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AMNESTY: Wie haben Sie reagiert, als Sie 1977 erfuhren, dass Amnesty mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet werden würde?
Thomas Hammarberg: Wir waren alle total überrascht. Im Vorfeld hatten wir nichts gehört, es gab keine Gerüchte oder sonst irgendwelche Informationen. Um-so glücklicher waren wir natürlich, als wir davon erfuhren. Der Friedensnobelpreis war sehr wichtig für Amnesty. Plötzlich waren wir international als eine glaubwürdige Bewegung anerkannt. Unsere Mitgliederzahlen stiegen weltweit rasant. Auch die Medien interessierten sich von nun an stärker für unsere Arbeit. Nach der Verleihung des Nobelpreises waren wir noch erfolgreicher, wenn es darum ging, politischen Druck auf Regierungen auszuüben. Es wurde für sie immer schwieriger, uns zu ignorieren.
Bei der Zeremonie in Oslo waren auch Botschafter von Regierungen vertreten, denen Amnesty Menschenrechtsverletzungen vorwarf. Wie haben die reagiert?
Die Diplomaten in Oslo haben nicht negativ reagiert. Sie blieben einfach still. Aber wir wussten natürlich, dass einige von ihnen ziemlich aufgebracht waren.
Versuchten manche Staaten, die Arbeit von Amnesty zu behindern?
Uns war bewusst, dass Geheimdienste verschiedener Länder versuchten, unsere Glaubwürdigkeit zu untergraben und unsere Arbeit zu sabotieren. Beispielsweise, indem sie diejenigen verfolgten, die uns Informationen direkt aus den Ländern lieferten. Das war für uns eine sehr schwierige Situation, denn wir wollten natürlich niemanden in Gefahr bringen. Daher suchten wir immer nach sicheren Kommunikationswegen. Der südafrikanische Geheimdienst versuchte sogar einmal vergeblich, in unsere Zentrale in London einzubrechen.
Vermissen Sie manchmal Ihre Zeit bei Amnesty?
Ich bin immer noch Mitglied und Förderer und lese regelmässig die Berichte der Organisation, die sehr gut sind und wichtig für meine Arbeit. Die Arbeit eines Menschenrechtskommissars einer europäischen Institution unterscheidet sich natürlich von der in einer NGO. Aber es gibt auch Gemeinsamkeiten, beispielsweise, niemals achtlos mit Fakten umzugehen. Wenn man falsche Informationen verbreitet, schlagen die Regierungen sofort zurück und versuchen, die Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen.
Erschienen in «AMNESTY – Magazin der Menschenrechte» von Mai 2011
Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion