Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03495.jsonl.gz/2473

Letzten Herbst erlebte ich als Fotograf eine Woche voller Challenges: die sogenannte Discovery Week. Zusammen mit zwei anderen Fotografen wurde ich von «Fujifilm Schweiz» für eine Woche nach Albanien geschickt, ohne zu wissen, was mich erwartet. Ein Kamerateam begleitete die Reise. Das Ziel war, dass jeder Fotograf einen Tag in seinem Genre fotografiert und eine Serie von drei Fotos macht. Neben mir als Landschaftsfotograf waren ein Streetfotograf und ein Reportagefotograf dabei. Eine Herausforderung für uns alle, da wir uns auf viel Neues und Unbekanntes einlassen mussten. In dieser Woche besuchten wir die unterschiedlichsten Orte und lernten viele Facetten Albaniens kennen, ein Land zwischen Moderne und Tradition.
Bewegte Vergangenheit
Albanien blickt auf eine ereignisreiche Geschichte zurück. Immer wieder war das Land fremden Einflüssen ausgesetzt. Lange Zeit gehörte es zum Osmanischen Reich und wurde erst 1912 unabhängig. In der Zeit vor der Unabhängigkeit verliessen zahlreiche Albaner ihre Heimat, um in anderen Staaten zu leben, später emigrierten viele in die USA. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Land von Italien besetzt. Im Laufe des Krieges bildeten sich mehrere Widerstandsbewegungen, die zunächst gegen Deutschland und Italien kämpften und später untereinander einen Bürgerkrieg führten. Aus diesem gingen schliesslich die Kommunisten als Sieger hervor. Die Machthaber sorgten dafür, dass die Menschen nur noch wenig mit dem Ausland zu tun hatten. Zuerst arbeiteten die albanischen Kommunisten mit Jugoslawien zusammen, dann mit der Sowjetunion und später mit dem kommunistischen China. In dieser Zeit wurden alle Religionen in Albanien verboten.
In den 1990er-Jahren brach der Kommunismus zusammen. Korruption und wirtschaftliche Probleme führten zu einem Bürgerkrieg. Insgesamt ein Drittel der Albaner floh deshalb in den folgenden Jahren. Immer wieder kam es zu Konflikten an den Grenzgebieten, vor allem um die Region des Kosovo, das lange zu Jugoslawien gehörte und in dem viele Albaner leben. Inzwischen befindet sich das Land auf dem Weg einer schrittweisen demokratischen und wirtschaftlichen Erholung.
Auf der Reise durch Albanien sind die Spuren der Geschichte oft noch gegenwärtig: vom armen Bauern, der mit Pferd und Wagen unterwegs ist, bis hin zu den hochmodernen Stadtvierteln von Tirana, die so aussehen wie in jeder anderen Stadt in Europa. In den letzten Jahren wurde manches renoviert und auch der Tourismus hat zugenommen. Dennoch ist Albanien immer noch eines der ärmsten Länder Europas. Etwa jeder sechste Einwohner hat keine Arbeit, jeder achte gilt als arm.
Lesen Sie den ganzen Artikel in ethos 06/2023