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Telegraphenleitung,
bei
Elektrischen Telegraphen (s. d.) ein zwischen zwei oder mehrern
Telegraphenämtern
vorhandener Elektricitätsleiter, in welchem sich die telegr. Stromzustandsänderungen fortpflanzen.
Die
Telegraphenleitung wird nach
Steinheil gewöhnlich mit Erdrückleitung hergestellt, d. h. man spannt bloß einen
Draht
[* 3] zwischen den beiden
Endämtern (s.
Telegraphenschaltungen) und führt ihn in beiden hinter den
Apparaten an entsprechend große, in das feuchte
Erdreich eingegrabene Metallkörper (Bleiplatten, Kupferplatten, Eisenbahnschienen, verzinkte Eisendrahtringe).
Diese Metallkörper nennt man die Erdleitung. In den Zwischenämtern werden die beiden in das Amt einmündenden Leitungszweige mit den Apparaten verbunden; eine Erdleitung ist hier auch vorhanden, dient aber nur gelegentlich zur Verbindung der beiden Leitungszweige mit der Erde. Lange Fernsprechleitungen müssen stets als vollkommen metallische, von der Erde isolierte Hin- und Rückleitung (Doppelleitung) hergestellt werden, weil andernfalls atmosphärische und tellurische Ströme die telephonische Verständigung unmöglich machen.
Auch die Teilnehmerleitungen in den Stadtfernsprechnetzen werden zum
Teil als Doppelleitungen ausgeführt. Die in einem
Lande,
einer
Provinz, einer Stadt bilden zusammen ein
Telegraphennetz. Die
Telegraphenleitung wird entweder oberirdisch oder
unterirdisch oder durchs Wasser geführt. Im Anfang griff man, nach einigen mißglückten Versuchen zur
Herstellung unterirdischer Linien, zu
Luftleitungen; als dann Werner
Siemens 1846 in der Guttapercha einen geeigneten Isolator
für unterirdische Leitungen aufgefunden hatte, legte man Linien unter der Erde an, die sich aber nicht bewährten, weil
die Guttapercha vulkanisiert, d. h. mit Schwefel versetzt worden war.
Man sah sich daher wieder auf oberirdische Linien beschränkt, und erst als man durch die Herstellung von zahlreichen unterseeischen Linien die nötige Erfahrung gewonnen hatte, wagte man sich, nachdem 1871 schon Manchester [* 4] und Liverpool [* 5] durch eine unterirdische Linie verbunden worden waren, im großen zuerst in Deutschland [* 6] von 1876 ab (s. Kabel), wieder an die Ausführung unterirdischer Linien, während man bis dahin nur ausnahmsweise, meist in Städten, kurze Strecken
unter die Erde gelegt hatte, unter Anwendung besonderer Schutz- und Vorsichtsmaßregeln. Die höhern Anlagekosten der unterirdischen Linien werden durch die größere Sicherheit des Betriebes und die geringern Unterhaltungskosten ausgeglichen.
Die oberirdischen Leitungen stellte man früher aus Kupferdraht von 1,5 bis 2,5 mm Dicke her; jetzt nimmt man gewöhnlich Eisendraht (3 bis 6 mm), den man durch Verzinken oder einen Leinölüberzug gegen Rost schützt, mitunter auch Stahldraht. Zu Fernsprechzwecken braucht man einen Draht aus unmagnetischem Metall; daher verwendet man hierfür Phosphorbronze und Siliciumbronze, auch gutes, sehr reines Hartkupfer. Man nennt diesen Draht Bronzedraht, obgleich er nicht die Zusammensetzung der Bronze [* 7] hat, sondern fast nur aus Kupfer [* 8] besteht.
Derartige Drähte werden auch aus zweierlei Metall (Stahlseele und Kupfermantel) oder zweierlei Bronze hergestellt; die erstere Art bezeichnet man als Bimetalldraht, die letztere als Doppelbronzedraht. Die Festigkeit [* 9] dieser Drähte geht bis 70 kg für 1 qmm (Eisen [* 10] 44 kg). Bei den Telephonnetzen in großen Städten und mit sehr großer Anzahl von Teilnehmern bietet die oberirdische Führung der Drähte nicht unbedeutende Schwierigkeiten; deshalb hat man sich bemüht, Kabel für Telephonzwecke herzustellen, in denen eine größere Anzahl von einzelnen Drähten vorhanden sind (s. Kabel).
Bei den gewöhnlichen
Telegraphenleitung kommt der
Draht auf 6 bis 10 m hohe, einfache oder doppelte Holzsäulen (
Telegraphenstangen) zu liegen,
deren
Dauer man durch Tränken mit Kupfervitriol,
Chlorzink,
Quecksilbersublimat oder
Teerölen wesentlich erhöht; seltener
werden eiserne oder steinerne
Träger
[* 11] verwendet. Die
Stangen stehen 50 bis 100 m voneinander entfernt;
an ihnen wird der
Draht auf Isolatoren befestigt, welche jetzt ausschließlich aus Porzellan hergestellt und am besten in
Form von (Chauvinschen) Doppelglocken (s.
Tafel:
Elektrische Telegraphen
[* 12] II,
[* 1]
Fig. 2
u. 3) verwendet werden, weil sie in dieser
Form am besten unter allen Witterungsverhältnissen den Übergang der Elektricität aus dem
Draht D über
den Isolator J zur Stütze S, zur
Säule und in die Erde verhüten; die Isolatoren werden mittels eiserner Stützen S, die
bei
a in die
Glocke eingekittet werden, an den
Stangen befestigt. In
[* 1]
Fig. 4 der genannten
Tafel ist ein Isolator älterer
Form abgebildet, dessen gußeiserne Kappe G mit der
Fläche F durch Holzschrauben an der
Säule befestigt wird; der Telegraphendraht
wird in die Hakenstütze S gelegt, welche in den Porzellankopf J und mit diesem in die
Glocke G eingekittet wird.
Wenn eine telegr. Leitung durch Wasser oder in die Erde gelegt werden soll, so muß sie in ihrer ganzen Länge mit einem nichtleitenden Stoff umhüllt werden und heißt dann ein Telegraphenkabel oder schlechtweg ein Kabel (s. d.). Unter den jetzt vorhandenen, sehr zahlreichen unterseeischen in allen Erdteilen sind die großartigsten die transatlantischen Kabel zwischen Europa [* 13] und Amerika. [* 14] Namentlich auf Betrieb des Amerikaners Cyrus Field (s. d.) bildete sich zur Legung eines Kabels von Irland nach Neufundland 1856 eine Gesellschaft, welche von den Regierungen Englands und der Vereinigten Staaten [* 15] unterstützt wurde. Nach umfassenden Voruntersuchungen und Arbeiten begann die Legung des Kabels im Aug. 1857, mißlang aber durch Abreißen desselben in 274 engl. Meilen ¶
mehr
Entfernung von der irischen Küste; im Sommer 1858 wurde eine neue
Telegraphenleitung versenkt, welche sich jedoch nicht brauchbar zeigte.
Trotz dieser schweren Verluste wurde der Plan zu einem fernern Versuch beharrlich verfolgt, und schon zu Anfang des J. 1864 konnte
ein neues Kabel von 3200 engl. Meilen (5100 km) Länge bestellt werden, dessen
Legung im Juli 1865 begann. Als bereits 1213 engl. Meilen versenkt waren, riß das Kabel;
erst 1866 vermochte man es aus einer Tiefe von 7700 Fuß (2350 m) wieder aufzufischen und zu ergänzen, nachdem vorher schon ein anderes Kabel mit glücklichem Erfolg gelegt worden war;
beide blieben viele Jahre dienstfähig. 1869 wurde das franz.-atlantische Kabel zwischen Brest und der Insel St. Pierre im St. Lorenzbusen versenkt;
dasselbe hat (die anschließenden kleinern Kabel eingerechnet) eine Länge von 3561 Knoten (von denen vier auf eine deutsche Meile geben), wurde vom bis auf den Guttaperchawerken der Telegraph [* 17] Construction and Maintenance Company verfertigt und kostete 584496 Pfd. St. (1 Meile 664 Pfd.);
die Gesamtkosten beliefen sich auf 920000 Pfd. St. 1873 und 1874 wurden von der Anglo-American Telegraph Company noch zwei Kabel im Atlantischen Ocean gelegt und seitdem noch eine ganze Reihe von Kabeln, welche vorwiegend von Gebrüder Siemens in Woolwich angefertigt worden sind.
Auch nach Südamerika [* 18] laufen Kabel von Europa; die Südspitze von Afrika [* 19] ist durch mehrere Kabel an das Telegraphennetz angeschlossen.
Das Telegraphieren auf Kabeln wird dadurch erschwert, daß das Kabel sich ganz ähnlich verhält wie eine Leidener
[* 20] Flasche,
[* 21] und daher bei jeder Stromgebung
elektrisch geladen wird; beim Aufhören des Telegraphierstroms strömt
diese Ladung an beiden Enden ab, und je rascher die Entladung vollendet ist, desto rascher kann man die telegr. Zeichen aufeinander
folgen lassen. Man pflegt deshalb nach jeder Stromgebung auf der gebenden Station das Kabel kurze Zeit an
Erde zu legen, ohne jedoch den hier dem Telegraphenstrom entgegengesetzt gerichteten Entladungsstrom durch den Empfänger
gehen zu lassen, oder man entsendet nach jedem Telegraphierstrom einen Gegenstrom (s. d.)
von entgegengesetzter Richtung zur Vernichtung der Ladung, oder man telegraphiert mit Wechselströmen. Man verwendet dabei
besondere Submarinetaster.