Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03259.jsonl.gz/2352

Adelheid WIBEL
Frau Adelheid Wibel
Doktorandin
Curriculum vitae:
Dissertation:
Die "Geistige Landesverteidigung" zwischen 1933 und 1945. Eine (kultur-)linguistische Untersuchung
Erstbetreuende der Dissertation : Prof. Dr. Juliane Schröter
Präsident der Jury : Prof. Dr. Daniel Elmiger
Abstract:
Spätestens seit dem nationalsozialistischen „Anschluss“ Österreichs im Jahr 1938 sah sich die Schweiz nicht nur einer massiven militärischen, politischen und wirtschaftlichen Bedrohung durch das Deutsche Reich ausgesetzt, sondern auch einer kulturellen. Gegen eben diese Gefährdung der schweizerischen Kultur und Eigenart versuchte die „Geistige Landesverteidigung“, eine vielfältige Bewegung, die ein breites politisches Spektrum (links, liberal, konservativ) umfasste, vorzugehen.
Im Rahmen meines Dissertationsprojektes sollen schwerpunktmäßig wiederkehrende sprachliche Strategien und Muster (bspw. rhetorische Mittel, Schlagwörter, Metaphern, Neologismen, Argumentationstopoi etc.), die als repräsentativ für die verschiedenen Akteur*innen der Geistigen Landesverteidigung zwischen 1933 und 1945 betrachtet werden können, herausgearbeitet und analysiert werden. Es handelt sich um eine (kultur-)linguistische Untersuchung mit Schwerpunkten auf Lexik, Rhetorik und Semantik. In einem zweiten Schritt soll ein Vergleich mit dem Sprachgebrauch des nationalsozialistischen Regimes vorgenommen werden. Zentral ist hier die Frage, wie die Geistige Landesverteidigung versuchte, das eigene „Schweizerische“ gegenüber dem fremden „Nationalsozialistischen“ hervorzuheben.
Das Korpus, das dem hier vorgestellten Promotionsprojekt zu Grunde liegen soll, wird aus Texten bestehen, die für ein breites Publikum bestimmt waren: Zeitungsartikel, Radioberichte, Regierungsmitteilungen sowie Publikationen der Stiftung „Pro Helvetia“. Als Orientierungshilfe für die Eingrenzung des Korpus dient überdies eine ausführliche Botschaft des Bundesrates über die „Erhaltung der schweizerischen Kultur und Kulturwerbung“ aus dem Jahr 1938, in der die Notwendigkeit einer „geistigen Landesverteidigung“ nachdrücklich betont wird. Die zentralen Fragen meiner Forschungsarbeit lauten wie folgt: Was waren konkrete Ziele der Geistigen Landesverteidigung, und wie versuchten ihre Akteur*innen, diese sprachlich umzusetzen? Gab es einen „typischen“ Sprachgebrauch der Geistigen Landesverteidigung mit wiederkehrenden, musterhaften Strategien und falls ja, wodurch zeichnete er sich aus? Und schließlich, welche sprachlichen Abweichungen oder Gemeinsamkeiten mit dem nationalsozialistischen Regime weisen die „propagandistischen“ Gegenmaßnahmen der Geistigen Landesverteidigung auf und wie versuchte man sich vom Nationalsozialismus abzugrenzen?
Die Promotion wird durch ein Promotionsstipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes finanziert.