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|Was ist unter "Kraftfutter" zu verstehen?|
Als Kraftfutter gelten eiweissreiche Futtermittel aller Art. Im Vordergrund stehen für Ziegen Produkte aus Getreide (insb. Hafer, Gerste, Weizen, Roggen und Mais), aber auch aus der Verarbeitung von Kartoffeln und Rüben (Trockenschnitzel).
|Was kann ich tun, wenn die Deckung nicht funktioniert?|
Da Sie die Frage anfangs August stellen, liegt der bisherige Misserfolg wohl primär daran, dass die Brunstsaison noch nicht begonnen hat. Diese dauert in der Regel von anfangs September bis Ende Dezember. Die Signale der Ziegen sind kaum zu übersehen: lautes Meckern, Schwanzwedeln und Rötung und Anschwellen der Scheide.
Die Brünstigkeit der Ziegen dauert zwischen einem und drei Tagen und wiederholt sich - ohne Deckung - alle drei Wochen. Als idealer Deckungszeitpunkt wird angesehen, wenn die Ziege ca. einen halben Tag nach Eintritt der Brunst mit dem Bock in Kontakt kommt.
Wer es einrichten kann, den Bock drei bis vier Wochen mit der Herde mitlaufen zu lassen, muss sich nicht um den richtigen Zeitpunkt kümmern. Dies erledigen Ziege und Bock selber weit erfolgreicher. Die Befruchtungsrate liegt beim "freien Herdensprung" meist bei nahezu 100%.
|Kann ich Zwergziegen gemeinsam mit anderen Ziegenrassen halten?|
Eine gemeinsame Haltung kommt immer wieder vor. Wenn allerdings für die grossen und kleinen Ziegen jeweils kein separater Stall bereitgestellt werden kann, würde ich von der gemeinsamen Haltung abraten. Die Dominanz der grossen Ziegen kann ohne Trennung unerträglich werden.
|Wie kann ich in die Zucht eintreten, wenn meine Ziege keine Papiere hat?|
Zunächst sei gesagt: Züchten können Sie auch ausserhalb des Zuchtbuchs. Ihre Ziegen brauchen dafür keine "Papiere".
Wenn Sie aber eine Herdebuchzucht reinrassiger Ziegen anstreben, sollten Sie zunächst Ziegen erwerben, die bereits im Herdebuch eingetragen sind und damit einen Abstammungsausweis haben. Die Abstammung muss mindestens in drei Ahnengenerationen ausgewiesen sein.
Die Herdenbuchzucht ist eine sehr wichtige und schöne Aufgabe zur Erhaltung und Förderung unserer Ziegenrassen. Wer sich dieser Form der Zucht widmen will, muss sich aber des zusätzlichen Aufwands bewusst sein, der damit verbunden ist (Meldepflichten, Leistungsprüfungen und Bewertungen).
|Welche Bedeutung haben die Glöckchen am Hals der Ziege?|
Frage: Ich habe zwei Zwergziegen, angeblich Geschwister, wobei eine zwei Glöckchen hat. Meine Frage ist jetzt welche Bedeutung diese Glöckchen haben und wieso hat ihre Schwester diese nicht?
Antwort: Bei den sog. "Glöckchen" handelt es sich um einen Hautfortsatz ohne eigentliche Funktion. Ob die Ziegen mit oder ohne Glöckchen auf die Welt kommen, ist genetisch bedingt. Eine Aussage darüber, ob Ihre beiden Zwergziegen Geschwister sind, lässt sich damit aber nur bedingt ableiten. Nur wenn beide Eltern keine Glöckchen haben, kann davon ausgegangen werden, dass auch die Lämmer ohne Glöckchen zur Welt kommen. Zudem können Glöckchen teilweise auch leicht übersehen werden, vor allem wenn sie nur als kleiner Knoten ausgebildet sind. Sie finden sich überdies nicht immer an derselben Stelle. Im Normalfall sind sie zwar am oberen Drittel des Halses angebracht, gelegentlich befinden sie sich aber auch an anderen Stellen des Halses oder gar am Kopf.
|Wo finde ich Informationen über die Pinzgauer Ziege?|
Die Pinzgauer Ziegen sind gehörnt, kurz- bis mittelhaarig, robraun mit schwarzem Bauch und einem Aalstrich über den Rücken. Sie werden für die Milch- und Fleischerzeugung gehalten. Die Milchleistung der Pinzgauer Ziege beträgt rund 600kg im Jahr. Anpassungsfähigkeit und Robustheit zählen zu ihren Vorzügen. Weiter ist sie sehr fruchtbar, was sich auch an den problemlosen Mehrlingsgeburten zeigt. Interessanterweise hat sich die Pinzgauer Ziege einige Eigenschaften einer Wildziege erhalten. So versteckt sie etwa ihre Lämmer und sucht am Abend einen höher gelegenen Lagerplatz. Es gibt noch rund 300-400 Zuchttiere, weshalb diese alte österreichische Rasse als gefährdet gilt.
Weitere Angaben und Bilder zur Pinzgauer Ziege finden Sie zum Beispiel unter www.zwergziegen.ch/pinzgauerziegetext.html
|Wie gefährlich ist die Blauzungenkrankheit für Ziegen?|
Die Blauzungenkrankeit ist eine (meldepflichtige) Tierseuche. Eine Ansteckung von Ziege zu Ziege ist jedoch nicht möglich. Der Virus wird vielmehr durch kleine Mücken übertragen. Wirte des Blauzungen-Virus sind Schafe und Rinder, aber auch Ziegen und andere Wiederkäuer. Krankheitssymptome zeigen vor allem Schafe. Bei Ziegen verläuft die Infektion hingegen meist still, ohne sichtbare Krankheitszeichen. Es ist aber vereinzelt auch von Ziegen zu hören, die an der Blauzungenkrankheit erkrankt und verendet sind. Die Krankheit kann innerhalb weniger Tage zum Tode führen.
Die Krankheitssymptome sind insbesondere Fieber, Apathie, gerötete und geschwollene Mund- und Nasenschleimhäute, Speichelausfluss und Bewegungsstörungen. Eine geschwollene und blau verfärbte Zunge, die der Krankheit den Namen gibt, ist offenbar bei erkrankten Ziegen kaum festzustellen.
Zur Vorbeugung wird unter anderem empfohlen: eine aktive Insektenbekämpfung, die Stallhaltung während der Nacht (die Mücken sind vor allem spät Abends und in der Nacht aktiv) und die Stärkung des Immunsystems, indem namentlich auf eine genügende Mineral- und Vitaminversorgung geachtet wird. Bei ersten Krankheitsanzeichen muss umgehend der Tierarzt gerufen werden, damit dieser die richtigen Massnahmen treffen kann.
Die direkte Gefahr der Blauzungenkrankheit ist damit für Ziegen relativ gering. Als Wirt der Krankheit tragen sie vor allem zur Weiterverbreitung der Tierseuche bei.
Nachträgliche Anmerkung: Seit Juni 2008 wird eine breitangelegte Impfaktion bei allen registrierten Ziegen, Schafe und Rinder durchgeführt. Die Impfung muss bis zu einer allfälligen Ausrottung der Krankheit jedes Jahr wiederholt werden.
|Gibt es einen Bildband über Ziegen mit wenig Text und vielen Bildern?|
Sie weisen leider auf eine echte Marktlücke hin. Zumindest ist auch mir kein Bildband über Ziegen bekannt. Zwar existieren zahlreiche Bücher über Ziegen. Es handelt sich aber in erster Linie um (wertvolle) Ratgeber.
Eine Empfehlung fällt deshalb schwer: Das Buch "Schweizer Ziegen" von Markus Arbenz mit weiteren Autoren aus dem Birkenhalde-Verlag enthält zahlreiche schöne Ziegenbilder. Allerdings konzentriert sich das Buch - wie es der Titel bereits besagt - auf die Schweizer Ziegenrassen. Auch hier ist zudem recht viel erklärender (und aufschlussreicher) Text über die einzelnen Rassen zu finden. Ein reiner Bildband ist es somit auch nicht.
|Wie lange tragen Ziegen ihre Jungen aus?|
Die Trächtigkeitsdauer der Ziegen liegt bei 5 Monaten, wobei die Schwankungen mit rund 20 Tagen zwischen 140 und 160 Tagen recht beträchtlich sind. Ab dem 140. Trächtigkeitstag gilt es demnach aufmerksam zu sein. Mehrlingsgeburten kommen grundsätzlich schneller wie Einlingsgeburten. Bei den Zwergziegen ist die Trächtigkeitsdauer generell kürzer und liegt zwischen 143 - 150 Tagen.
|Wie muss ich vorgehen, damit meine Ziege keine Milch mehr gibt?|
Frage: Wir haben unsere Ziege schon über 10 Jahre. Vor ca. 8 Wochen bekam sie eine Euterentzündung, hatte über 40° Fieber. Der Tierarzt gab ihr eine Spritze und wir mußten sie so lange ausmelken, bis kein Euter mehr kam. Seitdem gibt sie gute Milch und wir müssen sie jeden Tag melken. Wie kann man das wieder einstellen?
Antwort: Das Trockenstellen ist beschwerlich (für die Ziege), aber natürlich durchaus möglich. Wie geht man vor? Am Vorabend vor dem Trockenstellen sollte die Ziege nicht mehr gemolken werden. Am nächsten Morgen wird das Euter dann nochmals vollkommen ausgemolken und gut eingefettet. Danach ist das Melken konsequent einzustellen. Der Euter wird anschwellen und fest werden. Der Druck wird aber im Normalfall von selbst wieder abnehmen. In dieser Phase sollte kein Kraftfutter abgegeben werden und nur Stroh oder dann Heu verfüttert werden. Generell ist das Euter in der Phase des Trockenstellens genau zu beobachten, damit Entzündungen rasch erkannt werden können. Bei Ziegen, die anfällig auf Euterentzündungen sind, wird empfohlen, dass der Tierarzt eine vorbeugende Behandlung vornimmt. Da offenbar Ihre Ziege gerade von einer Entzündung genesen ist, würde ich vor dem Trockenstellen zur Sicherheit noch den Tierarzt kontaktieren.
Das Vorgehen zum Trockenstellen der Ziege ist vor allem dann auch erforderlich, wenn die Milch acht Wochen vor dem Ablammen nicht von selbst zurückgegangen ist (vgl. Frage "Wann höre ich nach dem Decken mit dem Melken auf?")
|Was halten Sie von der Holzbein-Ziege?|
Frage: Wir haben letzthin am Fernsehen etwas über die Holzbein-Ziege resp. Ohnmachtsziege gesehen. Handelt es sich um eine eingetragene Rasse? Kann man sie gut halten? Was meinen sie über diese Geiss?
Antwort: Die "Tennessee Fainting Goats" (oder eben Holzbein-Ziegen) sind in den USA beheimatet. Ob heute auch in Europa derartige Ziegen gehalten und gezüchtet werden, entzieht sich meiner Kenntnis. Das Spezielle bei diesen Ziegen ist, dass sie kollabieren, wenn sie erschreckt werden bzw. Angst haben. Sie werden von Muskelkrämpfen befallen, fallen steif um und bleiben einige Sekunden erstarrt liegen. Nach kurzer Zeit stehen sie auf, wie wenn nichts geschehen wäre. Die Krankheit wird Myotonia genannt. Die umfallenden Ziegen dienen oftmals zur Belustigung der Zuschauer im Fernsehen oder im Internet.
Die Ziegen sind aufgrund ihres Handicaps ohne konsequenten menschlichen Schutz nicht überlebensfähig. Die Ziegenart ist deshalb auch nicht weit verbreitet. In den USA gibt es aber offenbar einen eigenen Zuchtverband mit eigenem Herdebuch. Die Fainting Goats gelten als gute Fleischziegen. Da sie schlecht klettern können, sind sie zudem einfacher zu halten wie andere Ziegen. Die obgenannten, krankhaften Eigenschaften der Ziege werden aber bewusst mitgezüchtet. Dies kann eine Tierfreundin/ein Tierfreund meines Erachtens eigentlich nur ablehnen.
Ausführliche Informationen finden Sie unter www.zwergziegen.ch/faintinggoats.html
|Wie kann ich Ziegenkäse herstellen?|
Frage: Mein Onkel möchte gerne Ziegeprodukte herstellen. Können Sie mir mir eventuell Seiten im Netz oder selbst sagen wie ich diese Ziegen(käse)produkte herstelle?
Antwort: Ziegenmilch kann mit demselben Verfahren wie Kuhmilch zu Käse verarbeitet werden. Tipps und Tricks für erste Gehversuche bei der Käseherstellung finden sich viele im Internet, z.B. unter www.emmentaler.ch.
Wenn sich Ihr Onkel intensiver mit der Ziegenkäseproduktion und ihren Anforderungen auseinandersetzen will, empfehle ich ihm aber anstelle der Suche im Internet den Kauf eines guten Buches, zum Beispiel Käse aus Schaf- und Ziegenmilch von Wolfgang Scholz, das im Ulmer Verlag erschienen ist.
Vielleicht noch dies: Für eine professionelle oder auch nur semiprofessionelle Käseproduktion bedarf es einer erheblichen Menge an Ziegenmilch. Für ein Kilogramm Hartkäse benötigt man rund 12 Liter Ziegenmilch. Für ein Kilogramm Frischkäse muss mit rund 4 Liter Milch gerechnet werden.
|Was sind die Verhaltensmuster einer trächtigen Ziege?|
Wie bereits zu einer früheren Frage (vgl. oben "Wie erkenne ich, ob meine Ziege trächtig ist?") vermerkt, ist die Feststellung der Trächtigkeit bis kurz vor dem Ablammen kaum verlässlich möglich. Dementsprechend ist es auch schwierig, von Verhaltensmustern zu reden. Das wesentlichste (aber nicht immer zutreffende) Indiz für die Trächtigkeit ist das Ausbleiben der Brunst nach der Belegung. Die Brünstigkeit tritt von September bis ca. Ende Dezember alle drei Wochen für zwei bis drei Tage auf, sofern keine Befruchtung stattfindet. Die Ziege macht in dieser Zeit mit permanenten, lauten Meckern auf sich aufmerksam. Weitere Merkmale sind ein ständiges Schwanzwedeln und eine gerötete und angeschwollene Scheide. Wenn sich somit diese Verhaltensmuster nicht mehr wiederholen, stehen die Chancen nicht schlecht, dass die Ziege trächtig ist.
In der Regel wird die (Milch-)Ziege rund sechs bis acht Wochen vor dem Geburtstermin keine Milch mehr geben (trocken stehen), was ebenfalls als Verhaltensmuster bezeichnet werden könnte.
|Wie kann ich meiner Ziege beibringen, an der Leine mit mir zu gehen?|
Ziegen sind clevere Tiere, sodass sie sogar zu Zirkusauftritten kommen. In diesem Sinne kann auch einer Ziege beigebracht werden, an der Leine zu gehen. Dazu braucht es einfach (gemeinsame) Übung. Etwas Knäckebrot oder getrocknetes Brot als Lockmittel wird den Weg zu Anfang erleichtern.
Ziegen sind allerdings von ihrer Natur sicherlich keine Leinentiere. In diesem Sinne sind Leinengänge nur eine Notlösung, zum Beispiel in verkehrsreichen Gebieten. Mit der nötigen Erfahrung und der nötigen Zahl an Begleitpersonen bei grösseren Herden kann mit Ziegen problemlos auch ohne Leine die Weide gewechselt werden.
|Wann kann ich das Böcklein zur Herde lassen?|
Frage: Ich habe seit Januar eine kleine Miniherde an Ziegen (einen ausgewachsenen Kastrat, und zwei Mutterziegen), eine davon ist gerade Mama geworden, die Andere ist circa 1 1/2 Jahre alt. Mama und Böckchen stehen seit Samstag in der Ablammbox im Stall und können nach Draußen auf die angrenzende Weide schauen, auf der die andere Ziege und der Kastrat laufen. Meine Frage ist nun, ab wann kann ich Mama und Böckchen auf die Weide lassen und wie wird wohl der Kastrat mit dem Böckchen umgehen? Er war bisher immer mit der Mama zusammen und lies die andere Ziege zwar zu, aber sie war halt die Rangniedrigste. Kann er sein, dass er eifersüchtig wird, weil Mama Ziege jetzt mehr Zeit mit dem Böckchen verbringen wird und er dadurch dem kleinen Böckchen etwas antun würde? Wie ist das natürliche Verhalten bei Kastraten gegen über Neugeborenen? Und ab wann sollte ich das Böckchen kastrieren lassen, damit er nicht irgendwann die zweite Mutterziege deckt? Wann werden Böcke geschlechtsreif?
Antwort: Zu Ihren Fragen gibt es verschiedene Theorien. Grundsätzlich gilt, dass Sie das Muttertier und ihr Böckchen wieder zu den anderen Tieren lassen können, sobald sie genügend frisch und munter sind. Das Verhalten von Kastraten können wir nicht aus eigener Erfahrung beurteilen. Wie bereits an anderem Orte festgehalten, kann das Verhalten gegenüber Jungtieren offenbar vereinzelt - aggressiv ausfallen. Falls Sie in Sorge sind, würde ich Ihnen empfehlen, die Tiere zunächst nur unter Aufsicht zu den anderen Ziegen zu lassen. Empfehlenswert ist es in jedem Fall, mit einem Gitter oder Ähnlichem einen Lämmerschlupf zu bauen, das heisst einen Ort, wo die ausgewachsenen Tiere nicht hinkommen. Dieser Flucht- und Ruheort ist wichtig für die Zeit, in der Sie nicht anwesend sind. Dort kann auch gutes Futter für das Böcklein bereitgestellt werden.
Mit welchem Alter die Böcke geschlechtsreif werden, hängt von der Rasse ab und kann auch von Tier zu Tier stark variieren. Im Durchschnitt liegt die Geschlechtsreife der Ziegen bei rund 8 Monaten. Bei Zwergziegen ist in der Fachliteratur aber zu lesen, dass einzelne Tiere bereits nach zwei Monaten bereits geschlechtsreif werden können.
Hinsichtlich des richtigen Zeitpunkts der Kastration existieren ebenfalls verschiedene Theorien. Er hängt zudem auch von der Kastrationsmethode ab. Wir vertreten die Ansicht, dass die Kastration in den ersten vier Wochen erfolgen sollte. Gewisse Ziegenexperten vertreten allerdings auch die Ansicht, dass die Kastration im Idealfall erst zwischen der fünften und achten Woche oder gar erst nach der Geschlechtsreife erfolgen sollte. Ich würde Ihnen empfehlen, Ihren Tierarzt möglichst bald anzufragen und ihn aus seiner Optik über den Zeitpunkt entscheiden zu lassen, zumal er ja ohnehin die Kastration durchführen muss.
|Wann findet der Fellwechsel bei Ziegen statt?|
Der Haarwechsel beginnt in der Regel im März und kann mehrere Monate dauern. Ein zügiger Wechsel ist ein positives Zeichen für das Wohlbefinden der Ziege. Wenn die Ziegen hingegen mit Mangelerscheinungen oder Wurmbefall zu kämpfen haben, kann sich das Abstossen der Haare stark verzögern.
|Können Ziegen Rheuma haben?|
Wenn Sie unter Rhema die schmerzhafte Erkrankung von Gelenken und Knochen verstehen, so ist Ihre Frage zu bejahen. Da Sie keine weitere Details zu Ihrer Frage angeben, lassen sich im Weiteren nur einige generelle Aussagen machen: Gelenk- und Knochenerkrankungen können wie beim Menschen durch Abnützung, Überlastung oder durch Krankheitserreger entstehen. Präventiv hilft eine tiergerechte Fütterung. Eine genügende Vitamin- und Mineralstoffzufuhr unterstützt starke Gelenke und Knochen. Überfütterten Tieren belasten ihre Knochen und Gelenke stärker. Durch Bakterien oder Viren veursachte Erkrankungen, die Gelenkentzündungen mit sich bringen, sind zum Beispiel die Caprine Arthritis-Enzephalitis (CAE) und die ansteckende Galtkrankheit (infektiöse Agalaktie). Vor allem bei Lämmern können verschiedene weitere bakterielle Krankheitserreger zu Gelenkenzündungen führen.
|Wie mache ich gutes Ziegenheu?|
Frage: Wir beziehen das Heu für unsere Zwergziegen vom Bauern. Nun wollten wir gerne mal selber Heu herstellen. Wie machen wir gutes Heu, das unsere Ziegen mögen?
Antwort: Gutes Wiesenheu besteht aus Gräsern, Schmetterlingsblütlern (Luzerne, Klee, etc.) und Kräutern. Der Schnitt mit der (Motor-)Sense sollte nicht vor Beginn der Blüte erfolgen, damit ein guter Rohfasergehalt erreicht wird. Danach ist es wichtig, dass der Grasschnitt schnell und gründlich trocknet. Ohne Trocknungsanlage braucht dies einige regenfreie Tage. Je mehr Sonnenschein dazu kommt, desto besser sind die Beschaffenheit und der Geschmack. Das Trocknen kann auf dem Boden (mit regelmässigem Wenden) erfolgen oder (besser) auf einem Holzgestell (zu finden unter den Namen "Heinzen", "Reuter", "Heu-Reiter" etc.). Der angetrocknete Wiesenschnitt wird auf den Holzgestellen für einige Tage zum vollständigen Trocknen aufgehängt.
Lagerfähiges Heu fühlt sich warm und trocken an, auf keinen Fall heiss oder feucht. Zu früh eingelagertes Heu schimmelt oder kann sich gar entzünden.
Das fertige Heu sollte an einem trockenen und gut belüfteten Ort aufbewahrt werden. Zum Lagern kleinerer Mengen eignen sich zum Beispiel (aufgehängte) Netze oder Jutesäcke.
Um Koliken zu vermeiden wird oftmals empfohlen, kein frisches Heu zu verfüttern, sondern es noch eine Weile (4-6 Wochen) zu lagern, bis alle Gärungsprozesse vorüber sind.
|Sind die Hörner der Ziegen durchblutet?|
Ja, Ziegenhörner sind sehr gut durchblutet. Aufgrund der zahlreichen Nervenbahnen sind die Hörner auch schmerzempfindlich. Diesem Umstand ist insbesondere bei der Enthornung Rechnung zu tragen. Sie sollte, wenn überhaupt, in den ersten Lebenswochen stattfinden, sobald die Hornansätze spürbar sind.
|Wie steil dürfen Ziegenweiden sein?|
Für Ziegen ist kaum eine Weide zu steil. Die Fähigkeit, steile Hänge zu beweiden, ist eine ihrer (vielen) Vorzüge. Als beeindruckende Kletterkünstler bewältigen sie Hangneigungen bis rund 120% bzw. 50°! Sie kommen damit an Orte, die für alle anderen Nutztiere nicht erreichbar sind. Um Erosionsschäden zu vermeiden, wird jedoch empfohlen, dass Ziegenweiden eine Neigung von 80% bzw. 39° nicht überschreiten sollten. Dasselbe gilt für Schafweiden. Für Kühe werden Hanglagen bis max. 40%/22° empfohlen und für Rinder Steigungen bis max. 60%/31°. Zur Verminderung der Erosionsgefahr sollten steile Hänge zudem bei Nässe nicht beweidet werden (vgl. Schlussbericht "Erosion im Alpgebiet", Agricultura, Dezember 2007 mit diesen und weiteren Empfehlungen).
|Was ist der Unterschied zwischen Schaf und Ziege?|
Frage: Ich hätte eine blöde Frage. Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Schaf und Ziege?
Antwort: Die Frage ist überhaupt nicht dumm. Zwischen Schaf und Ziege besteht eine enge Verwandschaft, gehören sie doch derselben Gattungsgruppe an. Je nach Rasse kann eine Unterscheidung Mühe bereiten. C. Winkler von der Universität für Bodenkultur in Wien hat in einem im Internet abrufbaren Referat folgende (äussere) Merkmale aufgeführt:
- Ziegen haben einen Kinnbart, Schafe nicht.
- Der Schwanz der Ziegen ist kürzer als die Ohren (umgekehrt beim Schaf). Er ist überdies auf der Unterseite kahl, im Gegensatz zum Schaf mit einer "Rundumbehaarung"..
- Auch bei den Drüsen bestehen unterschiede. Ziegen haben Schwanz und Horndrüsen. Schafe verfügen hingegen über Voraugendrüsen, Zwischenzehendrüsen und Leistendrüsen.
Älteste Funde konnten übrigens sowohl bei der Hausziege wie beim Hausschaf bereits am Übergang vom 9. zum 10. Jahrtausend v. Chr. nachgewiesen werden. Die Ziegen sollen aber eine gewisse Zeit vor den Schafen domestiziert worden sein. Denn sie waren unseren Vorfahren vor allem beim Roden der Wälder und damit der Erschliessung neuer Ackerbau- und Siedlungsgebiete hilfreich.
Natürlich unterscheiden sich Schafe und Ziegen auch in ihrem Wesen und in ihren Produkten. Wir verzichten aus Platzgründen, diese hier im Detail zu schildern. Im gesamten Ziegenportal finden sich jedoch zahlreiche Hinweise.
Und hier geht es zum 9. Teil der Ziegen-Fragen.