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Der Pharmakonzern AstraZeneca wird laut einem Insider voraussichtlich auch im zweiten Quartal deutlich weniger Impfstoff in die EU liefern als vereinbart. Das Unternehmen rechne damit, zwischen April und Juni weniger als die Hälfte der vertraglich zugesagten 180 Millionen Impfdosen in die Staatengemeinschaft zu liefern, sagte ein EU-Vertreter am Dienstag der Nachrichtenagentur «Reuters».
Sollte dies so kommen, könnte das EU-Ziel gefährdet sein, bis zum Sommer 70 Prozent der Erwachsenen geimpft zu haben.
Der britisch-schwedische Konzern habe in internen Gesprächen erklärt, im zweiten Quartal «weniger als 90 Millionen Einheiten» zu liefern, sagte der EU-Vertreter, der nach eigenen Angaben in die Gespräche eingebunden war. Ein AstraZeneca-Sprecher wollte sich auf Anfrage nicht zu konkreten Zahlen äussern.
Ein Sprecher der EU-Kommission, die die Gespräche mit den Impfstoffherstellern koordiniert, sagte, man könne sich zu den Diskussionen nicht äussern, da diese vertraulich seien. Die EU sollte aber unabhängig von der Situation bei AstraZeneca mehr als genügend Impfstoff zur Erreichung ihrer Impf-Ziele haben, wenn die erwarteten und vereinbarten Lieferungen von anderen Herstellern erfüllt würden, so der Sprecher.
Nur 130 Millionen Dosen bis Ende Juni
AstraZeneca hatte Ende Januar erklärt, wegen Engpässen in der Produktion in einem Werk in Belgien die zugesagte Liefermenge in die EU im ersten Quartal nicht einhalten zu können. Zunächst war erwartet worden, dass die Zahl der Impfdosen dadurch mit 31 Millionen Stück rund 60 Prozent niedriger ausfällt als geplant. Später hiess es, es sollen 40 Millionen Einheiten geliefert werden. Sollten im zweiten Quartal etwa 90 Millionen Einheiten hinzukommen, würde sich das für das gesamte erste Halbjahr auf 130 Millionen Dosen von AstraZeneca summieren. Zugesagt waren bis Ende Juni 300 Millionen.
In einem auf den 22. Februar datierten Papier des Bundesgesundheitsministeriums, das Reuters einsehen konnte, wird davon ausgegangen, dass AstraZeneca den Lieferrückstand bis Ende September vollständig ausgleicht. Demnach soll Deutschland bis dahin insgesamt 56 Millionen Dosen erhalten, davon 34 Millionen im dritten Quartal. Für eine Stellungnahme war das Ministerium zunächst nicht zu erreichen.
«Bestmögliche Anstrengungen»
Der EU-Vertreter sagte, sollte AstraZeneca seine Produktion im dritten Quartal tatsächlich hochfahren, könnte das helfen, dass die EU ihr Impfziel erreicht. Allerdings seien die Unterhändler der Staatengemeinschaft misstrauisch, weil das Unternehmen nicht klargemacht habe, woher die zusätzlichen Dosen kommen sollen.
«Es könnte unrealistisch sein, die Versorgungslücke im dritten Quartal zu schliessen», sagte der Beamte und fügte hinzu, dass das Unternehmen die Zahlen zu den Lieferungen mehrfach geändert habe. Die EU-Verträge sehen vor, dass AstraZeneca sich zu seinen «bestmöglichen Anstrengungen» verpflichtet, um einen festgelegten Zeitplan einzuhalten.
Neben dem Impfstoff von AstraZeneca sind in der EU bislang ein gemeinsam von Biontech und Pfizer entwickeltes Vakzin sowie ein Mittel von Moderna zugelassen. Auch hier gab es Lieferverzögerungen. Der Herstellungsprozess ist komplex, die Einrichtungen dafür begrenzt und bei Bestandteilen gibt es Versorgungsengpässe.
(reuters/gku)