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Die Macht des Zinseszins
Inhalt:
Was ist der Zinseszinseffekt?
Grundsätzlich beschreibt er die Wirkung des Re-Investierens von Gewinnen, um mit den bisher erwirtschafteten Zinsen zusätzliche Erträge, also Zinse aus den Zinsen, zu generieren.. Indem der Investor seine Gewinne wieder investiert, anstatt sie zu auszugeben, wächst sein Kapital exponentiell und nicht linear.
Anhand eines Vergleichs wird der Effekt deutlich:
Stellen wir uns den Investor Roland vor, der zu Beginn eines Jahres 10’000 Franken mit einer jährlichen Rendite von 6 % investiert. Er lässt sich den Gewinn (CHF 600) jeweils Ende Jahr auszahlen und gibt ihn aus. Wie viel Rendite bringt ihm sein Investment über die Jahre?
Nach 10 Jahren hat er CHF 6000 verdient. Nach etwas mehr als 16 Jahren hat sich das Kapital verdoppelt und nach 30 Jahren hat er CHF 18’000 mit seinem Investment generiert.
Wie sehen diese Zahlen für Manuel aus, der ebenfalls CHF 10’000 mit 6 % anlegt, jedoch seinen Gewinn jeweils wieder investiert, anstatt ihn sich auszahlen zu lassen?
Schon im Lauf des zwölften Jahres hat er sein Ursprungskapital verdoppelt und ist im Besitz von total CHF 20’000. Knapp sieben Jahre später hat er die nächsten 10’000 Franken erwirtschaftet. Nach 30 Jahren beträgt sein Gewinn fast 50’000 Franken, also weit mehr als das Doppelte von Roland – obwohl Startkapital, Laufzeit und Zins in beiden Szenarien gleich sind. Das ist exponentielles Wachstum.
In der Tabelle wird dieses Wachstum noch einmal verdeutlicht. Die beige unterlegten Felder markieren eine Verdoppelung des ursprünglichen Kapitals, also einen Gewinn von zusätzlichen CHF 10’000.
Wie nutze ich den Zinseszinseffekt?
Abgesehen vom beträchtlichen Unterschied der Höhe des Kapitals am Ende der 30 Jahre, sind insbesondere zwei Erkenntnisse aus diesem Vergleich zentral in Bezug auf den Zinseszinseffekt:
- Geduld zahlt sich aus: Das grösste Wachstum geschieht nämlich erst am Ende der Betrachtungsperiode. Dauerte es zu Beginn noch 12 Jahre, bis Manuel mithilfe des Zinseszinses CHF 10’000 mit seinem Investment verdient hatte, braucht er am Ende der Periode weniger als vier Jahre, um dieselbe Summe zu erwirtschaften. Übrigens: Wartet Manuel noch weitere fünf Jahre (also total 35 Jahre), ist sein Kapital bereits um zusätzliche CHF 20’000 (!) gewachsen.
- Die Laufzeit ist entscheidend: Was glauben Sie, welchen Unterschied es macht, ob man im Alter von 20 Jahren oder erst mit 40 Jahren mit dem Anlegen beginnt? Nehmen wir zur Veranschaulichung dasselbe, einmalige Investment von 10’000 Franken bei 6 % pro Jahr wie oben: Beim Renteneintritt mit 65 Jahren hat der 20-jährige Investor rund 148’000 Franken auf seinem Konto. Und der 40-jährige? Nun, er muss sich mit CHF 45’000 begnügen, also über 100’000 Franken weniger.
Um also optimal vom Zinseszinseffekt zu profitieren, sollten Sie einerseits möglichst früh mit dem Investieren anfangen und andererseits einen langfristigen Anlagehorizont mitbringen.
Auch eine gewisse Regelmässigkeit zahlt sich aus – Die wenigsten Anleger investieren nur einmal im Leben. Angenommen, ein Investor beginnt an seinem 25. Geburtstag, pro Monat 500 Franken anzulegen, wiederum zum Zins von 6 % pro Jahr. Wenn er sich mit 65 Jahren pensionieren lässt, beträgt sein Kapital allein aus diesen kleinen, regelmässigen Investments rund 995’000 Franken.
Ist es wirklich so einfach?
Nun werden Sie vielleicht sagen: «Wenn es so einfach wäre, dann müsste ja praktisch Jeder beim Beginn der Rente Millionär sein.»
Und sie haben recht – Diese Rechenbeispiele vereinfachen die Realität und lassen insbesondere einen zentralen Schwachpunkt aus: den Menschen.
Wie wir gesehen haben, kommt die Stärke des Zinseszinses erst zum Tragen, wenn man langfristig investiert. Und da liegt das Problem, denn die meisten Menschen ziehen es vor, sofort belohnt zu werden, anstatt auf die Belohnung zu warten. Deshalb fällt Vielen das Sparen fürs Alter so schwer, darum scheitern die meisten guten Vorsätze fürs neue Jahr und es ist auch der Grund, warum aktuell in der Schweiz drei von vier Neuwagen geleast werden.
Es liegt nicht in unserer Natur, wirklich langfristig zu denken – zu verlockend sind häufig die Versuchungen der Gegenwart, die immer vielfältiger werden und dank günstiger Kredite sehr greifbar scheinen.
Wie können wir also uns selbst überlisten und eine Investment-Strategie aufstellen, der wir langfristig folgen?
Zu diesem Thema gibt es hunderte – wenn nicht tausende – Bücher. Die Kernaussage lässt sich meistens in etwa so zusammenfassen:
- Willenskraft reicht nicht: Wenn man sich ständig zum Sparen zwingen muss, wird man irgendwann aufgeben, weil die Verlockungen stärker sind als der Wille: Hier ein neuer Fernseher, da ein teureres Auto. Stattdessen muss man das Sparen (oder jede andere Tätigkeit, die man sich angewöhnen möchte, wie etwa regelmässigen Sport) zur Gewohnheit machen, also zu etwas, das man tut, ohne darüber nachzudenken. So gibt man sich innerlich gar nicht die Option – Tue ich es oder nicht – sondern macht es einfach.
Auf die eigenen Finanzen angewendet, könnte dies beispielsweise bedeuten, dass man in seinem Bankkonto eine monatliche, automatische Überweisung vom Lohn- auf das Sparkonto einrichtet. Wenn man es sich dann zur Gewohnheit macht, dieses Geld lediglich zu investieren, statt es auszugeben, ist bereits ein wichtiger Schritt getan.
- Man braucht ein konkretes Ziel, das einem den Grund gibt, warum man überhaupt spart und investiert – sei es die Weitergabe des Vermögens an seine Kinder, eine frühere Pensionierung, der Kauf der eigenen vier Wände, oder eines von unzähligen weiteren möglichen Zielen. Denn: So hilfreich der Zinseszinseffekt auch ist, irgendwann möchten die meisten Investoren zumindest einen Teil ihres Anlagekapitals ausgeben, ob dies nun eine einzelne grössere Anschaffung ist oder im Sinne eines passiven Einkommens.
Am einfachsten gelingt das Verfolgen eines solch langfristigen Ziels mittels Meilensteinen, also Zwischenzielen, für deren Erreichen man sich selbst in irgendeiner Form belohnt. Da man sein Bedürfnis nach rascher Belohnung nie ganz «ausschalten» kann, sind solche regelmässigen Erfolgserlebnisse und die damit verbundene «Prämie» entscheidend für die Motivation, an seinem Ziel festzuhalten.
Fazit
Der Zinseszinseffekt ist eines der wichtigsten Instrumente, die ein Investor nutzen kann, um sein Kapital wachsen zu lassen. Er braucht dazu lediglich Zeit, Geduld und ein Ziel. Je früher er mit dem Investieren anfängt, desto besser kann er den Effekt nutzen. Zu Beginn mögen die Erträge noch nicht beeindruckend aussehen, doch über Jahrzehnte werden selbst aus kleinen Anfangsbeträgen signifikante Summen – insbesondere in den letzten paar Jahren der Investmentperiode.
Wir haben hier viele Aspekte des Investierens weggelassen, um uns auf die Funktionsweise des Zinseszinses konzentrieren zu können:
Einerseits gibt es wohl kaum ein Investment, das über mehrere Jahrzehnte exakt dieselbe Rendite generiert. In der Realität ist die Rendite vielmehr regelmässigen Schwankungen ausgesetzt und kann natürlich auch negativ werden. Jedoch spielen einzelne Schwankungen in den sehr langen Betrachtungszeiträumen des Negativzinses nur noch eine untergeordnete Rolle – Sie gleichen sich bei den meisten Investments so aus, dass langfristig eine positive Rendite im einstelligen Bereich resultiert.
Andererseits muss sich der Anleger auch mit wichtigen Fragen auseinandersetzen wie:
- In was soll ich investieren?
- Wie viel Risiko möchte ich eingehen?
- Wie diversifiziere ich mein Portfolio richtig?
Wenn man jedoch erst einmal den Zinseszinseffekt verstanden hat, sind solche Fragen schon fast Nebensache.
So, nun sind Sie am Zug: Machen Sie den ersten Schritt und finden Sie heraus, wie viel Geld Sie mit Ihren Ersparnissen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten erwirtschaften könnten – mit diesem praktischen Online-Rechner (auf Englisch).