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Schlüsselunterscheidungen in der GFK
Meiner Erfahrung nach tragen die sogenannten "Schlüsselunterscheidungen" der Gewaltfreien Kommunikation tatsächlich dazu bei, die Kommunikation im Alltag klarer zu gestalten. Nachfolgend eine Auswahl:
𝐁𝐞𝐨𝐛𝐚𝐜𝐡𝐭𝐮𝐧𝐠 𝐢𝐦 𝐔𝐧𝐭𝐞𝐫𝐬𝐜𝐡𝐢𝐞𝐝 𝐳𝐮 𝐁𝐞𝐨𝐛𝐚𝐜𝐡𝐭𝐮𝐧𝐠 𝐯𝐞𝐫𝐦𝐢𝐬𝐜𝐡𝐭 𝐦𝐢𝐭 𝐁𝐞𝐰𝐞𝐫𝐭𝐮𝐧𝐠 𝐮𝐧𝐝 𝐈𝐧𝐭𝐞𝐫𝐩𝐫𝐞𝐭𝐚𝐭𝐢𝐨𝐧
Eine Beobachtung basiert auf klaren Zahlen, Daten und Fakten. Reine Beobachtungen kann man vergleichen mit der Aufnahme eines Fotoapparates. Es gibt nur das, was auf dem Bild für alle Beobachter gleichermaßen zu sehen ist. Anhand der reinen Faktenlage besteht bei allen Beteiligten rasche Klarheit.
𝐁𝐞𝐢𝐬𝐩𝐢𝐞𝐥:
"Das Meeting begann um 10:00 Uhr und dauerte eine Stunde." (Beobachtung)
Bewertungen einer Wahrnehmung hingegen beruhen auf persönlichen Eindrücken und individuellen Erfahrungen.
𝐁𝐞𝐢𝐬𝐩𝐢𝐞𝐥:
"Das Meeting war langweilig und ineffektiv." (Beobachtung vermischt mit Bewertung)
𝐆𝐞𝐟ü𝐡𝐥 𝐢𝐦 𝐔𝐧𝐭𝐞𝐫𝐬𝐜𝐡𝐢𝐞𝐝 𝐳𝐮 𝐆𝐞𝐟ü𝐡𝐥 𝐦𝐢𝐭 𝐆𝐞𝐝𝐚𝐧𝐤𝐞𝐧 𝐯𝐞𝐫𝐦𝐢𝐬𝐜𝐡𝐭
𝐁𝐞𝐢𝐬𝐩𝐢𝐞𝐥:
"Ich bin glücklich und erfüllt." (reines Gefühl)
In der Alltagssprache verwenden wir manchmal sogenannte Pseudogefühle, die eigentlich Gedanken sind, die beschreiben, was jemand mit uns macht. Mit diesen Ausdrücken machen wir uns zum Opfer und z.T. das Gegenüber zum Täter.
𝐁𝐞𝐢𝐬𝐩𝐢𝐞𝐥:
"Ich fühle mich (von dir) ignoriert und zurückgewiesen." (Gedanken vermischt mit Gefühl)
Das Benutzen von Pseudogefühls-Wörtern wird beim Gegenüber zu Widerstand führen. Es wird sich für die weitere Kommunikation verschliessen. Ausserdem gebe ich als Senderin einer solchen Aussage die Verantwortung (und somit auch die Macht, etwas daran zu ändern) an eine andere Person ab.
𝐁𝐞𝐝ü𝐫𝐟𝐧𝐢𝐬 𝐢𝐦 𝐔𝐧𝐭𝐞𝐫𝐬𝐜𝐡𝐢𝐞𝐝 𝐳𝐮𝐫 𝐁𝐢𝐭𝐭𝐞
Bedürfnisse sind allgemein, abstrakt und positiv formuliert. Sie sind für alle Menschen gleich und haben keinen Bezug zu einer bestimmten Aktivität, Person oder Zeit.
𝐁𝐞𝐢𝐬𝐩𝐢𝐞𝐥:
"Ich brauche Ruhe und Entspannung." (Bedürfnis)
Bitten dagegen sind konkrete Wege/Handlungen, wie wir unser Bedürfnis erfüllt bekommen möchten. Dabei kann es vorkommen, dass unsere Lieblingsstrategie nicht mit der Lieblingsstrategie anderer Menschen übereinstimmt.
𝐁𝐞𝐢𝐬𝐩𝐢𝐞𝐥:
"Könntest du bitte leise sein, damit ich mich entspannen kann?" (Bitte)
Gemäss GFK finden Konflikte niemals auf der Ebene der Bedürfnisse statt (diese lassen sich in irgendeiner Form immer erfüllen), sondern immer auf der Strategieebene. Wir streiten darüber, wessen Lieblingsstrategie jetzt umgesetzt werden soll. Das Geheimnis zur Lösung dieses Dilemmas ist: Erarbeiten welches Bedürfnis hinter meiner Lieblinsstrategie ist und welches hinter jener des Gegenübers. Danach das Ziel definieren: Eine Strategie finden, welche die Bedürfnisse aller Beteiligten erfüllt. Anschliessend auf die Strategiesuche gehen.
𝐁𝐢𝐭𝐭𝐞 𝐢𝐦 𝐔𝐧𝐭𝐞𝐫𝐬𝐜𝐡𝐢𝐞𝐝 𝐳𝐮 𝐅𝐨𝐫𝐝𝐞𝐫𝐮𝐧𝐠
Bitten respektieren meine eigene und die Entscheidungsfreiheit der anderen Person und erkennen die Freiwilligkeit bei der Erfüllung an. Ausserdem sind sie möglichst konkret, so dass das Gegenüber genau weiss, was es tun oder lassen soll.
𝐁𝐞𝐢𝐬𝐩𝐢𝐞𝐥:
"Könntest du bitte die nächste halbe Stunde Musik nur mit Kopfhörer hören, damit ich mich ausruhen kann?" (Bitte)
Eine Bitte ermöglicht es dem Gegenüber, eine Wahl zu treffen und selbst zu entscheiden, ob es der Bitte nachkommen möchte oder nicht. Es wird Raum für Kooperation und Empathie geschaffen.
Im Gegensatz dazu steht die Forderung, bei der keine Wahlmöglichkeit gegeben wird und eine Handlung oder Reaktion verlangt wird.
𝐁𝐞𝐢𝐬𝐩𝐢𝐞𝐥:
"Du musst sofort leise sein, sonst werde ich mich beschweren!" (Forderung)
Eine Forderung schränkt die Autonomie und den Respekt für die Bedürfnisse anderer ein und kann zu Widerstand und Konflikten führen. Die Unterscheidung zwischen Bitte und Forderung ermöglicht es uns, bewusster zu kommunizieren. Indem wir auf die Bedürfnisse und Entscheidungsfreiheit anderer achten und respektieren, schaffen wir Raum für klare und wertschätzende Kommunikation.
𝐄𝐯𝐞𝐧𝐭𝐮𝐞𝐥𝐥 𝐡𝐚𝐬𝐭 𝐝𝐮 𝐣𝐞𝐭𝐳𝐭 𝐝𝐞𝐧 𝐆𝐞𝐝𝐚𝐧𝐤𝐞𝐧: "𝐀𝐛𝐞𝐫 𝐦𝐚𝐧 𝐤𝐚𝐧𝐧 𝐧𝐮𝐧𝐦𝐚𝐥 𝐧𝐢𝐜𝐡𝐭 𝐢𝐦𝐦𝐞𝐫 𝐛𝐢𝐭𝐭𝐞𝐧, 𝐦𝐚𝐧𝐜𝐡𝐦𝐚𝐥 𝐦𝐮𝐬𝐬 𝐦𝐚𝐧 𝐞𝐢𝐧𝐟𝐚𝐜𝐡 𝐟𝐨𝐫𝐝𝐞𝐫𝐧!"
Die GFK gibt keine starre Regel vor, immer nur zu bitten und niemals zu fordern. Stattdessen ermutigt sie zu mehr Bewusstsein in der Kommunikation.
In einigen Situationen mag es notwendig sein, eine klare Anweisung zu geben, 𝐢𝐧𝐬𝐛𝐞𝐬𝐨𝐧𝐝𝐞𝐫𝐞 𝐰𝐞𝐧𝐧 𝐞𝐬 𝐮𝐦 𝐝𝐫𝐢𝐧𝐠𝐞𝐧𝐝𝐞 𝐀𝐧𝐠𝐞𝐥𝐞𝐠𝐞𝐧𝐡𝐞𝐢𝐭𝐞𝐧 𝐨𝐝𝐞𝐫 𝐮𝐦 𝐝𝐢𝐞 𝐒𝐢𝐜𝐡𝐞𝐫𝐡𝐞𝐢𝐭 𝐮𝐧𝐝 𝐈𝐧𝐭𝐞𝐠𝐫𝐢𝐭ä𝐭 𝐯𝐨𝐧 𝐌𝐞𝐧𝐬𝐜𝐡𝐞𝐧 𝐠𝐞𝐡𝐭. Selbst in solchen Fällen gibt es Möglichkeiten, die Kommunikation auf eine respektvolle und empathische Weise zu gestalten.
Beispielsweise mit einer 𝐤𝐥𝐚𝐫𝐞𝐧 𝐮𝐧𝐝 𝐧𝐚𝐜𝐡𝐯𝐨𝐥𝐥𝐳𝐢𝐞𝐡𝐛𝐚𝐫𝐞𝐧 𝐁𝐞𝐠𝐫ü𝐧𝐝𝐮𝐧𝐠. Dadurch wird die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Bitte eher als angemessen und unterstützend wahrgenommen wird.
Darüber hinaus ist es wichtig, Raum für Dialog und Verhandlung zu lassen, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen, die die Bedürfnisse aller Beteiligten berücksichtigen.
Letztendlich geht es bei der Gewaltfreien Kommunikation um eine Kultur des Respekts, der Empathie und der Zusammenarbeit, auch wenn es manchmal notwendig ist, klare Anweisungen zu geben.
Weitere Schlüsselunterscheidungen findest du zum Beispiel in diesem Buch.
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Fotos von pexels.com (Hanif Abdulrasul, Evellyn Cardoso, Cottonbro Studio, Darrel und, Aphiwat Chuangcoem)