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| Theodor Schermann , Allgemeine Bemerkungen zu den Griechischen Liturgien. In: Griechische Liturgien. Übers. von Remigius Storf ; mit Einl. versehen von Theodor Schermann. (Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 5) München 1912.

Allgemeine Bemerkungen zu den Griechischen Liturgien
I. Übersichtliche Darstellung des Ganges der Griechischen Liturgien.
A. Die Proskomidie.
Die Proskomidie (Zurüstung) ist unzweifelhaft der jüngste, jedenfalls nicht vor dem siebten Jahrhundert entstandene, als Ganzes erst im vierzehnten Jahrhundert abgeschlossene Teil der gegenwärtigen Liturgie der Griechen. Die Liturgie des hl. Markus beginnt mit einigen Vorbereitungsgebeten. Wir können die Proskomidie in die Vorbereitung des Priesters, die eigentliche Proskomidie und in den Übergang zur Liturgie einteilen.
I. Die Vorbereitung des Priesters.
Der zelebrierende Priester muß vom Vorabende an geschlechtlich enthaltsam und nüchtern bleiben; hat er eine schwere Sünde auf sich, so hat er vorher zu beichten und mit allen sich zu versöhnen. Vor Beginn der [S. 296] Liturgie (um 9 Uhr morgens) hat er seine Vorgesetzten zu begrüßen, dann geht er mit dem Diakon in die Kirche.
1. Gebet vor den hl. Türen. In der Kirche angekommen, beten beide um Reinigung von Sünden, das große Trisagion und ein Gebet um Erbarmen.
2. Begrüßung der hl. Bilder. Von den hl. Türen wenden sie sich zuerst zum Bilde des Erlösers und dann zum Bilde der Mutter Gottes und verrichten vor ihnen ein Dank- und Bittgebet, an das sich die Bitte um würdige Feier der Liturgie anschließt.
3. Das Anziehen der liturgischen Kleider. Priester und Diakon betreten den Altarraum und ziehen unter Segensgebeten die hl. Kleider an.
4. Die Händewaschung. Angekleidet waschen sie auf der linken Seite des Altares unter Rezitierung des 25. Psalmes (Lavabo) [hebr. Ps. 26] die Hände.
II. Die eigentliche Proskomidie.
1. Die Schlachtung des Lammes. Nach der Händewaschung begrüßt der Priester die hl. Gaben und nimmt das hl. Brot in die linke und die hl. Lanze in die rechte Hand. Das hl. Brot (προσφορά) [prosphora] ist gesäuertes Weizenbrot, in der Gestalt eines mäßig dicken, ziemlich großen, runden Kuchens gebacken. In der Mitte dieses Kuchens ist ein viereckiger, etwa ein Viertel des Ganzen umfassender Teil mit einem Siegel bezeichnet und zwar so, daß auf der oberen linken Seite des durch das Kreuz in vier gleiche Teile zerlegten Viereckes das Zeichen IC (Jesus), auf der oberen rechten Seite XC (Christus), auf der unteren linken Seite NI und auf der unteren rechten Seite KA (νικᾶ ═ siegt) angebracht ist. Dieses Viereck heißt das heilige Lamm und wird unter Schlachtopfergebeten mittelst der heiligen Lanze aus dem ganzen Brote herausgenommen und dann auf der Rückseite gerade dem Kreuze gegenüber so tief eingeschnitten, daß seine vier Teile nur mehr leicht miteinander verbunden sind. Nur diese vier Teile werden in der Messe konsekriert und bei der heiligen Kommunion der Teil IC in den Kelch gelegt, der Teil XC von Priester und Diakon und die Teile NI [S. 297] und KA von den Laien zugleich mit dem hl. Blute genossen. Der Rest des nicht konsekrierten Brotes wird im Diakonikon aufbewahrt und am Schlusse der Liturgie als Antidor (Eulogium) an die Gläubigen ausgeteilt. Nach der Schlachtung des Lammes gießt der Diakon Wasser und Wein in den heiligen Kelch.
2. Die Oblaten der Heiligen, der Lebendigen und Verstorbenen werden auf den hl. Diskus gelegt. Außer dem Brote, aus welchem das hl. Lamm herausgeschnitten wird, werden noch vier andere Brote verwendet. Vom ersten Brote wird ein Teil genommen und als Opfergabe oder Oblate der seligsten Jungfrau links vom hl. Lamme auf den Diskus gelegt. Vom zweiten Brote werden neun Teile als Oblaten des hl. Johannes des Täufers, der hl. Propheten, Apostel, Kirchenlehrer, Märtyrer, Mönche, Uneigennützigen (Ärzte ohne Honorar), der hl. Joachim und Anna und des hl. Chrysostomus (oder Basilius) herausgenommen und in drei Reihen rechts vom hl. Lamme auf den Diskus gelegt. Vom dritten Brote werden beliebig viele Teile als Oblaten der Lebendigen und vom vierten beliebig viele Teile als Oblaten der Verstorbenen herausgeschnitten und in zwei Reihen unter das hl. Lamm gelegt.
3. Verhüllung und Darbringung der Opfergaben. Sind die Oblaten auf dem hl. Diskus geordnet, so wird derselbe unter jedesmaliger Beräucherung zuerst mit dem Asteriskus und dann mit einer Decke, hierauf der Kelch mit einer Decke und endlich beide miteinander mit dem Aër verhüllt. Schließlich beräuchert der Priester die ganze Opfergabe und betet das Opfergebet.
III. Übergang zur Liturgie.
1.Beräucherung. Nach der Proskomidie beräuchert der Diakon unter Abbetung des 50. Psalmes [hebr. Ps. 50] den hl. Tisch, den Altarraum und die ganze Kirche.
2.Vorbereitungsgebete. Nach der Beräucherung beten Priester und Diakon vor dem heiligen Tische ein paar Vorbereitungsgebete, der Diakon bittet [S. 298] den Priester um den Segen und geht hinaus vor die hl. Türen, um die große Ektenie zu beten.