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Franciacorta-Pionier Maurizio Zanella im Interview
Kunstsammler Maurizio Zanella auf seinem Weingut Ca' del Bosco
© Ca del Bosco/Giuseppe La Spada
Die Familie Zanella stammt ursprünglich aus Südtirol, zog aber im 20. Jahrhundert nach Mailand, wo der Vater von Maurizio Zanella eine sehr erfolgreiche Spedition aufbaute. Annamaria Clementi Zanella, die Mutter von Maurizio, vermisste die Natur und die Berge ihrer Heimat und erwarb Mitte der 60er-Jahre ein Haus auf einem Hügel in einem Kastanienwald bei Erbusco in der Franciacorta. Im lokalen Dialekt wurde es «ca’ del bosc» genannt, also «Haus im Wald». Anstatt in die Fussstapfen seines Vaters zu treten reifte in Maurizio Zanella die Idee, Wein anzubauen. Ausgehend von der ersten Weissweinernte aus einem kleinen Weingarten im Jahr 1972 wuchs das Weingut Ca' del Bosco zum Leitbetrieb der Franciacorta mit rund 200 Hektar Anbaufläche.
Nach mehreren Studienreisen in die Champagne beginnt Zanella mit der Produktion von Schaumwein. Ziehvater des berühmten «Franciacorta» ist der erfahrende Champagner-Kellermeister Andrè Dubois (frei übersetzt passenderweise «vom Wald»), den Zanella für sein Weingut engagieren konnte. Mit der Lese von 1976 entstanden die ersten drei Spumanti: der Brut, der Dosage Zéro und der Rosé. Der Erfolg von Ca' del Bosco löste einen wahren Boom in der Franciacorta aus, die heute weltweit für ihre fein prickelnden Schaumweine bekannt ist. Im Gespräch mit Falstaff blickt der charismatische Zanella auf die Geburtsstunde seines Weinguts zurück:
Apropos Zukunft, welche Pläne schmieden Sie für die nächsten Jahre?
Die fortschreitende Klimaerwärmung zwingt auch uns zu Massnahmen. Die Weingärten werden künftig weiter oben angelegt werden. Ausserdem arbeiten wir an einem neuen Projekt, bei dem wir eine alte lokale Rebsorte wieder kultivieren wollen. Zusammen mit vier bis fünf anderen Weingütern haben wir schon die ersten Versuche gestartet und sind auf der Suche nach dem besten Klon für eine Auspflanzung im grossen Stil. Bis wir aber den ersten Wein in nennenswerter Menge haben, werden wohl noch zehn bis 20 Jahre vergehen.
Ich durfte Ihren Betrieb besichtigen, alle Produktionsschritte scheinen perfektioniert und die Qualität Ihrer Weine ist extrem hoch. Können Sie sich jetzt zurücklehnen und den Erfolg geniessen?
Man kann nie 100prozentig zufrieden sein, wir wollen nicht das Niveau halten, sondern jedes Jahr ein bisschen besser werden. Das bedingt auch die Suche nach neuen (höher gelegenen) Weingärten für unsere Grand Crus.
Falstaff: Wenn Sie an italienischen Weinbau der 70er-Jahre denken, was haben Sie da in Erinnerung?
Maurizio Zanella: Wein war damals in erster Linie ein Lebensmittel und der Weinbau war auf maximalen Ertrag ausgerichtet. Die 70er markieren den Beginn der italienischen Wein-Renaissance, bei der führende Betriebe mit der Produktion von Spitzenweinen begannen. Ca' del Bosco war übrigens der erste Betrieb Italiens, der Pinot Noir und Chardonnay kultivierte. Auch beim Cabernet sind wir Vorreiter, nur Sassicaia hatte vor uns einen Cabernet-Blend auf den Markt gebracht.
Warum mögen Sie es nicht, wenn Franciacorta mit Champagner verglichen wird?
Franciacorta ist etwas komplett Eigenständiges, das kann man mit nichts anderem vergleichen! Der Chardonnay der Franciacorta ist ein ganz anderer als der der Champagne. Wir sagen auch nicht Non-Vintage, wie die Champagnerwinzer, wir sagen Multi-Vintage, mit der wir die gleichbleibend hohe Qualität garantieren.
Weltweit gibt es einen Trend zu biologischem Anbau. Welche Philosophie verfolgen Sie?
Wir stellen gerade auf biologische Bewirtschaftung um. Im Jahr 2018 sollte unsere gesamte Anbaufläche bio-zertifiziert sein. Wir machen das, aber nicht, um besseren Wein zu machen – Bioweine schmecken nicht besser! Wir machen das, weil wir eine Verantwortung für die Zukunft haben.