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Pionierinnen des Fairen Handels
Die Gründermütter der gebana, die Bananenfrauen, sind Pionierinnen des Fairen Handels in der Schweiz: Mit unbequemen Fragen zu billigen Bananen und ausgebeuteten Plantagenarbeitern gingen sie in den 1970er Jahren auf die Strasse, um die Bevölkerung für die Problematik zu sensibilisieren. Später verkauften sie konventionelle Bananen mit einem Solidaritäts-Aufpreis, der in soziale Projekte in den Produktionsländern floss. Damit schufen sie das heutige Modell der Fair Trade Prämie.
Am Anfang stand der Film Bananera Libertad, der im Januar 1973 an einem Frauentreffen in Frauenfeld gezeigt wurde. Peter von Guntens Film stellt die reichen Bananen-Konsumenten in Europa den verarmten Plantagenarbeitern in Lateinamerika gegenüber. Das Thema liess einige der Zuschauerinnen nicht mehr los und sie beschlossen, dem Film- und Diskussionsabend Taten folgen zu lassen.
Die Migros herausgefordert
Gleich in ihrer ersten Aktion legten sich die Bananenfrauen mit dem Schweizer Grossverteiler Migros an. Dieser hatte gerade das „Bananenwunder“ proklamiert und den Kilopreis für Bananen von 1.50 CHF auf 1.35 CHF gesenkt. Die Frauen baten Freunde, Verwandte und Bekannte, für jedes Kilo gekaufter Bananen die 15 Rappen aus dem Preisnachlass an die Migros zu überweisen mit dem Vermerk „Bananengeld, es gehört uns nicht, wir wollen es nicht“. Die Aktion zwang die Migros zur Reaktion – was sollte sie mit den vielen Kleinstbeträgen auf ihrem Konto?
Dann begannen die Bananenfrauen mit einer Aktionsform, die sich über Jahre erhalten sollte: Mit Standaktionen, Leiterwagen voller Bananen und der selbst verfassten Bananenzeitung gingen sie auf die Strasse, um die Menschen anzusprechen und zu informieren. Bald fanden die Frauenfelder Aktivistinnen in der ganzen Schweiz Mitstreiterinnen.
Der Traum von der gerechten Banane
Eine Gruppe aus sieben Frauen, die sich um die Pfarrfrau und spätere Thurgauer Kantonsrätin Ursula Brunner formierte, bildete den Kern der Bananenfrauen. Sie gewannen Lebensmittelgeschäfte für ihre Idee, die Bananen mit einem Aufpreis von 15 Rappen zu verkaufen und das gesammelte Geld zu spenden. Doch das war den Bananenfrauen nicht genug: Sie wollten eine gerechte Banane, direkt von den Produzenten. Zu dem Zweck reiste Ursula Brunner immer wieder nach Lateinamerika, um sich mit Bauern, Kooperativen und Exporteuren zu treffen.
1986 war es soweit: Mit den Nica-Bananen aus Nicaragua wurden die ersten unabhängig produzierten Bananen importiert und mit einem Solidaritäts-Aufpreis verkauft. Unregelmässige Lieferungen und schwankende Qualität erschwerten jedoch den Vertrieb der Früchte.
Abschied und Neuanfang
Mit dem Markteintritt der ersten Max Havelaar-Bananen und dem Ende der unabhängigen Produktion in Zentralamerika legten die Bananenfrauen 1997 ihre Arbeit schliesslich nieder. Aus dem 1988 gegründeten Verein Arbeitsgemeinschaft gerechter Bananenhandel - kurz gebana - entstand die Handelsfirma gebana AG mit dem Ziel, faire Handelsketten von den Produzenten bis zu den Konsumentinnen aufzubauen, wobei ökologische Aspekte und biologische Landwirtschaft miteinbezogen wurden. Um die Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit der Bananenfrauen weiterzuführen wurde parallel dazu der Verein Terrafair gegründet.
Die ersten Produkte der gebana AG waren gentechnikfreie Bio-Soja und getrocknete Bio-Bananen von Kleinbauern in Brasilien. Bald kamen getrocknete Mango und Ananas aus Westafrika, Olivenöl aus Palästina und Datteln aus Tunesien hinzu, wobei der direkte Kontakt mit den Produzentinnen und Produzenten stets im Vordergrund stand. Mit dem Aufbau des ersten Bio&Fair Onlineshops der Schweiz 2005 erreichte die gebana ein wichtiges Ziel: Die direkte Verbindung zwischen Produzenten und Konsumenten.
Die Anfänge des fairen Handels: Ein Filmporträt der Bananenfrauen von 1973