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Der ausdauernde Lein(L. perenneL.), 0,3-1 m hoch, mit aufsteigendem, oben traubigem Stengel und großen, blaßblauen Blüten,
wächst in England, in Oberösterreich, im untern Maingebiet, wird besonders in Sibirien kultiviert und
liefert eine rauhe, grobe Faser. Der gebräuchliche Lein oder gemeine Flachs (L. usitatissimumL., s. Tafel »Spinnfaserpflanzen«),
[* 5]
30-60 cm hoch, mit aufrechtem, oben trugdoldig verzweigtem, kahlem Stengel, abwechselnden, schmal lanzettförmigen Blättern,
blauen Blüten und zusammengedrückten, eilänglichen, zugespitzten Samen, von unbekannter Herkunft, wird in
mehreren Varietäten kultiviert, besonders zur Gewinnung seiner Bastfaser, des Flachses. Man unterscheidet: Schließ- oder
Dreschlein (L. usit. vulgare), mit nicht aufspringenden Samenkapseln, hohem, wenig verästeltem Stengel und minder feiner
und weicher Faser, vorzüglich in Rußland, Norddeutschland, Österreich,
[* 6] Belgien,
[* 7] Holland und England angebaut;
Spring- oder Klanglein
(L. usit. crepitans), mit beim Dürrwerden mit einem leisen Klang sich öffnenden Kapseln,
[* 8] kürzerm, ästigerm
Stengel, größern Blättern, Blüten und Samenkapseln, feinerer, weicherer, aber kürzerer Faser, etwas hellerm und ölreicherm
Samen und von kürzerer Vegetation als der Schließlein, noch häufig in Süddeutschland kultiviert;
weiß blühender, auch
amerikanischer Lein (L. americanum album), in Deutschland
[* 9] längst angebaut, aus der ProvinzSachsen
[* 10] nach Schottland,
von da nach Amerika
[* 11] verpflanzt, unter besagtem Namen seit 1851 wieder in Deutschland erschienen, soll sich weniger verästeln,
um acht Tage früher reifen, höhern Samenertrag und eine festere und längere Faser liefern als der vorige, doch nicht so
fein und zart sein, ist bei seinem zweifelhaften Wert von geringer Verbreitung.
Der
Flachs gedeiht am sichersten unter mehr feuchten und kühlen klimatischen Einflüssen; Trockne und Dürre
lassen ihn kurz im Stengel; Kälte und Frost verträgt er in seiner Jugend nur bei kräftiger, starker Entwickelung. Zu seiner
vollständigen Vegetation braucht er 84-105 Tage. Sein Verbreitungsbezirk findet sich vorzüglich in Mitteleuropa, doch wurde
und wird er heute noch auch in Ägypten, Algerien, Ostindien
[* 16] angebaut. In Europa
[* 17] fällt seine nördliche
Grenze mit der der Sommergerste zusammen; in Mitteleuropa steigt seine Kultur bis 1500 m über dem Meeresspiegel. Im allgemeinen
haben die klimatischen Zustände eines Landes einen weit energischern Einfluß auf die Qualität und Quantität des geernteten
Flachses als die Bodenbeschaffenheit.
Unter dem Einfluß des Seeklimas in den Ostseeprovinzen Rußlands, in Belgien, Holland und vor allem in Irland werden die wertvollsten
Flachse gezogen; jede Verminderung dieser günstigen Einwirkung bedingt bei der Flachskultur einen raschen Samenwechsel. Ein
tiefgrundiger, an Alkali- und Phosphorsaure reicher sowie etwas kalkhaltiger Boden, dem es nicht an Humus
fehlt, ist am geeignetsten für die Flachskultur. Dabei liefert etwas schwererer Boden den besten und feinsten Flachs, während
leichter, mehr sandiger und lehmiger Sandboden zwar auch noch einen ziemlich feinen, aber nie so kernigen Bast
[* 18] erzeugt.
Gewöhnlich baut man den Flachs nach einer seicht wurzelnden Getreideart (Hafer,
[* 19] Roggen), jedoch mit weit sichererem
Erfolg nach einer gut gedüngten Hackfrucht. Meist kehrt er auf demselben Feld nach 9, 10 und mehr Jahren wieder, kann aber
bei richtiger Behandlung des Feldes und entsprechender Düngung (zumal mit Kali) mit Sicherheit alle vier Jahre dasselbe Feld
einnehmen. In Belgien wird das Feld bis auf das Abeggen und oberflächliche Abebnen vor Winter vollständig
zurechtgelegt, so daß im Frühjahr der Anbau möglichst zeitig vorgenommen werden kann.
Zum Reinigen der Saatfrucht dienen die sogen. Leinsamenklapper und Drahtsiebe, die zwölf Maschen auf einen englischen Zoll
haben. Die Aussaat erfolgt am besten möglichst frühzeitig. Um einen gleichmäßigen Stand zu erhalten, säet man bei breitwürfiger
Handsaat zweigängig, d. h. der Länge und Quere des Feldes nach, oder benutzt breitwürfige Saatmaschinen,
in neuester Zeit auch Drillmaschinen bei 5 cm Reihenweite und Längs- und Quersaat. Der untergebrachte Same wird angewalzt.
Der Samenaufwand beträgt bei Basterzeugung 200 kg, bei Samenzucht 150 kg und bei Gewinnung des Länderflachses 300 kg pro
Hektar. Ist der Flachs 6,5 cm hoch, so wird gejätet. Feinde des Flachses sind: Erdflöhe, die Raupe des Gammavogels
(Plusia gamma), Engerlinge, der Flachsknotenwickler (Conchylis epilinana), Flachsseide (Cuscuta
[* 20] epilinum) und andre Unkrautpflanzen
sowie ein Rostpilz (Melampsora lini), welcher den
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Brand, Firing oder Feuer verursacht. Sobald das untere Dritteil der Stengel gelblich geworden und die Blätter abgefallen sind,
wird der Flachs gerauft; nur bei Samengewinnung wartet man die Hartreife ab. Beim Raufen des Flachses beginnt schon das Sortieren
nach Länge, Stärke
[* 22] und Reife der Stengel, die dann entweder gleich auf dem Feld ausgebreitet, oder vorher
abgeriffelt werden. Dazu dient am besten die transportable Riffelbank, eine Bank, auf deren Mitte querüber der Riffelkamm
angebracht ist.
Letzterer besteht aus 24 geschmiedeten, 45 cm langen, 1,25 cm dicken, mit ihren scharfen Kanten nach den Rifflern stehenden Zähnen,
die auf dem Boden 0,5 cm und an der Spitze 1,25 cm voneinander abstehen. Die ausgebreiteten Stengel bleiben
meist so lange liegen, bis sie lufttrocken sind; besser stellt man sie nach dem Ziehen in Hocken oder kleinen Kapellen auf.
Lufttrocken geworden, werden die Samenkapseln abgedroschen, besser abgeriffelt oder abgebottet, oder es dient hierzu eine
Riffelmaschine.
Den vom lufttrocknen Flachs abgelösten Samen läßt man bis zum Verbrauch in den Samenkapseln liegen; die
grün abgeriffelten Bollen werden auf einem Tuch ausgebreitet und der Sonne
[* 23] ausgesetzt, getrocknet, gereinigt und der Same in
Fässern gut verpackt. Als Mittelerträge rechnet man inBelgien 5000 kg Grünflachs und 10 hlSamen pro
Hektar;
Die Flachsstengel bestehen aus dem harten, holzigen Kern und dem mit der Epidermis
[* 26] bekleideten Bast, welch
letzterer im Durchschnitt zusammengesetzt ist aus 58 Proz. reiner Pflanzenfaser, 25 Proz. in Wasser löslichen Teilen (Extraktivstoffe,
Gummi) und 17 Proz. nur in Kalilauge oder, wenn auch langsamer, in Seifenwasser löslicher, größtenteils kleberartiger Substanz.
Da die Trennung der Bastfaser von den andern Teilen des Flachsstengels nicht auf rein mechanischem Weg
erfolgen kann, so muß ein chemischer Prozeß hierzu eingeleitet werden, welcher die kleberartige Substanz zersetzt, ohne die
Gefäße des Bastes selbst anzugreifen.
Die Wasserröste im stehenden Wasser oder im Schlamm (Schlamm-, Blau- oder Lockerenröste) ist abhängig von der Beschaffenheit
des Wassers, des Bodens der Röstgruben und der Witterung. Stark eisenhaltiges, kalkreiches sowie humussaures
Wasser ist nicht geeignet; am besten reines, weiches und temperiertes Wasser, in welchem die Röste in 4 Tagen bis 3 Wochen beendet
ist. Die Röstgruben sind 0,5-1,5 m tief und von verschiedener Breite
[* 30] und Länge. In diesen liegt schräg oder steht der in
Gebunde lose eingebunden, mit dem sich schwerer röstenden Spitzenende nach oben gerichtet und mit Rasenstücken oder Brettern
und Steinen beschwert.
Das Wasser muß 8-10 cm über
dem in den Gruben stehen. Bei der Schlammröste werden zwischen den einzelnen Flachsbunden Erlen-
und Feldmohnblätter eingelegt und mit Schlammerde gedeckt, infolgedessen der Flachs eine stahlgraue
Farbe annimmt. Läßt sich der Bast leicht aus dem Stengel herausziehen, ohne zu zerreißen, so ist der Prozeß beendet, der
Flachs kommt heraus, wird auf einer Wiese behufs Nachröste und Bleiche ausgebreitet oder gleich kapellt, um später noch gebleicht
zu werden.
Die Wasserröste im fließenden Wasser, durch das Fischereigesetz vielfach verhindert, wird im Flußbett
selbst oder in Röstgruben, die mit demselben in Verbindung stehen, vorgenommen. Sie ist nur bei sehr langsam fließendem
Wasser möglich, welches die beim Rösten sich bildenden scharfen Stoffe von dem Flachs fortführt, ohne ihn zu sehr auszulaugen,
wodurch er spröde und trocken werden würde. Die Flachsbunde kommen hierbei in sogen.
Schwimmern oder Lattenkasten mit ihrem Wurzelende nach unten zu stehen; die gefüllten Schwimmer werden in den Fluß oder die
Grube gelassen und mit Steinen so beschwert, daß das langsam fließende Wasser 8-10 cm über sie hinweggeht.
Der Röstprozeß dauert 3-20 Tage. Um die Gefahr des Überröstens zu verhüten und dem Flachs eine schönere
lichtere Färbung zu geben, verbindet man nicht selten die Wasser- mit der Tauröste (gemischte Röste). Bei der Schwitz- oder
Schnellröste wird der Flachsstengel erst mit gewöhnlichem Wasser gesättigt, darauf das überflüssige Wasser abgelassen.
Der feuchte in der Grube festgepackt, erhitzt sich nun allmählich bis auf 38° C., und man erhält durch
Zuguß von kaltem Wasser die Temperatur einige Zeit auf dieser Höhe und röstet dann unter Wasser fertig.
Das Resultat ist ähnlich dem der Warmwasser-, amerikanischen oder Schenkschen Röste, bei welcher der eingebundene in Behältnisse
mit Doppelböden gestellt wird, die dann mit kaltem Wasser gefüllt werden, so daß der Flachs ganz unter
Wasser steht. Durch die Dampfrohrleitung unter dem Doppelboden erhöht man die Temperatur des Röstwassers allmählich auf
32-38° C. Nach 3 Tagen ist der Prozeß beendet und wird der Flachs aus den Bottichen herausgenommen, im frischen Wasser
abgespült, auf einem Lattengestell ausgebreitet und in einer Trockenstube getrocknet.
Beim neuern Schenkschen Verfahren wird die Röste im fließenden, 27-29° warmen Wasser vollzogen. Der Röstprozeß dauert ungefähr 5 Tage.
Nach Vollendung der Röste läßt man den Flachs durch eine Naßpreßmaschine gehen, um das Wasser und alle Gummiteilchen zu entfernen,
worauf er bei günstigem Wetter
[* 31] im Freien kapellt oder im Winter in Trockenstuben getrocknet wird. Die WattscheRöste setzt den in eisernen Behältnissen liegenden Flachs der direkten Einwirkung des Dampfes aus, wodurch sie in 8-10 Stunden
schon vollendet ist.
Danach wird der Flachs unter Walzen ausgepreßt und schließlich in einem abgesperrten Raum bei 78-82° C.
getrocknet. Die Faser soll bei dieser Röste an ihrer Stärke verlieren und für das nachherige Spinnen
[* 32] und Bleichen leiden. Bei
den andern Röstmethoden läßt man in der Regel verschiedenartige chemische Stoffe (gefaulten Harn, Soda, Seife) auf den Flachs einwirken,
wodurch zwar der Prozeß mitunter sehr beschleunigt und vervollkommt wird, aber die Ausbeute quantitativ
und qualitativ leidet, auch die Kosten sich ungemein hoch stellen. Leoni und Coblenz vermeiden die Röste ganz, bringen vielmehr
den Flachs, nachdem die Wurzelenden abgeschnitten sind, 4 Stunden in eine Trockenkammer, worauf er dreimal gebrecht und geschwungen
wird. Alle diese künstlichen
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Röstmethoden, soweit sie sich überhaupt bewährt haben, finden sich vorwiegend angewendet in großen Flachsspinnereien;
die Flachsproduzenten bedienen sich lieber der ebenfalls sehr zweckmäßigen Wasserröste. Zur Röste bringt man bald den
grünen, frisch gezogenen und abgeriffelten, bald den vorher vollständig lufttrocken gemachten Flachs. Das erstere
Verfahren (Grünröste) ist vielfach in Rußland, Deutschland, auch in Belgien und Holland üblich, liefert
aber niemals eine solche Flachsqualität wie das zweite Verfahren, bei welchem man den Flachs nicht einmal in demselben Jahr,
in welchem er gebaut wurde, zur Röste bringt, sondern erst im kommenden Jahr. Durch dieses Liegenlassen gewinnt die Faser
wesentlich an Festigkeit
[* 34] und Griff und wird nicht selten die Röste sogar unterbrochen und nach einiger
Zeit, nachdem der Flachs abermals fest eingelagert war, vollendet. Diese Doppelröste findet in Belgien vorzüglich ihre Anwendung
bei den feinsten und wertvollsten Flachsen. - Um die Flachsfaser aus dem gerösteten Stengel zu gewinnen, wird derselbe vielfach
in Dörrgruben, Dörrkammern oder Öfen,
[* 35] selbst in Backöfen gedörrt.
Steigt auch bei vorsichtiger Handhabung die Erwärmung der Flachsstengel beim Dörren nicht über 50° C., so verliert doch
die Faser hierdurch mehr oder weniger an Milde und Griff, daher auch das Dörren nur da angewendet wird, wo es unbedingt notwendig
ist, d. h. bei Tauflachs, der sich sonst weniger leicht und vollkommen
brechen läßt. Vorteilhafter dörrt man den in der Sonnenwärme, wiewohl das darauf folgende Brechen nicht so gut und leicht
vor sich geht wie nach dem Dörren im Dörrofen.
Durch das Brechen soll der holzige Kern des Flachsstengels in kleine Stückchen gebrochen werden. Dieser
Arbeit geht ein sorgfältiges Sortieren des Flachses je nach Farbe und Röstgrad voraus. Zum Brechen dient meist noch die ein-
oder auch zweizungige hölzerne, in manchen Gegenden eiserne Handbreche, welche die Faser aber stark beschädigt und die Ausbeute
an spinnbarer Faser verringert. In Belgien wird daher der geröstete Flachs mit dem hölzernen, auf seiner
untern, arbeitenden Seite gekerbten Botthammer bearbeitet.
Durch das Aufschlagen mit diesem Hammer,
[* 36] der mit einem langen, krummen Stiel versehen ist, auf den auf der Tenne ausgebreiteten
Flachs wird der Stengel geknickt, ohne daß die Faser zu sehr gedehnt und dadurch zerrissen wird. Zu gleichem
Zweck dienen in Deutschland vielfach auch die glatten hölzernen Bleuel, Bauel oder Bocker sowie die Plauel- oder Pockmühlen.
Dabei werden die Flachsstengel unter hölzernen Stampfen zerquetscht, was jedoch nur bei stärkerm und gröberm Flachs zweckmäßig
ist, da bei dem feinern die Schäben (Annen, Achenen, Agen), d. h. die holzigen Teile des Stengels, zu sehr
in den Bast hineingeschlagen werden.
Leichter, rascher und vollkommener arbeiten die Brech- oder Knickmaschinen, bei denen der Flachsstengel zwischen verschieden
tief und stark gekerbten hölzernen oder eisernen Walzen hindurchgeschoben wird. Eine vorzügliche Brechmaschine, dem Prinzip
einer gut konstruierten Handbreche nahestehend, ist die von Kaselowsky, welche sich auch rasch in Norddeutschland
verbreitete. Sie liefert den Bast viel reiner von den Schäben als die Knickmaschinen, ohne die Faser so sehr zu dehnen und zu
reißen wie die Handbreche. Auch die Maschinen von Möller und Collyer (amerikanisches System) sind sehr beliebt.
Die vollständige Entfernung der holzigen Teilchen von der Flachsfaser wird durch das Schwingen erreicht.
Dazu dient entweder nur das einfache Schwingmesser,
mit welchem der mit der linken Hand
[* 37] festgehaltene, frei herabhängende
Flachs wiederholt gestrichen, d. h. geschabt, wird (wie in Schlesien), oder der Flachs erhält ein Widerlager durch den Schwingstock,
wobei ihn der Arbeiter mit dem hölzernen Schwingbeil oder Messer
[* 38] unter beständigem Drehen des Flachsbundes
streicht und schabt (wie in Belgien und Holland).
Bei letzterer Art des Schwingens wird mehr und reinerer Flachs erhalten als beim Freischwingen; die Leistung ist jedoch gering
und verlangt sehr große Übung des Arbeiters. Das Handschwingen wird daher vielfach ersetzt durch die Maschinenarbeit. Dazu
dienen entweder Schwingmaschinen nach dem System der belgischen Handschwinge, bei welchen 4, 6, 8 und mehr
Schabmesser mit ihrem Stiel auf einer Achse angebracht sind, die an dem verstellbaren Auflage- oder Schwingstock, über welchen
der Flachs von dem Arbeiter gehalten wird, mit verschiedener Schnelligkeit vorüberstreichen.
Wie bei dem Handschwingen der Belgier verschieden feine und Scharfe Schwingbeile benutzt, so werden auch
bei den Schwingmaschinen verschieden starke und scharfe Messer eingesetzt, je nachdem man vor- oder feinschwingen will. Bei
dem sogen. FriedländerSystem befinden sich die Schabapparate am äußersten Ende der auf einer eisernen Achse aufgeschraubten
Träger
[* 39] und bildet der Schwingstock, auf welchem der Flachs aufgelegt wird, einen federnden
Mantel, der verstellbar ist.
Jeder der vier Schabapparate besteht aus einem glatten, mit seiner Breitseite arbeitenden Schabmessér, hinter welchem ein
siebenzinkiger Rechen und dann wieder ein glattes Schabmesser folgt. Letzteres sowie das geteilte Messer stehen im rechten
Winkel
[* 40] zu dem Auflageeinschnitt im Mantel, während das erstgenannte Schabmesser parallel mit diesem Einschnitt
gestellt ist. Beide Systeme erscheinen vielfach modifiziert in der Anwendung, doch wird den belgischen oder irischen Schwingmaschinen
der Vorzug eingeräumt.
Bei der Bearbeitung des besten belgischen Flachses kommt keine Maschine
[* 41] in Anwendung, derselbe wird nur mit der Hand geschwungen.
Statt des Schwingens wird der in manchen Gegenden Deutschlands
[* 42] geschabt oder geribbt, oder man verbindet
das Ribben mit dem Schwingen des Flachses. Bei diesem Ribben bearbeitet und schabt man den auf einem Leder aufliegenden Flachs mit
drei verschieden scharfen Eisenklingen so lange, bis alle Schäben entfernt sind. Diese Arbeit ist sehr zeitraubend und
verlangt viele Übung, wenn nicht sehr viel Werg erhalten werden soll; das Ribben des Flachses hat daher auch keine allgemeine
Verbreitung gefunden.
Da das Spinnrad mehr und mehr durch die Spinnmaschinen
[* 43] ersetzt wird, so bietet der Schwungflachs in den meisten Fällen das
fertige Handelsprodukt, und zu diesem Ende wird er auf verschiedene Weise aufgemacht. In Belgien werden
sogen. Puppen gebildet; das Kopfende derselben bearbeitet man mittels einer groben Hechel und Drahtbürste äußerlich und bindet
darauf mit einigen Fasern die etwas eingeschlagenen Zopfenden zusammen. Je drei solcher Puppen haben ein Gewicht von ½ kg und
werden ebenfalls wieder zusammen eingebunden. In Deutschland (Hannover)
[* 44] werden die Risten oder Knocken der
Länge nach nebeneinander gelegt und schichtenweise sich kreuzend so lose übereinander gepackt, daß die Enden einer jeden
derselben zu sehen sind, ohne daß das Netz, welches aus Bindfaden gefertigt ist, geöffnet zu werden braucht. Nach dem Aufmachen
verpackt man inHolland die Flachsbündel in Säcken, und in diesen bleibt der in einem dunkeln, nicht
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