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Man hat sich musikalisch gefunden
Das Abschlusskonzert der Orchesterakademie unter der Leitung von Anne-Cécile Gross in der Alten Kirche Boswil war der Höhepunkt einer intensiven Arbeitswoche.
Da fanden sich 38 AmateurmusikerInnen zur 2. Orchesterakademie im Künstlerhaus Boswil ein und gaben sich unter der Leitung von Anne-Cécile Gross gerade einmal sechs Tage Zeit sich musikalisch zu finden und je ein Werk der französischen Komponisten Camille Saint-Saëns (1835 bis 1921), Henri Duparc (1848 bis 1933) und Charles Gounod (1848 bis 1933) konzertreif einzustudieren. Die drei Komponisten hätten enge musikalische Zusammenhänge, erklärte Anne-Cécile, denn diese hätten Ende des 19. Jahrhunderts eine prägende Rolle im musikalischen Leben Frankreichs gespielt. In den Werken spüre und höre man die damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse, denn jeder der drei Komponisten hatte zu den damaligen Konfliktverhältnissen ‒ nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870 ‒ eine eigene, unabhängige Haltung. Und gerade dies musikalisch umzusetzen sei eine grosse Herausforderung gewesen. Es ging darum, einen gemeinsamen Nenner zu finden, so Anne-Cécile, und man habe ihn gefunden.
Zwischen Melancholie und Leichtigkeit
Der Instrumentalsatz «Aux étoiles ‒Den Sternen nah» von Henri Duparc erzeugte am Anfang eine gewisse Gelassenheit, geprägt von den Streichern und der Hörner bei einem sehr langsamen Tempo. Im auf wenigen wiederkehrenden Motiven aufgebauten Werk ist der melodische Anteil sparsam eingesetzt, bewegte dafür das Publikum nachhaltig durch die ruhige, melancholische Art der Komposition. Es war ein bewegender Einstieg in den Konzertabend, einfallsreich und überzeugend interpretiert vom Orchester.
Im Klavierkonzert Nr. 2 in g-Moll von Camille Saint-Saëns verstand es Anne-Cécile Gross das Klavierspiel von Alex Cattaneo und das Orchester zu einer gemeinsamen Klangwelt zusammen zu führen. Das Werk war aber für das Publikum in sich eher ungewohnt in seinem Ablauf. Im ersten Satz war es wie eine stete Unruhe, denn es beinhaltete virtuose Solokadenzen des Klaviers und das Orchester hielt wie eine Unterbrechung markant dagegen, so dass ein intensiver Dialog zwischen dem Orchester und Klavier entstand. Ungewohnt war auch, dass der zweite Satz kein langsamer war, sondern ein Scherzo. Das Finale, der dritte Satz, wurde dann zu einem stürmischen Musikerlebnis. Pianist Alex Cattaneo legte in seinem virtuosen und präzisen Spiel eine Geschwindigkeit vor, dem aber die MusikerInnen gekonnt folgen und sich so als Ganzes einbinden konnten.
In der Melodienfolge der Sinfonie Nr. 1 in D-Dur von Charles Gounod spürte man, dass der Komponist vom damaligen Böhmen beeinflusst war und versteht, dass er in Frankreich als der «deutscheste» Komponist galt. Mit diesem Stück entführte Anne-Cécile Gross mit ihrem Orchester das Publikum in eine Klangwelt der Leichtigkeit und Fröhlichkeit. Man konnte es einfach geniessen … und ein bisschen zurücklehnen.
Richard Wurz
6. Oktober 2019
Bilder: Richard Wurz