Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03419.jsonl.gz/2431

Ein weiteres Ereignis sollte aber wegweisende Auswirkungen für den zukünftigen Weinbau in ganz Kalifornien haben.
Im September 1938 traf André Tchelistcheff auf der Beaulieu Vineyards Winery in Rutherford ein. Der Besitzer des Weingutes, Georges de Latour, lernte André in Bordeaux kennen, wo dieser im Institut Pasteur und an der nationalen Weinuniversität studierte.
Georges de Latour bot André eine Stelle als Kellermeister auf seinem Weingut im Napa Valley an.
André Tchelistcheff, geboren am 7. Dezember 1901 war ein russischer Immigrant, der in der Weissen Armee Russlands gegen die kommunistischen Bolschewiken gedient hatte und dabei nur knapp dem Tod entronnen war. Zuerst reiste er mit seiner Familie nach Jugoslawien aus, studierte aber Agrarwissenschaft in der Tschechischen Republik und reiste später nach Bordeaux weiter, um seine Lieblingsfächer Rebbau, Önologie und Mikrobiologie zu studieren.
Im Napa Valley angekommen begann André umgehend mit seiner Arbeit, die etliche Veränderungen im Rebbau sowie auch in der Weinbereitung mit sich brachten.
Im Rebberg setzte er sich vor allem für die Cabernet Sauvignon Rebe ein. Ein Rebberg mit vielen verschiedenen Cabernet Klonen wurde angepflanzt um brauchbare Forschungsresultate zu erhalten, damit man zukünftig wisse, welcher Cabernet Klon erfreuliche Resultate bringen und man auch erfahren würde, wie mit diesem umzugehen sei.
Dieser Rebberg besteht heute noch und hat unzähligen Winzer in Kalifornien bei ihrer Cabernet Sauvignon Klonen-Selektion beeinflusst und geholfen. Auch führte André die kalte Mazeration und die malolaktische Gärung in Kalifornien ein.
Ebenso half er bei der Entwicklung einer Maschine, die gegen die Bodenfröste im Frühling wirkte.
Aus den besten vorhandenen Cabernet Sauvignon Trauben kelterte André 1942 einen Wein, der das enorme Wein-Potenzial Kaliforniens aufzeigen sollte und benannte diesen nach dem Besitzer der Beaulieu Winery „Georges de Latour Private Reserve“. André kelterte mit diesem Wein sozusagen den ersten Kultwein Kaliforniens. Ab 1945 wurde dieser Wein im Weissen Haus in Washington bei Staatsbesuchen serviert.
Unzähligen jungen Winzern stellte André Tchelistcheff sein umfassendes Wissen zu Verfügung, beriet diese und betreute sie väterlich. So zum Beispiel, Robert Mondavi, Mike Grgich, Waren Winarsky, Joe Heitz, Luis P. Martini, Joel Aiken, um nur einige zu nennen!
André Tchelistcheff wird auch liebevoll “ The Dean of American Winemakers“ genannt.
Ein Dean ist eine Art väterlicher Berater, der einen in allen Dingen unterstützt und immer einen guten Rat weiss. Jedes College und jede Universität hat einen Dean, oftmals wird diese Person auch mit "Dean" angesprochen, respektvoll zwar, aber angstfrei.
Selbst Mike Grgich und Warren Winarski, die ja beim historischen Judgement of Paris mit ihren jeweiligen Weinen als Sieger einer Blindverkostung gegen die anscheinende Weinübermacht Frankreich hervorgingen, meinten zu ihrem Riesen-Erfolg (das Kalifornien endlich auf die Weltweinlandkarte brachte), dass da eine höhere Macht dahinter stehe - nämlich André Tchelistcheff!
Seinen Neffen, Alex Golitzin, betreute André wohl besonders intensiv, Alex gehört das Weingut Quilceda Creek in Washington State, dem von Weinkritikern jeweils absolute Höchstnoten attestiert werden. André verstarb am 4. April 1994 im Alter von 93 Jahren.
An seinem Erbe können wir alle teilhaben in Form von einzigartigen Weinen, deren erste Weichen André Tchelistcheff bereits vor mittlerweile über 80 Jahren für uns gestellt hat.
Im Jahre 2007 wurde André in die Vintner’s Hall of Fame aufgenommen.