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Thesen und Forderungen
Dissonanz Nr. 105
WIDERSTAND
Die Avantgarde besass ein relativ klar abgegrenztes Feld von Geboten und Verboten, die gemeinschaftlich durch ästhetische und theoretische Diskurse definiert wurden.
Die Gebote und Verbote waren nicht Ausdruck subjektiver Empfindungen, sondern repräsentierten einen Konsens. Hingegen verschiebt eine Kunst, die keine Tabus mehr kennt und die Verbotsseite offen lässt, Werturteile ins Partikulare. Denn «das Tabu» ist nur ein populärer Ausdruck der Verbotsseite; keine Tabus mehr zu kennen, heisst, sie unde finiert zu belassen. Folglich fällt alles auf die Gebotsseite, womit diese in sich selbst zusammenfällt: Gebote definieren sich nur über
Verbote und umgekehrt. gesellschaftliche Zustände antizipiert haben, heute nicht mehr komponieren. Nur: Wo sind sie? Und vor allem: Wer hat das Recht, Talente vorzuschlagen, wer opponiert und was sind ihre Argumente? Woher kommt die Diskrepanz zwischen innerer Selbstzufriedenheit und äusserer Unsichtbarkeit?