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Sidney Poitier war ein Ausnahmetalent. Ohne viel Aufhebens zog er die Blicke des Publikums auf sich. Er hatte diese Aura, die einen wahren Filmstar ausmacht – eine charismatische Ausstrahlung, die ihn zu Hauptrollen prädestinierte.
Poitier war der erste dunkelhäutige Mann, der in grossen Hollywood-Studioproduktionen gewichtige, schwierige Rollen übernahm.
Gleich in seinem ersten Film, dem hervorragenden Thriller «No Way Out» von 1950, hinterliess Poitier einen starken Eindruck: Er spielte einen Arzt, der einen rassistischen Gangster pflegen muss. Dabei verkörperte Poitier bereits meisterlich, mit welchen inneren Konflikten seine Figur kämpft.
Der Weg zum Ruhm
1955 festigte sich Poitiers Ruf mit seiner Rolle im aufrüttelnden Sozialdrama «Blackboard Jungle» – einem der ersten Hollywood-Filme, in denen Rock'n'Roll zu hören war. 1958 folgte der Action-Film «The Defiant Ones» über die Flucht zweier aneinandergeketteter Sträflinge, einer weiss, der andere schwarz.
Von da an erschien Poitiers Name auf den Postern regelmässig über dem Filmtitel: Das Publikum kam ins Kino, um ihn zu sehen. Und die Qualität der Filme liess nicht nach: Das Feelgood-Melodrama «Lilies in the Sun» (1963) brachte ihm schliesslich den Oscar.
Besonnen gegen Ungerechtigkeiten
Weitere starke Poitier-Filme sind die Liebesgeschichte «A Patch of Blue» (1965) und der Südstaaten-Krimi «In the Heat of the Night» (1967). Poitier hatte nun in seine Paraderolle hineingefunden: Würdevolle, integre Männer, die auf Ungleichbehandlung oder Ausgrenzung nicht mit Gehässigkeit reagieren, sondern mit Verstand.
Poitier verkörperte diese Standhaftigkeit und Aufrichtigkeit mit natürlicher Kraft. Das schwarze Publikum identifizierte sich gern mit seinen Figuren, das weisse solidarisierte sich problemlos. Selbst in eher ambivalenten Rollen hatte Sidney Poitier die Zuschauenden stets auf seiner Seite.
Die Filme gleichen sich
Dieses Saubermann-Image war Poitier nicht restlos genehm: In der zweiten Hälfte seiner Karriere hätte er gerne abgründigere Figuren gespielt. Gleichzeitig war er sich aber bewusst, dass sein Image als Publikumsliebling relevant war für seine Engagements in der Rassenfrage.
In den Siebzigern war Poitier dann öfter in belanglosen Filmen zu sehen – er blieb ein Star, aber er trat in kommerziellen Streifen auf, die oft wie Aufgüsse seiner früheren Erfolge wirkten.
Kultfilm hinter der Kamera
Poitier erarbeitete sich ein zweites Standbein und wurde Filmregisseur – im Komödienfach. Seine neun Regiearbeiten zwischen 1972 und 1990 sind weitgehend vergessen, aber eine davon ist ein Kult-Klassiker: «Stir Crazy» von 1980, mit den Komödianten Richard Pryor und Gene Wilder. Sidney Poitier gab seinen Darstellern damals viel Raum zum Improvisieren.
Die Rechnung ging auf: Die freche Hochtempo-Komödie gehört rückblickend zu den lustigsten US-Filmen dieser Epoche. Und es spricht für Poitier als Regisseur, dass das anarchische Duo Pryor-Wilder danach nie mehr so zündend funktionierte wie hier.