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Die Kunst des Heilens
§257
Der ächte Heilkünstler wird es zu vermeiden wissen, sich Arzneien vorzugsweise zu Lieblingsmitteln zu machen, deren Gebrauch er, zufälliger Weise, vielleicht öfterer angemessen gefunden und mit gutem Erfolge anzuwenden Gelegenheit gehabt hatte. Dabei werden seltener angewendete, welche homöopathisch passender, folglich hülfreicher wären, oft hintangesetzt.
Unter allen Medikamenten, die von Ärzten angewendet werden, gibt es einige, die viele Male tolle Ergebnisse hervorbringen und etliche Krankheiten heilen. Diese sollten nicht besonders bevorzugt werden. Manchmal, wenn der Arzt Glück hat, kommen Patienten mit derselben Ähnlichkeit der Symptome zu ihm. Es ist nicht wünschenswert, ein besonderes Interesse an jenen wenigen Mitteln zu entwickeln. Wenn ein Arzt das so macht, kann man sicher sein, dass er andere Mittel eher wenig einsetzt. Somit kann der Arzt in Fällen von Krankheiten, die solche Medikamente erfordern, nicht helfen.
Erklärung
Einige Ärzte benutzen Aconit für alle Menschen mit Fiebererkrankungen. Ein weiterer Arzt erklärt vielleicht: „Wenn ich eine Flasche Pulsatilla in der Tasche habe, können alle Verdauungsschwierigkeiten geheilt werden.“ Wieder ein anderer Arzt folgt dem Prinzip, dass „welcher Art der Patient, der zu mir kommt, auch immer sein mag – ich verwende so lange keine weitere Medizin, bis er eine Dosis Nux vomica zu sich genommen hat. Und noch ein anderer, intelligenter Arzt fühlt sich dazu bestimmt zu sagen: „Wenn allen Patienten eine Dosis Sulfur gegeben wird, gibt es überhaupt keine Krankheiten mehr auf der Erde.“
Ein weiterer Arzt bringt vielleicht bescheiden hervor: „Bryonia ist mein Leben. Nur das ist der Hauptgrund für meinen Ruhm und meinen Reichtum.“
„Meine Knie schmerzen wieder, gib mir vier oder fünf von den Rhustox-Pillen“, bittet eine alte Schwiegermutter ihre Schwiegertochter. Genauso wenig ist es wünschenswert, eine besondere Affinität zu irgendeinem der Mittel zu entwickeln. Es gibt Experten, die auf ihrem Weg dieser schlimmen Art von Bevorzugung gefolgt sind und Heilungen erreichten. Durch ein solches Verhalten gibt es auch einen Verlust. Einige Patienten, die zur Behandlung ernster Krankheiten kommen, die Ähnlichkeit mit den mentalen Symptomen von machtvollen Medikamenten wie Helliborus, Hyosyamus, Cantharis, Agaricus usw. haben, werden durch Faulheit getäuscht, die dadurch, dass nur bevorzugte Medikamente eingesetzt wurden, entstanden ist. Der Homöopath untersucht den Fall nicht umfassend und entscheidet sich nicht für ein Mittel entsprechend einer genauen Ähnlichkeit. Wegen unzulässiger Bevorzugung bestimmter Mittel verliert er seine intellektuelle Fähigkeit. Bei allen Patienten, die zu ihm kommen, werden nur Symptome wie Kopfschmerzen z.B. aufgeschrieben und eines der bevorzugten Mittel wie Bryonia, Belladonna, das weltberühmte Sulfur oder, seiner Intelligenz entsprechend, wird das Beste von Nux vomica gegeben. Die Seher der Wissenschaft haben gewarnt. Eine so schlimme Bevorzugung ist nicht erlaubt.
Ein intelligenter Homöopath donnert vielleicht: „Ich habe bisher in meinem Leben kein Medikament unter einer 10 M-Potenz angewendet.“ Ein anderer Ehrenmann fühlt: „Kein Medikament, das ich gebe, hat eine höhere Potenz als C 30. Ich mag keine voreiligen Handlungen.“ Ein weiterer Homöopathie-Experte macht ein Gesetz: „Ich kaufe niemals ein Medikament unter einer 30 er Potenz und halte Mittel auch nicht vorrätig.“
Es sollte verstanden werden, dass spezielle Aufbewahrungen nutzlos sind. Es sollte ein zum Zustand des Patienten passendes Mittel gewählt werden. Die Potenz soll von der Ausbreitung der Krankheit (kürzliches Erscheinen oder lange bestehend) abhängig sein. Die Dosierung soll auf der Basis der Geschwindigkeit der Krankheit erfolgen. Die Anwendung weiterer Medikamente sollte sofort beendet werden, wenn die Heilung erfolgt ist. Nur diese Methode ist sicher und wissenschaftlich.