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Länger leben, aber weniger gesund?
Ausgabe: 09-2023 Datum: 26.09.2023
Thema: Gesundheit, News
Im Jahr 2022 betrug die Lebenserwartung in der Schweiz 85,6 Jahre für Frauen und 81,6 Jahre für Männer.
Was nützen uns ein paar Jahre mehr, wenn wir weniger gut diagnostiziert und behandelt werden, weil sich unsere Symptome anders äußern? Wenn unsere Schmerzen weniger oft erkannt werden? Wenn die Medikamente weniger gut auf Frauen abgestimmt sind und bei ihnen mehr Nebenwirkungen hervorrufen?
Es ist eine Tatsache, dass die Medizin auch heute noch weitgehend auf und für männliche Modelle und Standards aufgebaut ist, sagt Dr. Alyson McGregor, Professorin an der Brown University School of Medicine (USA).
Der Körper von Frauen unterscheidet sich jedoch physiologisch von dem der Männer, und zwar in Bezug auf Chromosomen, Hormone, Strukturen und Systeme. Eine Behandlung, die bei Männern wirksam ist, muss daher nicht zwangsläufig auch für Frauen geeignet sein, zumal pharmazeutische Produkte häufig nicht an Frauen oder Senioren getestet werden. Die medizinische Forschung, die klinischen Studien und auch ihre Finanzierung basieren auf einem männlichen Paradigma mit Kohorten, die sexuelle Unterschiede, Alter und Rasse kaum berücksichtigen.
Der Androzentrismus unseres Gesundheitssystems ist problematisch, was dazu führt, dass die Behandlung von Frauen weniger relevant ist.
Dr. McGregor hat sechs Hauptbereiche identifiziert, in denen die biologischen, biochemischen und biopsychologischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen ausgeprägt sind:
- Diagnose und Behandlung von Herzinfarkten (die häufigste Todesursache sowohl bei Frauen als auch bei Männern) und Schlaganfällen.
- die Verschreibung und Dosierung von Medikamenten
- die subjektive Bewertung von Frauensymptomen mit der Rolle, die Diagnosen der psychischen Gesundheit, darunter Angstzustände, spielen.
- Schmerz und seine Behandlung
- Hormone und die weibliche Biochemie
- soziale, kulturelle und geschlechtsspezifische Konventionen.
Was ist zu tun?
- Stellen Sie Ihrem Arzt gezielte Fragen, z. B.:
Muss ich als Frau und Seniorin nach diesem Eingriff mit Nebenwirkungen rechnen? bei diesem Generikum? wurde dieses neue Medikament an Frauen getestet? Kann meine Hormonersatztherapie (nach der Menopause) einen Einfluss auf diese Untersuchung haben?
- Nehmen Sie an einer klinischen Studie teil.
- Suchen Sie nach alternativen Behandlungen zur Behandlung Ihrer Schmerzen.
- Treten Sie einer Selbsthilfegruppe bei.
- Konsultieren Sie eine von Ärzten kontrollierte Gesundheitsplattform (planetesanté).
Kurz gesagt: Nehmen Sie Ihre Gesundheit selbst in die Hand und sorgen Sie dafür, dass Sie die Antworten bekommen, die Sie brauchen.
Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wird Sie das Buch”Le sexe de la santé” von Alyson McGregor, Edition Erès, 2021, interessieren.
Elisabeth Leo-Dupont
Delegierte der VASOS im Schweizerischen Seniorenrat (SSR)