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Die Haarzell-Leukämie gehört zu den niedrigmalignen Non-Hodgkin-Lymphomen. Die klassische Haarzell-Leukämie verläuft schleichend, die seltenere Variante aggressiver. Im Rahmen der Haarzell-Leukämie kommt es zur unkontrollierten Proliferation von B-Lymphozyten, zur Splenomegalie und zu Störungen der Hämatopoese mit folgender Panzytopenie.
Die HL nimmt in der Regel einen schleichenden Verlauf und es kommt erst spät zur Manifestation klinischer Symptome [2]. Eine Ausnahme bildet hier die sogenannte HL-Variante, die etwa 10% der Fälle ausmacht und sich von der klassischen Form durch einen aggressiveren Verlauf unterscheidet.
Die Erkrankung führt zur massiven Splenomegalie, bei einem kleineren Anteil der Patienten auch zur Hepatomegalie, jedoch nur selten zur Lymphadenopathie [3] [4]. Die raumfordernden Prozesse in Milz und Leber können unspezifische Symptome wie abdominelle Schmerzen, Appetitverlust, vorzeitige Sättigung und Völlegefühl provozieren. Die vergrößerten Organe sind in der klinischen Untersuchung tastbar.
Die im Knochenmark unkontrolliert proliferierenden B-Zellen und die zunehmenden bindegewebigen Strukturen beeinträchtigen die Hämatopoese, sodass es schließlich zur Panzytopenie kommt. Die Panzytopenie kann ein Zufallsbefund sein, der im Rahmen routinemäßiger Blutuntersuchungen erhoben wird, aber sie führt häufig auch zu Komplikationen [5]:
Erste Hinweise auf eine Knochenmarkinsuffizienz finden sich im Blutbild, das das Vorliegen einer Panzytopenie offenbart. Bei klassischer HL fällt zudem eine Monozytopenie auf. Die Anfertigung eines Blutausstrichs wird unbedingt empfohlen, denn die typische Morphologie der Tumorzellen mit ihren haarähnlichen Zytoplasmaausläufern begründet bereits die Verdachtsdiagnose HL [6]. Darüber hinaus sehen die Tumorzellen reifen Lymphozyten recht ähnlich, denen sie in Größe, Form und Zellkernmorphologie gleichen. Es sei allerdings darauf hingewiesen, dass die Anzahl der Tumorzellen im peripheren Blut meist nur gering ist, weshalb die Verdachtsdiagnose durch weitere Befunde gestärkt werden muss [5].
Dazu, und um den Zustand des Knochenmarks besser einschätzen zu können, wird für gewöhnlich die Gewinnung einer Gewebeprobe angeordnet. Von einer Knochenmarkaspiration wird abgeraten, da deren Ausführung durch die hochgradige Myelofibrose erschwert wird; eine Knochenmarkbiopsie ist eher erfolgreich und liefert ausreichend Material zur Diagnosestellung [2].
Sowohl die Tumorzellen im peripheren Blut als auch im Knochenmark lassen sich durch Immunphänotypisierung bzw. immunhistochemisch eindeutig einer HL zuordnen. Marker, die für gewöhnlich verwendet werden, sind CD11c, CD25, CD103 und CD123, dazu CD19 und CD20 sowie Annexin A1 und Cyclin D1 [8] [9]. Zudem wurde der Antikörper VE1 entwickelt, der an Lymphozyten mit HL-typischer B-RAF-Mutation bindet [7]. Positive Ergebnisse erlauben hier die zweifelsfreie Differenzierung von HL und HL-ähnlichen Neoplasien wie dem splenischen Marginalzonenlymphom. Die Expression von CD5 und CD23 ist im Rahmen einer HL nicht zu erwarten.
Bestehen an dieser Stelle noch Zweifel an der Diagnose, kann die kausale B-RAF-Mutation mittels molekularbiologischer Methoden nachgewiesen werden [10].
Die Haarzell-Leukämie (HL) gehört zu den niedrigmalignen Non-Hodgkin-Lymphomen und B-Zell-Neoplasien. Feine, haarähnliche Zellfortsätze charakterisieren die Tumorzellklone und haben der Erkrankung zu ihrem Namen verholfen. Im Fall einer klassischen HL weisen die degenerierten Lymphozyten eine Mutation des Zellwachstum-regulierenden-Proteins B-RAF auf, die sehr wahrscheinlich krankheitsverursachend ist [1].
Es handelt sich um eine seltene Erkrankung, die zumeist Patienten im höheren Alter betrifft. Männer sind bis zu viermal häufiger betroffen als Frauen. Leitsymptome sind Splenomegalie und Panzytopenie, wobei letztere zu klinischen Beschwerden wie allgemeiner Schwäche, erhöhter Infektanfälligkeit und Blutungsneigung führen kann. Im Allgemeinen nimmt die HL jedoch einen indolenten Verlauf. Eine Therapie wird erst notwendig, wenn die Leukämie symptomatisch wird [1]. Die Behandlung erfolgt mit den Purinanaloga Pentostatin und Cladribin, mit denen bei einem Großteil der Patienten eine Remission erreicht werden kann.