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General Idea wurde 1969 von AA Bronson, Felix Partz und Jorge Zontal in Toronto gegründet. Nach AA Bronson entstand General Idea „in den Nachwehen der Pariser Studentenunruhen, aus den Überbleibseln von Hippiekommunen, Untergrundzeitungen, radikaler Pädagogik, Happenings, Love-Ins, Marshall McLuhan und der Situationistischen Internationale. Wir glaubten an eine freie Ökonomie, an die Abschaffung des Urheberrechts und an horizontale, basisdemokratische Strukturen, die die Architektur des Internets vorwegnahmen.“ Felix Partz und Jorge Zontal starben 1994 an den Folgen von AIDS.
Die Gruppe erregte mit theoretisch präzisen Interventionen und ihrem humorvollen wie formal präzisen Umgang mit gefundenen Formaten aus dem Kunstkontext und der Medien- und Konsumlandschaft seit den frühen 1970er Jahren internationale Aufmerksamkeit. Ihr medial breit angelegtes Werk umfasst Installationen, Objekte, Performances, Fotografien, Leinwandarbeiten, Videos und Zeichnungen sowie integral und gleichwertig die Gestaltung und Herstellung von Magazinen, unlimitierte Auflagenobjekte, Mail Art, Multiples, Editionen, Postkarten, Poster, aber auch Tapeten, T-Shirts, Luftballons, Wappen und Essgeschirr.
General Ideas subversive Aneignungen von Werken und Formaten der Hoch- und Populärkultur und ihr radikaler Umgang mit der Idee des Kollektivs, mit autonomen und den gängigen Verbreitungs- und Vermarktungsweisen entgegenlaufenden Vertriebsformen ihrer eigenen wie der Arbeit anderer Künstlerinnen und Künstler hat Pioniercharakter und nimmt Themen der Kunstproduktion der 1980er, 1990er und einer aktuellen Künstlergeneration exemplarisch vorweg. 1974 gründete das Kollektiv den Laden Art Metropole in Toronto, der bis heute Editionen und Bücher von Künstlerinnen und Künstlern produziert und vertreibt.
Ihre Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Kunst und Medien, Kunst und Markt oder Kunst und AIDS sind wegweisend für die ästhetische Diskussion der Gegenwart und gerade heute für eine jüngste Künstlergeneration aktuell. Dies betrifft ihre Formulierungen in Bezug auf Fragen der Identität und Urheberschaft, ihre Praxis der kollektiven und autonomen Arbeits- und Lebensformen wie auch die konzeptuellen Grundlagen ihrer Arbeiten, die Strategien der „viralen Infektionen“ und parasitären Aneignungen von kunstgeschichtlichen wie populärkulturellen Medien und Formaten umfassen – Themen, mit denen sich gerade eine ganz junge Generation, deren Wahrnehmung und Erfahrung von Realität und der Umgang mit Identität und Original entscheidend vom Internet geprägt ist, auseinandersetzt.
General Ideas künstlerische Interventionen in den 1980er und 1990er Jahren, die sich einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit AIDS in zahlreichen Werken, den Medien und Aktionen im öffentlichen Raum annahmen, haben Modellcharakter für einen politischen Aktivismus, der formal und künstlerisch nicht scheitert.
General Idea: Found Formats erweitert die in alle Werkstränge führenden Arbeiten der Editionen und Multiples von 1967 bis 1995 um zentrale Werke und Installationen aus dreissig Jahren ihres Schaffens. Das 1972 lancierte FILE Megazine, das kurzfristig aufgrund seiner intelligenten Umwandlung des Stils und der Inhalte des LIFE-Magazines verboten war, wird vollständig einsehbar sein; die AIDS-Tapete (eine Umwandlung von Gary Indianas LOVE-Arbeit) wird ebenso wie die am Fernsehtestbild orientierte Triniton-Tapete den Hintergrund für Gemälde und Objekte bilden, die die Künstler in den Formaten der Kunst- und Mediengeschichte „gefunden“ haben: so zum Beispiel das vollständige Set der Selbstporträts der Künstlergruppe, die sich seit 1982 als Pudel, Babies, Doktoren in immer wieder neuen Versionen darstellen und in der Installation Fin de Siecle (1990) als Robben in einer Eislandschaft ihre letzten Doubles finden. Die an Warhols Silver Clouds angelehnte Installation mit Luftballonen Magic Bullet (1991) und Magic Carpet (1992), eine Neonleuchteninstallation, die Dan Flavin in einen Lichtteppich umformulierte, sind neben dem Miss General Idea Pavillon, den die AIDS-Medikamentation thematisierenden Placebo-Arbeiten der 1990er Jahre, der Yen-Boutique (1991) und der 10-teiligen Bildserie Mondo Cane Kama Sutra (1984) zu sehen. Ergänzt durch eine Auswahl der Filme von General Idea gibt die Ausstellung Einblick in ein Schaffen, das zentrale Fragestellungen nach dem Status der Kunst, dem Original, dem Glamour, der Politik und den Vertriebssystemen der Kunst eröffnet hat.
Die Kunsthalle Zürich dankt: Präsidialdepartement der Stadt Zürich, Luma Stiftung
Die in der Ausstellung GENERAL IDEA: FOUND FORMATS integrierte Ausstellung GENERAL IDEA EDITIONS 1967-1995 wurde von Barbara Fischer, Blackwood Gallery, University of Toronto at Mississauga, in Zusammenarbeit mit AA Bronson kuratiert.
GENERAL IDEA EDITIONS wurde wesentlich unterstützt durch Canada Council, Ontario Arts Council, die Andy Warhol Foundation, Foreign Affairs Canada und die Botschaft von Kanada, Berlin.