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Zweifellos sehen Katzen mit reinweissem Fell faszinierend aus, doch ist das blütenweisse Fell oftmals mit enormen gesundheitlichen Problemen behaftet. Ein Risiko, das noch immer nicht exakt abgeschätzt werden kann.
Weisse Katzen standen schon immer im Interesse des Menschen. Kein Wunder also, dass sich viele Geschichten und abergläubische Überlieferungen um die Samtpfoten ranken. Wie viele andere weisse Tiere gelten auch weisse Katzen in zahlreichen Ländern als Archetyp des Guten. So kommt es, dass weissen Katzen Glück, Reinheit, Unschuld und teils sogar magische Kräfte zugeschrieben werden. In Russland beispielsweise sollen sie angeblich Boten für finanziellen Reichtum und Wohlstand sein. Auch im Märchen zeugt die weisse Katze von magischen Kräften und Reinheit. «Die weisse Katze» von Marie-Catherine d’Aulnoy (1650–1705) erzählt von einer in eine weisse Katze verwandelten Prinzessin, die mit magischen Kräften ihrem menschlichen Begleiter hilft. Doch wie es mit dem Aberglauben bekanntlich so ist, gilt in anderen Ländern genau das Gegenteil. In England gibt es den Aberglauben, die ins Haus laufende weisse Katze sei Zeichen dafür, dass schwere Zeiten bevorstünden. Besonders schwer traf es stets Albinos: Mit ihren roten Augen lösten sie in vielen Ländern meist abergläubische Furcht aus.
In der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts erwachte auch das wissenschaftliche Interesse an weissen Katzen. Man hatte nämlich festgestellt, dass weissfellige Samtpfoten oft blaue Augen haben und zudem häufig taub sind. 1829 schrieb der englische Botaniker W. T. Bree anhand von Beobachtungen seiner eigenen blauäugigen, reinweissen Perserkatze, dass alle weissen Katzen mit blauen Augen taub seien. Hätten sie allerdings einen farbigen Fleck, könnten die Kitten hören, meinte der Brite. Knapp zwanzig Jahre später kam der französische Entomologe F. J. Sichel zu dem Umkehrschluss: Weisse Katzen mit einer anderen Augenfarbe als Blau seien niemals taub. Dass beide im Unrecht waren, stellte ein paar Jahre später Charles Darwin fest. Aufgrund von ihm gesammelten Aufzeichnungen zu weissen Katzen kam er 1868 in seinem Buch The Variation of Animals and Plants under Domestication zu dem Urteil, dass mit den blauen Augen bei weissen Katzen zwar nicht immer, jedoch häufig Taubheit einhergeht. Licht ins Dunkel der Vermutungen brachte erstmals 1918 der amerikanische Zoologe P. W. Whiting mit seinen systematischen Zuchtversuchen. Die Vererbung der Fellfarbe wurde aufgedeckt.
Gene: Hier stimmt was nicht
Für die Färbung des Fells, der Haut und der Augen ist das Pigment Melanin verantwortlich. Bei Wirbeltieren wird dieses in den Melanozyten der Haut, der Aderhaut und der Iris des Auges gebildet. Die Entwicklung von Pigmentzellen wie den Melanozyten findet bereits im Embryo statt. In der frühen Entwicklung bilden sich sowohl Nerven- als auch Pigmentzellen aus einer gemeinsamen Vorläuferpopulation in der sogenannten Neuralleiste. Im Laufe der Embryonalentwicklung migrieren die Pigmentzellen von der Neuralleiste in die Haut, die Augen und die Ohren. Nach der Migration greifen zahlreiche Genorte in Ort und Zeit unabhängig voneinander in die Pigmentierung ein. Eine Ausnahme bilden dabei die Netzhaut und der Ziliarkörper des Auges, deren Pigment von den Epithelialzellen produziert wird.
Den vollständigen Beitrag finden Sie im KM 4/20.