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It sounds like you don’t know anything! Why even tell me the story?
Manche Fragen sind ganz einfach zu beantworten. Andere können einen Menschen zur Verzweiflung bringen. «Was ist der Sinn des Lebens?» ist eine solche Frage. In «A Serious Man» von Joel Coen und Ethan Coen steht die Frage im Zentrum, ob die Katze tot ist oder nicht. Die Antwort auf diese und andere Fragen will ein jüdischer Physik-Professor erfahren, dessen beschauliches Leben am auseinanderfallen ist. Die schwarze Komödie über die Zufälligkeit des Lebens ist phänomenal.
«A Serious Man» beginnt mit einer kurzen Volkssage über ein jüdisches Ehepaar in einem polnischen Schtetl. Der Mann (Allen Lewis Rickman) kommt vom Markt nach Hause und erzählt seiner Frau (Yelena Shmulenson), dass ihm unterwegs Reb Groshkover (Fyvush Finkel) nach einer Panne geholfen hat. Die Frau ist entsetzt. Reb Groshkover sei vor drei Jahren an Typhus gestorben. Das muss ein Dibbuk gewesen sein, die Seele des Verstorbenen auf der Suche nach einem neuen Körper. Da klopft es an der Tür. Der Mann hat den Helfer zum Abendessen eingeladen. Als Reb Groshkover keine Suppe will, ist die Frau überzeugt, dass es sich um einen Dibbuk handelt und ersticht ihn. Die Moral von dieser Erzählung? Wer weiss…
Danach beginnt die Geschichte von Larry Gopnik (Michael Stuhlbarg), der mit seiner Familie irgendwo im Mittleren Westen der USA wohnt. Seine Frau Judith (Sari Lennick) will sich von ihm scheiden lassen, damit sie den Witwer Sy Ableman (Fred Melamed) heiraten kann. Die Tochter Sarah (Jessica McManus) kümmert sich vor allem um ihr Haar und ärgert sich, weil Onkel Arthur (Richard Kind) die ganze Zeit das Badezimmer besetzt, wo er seine Talgzysten entleert. Der Sohn Danny (Aaron Wolff) entwendet derweil Sarah das Geld, dass sie ihrem Vater aus dem Portemonnaie geklaut hat, weil er sich Marijuana gekauft hat und die Schulden begleichen muss.
Doch nicht nur die Familie trübt die Lebensfreude von Larry Gopnik. Der koreanische Student Clive (David Kang) beklagt sich bei ihm, weil er eine ungenügende Note erhalten hat. Er habe nicht gewusst, dass für die Prüfung neben Physik auch Mathematik erforderlich gewesen sei. Als der Student das Büro verlässt, liegt ein Couvert mit Geld auf dem Pult von Larry Gopnik. Auch die Nachbarn sorgen für Unruhe. Auf der einen Seite will Mr. Brandt (Peter Breitmayer) ein Bootshaus bis an oder vielleicht sogar über die Grundstücksgrenze bauen. Auf der anderen Seite legt sich Mrs. Samsky (Amy Landecker) nackt in die Sonne.
When the truth is found to be lies and all the joy within you dies, then what?
Das Leben von Larry Gopnik ist voller Herausforderungen und Versuchungen. Weil er keine Ahnung hat, wie er in diese Situationen gerät, ist er ein Mann auf der Suche nach Antworten. Doch die findet er sicher nicht beim Jung-Rabbi Scott (Simon Helberg), der von einem ungetrübten Blick auf den Parkplatz erzählt. Völlig aus der Fassung wird Larry aber von der Geschichte des Rabbi Nachtner (George Wyner) gebracht: Der Zahnarzt Lee Sussman (Michael Tezla) habe einmal im Gebiss eines Goi eine hebräische Inschrift gefunden. Was hat diese Nachricht für eine Bedeutung? Sussman kann es sich nicht erklären. Was ihm Rabbi Nachtner geraten habe, möchte Larry wissen. «Is it… relevant?». Ob das von Bedeutung sei, erkundigt sich Nachtner bei Larry.
Bei all seiner Suche vergisst Larry Gopnik völlig, das er als Physik-Professor sehr wohl die Antworten auf alle seine Fragen kennt. Schliesslich erklärt er seinen Studenten mit dem Beispiel der toten Katze das «Uncertainty Principle», die Heisenbergsche Unschärferelation: «It proves we can’t ever really know what’s going on. So it shouldn’t bother you. Not being able to figure anything out. Although you will be responsible for this on the mid-term.» Oder in den Worten von Sokrates: «Ich weiss, dass ich nichts weiss.» Aber an der Prüfung müssen sie das trotzdem wissen.
Diese Aussage von der Unkontrollierbarkeit des Lebens wird von den Regisseuren und Drehbuchautoren Joel und Ethan Coen auf ihre unnachahmliche Weise in eine überwältigende Geschichte verpackt. In «A Serious Man» mischen sie die düstere Verzweiflung aus «No Country for Old Men» mit dem absurden Humor aus «Burn After Reading». Aus dieser gewagten Kombination haben sie stilsicher ein geniales Meisterwerk entwickelt. Für die Figuren haben sie sich dieses Mal hauptsächlich ziemlich unbekannte Schauspieler ausgesucht, die überzeugend in ihre teilweise zurückhaltenden, teilweise aber auch leicht grotesken Rollen schlüpfen. In manchen Einstellungen von Kameramann Roger Deakins sorgt alleine schon die Mimik der Darsteller für Lacher.
Was ist nun genau die Botschaft des Films? Die kann nicht einmal von den Rabbinern oder Jefferson Airplane ergündet werden, sondern muss vermutlich von jedem Betrachter selbst entschlüsselt werden. Vermittelt wird sie aber auf alle Fälle mit ausserordentlich viel Humor. Wer allerdings die Aussage nicht versteht oder der Ansicht ist, dass sie der eigenen Lebenseinstellung wiederspricht, wird sich womöglich nicht besonders gut amüsieren. Aber das war bei den Filmen der Coens schon immer so.
Fazit: «A Serious Man» ist eine fantastische Tragikomödie mit perfekter Inszenierung, grandiosen Dialogen und überragenden Schauspielern.
Bewertung:
(Bilder: ©Ascot Elite)
Ein Kommentar to “«A Serious Man» von Joel und Ethan Coen”
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