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DER SCHWEIZER GOLDSCHMIED OTHMAR ZSCHALER IST GESTORBEN
01.05.2023 Der am 2. Oktober 1930 in Chur geborene Schweizer Goldschmied Othmar Zschaler (Bild) ist am 16. April 2023 gestorben, wie wir jetzt erfahren. Sein Atelier befand sich während vielen Jahren an der Kramgasse in Bern. Der international bekannte vielseitige Schmuckgestalter erhielt 1957, 1958 und 1959 das Eidgenössische Stipendium für angewandte Kunst und 1967 den Bayerischen Staatspreis. Im Jahr 2010 wurde Zschaler von der Bernischen Stiftung für angewandte Kunst und Gestaltung nach Hans Eichenberger (2007), Adrian Frutiger (2008) und dem Büro Destruct (2009) mit dem Berner Design Preis geehrt. Von 1977 bis 1984 war Zschaler Mitglied der Eidgenössischen Kommission für angewandte Kunst.
Bild: Othmar Zschaler - Fotos: © https://www.othmar-zschaler.ch/Zschaler/othmar_zschaler.html
Der Fachausschuss der Bernischen Stiftung für angewandte Kunst und Gestaltung ehrte den renommierten Schmuckgestalter Othmar Zschaler 2010 "für seinen exemplarischen Beitrag zur Schmuckkunst des 20. Jahrhunderts".
Othmar Zschaler galt als Pionier der modernen Schmuckgestaltung. Sein Verdienst war es, in den 1960er-Jahren mit der Schmucktradition gebrochen zu haben, in dem er die Grenzen zwischen Handwerk und freier Kunst sprengte. Er löste sich zusehends von technischen Formen und festen Kompositionsregeln und stellte abstrakte Kompositionen als Schmuckunikate her.
1957, 1958 und 1959 gewann er den Eidgenössischen Preis für angewandte Kunst. Bereits 1967 wurde er in der Laudatio zum Bayrischen Staatspreis als "Klassiker der Moderne" gelobt.
Aufgebrochene, spannungsvoll strukturierte Oberflächen sind Merkmal für Othmar Zschalers Schmuckobjekte. Er arbeitete hauptsächlich mit Gold, gelegentlich kombiniert mit anderen Materialien. Seine "Skulpturen im Kleinformat" basieren zum grossen Teil auf freien Federzeichnungen, die an sich eigenständige Werke darstellen.
1997 gab Othmar Zschaler sein Atelier und den Laden an der Kramgasse an einen Nachfolger weiter. Danach arbeitete er mit viel kreativem Feingefühl an Objekt-Assemblagen, die in ihrer "kühnen Gestaltung und der raffinierten Anwendung unterschiedlichster Materialien einmal mehr den fabulierenden Künstler in einem völlig anderen Licht erscheinen lassen" (zit. Eugen Götz-Gee. Othmar Zschaler. Objekte, 2010). Seine Werke sind in verschiedenen in- und ausländischen Sammlungen vertreten.
Quelle:
https://www.ch-cultura.ch/de/archiv/film-video-audiovisuelles/berner-design-preis-2010-fuer-othmar-zschaler
Internationale Anerkennung fand der Goldschmied mit seinen aussergewöhnlichen Schmuck-Kreationen, welche in öffentlichen Sammlungen, Museen und Galerien weit über die Landesgrenzen hinaus präsent sind
Zu erwähnen sind Ausstellungen in den Städten Amsterdam, Berlin, Bern, Jerusalem, Kyoto, Köln, Lausanne, Melbourne, München, New York, Nürnberg, Osaka, Stockholm, Tokio, Toulouse und Zürich.
Sammlerinnen und Bewunderer von Othmar Zschalers Arbeiten kennen seine Arkaden-Vitrinen, als er sein Atelier noch in Berns Kramgasse 82 hatte. Diese poetischen und phantasievollen Kompositionen aus Fundstücken, kombiniert mit Edelsteinen, rostigem Blech, Vogelfedern, Gold und Silber sowie Schädeln von Kleinsäugern oder Vögeln offenbarten seine Begeisterung und Lust, mit den unterschiedlichsten Materialien Skulpturen der besonderen Art entstehen zu lassen.
Zschaler mass der handwerklichen Arbeit grosse Bedeutung zu
Sein Schmuck ist bis ins Detail von hoher handwerklicher Perfektion. Die Konstruktionen sind meist von verblüffender Einfachheit. Die Breite des handwerklichen Fundamentes zeigt sich in der Vielfalt der angewandten Techniken und der stark variierten Oberflächenbehandlung, die nie zum Vorwand werden, sondern stets die Forderungen des Entwurfes berücksichtigen.
Er treibt das Blech, sticht und meisselt im Block, montiert ebene Bleche, giesst Einzelteile, bearbeitet bis zum Schmelzpunkt erhitzte Platten, giesst schliesslich nach dem Verfahren der Cire perdue ganze Stücke. Die Oberfläche wird poliert, mattiert, erhält mechanisch angebrachte Strukturen und wird nach einem von Zschaler entwickelten Verfahren behandelt, das eine dem Sinn des Granulierens entsprechende Struktur bringt.
Seine Ringe, Spangen, Anhänger, Broschen, Halsschmuckstücke und Ohrgehänge sind immer tragbar. Der formschöpferische Wille führt zu keiner Zweckentfremdung und zu keiner Vernachlässigung der Eigenkriterien des Schmuckes. Format und optische Gewichtigkeit sind dem Träger angemessen. Die Schmuckwirkung ist doppelt, umfasst Fern- und Nahwirkung. Die Materialien sind ihren Eigenheiten entsprechend verarbeitet. Othmar Zschaler betreibt meisterhaft das klassische Handwerk des Goldschmieds.
André Kamber, 1967
https://www.e-periodica.ch/cntmng?pid=wbw-002%3A1967%3A54%3A%3A2812
Bei ihm ist alles Gold, was glänzt
Der Goldschmied Othmar Zschaler hat international Massstäbe gesetzt: als Bildhauer im Kleinen. Dafür hat er – späte Ehre – den Berner Designpreis erhalten.
Sarah Pfister, 2010
https://www.derbund.ch/bei-ihm-ist-alles-gold-was-glaenzt-277710406211
Othmar Zschaler galt weitherum als Pionier der modernen Goldschmiedekunst
Ende der 1960er-Jahre brach er unter dem Einfluss Henry Moores und des Bauhauses mit den formalen Traditionen seines Handwerks und begann wahre "Skulpturen im Kleinformat" zu schaffen. Aufgebrochene, spannungsvoll strukturierte Oberflächen wurden zum Merkmal von Othmar Zschalers Schmuckobjekten. Seine Unikate sind mittlerweile in namhaften Sammlungen im In- und Ausland vertreten. Zschaler ist auch der Schöpfer des Berner Universitätssiegels.
Burgergemeine Bern, 2014
https://www.bgbern.ch/service/medien/medienmitteilungen/grosse-verdienste-um-berns-kultur-2014-externe-burgerliche-medaille-2014
Mehr:
https://bernerzeitung.sich-erinnern.ch/traueranzeige/othmar-zschaler
https://www.othmar-zschaler.ch/Zschaler/portrait.html
http://www.bernerdesignstiftung.ch/designer/othmar-zschaler/
http://www.artnet.de/k%C3%BCnstler/othmar-zschaler/
Fotos: © Othmar Zschaler, https://www.othmar-zschaler.ch/Zschaler/othmar_zschaler.html