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Heute, am Erscheinungstag dieser WOZ, feiert die Kopenhagener Tageszeitung «Information» ihren sechzigsten Geburtstag.
Das Blatt ist damit ein Veteran unter den linken europäischen Zeitungen, aber immer noch die jüngste Tageszeitung in Dänemark - Gratisblätter und eine Wirtschaftszeitung nicht eingerechnet. In der Nacht zum 5. Mai 1945, dem Tag der Befreiung Dänemarks, besetzten einige Leute das Gebäude, in dem bis dahin das nazistische «Fædrelandet» produziert worden war, und wandelten «Information», das Blatt des dänischen Widerstands, in eine Tageszeitung um.
150 Tageszeitungen gab es in der Nachkriegszeit in Dänemark, jetzt sind es kaum noch 30. Dass «Information» überlebt hat, ist daher keine Selbstverständlichkeit, zumal es dem Blatt - dessen Auflage zwischen 20 000 und 25 000 Exemplaren pendelt - immer an Kapital fehlte: Jedes Sommerloch konnte zur existenziellen Bedrohung werden; Geldsammelkampagnen gehörten zum Alltag. Als Ende 1967 der Kollaps drohte, wurde die Stiftung, die «Information» bis dahin herausgegeben hatte, in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, die - wie zuvor die Stiftung - der Belegschaft gehörte.
Anfang der achtziger Jahre erreichte die Zeitung eine Rekordauflage von 38 000 Exemplaren, danach ging es stetig bergab. 1988 mussten die ZeitungsmacherInnen knapp eine Million Franken an neuem Aktienkapital zusammenbetteln und die Eigentümerbasis verbreitern. Allerdings bauten sie Sicherungen ein: Kein einzelner Aktionär bekam mehr als zehn Prozent des Stimmrechts, ein Statut sicherte die Unabhängigkeit der Redaktion. Drei Jahre später drohte der nächste Konkurs: Beim Versuch, neue LeserInnenschichten zu erschliessen, verbrannte die Belegschaft innert kürzester Frist die Hälfte des Aktienkapitals von rund 2,5 Millionen Franken. Kurzzeitig standen sogar eine Zusammenarbeit mit der konservativen Tageszeitung «Jyllands-Posten» und die Umwandlung in eine Wochenzeitung zur Diskussion. Eine breit angelegte Spendenaktion, die 1,3 Millionen Franken einbrachte, und die Reduktion der Belegschaft um ein Drittel rettete schliesslich die Zeitung. Seither sind Finanzen wie Auflage (rund 21 000) einigermassen stabil, die Zahl der Beschäftigten hat fast wieder die ursprüngliche Grösse (achtzig Angestellte) erreicht. Deren Lohn liegt jedoch, so Verlagschef Henrik Bo Nielsen, «eher am unteren Ende des JournalistInnen-Tarifs». Redaktionelle Lücken in der Auslands- und Kulturberichterstattung werden über eine redaktionelle Zusammenarbeit mit dem britischen «Independent» gestopft.
«Information» will mehr bieten als die Mainstream-Zeitungen und besteht aus einem Politikteil und einem ebenso grossen Kultur- und Debattenteil. Der Schwerpunkt liegt auf eigenen Geschichten; Sport-, Lifestyle- und Wirtschaftsseiten gibt es nicht. Die rund 120 000 LeserInnen sind überdurchschittlich gebildet, haben ein vergleichsweise hohes Einkommen und gelten laut Umfragen als besonders kultur- und debatteninteressiert. Wie bei den meisten linken Blättern weiss dies die werbende Wirtschaft nicht so recht zu schätzen: «Information» finanziert sich zu siebzig Prozent über Kioskverkäufe und Abonnements. LeserInnen, die etwas mehr für «ihre» Zeitung tun wollen, können mit einem zusätzlichen Obolus Mitglied der «Freunde der Information» werden.
Seit 2002 haben die dänischen Tageszeitungen im Durchschnitt elf Prozent Auflage verloren, mit einem Minus von vier Prozent kam «Information» bisher relativ glimpflich weg. Ende letzten Jahres beschloss die Belegschaft eine Umstellung auf das Tabloid-Format. Sie will damit die Kosten senken und die Zeitung für jüngere LeserInnen attraktiver machen. Ob das klappt, ist allerdings noch ungewiss.
Dies ist der dritte Beitrag unserer Serie «Linke Medien in Europa». Bisher erschienen Texte über Frankreich (WOZ Nr. 16/05) www.woz.ch/artikel/2005/nr16/wirtschaft/11706.html und Österreich (WOZ Nr. 17/05) www.woz.ch/artikel/2005/nr17/international/11734.html.