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Unter den Amtlichen Publikationen war am 21. Dezember 1992 im «Allgemeinen Anzeiger vom Zürichsee» zu lesen, dass der Stadtrat Wädenswil mit Beschluss Nr. 526 vom 14. Dezember 1992 die Altpoststrasse und den Friedweg aufgehoben hat. Diese wohl kaum bestrittene Massnahme sei Anlass zu einer Rückblende auf die Namengebung dieser beiden Fussgängerverbindungen südöstlich und nordwestlich der Engelstrasse.
Post, Poststrasse und Altpoststrasse
Die Altpoststrasse führt von der Engelstrasse seeseits der Zentrumgarage in südöstlicher Richtung durch den Kronenblock zum Bahnhofplatz. Dass dieses schmale Wegstück Altpoststrasse heisst, dürfte nicht mehr allgemein bekannt gewesen sein. Bei diesem Strässchen handelte es sich um eines der letzten Gässchen des alten Kronenquartiers, das 1931/32 für den Bau des heutigen Stationsgebäudes, des neuen Kronenblocks und für die Anlage des Bahnhofplatzes abgerissen wurde. Mit elf älteren Gebäuden Friedau, Schiffli, Akazie, Seeau, Blume, Johannisburg, Krone, Restaurant Post, Haus Streuli, Bellevue und Haus Schönegg verschwanden damals auch die Fortunastrasse und die Kronengasse, welche im heutigen Platzbereich als Fortsetzung der Gerbestrasse von der Seestrasse zur Bahnhofstrasse führten.
Die parallel zur Seestrasse verlaufende Altpoststrasse verband über Kataster Nr. 4453 die Engelstrasse mit der Kronengasse. Seinen Namen Altpoststrasse trug dieses Wegstück nach dem Haus, in dem einst Wädenswils Postlokalitäten untergebracht waren: der Liegenschaft Bahnhofstrasse 11 in der Ecke Altpoststrasse/Engelstrasse/Bahnhofstrasse gegenüber dem «Engel». Zudem lag seeseits am Mittelstück dieses Gässchens gegenüber dem Saalgebäude der alten «Krone» das Restaurant «Pöstli» oder «Post», das 1931 dem Bau des unteren Teils des neuen Kronenblocks weichen musste.
Ansichtskarte Restaurant Zur Post.
Im Haus Bahnhofstrasse 11 richtete Kaspar Hauser 1854 nach der Aufhebung des Lokals im Haus «Frieden» ein neues Postbüro ein, neben dem Laden des Graveurs Henri Brupbacher. Hauser besorgte damals den gesamten Postverkehr der Gemeinde allein und führte dazu bis 1870 seine Buchbinderei weiter. 1872 arbeitete Hauser mit zwei erwachsenen Töchtern auf dem Postbüro; drei Boten vertrugen die Post und die Telegramme. 1874 wurden die Postlokalitäten beim «Engel» erweitert.
Haus Bahnhofstrasse 11, ehemals Post.
Der Verkehr, der sich über das Wädenswiler Postbüro abwickelte, vergrösserte sich ständig. Laufend hatte die Kreispostdirektion neue Briefträgerstellen zu bewilligen. 1892 stellte man den siebenten Briefträger ein. Schon in den 1880er Jahren fühlte man sich im Post- und Telegrafenbüro beim «Engel» eingeengt, und man suchte nach Möglichkeiten, um die Raumknappheit zu beheben. Der Versuch, die Bundesbehörden für den Bau eines neuen Postgebäudes zu interessieren, scheiterte. Ebenso zerschlug sich ein Projekt von Adolf Zinggeler-Pfenninger, das den Umbau des Wohnhauses Krone für Postzwecke in Aussicht nahm. 1893 dislozierte das Telegrafen- und Telefonbüro ins Haus von Goldschmied Hess an der Seestrasse 111. (Dieses im November 1971 abgebrochene Gebäude stand da, wo sich heute zwischen Zugerstrasse, Seestrasse und Gerbestrasse der Parkplatz befindet.) Durch den Umzug wurde im Postbüro wieder etwas mehr Raum verfügbar.
Neues Postgebäude
1895 erwarb Jean Streuli – der Vater von Bundesrat Hans Streuli – den nördlichen Teil des Armenhauslandes am Plätzli und liess darauf einen Monumentalbau errichten, dessen Erdgeschoss die Postlokalitäten aufnahm. Am 14. November 1896 wurde das Postgebäude an der Seestrasse 105 bezogen. Hier befand sich das Postamt Wädenswil bis zur Einweihung des heutigen Postgebäudes gegenüber dem Coop.
Mit dem Wechsel der Posträume aus der Gegend des «Engels» an die Seestrasse wurde die Poststrasse in Altpoststrasse umbenannt und erhielt damit den heutigen Namen. Dies deshalb, weil Wädenswil wieder eine Poststrasse erhalten hatte: So bezeichnete man das Strassenstück zwischen «Merkur» und «Du Lac», das heute Merkurstrasse heisst, damit keine Verwechslungen entstehen mit Wädenswils heutiger Poststrasse, der dritten innerhalb hundert Jahren, welche von der Zugerstrasse her an der jetzigen Post vorbei zum Floraweg führt.
Postgebäude von 1896, Seestrasse 105.
Friedweg
Nordwestlich der Engelstrasse setzte sich die Altpoststrasse gewissermassen als L-förmig angelegter Friedweg fort und führte ob dem «Engel» über Kataster Nr. 9647 zürichseitig an den Häusern Engelstrasse 4 / Seestrasse 116 vorbei zur Seestrasse hinauf. Den Namen Friedweg trug dieses Wegstück nach dem Haus Frieden, das nordwestlich der Einmündung dieses Weges in die Seestrasse stand. Das Gebäude wurde 1963 für die Verbreiterung der Seestrasse abgebrochen, zusammen mit dem benachbarten Haus Alpina, das mit der einen Schmalseite ob dem «Alten Engel» an den Reblaubenweg grenzte. Seither gibt es auch auf diesem Areal gegenüber dem neuen Wohn- und Geschäftshaus Central Parkplätze.
Haus Frieden
Das Haus Frieden wird 1855 als ein vor wenigen Jahren neu erbautes Doppelwohnhaus erwähnt. Es gehörte damals Johann Caspar Hauser, der es auf dem Ausgelände des Hotels Engel erbaut hatte. Der Neubau grenzte an die neue Seestrasse, welche in den 1830er Jahren angelegt worden war, und auf der auch die Postkutsche Zürich – Chur verkehrte. Kaspar Hauser betätigte sich seit 1845 als Posthalter und betrieb in seinem Haus auch das Wädenswiler Postbüro. Das Amt hatte er von Posthalter Jakob Höhn übernommen, der seit 1813 in der später Central geheissenen Nachbarliegenschaft gewirkt hatte.
1854 wurde das Postlokal aus dem «Frieden» ins oben erwähnte Haus gegenüber dem «Engel» verlegt. 1864 nennt das Grundprotokoll Jakob Streuli als Eigentümer der Liegenschaft Frieden, dann kam sie in den Besitz des Kantons Zürich. Am 19. August 1887 erwarb der Buchdrucker Adolf Stutz-Spühler das Haus Frieden und liess es durch Baumeister Blattmann umbauen. Unter anderem richtete man im Erdgeschoss eine Papeterie ein, die von Frau Anna Stutz-Spühler und der Tochter Anna geführt wurde.
Gegen Ende 1887 verlegte Adolf Stutz-Spühler seine Druckerei aus dem Goldschmied-Hess-Haus (Seestrasse 111) in den «Frieden». Hier wurden auch die seit 1883 herausgegebenen «Nachrichten vom Zürichsee» verlegt. Das Unternehmen entwickelte sich gut. Im Jahre 1900 waren die Räumlichkeiten wieder zu eng. Zur Erweiterung erstellt man einen Zinnenbau, der den «Frieden» seeseits mit der an die «Engel»-Scheune angebauten Waschküche des Hotels verband. Im Sousterrain wurde der Maschinensaal untergebracht, im Hochparterre die Setzerei. Der Maschinenpark bestand damals aus zwei Schnellpressen, einem Tiegel, einer Schneidmaschine und einer Loch- und Ösenmaschine. Den Antrieb besorgten ein Elektromotor von 1 PS und ein Wassermotor.
1910 erwarb Adolf Stutz-Spühler das Haus zur Gerbe, das bis 1909 die Hut- und Mützenfabrik Felber beherbergt hatte, und verlegte im September 1911 die Druckerei und im Oktober den Laden und die Wohnung von der Seestrasse an die Gerbestrasse 6.
Zu Beginn der 1960er Jahre wurde das die Seestrasse einengende dreigeschossige Haus Frieden, das während des Zweiten Weltkriegs als Soldatenstube gedient hatte, als Verkehrshindernis empfunden. Es wurde deshalb zusammen mit der Nachbarliegenschaft vom Tiefbauamt des Kantons Zürich erworben und im Frühsommer 1963 abgebrochen. Der Friedweg, der einst an der Ostseite des Hauses vorbeigeführt hatte, erinnerte mit dem Namen noch an frühere Besitzverhältnisse. Mit seiner Aufhebung ist auch dieses Stück Alt-Wädenswil verschwunden.