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Vom «eroberten Land» zum Renaturierungsprojekt – Geschichte der Feuchtgebiete in der Schweiz seit 1750
Die gesellschaftliche Aneignung der
Feuchtgebiete wird in drei Abschnitte aufgeteilt. Der erste Teil führt aus, wie
die Feuchtgebiete in der Agrargesellschaft und mit der aufkommenden
ökonomischen Aufklärung angesehen werden. Feuchtgebiete werden in dieser Zeit
für die Landwirtschaft zunehmend als potentiell interessante Flächen
wahrgenommen und von verschiedenen Seiten wird dazu aufgerufen Feuchtgebiete
trockenzulegen und zu kultivieren. Im zweiten Teil geht es um die Zeit von 1850
bis 1950, in der ein grosser Teil der Feuchtgebiete verschwand. Die
grossflächigen Meliorationen mit gewichtigen Flusskorrektionen (wie zum
Beispiel die erste Juragewässerkorrektion) werden durch technologische und
wirtschaftliche Fortschritte ermöglicht. Viele Feuchtgebiete werden in dieser
Zeit mit industriell hergestellten Drainageröhren trocken gelegt, was staatlich
gefördert wird, besonders im 2. Weltkrieg. Im dritten Teil wird die Zeit nach
1950 behandelt, als es weniger Meliorationen und Flusskorrektionen gibt und
Moore zunehmend geschützt werden. Mit der Annahme der Rothenthurm-Initiative werden
viele Moore unter Naturschutz gestellt.
Der oben genannte Teil über die Entwicklung der Feuchtgebiete bezeichnet nicht die räumlich genaue Entwicklung der Feuchtgebiete. Um diese für die Zeitperiode von 1850 bis 2010 zu rekonstruieren, wurde ein Ansatz benutzt, der früher zur Rekonstruktion der Feuchtgebiete vom Kanton Zürich entwickelt wurde (Gimmi et al. 2011). In Abbildung 1 ist der Rekonstruktionsansatz gezeigt. Dabei wurden aus den Feuchtgebietsflächen, die von topografischen Karten digitalisiert wurden, Verlustraten berechnet. Mit diesen Verlustraten wurde schrittweise vom aktuellsten zum nächst älteren Zeitschnitt die in den älteren Karten «fehlende» Fläche berechnet («fehlend», weil in den älteren Karten strengere Kartierungsdefinitionen galten). Um die «fehlende» Fläche geografisch zu platzieren, wurden die für Feuchtgebiete wahrscheinlichsten Standorte modelliert. Mit dieser Rekonstruktionsmethode wurde berechnet, dass von 1850 bis 2010 etwa 92 % bis 94 % der Feuchtgebiete verschwunden sind.
Der Band «Vom «eroberten Land» zum Renaturierungsprojekt – Geschichte der Feuchtgebiete in der Schweiz seit 1750» erscheint im Frühling 2017. Ab dann können auf dieser Seite die GIS-Datensätze der rekonstruierten Feuchtgebiete der Schweiz heruntergeladen werden.
Quelle:
Gimmi, U., T. Lachat and M. Bürgi (2011). Reconstructing the collapse of wetland networks in the Swiss lowlands 1850-2000. Landscape Ecology 26(8): 1071-1083.
Weitere Informationen bei: <email-pii>