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Politische Soziale Arbeit
Aktuell diskutierte Denkmodelle in der Debatte um politische Soziale Arbeit. Wie sind sie begründet, was ist ihr Nutzen für die Praxis und welche handlungsleitenden Erkenntnisse bringt eine Reflexion aus einer gesellschaftstheoretischen Perspektive
Nachdem die Soziale Arbeit in den 70er Jahren stark von politischen Auseinandersetzungen geprägt war, folgte darauf eine Phase, in der die gesellschaftliche Perspektive in Theorie und Praxis zugunsten einer individuumszentrierten Perspektive in den Hintergrund trat. Im Verlauf des letzten Jahrzehnts hat sich der Diskurs um die politische Funktion Sozialer Arbeit wieder intensiviert. Gesellschaftliche und politische Entwicklungen wie die zunehmende Neoliberalisierung und Ökonomisierung der Gesellschaft, die Transformation des Wohlfahrtsstaates in einen aktivierenden Sozialstaat, die wachsende soziale Ungleichheit und die Individualisierung sozialer Probleme werden zunehmend kritisiert, die Bedeutung des Staates wird thematisiert. Aus diesen Entwicklungen entstehen sozialstaatliche Forderungen an die Soziale Arbeit, welche nicht mit deren Zielen vereinbar sind. Dies generiert das Bedürfnis bei Sozialarbeitenden, auf gesellschaftliche Strukturen, die sozialen Ungleichheiten zugrunde liegen, Einfluss zu nehmen sowie, um diese nicht zu verfestigen, die eigene Rolle in der Gesellschaft zu reflektieren.
Die Forderung nach politischer Sozialer Arbeit wird im aktuellen Diskurs anhand verschiedener Denkmodelle beschrieben. Mit Publikationen zu den Modellen des Politischen Mandates, der Repolitisierung Sozialer Arbeit und Kritischer Sozialer Arbeit als Gegenstand der Analyse geht die vorliegende Bachelorarbeit der Frage nach, welche Konzepte und Begründungen jeweils vertreten werden, welche Verständnisse von Politik und dem politischen Aspekt der Sozialen Arbeit ersichtlich werden und welche Handlungsvorschläge daraus erschlossen werden. Der Fragestellung dieser Arbeit nach den Nutzen und Begrenzungen der aktuellen Debatte für die Praxis Sozialer Arbeit wurde anhand dieser Literaturanalyse nachgegangen sowie anhand der Reflexion einzelner Aspekte der Denkmodelle an ausgewählten Elementen der gesellschaftstheoretischen Konzeption von Martin Graf.
Die zentrale Schlussfolgerung der Arbeit besteht daraus, dass dieses Konzept als normative Orientierung für die Handlungsvorschläge der Denkmodelle genutzt werden kann. Basierend auf einer diskursiven Legitimitätsprüfung professioneller Handlungen soll das Ziel sozialarbeiterischer Interventionen die Herstellung kommunikativer Situationen sein und somit eine breite Teilnahme der Menschen am gesellschaftlichen Diskurs ermöglichen. Dies stärkt eine Demokratie, in der die Mehrheit der Interessen berücksichtigt wird anstelle der Interessen der Mehrheit. Die Differenzierung des Politikbegriffs ermöglicht eine Spezifizierung, auf welcher politischen Ebene Veränderungen angestrebt werden. Soziale Arbeit, verstanden als ein kritisches Moment der Gesellschaft, zielt auf eine Mitgestaltung gesellschaftlicher Strukturen auf jener politischen Ebene an, auf der es um die eigentliche Verteilung von Macht und Ressourcen geht.