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Wer über 70 Jahre alt ist, das sind die rüstigen Greise, durfte noch eine Schweiz erleben, die von Unternehmern, Obersten der Schweizer Armee und Nationalräten geführt wurde. Das Land war fest unter heimischer Kontrolle: Die Credit Suisse hiess noch Schweizerische Kreditanstalt, wo die von der Crone und Wufflis den Ton angaben. Die UBS (heute ein Kürzel ohne Inhalt) hiess noch Schweizerische Bankgesellschaft und war weltweit ebenso angesehen wie die Swissair, welche von einem unfähigen, aus Schweizern bestehenden Verwaltungsrat, zum Absturz gebracht wurde. Die NZZ erklärte unter Chefredaktor Hugo Bütler die Welt, aber immer häufiger einseitig und falsch.
Aus dieser, aus heutiger Sicht, „Märchen-Schweiz“, wurde die globalisierte Schweiz. Prof. Dr. Franz Blankart , Staatssekretär in Bern, öffnete die Pforten der Hölle, indem er internationale Verträge abschloss, die uns kurzfristig begünstigten, dann aber zur Auflösung der Schweizer Binnenmarkt-Struktur führten. Aus der „Märchen Schweiz“ wurde der „global hub“, heute ein „City State Switzerland“ mit acht Millionen und bald elf Millionen Einwohnern.
Die cleversten Eidgenossen machten Milliardenvermögen: Walter Frey, der Automobilimporteur, Finanzchef der SVP Schweiz, die Albers in Zürich, die rechtzeitig aus der Industrie ausstiegen und die Immobilien-Spekulation vorantrieben, Schweizer Aktionäre von Banken und Versicherungen, die ihre Anteile zu Bestpreisen an Amerikaner, Araber, Ägypter und Brasilianer verkauften. Es war ein Rausch.
Die Stadt Zug wurde zum neuen Schweizer Mekka der Erfolgreichen. Lausanne und Genf wachten aus ihrer verschlafenen Genügsamkeit auf. Von Zürich aus drang die wirtschaftliche Expansion in den Aargau vor und hinein in die Zentralschweiz. Die urbane Bevölkerung wählte zunehmend „grün“ und „grünliberal“; wer nicht mit- oder unter Druck kam, lief zur SVP über. Die FDP, seit Präsident Franz Steinegger in eine Dauerkrise geraten, sank langsam in die politischen Sedimente ab. Sozialdemokraten bauten Velowege.
Aus diesem Chaos entsteht nun eine neue Ordnung. Die 100 grössten Schweizer Firmen sind fest unter ausländischer Kontrolle, was auch Kaspar Villiger, einst Bundesrat und UBS-Präsident, bestätigte. Neue Wachstumsbranchen, wie die globalen Öl- und Grundstoffe-Händler, im Tourismus die erfolgreiche Zuwanderung von Sterbewilligen aus dem Ausland, die bei Dignitas ihr Leben aushauchen dürfen, geben der Schweiz ein neues Gesicht. Der Bundesrat, Wirtschaftsminister Johannes Schneider-Ammann an vorderster Front, bemühen sich mit allen Mitteln um die Steigerung des Brutto-Inlandprodukts (BIP). Jetzt werden auch die Leistungen der Prostituierten, der Drogenhändler und anderer Randgruppen in das Schweizer Leistungspotential mit einbezogen.
Gerade ältere Leute sollten nicht ungläubig den Kopf schütteln, wenn sie derlei hören und lesen. Wir sparen auch, indem an den staatlichen Schulen die Bildungsprogramme für unsere Kinder immer schlechter werden. Die Zeitungen reduzieren ihr Informationsangebot, sodass, wer über unser Land etwas wissen will, mindestens 4-6 Zeitungen lesen muss. Was von SRG-Präsident Roger de Weck, der selber ein Intellektueller ist, an Information und Aufklärung an den Schweizer Radio- und TV-Stationen geboten wird, ist zu 90% Schrott.
Keine Sorge, für die über 60jährigen wird das Geld auf jeden Fall ausreichen, einschl. Rente. Keiner glaubt mehr, dass dies auch für die Generation der unter 40jährigen gilt.
*Klaus J. Stöhlker ist Unternehmensberater für Öffentlichkeitsbildung in Zollikon/ZH