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93.05 % des Waldes im Val d’Anniviers ist Schutzwald. Der Wald Zau Zoura, oder „Ban d’Ayer“ ist das beste Beispiel für einen Schutzwald, der über einem Dorf wacht. Unsere Vorfahren haben vor langer Zeit ein «Verbot» erlassen, welches das Fällen von Bäumen verbietet. Aber dieser extreme Schutz hat dazu geführt, dass ein Neubestand durch die immer älter werdenen Bäume verhindert wurde, da sie Jungtrieben nicht genügend Platz gelassen haben.
Seit einigen Jahren werden im Wallis wieder Bäume gefällt.
Der Betrachter kann auf den ersten Blick erkennen, dass sich die
heutigen Techniken deutlich von den früheren unterscheiden.
Einschneidende Veränderungen sind: die Grösse der Zielflächen, die Mechanisierung der Interventionen
und das tote Holz auf dem Waldboden.Die Bäume im Bergwald wachsen in
Gruppen und brauchen Licht, um sich zu entwickeln. Die Forstwarte
schaffen Lücken indem
sie grosse instabile und abgestorbene Bäume fällen, deren Schatten eine
Erneuerung nicht zulassen. Dank diesen Flächenöffnungen im Wald Zau
Zoura ist langsam eine Verjüngung zu erkennen und die Stellen werden
nach und nach aufgeforstet. Die Schutzfunktion des Waldes gegen
Naturgefahren ist gewährleistet, gleichzeitig wird die Biodiversität
unterstützt, welche für das Leben von Insekten, Vögel und anderer Tiere
essenziell ist.
Auf diesen Flächenöffnungen wächst genug Nahrung für
die Huftiere, so dass die Entwicklung des Waldes nicht durch Hirsche
oder Rehe gefährdet ist. Die Zweige werden nicht aufgestapelt, oftmals unverständlich für die Bevölkerung.
In der Natur ist einsammeln und aufstapeln nicht nötig. Das auf dem
Waldboden liegende tote Holz zersetzt sich mit der Zeit und bereichert
den Wald mit Humus. Die Bäume werden durch die Forstwarte vom Forstamt
Val d’Anniviers ungefähr einen Meter vom Boden abgeschlagen, die
Baumstümpfe werden als Schneestopper genutzt, zur Abschwächung von
Steinschlag und um Jungwuchs zu schützen.
Die hauptsächlichen Gefahren für einen Schutzwald sind Feuer,
Befall durch Borkenkäfer und der starke Druck von Freizeitaktivitäten
wie freies Skifahren abseits der Pisten, Schneeschuhtouren oder
Mountain-Bike-Fahren auf nicht ausgeschilderten Routen. Die Wildtiere
werden durch diese Aktivitäten stark beeinträchtigt und der Druck auf
die Wälder wächst. Wir können unsere Schutzwälder nur erhalten, wenn wir
die Ruhe- und Schutzzonen respektieren, kein Feuer entfachen, die Hunde
an der Leine führen, auf den markierten Wegen und gespurten Trails
bleiben
Der Bergwald ist ständigen Veränderungen unterworfen. Die geleisteten Arbeiten der Forstwarte werden vielmals als krass bezeichnet, aber die heutigen Erkenntnisse erlauben es ihnen, das Naturpotential bestens abzuschätzen. Die durchgeführten Fällungen sorgen für eine Verjüngung des Waldes und wir können weiterhin von seinen zahlreichen nachhaltigen Angeboten profitieren. Geniessen Sie also entspannte Waldspaziergänge.
Text : Claude Salamin, zuständiger Forstwart im Val d’Anniviers