Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03171.jsonl.gz/353

Teller, Italien, Emilia-Romagna, Ferrara ?, um 1480-1500. Engobierte Irdenware («ceramica graffita»).
Beim Ritzdekor handelt es sich um eingetiefte oder Negativ-Dekore, bei denen mit einem spitzen oder spatelförmigen Gerät in unterschiedlichem Umfang durch Ritzen Material aus der noch feuchten oder bereits lederharten Gefässoberfläche entfernt oder verdrängt wird, z. B. ein- oder mehrzeilige Wellenlinien, Fischgrätmuster, konzentrische Linien oder sonstige Muster.
Langnauer Teller mit fassoniertem Rand, Ritzliniendekor als Einfassung anschliessend ausgemalter Flächen.
Heimberger Platte mit Ritzdekor zur Akzentuierung der vorhergehenden Bemalung mit dem Malhörnchen.
Ritzlinien werden auch zur Begrenzung anschliessend farbig ausgemalter Flächen (z.B. bei der Keramik aus Langnau) oder zur Akzentuierung solcher Flächen (z.B. bei Teilen der Keramik „Heimberger Art“) verwendet. Geritzt werden können Oberflächen mit oder ohne Engobe, was nach dem Glasieren und dem Brand zu unterschiedlichen Erscheinungsbildern führt.
Ritzdekor in weisser Grundengobe und mit grüner oder gelber Glasur wurde in der Schweiz ab dem frühen 16. Jahrhundert angefertigt. Ritzdekor findet sich auch sehr häufig bei italienischer Keramik, die auch nach Frankreich oder zwischen dem 14. und 18. Jh. in die südalpinen Regionen der Schweiz (Tessin, Veltlin) exportiert wurde (z. B. Ceramica ingobbiata graffita arcaica, arcaica tardiva und arcaica evoluta, bzw. graffita a punta e stecca).
Frz.: décor gravé ou incisé, sgraffito sur céramique engobée
Engl.: incised decoration, sgraffito, scratched work