Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03099.jsonl.gz/1772

Ein Ring aus hellem Wasser – Gavin Maxwell
Gavin Maxwell stammte aus dem schottischen Hochadel, liebte den Whisky und schnelle Autos. Ein schwuler Snob, rastlos, an einer bipolaren Störung leidend. Im Jahr 1949 bezieht er das aufgegebene Cottage eines Leuchtturmwärters an der schottischen Westküste, mit Blick auf die Isle of Skye. Camusfeàrna, die Bucht der Erlen, so nennt Maxwell den abgeschiedenen Ort, der nur über einen steilen Abhang oder vom Meer aus zu erreichen ist. Das nächste Dorf ist Meilen entfernt; das Mobiliar für das komplett leergeräumte Haus holt Maxwell sich aus dem Meer.
Das Treibgut, das hier angespült wird – tote Tiere, Möbel, Abfall, Fischernetze – ist ein erstes Indiz dafür, dass Gavin Maxwells Buch nicht die Beschreibung einer Idylle ist. Der unbarmherzige Kreislauf, das System von Töten und Getötetwerden, gehört ganz selbstverständlich in diese wunderschöne, aber karge, von Maxwell unermüdlich beschriebene Landschaft.
„Ein Ring aus hellem Wasser“ erschien 1960 im englischen Original und 1964 erstmals in deutscher Übersetzung. Hierzulande nahm kaum jemand Notiz davon; im englisch-sprachigen Raum ist das Buch ein Klassiker des Nature Writing.
Der zweite Teil ist den Ottern gewidmet. Von einer Forschungsreise bringt sich Maxwell einen jener exzentrischen Gesellen mit; eine Bekanntschaft, die sein Leben verändern wird. Das Cottage brannte 1968 ab; ein Jahr später starb Maxwell. Anstelle des Hauses in der Bucht stehen heute zwei Grabsteine: Der Maxwells und der seines Otters.
Wer putzt die Schweiz – Marianne Pletscher
Marianne Pletscher und Marc Bachmann porträtieren neun Personen und ein Ehepaar, die in der Tieflohnbranche der Reinigung tätig sind.
Von den über 200 000 Menschen, die in der Schweiz Reinigungsarbeiten verrichten, sind die meisten Migrantinnen und Migranten. Oft nehmen wir sie nicht wahr, sondern stellen höchstens fest, dass unsere Büros am nächsten Morgen wieder sauber, die Restauranttoiletten geputzt sind oder im Spital alles frisch desinfiziert wurde. Falls jemand unsere Wohnung putzt, kennen wir sie oder ihn zwar persönlich, doch oft nicht viel persönlicher.
Mit ihren Reportagen porträtieren Marianne Pletscher und Marc Bachmann neun Personen und ein Ehepaar, die in der Tieflohnbranche der Reinigung tätig sind oder waren – permanent unter Druck, die gesetzlichen Integrationsanforderungen zu erfüllen, keine Schulden anzuhäufen und möglichst keine Sozialhilfe zu beziehen. Dragica Rajčić Holzner erzählt zudem in einem poetischen Text aus ihrem Leben als einstige Putzfrau, in dem jeden Tag alles immer wieder schmutzig und ihr Schreiben nur als «Unterbruch des Putzens» möglich war.
Wer sich auf dieses Buch einlässt, erhält nicht einfach eine statistisch richtige Antwort auf die Frage, wer die Schweiz putzt, sondern begegnet geflüchteten und immigrierten Menschen mit überwältigenden Erfahrungsschätzen, Schicksalen und Stolz.
Ich hatte nicht immer, was ich wollte, aber alles, was ich brauchte – Björn Natthiko Lindeblad – Von einem, der auszog, sich selbst zu finden
Erkenntnisse aus meinem Leben als buddhistischer Mönch
Was hilft uns, ein freieres Leben zu führen? Auf der Suche nach einer Antwort gibt Björn Lindeblad seine Karriere in der Wirtschaft auf und entscheidet sich für ein Leben als Waldmönch im Dschungel Thailands. Dort wird er zu »Natthiko, zu dem, »der an Weisheit zunimmt«. 17 Jahre später geht er zurück nach Schweden und fällt in eine tiefe Depression. Bis er sich auf die Lehren aus seiner Zeit als Mönch besinnt und beschließt, das, was er gelernt hat, weiterzugeben. Doch als er sein Glück und seine innere Ruhe wiedergefunden hat, erfährt er, dass er unheilbar an ALS erkrankt ist.
Lindeblad weiß, was zählt, wenn die Tage begrenzt sind, und wie wir trotz aller Widrigkeiten Hoffnung, Schönheit und inneren Frieden finden können.
Der stille Held – Michael Smith
Tom Crean: Überlebender der Arktis
Namen wie Scott und Shackleton sind Fans der polaren Entdeckungsgeschichte wohlbekannt. Doch wer kennt den irischen Bauernsohn Tom Crean, der gleich drei ihrer bedeutenden Antarktis-Expeditionen auf heldenhafte Weise unterstützte? Mit Scott und der »Discovery« stellte Crean einen neuen Südrekord auf, Scotts legendäres Wettrennen mit Amundsen begleitete er bis kurz vor den Pol und rettete dann mit einem spektakulären Alleinmarsch durch die Eiswüste sich und seinen Kameraden das Leben. Mit Shackleton durchquerte er unter unmenschlichen Bedingungen Südgeorgien, um Hilfe für die gestrandeten Männer der »Endurance«-Expedition zu holen.
Indem Michael Smith die packende Geschichte Tom Creans erzählt, wirft er ein völlig neues Licht auf die Blütezeit der Polarerkundung und honoriert endlich die außergewöhnlichen Taten eines zu Unrecht vergessenen Helden.
Nachruf auf mich selbst – Harald Welzer
die Kultur des Aufhörens
Bestseller-Autor Harald Welzer stellt fest, dass unsere Kultur kein Konzept vom Aufhören hat. Deshalb baut sie Autobahnen und Flughäfen für Zukünfte, in denen es keine Autos und Flughäfen mehr geben wird. Und sie versucht, unsere Zukunftsprobleme durch Optimierung zu lösen, obwohl ein optimiertes Falsches immer noch falsch ist. Damit verbaut sie viele Möglichkeiten, das Leben durch Weglassen und Aufhören besser zu machen. Diese Kultur hat den Tod genauso zur Privatangelegenheit gemacht, wie sie die Begrenztheit der Erde verbissen ignoriert.
Harald Welzer zeigt in einer faszinierenden Montage aus wissenschaftlichen Befunden, psychologischen Einsichten und persönlichen Geschichten, wie man aus den Absurditäten dieser gesellschaftlichen Entwicklung herausfindet. Man muss rechtzeitig einen Nachruf auf sich selbst schreiben, damit man weiss, wie man gelebt haben will.