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Festungen in der Region von Mendrisio
Die Region Mendrisiotto bildet die südliche Zone des Kantons Tessin und liegt zwischen den italienischen Provinzen Como und Varese. Die Hauptverbindungsstrasse in den Süden überquert den Luganersee über die Dammbrücke von Melide, welche im Jahre 1847 erbaut wurde.
Aus Schweizer Sicht war diese Zone für den Bau von Festungen uninteressant. Sie bevorzugte es, diese als sogenanntes offenes Schlachtfeld zu betrachten. Auf der italienischen Seite hingegen wurden auf den umliegenden Bergen bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts Abwehrsysteme mit Stützpunkten, Geschützstellungen und Beobachtungsständen erstellt. Diese waren Teil des italienischen Verteidigungssystems an der nördlichen Grenze zur Schweiz, allgemein bekannt als „Cadorna Verteidigungslinie“. Zurückzuführen ist dieser Name auf den General, der während des ersten Weltkrieges den grössten Antrieb für den Bau gab.
Das italienische Verteidigungssystem an der nördlichen Grenze zur Schweiz ist eine Gesamtheit von Bauten, welche vom Jahre 1871 an, vom italienischen Königsreich geplant wurde. Dies, um die eigenen Grenzen vor eventuellen Angriffen, welche durch die Schweiz und über die Alpen führen könnten, zu schützen. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde das System aber erst nach 1904 verwirklicht. Dieses erstreckt sich über 280 km vom Aostatal (Mont Dolent) bis ins Veltlin (Stilfser Joch), und verengt sich auf der Höhe der Hauptverkehrsstrassen gegen die Poebene.
Die erste Serie dieser Bauten, liegt auf der westlichen Seite von Mendrisio, bestehend aus der Anlage am Monte Orsa. Von da aus ist es möglich, den Abschnitt der Gotthard Eisenbahn, welcher von der Dammbrücke von Melide bis zur Grenze in Chiasso führt (für den Eisenbahnverkehr geöffnet im Jahre 1874), zu kontrollieren. Auf der östlichen Seite liegen die Anlagen auf dem Gebirgskamm zwischen dem Muggiotal und dem Comersee und bestehen aus den Anlagen Monte Bisbino und Sasso Gordona. In diesen Anlagen können die Beobachtungsstände und Geschützstellungen in Höhlen, die aus Kalksteinfelsen heraus gegraben wurden, bewundert werden.
Die Anlage von Sighignola, die erste unter den Festungen, die für das nördliche Verteidigungssystem erstellt wurde, beherrscht den Luganersee buchstäblich. Die Sicht erstreckt sich von da bis nach Lugano und Porto Ceresio.
Festungen in der Region von Lugano
Die Region Luganese besteht aus den Gebieten rund um den Luganersee und dem Vedeggiotal, welches nordwärts bis zum Monte Ceneri-Pass führt. Der südliche Teil des Gebietes hat keine klaren geografischen Grenzen, während die Bergkette, gebildet aus dem Monte Ceneri und den Monti di Medeglia für eine natürliche Festung geeignet waren.
Darüber hinaus, machte der Bau der Hauptstrasse, welche den Monte Ceneri passierte, eine Verstärkung dieser Gegend notwendig, um den Vormarsch des Feindes in Richtung Bellinzona und in die oberen Täler zu verhindern. Die erste Serie von Werken entwickelte sich um den Monte Ceneri-Pass, wo ein Waffenplatz entstand, der noch heute von der Schweizer Armee benutzt wird. Die Werke wurden ab 1910 gebaut und bestehen aus einer Artilleriefestung und mehreren Stützpunkten. Die Verteidigungslinie hingegen fängt beim Monte Ceneri an und verläuft entlang den südlichen Ausläufern der Monti di Medeglia bis zur Alpe del Tiglio, oberhalb der Ortschaft Isone, auch diese Sitz eines wichtigen Waffenplatzes. Die zentralen Elemente dieses Systems sind die Stützpunkte des Monti di Medeglia, an welche sich die Schützengräben und Stellungen für die mobile Artillerie anschlossen.
Diese Werke wurden aufrechterhalten und während des zweiten Weltkrieges durch den Bau von gepanzerten Nebenwerken und Blockhäusern unter den Felsen erweitert. Im Speziellen, wurde mit dem Bau der Stellung bei Gola di Lago ein südlicher Arm an die Linie angefügt. Diese war auf den Hängen, welche das Valle di Medeglia und das Val Colla unterteilen.
Aufgrund ihrer historischen und architektonischen Qualitäten und den Eigenschaften ihrer militärischen Ausrüstung, sind diese Festungsanlagen von nationaler Bedeutung. Die vorgeschlagenen Bergpfade erlauben es, bei bevorzugten Beobachtungspunkten zu verweilen, altertümliche Almen, die von der lokalen Bevölkerung verwendet wurden, zu durchqueren und Abschnitte des Luganersees zu bewundern.
Festungen in der Region Locarnese – Gambarogno
Bereits seit der Antike ist der Lago Maggiore ein bevorzugter Wasserweg, der die Alpentäler des heutigen Kantons Tessin und der Mesolcina mit der Po-Ebene verbindet. Sowohl die Schifffahrtswege wie auch die Strassenrouten in Ufernähe galten einst als Zufahrtswege für Truppen aus der Po-Ebene im Falle einer Invasion des Tessins und anschliessend der Schweiz. Im Rahmen des Südfront-Befestigungsprojektes, beschloss die Eidgenossenschaft deshalb die Erstellung einer Reihe von Festungsanlagen entlang des nördlichen und südlichen Hangs der Magadinoebene (bei der Mündung des Flusses Ticino), um sich gegen diese Gefahr zu wehren. Diese Bauten bildeten den westlichen Teil des Verteidigungsdispositivs der Linie Gordola – Monti di Medeglia – San-Jorio-Pass (dieser zweite Abschnitt wird von den Routen der Region Luganese beansprucht).
Die vorgeschlagene Route zeigt Bauten des Südkomplexes, die teilweise auf der Ebene zwischen Magadino und Quartino, am östlichen Hang des Monte Ceneri, liegen. Die entsprechenden Bauten am nördlichen Hang der Ebene befinden sich oberhalb der Ortschaft Gordola, sind aber nicht zugänglich.
Die Artilleriefestungen, die gepanzerten Bunker und die Felswerke sowie die Panzerabwehrhindernisse und die Mineninstallationen entlang der Strasse und der Eisenbahnlinie dienten dazu, das Vorrücken der Truppen zu verhindern, die vom Gambarogno sowie von der nahe gelegenen Gegend Luino herkamen. Einige davon befinden sich am Rande der geschützten Auenlandschaft der Bolle di Magadino, einst die natürliche Mündung des Flusses Ticino – eine ideale Fortsetzung der Entdeckungstour im Anschluss an die Festungsbesichtigung.
Festungen in der Region Bellinzonese e Valli
Die Region “Bellinzonese e Valli” ist ein umfangreiches Gebiet, das vom nördlichen Hang des Monte Ceneri und vom Lago Maggiore durch verschiedene Täler bis zu den Alpen reicht. Diese tiefen Täler führen jeweils zu Alpenübergängen, die bereits im Altertum als Durchgangswege für Menschen und Waren dienten. Daran erkennt man die strategische Bedeutung dieser Gebiete, in denen zahlreiche Festungen entstanden sind, unter anderem die Burgen von Bellinzona. Der Bau neuer Transitrouten (Bahn und Strasse) sowie die Realisierung des Gotthardtunnels während der Neuzeit waren der Startschuss seitens der Eidgenossenschaft für die Planung des südlichen Abwehrsystems, die gegen Ende des XIX. Jahrhundert mit dem Forte Airolo begann.
Das wichtigste und ausgedehnteste Abwehrsystem besteht aus den Artilleriefestungen von Airolo und des Sankt Gotthards. Hinzu kommen weitere Nebenwerke, die über das gesamte Gebiet bis zum San Giacomo-Pass im Bedrettotal verteilt sind. Diese Bauten bildeten das südliche Bollwerk des Schweizer Reduits, das von General Henri Guisan für den Zweiten Weltkrieg beschlossen wurde: Eine undurchdringliche Grenze für feindliche Truppen aus Süden. Die verschiedenen Kampfstände bieten eine unvergleichliche Sicht auf die Gipfel und Täler, die den südlichen Hang des Gotthardmassivs bilden.
Weiter abwärts entlang des Flusses Ticino, nebst der Festung Mondascia südlich von Biasca, entstand bei den Ortschaften Lodrino und Osogna eine wichtige Panzerabwehrlinie, die das Vorrücken Richtung Sankt Gotthard und Lukmanier verhindern sollte. Die Lona-Linie besteht aus zahlreichen Felswerken, Artillerieblockhäusern sowie einem imposanten Panzerabwehrhinderniss und ist somit ein seltenes Beispiel dieser Art von Panzerabwehrlinien der Alpen in gutem Erhaltungszustand. Der Besuch dieses Komplexes ist eine einzigartige Gelegenheit, um die Seitentäler des Flusses Ticino und deren Steilabfälle zu entdecken.
Die südlichste Festungslinie befindet sich am östlichsten Ende des Morobbiatals mit dem San-Jorio-Berg und dem gleichnamigen Pass, der zum Lariosee führt. Die wichtigsten Festungsbauten dieses Sektors entstanden während des Ersten Weltkrieges. Die Überreste der Festungen sind entlang dem Wanderweg in Form von Schützengräben und Kampfstände für mobile Artilleriegeschütze zu sehen.