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80% des weltweit gehandelten Kaffees wird von Kleinbauern und –bäuerinnen produziert (i.e. Besitz weniger als 10 Hektar Land. Zum Vergleich: Schweizer Bauern verfügen durchschnittlich über 17 Hektar Landwirtschaftsfläche. Die Arbeitsbedingungen auf den Kaffeeplantagen sind hart. In den hoch gelegenen, oft steilen Gebieten, in denen der Kaffee wächst, muss viel Arbeit von Hand erledigt werden. Trotz dieser mühseligen und zeitintensiven Arbeit können viele KleinproduzentInnen kaum von ihrer Arbeit leben. Die tiefen Einnahmen reichen kaum, um die Lebenshaltungskosten zu decken. Des Weiteren führt die Geldnot vielerorts dazu, dass auch Kinder auf den Plantagen arbeiten –viele Familien sind auf das Einkommen der Kinder angewiesen.
Der Weltmarktpreis von Kaffee unterliegt massiven Preisschwankungen. ProduzentInnen stehen ganz am Anfang der Verarbeitungskette und unterliegen den Preisfluktuationen, ausgelöst durch Preisspekulationen, Angebot und Nachfrage etc. Die Abhängigkeit von jeglichem Einkommen zwingt sie, die gebotenen Preise zu akzeptieren. Die kleinen Anbauflächen der ProduzentInnen liefern zudem nur kleine Erträge und das daraus resultierende Einkommen verunmöglicht jegliche Investition in eine grössere Anbaufläche – ProduzentInnen bleiben so in einer Armutsspirale gefangen.
Die Arbeit auf Kaffeeplantagen führt auch zu gesundheitlichen Schäden. Einerseits hinterlässt die strenge physische Arbeit ihre Spuren, andererseits ist auf konventionellen Kaffeeplantagen der Einsatz von Pflanzenschutzmittel nicht geregelt. PlantagenarbeiterInnen sind den Giftstoffen häufig ohne adäquate Schutzkleidung ausgeliefert. Auch für die umliegenden Böden, Gewässer und Lebewesen hat der unkontrollierte Einsatz dieser Mittel verehrende Folgen.
Der Klimawandel gefährdet den Kaffee
Der Klimawandel stellt eine grosse Existenzbedrohung für KaffeeproduzentInnen dar. Die höher werdenden Temperaturen sind vernichtend für die temperaturempfindlichen Kaffeepflanzen. Eine Lösung würde das Verlegen der Plantage in höher gelegene Gebiete darstellen. Kaffeebauern und –bäuerinnen fehlen dazu jedoch die finanziellen Mittel. Die wärmeren Temperaturen bieten Nährboden für Schädlinge wie den Kaffeerost, der zu Ernteausfällen ganzer Landesteile führen kann. Vermehrte Dürren und Überschwemmungen können ebenfalls eine Ernte zerstören. Ein Ernteausfall ist für eine Bauernfamilie ruinös.
Der Faire Handel bietet Lösungen
Der Faire Handel verbessert durch einen fixen Mindestpreis das Einkommen und sorgt so für finanzielle Stabilität der Kleinbauern und –bäuerinnen. Fair Trade-Kaffee wird direkt bei den ProduzentInnen(-kooperativen) bezogen. Zwischenhändler fallen also weg, was zu einem besseren Preis für die ProduzentInnen führt. Durch die Förderung von ProduzentInnenkooperativen verhilft der Faire Handel den ProduzentInnen zu mehr Selbstbestimmung und stärkt ihre Verhandlungsposition gegenüber KaffeehändlerInnen. Zusätzlich zum Mindestpreis wird eine Fair Trade-Prämie an die ProduzentInnenkooperativen bezahlt. Diese wird in örtliche Infrastrukturmassnahmen, wie Schulen, Spitäler, aber auch Technologien zur Produktionssteigerung investiert. Der Faire Handel steht für transparente Lieferketten. Der Kaffee kann bis auf das Gut, wo er angebaut wurde, zurückverfolgt werden.
Die Fair Trade-Standards verpflichten die ProduzentInnen zur Einhaltung der internationalen Arbeitsrechtskonventionen (ILO-Konventionen) und verbieten Kinderarbeit. Regelmässige unabhängige Kontrollen stellen die Einhaltung diese Richtlinien sicher. Des Weiteren schreiben sie klare Regeln betreffend dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und dem Schutz natürlicher Ressourcen vor. Biodiverse und biologische Anbaumethoden werden gefördert.
Wirkung des Fairen Handels vor Ort
Die Wirkung fairer Handelsbeziehungen ist wissenschaftlich messbar, so belegen zahlreiche Studien, dass sich die Lebensqualität der ProduzentInnen, aber auch jene der gesamten Gemeinde verbessert. Nelson et al. (2016) vergleicht in seiner Impactstudie beispielsweise die Wirkung verschiedener Labels, darunter die Zertifizierungen Fairtrade und Bio, auf das Einkommen von Kaffee-Kleinbauern/-bäuerinnen und ProduzentInnenkooperativen in vier verschiedenen Produktionsländern. Die Ergebnisse zeigen, dass sich von den untersuchten Labels Fairtrade sehr positiv auf die Lebensqualität der Bauern und Bäuerinnen sowie auch auf die ganze Gemeinde auswirkt. Die Fair Trade-Prämie generiert zwar keinen monetären Wert für die ProduzentInnen, ermöglicht ihnen aber den Bau von wichtigen Infrastrukturmassnahmen, wie z. B. Schulen und Krankenhäusern, oder die Realisierung von Produktionssteigerungsmassnahmen, die sich indirekt wieder ökonomisch auswirken. Die Lebensstandards werden auch durch die strengeren arbeitsrechtlichen Massnahmen verbessert. So profitieren ProduzentInnen und Produzenten beispielsweise von einer Krankenversicherung oder vom Kündigungsschutz bei Krankheit.