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Nicht ihr habt Mich erwählt, sondern Ich habe euch erwählt
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In der Kirche wird man zum Kleriker durch den Ruf der Kirche. So wie Unser Herr Jesus Christus sich Seine Apostel auserwählt und sie berufen hat, „vocavit eos”, sind auch Sie, meine lieben Freunde, die Sie heute die Soutane anziehen und die Tonsur empfangen werden, von der Kirche berufen. Und eben das macht Sie zum Kleriker, zum Mitglied der Hierarchie der Kirche. Diese Berufung ist etwas sehr Wichtiges. Der hl. Paulus erinnert uns im Hebräerbrief (Hebr 5,4) an die Worte Unseres Herrn: „Non vos Me elegistis, sed Ego elegi vos — nicht ihr habt Mich erwählt, sondern Ich habe euch erwählt” (Jo 15,16). Es ist also Unser Herr, der Sie erwählt hat, und das macht die Berufung aus, nicht, daß Sie selbst das Verlangen haben, Priester zu werden, nicht daß Sie geeignet sind, Kleriker zu werden, Mitglied der priesterlichen Hierarchie zu werden, sondern daß die Kirche Sie beruft. Wenn der Archidiakon Sie jetzt bei Ihrem Namen nennt und aufruft, dann, in diesem Augenblick, sind Sie berufen, vom lieben Gott berufen, Seinem Priesterstand anzugehören und an Seinem Priestertum teilzuhaben.
Und was sind die Aufgaben dieser Hierarchie, dieses Priestertums? Den Glauben zu vermitteln, die Geister zu erleuchten, Licht in die Seelen zu bringen und sie die Offenbarung zu lehren, die zu verkünden Unser Herr Jesus Christus gekommen ist. „Vos estis lux mundi — ihr seid das Licht der Welt” (Mt 5,14). Sie müssen also, durch Ihre Predigt, durch Ihren Unterricht glänzen, um den Geist, den Verstand der Gläubigen zu erleuchten und die Ungläubigen zu bekehren.
Eine zweite Aufgabe ist die Heiligung. Sie müssen diese Heiligung mit allen Mitteln erreichen, die Unser Herr Jesus Christus eingesetzt hat, um die Gläubigen zu heiligen. Das wirksamste, das schönste, das erhabenste Mittel der Heiligung, das Unser Herr Jesus Christus eingesetzt hat, ist Sein heiliges Meßopfer, das Sein Kreuzesopfer, Sein eucharistisches Opfer ist. Die Gläubigen erhoffen es von Ihnen, ebenso wie die anderen Sakramente, die Unser Herr eingesetzt hat. Das sind die Mittel, mit denen Sie die Gläubigen heiligen werden. Sie werden ihnen das Leben Unseres Herrn Jesus Christus, Sein eigenes Leben verleihen. Sie werden sie auf dem Weg zum Himmel führen.
Schließlich gibt es noch eine dritte Aufgabe der Geistlichen: das Leiten. Leiten, das heißt alle geeigneten Maßnahmen treffen, um den Gläubigen den Weg zum Himmel zu erleichtern. Das ist Ihre Aufgabe: die Seelen retten. Um die Seelen zu retten, muß man sie führen, muß man ihnen den Weg zeigen: „Ego sum via et veritas et vita — Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben” (Jo 14,6). Auch Sie sind, nach Unserem Herrn, der Weg, Sie müssen den Gläubigen den Weg zum Himmel zeigen. Das ist die besondere Aufgabe des Priesters, die Aufgabe derer, die sich dem Beruf des Geistlichen gewidmet haben.
Predigt von S. E. Erzbischof Marcel Lefebvre am 13. März 1982 in Zaitzkofen