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Über drei Generationen hinweg haben Theodor de Bry, seine Söhne, Johann Theodor und Johann Israel, und deren Schwiegersohn Matthäus Merian in Frankfurt zwei der bedeutendsten Reisesammlungen der Frühen Neuzeit herausgegeben: Die West-Indischen Reisen berichteten von der Entdeckung und Eroberung Amerikas, während die Ost-Indischen Reisen den Aufstieg Hollands zur Handelsmacht in Asien um 1600 mitverfolgten. Beide Serien erschienen deutsch und lateinisch, waren für ein Europäisches Publikum bestimmt und reich mit Kupferstichen illustriert. Mit ihrem global angelegten Verlagsprojekt entfalteten die de Bry eine Bilderwelt, die von den Wundern und Schrecken der neu entdeckten Welten ebenso geprägt wurde wie von den stereotypen Vorstellungen und bildnerischen Traditionen der Europäer in Bezug auf das andere und Fremde. So entstand ein Bildarchiv, das bis heute aktiv genutzt wird und unsere Vorstellung von der frühen Kolonialgeschichte noch immer beeinflusst.
Durch ihre Textauswahl und ihr Bebilderungsprogramm konnten die de Bry unterschiedliche Interessen bedienen: das Bedürfnis nach Neuigkeiten und Fremdartigem auf einem zunehmend Europäisch orientierten Druckmarkt, die Inszenierung und Repräsentation kolonialer Konkurrenzen zwischen den etablierten Kolonialmächten, Spanien und Portugal, und den kolonialpolitischen Neulingen, England und den Niederlanden, oder die protestantische Verurteilung einer moralisch verworfenen, gottlosen (Neuen) Welt.
Die Beiträge des vorliegenden Bandes bieten ein methodisch breites Spektrum von Zugangsweisen zu diesem grossangelegten Verlagsprojekt: Der Historiker Michiel van Groesen liefert mit seinen biographischen Untersuchungen zur Antwerpener Periode von Theodor de Bry ein wichtiges «missing link» für die handwerklich-technische, künstlerische und politische Positionierung von de Bry und seinem Reiseprojekt innerhalb eines transnational funktionierenden, protestantischen Beziehungsnetzes. Die Kunsthistorikerin Maike Christadler liest die Titelblätter der America-Sammlung als Medium der Seriengestaltung, das aus den einzelnen, über viele Jahre hinweg erschienen Bänden visuell überhaupt erst eine Sammlung entstehen liess. Der Kulturhistoriker Ernst van den Boogaart entfaltet das Afrika-Bild, das die de Bry in ihren beiden Sammlungen zu Amerika und Asien eher en passant entworfen haben. Die Ethnologin Jutta Steffen-Schrade verfolgt die Anfänge ethnographischer Illustrationen am Beispiel von Ulrich Schmidels Reisebericht an den Rio de La Plata, der fast gleichzeitig sowohl in der Amerika-Serie der de Bry erschien wie auch in der Schiffahrten-Reihe des Verlegers Levinus Hulsius, zwei Reihenunternehmen, die auf dem deutschen Buchmarkt um die Gunst des Publikums wetteiferten.
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Bibliographische Angaben
|Seitenanzahl||199 arabisch|
|Abbildungen||80 s/w|
|Format:||18.5 x 27 cm|
|Bindung||Buch, Gebunden|
|ISBN||978-3-7965-2091-4|
|Erscheinungsdatum:||15.11.2004|