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Hilterfingen
Kirche Hilterfingen
Die Kirche mit ihrem eindrücklichen, hoch aufragenden und weithin sichtbaren Turm ist das Wahrzeichen Hilterfingens. Sie schmiegt sich, etwa 20 Meter über dem Seeniveau gelegen, an den westlichen Abhang des Schneckenbühls. Kirche und Pfarrhaus Hilterfingen stehen auf dem Gemeindegebiet von Oberhofen. Als im Frühmittelalter das erste Kirchlein am Ort der heutigen Kirche erbaut wurde, existierten noch keine Gemeindegrenzen. Man nannte es seit dem 12. Jahrhundert «ecclesia hiltolfingensis».
Im Jahr 1175 wird die dem Apostel Andreas geweihte Kirche von Hilterfingen in der Stiftungsurkunde des Libo von Oberhofen erstmals erwähnt. Sie gehört zu jenen zwölf Kirchen, die König Rudolf II. von Hochburgund nach der Strättliger Chronik im 10. Jahrhundert um den Thunersee herum gestiftet und der Mutterkirche des Heiligen Michael im Paradies in Einigen unterstellt haben soll (sog. «zwölf Thunerseekirchen»). Ausgrabungen anlässlich einer Innenrenovation der Kirche im Jahre 1973 haben neue Erkenntnisse zu ihrer Baugeschichte ergeben. Diese lassen den Schluss zu, dass es am Standort der heutigen Kirche mindestens vier Vorgängerkirchen gegeben hat. Eine Gründung in der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends darf vermutet werden.
1727 wurden nach Beschluss der Berner Regierung Kirche und Pfarrhaus neu gebaut; der spätgotische Turm und die spätgotische Nordwand der Vorgängerkirche blieben jedoch bestehen. Der Staat steuerte an den teilweisen Neubau 2000 Pfund bei, unter der Bedingung, dass ein Saalkirche im barocken Stil entstehe.
Die Kirche besitzt, abgesehen von den Scheibenstiftungen ortsansässiger Herren und der Städte Bern und Thun, 24 kostbare spätgotische Glasscheiben aus der Berner-Münster-Werkstatt. Der Zyklus stellt das Leben Jesu Christi bis und mit Pfingsten dar. Diese sowie weitere vier Scheiben mit dem Wappen der Herren von Scharnachthal schuf Hans Noll im ausgehenden 15. Jahrhundert. Weitere Wappenscheiben wurden der Kirche erst Ende des 16., im 17. und 19. Jahrhundert gestiftet. 1727 und 1728, zur Feier des Neubaus, erhielt die Kirche eine ganze Reihe von Scheiben und Allianzwappen (Wappen zweier Ehepartner). Unter den Stiftern finden sich auch die Städte Bern und Thun.
Neben den spätgotischen Scheiben wurden auch der Abendmahlstisch (dat. 1638) und die Kanzel (dat. 1684) von der Vorgängerkirche übernommen. Später kamen die Mosestafel (dat. 1731, wohl von Johann Heinrich Koch (1706–1787) gemalt) und im 20. Jahrhundert das Terrakotta-Relief (dat. 1987) von Walter Loosli, Köniz hinzu. Dieses zeigt links die Vertreibung aus dem Paradies und rechts die Taufe Jesu durch Johannes.
Hilterfingen war in der nachreformatorischen Zeit eine der ersten Kirchen im Kanton Bern, die mit einer Orgel ausgestattet wurden. 1974 baute Orgelbau Genf eine neue Orgel mit 33 Registern unter Verwendung von Teilen des Werks von 1949. 1993 erfolgte durch die Firma Goll die Erweiterung auf 42 Register. Zusätzlich wurden die beiden Effektregister Nachtigall und Zimbelstern eingebaut. Das heutige Geläute besteht aus fünf Glocken, die am 15. Dezember 1962 feierlich aufgezogen wurden (Wiederkunfts-, Karfreitags-, Oster-, Weihnachts- und Himmelfahrtsglocke).
- Kunstführer durch die Schweiz, hg. von Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2006-2012, Bd. 3, S. 453.
- Ganz, Robert [et al]: Hilterfingen und Hünibach. Eine Gegenwart – zwei Vergangenheiten, Bern: Haupt, 2002, S. 136–147.
- Sennhauser, Hans Rudolf, Ausgrabung in der Kirche Hilterfingen im Frühjahr 1973, Thun: Ott, 1973.
- Keller, Gustav, Das Leben und Leiden Jesu Christi. Die 24 Glasgemaelde des Meisters Hans Noll in der Kirche von Hilterfingen, Bern: A. Francke, 1940.