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Serie Lucens: Das Aus für das Versuchsatomkraftwerk
Am 21. Januar 1969 sollte das Versuchsatomkraftwerk Lucens (VAKL) seinen Leistungsbetrieb aufnehmen. Als der Reaktor beim Hochfahren rund 40 Prozent seiner maximalen Leistung erreichte, ereignete sich jedoch ein Unfall mit mehreren Explosionen.
Eine schadhafte Verengung im Kühlkreislauf behinderte den Durchfluss des Kühlmittels und führte in der Folge zur Überhitzung und einem Schmelzen von Brennelement 59, einem der 73 Brennelemente des VAKL. Der Druckbehälter des fraglichen Brennelements barst, die Druckwelle expandierte in den Moderatortank und brachte dessen Berstscheiben zu platzen.
In der Folge traten schweres Wasser, Uran-Magnesium-Schmelze und radioaktiv kontaminiertes Kühlgas in das biologische Schild aus. Eine geringe Menge radioaktiver Stoffe gelangte wegen zwei undichten Stellen im Containment in die Maschinenkaverne. Die radiologischen Auswirkungen des Unfalls auf Personal und Umwelt waren vernachlässigbar. Der Unfall wurde später einer gründlichen Analyse unterzogen – und erfuhr diesbezüglich auch Kritik.
Französischsprachiges Video-Interview mit dem damaligen Direktor des VAKL, Jean-Paul Buclin (Teil 1):
Havarie führt zur Ausserbetriebnahme
Die Havarie am ersten regulären Betriebstag bedeutete das Aus für das Versuchsatomkraftwerk Lucens. Dieses hatte seinen eigentlichen Zweck – die Entwicklung eines Schweizer Kernreaktors – allerdings schon Jahre zuvor verloren. Seit 1963 prüften Elektrizitätsgesellschaften wie NOK und BKW nämlich den Bau von Kernkraftwerken mit ausländischen – konkret: amerikanischen – Kernreaktoren. 1965 begannen die Bauarbeiten für das KKW Beznau 1, 1967 für das KKW Mühleberg – in beiden Fällen kamen Reaktoren aus den USA zum Zug.
Die USA, aber auch Kanada, Frankreich und Grossbritannien boten bereits Mitte der 60er Jahre grosse, kommerziell arbeitende Leistungsreaktoren an, hinter denen der Lucens-Reaktortyp technologisch weit zurücklag. 1965 rückte auch die in der Therm-Atom zusammengeschlossene Schweizer Maschinenindustrie allmählich vom Projekt eines einheimischen Reaktors ab, ein Ausstieg, der im Mai 1967 mit dem Verzicht der Gebrüder Sulzer AG auf die Entwicklung eines Schweizer Reaktors besiegelt wurde.
Der Unfall wurde im Nachhinein eingehend untersucht. Viele Ergebnisse wurden kontrovers diskutiert.