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Genau 52 Jahre lang wirkte der unter dem Kürzel «J.H.» bekannte Johann Heinrich Müller als Direktor der Harmonie. Am 4. Januar 1903 leitete er im Gerichtshaussaal die erste Probe. Auf dem Programm stand der Marsch «Hoch Helvetia». Laut Protokoll «fiel die ganze Probe zum Staunen und zur Bewunderung der Mitglieder aus», denn bereits nach einigen Minuten «kamen die Fehler, welche man vorher übersah, ans Tageslicht». Aus diesem Grund verlangte der neue Dirigent eine Verschiebung der anstehenden Abendunterhaltung von anfangs Februar 1903 um anderthalb Monate. Sonst sei es nicht möglich, «etwas Gediegenes vorzutragen». Man gab dem Wunsch des neuen Direktors umgehend nach. Damit war schon nach der ersten Probe klar: «J.H.» war fortan der starke Mann im Verein.
Johann Heinrich Müller war nicht nur ein fähiger Dirigent, sondern auch ein begnadeter Musiker. Er konnte seinen Schützlingen die schwierigen Passagen praktisch auf jedem Instrument vorspielen. Wer so viel kann, tanzt meist auf mehreren Hochzeiten: J.H. Müller dirigierte auch die Harmonie in Wädenswil, wo er seinen Wohnsitz hatte. Die Pfäffiker Harmonie kam erst an zweiter Stelle. Und natürlich verlangte «J.H.» für die regelmässige Anreise aus Wädenswil eine gebührende Entschädigung: zunächst 8 Fran- ken, ab 1908 10 Franken, ein Jahr später 13 Franken und so fort.
Während den Proben war er ein ziemlich «scharfer Hund». Schon in seiner ersten Probe habe er die Bläser «mit seinem Temperament ein wenig erschreckt», heisst es im Vereinsprotokoll. Später erlebten besonders die Jungmusiker eigentliche «Drills» und anderthalbstündige Spezialproben vor dem offiziellen Probenbeginn, wo sie so «hart drangenommen» wurden, dass bei Beginn der Hauptprobe der Ansatz abei «Nullkommanull» gewesen sei.
Aber der Einsatz lohnte. Die Harmonie Pfäffikon hat unter Leitung von J.H. Müller seine grössten Erfolge gefeiert und bei Musikwettbewerben manchen Kranz geholt. Auch die Umstellung von der Blas zur Harmoniemusik im Jahr 1924 geschah auf Anregung des «Meisters». Jedenfalls konnte man praktisch nach jedem Konzert in der Zeitung nachlesen, was die Pfäffiker «J.H.» verdankten. Zum Beispiel nach einem Konzert von 1946 in der Kirche: «Man hätte der Öffentlichkeit keinen besseren Beweis vorsetzen können als dieses Jubiläumskonzert, das in seiner ausgefeilten Dynamik und rhythmischen Präzision von der Arbeit eines gereiften Künstlers auf dem Gebiet der Blasmusik, wie es J.H. Müller ist, in schönster Weise zeugte.»
Der «Meister» war sich seiner Position sehr wohl bewusst und liess dies die Pfäffiker mehrmals spüren. Verschiedene Male konfrontierte er den Verein mit überraschenden Rücktrittserklärungen – um dann mit noch mehr Macht versehen wieder eingestellt zu werden. 1923, als der Direktor wieder einmal seinen Rücktritt einreichte, mussten zum Beispiel alle Mitglieder schriftlich erklären, künftig die angesetzten Proben «zu besuchen und zu fördern soviel es in ihren Kräften steht». J.H. Müller war zufrieden und liess sich zum Weitermachen überreden. 1936 hatte ein erneuter Rücktritt des Direktors sogar fast zur Auflösung des Vereins geführt. Aber auch diesmal gab der Direktor in letzter Sekunde nach und stellte sich weiterhin als Dirigent zur Verfügung.
1955 ging die Ära Müller dann endgültig zu Ende. Am 12. Februar gab er, immerhin bereits 76 Jahre alt, sein Abschiedskonzert in der Kirche Pfäffikon, das in der Presse als «Zeugnis seines
genialen Könnens» gefeiert wurde. 1959 starb er im Alter von 80 Jahren.