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Tafel Unterlinden
Unterlinden Gersau
Wie die Gersauer Bevölkerung das Ereignis von 1798, also die Französische Revolution in der Innerschweiz wahrgenommen und erlebt hat, das beschreibt Pfarrhelfer Johann Kaspar Rigert ( 1783 - 1849 ) in seiner kurzgefassten Geschichte des Freystaates Gersau"; er hat als 15-jähri-ger Knabe die Geschehnisse in Gersau miterlebt und schreibt: Gersau hütete nach Ordre vom Kriegsrath zu Schwytz sorgfältig die Gränzen gegen den Kanton Luzern hin, und war nicht minder wachbar zur See. Von der Alp her bis hinab an die äusserste Nasspitze ( = Ober Nas / Unterlinden ) waren mehrere Posten ausgestellt, und die Vorsicht ward verdoppelt, als man erfuhr, dass Luzern in feindlichen Händen sey, und dass von dort aus Bewegungen gegen Küssnacht hin unternommen werden.
Die Nacht vom 1. auf den 2. May war schrecklich.
Hochwachtfeuer , Lärmschüsse, Kanonendonner, Glockengeläute, das Geschrey zu den Waffen: Die Franzosen brechen ein!"
Im Bereich der bewaldeten oberen Nas bei Unterlinden, am schmalen Weg hinunter nach Vitznau, errichteten Gersauer Soldaten Schanzgräben. In der Zeit vom 1. 3. Mai 1798 bewachten 20 30 Gersauer Scharfschützen diesen Uebergang, um einen allfälligen Einmarsch französischer Soldaten abzuwehren.
Im Mai 1798 wurden die drei Urkantone und Zug neu als Kanton Waldstätten bezeichnet und zusammengeführt. Da nützte auch die Reise des Landammanns und des Statthalters von Gersau ins Hauptquartier von General Schauenburg in Zürich nichts mehr. Die altfrye Republik Gersau" wurde dem Distrikt Schwyz zugeordnet und damit endete die historische Eigenart von Gersau als Freistaat und Zugewandter Ort der vier Schirmorte Uri, Schwyz, Unterwalden und Luzern!
Immerhin haben sich die Gersauer ideell gegen die Französische Revolution gewehrt; denn am 12. Juli 1798 wurde ein Gesetz erlassen, wonach auch von den Gersauern die Leistung des Bürgereides abverlangt wurde. Die Eidesformel lautete: Wir schwören dem Vaterland zu dienen und der Sache der Freiheit und Gleichheit als gute und getreue Bürger mit aller Pünktlichkeit und allem Eifer, so wir vermögen, und mit einem gerechten Hass gegen die Anarchie oder Zügellosigkeit anzuhangen." Am 26. August 1798 soll in Gersau Schwörtag gewesen sein. Nach dem Verlesen der Eidesformel mussten die Worte nachgesprochen werden: Das schwören wir." Von den 367 Aktivbürgern waren beim Schwören viele Bauern nicht anwesend, und die andern sollen Das hören wir" gerufen haben. Die Gersauer haben auch keinen Freiheitsbaum errichtet.
Albert Müller, Zug