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Selbst bin ich noch nicht mit einem Kind gesegnet worden. Ich wüsste auch gar nicht, wie ich in Bezug auf mein Studium mit dieser Situation umgehen würde. Prophylaktisch habe ich mich mit Tamara (23 J., 8. Semester im BA) und Sevinç (28 J., 4. Semester im MA) getroffen um rauszufinden, wie sie das so machen.
Wie ist das so, alleinerziehend zu studieren?
Tamara: Ein bisschen anstrengend.
Sevinç: Die Frage ist doch: Wie ist es denn ohne Kind zu studieren?
Tamara: Stimmt! Das wissen wir ja gar nicht.
Sevinç: Eben, man macht sowieso alles mit dem Kind
Was findest du anstrengend, Tamara?
Tamara: Man kann nie arbeiten, solange das Kind wach ist. Man muss sich immer zusammennehmen und sich sagen: OK, sobald ich Zeit habe, lerne ich. Ich muss vor allem abends lernen.
Arbeitest du nebenbei? Oder wie finanzierst du dein Studium?
Tamara: Ich habe geerbt. Das gebe ich jetzt aus.
Sevinç: Ich arbeite als Hilfsassistentin und bald bei einem Hilfswerk und ich kriege ein Stipendium.
Was für ein Stipendium ist das?
Sevinç: Das kann man bekommen, wenn man in den letzten drei Semestern vor dem Abschluss ist. Man kann es beantragen. Ich weiss nicht mehr, wie es heisst. Es ist von der Universität Basel aus dem Solidaritätsfonds.
Gibt es Stipendien, die spezifisch für Alleinerziehende sind?
Sevinç: Von der Uni aus nicht, aber es gibt spezielle Stiftungen. So eins habe ich auch schon bezogen. Es war ein einmaliger Beitrag von 3’000 Franken von der Stiftung für Frauen.
Tamara: Ich kriege auch noch Geld vom Staat. Bis ich 25 bin, bekomme ich Halbwaisen-Geld, weil meine Mutter gestorben ist.
Ist es schwierig, sich die Zeit einteilen zu müssen?
Tamara: Ich arbeite einfach immer, wenn Gaetano schläft oder in der Krippe ist. Solange er wach ist, kann ich nichts machen.
Sevinç: Wenn man viel Unistress hat, ist es schon schwierig, aber sonst ist es mega hilfreich, weil man immer bestimmte Zeitfenster hat. Kurz vor der Abgabe einer Masterarbeit ist das aber nicht so toll.
Tamara: Man ist dann ernster. Wenn ich weiss, ich habe nur so und so viel Zeit zu arbeiten, dann tue ich es auch. Meistens.
Kriegt ihr je das Gefühl, das “Studentenleben” zu verpassen, wenn ihr immer an der Zeitplanung gebunden seid?
Tamara: Ich schon, hahaha.
Sevinç: Sie ist auch jünger als ich.
Tamara: Ich habe noch den Drang mehr in den Ausgang zu gehen, aber es macht mir eigentlich gar kein Spass mehr. Das ist das Schlimme!
Sevinç: Ich gehe manchmal mit ihr in den Ausgang und dann will sie gar nicht!
Tamara: Ich habe immer das Gefühl, ich müsste mehr in den Ausgang, weil ich sonst etwas verpasse. Dann bin ich dort und denke mir, dass es mir eigentlich gar kein Spass macht.
Das hat aber doch nichts mit dem Kind zu tun?
Tamara: Wahrscheinlich schon.
Sevinç: Weil sie nicht mehr gewohnt ist rauszugehen.
Tamara: Ja, das denke ich auch. Vielleicht ist es auch meine Altersweisheit, die zehn Jahre früher als bei anderen einsetzt.
Du hast dieses Gefühl des Verpassens aber nicht, Sevinç?
Sevinç: Ich glaube, ich hatte es stellenweise schon. Aber ich hatte mein Studentenleben schon ausgekostet, bevor ich schwanger wurde. Und ich mache es immer noch. Ich habe nicht das Gefühl irgendetwas zu verpassen.
Lohnt es sich trotz der Umständlichkeit als Alleinerziehende zu studieren?
Tamara: Ich find’s toll. Man hat ja nie wieder so lange Ferien. Wenn man voll arbeiten muss, kann man sich so lange Ferien wahrscheinlich nicht leisten.
Sevinç: Klar, es ist schon belastend, gleichzeitig zu studieren, arbeiten und ein Kind zu haben, aber ein Studium lohnt sich immer. Es kommt halt darauf an, was man für Ansprüche hat. Ich finde, gerade wenn man ein Kind hat, ist das ein Grund zu studieren.
Tamara: Meistens ist es umgekehrt, sodass junge Mütter sich sagen, sie warten zuerst fünf Jahre bevor sie studieren und dann machen sie es am Schluss gar nicht. Dabei ist es viel weniger anstrengend an der Uni zu sein als die ganze Zeit zuhause. Man kann in der Vorlesung einfach dort sitzen und sich entspannen. Kein Kindergeschrei!
Habt ihr Tipps für zukünftige Studierende?
Tamara: Sucht euch einen wohlhabenden Mann! Hihi, nein, Spass.
Sevinç: Organisation ist das A und O. Als erstes würde ich zur Sozialberatung der Uni.
Tamara: Wichtig ist, dass man der Krippe genug Zeit überlässt und das Kind auch länger als nur die Dauer der Vorlesung drin lässt.
Sevinç: Ja genau, man darf kein schlechtes Gewissen haben, weil man das Gefühl hat, dass man das Kind abgibt.
Tamara: Sich genug Zeit einzuplanen ist wirklich wichtig, auch genug Zeit für sich selbst.
Sevinç: Zum Beispiel, um mal ins Sauna zu gehen oder zu joggen!
Tamara: Über Mittag in den Unisport zu gehen ist wirklich genial, am Abend müsste man sich ja sonst irgendwie organisieren.