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Konventionelle Bildverarbeitungssysteme suchen mit Parametern wie Grösse, Form und Farbe nach Fehlern oder Verunreinigungen in den Objekten, die auf ihre Qualität überprüft werden sollen. Systeme, die auf Basis der hyperspektralen Bildverarbeitung (HSI: Hyperspectral Imaging) arbeiten, gehen einen anderen Weg: Sie erlauben eine spektroskopische Analyse der inspizierten Materialien und die farbliche Kennzeichnung der chemischen Zusammensetzung der in den aufgenommenen Bildern erkannten Stoffe. Auf diese Weise können sowohl organische als auch anorganische Verunreinigungen mit ein- und demselben System festgestellt werden.
Sehr interessante Anwendungen
Diese Fähigkeit erlaubt unter anderem in der Food-Branche umfangreiche Möglichkeiten für das Auffinden von Verunreinigungen in Lebensmitteln. Selbst in Hochgeschwindigkeits-Fertigungslinien identifizieren Hyperspektral-Bildverarbeitungssysteme Fremdkörper wie Schalenteile oder andere Stoffe bei der Herstellung von Nüssen, erkennen Steine oder Erde bei der Sortierung von Kartoffeln, klassifizieren Fleisch-, Fett-, und Knorpelanteile in der Fleischproduktion oder identifizieren Stoffe, die für den Menschen auf den ersten Blick kaum Unterschiede aufweisen, wie es z.B. bei Zucker, Salz und Zitronensäure der Fall ist.
«Die Einsatzmöglichkeiten für die hyperspektrale Bildverarbeitung sind extrem vielfältig», betont Gerhard Stanzel, der sich bei Stemmer Imaging auf diese Technologie spezialisiert hat und in den vergangenen Jahren schon zahlreiche Kunden dabei unterstützt hat, derartige Systeme erfolgreich zu realisieren. «In der Lebensmittelproduktion besteht die Aufgabe neben der Erkennung von Störstoffen oft auch darin, verfaulte, unreife oder mit Schädlingen oder Pilzen befallene Ware zu detektieren. Ein weiteres Anwendungsfeld, in dem diese Technik bereits sehr häufig genutzt wird, ist das Recycling von Kunststoffen.»
Mehr als 100 Wellenlängen
Hyperspektrale Bildverarbeitung unterscheidet sich von Bildverarbeitung im sichtbaren, im Ultraviolett- oder im Infrarot-Bereich vor allem dadurch, dass zur Analyse der Ergebnisse häufig mehr als 100 verschiedene Wellenlängen verwendet werden. Erforderlich ist dafür in Abhängigkeit von der eingesetzten Technologie ein Spektrograph, der das Licht in sein Spektrum zerlegt und auf den Sensor der eingesetzten Kamera abbildet. Diese Bilder werden zu einem dreidimensionalen hyperspektralen Datenwürfel zusammengesetzt, der sehr grosse Datenmengen enthalten kann. So entsteht ein «chemischer Fingerabdruck» des abgebildeten Stoffes, der eine exakte Analyse zulässt. Eine spezielle Auswertesoftware erlaubt dabei eine eigene Farbkennzeichnung jedes festgestellten chemischen Bestandteils im Bild.
Prüfung durch die Verpackung hindurch
Für diverse Anwendungen von Hyperspektralsystemen ist ein Aspekt dieser Technologie besonders interessant: Infrarot-Licht kann bestimmte Stoffe durchdringen, die für sichtbares Licht nicht transparent sind. Diese Eigenschaft kann man daher nutzen, um die chemische Zusammensetzung von verpackten Inhalten selbst durch eine entsprechend ausgelegte Verpackung hindurch zu prüfen.
Stanzel nennt als Beispiel einer Anwendung aus dem Lebensmittelbereich die Kontrolle von Siegelnähten an Käseverpackungen bei der Privatkäserei Bergader: «Solche Siegelnähte sorgen für eine absolut dichte Verpackung von Lebensmitteln wie Käse oder Wurst. Schon kleinste Verunreinigungen oder Beschädigungen können zu undichten Verpackungen und damit zum Verderben der Lebensmittel vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum führen. Mögliche Folgen sind dann unverkäufliche Produkte oder Rückrufaktionen.»
Objektiv ist optisch auf den Spektrographen abgestimmt
Für den Käsehersteller realisierte Minebea Intec, ein führender Hersteller von Wäge- und Inspektionslösungen, mit Unterstützung von Stemmer Imaging ein System zur Siegelnahtinspektion auf Basis eines Hyperspektralsystems, das mit einer Taktgeschwindigkeit von rund 145 Untersuchungen pro Minute eine nahezu hundertprozenige Sicherheit bei der Erkennung von Siegelnahtfehlern erzielt.
In dieser Anwendung kommt eine Hyperspektralkamera FX17 des finnischen Herstellers Specim zum Einsatz, die für den Wellenlängenbereich von 900 bis 1700 nm entwickelt wurde. Der für die hyperspektrale Bildverarbeitung eingesetzte Spektrograph ist bei diesen kompakten Kameras nach einem patentierten Verfahren direkt in das Kameragehäuse integriert, was eine extrem kleine Bauform von nur 150 × 85 × 71 mm ermöglicht.
Breites HSI-Angebot
Das Hyperspektral-Angebot des Unternehmens umfasst jedoch noch erheblich mehr, erklärt Stanzel: «Auf der Hardwareseite arbeiten wir mit einer Reihe von Herstellern zusammen, die geeignete Beleuchtungen, Optiken und Kameras speziell für den Einsatz in HSI-Anwendungen entwickelt haben. Bezüglich der Software erlaubt es die intuitive Benutzeroberfläche Perception Studio des Grazer Unternehmens Perception Park Anwendern, selbstständig Hyperspektralapplikationen zu entwickeln und zu konfigurieren, ohne über Spezialkenntnisse in Chemometrie, Spektroskopie oder hyperspektraler Datenverarbeitung verfügen zu müssen.»
«Auf Basis unseres Hard- und Softwareangebots für die hyperspektrale Bildverarbeitung sowie durch umfassende Support- möglichkeiten wie unter anderem die Durchführung von Machbarkeitsstudien oder spezielle Schulungen sind wir in der Lage, genau auf den jeweiligen Anwendungsfall zugeschnittene Hyperspektralsysteme und Unterstützung bei deren Realisierung anzubieten», fasst Stanzel zusammen. «Unsere Kunden finden hier somit alle Optionen, um innovative Lösungen mit dieser hochspannenden Technologie zu erstellen.»