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Mit Ross und Wagen fuhr Prinz Philip durchs Amt
Im August 1981 nahm Prinz Philip in der Schweiz an der Europameisterschaft der Vierspänner teil. Dabei absolvierte der Gatte von Queen Elizabeth II. eines Morgens eine Trainingsfahrt durch Uerzlikon.
Viele Leute, auch bei uns im Knonauer Amt, haben die eindrückliche Trauerfeier für den beinahe hundertjährigen Prinz Philip in Windsor verfolgt. Es macht Eindruck, was dieser Mann nach unerfreulicher Kindheit während 14 Jahren als Marineoffizier und während 73 Jahren als zuverlässige Stütze seiner Frau für sein Adoptivland Grossbritannien geleistet hat. Aber nur noch wenige erinnern sich daran, dass der Prinz vor vierzig Jahren auch einmal in Uerzlikon und in Knonau vorbeigekommen ist.
Wie kam es dazu? Der Mann der Königin war ein aktiver Pferdesportler, Präsident des Internationalen Pferdesportverbands und vor allem selber begeisterter Fahrer von Vierspännern. Jeweils in der zweiten Augusthälfte findet die Europameisterschaft der Vierspänner statt. 1981 war dies in Zug. Der damals sechzigjährige Philip nahm an diesem Wettbewerb als Titelverteidiger teil. Er landete am 17. August mit einer selbst pilotierten Maschine auf dem Militärflugplatz Emmen und fuhr mit dem Auto nach Zug, wo sein Gespann und seine fünf Pferde auf dem Stierenmarkt bereits auf ihn warteten. Die nächsten Tage waren mit Trainingsfahrten zwischen dem Kanton Zug und den anliegenden Gemeinden des Säuliamts ausgefüllt. Einen Abend verbrachte der Prinz bei britischen Bekannten auf dem Landsitz Freudenberg bei Rotkreuz, wo in jenen Jahren auch die damalige Premierministerin Margaret Thatcher gelegentlich Sommerferien verbrachte. Als Philip von den Zugern einmal gefragt wurde, wie ihm ihr Kanton so gefalle, sagte er in lakonischer britischer Art: «Ein bisschen wenig Platz für meinen Geschmack...» Vielleicht hatten nicht alle Zuger Freude an dieser Antwort, sie ist aber verständlich, denn nur schon das Gelände des schottischen Schlosses Balmoral der Königin ist etwa so gross wie unser Nachbarkanton.
Auf einer der morgendlichen Trainingsfahrten tauchte das imposante Gespann des Prinzen, vermutlich durch den Wald von Steinhausen her kommend, plötzlich unter den Obstbäumen am südlichen Rand von Uerzlikon auf. Landwirt Ueli Buri und seine Frau Trudi waren dort an der Arbeit, erkannten den Fahrer und winkten ihm, worauf er den Gruss erwiderte. Auch der verstorbene Wädi Schneebeli war ein Augenzeuge. Das Gespann war in hohem Tempo unterwegs und bald wieder verschwunden.
Am Samstag, 22. August, fand dann der wichtigste Wettkampf statt, der Marathon über 32 Kilometer. Die Route führte von Zug über Steinhausen, durch den Steinhauserwald, Knonau, Niederwil, Maschwanden, das Kloster Frauenthal und zurück nach Zug. 50000 Leute verfolgten den Parcours am Wegrand. Philip wurde diesmal im zehnten Rang von vierzig Teilnehmern klassiert, gewann aber mit dem britischen Team die Mannschafts-Bronzemedaille.
Der Herzog von Edinburgh übte den anspruchsvollen Sport mit Vierspännern bis ins hohe Alter aus. Aufmerksame Zuschauer konnten am Rande der Trauerfeier sein Gespann sehen, das er seiner siebzehnjährigen Enkelin Louise vermachte, die seine Leidenschaft für Pferdegespanne teilt. Das kleine Uerzlikon sah vermutlich seit dem Besuch von General Guisan vierzig Jahre früher kaum mehr je solche Prominenz. Als der Prinz mit fast hundert Jahren starb, wehte im kleinen Ämtler Dorf eine Woche lang der Union Jack, die britische Fahne, ihm zu Ehren auf Halbmast.
David Vogelsanger, Kappel