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Der Schweizerkönig
Johann Rudolf Wettstein (1594–1666) – der »echte« Wilhelm Tell und Vater der Schweizer Unabhängigkeit.
Als im Jahr 1648 der Dreissigjährige Krieg mit der Unterzeichnung des Westfälischen Friedensvertrags endet, hat Europa eine der grössten Katastrophen seiner Geschichte hinter sich. Ganze Landstriche sind entvölkert, Hunger und Seuchen grassieren und es wird mehr als hundert Jahre dauern, bis sich die Lebensverhältnisse wieder normalisiert haben.
Johann Rudolf Wettstein wird 1645 zum Bürgermeister der Stadt Basel gewählt und sieht sich sogleich mit brisanten Themen konfrontiert. Da die Schweizerische Eidgenossenschaft Teil des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation ist, sind ihr die Hände gebunden, als das Reich einen Boykott von Basler Handelswaren ausruft. Dies wird in der Schweiz als unzulässige Einmischung in innere Angelegenheiten angesehen, worauf sich Widerstand regt: Drei Eidgenössische Stände entsenden Wettstein zu den Friedensverhandlungen in Münster, um nichts Geringeres als die Unabhängigkeit vom Reich zu erlangen.
Mary Lavater-Sloman schildert in »Der Schweizerkönig« auf lebendige Weise Ereignisse, die Meilensteine in der Eidgenössischen Geschichte darstellen. Mit grossem diplomatischen Geschick und bemerkenswerter Uneigennützigkeit setzt sich Wettstein für die Interessen seines Landes ein, und dies, obwohl er etliche Rückschläge einstecken muss. Gicht, heruntergekommene Herbergen, und das ungewohnt schwere Essen machen ihm ebenso zu schaffen wie die Hochnäsigkeit seiner politischen Widersacher. Am meisten belastet ihn jedoch, dass sich die Eidgenossenschaft nicht geschlossen hinter seinen Auftrag stellt.
Wettsteins zentrale Anliegen haben auch über 350 Jahre nach den historischen Ereignissen nichts von ihrer Aktualität verloren: Wie definiert sich die Schweiz nach aussen und wie können Neutralität und Unabhängigkeit gewahrt werden? Fragen, auf die »Der Schweizerkönig« eine überzeugende Antwort liefert.
Mary Lavater-Sloman
Mary Lavater-Sloman wurde 1891 als Tochter einer alteingesessenen Hamburger Reederfamilie geboren. Schon als junges Mädchen lernte sie im damaligen St. Petersburg den Schweizer Ingenieur Emil Lavater kennen. 1912 heiratete das Paar und lebte von 1914 bis 1919 in Moskau. Nach einer abenteuerlichen Flucht vor den Greueln der russischen Revolution liess sich Mary Lavater-Sloman mit ihrer Familie in Winterthur nieder. Ab 1943 lebte die Mutter vierer Kinder in Ascona. Im Alter von fast 89 Jahren ist Mary Lavater Sloman in Zürich verstorben.
Mary Lavater-Sloman wurde berühmt durch die Darstellungen bedeutender Figuren Europas – wie Johann Caspar Lavater, Henri Meister, Jeanne d’Arc, Elizabeth I. von England, Katharina die Grosse, Annette von Droste-Hülshoff. Ihre Biographien bestechen durch ihre Liebe zum Detail, basieren auf sorgfältigem Quellenstudium und sind packend geschrieben.
Die Schriftstellerin wurde unter anderem mit dem Preis der Schweizerischen Schillerstiftung, dem Bodensee-Literatur-Preis sowie mit dem Kulturpreis der Stadt Winterthur ausgezeichnet.