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Die Zürcher Stadtpolizei meldete am Montag einen Todesfall in einer ihrer Arrestzellen. Der 35-jährige Mann war zuvor festgenommen worden, weil er sich gegenüber seiner Frau aggressiv verhalten hatte.
Nachdem er auch die Polizisten angegriffen hatte, wurde er mit Pfefferspray ausser Gefecht gesetzt. Er wurde in die Arrestzelle gebracht. Als die Polizisten nach einigen Minuten zu dem Mann zurückkehrten, merkten sie, dass dieser nicht mehr richtig atmete. Trotz sofort eingeleiteter Reanimationsmassnahmen verstarb er.
Vorschriften wurden eingehalten
Bei der Polizeiaktion wurde ein handelsüblicher Pfefferspray eingesetzt, den jeder in der Schweiz kaufen kann. Dies sagt der Sprecher der Stadtpolizei Zürich, Marco Cortesi. Ein solcher Spray gehöre zur Ausstattung eines jeden Polizisten.
Eingesetzt werden dürfe er jedoch nur in ausserordentlichen Situationen – also wenn ein Polizist sich selbst, einen Kollegen oder Leute auf der Strasse schützen muss. Der Spray sei eines der milderen Werkzeuge, welche der Polizei zur Verfügung stehen. Dennoch sei es nicht Alltag, dass der Pfefferspray zum Einsatz komme, betont Cortesi.
Es gibt Vorschriften, die nach dem Einsatz von Pfefferspray beachtet werden müssen. So müssen dem «Opfer» sofort die Augen ausgewaschen werden. Was in diesem Fall auch gemacht worden sei, sagt Cortesi.
Spray kann Wirkung von Kokain verstärken
Noch steht die Todesursache nicht eindeutig fest. Klar ist jedoch, dass Pfefferspray durchaus tödliche Folgen haben kann. «Es ist bekannt, dass Pfefferspray, beziehungsweise die Substanzen darin, Wechselwirkungen haben können mit anderen Substanzen.» Dies sagt Eva Scheurer, Direktorin des Instituts für Rechtsmedizin Basel. Vor allem Drogen wie Kokain oder Medikamenten wie Psychopharmaka werden solche Wechselwirkungen nachgesagt.
Am California Pacific Medical Center Research Institute habe man Experimente mit Kokain gemacht, welche gezeigt hätten, dass Capsaicin, eine Substanz, die im Pfefferspray enthalten ist, die Wirkung der Droge verstärken könne.
Doch der Verstorbene muss nicht zwangsläufig Drogen oder Medikamente genommen haben. Möglich ist auch, dass durch die Reizwirkung von eingeatmetem Capsaicin die Schleimhäute so anschwellen, dass es zu einem Ersticken kommen kann. Zudem löst die Schmerzwirkung Stress aus. Dadurch wird das Herz mehr beansprucht, was bei einem vorgeschädigten Herz zu Herzversagen führen kann.
Restrisiko kann nie ausgeschlossen werden
Pfefferspray sollte aufgrund der damit verbundenen Risiken situationsabhängig eingesetzt werden, meint Eva Scheurer. «Er hat ein viel geringeres Schädigungsrisiko als andere Mittel.» Doch es bestehe immer das Risiko, dass im Einzelfall beim Einsatz von Pfefferspray Nebenwirkungen auftreten können. Das könne man nie ausschliessen.
Wieso der 35-Jährige auf der Zürcher Wache gestorben ist, wird jetzt abgeklärt. Die Kantonspolizei Zürich sowie die Staatsanwaltschaft untersuchen den Fall. Der Pfefferspray muss nicht zwangsläufig verantwortlich sein für den Tod des Mannes – aber möglich wäre es.