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Das Gemeinschaftszentrum ARCA
Ein soziokulturelles Quartierzentrum im Armenviertel von Palmeiras:
Kinder und Jugendliche werden durch sinnvolle Aktivitäten von der Strasse geholt.
Warum ARCA?
Palmeiras ist ein Städtchen von knapp 10'000 Einwohnern und weist grosse soziale Probleme auf: Viele Familien sind von Armut, Gewalt, Arbeitslosigkeit und Alkoholismus betroffen. Insbesondere Kinder und Jugendliche verfügen oft über ein schlechtes Selbstwertgefühl und eine vulnerable Identität. Sie laufen Gefahr, in Gewalt und Drogen abzudriften und psychische Schwierigkeiten zu entwickeln. Diese Problematik ist besonders ausgeprägt im Viertel der 'casinhas', der kleinen, farbigen Reihenhäuschen, die einst im Rahmen eines staatlichen Programms den ärmsten Familien des Städtchens zur Verfügung gestellt wurden. In diesem Quartier am Stadtrande nimmt die Konzentration der Armut und der sozialen Probleme stetig zu, so dass das Viertel eine Art Ghetto bildet, wo Gewalt, Alkohol- und Drogenabhängigkeit bereits Teil des Alltags sind. Dass in Palmeiras - im Gegensatz zu anderen Städten der gleichen Grösse - weder unentgeltliche Freizeitangebote noch Gemeinschaftsräume oder Spielplätze existieren, verschärft die Problematik zusätzlich.
Capoeira
Capoeira, eine Mischung aus Kampfkunst und Tanz, wurde von afrikanischen Sklaven im 18. Jahrhundert im brasilianischen Bundesstaat Bahia entwickelt und hat heute im ganzen Land eine grosse Bedeutung. Gerade für Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Schichten ist Capoeira eine Art Lebensschule: es vermittelt ihnen einen respektvollen und gewaltfreien Umgang, holt sie als sinnvolle Tätigkeit weg von der Strasse und hilft ihnen, ein gutes Selbstwertgefühl und eine gesunde Identität zu entwickeln.
Was ist ARCA?
Das Projekt ARCA nahm 2007 unter der Initiative von Rico Wüest seinen Anfang. In einem leerstehenden Gebäude wurde zusammen mit der lokalen NGO GAP eine Capoeiraschule (siehe Box) ins Leben gerufen, um den Kindern und Jugendlichen eine sinnvolle und kreative Alternative zum Nichtstun auf der Strasse zu bieten. Es kamen bald weitere soziokulturelle Aktivitäten hinzu, wie Perkussion, Tanz und Englischunterricht. Es zeigte sich schnell, dass die Nachfrage bei den Kindern und Jugendlichen, aber auch bei den Erwachsenen riesig war. 2008 wurde das Projekt als 'Ponto de Cultura' (Kulturpunkt) ausgewählt und erhielt während drei Jahren finanzielle Unterstützung vom Brasilianischen Kulturministerium.
2019 hat die Gemeinde von Palmeiras entschieden, dem lokalen Verein Murundu ein 2000 Quadratmeter grosses Grundstück mitten im wachsenden Armenviertel der 'casinhas' zu schenken, um die Weiterführung von ARCA zu sichern. Dank vielen grosszügigen Spenden aus der Schweiz wurde zwischen Anfang 2020 und Juni 2022 ein Gemeinschaftszentrum gebaut. Mit Freiwilligen, lokalen Arbeitskräften und Baumaterialien aus der Region wurde nebst einem Spielplatz ein grosser und ein kleiner Mehrzwecksaal, eine Gemeinschaftsküche, Sanitäranlagen, sowie ein Regenwasser-Reservoir und Amphitheater erstellt (siehe Rubrik 'News').
Das Gemeinschaftszentrum, welches allen Einwohner/innen von Palmeiras kostenlos offen steht, bietet Raum für diverse Projekte, Aktivitäten und Kurse im kulturellen und sportlichen Bereich. Seit Juli 2021 werden folgende Aktivitäten angeboten: Capoeira für Kinder und Erwachsene, Jiu-Jitsu sowie funktionelles Training für Frauen und ältere Menschen. Zudem findet eine wöchentliche Suppenausgabe statt. Weitere Angebote wie Englisch, schulischer Stützunterricht und Tanz sind in Planung.
ARCA ist ein Ort, wo gerade vulnerable Gruppen Wertschätzung, gewaltfreien Umgang und Selbstwirksamkeit erleben und ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln können.
2008 organisierte ARCA einen Batizado ('Taufe') in Palmeiras
arca
Die freiwillige Lehrerin Juliete aus Palmeiras
Wer ist ARCA?
Die Verantwortung für die Führung des Gemeinschaftszentrums liegt beim lokalen gemeinnützigen Verein ARCA, welcher im Juni 2021 von Rico Wüest und von seinen in Palmeiras wohnhaften Freunden gegründet wurde. ARCA besteht nebst den Mitgliedern aus einem Vorstand und einem Aufsichtsrat. Die Verantwortung für den reibungslosen Betrieb des Gemeinschaftszentrums sowie für die Mittelbeschaffung innerhalb Brasiliens liegt bei einer lokalen Leitung, welche vom Verein ARCA mit einem monatlichen Salär fair entlöhnt wird.
Die Gelder für den Bau und die Betriebsführung generiert der Schweizer Unterstützungs-Verein Apoia, welcher gleichzeitig eine Monitoring- und Aufsichtsfunktion innehat. Nach der Aufbauphase soll das Gemeinschaftszentrum ARCA zunehmend selbsttragend werden.