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Das Schweizer Finanzministerium wird von den grössten Banken des Landes verlangen, ein Eigenkapital von etwa 5 Prozent der gesamten Aktiva zu haben, wie mit den Überlegungen vertraute Personen berichteten. Zuvor hatten UBS Group AG und Credit Suisse Group AG versucht, leichtere Konditionen zu erwirken.
Die Entscheidung lehnt sich an die US- Höchstverschuldungsquote (Leverage Ratio) für die grössten Banken an, die über dem Minimum von 3 Prozent aus einer weltweiten Vereinbarung des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht liegt, berichten die Personen weiter, die um Anonymität baten, weil die Gespräche vertraulich seien. Die Schweizer Regierung wird die Berechnung der Quote auch mit der in den USA verwendeten Methodik in Einklang bringen, was dazu führt, das weniger Kategorien von Schuldverschreibungen auf das Eigenkapital angerechnet werden können, sagt eine der Personen.
An Bedeutung gewonnen
Die Messgrösse für die Finanzstärke hat seit der Finanzkrise 2008 als Mittel, grosse Banken weniger kollapsgefährdet zu machen, an Bedeutung gewonnen. Ein von der Regierung berufenes Expertengremium hat im Dezember empfohlen, dass die Schweiz dem Beispiel der USA folgt, die in den letzten Jahren mit die weltweit strengsten Eigenkapitalvorschriften eingeführt haben. Die in Zürich ansässigen Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse haben zum Ende des zweiten Quartals Leverage Ratios nach Basel III von 3,6 Prozent beziehungsweise 3,7 Prozent ausgewiesen. Damit lägen sie mehr als einen Prozentpunkt unter dem neuen Ziel.
«Höhere Anforderungen bedeuten, dass die Banken weniger Geld an die Aktionäre verteilen können», sagt Andreas Brun, Analyst bei Zürcher Kantonalbank in Zürich. «Für die UBS, bei der Anlageüberlegungen auf Erwartungen von steigenden Dividenden basieren, ist dies ein grosses Thema. Für Credit Suisse, deren Kapitallage schlechter ist, bedeutet dies eine stärkere Verwässerung wegen einer höheren Notwendigkeit einer Kapitalerhöhung.»
Regierungssprecher Mario Tuor wollte sich zu der Zahl nicht äussern.
CS erwägt Kapitalerhöhung
Die Banken seien sich der Position der Regierung bewusst und werden in der Lage sein, dies bei ihren Berechnungen des zukünftigen Kapitalbedarfs bei der Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal zu berücksichtigen, sagen drei Personen.
Die Lösung dieses Themas ist insbesondere wichtig für Credit Suisse, die am 21. Okt. die erste grosse Strategieankündigung unter Konzernchef Tidjane Thiam präsentieren wird. Die Bank erwägt eine Kapitalerhöhung von 6 Milliarden Schweizer Franken bis 8 Milliarden Franken, berichtete eine mit den Plänen vertraute Person in der vergangenen Woche.
«Äpfel und Birnen»
Die neue Vorschrift könnte ein hartes Kernkapital von mindestens 3,5 Prozent der Vermögenswerte erforderlich machen, wobei die übrigen 1,5 Prozent von in Aktien wandelbare Schuld- Instrumente kommen könnten, sollte die Bank in die aufsichtsrechtliche Gefahrenzone abdriften, sagt eine der Personen.
Damit käme Credit Suisse auf eine Kapitallücke von 8,7 Milliarden Franken auf der Basis der Finanzlage zum Ende des zweiten Quartals, schrieben die UBS-Analysten Daniele Brupbacher und Mate Nemes in einer Studie in der vergangenen Woche.
Prinzipiell nicht gegen strengere Vorschriften
UBS-Konzernchef Sergio Ermotti sagte, er sei prinzipiell nicht gegen strengere Vorschriften. Er kritisierte jedoch den Plan, eine Leverage-Ratio nach US-Vorbild als Standard für die Schweiz anzuwenden, und argumentierte, die beiden Finanzsysteme seien so ähnlich wie «Äpfel und Birnen». Zu den Unterschieden gehört, dass der Markt für Verbriefungen in den USA grösser ist, was bedeutet, dass Banken mehr von den Kreditrisiken weitergeben können durch die Bündelung der Darlehen in handelbare Wertpapiere.
Eine Erhöhung der Leverage Ratio um 1 Prozentpunkt würde UBS jährlich zusätzlich 1 Milliarde Franken kosten, sagte Ermotti im Juni. Und wer würde davon am stärksten profitieren, wenn wir uns an die amerikanischen Vorschriften anpassen, fragte er im Juni. Die US-Banken, sagte er.
Bankaktien rauschen in die Tiefe
Die Aktien der beiden Grossbanken rauschen indes in die Tiefe. Nach Bekanntwerden der Nachricht sackte der Kurs der Credit Suisse um über drei Prozent ein, aktuell notiert das papier bei minus 2,7 Prozent. Ähnlich sieht es aus bei der UBS-Aktie: Der Kurs rutschte ebenfalls über drei Prozent ab, erholte sich danach ein wenig und notiert kurz nach 10.00 Uhr bei knapp 2,5 Prozent im Minus. Und auch die dritte Bankaktie – Julius Bär – muss Federn lassen: Minus 1,5 Prozent. Damit notieren alle drei SMI-Banktitel deutlich unter dem Marktniveau. Der SMI verliert bis 10.00 Uhr fast ein Prozent.
Beim Finanzdepartement ist man um Schadensbegrenzung bemüht. Sprecher Roland Meier sagt, dass die Meldung «reine Spekulation» sei, dass «noch gar nichts» entschieden sei. «Das Geschäft wird wie geplant Ende Jahr dem Bundesrat vorgelegt», sagt Meier auf Anfrage von handelszeitung.ch.
(bloomberg/ccr)