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Wenn du mit einer Person abmachst, dass du für sie arbeitest und sie dir dafür einen Lohn verspricht, dann gilt das als Arbeitsvertrag. Auch wenn die Abmachung nur mündlich war.
Ein Arbeitsvertrag garantiert dir minimale Arbeitsbedingungen:
- Recht auf einen orts- und berufsüblichen Lohn.
- Recht auf bezahlte Ferien (meist vier Wochen pro Jahr).
- Lohnfortzahlung während einer gewissen Zeit bei Unfall oder Krankheit.
- Minderjährige: Arbeitsverbot für unter 15-Jährige. Unter 18 Jahren keine Nacht- und Sonntagsarbeit. Maximal neun Stunden Arbeit täglich. Wenn du als Hausangestellte/-r bei deinen Arbeitgebern/-innen wohnst, müssen sie dir eine Unterkunft gewähren, die deine Privatsphäre schützt.
- Angemessene Kündigungsfristen. Der/die Arbeitgeber/- in muss dich früh genug informieren, wenn er/sie dich nicht mehr beschäftigen will.
- AHV/IV (siehe Kapitel Sozialversicherungen).
Immer wieder erhalten Sans-Papiers einen zu tiefen oder gar keinen Lohn. Wenn das direkte Gespräch mit dem/der Arbeitgeber/-in nichts bringt, kannst du in gewissen Kantonen vor einem Arbeitsgericht klagen. Informiere dich bei einer Gewerkschaft oder Beratungsstelle!
Eine Klage vor Arbeitsgericht kann auch durch eine von dir bevollmächtigte Person geführt werden. So kannst du auch nach einer Rückkehr in dein Heimatland bis fünf Jahre rückwirkend deine Ansprüche einklagen.
Tipp: Wenn du dich bei einem Arbeitgeber zum ersten Mal vorstellst, dann stelle Fragen über die Arbeit: Wie viel wirst du verdienen? Wie viele Stunden musst du arbeiten? Welche Arbeiten musst du machen und welche nicht? Mach möglichst klare Arbeitszeiten ab. Dies ist besonders wichtig, wenn du bei dem /der Arbeitgeber/-in wohnst (Hausangestellte). Mach auch ab, an welchen Tagen du frei hast. Frag, ob du diese Abmachungen schriftlich haben kannst (Arbeitsvertrag). Der/die Arbeitgeber/-in ist dazu gesetzlich verpflichtet (vgl. Obligationenrecht Art. 330b).
Tipp: Schreibe täglich auf, wie viel und was du gearbeitet hast. Bewahre Arbeitsanweisungen auf Zetteln auf. Wenn du die geleistete Arbeit dokumentiert hast, ist es bei Problemen mit dem/der Arbeitgeber/-in einfacher, deine Ansprüche geltend zu machen.
Tipp: Du kannst als Sans-Papiers ohne Gefahr Mitglied einer Gewerkschaft werden. Diese kann dir helfen und dich z.B. bei einem Gerichtsprozess begleiten.
Sozialversicherungen sind für alle in der Schweiz lebenden Menschen obligatorisch. Die wichtigsten sind die Altersversicherung (AHV), die Invalidenversicherung (IV), die Arbeitslosenversicherung (ALV), die Unfallversicherung (UVG) und die berufliche Vorsorge (BVG, Pensionskasse).
Jede/-r Arbeitgeber/-in muss seine Angestellten bei den Sozialversicherungen anmelden. Diese dürfen Sans-Papiers nicht der Fremdenpolizei melden. Informiere dich zuerst auf einer Beratungsstelle.
Wenn du bei den Sozialversicherungen angemeldet bist, erhältst du einen Versicherungsausweis («AHV-Ausweis»). Dein Arbeitgeber beschäftigt dich dann zwar immer noch illegal, aber du bist gegen Invalidität versichert und erhältst im Alter eine kleine Rente (auch im Heimatland). Achtung! Es gibt Arbeitgeber/-innen, die Beiträge vom Lohn abziehen, diese aber nicht bei den Versicherungen einzahlen! Wenn du keinen AHVAusweis erhalten hast, heisst das, dass dein/-e Arbeitgeber/-in dich nicht versichert hat.
Tipp: Sprich mit deinem/-er Arbeitgeber/-in über die Möglichkeit einer Anmeldung bei den Sozialversicherungen. Informiere dich auf jeden Fall vorher über die übliche Praxis in deinem Wohnkanton.
Tipp: Informiere dich vor einer Rückkehr in dein Heimatland unbedingt über die Auszahlungsmodalitäten der Sozialversicherungen