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Mohammed bin Salman ist der neu ernannte Kronprinz Saudi-Arabiens. Dass er den Thron besteigen wird, ist ziemlich sicher, da er von der Mehrheit eines die Thronfolge regelnden Gremiums bestätigt worden ist und sein Vater der König ist. Auch der frühere Thronfolger – ein Neffe des Königs – hat ihm seine Loyalität geschworen.
SRF News: Wie erklären Sie sich den Zeitpunkt dieses Wechsels in der Thronfolge?
Toby Matthiesen: Der ist nicht einfach zu erklären. Man kann sich denken, dass es etwas mit dem Besuch von Trump zu tun hat. Dessen Besuch hat Saudi-Arabien gestärkt, denn Trump hat die saudische Linie, punkto regionale Angelegenheiten, der Anti-Iran-Haltung und anderen Fragen zu 100 Prozent bestätigt. Trump hat sich mit dem König und auch mit Mohammed bin Salman getroffen. Des Weiteren ist es vielleicht auch ein Versuch, von einigen regionalen Problemen abzulenken. Oder anders ausgedrückt ist es ein Versuch, in den akuten regionalen Krisen eine klar geregelte Thronfolge zu haben, und zwar mit einem jungen Mann, der über die nächsten Jahrzehnte mit konsistenten Strategien die saudischen Interessen verfolgen kann. Zudem ist Mohammed bin Salman ein klassischer Saudi. Er hat jetzt schon mehrere Frauen. Er ist dafür bekannt, dass er in der saudischen Gesellschaft viel akzeptierter ist als viele andere junge Prinzen, denn er ist viel traditioneller.
Der neue Kronprinz ist ein klassischer Saudi. Er hat jetzt schon mehrere Frauen.
Bin Salman ist bereits Verteidigungsminister. Er betreut auch wichtige Zukunftsprojekte und hat seinen Vater bei verschiedenen Auslandreisen begleitet. Hat er ein eigenes politisches Profil?
Man weiss nicht mal genau, wie alt er ist. Er muss so um die dreissig Jahre alt sein. Er hat nicht im Ausland studiert und nie im Ausland gelebt. Daher war wenig über ihn bekannt, bevor er vor zwei Jahren all diese Positionen bekommen hat. Man verbindet ihn stark mit der neuen saudischen Aussenpolitik. Gemeint ist die Intervention in Jemen und die Isolation von Katar. Innenpolitisch und wirtschaftlich wird er mit einem Reformprogramm assoziiert, mit der Vision 2030. Sie soll die Ölindustrie privatisieren und die ganze Wirtschaft Saudi-Arabiens reformieren. Der Kronprinz stellt sich das so vor, dass der Staatshaushalt durch Investitionen, die ein Staatsfonds tätigen soll, finanziert werden soll. Durch die Teilprivatisierung Aramcos (Saudi Aramco ist die grösste Erdölförderungsgesellschaft der Welt, Anmerk. der Red.) soll der Staatsfonds geäufnet werden.
Der Kronprinz will die Ölindustrie privatisieren und die ganze Wirtschaft Saudi-Arabiens reformieren.
Er sei stark in den Jemenkrieg und in die Isolation von Katar involviert, sagen Sie. Heisst das, die Ernennung von Mohammed bin Salman zum Kronprinzen ist ein Entscheid mit explosivem Potential?
Das ist in der Tat so. Wir werden mit einer Situation konfrontiert werden, in der Saudi-Arabien aktiv seine Interessen, oder jedenfalls die Interessen, die der König und sein Sohn als die saudischen Interessen sehen, verteidigen werden, auch mit militärischen Mitteln. Er wird diplomatisch aktiver sein und Wirtschaftskriege oder militärische Kriege durchziehen. Und wenn wir uns vor Augen halten, dass im Moment die Spannungen mit dem Iran weiterhin sehr stark und die verschiedenen Konfliktherde in der Region noch sehr volatil sind – Syrien, Irak, Jemen –, dann ist das für die Region schon schwierig.
Das Gespräch führte Roman Fillinger.