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Die wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Rolle der Schweizer Bäuerinnen des 20. Jahrhunderts ist facettenreich. Die Bäuerinnen waren schon in den Dreissigerjahren gut organisiert und dominierten wichtige Bereiche der bäuerlichen Wirtschaft. Mit der Gründung des Schweizerischen Landfrauenverbandes (SLF) 1932 wurde ein Meilenstein in der Bäuerinnenbewegung gesetzt. Wichtige - und auch erreichte ? Ziele des später in SLFV umbenannten Landfrauenverbandes waren eine Besserstellung der Bäuerinnen, unter anderem mit einer soliden, eidgenössisch anerkannten Bäuerinnenausbildung, sowie der Frauen aus dem ländlichen Raum.
Ab den Dreissigerjahren waren die organisierten Bäuerinnen bei der Vermarktung ihrer eigenen Produkte wie Gemüse, Eier und Früchte sehr erfolgreich. Nebst dem Produkteverkauf auf Wochenmärkten war die Migros in der Zwischen- und Nachkriegszeit wichtiger Abnehmer ihrer Produkte.
Die katholischen Bäuerinnen der Schweiz gründeten 1961 ihren eigenen Verband, den Schweizerischen Verband Katholischen Bäuerinnen (SVKB). Da sich die Ziele des SLFV und SVKB im Laufe der Jahrzehnte immer mehr annäherten, schlossen sich die beiden Verbände 2006 im Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverband SBLV zusammen.
Die heutigen Bäuerinnen stammen noch zu rund 60 Prozent aus Bauernfamilien. Sie verfügen mehrheitlich über eine nichtbäuerliche Erstausbildung. Auch in Bauernfamilien hat sich heutzutage das Zuverdienermodell als Erwerbskonstellation durchgesetzt: Oft geht die Bäuerin einer ausserlandwirtschaftlichen Tätigkeit nach. DIE Bäuerin von früher existiert nicht mehr. Gleich geblieben ist hingegen die starke Arbeitsbelastung der Bäuerin mit ihren mehrfachen Rollen als Mutter, Hausfrau, Bäuerin und Berufsfrau. Unabhängig davon, ob sich die Bäuerinnen primär als Hausfrau und Mutter oder als Bäuerin sehen, bezeichnen sich laut einer GfS-Umfrage aus dem Jahr 2002 drei von vier Frauen mit ihrer persönlichen Situation als zufrieden bis sehr zufrieden.
Rechtliche Besserstellung angestrebt
Mit dem Projekt "Bewusst Bäuerin sein" soll die rechtliche Stellung der Bäuerin verbessert werden. Obwohl die Bäuerin heute in der Regel in erheblichem Umfang auf dem Betrieb mitarbeitet, ist sie juristisch gesehen meistens eine Hausfrau und gilt somit sozialversicherungsrechtlich als Nichterwerbstätige. Um ihre rechtliche und finanzielle Stellung auch im Falle von Problemen wie Scheidung, Invalidität oder Tod besser abzusichern, kann die Bäuerin sich einen Lohn auszahlen lassen, den Betrieb als selbständig Erwerbende partnerschaftlich mit ihrem Ehemann führen oder einen Ehe- und Erbvertrag mit entsprechenden Vereinbarungen abschliessen.