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Das verbindende Element: Fähren in der Schweiz
Fähren verbinden zwei Ufer miteinander. In einer Zeit, als Brücken in der Schweiz noch rar waren, erfüllten sie eine wichtige Transportfunktion. Nicht nur Waren, Tiere und Menschen wurden mit Fähren ans andere Ufer gebracht, sondern auch ganze Eisenbahnwaggons auf ihnen verschifft. Ein Einblick in ein wenig bekanntes Kapitel der Verkehrsgeschichte.
Bis heute erfreuen sich die vier Basler Fähren grosser Beliebtheit. Die Fähren St. Alban «Wild Maa», Münster «Leu», Klingental «Vogel Gryff» und St. Johann «Ueli» sind fester Bestandteil des Basler Stadtbildes. Bis weit ins 19. Jahrhundert gab es in der Stadt nur eine Brücke, auf welcher der Rhein überquert werden konnte. Die Mehrzahl der Brücken in der Schweiz entstand erst im 19. und 20. Jahrhundert. Wer Personen, Tiere und Waren mit einer Fähre über einen bestimmten Flussabschnitt bringen durfte, hatte ein nicht zu unterschätzendes Machtinstrument inne. Über sogenannte «Fährrechte» verfügten die örtlichen Grundherren. Auch das Einrichten einer Fähre für eine bestimmte Person konnte auf dessen hohen sozialen Status und politischen Einfluss verweisen. Als 1743 der britische Gesandte Johannes Burnaby im Schloss Reichenbach bei Zollikofen seine Sommerresidenz bezog, richtete ihm die Berner Regierung am Aareufer eine Fähre ein. Dadurch entfiel der lange Umweg und der Botschafter konnte Bern direkt via Engehalbinsel erreichen.
Der «Kohlefresser» und andere Trajektschiffe
Die Industrialisierung und der Eisenbahnbau brachten auf Schweizer Seen einen ganz neuen Fährentypus zum Vorschein: das Trajektschiff. Eine herausragende Rolle spielte der internationale Trajektverkehr auf dem Bodensee, wo bereits 1869 zwei Verbindungen zwischen der Schweiz und Deutschland bestanden. Anstatt die Waren mühsam zu verschiffen, gelangten die Güterwaggons über eine Rampe direkt auf die Trajektschiffe. Ein von Escher, Wyss & Cie erbautes Dampftrajektschiff wurde jedoch bereits nach 14 Betriebsjahren (1883) ausgemustert. Grund dafür war sein enormer Kohleverbrauch: Weil das Trajektschiff für eine Überfahrt zwischen 600 und 720 kg Kohle verbrauchte, wurde es im Volksmund «Kohlefresser» genannt.
Der während des Zweiten Weltkrieges ruhende Fährenbetrieb wurde einige Jahre nach Kriegsende wieder aufgenommen. Von 1948 bis 1968 beförderten die Trajektschiffe jährlich 35'000 bis 40'000 Güterwaggons und zahlreiche Autos zwischen Romanshorn und Friedrichshafen. Nur die «Seegfrörni» legte 1963 den gesamten Schiffsverkehr auf dem Bodensee während sechs Wochen lahm. Die verbesserte Erschliessung durch Bahnlinien und Strassen rund um den Bodensee liess die Bedeutung der Eisenbahntrajekte zurückgehen. 1976 stellten die SBB die Verbindung zwischen Romanshorn und Friedrichhafen endgültig ein. Einen einzigartigen Einblick in den Trajektverkehr auf dem Bodensee bietet der im Jahr 1976 gedrehte Dokumentarfilm «Schienen über Wellen» von Walter Nater und Hugo Rietmann.
Mit dem Auto ins Schiff
Die auf dem Bodensee verkehrenden Schiffe «Romanshorn» und «Rorschach» wurden nach dem Einstellen des Trajektverkehrs zu reinen Autofähren umgebaut. Neben dem Bodensee gibt es Autofähren heute in der Schweiz auf dem Vierwaldstättersee und dem Zürichsee. Die Verankerung des Tell-Mythos in der Zentralschweiz kommt dadurch zum Ausdruck, dass die Autofähre zwischen Beckenried und Gersau mit «Tellsprung» benannt wurde. Die Neue Zürcher Zeitung berichtete am 13. Juli 1930 über die neu entstandene Fährverbindung wie folgt: «Endlich lebt das junge, aus privater Initiative hervorgegangene Unternehmen. […] Auch ohne geldverschlingende ‘zeitgemässe’ Reklametrommel steigt täglich die Frequenz. […] Die Wegersparnis, Kostenersparnis und Gefahrzonenminderung für die Mobilisten ist dabei unbestritten, ebenso der Reiz, den jede Neuerung auf Menschen ausübt.»
Die Bedeutung von Fähren als «verbindendem Element» kommt nirgendwo in der Schweiz besser zum Ausdruck als auf dem Zürichsee: die Autofähren ersparen nicht nur so manchem Autofahrer die Fahrt durch die stauanfällige Stadt Zürich oder über den Seedamm, sie sind auch eine schwimmende Brücke zwischen der «Goldküste» und der «Pfnüselküste».