Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03499.jsonl.gz/1892

DeLorean DMC-12 – die früh verstorbene Sportwagenlegende
Wer den Film „Zurück in die Zukunft“ kennt, weiss, wovon hier die Rede ist. Die „Zeitmaschine“ in dem Hollywood-Streifen war ein DeLorean DMC-12, ein Sportwagen, der Anfang der 1980er Jahre für kurze Zeit produziert wurde, aber schon bald wieder von der Bildfläche verschwand – ausser für die eingefleischten Fans des Wagens, sie halten die Legende bis heute am Leben.
John Zachary DeLorean (1925-2005) hatte bereits eine beachtliche Karriere in der Automobilbranche hinter sich, bevor er sich entschied, mit einer eigenen Produktion zu starten. In den 1950er Jahren arbeitete er als Ingenieur bei der Firma Packard, wo er 1959 von Pontiac, einer Marke von General Motors, abgeworben wurde. Bei seinem neuen Arbeitgeber erlebte er einen rasanten Aufstieg. Unter anderem war er massgeblich an der Konstruktion des GTO beteiligt, mit dem die „Muscle Car“-Zeit begann. Pontiac stieg unter die grossen drei US-Hersteller hinter Chevrolet (ebenfalls GM) und Ford auf.
Als Ford zunehmend Marktanteile gewann, wurde DeLorean 1970 ein Managerposten bei Chevrolet angeboten. Sein Sinn für die Bedürfnisse des Marktes setzte sich durch. Unter seiner Führung wurden Modelle, Ausstattungen und die Qualität entscheidend verbessert, so dass Chevrolet 1973 zum ersten Mal über 3 Millionen Fahrzeuge verkaufen konnte – ein neuer Rekord in der gesamten Autoindustrie. Kurze Zeit später wurde DeLorean Vize-Präsident bei General Motors und hatte beste Aussichten, später den Chefsessel zu übernehmen. Der Konzern gewährte ihm allerdings keine Spielräume für seine Ideen und Vorstellungen, so dass er frustriert kündigte.
Befreit von allen Zwängen, ging er das Projekt an, ein sicheres, ethisch und ökologisch korrektes Auto zu entwickeln und gründete 1974 die DeLorean Motor Company (DMC). Sein Chefingenieur wurde Bill Collins, mit dem er schon früher zusammengearbeitet hatte. Mit dem Design wurde der italienische Topdesigner Giorgio Giugiaro beauftragt. Dessen Firma Italdesign gehörte zu den besten Adressen der Branche und hatte bereits für Maserati, BMW, Lotus und Volkswagen gearbeitet. Giugiaro bekam weitgehend freie Hand. Die einzigen Vorgaben waren Flügeltüren, eine Karosserie aus Edelstahl und ein Mittelmotor. DeLoreans Ziel war es, seinen Wagen als Alternative und Konkurrenz zur Corvette von Chevrolet und zu teureren Sportwagen wie beispielsweise Porsche auf den Markt zu bringen.
Als der erste Prototyp 1977 fertig war, hatte DMC bereits knapp 160 Händler an sich gebunden, die sich mit jeweils 25’000 Dollar für ihren Einstieg in das Projekt beteiligten. Anschliessend ging DeLoren auf die Suche nach einem günstigen Produktionsstandort. Zuletzt standen Texas und Puerto Rico zur Auswahl, die beide günstige Grundstücke und Kredite anboten, um Arbeitsplätze in den entsprechenden Regionen zu schaffen. Dann aber kam 1978 die britische Regierung auf DeLorean zu und lockte ihn mit einem Kredit über 100 Millionen Dollar, wenn er sein Werk in Belfast (Nordirland) errichten würde.
1979 wurde der Grundstein gelegt. Im Belfaster Vorort Dunmurry entstand die damals modernste Automobilfabrik der Welt. Die Entwicklungszeit des Wagens dauerte nur zwei Jahre. Anfang 1981 rollten die ersten Serienfahrzeuge vom Band. Um die Showrooms der amerikanischen Händler möglichst schnell zu versorgen, wurden anfangs mehrere Hundert Exemplare des DMC-12 per Luftfracht in die USA gebracht.
Der DeLorean hob sich in vielen Details von anderen Autos seiner Kategorie ab. Die Karosserie bestand aus einem Glasfaserkörper, der mit Edelstahl beplankt wurde, Heck- und Frontpartie aus schlagfestem, verformbarem Polyurethan. Die Flügeltüren wurden komplett aus Edelstahl gefertigt. Der Innenraum war luxuriös ausgestattet: Feinstes Leder, Klimaanlage, elektrische Zentralverriegelung und Fensterheber, ein variabel einstellbares Lenkrad und eine Stereoanlage mit Radio und Cassettendeck gehörten zur Grundausstattung. Der 2,8-Liter V6-Motor wurde per Fünf-Gang-Getriebe bzw. Drei-Gang-Automatik bedient. Bemerkenswert waren auch die unterschiedlich grossen Räder vorne und hinten.
So vielversprechend, wie alles begann, so schnell kam auch das Ende von DMC. Eine Verdoppelung der Produktion wegen der grossen Nachfrage führte zu erheblichen Qualitätseinbussen. Das Problem wurde zwar zügig behoben, dämpfte aber nachhaltig den Absatz. Ausserdem verschlechterte sich in dieser Zeit der Wechselkurs von Dollar und Pfund erheblich. Das junge Unternehmen hatte noch keine Rücklagen bilden können, um die Krise zu meistern. Schliesslich fror die neue englische Regierung unter Margret Thatcher die schon zugesagten Kredite ein.
Anfang 1982 wurde die Produktion eingestellt, bis dahin hatte man noch viele Fahrzeuge auf Halde produziert. DeLorean konnte diese zwar verkaufen und die Produktion nach einem halben Jahr wieder aufnehmen, aber die Verluste waren einfach zu hoch. Im September geriet das Unternehmen unter Konkursverwaltung und das Werk wurde stillgelegt. Nur einige Arbeiter machten mit den noch vorhandenen Teilen bis Weihnachten 1982 weiter. Der letzte von insgesamt 8’583 gefertigten DMC hatte eine mit 24-karätigem Gold beschichtete Karosserie – insgesamt gibt es drei Wagen mit dieser Ausstattung.
Laut Schätzungen stehen heute noch rund 4’000 DMC-12 in Museen, bei Sammlern und in Fangaragen. Der Flitzer gehört für viele zu den schönsten Sportwagen der 1980er Jahre und hat heute Kultstatus – nicht zuletzt durch den Kinoerfolg „Zurück in die Zukunft“.
Oberstes Bild: DeLorean DMC-12 – die früh verstorbene Sportwagenlegende. (Grenex, Wikimedia, CC)