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Nach 15 harten Monaten sehen die Perspektiven für die schweizerische Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie wieder besser aus. Die Auftragseingänge aus dem Ausland lagen 21,8% über dem Vorjahr, jene im Inland waren mit 23,1% sogar leicht höher. Die Rückmeldungen der 290 Swissmem-Meldefirmen für das 1. Quartal 2010 bestätigten, was sich bereits gegen Ende des Vorjahres andeutete: Die MEM-Industrie erholt sich von der härtesten Krise der letzten 50 Jahre, allerdings nur langsam und auf verhältnismässig tiefem Niveau.
Die Umsätze der Unternehmen verminderten sich im Vergleich zum Vorjahresquartal noch um 6%, wobei sie sowohl im Inland (‑5,1%) als auch im Ausland (‑6,4%) zurückgingen. Damit fielen sie deutlich moderater aus als im Vorjahr, als der Einbruch 20,3% betrug. Die Quartalsumsätze kamen damit auf ein Niveau, wie es letztmals im Jahr 2006 verzeichnet werden musste. Die Exporte erholten sich dank einer erfreulichen Entwicklung des asiatischen Marktes (+5%) im 1. Quartal 2010 und stabilisierten sich auf einem Plus von 0,3%. Allerdings sind die Ausfuhren nach Europa als Hauptmarkt unserer Unternehmen mit ‑0,7% immer noch unter dem Vorjahresniveau. Ebenfalls negativ ist die Exportentwicklung in die USA (‑1,7%).
Unterschiedliche Produktmärkte
Unterschiedlich verhalten sich auch die einzelnen Subbranchen innerhalb der MEM-Industrie. Am besten erholten sich die Metalle und Metallwaren (+14,5%), gefolgt vom Bereich Elektrotechnik/Elektronik (+4,6%). Nach wie vor negativ sind die Entwicklungen bei den Präzisionsinstrumenten (‑1,6%), im Fahrzeugbau (‑5,6%) und im Maschinenbau (‑5,9%). Die dünne Auftragslage der vergangenen Monate führte zu einem weiteren Rückgang der Kapazitätsauslastung. Im Vergleich zum 1. Quartal des Vorjahres liegt sie nunmehr auf 76,6% (‑6,2 Prozentpunkte). Der Abbau von Arbeitsplätzen konnte zwar verlangsamt werden, dürfte aber nicht überall schon abgeschlossen sein.
Für 2010 rechnen die Unternehmen der Industrie mehrheitlich mit einer weiteren Erholung der Märkte, wobei sich die Hoffnungen neben China, Hongkong und dem indischen Subkontinent vor allem auf Deutschland, Frankreich und die NAFTA-Staaten richten.
Der Euro als Margenkiller
Zusätzliche Sorgen bereitet den Schweizer Maschinenbauern die Entwicklung des Euro-Franken-Wechselkurses, der in den ersten 5 Monaten dieses Jahres noch einmal um rund 7 Prozent abgesunken ist und nunmehr knapp 1.40 beträgt. Auch wenn die Schweizerische Nationalbank mit umfangreichen Devisenkäufen das Mögliche zur Stabilisierung des Eurokurses getan hat, ist es ihr letztlich nicht gelungen, den Zerfall nachhaltig aufzufangen. Auch wenn der gegenwärtige Wechselkurs die überlebensnotwendigen Margen unserer Unternehmen stark beeinträchtigt, glaubt Swissmem nicht, dass noch stärkere Interventionen der Nationalbank das Problem lösen könnten. Verharrt der Eurokurs aber längerfristig auf dem heutigen Niveau, ist nicht auszuschliessen, dass zahlreiche Unternehmen nur überleben könnten, wenn sie zumindest Teile ihrer Produktion ins Ausland verlegen.
Swissmem fordert ausreichende Mittel für Forschung und Entwicklung
Von zentraler Bedeutung ist deshalb für die schweizerische Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie, dass sie auf optimalen Rahmenbedingungen basieren kann. Gerade in der Zeit der Krise hat sich gezeigt, dass die Kommission für Technologie und Innovation (KTI) ein ausgezeichnetes Förderinstrument für die Forschung und Entwicklung in der MEM-Industrie ist. Swissmem hat deshalb ausdrücklich begrüsst, dass die KTI-Mittel im Rahmen des 3. Stabilisierungsprogramms des Bundesrates erhöht und die Teilnahmebedingungen für die Firmen erleichtert wurden. Dieses Instrument fördert nicht nur die Innovation, es eröffnet den Unternehmen neue Chancen und trägt dazu bei, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Der Erfolg der KTI hat nun zu einem finanziellen Engpass und in dessen Folge zu einer Verschärfung der Vergabekriterien geführt, was einer Behinderung des Technologietransfers gleichkommt. Swissmem fordert deshalb, dass das Budget der KTI umgehend aufzustocken ist, um eine Selektion der nach den üblichen bestehenden Massstäben weiterzuführen. Swissmem verlangt im Weiteren, dass sich das Verhältnis der Forschungsausgaben nicht weiter in Richtung des Nationalfonds verschiebt, wie das in den letzten Jahren der Fall war. Ganz im Sinne der Devise «Für einen starken Werk- und Denkplatz» vertritt Swissmem die Ansicht, dass es für einen attraktiven Forschungsplatz Schweiz von herausragender Bedeutung ist, wenn auch die Umsetzung der Forschungsergebnisse in erfolgreiche Innovationen gefördert wird. In diesem Sinne hält es Swissmem für unerlässlich, der KTI ausreichende Mittel zur Verfügung zu stellen.
Damoklesschwert Strom- und Wasserpreise
Um konkurrenzfähig zu bleiben, ist die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie auch auf günstige Strompreise angewiesen. Bekanntlich hat die erste Stufe der Marktöffnung noch nicht zu einem funktionierenden Strommarkt geführt, weshalb der Bund eine Revision des Stromversorgungsgesetzes eingeleitet hat. Swissmem hat grosse Erwartungen, dass es mit dieser Revision gelingt, einen Strommarkt mit international wettbewerbsfähigen Strompreisen zu schaffen. Für völlig verfehlt betrachtet Swissmem die vom Parlament beabsichtigte Erhöhung der Wasserzinsen in Verbindung mit der Erhöhung der Kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV). Denn diese führt zu einer weiteren Erhöhung der Strompreise auf Kosten des hiesigen Industriestandortes.
Zürich, 19. Mai 2010
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