Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/105523

<h2>SubmittedText<h2><p>Die Panikmacherei, die mit der Impfkampagne gegen die pandemische Grippe H1N1 verbunden war, hat in der Ärzteschaft sowie in der Bevölkerung eine grosse Verunsicherung hinterlassen. Die falsche Einschätzung des Risikos (letztlich weniger Todesopfer als bei einer saisonalen Grippe), die Mediatisierung von zweifelhaften Grippefällen, die von Fachleuten der WHO zu tief eingeschätzte Epidemie-Schwelle, die undurchsichtige Rolle der von der pharmazeutischen Industrie abhängigen Expertinnen und Experten lassen auf zu schnell gefasste Entscheide und Empfehlungen schliessen, die weder den Vorsorgegrundsatz noch das hippokratische Prinzip (zuallererst: keinen Schaden zufügen) befolgen.</p><p>In den Medien wurde von einem Fall berichtet, wonach eine Person nach der Grippeschutzimpfung an multipler Sklerose erkrankt sei. Um wieder mehr Glaubwürdigkeit und Transparenz zu erlangen, scheint es angebracht, alle geimpften Personen zu befragen, anstatt abzuwarten, bis sie sich unaufgefordert bei einem Arzt oder einer Ärztin melden. So könnten sie in regelmässigen Abständen (mindestens einmal jährlich) medizinisch untersucht werden. Damit wäre es möglich, ehrlich und gut abgestützt über die Risiken von Nebenwirkungen zu informieren. Ausserdem sollte in einer weiteren detaillierten Untersuchung der Impfstoff präzisiert werden, was wiederum eine wertvolle Hilfe und eine Garantie für Seriosität wäre.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Expertinnen und Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie die nationalen Gesundheitsbehörden haben ihre Entscheidungen gestützt auf die damals vorliegenden Daten getroffen und dabei der starken Ausbreitung des Virus der pandemischen Grippe (H1N1) 2009 Rechnung getragen. Die WHO führt zurzeit ein Evaluationsverfahren bezüglich ihrer Massnahmen zur Vorbereitung und Reaktion auf die Pandemie durch, dessen Ergebnisse eine Klärung gewisser Fragen bringen werden. Wie bereits in der Antwort zur Interpellation Berberat 09.3985 angekündigt, lässt der Bundesrat ebenfalls eine externe Evaluation vornehmen, um aus den Erfahrungen im Zusammenhang mit der pandemischen Grippe (H1N1) 2009 und insbesondere mit der Pandemieimpfung zu lernen.</p><p>Bis Mitte März 2010 wurden in Europa mehr als 40 Millionen Personen mit einem der zugelassenen Pandemieimpfstoffe geimpft. Die Sicherheit dieser Impfstoffe ist nicht infrage gestellt, und das Kosten-Nutzen-Verhältnis wird als günstig beurteilt. Während der ganzen Impfkampagne und bis heute entsprach das gezeichnete Profil der unerwünschten Wirkungen für alle Pandemieimpfstoffe den Erwartungen. </p><p>Die Überwachung der unerwünschten Wirkungen der Impfstoffe gegen die pandemische Grippe (H1N1) 2009 wurde sowohl auf nationaler wie auf internationaler Ebene verstärkt. In der Schweiz können Ärztinnen und Ärzte dank einem neuen Überwachungssystem, das von Swissmedic in Zusammenarbeit mit der WHO entwickelt wurde, unerwünschte Wirkungen rasch per Internet melden. Die Meldungen der unerwünschten Wirkungen beschreiben Ereignisse, die einen zeitlichen Bezug zur Impfung aufweisen. Diese Ereignisse können durch die Impfung oder andere Ursachen, die sich zufällig nach der Impfung manifestieren, hervorgerufen werden. Ein Kausalzusammenhang mit der Impfung kann im Allgemeinen nicht sofort nachgewiesen und muss jedes Mal sorgfältig geprüft werden. </p><p>Spontanmeldesysteme haben bewiesen, dass sie mögliche Risiken erfassen können. Die Fachleute waren eingehend instruiert, und ihre Teilnahme am Meldesystem in unserem Land war hoch. Zuverlässigkeit und Wirksamkeit der eingesetzten Überwachungsmassnahmen wurden und werden weiterhin anerkannt. Weder in unserem Land noch international haben diese Hinweise auf neue, spät nach der Impfung auftretende Komplikationen oder Langzeitrisiken ergeben, die eine systematische Nachverfolgung aller Geimpften rechtfertigen würde. Eine solche Massnahme wäre aussergewöhnlich und mit enormem Aufwand verbunden. Sie würde nicht Vertrauen schaffen, sondern schwere Bedenken auslösen. Auch international werden solche oder ähnliche Untersuchungen nicht ins Auge gefasst.</p>  Antwort des Bundesrates.