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Boogie Man - Biographie von John Lee Hooker
Charles Shaar Murray - . Boogie Man - The Life and Adventures of John Lee Hooker in the American Twentieth Century - . St. Martin's Press, 2002. 512 Seiten. (Auch auf Deutsch erhältlich: Charles Shaar Murray John Lee Hooker - Der Boogie Mann).
DEUTSCHES TITELBLATT
Umso verdankenswerter, dass Murray sich dieser Aufgabe angenommen hat. Aber trotz seiner guten Absichten ist das Buch eine recht langweilige Ansammlung von Plattitüden und wenig Information.
Da Murray keine Informationen zur Verfügung standen, aus denen er eine Biographie zimmern konnte, füllte er die fünfhundert Seiten mit Plattitüden und Anhimmlungen eines Fans an. Er verteidigt Hooker als grossartigen und originellen Musiker, dessen Form des Blues einzigartig und unverwechselbar ist. Nun, wer eine Hooker-Biographie kauft, hat das wohl schon selbst gemerkt.
Aufgabe einer Biographie sollte es sein, den Zusammenhang zwischen Musik, Lebensgeschichte und Einflüssen auf die Nachwelt verständlich zu machen. Zudem sollten gewisse Hintergrundinformationen gegeben werden, die man nicht auf Wikipedia nachlesen kann.
In dieser Hinsicht scheitet Murray aber. Das Enigma John Lee Hooker bleibt auch für den Biographien undurchdringlich. Deshalb ist sine Biographie keine wirklich Biographie, sondern eine Collage von Eindrücken zur Person, von der aus gehend er versucht, biographische Hintergründe auszuleuchten.
Die Kapitel entsprechen ungefähr den Stationen in Hookers Leben, so gibt es «When I First Come to Town, People», in dem die Anfänge in Detroit beschrieben werden, aber auch Hookers Zeit in der Armee. Doch weder die Stimmung in der Motor City noch die Probleme eines jungen Schwarzen in der Armee werden wirklich interessant beschrieben, stattdessen gibt es einige Aussagen des Meisters zu der Zeit, die die mangelnde Tiefes des Hintergrund kompensieren sollen.
Eine Biographie muss nicht unbedingt mit der Geburt beginnen und mit dem Tod enden, aber wenn sie das Leben der Person nicht chronologisch erzählt, sollte es einen guten Grund dafür geben. Diesen bleibt Murray schuldig. Weder erfährt man wirklich etwas über den Mann noch wirklich etwas über die Zeit in der er lebte.
Schliesslich: was soll eigentlich dieser geschwätzige Titel? Das 20. Jahrhundert ist das amerikanische, also muss man das nicht noch mal sagen. Und wieso Hooker - zugegeben eine der zentralen Figuren des Blues - Abenteuer im gesamten Jahrhundert erleben soll, das greift nun doch etwas weit. Wie das gesamte Buch verweist schon der Titel aus etwas Grössere, als letztlich gehalten wird.
Somit bleibt für Fans des grossen Bluesman bis auf Weiteres nur, auf etwas Besseres zu warten, aber Hookers Musik entschädigt einen bis dahin reichlich.