Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03549.jsonl.gz/1056

Gabriel Loppé stieg auf Gletscher und Gipfel und malte dort oben. Eine klasse Monografie würdigt Werk und Leben.
„The weather is superb. It is a sharp frost but perfectly still. I had a stroll of 2 hours with Melchior before lunch & another in the afternoon with the Loppés. I never saw anything more lovely than the sunset & the Alpine glow tonight & a walk home afterwards through the pine forest along the sleigh tracks, with a wolf round every corner but quiet & peaceful & the Zermatt lights & a good inn in the distance. Loppé was working hard at a picture, so long as the daylight holds. He was painting this morning when I went out to see him after breakfast.”
Am 25. Januar 1887 schrieb Leslie Stephen in Zermatt diesen Brief seiner geliebten Ehefrau Julia. Von ihm wird man schon gehört haben, und wenn nicht, dann von den Bergen, die er als erster bestiegen hat: Bietschhorn, Rimpfischhorn, Alphubel, Blüemlisalphorn, Schreckhorn, Monte Disgrazia, Zinalrothorn. Oft mit dabei: der Oberhasler Bergführer Melchior Anderegg. Nachzulesen am schönsten in Stephens „The Playground of Europe“, 1871 erstmals erschienen – eine der wichtigsten Schriften zum Alpinismus. Im gleichen Jahr machte Stephen seine letzte grosse Erstbesteigung: den Mont Mallet (3989 m) im Montblanc-Massiv. In der Seilschaft finden wir Melchior Anderegg – und den Franzosen Gabriel Loppé. Den Künstler also, der an jenem kalten Januartag vor 132 Jahren eifrig an einem Bild malte. Aber dieser Loppé war nicht nur Maler und Alpinist, sondern auch Fotograf. Neben der Seite mit dem zitierten Brief von Leslie an Julia ist im Buch „Gabriel Loppé. Peintre – Alpiniste“ ein Foto seitengross abgebildet, auf dem Elizabeth Loppé an einem sonnigen Wintertag auf einem gepfadeten Weg bei Zermatt neben gefrorenen Wasserfällen wandert.
Die Monografie über Gabriel Loppé (1925–1913) hat William J. Mitchell verfasst, selbst Alpinist und Co-Leiter von John Mitchell Fine Paintings; seit 2001 kuratiert er alljährlich die Ausstellung Peaks & Glaciers, zu der jeweils ein prächtiger Katalog erscheint. Im aktuellen von 2019 sind neben zwölf Fotos drei Gemälde von Loppé zu bewundern (und zu kaufen), darunter eines vom Schatten des Montblanc beim Sonnenuntergang, gemalt am 6. August 1873 auf dem Gipfel selbst. Gabriel Loppé war ein echter Bergsteiger-Maler oder Maler-Bergsteiger. Und das merkt man hautnah beim Anschauen der abgebildeten Gemälde. Vor allem Gletscher mit ihren Spalten und Brüchen hat Loppé so eindrücklich mit dem Pinsel erfasst wie kaum ein anderer Künstler, so realitätsnah und doch umgesetzt in Farbe, in die Sprache des Malers. Klasse! Dazu gehören selbstverständlich auch die Porträts des Matterhorns; es steht ja auch auf dem Titelbild des Buches. Darin zeichnet Mitchell das Leben und Wirken von Gabriel Loppé gekonnt nach, erzählt die Geschichte vom Musée Loppé in Chamonix, knüpft den Maler an die Kunstgeschichte seiner Zeit an, berichtet von seinen alpinistischen Taten. Und von seinen fotografischen Erfolgen: so von der Aufnahme vom Eiffelturm mit drei einschlagenden Blitzen am 3. Juni 1902.
William J. Mitchell: Gabriel Loppé. Peintre – Alpiniste. John Mitchell Fine Paintings, London 2018, £ 40.- www.johnmitchell.net. Dort findet man auch den Katalog Peaks & Glaciers 2019 – unbedingt reinschauen!