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Die ZSC Lions wissen, wie man einen Trainer sucht und wie man mit NHL-Coaches umgeht. Die Berner nicht. Weil SCB-General Marc Lüthi inzwischen der Rudi Bindella unseres Eishockeys geworden ist.
Die ZSC Lions warten gelassen, ob Meistertrainer Marc Crawford bleibt oder geht. Der SCB ist in der Trainerfrage völlig ratlos. Die ZSC Lions sind mit NHL-Coaches bestens gefahren, der SCB hat seine Sportabteilung mit einem NHL-General fast ruiniert. Wie ist das möglich?
Das Problem beginnt mit dem Begriff NHL-Coach. Es gibt nicht DEN NHL-Coach. Die NHL-Bandengeneräle sind so verschieden wie die NLA-Cheftrainer. Um es an einem Beispiel zu erklären: Nehmen wir an, wir sind General Manager bei einem führenden Klub in der Australian Ice Hockey League (AIHL). Wir wollen, dass es rockt und rollt und holen einen NLA-Trainer. Weil wir denken, dass ein NLA-Trainer einfach gut sein muss. Die NLA ist eine der besten Ligen ausserhalb der NHL und die Schweiz war 2013 WM-Finalist. Also holen wir Morgan Samuelsson. Er war ja NLA-Trainer und heute gehört er als Schweizer Antwort auf Don Cherry zu unserer Hockeykultur.
Bald geht es bei unserem Klub in Australien drunter und drüber. Morgan Samuelsson erweist sich als Operetten-Trainer und wir stürzen sportlich ab. Selber schuld. Ein Telefonat hätte nun wirklich genügt, um zu wissen, dass der Schwede zwar ein hochbegabter Entertainer ist, aber zum Trainer einfach nicht taugt. Wir müssten uns den Vorwurf gefallen lassen, dass wir uns von den drei Buchstaben NLA, von der Verpackung, von der Etikette blenden liessen und nicht nachschauten, was drinsteckt.
Zwischen den beiden NHL-Coaches Marc Crawford und Guy Boucher ist der Unterschied eher noch grösser als zwischen Arno Del Curto und Morgan Samuelsson. SCB-General Marc Lüthi (er hat bei der Trainerfrage das letzte Wort) hat es einfach unterlassen, ein paar Telefonanrufe zu machen. Sonst hätte er schnell erfahren, dass Guy Boucher bloss ein Operetten-NHL-Trainer ist. Er liess sich von den drei Buchstaben NHL, von der Verpackung, von der Etikette blenden und schaute nicht nach, was drinsteckt.
Aber es gibt in dieser Sache noch eine weniger polemische und viel wichtigere Differenz zwischen den ZSC Lions und dem SC Bern. Die ZSC Lions sind ein Sportunternehmen, der SCB ist heute ein Gastronomie-Konzern mit angegliederter Sportabteilung. Marc Lüthi ist eigentlich der Rudi Bindella unseres Eishockeys, der erfolgreichste Wirt im Bernbiet, und hat nebenbei etwas über Eishockey gelernt.
ZSC-General Peter Zahner ist hingegen ein Mann des Eishockeys. Er war Trainer und Assistent, jahrelang Sportdirektor beim Verband und hat nebenbei etwas übers Geschäft gelernt. Die praktischen Auswirkungen dieser unterschiedlichen Ausrichtung der Chefs bei den zwei grössten Schweizer Hockeyunternehmen sind durchaus spektakulär.
In Bern achtet Marc Lüthi darauf, dass nur das Geld ausgegeben wird, das in den Wirtschaften erwirtschaftet werden kann. Daher kommt eine konservative Grundhaltung bei der Personalpolitik in der Sportabteilung. Die NZZ höhnte kürzlich, die SCB-Besitzer sollten halt auch einmal einen Griff ins Portemonnaie tun. Dieser Spott ist berechtigt und erklärt uns zugleich die ZSC Lions. Die NZZ ist das Leib- und Weltblatt des Zürcher Freisinns und der Zürcher Wirtschaft. Die ZSC Lions sind der Leib- und Weltklub der gleichen Gesellschaftskreise.
Im calvinistischen Zürich hält sich hartnäckig der Glaube, das Sportgeschäft sei defizitär und bedürfe daher der Alimentation durch reiche Gönner (Walter Frey) oder der öffentlichen Hand. Das ist durchaus verständlich. Denn alle Zürcher Sportunternehmen schreiben seit Menschengedenken rote bis tiefrote Zahlen: Die ZSC Lions, die Kloten Flyers, der FC Zürich und GC. Auch Sportveranstaltungen sind in Zürich in der Regel defizitär. Die Leichtathletik-EM hat über zehn Millionen Franken (!) Steuergelder verschlungen.
Aus dieser Haltung heraus kommt auch die unsinnige Verknüpfung des privat finanzierten neuen Hockeystadions mit einer jährlichen Subvention von zwei Millionen durch die Stadt. Diese Forderung ist zwar berechtigt – aber politisch ungeschickt. Zürichs Eishockey sollte endlich lernen, auf wirtschaftlich eigenen Beinen zu stehen – wie in Bern.
Und damit sind wir wieder bei der Trainerfrage. Beim Sportunternehmen ZSC Lions gibt es eine klare sportliche Strategie. Manager Peter Zahner und sein Sportchef Edgar Salis suchen jeweils in aller Ruhe den Trainer aus, der in diese Strategie passt. Dieser Trainer hat dann nach einem klaren Auftrag zu arbeiten.
Bei NHL-Trainern funktioniert das vorzüglich. Sie sind in den starren Hierarchien des nordamerikanischen Profisportes gross geworden. Der General Manager gibt die sportliche Richtung vor, der Trainer führt sie aus. Darum gilt in Nordamerika die Regel, dass der General Manager gehen muss, wenn er dreimal den falschen Trainer geholt hat.
Peter Zahner und Edgar Salis haben mit Bob Hartley und Marc Crawford die zur ZSC-Strategie passenden NHL-Trainer geholt. Beide setzten unter anderem den Auftrag um, die jungen Spieler zu fordern und zu fördern. In drei Jahren haben sie auch zwei Meistertitel (2012 und 2014) eingefahren. Und die ZSC Lions brausen nun auch mit vollen Segeln dem Qualifikationssieg entgegen.
Beim SCB gibt es keine sportliche Strategie. Die bestimmt jeweils der Trainer. Aber nur in Davos und mit Arno Del Curto funktioniert das Modell mit dem Trainer, der alles bestimmt und dem sich das Management unterordnet. In Bern führt die sportliche Ratlosigkeit, das jahrelange Hüst und Hot auf der Trainerposition inzwischen in die Krise.
Weil die Berner Guy Boucher hörig waren, die Ausländer holten, die er wollte, die Schweizer Spieler transferierten, die er wünschte, stehen sie jetzt im «Strichkampf» und haben früh alle Ausländerlizenzen verbraten – eine davon gar mit einem von Guy Boucher gewünschten Dauerverletzten. Lars Leuenberger hat nun den Auftrag gefasst, zu retten, was noch zu retten ist.
Wir können davon ausgehen, dass Peter Zahner und Edgar Salis wieder den Trainer finden, der die ZSC-Strategie erfolgreich umsetzt. Deshalb spielt es keine Rolle, ob Marc Crawford bleibt oder geht.
In Bern gibt es eine klare wirtschaftliche, aber keine sportliche Strategie. Deshalb wissen Marc Lüthi und sein neuer Sportchef Alex Chatelain auch nicht, welchen Trainer sie eigentlich brauchen. Genügt vielleicht gar Lars Leuenberger? Oder sollte man besser Kari Jalonen verpflichten?
Aber eigentlich ist man ja auch mit Nordamerikanern schon oft gut gefahren. Und wenn sie dann einen Trainer finden, so werden sie ihm blindlings alle Wünsche erfüllen. Sie wissen ja selber nicht, was sie wollen. Also sind sie froh, wenn ihnen jemand sagt, wohin die Reise gehen soll. Haben sie bei der Trainerwahl Glück, ist es möglich, das enorme Potenzial zu einem Meistertitel zu nützen. Haben sie hingegen Pech, gibt es wieder eine Krisensaison.
Oder in einem Satz gesagt: Bei den ZSC Lions ist die Trainerwahl das Resultat von rationellem Vorgehen, beim SCB hingegen ein reines Glücksspiel.