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4.1 Die Gründe
"Es gab Schwierigkeiten. Beim Zusammenschluss von zwei so verschiedenen Verbänden war das vorauszusehen", kommentiert Ruth Streit, die Präsidentin des SBLV den Zusammenschluss 2006 der beiden Verbände SBLV und SVKB. "Die Differenzen wurden so lange verhandelt, bis die Zeit reif war und der Weg gefunden wurde, der zu den nötigen Kompromissen führte. Wir mussten den Zusammenschluss allerdings auf Grund der Schwierigkeiten noch ein Jahr hinausschieben". Ingeborg Schmid, Präsidentin des SVKB bis 2006 und seit 2004 Gemeindepräsidentin von Bühler, AR, präzisiert: "Was geht vergessen bei Zusammenschlüssen? Man geht davon aus, dass Zusammenschlüsse sachlich vor sich gehen. Man vergisst die emotionale Ebene. Man muss das Fussvolk auch mitnehmen und das braucht viel Zeit. Zuerst dachte man, das braucht ein bis zwei Jahre, es brauchte aber nachher effektiv mehr Zeit. Rückblickend war es ein guter Weg. Man musste auch Sachen weggeben, damit man einen Gewinn hatte. Es gibt materielle und immaterielle Werte, auf die man verzichten muss, damit man einen Gewinn hat. Wir hatten einen langen Weg, einige Wegstücke sind wir allein gegangen".
Nach Auskünften von Ingeborg Schmid und Ruth Streit bestand ursprünglich die Absicht, beide Verbände aufzulösen und einen neuen zu gründen. Es zeigte sich dann aber, dass diese Variante zu einem grossen Aufwand auf administrativer, rechtlicher und finanzieller Ebene geführt hätte. Insbesondere hätte der SLFV, der über ein nicht unbeträchtliches Geldpolster verfügte, eine beträchtliche Liquidationssteuer bezahlen müssen. Ingeborg Schmid meinte abschliessend: "Am Schluss war der Zusammenschluss für alle ein Gewinn. Für mich ist es unter den gegebenen Rahmenbedingungen wichtig, dass wir gemeinsam auftreten."
In einem 2004 erstellten Arbeitsdokument des SLFV sind die Motive für den Zusammenschluss dargestellt: "Der SVKB und der SLFV verfolgen weitgehend identische Ziele. Sie beabsichtigen daher, ihre beiden Organisationen zusammenzuführen, um ihre Ziele künftig unter einem gemeinsamen Dach wahrnehmen zu können." Ingeborg Schmid erläuterte in einem Interview der Bauernzeitung von April 2006 die Gründe für den Zusammenschluss: "Es gibt praktische und vernünftige, aber auch zwingende Gründe. Die Bäuerinnen und Landfrauen verfügen je länger je weniger über zeitliche und finanzielle Ressourcen, die sie in ehrenamtlichen Arbeiten einsetzen können. Gerade in den Bergkantonen ist es nur noch in wenigen Fällen möglich, Betriebe ohne Nebenerwerb aufrecht zu erhalten. Personelle Besetzungen für ehrenamtliche Tätigkeiten werden immer schwieriger. Dieser wichtige Verband ist darauf angewiesen, dass motivierte und interessierte Frauen mitarbeiten. In einem gemeinsamen Verband können somit die Kräfte gebündelt eingesetzt werden. Als zwingenden Grund sehe ich die gesamte Situation in der Landwirtschaft. Dass zwei Verbände die gleichen Anliegen erarbeiten und vertreten auf Bundesebene ist meiner Ansicht nach nicht mehr zumutbar. Wir müssen gemeinsam und stark für die Belange der Bäuerinnen und Frauen vom Land auftreten." Laut Ruth Streit hatte die Vize-Präsidentin des SLFV den Zusammenschluss im Auftrag der Verbandsleitung schon 1989 an einer SVKB-Versammlung vorgeschlagen. Damals war die Zeit jedoch anscheinend noch nicht reif dafür gewesen.
An der Delegiertenversammlung 2005 auf dem Säntis bereitete der
Verband den Zusammenschluss mit dem Schweizerischen Verband
katholischer Bäuerinnen vor. Stehend die Präsidentin Ruth Streit,
rechts die Geschäftsführerin Madeline Ré. (slfv)
4.2 Die Vorarbeiten
Von den Vorarbeiten für den Zusammenschluss, die sich über Jahre erstreckten, seien hier nur gerade die letzten erwähnt: Die Delegiertenversammlung des SVKB vom 2. März 2005 in Visp musste das Einverständnis zur Auflösung des SVKB im Mai 2006 geben. Und war damit die letzte Delegiertenversammlung in der Geschichte des SVKB. Als nächsten Schritt musste die Delegiertenversammlung des SLFV vom 27. April 2005 die Anpassung der Statuten des SLFV beschliessen, wonach die Namensänderung in "Schweizerischer Bäuerinnen- und Landfrauenverband" von diesem Datum weg galt. Eine Frage, die es vor dem Zusammenschluss noch zu klären galt, war die, ob Landfrauen (die nicht Bäuerinnen sind) auch in den neuen Verband gehören. Die Frage wurde eindeutig mit ja beantwortet, da die Landfrauen als wichtiges Bindeglied zwischen Stadt und Land für den SBLV fungieren und auf lokaler und regionaler Ebene eine wichtige Role für den Verband spielen.
4.3 Der Zusammenschluss: würdig und festlich
Am 2. Mai 2006 war es dann so weit: die sieben Sektionen des SVKB wurden offiziell in den SBLV aufgenommen und die Änderungen der Statuten des SBLV traten in Kraft (mit Ausnahme der Namensänderung, die schon im April 2005 in Kraft getreten
waren). "In einem würdigen, festlichen Rahmen", wie Ruth Streit damals in
Presse-Interviews betonte: An der 75. Delegiertenversammlung des SBLV in
Solothurn. Mit der Aufnahme des SVKB war die Sache aber noch nicht über die Bühne: der SVKB musste auch noch ordentlich aufgelöst werden - ein schwieriger da emotionaler Akt für die Mitglieder und Präsidentin Ingeborg Schmid des SVKB. Auch hatten die kantonalen SVKB-Sektionen die Beitrittsbereitschaft zum neuen Verband zu erklären.
4.4 Nach dem Zusammenschluss
Wie wirkte sich der Zusammenschluss konkret auf die Verbandsaktivitäten der neu zusammengesetzten Kantonalverbände aus? Und hat das K wie katholisch des SVKB im neu zusammengesetzten Verband irgendwo noch Platz? Ruth Streit: "Die Kantonalvereine haben grosse Freiheiten. Damit können auf kantonaler Ebene auch religiöse Elemente Eingang in die Verbandsaktivitäten finden. Das Kulturell-Religiöse darf weitergelebt werden. Aber natürlich passiert dies nicht in allen Kantonalvereinen. In der Genfer Sektion beispielsweise wird das Religiöse nicht gelebt. Da findet eine strikte Trennung zwischen Kirche und Zivilgesellschaft statt".
4.5 "Verein bäuerlicher Sorgechrattä"
Der 1963 gegründete "Sorgechrattä", das Sozialwerk des SVKB, wurde zwar vom SVKB betrieben, war aber immer eigenständig punkto Handlungsfähigkeit und Finanzverwaltung gewesen. Der SBLV konnte den Sorgechrattä nicht integrieren, weil soziale Hilfswerke immer von den kantonalen Sektionen betrieben wurden. Um trotzdem den Fortbestand des Sorgechrattä zu gewährleisten, wurde am 21. April 2006 in Luzern ein neuer Verein mit zweckgebundenen Statuten gegründet. Mitgetragen wird der "Sorgechrattä" von der Schweizerischen Katholischen Bauernvereinigung. Die Geschäftsführung liegt weiterhin in den Händen der langjährigen "Sorgechrattä-Mueter" Anna Zgraggen in Erstfeld.