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Das Dissertationsvorhaben "Das Wissen und Können des Volkes. Rekrutierungspraktiken der Schweizer Armee, 1960-2000" ist Teil des SNF-geförderten Forschungsprojekts "Dealing with Human Capital". Das Projekt untersucht den Aufstieg, die diskursive Implementierung und verfahrenstechnische Umsetzung des Humankapitalkonzeptes zu einem realitätsgestaltenden Dispositiv am Beispiel dreier Beobachtungsfelder: dem Unternehmen, der Berufsberatung und dem Militär.
Seit dem die "Technisierung der Armee" in den 1960er Jahren diskursiv und rüstungspolitisch durchgesetzt wurde, wurde das "Wissen und Können" angesichts der begrenzten Ausbildungskapazitäten der Milizarmee zum Problem. Die allgemeine Wehrpflicht bedeutete einerseits, dass sich die Schweizer Armee ihr Personal mit der Privatwirtschaft teilen musste. Andererseits wurde ihr durch diesen Modus der Personalrekrutierung das im "Volk vorhandene Gut an zivilem Wissen und Können" für eine militärische Nutzbarmachung zugänglich. Die verfahrenstechnischen Voraussetzungen für diesen Wissenstransfer waren humanwissenschaftliche Expertenkulturen, welche die Wehrpflichtigen als Träger von "Wissens- und Fähigkeitsbeständen" konzipierten und die Verfahren entwickelten, mit denen die "menschlichen Ressourcen" erfasst und den Bedürfnissen der verschiedenen Waffengattungen entsprechend verteilt werden konnten.
Die Dissertation untersucht die Entstehung dieses anthropologischen Wahrnehmungsrasters und die Expertengruppen, die es durch ihre Deutungsangebote ermöglichten. Damit geraten die technischen Instrumente und Apparaturen in den Fokus der Analyse, mit denen der Wissens- und Fähigkeitsbestand eines Wehrpflichtigen erfasst und militärisch nutzbar gemacht werden sollte.
Unter Rückgriff auf das Instrumentarium der Wissensgeschichte, Michel Foucaults Begriff des Dispositivs und technikhistorischer Ansätze fragt das Dissertationsprojekt nach den historischen Settings, den Akteuren des Wissens und den technischen Medien, um die Logiken der Produktion, Evaluation und Optimierung "menschlicher Ressourcen" in der Schweizer Armee von 1960 bis 2000 zu untersuchen. Dazu werden militärpublizistische und wissenschaftliche Zeitschriften ausgewertet, Quellenbestände im Schweizerischen Bundesarchiv Bern gesichtet sowie Interviews mit Akteuren geführt.