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W. hat seine Bedeutung als intimstes Familienfest des Jahres erst in neuerer Zeit erlangt (Kirchenjahr). Seine Wurzeln liegen in der kirchl. Feier der Geburt Christi, die auch im Gegensatz zum heidn. Fest der Wintersonnenwende (Sol invictus) im frühen 4. Jh. in Rom eingeführt wurde und sich rasch über das röm. Staatsgebiet ausbreitete. Manche Elemente des Glaubens aus dem röm. und germ. Kulturkreis bestanden weiter, bis sich v.a. ab dem SpätMA spezifisch christl. Formen entwickelten. Dazu gehörten die Weihnachtsspiele (Geistliche Spiele), die sich zunächst im klösterl. Umfeld herausbildeten und bis weit ins 20. Jh. hinein von Pfarreien, Schulen und Vereinen gepflegt wurden (Bekanntheit erlangte z.B. 1960 "D'Zäller Wiehnacht" von Paul Burkhard). Weihnachtskrippen entwickelten sich zum Ausdruck kath. Frömmigkeit, wobei das sog. Sarnerkind aus der Mitte des 14. Jh. als ältestes Krippenchristkind gilt. Während die Bündner Krippen stark von ital. Vorbildern beeinflusst waren, lehnten sich jene der Innerschweiz an die süddt. Formenwelt an. Im Freiburgischen bewahrten die Krippen in den Kirchen, deren älteste Beispiele in den Frauenklöstern entstanden, bis heute eine grosse Vielfalt, die teilweise im lokalen Wettstreit steht.
Der Christbaum als Herzstück des besinnl. Familienfests breitete sich im 19. Jh. von Deutschland her allmählich in der dt. Schweiz aus, zunächst in den Kirchen, Schul- und Pfarrhäusern der ref. Städte. Die West-, Südschweiz und das rätorom. Graubünden mit der Tradition des sog. Weihnachtsklotzes (Holzscheit wird im Kamin verbrannt) folgten mit Ausnahme weniger Regionen im Lauf des 20. Jh. Zum Fest der Bescherung wurde W. erst ab dem späten 19. Jh. Vorher fand die Bescherung in kath. Gebieten vornehmlich am Nikolaustag, im Tessin am Dreikönigstag (Re Magi) und in den ref. Gebieten mehrheitlich an Neujahr statt. In kath. Gebieten lange als ref. Vorstellung empfunden, verdrängte das Christkind als Gabenbringer in der franz. Schweiz Gestalten wie Chalande (Genf), Chauche-vieille (Waadt) oder Père Noël (Jura). Allerdings gewann der Weihnachtsmann als Gabenbringer im Dienst des Kommerzes nach amerikan. Vorbild gegen Ende des 20. Jh. wieder an Terrain. Von den ursprünglich drei Gottesdiensten ist die Mitternachtsmesse die beliebteste und meist besuchte kirchl. Feier des Jahres geblieben (auch im ökumen. Sinn). Die moderne Entwicklung von W. ist einerseits durch die extreme Kommerzialisierung geprägt, andererseits durch ein erneutes Suchen nach Schlichtheit und Authentizität, wie etwa die Beschränkung der Feier auf die Kernfamilie oder die Verlegung des Festes in den Wald. Im Übrigen dehnte sich W. mit seiner Bildhaftigkeit und dem Austausch von Geschenken auf den gesamten Advent aus.
Literatur
– ASV, Karten 154-161
– O. Lurati, «Natale nella tradizione della Svizzera italiana», in SAVk 62, 1966, 151-169
– J. Christe et al., Noël dans les cantons romands, 1980
– J. Duft, W. im Gallus-Kloster, 31986
Autorin/Autor: Paul Hugger