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Möglichkeiten und Grenzen der Technisierung der Arbeitswelt
März /April1998
Inhaltsverzeichnis
"In einer höheren Phase der kommunistischen Gesellschaft, nachdem die knechtende Unterordnung der Individuen unter die Teilung der Arbeit verschwunden ist; nachdem die Arbeit nicht nur Mittel zum Leben, sondern selbst das erste Lebensbedürfnis geworden; nachdem mit der allseitigen Entwicklung der Individuen auch die Produktionskräfte gewachsen sind und alle Springquellen des genossenschaftlichen Reichtums voller fliessen - erst dann kann der enge bürgerliche Rechtshorizont ganz überschritten werden und die Gesellschaft auf ihre Fahnen schreiben: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!" (Marx/Engels 1962, S. 21)
Diese Utopie wurde niemals verwirklicht, auch wenn eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür heute als gegeben erscheint: die Technisierung der Arbeitswelt und damit die Entlastung des Menschens von unbefriedigenden Arbeiten, womit mehr Raum zur eigenen Verwirklichung geschaffen werden könnte (vgl. Ropohl 1992, S. 39-41). Tatsächlich aber führt die zunehmende Rationalisierung - welche meist auf technische Neuerungen zurückgeführt werden kann - insbesondere seit 1989 vermehrt im allgemeinen entweder zu einer Verknappung des Arbeitsangebotes im entsprechenden Sektor oder zu einer Senkung des Lohnertrages der Arbeitnehmer bei gleichem Arbeitsniveau - im Mikrobereich erhöht beides den Druck auf den Arbeitnehmer (Anm: Wo aus Gründen der Stilistik auf eine geschlechtsneutrale Formulierung verzichtet wurde, ist das weibliche Geschlecht - sofern nicht anders vermerkt - immer mitgemeint), einerseits weil er einem schärferen Wettbewerb um seine Stelle ausgesetzt ist, oder andererseits durch persönliche Einschränkungen auf Grund der Lohneinbussen, sei es konkret durch Verzicht auf nicht notwendige Ausgaben oder durch eine Vergrösserung des Arbeitseinsatzes zur Kompensierung der Einkommensausfälle (vgl. Ipsen 1982, S. 9f). Im Extremfall schliesslich wird der Arbeitnehmer zu mehr Flexibilität gezwungen, wonach er sich umschulen, einen Ortswechsel tätigen oder sich - häufig unter härteren Bedingungen - selbständig machen muss.
Das in der damaligen sowjetischen Verfassung verankerte "prawo na trud", das Recht auf die erfüllende Arbeit im Sinne von Marx (vgl. Huning 1992, S. 52), hat sich - nirgends auf der Welt - gegenüber der "neobchodjimostj ke robota", dem Zwang zur unbefriedigenden Arbeit durchgesetzt; die durch die Technisierung ausgelösten Strukturänderungen der Wirtschaft haben zwar längerfristig den Wohlstand tendenziell vergrössert, doch eine Befreiung des Arbeitnehmers von der Arbeit als Mittel zum Leben hat dennoch nicht stattgefunden, was besonders in wirtschaftlichen Krisenphasen zu spüren ist.
Welche Art von Arbeitswelt ist nun für die Zukunft zu erwarten? In dieser Arbeit soll die Beantwortung dieser Frage unter dem Aspekt der technischen Entwicklung geschehen. Die Möglichkeiten der fortschreitenden technischen Entwicklung lassen eine Vielzahl von Szenarien plausibel erscheinen; diese Szenarien sollten bereits heute dargestellt und diskutiert werden, wobei hintergründig den Auswirkungen auf die Arbeitnehmerschaft Achtung geschenkt werden soll. Auf diesen Szenarien aufbauend können Schlüsse zum weiteren Vorgehen gezogen werden. Dabei steht nicht die Frage nach der zahlenmässigen Verteilung der zukünftig angebotenen Arbeitsplätze auf die verschiedenen Berufssparten im Vordergrund, sondern vielmehr die Tendenzen, welche zur Arbeitswelt der Zukunft führen. Somit ist eine qualitativ-hermeneutische Untersuchung dieser Frage angebracht, mit der Möglichkeit einer quantitativen Weiterführung der Forschung in weiterführenden Arbeiten.
In der vorliegenden Arbeit werden in einem ersten Schritt Entwicklungen skizziert, welche durch den technischen Fortschritt ermöglicht werden, wobei zunächst lediglich die folgende, durchaus technokratische Prämisse als Leitplanke für die Entwicklungslinien formuliert wird: Durch die von unserem Gesellschaftssystem vorgegebene Profitmaximierung durch die Arbeitgeber schreitet die Technisierung der Arbeitswelt im wesentlichen ungehindert voran (vgl. Preiss 1982, S. 101f). Begründet werden können die zwei Aspekte dieser Prämisse einerseits durch die zahlreichen Entwicklungsprognosen, welche zwar zumeist eine Grenze des technologischen Wachstums vorhersagen, das Erreichen dieses Limits jedoch erst auf einen entfernten Zeithorizont (2200 bis 2500) setzen (vgl. dazu z.B. Cramer 1975, S. 36), und damit weit ausserhalb der Zeitspanne von ungefähr zwanzig, gebietsweise bis maximal fünfzig Jahren liegen, in welcher realistische Szenarien für die Wirtschafts- und Gesellschaftsentwicklung erstellt werden können. Andererseits zeigt die aktuelle Entwicklung eine relativ ungehemmte Rationalisierung in allen Bereichen; die Annahme, dass die Wirtschaft dieses Vorgehen noch über weitere Dekaden fortsetzen könnte, wäre für eine Prognose zweifellos zumindest gewagt, bei der Erstellung eines Szenarios aber durchaus statthaft.
Selbstverständlich stellt ein solches Szenario keineswegs die zu erwartende Zukunft dar - zentral ist vielmehr, die Problematiken eines solchen Szenarios aufzuzeigen, welche tendenziell den zukünftigen Arbeitsmarkt beherrschen könnten. Auf dieses Szenario der weitergehenden Technisierung der Arbeitswelt aufbauend werden dann in einem zweiten Schritt die Grenzen dieser Technisierung behandelt. Dadurch wird nicht nur das zuvor entworfene Szenario eingeschränkt und präzisiert, sondern es sollen auf der Basis dieser Diskussion auch Ansätze für denkbare Steuerungsmöglichkeiten der Technisierung herausgearbeitet werden; damit wird es abschliessend möglich sein, gesellschaftsverträgliche Vorgehensweisen aufzuzeigen.
In diesem Kapitel werden die Möglichkeiten einer fortschreitenden Technisierung der Arbeitswelt skizziert. Der Zweck dieser Übung ist das Aufzeigen der möglichen Folgen, welche eine entsprechende Politik zeigen würde sowie das Herausarbeiten von ersten Ansatzpunkten für eine gesellschaftsverträgliche Technisierungspolitik. Das folgende Szenario ist absichtlich überspitzt, um die Tendenzen, welche durch die technische Entwicklung ermöglicht werden, deutlich hervorzuheben; dennoch bilden reale technische Möglichkeiten die Grundlage für dieses Szenario.
Es ist ein Zeichen der modernen Gesellschaft, dass sich diese in einem höheren Masse Gedanken über ihre Zukunft macht; entsprechend gross ist die Anzahl von Werken, welche sich mit dieser Thematik auseinandersetzen. Vereinfachend können diese in zwei Gruppen aufgeteilt werden: in eine manchmal geradezu euphorisch zukunftsgläubige Gruppe von Werken, welche vorwiegend aus der Zeitspanne von der frühen Nachkriegszeit bis ungefähr den siebziger Jahren stammt, und in Literatur der näheren Vergangenheit und insbesondere der neunziger Jahren, welche meist kritischer eingestellt ist, wie oft bereits der Buchtitel deutlich zum Ausdruck bringt ("Das Ende der Zukunft", Gimpel 1995 oder "Das Ende der Illusion", Ullmann 1994). Obwohl ein Vergleich dieser zwei Gruppen sich als interessant erweisen könnte, soll im folgenden lediglich ein aktuell gehaltenes Bild der vorhersehbaren Entwicklungsmöglichkeiten dargestellt werden. Die Kapitel zum primären und sekundären Sektor werden relativ kurz gehalten, da in diesen Bereichen die möglichen technischen Entwicklungsmöglichkeiten bereits heute gut einsehbar sind. Der Bereich des tertiären Sektors soll ausführlicher behandelt werden, da dieser für den schweizerischen Beschäftigungsmarkt die mit Abstand grösste Bedeutung hat.
Zum primären Sektor in der Schweiz: Der moderne Bauernhof ist relativ stark automatisiert, der menschliche Arbeitseinsatz beschränkt sich häufig auf die Kontrolle und Steuerung der automatisierten Prozesse; als Beispiele seien das Melken der Kühe oder das Ernten von Weizen angeführt. Das Beispiel der "Tierfabriken" sowie die grossen Landwirtschaftsbetriebe z.B. der USA zeigen weiter die Möglichkeiten der Massenproduktion von Lebensmitteln (vgl. dazu Walter 1961, S. 28f). Auch wenn in solchen Betrieben das Rationalisierungspotential bereits zu einem grossen Teil ausgeschöpft ist, könnte für die Zukunft durch die Verfeinerung der Produktionstechniken die Möglichkeit einer leichten Verminderung des Arbeitsangebotes vorallem im unteren Qualifikationsbereich erwartet werden.
Einen Einblick in die heutige Lage des Angebotes höher qualifizierter Arbeit im primären Sektor bietet das Vorlesungsverzeichnis der Eidgenössischen Technischen Hochschule;
die ETH bietet Lehrgänge zu den Agrar- und Lebensmittelwissenschaften (Abteilung VII) und den Forstwissenschaften (Abteilung VI) sowie weiteren verwandten Gebieten an; wie in vielen anderen Bereichen zeigt sich somit auch im primären Sektor eine Erhöhung des Niveaus bei der Ausübung der entsprechenden Berufe. Dieses hochstehende Ausbildungsangebot und die intensive wissenschaftliche Auseinandersetzung auf diesem Gebiet sind mit ein Grund für das heutige, - auch bezüglich der Technisierung - hohe Niveau im primären Sektor, gepaart mit der relativen Bedeutungslosigkeit im Beschäftigungsmarkt.
Weitere Verluste des Arbeitsangebotes könnten durch die weitergehende Forschung im Agrarbereich, vorallem im biochemischen, gentechnologischen Bereich erzielt werden: Durch eine weitere Ertragssteigerung könnte die Nachfrage nach Agrarprodukten in noch höherem Masse durch die grossen, wenig personalintensiven Landwirtschaftsbetrieben befriedigt werden.
Für weitere, detailliertere Rationalisierungsmöglichkeiten soll auf das Kapitel "Agrarwirtschaft" im Werk von Ullmann (1994, S. 113-166) verwiesen werden.
Für den sekundären Sektor ist einerseits die sehr weitgehende Automatisierung, andererseits der nicht zu unterschätzende Unterhalt von Bedeutung. Die Automatisierung könnte eine zusätzliche Steigerung erhalten, indem die zunehmend verfeinerte Robotik und die künstliche Intelligenz (KI) konsequent angewendet würde - wobei unter künstlicher Intelligenz nicht die Nachbildung der menschlichen Kreativität verstanden werden darf, sondern vielmehr die Fähigkeit zur selbständigen logischen Entscheidfindung, gegebenfalls unterstützt durch eine audiovisuelle Eingabemöglichkeit (siehe dazu Kapitel II.6 sowie vgl. Massberg 1982, S. 28f). Mit einer kombinierten Anwendung von Robotik und KI könnte innerhalb eines Produktionsprozesses gegenüber heute ein grösserer Teil der anfallenden Arbeiten maschinell erledigt werden, Kontrolle, Reparatur und Wartung eingeschlossen. Der Anteil der von Menschen durchgeführten Arbeiten könnte sich im Extremfall auf die reine Kontrolle des Prozesses, das Eingreifen bei nicht vorhergesehenen Störungen sowie bei Arbeiten, zu welchen die Robotik noch nicht imstande ist, beschränken - letzteres sind zumeist Unterhaltsarbeiten, welche eine grosse Flexibilität verlangen, wie z.B. das Entfernen von sporadisch anfallenden Ablagerungen/Verschmutzungen, welche nur unter grösserem Aufwand entfernt werden können. Ein anschauliches Beispiel für die Möglichkeiten der Automatisierung bietet die Raumfahrt; im Weltraum muss gezwungenermassen weitestgehend auf menschliche Arbeitskräfte verzichtet werden.
Für den Menschen beschäftigungspolitisch von Bedeutung würden also in erster Linie die Entwicklung des Produktionsprozesses sowie analytische Aufgaben bleiben, welche ein grösseres Mass an Kreativität verlangen. Qualifikationsmässig niedrigere Arbeiten sind zwar kurz- und mittelfristig für den reibungslosen Betrieb von grosser Bedeutung, könnten aber relativ einfach durch Maschinen ersetzt werden, sofern sich die Arbeit auf einen spezifischen Einsatzzweck beschränkt. Arbeiten niedriger Qualifikation, welche eine hohe Flexibilität verlangen, werden erst längerfristig, aber kaum vollständig ersetzbar sein.
Die westliche Gesellschaft hat einen enormen Strukturwandel von der Agrar- zur Industrie- und letztlich zur Dienstleistungsgesellschaft durchgemacht; insbesondere in der Schweiz ist der Dienstleistungssektor von eminenter Bedeutung. Deshalb sind die denkbaren Rationalisierungsmöglichkeiten von grosser Bedeutung für das zukünftige Beschäftigungsangebot. Hierbei ist eine Unterteilung in niedrig- und in höherqualifizierte Arbeiten einerseits, und in unflexible- bzw. unkreative- und flexible-/kreative Arbeiten andererseits unerlässlich (vgl. Jochimsen 1982, S. 13f).
Zu dieser Kategorie ist beispielsweise das Schalterpersonal zuzählbar. Diese häufig routinemässig ausführbaren Arbeiten werden bereits heute von den Arbeitgeber stark rationalisiert und wenn möglich maschinell ausgeführt. Als Beispiel sind die auf der Strichcode-Erkennung basierende Kassen und die automatische Kleingeldausgabe zu nennen, welche den Aufwand an einer von Menschen bedienten Kasse auf ein Minimum beschränkt. Weiter sind Kassen möglich, bei denen der Kunde die eingekauften Waren selber registriert; hier sind zusätzlich Diebstahlsicherungen, welche zeitgleich mit der Registrierung deaktiviert werden, ebenso denkbar wie die mittels eines Automaten durchgeführte Bezahlung. Weitere heute automatisierte, ehemalige Schalterarbeiten wie die Geldausgabe bei Banken werden von den Arbeitgebern häufig aktiv gefördert, indem beispielsweise bei Schalterauszahlungen eine Gebühr gefordert, oder beim elektronischen Zahlungsverkehr gar ein Bonus gutgeschrieben wird, in Form eines Geldbetrages (z.B. Zürcher Kantonalbank) oder in Form von Sammelpunkten (z.B. Schweizerischer Bankverein). Ähnliche unflexible niedrig-qualifizierte Arbeiten wären in analoger Form automatisierbar.
Als weiteres Beispiel kann die Fahrtenbezahlung in öffentlichen Verkehrsmitteln genannt werden (vgl. Meier 1997): Hierbei kann die Bezahlung mittels Kreditkarte geschehen, von welcher beim Passieren von unsichtbaren Schranken der entsprechende Betrag mittels eines Senders abgezogen wird - ohne dass die Kreditkarte zur Hand genommen werden müsste. Damit entfällt das vorgängige Erstehen des Billettes, und damit auch ein grosser Teil der anfallenden Schalterarbeiten. Diese Systeme existieren bereits z.B. bei der Pariser Metro oder in Skigebieten; die mittelfristig flächendeckende Einführung eines solchen Systemes wurde von den schweizerischen Verkehrsbetrieben angekündigt und soll vorerst an der Expo 2001 eingesetzt werden. Weitere Einsatzgebiete sind die Abrechnung der Leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA) oder das Road-Pricing im allgemeinen, aber auch in erweiterter Form die (z.B. polizeiliche) Kontrolle der Identität, der Zutrittsberechtigung etc.
Im Bereich der Büroarbeiten schätzte Bernau 1985 den Anteil an Routinearbeiten auf 25 Prozent, wobei der Automatisierungsgrad unter dieser Zahl zu liegen käme (Bernau 1985, S. 12), Jochimsen schätzte den Automatisierungsgrad auf 25 bis 30 Prozent (Jochimsen 1982, S. 14). Allerdings ist in der Zwischenzeit dieses Potential zu einem grösseren Teil bereits ausgeschöpft worden. Dennoch könnte auch in diesem Bereich mit einem weiteren Verlust von unflexiblen Arbeiten gerechnet werden.
Das Rationalisierungspotential ist im Bereich der unflexiblen niedrig-qualifizierten Arbeiten verhältnismässig hoch. Theoretisch wäre ein weitgehender Ersatz durch alternative, maschinelle Interaktionsformen denkbar, wobei Grenzen nur in sozialer Form gesetzt sind (siehe Kapitel III), nicht aber in technischer Form; die Technik ist bereits heute so weit entwickelt, dass viele unflexible niedrig-qualifizierte Arbeiten ohne grössere Schwierigkeiten maschinell durchgeführt werden könnten.
Dieser Kategorie umfasst sämtliche Dienstleistungsarbeiten, welche ein gewisse Flexibilität verlangen. Ein aktuelles Beispiel ist das Auskunftspersonal: Dieses hat die Aufgabe, auf eine Frage des Kunden eine Antwort zu geben - zwar eine komplexere, aber grundsätzlich automatisierbare Aufgabe; durch die Fortschritte bei der Spracherkennung sind heute die Voraussetzungen dafür gegeben. Der sprechende Fahrplan der SBB ist ein erstes Beispiel für die konkrete Umsetzung, doch müssen hier noch einige Mängel behoben werden. Für die nähere Zukunft wären computergesteuerte Auskunftsdienste in allen Bereichen denkbar, z.B. bei der Telefonauskunft, bei Versandhäusern, im öffentlichen Dienst, bei Banken, im Versicherungswesen etc. (vgl. Bernau 1985, S. 14f).
Das Verkaufspersonal wird in nächster Zukunft nicht gänzlich ersetzbar sein, da aus psychologischen Gründen der direkte - menschliche - Kontakt von einem Teil der Kundschaft weiterhin gewünscht bleiben wird. Jedoch wäre eine von den Arbeitgebern verfolgte Verlagerung auf die indirekten Kommunikationsmöglichkeiten (via Telefon, Fernseher, Internet etc.) möglich. (Als diese Arbeit im Entstehen war, erschien ein Zeitungsartikel, welcher über die elektronische Speiseauswahl sowie das Checkout via Fernseher in der Schweizer Hotellerie berichtete (Beck 1998). In einem weiteren Artikel (Poldervaart 1998) wurde über eine automatische Kundenauskunft via Internet berichtet).
Weiter in die Kategorie der flexiblen niedrig-qualifizierten Arbeiten zu zählen sind Berufe wie z.B. Chauffeure. In Bereich des Schienenverkehrs wäre dieser Beruf theoretisch komplett automatisierbar; bereits seit geraumer Zeit werden solche Systeme bei Metros angewandt und vielerorts geplant (VAL z.B. in Lille oder Météor der Pariser Metro). Während beim Tram- und Busverkehr kaum Forschungsarbeiten durchgeführt werden, sind beim Individualverkehr Systeme in Entwicklung, welche bereits heute den Wagen auf Autobahnen vollautomatisch steuern können (z.B. Mercedes-Benz). Diese Systeme könnten langfristig auch für die Bedürfnisse des öffentlichen Verkehrs adaptiert werden. Beim Flugverkehr sind vollautomatische Lenksysteme in vielen Bereichen bereits die Regel, weitergehende Entwicklungen sind auch hier denkbar.
Bei den Arbeiten im Produktions- und Unterhaltsbereich innerhalb von Dienstleistungsbetrieben gelten die gleichen Aussagen wie im sekundären Sektor. Vorallem bezüglich den Reinigungsdiensten werden im Bereich der Robotik relativ grosse Anstrengungen getätigt, mit zum Teil vielversprechenden Entwicklungen, die bei entsprechender Forcierung der Bemühungen schon bald Marktreife erlangen könnten. Dies würde bezüglich den niedrig-qualifizierten Arbeiten gewisse Auswirkungen auf den Beschäftigungsmarkt im Gastgewerbe und im Gesundheitswesen mit sich ziehen.
Generell kann gesagt werden, dass flexible niedrig-qualifizierte Arbeiten häufig durch entsprechende technische Entwicklungen ersetzbar wären, mit Ausnahme solcher Berufe, welche einen direkten zwischenmenschlichen Kontakt erfordern; letzteres wird auch mittel- bis langfristig beschäftigungspolitisch von Bedeutung bleiben.
Bei den höher-qualifizierten Arbeiten muss der Begriff der Flexibilität durch den Begriff der Kreativität ersetzt werden, da Berufe höherer Qualifikation bereits meist eine gewisse Flexibilität voraussetzen, nicht aber Kreativität.
Zu den unkreativen höher-qualifizierten Berufen können die meisten Ingenieurberufe gezählt werden, da hier bei variierender Aufgabenstellung ein - geregelter - Lösungsweg gefunden werden muss. Mit Ausnahem der Ingenieurwissenschaften, welche zu den kreativen Arbeiten zu zählen sind, könnten die in Ingenieurberufen im Alltag anfallenden Probleme in der Regel durch logische Entscheidfindung gelöst werden; ein Programm mit KI wäre also theoretisch in der Lage, aufgrund eines vorgegebenen Problemes selbständig zu einer Lösung zu gelangen (auch hier sei auf das Kapitel II.6 verwiesen). Als hierfür geeignete Berufssparten seien die Beispiele Bauingenieurwesen oder Verfahrenstechnik genannt. Menschliche Arbeitskräfte wären hier noch bei ausserordentlichen Problemen und zur Kontrolle des Prozesses nötig.
Weitere unkreative höher-qualifizierte Berufe sind die Geologie, das Archivwesen, Finanzbuchhaltung sowie die Jurisprudenz; in letzter Sparte werden seit geraumer Zeit relativ weitgehende Versuche durchgeführt, wobei allerdings die Erwartungen - im gesamten Bereich der unkreativen höher-qualifizierten Arbeiten, und speziell bei der juristischen Entscheidfindung - nicht allzu hoch angesetzt werden dürfen. Der Mensch hat immer die abschliessende Bearbeitung durchzuführen, doch kann bereits heute in einem gewissen Rahmen eine erste Beurteilung durch den Computer erstellt werden, was für den Menschen eine Entlastung vorallem von Routinefällen darstellt (vgl. Garstka 1990). Für die Zukunft sind die automatisierte Suche nach Präzendenzfällen und in einfachen Fällen die maschinelle Erstellung von begründeten Urteilsvorschlägen denkbar, wobei der menschliche Ermessensspielraum jedoch kaum simulierbar sein wird.
Die Berufe dieser Kategorie sind kaum automatisierbar, da die künstliche Intelligenz in absehbarer Zeit Kreativität nur in einem geringen Masse nachbilden werden kann. Zu dieser Kategorie sind sämtliche Wissenschaften zu zählen, weiter die Entwicklung sowie die Kontrolle in Fällen nicht automatisierbaren Überwachungsprozessen und allgemein alle Prozesse, deren Komplexität eine maschinelle Durchführung zu stark erschweren oder gar verunmöglichen würde.
Ebenfalls zu dieser Kategorie können solche Berufe gezählt werden, welche ein Einfühlungsvermögen in andere Menschen verlangen, also zum Beispiel die Pädagogik oder die Psychologie.
Unter dem Begriff des quartiären Sektors sollen im Folgenden Berufe verstanden werden, welche nicht direkt einsehbar als materiell produktiv charakterisiert werden können. Dieser Begriff umfasst somit sämtliche künstlerischen Berufe: Schauspieler, Musiker, Literaten, aber auch Philosophen, Theologen, Architekten und weitere.
Im Unterschied zum tertiären Sektor ist nicht nur der Dienst am Kunde (oder im Falle der Wissenschaften der Dienst an der Gesellschaft), sondern auch die eigene Erfüllung wichtig. Die Produkte des quartiären Sektors können zwar wie diejenigen der anderen Sektoren konsumiert werden, doch ist das Produkt im quartiären Sektor untrennbar mit dem Ersteller verbunden.
Somit kommt der quartiäre Sektor dem Idealbild der Arbeit als Mittel zur Selbstverwirklichung von selbst aus am nächsten. In unserer Diskussion um die Technisierung der Arbeitswelt ist dieser Bereich deshalb insofern interessant, als dass er möglicherweise ein Auffangbecken bilden könnte, wenn sich die Beschäftigungslage durch weitergehende Rationalisierungen in zu hohem Masse nicht nur vom primären und sekundären in Richtung des tertiären Sektors, sondern weiter eben in Richtung des quartiären Sektors bewegen würde.
Die technische Entwicklung hat nicht nur den in den vorhergehenden Abschnitten beschriebenen direkten Einfluss auf den Arbeitsmarkt, sondern es existieren darüber hinaus eine Vielzahl von Faktoren mit indirekten Folgen auf die Beschäftigungslage. An dieser Stelle soll zur Vervollständigung noch der Einfluss der Technisierung auf die Einführung von zukünftigen Rationalisierungsmassnahmen sowie auf die Möglichkeiten der Organisation kurz erwähnt, nicht aber ausführlich dargestellt werden.
Mit den Fortschritten insbesondere durch die Verbreitung des Computers sowie im Kommunikationswesen wurden in der Vergangenheit in grossem Ausmass Rationalisierungen durchgeführt; der Computer hat heute bereits eine Vielzahl von Arbeiten übernommen, andere grundlegend vereinfacht. Der Einzug des Computers in die Arbeitswelt kann in weiten Teilen als abgeschlossen angesehen werden. Allerdings wären durch die weitere technische Entwicklung neue Rationalisierungen denkbar, deren Einführung gerade wegen der grossen Verbreitung des Computers relativ einfach durchführbar wären.
Zusätzlich zu den technischen Rationalisierungsmassnahmen sind durch den technologischen Fortschritt neue organisatorische Massnahmen denkbar geworden: diese reichen von der vermehrten Anwendung von Telearbeit bis hin zur Globalisierung, welche erst durch die Fortschritte im Kommunikationswesen (Transport und Telekommunikation) ermöglicht wurde. Diese Entwicklungen bringen einschneidende Veränderungen der gesamten wirtschaftlichen, aber auch der gesellschaftlichen Welt mit sich, deren Ausmass heute noch schwer abzuschätzen ist. An dieser Stelle sollen wir uns mit der Feststellung begnügen, dass weitere Rationalisierungsschübe erwartet werden könnten.
Unter dem Begriff "künstliche Intelligenz" verbergen sich viele Hoffnungen, aber auch viele Ängste. Häufig ist es schwer, diesen Begriff zu benutzen, ohne bei der Zuhörerschaft irrationale Reaktionen auszulösen. Deshalb soll an dieser Stelle versucht werden, einen der vielen Forschungszweige der KI kurz zu erläutern.
Aus den zwei Sätzen "Präsident Kennedy ist erschossen worden." und "Das ganze Volk trauerte um ihn." können wir schliessen, dass Präsident Kennedy ein geachteter Mensch war. Denn wir wissen, dass der Verlust eines geachteten Menschens Trauer hervorruft. Die beschriebene Folgerung ist eine logische Konsequenz aus dem vorhandenen Wissen. Logik bedingt weder Kreativität noch Intuition, diese sind vielmehr komplementär zur Logik zu sehen; die alleinige Logik kann denn auch - im Gegensatz zur Kreativität - maschinell nachgebildet werden.
Genau dies versucht das Projekt "Cyc" (vgl. Schult 1994), welches 1984 konzipiert und seitdem konsequent weiterentwickelt wurde. "Cyc" ist abgeleitet von "encyclopaedia", was bereits darauf hindeutet, was Cyc darstellt, nämlich einen Wissens-Server: Mittels eines möglichst umfangreichen Wissens wird versucht, auf gestellte Fragen eine logische Antwort zu geben. Die erste solche Frage, die Cyc gestellt wurde, gründete auf den Aussagen "Napoleon starb auf St. Helena." und "Wellington war traurig.". Die Frage lautete "Hat Wellington Napoleon überlebt?". Bereits zur Beantwortung dieser Frage ist ein umfangreiches Hintergrundwissen nötig (Wellington und Napoleon waren Menschen, die in einem besonderen Verhältnis zueinander standen, St. Helena ist eine Insel, der Tod verursacht Trauer etc.). Dieses Wissen muss Cyc zuerst eingegeben werden - meist handelt es sich um Alltagswissen, später wurde auch spezielles Wissen aufgenommen. Natürlich können auch logische Fehlaussagen entstehen, wie zum Beispiel: "Die meisten Menschen sind prominent." - zu diesem Zeitpunkt beinhaltete die Wissensdatenbank von Cyc vorwiegend Prominente...
Dennoch ergeben sich mit einem solchen System neue Möglichkeiten, z.B. bei der Stichwortsuche in Bibliotheken. Ein Wissens-Server könnte anhand der Frage nach "Hochgeschwindigkeitsbahnstrecken in Europa" einen Zeitungsartikel über die zweite Etappe der Bahn 2000 finden, da diese den dritten Juradurchstich (Hochgeschwindigkeits-Neubaustrecke Basel-Olten/Aarau) beinhalten wird - und dies ohne vorgängige, umständliche Kategorisierung des Artikel durch einen Menschen, dessen Arbeitsstelle damit entbehrlich wird.
Die Frage, ob mittels eines solchen Systemes die menschliche Intelligenz nachempfunden werden kann, soll hier unbeantwortet bleiben, da dies für unser Thema nicht von Belang ist; die - allerdings erst längerfristig wirksamen - Folgen für die Arbeitswelt hingegen sind ersichtlich.
Zu Anfang des zweiten Kapitels wurde bereits kurz auf die Literatur eingegangen, welche sich mit der Zukunft der Technik befasst. In diesem Kapitel soll uns nun der folgende Aspekt beschäftigen, welche alle diese Werke verbindet: nämlich dass ihre Vorhersagen zu einem Teil nicht eingetroffen sind.
Während die frühere Literatur die Zukunft der Technik pries und den künftigen Generationen mehr versprach als eingetroffen ist ("Es wird damit gerechnet, dass spätestens Anfang der achtziger Jahre Nuklearstrom billiger sein wird als der auf andere Weisen erzeugte Strom" (Jungk 1968, S. 23); mit der Liberalisierung des Strommarktes wird das genaue Gegenteil eintreten), kann bei der neueren Literatur häufig eine Vorhersage des Ende der Technikentwicklung beobachtet werden, wobei auch dieser Trend nur zu einem Teil zutrifft. In "Das Ende der Zukunft" beginnen 21 Kapitel mit "die Rückkehr zu..."; die prophezeite "triumphale Rückkehr der Züge in den USA" (Gimpel 1995, S. 91) hat jedoch nicht stattgefunden, im Gegenteil sind mittlerweile Bahnausbau-Projekte in Texas gescheitert und die nationale Bahngesellschaft Amtrak hat weitere ihrer Intercity-Verbindungen aufgegeben, womit auf mehreren tausend Streckenkilometern keine Personenzüge mehr fahren - gleichzeitig erlebt die Luftfahrt weltweit ein ungebremstes Wachstum.
Warum wurden die Vorhersagen von zum Teil hochgeachteten Wissenschaftlern so häufig durch die Realität falsifiziert? Als Antwort muss gesagt werden, dass die Frage falsch gestellt wurde: Zuverlässige Prognosen sind nur bei - einigermassen - gesetzmässigen Entwicklungen und auf einen begrenzten Horizont hin möglich, so beispielsweise bei der Wetter- oder der Verkehrsentwicklung. Für die Geschichtsentwicklung demgegenüber sind Prognosen immer mit grossen Unsicherheiten behaftet, da zu viele Faktoren die Entwicklung beeinflussen. Deshalb sollten Zukunftsvorhersagen immer als Szenarien betrachtet werden, da diese definitionsgemäss keinen Anspruch auf Verwirklichung erheben. Szenarien sind vielmehr Instrumente, mit denen eine bestimmte Aufgabe gelöst werden soll (vgl. Matthöfer 1976, S. 49-61).
In diesem Kapitel sollen nun die verschiedenen Grenzen der Technisierung der Arbeitswelt aufgezeigt werden, um die komplementären Kräfte darzustellen, welche die zukünftige Arbeitswelt beeinflussen können. Leider werden diese Schranken in der Literatur häufig auf technische Grenzen reduziert; in "Technik und Soziologie" gibt es beispielsweise ein Kapitel "Gefahren und Grenzen der Technik" (Walter 1961, S. 38-43), doch ist die Rede lediglich von der "letzte[n] Grenze der technischen Möglichkeiten", den Naturgesetzen (Walter 1961, S. 41), nicht aber von den gesellschaftlichen Grenzen. In der Folge sollen deshalb die wichtigsten der verschiedenen Grenzen der Technisierung dargestellt werden, wobei auf eine Ausführung der folgenden Bereiche verzichtet wird: Die energetischen Grenzen wurden in der Literatur bereits ausführlich thematisiert, ausserdem sind diese Grenzen in höherem Masse von gesellschaftlichen Wünschen abhängig. Siedlungs- und verkehrstechnische Möglichkeiten werden ebenfalls häufig thematisiert; jedoch wäre die Formulierung der Grenzen in diesen Bereichen erst in einer mehrstufigen Untersuchung über die Auswirkung spezieller technischen Entwicklungsmöglichkeiten wie z.B. der Telearbeit von Belang, weshalb auch dieser Bereich im folgenden ausgespart wird.
Wie bereits in der Einführung erwähnt wurde, gibt es zur Frage nach den Grenzen der Technik mehrere Stimmen, welche ein Ende des technischen Fortschrittes vorhersagen. Dazu gibt es die zwei aus den Geschichtswissenschaften bekannten, sich grundsätzlich voneinander unterscheidende Sichtweisen: die lineare und die zyklische. Die lineare Sichtweise sieht ein absolutes Ende der technischen Entwicklung, welches in einigen hundert Jahren erreicht werden soll (siehe Kapitel I.2 sowie vgl. Cramer 1975, S. 36).
Die zyklische Sicht sieht einen Aufstieg und Fall der Gesellschaften, und damit - nach Erreichen des Zenits - auch ein mit der gesellschaftlichen Entwicklung im Gleichschritt gehende Niedergang des technischen Fortschrittes. Gimpel (1995, S. 16) dazu: "Wir leben heute in einer Zeit, in der das Wachstum der Weltwirtschaft stark abnimmt und der Nutzen der Technologie geringer wird." Die Gründe dafür seien die ökologische Bewegung sowie die stark zunehmende Reglementierung (Gimpel 1995, S. 29-34). Gimpel sah 1992 (dem Jahr in welchem sein Buch in Frankreich erschien) das baldige Ende der westlichen Gesellschaft, welches sich in wirtschaftlicher (Börsenkrisen) und technischer Form (Rückzug der Informationstechnologien aus dem Alltagsleben) manifestieren soll (Gimpel 1995, S. 182-186). Beide Tendenzen können heute nicht bestätigt werden; tatsächlich ist der wirtschaftliche Zustand z.B. der USA - eine der wirtschaftlichen Führungsnationen - zur Zeit sehr gut, und die Informationstechnologien haben sich weiter popularisiert, vorallem hinsichtlich des Internet.
Da auch die langfristigen Szenarien der linearen Sichtweise mit grossen Unsicherheiten behaftet sind (es ist unmöglich, mit Bestimmtheit zu sagen, dass in Zukunft keine die Gesellschaft grundlegend verändernde Techniken, wie es in der Vergangenheit der Computer oder die Gentechnologie waren, mehr entdeckt werden), kann keine feste Grenze für die technische Entwicklung gesetzt, auf der anderen Seite aber auch nicht ausgeschlossen werden. Für einen Zeithorizont von zwanzig bis fünfzig Jahren scheinen die möglichen gesellschaftlichen Grenzen (Kriege, grundlegende Änderungen der Politik u.ä.) von grösserer Bedeutung zu sein.
Hier sind Grenzen gesetzt, deren Überschreitung - immer mit Vorbehalt der Gültigkeit der Naturgesetze - tatsächlich unmöglich ist (vgl. Walter 1961, S. 41-43). Doch müssen hier zwei Fälle unterschieden werden. Kommerziell einsetzbare Rad-Schiene-Transportmittel werden zwar eine Geschwindigkeit von 400-600 km/h nicht überschreiten, da bei höheren Geschwindigkeiten der hohe Materialverschleiss keinen regelmässigen Betrieb erlaubt. Dennoch sind alternative Technologien denkbar, welche eine zusätzliche Steigerung der technischen Entwicklung in diesem Bereich erlauben, wie im obigen Beispiel die Magnetschienenbahn (deren Praktikabilität allerding immer noch mit grossen Unsicherheiten belastet ist) - die Frage nach den naturgesetzlichen Grenzen ist häufig lediglich mit der konkreten Technologie verbunden, schliesst die weitergehende Entwicklung einer verwandten Technologie aber nicht aus.
Im zweiten möglichen Fall sind jedoch absolute Grenzen gesetzt: So ist das unhörbare Automobil nicht möglich, da z.B. die zwischen Reifen und Strasse zusammengepresste und seitlich entweichende Luft auch im theoretisch günstigsten Fall Lärm erzeugt (davon abgesehen, dass dieser günstigste Fall andere Probleme mit sich bringt), und auch beispielsweise ideale schallabsorbierende Poren im Asphalt wegen den durch einfliessendes Wasser entstehenden Frostschäden nicht praktikabel sind (Ullmann 1994, S. 82).
Während viele technische Entwicklungen durch eine Massenproduktion und damit tiefen Anschaffungs- und evt. auch Betriebskosten wirtschaftlich angewendet werden können, müssen bei der Einführung eines Produktes manchmal grosse Hürden bewältigt werden. So sind die im Kapitel II.3.2 erwähnten Reinigungs-Roboter bereits praxistauglich, doch deren Anschaffungskosten können erst mit einer grösseren Verbreitung auf ein markttaugliches Niveau gesenkt werden; es wäre also eine spezielle Förderung in der Einführungsphase nötig, sei es durch den Staat oder durch die Wirtschaft.
Kann ein Produkt nicht auf ein reales Anschaffungs- oder Betriebskostenniveau gesenkt werden, dann ist eine permanente, meist staatliche Subventionierung des Produktes nötig, worüber übergeordnete Interessen entscheidend sind. Beispiele sind der öffentliche Regionalverkehr, die Landwirtschaft oder die nicht-kommerzielle Raumfahrt. Ist aus etwelchen Gründen keine Subventionierung möglich, kann der technische Fortschritt gehemmt oder im Extremfall gestoppt werden (Beispiele: konventionelle Atomkraft in der Schweiz, Brutreaktor-Technik in Europa).
Eine ökonomische Schranke im Produktionsprozess bildet die bei der Technik-unterstützten Produktion gegenüber der von Menschen durchgeführten Arbeiten verringerte Flexibilität. Dieser Sachverhalt prädestiniert in erster Linie die Massenproduktion für maschinelle Produktionsabläufe, während bei kleineren Serien weiterhin (flexiblere) menschliche Arbeitskräfte eingesetzt werden (vgl. Staudt 1992, S. 98-109).
Nicht jeder Fortschritt findet beim eigentlichen Benutzer Anklang. Diese Erfahrung musste z.B. bei der automatisch gesteuerten Metro in Lille (VAL) gemacht werden: Das fehlende Fahrpersonal erzeugte bei manchen Fahrgästen Unbehagen, als Kompensation wird mittlerweile im Rahmen eines Beschäftigungsprogrammes in den Metrostationen Kundenpersonal eingesetzt. Weiter können sich bei komplexen und somit schwer durchschaubaren Technologien mit unter Umständen diffusen Folgen breite, häufig psychologisch begründbare Widerstandsfronten bilden. Dadurch kann die Technikentwicklung gehemmt oder gar gestoppt werden.
Allerdings erweisen sich psychologische Grenzen längerfristig als nicht absolut oder gar als dannzumal obsolet. Im Flugverkehr konnte die weitverbreitete Flugangst - welche rational nur schwer begründbar ist - die rasante Popularisierung dieses Verkehrsmittels auf die Dauer nicht verhindern, obwohl im Zusammenspiel mit rationalen (z.B. umweltpolitischen) Argumenten eine Dämmung der Expansion theoretisch nicht ausgeschlossen werden könnte.
Als interessante Lektüre für das Thema des Zusammenspiels Mensch - Maschine aus einem für die westliche Gesellschaft ungewöhnlichen Blickwinkel sei auf die sozialistische Literatur hingewiesen (vgl. z.B. Jobst/Schuttpelz 1987).
Bezüglich den ideologischen Grenzen ist es nötig, die nachfolgenden, hier idealtypisch dargestellten Ideologien zu unterscheiden. Nicht beachtet werden Ideologien, welche die Technikentwicklung und -diffusion fördern (zu denen in erster Linie die Ideologie der Arbeitgeber zu zählen ist), mit Ausnahme der kommunistischen Ideologie. Weiter sollen Ideologien von kleinen Minderheiten, wie asketische Ideologien, im folgenden ausgespart bleiben.
Die ökologische Ideologie richtet sich in erster Linie auf einen Umbau der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die ökologische Steuerreform nimmt dabei einen zentralen Platz ein. Die Idee dahinter verfolgt eine Umlagerung der dem Arbeitgeber anfallenden Kosten von der Arbeit auf die Energie. Konkret könnten also die Abgaben für AHV oder eine ausgebaute Mutterschaftsregelung auf die Energiekosten addiert werden. Damit würden die Betriebskosten für Maschinen erhöht und die Kosten für menschliche Arbeitskräfte verringert, was kurzfristig den heutigen betriebswirtschaftlichen Anreiz zur weiteren Rationalisierung mittels Technikeinsatz verringern könnte.
Gleichzeitig kann jedoch durch eine ökologische Umrüstung bestehender Anlagen auch ein Schub für technische Neuerungen entstehen. Durch eine Erhöhung des Benzinpreises in der Grössenordnung mehrerer Franken würde tatsächlich den - nach der Benzinpreiserhöhung von den Kunden ausgeübte - Druck auf die Automobilindustrie steigen, sparsame Autos auf den Markt zu bringen, welche sich dann auch in nennenswerten Stückzahlen verkaufen liessen, was heute nicht der Fall ist, da durch das billige Benzin kein wirtschaftlicher Anreiz besteht. Längerfristig wird durch eine Energieabgabe die Technikentwicklung also nicht gehemmt, ausser wenn die Abgabe so gestaltet wäre, dass jede Verringerung des Energieverbrauchs durch eine Erhöhung der Steuer kompensiert würde, was jedoch nicht dem ökologischen Ziel dieser Abgabe entsprechen würde.
Diese Ideologie, welche zum Teil von den in letzter Zeit lautstärker werdenden Arbeitslosen geteilt wird, hat die Erhaltung bestehender und Schaffung neuer Arbeitsstellen zum Ziel, und wendet sich damit gegen Rationalisierungsmassnahmen, indirekt also auch gegen die Technisierung der Arbeitswelt. Im Prozess des konkreten Stellenabbaus sind die Gewerkschaften der erste und nicht selten der einzige ernstzunehmende Garant der Interessenwahrung der Arbeitnehmer; die politischen Parteien versuchen zwar den Rahmen der Entwicklung zu ändern, was aber einen mittel- bis langfristigen Charakter hat. Die Mittel der Gewerkschaften sind Demonstrationen, Streiks sowie - nicht zu unterschätzen - Boykottaufrufe. Allerdings stehen die Interessen der heutigen Arbeitnehmer im Vordergrund, so dass ein sozialverträglicher Abbau meist akzeptiert wird und beschäftigungspolitische Argumente zurückgestellt werden. Längerfristig sozialverträgliche Lösungen werden in Form einer Verkürzung der Arbeitszeit gefordert, wobei diese nur dann sinnvoll ist, wenn dabei der Lohn nicht zu stark gesenkt wird. Diese Strategie ist beispielsweise in Deutschland ("Humanisierungsprogramm", vgl. Janzen 1982, S. 22-24) oder - jetzt wieder aktuell - in Frankreich verstärkt verfolgt worden. Solche Strategien stehen aber wiederum im Konflikt mit den Arbeitgebern, für welche die Erhaltung der Konkurrenzfähigkeit im Vordergrund steht. Bezüglich der Technikentwicklung würde eine erzwungene Arbeitszeitverkürzung den Fortschritt eher hemmen, da ein Übermass an menschlichen Arbeitskräften den Einsatz von neuen Technologien überflüssig macht.
Betriebsräte, welche als konkretes Organ der Arbeiter-Interessenvertretung gegen die negativen Beschäftigungs- und Arbeitsverhältnisauswirkungen - u.a. infolge der Technisierung - wirken (vgl. Matthöfer 1976, S. 167f), können ein Hemmnis bei der Einführung neuer Technologien bilden, wie z.B. im Falle der Telearbeit, wobei unter Umständen, wie in diesem Beispiel - aber auch allgemein bei den anderen Ideologien - evt. konservative, machtpolitische sowie rechtliche Aspekte mitspielen (vgl. Deutsche Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt e.V 1995, Kap. 4 u. 9.2). Allgemein kann gesagt werden, dass die gewerkschaftliche Ideologie tendenziell die Technikentwicklung hemmt.
Meist stehen neuen Technologien z.T. grosse Bevölkerungsteile kritisch gegenüber. Inwiefern sich dies hemmend auf die Technikentwicklung auswirkt, hängt einerseits vom Konsumverhalten, andererseits von den politischen Möglichkeiten der Bevölkerung ab. Die Gentechnologie - ein gutes Beispiel, da diese für den Normalbürger kaum in allen wesentlichen Facetten zu verstehen ist - stösst in allen Teilen der Welt auf manchmal massive Skepsis; dennoch wirkt sich dies nur in gewissen Grenzen hemmend auf die Weiterentwicklung dieser Technologie aus, da in den meisten Ländern der Protest bislang keine grössere politische Wirkung entfalten konnte. Nur in der Schweiz könnte durch die in diesem Fall genutzte Möglichkeit des Ergreifens einer Volksinitiative im Falle einer Annahme der Genschutz-Initiative die Entwicklung gehemmt werden.
Trotz den in den meisten Ländern schwachen Artikulationsmöglichkeiten der konservativen Volksströmungen darf dessen Wirkung nicht unterschätzt werden. Die Grundstimmung bleibt in der Bevölkerung vorhanden und verunmöglicht ein allzu starkes Forcieren einer Technologie. Gerade zum Ende dieses Jahrtausends hin scheint sich dieser Trend zu verstärken (vgl. Kapitel II), könnte aber eventuell zu Beginn des nächsten Millenium einer vorübergehenden Aufbruchstimmung weichen.
Weiter kann bei gewissen Bevölkerungsteilen ein Hang zu traditionellen Produktionsweisen oder "veralteten" Waren festgestellt werden, wie z.B. der Wunsch nach handgefertigten Produkten, nach Bio-Lebensmitteln oder nach Vynil-LPs.
Eigentlich setzte die kommunistische Ideologie im ehemals real-existierenden Sozialismus der Technikentwicklung keine Grenzen, sondern war im Gegenteil bestrebt, sie zu fördern. Gerade deshalb ist es interessant, diese Ideologie kurz zu beleuchten: Wie in der Einführung geschildert wurde, kann die Technik theoretisch zu einer Steigerung der persönlichen Freiheit führen. Dazu ein Zitat von Jobst/Schuttpelz (1987, S. 4): "Die sozialen Wirkungen der Technik sind durch die Veränderung ihrer Wirkungsbedingungen und Zielsetzungen beeinfluss- und gestaltbar. Daraus erwächst unsere optimistische Grundhaltung gegenüber neuer Technik und Technologie. Sie vermag, gepaart mit den Vorzügen des Sozialismus, das Wohl der Menschen zu fördern und der Entfaltung seiner Persönlichkeit zu dienen.". Im Mittelpunkt der Forschung stand deshalb die Frage nach dem Verhältnis Technik - Mensch, und nicht etwa - wie in der westlichen Gesellschaft aktueller - die Frage nach der ökonomischen Effektivität (vgl. Jobst/Schuttpelz 1987, S. 5-9). Die Diskussion um Effizienzsteigerung hat hier keinen beschäftigungspolitisch kritischen Unterton, sondern beinhaltet im Gegenteil eine Herausforderung zur Verbesserung der sozialen Verhältnisse (vgl. Menzel 1987).
Eigentlich hätte dieser vom System vorgegebene Druck zu einer forcierten Entwicklung der Technik führen sollen. Im Vergleich zur westlichen Gesellschaft hinkte der sozialistische Block jedoch in technischer Hinsicht hintennach - ein Zeichen einerseits für eine grössere Wirksamkeit der im Kapitalismus vorgegebenen Rationalisierungsbestreben und/oder andererseits für eine schwache Effizienz des ehemals real-existierendenden sozialistischen Gesellschaftssytems in seinen letzten Phasen.
Nachdem zuerst in idealtypischer Form die Möglichkeiten und anschliessend die Grenzen der Technisierung der Arbeitswelt dargestellt wurden, ist es nun an der Zeit, die Schlussfolgerungen bezüglich den weiteren Vorgehensweisen zu ziehen. Dazu sollen die erarbeiteten Tendenzen kurz zusammengefasst und anschliessend mit weiterführenden Vorschlägen ergänzt werden.
Als bezüglich der Technikentwicklung nur wenig empfindliche Berufe können sämtliche kreative höher-qualifizierte Arbeiten genannt werden. Diese Sparte wird in absehbarer Zeit in keinem Fall durch technische Neuerungen ersetzt und lediglich in einem begrenzten Rahmen durch die Technik unterstützt werden können. Weiter wird eben diese Sparte den Erstellungsprozess der Agrar-, Industrie- oder Dienstleistungsprodukte zu planen und zu kontrollieren haben.
Auch die unkreativen höher-qualifizierten Arbeiten werden weiterhin durch Menschen ausgeführt werden, auch wenn hier die Möglichkeit einer gewissen Automatisierung denkbar ist. Diese Tendenz könnte in der am weitest gehenden Variante dem Menschen gewisse Arbeiten abnehmen, kaum jedoch die abschliessende Beurteilung eines maschinell ausgearbeiteten Lösungsvorschlages.
Niedrig-qualifizierte Arbeiten könnten längerfristig weiter rationalisiert und automatisiert werden, wobei diese Tendenz durch die Widerstände der Gewerkschaften, der bezüglich der Technik skeptisch eingestellten Bevölkerungsteilen, sowie kurz- (aber nicht länger-) fristig auch durch ein eventuell in weiteren Staaten eingeführte ökologisch-motivierte Steuersystem gehemmt würde. Von weitergehenden Automatisierungen betroffen wären in erster Linie unflexible, niedrig-qualifizierte Arbeiten. Nur zu einem Teil automatisierbar sind flexible niedrig-qualifizierte Arbeiten, wobei besonders flexible Arbeiten weiterhin annähernd gänzlich von Menschen durchgeführt werden müssen. Aus psychologischen Gründen wird auf Berufe, in welchen der zwischenmenschliche Kontakt gewünscht wird, ebenfalls nicht verzichtet werden können, auch wenn in diesem Bereich weitere, allerdings nicht umfassende Bestrebungen zur Automatisierung befürchtet werden müssen.
Angesichts der fortschreitenden Technisierung wird niedrig-qualifiziertes technisches Unterhaltspersonal kurzfristig unverzichtbar bleiben, doch besteht hier die Möglichkeit, dass der Arbeitgeber längerfristig diese Arbeitsstellen zu automatisieren versuchen wird.
Neue Technologien werden zwar im entsprechenden Bereich zusätzliche Arbeitsstellen schaffen, doch werden bestehende Arbeitsplätze gefährdet, was die Arbeitnehmer zu Flexibilität zwingen wird. Durch neue Technologien ermöglichte Organisationsstrukturen könnten zu zusätzlichen Rationalisierungsschüben führen. Während eine Verlangsamung des technischen Fortschrittes nicht ausgeschlossen werden kann, ist ein Ende des Fortschrittes auf Grund von naturgesetzlichen Grenzen in absehbarer Zeit nicht zu befürchten; gesellschaftliche Grenzen sind hierbei von grösserer Bedeutung und müssen dementsprechend berücksichtigt werden.
Das Ziel, die Arbeit zu einem Mittel der individuellen Entfaltung umzugestalten, konnte bis heute nicht erreicht werden. Insbesondere in wirtschaftlichen Krisenphasen werden viele Arbeitnehmer zu mehr Flexibilität gezwungen oder verlieren ihre Stelle. Für die Zukunft kann zwar eine Verlagerung hin zu den kreativen höherqualifizierten Arbeiten erwartet werden, was als grundsätzlich positiv gewertet werden darf, da diese Arbeiten einen grösseren Spielraum für die individuelle Entfaltung bieten. Doch kann durch eine fortschreitende Technisierung und Rationalisierung auch eine allgemeine Verknappung des Arbeitsangebotes nicht ausgeschlossen werden, was den Druck auf die Arbeitnehmer erhöhen und somit das Wohlbefinden im Beruf schmälern würde.
An dieser Stelle soll die Frage in den Raum gestellt werden, ob eine permanent negative Arbeitslosenquote eine substantielle Besserung dieses gewissermassen unbefriedigenden Szenarios bringen könnte, da der Arbeitnehmer damit zu jeder Zeit eine grössere Auswahl an Stellen hätte, und somit die Wahrscheinlichkeit steigen würde, einen Beruf zu finden, in welchem eine individuelle Entfaltung möglich werden könnte. Dieser Standpunkt steht jedoch im Konflikt zu der von Ökonomen propagierten Sockelarbeitslosigkeit.
Um einer strukturell bedingten Arbeitslosigkeit vorzubeugen, können aktiv Massnahmen zur Verbesserung der Beschäftigungslage ergriffen werden. Stellvertretend für die Vielzahl der heute diskutierten Rezepte werden im folgenden einige aktuelle Beispiele dargestellt.
Angesichts der möglichen Marginalisierung von niedrig-qualifizierten Berufen sowie den zu befürchtenden weiteren Rationalisierungsbestrebungen und damit einer Erwartungserhöhung bezüglich der Flexibilität der Arbeitnehmer sollte eine gute Grundausbildung der Bevölkerung angestrebt werden, um in möglichst vielen Fällen die Voraussetzungen für eine persönliche Weiterbildung schaffen zu können. Diesbezüglich scheint die Gymnasiasten-Quote nicht mehr angebracht, im Gegenteil wäre eine durchschnittlich höhere Bildung der Bevölkerung von Vorteil, da Höhergebildeten mehr Möglichkeiten zur persönlichen Weiterentwicklung offenstehen. Mit einer zu erstrebenden Bildungsoffensive verbunden wäre ein Ausbau nicht nur des Gymnasienwesens, sondern auch des Hochschulwesens. Im heutigen Schulsystem wäre eine möglichst hohe Zahl Diplomanden bzw. Lizentiaten ideal, da nur diesen die vielfältigen Nachdiplomstudiengänge offenstehen.
Mittels einer Reform des Bildungswesens sollte eine stark erweiterte Öffnung der Schulen für Zweitbildungsgänge erreicht werden. Bezüglich den Hochschulen wären beispielsweise Schnellkurse im HTL- oder im universitären Bereich denkbar, bei welchen lediglich eine abgeschlossene Lehre oder die Matura Voraussetzung zur Zulassung wäre, mit der Möglichkeit eines reduzierten Abschlusses. Damit könnten viele ältere arbeitslose Menschen, welche keine höhere Ausbildung genossen haben, mit angemessenem Aufwand neue Qualifikationen erwerben. Zusammen mit der meist vorhandenen grossen Praxiserfahrung könnte dies die Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess erleichtern.
Ist es sinnvoll, bei einem Lehrstellenmangel zusätzliche Lehrstellen zu erzwingen? Wenn damit junge Menschen in einer Berufssparte ausgebildet werden, welche keine Zukunftsperspektiven hat, sollte von einem solchen Impulsprogramm abgeraten werden: Bei einer Lehre als Stellwerkbeamter, wenn in absehbarer Zukunft fast ausschliesslich weitestgehend automatisierte Zentralstellwerke bestehen bleiben, wäre die Arbeitslosigkeit vorprogrammiert, zusammen mit dem Zwang zur Umschulung. Somit sollte in den Augen des Autors beim Lehrstellenangebot weitgehend der Markt walten gelassen werden, da dieser ein Bild des zukünftigen Beschäftigungsmarktes wiedergibt, welches sich an den Vorstellungen derjeniger orientiert, welche den grössten direkten Einfluss auf eben diesen Beschäftigungsmarkt haben - den Arbeitgebern. Staatliche Interventionen sind nur zusammen mit einem langfristigen Beschäftigungsprogramm sinnvoll; dazu sollte ein Schwergewicht auf flexiblen Arbeiten gelegt werden. Zweckmässigerweise soll der Staat sich um eine Änderung der Rahmenbedingungen bemühen, um die Beschäftigungsnachfrage nachhaltig zu sichern; als Folge davon würde sich das Lehrstellenangebot von selbst aus auf den zukunftsträchtigen Berufsfeldern vergrössern. Diese Einschätzung wird auch von Ökonomen geteilt, wie ein kurz vor dem Abschluss dieser Arbeit erschienener Artikel zeigt (vgl. Sheldon 1998).
Die Umverteilung von heute auf der Arbeit lastenden Abgaben auf die Energie könnte bezüglich der maschinellen Arbeitsverrichtung kurzfristig eine Verengung der Wirtschaftlichkeitsgrenzen und somit einen vermehrten Einsatz von menschlichen Arbeitskräften zur Folge haben. Längerfristig sollte aber der Beschäftigungseffekt nicht überschätzt werden, da durch die Technikentwicklung eine wirtschaftlich motivierte Senkung des Energieverbrauchs erwartet werden kann. Würde primär das Ziel einer Vergrösserung der Beschäftigungsnachfrage verfolgt werden, wenn also die Abgabe bewusst hoch angesetzt würde und längerfristig parallel zum sinkenden Energieverbrauch erhöht würde, könnte eine Abwanderung der betroffenen Wirtschaftszweige nicht ausgeschlossen werden; eine solche Entwicklung verhindern könnte eine - allerdings wahrscheinlich nicht durchsetzbare - multinationale Einführung einer solchen Energieabgabe.
Als kurzfristig die Beschäftigungslage in einem gewissen Rahmen entspannende, ökologisch motivierte Massnahme sollte die Energieabgabe also weiterverfolgt werden, ohne aber übertriebene Vorstellung in deren Wirkung zu setzen.
Das Konsumverhalten beeinflusst in hohem Masse die gesellschaftliche Entwicklung. In vielen Fällen beherrscht die Gewohnheit das alltägliche Verhalten, womit Richtungswechsel in der Frage der zukünftigen Entwicklung nur schwer durchsetzbar sind. Dennoch zeigen sich in manchen Fällen soziale Bewegungen, welche zu einem grundsätzlichen Wandel der Verhältnisse führen können. Ein bemerkenswerte Beispiel ist die Rückkehr vieler Konsumenten zu Bio-Produkten. Da biologisch orientierte Landwirtschaftsbetriebe in der Regel mehr Arbeitskräfte benötigen als vergleichbare konventionelle Betriebe, könnte dieser Wechsel des Konsumverhaltens eine leicht positive Wirkung auf die Beschäftigungslage zeitigen.
Nach der Fusion der Grossbanken SBV und UBS und den damit verbundenen organisatorischen Rationalisierungsmassnahmen konnte eine Welle der Entrüstung beobachtet werden, welche in der Aufforderung gipfelte, das Geld bei kleineren Banken anzulegen, als Protest gegen den fusionsbedingten Arbeitsplatzabbau.
Es kann gemutmasst werden, ob in der Bevölkerung das Potential vorhanden wäre, um eine breite Konsumentenbewegung auszulösen, welche das Ziel der Arbeitsplatz-Erhaltung hätte. Konkret könnten die Konsumenten bewusst kleinere Betriebe unterstützen, welche im Vergleich zu grossen Unternehmen (u.a. durch die bescheideneren finanziellen Möglichkeiten) weniger technisiert und rationalisiert arbeiten, und somit eine grössere Beschäftigungsnachfrage haben (vgl. Dicke 1995). Eine solche Unterstützung käme heute kleineren, wirtschaftlich unter Druck stehenden Betrieben zugute, womit bestehende Arbeitsplätze gesichert würden und unter Umständen sogar neue Stellen geschaffen werden könnten. Eine solche Bewegung würde in der Initialphase von Bio-Konsumenten und von gewerkschaftlich- und (im Sinne von Kapitel III.5.3) konservativ-denkenden Kreisen getragen. Mit einer breiten Unterstützung der KMU durch die Konsumentenschaft könnte die Tendenz zu weiteren Rationalisierungen eventuell abgeschwächt werden.
Wie im Kapitel II.4 beschrieben, kämen die unter dem quartiären Sektor zu verstehenden Berufssparten - die künstlerischen Berufe - am ehesten dem Ideal der Arbeit als Mittel zur Selbstverwirklichung nahe. Eine Vergrösserung des Beschäftigungsangebotes in diesem Sektor würde für viele die Möglichkeit bieten, einen sie selbst erfüllenden Beruf ausüben zu können. Gleichzeitig würde diese Gruppe, welche heute meist zweitberuflich im primären, sekundären oder tertiären Sektor tätig ist, den Arbeitsmarkt in eben diesen Sektoren entlasten.
Heute werden Grossveranstaltungen mit namhaften Beiträgen gesponsert; kleinere Veranstaltungen hingegen müssen mit wenig oder gar keinen privaten Mitteln auskommen, meist ist es der Staat, der kulturelle Institutionen unterstützt. Beispielsweise mittels einer ausgebauten Möglichkeit der Steuerabzugsmöglichkeiten könnten Firmen, aber auch wohlhabende Private zu vermehrtem Sponsoring bzw. zu mehr Spenden an künstlerische Organisationen bewegt werden, wobei durch grössere Abzugsmöglichkeiten kleine kulturelle Institutionen bevorzugt behandelt werden sollten. Dadurch könnte der quartiäre Sektor eine Expansion erfahren, womit der allgemeine Arbeitsmarkt entlastet würde. Ausserdem könnte eine Erhöhung der Zufriedenheit der entsprechenden Berufstätigen - was ein wesentliches Anliegen der Gesellschaft sein sollte - gesteigert werden.
Die in dieser Arbeit gegebenen Antworten auf eine komplexe Ausgangssituation dürfen keineswegs als Schlusspunkt angesehen werden, sondern vielmehr als das, was jede wissenschaftliche Untersuchung letztlich ist, als anregender Beitrag zu einer umfassenden Diskussion. Leider musste innerhalb dieser Arbeit auf eine tiefergehende Untersuchung aus Platzgründen verzichtet werden; eine weitergehende theoretische (beispielsweise auf Heidegger oder Habermas beziehend) wie empirische Beschäftigung mit diesem Thema wäre angebracht.
In der vorliegenden Arbeit wurden unter Beiziehung von zahlreichen Beispielen aus den Ingenieurwissenschaften sowie einer Reihe von Präzedenzfällen die möglichen Entwicklungen des Arbeitsmarktes skizziert. Darauf aufbauend wurden in diesem Kapitel verschiedene Arten, wie den möglichen Entwicklungen begegnet werden könnte, dargestellt. Diese Antworten wurden aus der Sicht der Arbeitnehmer formuliert; hier wäre eine Untersuchung der Antworten aus der Sicht z.B. der Wirtschaft wünschenswert.
Die Zukunft ist eine ungewiss bleibende Variable. Dennoch muss die Wissenschaft im Rahmen ihrer Möglichkeiten bemüht sein, die Entwicklung der Gesellschaft auf eine sozialverträgliche Bahn zu lenken. Aus einer alle Disziplinen einschliessenden Bearbeitung der gesellschaftsrelevanten Fragen stellt die vorliegende Arbeit nur ein Fragment dieser umfassenden Diskussion dar.
Nun ist es an der Wissenschaftsgemeinschaft, der Politik und der Wirtschaft, aus allen zur Verfügung stehenden Fragmenten die bestmögliche Entwicklungsmöglichkeit zu wählen und die passenden Steuerungsmöglichkeiten umzusetzen.
Cramer, F. (1975): "Möglichkeiten und Grenzen der Evolution von Homo Sapiens". In: Fornallaz Pierre (Hg.): Technik für oder gegen den Menschen. Die neue Aufgabe der Hochschule. Basel/Stuttgart: Birkhäuser Verlag, S. 19-39.
Garstka, Hansjürgen (1990): "Rechtsinformatik und juristische Methodenlehre (Automation im Recht)". In: Adomeit, Klaus: Rechtstheorie für Studenten. Normlogik - Methodenlehre - Rechtspolitologie. (3. Auflage). Heidelberg: R. v. Decker's Verlag, S. 109-123.
Huning, Alois (1992): "Arbeit und Leistung in der Industriegesellschaft". In: Wessel, Karl Friedrich (Hg.): Technik und Menschenbild im Spiegel der Zukunft. Wissenschafts- und Technikentwicklung - Fragen unserer Zeit. Bielefeld: Kleine Verlag, (Berliner Studien zur Wissenschaftsphilosophie & Humanontogenetik, Bd. 2), S. 51-57.
Ipsen, Knut (1982): "Eröffnung der Ringvorlesung". In: Vorstand IG Metall (Hg.): Technischer Wandel - eine gesellschaftspolitische Herausforderung. Ringvorlesung 1981/82. Frankfurt a. M.: IG Metall, (Gemeinsame Veranstaltungen Ruhr-Universität Bochum, IG-Metall-Bildungszentrum Sprockhövel, Bd. 6), S. 9-11.
Janzen, Karl-Heinz (1982): "Probleme des technischen Wandels - Bestandsaufnahme und Perspektiven". In: Vorstand IG Metall (Hg.): Technischer Wandel - eine gesellschaftspolitische Herausforderung. Ringvorlesung 1981/82. Frankfurt a. M.: IG Metall, (Gemeinsame Veranstaltungen Ruhr-Universität Bochum, IG-Metall-Bildungszentrum Sprockhövel, Bd. 6), S. 9-11.
Jobst, Eberhard/Schuttpelz, Peter (1987): "Philosophische und ethische Probleme der automatisierten bedienarmen Produktion". In: Der Rektor der Technischen Universität Karl-Marx-Stadt (Hg.): Automatisierung in weltanschaulich - philosophischer Sicht. Karl-Marx-Stadt: Technische Universität Karl-Marx-Stadt, (Wissenschaftliche Schriftenreihe der Technischen Universität Karl-Marx-Stadt), S. 4-15.
Jochimsen, Reimut (1982): "Probleme des technischen Wandels - Bestandsaufnahme und Perspektiven". In: Vorstand IG Metall (Hg.): Technischer Wandel - eine gesellschaftspolitische Herausforderung. Ringvorlesung 1981/82. Frankfurt a. M.: IG Metall, (Gemeinsame Veranstaltungen Ruhr-Universität Bochum, IG-Metall-Bildungszentrum Sprockhövel, Bd. 6), S. 12-19.
Massberg, Wolfgang (1982): "Neue Produktions- und Fertigungssysteme und deren Auswirkung auf Arbeitsbedingungen und Qualifikation". In: Vorstand IG Metall (Hg.): Technischer Wandel - eine gesellschaftspolitische Herausforderung. Ringvorlesung 1981/82. Frankfurt a. M.: IG Metall, (Gemeinsame Veranstaltungen Ruhr-Universität Bochum, IG-Metall-Bildungszentrum Sprockhövel, Bd. 6), S. 44-50.
Menzel, Siegfried (1987): "Flexible Automatisierung und Effektivität aus weltanschaulicher Sicht". In: Der Rektor der Technischen Universität Karl-Marx-Stadt (Hg.): Automatisierung in weltanschaulich - philosophischer Sicht. Karl-Marx-Stadt: Technische Universität Karl-Marx-Stadt, (Wissenschaftliche Schriftenreihe der Technischen Universität Karl-Marx-Stadt), S. 4-15.
Preiss, Hans (1982): "Überlegungen zu einer sozialen Gestaltung von Technik". In: Vorstand IG Metall (Hg.): Technischer Wandel - eine gesellschaftspolitische Herausforderung. Ringvorlesung 1981/82. Frankfurt a. M.: IG Metall, (Gemeinsame Veranstaltungen Ruhr-Universität Bochum, IG-Metall-Bildungszentrum Sprockhövel, Bd. 6), S. 101-105.
Ropohl, Günter (1992): "Arbeiten, um zu leben: Das neue Arbeitsethos". In: Wessel, Karl Friedrich (Hg.): Technik und Menschenbild im Spiegel der Zukunft. Wissenschafts- und Technikentwicklung - Fragen unserer Zeit. Bielefeld: Kleine Verlag, (Berliner Studien zur Wissenschaftsphilosophie & Humanontogenetik, Bd. 2), S. 32-41.
Staudt, Erich (1992): "Technologie als Entkopplung von organisatorischen Zwängen". In: Scholz, Christian/Staudt, Erich/Steger, Ulrich (Hg.): Die Zukunft der Arbeitsgesellschaft. Technologie und Qualifikation. Frankfurt a.M./New York: Campus Verlag, (Schriftenreihe Haniel Stiftung, Bd. 2), S. 98-135.
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Last update: 02 Feb 15

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