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Kirche Töss
Stationsstrasse
8406 Winterthur
Am 30. September 1855 fand in der alten Klosterkirche, die mitten im Fabrikareal der Firma Rieter schon lange verloren gewirkte hatte, der letzte Gottesdienst statt. Bereits am nächsten Sonntag, am 7. Oktober 1855, wurde das neue Gotteshaus an der Stationsstrasse eingeweiht.
Die neue Kirche Töss an der Stationsstrasse war bei ihrer Einweihung im Herbst 1855 rundum von Feldern und Wiesen umgeben. Oberst Heinrich Rieter spendete beinahe einen Drittel der Bausumme von 81‘863 Franken. Zudem schenkte er die Betzeitglocke. Schliesslich war er interessiert, dass der „Fremdkörper“ Kirche aus seinem Werkareal verschwand. Der Staat hatte sich zum Unterhalt der neuen Kirche verpflichtet. In zähen Verhandlungen kam es 1926 zu einem Abtretungsvertrag. Dabei verpflichtete sich der Kanton Zürich zu einer Abfindungssumme von 100‘000 Franken, die es den Tössemern erlaubte, das Gotteshaus 1926/27 umfassend zu renovieren. Bei dieser Gelegenheit erhielt das Innere durch acht neue Seitenfenster und zwei Wandbilder, ermöglicht durch freiwillige Spenden, einen zusätzlichen Schmuck.
Die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Winterthur-Töss ist wesentlich älter als ihre über 150-jährige Kirche. Ihre Wurzeln und die der zuvor genutzte alten Klosterkirche gehen bis ins Mittelalter zurück. Töss war vor der Reformation der Pfarrei Oberwinterthur zugeteilt und besass keine kirchliche Souveränität. Ein langer Fussmarsch war also mit einem Kirchenbesuch verbunden und dies obwohl mit der heutigen Stadtkirche ein näher gelegenes Gotteshaus zur Verfügung gestanden hätte. Das änderte sich auch nicht als 1240, das von den Kyburgern gegründete Nonnekloster St. Maria bei der Tössbrücke eingeweiht wurde. Immerhin konnte man dort fortan die Messe besuchen. Die Aufhebung der Klöster und die Übernahme ihrer Güter durch den Staat erlaubte es der Zürcher Obrigkeit zeitgemässere Strukturen zu schaffen. 1525 wurde eine eigenständige Kirchgemeinde Töss gebildet. Mit der grossen Klosterkirche war auch bereits eine Kirche vorhanden. Benützt wurde nur der 44m lange Nonnenchor, die Gemeindekirche wurde mit einer Mauer abgetrennt. Erst Ende 1690, nach langem Rechtsstreit über das Kirchengut, erfolgte die endgültige Trennung der beiden Rechnungen und die definitive Abnabelung von Oberwinterthur. 1704 wurde die Klosterkirche umgebaut. Aus dem Nonnenchor entstand ein Getreidelager. Aus der früheren 22m langen Laienkirche, bisher als Wagenschopf genutzt, entstand wieder ein Kirchenraum. 150 Jahre wurden hier der Gottesdienst abgehalten, bis dann ein Kirchenneubau erfolgte.
Die Wirtschaftgebäude des Klosters wurden mit den Entwicklungen in der ersten Hälfte des 19. Jhdt. immer entbehrlicher. Oberst Heinrich Rieter (1814-1889), der in Niedertöss eine Spinnereifabrik betrieb, ersteigerte das ehemalige Kloster im Sommer 1833 für 76'000 Gulden, um hier neue Werkstätten einzurichten. Davon ausgenommen bleibt die Klosterkirche. Die guten Beziehungen der so gegensätzlichen Nachbarn im Klostergelände wurden immer wieder auf die Probe gestellt, obwohl Heinrich Rieter in der Regel ein offenes Ohr hatte. Die Expansion des Industriebetriebes liess aber bald erkennen, dass eine andere Lösung angestrebt werden muss. Die Entscheidungen dazu lagen aber beim Kanton, sodass es noch einige Geduldsproben brauchte. Ab 1853 bekam das Projekt dann aber Fahrt und bereits am 11. Juli 1854 war der Baubeginn für eine neue Tössemer Kirche (Architekt Johann Caspar Wolff, 1818-1891) und am 7. Oktober 1855 wurde das neue Gotteshaus eingeweiht. Stilistisch ist das Äussere der Kirche der Neugothik verpflichtet und ist damit geprägt von einer schlichten Erscheinung. Das Kircheninnere hat einen lebhaften Wandel aufzuweisen. Zuerst war der Kirchenraum sehr zurückhaltend ornamentiert. 1905 wurde er üppiger ausgestaltet. 1926/27 bei einer Renovation überweisselt und schliesslich 1976/77, anlässlich einer umfassenden innere und äussere Kirchenrenovation, im Sinne älterer Fassungen restauriert. Dabei wurde durch eine separate Sammelaktion das bisher vierstimmige Geläut um eine Glocke ergänzt.
Die Kirche heute
Ab dem Sommer 2009 wurde die Kirche renoviert. Architekt Ernst Rüegg leitete diese Umbauarbeiten, die für 2,9 Mio. Franken voranschlagt waren. Äusserlich wurde nichts verändert. Die Fenster wurden verbessert, sodass mehr Licht eindringen kann und die Wärmeisolierung wurde verstärkt. Die Dekorationsmalereien von 1855 wurden sorgfältig gereinigt, so dass sie wieder voll zur Geltung kommen. Die Empore wurde zurückversetzt. Sie verläuft jetzt gerade und präsentiert die Orgel, die ebenfalls ergänzt und verbessert wurde, besser.
Das Kirchgemeindehaus
Ganz in der Nähe der Kirche, an der Stationsstrasse 3a, konnte 1965-1968 ein Kirchgemeindehaus gebaut werden. Die feierliche Eröffnung fand am 7. Juli 1968 statt. Für den Bau zeichnete der Architekt Peter Leemann (Zürcher Architekturbüro Cramer, Jaray, Paillard und Leemann) verantwortlich. Hinter der ehemaligen Gemeindestube, die durch einen Neubau des Café Frosch ersetzt wurde, konnten etwas von der Strasse abgesetzt, die neuen und zweckmässigen Räume erstellt werden.
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