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1974
Treffen mit SOH
Reaktionen
Die Reaktionen auf das Treffen von HAZ und SOH vom 13. Juni 1974 waren sehr unterschiedlich. Darum werden sie hier einander gegenübergestellt.
Das Protokoll einer Sitzung der "HACH - überregionale Arbeitsgruppe aus allen HA-Gruppen der Schweiz" vom 16. Juni 1974 erwähnt im Traktandum 4 "Information betr. Situation HAZ gegenüber SOH":
"Martin [Fröhlich] orientiert als Vertreter des HAZ-Vorstandes: Eine Pressenotiz der SOH an die deutschen Gay News [von Johannes Werres], die die HAZ unter anderem als finanziell von der Studentenschaft abhängig und deshalb moskauhörig usw. denunziert, ein Kommentar zum Focus-Interview im hey, wo HAZ-Zitate verdreht wurden, sowie das Verhalten der SOH in Boldern, wo entgegengesetzt zu Abmachungen gehandelt wurde, zeigen deutlich, dass die SOH bisher ihr Ziel nicht darin sah, die Lage der Homosexuellen zu verbessern, sondern eher darin, die HAZ und ihre 'Zweiggruppen' zu bekämpfen. Solches Verhalten ist aber unserer Arbeit hinderlich. Es gilt deshalb mindestens einen Waffenstillstand zu erreichen.
Deshalb hat nun der Vorstand der HAZ mit dem Vorstand der SOH Verhandlungen aufgenommen, bei denen abgeklärt werden soll, unter welchen Bedingungen eine Zusammenarbeit [...] denkbar wäre.
Bei einem ersten Treffen zeigte sich der SOH-Vorstand relativ hilflos und willig, die geforderte Genugtuung (Reportage über die HAZ im hey) zu leisten. [...] Für eine starke Verhandlungsführung, insbesondere für die Möglichkeit, Bedingungen zu stellen, ist absolute Solidarität unter den HA-Gruppen notwendig. [...]"
Schliesslich wurden folgende Beschlüsse gefasst:
"Alle HA-Gruppen unterlassen gemeinsame Aktionen mit der SOH. Vorläufig werden nur Gespräche geführt, wobei die Verhandlungsführung mit der SOH beim HAZ-Vorstand liegt (im Namen der HACH). In Zukunft werden in Aussicht genommene gemeinsame Aktionen mit der SOH zuerst in der HACH-Gruppe diskutiert."
Unter "SOH - Vereins Information" liess der SOH-Vorstand im hey vom Juli/August 1974 einen Bericht zu diesem Treffen erscheinen:1
"Anlass zur Annahme eines bestehenden Misstrauens gab der HAZ ein Brief [...] eines SOH-Mitglieds an die Zeitung 'Gay News' [...] Darin wurde behauptet, dass zwischen HAZ und SOH eine Kluft bestehe, hervorgerufen durch verschiedene Zielsetzungen, wobei besonders die politische Haltung eine entscheidende Rolle spiele. Dies war, wie die Vertreter der SOH betonten, das eigenmächtige Schreiben eines hiezu unbefugten Einzelnen.
Wenn darin das Politische als Grund eines Zwiespalts zweier homophiler Organisationen angegeben wurde, so beweist dies eine Unkenntnis des Schreibers von den Aufgaben von HAZ und SOH. Wird nämlich eine nahtlose Integration des Homophilen in der Gesellschaft angestrebt, so geht das nicht ohne die Politik dieser Gesellschaft zu durchleuchten [...]. Soll beispielsweise eine gerechte Strafrechtsreform durchgeführt werden, dann nicht ohne Berücksichtigung der berechtigten Forderungen von betroffenen Minderheiten [...].
Um nun das bereits Geschehene [...] wieder gut zu machen, wurde beschlossen, dass HAZ und SOH eine Nummer unseres Infomagazins hey gemeinsam gestalten. [...] Weitere Zusammenkünfte ähnlicher Art wurden ebenfalls gewünscht."
Diese gemeinsam gestaltete Ausgabe des hey kam nicht zustande. Die ebenfalls geforderte Reportage über die HAZ erschien im hey in der Rubrik forum.2 Dort stellten sich die damals fünf existierenden Arbeitsgruppen vor, jene von Bern, Basel, St. Gallen, Zürich und die HACH als Dachorganisation. Auch der Zabriskie Point fehlte nicht. Schlusssatz:
"So, jetzt hindert Dich eigentlich nur noch Deine Faulheit oder Bequemlichkeit daran, mit uns zu sprechen und Dich bei uns aktiv einzusetzen."
Das nahm ich mir zu Herzen und wurde 1976 Passivmitglied der HAZ. Ich war nicht der einzige.
Ernst Ostertag, Juli 2006
Quellenverweise
- 1
hey, Nr. 7/8/1974, Seite 3
- 2
hey, Nr. 2/1975, Seite 16