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Jugend und Rauchen
Eines der Hauptprobleme im Zusammenhang mit dem Konsum von Tabak- und Nikotinprodukten ist die zunehmende Beliebtheit dieser Produkte bei Jugendlichen.
Eine Schweizer Studie, die die Konsumtrends seit 1986 bewertet hat, zeigte, dass der Zigarettenkonsum unter Jugendlichen Mitte der 1980er Jahre stark anstieg. Seitdem ist der Konsum bis 2014 deutlich zurückgegangen, seither aber auf einem relativ gleichbleibenden Niveau: 2018 rauchten 8,7 % der 15-Jährigen mindestens einmal pro Woche, aber immer noch 5,6 % der Jungen und 3,5 % der Mädchen täglich.
Erstmals wurden in der Schweiz für 2018 auch Zahlen zum Konsum anderer Tabak- und Nikotinprodukte wie ENDS [NI1] und Snus veröffentlicht. Unter den 15-Jährigen gaben 50,9 % der Jungen und 34,8 % der Mädchen an, mindestens einmal in ihrem Leben ENDS verwendet zu haben, wobei der am häufigsten genannte Grund für die Verwendung von ENDS die Neugierde war, etwas Neues auszuprobieren.
Die Verwendung von Snus beschränkte sich fast ausschliesslich auf 15-jährige Jungen, von denen 13,1% das Produkt mindestens einmal verwendet haben. Bei Mädchen und jüngeren Altersgruppen lag diese Zahl bei weniger als 5 %.
Eine weitere mehrjährige Schweizer Studie aus dem Jahr 2020, die im Kanton Zürich durchgeführt wurde, zeigte zunehmend beunruhigende Ergebnisse. Bei den 6- bis 12-Jährigen wurde festgestellt, dass bereits 5 % einmal pro Woche rauchen. Von den 16- bis 17-jährigen Jugendlichen rauchten gar 70 % der Mädchen und 60 % der Jungen gelegentlich oder regelmässig. Darüber hinaus gab jeder fünfte Jugendliche an, mehrmals pro Woche oder täglich zu rauchen, wobei ENDS mit Abstand am beliebtesten waren (73%). Dicht gefolgt von der Beliebtheit der Shisha. In Anbetracht der hohen Nikotinabgabe von ENDS wird deutlich, dass durch deren Benutzung zahlreiche Kinder und Jugendliche dem Risiko ausgesetzt sind, in sehr jungem Alter eine Nikotinabhängigkeit zu entwickeln. Zudem können ENDS sogar als Einstieg in den konventionellen Zigarettenkonsum fungieren.
Gesundheitsrisiken bei Jugendlichen
Die Auswirkungen von Tabak- und Nikotinprodukten auf das kognitiv-verhaltensbezogene Gleichgewicht des Benutzers sind gravierend. Studien an jungen Ratten weisen darauf hin, dass Nikotin dauerhafte Hirnveränderungen hervorrufen kann, die zur Abhängigkeit führen. Die Hirnveränderungen in den Gehirnen adoleszenter Ratten waren zudem grösser als die in exponierten erwachsenen Ratten. Darüber hinaus haben junge Ratten, die Nikotin ausgesetzt waren, als Erwachsene höhere Raten der Nikotin-Selbstverabreichung, was mit der Idee übereinstimmt, dass eine frühe Exposition gegenüber Nikotin den Schweregrad der Abhängigkeit im späteren Leben erhöht.
Eine Überprüfung der aktuellen Literatur zeigte, dass der Konsum von Tabak- und Nikotinprodukten freie Radikale induziert, antioxidative Abwehrmechanismen erschöpft und Marker für oxidativen Stress in Nervenzellen erhöht, was ihn besonders toxisch für die Neuroentwicklung von Kleinkindern macht. Andere Studien zeigen, dass Nikotinkonsum Reizbarkeit, Ängstlichkeit und Impulsivität verschlimmern kann. Neuere Forschungen besagen auch, dass die Exposition des sich entwickelnden jugendlichen Gehirns gegenüber Nikotin den normalen Verlauf der Gehirnreifung stören kann. Ein Schlüsselaspekt der chronischen Nikotin-Exposition bei Jugendlichen sind die langanhaltenden neurochemischen Veränderungen und Verhaltensänderungen, die sich deutlich von denen im Erwachsenenalter unterscheiden und nachteilige Effekte wie Aufmerksamkeitsdefizite, verstärkte Angst und Furcht sowie ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung psychiatrischer Störungen und kognitiver Beeinträchtigungen beinhalten können. Daher haben nikotinhaltige Drogen potenziell schwerwiegende Folgen für die Sucht, die Kognition und die emotionale Regulation von Jugendlichen.
Quellen
Benowitz NL. Nicotine addiction. The New England journal of medicine 2010;362: 2295–303.
Delgrande Jordan, Marina; Schneider, Eva; Eichenberger, Yvonne; Kretschmann, Andrea (2019): La consommation de substances psychoactives des 11 à 15 ans en Suisse –Situationen 2018 et évolutions depuis 1986. Résultats de l’étude Health Behaviour in School-aged Children (HBSC). Addictionssuisse. Lausanne. Online abrufbar unter https://www.addictionsuisse.ch/fileadmin/user_upload/DocUpload/HBSC-2018-rr-100.pdf.
Mozun R, Ardura-Garcia C, Jong CCM de, Goutaki M, Usemann J, Singer F, et al. Cigarette, shisha, and electronic smoking and respiratory symptoms in Swiss children: The LUIS study. Pediatric pulmonology 2020.
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Kutlu MG, Gould TJ. Nicotine modulation of fear memories and anxiety: Implications for learning and anxiety disorders. Biochemical pharmacology 2015;97: 498–511.
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Goriounova NA, Mansvelder HD. Short- and long-term consequences of nicotine exposure during adolescence for prefrontal cortex neuronal network function. Cold Spring Harbor perspectives in medicine 2012;2: a012120.
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Merkblatt: Sind E-Zigaretten harmlos?
Merkblatt: Mit Jugendlichen übers Rauchen reden