Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03588.jsonl.gz/1362

Die Gegner des Replay-TV führen mit 1:0. Die Fernmeldekommission hat sich deutlich für Einschränkungen beim zeitversetzten Fernsehen ausgesprochen. Das soll sich nun ändern.
Die Fernmeldekommission des Nationalrats will das zeitversetzte Fernsehen nur noch mit Zustimmung der TV-Sender zulassen. Das hat die Kommission bei den Beratungen zur Revision des Fernmeldegesetzes am Dienstag beschlossen.
Für die Einschränkungen beim Replay-TV hat sich die Kommission mit 17 zu 4 Stimmen bei 3 Enthaltungen ausgesprochen. Demnach sollen Swisscom, UPC, Sunrise und Co. künftig TV-Programme «nur zeitgleich, unverändert und vollständig weiterverbreiten dürfen» – es sei denn, der Sender stimmt etwas anderem zu. Im Klartext soll so das Überspringen der Werbung beim Replay-TV verhindert werden.
Die Kommission wolle damit erreichen, dass die schweizerischen TV-Sender die Bedingungen für die Übernahme ihrer Programme ins zeitversetzte Fernsehen mit TV-Verbreitern wie Swisscom, Wilmaa, Teleboy etc. einzeln verhandeln dürften, heisst es in der Mitteilung. Allerdings zahlen die TV-Verbreiter den TV-Sendern schon heute 1.60 Franken pro Abonnent und Monat für die Replay-Funktion. Künftig dürfte dies deutlich teurer werden – sofern das Parlament der Empfehlung der Kommission folgt.
Die TV-Sender argumentierten im Vorfeld, ihnen gingen durch zeitversetztes Fernsehen Werbeeinnahmen von über 100 Millionen Franken pro Jahr verloren, denn Replay-TV ermöglicht es mit einem kostenpflichtigen Abo, Sendungen bis zu sieben Tage später anzuschauen und dabei Werbeblöcke zu umgehen.
Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) hatte entsprechende Pläne im Vorfeld kritisiert und vor einem «klammheimlichen Angriff» auf das zeitversetzte Fernsehen im Parlament gewarnt. Die Konsumentenschützer sehen den zeitversetzten TV-Konsum in Gefahr.
Die Gegner des Replay-TV argumentieren, dass die schrumpfenden Werbeeinnahmen die Qualität und Vielfalt des TV-Programms gefährden. Die SKS hält dagegen, dass das zeitversetzte Fernsehen den TV-Konsum und somit auch die Werbeeinnahmen insgesamt steigere.
Falls die Spulfunktionen für Werbeblöcke nur noch mit der Zustimmung des Senders möglich wären, sei mit weitreichenden Auswirkungen zu rechnen. So sei etwa zu befürchten, dass nur grosse Unternehmungen wie Swisscom und UPC die finanziellen Mittel aufbringen können, um sich von den Sendern die Rechte für Replay-Angebote zu erkaufen.
«Spezialisierte Anbieter wie Zattoo, Wilmaa oder Teleboy könnten gar vom Markt verschwinden», warnte die Stiftung. Denn finanzstarke Firmen könnten vermutlich bessere Deals mit den TV-Sendern aushandeln als kleine Anbieter. Auch markante Preisanstiege bei den TV-Abos seien zu erwarten, da die TV-Verbreiter die Mehrkosten teils an die Konsumenten überwälzen dürften.
Ausserdem sei die Einschränkung des Replay-TVs ein Rückschritt in die Steinzeit: «Wer sich eine Sendung zu einem späteren Zeitpunkt anschauen will, müsste diese – wie vor Jahrzehnten – wieder mit dem Videorekorder aufnehmen», schrieb die SKS. Paradoxerweise wäre damit das Überspulen von Werbung weiterhin problemlos möglich.
Der Beschluss der Fernmeldekommission ist ein Etappensieg für die TV-Sender, bedeutet allerdings noch längst nicht das Ende des zeitversetzten Fernsehens. Mit der Swisscom haben auch die Befürworter des Replay-TV eine mächtige Lobbyistin im Parlament. Zudem dürften sich viele Parlamentarier noch keine feste Meinung zu diesem Thema gebildet haben.
6,783 Votes zu: Wie schaust du am liebsten Fernsehen?
(oli/sda)
Am 25. November stimmen wir über die Selbstbestimmungs-Initiative (SBI) der SVP ab. Auf der watson-Redaktion trafen sich Initiativ-Gegnerin Laura Zimmermann von der Operation Libero und Jung-SVP-Präsident Benjamin Fischer zum hitzigen Schlagabtausch – und schenkten sich nichts.
«Direkte Demokratie vor gierigen Grosskonzernen!» Mit dieser Parole trat die Junge SVP auf dem Bundesplatz auf, als die Economiesuisse gegen die SBI warb. Herr Fischer, sind Sie im Herzen ein Jungsozialist?Benjamin Fischer: Nein, natürlich nicht. Wir wollten aufzeigen, wessen Interessen die Economiesuisse hier wirklich vertritt. Es sind jene der internationalen Grosskonzerne, deren Spitzen eigentlich nichts mehr mit der Schweiz zu tun haben und demzufolge auch kein Verständnis für die …