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Tschäpper
Objekt des Monats August 2012
Tschäpper, NM 2214
Ein «Tschäpper» für die Hüfte
Das einzigartige Trachtenstück, ein Bestandteil der Nidwaldner «Buiretracht», begleitete viele Frauen ein Leben lang.
Eine Tracht besteht aus verschiedenen Einzelteilen. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich in Nidwalden ein einzigartiges Trachtenstück, der «Tschäpper». Zur Nidwaldner «Buiretracht» trug man aus modischen Gründen einen Stoffgürtel. Ab 1830 wurde der Gürtel immer breiter, der «Tschäpper» entstand, um damit den Futteransatz des Mieders zu verdecken. Er hatte den Vorteil, dass er unabhängig von den anderen Teilen der Tracht getragen werden konnte. Zudem durfte der Stoff nach eigenem Geschmack ausgewählt werden und musste nicht zwingend aus demselben Material wie der Rock und das Mieder bestehen. In der Regel bestand der «Tschäpper» aber aus einfarbiger Seide, die mit Nadelmalerei bestickt wurde. Die Seide wurde auf Leinwand aufgezogen, mit Baumwolle gefüttert und das Band mit Häckchen als Verschluss versehen.
Die Tracht unter Einfluss der städtischen Mode
Der wachsende Wohlstand und das Standesbewusstsein waren gegen Ende des 17. Jahrhunderts dafür verantwortlich, dass sich in der ganzen Schweiz regionaltypische Trachten entwickelten. Vorbild für diese Kleidung war die städtische Mode, die sich schnell änderte.
Die Industrialisierung und politischen Veränderungen schwächten die Bauernkultur, was sich auch auf die Tracht auswirkte. So nahm die «Allerweltskleidung» gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch auf dem Land Überhand und das Tragen der Tracht war nur noch bei einzelnen Anlässen Gewohnheit. Zudem begann man in verschiedenen Regionen «verfälschte Versionen» für touristische Zwecke zu tragen. Durch die Gründung der «Schweizerischen Trachten- und Volksliedervereinigung» im Jahr 1926 wurde die Tracht zu neuem Leben erweckt und in ihrer Machart der Zeit angepasst. Kantonale und regionale Vereine bemühen sich bis heute, das «Kleid der Heimat» vor dem Vergessen zu bewahren.
Geburtshelferin der Nidwaldner Tracht
Vor Mitte des 18. Jahrhunderts gab es keine spezielle Tracht der Innerschweiz. Mann und Frau trugen eine Mischung aus alten Trachtenteilen und französischer Mode. Erst später entwickelten sich eigentliche Trachten mit regionalen Unterschieden. Zur Zeit des Empire (1800 –1815) veränderte sich mit der Mode auch die Tracht. Es entstand die Nidwaldner «Empiretracht». Zu Beginn des 20. Jahrhunderts jedoch spielte die Tracht in Nidwalden kaum mehr eine Rolle. Die Stanser Volkskundlerin und Radioautorin Marie Odermatt-Lussy, stets darum bemüht, Vergessenes wiederzubeleben, liess sich von der schweizerischen Trachtenreformbewegung anstecken. 1927 präsentierte sie die neugeschaffene Empire-Tracht. Als Vorbild diente ihr ein Stich von Mathias Gabriel Lory (1784-1846) auf dem Unterwaldner Trachtenmädchen abgebildet waren. Mit der Gründung der «Trachtenvereinigung Stans und Umgebung» 1928 versuchte Marie Odermatt-Lussy, die Nidwaldner «Buiretracht» wie auch die Empire-Trachten bei den Frauen wieder beliebt zu machen.
Der zündrote «Tschäpper» mit farbigen Blumenstickereien aus der Sammlung des Nidwaldner Museums erinnert an eine Zeit, als die Tracht für viele Frauen das einzige Kleidungsstück für gesellschaftliche Anlässe war und somit oft ein ganzes Frauenleben begleitete.