Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/85341

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt, zum Zwecke einer grösseren Nahrungsmittelproduktion bestimmte gesetzliche Bestimmungen im Landwirtschaftsbereich zu überarbeiten und Brachen und Buntbrachen abzuschaffen. Zur Förderung der Artenvielfalt müssen Mittel eingesetzt werden, welche die Nahrungsmittelproduktion nicht beeinträchtigen.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat hat verschiedentlich zu Fragen der Ernährungssicherheit und des Selbstversorgungsgrades Stellung genommen, u. a. im Rahmen der Motion Schibli vom 20. Dezember 2006 (06.3880, Förderung der inländischen Nahrungsmittelproduktion) und der dringlichen Interpellation der grünen Fraktion vom 26. Mai 2008 (08.3243, Ernährungskrise und Lebensmittelsicherheit). Im Wesentlichen wurde festgestellt, dass:</p><p>- der Selbstversorgungsgrad (SVG) in den Jahren 2004-2006 59 Prozent betrug. Die Schweiz verfügte 1950 über einen vergleichbaren SVG, wobei die Bevölkerungszahl damals deutlich geringer war. Länder mit einem höheren Selbstversorgungsgrad als die Schweiz verfügen auch über eine grössere landwirtschaftliche Nutzfläche pro Einwohner;</p><p>- der intensiven Bodennutzung und damit einem weiteren Wachstum der landwirtschaftlichen Produktion durch das Erfordernis der ökologischen Nachhaltigkeit Grenzen gesetzt sind;</p><p>- der Flächenverbrauch für die Biotreibstoffproduktion, die Änderung der Konsumgewohnheiten in Ländern mit hohem Wirtschaftswachstum sowie die Spekulation mit Nahrungsmitteln den Anstieg der Weltmarktpreise für Agrarrohstoffe gefördert haben.</p><p>Im Jahre 2006 wurden 3214 Hektaren Ackerland als Bunt- oder Rotationsbrachen bewirtschaftet. Gemessen an der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Schweiz beträgt der Anteil Bunt- und Rotationsbrachen 0,3 Prozent. Veränderungen beim Selbstversorgungsgrad hängen viel stärker von den Faktoren Wetter, Marktpreis und Fläche pro Kopf der Bevölkerung ab. </p><p>Die Anlage von 7 Prozent ökologischer Ausgleichsfläche (öAF) auf jedem Landwirtschaftsbetrieb ist ein wesentlicher Bestandteil des ökologischen Leistungsnachweises. In intensiven Ackerbaugebieten sind viehlose Betriebe auf diese Elemente angewiesen, da sie ihren Anteil an öAF nicht mit extensiv und wenig intensiv genutzten Wiesen erfüllen können. Bunt- und Rotationsbrachen sind hier wichtige Elemente der Vernetzung. Buntbrachen erfüllen wertvolle ökologische Funktionen für Fauna und Flora und sind damit durch die Gewährleistung der funktionalen Biodiversität Grundlage für die langfristige Erhaltung der Versorgungssicherheit. Die spezifischen Funktionen von Buntbrachen sind nicht ersetzbar durch andere ökologische Ausgleichsflächen wie Hecken oder extensive Wiesen. In einer durch die Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon durchgeführten Evaluation wurde festgehalten, dass Bunt- und Rotationsbrachen ein wirksames Instrument zur Erhaltung und Förderung der Biodiversität im Ackerbaugebiet sind.</p><p>Bunt- und Rotationsbrachen können bei Versorgungsengpässen wieder in die Produktion genommen werden. Anders verhält es sich mit dem irreversiblen Verlust von fruchtbarem Kulturland durch Versiegelung und Verwaldung.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.