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Ein Exchange-traded fund (ETF, börsengehandelter Fonds) bildet einen Börsenindex nach. Die Idee, Fonds an der Börse zu notieren und Indizes nachzubilden, kam um 1970 in den USA auf. Nebst dem TER (Total Expense Ratio, Gesamtkostenquote) fallen jedoch auch Transaktionskosten des Fonds und übliche Gebühren für den Börsenhandel an.
Der erste Fonds, Standard & Poor’s Depositary Receipt (Abkürzung SPDR, umgangssprachlich Spider genannt), wurde von der Vermögensverwaltung State Street Global Advisors auf den Markt gebracht und ist nach Marktkapitalisierung mit 90 Milliarden US-Dollar der grösste ETF.
In meiner Beratungstätigkeit stelle ich fest, dass Vermögensverwaltungen und Banken wie verrückt ETF verkaufen wollen – und leider auch können. Die tiefen Verwaltungsgebühren und die Risikostreuung der ETF verleiten die Anleger dazu, sich weniger um Direktanlagen zu kümmern und zu hoffen, dass ein ETF Wunder bewirken kann.
Die Bequemlichkeit hat ihren Preis: das Stimmrecht an den Generalversammlungen. Immer weniger können private Anleger dieses nutzen. Die Stimmrechte sind auf wenige Fondsgesellschaften übertragen, und diese nehmen mit der erhaltenen Macht Einfluss auf eine Firma und können den Aktienkurs erheblich mitbestimmen.
1. Beispiel, 4. November 2013: Absturz der Aktienkurse der Grossbanken UBS und CS. Glaubt wirklich jemand daran, dass sich viele Kleinaktionäre von deren Aktien verabschiedeten, damit diese Kursentwicklung geschehen würde? Ich bin sicher, dass vorher ein paar Put-Optionen gekauft wurden und ein paar wenige Personen sehr viel Geld machten.
2. Beispiel, Anfang Oktober 2013: In den letzten 10 Handelsminuten wurden überraschend viel Zurich-Titel „auf den Markt geworfen“. Um den Preis der Zurich zu drücken? (Siehe auch Inside Paradeplatz vom 6.11.2013)
Verschwörungstheorie? Schwarzmalerei? Möglich. Tatsache ist, dass der Verkauf von ETF stark zunimmt und praktisch in jedem Anlagevorschlag steckt. „Bis CHF 500’000 Vermögen dürfen wir nur in Fonds anlegen“, heisst es dann von einer Mitarbeiterin einer Bank. Sollte ich falsch liegen: Wer kontrolliert die Macht der Fondsmanager über diese Stimmrechte, und wie könnte man sie einschränken?
Ich werde nach wie vor jene Kunden ermuntern, deren Anlagestrategie und finanziellen Mittel es zulassen, Aktien direkt zu kaufen, zu behalten und die Dividende zu erhalten. Falls die Kurse weiter steigen, kann man sich immer noch von ein paar Aktien trennen – mit Gewinn.
Kunden, welche diese finanziellen Möglichkeiten nicht haben, sollten sich zweimal Gedanken darüber machen, ob sie überhaupt in Aktien investieren wollen. Stattdessen können sie sich sagen: Ich muss ja nicht auf jeder Hochzeit tanzen. Auf jeden Fall gilt: Weniger ist manchmal mehr.