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1985: Der Elektriker Ron Woodroof – gespielt von Matthew McConaughey – führt ein exzessives Leben, in dem Frauen, Drogen und Rodeo die Hauptrollen spielen. Nach einem Arbeitsunfall wird er bei einer Routineuntersuchung positiv auf HIV getestet. Seine Welt bricht zusammen. Denn für den homophoben Heterosexuellen ist Aids eine reine Schwulenkrankheit. Die Ärzte geben ihm noch 30 Tage, doch Woodroof will mehr.
In den USA existieren zu dieser Zeit noch keine zugelassenen Medikamente gegen Aids, deshalb reist er nach Mexiko. Den Pillencocktail, der ihn dort aufpäppelt, schmuggelt er in die USA. Mithilfe des Transvestiten Rayon (Jared Leto) gründet er den namensgebenden «Dallas Buyers Club». Gemeinsam vertreiben sie in diesem Verein die illegalen Medikamente. Die Arznei findet reissenden Absatz, was wiederum die mächtige Pharmaindustrie auf den Plan ruft. Schliesslich möchte sie sich das millionenschwere Geschäft mit den Todkranken nicht vermiesen lassen. Ein ungleicher Kampf beginnt.
Was lange währt, wird endlich gut
Der Film basiert auf der Biographie des echten Ron Woodroof. Dieser hatte kurz vor seinem Tod 1992 einem Journalisten seine bewegende Lebensgeschichte erzählt. Daraus verfassten Craig Borten und Melisa Wallack ein Drehbuch – das war 1996.
Bis schliesslich die Finanzierung klappte, kursierte das Projekt 15 lange Jahre in Hollywood. Niemand interessierte sich für das Thema Aids. Erst als Matthew McConaughey ans Projekt gebunden wurde, kam das Geld zusammen. Ein Mannsbild, selber aus Texas, sollte den Cowboy darstellen. Eine kluge Wahl.
Vom Schönling zum Charakterdarsteller
Im Film entwickelt sich der Hauptdarsteller vom harten Cowboy zum vifen Geschäftsmann. Vom homophoben Macho zu einem einfühlsamen Menschen, der sich für die Rechte seiner Mitleidenden einsetzt.
Für die Rolle machte McConaughey eine eindrückliche Transformation durch und ging körperlich an seine Grenzen, vielleicht auch darüber hinaus. Früher wog McConaughey 84 Kilo. Für den Film hungerte sich der 1,82 Meter grosse Mann auf 63 Kilos runter. Wie gesund das sein kann, sei dahin gestellt. Den Zuschauer schmerzt allein schon der Anblick des bis auf die Knochen abgemagerten früheren Muskelpakets.
Und dann ist da noch die andere Veränderung: Lange spielte Mc Conaughey den Sunnyboy, den Schönling mit dem unwiderstehlichen Sixpack. Irgendwann hatte er diese Rollen satt: Er beschloss, keine solchen Angebote mehr anzunehmen. Zwei Jahre lang kam nichts, und dann riefen die Schwergewichte Hollywoods an: Steven Soderbergh zum Beispiel oder Jack Nichols. Nach seinen letzten Rollen («Mud», «The Wolf of Wall Street») hat McConaughey ein Image als Charakterdarsteller aufgebaut. «Dallas Buyers Club» brachte ihm nun den Golden Globe und eine Oscar-Nominierung für besten Hauptdarsteller. Zu Recht.
Zwei preisverdächtige Leistungen
Neben Matthew McConaughey als todkranken Cowboy brilliert auch Jared Leto als Transvestit. Auch der Frontmann der Band 30 Seconds to Mars erhielt für die Rolle verdienterweise eine Oscar-Nominierung. «Dallas Buyers Club» reiht sich in die Dramen der Kategorie David gegen Goliath ein. Der kleine kranke Ron kämpft gegen die übermächtige Pharmaindustrie.
Solche Biopics gelingen nicht immer, oft sind sie von Kitsch übersät oder haben einfach nicht den richtigen Rhythmus. Hier hingegen stimmt alles. Der Spannungsbogen hält bis zum Schluss, und es wird einem einfühlsam und eindringlich vor Augen geführt, wie sich Menschen ändern, wenn es um Leben und Tod geht. Alles in allem ist «Dallas Buyers Club» ein lohnendes Meisterwerk, das wie seine Darsteller zu Recht für den Oscar nominiert wurde.