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In Romont wird der Palmsonntag auf ungewöhnliche Weise gefeiert: Die Kinder, die sich in die Kirche begeben, tragen 30-50 cm grosse künstliche Bäumchen namens Sapelots, deren Zweige auf kunstvolle Weise an einem Stamm befestigt sind. Diese mit einem Band und Süssigkeiten geschmückten «Palmen» ersetzen die traditionellen Zweige, mit denen der von einer Menschenmenge beklatschte Einzug Christi in Jerusalem gefeiert wird. Wenn es zeitlich möglich ist, werden die Sapelots im Hof des Hauses Saint-Charles gesegnet, bevor die Prozession zur Messfeier in die Stiftskirche zieht.
Bis in die 1970er-Jahre nahmen die Schulkinder von Romont klassenweise an der Prozession teil (Page). Seither sind die Kinder weniger sichtbar, da sie mit ihrer Familie im Umzug mitlaufen. Das einheimische Gewerbe trägt zur Pflege der Tradition bei: Die traditionellen Kekse, mit denen die Bäumchen geschmückt sind, ein Sandgebäck in Lammform, werden durch eine Bäckerei der Stadt hergestellt, und die Geschützten Werkstätten des Glanebezirks produzieren jedes Jahr etwa 30 Sapelots. Im Allgemeinen nimmt niemand das Risiko auf sich, die Bäumchen selber zu «flechten». Im 20. Jahrhundert fertigte man sie gelegentlich zu Hause an oder kaufte sie bei Einwohnern, die sich darauf spezialisiert hatten.
Zur Messe, die den Beginn der Karwoche markiert, kommen mehr Leute in die Kirche als an anderen Sonntagen, auch wenn ihre Zahl weniger hoch ist als vor 50 Jahren, und die Kinder dürfen nun vor Abschluss der Fastenzeit von den Süssigkeiten naschen. Dennoch ist der Palmsonntag für die Bevölkerung von Romont ein besonderes Fest mit religiösem und familiärem Charakter, das viele Kindheitserinnerungen wiederaufleben lässt.
Bemerkungen
Laut Nicolas Betticher (ehemaliger Sprecher des Bistums Lausanne, Genf und Freiburg), «gibt es mehr oder weniger ähnliche Bräuche in Österreich» (La Liberté, 28. März 2005). «Auch in der Pfarrei Châble/Bagnes (VS) ist diese Tradition bezeugt: Kinder tragen Ginsterzweige, auf denen ein Apfel und ein Brötchen namens Michon befestigt sind» («L'Enfant à l'écoute de son village», Gespräch mit Camille Michaud, Lourtier, vom 26. 09. 1997. Dokumentation CREPA, Sembrancher).
Florence Bays
Übersetzung: Hubertus von Gemmingen