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Gebirge in der Region Northwest Pacific (USA)
Pierre Galland, Neuchâtel
Zwei grosse Gebirgsketten im Westen der USA sind wohlbekannt: die Rocky Mountains, die das Land von Süd nach Nord durchziehen und sich, näher zur Westküste verlaufend, in Kanada fortsetzen; die Sierra Nevada, die Kalifornien in der Längsrichtung zweiteilt. Nördlich von Kalifornien, in direkter Verlängerung der Sierra Nevada, beginnt die Cascade Range, durchzieht Oregon und Washington und verschmilzt dann mit den Rocky Mountains und den Coast Mountains von British Columbia in Kanada.
Die Cascade Range besteht aus zahllosen dunklen vulkanischen Gipfeln mit einer durchschnittlichen Höhe zwischen 2300 und 2800 Metern. Darüber ragt eine Reihe weisser Pyramiden auf, fesselt schon von ferne den Blick und lässt das Herz des Kletterers und Skifahrers rascher schlagen. Es sind die Kegel einer sich von Nord nach Süd erstreckenden Reihe von Vulkanen, deren höchster, der Mount Rainier ( 4392 m ), der dritthöchste Berg der USA -ohne Alaska - ist; höher sind der Mount Whitney ( 4418 m ) in der Sierra Nevada ( Kalifornien ) und der Mount Elbert ( 4399 m ) in den Rocky Mountains ( Colorado ). Es ist interessant, dass der Höhenunterschied zwischen den drei höchsten Gipfeln der USA, die durch Tausende von Kilometern getrennt sind und zu Massiven ganz verschiedenen Alters und geologischen Ursprungs gehören, insgesamt nur knapp 30 Meter beträgt.
Doch zurück zur Cascade Range und ihren wichtigsten Gipfeln. Von Süd nach Nord sind das: Lassen Peak und Mount Shasta ( 4317 m ) in Kalifornien; Mount McLoughlin, Three Sisters, Mount Jefferson, Mount Hood ( 3427 m ) in Oregon; Mount Adams, Mount Saint Helens, Mount Rainier, Glacier Peak, Mount Baker in Washington; schliesslich Mount Garibaldi in British Columbia, nur wenig nördlich von Vancouver. Alle diese Vulkane haben in - geologisch gesprochen - ganz naher Vergangenheit Zeiten intensiver Aktivität erlebt, einige von ihnen - zum Beispiel Lassen Peak, Mount Saint Helens, Mount Baker — sind auch heute noch sehr aktiv. Manche bilden das Zentrum eines Nationalparks - Lassen Volcanic National Park, Crater Lake National Park, Mount Rainier National Park, North Cascades National Park - oder gelten, wie Mount Saint Helens, als National Monument.
Ausser der gut tausend Kilometer langen, parallel zur Küste verlaufenden Barriere der Cascade Range wären noch die verhältnismässig unbedeutende Coast Range in Oregon und vor allem das bedeutende Massiv der Olympic Mountains zu nennen, dessen Gipfel trotz ihrer bescheidenen Höhe ( Mount Olympus: 2427 m ) von zahlreichen Gletschern bedeckt sind. Das Massiv liegt im grossen und sehr schönen Olympic National Park, zu dem ausserdem ein Stück Felsküste, in niederen Höhenlagen Regenwälder ( rain forests ), aber auch wilde Gebirgstäler und verschneite Gipfel gehören.
Seattle und der Puget Sound, Tor zur Region Northwest Pacific Die Stadt Seattle war Ende des letzten Jahrhunderts, zur Zeit des Goldrausches, als Ausgangspunkt für den Weg zum Yukon bekannt. Heute dankt sie ihren Ruf vor allem den Boeing-Werken und dann dem Rain Festival, dem Fest des Regens, der - wie böse Zungen behaupten - von Oktober bis Juni dauert. Seattle liegt auf der geographischen Breite von Paris und hat dank der Meeresnähe ein gemässigtes Klima. Tatsächlich ist die jährliche Niederschlagsmenge der des Schweizer Mittellandes vergleichbar. Allerdings weicht die jahreszeitliche Verteilung ab, die Sommermonate sind im allgemeinen extrem trocken. Die Stadt erhebt sich am Ufer des Puget Sound, eines tief ins Land eingreifenden Meeresarms mit bewaldeten Inseln; am Horizont ragen die Olympic Mountains und die Cascade Range auf.
Diese parallel zur Küste verlaufenden Gebirge bilden beachtliche Klimabarrieren, die nahezu die gesamte vom Pazifischen Ozean kommende Feuchtigkeit zurückhalten. An der pazifischen Seite der Olympic Mountains be- tragen die Niederschläge jährlich zwischen vier und fünf Meter, im nur ungefähr 300 Kilometer von der Küste entfernten Zentrum des Staates Washington dagegen nicht einmal mehr 20 Zentimeter. Sie fallen im Winter ausserordentlich reichlich, in den tiefen Lagen als feiner Regen, auf die bergigen Partien senkt sich dagegen von November an eine dicke Schneedecke. Nicht selten werden zu Beginn des Frühlings Schneehöhen von mehr als sechs Meter noch unterhalb einer Höhe von 2000 Meter gemessen. Die genaue Schneemenge, die auf die höchsten Gipfel der Olympic Mountains niedergeht, ist nach wie vor unbekannt, denn das Innere des Massivs ist unbewohnt, und nur sehr wenige wagen sich im Winter dorthin.
Da ich die Gelegenheit hatte, mehr als zwei Jahre in Seattle zu verbringen, möchte ich hier von Erinnerungen und von Eindrücken berichten, die ich von der Besteigung der vier höchsten Gipfel des Staates Washington zurückgebracht habe.
Mount Baker ( 3285 m ) Ein erster Sommer war damit vergangen, die alpine Zone knapp oberhalb der Baumgrenze zu durchstreifen und ihre Flora zu studieren. Im Winter hatten wir bei einigen Skitouren unsere Spuren auf bescheidenen Gipfeln ziehen können und den Zauber der sich so weit das Auge reicht erstreckenden wilden, schneebedeckten Berge bewundert.
Erst Anfang August 1985, auf der Rückkehr von einem Ausflug in die North Cascades, hatten wir das Glück, einen Sonnenuntergang über dem Gipfelgletscher des Mount Baker zu erleben. Sofort beschlossen wir, seine Besteigung zu versuchen. Aus dem Studium von Führern war uns bekannt, dass sie leicht ist und der Anmarsch kurz.B.ei einer raschen Erkundung konnten wir die Aufstiegsroute bis zum Gletscher ausmachen.
Zwei Stunden Weg durch dichte Wälder von Tannen, Fichten, Thujen und Hemlocktannen bringen uns auf den Kamm der Moräne. Dort, auf ungefähr 1700 Metern Höhe, haben Generationen von Bergsteigern eine Reihe kleiner Plattformen für Zelte angelegt. Jedes der vom Gletscher herkommenden Bächlein ist von lebhaft bunten Blumen gesäumt: Ehrenpreis und Lupinen leuchten blau, Weidenröschen rosarot, Monkeyflowers ( Mimulus ) gelb und leuchtend rot schliesslich der Indian Paintbrush ( Castilleja ).
BRITISH COLUMBIA-CANADA Northeast Cascades Wir sind mit der Morgendämmerung aufgestanden, nehmen mit Steigeisen den Coleman Glacier in Angriff und gelangen mühelos zum Pass, zum Ausgangspunkt für den Südwestgrat. Dicker Nebel umhüllt uns und lässt uns einen Augenblick zögern. Doch die Spuren auf dem Grat reizen uns, den Weg fortzusetzen, und wir erklimmen die steilen Hänge unter dem Gipfel, teils über dunkelrotes und sehr brüchiges vulkanisches Gestein, teils im Schnee. Plötzlich mischen sich Schwefeldämpfe - erste Anzeichen des Gipfelkraters -mit dem Nebel, den der Wind über unsern Köpfen dahintreibt; sie erinnern uns daran, dass Mount Baker ein noch immer aktiver Vulkan ist. Zu unserer freudigen Überraschung reisst der Nebel auf, als wir die letzten Steil-böschungen bewältigen und das Gipfelplateau erreichen. Von dort oben aus entdecken wir den Puget Sound, die Strait of Juan de Fuca - die Meerenge, in der die Grenze zu Kanada verläuft - und die steilen Hänge von Vancouver Island.
Wir sind nach noch nicht einmal sechs Monaten zum Mount Baker zurückgekehrt, diesmal jedoch von Süden her. Zwischen Weihnachten und Neujahr war der Puget Sound in eisigem Nebel verschwunden, doch das Radio sagte sehr schönes und mildes Wetter in der Höhe voraus. Wir haben Zelt und Ski mitgenommen und am 28. Dezember die Südseite des Berges erreicht. Nach fünfstündigem Aufstieg konnten wir unser Zelt zwischen den letzten Bäumen aufschlagen und die untergehende Sonne auf den Cascades und - oberhalb des Nebels - auf den Olympic Mountains geniessen. Am nächsten Tag - die Schneedecke war an der Oberfläche ganz leicht aufgeweicht - erfreuten wir uns an der Sonne und einer herrlichen Skitour in vollkommener Einsamkeit, während die vom Gipfel herabsinkenden schwefligen Dämpfe um uns trieben.
Tief in der Cascade Range versteckt: Glacier Peak ( 3213 m ) Diesmal hat alles an Bumbershoot begonnen, dem dreitägigen Fest, das in Seattle den Sommer beschliesst; bumbershoot nennt man dort in der Umgangssprache den Regenschirm. Wir waren fest entschlossen, das verlängerte Wochenende zu benutzen, um die Besteigung des Glacier Peak zu versuchen, für die der Ausgangspunkt nicht einmal 700 Meter hoch liegt.
Am Samstag ist die Wettervorhersage schlecht, also hören wir uns in Seattle Center Folk und Jazz an. Zum Glück ist die Prognose am Sonntag morgen besser; wir beschliessen, das Abenteuer in nur zwei Tagen zu wagen. Zunächst geht es den White Chuck River aufwärts, erst im Wagen, dann zwölf Kilometer zu Fuss, wobei wir kaum 300 Meter Höhe gewinnen. Etwas oberhalb von Kennedy Hot Spring zwingt uns ein heftiges Gewitter, schon bei der Einmündung in den Pacific Coast Trail unser Zelt aufzuschlagen. Es ist dies jener markierte Weg, der auf dem Gebirgskamm über mehr als 3500 Kilometer von der mexikanischen zur kanadischen Grenze führt. Das Gewitter zieht weiter, und wir können uns an einem grossen Feuer trocknen. Wir machen uns wenig Hoffnung für den morgigen Tag, doch dann geht gegen zehn Uhr abends der Vollmond an einem wolkenlosen Himmel auf.
Noch mitten in der Nacht verlassen wir die Zelte und folgen dem Weg bis zur Abzweigung des Pfades, der uns aus dem Wald hinausführen soll. Der Platz ist gut wiederzufinden, weil mehrere Zelte dort stehen; doch selbst nach einer zwanzigminütigen Suche mit unsern Stirnlampen gelingt es uns nicht, zwischen grossen Steinblöcken und dichtem Buschwerk den Anfang unseres Pfades zu finden. Als letzte Rettung weckt Roland einen der Zeltler, der uns die richtige Route zeigt. Bei Tagesanbruch kommen wir aus dem Wald heraus; dort hatten wir eigentlich unser Lager aufschlagen wollen. Das Wetter ist prächtig, der Weg über den Gletscher klar zu erkennen, und wir hegen von neuem die Hoffnung, den Gipfel zu erreichen. Einige Zentimeter Neuschnee erschweren uns die Aufgabe ein wenig, denn sie haben alle alten Spuren zugedeckt, so dass wir gezwungen sind, uns unsern Weg zwischen den Eistürmen des Gletschers zu suchen. Gegen mittag stehen wir endlich, nach einem letzten, frisch verschneiten Couloir, auf den Gipfelblöcken und bewundern die dunklen gewundenen Täler, die zahllosen Gipfel, Kämme und Pässe rings um uns her.
Der Abstieg bringt uns schnell zum Zelt, das bald wieder oben auf dem Rucksack untergebracht ist. Auf einem kleinen Umweg kommen wir zum Sammelbecken des Wassers von Hot Spring, in das wir unsere Hände tauchen. Dann erwartet uns noch ein endloser flacher Weg entlang des Flusses, und es ist Nacht, als wir unsere Tour beenden. Nahezu 2000 Meter Höhenunterschied in jeder Richtung und gut zwölf Kilometer ebenen Rückweges, das ist viel für einen einzigen Tag!
Mount Rainier - der Berg, der ein Gott war ( 4392 m ) Mehr als ein Jahr lang hatte, jenseits der Wolkenkratzer von Seattle, der weisse Gipfel des Mount Rainier - er hiess ursprünglich Ta-homa wie eine indianische Gottheit - unsere Blicke an jedem schönen Tag angezogen. Ende September ergab sich dann die günstige Nächste Doppelseite: Mount Adams vom Camp Muir ( Mount Rainier ) aus Gelegenheit, einen seiner Gletscher, von denen es 26 offiziell benannte gibt, zu ersteigen. Die Normalroute des Mount Rainier geht von Paradise ( 1500 m ) aus und führt über Camp Muir ( 3000 m ), die einzige Berghütte des ganzen Gebiets. Alle anderen Besteigungen unternimmt man von improvisierten Camps aus. Eine Skitour im März hatte uns ermöglicht, unseren Weg bis Camp Muir zu erkunden, und uns überzeugt, dass der Aufstieg verhältnismässig einfach sein würde. Allein, das im Frühling während langer Zeit ( durchzogene ) Wetter hatte unsern Versuch hinausgezögert, schliesslich bis nach dem Ende der touristischen Saison.
Nachdem wir uns bei den Rangers - den Aufsehern im National Park, ordnungsgemäss eingetragen und unser backcountry permit erhalten haben, verlassen wir Paradise. Bei diesem Permit handelt es sich um die Genehmigung, im National Park zu zelten; mit seiner Hilfe kann die Anzahl Personen in jedem Sektor kontrolliert werden, so dass die maximal tolerierbare Belastung der empfindlichen Gebirgswelt nicht überschritten wird. In etwas weniger als vier Stunden steigen wir, zunächst auf einem guten Pfad, dann über den Gletscher, zu der auf einem schmalen Felskamm erbauten Hütte auf. Sie ist an diesem Samstagabend nicht sehr besucht, so dass zwei von uns im Haus schlafen können; das Zelt schlagen wir in ihrer unmittelbaren Nähe auf.
Wir verbringen einen schönen Abend und eine gute Nacht, die nur von Mitternacht an etwas gestört wird, weil ein Aufbruch dem andern folgt. Wir verlassen das Lager gegen 3.30 Uhr bei hellem Mondschein und ohne Lampen. Ansteigende Traversierung des Gletschers, Aufstieg über Geröll, Zickzackwege zwischen Spalten folgen einander, dann erreichen wir den grossen Hang des Emmons Glacier, dem wir bis zum Gipfel treu bleiben wollen. Doch welche Überraschung! Uns kommen Leute mit Stirnlampen entgegen. Der Führer der Gruppe erklärt uns, sie seien in einem stark zerklüfteten Gebiet auf eine zehn Meter tiefe Spalte gestossen, die im Verlauf des gestrigen Abends oder der Nacht durch einen Eisabbruch entstanden war. Nicht sehr begeistert von dem Gedanken, auf mehr als 3500 Metern zwei Stunden den Anbruch des Tages abzuwarten, hatten sie beschlossen umzukehren. Für uns ist das einfacher, wir werden die schwierige Zone mit den ersten Sonnenstrah- len erreichen. Tatsächlich ist die von den Seilschaften der vorhergehenden Tage benutzte Passage blockiert. Nach zwei oder drei Versuchen beschliessen wir, in einen Schrund abzusteigen, auf dessen Grund wir vorankommen können, um jenseits der chaotischen Bruchzone wieder aufzusteigen. Gesagt, getan - einige Stufen schlagen, dann ein kurzes Abseilen mittels einer Eisschraube, und wir erreichen den Boden der Spalte. Ein paar vorsichtige Schritte, dann kommen wir wieder an die Sonne und ein paar hundert Meter weiter auf die Fortsetzung der alten Aufstiegsspur. Es folgt ein langer und eintöniger Hartschnee-hang bis zu dem Bergschrund, der den Gipfel umgibt.
Wir gehen einen imponierenden Gletscherüberhang entlang und finden endlich eine nicht zu steile Stelle, wo wir ein kleines Stück in einem Riss zu dem Hang emporklimmen können, der zu den beiden miteinander verbundenen Kratern führt. Sie bilden den Hauptgipfel. Gegen elf Uhr erreichen wir schliesslich den wenig beeindruckenden, geröllbedeckten Kamm, der den höchsten Punkt des Berges bildet. Die Aussicht ist etwas enttäuschend, denn das Auge entdeckt über dem herbstlichen Nebel nur Mount Adams und, noch weiter im Süden, Mount Hood.
Der Abstieg geht schnell - bis zu der Kluft, die uns am Morgen aufgehalten hat. Kurz ehe wir sie überqueren, treffen wir auf eine Gruppe, deren Führer auf dem Schnee liegt und unsere Hilfe erbittet. Ihn hat die Bergkrankheit gepackt, und er fordert, mit einem Helikopter ausgeflogen zu werden. Da er Er-ste-Hilfe-Lehrer des örtlichen Klubs ist, diskutieren wir nicht. Ich helfe meinen drei Kameraden, die heikle Passage zu bewältigen, und schicke sie nach Camp Muir, damit sie einen Ranger alarmieren. Mit der Hilfe von zwei jungen Bergsteigern aus Colorado bringen wir den Kranken und seine Gruppe an einen vor herunterstürzendem Eis geschützten Platz. Der Kranke kann sich noch aus eigener Kraft fortbewegen; wir schlagen ihm darum vor, den Abstieg zu versuchen, aber er weigert sich. Seine Gefährten richten ein Biwak ein für den Fall, dass der Helikopter nicht mehr am selben Abend kommen sollte. Angesichts ihrer spärlichen Ausrüstung versuchen wir, sie zu überzeugen, dass sie besser die beiden unerfahrenen jungen Mädchen der Gruppe, die schon ganz starr vor Kälte sind, mit uns absteigen lassen. Aber umsonst, anscheinend verlangt eine Regel, dass sich eine Gruppe nicht trennt. Darauf kehren wir zu dreien nach Camp Muir zurück, überlassen jedoch der Gruppe all unser Ersatzmaterial.
Photo Pierre Gallane Prächtiger Blumenteppich am Fuss des Gletschers Mount Adams, ein vergessener Riese im Süden des Staates Washington ( 3751 m ) Sowohl auf dem Mount Rainier als auch auf den Hängen von Mount Saint Helens wurde unser Blick oft von der eindrucksvollen Silhouette des Mount Adams angezogen. Dass er so weit entfernt war, liess uns den Entschluss hinzufahren lange hinausschieben. Zur Besteigung der Südflanke wird dabei ein Weg benützt, der für die Maultierkarawanen, die den früher in nächster Nähe des Gipfels abgebauten Schwefel ins Tal transportierten, angelegt wurde. Wir beschlossen darum, den Aufstieg auf Ski zu unternehmen. Es ist schwierig, Auskünfte über die Möglichkeiten des Skifahrens in grossen Höhen zu erhalten. Die in den Alpen übliche Verwendung von Fellen ist nahezu unbekannt. Die meisten Skifahrer benutzen Langlaufski mit Kanten, ausserdem beherrschen sie die Telemarktechnik, die sie ausserhalb der Pisten einsetzen, mit grosser Meisterschaft. Daher sind Skifahrer, die sich auf die höchsten Gipfel wagen, sehr selten. Wir müssen also sehen, wie wir allein zurechtkommen.
Anfang Juni 1986 machen wir uns auf den Weg, der uns über Yakima an den Fuss des Berges bringen soll. An diesem Tag steigt die Temperatur im Südosten des Staates auf mehr als 100°F, was ungefähr 40°C entspricht. Komische Idee, mit Ski loszuziehen! Doch zu unserer Überraschung hält uns schon am Morrison Creek, also auf nur 1400 Metern, Altschnee auf der Strasse auf. Ehe wir die Ski endgültig anschnallen können, müssen wir sie aber doch noch anderthalb Stunden tragen. Um zwei Uhr mittags durchnässt uns ein plötzliches kleines Gewitter und zwingt uns, zur Zeit der Siesta das Zelt aufzuschlagen. Es ist ein angenehmes Gefühl, sich auszuruhen, während der Regen auf die Zeltplane trommelt. Gegen vier Uhr machen wir uns wieder auf den Weg und steigen zwei weitere Stunden auf. Unser Lager errichten wir in der Nähe der letzten verkrüppelten Bäume.Von dort können wir interessante Lichtspiele am Himmel bewundern, der im Westen von Gewitterwolken beherrscht wird.
Am Sonntag morgen ist das Wetter beständig, und der oberhalb von 300 Metern harte Schnee erleichtert einen Aufstieg ohne Zwischenfälle über einen langen Hang, der zu einem Vorgipfel führt. Dort lassen wir unsere Ski zurück, denn der letzte Grataufschwung besteht aus sehr hartem Schnee voller alter Fussspuren.
Schon um neun Uhr stehen wir auf der grossen Schneekuppe des Gipfels. Eine traumhafte Abfahrt über den nun etwas aufgeweichten Schnee steht uns bevor. Sie wird einen glücklichen Abschluss dieser prächtigen Frühjahrstour, zugleich aber auch eines zweijährigen Aufenthalts in den USA bilden. Diese Zeit konnte nicht besser zu Ende gehen als mit der Besteigung dieser vier Vulkane im Staat Washington.
Aus dem französischsprachigen Teil. Übersetzt von Roswitha Beyer, Bern.