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Dissertation

Organisationeller Wandel und Personalbedarf.
Zusammenhänge zwischen Unternehmensstrategien und der Beschäftigungssituation in der Schweiz.
Die Rezession der frühen 90er Jahre führte in der Schweiz zu starken Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt, die heute noch aktuell sind. Zudem ist der Wandel der Beschäftigungssituation von hoher gesellschaftlicher Relevanz. Das gesamtgesellschaftliche Gefüge ist von tiefgreifenden strukturellen und kulturellen Veränderungen des Erwerbssystems betroffen. Seine Veränderungen prägen das Leben jedes Einzelnen.
Die Diskussion über die Beschäftigungssituation ist in den letzten Jahren von der steigenden Arbeitslosigkeit geprägt; ein wesentlicher Aspekt findet dabei zu wenig Beachtung: die Situation der verbleibenden Erwerbstätigen. Das Thema für die vorliegende Untersuchung besteht deswegen in der Frage, wer welche Arbeit hat und unter welchen Bedingungen, wie gearbeitet wird. Es wird die Hypothese aufgestellt, dass der entscheidende Wandel der Beschäftigungssituation innerhalb der Betriebe stattfindet. Insbesondere veränderte Qualifikationsanforderungen, innerbetriebliche Arbeitsteilung und Flexibilisierung von Lohn und Arbeitszeit prägen die Arbeitsverhältnisse entscheidend.
Die in dieser Arbeit präsentierten Daten beschreiben wie und unter welchen Bedingungen seit der Rezession in den Betrieben gearbeitet wird. Die Analyse von Unternehmensstrategien zeigt verschiedene organisationelle Handlungsmuster auf und öffnet den Blick für die Gestaltbarkeit der betrieblichen Beschäftigungssituation. Zusammengefasst wählt die vorliegende Arbeit die Beschäftigungssituation innerhalb der Betriebe zum Hauptthema und prüft die veränderten Arbeitsbedingungen und ihren Zusammenhang mit den Unternehmensstrategien.
Die spezifische Problemstellung der Untersuchung lautet, wie identifizierbare Unternehmensstrategien mit Merkmalen der betrieblichen Beschäftigungssituation zusammenhängen. Angesichts des aktuellen Wandels der Beschäftigungssituation drängt es sich auf, auch deren zukünftige Entwicklung zu diskutieren.
Die empirische Untersuchung besteht aus einem explorativen und einem explikativen Projekt. Dazu wurden einerseits zwei qualitative Forschungen durchgeführt und andererseits ein repräsentatives quantitatives Forschungsprojekt beigezogen.
Die Datenbasis bilden 36 halbstandardisierte, qualitative Interviews mit Geschäftsführern der Schweizer Metall- und Maschinenindustrie und 10 vergleichende Interviews mit Personalleitern aus der Textil- und Nahrungsmittelindustrie sowie der graphischen und chemischen Industrie. Sowie eine standardisierte Fragebogenerhebung mit 2143 Schweizer Betrieben aus Industrie, Handel, Banken und Versicherungen. Die qualitativen Interviews wurden im Herbst 1994 und 1995zu den Themenbereichen Organisation, Technologie und Beschäftigungssituation durchgeführt. Die quantitative Befragung fand 1998 zu den gleichen Themen statt und wurde ergänzt mit konkreten Fragen über den Wandel des zukünftigen Personalbedarfs und den vollzogenen Strategien.
Das Projekt verarbeitet Informationen in der Zeitachse von 1990-2000.
Damit besteht die Gelegenheit, Kausalitäten im Zeitverlauf zu überprüfen.
Die Ergebnisse der durchgeführten Datenanalyse zeigen den strukturellen und kulturellen Wandel innerhalb der Organisationen und der betrieblichen Beschäftigungssituation auf. Zahlreiche Zitate illustrieren den deskriptiven Teil der Auswertung. Die Erarbeitung von Kontingenzen, Kausalitäten und Konfigurationen führt zur Bildung von zwei Firmentypen. Wobei KMU als sich jeweils homogen verhalten, Grossbetriebe hingegen sich sehr heteregon in bezug auf ihre Strategien und ihren Personalbedarf zeigen.
Es wird deutlich, dass die Ausgangshypothese sich bestätigt: es finden relevante Veränderungen innerhalb der betrieblichen Beschäftigungssituation statt. Drei Strategien sind dabei massgebend: 1) Flexibilisierung, 2) Innovation und 3) Restrukturierung. Diese werden in den Strategiefeldern Organisation, Technologie und Produkt/Absatz implementiert. Für die Arbeitnehmenden führt dies erstens zu veränderten Arbeitsbedingungen (Verträgen), zweitens zu polarisierenden Personalbedarf und drittens zum Bedarf von breiteren Qualifikationsspektren.
Die Situation in den Schweizer Betrieben ist teilweise vergleichbar mit denjenigen in den europäischen Nachbarländern. Insbesondere korrespondieren die Entwicklungen mit denjenigen in Deutschland. So ist in Deutschland wie in der Schweiz ein steigender Bedarf an Berufsfachleuten mit einer Lehre oder einem Fachhochschulschluss zu erwarten. Demgegenüber steht die sinkende Nachfrage an Hilfskräften. In Frankreich und Grossbritanien unterscheidet sich der Personalbedarf allein schon wegen des unterschiedlichen Ausbildungssystems (keine duale Berufsausbildung).
Die Leistung dieser Arbeit besteht in drei Aspekten: 1) sie zeigt auf, dass die qualitative Beschäftigungssituation inskünftig für Forschung und Politik ein zukunftsrelevantes Feld darstellt, 2) sie erarbeitet ein Firmentypenmodell und macht 3) aktuelles Datenmaterial zum Thema Personalbedarf und organisationellen Wandel in allgemeinverständlicher Sprache bekannt.
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