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1233 wurde Auressio als Oraxio erstmals erwähnt.
Seit dem Mittelalter bildete Auressio mit Verscio, Cavigliano und bis 1464 mit Tegna die Gemeinde Pedemonte. Jedoch besass es eine gewisse Unabhängigkeit. Im 18. Jahrhundert entsandte Auressio alle sieben Jahre einen Vertreter in den Rat der "pieve" nach Locarno. Im September 1800 ging von Auressio das Zeichen zur Erhebung des Onsernonetals gegen das helvetische Regiment und die französischen Besatzungstruppen im Tessin aus. Der Präfekt von Lugano befahl die militärische Besetzung von Auressio und die Auslieferung von acht Bürgern. Eine Abteilung von 50 Mann, die zur Ausführung dieses Befehls ausgezogen war, wurde mit einem Hagel von schweren Steinen empfangen, welche die Bauern vom Berg herunterrollen liessen. Eine zweite Expedition konnte infolge des starken Regens nicht ausgeführt werden, und als die dritte Expedition das Dorf endlich besetzte, hatten sich die Urheber des Aufstandes in Sicherheit gebracht.
Auressio gehörte zur Kirchgemeinde San Fedele di Pedemonte (Verscio), doch weiss man nicht, wann es davon abgelöst wurde. Die Pfarrkirche Sant'Antonio Abate wurde vermutlich im Mittelalter erbaut und 1526 eingeweiht. 1701 wurde das Portal erbaut und 1775 die Seitenkapellen und der Glockenturm. Bis 1792 bildete die Kirche eine Pfarrei mit Loco und in diesem Jahr wurden die beiden Pfarreien getrennt. In den Jahren 1868 bis 1870 wurde die Decke repariert, und 1876 wurde die Glockenturmuhr dank einer Finanzierung von Paolo Antonio Calzonio gebaut. Die Nische über dem Eingang zur Kirche mit der Statue des heiligen Antonius Abate stammt aus dem Jahr 1891.
Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage im Tal waren viele Einwohner/innen gezwungen zu emigrieren. Einer der bekannten Einwohner von Auressio, der das Onsernonetal verlassen musste, ist
Paolo Antonio Calzonio (1831 - 1900).
Er wanderte nach Paris aus, um dort sein Glück als Unternehmer zu suchen. In Paris machte er in langen Jahren der Emigration Karriere als Ofensetzer und kam dadurch zu Reichtum. Im Jahr 1895, fünf Jahre vor seinem Tod, kehrte er als reicher Mann nach Auressio zurück. Über die vielen Jahre in Paris sprach er nie. Zurück in Auressio liess er etliche öffentliche Gebäude auf seine Kosten errichten: er stiftete der Gemeinde unter anderem das Gemeindehaus, die Schule, eine grosse Grabkappelle, ein öffentliches Waschhaus und ein Gebäude für die Unterbringung der Pferde (das später von der PTT benutzt wurde). Für sich liess er 1887 bei der Kantonsstrasse ein stattliches Haus, die Villa Edera, errichten. Bei seinem Tod hinterliess er die Villa Edera und sein Erspartes (für die damaligen Verhältnisse ein beachtlicher Betrag von Fr. 69'500.—) der politischen Gemeinde und der Kirchgemeinde von Auressio. Dabei legte er testamentarisch verschiedene Legate fest, wie sein Vermögen nach seinem Tod verwaltet werden sollte. Leider war der überlassene Betrag dann in relativ kurzer Zeit aufgebracht... Die Villa Edera ging 1970 in Besitz des Kantons Tessin, zu Beginn der 1990er Jahre wurde sie restauriert, sie wurde zuerst als Jugendherberge und wird heute als Gästehaus benutzt. Heute erinnert nur noch ein lapidarer Spruch an das Schicksal von Paolo Antonio Calzonio: «Villa konstruiert 1887 unter der Leitung von Ingenieur Luigi Forni für den Ratsherrn Paolo Calzonio aus Paris».
Nach dem zweiten Weltkrieg kam die Landwirtschaft im Tal fast vollständig zum Erliegen, und es kam zu einer Abwanderung der Bevölkerung. Villa Edera wurde nach dem Tod von Paolo Antonio Calzonio im Jahre 1900 von Herrn Bosia aus Lugano übernommen. Er verkaufte die Liegenschaft rund zwanzig Jahre später an Pietro Giubilino aus Intragna. Gegen Ende des zweiten Weltkrieges ging die Villa an eine Frau aus der deutschen Schweiz, welche die Immobilie in den fünfziger Jahren an
Walter Wetzel (1895 - 1971)
aus Gossau SG verkaufte. Walter Wetzel, der von 1956 bis 1971 Gemeindepräsident (sindaco) von Auressio war, behielt die Villa Edera ein paar Jahre, verkaufte sie dann an die Familie Kummer und erwarb unterhalb des Dorfes von Auressio Bauland, um dort mit seiner Frau Rosina und den Töchtern Donata, Gisela und Rahel Gallati-Wetzel das Familienhaus zu bauen (Villa la Tranquilla oder «Casa dei fiori», wie die Talbewohner/innen das Haus, aufgrund der vielen Blumen im Garten, nannten). Als neuer Gemeindepräsident von Auressio brachte Walter Wetzel unter anderem zuerst die zum Teil konfuse Administration und die Finanzen der Gemeinde in Ordnung. Da ferner die Zufahrtsstrasse von Cavigliano nach Auressio sehr eng und in einem schlechten Zustand war, beschloss er, alles zu unternehmen, um vom Kanton Tessin (Eigentümer der Strasse) die finanzielle Unterstützung zum Ausbau zu erhalten. In unzähligen Fahrten nach der Kantonshauptstadt Bellinzona erwirkte Walter Wetzel schlussendlich, dass die Strasse bis Auressio ausgebaut wurde. Die übrigen Dörfer im oberen Teil des Tals hofften, dass der Kanton Tessin freiwillig die Strasse ab Auressio ins Tal hinauf weiter ausbauen würde, was dann aber nicht geschah. Neben seiner Tätigkeit als Gemeindepräsident (ab 1956) war Walter Wetzel 1958 Gründungsmitglied der Cassa rurale Raiffeisen (Auressio - Loco - Berzona) und seit der Gründung bis 1960 deren Vize-Präsident. Ab 1960 übernahm er das Amt des Präsidenten der Cassa rurale Raiffeisen bis zu seinem Tod 1971. Ferner war Walter Wetzel erster Präsident des Consorzio dei Comuni della Valle Onsernone (1969 - 1971), Delegierter des Consorzio servizio autolettiga del Locarnese und Vize-Präsident der Delegazione scolastica consortile di Loco.
Später stieg die Attraktivität der Gegend infolge der verbesserten Infrastruktur und wegen dem vorher erwähnten Ausbau der Kantonsstrasse, an, und dies führte Ende des 20. Jahrhunderts zu einem erneuten Anwachsen der Bevölkerung. Die meisten Bewohner/innen leben in Auressio und arbeiten in und um Locarno.
2000: 71 Einwohner/innen
Von 2001 bis 2015 bildete Auressio zusammen mit Loco und Berzona die Gemeinde Isorno. Im Jahre 2016 wurde Isorno der Gemeinde Onsernone, die das gesamte Onsernonetal umfasst, zugeschlagen.