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Der «Spiegel» hat am vergangenen Freitag das JACDEC-Ranking publiziert. «JACDEC» ist ein Akronym für «Jet Airliner Crash Data Evaluation Centre», welches 1989 in Hamburg gegründet wurde und seitdem im Luftfahrtmagazin Aero International (einer der JACDEC-Gründer arbeitet dort) alljährlich ein «Safety Ranking» von kommerziellen Airlines publiziert, aufbauend auf einer eigenen Datenbank. Das Ranking baut auf einem Index auf, welcher Todesfälle und Flugzeugtotalverluste zu den geflogenen Kilometern mit ertragbringenden Passagieren in Relation setzt. Dabei werden die Unfalldaten der letzten 30 Jahre berücksichtigt. Ausserdem fliesst die Mitgliedschaft einer Airline im weltweiten Sicherheitsprogramm IOSA der IATA mit in die Sicherheitsbewertung ein.
Gemäss dem JACDEC-Ranking war Finnair die sicherste Airline der Welt, vor den Low-Costern Scoot, Norwegian, Vorjahressieger Emirates und Air Europa auf Rang fünf. Schwach schnitten die Airlines der Lufthansa Group ab, mit Lufthansa auf Platz 21, Eurowings auf Rang 25, Austrian Airlines auf 51 und SWISS gar erst auf Rang 60 - von total 100.
Ganz anders sieht das Ranking beim australischen Unternehmen airlineratings.com aus. Dort gibt es keine Rangierung von 1-100, sondern eine Einteilung in Sterne-Kategorien. Das höchstmögliche sind sieben Sterne. Und diese höchste Einteilung, also den besten Sicherheitswert, haben 2018 insgesamt 20 Airlines erlangt, wozu auch die SWISS gehört. Konkret waren die 20 sichersten Airlines, alphabetisch geordnet, die Folgenden: Air New Zealand, Alaska Airlines, All Nippon Airways, British Airways, Cathay Pacific Airways, Emirates, Etihad Airways, EVA Air, Finnair, Hawaiian Airlines, Japan Airlines, KLM, Lufthansa, Qantas, Royal Jordanian Airlines, Scandinavian Airline System, Singapore Airlines, SWISS, Virgin Atlantic und Virgin Australia.
Welche Kriterien sind am Wichtigsten?
Das Ranking von airlineratings.com, welche erst 2013 gegründet wurde, baut sich folgendermassen auf: Zwei wichtige Audits können je zwei Sterne einbringen. Erstens, das «International Air Transport Association Operational Safety Audit» (IOSA), welches alle zwei Jahre durchgeführt wird und dem rund 1000 Parameter zugrunde liegen. Zweitens, das ganzen Ländern abgenommene Audit der International Civil Aviation Organization (ICAO), welches auf acht Parametern (Legislation, Organization, Licensing, Operations, Airworthiness, Accident Investigation, Air Navigation Service, Aerodromes) aufbaut. Wenn ein Land den Durchschnittswert bei allen acht von der ICAO geprüften Parametern überschreitet, erhalten die Airlines aus diesem Land zwei Sterne. Werden fünf bis sieben Kriterien erfüllt, gibt es einen Stern. Kurz: Das ICAO-Audit wird als Parameter herbeigezogen, weil es Aufschluss dazu gibt, wie gut die Länder die Sicherheitsbestrebungen der landeseigenen Airlines unter Kontrolle haben. Aus diesem Grund beispielsweise fehlt Qatar Airways, per se eine gute und sichere Airline, in den Top 20. Wer weder auf der EU- noch auf der US-«Blacklist» steht, erhält einen weiteren Stern. Und nochmals einen Stern gibt es für all jene Airlines, welche in den letzten zehn Jahren keinen Unfall mit Todesfolge hatten. Ebenfalls in die Beurteilung fliesst das durchschnittliche Alter der jeweiligen Airline-Flotte.
Was NICHT mitgezählt wird sind «besondere Vorkommnisse», weil jede Airline immer mit solchen konfrontiert sei, die meisten davon nur kleine Zwischenfälle seien, die von Piloten gelöst werden, und weil nicht alle Länder solche «Incidents» in gleichem Masse melden. Oder wie es Geoffrey Thomas von airlineratings.com ausdrückt: «Viele Zwischenfälle sind nicht direkt Schuld der Airline, sondern gehen auf die Flugzeugbauer oder möglicherweise externe Maintenance-Firmen zurück; ausserdem ist bei einem Zwischenfall wichtig, wie die Crew reagiert. Es macht also aus unserer Sicht wenig Sinn, einfach alle Unfälle und Zwischenfälle zusammenzunehmen und daraus ein Ranking zu erstellen. Die Top-Airlines in Sachen Sicherheit sind jene, welche operativ hervorragende Leistungen erbringen und bei der Sicherheits-Innovation führend sind, indem sie etwa auf moderne Flugzeugtypen setzen.»
Die Low-Cost-Airlines werden bei airlineratings.com übrigens separat aufgelistet. Die Maximalzahl an Sternen haben in diesem Bereich zehn Airlines erhalten: Aer Lingus, Flybe, Frontier, HK Express, Jetblue, Jetstar Australia/Jetstar Asia, Thomas Cook Airlines, Virgin America, Vueling und Westjet. Die Basiskriterien für die Auszeichnung sind die gleichen wie bei den Legacy-Carriern.
Finnair auf jeden Fall top - SWISS aber auch
Was nun? Beide Studien haben ihre Berechtigung. Uns scheint ein Rating, welches Vorfälle auf teils weit zurückliegenden Jahren mit einbezieht, aber weniger aussagekräftig hinsichtlich einem Ranking, welches doch eine «Leistung» aus einem bestimmten Jahr wiederspiegeln sollte. So gesehen gefällt uns die Liste jener Airlines, welche in legislativen und operativen Bereichen «voll erfüllt» haben, besser als ein Ranking, wo eine Hierarchie entsteht, bei welcher die Differenzierung sich teils von Kommastellen ableitet.
Wir gehen also davon aus, dass die SWISS eine sehr sichere Airline ist. Ebenso natürlich Finnair, welche bei JACDEC die Spitze hat und bei airlineratings.com zur Spitzengruppe gehört.
PS: Auf den letzten Plätzen im Ranking von JACDEC finden sich Airlines aus Russland, Äthiopien und Indonesien. Bei airlineratings.com sind in der Liste von Airlines mit gerade mal einem oder keinem Stern die Folgenden: Air Koryo, Bluewing Airlines, Buddha Air, Nepal Airlines, Tara Air, Trigana Air Service und Yeti Airlines.