Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03564.jsonl.gz/401

60 Jahre Ferrari
04.07.2007
Seit seiner Gründung im Jahr 1947 hat Ferrari von seinem Stammwerk in Maranello aus eine Strategie des Wachstums und des Fortschritts verfolgt. Das Springende Pferd ist heute ein herausragendes Symbol für Italiens Industrie. Diesen Status verdankt es zu einem grossen Teil der fortwährenden Entwicklung von Rennwagentechnik für Seriensportwagen.
Die Geschichte
Ferraris Geschichte als Hersteller von Automobilen hoher Leistung ist von seiner beständigen Hingabe für den Motorsport charakterisiert. Diese Entschlossenheit zur Entwicklung von Renn- und Sportwagen hat der Marke mit dem springenden Pferd die vielen Erfolge gebracht, die sie zur Legende machen.
Der seit 1947 nahezu unveränderte historische Eingang zum Ferrari-Werksgelände.
Das erste Auto mit dem Namen Ferrari verliess das Werkstor von Maranello im Jahr 1947, doch bereits lange davor legte Enzo Ferrari die Grundsteine für ein industrielles Lebenswerk, das seinen Namen tragen sollte.
1898-1947: Die Anfänge
Enzo Ferrari, der Gründer der berühmtesten Autofirma der Welt, wurde am 18. Februar 1898 in Modena geboren. Nach dem Ersten Weltkrieg machte sich Enzo Ferrari auf den langen Weg zur Berühmtheit. Nachdem er 1918 bei Fiat in Turin keine Arbeit fand, nahm er eine Stelle bei einer kleinen Werkstatt an, die Militärfahrzeuge für den zivilen Gebrauch umbaute.
Dann fand er bei CMN in Mailand eine Arbeit als Test- und Rennfahrer. Dadurch lernte er die Mechaniker und die Piloten von Alfa Romeo kennen, denen er sich 1920 anschloss. Als Werksfahrer von Alfa Romeo lernte Ferrari 1923 die Mutter des Fliegerhelden Francesco Baracca aus dem Ersten Weltkrieg kennen; diese schlug ihm vor, das Emblem ihres Sohnes als Glücksbringer zu übernehmen.
1947: Enzo Ferrari erbaut den ersten Ferrari, den 125 S.
So kam 1932 das sich aufbäumende schwarze Pferdchen auf die Wagen der Scuderia Ferrari, die zum offiziellen Team Alfa Romeos wurde. Enzo Ferrari trennte sich 1939 von Alfa Romeo und baute 1940 seinen ersten Wagen unter dem Namen von Auto Avio Costruzioni. Trotz des drohenden Krieges verfolgte Ferrari seinen Traum, zum unabhängigen Rennwagenhersteller zu werden. Als wieder Frieden einkehrte begann die Arbeit am ersten Wagen, der seinen Namen tragen sollte, dem Ferrari 125 S des Jahres 1947.
1948-1968: Die goldenen Jahren des Motorsports
Ferrari nimmt seit den frühen Nachkriegsjahren offiziell am internationalen Motorsport teil. Der erste Grand Prix-Rennwagen der Marke Ferrari war der 125 F1 mit Kompressormotor, der 1948 Dritter im Grossen Preis von Italien in Turin wurde. Die Fünfziger Jahre begannen mit der Formel 1-Weltmeisterschaft, die Ferrari in diesem Jahrzehnt vier Male gewinnen sollte: 1952 und 1953 mit Ascari, 1956 mit Fangio und 1958 mit Hawthorn. Ferrari gewann 1953 die erste Weltmeisterschaft der Sportwagenmarken; diesen Titelerfolg wiederholte man 1954, 1956, 1957 und 1958.
Der Innenhof der Rennsportabteilung im Jahr 1957
Die Sechziger Jahre brachten grosse Rivalität zwischen den Rennwagen-Konstrukteuren, was vom Wirtschaftsboom herrührte und zu bemerkenswerten technischen Fortschritten führte. Ferrari war nach Stückzahlen gemessen der kleinste Mitspieler in der Elite des Motorsports, konnte sich aber immer an der Spitze halten. Die Scuderia gewann sowohl die Fahrer- wie auch die Kontrukteurs-Weltmeisterschaften zweier Jahre, 1961 dank Phil Hill mit dem 156 F1 sowie 1964 dank John Surtees mit dem 158 F1. Die Sportwagen sorgten ebenfalls für Aufsehen. Ferrari entwickelte sich von einer Manufaktur kleinster Stückzahlen, deren Fahrgestelle und Mechanik direkt von Rennwagen abstammten, zum Kleinserien-Hersteller. In den Sechziger Jahren verfeinerte Ferrari sein Talent zum Bau von Sportwagen, die Eleganz und Laufkultur mit atemberaubendem Leistungsvermögen verbanden.
1969-Heute: Investieren in erfolge
Seit dem Eintritt von Fiat als Teilhaber und technischem Partner im Jahr 1969 war es Ferrari möglich, zu expandieren und sich in vielen Bereichen zu entwickeln. Die eigene Teststrecke von Fiorano öffnete am 8. April 1972 und erlaubt es Ferrari seither, alle seine Wagen ganz nahe dem Werk zu erproben und zu entwickeln.
Teststrecke von Fiorano.
Enzo Ferrari übersiedelte sein Büro vom kleinen Raum neben dem Entwicklungsbüro direkt am Haupttor an der Via Abetone Inferiore nach Fiorano. Nach einer langen Pause ohne Titelsieg in der Formel 1 siegte Ferrari 1975 und 1977 dank Lauda. 1979 holte sich Scheckter die Weltmeisterschaft. Die Achtziger und die Neunziger Jahre brachten grosse Veränderungen, als die Firma ihre Gewinne über einen langen Zeitraum in die Erneuerung seiner Produktionsanlagen investierte.
Der Ferrari 288 GTO von 1984 ist das erste Kleinserienauto der Welt, mit einer Höchstgeschwindigkeit von über 300 km/h.
Ein herausragendes Zeichen für diese Entwicklung ist der 1997 von Renzo Piano entworfene Windkanal der Rennabteilung. Ferrari errang 1999 den Konstrukteurstitel zurück, womit der erstaunliche Serienrekord von sechs Weltmeisterschaften für die Marke und ihren Fahrer Michael Schumacher begann. Somit ist Ferrari an die Spitze der Formel 1 zurückgekehrt.
Ferrari Heute
Heute ist Ferrari dank seines Rufes als Pionier im Automobilbau das Symbol schlechthin für hervorragende Technik. Der Automobilbau findet im Herzen von Maranello statt, wobei die Karosserien und die Fahrwerke aus dem auf Leichtmetall spezialisierten Zweigwerk Carrozzeria Scaglietti im nahen Modena kommen.
1985 baut Ferrari erstmals mehr als 3000 Autos, darunter das 12-Zylinder Coupe Testarossa.
Das Hauptwerk trennt von der Rennabteilung namens Gestione Sportiva sowie von der Fiorano-Teststrecke die Hauptstrasse von Maranello, die Via Abetone Inferiore. Die historischen Gebäude des Stammwerkes stammen aus den frühen Vierziger Jahren, wurden aber vor allem seit dem Amtsantritt des Präsidenten Luca di Montezemolo 1991 massiv erweitert und modernisiert. Ferrari steigert permanent das Leistungsvermögen seiner Seriensportwagen mit Hilfe seiner weit fortgeschrittenen Kenntnisse der Aerodynamik; diesen Wettbewerbsvorteil markieren heute nicht weniger als drei firmeneigene Windkanäle. Der jüngste davon ist der futuristische Formel 1-Windkanal, der 1997 nach einem Plan des Architekten Renzo Piano entstand.
Der neue Osteingang des Ferrari Firmengeländes.
Diesem Neubau folgte ein neues Logistik-Gebäude für das Formel 1-Team. Mit seinem Entwicklungszentrum, seinen Werkzeugmaschinen und seinen Lackieranlagen nach dem modernsten Stand der Technik setzt die Serienproduktion neue Qualitätsmassstäbe. Ferrari baut derzeit mehr als 4500 Sportwagen im Jahr. Die Produktion teilt sich in Wagen mit V8-Motor (F430 und F430 Spider) sowie in die Wagen mit V12-Motor, die neue Zweisitzer-Berlinetta 599 GTB Fiorano und das viersitzige Flagschiff 612 Scaglietti.
Das neue Logistikzentrum der Ferrari Rennsportabteilung GES (Gestione Sportiva).
Formel 1
Ferrari hat als einzige Automarke seit 1950 jede Formel 1-Weltmeisterschaft bestritten. Während vieler Jahre war Ferrari das einzige Team, das alle Komponenten seiner Rennwagen selbst herstellte, vom Fahrgestell mit den Radaufhängungen bis zu Motor und Getriebe. Bis 2004 hat Ferrari insgesamt 14 Fahrer- und 14 Konstrukteurs-Weltmeisterschaften gewonnen. Die Scuderia hält den Rekord der meisten Siege in Formel 1-Rennen (182) und der ersten Startplätzen (178). Insgesamt 68 Rennfahrer sind für das Werksteam in der Formel 1 gestartet, 34 von ihnen haben zumindest einen Grand Prix gewonnen.
Wäre der Konstrukteurspokal gleichzeitig mit dem Fahrertitel bereits im Jahr 1950 eingeführt worden und nicht erst 1958, dann hätte ihn Ferrari vier weitere Male in den Jahren 1952, 1953, 1954 und 1956 gewonnen. Ferraris Hingabe für die Formel 1 hat seinen Sportwagen sehr dabei geholfen, sich an der absoluten Leistungsspitze zu halten. Eine interdisziplinäre Expertengruppe koordiniert die Übertragung und Anpassung von Formel 1-Technik für die Serienwagen. Herausragende Resultate davon waren 1997 die erstmalige Einführung des F1-Getriebes im Sportwagen und zuletzt der „manettino“ genannte Wählschalter zur Fahrzeugabstimmung sowie das E-Differential im F430.
Ferrari Schweiz
Bereits seit 1952 werden Ferrari in die Schweiz importiert, nur fünf Jahre nach dem ersten Automobil, das den Namen Ferrari trug. Seitdem hat sich Ferrari für alle Liebhaber von leistungsfähigen und exklusiven Sportwagen zur legendären Marke in einem der anspruchsvollsten Automärkte der Welt entwickelt. Die beispielhaften Formel 1-Erfolge von Michael Schumacher haben den Enthusiasmus für Ferrari in der Schweiz vervielfacht. Der Bedeutung des Schweizer Marktes trug Ferrari S.p.A 1994 mit der Gründung der Ferrari (Suisse) AG Rechnung. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Nyon (VD). Mit ca. 250 verkauften Ferrari pro Jahr ist die Schweiz das Land mit der grössten Ferrari-Dichte weltweit. Rund 6% aller Ferrari entstehen für den Schweizer Markt. Heute betreut Ferrari (Suisse) SA als Importeur gemeinsam mit 10 Vertragshändlern ca. 4000 Ferrari.
www.ferrari.com
Fotos: Ferrari Italia
José Peixoto