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Die wissenschaftliche Basis des Neoliberalismus , welche nicht nur an allen Universitäten weltweit gelehrt wird, sondern auf deren „Gesetze“ global auch alle wichtigen politischen Entscheide gefällt werden, ist die Neoklassik. Um ihre Wissenschaftlichkeit und die defacto naturgesetzliche Gültigkeit ihrer zentralen Dogmen zu belegen, benutzt die Neoklassik gerne mathematische Modelle.
Einer der bekanntesten Kritiker der Neoklassik im deutschsprachigen Raum ist Claus Peter Ortlieb, inzwischen emeritierter Mathematikprofessor in Hamburg. Er bezeichnet die Neoklassik schlicht als „mathematisierte Scharlatanerie“ und eine wissenschaftlich verbrämte Ideologie.
In einem Interview mit Brand Eins spricht Ortlieb von einem Missbrauch der Mathematik durch die Ökonomie zum Transport der Ideologie des Neoliberalismus:
„Die neoklassische Lehre der Volkswirtschaft geht von einer Art Harmonielehre der Märkte aus. Wenn man die Märkte sich selbst überlasse, stelle sich alles zum Besten ein. Zum Beleg dieser Meinung werden Scheinargumente benutzt, die sich der Mathematik bedienen und sie missbrauchen, um Ideologie zu transportieren.“
Die pseudowissenschaftliche Lehre Neoklassik sei das „Vehikel“ für den Transport der Ideologie des Neoliberalismus.
Mit dem praktischen Scheitern des Keynesianismus in den 1970er Jahren, sagte Ortlieb in einem Interview mit FAZ 2010
„begann der Siegeszug des Neoliberalismus, die Zurückdrängung des Staates zugunsten des Marktes. Und die Neoklassik war dafür gewissermaßen das pseudowissenschaftliche Vehikel. Sie hat dreißig Jahre lang die Begründung für das geliefert, was im Neoliberalismus sowieso passierte, und befand sich damit auf der Seite der Sieger. Zum anderen besteht der Reiz des neoklassischen Dogmas, polemisch gesagt, in seiner Stammtischnähe, die aus dem so genannten methodologischen Individualismus resultiert. Der besagt, dass sich die Funktionsweise einer Volkswirtschaft aus dem Handeln der einzelnen Wirtschaftssubjekte erklären lassen muss. Und diese Erklärung besteht dann oft in einfachen Begründungen, die auf den ersten Blick plausibel wirken, indem sie nämlich irgendwelche Alltagssituationen betriebswirtschaftlicher Art auf ganze Volkswirtschaften schlicht und einfach übertragen. Derartige Begründungen füllen die Wirtschaftsseiten vieler Tageszeitungen und bestimmen das Denken der politischen Klasse.“
Ortlieb beklagt, die herrschende Doktrin der Neoklassik mache uns und die Politik „blind“ gegenüber der herrschenden Krise:
„In den einschlägigen Lehrbüchern wird die Wirklichkeit der kapitalistischen Wirtschaft nicht reflektiert, das Wort »Krise« beispielsweise sucht man dort vergebens. Stattdessen werden die eigenen Vorurteile in mathematische Modelle gegossen und diese der Wirklichkeit einfach übergestülpt. Mit der Neoklassik als herrschender Lehre hat das Fach Wirtschaftswissenschaft seinen Gegenstand letztlich aufgegeben und befindet sich im Status einer wissenschaftlich verbrämten Ideologie. Spätestens mit dem Kriseneinbruch im Herbst 2008 ist das offensichtlich geworden.
Allerdings, schreibt er, verschwinde eine Ideologie nicht einfach aus den Köpfen, wenn erkennbar wird, daß sie „mit der Wirklichkeit nicht in Einklang zu bringen ist“.
Die Neoklassik bilde da keine Ausnahme:
Zwar hat sie sich an den kapitalistischen Krisenerscheinungen inzwischen restlos blamiert. Das hindert aber ihre etablierten Vertreter nicht daran, der politischen Öffentlichkeit auch weiterhin die seit Jahrzehnten immer gleichen Ratschläge zu erteilen. Und diese Scheinargumente füllen nach wie vor den Wirtschaftsteil vieler Tages- und Wochenzeitungen und bestimmen das Denken der politischen Klasse.“
In einem etwas ausführlicheren Papier hat Professor Ortlieb die „METHODISCHE PROBLEME UND METHODISCHE FEHLER DER MATHEMATISCHEN MODELLIERUNG IN DER VOLKSWIRTSCHAFTSLEHRE“ beschrieben:ortlieb-methodische-fehler