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Ron Howard dreht einen Film über Richard Nixon? Mein Interesse an der amerikanischen Politik und Geschichte führt mich fast automatisch in solche Filme und Frost/Nixon hat mich nicht enttäuscht. Der Film schliesst in etwas dort an wo Oliver Stones Nixon aufhörte, nämlich in der Zeit nach der Amtsenthebung des unbeliebten Präsidenten und hin zu diesem für ihn fatalen Interview. Der populäre Englische Präsentator David Frost will Nixon in einer vierteiligen Interviewserie endlich ein Geständnis abringen, etwas was man weder Frost noch Nixon zutraut.
Die Musik zu Howards hervorragend gespieltem Film stammt von Hans Zimmer. Ich glaube es ist schon einige Jahre her seit ich die letzte Zimmer-Musik rezensiert habe, was mitunter daran liegt, dass ich über die Jahre das Interesse an seinen Kompositionen mehr und mehr verloren habe und auch weil der deutschstämmige Komponist zunehmend Filme vertonte, die ich nicht sonderlich interessant fand (Ausnahmen bestätigen diese Regel).
Frost/Nixon ist ein, insbesondere im Film allerdings, erstaunlich gelungener Score, der die Spannung und Situationen unterstreicht, in die sich Frost und sein Team begeben, aber auch eine Art Erwartungseffekt beim Zuschauer auslösen, der schliesslich weiss auf was der Film hinausläuft (it’s a true story!). Als Grundlage dient ein 3 Noten Motiv und ein tickender Perkussionsrhythmus, die bereits im Eröffnungstrack „Watergate“ zu hören sind und eine Art pulsierende Gehetztheit vermitteln. Diesem Motiv bedient sich Zimmer desöfteren, zB. wenn Recherchearbeiten oder Finanzierungsgeschäfte von Frosts Team getätigt werden („Money“, „Research Montage“). Kontrastierend dazu wird ein nachdenklich und pessimistisch gefärbtes Klaviermotiv über langgezogenen Synthiesphären verwendet („Frost Despondent“). Völlig aus dem Konzept – und deswegen auch eher unpassend – fällt das Stück „Cambodia“, (im Film wird Nixon hier mit Szenen aus dem Vietnamkrieg konfrontiert): melodramatisch soll es die gezeigten Greuel dieses Krieges untermalen.
Der Score zu Frost/Nixon ist gänzlich synthetisch ausgelegt, nur einige kurze Passagen enthalten ein Solocello, gespielt von Martin Tillman (etwa in „Watergate“). Zimmer setzt viele Klangsamples ein, die Streicher imitieren um dem Klang des Scores insbesondere in den tiefen Lagen mehr Bauch und Wucht zu verleihen. Die vielen ausgedehnten Repetitionen, die Zimmer verwendet, tragen nicht wirklich zu einem tollen Hörerlebnis bei, aber mit dem Film in Erinnerung ergibt sich durchaus eine interessante musikalische Ausgangslage und man hat das Gefühl herauszuhören wie Zimmer versucht eine Art musikalisches Schachspiel aufzubauen. Im Film spielt die Musik vor allem im Hntergrund, so ist sie auch konzipiert, ihre Rolle sehr gut, als CD ist sie abgekapselt vom Film von weniger attraktiver Art.
Die CD ist ganz sicher nicht jedermanns Sache und auch Fans des Komponisten, die Grosses und Gewaltiges à la Pirates of the Caribbean oder wuchtige Actionknaller gewöhnt sind, dürften hier an der falschen Adresse sein. Frost/Nixon ist eher Rückbesinnung auf den früheren Hans Zimmer.