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PIONIERINNEN — SOLIDARISCH — COURAGIERT
Inhalt:
1913
Die Zuger Nachrichten teilten in ihrer Ausgabe vom 4. Februar mit:
Frauen von Zug haben im Hotel Hirschen nachmittags um 2 Uhr den zugerischen katholischen Frauenbund gegründet.
Gemäss dem ältesten Dokument, welches im Pfarreiarchiv aufbewahrt wurde hatte am 4. März 1913 die erste protokollierte Vorstandsitzung stattgefunden.
Der erste Vorstand bestand aus:
– Frau Dir. Hegglin-Hegglin (Präsidentin),
– Frau Dr. Hegglin (VizePräsidentin),
– Frln. Jos. Keiser (Kassierin),
– Frau Dr. Pestalozzi-Pfyffer und
– Frln. Anna Koch (Aktuarinnen), und
– Alois Speck aus Walchwil (bischöflicher Kommissar und geistlicher Berater).
Bereits bestehende Frauenvereine wurden angeschlossen:
Aus der Stadt Zug waren es der Mütterverein, die Marianische Jungfrauenkongregation, der Frauenhilfsverein, sowie der Paramentenverein. Letzterer nähte für die Priester Obergewänder und verzierte Altartücher. Weiterhin schlossen sich die Gemeinden Menzingen, Unterägeri und Walchwil mit insgesamt 1800 Mitgliedern an.
1915
Der Zuger Katholische Frauenbund war seinerseits dem Schweizerischen Katholischen Frauenbund angeschlossen welcher 1912 gegründet wurde.
Laut Paragraph 1 der ersten Statuten wurde es so formuliert:
„Der Katholische Frauenbund des Kantons Zug ist ein Glied des schweizerischen Katholischen Frauenbundes und sucht dessen Bestrebungen auf dem Gebiete des Kantons Zug nach Kräften zu verwirklichen“.
Und so ist es bis heute geblieben. Der ZKF als Kantonalverband ist der Dachorganisation des SKF angeschlossen. Die 13 Frauengemeinschaften des Kantons Zug gelten als eigenständige Verbände und sind ihrerseits dem ZKF angeschlossen.
Frauen mit Mut und Durchsetzungskraft
Mathilde Hegglin-Hegglin,
die erste amtierende Präsidentin des Zuger Katholischen Frauenbund stammte wie auch die anderen Vorstandsmitglieder aus einer angesehenen Bürgerfamilie. Sie hatte fünf Brüder und war die einzige Tochter des Dorfarztes Peter Josef Hegglin, welcher Gründer von Bad Schönbrunn bei Menzingen war. Sowohl ihr Vater, wie auch ihr Grossvater mütterlicherseits amteten als Regierungsräte. Es hiess sie sei mit den katholisch-konservativen Traditionen des Kantons wohlvertraut geworden. Nach dem Institut im Pensionat Maria Opferung in Zug, Dijon und Lugano heiratete Mathilde Hegglin-Hegglin 1890 den Lehrer Clemens Hegglin. Sie gebar sechs Kinder und sei eine vorbildliche Mutter gewesen. In ihrem Nachruf hiess es, dass ihre reichen Talente dazu geführt hätten, dass sie an geistigen Fragen interessiert Teil genommen und sich für das „Wohl und Weh“ der Mitmenschen eingesetzt hatte. Sie arbeitete neben ihrem Präsidium auch als Aktuarin beim Mütterverein und engagierte sich in der städtischen Kommission für die Haushaltungs- und Arbeiterschule sowie bei der Pro Juventute.
Adèle Pestalozzi-Pfyffer
Gattin von Emil Pestalozzi, Präsident der Inländischen Mission und des Schweiezerischen Katholischen Volksvereins, war nicht aus Zug sondern aus Luzern. Nach den Schulen liess sie sich in Frankreich zur Lehrerin ausbilden. 1883 heiratete sie Pestalozzi, lebte mit ihm zuerst in Zürich, Gersau und Brunnen bis sie 1910 nach Zug zogen.
Sie engagierte sich als Vizepräsidentin beim Schweizerischen Katholischen Frauenbund, gehörte 1918 zu den Gründerinnen der „Sozial-Caritativen Frauenschule“ Luzern, (der heutigen Hochschule Luzern – soziale Arbeit). Später wurde sie, als besondere Ehre, mit dem päpstlichen Verdienstkreuz „Pro Ecclesia et Pontifice“ ausgezeichnet.
Josephine Keiser,
Tochter eines ehemaligen Hauptmann der päpstlichen Garde in Rom, durchlief eine gute Ausbildung in den Mädcheninstituten Menzingen und Sondrio im Ventlin. Auch sie war wie Adèle Pestalozzi-Pfyffer Mitglied beim Schweizerischen Frauenbund. Als gebürtige Zugerin galt ihr Bestreben der Verbesserung des Bildungs- und Gesundheitswesen. 1905 gründete sie zusammen mit anderen Frauen die Genossenschaft „Marienheim“. Ausserdem eröffnete sie in der Liegenschaft „Seehof“ ein Heim für zugezoge Arbeiterinnen, Lehrtöchter und stellenlose Dienstmädchen. 1909 entstand daraus die „Töchterfortbildungs- und Haushaltschule Santa Maria“. 1910 engagierte sich Josephine Keiser für die Gründung des „Vereins für Kranken- und Wochenpflege im Kanton Zug, das 1924, zusammen mit dem gegründeten Kinderheim, einer Schwesternkongregation und einer Pflegeschule zur Klinik Liebfrauenhof wurde. Über viele Jahre prägte Josephine Keiser das Zuger Gesundheitswesen.
Pionierinnen ihrer Zeit
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand eine gesellschaftliche Spaltung. Die Bürgerlichen lebten im gehobenen Mittelstand mit dem Privileg der Bildung. Doch nur den Männer war es zuteil die öffentliche Lebensweise mit Erwerbstätigkeit aus zu üben. Den Frauen war die häusliche Arbeite zugeteilt. Doch viele Frauen wichen von diesem Gesellschaftsbild ab, da sie unverheiratet blieben oder früh verwitwet wurden. Andere mussten einer Erwerbstätigkeit nachgehen, weil das Gehalt des Mannes nicht ausreichte. Das nicht zuletzt wegen Alkoholismus der Männer, was schlechte Wohnverhältnisse und Mangelernährung mit sich brachte.
Daraus entstand die sogenannte „Frauenfrage“. Um die Wende des 20. Jahrhunderts, formierten sich die Frauen zu einer starken, politischen Gegenkraft obwohl die bürgerliche Gleichberechtigung noch fehlte.
Auch die Frauen von Zug waren aktiv dabei, angeleitet von den drei Pionierinnen Mathilde Hegglin-Hegglin, Adèle Pestalozzi-Pfyffer und Josephine Keiser. Da letztere zwei auch Mitglieder des Schweizerischen Frauenbundes waren setzten sie alles daran, dessen Ziele auch in Zug umzusetzen.
In den ersten Statuten von 1915 wurde der Vereinszweck wie folgt formuliert:
„Erstens:
Die Erhaltung und Förderung des religiösen Lebens in Familie, Gemeinde und Staat im engen Anschluss an die Lehren der katholischen Kirche.
Tätigkeitsfeld des Zuger Katholischen Frauenbundes
Worin bestand nun die Arbeit des Frauenbundes? Genau wie heute, auf den zwei bedeutenden Grundpfeilern „sozial-charitative Frauentätigkeit“ und der Bildung.
Die karitative Tätigkeit wurde vom Vorstand, zusammen mit der „Frauenliga“, im ersten Weltkrieg (1914-1918) gegründet. Dabei entstand ein Frauenhilfswerk. Man kümmerte sich um Kriegskinder und sandte Lebensmittel ins Ausland. Bis Ende 1940 unterstützten der Frauenbund und die Pro Juventute eine Ferienkinderaktion. Man ermöglichte Kindern aus schlechten Familienverhältnissen Ferienaufenthalte in einer Familie. Um 1920 wurde die direkte Mütterhilfe eingerichtet. Mittels Legate, Spenden und dem Muttertagkirchenopfer wurden überlasteten Frauen Ferien ermöglicht. Im Müttererholungsheim Gersau welches vom Schweizerischen Frauenbund eingerichtet wurde, konnten sich die Frauen erholten.
Um 1930 auf Anraten des Schweizerischen Katholischen Frauenbunds, entstand die vorweihnachtliche Sammlung von Naturalgaben für die Bergbevölkerung des Kantons Zug sowie für ausserkantonale Gemeinden. Es wurden Kleider, Wäsche, Spielzeug, aber auch Esswaren an kinderreiche Familien in Bergregionen abgegeben. Ferner wurden mit finanzieller Unterstützung auch Spital- und Arztkosten sowie Medikamente bezahlt. Diese Form von Sozialengagement bewahrte sich bis heute in der Aktion „Weihnachtsbriefkasten“ und der „Mütterhilfe“.
Seit Anbeginn engagierte sich der Frauenbund, zusammen mit anderen Frauenvereinen für eine bessere Aus- und Berufsbildung der Frau. In erster Linie gestalteten sich die Weiterbildungen im Erlernen von Flick- Näh- und Kochkursen sowie in der Kranken- und Säuglingspflege. Es entstand auch eine Berufsberatung für Mädchen mit Stellenvermittlung. Zudem wurde eine Hausdienstlehre eingeführt mit obligatorischem Hauswirtschaftsunterricht.
Nach dem zweiten Weltkrieg entstand im Katholischen Frauenbund wie auch gesamtschweizerisch eine Neuentwicklung in der Gesellschaft. Auffällig ist, dass in den Jahresberichten 1946/47 das Wort „katholisch“ durch „kantonal“ ersetzt worden war. Fortan nannte sich der Verein Zuger Kantonaler Frauenbund ZKF. Die Motivation zur Namensänderung ist nicht bekannt. Jedoch spürt man, dass der Verein sich neuorientieren wollte.
- So wurden Themen diskutiert wie:
- 1953 über „Neue Verantwortung in einer sich wandelnden Welt“
- 1955 über „Zeitgemässe, kulturelle Frauenaufgaben“.
- 1957 über „Die katholische Frau im Umbruch der Zeit“.
- Und 1961 „Die Sendung der christlichen Frau heute“.
- 1971 gründete der ZKF zusammen mit der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde des Kantons Zug und der Katholischen Kirchgemeinde der Stadt Zug eine Ehe- und Lebensberatungsstelle, die heutige „Paar- und Einzelberatung leb“.
Das soziale Engagement des Frauenbundes blieb bis heute bestehen. Nach wie vor mit denselben Leitgedanken:
-
- „im Dienste der Frau“ (Jahresbericht 1977)
- „für die benachteiligte Frau“ (Jahresbericht 1979)
- „Mit freiwilligem sozialen Einsatz“ (Jahresbericht 1982).
Partnerschaft von ZKF und SKF
Während der Gründungsjahre im frühen 20. Jahrhundert waren der Schweizerische Katholische Frauenbund (SKF) und seine Zuger Sektion personell verflochten. Zwei Zugerinnen arbeiteten leitend sowohl am Aufbau der kantonalen wie auch der schweizerischen Dachorganisation katholischer Frauenvereine mit. Die Organisation war sehr hierarchisch aufgebaut. In den Zuger Statuten von 1956 wird als erste Aufgabe des ZKF aufgeführt: „Mitarbeit an der Durchführung der Aufgaben des SKF im Kanton Zug, nach den Weisungen des SKF.“
Während der letzten Jahrzehnte hingegen rückte der partnerschaftliche Aspekt der Beziehung in den Vordergrund. Der ZKF ist gewissermassen die Schaltstelle zwischen dem SKF und den Frauen an der Basis. Der Dialog zwischen Zentrale und Basis findet an Kursen und Weiterbildungsveranstaltungen statt. Die Positionen des SKF werden wahrgenommen. Mit heute rund 200‘000 Mitgliedern gehört er zu den Vernehmlassungspartnern des Bundes.
Über die Mitgliedschaft beim SKF sind die ZKF-Frauen Teil der „Weltunion der katholischen Frauenorganisationen“, die sich zusammen mit anderen Frauenorganisationen global für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einsetzt.