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Der
Guggithaler
Der Guggithaler ist
ein Jass, der es verdiente, viel mehr gespielt zu werden. Er stellt
keine allzugrossen jasstechnischen Anforderungen, ist aber recht
unterhaltsam und abwechslungsreich und wird wegen diesen angenehmen
Eigenschaften gerne im Familienkreise gespielt.
Gejasst wird der Guggithaler
von drei oder vier Spielern. Sind es drei, erhält jeder Teilnehmer
dreimal 4 Karten; sind es vier, erhält jeder dreimal 3 Karten. Es
werden der Reihe nach die anschliessend erläuterten sechs Variationen,
die eine jasserische Einheit bilden, durchgespielt.
Die
Spielvarianten
1.
Keine Stiche machen: Gespielt wird ohne Trumpf. «Vorhand
» gibt aus. Jeder Stich, der einkassiert werden muss, wird jedem
einzelnen Spieler in der Kolonne auf der Tafel zum Beispiel mit
5 Rappen belastet.
2.
Keinen Ober einkassieren: Gespielt wird ohne Trumpf. Jeder Ober,
der einkassiert werden muss, wird mit 20 Rappen belastet.
3.
Keine Schelle einkassieren: Jede erhaltene Schelle kostet 10
Rappen. Neun erhaltene Schellen werden deshalb mit 90 Rappen belastet.
Schellen ausspielen ist verboten, es sei denn, man habe keine andere
Farbe mehr in der Hand.
4.
Den Schellenkönig nicht erhalten: Wer den Schellenkönig erhält,
wird mit 40 Rappen belastet. Es darf nicht Schelle gespielt werden,
solange man andere Farben hat. Wenn ein Spieler den Schellenkönig
in seinen Karten hat, aber keine Karte der ausgespielten Farbe (wenn
er nicht «farben» kann), so muss er den Schellenkönig sofort ausgeben;
er darf ihn nicht aufsparen für einen andern Partner.
5. Den
letzten Stich nicht machen: Wer den letzten Stich macht, wird
mit 50 Rappen belastet.
Bei all diesen oben
angeführten Spielvarianten gibt es keinen Trumpf. Es muss stets
«Farbe» gehalten werden. Im Sinne ausgleichender Gerechtigkeit folgt
nun noch das Domino.
6. Das
Domino: Das Spiel wird normal ausgegeben. «Vorhand» muss nun
ein Banner auf den Tisch legen, sofern er ein solches besitzt. Besitzt
«Vorhand» aber kein Zehner (Banner), kommt der nächste Spieler an
die Reihe. Sollte auch dieser kein Banner besitzen, spielt der dritte
oder vierte ein solches aus. Liegt nun ein Banner auf dem Tisch,
so darf der nächste ihm eine Neun oder einen «Under» von gleicher
Farbe beifügen. In der Folge kann ein Achter oder ein Ober, ebenfalls
von gleicher Farbe, neben die Neun oder den «Under» gelegt werden.
Die Kartenwerte müssen stets an die vorangehenden anschliessen.
Lücken dürfen keine entstehen.
Das Ziel beim Domino:
jeder Spieler ist bestrebt, seine Karten so schnell als möglich
ablegen zu können. Es leuchtet ein, dass die kritischen Karten As
und Sechser sind. Jeder Spieler sucht deshalb jene Farben zu forcieren,
von denen er extreme Karten besitzt. Gleichzeitig versucht er seine
«starken» Karten zurückzuhalten (zu «verklemmen»), damit die Gegner
gezwungen sind, mit den von ihm gewünschten Karten herauszurücken.
Jeder Spieler ist verpflichtet, ein Banner oder eine Anschlusskarte
herauszulegen, wenn er an der Reihe ist, sofern er kann. Stellt
sich heraus, dass einer gemogelt oder einen Fehler gemacht hat,
wird er Letzter. Es darf während dem Spiel nur eine Karte pro Umgang
angesetzt werden. Hat aber ein Spieler zu irgendeinem Zeitpunkt
ohne Ausnahme nur Anschlusskarten in der Hand, kann er «Domino!»
sagen und alle diese Karten miteinander ablegen. Er wird Erster
und scheidet aus. Das Spiel geht weiter, bis der Letzte ermittelt
ist.
Die
Gutschrift im Domino
Sie erfolgt nach vorheriger
Vereinbarung, beispielsweise für ein Dreierspiel, wie folgt: 12gemachte
Stiche à 5 Rappen kosten 60 Rappen, vier Ober à 20 Rappen = 80 Rappen,
neun Schellen à 1 0 Rappen = 90 Rappen, der Schellenkönig = 40 Rappen
und der letzte 50 Rappen, zusammen also Fr. 3.20. Entsprechend gross
ist die Domino-Gutschrift: der Sieger (Erste) erhält Fr. 1.60, der
Zweite Fr. 1.-, der Dritte 60 Rappen. Die Passiven und Aktiven jedes
einzelnen Spielers werden verrechnet, und die daraus entstehende
Differenz ergibt Gewinn und Verlust pro Runde. Für die ganze folgende
Runde gibt der nächste Spieler die Karten aus.
Es stimmt!
Vielerorts wird man
behaupten, die hier angeführten Spielregeln für den Guggithaler
seien zum Teil falsch. Viele Jasser sind zum Beispiel der festen
Überzeugung, dass, wenn ein Spieler bei Variante 1 alle Stiche,
das heisst den Match macht, die andern Spieler zu bezahlen haben,
und ebenso bei Variante 3, wenn ein Spieler alle neun Schellen erhält.
Aber der Guggithaler ist kein Schellenjass, und die dort geltenden
Regeln haben bei ihm keine Gültigkeit. Obwohl der Guggithaler nicht
im Reglement verankert ist, können die Jassfreunde beruhigt sein:
Bei unsern hier angeführten Regeln handelt es sich um den Original
Guggithaler reinster Prägung, sozusagen um den «klassischen» Guggithaler.
Wird der Guggithaler irgendwo anders gespielt, dann handelt es sich
um ortsübliche Abarten.