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Die Bedeutung induktiver Argumente im Alltag und den Wissenschaften
Die Bedeutung induktiver Argumente in den Wissenschaften ist enorm. Wissenschaftliche Gesetze basieren in aller Regel auf einer Struktur, wie sie im obigen Beispiel schon gezeigt wurde. Ausgehend von konkreten, das heisst historischen, Erfahrungen fordern sie eine Allgemeingültigkeit auch in die Zukunft hinein. Auch um unser Alltagswissen ist es nicht besser bestellt. Wir lernen aus Erfahrungen und passen unser Verhalten aufgrund von unterstellten Gesetzmässigkeiten an.
In der Philosophie ist das Thema der Kausalität schon seit der Antike ganz zentral. In diesem Blog begrenzen wir uns allerdings auf eine Differenzierung zwischen Hume und Kant.
Kausalprinzip vs. Kausalgesetz
Zum besseren Verständnis muss man zwischen dem Kausalprinzip und dem Kausalgesetz unterscheiden.
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Das Kausalprinzip besagt, dass nichts ohne Ursache geschieht. Es hat eine rückwirkende Optik, indem es für jede Veränderung eine vorgelagerte Begründung sucht. Das Kausalprinzip führt zum bekannten Problem des ersten Anfangs, welches, sofern man dem Prinzip folgt, irgendwie erklärt werden muss. Bei Aristoteles oder in der Kirche wird beispielsweise Gott als erster Beweger proklamiert, in der Naturwissenschaft der Urknall. Nach Kant ist dieses transzendentale Bedürfnis Basis für die Metaphysik in der Philosophie.
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Das Kausalgesetz besagt, dass gleiche Ursachen gleiche Wirkungen haben. Es ist die Begründung für die kausale Bestimmtheit der Natur in den Naturwissenschaften. Alles was ausserhalb des naturwissenschaftlichen Bezugsrahmen ist, also sich dem Kausalgesetz entzieht, untersteht dem Verdacht eines Wunders.
Wir Menschen versuchen die Welt nach dem Prinzip von Ursache und Wirkung zu erfassen. Wenn wir etwas Verursachtes analysieren, dann unterstellen wir das Prinzip von Ursache und Wirkung (Kausalitätsprinzip), also die Existenz von etwas Verursachendem. Dabei beobachten wir im Idealfall eine Korrelation verschiedener Ereignisse und postulieren eine Abhängigkeit. Indem wir dies tun, generieren wir geistig ein Gesetz. Kant schreibt[1]:
„Man nehme den Satz: Alles was geschieht hat seine Ursache. In dem Begriffe von Etwas, das geschieht, denke ich zwar ein Dasein, vor welchem eine Zeit vorhergeht etc. und daraus lassen sich analytische Urteile ziehen. Aber der Begriff einer Ursache zeigt etwas von dem, was geschieht, Verschiedenes an, und ist in dieser letzte Vorstellung gar nicht mit enthalten. Wie komme ich denn dazu, von dem, was überhaupt geschieht, etwas davon ganz verschiedenes zu sagen, und den Begriff der Ursachen, obzwar in jenen nicht enthalten, dennoch, als dazu gehörig, zu erkennen.“[2]
Zweifelsohne handelt es sich um einen induktiven Schluss, welcher als solcher stets unter der Kontingenz des Irrtums steht. Zweifelsohne ist aber auch das Kausalgesetz
für die menschliche Wissenschafts- und Handlungskompetenz unabdingbar. Die beiden Philosophen beziehen unterschiedlich Stellung.
Die Bedeutung des Kausalgesetzes bei Hume:
„Es zeigt sich, dass wir in Einzelfällen der Wirksamkeit von Körpern […] nie etwas anderes entdecken konnten, als das ein Ereignis dem anderen folgt; aber wir sind nicht imstande, irgendwelche Kraft oder Macht zu begreifen, durch welche die Ursache wirkt, oder irgendeine Verknüpfung zwischen ihr und der angenommenen Wirkung. […] so dass, im Ganzen genommen, überall in der ganzen Natur sich nicht ein einziges Beispiel von Verknüpfungen darbietet, das uns vorstellbar wäre. Alle Ereignisse erscheinen durchaus unzusammenhängend und vereinzelt. Ein Ereignis folgt dem anderen; aber nie können wir irgendein Band zwischen ihnen beobachten. Sie scheinen zusammenhängend, doch nie Verknüpft […].“[3]
Hume wies darauf hin, dass ein logischer Nachweis der Induktion nicht möglich sei. Man befindet sich unweigerlich in einer Zirkelstruktur. Durch Erfahrung kommen wir zur Erkenntnis von Ursache und Wirkung und die Erfahrungserkenntnis beruht ihrerseits auf dem Prinzip der Beziehung von Ursache und Wirkung.
Entsprechend vertrat Hume die Auffassung, dass das Prinzip der Kausalität der menschlichen Gewohnheit entspringe. Die Gewohnheit ist nützlich, entspricht einer notwendigen subjektiven Wahrheit, um im Alltag überleben zu können, aber kann letztlich einen induktiven Schluss nicht rechtfertigen. In diesem Sinne ist
es zwar richtig, dass wir uns auf das Kausalgesetz verlassen, aber wir haben
keine Begründung dafür. Seine Schlussfolgerung scheint logisch korrekt, aber unbefriedigend.
Die Bedeutung des Kausalgesetzes bei Kant
Hume interpretiert die Subjektleistung psychologisch, Kant später transzendental. Bei Kant ist das Kausalitätsgesetz das Grundgesetz aller Naturgesetze und die Bedingung der Möglichkeit jeglicher Erfahrung. Es gilt apriori, d.h. liegt begründungstheoretisch vor jeder Erfahrung[4].
Damit kann er den Zirkelschluss Humes verhindern, sofern er das Gesetz als
ontologische Wahrheit begründen kann. Wir haben bereits gesehen, dass die
Begründung über die empirische Evidenz erfolgt, namentlich über die scheinbaren
Möglichkeiten der Mathematik.
„David Hume, der diese Aufgabe unter
den Philosophen noch am nächsten trat, […] sondern bloss bei dem
synthetischen Satze der Verknüpfung der Wirkung mit ihren Ursachen (Principium
causalitatis) stehen blieb, glaubte herauszubringen, dass ein solcher Satz
apriori gänzlich unmöglich sei, und nach seinen Schlüssen würde alles […] auf
ein blosses Wahn von vermeinter Vernunftseinsicht dessen hinauslaufen, was in
der Tat bloss aus Erfahrung erborgt und durch Gewohnheit den Schein der
Notwendigkeit überkommen hat. […] auf welche […] Behauptung er niemals
gefallen wäre, […] da er dann eingesehen haben würde, dass nach seinem
Argumente es auch keine reine Mathematik geben könne, weil diese gewisse
synthetische Sätze apriori enthält […].“[5]
Während Hume beweist, dass es nicht
möglich ist, anerkennt aber, dass es für Menschen notwendig ist, vermutet Kant,
dass es sich um ein wahres Gesetz handeln muss, weil die empirische Evidenz der
Mathematik dafür spricht.
[1]
Hier hat Hume Kant aus seinem dogmatischen Schlummer geweckt
[2]
Kant KrV A9
[3] siehe Hume (1993), Seite 89f
[4] Kant:
alle unsere Erfahrung ist weltimmanent, d.h. immer auf Erfahrung angewiesen.
Die metaphysische Frage der letzten Ursache ist ausserhalb unserer Erfahrung
und deshalb auch nicht beantwortbar.
[5]
Kant KrV B20