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Juan Carlos Alom studierte Ende der 1980er-Jahre Fotografie im Fachbereich Semiotik am Instituto Internacional de Periodismo »José Martí« in Havanna und arbeitete nebenher bereits als Pressefotograf. Seit den 1990er-Jahren präsentiert der Künstler in experimentellen Fotografien und Filmen gleichsam Sinnbilder der kubanischen Kultur, ihrer Konventionen und sozialen Umgangsformen. So befasst er sich etwa mit der Rolle der Gruppenzugehörigkeit und des Rituals im kubanischen Alltag. Authentische Strassenaufnahmen und Porträts von Jugendlichen bei ihrer existenziellen Suche, von Familiengemeinschaften und von musizierenden Alten erzeugen das Bild eines Landes, das zwischen Realität und poetischer Künstlichkeit oszilliert.
Guillermo Kuitca entwickelte schon in den späten 1980er-Jahren eine Vorliebe für hoch komplexe Konstruktionen, die er verfremdet in seine Malerei übertrug. Durch bewusste Übermalungen und Verwischungen entstanden dichte Gefüge, die allesamt auf Architektur- und Saalplänen, Aufrissen sowie Land- und Strassenkarten basieren. Kuitca schuf Serien und Gruppen von minutiös gemalten Systemen – darunter Untitled (1994–1998) oder L’Encyclopédie (1999–2001) –, die aus der Ferne betrachtet abstrakt wirken, von Nahem jedoch dem Betrachter einen realen Ort eröffnen. Auf der Grundlage dieses kodifizierten Vokabulars gelang es dem Argentinier, seine Motive in neue Zusammenhänge zu überführen und dadurch die Schnittstelle zwischen privatem und öffentlichem Raum zu untersuchen. Diese Relationen steigerte er, indem er Matratzen anstelle der gewöhnlichen Leinwand als Bildträger wählte und somit auch privates Territorium in die öffentliche Sphäre verlagerte.
Diese malerische Umsetzung von architektonischem Raum hat bereits in den 1980er-Jahren das Interesse der internationalen Kunstszene geweckt, sodass Kuitca unter anderem eingeladen wurde, seine Werke an grossen Kunstaustellungen wie der documenta IX (1992) oder der Biennale von Venedig (2007) einem breiten Publikum zu präsentieren.
Jorge Macchi studierte Bildende Kunst an der Escuela Nacional de Bellas Artes »Prilidiano Pueyrredónin« Buenos Aires. Er bedient sich einer Vielfalt an Medien und wechselt spielerisch zwischen den verschiedenen Kunstgattungen von der Skulptur und der Installation über die Zeichnung bis hin zu Video und Fotografie. Ein beständiges Interesse des Künstlers an der Verknüpfung von Musik und Kunst zeichnet sich dabei immer wieder ab. So verwendet Macchi häufiger Walzenspieldosen als Metaphern in seinen Videoarbeiten und überlagert den Mechanismus dieser Automaten collageartig mit Phänomenen aus dem Alltag, etwa den Geräuschen des Autobahnverkehrs. So entstehen kleine lyrische Episoden, die aber sehr wohl auch gesellschaftskritische oder politische Aussagen zum Inhalt haben können.
Seit dem Ende der 1960er-Jahre nimmt Cildo Meireles in seinen Aktionen, Objekten und Installationen unmissverständlich kritischen Bezug auf die bewegte politische und soziale Geschichte seines Landes. Ein weiteres wiederkehrendes Thema im Werk des Künstlers sind die Mechanismen ökonomischer Systeme, welche er immer wieder dezidiert hinterfragt. So manipulierte er z. B. das Erscheinungsbild von Coca-Cola-Flaschen und brachte diese in den Warenkreislauf wieder ein, um so eines der symbolträchtigsten Produkte des nordamerikanischen „Imperialismus“ anzugreifen. Meireles’ Arbeit hat stets einen stark konzeptuellen Hintergrund, indem sie komplexe Ideen aus der Geschichte, der Politik und der Folklore seines Landes zu Environments mit narrativem, aber auch poetischem Charakter verdichtet. Der Betrachter wird in die Werke hineingezogen und angeregt, Schritt für Schritt die miteinander verwobenen Sinnbilder zu identifizieren und die Zusammenhänge zu entschlüsseln.
Die gebürtige Kubanerin Ana Mendieta gelangte 1961 im Zuge der »Operation Peter Pan« ohne ihre Eltern in die USA. Dort wuchs sie in Flüchtlingslagern und diversen Pflegestellen auf, bis sie einige Jahre später mit ihrer Familie wiedervereint wurde. Die Erfahrung des Exils und der Heimatlosigkeit waren in hohem Masse prägend für ihre Arbeit, in der sie die eigene Identität und Vergänglichkeit erforschte und dabei Bezüge zum Mythos und zu Ritualen herstellte.
In den frühen 1970er-Jahren studierte Mendieta Malerei und Intermedia an der University of Iowa, die damals ein künstlerisch offenes Umfeld für Experimente mit neuen Ausdrucksformen bot. Für ihre radikalen Aktionen, die um den eigenen Körper kreisten, machte sie sich in dieser Zeit unterschiedliche natürliche Materialien zunutze und nahm so viele Strategien der heute etablierten performativen Künste vorweg. Bis zu ihrem tragischen Tod im Jahr 1985 realisierte Ana Mendieta unter anderem die konzeptuelle Silueta-Serie, in der sie die Präsenz des Körpers im Kontext des Landschaftsraumes thematisierte.
Oscar Muñoz entschied sich in den frühen 1970er-Jahren für ein Studium der Kunst an dem Instituto Departamental de Bellas Artes in Cali. Die damaligen Tendenzen an der Kunsthochschule waren überwiegend vom Fotorealismus geprägt, die auch auf das frühe Schaffen von Muñoz Wirkung entfalteten. So legte der Künstler den inhaltlichen Schwerpunkt seiner Arbeit auf Phänomene der Urbanisierung und verwendete dabei als Medium hauptsächlich die Fotografie, die ihn aufgrund ihrer dokumentarischen Qualität und ihres „Wahrheitswerts“ besonders ansprach. Dieses Vermögen, mithilfe der Fotografie gleichermassen Realität und Illusion festhalten zu können, aber auch die Herausforderung, Erinnerungen zu bewahren, avancierten in den frühen 1990er-Jahren zur wesentlichen Voraussetzung in Muñoz’ Werk. Oft widmet sich der Künstler den Strategien der (Selbst-)Repräsentation und betont dabei Fragen der Identitätsfindung, der Eigenliebe und nicht zuletzt der eigenen Vergänglichkeit. Diese Motive veranschaulicht er einerseits durch die Fokussierung auf die Darstellung des Körpers und des Gesichtes selbst, andererseits durch die gezielte Verwendung gewisser flüchtiger Materialien wie Atemdunst, Wasser, Licht, Wachs und Staub.
Wilfredo Prieto studierte zwischen 1997 und 2002 Malerei am Instituto Superior de Arte in Havanna, arbeitet aber seit mehreren Jahren fast ausschliesslich im Bereich der Objektkunst und der Installation. Sein konzeptuelles Schaffen entfaltet einen unmittelbaren Bezug zu Alltagserfahrungen, die er in seinen Installationen leicht uminterpretiert: Das scheinbar Gewöhnliche wird verfremdet, so z. B. auch in der Rekonstruktion einer Bibliothek mit 5’000 weissen, unbeschriebenen Büchern (Biblioteca blanca, 2004). Der Künstler sondert bewusst einzelne Merkmale einer Sache, eines Ortes oder einer Konvention aus, sucht dabei aber das Wesentliche seines Gegenstandes zu bewahren. Ähnlich verfährt Prieto bei der Konzeption seiner Environments im öffentlichen Raum, bei deren Umsetzung auch immer der unmittelbare örtliche Kontext Berücksichtigung findet.
Wilfredo Prieto vertrat Kuba zwei Mal, 2007 und 2013, auf der Biennale von Venedig.
Miguel Angel Ríos studierte an der Academia Nacional de Bellas Artes in Buenos Aires, bevor er in den 1970er-Jahren vor der argentinischen Militärdiktatur nach New York floh. Zurzeit pendelt Ríos zwischen Mexiko City und New York.
Seit den 1990er-Jahren widmet sich der Künstler in seinem konzeptuell geprägten Werk den Themen Kolonialismus und Globalisierung. Es entstanden minutiös bearbeitete Skulpturen und Reliefs, die auf kartografischen Vorlagen basieren. Seit Beginn der 2000er-Jahre realisiert Ríos auch raumgreifende Installationen, in denen er mit bewegten Objekten und mit Sound arbeitet – so auch in den poetischen Filmen A morir, 2003, und Return, 2003/04, in denen er anhand von »trompos«, der spezifisch mexikanischen Variante des Spiels der Peitschenkreisel, Dynamiken der menschlichen, aber auch der kulturellen und politischen Interaktion in eine abstrakt-metaphorische Form überträgt.
Miguel Ángel Rojas studierte Architektur, englische Literatur und Bildende Künste und unterrichtete zwischen 1987 und 2006 selbst Malerei und Freie Kunst an der Universidad Nacional de Colombia in Bogotá. Seit den 1960er-Jahren nimmt der Künstler, der sich gegen das Konzept einer Kunst um der Kunst willen wendet, in Fotografien, Zeichnungen, Druckgrafiken, aber auch in Videoarbeiten und Installationen Bezug auf die brisante Realität seines Landes. Rojas verfolgt eine Strategie der Narration und thematisiert dabei sowohl die Tragödien seines Landes, etwa die Gewalt der Drogenkriege, als auch (persönliche) Erfahrungen der Marginalisierung und Ausgrenzung, wie sie z. B. Homosexuellen immer noch zuteil werden.
Doris Salcedo studierte zunächst Malerei und Kunstgeschichte an der Universität von Bogotá, dann in den frühen 1980er-Jahren Bildhauerei an der New York University. 1985 kehrte die Künstlerin nach Kolumbien zurück, wo sie auf zahlreichen Reisen innerhalb ihres Landes Überlebende und Angehörige von Opfern brutaler Gewaltübergriffe kennenlernte. Die dadurch bewirkte Sensibilisierung für die Themen Krieg, Entfremdung, Orientierungslosigkeit und Heimatverlust bildet seitdem den Kern der Arbeit von Doris Salcedo. So schafft sie aus Möbelstücken und anderen Alltagsgegenständen sowohl kleine skulpturale Gefüge mit privatem Charakter als auch monumentale Installationen – häufig auch für den öffentlichen Raum –, in denen sie ihr politisches und gesellschaftliches Bewusstsein in eine eigenständige künstlerische Interpretation überführt. Das Verantwortungsgefühl angesichts aktueller politischer Missstände, das Salcedo umtreibt, tritt in ihren raumgreifenden Installationen geradezu als eine Notwendigkeit zum Vorschein und verleiht diesen gleichsam die Anmutung von Denkmälern. Obwohl ihre Werke häufig konkrete Ereignisse als Entstehungshintergrund haben, bieten sie stets Raum für Interpretation und gewinnen somit eine universale Gültigkeit und Wirksamkeit.
Santiago Sierra studierte Bildende Kunst in Madrid, Hamburg und anschliessend in Mexiko City, wo er sich 1995 für mehrere Jahre niederliess. Gegenstand seiner gesellschaftskritischen Projekte sind meistens die Mechanismen und sozialen Aspekte des Kapitalismus: der Stellenwert der Arbeit, die Ausnutzung des Menschen als Ressource und das Verhältnis von Armut, Prekarität und Ausbeutung. So untersucht der Künstler in Aktionen und Performances mit bezahlten Laiendarstellern, inwieweit der Mensch seine Identität und seinen Körper im Dienste der Arbeit zur Verfügung stellt und ob er unter Umständen bereit ist, sie ganz aufzugeben. Diese Inszenierungen sind darauf angelegt, beim Betrachter grosses Unbehagen hervorzurufen, indem das Ausgeliefertsein der Performer häufig moralische Bedenken und ein Gefühl der Ohnmacht zu wecken vermag.
Nach einem Kunststudium an der University of Reading wurde Mexiko City für Melanie Smith 1989 zur Wahlheimat. In ihren Filmen, Fotografien und Gemälden findet die britische Künstlerin eindrückliche Bilder für die Unermesslichkeit der mexikanischen Metropole. Dabei untersucht sie die ökonomischen, sozialen und kulturellen Implikationen, die mit dem anhaltenden Wachstum dieses Ballungszentrums einhergehen. Obwohl ihre Filme grundsätzlich die Realität der Stadt schildern, erfassen sie stets nur ganz isolierte Orte oder partikuläre Momente des Alltagslebens. Durch diese Fokussierung gewinnt ihr Werk einen fast abstrakten Charakter. 2011 bespielte Melanie Smith den mexikanischen Pavillon an der 54. Biennale von Venedig.