Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03641.jsonl.gz/2083

Zum Abschluss meiner Australien-Reise wollte ich nochmal etwas ganz spezielles machen. Natürlich musste es etwas mit Tauchen zu tun haben. Da ich sowieso schon an der West-Küste war, suchte ich mir die besten Tauch-Spots heraus: Albany und Exmouth. Ich habe mir den Luxus gegönnt, diese beiden Dörfer per Flugzeug zu besuchen. Die Reise mit dem Bus von Perth nach Exmouth dauert satte 19 Stunden (ein Weg) und darauf konnte ich gut und gerne verzichten. Ausserdem ist das Flug-Ticket nicht viel teurer als das Bus-Ticket.
Albany, 4. – 8. März 2006
Albany liegt im südlichsten Teil von Western Australia. Es ist ein kleines Städtchen mit einem riesigen Walfang-Museum, imposanten Klippen und zahlreichen Nationalparks. Ausserdem gibt es zwei Schiff-Wracks ganz in der Nähe.
Die lokalen Tauch-Schulen haben zusammen mit der Stadt einen immensen Aufwand betrieben, damit die beiden Schiffe HMAS Perth und Cheynes III als künstliche Riffe und Tauch-Attraktion versenkt werden konnten.
Ich habe mich für einen Wrack-Tauch-Kurs eingeschrieben, der vier Tauchgänge vorsah, jeweils zwei an jedem Wrack. Es war ein guter Kurs, obwohl ich mich mit dem Instructor nicht wirklich gut verstand. Einer seiner ersten Sätze war: “And you call yourself a dive master!”, da war er schon bei mir durch und in diesem Stil ging es in etwa weiter. Ich war nicht traurig seine Tausch-Schule wieder zu verlassen.
Cheynes III
Dieses gut 50 m lange Schiff wurde 1947 vom Stapel gelassen. Es diente in der Region um Albany als Walfang-Boot. Als in den 70er Jahren der Widerstand gegen den Walfang immer stärker wurde und die Wal-Produkte kaum noch Absatz fanden, entschieden die Walfänger von Albany ihr Business einzustellen. Und so verlor auch die Cheynes III ihre Aufgabe.
1982 wurde das Schiff in der Nähe vom Hafen im Schutz einer kleinen Insel als künstliches Riff und Tauch-Attraktion in einer Wassertiefe von etwa 23 m versenkt. Leider war die Explosion beim Versenken so stark, dass das Schiff in zwei Teile brach. Heute ist das Schiff am Zerfallen und es ist zu gefährlich in das Wrack einzudringen. Nichtsdestotrotz ist es ein schöner Tauchgang, denn das Wrack ist komplett mit Weich-Korallen, Anemonen und Schwämmen überwachsen.
HMAS Perth
Die HMAS Perth wurde 1965 vom Stapel gelassen. Die Australische Marine bestellten in den USA drei Schiffe dieser Klasse, die Hobart, die Brisbane und eben die Perth. Die Schiffe sind 133 m lang, 18 m breit, 46 m hoch und haben eine Tonnage von 4’720 Tonnen. Die Besatzung bestand aus 21 Offiziere und 312 Matrosen. Obwohl die Hauptaufgabe der Perth der Schutz des Luftraumes war, war sie auch mit Raketen-Werfer, Kanonen und Torpedos bewaffnet. In den 60er und 70er Jahren diente die Perth im Vietnam-Krieg.
1999 wurde das Schiff ausser Dienst gestellt und dem Staat Western Australia übergeben. Dieser beschloss das Schiff als künstlicher Riff zu versenken. 2001 war es endlich soweit. Das Schiff wurde unweit vom Hafen in einer Wassertiefe von etwa 35 m versenkt.
Obwohl die Sicht an diesem Tag ziemlich schlecht war, war es sehr eindrücklich an diesem grossen Schiff zu tauchen. Es wurde speziell für Taucher hergerichtet, so dass man an zahlreichen Stellen durch das Schiff hindurch tauchen kann. Es war schon lustig die alten Toiletten, die Betten, die Computer-Konsolen und Stühle zu sehen.
Beim zweiten Tauchgang an diesem Schiff und im Rahmen meines Kurses wirbelte der Instructor den Schlamm am Boden auf und innert weniger Sekunden war es stockdunkel. Ich konnte weder die Hand vor meinem Gesicht noch der Kegel meiner Taschenlampe sehen. Zum Glück hatte ich ein Seil ausgelegt und konnte nun diesem nach draussen folgen. Es ist schon ein ziemlicher Nerven-Krieg, wenn man taucht, nichts sieht und weiss, dass man eingeschlossen ist. Aber bis auf das Detail, dass sich das Seil in meiner Rolle verheddert hat, meisterte ich die Aufgabe zur Zufriedenheit meines Instructors.
Weitere Informationen, Webcam (über und unter Wasser) sowie viele Bilder siehe: hmasperth.com.au
Exmouth, 8. – 13. März 2006
Als ich in Learmouth aus dem Flugzeug stieg, wusste ich, es würden heisse fünf Tage in Exmouth werden. Ich freute mich darauf nochmals richtig Wärme oder besser Hitze zu tanke bevor es nach Hause ging.
Ein Shuttle-Bus brachte mich vom Flughafen zum Backpackers und meine erste Handlung nach dem Einchecken im Hostel war das Einchecken in der Tauchschule. Nachdem ich schon in Cairns gelernt hatte, dass ich viel zu früh in Exmouth sein würde, um die Walhaie zu sehen, musste ich jetzt weitere Enttäuschungen hinnehmen. Die Tauchschule hatte vor kurzem die Lizenz verloren um am wohl bekannten Navy Pier zu tauchen. Bei meiner Anmeldung hat mir das niemand gesagt und ich war ganz schön enttäuscht. Zählt dieser Tauch-Spot doch zu den Top 10 in der Welt.
Ich habe mich aber noch für einen Unterwasser-Fotografie-Kurs angemeldet. Dieser fand sogar statt und es hat mir wirklich viel Spass gemacht (Die Fotos findet Ihr natürlich in der Gallery).
Ningaloo Reef
Das Riff war an den meisten Stellen, an denen wir getaucht haben, ganz anders als das Riff in Cairns. Was sofort auffiel, war die schlechte Sicht. Etwa 10 – 15 m. Aber gerade dieses trübe Wasser voller Plankton ist dafür verantwortlich, dass dieses Riff jedes Jahr zwischen April und Juli von Walhaien besucht wird und das Mantas fast immer gesehen werden können.
Was als zweites auffällt, ist die unglaubliche Anzahl und Vielfalt von Fischen und anderen Lebewesen wie Seesterne und Schnecken. Manchmal schwamm man förmlich durch Fisch-Suppe. Es erinnerte mich ganz an das Tauchen an der SS Yongala.
Die dritte Überraschung ist dann das beinahe komplette Fehlen von Korallen an vielen Tauch-Platzen. Ab und zu erhebt sich eine kleine Hirn- oder Pilz-Koralle, aber die meisten Strukturen sind tot. Gut, das stimmt nicht für alle Plätze. Am letzten Tag besuchte ich die Muiron Island, die etwa eine Stunde von Exmouth entfernt ist. Hier gibt es jedem Menge und auch riesige Korallen, dafür gibt es viel weniger Fische.
Es war auf jeden Fall nochmals ein tolles Erlebnis am Ningaloo Reef zu tauchen und ein würdiger Abschluss für meine Australien-Reise.
Im Moment bin ich auf dem Weg von Exmouth nach Perth. Dieser Flug markiert den Anfang meiner Heimreise. Einer sehr langen Heimreise. Morgen verbringe ich noch einem Tag in Perth, übermorgen fliege ich nach Cairns und den Tag darauf zurück in die Schweiz. Ich sollte also, wenn alles glatt läuft, am 17. März zurück sein.
Dieser Reisebericht ist somit wohl der letzte. Auf jeden Fall der letzte, den ich in Australien geschrieben habe. Je nach Lust und Laune und natürlich Ereignisse beim Heimflug schreibe ich Euch noch einmal wenn ich irgendwo zwischen Sibirien und dem Ural bin.