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Buran
Die Spannung war spürbar. (...) Auf der Rollbahn startete eine MiG, um den Aufstieg der Rakete zu filmen 3 ½ Stunden nach dem Start kam das Vögelchen steil und lautlos aus den Wolken, fing sich dicht über dem Boden ab, klappte das Fahrwerk aus und rollte auf die Piste. (....) Ein Wahnsinn - kein einziger Fehler während des Fluges. (Nachrichtenagentur TASS, 1988)
Zu den ersten Überlegungen in der sowjetischen Literatur bezüglich mehrmals wiederverwendbarer Raumgleiter, als Fortschritt gegenüber den nur einmal verwendbaren Trägerraketen und Raumschiffen, gehören F.Zanders Raketenflugzeug-Entwurf aus dem Jahr 1924 und S.P.Koroljows Raketengleiter-Projekt SK-RK Mitte der 50er Jahre.
1974, in den Anfangsjahren der Entwicklung des amerikanischen Space Shuttles, kündete auch die UdSSR den Entschluss zum Bau eines wiederverwendbaren Raumgleiters inkl. Rakete an. Auf die Rakete, Energija, die stärkste Rakete der Welt (stärker als die grössere Saturn-V der Amerikaner) und ebenfalls wiederverwendbar, soll hier nicht eingegangen werden. Als Bezeichnung für das Projekt tauchten Namen wie Kosmoljot, Tschelnok, Albatros und Buran auf. Letzterer war dann auch der Name der in grossen kryllischen Lettern auf der Seitenwand des ersten sowjetischen Shuttles stand (Buran heisst übrigens Schneesturm). Bereits im Jahre 1977 gab es ein Modell, ca. Im Masstab 1:3 gebaut, mit dem Landeanflüge erprobt wurden.
Ab Ende 1978 wurde auf dem Kosmodrom Baikonur der Bau einer ca. 5km langen Startbahn begonnen. Am 4. Juni wurde erstmals mit einem Modell des zukünftigen Shuttles ein unbemannter Weltraumflug mit anschliessendem Wiedereintritt unternommen. Dasselbe Prozedere wurde in den Folgejahren noch dreimal unternommen. Nach sowjetischer Darstellung war der Zweck dieser Missionen die Erprobung der Hitzeschutzkacheln, die für einen Raumgleiter notwendig sind. Die Entwicklung ging weiter. In den Westen gelangten verschiede Informationen, vor Allem durch amerikanische Spionagesatelliten. So wurde bekannt, dass das sowjetische Shuttle etwa die Grösse des amerikanischen Pendant hatte, aber im Gegensatz zu diesem die Haupttriebwerke nicht im Shuttle selber hatte. Transportiert sollte es von der ebenfalls neuen Rakete vom Typ Energija werden. Den Erststart des Shuttles sagten amerikanische Beobachter für 1988 oder 1989 voraus. Wie recht sie doch hatten. 1987 wurde der Starttermin durch die sowjetischen Behörden auf das Jahr 1988 angesetzt. Im Gegensatz zum amerikanischen Shuttle war der Erstflug, der am 4. November 1988 stattfand, aber unbemannt.
Die Raumfähre Buran sieht auf den ersten Blick dem Space Shuttle sehr ähnlich. Doch hat sie einige gewichtige Unterschiede. Zu Erwähnen ist sicher die unbemannte Flugtauglichkeit. Die Raumfähre Buran kann im Gegensatz zum Space Shuttle ohne Kosmonauten verkehren. Die Kopplungsmöglickkeit mit Raumstationen (Inzwischen auch beim Space Shuttle mit der MIR möglich), eine höhere Tragfähigkeit sowie die Sicherheit betreffend, eine Rettungsmöglichkeit der Besatzung vor und auch während dem Flug. Beim unbemannten Erstflug wurde das Zusammenspiel und das Funktionieren sämtlicher Baugruppen geprüft. Erstaunlich dabei ist die unglaubliche Präzision die Buran an den Tag legte. So landete die Raumfähre mit nur einer Sekunde Rückstand auf den Flugbahn, setzte ganze 1.5m neben der Mittellinie der Landebahn auf und kam ganze 80cm vom errechneten Bremspunkt weg zum stehen.
Einen künftigen Flugauftrag gab es im Jahre 1988 für die Buran Raumfähren (2 weitere Fähren waren 1988 im Bau und drei Testmodelle standen in Moskau) noch nicht, doch wollte man den nächsten Flug 1991 mit der zweiten Fähre, welche auf den Namen Ptichka (heisst soviel wie Kleiner Vogel) gehört hätte, verwirklichen. Ptichka hätte Ende 1990 fertig sein sollen. Die dritte Fähre 1992. Ein längerfristiges Ziel, etwa 1995 oder 1996 zu verwirklichen, wäre es gewesen die Raumstation Saljut 7 aus dem All wieder auf die Erde zu bringen.
Der aufmerksame Leser hat sicher gemerkt, dass ich beim künftigen Flugauftrag alles in Futurum Exactum geschrieben habe. Tja das alles wäre zweifellos verwirklicht worden, hätte es 1989 nicht den Mauerfall und die Öffnung des Ostens gegeben. Dadurch gab es weder von Buran noch von ihrer Trägerrakete Energija einen weiteren Flug. Das Budget der sowjetischen Raumfahrtbehörde Glawkosmos wurde rigoros gekürzt. Sämtliche Programme litten darunter. Heute muss man sogar das Geld für die Raumstation MIR fast erbetteln gehen (Siehe Kapitel Saljut & MIR). Es ist daher nicht weiter verwunderlich, dass das Projekt Buran eingestellt wurde. Dies geschah offiziell am 30. Juni 1993. Das gesamte Buran-Projekt kostete bis dahin ca. 20 Mia. Rubel. Eine riesige Summe.
Doch aus welchen Gründen wollte die Sowjetunion ein eigenes Shuttle?
Sicher standen hier reine Prestigefragen im Vordergrund, denn eine wirkliche Verwendung hatte die Sowjetunion für das Shuttle nicht. Sämtliche Raumstationen waren auf klassische Systeme wie Sojus und Proton ausgelegt. Ein Buranstart kostete zudem ein Vielfaches eines Sojus- oder eines Protonstartes. Doch zurück zum Prestige. S.J.Afanasjew, Minister in der UdSSR zur Zeit Breschnews, hielt einmal fest:
"Sollten wir in der Raketentechnik und Raumfahrt jemals unterlegen erscheinen, weil die Amerikaner etwas haben, was wir nicht haben, und sollten wir das nicht aufholen können, so werden wir euch alle an die Wand stellen" (Quelle 5, S. 144)
Gemeint mit alle war das Parlament und die anderen Minister der UdSSR. Sicher ist dies ein sehr radikaler Standpunkt, dennoch spiegelt er das Denken in der Sowjetunion zur Zeit des Kalten Krieges wieder. Man musste besser sein als der Feind. Dies führte unter anderem auch zur Hochzüchtung der sowjetischen MIlitärhochseeflotte, die ja grösser war als die Militärflotten aller NATO-Länder zusammen.
In der Raumfahrt war dieser Druck des Bessersein noch grösser. Schliesslich war dies die Sparte in der die UdSSR die grössten Erfolge gegenüber den Amerikanern aufzuweisen hatten. Dass man hier nicht an Geld sparte war klar.

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