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Drei Tage nach dem tödlichen Angriff auf die britische Labour-Politikerin Jo Cox haben Befürworter und Gegner eines Brexits ihren Wahlkampf am Sonntag wieder fortgesetzt.
Der mutmassliche Mörder der EU-Befürworterin Cox sorgte am Samstag vor Gericht mit aggressiven Aussagen für Aufsehen. Als der 52-Jährige nach seinem Namen gefragt wurde, antworte er: "Tod den Verrätern, Freiheit für Grossbritannien". Die Richterin deutete daraufhin an, dass es sich um einen geistig Verwirrten handeln könnte.
In der Wohnung des Mannes sei rechtsextremes Material gefunden worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Bei seiner Festnahme habe sich Mair als "politischer Aktivist" bezeichnet.
Cameron warnt vor wirtschaftlichen Folgen
Im Wahlkampf-Endspurt warnte Premierminister David Cameron in einem Beitrag für die Sonntagsausgabe des "Telegraph" erneut vor den wirtschaftlichen Folgen eines Brexits. Nach einer Entscheidung für einen EU-Ausstieg gebe es "kein Zurück mehr".
Michael Gove, Chef der Leave-Kampagne, die sich für einen Austritt aus der EU stark macht, sagte dagegen dem "Telegraph", er glaube, ein Brexit werde der britischen Wirtschaft helfen.
Sowohl Gove als auch der ehemalige Londoner Bürgermeister Boris Johnson sprachen sich dafür aus, dass Cameron auch im Falle eines Brexits Premierminister bleibt. Cameron müsse "sehr bald" ein kraftvolles Signal aussenden, dass "wir der Partnerschaft und Freundschaft mit unseren Freunden verpflichtet bleiben", sagte Johnson der Zeitung "The Sun".
Dennoch liess Johnson keinen Zweifel daran, dass ein Brexit sehr schnell zu Konsequenzen führen könnte. Noch vor dem Start von Verhandlungen mit der EU könne die Jurisdiktion des Europäischen Gerichtshofs über Grossbritannien beendet werden. Weitere Schritte seien, "die Mitgliedsbeiträge zurückzuholen" und "die Kontrolle über die Grenzen zurückzuerlangen", sagte Johnson.
EU-Parlament: Keine Rosinenpickerei
Dagegen warnte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im EU-Parlament, Elmar Brok, die Briten vor falschen Hoffnungen. Nach einem Ja zu einem Austritt könnten sie keinen neuen Vertrag mit der EU zu besseren Bedingungen aushandeln, sagte Brok der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Montagsausgabe). "Raus ist raus", es werde "keine Rosinenpickerei geben".
Einer Erhebung im Auftrag der "Mail on Sunday" zufolge gaben 45 Prozent der Befragten an, sie würden für einen Verbleib Grossbritanniens in der EU stimmen. Nur 42 Prozent befürworteten demnach einen Brexit. Die telefonische Umfrage wurde am Freitag und Samstag durchgeführt. Noch am Donnerstag hatte eine Umfrage des selben Instituts die Brexit-Befürworter im gleichen Verhältnis vorne gesehen.
Doch zwei am Sonntag veröffentlichte Umfragen des Instituts YouGov verzeichneten bereits für Mitte vergangener Woche eine Tendenz zugunsten der Brexit-Gegner. Demnach sind 44 Prozent für einen EU-Verbleib und 43 Prozent für ein Ausscheiden.
Die Analysten von YouGov gehen davon aus, dass der Umschwung nicht primär mit dem Mord an Cox in Verbindung steht. Sie führen den Sinneswandel eher auf Ängste vor den wirtschaftlichen Folgen nach einem EU-Austritt zurück.
Nach Auffassung von Nigel Farage, Chef der euroskeptischen Ukip-Partei, allerdings hat die Brexit-Kampagne durch den Mord an der Labour-Politikerin Cox sehr wohl an Dynamik eingebüsst. Das sagte er am Sonntag in einer Talkshow des Fernsehsenders ITV.
(AWP)