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Richard Lester wurde 1932 in Philadelphia geboren. 1950 begann er seine Karriere am Fernsehen, wo er Peter Sellers auffiel. Sein Kurzfilm «The Running Jumping & Standing Still Film» von 1960, bei dem Peter Sellers und Spike Milligan mitspielten, gefiel den Beatles, vor allem John Lennon, gut. Als 1964 der erste Film mit den Fab Four gedreht werden sollte, entschieden sie sich deshalb für Richard Lester als Regisseur. «A Hard Day's Night» wurde zum Erfolg und so drehte Lester 1965 auch den zweiten Beatles-Film «Help!». 1966 spielte John Lennon in «How I Won The War» eine Nebenrolle. In den 70er- und 80er-Jahren drehte Lester einige erfolgreiche Filme wie «Robin And Marion» mit Sean Connery oder die «Superman Filme» mit Gene Hackman. In den 70ern drehte er auch eine Serie über Musketiere. Bei den Dreharbeiten zu «The Return Of The Musketeers» 1988 fiel Roy Kinnear, mit dem Lester befreundet war, von einem Pferd und erlag seinen Verletzungen. Nach der Vollendung des Films zog sich Lester inoffiziell aus dem Filmgeschäft zurück.
Richard Lester filmt 1965 Paul McCartney während den Dreharbeiten zu Help!
vom Vorfilm zum Hauptfilm
Dann kam der Anruf von Paul McCartney. «Er sagte, dass er etwas zum aufwärmen wolle, zehn Minuten in der Art von zuerst waren da die Beatles, dann die Wings und nun ist er es heute», erinnert sich Richard Lester im Club Sandwich. Die Projektionsfläche auf der Bühne war rund 7x14 Meter gross. Paul liess Lester freie Hand in der Auswahl der Songs und des Bildmaterials. Als Richard Lester das Telefon aufgehängt hatte, realisierte er das erste Problem, das Bildformat war lediglich die Hälfte des Cinemascope-Format. Während den ersten Skizzen, die seine Tochter anfertigte, merkte er, dass das Verhältnis aber drei Fernsehschirmen entsprechen würde.
Richard Lester wollte nicht bloss Bilder von McCartney und seinen Bands verwenden, sondern ergänzte das Bildmaterial mit Bildern von wichtigen Ereignissen aus den vergangenen 25 Jahren. Hierzu führte er so viele Gespräche wie möglich und fragte die Leute, was ihnen am meisten in Erinnerung geblieben wäre. Neben dem Vietnamkrieg waren das entweder Katastrophen oder die Mondlandung. Im Allgemeinen kam der Vorfilm gut an, ausser bei ein paar Kritikern, die monierten, dass zu viele Bilder des Vietnamkrieges gezeigt worden waren und diese nicht zur fröhlichen Atmosphäre eines McCartney-Konzertes passen würden.
Bei der Filmabnahme fand Paul die Bildauswahl beinahe pefekt. «Er wollte zwei Sequenzen ausgewechselt haben, weil sie ihm zu aufwühlend waren. Und er fand, dass es ihm ein paar Scherze zu wenig habe, das war alles. Ich ergänzte also den Film noch mit ein paar witzigen Szenen.
Richard Lester 2007, anlässlich der Veröffentlichung der digital restaurierten Fassung von «Help».
Auch für «Get Back» verwendete Lester diese Bilder, allerdings nur sechs Minuten der insgesamt 90 Minuten zeigen keine Bilder von den Konzerten. Möglicherweise wäre es besser gewesen, wenn man den Vorfilm der Konzerte als Bonus veröffentlicht hätte, besonders während «The Long And Winding Road» sind die Vietnamsequenzen störend.
ein Mammutprojekt
Die Produktion des Filmes entpuppte sich als technischer Albtraum. Einerseits war das Bildmaterial von Videokassetten sowie von 8, 16 und 35 Milimeter Filmen zu synchronisieren. «Wir neigten dazu, die meiste Zeit über mit drei Kameras zu filmen, manchmal mit vier», erinnert sich Lester weiter. «Ich wollte das Gefühl vermitteln, dass sich alles im Wandel befindet. Manchmal war das Publikum brasilianisch, manchmal japanisch.» Im Gegensatz zu anderen Musikfilmen drehte Lesters Crew aber nie auf der Bühne, weil sie angewiesen worden war, niemandem, der für das Konzert bezahlt hatte, die Sicht zu verdecken. «So mussten wir manchmal mit riesigen Objektiven vom Mischpult her filmen.» So mühsam die Anweisung gewesen sein mag, Lester und Crew haben das Ganze mit Bravour gelöst, Optisch überzeugt «Get Back», weil man meistens die Sichtweise des Konzertbesuchers hat. Weshalb der Film eine willkommene Ergänzung zum Livealbum «Tripping The Live Fantastic» ist.
Die nächste Mammutaufgabe war der Schnitt, das Bildmaterial musste mit der Musik synchron sein. Als Soundtrack wurden bis auf «Get Back» die Versionen von «Tripping…» verwendet. Die Synchronisation von Bild und Ton benötigte ein ganzes Jahr Arbeit, wobei Dick Lester McCartney die ganze Zeit über involviert hatte. Bild für Bild und Alternativen dafür hatte er Paul gezeigt, der die Bilder abgesegnet hatte. «Es war eine echte ZusammenarbeiIt», erinnert sich Lester.
Die Aufnahmen aus dem Vorfilm, die verwendet wurden, zeigen japanische Shaolin Mönche bei «Rough Ride», Straussenrennen, die Mondlandung sowie Bilder aus dem Vietnamkrieg während «The Long And Winding Road». Bei Martin Luthers Kings «I have a Dream Rede» in «The Fool On The Hill» ist das Originalbildmaterial zu sehen. Aber Paul in der Provence, der in den Sonnenuntergang blickt. Es waren dieselben Bilder, welche die Beatles bei der «Magical Mystery Tour» verwendet hatten. Bei «Good Day Sunshine» ist das Bild dreigeteilt, unten sieht man Paul und Band, oben kommen Leute von der Nachtarbeit und andere ziehen sich an und gehen an die Arbeit.
«Get Back» fällt in McCartneys Filmographie ganz wohltuend aus, dass er hauptsächlich ein Konzertfilm ist, der das Spektakel auf der Bühne und im Publikum zeigt. Damit schliesst er direkt an «RockShow», der Tourdoku der «Wings Over The World Tour» an. Bereits bei der Dokumentation der «New World Tour» stören die technischen Spielereien und die verfremdeten Bilder. Die Tourdokumentationen aus den 00er-Jahren sind allesamt unterbrochen mit Interviewfetzen und Zitaten von Hollywoodstars und anderen Musikern über die Bedeutung McCartneys. Eine Unsitte, die schon Anfang der 90er-Jahre bei den Musikfilmen gang und gäbe gewesen war, doch Richard Lester hatte McCartney überzeugen können, dass ein reiner Konzertfilm besser wäre.
Richard Lester war von Anfang an begeistert vom Projekt und erinnerte sich gerne an die World Tour zurück: «Jedes Mal wenn die Band auf die Bühne kam und zu spielen begann, fühlte ich mich gut. Und (…) während all den Konzerten in den verschiedenen Ländern gewesen zu sein, ist einfach wunderschön.» Mit diesen Erinnerungen zog er sich nach «Get Back» ganz aus dem Filmgeschäft zurück.
Distribution
«Get Back», hatte seine Weltpremière in New York, die Europapremière fand am 18. September 1991 in Hamburg statt, bei der Paul und Linda beiwohnten. Parallell dazu wurde der der Film in vier weiteren deutschen Städten sowie in Liverpool, Birmingham, Glasgow, Leeds und London gezeigt. In der Schweiz lief danach ebenfalls im Kino, allerdings nur kurze Zeit. In Zürich war er während zwei Wochen im Kino Wellenberg zu sehen.
Noch im Herbst 1991 erschien die VHS-Kassette und Laserdisc des Films. 2005 wurde er dann regulär auf DVD wiederveröffentlicht. 2011 erschien er in einer Sammlerausgabe des deutschen Rolling Stone in der Reihe die besten Musikfilme aller Zeiten. Sowohl «Tripping The Live Fanstastic», wie die «Get Back» sind noch nicht im Rahmen von McCartneys Archive Collection wiederveröffentlicht worden. Bis dahin besteht die Hoffnung, dass die beiden TV-Specials über die World Tour: «48 Hours… with Paul McCartney» und «Coming Home – From Rio To Liverpool» ihren Weg von YouTube in Deluxeversion der Box finden werden.
Noch einmal und in Fabre, Paul McCartney während der World Tour 1989/1990.

Tracklist:
Band On The Run
Got To Get You Into My Life
Rough Ride
The Long And Winding Road
The Fool On The Hill
Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band
Good Day Sunshine
I Saw Her Standing There Put It There
Eleanor Rigby
Back in the U.S.S.R.
This One
Can't Buy Me Love
Coming Up
Let It Be
Live And Let Die
Hey Jude
Yesterday
Get ack
Golden Slumbers/Carry That Weight/The End
Birthday