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Andromeda
Zur Beachtung:
Bei dieser Seite handelt es sich um eine Skizze, die noch mit Fehlern behaftet ist.
Die gültige (und einzig zitierbare) Version befindet sich im Buch
»Spinnenfuß & Krötenbauch. Genese und Symbolik von Kompositwesen«
La Belle et la Bête
›La belle et la bête‹ ist der Titel einer fantastischen Erzählung von Jeanne Marie Leprince de Beaumont (1711–1780).
Andromeda
Andromedas Mutter brüstete sich mit ihrer Schönheit und prahlte schöner zu sein als die Nereiden. Diese Meernymphen baten Poseidon um Rache, und er sandte eine Flut und ein Meerungeheuer, das Cetus genannt wird. Der Priester Ammon orakelte, das Land werde befreit, wenn Andromeda dem Monster vorgeworfen würde. Und so fesselt der König seine Tochter Andromeda an einen Felsen. Perseus, der der Medusa das Haupt abgeschlagen hatte, fliegt – mit Flügelschuhen ausgestattet – zufällig dort vorbei, entdeckt die Gefesselte, ist entflammt, tötet das Scheusal, befreit Andromeda und bekommt sie zur Frau.
Kurze Versionen dieser Geschichte erzählen Apollodor (II, iv, 3) und Hygin (Fab 64); Ovid (Metamorphosen IV, 663–764) kostet alle Reize literarisch aus: Zunächst hält der in der Luft sich nähernde Perseus die Frau am Felsen für ein Marmorgebilde, dann sieht er, dass ihr Haar sich bewegt; er stürzt wegen seines Schönheits-Schocks beinahe ab; das Gespräch der beiden wird durch das herannahende Untier unterbrochen. Dieses wird geschildert: ein grausiges Maul, schuppiger Nacken, gierige Krallen, auf dem Rücken festgewachsene Muscheln, es endet in einen Fischschwanz. Die grässliche Agonie des Monstrums kontrastiert mit der bald erfolgenden Hochzeit der beiden ...
Quelle: Die Verwandlungen des Ovidii in zweyhundert und sechs und zwantzig Kupffern. In Verlegung Johann Ulrich Krauß, Kupferstechern in Augspurg [ca. 1690].
Der Kontrast zwischen der makellosen Schönheit der Jungfrau und der grausigen Monstrum hat die Künstler aller Epochen angeregt; Bilder findet man seit den pompeianischen Wandmalereien (hier ist Perseus nackt und Andromea bekleidet) und immer wieder bei den Illustratoren von Ovid-Ausgaben. Hendrick Goltzius (1583), Joachim Wtawael (1611), Francesco Maffei (1657/8), François Lemoyne (1723), Carle van Loo (1735/40): Rubens, Tizian, Vasari und Gustav Doré haben die Szene gemalt.
Ariost nimmt die Konstellation im »Orlando furioso« wieder auf: Ruggiero befreit Angelica (gemalt u.a. von Arnold Böcklin und Ingres).
Das Motiv gibt Gelegenheit zur Inszenierung von Männerphantasien.
Satyr und Nymphe
Einen Anlass zur (oft anzüglichen) Gestaltung von ›La Belle et la Bête‹ gab sodann immer wieder die mythologische Erzählung von Zeus/Jupiter, der sich in die Gestalt eines Satyrn verwandelt und Antiope im Schlaf überrascht und vergewaltigt (vgl. Ovid, Metamorphosen VI, 108–111).
Hypnerotomachia Poliphili. »Der Traumliebeskampf des Vielliebenden bzw. Polia Liebenden« wird Francesco Colonna (1433–1527) zugeschrieben. Der Protagonist namens Poliphilo erzählt einen Traum, in dem er den Weg zu seiner Geliebten findet. Er durchwandert eine Kunst- und Architekturlandschaft, durch zauberhafte Wälder, Grotten, Ruinen, Triumphbögen, ein Labyrinth; er begegnet Elefanten und Drachen, Göttern und Göttinnen, Personifikationen. Die Orte, Gebäude und Kunstwerke werden ausführlich beschrieben und mit mit bedeutungsvollen Anspielungen versehen. Ein Erotizismus durchwaltet das Werk; alle Schattierungen der vielgestaltigen Liebe klingen an. Einmal gelangt er an einem wonnevollen Ort in einer Waldlichtung zu einem Marmorgebäude, an dem ein in Stein gehauenes Relief angebracht ist (J. Godwin p. 70ff.) Es zeigt eine wunderschöne, unter einem Arbutus-Baum schlafende Nymphe – die detailreich geschildert wird – und zu ihren Füßen einen in geiler Lust entbrannten Satyr (in lasciuia pruriente & tutto commoto) mit Bocksfüßen und und Ziegennase, ein Mischwesen aus Mensch und Ziege (effigie tra caprea & humana adulterata). Mit der einen Hand hebt er galant Zweige des Baums empor, um der Nymphe Schatten zu spenden, mit der andern zieht der den Vorhang vor der Schlafenden weg. Das zugehörige Bild zeigt noch ein zusätzliches Detail. Die erotische Zweideutigkeit wird noch getoppt durch die (ebenfalls bei Text und Bild unterschiedlichen) Inschriften: Im Text steht: ΠΑΝΤΑ ΤΟΚΑΔΙ ("alle Dinge der Mutter [Dativ]; von τοκάς ›geboren habend‹) – die Bildunterschrift dagegen lautet: ΠΑΝΤΩΝ ΤΟΚΑΔΙ ("der Mutter [Dativ] aller Dinge"). Deutung?
Dürers Kupferstich »Das Meerwunder« (vor 1500), der den Kunsthistorikern ein Rätsel aufgibt, hat sicherlich auch den Aspekt ›la belle et la bête‹ .
1957 kam der Film »Attack of the Crab Monsters« in die Kinos. Die Monstra sind hier durch radioaktive Strahlung entstandene menschenfressende Riesenkrabben, die die Intelligenz der von ihnen verschlungenen Opfer bekommen ... Das Plakat steht in der Tradition der Andromeda.
Variationen:
Das Motiv hat sich aber auch verselbständigt. Vgl. Wolfgang Kilian nach Palma Giovane
Wer wollte es einem Schaumweinhersteller verargen, eine Bacchantin mit einem Satyr beim Probieren dieses köstlichen Getränks darzustellen? (Quelle: »Simplicissimus« 1908)