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Die Prostata, oder Vorsteherdrüse genannt, ist zum einen eine Geschlechtsdrüse, welche einen Teil der Samenflüssigkeit produziert und beim Samenerguss (Ejakulation) hilft, zum anderen auch eine Rolle bei der Blasenentleerung spielt. Sie liegt unterhalb der Harnblase und umgibt den obersten Abschnitt der Harnröhre. Die Lage direkt vor dem Enddarm ermöglicht es, die Prostata mit dem Finger gut abzutasten, was vor allem für die Prostatakrebsvorsorge wichtig ist. Sie produziert unter anderem das Prostataspezifische Antigen (PSA), welches die Samenflüssigkeit dünnflüssiger macht. Das PSA ist ein wichtiger Blutlaborwert für Erkrankungen der Prostata, insbesondere bei Prostatakrebs.
Gutartige Prostatavergrösserung/Benigne Prostatahyperplasie (BPH)
Es handelt sich um eine gutartige Vermehrung resp. Vergrösserung der Prostatadrüsen, was bei nahezu allen Männern mit zunehmendem Lebensalter auftritt, ohne dass dies zwingend Beschwerden verursachen muss. Kommen jedoch Symptome hinzu, dann spricht man vom gutartigen/benignen Prostatasyndrom. Durch die Prostatavergrösserung und somit Einengung vom Blasenauslass, resultieren sogenannte Blasenentleerungssymptome wie z.B. ein abgeschwächter Harnstrahl, Startschwierigkeiten, zweizeitiges Wasserlösen, Gefühl der unvollständigen Blasenentleerung/Restharngefühl bis hin zur Harnsperre/Harnverhalt. Auch kann es zu sogenannten Blasenspeichersymptomen kommen, wie z.B. häufiger Harndrang mit kleinen Urinportionen bis hin zu einer Harndranginkontinenz (ungewollter Urinverlust wegen dem starken Harndrang).
Zur Diagnostik gehört neben der Krankengeschichte ein standardisierter Fragebogen (IPSS -international prostate symptom score), eine Harnstrahlmessung (Uroflowmetrie), eine Ultraschalluntersuchung, ein Urintest und ggf. eine PSA-Kontrolle. Zur weiterführenden Diagnostik zählt die Zystoskopie und die Urodynamik.
Der Krankheitsverlauf wird in 3 Stadien unterteilt. Im Anfangsstadium I bestehen milde Symptome welche mit Verhaltensmassnahmen oder mit einem pflanzlichen Medikament behandelt werden können. Im Stadium II mit vermehrten Symptomen und Restharnnachweis kommen die klassischen Prostatamedikamente zum Einsatz. Im Stadium III welche oft bereits mit Komplikationen verbunden ist (z.B. stattgehabte Harnsperre, Beeinträchtigung der Nierenfunktion aufgrund eines Harnrückstaus, Bildung von Blasensteinen, blutiger Urin) kommt die operative Behandlung zum Zuge.
Die Standardoperation ist die TUR-P (transurethrale Resektion der Prostata), das Abtragen von Prostatagewebe mit einer elektrischen Stromschlinge über den natürlichen Weg der Harnröhre. Es gibt mittlerweile zahlreiche weitere operative Verfahren, welche wir Ihnen gerne in der Sprechstunde näherbringen und die jeweiligen Vor- und Nachteile erörtern.
Prostatakrebs/Prostatakarzinom
Prostatakrebs ist der bösartige/maligne Tumor der Prostata. Der Prostatakrebs ist die am häufigsten diagnostizierte Krebserkrankung bei Männern. Hauptrisikofaktor ist das Alter, weiter das Vorkommen von Prostatakrebs in der Familie (Vater/Bruder).
Bis heute sind keine Möglichkeiten zur Vorbeugung von Prostatakrebs bekannt.
Die Früherkennung/Screening wird bei Männern ab dem 50-igsten Lebensjahr (ohne Risikofaktoren) oder ab dem 45-igsten Lebensjahr (mit Risikofaktoren) empfohlen. Diese beinhaltet eine Blutuntersuchung (PSA-Wert) und Tastbefund der Prostata. Besteht der Verdacht auf ein Prostatakrebs folgt ein MRI der Prostata vor der Prostata-Probenentnahme/Prostatabiopsie, mit welcher die Diagnose bestätigt wird.
Beschwerden treten typischerweise erst im fortgeschrittenen Stadium auf. Blutiger Urin, Knochenschmerzen aufgrund Prostatakrebsableger (Metastasen), typischerweise im Bereich Wirbelsäule, Becken, Rippen, Flankenschmerzen aufgrund eines Harnrückstaus in die Nieren bei Verlegung vom Harnabfluss durch Metastasen in den Lymphknoten, ungewollte Gewichtsabnahme, Ausbildung von Thrombosen, Beschwerden beim Wasserlösen sind die wichtigsten. Im Anfangsstadium sind die Patienten meist beschwerdefrei.
Die Therapie richtet sich nach Krankheitsstadium, Patientenalter/Lebenserwartung und Nebenerkrankungen sowie dem Patientenwunsch. Im sogenannten kurativen Stadium (also potentiell heilbar) kann die Active Surveillance (aktive Überwachung), die operative Prostataentfernung oder die Bestrahlung angeboten werden.
Bei der Active Surveillance erfolgen in regelmässigen Intervallen PSA-Kontrollen und das Abtasten der Prostata sowie eine Verlaufsprostatabiopsie nach 1 Jahr. Bei dieser Methode wird der Tumor nicht aktiv bekämpft, sondern engmaschig beobachtet. Sollten die Kriterien während den Kontrollen weiterhin erfüllt sein, kann dieses Vorgehen bis auf Weiteres fortgesetzt werden.
Die Operation, sogenannte radikale Prostatovesikulektomie, ist die Entfernung der gesamten Prostata inkl. beider Samenbläschen, welche heutzutage fast ausschliesslich laparoskopisch roboter-assistiert (daVinci®) durchgeführt wird. Über kleine Schnitte an der Bauchdecke zur Einführung der 3D-Kamera sowie der Instrumente, werden nebst der Prostata und Samenbläschen meist auch die Lymphknoten im kleinen Becken mitentfernt (sogenannte Lymphadenektomie). Je nach Stadium bzw. Ausdehnung des Tumors bietet sich eine Nervenschonung an, welche die Kontinenz (Fähigkeit, den Urin zu halten) und die erektile Funktion (Fähigkeit, eine Penissteife zu bekommen) nach der Operation verbessert. Wichtig im Zusammenhang mit der Operation ist die enge Zusammenarbeit mit den Physiotherapeuten zur Kräftigung/Training vom Beckenboden. In den allermeisten Fällen sind die Patienten spätestens nach 1 Jahr kontinent (kein ungewollter Urinverlust bei Belastung), meist jedoch schon nach einigen Monaten. Die Erektionsfähigkeit hängt stark von der Funktion vor Operation sowie der Möglichkeit der Nervenschonung während der Operation ab. Eine frühzeitige, postoperative, medikamentöse Therapie mit Potenzmitteln (z.B. Cialis) erhöht die Chance der Potenzfähigkeit.
Die Bestrahlung der Prostata inkl. Lymphablussbereich wird von den Spezialisten der Radioonkologie durchgeführt.
In den fortgeschrittenen Krankheitsstadien mit Ausbildung von Metastasen ist die Androgendeprivationstherapie/Hormonentzugstherapie die Therapie der Wahl. Dabei resultiert eine Kastration (fehlende Testosteronproduktion), somit kann der Prostatakrebs zwar nicht geheilt, aber in der Aktivität für eine gewisse Zeit (im Schnitt 2-3 Jahre) eingedämmt werden. Diese Therapie erfolgt in der Regel initial mit Tabletten, danach mit Spritzen, welche meist alle 3-6 Monate wiederholt werden muss. Auch eine operative Entfernung des hormonproduzierenden Hodengewebes ist möglich.
Daneben kommen in fortgeschrittenen Krankheitsstadien verschiedene neuartige Medikamente (sog. Second-line-Hormontherapeutika) oder auch die Chemotherapie zum Einsatz.
Für die Nachsorge nach einer Therapie ist der PSA-Blutwert ein hervorragender Marker. Ist der Patient geheilt ist der PSA-Wert «nicht mehr nachweisbar».
Prostataentzündungen/Prostatitis
Die Prostata kann sich bakteriell oder durch eine innere Reizung abakteriell entzünden. Die akute bakterielle Prostatits verursacht Fieber und/oder Schüttelfrost, allg. Krankheitsgefühl, Brennen beim Wasserlösen, vermehrtes Wasserlösen und Schmerzen im Dammbereich. Die Diagnostik beinhaltet eine 3-Gläser-Urinprobe, das Abtasten der Prostata, eine Ultraschalluntersuchung sowie eine Blutentnahme. Therapeutisch kommen Antibiotika zum Einsatz. Da diese nur schwer in die Prostata gelangen bedarf es oft einer Antibiotikatherapiedauer von bis zu 4 Wochen. Kommt eine bakterielle Prostatitis gehäuft vor, steht die TUR-P im infektfreien Intervall als operative Therapie zur Verfügung, da die Prostata oft die Infektquelle darstellt.