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Allgemeine Einführung
Das Phänomen, bei dem die betreffende Person mehrfach von körperlichen Beschwerden berichtet und diverse medizinische Untersuchungen durchwegs normale Befunde ergeben, ohne dass dabei eine somatische Ursache für die Beschwerden gefunden werden kann, wird somatoforme Störung genannt. Eine somatoforme Störung kann ebenfalls vorliegen, wenn zwar körperliche Auslöser gefunden werden, diese jedoch nicht mit der Art oder dem Ausmass der berichteten Schmerzen vereinbar sind. Bei betroffenen Personen sind oftmals viele verschiedene Ärzte über den Zeitraum von mehreren Jahren involviert, von welchen kaum jemand eine Ursache für die Schmerzen eruieren kann oder an einen psychosomatischen Zusammenhang denken würde.
Die Medizin und die entsprechende Forschung haben in den letzten Jahren grosse Fortschritte gemacht, was die Wechselwirkung zwischen psychischen und physischen Aspekten betrifft. Diese Schnittstelle wird im Generellen auch als psychosomatisch bezeichnet, was sich als Begriff durchaus auch in der Umgangs- und Alltagssprache etabliert hat.
Klärung von Begriffen
Im Unterschied zu den somatoformen Störungen liegen bei den psychosomatischen Beschwerden organische Schädigungen vor, welche von psychischen und/oder sozialen Faktoren beeinflusst oder verursacht werden. Während längerer Zeit, bevor sich der Begriff der somatoformen Störung etabliert hatte, ging man in der Medizin davon aus, dass sich betroffene Personen ihre Schmerzen einbilden, also eine Hypochondrie vorliegt. Diese ist jedoch von Ängsten geprägt, sodass sämtliche Anzeichen von Schmerzen als Indiz für das Vorliegen einer schweren Erkrankung gedeutet werden.
Fortschritte in der Technik, welche neurologische Vorgänge und Aktivierungen abbildbar machen, erlaubten es jedoch , das Vorliegen von Schmerzen in den entsprechenden Hirnarealen zu messen und somit darzulegen, dass Personen durchaus Schmerzen erleben können, auch wenn keine klaren körperlichen Ursachen ersichtlich sind.
Symptome
Grundsätzlich können sich die Symptome als Schmerzen oder Beschwerden in sämtlichen Körperbereichen manifestieren. Besonders häufig ist dies in folgenden Bereichen der Fall: Magen-Darm-Trakt (z.B. Verdauungsprobleme, Durchfall), Herz-Kreislauf-System (z.B. Schwindel, Atemnot, Druckgefühl), Probleme im Urogenitalbereich (z.B. Schmerzen beim Wasserlassen), im Hals-Nasen-Ohren-Bereich (Tinnitus, Gleichgewichtsstörungen, Zungenbrennen) aber auch Schmerzen in der Muskulatur oder in den Gelenken. Dies ist zwar nur ein Bruchteil von möglichen Symptomen, soll jedoch die Vielfalt und Diversität von somatoformen Beschwerden veranschaulichen.
Diagnosen
Bis die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung gestellt wird, haben betroffene Personen in der Regel eine Vielzahl an Untersuchungen von diversen Organsystemen hinter sich. Oftmals ändern sich nämlich die Symptome und der Fokus der Schmerzen bei der betroffenen Person über die Zeit. Besteht diese Problematik für mindestens zwei Jahre, ist das zeitliche Kriterium für eine Diagnose gemäss der WHO erfüllt. Für die Stellung einer Diagnose sollte der Hausarzt die betroffene Person an eine spezialisierte Fachperson für Schmerzen und/oder Psychosomatik überweisen. In der Regel werden dann Techniken und Verfahren eingesetzt, welche eine sehr detaillierte Auseinandersetzung mit der Wahrnehmung und anderen Aspekten des Schmerzes ermöglichen. Ebenso sollte eine umfassende Anamnese (Krankengeschichte) erfragt werden. Dazu gehört nicht nur die biologische Biographie, sondern auch eine Erhebung einer sogenannten Landkarte aller psychosozialen Befunde, wie Beruf, Beziehung, finanzielle Situation usw. Dies nennt man in der psychosomatischen Medizin den sogenannten bio-psycho-sozialen Zugang zum Patienten. Zahlen zeigen, dass über ihr Leben hinweg weniger als ein Prozent der Menschen sämtliche Kriterien für eine Diagnose mit dem ICD-Code F45.0 erfüllen. Ein etwa zehnmal grösserer Anteil besteht aus Personen, welche zwar über einige Beschwerden klagen, die auf eine somatoforme Störung hindeuten, jedoch nicht alle hinreichenden Kriterien für eine Diagnose erfüllen. Zum Beispiel kann es sein, dass die Symptomatik erst seit sechs Monaten vorliegt. Diesen Personen wird in der Regel die Diagnose mit dem Code F45.1 «undifferenzierte Schmerzstörung» zugewiesen. Eine weitere mögliche Subkategorie stellt die hypochondrische Störung dar. Besonderes Merkmal dabei ist die Fokussierung auf eine oder mehrere Krankheiten, an denen die betroffene Person, ohne medizinische Evidenz, zu leiden glaubt. Oftmals werden dabei gesunde und normale Körperreaktionen als pathologisch und abklärungswürdig interpretiert, mit der Begleitung, an einer schweren, meist unheilbaren Erkrankung zu leiden.
Komorbiditäten
Personen, welche an einer somatoformen Schmerzstörung leiden, haben häufig auch andere Diagnosen, die oftmals auch medizinisch begründbare körperliche Schmerzen mit sich bringen. Des Weiteren sind aber auch psychische Erkrankungen wie Depression oder Angststörungen, aber auch Schizophrenie durchaus häufig.
Diese psychischen Erkrankungen können gegebenenfalls auch Erklärungen für mögliche Ursachen von somatoformen Störungen liefern. Auf diese Ursachen wird im zweiten Teil detaillierter eingegangen.