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In der Serie „Learning from the Bauhaus“ setzt sich Wilkhahn mit den individuellen Bezügen des Unternehmens zur legendären Gestalterschule auseinander. Nach einer Einführung und Einordnung in den historischen Kontext, geht es Im zweiten Teil um den Architekten und Bauhausschüler Herbert Hirche, seine Möbel und Architekturentwürfe für und seinen Einfluss auf Wilkhahn.
Herbert Hirche (*1910 in Görlitz, +2002 in Heidelberg) gehört zu den großen Architekten und Gestaltern der Nachkriegsmoderne in Deutschland, er hat das Designverständnis von Wilkhahn maßgeblich geprägt. Nach einer Tischlerlehre studierte er von 1930-33 am Bauhaus zunächst in Dessau und folgte dann Mies van der Rohe nach Berlin, der ihn nach der Schließung der Schule in seinem Büro anstellte. Bis zur Emigration von Mies arbeitete Hirche dort an verschiedenen Projekten mit, unter anderem entwarf er sein erstes Wohnhaus, Haus Krum in Niederhausen. Von 1939-45 war er Mitarbeiter bei Egon Eiermann, nach dem Krieg wurde er als Hauptreferent Teil der Planungsgruppe für den Wiederaufbau Berlins unter Hans Scharoun. Eine 1948 aufgenommene Lehrtätigkeit als Professor für angewandte Kunst an der Kunsthochschule Weißensee in Ost-Berlin gab er bereits zwei Jahre später wegen des Stil- und Formenstreits im Zusammenhang mit der Bebauung der Karl-Marx-Allee – der Diskreditierung der Moderne seitens der SED-Regierung – auf. 1952 folgte er einem Ruf an die Staatliche Akademie für Bildende Künste in Stuttgart, an der er bis 1975 Innenarchitektur und Möbelbau lehrte und von 1969-71 Rektor war.
Neben seinen Ämtern führte Hirche jedoch seit den fünfziger Jahren sein eigenes Büro als Architekt mit einer Spezialisierung auf Inneneinrichtung und Möbelbau. So lernte er auch Fritz Hahne kennen. Für das Unternehmen Wilkhahn schuf er zahlreiche erfolgreiche Modelle. Vor allem wandelt sich jedoch beispielhaft in der Zusammenarbeit mit ihm das Unternehmen vom Stuhlhersteller zum Objekteinrichter: Die Fertigung orientiert sich nun nicht mehr am Einzelmöbel wie Stuhl oder Tisch, vielmehr wird in Serien und Produktfamilien aus Stühlen, Tischen, Sesseln und Sofas gedacht. Gleichzeitig beginnt Wilkhahn, komplette Einrichtungen für Büros, Bildungsinstitutionen, Pflegeeinrichtungen oder Veranstaltungsgebäude zu entwerfen und produzieren. Programmatisches Beispiel dafür ist die Serie 480 von Herbert Hirche.
Wichtigstes Werk Hirches für Wilkhahn ist jedoch das neue Verwaltungsgebäude: Ende der fünfziger Jahre beschäftigte das Unternehmen rund 350 Menschen und litt unter akutem Platzmangel. Das Werk wurde zwar kontinuierlich erweitert, jedoch musste die Verwaltung stets hinter dem steigenden Platzbedarf der Produktion für Sägerei sowie Trocknung und Lagerung des Schnittholzes zurückstehen. Schließlich konnten einige angrenzende und aufgegebene Ackerflächen von Wilkhahn erworben werden, auch die Gärten der beiden Gründerfamilien mussten dem Bauland weichen. Entlang der Straße „Im Landerfeld“ entwarf Hirche einen zweigeschossigen, lichtdurchfluteten Bau als Stahlbetonkonstruktion mit Mauerwerksausfachung und Flachdach. Das klar gegliederte Gebäude bestand ursprünglich aus zwei offenen Stockwerken, von denen das untere als Ausstellung, das obere als Großraumbüro genutzt wurde. Letzteres wurde später in Einzelbüros und Besprechungsräume unterteilt, was die Großzügigkeit im Inneren einschränkte, der äußeren Erscheinung jedoch keinen Abbruch tat.
Artikel der Serie „Learning from the Bauhaus“