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cash: Herr Kim, Sie sind Direktor beim Verband der koreanischen Autoproduzenten, der Marken wie KIA oder Hyundai vertritt. Ich nehme an, auch die koreanischen Autoproduzenten spüren den Abschwung in der Weltwirtschaft?
Tae-Yen Kim: Ja, die Exporte der koreanischen Autoindustrie gingen in diesem Jahr zurück. Die Verlangsamung spüren wir auch in unserem europäischen Hauptexportmarkt Deutschland, vor allem aber in den südeuropäischen Ländern. Auch die Exporte nach Osteuropa fallen zum Teil deutlich. Demgegenüber steht die Entwicklung, dass Importe von europäischen Wagen nach Korea jedes Jahr um 20 bis 30 Prozent steigen.
Können Sie da ein paar Zahlen nennen in Sachen Export-Rückgang?
Ausfuhren koreanischer Autos nach Österreich und Deutschland fielen von Januar bis August zum Beispiel je um 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, nach Frankreich um 22 Prozent, nach Bulgarien fielen sie gar um 28 Prozent.
Haben Sie Zahlen zur Schweiz?
Da haben wir einen Anstieg um 39 Prozent in diesem Jahr. Der ist vor allem auf Hyundai und deren SUV zurückzuführen.
Wie nehmen Sie in Südkorea die wirtschaftlichen und politischen Probleme in Europa wahr?
Die wirtschaftliche Situation hat natürlich einen grossen Einfluss auf die koreanischen Autohersteller. Wenn die wirtschaftliche Lage schlecht ist, verkaufen wir weniger Autos. Südkorea hat mit der EU ja seit 2011 ein Freihandelsabkommen. Aber das spüren wir als Exporteure noch nicht, weil die wirtschaftliche Situation in Europa bislang zu dominant ist. Wenn sich die Lage in Europa in zwei Jahren verbessert, dann erwarten wir dort höhere Autoverkäufe.
Sie produzieren ja auch in Europa vor Ort?
Ja, in der Slowakei und in Tschechien. Dies vor allem deshalb, weil die Arbeitskosten bei KIA oder Hyundai in Korea im Vergleich zu Europa oder den USA viel höher sind. Die hohen Arbeitskosten sind generell ein Problem in Korea. Hier müssen wir Lösungen finden, damit wir global wettbewerbsfähig bleiben. Daher glaube ich, dass wir die Produktion in Europa in den nächsten Jahren ausbauen werden zulasten der Auto-Exporte aus Südkorea. Damit können auch die lokalen Kundenbedürfnisse in Europa besser berücksichtigt werden.
Was denken Sie über den Dieselskandal bei Volkswagen?
Es ist etwas schwierig, dazu ein Statement abzugeben. Aber ich glaube, das ist auf Probleme im Management zurückzuführen. Wie ich immer wieder höre, soll das VW-Management-System ziemlich bürokratisch sein. Dann glaube ich auch, dass die Auto-Zertifikationssysteme in Europa gegenüber denjenigen in den USA oder Korea hinterherhinken.
Können südkoreanische Autoproduzenten vom Vertrauensschwund in VW profitieren?
Nein, ich glaube kaum. Die Marke VW hat eine starke Verankerung und steht für hohe Kompetenz. In ein paar Monaten wird kaum jemand noch davon sprechen. Speziell hier in Korea haben die Leute die Tendenz, solche Dinge schnell wieder zu vergessen.
Wird der VW-Affäre die Autoindustrie verändern?
Ja. Aber die Autoindustrie wird sich sowieso ändern. Der Ausdruck 'sauberer Diesel' wurde übrigens von der europäischen Autoindustrie erfunden. Dabei ist dieser Ausdruck doch lächerlich. Diesel kann gar nicht sauber genannt werden, weil Diesel mehr Emissionen erzeugt als Benzin. Ich nehme an, dass es in Europa in Zukunft mehr Restriktionen und Auflagen geben wird, welche die Popularität von Diesel-Autos dämpfen wird. Damit wird es einen Wechsel in der Autoindustrie geben. Weniger Diesel-Autos, mehr Fahrzeuge mit anderen Motoren.
In Korea gibt es auch Diesel-Autos.
Ja, der Marktanteil beträgt etwa 20 Prozent. Es sind vor allem SUV, welche mit Diesel-Motoren ausgerüstet sind. Diesel-Treibstoff ist in Korea billiger als Benzin. Aber die Regierung will den Diesel-Anteil senken.
Welche Getriebe werden die Zukunft der Autos prägen?
Die Industrie wird mehr auf Hybrid-Motoren und dann Elektro-Autos setzen. Letztere werden in 20 Jahren wohl auf einen Marktanteil von 20 Prozent kommen. Bis dahin werden aber Hybrid-Systeme auf dem Vormarsch sein. Und Benzin-Motoren müssen effizienter werden.
Selbstfahrende Autos sind das grosse Thema in der Autoindustrie derzeit. Die koreanische Regierung schätzt, Roboterautos könnten schon 2020 auf Koreas Strassen verkehren, und 2030 könnten sie einen globalen Marktanteil von 75 Prozent haben. Auch der Hyundai-CEO glaubt an eine volle Kommerzialisierung bis 2030. Wie schätzen Sie die Entwicklung ein?
Alle Test und Vorführungen von selbstfahrenden Autos, die wir bislang weltweit gesehen haben, können in naher Zukunft nicht kommerzialisiert werden. In Korea zum Beispiel sind die topografischen Verhältnisse anders als etwa in Japan oder in den USA. Hier ist alles ziemlich hügelig. Da wird der Bau für die Infrastruktur für selbstfahrende Autos eine grosse Herausforderung.
Aber Korea ist eines der weltweit führenden und modernsten Länder in Sachen IT und mobiles Internet?
Das ist nicht der Punkt. Selbstfahrende Autos sind hauptsächlich auf modernste Kamerasysteme und Lasertechnologie angewiesen. Diese importieren wir hauptsächlich aus Israel, was natürlich einen hohen Kostenpunkt darstellt. Auch daher glaube ich, dass selbstfahrende Autos noch lange nicht kommerzialisiert werden können. Die herumgebotenen Zahlen von der Einführung dieser Autos halte ich für sehr ambitioniert. Nicht nur für Korea, sondern auch für andere Länder. In Städten oder eher flachen Gebieten wird die Einführung aber eher schneller vorangehen als in gebrigigen Gegenden.
Viel Spekulationen gibt es auch um Google und Apple, ob diese in Zukunft eigene Roboterautos herstellen oder als Zulieferer für die Autoindustrie dienen. Wie sehen Sie das?
Ich glaube nicht, dass diese Firmen eigene Autos herstellen werden. Ein Auto stellt die volle Integration von allen möglichen Technologien dar. Dies gilt umso mehr für selbstfahrende Autos. Die Kernkompetenz, Autos zu bauen, wird bei den traditionellen Fahrzeugherstellern bleiben. Eine Zusammenarbeit wird wohl eher die Zukunft sein.
In Europa hat man aber bisweilen das Gefühl, dass Autohersteller Angst vor Google oder Apple haben. Ist diese Unsicherheit auch in Asien da?
Eine gewisse Verunsicherung ist sicher da. Und auch die Sorge, in Zukunft wegen der Elektrifizierung der Autoindustrie Marktanteile zu verlieren. Denn mit dem Aufstieg der selbstfahrenden Autos wird auch das Car-Sharing zunehmen.
Tae-Yen Kim ist Executive Director bei Kama, dem Verband der koreanischen Autoproduzenten. Kim ist dort für internationale Kooperation, Industrieanalyse und Ausstellungen zuständig. Das Interview fand im Kama-Hauptsitz in Seoul statt. Es entstand im Rahmen einer Pressereise, zu der Kotra (Förderstelle für Investitionen in Korea) eingeladen hatte.