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Das neue Buch von Julian Barnes ist kein Roman. Und auch keine Biographie, wie der Text auf der Umschlagrückseite vermuten lassen würde. Vielmehr ist es ein Sittenbild der Zeit um 1900, der Zeit, in der Männer sich immer noch zu Duellen trafen, in der die Dreyfus-Affäre die Gesellschaft spaltete, in der das Dandytum seltsame Blüten trieb, in der es aber auch auf allen Wissensgebieten zu grossen Fortschritten kam. Hier kommt “Der Mann im roten Rock” Dr. Samuel Pozzi (1846-1918) ins Spiel, der auf dem Gebiet der Medizin und der Hygiene Grosses geleistet hat.
Barnes durchleuchtet aber auch Pozzis Privatleben sehr genau, wie auch das Privatleben berühmter Zeitgenossen, zum Beispiel Oscar Wilde und Sarah Bernhardt. Neben Ereignissen, die durch Briefe oder Tagebücher der beteiligten Personen belegt sind, gibt es viel Klatsch und Tratsch.
Leider gibt es kein alphabetisches Personenregister. Aber zum Glück ist das Buch reich illustriert, teils mit Reproduktionen von Gemälden, teils mit Fotografien.
Wem es Spass macht, eine wichtige Epoche einmal so zu erleben wie sie nicht im Geschichtsbuch steht, und auch mal durchs Schlüsselloch zu schauen, wird seine Freude am neuen Barnes haben.