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Bô Yin Râ
andere Namen: Ermächtigte Bruderschaft der alten Riten, EBDAR
Bô Yin Râ oder abgekürzt B.Y.R. nannte sich Anton Schneiderfranken (1876–1943) als Verfasser religiöser Lehrschriften. Sein Pseudonym will Schneiderfranken von seinem „geistigen Lehrer“ erhalten haben, den er schon als Siebenjähriger und dann wieder im Alter von 15 Jahren getroffen haben will. Zur Bedeutung dieser Bezeichnung meint Schneiderfranken, „dass es sich hier nicht um drei Worte handelt, aus deren ‚Sinn‘ man irgend etwas herausgeheimnissen könnte, auch wenn die drei Silben zu Sprachwurzeln einer alten Sprache gehören“ (Bô Yin Râ, Warum ich meinen Namen führe, Zürich 1927, s.8). An welche Sprache Schneiderfranken dachte, bleibt unklar, vielleicht Altägyptisch (b3 – Seele, jn – bringen, rc – Sonne).
Bô Yin Râ wurde 1876 als Joseph Anton Schneider in Aschaffenburg geboren. Die Familie zog schon bald nach Frankfurt um, wo Schneider eine Malerakademie besuchte. Nach Ausbildungsaufenthalten in München, Paris und Wien wurde Schneider als freischaffender Künstler tätig. In dieser Zeit liess er seinen bürgerlichen Namen in Schneider-Franken ändern. 1903 heiratete er seine erste Frau, welche bereits 1915 starb. in den Jahren 1912-13 hielt sich Schneiderfranken in Griechenland auf. Inspiriert durch diese Reise begann Schneiderfranken 1913 mit der Publikation spiritueller Bücher. Ab 1916 leistete Schneiderfranken Kriegsdienst als Übersetzer in einem Gefangenenlager für Kriegsgefangene aus Griechenland in Görlitz. Hier heiratete er auch seine zweite Frau. In dieser Zeit begann sich Schneiderfranken für Jakob Böhme zu interessieren, was 1921 zur Gründung des Jakob-Böhme-Bundes führte.
Im Jahr 1923 zog Schneiderfranken mit seiner Familie nach Horgen, um 1925 in Massagno im Tessin Wohnsitz zu nehmen, wo er sich mit seiner Familie einbürgern liess und bis zu seinem Tod 1943 lebte.
Anton Schneiderfranken verfasste zuerst unter den Initialen B.Y.R, später unter dem Pseudonym Bô Yin Râ insgesamt 32 Bücher.
Schneiderfranken hat in seinen Schriften eine Gemeinschaft erwähnt, die Ermächtigte Bruderschaft der alten Riten, abgekürzt EBDAR, welche die Würdigen unter den Lesenden der Werke Schneiderfrankens umfassen soll. EBDAR stünde in der Tradition der alten Freimaurerei, welche laut Schneiderfranken viel weiter zurückreiche als das offizielle Gründungsjahr der Freimaurerei 1717. Schneiderfranken selbst will nicht Mitglied von EBDAR gewesen sein, sondern nur Protektor der Gemeinschaft. Leiter von EBDAR seien, ähnlich wie in Blavatskys Theosophie, Meister aus dem Osten, die im „Innersten Osten“ leben und auf geistigem Weg die Eingeweihten anleiten würden.
Wie weit die Gemeinschaft EBDAR jemals existiert hat, bleibt unklar.
Die Lehre von Bô Yin Râ erinnert das in jedem Menschen verborgene geistige «Ich», an seinen Ursprung in der göttlichen Ewigkeit, und will diesem Ich helfen, in Kontakt mit der geistigen Welt, zu seinem Ursprung zurückzufinden.
Dieses grundsätzlich gnostische Erlösungsmodell wird bei Bô Yin Râ durch Anregungen und Bilder aus der östlichen und westlichen Mystik und aus der Theosophie angereichert und mit viel Freude an emphatischer Poesie und Verkündigungsdrang vor dem Leser ausgebreitet. Bô Yin Râ war in Bild und Wort ein Künstler, den seine prophetische Schau und mystische Intuition weit über die Grenzen alles Sichtbaren hinaus zu jener geheimnisvollen, pantheistisch verstandenen Quelle alles Wirklichen führte, aus der vor ihm schon viele Gnostiker, Einheitsmystiker und Yogis tranken. Dass Jesus aus derselben Quelle schöpfte, nimmt Bô Yin Râ zwar an. Der Jesus des Neuen Testaments spricht allerdings eine völlig andere Sprache und lebt keinen gnostisch-pantheistischen Erlösungsweg.
Das Verhältnis zur Theosophie ist spannungsreich, so übernimmt Bô Yin Râ einige theosophische Konzepte, steht anderen, etwa der Reinkarnation, aber eher reserviert gegenüber.
Während die Existenz der Ermächtigten Bruderschaft der alten Riten EBDAR fraglich bleibt, kümmert sich die Stiftung Bô Yin Râ um das Erbe des Meisters, um seine Villa Gladiola in Massagno ebenso wie um seine Werke.
Von kritischer Seite wurde Bô Yin Râ vorgeworfen, in seinen Werken den Stil von Friedrich Nietzsche zu imitieren, ohne dessen philosophische und literarische Qualität zu erreichen.
Bô Yin Râs Werke erfreuen sich in der Schweiz einiger Beliebtheit. In Antiquariaten und Brockenhäusern sind sie reichlich anzutreffen, was auf eine grosse Lesendenschar hindeutet, die in den letzten Jahren kleiner geworden sein könnte.