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Frauenstimmrecht in der Schweiz
Die wichtigsten Etappen des langen und steinigen Wegs zur Einführung des Stimm- und Wahlrechts für Frauen am 7. Februar 1971.
- Erste vergebliche Versuche in den Kantonen
- Erste Vorstösse auf nationaler Ebene
- Gescheiterte Versuche auf kantonaler Ebene während des 2. Weltkriegs und in der Nachkriegszeit
- Ablehnung des Frauenstimmrechts in der ersten Volksabstimmung auf Bundesebene im Jahr 1959
- Die ersten Kantone führen das Frauenstimmrecht ein
- Frauenstimmrecht auf Bundesebene seit 1971
- Kantone und Gemeinden folgen dem Beispiel des Bundes
- Erste Wahlen mit weiblicher Beteiligung im Jahr 1971
Erste vergebliche Versuche in den Kantonen
1904 nahm die Sozialdemokratische Partei (SP) das Frauenstimmrecht in ihr Parteiprogramm auf. Ab 1912 galt das Begehren offiziell als Kampfmittel gegen die Ausbeutung des Proletariats durch die kapitalistische Klasse. Im selben Jahr verlangte die SP im St. Galler Grossen Rat das kantonale Frauenstimmrecht – ohne Erfolg.
Erste Vorstösse auf nationaler Ebene
Gescheiterte Versuche auf kantonaler Ebene während des 2. Weltkriegs und in der Nachkriegszeit
Ablehnung des Frauenstimmrechts in der ersten Volksabstimmung auf Bundesebene im Jahr 1959
Da die öffentliche Kontroverse das Zivilschutzprojekt gefährdete, legte der Bundesrat einen ersten Entwurf zur Einführung des Frauenstimmrechts auf Bundesebene vor. Mit Unterstützung der Gegner des Frauenstimmrechts im Parlament, die eine Ablehnung durch die Stimmbürger herbeiführen wollten, passierte die Vorlage 1958 beide Räte. Vor dem Urnengang befürworteten SP, LdU und PdA das Frauenstimmrecht. Die FDP und die konservative Volkspartei gaben die Stimme frei, die BGB beschloss die Nein-Parole. Das Begehren wurde 1959 mit 654 939 (66,9 %) Nein gegen 323 727 (33 %) Ja bei einer Stimmbeteiligung von 66,7 % deutlich abgelehnt. Nur die Kantone Waadt, Genf und Neuenburg stimmten zu.
Die ersten Kantone führen das Frauenstimmrecht ein
Am gleichen Tag im Jahr 1959, an dem das Frauenstimmrecht auf Bundesebene abgelehnt wurde, führte der Kanton Waadt das kantonale und kommunale Frauenstimmrecht ein. Neuenburg folgte im selben Jahr, Genf 1960. Als erster Kanton in der Deutschschweiz stimmte Basel-Stadt 1966 dem kantonalen und kommunalen Frauenstimmrecht zu. Basel-Landschaft und das Tessin taten es ihm 1968 beziehungsweise 1969 gleich.
Frauenstimmrecht auf Bundesebene seit 1971
1968 plante der Bundesrat die Unterzeichnung der europäischen Menschenrechtskonvention unter Ausschluss des Frauenstimmrechts. Die Frauenverbände, die eine weitere Verschleppung ihres Anliegens befürchteten, liessen sich von der Frauenbefreiungsbewegung inspirieren und protestierten massiv. Angesichts der ohnehin gesellschaftlich angespannten Lage in den späten 1960er-Jahren musste sich der Bundesrat nun mit einer neuen Abstimmungsvorlage zum Frauenstimmrecht beeilen. Da eine Annahme durch die Stimmbürger diesmal wahrscheinlich schien, hielten sich die Gegner zurück – keine Partei wollte sich die Gunst potenzieller Wählerinnen verscherzen.
Am 7.Februar 1971 dann endlich der Erfolg für die Schweizer Frauen: Die Stimmbürger nahmen das eidgenössische Stimm- und Wahlrecht für Frauen mit 65,7 % Ja- zu 34,3 % Nein-Stimmen an – 53 Jahre nach Deutschland, 52 Jahre nach Österreich, 27 Jahre nach Frankreich und 26 Jahre nach Italien. Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden, Glarus, Obwalden, Schwyz, St. Gallen, Thurgau und Uri lehnten das Begehren nach wie vor ab.
Kantone und Gemeinden folgen dem Beispiel des Bundes
Im Zuge der Entwicklung auf Bundesebene führten die meisten Kantone kurz vor, nach oder zeitgleich mit dem eidgenössischen Frauenstimmrecht auch das kantonale und teilweise das kommunale Frauenstimmrecht ein. Manche Gemeinden verzögerten die Einführung des Frauenstimmrechts bis in die 1980er-Jahre. In Appenzell Ausserrhoden entschied erst 1989 ein knappes Handmehr an der Landsgemeinde zugunsten des Frauenstimmrechts. Im Kanton Appenzell Innerrhoden brauchte es gar einen Bundesgerichtsentscheid: Am 27. November 1990 entschied das Bundesgericht, dass auch in Innerrhoden die Frauen ab sofort stimmberechtigt waren; am 28. April 1991 konnten die Frauen des Kantons Appenzell Innerrhoden erstmals kantonal abstimmen.
Erste Wahlen mit weiblicher Beteiligung im Jahr 1971
Im Herbst 1971 wählten die Schweizerinnen und Schweizer zehn Nationalrätinnen und eine Ständerätin ins Parlament. Eine elfte Nationalrätin rutschte schon nach wenigen Tagen für einen Mann nach, der in den Ständerat gewählt worden war.
Seither ist der Frauenanteil im Nationalrat mehr und mehr gestiegen 1983: 11 %; 2003: 26 %; 2015: 32 %), während die Entwicklung in der kleinen Kammer langsamer und schwankender verläuft (1983: 6,5 %, 2003: 23,9 %; 2015: 15,2 %).
Vertretung der Frauen in den eidgenössischen Räten
1977 wurde die Schwyzer CVP-Politikerin Elisabeth Blunschy erste Nationalratspräsidentin und damit höchste Schweizerin. Es dauerte bis 1991, bis mit der Luzernerin Josi Meier (CVP) die erste Frau zur Ständeratspräsidentin gewählt wurde.
Die Frauenrepräsentation in den politischen Institutionen –Bundesamt für Statistik (auf Deutsch und Französisch)