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Im Gegensatz zu den meisten anderen Schmucksteinen, die mehr oder weniger reine Mineralien sind, ist Lapislazuli ein metamorphes Gestein mit den Hauptkomponenten Lazurit, Calcit und Pyrit. Seit Jahrtausenden wird Lapislazuli in Afghanistan gewonnen; man fertigt daraus fast ausschliesslich Schmuck und Ziergegenstände.
Der eigentümliche Name Lapislazuli hat einen mehrsprachigen Ursprung; „lapis“ bedeutet Stein auf lateinisch, „lazul“ ist arabisch-persisch für blau. Letzteres Wort wurde zum französischen „azur“ und zu „azul“ in anderen Sprachen, das heisst Himmelblau. Lapislazuli entstand in der Nähe vulkanischer Intrusionen durch die Wirkung heisser, silicathaltiger Fluide auf Kalkstein oder Marmor – eine typische hydrothermale Metamorphose. Dabei wurde das Wirtsgestein weitgehend durch das tiefblaue Lazurit ersetzt, ein Natrium-Calcium-Aluminosilicat, das auch Chlor und Schwefel enthält; die chemische Formel lautet (Na,Ca)8(AlSiO4)6(S,Cl,SO4,OH)1-2. Im Gegensatz zu den meisten anderen blauen Mineralien verdankt Lazurit seine Farbe nicht dem Kupfer-Ion Cu2+, sondern dem Schwefelradikal S3. Es weist eine starke Absorption im roten Bereich bei 617 Nanometer auf, sodass ein tiefes Blau reflektiert wird.
Um die Bezeichnung Lapislazuli zu verdienen, muss der Stein mindestens 25 Prozent Lazurit enthalten. Die höchsten Preise erzielt hochprozentiges Lazurit, das nur leicht mit weissem Kalkstein (Calciumcarbonat, CaCO3) und dem goldfarbenen Pyrit (Eisensulfid, FeS2) gesprenkelt ist. Der Stein ist leicht porös sodass er blaue Farbstoffe gut absorbiert; auf diese Weise lässt sich der weisse Kalkstein maskieren. Die wichtigsten, im Lapislazuli gefundenen Spurenmineralien sind Sodalit, Wollastonit, Afghanit, Glimmer und Diopsid.
Weiträumiger Export
Schon vor mindestens 7000 Jahren wurde Lapislazuli als begehrter Schmuckstein in der Provinz Badakhstan im Nordosten Afghanistans gewonnen und nach Indien, Mesopotamien und den Mittelmeerraum exportiert. Im Alten Ägypten war er sehr geschätzt und wurde dort zur Fertigung von Amuletten, Nippsachen, Kettenperlen, Cabochons und weiteren Schmuckstücken verwendet; er lässt sich sehr schön polieren. Man findet Lapislazuli in der Totenmaske des Pharaos Tutanchhamun; Kleopatra soll den fein pulverisierten Stein als Mascara verwendet haben. Lapislazuli wird im 3700 Jahre alten Gilgamesch-Epos wie auch in der Bibel mehrmals erwähnt, allerdings wurde er oft als Saphir bezeichnet; dieses monokristalline, oft leuchtend blaue Aluminiumoxid war damals noch nicht bekannt.
In der Antike wurde Lapislazuli bis nach Westafrika gehandelt. Nach Europa gelangte der Stein erst im Mittelalter wo er unter anderem eine wichtige Rolle als tiefblaues Malerpigment (sogenanntes Ultramarin) spielte. Der Mantel der heiligen Maria wurde oft in Lapislazuli ausgeführt. Zu den berühmten Malern, die das wertvolle Pigment gemischt mit einem härtenden Öl wie Leinöl verwendeten, gehörten unter anderen Tizian im 15. Jahrhundert und Johannes Vermeer im 17. Jahrhundert. Vincent van Gogh malte seinen weltbekannten Sternenhimmel mit echtem Lapislazuli; das Bild ist im Besitz des Museum of Modern Art in New York.
Synthetisches Ultramarin
Heute wird echtes Ultramarin schon wegen des hohen Preises (ca. 200 US-Dollar pro 100 Gramm) von Kunstmalern kaum noch verwendet, es gibt viel billigeres, synthetisches Ultramarin das sogar tiefer blau ist, als das Naturprodukt. Einige moderne Mascara-Formulierungen enthalten solches synthetisches Ultramarin. Befürchtungen, dass es krebserregend wirkt, konnten nicht bestätigt werden.
Weil Lapislazuli nur eine mittlere Mohshärte von 5 aufweist und leicht verkratzt, eignet er sich nicht für exponierte Schmuckstücke wie Fingerringe und Armbänder, sondern vor allem für Halsketten, Anhänger und Broschen. Jedes Lapislazuli-Schmuckstück sollte getrennt von anderen, meist härteren Steinen aufbewahrt werden. Zu den klassischen Fundstellen in Afghanistan (die heute grösstenteils vom IS kontrolliert oder direkt ausgebeutet werden), kamen mit der Zeit neu entdeckte Vorkommen in Pakistan, Russland, Chile, Argentinien und Kanada. Auch in Colorado und Kalifornien wurde Lapislazuli gefunden.