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Das menschliche Neugeborene kommt sehr „unreif" auf die Welt. Selbst bei einer normalen Schwangerschaftsdauer könnte man es von seiner Entwicklung her - im Vergleich zu anderen Säugetieren - als Frühgeburt bezeichnen. Es ist daher besonders stark auf die Fürsorge durch seine Eltern oder Betreuungspersonen angewiesen. Andererseits besitzt es aber auch schon viele Fähigkeiten, die sein Überleben fördern. Das Baby kann atmen, Nahrung aufnehmen, unverdauliche Nahrungsreste ausscheiden und seine Temperatur (eingeschränkt) regulieren. Es registriert Informationen über seine Umwelt und sendet Signale an seine Umwelt, um auf sich aufmerksam zu machen und erste soziale Kontakte zu knüpfen. Nach und nach lernt es, seine Körperhaltung willentlich zu steuern, Gegenstände zu ergreifen und zu manipulieren und sich aus eigener Kraft fortzubewegen.
Die Knochen sind bei Neugeborenen noch relativ weich und bestehen vorwiegend aus Knorpel, die Schädelknochen sind nicht einmal vollständig zusammengewachsen. Kinderknochen brechen daher nicht so leicht. Bis zum 15. Lebensjahr lagern die Knochen Mineralien ein und werden immer fester; Bänder, Sehnen und Muskeln wachsen mit. Bei der Geburt sind schon alle Muskeln vorhanden, sie sind aber erst nach und nach funktionstüchtig, weil die willkürliche Steuerung durch das noch unreife Nervensystem hinterherhinkt.
Fast 90% aller Babys entwickeln ihren Bewegungsdrang nach demselben Muster: Mit etwa fünf Monaten drehen sie sich vom Bauch auf den Rücken und umgekehrt, mit acht Monaten krabbeln sie auf allen Vieren, mit neun Monaten können sie selbständig sitzen und mit wenig mehr als einem Jahr schaffen sie die ersten Schritte allein oder an der Hand. Aber es gibt auch Kinder, die sich mehr Zeit lassen und andere, die alles etwas schneller können.
Und dann gibt es auch solche, die einzelne Meilensteine im Programm ganz auslassen, also z.B. nie richtig krabbeln, sondern auf dem Po, dem Bauch oder Rücken rutschen und so auch recht schnell vorankommen. Krabbeln ist nämlich kein Muss - andererseits ist es ein sehr gutes Muskel- und Koordinationstraining. Und Krabbelkinder sollen später weniger Rückenprobleme haben.
Fest steht auf jeden Fall: Ein gesundes Kind lernt früher oder später laufen, egal wie. Wenn sich Eltern über die motorische Entwicklung ihres Kindes Sorgen machen, sollten sie diese beim nächsten Kinderarzt-Termin äussern. Der Kinderarzt oder die Kinderärztin kann durch gezielte Untersuchungen feststellen, ob wirklich eine verlangsamte Entwicklung vorliegt und ob Frühförderungsmassnahmen wie Physiotherapie sinnvoll sind. Meist besteht gar kein Grund zur Besorgnis.
Dennoch können Eltern ihr Baby mit Spiel und Spass zu mehr Bewegung anleiten. Schon wenige Monate alte Säuglinge sollten so oft wie möglich auf einer dicken Decke auf dem Boden liegen, wo sie einen Anreiz zur Erkundung der Umgebung bekommen - vor allem, wenn sie auf dem Bauch liegen. Dann trainieren sie ganz automatisch, den Kopf zu halten und die Unterarme aufzustützen. Wenn ein Baby sich schon dreht, sollte interessantes Spielzeug knapp in Reichweite liegen, das sie bald durch Rutschen erreichen können. Natürlich muss gleichzeitig für eine sichere Umgebung gesorgt sein.
Fachleute raten dazu, dem Baby sein eigenes Tempo zu lassen. Läuft es alleine am Sofa entlang, ist es bereit zum selbständigen Gehen. Wird es dagegen ständig von den Eltern an der Hand gehalten, ist dieser Entwicklungsschritt noch nicht richtig vollzogen, was den Rücken des Kindes zu stark belastet.
Babygeräte wie Wippen, Babyschalen, Hopser und Lauflerngeräte ermöglichen diese zwar anstrengende, aber für die Entwicklung wichtige Fortbewegung nicht oder üben falsche Bewegungsmuster ein. Sie sind also nur für kurze Zeit als "Aufbewahrungsort" geeignet.