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Ordnun-740 . gen des Reichs zu rechnen hat. Dadurch ist bisher auch der für den Schulstandpunkt erwünschte Fortschritt gehindert worden, das Recht auf den einjährigen Dienst im Heer nur von der Reifeprüfung oder von einer besondern Prüfung vor einer Reichskommission abhängen zu lassen. Die Reichskommissionen würden dadurch mit einem Schlag die zehn- oder elffache Zahl von Prüflingen zu befriedigen haben, wozu Zeit und Kräfte in dem gegebenen Rahmen durchaus fehlen.
Bezüglich der geltenden Lehrpläne hebt der Minister hervor, daß schon in den Plänen von 1882 und deren Erläuterungen ein wesentlicher Teil der erhobenen Bedenken Berücksichtigung und, soweit thunlich, Erledigung gefunden habe; namentlich auch in den wesentlich erleichternden Vorschriften über die Entlassungsprüfungen, die eine weitgehende Ausgleichung nicht genügender Leistungen in einigen durch gute in andern Fächern zulassen. Hier mit vorsichtiger Abwägung noch weiter zu gehen, lehnt der Minister keineswegs ab. Zuletzt kündigt er, obwohl die erhobenen Vorwürfe gegen das herrschende Lehrverfahren gegenwärtig nur mit großer Einschränkung noch gelten können, für das nächste Jahr eine inzwischen eingegangene Vorlage an, durch die zur bessern praktischen Ausbildung der Lehrer an höhern Unterrichtsanstalten eine größere Anzahl von pädagogischen Seminaren, unmittelbar an höhere Lehranstalten angel'e Hnt, ins Leben gerufen werden soll.
Noch ein kurzer Hinweis auf die unverkennbaren Fortschritte im Turnwesen und in der Gesundheitspflege überhaupt, und der Redner faßt sein Programm in die Worte zusammen: »Herstellung eines richtigern Verhältnisses der höhern Bildungsanstalten zur Einwohnerzahl, Minderung der Anstalten, Erschwerung von Neugründungen, Bevorzugung von lateinlosen Schulen mit kürzerer Unterrichtsdauer (höherer Bürgerschulen) namentlich zuungunsten der lateintreibenden, insbesondere gymnasialen, höhern Lehranstalten, ferner Ausbau der Lehrpläne, Besserung der Methode, Versuch, nach der Untersekunda einen Abschnitt zu finden; ferner bessere Ausbildung der Lehrer, endlich unermüdliches Fortfahren in Hebung [* 3] der Körperpflege«.
Der Verein für S. hat inzwischen sein Programm näher festgestellt und sein Streben vorzugsweise auf die Herstellung einer einheitlichen sechsklassigen Mittelschule mit einem den Bedürfnissen der Gegenwart und dem praktischen Leben angepaßten Lehrplan zugespitzt, welche die entsprechenden Klassen der Volksschule oder eine dreiklassige Vorschule zur Voraussetzung haben und zugleich die gemeinsame Vorstufe für die obern Klassen der jetzigen neunklassigen Schulen (Gymnasium, Realgymnasium, Oberrealschule) bilden soll.
Versuche mit einem solchen, in zwei Spitzen, Realgymnasium und Oberrealschule, auslaufenden Unterbau werden mit Genehmigung der preußischen Schulverwaltung gegenwärtig in Altona [* 4] (Realgymnasium) und Magdeburg [* 5] (Guerickeschule) angestellt. Aber auch sonst hat die Regierung die Zeit benutzt, und namentlich hat, wie der Minister v. Goßler in der Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses am mitteilte, die S. Kaiser Wilhelm II. persönlich beschäftigt.
Durch Eintreten des Königs in die Frage mittels Kabinettsorder vom I.März d.I. ist bereits zweierlei erreicht worden. Zunächst soll die Berechtigung zum einjährigen Dienst im Heer, die nach dem heutigen Zustand ohne Zweifel ein wesentliches Hindernis für alle Verbesserungen im höhern Schulwesen bedeutet, aus diesem Zusammenhang fortan gänzlich ausscheiden; d. h. doch wohl: dieses Recht soll künftig nur durch völlige Zurücklegung bestimmter Schulkurse oder durch das Bestehen einer besondern Prüfung, nicht mehr durch Erreichung gewisser Klassenstufen innerhalb der Gymnasien etc. erworben werden.
Sodann stellte der Minister in Aussicht, daß demnächst eine größere Versammlung von Sachverständigen aus den verschiedenen Lagern be rufen werden wird, um eine Verständigung über dic schwebenden Fragen durch persönlichen Austausch zu versuchen. Sehr zu wünschen ist dieser Versammlung etwas mehr leidenschaftslose Ruhe, als man bisher bei Verhandlung dieser Angelegenheit hat bemerken dürfen. Was auch zu ändern und zu bessern sich empfehlen mag, es muß anerkannt werden, daß unser gesamtes Schulwesen einschließlich des mittlern der Hauptsache nach heute höher steht als zu irgend einer Zeit in der Vergangenheit; und »nur wer außerhalb der Sache steht, ist im stande, mit leichtem Herzen so schwerwiegende Fragen zu erörtern«.
*Schultz, 4) Friedrich Wilhelm, protest. Theolog, geb. zu Friesack, studierte Theologie in Berlin, [* 6] habilitierte sich 1853 in der theologischen Fakultät daselbst, wurde 1856 außerordentlicher, 1864 ordentlicher Professor der Theologie in Breslau, [* 7] wo er starb. Unter seinen Schriften sind zu nennen: »Das Deuteronomium erklärt (Berl. 1859), «Die Schöpfungsgeschichte nach Naturwissenschaft und Bibel« [* 8] (Gotha [* 9] 1865) und die Bearbeitung der Bücher Esra, Nehemia, Esther in Langes »Theologisch-homiletischem Bibelwerk« (Bielef. 1876). *5) Albert, Landwirt, geb. zu Rehna in Mecklenburg, [* 10] erlernte die Landwirtschaft und studierte in Hohenheim und Jena. [* 11] 1855 kaufte er das ertraglose Gut Lupitz in der Altmark und brachte dies ohne Anwendung von Stalldünger zunächst durch Mergelung, dann durch wechselnden Anbau von Blatt- und Halmfrüchten (Stickstoffsammlern und Stickstofffressern) mit Phosphorsäule- und Kalidünger zu hohem Ertrag. Er erbrachte hierdurch den Beweis, daß mineralische Dünger allein zur Erzielung wirtschaftlicher Resultate hinreichen, so daß der nach seiner Ansicht teure Stalldünger überflüssig wird.
Zugleich bilden seine Kulturen einen interessanten Vertrag zu der Lehre [* 12] von der Stickstoffernährung. Er schrieb: »Kalidüngung auf leichtem Boden (4. Aufl., Berl. 1890). *Schultze, 6) Albert von, Forstmann, geb. zu Mainz, [* 13] studierte in München [* 14] Forst-, Rechts- und Kameralwissenschaften, trat 1829 als Forstpraktikant in die Verwaltung, stieg in derselben rasch zum Forstkommissar auf (1838) und wurde 1840 Forstmeister in Partenkirchen, 1847 Regierungs- und Kreisforstrat für Schwaben und Neuburg, [* 15] 1858 für Oberbayern, 1872 Ministerialrat in München und technischer Chef der Forstverwaltung. Er starb S. war Mitbegründer der auf Forschung beruhenden modernen Forstwissenschaft. *Schulz-Briesen, Eduard, Maler, geb. auf Haus Amstel bei Neun (Regierungsbezirk Düsseldorf), [* 16] kam ins Kadettenhaus zu Bensberg, dann nach Berlin, wo er zur Malerei überging, und bezog 1848 die Akademie zu Düsseldorf. 1851 begab er sich auf ein Jahr zur fernern Ausbildung nach Antwerpen. [* 17] Dann malte er viele Jahre hindurch in verschiedenen Städten ausschließlich Porträte, [* 18] von denen das des Dichters Hoffmann von Fallersleben hervorzuheben ist, und illustrierte verschiedene Werke. Seit 1871 lebt er in Düsseldorf, wo er fortan hauptsächlich die Genremalerei kultivierte. Die hervorragendsten seiner Bilder sind: die Kopistin, Kinderkarneval, Verlorne Ehre, im Herrenstübchen, ¶