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Arbeitsgruppen stellen keine Einflussnahme chinesischer Akteure auf die Universität St.Gallen fest Die Universität St.Gallen hat zwei Arbeitsgruppen unter Beteiligung externer Fachleute eingesetzt, um mögliche Einflussnahmen chinesischer Akteure auf die Universität sowie allfällige Eingriffe in die Freiheit von Forschung und Lehre zu überprüfen. Keine der Arbeitsgruppen konnte entsprechende Aktivitäten oder Abhängigkeiten feststellen. 19. November 2021. Am 3. August 2021 publizierte die NZZ einen Artikel rund um einen ehemaligen Doktoranden der Universität St.Gallen (HSG). Der Text erweckte bereits im Titel den Anschein, die HSG stehe unter dem Einfluss der Volksrepublik China. Zur umfassenden Klärung der Sachverhalte hat das Rektorat zwei Arbeitsgruppen unter Beteiligung externer Fachleute eingesetzt, um die Vorwürfe zu untersuchen. Eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Prof. Ulrich Schmid, Prorektor Aussenbeziehungen der HSG, erstellte eine Bestandesaufnahme der Gesamtbeziehungen der Universität St.Gallen zur Volksrepublik China. Die zweite Gruppe unter Leitung von Prof. Michael Lackner, Sinologe an der Universität Erlangen-Nürnberg, überprüfte die Vorkommnisse im Fall des Doktoranden. Keine intensiven Beziehungen, geschweige denn Abhängigkeiten zu China Die erste Arbeitsgruppe unter Beteiligung einer Professorin und eines Professors anderer Schweizer Universitäten sowie eines Vertreters von swissuniversities untersuchte die Beziehungen zu China in den Bereichen Studierendenaustausch, Aus- und Weiterbildung sowie Projekte der wissenschaftlichen Zusammenarbeit, unter Berücksichtigung der finanziellen Mittel, die von chinesischen Akteuren an die HSG und ihre Institute fliessen. Die Untersuchung ergab keinerlei Auffälligkeiten. Die HSG hat keine Spenden oder Sponsoringgelder chinesischen Ursprungs erhalten und es gibt keine finanziellen Beteiligungen chinesischer Akteure an Forschungsprojekten. Die grössten Beträge, die chinesischen Organisationen verrechnet wurden, beliefen sich auf weniger als CHF 13'000 für eine Studienreise einer chinesischen Hochschule in die Ostschweiz sowie rund CHF 3'500 für einen im Auftrag erstellten Bericht über das MBA-Programm einer Partneruniversität. Insgesamt hat die HSG 15 Partneruniversitäten in der Volksrepublik China, wobei die entsprechenden Verträge einzig den Studierendenaustausch betreffen. Seit der ersten Partnerschaft im Jahr 2002 haben 353 HSG-Studierende ein Austauschsemester in China absolviert und 350 chinesische Austauschstudierende kamen nach St.Gallen. Der Bericht beleuchtet auch Hinweise von engen Beziehungen einer chinesischen Studierendenvereinigung (CSSA St. Gallen) zur Botschaft der Volksrepublik China in Bern. Allerdings scheint die Vereinigung wenig institutionalisiert. So ist sie nicht an der Universität registriert und damit nicht als offizielle studentische Vereinigung anerkannt. Erst durch die Untersuchungen der Arbeitsgruppe erhielt die HSG Kenntnis dieser Beziehungen. Stärkere Sensibilisierung erscheint zielführend Die Arbeitsgruppe hat Interviews mit elf Angehörigen der HSG geführt, die im Kontakt mit der Volksrepublik China stehen. Sie wurden zu den Details ihrer Aktivitäten und Kontakte befragt sowie zu potenziellen Angriffsflächen, möglichen unlauteren Angeboten oder Druckversuchen. Keine der befragten Personen hat entsprechende Versuche der Einflussnahme erlebt. Forschungskooperationen finden vornehmlich auf individueller Basis statt und äussern sich in Koautorschaften bei Publikationen. Allerdings zeigten die Interviews, dass sich nicht alle Angehörigen der HSG potenziell problematischer politischer oder militärischer Affiliationen chinesischer Kooperationspartner bewusst sind. Folglich empfiehlt die Arbeitsgruppe, Forschende besser dafür zu sensibilisieren. Gefahren wie unkontrollierter Wissenstransfer oder Selbstzensur werden in den Gremien der HSG in den kommenden Monaten reflektiert. Zudem wird die HSG die Zusammenarbeit mit swissuniversities intensivieren, um das Thema gesamtschweizerisch stärker zu adressieren. Neuerliche Überprüfung des Einzelfalls Die zweite Arbeitsgruppe befasste sich mit dem Fall des ehemaligen Doktoranden, der nach seinem Austritt (Exmatrikulation) und einem zwischenzeitlich abgebrochenen Doktorat an einer chinesischen Universität in Wuhan an die HSG zurückkehren wollte, um sein Doktoratsstudium fortzusetzen. Nach verschiedenen Gesprächen und einem emotional aufgeladenen E-Mail-Wechsel mit seiner ehemaligen Betreuerin teilte ihm diese mit, dass sowohl sie als auch die Co-Betreuerin künftig nicht mehr zur Verfügung stünden. Der ehemalige Doktorand vermutete dahinter eine Einflussnahme durch chinesische Akteure. In seinem Abschlussbericht hält Prof. Michael Lackner fest, dass im vorliegenden Fall «überhaupt kein Einfluss Chinas […] ersichtlich ist» und ein solcher «lediglich in den Vorstellungen des Doktoranden und der Professorin» zu existieren scheint. Auch sei nicht ein chinakritischer Tweet Auslöser für die Beendigung des informellen Betreuungsverhältnisses gewesen, sondern die harsche Reaktion des Doktoranden auf eine spätere E-Mail der Betreuerin. Ein weiterer Faktor war die Tatsache, dass sich der Doktorand trotz Exmatrikulation weiterhin öffentlich sowie gegenüber Dritten als Doktorand der HSG ausgab. Schliesslich sagte die Professorin aus, er habe ihr gegenüber bereits früher erklärt, er habe kein Interesse mehr an einem Doktorat an der HSG und ihrer Hilfe nicht weiter bedürfe. Zwar konnten diese mutmasslichen, im Verlauf eines Skype-Gesprächs gemachten Aussagen nicht verifiziert werden, der Doktorand hat dieser Darstellung aber auch nicht widersprochen. Prozessvorschriften verletzt Im Falle der Löschung seines E-Mail-Accounts wurde eine Verletzung von Prozessvorschriften festgestellt: Auslöser war die Meldung eines Professors einer anderen Universität, der eine merkwürdige, fehlerhafte E-Mail des ehemaligen Doktoranden erhalten hatte und daraufhin den Verdacht äusserte, diese könnte gefälscht sein. Daraufhin wurde das PhD-Office informiert, der E-Mail-Account sei möglicherweise gehackt worden. Über mehrere Schritte führte dies schliesslich dazu, dass die IT-Abteilung der HSG den Account vorsorglich sperrte. Ordnungsgemäss wäre er jedoch erst einige Wochen später automatisch aufgehoben worden (nach Ablauf der damals üblichen Karenzfrist von zwei Semestern nach Exmatrikulation sowie nach Vorwarnung des Betroffenen). Hier handelt es sich um menschliches Versagen, wofür wir uns beim ehemaligen Doktoranden entschuldigen. Die Professorin war an diesen Vorgängen nicht beteiligt. Die HSG hat Massnahmen ergriffen, damit sich ein solcher Fehler nicht mehr ereignen kann. Empfehlungen für das Doktoratsprogramm Prof. Michael Lackner empfiehlt schliesslich, dass Doktorierende, die einen Aufenthalt in China planen, besser darauf vorbereitet werden müssten. Zudem sollte die HSG ihre Praxis der temporären Exmatrikulation bei Forschungsaufenthalten im Ausland überdenken. Auch wenn ein solches Vorgehen nur in Ausnahmefällen vorgeschlagen wird, nimmt das Rektorat die Empfehlungen ernst und klärt die Möglichkeit entsprechender Massnahmen. Das Rektorat bedankt sich bei allen externen Fachleuten für die Unterstützung bei der Aufklärung der Sachverhalte.