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Kanne
Keramikkunst: An Demin
Eine junge Frau wählte einen Lebensweg, der sich von vielen anderen unterscheidet, und wahrscheinlich viel einsamer ist - weil sie täglich allein Tonerde klopfen muss.
An Demin 安德敏 entschied sich für diesen Weg. Sensibel und ideenreich. Verletzlich und mutig. Anders als ihr Lehrer 孫超 Sun Chao, der sich nicht sehr um Details kümmert und seine Idee durch eine klare Formensprache und einfache Linien zum Ausdruck bringt, will An viel mehr. Ihre Ambition drückt sich aus durch die Kombination von Tonerde, Symbolik oder Oberflächengestaltung. Diese Sprache ist in meinen Augen sehr weiblich.
Die alten chinesischen Dichter versuchten ihre Sentimentalität durch einen weiblichen Mund auszudrücken. Warum wollten oder mussten sie sich in der Dichtung als Frauen tarnen? Weshalb wollten männliche Dichter über Frauen schreiben, um bestimmte Lebensgefühle zu loben? Warum gab es bis zum 11. Jahrhundert in China keine wirklich weibliche Literatur, die von Frauen über Frauen geschrieben wurde? Was ist in jener Dynastie passiert, dass weibliche Literatur erst geboren wurde, und solche Ästhetik wie Pingdan (Gelassen, ruhig und rein) sowie diverse Keramikglasuren von himmlischen Farben ans Licht kamen?
Ich war überrascht in Yilan, als ich erfuhr, dass die Schwester von Meister Wu Dongyuan, Wu Dongjin, wunderbare Teekannen herstellen kann, die mir eigentlich noch besser gefallen, aber dass ihre Kannen auf dem Sammler-Markt als weniger wertvoll als jene des Bruders gehandelt werden! Ich war überrascht und begann nachzudenken. Was ist los mit dieser Kultur?
Jie, der Galerist, gab selbst zu, dass die weibliche Sensibilität die Teekannenkunst bereichert. Viele Details und Formensprache gewinnen durch weibliche Interpretation. Die weiblichen Meisterhände wissen, wie eine Kanne in den Teeliebhaberhänden gehalten werden - wie die Körperlinie fliessend durch eine Haltung mit der Kanne zum Ausdruck gebracht werden kann!
An wollte mit den beiden Kannen etwas erzählen über 初心 Chu-Xin, den Ursprung, mit dem wir die Welt erkunden. Sie wählte die Birnen Form - Lishi 梨式 - für ihre Kanne. Lishi (Birnen-Form) ist entstanden in der 元 Yuan-Dynastie, als die chinesischen Literaten anfingen, die ganzheitliche Vorstellung des Individuums zAn Deminu thematisieren. Davor waren die Menschen mehrheitlich für das Beamtentum des Kaiserhofs im Korsett des Konfuzianismus erzogen. Diese moderne Vorstellung von facettenreichen Menschenbild hat mich geprägt, ist aber neu in der chinesischen Kultur. Dass Menschen nicht nach Erfolg und Lob der Gemeinschaft streben müssen, widerspiegelt sich wohl auch in der Popularität der Teekultur. 張岱 Zhang Dai zum Beispiel fragte sich in seinen Notizen, weshalb er sich nicht über soziale Anerkennung freue oder an wirtschaftlichen Vorteilen festhalte, sondern an einer Teekanne.