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Heute hat mir Nicolas Sarkozy ein Mail geschrieben. Was nicht weiter erstaunen sollte, wenn man weiss, dass er nun erstens offiziell Präsidentschaftskandidat ist und ich zweitens (auch) französischer Staatsbürger.
Die entsprechende Homepage „La France forte“ ist (auch farblich) derjenigen von Barack Obama sehr ähnlich, der sich ebenfalls um eine zweite Amtszeit bewirbt. Im Vergleich zu diesen beiden Seiten ist der Auftritt des Sarkozy-Herausforderers François Hollande eher blass und uninspiriert.
Drei wichtige Unterschiede fallen mir auf:
- Der Haupteinstieg ist bei Sarkozy formell bis steif, betont die Konvention und den traditionellen Lebenslauf, während es bei Obama sofort zur Sache geht.
- Das Spendensammeln ist in den USA enorm wichtig, was der „Donate“-Button zum Ausdruck bringt. So etwas fehlt ganz bei Sarkozy. Es wäre wohl nach französischem Verständnis auch nicht mit der Würde des Amtes zu vereinbaren.
- Während Carla Bruni auf der Homepage völlig fehlt (im Lauftext steht nur „marié à Mme Carla Bruni Sarkozy“), ist Michelle Obama bereits auf der Einstiegsseite fast stärker präsent als ihr Gatte. Auf der Kampagnenseite gibt sie in einem ausführlichen Interview Essenstipps für Unter-Fünfjährige, spricht über Rollenmodelle und gibt Karrieretipps.
35 Stunden im Wahlkampf
Die 35-Stunde-Woche ist in Frankreich eine heilige Kuh, von den Linken 2000 eingeführt, und nun letztmals wieder von Sarkozy in Frage gestellt. Für die französischen Unternehmen und insbesondere das Kleingewerbe ein stetes Ärgernis. Das Sujet ist auf der Wahlkampfseite gut umgesetzt mit einem Film über einen „spontanten Bürgerkontakt“: Ein Sternekoch erklärt Sarkozy, dass er eigentlich nach dem Wochenendeinsatz in seinem Lokalr für den Rest der Woche frei nehmen müsste. Er sagt Sarkozy: „Fragen Sie doch François Hollande, wie er Wahlkampf machen will. Mit einer 35-Stunden-Woche kann er ja höchsten zwei Tage pro Woche präsent sein.“
Wie wichtig Spendensammlungen für den amerikanischen Wahlkampf sind, sieht im Übrigen auch auf der Einstiegsseite vom möglichen Obama-Herausforderer Mitt Romney, der bereits die Teilnahme an der Wahlnacht feil bietet: