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Können im Spital Originalpräparate durch Generica ersetzt werden? - eine Pilotstudie an einem Schweizerischen Regionalspital
Kosten sparen mit Generica?
Von Ingrid Carlen Brutsche
Die immer höheren Kosten im Schweizerischen Gesundheitswesen erfordern Sparmassnahmen. In diesem Sinne wurde im Oberwalliser Kreisspital in Brig untersucht, ob durch den Einsatz von Generica (günstigere Nachahmerpräparate) im Arzneimittelsektor Kosten eingespart werden können, ohne dass dabei auf die Standards für therapeutische Effizienz und Sicherheit verzichtet werden muss.
Die Pilotstudie am Kreisspital in Brig wurde auf der 50 Betten zählenden internistischen Abteilung durchgeführt. In einer ersten Studienphase wurden Originalpräparate verordnet (635 Patienten), in der zweiten Studienphase wurden Arzneimittel nach Wirkstoffnamen verordnet und wo möglich Generica eingesetzt (949 Patienten). Insgesamt 1'584 Patienten waren vom 1. Juli 1992 bis 31. Januar 1994 auf der medizinischen Abteilung hospitalisiert und erfüllten damit die Einschlusskriterien der Studie.
Im Rahmen der Studie wurde der Auswahl der Generica ein besonderes Augenmerk geschenkt. Von den Herstellern bzw. Vertreibern wurde eine umfangreiche Produktebeschreibung und -garantie verlangt. An die Generica wurden hohe Qualitätsanforderungen gestellt. Dabei wurde versucht, möglichst viele Medikamente durch Generica zu ersetzen. Um Unklarheiten bezüglich Medikamentennamen während der generischen Substitution zu vermeiden, wurde auf die Verordnung mittels Wirkstoffnamen (DCI-Verordnung) zurückgegriffen.
Während den 14'903 untersuchten Pflegetagen konnten keine Unterschiede in der klinischen Bioäquivalenz beim Einsatz von Generica und der Anwendung der Verordnung nach Wirkstoffnamen festgestellt werden. Auch eine Fragebogenanalyse bei den Patienten zeigte keine signifikanten Unterschiede bezüglich des Auftretens von unerwünschten Arzneimittelnebenwirkungen (25.4% in der Studienphase I, 21.4% in der Studienphase II).
Limitierte Generica-Auswahl - eher dürftige Einsparungen
Nicht mehr als 9% der 620 verordneten Medikamente konnten durch Generica ersetzt werden (vgl. Abb. 1). Vor allem Antirheumatica/Analgetika, Antibiotika und Medikamente des Herz-/Kreislaufsystems liessen sich durch Generica ersetzen. Nur bei 2% der 949 Patienten war es möglich, die Therapie ausschliesslich mit Generica durchzuführen (vgl. Abb. 2).
Mit der Einführung von Generica konnten die Medikamentenkosten um 3.2% reduziert werden. Vor allem bei Antirheumatica, Nitraten und Diuretica konnten Einsparungen bis 64% erreicht werden. Die Substitution von Antibiotica und Medikamenten des Zentralen Nervensystems erwies sich als wenig rentabel. Keines der 30 teuersten und nur 3 der 10 meistverordneten Medikamente der medizinischen Abteilung konnten durch ein Genericum ersetzt werden. Für das gesamte Spital hochgerechnet betrug die Kosteneinsparung 1.3%, für eine andere medizinische Abteilung (Spital Sitten) 0.8%, und für alle Walliser Spitäler und Kliniken hätten 1.3% der Medikamentenkosten eingespart werden können.
Gründe für die eher dürftig ausgefallenen Einsparungen liegen einerseits darin, dass für den Medikamenteneinkauf im Spital Spezialkonditionen bestehen, die von Anbietern von Generica nur schwierig unterboten werden können. Andererseits werden im Spital oft Medikamente zur parenteralen Applikation verwendet, für die im Moment nur wenig bis gar keine Generica im Handel erhältlich sind. Im Spital kommen auch öfters als in der ambulanten Medizin teure, neuentwickelte und noch patentgeschützte - also nicht „genericafähige“ - Präparate zum Einsatz. Eine gezielte Auswahl der Medikamente und eine strikte Anwendung einer spitalinternen Medikamentenliste wäre in dieser Beziehung wahrscheinlich kostenwirksamer.
Spezifisch schweizerische Verhältnisse
Es muss erwähnt werden, dass der Schweizerische Genericamarkt im Vergleich zu anderen Ländern sehr klein ist, obwohl in den letzten Jahren eine steigende Tendenz beobachtet werden konnte. Im Weiteren sind im Gegensatz zur Entwicklung des Pharmamarktes und der Preispolitik im übrigen Europa in der Schweiz relativ kleine Preisunterschiede zwischen Original- und Genericapräparaten zu beobachten. Eine moderne Preispolitik sollte die Wettbewerbs- und Konkurrenzsituation und zugleich Innovation fördern, ohne dabei die forschende Industrie finanziell zu benachteiligen. So werden Überlegungen angestellt, den Patentschutz zu verlängern.
Das Spektrum der in der 3.Welt zur Anwendung gelangenden Medikamente unterscheidet sich deutlich von demjenigen einer medizinischen Abteilung in einem Schweizerischen Spital. Wie im ambulanten Sektor, so werden speziell in der 3.Welt vermehrt Arzeimittelwirkstoffe mit abgelaufenem Patentschutz eingesetzt. Medikamentensponsoring muss allerdings ebenfalls in die Kostenanalyse einbezogen werden.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Generica vergleichbar effizient sind und sicher mittels Verordnung nach Wirkstoffnamen (DCI-Verordnung) eingesetzt werden können. Sie werden sowohl von Patienten als auch Gesundheitsprofis akzeptiert. Durch Generica erzielte Kosteneinsparungen können je nach Situation sehr unterschiedlich ausfallen.
*Ingrid Carlen, Kosten sparen mit Generica? DCI Verordnung und Generica im Spital, Schriftenreihe der SGGP, Nr. 47, Muri 1996.