Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03222.jsonl.gz/237

Eine asymptomatische Bakteriurie liegt vor, wenn trotz Fehlen eines symptomatischen, aktiven Harnwegsinfektes eine relevante Anzahl Bakterien im Urin gefunden wird. Ausser bei Schwangeren und vor einem Eingriff an den Harnwegen wird nicht empfohlen, nach einer solchen zu suchen und/oder sie zu behandeln. Da diese Empfehlung häufig nicht beachtet oder in Frage gestellt wird, hat eine Arbeitsgruppe der «Cochrane Collaboration» im Rahmen der vorliegenden Meta-Analyse
den Einsatz von Antibiotika bei asymptomatischer Bakteriurie untersucht. Diverse elektronische Register wurden nach randomisierten Studien durchsucht, in welchen bei nachgewiesener asymptomatischer Bakteriurie eine Antibiotikabehandlung mit Placebo oder mit keiner Behandlung verglichen wurde.
Es wurden neun Studien bei insgesamt 1'614 ambulant behandelten oder in einer Institution lebenden Personen mit asymptomatischer Bakteriurie gefunden. Die verwendeten Antibiotika-Regimes unterschieden sich beträchtlich voneinander. Alle Studien waren von mittlerer bis hoher Qualität. Die Mehrzahl der Untersuchten war über 65 Jahre alt, in einer Studie wurden auch Personen mit Diabetes berücksichtigt. Mit einer Antibiotikabehandlung konnte zwar mehr als doppelt so häufig eine Eradikation der Keime erreicht werden (relatives Risiko RR
2,32; 95% CI
1,11-4,83), symptomatische Harnwegsinfektionen, infektbedingte Komplikationen und Todesfälle hingegen waren nicht seltener als in der Gruppe, die nur Placebo oder keine Behandlung erhalten hatte. In der Behandlungsgruppe traten deutlich häufiger unerwünschte Wirkungen auf (RR
3,77; 95% CI
1,40-10,15). Die Entwicklung resistenter Keime wurde nur in einer einzigen Studie untersucht – dabei wurden bei 16 Personen (von 67) mit Antibiotika und bei einer einzigen Person (von 29) ohne Antibiotika resistente Erreger gefunden.
Eine asymptomatische Bakteriurie soll (abgesehen von Ausnahmefällen wie z.B. bei einer Schwangerschaft) nicht antibiotisch behandelt werden! Die vorliegende Meta-Analyse bestätigt die bisherigen Empfehlungen klar. Denn auch ohne Antibiotika treten nicht häufiger aktive Infektionen oder Komplikationen auf. Obwohl diese Untersuchung nur wenig Daten zur Entwicklung von resistenten Keimen liefert, so muss doch angenommen werden, dass es – bei der gegenwärtig immer beunruhigender werdenden Resistenzlage weltweit – auch deswegen sinnvoll ist, auf jede nicht zwingend notwendige Antibiotikabehandlung zu verzichten.
Zusammengefasst und kommentiert von Alexandra Röllin
- Es gibt zu diesem Artikel keine Leserkommentare.