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Land Grabbing – ein Trend in der Kritik
Wer in letzter Zeit die Wirtschaftsnachrichten verfolgt, stösst dabei immer wieder auf den Begriff des Land Grabbing. Dieses greift gerade in Afrika oder Zentralasien rasant um sich, muss jedoch für die betroffenen Länder durchaus als kritische Bedrohung angesehen werden.
Ihren Beginn nimmt die Entwicklung während der Agrarkrise im Jahr 2008. Diese führte dazu, dass Reis und Weizen knapp wurden, was zu einer entsprechenden Verteuerung dieser Grundnahrungsmittel führte. Der hohe Preis konnte zwar von den reichen Industriestaaten bezahlt werden, aber nicht mehr von den ärmeren Ländern.
Da die Industrieländer um eine zukünftige Grundversorgung mit Getreide zu fürchten begannen, bereisten Wirtschaftsvertreter und private Investoren aus den Industriestaaten die Länder Afrikas und Asiens, um grossflächig Ackerland zu kaufen. Sie sicherten sich auch im Zuge dessen die Wasserrechte, um damit während der nächsten 50 bis 100 Jahre Reis, Getreide, Ölpalmen, Mais oder Zuckerrohr anzubauen.
Einige Länder, vorwiegend im afrikanischen Raum, sehen im Verkauf des Bodens ihre einzige Möglichkeit, die Verschuldung in Grenzen zu halten und zurückzuzahlen. Von Kritikerin der Globalisierung wird dies jedoch als Trugschluss bezeichnet. Denn durch den Verkauf des wertvollen Landes bleiben die Staaten in der Abhängigkeit der reichen Investoren.
Diese anfänglich als Win-win-Situation bezeichnete Vorgehensweise beim Land Grabbing bringt den Investoren zwar grosse Vorteile, doch die Versorgung der Menschen vor Ort ist stark gefährdet. Als Produzenten müssen sie ihr Land verkaufen, und auch als Konsumenten sind sie nicht besser situiert, da die Preise der Erzeugnisse viel zu hoch liegen. Abgesehen davon sind die ökologischen Auswirkungen von Rodungen, hohem Wasserverbrauch und der bewussten Inkaufnahme des Aussterbens von Tier- und Pflanzenarten kaum geklärt.
Grossflächige Landverkäufe in bestimmten Regionen
Länder wie Angola, Äthiopien, Madagaskar, Mosambik und Sambia, aber auch die Demokratische Republik Kongo, Mali, Kenia, Süd-Sudan und Tansania sind die hauptsächlich von Landverkäufen und grossflächigen Verpachtungen betroffenen Länder. So paradox es klingt, diese Staaten mit grossen Ressourcen an Rohstoffen gehören zu den grössten Nahrungsmittel-Importeuren und leiden unter hoher Armut.
Die globale Finanzkrise der letzten Jahre hat das Land Grabbing weiter forciert. Denn genau dieselben Banken und Finanzinstitute, die die Krise eigentlich verursacht haben, wurden später teilweise von den Regierungen entsprechend gestützt. Nun sind sie auf der Suche nach neuen Investitions- und Anlagemöglichkeiten für das vorhandene Kapital. Landerwerb gehört zu den wichtigsten Geldanlagen neben Gold, doch es erzeugt fast noch bessere Renditen. Damit wird Land Grabbing immer interessanter, sogar Pensionsfonds und private Investmentunternehmen steigen in das rentable Geschäft nunmehr ein. Sie sichern sich riesige Ackerflächen und spekulieren auf hohe Erträge und Renditen für die Kunden.
Menschenrechtlich höchst umstritten
Was für die Banken ein gutes Geschäft ist, wird von Kritikern und Menschenrechtsorganisationen scharf kritisiert. Denn die Ausmasse der Landnahme sind kaum abschätzbar, wobei aber in jedem Fall die Rahmenbedingungen für die betroffenen Länder deutlich verbessert werden müssen. Rechtsgrundlagen und Verträge sehen die Regierungen, aber auch die Zivilbevölkerung nie auf Augenhöhe mit den Investoren.
Nahrung ist ein Menschenrecht und muss entsprechend abgesichert werden. Aber auch die bäuerlichen Rechte müssen besser geschützt werden. Denn die jetzt betriebene Art und Weise der Landwirtschaft mit den riesigen Monokulturen ist ebenso bedenklich wie der Einsatz von genmanipuliertem Saatgut. Für eine nachhaltige Entwicklung der vom Land Grabbing betroffenen Länder gibt es zusätzlich Massnahmen, die wichtig und dringend sind. Denn breit angelegte Förderungen der Landwirtschaft, wie sie von Kleinbauern betrieben wird, tragen ebenso zur Selbstversorgung bei wie eine Verbesserung der Infrastruktur. Natürlich ist auch eine bessere Ausbildung der Bauern gefragt, die vor allem die Themen Anbau, Lagerhaltung und Vertrieb, aber auch Produktdiversität und ökologische Nachhaltigkeit betrifft.
Gleichzeitig muss die Einfuhr sogenannter Dumpingprodukte in die betroffenen Länder verboten oder zumindest gestoppt werden. Denn sie untergraben mit ihrer Preisentwicklung die Preise der lokalen Anbieter und treiben diese in eine akute Notlage. Nicht zuletzt ist das derzeitig herrschende Finanzsystem des Westens zu hinterfragen. Denn es greift massiv und drastisch in das ökologische Gleichgewicht der Erde, aber auch in die Bevölkerungsentwicklung ein. Begriffe wie Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit sucht man in der Finanzwelt eher vergeblich, daran hat auch die überstandene Finanzkrise nichts geändert.
Neben der mittelbaren Bedrohung der einheimischen Bevölkerung drohen der Umwelt der von Land Grabbing betroffenen Gebiete massive Katastrophen wie Fluten, Hagelstürme oder Dürre, aber auch eine soziale Fehlentwicklung, die nicht zuletzt Hunger, politische Unruhen und sozial unruhige Verhältnisse verursacht.
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