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Der Volksmund nennt die Pflanze auch: Videira
Wissenschaftlicher Name: Vitis vinifera L.
Deutscher Name: Weinbeere
Aus der botanischen Familie der: Vitaceae
Herkunft: Europa und Mittlerer Orient
Pflanze
Kletterpflanze aus der Familie der Vitaceae, mit gewundenem, resistentem Stamm, flexible Zweige, grosse Blätter, die in fünf spitz zulaufende Lappen unterteilt sind, welche auf ihrer Oberfläche eine weissliche, dünne Behaarung aufweisen. Die Blüten sind klein und cremefarben bis grünlich. Aus Asien stammend, wird die Weinbeere in allen Regionen mit temperiertem Klima angebaut. In Brasilien reifen ihre Früchte zwischen Oktober und Februar.
Frucht
Die runden bis ovalen Weinbeeren wachsen in Rispen (oder Trauben) mit jeweils zwischen 15 bis 300 dicht aneinander sitzenden Einheiten – sie können rot, schwarz, dunkelblau, gelb, grün, orange und rosa gefärbt sein, je nach ihrer Sorte. Das Fruchtfleisch ist wässrig und kann bis zu 4 dunkle Kerne enthalten.
Kultivierung
Der Anbau von Rebstöcken für die Produktion von Wein ist eine der ältesten Aktivitäten der Menschheit. Es gibt archäologische Beweise für die Kultivierung von Reben im Gebiet von Ägypten und Kleinasien während der neolytischen Periode – zur gleichen Zeit, in der die Menschheit, bereits installiert in permanenten Kolonien, damit begann, Nahrungsmittel anzubauen und Vieh zu züchten.
Damals, in ihren Anfängen, hatte die Kultivierung der Weintrauben lediglich einen primitiven, häuslichen Charakter – sie entwickelte sich für den Export erst mit der Entstehung der Schiffahrt auf dem Mittelmeer. Wie Pio Correa erzählt, erlernte der Mensch erst um 600 vor Christus den Rebstock zu beschneiden, um einen reichen und geschmacksintensiven Ertrag an Früchten zu bekommen – das war ein definitiver Sprung in der technischen Verbesserung der Fruchtproduktion. Eine Legende erzählt, dass es kein Mensch sondern ein Esel war, der den Trick der Beschneidung aufdeckte, indem er die grünen Zweige und Blätter eines Weinstocks frass. Man nimmt an, dass die Weinbeeren von Kleinasien durch die Griechen zu den Römern und sich dann von der „Peninsula Italica“ über Europa ausbreiteten.
Und es waren die Römer, durch die der Weinanbau in einen lukrativen Kommerz verwandelt wurde – sie füllten die mediterrane Landschaft mit Weinstöcken. Die Weinbeeren jener Zeit waren fast ausschliesslich zur Herstellung von Wein bestimmt, und das blieb auch noch so einige Jahrhunderte danach.
Als eine Frucht, die schwierig zu transportieren und ebenso diffizil zu konservieren ist, und anspruchsvoll in der Behandlung, lehrte sie den Menschen, ihren süssen Gehalt auf andere Art und Weise zu geniessen. Durch ihre hohe Konzentration an Fruchtzucker entsteht aus der Fermentierung der Weinbeeren ein aussergewöhnliches Getränk von unterschiedlichem Alkoholgehalt, welches sich schon zur damaligen Zeit rasch einen ersten Platz unter den bevorzugten Fruchtweinen sicherte. Und seit der Antike hat sich der Wein aus jenen Beeren in ein Produkt von grosser gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Bedeutung für den okzidentalen Menschen entwickelt.
“In den Evangelien ist der Weinstock Sympol der Weisheit, und der Wein wurde ausgewählt, um das Blut des Schöpfers beim Messopfer darzustellen. Der Weinstock symbolisiert das menschliche Leben, und der Wein wird als Gottesgabe angesehen. Seine Heimat ist der Orient, von dort kam er nach Europa. Zur Zeit der Sintflut pflanzte Noa bereits Weinstöcke und gab sich der Trunkenheit hin, so erzählt die Bibel. Unter den Schutzheiligen war Saturn der Vorläufer in Kreta – in Ägypten war es Osiris – und in Italien Bachus“. (Aus dem “Lexikon der Nutzpflanzen Brasiliens“ von Pio Corrêa, 1926).
Die Weinstöcke bevorzugen Temperaturen um die 20 Grad Celsius und passen sich verschiedenen Bodenbeschaffenheiten an, mit Ausnahme solcher, die feucht und schlecht durchlässig sind, und sie müssen reich an organischer Materie sein. Der jeweilige Boden hat grosen Einfluss auf die Qualität der Weinbeere und des aus ihr gereiften Weins.
Bis in unsere Tage ist der grösste Teil der Weinbeeren-Produktion weiterhin zur Weinherstellung bestimmt. Man schätzt, dass zirka 80% der jährlichen Gesamtproduktion in Wein oder andere alkoholische Getränke verwandelt wird, wie zum Beispiel in Brandy, Kognak, Armagnac, Jerez, etc., zirka 5% werden zu Saft verarbeitet, weitere 5% werden als Rosinen getrocknet und 10% werden “in natura“ konsumiert – als Nachspeise oder einfach als Frucht zwischendurch.
Es gibt heute zirka 10.000 unterschiedliche Sorten von Weinstöcken, die sich den unterschiedlichen Böden und Klimata angepasst haben, was ihre Kultivierung in fast allen Regionen unseres Planeten ermöglicht. Und weil sie besonders sensibel auf die Bedingungen des Bodens und des Klimas reagieren, in dem sie sich entwickeln, unterscheiden sich ihre Früchte auch entsprechend dieser Bedingungen – sie präsentieren Eigenschaften, an denen man sie hinsichtlich ihres Geschmacks, ihrem Säuregehalt, ihrer Süsse, ihrer Form, ihrer Färbung, der Wiederstandsfähigkeit ihrer Schale, ihrer Grösse, der Menge ihrer Samen, ihrer Form und an der Art ihrer Rispen unterscheidet.
Was ihre Nutzung betrifft, so kann man die Weinbeeren grob in zwei Gruppen einteilen: Die so genannten “Tischtrauben“ und die Trauben für den Wein und andere industrielle Verwendungen.
Nach Brasilien kamen sie zusammen mit den ersten portugiesischen Kolonisatoren. Lange Zeit – so beschreibt es Pio Corrêa – “herrschte hier die Meinung vor, dass die ambientalen Bedingungen niemals einen Anbau von Weinstöcken erlauben würden, einer Pflanze, die als sensibel bekannt war, und die sich auch nur in einigen Ländern des Alten Europas bestens entwickelt hatte“.
Heute dagegen stellt der Weinanbau in Brasilien eine Quelle des Reichtums für das Land dar. Gegen Anfang des vergangenen Jahrhunderts haben europäische Einwanderer aus Deutschland und Italien im gemässigten Klima des brasilianischen Südens und Südostens mit dem Pflanzen von Weinstöcken begonnen. Viele Städte und 230 Dörfer wurden gegründet, zahllose Weinberge angelegt, die endgültig die kühle Hügellandschaft von Rio Grande do Sul veränderten. Dort haben sich die Munizipien Flores da Cunha, Bento Gonçalves, Garibaldi, Santana do Livramento und Caxias do Sul als grosse Produzenten von Qualitätsweinen entwickelt. Ausser diesen Zentren des Weinanbaus im Bundesstaat Rio Grande do Sul sind die Bundesstaaten Santa Catarina, Paraná und São Paulo (hier besonders die Munizipien São Miguel Arcanjo, Vinhedo und Porto Feliz) zu nennen, die ebenfalls gute Trauben produzieren.
Ab der 70er Jahre erlebte dann Brasilien eine grosse Veränderung in Bezug auf die Traubenproduktion, als grosse nationale und internationale Unternehmen, zusammen mit Regierungsinitiativen, in die Entwicklung und Installation moderner Bewässerungsprojekte entlang des fruchtbaren, warmen und trockenen Tals des Rio São Francisco investierten. Zahlreiche Agrarindustrien, die Säfte, Weine und Süssigkeiten produzieren, wurden von dem vielversprechenden Flusstal angezogen, erweiterten damit das Angebot auf dem Arbeitsmarkt und veränderten grundlegend die wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation der lokalen Bevölkerung, die bisher seit Jahrhunderten mit den Problemen der trockenen “Caatinga“ zu kämpfen hatte.
In wenigen Jahren begann die ehemals trockene, menschenfeindliche Landschaft Früchte aller Genres zu produzieren – Ananas, Papayas, Avocados, Feigen, Goiabas, Maracujá, Melonen, Carambolas, Mangos, Limonen und Orangen brachte jetzt plötzlich der bewässerte Boden hervor – und natürlich Weintrauben. Das landwirtschaftliche Potenzial dieser Region war schon vor langer Zeit von Technikern als besonders wertvoll eingeschätzt worden – wie auch Pio Corrêa in seinem Lexikon aus den 30er Jahren hervorhebt. Die geografische Höhe zwischen 300 und 500 Metern über dem Meer, die exzellenten, kultivierbaren Böden, die günstigen mittleren Jahrestemperaturen und die künstliche Bewässerung, die die wenigen Niederschläge (ohne Hagel) ergänzt, sind perfekte Bedingungen für die Produktion von gesunden und süssen Früchten.
Das Tal des Rio São Francisco – es durchquert fünf Bundesstaaten der Nordost- und Südostregion Brasiliens (Pernambuco, Sergipe, Alagoas, Bahia und Minas Gerais) – ist gegenwärtig der grösste Früchteproduzent und Exporteur des Landes, und er beliefert ebenfalls einen Grossteil des internen Marktes.