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Albert Einsteins Relativitätstheorie wurde nach der Veröffentlichung als "wissenschaftlicher Dadaismus" abqualifiziert.
Ich glaube, dass es in der Welt keinen grösseren Hass gibt als den der Unwissenheit gegen das Wissen. Das schrieb 1610 Galileo Galilei in einem Brief an Johannes Kepler, nachdem sein Buch "Sidereus Nuncius" (Nachricht von neuen Sternen) feindselige Kritik der etablierten Wissenschafter hervorruft.
Die Behauptung, Grafologie sei nicht wissenschaftlich fundiert, ist immer wieder zu hören und zu lesen. Bekanntlich wird eine falsche Ansicht nicht richtiger, wenn sie oft wiederholt und nachgeplappert wird.
Mehr zu denken gibt die Tatsache, dass sich kaum jemand wirklich die Mühe nimmt, sich mit der Graphologie auseinanderzusetzen - die pauschale Verunglimpfung ist einfacher.
Noch bedenklicher ist die Haltung, vorhandene wissenschaftliche Untersuchungen zu übersehen oder sie einfach nicht wahrhaben zu wollen. Ein Muster dafür sei hier zitiert:
Dass die Graphologie nicht alles kann, wissen die Graphologen am besten. Sie wissen aber auch, dass sie mehr kann als manche glauben oder wissen oder zu wissen glauben.
Nun werden wir seltsamerweise immer wieder gefragt: "Glauben Sie denn an die Graphologie?" Als ob es sich hier um eine Gretchenfrage handelte!...
Dann fällt mir jeweils ein, wie ein Kollege an einem Psychologenkongress, an dem ich meine erste Validitätsuntersuchung vorstellte, nach der Präsentation meiner (quantifizierten und statistisch hochsignifikanten!) Resultate zu mir sagte: "Das glaube ich nicht!"
(Marie Anne Nauer im Vorwort zum Bulletin Nr. 94 der SGG, März 2013)
Für alle, die sich selber ein Bild machen wollen, werden auf dieser Seite in loser Folge Überlegungen zum Thema Wissenschaft und Grafologie publiziert.
Wer es genauer wissen möchte: unter Forschungsbeiträge sind diverse Untersuchungen einzusehen.
Notizen aus der Wissenschaft
Im Fachjournal der Universität Princeton, Psychological Science, wurde festgehalten, dass der Lerneffekt grösser ist, wenn man in einer Vorlesung handschriftliche Notizen macht: Bei dem Experiment haben die Forscher 65 Probanden über den Inhalt eines Vortrages abgefragt. Die Studenten, die handschriftliche Notizen machten, haben insbesondere bei konzeptionellen Fragen, die mehr als nur Fachwissen verlangen, besser abgeschnitten.
Das heisst nichts anderes, als dass beim Schreiben wichtige Dinge im Gehirn passieren.
Auch Dafna Yalon hat in ihrem Lindauer Vortrag darauf hingewiesen, dass bei dem Schreibprozess (und auch beim Schreibenlernen!) im Gehirn spezifische Neuronennetze angelegt werden.
Die Publikation von Gershon Ben-Shakhar et al.(1) ist eine der meistzitierten, wenn es darum geht zu zeigen, wie unwissenschaftlich die Graphologie doch sei. Dass eben diese Rezeption selbst sehr unkritisch ist, belegt Baruch Nevo(2) in einer Entgegnung von 1988. Er zeigt gravierende Mängel auf in der Anlage der beiden Untersuchungen, interpretiert die Daten neu und kommt zum Schluss, dass die referierten Resultate sogar eher die graphologische Methode unterstützen als widerlegen. Die Interpretation von Ben-Shakar et. al. sei tendenziös:
1. Studie: Als Basis zur Einstufung bezüglich verschiedener Kriterien diente ein autobiographischer Text. Eine Gruppe von drei Graphologen erreichte bezüglich einer bestimmten Einstufungsskala dieselbe Signifikanz von p=0.5 wie der als "Kontrollgruppe" eingesetzte Psychologe. A priori wurde unterlegt, dass die Graphologen nicht auf formalem, sondern auf inhaltlichem Weg zu ihren Ergebnissen gekommen seien, die Graphologie sei also nichts wert.
2. Studie: Von 20 Graphologen sagten fünf (!) zu, in einem Versuch mitzumachen, wo es darum ging, 40 Schriften nach Berufsgruppe einzuteilen. Jeder seriöse Graphologe weiss, dass man das nicht kann. Die Resultate waren unklar, Nevo rechnete sie neu und kam zum Schluss, dass es doch eine über-zufällige Übereinstimmung von p=0.5 gibt.
Die Empfehlung von Baruch Nevo: Psychologen aufgepasst - da ist irgendetwas dran an der Grafologie, das interessant sein könnte für euch.
(1) Ben-Shakar, G., Bar-Hillel, M., Bilu, Y., Ben-Abba, E & Flug, a. (1986a). Can Graphology Predict Occupational Success? Two Empirical Studies and Some Methodological ruminations. Journal of Applied Psychology, 71, 4, 645-653.
(2) Nevo, Baruch (1988). Yes, Graphology Can Predict Occupational Sucess: Rejoinder to Ben-Shakar et. al. Perceputal and Motor Skills, 66, 92-94.
Der Arbeitspsychologe Christian Katz plädiert für wissenschaftlich geprüfte Methoden. Graphologie ist zwar mit statistischen Methoden schlecht überprüfbar, wie sämtliche anderen Methoden zur Untersuchung der Persönlichkeit. Den Vergleich mit dem ungleich kostspieligeren Assessment-Center braucht die Schriftpsychologie nicht zu scheuen hält der Autor fest und er fügt im Gegenzug einzigartige Vorteile der Methode an.
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Erschienen in:
HRToday, Juni 2013
Der erfahrene Diagnostiker Rudolf Knüsel kennt Vor- und Nachteile von Tests und Grafologie aus seiner täglichen Arbeit. Hier erläutert er, weshalb die von vielen geforderte Wissenschaftlichkeit oberflächlich und ganz einfach naiv ist.
Er weist darauf hin, dass Thomas Sedlacek in seinem 2012 in deutscher Übersetzung erschienenen Buch "Die Ökonomie von Gut und Böse" die sogenannte Wissenschaftlichkeit in die Nähe eines Mythos rückt. Er zitiert den Philosophen Michel Polanyi, der selbst die Wissenschaft als ein "System von Glaubensanschauungen, denen wir anhängen" bezeichnet." Seine persönliche Erfahrung dazu:
Es gibt ja auch eine Reihe von Fragebogentests, die ein Persönlichkeitsprofil abbilden. Das kann bei kundiger Anwendung hilfreich sein. Der Eindruck von Evidenz und Übersichtlichkeit der Resultate ist jedoch nicht selten eine Vereinfachung, die einem bloss ausschnittartigen und unter Umständen irreführenden Bild entspricht. (...) Es wird suggeriert, dass die jeweilige Testmethode nach einer kurzen Einführung angewandt und interpretiert werden kann, das sie ja, wie es heisst, wissenschaftlich fundiert ist. "Wissenschaftlichkeit" dient als Verkaufsargument, während die psychologische Kompetenz bei der Anwendung und Interpretation eine höchst untergeordnete Rolle spielt.
Mit dem Verfasser wurde auch ein Interview geführt, welches auf dieser Plattform publiziert ist.
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Alexander Unseld ist Fachpsychologe SBAP und führt eine wirtschaftspsychologische Unternehmensberatung. Bei seiner Tätigkeit setzt er unter anderem auch schriftpsychologische Analysen ein. In diesem Artikel nimmt er Stellung aufgrund seiner eigenen Praxisforschungsprojekte und mit Bezug auf die exzellenten Kundenrückmeldungen.
Seine Feststellungen im Überblick:
- Handschriftanalysen bringen relevanten Mehrwert für Selektionsverfahren
- Einwände von Professoren mit eigenen Testfirmen sind widerlegt
- Training in Schriftpsychologie mehr die Kompetenz und schafft Vorsprung
- Weiterentwicklung der Methode durch Forschungsinitiativen
- Möglichkeit zur Profilierung
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