Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03300.jsonl.gz/1645

Am 7. Januar 2015 um 12 Uhr 52 schickte der Art-Director der Zeitschrift «Stylist», Joachim Roncin, die Botschaft «Je suis Charlie» über den Nachrichtendienst Twitter. Wenig später fand sich der Dreiwortsatz auf Plakaten, Häuserwänden und Kaffeetassen. Kein politischer Slogan hat eine steilere Karriere gemacht als Roncins Solidaritätsbekundung mit dem französischen Satiremagazin «Charlie Hebdo», auf das an diesem Morgen ein Terroranschlag verübt worden war.
«Charlie Hebdo» hat seinen Namen von Charlie Brown aus dem Comicstrip «Peanuts». Als Charlie Brown 1947 das erste Mal auftauchte, hatte der Name Charlie in den USA seine besten Zeiten schon hinter sich. Er lag auf Rang 145 der beliebtesten Namen. Seine Popularität schwand weiter bis ins Jahr 1993, nimmt seither aber wieder zu, besonders stark – auch in Frankreich – seit 2005, was mit einer Ballung von Filmen zu tun haben könnte, die den Namen im Titel trugen: «Charlie and the Chocolate Factory», «Charlie Wilsons War», «Finding Charlie». Auch in Australien, Neuseeland und Schweden hat Charlie zugelegt. In England lag er 2013 auf Platz 5 und hat seinen grossen Bruder Charles längst hinter sich gelassen.
In der Schweiz lebten Ende 2013 exakt 176 Charlies, die meisten unter ihnen sind jünger als 10 Jahre. In den nächsten Jahren werden es zweifellos viel mehr werden. Nicht unbedingt aus Verbundenheit mit den getöteten Karikaturisten, sondern weil ein psychologisches Gesetz dafür sorgt: Was der Mensch häufig hört, empfindet er als vertraut, und was ihm vertraut erscheint, beurteilt er als schön. Viele zukünftige Eltern werden in zwei oder drei Jahren nicht ahnen, dass ihre plötzliche Vorliebe für den Namen Charlie auf den Anschlag in Paris zurückgeht. Die Terroristen haben nicht nur Tod gesät, sondern auch den Namen ihres Erzfeindes – weltweit.
Das nächste Mal: Adam und Eva.
Quelle: BFS. Hier können Sie nach Ihrem eigenen Namen suchen.