Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03631.jsonl.gz/68

(von Nina)
Ein Zug fährt durch die ewigen Eiszeit, immer im Kreis. Er ist der einzige Ort, wo menschliches Leben noch möglich ist. Wirklich der einzige? Genau wie bereits in «Snowpiercer» werden in «Snowpiercer: Terminus» brandaktuelle Themen aufgegriffen. Während in den älteren Episoden vor allem Klassenunterschiede, korrupte Politiker und die Frage, was genau man «zum Wohle der Allgemeinheit» verschweigen soll, behandelt, fokussiert sich «Terminus» auf breitere philosophische Themen, allem voran die Konzepte der «Freiheit» und der «Sicherheit». Was ist ein Mensch bereit aufzugeben, um in Sicherheit zu leben? Was lässt sich mit der modernen Forschung verbessern und wo schleicht sich auch hier Korruption und Schicksal ein? Was darf man dem Menschen ohne sein Wissen antun, um Kontrolle über die widrige Natur zu erlangen? Wo ist die Grenze zwischen Expertise und Irrsinn, zwischen Glauben und Fanatismus? Anders als in den vorherigen Episoden befinden sich Puig und Val nun nicht mehr in einem linearen Zug, sondern haben einen vermeidlich sicheren Hafen erreicht. Doch schon von Anfang an ist klar, dass auch dieser Hafen kein Paradies ist. Warum tragen alle Bewohner Rattenmasken? Weshalb sieht man keine Kinder oder schwangeren Frauen in der Siedlung und was hat es mit der Überfülle an Nahrung und seltsamen Fruchtbarkeitsritualen auf sich?
«Snowpiercer: Terminus» lässt sich als fabelhafte Weiterführung der Snowpiercer-Episoden lesen, aber er funktioniert auch wunderbar als Einzelband, wenn man die älteren Comics nicht kennt.
Jean-Marc Rochette, Olivier Boquet: Snowpiercer Terminus. Egmont, 2022.