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Für die Lines-West Region benötigte die Pennsylvania Railroad eine neue Lokomotive, die unter anderem auch Erzzüge zu ziehen hatte. Als die erste von 60 N1s 1919 geliefert wurde, war sie zwar keine Schönheit. Aber sie zeigte kompromisslos, wie eine auf rein wirtschaftlicher Basis konstruierte Maschine aussieht. Anstatt drei-vier Luftbehälter des Bremssystems an der ganzen Lok zu verteilen baute man einen riesigen „Kübel“ vor der Rauchkammer auf!
Mir gefiel aber gerade diese wuchtige Front! Die N1s ist von der Seite her gesehen recht wohlproportioniert wirkt aber leer.
Hier das Westsidemodell, so wie ich es gekauft habe.
Interessanterweise wurde die ganze Serie nicht wie andere Loks der Pennsylvania modernisiert. Von 1919 bis um 1949 waren sie im Einsatz, leisteten gute Arbeit… und verschwanden als eine der ersten Serien in der Anfangsphase der Verdieselung. Ob Versuche gemacht wurden, sie zum Beispiel mit einem Speisewasservorheizer auszurüsten ist nicht bekannt.
Belegt ist aber, dass einzelne Loks anderer Baureihen immer wieder mit neuen Systemkomponenten getestet wurden um dann bei erfolgreichem Ergebnis umgesetzt zu werden.
Die Seitenansichten.
Da das über dreissigjährige Modell ohnehin diverse Schäden aufwies (schlechte Verleimung, Laufwerkprobleme usw.) wollte ich bei dieser Gelegenheit den Versuch wagen, die N1s einer Modernisierung zu unterziehen. Eine so grosse Bahn wie die Pennsylvania hat einen eigenen Stil entwickelt. Zu diesem Zweck galt es, sich diese Eigenheiten anzueignen. So entstand dieser Umbau, der praktisch eine vollständige Neuverlegung der Leitungen erforderlich machte. Dazu kamen die Hilfsgeräte, wie sie auch beispielsweise bei der L Klasse verwendet wurden.
Die Luftpumpen, im Original war nur eine auf der linken Seite vorhanden. Gegen Ende der Dampflokzeit wurde oft eine zweite Pumpe installiert.
Dieser grüne Schlauch wurde wahrscheinlich zum reinigen des Feuerrostes verwendet und ist bei etlichen Pennsyloks vorhanden.
Der wuchtige Zylinder.
Bei diesem Modell habe ich eine Kohlenkastenattrappe eingebaut mit Gestänge zum Bedienen des Schiebers um die Asche zu entleeren.
Der Worthington Speisewasser Vorheizer.
Etwas zur „Technik“ wie ich den Farbaufbau bei diesem Modell bewerkstelligt habe.
Vor dem ersten Farbauftrag werden Kleber und Lötspuren mit Feinfräser und Schleifpapier entfernt.
Dann wird mit Verdünner und Alkohol entfettet. Nun erfolgt die Grundierung mit Primer (gespritzt und mit Pinsel).
Das verwitterte Schwarz (Mattfarbe) ist die nächste Stufe. Nun wird eine dünne Schicht Hochglanzlack aufgetragen (gespritzt und mit Pinsel).
Nach dem Austrocknen wird die Beschriftung angebracht (auf der Mattfarbe haften die Abziebilder schlecht und bilden Blasen).
Es wird Kunstharzverdünner (Sangajol) mit einem hauch Grau gemischt und mit dem Pinsel in senkrechter Laufrichtung aufgetragen um eine ganz leichte Verwitterung zu erzielen. Ganz so, wie wenn die Lok erst kurze Zeit im Einsatz gewesen wäre, was mir persönlich viel besser gefällt als das „glarige“ Aussehen eines Fabrikneuen Modells.
Eine Lok sieht schon nach einer Stunde Einsatz nicht mehr makellos aus! Diesen Hauch grauer Farbe aufzutragen braucht etwas Erfahrung. Es ist Vorsicht geboten, damit die Farbschicht darunter nicht zerstört wird und Blasen bildet. Optisch ist diese leichte Verwitterung gut am Vorheizer auf dem Bild oben zu sehen. Als letztes wird eine Mattlackschutzschicht aufgetragen.
Die Plattform gleicht ein wenig einer Kommandobrücke.
Sicherheitventile und Hilfsdampfverteiler.
Bei diesen Uraltmodellen ist eine „Restauration“ unumgänglich, wenn man zuletzt ein schönes Modell erhalten will.
Hier nun ein ausführlicher Bericht:
„Problemzone # 1“ Der unschöne Durchblick zwischen Feuerbüchse Rahmen und Nachlaufachse. Dort ist normalerweise der Kohlenkasten und der Schieber zum Asche entlehren (nur bei den Kohlenbrennern).
Bei diesem Modell ist der Rahmen in der Mitte schmal gehalten. Keine schlechte Idee, das Drehgestell hat so genug Platz zum schwenken und von der Seite sieht es wie beim Original aus. Mit zwei Blechen habe ich den Aschenkasten geformt um die Lücke zwischen Rahmen und Feuerbüchse zu füllen.
Die Feuerbüchse mit dem Rostabschluss. Rechts das Ausschlämmventil. Dort werden Verunreinigungen, die sich an der tiefsten Stelle des Kessels sammeln, ausgeblasen.
Um die seitliche Luftzufuhr sichtbar zu gestalten habe ich sie mit der Hilfe von einem gefrästen Winkel umgebaut.
Das feine Trennscheibchen, ein unentbehrliches Werkzeug für unzählige Arbeiten…
Die eingebaute Aschenkastenattrappe.
Die Kreuzkopfführungen. Da die Räder und die Kuppelstangen im Vergleich zum Original viel mehr Platz benötigen (seitlicher Spielraum) hat der Hersteller sie nach hinten gespreizt eingebaut! Die einte Führung musste ich neu verlöten, sie ist beim Richten auseinandergefallen!
Der gleiche Fall: Die Klebestellen sind gebrochen. Ich habe sie nun gelötet.
Die Montage der Kupplung.
Die vordere Laufachse hat zusätzliche Stützen bekommen.
Die Excenterkurbel links war auf beiden Seiten kaputt. Ich habe zwei Neue gebaut, die zwar etwas klobiger sind aber nun mittels 1mm Schraube befestigt werden können.
Bereit zum Einbau. Etliche Nieten der Steuerungsmechanik waren zerbrochen und mussten ersetzt werden. Eine knifflige Angelegenheit!
Das vernieten so kleiner Verbindungen braucht Spezialwerkzeuge. Aber selbst bei der Fabrikation dieses Modells wurden unsachgemäss gearbeitet. Für mich bestand die Lösung darin, dass ich jeweils das Ende fein verlötet habe. Solange die vordere Stange noch frei drehen kann ist das jedenfalls eine gute Methode und hat sich bewährt.
Der Einbau eines moderneren Jnjektors.
Die Originalmaschine hatte einen sehr klein dimensionierten Schornstein. Also drehte ich einen neuen aus Messing, der in etwa der moderneren M Klasse der Pennsylvania entspricht. Rechts der Alte.
Etliche Stellen waren schlecht verklebt. Mit Epoxid-Metallkleber wurde nachgeflickt.
Auch das gibt es oft bei Kleinserien. Der ganze obere Teil der Lok ist hinten zu tief. Die Befestigungsbohrungen müssen korrigiert werden!
Die Punkte geben einen Eindruck, was alles an dem Modell neu montiert wurde!
Dieses Rohr habe ich aus verschiedenen Teilen und Resten zusammengebastelt.
Dieses kleine Gussteil dient beim Original zum spannen der Abdeckbleche.
Der Hilfsdampfverteiler ist ebenfalls ein neuer Gussteil.
Stellprobe in mystischer Umgebung….
Das Gestänge des Kohlenkastenschiebers ist eingebaut.
Die Frischdampfzuleitung zu den Luftpumpen, mit Isolation versehen.
Immer ein schöner Moment. Die Teile liegen bereit zum Zusammenbau. Ein Umbauabenteuer kann endliche beendet werde!