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Nimmt man die Zulassungszahlen im Schweizer Nutzfahrzeugmarkt für das 1. Halbjahr näher unter die Lupe, so stellt man überrascht fest, dass trotz der Krise einige wenige Anbieter keinen Grund zum Klagen haben: Immerhin drei Marken - nämlich Scania, Citroën und Kia - konnten bis Ende Juni dieses Jahres mehr Fahrzeuge verkaufen als in der Vorjahresperiode. Auch innerhalb der insgesamt neun verschiedenen Gewichtsklassen sind in vier Segmenten höhere Zulassungszahlen zu verzeichnen. Dafür gibt es einen wichtigen Grund. Bei den höheren Verkaufszahlen handelt es sich um Fahrzeuge, die noch im Vorjahr bestellt wurden, die aber wegen der teils längeren Lieferfristen erst in diesem Jahr an die Kunden ausgeliefert werden konnten. Sie hätten eigentlich noch in der Statistik 2008 erscheinen sollen, verbessern aber nun die Absatzzahlen im laufenden Jahr.
Leichte hatten es schwerer
Die Immatrikulationen von Lieferwagen und Transportern reduzierten sich im 1. Halbjahr 2009 um knapp 17% während bei den mittelschweren und schweren Fahrzeugen ab 3,5 t Gesamtgewicht ein Minus von 0,8% resultierte. In der Kategorie bis 3,5 t Gesamtgewicht konnte Citroën bis Ende Juni mit 1365 verkauften Fahrzeugen die Poleposition erobern, mussten doch die drei nachfolgenden Konkurrenten - Volkswagen, Renault und Mercedes-Benz - Einbussen zwischen 15 und 22% hinnehmen. Am stärksten Federn lassen mussten bis Ende Juni in der Lieferwagenklasse Nissan, Opel und Iveco.
Im Bereich der mittelschweren Fahrzeuge zwischen 3,5 und 18 t zulässiges Gesamtgewicht resultierte in den ersten sechs Monaten ein Rückgang der Verkäufe neuer Fahrzeuge von 11,1%. Zulegen konnten dagegen die schweren Fahrzeuge sowie vor allem die ganz schweren ab 32 t Gesamtgewicht. Von diesem Trend profitierten bis Ende Juni Mercedes-Benz (+ 60%) und vor allem Scania, die ihre Verkäufe ab 32 t Gesamtgewicht mehr als verdreifachen konnten.
Gerade bei den schweren Fahrzeugen spielte der Aspekt der Lieferfristen eine besonders wichtige Rolle, so etwa konnte Scania bei den schweren Fahrzeugen 41% zulegen dann folgen Mercedes-Benz (+25%), Volvo (+21%) und MAN (+5%).
Kunden bauen ab
Die Rückgänge bei den Immatrikulationen leichter und teilweise schwerer Fahrzeuge ist weitgehend auf die schwierige Situation im Strassentransportgewerbe zurückzuführen. Geht die Nachfrage in wichtigen Industriezweigen zurück und sinkt dadurch die Produktion, werden auch weniger Güter und Rohmaterialien transportiert (siehe auch unsere Umfrage auf Seite 57). Etliche Strassentransportunternehmen mussten in den vergangenen Monaten Teile ihrer Flotte stilllegen, weil die Transportaufträge dafür fehlen. Im 2. Halbjahr ist deshalb mit einer weitgehenden Stagnation der Nachfrage zu rechnen, dies jedenfalls ist der Tenor aus der Branche. Der momentan harzige Auftragseingang wird sich auf die Absatzzahlen des 2. Halbjahres auswirken. Aber auch im kommenden Jahr ist wohl (noch) nicht mit einer markanten Verbesserung der Kauflaune bei den Kunden zu rechnen, werden doch die Transportunternehmer bei anziehender Konjunktur erst einmal die stillgelegten Fahrzeuge wieder in Betrieb nehmen, bevor sie sich für den Kauf neuer Fahrzeuge entschliessen.
Die Nutzfahrzeug-Importeure in der Schweiz müssen sich also auch im kommenden Jahr auf eine eher schwache Nachfrage nach Neufahrzeugen einstellen, bevor - nach Ansicht der Marktbeobachter - die Nachfrage im Jahr 2011 wieder anzieht.