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Mit einer Person zusammenleben, die an Hörverlust leidet
Eine der häufigsten Gesundheitsbeschwerden: Weltweit leidet eine Person von sechs an Hörverlust. Wenn man nur die über 65-jährigen betrachtet, sind es weltweit sogar eine Person von drei.
Nichtsdestotrotz leben viele Leute mit einer unbehandelten Hörbeeinträchtigung.
Ein Hörverlust kann ganz plötzlich eintreten, oft handelt es sich aber um einen schleichenden Prozess. Ohne klaren Unterschied vom einen Tag zum nächsten ist es manchmal gar nicht so einfach zu bemerken, dass sich das Gehör verschlechtert.
Tatsächlich merken oft Freunde und Familie zuerst, wie sehr der Hörverlust das Leben beeinträchtigt – noch bevor die betroffene Person es selbst wahrnimmt.
Erste Anzeichen erkennen
Vielleicht merken Sie, dass jemand Geräte wie Fernseher, Musik-Player oder Radio immer sehr laut einstellt. Vielleicht ist es schwierig für die Person, einem Gespräch zu folgen, wenn Sie zusammen in einem Restaurant oder Café sitzen. Oder vielleicht fällt es ihr schwer, kleine Kinder zu verstehen.
Wieder andere Leute haben Schwierigkeiten auf einer belebten Strasse – sie haben Mühe, wegen der vielen Hintergrundgeräusche jemanden zu verstehen.
Falls jemand, den Sie kennen, an unbehandeltem Hörverlust leidet, haben Sie bestimmt Veränderungen in dessen sozialem Verhalten wahrgenommen. Möglicherweise hat sich die Person von sozialen Aktivitäten zurückgezogen und empfindet Scham, Schuldgefühle oder Wut. Eventuell ist die Person auch selbstkritischer, frustriert oder deprimiert geworden. Alle diese Verhaltensweisen können auch negative Auswirkungen auf nahestehende Personen haben.
Abhängig vom Gehör anderer
Falls Sie viel Zeit mit einer Person verbringen, die an unbehandeltem Hörverlust leidet, merken Sie womöglich, dass Sie oft wiederholen müssen, was Sie gesagt haben. Die betroffene Person verlangt vielleicht öfter nach Erklärungen und ist möglicherweise in manchen Situationen von Ihnen abhängig, um zu verstehen, was andere Leute gesagt haben.
So kann es leicht geschehen, dass Sie zur Ergänzung des Gehörs einer Person werden. Die betroffene Person mag sich mit der Situation abfinden, aber Sie fühlen sich wahrscheinlich am Ende des Tages ausgelaugt – wobei sich das sogar bis in die Nacht hinziehen kann.
Mit wenig hilfreichen Gewohnheiten brechen
Im Durchschnitt dauert es acht Jahre, bis jemand, der an Hörverlust leidet, eine Fachperson konsultiert. Während dieser acht Jahre verpassen die betroffenen Personen Geräusche, die das Leben bereichern: Kinderlachen, Vogelgezwitscher, das Brechen von Wellen am Strand.
Wenn Sie sich über die zahlreichen Bemühungen des „Übersetzens“ dieser Geräusche bewusst werden, kann dies ein wichtiger erster Schritt in Richtung Behandlung sein. Wenn Sie das Ausmass der von Ihnen geforderten Unterstützung einmal erkannt haben, gibt Ihnen dies möglicherweise die Kraft, im eigenen Namen und für die andere Person zu reagieren.
Viele Leute wollen es schlicht nicht wahrhaben, wenn sie direkt damit konfrontiert werden. In diesem Fall mag Mut, Geduld und Ausdauer nötig sein, damit Sie die geliebte Person dazu bringen, ihren Hörverlust zu akzeptieren. Meist ist eine ruhige, liebevolle und schrittweise Herangehensweise am angebrachtesten. Sollte es nicht beim ersten Versuch gelingen, sollten Sie dennoch keinen Druck ausüben – versuchen Sie es einfach ein andermal erneut.
Sich darüber bewusst zu werden, dass man an einem Hörverlust leidet, ist ein grosses Ereignis im Leben einer Person. Alle brauchen Zeit, um sich mit einem Hörverlust zu arrangieren. Die gute Nachricht ist, dass es schliesslich alle schaffen können, und den meisten ist mit Hörgeräten geholfen.