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Die Anfertigung von Biographien angeklagter Krimineller (biographie criminelle) durch die Gerichte und Untersuchungsbehörden des 18. Jahrhunderts diente nicht zuletzt dazu, der Anklage mehr Gewicht zu verleihen. Dieser Essay illustriert die Praxis, die den Angeklagten auf dem Wege zur Anklagebank gesellschaftlich an den Rand drängte. In diesem Prozess erscheint die Verbrecherbiographie als Modell eines nicht-konformen Lebenslaufes, mit dem die kriminelle Tat in ein besonders grelles Licht gestellt wird, um so auch die Strafe noch deutlicher und schärfer aussprechen zu können. Die Biographie erfüllt damit – und dies ist wohl nicht nur bei Kriminellen möglich – die Funktion einer diskriminierenden sozialen Differenzierung.
Erschienen in: traverse 1995/2, S. 55