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Als frischgebackener, stolzer Besitzer eines Jaguar E Type FHC, Jahrgang 1962, stach mir auf einer in der «Automobil Revue» publizierten Liste der Markenclubs die Zeile «Jaguar E Type Club Swiss» (oder so ähnlich) natürlich sofort ins Auge. Dies war im Jahre 1977.
Klar, dass ich sofort an die dort angegebene Adresse schrieb. Nicht sehr viel später erhielt ich einen, auf einer selbst für damalige Verhältnisse steinalten Schreibmaschine geschriebenen Brief, auf dem auf dem äussersten oberen Rand geschrieben stand: «Sie sind eingeladen zu einem Jaguar Typ E Clup Swiss Treffen!», darunter Ort und Zeitpunkt. Die wenig professionelle Art dieser Mitteilung störte mich wenig, viel eher war ich erfreut, so einfach zu einem Treffen eines vermeintlich exklusiven Vereins eingeladen worden zu sein.
Jaguar hatte damals effektiv einen für mich sehr exklusiven Klang, und Mitglieder eines Jaguar-Clubs siedelte ich gesellschaftlich in weit höheren Sphären an als diejenigen, in denen ich mich als junger Student bewegte. Entsprechend ehrfürchtig fuhr ich zum Motel Egerkingen, wo das Treffen stattfinden sollte und entsprechend enttäuscht war ich, ausser meinem gerade noch zwei andere E Types anzutreffen.
Die anderen beiden hatten ein ähnliches Schreiben wie ich erhalten, aber vom Absender fehlte jede Spur… Es dämmerte uns bald, dass besagter Club gar noch nicht existierte. Immerhin tauschten wir unsere Adressen aus. Irgendwie an Details kann ich mich nicht mehr erinnern – gelangten wir noch an Adressen anderer E Type-Besitzer. Bald wurde klar, dass schon andere solche «Treffen» stattgefunden hatten, und da viele der daran Teilgenommenen effektiv an der Entstehung des vermeintlich bereits existierenden Clubs interessiert waren, eigigte man sich darauf, sich erneut zu versammeln, um die Möglichkeiten einer Gründung eines schweizerischen Jaguar E Clubs konkret zu erörtern.
Zu dieser Versammlung, die am 16. April 1978 wiederum in Egerkingen stattfand, erschienen dann immerhin rund 15 E Types. Obwohl mit dem Jaguar Driver’s Club Switzerland schon ein Verein bestand, der mindestens teilweise die Bedürfnisse der bei dieser Gelegenheit Versammelten abdeckte, entschied man sich bald, einen eigenen, in jeder Hinsicht eigenständigen Club zu gründen. Die Aufgaben, wie z.B. der Entwurf der Statuten, usw. wurden unbürokratisch verteilt und am 27. Mai 1978 fand dann im Hotel Rotes Haus in Gebenstorf tatsächlich die eigentliche Gründungsversammlung statt und unser Club wurde offiziell (Handelsregistereintrag als nicht-kommerzieller Verein gemäss OR) aus der Taufe gehoben!
Die Gründungsmitglieder verstanden sich untereinander ausgezeichnet, trotz – oder vielleicht gerade wegen – unterschiedlicher Berufsstände und Alters. Auch die bald neu Dazugekommenen integrierten sich glänzend, brachten neue, stimulierende Ideen mit, ohne dabei die bestehende, gute Stimmung zu verderben. Dies ist glücklicherweise bis heute so geblieben.
Obwohl damals eigentlich niemand grosse Erfahrungen damit hatte, wurden sogleich unbekümmert kleinere und grössere Treffen organisiert. Die Formel, dass diese auf Anhieb erfolgreich und bald allendhalben beliebt waren, war so simpel wie einleuchtend (und hat im Prinzip bis heute Gültigkeit): Man legt eine möglichst reizvolle Strecke fest, auf der die Autos bewegt werden sollen un räumt gleichzeitig genügend Zeit zur Befriedigung leiblicher (sprich: Essen und Trinken) und zwischenmenschlicher (sprich: Plaudern und Diskutieren) Bedürfnisse ein. Glücklicherweise konnten sich die «Fundamentalisten», nach deren Vorstellung jedes Treffen nach dem Schema «Wagen aufstellen – Motorhauben auf – über Autos sprechen – abfahren» hätte stattfinden sollen, nicht durchsetzen.
Damit soll nicht gesagt sein, dass Benzingespräche keinen wichtigen Bestandteil unserer Ausfahrten ausmachten. Im Gegenteil waren diese besonders in den Anfangsjahren ein zentraler Punkt, da der Erfahrungsaustausch und Instandsetzungsarbeiten (von kleineren Reparaturen bis zur Totalrevisionen) für viele die Triebfeder war, unserem Club beizutreten. Dazu muss man sich vorstellen, dass damals unsere E’s noch gar keine Oldtimer waren, sondern einfach hoffnungslos veraltete Autos, und praktisch keine auf Ersatzteile oder Unterhalt dieses Modells spezialisierten Betriebe existierten. Entsprechend befanden sich die E-Types unserer Mitglieder durchschnittlich in einem sehr viel schlechteren Zustand als heute und bei jeder Ausfahrt wurde an mehr als nur einem Wagen geschraubt und geflickt.
Was den Club aber effektiv zusammenhielt, war die Geselligkeit und die Freundschaft unter den Mitgliedern. Zwei Ausfahrten pro Jahr konnten hier nicht genügen, und so institutionalisierten sich schon bald die allmonatlichen «Clubhöcks». Auch die für die in den Sommerferien Daheimgebliebenen gedachte «Passfahrt» ist bis heute fester Bestandteil des Jahresprogramms geblieben. Es würde die Grenzen dieses Artikels bei weitem sprengen, würde ich alle durchgeführten Ausfahrten erwähnen, denn es gibt vermutlich nicht mehr viele Strassen in der Schweiz und im angrenzenden Ausland, über die eine Veranstaltung des SJETC nicht schon geführt hätte. Auch den einen oder anderen Anlass als besonders «denkwürdig» hier herauszustreichen, wäre all den anderen Veranstaltungen gegenüber unfair, denn jeder hatte seinen ganz besonderen Reiz, von der kurzen Abendfahrt bis hin zu mehrtägigen Ausfahrten.
Eine Ausnahme muss ich allerdings machen, und diese betrifft die Jubiläumsausfahrt anlässlich des zwanzigjährigen Geburtstages des Jaguar E Type. Gerade erst drei Jahre alt war der «SJETC», aber dessen völlig unbekümmert, organisierten wir am 6. bis 8. Juni 1981 ein «European E Type Meeting», zu dem über 65 (!) E’s nach Interlaken angereist kamen, wo wir unter anderem auf dem Militärflugplatz ein Viertelmeilen-Beschleunigungsrennen durchführten… Treffpunkt war damals der Marktplatz im Herzen von Basel absolut unvorstellbar heute!
Eine andere Episode, die hier nicht fehlen darf vielfach erzählt, aber bisher nie niedergeschrieben – betrifft das erste weihnächtliche «Club-Diner»– ebenfalls fester Bestandteil jedes Jahresprogramms – das damals noch profan «Chlaushöck» hiess. Dieser fand in einer Waldhütte irgendwo am Hauenstein statt und trotz heftigem Schneefall liess ich es mir nicht nehmen, im E Type dorthin zu fahren (Kunststück, ich hatte ja gar kein anderes Auto…). Edgar Maier, Gründungs- und langjähriger Präsident, hatte Raclette als Menu ausgewählt, und nachdem jeder seine zwei kleinen Kartoffeln mit einer biertellergrossen Portion Käse verspiesen hatte, blickte er in die Runde und meinte, wohl in Sorge um die Clubkasse, die damals noch die ganze Zeche des Clubdiners übernahm: «es hat ja wohl niemand mehr Hunger, oder will jemand eine zweite Portion?» Mir knurrt heute noch der Magen, aber auch ich schüttelte brav wie alle anderen den Kopf.
Unnötig zu erwähnen, dass wir uns trotzdem alle glänzend amüsierten, nicht nur bei dieser, sondern eigentlich bei allen bisherigen Veranstaltungen – und dies wird sicherlich auch in Zukunft so bleiben!
Peter Werdenberg, August 1998
Auch die «Neuzeit», d.h. die zweiten 20 Jahre der Clubgeschichte kennt ihre Episoden und Anektoten. Ein Anlass ist es sicher wert, herauszuheben: Das 20-Jahr-Jubiläum des Clubs im August 1998: Fast 50 E-Types gaben sich die Ehre und folgten der Einladung in die Zentralschweiz. Ein unvergessliches Bild bot sich den Teilnehmern und Zuschauern auf dem Seeplatz in Buochs NW: ein prall gefüllter Parkplatz mit einem der eindrucksvollsten Autos der Geschichte!
Es ist auch eine Zeit der Veränderungen: Nach erfolgreicher, 10jähriger Führung des SJETC als Präsident (vorher seit 10 Jahren als Vizepräsident) hat sich Peter Werdenberg an der GV vom April 2001 von diesem Amt aus privaten Gründen zurückgezogen. Der neugewählte Präsident Thomas Naef ist kein Unbekannter. Seine langjährige und sehr aktive Mitgliedschaft und sein Wirken im Vorstand (und Redaktor der Clubzeitschrift) haben ihn schon fast über die Landesgrenzen bekannt gemacht.
Zudem feierte der E Type im März 2001 sein 40jähriges Jubiläum. Auch der E Type der Serie 3 mit dem V12-Motor darf ein Jubiläum feiern: 30 Jahre!
Auch heute, oder gerade heute mit den ständig wechselnden Modetrends und der zu beobachtenden «Vereinheitlichung» und Optimierung des Stylings der «Plastikautos» ist der Anblick eines E-Types im Strassenbild eine wohltuende, zeitlose und immer noch eindrückliche Erscheinung!
Als ich 1994 voller Enthusiasmus dem Club beitrat und später in den Vorstand gewählt wurde, habe ich mir fest vorgenommen, die «Clubphilosopie» der Benzingespräche UND der Geselligkeit zu leben, zu pflegen und somit den Pioniergedanken der Gründungsmitglieder immer weiterzuführen!
Toni Kaufmann, Mai 2001