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Wie hat das mit Ihrem Blog und der Facebook-Seite angefangen?
Das war ursprünglich ein Schulprojekt. Wir sollten etwas Geheimnisvolles auf der Strasse erschaffen. Ich fand es interessant, die kleinen Alltagsdinge zu vermenschlichen, die man überall auf den Strassen von New York herumliegen sieht – Metro-Cards, Lippenbalsam, Feuerzeuge. So ein kleines Objekt würde eher von Passanten bemerkt werden, wenn es mit einem beschrifteten Pappschild dran auf der Strasse läge. Ich dachte, es wäre schön, wenn die Leute die Botschaft lesen und sich einen Moment lang mit dem Ding verbunden fühlen würden.
Was steht da auf den Schildern?
Ich versuche mir vorzustellen, was dieses Ding durchgemacht hat, nachdem es jemandem aus der Tasche gefallen ist. Dann schreibe ich etwas, das dieses Ding sagen könnte, wenn es eine Persönlichkeit hätte. Eine zornige, verlorene Büroklammer würde zum Beispiel sagen: «Du verlierst mich. So verlierst du auch deine Zettel.»
Es geht nicht um Dinge wie verlorene Smartphones. Sie kümmern sich um die unwichtigen Dinge. Wie kommt das?
Wenn Sie Ihr Smartphone verlieren, würden Sie das sofort als Problem ansehen und Massnahmen ergreifen. Wenn Sie einen Haargummi verlieren, ist das zwar lästig, aber Sie können ihn leicht ersetzen. Wir vergessen den Haargummi schnell, weil wir diese kleinen Dinge im Leben für selbstverständlich halten. Ich wollte mal überlegen, was dieser Haargummi jetzt macht, wo er verloren gegangen ist.
Für ein Wegwerffeuerzeug haben Sie ein Nest aus Pappsternen gemacht. Das sieht nett aus.
Das war schon da, eine Warendekoration vor einem Geschäft. Ich hatte das Gefühl, dass dies ein guter Platz für das Feuerzeug sei.
Ist das Ihre Version von Street Art?
Bei Street Art denkt man als erstes an Graffiti. An ernste Themen. Ich sehe mein Little Lost Project aber auch als Street Art. Sie ist für die Menschen auf der Strasse gemacht. Sie können sich dran freuen und einen Moment nachdenken.
Suchen Sie eigens nach diesen kleinen Dingen?
Es sind meist Zufallsfunde. Dinge, die mich inspirieren, nehme ich mit und denke mir eine Geschichte für sie aus.
Sind Sie viel zu Fuss unterwegs?
Ja, ich flaniere gern. Nicht jeden Tag. Aber wenn, dann achte ich auf meine Umgebung, nicht auf mein Smartphone.
Wie reagieren die Leute auf Ihre kleinen Dinge auf der Strasse?
Sie machen Fotos. Oder sie schauen genauer hin, um zu lesen, was auf dem Schildchen steht.
Verfolgen Sie, was mit den Dingen passiert?
Manchmal stehe ich auf der anderen Strassenseite und beobachte, ob jemand sie bemerkt. Je kleiner sie sind, desto länger dauert es. Ich frage mich oft, was mit ihnen am Ende passiert.
Schreiben Ihnen Leute, die diese kleinen Dinge in Ihrem Blog entdecken?
Ja. Es macht mir grosse Freude, wenn mir Menschen aus der ganzen Welt schreiben, dass mein Projekt sie angesprochen hat.
Wie sind Sie zu Ihrem Spitznamen Zoonzin gekommen?
Ich habe ihn, seit ich acht bin. Meine Freunde und ich haben Höhlenmenschen gespielt. Wir haben uns auch eine Höhlenmenschensprache ausgedacht, und ich habe mich Zoonzin genannt. Seither benutze ich den Namen in E-Mail-Adressen und Blogs. Viele können sich den Namen leichter merken als meinen richtigen.
Was ist für Sie momentan das Interessanteste im Internet?
Gif-Animationen und Videos mit Tieren.