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Die majestätische Elefantenuhr steht in einem Pavillon im Musée d'Horlogerie in Lelocle, Link öffnet in einem neuen Fenster, einem Städtchen im Schweizer Jura. In dieser Gegend boomt die Uhrenindustrie seit Jahrhunderten. Bis heute produzieren hier Unternehmen wie Cartier oder Tissot ihre Präzisions-Zeitmesser.
Die Wasseruhr im Uhrenmuseum ist nicht ganz so präzise. Dafür ist sie ein Prachtstück: Zwei Meter gross, stellt sie einen indischen Elefanten dar, der einen hohen Turm auf dem Rücken trägt. Geritten wird der Dickhäuter von einem stolzen Elefantentreiber. Den Turm zieren exotische Tiere. Alle 30 Minuten verselbständigen sich die Figuren wie durch Magie: Eine Metallkugel löst verschiedene Mechanismen aus, bis ein Gong ertönt. Er zeigt an, dass wieder eine halbe Stunde vergangen ist.
Vor 22 Jahren kam das kleine Technikwunder nach Lelocle ins Museum. Uhrmacher in England hatten es gebaut, erzählt der Pendeluhren-Restaurator des Museums, Gérard Vouga. «Die Uhr ist eine zeitgenössische Interpretation der Uhr, die der islamische Gelehrte Ibn Ismail al-Dschazari um etwa 1200 nach Christus konstruiert hat – zur Blütezeit der islamischen Ingenieurskunst», erzählt Vouga, bevor er erklärt, wie die Uhr genau funktioniert (siehe Video oben).
Grossmeister der Ingenieurskunst
Al-Dschazari stammte aus Bagdad und ist einer der berühmtesten Ingenieure des islamischen Grossreichs, das sich einst von Südspanien bis an den Indus erstreckte. Damals sprühte im Orient der Erfindergeist und es entstanden wegweisende wissenschaftliche sowie technische Erkenntnisse.
Al-Dschazari war ein bekannter Tüftler. Komplexe Maschinen faszinierten ihn. 1205 veröffentlichte er sein «Buch des Wissens von sinnreichen mechanischen Automaten», in dem er auf reich illustrierten Seiten 50 seiner Erfindungen beschreibt: ausgeklügelte Brunnensysteme und Schöpfwerke, aber auch unterhaltsame Musikautomaten, die mit Wasser angetrieben werden oder eine automatisierte Teedienerin. Sie war einer der ersten Roboter.
Wer betete, brauchte Uhren
Sein berühmtester Automat ist heute die wasserangetriebene Elefantenuhr. Wasseruhren gehörten in der islamischen Welt zu den gängigsten Zeitmessern. Sie waren genauer als Sonnenuhren, denn sie funktionierten auch bei schlechtem Wetter und in der Nacht. Und die Tageszeit zu kennen war wichtig im Islam; so konnten die täglichen Gebete korrekt verrichtet werden.
Al-Dschazaris Wasseruhr dürfte eine der ersten automatischen Uhren gewesen sein. Schon viele Tüftler haben sie auf Basis seiner Zeichnungen nachgebaut. In Lelocle steht eines der wenigen Exemplare, die tatsächlich funktionieren. Das Besondere an al-Dschazaris Erfindung ist die kleine Wasserschüssel, die das Uhrwerk darstellt. Sie füllt und leert sich durch einen ausgeklügelten Mechanismus jede halbe Stunde automatisch.
Ein Sorgenkind
Wobei, ganz genau 30 Minuten lang sind die Zeiteinheiten der Elefantenuhr im Museum nicht, weiss der Pendeluhren-Experte Gérard Vouga. Und das Original war es wahrscheinlich auch nicht: «Stellen Sie sich diese Uhr damals in der Gegend um Bagdad vor – wo es heiss war und das Wasser schnell verdampfte!»
Für ihn ist die Elefantenuhr eine wunderbare technische Spielerei – aber auch ein Sorgenkind: «Dass die Uhr funktioniert, wie sie es soll – das ist nie ganz einfach».
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Multi-Kulti auf dem Elefanten
Al-Dschazari feierte mit seiner Elefantenuhr die Kulturen des islamischen Grossreichs. Bei ihm trägt der indische Elefant zwei arabische Figuren auf persischen Teppichen. Auf dem Turm zwitschert ein ägyptischer Phönix und chinesische Drachen ziehen die Wasserschüssel nach oben – das Herzstück der Uhr, das phönizische Wasserkunst zelebriert.