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Diagnose
Ich spüre eine Veränderung in meiner Brust und denke an Brustkrebs. Was soll ich tun?
Ich wende mich an einen Facharzt für Brustheilkunde (Senologe) wenn ich einen Knoten, eine auffallende Hautveränderung, Rötungen, Veränderung der Brustform (z. B. eine eingezogene Brustwarze), austretende Flüssigkeiten, anormale Schmerzen oder einen geschwollenen Lymphknoten in der Achselhöhle taste (siehe Selbstuntersuchung). Mein Arzt wird mich innerhalb der nächsten 24 Stunden zu einer Kontrolluntersuchung bitten, wenn ich am Telefon erwähne, dass ich etwas Auffälliges ertastet habe.
Wichtig ist, dass ich nicht in Panik gerate. Nicht jede Veränderung in der Brust bedeutet etwas Gefährliches. Bei Frauen vor den Wechseljahren kommt es häufig zum Auftreten eines Fibroadenoms (Bindegewebsgeschwulst) oder einer Zyste. Die Zyste ist ein flüssigkeitsgefüllter Hohlraum und ist immer gutartig. Bei Beschwerden kann die Flüssigkeit punktiert werden. Bei dem Fibroadenom handelt es sich um einen gutartigen Tumor, der nicht zu einem Brustkrebs wird. Wenn dieser sich nicht vergrößert und keine Schmerzen auftauchen, bleibt das ungefährliche Fibroadenom in der Brust. Nicht jeder Knoten muss also entfernt werden.
Wie wird die Diagnose gestellt?
- Durch ärztliche Untersuchung: Gespräch und Tastuntersuchung der Brüste und der Achselhöhlen
- Durch bildgebende Verfahren: Mammografie, Ultraschall, ev. Magnetresonanztomografie (MRT)
- Durch Gewebeentnahme ohne Operation (Biopsie)
Diese drei Methoden sind unerlässlich. Wenn ich das Gefühl habe, dass mein behandelnder Arzt unsicher ist, empfiehlt es sich unbedingt eine Zweitmeinung einzuholen. Es kommt vor, dass Ärzte kleine Tumore übersehen, obwohl ich etwas Verdächtiges spüre. Im Zweifelsfall wende ich mich direkt an einen Brustchirurgen oder einen erfahrenen Radiologen.
Achtung: Brustkrebs kann auf die Achsellymphknoten übergehen. Mein behandelnder Arzt sollte darum unbedingt meine Achselhöhlen beim Ultraschall genau untersuchen und eine Biopsie anordnen, falls er einen verdächtigen Lymphknoten entdeckt.
Wie laufen die Untersuchungen ab?
Die Mammografie ist eine Röntgenuntersuchung der Brust. Während der Aufnahme wird meine Brust zwischen den Objekttisch und die Plexiglasplatte gepresst und aus zwei Richtungen (von oben, seitlich) aufgenommen. Das Zusammendrücken der Brust ist notwendig, um die Strahlenbelastung gering zu halten und meine Brust möglichst genau abzubilden. Jüngeren Frauen, deren Brustdrüsengewebe sehr dicht ist, empfiehlt man ein Röntgeninstitut aufzusuchen, das die digitale Mammografie durchführt. Auf dem Computerbildschirm werden die Kontraste besser und eindeutiger ausgewiesen. Die Untersuchung ist schmerzfrei und das Ergebnis wird mir direkt im Anschluss mitgeteilt. Bei einer Mammografieuntersuchung im Rahmen eines qualitätskontrollierten Früherkennungsprogrammes erhalte ich das Ergebnis innerhalb von 3 bis 5 Arbeitstagen per Post.
Die Tomosynthese ist eine neue Entwicklung, welche die Mammografie mit einer computertomografieähnlichen Technik vereint. „Dank dieser neuen Technik werden kleinere und durch dichtes Brustdrüsengewebe verdeckte Tumore besser entdeckt. Die neue Technik eignet sich damit besonders bei jungen Frauen und Risikopatientinnen“ so Dr. med. Martin Sonnenschein vom Brustzentrum Bern.
Die Ultraschalluntersuchung ist die wichtigste Zusatzuntersuchung zur Mammografie. Man verwendet im Großen und Ganzen dasselbe Gerät wie bei der Schwangerschaftsvorsorge. Der Arzt gibt ein Kontaktgel auf den Schallkopf und meine Haut und fährt dann mit der Sonde über meine Brust. Die schnelle und schmerzfreie Untersuchung ist mit gar keinem Risiko verbunden und geeignet für junges und dichtes Brustgewebe. Das Ergebnis der Untersuchung teilt mir mein Arzt sofort mit.
Die Magnetresonanztomografie auch MRT genannt wird bei speziellen Fragestellungen oder bei Vorliegen eines familiären Risikos durchgeführt.
Ich liege in Bauchlage auf einer speziellen Liege und werde in eine relativ enge Röhre des Magnettomografen gefahren. Während der 40 Minuten dauernden zum Teil lauten Untersuchung wird ein Kontrastmittel in die Armvene gespritzt. Das Gerät ist in der Lage kleinste Tumore aufzuzeigen. Das Problem dabei kann sein, dass manchmal gutartige Veränderungen Kontrastmittel aufnehmen und als tumorverdächtig beurteilt werden. Um dieses Risiko einzuschränken, ist es ratsam, die Untersuchung während eines bestimmten Zeitpunktes im Menstruationszyklus (7. bis 14. Zyklustag) durchzuführen.
Die Stanzbiopsie: Der Arzt stellt anhand eines Ultraschalls eine Anomalie fest. Mit einem Stanzgerät wird unter Ultraschallsicht eine Stanznadel mit hoher Geschwindigkeit durch den Tumor "geschossen" und eine Gewebeprobe entnommen. Dies dauert einige Minuten und wird unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Die Auswertung der Gewebeprobe unter dem Mikroskop ermöglicht ein eindeutiges Ergebnis. Das Ergebnis erhalte ich am darauffolgenden Tag bei einem Gespräch mit meinem Arzt.
Es gibt 3 Arten Mammotome-Biopsien:
- Falls eine Veränderung nur im Röntgenbild sichtbar ist (Mikroverkalkungen), kann eine Gewebeprobe mit Computerunterstützung mit dem stereotaktischen Mammotome (ST) entnommen werden.
- Ist eine grössere Gewebeprobe unter ultraschallsicht notwendig ist, kommt der „Mammotome hand-held" im Einsatz.
- Veränderungen, welche nur mit Magnetresonanztomografie zur Sicht kommen, werden mit dem „Mammotome MRT" entfernt.
Für die 3 Methoden wird unter örtlicher Betäubung ein 5 mm kleiner Schnitt in die Haut gemacht. Die Mammotomenadel wird eingeführt, so dass ihre Öffnung sich neben der Veränderung befindet. Das Gewebe wird dann angesogen, geschinitten und Stück für Stück entfernt. Die Nadel des Mammotomes ist etwas dicker als die Nadel der Stanzbiopsie, dreht sich um die eigene Achse und schneidet dabei mehrere Gewebeproben auf. Am Ende des Eingriffes wird kontrolliert, ob die Veränderung entfernt wurde. Die Auswertung der Gewebeprobe unter dem Mikroskop ermöglicht ein sicheres und eindeutiges Ergebnis. Das Ergebnis erhalte ich innert zwei Tagen bei einem Gespräch mit meinem Arzt. „Bis zur Erfindung des Mammotomes haben wir die Patientinnen in Vollnarkose operiert und der Schnitt in der Brust war mehrere Zentimeter gross. Heutzutage dauert der Eingriff eine halbe Stunde und die Patientin kehrt sofort nach hause zurück" so Frau Dr. med. Catherine Leuch.
Die Diagnose „Krebs" löst bei vielen Frauen einen Schock aus. Am Liebsten möchte man gleich alles sofort hinter sich bringen. Halt! Es lohnt sich, einen kühlen Kopf zu bewahren und sich die notwendige Zeit für eine zweite Meinung zu nehmen. Am Besten lasse ich mich von einem Brustkrebsspezialisten beraten, der mir die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten aufzeigt. Einige Ärzte operieren, ohne die erforderliche Erfahrung zu haben. Eine zweite Meinung kann eine unnötige Operation und einen Misserfolg verhindern. Ich habe das Recht, überall in der Schweiz bei einem Spezialisten meiner Wahl eine zweite Meinung einzuholen. Diese Beratung wird mir auch von der Krankenkasse zurückerstattet.
Wie viel Zeit habe ich für eine Zweitmeinung? „Sie haben zwei bis drei Wochen Zeit, sich darum zu kümmern, ohne dass die Chancen auf Heilung beeinträchtigt werden. Ein Tumor entwickelt sich nicht von heute auf morgen sondern allmählich im Laufe mehrerer Monate und Jahre. Er wird sich nicht in den nächsten Tagen massiv verschlimmern. Eine zweite Meinung kann sehr nützlich sein und bedeutet nie einen Zeitverlust für die Behandlung“ so PD Dr. med. Gilles Berclaz vom Brustzentrum Bern.
Kommt eine Zweitmeinung bei meinem behandelnden Arzt schlecht an? Ein guter Arzt wird meinen Entscheid unterstützen, denn es geht um mein Leben. Ich muss überzeugt sein, dass der Therapieschritt für mich richtig ist. Eine zweite Meinung einzuholen, ist das Standardprozedere vor jeder Operation. Die Unterlagen werden meist per Fax angefordert oder man kann auch selbst beim Sekretariat des Arztes Fotokopien seines Dossiers anfordern (eine medizinische Akte wird nie per Post verschickt). Mein Arzt ist dazu verpflichtet, mir eine Kopie von meiner Akte zu geben, oder sie an den Arzt meiner Wahl weiterzuleiten. Entweder bestätigt die Zweitmeinung die Diagnose und das Vorgehen meines ersten Arztes, oder, wenn dies nicht der Fall sein sollte, wende ich mich besser an einen kompetenten Fachspezialisten.
Welche Krebsarten gibt es?
Die Diagnose ist gestellt! Der Krebs hat sich in meiner Brust eingenistet und fühlt sich als ungebetener Gast bei mir wie zu Hause.
Es gibt zwei Arten von Krebs?
Krebszellen tauchen in den Milchgängen der Brustdrüsen auf. Bleiben die Krebszellen innerhalb der Gänge, wird der Krebs „in situ" genannt. Es besteht kein Risiko auf Metastasenbildung (Krebsableger, die in anderen Körperorganen entstehen.)
Behandlung: Man entfernt den Tumor mithilfe eines Skalpells unter Beibehaltung der Brust (brusterhaltende Operation). Ein guter Spezialist ist in der Lage, die Größe der Brust so zu formen, dass später keine Schönheitsoperation notwendig ist. Die anschließende Strahlentherapie dient der Verhinderung eines erneuten Auftretens von Krebszellen in der restlichen Brust. Je nach Lage und Größe des Tumors muss manchmal die ganze Brust entfernt werden. Nach der Behandlung werden beide Brüste jedes Jahr kontrolliert.
Ich kann aufatmen und bin erleichtert, denn man hat rechtzeitig gehandelt. Die Heilungschancen liegen bei fast 100% und eine Chemotherapie ist nicht nötig. Wenn man aber nicht rechtzeitig handelt, entwickelt sich aus einer Präkanzerose ein invasiv wachsendes Karzinom.
Das ist der eigentliche Brustkrebs. Die bösartigen Krebszellen, die sich in den Milchgängen der Brustdrüse gebildet haben, sind in das umliegende Gewebe eingebrochen. Sie durchwuchern die Brust und geraten in die Achsellymphknoten. Von da aus gelangen sie in den ganzen Körper und bilden Tumore in den Knochen, der Lunge, der Leber oder dem Hirn. Diese Krebsableger heißen Metastasen. Es ist aber sehr selten, dass man zum Zeitpunkt der Diagnose schon Metastasen hat. Sie treten erst mehrere Jahre danach auf. Die medikamentöse Nachbehandlung (Chemotherapie, Hormontherapie) vermindert das Risiko einer Verbreitung von Krebszellen.
Die Behandlung: Operation (wenn immer möglich brusterhaltend), Strahlentherapie und/oder eine medikamentöse Behandlung sind notwendig. Je nach Alter, Gesundheitszustand, Ausweitung und Aggressivität des Tumors wird die Behandlung individuell zugeschnitten. Die Heilungschancen liegen bei 80%, sogar bei 90%, wenn der Brustkrebs frühzeitig diagnostiziert wird.
Im Forum:
- Diagnose mit MRI
- Wann werden Mikroverkalkungen abgeklärt?