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Ein gemeinsames Dauerprojekt aller Arbeitervereine des Kantons Zug war die Brücke der Bruderhilfe für die Dritte Welt. Die Sammelerträge wurden für Trinkwasserbrunnen verwendet.
Alle Projekte, für die gesammelt wurde, sei es ein kantonales oder ein vereinseigenes, benötigten immer viel Geld. So suchte man auch im Arbeiterverein Unterägeri nach Mitteln und Wegen, um mehr Geld zusammenbringen zu können. Die im Dorf gelebten Bräuche wie der Ägerimärcht und das Chlauseslä boten gute Möglichkeiten dazu.
Über viele Jahre unterhielt der Arbeiterverein am Ägerimärcht bis zu vier Stände. Gegen im allgemeinen niedrige Einsätze konnten die Märchtbesucher kleine Preise gewinnen. So beim Meerschweinchen, wenn sich das in der Mitte eines aus kleinen Häuschen gebildeten Kreises jeweils losgelassene Meerschweinchen "Flurini" in jenes Häuschen schlüpfte, auf das man mit seinem Beitrag gesetzt hatte. Flurini musste dann nicht mehr antreten, nachdem Tierschützer gegen das Spiel Einspruch erhoben hatten. Beim Ballwerfen entschied die Anzahl der Büchsen, die beim Werfen auf eine Pyramide aus Büchsen herunterfielen. Beim Werfen eines Wurfpfeils auf eine Scheibe entschied die erreichte Punktezahl, die umso höher war, je näher der Pfeil in die Mitte traf. Recht ergiebig für die Kasse erwies sich der Cervelats- und Bratwurststand, der die Zeit am längsten überdauerte. Grillwürste sind bei jedem Wetter gefragt, und jene am Ägerimärcht sind die besten. So behaupten es wenigstens die Märchtbesucher.
Bisher waren es lose Gruppen, die in Unterägeri den Chlauseslä-Brauch weitertrugen. Die erheischten Gaben (vermutlich vor allem Geld) teilten sie unter sich auf. Dass früher die Gaben gezielt für soziale Zwecke eingesetzt wurden, darüber ist nicht Geschriebenes und Überliefertes bekannt.
Mit der Absicht mehr Geld für soziale Projekte zusammenbringen zu können, beschloss 1957 der Vorstand des Arbeitervereins unter dem Präsidium von Adalbert Styger-Bütler eine Chlauseselrottä zu schaffen. Die Vereinsmitglieder Erich Wootli und Karl Gabriel übernahmen deren Führung. Ihnen schlossen sich noch drei Kollegen von Karl Gabriel an, die aber nicht Mitglieder des Arbeitervereins waren: Hans Iten-Roth, Bonaventura Roth und Meinrad Schuler. Diese Gruppe stellte ihren Chlauseslä-Erlös, der im Entstehen begriffenen Familienhilfe von Unterägeri zur Verfügung, deren Präsident damals Josef Häusler-Iten, Tubepaulis Seff, war.
Diese Gruppe war ungefähr bis 1967 aktiv und löste sich dann auf. Diese Phase war ein weiterer Schritte zur Wiederbelebung und vor allem eine Aufwertung des alten Brauchs
Eine erneute und bis heute nachhaltigere Belebung erlebte der Brauch, als der Arbeiterverein 1960 zur Mittelbeschaffung zugunsten der Brücke der Bruderhilfe neben der oben erwähnten Gruppe eine eigene, ausschliesslich aus Mitgliedern des Arbeitervereins bestehende Rottä auf die Beine stellte. So gab es seit 1960 während ungefähr sieben Jahren die Familienhilfe-Rottä und die Arbeiterverein-Rottä, beide mit sozialem Engagement. Bei einem Wirtschaftsgespräch meinte Bonaventura Roth von der Familienhilf-Rottä einmal zu jenen des Arbeitervereins: "Eure Rottä wird höchstens zwei Jahre leben, ihr seid keine Ägerer und kennt den Brauch nicht." Wie man sich täuschen kann. Bucher Alfred und Styger Adalbert sind noch heute - nahezu seit fünfzig Jahren -, für die Chlauseselrottä des ehemaligen Arbeitervereins tätig. Bucher Alfred war seit Beginn während 22 Jahren mit der Rottä als St. Nikolaus unterwegs.
In den aller ersten Jahren war der Ertrag bescheiden. Nach 4-5 Stunden des Sammelns kamen um die 180.- bis 250.- Franken zusammen. Der grössere Teil des Ertrags ging bereits zu Beginn an karitative Werke. Der Rest mussten für die Beschaffung von Triichlä, Jochs und weiterem Material verwendet werden. Inzwischen sind die Erträge zur Freude der Begünstigten gewaltig gestiegen. Begünstigte sind Männer und Frauen, die aus Unterägeri stammen oder einen besonderen Bezug zu unserer Gemeinde haben und weltweit in sozialen Organisationen tätig sind. Seit etwa zehn Jahren werden nicht nur katholische, sondern auch evangelisch-reformierte Leute berücksichtigt. Heute sind dies um die acht Empfänger. Je nach den gesammelten Spenden, können an sie pro Jahr insgesamt bis zu 8000.- Franken verteilt werden. Nach dem Chlauseslä treffen sich die Helfer im Pfarreiheim Sonnenhof zu einer einfachen Verpflegung. Heutzutage besteht diese aus einer kräftigen Suppe und Schinkenbroten. Die benötigten Lebensmittel wie Gemüse, Fleischwaren, Milchprodukte sowie Brote und anderes Gebäck werden von den Dorflieferanten teilweise geschenkt oder mit Preisnachlass abgegeben. So gibt z. B. Metzger Villiger seit Jahren den Schinken gratis ab. Das Herrichten der Speisen, des Saales und der Tische sowie das Aufräumen besorgen wiederum freiwillige Helfer und Helferinnen.
Aus den Spenden der fünf Rottä konnten folgende Spenden verteilt werden:
Brücke zum Süden, Afrika und Südamerika: 1310 Franken; für vergessene Kinder: 1200 Franken; y'abana, Haus der Kinder: 1000 Franken; Macarius Häusler, Sambia: 1000 Franken; Werner Iten, Sambia: 1000 Franken; und Tiia Juzi, Pakistan: 1000 Franken; Hanna Keller, Wiel: 1000 Franken; Iten, Haiti: 1000 Franken.