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Pilonidalsinus: Wenn Haare unter die Haut gehen
Der Pilonidalsinus ist eine Erkrankung, die typischerweise starke Schmerzen in der Gesässspalte mit geröteter, geschwollener und nässender Haut verursacht. Vor allem Männer, die beruflich viel sitzen müssen, leiden unter den Symptomen.
Ein LKW-Fahrer, ein junger Mann, stellt sich mit Schmerzen und einer Schwellung oberhalb der Rima ani vor. Der Patient gibt an, dass die Beschwerden bereits seit mehreren Monaten bestehen. Bei der Untersuchung zeigt sich eine Entzündung und ein austretender Punkt, was auf einen Pilonidalsinus hinweist.
Die Ursache für eine solche Steissbeinfistel sind lose Haare, die in die Haut eindringen und dort ein Fremdkörpergranulom bilden. Dies wird von britischen Autoren in einer Übersichtsarbeit beschrieben. Die Reibung zwischen den Gesässbacken begünstigt diesen Prozess. Sie erklären, dass «Pilonidal» aus dem Lateinischen übersetzt «Haarnest» bedeutet. Es wird diskutiert, ob eine familiäre Veranlagung vorliegt, aber das Auftreten ähnlicher Erkrankungen zwischen den Fingern von Coiffeuren oder Schafscherern spricht eher für Umweltfaktoren als Ursache.
Männer sind viermal häufiger betroffen als Frauen. Das typische Erkrankungsalter liegt zwischen 15 und 30 Jahren. Zu den Risikofaktoren gehören Hirsutismus, dicke Haare, tiefe Analfalten, mangelnde Hygiene, helle Hautfarbe, Übergewicht, überwiegend sitzende Tätigkeiten, eine gewisse familiäre Veranlagung und das Rauchen. Soldaten sind relativ häufig betroffen, weshalb die Krankheit im Zweiten Weltkrieg auch als Jeep-Seat-Krankheit bezeichnet wurde.
Fluktuierende Abszesse müssen drainiert werden
Die Erkrankung kann asymptomatisch bleiben, als akuter Abszess auftreten oder als chronische Fisteln auftreten. Diese Fisteln befinden sich typischerweise in der Mitte der Kreuz-Steissbein-Region, etwa 4-10 cm oberhalb des Anus. Manchmal gibt es mehrere Vertiefungen und Fisteleingänge, die miteinander verbunden sind und Haarreste enthalten. Die Perianalregion ist in der Regel nicht betroffen.
Verursacht ein reizloser Pilonidalsinus keine Beschwerden, geht man konservativ vor. Dazu gehört die Aufklärung des Patienten über Risikofaktoren und Hygienemassnahmen. Fluktuierende Abszesse müssen entleert werden. Die American Society of Colon and Rectal Surgeons empfiehlt, die Wunde anschliessend sekundär heilen zu lassen. In der Akuttherapie sind Antibiotika nicht mehr angezeigt.
Es kommt jedoch auch häufig zu komplexen Verläufen mit chronisch rezidivierenden Abszessen und weitverzweigten Gangsystemen. Patienten mit wiederholten symptomatischen Steissbeinfisteln sollten daher in einem spezialisierten Zentrum behandelt werden, so die Empfehlung der Autoren.
Rückfälle nach Chirurgie häufig
Bei der operativen Therapie des Pilonidalsinus haben sich verschiedene Techniken etabliert, bei denen die Wundhöhle entweder sekundär heilt oder eine Lappenplastik den Defekt verschliesst. Alle Methoden bergen das Risiko von Wunddehiszenzen (bis zu 42 %). Im Gegensatz dazu wird bei minimalinvasiven Eingriffen Fibrinkleber oder Phenol in das Gangsystem eingebracht, um es zu verschliessen. Viele Patienten haben im Anschluss mit Rückfällen zu kämpfen.
Bisher gibt es kein Verfahren, das als überlegen gilt. Eine Laserepilation scheint vielversprechend zu sein, aber es gibt noch nicht genügend Evidenz für Empfehlungen. Der postoperative Verlauf kann für die Patienten sehr schmerzhaft und belastend sein, daher sollte ein nichtoperatives Vorgehen als Alternative diskutiert werden.