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Allende 1970–1973
Am 11. September jährt sich zum 50. Mal der Todestag von Salvador Allende, der durch einen Militärputsch unter Mitwirkung der CIA gestürzt wurde. „Mit seinem Freitod“, schrieb Tomas Moulián in „Genosse Präsident“ im September 2003 in LMd, „sann Allende auf größtmögliche politische Wirkung. Das Exil kam für ihn nicht in Frage; er suchte nach einer Reaktion, die seine Ideale am adäquatesten ausdrücken und denjenigen am empfindlichsten treffen würde, der Chiles Tragödie betrieb“. Pierre Kalfon erinnert sich in derselben Ausgabe an Allendes Wahlsieg drei Jahre zuvor und „an den irrsinnigen Jubel, der die Menge nach und nach erfasste. An diesem 4. September 1970 endete in Santiago der Winter.“ Seine politische Vision entwickelte Allende in der Zeit der Mitte-links-Koalitionen zwischen 1938 und 1947, insbesondere unter der Volksfrontregierung von Pedro Aguirre Cerda, der Allende als Gesundheitsminister angehörte. Erinnert sei auch an das erste Experiment mit einem maschinell gesteuerten Staatswesen, das aus der Begegnung des britischen Kybernetikers Stafford Beer mit dem demokratischen Sozialismus in Chile hervorging. Unter dem Titel „Der Staat als Maschine“ erzählte Philippe Rivière im November 2010 in LMd, wie der Computer in den Präsidentenpalast kam. Nach dem Pinochet-Putsch wurde nicht nur dieses Experiment beendet. Auch das Bildungssystem wurde demontiert: „Ein Jahrzehnt lang herrschte in Chile der apagón cultural – ein kultureller Stromausfall“, schrieb Nira Reyes Morales im September 2003 in LMd. Hier erinnert sie auch an den kurz zuvor verstorbenen Roberto Bolaño, „die kräftigste Stimme der chilenischen und lateinamerikanischen Literatur“. Christian Hansen, der preisgekrönte Übersetzer von Bolaño, hat damals eine Lektüre-Liste zusammengestellt: „Bücher aus Chile“.