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Am Samstag ist NHL-Star Joe Thornton (41) in Davos eingetroffen. Er kann nächste Saison für den HC Davos spielen. Sofern er das wünscht. Er hat den Schweizer Pass und würde keine Ausländerlizenz beanspruchen.
Seit der Saison 2004/05 ist Joe Thornton ein Teil der HCD-Kultur. Er verbrachte damals die verlorene NHL Saison («Lockout») zusammen mit Rick Nash und Niklas Hagmann bei Davos, feierte den Meistertitel und den Spengler Cup-Triumph. In 40 Partien produzierte er 54 Punkte und in den Playoffs schwebte er über dem Eis: 29 Punkte in 14 Partien. Beim zweiten Lockout (2012/13) kehrte er erneut zum HCD zurück (33 Spiele/36 Punkte).
Seither gehört Joe Thornton sozusagen zum HCD. Jedes Jahr «pilgert» er Anfang August nach Davos, um mit dem HCD auf dem Eis zu trainieren und sich so auf die NHL-Saison vorzubereiten. So ist es auch in diesem Jahr. Er reiste am Samstag aus Kanada an und musste deshalb nicht in Quarantäne. Die HCD-Trainings finden wegen der Virus-Krise unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Sein Vertrag mit San José läuft aus. Daher die Frage: Bleibt er in Davos und spielt die neue Saison mit dem HCD? Eine Frage des Geldes ist es nicht. Joe Thornton hat in seiner grandiosen NHL-Karriere (mehr als 1700 Spiele und 1600 Punkte) etwas mehr als 100 Millionen Dollar brutto verdient. Eine Saison in Davos wäre im Spätherbst seiner Karriere eine Angelegenheit des Herzens, nicht mehr des Portemonnaies.
Die Frage geht also an HCD-Sportdirektor Raeto Raffainer: spielt Joe Thornton nächste Saison in Davos? Er stellt die Gegenfrage: «Warum nicht?» Und erklärt dann die ganz besondere Beziehung zum kanadischen NHL-Kultstürmer: «Joe ist eine Ikone des Welthockeys. Es würde uns nie einfallen, ihn zu fragen oder gar zu bitten, ob er noch eine Saison mit uns spielen wolle. Das ist eine Frage des Respekts. Aber wenn Joe zum Schluss kommen sollte, für uns spielen zu wollen, dann setzen wir uns an den Tisch und finden eine Lösung. Aber ob er das will, ist ganz allein seine Entscheidung.»
Was zur nächsten Frage führt: Wäre es tatsächlich möglich, dass er im Falle eines Falles – sein Vertrag läuft ja aus – nächste Saison mit dem HCD spielt? «Wie ich schon sagt: wenn er das möchte, werden wir versuchen, eine Lösung zu finden.»
Hat Joe Thornton schon gefragt, ob es für ihn nächste Saison einen Platz in der Mannschaft gibt? «Nein. Er ist am Samstag in Davos eingetroffen und wir werden uns in den nächsten Tagen unterhalten und dann wird sich zeigen, was er für Pläne hat.» Die NHL-Saison beginnt erst am 1. Dezember. Denkbar ist daher auch eine Teillösung für den Fall, dass er noch einmal einen NHL-Vertrag bekommt: Joe Thornton spielt bis er im November ins NHL-Trainingscamp einrücken muss, für den HCD.
Die Ausführungen von Raeto Raffainer sind eigentlich klar: Will Joe Thornton nächste Saison mit dem HCD spielen, dann kann er das. Dem klugen HCD-Sportdirektor wird es im Falle eines Falles gelingen, eine finanzielle Lösung zum Wohle von Davos und von Joe Thornton zu finden.
Wäre der Kanadier überhaupt noch dazu in der Lage, unsere Liga zu dominieren? Vor seinem ersten HCD-Gastspiel liess er sich als Captain in Boston in 77 Partien 73 Punkte gutschreiben. Letzte Saison waren es in San José «nur» noch knapp halb so viel: 31 Punkte in 70 Partien.
Aber selbst ein «halber Joe» wäre eine Bereicherung für die Liga und Verstärkung für den HCD. Mit seinem Charisma, seiner Präsenz und seiner Postur (193 cm/100 kg) ist der sanfte Riese nach wie vor ein Weltklassespieler und ein dominanter NL-Spielmacher. Er wäre auch dann immer noch bei weitem gut genug, um als Ausländer seinen Platz im Team zu rechtfertigen. Da er den Schweizer Pass besitzt (er ist mit einer Schweizerin verheiratet), könnte der HCD weiterhin vier Ausländer neben ihm einsetzen und würde mit Joe Thornton Titelkandidat.
Vielleicht würde es Raeto Raffainer sogar gelingen, wenigstens für ein einziges Spiel die Magie des vergangenen Ruhmes noch einmal aufleben zu lassen: Mit Arno Del Curto als Gastcoach an der Bande und einem Comeback für eine Partie von Reto von Arx (43).
Aber zuerst müssen wir ja wissen, ob oder ab wann es nächste Saison überhaupt gibt.
P.S. HCD-Präsident Gaudenz Domenig sollte so oder so versuchen, Joe Thornton für das nächste Gespräch mit Peter Buser als Mediator zu gewinnen.
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