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Reisebüro
von Cedric Weidmann
Er rieb sich die Schläfen.
Sein Gesicht sah alt aus und er wischte einen Tropfen vom unteren Rand des Spiegels weg.
Draussen irgendwo schlüpften Schildkröten aus Eiern und rannten über die Küste zum Meer.
Er hielt sich an der Heizung seines Badezimmers fest und kroch unter die Dusche. Das Wasser rann ihm über die Schultern, die so lasch hingen, dass sie nach der Seite wegzukippen drohten. Ein Auto hupte vor dem Fenster.
Draussen irgendwo assen grosse Fische kleine Fische.
Er wanderte zu seiner Küche, wo er frühstückte und seine Zeitung las. Die Bücher, die auf dem Fenstersims verstreut waren, hatte er nie angefasst. Seit wann das Radio lief, wusste er nicht.
Draussen irgendwo erschlugen Kokosnüsse Menschen.
Im Tram zum Zug und im Zug zum Bahnhof und auf dem Weg zur Arbeit sah er Menschen. Es war kalter Winter, die meisten gingen nicht mehr ohne Winterjacke aus dem Haus, und hell war es ohnehin nicht. Er konnte nicht sagen, ob es Morgen oder Abend war. Er kaufte sich am Kiosk Kaugummis, die er tief und unauffindbar in seiner Jackentasche verstaute.
Draussen irgendwo wurden Delfine von Touristen begrabscht.
Er atmete gasförmigen, warmen Asphalt ein. Die Hälfte seines Lebens war das Abbild seiner anderen Hälfte. Er lebte weder seinen Traum, noch träumte er sein Leben, beides schloss sich bedingungslos aus. Er setzte sich an seinen Bürotisch und begann die Arbeit damit, seine Kugelschreiber auf Tüchtigkeit zu testen. Als er damit fertig war, bewarf er seinen Arbeitskollegen mit einem Papierknäuel.
Draussen irgendwo tauchten Menschen unter.
Er machte sich einige Gedanken, einer davon lautete: Ich bin zum Grad meiner höchsten Inkompetenz aufgestiegen. Er prüfte auf Facebook, ob es ihn ablenken könnte und als er damit fertig war, ging er kurz an die frische Luft um zu rauchen.
Draussen irgendwo sprangen Paviane durch die Luft.
Er hustete lange und ausgiebig, dann setzte er sich neben die Strasse und zückte sein Handy hervor. Er warf es auf die Strasse und sah zu, wie es von einem vorbeirauschenden Auto überfahren und zerquetscht wurde.
Das Leben war zu wahr, um schön zu sein.