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Am 2. Mai zeigte das neue angloaustralische Unternehmen Brabham Automotive unter Führung des ehemaligen Rennfahrers und Le-Mans-Siegers David Brabham den BT62 an einem Symbolträchtigen Ort: das «House of Australia» im Londoner Westend (GB).
Die offizielle Niederlassung von Down Under beherbergt zum ersten Mal in ihrer Geschichte Autos. Dies, nachdem der Ort etwa für die «Harry Potter»-Filme als Drehort der Bank für Zauberei «Gringotts» gedient hatte. In der opulent mit poliertem Stein, roten Samtvorhängen und Kronleuchtern ausgestattete Haupthalle parkieren seit dem letzten Mittwoch 7 Rennwagen.
1948 hatte der Australier Jack Brabham (1926–2014) begonnen, mit einem Midget-Racer Rennen zu fahren. Später stieg der für seine Rennkarriere nach England übersiedelte Brabham ins Cockpit von John Coopers revolutionären Formel-1-Mittelmotorrennwagen. 1959 krönte er dieses Engagement mit einem ersten Weltmeistertitel, was er 1960 wiederholte. 1961 baute Brabham schliesslich seine eigenen Autos, zusammen mit Landsmann Ron Tauranac (BT für Brabham/Tauranac) und verkaufte diese auch an Privatiers und andere Teams. Mitte der 1960er-Jahre war Brabham der grösste Hersteller von Rennwagen, und bis 1970 verliessen über 500 Monoposti die Hallen im englischen Surrey. Brabham stieg zum Ende seiner Rennkarriere 1970 aus, Tauranac verkaufte seinerseits 1972 an Bernie Ecclestone. Dem F1-Zampano folgte 1988 der Schweizer Joachim Lüthi, auch «Brabham-Lüthi» genannt, der später wegen Betrug verurteilt wurde. 1992 ging Brabham in den Händen eines japanischen Unternehmens nach weiteren windigen Finanzeskapaden unter. Mehrere Versuche, das Team zu reanimieren, scheiterten zumeist mangels seriösen finanziellen Backgrounds.
Zurück zu alten Werten
Vor zwölf Jahren hat David Brabham, der jüngste Sohn von Jack Brabham und selber Rennfahrer, angefangen, sich Gedanken über ein neues Unternehmen mit dem eigenen Familiennamen zu machen. Die erste grosse Hürde bedeutete die Rückgewinnung der Namensrechte. Unter der technischen Leitung von Paul Birch (ex Lotus und Caterham) gelang es binnen zwei Jahren, ausgehend von einem weissen Papier, ein fertiges Auto auf die Räder zu stellen.
«Er war ein sehr zielstrebiger und erfolgsorientierter Mensch», beschreibt David Brabham seinen Vater Jack, «und ein Pragmatiker, kein Fantast. Es ist mir wichtig, ein fertiges Auto zu zeigen, eines, das fährt. Wir testeten auf kleineren Strecken in Australien, darum hat kaum jemand etwas davon bemerkt.»
Auch der neue Brabham ist (vorerst) ein Auto für die Rennstrecke. Denn mit dem BT62 kauft sich der Kunde in ein Programm ein, in dem er eine regelrechte Fahrerausbildung durchlaufen kann. «Das Auto lässt sich in jeder Hinsicht den Wünschen und Bedürfnissen anpassen, diesen Support gibt es zum Kaufpreis mit dazu», ergänzt Entwicklungschef Paul Birch. Das Karbon-Monocoque verfügt über ein vollumfänglich einstellbares Doppelquerlenkerfahrwerk mit Pushrod-aktivierten Stossdämpfern. Ungewöhnlich für ein Track-Car ist das ABS für die Karbon-Bremsen sowie ein Antischlupfsystem ebenso wie die elektrische Servolenkung. «Der Verkauf macht wenig Sorgen», sagt Verkaufs- und Marketingdirektor James Haskey nach der Enthüllung vor zahlreich erschienenem Publikum, darunter auch ehemaligen und aktiven Rennfahrern wie Derek Bell, Marc Blundell, Martin Brundle oder Karun Chandhok bei einem Gespräch. «Die Frage ist, wem wir welche Autos geben sollen», fährt Haskey fort. Obwohl noch niemand zuvor das Auto gesehen hat, gab es bereits eine Menge Anfragen. Die ersten 35 Wagen werden den jeweiligen Siegern in der Formel 1 angepasst sein. Der am Mittwoch enthüllte BT62 trägt die Farben des Brabham BT19 am GP von Frankreich 1966, als Jack Brabham als erster (und bisher einziger) Weltmeister auf seinem eigenen Auto feststand.
Zurück in den Rennzirkus
David Brabham sieht die Rückkehr in den Motorsport als weiteren Schritt. Doch auch ein Strassenfahrzeug ist in der Pipeline. «Wir haben erst begonnen, aber unsere Absicht ist langfristig. Natürlich gehen wir weiter und bauen Brabham Automotive laufend aus», erklärt Brabham. Ein grosses Ziel ist Le Mans (F). David Brabham muss es wissen, er hat das Rennen an der Sarthe 2009 zusammen mit Marc Gené und Alexander Wurz auf einem Peugeot 908 Hdi FAP gewonnen – fünfzig Jahre nachdem Jack Brabham seine erste Formel-1-Weltmeisterschaft hatte einfahren können.