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Was ist ein Chlaussack?
Bei dem Chlaussack handelt es sich um ein ganz besonderes Behältnis. Es gehört zum festen Equipment des Samichlaus – das ist jene am 6. Dezember in der Deutschschweiz auftauchende Persönlichkeit, die an alle, die sich der Tradition ihres alljährlichen Erscheinens nicht verweigern, leckere Geschenke verteilt.
Samichlaus
In anderen Regionen trägt der Samichlaus andere Namen: In Deutschland zum Beispiel heisst er Heiliger Nikolaus oder einfach Nikolaus, in Österreich kennt man ihn auch als Nikolo und in Frankreich als Saint Nicolas. Dort, wo er nicht als „Samichlaus“ auftritt, würde der Begriff „Chlaussack“ möglicherweise Unverständnis hervorrufen. Den Nikolaussack hingegen kennen die meisten Deutschsprechenden, und für die Nichtschweizer sei zusammengefasst bemerkt, dass der Chlaussack der Nikolaussack in der Deutschschweiz ist.
Einsatz
Obwohl es weltweit nur einen einzigen Heiligen Nikolaus gibt, kann dieser sich vervielfachen. Das ist einer der Gründe, warum es solch ein grosses Angebot an Chlaussäcken gibt. So gut wie jede Multiplikation vom Nikolaus braucht einen eigenen Nikolaussack. Der andere Grund ist, dass der Heilige Nikolaus oftmals sein Geschenkebehältnis mit seinen Gaben zusammen verschenkt. Und solch ein Nikolaussack beziehungsweise Chlaussack ist für den Beschenkten überaus praktisch, denn der am 6. Dezember erhaltene Sack – gleich welcher Grösse – lässt sich gut weiterverwenden.
Jute
Es gibt Samichlaussäcke in unterschiedlichen Ausführungen. Beginnen wir beim Klassiker: der Samichlaussack aus Jute. Lange vor der Lebenszeit des Nikolaus von Myra (in Patara geboren zwischen 270 und 286; gestorben am 6. Dezember des Jahres 326, 345, 351 oder 365), bereits in der Steinzeit, nutzten die Menschen Pflanzenfasern zur Herstellung von robustem Gewebe. Im Falle der Jute (einjährige Pflanze der Gattung Corchorus, die zum Wachsen ein feuchtes tropisches Klima benötigt) begann die industrielle Verarbeitung relativ spät, und zwar in Schottland in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Vorteile des Jutegewebes in Verbindung mit seiner maschinellen Herstellung liessen Jutesäcke auch zu einem in der Weltwirtschaft bedeutenden Transport- und Aufbewahrungsbehältnis werden. Jutesäcke sind für Warenmengen mit einem gewissen Gewicht geeignet und besonders robust; sie lassen sich nicht so leicht von scharfen Kanten durchtrennen. Legendär ist der Transport von Kaffee und Kakao in Jutesäcken; dafür werden üblicherweise stets neue Säcke verwendet, jedoch werden die gebrauchten nicht zwingend vernichtet, sondern finden unter Umständen noch ihre Verwendung als Dämmstoff. Davon unabhängig baut sich die Naturfaser Jute je nach Umwelteinflüssen in relativ kurzer Zeit (Dauer: ein bis zwei Jahre) vollständig ab – bekanntermassen im Gegensatz zu Plastik.
Der typische Chlaussack aus Jute wird mit einer ebenfalls natürlichen Faser wie zum Beispiel Bast oben zugeschnürt.
Ausführungen
Zwei weitere beliebte Materialien für Chlaussäcke sind Filz und Leinen. Wie der Jute-Chlaussack lassen sich der Filz- wie auch der Leinen-Nikolaussack mit Applikationen, Stickereien oder Druck individualisieren. Auch bei der Ausgestaltung der Verschnürung – mit oder ohne Bommeln? – sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Bei kunsthandwerklich hergestellten Chlaussäcken mit Motiv sieht jeder ein bisschen anders aus, und je nach Schmuck kann mit ihnen auch ein persönlicher Bezug zu ihren jeweiligen Empfängern hergestellt werden. Es gibt kleine und grosse Unternehmen, die Chlaussäcke anbieten, wobei der Schwerpunkt auf der seriellen oder eben auf der kunsthandwerklich- individuellen Herstellung liegen kann. Und selbstverständlich ist die Fabrikation eines Chlaussackes oder des Schmuckes eines fertig gekauften eine schöne Gelegenheit für eigene Basteleien.
Inhalt
Daneben gibt es zahlreiche Chlaussäcke von jenen Unternehmen, deren Spezialgebiet der Inhalt der Säcke ist. Nach der Tradition wird ein Nikolaussack mit naturbelassenen Lebensmitteln gefüllt, zum Beispiel mit Nüssen, eingepackten getrockneten Früchten und Obst. Aber da nicht nur Kinder zumeist auch weniger natürliche Leckereien mögen, lassen sich in so manchem Samichlaussack weihnachtliche Schokolade und Gebäck finden. Die Hersteller von Süsswaren haben den Nikolaustag längst für sich entdeckt, und so bieten einige von ihnen dekorative Samichlaussäcke an, welche bereits fertig gefüllt mit feinem Naschwerk des Hauses sind.
Saisonales
Die „Nikolaus-Saison“ ist übrigens nach dem 6. Dezember (des gregorianischen Kalenders, der auch in den deutschsprachigen Ländern gilt) noch nicht vorbei: Überall dort, wo besondere kirchliche Tage nach dem julianischen Kalender berechnet werden, erscheint der Heilige Nikolaus am 19. Dezember (des gregorianischen Kalenders); dieses Datum entspricht dem 6. Dezember im julianischen. Allerdings weist der seinen Sack schulternde Nikolaus dann mitunter wieder andere Namen auf.