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Claudia und ihre Familie erhalten seit 12 Jahren Unterstützung der Stiftung Niño Feliz. Sie ging nur bis zur 6. Klasse zur Schule und wurde jung Mutter. Heute ist sie 31 Jahre alt und hat sechs Kinder. Ich habe sie am 4. Februar 2020 besucht um den beiden Patinnen aus der Schweiz, die je eines von Claudias Kindern unterstützen, zu berichten, wie die Familie lebt.
Claudia erzählt, dass sich ihre Situation durch die Unterstützung der Stiftung schon sehr verbessert hat. Sie haben eine kleine „Wohnung“, die man in der Schweiz als Drei-Zimmer-Wohnung bezeichnen würde. Es sind bescheidene Verhältnisse, aber vom Platz her lebt die Familie im Vergleich zu den meisten anderen Familien, die von der Stiftung unterstützt werden, in relativ guten Verhältnissen. Als sie vor 12 Jahren in der Stiftung um Hilfe bat lebten sie in einem einzigen Zimmer.
Vor ca. 10 Jahren gab es in der Stiftung ein Projekt, das Eltern der Stiftung für das Abfall-Recycling rekrutierte. Sie wurden instruiert, was man sammeln und wo man dies anschliessend verkaufen kann und bekamen ein „Sammel-Velo“ – eine Art Dreirad mit einem grossen Korb vorne. Die Mutter generiert so einen Teil des Familieneinkommens. Das läuft so: Montags, mittwochs und freitags fährt die Müllabfuhr durch ihr Quartier. An diesen Tagen fährt sie vor der Müllabfuhr das Quartier ab und sammelt aus dem Müll Pet-Flschen, anderen Plastik, Getränkedosen, Glas und Papier. Das Sammelgut lagert sie zuhause (sie mietet dafür einen zusätzlichen Raum) und ruft dann die Abnehmer-Firmen an, damit diese den getrennten Müll abholen. Sie wird pro Kilo bezahlt. Dienstags, donnerstags und samstags tut sie das gleiche in einem anderen Quartier, wo die Müllabfuhr an diesen Tagen durchfährt. Sie erzählt, dass leider erst sehr wenige Leute in Santa Cruz den Müll getrennt rausstellen. Die meisten Flaschen und Dosen sind inmitten des anderen Mülls. Nur wenige Familien stellen die Flaschen oder das Papier in separaten Tüten raus, was ihr die Arbeit sehr erleichtern würde. (Ich habe in diesen Tagen im Radio eine Werbung gehört, die genau dies propagiert.) So muss sie die wiederverwertbaren Materialien aus dem restlichen Müll rausfischen – sie arbeitet mit Handschuhen und Mundschutz. Die Kinder helfen zuhause beim Trennen des gesammelten Recycling-Materials mit.
Carnaval steht vor der Tür und Claudia freut sich auf das zusätzliche Einkommen, das sie dann verdienen wird. Sie erzählt, dass sie letztes Jahr in einer grossen Halle, in der eine Carnaval-Gruppe feierte, immer nach der Feier (ca. 4 Uhr morgens) aufgeräumt und v.a. die Bierdosen entsorgt hat. Bei der Menge an Bier, die während des Carnavals konsumiert wird, verdient sie dabei nicht schlecht. Letztes Jahr habe sie sich danach endlich einen neuen Fernseher kaufen können. Jetzt möchte sie in ein Motor-Gefährt für die Müll-Sammlung (ähnlich dem Velo) investieren, damit könnte sie mehr sammeln. Auch bei anderen Anlässen räumt sie danach auf und entsorgt den Müll, manchmal zusammen mit einer Kollegin aus dem Quartier.
Ich habe ihr ein Foto von der Entsorgungsstelle in Riedholz gezeigt und erklärt, wie das bei uns funktioniert. Das fand sie sehr spannend. Sie kann sich kaum vorstellen, dass ihre Landsleute den Müll selbständig zu einer Sammelstelle bringen würden. Die Arbeit wird ihr also in absehbarer Zeit nicht ausgehen…
Kathrin Büschi