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Wohl Basel, Anfang 16. Jh.
Anlagestickerei mit Seide, Silber- und Goldlahn auf Leinen
H. 18,2 cm
Inv. 1870.922. Amerbach-Kabinett.
Der Basler Hans Kilchmann (vor 1470–1522) gehörte zu den wohlhabendsten und politisch einflussreichsten Baslern seiner Zeit. Sein Ansehen wurde durch die Ritterwürde, die er von seiner Pilgerfahrt nach Jerusalem 1496 heimbrachte, noch gesteigert. Diese Reise dauerte 29 Wochen.
Weiterhin pilgerte er 1499 nach Santiago de Compostela (19 Wochen), 1500 nach Rom (12 Wochen), 1501 nach Aachen. Doch nicht nur der Glaube, auch der Krieg führte ihn in die Fremde: 1503 war er in Locarno, vier Jahre später in Mailand und Genua. Ein Rechtsstreit, den einige Söldner gegen ihn in Basel angestrengt hatten, führte dazu, dass Hans Kilchmann 1507 bei einer Auseinandersetzung einen von ihnen tötete. Im anschliessenden Prozess verhinderte das Einschreiten einflussreicher Freunde Kilchmanns eine harte Bestrafung; der Urteilsspruch lautete auf fünfjährige Verbannung aus der Stadt und ihrer Bannmeile. Danach war seine politische Laufbahn aber beendet.
Wohl in der Voraussicht, dass mit ihnen ihre Familie aussterben würde, hatten Hans und sein Vater Ludwig Kilchmann 1502 ein Testament aufgesetzt, in dem ihr Haus in der Rheingasse und ihr Vermögen zur Errichtung einer Herberge für arme Pilger bestimmt wurden. Diese, nahe der Rheinbrücke gelegen, bestand bis zur Reformation; danach wurde das Vermögen unter anderen wohltätigen Einrichtungen aufgeteilt.
Die Wappenstickerei mit dem Kilchmann-Wappen stammt aus dem Nachlass des Bonifacius Amerbach und ist im Inventar D von 1585/87 verzeichnet als «kilchmanns Wapen von gold vnd siden gesticket». Den Weg in diese Sammlung fand das Wappen durch die Verwandtschaft der beiden Familien und die Zugehörigkeit zur gleichen Kirchgemeinde.Denn als nach Einführung der Reformation in Basel die Kirchenschätze aufgelöst wurden, kaufte die Familie Amerbach liturgische Gewänder von der Kirche St. Theodor zurück – darunter vielleicht auch eines mit diesem Wappen. In seinem Testament hatte Hans Kilchmann neben anderen Stiftungen eine Kasel aus blauem Samt für die Kirche St. Theodor beschrieben, die auf der Rückseite mit einem Kreuz zu schmücken sei. Abschliessend heisst es: «An alle diese stuck soll min schilt unnd helm unnden gestickt werden». Möglicherweise gehörte auch ein spätgotisches Kaselkreuz in kunstvoller Reliefstickerei, das sich ebenfalls im Amerbach-Kabinett erhalten hat, zu der damals gestifteten Kasel.