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Wildlife Review
Zurich Film Festival 2018
Wildlife ist das Erstlingswerk des amerikanischen Schauspielers, Drehbuchautors und Regisseurs Paul Dano, welcher bereits durch seine tollen schauspielerischen Leistungen in Indie-Filmen wie Little Miss Sunshine (2006), There Will be Blood (2007), Prisoners (2013), und Swiss Army Man (2016) bekannt wurde. Das Drehbuch für diesen Film basiert auf dem gleichnamigen Roman “Wildlife” (1990) vom amerikanischen Schriftsteller Richard Ford. Dano entwickelte es gemeinsam mit seiner Partnerin, der US-Schauspielerin Zoe Kazan.
Der Film beginnt mit dem scheinbar idyllischen Porträt der Brinsons, einer Familie, die in einem kleinen und ruhigen Dorf in Montana lebt. Doch die Fassade beginnt zu bröckeln, denn überraschend wird Jerry gefeuert. Verletzt in seinem Stolz, aus Angst vor der Untüchtigkeit und in der Verzweiflung seiner Arbeitslosigkeit meldet er sich zum Dienst für das Feuerlöschen der Waldbrände und verlässt somit für mehrere Wochen seine Frau Jeanette und seinen Sohn Joe.
Wildlife ist im Kontext der 60er-Jahre in den USA situiert; beginnend mit der Präsidentschaftszeit Eisenhowers, in der gegen Ende seiner Amtszeit und vor Beginn Kennedys Übernahme eine vergleichsweise hohe Arbeitslosigkeit in Amerika herrschte. Gleichzeitig war die Stellung der Frau Anfang der 60er-Jahre noch durch konservative Normen geprägt, welche sich durch eine Emanzipation Ende der 60er- und Anfang der 70er-Jahre radikal änderte. Beide dieser Aspekte sind inhärent in Jerrys und Jeanettes Charaktere. „You know what they call trees in the forest fire? Fuel. You know what they call trees left up when the fire goes by? They call them the standing dead.“ Jeanettes Erläuterung gegenüber Joe räsoniert ihr verzweifeltes Handeln, nachdem sie sich von Jerry im Ungewissen gelassen fühlt und an seiner Rückkehr sowie Treue zweifelt; aus Angst zu vereinsamen und ohne finanzielle Unterstützung dazustehen greift sie zu drastischen Massnahmen, die vor allem Joe zu spüren bekommt.
Der Film besticht durch eine wundervolle Kinematografie, die die schöne Landschaft Montanas zur Melancholie und Tragik der Handlung kontrastiert und die herausragenden schauspielerischen Leistungen Carey Mulligans, Jake Gyllenhaals und nicht zuletzt des Nachwuchstalents Ed Oxenboulds betonen. Wildlife schafft es auf sehr einfühlsame Weise und mit einer feinen Nuancierung, das sich langsam entwickelnde Drama einer Ehe, die im Kontext der Einsamkeit, der Aussichts- und Arbeitslosigkeit zerbricht, und die unausweichliche Konfrontation eines Sohnes mit diesen sich zuspitzenden Umständen gelungen zu erfassen: der Verlust der Unschuld eines Kindes, den die Tragik des Schicksals auf dem Gewissen hat. Schliesslich kumuliert sich die Handlung in Joes Foto-Studio: ein Moment des isolierten Glücks, das ausserhalb der Realität besteht. Jedoch mit einem bitteren Nachgeschmack, denn sein Wunsch bleibt ein flüchtiger Moment des Glücks, umringt von melancholischer Betroffenheit.
Wildlife (Kurzinhalt)
Dunkle Rauchwolken steigen über die Hügel am Horizont. Der 14-jährige Joe lebt mit seinen Eltern in einer verschlafenen Kleinstadt im Montana der 1960er Jahre. Als sein Vater Jack die Arbeit auf dem Golfplatz verliert, entscheidet sich dieser kurzerhand, beim grossen Waldbrand an der Grenze zu Kanada als Freiwilliger zu helfen – Joe und seine Mutter Jeanette sind plötzlich auf sich allein gestellt. Während Jeanette versucht, sich als Schwimmlehrerin ihre finanzielle Existenz zu sichern, lernt sie den feisten Autohaus-Besitzer Mr. Millers kennen, und Joe muss mitansehen, wie die Ehe seiner Eltern langsam, aber sicher zu zerbrechen droht.
(Quelle: IFC Films, Praesens-Film, Sony)