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Wer will schon beim Museums-, Theater- oder Opernbesuch daran erinnert werden, dass der Kartenpreis oft nur einen Bruchteil der effektiven Kosten deckt? Die Plakatbeilage im neuen «avenir aktuell» nimmt die Kulturbudgets der grössten Schweizer Städte unter die Lupe und vergleicht die Eigenwirtschaftlichkeit bekannter Kulturinstitutionen.
Tiefer Eigenfinanzierungsgrad
Die oft vollbesetzten Ränge der Konzerthäuser, Opern und Stadttheater täuschen darüber hinweg, dass diese weit davon entfernt sind, sich selber finanzieren zu können. Die Zürcher Steuerzahler (Stadt und Kanton) unterstützen jeden Opernhausbesuch mit über 300 Fr. Nicht viel besser sieht es in Genf aus: Ein Logenplatz im Grand Théâtre kostet die öffentliche Hand 360 Fr.
Der Eigenfinanzierungsgrad ist bei denjenigen Theater- und Konzerthäusern besonders tief, die auch selber inszenieren und ein ganzes Ensemble mit Entourage finanzieren. Insgesamt sprechen die Städte am meisten Subventionen für (klassische) Musik und Theater. Nur wenige Kulturinstitutionen schaffen es, (nahezu) ohne einen Zustupf der öffentlichen Hand, sprich: der Steuerzahler aus Stadt und Kanton, auszukommen. Es sind dies entweder kleinere, gut geführte lokale Theater und Musikfestivals – oder aber vielbesuchte Institutionen mit einem überregionalen Publikum wie das Verkehrshaus in Luzern.
Zentralistischere Romandie
Im Mittel stecken die grössten Schweizer Städte 618 Fr. pro Einwohner in die Kultur. Die beiden Stadtkantone Genf und Basel geben im Vergleich mit 1377 bzw. 914 Franken (Bruttoausgaben) pro Kopf der Stadtbevölkerung am meisten aus. Der Anteil der Kulturausgaben am Gesamtbudget beträgt im Städtevergleich rund 4,7 % (ohne Massenmedien), und liegt in der Westschweiz und im Tessin höher als in den Deutschschweizer Städten. Der Grund liegt im höheren Zentralisierungsgrad der Westschweizer Kantone. Weil in der Romandie mehr Aufgaben vom Kanton wahrgenommen werden und die Gemeinden und Städte weniger autonom sind, nimmt die Kultur einen relativ grösseren Budgetanteil ein. Genf gibt mit 259 Mio. Fr. (Bruttokulturausgaben) aber auch absolut mehr für Kultur aus als alle anderen Städte in unserem Vergleich, weil die relativ kleine Kernstadt den Grossteil der kantonalen Kulturausgaben finanziert.
Insgesamt haben sich die Kulturausgaben der öffentlichen Hand seit der Expo 02 vom Bund hin zu den Gemeinden, also näher zu den Nutzern, verlagert. Kultur hat in unserem täglichen Leben an Bedeutung gewonnen, was sich auch in der Beschäftigungsstatistik der Städte niederschlägt: der Anteil Beschäftigte im urbanen Kultur- und Kreativsektor wächst.