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Saitenklang: Schwach, dumpf oder beides? Eine Erklärung und mögliche Lösungen.
(aus dem Newsletter Nr. 2, Dezember 2009)
Mein Instrument klingt auf einer Saite zu schwach. Kann ich das mit einer anderen Saite ausgleichen? - Ja, eine dickere Saite erzeugt mehr Spannung und gibt einen kräftigeren Klang. Die meisten Saiten sind in verschiedenen Stärken lieferbar.
Mein Instrument klingt auf einer Saite zu dumpf. Kann ich das mit einer anderen Saite ausgleichen? - Ja, eine dünnere Saite schwingt leichter, freier und erzeugt durch die grössere Beweglichkeit mehr Obertöne.
Meine Geige klingt auf der D-Saite zu dumpf und zu schwach. Kann ich das mit einer anderen Saite ausgleichen? - Einen stärkeren Klang erreicht man mit einer höheren Saitenspannung. Mehr Spannung erreicht man mit einer schwereren Saite. Also eine dickere Saite? Nein, eine dickere Saite klingt eher dumpfer. Dünner aber schwerer müsste die Saite sein! Die Lösung: eine D-Saite mit reiner Silberumwicklung (Pirastro Oliv Silber, Pirastro Passione) ist dünn und flexibel, erzeugt aber dank des hohen Gewichts der Silberumwicklung eine starke Spannung. Eine flexible D-Saite wirkt sich auch auf den Klang der anderen drei Saiten positiv aus, weil die Obertöne frei mitschwingen können. Deshalb wird bei den modernen Kunststoffsaiten häufig im Standardsatz eine Silber umwickelte D-Saite verwendet.
Gerne beraten wir Sie bei Fragen zu Saiten. Wenn ein optimierter Saitensatz nicht zum gewünschten klanglichen Resultat führt, kann eine Klangeinstellung am Instrument nötig sein. Auch dafür sind Sie bei uns am richtigen Ort!
Kolophonium: Wie wird es angewendet und wann sollte es ersetzt werden?
(aus dem Newsletter Nr. 1, April 2009)
Das Bogenharz, Kolophonium genannt, sollte sparsam verwendet werden, damit sich keine dicke Schicht auf den Bogenhaaren bildet. Diese Schicht kann wie Seife wirken oder einen rauhen Klang erzeugen beim Streichen. Übrigens: Kolophonium verliert mit dem Alter an Qualität. Wir empfehlen, dunkles Kolophonium spätestens nach 3, helles nach 5 Jahren Gebrauch zu ersetzen. Nicht selten müssen Bogenhaare erneuert werden, weil altes, verklebtes oder staubendes Kolophonium störende Nebengeräusche beim Spielen erzeugt oder die Ansprache negativ beeinflusst. Es gibt die verschiedensten Sorten. Lassen Sie sich beraten. Der Preis eines guten Kolophoniums von ca. 10 bis 30 Franken lohnt sich!
Larica Kolophonium (früher Liebenzeller)
Ein Kolophonium, das seine positiven Eigenschaften unserer Erfahrung nach sehr lange behält, ist das Liebenzeller Metallkolophonium, das nicht mehr produziert wird. Das Nachfolgeprodukt wird jetzt in der Schweiz nach dem bewährten Originalrezept hergestellt. Es heisst Larica und ist seit Mitte April 2009 bei uns lieferbar.
Barockinstrumente - ganzer Vortrag
Was sie schon immer über die Barockgeige, die Barockbratsche und das Barockcello wissen wollten.
Wir steigen mit 5 oft zu hörenden Fragen und Antworten ins Thema ein:
- Ist die Barockgeige eine sog. Kurzhalsgeige? Nein.
Kurzhalsgeige bezeichnet ein Volksmusikinstrument aus Südwestböhmen, auch „Dudlgeige“ oder „Dudelsackgeige“ genannt.
- Erkennt man ein Barockinstrument an der hohen Wölbung? Nein.
Es gab schon immer höher und weniger hoch gewölbte Instrumente.
- Waren die Hälse in flachem Winkel (zur Korpus-Achse) befestigt? Ja und Nein.
Es kommen ganz flache, „normale“ und auch sehr steile Winkel vor.
- Haben Darmsaiten weniger Spannung? Nein.
Darmsaiten können ohne weiteres die gleiche Spannung wie moderne Saiten haben.
- Sieht man auf den ersten Blick, ob es sich um ein Barockinstrument handelt?
Mit etwas Übung schon!
Schauen wir uns nun die einzelnen Teile der Instrumente genauer an:
Das Griffbrett
ist deutlich kürzer. Es ist bei der Geige nur “zwei Oktaven lang“, weil die meisten Kompositionen des 16. und 17. Jhd. keine höheren Töne verlangten. Während ein modernes Griffbrett etwa 3 cm länger und aus massivem Ebenholz gemacht ist, kommen beim Griffbrett des 16.-18. Jahrhunderts ganz verschiedene Hölzer zur Anwendung. Der Kern ist häufig aus Fichte. Das hat zwei gute Gründe. Erstens war Fichte viel billiger und leichter zu beschaffen als Ebenholz und zweitens hat sie mit 6000 m/sek. die beste Schall-Leitfähigkeit. (im Vergleich dazu: Ebenholz 3200 m/sek.). Der weiche Kern wurde aus Gründen der Haltbarkeit mit einem ca. 1 mm dicken Furnier aus Ebenholz belegt. Das Furnier wird gebogen und hat die Tendenz, sich wieder zu strecken. Deshalb sind einige originale Griffbretter in der Querrichtung sehr flach geworden. Die beiden mittleren Saiten haben dadurch einen zu grossem Abstand vom Griffbrett, was vor allem in hohen Lagen die Spielbarkeit einschränkt. Eine gute, also der Rundung des Steges entsprechende Querwölbung, erleichtert den Spielenden „das Leben auf dem Griffbrett“ wesentlich. Schauen Sie selber genau hin und lassen Sie diesen Punkt im Zweifelsfall von uns kontrollieren!
Die Seitenkanten müssen aus Hartholz sein: Ebenholz, Birnbaum, Ahorn, Schlangenholz wird verwendet. Ein so konstruiertes Griffbrett begünstigt die Obertöne und den Nachhall und trägt dazu bei, den „Barockklang“ zu produzieren. Oft ist es oft mit kunstvollen Verzierungen versehen: kontrastierende Ränder, kunstvolle Muster aus verschiedensten Hölzern, Intarsien.
Unverständlich ist es, dass die im Laufe von Jahrhunderten verformten Originale auch heute noch sklavisch genau, mit allen Fehlern kopiert werden.
Der Hals
wurde stumpf auf die Oberzarge aufgeleimt. Als zusätzliche Sicherung wurden von innen 1 – 3 geschmiedete Nägel (beim Cello bis 5 Stück!) durch den Oberklotz hindurch in den Halsstock getrieben. Ab ca. 1800 wurde der „ moderne Hals“ praktisch immer mit einer Schwalbenschwanz-Verbindung in den Korpus eingesetzt und geleimt.
Der Halswinkel (zur Korpus-Achse)
variierte bis etwa zum Jahr 1800 stark. Aus den unveränderten Originalen lässt sich kein “Patentrezept“ ableiten, wie ein Barockhals proportioniert sein soll. Wir beraten Sie detailliert über die Konsequenzen der verschiedenen Möglichkeiten: je flacher der Halswinkel, desto keilförmiger das Griffbrett. Damit wird der Hals Richtung Korpus deutlich dicker. Das kann Spielerinnen und Spieler anfangs irritieren.
Der Bassbalken
war feiner und meistens weniger lang.
Der Saitenhalter
aus Hartholz wurde häufig auch furniert und gleich wie das Griffbrett verziert. Feinstimmer sind noch nicht erfunden – die Darmsaiten lassen sich gut mit den Wirbeln stimmen.
Der Stimmstock
ist ein 0,8 Gramm leichtes Fichten-Stäbchen, das zwischen Boden und Decke eingeklemmt wird. Er ist ein sensibles Steuerorgan für den Klang. In Italien heisst er Anima (Seele). Schon der Name sagt, um was es geht: ist nämlich die Seele aus dem Gleichgewicht geraten, ist der Klang gestört und damit sicher auch das seelische Gleichgewicht des Spielers oder der Spielerin. In dieser Situation folgen wir am besten Leopold Mozart’s Rat aus seiner Violinschule von 1756 :
Der Stimmstock muss nicht zu hoch aber auch nicht zu nieder seyn, und rechter Hand etwas weniges hinter dem Fuss des Sattels (=Steg) stehen. Es ist kein geringer Vortheil den Stimmstock gut zu setzen. Man muss ihn mit vieler Geduld öfters hin und her rücken; jedes Mal durch Abspielung verschiedener Töne auf jeder Seyte den Klang der Geige wohl untersuchen, und so lang auf diese Art fortfahren: bis man die Güte des Tones gefunden.
Vater Mozart wäre bestimmt mit mir einig, dass diese heikle Arbeit am besten von erfahrenen Fachleuten ausgeführt wird.
Der Steg des 16. - 18. Jhd.
existiert in einer Vielzahl von Modellen. Einige haben berühmte Namen, wie Guarneri, Tartini oder Banks. Jedes Modell hat seine eigene Klangcharakteristik
Fragen Sie uns, wenn Sie klangliche Wünsche haben und profitieren Sie von unserer Erfahrung.
Die Saiten
Wir haben einige der bekannten Marken am Lager. Am meisten Auswahl jedoch finden Sie im vollständigen Sortiment von Damian Dlugolecki, Stringmaker, das wir stets am Lager führen. Sie finden auch selten gebrauchte Saiten, wie z.B. Cello e (die 5.Saite). Alle Saiten sind aus Schafs- oder Rinderdarm gefertigt, die tieferen sind mit Draht umsponnen, meist versilberter Kupferdraht. Seit 27 Jahren machen wir sehr gute Erfahrungen, mit Klang und Haltbarkeit der Saiten von Damian. Die Zeiten, wo eine Violin-e-Saite lediglich eine Woche hielt, sind glücklicherweise vorbei: meist ersetzt man sie, weil sie nach Wochen und Monaten einfach abgespielt sind und nicht mehr optimal klingen. Wer unter feuchten Händen leidet, wählt die lackierten Saiten. Diese fransen viel weniger schnell aus.
Kinnhalter ?
Der Kinnhalter wurde erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts erfunden. Die meisten Musiker und Musikerinnen versuchen deshalb, ohne auszukommen.
Stachel ?
Ursprünglich steckte in den tiefen Instrumenten ein etwa 15 cm langer Stachel. Wir nennen diese Instrumente heute „Continuo-Cello“ oder „Basse de Violon“. Sie waren ca. 10 cm länger als unser heutiges Cello. Michael Praetorius bildet diesen Instrumenten-Typ ab (Syntagma Musicum 1619). Als dann aber in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts der Name „Violoncello“ erstmals auftaucht und dieses auf heutige Masse verkleinerte Instrument zu einer steilen solistischen Karriere ansetzte, waren sich die führenden Cellisten einig, dass der Stachel „beim Übersetzen hinderlich ist“ (Übersetzen = Lagenwechsel). Deshalb wurde er abgeschafft und erst im 19. Jahrhundert wieder eingeführt.
Das 5-saitige Solocello, (Cello Piccolo, Viola Pomposa und Viola da Spalla)
Unter diesen Begriffen tauchen ab 1667 verschiedene Instrumententypen in Cellogrösse auf. Auf Wikipedia findet sich eine Übersicht unter dem Stichwort Violoncello piccolo. Es gibt in dem Artikel div. Abbildungen und auch ein Klangbeispiel.
Die namhaften Barockcellisten Anner Bylsma, Pieter Wispelwey und Christophe Coin machten durch ihre Einspielungen der 6. Solosuite von J.S.Bach das auch in unserer Werkstatt zur Verfügung stehende 5-saitige Solocello bekannt. Es hat die Stimmung C-G-d-a-e1 und ist etwas kleiner mensuriert.
Da aber um 1750 der Daumenaufsatz erfunden wurde, welcher es erlaubte, auf der A-Saite bisher unbekannte hohe Lagen zu erreichen, hatte das 5-saitige Solocello nur eine kurze Blütezeit. Erst in den letzten Jahrzehnten des 20. Jhd. erlebte dieses klanglich äusserst reizvolle Instrument eine bemerkenswerte Renaissance.
Sie können es gerne in unserer Werkstatt ausprobieren und vielleicht entdecken Sie dabei, wie wunderbar leicht sich auch die Arpeggione–Sonate von Schubert darauf spielen lässt!
Der Bogen
für die Barockinstrumente unterscheidet sich deutlich vom modernen Bogen. Er ist meist aus Schlangenholz gefertigt, mit eleganter, langer Spitze, ohne äusserlich sichtbare Metallteile. Er ist deutlich leichter und oft kürzer als ein moderner Bogen. Da man weniger Gewicht hin und her bewegen muss, ist er „schneller“. Die feine Spitze erleichtert die „sprechende Artikulation“, wo einem aktiven Abstrich (Aktion) ein entspannter Aufstrich (Reaktion) folgt. Die uns vertraute Schraub-Mechanik am Frosch wurde erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts erfunden. Bei früheren Bögen wurden die Haare mit einem sog. Steckfrosch gespannt.
Die Stimmung
die Quinten-Stimmung war gleich wie heute, nur der Stimmton a1 variierte je nach Land und Stadt zwischen 392 hz und 465 hz, was etwa einem Ganzton entspricht!! Da die Instrumente stark auf die unterschiedlichen Saitenspannungen reagieren, ist auch diesem Umstand Rechnung zu tragen, indem stärkere oder schwächere Saiten montiert werden müssen.
Auch damit haben wir Erfahrung, mussten wir doch für eine Lully-Oper viele Instrument des Opernhauses umrüsten, damit sie optimal funktionierten bei der tiefen Stimmung.
Zusammenfassung
„Authentischer Klang“, „Original-Klang“, produziert auf „Barock-Instrumenten“ die wir heute spielen, sind Interpretationen unserer Zeit, die sich auf fundierte historische Quellen stützen.
Das Klangresultat kommt durch die Summe der oben beschriebenen baulichen Besonderheiten und natürlich auch wesentlich durch die „sprechende Artikulation“, die Spielweise, zu Stande. Unbestritten ist dabei, dass in barocker Weise gebaute Instrumente und Bogen den Spielenden die klangliche Annäherung an die historischen Texte erleichtern.
Zürich, im Oktober 2017 Rudolf Isler, Geigenbaumeister