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Landesgrenzen – Gemeindegrenzen – Eigentumsgrenzen
zwischen der Herrschaft und dem Ländle
Der Verein Kultur Herrschaft führte am 4. Dezember 2010 die dritte Exkursion „Herrschaftliche Grenzen“ durch. Viele Geschichten ranken sich um den Grenzabschnitt vom Ellhorn am Rhein bis zum Mittlerspitz am Guschner Grat.
Auf dem militärischen Ausbildungsplatz St.Luzisteig folgten die Exkursionsteilnehmer den Erklärungen von Alex Bantli, verantwortlich für die Sicherheit bei Schiessübungen. Das Gelände ist heute im Besitz des Bundes. Das war nicht immer so. 1940, nach Ausbruch des Krieges, wurden auf geeigneten Wiesen unter St. Luzisteig Getreide und Kartoffeln für die Stadt Chur angebaut. Durch dieses Pflanzwerk konnten gewisse Bauvorhaben, insbesondere die Entwässerung des Fläscher Rietes, endlich realisiert werden. Zur selben Zeit erstellte man in diesem damals exponierten Gebiet die Festungsanlagen am Andstein und Fläscher Loch. Nach Kriegsende wurde der Ackerbau eingestellt und das Land den Grundeigentümern wieder zugeteilt.
Wem gehört hier was?
Vom Andstein aus genoss die Gruppe einen guten Überblick auf das Grenzgebiet. Alt Förster Martin Bürzle aus Balzers orientierte über die Landesgrenze vom Rhein beim Ellhorn bis zum Mittlerspitz. 1948 fand eine Regulierung der Staatsgrenze statt. Zur Erweiterung von Festungsanlagen wurden strategisch wichtige Punkte wie Ellhorn und Tschingelkopf dem schweizerischen Staatsgebiet zugeteilt. Anderseits wurde das Liechtensteinische Territorium im Elltal, auf der Mälser Allmend und auf den Pradwiesen nach Süden verschoben. Auch über die Besitzesverhältnisse zwischen den Nachbargemeinden Balzers und Fläsch wusste Förster Martin Bürzle Interessantes zu berichten. So etwa, dass Balzers Wald und Wiesen auf dem politischen Territorium der Gemeinde Fläsch hat. Nicht immer war man sich in allem einig. Förster Bürzle nannte ein Beispiel, als beide Gemeinden das Mozatobel als ihr Eigentum beanspruchten. Im Jahr 1661 bestimmte Franziskus Wilhelm Graf zu Hohenems als Schiedsrichter, dass künftig das Mozatobel der Gemeinde Fläsch gehören soll, gegen eine jährliche Lieferung „fünf Zuber guten, wehrhaften Most“. Anmerkung: heute stehen Fläsch und Balzers in einem freundnachbarlichen Verhältnis.
Der grosse Waldbrand
Vor 25 Jahre brannte der Himmel, so der Titel zum Bericht von Marco Schnell in der Zeitung ‚Prättigauer und Herrschäftler‘ vom 5. Dezember 1985. Der verheerende Waldbrand war bei starkem Föhn durch eine Schiessübung der Armee mit Leuchtspur ausgelöst worden. Jakob Kuratle, damaliger Kantonaler Feuerwehrinspektor, schilderte den Kampf gegen das sich ausbreitende Grossfeuer. Wegen des Föhnsturms mussten die Feuerwehren zurück beordert werden, das Leben der Einsatzkräfte durfte nicht aufs Spiel gesetzt werden. Auch der Einsatz von Helikoptern war eingeschränkt. Erst am folgenden Tag war eine wirkungsvolle Brandbekämpfung möglich. Insgesamt waren um 300 Löschmänner und eine Katastrophenkompanie der Schweizer Armee im Einsatz. Rund 110 Hektar Wald wurden zum Raub der Flammen.
Forstingenieur Robert Jecklin, damaliger Kreisförster, orientierte über die Wiederaufforstung des Brandgebietes. Das Projekt ging von einem Zeitraum über 30 Jahre und auf Kosten der Schweizerischen Eidgenossenschaft aus, der Kostenvoranschlag belief sich auf einen Aufwand von Fr. 5,8 Mio. Die Aufforstung erfolgte mit standortgerechten Pflanzen, vornehmlich mit Föhren (41 %), Lärchen (17%), auf besseren Lagen Fichten (6 %), Laubhölzer und Sträucher. Einmal gepflanzt, mussten die Jungbäume vor Wildverbiss und Steinschlag geschützt werden. Heute, also 25 Jahre nach dem Brand, bietet der Jungwald ein recht gutes Bild. Die an ‚Kultur Herrschaft‘ interessierten Teilnehmer machten sich auf einem Rundgang ihr eigenes Bild vom Gedeihen des Waldes. Die schrecklichen Wunden des Brandes sind weitgehend geheilt.
Herrschaftliche Grenzen auch im 2011
‚Kultur Herrschaft‘-Präsident Reto Bernhard dankte allen, insbesondere Erhard Accola für die vorzügliche Gestaltung des Tages. Im Gasthof St. Luzisteig fand die Exkursion bei Gerstensuppe und einem feinen Tropfen einen geselligen Ausklang. Im 2011 stehen drei weitere Exkursionen zu ‚Herrschaftliche Grenzen‘ an: Samstag, 9. April, Fr/Sa, 24./25. Juni und Samstag, 5. November. Mehr dazu: www.kulturherrschaft.ch
Daniel Marugg-Felix