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Aktuell beschäftigt sich der Markt mit der Frage, wie «echt» die angenommene Unterversorgung mit Erdöl tatsächlich ist. Der Rohölpreis hat eine starke politische Komponente und könnte daher auf dem aktuellen Niveau einige Zeit Bestand haben.
Zwar besteht wegen der Produktionskürzungen der OPEC ein Angebotsdefizit, doch auf der anderen Seite hat die OPEC eben auch einen enormen Überschuss an Produktionsreserven. Die IEA schätzt diese Reserve aktuell auf 5,7 Mio. Fass pro Tag. Dies ist auch der Grund, weshalb der Marktpreis für Rohöl an den Börsen nicht schon viel höher ist. In einer Unterversorgung konkurrieren die Käufer um die verbliebenen Mengen und bieten sich gegenseitig nach oben. In der Vergangenheit hatte man in solchen Phasen oft Preise jenseits der 100 Dollar-Marke gesehen. Da aber handelte es sich um eine «echte» Unterversorgung.
Im Unterschied dazu ist die momentane Marktlage eine «künstliche» Unterversorgung, die auf Grund politischen Willens durch die Produzenten entstanden ist. Würden die Preise rasant steigen und eventuell auch über die 100 Dollar-Marke, hätten die Produzenten kein Problem, zusätzliches Angebot an den Markt zu bringen, womit die Preise wieder sinken würden. Daher bleibt der Markt zwar unterversorgt, die Preise bleiben aber noch unterhalb der 90 Dollar. Nach unten geht es für die Preisniveaus aber auch nicht, da die OPEC+ Länder klar gemacht haben, dass sie bei zu niedrigen Preisen weiter kürzen werden.
Bei all diesen Betrachtungen darf allerdings nicht vergessen gehen, dass die Energiepreise wegen des Krieges in der Ukraine und der unsicheren Versorgungslage im Hinblick auf den Winter allgemein sehr volatil sind.