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Nach dem Vermessen der Puppe wurde ein erster grobe Prototyp-Schnitt erstellt. Damit wir nun die Passgenauigkeit getestet. Die Uniform ist hier nur angedeutet und weder gefüttert noch sonst speziell bearbeitet. Der Schnitt wurde den Skizzen und Beschreibungen aus dem "Reglement für die Kleidung der Bernischen Miliz" von 1829 entnommen. Nun müssen noch einige Dinge angepasst werden, damit die Uniform auf die Puppe passt, welche sich durch ihre Härte etwas anders verhält als der menschliche Körper. Einerseits wird der Schnitt angepasst, andererseits wird auch die Figur noch gestopft, so dass beispielsweise die Arme eine natürliche Form bekommen.
So langsam erkennt man nun jedoch diese erste der Figuren.
Ab 1875 wurden in der Schweizer Armee Nummern auf den Achselklappen verwendet, um die Einteilung zu erkennen.
Für kurze Zeit wurden dazu farbige Schnüre auf die Achselklappen genäht. Später wurden dafür Achselnummern gewoben. Diese zuerst aufgenähten und später aufgesteckten Nummern wurden mit einer speziellen Jacquardtechnik gewoben, was ihnen das besondere Rippenaussehen gibt. Von den Webstühlen die dafür verwendet wurden, existiert heute lediglich noch ein Exemplar. Da der Webstuhl jedoch nicht eingerichtet ist, müsste er auf einem nivellierten Fundament wieder neu aufgebaut und mit grossem Aufwand eingestellt werden. Mit den üblichen Webstühlen lassen sich die Nummern heute nicht mehr identisch herstellen. Wir haben deshalb nach einer Möglichkeit gesucht, wenigstens das Aussehen so gut wie möglich zu kopieren.
Zusammen mit unserem Stickpartner haben wir diverse Möglichkeiten ausprobiert und sind nun auf gutem Weg. Etwas Schwierigkeiten machten uns zu Beginn die Dicke sowie der obere und untere Rand. Bei einem gewobenen Band ist hier eine saubere Webkante. Beim Sticken muss dies normalerweise entweder umgelegt oder abgeschnitten werden. Wir haben nun jedoch eine gute Lösung gefunden.
Ende 2013 beendete der letzte Metallknopf-Fabrikant der Schweiz die Produktion. Die Firma Schaerer & Co stellte seit 1849 Knöpfe für Bund, Militär, Polizeikorps, Bahnen und andere Knöpfe her und belieferte auch uns regelmässig.
Nun haben wir glücklicherweise im benachbarten Ausland einen neuen Partner für vergleichbare Knöpfe gefunden. Neben blanken Knöpfen haben wir auch einen geprägten Knopf in Auftrag gegeben. Er wird eine Figur der Miliz von Delémont um 1740 zieren. Weder von der Uniform noch vom Knopf gibt es noch Originale, lediglich einige Details sind in einer kurzen Beschreibung überliefert. So haben wir ein Wappen Delémonts aus dem 18. Jahrhundert verwendet um daraus einen Knopf zu entwerfen, wie er damals ausgesehen haben könnte.
Ursprünglich dürften die Knöpfe aus verzinntem Eisenblech hergestellt worden sein. Dieses wurde über einen Holzkern gezogen. Bei der Kopie ist sowohl Hinter- wie auch Vorderteil aus Metall.
Als erste Figuren sollen zwei Füsiliere entstehen, wie sie im Berner Jura um 1818 und 1829 anzutreffen waren.
Die Mannequins wurden speziell für die Anforderungen und Positionen nach unseren Wünschen hergestellt. Leider sind sie noch nicht eingetroffen, und ohne die definitiven Masse betätigen wir uns zuerst an Accessoires.
Für jede Figur erstellen wir Skizzen um eine Übersicht über die einzelnen Teile zu erhalten. Hier die provisorischen Illustrationen der beiden Berner:
Anhand der Tschakos wird sichtbar, wie aufwendig die detaillierte Reproduktion ist. Die Schuppenbänder der Berner mit jeweils 3 Ziegeln sind eine Eigenheit und wurden nicht wie viele andere Teile beispielsweise aus Frankreich importiert oder kopiert. So mussten wir diese speziell anfertigen. Die früher aus Weissblech (verzinnter Stahl) hergestellten Einzelteile haben wir aus Stahl lasern lassen. Hier wurde auf die historische Herstellung verzichtet, da die Werkzeugherstellung die Kosten bereits schon ins Unendliche getrieben hätte. Danach wurde die Z-förmige Biegung mit einem Werkzeug aus dem 3D-Drucker in die Einzelteile geschlagen. Nach dem Verzinnen wurden die Teile auf einem Leder befestigt und zusammen mit dem Bindbändel rückseitig verschlossen.
Die fertigen Schuppenbänder werden mittels einer Stern-Rosette am Tschako befestigt. Da diese ebenfalls eine spezielle Grösse haben, wurden sie neu angefertigt. Dazu haben wir von einem Original durch das galvanoplastische Verfahren Kopien erstellt und diese verzinnt.
Als nächstes galt es, die Woll-Kokarden zu kopieren. Für solche kleinen Webarbeiten sind in der Schweiz kaum noch Partner zu finden, so dass wir die Kokarden nach Originalen und den Beschreibungen im Reglement selbst gewoben und plissiert haben.
Die Gamaschen sind bereit für die Anpassung am Mannequin. Knöpfe und Steg werden ganz am Ende angepasst. Sämtliche sichtbaren Nähte wurden hier von Hand genäht, so auch das Innenfutter und die Knopflöcher. So sind sie von Originalen kaum zu unterscheiden.
Die nächste Figur in der Reihe wird ein Eidgenössischer Füsilier der Ordonnanz 1852 sein. Wir haben mit dem Schild in Form einer halben Sonne begonnen, welcher den Tschako zieren wird. Dazu hatten wir das Glück von einem seltenen Original ohne Nummer eine Kopie machen zu können, um danach die gewünschten Bataillonsnummern auszusägen.
Um den Anforderungen für das Museum gerecht zu werden, mussten die Mannequins neu konstruiert werden. Die Figuren sollten flexibel und trotzdem stabil genug sein, um auch schwere Ausrüstungsgegenstände wie Tornister und Waffen zu tragen. Auch die Grösse und aussehen sollte einem Soldaten aus vergangenen Zeiten nahe kommen. Die heute gängigen Mannequins sind eher gross und sportlich.
Um die verschiedenen gewünschten Positionen hinzubekommen wurden die Arme aus drei Gelenken gebaut. Je nach getragener Uniform werden die Arme dann mehr oder weniger mit Schaumfolie ausgestopft. Der Hals wurde so konstruiert, dass der Übergang zwischen Torso und Kopf auf bei niedrigem Kragen nicht sichtbar ist.
Der Weg von den ersten Versuchen bis zum fertigen Mannequin: