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Die Frau ohne Gesicht, welche das Cover des Buches ziert, stellt nicht nur Kim Jiyoung, geboren 1982, dar. Die gesichtslose Frau steht für tausende Frauen geboren in unterschiedlichen Jahrzehnten und Generationen in Südkorea. Denn die Geschichte, welche hier in vier Lebensabschnitten über Kim Jiyoung und ihre Familie geschrieben wird, steht stellvertretend für die Geschichte unzähliger anderer Frauen.
In den vier Abschnitten werden die verschiedenen Ungleichheiten, welche Frauen im Laufe ihres Lebens erfahren, widergespiegelt. Ungleichheit in der frühen Kindheit, weil der ach so ersehnte Bruder immer bevorzugt wird. Ungleichheit in der Schule, weil auch hier die Jungen immer an erster Stelle stehen. Ungleichheit nach der Schule, weil Mädchen den Studiengang ihrer Brüder mitfinanzieren müssen und nicht selbst studieren dürfen. Ungleichheit in der Arbeitswelt, weil nur Männer als langzeitig loyale Arbeitskräfte bewertet werden, da Frauen jederzeit schwanger werden und dadurch ausfallen können.
Cho zeigt anhand ihrer Protagonistin und derer Familie auf, dass Südkorea in Bezug auf Feminismus noch in den Kinderschuhen steckt. Der nahtlose Übergang von scheinbar individuellen Ereignissen im Leben der Frauen zu einem systematischen Alltags-Sexismus, welcher sich durch die ganze, nach aussen hin sehr progressiv auftretender Gesellschaft zieht. Ein gescheiter Roman, der zur richtigen Zeit erscheint und der unseren westlichen Blick in eine andere Richtung lenkt und uns anders sehen lässt.
Dshamilja Walde