen “Wetmills” die Sidama Coffee Farmers Coorperative Union (SCFU) Ltd. Wie bereits erwähnt sind solche Kooperativen Zusammenschlüsse von Farmern und werden von der Regierung befürwortet. Es sind Non-Profit-Organisationen, die bei guter Führung effizienzsteigernd sind. Mittels gezielter Schulungen fördern sie den Wissensaustausch und zentralisieren den Export. Dies zeigt sich in einem steigenden Gleichgewicht bezüglich Bildung und Ressourcen innerhalb der Kooperativen, was schlussendlich der Qualität des Kaffees zugutekommt.
Die zweite Variante ist, dass der Kaffeefarmer seinen Kaffee an sogenannte „local traders“ verkauft, welche ebenfalls ihre eigenen „Wet“- und “Drymills” betreiben und dann den Rohkaffee via Kaffeebörse in Addis Abeba ins Ausland verkaufen. Die „local traders“ operieren profitorientiert als Privatunternehmen und stehen damit den Kooperativen gegenüber.
Über diese zwei Varianten wird 90% des äthiopischen Kaffees exportiert. Nur gerade 10% wird privat, sprich via „direct trade“ abgewickelt.
Das ländliche Leben die Kaffeefarmer ist sehr einfach. Umso beeindruckender ist es zu sehen, mit wie wenigen Mitteln eine ausgezeichnete Kaffeequalität erreicht wird. Anstatt wie in anderen afrikanischen Ursprungsländern auf Dünger und Chemikalien zu setzen, vertraut man in Äthiopien auf organischen Kompost und eine grosse Pflanzenvielfalt innerhalb der Kaffeefelder, um die Bäume vor Krankheiten zu schützen.
Die perfekten Bedingungen mit nährstoffreichen Böden in hochgelegenen Gebieten lassen in diesem wunderbaren Land eine der feinsten Kaffeebohnen wachsen, auf nachhaltige Art und Weise. Ganz im Sinne von ViCAFE.
Dank den idealen Bedingungen wird in Äthiopien mit relativ geringem Aufwand ein ausgezeichneter Qualitätskaffee produziert.
An anderen Orten dieser Welt muss für eine vergleichbare Qualität sehr viel Wissen vorhanden sein sowie Ressourcen investiert werden. Doch auch die Standards der internationalen Märkte werden immer höher und die Konkurrenz schläft nicht, deshalb macht man sich mittlerweile auch im Mutterland des Kaffees Gedanken, wie die Zukunft der Kaffeeproduktion aussehen soll.
Dieser Zustand wird von den lokalen Kaffeefarmern mit folgender Anekdote beschrieben: Äthiopien war eine Frau, deren Schönheit weit und breit als Ideal galt. Um diese Schönheit nachzuahmen, mussten andere Länder mit grossem Aufwand in Kosmetik investieren. Heute, bei steigenden Standards und Ansprüchen, fügt sich die älter werdende Dame diesem Trend.
Schlussendlich haben wir uns für den ungewaschenen Kaffee der Alemayehu-Familie entschieden. Dieser überzeugte mit seinen kräftigen Frucht- und Beerenaromen und bietet ein interessanter Kontrast zu unseren gewaschenen Kaffees. Daneben hat uns die Familie mit Ihrer Herzlichkeit begeistert. Die ökologische Verarbeitungsart (ungewaschen) und der Verzicht auf Kunstdünger und Spritzmittel hat uns überzeugt.