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Sophie Taeuber-Arp
* 19.1.1889 Davos GR, † 13.1.1943 Zürich-Höngg ZH. ∞ 1922 Hans Arp, Mitbegründer des Dadaismus, Schriftsteller, Maler, Bildhauer.
Aufgewachsen in dem von Textil-Heimindustrie geprägten appenzellischen Trogen. Volksschulabschluss 1904, bis 1906 Grundausbildung als Entwerferin und Zeichnerin an der Stauffacher-Schule St. Gallen. 1907–11 Hospitantin an der Zeichnungsschule des Industrie- und Gewerbemuseums in St. Gallen. 1911–14 Studien an den Lehr- und Versuchsstätten für angewandte und freie Kunst in München und 1912 an der Kunstgewerbeschule Hamburg. 1915 lernte T. Arp kennen, 1916–20 beide an der →Dada-Bewegung beteiligt, 1916 künstlerischer Ausdruckstanz bei →Rudolf von Laban und →Mary Wigman, 1917 einzelne Auftritte als Tänzerin an den Soireen in der "Galerie Dada". 1915–32 Mitglied des Schweizerischen Werkbunds, 1916–29 Lehrerin für textiles Entwerfen an der Kunstgewerbeschule Zürich (Leitung: →Alfred Altherr). Als freischaffende Künstlerin, seit 1920 hauptsächlich im Bereich bildnerisches Gestalten, Teilnahme an zahlreichen internationalen und nationalen Ausstellungen, Mitglied in mehreren Künstlergruppen. 1928–40 Wohnsitz in Meudon-Val-Fleury bei Paris, Flucht vor den deutschen Truppen, Wohnsitz in Grasse, 1942 Rückkehr in die Schweiz. Für das Theater schuf T. nur eine einzige Arbeit, die jedoch revolutionierte Sichtweise und künstlerischen Anspruch des Marionettentheaters ganz entschieden. Im Rahmen ihrer Lehrtätigkeit an der Kunstgewerbeschule in Zürich übertrug Altherr T. 1918 die Ausstattung und Inszenierung von Gozzis "König Hirsch" für das anlässlich der Schweizerischen Werkbund-Ausstellung eröffnete Marionettentheater, aus dem später das →Schweizerische Marionettentheater im Kunstgewerbemuseum der Stadt Zürich hervorging. Am 11.9.1918 fand die Uraufführung statt. Gozzis Stück lag in einer um lokalsatirische Anspielungen erweiterten, neu bearbeiteten Textfassung von →René Morax und →Werner Wolff vor, die durch karikierende Darstellungen von Persönlichkeiten aus dem Bereich der Psychoanalyse (wie Freudanalytikus und Dr. Oedipus Komplex als Zerrbilder Sigmund Freuds und C. G. Jungs) ergänzt wurde. Figuren und Dekorationen für die Inszenierung entwickelte und entwarf T.; Figurenteile drechselte →Carl Fischer. Die diesen Marionetten zu Grunde liegende Überlegung war, auf eine optisch-identische Nachbildung des menschlichen Körpers und seiner Bewegungsmöglichkeiten bewusst zu verzichten. T. griff auf die geometrischen Grundformen Kugel, Kegel und Zylinder zurück und bildete daraus die stilisierten Figuren, deren Proportionen noch das Vorbild Mensch erkennen lassen. Mit der Marionette "Wachen" aus dieser Inszenierung führte T. die Stilisierung am konsequentesten fort und visualisierte eine signifikante Eigenschaft: Inhaltlich stellen die "Wachen" sowohl die persönliche Privatarmee des Königs als auch die militärische Staatsgewalt dar; formal erscheint dies in der fünffachen Ausfertigung aller schlagkräftigen Körperteile (Beine und mit Lanzen bewaffnete Arme) sowie des Kopfes. Diese Marionette wird durch die Abstraktion zur unmenschlich-aggressiven Kampfmaschine. 1965 wurde die Inszenierung im →St. Galler Puppentheater mit den Originalfiguren gespielt; 1993 fand die zweite Rekonstruktion mit Repliken im →Zürcher Puppentheater statt.
Literatur
- Barten, Sigrid: Und alle Puppen tanzen – Die Dada-Marionetten von S. T. In: Kunst + Architektur in der Schweiz 4/1996.
Nachlass
- Die Marionetten befinden sich im Museum Bellerive in Zürich.
Autorin: Elke Krafka
Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:
Krafka, Elke: Sophie Taeuber-Arp, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1787–1788, mit Abbildung auf S. 1787.