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Besteht eine Chance für eine akademische Cloud in der Schweiz? Ja, sagt der Computerwissenschafter Edouard Bugnion.
Edouard Bugnion, Professor für Computerwissenschaften an der EPFL, hielt an der ICT Focus Tagung eine aufschlussreiche Impulsrede. Er gab einen Ausblick darauf, wie zukünftige Rechenzentren aussehen werden, und behandelte die dramatischen Veränderungen, die gegenwärtig in der IT-Industrie stattfinden.
Bekannte IT-Anbieter wie HP, IBM, Dell usw. erzielen immer weniger Umsatz in ihrem Servergeschäft. Im Gegensatz dazu steigen die direkten Verkäufe der sogenannten Original Design Manufacturers – auch als Whitebox-Markt bekannt – jedes Jahr um 25 %.
Die Käufer sind grosse Cloud-Anbieter wie Microsoft und Amazon, die in rasantem Tempo neue Rechenzentren bauen. "Es wird blutig werden.", sagt Edouard Bugnion bezogen auf die zunehmende Marktkonsolidierung in der IT-Industrie.
Patrik Schnellmann von SWITCH sprach mit Edouard Bugnion über die Aussichten einer Cloud der Schweizer Hochschulen.
Patrik Schnellmann: Hat eine Cloud-Infrastruktur für die Schweizer Hochschulgemeinschaft überhaupt eine Chance, angesichts der erfolgreichen, weltweiten Player?
Edouard Bugnion: Ja, es besteht eine grosse Chance, den Forschungsproblemen mit einer Cloud zu begegnen, die in der Schweiz betrieben wird. Wenn sie für die Hochschulen optimiert ist, wäre sie ein mächtiges Werkzeug für die Datenwissenschafter. Diese würden sie für die Analyse grosser Datensätze benutzen, und alle Auflagen des Datenschutzes wären erfüllt. Dies ist besonders in sensiblen Anwendungen wie der personalisierten Medizin wichtig, die versucht, die medizinische Behandlung auf die Genome des Patienten abzustimmen.
Datenwissenschafter würden die Cloud für die Analyse grosser Datensätze benutzen und dabei alle gesetzlichen Auflagen des Datenschutzes erfüllen.
Wie würde eine solche Infrastruktur aufgebaut?
Die Virtualisierung ist dabei wesentlich. Computing, Speicherung und Vernetzung müssen durch Verlagerung der wichtigen Funktionen von der Hardware in die Software konsequent virtualisiert werden, was zu einem "softwaredefinierten Rechenzentrum" führt. Die Verwendung von Whitebox-Komponenten führt zu Wirtschaftlichkeit, Effizienz und Skalierbarkeit. Ein föderaler Ansatz würde für Transparenz zwischen mehreren Schweizer Rechenzentren sorgen; dieser würde der Lösung von kommerziellen Cloud-Anbietern entsprechen und gut zur föderalen Struktur unseres Landes passen.
Wie beurteilen Sie die Rolle und Bedeutung von Open-Source-Software und Open-Source-Design?
Alle Clouds basieren heute stark auf Open-Source. Das ist gegenwärtig kein kontroverses Thema mehr. Interessanter ist der neueste Trend hin zu Open-Source Hardware wie er durch das Open-Compute-Konsortium vorangetrieben wird. Bei diesem Ansatz liefern die Cloud-Anbieter Hardwarebaupläne, die speziell für Cloud-Anwendungen optimiert wurden. Natürlich profitieren später alle von der allgemeinen Verfügbarkeit von Hardware, die diesen Bauplänen entspricht.
Kann eine Schweizer Cloud für die Hochschulgemeinschaft gegen die grossen Anbieter bestehen?
Ja, weil die Hochschulgemeinschaft nicht versucht, gegen kommerzielle Lösungen anzutreten. Stattdessen besteht das Ziel darin, den spezifischen Bedürfnissen der Datenwissenschaft der Hochschulgemeinschaft zu dienen. Ein spezifisches und klar abgegrenztes Ziel besteht darin, interessante und relevante Datensätze innerhalb der Community zum Austausch zur Verfügung zu stellen und gleichzeitig die notwendigen Datenschutzmassnahmen sicherzustellen.