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«Zwischen Pilatusfuss und Sonnenberg gelegen, kannte Kriens zwischen 1850 und 1970 eine Verstädterung die wesentlich auf der industriellen Entwicklung beruhte. Mit dem Namen der «Maschinenfabrik Theodor Bell Kriens», heute «Sulzer Hydro», erlangte das einstige Dörfchen internationale Geltung. Turbinen, Kessel, Brücken, Kran- und Seilbahnen trugen in vielen Ländern den Schriftzug «Bell Kriens».
Der Maschinenindustrie vorangegangen war die Blüte des Gewerbes und der Textilindustrie. Der Krienbach bot diesen Betrieben die notwendige Antriebsenergie. Nicht zufällig liegen fast alle alten Gewerbe- und Industriebetriebe an diesem Bach: das «Stampfeli» als Ursprung der Bell’schen Unternehmungen, weiter unten dann vier ehemalige Schmiedebetriebe und mehrere auf die Holzverarbeitung ausgerichtete Betriebe, worunter die «Lachappelle» die bekannteste war. eine Teigwarenfabrik mit dazugehörender Fabrikantenvilla prägt den alten Ortskern ebenso wie die verbliebenen grossen Fabrikbauten der ehemaligen Seidenspinnerei «Schappe», eine Gründung von Theodor Bells Vater August.
1894 wurde das Gebiet Neu-Hobacher aus dem Besitz der Familie Degen von der Teigwarenfabrik an die Firma Société Anonyme de Filature de Schappe, kurz SAF, verkauft mit der Auflage, es zu Wohnbauzwecken zu nutzen. Die SAF beauftragte den bekannten Luzerner Architekten Emil Vogt (1863-1936), auf diesem Gelände oberhalb der Maschinenfabrik Bell zwei Häuserzeilen mit je fünf Zweifamilienhäusern zu entwerfen. Die sogenannten Vorarbeiter- oder Meisterhäuser wurden entsprechend dem Ideal des Eigenheims im Grünen für die wertvollen Fachkräfte – die Vorarbeiter und Meister – erstellt, um deren Bindung an die Firma zu verstärken. Die Gartenstadtidee, die in kleinem Massstab auch ihren Niederschlag in der Meisterhaussiedlung findet entstand in England als Reaktion auf die Industrialisierung, die das Land in grossem Ausmass erfasst hatte.
Die erste Siedlungsetappe erhielt schon bald eine Erweiterung. Zwei 1897 westlich der Meisterhäuser erstellte Achtfamilienhäuser sind inzwischen abgebrochen worden. Eine dritte Häuserzeile mit fünf Zweifamilienhäusern aus dem Jahr 1900 vergrösserte die Siedlung in Richtung Sonnenberg und 1926 erfolgte der Bau eines Doppelwohnhauses am Erlenweg 2/4. In den 1940er Jahren wurden oberhalb der Meisterhäuser ein Waschhaus und zwei Fünffamilienhäuser und in der westlichen Verlängerund der Meisterhäuser zwei Neunfamilienhäuser mit T-förmigem Grundriss erstellt. Im Zuge der Nordseitigen Expansion der Maschinenfabrik Bell erfolgte der Abbruch von vier Meisterhäusern der untersten Zeile.»
Aus: Industriekultur in Kriens, Dr. Hans-Peter Bärtschi, Brunner AG Verlag, 1999
Die Schappe Immobilien AG führt ihre Tradition weiter und möchte am Erlenweg neuen Wohnraum schaffen. Vorgesehen sind Mietwohnungen im niedrigen Preissegment.
Die drei geplanten Häuser bilden einen Ersatz für zwei Mehrfamilienhäuser und einem Waschhaus aus den Jahren 1946 und 1944. Die Bebauung befindet sich in der Ortsbildschutzzone. Der Schutzstatus resultiert aus der industriegeschichtlichen Wichtigkeit des Quartiers.
Im Dialog mit der Denkmalpflege kam man zum Schluss, das Doppeleinfamilienhaus am Erlenweg 2+4 zu erhalten. Damit bleibt die bauhistorische Entwicklung entlang der Waldheimstrasse auch für kommende Generationen lesbar.
Das Quartier soll in seiner heutigen Atmosphäre erhalten bleiben.