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Legislaturindikator: Belastung durch Erwerbsarbeit und Haus-/Familienarbeit
Auszug aus dem Legislaturziel 9: Benachteiligungen aufgrund des Geschlechts […] sollen beseitigt werden. Diesbezüglich will der Bundesrat insbesondere die Lohngleichheit zwischen Mann und Frau herstellen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter verbessern.
Bedeutung des Indikators:
Die gleichberechtigte Teilhabe am Berufs- und am Familienleben gehört zu den zentralen Anliegen in der Diskussion um die Gleichstellung der Geschlechter. Um diese Gleichstellung verwirklichen zu können, müssen Männer und Frauen die gleichen Möglichkeiten haben, Berufs- und Privatleben zu vereinbaren. Dies kann unter anderem durch familienfreundliche Bedingungen begünstigt werden, wie familienergänzende Kinderbetreuung oder die Möglichkeit für beide Geschlechter einer wirtschaftlich tragfähigen und steuerlich attraktiven Teilzeitbeschäftigung nachzugehen. Neben diesen objektiven Faktoren können die Unterschiede bei der Aufteilung zwischen bezahlter Arbeit und unbezahlter Haus- und Familienarbeit auch auf individuelle Entscheide zurückgehen.
Der Indikator zeigt den Zeitaufwand für Erwerbs-, Haus- und Familienarbeit in Stunden pro Woche nach Geschlecht.
Quantifizierbares Ziel: Die Belastung durch Erwerbsarbeit und Familienarbeit ist ausgeglichener auf die Geschlechter verteilt.
Kommentar
Männer und Frauen arbeiten in etwa gleich viel, insgesamt rund 50 Stunden pro Woche. 2016 investierten die 15- bis 64-jährigen Frauen mehr Zeit in die Haus- und Familienarbeit (30 Stunden pro Woche) als die gleichaltrigen Männer (18 Stunden pro Woche). Bei der bezahlten Arbeit ist die Situation umgekehrt: 2016 leisteten die Frauen 21 Stunden und die Männer 33 Stunden bezahlte Arbeit pro Woche. Seit 1997 hat sich die generelle Verteilung der Arbeitsbelastung nach Geschlecht wenig verändert. Frauen verrichten mehr Haus- und Familienarbeit als Männer, unabhängig davon, ob sie in einem Paarhaushalt mit oder ohne Kinder leben. Die Anwesenheit von Kindern im Haushalt führt bei beiden Geschlechtern zu einem Anstieg der aufgewendeten Stunden für Haus- und Familienarbeit. Diese Zunahme fällt bei den Frauen stärker aus als bei den Männern. Entwicklungen über die ganze Zeitspanne sind aufgrund einer Revision der SAKE im Jahr 2010 mit Vorsicht zu interpretieren.
In Paarhaushalten mit Kindern reduziert die Frau häufig ihr Erwerbspensum oder verzichtet (vorübergehend) ganz auf eine Erwerbstätigkeit. Am häufigsten wird ein Modell mit vollzeiterwerbstätigem Vater und teilzeiterwerbstätiger Mutter gewählt: Gut jeder zweite Paarhaushalt mit jüngstem Kind unter 13 Jahren wählte im Jahr 2019 dieses Modell. Nur in 6,6% der Paarhaushalte (mit oder ohne Kinder) waren beide Partner teilzeiterwerbstätig.
In zwei Dritteln der Paarhaushalte mit Kindern unter 13 Jahren lag 2018 die Hauptverantwortung für die Hausarbeit bei der Frau. Die alleinige Verantwortung der Partnerin für die Hausarbeit hat in allen Paarhaushalten, auch in solchen ohne Kinder, zugunsten der gemeinsamen Verantwortung abgenommen.
Zum jährlichen Arbeitseinkommen eines Paarhaushalts mit Kindern trugen die Frauen 2018 im Durchschnitt gut ein Viertel und die Männer zwei Drittel bei, der verbleibende Teil stammte von anderen Haushaltsmitgliedern. Dieser Unterschied ist umso ausgeprägter, je mehr Kinder im Haushalt leben. Bei Paaren ohne weitere Haushaltsmitglieder brachte die Frau 39% des gesamten Arbeitseinkommens ein.