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Jentinkducker - Cephalophus jentinki
Ogilbyducker - Cephalophus ogilbyi
© 2007 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)
Vom östlichen Sierra Leone durch Liberia, das südwestliche Guinea, die Elfenbeinküste und Ghana bis zum westlichen Togo erstreckt sich der so genannte Oberguinea-Waldblock. Es handelt sich um ein Regenwaldgebiet, welchem von der Weltnaturschutzunion (IUCN) auf globaler Ebene höchste Schutzwürdigkeit zuerkannt wird, einerseits wegen der grossen Anzahl endemischer Arten, die es beherbergt, andererseits wegen des enormen Erschliessungsdrucks, der auf ihm lastet. In der Tat ist der Oberguinea-Waldblock längst kein solcher mehr, sondern ist aufgrund der Tätigkeit des Menschen in viele kleine, isolierte Fragmente zerfallen. Und er zerfällt und schwindet weiterhin zwecks Gewinnung von Holz und Kulturland.
Liberia, das Ausgabeland der vorliegenden Briefmarken, ist das einzige der eingangs genannten sechs Länder, welches noch über mehrere grossflächige Waldgebiete verfügt; sie machen rund vierzig Prozent des verbleibenden Oberguinea-Regenwalds aus. Es überrascht darum nicht, dass in Liberia besonders viele, nämlich fast 200 Säugetierarten heimisch sind. Acht von ihnen sind Ducker, also kleine bis mittelgrosse, mehrheitlich im Bereich der tropischen Regenwälder West- und Zentralafrikas lebende Antilopen. Es sind dies der Jentinkducker (Cephalophus jentinki)
und der Zebraducker (Cephalophus zebra)
, welche beide ausschliesslich im Oberguinea-Waldblock zu Hause sind, ferner der Ogilbyducker (Cephalophus ogilbyi)
, der Schwarzducker (Cephalophus niger)
, der Schwarzrückenducker (Cephalophus dorsalis)
, der Gelbrückenducker (Cephalophus silvicultor)
, der Blauducker (Cephalophus
oder Philantomba monticola
) und der Maxwellducker (Cephalophus
oder Philantomba maxwellii
), welche weiter verbreitet sind.
Mit den Kuhantilopen verwandt?
Die Ducker gehören innerhalb der Ordnung der Paarhufer (Artiodactyla) zur grossen Familie der Hornträger (Bovidae) und werden dort zur Unterfamilie der Ducker (Cephalophinae) zusammengefasst. Von den 18 gegenwärtig anerkannten Duckerarten gehören 15 zur Gattung der Schopfducker (Cephalophus)
, 2 werden manchmal in der Gattung Philantomba
von diesen abgetrennt, und 1 Art, der Kronenducker (Sylvicapra grimmia)
, welcher als einziger kein echter Waldbewohner ist, wird der Gattung Sylvicapra
zugeordnet.
Wo genau die Ducker innerhalb der Familie der Hornträger verwandtschaftlich einzuordnen sind, ist umstritten. Früher wurden sie im Allgemeinen ganz an den Anfang der Familie gestellt, da man in ihnen eine grosse Ähnlichkeit mit den frühesten, im Miozän lebenden Hornträgern zu erkennen glaubte und sie demnach für einen sehr ursprünglichen Zweig hielt. Heute sind sich die Zoologen in dieser Hinsicht nicht mehr so sicher. Eine Meinung besagt, dass die Ducker aus denselben Vorfahren wie die Rinder (Unterfamilie Bovinae) hervorgegangen sind. Häufig werden sie nun aber in die Nähe der Kuhantilopen (Unterfamilie Alcelaphinae) gerückt.
Alle Ducker haben einen gedrungen gebauten Körper, der dem Leben im reichen Pflanzenwuchs sehr gut angepasst ist: Der Rumpf ist aufgrund der verkürzten Vorderbeine vorne unterbaut, der Kopf ist keilförmig und wird auf kurzem Hals getragen, das Gehörn ist klein und nach hinten gerichtet. Dieser «strömungsgünstige» Körperbau ermöglicht den Duckern die gleitende Bewegung durch das üppige Pflanzengewirr in ihrem feuchtwarmen Waldlebensraum. Tatsächlich stammt der Name «Ducker» vom Afrikaans-Wort duiker
ab, was «Taucher» bedeutet und auf das charakteristische Verhalten der Tiere anspielt, schon bei der geringsten Beunruhigung sofort ins Dickicht «einzutauchen». Alfred Brehm nennt in seiner Enzyklopädie von 1864 den Ducker denn auch «Taucherbock».
Bei den meisten Duckerarten weisen die erwachsenen Individuen ein Gewicht zwischen 10 und 25 Kilogramm auf, wobei das Spektrum aber von 8 bis 80 Kilogramm reicht. Die Weibchen sind im Durchschnitt eine Spur grösser als die Männchen, was für Landsäugetiere ziemlich untypisch ist. Ausser beim Buschsavannen bewohnenden Kronenducker tragen beide Geschlechter Hörner.
Der Jentinkducker
Mit einem Gewicht von bis zu 70 Kilogramm, einer Kopfrumpflänge von etwa 135 Zentimetern und einer Schulterhöhe von zirka 80 Zentimetern ist der Jentinkducker - hinter dem Gelbrückenducker - das zweitgrösste Mitglied der Duckerunterfamilie. Bei beiden Geschlechtern weisen die schwarzen Hörner eine Länge von 15 bis 21 Zentimetern auf. Der für die Schopfducker typische Büschel langer Haar zwischen den Hörnern («Schopf») ist sehr klein oder fehlt sogar ganz.
Der Jentinkducker kommt einzig in Sierra Leone, Liberia und der Elfenbeinküste vor. Er bewohnt fast ausschliesslich dichte Primärwälder in tiefen Lagen, unternimmt aber mitunter Ausflüge in angrenzende Sekundärwälder und sogar Pflanzungen. Interessanterweise bewohnt dort, wo der Jentinkducker nicht vorkommt, der Gelbrückenducker diesen Lebensraum, während Letzterer dort, wo der Jentinkducker vorkommt, einzig in waldähnlichem Sekundärwuchs anzutreffen ist. Es scheint also, dass der etwas kleinere Jentinkducker seinen gelbrückigen Vetter aus dem Primärwald zu verdrängen vermag.
Wie die meisten Mitglieder der Duckerfamilie ist der Jentinkducker ein ziemlich unbekanntes Huftier. Sein geringer Bekanntheitsgrad hängt damit zusammen, dass er in freier Wildbahn kaum je zu beobachten ist. Er ist verhältnismässig klein, streift hauptsächlich nachts umher, lebt stets im Bereich dichten, unwegsamen Pflanzengewirrs und verhält sich überaus scheu und wachsam. Von den Fussspuren und vom Kot abgesehen ist gewöhnlich das einzige Zeichen, das auf die Anwesenheit eines Jentinkduckers hindeutet, jenes kurze «Platschen», das entsteht, wenn das Tier schleunigst ins grüne Pflanzendickicht eintaucht und sich davonmacht. Ein in einem Zoo studiertes Individuum war zwar zu 28 Prozent während des Tags und zu 40 Prozent während der Nacht aktiv, doch dürfte dies für frei lebende Individuen nicht typisch sein.
Wie die meisten Ducker ist der Jentinkducker ein so genannter «Buschesser» oder «Nascher» («Browser»), der bei der Nahrungssuche gemächlich durch sein Wohngebiet streift und sich von einer Vielzahl verschiedener Pflanzenarten jeweils die zartesten und nährstoffreichsten «Bissen» auswählt. Auf diese Weise stellt er sich gezielt eine energetisch hochwertige, leicht verdauliche Nahrung zusammen. Seine Hauptspeise scheinen die zarten Schösslinge diverser Baumarten zu sein. Er nimmt aber auch Früchte zu sich, einschliesslich solcher mit harter Schale. In Pflanzungen verspeist er beispielsweise gerne Mangos sowie Palm- und Kakaofrüchte. Manchmal legt er mit Hilfe seiner Hufe Speicherwurzeln frei, um diese zu verzehren.
Die Ducker sind keine geselligen Antilopen, sondern streifen teils als Einzelgänger, teils in Paaren durch ihre Heimatwälder. Über die Gesellschaftsstruktur des Jentinkduckers wissen wir nichts Genaues. Es gibt aber Hinweise darauf, dass er paarweise lebt und dass die Paare territorial sind, also ein Stück Wald zur alleinigen Nutzung beanspruchen, in welchem sie einzig den Geschlechtspartner und die eigenen, noch abhängigen Jungen dulden, während alle anderen Artgenossen unnachgiebig daraus vertrieben werden. Wie alle Schopfducker verfügt der Jentinkducker beiderseits des Kopfs über eine als «Wangenschlitz» erkennbare Voraugendrüse, deren Sekret er auf seinen Esswanderungen immer wieder an Zweigen und Blättern abstreift. Diese Duftmarken sollen vermutlich fremde Artgenossen davor warnen, weiter in das betreffende Gebiet einzudringen. So lassen sich - zu Gunsten beider Seiten - Konfrontationen auf ein Minimum beschränken.
Auch über das Fortpflanzungsverhalten des Jentinkduckers ist kaum etwas bekannt. Es scheint aber demjenigen des Gelbrückenduckers ähnlich zu sein. Bei jenem bringt das Weibchen nach einer Tragzeit von etwa fünf Monaten jeweils ein Einzelkind zur Welt, das bei der Geburt ungefähr fünf Kilogramm wiegt. Schon eine halbe Stunde nach der Geburt vermag dieses auf seinen Beinchen zu stehen und die ersten Schritte zu unternehmen. Es begleitet aber seine Mutter vorerst nicht bei deren Streifzügen durchs Revier, sondern wird von ihr in dichtem Unterholz «abgelegt» und bleibt dann während der ersten Lebenswochen ständig dort verborgen. In dieser Phase beschränken sich die Kontakte zur Mutter auf das Säugen. Danach schliesst es sich seiner Mutter an und wandert fortan mit ihr zusammen im Wohngebiet umher. Zwar beginnt es bereits im Alter von etwa drei Wochen, feste Nahrung zu sich zu nehmen, doch wird es noch gesäugt, bis es etwa fünf Monate alt ist.
Die Geschlechtsreife erreicht das Jungtier im Alter von ungefähr einem Jahr, und im Laufe der nächsten Monate verlässt es seine Eltern (welche ihm gegenüber zunehmend intoleranter werden), um einen eigenen Partner und ein eigenes Territorium zu suchen. Die maximale Lebenserwartung dürfte in der freien Wildbahn bei zehn bis zwölf Jahren liegen. Die Jungtiere tragen übrigens ein braunes Kleid und erhalten die arttypische schwarz-grau-weisse Färbung erst beim Erreichen der Geschlechtsreife.
Der Ogilbyducker
Der Ogilbyducker gehört zu den mittelgrossen Mitgliedern der Duckerunterfamilie. Die erwachsenen Individuen wiegen zwischen 14 und 20 Kilogramm, haben eine Kopfrumpflänge von 85 bis 115 Zentimetern und eine Schulterhöhe von ungefähr 55 Zentimetern. Die Hörner weisen bei den Männchen eine Länge von 8 bis 12 Zentimetern auf, bei den Weibchen eine solche von nur 4 Zentimetern und sind darum weitgehend verdeckt durch den Haarschopf auf dem Hinterkopf.
Der Ogilbyducker hat eine wesentlich weitere Verbreitung als der Jentinkducker. Er ist von Sierra Leone und Guinea im Westen über Liberia, die Elfenbeinküste, Ghana, Nigeria, Kamerun und Äquatorialguinea bis Gabun und Kongo-Brazzaville im Osten heimisch. Allerdings kommt er innerhalb des Artverbreitungsgebiets nur in weit verstreuten Beständen vor, denn er bewohnt fast ausschliesslich Primärwald in tiefen Lagen, und solcher ist vom Menschen mehrheitlich zerstört oder zumindest stark beeinträchtigt worden.
Auf der politisch zu Äquatorialquinea gehörenden, im Golf von Guinea gelegenen, 2017 Quadratkilometer grossen Insel Bioko, welche früher nach ihrem portugiesischen Entdecker Fernando Póo genannt wurde, war der Ogilbyducker einst besonders zahlreich, weil es dort keine anderen Ducker gibt, welche im ökologischen Wettstreit mit ihm stehen. Er wurde darum früher «Fernando-Po-Ducker» genannt. Interessanterweise hat er sein Vorkommen auf Bioko auch in Bergwälder (800 bis 1200 Meter ü.M.) und in von Strahlenaralien (Schefflera spp.)
geprägte Sekundärwälder ausgedehnt.
Der Ogilbyducker ist ebenso wie der Jentinkducker kaum untersucht. Er wird oftmals am Tag gesichtet, scheint also zumindest teilweise tagaktiv zu sein, und man begegnet ihm stets einzeln oder paarweise. Wahrscheinlich ernährt er sich vor allem von reifen Früchten, die zu Boden gefallen sind, nimmt aber in einem gewissen Ausmass auch Blätter und Blüten zu sich. Ogilbyducker folgen, wie dies bei manchen anderen bodenlebenden Regenwaldtieren zu beobachten ist, manchmal Affentrupps, welche im Geäst des Kronendachs umherstreifen, und tun sich im Erdgeschoss an den Früchten, Blüten und anderen Essensresten gütlich, welche von oben herunterfallen.
Begehrtes Buschfleisch
Von den beiden vorgestellten Arten ist der Jentinkducker aufgrund seines beschränkten Verbreitungsgebiets stärker gefährdet als der Ogilbyducker, ja er ist möglicherweise sogar der seltenste aller Ducker. Wissenschaftlich beschrieben wurde er erst 1892. Danach gab es während über fünfzig Jahren keine Hinweise mehr auf seine Existenz. Erst 1948 tauchte in der Elfenbeinküste der Schädel eines erwachsenen Männchens auf. Seither konnte die Art des Öfteren beobachtet werden.
Der Jentinkducker steht in der Kategorie «Verletzlich» auf der Roten Liste der IUCN. Seit 1990 wird er zudem in Anhang I der Konvention über den internationalen Handel mit gefährdeten Tier- und Pflanzenarten (CITES) geführt, was bedeutet, dass der Handel mit lebenden Jentinkduckern oder Teilen von ihnen zwischen den heute 171 CITES-Mitgliedsstaaten nur in Ausnahmefällen erlaubt ist. 1999 wurde der Artbestand in freier Wildbahn auf lediglich 3500 Individuen geschätzt; in Tiergärten leben nur wenige Individuen.
Der Ogilbyducker wird demgegenüber als «Nahezu gefährdet» auf der Roten Liste der IUCN geführt und steht in Anhang II der CITES-Konvention, welcher weniger starken Handelsschutz gewährleistet. 1999 wurde der Gesamtbestand der Art in freier Wildbahn auf rund 30 000 Individuen geschätzt.
Bei beiden Arten gelten die Bestände als weiterhin rückläufig. Zu schaffen macht ihnen in erster Linie die Rodung der Wälder durch den Menschen, wodurch die verbleibenden Lebensraum-Reststücke weiter verkleinert und zerstückelt werden. Hinzu kommt, dass das Fleisch aller Duckerarten in ganz West- und Zentralafrika als Delikatesse gilt und auf den Märkten hohe Preise erzielt. Der Jagddruck auf die Tiere ist darum enorm. Früher wurden die Wildtiere eher für den lokalen ländlichen Konsum bejagt, doch zunehmend wird so genanntes «Buschfleisch» («Bushmeat») auch in die Städte geliefert, was den Jagddruck weiter ansteigen lässt. Leider können Ducker nachts sehr einfach abgeschossen werden, weil ihr Augenhintergrund aufleuchtet, wenn er vom Licht einer starken Taschenlampe getroffen wird, und weil die Tiere in solchen Situationen häufig an Ort verharren. Viele von ihnen werden ausserdem in Drahtschlingenfallen gefangen.
Wenn die letzten Heimatwälder des Jentinkduckers und des Ogilbyduckers nicht bald einen besseren Schutz gegen die Abholzung erhalten und wenn die - vielfach illegale - Jagd nicht endlich stark eingeschränkt wird, dann sieht die Zukunft beider Arten düster aus.
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