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In Basel – verlängert bis 22. Mai 2021
Der weltweite Saatgutmarkt hat sich innerhalb weniger Jahrzehnte stark konzentriert, so dass heute eine Handvoll riesiger Agrokonzerne die globale Saatgutproduktion beherrschen. Oft sind diese Konzerne gleichzeitig auch federführend auf dem Saatgutmarkt. Denn gerade gentechnisch veränderte Nutzpflanzen funktionieren häufig nur mit dem dazu passenden Pestizid aus der firmeneigenen Produktion.
In den letzten Jahren nahm die Marktkonzentration weiter zu. Der ehemalige US-Marktführer Monsanto wurde durch den BAYER-Konzern (Deutschland) übernommen. ChemChina übernahm Syngenta (Schweiz) und DowChemicals (USA) fusionierte mit DuPont (USA). So wird das verfügbare Saatgut weltweit immer stärker auf wenige Hände konzentriert. Mit dem Zugriff auf das Saatgut kontrollieren wenige Konzerne die Nahrungsgrundlage der globalen Bevölkerung.
Beim Verkauf von Saatgut verlangen Anbieter oft Lizenzgebühren. Wenige Agrokonzerne dominieren den Saatgut- und Pestizidmarkt, die Abhängigkeit der Bäuer*Innen vergrössert sich, die Saatgutvielfalt wird immer kleiner.
- Phillips McDougall 2019; Infographic on the evolution of leading agrochemical companies
- Access to Seeds Foundation 2019; Access to Seeds Index
- Philip H. Howard 2018; Global seed industry changes since 2013
- OECD 2018; Concentration in Seed Markets: Potential Effects and Policy Responses
- Heinrich Böll Stiftung; Der Konzernatlas
Die Biodiversitätskonvention wurde 1992 in Rio de Janeiro (Brasilien) auf der UNO-Konferenz über Umwelt und nachhaltige Entwicklung ausgehandelt und ist seit 1993 in Kraft. Die 196 unterzeichnenden Staaten, darunter auch die Schweiz, treffen sich alle zwei Jahre zur sogenannten Vertragsstaatenkonferenz. So wurden an einem Folgetreffen im japanischen Nagoya das völkerrechtlich verbindliche Nagoya-Protokoll verabschiedet.
Ziele: Schutz der biologischen Vielfalt und nachhaltige Nutzung ihrer Bestandteile. Gerechter Ausgleich von Vorteilen, die sich aus der Nutzung genetischer Ressourcen ergeben.
Der Internationale Saatgutvertrag der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) wurde 2001 verabschiedet, trat auch in der Schweiz 2005 in Kraft und umfasst heute 147 VertragspartnerInnen.
Ziele: Ein erleichterter Zugang zu pflanzengenetischen Ressourcen und deren nachhaltige Sicherung. Ein politisches Mitspracherecht von Bäuer*Innen sowie das Recht, Saatgut zu verwenden, auszutauschen und zu vermehren sollen weltweit verankert werden.
Der Internationale Verband zum Schutz von Pflanzenzüchtungen (UPOV) wurde 1961 eingerichtet und hat seinen Sitz in Genf. Die UPOV-Konvention wurden seither mehrfach überarbeitet. Seit 1991 müssen Mitgliedstaaten des UPOV-Abkommens in deren Ländern Sortenschutzgesetze erlassen, welche den Austausch von geschütztem Saatgut unter Bäuer*Innen stark erschweren. Züchterrechte müssen durch Lizenzgebühren abgegolten werden.
Ziele: Geistiges Eigentum im Sinne der Saatgutzucht soll geschützt werden.
Das Europäische Patentamt (EPA) in München wurde 1977 gegründet und ist das Exekutivorgan der Europäischen Patentorganisation, der auch die Schweiz angehört. Das EPA soll sicherstellen, dass geistiges Eigentum auch im Saatgutbereich geschützt wird. Allerdings hat in den letzten Jahren zum Nachteil von BäuerInnen immer mehr Patente auf Saatgut und Nutzpflanzen erteilt, so dass Saatgut aus eigener Ernte nicht mehr frei verwendet werden kann.
Ziele: Auf Erfindungen soll ein Schutzrecht gewährt werden P(atentierung). Die Nutzung der Erfindung durch andere ist so für eine festgelegte Zeit untersagt oder eingeschränkt.
Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sichern die Ernährung von etwa 70 Pozent der Weltbevölkerung. Dieses effiziente Landwirtschaftssystem verbraucht dafür nur rund 25 Prozent der landwirtschaftlichen Ressourcen wie Land, Wasser und fossile Energieträger. Im Vergleich dazu produziert die Agroindustrie nur 30 Prozent aller Nahrungsmittel – von denen dann noch ein grosser Teil an Nutztiere verfüttert oder als Treibstoff verwendet wird. Der Ressourcenverbrauch der industriellen Landwirtschaft ist dafür immens.
Fragen an Experten aus Afrika und Südamerika
Was sind die kritischsten Saatgut-
Probleme, mit denen Kleinbauern
konfrontiert sind?
Was muss sich ändern, damit sich
das Saatgutproblem lösen lässt?
«Es ist notwendig, das System so zu ändern, dass die nationalen Interessen und nicht länger die Interessen der Saatgutunternehmen im Vordergrund stehen. Aus diesem Grund fördern zivilgesellschaftliche Organisationen und lokale Produzenten die gemeinschaftliche Registrierung von Saatgut als Reaktion auf die zunehmende Privatisierung.»
Miguel Angel, Plataforma Agroecologica (Bolivien)
«Die kritischsten Saatgutprobleme, mit denen Kleinbäuer*Innen in meinem Land konfrontiert sind:
1. Der fehlende Zugang zu erschwinglichem Qualitätssaatgut
2. Samen von geringer Qualität
3. Die geringe Saatgutvielfalt
Ein grosses Problem ist zudem, dass das von Kleinbäuer*Innen selbst verwaltete Saatgutsystem nicht anerkannt wird, obwohl es fast 70 Prozent ihres gesamten Bedarfs abdeckt.»
Abdallah Mikindi, TABIO (Tansania)
«Die Saatgut-Souveränität trägt zur Ernährungssicherheit bei, indem sie Landwirt*Innen das Recht gibt, Saatgut zu lagern, zu vermehren und auszutauschen. Die Vielfalt lokal angepasster Pflanzensorten kann nur so erhalten und ausgebaut werden.»
Abdallah Mikindi, TABIO (Tansania)
«Die grössten Probleme sind die Privatisierung von Saatgut und das Verschwinden von Saatgutsorten. Mehr als 78 Prozent der Samen von Gemüse, Ölsaat, Getreide und Wurzelgemüse befinden sich heute in Privatbesitz.»
Miguel Angel, Plataforma Agroecologica (Bolivien)
«Die Saatgut-Souveränität trägt viel zur Ernährungssicherheit bei und bildet deren Grundlage. Ein Land sollte selbst bestimmen können, was wann und wie angesät werden soll. Gibt es keine lokalen Saatgutbanken, so verschwindet diese Grundlage.»
Miguel Angel, Plataforma Agroecologica (Bolivien)