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Julie, Tochter eines Grafen und Grossgrundbesitzers, lässt sich im Banne des Festes der Mittsommernacht mit dem Diener Jean ein und missachtet dabei die Standesgrenzen. Julies Versuch, die sozialen Schranken zu überwinden, in der Hoffnung, dem Leben einen Sinn abzugewinnen, scheitern kläglich. Schon am nächsten Morgen ist der Bann gebrochen und die verzweifelte junge Frau bereut ihre Tat. Die beiden entzweien sich und kommen sich wieder näher, aber die Machtverhältnisse haben sich zugunsten von Jean geändert.
Fräulein Julie (1888) ist das meistaufgeführte Stück des schwedischen Dramatikers Strindberg. Das Drama ist nicht nur ein Klassiker des Naturalismus, sondern der literarischen Moderne überhaupt. Inspirieren liess sich Strindberg von Vorstellungen seiner Zeit über Klassen und Geschlechter: das Problem vom socialen Steigen oder Fallen, von Höherem und Niedrigerem, Besserem oder Schlechterem, Mann oder Weib, wie er in seinem Vorwort geschrieben hat. Herausgekommen ist dabei mit Fräulein Julie ein Trauerspiel, das weit über die ursprüngliche naturalistische Problemstellung hinausgreift. Eine äusserst subtile Charakterstudie, die das Publikum in den Bann zieht, und gerade deswegen nichts von ihrer Aktualität eingebüsst hat.