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Sprachen lernen fällt in der frühen Kindheit am leichtesten.
In der frühesten Kindheit, wenn man seine Muttersprache erlernt, bildet sich im Gehirn ein «Netz» aus Nervenzellen heraus. Lernt ein Kleinkind in dieser Zeit eine zweite Sprache, so bildet sich dieses Netz als «Zwei-Sprachen-Netz» heraus. Wenn jemand aber – wie es meist üblich ist – die zweite Sprache erst später erwirbt, muss das Gehirn dafür neben dem ursprünglichen ein neues Netz erstellen.
Die Neurologin Cordula Nitsch forschte mit einem Team der Universität Basel auf diesem Gebiet. Sie zeigte auf, dass dieses zweite Netz für das Gehirn eine beachtliche Anstrengung darstellt. Darum funktioniere das Sprachenlernen in höherem Alter weniger automatisch und mühelos.
Eine Überraschung erlebten Nitsch und ihre Kollegen, als sie Personen untersuchten, die als Kleinkind zwei Sprachen und erst später eine dritte Sprache gelernt hatten. Diese so genannten frühen Bilingualen integrierten auch ihre später erlernte, dritte Sprache in das erste, zweisprachige Netz im Gehirn. Wenn Eltern zwei Sprachen auf dem Niveau einer Muttersprache sprechen, so sollten sie ihr Kind zweisprachig aufwachsen lassen. Sie brauchen auch nicht zu befürchten, dass sie das Kind durcheinander bringen, so Georges Lüdi, Linguist der Basler Forschungsgruppe. Kinder profitieren von der Zweisprachigkeit auch intellektuell und im sozialen Umgang miteinander.
...und als Erwachsene
Müssen sich aber Menschen, die in ihrer frühen Kindheit nur eine Sprache gelernt haben, damit abfinden, Fremdsprachen nie auf hohem Niveau zu beherrschen?
Nein – lautet die Botschaft der Hirnforschung. Durch Übung kann das Gehirn jederzeit leistungsfähige neue Netzwerke schaffen oder bestehende verstärken.
Durch Motivation, Fleiss und insbesondere durch Auslandaufenthalte von über einem Jahr Dauer können die beschriebenen «neuronalen Nachteile» weitgehend kompensiert werden. Allerdings kann eine akzentfreie Aussprache nur in der Kindheit angeeignet werden. Der Schotte Derick Herning, welcher dreissig Sprachen beherrscht, meint aber: «Sprachen lernen hat mit dem Alter nichts zu tun. Entscheidend sind Freude am Lernen, Toleranz gegenüber anderen Kulturen und Schauspieltalent.»