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Hanhart, Dr. Hans Ulrich 1623-1672, Stadtphysicus
Dr. Hans Ulrich Hanhart wurde bei Mangel an einem Arzt von Steckborn nach Winterthur als Stadtphysicus geholt. Nebenbei war er Schulinspektor und Bibliothekar der Stadtbibliothek. Hanhart integrierte sich schnell und begründete ein neues, jedoch im 19. Jahrhundert erloschenes Winterthurer Geschlecht.
Der Glossar-Eintrag folgt einem Text aus „Schwitzkur und Angstschweiss“ von Urs Leo Gantenbein, Neujahrsblatt Stadtbibliothek Winterthur, 1997, mit der interessanten Medizingeschichte der Stadt Winterthur. (Seiten 138 und folgende)
Als der Stadtphysicus Hans Rudolf Hegner 1656 erst 53jährig starb, war sein Sohn Hans Heinrich Hegner, dem bestimmt war, in die Fussstapfen seines Vaters zu treten, erst 10 Jahre alt. Der ältere Bruder konnte zwar die väterliche Apotheke weiterführen, doch war er nicht, aus welchem Grund auch immer, auf die Hochschulen geschickt worden. Man musste also nach einem auswärtigen Arzt Ausschau halten. Nachdem Jeremias Schobinger aus St. Gallen im letzten Moment, nachdem er schon zum Stadtphysicus ernannt worden war, seine Bewerbung zurückgezogen hatte, da ihm in seiner Heimatstadt die Stelle des Stadtarztes angeboten worden war, konnte doch noch mit Hans Ulrich Hanhart (1623-1672) aus Steckborn ein gut ausgebildeter Arzt gefunden werden. Er wurde zum Stammvater eines angesehenen Winterthurer Geschlechts, das viele Ärzte und Geistliche hervorbrachte.
Der frisch gewählte Stadtphysicus trat seine Stelle am 17. September 1658 an. Zuvor wurde um die Anstellungsbedingungen gerungen. Dieses «Proiect» wurde zum Muster des Amtseids für den Stadtphysicus, wie er in unwesentlich veränderter Form bis zum Ende des Ancien Régime seine Gültigkeit behielt. Man
erwartete von Hanhart, dass er die ganze Bürgerschaft behandelte, keine anderen Dienste annahm und zu Zeiten, wenn er ernsthafte Krankheitsfälle in seiner Obhut hätte, die Stadt nicht verliess. Die Arzneien sollte er aus «alhiesiger Apotheckh» nehmen. Die Scherer sollte er beaufsichtigen und sie zweimal jährlich ihre Ordnung ablesen lassen, ebenso den Hebammen mit Rat und Tat beispringen. In «Sterbensläuffen», also Epidemien, dürfte er die Stadt nicht verlassen, sondern müsste nach besten Kräften sein Amt versehen. Bezüglich der Besoldung wollte man zuerst knauserig sein und wiederum nur 50 Gulden und 6 Mütt Kernen gewähren, strich diese Vorgaben dann aber durch und setzte die Schobinger angebotenen Zahlen ein. Möglicherweise war dies auf Drängen Hanharts geschehen, der von Schobinger sicherlich informiert gewesen war. Hanhart war zur Unterredung am 11. August mit seinem Vetter, dem Amman Hans Heinrich Hanhart, erschienen. Er erbat sich nochmals eine Bedenkzeit, sagte dann aber am 13. August zu. Der Rat liess ihn daraufhin am 19. August wissen, dass es ihm lieb und angenehm wäre, wenn Hanhart «ehest muglich sich alhie begeben» könnte. Laut dem Tagebuch langte er schliesslich am 17. September 1658 in Begleitung etlicher guter Freunde in Winterthur an und trat «im Namen des Höchsten seine Stelle an».
Dem frisch gewählten Stadtphysicus wurde sogleich das Winterthurer Bürgerrecht verliehen. Als Wohnung teilte man ihm das Haus zum Glas (Metzggasse 8) des verstorbenen Ratsherrn Wolfgang Sulzer zu. In der ersten Zeit sass er bei dem aus Zürich stammenden Pfarrer Johannes Blass zu Tisch, demselben, der drei Jahre später in die Affäre um Verena Schuler, die blinde Predigerin in Lörlibad, verwickelt war. Schon zehn Tage nach seiner Ankunft verlobte sich Hanhart mit Anna Sulzer (1639-1719), der Stieftochter seines Hausherrn und Metzgers Heinrich Sulzer Am 25. Oktober fand die Hochzeit statt in Anwesenheit vieler fremder und einheimischer Hochzeitsgäste. Hanhart bezahlte Sulzer sechs Jahre lang 30 Gulden jährlichen Hauszins. Noch 1658 war Hanhart auch in das Musikkollegium eingetreten. So war er in kürzester Zeit in das enge Winterthurer Beziehungsnetz getreten. Hanhart starb 1672 in seinem besten Mannesalter, erst 49-jährig.