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Colosseum Oerlikon - erstes Zürcher Kino
Bild: Baugeschichtliches Archiv Zürich
Massenmedium Film
1907 ist entscheidend in der Geschichte der Kinematographie. Der Film wird 1907 zum Massenmedium, dank der französischen Produktionsfirma Pathé, welche die Filmherstellung systematisch industrialisierte und neben dem bisherigen Kopien Verkauf den Kopien Verleih installierte. Verleih und Produktionsvolumen der Pathé, welche den Weltmarkt zu etwa 75% beherrschte, boten erst die Basis für ständige Kinematographen Theater mit wöchentlichen Programmwechseln.
Kinematografen Theater Colosseum
Die ersten Zürcher Kinos entstanden ab Frühjahr 1907. Sie wurde im Erdgeschoss bestehender Gebäude eingebaut und waren klein und bescheiden. Das von J. Glass und E. Steidle erbaute Colosseum eröffnete am 6. Januar 1912 in Oerlikon. Es ist das erste speziell für den Filmvorführungsbetrieb konzipierte Kino von Zürich. Damals existierten übrigens die Bezeichnungen „Kino“ und „Film“ im heutigen Sinn noch nicht. Benutzt wurden „Kinematografen Theater“ und „Bild“.
Die Kinos waren meist von nachmittags 14 Uhr bis 22 Uhr ununterbrochen in Betrieb, man konnte jederzeit eintreten oder weggehen. Viele Filme waren ein- oder mehrfarbig koloriert, und jegliche Kinovorstellung war von Musik begleitet, meist von Klavierspielerinnen. Das Niveau eines Kinos zeigte sich direkt an der Musikbegleitung; grosse Stummfilmpaläste der zwanziger Jahre hatten hauseigene Orchester.
Verderbliches „Kinofieber“
Die Stadtbehörden regelten in den ersten Jahren zahlreiche Probleme, die mit den neuen Betrieben entstanden waren, wie Feuersicherheit (ein Dauerthema im Zeitalter des hochbrennbaren Nitrocellulosefilms), Lärmschutz, Ruhetags Einhaltung und Eignungsprüfung für Kinoangestellte. Zutrittsalter und Kinderschutz wurden ebenfalls intensiv be- und verhandelt. Kaum gab es Kinos, bekämpften Lehrer und Pfarrer mit Eingaben und in öffentlicher Debatte das verderbliche „Kinofieber“ der Schuljugend und erreichten, dass ab 1909 Kinder nur noch in Begleitung Erwachsener und ab 1912 überhaupt nicht mehr ins Kino durften, während Polizeimänner sorgfältige Rapporte über ihre Kinokontrollbesuche ausführen mussten. Forderungen nach einem totalen Kinoverbot oder einer Zensur nach deutschem Vorbild, traten die Zürcher Polizeibehörden entschieden entgegen, „aus Gründen, die mit der gesamten Auffassung vom Wesen eines freien Staates zusammenhängen“.
Quelle «Kinofieber: 100 Jahre Zürcher Kinogeschichte», Stadtarchiv Zürich
Das Colosseum in Zürich-Oerlikon ist heute der Sitz der Phoenix - Schule für KomplementärTherapie GmbH.