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Seit einigen Tagen lebe ich in der Vergangenheit. Auf der Baustelle vor unserem Haus wurde nämlich ein Kran aufgestellt, dessen Hiev-Geräusche mich an das Wägeli unseres Pöstlers in Schwanden erinnern. «Elefäntli» sagte man dem elektrischen Wagen, den der Pöstler durchs Dorf zog und mit welchem er täglich Briefe und Pakete verteilte – ja, damals machte er noch beides.
Ich habe dieses Wägeli mit dem schönen «PTT-Schild» in bester Erinnerung. Jedes Mal, wenn ich dieser Tage dieses ziehende Geräusch des Krans höre, zucke ich euphorisiert zusammen, und ich höre meine Mutter rufen: «Arriva il postino!» – der Pöstler kommt. Diesen Satz rief sie immer aus der Küche, wenn der Pöstler pünktlich um halb zehn um die Kurve gelaufen kam, sein Elefäntli am Rüssel hinter sich ziehend, und beim Anfahren nach jedem Halt vor einem Haus an unserer Strasse ebendieses Geräusch machte!
Dieses bekannte Geräusch zusammen mit dem Ausruf meiner Mutter weckte in mir immer eine unglaubliche Vorfreude, verbunden mit einer riesigen Neugier auf die Neuigkeiten, die der Pöstler bringen würde. Alles liess meine Mutter liegen, egal, woran sie gerade war, um dem Pöstler die Briefe persönlich und direkt grad vor der Haustür abzunehmen. Anschliessend setzte sie sich an den Küchentisch, öffnete die handgeschriebenen Briefe und las vor, was ihre Schwestern, ihre Brüder oder die Familie meines Vaters über ihre Leben in Italien, Spanien oder gar Amerika schrieben. In diesen Augenblicken blieb die Welt in unserem Haus in Schwanden für einen Moment einfach stehen, während ich das ziehende Geräusch des Postwagens die Thonerstrasse hinunter noch lange hören konnte.
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