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Classement thématique série 1848–1945:
VI. LE RAVITAILLEMENT DE LA SUISSE
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Über die Verhandlungen mit Frankreich, durch die uns im Monat höchstens 20’000 Tonnen Saarkohlen verschafft werden, sind Sie in anderm Zusammenhänge unterrichtet worden. Von Belgien ist zur Zeit nichts zu holen, in London und Washington unternehmen wir energische Schritte, um Ausfuhrbewilligungen zu erhalten. Naturgemäss richtet sich unser Blick wieder auf Deutschland, unsern alten Kohlenlieferanten, um dorther etwas Kohle zu erhalten. Verhandlungen, die hätten stattfinden sollen, sind zum zweiten Male verschoben worden und sollen nun in ungefähr 14 Tagen beginnen. Allein, wie hier verlautet, hat die Entente, resp. Frankreich, gegen ein Abkommen, das Deutschland mit Holland abschliessen wollte, wonach das letztere ca. 50’000 Tonnen im Monat erhalten hätte, Einspruch erhoben mit der Begründung, dass sämtliche disponible Kohle an Frankreich zu liefern sei.
Selbstverständlich möchte Deutschland nun nicht riskieren, dass ein Gleiches geschehe, wenn es mit uns in Unterhandlungen eintritt, und auch wir möchten sicher sein, dass keine solche Schwierigkeiten entstehen.
Nun scheint uns, es liege eigentlich im wohlverstandenen Interesse nicht nur Deutschlands und der Schweiz, sondern auch der Entente, dass diese einer bescheidenen Kohlenlieferung Deutschlands nach der Schweiz keine Schwierigkeiten in den Weg legt. Schliesslich muss ja Deutschland auch gelebt haben. Wie soll es bezahlen, wenn es nichts exportieren und verkaufen kann? Durch eine kleine Kohlenlieferung nach der Schweiz wird ein Ansporn gegeben für die Kohlenausbeute und diese indirekt gefördert. Knebelt man Deutschland vollständig, so wird es schliesslich auch gegenüber Frankreich einfach zu einer passiven Resistenz getrieben, mit der kein Mensch, nicht einmal Marschall Foch, fertig wird.
Wir bitten Sie, bei der französischen Regierung vorzusprechen, ihr unsere ganze Kohlenmisere zu schildern und sie speziell darauf hinzuweisen, dass das Saargebiet uns vor dem Kriege 60’000 bis 70’000 Tonnen Kohle im Monat geliefert habe, während es jetzt kaum 20’000 seien, und dass die Schweiz auch ein Recht darauf habe, atmen und existieren zu können. Deshalb werde es kaum in der Absicht der französischen Regierung liegen, uns zu verhindern, aus unseren früheren Bezugsgebieten, nämlich der Ruhr, uns gewisse Kohlenmengen zu verschaffen. Die Schweiz gedenke daher Verhandlungen mit Deutschland über diese Lieferungen aufzunehmen und zähle darauf, dass Frankreich unsere Bestrebungen unterstützt und in keinem Falle durchquert oder gar bekämpft und verhindert. Denn die Schweiz, wollen Sie beifügen, könne doch nicht nur auf England und Amerika angewiesen sein, die eigentlich gar nicht ihre natürlichen Kohlenlieferanten seien. Auch entstehe durch ausschliesslichen Bezug aus Amerika und England eine weitere Belastung des Frachtenmarktes. Die Verhandlungen mit Deutschland dürften sich um ein Quantum von ca. 50’000 Tonnen pro Monat bewegen, was für Frankreich nicht in Betracht komme. Für uns aber ist diese Kohle absolut notwendig, weil es sich gerade um den Bezug bestimmter Qualitäten handelt, die aus England und Amerika kaum oder gar nicht erhältlich sind. Speziell verursacht der Bezug von Koks, weil er leichter ist als die Kohle, zur See ungeheure Frachten. Es gehört eigentlich zu den ersten Pflichten Frankreichs, das uns mit dem Saargebiete im Stiche lässt, dass es uns nicht auch noch von der Ruhr abschneidet.
Von den weitern obstehenden Bemerkungen wollen Sie natürlich nur den Gebrauch machen, den Sie für gut halten. Wir haben diese mehr für Sie und vertraulich angebracht.
Wir bitten Sie, diese Angelegenheit, die für uns sehr wichtig ist, mit tunlichster Beschleunigung und mit gewohnter Sicherheit zu erledigen.2