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Die sonnenverwöhnten Dörfer über dem rechten Rheinufer sind für Reisende aus dem Norden die erste Berührung mit Graubünden, dem Kanton der 150 Täler. Die Bündner Herrschaft trägt ihren Namen schon seit dem 16. Jahrhundert, als die "Drei Bünde" das Gebiet aufkauften. Dabei hatten sie in erster Linie den strategisch wichtigen Rheinübergang im Auge. Dass im Kaufpreis auch die verlockenden Weinberge enthalten waren, wird die Bündner aber nicht gestört haben.
Der Weinbau blickt in der Bündner Herrschaft auf eine über 2000-jährige Tradition zurück. Im Mittelalter wurde hier der "Completer" angebaut, er verdankt seinen Namen dem Komplet, dem Abendgebet der Churer Domherren. Erschienen die Gottesmänner rechtzeitig zum Komplet, hatten sie Anrecht auf zwei Becher des hervorragenden Weissweins, der in Malans noch immer unter dem Namen Completer gezogen und als Dessert-Wein kredenzt wird.
Die Rotweine, die heute den weitaus grösseren Anteil an der Produktion bilden, wurden erst im 17. Jahrhundert eingeführt. Die Inschrift einer Statue des Duc de Rohan in Jenins dankt dem beliebten französischen Gouverneur für die Einführung des Blauburgunders in der Bündner Herrschaft. Wahrscheinlicher aber ist, dass namenlose bündnerische Söldner vor Ort (in Frankreich) auf den Geschmack kamen.
Im Herbst laden zahlreiche Winzer in ihren „Torkel“ ein. Der Begriff steht ursprünglich für die Weinpresse und wurde dann auf den Weinkeller ausgedehnt. Auch das Torkeln, die bekannte spezielle Gangart nach zu viel Weingenuss, leitet sich vom Torkel ab.