Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03102.jsonl.gz/205

Fett in der Ernährung verstopft unsere Herzkranzgefässe, bis wir eines Tages an einem Herzinfarkt tot umfallen. Das glaubt heute noch eine Mehrheit der Kardiologen und damit der Bevölkerung. Beweise? Nicht existent. Aber auch millionenfach wiederholte fake Facts schleichen sich ins Glaubensgefüge ein. Glaubens-, nicht Wissensgefüge!
Bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts war der Zucker im Visier der Ernährungswissenschaft. Die Crème der Forscher legte überzeugende Ergebnisse vor, dass Zucker der Grund für die rasante Zunahme von Herzinfarkten und andern „Zivilisationskrankheiten“ ist. In England John Yudkin von der University of London, in den USA Jean Meyer von der Harvard University. Die Argumentationslinie war offensichtlich: Fett haben wir schon immer gegessen, Zucker kam erst Mitte 18. Jahrhundert auf den Menüplan, erst 2-3 kg/Jahr in der High Society bis zu den 150 – 200 kg/Jahr heutzutage in der Gesamtbevölkerung. Unnötig zu sagen, dass die Sklaverei diese Entwicklung befeuerte.
Die Zuckerwirtschaft bekam ein Problem: Zucker war nun nicht mehr nur Grund für Karies sondern für eine ganze Reihe von tödlichen Zivilisationskrankheiten wie Herzinfarkten, Diabetes und Übergewicht. Ihre Gegner waren nicht nur die Ernährungswissenschaft sondern auch die Hersteller von Zuckerersatzstoffen wie Cyclamat und Saccharin.
Ein ad hoc gebildetes Zuckerinstitut legte „Forschungsergebnisse“ vor, die einen Zusammenhang zwischen Zuckerersatzstoffen und Krebs nahelegten. Die FDA, die US Food and Drug Administration, wurde so lange mit solchen Studien bombardiert, bis sie einknickte und die Stoffe vorläufig aus dem Handel nahm.
Zucker und „Zivilisationskrankheiten“, dieser Zusammenhang war schwieriger zu untergraben. Da musste die richtige Person her: Ancel Keys, charismatisch, brillant und skrupellos. Er war besessen von der Idee, Fett fördere via Serum-Cholesterin die Verkalkung unserer Gefässe und damit Herzinfarkte. Studie um Studie legte er dazu vor, die „Mutter aller Studien“, die „Sieben-Länderstudie“, sollte den ultimativen Beweis erbringen. Hunderte von (heutigen) Dollarmillionen flossen von der Zuckerindustrie in die entsprechende Forschung, sie waren gut investiert, Zucker verschwand aus dem Visier, Fett trat ins Rampenlicht. Die „Sieben Länderstudie“ erschien 1980 als fast 400-Seiten starkes Buch in der Harvard University Press, hochkomplex und brillant, mit dem kleinen Schönheitsfehler, dass Keys von 22 Ländern die sieben herauspickte, die in seine Hypothese passten. Nach heutiger Vorstellung Datenmanipulation oder gar Fälschung. Dank Charisma und Skrupellosigkeit wurde Keys zum einflussreichsten Ernährungsforscher des 20. Jahrhunderts. Seine Gegner diskreditierte er auf übelste Weise. Die Zuckerindustrie hatte gewonnen, die Gehirnwäsche war erfolgreich, die Angst vor Fett verbreitete sich wie ein Steppenbrand.
Die Cholesterin-Hypothese war nie viel mehr als Schrott aber dafür (oder trotzdem?) das weitaus erfolgreichste Business-Modell des 20 Jahrhunderts. Sehr viel Geld floss immer schon und fliesst heute noch in die entsprechende Forschung. Trotz solider Gegenbeweise bleibt sie vorläufig noch fest im GLAUBENSgefüge verankert. Noch. Bis sie den Wert haben wird, den sie verdient: Schrottwert.