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Ein Gutachten der Universität St. Gallen, das vom Bauernverband sowie verschiedenen Verbänden der Lebensmittelindustrie in Auftrag gegeben wurde, bringt zum Ausdruck, dass eine Annahme der Pestizidverbotsinitiative negative Folgen für die Volkswirtschaft der Schweiz hätte. So könnten rund 30 Prozent weniger Lebensmittel in unserem Land hergestellt werden. Die Konsequenz davon liegt auf der Hand: Sie müssten durch Importe kompensiert werden. Dies wiederum hätte negative Folgen für den Umweltschutz. Zudem würde die Verfügbarkeit von regionalen Produkten eingeschränkt, was höhere Konsumentenpreise zur Folge hätte.
Bei einer Annahme würde beispielsweise die Versorgung der Schweiz mit Zuckerrüben, Obst, Reben, Gemüse und Kartoffeln stark erschwert werden, da keine adäquaten Pflanzenschutzmittel zur Verfügung stehen. Bereits heute kämpfen die rund 4’300 Hersteller von Zuckerrüben in der Schweiz mit der Bedrohung von Blattläusen, welche bis zu 50% ihrer Ernten zerstören.
Die Studie bestätigt, dass die biologische Landwirtschaft weniger Erträge auf den gleichen Flächen wie die konventionelle Landwirtschaft generiert. Da die Pestizid-Initiative über den heutigen Bio-Standard hinausgeht und Produkte wie Kupfer und Pheromone ebenfalls verbieten würde, könnten die Ertragsausfälle sogar noch höher sein.
Für die Schweizer Bauern hätte eine Annahme existenzielle Folgen. Ihr Anteil an der Produktion von landwirtschaftlichen Erzueugnissen würde von 60 auf 42 Prozent sinken. Viele landwirtschaftliche Betriebe würden verschwinden.
Die Annahme der Initiative hätte auch für die Lebensmittelindustrie massive Folgen: Um die Hygienestandards weiterhin einhalten zu können, müssen neue Lösungen gefunden werden, da die Initiative ebenfalls Biozide verbietet. Zudem könnten die Schweizer Verarbeiter von Kaffee oder Kakaobohnen keine Lebensmittel mehr herstellen, die in den Ursprungsländern mit synthetischen Pflanzenschutzmitteln behandelt wurden. Verlagerungen von Produktionsstätten und ein Abbau von Arbeitsplätzen wären vorprogrammiert.
Die Studie des eidgenössischen Kompetenzzentrums des Bundes (Agroscope) für landwirtschaftliche Forschung hat den möglichen Verzicht auf risikoreiche Wirkstoffe ebenfalls beurteilt. Die Resultate zeigen, dass Landwirte bei einem Verzicht auf entsprechende Pflanzenschutzmittel mit deutlichen Ertragsverlusten rechnen müssten. Ein Verzicht wirkt sich besonders stark auf die Biolandwirtschaft aus.
Dabei wurde geprüft, inwiefern sich Wirkstoffe mit hohen Risiko-Scores durch Wirkstoffe mit niedrigeren Risiko-Scores ersetzen lassen. Der Schutz einer Vielzahl von Kulturen wäre in einem solchen Fall nur noch stark eingeschränkt möglich. Auch beim vieldiskutierten Thema der Bienen war die Studie aufschlussreich. Das risikoreichste Mittel für Bienen ist gemäss der Rangliste der Agroscope-Studie das Insektizid Spinosad. Es wird auch im Biolandbau eingesetzt. Die Studienautoren schreiben: «Bei einem Verzicht auf Spinosad werden grössere Schwierigkeiten für die integrierte und biologische Produktion in allen Kulturbereichen erwartet. In diesen Produktionssystemen stehen bereits heute nur noch wenige oder keine Alternativen mehr zur Verfügung.»
Ergriffene Massnahmen wirken
Die Initianten der Trinkwasser-Initiative werfen Agroscope vor, die Stimmbürger mit falsch angelegten Studien zu täuschen. Es kann eben nicht sein, was nicht sein darf. Sie tun sich schwer, wenn es um Fakten geht.
Die Resultate der beiden Studien zeigen klar auf, dass die von Politik, Industrie und Landwirtschaft bereits ergriffenen Massnahmen Wirkung zeigen. Mit dem Aktionsplan des Bundes zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln sind griffige Massnahmen, insbesondere im Bereich des Gewässerschutzes, eingeführt worden. Schliesslich gehören Trinkwasser und Grundwasser in der Schweiz zu den weltweit saubersten. Ziel ist, dass Pflanzenschutzmittel für Oberflächengewässer, naturnahe Lebensräume und als Trinkwasser genutztes Grundwasser bis 2027 um 50 Prozent reduziert werden.
Medienmitteilung, swiss-food.ch vom 19. Oktober 2020