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Im mittleren letzten Jahrhundert waren die Maikäfer eine grosse Plage. Alle paar Jahre gab es ein Flugjahr, dann waren ganz besonders viele Käfer unterwegs. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts wurden die Maikäfer in der Binzmühle gesammelt und schon damals gab es für jedes Kind einen Batzen. Die Maikäfer wurden neben der Binzmühle im kleinen Chäibenwinkel verscharrt. Der ganz exakte Standort des kleinen Chäibenwinkels wurde bis dato nirgens genannt, doch erwähnt Ernst Benninger in seinen Memoiren ganz klar, dass es bei der Binzmühle war. Inzwischen konnte Richard Stähli weiter helfen. Er wusste noch, dass es zwar bei der Binzmühle war, aber nicht beim Restaurant, sondern beim Bauernhof der Tanners an der Allmannstrasse.
Um die Schäden der Maikäfer am Laubholz zu minimieren, war jedermann (meistens natürlich die Buben) aufgefordert, diese einzusammeln und kesselweise in die Schweinemästerei von Werner Schnellmann zu bringen, wo man für das Kilo ein paar Zehner bekam. Um die Sache rentabel zu gestalten, begaben sich die Buben in Wälder mit Buchen und Erlen und schüttelten dort die dünneren Bäume tüchtig durch. So fielen die Käfer zu Hunderten herunter und eine Büchse war rasch voll.
Da diese Käfer in solchen Mengen sehr streng dufteten, wurde das nicht mein Steckenpferd, Geld hin oder her. Nach einer einzigen Teilnahme habe ich mich stets dünn gemacht, wenn ich aufgefordert wurde, mit zu machen. Während des letzten Krieges aber war das ein willkommener Batzen, denn damals sammelte die Gemeinde die Käfer ein und zahlte pro Kilo satte 80 Rappen.
Eine etwas andere, aber weniger ergiebige Art, Maikäfer zu beseitigen, hat ein Seebacher Bub im Alter von etwa 10 Jahren in den 1950er Jahren gepflegt. Gegen ein paar Rappen hat er gerne mal einen Maikäfer zerbissen und hintergeschluckt. Reich soll er davon nicht geworden sein, aber er hat seine Methode, auf einfache Art zu Taschengeld zu kommen, weiter vervollkommnet, indem er später die Münzen gleichzeitig von mehreren Kindern annahm und diese dann gemeinsam zuschauen durften, wie er einen Maikäfer zerbiss und verschluckte. Ob diese Nahrung gesund war, entzieht sich dem Wissen der OGS, immerhin lebte der Bub 2008 aber noch. Ferner hat mir ein Chemiker bestätigt, dass 100 g Maikäfer einem Nährwert von etwa 430 Kalorien entspräche, was bestätigt, dass Maikäferessen zumindest nahrhaft und nicht ungesund ist. Der Bub ging mit mir in die gleiche Klasse. Da dies aber nur die Wintermonate hindurch war, hatte ich nie die Möglichkeit, es mit eigenen Augen zu sehen. Ein ander Bub hingegen, welcher mit ihm drei Jahre zur Schule ging, bestätigte die Richtigkeit des Maikäferschmauses.
Quellen: - Ernst Benninger (Binzmühle) - Richard Stähli (Tannenhof) - OGS-eigene