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Am Nachmittag des 31. August 2017 ruft Ferdinand Locher den Autor an. Wenn man ihn öffentlich in den Dreck ziehe, dann würde er klagen, meint der Geschäftsmann freundlich, aber klar.
Nun gerät Locher ins Visier der Zürcher Vincenz-Ermittler. Sie führten bei ihm und einem zweiten Verdächtigten Razzien durch. Der Vorwurf: Mithilfe bei ungetreuer Geschäftsbesorgung.
Locher ist kein Unbekannter. Er ist Sprecher der Investorengruppe, der das Stadion des Fussballclubs Thun gehört. Rund um die Krise des Klubs machte Locher Druck in den Medien.
Bei allen Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Die Ausweitung des Zürcher Straffalls auf Ferdinand Locher ist brisant. Sie hängt mit der EuroKaution zusammen, einer kleinen Firma, die Mietdepots vorab finanzierte.
Ferdinand Locher, der FC Thun-Tycoon, übernahm bei der EuroKaution das Kommando, als diese vor knapp 10 Jahren nicht ab Boden kam.
Er kaufte für wenig Geld die Aktienmehrheit, sicherte den Fortbestand und hoffte auf ein Geschäft, beispielsweise durch Verkauf zu einem guten Preis.
Das gelang wenige Jahre später. Ende 2014 zahlte die Aduno unter der Führung von Pierin Vincenz und Beat Stocker über 5 Millionen Franken für die EuroKaution.
Kaum erworben, musste Käuferin Aduno nochmals so viel investieren, damit die frisch akquirierte Tochter ihre Bilanz nicht beim Konkursrichter deponieren musste.
Prüfbericht von Aduno-Revisorin KPMG: Sofort-Sanierung
Seither hört man kaum mehr etwas vom Unternehmen, das in AdunoKaution umgekauft wurde. Es macht den Anschein, dass die Firma nicht mehr gross aktiv ist im Markt.
Total über 10 Millionen für ein Unternehmen bezahlt, ohne damit etwas anzustellen: Warum machte dies die Aduno?
Die Ermittler vermuten Absprachen zwischen Verkäufer Locher und den obersten Vertretern der Käuferin, also Vincenz und Stocker.
Die beiden Manager hatten sich vorab an verschiedenen Firmen beteiligt, die später von ihren Arbeit- respektive Auftraggebern Aduno und Raiffeisen für viel Geld erworben wurden.
Stocker und Vincenz nutzten dafür unter anderem ein Vehikel. Dieses hiess ursprünglich iFinance und wurde dann später in ReImagine umgetauft.
Die Beteiligungsfirma, welche von Vincenz und Stocker geheim gehalten wurde, war im Kanton Zug domiziliert. Offiziell trat nur der Vertrauensanwalt der beiden in Erscheinung.
Dieser ist ebenfalls ein Beschuldigter im ganzen Wirtschaftskrimi. Er arbeitet weiterhin als Anwalt bei einer renommierten US-Anwaltskanzlei.
Mit der EuroKaution taucht nun auch die dritte Firma auf dem Radarschirm der Zürcher Starfermittler auf, die vor 2 Jahren in diesem Medium erwähnt worden waren.
Die Bankenaufsicht Finma machte damals rasch Druck hinter den Kulissen, aber nicht im richtigen Sinn. Sie jagte statt den Akteuren das Leck. Und die grossen Zeitungen schwiegen.
Zuletzt wollte die Finma Vincenz springen lassen. Im letzten Dezember stellte sie ihr Verfahren gegen den Ex-Raiffeisenchef ein. Dieser musste auf Finanzmandate verzichten.
Dass die Lawine doch noch herunter donnerte, geht auf die Aduno zurück. Deren Präsident wählte die Flucht nach vorn und erstattete im Dezember Strafanzeige.
Damit schützt sich der heutige Aduno-Kapitän. In seinem Unternehmen kommt nämlich immer mehr zum Vorschein. Es rückt ins Zentrum der Affäre Vincenz.
Die kapitale Frage lautet: Wie haben die Aduno-Verantwortlichen Kaufziele bewertet? Wer profitierte allenfalls?
Bei der EuroKaution machte Beat Stockers Beratungsunternehmen eine erste Bewertung. Diese schätzte die EuroKaution auf rund 10 Millionen, wie eine Quelle sagt.
Stocker hatte zu diesem Zeitpunkt Anrechte auf Aktien der EuroKaution, wie der nun ebenfalls beschuldigte Ferdinand Locher letzten Spätsommer im Gespräch ausführte. Es sei dann aber nie zu einer Aktienbeteiligung gekommen.
Das sagte Locher vor wenigen Wochen auch der NZZ.
Die Aduno-Führung liess die EuroKaution nach dem ersten Gutachten von Stocker von eigenen Leuten analysieren. Diese kamen auf einen Wert von wenigen hunderttausend Franken.
Schliesslich bestellte die Aduno eine dritte Bewertung, erstellt von einer Minifirma. Diese schätzte die EuroKaution auf rund 5 Millionen – in etwa den späteren Kaufpreis.
Ferdinand Locher wickelte den Deal über seine Investmentgesellschaft namens Great Star in Luxemburg ab. Um dort mehr zu erfahren, brauchen die Zürcher Ermittler Rechtshilfe.
Die Vorgänge um Ex-Präsident Vincenz und Ex-CEO Stocker sorgen bei der Aduno für Nervosität. Kürzlich musste der Nachfolger von Stocker, Martin Huldi, seinen Platz räumen.
Per sofort. Die Aduno betont, dass Huldi nichts rund um den Fall Vincenz vorgeworfen werden könne.
Huldi hatte als CEO dem Verwaltungsrat der Aduno die beabsichtigten Firmenkäufe jeweils vorlegen müssen, zusammen mit seinem Finanzchef Conrad Auerbach.
Der ist neuer Chef.
Vorläufig.