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Portrait / Saxer Wirt, Fuhrhalter, Kutscher, Landwirt, Transport,
Johann Georg Saxer ( 1830 – 1901 ) kam im Dezember 1858 nach Dietikon ( im Register der Einwohnerkontrolle ist nicht angegeben, woher er kam, vermutlich aus seinem Heimatort Remetschwil AG ) und verdiente seinen Lebensunterhalt als Knecht in der Taverne „ Krone“ 1865 verheiratete er sich mit der Dietikerin Elisabeth Ungricht, geboren 1839. Aus dieser Ehe stammen sieben Kinder: Johann 1867, Martha 1869, Georg 1871, Maria Elisabeth 1873, Peter August 1874, Emilie 1877, und Gustav 1878,. August Saxer vermählte sich 1897 mit Margaretha Haug und wurde Vater der Kinder Frieda *1897, Heinrich August * 1898 und Elisa Erna * 1900.
Sohn Georg Saxer-Meister (1871 – 1948) verdiente seinen Lebensunterhalt als Fuhrhalter, Kutscher und Landwirt an der Bergstrasse 14 und brachte es im Laufe der Jahre zu einigem Vermögen und zu einem ausladenden schnauz. Lesen und Schreiben waren nicht seine Stärken. Das mächtige Haus in der grossen Kurve an der Bergstrasse wurde 1822 erbaut und diente ursprünglich dem Getreidemüller ( sog. Untere Mühle, am linken Reppischufer ) als Unterkunft. Von 1902 bis 1904 versuchte Georg Saxer sein Glück als Wirt auf dem Restaurant Bahnhof ( heute Standort Plaza Café ). Saxer wird als sehr rabiater Mann geschildert. So habe er einmal Handwerker für ihre Arbeit in seinem Betrieb mit einem blossen Zvieri abspeisen wollen. Als sie deswegen murrten, drohte er ihnen, sofort die Peitsche zu holen, worauf sie es vorzogen, das Haus möglichst bald zu verlassen. Auch wenn die Arbeit der Knechte beim Putzen der Kutsche, der Pferde und deren Geschirrs nicht befriedigte, schwang Georg Saxer bedrohlich die Peitsche. Aber es waren ihm auch sympathisch Züge eigen. Im Limmatpost Artikel „ Eine Kindheit in Dietikon “ von 2002 schreibt die 2008 verstorbene Cécile Brändli – Probst: “ An einem Sonntag in den Sommerferien 1933 wartete ich mit dem Täufling unserer Familienhilfe vor dem Haus an der Bergstrasse 12. Unser Nachbar, der grosse, kräftige Fuhrhalter Georg Saxer erblickte mich. „ Wie soll er denn heissen?“ rief er. Ich sagte: „ Georg“. Da erwiderte er: “ Halt, halt. Ich bringe Euch zur Kirche!“. Nach etwa zehn Minuten fuhr er vor mit der glänzenden Kutsche und zwei Rösslein. Herr Saxer Freute sich, das der kleine Bub seinen Namen bekommen sollte. So fuhr er uns nicht etwa direkt zur Kirche. Er zeigte mir das Sonntagsgesicht von Dietikon, das Oberdorf, und fuhr dann am Ochsen vorbei und an der schmiedstube. Wir stiegen bei der St. Agatha-Kirche aus. Das habe ich nie vergessen.“ Für die Fahrt zur regelmässigen Jass runde benützte Georg Saxer sein Fahrrad. Wie andere Dietiker Prominenz – z.B. Dr. med. Schärer – bestieg er das Velo via Hinterrad. Dort waren bei der Nabe zwei Fussraster angebracht, um den Aufstieg zu ermöglichen.
In Erinnerung geblieben ist auch der ledige Knecht Otto Baumgärtner, „ Tschulo“ genannt. Er soll für sein leibliches Wohl bis zu 10 Liter sauren Most im Tag benötigt haben. Vielleicht war dies mit Grund dafür, dass er lange Jahre im Sommer bei den Schweinen und im Winter bei den Pferden im Stroh seine Nachtruhe suchen musste. Es mundete ihm auch wenig, bei Saxer jeden Mittag das gleiche Süpplein vorgesetzt zu bekommen. Nach heftigen Auseinandersetzung mit seinem Chef suchte „ Tschulo“ zur Beruhigung oft das Weite, kehrte dann aber nach einigen Stunden wieder reumütig an seinen Arbeitsplatz zurück. Der arg fletschende Kettenhund, Tschulos Freund, liess keinen Unbefugten in die Nähe der langen Scheune. Dank einem unter dem Dachvorsprung gespannten Laufdraht konnte er im Nu von einer Ecke zur anderen sausen.
Mit Vertrag vom 29.Dezember 1923 beauftragte die Gesundheitskommission die Firma Saxer mit der – auf freiwilliger Basis beruhenden – Kehrichtabfuhr. Die „ Abonnenten “ konnten den Hauskehricht am Samstag in irgendwelchen Gefässen zur Abfuhr bereitstellen und mussten dafür halbjährlich der Gemeinde eine Gebühr entrichten. Der offene Bennen Wagen mit Pferdezug und Otti Baumgärtner auf dem Bock oder hinten beim Kübelleeren wurde nach einigen Jahren durch einen oben aufklappbaren Wagen ersetzt. Da dessen vorhere Achse einen sehr engen Radstand aufwies, erweckte das Gefährt den Eindruck eines dreirädrigen Karrens.
„Tschulo “ wurde bei der Kehrichttour unterstützt vom Chef, von Walter Fischer und Fritz Hertach. Die Dietiker konnten den Kehricht bis Mitte 1952 auch persönlich zur Müslikiesgrube ( Grenze Spreitenbach ) bringen, um ihn dort gratis zu entsorgen. 1952 musste Vertragspartner Saxer den von Pferden gezogenen Kehrichtwagen durch einen „ Ochsner “ Lastwagen ersetzen, wobei dem Bürger auf dem Verordnungsweg die Verwendung von „ Ochsner – Eimern “ vorgeschrieben wurde („ Die Innenseiten der Eimer sind durch Papiereinlagen möglichst trocken zu halten “!). Aus welchen Gründen es anfangs 1936 zur Insolvenz und zum Konkurs über Georg Saxer kam, muss offenbleiben. Offenbar gelang es der Familie Saxer aber in der Folge, wieder in den Besitz von einigen früheren Liegenschaften zu kommen. Als Georg gegen das Ende seiner Tage kam, sagte im Familienangehörige zur Aufmunterung, er müsse dann am Samstag noch eine Hochzeit führen. Er mutete sich das nicht mehr zu. Da befestigten sie je einen Strick an den unteren Bettpfosten und gab ihm deren Ende in die Hand. Aber die „ Zügel “ entglitten ihm; er wusste mit ihnen nichts mehr anzufangen. Bald darauf trat er seine letzte Reise an. Ob ihn dabei Hufgeklapper begleitet hat ist nicht bekannt.
Oskar Saxer war bedeutend umgänglicher als sein Vater. Ob ihm seine beiden Übernamen „ Goldzahn “ und „ Pferdeläck “- wohl Spass oder mehr Verdruss bereiteten? Für die Italiener war er ganz einfach „ Osgar, capo von Giesgruba “. Er war dreimal verheiratet ( Anna Burger, Emma Wieland, Martha Zgraggen-Koch ) und sehr stolz auf seinen Berufsstand. Er trat stets als „ Monsieur “ auf! Das durchdringende Stimmorgan hat Oskar wohl von seinem Vater übernommen; die frühmorgendliche Befehlsausgabe ab Küchenfenster an die Mitarbeiter auf dem Vorplatz der Scheune war im ganzen Quartier zu hören. Oskar stand dabei meist noch in den Pyjamahosen, was aber von unten nicht zu sehen war. 1931 entschloss sich Oskar Saxer zum Kauf eines Lastwagen Berna. Statt wie sein Vater von hinten aufs Velo zu steigen, öffnete Oskar lieber die lange Tür des Cadillacs ( mit Weisswandreifen ), liess sich ins weiche Polster fallen und schob den Borsalino in den Nacken.
In St. Moritz – wo er sich häufig aufhielt fühlte er sich unter seinesgleichen und auf gesellschaftlicher Augenhöhe. Freundschaftlich verbunden war Oskar Saxer in Dietikon vor allem mit Zimmermeister, Feuerwehrkommandant und Kantonsrat Josef Koch. Dieser kam gerne nach einem fröhlichen Abend morgens um 1 Uhr zum Abschlusskaffee in Saxers Küche oder drückte mindestens auf der Heimfahrt beim Passieren der lange Kurve an der Bergstrasse 14 ausgiebig auf die Hupe seines schwarzen mit viel Chrom verzierten Buicks ZH 11 051. Es soll zwischen Saxer und Koch auch einmal ein Autorennen Dietikon – München unter der Formel Buick gegen Cadillac stattgefunden haben. Sieger mit einer halben Stunde Vorsprung wurde Oskar Saxer. Um seinen Freund etwas zu necken, gab Koch beim „ Limmattaler “ ein Inserat auf, wonach Saxer Aufträge für Samichlausbesuche gerne entgegennahm. Die vielen Anrufe von Eltern brachte Saxer fast zur Verzweiflung.
Gut befreundet war Saxer mit Kantonspolizist Hefti vom Posten Dietikon. In der Kiesgrube im „ Müsli “ war während 25 Jahren Josef Koller beschäftigt, der mit seiner grossen Familie auch im Hause Saxer wohnte. Als Aushilfskutscher sprang bei Saxer ein Mann mit spitz gedrehtem Schnurrbart immer gerne ein: Simon – Filialleiter Josef Trutmann – Heinrich (1876 – 1970). Er war 1904 mit Familie nach Dietikon gekommen und schätzte es sehr, seine Erfahrung als Kutscher des Hotel Ochsen in Zug und als Postillion auf der Strecke Zug/Menzigen/Aegeri weiter verwenden zu können.
Der ersten Ehe von Oskar Saxer entstammen Annemarie ( 1934-1957) und Oskar (*1936), der Betrieb des Vaters – motorisiert – weiterführte und seinem Sohn René übergeben hat.
In den Glanzzeiten wieherten in der Scheune an der Bergstrasse gegen 20 Pferde, 1952 nur noch zwei, von denen man sich damals auch noch trennte. Scheune und Stallungen wurden 1990 zugunsten einer grossen Neuüberbauung abgerissen.