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Was geschah am 1. August 1914? Es war ein sehr patriotischer Tag. Obwohl der 1. August der Nationalfeiertag der Schweiz ist, wurde 1914 nicht gefeiert. An jenem Tag wurde die Armee zu den Waffen gerufen: es war der Tag der Mobilmachung für den ersten Weltkrieg. Am 5. August wandte sich der Bundespäsident an das Volk. Radio gab es noch nicht, so wurde überall die Meldung in Form eines Plaketes aufgehängt.
"Aufruf an das Schweizervolk. Getreue, liebe Eidgenossen! An unseren Grenzen tobt der Krieg. Wir haben unsere Armee zu den Waffen gerufen; am 1. August, dem Jahrestag der Gründung der Eidgenossenschaft, trug der Telegraph das Aufgebot in die entlegensten Dörfer und Weiler des Landes..."
Die geistige Landesverteidigung war ein wichtiges Element damals. Man wollte "vollständige Neutralität bewahren", dennoch war es wichtig, Einigkeit und Entschlossenheit des Volkes nach aussen zu demonstieren. Die kriegführenden Mächte sollten mitbekommen, dass die Schweiz bereit war, ihr Gebiet und ihre Werte zu verteidigen, und dass das Volk "freudig" (!) seine Pflicht tat, auch wenn das hiess, dem Vaterland Blut und Leben als Opfer darzubringen.
"Gott schütze und erhalte unser teures Vaterland! Wir empfehlen es in den Machtschutz des Allerhöchsten."
Damals haben unsere Vorfahren gelebt, unsere Ur(ur)grosseltern - was wissen wir über ihr schwieriges Leben von damals? An sie war dieser Aufruf gerichtet, sie mussten sich in den folgenden Jahren mit den Einschränkungen, welche der Krieg mit sich brachte, arrangieren, allem voran mit Nahrungsmittelknappheit. 1/6 der Schweizer Bevölkerung (etwa 700'000 Menschen) war 1918 "armengenössig", das heisst, sie mussten Sozialhilfe beziehen. Weil in den Jahren vor dem Krieg immer mehr Nahrungsmittel importiert und der Anbau im Inland deshalb vernachlässigt wurde, gab es bald kaum mehr etwas zu essen. Auch nicht mit Lebensmittelmarken, welche der Rationalisierung wegen verteilt wurden.
Der Krieg und all seine Folgen führten nicht nur dazu, dass die Spanische Grippe so viele Menschen hinwegraffte, sondern auch geradewegs zum Generalstreik im November 1918.
Das Foto, das diesem Beitrag beigefügt wurde, soll die heile Schweiz symbolisieren, im Hintergrund ein Chalet mit Schweizerfahne. Eine heile Welt, die es nur auf Fotos gibt, die es niemals gab. Vor allem nicht vor hundert Jahren. Damals waren, entgegen den Vorgaben der Behörden, die Menschen der Schweiz überhaupt kein geeintes Volk: die Westschweiz richtete sich nach Frankreich, die Deutschschweiz stand hinter dem Deutschen Volk. Und dann waren da einerseits die Kriegsgewinnler, die ein Vermögen machten und für welche der Krieg ein reines Geschäaft war, andrerseits die grosse Masse der Bevölkerung, welche am Hungertuch nagte, der es am nötigsten fehlte und die nicht wusste, mit welchem Geld sie den Kindern neue Schuhe kaufen sollte. Und die Behörden, die unfähig waren, Gerechtigkeit zu schaffen. Kein Wunder kam es zum Generalstreik...
(Die Zitate habe ich dem Plakat-Aushang vom 5. August 1914 entnommen, der im Staatsarchiv Zürich aufbewahrt wird.)