Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03239.jsonl.gz/1386

Die vergangenen drei Jahrzehnte waren geprägt von Raubtier-Kapitalismus, internationalen Schuldenkrisen, enttäuschten sozialen Hoffnungen, Hungerkatastrophen und Kriegen, die im Namen der neuen Weltordnung geführt wurden. Der Kontrast zur Vision einer digitalen Welt ohne Grenzen, die Zugang zu enzyklopädischen Wissensbeständen bietet, neue Chancen für demokratische Transparenz ermöglicht und eine global vernetzte Zivilgesellschaft befördert, ist gross. Was für den Hype um die Digitalisierung, die neuen Medien und enthusiastisch gefeierte grosstechnische Projekte gilt, lässt sich auch für andere Ereignisse und Entwicklungen feststellen: das Ende des Kalten Kriegs, die Pluralisierung der Lebensstile, die ökonomische Liberalisierung mit entfesseltem Finanzkapitalismus, Globalisierungsgewinne und dramatische Kostensenkungen in Verkehr und Logistik. Die Jahre zwischen 1980 und dem ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts werden mit unterschiedlichen und teilweise widersprüchlichen Narrativen verbunden, die sich weder mit dem Krisenbegriff noch mit optimistischeren Narrativen erschöpfend beschreiben lassen.
Im Anschluss an die Tagung The Good Years vom Juni 2015 auf dem Monte Verità fragt das Projekt nach den Konfigurationen und Rekonfigurationen, die seit 1980 wirksam wurden. Zum von Daniel T. Rodgers beschriebenen "Age of Fracture" gehören nicht nur die Bruchstücke, sondern auch neue Zusammenstellungsmöglichkeiten, die wir mit dem Bild der (Re-)Konfiguration zu fassen versuchen: Kleinteiligere und dezentrale, situative Ordnungs- und Organisationsformen, die seit 1980 in sehr unterschiedlichen Feldern wirksam wurden.