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… dass es auf Sizilien
… noch so gut erhaltene Tempel gibt.
Dieser Tempel von Segesta hat eine Grundfläche von 21 m x 56 m und weist 6 Säulen auf der Frontseite und 14 Säulen auf der Längsseite auf.
Der Tempel Segesta war im dorischen Baustil, in den Jahren 430 / 420 v. Chr. von den Elymern (griechisch stämmige Bevölkerungsgruppe) errichtet worden und steht im Nordwesten von Sizilien, in der Provinz Trapani, auf dem Monte Barbaro (410 müM). Der Tempel gehörte zur ehemaligen antiken Stadt Segesta, welche 100 m unterhalb vom Tempel stand. Einzelne Ruinenteile können noch besichtigt werden. König Aigestos (Sohn trojanischer Eltern, welche nach Sizilien geflohen waren) gründete Segesta und nannten die Stadt ursprünglichen Acesta (unkeusche Frau) oder Egesta (bittere Armut). Die Römer tauften die Stadt dann auf den heute geläufigen Namen Segesta um.
Der Tempel von Segesta ist einer der best erhaltenen griechischen Tempel von Sizilien , zum einen dank dem, dass er nie eingeweiht wurde (da nie fertig gestellt). Es war so, dass spätere Siedler nur geweihte Bauten zerstörten … Ungeweihtes durfte stehen bleiben. Zum anderen lag der Tempel zu abseits, um ihn als Steinbruch zu betreiben (Steinziegel zu fertigen und abzutransportieren)
Dass der Tempel nie fertig gestellt wurde zeigt sich daran, dass die Säulen immer noch mit einer dicken Schutzschicht ummantelt sind. Erst kurz vor der Bauvollendung wäre diese entfernt worden, um dann in die Säulen Kanneluren (Rillen) zu meisseln.
Ebenso beweisen diesen Stufen, dass der Tempel nie vollendet und eingeweiht worden ist. Denn bei diesen Stufenblöcke sind die eingelassenen Steinnasen, die sogenannten Bosse noch zu sehen. Diese hatten verhindert, dass die auf Schlitten transportierten Blöcke unerwünscht weggerutschten. Für die Hebearbeiten mit dem Kran konnten sie so besser fixiert und an Ort und Stelle platziert werden. Beim Aneinanderreihen der Steine wurden als erstes nur die seitlichen Bosse weggeschlagen. Die vorderen und hinteren Steinnasen wären erst kurz vor der Vollendung vom Bau abgeschlagen worden.
Ein Tempel hatte stets den gleichen Aufbau: Der Unterbau bestand aus einem unterirdisches Fundament (Stereobat mit mehreren quaderförmigen Steinschichten). Darauf kam die Krepis zu liegen. Das ist ein dreigliedriger Stufenbau mit eng aneinander liegenden Stufenblöcken. Der sich nach oben verjüngende Säulenschaft wurde direkt auf einen Stylobat / Toichobat gesetzt (nur bei ionischen und korinthischen Säulen wurde zusätzlich einen Basisockel eingeschoben).
Der Säulenkranz trug den wuchtigen Dachkomplex vom Tempel. Das Kapitel ruhte auf dem Säulenschaft und stützte mit einem flachen Abakus den Architrav (glatter Balken). Darauf kam das etwas hervorspringende Fries mit den Triglyph (Längsstreifen im Gestein) und den dazwischen liegenden glatten Metopen. Darauf wurde das Gesims (versetztes Steingefüge) und zum Schluss das Dach (Tympanon) aufgemauert.
Mittels Schlitten zog man die Steine vom Steinbruch zur Baustelle. Für die bessere Gleitfähigkeit goss man Wasser vor die Kufen. Um die Lasten in die Höhe zu bringen und am richtigen Ort vom Tempel zu platzieren standen solche Rampen mit einer Hebevorrichtung, welche wie ein römischer Drei-Rollenzugkran funktionierte. Vor dem Hebebaum wurde der zu hebende Stein wie ein Paket an einen Haken gehängt.
Vier Seilstränge, verliefen über einen einfachen Flaschenzug zur Haspel, von dort zu einem weiteren Holz-Gestell mit einer weiteren Haspel. Dieses drehte sich, angetrieben von einem riesigen Holzrad. Dieses lag fixiert in einem Holzgestell und wurde von Manneskraft (Schreiten im Rad) in Vorwärtsdrehung gebracht. Dabei wurde das Viererseil von der Haspel aufgewickelt und der an den Zugseilen befestigte Steinblock hob sich in die Höhe …
Halleluja!
Falls der Tempel von Segesta tatsächlich fertig gestellt worden wäre …
… hätte er vom Ausbau her, etwas so ausgesehen: 1) Cella (kleiner Raum) – Raum der Gottheit, 2) Pronao (Vorhalle), 3) Peristilio (rechteckiger Vorhof von Säulen umrahmt), 4) Timpano (Relief), 5) Frontone (Bildkomplexe) – 6) Acroterio (Statuen) 7) Antefissa (Stirnziegel ornamental verziert).
Damit die Säulenreihen optisch nicht so streng wirkten, mussten beim Stellen der Säulen Korrekturen vorgenommen werden. Die horizontale Linie wurde durch eine Kurvatur (beabsichtigte, leichte Wölbung einer geraden Gebäudekante) etwas korrigiert. Die Strenge der Längs- oder Querrichtung wurde so genommen.
Ebenfalls wurde der Unterbau (Fundament und Krepis) der Säulenhalle (Stoa) in einer flachen Kurve zur Mitte hin leicht angehoben und so optisch korrigiert (je nach Tempel etwa 2 cm oder sogar 20 cm beim Apollontempel von Didyma).
Anhand von Dreiecken wurden die Proportionen errechnet, wie die Säulen zueinander zu stehen kamen, resp. die optischen Korrekturen erfolgen mussten. Alle Skizzen stammen von unserer Reiseleiterin. Ich durfte diese aus Ihren Unterlagen (Studienarbeit) fotografieren und hier veröffentlichen. Herzlichen Dank.
Der griechische Philosoph Protagoras lebte um 450 v. Chr. und kreiirte den Satz: ”Der Mensch ist das Mass aller Dinge, der seienden, dass sie sind, der nichtseienden, dass sie nicht sind.” Er meint damit unter anderem auch die überschaubaren Proportionen und Regeln (Bauplan) für die Erstellung der Tempel in der damaligen Zeit.
Übrigens wurden zur Zeit unseres Besuches einige Stellen vom Tempel restauriert …
… weil gerade Erster Mai, hat auch noch eine Blasmusik dazu musiziert …
… und hier hinter dem Tempel irgendwo auf dem Felde …
… lag einer, der ständig nach der Uhrzeit gefragt wurde.
Am vielen Fragen erkennt man die Narren.
Deutsches Sprichwort