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Sorbonne,
das in Paris [* 2] im Mittelpunkt des Quartier latin gelegene, in den letzten Jahren völlig umgebaute und sehr vergrößerte Gebäude, in dem sich die historisch-philologische (Lettres, 52 Docenten) und die mathematisch-naturwissenschaftliche (Sciences) Fakultät (42 Docenten), die Schule, zur praktischen Übung in den exakten Wissenschaften (École pratique de hautes études), d. i. ein Komplex von Seminarien und Instituten in 5 Sektionen, und die Universitätsbibliothek befinden.
Ursprünglich hieß S. eine arme Magisterinnung an der alten Pariser Universität, und zwar nach ihrem Stifter Robert von Sorbon, Ludwigs des Heiligen Kaplan und Beichtvater. Derselbe hatte 1257 einen Verein von 16 armen Weltgeistlichen gegründet, die gemeinschaftlich beisammen leben und sich nur mit Studieren und unentgeltlichem Unterricht abgeben sollten. Mitglieder waren in der Folge stets Doktoren und Professoren der Theologie an der Pariser Universität, und sein Ansehen stieg so hoch, daß sein Name auf die ganze theol.
Fakultät dieser Universität überging. Die Gutachten und Beschlüsse der S. hatten entscheidenden Einfluß auf die nationale Gestaltung des Katholicismus in Frankreich. Den Jesuiten nicht weniger feind als der Reformation, hielt die S. streng auf die Freiheiten der gallikanischen Kirche. Sie widersetzte sich der Bulle Unigenitus und stand in den Jansenistischen Streitigkeiten zwar nicht auf der Seite des Port-Royal, doch der jesuitischen Partei immer entgegen.
Später ließ sie sich mehr die Verteidigung der Rechte als die Vervollkommnung der wissenschaftlichen und praktischen Behandlung des alten Glaubens angelegen sein. Deswegen gründete Franz I. 1530 das ihr feindliche Collège royal, das heutige Collège de France. Zwei Mitglieder, Pichot und Lapierre, gründeten 1470 in der S. die erste franz. Buchdruckerei, trotz der Verfolgungen, denen Fust in Paris ausgesetzt gewesen war. Pedantischer Eigensinn und beschränkte Orthodoxie setzte die S in Gegensatz zu den freisinnigen Schriftstellern des 18. Jahrh., und ihre Verdammungsurteile über die ¶
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Schriften des Helvétius, Rousseau und Marmontel brachten sie dermaßen ins Gespött, daß sie ihr Ansehen längst verloren hatte, als Ludwig XVI. ihrem Bestehen ein Ende machte und ihre Gebäude als Nationalgut in Beschlag nahm. Die Bücher wurden den öffentlichen Bibliotheken und die Handschriften der jetzigen Bibliothèque Nationale zugewiesen. Seit Napoleon I. besteht die obengenannte Einrichtung. -
Vgl. Duvernet, Historie de la S. (deutsch, 2 Bde., Straßb. 1792);
Franklin, La S. (Par. 1875);
Gréard, Nos adieux à la vieille S. (ebd. 1893).