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Hilfe kann auch ungeahnte Folgen haben. Rashmiyas Häuschen war blitz blank geputzt und die rohen Wände waren bereits grundiert. Jetzt fehlt nur noch die Farbe und vielleicht das eine oder andere Möbelstück.
Azra und Azeem nahmen erfreut die Geschenke von Tom und Moni entgegen, und Rashmiya erzählte nicht ohne Stolz, dass die Raten für den Kühlschrank alle abbezahlt seien und sie das extra Geld von Weihnachten dazu benutzt habe, unter der Woche immer im Haus zu übernachten. Sie müsse sonst an Schultagen öfters mit den Kindern in der Stadt in ihrem alten Zimmer bleiben.
Wir hätten nicht bestürzter sein können. Die Erklärung war jedoch einfach und die Rechnung schnell gemacht. Sie lebt zum ersten Mal in einem Haus und hat somit zum ersten Mal fixe Kosten. Wasser und Stromrechnungen belaufen sich zusammen auf ca. 1000 Rupies (CHF 7.-) Weitere Rs. 1850 kosten die Nachhilfestunden für Azra, es blieben unter dem Strich ca. 4000 für Essen, Kleidung und sonstigen täglichen Bedarf. Ein Betrag von Rs. 134 (CHF < 2.-) am Tag.
Absolut machbar, viele Leute müssen mit weniger auskommen…… wenn nicht das Haus so weit von der Stadt entfernt liegen würde. Die Transportkosten in die Schule käme pro Kind auf Rs. 1200 im Monat zu stehen. Durchgeführt werden diese mit einer unglaublichen Zahl an Kindern in einem Van oder einem Tuk Tuk. Eine einfache Tuk Tuk Fahrt kostet Rs. 150.
Es würde ein Bus fahren, aber auf den sei kein Verlass. Mal käme er, mal nicht und manchmal käme er und würde nicht anhalten, weil er bereits zum Bersten voll sei. Ausserdem könne sie Azra nicht alleine fahren lassen, und anstatt zu nachtschlafender Zeit mit Azra an der Bushaltestelle zu stehen und Azeem alleine zu lassen, würden sie halt in dem Raum bei den Schwiegereltern übernachten, der in Laufdistanz zur Schule sei.
Den Putz Job habe sie dadurch auch verloren. Sie könne nicht den ganzen Tag für Rs. 400 arbeiten um pünktlich zu sein, Rs. 300 für die Tuk tuk Fahrt bezahlen und dazu noch über Stunden ihre Kinder unbeaufsichtigt lassen.
Unsere Gesichter müssen bei Roys Übersetzungen immer länger geworden sein. Auf jeden Fall beeilte sie sich zu erwähnen, wie dankbar sie für die Hilfe sei, wie unendlich besser ihr Leben und das der Kinder dadurch sei, dass sie die meiste Zeit in ihrem Haus verbringen dürften.
Sie würde sich durch Haushaltshilfe etwas dazuverdienen und könne dort auch meistens etwas zu essen für sich und die Kinder mitnehmen.
Neben der Bestürzung kam auch Beschämung hinzu. Wir hätten es besser wissen müssen. Zu unserer Schande haben wir vor allen die Distanz zur Stadt (das Umland ist so unübersichtlich, dass wir ohne Roy das Haus gar nicht erst finden würden) unterschätzt und die Folgen, die die Fahrtkosten haben, ausser Acht gelassen.
Wir könnten uns gut vorstellen, auch einen Paten für Azeem zu suchen, um der Familie die Finanzierung des Schultransport zu sichern. Damit wäre für Rasmiya auch wieder eine regelmässige Arbeit möglich. Ihr geht es zwar mittlerweile viel besser als anderen alleinstehenden Frauen, aber es ist verrückt, Hilfe zu leisten, die sich der Betroffene nicht leisten kann………..
Wir haben ihr Rs. 10000 zugesteckt, damit sie sicher die nächsten zwei Monate täglich ins Haus zurückkehren können. Azras Englischstunden scheinen zu fruchten: Sie strahlte über alle Backen und meine Frage, ob sie lieber im Haus schlafen würde, beantwortete sie mit einem heftigen Nicken.