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Ein Beitrag von Jean-Paul Munsch
Könnte es sein, dass sich auch Organisationen, die sich an Lernen und Entwicklung orientieren, wie andere Systeme auch, in einen selbstorganisierenden Entwicklungsprozess kommen können? Dies würde bedeuten, dass Entwicklung zu einem Selbstläufer, zu einem übergreifenden Mindset für die ganze Organisation wird.
In der Praxis von entwicklungsorientierten Organisationen sieht es immer wieder so aus. Führungskräfte, denen die fünf Elemente der entwicklungsorientierten Organisation bekannt sind, können intuitiv benennen, bei welchem Element die grösste Chance für Entwicklung (und damit auch Befreiung aus hinderlichen und dysfunktionalen Mustern) besteht.
Die fünf Schlüsselelemente der entwicklungsorientierten Organisation stehen zur Verfügung: Führung, Strukturen & Prozesse, Mitarbeitende, Gemeinschaft und Purpose.
Wie kann bei den fünf Elementen Hebelwirkung entfaltet werden? Indem ein Schlüsselelement ausgewählt wird, um in die Tiefe zu gehen.
- Bei der Führung heisst dies: Die erwünschte Haltung vorzuleben, Verletzlichkeit zuzulassen, Widerstand einzuladen und sich regelmässig Feedback einzuholen.
- Bei den Strukturen & Prozessen heisst dies: schrittweise selbstorganisierte Strukturen aufzubauen; Verantwortung an die Orte zu delegieren, wo sie hingehört und Entscheidungen dort fällen zu lassen, wo die Menschen davon betroffen sind.
- Bei den einzelnen Mitarbeitenden heisst dies: respektvoll zu konfrontieren, Feedback zu geben und als Führungsaufgabe: die Passung des Einzelnen im System im Auge zu haben und die Entwicklung des Einzelnen herauszufordern.
- Bei der Gemeinschaft heisst dies: sich zu überlegen, in was für einer Atmosphäre und in welcher Offenheit gesprochen und gearbeitet werden will — und damit den Boden für den Aufbau von psychologischer Sicherheit zu legen.
- Beim Purpose heisst dies: den Sinn & Zweck der Organisation herauszuarbeiten, die Prozesse und die Entscheidungen am Purpose auszurichten und mit dem Purpose steuern und entwickeln zu lernen.
Und wenn es stimmt, dass der Purpose einer Organisation ihre DNA ist, dann haben Organisationen, die Entwicklung in ihrem Purpose haben, eine genetische Prädisposition für einen selbstorganisierenden Entwicklungsprozess.
Bedingung ist, dass die Menschen in der Organisation von Perfektionismus Abschied nehmen, das Gute von Fehlern willkommen heissen und eine offene Haltung entwickeln. Aber hier beisst sich die Katze in den Schwanz. Dann ist der erste Entwicklungssprung schon geschafft.
Wo wollen Sie in die Tiefe gehen, um Wirkung zu entfalten und den selbstorganisierenden Entwicklungsprozess auszulösen?
Literatur:
Munsch, J.-P. (2023). Elemente und Handlungsfelder der entwicklungsorientierten Organisation – Vertiefung und praktische Umsetzung In: Burk, W. & Stalder, Ch. (Hrsg.). Entwicklungsorientierte Bildung in der Praxis. Beltz, S. 174-187.