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Im Beraterstab des Republikaners sitzen nur vier Ökonomen – dafür viele Unternehmerfreunde, die Trumps Kampagne mit Geld unterstützen.
Nur zwei der 15 Personen in Donald Trumps ursprünglichem Team von Wirtschaftsberatern, das er Anfang August aufstellte, waren Ökonomen. Zudem fand sich keine einzige Frau im Stab. Kommentatoren machten sich auch darüber lustig, dass sechs der Berater den gleichen Vornamen tragen: Steve. Das hätte also die Geburtsstunde der «Stevenomics» werden können – einer neuen Wirtschaftslehre, in der Wissen und Erfahrung von Namen und Geschlecht übertrump(f)t werden.
Scheinbar nicht ganz unempfänglich für die Kritik, hat Trump daraufhin neun weitere Berater ernannt – darunter acht Frauen, alle mit unterschiedlichen Vornamen. Sehen wir uns das Team einmal genauer an.
- Einige der Berater sind bedeutende Geldgeber für Trumps Kampagne: Steve Mnuchin, Steve Feinberg, Andy Beal, Tom Barrack, Howard Lorber, Darlene Jordan, Carla Sands und Diane Hendricks.
- Zehn Teammitglieder stammen aus dem Finanzsektor (David Malpass, Steven Mnuchin, John Paulson, Andy Beal, Stephen M. Calk, Steve Feinberg, Tom Barrack, Anthony Scaramucci, Carla Sands und Judy Shelton).
- Andere Wirtschaftszweige, die vertreten sind, sind die Stahlindustrie (Dan DiMicco), die Energiewirtschaft (Kathleen Hartnett White), die Tabakbranche (Howard M. Lorber), die Bauzulieferindustrie (Diane Hendricks), die Transport- und Verpackungsbranche (Liz Uihlein, deren Ehemann auch zu den Geldgebern von Trumps Kampagne zählt) und die Immobilienbranche (Steven Roth).
- Sechs Personen gehören Think Tanks oder öffentlichen bzw. gemeinnützigen Organisationen an (Dan Kowalski, Stephen Moore, Darlene Jordan, Betsy Mc Caughey, Brooke Rollins und wiederum Kathleen Hartnett White). Ein Berater (Peter Navarro) ist Professor für Ökonomie.
Im ursprünglichen Team hatten nur zwei der Wirtschaftsberater einen Abschluss in Volkswirtschaft (einen Master- und einen Doktortitel). Dank der neu ernannten Mitglieder hat sich diese Zahl um mindestens zwei erhöht. Die meisten der zunächst berufenen Berater haben einen MBA absolviert. Auch die Zahl der Juristen ist durch die Neuzugänge um mindestens vier auf fünf gestiegen. Einen Doktortitel haben vier der Berater, gegenüber einem im ursprünglichen Team. Drei Berater haben nicht studiert.
Big Business statt Big Science
Den Vorsitz des Beraterstabs übernehmen Steve Miller und Dan Kowalski, die beide in Trumps Wahlkampfteam mitarbeiten. Bisher wurden solche Wirtschaftsberaterstäbe von grossen Ökonomen wie Arthur Melvin Okun, Alan Greenspan, Martin S. Feldstein, Joseph E. Stiglitz, Janet Yellen, Ben Bernanke und Alan Krueger geleitet.
Zwar trifft es zu, dass das Bruttoinlandsprodukt unter früheren Präsidenten, die ausgebildete Juristen waren, stärker wuchs als unter Präsidenten mit einem volkswirtschaftlichen Hintergrund. Dennoch lässt sich nur schwer die Wirkung eines Ökonomenstabs einschätzen, in dem – die Neuzugänge mitgerechnet – nicht einmal jedes fünfte Mitglied Ökonom ist.
Gewiss, auch der IWF wird von einer Juristin, Christine Lagarde, geleitet. Aber sie kann sich immerhin auf einen Mitarbeiterstab von Volkswirtschaftlern stützen. Wer würde einen wissenschaftlichen Beirat ernennen, in dem nur jedes fünfte Mitglied Wissenschaftler ist? Was wäre von einem Literaturnobelpreis zu halten, den ein Komitee verleiht, das nur zu 20 Prozent aus Literaturwissenschaftlern besteht?
Trumps neuer, erweiterter Beraterstab lässt das Team sicherlich stärker, gebildeter und in politischen Entscheidungsprozessen erfahrener aussehen. Aber es wird noch immer dominiert von Personen, die dem «Big Business», dem Finanzsektor und Konzernen angehören. Und zumindest einige dieser Personen treten auch als Geldgeber für Trumps Kampagne in Erscheinung.
Ein Land ist kein Konzern
Dieser wichtige potenzielle Interessenkonflikt ist im amerikanischen Recht nicht geregelt. Anders als für die meisten Bundesbeamten gilt für den Präsidenten und den Vize-Präsidenten kein Verbot von Interessenkonflikten. Die Amerikaner müssen also darauf vertrauen, dass Donald Trump oder auch Hillary Clinton das Richtige tun.
Es ist nicht dasselbe, ein Unternehmen zu leiten oder ein Land zu regieren. Leider deutet die Zusammensetzung von Trumps Team von Wirtschaftsberatern darauf hin, dass Trump auf diese Unterscheidung keinen Wert legt. Auch was bisher über sein Wirtschaftsprogramm verlautet ist, lässt nichts anderes vermuten.
Für Trumps Team dürfte die Maximierung der Unternehmensgewinne Vorrang haben, nebst der Abschottung der Wirtschaft – vor allem der von den Beratern vertretenen Branchen – gegen den internationalen Wettbewerb. Das ist vielleicht auch der Grund, warum es im Team so wenige Ökonomen gibt: Ökonomen tendieren dazu, das Wohlergehen des Landes an erster Stelle zu setzen und Protektionismus sowie Vorteile für bestimmte Interessengruppen abzulehnen. Denn diese führen zu Verzerrungen in der Wirtschaft, verhindern eine effiziente Verteilung des Kapitals und schaden den Konsumenten.
Man muss sich vergegenwärtigen, dass in den Vereinigten Staaten bereits ein grosser Schritt in Richtung Gewinnmaximierung auf Kosten der Konsumenten gemacht wurde. In den vergangenen 20 Jahren ist gemäss einer Studie von Gustavo Grullon die Anzahl der Unternehmen in 90 Prozent der nordamerikanischen Branchen stark gesunken. Heute gibt es in den Vereinigten Staaten nur noch halb so viele börsenkotierte Firmen wie in den 1970er-Jahren. 2015 war ein Rekordjahr punkto Fusionen und Übernahmen. In 70 Prozent der 220 bedeutendsten amerikanischen Unternehmen gehören entweder Blackrock oder Capital Group, oder beide, zu den zwei grössten Investoren.
Diese enorme Konzentration hat der amerikanischen Industrie beeindruckende Gewinnzuwächse ermöglicht – zur Freude der Aktionäre, aber nicht im Interesse der Bevölkerung. Branchen mit hoher Konzentration verhalten sich wie Monopole oder Oligopole: Den Konsumenten bescheren sie in der Regel weniger Auswahl, schlechtere Qualität und höhere Preise. Wir alle wissen doch: Nur wer etwas zu verlieren hat, strengt sich an – und lässt wieder nach, sobald keine Konsequenzen mehr drohen. Was die Vereinigten Staaten heute brauchen, ist mehr Wettbewerb – nicht weniger. Das wäre im Interesse des gesamten Landes, wenn auch vielleicht nicht im Interesse von Aktionären.