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Kamera
m Prinzip ist eine Kamera nur ein abgedunkelter Raum mit einer Objektivöffnung auf der einen und einer lichtempfindlichen Schicht auf der anderen Seite. Die technische Entwicklung hat aus ihr ein hochkomplexes Hightech-Produkt gemacht, dessen Eigenheiten und Möglichkeiten Sie weitgehend verstehen sollten, um auch in schwierigen Situationen bestmögliche Bilder zu erzielen. Je besser Sie die Bedienung Ihrer Kamera verinnerlicht haben, desto mehr können Sie sich auf das eigentliche Fotografieren und Gestalten konzentrieren.
Der Ursprung: die Lochkamera
Der lateinische Begriff »camera obscura«, auf den unser deutsches Wort »Kamera« zurückgeht, bezeichnet einen dunklen Raum oder eine dunkle Kammer. Tatsächlich braucht es nicht viel mehr, um zu fotografieren. Wenn Sie zum Beispiel einen lichtdichten Schuhkarton nehmen, auf der einen Seite ein kleines Loch hineinstechen und im Dunkeln auf der gegenüberliegenden Seite innen ein Stück Film oder Fotopapier ankleben, so können Sie mit dieser Konstruktion fotografieren.
Abbildung
Eine Lochkamera, die ich aus einer alten Kiste gebaut habe. Sie kann
gleichzeitig nach vorn und nach hinten fotografieren, da sie in der Mitte
eine Trennwand hat.
»Zeichenhilfe«
Die Camera obscura war lange Zeit nur eine Zeichenhilfe, weil es keinerlei Möglichkeiten gab, das Bild aus Licht direkt zu fixieren. Vor der Fotografie zeichnete man das Bild auf der Mattscheibe ab oder pauste es durch.
Anfänge der Fotografie
Abbildung
Blick aus dem Fenster in Le Gras, Joseph Nicéphore Niépce, 1826
Bereits 1826 nahm Nicéphore Niépce das
erste Foto der Welt auf. Bis zu seinem Tod 1833 entwickelte er die Technik mit Louis Daguerre weiter. 1837 war die Daguerreotypie so weit ausgereift, dass sie
kommerziell anwendbar war. Zwei
Jahre später kaufte der französische Staat Daguerre seine Erfindung ab und schenkte sie der Welt. Ab 1850 wurde sie langsam
von der Positiv-Negativ-Technik
abgelöst, die bereits 1835 von dem Engländer William Henry Fox Talbot erfunden worden war. Damit war es möglich, einzelne
Bilder zu vervielfältigen; vorher
war jedes Foto prinzipiell ein Unikat gewesen.
Die Fotografie war in ihren Anfangszeiten eine sehr aufwendige Technik, denn für jede einzelne Aufnahme musste man eine eigene schwere Platte mitnehmen. Manche Verfahren verlangten sogar die direkte Bildentwicklung vor Ort, solange die Platte noch feucht war (Kollodium-Nass-platte). Vergrösserungen gab es noch nicht oder sie waren selten, und so musste man für große Abzüge auch große Kameras verwenden. Manche Fotografen erblindeten durch die Quecksilberdämpfe bei der Laborarbeit mit den Daguerreotypien, andere starben sogar daran.
Abbildung
Die Mammut-Kamera von George R. Lawrence, 1900
Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Fotografie eine
Beschäftigung für die Massen durch
die Verbreitung leichter Rollfilmkameras und durch Labordienstleistungen. Kodak brachte Kameras auf den Markt, die man ins Werk einschicken konnte, sobald der Film voll war, und die man mit
neuem Film geladen
und mit den Abzügen des letzten Films zurückgeschickt bekam. »You press the button – we do the rest« war Kodaks Werbespruch. Eine Welt ohne Fotografie ist für uns heute kaum noch vorstellbar. Fotografie
hat unsere Wahrnehmung verändert, die Kunst- und Kulturgeschichte umgeschrieben und ist eine Basistechnologie für eine Vielzahl von Erfindungen. Schon früh gab es Menschen, die mit ihrer Hilfe Bilder schufen, die weit über die reine Abbildung hinausgingen. Wer sich ernsthaft mit der Fotografie auseinanderset zen möchte, sollte sich auch mit ihrer Geschichte und den Werken der bedeutenden Fotografen seit dem 19. Jahrhundert beschäftigen. Hilfreich ist aber auch eine Beschäftigung mit der Kunstgeschichte im Allgemeinen und der Wahrnehmungspsychologie.