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Raluca Antonescu: «L'Inondation»
«Le plafond se gonfle d’eau comme s’il prenait une profonde inspiration.» Da dringt Wasser ein, erst durchs Dach, dann durch die Zimmerdecken und dringt vor bis in die Gedanken und Träume der Bewohner. «L'Inondation» ist ein metaphorischer, surreal-fantastischer Roman über den schmalen Grat zwischen Realität und Imagination. Raluca Antonescu studierte bildende Kunst in Genf, macht Dokumentarfilme und unterrichtet visuelle Kunst. «L'Inondation» ist ihr erster Roman.
Dieter Bachmann: «Die Gärten der Medusa»
«Die bauen ein Schiff, ein grosses. Einen Ozeandampfer. Es kommen nur Gärten an Bord.» Drei Satzpartikel, ein Bogen, eine Sinneinheit. In schnellem Stakkato beginnt Dieter Bachmanns neuer Roman «Die Gärten der Medusa», das ist die Geschichte einer Reise, die in einem Rätsel enden wird. Dieter Bachmann war Chefredaktor der Zeitschrift «du». Er leitete das Istituto Svizzero di Roma, arbeitet als Schriftsteller, Publizist und Herausgeber von Sachbüchern.
Martin R. Dean: «Verbeugung vor Spiegeln»
«Über das Eigene und das Fremde» heisst es weiter im Titel von Martin R. Deans neuestem Roman. Es ist ein interkulturelles Plädoyer, ein leises, dezidiertes. Dean beschreibt das Fremde als Möglichkeit zum Perspektivenwechsel, als eine Quelle inneren Reichtums. Als Verführung und Sehnsucht. Martin R. Deans Werk umfasst Romane, Erzählungen, Essays und ein Lehrmittel für den interkulturellen Deutschunterricht.
Ariane von Graffenried: «Grand Tour»
Sie ist «Spoken-Word-Poetin» und hat sich für ihre neue CD zusammen mit dem Musiker Robert Aeberhard auf die Reise begeben in babylonische Hauptstädte und verlorene Käffer. Sie haben Geräusche gesammelt, montiert, komponiert und von Graffenried hat getextet: ein Libretto zum Sound unserer Zeit. Von Graffenried ist promovierte Theaterwissenschaftlerin und zusammen mit dem Musiker Robert Aeberhard tritt sie als Duo Fitzgerald & Rimini auf.
Lukas Hartmann: «Auf beiden Seiten»
Lukas Hartmanns neuer Roman «Auf beiden Seiten» beginnt mit der Frage, wie gut die Erinnerung funktioniert. «Auf beiden Seiten» ist ein politisch brisantes Buch über die Jahre 1989/1990. Über Jahre, in denen vieles zwei Seiten hatte, mindestens. Ein Buch über Ost und West, über Trennungen und Doppelleben und über einen, der eines plötzlichen Tages mit durchschnittener Kehle daliegt. Lukas Hartmann ist freier Autor und lebt in Bern.
Rolf Hermann: «Die Kartographie des Schnees»
Rolf Hermann ist Lyriker. Er spricht über sein «Vor-Wort», das seinen Gedichtband eröffnet. Über die Flüchtigkeit des Schnees, seine Bildhaftigkeit, über dessen Metaphorik. Hinter allem verberge sich das Leben. Über Spannung: In der Lyrik entstehe etwas durch das, was dasteht und durch das, was man weglässt. Rolf Hermann lebt in Biel, er schreibt sowohl Prosa als auch Lyrik und reist als Spoken-Word-Artist durch die Lande.
Matto Kämpf: «Der Rabenvater»
«Also doch schwanger, dachte ich, als die Wehen einsetzten.» So beginnt 2010 die erste Kolumne von Matto Kämpf in seiner Rolle als «Der Rabenvater». Ein Kind wird geboren – wie soll das jetzt gehen? Matto Kämpf und sein (Über-)leben als frisch gebackener Vater, als Autor, Filmer und Theatermacher in Bern.
Pedro Lenz: «Radio. Morgengeschichten»
«I üsere Jugend si mer chli niidisch gsi uf eine, wo Flückiger het gheisse.» So beginnt Pedro Lenz' «Radio». Eine Geschichte, die weit zurück geht, eine kleine Geschichte ganz normaler Menschen, nichts Grosses, nichts Weltbewegendes. Scheinbar. Für Lenz ist der erste Satz manchmal der letzte, solange feilt er dran. Pedro Lenz arbeitet als freier Schriftsteller, er ist Mitglied von «Bern ist überall» und des Duos «Hohe Stirnen» mit Patrik Neuhaus.
Pierre Lepori: «Come cani»
Der Tessiner Schriftsteller Pierre Lepori beginnt seinen Roman «Come cani» mit einer Beschreibung, einer sehr langen Beschreibung und sagt, das sei für alle italienisch schreibenden Schriftsteller fast schon Pflicht, zumindest Tradition. Seit mehr als 200 Jahren sei das so. Das stecke in ihnen. Der Erzähler beginnt mit einem Mann, der auf einem Dach steht, arbeitet, es beginnt zu regnen. Ganz ungefährlich scheint es nicht zu sein... Lepori lebt in Lausanne, arbeitet als Journalist, er schreibt Lyrik und Prosa.
Jérôme Meizoz: «Haut Val des loups»
«In professioneller Manier brechen sie sich gegenseitig alle Knochen, das Genick und die Hoden bleiben verschont.» So beginnt – frei übersetzt – der Roman «Haut Val des loups». Meizoz erzählt darin aus dem Leben eines jungen Mannes in einer von Gewalt dominierten Welt. Jérôme Meizoz ist Schriftsteller, Essayist und Literaturkritiker. Er lehrt französische Literatur an der Universität Lausanne.
Lorenz Oehler übersetzt Alasdair Campbell
Lorenz Oehler ist Übersetzer. Aktuell hat er «The Nessman» von Alasdair Campbell übersetzt. Die Geschichte beginnt auf einem Dorfplatz, zwei alte Männer sitzen auf ebenso alten Stühlen, ein Junge kommt vorbei, macht einen Bogen um einen Hund, der am Boden liegt. Der Junge wird sein ganzes Leben lang einen Bogen machen. Lorenz Oehler schraubt sich jedes Mal aufs Neue in die Welten derer, die er übersetzt. Oehler übersetzt Literatur aus dem Englischen und macht Live-Übertitelungen für das Theater.
Aude Seigne: «Les Neiges de Damas»
Der Roman von Aude Seigne heisst «Les Neiges de Damas». Sie beginnt mit «L'homme». Eine Doppeldeutigkeit, die im Deutschen nicht funktioniert, denn da steht kein Mann auf dem Dach und schaut in den Himmel sondern gleich die ganze Menschheit. Seigne eröffnet mit einem simplen Satz eine ganze Welt, wandert durch die Epochen der Menschheitsgeschichte. Sie bekam den Prix Nicolas Bouvier für «Chroniques de l’Occident nomade». «Les Neiges de Damas» ist ihr erster Roman.
Regula Wenger: «Leo war mein erster»
Regula Wengers erster Roman heisst: «Leo war mein erster». Er beginnt mit einer ganz einfachen Frage. Ein ganz harmloser Satz. Scheinbar belanglos alltäglich. Dessen Bedeutung verändert sich schlagartig in genau jenem Moment, wenn man weiss, was die Hauptfigur beruflich macht. Wenn man das liest, explodiert dieser Satz. Regula Wenger lebt in Basel, sie arbeitet als Kolumnistin und veröffentlichte bislang Erzählungen.
Bettina Wohlfender: «Das Observatorium»
«Es ist Februar.» So beginnt der erste Roman «Das Observatorium» von Bettina Wohlfender. Ihr erster veröffentlichter erster Satz. Ein Satz grösster Einfachheit und die ist genau so gewollt. Einfach nur: «Es ist Februar.» Bilder im Kopf von «Februar». Und im nächsten Satz ist dann alles anders. Bettina Wohlfender wurde 1982 geboren, heute lebt sie in La Chaux-de-Fonds. Sie studierte literarisches Schreiben und bildende Kunst.
Die Handschriften der Autorinnen und Autoren haben wir hier an Sie, liebe LiteraturliebhaberInnen, verschenkt. Alle Schriften sind vergeben, der Ansturm war so gross, dass wir die Aktion wiederholen werden – wahrscheinlich bereits in diesem Herbst. Wir wünschen all denen dann mehr Glück, die diesmal leer ausgingen und wünschen allen anderen viel Freude an den Originalen.