Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03237.jsonl.gz/487

Für Tao Geoghegan Hart war beim Giro-Auftakt vor drei Wochen auf Sizilien lediglich die Rolle des Helfers vorgesehen. Der in London geborene Schotte sollte im Team Ineos Grenadiers primär seinen Landsmann Geraint Thomas unterstützen, der als erster Anwärter auf den Gesamtsieg galt. Als weitere Favoriten wurden Simon Yates, Jakob Fuglsang oder Vincenzo Nibali genannt, aber bestimmt nicht Geoghegan Hart.
Von seinem enttäuschenden 126. Rang im Auftaktzeitfahren nach Palermo nahm deshalb kaum jemand Notiz. Als zwei Tage später in der 3. Etappe zum Ätna eine Sturzverletzung Thomas zur Aufgabe zwang, musste der britische Rennstall über die Bücher. Zu diesem Zeitpunkt lag Geoghegan Hart als 24. des Gesamtklassements 3:12 Minuten hinter Leader Joao Almeida zurück.
Junge Generation trumpft gross auf
Während der 22-jährige Portugiese die Maglia rosa 15 Tage lang erfolgreich verteidigte, arbeitete sich der Mann mit dem Namen, mit dessen Aussprache sich manch Kommentator schwer tut, in der Gesamtwertung stetig nach vorne. Geoghegan Hart lieferte sich in den Bergen mit dem ebenfalls erst 24-jährigen Australier Jai Hindley ein hochklassigen Duell zweier Aussenseiter und gewann die 15. und 20. Etappe.
Letztlich vollbrachte Geoghegan Hart im abschliessenden Zeitfahren in Mailand das gleiche Kunststück wie 2012 der Kanadier Ryder Hesjedal und 2017 der Niederländer Tom Dumoulin, die am letzten Giro-Tag ebenfalls einen Konkurrenten im Kampf um den Gesamtsieg noch abfingen.
Auf den Spuren von Wiggins, Froome und Thomas
Erstmals hatte Geoghegan Hart, der sich in seiner Kindheit als Schwimmer und Fussballer versuchte bevor er schliesslich zum Radsport fand, im April des letzten Jahres an der gut besetzten Tour of the Alps für Aufsehen gesorgt, als er die 1. und 4. Etappe für sich entschied und dabei unter anderen Chris Froome oder Vincenzo Nibali hinter sich liess. Auf Stufe World Tour war der Brite, der 2018 mit der Vuelta seine erste grosse Rundfahrt bestritt, bis vor einer Woche noch ohne Sieg dagestanden.
Nun stellte Ineos Grenadiers (vormals Sky) dank ihm zum elften Mal den Gewinner einer Grand Tour. Als Teil der jungen Radfahrer-Generation tritt Geoghegan Hart dabei in die Fussstapfen eines Bradley Wiggins‹, Chris Froomes oder Geraint Thomas›.