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Der Kleinwagen von VW machte Autos im Deutschland der 1930er-Jahre zum Massenprodukt. Sein erfolgreichster und bekanntester Erfinder: Ferdinand Porsche – seinerseits beauftragt und gefördert durch Adolf Hitler. Aber an der Entwicklungsgeschichte haben auch andere massgeblich mitgearbeitet. Zum Beispiel Josef Ganz. Der Ingenieur jüdischer Herkunft musste später flüchten und geriet in Vergessenheit. «Ein Avantgardist» sei dieser gewesen, meint der Historiker Wolfram Pyta.
Wolfram Pyta
Historiker
Wolfram Pyta ist Professor für Neuere Geschichte an der Universität Stuttgart. Er hat ein Buch über die Geschichte von Porsche geschrieben, in dem auch die Entstehung des Volkswagens detailliert nachgezeichnet wird.
SRF News: Teilen Sie den Eindruck, dass der Name Josef Ganz in der Geschichte des Volkswagens, des späteren VW Käfers, lange Zeit gar nicht vorkam?
Wolfram Pyta: Die Idee eines Kleinwagens hat viele geistige Väter. Josef Ganz ist einer der Pioniere zweifellos, die seit dem frühen 20. Jahrhundert die Idee eines Kleinwagens propagierten. Josef Ganz hat hier besondere Verdienste, weil er eine eigene Zeitschrift als Ein-Mann-Betrieb führte, die «Motor-Kritik».
Er gehört zu den Wegbereitern, den Avantgardisten.
Er war Ingenieur und Journalist zugleich, ein Kommunikationstalent, das aber zugleich ein technischer Tüftler war und eigene Patente entwickelte. Er propagierte seine Ideen fast wie ein Missionar und er gehörte zu den Wegbereitern, den Avantgardisten.
Welche Rolle spielte Josef Ganz bei der Entstehung des Volkwagens?
Wenn man gewissermassen eine Ideengeschichte des Kleinwagens, eines vollgültigen Gebrauchtfahrzeugs schreiben würde, dann würde Josef Ganz ganz vorne stehen. Aber von der blossen Idee, der Propagierung einer Idee bis zur Fertigstellung eines serienreifen Fabrikates ist es noch eine gewaltige Strecke. Insofern kann man nachvollziehen, dass diejenigen, die diese Ideen realisierten, vielleicht stärker Fokus standen.
Woher kam die Idee, einen Kleinwagen für die breite Bevölkerung zu produzieren?
Dahinter war die in ganz Europa zu registrierende Tendenz dahin, dass die Motorisierung attraktiv ist für breitere Schichten, dass sie kein Privileg sein soll für die Besitzenden und Wohlhabenden, und dass ein Auto ein Zugewinn an Mobilität darstellt und deswegen ein Produkt ist, das für die breite Masse gedacht ist.
Der Preis musste erschwinglich sein.
Allerdings muss der Preis erschwinglich sein. Es gab neben Ganz auch andere Ingenieure, die diese Idee hatten, etwa Ferdinand Porsche.
Ferdinand Porsche erhielt 1934 den Auftrag, einen Volkswagen für die breite Bevölkerung zu bauen. Hatte es in den Jahren davor einen Austausch mit Josef Ganz gegeben?
Die Quellen, die es gibt, sind relativ eindeutig: Es hat keinen intensiven Austausch gegeben. Das, was Josef Ganz in seiner Zeitschrift «Automobil-Kritik» schrieb, stand allen offen. Er wollte damit ja einen Weckruf starten.
Ganz war ein Einzelkämpfer, der kein Büro hinter sich hatte und keine Experten.
Ferdinand Porsche hat schon im April 1931 in der Zeitschrift des Allgemeinen Deutschen Automobil-Vereins Ideen entwickelt für einen Kleinwagen. Er hat unabhängig von Ganz in dieselbe Richtung gedacht und hat 1931 bereits drei Prototypen für den Hersteller Zündapp konstruiert. Beide dachten in dieselbe Richtung, doch Josef Ganz war ein Einzelkämpfer, der kein Büro hinter sich hatte und keine Experten.
Der politische Protektor war Adolf Hitler.
Was brauchte es, damit die Idee des Kleinwagens realisiert werden konnte?
Dieses Projekt lag ja auf der Strasse. Das war eine Idee, die darauf wartete, dass ein Findiger sie an sich band und einen Geldgeber und politischen Protektor fand. Diese hat Ferdinand Porsche gefunden. Der Geldgeber ist die Lobby-Organisation der deutschen Automobilindustrie gewesen und der politische Protektor war Adolf Hitler.
Das Interview führte Christian Schürer.