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Lieber Ulli,
>Ich kann nicht verstehen, dass ich zur Sohnschaft vorherbestimmt bin, die
Bibel aber nichts zur Vorherbestimmung zur Kindschaft sagt.
Dein Satz hat mich angeregt Eph 1 5 nachzulesen, wo es heißt:
Er hat uns vorherbestimmt zur Sohnschaft für sich selbst durch
Jesus Christus, nach dem Wohlgefallen seines Willens,
Ich verstehe den Satz
wie folgt - für Korrekturen bin ich natürlich (wie immer) offen:
a) "Er" bezieht sich
auf Gott, den Vater, der ab V. 3 im Mittelpunkt steht.
b) "uns" sind zunächst Paulus und die Briefempfänger, aber auch alle
wiedergeborenen Christen. Damit unterscheide ich mich diametral von der
calvinistischen Sicht, die eine Erwählung Ungläubiger zur Wiedergeburt etc.
lehrt. Das finde ich in der gesamten Schrift an keiner Stelle und auch in
Eph nicht.
c) "hat vorherbestimmt": Gott hatte diesen Beschluss bereits vor der
eigentlichen Durchführung - wohl wie V. 4 "vor Grundlegung der Welt",
gefasst. "Vorherbestimmen" meint, vorher festlegen, wie etwas später sein
soll. (wie man das Partizip auch noch alternativ auflösen bzw. verstehen
könnte, wäre eine andere spannende Frage, z.B. kausal, d.h. als
Begründung für die Erwählung zur Heiligkeit in V. 4 etc. - oder etwa auch
temporal).
d) "Sohnschaft" bzw. "Sohnestellung". Der Plan Gottes war es, diejenigen,
die an seinen Sohn glauben, in eine "Vater-Sohn"-Stellung mit sich zu
bringen.
e) "für sich selbst". Es war das eigene Interesse Gottes bzw. die "Stellung
als Söhne" war auf Gott selbst hin ausgerichtet.
f) "durch Jesus Christus". Er war derjenige, durch den Gott diesen Plan
verwirklicht hat. Christus hat durch seinen Tod, aus Feinden, Kinder bzw.
Söhne Gottes gemacht. Gläubige können durch das Werk des Herrn zum
allmächtigen Gott "Vater" sagen. "Durch" zeigt die Art und Weise der
Durchführung dieses Planes an.
g) "Nach dem Wohlgefallen seines Willens". Dieser Satzteil zeigt den hinter
diesem Plan stehenden Willen Gottes an, der sich in der Vorherbestimmung der
Christen (nota bene: nicht der Ungläubigen!) zur Stellung als seine Söhne,
bzw. Menschen, die ihn als Vater ansprechen dürfen, an. Hinter dem genannten
Plan steht der Wille Gottes, den er durch das Werk Jesu verwirklicht hatte,
um das Ziel, nämlich Menschen in eine Vater-Sohn-Beziehung zu bringen, zu
erreichen.
Inhaltlich würde ich den Satz wie folgt umschreiben: Gott der Vater hatte
die, die an seinen Sohn glauben (werden), bereits vorher dazu bestimmt, mit
ihm selbst in eine enge Beziehung zu kommen, ja sogar in ein
Vater-Sohn-Verhältnis. Diesen Plan hat er durch Christus verwirklich
und dieser Plan entspricht genau dem, was Gott selbst wollte und ihm ein
eigenes Anliegen war.
Scharf widersprechen würde ich der Aussage der reformierten Theologie, dass
es sich hier um eine Vorherbestimmung einzelner ungläubiger Menschen zur
Wiedergeburt handelt.
Beste Grüsse
Eurer
Peter
www.streitenberger.com