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Die Landwirtschaft in der Schweiz verursacht rund 14 Prozent aller Treibhausgasemissionen. Diese sind hauptsächlich nichtenergetischen Ursprungs: es handelt sich um die Klimagase Methan aus der Viehhaltung und Lachgas, das bei der Stickstoff-Düngung im Boden entsteht. Gleichzeitig kann die Land- und Ernährungswirtschaft über einen nachhaltigen Umgang mit der Ressource Boden, der Produktion von erneuerbaren Energien und einer standortangepassten Produktion einen wichtigen Beitrag zur Lösung der Klimaproblematik leisten.
Handlungsfeld
Die Landwirtschaft – und somit ein wichtiger Teil der Ernährungswirtschaft – spielt im Zusammenhang mit dem Klimawandel eine wichtige Rolle. Sie ist in der Schweiz mit rund 14 Prozent aller Treibhausgasemissionen Verursacherin von Klimagasen. Die Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft sind hauptsächlich nichtenergetischen Ursprungs; es handelt sich vor allem um die Klimagase Methan (CH₄) aus der Viehhaltung und Lachgas (N₂O), welches bei der Stickstoff-Düngung im Boden entsteht (siehe Grafik, blaue Sektoren). Sie haben in der Zeitperiode von 1990 bis 2017 um rund 10 Prozent abgenommen. Die Abnahme erfolgte in den 1990er Jahren und ist auf die Veränderungen des Rindviehbestandes und des Stickstoffdüngereinsatzes zurückzuführen. Seither stagnieren die Emissionen (). Sie fallen im Gegensatz zur Industrie nicht punktuell, sondern räumlich verteilt an (zum Beispiel durch Tiere auf der Weide, Emissionen aus Böden). Dadurch sind technische Lösungen, wie sie in der Industrie angewendet werden können, bedeutend schwieriger umsetzbar.
Gleichzeitig kann die Land- und Ernährungswirtschaft über einen nachhaltigen Umgang mit der Ressource Boden, erneuerbare Energien und eine standortangepasste Produktion einen wichtigen Beitrag zur Lösung der Klimaproblematik leisten. Entsprechend gilt es, neben der nachhaltigen Bewirtschaftung des Bodens, dessen Verbrauch zu minimieren und die Fruchtfolgeflächen zu erhalten. Neben dem Humusaufbau und der Anreicherung von Kohlenstoff im Boden – Böden sind wichtige Kohlenstoffspeicher – leistet das Grasland einen wichtigen Beitrag zur Bodenfruchtbarkeit. Durch die Anreicherung von Humus und möglicherweise durch die Zugabe von Pflanzenkohle oder weitere Massnahmen kann der im Boden gespeicherte Kohlenstoff erhöht werden. Zudem bedeuten regional produzierte Nahrungs- und Futtermittel – neben Versorgungssicherheit – kürzere Transportwege und somit einen verminderten CO₂-Ausstoss.
Potenzial zur Produktion von erneuerbaren Energien
Im Weiteren verfügt die Landwirtschaft über ein Potenzial zur Produktion von erneuerbaren Energien (Strom und Wärme) wie Photovoltaik, Solarthermie oder Biogas. Mit Biogas wird eine doppelte Wirkung erzielt: Einerseits werden fossile Energieträger ersetzt, anderseits die Methanemissionen von Hofdüngern reduziert.
Eine klimaschonende Landwirtschaft kann für den Kanton Aargau zur Kohlenstoffspeicherung im Boden beitragen und gleichzeitig die eigenen Emissionen an Treibhausgasen reduzieren. Über erneuerbare Energien kann sie mithelfen, fossile Energieträger zu ersetzen. Jedoch wird es auch mit einer nachhaltigen Tierhaltung und einem optimierten Düngermanagement nicht möglich sein, die Emissionen auf Netto-Null zu bringen (beim Methan wirkt die Komplexität der physiologischen Prozesse, z. B. im Pansen von Wiederkäuern, begrenzend; beim Lachgas setzen die natürlich gegebenen Bodenverhältnisse Grenzen). Entsprechend sind mittel- bis langfristig Kompensationsmöglichkeiten in- und ausserhalb der Landwirtschaft notwendig.
Zusätzlicher Nutzen
Eine klimaschonende Landwirtschaft vermindert mit dem vermehrten Schliessen von Stoffkreisläufen die Abfallströme (unter anderem durch Vermeiden von Food Loss, d.h. dem Aussortieren von essbaren Teilen aus technischen oder rechtlichen Gründen, z.B. von zu grossen/kleinen Früchten), den Energieverbrauch und die Schadstoffemissionen. Intakte und nachhaltig bewirtschaftete Böden sind gleichzeitig gute Wasserspeicher, welche Trockenperioden besser ausgleichen und Hochwasserspitzen dämpfen. Zudem kann sich die Landwirtschaft mit der erneuerbaren Energieproduktion zusätzliche Einkommensquellen erschliessen.
Schnittstellen
Stossrichtungen
Fruchtfolgeflächen erhalten und nachhaltig bewirtschaften
Die Nachfrage nach der knappen und nicht erneuerbaren Ressource Boden ist ungebrochen. Zwischen 1985 und 2018 wurde in der Schweiz Landwirtschaftsland mit einer Fläche in der Grössenordnung der beiden Kantone Ob- und Nidwalden zu Siedlungsfläche (siehe BAFU, ARE, BWL 2020: Aus diesem Grund will der Bund mit der Bodenstrategie vom 8. Mai 2020, dass bis 2050 netto kein Boden mehr verbraucht wird. Der Sachplan Fruchtfolgeflächen ist eine Massnahme dazu. Damit sollen die besten landwirtschaftlichen Böden besser geschützt und der Bodenverbrauch vermindert werden.
Der Erhalt von Fruchtfolgeflächen (FFF) und Kulturland ist nicht nur für die Sicherung der Nahrungsmittelversorgung zentral. Intakte, humusreiche und tiefgründige Böden sind wichtige Kohlen-stoffspeicher. Der hält den Grundsatz fest, dass FFF so zu bewirtschaften sind, dass deren Qualität langfristig erhalten bleibt.
Mit dem Sachplan FFF verpflichtet der Bundesrat den Kanton Aargau seit 1992 zur Sicherung einer Fläche von 40’000 Hektaren FFF. Mit total 40'479 Hektaren gemäss aktuellem Richtplan lag der Wert im Kanton Aargau per Ende 2019 um 479 Hektaren über dem Mindestumfang ().
Handlungsmöglichkeiten Kanton
Seit Beginn der aktuellen Erfassungsmethode 2001 wurden die FFF im Kanton Aargau um 409 Hektaren reduziert. Der Kanton achtet darauf, dass die Fruchtfolgeflächen erhalten, kompensiert oder vergrössert werden. Der Richtplan regelt den schonungsvollen Umgang mit den FFF. Als Teil einer klimaschonenden Landwirtschaft tragen eine schonende Bodenbearbeitung und eine Bodenbedeckung zwischen den Hauptkulturen dazu bei, die Kohlenstoffbilanz zu verbessern.
Synergiepotenzial auf kantonaler Ebene
- Die Klimawirkung von Fruchtfolgeflächen ist eng gekoppelt an die Art der Bodenbewirtschaftung, siehe Stossrichtung "Landwirtschaftliche Böden als Kohlenstoffspeicher erhalten und wiederherstellen"
Konfliktpotenzial auf kantonaler Ebene
- Fruchtfolgeflächen stehen oft in Nutzungskonkurrenz mit der Flächenbeanspruchung für Siedlung und Mobilität, landwirtschaftliche Bauten, aber auch Naturschutz, Hochwasserschutz, Freizeitanlagen (zum Beispiel Golfplätze).
- Die heute übliche ackerbauliche Nutzung organischer Böden führt zu einem abnehmenden Humusgehalt, siehe Stossrichtung "Landwirtschaftliche Böden als Kohlenstoffspeicher erhalten und wiederherstellen"
Landwirtschaftliche Böden als Kohlenstoffspeicher erhalten und fördern
Der Boden ist nach den Ozeanen der zweitgrösste globale Kohlenstoffspeicher. Er speichert Kohlenstoff in lebendem beziehungsweise nicht vollständig abgebautem Pflanzenmaterial, Humus und Holz sowie im Gestein. Eine boden- und klimaschonende Bodenbewirtschaftung heisst, den Bodenwasserhaushalt und die Düngung zu regulieren sowie den Humusaufbau zu fördern. So erhöht zum Beispiel ein verbessertes Management von Acker- und Weideflächen die Kohlenstoffspeicherung im Boden. In diesem Zusammenhang sind insbesondere Bodenverdichtungen zu vermeiden.
Feuchte und nasse Böden wie Moore speichern in nicht abgebautem Pflanzenmaterial besonders viel Kohlenstoff. Werden diese entwässert, entweichen grosse Mengen CO₂. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehörten das Fruchtbarmachen und Entwässern mit Drainagen zu den wichtigsten Meliorationsmassnahmen in der Schweiz. Bei drainierten Flächen handelt es sich vorwiegend um Fruchtfolgeflächen und der Handlungsspielraum für Wiedervernässungen ist entsprechend eingeschränkt. Bei Entscheiden zur Wiederherstellung der in die Jahre gekommenen Meliorationswerke und Drainagesysteme kann punktuell eine Interessensabwägung zwischen der Wiedervernässung und dem Erhalt von Fruchtfolgeflächen vorgenommen werden.
Neben dem Humusaufbau und der Anreicherung von Kohlenstoff im Boden leistet das Grasland einen wichtigen Beitrag zur Bodenfruchtbarkeit. Selbst im Aargau mit einem hohen Anteil von Ackerkulturen ist rund die Hälfte der landwirtschaftlich genutzten Fläche Grasland. Zum einen ist dies ständiges Grasland aufgrund Bodenbeschaffung oder Topografie. Zum anderen Grasland auf ackerbaulich genutzten Flächen als Teil der Fruchtfolge.
Aber auch die für die Ernährungssicherheit besonders wichtigen, in einer Fruchtfolge stehenden Ackerflächen können klimaschonend bewirtschaftet werden. Humusfördernd und damit günstig für die Anreicherung von Kohlenstoff im Boden wirken zum Beispiel eine schonende Bodenbearbeitung und Bodenbedeckung zwischen den Hauptkulturen (zum Beispiel, damit der Boden über den Winter nicht unbedeckt bleibt).
Handlungsmöglichkeiten Kanton
Im Rahmen von Bildung und Beratung (Landwirtschaftliches Zentrum Liebegg) hat der Kanton bei der Sensibilisierung der relevanten Akteure Handlungsspielraum. Beim beratenden Vollzug der Agrarpolitik ist der kantonale Spielraum stark eingeschränkt. Über oder andere Projekte können zu den aufgeführten Themenbereichen finanzielle Mittel beim Bund ausgelöst werden, vorausgesetzt der Bund bewilligt sie und der Kanton beteiligt sich anteilsmässig. Als Beispiele sind exemplarisch die beiden Projekte "Bienenfördernde Landwirtschaft" und "Pflanzenschutzoptimierung mit Precision Farming" zu erwähnen. Zudem kann der Kanton als Mitfinanzierer Vorgaben bei Meliorationsprojekten machen.
Synergiepotenzial auf kantonaler Ebene
- Intakte, strukturreiche und tiefgründige Böden sind gleichzeitig auch gute Wasserspeicher, welche Trockenperioden besser ausgleichen und Abflussspitzen dämpfen (Retention), siehe , Stossrichtung "Wasserspeicherfähigkeit des Bodens erhöhen"
- Eine nachhaltige Bodenbewirtschaftung erhält den Boden langfristig als Grundlage für die Nahrungsmittelproduktion.
Konfliktpotenzial auf kantonaler Ebene
- Es besteht ein Zielkonflikt zwischen der Wiedervernässung von organischen Böden und dem Sachplan FFF und damit zur Ernährungssicherheit sowie dem Pariser Klimaschutzabkommen, wonach Klimaschutzmassnahmen die Nahrungsmittelproduktion und damit die Nahrungsmittelsicherheit nicht beeinträchtigen dürfen.
- Wiederkäuer verwerten das für die Bodenfruchtbarkeit und die Kohlenstoffspeicherung wertvolle Grasland. Gleichzeitig sind sie Hauptverursacher der landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen, siehe Stossrichtung "Klimagase der Landwirtschaft reduzieren"
Klimagase der Landwirtschaft reduzieren
Der grösste Treiber der landwirtschaftlichen Klimagase ist die Tierhaltung. Einerseits stossen die Nutztiere bei ihrer Verdauung Methan (CH₄) aus, vor allem Wiederkäuer wie Rinder. Andererseits entsteht beim Lagern von Mist und Gülle sowie bei deren Zersetzung Lachgas (N₂O). Direkte und indirekte Emissionen von Lachgas entstehen ausserdem durch die Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen Böden, insbesondere durch das Ausbringen von stickstoffhaltigen Düngern. Damit sind Böden nicht nur in Bezug auf ihren Humusgehalt klimawirksam (siehe vorangehende Stossrichtung), sondern auch in Bezug auf ihren Nährstoffhaushalt und das Düngermanagement der Landwirtschaft.
Der Methanausstoss kann zum Beispiel durch eine Änderung der Tierfütterung, durch Züchtung, spezifisch konstruierte Ställe oder aber eine Verkleinerung des Tierbestandes bis zu einem gewissen Grad reduziert werden. Lachgasemissionen lassen sich ebenfalls reduzieren, unter anderem durch optimiertes Hofdüngermanagement – von der Lagerung bis zur Ausbringung von Gülle und Mist – und durch eine Reduktion von Stickstoff-Einzelgaben und von Stickstoffdünger. So sind die Lachgasemissionen im Biolandbau dank niedrigeren Stickstoffgaben um 40 Prozent tiefer als im konventionellen Anbau, pro Ertragseinheit aber leicht mehr ().
Landwirtschaftliche Maschinen und Fahrzeuge haben nur einen geringen Anteil an den landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen (THG), dennoch kann mit der Dekarbonisierung des Fahrzeugparks ein Beitrag geleistet werden. Dieser wird im Wesentlichen von der Entwicklung alternativer Antriebstechniken bei Motorfahrzeugen beeinflusst.
Neben ihrer Relevanz als THG-Emittent weist die Landwirtschaft ein Potenzial beim Zubau von erneuerbaren Energien auf. Grosse Dachflächen können für Photovoltaik und solarthermische Anlagen genutzt werden, und damit einen Beitrag an den Ersatz von fossilen Energieträgern leisten (zum Beispiel bei Einsatz für Elektrifizierung Fahrzeugpark). Biogasanlagen dienen der Erzeugung von Biogas durch Vergärung von Biomasse, so werden zum Beispiel tierische Exkremente (Gülle, Mist), Speisereste und Bioabfälle als Substrat eingesetzt. Als Nebenprodukt wird ein als Gärgutrest bezeichneter Dünger produziert oder es erfolgt die anschliessende stoffliche Weiterverwertung mittels angeschlossener Kompostierung (Kaskadennutzung). Umstritten und in der Schweiz nicht praktiziert ist der gezielte Anbau von Energiepflanzen, da er in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion steht.
Handlungsmöglichkeiten Kanton
Der Handlungsspielraum des Kantons liegt im Rahmen von Bildung und Beratung (Landwirtschaftliches Zentrum Liebegg) bei der Sensibilisierung der relevanten Akteure. Beim beratenden Vollzug der Agrarpolitik ist der kantonale Spielraum stark eingeschränkt. Über oder andere Projekte können zu den aufgeführten Themenbereichen finanzielle Mittel beim Bund beantragt werden, sofern sich der Kanton anteilsmässig beteiligt.
Synergiepotenzial auf kantonaler Ebene
- Erneuerbare Energieproduktion als Beitrag zur Versorgungssicherheit mit Elektrizität () und zusätzliche Einkommensquelle für Landwirtschaft
- Ansätze zur Reduktion der Klimagase in der Landwirtschaft bieten ein hohes Innovationspotenzial, siehe
- Die Landwirtschaft ist nicht nur Treiberin des Klimawandels – sie ist gleichzeitig auch von den Folgen der Klimaveränderung wie Trockenheit und Schädlingsbefall stark betroffen. Zudem nimmt der Boden mit seiner Funktion als wichtiger Wasserspeicher auch bei der Klimaanpassung eine zentrale Rolle ein, siehe zum Beispiel und sowie
Konfliktpotenzial auf kantonaler Ebene
- Konflikt Klimaschutz mit Tierwohl: Herausfiltern von Methan bei Tieren im Freien und in offenen Ställen nicht möglich
- Landschafts-/Heimatschutz bei PV-Anlagen in Schutzzonen oder Schutzgebieten
Klima-Metrik
Die überprüft mithilfe von verschiedenen Indikatoren den Fortschritt in der Umsetzung der . Das übergeordnete Ziel im Bereich Klimaschutz ist Treibhausgasemissionen bis im Jahr 2050. Pro Handlungsfeld werden die bisherigen Treibhausgasemissionen auf der Fläche des Kantons Aargau ausgewiesen. Der Absenkpfad orientiert sich an den (Szenarien "Netto-Null 2050" und "Weiter-wie-bisher").
Der Indikator für das Handlungsfeld Klimaschonende Landwirtschaft ist zurzeit in Erarbeitung.