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Lamborghini Diablo GT - ein Rennwagen für die Strasse
Auf dem Genfer Autosalon 1999 präsentierte Lamborghini seine neueste Kreation, den Lamborghini Diablo GT, der in einer limitierten Auflage von nur 80 Exemplaren ab September 1999 in Europa erhältlich sein würde. Ebenfalls gab es keine Homologation für die Vereinigten Staaten oder andere Länder. Wir konnten nun einer dieser 80 Lamborghini Diablo GTs selber fahren.
Der Lamborghini Diablo GT war das Ergebnis der Erfahrungen, die mit dem Diablo GT2-Prototyp gesammelt wurden, und auf der Grundlage dieses Designs wurde der Diablo GT entwickelt. Der offensichtliche Unterschied zum normalen Diablo war die Karosserie, die sehr aggressiv wurde und ein echtes Renngefühl vermittelte. Durch die Verwendung von leichteren Materialien konnte zusätzlich das Gesamtgewicht gesenkt werden.
Der Diablo GT2-Prototyp, die Ideenquelle des Diablo GT
Mit dem Lamborghini Diablo GT schockierte Lamborghini die Menschen
Die vordere Spur wurde vergrössert, was eine Verbreiterung der vorderen Radkästen zur Folge hatte. Zusätzlich wurde ein 6.0 Liter V12 Motor eingebaut, der im Vergleich zum bereits sehr schnellen Diablo SV einen ordentlichen Leistungszuwachs von rund 30 PS brachte. Automobili Lamborghini SpA behauptete in ihrer ursprünglichen Pressemitteilung, der Diablo GT sei das schnellste Serienfahrzeug der Welt, eine höchst umstrittene Aussage, aber mit einer Höchstgeschwindigkeit von über 338 km/h war der Diablo GT sicherlich eines der schnellsten Autos überhaupt.
War nur für den Europäischen Markt bestimmt
Obwohl der Diablo GT extrem schnell und fast rennstreckentauglich war, wurde er nur für den Strassenverkehr in Europa homologiert. Kein GT wurde in die Vereinigten Staaten oder nach Japan exportiert. Trotzdem hat man ihn bald auch auf diesen Märkten gesehen, wohl als Grauimporte. Der modifizierte V-12-Motor wurde auf 5992 cm³ vergrössert. Lamborghini entwickelte ein 'Individual Intake System', das durch die Verwendung einer einzelnen Drosselklappe für jeden Zylinder und neuen Einlass- und Auslassnockenwellen in Verbindung mit einem verbesserten variablen Ventilsteuersystem dem Diablo GT eine Leistung von 575 PS verlieh. Durch den Einbau einer speziellen Auspuffanlage mit einem neuen Lamborghini ENCS (Exhaust Noise Control System) stieg die Höchstgeschwindigkeit auf fast 340 km/h.
Die Schaltung
Der neue Diablo GT verfügte nach wie vor über einen Hinterradantrieb und ein Fünfgang-Schaltgetriebe, aber der Kunde konnte die Getriebeübersetzung komplett individuell gestalten. Der Schalthebel befand sich wie gewohnt auf dem Mitteltunnel, war aber nun leicht zum Fahrer hin geneigt, um einen besseren Zugang und schnellere Gangwechsel zu ermöglichen. Diverse Anpassungen der Spur sorgten für ein stabileres Fahrverhalten bei sehr hohen Geschwindigkeiten.
Die extrem aggressiv wirkende Karosserie des Diablo GT wurde fast vollständig aus Kohlefaser gefertigt, nur das Dach war noch aus Stahl und die Türen aus Aluminium. Der GT verfügte ebenfalls über einen Lufteinlass auf der Motorabdeckung, die von der Motorelektronik dynamisch gesteuert wurde. Der grosse Frontspoiler wurde komplett neu gestaltet und enthielt einen grossen Lufteinlass für den neuen, vorne angebrachten Ölkühler. Die vorderen Kotflügel wurden vergrössert, um der grösseren Spurweite gerecht zu werden, und die vordere Motorhaube verfügte nun über einen Luftabzug, die hintere Stossstange wurde radikal verändert, war noch flügelförmiger als zuvor und trug zwei sehr grosse, in der Mitte angebrachte Auspuffrohre.
Die Heckpartie - spannende Details
Da die Rückfahrleuchte und die Nebelschlussleuchte nicht mehr in der Heckstossstange untergebracht waren, weil es dafür keinen Platz mehr gab, wurden sie nun in die äusseren Rückleuchten integriert. Der grosse Heckflügel gehörte beim Diablo GT zur Serienausstattung und wurde bei diesem besonderen Fahrzeug komplett in hochglänzendem Carbon ausgeführt.
Wichtiges zum Interieur des Lamborghini Diablo GT
Für den Innenraum montierte Lamborghini spezielle Rennschalensitze mit einem Vier-Punkt-Gurt. Ein neues, kleineres Lenkrad vervollständigt die Leder- und Alcantara-Ausstattung des GTs. Durch die Verwendung mehrerer Kohlefaserteile am Armaturenbrett und im gesamten Innenraum wurde das Rennfeeling noch verstärkt, aber die Klimaanlage blieb Standard, ein Versuch, den Diablo GT fahrbar zu halten. Ebenfalls konnte man die normalen Diablo-Sitze bei der Bestellung des Diablo GT mitbestellen. Dies im Falle, wenn Sie die Rennsportsitze, die normalerweise in GT-Modellen zu finden sind, nicht mochten.
Doch wie fährt sich nun solch ein Lamborghini Diablo GT?
575 PS, 1460 Kilogramm Leergewicht, 6.0 Liter V12 und Handschalten, eine starke Kombination. Auf den ersten paar Metern scheint er noch ganz zahm zu sein, dies ändert sich jedoch rapide. Sobald man das Gaspedal etwas stärker durchtritt, merkt man sofort die unfassbare Leistung des Diablo GT. Die Schalensitze geben einen optimalen Halt, sonst ist es eher eng im Inneren. Das Auto sieht nicht nur breit aus, es ist es auch. Die Strassenlage ist zwar top, die Tiefe und Breite ist jedoch nicht zu unterschätzen. Der Sound, welcher aus dem Rennauspuff kommt, klingt wie eine wahre V12-Symphonie. Vor allem in der Dreier-Kombination aus orangem Diablo GT, blauen Diablo VT und violetten Diablo gehen alle Blick in unsere Richtung. Zu den beiden anderen Modellen gibt es übrigens in den kommenden Tagen auch Berichte online.
Zurück zum Diablo GT. Der Wagen verhält sich prinzipiell genau gleich wie ein moderner, handgeschalteter Supercar. Gewöhnt man sich an dessen Grösse, ist es ein wahrer Genuss. Die Schaltung, die Kupplung, die Gasannahme und die Bremsen arbeiten perfekt miteinander zusammen. Das Auto ist sehr gut kontrollierbar und sehr angenehm. Erhöhte Geschwindigkeiten sind wir zwar nie gefahren, wir konnten den Wagen auf Ratenpass allerdings ordentlich ausfahren. Für das Vertrauen möchten wir dem anonymen Besitzer übrigens herzlich danken. Vor allem die Kombination aus gleich drei verschiedenen Diablo Versionen ist sehr rar.
Zum Wert des Wagens
Der auf 80 Stück limitierte Wagen hatte natürlich schon in seinem Erscheinungsjahr 1999 seinen Preis. In Deutschland würde der Wagen für satte 560 000 DM verkauft werden, was umgerechnet etwa 300 000 Franken entspricht. Die Preise waren hoch angesetzt, aber im Januar 2000, kurz nach den ersten Auslieferungen, war die gesamte Produktion ausverkauft. Am Ende wurden genau 83 Lamborghini Diablo GT verkauft. Schon seit einer längeren Zeit wurde kein Lamborghini Diablo GT mehr zum Verkauf angeboten. Der Preis des raren Diablos ist jedoch sehr hoch. In einem ausgezeichneten Zustand kratzt er vielleicht sogar an 1 Million Franken Grenze
Galerie
Fotos: Dario Fontana
Text: Dario Fontana