Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03400.jsonl.gz/694

Diesen Monat ist viel passiert. 23 fertige Figuren haben wir in 3 Fahrten nach St-Imier transportiert und dort teilweise aufgebaut. Somit sind die Figuren von 1792 bis 1995 so gut wie abgeschlossen.
Die 3 neusten fertigen Figuren sind ein Soldat in Französischen Diensten von 1770, ein Füsilier aus dem Jahr 1885 und sein Nachfolger von 1900.
- Auf dem ersten Bild sind sie alle zusammen zu sehen. Die beiden hinteren Figuren noch ohne Ihre Waffen.
- Auf dem 2. Bild ist der Rock von 1770 zu sehen. Durch seine rote Farbe ist er als Soldat in Französischen Diensten zu erkennen. Die weissen Ärmelaufschläge, Rabatten sowie die Anordnung der Knöpfe zeigen die Zugehörigkeit zum Regiment Eptingen. Die Mannschaft dieses Regiment wurde hauptsächlich aus der Region des heutigen Juras eingezogen.
- Der selbe Rock sieht hier doch ziemlich anders aus; Die Rabatten sind übereinander geschlossen, der eine Ärmelaufschlag herunter gelassen und die Schösse sind nicht eingehängt.
- Die nächsten beiden Bilder zeigen das Gepäck des Füsiliers aus dem Jahr 1885, welcher mit dem Vetterli-Gewehr ausgestattet ist.
- Das Gepäck der Ordonnanz 1898 ist auf den beiden letzten Bilder zu sehen. Bis auf die Patronenschlaufen auf der Brust wurde diese Art von Gepäck noch viele Jahrzehnte in nur leicht abgeänderter Version getragen.
Im Museum sieht es nun schon sehr belebt aus. Einige Impressionen vom Aufbau:
- Anfahrt und Ausladen der Transportkisten
- Auf dem 3. Bild sind die Figuren noch im schützenden Plastik grob an ihrem Platz eingeordnet.
- Die länngste Vitrine beginnt 1900 und geht bis 1995. Sie ist auf dem 5. Bild zu sehen.
- Die Vitrine mit den Figuren 1812 bis 1885 ist noch nicht ganz fertig gestellt. Die Figuren sind daher in einer anderen Vitrine zwischengelagert. Das gesellige Zusammensein ist auf Bild 6 zu sehen.
Um alle Regionen und wichtigen Epochen des Juras zu repräsentieren, wurde noch eine Figur hinzugefügt. Somit sind es nun 30 an der Zahl. Davon haben wir mittlerweile 21 Figuren fertig gestellt, fotografiert und in die Transportkisten verpackt. Im April erfolgt der erste Transport nach St-Imier mit einigen der Figuren.
Da die fertigen Fotos noch nicht veröffentlicht werden sollen zeigen wir hier wieder einige Einzelteile. Einen Eindruck kurz vor der Fotosession geben diese Bilder:
1350
Auch wenn die älteste bisher gefundene Hose eines Reiters rund 3200 Jahr alt ist, wurden noch im 14. Jahrhundert statt einteiligen Hosen vorzugsweise 2 einzelne Beinlinge getragen. Diese wurden entweder an einem separaten Gurt oder wie bei unserer Figur an der Bruche - einer grosszügigen Unterhose - festgebunden.
Unsere Beinlinge sind aus krappgefärbter Wolle, die Bruche aus Leinen.
1735 Porrentruy
Diese Figur stellt einen Soldaten der Garnison oder Infanterie Compagnie des Bischof Porrentruy dar. Es ist in unserer Reihe der erste mit einer kompletten Uniform, welche relativ detailiert vorgeschrieben war und auch vom Bischof bezahlt wurde. Briefwechsel und Quittungen zeugen vom Stoffeinkauf, der Fertigung und weiteren Details.
Die Hose aus blauem Tuch, gefüttert mit Leinen ist bereits fertig. Im Gegensatz zu den späteren "Culotte" mit Latz wurde diese vorne mit einem geknöpften Schlitz geknöpft. Diese Schliessart ist im Prinzip nicht viel anders als heutige geknöpfte Hose. Damit man sich trotz der engen Beine gut bewegen und sich vor allem auch setzten konnte, war der Schnitt um das Gesäss weit. Auch die Vorderseite war im Schritt daher eher unansehlich. Da die Gilets jedoch lange waren und den oberen Teil der Hosen komplett verdeckten, war das nicht schlimm. Erst als die Gilets kürzer wurden und mehr von der Hose preisgaben hat sich der vorne flachere Latz durchgesetzt.
Das Gilet ist noch ohne Taschenpatten und die Ärmel sind unfertig. Auf dem letzten Bild ist gut der Unterschiede zwischen den zwei Arten von Knopflöchern zu sehen. Vom Hals auf die Höhe der Taschen sind die Knopflöcher echt, das heisst dass die Knöpfe geschlossen werden können. Darunter sind die Knöpfe und auch die Knopflöcher nur zur Dekoration. Die unteren Knopflöcher sind daher nur gestickt, ohne dass ein Loch durch den Stoff geschnitten wurde.
1852
Den Tornister der eigentlich schon fertig war, haben wir nun noch ein wenig umgebaut. In letzter Minute konnten wir ein Original finden welches wir besichtigen konnten. Es handelt sich dabei nicht nur um ein Original, sondern sogar um ein Muster mit Etikette. Solche Muster konnten sich die Sattler im Zeughause ansehen, damit die Tornister möglichst einheitlich waren.
Auch bei den Gamaschen konnten wir noch ein paar Gamaschen finden welches der Beschreibung im Reglement entspricht. So haben wir die Riemchen für die oberen 3 Knöpfe nach dieser Art angebracht.
Daneben haben wir für das Bajonett eine Scheide nach einem Original - ebenfalls ein Muster - angefertigt.
Das letzte Bild zeigt das geweisselte Bandelier mit Kapseltasche und der Raumnadel.
1970
Auch jüngere Objekte sind nicht immer leicht im Original zu bekommen. So haben wir zwei Verpackungsröhren für Gewehrgranaten rekonstruiert. Während die Röhre selber ein simpler Karton ist, besteht der Deckel aus geprägtem Metall mit Aufkleber. Den Deckel haben wir galvanoplastisch kopiert, geschwärzt und mit einen nachgedruckten Aufkleber versehen.
Dieses Jahr soll - wenn die Corona-Bestimmungen es zulassen - das Museum eröffnet werden. Damit das auch klappt, fehlen nur noch wenige Einzelteile. Einige davon sind nun fertig geworden:
1712 La Neuveville
Der frühste Justaucorps in der Reihe der Figuren ist nun fertig. Die roten Aufschläge sind das einzige was diesen Milizsoldaten - neben der Bewaffnung - als solchen kennzeichnet. Der Schnitt war in der Regel für alle Bevölkerungsschichten sehr ähnlich. Da die Arbeit eines Schneiders nicht sehr viel kostete, waren vor allem die verwendeten Materialen bei den Wohlhabenden hochwertiger. Hier handelt es sich um einen gut situierten Bauern, der es sich nicht nehmen lies viele Knöpfe und zahlreiche falsche Knopflöcher zu verwenden. "Falsche" Knopflöcher haben keine Öffnung durch welche ein Knopf geknöpft werden könnte. Sie dienen nur der Dekoration. Hier sind sowohl die Knopflöcher der Taschenpatten sowie des Rückenschlitzes falsch.
Auf dem 2. Bild ist der heruntergeklappte Aufschlag zu sehen. Auf diese Weise konnte man die Hände etwas vor Kälte schützen.
Das 3. Bild zeigt den nun fertigen Gurt mit Aufhängung für Degen und Aufsteckbajonett.
1776 Moutier Bajonettgurt
Als bei vielen europäischen Infanteristen der Säbel abgeschafft wurde, wurde das Bajonett entweder wie bisher am Bandelier aufgehängt, oder aber an einem Gurt. Für den Milizsoldaten aus Moutier haben wir solch einen Gurt gefertigt.
Auf dem ersten Bild wird der Halter genäht, auf dem 2. wird die Position bestimmt. Auf dem letzten Bild ist der fertige Gurt zu sehen. Er wird im Gegensatz zum meisten anderen Lederzeug aus Büffelleder so bleiben. Das Lederzeug wurde in der Schweiz meist erst einige Jahr später mit verschiedenen Rezepturen geweisselt.
1792 Biel Krawatte und Gamaschen
Auf zahlreichen Bildern von Franz Feyerabend sind Bieler Soldaten und Offiziere zu sehen. Darauf sieht man teiweise die schwarze Krawatte mit dem Hemd welches darüber gelegt ist sowie die mittellangen Gamaschen.
Auf dem letzten Bild ist der Soldat fast fertig, jedoch noch ohne das Lederzeug zu sehen.
1820 Bern
Eine weitere Variante das Bajonett unterzubringen, war am Riemen der Patronentasche. Hier ist die Patronentasche sowie der Riemen mit Bajonetthalter zu sehen. Das letzte Bild zeigt eine umflochtene Glasflasche mit Wollkordel zum Umhängen.
1855 Eidgenössischer Füsilier
1852 wurde neben der Uniform auch die Ausrüstung vereinheitlicht. Die davor verwendeten kantonalen Ausrüstungsgegenstände wurde noch viele Jahre über die Ordonnanz 1852 hinaus weiter getragen. Unser Füsilier aus dem Jahr 1855 trägt jedoch die Ausrüstung nach den neusten Bestimmungen.
Das Bajonett ist nun direkt am Kasten der Patronentasche untergebracht. Am Bandelier der Patronentasche wurde nun jedoch ein sogenanntes Kapseltäschchen angebracht. Es nahm die für das neue Perkussionsgewehr notwendigen Zündhütchen auf. Das Fell im inneren verhinderte dass Inhalt herausspringen konnte. Daneben ist eine kleine Schlaufe angebracht, in welche die Zündnadel gesteckt wurde.
Die nächsten Bilder zeigen den Tschako nach Ordonnanz 1852, wegen seiner Form auch Zigerstock genannt. Bis auf Ganse und Kokarde wurde alles rekonstruiert.
Spiesser 1530
Der Reisläufer der Renaissance ist nun weit vorangeschritten. Die Bekleidung der schweizer Reisläufer und der deutschen Landsknechte zeigte nur kleine Unterschiede auf, so dass heute oft vergessen geht, dass sie früher verfeindet waren.
Die Bilder zeigen einige Stadien der Entstehung. Zu sehen sind auch die Ledernesteln aus Büffelleder, mit welchen der Wams geschlossen und mit der Hose verknüpft wird. Auf dem letzten Bild ist die fast fertige Gewandung mit der für die Renaissance typischen Schamkapsel zu sehen.
La Neuveville 1712
Dieser barocke Milizsoldat ist das zweitletzte Kostüm welches noch hergestellt werden muss. Hose und die handgestrickten Strümpfe sind bereits fertig. Das Gilet ist fast fertig und es fehlt nun nur noch der Rock. Hier ist der erste Probe-Schnitt aus einem Teststoff zu sehen.
Der Rock hat weite Schösse mit viel Stoff und kurze Ärmel mit grossen Aufschlägen. Während der Rock später hellbraun wird, sind die Aufschläge rot. Die roten Aufschläge sind das einzige was für diesen Soldat belegt sind. Der Stoff dafür wurde dem Mann möglicherweise zur Verfügung gestellt.
Moutier 1776
Diese Figur ist nun bereit für den Aufbau. Am Justaucorps, damals einfach Rock genannt, wurden als Abschluss noch die mit Stoff überzogenen Holzknöpfe angenäht. Hose, Gilet und Rock sind zwar keine Uniformteile, wurden jedoch für den katholischen Teil des Bezirks zur Huldigung vor dem Bischof 1776 in Delémont vorgeschrieben. Dies, weil sie der gängigen Tracht entsprachen. Neben den wenigen schriftlichen Quellen zur dieser Bekleidung haben wir uns an Bildern von einfacher Landbevölkerung aus der ganzen Schweiz orientiert.
Figurenaufbau der Figur 1918
Anhand der Figur eines Soldaten am Ende des 1. Weltkrieges zeigen wir hier den Aufbau der Figuren. Auch wenn jede Figur eine Position hat die zu Ihrer Zeit passt und verschiedene Dinge gehalten werden sollen, ist das Vorgehen dasselbe.
- das Mannequin wir mit Schuhen grob ausgerichtet.
- wenn nötig wird ein Bein am Oberschenkel aufgetrennt, gedreht und wieder verschraubt.
- nachdem der Oberkörper ausgerichtet ist, werden die einzelnen Teile miteinander verschraubt. Zum Schutz der Schuhe dient ein einfacher Überzug mit Klettverschluss.
- eine Strumpfhose wird angezogen. Sie dient einerseits dem Schutz der Kleidung vor den scharfen Kanten und Schrauben. Andererseits kann darin das Polstermaterial - in diesem Fall Ethafoam - befestigt werden. Darüber wird nun bereits die Hose angezogen.
- Die Stumpfhose wird mit einem stabilen Polyesterfaden über die Schultern fixiert. Die Arme werden grob in die richtige Position gebracht.
- zur Kontrolle werden nun auch die Oberbekleidung und die wichtigsten Utensilien angezogen. Wenn nötig kann so noch mehr Material in die Strumpfhose oder darüber angebracht werden.
- die Hände werden erhitzt, in die richtige Position gedrückt und wieder abgekühlt. Die Schwierigkeit besteht darin, dass die Finger später kaum noch bewegt werden können. Sind sie zu enganliegend, kann das Objekt nicht mehr eingeführt werden.
- wenn alles sitzt, werden die Schrauben und Muttern der Arme angezogen.
- der Arm wird entfernt und wiederum mit Ethafoam umwickelt um ihm eine natürliche Form zu geben.
- nun muss lediglich noch das Schulterloch mit Watte gestopft werden. Der Rest kann bei der definitiven Aufstellung drapiert werden.
Mittlerweile sind 13 Figuren fertig gestellt, fotografiert und verpackt. Bei der anderen Hälfte wird es auch nicht mehr lange dauern. Hier einige Einblicke in die Arbeit aus diesem Monat:
- Probe des Ärmel für einen Spiessers - einen mit Spiess bewaffneten Krieger - um 1530
- Aufbauphase des Musketiers um 1640. In der linken Hand wird er eine Musketengabel halten. Damit wurde früher die schwere Luntenschlossmuskete gestützt.
- dieselbe Figur mit dem kompletten Gepäck
- Der Bajonettgurt eines französischen Soldaten um 1767. In dieser Epoche trugen die einfachen französischen Infanteriesoldaten bereits keinen Säbel mehr, das Bajonett musste also am Gurt befestigt werden. Später wurde es am Riemen der Patronentasche oder an der Patronentasche selber angehängt.
- Ein Mantel wir er nach ca. 1820 von vielen europäischen Soldaten getragen wurde. Bei zwei unserer Figuren wird er gerollt auf den Tornister getragen.
- Der Beginn der modernen Figuren wird im Museum mit dieser Figur begonnen. Es handelt sich um einen Soldaten in der Uniform von 1914. Ab 1917 wurde diese Uniform etwas vereinfacht hergestellt war das typische Erscheinungsbild des Schweizer Soldaten bis weit in den 2. Weltkrieg hinein. Im Gegensatz zur Uniform von 1917 wurde 1914 die Truppengattung - hier grün für Infanterie - mit farbigen Vorstössen, sogenannten Passepoils, hervorgehoben. Später waren diese Passepoils für alle Truppen schwarz.
- Während die Figur 1914 den Beginn der feldgrauen Uniform zeigt, trägt die Figur 1918 noch die vorherige blaue Uniform. Diese dunkelblaue Bluse wurde auf dem Feld oder beim Exerzieren getragen. Es handelt sich um ein neuwertiges Original aus unserem Bestand.
Spatenfutteral 1881
Auch wenn dieses Futteral simpel aussieht, kamen wir nicht darum herum es nach den alten Plänen neu herzustellen. Die allermeisten Futterale wurden später für eine praktischere Aufhängung mit zusätzlichen Riemen ausgestattet.
Für dieses Modell wurde ein Packriemen mit einem grossen Ring versehen, welcher den Spaten oben am Tornistern festhielt. Unten wurde ein Riemen durchgezogen.
Handbuch mit Objektdetails
Was als Notizdatei angefangen hat, entwickelt sich zu einem umfassenden Handbuch mit Details zu jedem einzelnen ausgestellten Objekt. Das Handbuch wird wohl zu einem späteren Zeitpunkt im Museum oder bei uns erhältlich sein. Neu angefertigte Teile sind darin mit Quellenangaben, verwendeten Materialen und der Verarbeitungsweise versehen. Bei Originalobjekten sind Reglemente oder sonstige Quelldokumente notiert. Die Bilder geben teilweise einen Einblick in die Entstehung der Objekte - wie auch dieser Blog.