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Einkommen in der Stadt Zürich steigen
Seit 2000 ist das mittlere Einkommen in der Stadt Zürich um über 15 Prozent gestiegen – die Konsumentenpreise dagegen taten es nur um knapp 8 Prozent. Wo liegen die Gründe für diesen Einkommensanstieg? Ziehen zunehmend Personen in die Stadt, die mehr verdienen als die bereits hier lebenden? Oder konnten die bereits hier Ansässigen ihre Einkommen steigern? Der vorliegende Webartikel untersucht diese Fragen anhand der Daten des Steueramtes der Stadt Zürich. (29. August 2017 – Tina Schmid)
Die Steuerdaten liegen Statistik Stadt Zürich separat pro Steuertarif vor, weshalb alle Auswertungen getrennt für Steuersubjekte im Grundtarif («Einzelpersonen») und im Verheiratetentarif («Ehepaare» und «Paare») erfolgen. Die Daten wurden bis 2013 ausgewertet, da für spätere Jahre kein ausreichend grosser Anteil definitiver Veranlagungen vorliegt. Im Jahr 2013 wurden drei Viertel der Steuersubjekte (163 620) im Grundtarif besteuert, ein Viertel im Verheiratetentarif (56 099).
Hohe Einkommen am Zürichberg, tiefe in Hirzenbach
Das mittlere steuerbare Einkommen in der Stadt lag 2013 bei 42 800 Franken im Grundtarif und bei 75 800 Franken im Verheiratetentarif. Die Hälfte der Steuerpflichtigen im Grundtarif versteuerte also weniger als 42 800 Franken, die andere Hälfte mehr. Am wenigsten verdienten im Jahr 2013 Steuerpflichtige im Quartier Hirzenbach (Abbildung 1): Die Hälfte der steuerbaren Einkommen von Einzelpersonen lag dort unter 28 850 Franken. Im Verheiratetentarif wurden in Hirzenbach im Mittel 55 700 Franken versteuert – 20 100 Franken weniger als das städtische Medianeinkommen. Der Verheiratetentarif gilt für Ehepaare und Paare in eingetragener Partnerschaft. Sie werden im Folgenden als «Paare» oder «Ehepaare» bezeichnet.
Am meisten verdienten Paare im Quartier Fluntern: Die Hälfte versteuerte dort mehr als 162 300 Franken. Vergleichsweise hoch lagen die Einkommen im Verheiratetentarif auch in Hottingen, Oberstrass, Mühlebach und im Seefeld. Auch Einzelpersonen erzielten in diesen Quartieren überdurchschnittlich hohe Einkommen. Am höchsten war es in den Quartieren Seefeld und Escher Wyss, wo die Hälfte der Einkommen im Grundtarif über 60 000 Franken lag. Im Escher-Wyss-Quartier ist dies eine neuere Entwicklung – noch im Jahr 2000 lagen die Einkommen dort im Mittelfeld. Dies liegt auch an der starken Veränderung des Quartiers, die sich am Bevölkerungswachstum ablesen lässt: Im Jahr 2000 wohnten dort erst 1929 Personen, 2013 waren es mehr als doppelt so viele.
Einkommen im Quartier Escher Wyss um fast 50 Prozent gestiegen
Tatsächlich sind die Einkommen zwischen 2000 und 2013 im Quartier Escher Wyss am stärksten gestiegen (Abbildung 2). Gesamtstädtisch haben die steuerbaren Einkommen um 18,2 Prozent (Grundtarif) bzw. 16,2 Prozent (Verheiratetentarif) zugenommen. In der gleichen Periode sind die Konsumentenpreise lediglich um rund 8 Prozent gestiegen. Besonders stark zugenommen haben die Einkommen in den Stadtquartieren Seefeld, Alt-Wiedikon, Mühlebach, Hottingen und Enge. In den Quartieren Werd, Langstrasse und Sihlfeld sind vor allem die Einkommen von Einzelpersonen gestiegen. Vergleichsweise klein war der Einkommenszuwachs in Hirzenbach und Schwamendingen-Mitte.
Wo liegen die Gründe für den beobachteten Anstieg der Einkommen? Ziehen zunehmend Personen in die Stadt Zürich, die mehr verdienen als die bereits hier lebenden? Oder konnten die hier Ansässigen ihre Einkommen steigern?
Einkommensanstieg bei Steuerpflichtigen, die seit 2000 in Zürich leben
Ein Blick auf die mittleren Einkommen von Personen, die seit 2000 ununterbrochen in der Stadt Zürich leben, zeigt: Das mittlere Einkommen von Einzelpersonen ist um 6,5 Prozent gestiegen, jenes von Paaren um 9,6 Prozent. In beiden Gruppen haben die mittleren Einkommen weniger zugenommen als das städtische Medianeinkommen im selben Zeitraum (Einzelpersonen: 18,2 %, Paare: 16,2 %). Somit stellt sich die Frage, inwiefern der beobachtete Anstieg des Medianeinkommens durch Zu- und Wegzüge mitbedingt ist.
Neuzuziehende Einzelpersonen verdienen mehr als Ansässige
Im Jahr 2013 sind 10 300 Steuerpflichtige neu in die Stadt Zürich gezogen. Die Mehrheit (85,3 %) wurde im Grundtarif besteuert. Die betreffenden Personen sind im Durchschnitt jünger als die bereits hier ansässigen. Abbildung 3 vergleicht die Einkommen der Zu- und Wegziehenden mit jenen der Bevölkerung. Im Grundtarif besteuerte Personen, die nach Zürich ziehen, verdienen im Mittel mehr als jene, die schon hier wohnhaft sind oder aus Zürich wegziehen. So lag das Medianeinkommen der zugezogenen Einzelpersonen im Jahr 2013 bei 48 100 Franken. Damit übersteigt es das Zürcher Medianeinkommen um 5300 Franken und das mittlere Einkommen der Wegziehenden um 3100 Franken. Obwohl Zuzügerinnen und Zuzüger im Durchschnitt jünger sind als die in der Stadt wohnhaften Personen, versteuern sie höhere Einkommen. Im vorliegenden Webartikel wird darauf verzichtet, die Einkommen nach Alter auszuwerten. Die beschriebenen Effekte – etwa, dass Neuzuziehende mehr verdienen als Ansässige – zeigen sich auch, wenn für Alterseffekte kontrolliert wird.
In den Quartieren Enge, Hard, Gewerbeschule, Seefeld und Albisrieden lagen die Einkommen von neu in die Stadt gezogenen Einzelpersonen am weitesten über denjenigen der Bevölkerung. Ins Quartier Escher Wyss, wo das mittlere Einkommen in den letzten Jahren besonders stark zugenommen hat, sind besonders zwischen 2000 und 2007 viele vergleichsweise gutverdienende Personen zugezogen. In den darauffolgenden Jahren (2008–2010) lagen die mittleren Einkommen der Zuziehenden unter denjenigen der Quartierbevölkerung. Dass das Medianeinkommen des Quartiers trotzdem gestiegen ist, liegt daran, dass gutverdienende Personen aus anderen Stadtquartieren ins Trendviertel gezogen sind.
Kehrtwende bei Paaren
Ein anderes Bild zeigt sich bei Ehepaaren: Bis 2007 zogen Paare mit vergleichsweise tiefen Einkommen nach Zürich. So lag das Medianeinkommen der zuziehenden Paare in den Quartieren Friesenberg, Sihlfeld, Langstrasse und Hard bis zum Jahr 2007 unter dem mittleren Einkommen der jeweiligen Quartierbevölkerung. Nach Oberstrass, Fluntern, Hottingen und ins Seefeld zogen dagegen schon damals Paare mit höherem Medianeinkommen als jenem der ansässigen Quartierbevölkerung.
Seit 2008 liegt das mittlere Einkommen der zuziehenden Paare über dem gesamtstädtischen Medianeinkommen. Dies liegt einerseits daran, dass vermehrt gutverdienende Paare in die Trendquartiere Alt-Wiedikon, Langstrasse und Escher Wyss ziehen. Andererseits versteuern Paare, die an den Zürichberg ziehen, seit 2008 noch höhere Einkommen als in den Jahren davor.
Gutverdienende Paare ziehen aus Zürich weg
Zuziehende Paare verdienen zwar mehr als die ansässige Bevölkerung, aber weniger als wegziehende Paare: Im gesamten Zeitraum versteuerten wegziehende Paare höhere Einkommen als zuziehende. Dass die Einkommen von Paaren in den letzten Jahren dennoch gestiegen sind, hat zwei Gründe: Erstens ist das Medianeinkommen von Paaren, die seit 2000 ununterbrochen in der Stadt Zürich leben, gestiegen. Zweitens ziehen viele gutverdienende Einzelpersonen in die Stadt Zürich. Sie werden beim Zuzug im Grundtarif besteuert und in der Statistik mit anderen Steuerpflichtigen im Grundtarif verglichen. Später werden einige durch Heirat gemäss Verheiratetentarif besteuert. Tatsächlich zeigt ein Vergleich der neuverheirateten Paare mit allen Paaren, dass das Medianeinkommen von Neuverheirateten seit 2008 über dem Medianeinkommen aller Paare in der Stadt liegt.
Fazit: Sowohl Einkommenswachstum bei Zürcherinnen und Zürchern als auch bei neuzuziehenden Einzelpersonen sind für den Einkommensanstieg verantwortlich.
Der vorliegende Webartikel zeigt, dass die Einkommen aus verschiedenen Gründen gestiegen sind: Erstens verdienen Einzelpersonen, die neu nach Zürich ziehen, im Mittel mehr als Personen, die schon hier leben oder aus Zürich wegziehen. Zweitens liegen die mittleren Einkommen neuverheirateter Ehepaare über dem Medianeinkommen aller Ehepaare, was dazu führt, dass auch das Medianeinkommen im Verheiratetentarif steigt. Drittens ist das mittlere Einkommen von Einzelpersonen und Ehepaaren, die über den gesamten Zeitraum von 2000 bis 2013 in Zürich lebten, angestiegen.