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Das Schloss Waldegg bei Solothurn wird im August an sieben Abenden zur Opern-Kulisse. Aufgeführt wird Claudio Monteverdis Oper «Il ritorno d'Ulisse in patria» – zu Deutsch «Die Rückkehr des Odysseus».
Die Musik zu diesem Barockstück aus dem 17. Jahrhundert war lange Zeit verschollen, ehe eine einzige Abschrift davon etwa 200 Jahre später im Kaiserpalast in Wien wiederentdeckt wurde. Diese dünne Quellenlage stellt den Solothurner Dirigenten Andreas Reize vor einige Herausforderungen.
Andreas Reize
Dirgent
Der Solothurner Dirigent Andreas Reize studierte Kirchenmusik, Orgel, Klavier, Cembalo, Chor und Orchesterleitung. Seit 2007 leitet er die Singknaben der St. Ursenkathedrale in Solothurn. Mit dem «Cantus Firmus Consort» führt er Barockopern unter freiem Himmel bei Schloss Waldegg auf. Reize ist ausserdem Triathlet.
SRF News: Wie schwierig war es, mit nur einer überlieferten Abschrift der Partitur zu arbeiten?
Andreas Reize: Zunächst muss man bedenken, dass man die Oper gar nicht aufführen könnte, wenn diese Abschrift nicht aufgetaucht wäre. In dieser Abschrift hat es Fehler, die man korrigieren muss, und sie ist zudem nicht vollständig. Man steht somit oft vor der Herausforderung, entscheiden zu müssen, ob eine Stelle in der Partitur korrekt überliefert ist, oder ob noch Ergänzungen nötig sind.
Interessanterweise gibt es zu dieser einzelnen musikalischen Quelle zwölf Libretti; der Text der Oper ist also zwölffach überliefert, die Musik allerdings nur einmal.
Heisst das, Sie mussten den Text der Oper als Vorlage nehmen, um die Lücken in der überlieferten Partitur zu schliessen?
Grundsätzlich habe ich zunächst geschaut, welche musikalischen Teile von Monteverdi zu dieser Oper überliefert sind – es sind über drei Stunden Musik vorhanden. Danach musste überprüft werden, ob es in den Libretti Textstellen gibt, die mit der überlieferten Partitur musikalisch nicht abgedeckt werden. Stiess man auf eine solche Stelle, galt es herauszufinden, ob Monteverdi die Musik effektiv nicht komponierte oder ob sie verloren ging.
In einigen Fällen konnte ich fehlende Musikstellen in der Überlieferung anschliessend in einem von Monteverdis Madrigalen finden, daran habe ich dann den Text der Oper angepasst.
Für die Aufführung haben Sie sich für historische Instrumente entschieden. Was bedeutet das?
Wir schauten, welche Instrumente man zu Monteverdis Zeit brauchte. Es gibt Instrumente, die man heute gar nicht mehr spielt. Zum Beispiel den Zink, Link öffnet in einem neuen Fenster. Diese Instrumente klingen ganz anders und sind für diese Art Musik konstruiert. Monteverdi schrieb genau für diese Instrumente und das spürt man auch. Es gibt einen ganz besonderen Klang und einen besonderen Groove in der Oper.
Das Gespräch führte Pascal Meier.