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Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Niederrhein D
Warum heisst es „Ballonfahrt“ und nicht „Ballonflug“? In der Luftfahrt spricht man vom „fliegen“, wenn der Auftrieb durch die Bewegung des Fluggerätes oder wesentlicher Teile von ihm (wie z. B. der Rotor eines Hubschraubers) in der Luft erfolgt. Sobald dies nicht der Fall ist, sondern Auftrieb und Bewegung (weitgehend) unabhängig voneinander sind, spricht man also wiederum vom „fahren“. Man fährt im Himmel „wie auf dem Meer“.
Erwärmte Luft ist leichter als die normale Luft, der Gewichtsverlust entspricht dem Gewicht des Ballons mit Korb und der Nutzlast, mit ihr der Passagiere, deshalb steigt der Ballon in die Höhe. Die Luft muss immer nachgewärmt werden, damit der Ballon steigt oder nicht sinkt.
In der Ballonfahrt geht es nicht ohne historische Hintergründe. Die Gebrüder Montgolfier erfanden sie, jedenfalls in Europa, denn in China gab es bereits kleine unbemannte Ballons.
Die Passagiere der ersten Ballonfahrt im Juni 1753 waren ein Hahn, eine Ente und ein Hammel, für die 2. Fahrt waren eigentlich 2 zum Tode verurteilte Verbrecher vorgesehen. Dachte man doch, wahrscheinlich überstehen sie die Fahrt nicht lebendig. Die Lufthoheit aber sollte dem Adel gehören, und so fanden sich 2 Adlige, Jean-François Pilatre de Rozier und der Gardeoffizier François d’Arlandes, die am 21. November 1783 aus dem Garten des Schlosses La Muette bei Paris mit einem Heissluftballon aufstiegen.
Seitdem gilt, dass Ballonfahrer adlig sein müssen. Um das zu werden, gehört zur ersten Ballonfahrt eine Taufe „mit Feuer und Sekt“, es werden ein paar Kopfhaare angezündet und gleich mit Sekt gelöscht.
Seit dem 24.08.2012 bin ich adlig, ausgewiesen durch eine Urkunde. Ich heisse „Baron von Alpen“. Alpen ist der Ort am Niederrhein, nicht weit von Wesel, Rheinberg und Duisburg entfernt, über den wir im Ballon gefahren sind.
Die Ballonfahrt wurde mir zum Abschied aus meinem Berufsleben von meinen Arbeitskollegen geschenkt. Ich hatte viel Geduld aufbringen müssen, mehrere Termine mussten ein paar Stunden vor der Fahrt wegen schlechten Wetters und zu starken Winden abgesagt werden. Dieses Mal aber klappte es, gemäss zweiter Nachfrage. Das Wetter drohte wieder umzuschlagen. Die Fahrt wurde dann doch zugesagt.
Geduld war dennoch erforderlich. Der eine der Mitfahrer fand den Sammelplatz erst eine halbe Stunde nach dem Termin, und dann musste noch der Abfahrtsplatz erreicht und das Fluggerät aufgebaut werden. Alle 5 Passagiere, wir waren eine Seniorengruppe, keiner der 4 Männer und auch die einzige Frau waren unter 60 Jahre alt. Wir mussten mithelfen, den Korb mit dem Brenner zu versehen und ihn mit dem ausgelegten und mittels eines Ventilators mit Luft gefüllten Ballon aufzurichten. Der Korb musste erklommen werden. Er war geteilt, in 2 Dritteln standen wir, im weiteren Drittel stand der Ballonführer, Bennie Eimers, der die Gasflaschen und die Technik bedienen musste.
Langsam stieg der riesige Ballon mit uns im Korb darunter nach oben. Immer wieder musste die laute Gasflamme die Luft im Ballon erwärmen und warmhalten. Die Landschaft unter uns wurde immer kleiner und bekam die Masse einer Modellanlage mit Bahnlinie, Autobahn und Strassen, einigen Fabriken, Kraftwerken und Lagerhäusern, Bauernhäusern und riesigen Feldern, abgeerntete und mit Mais, dem Rhein mit seinen Windungen, auf dem die Schiffe in beide Richtungen fuhren. Von Weitem sah man die neue Rheinbrücke bei Wesel.
Die Geräusche der Autos auf der Autobahn drangen bis in die Höhe, erst oberhalb von 500 m waren sie nur noch leise zu hören. Am Himmel waren weitere Ballons zu sehen, ein Doppeldeckerflugzeug flog ein Stück entfernt davon.
Es war ein wenig beengt im Korb, aber immer noch genug Platz, um sich zu bewegen. Ich hatte nicht das Gefühl, auf schwankenden Brettern zu stehen, etwa so wie auf einem Schiff. Ich stand fest; der Ballon schwankte nicht. Ich hatte die Schwerkraft überwunden und befand mich mitten in der Luft. Ich fühlte mich losgelöst und völlig entspannt. Angst hatte ich auch vorher nicht gehabt, und auch unsere Mitfahrerin bestätigte, dass ihre anfängliche Angst buchstäblich „verflogen“, pardon, „verfahren“ war.
Von Weitem sah man die angekündigte Schlechtwetterfront. Nach etwa einer Stunde ging das Gas in den Flaschen zur Neige. Langsam fuhren wir der Erde zu. Ein ausgeguckter Landeplatz in der Nähe einer Pferdekoppel, mit Pferden, die schon unruhig wurden, ein anderer in der Nähe von Schafen auf einer Weide, wurden wieder verworfen. Ein abgeerntetes Getreidefeld wurde angepeilt. Wir streiften ein paar Baumspitzen, „Hände bitte im Korb lassen“, denn Verletzungen sollten vermieden werden. Es gab ein paar Instruktionen zur Landung, und mit einem kurzem Ruck standen wir schon auf dem Feld. 2 Passagiere stiegen aus, der Ballonfahrer gab kurz Gas und so konnte das Gefährt leicht, ein paar Zentimeter über dem Grund, zum Feldrand gezogen werden.
Der Begleitbus mit Anhänger war uns auf der Erde gefolgt, ebenso wie eine interessierte Familie mit einem kleinen Mädchen. So gingen der Abbau und das Einpacken des Equipments schnell vonstatten. Kaum waren wir fertig und die Taufzeremonie beendet, spürte man die ersten Tropfen der Regenfront, die wir oben in der Luft gesehen hatten. Danach begann es in Strömen zu regnen. Der Himmel weinte, denn wir waren wieder auf der Erde.
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