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In dieser Verteilung und Anordnung der Siedelungen kommt übrigens nicht nur die geringere Ueberschwemmungsgefahr der rheinthalischen
Randlandschaften, sondern auch deren klimatische Begünstigung zum Ausdruck, die für die schweizerische
Seite noch grösser
ist als für die österreichische, weil dort ganze lange
Striche (so besonders von Garns bis
Rüti und vonAltstätten
bis
Au) nach SO., d. h. nach der Morgensonne exponiert sind und durch die dahinter aufsteigenden Bergwände gewissermassen
eine klimatische Spalierwirkung entsteht.
Daher sehen wir dort nicht nur reichen Obstwuchs und die
Dörfer überall in förmlichen Obstbaumwäldern versteckt, sondern
auch beträchtlichen Weinbau auf der ganzen Strecke von Garns bis zumBodensee, in kleinern Parzellen
auch weiter südl. bis
Sargans. Auf der österreichischen
Seite fehlt der Weinbau zwar nicht ganz, ist aber doch weit weniger
ausgedehnt und auch in der Qualität des Erzeugnisses geringer. Der Obstbau hingegen ist hier ebenfalls stark entwickelt,
wie übrigens auch bei den dem
Rhein genäherten
Dörfern, trotz des hier schon merklich unfreundlichere,
namentlich feuchtere, nebligern und windigere Klimas und auch meist ungünstigere
Bodens.
Auf weiten Strecken eignet sich aber dieser trefflich zur Heu- und Streuegewinnung und als Weide, trockenere
Stellen auch
als Ackerland
(Mais, Kartoffeln, Gemüse). Dagegen muss die Rheinebene als sehr waldarm bezeichnet werden. Einzig an
der 111 findet sich eine grössere Waldfläche. Im Uebrigen trifft man nur dem
Rhein nach schmale
Wald- und Gebüschstreifen,
oft nur als Erlengebüsch in den sog.
Rheinauen, die zwischen den Wuhren und Dämmen sich hinziehen und dazu bestimmt sind,
das überschüssige
Wasser des
Rhein aufzunehmen und
weiter zu leiten.
Die
Römer erbauten längs dem rechten Ufer des Flusses eine dem Gehängefuss folgende Strasse, die Brigantium
(Bregenz) am
Bodensee mit
Rätien verband. Die Thalsohle war damals mit Schilf überwachsen und mit zahlreichen kleinen
Seen
übersät, während die Gehänge mit dichten Waldungen bedeckt waren. Die ganze Gegend war nach den Berichten der
Römer sehr wild und keineswegs zur Anlage von Siedelungen einladend,
die denn auch ganz fehlten. Der Name
Montlingen ist rätoromanischen
Ursprunges, und die Namen der übrigen alten Ortschaften stammen von den Alemannen her, die sich hier vom 4. Jahrhundert
an niedergelassen haben.
Die zu
Altstätten gehörende Exklave
Lienz wird von der Gemeinde
Rüti umschlossen. Alle diese Gemeinden
reichen von der Thalsohle bis ins Gebirge hinauf und haben Alpweiden, Tannenwälder,
Wiesen, Obstbaumgärten und
Rebberge.
An den Gehängen über den
Dörfern stehen zahlreiche Burgruinen und
Schlösser. Das Sumpfland längs dem
Rhein wird durch die
neuern Korrektions- und Entwässerungsarbeiten allmählig trocken gelegt und der Kultur zurückgewonnen. Die
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mehr
grössten dieser «Rieter» tragen ihre besonderen Namen, wie z. B. Eisen- oder Isenriet, Bannriet, Marbacherriet, Rebsteinerriet
etc. Die vom Gehänge herunterkommenden zahlreichen Bäche mündeten einst alle direkt in den Rhein, werden aber jetzt vom
sog. Binnenkanal gesammelt, der ihre Wasser neben dem Rhein dem Bodensee zuführt. Die Kosten für Korrektion und
Kanalisation aller dieser Gewässer sind von den Gemeinden, dem Staat St. Gallen
und der Eidgenossenschaft gemeinsam getragen worden.
Hauptbeschäftigung der Bewohner ist Landwirtschaft: Korn-, Gemüse-, Obst-, Mais-, Kartoffel- und Weinbau, Viehzucht;
Alpwirtschaft.
Torfausbeute.
Grosse Waldungen, die zusammen eine Fläche von 2553 ha bedecken, hat nur der obere Teil des Bezirkes.
Die Alpweiden umfassen 859 ha und die Rebberge 110 ha. Die Viehzählungen haben folgende Resultate ergeben:
Grosse Ziegeleien in Oberriet, Altstätten und Marbach; Mühlen und Sägen an manchen Orten. Zollämter in Büchel, Oberriet, Montlingen
und Kriesseren. Verschiedene Sparkassen; in Altstätten zwei Bankgeschäfte. Drei Sekundarschulen, eine Korrektionsanstalt für
Mädchen, zwei klösterliche Erziehungsinstitute, Berufsschulen. Zahlreiche Gesellschaften und Vereine. 1850: 15418 Ew.;
1900: 18114 Ew., wovon 12742 Katholiken und 5368 Reformierte. 4200 Haushaltungen in 3328 Häusern. 1098 Ew.
sind Ausländer.
(Unter). Bezirk des Kantons St. Gallen.
Bildete einst den untern Abschnitt des Bezirkes Rheinthal und wurde 1831 zum
eigenen Bezirk erhoben. 5455 ha Fläche und 16793 Ew., also 308 Ew. auf einen km2. Bezirkshauptort ist Rheineck; Gerichtssitze
sind Rheineck und Berneck. Der Bezirk grenzt im O. an den alten Rheinlauf, im S. an den Bezirk Ober Rheinthal, im W. an beide
Appenzell
und den Bezirk Rorschach und im N. an den Bodensee. 18 km lang und im Maximum 7 km, im Minimum oberhalb
Rheineck nur 500 m breit.
Umfasst die 8 Gemeinden Thal, Rheineck, St. Margrethen, Au, Berneck, Balgach, Widnau und Diepoldsau, von denen die zwei letztern
ganz in der Rheinebene liegen, während die andern sich auch noch am linksseitigen Thalgehänge hinaufziehen.
Tannenwälder, Wiesen und Weiden im Bergland; gut exponierte Weinberge an den tiefern Gehängen; fette Wiesen, Obstbäume, grosse
Mais-, Kartoffel- und Gemüsefelder in der Ebene, die in ihrem s. Abschnitt auch noch sumpfig ist.
Die vielen Obstbäume von St. Margrethen zeichnen sich durch ihren hohen Wuchs besonders vorteilhaft aus.
Am Berghang manche Burgruinen und Schlösser. Der Fussacher
Durchstich der untersten Rheinschlinge unterhalb Au hat das Landschaftsbild
gegen früher stark verändert, die Gegend vor Ueberschwemmungen gesichert und grosse Strecken Landes dem Anbau zurückgewonnen.
Der Diepoldsauer Durchstich ist auf grosse Schwierigkeiten gestossen und deshalb leider noch nicht vollendet.
Am westl. Thalgehänge viele und oft besuchte Aussichtspunkte: Heerbrugg, Rosenburg bei Berneck, Meldegg bei Walzenhausen, Schäflisberg
bei St. Margrethen, Buchberg bei Thal.
Das alte Rheinbett wird zum Sammelkanal für die linksseitigen Nebenbäche des Rhein und für die Wasser des Binnenkanals umgebaut
werden. Hauptbeschäftigung der Bewohner ist Landwirtschaft, als Obst-, Wiesen- und Weinbau, Mais-, Kartoffel-
und Gemüsebau, Viehzucht und Alpwirtschaft. In Diepoldsau, Widnau und Balgach wird ferner viel Torf gestochen. Fischfang um
die Mündung des alten Rheinlaufes. Brüche auf feinkörnigen Sandstein in St. Margrethen und Buchen (Gemeinde Thal). Die Weinberge
umfassen 183 ha und die Waldungen 573 ha. Die Viehstatistik hat folgende Resultate ergeben:
1886
1896
1901
Rindvieh
3867
4371
4504
Pferde
538
529
592
Schweine
727
1012
885
Schafe
60
46
33
Ziegen
927
1085
947
Bienenstöcke
568
850
576
Bedeutender Handel mit Obst, Gemüse, Wein, Mais, Kartoffeln, Milch und Milchprodukten, Sandstein, Kies und Torf. Käsereien
in Thal, St. Margrethen, Berneck und Balgach. Viehmärkte in St. Margrethen, Berneck, Thal und Rheineck,
von denen besonders die beiden erstgenannten stark besucht sind. Von grosser Bedeutung ist auch die Stickerei (sowohl als
Fabrikbetrieb wie als Hausindustrie) in den Gemeinden Rheineck und Au. Seidenindustrie in Thal. Grosse Gasfabrik in St. Margrethen.
Druckwasserversorgung und Hydrantennetz in allen Gemeinden.
Mehrere Bankgeschäfte und Sparkassen. Glockengiesserei, Bierbrauerei und mechanische Schreinerei in Staad;
Die beiden jetzigen Bezirke Ober und Unter Rheinthal waren 1460 an die Appenzeller gekommen, mussten aber von
diesen nach dem Rorschacherkrieg 1490 an die Schirmorte der Abtei St. Gallen,
nämlich Zürich,
Luzern,
Schwyz
und Glarus
abgetreten werden, die sie zur Landvogtei
Rheinthal umgestalteten und die 1491 auch Uri,
Unterwalden und Zug,
1499 noch Appenzell
und 1712 endlich auch Bern
zur Mitbeherrschung zuliessen. Diese
Stände liessen das Land unter sich abwechselnd auf je zwei Jahre durch einen Landvogt regieren,
der in Rheineck residierte und dem der Blutbann zustand. Die niedere Gerichtsbarkeit übten im untern Thalabschnitt (Rheineck
und Thal) ebenfalls der Landvogt, im mittleren Abschnitt der Abt von St. Gallen,
im obern Abschnitt das Kloster Pfäfers¶