Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03267.jsonl.gz/488

Der Rümelinbach, ein Nebengewässer des Birsig, wurde im frühen Mittelalter als Gewerbekanal angelegt. Seit dem 13. Jahrhundert ist der Rümelinbach urkundlich fassbar; aus den sehr gründlichen und sachkundigen Untersuchungen von Ed. Schweizer über die Stadtteiche ergibt sich als näherliegende Folgerung, dass alle drei Teiche (Rümelinbach, St. Albanteich, Riehenteich) im 12. oder frühen 13. Jahrhundert entstanden sind. Also in einer auffallenden, durch die Ausbreitung der Gewerbe bedingten Wachstumsperiode, jeweils anlässlich der städtischen Erschliessung einer Gegend, als gemeinschaftliches Unternehmen der Siedler und der Obrigkeit. Den Namen erhielt er im 14. Jahrhundert von einem Müller, genannt Rümlin. Der Bach wurde auch Oberer Birsig, kleiner Birsig oder Steinenbach genannt. Im Talgebiet bot der Rümelinbach als neuerstellter Gewerbeteich günstige Bedingungen für Branchen, die viel Wasser (Färber, Gerber, Löschwasser für die Feuerwehr, zum Abschwemmen des Unrats oder für die Badstuben) oder seine Kraft (Stampfen für Pulver, Öl, Tabak oder Loh, Mühlen, Walken für Tuchherstellung) benötigten. Ausserhalb der Stadt wurde das Wasser auch für die Landwirtschaft verwendet. Bis 1875 floss der "obere kleine Birsig" offen im heutigen Steinenbachgässlein, kreuzte seit 1206 den inneren Stadtgraben beim Kohlenberg, folgte durch den Schwibbogen eintretend der Stützmauer des St. Leonhardsstiftes am Fusse des Bergs und hinter den Häusern am Barfüsserplatz, kreuzte den Leonhardsberg und lief unter den hangseitigen Häusern im Gerbergässlein bis zur Rümelinsmühle, von dort wiederum offen durch das Münzgässlein und mündete hierauf in zwei Armen hinter der Hutgasse (durch das Rünselin) und hinter der Sattelgasse in den Birsig
Allein die kunstgerechte Herleitung des Wassers für den Rümelinbach von dem weit ausserhalb der Stadt errichteten Binninger Wuhr erforderte einen beträchtlichen Arbeitsaufwand. Die Erstellung dieser wie der anderen Teiche war daher in erster Linie vom vorhandenen Bedarf und vom Leistungsvermögen des Gemeinwesens abhängig, mithin von zahlreichen bestehenden oder neu zu schaffenden gewerblichen Erwerb orientierten städtischen Wirtschaft. Für die Bedürfnisse des kleinen Territoriums in der Burchard'schen Stadt genügten dagegen der Birsig und die Quellen am linken Talhang. Für die Mühlen und Walken im neuen Quartier bis zum heutigen Kohlenberg, die zum Teil schon früh in Schleifen, Waffenschmieden, Öltrotten und Stampfen umgewandelt wurden, benötigte man wesentlich grössere Wassermengen, ebenso für die Bader, Färber und Gerber, für die Runsen (Wasserableitungen in entferntere Liegenschaften) und für die Beseitigung des Unrats. In seinem Verlauf ist der Teich unter beharrlicher Ausnutzung der Terrainverhältnisse so angelegt worden, dass er für das ganze linksufrige Stadtgebiet bis zur Sattelgasse die zentrale Versorgungsquelle bildete.
Die Wassernutzungsberechtigten bzw. Lehensberechtigten waren seit dem 15. Jahrhundert in der Korporation der Wasserinteressenten des Rümelinbachs zusammengeschlossen. 1460 waren 185 Nutzungsberechtigte vorhanden, 1534 sogar 218; ihre Zahl steigerte sich zuletzt (1866) auf über 340. Seit dem 17. Jahrhundert wurde die eigentliche Verwaltungstätigkeit (Konzessionserteilungen, Entscheidungen über alte Wasserrechte, Auferlegung der Kosten auf Lehnsinhaber, Aufforderungen zur Instandstellung etc.) vom Wasseramt ausgeübt, das auch die Rechnung führte. Seit 1789 war das Wasseramt eine staatliche Behörde, die seit 1834 dem damaligen Bauamt unterstellt war. Mit den organisatorischen Änderung von 1862 waren auch die direkt Betroffenen wieder im Wasseramt vertreten. Diese setzte sich zusammen aus einem Mitglied des Baukollegiums (als Präsident), einem aus der Bürgerschaft (gewählt durch das Baukollegium), dem Kantonsingenieur, dem Wassermeister und einem Mitglied der Gewerbsinteressenten (von diesen gewählt).
Im 19. Jahrhundert wurden mehrere Korrektionen am Rümelinbach vorgenommen. Dieser wurde als öffentliches Gewässer betrachtet, was auch daran deutlich wird, dass er 1866 nicht im neuen Grundbuch eingetragen wurde. 1874 wurde das Wasseramt aufgelöst. Statt dessen fand eine Versammlung der Lehnsbesitzer statt, zu denen ein Vertreter des Kantons eingeladen wurde, die Geschäfte wurden vom Wassermeister geführt. 1914 wurde das Amt des Wassermeisters dem Strasseninspektor übertragen. Die Behörden sahen das Wasseramt - die Abgabe von Wasserrechten - immer als eigene Domäne an und berücksichtigten die Gewerbsinteressenten nur marginal bei den jeweiligen Umgestaltungen.
Seit der Gründung des Zoologischen Gartens 1874 wurde der Rümelinbach auch von diesem genutzt. Ständig wiederkehrend waren die Auseinandersetzungen über die Frage, wer die Bau- und Renovationsarbeiten des Kanals zu begleichen habe. Ausgeführt wurden die Arbeiten vom städtischen Bauamt (später Baudepartement), welches einen Drittel der Ausgaben bei den Lehen einzog.
In den 1870er, den 1930er Jahren und den 1950er Jahren wurden Teile des Baches eingedohlt. Nach den Hochwassern in den Jahren 1937 und 1938 war die Wuhr erneut stark beschädigt. Wiederum entbrannte Streit um die Kostenaufteilung. Die J. Ruckstuhl AG schied aus der Korporation aus, weil sich die hohen Reparaturkosten im Verhältnis zur Nutzung nicht mehr lohnten. Nach der Eindohlung des Teiches löste sich die Korporation 1957 auf. Rechte und Pflichten gingen an die Einwohnergemeinde über, welche durch das Baudepartement vertreten wurde. Das vorhandene Vermögen wurde für die Anlegung einer Grünfläche auf dem überdeckten Bach verwendet.