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Mit dem Wintermonat Februar verbinden wohl die wenigsten eine längere Periode mit einer Nullgradgrenze auf 3000 m oder sogar leicht darüber. So geschehen in dieser Berichtsperiode mit grossen Auswirkungen auf die Schneedecke und die Lawinensituation.
An Sonnenhängen nahmen die Gleitschneelawinen deutlich zu. In der zweiten Hälfte der Berichtsperiode gingen viele nasse Schneebrettlawinen ab, vorerst vor allem an Südhängen. Vereinzelt wurden diese auch durch Personen ausgelöst (vgl. Bildstrecke/Bild 1).
Sonne und ausserordentlich hohe Temperaturen waren die Hauptakteure dieser Wochenberichtsperiode. Die Nullgradgrenze lag zu Beginn der Berichtsperiode und vorübergehend am Montag ‘nur’ auf rund 2000 m. Die übrigen Tage bewegte sie sich um hohe 3000 m (vgl. Abbildung 1).
Wolken und Wind kamen nur bescheidene Nebenrollen zu. So war es zu Beginn der Berichtsperiode vor allem im Süden, am Montag dann auch im Westen oft bewölkt. Die Bewölkung vom Montag wurde durch einen neuerlichen Saharastaub-Event mitverursacht. Der Staub wurde mit einer kräftigen Südströmung in die Alpen transportiert. In diesem Zusammenhang wurde am Sonntag und Montag ein starker, am nördlichen Alpenkamm zeitweise auch stürmischer Südwind gemessen. Die übrigen Tage dieser Berichtsperiode wehte der Wind meist schwach bis mässig aus Südwest bis Süd.
Das aktuelle Saharastaub-Ereignis war bereits das zweite seiner Art im Februar 2021. Schon am Samstag, 06.02. wurde sehr viel Saharastaub in die Alpen transportiert. Informationen zum Ereignis vom Anfang Februar und allgemein zum Einfluss von Saharastaub auf die Lawinenbildung finden sich im vorletzten Wochenbericht. Der Staub trübte in der Folge bei niederschlagsfreien und schwachwindigen Verhältnissen noch einige Tage die Sicht (vgl. Abbildung 2). Unter dem Einfluss der Schwerkraft und mit Unterstützung des grossräumigen Absinkens der Luftmassen im Hochdruckgebiet sank der Staub langsam zu Boden.
Mit dem sonnigen und milden Wetter lag es auf der Hand, dass diese Woche die Lawinenprobleme Gleitschnee und Nassschnee eine grosse Rolle spielten. Einmal mehr zeigte sich der grosse Einfluss des Schneedeckenaufbaus auf das Lawinenproblem Nassschnee. Somit hatte auch das Altschneeproblem, welches uns seit Wochen begleitete seine Finger im Spiel. Der kurze aber kräftige Südwindschub vom Sonntag und Montag machte schliesslich auch den Triebschnee zum Thema.
Gleitschneeproblem
Zu Beginn dieser Berichtsperiode gab es nur wenige Lawinen. Meist handelte es sich dabei Gleitschneelawinen, vereinzelt auch grosse (vgl. Abbildung 3). Die Lawinen gingen meist an den Expositionen Ost über Süd bis West unterhalb von rund 2400 m ab.
Bis zum Ende der Berichtsperiode nahm die Anzahl Gleitschneelawinen mit viel Sonne und sehr warmen Temperaturen weiter zu (vgl. Video 1). Einzig am Montag wurden mit deutlich weniger Sonneneinstrahlung und vorübergehend kühleren Temperaturen kaum Gleitschneelawinen beobachtet. Dies lässt den Schluss zu, dass es sich mehrheitlich um warme Gleitschneelawinen handelte, welche bevorzugt mit der tageszeitlichen Erwärmung und Sonneneinstrahlung abgehen.
Video 1: Grosse Gleitschneelawine bei Schweifinen oberhalb von Zermatt, VS. Die Lawine löste sich an einem Südosthang auf rund 2300 m und stürzte spektakulär über die Wand (Video: B. Jelk, 23.02.2021).
Triebschneeproblem
Der teils stürmische Südwind vom Sonntag und Montag hatte nicht nur Saharastaub im Gepäck, er verfrachtete vielerorts auch den letzten noch lockeren Schnee. Es entstanden meist kleine, lokale Triebschneeansammlungen, welche vorübergehend störanfällig waren. Es wurden einige kleine Lawinen von Personen ausgelöst (vgl. Abbildung 4)., vereinzelt gingen sie auch spontan ab.
Nassschnee & Altschnee
Aufgrund der Tatsache, dass eine Schneedecke mit ausgeprägten Schwachschichten sehr empfindlich auf Erwärmung und einsickerndes Wasser reagiert, werden hier die zwei Probleme Nassschnee und Altschnee gemeinsam betrachtet. Anders als in den vorhergehenden Wochenberichtsperioden wurden keine trockenen Schneebrettlawinen mehr in tiefen Schichten der Schneedecke durch Personen ausgelöst. Der schwache Altschnee kam aber unter Einfluss der Erwärmung vor allem in Graubünden erneut zum Vorschein. Am Wochenende wurden aufgrund der starken Sonneneinstrahlung und der hohen Temperaturen nebst oberflächennahen, feuchten Lockerschneelawinen bereits vereinzelte Schneebrettlawinen beobachtet (vgl. Bildstrecke/Bild 1 und Abbildung 5). Diese ereigneten sich in Mittelbünden und im Engadin, wo das Altschneeproblem zuletzt besonders ausgeprägt war.
Diese Schneebrettlawinen waren Vorboten für weitere Lawinenaktivität. Mit der andauernden Wärme und viel Sonneneinstrahlung kletterte die Durchfeuchtung der Schneedecke immer weiter in die Höhe. Oberhalb von rund 2000 m wurde damit die Schneedecke zum ersten Mal 0 °C-isotherm und durchfeuchtet. Dies betraf vorerst nur Südhänge, da in den übrigen Expositionen aufgrund der Jahreszeit und des klaren Himmels der Energieeintrag durch die Sonnenstrahlung noch nicht für eine Durchfeuchtung ausreichte. Bei der Beurteilung der Durchfeuchtung der Schneedecke stützt sich der Lawinenwarndienst des SLF zum einen auf Schneeprofile und zum anderen auf das Schneedeckenmodell Snowpack ab. Snowpack berechnet an jeder automatischen Schneestation des SLF den LWC-Index (Liquid water content-Index) für verschiedene Expositionen. Erreicht der Index den Wert 1, kann die Schneedecke als durchfeuchtet betrachtet werden (vgl. Abbildung 5).
Die Durchfeuchtung der Schneedecke verursachte gegen Ende dieser Wochenberichtsperiode viele Schneebrettlawinen. Die meisten gingen spontan ab (vgl. Abbildung 6 und 7), vereinzelt wurden sie aber auch durch Personen ausgelöst.
Aufgrund der meist klaren Nächte kühlte die Schneedecke nachts ab und stabilisierte sich. Trotz positiver Lufttemperatur auf 2000 m lagen die Schneeoberflächentemperaturen an den meisten automatischen Stationen morgens verbreitet zwischen -10 und -15 °C. Damit war die Lawinensituation am Vormittag jeweils mehrheitlich günstig und stieg ab dem Wochenende im Tagesverlauf vor allem an Südhängen an. Dieser Tagesgang verstärkte sich während der Berichtsperiode zunehmend. Ab Samstag wurde daher mit einer Doppelkarte vor dem tageszeitlichen Anstieg der Lawinengefahr gewarnt. Zunächst wurde die Gefahr von Nass- und Gleitschneelawinen als mässig eingestuft, ab Dienstagmorgen dann als erheblich. Grund für diese Korrektur am Morgen war die reduzierte nächtliche Abstrahlung in der Nacht von Montag auf Dienstag. Zudem wurden die Gefahrenregionen von Tag zu Tag weiter differenziert und die Gefahrenbeschriebe angepasst.
Als Grundlage für diese differenzierte Warnung dienen vor allem Lawinenbeobachtungen. Viele Lawinen wurden direkt nach dem Abgang von den SLF-Beobachtern oder von Freiwilligen über www.slf.ch und der WhiteRisk gemeldet. Für die zahlreichen Rückmeldungen fast schon in Echtzeit bedanken wir uns herzlich. Sie leisten einen wichtigen Beitrag für unsere Warnprodukte.
Im Vergleich zur letzten Berichtsperiode wurden deutlich weniger Lawinen mit Personenbeteiligung gemeldet (60 Lawinen vs. 17 Lawinen) (vgl. Abbildung 8). Nebst einigen kleinen Lawinen im Triebschnee wurden auch mittlere und drei grosse Lawinen gemeldet. Alle drei grossen Lawinen waren nasse Lawinen, welche nach dem Mittag ausgelöst wurden. Touren rechtzeitig zu beenden reduziert das Lawinenrisiko!
Glücklicherweise forderten die Lawinen dieser Woche keine Todesopfer.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.