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Im Herbst 2020 dominierten hauptsächlich zwei Themen die Berichterstattung in den Medien. Einerseits beherrschte immer noch die Corona Pandemie die täglichen Schlagzeilen. Andererseits schweifte der Blick mancher über den «grossen Teich». Die Wahlen in den USA zogen sicherlich auch viele Interessierte im Kanton St.Gallen in ihren Bann. Wenn man Umfragen und Pressemeldungen glauben darf, war der Blick auf die US Wahlen auch hierzulande mit unterschiedlichsten Hoffnungen (und Befürchtungen) für die Zukunft verbunden.
Der hoffnungsvolle Blick auf die Vereinigten Staaten ist kein Novum. Vor allem im 19.Jahrhundert war die Auswanderung nach Nordamerika oftmals der letzte Ausweg aus der wirtschaftlichen Misere. Im Staatsarchiv dokumentieren unterschiedlichste Dokumente aus dieser Zeit den Weg tausender St.Gallerinnen und St.Galler in die Neue Welt. Die vom «Amerikafieber» ergriffenen Auswanderer nahmen die beschwerliche Reise oftmals aus sozialer Not in Angriff. Heute würden diese Auswanderungswilligen wohl als «Wirtschaftsflüchtlinge» bezeichnet. Bei manchen dürften auch Abenteuerlust oder wirtschaftliche Interessen eine Rolle gespielt haben. Die Allermeisten verband die Hoffnung auf einen erfolgreichen Neubeginn. Weil aber nicht alle Träume in Erfüllung gingen, wurden in diversen nordamerikanischen Städten Wohltätigkeitsgesellschaften zur Unterstützung von emigrierten Schweizerinnen und Schweizern gegründet. Diese «Benevolent Societies» erhielten regelmässige Zuschüsse von Bund und einzelnen Kantonen, darunter auch aus dem Kanton St.Gallen. Dieses Geld gaben sie beispielweise für «Hausmiethe für arme Schweizer-Familien» aus, für Reisekosten, Arztgebühren und Medikamente, für Anschaffungen von Kleidungsstücken oder Nahrung für Emigrantinnen und Emigranten mit Schweizer Wurzeln. Die Gesellschaften unterstützten sogar in Not geratene Landsleute in ihrer alten Heimat. So spendete 1869 die Gesellschaft von Philadelphia – im «Swing state» Pennsylvania – Beiträge für die Hochwassergeschädigten des Jahres 1868, darunter auch für die besonders betroffenen Flutopfer im St.Galler Rheintal.
Im Vorstand der Washingtoner Gesellschaft war 1868 auch ein Bernard Scheitlin als Kassier tätig, dies übrigens neben seinem Vorstandskollegen, dem berühmt-berüchtigten General John Sutter, ehemals Gründer der Kolonie «Neu-Helvetien» in Kalifornien.
Ein Blick in die Auswandererverzeichnisse zeigt, dass 1858 ein Bernhard Scheitlin aus der Stadt St.Gallen nach Nordamerika emigrierte. Das Bürgerbuch der Stadt weist zudem allein für 1867 drei verschiedene Bernhard Scheitlin auf, die auf den amerikanischen Kontinent auswandert waren!
Einer der ausgewanderten Scheitlin war Fabrikant, einer war Kaufmann, und einer betätigte sich als Metzger. Ob alle Drei in ihrem Streben nach Glück («pursuit of happiness») im Sinne des Versprechens der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung erfolgreich waren und ob ihre Hoffnungen letztlich erfüllt wurden, geht aus den Schriftquellen im Staatsarchiv leider nicht hervor …
Patric Schnitzer, Staatsarchiv
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