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Gleich vorweg: Fats Waller verstarb 1943. All seine musikalischen Hinterlassenschaften sind also mindestens 75 Jahre alt und stammen aus einer Zeit, in der ganze Alben selten, Stereoaufnahmen unmöglich und HighDef-Audio nicht einmal Zukunftsträume waren. Trotzdem existieren momentan über 800 Alben von Fats Waller. Die meisten sind Kompilationen aus Singles, einige liebevoll aufbereitet, andere schnoddrig zusammengeschustert und, um die Suche noch komplizierter zu gestalten, einige mit demselben Titel.
Das vorliegende Album kommt aus Frankreich (Dreyfus Music), doch gibt es weitere Alben unter dem Titel «Ain’t Misbehavin’» da dies ja neben «Honeysuckle Rose» die bekannteste Komposition von Fats Waller sein dürfte.
Meine Wahl fiel auf diese mit grosser Kenntnis und auch technischem Know-how zusammengestellte Sammlung. Wer jedoch an Fats Wallers Gesamtwerk interessiert ist, der kommt nicht um die 2007 veröffentlichte Kollektion «The Complete Recorded Works, Compiled and Remastered by Ted Kendall» herum, unterteilt in 6 Boxen, respektive total 22 CDs.
Und da Fats Waller auch in Filmen auftrat, gibt es auf Youtube (und evtl. auch anderswo) Filmausschnitte zu bestaunen, wie diesen hier von der Titelmelodie «Ain’t Misbehavin’». Der Schlagzeuger ist Zutty Singleton.
Thomas Wright Waller
Thomas Waller wurde am 21. Mai 1904 in Harlem (New York) geboren und verstarb, nur 39-jährig, an einer Lungenentzündung, unterwegs im berühmten Santa-Fé-Express (im sogenannten «Super Chief») in der Nähe von Kansas City. Nach einem erfolgreichen Auftritt im Zanzibar Room in Santa Monica (Kalifornien) wollte er die Festtage mit seiner Familie in New York verbringen.
Er war das jüngste von fünf Kindern. Seine Mutter war Kirchenorganistin, sein Vater Baptistenprediger. Schon mit fünf Jahren begann er sich für Musik zu interessieren und spielte auf dem Heimharmonium seiner Mutter. Mit sechs erhielt er seinen ersten Klavierunterricht, spielte jedoch auch auf der Kirchenorgel, meist nach Gehör und selten klassische Musik, was seinem Vater missfiel.
Dank seiner grossen Hände und fleissigen Fingerübungen löste Waller seine beiden Vorbilder James P. Johnson und Willie «The Lion» Smith bald als einflussreichste Stride-Pianisten ab. Er war auch einer der ersten, der die Kirchenorgel für Jazzimprovisationen «entweihte». Mit 19 komponierte er seinen ersten Hit «Squeeze Me», den er auch auf einer Piano-Roll aufzeichnete, respektive einstanzen liess.
Als 23-Jähriger tat er sich mit Andy Razaf zusammen, der Wallers Kompositionen mit passenden Texten ergänzte. Doch erst 1934 hatte er seine eigene Band «Fats Waller and his Rhythms», mit der er regelmässige Erfolge feiern konnte.
Fats war schon zu Lebzeiten ein gefeierter Star und trotz seiner Fülligkeit ein Frauenschwarm. Über sein Leben gibt es unzählige Anekdoten. Doch am interessantesten finde ich die vierteilige (amerikanische) Doku-Serie, durch die sein Sohn Maurice (1927–1989) führt.
Hier der Link zu Teil 1 dieser Serie auf Youtube:
Das Album
Diese Kompilation gibt einen recht guten Überblick über das Schaffen des Entertainers, Musikers, Pianisten, Sängers und Komponisten Fats Waller. Zu kurz kommen bei diesem 20 Stücke umfassenden Album sein Orgelspiel und seine Soloklavier-Einspielungen, die allesamt sensationell sind. Wallers Soli auf den vorliegenden Stücken vermitteln jedoch einen (wenn auch geringen) Eindruck seines Könnens als Pianist. Wer sich besonders für seine atemberaubenden Pianoeskapaden interessiert, dem sei die Doppel-CD «Turn on the Heat» empfohlen.
Der Grund, dass es so viele verschiedene Labels mit Fats Wallers Musik gibt, ist, dass Waller zu seinen Lebzeiten viel zu large mit seinen Urheberrechten umging. Zum Beispiel verhökerte er ein ganzes Musical für 500 Dollar, das dem Verlag später ein Vermögen einbrachte. Und wenn Copyrights nicht genügend geschützt werden, kommt es eben zu Wildwuchs, bei dem zu viele Firmen das schnelle Geld wittern.
Fazit
«Ain’t Misbehavin'» von Dreyfus Jazz ist nur eine von unzähligen Fats-Waller-Kompilationen, doch finde ich persönlich, dass hier sämtliche Stücke besonders sorgfältig restauriert und digital aufbereitet wurden.
Und wie schon bei Billie Holiday gilt auch hier: Jede Jazzsammlung ohne Fats Waller ist unvollständig.