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Reisszeugfabrik Gysi & Cie. Aarau
Friedrich Gysi
Friedrich Gysi wurde 1796 geboren. Von 1810 bis 1815 machte er bei Ludwig Esser in Aarau eine Lehre als Reisszeugmacher. Nachdem er sich in Stuttgart, München, Karlsruhe und Paris als Feinmechaniker weitergebildet hatte, eröffnete er 1817 in Aarau ein eigenes Atelier für die Herstellung von Reisszeugen sowie mathematischen und physikalischen Instrumenten. Im Jahre 1824 kauft er das Haus an der Vorderen Vorstadt 18 in Aarau.
Gysi bot seine Zirkel und Zeicheninstrumente in zwei Qualitäten an. Die bessere Qualität zeichnete sich durch die Verwendung von Scharnieren bei den Reissfedern sowie eine feinere Politur aus. Diese Instrumente waren etwa 10% teurer als die einfache Qualität. Da Friedrich Gysi neben der Herstellung von Reisszeugen auch für die Herstellung genauer Barometer, Thermometer und Waagen bekannt war, wurde er 1837 von der aargauer Regierung zum Eichmeister des Bezirks Aarau ernannt. Ausserdem handelte er mit Massen und Gewichten.
1839 präsentierte Louis Daguerre, ein französischer Maler und Erfinder, ein neuartiges fotographisches Verfahren. Dies bewog Friedrich Gysi, die neue Technik zu erlernen. 1843 eröffnete er ein Fotoatelier für Daguerrotypie, welches er neben seiner Reisszeug-Fabrik führte. Seine Frau Katharina Gysi-Zimmerli war für die Kolorierung der Daguerrotypien zuständig. Aus dieser anfänglichen Nebenbeschäftigung wurde bald ein zweiter Erwerbszweig der Familie.
Gysi & Cie.
Nach dem Tod Friedrich Gysis im Jahre 1861 übernahmen drei seiner Söhne den väterlichen Betrieb. Die Söhne Otto (1834-1901) und Arnold (1837-1922) führten ab 1863 das Fotogeschäft, während Emil Gysi (1838-1909) 1872 die Leitung der neu erbauten Reisszeugfabrik übernahm. Die Firma trug noch bis 1889 den Namen Fr. Gysi Aarau, bevor sie mit dem Eintritt der dritten Generaion in Gysi & Cie. umbenannt wurde.
Wilhelm Hegert, der ab dem Jahre 1907 im Fotoatelier Gysi arbeitete, wurde 1910 Teilhaber. In der Folge wurde das Unternehmen in Gysi & Hegert umbenannt. Im Jahre 1913 übernahm Wilhelm Hegert das Fotogeschäft vollständig. Nach dem ersten Weltkrieg eröffnete er den Betrieb 1919 an einem neuen Standort.
Glaus, Leuzinger & Cie.
Die Reisszeugfabrik am Sägerain in Aarau wurde nach dem ersten Weltkrieg noch für kurze Zeit durch die neugegründete "Glaus, Leuzinger und Cie." weitergeführt, an welcher sich auch die Firma Kern beteiligte. Dadurch konnte Kern die letzte Konkurrenz der schweizerischen Reisszeugfabrikation ausschalten. Entsprechend reduziert war das Sortiment der neuen Firma, welche unter der Bezeichnung "Glaus, Leuzinger und Cie. Aarau, Successeurs de Gysi & Cie." auftrat, wie Inserate im Bulletin téchnique de la Suisse Romande aus den Jahren 1919 und 1920 belegen. Hergestellt wurden vor allem einzelne Spezialinstrumente wie Schublehren, Federzirkel oder Zeichendreiecke, aber keine vollständigen Reisszeuge. Da die Fabrikation von Messwerkzeugen gegenüber der deutschen Industrie einen schweren Stand hat, setzt Glaus ab den 20er Jahren vermehrt auf den Verkauf und die Reparatur von Motorfahrzeugen. 1939 wird der Betriebszweig mit den Messwerkzeugen an die Firma Kern verkauft und der Standort Sägerain geschlossen.
Jahrestafel
|1796||

Geburt von Friedrich Gysi.
|1810||

Friedrich Gysi beginnt bei Ludwig Esser in Aarau eine Lehre als Reisszeugmacher. Diese schliesst er 1815 ab und begibt sich auf die Wanderschaft nach Deutschland und Frankreich.
|1817||

Er eröffnet in Aarau ein eigenes Atelier für die Herstellung von Reisszeugen sowie mathematischen und physikalischen Instrumenten.
|1824||

Kauf des Hauses an der Vorderen Vorstadt in Aarau.
|1837||

Friedrich Gysi wird von der aargauer Regierung zum Eichmeister ernannt.
|1843||

Eröffnung eines Fotoateliers für Daguerrotypie, welches bald zu einem zweiten Erwerbszweig der Familie wird.
|1861||

Tod von Friedrich Gysi.
|1872||

Neubau der Reisszeugfabrik, deren Leitung Emil Gysi übernimmt.
|1889||

Die Firma Fr. Gysi Aarau wird in Gysi & Cie. umbenannt.
|1910||

Wilhelm Hegert wird Teilhaber des Fotogeschäfts, welches nun den Namen Gysi & Hegert trägt.
|1913||

Das Fotoatelier wird vollständig von Wilhelm Hegert übernommen.
|1919||

Wilhelm Hegert eröffnet das Fotogeschäft nach dem ersten Weltkrieg an einem neuen Standort.
|1919||

Die Reisszeugfabrik wird durch die neu gegründete Glaus, Leuzinger & Cie. weitergeführt.
|1939||

Der Betreibszweig der Messwerkzeuge wird von Glaus an die Firma Kern verkauft. Der Standort Sägerain wird geschlossen.