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Die Behauptung, dass an Titelkämpfen nur die Medaillen zählen, trifft diesmal fürs Springreiten nicht zu. In Dänemark vergibt der Weltverband neben Gold, Silber und Bronze auch eine erste grosse Tranche an Olympia-Tickets. Einzig Frankreich verspürt keinen Druck, denn die Equipe Tricolore ist als Gastgeber für Paris 2024 gesetzt. Fünf weitere Mannschaften können nach Herning den Stress der Qualifikation abhaken. Zu diesem Kreis will sich auch die Equipe von Michel Sorg gesellen.
Die Schweiz tritt als Europameister 2021 an. Mit Martin Fuchs (in Herning im Sattel von Leone Jei) und Steve Guerdat (Venard de Cerisy) bilden seit mehreren Jahren zwei der weltbesten Springreiter die Grundlage des Teams. Beim Zürcher und beim Jurassier stehen mehrere Weltklasse-Pferde im Stall. Das gibt Sicherheit und schafft nicht wie bei den meisten Kaderkollegen eine Abhängigkeit von einem einzigen Vierbeiner. Hinter den Co-Leadern wechselt deshalb die Schweizer Aufstellung praktisch für jedes Championat. Diesen Sommer haben sich Pius Schwizer (Vancouver de Lanlore) und Edouard Schmitz (Quno II) durchgesetzt.
Die Top-Ten-Nationen im Springreiten liegen nahe beieinander. So zählt die Schweiz einerseits zu den Medaillenkandidaten, andererseits droht selbst bei einem ordentlichen Auftritt das Verpassen der vorzeitigen Olympia-Qualifikation. Im Worst Case gilt für die europäischen Nationen: Ein weiterer Platz wird am Nationenpreis-Final Ende Saison in Barcelona vergeben. Zudem können im Jahr 2023 drei weitere Tickets an den Europameisterschaften in Mailand gelöst werden und schliesslich bleibt noch eine Chance beim Nationenpreis-Final 2023 übrig.
Anders als an den Olympischen Spielen in Tokio wird das Championat in Herning nach gängigem Modus samt Streichresultat geritten. Am Mittwoch gibt das Jagdspringen (vier Strafsekunden pro Abwurf) dem Feld eine erste Struktur. Die Zeitrückstände dieser Prüfung werden dann für den weiteren Verlauf des Turniers in Strafpunkte umgerechnet (2 Sekunden = 1 Strafpunkt). Die Umgänge am Donnerstag und Freitag im klassischen Format (vier Strafpunkte pro Abwurf) entscheiden über die Klassierung in der Teamwertung. An allen drei Tagen wird das schlechteste Resultat einer Nation gestrichen. Für die Entscheidung im Einzel, hier werden die Punkte immer mitgenommen, folgen am Sonntag noch die Prüfungen vier und fünf.
Im ewigen Medaillenspiegel der Europameisterschaften nimmt die Schweiz im Team-Wettkampf hinter Deutschland Position 2 ein. Im Vergleich dazu wirkt die Ausbeute an Weltmeisterschaften kläglich. Einzig 1994 in Den Haag gelang dank Bronze der Sprung aufs Podest. Im Einzel sah es lange Zeit noch schlechter aus, ehe 2018 in Tryon (USA) Fuchs und Guerdat mit Silber und Bronze überzeugten.
(sda)