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Arsen im Grundwasser bedroht die Gesundheit von 50 bis 60 Millionen Menschen in Pakistan, denn vielerorts im Land liegt die Konzentration dieser Substanz über dem Grenzwert der WHO. Zu diesem Schluss kommt eine Studie unter Leitung der Forschungsanstalt Eawag.
Arsen kommt natürlicherweise im Untergrund vor und kann sich durch Verwitterung im Grundwasser lösen. Die Weltgesundheitsbehörde WHO geht davon aus, das weltweit rund 150 Millionen Menschen von Grundwasser mit gesundheitsschädlicher Arsenbelastung abhängig sind.
Wie eine neue Studie unter Leitung der Forschungsanstalt Eawag nun zeigt, könnten allein in Pakistan 50 bis 60 Millionen Menschen einem erhöhten Gesundheitsrisiko durch Arsen ausgesetzt sein. Vielerorts im Land liege die Belastung des Grundwassers über dem von der WHO festgelegten Grenzwert von 10 Mikrogramm pro Liter, berichtet ein Team um Joel Podgorski von der Eawag mit Kollegen aus Pakistan im Fachblatt «Science Advances».
Besonders entlang des Flusses Indus ermittelten die Forschenden Arsenwerte, die um ein Vielfaches über dem Grenzwert liegen, nämlich bei über 200 Mikrogramm pro Liter. Der höchste Wert betrug sogar 972 Mikrogramm pro Liter, wie die Eawag am Mittwoch mitteilte.
Landkarte des Arsenrisikos
Die Studie beruht auf Daten von 1200 Grundwasserproben aus Pakistan, welche Podgorski und Kollegen in ein Computermodell einspeisten. Hinzu kamen Informationen über die verschiedenen topografischen, geologischen und hydrologischen Verhältnisse des Landes, um eine Landkarte des Arsenrisikos zu erstellen.
Demnach ist vor allem die Bevölkerung im östlichen Punjab und rund um Hyderabad einem erhöhten Gesundheitsrisiko ausgesetzt, schrieb die Eawag. Insgesamt 50 bis 60 Millionen Menschen sind von Grundwasser mit Arsenwerten über 50 Mikrogramm pro Liter - dem in Pakistan gültigen Grenzwert - abhängig. Eine alarmierend hohe Zahl, die zeige, wie wichtig die Untersuchung jedes Pumpbrunnens entlang des Indus sei, kommentierte Podgorski.
Die Berechnungen des Computermodells müssen durch Analyse von Wasserproben in den Risikogebieten geprüft werden, da die effektive Arsenkonzentration auf kleinem Raum sehr stark variieren kann. Die Modelle könnten den Untergrund nicht ausreichend genau erfassen, so die Mitteilung. Für frühere Studien wurden jeweils nur in einzelnen Dörfern Wasserproben gesammelt, für flächendeckende Untersuchungen fehlten bisher die Ressourcen.
Problematisches Sickerwasser
Die nun vorgestellte Analyse weist auch auf einen möglichen Zusammenhang zwischen der Arsenbelastung, dem pH-Wert des Bodens und künstlicher Bewässerung hin: Das Sickerwasser könnte Arsen aus dem alkalischen Boden lösen und im Grundwasser anreichern. Bisher sei das aber nur eine Vermutung, betonte Podgorski. Dieser mögliche Zusammenhang müsse genauer untersucht werden.
Sollte sich der Verdacht bestätigen, müssten die Bewässerungstechniker überdacht werden. Zur Not müsste man auf alternativen Wasserquellen setzen, beispielsweise aus tieferen Gesteinsschichten, oder aber das Arsen aus dem Wasser entfernen. Wichtig seien in jedem Fall das Bewusstsein für die Gesundheitsgefahr und die Koordination behördlicher Gegenmassnahmen. (sda)