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Wenn climate anxiety Utopien verunmöglicht.
Während der Auseinandersetzung mit Utopien und Zukunftsträumen, stiegen sogleich erste Emotionen meinen Körper hoch, kalt und sich ausbreitend wie Nebel in der Dämmerung, der Umrisse verschmelzen lässt und die Sicht erschwert. So sehr ich mich bemühte, klare Formen zu erkennen und Farben auszumachen, der Nebel wollte nicht weichen, im Gegenteil – er verdichtete sich zunehmend. Falls Utopien in der Nähe gestanden hätten, konnten sie jedenfalls nicht über die Nebelschwaden hinausragen und ich blieb zurück in einem kühlen grauen Meer, unfähig, mir eine utopische Zukunft zu erträumen. Was sich in mir ausgebreitet hatte, war Klimaangst. Eine Angst, die mich wie ein anhänglicher, aber schlecht erzogener und muffig riechender Hund durch mein Leben begleitet, immer an meiner Seite, ohne positive Komponente.
Vor meinen Augen läuft eine Diashow, die mir wechselnde Bilder der Zerstörung und des Leids anzeigt, Bilder aus aller Welt, gebündelte Verzweiflung. Sie sind es, die mir utopische Vorstellungen verunmöglichen, weil sie mich, sobald ich schon nur einen Versuch wage, mich auf die Reise nach Träumen zu begeben, unsanft auf den Boden der Realität zurückholen und mir ein schlechtes Gewissen einreden, weil ich mich getraut hatte, der tragischen Gegenwart für einen Augenblick den Rücken zu kehren.
Die so selbstbewusste und herrische Klimaangst ist verantwortlich dafür, dass meine Werke am Ende eher ihr als Utopien gewidmet wurden; sie verunmöglichte mir das Träumen von einer besseren Welt.
Von Meret Schefer