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Wo immer der F-35 neu stationiert wird, protestieren Anwohner:innen. Der F-35 ist nicht nur deutlich lauter als frühere Kampfjets. Das Flugzeug generiert Lärm in einem Frequenzbereich, der potentiell gesundheitsschädlich ist.
Seit Ende 2019 sind in Leeuwarden in der Provinz Friesland acht F-35 der niederländischen Luftwaffe stationiert. Seither geht die Zahl der Lärmklagen durch die Decke. Die von den Anwohner:innen gemessene Lautstärke der Jets ist um ein Vielfaches höher als bei den F-16, die vorher auf dieser Basis gestartet und gelandet sind. Während die Maximallautstärke vorher bei 78 Dezibel lag, kommt der F-35 auf bis zu 120 Dezibel – der Lautstärke eines Presslufthammers in unmittelbarer Nähe. Da es sich bei Dezibel um eine logarithmische Skala handelt, bedeutet das einen Anstieg der Schallenergie um mehr als das Hundertfache. Der Start eines F-35 ist noch in einer Entfernung von 10 bis 12 Kilometern wahrzunehmen – den Start eines solchen Jets in Meiringen würde man somit in drei Kan-tonen gleichzeitig hören.
Die niederländische Regierung hatte vorgängig versichert, dass die neuen Kampfflugzeuge nicht merklich lauter wären. Allerdings zog sie für diesen Vergleich Messungen herbei, bei denen F-16-Starts mit Nachbrenner mit solchen Starts der F-35 ohne Nachbrenner verglichen wurden. Diese schwer nachvollziehbare Vergleichsmethodik sorgte nicht nur bei den Anwohner:innen des Flugplatzes für Kritik, sondern auch für Diskussionen innerhalb des Regie-rungsbündnisses.
NOISE IN BOISE
Auch in den USA gibt es von Vermont bis Arizona und von Idaho bis South Carolina Kritik am Lärm, den die F-35 verursachen. Ein Umweltverträglichkeitsbericht kam laut dem Technikmagazin Popular Mechanics zum Schluss, dass mit der Verlegung einer Einheit F-35 der Air National Guard nach Boise, Idaho, mehrere hundert Haushalte regelmässig dröhnendem Lärm ausgesetzt wären, die einem Staubsauger in einem Meter Entfernung entsprechen. Die Wohnungen würden damit faktisch unbewohnbar.
Messungen auf der Nellis Air Force Base verglichen Kampfjets der Typen F-16, F/A-18C/D (die Jets, welche auch die Schweizer Luftwaffe einsetzt) sowie den F-35. Die Messungen ergaben vergleichbare Werte wie in Leeuwarden: Der F-35 ist massiv lauter als der F-16, aber auch deutlich lauter als der F/A-18C/D. Maximal wurden beim F-35 bis zu 123 Dezibel gemessen – die Grenze für Gehörschäden selbst bei kurzer Ein-wirkung liegt bei 115 Dezibel. Der F-35 war im Durchschnitt rund 8 Dezibel lauter als der F/A-18C/D. Das bedeutet, dass die wahrgenommene Lautstärke rund doppelt so hoch ist.
INFRASCHALL
Der niederländische Fernsehsender RTV Oost berichtet, dass der Lärm des F-35 nicht nur lauter ist, sondern auch eine deutlich weitere Bandbreite umfasse und bis in die Infraschallfrequenzen reiche. In diesem Bereich wirken Schallschutzmassnahmen wie Spezialfenster nicht mehr, die Schallwellen durchdringen Mauern und Dächer beinahe ungefiltert. Infraschall wird vom Gehör nicht bewusst wahrgenommen. Töne in diesen Frequenzen verursachen jedoch eine Abnahme der Konzentrationsfähigkeit und können ein diffuses Gefühl des Unbehagens auslösen sowie zu erhöhten Blutdruckwerten führen. Es gibt jedoch kaum Studien zu den Auswirkungen von Infraschall, der von Kampfjets verursacht wird. Bei Lärmmessungen werden diese Frequenzen meist gar nicht erfasst, da sie für normale Mikrofone zu tief und für Luftdruckmesser zu hoch sind.
SCHWEIZER LÄRMWIDERSTAND
Der Lärm der neuen Jets gibt auch in der Schweiz zu reden. Im Oktober 2020 haben durchaus armeefreundliche Regionen, in denen Militärflugplätze liegen, den Kauf neuer Kampfjets teils deutlich abgelehnt. In Brienz im Berner Oberland haben nur ein gutes Drittel der Stimmbevölkerung für neue Kampfjets ge-stimmt. Aber auch Gemeinden rund um Payerne oder Emmen lehnten die Beschaffung ab. Dass das VBS ausgerechnet den lautesten aller zur Auswahl stehenden Flugzeugtypen ausgewählt hat, dürfte der Zustimmung in diesen Regionen nicht gerade förderlich sein.