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Die kurzen Hitzewellen im Sommer treiben jedes Jahr seltsame Blüten. So konnte der Bahnreisende diese Woche im Zürcher Hauptbahnhof die auf dem Bild ersichtliche Hilfskonstruktion bewundern. Da die Lüftung im Shopping Center die Wärme offensichtlich nicht mehr bewältigen konnte, griff der Ladenbesitzer zum mobilen Klimagerät. Normalerweise hängt man den Schlauch mit der heissen Abluft ja aus dem gekippten Fenster; vorliegend musste die heisse Luft notgedrungen in die Fussgängerpassage abgeführt werden. Das ist ungefähr so, als ob man seine Wohnung mit einer offenen Kühlschranktür kühlen würde. Energetischer Unsinn.
In den meisten Bauten und Anlagen werden festinstallierte Klimaanlagen nicht bewilligt. Die mobilen Klimageräte haben im Sommer entsprechend Hochkonjunktur. Die Rechtswissenschaft befasst sich aber leider immer noch sehr wenig damit, wie Gebote und Verbote in der Praxis tatsächlich gelebt werden. Umgehungsverhalten ist vor allem im Steuerrecht ein Thema. Im Bereich Energieeffizienz werden in der empirischen Sozialforschung u.a. "Rebound-Effekte" und "Moral Licensing" als Phänomene diskutiert. Diese Effekte können energetische Massnahmen in ihrer Effektivität beeinträchtigungen oder gar zunichte machen.
Rebound-Effekte treten auf, wenn ein Gut durch erzielte Einsparungen günstiger wird und dadurch stärker nachgefragt wird. So wird erwartet, dass energiesparende Lampen mit zunehmender Verbreitung auch vermehrt eingesetzt werden. Das Moral Licensing beschreibt psychologische Phänomene, bei denen sich Personen für gutes Verhalten selbst belohnen. So ist bekannt, dass Personen, die ihre eigene Einkaufstasche in den Laden bringen, mehr Schokolade konsumieren. Personen, die zum Wassersparen angehalten wurden, steigerten in erheblichem Ausmass ihren Energieverbrauch. Und jeder Zürcher Fussgänger weiss, dass die dortigen Radfahrer mit einer "License to kill" unterwegs zu sein glauben. Auch in der Energieeffizienz gilt, dass die Summe aller Laster gleich bleibt.
St.Gallen, 17. Juli 2015