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In meiner Lese- und Forschungstätigkeit stosse ich immer wieder auf Vertreter der Analytischen Theologie oder Theologen, die innerhalb dieser Schule studiert haben. Einer ihrer Hauptvertreter, Oliver D. Crisp, stellt sich im Aufsatz “Analytic Theology as Systematic Theology” einigen kritischen Anfragen.
Zur Definition eines Gründervaters der Analytischen Theologie: «Analytische Theologie ist … systematische Theologie, die sich die Fähigkeiten, Mittel und Tugenden der analytischen Philosophie zunutze macht. Es ist die Darstellung der zentralen Themen der christlichen Lehre, beleuchtet durch die besten Einsichten der analytischen Philosophie.» (William Abraham)
Zum Anspruch: «Analytische Theologie – als Theologie – sollte (um es mit John Webster zu sagen) “theologische Theologie” sein. Sie sollte sich auf die Heilige Schrift stützen, sich an der christlichen Tradition orientieren und auf die potenziellen und dringenden Herausforderungen achten, vor denen das Volk Gottes in der Welt steht. Aber das ist noch nicht alles: Die analytische Theologie sollte sich an ihrem eigentlichen Ziel orientieren, und die analytischen Theologen sollten auf den richtigen Ansatz und die richtige Haltung der Theologie bedacht sein.» (Thomas McCall)
Kritische Fragestellung: Sind die Ergebnisse wirklich Theologie? Ist AT tatsächlich systematische Theologie, oder ist es etwas anderes? (Dahinter steht) die Sorge, dass AT in Wirklichkeit ein Wolf im Schafspelz ist, d.h. Philosophie, die vorgibt, Theologie zu sein.
Oliver Crisp kommt zum Schluss:
AT (ist) eine intellektuelle Kultur, die sich mit der ST überschneidet und die bei der Verfolgung der ST bestimmten Texten, Figuren, Ideen und intellektuellen Tugenden Aufmerksamkeit schenkt. Sie erfüllt die Schwellenanforderung der gemeinsamen Aufgabe (shared task), so dass wir von AT sagen können, dass seine Praktiker ein Engagement für ein intellektuelles Unterfangen zeigen, das die Ausformulierung des begrifflichen Inhalts der christlichen Tradition beinhaltet (auch wenn es nicht unbedingt dazu gehört – mit der Erwartung, dass dies normalerweise von einer Position innerhalb dieser Tradition aus geschieht, also als Anhänger dieser Tradition). Dabei werden bestimmte religiöse Texte, die Teil der christlichen Tradition sind, einschließlich der Heiligen Schrift, sowie die menschliche Vernunft, Reflexion und Praxis (insbesondere religiöse Praktiken) als Quellen für theologische Urteile verwendet. Ihre besondere Herangehensweise an die ST hat viel mit der historischen Theologie, insbesondere der scholastischen Theologie, gemeinsam(obwohl wir diese Beziehung hier nicht im Detail untersucht haben). Wie Dogmatiker, die an “theologischer Theologie” interessiert sind, kann sie in einer Weise praktiziert werden, die die christliche Tradition und den Platz der Heiligen Schrift als überragende (pre-eminent) Norm der christlichen Lehre ernst nimmt. … AT (ist) als ST im besten Fall eine Art, ST zu betreiben, die die Werkzeuge und Methoden der zeitgenössischen analytischen Philosophie für die Zwecke einer konstruktiven christlichen Theologie nutzt und dabei die christliche Tradition und die Entwicklung der Lehre beachtet.
Im Podcast “Analytic Theology, Bavinck and Retrieval” (55 Minuten) geht Crisp auf eine weitere Frage ein.
Ist die AT ausreichend mit Exegese und biblischer Theologie verzahnt? Das heisst, bemüht sie sich nach Kräften um einen induktiven Weg aus den biblischen Texten heraus zu Schlussfolgerungen zu gelangen und diese dann darzustellen? Oder werden zu viele Vorannahmen und Kategorien in den Text hineingetragen?
Crisp unterscheidet in dieser Antwort zwischen dem Einsatz der AT schlechthin und einigen Akteuren innerhalb dieser Tradition, die von einem theistischen Personalismus ausgehen, also davon, dass Gott die Perfektion guter menschlicher Eigenschaften darstellen. Crisp geht von dem Bedarf einer eingehenden Auseinandersetzung von analytischen mit Theologen in den Fachgebieten der biblischen Theologie und Exegese aus. Es sei jedoch keine methodologische Voraussetzung.