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Das sieht man bei der Grossbank anders. Ein deutscher Rechtsanwalt, der die UBS Deutschland vertritt, dementiert die Vorwürfe in einem Schreiben an Mayers Anwalt vom 15. Dezember 2009 «aufs Schärfste».
Lebensabend in Zürich?
Dass Mayer seinen Lebensmittelpunkt nicht nach Zürich verlagern wollte, darauf weist einiges hin. Mayers krebskranke Frau rang mittlerweile um ihr Leben und verstarb 2007; und auch Mayer ging es zunehmend schlechter - bei ihm wurde ebenfalls Krebs festgestellt, zudem erlitt er in kurzen Abständen einen Herzinfarkt und einen Schlaganfall.
Die Mietwohnung auf dem Zürichberg, im Erdgeschoss eines älteren Mehrfamilienhauses, macht zwar einen soliden Eindruck - doch will ein Multimillionär mit Villa am idyllischen Tegernsee, wo sich ein abgestimmtes Team aus Pflegern, Ärzten, Therapeuten und Haushaltshilfen um das Ehepaar kümmerte, tatsächlich seinen Lebensabend in einer 91-m2-Wohnung in Zürich für 3000 Fr. pro Monat verbringen?Als Mayer selber schwer erkrankte, brachten die UBS-Banker das Thema Nachlassregelung erneut zur Sprache. Sie warben erneut für ihre Trust-Lösung und argumentierten Mayer zufolge unter anderem damit, dass keine Steuern anfallen würden. Ein weiterer fataler Irrtum, wie sich später herausstellen sollte. 2007 willigte der Senior ein, den Trust zu gründen, um, wie er selber sagt, damit seinen sechs Enkelkindern «den Einstieg ins Leben zu ermöglichen».Mit den Vehikeln hatte die UBS Mayer jedoch ungünstig beraten - ob wissentlich oder nicht, ist zum heutigen Zeitpunkt unklar. Der Trust, den die UBS konstruiert und Mayer verkaufte hatte, führte jedenfalls nicht zu einer Steuervermeidung. Vielmehr verlangte die Stiftung laut Mayers Anwalt in der gewählten Ausgestaltung als Irrevocable Trust eine Schenkungssteuer bei der Dotierung. Zudem falle bei den Erben jährlich eine Kapitalsteuer an, obwohl bis zu Mayers Ableben nichts ausbezahlt werden sollte.
Mayer gibt heute an, nichts von diesen folgenschweren Konsequenzen gewusst zu haben, als er den Trustvertrag der UBS-Banker unterschrieben hatte: «Ich dachte, dies sei eine gute Sache und vertraute ihnen.» Zudem sei er in dieser Zeit gesundheitlich schwer angeschlagen gewesen. «Wenn ihnen der Begriff Zombie etwas sagt, dann wissen sie, wie ich mich damals gefühlt habe.»Während Mayer sich auf die Nachfolgeregelung fokussierte, wurde sein Kundenberater Henning nach Zürich geholt. Dort hatte eben erst die Credit Suisse das ganze Mexiko-Team der UBS Zürich abgeworben. Die Grossbank stand über Nacht in diesem Bereich ohne Personal da und brauchte rasch frische Berater. UBS-interne Quellen besagen, dass Henning mehr Geld sowie eine Beförderung für den Wechsel nach Zürich offeriert worden war. Trotz seinem Wechsel blieb Henning weiter für Mayer zuständig.
Derweilen zogen über Mayers Konti in Hamburg dunkle Wolken auf. Zwar hätte Mayer zufolge neben der hohen Risikostrategie die Aktienquote tief gehalten werden sollen. Jedoch wurden nach der DBLA-Übernahme durch die UBS die Aktienbestände in Mayers Portefeuille kontinuierlich nach oben geschraubt. Unterjährig erzielte er gar eine Aktienquote von 80%, wie Bankauszüge zwischen 2005 und 2008 beweisen. War Henning mit der Aufgabe überfordert? Oder wollte er zusammen mit seinen Kollegen im ganz grossen Stil investieren?
Risikoreiche Optionsgeschäfte
Auch bei Optionsgeschäften legten die Banker ihre Zurückhaltung ab. Zwar hatte Mayer angegeben, risikoreichen Anlagen gegenüber nicht abgeneigt zu sein. Doch Schwankungen in solchen Ausmassen überstiegen auch sein Vorstellungsvermögen: In den ersten fünf Monaten 2008 lag sein Konto zwischen unfassbaren 37 und 248 Mio Euro im Minus, wie aus Bankbelegen hervorgeht. Im Frühsommer kommt es zwar zu einer leichten Erholung, Mayer erzielt im Juli sogar wieder einen Gewinn. Doch das war nur die Ruhe vor dem Sturm.
Im Herbst 2008 liefen die Optionstransaktionen endgültig aus dem Ruder. Die US-amerikanische Investmentbank Lehman Brothers bricht am 15. September zusammen, auf den Finanzmärkten herrschte Chaos - auch in Mayers Portefeuille war der Teufel los. Die UBS versandte in Panik «Margin Call Letters», mit denen sie Mayer aufforderte, als Sicherheit frisches Geld einzuschiessen. 12 Mio Euro sollten es gemäss UBS sein. Die Frist wurde auf zwölf Tage angesetzt.
Nach zehn Tagen jedoch unterlief die UBS die Frist überraschend; die Banker in Zürich nahmen den Hamburgern das Steuer aus der Hand und veranlassten eine Zwangsexekution von Teilen aus Mayers Depot - offene Positionen wurden verkauft. «Unter anderem hat die UBS Aktien im Namen meines Mandanten verkauft, die er gar nicht im Depot hatte», sagt Mayers Rechtsanwalt. Im Anschluss musste die Grossbank dieselben Aktien zu einem höheren Wert zurückkaufen - Meyer habe dadurch einen Verlust von rund 7 Mio Euro erlitten, so sein Rechtsanwalt.
Das Debakel hatte Folgen für Mayers Kundenberater Henning: Die UBS stellte ihn laut gut informierten Kreisen zum Jahreswechsel 2008/09 frei und verpasste ihm angeblich ein Redeverbot. Im Februar 2009 suchte sich Mayer, von dem die UBS zwischen 6 und 8 Mio Euro an Nachzahlungen forderte, einen Rechtsanwalt - er wollte im Gegenzug Schadenersatz von der Grossbank sehen, die seiner Ansicht nach Teile seines Vermögens buchstäblich verzockt hatte.
Doch die UBS zeigte kein Verständnis für den Kunden - und drehte den Spiess um: Via Rechtsanwalt liess sie im Herbst 2009 in einem Schreiben an Mayers Anwalt ausrichten, dass sich vielmehr «der Verdacht aufdränge», dass Mayer falsche Angaben zu seinem Wohnsitz gemacht habe. Die UBS Deutschland werde sich deshalb wegen dieser Angelegenheit direkt mit den Finanzbehörden in Verbindung setzen - und «eine entsprechende, gegen Herrn [Klaus Mayer] gerichtete Anzeige wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung erstatten». Was die UBS nicht wusste: In der Zwischenzeit hatte sich Mayer bereits beim deutschen Fiskus gemeldet und seine Steuererklärung «berichtigt».
Kunde meldete sich bei Grübel
Ersten Schätzungen zufolge muss Mayer, im schlimmsten Fall, bis zu 40 Mio Euro nachzahlen. Doch mit dem Gang zum Fiskus hat Mayer wieder volle Handlungsfreiheit: «Jetzt hat die UBS nichts mehr gegen mich in der Hand, womit sie mich unter Druck setzen könnte», bestätigt er.
Auf Anfrage nehmen die zuständigen deutschen Finanzbehörden keine Stellung. Informierte Kreise aber betonen, dass der Fiskus neben der Causa Mayer mit weiteren, ähnlichen Fällen beschäftigt sei. Mit anderen Worten: Es sieht ganz danach aus, als dass sich der deutsche Fiskus derzeit in Stellung bringt, um auf dem «American Way of Taxation» Geld für die Staatskasse einzutreiben.
Mayer, barsch vom Anwalt der UBS Deutschland abgewiesen, liess nicht locker. Am 26. Oktober 2009 sandte Mayers Rechtsanwalt ein Schreiben an UBS-CEO Oswald Grübel.
In der Betreffzeile heisst es unter anderem: «Parallelen zur Causa Olenicoff/Birkenfeld in Deutschland aufgetaucht; vorläufig geschätzter potenzieller Gesamtschaden nur in diesem Einzelfall von ca. 150 Mio Fr.». Grübel ignorierte das Schreiben erwartungsgemäss - der Brief landete schliesslich in der «Beschwerdeabteilung für Querulanten», wie es Mayers Anwalt formuliert.
Viel passierte danach nicht mehr. Zwar hat es die Causa Mayer dem Vernehmen nach bei der UBS mittlerweile von der Beschwerde- in die Rechtsabteilung geschafft. «Aber der Kontakt mit Zürich ist derzeit unterbrochen», sagt Mayers Anwalt.
Nun sollen neue Saiten aufgezogen werden. In dieser Woche lässt Mayer gemäss seinem Rechtsanwalt Strafanzeige in Frankfurt einreichen, in einem ersten Schritt gegen die UBS Deutschland AG - wegen Steuerhinterziehung, versuchter Nötigung, Betrug und Untreue. UBS-Berater Patrik Henning wird dann wohl als Zeuge vernommen werden. «Wir haben zudem die Absicht, Strafanzeige gegen die UBS AG mit Sitz in Zürich zu erstellen», ergänzt der Anwalt. Dann soll der Fall Mayer auch der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) und der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) vorgelegt werden.
Droht der UBS jetzt ein zweiter Fall Birkenfeld? Dieser UBS-Banker hatte im vergangenen Jahr vor Gericht, sekundiert von seinem reichen Klienten Igor Olenicoff, über die Machenschaften der UBS in den USA ausgepackt und die Grossbank damit in eine schwere Krise gestürzt.
In der Folge startete der amerikanische Rechtsstaat einen beispiellosen Feldzug gegen Steuersünder und läutete damit den Anfang vom Ende des Schweizer Bankgeheimnisses ein.