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Das Web feiert und sein Erfinder macht sich Sorgen - Tim Berners-Lee findet kritische Worte zum 30-jährigen Jubiläum des WWW. Der Physiker gibt die Hoffnung aber nicht auf und bringt einen Vorschlag ins Spiel: Ein neuer Gesellschaftsvertrag soll das Web von der Macht der Tech-Konzerne befreien.
Das World Wide Web feiert sein 30-jähriges Bestehen. Im März 1989 entwarf Sir Tim Berners-Lee im Cern bei Genf ein internetbasiertes Hypertext-System zur Vernetzung von Websites und für den Zugriff auf Informationen. Im November 1990 veröffentlichten Berners-Lee und sein Kollege Robert Cailliau ein Konzept unter dem Titel: "WorldWideWeb: Proposal for a HyperText Project". Es ging um ein "Netzwerk von Informationsknoten, in dem der Benutzer nach Belieben navigieren kann". Kurz darauf kamen die ersten Webserver und Webbrowser auf. Das Web war geboren.
Berners-Lee feierte mit, als das Cern den 30-jährigen Geburtstag des Web am 12. März würdigte. Doch der Erfinder fand auch kritische Worte: Seine Erfindung hatte sich anders entwickelt, als er es sich erhofft hatte. In einem Brief, den Berners-Lee auf der Website der World Wide Web Foundation publizierte, erwähnt der Vater des Web zwar einige soziale Fortschritte, die das Web angestossen hat. Doch im gleichen Zug geht er auf die Schattenseiten ein: "Einerseits schuf das Internet neue Chancen, es gab marginalisierten Gruppen eine Stimme und vereinfachte unser tagtägliches Leben, andererseits bot es Betrügern neue Möglichkeiten des Missbrauchs, es gab auch jenen eine Stimme, die Hass verbreiten und es schuf neue Formen von Kriminalität."
Ein Aufruf zur Rettung des freien Webs
Der Erfinder des Webs kritisiert die Dominanz von Plattformen im Web. Diese würden "perverse Anreize schaffen, bei denen der Wert der Nutzer geopfert wird, etwa werbebasierte Geschäftsmodelle, die auf Clickbaiting setzen oder Fehlinformationen viral verbreiten".
Berners-Lee will seine Erfindung aus dem Griff der Technologieriesen befreien. Deswegen gründete er das Start-up Inrupt, das eine dezentrale Weblösung namens Solid baut. Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des Web machte sich Berners-Lee zudem stark für eine Art Gesellschaftsvertrag. Der "Contract for the Web" soll Grundsätze schaffen, um das "offene Web als öffentliches Gut und Grundrecht für jeden Menschen zu schützen". Warum es diesen Schutz braucht? Weil Technologiekonzerne wie Google, Apple, Facebook und Amazon das Web beherrschen.
Die Macht der Giganten
Google feierte kürzlich sein 20-jähriges Bestehen, Facebook sein 15-jähriges. Wie sehr diese beiden Riesen das Web und seine Nutzer beeinflussen, zeigt sich heute mehr denn je. Facebook war in den vergangenen Monaten wegen Datenmissbrauch in den Schlagzeilen: Das Unternehmen verkaufte heimlich Millionen von Nutzerdaten an rund 150 Unternehmen. Lesen Sie hier mehr dazu.
Das Beispiel zeigt, dass sich das Web durchaus problematisch entwickelte. Facebook entpuppte sich etwa als Datenkrake, welche die Privatsphäre seiner Nutzer missachtet. Das Unternehmen gelobt, sich zu bessern. Doch das Misstrauen bleibt. Auch in der Schweiz häufen sich die Bedenken, persönliche Daten ins Internet zu stellen. Mehr Skepsis gibt es gegenüber Social Media und Suchmaschinen – aber auch gegenüber dem Staat und Onlinezahlungsdiensten. Lesen Sie hier mehr dazu.
Der Vertrag für das Web - das sind die Grundsätze
Aber es gibt noch Hoffnung. Berners-Lee hält daran fest. Für ihn hat das Web den Zweck, Menschen zusammenzubringen und Wissen frei verfügbar zu machen, wie es im "Contract for the Web" heisst. Der Vertrag schlägt folgendes vor:
Regierungen sollen:
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sicherstellen, dass sich jeder Mensch mit dem Internet verbinden kann. Damit jeder Mensch, ungeachtet seiner Identität oder seines Wohnorts, aktiv am Online-Geschehen teilhaben kann.
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das gesamte Internet jederzeit verfügbar halten, damit keinem Menschen das Recht auf uneingeschränkten Zugang zum Internet verwehrt wird.
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das Grundrecht der Menschen auf Schutz ihrer Privatsphäre respektieren, damit jeder Mensch das Internet frei, sicher und ohne Angst nutzen kann.
Unternehmen sollen:
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das Internet für jeden Menschen erschwinglich und zugänglich machen, damit kein Mensch von der Nutzung und Gestaltung des Webs ausgeschlossen wird.
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die Privatsphäre und die persönlichen Daten der Verbraucher respektieren, damit die Menschen die Kontrolle über ihr Online-Leben behalten.
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Technologien entwickeln, die das menschlich Beste unterstützen und das Schlechteste bekämpfen. Damit das Web wirklich ein öffentliches Gut ist, das den Menschen an erste Stelle setzt.
Bürger sollen:
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Gestalter und Mitwirkende im Web sein, damit das Web für jeden Menschen umfangreiche und relevante Inhalte bereithält.
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starke Gemeinschaften bilden, die den gesellschaftlichen Diskurs und die Menschenwürde respektieren, damit sich jeder Mensch online sicher und willkommen fühlt.
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für das Web kämpfen, damit das Web offen und eine globale öffentliche Ressource für die Menschen bleibt – überall, heute und in Zukunft.