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Die Enzler Reinigungen feiern in diesem Jahr ihr 75-jähriges Bestehen im Schweizer Markt. Wie kam es vor drei viertel Jahrhunderten zur Gründung des Unternehmens?
Karl Enzler: 1935 hatte mein Grossvater die Idee - wahrscheinlich aus der wirtschaftlichen Not heraus -, ein Reinigungsunternehmen zu gründen. Er kaufte ein Fahrrad, eine Leiter und Geräte, um Schaufenster zu reinigen. Damit fuhr er in der Stadt Zürich herum, von Laden zu Laden. Das Angebot stiess auf Interesse, bald schon wurde die Belegschaft ausgebaut, und man konnte sich weitere Fahrräder leisten. Das Angebot umfasste kurz darauf nicht nur die Fenster-, sondern auch die Baureinigung.
Dann kam es bereits wenige Jahre nach Firmengründung zu einem ersten Höhepunkt.
Enzler: Ja, 1939 wurde die Firma überraschend offizieller Reinigungsdienst an der Schweizerischen Landesausstellung in Zürich. Das brachte bereits nach vier Jahren einen markanten Wachstumsschub. Die Landi in Zürich war der erste Auftrag im Bereich der täglichen Unterhaltsreinigung. Obwohl mein Grossvater kurz darauf in den Aktivdienst eingezogen wurde, konnte die noch junge Firma weiter existieren und sich entwickeln.
Wie verlief die spätere Entwicklung?
Enzler: Ende der 50er-Jahre übernahm mein Vater die Führung der damals noch kleinen Firma und baute parallel dazu eine Kleiderreinigung und eine Hemdenwäscherei auf. Das Geschäft florierte, er brachte es bis auf zwölf Niederlassungen in der Stadt Zürich und Umgebung. Kleider- und Gebäudereinigung hatten jedoch nicht viele Gemeinsamkeiten. Nach rund 15 Jahren wurden die Kleiderreinigung und die Wäscherei an eine grössere Gruppe verkauft.
... und dann gab es wiederum einen Auftritt an der Landesausstellung.
Enzler: 1964 wurde unser Unternehmen erneut offizieller Reinigungsdienst an der Expo in Lausanne. Für damalige Verhältnisse war dies ein sehr grosser Auftrag, mitten in der Zeit des Baubooms und der Hochkonjunktur. Da es in diesen Boomjahren schwierig war, Personal zu finden, begannen immer mehr Firmen, ihre Reinigung auszulagern. Das Outsourcing begann schlagartig zu blühen.
Wann sind Sie ins Geschäft eingestiegen?
Enzler: 1993 habe ich die Geschäftsleitung von meinem Vater übernommen. Seither ist das Unternehmen kontinuierlich gewachsen. Wir konnten uns zudem geografisch wie auch im Angebot weiterentwickeln. Heute reinigen wir neben Büro- und Verkaufsflächen auch Spitäler, Reinräume, Nahrungsmittel- und Pharmaproduktionen, Hotels, Hallenbäder und Fitnesscenter.
Sie haben von neuer Strategie gesprochen. Welchen Weg wollen Sie mit Ihrem Unternehmen gehen?
Enzler: Letztes Jahr haben wir unsere Strategie neu definiert, und jetzt - im Jubiläumsjahr 2010 - beginnen wir mit der Umsetzung. Wir wollen Know-how-Leader im Bereich Hygieneservices werden. Die Reinigungsbranche entwickelt sich zur Facility-Services-Branche. Wir wollen nicht den gleichen Weg gehen wie alle anderen. Als Hygieneservice-Anbieter wollen wir die Hygiene nicht nur verbessern, sprich reinigen, sondern Hygiene auch wissenschaftlich messen, verstehen, überprüfen, validieren und monitoren. Wir wollen für den Bereich Hygieneservices Ausbildungskonzepte erstellen und unsere Kunden auf diesem Gebiet kompetent beraten.
Was sind die Konsequenzen aus dieser Neuausrichtung?
Enzler: Dies bedeutet eine Konzentration auf anspruchsvolle Reinigungsarbeiten. Wir wollen verstehen, wie man Keimverschleppung verhindern kann, mit welchen Produkten und Techniken man in der Nahrungs- und Pharmaproduktion am besten reinigt, wie sich Oberflächen gegenüber Desinfektionsmitteln verhalten oder welche Oberflächen hygienischer sind als andere.
Welche Erwartungen haben Sie bezüglich der neuen Strategie?
Enzler: Am Anfang erwarte ich, dass wir unsere Dienstleistungen gegenüber bestehenden Kunden wie bisher optimal erbringen. Unser Unternehmen ist für diesen strategischen Schritt gut positioniert, da Qualitätsarbeit schon immer unsere oberste Maxime war und wir uns seit einigen Jahren zum Ziel gesetzt haben, die besten Leute der Reinigungsbranche zu beschäftigen. Ich bin überzeugt, dass eine höhere Wertschöpfung durch spezialisierte Reinigungsaufgaben und Hygienedienstleistungen erreichbar ist. Die Anforderungen an die Reinigungstätigkeiten werden dadurch anspruchsvoller.
Wie wollen Sie diese Strategie umsetzen?
Enzler: Wir bauen in Pratteln für die ganze Enzler-Gruppe ein neues Kompetenzzentrum «Hygiene» mit einem eigenen Labor. Wir beschäftigen promovierte Spezialisten aus den Bereichen Mikrobiologie, Chemie, Lebensmittel- und Werkstofftechnologie. Wir erarbeiten Hygieneangebote, die weit über die Reinigung hinausgehen. Diese Angebote umfassen Messungen, Beratung, Monitoring, Ausbildung etc. Wir bilden unser Kader und unsere Mitarbeiter vermehrt im Bereich der anspruchsvollen Hygieneservices und auf Spezialgebieten wie Reinräume, Produktionsanlagen und Wasserversorgung aus.
Was verstehen Sie unter dem Begriff «Hygiene beraten»?
Enzler: Wir wollen die Hygienebedürfnisse unserer Kunden und ihrer Branchen detailliert kennen und verstehen. Daraus leiten wir ein Konzept für Hygienezonen ab. In jeder Zone werden genaue Reinigungstätigkeiten und Reinigungsmittel definiert. Jeder Mitarbeiter erhält eine zonenkonforme Ausbildung und muss für die jeweilige Hygienezone qualifiziert sein. Ein Spital oder ein Hotel hat verschiedene Hygienezonen. Nur mit einem durchdachten Konzept kann man einen optimalen Hygienestandard erreichen.
Geht es dabei um ein spezielles Geschäftsmodell oder um generell einzuhaltende Normen?
Enzler: Es geht um beides: Wir wollen als Know-how-Leader im Hygienemarkt wahrgenommen werden. Dabei halten wir uns an die standardisierten Hygienenormen wie zum Beispiel die GMP-Vorgaben, die Standardnorm in Pharma- und Biotechnologiebereich. Wir wollen die GMP-Vorgaben auch in der Spitalreinigung einhalten, das heisst, Zonenkonzepte mit Hygieneplänen schaffen, Hygienestandards und Monitoring der Zonen durchführen. In anderen Bereichen wie der Hotelbranche oder in der Wasserversorgung können Normen auch angepasst und angewendet werden. Dies wollen wir positiv beeinflussen und neue Standards anregen und helfen, diese zu definieren und auch zu realisieren. Dafür haben wir mehrere Fachspezialisten engagiert.
Was dürfen die Kunden dabei erwarten?
Enzler: Enzler Reinigungen gilt als verlässlicher Partner mit hoher Kontinuität bei den Mitarbeitern. Ausserdem gehört die Marke Enzler zu den bekannteren Namen in der Reinigungsbranche. Wir haben ein gutes Ansehen bei den Lieferanten und anerkannte Sozialkompetenz bei der Paritätischen Kommission und bei den Gewerkschaften. Dieses Image ist für uns auch Verpflichtung.
Sie haben auch einen neuen Auftritt realisiert. Was steckt alles dahinter?
Enzler: Mit dem neuen Logo und dem neuen Claim «Enzler - Unternehmen Sauberkeit» wollen wir unseren Wechsel vom Gebäudedienstleister in Richtung Hygienedienstleister unterstreichen. Der neue Auftritt soll auch eine Signalwirkung haben, dass wir uns neu definiert haben. Als 75-jähriges Unternehmen ist man auch der Vergangenheit verpflichtet; so haben wir Elemente aus der Urform unseres Firmensignets übernommen.
Welche wirtschaftlichen Erwartungen haben Sie für dieses Jahr?
Enzler: Im letzten Jahr konnten wir unseren Umsatz um mehr als 10% steigern. Auch 2010 erwarten wir ein gleichbleibendes Wachstum. Ein noch grösseres Wachstum wollen wir eigentlich gar nicht. Mehr Umsatz bedeutet in unserer Branche auch immer mehr Mitarbeiter und mehr Kaderleute. Um die besten Leute der Branche zu beschäftigen und sie entsprechend auszubilden, können wir ein übermässiges Wachstum bei gleicher Qualität nur schwer verkraften.