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Russlands eisbrechende Forschungsstation sollte bereits 2020 bereit sein, über arktische Gewässer zu treiben. Der Bau der 84 Meter langen und 22,5 Meter breiten Anlage, mit dem Ende Dezember 2018 offiziell begonnen wurde, sollte ursprünglich innerhalb von zwei Jahren abgeschlossen sein. Das Schiff mit dem Namen «Severny Polyus» wird das weltweit erste Schiff seiner Art sein. Der russische meteorologische Dienst Roshydromet sagt, dass es für seine wissenschaftlichen Aktivitäten in der sich rasch verändernden arktischen Region von größter Bedeutung sein wird.
Doch der ehrgeizige Zeitplan kann nicht eingehalten werden. Nach Angaben der Zeitung Kommersant wird die «Severny Polyus» frühestens 2022 fertig sein. Und das Projekt wird weitaus teurer werden als geplant. Die Anlage hatte ursprünglich ein Budget von 6,97 Milliarden Rubel (90 Millionen Euro), aber Quellen sagen nun, dass die tatsächliche Summe bis zu 2,5 Milliarden Rubel (32 Millionen Euro) höher sein wird.
Technische Probleme
Als Grund für die Verzögerung wird eine Reihe von substantiellen Upgrades des Projekts genannt, die vom Projekteigentümer Roshydromet gefordert wurden. Zu diesen Nachrüstungen gehört auch eine Erhöhung der Tragfähigkeit des Schiffes.
Die projektierte «Severny Polyus» hatte ursprünglich eine Tragfähigkeit von 10.390 Tonnen und eine Motorleistung, die es ihr ermöglichen würde, sich mit einer Geschwindigkeit von 10 Knoten durch leichtes Eis zu bewegen.
Darüber hinaus sind die Projektentwickler auf große technische Herausforderungen gestoßen. Vertreter der russischen United Shipbuilding Corporation bestätigen gegenüber der Zeitung Kommersant, dass es Schwierigkeiten im Zusammenhang mit dem Treibstoffsystem des Schiffes gibt, das bis zu zwei Jahre autonomen Betrieb in entlegenen Gewässern ermöglichen soll. Eine solche Installation sei noch nie zuvor gebaut worden, betonen die Entwickler. Sie weisen auch auf technische Herausforderungen im Zusammenhang mit den Kühlsystemen und dem Antriebssystem hin. Die «Severny Polyus» wird über eine Besatzung von 14 Personen und Teams von bis zu 34 Forschern verfügen.
Arktische Forschung hat Tradition
„Seit 1937 wurden insgesamt 40 Expeditionen durchgeführt, aber aufgrund der globalen Erwärmung und des Abschmelzens des Eises Anfang der 2000er Jahre waren wir gezwungen, das Programm zu stoppen“, sagte Institutsdirektor Aleksandr Makarov bei der Zeremonie. „Der Bau einer selbstfahrenden eisgeschützten Plattform ermöglicht es uns, die wichtigen Studien über den Arktischen Ozean im arktischen Eis fortzusetzen“, betonte er.
Nach Angaben des Forschungsdirektors wird die Plattform für geologische, akustische, geophysikalische und Meeresstudien genutzt werden. Bis zu 70 Prozent aller Informationen über die arktischen Gebiete werden heute von Russland bereitgestellt, machte Makarow bei der Zeremonie in der Admiralitätswerft deutlich.
Die «Severny Polyus» wird sich selbständig ihren Weg durch das Eis bahnen können. Aber sie hat nicht die Fähigkeit, das Eis zu brechen, betont Makarow. Es ist die Fähigkeit der Plattform, es den Forschern zu ermöglichen, über lange Zeiträume im Eis zu leben.
Forschung seit 1937
Die Sowjetunion und später Russland verfügt seit 1937 über schwimmende Forschungsstationen in der Arktis, mit einer Unterbrechung in den Jahren 1991-2003.
In den letzten Jahren wurde die Forschungsstation normalerweise im September-Oktober auf einer Eisscholle errichtet, und etwa zwei Dutzend Wissenschaftler verbrachten dort den Winter, um Klima und Wetterbedingungen zu messen. In den letzten Jahren ist es immer schwieriger geworden, Eisschollen zu finden, die fest genug sind, um eine Station zu halten.
Die letzte „richtige“ Eisstation, «Nordpol-40», wurde im Oktober 2012 errichtet und musste im Mai 2013 evakuiert werden, weil die Eisscholle, auf der die Basis stand, zu brechen begann. Die 16 Wissenschaftler, die den Winter auf der Scholle verbracht hatten, mussten von einem nuklearbetriebenen Eisbrecher aus Murmansk gerettet werden.
Icecamp Barneo
Russen haben auch die privat geführte Eisbasis «Barneo» betrieben. Seit 2002 wird die Basis auf Eisschollen in der Nähe des Nordpols gebaut. Doch in den letzten Jahren haben die zunehmend instabilen Eisverhältnisse die Entwickler der Basis beunruhigt. Im Jahr 2018 mussten die Camper auf «Barneo» bereits 12 Tage nach der Eröffnung der Basis packen und diese wegen des aufbrechenden Eises verlassen.
Im Jahr 2019 wurde die Saison für das Barneo-Camp noch vor ihrem Beginn abgebrochen, nachdem die von der Ukraine betriebenen An-74-Flugzeuge keine Genehmigung für den Flug in die hohe Arktis erhalten hatten. Im Jahr 2020 wurde der Aufbau des Camps nach den weltweiten COVIT-19 Vorfällen gar nicht aufgenommen.
Heiner Kubny, PolarJournal