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| Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat

21. Buch
2. Ist es möglich, daß Körper sich in beständigem Feuerbrand aufhalten?
Auf was soll ich nun hinweisen, um Ungläubige zu überzeugen, daß ein beseelter und lebendiger Menschenleib imstande sei, nicht nur der Auflösung durch den Tod dauernd zu entgehen, sondern selbst auch in den Qualen ewigen Feuers fortzubestehen? Auf die Macht des Allmächtigen lassen sie sich nicht verweisen, sie fordern, durch ein Beispiel überzeugt zu werden. Halten wir ihnen entgegen, daß es Lebewesen gibt, und zwar vergängliche, weil sterbliche, die trotzdem mitten im Feuer leben, oder daß man in Wassersprudeln von einem Wärmegrad, daß man sich beim Berühren verbrennt, mancherlei Arten Würmer finde, die sich darin nicht nur ohne Schaden aufhalten, sondern außerhalb gar nicht leben können, so lehnen sie ab, es zu glauben, wenn wir ihnen solches nicht vorweisen können, oder wenn wir etwa in der Lage sind, den augenfälligen Beweis dafür zu liefern oder es durch glaubwürdige Zeugen zu erhärten, so werden sie mit der nämlichen Ungläubigkeit behaupten, die Beispiele seien für die Frage nicht beweiskräftig, weil solche Lebewesen nicht immerdar lebten und weil sie überdies in solcher Hitze ohne Schmerzen lebten; denn diese Umgebung sei ihrer Natur angepaßt, und sie würden dadurch am Leben erhalten, nicht gepeinigt; als ob es nicht noch unfaßbarer wäre, daß etwas durch solche Umstände sein Leben friste, als daß es dadurch gepeinigt werde. Es ist ja merkwürdig, im Feuer Schmerz empfinden und dabei leben, aber noch merkwürdiger ist doch, im Feuer leben und keinen Schmerz empfinden. Nimmt man aber dies gläubig hin, warum nicht auch das andere?