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Wie Südtirols Abfall das Ende von Österreich-Ungarn besiegelt
Am 10. Oktober 1920 hat Italien Südtirol annektiert. Das Gebiet war für Rom wie ein Stachel im eigenen Fleisch, während die Bevölkerung vergeblich auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker pochte.
Nach dem Ersten Weltkrieg hoffen die Deutschsprachigen in Südtirol auf den amerikanischen Präsidenten. Klar, das Welschtirol ist mehrheitlich italienischsprachig, aber ansonsten herrschen hier die Österreicher vor. In Bozen haben anno 1900 von knapp 15'000 Einwohnern nur knapp 1'500 zuhause Italienisch gesprochen.
Aber weil US-Präsident Woodrow Wilson in seinen «14 Punkten» das Selbstbestimmungsrecht der Völker beschwört hat, hoffen die Tiroler nach dem Krieg, zusammen bleiben zu dürfen – zumal anderen umstrittene Regionen in Friedensverhandlungen die Möglichkeit eingeräumt wird, abzustimmen, zu welchem Land man gehören will.
Solche Gebiete gibt es an der Grenze zwischen Dänemark und dem Deutschen Reich, aber auch in Ost- und Westpreussen, in Schlesien, im Saargebiet und an der österreichischen Grenze zum neu entstandenen Staat Slowenien.
Annexion am selben Tag wie die Abstimmung in Kärnten
Geregelt sind diese Vorgänge in den Verträgen von Versailles und von St. Germain. Letztgenannter regelt die Zerschlagung der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn.
Von dem Kaiserreich, in dem 1900 gut 45 Millionen Menschen lebten, bleibt ein Rumpfstaat mit 6,5 Millionen Einwohnern übrig. Österreich verliert Istrien, das Kanaltal und den Südtirol: Der italienische König Vittorio Emanuele III. unterschreibt die formelle Annexion Tirols südlich des Brenners demonstrativ am 10. Oktober 1920 – dem Tag, an dem in Kärnten das Volk abstimmt und sich für den Verbleib bei Österreich ausspricht.
Diese Symbolik ist ein Fingerzeig für die Zukunft Südtirols: Es wird mit harten Bandagen gekämpft. Auf eine Italisierungspolitik, die unter Mussolini unrühmliche Höhepunkte erreicht, folgt eine südtiroler Unabhängigkeitsbewegeung, die sogar Anschläge – vor allem auf das Energienetz – verübt.
Strategische Beute
Die Abstimmunsgebiete in Kärnten votieren am 10. Oktober dagegen klar für einen Verbleib bei Österreich: Nicht nur die deutschsprachige Bevölkerung stimmt dafür, sondern auch die Hälfte der der Slowenen. Doch warum war Südtirol nie für eine Abstimmung vorgesehen? Ein Blick auf die Karte verdeutlicht das:
Die Annexion sichert Italien eine geologisch starke Grenze: Der Brenner ist eine natürliche Barriere zwischen Nord und Süd und ein wichtiges Kriegsziel Roms. Zwear erhält Italien auch das Kanaltal und Triest zurück, doch nicht so viel Land in Itrien, wie es Rom eigentlich gerne gehabt hätte. Weil dort auch die neu entstandenen Länder Jugoslawiens bedient werden mussten, blieb Südtirol quasi die Haupt-Kriegsbeute.
Damit musste sich Südtirol also abfinden, das Jahrzehnte später als europäische Region dann doc noch mit dem Rest Tirols bereinigt werden wird. Die Hoffnung auf Wilsons 14 Punkte war treu, aber vergebens: Der US-Präsident hielt sich selbst nicht gross an seinen Plan. Insofern hatte Südtirol damals keine Chance, als es am 10 Oktober vor 100 Jahren italienisch wurde.
Dieses Video beleuchtet kitisch das politische Erbe des Herrn Wilson.Zurück zur Startseite