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[* 4] (Equidae), Familie der unpaarzehigen Huftiere (s. d.). Die lebenden Arten besitzen nur eine
einzige (die mittelste) wohl entwickelte Zehe und zuweilen auch noch (Afterzehen) Überbleibsel der beiden benachbarten (der
zweiten und vierten), treten aber nur mit jener, resp. mit dem sie bekleidenden Huf
[* 5] auf (Einhufer). Ferner haben sie einen gefleckten
Schädel mit sehr langer
Kinnlade, jederseits oben und unten 3 (große meißelförmige) Schneidezähne,
einen (kleinen) Eckzahn und 7 oder 6 (im Milchgebiß 7) Backenzähne.
Hier finden sich drei Zehen, aber die zweite und dritte sind sehr klein und nur den Afterklauen der Rinder
[* 14] vergleichbar. Die
Ulna ist in ihrer ganzen Länge als ein sehr dünner, innig mit dem Radius verbundener Schaft zu verfolgen. Diesem Hipparion reiht
sich das Anchitherium aus der ältern Miocän- und vielleicht der jüngern Eocänperiode an. Dies Tier
besaß drei gebrauchsfähige Zehen, eine vom Radius ganz gesonderte Ulna, 44 Zähne,
[* 15] Schneidezähne ohne starke Grube, bei beiden
Geschlechtern wohl entwickelte Eckzähne und stets einen ansehnlichen siebenten Mahlzahn.
Diese Funde, welche immerhin schon gute Andeutungen über die Abstammung des Pferdes geben, sind weit
übertroffen worden durch das im nordamerikanischen Westen zusammengebrachte paläontologische Material, welches auch für
die Entwickelungsgeschichte
[* 16] der Säugetiere im allgemeinen von höchster Bedeutung ist. Als ältester Vertreter des Pferdetypus
zeigt sich der Eohippus, ein fuchsgroßes Tier aus den untern Eocänschichten mit 44 Zähnen, kurzkronigen
Mahlzähnen, 4 Zehen nebst einem Rudiment der fünften (ersten) am Vorderfuß und 3 Zehen am Hinterfuß.
Bei dem wenig größern Orohippus aus der nächst höhern Gruppe der Eocänschichten ist die rudimentäre erste Zehe des Vorderfußes
ganz verschwunden, die Ulna und Fibula
[* 17] sind wohl entwickelt. Wieder um einen Schritt näherte sich unserm
jetzigen Pferde der Mesohippus von der Größe eines Schafes aus dem untern Miocän; hier finden sich auch an den Vorderfüßen
nur noch drei Zehen nebst einem Knochensplitter der vierten, an den Hinterfüßen drei Zehen; Radius und Ulna sowie Tibia und
Fibula sind gesondert. In der obern Miocänschicht tritt der größere Miohippus auf, welcher sich
dem europäischen Anchitherium nähert, drei vollständige Zehen, von denen die beiden seitlichen kleiner als die mittlere
sind, und außerdem ein Rudiment der fünften Zehe besitzt. Die Gattung Protohippus aus dem untern Pliocän erreicht die Größe
eines Esels und entspricht dem Hipparion. Sie besitzt an jedem Fuß eine große und zwei
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mehr
kleine Zehen und die oben erwähnten Charaktere des Unterarms und Unterschenkel, doch fehlen gewisse Eigentümlichkeiten des
Hipparion, durch welche letzteres sich mehr als Glied
[* 19] eines Seitenastes denn als direkter Ahn des Pferdes kundgibt. In den Pliocänschichten
findet sich ferner noch der Pliohippus, bei welchem schon die kleinen Hufe der beiden seitlichen Zehen
abgeworfen sind und auch in andrer Beziehung die Pferdeähnlichkeit gesteigert ist. Aber erst in den obersten Pliocänschichten
tritt die GattungEquus selbst auf den Schauplatz, um sich in der posttertiären Zeit über ganz Nord- und Südamerika zu verbreiten
und bald nachher, lange vor derEntdeckung der Neuen Welt durch die Europäer, auszusterben.
Die ganze Reihe der Vorfahren des Pferdes kennzeichnet noch eine stetige und so starke Erweiterung der Gehirnhöhle, daß
das Gehirn
[* 20] in bedeutend stärkerm Maß als der Körper an Größe zunahm. Europa wurde seit dem Beginn der Diluvialperiode von
wilden Pferden bewohnt, welche von den heutigen gezähmten Pferden spezifisch nicht zu trennen sind.
Namentlich für Mitteleuropa läßt sich das Pferd für die ganze Zeit vom Beginn der Diluvialperiode bis zur Gegenwart kontinuierlich
nachweisen.
Bei der steppenartigen Beschaffenheit Mitteleuropas nach der Eiszeit
[* 21] fand es hier günstigste Existenzbedingungen, und erst
mit dem Vordringen des Waldes zog es sich nach Osten zurück, während die zurückbleibenden Tiere degenerierten.
Das diluviale Steppenpferd war starkknochig, dickköpfig, 1,5 m hoch, während das Pferd der spätern Periode nur 1,35 m erreichte
und dünne Knochen
[* 22] besaß. Diese Degeneration hängt offenbar mit der beginnenden Ausnutzung des Pferdes durch Menschen, die
noch auf sehr niedriger Kulturstufe sich befanden, zusammen und zeigt sich in ähnlicher Weise überall
in der Geschichte der Haustiere.
Wurde nun das diluviale Pferd Mitteleuropas ganz allgemein gezähmt, so gelangten doch auch durch den Handelsverkehr fremde
Pferde, namentlich aus Mittelasien, nach Europa, und von diesen fremden Pferden hat man sogar die jetzigen Pferde, jedenfalls mit Unrecht,
ausschließlich ableiten wollen. Alle diese alten Pferde waren nur klein, und erst nach der Zeit Karls d. Gr., mit dem geschichtlichen
Auftreten der Normannen scheint ein größerer Pferdeschlag gezogen worden zu sein, der dann allmählich bis zu dem Londoner
Brauerpferd herangewachsen
ist.
Man kann deshalb seit der angegebenen Zeit den ältern orientalische Typus von dem jüngern norischen
unterscheiden, und es lassen diese beiden Typen, die allerdings selten ganz rein auftreten, charakteristische Verschiedenheiten
besonders im Bau des Schädels und Beckens erkennen. Außerdem sind die Horngebilde, wie Haare
[* 23] u. Hornwarzen, dicker, dichter,
erstere auch gekräuselt beim norischen Pferd, während bei dem orientalische Pferde das Haar
[* 24] dünn, fein
und schlicht ist und die Hornwarzen klein sind.
Eine Einteilung in zwei Klassen läßt sich indessen auf diese Unterschiede hin deshalb nicht gut durchführen, weil eben der
norische Typus sich kaum ganz unvermischt erhalten hat u. vielfach mit dem orientalische durchkreuzt
worden ist, seitdem mit dem Aufhören des Rittertums das schwerere norische Pferd seine erlangte Bedeutung
wieder verloren hatte. Damals, zur Zeit des Rittertums, war der Streithengst, welcher bis 400 Pfd.
Gewicht zu tragen hatte, Existenzbedingung und Mittel zur Standesbevorzugung; mit der Erfindung des Pulvers u. dem Aufhören
der Turniere fanden schwere Pferde keine Verwendung mehr, da die Kutschen noch nicht in allgemeine Aufnahme
gekommen waren, der Ackerbau nur den Boden ritzte und auch der Reiter nun schnell und gewandt sein mußte. Es macht sich deshalb
der Einfluß des orientalischen Pferdes in allen Züchtungen mehr oder weniger geltend.
Man unterscheidet das braune, rote (Fuchs),
[* 25] falbe (Isabelle), schwarze und weiße Haar (bei weiß gebornen Schimmeln) und von
gemischten Haaren das Stichelhaar, das unveränderte und veränderliche Schimmelhaar, das Tigerhaar und das
gescheckte Haar. Die Haarfärbung verändert sich periodisch beim jährlich wiederkehrenden Haarwechsel und all-
[* 18]
^[Abb.: Benennung der äußern Teile des Pferdes.]
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mehr
mählich in den verschiedenen Altersstufen. Die Füllen kommen mit einem dicken, wolligen Haar zur Welt, das sie nach einigen
Monaten abwerfen; mit dieser Metamorphose ändert sich auch gewöhnlich die Farbe. Alle Haarfärbungen haben die Neigung, bei
zunehmendem Alter sich mit grauen Haaren zu mischen, besonders das veränderliche Schimmelhaar, das alle
Nüancen von Schwarz bis Weiß durchläuft.
Das Alter der Pferde bestimmt man am sichersten nach den Zähnen, besonders nach den Schneidezähnen des Unterkiefers. Man unterscheidet
zunächst die Milch- oder Fohlenzähne, die kleiner, steiler gestellt und am Zahnfleischrand mehr eingeschnürt sind als die
bleibenden Pferdezähne. Die obere Fläche der Zähne, die Reibfläche, besitzt an den Füllenzähnen und
an den bleibenden Pferdezähnen in der Mitte eine schwarzbraune mit Weinstein etc. ausgefüllte Vertiefung (Kunde, Bohne).
Das neugeborne Füllen hat entweder schon bei der Geburt oder doch in den ersten 14 Tagen nach der Geburt in jedem Kiefer zwei
Schneidezähne (Zangen) und die drei ersten Backenzähne. Mit 4 Wochen ungefähr erscheinen zwei weitere
Schneidezähne (Mittelzähne) und nach 6-9 Monaten die beiden letzten (Eckzähne). Mit diesen Eckzähnen bricht auch der vierte
Backenzahn durch. Da sich nun die Zähne durch den Gebrauch in ziemlich gleichmäßiger Weise abnutzen und sich in der Form
nach der Wurzel
[* 27] zu verändern, so kann man aus dieser Veränderung der Reibfläche einen Schluß auf das
Alter machen.
Mit 1½ Jahren ist an den Zangen die Kunde verschwunden, während sie an den Mittelzähnen noch als brauner Fleck sichtbar, an den
Eckzähnen aber noch vorhanden ist. Am Ende des zweiten Jahrs bricht der fünfte Backenzahn durch, und
mit der Vollendung des zweiten Jahrs verschwindet auch die Kunde an den Eckzähnen. Es tritt nun der Wechsel der Schneidezähne
und der Backenzähne ein, und zwar wechseln mit 2½ Jahren zunächst die Zangen und fast gleichzeitig der erste und zweite
Backenzahn, während der fünfte zum Durchbruch kommt.
es findet sich außerdem an den Eckzähnen des
Oberkiefers mit dem 9. Jahr der sogen. Einbiß.
Mit dem Abschluß dieser Periode verschwinden auch allmählich
die Spuren der Kunden und gehen in runde, weiße Flecke über. Mit dem 12. Jahr nehmen die bisher quer ovalen Schneidezähne
eine rundliche Form an, und es verhält sich die Breite zur Tiefe wie 5:4. Die Stellung der Zähne in den beiden Kiefern verändert
sich in der
Art, daß beide Reihen in einem ziemlich spitzen Winkel
[* 30] zusammenstoßen. Die Hakenzähne verlieren
die kleinen, furchenartigen Vertiefungen und werden stumpfer.
Zwischen dem 13. und 15. Jahr bildet sich nochmals am obern Eckzahn ein Einbiß. Mit dem 15. Jahr ist die Reibfläche an den
Zangen so tief wie breit. Mit 16 Jahren tritt dieses Verhältnis an den Mittelzähnen ein, mit 17 Jahren an den
Eckzähnen. Nach dieser Zeit werden die Zähne dreieckig, die Tiefe übertrifft die Breite, und die Zähne erscheinen lang.
Das Jüngermachen der Pferde durch Herstellung einer falschen Kunde, welches früher gebräuchlich war, ist jetzt aus der Mode
gekommen; diese betrügerische Manipulation war auch leicht daran zu erkennen, daß an der falschen Kunde
der die echte umgebende Schmelzung fehlte; dafür aber ist das Ältermachen junger Pferde durch Ausbrechen der Fohlenzähne sehr
in Aufnahme gekommen. Über die Gangarten des Pferdes s. d. Mit Blut bezeichnet man im allgemeinen die Abstammung der
Pferde aus edlen Geschlechtern, mit Vollblut hingegen jetzt usancemäßig ausschließlich das englische Vollblutpferd.
Das arabische Pferd (s. Tafel I,
[* 26]
Fig. 1), die älteste uns bekannte Rasse und zugleich die edelste. Die edelsten Exemplare derselben
sollen auf dem Hochplateau Mittelarabiens gezüchtet werden; da sie aber nicht in den Handel kommen, so
weiß man fast nichts über diese Zucht. Bekannter sind die Pferde, die von den Arabern an die Grenzen
[* 31] von Syrien, Palästina
[* 32] etc.
gebracht werden. Die edlern derselben sind ungefähr 1,5 m groß, haben einen trocknen, geraden
oder in der Nase
[* 33] etwas konkaven Kopf, einen feinen, hübsch gebogenen Hals mit dünner, seidenartiger Mähne,
einen ziemlich scharfen Widerrist, einen nicht zu breiten, aber geräumigen Brustkasten mit häufig etwas steilen Schultern,
einen geraden Rücken und eine ebensolche Kruppe, an die sich ein hoch angesetzter, bogenartig getragener Schweif mit seinem
Haar anschließt, und sehr klare, trockne, feste Beine, die nur in den Fesseln zuweilen verstellt und weich
sind.
Diese Tiere besitzen bei großer Anspruchslosigkeit in der Fütterung eine starke Ausdauer und ein sehr frommes, williges Naturell.
Am beliebtesten ist die Schimmelfarbe. Die gemeinern Pferde (Kadischi) sind gröber und auch größer. Nahe verwandt sind mit
den arabischen Pferden die ägyptischen und die an der nordafrikanischen Küste gezogenen Berber-Pferde. Letztere unterscheiden sich
durch einen in der Nase mehr konvexen Kopf und eine gesenktere, ovale Kruppe von den edlen Arabern. Auch die Pferde der asiatischen
Türkei
[* 34] (Turkomanen) sind mehr oder weniger mit den arabischen identisch, nur etwas substantieller und
nicht ganz so edel wie diese. Das persische Pferd, schon im Altertum berühmt (nyssäische Gefilde), ist etwas größer als
das arabische, aber sehr feurig. Die Mongolei und Tatarei ist reich an halbwild lebenden Pferden, die, wenn auch nicht sehr
ansprechend in der Form, doch sehr zäh und ausdauernd sind.
In Europa nimmt gegenwärtig England die erste Stelle in der Pferdezucht
[* 35] ein und hat durch ein konsequentes Streben nach bewußten
Zuchtzielen ebenso mannigfaltig wie gute Pferdeschläge erzielt. Das englische Vollblutpferd (Tafel I,
[* 26]
Fig.
2), aus einer Vermischung orientalischer Hengste teils mit ebensolchen, teils mit einheimischen Landstuten hervorgegangen
und dann in sich nach Schnelligkeit weiter gezüchtet, muß, um als solches zu gelten, im
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