Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03397.jsonl.gz/1260

Wer wird US-Präsident? Der Kandidat, der 270 Elektorenstimmen erhält, wird Präsident der Vereinigten Staaten. Formal wird der Präsident am 14. Dezember 2020 durch das «Electoral College» gewählt.
Was ist das «Electoral College»? Es ist die Vereinigung der 538 Wahlmänner und -frauen, auch Elektoren genannt. Zwar schreiben die wahlberechtigten Bürger in den USA den Namen der Präsidentschaftskandidaten auf ihren Wahlzettel – formal wählen sie aber nur die Elektoren in ihrem Bundesstaat. Je nach Bevölkerungszahl gibt es pro Teilstaat mehr oder weniger Wahlleute.
Können Elektoren frei entscheiden? Es ist im Prinzip möglich, dass die gewählten Elektoren nicht den Kandidaten wählen, für welchen sie stehen. Nur in 26 Teilstaaten und dem Hauptstadtdistrikt mit Washington, D.C sind die Elektoren rechtlich gebunden, für ihren Kandidaten zu stimmen. Bei einem engen Rennen könnten einzelne abtrünnige Elektoren die Wahl entscheiden – passiert ist das bis jetzt noch nie.
Ist die Mehrheit der Stimmen entscheidend? Nein, nicht das Volksmehr entscheidet, wer Präsident wird, sondern die Mehrheit der Elektoren. Dabei gilt in den meisten Teilstaaten das «The winner takes it all»-Prinzip. Das bedeutet, dass in fast allen US-Teilstaaten derjenige Kandidat, der die Mehrheit der Stimmen erhält, alle Elektorenstimmen bekommt. Nur in zwei Bundesstaaten – Maine und Nebraska – können Elektorenstimmen aufgeteilt werden.
Mehr Stimmen erhalten – und trotzdem verloren
Der demokratische Präsidentschaftskandidat Al Gore gewann bei den Wahlen im Jahr 2000 insgesamt 0.5 Prozent mehr Stimmen als der Republikaner George W. Bush. Da aber Bush fünf Wahlmänner und -frauen mehr erhielt, gewann er die Wahl.
Donald Trump (Republikaner) erhielt 2016 2.09 Prozent (über 2.8 Millionen) Stimmen weniger als Hillary Clinton (Demokratin). Trump gewann aber mit 306 Elektoren die Wahl – Clinton erhielt lediglich 232 Elektoren.
Was sind Swing States? Während viele Teilstaaten praktisch immer demokratisch oder immer republikanisch wählen, gibt es auch welche, in denen das Ergebnis jeweils offen ist. Sie werden Swing States genannt. Die Wahlkampagne der Kandidaten konzentrieren sich jeweils auf diese Gebiete, da dort die Wahl entschieden wird.
Welche Staaten sind entscheidend? Beobachter gehen davon aus, dass die Teilstaaten Arizona, Florida, Michigan, North Carolina, Pennsylvania und Wisconsin matchentscheidend sein werden. Als Swing States gelten aber insbesondere auch Georgia, Iowa, Ohio sowie Minnesota, Nevada, New Hampshire.
Warum sind Swing States so entscheidend? Es kann sein, dass nur wenige Stimmen in einem Swing State die Entscheidung bringen. Wer beispielsweise in Florida mit einer Mehrheit von 50.1 Prozent der Stimmen gewinnt, bekommt alle 29 Elektorenstimmen. Die 49.9 Prozent der Stimmen für den Unterlegenen haben kein Gewicht mehr für das Schlussresultat.
Welchen Einfluss hat die Briefwahl? Dieses Jahr bieten viele Teilstaaten auch die briefliche Wahl an. Diese kann aus zwei Gründen zu Verzögerungen führen. Erstens, weil es länger dauert, die Gültigkeit zu prüfen.
Pennsylvania und Wisconsin warten mit der Auszählung
Die meisten Swing States beginnen schon vor dem eigentlichen Wahltag mit der Auszählung der Stimmen – nicht aber Pennsylvania und Wisconsin. Sie starten erst am 3. November 2020 damit. Deshalb könnte es in diesen zwei besonders umkämpften Swing States länger dauern, bis das Resultat der Wahl bekannt ist.
Auch in Michigan könnte es länger dauern. Der Teilstaat beginnt erst 10 Stunden vor dem Wahltag. Arizona und Florida hingegen haben schon früh mit dem Auszählen begonnen. Sie sollten schon in der Wahlnacht Resultate haben.
Zweitens, weil in vielen Teilstaaten die Wahlcouverts auch nach dem Wahltag noch eintreffen können. Diejenigen Teilstaaten, wo Stimmen auch nach dem Wahltag noch eintreffen dürfen, vergeben 313 der 538 Elektorenstimmen, das sind 58 Prozent.
Steht der Gewinner in der Wahlnacht bereits fest?
Viele Beobachter gehen davon aus, dass der Präsident nicht schon in der Wahlnacht vom 3. auf den 4. November 2020 feststehen wird. Gemäss einer Umfrage vom National Public Radio wollen rund die Hälfte der Demokraten aber nur ein Viertel der Republikaner brieflich abstimmen. Es ist somit denkbar, dass Donald Trump nach dem Wahltag in vielen Teilstaaten in Führung liegen könnte. Sein Vorsprung könnte aber mit der Auszählung der Briefstimmen in den Folgetagen schwinden.
Was passiert bei einem Streit um den Wahlausgang? Falls in einzelnen Teilstaaten der Wahlausgang sehr knapp ist oder die Verantwortlichen dort sich nicht einig sind, wer gewonnen hat, können Klagen eingereicht werden. Da in mehreren Swing States die Regierung und das Parlament nicht von der gleichen Partei gesteuert werden, sind Uneinigkeiten sehr wahrscheinlich. Klagen können dabei bis zum Supreme Court gehen, der dann über das Ergebnis in einem Teilstaat entscheiden muss.
Am 6. Januar 2021 kommt der neugewählte Kongress zusammen und zählt die Elektorenstimmen. Falls keine Mehrheit von 270 Elektoren für einen Kandidaten zustande kommt, entscheidet das Repräsentantenhaus.