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- Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma hat bei Julius Bär schwere Mängel in der Geldwäschereibekämpfung festgestellt.
- Das Fehlverhalten steht im Zusammenhang mit den mutmasslichen Korruptionsfällen rund um den Ölkonzern PDVSA und den Fussballverband Fifa, wie es in einer Mitteilung der Behörde heisst.
- Die Bank wird angewiesen, wirkungsvolle Massnahmen zu ergreifen. Ausserdem ist es Julius Bär vorläufig untersagt, grosse und komplexe Firmenakquisitionen durchzuführen.
Die Bank müsse zudem Prozesse bei der Rekrutierung und beim Management von Kundenberatern anpassen. Ausserdem soll sie in der Vergütungs- und Sanktionspolitik aktiv werden – und im Verwaltungsrat den Fokus auf die Geldwäschereibekämpfung erhöhen.
Bis zur Wiederherstellung des ordnungsgemässen Zustandes ist es der Bank untersagt, grosse und komplexe Firmenakquisitionen durchzuführen. Die Finma wird die Umsetzung der Massnahmen von einem unabhängigen Beauftragten überprüfen lassen.
Stellungnahme von Julius Bär
Wie Julius Bär mitteilt, anerkennt die Bank grundsätzlich die Schlussfolgerungen im Zusammenhang mit Mängeln in der Geldwäschereibekämpfung im Lateinamerika-Geschäft. Man habe man mit der Finma umfassend kooperiert und bereits im Verlauf der Untersuchung umfassende operationelle, organisatorische und personelle Massnahmen ergriffen und damit die Compliance- und Risikokultur innerhalb der Gruppe verstärkt.
Die Bank habe dabei unter einer neuen Führung die Strategie angepasst. Künftig werde der Fokus vom Neugeld-Wachstum auf nachhaltige Gewinnentwicklung verlagert. Die Region Lateinamerika sei zudem seit Dezember 2017 unter neuer Leitung, und sämtliche Schlüsselpositionen seien neu besetzt worden. Das lokale Geschäft in Panama und Venezuela wurde gar ganz geschlossen.
Verhaftung eines Kundenberaters in den USA
Im Zusammenhang mit den mutmasslichen Korruptionsfällen rund um den staatlichen venezolanischen Ölkonzern Petróleos de Venezuela S.A. (PDVSA) sowie den internationalen Fussballverband Fifa hat die Finma bei mehreren Schweizer Banken abgeklärt, ob die Regeln zur Geldwäschereibekämpfung eingehalten worden sind.
In diesem Zusammenhang setzte sie bei der Julius Bär 2017 einen Untersuchungsbeauftragten ein. 2018 hat die Finma den Untersuchungsgegenstand nach der Verhaftung eines Kundenberaters der Bank in den USA ausgeweitet und vertieft.
Massive Verstösse der Bank Bär
Das nun abgeschlossene Verfahren habe ergeben, dass Julius Bär die Pflichten in der Geldwäschereibekämpfung sowie die Anforderungen an ein angemessenes Risikomanagement verletzt hat, so die Finma.
Ihr Sprecher Tobias Lux sagt: «Es geht nicht nur um einzelne Mitarbeiter. Das Geldwäscherei-Dispositiv insgesamt und das Risikomanagement sind nicht genügend umgesetzt worden.»
Das ganze System war marode
Die auf Compliance-Fragen im Finanzsektor spezialisierte Anwältin Monika Roth doppelt nach: «Es ist nicht ein Versagen in einem Einzelfall. Das ganze System war marode – und zwar vom Kopf her.» Die Bank Bär habe sich benommen wie in den 1990er-Jahren, als im Schweizer Finanzsektor noch wenig reguliert war.
Einen wichtigen Grund für die Vorkommnisse sieht Roth in falschen Anreizsystemen bei Julius Bär: «Man hat die Zahlen belohnt, ohne zu fragen, wie sie zustande gekommen sind.» Man belohne jene, welche gegen die Regeln verstossen. Deshalb sei es richtig, dass Julius Bär jetzt mit harten Sanktionen der Finma bestraft werde und das Risikomanagement sowie die Lohn- und Bonipolitik anpassen müsse.
Einschätzung von SRF-Wirtschaftsredaktorin Denise Joder
Die Rüge der Finanzmarktaufsicht Finma wiegt schwer. Denn es geht hier nicht um ein Einzelversagen, sondern um ein systematisches Versagen bei der Geldwäschereibekämpfung – und das während Jahren. Ein Versagen in diesem Ausmass war nur möglich, wenn in den Führungsetagen der Bank die Kontrollen versagt haben oder bewusst weggeschaut wurde. Die Finma prüft nun, ob sie gegen einzelne Personen ein Verfahren einleiten will. Ausserdem führten offenbar Fehlanreize in der Bank zu einem laschen Umgang mit Geldwäschereivorschriften. Die Finma hat deshalb gefordert, dass die Bank unter anderem Prozesse in der Vergütungs- und Sanktionspolitik anpassen muss. Dass die Vergütungspolitik immer noch so ausgestaltet ist, dass sie Geldwäscherei anscheinend fördert statt verhindert, spricht Bände. Die Bank hat zwar bereits Massnahmen ergriffen, um die Risikokultur im Unternehmen zu verbessern, doch die Rüge der Finma dürfte die Bank noch länger beschäftigen.