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Fussball ist der wahrscheinlich populärste Sport der Welt. Egal wo finden sich immer Hinweise darauf, dass an dem Ort ein Ball mit den Füssen auf ein oder zwei Tore geschossen wird, auch in arktischen Regionen. In Grönland ist Fussball zwar nicht die Hauptsportart, hat aber in den vergangenen Jahren immer mehr an gesellschaftlicher Bedeutung gewonnen. Eines der grössten Probleme, mit dem sich der grönländische Fussball aber konfrontiert sieht, ist die internationale Anerkennung. Dies will der grönländische Fussballverband nun ändern.
Der Fussballverband in Grönland KAK plant, sich dem amerikanisch-karibischen CONCACAF-Verband anzuschliessen und damit in Zukunft auf internationaler Ebene spielen zu können. Entsprechende Abklärungen für das Bewerbungsverfahren wurde bereits unternommen und der Prozess wurde eingeleitet. Dies hat der KAK-Vorsitzende des Bewerbungskomitees, Tønnes Berthelsen gegenüber der grönländischen Zeitung Sermitsiaq geäussert. Die KAK (Kalaallit Arsaattartut Kattuffiat) existiert seit 1971 und repräsentiert zurzeit 39 Vereine mit rund 5’600 Mitgliedern, rund 10 Prozent der grönländischen Bevölkerung.
Grönland befindet sich an einer Schnittstelle zwischen zwei Fussballverbänden. Einerseits ist der politische Status der Insel als Teil des dänischen Staates ein Grund, sich dem europäischen Fussballverband UEFA anzuschliessen, genauso wie es die Färöer-Inseln sind. Andererseits erlaubt es die geographische Nähe Grönlands zu Nordamerika, sich dem nord- und zentralamerikanischer Fussballverband Concacaf beizutreten. Die UEFA aber verhindert eine Mitgliedschaft mit der Begründung, dass Grönland nicht von der UNO als souveräner Staat anerkannt ist und der dänische Fussballverband einer Mitgliedschaft in der UEFA nicht zustimmt. «Es ist praktisch unmöglich, ein Mitglied des europäischen Fussballverbandes UEFA zu werden, da wir nicht vom dänischen Fussballverband DBU unterstützt werden», erklärt Berthelsen in einem Interview. «Daher hat die KAK beschlossen, dass wir den Bewerbungsprozess für die Concacaf selbst in die Hand nehmen müssen.»
Um sich dem Concacaf anschliessen zu können, benötigt Grönland aber mehr Investitionen in die fussballerische Infrastruktur. Denn die Vorgaben des Verbandes sind ziemlich hoch. So muss Grönland mindestens ein überdachtes Stadion für 3’000 oder mehr Zuschauer vorweisen können. Dazu wurde bereits 2017 ein Projektvorschlag vom Architekturbüro Bjarke Ingels Group vorgestellt. Dabei handelt es sich nach Angaben der Architekten um ein Kultur- und Kommerzkomplex, der neben einer nationalen Kunstgalerie und einem Einkaufszentrum auch das neue überdachte Fussballstadion, das den internationalen Standards entsprechen würde, beinhaltet. Ausserdem müssen Fussballplätze mindestens aus Kunstrasen bestehen, den Grössennormen und den infrastrukturellen Vorgaben entsprechen. Sogar die Wege zum Stadion sind von der Concacaf genau vorgegeben. Nicht mehr als eine halbe Stunde Wegzeit vom Flughafen fordert der Verband.
Keine einfachen Vorgaben für Grönland. Doch der Vorsitzende Berthelsen ist überzeugt, dass Grönland diese Hindernisse aus dem Weg räumen kann. Wichtig sei, es, so Berthelsen, die Hilfe von den USA und Kanada für den Bewerbungsprozess zu erhalten. Denn der Plan des KAK sieht vor, sich innerhalb des Concacaf dem nordamerikanischen Sektor anzuschliessen. Dies hat vor allem damit zu tun, dass Grönland das Stadionproblem bis zur Fertigstellung eines eigenen Stadions umgehen kann, indem die Nationalmannschaft in einem anderen Land mit der nötigen Infrastruktur ihre Spiele austragen könnte. Dabei orientiert sich der KAK an den Färöern, die teilweise ihre internationalen Spiele in Schweden ausgetragen haben, erklärt Tønnes Berthelsen im Interview weiter. Doch bis dorthin ist es noch ein weiter Weg und innerhalb der KAK geht man davon aus, dass eine Bewerbung erst in zwei bis drei Jahren eingereicht werden kann. In der Zwischenzeit wird Fussball in Grönland weiterhin ein Randphänomen bleiben, aber zumindest vor einer der traumhaftesten Kulissen, die man sich vorstellen kann.
Dr. Michael Wenger, PolarJournal