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Unser Programm
Was braucht es, um eine Fremdsprache gut, schnell und freudig zu lernen? Diese Frage haben wir uns in der ersten Deutschstunde am Anfang dieses Schuljahres gestellt und kamen zu folgenden, nicht überraschenden Antworten: Wortschatz, Grammatik, Ideen (d.h. Inhalte), Motivation, gegenseitiges Stimulieren usw.. Auf diese Antworten folgte die Frage, wie wir diese verschiedenen Zutaten des Sprachenlernens in unserem konkreten Fall verwirklichen wollten. Die Möglichkeiten wurden dann gemeinsam diskutiert und schließlich wurde eine Wahl getroffen … oder vom Lehrer diktiert: Den Wortschatz bereichern wir einerseits mit dem "Lernwortschatz Deutsch" von Hueber, anderseits nutzen wir jede Gelegenheit, um neue Wörter zu lernen. Dies geschieht durch die Lektüren und die Diskussionen aller Art, die sich spontan oder geplant immer wieder ergeben und die wir natürlich immer nur auf Deutsch führen. Eine der vier Stunden Unterricht ist spezifisch der Wortschatzerweiterung gewidmet und da benutze ich als Lehrer oft "Leichte Tests" von Hueber, allerdings nur mündlich, Lehrer - Schüler, Frage - Antwort.
Die Grundlage der Grammatikarbeit bildet die "Grundstufengrammatik" von Monika Reimann. Wir (oft der Lehrer) wählen die Kapitel aus, die uns (ihm) als nützlich erscheinen. Dazu kann auch jederzeit ein Grammatikpunkt spontan wiederholt und kurz geübt werden, wenn sich während des Unterrichts eine Unsicherheit bemerkbar macht.
Die Ideen und Inhalte holen wir uns in den jeweiligen Lektüren und in der Aktualität. Aktuelles ist manchmal Individuelles, z.B. eine Austauschschülerin, die einige Monate in unserer Klasse bleibt und der wir unsere neugierige Seite zeigen. Oder ein Klassenaustausch mit Besuch der Expo 02, usw.
Lektüren: Unsere erste Lektüre waren drei Novellen von Stefan Zweig, ein Easy Reader mit 1800 Wörtern. Dann mussten wir relativ schnell eine vereinfachte Fassung (Lesen leicht gemacht, Klett) von Romeo und Julia auf dem Dorfe (Keller) lesen, weil diese Novelle als Theaterstück auf Deutsch aufgeführt wurde (November). Als nächstes lasen wir "20 Kurzgeschichten des 20. Jahrhunderts" (Les Langues Modernes), wovon alle Schüler 8 Geschichten lasen, dann konnte jede Schülerin / jeder Schüler eine der 12 restlichen Geschichten wählen, lesen und dann der Gruppe vorstellen. Einige dieser Geschichten verlangen viel Überlegung und eine genaue Analyse, andere versteht man gleich beim guten Erzählen.
Da im Juni dieses Jahres die Dreigroschenoper von Brecht von der Deutschen Schule Genf aufgeführt wird, haben wir dieses Theaterstück als nächste Lektüre gewählt. Der Autor Brecht und seine Theatertheorien erlauben eine spannende Auseinandersetzung mit der Gesellschaft einerseits und mit dem Theater anderseits.
Und vom Theater sind wir dieses Jahr verwöhnt: Wir sahen Romeo und Julia auf dem Dorfe, Die Physiker (auf Französisch) und im Juni Die Dreigroschenoper. Die Autoren der Werke, die wir lesen oder sehen, werden von Schülern vorgestellt, auch Werke selbst, wie z.B. Die Physiker vor der Theateraufführung.
Das Programm unserer Deutschstunden folgt also unserer Lust und der Notwendigkeit des Lernens und Verstehens. Ein relativ unscheinbares (sehr kleines) Element der Zusammenarbeit zwischen Schülern und Lehrer ist die Anwendung der neuen Technologien. Wir haben diese kleine Internetseite, die unendlich ausbaubar ist und jede Schülerin / jeder Schüler hat eine E-Mail Adresse vom Erziehungsdepartement zugeteilt erhalten. Dies erlaubt eine neue Nähe, die genutzt werden kann, die aber auch klar abgelehnt werden kann. Die Tatsache der Freiwilligkeit, eine mögliche zusätzliche Lernquelle zu nutzen oder abzulehnen, scheint mir sehr wertvoll.
Ich möchte mit dieser Gruppe im September während einer Woche Berlin besuchen. Ob dies wohl möglich sein wird?
Markus Salzgeber