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(lat., Bodenschätzung), die Wertschätzung von Landgütern oder einzelnen Grundstücken durch Privatpersonen,
durch besondere Kommissionen oder durch amtlich bestellte Taxatoren oder Boniteure. Die Bonitierung ist der schwierigste Teil
der Geschäfte eines Landwirts und erfordert neben den umfassendsten Kenntnissen auch die Fertigkeit, die Objekte mit allen
auf ihren Ertrag einflußreichen Verhältnissen richtig beurteilen zu können. Eine überall anwendbare, auch für minder
Geübte leicht zu erlernende und klar zu durchschauende, möglichst sichere und mit möglichst geringem Kostenaufwand auszuführende
Taxationsmethode gibt es nicht.
Dies geschieht durch die Fertigung eines Ertragsanschlags (s. d.). Bisher ging man von dem Gedanken aus, die Grundstücke nach
dem bei ihrer Bewirtschaftung zu erwartenden Reinertrag zu bonitieren. Da aber auf diesen die persönliche Befähigung des
Bewirtschafters, dessen Fleiß, Kapitalkraft und vieles andre vom wesentlichsten Einfluß sind, so kann
diese Methode nicht empfohlen werden. Bei den bisherigen Bonitierungen legte man einen Durchschnittsmaßstab für den Betrieb
zu Grunde, die Dreifelderwirtschaft in einfachster Form, und berechnete danach in bestimmt vorgeschriebener Schablone den zu
erwartenden Ertrag. Obwohl diese Wirtschaftsform längst nicht mehr existiert, so beruht doch
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oft die Taxation noch auf dieser Grundlage, ähnlich, wie man z. B. zur Ermittelung der Gewerbesteuer die Fabrikanten nach
der Pferdekraft ihrer Dampfmaschinen
[* 5] besteuert in der Meinung, daß eine Maschine
[* 6] von bestimmter Größe auch einen bestimmten
Gewinn abwerfen müsse. Bei Errichtung der sogen. Landschaften (ritterschaftlichen Kreditinstitute) suchte man behufs der Beleihung
zu unterscheiden zwischen der temporären und der Sicherheits- oder Kredittaxe und verstand unter dieser den Wert, welchen
ein Gut unter allen Umständen an sich haben müsse, unter jener den, welchen es durch die Kunst des Bewirtschafters erlangen
könne.
Ausführliches hierüber s. bei Block, »Mitteilungen landwirtschaftlicher Erfahrungen, Ansichten und Grundsätze« (Bresl.
1829, 3. Aufl. 1841). In einem Beispiel wird, nach damals üblicher Rechnungsmethode im sogen. Roggenwert, die temporäre
Taxe eines größern Guts zu 47,262 Scheffel, die Kredittaxe aber zu nur 22,714 ScheffelRoggen berechnet. Bei Veranschlagung von
Gerechtsamen muß man die dadurch erhaltenen Vorteile in Geldeswert richtig zu berechnen suchen, die
zur Erlangung der Vorteile anzuwendenden Kosten in Abzug bringen und die übrigbleibende Summe als Jahresertrag entsprechend
kapitalisieren; Dienstbarkeiten werden ebenso taxiert, sind aber mit der berechneten Kapitalsumme gleichsam als eine auf dem
Gut haftende Schuld zu betrachten.
Gebäude kann man leicht durch Sachverständige mit Zugrundelegung der Brandkataster nach ihrem momentanen
Werte, den Unterhaltungskosten und den etwanigen Fonds für notwendige Reparaturen und Ergänzungen taxieren lassen. Vieh,
Gerätschaften, Vorräte u. dgl. werden leichter
zu schätzen sein; auch hier muß die etwanige Nachbeschaffung des Fehlenden, der Aufwand für Reparaturen und Unterhalt
in Betracht gezogen werden. Die erforderlichen Barmittel ergeben sich nach Maßgabe des zu wählenden
oder des gewählten Betriebes. Die Grundstücke endlich bilden den Gegenstand der eigentlichen und sind für sich zu taxieren.
Ist dies alles richtig geschehen, so kennt man den zu zahlenden Kaufpreis oder den Tauschwert des Ganzen; will man prüfen,
ob derselbe auch die zu erwartenden Einnahmen sichert, so muß ein spezieller Anschlag über die auf Grund
eines bestimmten Wirtschaftsplans zu erwartenden Ausgaben und Einnahmen gefertigt werden.
Bis jetzt bonitierte man die Grundstücke in der Art, daß man eine beliebige Zahl von Bonitätsklassen mit bestimmten Merkmalen
aufstellte und jedes einzelne Grundstück prüfte, um zu erfahren, welcher Klasse es zuzurechnen sei. Dabei
unterschied man die ökonomische Klassifikation, als die auf Reinertragsberechnungen fußende, von der natürlichen oder physikalischen
Klassifikation, d. h. der, bei welcher äußerlich sichtbare Merkmale zu Grunde gelegt werden sollten.
Einige glaubten die geologische Klassifikation empfehlen zu können, z. B. Hundeshagen, Fallou. Die AusdrückeGranit-, Porphyrboden
etc. sind aber zu nichtssagend für die Wertsbeurteilung. Die Hauptbestandteile:
Thon, Sand, Kalk, Lehm, Humus, mit entsprechenden Unterabteilungen bilden die Grundlage einer in Norddeutschland und bei vielen
Landwirten gebräuchlichen Klassifikation;
sie ist für gegebene klimatische Verhältnisse verständlich, weil jene Begriffe
ein genügendes Bild von den zu bauenden Pflanzen, der zu gebenden Bearbeitung und Düngung etc. bieten,
nicht aber anderwärts brauchbar und nicht sicher zur Wertschätzung.
Die mechanische Analyse oder die Zerlegung des Bodens
in Feinerde und Skelett,
[* 7] welche
Knop zur in Verbindung mit der Prüfung auf die Absorption verwerten will (s. dessen »Bonitierung der Ackererde«,
Leipz. 1871), kann ebenfalls und zum mindesten jetzt noch nicht genügen,
da bis jetzt nur feststeht, daß 1) Erden von hoher Fruchtbarkeit eine hohe Absorption (viel Feinerde) haben und 2) die Absorption
mit der Zunahme der aufgeschlossenen Silikatbasen steigt, keineswegs aber Klassenabstufungen zum Zweck der Wertschätzung
sich darauf begründen lassen.
Von den Methoden der ökonomischen Klassifikation ist am gebräuchlichsten die nach den Hauptfrüchten
mit den Bezeichnungen: Weizen-, Gerste-, Roggen-, Haferboden mit Unterabteilungen, so ziemlich entsprechend den Bezeichnungen
Thonboden etc. Schönleutner wollte die Kleefähigkeit zu Grunde legen und unterschied kleefähigen und nichtkleefähigen
Boden, bei ersterm Luzerne-, Rotklee-, Esparsetteboden mit Unterabteilungen. Andre meinten die Graswüchsigkeit (den natürlichen
Grasertrag beim Liegenlassen zur Wiese) gebrauchen zu können.
Birnbaum will die wichtigsten der auf den Ertrag einflußreichen Momente zu Grunde legen, für jedes zehn
Klassen mit möglichst genauen Abstufungen zeichnen und bei jedem Grundstück die Bonitierung für jedes Moment für sich vornehmen,
so daß schließlich die Durchschnittszahl die Klasse bestimmt und damit, wenn der höchste und niedrigste Geldwert, welcher
in der betreffenden Gegend gezahlt wird, bekannt ist, die Wertbestimmung sich von selbst ergibt. Thaer,
Koppe, v. Flotow und deren Nachfolger zeichneten umgekehrt zehn Klassen mit allen Merkmalen und überließen es dem Boniteur,
ein Grundstück richtig in irgend eine dieser Klassen einzuschätzen.
Thaers erste Klasse z. B. war der Thonboden mit vier Unterabteilungen: