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Eine Maske wie keine andere
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14. Oktober 2020
18:07
Orlando Theuler, weshalb haben Sie sich für das Cello entschieden?
Mein Vater hat im Symphonieorchester von Santa Fe 40 Jahre lang Kontrabass gespielt. Wir haben zu Hause von morgens bis abends klassische Musik gehört und regelmässig seine Proben und Konzerte besucht. Es war selbstverständlich, dass ich Musiker werde. Dass ich Cello zu spielen begann, entsprang der Strategie meines Vaters. Er sagte: «Wenn du gut Cello spielst, wird der Sprung zum Kontrabass leicht sein.» Das war klug, doch entwickelte ich eine solche Leidenschaft fürs Cello, dass ich nicht mehr wechseln wollte.
Wie würden Sie den Charakter Ihres Instruments beschreiben?
Viele Menschen sind spontan in den Klang des Cellos verliebt, weil sie finden, dass er der menschlichen Stimme ähneln würde. Ausserdem eignet sich das Instrument für den Einstieg, da es nicht so schwierig zu spielen ist wie eine Geige. Wenn man regelmässig übt, macht man relativ schnell Fortschritte. Es ist unglaublich, wie gut mein sechsjähriger Sohn nach anderthalb Jahren schon Cello spielt!
Sie haben noch nicht erklärt, was Sie besonders lieben …
Das kann ich nicht erklären. Ich liebe auch die Geige. Ich habe unzählige Platten und CDs. Mich interessieren alle Streichinstrumente. Warum das Cello? (Er überlegt nochmals.) Ich denke, es ist ein körperliches Empfinden. Ich fühle mich beim Cellospielen wohl und freue mich, was ich damit ausdrücken kann.
In was für Verhältnissen sind Sie aufgewachsen?
Schon damals musste man in Argentinien als Musiker jede Möglichkeit für Auftritte wahrnehmen, um eine Familie mit vier Kindern ernähren zu können. Mein Vater spielte nicht nur im Symphonieorchester, sondern auch Tango und Jazz.
Dann wurde Ihnen die Vielseitigkeit, die auch «I Salonisti» pflegen, in die Wiege gelegt?
Ja, bei uns herrschte ein offener Geist. Ich selbst fühle mich als klassischer Musiker. Tango gefällt mir auch gut, aber ich habe keine Ahnung von Pop.
Sie haben zwei Jahre in der Philharmonie des «Teatro Colón» in Buenos Aires gespielt. Das ist das bekannteste Orchester Argentiniens. Weshalb haben Sie trotzdem Ihre Heimat verlassen?
Ich hatte immer den Traum, mich in Europa weiterzubilden. Mit zwanzig Jahren konnte ich mir auch nicht vorstellen, mein ganzes Leben im gleichen Orchester zu spielen.
Hatten Sie das Stipendium der Menuhin-Akademie in Gstaad schon in der Tasche?
Nein, ich hatte nur die Hoffnung, ein Stipendium zu bekommen. Nachdem ich von meinen Ersparnissen das Flugticket bezahlt hatte, blieb nur noch wenig Geld übrig. Zum Glück konnte ich die ersten zwei Monate bei befreundeten argentinischen Musikern in Bern wohnen. Dann konnte ich an der Menuhin-Akademie in Gstaad vorspielen und bekam ein Stipendium, Unterricht in Kammermusik und konnte mit ihrem Orchester verschiedene Tourneen machen.
Welche Vorstellung von der Schweiz brachten Sie mit?
Wir haben «Heidi» geschaut, die japanische Trickfilmserie. Sie hat unser Bild vom Land mit den schönen Bergen geprägt. Wir dürften auch Schweizer Vorfahren haben. Der Name deutet darauf hin. Ein paar Theuler gibt es zwar auch in Frankreich, aber mein Urgrossvater soll aus dem Wallis sein. Dort gibt es viele Theiler, deren Name in Argentinien vielleicht falsch ausgesprochen oder abgeändert wurde.
Wann sind Sie nach Brugg gezogen?
Nachdem ich lange in Basel gelebt und das sehr genossen hatte, bekam ich vor sieben Jahren einen Lehrauftrag an der Musikschule Konservatorium in Zürich. Als ich daraufhin hier mit meiner Lebensgefährtin, der Geigerin Sarah Neff, ein Haus mieten konnte, nahmen wir es vor allem wegen der guten verkehrstechnischen Lage. Schon bald waren wir jedoch begeistert von der Ruhe und der Nähe zur Natur.
Was unternehmen Sie?
Wir haben zwei Kinder, sechs und zweieinhalb Jahre, sind viel am Fluss, im Wald und im Aquarena in Schinznach-Bad, sofern kein Corona herrscht. Heute war ich schon joggen.
Wie sind Sie 2015 Mitglied bei den «Salonisti» geworden?
Ich kannte Kontrabassist Béla Szedlák, weil ich ab und zu im Symphonieorchester in Bern gespielt habe, und den Pianisten Gerardo Vila, der auch aus Argentinien stammt. Als «I Salonisti» jemanden brauchten, ging alles ganz schnell. Ich kam zu einer Probe, wir spielten verschiedene Stilarten, und seither bin ich dabei. Wenn wir nächstes Jahr mit einem Konzert das 40-jährige Jubiläum feiern, wird aber auch mein Vorgänger Ferenc Szedlák dabei sein, der schon der Originalformation von «I Salonisti» angehörte.
Was gehört alles zum Repertoire des Quintetts?
Wir spielen von klassischer Musik über Filmmusik und Zigeunermusik bis Tango – fast alles ist möglich. Unser zweiter Violinist, Lorenz Hasler, führt als Moderator durch die Programme.
«I Salonisti» wurden einem breiteren Publikum bekannt, als sie 1997 im Film «Titanic» als Bordorchester zu sehen und zu hören waren. Haben Sie ihn im Kino gesehen?
Ja, ich kannte die Musiker über Béla, mit dem ich im Berner Symphonieorchester spielte. Es hat mir imponiert, dass «I Salonisti» einen so guten Ruf hatten, dass sogar Hollywood bei ihnen angeklopft hat.
Was ist Salonmusik?
Das ist Kaffeehausmusik, leicht zugängliche Unterhaltungsmusik, die früher in gedämpfter Lautstärke im Hintergrund gespielt wurde. Sie ist heute nicht mehr so beliebt, weshalb wir diesen Begriff auf unserer Homepage nicht verwenden. Aber wir spielen sie natürlich, weil sie zu unserer Geschichte gehört.
Was erwartet das Publikum in Baden und Brugg?
In der Villa Boveri spielen wir «Back To Hollywood» mit Musik aus «Titanic», Fellini- und Chaplin-Filmen, bei «Donau» im «Zimmermannhaus» Stücke von an diesem Fluss beheimateten Komponisten wie Richard Strauss, Béla Bartók und Fritz Kreisler.
Mittwoch, 28. Oktober, 20 Uhr
Villa Boveri, Baden
Samstag, 31. Oktober, 19.30 Uhr
Zimmermannhaus, Brugg
Rezital «Cellissimo» von Orlando
Theuler und Pianist Bruno Leuschner
Samstag, 7. November, 20 Uhr
Reformierte Kirche, Tegerfelden
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