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Monarchie, so auch der Glanz der Residenzstadt Berlin. [* 2] Von 1650 ab begann sein rastloses Wirken für die Hebung [* 3] seiner Residenz. Zuerst sorgte er für die Pflasterung und Beleuchtung [* 4] der Straßen, dann wurden Maßregeln für die Bebauung der wüsten Stellen getroffen, alle kurfürstlichen Gebäude und Anlagen wiederhergestellt und der Lustgarten, ein Park im holländischen Stil, mit Lusthaus und Orangerie angelegt. Von Privatbauten entstanden die Palais Derfflingers (am Kölnischen Fischmarkt), Schombergs (jetzt kronprinzliches Palais), Danckelmanns (in der Kurstraße).
Die Verfolgungen der Protestanten in Frankreich, die Aufhebung des Edikts von Nantes, [* 5] verbunden mit dem Potsdamer Edikt vom führten eine Menge betriebsamer und gewerbfleißiger Franzosen nach Berlin, denen sich 1689 und 1697 auch viele Pfälzer und Schweizer anschlossen. Dadurch aber wurde eine bedeutende Erweiterung der Städte notwendig. Schon 1658 begann die Vergrößerung der Anlagen auf dem Werder; 1670 fing man an, die Spandauer Vorstadt auszubauen, welche unter Friedrich I., vorzüglich aber unter Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II. erweitert und verschönert wurde; 1674 entstand eine neue Vorstadt vor dem neuen Thor des Friedrichswerders, seit 1676 von ihrer Gründerin, der Kurfürstin Dorothea, gebornen Prinzessin von Holstein, Dorotheenstadt genannt.
Seit 1680 wurden die übrigen Vorstädte und Neu-Kölln angelegt. Ein Zeitraum von noch nicht 40 Jahren reichte hin, um Berlin herrlicher als je zuvor aus der Zerrüttung des Dreißigjährigen Kriegs hervorgehen zu lassen. Die Einwohnerzahl war beim Tod Friedrich Wilhelms (1688) bereits auf 20,000 gestiegen. Ein Lieblingsplan des Großen Kurfürsten war die bereits während der Kriegsjahre angefangene Befestigung der Städte, woran (seit 1658) 25 Jahre gearbeitet ward.
Der damals aus der Spree abgeleitete Festungsgraben umgab und Kölln in zwei Abteilungen; die eine ging rechts aus dem Hauptstrom bei der Stralauer und mündete in denselben bei der Herkulesbrücke; die andre Hälfte begann oberhalb der Waisenhausbrücke und ging um Kölln und den Werder in den Kupfergraben. Der Friedrichswerder und Neu-Kölln, außerhalb des Festungsgrabens in die Verteidigungslinie eingeschlossen, wie die sich hier findenden Namen Ober- und Niederwallstraße bezeugen, verdanken dieser Befestigung ihren Ursprung. Dieselbe hatte jedoch keinen langen Bestand, und es wurde schon unter Friedrich Wilhelm I. mit ihrer Beseitigung begonnen, wobei man es versäumte, zwischen der neuern Stadt und den Vorstädten breite Straßenzüge anzulegen und sie durch weite Zugänge zu verbinden. Der Friedrichswerder bildete einen eignen, von der Jurisdiktion der beiden Städte unabhängigen Stadtteil, welcher schon 1667 einen eignen Magistrat erhielt.
Friedrich III. (als König Friedrich I.) beschloß 1688 den Anbau der Friedrichsstadt, und bereits 1695 standen 300 Gebäude nach einem bestimmten Plan, der durch Friedrich Wilhelm I. zu dem gegenwärtigen Umfang erweitert wurde. Zu den bedeutenden Bauten König Friedrichs I. gehören außerdem: das Zeughaus, das seitdem mehrfach umgestaltete Akademiegebäude, die Kurfürstenbrücke, die frühere Werdersche Kirche, die frühere Bank, die Sternwarte, [* 6] die Kirchen auf dem Gendarmenmarkt, die Garnisonschule u. a. Um den Hof [* 7] scharten sich einheimische und fremde Gelehrte und Künstler; damit aber Künste und Wissenschaften wirksamer für das Allgemeine würden, stiftete Friedrich I. 1699 die Maler- und Bildhauerakademie und 1700 nach Leibniz' Entwurf die Akademie der Wissenschaften.
Sein glänzender Hof erzeugte auch unter den Bürgern Luxus und Vergnügungssucht. Selbst in den Kleidertrachten huldigte man der am Hof herrschenden französischen Mode; Kaffeehäuser wurden angelegt und Schauspiele zuerst 1690 von den Truppen Sebastian Scios und des sächsischen Hofkomödianten Magister Feldheim im Rathaus aufgeführt und vom Volk stark besucht, obgleich die Geistlichkeit vielfach dagegen eiferte. Unter Friedrich I. wurden auch die bisher getrennten und von besondern Magistraten verwalteten Stadtteile 1709 zu einem Ganzen vereinigt und einem Magistrat (bestehend aus 4 Bürgermeistern, 2 Syndiken, 1 Ökonomiedirektor, 1 Einnehmer, 1 Kontrolleur und 10 Ratsherren, deren Amt ein Jahr währte und vom König besetzt wurde) untergeordnet. Die Einzelbenennungen Kölln, Friedrichsstadt u. a. gingen seitdem in dem Gemeinnamen unter.
Während der Regierung Friedrich Wilhelms I., der zuerst seine Edikte nicht von Kölln an der Spree, sondern von Berlin datierte, wurden das Friedrich-Wilhelms-Waisenhaus, mehrere Kirchen, das anatomische Theater gegründet, der Schloßbau bis 1716 größtenteils vollendet und der Lustgarten um dieselbe Zeit in einen Exerzierplatz umgewandelt. Vornehmlich aber ist die Friedrichsstadt vorzugsweise von diesem König gefördert worden. Eine Generalvisitation 1725 stellte heraus, daß es neben 719 bewohnten Häusern 149 wüste Stellen dort gab, und da letztere verschwinden sollten, so wurden neue Häuser, teils auf Kosten des Königs, teils durch Privatleute auf königlichen Befehl, gebaut.
Schon 1737 gab es 1682 Häuser in der Friedrichsstadt, deren Vergrößerung der König bei seinem Aufenthalt in Berlin immer persönlich überwachte. Für Kirchenbauten geschah ebenfalls viel: die alte Garnisonkirche und die Petrikirche wurden neu aufgebaut;
dann erhoben sich die böhmische und die Dreifaltigkeitskirche.
Für das Schulwesen waren die Anlage der frühern Gebäude des Joachimsthalschen Gymnasiums und die Gründung einer Kadettenschule von Bedeutung. Ferner wurde der botanische Garten [* 8] der Akademie (jetzt der Universität) angelegt und im NW. der Stadt ein Pesthaus errichtet, an dessen Stelle Friedrich II. 1785 die später so berühmt gewordene Anstalt der Charitee erbaute. Im J. 1740 bestanden außer den schon 1709 eine Stadt bildenden fünf Städten noch die Luisenstadt, das Stralauer Viertel, die Königsstadt, die Sophienstadt, mit einer Bevölkerung, [* 9] die jedoch noch nicht ein Zehntel der jetzigen betrug.
Unter Friedrich d. Gr. wurde noch vor dem Siebenjährigen Krieg der Tiergarten zu einem Park umgestaltet, erfolgte die Abtragung der noch vorhandenen Befestigungswerke (1745), an deren Stelle die Neue Friedrichsstraße, Alexanderstraße und Wallstraße traten. Der Siebenjährige Krieg brachte mehrmals feindliche Heere in die Stadt. So drang 1757 der österreichische General Hadik, der erste Feind seit dem Dreißigjährigen Krieg, in die Vorstädte ein und erpreßte eine Kontribution von 200,000 Thlr. Darauf (1760) beschossen die Russen die Stadt vom Tempelhofer Berg aus, drangen 9. Okt. in dieselbe ein und brandschatzten sie auf die härteste Weise. Nach dem Frieden fanden sich von den 1755 vorhandenen 126,661 Einw. nur noch 98,000 vor, wovon überdies ein großer Teil öffentlicher Unterstützung bedurfte. Friedrich d. Gr. suchte durch Wiederaufnahme der Bauten und Belebung der Industrie zu helfen. Es wurden aus ¶
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königliche Kosten großartige Seidenfabriken, Webereien und Druckereien für Kattun u. a. angelegt, während die schon 1751 vorhandene Porzellanmanufaktur eine bedeutende Erweiterung und Vervollkommnung erhielt. Zeitgemäße Reformen der städtischen Genossenschaften und Innungen unterstützten den Vertrieb der gesteigerten Produktion. Die Häuserzahl wuchs von 1750 bis 1786 um 510 massive und solide Baue, die Bevölkerung stieg bis nahe an 150,000. Dieser Zuwachs machte die Anlegung der Rosenthaler und Erweiterung der Stralauer Vorstadt nötig.
Zur Verschönerung der Stadt trugen die beiden Türme auf dem Gendarmenmarkt bei, ferner die Marmorstandbilder der preußischen
Helden Schwerin,
[* 11] Winterfeld, Keith und Seydlitz auf dem Wilhelmsplatz, wozu später 1797 von Schadows Hand
[* 12] noch die weit geschmackvollern des alten Dessauers und Zietens kamen, das Opernhaus, das
Schauspielhaus und eine Menge andrer
öffentlicher Bauten, so daß nun die Residenz auch in ihrem Äußern, namentlich in der Gegend der Linden, sich andern Hauptstädten
Europas würdig zur Seite stellte.
Damals war Berlin der Sammelplatz der französischen Schön- und Freigeister, eines d'Argens, Voltaire, Lamettrie u. a.; aber auch Lessing, Moses Mendelssohn, Ramler, Gleim, Engel hielten sich größtenteils in Berlin auf, der vielen als Schriftsteller ausgezeichneten Staatsmänner nicht zu gedenken. Die Akademie der Wissenschaften wurde nach französischem Zuschnitt umgeformt und für die königliche Bibliothek ein besonderes Gebäude errichtet. Von den unter Friedrich Wilhelm II. gemachten großen Ausgaben diente ein nicht unbedeutender Teil zur Verschönerung der Residenz. Namentlich ist das Brandenburger Thor hervorzuheben, über dessen Geschichte das S. 753 Gesagte zu vergleichen ist.
Während des letzten Dezenniums des 18. Jahrh. hob sich, begünstigt durch die französische Revolution, namentlich die Seidenzeugfabrikation in solchem Grade, daß Berlin den Bedarf für das nördliche Europa [* 13] lieferte und durchschnittlich 4000 Stühle beschäftigte, welche Zahl später auf die noch immer bedeutende von 2000 herabsank. Auch die artistischen und litterarischen Verhältnisse der Stadt erlangten von Tag zu Tag eine größere Bedeutsamkeit. Anstalten wie die Tierarzneischule, die Artillerieakademie, das medizinische Friedrich-Wilhelms-Institut wirkten auf den gesamten Staat zurück.
Noch größer wurden die Fortschritte Berlins seit dem Anfang des 19. Jahrh., und selbst die unglücklichen Kriegsschicksale von 1806 an vermochten sie nur auf kurze Zeit zu hemmen. Aber die Zeit der Schwäche und Erniedrigung brachte für Berlin zwei unschätzbare Kleinode, 1808 die Städteordnung und 1810 die Universität. Als Preußen [* 14] sich 1813 gegen Frankreich erklärte, opferte Berlin freudig Gut und Blut zur Abschüttelung des fremden Joches. Mit Jubel empfing man im März die Russen.
Beinahe wäre die Stadt später wieder eine Beute der Franzosen geworden, nur die glorreichen Siege bei
Großbeeren und Dennewitz wendeten den unheildrohenden Besuch ab. Nach 1816 begann von neuem die Verschönerung Berlins durch
Prachtgebäude und Denkmäler aller Art. Schinkel war es, dem die bedeutendsten Bauten der Stadt übertragen wurden. Sein erstes
größeres Werk war das neue
Schauspielhaus, das an Stelle des ältern abgebrannten 1819-1821 errichtet ward;
dann folgten das Museum, die Königs- oder Neue Wache, die Schloßbrücke, die Werdersche Kirche, die Bauakademie, die bisherige
Artillerie- und Ingenieurschule.
Außer bei diesen Bauten ist aber Schinkels Einfluß noch bei vielen Privatgebäuden, Villen, den Restaurationen der prinzlichen Palais etc. sichtbar. In den Jahren 1834-36 entstand das Palais des jetzigen Kaisers Wilhelm unter Leitung des Oberbaurats Langhans. Eine andre Verschönerung der Stadt unter Friedrich Wilhelm III war die Aufstellung der Standbilder Blüchers, Scharnhorsts und Bülows nach Rauchs Modellen (1822-26) am Opernhausplatz, und der König schloß eben seine Augen, als der Grundstein zum Friedrichsdenkmal gelegt worden war. Wie Schinkel in der Baukunst, [* 15] so war es Rauch, dessen Name sich an diese großen Monumente knüpft. Für die Umgegend der Stadt wurde von dem nicht minder berühmten Gartenbaudirektor Lenné der Tiergarten gänzlich in einen englischen Park umgewandelt. Die erste Eisenbahn von Berlin nach Potsdam [* 16] datiert ebenfalls aus dieser Regierung (eröffnet
In gleicher Weise und mit eignem großen Kunstsinn hat Friedrich Wilhelm IV. gewirkt;
unter seiner Regierung entstanden das neue Opernhaus, das Neue Museum, das Krollsche Gebäude am jetzigen Königsplatz, viele Kirchen und Kapellen, Bethanien, das katholische Hedwigskrankenhaus, die Kaserne auf der Chausseestraße, die Ulanenkaserne zu Moabit, das Zellengefängnis ebendaselbst;
ferner wurden die Friedenssäule auf dem Belle-Allianceplatz, die Standbilder Yorks und Gneisenaus am Opernplatz, Thaers an der Bauakademie, das Denkmal Friedrich Wilhelms III., endlich das großartige Reiterdenkmal des großen Königs vollendet und eingeweiht;
das National-Kriegerdenkmal im Invalidenpark ist das letzte Werk dieser Art. Ganz neue Stadtviertel sind seitdem errichtet worden, die Friedrich-Wilhelmsstadt und die Friedrichsvorstadt schlossen die zwölf historischen Bestandteile der Stadt ab, so, wie sie mit ihren 458,000 Einw. Ende 1858 bestand.
Unter dem jetzt regierenden Kaiser Wilhelm ist Berlin durch die Aufnahme eines großen Teils der Vorstädte in seine Mauern (die weggerissen worden sind) bedeutend vergrößert und durch zahlreiche Prachtbauten (besonders während der 70er Jahre), ferner die Zuschüttung der alten Festungsgräben sowie den Bau der Stadtbahn in seinem Aussehen völlig umgestaltet worden. Die neueste Entwickelung Berlins ist in die Darstellung seiner heutigen Erscheinung (s. oben) verwoben worden, worauf daher hier verwiesen werden muß.
Seine neueste Geschichte läßt sich nicht von der des preußischen Staats trennen. Doch verdient, abgesehen davon, daß Berlin 1871 auch Hauptstadt des Deutschen Reichs wurde, Erwähnung, daß in Berlin der Berliner [* 17] Friede (s. Berliner Kongreß) unterzeichnet wurde, welcher die politischen Verhältnisse der griechischen Halbinsel und in Armenien neu ordnete. Vom November 1884 bis Ende Februar 1885 tagte daselbst die Konferenz über die Congofrage (s. Congokonferenz).
Litteratur: »Berlin und seine Entwickelung. Städtisches Jahrbuch für Volkswirtschaft und Statistik« (seit 1867; seit 1874 u. d. T.: »Statistisches Jahrbuch der Stadt Berlin«, hrsg. von R. Böckh);
Böckh, Die Bevölkerungs- und Wohnungsaufnahme vom in der Stadt Berlin, Heft 1 (Berl. 1883);
Derselbe, Die Bewegung der Bevölkerung der Stadt in den Jahren 1869-78 (das. 1884);
»Verwaltungsbericht des königlichen Polizeipräsidiums von Berlin für die Jahre 1871-80« (das. 1882),
über die Gemeindeverwaltung der Stadt Berlin von 1861 bis 1876 (das. 1881),
derselbe von 1877 bis 1881 (das. 1884);
Reuter, Das militärische Berlin (das. 1873);
Rigler, Das medizinische Berlin (das. 1873);
und seine ¶