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Im Hinblick auf die Olympischen und Paralympischen Spielen in Tokyo 2020 widmet sich die Sonderausstellung den japanischen Kampfkünsten und beleuchtet deren Philosophie und Geschichte sowohl in Japan wie in der Schweiz. Ein Teil der Ausstellung stellt ausserdem Tokyo 2020 näher vor. Budo (武道) bedeutet „Weg des Kriegers“ und wird heute vorwiegend als Oberbegriff für die japanischen Kampfkünste genutzt.
In Zuammenarbeit mit den Schweizer Budo-Verbänden gibt die Ausstellung einen tieferen Einblick in den „Weg des Kriegers“ anhand von zahlreichen Ausstellungsobjekten und weiterführenden Informationen.
Erik Golowin wird am 28. Februar 2018 die offizielle Grussbotschaft der SKF halten.
Er verfasste, unter dem Titel, Der Weg der leeren Hand, den Beitrag der SKF zur Geschichte des Karate-do:
Japanische Meister, die Mitte der Neunzehnfünfzigerjahre Demonstrationsreisen unternahmen, versetzten Amerikaner und Westeuropäer mit Vorführung einer bis anhin unbekannten Kunst in Erstaunen. Mit blossen Händen zerschlugen sie Ziegelsteine, Bretter und Stapel von Dachziegeln und durchbohrten mit gestreckten Fingern Melonen: Meister Oyama schlug gar mit der Hand einem Stier die Hörner ab. Diese «exotischen Tricks» wurden mit äusserster Präzision durchgeführt und von konzentrierten Ritualen eingerahmt. Wenige Jahre vergingen, und schon wiederholten junge Leute in verschiedensten Ländern die Kunststücke der japanischen Meister. Karate eroberte die Welt und ist heute eine international anerkannte Wettkampfform, geprägt vom Geist und der Kultur Ostasiens.
Die Verbindung eines kulturellen Bezugs mit effizienten Selbstverteidigungstechniken faszinierte auch Interessierte in der Schweiz. Die erste Karateschule wurde 1957 von Bernard Cherix in Sion gegründet. Ohne seine Pionierarbeit wäre die Entwicklung des Schweizerischen Karateverbandes, so, wie er sich heute präsentiert, kaum möglich gewesen. Nachdem er 1958 die Karateprüfung zum 1. Dan (schwarzer Gurt) bestanden hatte, wurde er zu einer der treibenden Kräfte, welche die Organisation voranbrachte. Anfangs Sechzigerjahre wurden die damals rund zehn existierenden Karateklubs vom Schweizerischen Judoverband aufgenommen und Cherix wurde erster Präsident der Technischen Kommission. Als in Paris die Europäische Karate-Union (EKU) mit Jaques Delcourt als Präsidenten ins Leben gerufen wurde (1965), wählten die anwesenden Landesvertreter Cherix zum zweiten Vize-Präsidenten. Im Folgejahr fanden die ersten Elite-Europameisterschaften in Paris statt – die Schweiz erreichte hinter Frankreich den zweiten Platz. Die Swiss Karate Federation (SKF) wuchs schnell, löste sich 1970 vom Schweizerischen Judo- und Budoverband und wurde eine eigenständige Organisation. Im gleichen Jahr war sie Gründungsmitglied der World Karate Federation (WKF, damals noch World Union of Karate-Do Organization). Seitdem ist die WKF zu einem weltweit etablierten Verband herangewachsen. Die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokyo 2020 ist ein Höhepunkt und eine Anerkennung der Jahrzehnte langen Entwicklungsarbeit zahlreicher Karateka und Verbandsfunktionäre – einer Aufbauarbeit, die von der Schweiz aktiv mitgestaltet wurde.
Das japanische Karate, wie wir es heute kennen, stammt ursprünglich aus Okinawa, der grössten Insel des Ryukyu-Archipels. Viele Jahrhunderte hindurch konnte das kleine Inselreich seine Unabhängigkeit bewahren. Im 17.Jahrhundert überfiel Japan die Insel und machte sie unter der Zentralgewalt der Tokugawa zu seinem Hoheitsgebiet. Von den japanischen Statthaltern wurde ein strenges Verbot erlassen, das jeglichen Besitz von Waffen ausdrücklich untersagte. Dies führte unmittelbar zur Weiterentwicklung des Okinawa-te (Jap. «Te» bedeutet «Hand»), der bestehenden waffenlosen Faustkampfkünste. In den drei Te-Stilen Okinawas (Naha-, Shuri- und Tomari-te, benannt nach den drei Städten, wo sie entstanden) sind die Einflüsse berühmter chinesischer Kungfuschulen sichtbar. Die Bevölkerung Okinawas verband technische und philosophische Elemente mit ihren eigenen Stilen und schuf so neue, eigenständige Schulen. Im 19. Jahrhundert begannen sich zwei Hauptstile herauszubilden: Shorin- und Shorei-Ryu. Aus diesen entstanden in Japan anfangs des 20. Jahrhunderts die vier grossen Stile Shotokan, Wado-Ryu, Shito-Ryu und Goju-Ryu. Bei der Suche nach einem geistigen Fundament griffen Begründer des Karate auf das Bushido («Weg des Kriegers») zurück. Dieser Weg war während Jahrhunderten der ungeschriebene Ehren- und Sittenkodex der Samurai und gründete in den drei grossen Traditionen: Der Buddhismus und vor allem die Zen-Philosophie steuerte das Idealbild von innerer Ruhe und meditativer Haltung bei. Der Shintoismus, als japanische Urreligion, verlieh dem Bushi (Krieger) eine in Fleisch und Blut übergehende Treue zu seinem Fürsten und zum Geist der Vorväter, und der Konfuzianismus gab ihm das Element des gelassenen und weisen Handelns in der Welt. Das gemeinsame Ziel aller Kampfkünste ist letztlich die Suche nach der Einheit mit den inneren und äusseren Naturgesetzen: Körper und Geist sollen soweit geschult werden, bis unser Handeln aus einer absichtslosen inneren «Leere» entsteht. Diese «Leere» findet im Wort Karate ihren Ausdruck: «kara» bedeutet «leer» und dies nicht nur im Sinne von «waffenlos».
Die erfolgreiche Integration des Karate in das System der schweizerischen Sportförderungsinstitutionen dauerte mehr als 30 Jahre. Seit 1988 leitet Roland Zolliker, Präsident der SKF, zusammen mit dem Zentralvorstand und den Sektionen diese systematische Entwicklungsarbeit. Mit dem Aufbau von Jugend+Sport (J+S-Karate), vom Erwachsenensport (esa) und den Leistungssportstrukturen (Swiss Olympics) konnte sich die SKF zu einem modernen Landesverband entwickeln. Da in der Verbandsgeschichte die Mitglieder der Nationalmannschaft regelmässig gute internationale Resultate erzielten, hat der Verband 2017 im Förderungssystem von Swiss Olympics die Stufe Zwei erreicht. Die SKF war auch Gründungsmitglied des Vereins «sportartenlehrer.ch», so dass heute die Tätigkeiten des Karatelehrers und des Dojo-Leiters neu als Beruf mit eidgenössischer Anerkennung erlernt werden können. Diese Modernisierungsprozesse stellen die Ausbildungsverantwortlichen vor neue Herausforderungen: Inwiefern ist die traditionelle philosophische Ausrichtung des Karate-do noch Bestandteil des modernen Unterrichts? Bei der Umsetzung des Rahmenkonzepts von Swiss Olympic zur Sport- und Athletenentwicklung (FTEM) will die SKF künftig die Verbindungen zwischen Breitensport und Leistungssport auf allen Stufen inhaltlich koordinieren. Dabei gilt es, die pädagogischen Werte des Karate in einer aktualisierten Form zu bewahren und eine innovative, zeitgemässe Förderung des Leistungssports zu verwirklichen. So können Budo-Künste auch im 21. Jahrhundert einen konstruktiven Beitrag für die Bewegungs- und Sportkultur unserer Gesellschaft leisten.