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Phellandrium
ZENTRALE BEGRIFFE
Worauf richtet sich der Fokus der inneren Aufmerksamkeit?
Phellandrium wird empfindlich sein in allen Lernsituationen. Er kann zwar willig gewisse Fertigkeiten trainieren, indem er Paragraphen, Formeln oder Fremdwörter auswendig lernt, ist jedoch durch eine innere Blockade verhindert, den letzten Schritt zum Begreifen zu machen. Wenn man ihm etwas zu sehr erklären will, stumpft er ab, „macht einfach dicht“. Inspiriertes, vernetztes Denken wird er vermeiden oder gar nicht als Möglichkeit erkennen. Das Gespräch mit ihm kann langweilig oder bürokratisch erscheinen.
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Die Themenliste umfasst eine inhaltlich gruppierte Sammlung von Original Prüfungssymptomen
Wie zeigt sich das Leiden des Patienten? (Sekundäre Psora)
Wie kompensiert er sein Leiden? (Egotrophie, Egolyse, Alterolyse)
Wie lautet die eigentliche Hypothese „nach Masi“? (Primäre Psora)
Hier finden Sie spannende Interpretationen von einzelnen Themen oder Symptomen
1. Traurig
Den ganzen Tag traurige Stimmung und Furcht, als wenn ihr ein Unglück bevorstände: sie weint und denkt gern an traurige Gegenstände. HT 6
Trübe gestimmt und traurig den ganzen Vormittag. HT 4
Sehr missgestimmt und traurig. HT 5
2. Alles verdriesst sie, misslaunig, trotzig, ärgerlich
Misslaunig den ganzen Tag. HT 7
Es verdriesst sie alles, sie macht ein mürrisches Gesicht. HT 8
Trotzig, ärgerlich. HT 9
Träge, abgespannt: es freut sie nichts. HT 332
3. In sich vertieft und in Nachdenken versunken. HT 3
4. Arbeit
Es ist ihr bange, und alles verdriesst sie, woran sie denkt; doch arbeitet sie emsig fort. HT 2
Schläfrig, so dass sie gleich während der Arbeit im Stehen einschlafen möchte, was 1 Stunde lang anhält. HT 338
Usher hatte eine Patientin, die seit der Geburt des letzten Kindes unter extremer Schläfrigkeit litt. Sie schlief sogar im Stehen vor ihrem Waschzuber ein. Cl Vorwort
5. Trübsichtig beim Nähen
Trübsichtigkeit bei und ausser dem Schwindel, beim Nähen. HT 92
Trübe, wie Nebel vor den Augen, was 3 Stunden lang anhält, beim Nähen. HT 93
6. Heiteres Gemüt
Sehr ausgelassen und lustig, Abends. HT 10
Heiteres Gemüth und leichte Bewegung des Körpers bei angenehmer Wärme. HT 11
7. Angenehme Träume von Gärten, Gesellschaften, Lustbarkeiten usw. HT 349
8. Traum von Raufereien, in denen er viele Schläge bekam. HT 351
9. Schauder, als wenn Jemand kaltes Wasser über sie gösse, 1/2 Stunde lang. HT 360
10. Berauscht, dumm und düselig im Kopf
Wie berauscht in freier Luft, was im Zimmer vergeht. HT 12
Benebelung des Kopfes, wie berauscht. HT 14
Duselig und wüste im Kopfe wie nach einem Rausche, Nachmittags 1 Uhr. HT 16
Vermehrte Wärme im Kopfe mit Dummlichkeit. HT 62
HT 13, 15, 17, 18, 28
11. Vergrösserungsgefühle
Der Kopf scheint ihr gross, voll und schwer. HT 25
Der Bauch scheint ihr aufgebläht. HT 180
12. Wie ein Gewicht oder Fremdkörper im Kopf
Der Kopf dünkt ihr schwer, als sei ein Gewicht darin. HT 22
Schmerzhafte Schwere auf dem Scheitel, als läge dort ein harter Körper. HT 23
13. Kopf fällt hin und her, kann ihn nicht halten
Gefühl von Vollheit und Schwere im Kopfe, so, dass sie ihn nicht zu halten weiss. HT 20
Gefühl von Schwere des Kopfes: es ist, als wollte es hinten im Genicke den Kopf rückwärts ziehen. HT 24
Schwindel und Schwere des Kopfes: er will auf die Seite fallen, gegen die sie sich wendet. HT 26
Schwindel, dass sie kaum die Augen aufmachen kann: der Kopf fällt ihr hin und her im Gehen. HT 31
Ein plötzlicher schmerzhafter Stich im Scheitel, dass es ihr den Kopf rückwärts zog. HT 48
Es geht ihr in der Stirne hin und her, fast als wenn sich der Kopf hin und her bewege. HT 58
14. Wird gepackt und hin und her gerissen
Es packt ihm mit Gewalt den linken Backen des Gesichts und reisst ihn ihm eine Zeit lang hin und her, im Freien: eine Art heftiges Fippern. HT 110
Gefühl von Schwere des Kopfes: es ist, als wollte es hinten im Genicke den Kopf rückwärts ziehen. HT 24
15. Schwindel zum Umfallen
Schwindlich so dass sie leicht vor- rück- und seitwärts fällt, im Zimmer: in freier Luft wird es vermehrt, im Liegen aber besser. HT 33
Schwindel zum Rückwärtsfallen. HT 32
16. Als wenn etwas an der Stirn vorstünde
Schwindel, der beim Gehen schlimmer ist: es ist ihr, als wenn an der Stirne etwas vorstünde, dass sie nicht darüber wegsehen könnte. HT 34
17. Ein Tönen im Gehirne, als wenn man auf ein frei schwebendes Blech schlägt, worüber er erwacht und nach und nach den Ton erlöschen hört, früh 5 Uhr. HT 59
18. Rothe, wie Feuer brennende Bläschen am rechten Zungenrande gegen die Spitze zu. HT 124
19. An der linken Halsseite unter dem Unterkiefer Gefühl, als wenn man in der Nähe mit einem glühenden Eisen hinführe. HT 267
20. Ein besonderes Gefühl im ganzen Körper, als wenn alle Gefässe in zitternder Bewegung wären, im Sitzen und Stehen, 1 Stunde nach dem Mittagessen. HT 300
21. Plötzliche oder blitzartige Schmerzen
Heftiges Beissen an der rechten Seite des Kreuzbeines, so plötzlich, dass sie zusammenfuhr. HT 275
Ein plötzlicher schmerzhafter Stich im Scheitel, dass es ihr den Kopf rückwärts zog. HT 48
Gliederschmerzen; reissend; Fuss; Fusssohle; blitzartig. Rep
Feines Reissen in der linken Fusssohle gegen die Zehen, wie ein Blitz. HT 294
22. Traum, dass der Blitz neben ihm hineingefahren sei, mit grossem Schrecken. HT 350
23. Brennend, beissend und ätzend juckendes Stechen, wie elektrische Funken, hie und da am Rumpfe, Kopfe, an der Nase, den Ohren, Wangen, an der Brust, den Armen usw. Abends von 8 bis 10 Uhr. HT 322
24. Flöhe, Wanzen, Fliegen
Ein feiner Stich, wie Flohbiss, zwischen dem Kinne und der Unterlippe, etwas rechts, nach dem Essen. HT 111
Aufstossen mit Gestank, fast wie von Wanzen. HT 164
Beissen, wie Flohbiss, auf einer kleinen Stelle oben an der rechten Kopfseite, das durch Reiben vergeht. HT 323
Zwei Flohstiche im rechten Hinterhaupte, wonach die Stelle schründend weh thut. HT 324
Gefühl über dem rechten Augenbraubogen, als liefe dort eine Fliege. HT 326
25. Wie nach langem Gehen
Dröhnen in der linken Wade, wie nach langem Gehen, das lange anhält. HT 297
Ein fast brennendes oder prickelndes Gefühl an der rechten Fläche beider Waden, im Stehen, Sitzen und Gehen: von der rechten Wade verbreitet sich dieses Gefühl bis in die Ferse hinunter, fast wie nach langem Gehen und Ermüdung, und hält 1/2 Stunde lang an. HT 299
26. Langer Frühschlaf, wobei sie alles hört. HT 340
27. Milch, Bier, Wasser
Hitze im Kopfe, mit Durst nach Milch, nach dem Mittagessen. HT 64
Durst nach Milch und Bier, und Abneigung vor Wasser. HT 137
Durst nach Milch und Ekel vor Wasser, was nach Suppeessen auf einige Zeit vergeht, früh. HT 138
Nach Wassertrinken, süsser Geschmack im Munde, eine halbe Stunde nach dem Mittagessen. HT 129
Der Geschmack des Bieres kommt ihr sehr bitter vor. HT 131
Des Nachts, Trockenheit im Halse, und am Morgen Durst nach Bier und besonders nach frischer Milch. HT 152
28. Geschmacksstörungen
Geschmack von Käse auf der Zunge. HT 130
Schleimiger Geschmack im Munde. HT 128
HT 129, 131
29. Sie hat drei Stunden lang gar keinen Geruch in der Nase. HT 106
30. Appetit, Durst, Ekel
Sie hat keinen Hunger, ja sogar Ekel vor den Speisen, und doch isst sie die gewöhnliche Portion, Mittags. HT 132
Sie hat keinen Hunger, es ist ihr immer, als wenn der Magen voll wäre, und sie isst Mittags ohne Appetit nur Suppe. HT 133
Vermehrter Hunger: sie möchte gegen Gewohnheit immer essen. HT 134
Ekel und Abscheu vor Wasser bei Durst, ungeachtet sie flüssige Speisen leicht geniessen kann, den ganzen Vormittag und nach dem Essen. HT 136
Ekel vor Abends zuvor genossenem Kalbfleische. HT 155
Appetit zu Saurem mit Durst, früh. HT 135
Sie erwacht nach Mitternacht mit Ängstlichkeit, Übelkeit und Ekel, die vom Bauche in den Magen kommen: sie muss aufstehen, und hat zweimal nacheinander Durchfall mit Pressen und Zwang und nachfolgendem Wundheitsschmerze im After, worauf sie wieder einschläft — Abends vorher hatte sie Erdäpfel mit Essig gegessen. HT 343
HT 156-158
31. Unbehaglich im Magen
Gefühl, als wenn ein scharfer, rauher Dunst aus dem Magen ginge, mit Neigung zum Aufstossen, was aber nicht erfolgt. HT 165
Gefühl, als wäre der Magen voll Wasser, das aufsteigen wollte; dann Gefühl, als drehe sich im Magen ein grosser runder Körper um, der dann hinunter fiele, und endlich Knurren im Magen. HT 169
HT 166, 171
32. Kälte im Bauch
Eiskalt in den Gedärmen, wie nach geistigen Getränken, was eine Viertelstunde lang immer zunimmt. HT 192
Lange anhaltendes Gefühl von Kälte im Bauche. HT 193
Nach Stuhl, Kältegefühl im Bauche. HT 194
Kältendes Umgehen in den Gedärmen. HT 195
Ein kältendes kurzes Hin- und Hergehen im Oberbauche. HT 201
33. Stillen
Schmerzen in den Brustwarzen, jedesmal wenn der Säugling angelegt wird. Cl 16.8
Nach dem Stillen immer unerträglicher Schmerz in der rechten Mamma entlang dem Verlauf der Milchgänge; körperliche und geistige Qualen, so dass sie ihre Kräfte verlor und von Anfällen hysterischen Weinens ergriffen wurde. Dieser Schmerz erschien einige Zeit nach der Entbindung, aber beide Brustwarzen waren wund und es war eitrige Absonderung vorhanden; der Schmerz erschien, nachdem die Brustwarzen geheilt waren. Cl 16.9
Unterträgliche Schmerzen in den Milchgängen zwischen dem Stillen. Cl 16.10
34. Hitze, Brennen, Wärme allgemein
Heisses Wallen vom Hinterhaupte nach dem Scheitel, und ein leiser stumpfer Stich links neben dem Scheitel, eine Dreiviertelstunde nach dem Mittagessen. HT 61
Hitzeentwicklung im Kopfe, mehr auf der linken Seite, mit Gesichtsröthe und vermehrter Wärme an den Händen. HT 65
Sehr empfindliche Hitze, zuerst in den Schläfen, besonders in der linken, dann im übrigen Kopfe, mit Schweiss an Kopf und Händen, bei nur mässiger Wärme der Haut: es vergeht bald. HT 66
Brennen auf dem Backen, mit Gesichtsröthe, ohne erhöhte fühlbare Wärme. HT 112
HT 39, 40, 62-64, 67-69, 73, 74, 87, 104, 107, 115, 122, 123, 146, 170, 196, 197, 207, 218, 223, 259, 298, 299, 320-322, 328, 364-367
Phellandrium leidet am Belehrtwerden, weil ihm dadurch gegen seinen Willen Erkenntnisblitze widerfahren können. Wir stellen uns z.B. ein Kind vor, das zappelt und schreit, wenn man ihm den Knoten zum Schuhebinden beibringen will, sich selbst jedoch stundenlang mit grösstem Ernst bemüht, den Dreh rauszubekommen.
Die Ab-hängigkeit vom Moment des Begreifens scheint Phellandrium unwürdig, er fühlt sich bildlich wie eine Marionette: Der Kopf fällt hin und her, er kann ihn nicht halten, er wird gepackt und hin und her gerissen. Er droht vor- rück- oder seitwärts zu fallen Th 13, 14,15.
Durch die fehlende Inspiration macht ihm seine tägliche Arbeit keinen Spass mehr. Er ist verdrossen, missgestimmt und traurig Th 1, 2. Nichts kann ihn mehr freuen.
Auch auf der stofflichen Ebene fällt ihm das Aufnehmen schwer: Er empfindet Ekel oder Völlegefühl beim Essen Th 30, ihm ist unbehaglich im Magen Th 31.
Phellandrium wird empfindlich reagieren auf jedes heitere und inspirierte Denken, er wird es selbst auch nicht beherrschen. Wir stellen uns einen stumpfen „Beamtentyp“ vor.
Egotrophie
Wenn Phellandrium seine Vorstellung von Vollkommenheit zu realisieren versucht, wird er fleissig Wissen ansammeln, z.B. unermüdlich auswendig lernen, um auf seinem eigenen Weg zur Erkenntnis zu gelangen. Er glaubt nicht, dass es dazu Hilfe oder Inspiration von aussen braucht. Wichtig ist, einfach immer weiterzumachen Th 4.
In der Kompensation seines Verlust-Erlebens empfindet er ein heiteres Gemüt und leichte Bewegung des Körpers Th 6 (in dem Fall alles andere als eine Marionette!). Als Aussenstehender wird man vielleicht spüren, dass seine Witze arg uninspiriert sind.
In den Träumen sieht er Gärten, Gesellschaften, Lustbarkeiten Th 7 — ein Leben im Paradies, bevor die ganzen Probleme mit der Erkenntnis losgingen.
Er kann auch begeistert beteuern, wie toll es sei, immer Neues zu lernen.
Egolyse
Wenn Phellandrium sich schliesslich resigniert vor jeder Erkenntnis verschliesst, wird er benommen und stumpfsinnig Th 10. Er mag wirken wie ein geistig behinderter Mensch, der sich marionettenhaft und unkoordiniert bewegt.
Während der Arbeit schläft er ein Th 4. Seine Sinneswahrnehmung versagt, beim Nähen wird sie trübsichtig Th 5; Geschmack, Geruch und Sehen Th 28, 29, 16 sind eingeschränkt.
Alterolyse
Er ist misslaunig und trotzig Th 2, die anderen begreifen Dinge auf eine Art, die ihm verschlossen ist und ihn zutiefst misstrauisch stimmt. Er findet wenig Inspirierendes in der Beziehung zum Mitmenschen.
Welche „Conditio humana“ lehnt er ab? Wo wünscht er sich Vollkommenheit?
Phellandrium lehnt Inspiration oder Geistesblitze ab.
„Inspiration“ bedeutet Erleuchtung, Einhauchung; „inspirieren“ heisst anregen, begeistern Hw. Synonyme zu „inspiriert“ sind u.a. begeistert, bezaubert, entflammt, schöpferisch DtW.
Sprachlich haben Erkenntnis und Licht viel miteinander zu tun: Man spricht von der Erhellung des Verstandes, von blitzartiger oder aufdämmernder Erkenntnis.
Der Blitz Th 22 symbolisiert geistig-religiöse Erleuchtung, Offenbarung, das Herabkommen von Macht, plötzliche Erkenntnis der Wahrheit, Befruchtung, Ernährung, männliche Kraft. LdtS.
Phellandrium will in seiner Erkenntnis diesen Moment blitzartigen Erkennens nicht. Er zieht es vor, durch fleissiges Arbeiten Th 4 oder durch vertieftes Nachdenken Th 3 selbst zur Einsicht zu gelangen. In dem Moment, wo sich ihm etwas plötzlich erhellt, fühlt er sich abhängig wie eine Marionette. Statt sich zu freuen über das soeben Erlernte wird er ablehnend, zornig oder deprimiert.
Wo erlebt er deshalb ein Nichtgenügen, einen Verlust?
Weil selbst noch so fleissiges Arbeiten oder Ansammeln von Wissen aber keine Früchte trägt, wenn nicht ein Geistesblitz es befruchtet, kann Phellandrium nicht mehr denken: Er fühlt sich dumm und düselig Th 10. Sein Kopf fühlt sich vergrössert, voll und schwer an Th 11, resp. als sei ein Gewicht darin Th 12. Etwas steht an der Stirn vor, er kann nicht darüber hinwegsehen Th 16.
Inspiration hat auch mit Begeisterung zu tun und kann eine Quelle der Erheiterung darstellen. Deshalb verliert Phellandrium die Möglichkeit sich zu freuen, er denkt an traurige Gegenstände Th 1, alles verdriesst ihn Th 2.
Was empfindet er infolge der Ablehnung als Bedrohung oder als Strafe?
Phellandrium hat einen schrecklichen Traum, dass der Blitz neben ihm hineingefahren sei Th 22. Erlebt er eine Art schicksalhafter Warnung? Er hat auch Angst, dass ihm ein Unglück bevorstünde Th 1, weil er durch die Ablehnung der Intuition abgeschnitten ist von der „Gefahrenwitterung“.
Wie könnte sich ein bewusster Umgang mit der Grundproblematik darstellen?
Ein Phellandrium-Mensch, der gelernt hat, dass Momente der Inspiration diejenigen sind, die uns im Leben voranbringen und befriedigen, wird sich für Anregung und Belehrung von aussen nicht mehr verschliessen. Er muss nicht mehr versuchen, sich die Dinge ausschliesslich durch Fleiss zu erarbeiten.
Er wird kaum einen Beruf wählen, bei dem Geistesblitze gefragt sind, aber dort seine Qualität am besten einbringen, wo es um routinierte und traditionelle Handwerksarbeit geht.
Blitz Th 22
Der Begriff des Blitzes erklärt eine ganze Reihe von Phellandrium-Symptomen: Ein besonderes Gefühl im ganzen Körper, als wenn alle Gefässe in zitternder Bewegung wären Th 20, plötzliche oder blitzartig reissende Schmerzen Th 21, brennend, beissend und ätzend juckendes Stechen, wie elektrische Funken Th 23, rote, wie Feuer brennende Bläschen am rechten Zungenrande Th 18, an der linken Halsseite unter dem Unterkiefer Gefühl, als wenn man in der Nähe mit einem glühenden Eisen hinführe Th 19. Es gibt auch zahlreiche Symptome von Hitze, Brennen, Wärme allgemein Th 34.
Schauder, als wenn Jemand kaltes Wasser über sie gösse Th 9
Der Funke der Erkenntnis, der Geistesblitz wird gleich wieder gelöscht.
Milch Th 27 und Stillen Th 33
Die Milch stellt symbolisch den Lebenssaft oder Nahrung für die Götter dar. In vielen Kulturen ist sie ein Symbol der Unsterblichkeit. Milch und Wasser werden vereinigt als die Milch des Geistes und das Wasser der Materie LdtS: Phellandrium hat Durst nach Milch und Bier, sowie Abneigung gegen Wasser HT 137.
Das Stillen ist bei Phellandrium mit grossen Problemen verbunden. Es scheint, als ob sie das einmal angesammelte, resp. in ihr selbst entstandene Wissen nicht abgeben möchte: hysterisches Weinen nach dem Stillen. Ein Synonym zu Milch ist „Ammenbier“ DtW.
In eine ähnliche Richtung deuten die Magensymptome Th 30, 31.
Sie nimmt — wie auf der Wissensebene — viel auf, ohne es verarbeiten zu können: Es ist ihr immer, als wenn der Magen voll wäre; vermehrter Hunger; sie möchte gegen Gewohnheit immer essen.
Gefühl, als wäre der Magen voll Wasser (d.h. voll „Wasser der Materie“ statt voll „Milch des Geistes“), das aufsteigen wollte; dann Gefühl, als drehe sich im Magen ein grosser runder Körper um, der dann hinunter fiele.
Gefühl, als wenn ein scharfer, rauher Dunst aus dem Magen ginge, mit Neigung zum Aufstossen, was aber nicht erfolgt. Synonyme zu scharf sind u.a. lüstern, gierig, bissig, sarkastisch. Antonyme: stumpf, desinteressiert, unklar DtW. Das Fremde, das Phellandrium sich einverleibt hat, ohne es durch Inspiration fruchtbar machen zu können, stösst wieder auf oder liegt ihm wie eine runde Kugel im Bauch.
Auffallend ist auch, dass es Phellandrium „eiskalt in den Gedärmen Th 32, wie nach geistigen Getränken“ wird. Normalerweise empfindet man nach alkoholischen Getränken eher Brennen oder Wärme in den Verdauungsorganen. Phellandrium wird aber durch den „Spiritus“ nicht erwärmt, weil die Inspiration abgelehnt wird.
Traum von Raufereien, in denen er viele Prügel bekam Th 8
Phellandrium wird zum Prügelknaben. Synonyme dazu sind: Sündenbock, armer Teufel, Blitzableiter.
Ein Tönen im Gehirne, als wenn man auf ein frei schwebendes Blech schlägt Th 17
Im Theater wurde früher auf diese Weise das Donnergeräusch erzeugt. Die Verbindung zum Blitz ist dadurch gegeben. Aber auch die Marionette erlaubt eine Assoziation an die Theaterwelt. Man könnte sagen, dass Phellandrium den Geistesblitz nicht als Wirklichkeit akzeptiert und daher auch nur einen Theaterdonner als Echo hört.
Flöhe, Wanzen, Fliegen Th 24
Über den Floh schreibt das HdA: „Beim Floh fällt im Vergleich zu anderen Insekten (z.B. der Fliege) seine geringe mythisch-metaphysische Wertung auf. Der Grund ist wohl in dem Beigeschmack der Komik zu suchen, der dem Floh seit jeher anhaftet“.
Eine Bedeutung hat der Floh als Vorzeichen: er kann Wetter, Nachrichten, Briefe, oder Kriege ankündigen, man denke an das Symptom „Furcht, als wenn ihr ein Unglück bevorstände“ Th 1.
Die Wanze hat noch weniger mythologische Bedeutung, einzig interessant in diesem Zusammenhang ist folgender Hinweis: Als Abwehrmittel gegen Wanzen legt man „in der Umgebung von Anhalt frisches Kraut von Wasserfenchel (Phellandrium) bei abnehmendem Mond ins Bettstroh.“ HdA
Langer Frühschlaf, wobei sie alles hört Th 26
Ein Symptom, das normalerweise als wenig aussagekräftig gelten muss, es lässt sich aber nach Erstellen der Hypothese als egotroph einteilen: Phellandrium versucht, alles mitzubekommen, möglichst viele Informationen zu sammeln.
Einen Vollkommenheitsanspruch bei der Wissensaufnahme haben nebst Phellandrium auch die folgenden Mittel:
Dulcamara hat ebenfalls den Anspruch, dass die Erkenntnis aus ihm selbst kommen soll, er will aber zugleich das Wissen verbreiten, es aus sich heraus abstrahlen. Dieser Aspekt fehlt bei Phellandrium. MMH
Elaps corallinus akzeptiert kein Wissen, das von anderen vorverdaut, bereits verarbeitetet ist, weil dies ihm unwürdig scheint. Er lehnt Interpretation oder Exegese ab, nicht wie Phellandrium die Inspiration. MMH
Ambra grisea will ebenfalls kein Wissen von anderen aufnehmen, er will alles sich selbst verdanken. Er wäre gerne der alte, ehrwürdige Weise, der zu allen wichtigen Fragen das abschliessende, klärende Wort sagt. Stattdessen wird er durch die vorzeitige Alterung zum ignoranten Narr, zum faselnden Schwachkopf, der unfähig ist, seine Gedanken in Worte zu fassen. MMH
Aloe will sich endlos mit Wissen vollstopfen, um dadurch Ausgleicher und Versöhner in der Welt zu werden. Das Thema des Prügelknaben ist in beiden Mitteln zu finden. MMH
Auf der Ebene des mechanischen Arbeitens lässt sich differentialdiagnostisch an Rhus toxicodendron denken: Glaubt, die Welt durch sein Arbeiten in Gang halten zu müssen und wird in der Erschöpfungsphase ebenfalls stumpf und benommen. MMH
Durch die Symbolik des Blitzes kann Spigelia verglichen werden: Träumt, dass die Schulter durch einen Blitz losgerissen werde. Es geht um die Vorsehung, um Voraussicht, die helfen soll, Leiden zu vermeiden. AFADH
ZUR SUBSTANZ
Phellandrium, Oenanthe aquatica, Wasserfenchel (Familie: Apiaceae)
Phytotherapeutisch v.a. gegen Lungenschwindsucht eingesetzt, ebenso bei Blähungsbeschwerden, Wechselfiebern, Wunden und bösartigen Geschwüren. In der Tierheilkunde brauchte man es bei Rotz und anderen Brustübeln der Pferde. HT
QUELLEN
Überarbeitung im Rahmen der Arzneimittelstudiengruppe Basel II, November 2000
|HT

Cl
LdtS
DtW
HdA
Hw
MMH
AFADH
Bild
|Hartlaub und Trinks, Reine Arzneimittellehre, Neuauflage Hamburg 1991|
Der Neue Clarke, Bielefeld 1990, Band 7
Cooper, J.C., Illustriertes Lexikon der traditionellen Symbole, Wiesbaden 1986
Peltzer/von Normann, Das treffende Wort, Thun, 1993
Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Berlin, New York 1987
Das Herkunftswörterbuch, Etymologie der deutschen Sprache, Mannheim, 1989
Preis Stefan, Mattmann Peter, Weihe Christoph, Studer Susanne, Weiss Karl: Materia Medica Homoeopathica - revidiert nach Dr. Alfonso Masi-Elizalde, Luzern 1996/97
Association Française pour l’Approfondissement de la Doctrine Homéopathique, Cahiers de Doctrine depuis 1984
Lars Hedenas, Swedish Museum of Natural History, Stockholm