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Einleitende Bemerkungen
Die Geschichte von Schloss Liebegg und seiner Besitzer wurde bisher meist nur summarisch beschrieben. Besonders verdienstvoll gab Walther Merz im Beitrag «Die Ritter von Liebegg» aus dem Jahr 1894 einen ersten Überblick [1], den er dann in seinem Standartwerk «Die mittelalterlichen Burgen und Wehrbauten des Kantons Aargau» um die den Rittern von Liebegg nachfolgenden Schlossbesitzer ergänzte [2]. «Die Herren von Liebegg und Trostberg» wurden schliesslich auch im «Genealogischen Handbuch zur Schweizergeschichte» ausführlich besprochen [3]. Aus jüngerer Zeit ist der Beitrag «Über die Herren von Trostberg und von Liebegg und die Anfänge der Herrschaft Trostberg» von Jean Jacques Siegrist aus dem Jahr 1962 besonders zu erwähnen [4].
Neben der Geschichte der Ritter von Liebegg, die um 1433 im Mannesstamm ausgestorben sind, interessiert im Rahmen einer lokalgeschichtlichen Darstellung verständlicherweise die Besitzgeschichte bis auf den heutigen Tag. Die im Entstehen begriffenen neue Gränicher Ortsgeschichte versucht dies im Rahmen des Möglichen zu erfüllen [5]. Kurz gefasste Auszüge der diesbezüglichen Forschungen sollen nachfolgend dargestellt werden. Gleichzeitig ist seit Mitte Januar 2002 im Gränicher Ortsmuseum «Chornhuus» eine Sonderausstellung zum Thema «Schloss Liebegg» eröffnet werden. Sie ist bis Ende 2002 geöffnet, danach wird die Ausstellung dauerhaft auf Schloss Liebegg zu sehen sein.
Im ausgehenden 20. Jahrhundert wurden schliesslich das Luternauhaus (1982) und die sich in einem sehr schlechten Zustand befindlichen Gebäude der neuen Burg renoviert (bis 2002).
Herrschaft Liebegg und Gränichen
Gränichen und Liebegg waren althabsburgischer Streubesitz. Die Grafen von Habsburg belehnten die Herren von Liebegg mit der «alten» Burg und dem halben Twing Liebegg. Die andere Hälfte wurde den Liebeggern von den Freien von Aarburg als sogenanntes «Afterlehen» (=Unterlehen) verliehen (Lehensherr waren ebenfalls die Grafen von Habsburg). Im Dorf Gränichen erwarben die Liebegger zudem im Verlauf des 13. Jahrhunderts sämtliche habsburg-laufenburgischen Rechte.
Neben der Burg Liebegg, dem dazugehörigen Twing (=Niedergerichtsgebiet) und den Gränicher Besitzungen waren die Herren von Liebegg auch Inhaber der Burg Schöftland mit der dazugehörigen Herrschaft sowie dem dortigen Kirchensatz (=Recht, die Kirche mit einem Pfarrer zu «besetzen»). Hierzu kam Lehenbesitz von Twing und Kirchensatz Birrwil.
Lage der verschiedenen Elemente des Liebegger Herrschaftslehens
Die alten Herrschaftsverhältnisse endeten im Jahr 1798, als die napoleonischen Truppen die Alte Eidgenossenschaft eroberten. Im Jahr 1820 wurde dann das vormals zur Herrschaft Liebegg gehörende Gebiet südlich von Gränichen (inklusive Gulmhof und Teilen des Pfendels) per Regierungsratsbeschluss zum Gemeindegebiet von Gränichen geschlagen.
Zwischen der Herrschaft Liebegg und dem Dorf Gränichen gab es eine jahrhundertealte Nachbarschaft, die nicht immer die beste war. Davon zeugt Urkunden- und Aktenmaterial im Gränicher Gemeindearchiv, das sich über acht Jahrhunderte verteilt und in seiner Mehrzahl Produkt von Streitfällen zwischen Schlossherrschaft und Dorfgemeinde war.