Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03403.jsonl.gz/2347

|Der Kerker oder das Verlies

Das Mittelalter kannte Körper-, Ehr- und Geldstrafen. Freiheitsstrafen im heutigen Sinne kamen erst im 16. Jh. auf. Den Freiheitsstrafen des Mittelalters zuzurechnen sind lediglich das Exil oder in milderer Form die Verweisung aus einem Territorium für eine beschränkte Zeit.
Deswegen gab es keine Gefängisse in unserem Sinn. Zwar gibt es Räume im Untergeschoss eines Turms, die nur über ein sog. Angstloch in der Decke erreichbar sind, aber die Bezeichnung dieser Räume als Verlies entstammt der romantisierenden Burgenkunde des 19. Jh. Dass hier tatsächlich Gefangene durch das Angstloch mit einem Seil oder einer Strickleiter aus dem über dem Verlies liegenden Gebäudeteil in das Verlies herabgelassen wurden, ist wissenschaftlich nicht belegt und sehr unwahrscheinlich.
Hingegen gibt es Hinweise, dass solche Untergeschosse von Türmen als Vorratsräume dienten. So wurden in solchen Räumen Steinhaufen gefunden, die auf eine Vorratshaltung von Wurfgeschossen für den Fall einer Belagerung hinweisen.
|In Bremgarten ist im Stadttor ein Verlies erhalten, an dessen Wänden seit Mitte des 16. Jh. Gefangene Zeichnungen oder Inschriften anbrachten.

Mehr darüber ist in der Zeitschrift
MITTELALTER 2000, Heft 3 zu erfahren.