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| Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)

Erste Rede
34.
Es entspräche also mehr der Gottesfurcht und der Wahrheit, Gott nach dem Sohne zu benennen und Vater zu heißen, als ihn bloß zu den Werken in Beziehung zu setzen und ihn unentstanden zu nennen. Denn diese Bezeichnung geben, wie gesagt, jedes einzelne Werk und alle Werke insgesamt, die nach dem Willen Gottes durch das Wort geworden sind. Die Benennung "Vater" aber hat nur in Beziehung auf den Sohn Geltung und beruht auf ihm. So groß aber der Abstand zwischen dem Worte und den geschaffenen [S. 67] Dingen ist, ebenso groß, ja noch größer ist der Unterschied zwischen dem Vaternamen Gottes und seiner Benennung als eines "Unentstandenen". Denn diese letztere Bezeichnung ist nicht schriftgemäß und ist verdächtig, weil deren Bedeutung eine mehrfache ist, so daß die Gedanken dessen, der danach gefragt wird, auf viele Möglichkeiten gelenkt werden. Der Ausdruck "Vater" aber ist einfach und schriftgemäß, kommt der Wahrheit näher und deutet nur auf den Sohn hin. Der Ausdruck "unentstanden" ist von den Heiden erfunden, die den Sohn nicht kennen; die Bezeichnung "Vater" aber wurde von unserm Herrn anerkannt und huldvoll mitgeteilt. Denn da er selbst wohl wußte, wessen Sohn er war, sagte er: "Ich bin im Vater und der Vater ist in mir"1 und: "Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen"2 und: "Ich und der Vater sind Eins"3, und nirgends hören wir ihn den Vater "unentstanden" nennen. Auch, als er uns beten lehrte, sprach er nicht: "Wenn ihr betet, sprechet: "Unentstandener Gott", sondern vielmehr: "Wenn ihr betet, sagt: Vater unser, der Du bist in dem Himmel"4. Und auch die Grundlage unseres Glaubens sollte nach seinem Willen mit diesem Namen im Zusammenhang stehen, indem er befahl, daß wir nicht auf den Namen des Unentstandenen und Entstandenen, noch auch auf den Namen des Schöpfers und des Geschöpfes getauft würden, sondern auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes5. Denn indem wir, die wir zu den geschaffenen Dingen gehören, in dieser Weise eingeweiht werden6, werden wir von da an zu Söhnen, und wenn wir den Vaternamen aussprechen, erkennen wir aus diesem Namen auch das Wort im Vater selbst. Es ist also bewiesen, daß auch ihr Versuch mit dem Schlagwort "unentstanden" ein [S. 68] eitler ist und nichts weiter als ein bloßes Phantasiegebilde.
1: Joh. 14,10.
2: Joh. 14,9.
3: Joh. 10,30.
4: Matth. 6,9.
5: Matth. 28,19.
6: d. h. indem wir durch die Taufe der Kirchengemeinschaft eingegliedert werden.