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| Paul Koetschau, Allgemeine Einleitung über Leben und Schriften des Origenes. In: Origenes, Schriften vom Gebet und Ermahnung zum Martyrium. Aus dem Griechischen übersetzt von Paul Koetschau. (Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 48) München 1926.

Allgemeine Einleitung über Leben und Schriften des Origenes
A. Das Leben des Origenes
Lebensabriss
17.
Im ganzen berichtet Eusebius von den zwanzig Jahren des Origenes in Cäsarea recht wenig; sie sind wohl hauptsächlich von stiller, angestrengter und fruchtbarer Arbeit ausgefällt gewesen. Man darf aber annehmen, daß Origenes von Cäsarea aus öfters Reisen in die nähere und fernere Umgebung, nach Palästina, Syrien, Arabien usw., unternommen und vor allem die heiligen Stätten in und bei Jerusalem aufgesucht hat, vgl. oben S. 39. In der vierzehnten Homilie zu Josua (VII 379, 5 ff.) erwähnt er selbst einen Besuch in Sidon; ferner ist er in Ephesus und Antiochia gewesen (Rufin., De adult. libr. Orig., Lom. XXV 391), und die erste Homilie zu Sam. I (Lom. XI 290) ist in der Gemeinde von Jerusalem gehalten, deren Bischof Alexander dabei anwesend war und mit Namen erwähnt und als „lenissimus pater" gerühmt wird. Bei diesem Freunde seiner Jugend (s.o. S. 16) hat Origenes wohl besonders gern verweilt und ist ihm vermutlich auch bei der Einrichtung der großen Bibliothek in Jerusalem behilflich gewesen, die später dem Eusebius das Material für die Abfassung seiner Kirchengeschichte lieferte (Euseb. VI 20, 1). Von einer Reise nach Arabien in den Jahren 238-244, d.h. wohl nicht lange von 244, weiß Eusebius (VI 33, 1 f.) zu erzählen. Beryllus, der Bischof von Bostra, hatte die besondere Präexistenz Christi vor seiner [S. 61] Menschwerdung geleugnet und behauptet, Christus habe kein besonders göttliches Wesen, sondern nur das Gottes des Vaters in sich. Eine zahlreich besuchte Synode von Bischöfen in Bostra verhandelte vergeblich mit Beryllus; da wurde außer anderen Theologen auch Origenes berufen, um den Streit beizulegen. Origenes lernte zuerst die Ansicht des Beryllus in einem Privatgespräch kennen, dann verstand er es, seinen Gegner in einer Disputation von der Unrichtigkeit seiner Ansicht zu überzeugen und zum wahren Glauben zurückzuführen. Beryllus soll dem Origenes dafür in Briefen gedankt haben, wie Hieronymus (De vir. ill. 60) berichtet. Dem Eusebius lagen noch die jetzt verlorenen Protokolle jener Synode und der Disputation zwischen Origenes und Beryllus vor, ferner auch die damals von Origenes in Arabien über den Streitgegenstand gehaltenen Lehrvorträge (Euseb. VI 33, 3).
Dem Kaiser Gordianus folgte im Jahre 244 Philippus mit seinem Sohne auf dem Throne nach. Die Regierungszeit des Philippus war für die Ausbreitung des Christentums außerordentlich günstig, da Philippus die neue Lehre nicht nur nicht bekämpfte, sondern sogar förderte. Ja, es ging das Gerücht von ihm, daß er Christ gewesen sei und zu Ostern an den gemeinsamen Gebeten mit der großen Menge habe teilnehmen wollen, aber vom Bischof erst dann zugelassen worden sei, als er seine Sünden bekannt und sich unter die Büßenden gestellt habe. Jedenfalls genoß die christliche Kirche unter Philippus tiefen Frieden.
Damals, d. h. in den Jahren 246-248, wie Harnack (Chronologie S. 35 A. 4 und 51 A.6) annimmt, vielleicht 248, wie K. Joh. Neumann (Staat und Kirche I 265 ff.) den Termin genauer bestimmt zu haben glaubte (vgl. Orig. Werke I Einl. S. XXII f.), verfaßte Origenes seine große Apologie des Christentums, die ihn in die erste Reihe der Apologeten stellt, nämlich die acht Bücher gegen das „Wahre Wort" des Celsus. Hierüber ist die Einleitung zu meiner Übersetzung dieses Werkes zu vergleichen. Vor dieser Apologie hat Origenes die Kommentare zum Römerbrief (15 Bücher) und zu den meisten anderen Briefen des Neuen [S. 62] Testamentes geschrieben und nachher, also in den letzten Jahren seiner literarischen Tätigkeit, noch die Kommentare zum Matthäusevangelium (25 Bücher) und zu den zwölf kleinen Propheten, wovon zur Zeit des Eusebius noch fünfundzwanzig Bücher vorhanden waren, neben allen sonstigen Arbeiten vollendet In diese letzten Jahre fallen auch viele Briefe des Origenes, z. B. an den Kaiser Philippus und die Kaiserin Severa, an den römischen Bischof Fabianus und andere Bischöfe wegen der Rechtgläubigkeit des Origenes, und viele andere, die im sechsten Buche der Origenes-Apologie von Eusebius gesammelt worden waren und uns leider verloren gegangen sind.