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Autor: pascal jäggi
So unterschiedlich Marlys Syndic Jean-Pierre Helbling und der sozio-kulturelle Animator Michel «Mitch» Favre auch sein mögen, gemeinsam haben sie zu einem verbesserten Verhältnis von Bevölkerung und Behörden in Marly beigetragen. Angefangen hat alles 1986, als der Gemeinderat beschlossen hatte, eine Stelle für einen Jugendanimator zu schaffen. Dies, weil Vandalismus und Aggressionen zugenommen hatten, während das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung stetig abnahm.
Also sollte Michel Favre sich um die Sorgen und Probleme der Jugendlichen kümmern. Seither ist «Mitch» eine Institution in der Agglo-Gemeinde. Jean-Pierre Helbling hat seit seinem Start im Generalrat 1986 aktiv an Kommissionen teilgenommen. Ab 2001 war er als Gemeinderat für den Bereich Schulen verantwortlich und damit direkt in die Jugendfragen involviert.
Vermittler und Treffpunkte
Im Kanton schon länger Vorbild, gibts jetzt auch noch eidgenössische Ehren für die Jugend- und Integrationsarbeit Marlys. Nicht nur das Preisgeld in der Höhe von 30 000 Franken ist für die beiden eine grosse Genugtuung. «Was uns besonders freut, ist die Anerkennung für unsere Arbeit», meint Jean-Pierre Helbling.
Marly will seinen Bewohnern etwas bieten, statt sie links liegen zu lassen. Doch was muss man sich darunter vorstellen? Schon früh kam die Idee, in die Quartiere zu gehen und den Kontakt mit der Bevölkerung zu suchen, bevor sich diese abschottet. Zuerst im Rahmen der Jugendanimation Marly (ANJM), 2002 wurde dann die Organisation «Le Square» gegründet, die verschiedene Veranstaltungen in den Quartieren durchführt. Seit 2003 existiert zusätzlich die Kommission «Marly Sympa», deren Präsident Jean-Pierre Helbling ist und war. Diese verarbeitet allgemeine Verbesserungsvorschläge aus der Bevölkerung, die sie während den so genannten Marly-Cafes sammelt. 2008 folgte ein Bericht an den Generalrat, der ein Gesamtkonzept lieferte.
Sympathische Agenten
Zudem bildet die Kommission Vermittler aus, welche in den Quartieren unterwegs sind. Dort versuchen sie mit herumhängenden Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Dabei sollen sie weder schulmeisterlich noch aggressiv auftreten, meint Michel Favre. Auch wenn die Vermittler auf Französisch «agents» genannt werden, sollen sie nicht den Eindruck vermitteln, Hilfspolizisten zu sein.
Wieso diese zusätzlichen Freiwilligen ausgebildet werden, ist für die Verantwortlichen klar. «Die Bevölkerung soll nicht zu uns kommen müssen, wir wollen auf sie zugehen», meint Favre. Auf diese Weise fühlten sich die Bewohner nicht so abgeschottet. Die Behörden wüssten umgekehrt Bescheid über die Einwohner Marlys. «Nichtwissen ist das Schlimmste in der Gewaltprävention», erklärt Favre.
Bei einem Augenschein an einem Ausbildungstag fiel auf, dass einige Frauen mit Migrationshintergrund an den Kursen teilnahmen. Diese sagten den FN damals, dass sie auf diese Weise mehr am Leben der Vorortgemeinde teilnehmen könnten und gleichzeitig für ihre Kinder im jugendlichen Alter eine Vorbildfunktion einnehmen würden.
Bald weitere Projekte?
Das Preisgeld wollen die Verantwortlichen weiter in Projekte investieren, heute können sie jedoch noch keine konkreten Anliegen äussern. «Das Geld bleibt aber in der Integrationsarbeit, so viel ist klar», meint der Syndic. Zuerst einmal fahren heute rund 30 Mertenlacher nach Olten. «Auch die vielen Freiwilligen sollen diese Anerkennung miterleben dürfen, das haben sie verdient», sagt Michel Favre.