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Die internationale Walfangkommissionexterner Link hat strengere Kriterien erlassen, um den wissenschaftlichen Walfang vor Japan strikter zu regeln. Dies ist eines der Themen, das ihren neuen Präsidenten, den Schweizer Biologen Bruno Mainini, beschäftigen wird.
Die Ernennung des Zürchers, der die Schweiz in der Walfangkonferenz seit 2005 vertritt, wurde von Nichtregierungs-Organisationen wie dem WWF und anderen begrüsst. Bruno Maininiexterner Link ist stellvertretender Leiter für Artenschutz beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen. Er weiss, dass die Hälfte der 88 Mitgliedsländer Befürworter des Walfangs sind.
La Liberté: Was kann die Schweiz in der internationalen Walfangkommission einbringen?
Bruno Mainini: Die Schweiz hat den Ruf eines Landes, das nach Lösungen sucht. Das wird auch mein Ziel sein. Ich möchte vor allem die aggressiven Debatten vermeiden, die zuweilen vorkommen. An den Sitzungen nehmen nicht nur Delegationen von Staaten, sondern auch Naturschutz-Organisationen teil. Wenn das Ergebnis einer Abstimmung bekannt wird, jubeln die Gewinner wie bei einem Fussballspiel. 2012 in Panama hat man bereits solche Exzesse vermeiden können.
La Liberté: Muss man die kommerzielle Jagd verbieten?
B.M.: Es gibt ein grosses Missverständnis in der öffentlichen Meinung über die Ziele der Kommission und über das Übereinkommen zur Regelung des Walfangs. Dieses ist ein Instrument, um die Jagd auf Wale, nicht ihren Schutz zu regulieren. Deshalb ist die kommerzielle Jagd erlaubt. Wir können sie nicht grundsätzlich verbieten, aber wir müssen sicherstellen, dass die Jagd begrenzt ist.
La Liberté: Seit 1986 gibt es ein Moratorium für die kommerzielle Jagd. Wie steht es darum?
B.M.: Damals hatte Norwegen einen Vorbehalt gegen das Moratorium deponiert. Das ist ein Rechtsinstrument im Rahmen des Übereinkommens. Dies hat es Norwegen 1993 ermöglicht, den Walfang wieder aufzunehmen. Island hat das gleiche getan und die Jagd 2006 wieder aufgenommen.
Das Problem ist, dass Island zu viele Wale jagt. 2013 waren es fast 200. Die Zahlen steigen von Jahr zu Jahr. Sie sind nicht konform mit den Quoten. Wir müssen in den kommenden Jahren Druck machen auf Island.
La Liberté: Wie stehen Sie zur wissenschaftlichen Waljagd?
B.M.: Die Konvention unterscheidet drei Arten der Jagd: die kommerzielle Jagd, die Jagd durch Einheimische und die wissenschaftliche Jagd. Die Kommission kann die wissenschaftliche Jagd, wie sie seit über 20 Jahren in Japan praktiziert wird, nicht verbieten. Nach einer Intervention durch Australien wurde Japan im März vom Internationalen Gerichtshof verurteilt, weil es unter dem Deckmantel der Wissenschaft in der Antarktis kommerziellen Walfang betrieben hatte.
Nach dem Entscheid haben einige Länder die internationale Walfangkommission aufgefordert, draus die Konsequenzen zu ziehen. Die Japaner müssen nun in Kürze ein neues Programm für den wissenschaftlichen Walfang präsentieren. Sie werden nicht darauf verzichten. Wir werden also ein wenig Druck machen müssen auf Japan. Wir können insbesondere die Anzahl der Wale im Programm soweit wie möglich reduzieren.
La Liberté: Kann man sich denn nicht auf die Untersuchung lebender Tiere beschränken?
B.M.: Es wird immer Wissenschaftler geben, die das Gegenteil behaupten. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass es Forschungen gibt, die nur an toten Tieren möglich sind. Aber wir wollen nicht mehr, dass der wissenschaftliche Walfang zum Tod von jährlich 1000 Tieren führt. Wir werden also alle Möglichkeiten ausloten, die nicht zum Tod der Tiere führen. Erst danach werden wir einer begrenzten Zahl von toten Walen zustimmen. Das ist mein Hauptziel.
"Die Schweiz kann viel verändern"
"Für Organisationen wie der unsrigen ist die Ernennung von Bruno Mainini eine gute Sache", sagt Max-Olivier Bourcoud, Direktor der Schweizer Gesellschaft zum Schutz von Walen und Delfinen. "Die Schweiz kann viel machen zum Schutz der Wale. Bruno Mainini verkörpert diese Hoffnung."
Die Schweiz würde eher die Schaffung neuer Walschutzgebiete in den Hochseegebieten bevorzugen. Allerdings ist sie nicht den gegen den kommerziellen Walfang. "Die Schweiz setzt auf nachhaltige und wissenschaftlich geplante Jagd", sagt Bourcoud. "Die Ozeane sind immensen Veränderungen unterworfen, und man nimmt die Sterblichkeitsrate der Wale wegen Wilderei, chemischen Verschmutzungen oder auch Kollisionen nicht wahr."
Jahr 2013 wurden laut Angaben der Internationalen Walfangkommission 1645 Wale gejagt, davon 417unter wissenschaftlichem Vorwand.
"Die wissenschaftliche Jagd ist lediglich ein Ventil, das es Japan erlaubt, an das Fleisch der Tiere zu kommen", sagt Bourcoud. "Das ist zwiespältig und scheinheilig. Das Ziel der Forschungen ist es, herauszufinden, wie weit die Wale für die Fische eine Konkurrenz darstellen."
"Weiter sollen sie die Fragen nach Ernährungs- und Fortpflanzungs-Gewohnheiten der Tiere klären. Westliche Forscher haben das – längst und ohne Tötung von Tieren – erforscht. Das macht überhaupt keinen Sinn. Wenn man die Tiere tötet, um offiziell an ihre Mägen und Eierstöcke zu kommen, bleiben doch noch einige Tonnen für den Verkauf im Supermarkt."Infobox Ende
(Übersetzt aus dem Französischen: Andreas Keiser)