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Karl Troger
Inhaltsverzeichnis
Lebensdaten
Profess: 4. November 1637
Priesterweihe: 1645
Primiz: 27. Juli 1645
Pfarrer von Engelberg: 1645–1650, 1652–1653, 1663–1664
Lehrer der Theologie und Philosophie für die Fratres: 1645–1653
Kapitelssekretär und apostolischer Notar: 1645–1653
Fratresinstruktor: 1645–1653
Novizenmeister: 1645–1653
Subprior: 1653
Pfarrer in Auw: 1653–1661
Pfarrer und Ökonom in Sins: 1670–1681
Prior: 1681–1697
Beziehungsnetz
Verwandtschaft
Sohn des Ritters Johann Wilhelm und der Katharina Imhof.
Geschwister: Anna Maria Lusser und Johann Heinrich Troger.
Weitere Verwandtschaft:
- Abt Hieronymus Troger, OSB, Kloster Muri
- Abt Franz Troger, OSB, Kloster Fischingen
- P. Meinrad Troger, OSB, Konventuale im Benediktinerkloster Einsiedeln[1]
Lebensbeschreibung[2]
P. Karl stammte aus Uri. Hier kam er am 28. März 1621 als Sohn des Ritters Johann Wilhelm und der Katharina Imhof zur Welt und erhielt in der Taufe den Namen Franz Karl. Der Vater war Ratsherr,1606 bis 1608 Kirchenvogt und als solcher Bauherr der Pfarrkirche in Altdorf, 1610 Zeugherr und Landvogt zu Locarno, starb aber schon 1626.[3] Franz Karl besuchte als Fünfzehnjähriger die Schule der Jesuiten in Luzern.[4] sein Eintritt dort erfolgte am 23. Juni 1636. Wahrscheinlich hatte er vorher seine Studien der Lateinschule in Altdorf begonnen. Noch im gleichen Jahr klopfte er an der Klosterpforte in Engelberg an und legte im folgenden Jahr, am 4. November, die Profess ab auf den Namen des Tagesheiligen Karl Borromäus. Schwierigkeiten bot die Festlegung der Aussteuer an das Kloster für den jungen Kleriker. Nach dem Tod des Vaters hatten sich die Geschwister darauf geeinigt, aus dem väterlichen Erbe das der Familie gehörende Hofgut Rumentikon (Zug) zu überlassen. Aber die Regierung von Zug ging nicht darauf ein, weil die Gesetze der Toten Hand das verboten. So vereinbarte man eine Aussteuer von 2000 Gulden in Luzerner Währung. Die Bezahlung aber stiess auf weitere Schwierigkeiten.
Eine der Schwestern, Anna Maria, war mit dem Fähnrich Martin Lusser vermählt, der am 30. Januar 1652 verstorben war und für den man in Engelberg Gedächtnis hielt. Eine andere Schwester, Regina, war Gattin des Mathias Christen und Mutter des Goldschmieds Karl Christen. Eine dritte Schwester heiratete nach Mailand. Eine etwas tragische Gestalt war der Bruder, Johann Heinrich, der 1673 sich vom Nuntius zum Priesterweihen lassen wollte, aber wegen seines unsoliden Charakters nicht zugelassen wurde, obwohl für die Primiz in der Weihnachtswoche schon alles gerüstet war. Er zog später zur Schwester nach Mailand, starb schon 1639. In die Verwandtschaft des P. Karl gehörten auch die Äbte Hieronymus Troger von Muri und Franz Troger von Fischingen.
Die Philosophie studierte P. Karl im Kloster bei P. Simon Grab, der durch den Dreissigjährigen Krieg aus seiner Abtei Wiblingen vertrieben, in Engelberg Aufnahme gefunden hatte und auch hier starb. Als Lehrer der Philosophie wirkte damals auch der gebildete P. Dominik Mazugh. Zum Studium der Theologie wurde P. Karl nach Maria-Berg bei Rorschach gesandt, in dieser von St. Gallen betreuten Klosterschule widmete er sich von 1643 bis 1645 vor allem der regese und dem Kirchenrecht. 1645 erhielt er durch Nuntius Gavotti in Luzern die Priesterweihe und feierte am 25. Juli die Primiz. P. Karl war überaus vielseitig veranlagt, für die Seelsorge wie für geistliche Leitung und Verwaltungsaufgaben. Seine erste Stelle fand er als Pfarrer von Engelberg. Am 4. Dezember 1646 unterschreibt er als solcher die Ergänzung des Marchbriefes von 1435 mit Nidwalden. Er blieb bis 1650 im Amt, versah aber noch zweimal, 1652 bis 1653 und 1663 bis 1664 die Pfarrei. Gleichzeitig war er Lehrer der Theologie und Philosophie für die Fratres, war Kapitelssekretär und apostolischer Notar, Fratresinstruktor und Novizenmeister. 1653 erfolgte seine Ernennung zum Subprior. Von 1653 bis 1661 wirkte er als Pfarrer in Auw. 1670 war er wieder im Freiamt als Pfarrer und Statthalter in Sins. Hier wird besonders seine Gelehrsamkeit und sein massvolles Wesen betont, das ihn beliebt machte.
1681 ernannte ihn der neue Abt Gregor Fleischlin zu seinem Nachfolger im Priorat. Als Prior starb er am 17. Januar 1697 nach einem dreimaligen Schlaganfall. Er war in allen seinen Stellungen geschätzt, nicht zuletzt als gehaltvoller Prediger in den von ihm betreuten Pfarreien, wie auch auf fremden Kanzeln. So predigte er am 18. September 1681 bei der Grossen Engelweihe in Einsiedeln. Als Oberer war er die rechte Hand seines Abtes, der ihn gern und oft zur Erledigung von Rechtsgeschäften beizog, so im Verkehr mit dem Nuntius in Luzern. P. Karl war gelegentlich auch schriftstellerisch tätig, allerdings sind seine Arbeiten im Brand von 1729 verloren gegangen. Doch sind von ihm Kopien in Archiv und Bibliothek erhalten. Vor allem legte er 1680 ein interessantes Tagebuch an, das älteste erhaltene im Kloster Engelberg, das jedoch nur vom 2. Mai bis 26. Oktober reicht, aber auch so wertvolle Einblicke in das klösterliche Leben gewährt. 1660 besorgte er für Abt Ignaz Betschart Kopien kirchlicher und weltlicher Privilegien im Streit Nidwaldens mit Engelberg wegen der Kollaturen, der Pfarreigrenzen u.a.[5] Als Pfarrer war er Festprediger bei der Feierlichkeit zu Ehren des heiligen Franz Borgias S.J.[6] Am 12. Dezember 1671 findet sich der Eintrag: "Dem Jodoc Stalder Studioso, so mir mein Reissäckli hucusque getragen.[7]
Als vor dem ersten Villmerger Krieg 1656 die Reliquien des heiligen Leontius von Muri nach Luzern in Sicherheit gebracht wurden, wo sie Propst Jost Knab in Obhut nahm und nach der Schlacht wieder nach Muri zurückkehren sollten, erhielt P. Karl von Abt Bonaventura Honegger von Muri den ehrenvollen Auftrag, die heiligen Gebeine in einer Sänfte während der Nacht ein Stück weiter gegen Luzern hin zu führen und sie dann zum feierlichen Einzug am Morgen nach Muri zurückzubringen.[8] P. Maurus Krafft in Pfäfers widmete P. Karl die These: "Quaestiones philosophicae", welche seine Mitbrüder P. Gratian Landolt und P. Justus Zink 1646 in Pfäfers unter Leitung von P. Athamas Schneiter von St. Blasien zu verteidigen hatten, wobei P. Maurus bei den Oppugnanten war.[9] In dem Büchlein mit den Thesen der Patres Athanas a Castanea und Anselm von Atzigen, die sie unter Leitung des P. Ignaz Betschart verfassten, widmete P. Karl seinem Mitbruder P. Ignaz einige Distichen und unterschrieb als "Carolus Troger, Not. Apost. p.t. Parochus et Ven. Capituli Secretarius."[10] Am 4. Dezember 1672 ist er Ehrenpredigerbei der Einführung der Barbara-Bruderschaft in Dietwil.[11]1673 ist er für zwei Tage mit P. Prior Gregor Fleischlin in Luzern wegen einer Angelegenheit des Frauenklosters Sarnen.[12]
Ab 1652 war er mehrfach auf den Apotheker angewiesen. So bezog er am 4. Juli von Arnold Brugger in Zug ein Purgiertränklein, ein Digestivtränklein, Kraftlabmagen, Taubenkröpfliwasser u.a.[13] Dass er die geistigen Interessen nicht vernachlässigte, zeigt der Eintrag des P. Marian Rot in Sins: "Wegen P. Caroli Troger, gewesen Pfarrherr in Auw, han ich usgen dem König zu Basel für Bücher 133 Gulden 30 batzen.[14] Schliesslich sei aus dem erwähnten Tagebuch P. Karls der Eintrag zum 6. Oktober beispielhaft festgehalten: Zunächst zählt er die Gäste auf, die zur Einkleidung der Anna M. Stockmann, Tochter des Landsfähnrichs und Bergherrn zu Giswil gekommen waren. Das Essen dauerte bis halb vier Uhr nachmittags. P. Prior Gregor Fleischlin hatte mit dem Besuch die Visitation des Frauenklosters verbunden. Sie begannen morgens, nach sechs Uhr und alles dauerte bis abends sieben Uhr. Am 7. Oktober gingen P. Karl und er an das Grab von Bruder Klaus und zelebrierten dort für den kranken Abt Ignaz Betschart. Nach der Rückkehr führte P. Prior die Visitation weiter, während P. Karl die Beichten hörte. Den Ehrenwein am Abend stiftete Frau Sara Imfeld, Schwester der Frau M. Birgitta Imfeld zu St. Andreas, durch ihre Tochter Ursula. Auf der Heimkehr nach Engelberg übernachteten sie in Grafenort, wo sie in der Hauskapelle die Messe lasen. Am 9. Dezemebr 1680 schickte Abt Hieronymus von Muri Reliquien des heiligen Leontius an P. Karl [15] P. Karl starb am 17. Januar 1697, um halb ein Uhr mittags an einem Schlaganfall nach Empfang der heiligen Ölung. Er war jubilatus, vierzehn Jahre Prior dignissimus, ein grosser Muttergottesverehrer und ein Eiferer für die klösterliche Disziplin.[16] Er war Senior des Konventes gewesen.
Einzelnachweise
- Henggeler, Rudolf, Professbuch der fürstlichen Benediktinerabtei Unserer Lieben Frau von Einsiedeln, Monasticon-Benedictinum Helvetiae III. Band, Zug 1933, 300.
- Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von P. Gall Heer (StiArEbg Professbucheinräge) übernommen.
- Über die Eltern vgl. P. Plazidus Hartmann in: Archiv für Schweizer Heraldik 72, 1958, 16f.
- Glauser, Schülerverzeichnis, S. 85.
- StiArEbg Mappe Nidw. kirchlich 1660 ff.
- StiArEbg Rechnungsbuch Sins, 1670ff, auch 14. Aug. 1671.
- StiArEbg Rechnungsbuch Sins 1670, auf einer Reise von Engelberg nach Sins.
- Rohner, Franz, in: Freiämter Kalender 1949, 71ff.
- Luzern, David Hautt 1640. StiBiEbg cod. 601.
- StiBiEbg Her. g 15 im Anhang.
- StiArEbg Rechnungsbuch Sins.
- StiArEbg Rechnungsbuch Sins.
- StiArEbg Mappe Zug III.
- StiArEbg Inventar in Sins, 1642.
- Stückelberg, Geschichte der Reliquien in der Schweiz, S. 188. Es ist hier dem Autor ein Lapsus unterlaufen, indem er von Abt Karl statt von P. Karl spricht, der hier einzig in Frage kommt.
- StiArEbg cod. 394 (Pfarrbuch 1692–1728), Tabula Defunctorum II, 1692, 212ff.
Bibliographie
- Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 110.
- StiArEbg Professbucheintrag nach P. Gall Heer.