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Beim Betreten des Andreasplatzes fällt der Blick bald auf den Affenbrunnen. Dieser befindet sich in der Mitte des Platzes, zwischen zwei grossen Linden, in deren Schatten er steht. Die achteckige, kelchartige Form des Brunnens wurde aus einem weissen Stein gehauen. Leicht vom Eingang des Platzes abgewandt sitzt der bei Baslern und Spatzen beliebte Basler Affe „wie ein kleiner Buddha, die Füsse untergeschlagen“, auf dem Sockel des Brunnens. Mit einem Hemd und einem mit einer Feder besetzten Hut bekleidet starrt er mit gehobenem Kopf in die Unendlichkeit. Der rot-bräunliche Affe hält gemütlich Trauben in seiner linken Hand, seine rechte Hand hält er vor seinen Mund, bereit, um in eine Orange, eine Mandarine, einen Apfel, eine Pomeranze oder welche Frucht auch immer zu beissen. In der Basler Bevölkerung ist man sich nicht einig, für welche Frucht das Affenherz schlägt.
Das Äffchen und seine Vorfahren haben schon vieles erlebt und gesehen. Denn dieser Affe, welcher einem bei heutigem Besuch gegenüber sitzt, ist bereits die zweite Kopie des Originals. Dieses befindet sich schon etwas über 100 Jahre im Historischen Museum. Man darf aufgrund seiner Geschichte davon ausgehen, dass der Affe Verlorenem und nicht wieder Beibringbarem nachtrauert. Ein glücklicher Affe ist er jedenfalls kaum, obwohl er auf dem schönen Andreasplatz leben darf.
Ein Affenbrunnen wurde schon 1393 an anderem Ort errichtet. Dieser Standort war vor dem „Spittel“, also dem Spittelsprung an der oberen Freien Strasse, dem heutigen Münsterberg beim alten Spital. Er wurde wahrscheinlich 1585 abgerissen. Es ist heute unklar, ob die Affenfigur danach auf den Brunnen an der Ecke Aeschenvorstadt und Elisabethenstrasse versetzt wurde. Jedenfalls wurde infolge der Strassenkorrektionen der Elisabethenvorstadt von 1859 – 60 die Affenfigur dieses Brunnens 1867 auf den Brunnen auf dem Andreasplatz versetzt.
Die Affenfigur wurde schon mehrmals repariert. Zweimal wurden ihr ein Arm und die Schnauze abgeschlagen. Die mitfühlenden Anwohner der Schneidergasse liessen es jedoch nicht darauf beruhen. Sie spendierten dem Affen eine Prothese und sein zerschlagenes Gesicht wurde mit einer Larve bedeckt. Und zur Freude vieler Affenfreunde wurde der Affe „bengalisch“ beleuchtet.
Die Bewunderer des Affen gingen sogar so weit, in der Zeitung „Schweizerischer Volksfreund“ ein Inserat zu schalten, um für seine Renovation Geld zu sammeln. Das Ergebnis war zur Freude der Affenanhänger so grosszügig ausgefallen, dass kurz darauf ein Gedicht zur Feier des nun verschönerten Affen folgte:
„Frohlockt Ihr Nachbarn, fern und nah
der Aff ist endlich wieder da!
Das Tier erlitt gar arge Qualen
Durch Bosheit kleiner Kannibalen!
Nun kann es wieder Aepfel fressen
Und alles Schlimme ist vergessen.
Der Aff´ ist zwar kein Förchtibutz
Doch nehmt ihr Buben ihn in Schutz
Hoch leb´ das Baukollegium
Mit allem was daran und drum
Das Affenbild wir ihm verdanken
Mög nur der Bursch´ nie mehr erkranken.“
Am 29. April 1909 beantragte Karl Stehlin, Vorsteher der Historischen und Antiquarischen Gesellschaft zu Basel, in einem Brief an das Sanitätsdepartement, die mit der Zeit brüchig gewordene Brunnenfigur instand zu setzen. Man entschied sich in der Folge nicht für das Ersetzen von befallenen Stücken der Figur, sondern zugunsten einer kompletten Neuanfertigung. Der ausschlaggebende Punkt waren die nur wenig geringeren Kosten für die Ausbesserung des bestehenden Affen im Gegensatz zu den Kosten einer Gesamterneuerung. Beide Vorgehensweisen hätten zudem zum Gleichen geführt, nämlich einer temporären Abwesenheit der Figur. Sie musste in jedem Fall im Atelier des Bildhauers bearbeitet werden. Aus einem roten Heilbronnerstein, ein deutscher Sandstein, fertigte Bildhauer Jean Hym eine Kopie der originalen Affenfigur von 1674 an. Er stellte die nachgebildete Figur am 13. April 1916 fertig. Da Verwitterung die Ursache für das Ersetzen war, übernahm der „Betrieb des Wasserwerks“ die Kosten. Der originale Affe wurde am 10. April 1916 dem Historischen Museum übergeben.
Ein weiteres Mal wurde der Affe am 25. März 1952 verstümmelt. Ein Junge hatte die Affenhand ungewollt abgerissen. Akten dieser Tat sind noch immer im Staatsarchiv vorhanden. In der Mitteilung der Jugendstaatsanwaltschaft wird der Tathergang wie folgt beschrieben:
„Die beiliegende Affenhand wurde am 25. März 1952, ca. 18.30 Uhr, durch den 5-jährigen Knaben G. Léon, whft. Andreasplatz 7, abgerissen. Der Knabe wollte einen Schirm herunterholen, welcher am Vormittag von den beiden 11-jährigen Knaben S. Hans, Schneidergasse 11, und T. Fritz, Andreasplatz 16, an die Affenfigur angebunden worden war. Bei dem Versuch des Knaben G., den Schirm herunter zu reissen, stemmte er sich mit der einen Hand gegen den einen Affenarm, sodass dieser oberhalb der Hand abgedrückt wurde. Eine böswillige Sachbeschädigung liegt somit nicht vor. Die Eltern sämtlicher drei Knaben wurden durch den Unterzeichneten in Kenntnis gesetzt. Da die Eltern des Knaben G. in ärmlichen Verhältnissen leben, dürfte bei diesen nur schwerlich etwas zu holen sein.“
Aufgrund starker Verwitterung wurde die Affenfigur später ein weiteres Mal renoviert. Der Brunnentrog wurde im Rahmen der Renovation wasserdicht verputzt und der Brunnenkranz erneuert. Mit dem Material eines roten Maintaler Sandsteins fertigte Bildhauer Ludwig Stocker 1973 eine zweite Kopie der sich im Historischen Museum befindenden originalen Affenfigur von 1674 an. Dabei wurden Farbreste auf dem Original entdeckt. In der Folge wies die Denkmalpflege 1974 den Restaurator Bruno Häusel an, die neue Figur in Öl zu tränken und anschliessend mit Mineralfarben zu bemalen.
Während der Abwesenheit des neuen Affen fand 1974 das Andreasplatz-Fest statt. Zur Feier des Tages holte man die originale Affenfigur aus dem Brunnenarchiv und stellte sie provisorisch auf den Brunnen. Nach Ende der Veranstaltung wurde sie ins sichere Historische Museum zurückgestellt. Trotz fertigem neuen Affen wartete man jedoch noch eine Weile, bis er wieder auf seinen Platz kam. Aufgrund eines Hausumbaus war das Risiko eines weiteren Unfalls zu gross.
Seither beobachtet dieser neue Affe das alltägliche Leben der Menschen auf dem Platz. Er weilt futternd in Hemd und Hut auf dem Andreasplatz und wacht über ihn.
Abschliessend sei noch eine Information wiedergegeben, die nicht alle erfreuen wird. Der Mythos, welcher sich bis heute hartnäckig bei den Menschen rund um den Andreasplatz hält, wonach die Quelle „Goldbach“ den Brunnen mit Wasser speisen soll, trifft leider nicht zu. Laut Auskunft der IWB wird der Affenbrunnen mit Basler Trinkwasser betrieben.