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Die Major League Baseball kommt nicht aus den negativen Corona-Schlagzeilen raus. Bei den St.Louis Cardinals sind mittlerweile sieben Spieler und sechs Mitglieder aus dem Betreuerstab positiv auf das Coronavirus getestet worden. Nach den ersten beiden Infektionen musste die Partie gegen die Milwaukee Brewers verschoben werden, nun fällt auch die Vier-Spiele-Serie der Cardinals gegen die Detroit Tigers vorerst ins Wasser. Am Freitag könnte es mit dem Duell gegen die Chicago Cubs weitergehen, noch befindet sich das Team aber in Milwaukee in Quarantäne.
In der Woche zuvor waren bereits mehrere Spiele der Miami Marlins und der Philadelphia Phillies ausgesetzt worden. In den Reihen des Teams aus Florida hatte es sogar 21 Corona-Fälle gegeben. Die Phillies waren der letzte Gegner der Marlins und meldeten danach Infektionen bei einem Trainer sowie einem Mitarbeiter des Klubs. Der World-Series-Gewinner von 2008 machte danach die Schotten dicht und stellte alle Aktivitäten auf dem Vereinsgelände auf unbestimmte Zeit ein. Nach etwas mehr als einer Woche mussten in der neuen MLB-Saison bereits 21 Spiele verschoben werden.
Gerüchten zufolge könnten sich die betroffenen Team-Mitglieder der Cardinals bei einem Casino-Ausflug in Minnesota angesteckt haben. Davon will Präsident John Mozeliak aber nichts wissen: «Wir haben keinen Grund zur Annahme, dass das wahr ist, und es gibt momentan auch keine Beweise dafür. Aufgrund des Contact Tracing glauben wir momentan, dass der Ausbruch seinen Ursprung in St.Louis hatte. Wenn die Spieler danach in einem Casino gewesen sein sollten, wäre das enttäuschend», erklärte er gegenüber ESPN.
Die MLB hatte am 23. Juli als erste der vier grossen Sportligen in den USA den Spielbetrieb wieder aufgenommen. Anders als in der NHL und der NBA wurde aber auf eine konsequente Abschottung der Teams («Bubble») und eine Reduzierung auf wenige, ausgewählte Spielorte verzichtet. Die MLB richtete sich nach dem Beispiel europäischer Fussball-Ligen und entschied sich, ihr Programm ohne Zuschauer in den regulären Stadien der Klubs, die über das ganze Land verstreut sind, auszutragen.
Nur für die einzige kanadische Mannschaft – die Toronto Blue Jays – wurde eine Speziallösung gefunden. Weil die Grenzen zwischen den USA und dem nördlichen Nachbarn geschlossen sind und für alle Ausnahmefälle eine Reihe von Quarantäneauflagen existieren, wurde das Team kurzerhand nach Buffalo verlegt.
Um das Ansteckungsrisiko so tief wie möglich zu halten, hatten die Liga-Verantwortlichen ein 113 Seiten starkes Hygiene-Protokoll erstellt, in dem alle Regularien und Auflagen für das Verhalten der Baseballer festgeschrieben wurden. Das hat offensichtlich nicht wie gewünscht funktioniert. Im Schutzkonzept ging es ausserdem nur darum, einen Corona-Ausbruch zu verhindern. Was zu tun ist, wenn sich jemand infiziert, ist nicht erwähnt. Kein Wunder also, dass die MLB momentan im Chaos versinkt.
Besser läuft es übrigens in der «NHL-Bubble»: Gestern teilten die Liga-Verantwortlichen mit, dass zwischen dem 27. Juli und 1. August alle 7013 Corona-Tests bei den 24 Playoff-Teams negativ waren. Aber zurück zum Baseball: Liga-Boss Rob Manfred, der sich beim verspäteten Saisonbeginn noch sehr optimistisch gezeigt hatte, fürchtet mittlerweile das Schlimmste. Bereits wird offen über einen Saisonabbruch diskutiert. «Die Spieler müssen es besser machen», warnte Manfred gemäss ESPN die Spielergewerkschaft MLBPA, um dann zu beschwichtigen. «Ich bin generell niemand, der aufgibt. Und es gibt noch keinen Grund aufzuhören.»
Eine «Aufgabe» würde die MLB einiges kosten. Bereits jetzt steht fest, dass sich der Gesamtverlust der Liga wegen des Fehlens von Zuschauern auf über vier Milliarden Dollar beläuft. Bei einem Saisonabbruch würden auch noch die Erträge aus den TV-Verträgen wegfallen. Ein Horror-Szenario, das die Verantwortlichen auf jeden Fall verhindern möchten.
Gleichzeit ist das, was gerade in der MLB passiert, auch ein Warnschuss vor den Bug der NFL. Amerikas populärste Sportliga will ab September in ähnlichem Stil starten wie die MLB – mit Heim- und Auswärtsspielen für alle Teams im ganzen Land. Mehr als 40 NFL-Profis haben bereits erklärt, aus Sorge vor dem Virus die Saison auszusetzen, und auch die Superstars äussern langsam ihre Bedenken. «Wenn du siehst, was alles so los ist, macht es keinen Sinn, was wir hier versuchen. Wir sind nicht bereit für eine Football-Saison», erklärte Star-Receiver Odell Beckham Jr. von den Cleveland Browns dem «Wall Street Journal». (pre)
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