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Im Jahr 1911 machten sich zwei Teams auf den Weg, eines unter der Leitung von Robert Scott aus Großbritannien und das andere aus Norwegen mit Roald Amundsen an der Spitze, um als erste die Flagge ihres Landes in den unberührten, eisigen Boden des Südpols zu stecken.
Die beiden Männer und ihre Teams gingen die 1.600 Meilen lange Herausforderung mit zwei sehr unterschiedlichen Strategien an.
Akribisch hatte Roald Amundsen seine Expedition vorbereitet, legte zahlreiche Nahrungsmittel- und Ausrüstungsdepots an und erkundete die Umgebung. Dabei verließ er sich auf althergebrachte, bewährte Methoden: Mit Schlitten und insgesamt 116 Hunden wollte sich die norwegische Expedition auf dem ewigen Eis bewegen. Amundsen war sehr erfahren im Umgang mit Schlittenhundegespannen. Scott dagegen lehnte die Hunde als “unbritisch” ab und verließ sich auf sibirische Ponys und Motorschlitten.
Jeden Morgen schlug Scott sein Zelt auf und richtete die Aktionen seines Teams nach den Wetterbedingungen.
An Tagen mit blauem Himmel trieb er sein Team an, bis zu 50 Meilen voranzukommen. An grauen Tagen hingegen, liess er es etwas ruhiger angehen und peilte 20 Meilen an. An den schrecklichen Tagen schließlich, an denen es hagelte und der Wind heulte, warf Scott einen Blick nach draußen und befahl seinem Team, sich auszuruhen und auf besseres Wetter zu warten.
Amundsen hingegen trommelte sein Team ungeachtet der Bedingungen zusammen und nahm sich vor, jeden Tag 20 Meilen zu marschieren.
Es spielte keine Rolle, ob die Bedingungen perfekt oder schrecklich waren, sie packten ihre Ausrüstung zusammen und brachten die 20 Meilen hinter sich.
Klar, in den dunklen Tagen dauerte es bis zur Nacht, bis sie ihr Ziel erreichten. Ebenso logisch ist, dass Amundsen und sein Team an den Tagen mit blauem Himmel schnell vorankam und oft schon am frühen Nachmittag ihr 20-Meilen-Ziel erreicht hatten.
An diesen Tagen bettelte und flehte Amundsens Team, weiterzulaufen.
Sie erinnerten ihn bei jeder Gelegenheit daran, dass ihre Konkurrenten weit vor oder dicht hinter ihnen sein könnten und bei diesem guten Wetter entweder ihren Vorsprung zu vergrößern oder ihren Rückstand aufzuholen.
Doch trotz ihres Flehens und ihrer Bitten ließ sich Amundsen nicht beirren:
“Ihr habt eure 20 Meilen geschafft. Ruht euch aus und repariert eure Skier.”
Wenn es um die Geschichtsbücher geht, ist Scott wohl berühmter als Amundsen. Vor allem wahrscheinlich deshalb, weil er in seiner Heimat durch seinen „heroischen Tod“ jahrzehntelang als selbstaufopfernder Nationalheld stilisiert wurde. Auf dem Rückweg zum Basislager, rund einen Monat nachdem Amundsen am Südpol die norwegische Flagge eingesteckt hatte, starben Scott und seine vier Begleiter an Unterernährung, Krankheit und Unterkühlung.
Sich an einen Plan zu halten, ist nicht sexy.
Pläne sehen meistens nach Arbeit aus. Aber laut Jim Collins, dem Autor von “Der Weg zum Besten” und einem großen Fan der Geschichte des “20-Meilen-Marsches” bei Vorträgen, ist das genau die Art und Weise, um Fortschritte zu erzielen.
Wie viele Menschen, habe ich mich früher an guten Tagen selbst unter Druck gesetzt. Ich dachte, dass das, was ich tat, klug und richtig war. Die Gesellschaft propagiert schließlich, dass man das Eisen schmieden soll, solange es heiß ist.
Aber das ist heute in meiner Welt nicht nur kurzsichtiges Denken, sondern auch das Handeln von jemandem, der blindlings in den Burn-out laufen könnte.
Es wird immer wieder Tage geben, an denen wir gefordert sind und auf Volldampf arbeiten, um unsere Ziele zu erreichen. Es treten Probleme auf. Nicht alles läuft nach Plan.
Aber wenn wir an Tagen, an denen der Himmel blau ist, nicht unsere Energie sparen und uns ausruhen, wann dann? Die Pausen sind so wichtig wie das Arbeiten.
3 Gedanken
Jeglicher Erfolg basiert für mich aus einer Kombination folgender 3 Dinge:
Klarheit in Bezug auf die Vision, Vertrauen in das Handeln und schließlich die Gewissheit, dass man im Einklang mit seinen Werten handelt.
Und dazu gehört, dass man sich die Zeit nehmen will, sich auszuruhen, um die Skier zu reparieren.
Eine klare Vision erfordert es, sich jeden Tag klare und intelligente Ziele zu setzen.
Vertrauen in unser Handeln erfordert Konzentration und positive Energie.
Um im Einklang mit unseren Werten zu leben, wollen wir uns die Zeit nehmen, uns selbst (besser) kennenzulernen und uns selbst zu entwickeln und zu lernen.
Alle drei Dinge wollen konsequent in Einklang gebracht werden.
Alle drei Dinge sind sehr schwer zu erreichen, wenn wir uns erlauben, den ganzen Tag und jeden Tag im siebten Gang zu arbeiten.
Aller guten Dinge sind drei!
Die Art und Weise, wie wir unsere Frei-Zeit verbringen, spielt eine große Rolle für unsere Fähigkeit, solide Leistungen zu erbringen.
Man könnte sich jeden Abend hinsetzen und überlegen, welches die 3 Dinge für morgen sind, die dich weiterbringen und erledigt werden wollen, um konsequent voranzukommen.
Wenn diese Aufgaben nicht leicht zu erledigen sind, dranbleiben und vielleicht braucht es mehrere Tage – auch Rom wurde nicht an einem Tag gebaut. Viele Dinge brauchen ihre Eigenzeit. Aber wenn du deine Dinge bis zum Mittagessen erledigt hast, ruhe dich aus und repariere deine Skier.
Das klingt einfach, ist sehr schwer in der Umsetzung, aber machbar. Und Brad Stulberg hat es in seinem Buch “Das perfekte Mindset” auf den Punkt gebracht:
Stress plus Ruhe ist gleich Wachstum.