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Was bisher geschah
1995 wurde das heute noch geltende Stadtentwicklungskonzept STEK 95 vom Gemeinderat verabschiedet. Es bestand aus einem Gesamt-, einem Siedlungs- und einem Verkehrskonzept. Bis 2004 folgten ergänzend ein Konzept zu Freizeit und Einkauf, zum Wohnen und zur Infrastruktur.
2012 liess das Stadtplanungsamt STEK 95 vom Ingenieursunternehmen EWP evaluieren. Parallel dazu verfasste das Planerunternehmen Ernst Blaser & Partner eine vergleichende Studie zur Art von Stadtentwicklungskonzepten. Die Architekten und Stadtplaner von Yellowz werteten die beiden Studien aus und formulierten darauf Empfehlungen für ein neues Stadtentwicklungskonzept.
Nun beantragte das Stadtplanungsamt einen Kredit von über einer Million Franken, um das neue Raumkonzept für Bern inhaltlich zu erarbeiten. Der Kredit wurde im Februar 2013 bewilligt. Der Stadtrat verknüpfte den Planungskredit aber mit der Auflage, Bevölkerung und Interessengruppen in die Planung einzubeziehen.
STEK 95
«Das STEK zeigt Wege auf», schreibt der damalige Stadtpräsident Klaus Baumgartner im Vorwort von STEK 95, «wie die Aufgaben der Stadt in ihren räumlichen Aspekten schrittweise einer Lösung näher gebracht werden können.» Es ergänze andere Entwicklungskonzepte der Stadt Bern und verfolge dasselbe Grundanliegen wie diese: Nämlich «die Erhaltung und Förderung von Lebensqualität, Umweltqualität und Wirtschaftskraft».
Die langfristige Vision des STEK 95 ist Bern als wirtschaftliche Ökostadt. Was heisst dies? Es bedeutet zum Beispiel,
• dass die Stadt Arbeitsplatzstandorte und Arbeitsplatzschwerpunkte fördere,
• dass es Wohnraum geben solle, der unterschiedliche Bedürfnisse und unterschiedliche Lebenssituationen berücksichtige,
• dass die Quartiere gefördert und haushälterisch verdichtet würden,
• dass der öffentliche, der Fussgänger- und der Veloverkehr gefördert, der motorisierte Individualverkehr jedoch eingedämmt werden solle,
• dass Grünflächen in und um die Stadt herum erhalten und verbunden werden sollen,
• dass die Siedlungsgrenzen beibehalten werden sollen.
Wohnlicher und attraktiver
Die Evaluation des Büros EWP bescheinigt Bern, «wohnlicher, verkehrsberuhigter, attraktiver gestaltet und energieeffizienter als noch vor 20 Jahren» geworden zu sein. Mit der Neugestaltung des Bundesplatzes ist ein städteplanerischer Wurf gelungen. Vermutlich rechneten nicht einmal die Architekten damit, dass der Platz im Sommer zu einer Art Badi vor dem Bundeshaus würde.
In den Quartieren wurde beinahe flächendeckend Tempo 30 eingeführt und verkehrsberuhigte Begegnungszonen wie etwa die Mittelstrasse im Länggassquartier führten zu neuem urbanem Leben.
Im Bereich Wohnen sei gar eine Trendumkehr erreicht worden und die Bevölkerungszahl steige wieder leicht an. Aber: Der Vision sei man zwar «ein Stück näher gekommen», die Ökostadt sei jedoch noch weit entfernt, wenn «Bevölkerung und Wirtschaft den Ressourcenverbrauch nicht reduzieren» würden, bemerken die Planer des Büros EWP.
Veränderte Situation
Die Analyse der ewp-Evaluation durch das Stadtplaner-Büro yellowz formuliert Empfehlungen für ein neues STEK und beschreibt den Handlungsbedarf, die Herausforderungen und die spezifische Zukunft mit denen sich die Stadt Bern konfrontiert sieht. Etwa
• die Definition des Siedlungsrandes, da die Siedlungsgrenzen von 1995 nicht eingehalten werden konnten,
• eine regional abgestützte Entwicklungsstrategie,
• den Wandel von Klima und Lebensstilen,
• Bern als Bundesstadt und regionales Zentrum.
Der Prozess
Das geplante STEK 2015 sei eine Weiterentwicklung des STEK 95, wie Stadtplaner Mark Werren Journal B mitteilt. Aufgrund einer kritischen Positionsbestimmung in verwaltungsinternen Workshops mit externen Experten seien für das neue Stadtentwicklungskonzept thematische und konzeptionelle Schwerpunkte definiert worden, die der Gemeinderat und die Kommission für Planung, Verkehr und Stadtgrün (PVS) bestätigt hätten.
In den Teilprojekten sollen die STEK-Planer und -Planerinnen die Grundlagen und bestehenden Strategien der verschiedenen Ämter und der Regionalkommission Bern Mittelland sichten und daraus Teilstrategien, Ziele und Massnahmen formulieren. Schliesslich werden die Teilprojekte in einer dritten Phase zu einem STEK-Entwurf zusammengefügt, der in der vierten Phase konsolidiert und genehmigt werden muss.
Zu den Grundlagenpapieren der Ämter gehört unter anderem die Strategie Bern 2020 des Gemeinderats. «Die Strategie 2020 verstehen wir als umfassende und ganzheitliche Zielsetzung und als Auftrag», schreibt Stadtplaner Werren. Das STEK sei ein Teil der Umsetzung der Strategie. «Andererseits», so Werren, «schauen wir bei der STEK-Erarbeitung über den Horizont 2020 hinaus und befassen uns mit gesellschaftlichen, wirtschaftlichen Entwicklungen und Fragen zur Umwelt. Somit wird das STEK mit seinen Aussagen und Massnahmenvorschlägen auch als Wegweiser zur Weiterentwicklung der Strategie dienen.»
Hier müssen die STEK-Planer und -Planerinnen eine Antwort geben auf die so umfassende wie brisante Frage: Wer lebt und arbeitet heute in Bern und wer soll es in zwanzig Jahren in welcher Form tun?