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FV-51 | Barriers to Exit and the Quality of Partnerships: An Analysis of Monetariy Unions
Prof. Dr. Rolf Weder, Prof. Dr. Gabriele Camera, Lukas Hohl
Ziele des Projektes:
Mit dem Projekt wollen wir einen Diskussionsbeitrag leisten, welcher die Probleme einer Handels- und Währungsunion wie z.B. der EU/EWU versachlicht. Die Forschungsthematik des Projektes ist so aktuell wie noch nie (Stichwort: BREXIT). Es ist davon auszugehen, dass die anhaltenden Schwierigkeiten der Währungsunion (aber, wie das Beispiel England nahelegt, auch der Wirtschaftsunion) in den nächsten Jahren kaum abreissen werden. Die Forschungsthematik wird von uns einerseits im Rahmen eines ökonomischen Experimentes und andererseits anhand einer strukturierten Literaturanalyse bearbeitet.
Folgende Forschungsfragen sollen anhand eines ökonomischen Experiments untersucht werden:
- Wie wirken sich unterschiedliche Anreizstrukturen von Ländern auf das Kooperationsniveau einer gemeinsamen Gruppe aus?
- Werden Vertreter der schwachen Länder ausgeschlossen oder treten Repräsentanten von starken Ländern aus?
- Lässt sich das Kooperationsniveau verbessern, wenn Strukturen von Fiskal- oder Währungsunion eingeführt werden?
- Was ist der Effekt von Austritts- oder Ausschlussbarrieren?
Die Forschungsfragen werden durch die Anwendung eines spieltheoretischen Modells, welches die Grundstrukturen einer Handelsunion zwischen unterschiedlich starken Ländern abbildet, analysiert. Das Modell wird sowohl auf aktuelle Gegebenheiten und Probleme der EU/EWU als auch im Rahmen eines ökonomischen Experimentes angewendet.
Parallel zur Durchführung des Experimentes wird eine Analyse zur existierenden Literatur rund um die Thematik der Auflösung einer Währungsunion erstellt. Es sollen hier folgende drei Forschungsfragen untersucht werden:
- Warum tritt ein Land aus einer Währungsunion aus?
- Wann ist ein Austritt für die verbleibenden Mitglieder vorteilhaft?
- Wie sollte ein Land aus der Währungsunion austreten?
Ziel ist sowohl die Identifikation von Lücken in der bestehenden Forschung als auch die strukturierte Wiedergabe der in der Literatur umstrittenen Themenfelder.
Realisierte Schritte:
Es wurde ein formales Modell entworfen, dessen Anwendung uns erlaubt, die präsentierten Forschungsfragen zu untersuchen. Im Basis-Spiel treffen Länder mit unterschiedlicher Kooperationsbereitschaft in homogenen (Mitspieler sind gleiche Länder) sowie heterogenen (Mitspieler sind Länder mit unterschiedlicher Kooperationsbereitschaft) Gruppen aufeinander. Akteure mit grossem Payoff (starke Länder) haben dabei einen grösseren Anreiz zu kooperieren als solche mit kleinem Payoff (schwache Länder). Auf der anderen Seite sind die generellen Auszahlungen bei Kooperation in heterogenen Gruppen höher als wenn Gruppen homogen zusammengesetzt sind. Teil einer heterogenen Handelsunion zu sein, hat also Vor- und Nachteile. Die Länder können mittels einer Abstimmung zwischen verschiedenen Szenarien der Gruppenzusammensetzung wählen. Dabei entscheiden sie zwischen dem Erhalt des Status Quo, dem Ausschluss eines bestimmten Typus oder dem freiwilligen Austritt. Die Gruppenstruktur des Basis-Spiels kann ausserdem um zentrale Eigenschaften von Währungs- oder Fiskalunionen erweitert werden. Auch Austritts- und Ausschlussbarrieren sollen in den Modellrahmen integriert werden.
Im Rahmen eines ökonomischen Experimentes wird untersucht, ob und wie stark Kooperationsniveau und Abstimmungsergebnis der Akteure innerhalb der Länder dem zu erwartenden Gleichgewicht entsprechen oder ob eine gewisse Abweichung beobachtet wird. Ausserdem soll die Stärke des Effekts von Austritts- und Ausschlussbarrieren auf die Kooperationsbereitschaft und das Abstimmungsergebnis gemessen werden. Zusätzlich möchten wir untersuchen, was für Auswirkungen es hat, wenn die Gruppenstruktur Eigenschaften einer Währungs- oder einer Fiskalunion aufweist. Zwischen Februar und März 2017 wird der erste Teil des Experiments (Fokus Basis-Spiel) im Forschungslabor der Chapman University (CA) mit über 500 Teilnehmenden durchgeführt. Die benötigten finanziellen Mittel zur Durchführung konnten dabei in Zusammenarbeit mit dem Dekanat gesichert werden. Im Anschluss werden die gesammelten Daten ausgewertet und zu einem wissenschaftlichen Papier verarbeitet. Durch die Abänderung einzelner Komponenten des Basis-Spiels (Fokus Austrittsbarrieren, Fiskal-, Währungsunion) sollen im 2018 weitere Forschungsfragen untersucht werden. Für die Finanzierung dieses zweiten Teils des Experiments wurde ein Projektantrag beim SNF eingereicht. Der Finanzierungsentscheid zu diesem Projekt wird im März 2017 fallen.
Die Ergebnisse des Experimentes werden auf aktuelle Fragestellungen mit dem Ziel angewendet, die Ursachen von Instabilitäten besser zu verstehen und, wenn möglich, Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Im Vordergrund stehen vor allem die durch die EU/EWU Institutionen geschaffenen Verhaltensanreize auf Länderebene und deren Auswirkungen.
Ergebnisse:
Erste Ergebnisse der Analyse zur bestehenden Literatur werden bis Sommer 2017 vorliegen, Ziel ist die Publikation in einem wissenschaftlichen Journal. Erste Ergebnisse des Experimentes sollen ab Herbst 2017 an Konferenzen präsentiert und im Rahmen eines oder mehrerer Artikel publiziert werden.