Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03555.jsonl.gz/586

Der Bundesrat hat sich für den Bau einer zweiten Strassentunnelröhre am Gotthard mit späterem einspurigem Betrieb ausgesprochen. Dabei hat er sich explizit auch gegen einen zweispurigen Betrieb gewandt, der in Widerspruch zu Artikel 84 Bundesverfassung (Verbot eines Ausbaus der Transitstrassen-Kapazität im Alpengebiet) stehen würde. Die bfu-Sicherheitsanalyse ergibt bei der einspurigen Lösung einen Sicherheitsgewinn von jährlich 4 Leichtverletzen, 1 Schwerverletzen und alle zwei Jahre 1 Todesopfer. Der volkswirtschaftliche Nutzen beläuft sich auf jährlich 2,3 Mio. Franken.
Die bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung hat untersucht, wie sich der Bau einer zweiten Röhre auf das Unfallgeschehen auswirken könnte. Der Blickwinkel war dabei nicht nur auf die Auswirkungen im Tunnel selbst gerichtet, sondern auch auf die Transitstrecke von Basel nach Chiasso.
Aus Sicht der Verkehrssicherheit kann festgehalten werden:
- Unfallgeschehen: Zwischen 1999 und 2009 waren im Gotthard-Strassentunnel jährlich durchschnittlich 9 Unfallopfer zu beklagen. Im Jahresdurchschnitt wurden 1 bis 2 Personen getötet. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum gab es in der gesamten Schweiz pro Jahr durchschnittlich über 28'000 Verkehrsunfallopfer (davon 470 Getötete).
- Wirkung einer zweiten Gotthardröhre: Wissenschaftliche Analysen zeigen, dass der Ausbau eines einröhrigen Tunnels auf zwei Röhren die Anzahl Unfallopfer um gut die Hälfte reduziert. Der zu erwartende Verkehrssicherheits-Gewinn beträgt im Falle des Gotthardtunnels jährlich rund 5 Verunfallte (4 Leichtverletzte, 1 Schwerverletzter und alle zwei Jahre 1 Getöteter). Der volkswirtschaftliche Nutzen beläuft sich auf jährlich 2,3 Mio. Franken. Die Aussagen zum Sicherheitsgewinn unterliegen der Annahme, dass mit dem Bau der zweiten Röhre kein zusätzlicher Verkehr generiert wird.
- Mögliche Nebenwirkungen einer zweiten Gotthardröhre: Würde ein Ausbau der Kapazitäten beschlossen (z.B. ein doppelspuriger Betrieb) und käme es dadurch zu Neuverkehr auf den Zufahrtsstrecken und im Tunnel, so wäre dieser ebenfalls einem Unfallrisiko ausgesetzt. Die Betrachtung der gesamten Transitstrecke Basel-Chiasso zeigt, dass bereits ein Neuverkehr von 3 % resp. 500 Fahrzeugen/Tag im Gotthard-Strassentunnel den durch die zweite Röhre erzielten Sicherheitsgewinn aufheben würde. Ein Neuverkehr von 1400 Fahrzeugen/Tag würde auch die durch die zweite Röhre eingesparten volkswirtschaftlichen Kosten der Unfälle kompensieren.
Download
bfu-Postionspapier "Gotthard-Strassentunnel"