Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03264.jsonl.gz/1958

Die Familie trägt
Wenn Frau Hodel sich als Frohnatur bezeichnet, so tut sie das, obwohl es das Schicksal im Bereich Gesundheit mit ihrer Familie nicht eben gut meinte. Die ältere Schwester blieb kinderlos und ist seit 1986 infolge eines Unfalls an den Rollstuhl gebunden. Frau Hodel geht ihr, wenn immer möglich, zur Hand. Die jüngere Schwester verstarb – kurz vorher verheiratet – 1980 an Leukämie. Die Familie verliert so zwei wichtige Stützen bei der Bewältigung der eigenen Sorgen.
Ganz massiv hat ein Unfall das Leben der Familie beeinflusst. Frau Hodel war schwanger, als ihr Freund und späterer Gatte (Heirat im Dezember 1978), Jürg Hodel, im Juni 1978 schwer verunfallte. Er war gelernter Mechaniker. Da explodierte während seiner Ausbildung zum Lastwagenfahrer bei der Prüfung des Luftdrucks eines Lkw-Pneus dessen Sprengring. Jürg Hodel verlor ein Auge und hatte über Jahre viele Operationen zu überstehen. Die junge Familie war bis zu seiner Umschulung auf die Unterstützung durch die SUVA, die IV und den Lohn von Frau Hodel für ihre 8 Lektionen Hauswirtschaft angewiesen. Über die ganze Zeit konnte sich die Familie aber auch auf ihre nächsten Verwandten – Eltern und Geschwister – verlassen. 1983 starb der Vater, 1990 die Mutter. 2015 erlitt Jürg Hodel einen Schlaganfall, von dem er sich aber wieder sehr gut erholt hat.
Eine ganz besondere Sorge, der die Familie aber hilflos gegenüberstand, werden dann die Drogenprobleme mit ihren Kindern. Während die beiden jüngeren sich davon befreien konnten, wurde das älteste aus der Bahn geworfen. Bei ihm war wohl eine schliesslich diagnostizierte Schizophrenie ausschlaggebend. Nach Aufenthalten in der Klinik, wechselnden Wohngelegenheiten – u.a. immer wieder zu Hause – lebt der älteste Sohn nun seit 6 Jahren wieder daheim. Er ist ein ausgezeichneter Gespächspartner, kocht, wenn er nicht auf einer seiner langen Wanderungen ist, für die Familie und ist bestens in diese integriert. Die Familie fühlte sich lange mit ihrem Problem allein gelassen. Es war, zeitbedingt, ein Tabu.