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Ein kleiner Chor von jeweils zwischen sieben und zehn Männern wirkt mehrere Male pro Jahr mit in Gottesdiensten in der St.-Niklaus-Kirche in Brugg, in der St.-Franziskus-Kirche in Schinznach und im Zentrum Lee in Riniken. Die Schola Gregoriana singt unter der Leitung des Brugger Kirchenmusikers Giuseppe Raccuglia lateinische Messgesänge, die ihre Wurzeln im frühen Mittelalter haben. «Die gregorianischen Choräle stehen eigentlich am Anfang der abendländischen Musik», sagt Raccuglia.
Aus der Zeit vor rund 1600 Jahren sind Texte der Gesänge – noch ohne Noten – bekannt, vor rund 1200 Jahren wurde begonnen, auch die Melodie zu notieren, allerdings völlig anders, als wir es heute gewohnt sind. Zur Definition von Melodie und Interpretation dienten sogenannte Neumen, graphische Zeichen, Figuren und Symbole. Quellen für die gregorianischen Choräle, die in katholischen Gottesdiensten gesungen werden, sind Handschriften aus den Klöstern des 9. und 10. Jahrhundert. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Handschriften aus den Stiftsbibliotheken von St. Gallen und Einsiedeln. Auf Ini-tiative des damaligen Kirchenmusikers Flavio Dora fand sich 1997 in der St.-Niklaus-Kirche eine Gruppe von Männern zur Schola Gregoriana zusammen mit dem Ziel, mehrmals pro Jahr Gottesdienste mit Musik aus dem Mittelalter mitzugestalten. Gregorianische Choräle sind einstimmige lateinische Messgesänge, die a cappella, also ohne Instrumentenbegleitung gesungen werden, und dies traditionell von Männerstimmen. Die Bezeichnung «gregorianisch» verweist auf den heiligen Papst Gregor I (540 bis 604), auch Gregor der Grosse genannt, der als bedeutender Förderer der Kirchenmusik in der Frühzeit des Christentums gilt.
Aufgewachsen mit Gregorianik
Heute wird die Schola Gregoriana Brugg von Kantor Giuseppe Raccuglia geleitet, der in seiner Heimatstadt Palermo quasi mit gregorianischer Musik aufgewachsen ist. «Ich habe mit zehn Jahren zum ersten Mal in einem Gottesdienst mitgesungen», erzählt er. Viele Melodien aus dem über 500 Seiten starken «Graduale», der Sammlung der liturgischen Gesänge, könne er heute noch auswendig singen.
Die Schola Gregoriana Brugg ist im Aargau einer der wenigen Chöre, die sich ausschliesslich der Aufführung der Messgesänge aus dem Mittelalter widmen. Ihr gehören rund ein Dutzend Männer an.
Am Sonntag, 25. September, feiert die Schola Gregoriana, verstärkt durch mehrere Gastsängerinnen und Gastsänger, ihr 25. Jubiläum mit einem Konzert. Neben den liturgischen Messgesängen aus dem «Gra-duale» bringen die Frauenstimmen allein ein Lied der heiligen Hildegard von Bingen (1098–1179) zur Aufführung. Zudem interpretiert Giuseppe Raccuglia an der Orgel Werke von César Franck und Johann Pachelbel.
Sonntag, 25. September, 17 Uhr
Katholische St.-Nikolaus-Kirche, Brugg