Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03115.jsonl.gz/2855

Trauma-Therapie – Social Trauma Therapy (STT)
Traumaheilung nach Dr. Anngwyn St. Just:
Dr. Anngwyn St. Just leitet das Arizona Center for Social Trauma (ACST) in Jerome/Arizona. Ihr Spezialgebiet ist die Entwicklung von humanistischen, den Kontext betonenden Modellen im Rahmen der somatisch orientierten Traumatherapie. Seit Jahrzehnten erforscht und befasst sie sich mit dem Gebiet der Trauma Therapie, das sie in jahrelanger Zusammenarbeit mit Dr. Peter Levine massgeblich beeinflusste. Schwerpunkte der Ausbildung als Traumatherapeutin (STT) werden nachfolgend zusammengefasst.
Was ist ein Trauma?
Ein Trauma ist eine seelische oder körperliche Verletzung, die einen Menschen nachhaltig überwältigt. Beispiele für Traumata:
- Tod einer nahe stehenden Person (besonders in der Kindheit)
- Trauma im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt (z.B. Totgeburten, Absterben eines Zwillings im Mutterleib)
- Krieg, Flucht und Vertreibung
- Gewalt und sexueller Missbrauch
- Unfälle, Überfalle, Naturkatastrophen
- Operationen, Eingriffe
- Sehen, wie jemand ums Leben kommt oder schwer verletzt wird
- Den Tod eines Menschen verschulden (Mord, Totschlag, Unfall)
Ein Trauma erzeugt im Körper Energie. Diese Energie wird immer noch festgehalten und ist gebunden, weil sie ursprünglich durch physiologische und instinktive Mechanismen bereitgestellt wurde, um eine Angriffs- oder Fluchtreaktion zu ermöglichen.
Das biologische System eines traumatisierten Menschen ist daher immer aktiviert, auch wenn die Gefahr schon längst vorüber ist. Dies kann sich in einer ganzen Palette von Symptomen äussern, da das ursprüngliche Objekt oder die Ursache nicht mehr im äusseren Leben vorhanden ist.
Aus solchen Erfahrungen wird ersichtlich, dass ein Trauma nicht nur mit dem Verstand verarbeitet werden kann, sondern vor allem auch körperlich und emotional angegangen werden muss.
Wie entsteht ein Trauma?
Ein Trauma ist ein unaufgelöstes Erlebnis, das durch eine lebensbedrohliche Situation ausgelöst wurde. Wobei die lebensbedrohliche Situation nur subjektiv als solche erlebt sein kann. Traumata können oberflächlich oder von Aussen her gesehen auch durch unbedeutende Ereignisse: wie Stürze, kleine Verletzungen, durch Unfälle ohne äussere Verletzungen (Schock) oder nur als zuschauende Person von einem Unfall, von Gewalt oder einem Verbrechen entstehen. Auch kleinere operative Eingriffe können Traumata verursachen, ebenso wiederholte psychische Gewalt. Durch das Leben in andauernd bedrohlichen Situationen, können schwere Traumata verursacht werden.
Oft ist sogar der Fall, dass eine Situation in der rückwirkenden subjektiven Einschätzung nicht als lebensbedrohlich erachtet wird und trotzdem treten später typische Trauma-Symptome auf. Oder die betroffene Person denkt das Ereignis sei schon lange erledigt und verarbeitet. 3 Jahre später stellen sich Trauma-Symptome ein. Die Person leidet beispielsweise seit einigen Monaten an Nervosität, Schreckhaftigkeit, und immer wieder an Herzrasen.
Kleinere relativ unbedeutend erscheinende Ereignisse können längst vergessene traumatische Geschehnisse reaktivieren, so dass die Symptome erst durch dieses letzte Ereignis beginnen. Ein einziges kleineres Ereignis am Ende einer Kette kann das Fass zum Überlaufen bringen. Begünstigt wird dies durch die Tatsache, dass der Handlungs- und Reaktionsspielraum einer Person durch jedes traumatisierende Ereignis immer kleiner wird. Ebenso wird der Zugang zum Körperempfinden dem inneren Erleben immer mehr abgeschnitten. Dies hindert den traumatisierten Menschen an adäquaten instinktiven Reaktionen in vielen Lebenssituationen. Besonders auch in bedrohlichen Situationen stehen die natürlichen Verhaltensweisen immer weniger zur Verfügung. So wird er durch falsche Reaktionen auch immer wieder in traumatisierende Situationen gebracht in die er unbewusst hineinläuft. Das nennt man auch den Sog des Traumas. Durch die Einengung der äusseren und inneren Wahrnehmung und der instinktiven Reaktionen und die immer stärker werdenden Symptome wird das Alltagsleben eines traumatisierten Menschen immer eingeschränkter.
Die Traumatische Zange zeigt die Folgen, wenn keine Flucht und kein Angriff möglich sind. Im eingefrorenen Zustand wird eine Person ein Ungleichgewicht erleben und glauben, sie sei immer noch in Gefahr. Die Reaktionen sind entsprechend und der Körper reagiert dann darauf.
Biologie des Traumas
Flight and Fight Reaktion (Flucht und Kampf), Totstellreflex
Grundlage für die Biologie des Traumas sind drei wichtige Verhaltensmuster, die jedes Tier kennt. Flight and Fight (Flucht und Kampf) Reaktion und den Totstellreflex. Für die ersten zwei Reaktionsmöglichkeiten muss der Organismus sehr viel Energie bereitstellen. Dies wird über das autonome Nervensystem und das limbische System im Hirn gesteuert. Es werden auf eine Gefahr hin Hormone produziert, welche die ganze Reaktion in Gang setzen:
- Beschleunigung der Herzfrequenz,
- Beschleunigung des Atems,
- Herabsetzung der Verdauungstätigkeit.
Wenn die Kampf- oder Fluchtreaktion vorüber ist, wird Kortisol von der Nebenniere ausgeschüttet und dadurch pendelt sich das System langsam wieder ins Gleichgewicht ein.
Beim Menschen mit Posttraumatischem Stresssyndrom (PTSD) hat sich das Gleichgewicht nicht mehr eingependelt. Sie sind immer noch in einer Art Alarmzustand. Das natürliche Einpendeln in einen Gleichgewichtszustand hat nicht stattgefunden. Entsprechend hat man bei Untersuchungen auch gefunden, dass Menschen mit PTSD einen zu tiefen Kortisolspiegel im Blut haben (Rachel Yehuda et al. 1990).
Die andere natürliche Reaktion ist der Totstellreflex (auch tonische Immobilität genannt). Wenn keine Flucht möglich oder ein Angriff sinnlos ist, bleibt nur die Möglichkeit des Einfrierens. Sie scheint den biologischen Sinn zu haben, dass das Raubtier einen Moment von seinem Opfer ablässt und so die Flucht gelingen kann. Einige posttraumatische Stressreaktionen sind diesen Lähmungszuständen sehr ähnlich:
- vor Angst erstarren,
- sich von allem Leben abgeschnitten fühlen,
- keinen Kontakt mehr zu sich selbst und anderen mehr fühlen,
- sich wie gelähmt fühlen,
- Gefühl von Schwindel,
- schwarz werden vor Augen,
- Gefühl das Bewusstsein zu verlieren.
Traumaheilung
Über körpertherapeutische Methoden (Biosynthese, somatische Psychotherapie und Somatic Experiencing [SE] und Focusing) kann ein Zugang zur Transformation der traumatischen Erfahrung erarbeitet werden. „Der Fokus richtet sich besonders darauf, wie zwanghafte Regression (so wie sie bei Trauma Flash Backs immer wieder entsteht) transformiert werden kann in kreative Progression, die neue, problemlösende Strategien erlaubt: die therapeutische Interaktion bewegt sich dabei vom Zufall zur freien Entscheidung, von der Konditionierung zur Spontaneität und von der erstarrten Körperhaltung zum beseelten Körper.“ (Zitat: David Boadella, Heiden, Schweiz; Begründer der Biosynthese).
Die traumatischen Ereignisse sitzen tief in unserem Organismus drin, weil sehr archaische Strukturen unserer inneren Biologie daran beteiligt sind. Daher ist es notwendig, bei einer Trauma-Therapie mit diesen innern Strukturen zu arbeiten.
Psychische Traumata, wie Entwicklungstraumata, lange dauernder Missbrauch und Gewalt erfordern im Gegensatz zu einfachen Unfalltraumata eine längere Behandlungszeit. Die körperpsychotherapeutische Arbeit der Biosynthese bietet hier die Möglichkeit in der echten Begegnung und im Kontakt zwischen KlientIn und TherapeutIn neue Erfahrungen zu machen und alte Muster umzuformen.
Ungeheilte seelische Wunden und Verletzungen aus traumatischen Erfahrungen oder Verlusten überschatten unsere Fähigkeit zu Beziehungen und zur Selbstliebe. Daraus entstehen oft die Unfähigkeit, Liebe zu geben und anzunehmen, Isolation und Angst vor Menschen, Situationen und den Anforderungen unseres Lebens.
In sehr persönlicher psychologischer und spiritueller Heilungsarbeit bringen wir Bewusstheit und Verstehen in traumatische Erfahrungen aus der Vergangenheit, sodass wir wieder frei und mit Vertrauen am Leben teilnehmen können. So kann ein Trauma „geheilt“ werden, indem es integriert wird.
In meiner Arbeit verbinde ich die Trauma-Therapie mit dem Systemischen Familienstellen. Zudem wende ich Ablöse- und Heilrituale sowie die hawaiianische Heilmethode Ho’oponopono an.