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Die Rebsorte Humagne rouge gibt bessere Weine und leidet weniger unter der Traubenwelke, wenn die Reben nicht bewässert werden. Dies haben Versuche von Agroscope im Wallis ergeben.
Das intelligente Wassermanagement ist im Kontext der Klimaerwärmung, des schonenden Umgangs mit Ressourcen und der Entwicklung von neuen Anbaumethoden eine grosse Herausforderung für den Schweizer Weinbau, insbesondere im Wallis. An den südexponierten Hängen mit ihren steinigen, durchlässigen Böden setzen die Weinbäuerinnen und Weinbauern manchmal auf Bewässerung. Denn Wassermangel kann bei den Pflanzen Stressreaktionen auslösen und die Weinqualität beeinträchtigen.
Wassermangel verändert Inhaltsstoffe der Trauben…
Auf der anderen Seite ist bekannt, dass eine mässige und schrittweise Einschränkung der Wasserversorgung im Laufe der Vegetationsperiode die Produktion von Trauben mit einem hohen Gehalt an Zucker, Anthozyanen und Polyphenolen fördert. Diese Bedingungen eignen sich für die Produktion von lagerfähigen und qualitativ hochwertigen Weinen. Bewässerungspraktiken müssen auf das jeweilige Pflanzenmaterial (Rebsorte/Unterlage), die Bodeneigenschaften, den Wasservorrat des Bodens, die Bodenpflege und die Anbautechniken wie z. B. das Erziehungssystem und bei Bedarf auch auf die Düngung abgestimmt werden.
…und reduziert das Risiko der Traubenwelke
Studien haben zudem gezeigt, dass der Wasserhaushalt der Reben die Anfälligkeit der Rebsorten für eine physiologische Störung, die sogenannte Traubenwelke, stark beeinflusst. Die Traubenwelke stört den Reifeprozess der Beeren und führt zu wenig süssen und sehr sauren Trauben. Die Rebsorte Humagne rouge ist besonders anfällig für diese Störung.
Um die Auswirkungen des Wasserhaushalts der Reben auf die Traubenreife und die Qualität der Humagne-Rouge-Weine zu untersuchen, wurde von 2010 bis 2016 in Leytron im Zentralwallis, wo relativ trockene Bedingungen herrschen, ein Bewässerungsversuch durchgeführt. Ein Teil der Reben wurde von der Blüte bis zur Reife (in der Regel vom 15. Juni bis zum 15. August) mit Tropfbewässerung versorgt. Ein Teil wurde nicht bewässert, und bei einem weiteren Teil wurde ein starker Wasserstress erzeugt, indem eine wasserundurchlässige, nicht reflektierende Plane auf dem Boden ausgelegt wurde, um das Regenwasser von Ende April bis zur Weinlese abzuleiten.
Bessere Weine, gesunde Reben, konstanter Ertrag
Der Versuch bestätigte den positiven Effekt von moderatem Wassermangel während der Reifung der Humagne-Rouge-Trauben. Dies zeigte sich folgendermassen:
- eine bessere Akkumulation des Zuckers in den Beeren
- einen niedrigeren Gesamtsäure- und Apfelsäuregehalt der Beeren
- farbintensivere und polyphenolreiche Weine
- Weine mit weicheren, umhüllten und strukturierteren Tanninen
- besser bewertete Weine bei der Verkostung
Die Ertragseigenschaften (Knospenfruchtbarkeit, Beerengewicht) wurden durch den moderaten Wassermangel kaum beeinflusst. Einzig die Reben, die wegen der Bodenplane starkem Wasserstress ausgesetzt waren, zeigten einen leicht reduzierten Ertrag. Zudem litten alle unbewässerten Reben – wie erwartet – viel weniger stark unter der Traubenwelke.
Fazit
- Eine schrittweise und moderate Einschränkung der Wasserversorgung der Rebe führt zu einer hervorragenden Reifung der Trauben (hoher Zuckergehalt, niedriger Säuregehalt) und erlaubt die Produktion von Weinen mit hoher Farbintensität und einem höheren Gehalt an phenolischen Verbindungen.
- Weine aus Reben, die einer moderat eingeschränkten Wasserversorgung ausgesetzt sind, werden in der Degustation besser bewertet.
- Die moderate Einschränkung der Wasserversorgung verringert das Risiko der Traubenwelke, einer physiologischen Störung, die zu einer unvollständigen Reifung der Trauben der Sorte Humagne rouge führt.