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Schon vor der Einführung des PCs benutzten Buchhalter und Unternehmer Tabellenkalkulationen, um sich einen Überblick über bestimmte Aspekte ihres Geschäftes zu verschaffen: über den Einfluss steigender Rohstoffpreise auf den Endpreis eines Produktes zum Beispiel.
Doch damals waren das riesige Papierbögen, die ganze Tische bedeckten. Wollte ein Unternehmer eine Zahl verändern, war ein Buchhalter mit Radiergummi und Rechenmaschine damit beschäftigt, die Tabellen auf den aktuellen Stand zu bringen. Das konnte Tage dauern.
Computer statt Rechenmaschine und Radiergummi
Doch 1977 hatte Dan Bricklin eine Idee, die alles verändern sollte. Der studierte Informatiker absolvierte gerade einen Kurs an der renommierten Harvard School of Business, als er gelangweilt zuschaute, wie ein Dozent sich mit Tabellenkalkulationen abmühte – eine Sisyphusaufgabe, wie gemacht für den Computer, dachte sich Bricklin.
Er machte sich an die Arbeit, programmierte einen Prototypen und brachte 1979 mit VisiCalc , Link öffnet in einem neuen Fensterdie erste digitale Tabellenkalkulation auf den Markt, für den Heimcomputer Apple II.
Die Geschäftswelt wird umgekrempelt
Die Software schlug ein wie eine Bombe. VisiCalc wurde auf dem Apple II das beliebteste Programm (Games nicht mitgerechnet). Erstmals konnten Unternehmer ihr Geschäft auf einem günstigen Computer modellieren und mühelos immer neue Szenarien durchspielen. Die digitale Tabellenkalkulation lieferte alle Antworten auf die Fragen: «Was passiert, wenn ...?»
Mit dem Erfolg kam die Konkurrenz: VisiCalc wurde schon bald vom Markt verdrängt, etwa durch Lotus-1-2-3. Und vor fast genau 30 Jahren, am 30. September 1985, veröffentlichte Microsoft die erste Version von Excel – sie wurde ein Welterfolg.
Einfache Bedienung wird zum Verhängnis
Auch aus den Banken war das neue Programm nach kurzer Zeit nicht mehr wegzudenken: Excel ist noch heute das beliebteste Werkzeug an der Wall Street und die Voraussetzung für die neuen Bankgeschäfte. Ein wichtiger Grund für den Erfolg: Excel ist ein äusserst mächtiges Werkzeug, das zugleich einfach zu bedienen ist. Doch das birgt auch Tücken, wie die Investment-Bank JPMorgan Chase schmerzlich erfahren musste.
2013 fuhr ein Trader («London Whale») bei riskanten Geschäften einen geschätzten Verlust von 6 Milliarden Dollar ein. Ein Grund für das Debakel: In einer Excel-Tabelle zur Berechnung der Risiken wollte ein Analyst den Durchschnitt zweier Werte berechnen und vergass versehentlich, die Summe durch 2 zu dividieren. Die Tabelle wies deshalb das Risiko als kleiner aus, als es in Wirklichkeit war.
Für den Juristen und Finanzexperten James Kwak weist der Vorfall auf eine Schwachstelle von Excel hin. Im Blog The Baseline Scenario, Link öffnet in einem neuen Fenster schreibt er: «Man hat keine Möglichkeit, um zu verfolgen, wo die Daten herkommen, es gibt keine Buchungskontrolle (man kann Werte überschreiben ohne es zu merken) und es gibt keine einfache Methode, um Tabellen zu testen.»
Die besten an der Weltmeisterschaft
Das schreckt die Nutzerinnen und Nutzer nicht: Weltweit verwenden geschätzte 800 Millionen Menschen Excel. Darunter auch Menschen, die nie genug bekommen von dem Werkzeug: Profis, die sich auch noch in ihrer Freizeit mit Tabellenkalkulation beschäftigen und die an der jährlich stattfindenden Excel-Weltmeisterschaften , Link öffnet in einem neuen Fensterteilnehmen.
Oder der 75-jährige Japaner Tatsuo Horiuchi: Er nutzt Excel seit mehr als zehn Jahren als Zeichenprogramm und hat damit schon verschiedene Auszeichnungen gewonnen.