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Wie stark und sicher ist Japan auf dem afrikanischen Kontinent involviert?
Auch Japan wurde durch das verstärkte chinesische und indische Engagement auf dem afrikanischen Kontinent aufgeschreckt, meinte, auch ihr Land müsse mit dabei sein und hat dementsprechend sein Interesse an Afrika verstärkt. Financial Times (FT) hat am 12. März 2010 eine momentane Bestandesaufnahme versucht. Ich fasse zusammen und kommentiere.
Bis jetzt hat Japan Hilfe geleistet im Agrarsektor und für die Verbesserung der Infrastruktur. Seit 1997 hat die Hilfe an Afrika sogar abgenommen. Nun sind $1.8 Mrd. bis 2012 budgetiert. Dieser Betrag wurde jedoch bereits im März 2010 erreicht.
Japanische halbstaatliche Hilfswerke waren bereits seit den 1960er Jahren in Ghana und Kenia mit kleinen, meist landwirtschaftlichen Projekten anwesend oder aktiv. Der Erbe des Kaiserthrons besuchte vorletztes Jahr Ghana und im März 2010 auch Kenia. Nun ist in Japan erhöhtes Interesse an Afrika sowohl beim Staat als auch in der Privatwirtschaft entstanden. FT nennt es a late entry into the scramble for resources. Und später: are creeping rather than sweeping.
So zeigt man sowohl öffentlich als auch privat ein hohes Interesse an einer geplanten Pipeline im Wert von $1.5 Mrd. vom Südsudan an die kenianischen Küste. Japan will sich in Zukunft auf Bau- und Energie-Infrastruktur-Projekte spezialisieren. Neben dem Sudan-Projekt ist auch eine Flüssiggas-Anlage in Nigeria durch die Firma Sojitz im Visier.
In den letzten 2 Jahren
Vermehrt haben sich die Handelsgesellschaften eingemischt. Der Staat fördert Investitionen auf dem Kontinent. In den letzten 2 Jahren kam es zu folgenden Engagements:
- Sojitz ist bereits aktiv in Angola, Gabon und auch Nigeria.
- Japan LNG Corp. verkündete am 11. März ein kommendes Involvement, ebenfalls eine Gasverflüssigungsanlage, in Nigeria.
- Sumitomo Chemical betreibt 2 Fabriken in Tansania. Sie produzieren Moskitonetze, die mit Insektiziden behandelt sind.
- Panasonic plant Investitionen in der Höhe von $28 Mio, um den Verkauf in Nigeria zu steigern.
- Sony betreibt bereits in 6 afrikanischen Ländern 14 Vertretungen und will noch in diesem Jahr die Verkaufszahlen auf dem Kontinent, ausserhalb Südafrika, um 50% steigern.
Japans Handels- und Investitionsvolumen ist höchstens ein Drittel des chinesischen ($107 Mrd.). Japan war lange wegen der afrikanischen Unsicherheit zurückhaltend. But Japanese companies often associate Africa with political instability, poor infrastructure and a shortage of skilled labour. Solches behagt Japan nicht. Japan handelt und investiert noch immer eigennützig. Es lebt nach dem Motto Handel statt Entwicklung.
Was tut sich 2010?
Nigeria ist ganz besonders im japanischen Blickpunkt. Panasonic etwa plant $28 Mio. Investitionen, um die Verkäufe in den nächsten 2 Jahren von Y2.5 Mrd. auf Y10 Mrd. zu erhöhen.
Sudan. Toyota Tsusho hat Interesse bekundet, die Pipeline vom Süden nach den kenianischen Küste zu bauen. $1.5 Mrd.
Kenia erhielt ein Darlehen von $320 Mio. für ein geothermisches Kraftwerk. Nissin, ein japan. Lebensmittelproduzent, erkundet Marktmöglichkeiten, um event. eine Nudel-Produktion zu starten.
In Tansania produziert Sumitomo Chemical in 2 Anlagen chemisch behandelte Moskitonetze.
Mozambique erhielt von der Firma Mitsui Unterstützung auf der Suche nach Öl, an der Anadarko Petroleum beteiligt ist.
Auf Madagaskar ist Sumitomo mit $3.3 Mrd. an einer Entwicklung für eine Ausbeute einer Nickel Mine beteiligt; Beginn der Bergbauarbeiten sind für 2010 vorgesehen.
Etwas Geschichte
Japan war nach dem 2. Weltkrieg mit sich selbst beschäftigt und baute sich ökonomisch mit Hilfe der USA auf. Im Kalten Krieg wurde Japans aussenpolitisches Verhalten von den Amerikanern bestimmt.
Japan besass bis in die 1970er Jahre kein Verständnis für Entwicklung und Co-operation. Der Handelspolitik ging es um Export und Investitionen; Grund: um zu Rohstoffen (resource diplomacy) zu gelangen. Japan hatte intensive Handelsinteressen in Südafrika, Rhodesien, Zambia, Zaire und Niger (Uran). Es ist begreiflich, dass der erste afrikanische Politiker Mobutu war, der vom japanischen Aussenministerium empfangen wurde.
Bis 1970 war Afrika weit entfernt; Japan richtete sich auf Asien aus.
1974 kam die Ressourcen-Diplomatie an die Grenzen. Japan wurde von der 3. Welt wegen der massiven Bevorzugung von Südafrika, Rhodesien und Zaire angegriffen. Japan stand im Regen und begann so die invitation diplomacy; in diesem Rahmen besuchte der Aussenminister Kimura 1974 Ghana, Nigeria, Zaire, Tansania und Ägypten. Es war eine Feuerwehrübung. Seine Reden legten japanische Hilflosigkeit offen. Kimura versprach jedoch, von nun an eine aktivere Afrika-Politik zu betreiben.
Es änderte sich wenig – ausser dass die öffentliche Entwicklungshilfe von nur $20 Mio. auf $280 Mio. erhöht wurde. Die Regierung setzte 4 Schwerpunkte: Handel, Investitionen, Energie und Nahrungsmittel. Unter Nahrungsmittel war weitgehend der Absatz des Überschussreises als Nahrungsmittelhilfe nach Afrika ins Auge gefasst.
Als 1979 Japan zu UNCTAD V die westliche Welt vertrat, und Premier Masoyoshi Ohira eine – in Japan als bahnbrechend angekündigte – Rede hielt, stellte die damals einflussreiche Wochenzeitschrift West Africa (22-10-79) die Rede als „bar jeglichen Verständnisses für Afrikas Probleme“ dar. West Africa (hsg. in London) verfasste einen mehrseitigen Special Report on Japan and Africa, in dem der Tenor hiess für Japan ist Co-operation nicht viel mehr als Entwicklung von Exportmärkten im eigenen Interesse.
Erst mit Ende des Kalten Krieges 1989 erwachte Japan. Erst jetzt kam langsam die totale Unerfahrenheit Japans mit Afrika ins ökonomische Bewusstsein.
Mein privater Kommentar
Japanische Firmen und Japan selbst haben bis heute wenig Erfahrung mit Afrika, leiden noch immer an ihrer asiatischen kolonialen Aktivität, fühlen sich des öfteren unsicher, sind zu ängstlich, also keine gute (kapitalistische oder neo-koloniale) Grundlage. Sie sind das Gegenteil der Chinesen. Sie möchten moralisch sein, nicht imperial handeln, möchten auf keinen Fall kolonial sein und dennoch gelingt es ihnen selten. Die Brasilianer kommen fast wie Brüder und Schwestern, also beinahe natürlich, aufs afrikanische Tapet. Die Inder gehen stark von der Nachbarschaft der beiden Kontinente aus. Japan muss zuerst Bezüge finden und entwickeln. Die japanische Handelskammer MITI müsste oder könnte eine Philosophie des Bezugs zu und des Verhaltens in Afrika entwickeln. Japan ist ein Musterbeispiel im negativen Sinn: Entwicklung, Entwicklungszusammenarbeit oder Co-operation ist vielmehr als Wirtschaft. Echte EZA hat kulturell anzusetzen, hat viel mit Respekt zu tun. Sowohl Japaner als auch Afrikaner finden sehr schwer den gegenseitigen Zugang; diese Unbeholfenheit wird auf afrikanischer Seite leicht als rassistisch gedeutet.
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12. 3. 2010 Al Imfeld