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Gebiet, da von der Jungfrau an die Kantonsgrenze über die Fiescherhörner (4049 m) zum Oberaarhorn zieht, das stolz über dem zum Rhonethal sich senkenden Steilgehänge emporragt. Dieser Berghang hat auf seiner ganzen Länge von dem Ausgang der Schlucht der Lonza bei Gampel bis zur Furka das selbe Aussehen. Unzählige Runsen durchschneiden ihn im Sinne des stärksten Gefälles, so dass scharfe und schmale Felskämme gleich den Zähnen eines Kammes herausmodelliert werden.
Die wichtigsten dieser ziemlich steil geböschten Erosionsrinnen sind das Bietschthal, das Baltschiederthal, das Gredetschthal und die Schlucht der Massa, eine geologisch junge Bildung, da der Aletschgletscher sich ursprünglich ohne Zweifel über Platten und Naters zum Rhonethal hin entwässerte. Weiter ostwärts folgen das Fiescherthal, Bieligerthal, Bächithal, Münsterthal, Trützithal, Niederthal, Oberthal, Kühthal und dann eine ganze Reihe kleiner Runsen bis zur Rhonethalenge von Oberwald nach Gletsch, wo sich einerseits der Grimselpass (2164 m) und andrerseits der Furkapass (2436 m) öffnen. Zwischen beiden Pässen liegt das Thal des Rhonegletschers mit den Gerstenhörnern (3186 m), dem Thierälplistock (3406 m), dem Dammastock (3633 m) und dem Galenstock (3597 m) als Rahmen.
b) Die Alpen südl. des Rhonethales (Walliseralpen)
bestehen aus vier sehr ungleichwertigen Teilen. Das Walliser Chablais umfasst die Grenzkette, welche Frankreich von der Schweiz trennt und sich vom Genfersee bei Saint Gingolph zum Col de Coux ob Champéry hinzieht. Die Höhe der Gipfel erreicht nirgends 2500 m. An diesen Hauptkamm schliessen sich zahlreiche Seitenkämme an, was daher rührt, dass die Gebirgsfalten quer stehen zu den beiden grossen Erosionsthälern, dem Rhonethal und dem Einschnitt der Dranse, welche die Kette aus dem ganzen Gebirgskörper herausmodelliert haben.
Man findet hier der Reihe nach folgende Kämme und Thäler: den Grammont (2178 m), das Thälchen von Tanay, die Cornettes de Bise (2436 m), den Col de Vernaz (1820 m), die Pointe d'Arvouin und den Col d'Arvouin, den Pic de Linleux (2099 m), den Col d'Outanne, die Rochers de Conches und den Col de Conches, den Col de Recon (1736 m), den Col de Croix (1806 m), die Tour de Don (2001 m), die Portes d'Onnaz und Pointe d'Onnaz, den Col du Golliet, die Pointes de Bellevue (2045 m) und den Bec du Corbeau (1995 m). Die beiden letzten Gipfel beherrschen einerseits das Val d'Illiez und andrerseits den Col de Morgins (1411 m) über dem durch den Alpweidenrücken von L'Haut vom Val d'Illiez getrennten Thal von Morgins.
Der die Landesgrenze bildende Kamm vom Col de Morgins zum Col de Coux (1925 m) zeigt eine Reihe von Gipfeln zwischen 2200 und 2300 m Höhe. Es sind: der Kamm von Lingéa, die Tête du Géant (2236 m), die Pointe de Cornebois (2207 m) und die Pointe de Chésery. Diese liegt vor dem Col de Chésery in der Nähe der Stelle, wo das Thal von Morgins über die Portes de Cholet (Portes du Soleil) und den Lac Vert mit dem Thal von Champéry in Verbindung steht. Dieses letztere trennt das Gebiet der Voralpen des Chablais von der Kette der Dents du Midi, welche bereits den Hochalpen angehört. Seine sanften Hänge sind in ihrem untern Teil mit Wiesen und Aeckern, in der mittlern Region mit Wald und im obersten Abschnitt beiderseits mit grossen Alpweiden bedeckt, zu denen im S. die Steilwände der Dents du Midi abbrechen.
Die Gruppe der Dents du Midi und der Tours Saillères umfasst denjenigen Teil der hohen Kalkalpen, welchen einerseits das Rhonethal und andrerseits die französische Grenze aus der Kette der sog. Berneralpen herausschneiden. In der Tat weiss man, dass die kurze Kette der Dent de Morcles in allen Beziehungen der Gruppe der Dents du Midi entspricht und das dazwischen eingesenkte Rhonethal ausschliesslich fluviatiler und glazialer Erosion seine Entstehung verdankt.
Zunächst haben wir die sehr steile Mauer der Dents du Midi mit ihren 7 Spitzen zu unterscheiden, deren beide Eckpunkte, die Cime de l'Est (3180 m) und die Haute Cime (3261 m), schöne Beispiele atmosphärischer Erosion und Verwitterung sind. Die Klus des Pas d'Ancel trennt den Kamm der Dents du Midi vom Grat von Bonnavaux, welcher sich gegenüber der Tête de Bossetan (2407 m) mit den Dents Blanches (2764 m) verbindet. Im S. dieser hohen Mauer ist das Thälchen der Clusanfe mit dem Pass gleichen Namens eingesenkt. Letzterer verbindet es mit dem Alpkessel von Salanfe, indem er die Jurakalkmasse der Tours Saillères (3222 m) und des Mont Ruan (3067 m) umgeht, die sich bis zum Pic de Tanneverge (2990 m) fortsetzt. Südostwärts lässt sie sich über den Col de Tanneverge und die Pointe de la Finive noch bis zum Cheval Blanc (2834 m) verfolgen, worauf sie das schweizerische Gebiet endgiltig verlässt.
Die dritte Gruppe ist diejenige der Aiguilles Rouges und des Trient. Das Massiv der Aiguilles Rouges taucht aus dem Sedimentmantel im SO. der Kalkmasse hervor, die am Col du Vieux, Col de Barberine, Col d'Émaney und Col du Jorat mit den kristallinen Gesteinen in Kontakt tritt. Diese Pässe bilden die Verbindung zwischen den Thälern der Eau Noire, der Barberine, des Triège, der Salanfe und der Rhone. So erscheint das kristalline Massiv der Aiguilles Rouges in eine Reihe von einzelnen Bergstöcken zerschnitten, deren höchster der Luisin (2789 m) ob Salanfe ist, während die Pyramide des Salantin (2485 m) das tief eingeschnittene Rhonethal beherrscht.
Vom Mont d'Arpille (2089 m) trennt der Trientfluss den Gipfel der Croix de Fer (2347 m) ab, der eine Kappe von jurassischem und karbonischem Gestein trägt. Das selbe Kalkband schaltet sich längs des Passes von La Forclaz und der Tiefenlinie von Martigny Combe zwischen den Gneis von Arpille und das Trientmassiv ein. Längs der schweizerischen Grenze misst die Breite dieses letztern nahezu 16 km. Es erreicht auf dieser Linie in der Aiguille d'Argentière (3905 m) seine grösste Höhe auf Schweizerboden.
Mehrere bedeutende Gletscher strahlen von diesem Punkt aus; so u. a. der Trient- und der Saleinazgletscher, zwischen denen sich die Pointe d'Orny (3277 m) erhebt. Die Quereinschnitte des Thales von Champex und des Dransethales trennen vom Trientmassiv den Mont Catogne (2600 m) einerseits und den Mont Chemin andrerseits ab. Es ergibt sich eine strahlenförmige Anordnung der Erosionsfurchen rund um das Massiv. Längs des Val Ferret sind sie von W. nach O. gerichtet, um dann gegen NO. abzubiegen. Die wichtigsten solcher Furchen sind diejenigen von La Neuvaz, Saleinaz, Orny, Arpette und La Gura. Die Mulde von Champex ist wahrscheinlich ein verlassenes Stück des Thales der Dranse d'Entremont. ¶
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Letztere wurde von Orsières an zur Dranse de Bagnes abgelenkt durch die Eröffnung des Durchganges Orsières-Sembrancher infolge glazialer Erosion, die in dem weichen und schiefrigen Gestein leichte Arbeit hatte. Das Val Ferret folgt genau der Grenze zwischen den kristallinen Gesteinen des Mont Blanc-Trientmassives und den Sedimenten (Glanzschiefern und Jurakalken) vor der Gneiszone des Grossen St. Bernhard. Es steht mit dem Thal von Courmayeur durch drei Pässe in Verbindung: den Petit Col Ferret oder Col du Chantonnet (2493 m), den Grand Col Ferret (2536 m) und den Col du Ban d'Array (2695 m). Der Col de Fenêtre (2699 m) mit seinen reizenden kleinen Seen verbindet das Ferretthal mit dem italienischen Thal und mit dem Pass des Grossen St. Bernhard. Im O. des Ferretthales beginnt die Region der südl. Walliseralpen, deren Felsgerüst von einer Folge von Deckfalten gebildet wird, die abwechselnd aus Gneisen (Gewölbedecken) und aus mesozoischen (triadischen und jurassischen) Gesteinen (Muldendecken) bestehen.
Aus diesem Grund ist der allgemeine Charakter des Gebietes ein ganz andrer als derjenige der kristallinen Massive, welche wir eben beschrieben haben. Die petrographisch ungleichmässige Zusammensetzung mit ihrer beständigen Wechsellagerung von Gneis- und kalkigschiefrigen Schichten hat der Erosion ihre Arbeit sehr leicht gemacht. So ist dieser Abschnitt der S.-Flanke des Rhonethales von sehr langen und tiefen Seitenthälern durchfurcht, in welche wieder zahlreiche weitere Thäler, Thälchen und Runsen dritter Ordnung einmünden. Mit Ausnahme des untern Dransethales, welches bei seinem Durchbruch zwischen dem Mont Chemin und dem Catogne eine Ablenkung erfährt, zeigen alle Seitenthäler, welche zwischen Martinach und Brig in das Rhonethal münden, einen dazu fast senkrecht gerichteten Verlauf.
Es ist merkwürdig, dass die Dranse bei Sembrancher und Le Châble eine derartige Ablenkung erfährt, statt in der Richtung des Col du Len in gerader Linie das Rhonethal zu erreichen. Kein Fingerzeig deutet darauf hin, dass dies letztere je der Fall gewesen. Weder der Bach von Isérables noch derjenige von Saxon können als ihres Oberlaufes beraubte frühere Laufstrecken der Dranse angesehen werden. Man muss deshalb annehmen, dass der eigentümliche Verlauf dieses Flusses der ursprüngliche war, mit Ausnahme freilich der Ablenkung der Dranse von Entremont, die früher zusammen mit der Dranse von Ferret durch das Val Champex floss.
Das hohe Bergland zwischen den drei Zweigen des Thales der Dranse bildet das Massiv des Mont Combin, dessen höchster Gipfel, der Grand Combin, 4317 m erreicht. Der Mont Velan und der Mont Avril als Eckstöcke des wasserscheidenden Kammes haben eine Höhe von 3765 m, bezw. 3341 m. Westl. des erstgenannten findet sich der Pass des Grossen St. Bernhard (2472 m) und ferner der Col de Fenêtre de Durand oder Col de Balme (2786 m) hinten über der Vallée de Bagnes. Die schönsten Gletscher des Gebietes sind diejenigen von Corbassière und des Mont Durand.
Die beiden Thäler von Bagnes und Hérens (Eringerthal) haben aus den südl. Wallisermassiven eine Berggruppe herausgeschnitten, deren höchster Punkt der Mont Blanc de Cheillon (3871 m) ist. Von ihr fliessen weite Eisfelder nach allen Richtungen herab, beherrscht von zahlreichen Gipfeln geringerer Höhe, wie dem Pigne d'Arolla (3801 m), der Gabbropyramide des Mont Collon (3644 m) und dem Grenzkamm zwischen der Schweiz und Italien, der vom Mont Gelé (3517 m) zur Dent d'Hérens (4180 m) reicht. Diese ganze Hochregion besteht aus Arollagneis, als dessen Grundlage in den drei nordwärts ziehenden Thälern die sedimentären Kalke und Schiefer in grosser Mächtigkeit zum Vorschein kommen.
Am Massiv des Mont Blanc de Cheillon vereinigen sich drei sekundäre Kämme, welche von dem grossen Thal der Dranse de Bagnes und denjenigen von Nendaz, Hérens und Hérémence herausmodelliert worden sind. Der erste dieser Kämme folgt der Richtung der Vallée de Bagnes. Zwischen dem Mont Pleureur (3706 m) und der Rosa Blanche (3348 m) ist er von S. nach N. gerichtet, um dann vom Mont Fort (3330 m) an deutlich nach NO. abzubiegen. Gleichzeitig sehen wir seine Höhe bedeutend abnehmen; am Mont Gelé beträgt sie nur noch 3028 m und an der von Quarzit gebildeten Spitze der «Tête» noch 2419 m. Hier wendet sich der Kamm westwärts und trägt noch als Gipfel die Pierre à Voir (2476 m), den Roc de Vence (1817 m) und den Mont Chemin (1449 m), zwischen welchen die verhältnismässig wenig begangenen Pässe Croix de Coeur (2182 m), Col du Len (1660 m), Col du Tronc (1617 m) und Col des Planches (1440 m) eingesenkt sind, welche alle das Dransethal mit dem Rhonethal verbinden.
Die beiden Kämme, welche sich zwischen die Thäler von Nendaz und Hérens einschalten, haben dagegen deutlich S.-N.-Richtung. Vom Mont Fort (3330 m), der mit seinen Hängegletschern das Thal von Nendaz beherrscht, lösen sich die zwei Kämme der Dent de Nendaz (2467 m) und des Bec de la Montau (2932 m) ab, an deren Fuss sich mit Weiden und Wäldern bedeckte Gelände ausbreiten. Die beiden Arme des Eringerthales sind fast symmetrisch in die Gneismasse der Zone des Grossen St. Bernhard eingegraben, welche der Trias und den karbonischen Sedimenten längs des Rhonethales aufliegt.
Die durch den Pic d'Arzinol (3002 m) und die aus Gabbro aufgebaute Pointe de Vouasson (3496 m) voneinander getrennten beiden obern Thalarme verzweigen sich ihrerseits wieder und leiten die Schmelzwasser der beiden Gletscher oder Gletschergruppen am Arollamassiv ab. Während der Otemmagletscher, der wichtigste der Region, einer Muldenumbiegung der Gneisdecke folgt und seine Wasser gleich dem durch periodische Eisabstürze über die Felswand bekannt gewordenen Giétrozgletscher zum Bagnesthal hinuntersendet, sehen wir alle andern Gletscher des Massives sich nach N. richten und mit ihren Schmelzwassern die Borgne speisen. Es sind dies der Lendarey-, der Durand- oder Cheillon- und der Arollagletscher, sowie auf der andern Seite des Gneisstockes der Dent de Perroc (3680 m) die Zwillingsgletscher des Mont Miné und von Ferpècle.
Das Eifischthal (Val d'Anniviers) zeigt in seiner Struktur eine gewisse Analogie mit den Thälern von Hérens und Hérémence. Es teilt sich in der selben Weise in zwei gleichwertige Zweige: das Thal von Moiry, welches die Wasser des gleichnamigen Gletschers erhält, und dasjenige von Zinal, das von den Wassern des Doppelgletschers Glacier de Durand (oder Glacier de Zinal) und Glacier de Moming gespiesen wird, welcher eine ähnliche Disposition zeigt wie der Zwillingsgletscher des Mont Miné und von Ferpècle im O.-Arm des Eringerthales. Es zeigt sich zwar zwischen den beiden Zweigen ¶