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2-jährige Lehren aufwerten
17.04.13
Text: Der Bund wird aufgefordert, Mittel und Wege aufzuzeigen, wie die Attraktivität der 2-jährigen Lehren (EBA) erhöht werden kann. Denkbar wären zum Beispiel (a) eine Kommunikation, welche die 2-jährigen Lehren gegenüber den 3- oder 4-jährigen nicht stigmatisiert, (b) die vermehrte Nutzung des rechtlichen Spielraums zur Individualisierung der Ausbildungswege und (c) die Wiederbelebung der sogenannten «Vorlehre».
Begründung: An der Lehrstellenkonferenz 2005 setzten sich Bund und Kantone zum Ziel, dass bis ins Jahr 2015 95% aller Jugendlichen im Besitz eines Abschlusses auf Sekundarstufe II sind. Heute sind es knapp über 90%. Die Einführung der 2-jährigen Lehre mit Berufsattest (EBA) sollte dazu beitragen, schulisch schwachen Jugendlichen den Einstieg in die Berufswelt zu erleichtern. Die Zwischenbilanz fällt aus Sicht der Wirtschaft durchzogen aus: Nicht alle Branchen haben eine solche Lehre eingeführt, und dort, wo es sie gibt, hat es teilweise zu wenig Lehrstellen. Das Problem: Nicht wenige Lehrbetriebe scheuen den zusätzlichen Betreuungsaufwand für vermeintlich schwierigere EBA-Lernende, ausserdem scheinen die schulischen Anforderungen für etliche Schulabgänger immer noch zu hoch zu sein. Handlungsbedarf besteht unseres Erachtens vor allem auf folgenden drei Ebenen:
(a) Kommunikation: Art. 1 des BBG spricht von 2-, 3- und 4- jährigen beruflichen Grundbildungen. Das sollte man sich in der Kommunikation von offizieller Seite zu Nutzen machen und fortan ganz einfach von «2-jähriger Lehre» sprechen und nicht von «Attest- oder EBA-Ausbildung». Diese Bezeichnungen suggerieren nämlich, dass es sich um eine Lehre zweiter Klasse.
(b) Individuelle Verlängerung: Art. 18 BBG sagt, dass man die Lehren angemessen verlängern oder verkürzen kann. Diesen Spielraum sollten Lehrbetriebe und Bewilligungsbehörden vermehrt nutzen, damit die 2-jährige Lehre auch von Lernenden, die mehr Zeit für die Verarbeitung des Schulstoffs brauchen, erfolgreich absolviert werden kann.
(c) Wiederbelebung der Vorlehre: Praktisch begabte, aber schulisch sehr schwache Jugendliche erfüllen auch die Anforderungen einer 2-jährigen Lehre nicht. Art. 7 BBG bietet die Möglichkeit für eine 1-jährigen «Vorlehre». Sie erleichtert den späteren Einstieg in eine reguläre Lehre im selben Betrieb und ist deshalb einem klassischen Brückenangebot vorzuziehen.
Urheber: Peter Schilliger, Nationalrat