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Hamburger
Kunsthalle
Artikel vom 2. Februar 2004
Die Hamburger Kunsthalle hat ihre
Wurzeln im 1817 gegründeten "Kunstverein in Hamburg". Diese patriotische
Institution widmete sich dem Ausstellen und Sammeln. 1850 wurde in den
Börsen-Arkaden - eine für Hamburg typische Kombination von Kunst und Kapital -
die erste "Öffentliche Städtische Gemälde-Galerie" gezeigt. Die Kunsthalle
sollte allerdings vom Kunstverein erst am 30. August 1869 auf der Alsterhöhe
errichtet und dem Hamburger Senat und der Öffentlichkeit übergeben werden. Das
Gebäude war ein Werk der Berliner Architekten Hude und Schirrmacher. Die
Baukosten von 300,000 Mark wurden zu zwei Dritteln aus Spenden gedeckt, den Rest
brachte der Senat auf.
Die eigentliche Geburtsstunde der Hamburger Kunsthalle kam 1886, als Alfred
Lichtwark (1852-1914) mit ihrer Leitung betraut wurde. Der erste Direktor
öffnete das auf dem Stadtwappen verschlossene "Tor zur Welt" und lernte die
Hamburger nicht nur, dass die Hansestadt bereits seit Jahrhunderten eine
zeigenswerte Malerei kannte, sondern holte zudem zeitgenössische
Persönlichkeiten von Rang in die Hansestadt. Lichtwark förderte die Kunst für
das Volk und war daher Namensgeber der kunstfördernden Lichtwarkschule, die
unter anderen der spätere Bundeskanzler
Helmut Schmidt besuchen sollte.
Albert Lichtwark holte die Altäre von Meister Bertram und Meister Franke in
die Kunsthalle. Die Sammlung setzt noch heute mit dem Mittelalter ein. Mit dem
um 1379 entstandenen mehrteiligen Hauptaltar aus dem Chor der Petrikirche zu
Hamburg von Meister Bertram (ca. 1340-1414/15) besitzt die Hamburger Kunsthalle
ein herausragendes Werk der Malerei der norddeutschen Gotik. Auf 24 Tafeln
werden auf ergreifend naive Art ebenso viele Szenen aus der Heilsgeschichte
dargestellt.
Lichtwark entdeckte die hamburgische Spielart des Barock ebenso für sein
Museum wie die bürgerlichen Realisten des Vormärz. Der Name des Direktors ist
nicht zuletzt mit dem in Hamburg verstorbenen Philipp Otto Runde (1777-1810)
verbunden, dessen umfangreichen Nachlass er von den Erben für die Kunsthalle
erwarb.
Herausragend in der Hamburger Kunsthalle ist der dem Romantiker Caspar David
Friedrich (1774-1840) gewidmete Raum mit den Gemälden Das Eismeer
(1823/24), Meeresufer im Mondschein (1836) und Wanderer über dem
Nebelmeer. Lichtwark hatte 1905 fünf Bilder Friedrichs, darunter Das
Eismeer, erworben. Damit leistete der Direktor einen entscheidenden Beitrag
zur Wiederentdeckung des Romantikers. Nebenbei sei vermerkt, dass das 1994 in
der Schirn Kunsthalle, Frankfurt am Main, gestohlene Gemälde
Nebelschwaden von Caspar David Friedrich seit dem 28. August 2003
wohlbehalten in die Hamburger Kunsthalle zurückgekehrt ist.
Die Hamburger Kunsthalle ist allgemein für ihre Romantik-Sammlung berühmt, zu
deren Höhepunkten neben den Arbeiten von Caspar David Friedrich auch die Gemälde
Die Hülsenbeckschen Kinder und Der Morgen von Philipp Otto Runge
gehören.
Nachfolger des 1914 verstorbenen Lichtwark wurde Gustav Pauli (1866-1938). Er
eröffnete 1919 den von seinem Vorgänger geplanten Neubau, der Richtung Hamburger
Hauptbahnhof blickt.
Der Malerei des 19. Jahrhunderts umfasst heute neben den Romantikern auch
Realisten wie Wilhelm Leibl und Max Liebermann, der zum deutschen
Impressionismus führte, sowie die Deutschrömer Arnold Böcklin und Hans von
Marées umfasste, fügte Direktor Pauli zum Beispiel 1924 Edouard Manets Nana
und Anselm Feuerbachs Bianca Capello hinzu.
Pauli erweiterte die Sammlungen daneben um Edvard Munch und die deutschen
Expressionisten. Heute besitzt die Kunsthalle Werke von Ernst Barlach, Erich
Heckel, Alexei von Jawlensky, Wassily Kandinsky, Ernst Ludwig Kirchner, Franz
Marc, Otto Müller und Emil Nolde.
Pauli nahm den erzieherischen Auftrag des Museums ernst und gründete den
Verein "Freunde der Kunsthalle", für dessen Aktivitäten er einen grossen
Vortragssaal zwischen Alt- und Neubau errichten liess. -
Teil 2 der Geschichte der Hamburger Kunsthalle.

Luftbild der Hamburger Kunsthalle, 1997.
Foto © Reimer Wulf/Hamburger Kunsthalle.
Max Liebermann: Terrasse im Restaurant Jacob in Nienstedten an der
Elbe, 1902. Öl auf Leinwand, 70cm x 100cm. Foto © Elke Walford/Hamburger Kunsthalle.
Meister Bertram: Der Buxtehuder Altar, 1400/1410. Szenen
aus dem Leben Mariens. Foto © Elke Walford/Hamburger
Kunsthalle. - Von Runge bis Menzel. Hamburger Kunsthalle. ISBN: 3922909817.