Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03488.jsonl.gz/1817

Pranab Mukherjee ist Indiens neuer Präsident
Pranab Mukherjee geniesst grosses Ansehen weit über die Parteigrenzen hinaus. (Keystone Archiv)
Indiens neuer Präsident Pranab Mukherjee tauscht den Schleudersitz im Finanzministerium mit der zeremoniellen Rolle des Staatsoberhaupts. Er wird sein Amt am 25. Juli antreten. Der 76-jährige Pranhab Mukherjee hat am Sonntag seiner beinahe 40 Jahre langen politischen Karriere die Krone aufgesetzt.
Mit grosser Mehrheit wurde er von den Abgeordneten der Landesparlamente und des nationalen Parlaments in Neu Delhi zum Präsidenten gewählt.
Vollblutpolitiker mit grossem Einfluss
Bis zu seinem Rücktritt als Finanzminister im Juni galt Mukherjee als zweiter Mann in der Regierung nach Ministerpräsident Manmohan Singh. Bekannt als «Mr. Fix-it», war der auch von Oppositionsparteien respektierte Politiker der Problemlöser der Regierungskoalition.
Mit Charme und seinem bekannten Jähzorn setzte er die Linie der Kongresspartei bei Koalitionspartnern durch. Sein Einfluss reicht nach Angaben von Beobachtern in alle Bereiche des politischen Lebens.
Viele Baustellen im Finanzministerium
Mukherjees Wirken als Finanzminister wurde jedoch von der Unfähigkeit der Regierung getrübt, weitere Wirtschaftsreformen auf den Weg zu bringen. In den vergangenen Jahren geriet Indiens Wirtschaftsmotor ins stottern.
Defizite und Inflation stiegen, die Landeswährung stürzte ab. Internationale Investoren wurden von Korruption und Kehrtwendungen der Regierung bei Reformen abgeschreckt. Dem Finanzminister wird in Delhi die Verantwortung für verpatzte Reformen zugeschrieben, oft war er mehr Hemmnis als Unterstützer für Reformpläne Singhs.
Krönung einer langen Politkarriere
Der am 11. Dezember 1935 im heutigen Bundesstaat Westbengalen geborene Mukherjee studierte in Kolkata Politikwissenschaften, Jura und Geschichte. Er arbeitete als Lehrer, Journalist und Rechsanwalt, bevor er in den 60er Jahren erstmals ins Parlament einzog. Seit 1973 übte er mehrere wichtige Regierungsämter aus. Unter anderem war er Industrie-, Aussen-, Finanz- und Verteidigungsminister.
Der indische Staatspräsident füllt eine überparteiliche und zumeist zeremonielle Rolle aus. Die Macht liegt beim Premierminister. Doch in Krisensituation, wie etwa unklaren Mehrheiten nach Wahlen liegt es am Präsidenten, wen er mit der Regierungsbildung beauftragt.
Der 76-Jährige hatte einen Gegenkandidaten. Der ehemalige Parlamentspräsident Purno Agitok Sangma wurde von den wichtigsten Oppositionsparteien unterstützt. Die amtierende Präsidentin Pratibha Patil trat nicht mehr an. Sie war vor fünf Jahren als erste Frau ins höchste Staatsamt gewählt worden. (bat, dpa)
Verantwortlich für diesen Beitrag:
Mehr zum Stichwort: