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Scheinbar nimmt es die Sonne genau.
Heute ist in Brasilien Herbstbeginn, bewölkt startete der Tag.
Als ich in den letzten Wochen nach 6 Uhr aufstand, hing in der Regel Dampf über und zwischen den Bäumen des angrenzenden Walds.
Diese Stimmung erinnerte mich an den Film “Fitzcarraldo”.
Klaus Kinski spielte darin einen Exzentriker, welcher ein Schiff durch den Urwald ziehen liess, um am Zielort ein Opernhaus bauen zu lassen.
Dem Regisseur Werner Herzog gelangen eindrücklich mystische Stimmungsbilder, in welchen der feuchte Dunst des Dschungels eine wichtige Rolle spielte.
Nach 7 Uhr erhob sich dann die Sonne motiviert und hungrig über Joaçaba.
Zum Frühstück wärmte sie scheibenweise den Dampf auf, verspeiste und schlürfte ihn auf.
O sol aqui ist eine Schnellesserin. Im Nu war die Himmelspfanne blitzblank, blau.
Nach 11 Uhr meideten die Formigas und ich die aufgeheizten Steine vor Schwiegermutter’s Haus.
Die Schmetterlinge schienen von Solarzellen in den Flügeln angetrieben zu werden.
Vor 12 Uhr hatte ich mehr als 2 Liter Wasser getrunken.
Ich habe in Brasilien stets das Gefühl, dass die Sonnenstrahlen schwerer wiegen und zahlreicher sind.
Müsste ich mich hier in ein Tier verwandeln, würde ich in das Fell eines Faultiers oder in den Pelz eines Wasserschweins schlüpfen, welches sich im schokoladenbraunen Wasser des Rio do Peixe erfrischen kann.
Ein Bekannter betreibt in der Stadt eine mechanische Werkstatt, in welcher bei Bedarf Alumunium bei 500 Grad geschmolzen und dann geformt wird.
Ein Ventilator unter dem Dach bewegt die stickige Luft, scheint kurz vor einem Hitzschlag zu stehen.
Ich habe Respekt vor den Frauen und Männern, welche täglich acht Stunden und 48 Minuten in seiner kleinen Firma arbeiten.
Zwischen 16 bis 17 Uhr zog der leuchtende Stern immer wieder den Stecker und sich zurück, erfrischte sich unter der Dusche, welche sich durch Donnergrollen und temperamentvolle Blitze auf spektakuläre Art und Weise ankündete.
Heftig, explosionsartig können die Gewitter in diesem Talgrund sein.
Die immergrüne und saftig erscheinende Natur lässt den Schluss zu, dass das Zusammenspiel do sol e da chuva recht gut funktioniert.
Weniger erfreut über die teilweise starken Regengüsse sind die LadenbesitzerInnen im Zentrum von Joaçaba, welches in einer engen Talmulde liegt und wiederholt unter Wasser steht.
In Belém, knapp 3’500Kilometer weiter nördlich von Joaçaba, konnten wir auf unserer Reise 1988 unsere Uhr nach dem Regen richten.
Pünktlich um 16 Uhr verfinsterte sich der Himmel über der Millionenstadt, welche dann kurz und sehr gründlich gewaschen wurde.
Der folgende Sonnenschein verwandelte Belém, von wo aus der Amazonas erkundet werden kann, in ein riesiges Dampfbad.
Die Wetterprognosen verkünden, der Jahreszeit entsprechend, kühlere Temperaturen.
27 Grad sollten in den nächsten Tagen nicht mehr überschritten werden.
Vamos ver.
Joaçaba, 20. März 2022