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WORAN ERKENNST DU FAKE NEWS
Der Ausdruck « Fake News » hat Konjunktur. Sobald Dir eine Nachricht nicht in den Kram passt, rufst Du «Fake News». Aber ist jeder Fehler in den News tatsächlich auch ein Fake? Natürlich nicht! Beim Zeitungsmachen passieren so wie bei der Tages- oder Rundschau Fehler. Vor allem in Zeiten, in denen überall gespart wird und in denen alles möglichst schnell gehen muss. Der Unterschied zwischen «Fehler» und «Fake» liegt beim Sender des Kommunikationsprozesses. «Fakes» sind Nachrichten, die absichtlich gefälscht und in Umlauf gebracht werden.
So wird zum Beispiel die aktuelle Diskussion über Peter Handke von Schlagwörtern und Zitaten beherrscht, viele davon sind bereits mehr als 20 Jahre alt, fast alle aus dem Kontext gelöst, weiterverbreitet von Link zu Link. Einer dieser Sätze lautet: «Sie können sich Ihre Leichen in den Arsch stecken.» Vergangene Woche ist er erneut erschienen, in einem Beitrag der «New York Times», einer Abrechnung eines bosnisch-amerikanischen Autors mit Peter Handke. Natürlich haben auch andere Handke-Kritiker das Zitat verwendet. Einige verweisen auf einen Artikel in der «Irish Times», dort sei das Zitat im April 1999 erschienen. Der Text steht online. Die «Irish Times» zitiert Handke allerdings auf Englisch. Weil es keine weiteren englischsprachigen Quellen aus diesem Zeitraum gibt, ist davon auszugehen, dass das Zitat ursprünglich auf Deutsch gefallen ist. Genau genommen, handelt es sich dabei um einen Artikel, den die «Welt am Sonntag» kurz vor der «Irish Times» veröffentlicht hat, und zwar am 7. März 1999. Es ist eine Polemik des österreichischen Publizisten Günther Nenning, die Überschrift lautet: «Handke nach Serbien! Dichter gehören in den Krieg.» Darin findet sich schliesslich auch das Zitat in der deutschen Fassung: «Sie können sich Ihre Leichen in den Arsch stecken.» Es ist das erste Mal, dass der Satz erwähnt und Handke zugeschrieben wird. Mittlerweile hat der Satz Karriere gemacht. Weltweit wird er immer wieder zitiert. Nun, da der Satz in der Welt angekommen ist, wird er weiter verlinkt, er wird weiter dafür herhalten müssen, dass der Nobelpreisträger 2019 ein literarischer Kriegsverbrecher ist. Jemand, der diesen Preis nicht verdient. Das falsche Zitat hat somit längst eine eigene Wirklichkeit geschaffen.
Zwar ist Meinungsfreiheit ein urdemokratisches Recht, doch wenn jeder Quatschkopf seine Meinung zum Besten gibt und sie gar noch zig-Mal über soziale Medien vervielfältigt, prallen zu guter Letzt Millionen Meinungen aufeinander und es entsteht ein Riesendurcheinander.
Wer nun versucht, «Fake News» zu an analysieren, kann sich an eine Formel halten, die der amerikanische Medienwissenschaftler Harold D. Lasswell im Jahre 1948 formulierte, die erstaunlicherweise auch heute noch funktioniert. Die Formel lautet: «Wer sagt was über welchen Kanal zu wem mit welchem Effekt?» Wer diese Frage zu beantworten vermag, richtet seine Aufmerksamkeit von der Botschaft auf den Absender. Damit sollte es ihm auch möglich sein, zwischen «Fehler» und «Fake» zu unterscheiden. Freilich wird damit vorausgesetzt, dass er begriffen hat, warum wir, metaphorisch gesprochen, mit vier Zungen sprechen und mit vier Ohren hören. Ist dies erst einmal geklärt, lässt sich auch begreifen, warum es in Kommunikationsabläufen zu Missverständnissen kommt, die eigentlich zu vermeiden wären, wüssten Sender und Empfänger, dass sie zuweilen auf unterschiedlichen Kommunikationsebenen senden und empfangen.
Christoph Frei, Akademisches Lektorat, CH-8032 Zürich
Wer im Internet weitersucht, stösst auf eine historische Fernsehaufnahme aus dem Akademietheater. Zu hören und sehen ist Peter Handke selbst, der von der Bühne herab einem Mann im Publikum zuruft: «Gehen Sie nach Hause mit Ihrer Betroffenheit, stecken Sie sich die in den Arsch.» Dies, so ist zu vermuten, ist der eigentliche Ausgangspunkt des üblen Fakes.