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Der Engländer Sam Hayden vertonte einen Ausschnitt aus Le plaisir du texte von Roland Barthes, der die Spannung
zwischen der Bedeutung der Wörter und ihrem Klang auslotet. Barthes war fasziniert von einem Gesang, der mit dem
Körper des Sängers eins ist, der aus der Tiefe der Stimmhöhlen, Muskeln und Knorpeln kommt.
Die Körnung der Stimme verkörperte für ihn die erotische Anziehung schlechthin: "Ich suche die mit Haut bedeckte Sprache; einen Text, bei dem man die Rauheit der Kehle, die Patina der Konsonanten, die Wonne der Vokale; eine ganze Stereophonie der Sinnlichkeit hören kann." Verstärkung und elektronische Verarbeitung ermöglichen es, die Stimme auf intime Distanz zum Zuhörer zu bringen und sie vielfältig mit den instrumentalen Klängen des Schlag- zeugs zu mischen. In den überaus körperbetonten Instrumenten manifestiert sich so die Körnung des Textes.
An dieser Körnung arbeitet auch das Künstlerduo blablabor, Annette Schmucki und Reto Friedmann:
In hirsch hirn hornisse werden Radioapparate mit Wortklängen aus iPods gespiesen, sie röhren wie Hirsche ins Tal. In einer simultanen Übersetzung wirbelt und kratzt der Schlagzeuger diesen entgegen und die Sängerin wirft mit Wörtern um sich. Eine Topografie der Sprache entsteht: Pulse, Rhythmen, Melodiefragmente wachsen zu ganzen Wiesen mit Grasnarben, schroffen Abbrüchen, erratischen Blöcken; zu Teppichen aus Radiorauschen, zu sich auf- türmenden Vokalhügeln, zu tief ins Land sich fressendem Triangelklingelingen.