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Das Sozialprojekt Circo Fantazztico
Das Sozialprojekt Circo Fantazztico bietet sozial gefährdeten Kindern eine Freizeitbeschäftigung und eine Alternative zur Kriminalisierung in Banden und zur Perspektivlosigkeit in ihrem sozialen Umfeld. In unterschiedlichen Altersgruppen lernen sie Artistik und Zirkuskunst kennen, aber auch das soziale Miteinander wird gestärkt und gelebt. Der Circo bietet wöchentliche Kurse für mehr als 200 Kinder und Jugendliche mit verschiedenen Bedürfnissen an. Die Trainings werden vom internen Circo-Team, freiwilligen HelferInnen und ehemaligen ArtistInnen betreut. Auf die individuellen Anliegen jedes Kindes wird eingegangen und auf die jeweiligen Stärken aufgebaut. In dieser Fotoreportage wird der Alltag zweier jugendlicher Artisten des Circo bebildert.Photos Christian Jaeggi
Fotoreportage aus dem Projekt in Costa Rica
Die Mutter von Jennifer (16 J.) arbeitet und lebt in den USA und schickt regelmässig Geld nach Hause, mit dem sich ihre Tochter ab und zu Dinge leisten kann, welche kaum andere Leute in ihrem Umfeld kaufen können. Das Wireless im Haus ermöglicht es Jennifer, Kontakt zu ihrer Mutter zu haben. Das einzige Bild ihrer Mutter hat sie auf dem Smartphone.
Die Wohnung ist mit wenig Habseligkeiten eingerichtet und strahlt eine Leere aus. An der Wand rechts hängt ein Bild der Grossmutter, die Jennifer und die Geschwister aufgezogen hat. Seit ein paar Jahren ist sie jedoch verstorben.
Die Geschwister werden von der Tante betreut, welche nebenan wohnt. Der älteste Bruder war in San José für drei Jahre im Gefängnis und gilt seither als verschollen. Als Jennifer zwei Jahre alt war, wanderte die Mutter ohne gültige Aufenthaltsbewilligung in die USA aus. Vor kurzem hat Jennifer erfahren, dass ihre Mutter es irgendwie geschafft hat, eine Besuchserlaubnis für Jennifer zu erhalten. Das würde ein Wiedersehen nach sehr langer Zeit ermöglichen.
Neben dem Schulalltag und dem regelmäßigen Training beim Circo Fantazztico verbringen Jennifer und ihre Schwester viel Zeit mit ihrer älteren Cousine Alexandra. Sie wohnt nebenan und ist ein grosses Vorbild für Jennifer, denn sie war mit dem Circo schon auf Europatournee.
Da das Viertel von Jennifer zu den sichereren in der Gegend gehört, laufen die drei Mädchen oft gemeinsam zur Schule, wo sie Blockzeiten von 10-14 Uhr haben.
Nach der Schule werden sie, zusammen mit anderen Kindern und Jugendlichen, vom Circo- Shuttelbus eingesammelt und an die Trainingsorte gebracht. Für viele ist dies die einzige Möglichkeit an den Trainings teilzunehmen, da viele in abgelegenen Ortschaften leben.
Dieses Jahr wird auch Jennifer zum ersten Mal bei der Europatournee mit dabei sein. Mit Alexandra trainiert sie nun mehr als die gewohnten ein bis zwei Mal die Woche Akrobatik, Tanz und ihr geliebtes Vertikalseil. Der Circo ist ihre zweite Familie geworden und bietet ihr einen geschützten Rahmen, wo sie gefordert wird und einen wichtigen Teil der Gruppe bildet.
Akrobatik am Vertikalseil wird neben dem Haus der HelferInnen trainiert. Die freiwilligen BetreuerInnen, welche für eine temporäre Zeit aus dem Ausland kommen um beim Circo mitzuhelfen, bringen sportliche, artistische und pädagogische Fähigkeiten mit.
Jennifer und Yeron beim Training in der Haupttrainingshalle des Circo Fantazztico. Beide haben es dieses Jahr in die engere Runde geschafft, da ihre Notenabschlüsse gut waren und sie regelmässig am Training teilnehmen. Sie werden für zwei Monate mit einer 20-köpfigen Gruppe durch Europa reisen und ihr neues Stück „Der Hexentanz“ präsentieren.
Das Leichtgewicht Yeron (16 J.), zuoberst auf der Pyramide, hat Glück. Seine Schule unterstützt die Jugendlichen, die in ihrer Freizeit im Circo Fantazztico mitwirken. Die Schulleitung sieht den Circo als einen wichtigen Faktor in der Entwicklung der Kinder und Jugendlichen, da er in ihrem oft unstabilen Umfeld eine sinnvolle Freizeitgestaltung bietet.
Der Jungartist Yeron ist nicht das einzige Circo-Mitglied. An dieser öffentlichen Schule gibt es noch weitere Circo Fantazztico ArtistInnen. Einige waren schon auf der Zirkus Europatournee mit dabei. Hier im Bilde der Geschäftsleiter Roland Spendlingwimmer der Partnerorganisation VIDA NUEVA, der den Circo Fantazztico ins Leben gerufen hat und in regelmässigem Kontakt mit den Schulen steht.
Um an der Europatournee teilzunehmen sind der regelmässige Schulbesuch und gute Schulleistungen erforderlich. Yeron wird dieses Jahr zum zweiten Mal bei der Europatournee dabei sein und trainiert täglich für seine Reise nach Europa.
Im Armenviertel Cocorí ist das Drogengeschäft allgegenwärtig. Darum ist Vorsicht auf den Strassen und in den Parks geboten. Yeron und seine Freunde wissen, wo man sich zu welcher Uhrzeit nicht mehr aufhalten soll, sie sind stets wachsam und bewegen sich in Gruppen. An den Stromleitungen aufgehängte Schuhe zeigen, dass in dieser Strasse Drogen verkauft werden.
Die Distanzen zur Schule und zu den Trainings sind lang. Doch dafür gibt es genug Möglichkeiten und Platz zu trainieren und spielerisch die Kräfte zu messen.
Der eher scheue und ruhige Yeron blüht mit seinen besten Freunden auf und übt den Salto auf offener Strasse. Im Circo ist er meistens zuoberst auf der Pyramide platziert und wird in der Akrobatik wegen seines Leichtgewichts durch die Luft gewirbelt.
Für dieses Bild kamen extra alle Familienmitglieder im Garten von Yeron zusammen. Er lebt in einer intakten Grossfamilie, was sonst eher selten der Fall ist. Die Familie hat finanzielle Schwierigkeiten, Yeron erhält trotzdem von ihr die volle Unterstützung, um als Artist weiterzukommen. Alle sind sehr stolz, dass Yeron schon zum zweiten Mal bei der Europatournee mit dabei ist.
Ein wichtiger Ort für die Jungs aus dem Quartier ist der Mangobaum, wo sie sich Geschichten erzählen, sich austauschen und entspannen können.
Sein Artistik-Wissen gibt Yeron auch gerne an die jüngere Generation weiter. Beim Fussball spielen verrät er Tipps und Tricks aus der Zirkus Welt.