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Klimawandel: Mit welchen Szenarien muss die Schweiz rechnen?
- Freitag, 21. März 2014, 11:44 Uhr, aktualisiert um 12:54 Uhr
Die Klimaveränderung findet statt, auch bei uns. Wissenschaftler aus 15 Schweizer Forschungsinstitutionen haben die möglichen Folgen untersucht. Der neuste Klimabericht "CH2014-Impacts" fasst die Resultate zusammen.
Klimawandel in der Schweiz
Wie entwickelt sich das Klima in der Schweiz? Was für Auswirkungen hat der Klimawandel auf Wasserhaushalt, Schneehöhe oder Landwirtschaft? Die Wissenschaftler haben Szenarien für ganz verschiedene Bereiche erarbeitet.
Klima ist nicht gleich Wetter. Klima ist das durchschnittliche Wetter von mindestens 30 Jahren. Die Wissenschaftler beziehen sich beim aktuellen Klima auf die Referenzperiode 1980 bis 2009. Vergleicht man diese Periode mit der vorindustriellen Zeit, hat sich die Temperatur in der Schweiz bereits um 1,5 Grad erhöht. Mit der Industrialisierung ist die Konzentration des Treibhausgases CO2 um 40% angestiegen. Die folgenden Resultate aus dem Bericht CH2014-Impacts beziehen sich auf unser aktuelles Klima und zeigen die möglichen Veränderungen in der Zukunft auf. Der Treibhausgasausstoss der Zukunft ist noch offen. Auch da rechnet die Wissenschaft mit verschiedenen Szenarien. Die hier erwähnten Resultate beziehen sich auf das so genannte Szenario A1B: Es wird von einem raschen Wirtschaftswachstum ausgegangen. Dabei sollen alle Energiequellen ausgewogen genutzt werden - dies ohne einschneidende klimapolitische Massnahmen.
Die Erwärmung in Zahlen
In der Meteorologie wird ab 25 Grad von einem Sommertag gesprochen. Im Jahr 2085 dürften sich diese Sommertage verdoppeln. Sogar auf Höhenlagen über 2000 Metern sind Sommertage möglich. Einen Hitzetag haben wir ab 30 Grad. Im Hitzesommer 2003 gab es extrem viele solcher Hitzetage. Im Jahr 2085 wäre der Hitzesommer 2003 bereits Normalität. Eine noch stärkere Zunahme berechnen die Forscher für die Tropennächte: Eine Nacht gilt dann als tropisch, wenn die Temperatur nicht unter 20 Grad fällt. Im Tessin sowie am Genferseebecken gäbe es pro Jahr etwa 50 Tropennächte, in der Region Basel noch deren 20 bis 30. In Bezug auf den Hitzesommer 2003 sprechen wir hier sogar von einer Verdreifachung der Anzahl Tropennächte. Die warmen Tage nehmen zu, entsprechend gibt es weniger kalte Tage. Bei einem Frosttag fällt die Temperatur mindestens einmal am Tag unter 0 Grad. Bis im Jahr 2085 gäbe es 60 bis 80 Frosttage weniger als heute. Entsprechend verlängert sich auch die Vegetationsperiode: Heute sind es 220 Tage, im 2085 wären es 300 Tage von Anfang Februar bis Ende November.
Abnahme der Schneemenge
Mit einem wärmeren Klima gibt es im Winter mehr Niederschlag. Allerdings nimmt die Schneemenge mit der höheren Temperatur auch wieder ab. Welcher Effekt überwiegt? Die Schnee- und Lawinenforscher in Davos sind zu folgendem Schluss gekommen: Unter dem Strich kommt es zu einer Abnahme der Schneemenge. Bis zum Jahr 2035 ändert sich noch nicht viel. Einen markanten Rückgang ist bis zum Jahr 2085 zu erwarten: Beispielsweise geht die Schneehöhe am 1. Februar im Berner Oberland um 65% zurück. Betreffend Schneehöhe sind zum Beispiel in Grindelwald Schneeverhältnisse zu erwarten, wie wir sie heute in Bern haben. Im Mittelland verkommt eine mehrtägige Schneedecke zur Seltenheit. Die rückläufigen Schneefälle in den Skigebieten können bis zur Mitte des Jahrhunderts noch mit Beschneiungsanlagen kompensiert werden. Trotzdem müssen Skigebiete mit einer kürzeren Saisondauer rechnen. Nachdenklich stimmen auch die Berechnungen zur Eismasse der Schweizer Gletscher: Bis zum Ende des Jahrhunderts ist das Eis fast vollständig geschmolzen.
Folgen für den Wasserhaushalt
Unsere Abflussregime werden mehr durch Regen und weniger durch Schnee bestimmt sein. Damit verändert sich auch die Saisonalität: Im Winter nimmt der Abfluss zu, im Sommer ab. Bei geringeren Abflussmengen im Sommer ist eine erhöhte Nutzungskoordination gefragt. Nicht zu vergessen ist der Einfluss auf das Grundwasser: Auch dieses ist von einer Temperaturerhöhung betroffen, was Einflüsse auf die Trinkwasserqualität haben könnte. Betroffen sind auch unsere Seen: Sie können sie sich nicht mehr so gut durchmischen.
Einfluss auf Artenvielfalt und Landwirtschaft
Eine Erwärmung des Klimas führt zu einem Artenwechsel. Tiere und Pflanzen weichen in höhere Lagen aus, um den Temperaturanstieg zu kompensieren. Beispiele dafür sind Fichte und Buche. Gleichzeitig können im Flachland neue Arten aus dem Mittelmeerraum einwandern, beispielsweise die Steineiche. Auch der Lebenszyklus von Schädlingen verändert sich: Borkenkäfer und Apfelwickler könnten sich pro Jahr häufiger vermehren als heute. Negative Folgen sind auch für die Milchwirtschaft zu erwarten: Kühe leiden unter Hitzestress. Eine positiver Effekt wird beim Weinbau erwartet: Die Auswahl an anbaubaren Rebsorten wird breiter.
Szenarien für den Energieverbrauch
Milde Winter senken den Heizbedarf. Dafür kommt bei einem Hitzesommer Energie für Kühlung dazu. Netto ist mit einer Energieeinsparung zu rechnen. Allerdings wird das Sparpotential kaum ausgeschöpft: Einerseits wird das eingesparte Geld gleich wieder in Heizenergie investiert. Andererseits kompensiert der Konsum anderer Güter die eingesparte Energie. Die Wissenschaftler sprechen hier vom Rebound-Effekt.
Quelle: CH2014-Impacts (2014), Toward Quantitative Scenarios of Climate Change Impacts in Switzerland, herausgegeben von OCCR, FOEN, MeteoSwiss, C2SM, Agroscope und ProClim, Bern, Schweiz, 136 pp.
Der Bericht ist verfügbar unter: CH2014-Impacts