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Als der Herr Jesus zum letzten Mal vor seinem unaussprechlich schweren Gang zum Kreuz und all seinen Leiden mit seinen Jüngern versammelt war (Johannes 13 – 17), da teilte Er ihnen in einfachen Worten tiefe Wahrheiten mit. Sie betreffen unter anderem sein Verhältnis zu Gott, seinem Vater, wie auch die Beziehung der Seinen zu demselben Vater, in die Er sie durch seinen Tod und seine Auferstehung einführen würde. Bei einigen dieser Mitteilungen wollen wir hier etwas stehen bleiben.
Der Sohn erfüllt zur Wonne des Vaters in allem den Zweck seiner Sendung und kehrt voll Verlangen zu Ihm zurück (Joh 16,5)
Beim Lesen dieses Evangeliums fällt auf, wie oft der «Sohn» davon spricht, dass Gott, der Vater, Ihn gesandt habe. Er sollte als «der eingeborene Sohn, der im Schoss des Vaters ist», Gott kundmachen und sein Werk vollbringen (1,18; 4,34). Er sagte zu den Juden: «Ich bin nicht von mir selbst gekommen», sondern «in dem Namen meines Vaters» (7,28; 5,43) Auch auf der Erde war Er in dem Vater, und der Vater in Ihm. «Die Worte, die ich zu euch rede, rede ich nicht von mir selbst aus; der Vater aber, der in mir bleibt, er tut die Werke» (14,10). So sehr, so vollkommen war Er auch hier eins mit dem Vater (10,30), dass Er nur dessen Tun wiederzugeben und darzustellen vermochte: «Der Sohn kann nichts von sich selbst tun, ausser was Er den Vater tun sieht» (5,19). Sein ganzes Leben war der Ausfluss, die Offenbarung des Lebens, «das bei dem Vater war» (1. Joh 1,2).
Als Endzweck seiner Sendung sah der Sohn das Kreuz vor sich. Aus Liebe zum Vater wollte Er so tun, «wie mir der Vater geboten hat» (14,31), und den Kelch der Leiden trinken, «den mir der Vater gegeben hat» (18,11). Er liess sein Leben für die Schafe, weil das ein Beschluss, ein Gebot seines Vaters war (10,17.18); die Menschen hätten es Ihm nicht nehmen können.
Wie hat doch der Vater am Leben seines Sohnes auf der Erde, als Mensch unter Menschen, von Anfang bis zum Ende uneingeschränktes Wohlgefallen gefunden! Der Sohn tat allezeit das Ihm Wohlgefällige (8,29) und zwar unter widrigsten Umständen: Sein Volk verwarf und hasste Ihn, der doch der Abdruck des Wesens Gottes und die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit war, und bewies damit seinen Hass gegen Gott selbst. – Und als die Stunde kam, in der der menschgewordene Sohn am Kreuz das Werk vollbrachte, das Ihm der Vater gegeben hatte, dass Er es tun sollte (17,4), was geschah da? Da stieg der liebliche Wohlgeruch seines «Brandopfers» zu Gott empor, das Zeugnis der völligen Hingabe des Sohnes an den Vater. Ja, der Sohn hat Ihn «im Fleisch» verherrlicht, vom ersten bis zum letzten Augenblick. Das Werk am Kreuz bildet sogar die Grundlage für eine ewige Verherrlichung Gottes: Da trat Gottes Wesen, seine kompromisslose Heiligkeit und Gerechtigkeit zutage, und da wurde das Ausmass seiner Liebe in seinem ewigen Ratschluss, nach dessen Breite und Länge, Tiefe und Höhe aufgedeckt.
Gott, der Vater, hat seinen Sohn geliebt vor Grundlegung der Welt (17,24), und der Sohn lebte auch auf der Erde im herrlichen Bewusstsein der Liebe des Vaters: «Der Vater hat den Sohn lieb», sagte Er mehrmals (3,35; 5,20; 15,9). Und den Jüngern erklärte Er: «Wenn ihr meine Gebote haltet, so werdet ihr in meiner Liebe bleiben, wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe» (15,10), «Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse». Damit hat Er das höchste Gebot, das alles von Ihm forderte, erfüllt (10,17.18)
Oh, trotz unserer schwachen Erkenntnis empfinden wir mit dem Herrn Jesus, wenn Er sich nach der Stunde sehnte, in der Er aus dieser Welt, die Ihn verworfen hat und im Begriff stand, Ihn umzubringen, zu dem Vater hingehen konnte (13,1). Welche Freude für Ihn, mit dem kostbaren Wissen «zu dem Vater» zurückzukehren: Ich habe Dich verherrlicht auf der Erde, habe deinen ganzen Willen getan, alle deine Gebote gehalten und das Werk vollbracht, das Du mir gegeben hast! – Bei dem Vater sein! Für Ihn gab es keinen anziehenderen Ort. Vor seinem Angesicht erwartete Ihn eine Fülle von Freuden, Lieblichkeiten in seiner Rechten immerdar (Psalm 16,11).
Was war die Antwort Gottes, des Vaters, auf solche Hingabe und treue Ausführung all seiner Gedanken durch seinen geliebten Sohn? – Er «begrüsste» Ihn, Er verherrlichte Ihn bei sich selbst mit der Herrlichkeit, die Er bei Ihm hatte, ehe die Welt war. Er liess Ihn zu seiner Rechten sich auf den Thron setzen. Er hat Ihn mit Ehre und Herrlichkeit gekrönt und Ihm den Namen gegeben, der über jeden Namen ist. Er lässt Ihn die Frucht der Mühsal seiner Seele ernten und gibt Ihm, als dem Sohn des Menschen, ein «ewiges Reich».
Bestürzung und Trauer bei den Jüngern
Als die Jünger bei diesem letzten Zusammensein vor dem Kreuz den Herrn Jesus sagen hörten: «Kinder, noch eine kleine Zeit bin ich bei euch; … wohin ich gehe, dahin könnt ihr nicht kommen» (13,33), da wurden sie bestürzt. Die Frage des Petrus lag ihnen allen auf dem Herzen: «Herr, wohin gehst du?»
Sie waren sich nicht klar, was das heissen sollte. Mehr als drei Jahre lang hatten sie nun mit dem Meister zusammenleben und an seinem Dienst teilhaben dürfen. Er hatte sie behütet und geführt; Er war ihr geliebter Lehrer, der für ihre geistlichen Bedürfnisse besorgt war. Hatte das nun ein Ende, für immer?
Mehrmals schon wollte der Herr Jesus sie auf seine Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung vorbereiten, die vor Ihm standen. Aber sie hatten seine Worte nicht erfasst. Sie meinten immer noch, bei Ihm dem Messias, sein zu dürfen, bis Er sein Reich aufrichte …
Doch jetzt stand seine schwere Stunde unmittelbar bevor. Noch diese Nacht würde Er aus ihrer Mitte weggeführt werden und am folgenden Tag am Kreuz für sie den Platz im Gericht einnehmen und den Sühnungstod erleiden. Dahin vermochte Ihm keiner der Jünger zu folgen. Nur Er konnte dieses Erlösungswerk vollbringen.
Dieses Ereignis von allergrösster Bedeutung führte auch im bisherigen Leben der Jünger eine grosse Änderung herbei. Der Herr teilte ihnen mit: «Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat» (16,5). Das erfüllte ihre Herzen mit grosser Traurigkeit. Hier fragten sie nicht: «Wohin gehst du?» Sie vermochten nicht, an seinem Ergehen, an der grossen Freude Anteil zu nehmen, die nach seinem Leiden und Sterben auf Ihn wartete. Sie dachten nur an die grosse Leere, die sein Weggang bei ihnen zurücklassen musste. Wie konnten sie ohne Ihn leben?
Doch nein, ihre Traurigkeit sollte zur Freude werden. Nicht nur konnten sie Ihn während vierzig Tagen nach seiner Auferstehung wieder sehen; der Herr Jesus hatte auch für die Zeit seiner äusserlichen Trennung von den Seinen wunderbare Vorsorge für sie getroffen: «Es ist euch nützlich, dass ich weggehe, denn wenn ich nicht weggehe, wird der Sachwalter nicht zu euch kommen; wenn ich aber hingehe, werde ich ihn zu euch senden» (16,7). Als dieser Sachwalter, der Heilige Geist, an Pfingsten herabkam, nahm Er in den Herzen derer, die durch Glauben an Jesus Christus von neuem geboren waren, für immer Wohnung. Zu den göttlichen Aufgaben und dem Dienst des Heiligen Geistes gehört, die Herzen der Gläubigen durch das Wort so in lebendiger Verbindung mit ihrem geliebten Herrn zu halten, dass sie Ihn besser «sehen» und erkennen können (14,19), als die Jünger es während seiner Anwesenheit auf der Erde je zu tun vermochten. Petrus, einer von ihnen, bringt dies in seinem ersten Brief gegenüber andern Gläubigen so treffend zum Ausdruck: «Jesus Christus, den ihr, obgleich ihr ihn nicht gesehen habt, liebt; an welchen glaubend, obgleich ihr ihn jetzt nicht seht, ihr mit unaussprechlicher und verherrlichter Freude frohlockt» (1. Pet 1,8).
«Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten» (Joh 14,2)
So sagte Christus zu seinen bestürzten Jüngern. Die an Ihn Glaubenden sollen nicht auf der Erde bleiben, sondern in Ewigkeit bei Ihm sein. Ich will sie «bei mir» haben, ist die Sprache seines Herzens (17,24). Das war für Ihn selbstverständlich. Wenn es anders gewesen wäre, hätte Er es ihnen gesagt. Und in dem Vaterhaus hat es viele Wohnungen, um restlos alle Erlösten aufzunehmen, die Er seinem Gott und Vater «zu Priestern gemacht hat» (Off 1,5.6). Im Tempel Salomos gab es nur eine gewisse Anzahl Zimmer für die diensttuenden Priester aus dem Stamm Levi (1. Kön 6,4-6).
Der vorübergehende Zeitabschnitt, in dem unser Herr Jesus für die Augen der Seinen unsichtbar bleibt – «ihr glaubt an Gott, glaubt auch an mich» – ist, gemessen an der Ewigkeit, von kurzer Dauer. Wie wir wissen, währt diese Zeit der Gnade so lange, bis «die Vollzahl der Nationen eingegangen sein wird» (Röm 11,25), also bis alle die Menschen aus allen Völkern, die nach Vorkenntnis Gottes noch durch Glauben an den Herrn Jesus der Versammlung oder Gemeinde hinzugetan werden, errettet sind. Dann erfüllen sich die Verheissungen des Neuen Testaments, und Christus wird wiederkommen, um alle seine entschlafenen und lebenden Heiligen ins himmlische Heiligtum heimzuführen.
Diese «Heiligen» waren einst Sünder und konnten die Herrlichkeit Gottes nicht erreichen, aber sie wurden dafür passend gemacht, dadurch, dass sie gerechtfertigt worden sind durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist (Röm 3,23.24).
Aber auch die Stätte, zu der sie droben geführt werden sollen, musste für sie zubereitet werden. Denn kein Mensch hatte diese bis dahin betreten. Dazu war nötig, dass Christus als Mensch, ihr Stellvertreter im Gericht, in den Himmel eintrat, nachdem Er durch den Tod gegangen war. Indem Gott Ihn in seine herrliche Gegenwart aufnahm, ist die Stätte auch für alle die bereit, die Nutzniesser seines Werkes und seines Todes sind.
Warum ist jene Stätte auch für uns so anziehend?
Schon auf der Erde wird die Atmosphäre eines Hauses durch die Person geprägt, die darin wohnt. Ist es ein Mensch, mit dem wir in Liebe verbunden sind, kehren wir gern dort ein; alles Übrige steht da in Beziehung zu ihm. So sagte der Herr Jesus zu den Jüngern: «Ich komme wieder und werde euch zu mir nehmen, damit, wo ich bin, auch ihr seiet» (Joh 14,3). Welch ein herrlicher Ausblick für sie, im Himmel auf ewig bei dem zu sein, in dessen Gegenwart sie so lange Zeit leben durften, als Er in Niedrigkeit unter ihnen war! Wohl wird Er dort «im Leib der Herrlichkeit» vor ihnen sein, als der, der «hinaufgestiegen ist über alle Himmel», ein Mensch geblieben, aber gleichzeitig «Gott, gepriesen in Ewigkeit.» Doch sein Herz wird auch dort von der gleichen unfassbar grossen und tiefen Liebe zu den Seinen erfüllt sein, wie hier, denn: «Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit» (Heb 13,8). – Und auch die unaussprechliche und verherrlichte Freude von den Erlösten allen, die Ihn seit seinem Hingehen zum Vater lieben und geliebt haben, ohne Ihn je zu sehen, wird bei Ihm vollkommen sein. «Denn wir werden Ihn sehen, wie Er ist» (1. Joh 3,2).
Der Herr Jesus redet aber nicht von «meinem Haus», sondern von «dem Haus meines Vaters». Er bringt die Seinen dahin, wo das Sehnen seines eigenen Herzens, nachdem alles vollbracht war, Ihn hinzog: zum Vater. Freuen wir uns auch darauf, bei Ihm zu sein? Sind wir uns jederzeit genügend bewusst, was der Vater alles für uns getan hat? In seiner Liebe hat Er sich schon vor Grundlegung der Welt mit uns beschäftigt. Er hat für uns Sünder und Feinde einen Heilsplan beschlossen, seinen eigenen Sohn zum Opferlamm bestimmt und Ihn zur vorgesetzten Zeit herabgesandt, sich in Ihm offenbart, Ihn dann am Kreuz für uns hingegeben und Ihn an unserer statt gerichtet, damit wir erlöst und gerechtfertigt würden. Jetzt hat Er den Geist seines Sohnes in unsere Herzen gesandt, der da ruft: Abba, Vater! Und wir können einander zurufen: «Seht, welch eine Liebe uns der Vater gegeben hat, dass wir Kinder Gottes heissen sollen!» In seiner Vaterliebe will Er seine ganze Familie bei sich, in seiner Herrlichkeit versammeln, wo wir das ewige Leben, die Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn voll geniessen. In Macht und Vatertreue führt Er uns zu diesem herrlichen Ziel. Ja, freuen wir uns, bei Ihm zu sein? Möchten wir Ihm doch hier auf der Erde noch viel Frucht bringen, zu seiner Verherrlichung! (Joh 15,8).
Nur in diesem Kapitel, das vom Vater spricht, wird das Vaterhaus als künftiger Wohnort der Erlösten bezeichnet, ein Ausdruck der innigen Beziehung zu Ihm. Anderswo sehen wir sie vor dem Thron Gottes und des Lammes versammelt (Off 4 und 5). Schliesslich erscheint die Versammlung, die Braut, die Frau des Lammes, im Bild der heiligen Stadt, des neuen Jerusalem. Sie wird im ewigen Zustand «die Hütte Gottes bei den Menschen» sein (Off 21,3).
Wie wird uns sein, wenn wir, dem Bild des Sohnes Gottes gleichförmig gemacht (Röm 8,29), im Vaterhaus wohnen werden! Nichts mehr wird die selige Harmonie stören, denn «das Fleisch» mit seiner Selbstsucht, seinem Geltungstrieb, seinem Neid, ist nicht mehr da. Alle werden, durch den Heiligen Geist mit Liebe, Freude und Frieden erfüllt, angetrieben werden, dem Vater und dem Sohn ewige Anbetung darzubringen.