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Prototyp eines gierigen Bankers?
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- Mittwoch, 10. Dezember 2014 15:14
Ein ehemaliger Händler der eingegangenen Investmentbank Lehman Brothers klagt seinen Bonus, den er schon einmal erhalten hat, nochmals ein. Ist das nun pure Gier oder sein gutes Recht?
Sollte es jemals eine Museumsausstellung zum Thema Hochrisiko-Institutionen und gierige Hochrisiko-Händler geben: Jonathan Hoffman hätte einen Platz in der Vitrine auf sicher.
Der 42-Jährige macht gerade in der Finanzpresse Schlagzeilen, weil er einen Bonus einklagt, der ihm schon einmal bezahlt worden ist. Bei der Summe geht es um 84 Millionen Dollar.
Diesen Bonus will der frühere Händler von Fixed-Income-Produkten aus der Konkursmasse von Lehman Brothers für sich, wie ein Sprecher aus dem Büro des Sachverwalters von Lehman Brokerage sagte. Sachverwalter James W. Giddens will, dass Hoffmans Klage abgewiesen wird.
Alles ist Teil des Deals
Bereits 2008 hatte Hoffman 76,3 Millionen Dollar kassiert, nachdem Lehman Brothers zusammengebrochen war. Bezahlt hatte diese Summe die Barclays Bank, welche das Lehman-Brokerage aus den Trümmern herausgelöst und übernommen hatte.
Hoffman streitet nicht mal ab, dass Barclays ihn für einen Grossteil bei Lehman erbrachten Leistungen im Jahr 2008 vor dem Zusammenbruch bezahlt hat. Aber, so Hoffman, dieses Geld habe nichts mit dem zu tun, was er jetzt einklage. Denn der erste Bonus sei Teil eines Vertrages gewesen, der nichts mit jenem Vertrag zu tun gehabt habe, der mit Lehman Brothers bestanden hätte.
Barclays zahlte die Boni einfach weiter
In einem Gerichtsverfahren von 2010 hatte ein Barclays-Manager ausgesagt, dass die Bank Jonathan Hoffman mit einem vergleichbaren Vertrag ausgestattet habe, der bereits mit Lehman Brothers bestanden habe. Die Höhe der Boni sei praktisch identisch gewesen, denn das sei Teil der Akquisition gewesen.
Hoffman argumentiert nun, er sei gar nicht Teil der Brokerage-Akqusition gewesen. Darum habe er Anspruch auf beide Boni, jenen von Barclays und jenen von Lehman.
Als damals 36-Jähriger war Hoffmann der am drittbesten bezahlte Angestellte von Lehman Brothers. Er war ein Executive im globalen Handel mit Zinsprodukten und verdiente fürstlich: Gemäss früheren, von der «Los Angeles Times» publik gemachten Dokumenten waren es 30,9 Millionen Dollar im Jahr 2007, 19,9 Millionen Dollar für 2006 und 14,8 Millionen Dollar für 2005 gewesen.
Ein Vorteil aus jeder Situation
Die Bonus-Mentalität war ein Markenzeichen von Lehman Brothers: Noch im Herbst 2007 bezahlte die Bank 700 Millionen Dollar an ihre 50 besten Angestellten. Ein Jahr später ging das Institut ein und brachte das weltweite Finanzsystem an den Rand des Abgrunds.
Händler wie Hoffman waren so abgezockt, dass sie auch noch im Absturz einen Deal für sich herausschlugen. Als Barclays Ende September das Lehman-Brokerage übernahm, unterbreitete die britische Bank auch Hoffman ein Jobangebot.
Fixed Income ist aus
Dieser lehnte das erst ab, testete seinen Marktwert bei anderen Banken und handelte mit Barclays dann unabhängig von der Lehman-Übernahme doch noch einen Job aus, «weil die Bank ihm das beste Angebot machte», wie er in Dokumenten der Klage festhält.
Anfang 2014 verliess Hoffman das Unternehmen, das seine Investmentbank völlig neu aufstellte. Für Händler wie ihn war das Geschäft mit den neuen Kapitalregeln wohl nicht mehr interessant genug. Darum versucht er nun, seinen Bonus von 2008 ein zweites Mal einzustreichen.
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