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Nadeln,
größtenteils bessere Sorten, allwöchentlich geliefert und hauptsächlich in Deutschland, Frankreich und Norwegen abgesetzt. Iserlohn verkauft außer in Deutschland besonders in Rußland und Amerika. Die deutsche Fabrikation hat sich, namentlich im Aachener Distrikt, in ihrer Technik mehrfach von dem englischen Vorbilde abgewandt und ist zu neuen Verfahren und Maschinen fortgeschritten. Der Gang der Arbeit ist kurz angedeutet folgender:
Man verwandelt die von den Drahtziehereien kommenden kleineren Drahtringe zunächst in große, indem man sie ab- und auf einen großen Cylinder von etwa 5 m Umfang windet. Hierdurch erhalten die nachfolgenden Abschnitte eine Form, die sich der geraden Linie nähert. Das Material ist Stahldraht, für geringere Sorten Eisendraht, der erst im Laufe der Arbeit durch Zementation in Stahl verwandelt wird. Die großen Drahtringe zerschneidet man auf Maschinenscheren zu Stücken, die gerade die doppelte Länge einer Nadel haben und Schafte heißen.
Entweder führt ein Arbeiter die Drahtbündel unter Zuhilfenahme eines Modells, das die Länge bestimmt, unter die Schere, oder es besorgt eine Maschine selbständig das Einziehen der Drähte, das Abschneiden und Ablegen der Schafte. Letztere werden dann zunächst völlig gerade gerichtet; hierzu vereinigt man 5-15000 Stück zu einem Bündel, welches, um die Drähte weich zu machen, schwach geglüht wird. Diese Bündel gelangen in die Richtmaschine und werden zwischen zwei schweren Stahlplatten hin- und hergerollt, wodurch die Schafte sich gerade strecken.
Es erfolgt darauf das Anspitzen der Schafte an beiden Enden auf sehr schnell umlaufenden Schleifsteinen von feinkörnigem
Sandstein. Da dieses
Schleifen, wobei der Arbeiter immer eine größere Zahl Schafte zugleich an den Stein
hält, trocken geschehen muß, so macht der entstehende Stein- und Stahlstaub die Arbeit zu einer sehr gesundheitsgefährlichen.
Zu einiger Abminderung dieses Übels umgibt man die Steine so weit möglich mit einem Gehäuse, wendet auch wohl Ventilation
zur Fortführung des Staubes an. Durch die Erfindung einer selbstthätigen Schleifmaschine, die zu Schönthal
bei Aachen gemacht worden ist, wird die Staubgefahr auf eine kleinere Zahl von Arbeitern beschränkt, da eine Person hinreicht
zur Beaufsichtigung von drei solcher
Maschinen und jede derselben stündlich 30000
Nadeln anspitzt, während die höchste
Tagesleistung eines Mannes 80000-100000
Nadeln nicht übersteigt. Die
Drähte werden den gegenwärtig wohl ausschließlich
in Gebrauch befindlichen Spitzmaschinen auf einer schrägen Fläche zugeführt, gelangen zwischen zwei
laufende Riemen von
Kautschuk, werden zwischen diesen fortgewälzt und dabei mit dem äußerst rasch laufenden Schleifstein
in Berührung gebracht.
Die weitere Ausbildung der
Nadeln geschieht nach dem deutschen System folgendermaßen: Die Schafte werden nicht mehr wie
sonst in der Mitte durchgeschnitten, sondern bleiben vorläufig noch ganz und gelangen in die Hände
einer, an einem kleinen Prägwerk sitzenden Arbeiterin. Dieses hat einen feststehenden Unterstempel; der
darauf passende
Oberstempel ist an der Unterseite eines eisernen Fallklotzes befestigt und kann durch einen Fußtritt geschoben werden. Die
Schafte werden einzeln gerade mit ihrer Mitte auf den Stempel gehalten und jeder erhält einen Schlag
mit dem Prägklotz. Dadurch verflacht sich das Mittelstück und erhält von beiden Seiten her die Vertiefungen für die Öhren
vorgezeichnet; in der Mitte ist eine Kerbung als Anfang der nachfolgenden Trennung eingedrückt und außerdem sind auch die
etwaigen Nummern oder sonstigen Fabrikzeichen und die kleinen Riefen oder Fuhren am Öhr aufgeprägt
worden.
Hierauf folgt das Lochen der Öhren auf einer kleinen Durchstoßmaschine, welche die Arbeiterin durch einen Handhebel treibt. Beide Löcher entstehen zugleich. Die gelochten Schafte schiebt ein Kind sogleich in größerer Anzahl auf zwei Drähte. In dieser Anordnung lassen sich die N. bequem im ganzen überfeilen und von den durch das Prägen entstandenen Rauhheiten befreien. Man bricht dann die Doppelreihe auseinander und befeilt noch die Bruchstellen. In den Aachener Fabriken ist die Feilarbeit wohl überall ersetzt durch Schleifen.
Die jetzt aus dem Groben fertigen, aus weichem Stahl bestehenden N. werden nunmehr gehärtet, nachdem
sie durch Rütteln in blechernen Mulden in eine gleiche Lage gebracht worden sind. Man macht sie auf Schiebern von Eisenblech
im Härteofen rotglühend und streut sie sogleich in ein Gefäß mit
Thran oder
Öl; die eisernen N., die in dieser Periode
gestählt werden müssen, bringt man zugleich mit einem Härtesatze, gewöhnlich ein Gemisch von Holzkohlenpulver
und Knochenmehl, in Tiegel, welche verdeckt und stark geglüht werden, worauf man sie wie Stahl
nadeln behandelt.
Die getrockneten und wieder in gleiche Lage gebrachten N. sind spröde und müssen, um Elastizität zu erhalten, angelassen, d. h. einer Hitze ausgesetzt werden, die nicht bis zum Glühen geht. Dies geschient entweder auf Eisenplatten, wo sie nur soweit erhitzt werden, daß sie violett anlaufen, oder durch Sieden in Fett oder Öl. Durch das Härten ziehen sich viele N. krumm;
sie müssen daher alle mit prüfendem Blick und Finger durchgenommen und die leichteren Verbiegungen mit Hämmerchen auf kleinen Ambosen ausgeglichen werden;
zu stark verzogene N. schießt man aus. -
Die N. sind jetzt immer noch rauh und schwarz und müssen noch durch Scheuern blank gemacht und poliert werden; beides sehr langwierige Arbeiten. Man schichtet sie auf grober, fester Leinwand in parallelen Lagen mit zwischengestreutem scharfen Sand oder Schmirgelpulver, durchfeuchtet die Masse mit Rüb- oder Leinöl, rollt sie in die Leinwand ein, sodaß eine Rolle entsteht, deren Enden fest zugebunden werden und die außerdem noch mit Bindfaden oder Riemen fest umstrickt wird. Solche Pakete sind 450 bis 600 mm lang, 75-125 mm dick und enthalten 2-300000, ja selbst eine halbe Million N.; 20-40 Pakete, also 10-20 Mill. N., gelangen gleichzeitig zur Bearbeitung auf der Scheuermühle, eine Maschine, die einer Wäschrolle sehr ähnlich ist. Die Walzen liegen unter ¶
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einer mit Steinkästen beschwerten Tafel, die, durch Maschinenkraft getrieben, dieselben 12 bis 18 Stunden hin- und herrollt. Dann wird der Inhalt herausgenommen und mit Sägespänen in Lauftrommeln gethan, wobei die N. sich schon ziemlich absondern und dann noch auf einem Blaswerk von allen Anhängseln befreit werden. Diese nämliche Operation des Einpackens, Rollens und Abfegens wiederholt sich noch öfter und zwar im ganzen zehnmal, siebenmal mit immer feinerem Schleifpulver, wie Eisenrot, Zinnasche, worauf schließlich zur Entfettung eine Wäsche mit Seifenwasser und Abtrocknung in der Lauftrommel mit Kleie oder Sägespänen folgt. Der Scheuerprozeß mit derselben Quantität N. dauert sonach mindestens acht Tage, und nach dieser allgemeinen Behandlung treten noch mehr oder weniger weitere Bearbeitungen ein, je nachdem geringere oder bessere Sorten herzustellen sind.
Jedenfalls sind die N. wieder anzuspitzen, was auf kleinen, rasch umlaufenden Walzen aus quarzigem Glimmerschiefer geschieht. Dann werden bei guten Sorten die Spitzen auf Lederscheiben mit Öl und Schmirgel noch weiter verfeinert, beziehentlich der N. überhaupt auf Lederwalzen mit pulverigen Poliermitteln noch eine feine Politur gegeben. Glatte Ausrundung des Auges, um dem Zerschneiden des Fadens vorzubeugen, ist bei einer guten N. ebenfalls Bedingung. Hierzu dient die subtile Handarbeit des Drillens.
Der Arbeiter hält ein paar Dutzend N. auf einem dünnen Kupferblech und läßt in jedes einzelne Auge die Spitze eines rasch laufenden Stahlbohrers eintreten; es geht dies so rasch, daß der Zuschauer kaum zu folgen vermag. Bei Ausarbeitung länglicher Augen muß ein andres Mittel eintreten, das übrigens auch für runde zu brauchen ist. Man reiht dabei die N. auf rauh gemachte Stahldrähte und hängt diese Serien in einen Apparat ein, der sich wie ein Rad dreht, nur daß er mit der Richtung seiner Drehung beständig abwechselt. Dies veranlaßt die N. an ihren Drähten zu einer Menge von Schwingungen, deren Folge das allseitige Glattreiben der Nadelöhre ist.
Vor der Verpackung der N. werden sie einzeln mit feinen Läppchen oder weichem Leder abgewischt und auf eine geschickte Weise mit den Spitzen nach einer Richtung gebracht. Die N. werden nicht abgezählt, sondern die ganzen, halben oder Viertelhunderte gewöhnlich auf einer feinen Wage gegen ein in der andern Schale liegendes gezähltes Hundert etc. abgewogen.
Je nach Größe, Gestalt und Feinheit gibt es bekanntlich vielerlei Sorten von N.; manche Sorten sind für bestimmte Arbeiten
eingerichtet, wie Stopf
nadeln, Heftnadeln mit dreischneidiger Spitze, zweischneidige für Hutmacher und Lederarbeiter; Tapeten-,
Strumpfwirker
nadeln, Tambouriernadeln, welche kein Öhr und statt der Spitze ein kleines Häkchen haben. Die jüngste Klasse
sind die N. für Nähmaschinen, welche je nach ihrer Bestimmung ziemlich verschieden an Größe und Form
sind.
Für starke Lederarbeiten sind dieselben ebenfalls zweischneidig. Diese Maschinen
nadeln haben das Öhr dicht hinter der Spitze.
Die für Hobelmaschinen bestimmten sind nach dem Bogen gekrümmt, welchen sie bei dem Auf- und
Niedergange beschreiben. Die
Maschinen
nadeln werden als besondere Erzeugnisse von einzelnen Fabriken hergestellt, beanspruchen besondre Rücksichten bei
Auswahl des Materials und bei der Ausführung; sie sind im Vergleich zu andern N. sehr teuer. -
Stecknadeln. Die Herstellung derselben gestaltet sich weit einfacher wie bei Näh
nadeln und zerfällt in Anfertigung
des Schaftes, des Kopfes und Vereinigung beider. Die Fabrikation ist nicht auf einzelne Gegenden konzentriert,
wird öfter noch als Kleingewerbe und so betrieben, wie sie sich seit etwa 200 Jahren in Nürnberg gestaltet hat. Das Material
zu Stecknadeln ist mit Ausnahme einiger besonderer Fälle immer Messingdraht. Der wenn nötig erst noch hart gezogene und
dadurch gesteifte Messingdraht wird gerichtet, d. h. gerade gestreckt und
in gleicher Art wie der zu Näh
nadeln, auf einer Stockschere bündelweise in Stücke von der doppelten Nadellange zerschnitten
und diese an beiden Enden angespitzt.
Das hierzu dienende Schleifwerk hat keinen Stein, sondern den Spitzring, eine Stahlscheibe von 125-150 mm Durchmesser, die auf ihrer Umfläche wie eine Feile aufgehauen ist. Das Geschäft des Zuspitzens ist durch den dabei entstehenden feinen Messingstaub wenigstens ebenso ungesund wie das Nähnadelspitzen. Nachdem die beiderseits gespitzten Schafte auf der Stockschere mitten durchgeschnitten und somit die Nadelkörper hergestellt sind, werden sie mit Köpfen versehen. Die Köpfe bestehen aus ein paar fest anliegenden Umwindungen von dünnem Draht, die infolge einer Prägung eine annähernd kugelige Form zeigen.
Den zur Kopfbildung zu benutzenden Draht glüht man aus, damit er recht weich wird, und spinnt ihn dann auf einer einfachen
Vorrichtung, bei welcher ein Schwungrad durch Schnurlauf eine kleine horizontal liegende Spindel in raschen
Umlauf setzt, zu dünnen Spiralen auf. Die Spindel hat als Verlängerung ein Stück Draht von derselben Dicke wie die in Arbeit
stehende
Nadelnummer; auf diesen mit umlaufenden Teil legt sich der Kopfdraht, von der Hand des Spinners geleitet, in dicht
aneinander stoßenden Gewinden an. Ist der Draht voll, so wird die Spirale abgezogen und eine folgende
gesponnen.
Die dünnen biegsamen Spiralröhrchen zerschneidet man auf einer kleineren Stockschere in der Anzahl von zehn oder mehr auf einmal wie Häcksel in kurze Stückchen und zwar so genau, daß jedes derselben nur aus zwei Windungen besteht. Diese Schnitzel werden gewöhnlich in einer eisernen Kelle über Kohlenfeuer noch einmal erhitzt, um sie recht weich zu erhalten, dann noch heiß in stark verdünnte Schwefelsäure geworfen, welche sie rein beizt, hierauf gewaschen und getrocknet.
Zum Anköpfen dient ein kleines, diesem Gewerbszweige eigentümliches Prägwerk, die Wippe. Bei derselben wirken zwei kleine Stahlwürfel zusammen, deren einer auf dem Arbeitstischchen als Unterstempel festsitzt, indes der andre darauf passende den untern Teil eines Fallwerks bildet, dessen Stange in Führungen gleitend, durch einen Tritthebel etwa 15 mm gehoben und dann fallen gelassen wird. Dieser bewegliche Teil besteht aus ¶
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einem Eisenstab mit dem unterhalb sitzenden Stahlstempel und einem belastenden Bleigewicht von 4-6 kg.
Ober- und Unterstempel haben je ein halbkugeliges Grübchen, welche beide zusammen den Hohlraum darstellen, in welchem der
Nadelkopf gebildet wird. Von dem Grübchen des Unterstempels geht außerdem eine Rille nach außen, worin der Schaft der
N., so weit er nicht herausragt, seinen Platz findet. Der Arbeiter hat nun eine Partie
Nadeln und Kopfringel
neben sich, nimmt eine der ersten, spießt damit ein Ringel auf, schiebt es nach dem Kopfende, legt die Nadel in die Versenkung
des Unterstempels und gibt rasch vier bis sechs Schläge, wobei die Nadel jedesmal eine Wendung erhält.
Hiermit ist die Kopfbildung und die dauernde Verbindung beider Teile bewirkt. Das Anköpfen bildet den aufhältlichsten Teil
der Arbeit; doch bringt ein geübter Arbeiter immerhin 10-15000 N. im Tag fertig.
Die N. werden alsdann mit einer sauren Flüssigkeit rein gebeizt, indem man sie entweder darin kocht
oder Beize und N. in eine Drehtonne bringt, sodaß zu der Wirkung der Beize noch das mechanische Scheuern kommt. Die meisten
N. verzinnt man durch das sog. Weißsieden, d. h. Kochen mit zerkleinertem
Zinn und Weinstein. Die Ware kommt in den Handel teils in ungeordneten Haufen zum Verkauf nach Gewicht
(Gewichts
nadeln), teils reihenweise in Papier eingesteckt als Briefnadeln. Das Einstecken derselben unter Beiziehung erleichternder
und fördernder Hilfsmittel ist bloße Kinderarbeit. -
Man hat sich namentlich in England viel bemüht mit Herstellung von Maschinen, welche die Arbeit des Stecknadelmachens noch wohlfeiler verrichten sollten als die Menschenhand. Solche Maschinen haben etwa die Einrichtung, wie sie im Artikel „Drahtstifte“ näher angedeutet ist. Die Köpfe solcher N. sind nicht aufgesetzt, sondern an den Schaft gestaucht. Diese Köpfe sind länglichrund oder stumpf birnförmig. Diese Maschinen haben sich nicht bewährt und man ist in England darauf zurückgekommen, die Nadelschäfte mit Handarbeit herzustellen und ihnen nur von der Maschine Köpfe anstauchen zu lassen. Solcher Maschinen arbeiten in Birmingham viele, in einzelnen Fällen auch auf dem Kontinent, wie z. B. zu Mühlhausen in Thüringen, und liefern im Tage 40000-48000 N. -
Auch Stecknadeln gibt es neben größern und kleinem zum gewöhnlichen Gebrauch für besondere Zwecke, wie Anschlagnadeln für Tapezierer, kurz und dick; Bandnadeln, sehr klein und dünn; Insektennadeln, dünn und sehr lang. Trauernadeln werden aus Eisendraht gefertigt und schwarz gebrannt, ebenso Haarnadeln (frz. épingles à cheveu; engl. hair pins); Stricknadeln (frz. aiguilles à tricoter; engl. kniking needles ^[richtig: knitting needles]) sind Erzeugnisse der Nähnadelfabriken, und zwar die einfachsten. Bei ihnen kommt es besonders darauf an, daß die Stahlmasse eine gute Härte und Elastizität hat. -
Zoll: Nähnadeln gem. Tarif Nr. 6 e 3 γ;
eiserne Strick-, Häkel-, Stick- und Steppnadeln, sowie Haar-, Pack- und Schnürnadeln gem. Tarif Nr. 6 e 3 β;
Spicknadeln, unpolierte Nr. 6 e 2 γ;
Strick-, Häkel-, Stecknadeln aus nicht verniertem Messing, Nr. 19 d 2, verzierte aus Messing, aus Aluminium, Nickel, Bronze, Neusilber und andern Legierungen aus unedlen Metallen Nr. 19 d 3. Nur als Maschinenteile brauchbare eiserne Nadeln Nr. 15 b 2 γ.