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Vor fünf Jahren kandidierte ihr Vater Jean-Noël Gex für den Stadtfreiburger Gemeinderat, nun steigt sie selber ins Rennen: Océane Gex, Präsidentin der Stadtfreiburger FDP, verteidigt zusammen mit ihrem Vizepräsidenten David Krienbühl den freisinnigen Sitz in der Stadtregierung. Den Sitz, den Antoinette de Weck vor zehn Jahren zurückerobert hat und den sie nun freigibt.
«Politik ist bei uns eine Familiengeschichte», sagt Océane Gex. Ihr Vater, ebenfalls ein Freisinniger, wurde 1982 das erste Mal in den Generalrat gewählt. «2016 suchte die FDP noch Kandidatinnen und Kandidaten, und ich liess mich auf die Liste setzen», sagt Océane Gex. Prompt wurde sie gewählt. «Es war nicht der ideale Moment, ich war an meiner Bachelor-Arbeit und hatte eine neue Stelle in Lausanne», sagt die 29-Jährige. «Aber ein solches Amt lehnt man nicht ab.» Und sie engagierte sich auf der ganzen Linie: Sie wurde Vorstandsmitglied der städtischen FDP, 2019 übernahm sie das Präsidium.
David Krienbühl sagt von sich, dass er als Zehnjähriger von Jean-Pascal Delamuraz beeindruckt war. «Seither ist Politik meine Leidenschaft, nebst dem Sport», sagt der Präsident von Floorball Freiburg. Er ist in Courtaman aufgewachsen; als er 2011 in die Stadt Freiburg zog, engagierte er sich für die städtische FDP. Seit sieben Jahren arbeitet er auch in der Stadt; er ist Verbandssekretär beim Freiburger Arbeitgeberverband. Da er nicht mehr pendeln musste, hatte er mehr Zeit für die Politik; und so kandierte er für den Generalrat, in den er im September 2017 nachgerutscht ist.
Gex und Krienbühl sind beide zweisprachig und sprechen Dialekt. Gex, die aus einer französischsprachigen Familie stammt, hat die deutschsprachige Schule im Au-Quartier besucht, später ihr Studium auf Französisch und zweisprachig absolviert. Krienbühls Vater ist Deutschschweizer, darum hat Krienbühl seine ersten Lebensjahre in Gümligen bei Bern verbracht. «Als ich dann in Courtaman in den französischsprachigen Kindergarten kam, sprach ich besser Deutsch als Französisch», sagt Krienbühl.
Im Gemeinderat würden die beiden die Mobilitätspolitik prioritär behandeln – und diese ganz anders gestalten als der jetzige Gemeinderat, der eine linke Mehrheit hat. «Der Verkehrsfluss muss verbessert werden», sagt Gex. Krienbühl denkt an ein Parkleitsystem: «Damit kann der Suchverkehr abgebaut werden, der macht rund einen Viertel des Verkehrs aus.»
Krienbühl ist es ein Anliegen, dass der Gemeinderat in der nächsten Legislatur bei den Investitionen klare Prioritäten setzt. «Realisieren wir alle geplanten Bauprojekte, verdoppeln sich die Schulden der Stadt innert vier Jahren – das ist kein gutes Zeichen.» Gex sieht das gleich: «Die linke Mehrheit gibt das Geld mit beiden Händen aus; wir müssen viel sorgfältiger mit den Einnahmen umgehen.» Krienbühl würde darum vor allem erst einmal die Umgestaltung des Bahnhofs vorantreiben. «Das muss in der nächsten Legislatur eine Priorität sein», sagt er. «Der Bahnhofplatz ist die Visitenkarte der Stadt, und heute müssen wir uns dafür schämen.» Wichtig sei, dass der Bahnhof für Autos erreichbar bleibe. Und klar sei auch: Die Stadt müsse nun endlich ein Schwimmbad mit einem 50-Meter-Becken bauen.
Océane Gex und David Krienbühl sitzen zwar im Generalrat und sind dort sehr präsent; sie haben aber noch nicht viel politische Erfahrung. «Ich sehe das nicht als Nachteil», sagt Océane Gex. «Die Wählerinnen und Wähler entscheiden sich für Profile, für Leute, die sich engagieren.» Und David Krienbühl meint: «Wir sind jung und bissig.»
Die Liste
Fünf Freisinnige verteidigen den freien Sitz
«Es ist Zeit, anderen Platz zu machen, nachdem ich zehn Jahre lang mit Tempo 150 unterwegs war»: Das sagte Gemeinderätin Antoinette de Weck an der Generalversammlung der FDP Stadt Freiburg im September. Die Freisinnigen verteidigen den frei werdenden Sitz mit einer vollständigen Liste. Nebst David Krienbühl und Océane Gex treten bei den Wahlen vom 7. März auch Jean-Pierre Wolhauser, Adrienne Salina und Valérie Nicolet an.
Notar und Verwaltungsrat Jean-Pierre Wolhauser ist in der Stadtpolitik bekannt. Der 67-Jährige sass bereits von 1991 bis 2006 im Generalrat und kam 2011 wieder ins Stadtparlament. 2012/13 präsidierte er den Generalrat, heute ist er Fraktionspräsident. Er ist Mitglied des Vorstands der städtischen FDP und engagiert sich in mehreren Vereinen. Wolhauser wohnt im Burg-Quartier.
Adrienne Salina und Valérie Nicolet haben keine politischen Mandate inne. Die 37-jährige Salina ist Anwältin bei der Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge und Vorstandsmitglied bei den FDP-Frauen. In ihrer Freizeit singt sie beim Chor Arsis. Adrienne Salina lebt im Vignettaz-Quartier.
Valérie Nicolet ist Kampagnenleiterin der städtischen FDP und leitet deren Sekretariat ad interim. Die 50-jährige Pflegefachfrau arbeitet in der Direktion der Ecole de soins et santé communautaire in Vevey. Sie ist Mitglied der Frauenvereinigung der FDP, des Vereins Fusion 21 und des Roten Kreuzes Freiburg und wohnt im Beaumont.
Zahlen und Fakten
Freier FDP-Sitz im Gemeinderat
2001 wurde der Freiburger Gemeinderat von neun auf fünf Mitglieder verkleinert. Damals holten CVP und SP je zwei Sitze und die FDP einen. Alle Bisherigen wurden wiedergewählt, darunter der FDP-Gemeinderat Claude Masset. Fünf Jahre später erlebte die FDP ein Debakel: Die Linke errang erstmals die Mehrheit im Gemeinderat, und Masset wurde abgewählt. 2011 holte Antoinette de Weck den Gemeinderatssitz zurück – auf Kosten der CVP: Charles de Reyff wurde abgewählt. Nun tritt de Weck zurück.