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Kurt R. Spillmann, emerierter Professor für Sicherheitspolitik und Konfliktforschung der ETH Zürich, ging in seinem Referat im Rahmen der Delegiertenversammlung des Solothurner Bauernverbandes auf die Probleme der Weltpolitik im Hinblick auf die steigende Bevölkerung ein.
Wie viele Menschen können ernährt werden?
Die Grundsatzfrage, wie viele Menschen die Erde überhaupt ernähren kann, ist strittig und die Schätzungen gehen weit auseinander. Die Mehrheit gehe jedoch davon aus, dass die Grenze irgendwo zwischen 4 und 16 Milliarden Menschen liege, so Spillmann. Im Oktober 2011 wurde bereits die Zahl von sieben Milliarden Menschen erreicht. Das führt zu einem immer höheren Nahrungsbedarf und grösserem Wasser- und Energieverbrauch. "In China und anderen Ländern Asiens sind Mittelklassen am Entstehen. Hunderte Millionen von potenziellen Milch- und Fleischkonsumenten, Besitzern von Autos und beheizten Wohnungen steigern den Bedarf an Energieträgern und Wasser", so Spillmann.
Genügend Wasser – aber ungleich verteilt
Wassermangel ist ein vielzitiertes Problem und manche Experten sehen darin einen kommenden Kriegsgrund. Spillmann sieht dies anders: "Nahrungsmangel kann zwar lokale Revolten und regionale Fluchtbewegungen auslösen, aber kaum Gewaltkonflikte in Kriegsintensität zwischen Nationen." Der Strategieexperte begründet das damit, dass Wasser zwar ungleich verteilt ist, grundsätzlich aber mehr als genügend vorhanden ist. So beträgt laut der Weltgesundheitsorganisation WHO die minimal pro Mensch benötigte Wassermenge 20 bis 50 Liter pro Tag. Theoretisch vorhanden ist laut Spillmann aber eine Menge von 20'000 Litern pro Person. Weil man dieses Wasser nun umleiten, sparen und speichern könne, sieht Spillmann keine drohende Gefahr von Wasserkriegen. Technische Lösungen dazu sind unter anderem Staudämme, die Umleitung von Flüssen, Entsalzung (allerdings finanziell sehr aufwändig) und Effizienzverbesserungen. Allerdings könnten mit diesen technischen Verbesserungen nur rund 50 Prozent des Wassers geliefert werden, dass die Menschheit 2025 zusätzlich benötigen wird. Der vermehrte Fleischkonsum etwa in China führt zudem zu einem steigenden Wasserverbrauch. Den während die Produktion von einem Kilo Getreide rund 1'500 Liter Wasser benötigt, werden für 1 Kilo Rindfleisch 15'000 Liter gebraucht.
Gesellschaftlich-politischer Wertewandel nötig
"Die Klima-Destabilisierung wirkt zudem nachhaltigen Lösungen entgegen. Instruktion und ein transnationales Wassermanagement wird unumgänglich sein", so Spillmann. Dazu sei ein gesellschaftlich-politischer Wertewandel nötig. "Nationen sind heute in globale Prozesse eingebunden, mehr Dialog und Kooperation ist zwingen. Die Wirtschaft muss zudem die Verbindung von Kapitalismus und Nachhaltigkeit erreichen." Das sei allerdings eine schwierige Synthese, gestand Spillmann ein.