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Covid-19 FAQ
Reiseplanung und Reiseannullation
- Die Reise ist abgesagt, aber meine Reiseversicherung zahlt nicht, da sie nur die Folgen der Epidemie, aber nicht der Pandemie versichert hätte. Darf sie das?
- Meine Pauschalreise wurde abgesagt. Kriege ich mein Geld zurück?
- Meine Pauschalreise wurde abgesagt, aber die Veranstalterin verweigert die Rückerstattung. Bezahlt nun die Reiseversicherung?
- Ich kann wegen der Reisebeschränkungen nicht in mein individuell gebuchtes Hotel reisen. Kriege ich mein Geld zurück?
- Der Flug ist wegen COVID-19 abgesagt. Welche Rechte habe ich?
- Es ist immer noch unklar, ob die gebuchte Reise abgesagt wird. Soll ich zur Sicherheit selber stornieren?
- Das gebuchte Hotel ist offen, aber mir ist die Lust am Reisen vergangen. Wer zahlt?
- Die Pauschalreise findet statt, aber mir ist die Lust am Reisen vergangen. Wer zahlt?
- Worauf muss ich achten, wenn ich aktuell eine Reise buche?
Die Reise ist abgesagt, aber meine Reiseversicherung zahlt nicht, da sie nur die Folgen der Epidemie, aber nicht der Pandemie versichert hätte. Darf sie das?
Das ist unklar, da es noch keine Gerichtsentscheide dazu gibt.
Nach dem heutigen Stand der Diskussion haben Sie aber gute Chancen, wenn Sie sich gegen diese Argumentation Ihrer Versicherung wehren. Dies insbesondere dann, wenn Ihre Versicherung in den Vertragsbedingungen die Folgen einer Epidemie ausdrücklich versichert, aber die Übernahme der Kosten ablehnt, weil eine Pandemie keine Epidemie sei. Gerichte werden diese Haltung aus verschiedenen versicherungs- und epidemierechtlichen Gründen möglicherweise nicht stützen.
Hat die Versicherung allerdings die Folgen von Epidemien und Pandemien in ihren Vertragsbedingungen ausdrücklich von der Deckung ausgeschlossen und haben Sie diese Bedingungen bei Vertragsabschluss akzeptiert, stehen Ihre Chancen schlechter. Hier durfte die Versicherung davon ausgehen, dass Sie mit dieser Deckungseinschränkung einverstanden sind.
Ja. Das Gesetz sichert Sie bei Pauschalreisen, also wenn Sie beispielsweise Flug und Hotel zusammen gebucht haben, weitgehend ab.
Hat die Reiseveranstalterin die Reise abgesagt, haben Sie wahlweise Anspruch auf die Verschiebung der Reise oder auf die Rückerstattung der bereits geleisteten Beträge. Sie können auf der Rückerstattung beharren, müssen also keine Verschiebung oder einen Gutschein akzeptieren. In der aktuellen Lage ist jedoch allenfalls eine pragmatische Lösung sinnvoller und Sie kommen schneller zu einem Ergebnis, wenn Sie einen Gutschein akzeptieren. In dem Fall ist es sinnvoll, wenn Sie sich mit dem Reisebüro einigen, was bei Ablauf oder Nichtgebrauch des Gutscheins passieren soll.
Wollen Sie gleichwohl keinen Gutschein, können Sie wie erwähnt die Rückerstattung verlangen. Normalerweise haben Sie Anspruch darauf, dass Ihnen die Reiseveranstalterin das Geld schnellstmöglich zurückzahlt. Allerdings gilt in der aktuellen Lage für die Reiseveranstalterin hier ein Rechtsstillstand bis zum 31. Dezember 2020. Dies bedeutet insbesondere, dass das Betreibungsamt ein allfälliges Betreibungsgesuch erst nach Ende dieses Rechtsstillstandes der Reiseveranstalterin zustellt.
Einen Anspruch auf Entschädigung können Sie aktuell in der Regel kaum erfolgreich geltend machen: Bei der COVID-19 Pandemie dürfte es sich um «höhere Gewalt» handeln, weswegen das Pauschalreisegesetz den Anspruch auf Schadenersatz verneint.
Ebenso müssen Sie akzeptieren, dass das Reisebüro Bearbeitungsgebühren verrechnet, solange diese nachvollziehbar sind.
Meine Pauschalreise wurde abgesagt, aber die Veranstalterin verweigert die Rückerstattung. Bezahlt nun die Reiseversicherung?
Grundsätzlich nein, da hier keine Leistungspflicht aus dem Versicherungsvertrag besteht.
Haben Sie eine Pauschalreise gebucht, sind Sie über das Pauschalreisegesetz abgesichert, sofern die Veranstalterin die Reise abgesagt hat: Die Veranstalterin muss Ihnen den überwiesenen Betrag, allenfalls abzüglich Bearbeitungskosten, überweisen (vgl. oben). Dies gilt auch dann, wenn die Veranstalterin zahlungsunfähig oder im Konkurs ist. Denn sie musste für diesen Fall vorsorgen und die Erstattung bezahlter Beträge sicher stellen. Diese Gesetzesbestimmung ist zwingend, weswegen sie nicht mit anderslautenden Vertragsbedingungen davon abweichen darf.
Da die Pandemie Reiseveranstalterinnen jedoch vor unvorhersehbare Schwierigkeiten stellt, kann sich die Rückerstattung trotz klarer Rechtslage verzögern. Sie können Ihre Reiseversicherung kontaktieren und abklären, ob sie allenfalls zu einer Kulanzleistung bereit ist. Ihre Versicherung darf, muss aber diese Kulanzleistung nicht erbringen. Erbringt sie die Leistung, kann sie dies an die Bedingung knüpfen, dass Sie ihr die Forderung gegenüber der Veranstalterin abtreten.
Ich kann wegen der Reisebeschränkungen nicht in mein individuell gebuchtes Hotel reisen. Kriege ich mein Geld zurück?
Grundsätzlich nur, falls das Hotel kulant ist oder die Stornobedingungen eine kostenfreie Annullation vorsehen.
Können Sie wegen einer Einreisesperre gar nicht ins Land einreisen, ist Ihr Urlaub objektiv unmöglich. Zwar hätten Sie hier nach schweizerischem Vertragsrecht grundsätzlich einen Anspruch auf Rückerstattung Ihrer Zahlung – bei einem direkt im Ausland gebuchten Hotel kommen allerdings die dort geltenden Regelungen zur Anwendung. Am besten versuchen Sie auch hier, eine Verschiebung des Aufenthaltes oder einen Gutschein auszuhandeln.
Im Geltungsbereich der europäischen Fluggastrechte-Verordnung haben Sie insbesondere den Anspruch auf die Rückerstattung des Ticketpreises oder auf eine Verschiebung des Fluges.
Hat die Airline den Flug annulliert, können Sie zwischen den Optionen Rückerstattung und Verschiebung frei wählen. Einen Gutschein müssen Sie nicht akzeptieren.
Da die EU die COVID-19 Pandemie als «aussergewöhnliche Umstände» qualifiziert hat, können Sie allerdings hier in der Regel kaum erfolgreich einen Anspruch auf Entschädigung geltend machen. (vgl. Checkliste)
Es ist immer noch unklar, ob die gebuchte Reise abgesagt wird. Soll ich zur Sicherheit selber stornieren?
Das hängt insbesondere von Ihrem Budget und von Ihrer Risikobereitschaft ab.
Haben Sie eine für Sie kostengünstige Reise gebucht und würden es verkraften, die vollen Stornokosten zu tragen, warten Sie so lange wie möglich mit der Stornierung: Sagt die Reiseveranstalterin Ihre Reise ab, haben Sie Anspruch auf die Rückerstattung Ihrer Kosten. Wenn Sie hingegen präventiv storniert haben und die Reiseveranstalterin nachher die Reise selbst annulliert, bleiben Sie auf den Stornokosten sitzen. Dasselbe passiert, wenn die Reise stattfindet und Sie gleichwohl aus Angst vor einer Ansteckung oder aus einem anderen nicht versicherten Grund nicht reisen – es ist deswegen wichtig, dass Sie frühzeitig für sich die Frage beantworten, ob Sie dieses Risiko eingehen können und wollen. Falls ja, können Sie mit der Stornierung zuwarten, falls nein, sollten Sie frühestmöglich stornieren.
Dieselbe Frage wird bei einer teuren Reise etwas schwieriger zu beantworten sein. Hier ist der mögliche finanzielle Verlust grösser und vielleicht sind Sie bei einer teuren Reise auch weniger bereit, wegen möglicher Einschränkungen auf den erwarteten Erholungswert zu verzichten. Am besten versuchen Sie sich mit der Reiseveranstalterin zu einigen und allenfalls eine Verschiebung oder einen Gutschein zu vereinbaren. Haben Sie damit keinen Erfolg, dürfte eine möglichst frühe Stornierung oft die beste Lösung sein: Je früher die Stornierung, umso tiefer sind in der Regel die Stornokosten. Umgekehrt müssen Sie bei einer sehr frühen Stornierung damit rechnen, dass Ihre Reiseversicherung nicht einspringt, da die blosse Angst vor einer Ansteckung kein versichertes Risiko ist (vgl. oben).
Sie, sofern die Stornobedingungen keinen kostenlosen Rücktritt ermöglichen.
Lehnt das Hotel unter Verweis auf die Stornobedingungen die Rückerstattung des bereits bezahlten Betrages ganz oder teilweise ab, können Sie versuchen, andere Lösungen zu finden: Fragen Sie beispielsweise nach, ob Sie den Aufenthalt verschieben oder einen Gutschein erhalten können.
Ihre Reiseversicherung wird hier ebenfalls nicht einspringen, da die blosse Angst vor einer Reise oder der kleinere Erholungswert kein versichertes Risiko ist.
Grundsätzlich Sie, sofern die Stornobedingungen keinen kostenlosen Rücktritt ermöglichen.
Möglicherweise finden Sie aber zusammen mit Ihrer Reiseveranstalterin eine Lösung und können die Reise zum Beispiel verschieben oder sich einen Gutschein ausstellen lassen. Ihre Reiseversicherung wird hier ebenfalls nicht einspringen, da die blosse Angst vor einer Reise oder der kleinere Erholungswert kein versichertes Risiko ist.
Gegenüber der Reiseveranstalterin haben Sie jedoch dann einen Anspruch auf Rückerstattung, wenn die Pauschalreise zwar stattfindet, sie aber unter wesentlich geänderten Bedingungen durchgeführt wird. Das wäre beispielsweise der Fall, wenn im Zielland eine Quarantäne für Touristen gilt.
Ist der Rückerstattungsanspruch gegeben, haben Sie normalerweise Anspruch darauf, dass Ihnen die Reiseveranstalterin das Geld schnellstmöglich zurückzahlt. Allerdings gilt in der aktuellen Lage für die Reiseveranstalterin hier ein Rechtsstillstand bis zum 30. September 2020. Dies bedeutet insbesondere, dass das Betreibungsamt ein allfälliges Betreibungsgesuch erst nach Ende dieses Rechtsstillstandes er Reiseveranstalterin zustellt.
Auch bei einer Rückerstattung des bereits bezahlten Betrages müssen Sie übrigens akzeptieren, dass die Reiseveranstalterin Bearbeitungsgebühren verrechnet, solange diese nachvollziehbar sind.
Sie sollten die Stornobedingungen sorgfältig lesen und allenfalls bei der Reiseveranstalterin, dem Hotel oder der Transportgesellschaft nachfragen, ob Sie die Stornierungsbedingungen anpassen können.
Bei Individualreisen vereinbaren Sie am besten, dass Sie entweder erst vor Ort bezahlen müssen oder dass Sie die Reise bis vor Antritt zu möglichst guten Bedingungen annullieren können. Allenfalls können Sie mit der Reiseveranstalterin auch vereinbaren, dass Sie die Reise unter bestimmten Bedingungen ohne Zusatzkosten verschieben können oder dass Sie auch bei einer kurzfristigen Absage Ihrerseits einen Gutschein erhalten werden.