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Die Gehörlosen und das Vereinsleben
Nach Beendigung der Schulzeit in Géronde und Bouveret kehren die Schüler in ihre Täler zurück. Damit sie den Kontakt zueinander nicht verlieren, beschliesst eine Gruppe Ehemaliger, sich regelmässig zu treffen. So entsteht 1939 der Gehörlosenverein Wallis. Die erste Präsidentin ist eine Frau, Esther Giroud.
Am Anfang zählt der Verein 25 Mitglieder. Die ersten Jahre sind schwierig, die jungen Gehörlosen leben weit verstreut und besitzen keine Autos. Zusätzlich müssen die Eltern überzeugt werden, ihre Kinder an den Treffen teilnehmen zu lassen, denn in dieser Zeit sind Hochzeiten unter Gehörlosen verpönt. So wünscht der Pfarrer 1942, nach einem Treffen in Saas Fee, keine Durchmischung von Knaben und Mädchen mehr im Verein.
Er rät den Mitgliedern, zwei getrennte Vereine zu gründen. Esther Giroud wird Präsidentin der Frauen und Emile Constantin übernimmt die Männergruppe.
Im Mai 1945 erscheint durch die Motivation von Bischof Bieler die erste Ausgabe von Ephpheta (aramäisches Wort, das „öffne dich“ bedeutet, durch welches Christus einem Gehörlosen das Gehör wiedergegeben hat), der Zeitschrift der gehörlosen Walliser. Sie erscheint von 1945 bis 1948 mehr oder weniger regelmässig, das Abonnement kostet 3 Franken pro Jahr. Das Heft enthält immer ein Vorwort des Pfarrers, anschliessend verschiedene Artikel, neues vom Sport, Spiele und sogar „Ratschläge der Krankenschwester“ über Mundhygiene oder Verbrennungen.
1946 rechtfertigt die Zeitschrift ihre Existenz folgendermassen: „..unsere Eltern für unsere Arbeit zu interessieren, auf Kritik erfolgreich zu antworten, grosse, schöne und günstige Ausflüge anzubieten und die Sympathie von allen zu erlangen“.
Die jungen Frauen des Vereins, die „Alouettes“ (Lerchen), treffen sich jeden zweiten Sonntag des Monats in einem Lokal in der Rue des Vergers. Sie diskutieren verschiedene Themen, wie Lebensqualität und über Möglichkeiten, sich intellektuell und handwerklich zu entwickeln. Sie organisieren auch Weihnachtsfeiern und jährliche Ausflüge. Am 15. Juli 1945 gehen sie beispielsweise nach Kippel.
Im Juni 1946 findet der Westschweizer Gehörlosentag in Lausanne statt. Zum ersten Mal organisiert der Vorstand des SRSM, Société romande pour le bien des sourds-muets (Westschweizer Hilfsverein zum Wohl der Taubstummen), ein Treffen für alle Gehörlosen in der Westschweiz. An der Veranstaltung nehmen zweihundert Personen teil, darunter eine Gruppe ehemaliger Schüler vom Institut Bouveret. Esther Giroud ermuntert die Mitglieder des Vereins, ein gutes Bild der Walliser Gehörlosen zu geben.
Im August organisiert der Verein der jungen Männer einen Ausflug zum Rhone Gletscher. Weil es noch Platz hat, werden auch einige Damen eingeladen. Auf dem Gipfel des Passes geniessen alle ein Raclette.
Die jungen Frauen machen ihren Ausflug im Oktober an „Christ-Roi“ (Christ-König Fest).
Am 29. Dezember 1946 findet im Lokal die Weihnachtsfeier der jungen Frauen statt. Der Pfarrer von Preux ist anwesend und zeigt mit seinem Filmprojektor Mickey Maus und Charlie Chaplin Filme.
Im Frühling 1947 führt der SRSM erneut seine Generalversammlung in Lausanne durch. Der Verein schlägt vor, dass von jedem Westschweizer Taubstummeninstitut ein rechtlicher Vertreter dem Vorstand des SRSM angehören soll. Der Vorschlag wird einstimmig angenommen und Herr Fracheboud, Direktor des Instituts von Bouveret vertritt fortan das Wallis im Vorstand.
Im Mai treffen sich die Alouettes zu einer Pilgerfahrt nach Longeborgne. Einige kommen sogar zu Fuss von Ayent oder St. Léonard.
Im Jahr 1947 verkündet der Pfarrer von Preux eine grosse Neuigkeit: Im Juni wird eine Carfahrt für den gesamten Verein organisiert, für junge Männer und Frauen. „Wir haben Vertrauen zu Euch, Ihr macht dem Verein Ehre. Wir machen schöne Fotos und sogar einen Film.“ Der Gesamtvorstand wählt als Ausflugsort Champéry im Val d’Illiez. In der Vereinszeitschrift schreibt ein junger Mann anonym (sic) einen Artikel, in dem der die Jugendlichen bittet, sich während des Ausflugs gut zu benehmen.
Ephpheta, die Vereinszeitschrift erscheint nur noch ab und zu, es fehlen Artikel und Werbeanzeigen, welche die Finanzierung ermöglichen.
Ende 1947 leiden auch die Finanzen des Vereins. Joseph Andereggen schlägt eine Tombola vor, um die Finanzen zu retten. Die Veranstaltung der Tombola im April 1948 ist gleichzeitig die Gelegenheit für eine Generalversammlung. Es wird entschieden, dass jedes Vorstandsmitglied das Präsidium des Vereins für ein Jahr übernimmt, wie beim Bundesrat. John Maret wird zum Präsidenten gewählt.
Die Ephpheta Ausgabe vom April 1948 erscheint letztmals in ihrem kurzen Dasein. Aber der Verein führt seine Aktivitäten weiter, organisiert Ausflüge, wie beispielsweise nach Chamonix im Sommer 1949.
1951 wird ein Mitgliederbeitrag eingeführt. Man verpflichtet sich zu einem Beitrag von 3 Franken, wenn man zum Gehörlosenverein Wallis gehören will. Im Juli findet der Jahresausflug nach Fionnay statt, an dem dreiunddreissig Personen teilnehmen.
Im darauf folgenden Sommer wird erstmals eine grosse Reise nach Italien organisiert, auf die Borromäischen Inseln.
Der Verein wird grösser. An der Weihnachtsfeier 1953 nehmen mehr als siebzig Mitglieder teil zu Tee, Tombola, Spielen und sogar ein Film wird gezeigt.
1954 ist ein wichtiges Jahr in der Geschichte der Walliser Gehörlosen: Von Joseph Devanthéry wird ein Sportverein gegründet, mit dem Namen „Flèche Sportive des Sourds du Valais“ (Sport Pfeil der Gehörlosen im Wallis). Am Anfang wird nur Ski gefahren.
Im Mai 1957 findet der fünfzigste Westschweizer Gehörlosentag in Sitten statt. Die Teilnehmer kommen aus der ganzen Westschweiz und sogar aus Deutschschweizer Kantonen. Folklore Tänze und ein Ausflug zum unterirdischen See von St-Léonard werden organisiert.
Im November ändert der Sportverein seinen Namen und wird zum „Flèche Sportive des Silencieux Valaisans“ (Sport Pfeil der Stillen Walliser).
1959 wird vom Gehörlosenverein Wallis die Mitgliedschaft beim FSS, Fédération Suisse des Sourds (SGB, Schweizerischer Gehörlosenbund), beantragt.
Im Frühling 1960 führt der SRSM seine Generalversammlung in Sion durch. Er beschliesst, sich fortan ASASM, Association Suisse pour l’Aide aux Sourds-muets (Schweizerischer Taubstummen Hilfsverein) zu nennen. Das Wort „stumm“ überzeugt nicht alle, aber es wird kein besseres gefunden, um die Öffentlichkeit aufmerksam zu machen und dazu zu bewegen, sich grosszügig zu zeigen.
1963 demissioniert André Héritier beim Flèche Sportive und Raymond Bourban wird neuer Präsident. Die Sektion Kegeln wird gegründet.
Im Oktober 1964 feiert der Verein sein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum und zählt viele neue Mitglieder. Das Jubiläum wird in Sitten, im Hotel du Cerf mit einem Pantomimen Theater, Tanz, einer Messe und einem Überraschungsausflug gefeiert.
Danielle Revaz wird nach der Generalversammlung im April 1966 neue Präsidentin des Vereins.
Am 1. Oktober 1966 lädt der Gehörlosenverein Wallis alle zu einem Abendanlass ins Hotel de la Gare in Sitten ein, mit Pantomime, Tombola, Spielen, einem Ball...
Im Juni 1969 stirbt die erste Präsidentin des Vereins, Esther Constantin-Giroud.
Im Juli desselben Jahres organisiert der Verein seinen jährlichen Ausflug ins Oberwallis, nach Grächen, mit einem traditionellen Raclette.
1970 schliessen sich die beiden Vereine (Gehörlosenverein Wallis und Sport Pfeil der Gehörlosen im Wallis) zusammen. Sie nennen sich fortan „Association Sportive des Sourds du Valais » (Sportverein der Gehörlosen im Wallis). Dieser Zusammenschluss wird mit einem Tanzabend im Saal von Matze gefeiert. Raymond Bourban wird Präsident dieses neuen Vereins, welcher Mitglied beim ASASM wird.
1972 zählt der Verein fünfzig Mitglieder. Er veranstaltet weiterhin kulturelle und sportliche Anlässe und organisiert Ausflüge nach Savoyen und Greyerz.
1975 fahren fünfunddreissig Mitglieder nach Italien, nach Aosta, Novarre und Orta.
An der Weihnachtsfeier 1976 in Sion, führen die Kinder vom Institut Bouveret ein kleines Theaterstück auf, Pfarrer Firmin Rudaz zelebriert die Messe und eine Kollekte wird zugunsten der Gemeinde, Abteilung Religion des Vereins, organisiert.
Im darauf folgenden Jahr hat der Verein die Ehre, die Westschweizer Gehörlosen zu empfangen. Der Westschweizer Tag der Gehörlosen findet wiederum in Sitten statt, im Juni 1977. Am Vormittag wird ein Fussballmatch zwischen Genf und dem Wallis ausgetragen. Gegen Mittag wird ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert und am Nachmittag eine Judo Vorführung gezeigt.
An der jährlichen Generalversammlung im Januar 1978, möchte Raymond Bourban aus gesundheitlichen Gründen als Präsident zurücktreten. Ein neuer Vorstand wird für zwei Jahre gewählt und Marie-Louise Fournier wird Präsidentin des Vereins.
An der Generalversammlung im Februar 1979 schlägt die Präsidentin eine Namensänderung des Vereins vor. Die Mitglieder stimmen zu und der Verein bekommt seinen Namen, wie wir ihn heute noch kennen: Gehörlosenverein Wallis. Unter diesem Namen ist er ja 1939 gegründet worden. Der Verein vertritt so alle Gehörlosen offiziell und auch die Sportler einheitlicher.
Im September 1979 feiert der Verein seinen vierzigsten Geburtstag!
Im folgenden Jahr wird eine neue Sektion gegründet: die Sportgruppe Damen. Jeder Sport hat seine verantwortliche Person: René Cotter für das Kegeln, Pierre-Alain Duc für den Fussball, Michel-Alain Beney für Ski und Cross. Gérard Gsponer ist der Kapitän der Kegler, Catherine Cotter Kapitänin der Keglerinnen.
Die Aktivitäten des Vereins sind vielfältig; er nimmt an den Versammlungen des FSS (SGB), des ASASM, des FSSS (SGSV) und an Sitzungen des Konsultativ-Vorstands in Lausanne teil und organisiert zahlreiche Kegel- und Fussballturniere sowie Gebärdensprachkurse.
1979 ist die Präsidentin Marie-Louise Fournier bereit, die Redaktion der Gehörlosenzeitschrift zu übernehmen: Den Messager (Kurier/Bote).
Zu Beginn der 80er Jahre ist der Verein immer noch sehr aktiv, vor allem im Sport. Langlauf-Ausflüge werden organisiert, eine Mitgliedergruppe trainiert schwimmen in Saxon und die Sektion Fussball nimmt an Turnieren in der ganzen Schweiz teil.
Ein Ausflug in den Zoo von Servion im Sommer 1981 verzeichnet eine Rekordteilnahme. Mehr als siebzig Mitglieder kommen mit in den Zoo und anschliessend nach Greyerz.
Im Herbst desselben Jahres wird eine weitere Sport Sektion gegründet: das Schiessen. Sie zählt nur ein einziges Mitglied, Martin Karlen, welcher aber einen schönen 4. Platz bei den Schweizer Meisterschaften holt.
An der Weihnachtsfeier zeigt Claudy Fournier den Kindern Trickfilme und Filme vom Ausflug nach Servion.
Marie-Louise Fournier, immer noch Präsidentin des Vereins und Redaktorin des Messager, wird zur Vize-Präsidentin des FSS gewählt. Stéphane Faustinelli, Kassier, wird als Vize-Präsident des FSSS (Schweizerischer Gehörlosen Sportverband) gewählt.
Im Juli 1982 geht der jährliche Ausflug nach Deutschland und ins Elsass; zwanzig Mitglieder sind dabei. Colmar, Freiburg im Breisgau und seine Kathedrale, Rust und Europa Park, der Affenberg, Riquewihr, Sauerkraut und Wein...
Die Messager Ausgabe vom Januar 1984 befasst sich speziell mit dem Wallis! Eine Karte zeigt die Verteilung der Gehörlosen auf Walliser Gebiet. Der Verein zählt jetzt mehr als neunzig Mitglieder, davon zwanzig im Oberwallis.
Im November 1983, an der jährlichen Generalversammlung, wird ein neuer Vorstand gewählt. Marie-Louise Fournier und Stéphane Faustinelli möchten aufgrund ihrer Verpflichtungen im „Plan Romand“ (Westschweizer Plan) zurücktreten. Die Sekretärin, Danielle Revaz tritt ebenfalls zurück. Der Vorstand besteht also nur noch aus Männern, Pierre-Alain Duc wird zum Präsidenten gewählt und Ciriaco Capone zum Vize-Präsidenten; Laurent Barras wird Sekretär und Michel-Alain Beney Kassier.
Der jährliche Vereinsausflug im Juni 1984 hat Jugoslawien zum Ziel, mit einem Besuch in den Postojna Höhlen. Der Hinweg führt durch das Aosta Tal, mit einem Halt in Verona. Auf dem Rückweg hält der Car in Venedig.
Die Generalversammlung vom November 1984 findet in Sitten statt, in einem grossen Konferenzsaal, der für 100 Franken gemietet wird. Drei Tage später hält Jean-Marie Le Pen dort einen Vortrag, auf Kosten des Kantons Wallis. Eine neue Sport Sektion wird gegründet: Volleyball Damen.
1985 findet ein Ausflug an Pfingsten statt. Abfahrt in die Berner Alpen, aufs Schilthorn. Das Essen wird im Drehrestaurant Piz Gloria eingenommen.
Die Generalversammlung vom November 1986 wählt einen neuen Vereinsvorstand. Pierre-Alain Duc bleibt Präsident, Alex Mignanti wird zum Vize-Präsidenten gewählt, Claudy Fournier zum Sekretär, Michel-Alain Beney zum Kassier. Catherine Cotter ist verantwortlich fürs Kegeln, Jean-Jacques Wyer für den Fussball und Urban Gundi für Ski und Cross.
1985 möchte der Verein Eltern von Kindern mit Hörbehinderung (APEDAV) die Weihnachtsfeier organisieren. Bei diesem Anlass mimen die kleinen gehörlosen Schüler der Klasse von Sitten das Theaterstück „Rotkäppchen“.
Am 15. März 1986 lädt Emile Constantin alle Gehörlosen der Gemeinschaft und ihre Familien nach Ayent zu einem Wiedersehen und freundschaftlichen Treffen ein. Etwa fünfzig Personen kommen, einige von Lausanne, Genf oder Freiburg.
Die traditionelle Bergwanderung des GVW wird jedes Jahr abwechselnd von den Sektionen Kegeln und Fussball organisiert. Im Juli 1986 ist die Reihe an den Keglern. Ausgesucht wird die Region von Emaney und la Creusaz, oberhalb von Marécottes.
Im Juni 1986 nehmen fünfundzwanzig Personen am Vereinsausflug teil. Alle nehmen die Zahnradbahn auf die Rigi und überqueren dann den Vierwaldstättersee mit dem Schiff.
Im Echo de la Printse erscheint 1987 ein Artikel, in dem Marie-Louise Fournier, frühere Präsidentin des GVW Glückwünsche zur schmeichelhaften Nomination als Präsidentin des Schweizerischen Gehörlosenbundes bekommt. Sie ist damit die erste Frau in diesem Amt.
Ein weiteres wichtiges Ereignis gibt es 1987: Die Eröffnung des Gehörlosen Kulturzentrums in Lausanne, genau rechtzeitig zur Weihnachtsfeier. Durch die verschiedenen Interessen der beiden Sense-Hälften ist es inzwischen für den FSS und seine Mitglieder notwendig geworden, zwei Arbeitsregionen mit eigenen Vorständen zu bilden. Die Sprache, die Zeitschriften, die Gebärdensprachen, die Fernsehsender, alles ist verschieden. Die Westschweizer Region des FSS, die FSS-RR (SGB-Region Romandie), wird gegründet und gibt eine neue Zeitschrift heraus, die den Messager ersetzt: Sourds aujourd’hui (Gehörlose heute).
1988 feiert die Sektion Fussball des GVW ihr 15-jähriges Bestehen. Dieses Jubiläum wird am 25. Juni mit einem grossen Turnier gefeiert.
Im selben Jahr wird im Verein eine neue Sektion gegründet: Kultur und Freizeit, unter der Leitung von Catherine Cotter und Rolande Gaudin. Ein erster Vortrag findet im Mai bei Publicitas in Sitten statt. Herr Luyet, Abteilungsleiter, hält einen Vortrag über die Bearbeitung von Inseraten, was bei den Besuchern gut ankommt. Ein anderer Besuch wird von der Sektion im November organisiert und zwar in der Druckerei Moderne, wo der Novelliste gedruckt wird.
Im Jahr 1989 wird das 50-Jahr Jubiläum des Vereins gefeiert, der nun 110 Mitglieder zählt. Zu diesem Anlass wird eine sportliche, unterhaltende und kulturelle Grossveranstaltung organisiert. Sie findet im Mai drei Tage lang in Martigny statt. Eine Fotoausstellung mit dem Titel „La vie des sourds auf fil des ans“ (das Leben der Gehörlosen im Laufe der Zeit) wird vom Organisationskomitee erarbeitet und folgendes Programm wird geboten: eine Zaubershow, Attraktionen, ein grosser Ball mit Orchester, dann am Sonntag ein ökumenischer Gottesdienst, gefolgt von einer Gleitschirmdemonstration und einem grossen Bankett. Fast achthundert Personen aus Frankreich, Belgien, Italien, Deutschland oder auch aus Österreich nehmen teil. Zu diesem Jubiläum gestaltet Laurent Barras das neue Vereins-Logo.
Im September 1989 organisiert die Sektion Kultur und Freizeit einen Besuch bei CIBA-GEIGY in Monthey. Mehr als dreissig Gehörlose sind dabei.
Die 50-Jahr Feier wird am Bettag noch verlängert. Ein Überraschungsausflug auf Einladung des Organisationskomitees findet am Ufer des Genfersees statt. Fast hundert Teilnehmer kommen mit dem Tonkin Zug nach Bouveret. Die Lokomotive aus dem Jahre 1856 wird mit Kohle betrieben. Einige Herzen schlagen höher, als das Institut von Bouveret in Sicht kommt, auch wenn es jetzt in das Hotelier Institut César Ritz umgewandelt ist.
An der Generalversammlung vom 26. November 1989 wird noch einmal der aussergewöhnliche Erfolg des GVW Jubiläums behandelt. Stéphane Faustinelli wird zum Ehrenmitglied gewählt und der Vorstand für zwei weitere Jahre einstimmig bestätigt.
Vierzig Teilnehmer fahren im März 1990 nach Leuk zum Skiausflug. Ein Rennen wird organisiert und Steve Favre, erst 11-jährig, wird 5. im Gesamtklassement.
Im September 1990 organisiert die Sektion Kultur und Freizeit einen Ausflug ins Institut Bouveret, welcher Hervé Fournier (Neffe von Marie-Louise) und Verantwortlicher für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit zu verdanken ist. Zahlreiche ehemalige Schüler wollen dabei sein. Alle sind von den Veränderungen überrascht. Die grossen Turn- und Speisesäle sind zu luxuriösen Ess- und Aufenthaltsräumen umgebaut worden. Aus der früheren Kapelle ist ein Konferenzsaal geworden und die alten Klassenzimmer sind mit modernem Material ausgestattet. Ein reichhaltiges Buffet wird im Hotelier Institut für alle hergerichtet.
Oktober 1990: Endlich ein Treffpunkt im Wallis für den GVW! Das gab es bis jetzt noch nicht; nach langem Suchen wird ein Provisorium in Martigny gefunden. Ein grosser Raum wird ganz in der Nähe des Stadtzentrums mit der Italienischen Kolonie geteilt. Es gibt dort ein Baby-Foot, einen Billardtisch, eine Cafeteria und eine Kochnische. Die Mitglieder treffen sich zweimal pro Monat.
Der St. Joseph Skiausflug führt am 19. März 1991 nach Ovronnaz. Dreissig Skifahrer nehmen daran teil. Claudy Fournier gewinnt bei den Herren, Christine Rossini bei den Damen und Steve Favre bei den Kindern.
Im Sommer 1991 organisiert der Verein ein Jugendcamp. Es findet an einem Wochenende in Lannaz / Wallis statt. Man spielt « mit zeichnen gewinnen », erzählt lustige Geschichten in Gebärdensprache, isst ein traditionelles Raclette... Und alle Jugendlichen sind begeistert.
Am 1. Juni 1991 nehmen vierundzwanzig Personen an einem Baby-Foot Turnier im Vereinslokal teil. Ciriaco Capone wird Sieger.
1991 ehrt der Weltverband der Gehörlosen die Präsidentin des GVW, Marie-Louise Fournier, mit dem internationalen sozialen Verdienst 2. Klasse! Sie bekommt eine Medaille und ein Diplom.
Der GVW ehrt Marie-Louise ebenfalls an der Generalversammlung im November. Stéphane Faustinelli, gewählt als Generalsekretär des FFS-RR wird ebenfalls beglückwünscht. Pascal Lambiel wird neuer Präsident des GVW. Der Vorstand zählt fünf Mitglieder plus die Verantwortlichen jeder Sektion (Fussball, Kegeln, Jass, Ski und Cross, Kultur und Freizeit, Lokal, Volleyball).
Der Verein führt seine Aktivitäten weiter, vor allem mit den Ski Ausflügen auf den Simplon und nach Vercorin.
Im Juni 1992 findet der erste Ausflug der Kegler statt, der von Gérard und Clorinde organisiert wird. Die Velofahrer durchqueren das Chablais in strömendem Regen.
Die Sektion Jass übernimmt den Wanderausflug des GVW vom 4. und 5. Juli 1992 nach Siviez. Zwanzig Wanderer dürfen einen Braten probieren, welcher unter der Erde gegart worden ist.
Am 15. und 16. August wird die 5. Westschweizer Tennismeisterschaft zum ersten Mal vom GVW in Sitten organisiert – im Tennisclub von Valère.
1993, nach vierzehn Jahren Zentralvorstand, davon sechs Jahre als Präsidentin des Schweizerischen Gehörlosenbundes, legt Marie-Louise Fournier ihre Ämter nieder. Im selben Jahr tritt der FSS der « Fédération Suisse pour l’Intégration des Handicapés FSIH » (Schweizerischer Bund für die Integration von Behinderten) bei.
Eine neue Sektion, die « Groupe junior ‘94 » (Juniorengruppe ’94) wird 1994 gegründet. Ziel ist die engere Verbindung unter gehörlosen Jugendlichen durch Aktivitäten wie Wasserski fahren, Camps, Besuche, Informatik Kurse...
Am 18. April 1993 nehmen einige Mitglieder des Vereins am Rennen von St. Léonard teil, das von der Sittener Sektion Sport-Handicap organisiert wird. Dreihundertfünfzig Personen sind dabei und der GVW kann während der ganzen Veranstaltung Fotoplakate ausstellen, um die Hörenden über Kommunikationsprobleme, Aktivitäten des Vereins und die Gebärdensprache zu informieren.
Bernard Truffaud, französischer Gehörloser und Gehörlosen-Geschichtsforscher, hält im November 1994, im Lausanne Kulturzentrum, einen Vortrag über die Geschichte der Gehörlosen.
Anfang 1995 verlässt Marie-Louise Fournier die Redaktion der Zeitschrift Sourd Aujourd’hui, bei deren Gründung sie dabei war.
Mitglieder des GVW nehmen im September 1995 am vierteljährlichen Kongress des Weltverbandes der Gehörlosen in Wien teil. Fast dreitausend Gehörlose aus vierundsiebzig Ländern sind dort anwesend. Eine Finnin ist Präsidentin und die erste Frau in diesem Amt.
An der Generalversammlung im November 1995 wird Pierre-Alain Duc zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt.
1996 findet der Westschweizer Tag der Gehörlosen wieder einmal im Wallis, in Martigny statt. Er wird vom GVW, APEDA und der Katholischen Gehörlosengemeinschaft organisiert. Die Teilnehmer werden zum Besuch eines Weinkellers eingeladen, gefolgt von einer Filmvorführung über die Weinherstellung. Nach Grilladen geht’s am Nachmittag weiter mit Spielen, einem ökumenischen Gottesdienst und einem Abendanlass im Gemeindesaal in Martigny, mit Clowns, Frauen in Walliser Trachten, Sketches der Schüler von Collines, afrikanischem Tanz und Disco bis spät in die Nacht.
Im Juli 1996 wird ein Fahrrad Ausflug organisiert; nur sechs Mutige machen mit.
Am Ski Ausflug an St. Joseph, am 19. März 1997, nehmen acht Personen teil. Gewinnerin des Rennens bei den Frauen ist Rolande Gaudin und bei den Männern Jacques-Roland Aymon.
Am 3. Mai 1997 feiert das Gehörlosen Kulturzentrum in Lausanne sein 10-jähriges Jubiläum. Am aufgestellten Stand in La Palud wird über die Gebärdensprache informiert.
Der Gehörlosenverein Wallis zählt inzwischen einhundert fünfunddreissig Mitglieder. An der Generalversammlung vom 30. November 1997, nehmen achtzig Personen teil. Zum ersten Mal in der Vereins-Geschichte wird ein Oberwalliser, Martin Karlen, gewählt.
Volleyball, Tennis, Kegeln, Jass, Fussball... Der Verein organisiert weiterhin regelmässig Turniere.
Im März 1998 finden zwei schöne Ausflüge des GVW statt. Am 19. März geht’s zum Schlitteln oder Ski fahren nach Mayens de Riddes. Am 22. März begleitet der Führer und Mönch Jean-Michel Lonfat vier Gehörlose mit Fellen zum Hospiz des Grossen St. Bernhard.
Im Sommer desselben Jahres organisiert die Gruppe Junior ’94 eine Spazierfahrt in die Bisse de Tsittorat.
Schon wieder ist es Zeit für ein Jubiläum – der Gehörlosenverein Wallis wird sechzig Jahre alt! Am Samstag, 15. Mai 1999 finden verschiedene sportliche Wettkämpfe statt, mit Mannschaften aus Zürich und Luzern, gefolgt von Grilladen und verschiedenen Animationen. Nach einem Bankett wird der Abend mit einer Tombola fortgesetzt.
1999 findet der traditionelle Sommerausflug in die Hütte von Collmbey-Muraz statt und wird von der Sektion Kegeln und der Sektion Jass organisiert. Verschiedene Wettbewerbe mit Fragen über Geographie und Botanik werden von Stéphane Faustinelli organisiert. Hauptdiskussionsthema ist allerdings der Entscheid des IOC, die Olympischen Spiele 2006 nicht an die Stadt Sion zu vergeben.
An der Walliser Messe 1999, bekommt Stéphane Faustinelli, Sekretär des FSS-RR einen Preis, aus Dankbarkeit für seine Arbeit und seinen Einsatz auf nationaler Ebene für die berufliche Wiedereingliederung.
Im Gegensatz zu Lausanne oder Genf, besitzt der Gehörlosenverein Wallis kein Kulturzentrum. Trotzdem trifft sich eine Gruppe Senioren jeden ersten Donnerstag im Monat und tauscht dabei Erinnerungen an Bouveret aus (Foto: Gedicht von Ida Constantin in ihrem Schreibheft von 1936, Gebärdensprach-Verbot).
In Villeneuve wird das neue Freizeitcenter Fun Planet eröffnet. Anfang Mai 2000 beschliesst die Sektion Kegeln, einen Spiele-Tag zu organisieren. Die Teilnehmer können bowlen und dann Kart fahren.
Die Sektion Kultur und Freizeit ist immer noch aktiv. Im Juni 2001 organisiert sie eine Wanderung nach Lignières und Marin, mit einem Besuch beim Käser Christophe Geiser. Am Nachmittag folgt ein Besuch im Papiliorama-Nocturama.
Beim Ausflug nach Leuk im Februar 2001 können sich die Mitglieder des GVW mehr oder weniger erfolgreich im Snowbladen versuchen. Alle können sich dann in den Thermalbädern erholen.
Im September 2002, am Nationalen Kongress der Gehörlosen in Lausanne, erhält Marie-Louise Fournier einen Preis für ihren Einsatz: « sie hat die Regionalisierung bedeutend beeinflusst und auch die grundlegende Weiterentwicklung der Gehörlosengemeinschaft, welche die gesamte Schweiz betrifft ».
Am 21. Juni 2003 findet der Westschweizer Tag der Gehörlosen unter dem Motto « faut pas rêver » (man darf nicht träumen) in Martigny statt. Eine Wanderung wird organisiert, gefolgt von Grilladen im Amphitheater. Die Stände werden sogar von Léonard Gianadda und Pascal Couchepin besucht.
Die Delegiertenversammlung des FSS-RR wählt den 1. Mai 2004 für ihr Treffen in Sion. Stéphanie Aymon, Präsidentin des GVW eröffnet die Versammlung im Grossratssaal. Das Hauptthema dieser Versammlung ist die Reorganisation der Medien (Zeitschriften, Internet Seite).
Zweiundvierzig Westschweizer Gehörlose besuchen die Baustelle des Lötschberg Tunnels im Dezember 2004.
Im Sommer 2005 können die Vereinsmitglieder an einem Kochkurs für Sushi teilnehmen, welcher in Zusammenarbeit mit Unipop organisiert wird.
Im April 2006 besuchen die « Walliser Senioren » das Verteilzentrum der Migros. Diesen Ausflug organisiert Rolande Praplan, Animatorin im Gehörlosen Kulturzentrum für den Kanton Wallis und Catherine Cotter, neue Verantwortliche der Sektion Senioren.
Ein weiterer Besuch im Frühling 2006, ebenfalls organisiert von Rolande Praplan, ermöglicht den Eltern und ihren Kindern mehr über Air Glaciers im Haus FXB der Rettungsflugwacht in Sitten zu erfahren.
Am 30. Juni und 1. Juli 2006 organisiert die Gruppe Junior ’94 einen grossen Disco Abend zum Anlass des Jugendparlaments. Dieses grosse Fest, an dem zweihundertfünfzig Jugendliche teilnehmen, findet dort statt, wo sich die Eisbahn von Monthey befindet. Der Raum ist gefüllt mit Schaum und auf Leinwänden wird die Fussball Weltmeisterschaft gezeigt.
Die letzte Ausgabe der Zeitschrift Sourds aujourd’hui erscheint im November/Dezember 2006. Die erste Ausgabe ist 1988 erschienen, aufgrund der Regionalisierung des Schweizerischen Gehörlosenbundes 1987. Das Heft stirbt nicht, aber schliesst sich mit der Gehörlosenzeitschrift Les mains du CRAL zusammen. Die beiden zusammen werden schliesslich zur Zeitschrift fais-moi signe, die es in der Medienlandschaft der Westschweizer Gehörlosen bis heute noch gibt.
Im Jahr 2009 wird das 70-Jahr des Vereins gefeiert...