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Es dauert über eine Stunde, bis es Zugang zu Block 4 gibt. Zuerst müssen sechs hochgesicherte Türen sowie ein Metalldetektor passiert, das Gepäck in Schliessfächern verstaut und der Pass zweimal vorgewiesen werden.
Erst, als alle nur noch im Besitz von Schreibblock und Stift sind, darf Block 4 betreten werden. Diese internationale Abteilung des Gefängnisses im Haager Stadtteil Scheveningen befindet sich in einem separaten, vierstöckigen Gebäude auf dem riesigen Haftanstaltsterrain unweit des Nordseestrands. Die Zellen der sechs ICC-Gefangenen befinden sich im obersten Stock.
In den Stockwerken darunter leben andere Untersuchungshäftlinge wie der erstinstanzlich verurteilte Serbenführer Radovan Karadzic und General Ratko Mladic. Block 4 wird auch von der Nachfolgeorganisation des Jugoslawientribunals und anderen internationalen Strafgerichten benutzt.
Täglich frische Luft
Paddy Craig, Direktor des ICC-Gefängnisflügels, zeigt den neun Medienleuten zuerst den begrünten Innenhof mit Tennisplatz und Basketballfeld. Der tägliche Gang an die frische Luft sei wichtig, das 27-köpfige Wärterteam motiviere die Gefangenen, sich so oft wie möglich draussen aufzuhalten.
Auch Gartenarbeit ist im Innenhof erlaubt: In einer Ecke wachsen Kartoffeln, Spinat, Tomaten und Koriander. Die Pflanzen gehörten aber nicht den ICC-Häftlingen, sondern jenen des ehemaligen Jugoslawientribunals, so Craig.
Selbstgekochtes bevorzugt
Oben stehen den sechs Insassen mehrere Sporträume mit Rudermaschinen und anderen Trainingsgeräten zur Verfügung, eine Bibliothek und mehrere Aufenthaltsräume. In der Küche fällt der Blick zuerst auf ein Aquarium mit Goldfischen, dann auf den grossen Kühlschrank und die noch grössere Gefriertruhe. Zwar bekommen die ausschliesslich afrikanischen Gefangenen täglich Fertiggerichte aus der Grossküche, die sich auf dem Areal befindet.
Dem ansehnlichen Vorrat an Mais, Gemüsebananen oder Kassaven nach kochen sie aber ganz offensichtlich lieber selber. Auf die Frage, ob das niederländische Essen denn so miserabel sei, sagt Craig diplomatisch: «Wir haben alle unsere Präferenzen. Ich bin Ire, ich mag Kartoffeln.» Abgesehen davon sei Selbstgekochtes gesünder als Massenproduktionsware.
Gratis Telefon, kein Internet
Im Gang hinter der Küche öffnet der Gefängnisdirektor die Tür zu einer der Zellen. Ein schmales Bett, ein Tisch und ein Stuhl stehen darin. An den Wänden hängen mehrere Regale sowie ein flacher Fernseher. In einer Ecke befinden sich Toilette und Lavabo. Jeder Häftling hat ein Telefon in seiner Zelle.
Damit darf er monatlich 200 Minuten lang gratis mit seiner Familie telefonieren. Mit Hilfe einer internen Verbindung kann er ausserdem via PC mit seinem Verteidigerteam kommunizieren. Zugang zum Internet gibt es nicht.
Sprachkurs oder Putzen?
Zwischen 20.30 Uhr abends und 7.00 Uhr morgens sowie eine Stunde am Mittag und eine am späteren Nachmittag werden die Gefangenen in ihren Zellen eingeschlossen. Die «freie» Zeit können sie selbst einteilen. Wenn sie nicht vor Gericht erscheinen müssen oder ihren Verteidiger treffen, können sie zum Sprachunterricht gehen oder sich einen Zustupf als Putzkraft verdienen.
Zwar ist es das erste Mal, dass Medienleute in diesem ICC-Gefängnisflügel herumgeführt werden. Trotzdem gebe es zahlreiche falsche Berichte, sagt Craig. Immer wieder sei die Rede von einem «Luxusgefängnis». Der Direktor winkt ab: «Es ist ein Standardgefängnis mit einer elementaren Ausrüstung in einem sicheren Umfeld, in dem den Häftlingen mit Respekt begegnet wird.»