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Der amerikanische Ökonom John B. Taylor entwickelte 1993 eine Regel für den Zielwert des geldpolitischen Leitzinses. Bis zur Finanzkrise 2008 war der Taylor-Zins für viele Zentralbanken, auch für die SNB, eine wichtige Information bei der Gestaltung ihrer Geldpolitik. Seither wurde die Zinssteuerung weitgehend ausgehebelt und durch ausserordentliche Massnahmen ersetzt. Mit der Rückkehr zur Zinssteuerung wird die Taylor-Regel wieder an Bedeutung gewinnen.
Die Taylor-Regel besagt, dass sich der anzustrebende Leitzins aus dem neutralen Realzins, der erwarteten Inflationsrate und einem Korrekturfaktor zusammensetzt. Dieser wird durch die Inflationslücke und die Produktionslücke bestimmt. Die Inflationslücke ist dabei die Differenz zwischen der Inflationsrate und dem Inflationsziel. Je höher die Inflation ist, desto höher muss der Leitzins sein. Die Produktionslücke wird als Differenz zwischen dem realen Wirtschaftswachstum und dem Potenzialwachstum der Volkswirtschaft definiert. In der Anwendung der Taylor-Regel wird für die Schätzung der Produktionslücke oft die Arbeitslosenrate verwendet. Je angespannter der Arbeitsmarkt ist, desto restriktiver muss die Geldpolitik sein.
Die Taylor-Regel ist keine exakte Wissenschaft. Sie hängt stark von den verwendeten Inputdaten ab. Sie ergibt aber ein Signal, ob die Geldpolitik zu expansiv oder zu restriktiv ist. Die Schätzung des Taylor-Zinses für die Schweiz ergibt einen Wert von 4.60%. Dieser Wert ist das Ergebnis einer Inflationsrate über dem Ziel der SNB und einer tiefen Arbeitslosenrate. Die Geldpolitik der SNB ist mit einem Leitzins von 1.00 Prozent also immer noch sehr expansiv. Die SNB wird ihren Leitzins weiter erhöhen müssen, um die Inflation und die Konjunktur in ein Gleichgewicht zu bringen. Wir gehen nicht davon aus, dass sie den Leitzins bis auf den Taylor-Zins anhebt, aber ein Anstieg von heute 1.00 Prozent auf 2.00 Prozent bis Mitte Jahr ist angebracht.