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Der Park
Im Herbst 2000 beauftragt der Regierungsrat Basel-Stadt das Baudepartement (BD) mit der Ausschreibung eines Architekturwettbewerbs, welcher im Rahmen der Neugestaltung des Centralbahnplatzes auch dem Elisabethenpärkli zu einem neuen Kleid verhelfen soll. Im Juni 2001 prämiert eine breitabgestützte Jury einstimmig das Projekt ‹joint venture› des Projektteams Vogt Landschaftsarchitekten, Zürich; Christ & Gantenbein, Architekten, Basel; Erik Steinbrecher, Künstler, Berlin. Im Winter 2001 / Frühjahr 2002 wird das Siegerprojekt unter der Federführung der Stadtgärtnerei zusammen mit dem Projektteam überarbeitet und bis zur Ratschlagsreife entwickelt. Der Grosse Rat (GR) heisst den Ratschlag im Juni 2005 gut. Die Kreditvorlage von CHF 3 100 000.– für die Umgestaltung der Elisabethenanlage wird in einer Volksabstimmung bestätigt. In die städtebaulichen Veränderungen werden auch das Strassburgerdenkmal, der Musikpavillon sowie die ehemalige Friedhofskapelle miteinbezogen. Der Park wird im 2008 vollendet. Der Kredit von CHF 1 080 000.– für den Umbau der Kapelle wird im September 2009 vom GR gut geheissen. Zeitgleich findet das Auswahlverfahren für den künftigen Betreiber statt. Die Wahl fällt auf den Basler Markus Engeler. Er überzeugt mit seinem Betriebskonzept und seiner Person.
Der Elisabethengottesacker im Wandel der Zeit
Im Jahr 1814 war der Kirchhof St. Martin derart belegt, dass für die Münstergemeinde ein zusätzlicher Gottesacker notwendig wurde. Auch für die im Dienst verstorbenen Soldaten der Standeskompagnie musste eine letzte Ruhestätte gefunden werden. Die neu erbaute Leichenhalle wurde direkt an einen Schafstall angebaut, welcher dann 1830 weichen musste. 1845 fand der Gottesacker die notwendig gewordene Erweiterung um das Dreifache. Dadurch wurde auch die bestehende Leichenhalle zu klein und ein Neubau ersetzte das vormalige Leichenhaus, welches baufällig geworden war. Eine neue Gottesackerkapelle wurde im Dezember 1849 eingeweiht und zusätzlich wurde im April 1850 nach 3-jähriger Bauzeit das Leichenhaus mit Wärterwohnung fertiggestellt. Die auf neobarockem Baustil basierenden Pläne für das Leichenhaus, wurden vom Basler Architekten Melchior Berri (1801 – 1854) angefertigt, welcher zu jener Zeit nicht nur landesweit als einer der begabtesten Architekten des Klassizismus galt, er beendete zeitgleich auch sein Hauptwerk, das Naturhistorische Museum an der Augustinergasse 2 in Basel.
Gegen Ende der 50er Jahre des 19. Jahrhunderts wurden des öfteren Friedhofsbesucher gemeldet, welche mit grossen Körben auf dem Gottesacker St. Elisabethen auftauchten. Es handelte sich dabei um findige Frauen, die Rosenblätter von Gräbern und Rabatten pflückten, um diese an Tabakhersteller zu verkaufen. Frauen werden in den darauffolgenden 2 Jahrhunderten immer mal wieder Thema werden und es hoffentlich auch bleiben.
Etwa zeitgleich wurde die Stadtmauer zwischen Aeschenbollwerk und Bollwerk St. Elisabethen abgetragen und der Graben aufgefüllt. So konnte bereits damals ein Teil des Areals in eine Grünanlage umgewandelt werden. Die Friedhöfe St. Alban, St. Jakob und St. Elisabethen wurden 1872 aufgegeben, als der Wolf-Gottesacker eröffnet wurde.
Der Park erfuhr mit dem Strassburgerdenkmal im Jahr 1895 eine zusätzliche Aufwertung. Das Denkmal erinnert an eine von Baslern ins Leben gerufene Hilfsaktion für die Zivilbevölkerung Strassburgs während des deutsch-französischen Kriegs 1870/71. Die vom Bundesrat unterstützte Aktion wurde von einem Basler, einem Zürcher und einem Berner Politiker geplant und erfolgreich ausgeführt. 1800 Zivilisten konnten aus der beschossenen Stadt evakuiert werden. Baron Hervé de Gruyer, welcher in Montpellier residierte aber ursprünglich aus Strassburg stammte, gelang es, den Bildhauer Auguste-Fréderic Bartholdi dafür zu gewinnen, dem historischen Ereignis gerecht zu werden und als Anerkennung für die selbstlose Hilfeleistung durch die Schweizer ein Denkmal zu setzen. Der Schutzgeist Strassburgs übergibt die vom Schrecken des Krieges gezeichnete Frau in die Obhut der Helvetia. Bartholdi verwendet für sein Monument Frauengestalten. Eine schwache Frau erhält Trost und Schutz von einer starken Frau. Auguste-Fréderic Bartholdi hatte bereits 10 Jahre zuvor mit dem vielleicht bis heute weltweit bekanntesten Frauenmonument für Furore gesorgt, ist er doch der Erbauer der Freiheitsstatue, welche im Oktober 1886 vom US-Präsidenten Grover Cleveland eingeweiht worden war.
Das De Wette Schulhaus wurde von 1901 – 1903 erbaut. Es ist benannt nach dem Theologen Wilhelm Martin Leberecht De Wette, welcher 1822 als Professor an die Basler Universität berufen wurde und dieser später über viele Jahre als Rektor vor-stand. Das Gebäude an der Elisabethenstrasse 59 wurde abermals umgebaut, und zwar in eine Friedhofskapelle. Dieser vom damaligen Kantonsbaumeister Theodor Hünerwadel ausgeführte Umbau wurde notwendig, da durch den Schulhausbau die Gebeine Verstorbener gefunden wurden. Aus Rücksicht gegenüber den Hinterbliebenen fanden diese eine neue Ruhestätte. Zu der Zeit war die Friedhoffläche bereits zur Parkanlage umgestaltet. 1905 kam der wunderschöne Musikpavillon hinzu.
Die Kapelle hatte 1918 schliesslich ausgedient und wurde nicht wie vorgesehen abgebrochen, sondern zu einem Magazin für das Kanalisationsbüro profaniert. Aus dieser Zeit stammt auch der Schopfanbau, der die neobarocke Architektur verunklärt. Mieter- und Nutzungswechsel verstärkten die städtebauliche Unscheinbarkeit der Kapelle an diesem Ort. Ab Mitte der 80er Jahre wurde das Gebäude vom Kantonalen Musikverband genutzt. Der Musikverband fördert und unterrichtet Jugendliche. Bis vor wenigen Jahren veranstaltete der Musikverband auch regelmässig Konzerte im nahe gelegenen Musikpavillon.
Der Anbau wurde während der Umgestaltungsarbeiten des Elisabethenparks entfernt.
Der politische Prozess und die Nutzung ab Sommer 2011
Im Projekt ‹joint venture› ist für die ehemalige Kapelle eine Umnutzung in einen Gastronomiebetrieb vorgesehen (Christ und Gantenbein, 2002). Im zur Parkseite gelegenen Mauerwerk sollen grosse ovale Fenster eingesetzt werden, so dass das Café eine Öffnung erfährt und gleichzeitig das Café vom Park aus sichtbar gemacht wird. Diese Transparenz geniesst im neu gestalteten Elisabethenpark eine natürliche Berechtigung und fliesst als wichtiges Element mit konzeptionellem Charakter ins Ganze ein. Diese seitliche Öffnung, die Sanierung des Gebäudes sowie eine geplante Unterkellerung kosten Geld. In den überarbeiteten Plänen von Christ und Gantenbein im 2008 entfällt aus genanntem Grund die Unterkellerung. Die Küche und die sanitären Einrichtungen finden im Erdgeschoss Platz. Im Frühling 2009 beantragt der Regierungsrat dem Grossen Rat einen Kredit in Höhe von CHF 1 080 000.– für die Sanierung der Kapelle im Rohbau. Der Antrag wird durch den Grossen Rat bewilligt. Weitere Kriterien kommen für den künftigen Pächter hinzu: soziales Engagement und ökologische Nachhaltigkeit. Das Gastronomiekonzept von Markus Engeler überzeugt. Er erhält im November 2009 den Zuschlag. Im Juli 2010 wird das Baubegehren eingereicht. Aus Kostengründen wird die Transparenz von Gebäude und Park von ursprünglich zwei Augen auf eines reduziert. Der Umbau beginnt im November 2010. Die Eröffnung des Cafés ist für Juni 2011 vorgesehen. Per 11. Juni öffnet dieses seine Pforten als Caffè Kultur Bar ZUM KUSS.
Das in zwei Räume unterteilte Haus wird in der Umgangssprache auch «Totehüüsli»
genannt. Das Totehüüsli befindet sich am äusseren, westlichen Rand der Elisabethenanlage direkt gegenüber der Bank Sarasin. Die südliche Hausfassade steht im selben Winkel zur Elisabethenstrasse wie diejenige der Bank Sarasin, sodass die beiden Fassaden mit der Strasse in der Mitte quasi einen Trichter bilden. Städtebaulich gesehen wird dadurch der Eingang zu Basels Innenstadt signalisiert. Aus diesem Grund wird es auch kaum möglich sein, hier eine Anbaumöglichkeit in Betracht ziehen zu wollen. Das Gebäude steht zwar nicht unter Denkmalschutz, wird aber als schützenswert eingestuft. Erhaltenswert ist auch der kulturhistorische Hintergrund der gesamten Anlage. Das ist wohl auch der Grund, weshalb sich die Ausschreibung nicht mit der Umnutzung der ehemaligen Friedhofkapelle zufrieden gibt. Der bevorstehende Umbau des Totehüüsli soll durch die neue Nutzung mit gastronomischem Charakter positiv auf den Park ausstrahlen. Die Aufgabe des Pächters wird sein, den Park zu Elisabethen wieder zu neuem Leben zu erwecken, und zwar vom Totehüüsli aus bis zum Strassburgerdenkmal und von dort hinunter rund um den Musikpavillon, weiter zur De Wettestrasse und dem gleichnamigen Schulhaus zurück zur Kapelle. Eine grosse Aufgabe steht den Gastgebern bevor. Mit der Fertigstellung der Anlage wurde ein erster Grundstein für den beabsichtigten Lebensfluss gelegt. Seit 2008 erfreuen sich die Nutzer über das clever angelegte Wegesystem. Die Wege sind also bereitet, fehlt nur noch der Lebenshauch. Aber wie nur «Prinzessin» zu Elisabethen aus dem 100-jährigen Schlaf holen? Wir wählen den sicheren aber sanften Weg: Wir küssen den Park wach!
Totehüüsli 1850-1902
Kapelle 1903
Magazin 1918
Probelokal des Musikverband Basel 1980
Restaurant 2011