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Mysterydrama. USA 1931
Alternativer Titel -
Regie Archie Mayo
Drehbuch J. Grubb Alexander nach dem Roman von George Louis Du Maurier
Kamera Barney McGill
Schnitt William Holmes
Darsteller John Barrymore, Marian Marsh, Donald Crisp, Bramwell Fletcher
Länge 81 Min.
Kinostart 22.5.1931
|Humor||Spannung||Action||Gefühl||Anspruch||Erotik|
|.||.|
©
Text Marco, molodezhnaja 5.10.09
© Bilder Alpha Video, Screenshots molodezhnaja
STORY
Im Paris der 1890er-Jahre erteilt der Pole Svengali (John Barrymore) private Gesangsstunden. Er umgarnt die Madame Honori (Carmel Myers) und hofft, an ihr Vermögen zu kommen. Doch als sie seinetwegen ihren Mann verlässt, ohne Geld mitzunehmen, hypnotisiert Svengali sie, worauf sie sich das Leben nimmt. Nun lenkt Svengali sein Interesse zum jungen Model Trilby O'Farrell (Marian Marsh). Da sie den englischen Maler Billee (Bramwell Fletcher) liebt, bleibt ihm nichts anderes, als sie zu hypnotisieren. Fünf Jahre später hat Svengali aus ihr einen Opern-Star gemacht. Und seine Gattin. Da stösst Billee auf die beiden und nimmt sich vor, seine immer noch geliebte Trilby zu retten.
REVIEW
In Europa lag der Expressionismus anno 1931 in den letzten Zügen. Deutschland, die Pioniernation des expressionistischen Kinos, war bereits auf andere Stilrichtungen eingeschwenkt - die Neue Sachlichkeit unter G.W. Pabst etwa, oder den populären Bergfilm von Herren wie Arnold Fanck und Luis Trenker. In der Hollywoodproduktion "Svengali" durften die schrägen Kanten, kühnen Winkel und kuriosen Räume jedoch noch einmal ein Comeback feiern: Das Mysterydrama bedient sich visuell bei Werken vom Typ "Das Cabinet des Dr. Caligari" und gehört damit zu einem der letzten Beispiele filmischen Expressionismus.
Als Vorlage diente der 1894 veröffentlichte Roman "Trilby" von George Louis Du Maurier - dem Grossvater der berühmten Schriftstellerin Daphne du Maurier ("The Birds", "Rebecca"). Seine Kreation wurde über ein halbes Dutzend Mal verfilmt, doch diese Fassung von 1931 dürfte die bekannteste sein. Und wohl auch die beste. Das ist indes nicht nur dem Design des während seiner Lebzeit (1884-1974) fünffach oscarnominierten, polnischstämmigen Art Directors Anton Grot ("Little Cesar") zu verdanken, sondern auch dem Hauptdarsteller.
John Barrymore (1882-1942) zeigt hier mit kuriosem Akzent - und einigen deutschen Worten - eine seiner besten Darbietungen und bekundet mit gruseligen Szenen ebenso wenig Mühe wie mit Comedy oder Monologen. Sein hypnotischer Blick ist legendär und definierte fast im Alleingang den Typus des bösen Hypnotiseurs. Ähnliches taten auch schon der Roman und die vorherigen Adaptionen, doch es ist diese Umsetzung des Vielfilmers Archie Mayo (1891-1964), die ikonographische Kraft beweist und bis heute in der Zeichnung zwiespältiger Hypnotiseure nachwirkt.
Doch Barrymore, so überzeugend er auch ist, meistert den Film natürlich nicht im Alleingang. Beinahe so wichtig ist die erst gerade 17-jährige Marian Marsh (Der verlorene Sohn, 1913-2006), die als Violet Krauth geborene Tochter eines Deutschen und einer Britin, deren Rolle immerhin dem Roman seinen Namen gab. Das hübsche Mädel hat wenig Schwere und Charisma, doch sie hüpft fröhlich durch den Film und es ist leicht zu sehen, warum die Männer um sie herum ihr so leicht verfallen - sie ist einfach ungeheuer süss.
Die Reduktion ihrer Rolle und das Aufwerten Svengalis sind nicht die einzigen Änderungen gegenüber dem Roman. Auch das Finale wurde umgeschrieben und rundet den Film etwas weniger düster, aber immer noch weit entfernt von einem Happy End ab. Denn unter der manchmal nicht ganz ernst zu nehmenden Oberfläche offenbart sich hier ein durchaus finsteres Thema um Hörigkeit und Besitzergreifung. Die schöne junge Frau wird willenlos gemacht - und zum Opfer des mächtigen Hypnotiseurs. Es wird zwar nicht ausgesprochen, doch im Grunde vergewaltigt er sie, seelisch wie körperlich, indem er ihre Selbstbestimmung aufhebt.
"Svengali" dürfte deshalb durchaus noch etwas düsterer sein - und im Gegenzug etwas kürzer. Und weniger geschwätzig. Denn der Film ist keinesfalls ausgereift, leidet an Überlänge, an Theatralik und an einer etwas sperrigen Erzählweise. Sehenswert ist er dennoch, dank John Barrymores überlebensgrossen Darbietung, dank der putzigen Miss Marsh, dank den düsteren Untertönen und dem expressionistischen Set Design. Bedenkt man zudem das Alter des Films, ist "Svengali" durchaus eine bemerkenswerte Sache.
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EXTERNE REVIEWS
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