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Olympia ist gar nicht in China22. August 2008 um 07:38
Vier junge Schweizer sind an die Internationale Informatik-Olympiade nach Kairo gefahren. Zwei von ihnen holten Medaillen, die anderen überzeugten ebenfalls. Von Pharaonengärten, Pyramidenbau und dem Vorteil der Russen und Chinesen.
Vier junge Schweizer sind an die Internationale Informatik-Olympiade nach Kairo gefahren. Zwei von ihnen holten Medaillen, die anderen überzeugten ebenfalls. Von Pharaonengärten, Pyramidenbau und dem Vorteil der Russen und Chinesen.
Nicht nur Radfahrer und Tennisspieler in China beweisen derzeit, dass die Schweiz in olympischen Belangen etwas mitzureden hat. An der 20. Internationalen Informatik-Olympiade, die während dieser Woche im ägyptischen Kairo stattfindet, holten die beiden jungen Schweizer Mittelschüler Johannes Josi (17, Foto rechts) aus Bern und Vladimir Serbinenko (20, Foto links) aus Fribourg jeweils eine Silbermedaille. Zu lösen waren landestypische Aufgaben wie die "Planung des Gartens für Ramses II" oder die Evaluation des idealen Standortes zum Bau einer möglichst grossen Pyramide.
Die Wettkämpfer konnten zwischen den Programmiersprachen C, C++ und Pascal wählen. Die Planung des Pharaonengartens bewältigten Serbinenko und Josi mittels dynamischer Programmierung. An den Wissenschafts-Olympiaden werden jeweils mehrere Gold-, Silber- und Bronzemedaillen vergeben. Bewertet werden die entwickelten Lösungen nach ihrer programmiertechnischen Korrektheit sowie der Effizienz bezüglich Durchlaufzeit und Speicherplatz. Genau daran scheiterte ein weiterer junger Schweizer. Adrian Roos bewältigte die Ramses-Aufgabe mit einer Brute-Force-Lösung. Diese lief zwar korrekt und spielte sämtliche Möglichkeiten durch, war jedoch angesichts der knappen Zeitlimite nicht effizient genug. Dem Vierten im Bunde, Sebastien Vasey, gelang es immerhin, eine der Aufgaben mit voller Punktzahl zu lösen.
Programmieren selbst gelernt
Die Silber-Jungs Josi und Serbinenko schliessen mit dem Erfolg von Kairo ihre wissenschafts-olympischen Karrieren ab. Der erst 17-jährige Josi holte in diesem Jahr Silber in Mathematik und Informatik und letztes Jahr Bronze in Informatik. Serbinenko (20) ist ein noch unglaublicherer wissenschaftlicher Mehrkämpfer. Er holte in fünf Jahren eine Honourable Mention, zweimal Bronze und einmal Gold in Mathematik, eine Honourable Mention in Physik sowie einmal Bronze und zweimal Silber in Informatik. Diese Leistungen und auch diejenigen von Roos und Vasey sind umso erstaunlicher, als sie zum grossen Teil dem Enthusiasmus und dem Einsatz der jungen Olympioniken zu verdanken sind. Sie haben sich das Programmieren allesamt selbst beigebracht und haben erst vor kurzer Zeit professionell zu trainieren begonnen.
Die härteste Konkurrenz für die IT-Athleten kommt aus China und der ehemaligen Sowjetunion. "In diesen Ländern ist Programmieren noch Teil der Schulbildung, erst allmählich kommen gebrauchsfertige Anwendungen zur breiten Bevölkerung", erklärt Claudia Appenzeller-Winterberger vom Verband Schweizer Wissenschafts-Olympiaden. Im Gegensatz dazu sei in der Schweiz das Programmieren von einfachen Anwendungen schon vor längerer Zeit aus dem Lehrplan gestrichen worden. "Das brauchen wir ja nicht mehr, hat man Mitte der 80er Jahre gedacht", so Appenzeller-Winterberger. Die vier Nachwuchsgenies haben also diesen Nachteil aus eigenem Antrieb wettgemacht. Ideale Aushängeschilder für das "Jahr der Informatik" also? Genau. An der Informatica08 auf dem Zürcher Turbinenplatz wird das Olympia-Team seine Medaillen präsentieren und in einem interaktiven Kräftemessen mit dem Publikum sein Können demonstrieren. (Amir Ali)
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