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Was sind Quatember?Der Begriff ‚Quatember‘ kommt von ‚ieiunia quattuor temporum‘ und bedeutet ‚das Fasten zu den vier Jahreszeiten‘. Die Quatember sind jährlich viermal drei Tage (nämlich der Quatembermittwoch, der Quatemberfreitag und der Quatembersamstag), die jeweils die vier Jahreszeiten einweihen: Die Winterquatember werden nach dem 3. Adventssonntag, die Frühlingsquatember nach dem 1. Fastensonntag, die Sommerquatember in der Pfingstwoche und die Herbstquatember nach dem 3. Sonntag im September gefeiert.
Ein alter Merkspruch lautet: „Nach Asche, Pfingsten, Kreuz (Kreuz-erhöhung, 14. September), Luzei (Fest der hl. Luzia, 13. Dezember) gedenke, dass Quatember sei.“
Die Einführung der Quatember geht auf den hl. Papst Calixtus I. († 222) zurück, der dadurch die apostolische Überlieferung des Fastens am Mittwoch, Freitag und Samstag bewahren wollte.
Ursprünglich gab es nur drei Quatember, die nach den drei großen Ernten von Weizen, Wein und Öl als Erntedankfest gefeiert wurden. Die Frühlingsquatember sind unter dem hl. Papst Leo dem Großen († 461) im 5. Jahrhundert hinzugekommen.
Die liturgischen Wurzeln der Quatemberfeier reichen bis ins Alte Testament zurück und sind stark von uralten jüdischen Festen und Bräuchen geprägt. Insbesondere die Herbstquatember haben bis heute recht deutlich den Charakter einer Erntedankfeier bewahrt.
Einst brachten die Gläubigen an den Quatembertagen ihren Zehnten als Opfer für die Kirche und für die Armen dar. Einen bleibenden Sinn haben die Quatember, wenn sie auch für uns Tage der Zehntabgabe an Gott durch Fasten und Almosen und Tage der Läuterung und geistlichen Erneuerung sind (oder wieder werden).
Seit dem hl. Papst Gelasius I. († 496) wurde es üblich, die Feier der Quatember mit der Spendung der heiligen Weihen zu verbinden. Am Quatembermittwoch fand der Stationsgottesdienst stets in Groß St. Marien (Santa Maria Maggiore) statt, um die Kandidaten zum Empfang der heiligen Weihen dem Schutz der Gottesmutter anzuempfehlen. Sie ist ja selbst der Tempel, in welchem Jesus Christus Priester wurde. Zu Beginn der hl. Messe wurden die Weihekandidaten vorgestellt und die Gläubigen aufgefordert, womöglich Einspruch gegen deren Weihe zu erheben (vgl. Liber Sacramentorum VII, 23).
Der gleiche Ritus wiederholte sich am Quatemberfreitag im Apostoleion, der Kirche der hll. Zwölf Apostel, in welcher die Gebeine der hll. Apostel Philippus und Jakobus ruhen. Hier sollten die Weihekandidaten denen anempfohlen werden, deren Stelle sie auf Erden zu vertreten hätten.
Ihren Abschluss fand die Quatemberwoche mit einer Vigil am Grab des hl. Apostels Petrus, die an die Nacht erinnern sollte, die Jesus vor der Wahl seiner Apostel betend auf dem Berg verbracht hat. Ursprünglich gab es zwölf oder vierundzwanzig Lesungen, die griechisch und lateinisch vorgetragen wurden. Im 7. Jahrhundert wurden sie auf sieben beschränkt. Dazwischen wurden Responsorien und Orationen gesungen und die einzelnen Stufen der heiligen Weihen gespendet. Noch heute legt es sich nahe, gerade an diesen Tagen besonders für die Priester und um geistliche Berufungen zu beten.
Weil die hl. Messe der Quatembersamstagsvigil in Rom schon für den Sonntag zählte, gab es bis ins 7. Jahrhundert kein eigenes Messformular für die je folgenden Sonntage.
WinterquatemberDie Winterquatember wurden ursprünglich zum Dank für den glücklichen Abschluss der ganzen Ernte, insbesondere der Ölernte, gefeiert. Später wurden jedoch die liturgischen Texte hauptsächlich von adventlichen Gedanken geprägt.
„Wir feiern das Fasten des zehnten Monats (von decem = zehn; Dezember). In ihm bringen wir für die vollendete Ernte aller Früchte Gott, dem Spender aller Gaben, in würdiger Weise das Opfer der Enthaltsamkeit dar. Denn was kann wirksamer sein als das Fasten, wodurch wir uns Gott nähern, dem Teufel widerstehen und die lockenden Laster überwinden? Denn stets war das Fasten die Nahrung der Tugend. Aus der Enthaltsamkeit gehen hervor züchtige Gedanken, vernünftige Willensentschlüsse, heilsame Ratschläge. Durch freiwillige Abtötung stirbt man den Begierden des Fleisches ab. Der Geist wird zur Tugendübung erneuert. Weil wir aber nicht durch Fasten allein unser Seelenheil erwerben, wollen wir unser Fasten durch Barmherzigkeit gegen die Armen ergänzen. Geben wir der Tugend, was wir dem Vergnügen entziehen. Die Enthaltung des Fastenden werde zur Erquickung für die Armen. Mühen wir uns um den Schutz der Witwen, den Nutzen der Waisen, trösten wir die Trauernden, versöhnen wir die Streitenden, nehmen wir auf den Fremdling, helfen wir dem Bedrückten, kleiden wir den Nackten, pflegen wir den Kranken. So wird ein jeder von uns, der Gott von seiner rechtschaffenen Arbeit dargebracht hat, würdig werden, von ihm den Lohn des himmlischen Reiches zu empfangen. Am Mittwoch und Freitag also wollen wir fasten, am Samstag aber beim heiligen Apostel Petrus Nachtgottesdienst feiern, damit wir auf seine fürbittenden Verdienste hin Erhörung unserer Bitten erlangen mögen.“ (Quatemberpredigt des hl. Papstes Leo I., † 461)
FrühlingsquatemberDie Fastenquatember sind die jüngsten unter den vier Quatemberzeiten. Sie sind ganz von der Fastenliturgie her bestimmt.
SommerquatemberDie Sommerquatember stehen ursprünglich im Zusammenhang mit der Weizenernte.
HerbstquatemberZum Verständnis der Lesungen, die wiederholt vom „siebten Monat“ sprechen, muss man wissen, dass der Name ‚September‘ von lateinisch septem kommt, was nichts anderes als „der siebte Monat“ bedeutet, denn einst wurden die Monate ab dem März gezählt.
Die Bedeutung dieser Quatemberfeier reicht zurück bis ins Alte Testament. Sie knüpft an das jüdische Laubhüttenfest an. Mit diesem Fest gedachte das Volk Israel des Auszugs aus Ägypten.
Ursprünglich waren die Herbstquatember ein Fest zur Weinlese, weshalb es in den liturgischen Texten mehrere Anspielungen auf den Wein gibt.
„Darum ist die Beobachtung der Fasten den vier Jahreszeiten zugeteilt, damit wir aus ihrer steten Wiederkehr im Verlauf des Jahres erkennen, wie uns unablässig Reinigung nottut und wie wir während der ganzen Dauer dieses wechselvollen Lebens bestrebt sein müssen, dass die Sünde, die durch die Schwäche des Fleisches und die Befleckung der Begier begangen wird, durch Fasten und Almosen getilgt werde. Hungern wir darum ein wenig, Geliebteste, und entziehen wir für kurze Zeit unserem gewöhnlichen Bedürfnis etwas, was der Unterstützung der Armen dienen soll. Es erfreue sich das Herz der Wohltätigen an den Früchten ihrer Freigebigkeit; und wenn du Freuden spendest, wirst du empfangen, was dich selber froh macht. Die Nächstenliebe ist Liebe zu Gott, der die Fülle des Gesetzes und der Propheten in die Einheit dieser Doppelliebe gesetzt hat, damit niemand darüber im Zweifel sei, dass er Gott darbringe, was er Menschen gespendet. Sagt doch unser Herr und Heiland, wo er von der Speisung und Unterstützung der Armen sprach: Was ihr einem von diesen getan, das habt ihr mir getan.“ (Quatemberpredigt des hl. Papstes Leo I., † 461)