Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03519.jsonl.gz/177

| Hilarius von Poitiers († 367) - Kommentar zum Evangelium des Matthäus

Neuntes Hauptstück
4.
Damit sie aber einsehen möchten, daß ihnen, so lange sie bei dem Alten beharren würden, diese Geheimnisse des Heiles nicht anvertraut werden könnten, führte er ein Beispiel zur Vergleichung an. Ein Stück ungewalkten Zeuges setze Niemand auf ein altes Kleid, weil die Stärke des angesetzten rohen Stückes das schwache alte zerreisse; und neuen Wein gieße man nicht in alte Schläuche; denn die Hitze des gährenden Mostes zerreißt die alten Schläuche. Er deu- [S. 123] tet nämlich hiedurch an, daß die durch alte Sünden geschwächten Seelen und Leiber, die Geheimnisse der neuen Gnade zu fassen, nicht fähig seyen. Denn der Riß wird schlimmer werden, der Wein wird auslaufen, und die alten Schläuche werden zu Grunde gehen. Denn zweifach wird die Schuld solcher Menschen seyn, wenn sie ausserdem, daß alte Sünden auf ihnen lasten, die Kraft der neuen Gnade nicht ertragen werden; und darum, sagte er, würden auch die Pharisäer und die Jünger des Johannes das Neue nicht erhalten, wenn sie nicht neu würden.