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Musikdirektor Fritz Stüssi (1874–1923)
Quelle: «Zürichsee-Zeitung», 28. Oktober 2010 von Peter Ziegler
Von 1898 bis 1923 prägte Fritz Stüssi als Komponist, Organist und Dirigent das Wädenswiler Musikleben.
Fritz Stüssi kam am 6. April 1874 als ältestes Kind des Fridolin Stüssi und der Anna Suter zur Welt. Er wuchs im zur politischen Gemeinde Hofstetten gehörenden Bauerndorf Huggenberg auf, wo der Vater als Primarlehrer, Gemeinderat und Volksschriftsteller wirkte.
Der musikalisch begabte Knabe erhielt im Elternhaus Unterricht im Klavierspiel. Damit er auch das Orgelspiel erlernen konnte, wurde er der Obhut zweier Tanten in Käpfnach anvertraut. Nach einigen Jahren am Zürcher Gymnasium wechselte Fritz Stüssi 1891 an die Musikschule Zürich. Dort genoss er unter anderem Unterricht in Kompositionslehre bei Lothar Kemper und zählte zu den Schülern Friedrich Hegars. Nach der Abschlussprüfung bildete er sich 1894/95 an der Königlichen Hochschule für Musik in Berlin weiter. Im Herbst 1895 kehrte er in die Heimat zurück und betätigte sich zunächst als Klavier- und Theorielehrer. 1896 konnte er die Direktion des Damenchors Selnau, des Evangelischen Kirchenchors Rapperswil-Jona und des Sängervereins Harmonie Zürich übernehmen und 1897 die Leitung des Männerchors Pfäffikon ZH.
Chorleiter und Organist in Wädenswil
1898 verlegte Fritz Stüssi seinen Wohnsitz nach Wädenswil. Im gleichen Jahr vermählte er sich mit Hanna Pfenninger und wurde später Vater von drei Söhnen und zwei Töchtern. Am 27. November 1898 feierte Stüssi in Wädenswil einen ersten musikalischen Erfolg mit dem Auftritt des Männerchors Eintracht, dessen Leitung er im September übernommen hatte. Immer wieder holte sich die «Eintracht» unter Stüssi‘s Stabführung wohlverdiente Auszeichnungen, so an den Eidgenössischen Sängerfesten in Bern (1899), Zürich (1905) und Luzern (1922).
1899 wurde Stüssi Dirigent des Kirchengesangvereins Wädenswil, und von 1900 bis 1902 leitete er zudem den aufstrebenden Musikverein Harmonie. Im Sommer 1902 trat Johann Jakob Nater als Organist zurück. Die Kirchenpflege brauchte sich nicht lange nach einem Nachfolger umzusehen. «Die Sachlage ist klar», heisst es im Protokoll vom 14. Juli, «Herr Stüssi hat sich schon vielfach als tüchtigen Organisten erwiesen und zur Hebung des musikalischen Lebens der Gemeinde beigetragen; es wird daher von einer Ausschreibung Umgang genommen und Herr Stüssi mit Einmut als Organist gewählt.» Nun war das musikalische Leben von Wädenswil in Stüssi‘s Hand vereint. Und dieser wusste die Chance zu nutzen.
Reiche Konzerttätigkeit
Im April 1909 wurde das neue Schulhaus Glärnisch
samt Turnhalle eingeweiht, die auch als akustisch treffliche Konzerthalle konstruiert war. Hier fanden in den folgenden Jahren viele von Fritz Stüssi dirigierte und vorgängig kommentierte Konzerte statt. Der von Sängern der «Eintracht»
unterstützte Kirchengesangverein führte eine Reihe klassischer Werke auf: 1909 Händel‘s «Messias», 1910 Haydn‘s «Jahreszeiten», 1917 die Bach-Kantate «Lobet den Herrn», 1921 Schubert‘s «Stabat Mater und 1922 Cherubini‘s Requiem. 1914 machte der Kirchengesangverein die Wädenswiler Musikfreunde mit Stüssi‘s Oratorium «Vergehen und Auferstehen» bekannt, und 1921 wurde der von ihm komponierte «Achtundzwanzigste Psalm» aufgeführt. Jeden Winter veranstaltete Fritz Stüssi in der Glärnisch-Halle zudem vier bis fünf Abonnementskonzerte, in denen er seinem Publikum die Kenntnis bedeutender Werke aus der gesamten Musikliteratur vermittelte, und für die er Solisten von anerkanntem Ruf beizog.
Nicht nur in Wädenswil war der Musikdirektor äusserst erfolgreich, sondern seit 1908 zudem mit dem «Liederkranz Uster», ab 1910 mit dem «Sängerverein Richterswil» und von 1920 an mit dem «Sängerverein Lachen» und dem «Männerchor Männedorf». Fritz Stüssi – seit 1918 auch «Verbandsdirektor» des «Sängervereins am Zürichsee» – galt nun als «eigentlicher musikalischer Beherrscher des oberen Zürichsees».
Die immense Arbeitslast untergrub schliesslich die robuste und unverwüstlich scheinende Konstitution des allseits geschätzten Musikers. Fritz Stüssi gehörte fast keinen Abend mehr sich selbst und seiner Familie. Ein schwerer Diabetes, Schwächeanfälle und Schlaflosigkeit zehrten an seinen Kräften und machten Anfang März 1923 einen Kuraufenthalt in Degersheim nötig. Völlig unerwartet starb Fritz Stüssi dort am 14. März 1923.
Freunde würdigten den Verstorbenen als virtuosen Pianisten, als aufmunternden Klavierlehrer, als begeisternden Dirigenten und als begabten Organisten, dessen Initiative Wädenswil auch die 1920 eingeweihte neue Orgel in der reformierten Kirche zu verdanken hatte.
Nachlass
Fritz Stüssi hinterliess eine Vielzahl von Kompositionen, die heute in der Musikabteilung der Zentralbibliothek Zürich aufbewahrt werden. Im Nachlass finden sich Werke für Frauen-, Männer- und Gemischte Chöre sowie für Orchester und Kammermusik. Das Werkverzeichnis ist im Internet unter www.zb.uzh.ch/de/collections
abrufbar. Drei Kompositionen werden am 7. November wieder aufgeführt: «Trauungsgesang für Sopran und Orchester in F-Dur», «Menuett für Flöte und Orchester in D-Dur» sowie die «Suite für Klavier und Orchester in c-moll – Praeludium – Adagio – Scherzo – Lento – Finale».