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Der Computerexperte hat ein einzigartiges Panoptikum des digitalen Zeitalters zusammengetragen.
Die zwei Büroräume sind vollgestopft mit alten Rechenmaschinen und Computern, die aus Regalen und Vitrinen starren. Robert Weiss, Chemiker, Computerexperte und Sammler lehnt sich über das braune Stoffsofa, schiebt eine Magnum «Il grigio di San Felice, Riserva 1980» zur Seite und greift zwischen die Tablare des Holzregals. Mit Schweissperlen im Gesicht zerrt er einen sperrigen Koffer heraus: «Das ist Osborne.»
Osborne 1, Jahrgang 1981, schrieb als erster tragbarer PC Computergeschichte. Drei Jahre blieb der 11 Kilogramm schwere mit einem winzigen 5-Zoll-Bildschirm ausgestattete Riese auf dem Markt, dann ging die Herstellerfirma Konkurs.
Robert Weiss sammelt seit Jahrzehnten mechanische und elektronische Maschinen – darunter auch «Schleppable» oder «Nähmaschinen», wie die ersten tragbaren Computer genannt wurden. «Ob sie 10 oder 15 Kilo schwer waren, spielte damals für Technologiefreaks keine Rolle», sagt Weiss. In einem Wandregal steht ein weiteres, verstaubtes Ungetüm der mobilen Computergeschichte: der erste Portable Personal Computer von IBM (5155), Jahrgang 1984, dessen Tastatur zugleich der Deckel des Gehäuses ist. Die beiden Geräte nebenan erinnern hingegen schon eher an moderne Notebooks: der Data General von 1984 sowie das Toshiba T1100 Plus von 1985.
Die Sammlung soll in einem Museum zugänglich gemacht werden
Robert Weiss öffnet eine Schublade, in der die Agendacomputer herumliegen, von den Ahnen wie dem Newton von Apple und dem Psion Organizer bis zu den aktuellsten Geräten von Palm und Psion. «Das waren für mich Gadgets. Ich musste immer die neusten Modelle kaufen.»
Die komplette Sammlung von Robert Weiss zählt über 400 Computer und Hunderte von Rechnern und soll in einem Computermuseum der Öffentlichkeit präsentiert werden. Bis es so weit ist, stehen die Geräte in seinem Büro, im Keller und in sieben Räumen, die in der Umgebung von Männedorf verstreut sind.
Wir steigen in seinen grauen Audi und fahren in eine Tiefgarage. Dort hat Robert Weiss zwei Räume gemietet, die genauso chaotisch aussehen wie sein Büro: Alte Macs, Monitore im Hochformat und ein Gewirr von Kabeln liegen herum. Der Staub scheint den Geräten nichts auszumachen, dafür uns. Wir fliehen zurück ins Auto. Während der Fahrt erzählt Robert Weiss von seiner Sammelleidenschaft, die in den Sechzigerjahren begann. Damals sammelte er integrierte Schaltkreise und Transistoren. Dann in den Siebzigerjahren brach seine Faszination für Uhren und Taschenrechner aus. «Alles, was neu war, musste ich haben.» Aus den ersten Uhren entwickelten sich die Rechner- und Agendauhren, die Telefonnummern und Termine speichern konnten. «Das Jahr 1977 war der grosse Kick für meine Computersammlung.»
Viele Firmen begannen ihre mechanische Rechenmaschinen in Container und Mulden zu entsorgen und durch elektronische Maschinen zu ersetzen. «Ich fischte sie aus dem Müll heraus und rettete sie in meine Wohnung.» Er wurde Mitglied in mehreren Sammelklubs für historische Büromaschinen, die vor allem in Deutschland verbreitet waren. Als Entwickler 1983 an der ETH ihre Rechner wegschmissen, war Robert Weiss wieder zur Stelle. Auf Flohmärkten und Auktionen suchte er nach weiteren Raritäten. Er investierte bis heute 1 bis 2 Millionen Franken in seine Sammlung.
Auftritte in TV-Sendungen und insgesamt 15 Ausstellungen machten den Sammler als Computerexperten berühmt. Heute vergeht kein Tag, ohne dass er vier oder fünf Mails von Leuten erhält, die ihm eine alte Maschine anbieten. Einen Grossteil der mobilen Geräte verdankt er Werner Hürlimann aus Bern, der ihm seine Sammlung vermachte.
«Wenn in zehn Jahren keiner mehr DOS kennt, wird es lustig»
Robert Weiss parkt sein Auto. Wir kämpfen uns durch Spinnweben in einen Luftschutzbunker hinunter. Die Luft ist stickig, doch die grauen Maschinen brauchen keinen Sauerstoff, sie sind leblos. Ihr Lebenselixier – Betriebssysteme und Software – ist in Kisten verstaut. Robert Weiss sammelt auch dies. «Die Geräte sollen lauffähig sein, sonst sind sie nutzlos. Wenn in zehn Jahren keiner mehr DOS kennt, wird es lustig», sagt Weiss und hält einen schwarzen Kasten, auf dem ein Hörer steckt, in der Hand – das Cetel von Zellweger.
Sein erstes Handy, ein Natel B von Autophon, für das Robert Weiss 1981 16 000 Franken ausgegeben hatte, fehlt in seiner Sammlung. Als das C-Netz aufgebaut wurde, verkaufte er das «sündhaft teure» Mobiltelefon an einen Förster in Graubünden. Das Natel B wurde im Auto fest installiert. Weil es aber so teuer war, gab es mehr Attrappen als Originale. Vor allem Range-Rover-Fahrer hätten einen Klotz mit einem grossen Hörer montiert, gut sichtbar auf der Konsole. Wenn viele Leute auf der Strasse waren, nahmen sie den Hörer ab und taten so, als würden sie telefonieren. «Jeder dachte: Oh, das sind ganz spezielle Leute. Sie kamen sich vor wie kleine James Bonds.»