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Archäologie
Kamen die ersten Hunderassen aus Sibirien?
Auf einer einsamen Insel im Artkischen Meer, 500 Kilometer vom heutigen russischen Festland entfernt sollen vor 9000 Jahren die ersten Hundezüchter gelebt haben, meint eine neue Studie.
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Die Menschen, die während der Mittelsteinzeit die Gegend um die heutige sibirische Insel Schochow bevölkerten, waren hart im Nehmen. Nicht nur trotzten sie den eisigen Temperaturen, sie waren auch das einzige bekannte Volk, das Eisbären in grosser Zahl ohne Feuerwaffen gejagt hat. Wie eine neue Studie jetzt herausgefunden haben will, hatten sie dabei Hilfe – von Hunden.
Wladimir Pitulko und Aleksej Kasparow von der Russischen Akademie der Wissenschaften untersuchten Knochenfunde aus der Ausgrabungsstätte auf der Insel und kamen zum Schluss, dass es sich aufgrund typischer Schädelmerkmale eindeutig um Knochen von Hunden und nicht von Wölfen handelt. Einer der untersuchten Schädel schien von einem Hund-Wolf-Hybriden zu stammen. Die Ergebnisse erscheinen am 3. Juni im Fachmagazin «Journal of Archaeological Science: Reports».
Mittels Hochrechnung ermittelten die Archäologen das Aussehen der Hunde: Sie waren zwischen 16 und 25 Kilogramm schwer und sollen Sibirischen Huskys ähnlich gesehen haben. Der Hybride war etwa 29 Kilogramm schwer. Pitulko, der schon seit 1989 auf der Insel gräbt und dort bereits Überreste von Schlitten gefunden hatte, schloss daraus, dass die Menschen damals wohl zwei Arten von Hunden für spezifische Zwecke züchteten: die Kleineren, um die Schlitten zu ziehen und die grösseren Hybriden zur Eisbärjagd. Wissenschaftler gehen davon aus, dass Hunde vor etwa 15'000 Jahren domestiziert wurden, aber die Hunde von Schochow wären somit die frühesten bekannten Hunderassen.
Artkis birgt Geheimnisse
Vor 9000 Jahren war Schochow nämlich noch keine Insel, sondern mit dem sibirischen Festland verbunden. Die Menschen jagten nicht nur Eisbären, sondern auch Rentiere, denen sie während ihrer jährlichen Wanderung Hunderte von Kilometern folgen mussten. «Sie brauchten ein Transportmittel», sagt Pitulko gegenüber dem Magazin «Science».
Andere Experten sind skeptisch. Zooarchäologin Angela Perri vom Max-Planck-Institut in Leipzig, die nicht an der Studie beteiligt war, sagt beispielsweise ebenfalls zu «Science»: «Die grosse Variation im Gewicht der Hunde spricht gegen eine kontrollierte Zucht. Ich glaube, da gab es viele verschiedene Hunde – und vielleicht auch einige Wölfe –, die sich miteinander gepaart haben und Würfe verschieden grosser Welpen hervorgebracht haben.» Aus diesen könnten die Steinzeit-Menschen jedoch diejenigen ausgesucht haben, die am besten zum Schlitten ziehen oder zum Jagen geeignet waren, was dennoch auf eine Art Zucht hindeute. Wie dem auch sei, die Arktis berge noch viele Geheimnisse, findet Perri. Man dürfe sie nicht ausser Acht lassen, wenn man die Domestizierung des Hundes untersuche.