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von Ariane Koch*
Wir warten auf den Feldern, aber der Blitz will nicht einschlagen.
Wir rennen durch den Regen, aber er wäscht uns nicht rein.
Wir brauchen Weihrauch, aber es gibt nur Zigaretten.
Wir hoffen auf Katharsis, aber es gibt nur Katakomben.
Wir machen Liegestütze, aber knicken nicht ein.
Wir verweigern das Schlafen, aber fallen nicht um.
Wir klettern über Mauern, aber niemand hält uns auf.
Wir klatschen in die Hände, aber niemand hört uns.
Wir trinken ohne Ende, aber bleiben immer leer.
Wir starren an den Horizont, aber sehen kein Licht.
Wir mögen dein Haar, aber streicheln nicht darüber.
Wir mögen deine Art, aber sagen es dir nicht.
Wir sehen dich an, aber es führt nirgends hin.
Wir entlaufen in fremde Städte, aber fühlen uns nicht heimatlos.
Wir verirren uns, aber gehen nicht verloren.
Wir können nicht mehr, aber brechen nicht ein.
Wir wandeln durch die Nacht, aber ängstigen uns nicht.
Wir erheben uns aus dem Bett, aber erleben nichts Neues.
Wir drehen das Radio auf, aber hören nur ein Rauschen.*
«Extase», uraufgeführt 29.9.2017, Ballhaus Ost, Berlin
Ich habe alles und nichts über den Rausch begriffen.
Ich schrieb einen Theatertext über das Warten auf den Rausch, über die potentielle Gefährlichkeit rauschartiger Proklamation, über das Gegenteil von Rausch (Vernunft?); sprich über sein Fehlen in unserer Mitte.
Ich las mich durch Dionysos und die Mystiker, klickte durch Skispringer-, Sektenprediger- und Dirigentenvideos, und begriff, dass der Rausch zwar ein wünschenswerter Zustand sein soll, aber ungefähr so abbildbar wie Gott oder der Santiglaus.
Der Rausch entzieht sich unserem Denkvermögen, entzieht sich der Erinnerung, der Kategorisierung. Wir kennen den Rausch nicht, weil wir ihn schlecht in Worte fassen können. Weil er dann, wenn wir über ihn reden, nicht da ist, und ihn stets vermissen, wenn wir über ihn nachdenken. Der Rausch geht quasi unbemerkt durch uns hindurch, sonst wäre er kein Rausch. Indem wir sagen, wir begreifen ihn nicht, bejahen wir ihn erst recht. Der Rausch ist ein Geist, weil er nicht zu beweisen ist. Aber der Wunsch nach seiner Anwesenheit manifestiert, dass er einmal da war. Und manchmal bleiben sogar Spuren davon zurück, zum Beispiel ein kurzer Text.
*Ariane Koch (*1988) tut allerlei, am liebsten schreibt sie zurzeit an ihrem ersten Roman «Die Aufdrängung».