Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03149.jsonl.gz/515

>
Schülerforum

Vergleiche die Gedichte "Der Weckruf" von Wizlaw von Rügen sowie "Im ersten Licht" von Karin Kiwus. Konzentriere dich dabei auf das Verhalten der beiden Liebenden nach ihrer gemeinsamen Nacht
Hier meine Interpretation:
Das Gedicht „Der Weckruf“ ist ein Fragment aus dem Mittelalter und wurde von Wizlaw von Rügen verfasst. Das zweite Gedicht „Im ersten Licht“, geschrieben von Karin Kiwus, stammt aus dem Jahr 1976. Der gemeinsame Aspekt ist die Trennung der beiden Liebenden nach einer gemeinsam verbrachten Nacht. Jedoch wird mit dem poetischen Motiv in den Gedichten unterschiedlich umgegangen.
Das erste Gedicht „Der Weckruf“ ist in drei Strophen gegliedert und enthält 18 Verse. Die Länge der einzelnen Strophen ist unterschiedlich. In der ersten Strophe schwärmen der Ritter und die Braut von der gemeinsamen Nacht. Durch einen Weckruf muss der Ritter seine Geliebte verlassen. Zum Abschied umarmen sie sich. Die Braut hat Angst um ihn. Das betont die zweite Strophe. In der darauf folgenden Strophe versichert der Ritter ihr, dass er wieder kommt. Damit sollen die Ängste der Braut beseitigt werden, da diese ihre Sorgen laut ausspricht: „Bleib bei mir.“ (Strophe 3, Vers 16). Sie hat Angst, dass ihr Geliebter nicht wieder nach Hause kommen wird. Das äußert sich auch dadurch, dass „manche Träne floss“ (Strophe 3, Vers 13). Das Wort „bald“ (Strophe3, Vers 18) ist ein dehnbarer Begriff. Der Dienst des Ritters kann nach einem Tag vorbei sein oder gar ganze Monate bis Jahre in Anspruch nehmen. Der Sprecher in dem Gedicht ist ein Beobachter, der die Geschehnisse beschreibt. Im Dialog sprechen die beiden Liebenden miteinander, was die Lebendigkeit in den einzelnen Strophen verdeutlicht. Die Idylle wird zweimal gestört. Zum einen durch den Morgen und den damit verbundenen singenden Vögeln sowie dem Weckruf des Wächters.
Das Reimschema ist eine Folge von Haufenreim (3 Verse) und Kreuzreim (4 Verse). Das Metrum ist ein drei- bis vierhebiger Jambus. Die Kadenz ist im Haufenreim männlich, während sie sich im Kreuzreim ständig abwechselt.
In dem Gedicht von Wizlaw von Rügen lassen sich viele rhetorische Figuren finden. Die Hyperbel „tausend Eide“ (Strophe 3, Vers 14) soll der Braut versichern, dass ihr Ritter wieder kommen wird. Durch die Umkehrung der Umstände entsteht ein Kontrast zwischen Tag und Nacht. Hier steht die Nacht für das Glück und die Liebe, der Tag hingegen für die Trennung.
Im Gegensatz zum ersten Gedicht hat „Im ersten Licht“ vier Strophen und eine unregelmäßige Versanzahl. In der zweiten und dritten Strophe ist die Versanzahl regelmäßig. Hier hat jede der beiden Strophen drei Verse. Mit dem poetischen Motiv der Trennung der beiden Liebenden wird jedoch anders umgegangen. Das lyrische Ich erkennt nach der gemeinsamen Nacht, dass es keinen Partner gibt. Es ist unklar, ob der Sprecher ein Mann oder eine Frau ist. Während es im ersten Gedicht ein bestimmtes Metrum und eine wechselnde Kadenz gibt, sind im Gedicht von Karin Kiwus Metrum und Kadenz unregelmäßig, sie wechseln ständig. Das Reimschema ist in einem freien Rhythmus geschrieben. Die Wortwahl ist ordinär, alles ist fortlaufend verfasst und es sind keine Satzzeichen vorhanden. Das lyrische Ich spricht in einem inneren Monolog und lässt seinen Gedanken freien Lauf. Das Gedicht lässt sich in einen ganzen Satz gliedern, der zu einer Hypotaxe aufgebaut sein würde. Es gibt zwei Hauptsätze und viele Nebensätze.
Die Metapher „gedankenlos getrunken“ (Strophe 1, Vers 1) ist ein Ausdruck dafür, dass sie sich einander genossen und geliebt haben. Die „gedämpften Färbungen“ (Strophe 1, Vers 5) sind ein Symbol für die ersten Sonnenstrahlen, die am Morgen ins Zimmer scheinen. Die deutliche Beschreibung durch Partizipien und Adjektive in der ersten Strophe wie ,,getrunken“ (Vers 1), „langen“ (Vers 2), „kurze“ (Vers 3), „heiße“ (Vers 3), „gedämpften“ (Vers 5), „hellen“ (Vers 6), „tönenden“ (Vers 6) und „frischgespannten“ (Vers 6) verstärkt die Atmosphäre. „In hellen tönenden frischgespannten Himmel“ ist eine Synästhesie. Sie verbindet unterschiedliche Sinneseindrücke und veranschaulicht den Himmel. Die Correctio
„Daß ich dich nicht liebe / wirklich / daß ich dich einfach nicht liebe“ (Strophe 4, Verse 19 – 21) verstärkt den schwächeren Ausdruck durch einen aussagekräftigeren.
Die Gedichte „Der Weckruf“ und „Im ersten Licht“ thematisiert die Trennung nach einer gemeinsamen Nacht. Mit dem poetischen Motiv wird in den Gedichten unterschiedlich umgegangen. Während es im ersten Gedicht um die Sorge der Rückkehr des Geliebten geht, so ist im zweiten die Erkenntnis, dass es keinen Partner geben wird, sicher.
Ist sie einigermaßen okay, oder fehlt noch etwas?
Also ich finde diese Iterpretation ist richtig gut!!!
wie vielte Klasse bist du??
LG Gandy
Hallo!
Da muss ich Gandy zustimmen. Hinter dieser Interpretation steckt viel Arbeit, die dir wirklich gelungen ist.
Lobenswert ist die Gliederung in Sinnabschnitte. Diese vergessen viele. Außerdem hast du dir sehr viel Mühe gegeben, die rhetorischen Figuren herauszuarbeiten. Die Rechtschreibung ist auch hervorragend.
Dass Karin Kiwus keine Satzzeichen verwendet, ist offenbar charakteristisch für sie. Ihr Gedicht "Gewisse Verbindung" (1979) enthält nämlich ebenfalls keine Satzzeichen.
[color=#0000FF]Folgendes sollte trotzdem noch geändert werden: [/color]
Die Gedichte [...] thematisieren [...]. Also nicht "thematisiert", weil es zwei Gedichte sind.
Hinter "Die Idylle wird zweimal gestört" würde ich einen Doppelpunkt setzen und statt "sowie dem ..."
"sowie durch den Weckruf des Wächters" schreiben.
[color=#0000FF]Inhaltliche Verbesserungsvorschläge:[/color]
Den Kontrast zwischen Tag (= Trennung) und Nacht (= Glück und Liebe) würde ich an deiner Stelle noch etwas näher erläutern. Was möchtest du damit genau ausdrücken? Möchtest du damit auf die Vergänglichkeit dieser Liebe eingehen, dass sich von der Nacht zum Tag viel verändern kann?
Beim zweiten Gedicht wäre es gut, wenn du noch mehr darauf eingingest, dass das lyrische Ich nach der gemeinsamen Nacht erkennt, dass es keinen Partner gibt. Du solltest versuchen, diesen Aspekt anhand von Zitaten genauer zu belegen.
Zum Schluss wiederholst du den Satz "Mit dem poetischen Motiv wird in den Gedichten unterschiedlich umgegangen." Vielleicht kannst du diesen noch einmal anders ausdrücken und bekräftigen. Eventuell fällt dir auch noch eine richtige Pointe für den Schluss ein.
Einen schönen Abend noch!