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Verantwortung: Catherine Bosshart-Pfluger
Referentinnen: Karen Offen / Francisca De Haan / Catherine Bosshart-Pfluger / Zheng Wang
Kommentar: Dominique Grisard
Das letzte Panel aus dem Themenbereich der Gender- und Frauengeschichte versprach dank wohlbekannten internationalen Referentinnen noch einmal ein Highlight zu werden. Unter dem Titel „Balancing Local and Global Concerns in International Women’s Organizations“ dreht sich das Panel um Frauenorganisationen und deren Handeln im Spannungsfeld von lokalen wie auch globalen Interessen.
Die erste Referentin, KAREN OFFEN (Stanford University), konzentriert ihre Analyse auf die Arbeit des International Council of Women (ICW) zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als diese Organisation massgeblich zur Sammlung von Informationen über Frauenrechte beitrug. Schon vor dem Ersten Weltkrieg kritisierte der ICW die herrschende Rechtsungleichheit und lancierte eine Umfrage bei seinen nationalen Sektionen bezüglich des Status der verheirateten Frau in ihrem jeweiligen Land. Nach dem Krieg unterstützen auch andere Frauenorganisationen die Forderung des ICW um Rechtsgleichheit, wobei die Rechte der verheirateten Frauen nach wie vor eine zentrale Rolle spielten. Die Frauenorganisationen konzentrierten ihre Arbeit auf den Völkerbund und erreichten, dass dieser das Women’s Consultative Committee on Nationality einsetzte. Wenn auch dieses Komitee seine Arbeit schon nach kurzer Zeit wegen internen Differenzen wieder einstellte, stellte es doch eine erste Institutionalisierung der gemeinsamen Interessen dar und bewirkte, dass der Völkerbund das Thema schliesslich aufnahm und selbst eine Studie lancierte. Karen Offen stellt abschliessend fest, dass die Geschichte des ICW einerseits aufzeigt, wie wichtig Durchhaltevermögen und Geduld für die Frauenorganisationen waren, und andererseits illustriert, dass der Völkerbund trotz seines politischen Scheiterns bereits massgeblich zu sozialen und rechtlichen Veränderungen auf internationaler Ebene beitrug, die nach dem Zweiten Weltkrieg fortgesetzt wurden.
„The Women’s International Democratic Federation (WIDF), the Nederlandse Vrouwenbeweging (NVB) and the Korean War: Women Traversing the Local and the Global“ - unter diesem Titel präsentiert FRANCISCA DE HAAN (Central European University) ihre Studie zur Zusammenarbeit von WIDF und NVB. Die WIDF wurde 1945 mit einer linken, pro-kommunistischen und progressiven Ausrichtung gegründet. De Haan bezeichnet die Gründungsmitglieder als „Sisters in Resistance“, da sie alle im Kampf gegen Nazis und Faschisten aktiv waren. 1946 wurde die Niederländische Frauenbewegung NVB Mitglied der WIDF. Am Beispiel des Koreakrieges untersuchte die Referentin die Zusammenarbeit der beiden Organisationen. Initiiert von koreanischen Frauen und mit Unterstützung von WIDF und NVB reiste eine Kommission von Frauen während des Krieges durch Korea und verfasste eine Dokumentation über das Kriegsgrauen, das ihnen begegnete. Die Publikation erzielte weltweit sehr grosse Aufmerksamkeit und erzürnte die US Regierung. Kommissionsmitglieder wurden verhaftet oder verloren ihre Arbeit. Auch in den Niederlanden, wo damals eine anti-kommunistische Stimmung herrschte, wurde die Publikation stark kritisiert und die Mitgliedschaft in der NVB verboten. In ihrem Schlusswort hält De Haan fest, dass dieser Fall den Mut der Frauen illustriere, die zu kritisieren wagten, während eine Diskussion innerhalb der UNO völlig unmöglich war. Gleichzeitig zeigt es eine grosse Solidarität der WIDF mit den Frauen in Ländern des Südens, weshalb die Referentin vom Wandel zu „Sisters in Solidarity“ spricht. Schliesslich veranschaulicht dieses Beispiel auch, dass die Geschichte der nationalen NVB nur im internationalen Kontext ihre volle Bedeutung erhält und dient so als Illustration für die verflochtenen Beziehungen von nationalen und internationalen Organisationen.
Auch im dritten Beitrag wird von einer nicht-westlichen Ecke berichtet; WHANG ZHENG führt in die Aktivitäten Chinesischer Feministinnen in der Diaspora ein. Anhand der Geschichte der Chinese Society for Women’s Studies (CSWS), die aus Forschern mit internationaler Reichweite und gleichzeitigem lokalen Fokus besteht, illustriert Zheng, wie lokal und global auch in der Forschung nie getrennt werden können. Die CSWS wurde 1989 in den USA von fünf Doktoranden gegründet, die sich zum Ziel setzten, Frauengeschichte als legitimen historischen Gegenstand in China zu verankern und so die Forschungslücke zwischen der westlichen akademischen Welt und China in feministischer Hinsicht zu überbrücken. Eines der Gründungsmitglieder war Whang Zheng selbst, die den Zuhörern so ihre Beobachtungen aus erster Hand darlegen kann. Ein erster Erfolg wurde verzeichnet, als China sich einverstanden erklärte, die 4. UN Conference on Women in Beijing 1995 zu veranstalten. Diese Konferenz bot der CSWS eine Plattform, Erkenntnisse der Frauengeschichte auch in China zu verbreiten. Ausser zahlreicher Publikationen, die auch den transnationalen oder amerikanischen Feminismus betreffen, hat die CSWS aber keinen eigentlichen Durchbruch erreicht, so spielt Frauengeschichte im chinesischen Studiencurriculum nach wie vor keine tragende Rolle. Ebenso ist es für die CSWS schwierig geworden, neue Mitglieder zu sammeln, da der junge chinesische Nachwuchs vor allem auf Karriere getrimmt wird. Zheng betont in ihrer Analyse, dass der Fall der CSWS darlegt, wie transnationaler Feminismus vielleicht relevant für die Karriere der Forschenden ist, aber nicht zu Veränderungen des Systems beitragen kann. Die Macht Chinas erstreckt sich über seine Grenzen hinaus und beeinflusst auch die Arbeit der CSWS und ihre Kooperation mit chinesischen Feministinnen, weshalb Zheng zum Abschluss ihres Referats feststellt, dass Wissenschaftler viel besser im Erstellen von Analysen von Systemen der Unterdrückung sind als im Institutionalisieren von Mechanismen, um solche Systeme zu überwinden.
Im vierten und letzten Referat von CATHERINE BOSSHART-PFLUGER (Universität Freiburg) wird nochmals der Fall einer internationalen Frauenorganisation, der Business and Professional Women International, beleuchtet und ihre Zusammenarbeit mit der Schweiz dargestellt. Auf die Gründung der internationalen Organisation 1930 folgte 1947 die Gründung der Schweizer Sektion. Bosshart-Pfluger interviewte zwei Schweizer Frauen, die sowohl Präsidentinnen der nationalen wie auch der internationalen Organisation waren. Ein Vergleich der lokalen und globalen Ziele der beiden Präsidentinnen zeigt auf, dass die Frauen die demokratische Tradition und die föderalistische Perspektive der Schweiz in ihre Arbeit auf der internationalen Ebene übernahmen. Ebenso hatten sie erstaunlich bescheidene Machtansprüche, was vielleicht ebenfalls auf ihre schweizerische Herkunft zurückzuführen ist. Die weitere Forschung von Bosshart-Pfluger wird den Verflechtungen der nationalen und der internationalen Organisation weiter nachgehen.
Aus Zeitmangel bleibt leider wenig Raum für den abschliessenden Kommentar von DOMINIQUE GRISARD (New School for Social Research, New York). Sie hat sich eingehend mit den einzelnen Papers auseinandergesetzt und weist nochmals auf die jeweils wichtigsten Erkenntnisse hin. Zusammenfassend hält sie fest, dass sich in der transnationalen Frauengeschichte, wie in allen Referaten ersichtlich, lokale und globale Elemente gegenseitig konstituieren und daher miteinander berücksichtigt werden sollten. Sicherlich sorgt dieses Panel noch für viel Diskussionsstoff, jedoch muss dieser Teil in den privaten Raum vertagt werden.
Karen Offen: From Local to Global via the International Women’s Organisations, 1900s-1930s
Francisca De Haan: The Nederlandse Vrouwenbeweging (as the Dutch member organization was called) and/in the Women’s International Democratic Federation, 1950s-1970s.
Zheng Wang: Connecting the local with the global: Activities of Chinese Feminists in Diaspora
Catherine Bosshart-Pfluger: Business and Professional Women International - transfer processes between local and global.