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In dem SRF-Beitrag «Soja, Hafer und Co. – Pflanzendrinks sind kein Milchersatz» vom 01.11.2023 äusserte die Autorin Regula Zehnder sich sehr kritisch gegenüber pflanzenbasiertem Milchersatz in Hinblick auf den Nährstoffgehalt. Da wir hierzu viele Rückmeldung seitens unserer Community erhalten haben, möchten wir uns gern dazu äussern.
Der Beitrag bezieht sich auf die kürzlich veröffentlichten Daten von Agroscope mit dem Titel «Pflanzendrinks – eine Alternative zu Milch?» und geht wesentlich auf zwei darin verglichene Nährstoffe ein: Eiweiss und Calcium.
In dem Beitrag wird richtigerweise gesagt, dass der Eiweissgehalt mit Ausnahme von Sojadrinks geringer ist als bei Kuhmilch. Jedoch wird nicht erwähnt, dass Kuhmilch in der Bevölkerung keinen wesentlichen Anteil an der Proteinversorgung der Schweizer*innen hat, zumindest nicht in unverarbeiteter Form. Hier liefert sie lediglich 6 g pro 2 dl und damit vergleichbar viel, wie zum Beispiel 30-50 g Tofu. Die Hauptproteinquellen in der Schweiz bestehen zu ca. 2/3 aus tierischen Quellen und davon zu gut einer Hälfte aus Fleischerzeugnissen, so die Auswertung des menuCH Datensatzes von 2021. Milchprodukte liefern etwa 20% der Proteinmenge, aber hier leisten verarbeitete Milchprodukte wie Quark und Käse wesentlich höhere Anteile als Kuhmilch. Zudem ist wissenschaftlich unumstritten, dass der hohe Konsum tierischer Lebensmittel gesundheitlich bedenklich ist und es wird empfohlen, tierische Proteine häufiger durch pflanzliche zu ersetzen. Genauer wird dringend empfohlen den Konsum von Hülsenfrüchten und Vollkorngetreide zu erhöhen. Genau diese Lebensmittelgruppen dienen in der veganen Ernährung als Hauptproteinquellen. Wenn also auf eine ausreichende Zufuhr von pflanzlichen Proteinen in der Gesamternährung geachtet wird, kann man sich ohne Bedenken einen eiweissarmen Haferdrink gönnen. Zudem haben die Erhebungen in der Schweiz und wissenschaftliche Studien gezeigt, dass Veganer*innen zwar weniger Protein zu sich nehmen, aber immer noch über den empfohlenen Zufuhrempfehlungen liegen (Auswertung menuCH 2021; Neufingerl N, Eilander A. Nutrient Intake and Status in Adults Consuming Plant-Based Diets Compared to Meat-Eaters: A Systematic Review. Nutrients. 2021 Dec 23;14(1):29. doi: 10.3390/nu14010029. PMID: 35010904; PMCID: PMC8746448.). Entscheidender ist damit viel mehr die Aussage von Frau Zehnder, dass Milchalternativen viel mehr eine schmackhafte Alternative zu Kuhmilch darstellen und genau dort Verwendung finden, wie zum Beispiel im Kaffee oder im Müsli.
In dem Bericht von Agroscope werden übrigens auch viele positive Eigenschaften der pflanzlichen Alternativen hervorgehoben, welche in dem Beitrag von SRF leider nicht erwähnt werden. So enthalten Sojadrink und Co. im Vergleich zu Kuhmilch Nahrungsfasern und meist deutlich weniger Fett und gesundheitsschädliche gesättigte Fettsäuren (Ausnahme: Kokosalternativen).
Calcium ist thematisch eigentlich viel wichtiger, denn hier sind Milch und Milchprodukte tatsächlich in der Bevölkerung die Hauptquelle. Damit ist Calcium ein potentiell kritischer Nährstoff in der veganen Ernährung. Daher bietet es sich hier an, auf mit Calcium angereicherte Milchalternativen zurückzugreifen, wobei man hier die Bioverfügbarkeit beachten muss, welche in der Regel etwas geringer ist und auch durch den Anteil von Phytat (z.B. in Sojadrink) und Nahrunsfasern beeinflusst wird. Oder man verwendet, wie in dem Beitrag erwähnt wird, alternative Quellen wie Mineralwasser, grünes Blattgemüse oder Supplemente. Supplemente sollten aber im Idealfall mit einer Fachperson besprochen werden, da es hier durchaus Risiken geben kann.