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Campus
Welche Zürcher Kantonsschule kann von sich behaupten, auf den mittelalterlichen Fundamenten einer ehemaligen Johanniterkomturei errichtet und zugleich stolze Besitzerin eines eigenen Rebbergs zu sein? Damit dürfte diese Schulanlage auch im Vergleich mit anderen Kantonen eine einzigartige Stellung einnehmen. Sie widerspiegelt mit ihren Bauten praktisch nahtlos die Architekturgeschichte vom 14. Jahrhundert bis in die Gegenwart und trägt viel bei zur Vielfalt und Lebendigkeit dieser Schule.
Das Johanniterhaus ist ein stattlicher Gebäudekomplex, dessen Kern aus dem Mittelalter stammt und ursprünglich eine Komturei der Bubiker Johanniter war. Nach der Reformation residierte hier der Amtmann der Stadt Zürich, bevor 1834 das erste Lehrerseminar des Kantons Zürich einzog. Im Zuge dieser Neunutzung wurden im 19. Jahrhundert umfassende Umbauten durchgeführt, und in dieser Gestalt präsentiert sich das Gebäude bis auf kleinere Eingriffe heute noch. Im Innern wurden allerdings in mehreren Etappen wesentliche Veränderungen vorgenommen, so dass von der alten Bausubstanz nicht mehr viel zu sehen ist. Im Haupttrakt befinden sich Unterrichtsräume für das Untergymnasium, ferner Fachzimmer für Musik und Informatik, das Lehrerzimmer samt Lehrerarbeitsräumen sowie die Büros die Schulverwaltung. Im Nebenflügel sind über dem Singsaal die Räumlichkeiten für die Fachbereiche Chemie, Physik und Instrumentalunterricht untergebracht.
Kein Geringerer als Otto Weber, Staatsbauinspektor und Schüler von Gottfried Semper am Polytechnikum Zürich, wurde 1878 mit der Aufgabe betraut, am Seminar Küsnacht eine Turnhalle zu errichten – nota bene die erste im Kanton. Dieser Prototyp erfüllte seine Aufgabe fast bis zum Ende des 20. Jahrhunderts, obwohl Grösse und Ausstattung längst nicht mehr den Normen des Sportunterrichts genügten. Dank der Errichtung der Mehrzweckhalle im Heslibach durch die Gemeinde Küsnacht konnte die Schule den gesamten Sportunterricht nun dort konzentrieren, so dass die alte Turnhalle für die langersehnte Umnutzung in einen Schüleraufenthaltsbereich frei wurde, der sich auch als Verpflegungsraum und als Kulturraum für Theater, Konzerte oder Schulfeste bestens bewährt.
Der Kantonsrat bewilligt 1894 einen Kredit von Fr. 90`000, um ein Gebäude für "Musik, Zeichnen und physikalische Beobachtungen" zu errichten. Das „untere Schulhaus“ wird 1895 gebaut. Die „italienische Villa“ im Jugendstil dient der Schule seither als „Musentempel“. Hier sind die Fachschaften Bildnerisches Gestalten, Werken, Musik und Sologesang untergebracht. Das Gebäude wurde 1989 einer umfassenden Renovation unterzogen. Dabei wurde die Inneneinrichtung des grossen Zeichensaales im ersten Stock unter denkmalpflegerischen Auflagen aufwändig restauriert. Von der Dachterrasse der Villa geniesst man einen weiten Ausblick über die Schulanlage, den Küsnachter Dorfkern und das untere Seebecken bis hin zu den Alpen.
Der 1999 vom Erlenbacher Architekturbüro Bétrix und Consolascio erstellte Holz- und Glasbau besticht durch seine Einheit von Form und Inhalt. Auch wenn in dieser Mediothek die elektronischen Medien eine wichtige Rolle spielen, so führen architektonisch doch die Bücherregale Regie. Sie sind keine Möbel, sondern bilden die tragenden Elemente des Gebäudes, sie sind das Haus. Die räumliche Stimmung erinnert eher an klassische Bibliotheken, wie sie beispielsweise in Klöstern anzutreffen sind, als an konventionelle, meistens durch Regale verstellte Schulbibliotheken. Der lichte Innenraum macht erfahrbar, wie erholsam Vertiefung und Konzentration sein können. Beim Lesen oder Entspannen fällt der Blick durch die Bücherregale hinaus auf die vielfältige Umgebung des preisgekrönten Minergie-Baus.
Mit dem Bezug des Klassentrakts im August 2007 ging für die Kantonsschule Küsnacht das „Barackenzeitalter“ zu Ende. Der je nach Beleuchtung in grauen oder grünlichen Farbtönen schimmernde Bau setzt am südlichen Ende des Schulareals einen markanten Akzent, sodass im architektonischen Zusammenspiel mit Mediothek und Semihalle ein attraktiver Platz entstanden ist, der sich dank der grossen Freitreppe beim Haupteingang zu einem zentralen Treffpunkt der Schulanlage entwickelt hat. Im Innern überzeugt das Gebäude durch seine schlichte Architektur und den zumeist in Weiss und hellen Grautönen gehaltenen Materialien, zu denen die langen Holzwände entlang der Korridore und in den Klassenzimmern einen angenehm warmen Kontrast bilden. Die grossen Fenster der Klassenzimmer geben den Blick auf den grünen Rebberg frei. Der Instrumentalunterricht rückt dank der attraktiv situierten Musikzimmer ins Zentrum des pädagogischen Geschehens, was den musischen Charakter des Gymnasiums unterstreicht. In den dazwischenliegenden Korridornischen befinden sich Arbeitstische und Sitzbänke, die sich für individualisierende Unterrichtsformen bestens eignen.