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Für seine dritte Ausstellung bei DuflonRacz entschied sich der Belgische Maler Mike Carremans für eine Kollaboration mit dem Antwerper Künstler Marc Claes. Die sehr verschiedenen Arbeiten treten in einen überraschenden Dialog.
Marc Claes und Mike Carremans wuchsen (mit 10 Jahren Altersunterschied) beide in Zolder (Belgien) auf, eine vom Bergbau geprägte Industriesiedlung. Die Bergbauindustrie ist zwar in den Werken beider Künstler nicht als direkter Einfluss festzumachen, schwingt aber als subtiler Nachhall in ihrer künstlerischen Arbeitsweise mit. Beide Künstler interessieren sich im weitesten Sinn dafür, was im “Untergrund” vor sich geht, ein Phänomen das sich sehr frei fassen lässt, von der Folklore und Märchenerzählungen bis zu subkulturellen (Musik-) Szenen. Auch in den Prozessen und Vorgehensweisen beider Künstler sind Bezüge zum Bergbau ersichtlich, so haben sie beide den Drang Schichten zu zerstören und aufzuschneiden, um zum Kern ihrer jeweiligen künstlerischen Arbeit vorzudringen.
Hier unterscheiden sich die Künstler jedoch auch voneinander. Marc Claes zerschneidet Skizzenbücher, Zeichnungen und andere Bilder um Leerräume zu schaffen, die dann mit anderen, ebenfalls verschnittenen, Bildern gefüllt werden. Oft entstehen dabei collagierte Konstellationen von Bildern und Symbolen, die wie der Versuch wirken einen halbvergessenen Traum wiederherzustellen. Der Künstler führt eine Vielzahl an Fragmenten zu einer undefinierten Narration zusammen, deren visueller Rhythmus an eine Art Mandala erinnert.
Während Claes demnach seine Bilder zerstört, um mehr komplexeren Elementen Platz zu machen, macht Carremans das genaue Gegenteil. Carremans isoliert Bilder die in eine kohärente Serie passen, aber statt das Bild aufzufüllen reduziert er es auf seine schlichteste Essenz. Die so entstehenden Bilder erscheinen oft abrupt abgebrochen oder unfertig, ähnlich wie in ikonischen historischen Beispielen wie die Porträts von George Washington oder Napoleon Bonaparte. Jedoch interessiert sich der Künstler weniger für den historischen Wert der Bilder als dass er ihren Bezug zu einem Umfeld recherchiert. Statt sich in einem erweiterten historischen Kontext zu situieren, rekonstituiert er ihn in Bezug auf die eigene Persona.
Auch wenn ihre Arbeiten sehr verschieden erscheinen, versuchen beide Künstler durch ihr Werk ihre Herkunft und ihr kulturelles Erbe in neuen Zusammenhängen zu rekonstruieren. Dazu setzen sie Bilder mit universell lesbaren Assoziationen ein, die jedoch auch eine tiefgreifende persönliche Schicht enthalten und mehr Geschichten erzählen als auf den ersten Blick erkennbar ist.