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In den Sechzigerjahren erlebte der Kirchenbau in der Schweiz seine letzte Blütezeit. Mit den Flachdächern wurde vieles möglich. Die Agglomerationsgemeinden wuchsen explosionsartig und weil der der Kirchenbesuch für viele noch selbstverständlich war, mussten neue Gotteshäuser gebaut werden. Im protestantisch geprägten Kanton Zürich sorgte zudem der Zuzug von Familien aus katholischen Kantonen und von Gastarbeitern aus Italien für ein Anwachsen der katholischen Bevölkerung. 1963 gab die rechtliche Anerkennung der römisch-katholischen Kirche im Kanton Zürich – verbunden mit dem Steuerrecht – vielen Kirchenbauvorhaben entscheidenden Auftrieb. In Kilchberg begann die Geschichte des Neubaus der Kirche St. Elisabeth jedoch bereits 1956 mit der Bestellung der Kirchenbaukommission. Der Architekt André Studer zeichnete als Architekt des ganzen Zentrums in der Schützenmatte. Bereits früher erbaute er die Kath. Kirche in Uster (1961–67) und später das Bildungshaus Bad Schönbrunn (heute Lassalle-Haus) in Edlibach (1968–70).
Virtuos und elegant
Die neue, am 22. Oktober 1967 eingeweihte Kirche steht an der Stelle der in den Dreissigerjahren erbauten Kapelle. Andre Studers Entwurf basiert auf einem quadratischen, diagonal organisierten Grundriss. Über den niedrigen Aussenwänden erhebt sich das geschwungene, zeltartige Dach. Dessen beiden Teile lehnen die sich an den wie eine Wirbelsäule skelettierten Betonbinder, durch den Licht in den Kirchenraum fällt. Dieses zenitale Licht, das über der Hauptachse in den Raum fällt, wurde ursprünglich ergänzt durch Licht, das beidseits des Chores von oben entlang den Wänden in den Raum strömte – ein Effekt, der der Sanierung der Aussenhülle leider zum Opfer viel. Prägte aussen der Beton – insbesondere an den beiden Dachschalen – das Bild, gesellen sich dazu im Innern der Kalksteinboden und die hölzerne Decke, die mit der eleganten Architektur eine feierliche Stimmung erzeugen. An den Kirchenraum angebaut ist das Pfarrhaus; der schlanke, aus Elementen zusammengesetzte 30 Meter hohe Kirchturm besetzt als Solitär die nordwestliche Ecke des Grundstücks. Zwar hat die Sanierung von Dach und Fassaden mit einer Kupferblechverkleidung den Beton weitgehend zum Verschwinden gebracht und dem Gebäude viel von seiner archaischen Kraft genommen. Doch noch immer widerspiegelt die Kirche St. Elisabeth die schnellen, vorwärts strebenden Sechzigerjahre. Erinnerungen an «Star Trek» und «2001: A Space Odyssey» werden wach und man bedauert es, dass die damalige Virtuosität und Eleganz, aber auch die Unbekümmertheit unwiederbringlich vorbei sind.