Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03588.jsonl.gz/2146

«Sich wiederholt entschuldigen»
«Das Geschichtsverständnis ist eine wichtige Angelegenheit und ich glaube, dass es wichtig ist, dass Japan sich anständig entschuldigt.» Diese unmissverständliche Haltung zum historischen Umgang mit dem Zweiten Weltkrieg äusserte der japanische Kultschriftsteller Haruki Murakami in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Kyodo News.
Dabei sagte er weiter: «Alles was Japan tun kann, ist sich wiederholt zu entschuldigen bis die angesprochenen Länder sagen: ‹Wir mögen es zwar nie wirklich überwinden, aber ihr habt euch nun genügend entschuldigt. Es ist gut so.›» Es sei nichts Beschämendes sich zu entschuldigen. Ausserdem sei es eine Tatsache, dass Japan damals andere Länder angegriffen habe, sagte er weiter.
Murakami kritisiert somit einerseits die in Japan weitverbreiteten Haltung, dass man sich doch schon genug entschuldigt habe für den Zweiten Weltkrieg. Andererseits richtet sich seine Äusserung zweifellos an die Adresse von Shinzo Abe, auch wenn dieser im Interview unerwähnt blieb.
Abes Sicht auf die Geschichte
So macht der japanische Premierminister kein Geheimnis daraus, dass er Themen wie die Zwangsprostitution oder die Aggression Japans im Zweiten Weltkrieg anders als in der gängigen Geschichtsschreibung interpretiert haben möchte (Asienspiegel berichtete). Seit Monaten stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, mit welchen Worten Premier Abe dem Ende des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren gedenken wird.
Einen ersten Vorgeschmack darauf gab er diese Woche am Asien-Afrika-Gipfel in Jakarta. Abe sprach darin von einer «tiefen Reue» über den Zweiten Weltkrieg und dem Versprechen, sich für den anhaltenden Frieden einzusetzen, wie die Asahi Shimbun berichtet.
Abe verzichtete jedoch auf Worte wie «koloniale Herrschaft und Aggression» sowie die diesbezügliche «aufrichtige Entschuldigung», die seit der Erklärung von Premierminister Tomiichi Murayama im Jahr 1995 von jeder japanischen Regierung so verwendet wurde (Asienspiegel berichtete).
Die Reaktion Sükdoreas
Die südkoreanische Regierung hat sich enttäuscht über Abes Verzicht auf eine Entschuldigung in Jakarta gezeigt, wie die Nachrichtenagentur Yonhap berichtet.
Wie sich Abe im August am Jahrestag zum Ende des Zweiten Weltkriegs ausdrücken wird, bleibt jedoch offen. Der Premier hat zwar versprochen sich an die Murayama-Erklärung und die Entschuldigungen der vergangenen Regierungen zu halten. Gleichzeitig hat er auch betont, neue Bemerkungen hinzufügen zu wollen.
Folgen Sie Jan Knüsel und Asienspiegel auf YouTube, Instagram und Facebook:
Unterstützen Sie den Asienspiegel
Sponsoring-Beiträge der Leser ermöglichen diesen Blog, den Jan Knüsel seit 2009 täglich schreibt. Leser, die jährlich CHF 100 oder mehr sponsern, erhalten ein Geschenk und Einladungen zu Asienspiegel-Events. Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!
Zahlungsmittel: Master/Visa/PayPal/etc.
Für Einzahlungsschein hier klicken.