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Bohdan Shved
Leiter des a cappella Chors Zürich seit Nov. 2012
«Singen als Zugang zu unserer inneren Realität,
als Form des Meditierens,
als gemeinschaftliche Handlung …»
Bohdan Shved, geboren 1973 in Lwiw, Ukraine, hat von Jugend an in renommierten Chören gesungen. An der Musikakademie Lwiw studierte er Flöte, Klavier und Dirigieren und schloss im Fach «Opern- und Sinfoniedirigieren» bei Mykola Kolessa mit Auszeichnung ab. Weitere Studien führten ihn ans Mozarteum in Salzburg zu Dennis Russell-Davies und nach Leipzig zu Christian Kluttig, die er ebenfalls mit Auszeichnung beendete. Es folgten Fortbildungen in Meisterkursen bei Zsolt Nagy, Peter Eötvös (zeitgenössische Musik), Sir Colin Davis, Yuri Simonov und Silvain Cambreling (Chorleitung) sowie Howard Arman.
Bei verschiedenen deutschen Symphonieorchestern wirkte Bohdan Shved als Orchestererzieher, bevor er sich als Dirigent und Korrepetitor dem professionellen Opernbetrieb zuwandte (Lwiw, Ulm sowie Frankfurt). Zahlreiche Gastdirigate führten ihn u.a. nach Hannover, ans Theater Görlitz und ans Opernhaus von Cheljabinsk, Sibirien.
Sein besonderes Interesse gilt einerseits der Aufführungspraxis der Alten Musik, daneben aber auch der Realisation eigener gattungsübergreifender Musik- und Kulturprojekte sowie der Förderung von Nachwuchssängerinnen und -sängern.
Seit 2005 ist er wiederholt an der Opéra de Lyon engagiert, aktuell arbeitet er an der Vorbereitung des Chores für die Produktion mit Teodor Currentzis und Peter Sellars beim Festival d’Aix-en-Provence. Neben dem a cappella Chor Zürich leitet Bohdan Shved Chöre in Basel und Bern.
Bohdan Shved im Gespräch mit Mitgliedern des a cappella Chors Zürich
ACCZ: Was bedeutet für dich Singen?
BS: Das Einzigartige am Singen ist, dass es einen Zugang zu unserer inneren Realität ermöglicht. Ich wüsste – vielleicht abgesehen von der Meditation – nichts, was sich damit vergleichen liesse. Wobei man auch das Singen als eine Form des Meditierens betrachten kann.
Dass es ausserdem eine gemeinschaftliche Handlung ist, steigert die Bedeutsamkeit noch.
ACCZ: Was reizt dich an der Arbeit mit dem a cappella Chor Zürich?
BS: Der Chor selbst – und das a cappella-Repertoire. Durch die langjährige Beschäftigung mit der Musik des 16. Jahrhunderts hat der a cappella Chor Zürich eine ausserordentliche Klang- und Stimmkultur entwickelt. Ein herrliches Instrument, um auf musikalische Entdeckungsreise zu gehen und, zum Beispiel, zeitgenössische Musik zu erarbeiten!
Der Chor wird weiter einen Schwerpunkt in der Renaissance haben. Ausflüge in andere Epochen dienen der klanglichen Erweiterung des Chores und spielen für die Gestaltung des Programms eine wichtige Rolle. Ich bin überzeugt, dass eine sorgfältige Literaturauswahl die klanglichen Vorzüge des Chors noch zusätzlich betonen wird.
ACCZ: Du hast auch viel moderne Musik gemacht. – Was ist für dich das Faszinierende an Renaissance-Musik?
BS: Die Polyphonie. Ich glaube, diese Musik hat eine allgemeine Gültigkeit. Sie ist eine Art Widerspiegelung der höheren Ordnung, die gleichzeitig dem Einzelnen vollkommene Freiheit gestattet.
ACCZ: Du hast die Kirchen, in denen wir regelmässig auftreten, kennengelernt. – Wie wirkten die Räume auf dich?
BS: Beglückend. Die Kirchen, in denen wir gesungen haben, sind wie ein Instrument, mit eigenem Klang und einer einmaligen Art, ihn zu bewegen. Die Musik wird dadurch für uns auf eine neue und ganz aussergewöhnliche Weise erfahrbar.
ACCZ: Der a cappella Chor Zürich hat eine lange Tradition mit Renaissance-Musik der Palestrina-Schule. – Was bedeutet diese Erfahrung für unser Projekt «The Golden Age»?
BS: Die englischen Komponisten haben für ausgebildete Chöre geschrieben, die mit der römischen Polyphonie vertraut waren. Sie war Voraussetzung für die einsetzenden Entwicklungen für das Verschmelzen von Neuem und Alten. Selbst bei Purcell wirkt diese Tradition noch nach. Beim a cappella Chor Zürich wird sie auch nachwirken.
ACCZ: Wir bringen Stücke zeitgenössischer Komponisten wie Gjeilo oder Whitacre zur Aufführung – was haben diese mit Alter Musik zu tun? Wo siehst du hier Verbindungen?
BS: ..in der Art, «räumlich» zu denken. Die Musik ist für den Raum komponiert und mit ihm «gedacht» und dann auch erfahrbar.
ACCZ: Die Zusammenarbeit mit Pudi Lehmann ist für uns ein Experiment, auf das wir sehr gespannt sind. Was reizt dich daran? Worauf freust du dich besonders?
BS: .. auf die klangliche Kommunikation einer menschlichen Stimme mit einer Reihe von Instrumenten, die wir als «Schlagzeug» bezeichnen. Dabei geht es weniger (oder gar nicht) ums Schlagen, sondern um ein «in Resonanz bringen».