Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/230581

<h2>SubmittedText<h2><p>Vor dem Hintergrund der Begründung bitte ich den Bundesrat um Antwort auf folgende Fragen:</p><p>1. Ist sich der Bundesrat des Problems bewusst, dass öffentliche Schwimmbäder mit Trinkwasser gefüllt werden, obwohl andere, ökologischere und wirtschaftlichere Lösungen eingesetzt werden könnten?</p><p>2. Ist er der Meinung, es sei verhältnismässig, dass Seewasser, das die Kriterien zum Baden erfüllt, nicht direkt für die Füllung der Bassins oder die Erneuerung des Wassers in den Bassins in den öffentlichen Schwimmbädern genutzt werden kann?</p><p>3. Die Verordnung des EDI über Trinkwasser sowie Wasser in öffentlich zugänglichen Bädern und Duschanlagen (TBDV) verweist auf die SIA-Norm 546 385/9. Welche Lösungen kann sich der Bundesrat im Hinblick auf die Schonung der natürlichen Ressourcen vorstellen, um die schädliche Wirkung, die auf eine strikte Anwendung dieser Norm zurückzuführen ist, zu verhindern?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Der Einsatz von Frischwasser möglichst in Trinkwasserqualität in Badeanlagen ist Voraussetzung zur Gewährleistung einer optimalen Hygiene und dient der Sicherheit der Badegäste. Seewasser enthält organisches Material (Mikroorganismen, pflanzliches Material, tierische Fäkalien etc.) sowie Stoffe aus Abwasser von Landwirtschaft und Gewerbe. Der Einsatz von Seewasser hätte in Bädern einen überproportionalen Aufbereitungsaufwand zur Folge, da bei der direkten Desinfektion dieses Wassers zahlreiche unerwünschte Nebenprodukte entstehen. Je 40 Prozent des Schweizer Trinkwassers stammen aus Quellen und Grundwasser und müssen nicht oder nur wenig aufbereitet werden. Die restlichen 20 Prozent stammen aus Seewasser, welches aufwändige Reinigungsstufen in Wasserwerken, die extra dafür ausgerüstet sind, durchlaufen muss.</p><p>2. Die Zufuhr von Frischwasser aus dem Trinkwasserverteilnetz stellt für Badebetreiber aus ökonomischer und ökologischer Sicht die beste Lösung dar, um Gesundheit und Sicherheit zu gewährleisten sowie die Bedürfnisse der Badegäste an Ästhetik und Komfort (z. B. Aussehen und Geruch des Wassers) optimal zu erfüllen. Der Einsatz von Seewasser würde aufgrund der schwankenden Wasserqualität und -quantität den Betrieb jeder Badeanlage erheblich erschweren, da diese nicht dafür ausgerüstet sind. Schlimmstenfalls könnte ein ganzjähriger Badebetrieb, wie z. B. in Hallenbädern oder Schul- und Therapiebädern üblich, nicht mehr garantiert werden. Zudem müsste neben dem bestehenden Trinkwasserverteilnetz schweizweit eine zusätzliche Transportinfrastruktur für Seewasser mit Zuleitungen zu Badeanlagen erstellt werden, was unverhältnismässig wäre.</p><p>3. Bereits vor dem Inkrafttreten der Verordnung des EDI über Trinkwasser sowie Wasser in öffentlich zugänglichen Bädern und Duschanlagen (TBDV; SR 817.022.11) am 1. Mai 2017 wurde für Badeanlagen Trinkwasser verwendet. Die bis zu diesem Datum geltenden kantonalen Badewasserverordnungen sowie die Kontrollen bezogen sich auf die SIA-Norm 385/9. Nebst den sicherheitsrelevanten und ökonomischen Gründen sieht der Bundesrat auch aus Sicht des Ressourcenschutzes keinen Handlungsbedarf, da der Trinkwasserverbrauch in der Schweiz trotz starkem Anstieg der Bevölkerungszahl seit Jahren zurückgeht und das für öffentliche Schwimmbäder eingesetzte Trinkwasser weniger als 5 Prozent der jährlich gewonnenen Gesamtmenge ausmacht.</p>  Antwort des Bundesrates.