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Die Behauptung wird teilweise auch mit einem Foto von Jacob Rothschild bebildert, einem Finan-zier aus Britannien. Die ursprünglich aus Deutschland stammende jüdische Familie Rothschild beeinflusste massgeblich im 19. Jahrhundert das Bankengeschäfte und die Finanzpolitik europaweit. Doch die beiden Nachrichtenagenturen waren nie Teil des Besitzes der Familie Rothschild.
Besitzverhältnisse Reuters
Die Nachrichtenagentur wurde 1851 in London von Paul Julius, Baron von Reuter, gegründet. Die Agentur trägt bis heute seinen Namen. Im Jahr 2008 übernahm die Thomson Corporation die Nachrichtenagentur Reuters und wurde zum Konzern Thomson Reuters, dem David Thomson vorsteht. Ende 2021 war die Woodbridge Company Limited mit 67 Prozent der grösste Anteilseigner. Unter den grössten zehn Aktionären ist die Familie Rothschild nicht vertreten. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) bestätigte eine Pressesprecherin von Reuters, dass weder Reuters noch Thomson Reuters eine Verbindung zur Familie Rothschild haben.
In ihrem Unternehmensbericht hält Thomson Reuters fest, dass AP einer der Hauptkonkurrenten sei.
Besitzverhältnisse Associated Press (AP)
Associated Press ist eine unabhängige globale Nachrichtenorganisation. Sie wurde als Zusammenschluss von New Yorker Medien 1848 in New York City gegründet und ist inzwischen eine Nachrichtenkooperative US-amerikanischer Zeitungen und Rundfunkanstalten. AP ist also weder im Besitz von Reuters noch im Besitz der Familie Rothschild. Dies bestätigte die AP auch den Faktencheckern von Check Your Fact und Full Fact.
Medienlandschaft Schweiz
Seite den 1960er Jahren findet eine anhaltende Konzentration des Schweizer Mediensystems statt. Die Studie von publicom registrierte im Jahr 2020 zehn grössere Medienkonzerne, die in der Schweiz operieren. Dazu zählen die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft SRG SSR, die TX Group, CH Media, die NZZ-Mediengruppe, die AZ Medien, Ringier, Gruppo Corriere del Ticino, Somedia, ESH Médias sowie der US-Konzern Meta. Daneben existieren etliche weitere Verlage.
Die Branchenorganisation für Werbemedienforschung WEMF schrieb auf Anfrage von Keystone-SDA, in ihrer Printdatenbank seien über 1’100 Medientitel registriert, die sich etwa 600 Verlagen zuordnen liessen. Die Behauptung, sechs Unternehmen würden sämtliche Schweizer Medien kontrollieren, ist für den hiesigen Markt nicht haltbar.
Publicom untersucht mit ihren jährlichen Studien «Medienmonitor Schweiz» die Leistungen der Medien für eine ausgewogene Meinungsbildung in der Schweiz. Die Basis der Studie für das Jahr 2020 bildeten knapp 180 Medientitel, welche etwa 80 unterschiedliche Eigentümer haben - darunter befinden sich rund 60 Schweizer Unternehmen.
Diese sind mehrheitlich unabhängig, kooperieren teilweise aber auf institutioneller oder redaktioneller Ebene miteinander, erklärte Projektleiter Stefan Thommen auf Anfrage von Keystone-SDA. Zu den in der Studie untersuchten Medienkonzerne seien nach seiner Einschätzung noch mindestens 20 Unternehmen dazuzuzählen, welche auf dem Schweizer Markt operieren.
Der Medienmarkt Schweiz ist komplex und agiert dynamisch. Zudem wandelt sich die Medienlandschaft Schweiz ständig. Andreas Zoller vom Verband Schweizer Medien kann den Ursprung der behaupteten 88 Firmen nicht erschliessend. «Der Markt [ist] so fluide, dass kaum je über einen längeren Zeitraum dieselbe Anzahl Medienhäuser existierte», schreibt Zoller auf Anfrage von Keystone-SDA.
Der Ursprung der Behauptung, dass insgesamt sechs Firmen alle Medien besitzen würden, bleibt unklar. Möglicherweise bezieht sie sich auf den US-amerikanischen Medienmarkt. Aus Medienartikeln geht hervor, dass sechs Unternehmen 90 Prozent der US-Medien kontrollieren würden.