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Der schädliche Raum sei also bei der Eorlihmaschine weient» lich geringer, als bei den beiden anderen, und werbe dies günstig hinsichtlich des Güteverhältnisses infiuiren.
Der Vortragende führte alsdann aus, daß er den seiner Zeit von Hrn. Prof. Grashof aufgestellten Ausdruck für das Gütcverhältniß, welcher aus der mechanischen Wärmetheorie baflrc und die Resultate von Völckcrs und G. Schmidt berücksichtige, untersucht und für die drei Maschinensysteme verglichen habe. Es sei dabei eine im Betriebe befindliche Dampfmaschine von einer zu construircnden zu unterscheiden. Redner erläuterte alsdann, wie bei einer im Betriebe befindlichen Dampfmaschine das Gütcverhältniß von der Volldruckspannung, dem Füllungsgrad und der Kolbcngrschwindigkcit abhängt, verglich eine Condcnsationsmaschinc mit einer anderen ohne Eondcnsation und alsdann die CorlißMaschine mit der gewöhnlichen Eondensationsmaschine und der Woolf'schcn Maschine. Er erwähnte in dieser Hinsicht, daß bei gleichen Verhältnissen der Eorlißmaschinc ein größeres Gütcver» hältniß zukomme, als der gewöhnlichen Eondensationsmaschine, daß dieses jedoch bei der Woolf'schen Maschine am größten sei.
Hinsichtlich einer zu construirenden Dampfmaschine erörterte er die Abhängigkeit des Nutzeffcctcs von der Admissionsspannung, dem Füllungsgrade, der Kolbengeschwindigkcit und dem Cylinder« querschnitt unter Angabc der betreffenden Formel. Gegeben seien in der Regel der Nutzeffcct, die Admissionsspannung, der Füllungsgrad, die mittlere Vorberdampfspannung für die Ausftrömungs» Periode und eine gewisse vorthcilhaftc Geschwindigkeit der Maschine; mit abnehmendem Füllungsgrade wachse der Cylinderquerschnitt, mithin auch die Dimensionen der Maschine, ebenso aber auch das Gütcvcrhältniß, jedoch nur bis zu einer bestimmten Grenze, bei welcher es seinen Marimalwerth erlange. Redner verlas die Zahlenwcrthe dieses vorteilhafteste» Füllungsgradeö für verschiedene Werthe der Admissionsspannung und erwähnte, daß man sich bei Anlage einer Dampfmaschine häufig für einen größeren Füllungsgrad entscheiden werde, da leicht der Fall eintreten könne, daß der Vortheil der Dampfcrsparniß durch die Mehrkosten der Anlage aufgehoben werde; es sei dies um so eher der Fall, je billiger das Brennmatcrial und je kürzer die Betriebszcit der Maschine sei.
Der Vortragende verglich alsdann eine zu bauende Corlißmaschinc mit einer eincylindrigcn Condcnsationsmaschinc und der Woolf'schcn Maschine hinsichtlich des Dampfvcrbrauckcs resp. des Verbrauches an Brennmaterial, und zeigte an einem bestimmten Beispiel, daß der Dampfverbranch bei der elfteren am größten, bei der letzteren am geringsten sei; daß die Ersparniß an Brennmaterial bei der Eorlißmaschinc die Kaufprcisdiffercnz hinsichtlich der Zinsen und Amortisation kaum aufwiege, während die Woolf'schc Maschine, welche sich hinsichtlich der Kosten der Corliß» Maschine wol ziemlich gleichstelle, entschieden vortheilhaft sei; auch erwähnt derselbe, daß sich bei anderen Dimensionen der Maschinen Aehnliches ergebe. Sodann führte er aus, wie der eigentliche Vorzug der Corlißmaschine darin bestehe, daß sie den Füllungsgrad der erforderlichen Arbeitsstärke entsprechend sclbstthätig regulire und diese Regulirung hinsichtlich des Gütcverhältnisses, wie auch die für dasselbe aufgestellte Formel lehre, zweckmäßiger sei, als die durch Drosselung, durch Veränderung der Admissionsspannung. Wo der Fabritbetricb eine variable Arbeitöstärke bedinge, könne die Corlißmaschine, wie auch Völckcrs bereits hervorgehoben habe, vor der cincylindrigen Maschine dm Vorzug verdienen, aber auch in diesem Falle sei die Woolf'sche Maschine empfehlcnswerther, welche sich noch durch gleichmäßigeren Gang auszeichne, ohne besonders große Schwungräder erforderlich zu machen.
Der Vortragende schloß mit der Bemerkung, daß die vielen beweglichen Theile der Eorlißsteucrung hinsichtlich möglicher Stö
Sächsisch - anhaltinischer Bezirksverein.
(Fortsetzung von Band XIII, Seite 798.)
Versammlung vom 13. Februar 1870 in Staßfurt. —
Vor Eröffnung der Sitzung fand auf Veranlassung des Vorstandes nach Uebercinkunft mit dem Eomite des Vereines für Gründung eines Da mpfkesselrcvisions verein es eine Versammlung von Dampskefselbcsitzern Statt. Sowohl die zahlreiche Versammlung als auch die vielen eingegangenen Schreiben bewiesen, daß das beabsichtigte Unternehmen von vielseitigem lebhaften Beifall begleitet sei, und wurde nun zunächst der vorgelegte Statutcncntwurf durchberathcn und mit einigen Modifieotionen angenommen. Es erfolgte sofort die Zeichnung von ea. 200 Dampfkesseln, wodurch die Lebensfähigkeit des Vereines gesichelt erscheint.
Mit Rücksicht auf die große Anzahl von Beitrittserklärungen, welche noch in Aussicht gestellt sind, wurde indessen von der Vorftandswahl noch abgesehen und diese auf die nächste Generalversammlung Ende März in Vcrnburg, dem künftige» Sitz des Vereines, verschoben.
Nach den mehrstündigen lebhaften Verhandlungen, welche diese Angelegenheit erforderte, erlaubte die vorgeschrittene Zeit nur noch einen Gegenstand der Tagesordnung zu behandeln, den Be» richt der Kommission über die Dllmpfkefselexplofion in b« Fabrik von Hanse, Gsche <c Co. in Leopoldshall, welcher von Hrn. G. Saucrbrcy wie folgt vorgetragen wurde:
„In der Sitzung vom 31. October 1869 in Bernburg wurden die Unterzeichneten beauftragt, über die am Anfange dss. M. stattgehabte Dampfkcssrleiplosion in der chemischen Fabrik der HHrn. Hanse, Esche <K Eo. in Leopoldshall möglichst genaue Notizen, Thatsachen ,c. zu einen, Berichte zusammen zu fassen. Diesem Auftrage gemäß erlaube» sich dieselben, Nachstehendes, soweit es sich bei der schwierigen Sachlage thun ließ, hiermit zu über» reichen.
Die Erplofion selbst fand Morgens zwischen 3 und <l Uhr Statt, und beschränken sich die Aussagen über den Sachverhalt auf den Fabrikmeister und einen Arbeiter, da die übrigen in dieser Nacht beschäftigten Leute dabei ihr Leben verloren haben.
In der Fabrik befinden sich zwei nebeneinander liegende Kessel von 5 Fuß (1",5?) Durchmesser, 30 Fuß s9",«) Länge, mit je einem Feuerrohr von 24 Zoll (628"") Durchmesser, jeder mit einem schmiedeeisernen Dom versehen; dieselben liegen in einem besonderen Kessclhausc, an welches sich seitlich ein Gebäude, in dem sich Calciniröfen und ciue Mühle befinden, anlehnt, und sind von dem Hauptgebäude durch einen offenen Gang getrennt.
Auf die Katastrophe selbst eingehend, haltt der Meister, da Nacht« in der Fabrik nur die Vcrdampfpfannen in Thätigkeit waren, am Abend den erplodirten Kessel hinreichend mit Wasser versorgen, das Dampfvcntil und den Rauchschicber schließe» lassen.
An dem dabei liegenden Kessel waren ein Wasserstandrohr an der Stirnwand und in der Dampfleitung eine Rohrverschraubung undicht. Die Reparatur sollte vom Meister selbst und dem einen der verunglückten Arbeiter in der Nacht vorgenommen werden, und ließ sich derselbe deshalb zur bestimmten Zeit wecken, überzeugte sich von de», Wasserstande und dem Dampfdrucke des Kessels. Er holte sich das zur Reparatur nöthigc Material, um zuerst den Rohrflansch zu dichten; nur kurze Zeit dabei beschäftigt, trat der furchtbare Moment ein, welcher in wenigen Secundcn die Fabrik theilweisc zerstörte. Die Erplosion fand, wie in den häusigsten Fällen, durch Zusammendrücken des Feuerrohres Statt.
Die drei Arbeiter fand man todt unter den Trümmern liegend, der Meister selbst war nickt unbedeutend verletzt.
Am Herde der Erplosion fand man den in Reparatur befindlichen Kessel mit dem Mauerwerk etwas verschoben, den Mantel des erplodirtcn Kessels dagegen vollständig frei von seiner Ein« maucrung, nur wenige Fuß von seinem Lager gerückt, seitlich nach dem Mühlcngcbäude zu liegend. Das Feuerrohr und die beiden Stirnwände waren herausgerissen und in Thcilcn nach vorn und hinten geflogen. Der vordere Theil des Feuerrohres, aus circa 2 Schuß bestehend, lag im Erystallistihause, die vordere Stirnwand mit dem, von dem durch die Nietlöcher gehenden Niß gebildeten Ring von Winkeleiscn lag auf dem Hofe des anhalnnische» Ealzwcrkes einige hundert Fuß entfernt, der Hintere größere Theil des Feuerrohres lag hinter dem Kesselhause auf dem Nückstandsbcrge mit ebenfalls abgerissener Stirnwand, welche wieder etwas seitlich fortgeflossen war; beide Stirnwände hatten sich durch Sprengungen der Nictreihcn losgerissen, die Verankerungen aus Vlcchccke» und Winkelcisen der Stirnwände waren theils zerrissen, theils fanden sie sich nach außen stehend am Mantel des Kessels vor. Bei einer großen Zahl von Nieten waren die Köpfe weggedrückt, bei wenigeren waren dieselben abgerissen, ein Beweis, daß das dazu verwendete Material ein gutes, zähes gewesen ist; außerdem fanden sich noch kleinere zerrissene Stücke des Feuerrohres zwischen dem Hinteren Theilc des Feuerrohres und der Stirnplatte zerstreut umherliegend.
Das Sicherheitsventil lag unten im Aschencanal; da wir aber keine Berechtigung dazu hatten, konnten wir uns einer näheren Untersuchung desselben nicht unterziehen.
Wenn wir nun vorstehendes Gesagte zusammenstellen und daraus die Ursachen der Erplosion herleiten wollen, so kommen wir zu der Ansicht, daß nicht Wassermangel das vorliegende Ercigniß hervorgerufen hat.
Für diese Behauptung spricht:
1) daß an keinem Thcile des Kessels, am Mantel so wenig wie am Feuerrohre, sich irgend eine der blaurothen Stellen (ein ganz deutliches Kennzeichen des Glühens des Bleches) bemerkt wurde, sondern sämmtliches Material hatte die gewöhnliche graublaue Farbe.
2) Hätte ein Glühen der Platten stattgefunden, so mußte auch an den Scitcnzügen des Mantels dieselbe Erscheinung hervortreten, da das Feuer »ach dem Verlasse« des Rohres rechts und links den Kessel nach vorn gehend bestrich; der Mantel selbst war noch mit Ruß und Flugasche belegt, auch haben sich, soviel uns bekannt geworden, beim Mantel, welcher wieder verwendet ist, bei der Kesselprobe keine undichten Stellen gezeigt, die doch bestimmt, wenn der erste Fall eingetreten wäre, sich bemcrklich gemacht hätten.
Daraus folgern wir, baß der Kessel das nöthige Wasser gehabt, jedoch bei verschlossenem Sperr- und ungangbarem Sicherheitsventil von einem mit den Verhältnissen unkundigen Manne
zu irgend welchem Zwecke gefeuert worden und durch Überspannung der Zerstörung anheimgegeben ist.
Das erste Zusammendrücken des Feuerrohres hat ungefähr am zweiten Schuß von vorn stattgefunden, dasselbe zeigte sich an seiner cvlindrischen Form nach innen zu einer vollständigen Rinne zusammengedrückt und hatte außerdem noch eine besondere Einbiegung, als wenn man gewaltsam mit einem stmnpfcn zugespitzten Stück Rundeisen ein Loch einzutreiben versucht hätte; die kleinen umherliegenden Stücke sind unzweifelhaft von dieser Stelle losgerissen, da sonst nichts zu sehen war. Die Stelle war auch diejenige, welche von der Stichstamme, die am Kopf des Rohres durch Einmauern eines Ringes von Steinen verengt, in ihrer Verlängerung jene Stelle trifft; ob folgende Annahme einen Ginstuß geübt hat, wagen wir nicht zu behaupten, jedenfalls scheint sie uns der Erwähnung werth zu sein.
Der Kessel ist an dieser Stelle schon früher, da die Platten schadhaft waren, Reparaturen unterworfen worden, bei diesen Arbeiten ist es wichtig, daß die neu einzusetzenden Stücke wieder den genauen Durchmesser des Kessels erhalten. Ist der Bogen ein flacherer gewesen, so war dies gewiß ein Vorschub für den vorliegenden Fall.
Wir wollen uns noch erlauben, über den Zustand des vor zwei Jahren erplodirtcn Kessels des Hrn. N. T. Loesaß einige Worte zu sagen, da beide Kessel von derselben Construction ganz entgegengesetzte Erscheinungen boten.
Bei diesem Kessel blieb das Feuerrohr selbst durchaus unverändert, nur waren beide Stirnwände losgerissen und befanden sich an den Kopfenden des zerrissenen äußeren Mantels; derselbe war ebenfalls nach entgegengesetzten Richtungen geflogen und aus der Mitte desselben hatte sich bandartig ein Stück von ca. 35 Fuß (ll") Länge abgeschält. Wenn man die beiden Theilc des Mantels genau besah, so konnte man deutlich an dem unteren Thcile des Kessels die blaurothen geglühten Stellen erkennen, eben so deutlich war es bei dem sich bandartig abgewickelten Thcile zu sehen; dies motivirt eine andere Folgerung, daß der Kessel ebenfalls Wasser gehabt, aber eine so bedeutende Ablagerung von Kesselstein haben mußte, der so verhärtet, daß ein Glühcndwcrdcn der Platten möglich war. Beide Kessel hatten gleiche Cinmaucrung, hatten hinreichend Wasser. Bei dem der HHrn. Hanse, Esche <K Co. wurde das Feuerrohr, ohne geglüht zu haben, zerstört; bei dem des Hrn. N. F. Locfaß der äußere Mantel auseinander gerissen, wo deutlich das stattgehabte Glühen des Kessels zu erkennen war, trotzdem an diesen Stellen das letzte Feuer wirkte.
Vorstehendes sind die unmaßgeblichen Ansichten der Unterzeichneten, und hätten dieselben vielleicht genauere Daten dabei geben tonnen, wenn von vornherein die Absicht vorgelegen hätte, Referat darüber abgeben zu müssen.
Staßfurt, den !3. Februar 1870.
sgcz.) G. Sauerbrcy. Schöne. Ziervogel.
Die übrigen Gegenstände der Tagesordnung mußten für die nächste Versammlung aufbehalten werden.
Berichtigung zu Heft 3.
Die auf S, 203 gegebene Darstellung von dem Einsturz eines Keller« in der Hopf'schen Vrauerei'ist dahin zu berichtigen, daß derselbe nicht durch den Bruch einer gußeisernen Säule veranlaßt wurde, sondern durch ein Nachgeben der mangelhaft ausgeführten Säulenftindament«. In Folge dessen haben die Fundamentplatten der Säulen hohl gelegen, und ist die «ine Säule mit dem mittleren Theile der Funbamemplatte durch da« c». 5 Fuß starke Fundament hindurchgedrückt worden. Durch da« nachstürzende Mauerwerk der Gewölbe ist bann der Kopf diefer Säule abgebrochen und find auch die übrigen Säulen zerstört worden.
welches ein andere« Material ersetzen soll, selbst theurer als das ursprüngliche Material zu stehen kommt, so hört es auf ein Surrogat zu sein. Ich hatte daher diese chemische Holz« ftoffbereitung schon wieder ganz aus den Augen verloren, als ich kürzlich in dem „Ln^ineer" vom 24. September 1869 einen Bericht fand über eine ähnliche Fabrik in England: Cone Mills bei Lydney in Gloucestershire, im Besitz einer Actiengesellschaft, der Gloucester Paper Company. Auch von dort erhielt ich auf meine Bitte sehr bereitwillig Stoff- und Papierproben, welche mich wieder auf's Reue davon überzeugten, w« vorzüglich der durch dieses chemische Verfahre» gewonnene Holzstoff gegen den auf nur mechanischem Wege zubereiteten ist. Den besten Beweis für die Güte dieses neuen Holzstoffes giebt wol der Umstand, daß die genannte Fabrik gegenwärtig aus reinem Holz fabricirtes Papier zu dem sogenannte» Schmirgel- und Glaspapier liefert, welches gerade, wie bekannt, die allergrößte Zähigkeit besitzen muß, ein Resultat, welches mit Völter'schem Stoff absolut unerreichbar sein würde. Hr. Houghton, welcher an der Spitze der Cone Mills steht, vergleicht in seinem Schreiben an mich den Völter'schen Stoff, wenn auch in etwas übertriebener Weise, aber doch nicht ganz mit Unrecht, mit Porzellanthon, dem gewöhnlichen erdigen Füllstoff, welchen die Papierfabricanten seiner Billigkeit wegen in größeren oder kleineren Quantitäten anwende», der aber natürlich an und für sich gar keine Festigkeit besitzt.
Da nun der Gegenstand entschieden von großem Interesse ist, so mögen noch einige spcciellere Notizen nach dem ,rünZineer" hier folgen.
Die Maschine, durch welche zunächst das Holz in Späne verwandelt wird, der sogenannte Holzschneider, besteht aus einer schweren gußeisernen Scheibe von 4 Tons (80 Ctr.) Gewicht, in directester Weise von einer Dampfmaschine von 8 Pfrdst. bewegt, indem jene Scheibe gewissermaßen das Schwungrad der Maschine bildet und bis 250 Umdrehungen pro Minute macht. Ein an der einen Seitenfläche der Scheibe befestigtes Messer schneidet etwa z Zoll (12°"» dicke Späne von den Enden der Holzklötze ab, welche nach und nach auf der geneigten Bahn der Scheibe immer weiter zugeführt werden. Die Späne fallen nun noch zwischen zwei horizontale cannelirte Walzen, welche dieselben weiter zermalmen und die Faser» öffnen. Die zwischen den Walzen herauskommenden Spane weiden in cylinderförmige Drahtkörbe, welche mit kleinen Rädern versehe» sind, gepackt und auf Eisenbahnschienen in den Kochapparat hineingerollt. Dieser letztere hat das Ansehen eines gewöhnlichen horizontalen cylindrischen Dampfkessels, ist aus ^zölligem (14°"°) Lowmooreisen construirt und 32 Fuß (9",?5) laug bei einem Durchmesser von 3,9 Fuß (<",i9). Dieser Apparat wird aber nicht wie ein gewöhnlicher Dampfkessel durch directes Feuer erwärmt, sondern, und das ist das Gigenthümliche dieses Systems, durch Hochdruckröhren, in denen Wasser von dem Ofen aus durch den Kessel und wieder zurück circulirt, also gewissermaßen durch eiue Heißwasserbeizung. Sobald der Kessel die erforderliche Zahl Drahtlörbe enthält, wird er durch einen aufgeschraubten Deckel fest verschlossen, darauf durch eine Centrifugalpumpe mit einer starken Lösung von kaustischem Natron gefüllt und das Ganze für 5 bis 6 Stunden auf eine möglichst hohe Temperatur
gebracht. In dem ersten Artikel sind dafür 220° k. (104,4° 5.) angegeben; in einem späteren Artikel sagt Houghton, daß er gerade auf die Temperatur ein großes Gewicht lege und gewöhnlich eine um 150' ?. höhere Temperatur, also 370° !?. (187z' 6.) anwende. Diese letztere Temperatur würde dann einem Dampfdruck vou l l Atmosphären entsprechen.
Sobald so das Holz genügend gekocht ist, wird eS aus dem Kessel gezogen; es hat dann eine blaugraue Farbe und wird nun im Holländer ganz wie Lumpenftoff behandelt, gewaschen, gemahlen «., und läßt sich auch durch Chlor bleickK». Die ans dem Kochkessel abgelaufene Lauge wird zum Zweck der Wiedergewinnung des kostspieligen Natrons in große Abdampfpfannen gepumpt und durch darin hin- und herlaufend angebrachte Heizrohren bis zur Tyrupsdicke eingedampft. Darauf wird die Flüssigkeit in flachen eisernen Pfannen über dircctem Feuer erhitzt und weiter in eine mehr consistente Masse verwandelt. Der Inhalt dieser Pfannen steht vermöge des großen Gehaltes an Harz uud Extraktivstoffen des Holzes ganz schwarz und wie geschmolzenes Pech aus. Wenn die Masse endlich fest geworden ist, wird sie auf einen Herd gebracht und durch Brennen in gute calcinirte Soda umgewandelt. Die bei diesem Proceß entweichenden Gase, etwa 2 Cbkfß. pro Pfund Holz (0,li5 Cbkmtr. pro Kilogrm.), werde» unter den letzten Abdampfpfanuen mit verbrannt. Jetzt hat man nur noch nöthig, diese Soda mit gebranntem Kalk zu behaudel», um sie i» de» ursprünglich kaustischen Zustand zurückzubringen, nnd man gewinnt auf diese Weise 80 pCt. des ursprünglich verwendeten Quantums.
Auf diese Mitteilungen erwidert in einer der nächsten Nnmmern des „LnZineer« vom 10. Dcc. 1869 Houghton, welcher sich als Erfinder des neuen Processes bekennt, iu ausführlicher Weise; er sucht zunächst die Behauptung, daß der so präparirte Holzstoff etwas theurer als der gebleichte Ttrohoder Espartostoff zu stehe» käme, z» widerlege»; er giebt zu, daß der Verlust beim Kocheu wol etwas größer sei, der Holzstoff selbst daun aber auch 25 bis 33 pCt. mehr Werth als Strohstoss habe wegen seiner wunderbare» Festigkeit, Länge der Faser und Reinheit. Nicht uninteressant sind nun die Notizen, welche Houghton über die Geschichte seiner Erfindung giebt. Vor vielen Jahren schon habe er entdeckt, daß Holz dasjenige Material sei, welches als Faserstoff für die Papierfabrication nichts zu wünschen übrig lasse. Was ihn anfangs bewogen habe, immer nur ganz dünne Holzspäne und zwar so dünn als mir irgend möglich zu den Versuchen zn verwenden, das wisse er selbst nicht. Kurz, gerade an dem Festhalten an Holz in fei» zerthciltem Zustande sei er gescheitert. Es sei nämlich ein Hauptcrforderniß, daß das Holz beim Kocheu vollständig von kaustischer Lauge bedeckt sei, uud da Holzspäne ei» sehr großes Volumen einnähmen, so sei sehr viel Lauge erforderlich gewesen, uud der Proceß zu theuer geworden. Habe er versucht, die Holzspäne im Kochkessel festzustampfen, so sei die Lauge uicht durchgedrungen, uud seien nnr die änßercn Theile gut gekocht gewesen. Er sei daher damals zu dem Schlüsse gekommen, die Sache könne sich niemals rcntiren, und er habe sie jahrelang liegen lassen und sich inzwischen mit großem Erfolg mit dem Verarbeiten der schlechtesten Flachs- und Hanfabfälle zu gutem Papierstoff beschäftigt. Zu dieser Zeit habe Jemand in Amerika gefunden, daß aus Bambusrohr ein ausgezeichneter Faserstoff für die Papierfabrication zu gewinnen sei; derselbe habe den Bambus in einem röhrenartigen Gefäß unter sehr hohem Dampfdruck gekocht, dessen Endverschluß durch eine Feder plötzlich geöffnet werden konnte, um den ganzen Inhalt explosionsartig gegen eine feste Wand zu schleudern. Dieses Verfahren habe wol seinen Zweck erfüllt, sei aber wegen der vielen dabei vorgekommenen Unglücksfälle von der Regierung inhibirt worden. Einige Kauflente in Jamaika jedoch, welche von der erfolgreichen Verwandlung des bei ihnen einheimischen Bambus in werthvolle Papiermasse gehört hatten, griffen die Sache wieder auf und schickten Proben an verschiedene Papier» fabricantcn nach England. Auf diese Weise sei der Bambus in seine (Houghtou's) Hände gekommen und er hätte mit Leichtigkeit die schönsten Papierfasern darans dargestellt. Aber (und dies ist der merkwürdige Zufall), um das Bambusrohr im Kochkessel festzuhalten, habe er einige gewöhnliche Lattenstücke aus Holz verwendet und beim Entleeren des Kessels nach dem Kochen zu seinem Erstaunen gefunden, daß die Lattenstücke ebenso gut aufgeschlossen waren, als der Bambus. Darauf habe er mit dem besten Erfolge einen ganzen Kessel voll Lattenstücke zu kochen versucht und gefunden, daß er in dieser Form fünfmal soviel Holz in dem Kessel unterbringen konnte, als früher in Form von feinen Spänen, und mit demselben Quantum Alkali. Auf diese Weise habe der Zufall ihn geführt, vielleicht „den Faserstoff der Zukunft" zu finden. Bald darauf habe er seine Erfindung an die Glouceslershire Paper-Company verkauft und die dazu gehörigen Maschinen in Cone Mills bei Lydney aufgestellt. Im Anfange habe er durch Maschinen gewissermaßen Lattenstücke zu schneiden gesucht, endlich aber, von der Idee einer Rüben- oder Häckselschneidemaschine ausgehend, die oben schon beschriebene Schneidemaschine construirt, mit welcher man jetzt in Cone Mills vortheilhaft arbeite. Nun beschreibt Houghton in seinem Briefe nochmals seinen großen Kochkessel, wie derselbe 60 bis 90 Ctr. Holz aufnehmen könne, wie derselbe mit kaustischer Lauge gefüllt und dann bis auf 165 Pfd. (11,e Kilogrm. pro Quadrateentimeter) Druck erhitzt werde, wie man dann nach dem Abblasen des Dampfes die Lauge ablaufen lasse und den ganzen Kessel zur Abkühlung und weiteren Auslaugung nochmals mit kaltem Wasser fülle, bevor der Stoff herausgenommen werde :c. Houghton legt dabei besonderes Gewicht auf die Erhitzung durch die geschlossenen Heißwasserröhren, und wol auch mit Recht, denn es läßt sich nicht leugnen, daß dies System unbestreitbare Vorzüge hat. Bei dem gewöhnlichen Verfahren, dem Erhitzen durch directe Einleitung von Dämpfen, wird die Lauge fortwährend mehr verdünnt und unwirksamer gemacht, ebenso wie auch hinterher das Eindampfen der Lauge bei größerer Verdünnung kostspieliger wird. Ein Erhitzen des Kochkessels über directcm Feuer soll aber unthunlich sein, weil die Wände des Kessels sich inwendig bald mit dicken Lagen der harzigen Vcstandtheile des Holzes überzögen und die Feuerung uuwirksamer machten, während die Heizrohren dagegen sich mit keinerlei Kesselstein bedeckten; das Kochen
überhaupt sei so ökonomisch, daß auf 1 Ton fertigen Papierstoff nur j Ton Kohle« gebraucht würden.
Diese Mittheilungen Ho ugh ton's riefen in der nächsten Nummer des „Lnßine«,'« vom 24. December 1869 eine Erwiderung eines anscheinend erfahrenen Papierfabricanten R. hervor, welcher nicht zugeben will, daß der Holzstoff nach dem neuen patenttrten Verfahren dem Stoff aus Stroh oder Esparto vorzuziehen sei, indem er die Herstellungskosten für ersteren als höher herausrechnet als für letztere beiden Surrogate. Darauf repliciren Houghton und sein Ingenieur Lee nochmals, uud der Anonymus R. am 14. Januar zum zweiten Male, ohne viel Neues noch vorzubringen. Nur einige positive Zahlen über Preise «. sind von Interesse; es wird z. B. constatirt, daß gegenwärtig auf dem englischen Markt der Papierfabricant für 1 Ton Stroh 30 bis 50 Shilling lfür 100 Pfd. 15 bis 25 Sgr.), für ein gleiches Gewicht Esparto aber 7 L. (für 100 Pfd. 2z Thlr.) zahlen muß. Für die Holzabfälle, welche Houghton verarbeitet, Brett- und Klötzerenden und alle möglichen Abfälle von großen Holzhandlungen und Sägemühlen, giebt derselbe als Preis an Ort und Stelle, wahrscheinlich in Schweden oder Finnland, von wo England das meiste Holz bezieht, 2z Schilling pro Ton an (<z Sgr. pro 100 Pfd.), und zwar seien ihm zu diesem Preise 15,000 Tons pro Jahr angeboten worden. Sein Gegner R. sucht nachzuweisen, daß das Holz mit der Fracht, welche Houghton verschweigt, sich mindestens auf 35 Schilling (17j Sgr. pro 100 Pfd.) oder ziemlich ebenso theuer als Stroh stellen dürfte. Derselbe giebt ferner an, daß, um
1 Ton fertigen Strohstoss zu liefern, 780 Pfd. Allali im Werthe von 5 L. (33Z Thlr.) erforderlich seien, zu 1 Ton Holzstoff dagegen l 800 Pfd. im Werthe von 11; L. (76Z THlr.); dies ungünstige Verhältniß werde zum Theil dadurch herbeigeführt, daß zur Herstellung von 1 Ton Papier etwa 3 Tons Holz erforderlich seien, dagegen nur 2Z Tons Stroh oder
2 Tons Esparto. Es stelle sich demnach die Calculation für den neuen Holzstoff entschieden ungünstiger als für die beiden anderen Surrogate.
Doch nun genug von diesem Federkrieg, welcher jetzt im „Lnßinver" um diesen auf chemischem Wege bereiteten Holzfaserstoff geführt wurde. Es ist natürlich gegenwärtig noch nicht möglich, ein endgültiges Urtheil über die Sache zu fällen, aber so viel scheint doch festzustehen, daß der Holzstoff noch einer ungeahnten Veredelung fähig ist und von den Papierfabricanten nicht aus den Augen verloren werden darf.
Zum Schluß will ich noch auf eine eigenthümliche Reaction aufmerksam machen. ES ist bekannt, daß Anilinsalze das natürliche Holz intensiv gelb färben. Eine verdünnte wässrige Lösung von schwefelsaurem Anilin ist daher ein sehr empfindliches Reagenz auf Holzstoff (Völter'schen) im Papier, indem sich dasselbe beim Betupfen, sobald es nur wenige Procente Holz enthält, intensiv gelb färbt. Diese Reaction bleibt nun vollständig aus bei dem auf dem chemischen Wege präparirten Holzstoff.