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aus dem Jahr 1525 (s. Auerbach [* 2] 1). Das stattliche Fürstenhaus in derselben Straße bewohnte 1712 Peter d. Gr. auf seiner Reise nach Karlsbad; im Erdgeschoß desselben befindet sich die Niederlage der Meißener Porzellanfabrik. Das angrenzende Mauricianum erbaute die Universität 1845 auf der Stelle der Begräbnisgrüfte des eingegangenen Pauliner-Gottesackers. In der benachbarten Nikolaistraße ist das Gasthaus zum Rosenkranz, die frühere Wittenberger Herberge, in welcher Luther bei seiner Durchreise nach Worms [* 3] Quartier nahm und auch später oft herbergte.
Nahe dabei ist Quandts Hof, [* 4] wo in einem noch vorhandenen Seitengebäude die Neuberin mit ihrer berühmten Truppe spielte. In dem altertümlichen Roten Kolleg in der Ritterstraße wurde Leibniz geboren, und daneben, im Hof der 1834 erbauten bisherigen Buchhändlerbörse, wohnte und starb der Dichter Gellert. An der Nordseite des Nikolaikirchhofs, neben der alten, schon 1512 vorhandenen Nikolaischule, erhebt sich der 1887 vollendete überaus stattliche Neubau des Predigerhauses zu St. Nikolai.
Die Ecke der Grimmaischen Straße und des Augustusplatzes bildet das elegante Café français, 1834 auf dem Grund eines alten Thorturms errichtet. Auf der Stelle des daran stoßenden Paulinums stand ehedem eine Zwingburg, die 1224 zerstört und durch ein Dominikanerkloster ersetzt wurde, dessen Gebäude nach seiner 1545 erfolgten Säkularisation der Universität zufielen. Im Paulinum befinden sich die Münzsammlung und die Universitätsbibliothek (vgl. unten), für welch letztere aber im ehemaligen botanischen Garten [* 5] ein Neubau nach Roßbachs preisgekröntem Entwurf errichtet wird.
Der nach der Universitätsstraße gelegene Hof enthält das Konviktsgebäude und das nach dem verdienstvollen Rektor Kaspar Börner (gestorben 1547) genannte, neuerbaute Bornerianum. Von dem Mittelgebäude nur durch einen Hof getrennt ist das 1834-36 nach Schinkels Entwürfen erbaute Universitätsgebäude (Augusteum) mit den symbolisierten Fakultäten von Rietschel im Giebelfeld. Die Aula enthält Statuen sächsischer Fürsten, die Büsten Goethes und Leibniz' von Knaur, Gottfr. Hermanns und Börners von Rietschel, von letzterm auch prächtige Basreliefs, die Entwickelung der Kultur darstellend, ferner ein Denkmal, welches die Universität den im Krieg von 1870/71 gegen Frankreich gefallenen Studenten setzen ließ. Im Augusteum befindet sich auch die archäologische Sammlung. Am benachbarten Augustusplatz erhebt sich das 1864-67 erbaute Neue Theater, [* 6] zu dem Oberbaurat Langhans in Berlin [* 7] die Entwürfe lieferte (Grundrisse und Durchschnitt des Gebäudes s. Tafel »Theaterbau«). [* 8]
Die allegorischen Gruppen in den Giebelfeldern sind von Hagen, [* 9] Lürssen, Wittich und Schiele. Bemerkenswerte Gebäude in der Nähe sind das Postgebäude am Augustusplatz, das königliche Palais und die Georgenhalle, in der zur Zeit das Reichsgericht untergebracht ist, für welches jetzt ein großartiger monumentaler Bau auf dem Areal des ehemaligen botanischen Gartens, gegenüber dem Landgerichtsgebäude, errichtet wird. Dem Theater gegenüber steht das 1837 gegründete, 1858 eingeweihte und 1883-86 nach den Plänen von Licht [* 10] sehr erweiterte städtische Museum, durch Schenkungen des Kunstfreundes Heinrich Schletter wesentlich gehoben, mit Skulpturen von Thorwaldsen, Schilling, Hähnel, Rietschel u. a., Gipsabgüssen, Kartons und hervorragenden modernen Gemälden, namentlich von Calame, Delaroche, A. und O. Achenbach, Bellangé, Biard, Verboeckhoven, Lessing, Defregger, Preller, Knaus, Vautier, Sohn, Lindenschmit, einigen Bildern der ältern deutschen und niederländischen Schule sowie einer großen Kupferstichsammlung.
Das nahegelegene Fridericianum verwahrt das pharmakologische Museum und die akademische Lesehalle. Der Goldene Bär in der Universitätsstraße ist das Gründungshaus der berühmten, seit 160 Jahren bestehenden Buchdruckerei von B. Chr. Breitkopf, welche jetzt (Breitkopf u. Härtel) ihr Geschäftshaus in der Nürnberger Straße hat. In dem 1740 erbauten Gewandhaus befindet sich die Stadtbibliothek mit über 100,000 Bänden und einer reichhaltigen Manuskriptensammlung.
In dem Saal des Gewandhauses fanden 1781-1884 die weltberühmten Gewandhauskonzerte statt, für welche in den Jahren 1882-1884 nach den Plänen von Gropius und Schmieden im ehemaligen botanischen Garten ein prachtvolles neues Konzerthaus erbaut worden ist, in dessen Nähe das 1843 von Mendelssohn-Bartholdy und kunstbegeisterten Leipziger Bürgern begründete Konservatorium für Musik ebenfalls einen Neubau erhalten hat. Im Hof der dem alten Gewandhaus nahegelegenen Großen Feuerkugel wohnte Goethe als Student und vor ihm Lessing.
An der Ecke der Schillerstraße und der Petersstraße, an der Stelle, wo bis 1885 die alte Peterskirche stand, erhebt sich jetzt das prächtige Reichsbankgebäude. Gegenüber liegt die vormalige Citadelle Pleißenburg, 1213 als Zwingburg angelegt, 1547 zusammengeschossen und 1549-51 wieder aufgebaut. Hier fand 1519 die berühmte Disputation zwischen Eck und Luther statt, und starb daselbst der in der Schlacht bei Lützen [* 11] tödlich verwundete Pappenheim. Im Dreißigjährigen Krieg wiederholt belagert und eingenommen, wurde sie seit 1770 nicht mehr als Festung [* 12] betrachtet und dient jetzt als Kaserne und zu andern militärischen Zwecken.
Der Turm [* 13] diente bis 1861 als Sternwarte. [* 14] Am nahen Thomaskirchhof stand ein 1213 gestiftetes Augustinerkloster, mit welchem eine gelehrte Schule, die Thomasschule, verbunden war, die sich zugleich unter der Leitung ausgezeichneter Kantoren (wie Joh. Seb. Bach, Hiller, Schicht, Weinlig, Hauptmann u. a.) durch die Pflege des Kirchengesangs einen glänzenden Namen in der Geschichte der Musik erworben hat. Seit 1877 hat die Schule ein neues stattliches Gebäude in der Westvorstadt erhalten.
Der alten Thomasschule schrägüber steht die Zentralhalle, 1850 als Vergnügungslokal errichtet; der große Saal ist geschmückt mit schönen Fresken (nach Preller). In dem Haus »zum Kaffeebaum« wurde 1694 die erste Kaffeewirtschaft in Leipzig [* 15] errichtet. Das Alte Theater, unfern vom Eingang zum Rosenthal, wurde 1766 vom Kaufmann Zehmisch gegründet und 1817 vom badischen Oberbaudirektor Weinbrenner umgebaut. An der Nordseite der Promenade stehen der Thüringer, Magdeburger und Dresdener Bahnhof.
Die übrigen Bahnhöfe [* 16] liegen vereinzelt und zwar der Bayrische auf der Grenze zwischen der Süd- und Ostvorstadt, der Eilenburger im O. und der Berliner [* 17] im äußersten Nordosten der Stadt. Letzterer ist neuerdings durch einen über die Geleise der Thüringer und Magdeburger Bahn führenden Viadukt zugänglicher gemacht worden. Der Zentralgüterbahnhof befindet sich bei Schönefeld. Nahe dem Dresdener Bahnhof steht das große Gebäude der Allgemeinen Deutschen Kreditanstalt. Am Ende der Wintergartenstraße sieht man den Kristallpalast, das frühere Alte Schützenhaus, Leipzigs umfangreichstes ¶
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Vergnügungsetablissement, mit schönem Garten, großen Sälen, Dioramen und prachtvollem Zirkus (Alberthalle). Auf der Querstraße befindet sich das großartige Etablissement des Buchhändlers Brockhaus. Ferner sind hervorragende Gebäude der Ostvorstadt: das Etablissement des Bibliographischen Instituts von Meyer (früher in Hildburghausen) [* 19] am Gerichtsweg, das geschmackvolle Haus des Buchhändlers E. Keil, des Begründers der »Gartenlaube«, in der Thalstraße, das Paketpostamt und das neue Buchhändlerhaus in der Hospitalstraße. Im Johannisthal, einer 1832 auf dem Areal der ehemaligen Sandgrube geschaffenen großen Gartenanlage, die aber in neuester Zeit teilweise bebaut worden ist, erhebt sich seit 1861 die neue Sternwarte.
Auf der Südseite des Johannisthals liegen das städtische Krankenhaus [* 20] zu St. Jakob, das Taubstummeninstitut, die Augenheilanstalt und eine große Anzahl von Universitätsinstituten, wie die Anatomie, das physiologische, pathologische, pharmakologische, hygieinische, landwirtschaftliche, agrikulturchemische, physikalische, chemische, zoologische Institut, weiter hinaus nach SO. der botanische Garten, die Irrenanstalt und die Veterinärklinik. Zur Verschönerung der Stadt, zur Verbesserung des Straßenpflasters und der Schleusen ist in jüngster Zeit viel geschehen.
Von größern Arbeiten der letzten Jahre sind zu nennen: die Überbrückung des Elstermühlgrabens im Ranstädter Steinweg, die Niederlegung des Dammes zwischen der Pleißenburg und der Mühlgasse, die Anlage einer zweiten Gasanstalt und eines Schlachthofs im S. der Stadt, die Anlage einer neuen großartigen Wasserleitung [* 21] aus den bei Naunhof gelegenen Wäldern. Die reichen Schenkungen, welche der Stadt in den letzten Jahren zugeflossen sind (Karl Tauchnitz, Grassi u. a.), ermöglichen der städtischen Verwaltung, für die weitere Verschönerung der Stadt zu sorgen.
[Bevölkerung.]
Die Zahl der Einwohner von Leipzig betrug 1676 gegen 20,000, 1776: 24,000, 1800: 32,146, 1864: 85,394, 1885: 170,342 Ortsanwesende, darunter 3373 aktive Militärs. Dazu kommt die Einwohnerschaft der wirtschaftlich längst zu Leipzig gehörenden Grenzdörfer (62,446) und andrer Vorstadtdörfer (68,666) sowie der ebenfalls zur Einverleibung bestimmten Außendörfer (7827), so daß das wirtschaftliche Leipzig schon jetzt mehr als 300,000 Einw. zählt. Dem Religionsbekenntnis nach zählte man 1885 in der eigentlichen Stadt 155,627 Lutheraner, 3844 Reformierte, 5623 Römisch-Katholische, 3631 Juden und 1617 andre.
[Handel und Industrie.]
Schon gegen Ausgang des Mittelalters verdankte Leipzig seine wachsende Bedeutung vornehmlich dem Handel. Die nach mehr als 400jährigem Bestehen im J. 1887 aufgelöste Kramerinnung und die später neben ihr begründete Vereinigung der Großhändler sowie der aus beiden Körperschaften gebildete Handelsvorstand (bis 1868) haben in ihrer Blütezeit eine hervorragende Rolle gespielt. Den Charakter als Handelsstadt hat Leipzig zunächst durch seine drei Handelsmessen, zu Neujahr, Ostern und Michaelis, gewonnen, welche es zu einem Platz von universeller Bedeutung für die Handelswelt machen.
Unter ihnen dauert die Neujahrsmesse, die unbedeutendste, zwei Wochen (1.-15. Jan.), die Oster- oder Jubilatemesse (zugleich Buchhändlermesse) und die Michaelismesse je drei Wochen, wovon die erste die »Böttcherwoche«, die zweite die »Meßwoche«, die dritte die »Zahlwoche« genannt wird. Am Donnerstag der Zahlwoche müssen alle zur Messe eingegangenen Wechselverbindlichkeiten gelöst werden; in der Neujahrsmesse ist der 12. Jan. dieser Zahltag. Die Leipziger Messen entwickelten sich aus Jahrmärkten und erlangten erst eine größere Bedeutung, als 1507 Kaiser Maximilian I. der Stadt Stapel- und Niederlagsrecht verlieh.
Infolge der günstigen Lage Leipzigs in dem gewerbfleißigen Sachsen [* 22] und zwischen dem industriereichen Westen Europas und dem stark konsumierenden Osten sowie infolge des Eifers, mit dem der Leipziger Rat und die sächsischen Fürsten über den »Freiheiten« der Leipziger Messen wachten, erhoben dieselben sich zu einer Bedeutung, welche von 1711 an diejenige der ältern Reichsmessen von Frankfurt [* 23] a. M. überragte und auch nicht durch die großen Anstrengungen Frankfurts a. O. beeinträchtigt werden konnte.
Die hauptsächlichsten Blüteperioden der Leipziger Messen fallen in das Ende des 17. und das Ende des 18. Jahrh. Einen letzten großen Aufschwung nahmen dieselben infolge des Eintritts des Königreichs Sachsen in den Zollverein 1834. Wenn aber der Umfang des Leipziger Meßgeschäfts noch bis in die 60er Jahre namhaft stieg, so darf dabei nicht übersehen werden, daß die rückläufige Bewegung in der relativen Bedeutung der Messen für den Welthandel auch bei den Leipziger Messen sich trotzdem gleichzeitig vollzog. Eisenbahnen, Post, Telegraph [* 24] und das Institut der Geschäftsreisenden haben den Messen das Rückgrat gebrochen. Doch darf nicht verkannt werden, daß die jetzige Bedeutung des Handels- und Industrieplatzes Leipzig nur durch die Messen ermöglicht worden ist.
Vgl. E. Hasse, Geschichte der Leipziger Messen, Leipz. 1885.
Unter den Handelszweigen, für welche die Messen noch jetzt von großer Bedeutung sind, verdienen der Tuch- und der Lederhandel, besonders aber der Rauchwarenhandel hervorgehoben zu werden; dieses Geschäft gehört dem Welthandel im eigentlichen Sinn des Wortes an, denn hier findet der Austausch der amerikanischen und der russischen Rauchwaren statt, von welchen sich ungeheure Vorräte in den hiesigen Lagern zusammenfinden. Bei den Londoner Auktionen wie bei den Märkten in Nishnij Nowgorod spielt Leipzig durch seine Vertreter eine wesentliche Rolle. In andern Zweigen, wie im Glas- und im Kurzwarengeschäft, pflegen die Verkäufer die Messen nur noch mit Musterlagern zu beziehen.
Abgesehen vom Rauchwarengeschäft, welches die Käufer aus dem Orient auf längere Zeit hier festhält, spielt sich der Großhandel in der Hauptsache in wenigen Tagen ab und zwar in der sogen. Vorwoche, welche der Böttcherwoche vorangeht, also noch vor dem amtlichen Beginn der Messe. Von hervorragender Wichtigkeit war früher, besonders in den ersten Jahrzehnten nach Begründung des Zollvereins, der sogen. Zwischenhandel, worunter in erster Reihe der Vertrieb ausländischer Waren (englischer Kurz- und Manufaktur-, d. h. Webwaren, französischer und schweizerischer Seidenstoffe, Stutz- und Taschenuhren etc.) und zwar meist wieder nach dem Ausland verstanden wurde; er fand in den Messen einen Stützpunkt.
Mit der Erleichterung des direkten Verkehrs, mit dem Erstarken der heimischen Industrie ist dieses Geschäft mehr und mehr zusammengeschrumpft. Auch der Handel in Webgarnen, in roher und gefärbter Seide, [* 25] in Farbewaren, in Eisen [* 26] und Blech, welcher, von alten, kapitalkräftigen Firmen betrieben, die Industrie in weitem Umkreis versorgt, ist schwieriger und weniger gewinnbringend geworden. Ebenso hat der Getreidehandel an Bedeutung verloren, seit der Zoll den Bezug russischen Getreides erschwert. Dagegen ist der Wollhandel mit dem steigenden Verbrauch von Kolonialwollen durch die ¶