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In Amerika
[* 2] ist seit einiger Zeit eine von E. Thomson angegebene Methode, Metallstücke aneinander zu schweißen,
in praktischem Gebrauch. Das Prinzip ist, die beiden aneinander zu schweißendenStücke mit einer Stromquelle zu verbinden
und sie aneinander zu pressen. Ist der Strom genügend groß, so erhitzt er die Metallstücke bis zu beliebiger
Höhe und zwar an der Trennungsstelle am meisten, da hier dem Stromübergang der größte Widerstand entgegengesetzt wird.
Man verstärkt den Strom, bis die Schweißstelle weißglühend ist, und preßt die Stücke zusammen. Die Zusammenstoßstelle
wird bei schwerflüssigen Metallen mit Borax,
[* 3] bei leichter flüssigen Metallen, wie Zinn, Blei,
[* 4] mit Zinkchlorid,
Harz oder Talg versehen. Äußerst einfach ist es, Ströme von genügender Stärke
[* 5] bei Anwendung von Wechselstrom zu erhalten.
Man hat nur nötig, einen Transformator zu Hilfe zu nehmen. Liefert z. B. die Wechselstrommaschine 600 Volt und 20 Ampère,
so kann man dies mittels eines Transformators ohne Schwierigkeit in 12,000 Ampère und 1 Volt umsetzen. Diese Stromstärke
aber genügt schon, um Stücke von erheblichem Querschnitt in Weißglut zu versetzen. Mittels des elektrischen Stromes lassen
sich auf einfache WeiseMetalleschweißen, welche bei andern Schweißmethoden erhebliche Schwierigkeiten bieten.
Das Strecken eines Schmiedestücks erfolgt durch Bearbeiten mit den Hammerfinnen, indem man dieselben
zu der Richtung, in der die Dehnung erfolgen soll, rechtwinkelig aufsetzt. Zum Stauchen z. B.
einer Welle an einer bestimmten Stelle werden Schläge in Richtung der Wellenachse erteilt, während das Arbeitsstück gegen
den Amboß gehalten wird. GrößereWellen
[* 13] werden gestaucht, indem man sie hoch hebt und vertikal gerichtet
auf einen eisernen oder steinernen Klotz fallen läßt.
Das Biegen erfolgt auf der Amboßkante oder auf dem Sperrhorn. Zum Biegen von Radreifen u.
dgl. bedient man sich besonderer Maschinen (Biegmaschinen), welche in
[* 6]
Fig. 2 aus drei Walzena b c bestehen, von welchen a und
b das Arbeitsstück fassen und gegen die dritte c schieben, an der es konstant abgelenkt und daher kreisförmig
gebogen wird. Die Vorwalze d erleichtert diese Arbeit; b und c sind für die Dicke und den Krümmungshalbmesser verstellbar.
Das Abschroten geschieht unter Zuhilfenahme des sogen. Abschrots, eines in dem vierkantigen
Amboßloch zu befestigenden Werkzeugs, welches die Form eines Meißels mit nach oben gerichteter Schneide
von etwa 30° Schneidwinkel hat; man legt oder setzt auf dasselbe das glühende Werkstück, setzt darauf den Schrotmeißel,
einen Hammer mit messerartiger Finne, und schlägt mit den Schmiedehämmern, bis das Stück durchschnitten ist.
gensalz, 7,6 Kolophonium und für Stahl auf Stahl: 41,5 Borsäure, 35 trocknes Kochsalz, 15,5 Blutlaugensalz, 8 entwässertes kohlensaures
Natron. Bisweilen schweißt man auch durch Druck unter Anwendung der hydraulischen Presse
[* 17] oder zweier Walzen. Die Längenfugen
an Dampfkesseln werden auch durch eine Schweißmaschine zusammengeschweißt, deren Hauptbestandteil ein hammerartiger, durch
Druck wirkender Stempel ist. Ohne Benutzung des Hammers, durch ruhigen Druck schmiedet man kleinere Gegenstände,
z. B. Schraubenmuttern, in Schmiedemaschinen, welche aus einem festen Untergesenk und einem
regelmäßig auf- und niedergehenden Obergesenk bestehen.
Der Arbeiter hat hier nur dem Gesenk
[* 18] immer geeignetes Rohmaterial zuzuführen. Zum S. größerer Stücke, z. B. der Lokomotivkreuzköpfe,
sind hydraulische Pressen (Schmiedepressen) in Anwendung, welche nach gleichem Prinzip wirken. Eine vom
gewöhnlichen S. völlig abweichende Arbeit bildet das Kesselschmieden, bei welchem nach dem Vorzeichnen und Beschneiden derBleche, dem Ausbohren oder Ausstoßen der Nietlöcher die auf der Blechbiegemaschine gebogenen Bleche zusammengenietet und
die Nietfugen behufs der Dichtung verstemmt werden.
Vgl. Schmelzer, Einrichtung und Betrieb der Schmieden
(Leipz. 1888).
Geschichte der Schmiedekunst.
(Hierzu die Tafel »Schmiedekunst«.)
Die Verarbeitung des Eisens wird schon in den ältesten Schriftquellen, wie in der Genesis und im Homer, erwähnt, und der Mythus
bezeichnet Tubalkain (den Hephästos
[* 19] oder Vulkan der Hebräer) als den Erfinder des Schmiedens. Doch finden
wir bei zahlreichen alten Völkern, welche es im Guß und in der Ziselierung der Bronze
[* 20] zu bedeutender Fertigkeit gebracht
hatten, keinerlei Eisenarbeiten, und Assyrer, Ägypter und Römer
[* 21] scheinen das Eisen nur da angewandt zu haben, wo Bronze nicht
hinreichende Festigkeit gewährte: man findet Lanzenspitzen, Schwertklingen, Beile, seltener Schlüssel (s.
Tafel,
[* 16]
Fig. 1). Wurde in der christlichen Zeit die Benutzung des Eisens häufiger, so blieb es doch lange Zeit noch in der
untergeordneten Stellung eines lediglich nützlichen, von der Kunst unberührten Materials.
Sie bewegte sich naturgemäß innerhalb des konstruktiven Systems und der Stilformen der Gotik. Die Kirch-
und Hausthüren, aus Brettern zusammengefügt, wurden durch Eisenbänder gehalten, welche, von der Angel wie von einer Wurzel
[* 25] ausgehend, sich verzweigten und in Blättern oder Blumen endigten
[* 16]
(Fig. 2 u. 9). Das Schloß wurde nach außen hin durch das
Schlüsselschild (s. Schloß, S. 539, u.
[* 16]
Fig. 4, 17, 24 der Tafel) oder durch einen
größern kunstvollen Beschlag
[* 16]
(Fig. 6, 18) charakterisiert.
Das Eisen wurde in die zierlichsten Formen geschnitten, auch mit eingeschlagenem Linienornament oder aufgetriebenen
Buckeln geschmückt, Beschlagarbeit gern durchbrochen und mit rot oder blau gefärbtem Papier unterlegt, feinere durch Verzinnen,
gröbere durch roten Anstrich gegen das Rosten geschützt. Die Renaissance brachte ihre Formensprache auch auf diesem Gebiet
zur Herrschaft, welches gleichzeitig eine Erweiterung durch die Einführung der Plattenharnische erfuhr.
Die Plattner von Augsburg,
[* 29] Mailand
[* 30] u. a. O. belebten die großen Flächen der Harnische mittels Tauschierung
oder durch Ätzung, welche die Zeichnung glänzend stehen läßt, den Grund schwarz färbt; dieselben Verzierungsweisen übertrugen
sich auf Waffen
[* 31] und auf Mobiliar, namentlich Truhen, Kassetten, kunstreiche Schlösser, welche nicht bloß auf der äußern, sondern
auch auf der innern Seite durch Ätzung verziert wurden. Die monumentalen Werke des 15. und 16. Jahrh.
zeigen den ganzen Phantasiereichtum jener Periode und die absolute Beherrschung des Stoffes, die beide in übertreibender Weise
auch die Barockzeit charakterisieren, welche in einer überreichen Ornamentation das Metall bisweilen zu Leistungen zwingt,
die dessen Wesen widersprechen
[* 16]
(Fig. 5, 8, 10, 14, 15 u.
22). Meisterwerke der Kunst im kleinen sind die Schlüssel mit durchbrochener Arbeit
[* 16]
(Fig. 7, 13, 16 u. 20).
Wie dem Niedergang der Schmiedekunst von Frankreich Vorschub geleistet worden ist, so hat auch dort seit
dem Beginn der 60er Jahre der Aufschwung begonnen. Insbesondere hatte der Architekt Pfnorr die Aufmerksamkeit der Werkstätten
für Eisenkonstruktion auf die Muster der Gotik, der Renaissance und des 17. Jahrh. gelenkt. Die Portale der Cours d'honneur
vor den französischen Hotels, die Gitter der
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Pariser Parke, die Gitter an den Bahnhöfen, für die Umfriedigung der GroßenOper die Treppengeländer für die letztere etc.
wurden entweder im reichsten Stil der Hochrenaissance im Anschluß an die Loggienornamentik des Vatikans oder in den Stilrichtungen
Ludwigs XIV. und Ludwigs XV. ausgeführt, wobei die Technik spielend die schwierigsten Probleme überwand.
Man begnügte sich nicht mit den überlieferten vegetabilischen Ornamenten, mit den gehämmerten Ranken, Blättern und Blüten
und den phantastischen Spiralen, sondern man fügte auch Namenszüge und bildliche Darstellungen, wie Figuren und Köpfe, in
das ornamentale System ein, um eine möglichst reiche malerische Wirkung zu erzielen, welche auch wohl noch
durch Vergoldung, Ätzung und Tauschierung verstärkt wurde. - In England hat sich die Schmiedekunst auf Grund der mittelalterlichen
immer lebendig erhalten.
Sie trat daher zunächst in gotischen Stilformen auf, für welche FerstelundSchmidtEntwürfe lieferten.
Die also wieder belebte Technik fand bald solchen Beifall, daß auch für die Profanbauten nach Arbeiten aus Schmiedeeisen
Nachfrage gehalten wurde. Für diese Zwecke wurden die Vorbilder aus der italienischen und deutschen Renaissance geschöpft
und danach neue Muster komponiert. Der rein architektonische Zweck trat dabei natürlich zunächst in den
Vordergrund. In der Folge aber begann man auch in Österreich, kleinere Gebrauchsgegenstände und Geräte, wie Leuchter, Kassetten
u. dgl., aus Schmiedeeisen herzustellen. - In Deutschland wurden die ersten Versuche, diese Technik neu zu beleben, in Berlin
gemacht und am erfolgreichsten durch EduardPuls, welcher besonders auf die Muster der deutschen Renaissance
zurückgriff und im Verein mit den hervorragendsten ArchitektenBerlins und durch seine umfangreiche Beschäftigung für Staats-
und Kommunalbauten bald eine solche Wirksamkeit entfaltete, daß er 1877 eine große »Mustersammlung
moderner schmiedeeiserner Ornamente«
[* 54] im Charakter der deutschen Renaissance herausgeben konnte, zu welcher seine eigne Werkstatt
den größten Teil beigesteuert hatte.
Die deutsche Schmiedekunst erstreckt sich gegenwärtig auf alle Arten von Umfriedigungen, Vergitterungen und Beschlägen, welche
eine architektonische oder dekorative Bestimmung haben,
anderseits auf Geräte und Gebrauchsgegenstände, welche einen von der
Architektur und der Dekoration unabhängigen Zweck erfüllen. Um den malerischen Effekt möglichst vielseitig zu gestalten,
wird das Eisen geschwärzt oder blank poliert, verkupfert, vernickelt, verzinnt und vergoldet, graviert und tauschiert. Es
werden sogar einzelne Teile, wie Blätter, Blumenkelche, Rosetten etc., aus Schmiedeeisen getrieben, und mit letzterm werden
auch Kupfer
[* 55] und die neuerfundene Deltalegierung verbunden. Die neuern Gewerbeausstellungen haben den Geschmack an den kleinern
Erzeugnissen der Schmiedekunst in die weitern Kreise
[* 56] des Publikums getragen, so daß heute schmiedeeiserne
Leuchter, Blumenständer, Kassetten etc. einen integrierenden Bestandteil von Speise- und Wohnzimmereinrichtungen bilden.