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Die Besiedlungsgeschichte
Menzberg kennt nur eine gemeinsame Geschichte von Pfarrei und Dorf. Sie gibt es seit dem 21. September 1810. Damals stimmte die Regierung des Kantons Luzern zu, in Menzberg eine Pfarrei zu errichten. Das geschah im Zusammenhang mit Umorganisationen der Pfarreien im Kanton Luzern, um die Kirchwege für die Gläubigen zu verkürzen. Die neue Pfarrei Menzberg spielte dabei für das Volk im weitläufigen Napfgebiet eine wichtige Rolle. Ignaz Heinrich von Wessenberg, für den Kanton Luzern zuständiger Generalvikar des Bistums Konstanz und der Menznauer Pfarrer Bernhard Schnyder nahmen sich der Pfarreigründung besonders an.
112 Heimwesen aus den umliegenden Pfarreien Willisau, Hergiswil und Romoos wurden der Pfarrei Menzberg zugeteilt. Zur Pfarrei zählte man damals ca 950 Seelen. 1859 wurden in der Pfarrei 1123 Personen registriert, eine Erhebung 1990 ergab noch 562 und eine andere 623 Personen im Jahre 1998.
Vom Norden her zogen nach der Römerzeit die Alemannen in unsere Umgebung. An sie erinnern heidnische Alemannengötter wie „Türst und Doggali oder Sträggele und Wodan“ oder der noch heute existierende Allmendwald , ein typisches alemannisches Bewirtschaftungsmittel.
An diesem Waldrand vermutet man erste Siedler in Menzberg.Sie waren Sippenangehörige der alemannischen „Au-Siedlung“ im Tal. Diese Siedlung ist erstmals 1185 in einem Schirmbrief des Papstes Lucius III für die Benediktinerabtei in Erlach als "Menzenowa" erwähnt.
Zur Zeit der Gründung der Eidgenossenschaft war Menzberg den Freiherren von Wolhusen zugeteilt. Aus dieser Zeit stammt das Wappen von Menzberg mit dem an Fesseln geketteten Jagdvogel Sperber. Solche Vögel haben die Jagdherren von Wolhusen in Menzberg gezüchtet.
Weiter sind die Höfe Sibershof (heute: Zibershus) und Oberlehn als Mannlehen dieser Freiherren erwähnt. Die Erwähnung erfolgte in der Zeit, als sie nach der Schlacht von Sempach an die Stadt Luzern übergegangen sind. Luzern wurde neuer Schirmherr.
Ein Mannlehnverzeichnis aus dem Jahre 1595 erwähnt erstmals weitere Höfe in Menzberg, die noch heute bestehen: Gutenegg ( die zwei ähnlichen Häuser dieser Siedlung sehen wir gleich beim Verlassen der Kirche auf dem gegenüberliegenden Hügelzug), Oberlehn (Höchster Punkt 1110 m über Meer mit Aussichtspanorama), Zibershus (davon gibt es im und ums Dorf heute mehrere) Gerislehn (Gründung durch den Alemannen Gero) und Rengg.
Das Mannlehenverzeichnis war eine Art Hofliste mit der namentlichen Erwähnung der Bewirtschafter. Die Bewohner konnten gemäss diesem Verzeichnis zu Diensten wie Kriegsdienst aufgeboten werden.
Die Dorfentstehung
Eine grosse Bevölkerungszunahme war im 18. Jahrhundert in ganz Europa und auch im Napfgebiet zu verzeichnen. Land und Wald konnten in dieser Einsamkeit zu Spottpreisen erworben werden. Die Besitzer waren verkaufswillig.
Mehr wie drei Marschstunden waren die Menschen im katholischen Napfgebiet von der nächsten Kirche entfernt. Die seelsorgliche Versorgung entsprach nicht den Vorgaben. Der Kirchenbesuch war klein, eine christliche Unterweisung kaum möglich und die Sterbesakramente und auch die Taufe konnten nicht rechtzeitig erteilt werden. Pfarrer Bernhard Schnyder von Menznau kannte die Verhältnisse als zuständiger Seelsorger gut. Er schrieb zudem von grossem Unwissen und erdrückender Armut in der Bevölkerung.
Wo sollte aber eine Kirche gebaut werden? Den Standort mussten die idealen Wege zur Kirche bestimmen. Hofzuteilungen im Napfgebiet zur neu zu schaffenden Pfarrei Menzberg erhitzten die Köpfe. Mehrere Entscheide des Regierungsrates mussten hier verbindliche Antworten geben. Die Pfarreizugehörigkeit war auch mit der Verpflichtung von Frondienst beim Kirchenbau verbunden.
Mit dem Bau der Kirche auf dem Marishubel entstand auch ein Dorf. Auf dem Platz des heutigen Dorfes stelle man sich zu dieser Zeit lediglich zwei Häuser vor. Eines davon ist bis 2004 als Zeitzeuge übrig geblieben, bis es in der Nacht vom 8. zum 9. November einer Feuersbrunst zum Opfer fiel.
Weiter gehörten zum nun entstandenen Dorf ein Pfarrhaus, das dicht neben der Kirche stand, das 1820 vollendete Schulhaus (auf dem Grundriss des heutigen 1991 gebauten neuen Pfarrhauses) und das Krämerhaus des Sakristanen, Lehrers und Organisten Alois Schärli. (Zibershüsli, gegenüber dem Pfarrhaus)
Der Dorfbrand 23. November 1823
Die Kirche und drei der vier zum Dorf zählenden Häuser wurden in der Nacht vom 23. zum 24. November 1823 ein Raub der Flammen. Die zäh errungene Dorfschaft und Pfarrei war damit wieder vollständig in Frage gestellt. Das nicht verbrannte und noch bis 2004 existierte Zibershus hatte als Gottesdienstort, Schulhaus, Wohnhaus und Wirtschaft zu dienen. Eine grosse Solidarität weit über die Dorfgrenzen hinaus, der entschlossene Wille, das Dorf wieder aufzubauen und die Unterstützung der Regierung ermöglichten den sofortigen Wiederaufbau. Am Fronleichnamstag 1824 wurde die Kirche wieder bezogen, weitere Häuser wurden 1825 wieder aufgebaut. Den Bewohnern war erlaubt, selbst an Sonn- und Feiertagen für den Wiederaufbau Frondienst zu leisten.
Text von Xaver Vogel, Menzberg
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