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In der iranischen Stadt Ramsar unterzeichneten 1971 21 Gründerstaaten die Ramsar-Konvention. Sie trat 1975 in Kraft und dient als Rahmen für die Erhaltung und sinnvolle Nutzung von Feuchtgebieten und ihren Ressourcen. Mittlerweile sind 172 UN-Staaten Unterzeichner der Konvention und haben sich damit verpflichtet, die Feuchtgebiete in ihren Ländern zu pflegen. Sowohl lokale als auch nationale Massnahmen und die internationale Zusammenarbeit sollen gewährleisten, dass der Schutz von Feuchtgebieten einen Beitrag zur Nachhaltigen Entwicklung auf der ganzen Welt leisten kann. Alle drei Jahre treffen sich die Vertragsparteien zu einer internationalen Konferenz und fällen weiterführende Entscheidungen.
Die 14. Konferenz der Vertragsparteien COP14 sollte ursprünglich in Wuhan, China stattfinden. Wegen der dort noch immer geltenden Covid-Massnahmen wurde das mehrtägige Treffen nach Genf verlegt. Per Video-Liveschaltungen nach Wuhan konnten alle Staaten mitdiskutieren und -entscheiden.
Was sind Feuchtgebiete?
Feuchtgebiete sind diverse und äusserst produktive Ökosysteme, die vielen Tieren und Pflanzen einen Lebensraum bieten. Wasser- und Wartvögel nutzen diesen als Quartier, auch im Winter. Daneben herrscht hier eine herausragende Vielfalt an Insekten, aquatischem Leben, an Amphibien, Mikrobiota und Pflanzen, die allesamt von der Schädigung dieser Lebensräume bedroht sind. In der Konvention sind folgende Naturräume als Feuchtgebiete definiert: Seen und Flüsse, unterirdische Grundwasserleiter, Sümpfe und Moore, feuchtes Grasland, Torfgebiete, Oasen, Flussmündungen, Deltas und Watten, Mangroven und andere Küstengebiete, Korallenriffe sowie alle vom Menschen geschaffenen Gebiete wie Fischteiche, Reisfelder, Stauseen und Salinen.
Diese Lebensräume sind nicht nur für Pflanzen und Tiere unverzichtbar, sie bringen auch dem Menschen einen riesigen Nutzen. Neben der Versorgung mit Süßwasser liefern sie Nahrungsmitteln und Baumaterialien, bieten Hochwasserschutz, unterstützen bei der Grundwasserneubildung und Eindämmung des Klimawandels. Gerade Moor- und Torfgebiete sind grosse CO2-Speicher.
Ramsar-Gebiete: Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung werden als Schutzflächen ausgeschieden und unter den Ramsar-Gebieten zusammengefasst. Weltweit gibt es 2455 Ramsar-Gebiete, die eine Fläche von 256 Millionen Hektar umfassen.
Die COP14
An der diesjährigen Konferenz wurden diverse Punkte in den Fokus gerückt: Zum einen der Schutz, die Pflege und Wiederherstellung von Feuchtgebieten durch naturbasierte Lösungen – als Antwort auf die Klimakrise, die Bewirtschaftung und der Schutz von Kleinfeuchtgebieten und Kleinstfeuchtgebieten. Zum anderen den Zusammenhang zwischen Mooren, dem Klimawandel und der Biodiversität; die Ökosystem-Leistungen von Feuchtgebieten; die großräumigen neuen Kooperationen durch Ramsar Regional-Initiativen; die Integration der Bedeutung der Feuchtgebiete in den formalen Bildungssektor und die stärkere Einbindung der Jugend in ihren Schutz.
Neben spannenden Vorträgen und Veranstaltungen haben die Mitgliedstaaten die Wuhan-Deklaration verabschiedet, ein Mangroven-Bildungs- und Besucherzentrum in der Ramsar-Region in China gutgeheissen und 25 weitere Städte mit dem Label Wetlands-Cities ausgezeichnet.
Wetlands-Cities: Wetlands-Cities sind Städte, die sich besonders für den Erhalt und den Schutz von Feuchtgebieten in ihrer Umgebung einsetzen. Durch die Urbanisierung sind immer mehr Feuchtgebiete bedroht. Die Auszeichnung bringt den Städten positive Publicity und Aufmerksamkeit, damit sollen sie motiviert werden, noch mehr zum Schutz der Feuchtgebiete zu unternehmen.
Die Situation in der Schweiz
Die Schweiz ist 1974 der Ramsar-Konvention beigetreten und hat seitdem 11 Ramsar-Gebiete ausgeschieden. Daneben gibt es rund 40 Schutzgebiete von nationaler Bedeutung. Zudem wurden speziell die Moore 1987 unter Bundesverfassungsschutz gestellt, da sie unter anderem wichtige CO2-Speicher sind. Trotz dieser Bemühungen wurden laut Bird Life Schweiz seit 1850 in der Schweiz rund 90% der Feuchtgebiete zerstört. Jedes Jahr überwintern rund eine halbe Million Vögel auf Schweizer Gewässern. Die rund 15ha Schutzgebiete reichen dafür allerdings nicht aus, und die Schweiz hinkt den Erwartungen hinterher. Weitere Ramsar-Gebiete, auch grenzübergreifende, müssten ausgeschieden und die Umsetzungsdefizite in den bestehenden beseitigt werden. Ein weiterer Wermutstropfen: Die von der UNO lancierte Initiative Decade on Ecosystem Restoration 2021-2030 hat die Schweiz nicht in ihr Programm aufgenommen.
Feuchtgebiete können bei der Bewältigung der Klimakrise eine wichtige Rolle spielen. Die an der 14. Konferenz zum Schutz von Feuchtgebieten getroffenen Entscheide waren ein Schritt in die richtige Richtung. Weitere Bemühungen zum Erhalt und zur sinnvollen Nutzung der Feuchtgebiete sind allerdings weiterhin nötig, speziell auch in der Schweiz.
Quellen und weitere Informationen:
Bird Life Schweiz: Schweiz beim Schutz der Feuchtgebiete und Wasservogelreservate in grossem Rückstand
Ramsar: COP14
Bundesamt für Umwelt BAFU: Ramsar-Gebiete
Bundesministerium Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft: 14. Ramsar-Weltkonferenz zum Feuchtgebietsschutz