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Wie retten wir das Klima?
Mit technischen Mitteln ins Klima einzugreifen, wird als "Climate Engineering" bezeichnet. Es gibt grundsätzlich zwei Ansätze, um die globale Erwärmung technisch in den Griff zu bekommen. Der eine zielt darauf ab, die Erde zu kühlen, indem die Sonneneinstrahlung vermindert wird. Beim zweiten, dem Carbon Dioxide Removal (CDR), wird versucht, Kohlendioxid aus der Luft zu filtern und dauerhaft zu speichern. Beide Ansätze stecken weitgehend noch in den Kinderschuhen.
Wenn sich im Sommer dunkle Gewitterwolken zusammenballen, werden in ländlichen Gebieten manchmal mit Silberiodid gefüllte Hagelraketen in den Himmel gejagt. Die winzigen Salzkristalle sollen in den Wolken Wassertröpfchen binden und so dafür sorgen, dass sich statt grossen Hagelkörnern nur viele kleine Körner bilden, die auf Äckern und in Obstgärten keinen Schaden anrichten. Hagelraketen sind ein Versuch, das Wetter mithilfe von Technik zu manipulieren. Ihr Nutzen ist fraglich. Ein paar Nummern grösser und noch viel umstrittener sind Ansätze, die aufs Klima der ganzen Erde zielen.
Climaengineering-Ideen
Ein kühlender Schleier
Ohne die Sonne würde die Erde zum Eisklumpen, auf der es kein Leben gäbe. Doch auf einer Erde, die sich momentan zu stark erwärmt, würde auch etwas weniger Sonne genügen. Das sogenannte "Radiation Management" zielt darauf ab, einen Teil der Sonneneinstrahlung zurück ins Weltall zu lenken. So wie es die Schwefelpartikel in der Staubwolke taten, die nach dem Ausbruch des Vulkans Pinatubo 1991 den Himmel verschleierte und die Durchschnittstemperatur weltweit um ein halbes Grad Celsius senkte. Dasselbe könnte durch gezielt in der Stratosphäre ausgebrachte reflektierende metallische Partikel erreicht werden. Auch künstliche Wolken aus Salzwasserdunst oder im Weltall aufgespannte reflektierende Sonnensegel könnten Sonnenstrahlen abfangen.
CO2-Jäger
Eine der wichtigsten Ursachen des Klimawandels haben weitere Climate-Engineering-Methoden im Visier: die Konzentration des Treibhausgases Kohlendioxid in der Atmosphäre. Ein Ansatz zielt darauf, CO2 mithilfe von künstlichen Bäumen aus der Luft zu filtern und dann unterirdisch oder in der Tiefsee sicher zu lagern. Ein weiterer sieht vor, die Ozeane mit Eisen zu düngen, um das Wachstum von Algen zu fördern, die über die Fotosynthese Kohlendioxid binden können.
Kritiker sehen beide Ansätze skeptisch. Sie warnen davor, in ein so komplexes und noch weitgehend unverstandenes System wie das Klima einzugreifen. Denn das könnte völlig unvorhergesehene Auswirkungen haben und beispielsweise die Verteilung der Niederschläge oder das weltweite Windsystem mit fatalen Folgen durcheinanderbringen. Politiker befürchten, dass mächtige Staaten das Klima zu ihren Gunsten verändern könnten und ärmere Länder das Nachsehen hätten. Naturschutzorganisationen warnen davor, dass technische Lösungen die Menschen dazu verführen könnten, den Klimaschutz zu vernachlässigen. Für die Befürworter der Klimasteuerung hingegen gibt es keine Alternative: Denn derzeit sehe es kaum danach aus, als ob sich die Klimaziele ohne die Hilfe der Technik erreichen liessen.
Quelle: Technoscope 1/21: Klima. Technoscope ist das Technikmagazin der SATW für Jugendliche