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Ihre Liebe zu den Rennpferden begann bei Christa Beulay-Marti 1974, als sie begann jede freie Minute bei Hans Woop im Stall zu verbringen. Als sich 1979 Karl Klein als Trainer installierte war sie seine erste Angestellte. Zwischen 1984 und 1990 ritt Christa auch einige Rennen, dank ihrem leichten Gewicht vor allem Pferde die debütierten. Später trainierte sie zuerst ihre eigene Stute als Besitzer-Trainerin und machte dann 1990 die Berufstrainerlizenz. Während eineinhalb Jahren war sie als Profitrainerin in der Schweiz tätig und sattelte zehn Sieger.
Jacky Beulay kam Ende 1988 in die Schweiz und war bis 1991 erster Jockey bei Kurt Schafflützel. Während drei Jahren war er Schweizer Champion Jockey. Zu seinen schönsten und wichtigsten Siegen gehörten 1990 der Prix de Diane mit Histoire und 1991 der BMW Preis mit Larmes de Joie. Jacky war auch der erste Reiter der die damalige Corum Trophy der in der Schweiz gezüchteten Vollblüter gewann.
1991 wanderten Christa und Jacky gemeinsam nach Frankreich aus. Zeit nachzufragen, wie es den beiden seither ergangen ist.
Nachgefragt bei Christa und Jacky Beulay-Marti
Danke ihr beiden, dass ihr euch zu diesem Interview bereit erklärt habt. Ihr seid 1991 nach Paris – genau gesagt nach Chantilly – ausgewandert. Gab es dafür damals einen speziellen Grund?
Christa und Jacky: Zuerst war eigentlich die Idee da, nach Canada auszuwandern, doch ist es dann anders herausgekommen. Da Jacky, bevor er in die Schweiz kam, schon jahrelang in Chantilly gearbeitet hat, haben wir uns dafür entschieden.
Seither ist viel Zeit vergangen. Erzählt doch mal, wie euer Start in Paris damals war und was sich in den ersten Jahren in Paris für euch ergeben hat.
Christa: Jacky ist am Anfang noch öfters in der Schweiz für Eva Woop geritten. Hier in Chantilly hat er die ersten neun Jahre für John Hammond gearbeitet und war dann auch eine Zeit lang «Premier Garçon». 1995 hat er die Rennstiefel an den Nagel gehängt.
Ich bin bald nachdem wir aus der Schweiz ausgewandert sind schwanger geworden und bin seither nicht mehr geritten. Ich fand es wichtiger ganz für meine zwei Söhne da zu sein. Meine Liebe zu meinen Kindern hat meine Liebe zu den Pferden in gewisser Weise besiegt.
Soweit ich informiert bin, arbeitest du, Jacky, noch immer im Rennstall. Was ist aktuell deine Funktion und was sind deine Aufgaben bzw. wie sieht dein Arbeitstag aus?
Jacky: Ich habe vor zwei Jahren aufgehört bei Carlos Laffon-Parias zu arbeiten. Während zehn Jahren war ich Arbeitsjockey bei ihm und zu meinen liebsten Pfleglingen gehörten Laverock und am Schluss Nolohay. Aktuell kümmere ich mich um den Unterhalt des Gesundheitszentrums von Christa. (Dazu unten mehr.)
Rückblickend auf deine Arbeit im Rennstall: Ist der Trainingsalltag in Chantilly mit der Schweiz zu vergleichen oder ist er ganz anders?
Jacky: Ich denke, in den letzten zwanzig Jahren hat sich sicher auch in der Schweiz einiges bei den Trainingsmethoden geändert. Wir haben hier natürlich den Vorteil, dass wir riesige Trainingsanlagen haben, die mehr Trainingsmöglichkeiten bieten.
Gesundheitszentrum gegründet
Auch du, Christa, arbeitest nicht mehr mit Pferden. Was machst du heute beruflich und wie ist es dazu gekommen?
Christa: Nachdem unsere Jungs etwas grösser waren, habe ich eine Ausbildung als Fussreflexzonen-Therapeutin gemacht und habe mir bei uns zu Hause eine Praxis eingerichtet. Danach habe ich mich noch in anderen Therapien ausgebildet, in den letzten Jahren vor allem in Rainbow Reiki, wofür ich eine vierjährige Ausbildung in Deutschland absolviert habe. Heute führe ich nicht nur meine Praxis, sondern gebe regelmässig Seminare und führe Konferenzen über die verschiedensten Themen durch.
Vor zwei Jahren habe ich auch ein Gesundheitszentrum auf die Beine gestellt, mit der Idee die klassische Medizin mit der alternativen Medizin im gleichen Gebäude zu vereinigen. Das ist eine interessante und auch etwas schwierige Challenge geworden… Seit Jacky nicht mehr mit Pferden arbeitet, kümmert er sich – wie bereits erwähnt – um den Unterhalt des Zentrums.
Ihr seid auch Eltern von zwei inzwischen erwachsenen Söhnen. Haben die beiden das Pferdegen von euch geerbt?
Christa und Jacky: Unsere zwei Söhne haben in der Schulzeit Ponyreiten gelernt, aber weiter hat sie der Pferdesport nicht fasziniert. Dimitri der bald Vierundzwanzig wird, arbeitet beim ClubMed in der Betreuung von Kindern und Simon – der Jüngere – studiert schon seit vier Jahren in München Osteopathie.
Habt ihr noch einen Bezug zur Schweiz und trifft man euch allenfalls auch einmal wieder auf einer Schweizer Rennbahn?
Christa: Ich habe noch einige wenige regelmässige Kontakte zu Leuten aus dem Rennsport in der Schweiz. Jedes Jahr kommen wir zum Skifahren nach Davos und oft sagen wir uns dann, wir könnten zu den Rennen nach St. Moritz fahren. Es ergibt sich aber doch nie… Vielleicht klappt es ja irgendwann einmal…
Seid ihr da angekommen wo ihr sein möchtet oder gibt es für die weitere Zukunft noch Träume oder sogar schon konkrete Pläne?
Christa: Ich habe bestimmt bis an mein Lebensende immer wieder neue Träume und Pläne. Jacky liebt es da eher etwas ruhiger…
Eine letzte Frage: In der Schweiz ist Frankreich in letzter Zeit vor allem wegen der anhaltenden Terroranschläge im Gespräch. Wird euer Leben in Chantilly davon irgendwie beeinträchtigt und wie geht ihr mit dieser Gefahr um?
Christa und Jacky: Wir leben hier in Chantilly in einer sehr privilegierten Gegend. Wir sind mit dem Zug in einer halben Stunde in Paris, leben aber ganz ruhig und ohne Gefahren auf dem Lande, haben aber trotzdem alles was wir brauchen in nächster Nähe. Natürlich sind wir betroffen von diesen schlimmen Anschlägen, aber es hilft niemandem wenn wir unser Leben nicht so weiterleben wie wir es uns vorstellen. Wichtig ist, sich nicht von dieser Angstwelle und dem daraus resultierenden Rassismus mitreissen zu lassen.
Herzlichen Dank, Christa und Jacky, dass ihr uns einen so breiten Einblick gegeben habt. Ich und die Leser von galoppszene.ch wünschen euch weiterhin alles Gute und viel Erfolg bei allem was ihr tut.