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GESAMT EUROPACUP SIEGERIN
Was haben meine letzte Rennsaison und ein Lunapark gemeinsam? Ganz einfach: Die dicht aufeinanderfolgenden Höhepunkte und Tiefschläge gaben mir oft das Gefühl, mich in einer sportlichen Achterbahn zu befinden.
Die neue Erfahrung in der Spitzensport RS im Mai und das anschliessende harte Konditionstraining bis in den Herbst hinein trieben mich und meinen Körper oft an die Grenze. Und der Herbst und die kurze Vorbereitung auf dem Schnee verstrichen schneller als gedacht. Von daher war ich gespannt, wie mir der Einstieg in die Saison gelingen würde. Die ersten Rennen betrachtete ich als eine vorsichtige Standortbestimmung, sie lieferten aber keine sicheren Prognosen für den Verlauf der Saison. Trotzdem freute mich der gute Start im stark besetzten Europacup mit Platz zwei und vier und motivierte mich für die nächsten Rennen. Auch die guten Resultate aus dem Weltcup kurz vor Weihnachten spornten mich an, über die Feiertage wenig zu feiern und intensiv zu trainieren.
Wie eingangs schon erwähnt, wurden diese Anstrengungen nicht belohnt. Mit den Misserfolgen in Bad Gastein begann meine sportliche Berg- und Talfahrt. So aus der Bahn geworfen, wechselte ich kurz entschlossen die Platte auf meinem Slalomboard. Aus der Bahn geworfen war ich zu dieser Zeit sowieso schon. Um meine Erfolgsspur wieder zu finden, musste ich mit dem neuem Material zurück bewähren Erfolgsrezept: konsequente Arbeit. Leichter gesagt, als getan.
Beim Weltcup in Rogla musste ich lernen, Resultat und Leistung voneinander zu trennen. Die Leistung stimmte, das Resultat allerdings noch nicht.
Wie eng Höhen und Tiefen im Sport beieinander liegen, wurde mir beim Europacup in Lachtal bewusst. Am ersten Tag gelang mir der erste Sie im Europacup - absolutes Highlight. Am darauf folgenden Wettkampftag fuhr ich dann am letzen Tor vorbei. Der absolute Misserfolg! Doch Fehler sind letztendlich dazu da, um daraus zu lernen. Ich hatte bei der Kursbesichtigung die letzten Tore falsch eingeschätzt und so die Geschwindigkeit total unterschätzt. Also schaue ich mir seit diesem Zeitpunkt die Zieleinfahrt immer ganz genau an.
Auf das Heimrennen auf der Lenzerheide freute ich mich sehr - insbesondere weil Freunde und Familie dabei waren. So schön wie es ist, macht es mich allerdings auch immer ein bisschen nervös. Die Misserfolge in Bad Gastein hatten mich verunsichert, aber nach der Qualifikations-Bestzeit hatte ich das beruhigende Gefühl, wieder auf der Erfolgsspur zu fahren. Das Ergebnis: Platz vier und neun, zwei weitere Top 10 Ergebnisse, die mich einen grossen Schritt voran brachten.
Es folgten weitere Heimrennen in der Schweiz. In Davor war ich mit den Plätzen neun und zwölf im Europacup nur bedingt zufrieden. Da wäre definitiv mehr drin gewesen.
Eine lang ersehnte Premiere wäre für mich der Start am Heimweltucp in Scuol gewesen. Doch die Achterbahn nahm wieder Fahrt auf und es folgte eine weiterer sportlicher Tiefschlag: Nach einem Trainingssturz auf den Kop blieben auch Schmerzen im Knie. Erste Untersuchungen zeigten Anzeichen eines Risses im Kreuzband. Die Ärzte rieten mir, die Saison zu beenden, da das Risiko einer Verschlimmerung der Verletzung zu gross sei. Doch damit konnte und wollte ich mich nicht abfinden. Auf den Weltcup in Scuol verzichtete ich notgedrungen. Zusammen mit meinem engsten Trainerteam, sowie den Physio- und Ostepathen entschied ich mich, trotz Verletzung die Saison nicht zu beenden. Manchmal muss man eben Risiken eingehen, wenn man den ganz grossen Erfolg schaffen will.
So liess ich die Achterbahn also weiter fahren und stand in Rogla wieder am Start. Schmerzen hin oder her: Ich will Rennen fahren. Und der Erfolg gab mir wieder Recht. Platz 15 am ersten Tag zeigte mir, dass das Knie halten kann. Also vertraute ich am Folgetag 100 Prozent darauf - und beendete mein Lieblingsrennen in Slowenien auf dem sensationellen 2. Platz.
Das Weltcup Finale in Winterberg fand dann allerdings ohne mich statt. Der Veranstalter plante einen Roller oder Projump im Kurs. Hinsichtlich meines Saisonzieles machte es keinen Sinn, dieses Risiko unnötig einzugehen.
Dafür startete ich an den Österreichischen Meisterschaften. Das war wichtig, um den Rennrythmus nicht zu verlieren. Der 2. Platz zeigte mir, dass ich auf dem richtigen Weg war, vor allem im Slalom. Im Hinblick auf das Saisinfinale in der Disziplin Slalom, wo ich mir die meisten Chancen ausrechnete, verichtete ich also auf einen Start im Riesenslalom.
Meine Nervosität stieg, je schneller sich das Europacup Finale näherte. Die Gesamtwertung würde sich erst im letzten Rennen entscheiden. Mit einem 2. und einem 7. Platz bestätigte ich meine Form und kann mich stolze Gesamteuropacup Siegerin der Saison 2018/19 nennen.
Die emotionale Achterbahnfahrt der letzen Saison war anstrengend und langwierig, aber letztendlich bin ich ganz oben angekommen. Die konsequente Arbeit mit meinem Team und der Fokus auf das Ziel haben sich ausgezahlt und zum Erfolg geführt. Nun kann ich meinem Knie eine Pause gönnen und den 2. Teil der Spitzensport RS absolvieren. Doch der Fokus liegt schon jetzt auf der kommenden Wintersaison!