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Swiss Olympic sperrt Martin Grab für zwei Jahre
Rund 15 Monate nach dem Dopingbefund gibt Swiss Olympic das Urteil gegen den Spitzenschwinger Martin Grab bekannt. Der 40-jährige Schwyzer aus Rothenthurm wird für zwei Jahre gesperrt.
Das noch nicht rechtskräftige Urteil - Grab hat die Möglichkeit, dagegen vorzugehen - hat im sportlichen Bereich keine weiteren Auswirkungen, denn der frühere Unspunnensieger hatte im Mai 2018 seinen Rücktritt verkündet, noch bevor das Dopingvergehen bekannt geworden war.
In der im April 2018 in einem unangekündigten Test entnommenen Probe wurde Tamoxifen gefunden, ein sensibles Chemotherapie-Mittel, das fast ausschliesslich für die Behandlung von Brustkrebs eingesetzt wird. Tamoxifen selbst hat keine leistungsfördernde Wirkung, aber es dämpft die Nebenwirkungen jedes Anabolikums, das von Athleten in Kraftsportarten missbraucht wird. Grab hat bis heute seine Unschuld beteuert.
Die Disziplinarkammer wendet mit der Sperre von zwei Jahren ein Strafmass an, wie es für Ersttäter üblich ist. Grab ist ein solcher. Wäre er ein Wiederholungstäter gewesen, hätte er mit einer Sperre von bis zu vier Jahren rechnen müssen. Die Sperre gilt seit dem 5. April 2019 und ist für sämtliche Sportarten und jegliche Funktionen im Sport wirksam.
Grab muss die Verfahrenskosten und die Kontroll- und Analysekosten übernehmen sowie eine Parteientschädigung an Antidoping Schweiz entrichten. Der Gesamtbetrag beläuft sich auf rund 6300 Franken.
Im sportlichen Palmarès verliert Grab nach einem Urteil des Eidgenössischen Schwingerverbandes ESV den Festsieg und den Kranzgewinn am Zuger Kantonalfest sowie den Kranzgewinn am Schwyzer Kantonalfest. Beide Feste hatte Grab im Zeitraum April/Mai 2018 bestritten, nach der Dopingprobe. Die Klassemente der beiden Anlässe werden nicht neu errechnet.
Seit dem Bekanntwerden des Befunds hat Grab bis heute geschworen, er habe nicht wissentlich und willentlich gedopt. Er hielt daran fest, obwohl sehr viele Indizien gegen ihn sprachen. Das wichtigste Indiz ist das Tamoxifen selber. Es ist ein rezeptpflichtiges Medikament, das in den allermeisten Fällen Frauen einnehmen müssen. Grab machte immer geltend, dass ihm Tamoxifen nichts genützt hätte. Die Wirkung des Medikaments als Seitenwagen im Muskeldoping blendete er aus. Gegenüber der Zeitung «Bote der Urschweiz» sagte er, gewisse Medien hätten von mehreren gefundenen Substanzen geschrieben. Dies stimmt allerdings nicht. Im ganzen Fall war ausschliesslich von dem Mittel gegen Brustkrebs die Rede.
Grab mutmasste schon im Frühling 2018, jemand habe ihm das Tamoxifen untergejubelt. Hier fragt es sich, wer ein Interesse gehabt haben könnte, den damals fast 39-jährigen, harmlos gewordenen Schwinger zu torpedieren. 2017 war der oft von Verletzungen geplagte Grab an einem Tiefpunkt angelangt. Am Ende jener Saison mit enttäuschenden, für einen Schwinger seines Renommees unwürdigen Resultaten hätte er es vermutlich nicht einmal ins 33 Mann umfassende Innerschweizer Aufgebot für das Unspunnenfest gebracht. Es entstand kein Härtefall, weil Grab gerade wieder verletzt war. Grabs Festsieg am Zuger Kantonalen in Menzingen am 22. April 2018 wurde allenthalben als wundersame Auferstehung gewertet. Er gewann dort alle sechs Gänge und bodigte unter anderen den zwölf Jahre jüngeren Luzerner Eidgenossen Sven Schurtenberger, einen der Protagonisten des jüngsten Eidgenössischen in Zug.
Grab hatte in jenem Frühling verschiedene Rätsel aufgegeben. Ein solches waren die verblüffenden Leistungen. Er hatte zuvor sechs Jahre lang kein Fest mehr gewonnen und war von Saison zu Saison schwächer geworden. Es fragte sich auch, wieso er die ganze mühselige Vorbereitung für die Saison 2018 hätte auf sich nehmen sollen, wenn er dann trotzdem nach dem ersten Einsatz, nach einem Fest der dritten Kategorie, den Rücktritt ankündigte. Grab machte seine chronischen Hüftbeschwerden geltend. Aber wie hätte ein fast 39-jähriger Hüftsteifer das Zuger Kantonale im totalen Triumph gewinnen können? Wenn Grab jedoch nach der unangemeldeten Dopingprobe am 17. April wusste, dass ein Verfahren und eine Sperre auf ihn zukommen würden, weil er tatsächlich wirkungsvoll gedopt war, scheinen alle Ungereimtheiten verschwunden zu sein. Mit dem plötzlichen Rücktritt konnte er der Sperre zuvorkommen.