Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03554.jsonl.gz/59

Das alte, schwarze Auto, dass ich so gut kannte, hielt vor dem Kindergarten an. In dem Moment, als Dad ausstieg, rannte ich in seine Arme. Wie immer machte er sich nichts aus Verkleidungen in der Öffentlichkeit. Seine zerzausten, blauen Haare hätte man sowieso nicht verstecken können. Er drückte mich fest an sich: «Na, Champ? Alles klar? Wie war dein Tag?» Ich löste mich aus seiner Umarmung: «Geht so…» Er erschrak, als er mein blaues Auge sah: «Wer war das?»
«Du darfst dich von diesem Mason nicht rumschubsen lassen. Sonst hört er nie auf», riet mir Dad. Wir machten mal wider einen Nachmittagsspaziergang durch den Carl Schurz Park, den ich von Dads Schultern aus überblickte wie ein Pirat in seinem Krähennest. Bis jetzt hatte ihn noch niemand angesprochen, was ich gut fand. Ich hatte ihn gerne ganz für mich allein. Auch wenn es echt cool war, dass er der grösste Held der ganzen Welt war. Ich antwortete ihm nicht.
Er hielt an und setzte mich ab. Er bückte sich zu mir runter und griff meine Schultern. Seine braunen Augen sahen mich besorgt an: «Nate, ich weiss es ist nicht einfach, sich jemanden zu behaupten, der stärker ist als man selbst. Aber wenn du ihn nicht mit purer Kraft besiegen kannst, dann musst du eben deinen stärksten Muskel verwenden!» Er tippte sich an die Stirn. «Und vergiss nicht: Lach dem Bösen immer ins Gesicht. Denn die, die in dieser Welt am meisten lachen, sind immer die stärksten. Ok?» Ich nickte.
Ich rannte. Schweiss lief mir vom Gesicht, aber ich ignorierte ihn. Nur noch hundert Meter. Meine Armbanduhr piepste, mein Signal für die Liegestütze. Ich warf mich auf den Boden und legte zehn Liegestütze hin. Meine Arme fühlten sich an, als wären nur noch Knochen vorhanden, aber ich machte weiter. Ich stellte mich auf und rannte mit aller Kraft los. 50 Meter… 30 Meter… 10… fertig!
Ich warf mich auf den Boden. Das Gras im Carl Schurz Park war zum Glück schön weich. Gerade ging die Sonne über dem East River auf und tauchte den ganzen Fluss in ein rötliches Licht. Heute war es so weit. Die grosse Prüfung stand an. Die Prüfung an der New York Hero Academy. Auch bekannt als, die Prüfung, die über den Rest meines Lebens entscheiden würde. Ich machte mir keine Sorgen um den schriftlichen Teil. Die fragen bestanden grössten Teils aus ‘Was tust du in dieser Situation und was in jener’. Im Grunde nicht anders als wenn man den Führerschein macht. Andererseits steht hier deutlich mehr auf dem Spiel als Moms alter Audi.
Jedenfalls zerbrach ich mir am meisten wegen der praktischen Prüfung den Kopf. Die Vergangenheit hatte gezeigt, dass es alles sein konnte, von einem Hindernis Parkour bis hin zum Bekämpfen eines falschen Bösewichts. Und ich hatte immer noch nicht gelernt, wie ich meinen Quirk kontrolliere. Mir hatte der Mut gefehlt, es auszuprobieren. Aber ich hatte den Merksatz der mysteriösen Frau mit den goldenen Augen tief in mir verankert: ‘Verteil deine Kraft auf ein spezifisches Körperteil, wie den Arm.’ Ungefähr so hatte sie es gesagt. Naja, heute wurde diese Strategie auf die Probe gestellt. Nur noch kurz nach Hause und duschen.