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Seit Jahrhunderten besuchen alljährlich Pilger die Kapelle in Berlens im Glanebezirk, um die Madonna um die Heilung ihrer Augenkrankheit zu bitten. Die von der Pfarrei organisierte offizielle Pilgerfahrt nach Notre-Dame de l’Epine findet am Nachmittag des ersten Septembersonntags statt; noch vor ein paar Jahren hatte sie den ganzen Tag gedauert. Die Feier beginnt um 13.30 Uhr mit einem Rosenkranzgebet, und um 14 Uhr folgen die Prozession um das Dorf – mit der Madonnenstatue – und die Messe, die mit dem Augensegen schliesst. Der Bischof oder ein Bischofsvikar lesen die Messe. Der gemischte Chor und die Blasmusik nehmen ebenfalls an der Prozession teil und singen und spielen zudem während des Apéros, der die Feier beschliesst. Augenblicklich gehen die Besucherzahlen zurück, was mit dem zunehmenden Alter der Gläubigen zusammenhängt; dennoch kommen immer noch drei- bis vierhundert Personen aus der Region und manchmal sogar aus dem Ausland. Viele von ihnen haben ein Augenleiden. Gewöhnlich gelangen sie im Privatauto nach Berlens, manchmal werden Busfahrten organisiert. Mittags besteht die Möglichkeit, sich in der nahe gelegenen Auberge du Pèlerin zu verpflegen.
Gemäss einer Volksüberlieferung ist die Madonna in Berlens in einem Hagedornbusch erschienen, der noch heute auf dem Friedhof neben der alten Kirche steht. Nach wunderbaren Heilungen wurde die Kapelle Unserer Lieben Frau vom Dorn, deren Name sich vom Busch ableiten soll, am Ort der Erscheinung erbaut (Jeunet, S. 2).
Die erste bekannte Erwähnung der Pilgerfahrt datiert von 1639 (J. Rime). Abbé Jeunet, Pfarrer von Berlens seit 1867, publizierte 1875 eine Notice historique sur le sanctuaire et le pèlerinage de Notre-Dame de l’Epine; laut der die Pilgerfahrt in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ihren Höhepunkt erreichte. Im 17. und 18. Jahrhundert lebten zwei Priester in Berlens, um die Pfarreiangehörigen und die zahlreichen Pilger zu betreuen; diese kamen allein oder mit der ganzen Pfarrgemeinde, bis es den Pfarrern 1767 untersagt wurde, Prozessionen ausserhalb ihres Sektors durchzuführen (Jeunet, S. 14), um die Missbräuche zu verhindern, die durch die Einkehr in Wirtshäuser verursacht wurden. Man hielt sich jedoch nicht sonderlich an dieses Verbot, das 1863 erneuert werden musste. Die Pilgerfahrt verlor an Interesse, ohne völlig aufgegeben zu werden.
Tourismusbüro von Romont und Umgebung: Chapelle de Notre-Dame de l'Epine
Historisches Lexikon der Schweiz: Berlens
Florence Bays
Übersetzung: Hubertus von Gemmingen