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In der Schweiz spielt Konsum eine grosse Rolle. Doch denken wir jemals darüber nach, wo unser Abfall landet? Wir sollten es uns zweimal überlegen, bevor wir etwas Neues kaufen.
Wann nennen wir etwas alt? Was machen wir mit einem alten Gegenstand, wenn wir ihn nicht mehr brauchen? Ich glaube, die Antwort auf diese Frage fällt bei Menschen in verschiedenen Teilen der Welt unterschiedlich aus.
Ich komme aus dem Iran, ein Land, das eines der Hauptproduzenten von Rohöl in der Welt ist. Das Öl wird an wohlhabendere Länder verkauft, die im Bereich Technologie und Herstellung von unterschiedlichen Produkten weiter fortgeschritten sind. Die Menschen in meinem Land, und damit meine ich Familien aus allen Schichten der Gesellschaft, benutzen ihre Gegenstände eine lange Zeit, während die Menschen in den reicheren Ländern ihre Telefone, Laptops oder Autos sehr häufig auswechseln.
Als meine Mutter vor 38 Jahren heiratete, kaufte sie eine Waschmaschine. Sie benutzte sie all die Jahre hindurch mit Freude, bis die Maschine letztes Jahr, als ich gerade zu Besuch war, kaputt ging und sie niemand mehr reparieren konnte. Dann erst beschloss sie, sie aufzugeben und eine neue zu kaufen.
Einkaufen ist heutzutage eine sehr einfache Sache. Jeden Tag verbessern die Unternehmen ihre Marketingstrategien. Wir müssen das Haus fast gar nicht mehr verlassen und können ohne Schwierigkeiten online einkaufen. Auch wenn sich manche Menschen in den reichen Ländern immer stärker bewusst werden, auf welche Art und Weise sie konsumieren, stellt doch das Konsumverhalten nach wie vor eines der grössten Probleme dar. Und es besteht nicht nur darin, wie viel konsumiert wird, sondern auch im Abfall, der danach übrig bleibt.
Die Schweiz ist eines der reichsten Länder der Welt und erzeugt leider ein hohes Mass an Abfall. Die Menschen in der Schweiz trinken abgefülltes Wasser, obwohl sich Leitungswasser zum Trinken perfekt eignet. Dank des guten Entsorgungssystems brauchen die Menschen hier kaum darüber nachzudenken, was sie mit ihrem Abfall tun sollen. Sie können alles in Müllsäcke werfen, die von den Gemeinden jedes Kantons zur Verfügung gestellt werden. Wenn Sie ein*e verantwortungsbewusstere*r Bürger*in sind und sich um die Umwelt kümmern, bringen Sie die Waren vielleicht in die speziellen Recycling-Zentren der Kantone.
Aber denken wir jemals darüber nach, ob jeder Teil des Entsorgten tatsächlich wiederverwertbar ist? Wo unser Abfall oder unser Recyclingmaterial landet? Und wie es sich negativ auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit auswirkt? Vielleicht haben Sie schon einmal einen dieser rauchenden, weissen Türme gesehen, die es überall in der Schweiz gibt, und sich gefragt, was das ist. Das sind Verbrennungsanlagen, die 24 Stunden lang Kehricht verbrennen und dabei leider Schadstoffe in die Luft abgeben.
Zudem endet in Europa nicht alles in Recyclinganlangen. Die meisten Materialien, darunter Plastikflaschen, Batterien und vor allem Elektroschrott, werden in Länder ausserhalb Europas exportiert, zum Beispiel nach China, in die Türkei, nach Indien, auf die Philippinen, nach Taiwan, Pakistan, Tansania, Thailand, Nigeria und Ghana. In einigen dieser Länder gibt es die nötige Infrastruktur nicht, um diese Materialien von der Natur fernzuhalten. Sie landen auf Deponien, wo ein hohes Risiko besteht, dass giftige Stoffe in den Boden und ins Wasser austreten, was für die Gesundheit von Mensch und Tier sehr schädlich ist.
Weil die Bürger*innen in den reichen Ländern das eigentlich wissen, tragen sie noch mehr Verantwortung für ihr Konsumverhalten. Die Menschen sollten den Kauf neuer elektronischer Geräte so weit wie möglich vermeiden und andere Alternativen finden, wie z.B. den Kauf von Second-Hand-Geräten oder die Reparatur des alten, noch funktionsfähigen Geräts.
In meinem Land überlegen die Menschen - solange ich mich erinnern kann - zweimal, bevor sie etwas Neues kaufen. Erst einmal, weil sich längst nicht jede*r Neues leisten kann, und zweitens, weil die Menschen eine andere Mentalität haben, wenn es um den Kauf von Neuem geht. Das mag verschiedene Gründe haben, etwa dass die Menschen den Wert der Dinge erkennen, so dass sie versuchen, sich gut darum zu kümmern und es länger zu benutzen. Oder vielleicht, weil Reparieren nicht so kostspielig ist wie Ersetzen. Es gibt so viele Reparaturwerkstätten im ganzen Land für ganz verschiedene Dinge wie Teppiche, Kleidung, Schuhe und elektrische Geräte.
Die Produkte in den Häusern der Menschen hier in der Schweiz haben dagegen nur eine sehr kurze Lebensdauer. Die Leute lieben es, neue Modelle von Möbeln, Waschmaschinen oder Fernsehern zu kaufen. In manchen Fällen liegt die Schuld nicht nur bei den Kund*innen, sondern auch darin, wie Produkte, vor allem elektrische Geräte, produziert werden. Es werden massenhaft Dinge produziert, die eine so geringe Qualität haben, dass sie nur für wenige Jahre nutzbar sind. Die durchschnittliche Lebensdauer vieler elektronischer Produkte wird kürzer und kürzer. Beispielsweise war die Lebensdauer von Computern, die 1997 noch bei sechs Jahren lag, im Jahr 2005 auf nur zwei Jahre gesunken.
Natürlich denke ich, dass wir Zugang haben sollten zu dem, was wir täglich brauchen. Aber wo ist die Grenze zwischen Notwendigkeit und Luxus? Warum kaufen wir jeden Tag mehr und mehr, während unsere Bedürfnisse kein Ende nehmen? Früher haben die Menschen mit weniger gelebt und waren trotzdem glücklich. Ich glaube, dass wir immer fauler werden und grundlegende Fähigkeiten verlieren, wie diejenige zu reparieren oder selbst Dinge zu schaffen. Wir kümmern uns weniger darum, etwas wiederzuverwenden und sind stets versucht, unsere Besitztümer auf den neusten Stand zu bringen.
Ich wünsche mir, dass die Menschen überall auf der Welt das grosse Ganze sehen und sich ihres täglichen Handelns und dessen Folgen bewusster werden. Wir müssen uns immer wieder die Frage stellen: Warum konsumiert der moderne Mensch mehr und ist immer noch unglücklich und einsamer als zuvor? Verlieren wir menschliche Fähigkeiten und Beziehungen und ersetzen sie mit neuen Gegenständen in unserem Leben?
Übersetzt von Ulrike Ulrich