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Die Verfassung von 1876 wurde 1830 und 1892 in einigen Punkten revidiert (Gericktsorganisation und Unterstützung ärmerer Gemeinden durch den Staat). b. Der Halbkanton Appenzell-Innerrhoden hat (1888) eine Wohnbevölkerung von 12904 E. Im J. 1895 wurde die Wahl des Ständeratsmitgliedes dnrch die Landesgemeinde (statt durch den Großen Rat) eingeführt. Zwischen Rheineck und Walzenhausen wurde eine Drahtseilbahn eröffnet. -
Vgl. Wanner, Das Appenzellerland. kleine geogr.-naturhistor.
Beschreibung (St. Gallen 1894).
*Apuchtin, Aleksej Nikolajewitsck, starb 29. (17.) Aug. 1893 in
Petersburg.
[* 3] Von seinen Gedichten sind am bekanntesten: «Ein
Jahr im
Kloster», «In ärmlichen
Lumpen, unbeweglich und tot». Aquamanile (mittellat.),
Name der Gießgefäße,
aus welchen während der
Messe das Wasser aus die
Hände des Priesters zum Waschen gegossen wurde. Im Mittelalter hatten die
in
Bronze,
[* 4] später in Messing gegossenen
Arbeiterfrage die Form eines
Tieren, vorzugsweise des Löwen;
[* 5] es giebt aber auch solche in Gestalt
von
Hunden, Hirschen,
Pferden, von
Vögeln, als Hähnen,
Hennen,
Tauben,
[* 6] von sagenhaften
Tieren, wie Greifen,
Drachen,
Basilisken, Meerjungfrauen, dann von Reitern zu
Pferd
[* 7] in voller Rüstung,
[* 8] menschlichen
[* 1]
Figuren und
Köpfen.
Letztere Art dürfte frühbyzant. Ursprungs sein und das Mittelglied zwischen ähnlichen antiken
Gefäßen und den mittelalterlichen
bilden. Auf dem Rücken oder dem
Köpfe des
Tieres ist gewöhnlich ein einfacher Scharnierdeckel zum Eingießen
des Wassers, der Ausguß ist entweder auf der
Brust oder im
Rachen der
Tiere, bei den kopfförmigen auf der
Stirn. Das
Germanische Museum
besitzt eine reiche
Serie von
Arbeiterfrage. Im
Lüneburger
[* 9] Silberschatz des Kunstgewerbemuseums zu
Berlin
[* 10] sind zwei
Arbeiterfrage des 16. Jahrh. aus
vergoldetem
Silber, die zu profanen Zwecken dienten.
*Äquatorialprovinz. Nachdem
Emin Pascha (s.d., Bd.
6) die
Arbeiterfrage aufgegeben hatte und mit Stanleo nach der afrik.
Ostküste abmarschiert war, begannen sofort die Mahdisten sich der Provinz zu bemächtigen. Doch gelang es in den J. 1892-91 einer Expedition des Kongostaates, zuerst unter van Kerckhoven, später unter Baert, bis Ladö vorzudringen und am Bahr el-Dschebel festen Fuß zu fassen. Als durch einen Vertrag England den gröftten Teil der Lt. an den Kongostaat [* 11] «verpachten» wollte, erhob Frankreich Einspruch, und der Kongostaat wurde auf das Gebiet bis zum fünften Breitengrade beschränkt. -
Vgl. noch Casati, Zehn Jahre in Äquatoria (deutsch, 2 Bde., Gera [* 12] 1891);
Ohrwalder, Aufstand und Reich des Mahdi im Sudan (Innsbr. 1892);
Slatin Pascha, Feuer und Schwert im Sudan (1. bis 8. Aufl., Lpz. 1896).
^Aquileja gehört zum Gerichtsbezirk Cervignano und hat (1890) 836, als Gemeinde 2098 E. *Ära. Bei den Japanern laufen vier verschiedene Jahrzählungen nebeneinander. Man rechnet einmal nach Regierungsjahren der Kaiser, die mit dem auf die Thronbesteigung folgenden Kalenderneujahr beginnen, sodann nach sich in fortwährendem Wechsel ablösenden Perioden von einem bemerkenswerte Ereignis zu einem andern (Nengo), deren Taner naturgemäß großen Schwankungen unterliegt und sich nicht selten auf ein einziges Jahr reduziert, ferner nach den von den Chinesen entlehnten 60jährigen Cyklen (s. China, [* 13] Bd. 4) und endlich nach der erst neuerdings in Gebrauch gekommenen, allein den Vorteil einer fortlaufenden Zählung bietenden Ä. Nino, deren Anfang mit dem auf den Regierungsantritt des Kaisers Jimmu Tenno folgenden Neujahrstag (18. Febr. 660 v. Chr.) zusammenfällt. *Arad.
1)
Komitat, hat (1890) 31TTTTT597 meist rumän. griech.-orient. E., darunter 86780 Magyaren, 37303 Deutsche,
[* 14] 4157 Slowaken
und 2200
Serben, der Konfession nach 91015
Römisch-, 13115
Griechisch-Katholische, 7195
Lutheraner, 20787
Reformierte und 8924 Israeliten.
- 2) Hauptstadt des
Komitats, hat (1890) 12052 E., darunter 37303 Deutsche, 7873 Rumänen und 1701
Serben,
der Konfession nach 1035
Griechisch-Katholische, 9252 Griechisch-Orientalische, 1221
Lutheraner, 3909
Reformierte und 4795 Israeliten.
*Arago, Etienne, starb in
Paris.
[* 15]
*Arago, François Victor Emanuel, wurde 1891 von seinem Posten als
Botschafter in
Bern
[* 16] abberufen und starb in
Paris. - Sein
Bruder, der
Maler
Alfred
Arbeiterfrage, geb. starb Arapaima
(Arapaima gigas
Cuv.) oder Piraruru, der größte
Süßwasserfisch, der bis 5 m lang und 250 kg schwer werden kann. (S. nachstehende
Abbildung.) Er gehört zu einer besondern Familie (Osteoglossidae, Knochenzüngler) der Schlundblasenfische, hat ein weites
Maul mit vorragendem Unterkiefer, große, harte, mosaikartige
Schuppen auf dem Körper, einen unbeschuppten,
fast ganz knöchern bepanzerten
Kopf, eine abgerundete Schwanzflosse und weite Kiemenspalten. Er bewohnt die großen
Ströme
Brasiliens und Guayanas, ist nickt selten und wird seines Fleisches halber, das nicht nur frisch gegessen wird, sondern
auch eingesalzen, getrocknet und geräuchert einen wichtigen Handelsartikel bildet, viel gefischt oder
eigentlich gejagt,
da man ihn hauptsächlich mit Pfeilen schießt.
Arbeiterausschüsse, s.
Arbeiterfrage. Arbeiterbund, schweizerischer,
der größte Verband
[* 17] socialdemokratischer
Tendenz in der
Schweiz,
[* 18] zählte 1896: 198100 Mitglieder mit 125 Delegierten und zwar
in Krankentassen 67200 Mitglieder, in
Berufsvereinen 77100 Mitglieder, in den
Grütlivereinen (s. d., Bd.
8) 16300 Mitglieder, in den allgemeinen Arbeitervereinen und der socialdemokratischen Partei 11400 Mitglieder,
in den kath.
Männer-,
Arbeiter- und Gesellenvereinen 11100 Mitglieder und im kath. Piusvereine 15000 Mitglieder.
Der
Bund unterhält mit eidgenössischer Staatsunterstützung ein ständiges Arbeitersekretariat in Zürich
[* 19] für die deutsche und
ein ebensolches in
Biel für die roman.
Schweiz.
Arbeiterfrage. Die neue
Ära auf dem Gebiete des Arbeiterschutzes,
die durch die kaiserl.
Erlasse vom Febr. 1890 angebrochen schien, hat bis jetzt
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noch nicht die Früchte getragen, die man glaubte erwarten zu dürfen. zu einer zweiten internationalen Arbeiterschutzkonferenz ist es noch nicht gekommen, obgleich die Schweiz im Jan. 1895 zur Einberufung einer solchen einen Anlauf [* 21] nahm. Der Gesichtspunkt, von dem ans die Schweiz sich dafür interessierte, war, eine Einschränkung der Arbeitszeit zu erlangen, da in ihr der Grundsatz des Normalarbeitstages sich siegreich behauptet, aber inmitten des durch die Schutzzollpolitik verschärften Industriekampfes der Nationen nicht auf alle schweiz. Gewerbe ausdehnbar ist.
Gelänge es der Schweiz hinsichtlich einiger Punkte der Arbeitszeit zu Abmachungen mit auswärtigen Staaten zu kommen, so würde die Forderung des zehnstündigen Normalarbeitstages nicht mehr im Hinblick auf die Konkurrenzfähigkeit der schweiz. Industrien angefochten werden. Arbeitsdauer. Die durchschnittliche Dauer der Arbeitszeit beträgt in Deutschland [* 22] gegenwärtig in den meisten Betrieben 11 Stunden;
eine geringere Arbeitszeit, 10 Stunden und weniger, ist im Bergbau [* 23] und in der Metallindustrie sowie bei vielen Handwerkern üblich;
die längste
Arbeiterfrage, über 12 Stunden und weit mehr,
findet sich in kleinen Mühlen
[* 24] und Sägewerken, in Ziegeleien, Brauereien, Brennereien u. s. w.;
hier wird sie mit Rücksicht auf möglichste Ausnutzung unberechenbarer elementarer Kräfte (Wind und Wasser) und wegen des unregelmäßigen Eingehens des Rohmaterials öfters ungebührlich verlängert. In andern Fällen dehnt der Arbeiter selbst, bei Vereinbarung auf Accordlohn oder bei Gestattung von Überstunden, seine Arbeitszeit aus, um einen höhern Lohn zu erzielen.
Beispiele extremer Dauer finden sich sehr zahlreich in den «Amtlichen Mitteilungen aus den Jahresberichten der mit Beaufsichtigung der Fabriken betrauten Beamten» (Berl. 1886 fg.). übermäßig lange Arbeitszeit zieht eine Reihe von schweren Schädigungen für den Arbeiter nach sich. Es ist ein allgemeines physiol. Gesetz, daß bei Überschreitung eines bestimmten Maßes der (dem Körper an sich nur zuträglichen) Thätigkeit eines Organs nicht mehr nach der normalen Ruhepause vollständige Erholung eintritt, sondern eine gewisse Schädigung des Körpers durch die übermäßige Ermüdung zurückbleibt, die nur nach unverhältnismäßig längerer Schonung ausgeglichen werden kann. Summieren sich aber diese Schädigungen dauernd, so entsteht eine bleibende Herabsetzung der Leistungsfähigkeit des Arbeiters, wie schon daraus hervorgeht, daß in einer Reihe von Betrieben mit Einführung einer verkürzten Arbeitszeit keineswegs eine Verminderung der Gesamtleistung festgestellt wurde; so hat man nach E. Roth (in der «Deutschen Vierteljahrsschrift für öffentliche Gesundheitspflege», Bd. 27, Braunschw. 1895, S. 277) in der Stahlfederfabrik von Heintze & Blanckertz in Berlin, in der Freeseschen Jalousiefabrik ebenda und in andern Betrieben mit der vor einigen Jahren erfolgten Einführung des achtstündigen Arbeitstags oder der achtstündigen Schichtarbeit nur günstige Erfahrungen gemacht. Im Gefolge dieser sich zunächst auf wirtschaftlichem Gebiete äußernden Herabsetzung der Leistungsfähigkeit durch zu lange Arbeitszeit gehen dann aber weiter eine Herabsetzung des allgemeinen Ernährungszustandes und Kräfteverfall, die sich, wie statistisch nachweisbar, in einer Verminderung der Tauglichkeit zum Militärdienst, in verminderter Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und Verringerung der durchschnittlichen Lebensdauer zeigen.
Außerdem hat eine übermäßige Ausdehnung [* 25] der Arbeitszeit auch eine Vermehrung der Betriebsunfälle im Gefolge, die durch ein Nachlassen der Aufmerksamkeit des übermüdeten Arbeiters veranlaßt wird; durch statist. Erhebungen des Deutschen Reichsversicherungsamtes hat sich in der That herausgestellt, daß sich die Unfälle in den spätern Arbeitsstunden gegenüber den in den frühern häufen. Zu allen diesen Übelständen kommt schließlich noch unausbleiblich ein Verfall des Familienlebens.
Die Wichtigkeit des Gegenstandes hat schon mehrfach eine Behandlung auf internationalen hygieinischen Kongressen bewirkt und gesetzliche Verbote einer allzulangen Arbeitszeit veranlaßt. In Deutschland ist durch die Novelle von 1891 ein Maximalarbeitstag für die erwachsenen weiblichen Arbeiter eingeführt worden. Derselbe ist auf11 Stunden festgesetzt und außerdem vorgesehen worden, daß zwischen den Arbeitsstunden eine mindestens einstündige Mittagspause gewährt wird, die für Arbeiterinnen, die ein Hauswesen zu besorgen haben, auf deren Antrag auf mindestens 1 ½ Stunden ausgedehnt werden kann.
Ferner können durch Beschluß des Bundesrates für solche Gewerbe, in denen durch übermäßige Dauer der täglichen Arbeitszeit die Gesundheit der Arbeiter gefährdet wird, Dauer, Beginn und Ende der zulässigen täglichen Arbeitszeit vorgeschrieben werden. Die Erhebungen, die auf Grund der Beschränkung der Arbeitszeit der Arbeiterinnen von den Fabrikinspektoren gemacht sind, lauten im ganzen entschieden befriedigend. Zum Teil ist auch die Arbeitszeit der Arbeiter günstig beeinflußt worden, sofern in Betrieben, wo beide Geschlechter beschäftigt werden, am Sonnabend meist schon um 5 ½ Uhr [* 26] Feierabend gemacht wird.
Stellenweise soll allerdings durch die Verkürzung der Arbeitszeit eine zahlreichere Beschäftigung von Arbeiterinnen in der Hausindustrie veranlaßt sein. über die wirkliche Dauer der Arbeitszeit ist man durch die Berichte der Fabrikinspektoren und neuerdings durch die Untersuchungen der Kommission für Arbeiterstatistik in einzelnen Gewerbszweigen unterrichtet. Während aus den erstern erhellt, daß in der Mehrzahl der Betriebe der elfstündige Arbeitstag nicht überschritten wird, haben die letztern, die die Arbeitszeit für Bäcker und Konditoren, für Kellner, Handlungsgehilfen und Getreidemüller ermittelten, für das Bäcker- und Konditorgewerbe zu einer Verordnung des Bundesrats vom geführt, durch welche die Arbeitszeit gesetzlich normiert wird (s. Bäcker).
Eine Regelung der Arbeitszeit im Handelsgewerbe ist gleichfalls in Aussicht genommen. In Österreich [* 27] werden über die Durchführung des Maximalarbeitstages lebhafte Klagen laut. Im Quartal Juli bis Sept. 1895 wurde z. B. in Niederösterreich 41 fabrikmäßigen Unternehmungen eine Verlängerung [* 28] der täglichen Normalarbeitszeit zugestanden, und zwar 29 Unternehmungen täglich zwei Überstunden, 12 Unternehmungen je eine Überstunde. Schlimmer aber ist, daß höchstwahrscheinlich, wie die Gewerbeinspektoren selbst zugeben, viele Unternehmer fabrikmäßiger Betriebe ohne behördliche Bewilligung in Überstunden haben arbeiten lassen. In Großbritannien, [* 29] wo im allgemeinen eine Abnahme der wöchentlichen Arbeitszeit (z. B. in der Kohlenindustrie) beobachtet wird, und wo die Regelung der Frauen- und Kinderarbeit zu einer allgemeinen Beschränkung der Arbeitszeit geführt haben soll, herrschen doch nach der neuerlichen Auslassung eines angesehenen Fabrikanten wenig ¶
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liche Zustände. Mr. John T. Brunner, der über die Einführung der achtstündigen Schicht in seiner chem. Fabrik berichtet, meint, daß die Zahl der Fabriken, wo sieben Tage lang in der Woche durchschnittlich 12 Stunden gearbeitet werde, sehr erheblich sei. Bei Droschken, bei Lastwagen, Bahnbediensteten sind notorisch lange Arbeitszeiten üblich. In Frankreich, wo ebenfalls die Lage der Bahnbediensteten so ungünstig ist, das; der Minister durch ein Rundschreiben einen Maximalarbeitstag von 12 Stunden angeordnet hat, stößt das neue Gesetz von 1892, das für Frauen und Kinder Beschränkungen der Arbeitszeit vorsieht, bei seiner Durchführung auf große Schwierigkeiten.
Eine bemerkenswerte Verordnung ist in Holland zuerst provisorisch, seit 1. Aug. definitiv, für die im Dienste [* 31] der Gemeinden befindlichen Arbeiter getroffen worden. Hiernach darf nicht länger als 11 Stunden täglich, am Sonntag überhaupt nicht gearbeitet werden und ist Ausdehnung der Arbeitszeit nur mit Erlaubnis der Behörde gestattet, die jedoch ausschiehlich nur bei sehr drängender Arbeit erteilt wird. Bei solcher Sachlage ist das Bestreben für Einführung eines Achtstundentages in vielen Ländern ein lebhaftes.
Den in Australien [* 32] thatsächlich bereits in weitem Umfang bestehenden achtstündigen Normalarbeitstag sucht man dort neuerdings mehr und mehr in der Gesetzgebung zu fixieren. Nachdem 1885 für Victoria [* 33] durch die Factories and Shops Act der achtstündige Normalarbeitstag für die Frauen- und Kinderarbeit in allen Etablissements festgesetzt und einstweilen bestimmt wurde, daß alle Läden und Warenhäuser in den ersten fünf Tagen, um 7 Uhr abends, am Sonnabend nicht später als 10 Uhr abends geschlossen werden müssen, ist seitdem in einer Reihe von Einzelgesetzen der Normalarbeitstag auch für erwachsene Männer gesetzlich eingeführt worden, z. B. für Bergarbeiter, Maschinenarbeiter, Straßenbahnbedienstete, Angestellte von Behörden u. s. w. In Queensland und Neuseeland bemüht sich die Gesetzgebung seit einigen Jahren, den achtstündigen Normalarbeitstag Zu einem allgemeinen Gesetz für alle Arbeiter durchzusetzen; die Unterhäuser haben die betreffenden Bills votiert, doch stießen sie in den Oberhäusern auf Widerstand.
Parallel [* 34] mit der Thätigkeit des Staates geht die Wirksamkeit der Gewerkvereine, denen es gelang, die Einführung des achtstündigen Normalarbeitstag es in vielen Gewerben zu erzwingen, die vom Staate nicht geschützt sind. Diese Gewerkvereine haben ihre Organisation in dem Trades-Hall-Council, der es verstand, für die große Mehrzahl der ihm angehörenden Verbände die 48stündige Arbeitszeit pro Woche einzuführen, für Maurer, Steinmetzen und Zimmerleute sogar eine solche von 45 Stunden.
Infolge dieserBestrebungen hatten bereits 1891 fast drei Viertel der gesamten arbeitenden Klassen in Melbourne [* 35] den achtstündigen Normalarbeitstag, seitdem dürfte ihn ein noch größerer Teil errungen haben. Neuerdings geht das Bestreben der austral. Arbeiter darauf hinaus, den achtstündigen Normalarbeitstag für ganz Australien einzuführen. Zu diesem Zwecke werden abwechselnd in den Hauptstädten der Kolonie internationale Kongresse der Trades Unions einberufen.
Und da man glaubt, daß nur auf dem Wege der Föderation zum Ziel zu gelangen sei, so bereitet sich eine festgeschlossene Organisation der Arbeiter vor, die sich über ganz Australien erstrecken soll. Doch ist sehr zu bezweifeln, daß es durch eine solche, die ganze Arbeiterschaft umfassende Koalition gelingen sollte, zur Anerkennung des Achtstundentages zu gelangen, da die Arbeitsverhältnisse und die Arbeitsbedingungen in den verschiedenen Landesteilen zu verschieden sind. Wo die Achtstundenbetriebe in Amerika [* 36] und in England bestehen, ist man mit ihren Leistungen sehr zufrieden und behauptet namentlich, daß sich die Gewandtheit der Arbeiter hebe.
Auch in Deutschland sind Versuche zu seiner Einbürgerung gemacht worden. (S. oben.) Nach engl. Erfahrungen, insbesondere in der chem. Fabrik der Firma Brunner, Moud & Cie., war sowohl ein vorzügliches ökonomisches Resultat: günstige Wirkung auf die Produktionskraft der Arbeiter, als auch ein erfreuliches sociales: vermehrter Fleiß und größere Regelmäßigkeit bei der Arbeit, wahrzunehmen. Dagegen wird behauptet, daß die Arbeiter eine offizielle Abkürzung der Arbeitszeit nur dazu benutzen würden und es bereits stellenweise thun, um über den Feierabend hinaus gegen höhere Bezahlung, oder überhaupt in Feierabendsbeschäftigung gegen Entgelt thätig zu sein.
Der Arbeiter müsse zunächst ganz anders erzogen werden, wenn er bei seinem hochentwickelten Erwerbstrieb eine Gelegenheit, etwas verdienen zu können, unbenutzt lassen solle. Sicher ist, daß solche Bedenken es nahelegen, von einem plötzlichen Schritte der Gesetzgebung zu erheblicher Verkürzung der Arbeitszeit abzusehen. Wünschenswert bleibt es trotzdem, auf eine Einschränkung der heute in den meisten Fällen doch wohl im allgemeinen noch zu hohen Arbeitszeit hinzuwirken.
Man kann sich daher nur sympathisch zu einem Dekret stellen, welches wie das des ital. Marineministers vom Febr. 1895 in allen seinem Ministerium unterstellten Militärwerkstätten den achtstündigen Arbeitstag einführt. Sonntagsarbeit. Im Zusammenhange mit der Regelung der Arbeitszeit steht das Verbot der Beschäftigung von Arbeitern an Sonn- und Festtagen. Dieses ist für Deutschland erst durch die Novelle zur Gewerbeordnung von 1891 erfolgt. Bis dahin war den Arbeitern die Möglichkeit, an Sonn- und Festtagen auszuruhen, nicht genügend gesichert.
Gegenwärtig aber dürfen die Unternehmer ihre Arbeiter nicht mehr zur Arbeit an diesen Tagen anhalten, es sei denn, daß das Gesetz ausnahmsweise die Thätigkeit zuläßt. Ausnahmen, die das Gesetz, den Bedürfnissen des praktischen Lebens Rechnung tragend, erwähnt, sind vierfacher Art. Es giebt 1) Ausnahmen, die ohne weiteres, 2) solche, die aus Grund einer bundesrätlichen Verordnung, 3) solche, die durch Verfügung einer höhern und 4) solche, die durch Verfügung der untern Verwaltungsbehörden gestattet sind.
Die erstern sind im Gesetz (§. 105 c der Gewerbeordnung) namhaft gemacht; diejenigen der zweiten Gruppe zu fixieren, bedürfte es längerer Vorbereitung. Daher trat das Verbot der Sonntagsarbeit zunächst durch kaiserl. Verordnung vom nur für die Handelsgewerbe in Kraft, [* 37] und erst die kaiserl. Verordnung vom hat die Inkrafttretung der Bestimmungen auch in den andern Gewerben vom an verfügt. In einer vom Bundesrat ergangenen Bekanntmachung sind die Betriebe, in denen die Arbeit gestattet, und die Bedingungen, unter denen sie erlaubt ist, angegeben. Es steht den Landesgesetzgebungen frei, gleichviel aus welchem Grunde, noch weiter gehende Beschränkungen zur ¶