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Eine besondere Gruppe darunter bilden die Karikaturen, Ergebnisse seiner physiognomischen Studien, in denen sich aber auch seine
Neigung zum Bizarren kundgibt. Sie sind mehrfach gestochen worden (unter andern von W. Hollar). Auch seine
plastischen Übungen setzte er später in Florenz fort und widmete sich daneben mathematischen und physikalischen, namentlich
mechanischen, Studien sowie der Architektur. Auch war er nicht nur gewandter Sänger und Lautenspieler, sondern konstruierte
ein eignes Instrument, erfand ein neues Griffbrett für die Viola und entwarf eine Zeichnung zu einer neuen
Lyra.
[* 11] Endlich finden wir ihn auch als Dichter, namentlich als Improvisator, aufgeführt;
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Das Hauptwerk, das er hier ausführen sollte, war das kolossale Modell einer Reiterstatue des HerzogsFrancescoSforza, das von den Zeitgenossen als Wunderwerk gepriesen, aber von französischen Armbrustschützen 1499 zerstört wurde,
ehe es überhaupt zur Ausführung gelangt war. Entwürfe und Zeichnungen dafür befinden sich in der Windsorsammlung. Daneben
wurde seine Thätigkeit als Architekt beim MailänderDom und als Ingenieur beim Bau des Martesanakanals hauptsächlich in
Anspruch genommen.
Das Typische wie das Porträtmäßige ist überwunden und eine ideale Wirklichkeit geschaffen, die ebenso
wahr und lebendig wie edel und geistvoll ist. Bei der Zerstörung des Gemäldes sind die dem Marco d'Oggionno, einem Schüler
Leonardos, zugeschriebenen Kopien (eine in der LondonerAkademie) und die Pastellköpfe der Apostel, im Besitz der Großherzogin
von Sachsen-Weimar, wichtig. Außerdem verfertigte Leonardo in Mailand noch eine große Anzahl von Zeichnungen
der verschiedensten Art und Kartons, nach welchen seine Schüler Gemälde ausführten, die gewöhnlich als Werke von seiner
Hand
[* 17] aufgeführt werden.
Das erste Werk, welches er hier schuf, war ein Karton zu einem Altarbild der Servitenkirche daselbst, die Madonna mit dem Kinde,
dem kleinen Johannes und der heil. Anna darstellend, den er aber nicht ausführte, und der sich gegenwärtig in der
Akademie zu London befindet. In diese Zeit gehört auch das Bildnis der Mona Lisa, der schönen Frau des Francesco del Giocondo
(jetzt im Louvre zu Paris,
[* 19] ein Werk von bestrickendem Zauber), und jenes der Ginevra, der Gemahlin des Amerigo Benci (verloren
gegangen).
Zugleich ernannte ihn der König zum Hofmaler mit Gehalt. Ende 1509 begab sich Leonardo nach Florenz, 1512 kehrte
er nach Mailand zurück und hielt sich 1514 eine Zeitlang am Hof
[* 21] Leos X. in Rom auf, wo er jedoch nur wenige, nicht erhaltene
Werke ausführte. Der letzten Mailänder Zeit gehören die heil. Anna selbdritt und die Halbfigur eines
heil. Johannes im Louvre an. Nachdem er 1515 wieder kurze Zeit in Florenz gelebt, war er noch in demselben Jahr beim Einzug
Franz' I. von Frankreich in Mailand und befand sich seitdem im Gefolge des Königs, welchen er 1516 nach Frankreich begleitete.
Hier scheint er indes wenig gearbeitet zu haben. Er starb auf dem Schloß Cloux bei Amboise.
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Als Maler hat er das Hauptverdienst, daß er der Zeichnung die sichere anatomische Grundlage gegeben und das Körperliche in der
Beleuchtung
[* 23] zuerst dargestellt hat. Auch strebte er zuerst ein Helldunkel und eine möglichst vollkommene Modellierung an,
die er durch zarte Übergänge der Umrisse und Töne ineinander (sfumato) zu erreichen suchte. Seine Karnation
hat etwas Glatt-Marmornes; eigen ist sein Gesichtsausdruck bei den Frauen, der in das Lächelnde übergeht; er war hierin ein
Vorbild Correggios. Er wußte die merkwürdigsten Verbindungen der menschlichen und der Tiergestalt zur Anschauung zu bringen
und wandte letztere schon zu politischen Satiren an. Namentlich aber ist das Porträt durch ihn zur vollsten
Selbständigkeit und Vergeistigung gebracht worden, indem es ihm zuerst gelang, das feine Spiel der Empfindungen in seinen
Köpfen auszudrücken.
Der Ernst männlichen, thätigen wie forschenden Geistes spricht sich besonders in dem heiligen Abendmahl und in dem Reiterkampf
um die Standarte, die Leonardo eigne Anmut und Lieblichkeit aber in seinen heiligen Familien aus. Da Leonardo sich in der
Ausführung nie genugthun konnte, erklärt es sich, daß er so wenige Gemälde hinterließ, und selbst diese sind zum Teil
noch unvollendet. Fast nicht minder schätzbar als seine Gemälde sind Leonardos physikalische und mathematische Schriften.