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Collegium Helveticum
Schmelzbergstrasse 25
8006 Zürich
Anmeldung über www.omanut.ch / 044 915 28 63
Eine neue Betrachtungsweise der jüdischen Diaspora und des Begriffs der Diaspora im Allgemeinen sind das Thema des von Daniel Boyarin auf Englisch gehaltenen Vortrags The Talmud, Yiddish, and the Formation of Jewish Memory. Dem Professor für Kultur des Talmud an der University of California at Berkeley zufolge sind Beschreibungen der jüdischen Diaspora problematisch. Demgegenüber schlägt er eine andere Konzeption der jüdischen Geschichte und Kultur vor, die zu einem umfassenderen Verständnis der jüdischen Diaspora führt und einen Beitrag zur Theorie der Diaspora leistet. Bereits in seinem 2015 erschienenen Buch A Traveling Homeland hatte sich Boyarin gegen einen Begriff der Diaspora gewandt, der allein die Aspekte des Verlusts von Heimat und die Zerstreuung einer Gemeinschaft in alle Welt in den Mittelpunkt stellt. Stattdessen betonte er, wie sich kulturelle Identität gerade durch Migration bildet. Auch in seinem neusten Buch The No-State Solution: A Jewish Manifesto (2023) arbeitet er heraus, wie die jüdische Diaspora durch die Verwendung von Sprache geformt wird. Er versteht den Talmud als Manifest der Diaspora, als ein Buch, das verstreut über die ganze Welt jüdische Identität prägt und so zu einem „beweglichen Heimatland“ wird.
Daniel Boyarin, geboren 1946 in Asbury Park, New Jersey, ist Hermann P. and Sophia Taubman Professor of Talmudic Culture an der University of California at Berkeley. 2012/13 war er Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Gemeinsam mit seinem Bruder, dem Anthropologen Jonathan Boyarin, veröffentlichte er 2002 «Powers of Diaspora: two Essays on the Relevance of Jewish Culture».
Die neue Reihe «Omanut Lectures» wird in Kooperation mit dem Collegium Helveticum durchgeführt.