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Serenade D-Dur
Jeden Freitag gibts Beethoven: Zu seinem 250. Geburtstag blicken wir wöchentlich auf eines seiner Werke. Heute auf die Serenade für Flöte, Violine und Viola.
Viel zu selten wird reflektiert, dass es oftmals nicht die Komponisten waren, die mit ihren Werken erklärtermassen Musikgeschichte schrieben, sondern vielmehr jene fleissigen Autoren, die auf der Basis von Partituren, Briefen und anderen Dokumenten überhaupt erst einen greifbaren Kontext und Zusammenhang herstellen. Und je weiter man durch die Jahrhunderte zurückgeht, desto weitläufiger werden die Interpretationen und Hypothesen, auf denen sich dann oftmals auch umfassende Gedankengebäude gründen. Bei Beethoven geschieht das weniger – so wähnt man sich sicher und lehnt sich entspannt zurück.
Doch weit gefehlt! Wer bei Beethoven nur an die hinter den grossen Werken wirkenden Ideen glaubt, der wird immer wieder in Erklärungsnot geraten und verzweifelt Argumente bemühen, die Denkordnung wieder glatt zu ziehen. So auch bei der 1802 im Druck erschienenen Serenade op. 25 für Flöte, Violine und Viola. Schon Bezeichnung und Besetzung muten eigenartig peripher an. Hatte Beethoven nicht von seinem Opus 1 ausgehend die ersten Streichquartette op. 18 geradezu systematisch vorbereitet? Hatte er nicht schon längst die überkommenen Traditionen des 18. Jahrhunderts abgestreift? Warum eine Komposition ohne Bass? Und die Tempobezeichnung Allegro disinvolto (heiter lässig) im Finale? – Wie wunderbar bequem war es da, die Serenade einfach als ein Werk aus Bonner Zeit zu datieren (was aufgrund von Skizzen nicht haltbar ist) oder gar zu vermuten, Beethoven habe mit der Serenade lediglich Giovanni Cappi mit seinem neu gegründeten Verlag helfen wollen. Vielleicht habe auch Cappi selbst den Druck mit der Opuszahl versehen …
Warum aber hätte Beethoven keine Serenade schreiben sollen, nur weil er sich in anderen Gattungen anschickte, nach den Sternen zu greifen? Hilfe und Aufklärung finden sich einhundert Jahre später in einem Brief von Max Reger. Der nämlich hatte nach einem in Form und Textur sinfonisch dimensionierten Streichquartett op. 74 seinem Verlag die dazu im scharfen Kontrast stehende klassizistische Serenade op. 77a (wie bei Beethoven in D-Dur und in identischer Besetzung) am 22. April 1904 mit den Worten an Herz gelegt: «Anbei finden Sie etwas allerleichtestes, einfachstes u. sehr melodiöses […]. Doch bitte ich Sie sehr, dieses kleine unscheinbare Heftchen […] nicht ‹von der Seite› ansehen zu wollen, da op. 77a für jeden Fall dazu geeignet sein wird, mir sehr viel neue Freunde zu erwerben u. endlich mal jene Ignoranten ein bißchen zum Schweigen bringen wird, welche da immer behaupten, daß ich nur ‹kompliziert› schreiben könnte u. den ‹Mangel an Einfällen›, den ‹Mangel an Gemüth› durch ‹Wust u. Compliziertheit› verdecken ‹müßte›!»
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