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Das UNDRR dient im System der Vereinten Nationen als zentrale Anlaufstelle für die Koordinierung der Katastrophenvorsorge. Ihr oberstes Ziel ist es, Menschenleben zu retten und wirtschaftliche Schäden zu verhindern oder zu vermindern. In den letzten dreissig Jahren hat sich die Zahl der Naturkatastrophen verdreifacht. Die schwächsten Bevölkerungsgruppen haben oft am stärksten unter Katastrophen wie Überschwemmungen zu leiden, weil sie häufig in besonders gefährdeten Gebieten leben. Um den Verlust von Menschenleben und wirtschaftliche Schäden zu verhindern, leistet die Schweiz einen jährlichen Beitrag von über 2 Millionen CHF an das UNDRR und unterstützt Regierungen bei der Entwicklung von Strategien zur Katastrophenprävention.
Büro der Vereinten Nationen für die Verringerung des Katastrophenrisikos UNDRR
Hintergrund
Weltweit häufen sich Naturkatastrophen und von Menschen verursachte Katastrophen. Jedes Jahr fordern Naturkatastrophen einen hohen Tribut in Form von Todesopfern sowie Schäden an Mensch und Wirtschaft. Dadurch behindern sie die Armutsbekämpfung und eine nachhaltige Entwicklung. Von 1991 bis 2016 waren 5,6 Milliarden Menschen von Ereignissen wie Erdbeben, Tsunamis und vulkanischer Aktivität (geophysikalische Ereignisse) sowie Überschwemmungen, Dürren und Stürmen (hydrometeorologische und klimatische Ereignisse) betroffen. 1,6 Millionen Menschen starben dabei. Die meisten Katastrophen in diesem Zeitraum wurden durch Überschwemmungen, Stürme, Extremtemperaturperioden und weitere witterungsbedingte Ereignisse verursacht.
Katastrophen und Armut hängen in verschiedener Hinsicht direkt zusammen. Selbst dort, wo die Verluste infolge von Katastrophen im Schnitt gering sind, kann es vorkommen, dass Betroffene durch ein Ereignis alles verlieren: ihre Gesundheit, ihr Zuhause und ihr Hab und Gut. Die Folgen sind Flucht und Migration und Kinder, die keine Aussicht mehr haben, der Armut durch Bildung zu entkommen.
Zwischen Armut und Katastrophenanfälligkeit besteht eine enge Wechselwirkung: In Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen ist die Zahl der Todesopfer im Katastrophenfall überdurchschnittlich hoch. Arme Bevölkerungsgruppen leben häufig marginalisiert in Hochrisikogebieten. Ihnen fehlen die Ressourcen, um die negativen Auswirkungen von Naturgefahren durch Versicherungen oder Ersparnisse abzufedern und sich von Katastrophen zu erholen.
Obwohl seit der Verabschiedung des Hyogo-Aktionsrahmens im Jahr 2005 und des Aktionsrahmens von Sendai im Jahr 2015 Fortschritte bei der Katastrophenvorsorge (Disaster Risk Reduction, DRR) erzielt wurden – z. B. durch Investitionen der Regierungen in Gesetzesanpassungen, neue Massnahmen und Frühwarnsysteme – machen Katastrophen weiterhin Entwicklungserfolge zunichte.
Die Linderung von Not und Armut in der Welt und eine nachhaltige Entwicklung stehen im Zentrum des Mandats der internationalen Zusammenarbeit der Schweiz. Zwei der vier thematischen Schwerpunkte der IZA-Strategie 2021–2024 weisen einen DRR-Bezug auf. Das Ziel 2, «den Klimawandel und dessen Auswirkungen bekämpfen sowie die natürlichen Ressourcen nachhaltig bewirtschaften (Umwelt)» und das Ziel 3, «Leben retten, eine hochwertige Grundversorgung sicherstellen – namentlich Bildung und Gesundheit – sowie zur Verminderung der Ursachen von Flucht und irregulärer Migration beitragen (menschliche Entwicklung)». DRR ist zudem einer der vier Schwerpunktbereiche1, auf die sich die Humanitäre Hilfe der DEZA in Einklang mit der Strategie der Internationalen Zusammenarbeit der Schweiz 2021–2024 konzentriert.
Zum DRR-Ansatz der DEZA gehört unter anderem die Einflussnahme auf das internationale politische System und die Institutionen im DRR-Bereich auf regionaler und globaler Ebene. Das UNDRR ist ein wichtiger Partner für die DEZA bei ihrem Ziel, das Risiko in katastrophenanfälligen Ländern zu reduzieren und multilaterale Partnerschaften zu stärken. Das Büro hat die Aufsicht über den Sendai-Rahmen für Katastrophenvorsorge 2015–2030 inne. Der Sendai-Rahmen ist das erste wichtige Abkommen der Entwicklungsagenda für die Zeit nach 2015. Es handelt sich um eine freiwillige, nicht bindende Vereinbarung, in der anerkannt wird, dass jeder Staat die Hauptverantwortung dafür trägt, den Katastrophenrisiken vorzubeugen, wobei die Verantwortlichkeiten zwischen den zentralen Regierungen und den lokalen Behörden, dem Privatsektor und anderen Interessenvertretern aufgeteilt werden sollen. Ziel ist die deutliche Verringerung der Katastrophenrisiken und des Verlusts von Menschenleben, Existenzgrundlagen und Gesundheit sowie von wirtschaftlichen, physischen, sozialen, kulturellen und ökologischen Vermögenswerten von Menschen, Unternehmen, Gemeinwesen und Ländern. Das UNDRR wurde damit beauftragt, die Umsetzung, Weiterverfolgung und Überprüfung zu unterstützen.
UNDRR – Ziele
Grundlegendes Ziel des UNDRR ist die Verhütung neuer und die Verringerung bestehender Katastrophenrisiken zum Schutz aller Bevölkerungsgruppen sowie die Stärkung der Widerstandsfähigkeit von Gemeinwesen und Ländern durch ein erfolgreiches Katastrophenrisikomanagement, das möglichst viele Gefahren abdeckt. Mit dem Strategischen Rahmenplan 2016–2021 strebt das UNDRR eine deutliche Verringerung des Katastrophenrisikos und der Verluste im Interesse einer nachhaltigen Zukunft an.
Zur Umsetzung seines Mandats verfolgt das UNDRR drei strategische Ziele:
- Die Stärkung der globalen Überwachung, Analyse und Koordinierung der Umsetzung des Sendai-Rahmens;
- die Unterstützung der regionalen und nationalen Umsetzung des Sendai-Rahmens;
- und die Förderung von Massnahmen der Mitgliedstaaten und Partner zur Beschleunigung des Fortschritts.
UNDRR – Ergebnisse
In den ersten fünf Jahren seit der Verabschiedung des Sendai-Rahmens für Katastrophenvorsorge 2015–2030 und der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung leitete das UNDRR die Transition der globalen DRR-Gemeinschaft von der Umsetzung des Hyogo-Aktionsrahmens zur Umsetzung des Sendai-Rahmens.
2019 erzielte das UNDRR unter anderem folgende Ergebnisse:
- 81 Mitglied- und Beobachterstaaten meldeten im Sendai Framework Monitor (SFM), dass sie über eine nationale DRR-Strategie verfügen.
- 130 Mitglied- und Beobachterstaaten nutzen den SFM für die Berichterstattung über die Umsetzung des Sendai-Rahmens.
- 4311 Städte beteiligen sich an der Kampagne für widerstandsfähige Städte.
- 237 Lokalverwaltungen aus 36 Ländern in fünf Regionen haben die Selbstbewertung der Katastrophenresilienz abgeschlossen.
- 4087 Regierungsangestellte und DRR-Interessenträger wurden 2019 vom UNDRR geschult. 39 Prozent davon waren Frauen.
- Um die Katastrophenvorsorge im ganzen UNO-System und insbesondere auf der Ebene der UNO-Länderteams zu stärken, veröffentlichte das UNDRR einen Leitfaden für die Integration von Katastrophenvorsorge und Klimaanpassung in die Kooperationsrahmen der Vereinten Nationen für die nachhaltige Entwicklung auf Länderebene sowie eine Reihe von Empfehlungen für den allgemeinen Einbezug der Katastrophenvorsorge in die humanitäre Hilfe.
Engagement der Schweiz
Prioritäten der Schweiz
Das UNDRR ist zusammen mit der «Global Facility for Disaster Reduction and Recovery (GFDRR)» der Weltbank (WB), dem «Global Network of Civil Society Organisations for Disaster Reduction (GNDR)» und der «Climate Risk and Early Warning Systems Initiative (CREWS)» einer der wichtigsten multilateralen Partner der Schweiz im DRR-Bereich.
Die Schweiz strebt durch die Zusammenarbeit mit dem UNDRR folgende Ziele an:
- Das UNDRR wirkt als Kompetenzzentrum der UNO für Katastrophenvorsorge und stellt Normen, Standards und Leitlinien für das UNO-System und darüber hinaus bereit. Die Organisation gewährleistet eine evidenzbasierte und belastbare Berichterstattung und Überprüfung der Fortschritte des Sendai-Rahmens und spielt eine Schlüsselrolle bei der Erarbeitung und Umsetzung des «Aktionsplans der Vereinten Nationen für Katastrophenvorsorge zur Erhöhung der Resilienz».
- Die Schweiz unterstützt das UNDRR bei der Überprüfung und weiteren Verbesserung seiner Gouvernanzstruktur (im Rahmen des laufenden Veränderungsprozesses) und bei der Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen UNDRR und seinen verschiedenen Partnern im UNO-System sowie den Entwicklungsbanken.
- Eine kohärente und effektive DRR-Gouvernanz im gesamten UNO-System ist von zentraler Bedeutung. Die Schweiz unterstützt Massnahmen zugunsten einer engeren Koordinierung, einer kollektiven Verantwortung für die Sendai-Implementierung und einer verstärkten Verankerung der Katastrophenvorsorge in UNO-Programmen und -Projekten auf allen Ebenen.
Beiträge der Schweiz
Die DEZA unterstützt das UNDRR seit dessen Gründung und unternimmt erhebliche Anstrengungen zur Stärkung des internationalen DRR-Systems. Die Schweiz ist sich bewusst, dass eine nachhaltige Entwicklung und menschliches Wohlergehen nur erreicht werden können, wenn sie nicht durch Naturereignisse gefährdet werden. Um die SDG zu erreichen, müssen DRR-Ansätze in die nationalen Politiken und Entwicklungsanstrengungen einbezogen werden. Die am stärksten benachteiligten Länder dürften ohne die Zusammenarbeit der internationalen Gemeinschaft, die von den Vereinten Nationen über das UNDRR-Mandat koordiniert wird, nicht dazu in der Lage sein. Die Schweiz wirkt aktiv in der UNDRR-Unterstützungsgruppe in Genf mit und gehört der UNDRR-Gebergruppe an. Sie ist ausserdem Mitglied des Beratungsgremiums der Global Facility for Disaster Risk Reduction (GFDRR) der Weltbank und des Lenkungsausschusses von CREWS (Climate Risk and Early Warning Systems).
Die strategischen Prioritäten der Schweiz konzentrieren sich auf eine klare Verteilung der Aufgaben und Zuständigkeiten der Akteure und eine engere Zusammenarbeit der wichtigsten Partner des DRR-Systems (insbesondere UNDRR, GFDRR, IFRC und OCHA). Die Schweiz setzt sich für die Stärkung der Verbindung zwischen humanitärer Hilfe, nachhaltiger Entwicklung, Umwelt und Klimawandel ein. Schliesslich trug die Schweiz zu einem stärkeren, ergebnisorientierten und effizienteren UNDRR-Sekretariat bei.
In Partnerschaft mit dem UNDDR verfolgt die Schweiz folgende Ziele:
- Die vermehrte Förderung eines kohärenten Ansatzes für DRR, Klimaanpassung und ökologische Nachhaltigkeit,
- die Nutzung von DRR und Klimaanpassung als verbindendes Element im Nexus zwischen humanitärer Hilfe, Entwicklung und Frieden,
- die weitere Stärkung des Katastrophenrisikomanagements auf allen Ebenen (von der kommunalen bis zur globalen), Förderung der Einbeziehung der am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen und fortgesetztes Eintreten für einen gesamtgesellschaftlichen DRR-Ansatz und eine stärkere Führungsrolle von Frauen und Jugendlichen,
- und die Unterstützung einer besseren Beobachtung, Modellierung und Vorhersage, um eine bessere Antizipation, Vorbereitung und langfristige Prävention zu ermöglichen.
- Zudem verfolgt die Schweiz bezüglich Covid das Ziel, auf den Erfahrungen mit der Pandemie und ihren Kaskadeneffekten aufbauen, die DRR-Gemeinschaft und die Gesundheitsorganisationen im Hinblick auf ein besseres Multi-Hazard-Risikomanagement enger zu vernetzen und nachdrücklich für einen besseren und ökologischeren Wiederaufbau einzutreten.
Weitere Informationen
Die Schweiz unterstützte die Globale Plattform für Katastrophenvorsorge (GPDRR), die im Mai 2019 in Genf stattfand, mit einem Betrag von 3,3 Mio. CHF. Die GPDRR ist eine Multi-Stakeholder-Konferenz, die von der UNO-Generalversammlung eingesetzt wurde, um die Umsetzung des Sendai-Rahmens zu überprüfen, Wissen auszutauschen und Chancen und Herausforderungen bei der Katastrophenvorsorge zu diskutieren. Die nächste GPDRR wird 2022 in Indonesien, die übernächste 2025 wiederum in Genf stattfinden. Der Fokus der GPDRR von 2022 wird auf der Vorbereitung der Halbzeitüberprüfung des Sendai-Rahmens liegen. Diese soll 2023 durchgeführt werden und Informationen über die Fortschritte liefern, die bei der Umsetzung des Aktionsrahmens bisher erzielt wurden. Ein Schweizer Junior Professional Officer unterstützt das UNDRR bei der Vorbereitung des nächsten GPDRR.