Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03404.jsonl.gz/2277

Deshalb ist Linux kein BetriebssystemUhr
Linux ist am 25. August 2021 30 Jahre alt geworden. Oft wird Linux als Betriebssystem neben Windows und MacOS verstanden. Doch stimmt das nicht - und ohne GNU gäbe es vielleicht auch gar kein System, das fälschlicherweise als "Linux" bezeichnet werden könnte.
Linux wird 30 Jahre alt. Am 25. August 1991 gab der gebürtige Finne Linus Torvalds der Öffentlichkeit bekannt, dass er an einem Betriebssystemkern respektive Kernel arbeitet - simpel gesagt die Basis, auf der Betriebssysteme aufbauen. Gemäss "Heise" kündigte Torvalds sein Projekt mit diesen Worten an: "Ich arbeite an einem (freien) Betriebssystem (nur als Hobby, wird nicht gross und professionell)." Da täuschte er sich aber, wie wir heute wissen.
"The Linux Kernel Archives" beschreiben Linux als Klon des älteren Betriebssystems Unix. Oft werden heute ganze Betriebssysteme schlicht als "Linux" bezeichnet. Dabei ist das komplette Betriebssystem eigentlich bestenfalls eine sogenannte "Linux-Distribution", welches auf Linux aufbaut. Korrekterweise heisst nur der Kernel Linux.
Diese verkürzte Bezeichnung des Betriebssystems mit Linux-Kernel führten in der Vergangenheit zu Problemen. So kam es zum sogenannten GNU-Linux-Namensstreit. Dabei geht es aber nicht etwa um die afrikanischen Huftiere. Die ersten Linux-Distributionen funktionierten vor allem dank dem Betriebssystem GNU - und trotzdem ist GNU viel weniger Menschen ein Begriff als Linux. Doch wäre die korrekte Bezeichnung diverser Linux-basierter Betriebssysteme gemäss "gnu.org" "GNU/Linux".
Das hat GNU mit Linux zu tun
GNU ist älter als Torvalds Linux. Richard Stallman kündigte das Betriebssystem bereits im Jahr 1983 an, wie es auf "gnu.org" weiter heisst. Es wurde im Rahmen des GNU-Projekts entwickelt und als "Freie Software" bezeichnet. "Frei" bedeutet in dem Zusammenhang nicht unbedingt "kostenlos", sondern steht für eine bestimmte Philosophie: Proprietäre Software soll überflüssig werden. Konkret sollte "Freie Software" gemäss "gnu.org" vier Freiheiten gewähren:
Das Programm auszuführen, wie man möchte.
Das Programm zu vervielfältigen und weiterzugeben.
Das Programm nach eigenem Gutdünken zu ändern durch uneingeschränkten Zugang zum Quellcode.
Eine verbesserte Version des Programms zu verbreiten.
Als Torvalds im Jahr 1991 nun den Linux-Kernel entwickelte, hatte das GNU-Projekt ein komplettes Betriebssystem entwickelt - zufälligerweise mit Ausnahme des Kernels. Die Kombination der beiden Entwicklungen führte zum ersten kompletten Linux- und GNU-basierten Betriebssystem "GNU/Linux" - was aber oft auf die Bezeichnung "Linux" verkürzt wurde.
Das Problem, wenn GNU vergessen geht
Wäre Torvalds nun ein grosser Verfechter der Freie-Software-Bewegung wie die Menschen hinter GNU, wäre die Verkürzung des Namens auf "Linux" nicht so ein grosses Problem. Doch gab Torvalds wiederholt zu verstehen, dass er nicht die selben Ideale teilt wie die Freie-Software-Bewegung oder die "Free Software Foundation". Bei Letzterem handelt es sich um eine Organisation zur Förderung freier Software, die der Gründer des GNU-Projekts Richard Stallmann im Jahr 1985 ins Leben rief.
Linus Torvalds spricht im Jahr 2011 darüber, dass er mit den Idealen der "Free Software Foundation" nicht einverstanden ist. (Source: TFiR / Youtube)
Damit also die Werte der Free Software Foundation vermittelt wurden, beharrte sie auch stets darauf, dass das Betriebssystem als "GNU/Linux" bezeichnet und nicht verkürzt wurde. Das unterscheidet übrigens die Freie-Software-Bewegung auch etwa von der Open-Source-Bewegung. Open Source steht vor allem für die Vorteile dieser Vorgehensweise, verkörpert aber nicht die Ideale von Freiheit, für welche die Freie-Software-Bewegung einsteht.
Ein Zusammenschnitt von Richard Stallmann und anderen, welcher den Unterschied von Open Source und Freier Software verdeutlicht. (Englisch. Source: eV20 / Youtube)
Mit den Jahren kamen zunehmend Linux-Distributionen mit weniger oder auch ohne GNU-Anteile auf, womit auch der Namensstreit an Bedeutung verlor. Der Linux-Betriebssystemkern findet auch heute noch rege Verwendung, und das in einigen der weitverbreitetsten Betriebssysteme überhaupt. So bildet ein Linux-Kernel auch die Basis für Android.