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Perfektion kann Ihr Leben verkürzen
Eine Studie zeigt, dass Perfektionisten frustrierter sein können und schneller aufgeben als Nicht-Perfektionisten. Mehr noch: Der Zwang zur Fehlerlosigkeit kann zum Tod führen.
Halten Sie sich selbst für einen Perfektionisten? Denken Sie, dass Ihre Arbeiten qualitativ hochstehender sind als jene Ihrer Kollegen? Sind Sie stolz auf die hohen Ansprüche, die Sie in Beruf und Privatleben an sich selbst stellen? Dann passen Sie auf – Perfektionismus kann Ihr Leben verkürzen. Die britischen Forscher Thomas Curran und Andrew P. Hill haben zwischen 1989 und 2016 untersucht, welche Auswirkungen Perfektionismus auf Menschen hat. Das Resultat schockiert: Perfektionismus geht einher mit einer Fülle an psychischen Krankheiten wie Depression, krankhafte Schüchternheit, Platzangst, Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit, Selbstverletzung und Suizidgedanken. Besonders bei Jugendlichen und Kindern ist Perfektionismus auf dem Vormarsch, sagen die beiden Forscher der Universitäten Bath und York St. John.
Die wissenschaftliche Fachzeitschrift «Health Psychology» hat im Jahr 2009 eine Studie publiziert, die zum Schluss kommt, dass Probanden mit einem übersteigerten Perfektionismus-Denken ein grösseres Sterberisiko haben als Personen, die auch mal Fünfe gerade sein lassen.
Die renommierte Journalistin Minda Zetlin schreibt in ihrer Kolumne im US-amerikanischen Wirtschaftsmagazin Inc. vom 26. Februar 2018, dass viele Perfektionisten nicht bereit seien, von ihrem Streben nach Vollkommenheit abzukehren. Das liege am Irrglauben, wonach Perfektionismus förderlich sei für eine gute Leistung am Arbeitsplatz, eine stets auf Hochglanz polierte Wohnung, das richtige Gewicht oder eine bessere Kindererziehung.
Andrew P. Hill hat in einem Experiment Perfektionisten und Nicht-Perfektionisten aufgefordert, alles zu tun, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Was Hill den Probanden verschwiegen hatte: Das Ziel konnte gar nicht erreicht werden. Das Resultat war verblüffend: Alle Teilnehmer arbeiteten hart, die Perfektionisten ärgerten sich jedoch schneller. Sie gaben auch früher auf als die Nicht-Perfektionisten.
Was können wir tun, wenn eine Person zu uns sagt, dass sie halt ein Perfektionist sei? Minda Zetlin empfiehlt folgende Entgegnung: «Oh, wie schrecklich. Es tut mir leid, das zu hören. Haben Sie schon daran gedacht, ein Beratungsgespräch zu vereinbaren?»
Sollten Sie selbst ein Perfektionist sein, sei es Zeit für eine Veränderung, schreibt Minda Zetlin und schlägt folgendes Experiment vor: Lassen Sie es einmal gut sein und schrauben Sie Ihre Ansprüche herunter. Zum Beispiel, wenn Sie denken, Sie müssten auch spät am Abend noch arbeiten. Verzichten Sie einmal eine Woche lang auf diese Nachtschichten und schauen Sie, was passiert. Womöglich werde sich Ihre Arbeit verändern, meint Minda Zetlin. Vielleicht müssen Sie lernen, besser zu delegieren oder sich mehr abzugrenzen. Das könnte zu Ihrem Vorteil sein: Sie werden überrascht sein, wenn Sie feststellen, dass Sie Ihren Job mit einem ausgeruhten Gehirn besser erledigen als mit einem erschöpften Geist.
Es könnte Ihr Leben verlängern.
Autor: Thomas Wälti