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Er ist einer der grossen Schweizer, die Geschichte schrieben: der Ingenieur Othmar H. Ammann, ausgezeichnet mit mehreren Ehrendoktortiteln, der Erbauer der George-Washington-Brücke, die jeder New-York-Reisende kennt. Die von ihm konstruierten Brücken prägen Manhattan bis heute. Von seinem bewegten Leben erzählt der Dokumentarfilm «Gateways to New York» von Martin Witz.
Heute kennt wohl kaum mehr jemand den Namen Othmar H. Ammann. Für die Generation, welche zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebte, war Ammann jedoch das Aushängeschild der Schweiz, sozusagen der Roger Federer der Ingenieurskunst. Ammann wanderte 1904, genau zur richtigen Zeit, als junger Ingenieur in die USA aus. Die USA waren in Aufbruchsstimmung, die Industrialisierung war in vollem Gang und für den jungen Schweizer das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Die Bevölkerung in New York wuchs rasant und mit der Industrialisierung wuchs auch die Mobilität und neue Verkehrswege waren gefragt. Da kam Ammann gerade richtig.
1912 wurde Ammann Chefassistent im führenden amerikanischen Ingenieurbüro Gustav Lindenthal in New York. Der Auswanderer sollte Lindenthals riesige Brücke über den Hudson River neu berechnen, für ihn ein absoluter Traumjob. Doch der Ingenieur zweifelte immer mehr an der Machbarkeit der Eisenbahnbrücke seines Chefs. Heimlich machte er Berechnungen für seine eigene, leichtere Autobrücke. Seine Brücke sollte mehr als doppelt so lang wie die damals längste Brücke der Welt werden. Er verliess 1923 Lindenthals Büro und konzentrierte sich danach auf sein eigenes Projekt, welches 1925 grünes Licht bekam und 1931 als George Washington Bridge eingeweiht wurde. Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte Ammann aber erst im Alter von 85 Jahren und nur zehn Monate vor seinem Tod. Die Verrazano-Brücke über die New Yorker Hafeneinfahrt wurde 1964 von Präsident Lyndon B. Johnson eingeweiht und der Brückenbauer Ammann mit der National Medal of Science ausgezeichnet.
Auf der Baustelle arbeiteten zeitweise über 12’000 Mann. Für die gefährliche Arbeit hoch über dem Wasser wurden viele amerikanische Ureinwohner aus dem Stamm der Mohawks als sogenannte «skywalker» eingestellt. Sie galten als schwindelfrei und furchtlos. Zwei der letzten noch lebenden am Bau beteiligten Mohawks erzählen im Film von ihrer Arbeit auf der Brücke und von den Begegnungen mit dem Schweizer Ingenieur, welcher auch in Sachen Arbeitssicherheit Pionierarbeit leistete.
«Gateways to New York» ist eine Zeitreise. Alte Videoaufnahmen und Fotografien führen den Zuschauer durch die erste Hälfte des amerikanischen 20. Jahrhunderts. Die Aufnahmen sind teilweise wunderschön. Die imposanten Brücken sind perfekt in Szene gesetzt. Diese Bilder und die Geschichte dahinter begeistern. So ist der Film am Ende nicht nur ein Porträt von Othmar Ammann. Es zeigt vielmehr, wie die USA zu dem wurde, als was man sie heute kennt: ein modernes Industrieland. Mit seinen Highways, Wolkenkratzern – und eben den Hängebrücken.
FILMPODIUM SAANENLAND
Das Filmpodium Saanenland zeigt «Gateways to New York» am Montag, 13. Januar um 20.30 Uhr im Kino Gstaad. Für Nichtmitglieder sind Eintrittskarten an der Abendkasse erhältlich.