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Auseinandersetzung mit der Geschlechterfrage
Vielleicht wird dir beim Lesen dieser Beschreibungen, wie du dich als Mädchen oder Junge in unserer Gesellschaft fühlen könntest und was von dir vielleicht erwartet wird, ein bisschen unwohl, weil du merkst, dass es bei dir doch anders ist. Vielleicht fühlst du dich gar nicht als typisches Mädchen oder typischer Junge und beobachtest auch bei deinen Freunden und Freundinnen, dass sie nicht dem gängigen Bild entsprechen. Und du hast recht: so einfach ist es mit den Rollen der Geschlechter eben nicht. Trotz vieler Erklärungsversuche ist noch niemand zu einem für alle stimmigen Schluss gekommen. Was kannst du denn tun in diesem Wirrwarr von Rollenvorstellungen und -erwartungen?
(A) Versuche doch einmal darüber nachzudenken, welche Rollenvorgaben deiner Meinung nach existieren, welche davon dir wirklich zusagen und von welchen du dich lieber distanzieren willst.
(B) Vielleicht schreibst du einmal auf, was deiner Meinung nach ein "richtiger" Mann und eine "richtige" Frau ist - oder machst eine Collage mit Bildern aus Zeitschriften und überlegst dann, welche Eigenschaften du im wirklichen Leben antriffst und welche du selbst hast. Vielleicht haben diese "typischen" Frauen und Männer gar nicht so viel mit der Wirklichkeit zu tun? Vielleicht werden sie vor allem in Kinofilmen, Videos, im Fernsehen oder in Computerspielen so dargestellt?
(C) Diskutiere in deinem Freundeskreis, mit den Eltern, den Lehrkräften usw. darüber. Solche Gespräche sind nicht nur spannend, sondern sie können auch etwas verändern.
Diskussionen über die Geschlechterfrage finden auf allen Ebenen in unserer Gesellschaft statt, auf der wissenschaftlichen der politischen, der wirtschaftlichen sowie auf der persönlichen. Sie sind wichtig und spannend, denn oft geht es dabei nicht nur um Beobachtungen von Unterschieden, sondern auch um gesellschaftliche Verhaltensregeln oder sogar Gesetze, die sich auf Rollenvorstellungen abstützen, und die vielleicht gar nicht gerechtfertigt sind. Die Auseinandersetzung damit ermöglicht letztlich, dass sich eine Gesellschaft verändert und dass überholte Rollenvorstellungen verabschiedet werden können. So konnten in den letzten 50 Jahren Gesetze über das Stimmrecht, die Militärpflicht, die Erziehungsberechtigung, das Schulsystem etc. verändert werden. Frauen können abstimmen, Männer können statt Militär- auch Zivildienst leisten, Mütter können arbeiten gehen und Väter zu Hause auf die Kinder aufpassen. Die Handlungsfreiheit von Mädchen und Jungs, von Frauen und Männern, hat sich also im Laufe der Zeit erweitert. Aber noch immer gibt es viele Bereiche, die sich verbessern sollten, damit jeder Mensch - unabhängig von seinem Geschlecht - das tun kann, was seiner Persönlichkeit entspricht und nicht das tun muss, was ihm ein - vielleicht schon sehr verstaubtes - Rollenverständnis aufzwingt.