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Projekte können aus einer Anzahl exakt definierter Vorgänge bestehen, die allenfalls ein wenig von der geplanten Dauer abweichen. Andere Projekte bestehen aber hauptsächlich aus unvorhergesehenen Tasks. Der geplante Anteil ist in der Minderheit oder während der Projektdurchführung obsolet geworden. Jedes Projekt hat beide Anteile in verschiedenem Mischungsverhältnis. In der Abbildung sind zwei Projektprofile eingezeichnet. Projekt 1 enthält keinen nennenswerten Anteil unvorhergesehener Vorkommnisse. Höchstens, dass einige geplante Vorgänge unerwarteterweise länger dauern, als angenommen. Projekt 2 besteht dafür hauptsächlich aus unerwarteten Anteilen. Fast nichts läuft in Projekt 2 wie geplant ab.
Ich habe es ausschliesslich mit Projekten zu tun, die das Profil von Projekt 2 aufweisen. Das führt mich zu folgenden Überzeugungen:
- Ein Projekt hat zum Ziel, die Komplexität der Umgebung zu erhöhen
- Ein Projekt generiert Entropie (Unbestimmtheit), die exportiert werden muss
- Ein Projekt ist eine lernende Organisation, die Information und Wissen verarbeitet
- Projekte entwickeln sich inkrementell (nach dem Motto: „Mal schau’n“)
- Alles Leben findet in Projekten statt
Vielleicht muss ich 1) noch kurz erläutern: Ein Projekt hat zum Ziel, etwas Neues zu bauen. Es fügt also eine neue Komponente in die sonst schon komplexe Umwelt. Jede neue Komponente erhöht z.B. die Anzahl Schnittstellen, über die die Komponenten dieser Umgebung interagieren. Daher hat die Komplexität zugenommen. Es ist die vornehmste Aufgabe eines Projekts, die Welt ein wenig komplexer zu machen.1.
Was folgt aus den Grundsätzen? Aus 2) und 4) folgt beispielsweise, dass es in einem Projekt keine Phasen gibt; vielmehr können die gerade ablaufenden Vorgänge einer Periode höchstens schemenhaft klassifiziert werden. Beispielsweise kann gesagt werden, dass im Moment vorwiegend technisch-handwerklich gearbeitet wird oder dass im Moment vorwiegend konzeptionelle Arbeiten stattfinden, etc.
1 Addor, Peter. Projektdynamik – Komplexität im Alltag. Reinhold Liebig Verlag. Frauenfled 2010. S. 86