Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03634.jsonl.gz/303

- 1227 Gründung als letztes Zisterzienser Kloster in der Schweiz durch die Freien von Rapperswil.
- 1308 Beisetzung König Albrechts in Wettingen nach seiner Ermordung (➝ Gründung des Klosters Königsfelden).
- 1507 Klosterbrand.
- 1529 Übertritt des Abtes und eines Grossteils der Mönche zum reformierten Glauben.
- 1531 Rekatholisierung des Konventes nach dem 2. Kappeler Krieg und Schutzherrschaft der katholischen Orte.
- 1841 Aufhebung des Klosters durch den Kt. Aargau. Verlegung des Konvents ins Benediktinerkloster Mehrerau bei Bregenz im Vorarlberg. Seither besteht dort der Konvent Wettingen-Mehrerau (➝ Muri-Gries).
Im 15. und 16. Jahrhundert geriet Wettingen in die Wirren der Zeit. 1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau und wurden fortan Schirmherren des Klosters. Als solche griffen sie mit wenig Rücksichtnahme in die weltlichen und geistlichen Rechte des Konvents ein. 1507 fielen die Dachstühle und fast die ganze Ausstattung der Klosteranlage einem Grossbrand zum Opfer, welchen der spätere Abt Johann Schnewly (im Amt 1534–1539) mit Raketenversuchen (!) – so zumindest die Überlieferung – verursacht haben soll. Die eidgenössischen Schirmorte schickten ihn in der Folge vom Kloster weg. Er blieb bis nach der Reformation in Wurmsbach.
Für die Abtei wurde der Zürichs Reformator Huldrych Zwingli in den 1520er-Jahren zur existentiellen Bedrohung. Nach dem Übertritt verschiedener Kollaturpfarreien (Pfarreien, die dem Kloster Wettingen gehörten), wie etwa Kloten, Höngg und Thalwil, zum neuen Glauben, schloss sich 1529 der damalige Abt Georg Müller (1528-1529) zusammen mit einer Mehrheit der Mönche dem reformierten Glauben an. Dies führte zum Erlöschen des klösterlichen Lebens. Erst nach dem Sieg der katholischen Orte über die Reformierten im 2. Kappeler Krieg 1531 gelang es den Innerschweizer katholischen Orten, den Konvent zu rekatholisieren.
Das Kloster Wettingen und die Reformation:
Bereits zu Beginn des 15. Jahrhunderts zeigten sich finanzielle und interne Missstände im Kloster Wettingen. Sie schwächten die Abtei und führten zu Eingriffen der Eidgenossen in innerklösterlichen Angelegenheiten. Die Äbte selber ersuchten mehrfach die Schirmherren um Hilfe. Nach 1460 (Regierungszeit des Abtes Albrecht Has [1462–1486]) stand die zerrüttete Wirtschaft des Klosters sogar auf der Tagesordnung der Tagsatzung der eidgenössischen Orte. Besonders der üppige Lebenswandel der Mönche und ihre Disziplinlosigkeit veranlassten die Schirmherren, eine Visitation (Inspektion) zu erbitten, um das Gotteshaus wieder in einen würdigen Zustand zu versetzen. Dies scheint gegen 1500 zu einer Verbesserung der Situation geführt zu haben.
1520 bat der Konvent die Tagsatzung um einen neuen Abt, da der bisherige Johann Müller (1486-1521) alt und kindisch geworden sei. Sein Nachfolger Andreas Wengi (1521-1528) zeigte eine wenig klare Haltung gegenüber der Reformation. Er wollte beim alten Glauben bleiben, gleichzeitig aber mit den Anhängern Zwinglis nicht die Konfrontation suchen.
Auf der Badener Disputation (1526) schwor der Konvent noch auf den alten Glauben. Aber das Kloster war längst unter den Einfluss Zwinglis geraten, weil Wettingen seine Kollaturen in den nunmehr reformierten Pfarreien Kloten, Höngg und Thalwil mit neugläubigen Prädikanten besetzen musste. Um ihre umfangreichen Besitzungen in den reformierten Gebieten nicht zu verlieren, musste die Abtei ein gutes Einvernehmen mit Zürich und Basel finden.
Innerhalb des Konvents besassen reformatorische Kräfte nicht unerheblichen Einfluss. Dazu gehörte etwa der Konventuale Jakob Leu, ein Sohn des von Baden nach Zürich gezogenen Malers Hans Leu des Älteren. Aber auch Oekolampad (1482-1531), ein lutherischer Theologe, Humanist und Reformator in Basel, und der Berner Dichter, Maler und Staatsmann Niklaus Manuel (1484-1530) verfügten über ihnen wohlwollend gesinnte Klosterbrüder in Wettingen.
Nach dem Tode des alten Abtes trat 1529 sein Nachfolger Georg Müller (1528-1529) mit dem ganzen Konvent zum neuen Glauben über. Er wird als eine um das materielle Wohlergehen des Klosters besorgte, im Kampfe um geistige Güter und Prinzipien schwächliche Natur beschrieben (Mittler). Dem stark zunehmenden Einfluss Zürichs nach dem ersten Kappelerkrieg (1529) war der neue Abt nicht gewachsen. Mit wenigen Ausnahmen legte der grösste Teil der Konventualen im August 1529 das Ordenskleid ab und bekannte sich zur Reformation. Der Abt versprach, in den Klosterkollaturen Prädikanten einzusetzen. Eine Schule, wie sie im reformierten zürcherischen Kloster Kappel eingerichtet worden war, wurde auch in Wettingen ins Leben gerufen. Einige Mönche liessen sich in Zürich und Basel zu evangelischen Predigern (Prädikanten) ausbilden. So gewann Zwingli das ganze Limmattal mit den Pfarreien Wettingen und Würenlos für die Reformation, nachdem sich Dietikon mit den Wettinger Gerichtsherrschaften Spreitenbach und Killwangen bereits der Reformation angeschlossen hatte (Mittler).
Im August 1530 erklärte sich der Abt bereit, den Boten der Zürcher und «anderer christlichen stetten, so zuo zyten zuo Baden tagleistungen haltend, das göttlich Wort vor Baden in der kilchen bym siechenhus durch einen geschickten predikanten verkünden ze lassen». Gemäss einem Brief des Rates von Baden an Zürich im Januar des Jahres 1531 wurden in der St. Anna-Kapelle des Siechenhauses tatsächlich keine Messen mehr gelesen. Im Gegenzug besuchten die Altgläubigen Wettinger den katholischen Gottesdienst in der Stadtpfarrkirche. Konfessionelle Reibereien waren die unausweichliche Konsequenz.
Die eidgenössischen Orte beliessen als Schirmherren nach dem Konfessionswechsel die Verwaltung weiterhin in den Händen des ehemaligen Abtes. Erst mit dem Zweiten Kappeler Landfrieden (1531) durften zwei katholische Mönche ins Kloster zurückkehren.
Das Zusammenleben von Altgläubigen und Reformierten führte bald zum Streit, der erst durch die Aussiedlung der neugläubigen Mönche und der Ausrichtung einer lebenslänglichen Pension geschlichtet werden konnte. Der 1529 zum reformierten Glauben übergetretene Abt Georg Müller amtierte noch bis 1532 im Auftrag der Tagsatzung als Verwalter im Kloster. Bereits 1530 war ihm von ehemaligen Mönchen Veruntreuung von Klostervermögen vorgeworfen worden. Mit einer respektablen Pension versehen verliess Georg Müller Wettingen und zog nach Zürich, wo er 1542 starb. Jetzt wurde der ehemalige Wettinger Konventuale Johann Schnewly, zum Schaffner und Pfleger des Klosters ernannt. Er war viele Jahre im Kloster Wurmsbach im «Exil» gewesen, nachdem man ihn als Verursacher des Klosterbrandes von 1507 weggeschickt hatte.
Wettingen blieb noch lange Zeit nur eingeschränkt handlungsfähig und wurde von den eidgenössischen Orten etwa bei der Abtwahl noch bis 1563 «bevormundet». Erst durch markante Führungspersönlichkeiten (z.B. Abt Peter Schmid, 1594-1633) erlangte das Kloster langsam wieder einige Bedeutung.
Johannes Salat von Sursee (1498-1552) in seiner Reformationschronik über Wettingen:
1529 ist über den Bildersturm und Aufgabe des klösterlichen Lebens vermerkt: Umm assumptionis Marie under disen handlungen ward ouch us grossem listigem ufsatz und angeben das closter Wettingen jn der grafschaft Baden angeträtten, die bilder und kilchenzierden hin getan, alle münchen von kutten gstellt, usgnomen herren appt und noch eynn conventherren.
In heutigem Deutsch: Um den 15. August … wurden im Kloster Wettingen Bilder und Kirchenzierden entfernt und alle Mönche aus den Kutten gestellt, ausgenommen der Herr Abt und ein Konventherr.
1530 ist über den verwerflichen Lebenswandel der Wettinger Mönche vermerkt: Zu Wettingen giengs alls sectisch, saassend die münchen mit jren wybern jmm closter, volbracht wäder mäß noch 7 zytt…
In heutigem Deutsch: In Wettingen ging alles sektiererisch zu und her, die Mönche sassen mit ihren Weibern im Kloster und hielten weder die Messe noch die vorgeschriebenen Gebete ab.
1531 ist über die Rekatholisierung vermerkt: Uff Caterine (=25. November) ward erstmals wider mäß ghan zu Tengen, jn der pfarrkilchen zuo Keyserstuol, ouch zu Bremgarten unnd zuo Wettingen.
1531 Nachwehen der Rekatholisierung: Ein predicant zuo Tägerfellden predyett, wär hinder der mäß stuond, wär ein käzer/ und das die secter von Wettingen redtend, wie dann guott eerengsellen von Baden die mäß wider wottend han, jnen trowtend, sj wettend die gougglery us der kilchen werffen.
In heutigem Deutsch: Ein Prädikant zu Tegerfelden predigte, wer hinter der Messe stehe, sei ein Ketzer. Und dass die Sektierer (=Reformierten) von Wettingen, als gute ehrenhafte Männer von Baden die Messe wieder haben wollten, sprachen und diesen drohten, sie würden diese Gauklerei aus der Kirche werfen.