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Lawouyé ist ein Mittelkornreis (Familie Oryza sativa) mit einer braunen bis rostroten Aussenhaut, die beim Kochen eine dunkelrote Farbe annimmt. Er hat ein nussartiges, wildes Aroma. Oft wird Lawouyé in viel Wasser gekocht, da er stark aufquillt und sehr lange körnig bleibt. Er kann aber auch glasiert werden, dann allerdings ist die Zubereitungszeit wegen der geringeren Hitze noch länger. Sein zähes Auftreten hat Lawouyé auch schon den Übernamen zouti eingetragen, was auf Kreolisch dur-à-cuire (nicht weich zu kriegen) heisst. Wegen seines hohen Gehalts an Vitaminen und Mineralstoffen wird Lawouyé auch oft als Reiseproviant auf die Schiffe mitgenommen.
Lawouyé wird auf mittelgrossen Feldern in Küstennähe nach traditioneller Methode in Handarbeit angebaut. Sobald der Reis voll ausgereift ist, wird er geerntet, in der Sonne in Bündeln zum Trocknen ausgebreitet und schliesslich gedroschen. Diesen gedroschenen Rohreis (Paddy-Reis) bringen die Bauern dann in die Reisfabrik Dirilò, wo die weitere Verarbeitung erfolgt. Im Unterschied zu allen anderen Reissorten von Santa Lemusa wird bei Lawouyé nur die äussere unverdauliche Spelze entfernt. Die gelblichgoldenen Reiskörner sind dann immer noch von einem Häutchen, dem sogenannten Silberhäutchen umschlossen. Die äusseren Schichten des Reiskorns werden dabei also nicht entfernt. Deshalb ist Lawouyé auch so reich an Vitalstoffen.
Seit wann Lawouyé auf der Insel angebaut ist, wissen wir nicht – auch seine Herkunft liegt im Dunkeln. Der NameLawouyé geht wahrscheinlich auf die rostbraune Farbe des Reises zurück: lawouy ist die kreolische Bezeichnung für das französische Wort rouille (Rost), wouyé bedeutet soviel wierouillé (gerostet oder rostig). Jean-Marie Tromontis allerdings führt an, der Name leite sich mit grosser Wahrscheinlichkeit eher von lavué oder lavé (französisch laver, waschen) ab und gehe darauf zurück, dass Lavouyé besonders stark gewaschen werden müsse. Tromontis Behauptung scheint allerdings allein schon wegen der Zubereitungsgewohnheiten auf der Insel nur wenig wahrscheinlich: Der Reis wird zwar in viel Wasser gekocht, einem besondern Waschprozedere aber wird er nicht unterworfen (ganz im Unterschied etwa zu Chavala, der vor dem Kochen sorgfältig gespült werden will).
Die Kochzeit von Lawouyé ist wesentlich länger als die anderer Sorten der Insel. Einfach zubereitet wird der Reis mit warmem Wasser abgespült, in die dreifache Menge siedendes Wasser gegeben und 40 bis 50 Minuten bei mittlerer Hitze gekocht, dann vorsichtig gesalzen und 10 Minuten zugedeckt nachgequollen. Glasiert und sanft gegart nimmt Lawouyé auch sehr gut die Aromen von Gewürzen oder anderen Zutaten wie Speck auf. Der grosse Vorteil von Lawouyé besteht darin, dass er selbst nach einer überlangen Kochzeit immer noch körnig bleibt. Das haben früher vor allem die Bauern sehr geschätzt: Stundenlang liessen sie ihre Eintöpfe über dem Feuer brodeln, gossen bloss von Zeit zu Zeit ein wenig Wasser nach. Wer hungrig vom Feld kam, fand so zu jeder Zeit eine würzige und im Biss immer noch kräftige Speise vor. Der «Traktor-Reis», den wir auf diesen Seiten vorstellen, ist ein solches Gericht aus der Bauernküche von Santa Lemusa – und auch die sogenannte «Nepal»-Suppe ist eine ziemlich herzhafte Speise. In den letzten Jahren haben allerdings auch Restaurant-Köche die Vorzüge von Lawouyé zu entdecken begonnen und aus dem Reis manch delikates Rezept gezaubert.
First Publication: 12-2002
Modifications: 9-2-2009, 4-5-2010, 11-10-2011