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Es bleibt schwer, die Symptome einer arbeitsbedingten Erschöpfung zu identifizieren. Frédéric Meuwly, Berater und Coach, spricht über seine Erfahrungen.
Mehr als ein Viertel der Schweizer Erwerbstätigen sagen, dass sie bei der Arbeit gestresst sind, und knapp ein Drittel fühlt sich emotional erschöpft, wie aus dem Job Stress Index 2018 hervorgeht. Wenn dieser Zustand anhält, kann er bei einigen Beschäftigten zum Burnout führen. Der Waadtländer Frédéric Meuwly war selbst davon betroffen. Eines Morgens wachte der ehemalige Manager in der Pharmaindustrie in einem Spitalzimmer auf, ohne zu verstehen, was passiert war. "Sie haben ein Burnout, Sie müssen sich ausruhen", erklärte der Arzt. Danach hat Frédéric Meuwly den Beruf gewechselt und sich den Bereichen Personal und Team-Coaching zugewandt. Seine Firma hilft den Managern dabei, die Symptome zu erkennen, die ihre Angestellten zu einem Burnout führen könnten, und Good Practices zu etablieren, um diese Situationen zu vermeiden.
Wie äussert sich ein Burnout?
Frédéric Meuwly: Ein Burnout ist der mögliche Endpunkt eines Prozesses, der manchmal über mehrere Jahre verläuft. Er lässt sich in drei relativ unterschiedliche Phasen aufteilen. Zuerst kommt die Erschöpfung, die durch ständigen Stress ausgelöst wird, der sich auf den Schlaf und dessen Qualität auswirkt. In diesem Stadium kann der Betroffene auch an verschiedenen körperlichen Beschwerden leiden – Magenschmerzen, Rückenschmerzen usw. – und er geht immer mehr über seine Grenzen, um diese zu kompensieren. Ohne eine Regeneration führt diese Erschöpfung irgendwann zum Zusammenbruch, diesem Moment der physischen und psychischen Entgleisung, wenn der Körper aufgibt, was manchmal eine stationäre Behandlung erfordert. Darauf folgt der Burnout, die mehr oder weniger lange Phase, in der die Person nicht mehr kann, eine tiefe Krise erleidet und Hilfe benötigt, um aus diesem Zustand herauszukommen.
Es scheint, dass die Ursachen für eine arbeitsbedingte Erschöpfung vielfältig sind...
Meuwly: Es gibt verschiedene Gründe und oft vermischen sich berufliche und private Ursachen, denn ein Burnout wird selten allein durch die Arbeit ausgelöst. Daher muss man den Menschen als Ganzes betrachten, um seine Situation zu verstehen und ihm zu helfen. Der Alltag verlangt uns einiges ab und lässt uns manchmal wenig Raum zur Regeneration, die aber für unsere Gesundheit unerlässlich ist. Das Ergebnis: Ein Mensch kann physisch erschöpft sein, wenn sein Nervensystem zu sehr stimuliert wird und sich nicht erholen kann. Zugleich kann das Ego diese Situation mental nicht akzeptieren und bringt ihn dazu, immer mehr zu machen, obwohl die Konzentration und die Effizienz abnehmen. Das nenne ich das "Superhelden-Syndrom". Am Ende sind die Gefühle völlig fehlgeleitet und nur noch auf das Negative konzentriert.
Kann man also die Anzeichen eines Burnouts im Vorfeld erkennen?
Meuwly: Die Symptome, die zu einem Burnout führen, lassen sich manchmal nur schwer feststellen. Im beruflichen Umfeld kann es sein, dass jemand, der Sozialkontakte meidet oder überengagiert ist und trotzdem überlastet bleibt, Zeichen von Erschöpfung aufweist. Andere Alarmsignale können sein, wenn jemand seine Wut zu stark äussert oder sich Kollegen oder Kunden gegenüber zynisch verhält.
Wie kann ein Manager diese Symptome entschlüsseln?
Meuwly: Die Geschäftsführung muss ein vertrauensvolles Klima schaffen, den Angestellten Aufmerksamkeit widmen und Mitarbeiternähe pflegen. Eine solche Führungsweise bewirkt, dass man die Beschäftigten besser kennt und ungewöhnliche Verhaltensänderungen bemerken kann. Je früher und wohlwollender man sich dem Problem widmet, desto harmloser sind die Folgen.
Wie kann man ein gutes Arbeitsklima schaffen und Überlastung verhindern?
Meuwly: Ich vergleiche das berufliche Umfeld gern mit einem Ökosystem, das im Gleichgewicht sein muss, um nachhaltig Bestand zu haben. Drei Nachhaltigkeitsprinzipien lassen sich auf Teams und einzelne Mitarbeiter eines Unternehmens anwenden. Erstens müssen die Beschäftigten über genügend Ressourcen und Kompetenzen verfügen, um ihre Ziele zu erreichen, ohne sich zu verausgaben. Zweitens brauchen sie Gelegenheit, um Energie zu tanken, was bedeutet, dass Zeiten für Regeneration, Pausen und Entspannung einen Wert bekommen müssen. Und schliesslich muss echter Teamgeist herrschen, ohne Mobbing und mit gegenseitiger Hilfe aus Solidarität.
Über die Initiative Friendly Work Space können sich KMU auch beraten lassen und von Instrumenten für die Praxis profitieren, die ein gesundes Arbeitsklima ermöglichen.
Was kann man tun, um jemandem nach einem Burnout die Rückkehr in den Betrieb zu erleichtern?
Meuwly: Je nach Schwere der Situation kommen verschiedene Antworten in Frage. Um die Bedürfnisse des Mitarbeiters zu verstehen, sollte man ihm zunächst zuhören und versuchen, ihm passende Lösungen anzubieten. Wenn er seinen Posten behalten will, kann eine zeitweilige Reduzierung der Arbeitslast ein Weg sein, um zu verhindern, dass er erneut überlastet wird. Wenn das berufliche Umfeld die Ursache für das Leiden war, kann ein Wechsel auf einen deren Posten oder in eine andere Abteilung heilsam sein. In anderen Fällen kann es sein, dass der Mitarbeiter seine Arbeit nicht wieder aufnehmen kann und sich innerhalb oder ausserhalb des Unternehmens neu orientieren muss.
Wie findet man einen Ausweg aus dem Burnout?
Meuwly: Die Unterstützung aus dem persönlichen und beruflichen Umfeld und vor allem die Zeit spielen eine wesentliche Rolle. Eine Pause von zwei oder drei Monaten ist das Minimum, damit jemand seine Balance wiederfindet und seinen Schlaf stabilisiert. Auch sanfter Sport, wie z.B. Walking, kann dabei helfen. Man kann auch seinem Alltag einen festen Rhythmus geben und wieder lernen, sich für jede Tätigkeit genug Zeit zu lassen, ohne Stress.