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Der Wiesensalbei, ein typischer Lippenblütler
Der Wiesensalbei (Salvia pratensis) ist eine aufrechte, 30 bis 60 Zentimeter hohe Pflanze mit vierkantigem Stängel. Ihre Blätter sitzen in einer grundständigen Rosette, nur vereinzelt sind Stängelblätter vorhanden. Sie sind herzförmig, unregelmässig gezähnt und mit einer runzeligen Oberfläche versehen. Die blauen Blüten sitzen locker in wenig verzweigten Blütenständen und erscheinen im Mai. Die Pflanze blüht dann bis in den Sommer hinein, manchmal sogar nochmals im Herbst. Dem behaarten glockenförmigen Kelch entspringt eine Blüte mit einer zweiteiligen Ober- und einer dreiteiligen Unterlippe. Der Griffel mit seiner zweischenkligen Narbe ragt markant aus der Oberlippe hervor. Beim Blütenbesuch lösen die Bienen einen Hebelmechanismus aus, der die beiden Staubfäden auf den behaarten Rücken drückt. Dort bleibt der Pollen haften und wird zur nächsten Blüte transportiert, die so befruchtet wird.
Salbei ist die artenreichste Gattung der Lippenblütler (Lamiaceae) und umfasst weltweit über 600 Arten. Davon kommen lediglich sieben Arten in der Schweiz und in der Region vor.
Vom Blau auf dem Land ...
Der Wiesensalbei ist, wie der Name sagt, eine typische Pflanze des Graslands. Er kommt in mageren Fettwiesen vor, aber auch in nährstoffreichen Magerwiesen. Ein Wiesentyp trägt den Salbei in seinem Namen: die Salbei-Glatthaferwiese. Der (Arrhenatherum elatius), eine Grasart, ist die eine der beiden dominierenden Pflanzen, die andere ist eben der Wiesensalbei. Es handelt sich um eine blumenreiche Heuwiese in Gebieten, in denen die traditionelle Grasbewirtschaftung verbreitet war. Schon der Botaniker schrieb im 18. Jh.: «Wiesensalbei ist ... die allergemeinste Pflanze in allen Wiesen, an Strassen und Ackerrändern». Im 19. Jh. wurden durch die Zunahme der Viehhaltung vermehrt Halbtrockenrasen mit Stallmist gedüngt und Ackerland für die Futterproduktion in Grasland umgewandelt, was zu einer stärkeren Verbreitung der traditionellen Heuwiesen führte. Sie wurden zweimal jährlich geschnitten; der erste Schnitt wurde als Heuet, der zweite Schnitt als Emd bezeichnet. Der Wiesensalbei verlieh der Landschaft in den Tieflagen während seiner Blütezeit das unverwechselbare Blau.
Dieses Bild blieb bis in die 1950er-Jahre bestehen. Dann setzte bei der Grasbewirtschaftung wie bei anderen Landwirtschaftszweigen auch eine Intensivierung ein. Durch vermehrte Düngung (vorwiegend mit Gülle) wurden die traditionellen Heuwiesen in Fettwiesen (Vielschnittwiesen) mit bis zu fünf Schnittgängen pro Jahr umgewandelt. Der gelbblühende Löwenzahn und der weissblühende Wiesenkerbel wurden dadurch gefördert, das artenreiche Farbgemisch, bei dem der Wiesensalbei für den Blautupfer sorgte, verschwand. Schätzungen gehen davon aus, dass heute nur noch 2 bis 5% der Graslandflächen aus Salbei-Glatthaferwiesen bestehen, während es 1939 noch rund 90% waren. Die vielerorts entstandenen Kunstwiesen zeichnen sich neben hohen Güllegaben durch einen frühen ersten Schnitt und durch die Nutzungsform der Silage (Siloballen) statt der Heubereitung aus.
... zum Blau in der Stadt
Dem Wiesensalbei kommt im Gegenzug ein neuer Trend zugute. Im Stadtgebiet von Basel und in der Agglomeration werden von der Stadtgärtnerei vermehrt Naturwiesenmischungen angesät, die neben anderen Wiesenpflanzen auch den Wiesensalbei enthalten. Dies führt im Frühjahr teilweise zu auffällig blaublühenden Wiesenflächen mitten im städtischen Umfeld. So erblühen Böschungen, Borde, Verkehrskreisel und Baumrabatten im Salbeiblau und bieten dem Wiesensalbei städtische Ersatzstandorte. Was seit den 1950er-Jahren aus dem ländlichen Raum allmählich verschwand, erlebt zur Zeit im städtischen Umfeld eine Renaissance.
Der Salbei im Garten
Eine weitere wohlbekannte Salbei-Art ist der Gartensalbei (Salvia officinalis). Er stammt aus dem Mittelmeergebiet und wurde in der Region als Gewürz- und Arzneipflanze eingeführt. Die aromatischen Inhaltsstoffe sind ätherische Öle, die als Wirkstoffe in Medizinal-Tees oder zum Würzen von Fleisch und Fisch dienen und dienten. Der Gartensalbei ist auch ein traditionelles Element des alten Bauerngartens und wurde für den Eigenbedarf angepflanzt. Auch heute ist er im Haus- und Familiengarten und sogar im Balkonkistchen mancherorts anzutreffen.
BE
Tabellen und Diagramme
Wiesen: Nutzung
Quelle: Dierschke Hartmut, Briemle Gottfried: Kulturgrasland – Wiesen, Weiden und verwandte Staudenfluren, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2002, S. 141.