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13. MÄRZ 2023

PERSÖNLICHE PROBLEME
Selbstverletzung – es ist möglich aufzuhören
Das Wichtigste in Kürze
- Selbstverletzendes Verhalten bedeutet, dass sich jemand selbst Schmerzen zufügt
- Selbstverletzung kann positive Gefühle auslösen, Spannungen abbauen und deshalb süchtig machen
- Alternative Handlungen können helfen, dem Drang zur Selbstverletzung kurzfristig zu widerstehen
- Es ist wichtig, dass du dir professionelle Hilfe holst, zum Beispiel eine Therapie machst
Von Selbstverletzung spricht man, wenn Menschen sich selbst körperliche Schmerzen zufügen. Zum Beispiel, wenn sie sich ritzen. Selbstverletzendes Verhalten hat kurzfristig den Effekt, dass man sich wieder spürt oder eine innere Anspannung nachlässt. Längerfristig bleiben jedoch die zugrunde liegenden Gefühle bestehen.
Selbstverletzendes Verhalten hat häufig negative Folgen, wie zum Beispiel dauerhafte Narben beim Ritzen. Jugendliche, die sich selbst verletzen, berichten zudem von grosser Scham und Angst davor, es jemandem anzuvertrauen.
Mögliche Gründe für Selbstverletzung
Möchtest du dich nicht länger selbst verletzen? Damit du mit den Selbstverletzungen aufhören kannst, ist es wichtig, herauszufinden, weshalb du es tust. Du kannst dich Folgendes fragen: «Wozu verletze ich mich? Was erreiche ich damit? Welche Gefühle löst es in mir aus?» Beobachte, was in dir passiert und was du fühlst, gerade bevor du dich verletzen möchtest.
Es kann sein, dass die Selbstverletzung dazu dient, starke negative Gefühle zu beenden oder eine starke Spannung in dir zu reduzieren. Auch Selbstbestrafung, Reinigung oder Gefühle der Geborgenheit sind mögliche Gründe – neben weiteren ganz individuellen. Es kann hilfreich für dich sein, wenn du aufschreibst, was jeweils zu diesem Drang führt. Dieses Wissen hilft dir, andere Wege zu suchen.
Alternativen zu selbstverletzendem Verhalten
Es ist nicht einfach, dem Drang zur Selbstverletzung zu widerstehen. Ein erster Schritt kann sein, dass du stattdessen etwas anderes tust. Etwas, das dir ein ähnlich starkes Gefühl gibt, deinem Körper jedoch nicht schadet. Diese Alternativen respektive Skills können dir im Moment helfen, dich nicht selbst zu verletzen. Sie ersetzen jedoch keine Therapie und oft braucht es professionelle Unterstützung, um hilfreiche Alternativen zu finden. Welche Alternative hilft, ist von Person zu Person verschieden. Am besten testest du ein paar davon aus:
- Bewege dich. Sport, Treppen steigen oder auch an Ort und Stelle joggen helfen dir, Spannung abzubauen.
- Nimm einen Eisbeutel oder Eiswürfel und presse ihn auf deine Hand oder die Unterarme.
- Lege kleine Steine in deine Schuhe und laufe damit herum.
- Lege ein Gummiband um dein Handgelenk, spanne es an und lass es wieder los, sodass es gegen deine Haut schlägt.
- Rieche an starken Gewürzen oder ätherischen Ölen oder beisse in eine scharfe Chilischote.
- Schlag in ein Kissen oder die Matratze. Damit richtest du die Wut nicht gegen dich selbst, sondern nach aussen.
Hast du weitere Ideen? Teste aus, was dir hilft. Manchen betroffenen Kindern und Jugendlichen tut es gut, wenn sie sich ablenken, sich auf ihren Atem konzentrieren oder sich mit einer Wärmeflasche ins Bett kuscheln. Schreibe auf, wenn dir einmal etwas geholfen hat, dich doch nicht selbst zu verletzen. Wenn du magst, kannst du dir eine Notfallbox herrichten, in die du deine hilfreichen Gegenstände oder Zettel mit Alternativen legst. Dann hast du sie griffbereit, wenn der Drang kommt, dich zu verletzen.
Selbstverletzungen können süchtig machen
Selbstverletzendes Verhalten führt kurzfristig zu positiven Gefühlen. Deshalb kann es zur Sucht werden. Du spürst immer wieder einen starken Drang, dich zu verletzen, und kannst ihm immer weniger widerstehen. Du verlierst dabei zunehmend die Kontrolle darüber, wie oft und wann du dich verletzt. Deshalb ist es wichtig, dass du dir Unterstützung holst. Warte nicht zu lange.
Ein erster Schritt ist, zu versuchen, mit deinen Gefühlen und Problemen nicht allein zu bleiben. Vertrau dich Menschen an, denen du vertraust. Das kann eine Lehrperson sein, die Schulsozialarbeit, deine Eltern oder sonst jemand aus der Familie. Du kannst dich auch an eine Jugendberatungsstelle oder an die Beratung + Hilfe 147 wenden.
Behandlung von selbstverletzendem Verhalten
Verletzt du dich selbst, egal wie, ist es wichtig, dass du dir bald professionelle Hilfe holst. Vertrauenspersonen aus deinem Umfeld können mit dir nach einer geeigneten Psychotherapie suchen. Du kannst dich auch direkt an den Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst wenden.
Vor einer Beratung oder Therapie musst du keine Angst haben. Dort geht es darum, herauszufinden, was die Ursachen für dein selbstverletzendes Verhalten sind. Zum Beispiel können Depressionen oder eine Borderline-Störung dahinter stecken. Eine Therapeutin kann mit dir gemeinsam herausfinden, was genau bei deinen Selbstverletzungen passiert. Ihr findet heraus, wo die Ursachen dafür liegen und welche Alternativen für dich persönlich hilfreich sind.
Hab Geduld mit dir selbst
Du wirst nicht von einem Tag auf den anderen mit den Selbstverletzungen aufhören können. Das ist normal. Es braucht Zeit und Geduld, alternative Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Häufig kommt es zu Rückfällen. Gib nicht auf, sei geduldig und sprich in der Therapie darüber, was dir schwerfällt, damit du Unterstützung erhältst. Die meisten Alternativhandlungen und Skills helfen sehr gut, wenn sie regelmässig angewendet werden.
Wunden verarzten
Selbstverletzung kann am Körper bleibende Spuren hinterlassen. Deshalb ist es wichtig, dass du Wunden gut verarztest.
- Desinfiziere offene Wunden, um Infektionen vorzubeugen
- Schütze sie mit einem Pflaster oder einem Verband vor Schmutz
- Kratze die Kruste nicht weg, sonst drohen bleibende Narben
Ist die Wunde tief oder hört nicht auf zu bluten, solltest du zum Arzt oder in den Notfall gehen.