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Historisch-kritische Gesamtausgabe der Werke und Briefe von Jeremias Gotthelf
Das Gesamtwerk von Albert Bitzius, der sich als Volksschriftsteller auch Jeremias Gotthelf nannte, wird in der Forschungsstelle Jeremias Gotthelf erstmals in grösstmöglicher Vollständigkeit kritisch ediert.
Die Forschungsstelle versteht sich als Institution der Erforschung der politischen, kultur-, literatur- und mediengeschichtlichen Kontexte, in denen das Werk von Jeremias Gotthelf entstand und auf welche es in vielfacher Weise bezogen ist und kommentierend wieder bezogen werden muss.
Gotthelf-Edition zu Besuch in sechs Zuger Berufsmaturitätsklassen
Rund 90 Schüler und Schülerinnen am Kaufmännischen Bildungszentrum Zug haben zwischen August und Oktober 2017 in einem fächerübergreifenden Projekt Jeremias Gotthelf, seine Zeit und "Die schwarze Spinne" behandelt. Frau Dr. Patricia Zihlmann, stellvertretende Leiterin der Forschungsstelle Jeremias Gotthelf, gab am 25./26. September 2017 Inputs zur politischen Entwicklung von 1830 bis zur Bundesstaatsgründung und diskutierte mit den Klassen zu Gotthelfs politischen Positionen, seinen Anliegen und zu inhaltlichen Aspekten "Der schwarzen Spinne". Natürlich wurden auch einige der Text- und Kommentarbände der Gotthelf-Edition herumgereicht. Wie verändern sich Texte auf ihrem Weg vom Manuskript über Druckausgaben bis hin zur Edition? Was lässt sich an Manuskripten erkennen? Wie unterscheidet sich die Erstausgabe des Schulmeister-Romans von der für das deutsche Publikum bearbeiteten Zweitausgabe? Wie weicht die Textwiedergabe in der "Historisch-kritischen Gesamtausgabe der Werke und Briefe" von Jeremias Gotthelf von derjenigen einer Reclam-Ausgabe ab? Mit diesen und weiteren Fragen, welche die Entstehung von Texten erhellen, untersuchten die Schülerinnen Beispiele aus Gotthelfs Werk. In den Stunden wurde den künftigen Kaufleuten ein kleiner Einblick in die editorische Arbeit und in eine spannende Phase der Schweizergeschichte vermittelt.
Patricia Zihlmann bedankt sich bei ihren Klassen für das Interesse!
Synoptische Edition der "Leiden und Freuden eines Schulmeisters"
Jeremias Gotthelf hat seinen Roman "Leiden und Freuden eines Schulmeisters" nach dem Erstdruck 1838/39 für ein deutsches Lesepublikum überarbeitet. Die synoptische Neuedition ermöglicht nun den Vergleich beider Fassungen auf gegenüberliegenden Textseiten. Damit wird erstmals ein Einblick in die Bearbeitung der eigenen Texte möglich. Die zweibändige Edition wird von Eveline Wermelinger und Christian von Zimmermann im Rahmen der HKG herausgegeben. An der editorischen Arbeit wirkten zahlreiche Hilfsassistierende der Forschungsstelle mit.
Das Projekt ist zugleich das erste Resultat der neuen digitalen Arbeitsweise des Projektes. Applikationsentwickler Matthias Osthof hat gemeinsam mit externen Partnern und den Textphilologinnen die Editionstechnik entwickelt und begleitet.
Ein noch zu bearbeitender weiterer Textband wird die Handschrift zum Schulmeister-Roman bieten.
Die Zentralbibliothek Solothurn, die auch den umfangreichen Hartmann-Nachlass aufbewahrt, veranstaltete die Buchvernissage zur Neuedition von Alfred Hartmanns Roman "Meister Putsch und seine Gesellen". Stadtpräsident und Nationalrat Kurt Fluri würdigte die staatspolitischen Hintergründe des Romans und seine Stellung als Werk der politischen Versöhnung nach der konfliktreichen Bundesstaatsgründung. Patricia Zihlmann und Christian von Zimmermann gaben Einblicke in die literarisch-ästhetische Faktur des ambitionierten Projektes eines zeitgeschichtlichen Romans und gaben Einblicke in die realhistorischen Hintergründe.
Ein Seitenstück zu "Jacobs ‹…› Wanderungen"
Der Solothurner Schriftsteller Alfred Hartmann hatte Gotthelfs zeithistorischen Roman "Jacob, eines Handwerksgesellen, Wanderungen durch die Schweiz" über die unruhigen 1840er-Jahre rezensiert, bevor er zehn Jahre nach der Bundesstaatsgründung selbst einen Panormaroman über diese ereignisreiche Zeit veröffentlichte: "Meister Putsch und seine Gesellen" (1858). Erstmals seit 1858 erscheint der Roman in der von Patricia Zihlmann-Märki und Christian von Zimmermann verantworteten Neuedition. "Meister Putsch und seine Gesellen" gibt Einblick in unterschiedliche politische Milieus und lässt die wichtigsten Akteure der Regenerationszeit sowie eine Reihe kurioser Gestalten auftreten. Die Skizze der politischen Entwicklung der Schweiz wird verbunden mit der Lebensgeschichte des in einer Bauernfamilie aufgewachsenen Fritz Waldmann. Hartmann führt die Leser und Leserinnen mit der Hauptfigur an wichtige Schauplätze der ereignisreichen 1840er-Jahre, skizziert dessen Aufstieg im von Exildeutschen mitbestimmten politischen Radikalismus in Bern und schliesslich auch die Abwendung hin zu einer vermittelnden liberalen Position. Die Aufhebung der aargauischen Klöster im Jahr 1841, die von radikalen Kreisen initiierten Freischarenzüge nach Luzern, der Sonderbundskrieg und die Auseinandersetzungen um die Bundesstaatsgründung von 1848 sind die Eckpfeiler des Romans.
Über Entstehung und historische Kontexte informiert ein Nachwort der Herausgeberin und des Herausgebers.
Erschienen ist der Band in der Reihe "Schweizer Texte" des Chronos-Verlag, Zürich.