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Aus früheren Paris-Aufenthalten weiss ich, dass es leicht ist, das Quartier Latin mit dem Quartier St. Germain zu verwechseln – beziehungsweise zu meinen, die beiden Quartiere bestünden nur aus dem touristischen Gassen-Wirrwarr direkt an der Seine. Dem ist aber ganz und gar nicht so: Um das Quartier Latin zu erkunden, braucht man mindestens einen halben Tag; will man auch noch die Museen besichtigen, einen ganzen. Der Aufwand lohnt sich aber: Mit seinen engen Gassen und historischen Monumenten ist das Quartier Latin eines der charmantesten in ganz Paris.
Inmitten des Studentenviertels Quartier Latin lag einst das Zentrum der gallo-römischen Stadt Lutetia, von der heute noch die Arena und die Thermen zu besichtigen sind. Den Namen verdankt das Quartier aber der Universität, an der im Mittelalter lateinisch gesprochen wurde.
Den Spaziergang durchs Quartier beginnt man am besten am Seine-Ufer gegenüber von Notre-Dame, bei der Metrostation Saint-Michel. Dort findet man gleich besagtes Gassengewirr mit unzähligen Restaurants, Take-Aways und Souvenirläden. Eine der Gassen ist die Rue de la Huchette, in der sich vor allem griechische Tavernen aneinanderreihen. Grund dafür ist die dortgelegene winzige Kirche Saint-Julien-le-Pauvre, in der die griechisch-melchitische Gemeinde ihr Osterfest feiert.
Der Boulevard St. Michel, kurz „Boul‘ Mich'“ genannt, bildet die Grenze zum Quartier St. Germain und lädt zum Shoppen ein. Läuft man ihm entlang in Richtung Süden, kommt man zum Musée du Moyen Âge mit den antiken Thermen aus dem 3. Jahrhundert. Ein paar Meter weiter steht die Sorbonne, Frankreichs älteste Universität. Sie wurde 1253 gegründet und beherbergt heute nur noch die Sprach- und Literaturwissenschaften. Am Ende des „Boul‘ Mich'“ liegt übrigens ein Eingang zum Jardin de Luxembourg, über den ich in dieser Serie bereits geschrieben habe.
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Der nächste Punkt auf dem Sightseeing-Programm ist das nahegelegene Panthéon, dessen Kuppel man nur schwer übersehen kann. Das Bauwerk mit dem Auftrag, dem Petersdom in Rom Konkurrenz zu machen, wurde 1790 fertiggestellt. Heute ist es dem nationalen Totenkult gewidmet: In den düsteren Krypten beigesetzt, sind unter anderen Victor Hugo, Voltaire und Marie Curie. Der Eintritt kostet acht Euro. Zur Kuppel kann man aufsteigen und den Ausblick geniessen.
Ein paar Gassen hinter dem Panthéon liegt die Place de la Contrescarpe. Hier beginnt eine der ältesten Strassen von Paris, die dörfliche, aber sehr lebendige Rue Mouffetard mit ihren zahlreichen Käseläden, Bäckereien, Marktständen, Brasserien sowie Bücher-, Film- und Modeschmuckläden. In der Nähe befinden sich an der Rue Rollin auch die Arènes de Lutèce, ein antikes Amphitheater aus dem 2. Jahrhundert. Statt für Gladiatorenkämpfe und Theater wird der staubige Platz heute zum Boulespielen genutzt.
Von hier spaziert man zu grossen Moschee an der Rue de Quatrefages. Die Mosquée de Paris hat einen sehr schönen, gekachelten Innenhof mit maurischem Garten und ein 30 Meter hohes Minarett. Der zur Moschee gehörende Teesalon Café „Maure“ um die Ecke hat einen kleinen Garten und ist auch bei Touristen sehr beliebt.
Gleich gegenüber dem Teesalon beginnt der Jardin des Plantes. Hier endet der dörfliche Teil des Quartier Latins, und man findet sich im weitläufigen, städtischen Paris wieder, wie man es von den Seine-Ufern oder den Strassen rund um den Eiffelturm und die Champs-Elysées gewohnt ist. Der Jardin des Plantes wurde im 17. Jahrhundert als königlicher Garten für Heilpflanzen angelegt. In ihm befindet sich auch das Naturhistorische Museum.
Am oberen Ende des Parks bildet die Seine die nördliche Grenze des Quartiers. Hier kann man dem Seine-Ufer entlang zurück in Richtung Boulevard St. Michel / Notre Dame spazieren und dies gleich mit einem gratis Museumsbesuch verbinden: Am Quai St. Bernard stehen nämlich etwa 40 moderne Skulpturen, die zusammen das Musée de la Sculpture en Plein Air bilden.
Letzte Station des Rundgangs durch das Quartier Latin ist das Institut du Monde Arabe (IMA). Das Institut soll den Franzosen die arabischen Länder näherbringen und beherbergt auch das Museum islamischer Kunst. Von der Dachterasse aus kann man gratis einen Blick auf die Seine-Inseln Île de la Cité und Île St. Louis geniessen und sich von den zurückgelegten Kilometern erholen.
Alle Fotos: Andrea Schmits