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Die kleine Geschichte hat sich vor ein paar Tagen im Intercity Zürich-Bern ereignet und beginnt mit ein paar Worten Spanisch. Esta Boca mia – also etwa dieser mein Mund – las ich als Titel eines Buches, das die Frau mir gegenüber auf ihren Schoss legte.
Dann nahm sie das Buch in die Hand und ich sah auf der Rückseite die Wörter dios, problemas und solucion, offensichtlich hatte sie ein christliches Ratgeberbändchen bei sich. Beschäftigt war die Frau dann aber mit ihrem Handy, in das sie kurz nach Lenzburg zu sprechen begann, und sie sprach und sprach und sprach noch in Olten und sprach, als der Zug an Langenthal vorbei fuhr und zwar – ich bin sicher, meine bescheidenen Spanischkenntnisse täuschen mich nicht – sprach sie über das Buch, das sie bei sich hatte.
Und lobte es in immer neuen Wendungen und Anläufen, ohne dem Menschen am andern Ende der Leitung Gelegenheit zu lassen, selber etwas zu sagen. Oder sprach der Andere genauso lückenlos wie sie und keiner hörte dem Anderen zu?
Nach der letzten Kolumne von Beat Sterchi über spanisches Sprechverhalten wäre auch das eine Möglichkeit. Und sicher wäre es reizvoll gewesen, hätte ich ihren Worten richtig und nicht nur der Spur nach folgen können.
Um das Buch zu lesen, das die Frau bei sich hatte, muss man allerdings nicht Spanisch können. Schon der Name der Autorin gab den Hinweis: Joyce Meyer, so wird nach ein paar Klicks im Internet klar, ist eine Amerikanerin und eine der einflussreichsten evangelikalen Predigerinnen weltweit. Das heisst, auch Englisch muss man für dieses Buch nicht können. Es ist in Dutzende Sprachen übersetzt und heisst auf Deutsch „Meine grosse Klappe“.
Joyce Meyer lehrt in diesem Buch, wie man sein Mundwerk im Zaum hält: „Die Wahrheit ist: Sie entscheiden, welche Worte Sie aussprechen! Bringen Sie Ihre Worte in Übereinstimmung mit dem, was Gott sagt, und Sie werden anfangen, im Sieg zu leben.“
Ich sass also im Zug einer Frau gegenüber, die von Aarau bis Langenthal ohne die kleinste Pause das sagte, was Gott sagt. Und dann hatte sie auch noch angefangen, im Sieg zu leben. Hasta la victoria siempre! hätte ich ihr in Bern zurufen können, als ich ausstieg.