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HPV-Infektionen: Impfstoff schützt vor Gebärmutterhalskrebs
Gebärmutterhalskrebs ist weltweit die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache bei Frauen, in Entwicklungsländern sogar die häufigste. Mit einer Impfung gegen die auslösenden Humanen Papilloma-Viren (HPV) lassen sich künftig viele Neuerkrankungen verhindern. Über die erste „Spritze gegen den Krebs“, die seit kurzem zugelassen ist, berichtete Prof. Douglas Lowy, einer der geistigen Väter des Impfstoffes.
Weltweit erkranken jährlich eine halbe Millionen Frauen an Gebärmutterhalskrebs. In der Europäischen Union sind es jedes Jahr etwa 60'000; knapp die Hälfte von ihnen stirbt an den Folgen der Erkrankung.
„Zukünftig dürften immer weniger Frauen einem Gebärmutterhalskrebs zum Opfer fallen“, erklärte Prof. Lowy, der am National Institut of Health (NIH) in Bethesda, USA, forscht. „Mit den bereits vorhandenen Möglichkeiten der Früherkennung, wie etwa dem sogenannten Pap-Test, können Vorstufen von bösartigen Gewebeveränderungen in einem so frühen Stadium identifiziert werden, dass ein Gebärmutterhalskrebs weitgehend verhindert wird. „Nahezu alle Fälle von Gebärmutterhalskrebs sind auf eine frühere Infektion mit einem HPV-Stamm zurückzuführen. Die neuen Impfstoffe können die meisten potentiell schweren Infektionen verhindern.“ Gemeinsam sind Impfstoff und Früherkennung eine wirksame Massnahme im Kampf gegen den Gebärmutterhalskrebs.
Zusammenhang zwischen Viren und Krebs seit langem bekannt
Bereits in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erkannten Forscher einen Zusammenhang zwischen HPV und Gebärmutterhalskrebs. Es gibt mehr als 100 verschiedene Virentypen. Sie reichen von Viren, die Warzen an Händen und Füssen hervorrufen, bis hin zu Viren, die Infektionen der Genitalhaut und der Schleimhäute verursachen. Genitale Infektionen mit HPV, die im Allgemeinen sexuell übertragen werden, sind so weit verbreitet, dass sich wahrscheinlich drei Viertel der sexuell aktiven Erwachsenen einmal in ihrem Leben mit HPV anstecken. „Die meisten Genitalinfektionen verlaufen symptomlos und bleiben ohne schwerwiegende Folgen, da das körpereigene Immunsystem die Infektion wirksam eliminiert“, erläutert Prof. Lowy.
Eine persistierende Infektion erhöht das Krebsrisiko
Bleibt bei Frauen die Infektion jedoch bestehen, können so genannte Hochrisiko-Typen wie HPV 16 oder HPV 18 schlimme Schäden anrichten. Die aggressiven Viren regen das Gewebe zu abnormem Wachstum an, wodurch Krebsvorstufen entstehen können, die zu einem invasiv wachsenden Krebs werden können. Bei praktisch allen Tumoren des Gebärmutterhalses können Infektionen mit verschiedenen Hochrisiko-HPV-Stämmen nachgewiesen werden. Die Bekämpfung der Viren ist entscheidend, um Krebserkrankungen zu verhindern.
Mit Impfung Immunsystem gegen Erreger aktivieren
Weltweit suchten Wissenschaftler seit Jahren nach Möglichkeiten, das Immunsystem gezielt gegen die boshaften Eindringlinge zu aktivieren. Prof. Lowy und weitere Forscher wie Dr. Reinhard Kirnbauer, der jetzt in der Dermatologie der Universität Wien arbeitet, haben herausgefunden, dass man – wenn man mittels Gentechnik nur das Hauptprotein der äusseren Virushülle exprimiert – leere virus-like particles (virusartige Teilchen – VLP) herstellen kann, die hohe Antikörpertiter hervorrufen können, die eine Zellinfektion durch den Virus verhindern können.
In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern am Deutschen Krebsforschungszentrum haben sie nachgewiesen, dass dies auch für HPV16 gilt, das allein für über die Hälfte aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich ist. In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern am Pasteur-Institut in Paris und am Beatson Institute in Glasgow haben sie bei zwei Tierstudien nachgewiesen, dass die Impfung mit VLP eine hoch wirksame Infektionsprophylaxe ist. Diese Feststellungen haben jetzt zur Entwicklung von zwei auf dem Markt erhältlichen Impfstoffen geführt. Einer davon ist bereits zugelassen ist. Es handelt sich um einen tetravalenten Impfstoff der speziell gegen die HPV-Stämme 16 und 18 – die zusammen für ca. 70 Prozent der Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich sind – und gegen HPV6 und 11 gerichtet ist, die ca. 90 Prozent der Genitalwarzen hervorrufen.
Beim 2. Wirkstoff handelt es sich um einen bivalenten Impfstoff, der sich primär gegen HPV16 und 18 richtet. Es liegen jedoch Hinweise dafür vor, dass er zudem einen gewissen Schutz gegen die HPV-Stämme 31 und 45 bieten kann. Seine Zulassung steht unmittelbar bevor.
Virushüllen ohne Erbinformationen
Eine bedeutende Rolle bei dem Impfstoff spielen so genannte virus-like particles (VLP). Dabei handelt es sich um Virushüllen, die keine schädlichen Erbinformationen enthalten und nicht infektiös sind. Nach Verabreichen des Impfstoffs bildet der Organismus Antikörper gegen die Hüllstoffe. Gelangen später echte Viren in den Körper, werden die Antikörper an die Viren gebunden und verhindern eine Infektion. Prof. Lowy: „Solche virus-like particles sind offenbar potente Impfstoffe, weil sie die Struktur eines infektiösen Virus nachahmen. Dadurch reagiert das Immunsystem auf sie wie auf infektiöse Viren.“
Sicher und effektiv
Die Impfstoffe scheinen sicher und sehr effektiv zu sein. Sie wurden an rund 25'000 Mädchen und Frauen zwischen 9 und 26 Jahren getestet. Anders als in einer mit Scheinpräparaten behandelten Kontrollgruppe, wurde ein nahezu 100-prozentiger Schutz gegen Krebsvorstufen der Zervix (Gebärmutterhals), Vulva (Schamlippen) und Vagina (Scheide) im Zusammenhang mit Neuinfektionen durch HPV-Typen erzielt, gegen die der Impfstoff gerichtet war.
Der tetravalente Impfstoff hat ebenfalls einen hohen Schutz vor Entstehung von Warzen durch HPV-Stämme erzielt, gegen die er gerichtet ist. Es wurde nur über leichte Nebenwirkungen berichtet. Die Impfbehandlung selbst verläuft unkompliziert: Innerhalb von sechs Monaten wird der Wirkstoff drei Mal in den Muskel gespritzt.
Impfung vor erstem Geschlechtsverkehr
Da die Viren vornehmlich beim Geschlechtsverkehr übertragen werden, sind besonders junge Frauen für eine Erstinfektion anfällig. „Der optimale Zeitpunkt für die Impfung liegt vor der sexuellen Aktivität“, sagte Prof. Lowy. Der Impfstoff scheint zur Beseitigung einer zum Zeitpunkt der Impfung bereits vorhandenen Infektion nicht wirksam zu sein. Er kann jedoch noch Schutz vor einer Infektion und Erkrankung durch die HPV-Stämme bieten, mit denen die Person noch nicht infiziert war.
Vorsorge und Früherkennung weiterhin wichtig
Die Impfung bedeutet zwar einen grossen Fortschritt im Kampf gegen Gebärmutterhalskrebs. Sie ersetzt jedoch nicht die Früherkennung auf Gebärmutterhalskrebs bei geimpften Frauen (regelmässige Abstrich-Untersuchungen oder Tests auf HPV-DNS), wie sie bei nicht geimpften Frauen durchgeführt wird.
Der neue Impfstoff schützt nicht vollständig vor Gebärmutterhalskrebs: Infektionen mit den beiden Hochrisiko-Typen HPV 16 und 18 werden für ca. 70 Prozent aller Neuerkrankungen verantwortlich gemacht. Für die übrigen 30 Prozent sind Ansteckungen mit anderen HPV-Typen ausschlaggebend, von denen die meisten durch den Impfstoff nicht verhindert werden.
Noch keine einheitliche Regelung
In Europa wird der Impfstoff in einigen Ländern bereits von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt; eine einheitliche Regelung, um die auch auf politischer Ebene gerungen wird, steht jedoch noch aus. Grund hierfür sind zum Teil die hohen Kosten der Impfung, die z.B. in Deutschland mit 465 Euro, in den USA immerhin noch mit 360 Dollar zu Buche schlagen. In den Entwicklungsländern (z.B. in Afrika und Asien), in denen 80 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs registriert werden, ist wegen des hohen Preises in absehbarer Zeit nicht mit flächendeckenden Impfungen zu rechnen. Um die Krebsgefahr zu bannen, müssten hier rasch tragfähige Lösungen angestrebt werden.
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|European Academy on Dermatology and Venereology (EADV), Mai 2007, Wien|

|05.06.2007 - dzu|