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Aktueller Veranstaltungshinweis:

Morgenstreich der Basler Fasnacht 2017
Am Montag dem 06. März 2017 findet Morgens um 04.00 Uhr der Morgenstreich der Basler Fasnacht statt. In der Innerstadt wird um vier Uhr die öffentliche Beleuchtung gelöscht während zugleich die Strassen und Gassen von den trommelnden und pfeifenden Cliquen und ihren Laternen übernommen werden.
Der Stadtkern ist für die Dauer des Morgenstreich für den Individualverkehr und die ÖV gesperrt. Extrakurse der ÖV bringen Besucher an den Rand des Zentrums. Geschäfte sind dringend angehalten ihre Schaufenster zu verdunkeln. Besucher sollten weder mit Blitzlicht noch mit Kamerascheinwerfern die Stimmung stören.
Geschichte des Morgenstreich / Morgestraich
Laut einem Verbot von 1773 war das Trommeln im alten Basel erst ab sieben Uhr (Tagesbeginn) gestattet, später wurde es schon ab sechs Uhr zugelassen. Anno 1804 wurde das Trommeln zur Eröffnung der Fasnacht ausnahmsweise schon ab fünf Uhr erlaubt, aber erst mit dem ungesetzlichen Morgenstreich des Metzgers Bell 1833 setzte sich eine frühere Stunde des Tages als Zeitpunkt zum Auftakt der Fasnacht durch. Wohl hatte es bereits 1797 einen lärmigen Fasnachtsbeginn mit Schiessen und Trommeln um vier Uhr gegeben, aber dies war eine Ausnahme die sich nicht zur Tradition entwickelte.
Während der Trennungswirren zwischen Stadt und Landschaft zu Beginn der 1830er Jahre litt die Fasnacht einmal mehr unter vielerlei Einschränkungen und Verboten. Dessen ungeachtet scharte der als renitent bekannte Basler Metzger und Gastwirt Samuel Bell (1792-1851) eine Gefolgschaft von fasnachtsbegeisterten und Tambouren um sich. Die später als "Bellsche Spiessgesellen" bekannte Truppe führte gegen 16.00 Uhr am selben Tag einen Umzug in der Stadt durch. Dieser fasnächtliche Harst umfasste laut einem Polizeibericht zwischen hundert und hundertfünfzig Personen.
Wohl hatte man dem Metzger Bell seinen Morgenstreich verboten. Als sich aber eindeutig abzuzeichnen begann dass obrigkeitliche Einschränkungen hier zwecklos waren, liess man die Fasnächler gewähren. Polizei und Standestruppe wären ohnehin ausserstande gewesen die umfangreiche Volksbewegung zu lenken oder zu zerstreuen, und zur Waffe wollte man deswegen auch nicht gleich greifen. Nach der Niederlage militärischen der Basler am 3. August 1833 während des Bürgerkriegs um das Baselbiet, wurden für das Jahr 1834 öffentliche Veranstaltungen zur Fasnacht untersagt.
Der Morgenstreich war ein militärisches Trommelsignal mit dem aufgebotene Truppen zusammengerufen wurden, weshalb das Signal auch "Sammlung" hiess. Er war bereits Mitte des 18. Jahrhundert beim Bernischen Militär als Trommelsignal bekannt und erschien um 1800 auch im Heer der Helvetischen Republik. In Basel nennen die Verordnungen "wegen der Fasnachts-Belustigungen" 1808 den Begriff Morgenstreich erstmals in Verbindung mit der Fasnacht. Doch damals handelte es sich noch nicht um die von Metzger Bell begründete Tradition. Diese begann am frühen Morgen des 27. Februars 1833.
Der Morgenstreich von Samuel Bell
Samuel Bells unbotsamer Morgenstreich soll bereits um drei Uhr früh begonnen haben. Die Jugend in allen Teilen des Stadt sei in Gruppen oder einzeln trommelnd durch die Strassen und Gassen gezogen. Versuche sie an ihrem gesetzlosen Tun zu hindern blieben fruchtlos. Die Aktion hatte gewiss auch wesentlichen Anteil an der Tatsache dass für das Jahr 1835 eine erheblich grosszügere Fasnachtsverordnung eingeführt wurde. Wie bereits erwähnt, war 1834 die Fasnacht auf den Strassen verboten. Dafür wurde auf den Zunftstuben unter gestrenger Polizeiaufsicht gefeiert und getanzt.
Im Jahr darauf wurde der Morgenstreich erstmals mit formeller Erlaubnis der Basler Obrigkeit um vier Uhr in der Früh durchgeführt. Dieser Zeitpunkt hat bis heute seine Gültigkeit behalten und gilt als magischer Augenblick für unzählige Fasnächtler. In jenen Tagen schritten den Tambourengruppen pittoresk uniformierte Platzmacher mit Steinschlossgewehren und Säbeln in Händen durch die Nacht voran, die nur durch Pechfackeln erhellt wurde. Diese Platzmacher wurden von Fasnachtsgestalten wie Pierrots oder Blätzlibajassen begleitet, die das Publikum lebhaft neckten.
Laternen der Lälli-Clique kurz vor dem Morgenstreich. Seit der Mitte des 19. Jahrhundert gehören diese grossen bemalten Kunstwerke zu den tragenden Elementen des Morgenstreichs.
Ab 1845 traten anstelle der Fackeln Laternen auf. Ein polizeiliches Verbot hatte dem feuergefährlichen Fackeltragen den Garaus gemacht. Anfangs sah man überwiegend Stablaternen, wobei es mit der Zeit auch Rückenlaternen gab, die man wie einen Rucksack trug. Die grossen Laternen, die heute dem Morgenstreich einen wichtigen Teil seines Charakters verleihen, erschienen erst später. Dabei wird für 1857, nach der Neuenburgerkrise die fast zum Krieg mit Preussen geführt hatte, von einer grossen leuchtenden Pickelhaube berichtet. Für das Jahr 1858 ist eine Käppelijoch-Laterne belegt.
Im Jahr 1848 berichtete die Schweizerische Nationalzeitung am 13.März über den Basler Morgenstreich:
"Basel: Unser Fasching hat begonnen; schon um 4 Uhr wirbelten die Trommeln den Morgenstreich durch alle Stadtviertel; dieselben bunten Papierlaternen warfen ihre Schlagschatten auf die grotesken Schaaren von Jung und Alt; am gelungensten war der Zug mit einer gutgezeichneten Laterne über die jüngsten Zeitereignisse der Schweiz: Sonderbund und neuenburgisches Preussentum lieferten die Hauptbilder."
Einst zwei Morgenstreiche
Der Morgenstreich fand nicht immer nur am Fasnachtsmontag statt. Für das Jahr 1900 ist ein zweiter Morgenstreich am Mittwoch belegt. Spätestens um 1912 sei der zweite Morgenstreich abgeschafft worden. 1833 berichtet Jakob Christoph Pack (1768-1841), dass die Kinder am Montag wegen des Trommelverbots mit Klapperinstrumenten gelärmt hätten um den Morgenstreich im Gang zu halten. Jedoch hätten sie am Mittwoch die Trommeln rausgeholt und den Morgenstreich wie gewöhnlich geschlagen - ein weiteres Indiz für die Existenz zweier Morgenstreiche an der selben Fasnacht.
Das Gedränge wurde mit der Zeit ein echtes Problem. Hässliche Szenen gab es, wenn verfeindete Züge bei wenig Platz aufeinander stiessen. Die Zeiten waren damals rauher und direkter. In den 1870er Jahren sei ein Fasnachtszug von einem anderen derart rücksichtslos auf der Rheinbrücke abgedrängt worden, dass die Laterne über das Geländer in den Strom fiel. Der erste Morgenstreich nach dem zweiten Weltkrieg, dieser langen Zeit ohne Fasnacht, hatte am 11. März des Jahres 1946 derart viel Publikum auf dem Marktplatz, dass für die Cliquen kein Durchkommen war.
Es fanden sich Besucher aus dem Elsass und dem Badischen ein, die in Basel die triste Nachkriegszeit für einen Moment vergessen konnten. Auch waren Soldaten der US-Streitkräfte auf Urlaub genauso gekommen wie viele "Touristen" aus der übrigen Schweiz, die in Extrazügen der Bahn nach Basel gelangt waren. Die Cliquen mussten bei dem Gedränge auf dem Marktplatz ihre Marschrichtung um 180 Grad ändern. Bei jenen Cliquen die den Weg durch die dichten Massen wagten, mussten die Tambouren ihre Trommeln über dem Kopf durch die Zuschauermenge balancieren.
Die Angehörigen der Lälli-Clique bereiten sich kurz vor vier Uhr auf den Morgenstreich vor. Sie ziehen ihre Larven mit den Kopflaternen an, welche die verschieden kostümierten Fasnächtler als Angehörige einer bestimmten Clique ausweisen.
Der Morgenstreich heute
Heute ist der Morgenstreich (im Basler Dialekt "Moorgestraich") eines der grossen Ereignisse in Jahresablauf. Traditionell beginnt er um vier Uhr morgens mit dem Ausschalten der Strassenbeleuchtung in der verkehrsbefreiten Innenstadt zwischen Aeschenplatz und Mustermesse. Grosse kunstvoll gemalte Laternen der Cliquen so wie Stablaternen und Kopflaternchen erhellen die Nacht. Sie sorgen für die typische Atmosphäre des Morgenstreich. Zuschauer sollten nie mit Blitzlicht Fotografieren. Das stört die Stimmung und ist so verhasst wie erleuchtete Schaufenster und Werbeflächen.
Mit dem Lichterlöschen beginnen sich zum Kommando "Moorgestraich - Vorwärts marsch!" die zahlreichen Cliquen, die sich an speziellen Standorten bereitgestellt haben, zum Klang von Trommeln und Piccolos voranzubewegen. Unzählige Tambouren und Pfeifer aller Cliquen intonieren dazu synchron den von Karl Schell (1864-1936) arrangierten Marsch "Morgenstraich", der stets als erster und nur zu diesem Anlass gespielt wird. Danach wechseln die Märsche von Clique zu Clique während die Züge gemessenen Schritts weiterhin durch Strassen und Gassen marschieren.
Am Morgenstreich tragen die teilnehmenden Fasnächtlerinnen und Fasnächtler kein gemeinsames einheitliches Kostüm. Dieses ist zwar bei den Cortèges am Montag und Mittwoch auf das gewählte Sujet (Thema) der Clique abgestimmt. Aber zu diesem nächtlichen Auftakt tragen die Fasnächtlerinnen und Fasnächtler unterschiedliche Kostüme. Diese offene Kostümordnung bei den Basler Cliquen ist als "Charivari" bekannt. Einheitliches Merkmal am Kostüm ist die auf der Larve angebrachte kleine Kopflaterne mit dem Logo der jeweiligen Fasnachtslique.
Querverweis zum Thema Fasnacht auf altbasel.ch:
>> Geschichte der Basler Fasnacht
>> Geschichte der Fasnachtscliquen
>> Geschichte der Guggemusik
>> Entwicklung der Strassenfasnacht im 19. Jahrhundert
Beitrag erstellt 01.02.04 / Korrektur Quellen 08.01.17
Quellen:
Dorothea Christ, "Geschichte der Laternenmalerei", publiziert in Basler Fasnachtslaternen, herausgegeben von der Spezi-Clique Basel, Kommissionsverlag Friedrich Reinhardt, Basel, 1980, ISBN 3 7245 04 721, Seiten 12 bis 21
Georg Duthaler, Trommeln und Pfeifen in Basel, Christoph Merian Verlag, Basel, 1985, ISBN 8-856-16-023-10, Seiten 45 und 85 bis 86
Pierre Farine, "Die Strassenfasnacht", publiziert in Die Basler Fasnacht, herausgegeben vom Fasnachts-Comité, Basel, 2. Auflage 1986, ISBN 3-9060-7200-1, Seiten 103 bis 107
Paul Koelner, Die Basler Fastnacht, herausgegeben vom Fasnachts-Comité, Universtitätsbuchdruckerei Friedrich Reinhardt, Basel, 1913, Seiten 21, 23 bis 26 und 45
Eugen Anton Meier, "Die Fasnacht im alten Basel", publiziert in Die Basler Fasnacht, herausgegeben vom Fasnachts-Comité, Basel, 2. Auflage 1986, ISBN 3-9060-7200-1, Seite 72
Fritz Meier, Basler Heimatgeschichte, Lehrmittelverlag des Kantons Basel-Stadt, Basel, 5. Auflage 1974, Seiten 352, 361, 363 und 369