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Sonntag, 17. Mai 2020
Kirche Maria Frieden
Opéra-ballet von Jean-Philippe Rameau
Yves Rechsteiner, Lyon (Orgel)
Tanzkompagnie Davidson Farias (Zürich)
Als Komponist steht der 1683 geborene Jean-Philippe Rameau gleichberechtigt neben seinen Zeitgenossen Bach und Händel. Nach dem Urteil von Camille Saint-Saëns war „der unsterbliche Rameau (…) das grösste musikalische Genie, das Frankreich hervorgebracht hat.“ Unsterblich haben ihn vor allem seine Opern gemacht, die auch heute noch regelmässig auf allen grossen Bühnen gespielt werden. Obwohl er lange Zeit auch als Organist tätig war, sind keine originären Orgelwerke von ihm überliefert. Bereits seine Schüler haben diesen Umstand bedauert und dem Wunsch des Publikums nach Orgelmusik aus der Hand der Meisters Rechnung getragen, indem sie Auszüge aus den Opern Rameaus – insbesondere die berühmte Chaconne („Les Sauvages“) aus „Les Indes Galantes“ – im Rahmen öffentlicher Konzerte auf der Orgel spielten.
Der Organist Yves Rechsteiner hat diese Tradition aufgegriffen und 2008 ein „Livre d`orgue de Monsieur Rameau“ herausgegeben, in dem er passende Stücke aus verschiedenen Opern (so etwa aus „Les Indes Galantes“, „Zoroastre“, „Hippolyte et Aricie“, „Les Fêtes d’Hébé“ und „Platée“) für die Orgel eingerichtet und in verschiedenen Suiten zusammengestellt hat. Yves Rechsteiner stammt aus Yverdon-les-Bains und gewann nach seinem Studium am Genfer Konservatorium eine Vielzahl internationaler Preise für Orgel und Cembalo (Genf, Prag, Brügge, Speyer). 1995 wurde er zum Professor für Basso continuo und zum Leiter der Abteilung für Alte Musik am Conservatoire Supérieur de Lyon ernannt. Seit 2013 leitet er als Nachfolger von Michel Bouvard das Festival „Toulouse-les-Orgues“.
Wie in allen französischen Opern der Zeit, kommt dem Tanz auch bei Rameau eine wichtige Rolle zu: Tanz war im 18. Jahrhundert geradezu eine nationale Obsession der Franzosen. So kam auch die Dramaturgie der damaligen Oper ohne Balletteinlagen nicht aus, was in der Bezeichnung „Opéra-ballet“ deutlich zum Ausdruck kommt. Auch in diesem Metier war Rameau führend, insbesondere wenn es galt, Szenerien zu entwickeln, die in göttlichen oder exotischen Welten angesiedelt waren. Es darf als ein besonderer Glücksfall bezeichnet werden, dass sich der renommierte brasilianische Tänzer und Choreograph Davidson Farias bereit erklärt hat, Rameaus Musik speziell für diesen Anlass mit seinem Ensemble tänzerisch umzusetzen. Davidson Farias begeisterte 2019 durch seine Choreographie von Rameaus „Hippolyte et Aricie“ am Opernhaus Zürich.