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Bitumen aus den 8-15% haltenden Gestein zu gewinnen und Nebenprodukte, wie Brenngas, Oele zu verschiedenem Gebrauch, Gussasphalt etc. herzustellen suchte. Heute begnügt man sich damit, das Rohmaterial, sofern es mindestens etwa 10% reinen Bitumens enthält, sofort nach der Förderung zu pulverisieren und in der Hitze zu Broten zu formen. Hat das Gestein einen geringern Gehalt, so wird ihm noch die nötige Menge von Asphalt anderweitiger Herkunft zugesetzt. Die Asphaltbrote sind nun zum Gebrauche fertig.
Andere Ursachen der anfänglichen Misserfolge lagen im Eindringen von Wasser, von dem heute etwa 4000 Minutenliter aus einer Tiefe von rund 50 m heraufgepumpt werden, sowie namentlich in der eigenartigen Technik des Abbaues. Das alte System des Grubenbaues bestand in der Wegnahme einer möglichst grossen Menge von Asphaltgestein, wobei man eine gewisse Felsmasse als Pfeiler stehen liess. Da nun aber dieses Gestein nur sehr wenig Widerstandskraft hat, wurden die Pfeiler durch das Gewicht der aufliegenden Bergmasse vielfach zerdrückt und damit das ganze Bergwerk der Gefahr des Einsturzes ausgesetzt. In Anbetracht der besondern Beschaffenheit der abzubauenden Felsschicht eignet sich somit dieses System des Abbaues mittels stehengelassener Pfeiler entweder gar nicht oder nur dann, wenn man fast 9/10 des Asphaltlagers an Ort und Stelle belassen wollte.
Nach langwierigen Versuchen kam man endlich zu der sowohl den Eigentümer als den Konzessionär befriedigenden einzig richtigen Lösung dieser schwierigen Frage. Man treibt jetzt 3 m breite Richtstollen in den Berg, zwischen denen quadratische Pfeiler von 27 m Seitenlänge stehen bleiben. Diese Pfeiler umgibt man auf drei Seiten mit Mauerwerk und beutet sie von der vierten Seite her vollständig aus, worauf der Hohlraum mit Abraumschutt vorzu wieder ausgefüllt und dann auch die vierte Seite fest vermauert wird. Auf diese Weise vermag man das Lager vollständig auszunutzen und die Stollen dennoch jederzeit zugänglich zu erhalten. Eine annähernde Schätzung ergibt, dass das Asphaltlager des Val de Travers die Ausbeute noch auf mindestens 100 Jahre hinaus zu lohnen vermag.
Der sog. Asphaltstein des Val de Travers ist kein reiner Asphalt, sondern ein kreidiger Kalk der obern Urgonstufe (oberes Neokom), der bis auf eine Proportion von 15% des Gesteinsgewichtes, meist aber weniger, mit zähem Asphalt imprägniert erscheint. Dieses asphalthaltige Gestein ist nicht hart (woher die leichte Zerdrückbarkeit der Pfeiler) und wird mit zunehmendem Gehalt an Bitumen immer mürber. Der «crappe» genannte Fels von einem Asphaltgehalt von weniger als 7% lohnt den Abbau nicht und wird daher auch nicht zu Tage gefördert. Er ist von hellbrauner Farbe, während das an Asphalt reiche Gestein dunkelbraun erscheint und sich mit dem Messer leicht schneiden lässt. Wir haben es hier also mit einem asphalthaltigen Kalkstein zu tun.
Ein Lager von asphaltführendem Kalk gleichen Alters wie derjenige des Val de Travers existiert auch nahe dem Ufer des Neuenburgersees bei Saint Aubin. Es wurde von 1857 bis 1865 abgebaut, obwohl sein Gestein höchstens 4% Bitumen enthält und daher nach der Benennung der Bergwerksarbeiter des Val de Travers blosse «crappe» darstellt. Mit dem hier geförderten Rohmaterial hat man Röhren aus bituminösem Karton hergestellt. Der Abbau geschah in der Form des Tagebaues. Das Gestein erscheint sehr ungleichmässig mit Asphalt durchsetzt und ist daher im allgemeinen auch viel härter als dasjenige des Val de Travers.
Spuren von Bitumen, ebenfalls im Urgon, sind in einem mehr oder minder porösen Kalkstein, der nahe Auvernier zu Tage ansteht, festgestellt worden, doch hat man nie irgend welche Versuche zum Abbau unternommen. In Serrières zeigt sich ein schwacher Gehalt an Bitumen im untern Urgon und bis in den Hauterivienkalk hinunter. Zähflüssiger Asphalt (Bergteer) fand sich ferner in Form von Füllmaterial von Klüften und Rissen im sonst völlig kompakten obern Urgonkalk am Mormont bei Orbe, bei Valeyres sous Rance etc. Am Mont de Chamblon tritt er dagegen im obern Hauterivekalk auf.
Einige Jahre lang hat man versucht, eine Art Kluftausfüllung von asphalthaltigem Kalkstein auszubeuten, der nahe Vallorbe an der Lokalität Les Epoisats entdeckt worden war. Das vermeintliche Lager erwies sich aber als eine blosse Anhäufung von mit Bitumen durchsetzten Felsfragmenten in einer Spalte der obern Bathonmergel, so dass die Unternehmer kaum auf ihre Kosten kommen konnten. Auch das Bathon des Furcil bei Noiraigue enthält in seinen Spalten hie und da zähflüssigen Asphalt.
Im Tertiärland hat man in der untern Süsswassermolasse der sog. aquitanischen Stufe nahe Dardagny im Kanton Genf flüssiges Naphta oder Petroleum entdeckt, das den weichen Sandstein durchtränkt und, namentlich bei Erhitzung durch Sonnenbestrahlung, tropfenweise daraus hervorquillt. Trotz eingetriebener Stollen und Anlage eines Bohrloches ist man aber doch nicht auf ein Lager dieser wertvollen Flüssigkeit gestossen, da der Fels zu fest und zu wenig porös erscheint, um seinen geringen Gehalt an Naphta abgeben zu können. Die bezüglichen Abbauversuche gehen bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts (1836-1839) zurück. An der nämlichen Stelle ist dann wieder im Jahr 1888 ein Bohrloch bis in eine Tiefe von 150 m hinabgetrieben worden, angeblich um Kohlen zu suchen. Das Naphta von Dardagny enthält neben Teer besonders Mineralöl und ist im Fels bis zu einer Proportion von 8,5% enthalten.
Trotz dieser wenig ermutigenden Aussichten hatte sich im Jahr 1893 in Lausanne ein Studienkomitee gebildet, das gegebenenfalls in der Umgebung von Chavornay und Orbe, wo das Vorhandensein von flüssigem Naphta (ähnlich demjenigen von Pechelbronn im Elsass) in der Tiefe vermutet wurde, Bohrversuche anstellen wollte. Seither ist dann auch dieses Projekt wieder ad acta gelegt worden. Man hat zwar in den Molassesandsteinen der Umgebung von Agiez bei Orbe, sowie in denjenigen von Chavornay das Vorhandensein von Naphtaspuren festgestellt (schon von Razumowsky in seiner 1789 erschienenen Histoire naturelle du Jorat erwähnt), die hier aber noch in weit geringerem Masse den Fels durchtränken als dies bei Dardagny der Fall ist.
b) Salinen.
Lager von Steinsalz finden sich in der Schweiz im nördlichen Jura, längs der Landesgrenze südlich vom Rhein und in den Voralpen bei Bex. In verschiedenen andern Teilen der Schweiz unternommene Nachforschungen nach Steinsalz sind ohne praktisches Ergebnis geblieben.
Die Lager im Norden der Schweiz gehören der mittlern Trias an und liegen im sog. Salzton der Anhydritgruppe des Muschelkalkes. Sie sind stets mit Gips- und Anhydritmassen vergesellschaftet. Ueber diese ¶
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Lagerungsverhältnisse haben uns die zahlreichen Bohrlöcher unterrichtet, die zum Zweck des Heraufpumpens von Salzlauge bis auf das Salzlager herunter in die Tiefe getrieben worden sind. Durch unterirdische Grubenanlagen ist das Salz in dieser Gegend bis heute noch nicht gewonnen worden.
Die älteste der Rheinsalinen, Schweizerhalle, liegt im Kanton Basel Land. Das erste Bohrloch datiert hier aus 1836 und die Inbetriebsetzung der Saline, die heute mit 7 Schächten arbeitet, aus 1837. Der jährliche Ertrag beläuft sich gegenwärtig (1905) auf 221330 Meterzentner, wovon 192878 Kochsalz, 345 Tafelsalz, 4491 Viehsalz, 22918 Gewerbesalz und 698 Düngsalz. Die übrigen Salinen dieser Gegend liegen auf Boden des Kantons Aargau. Es sind: Kaiseraugst, gegründet 1844, im Jahr 1848 aufgegeben, 1865 wieder in Betrieb gesetzt;
hat 4 Schächte im Betrieb, deren tiefster bis 158 m (d. h. bis zum Dach des Röth oder Buntsandsteins) hinabreicht. - Rheinfelden, seit 1844. - Riburg, seit 1848. Die gesamte Salzproduktion im Kanton Aargau belief sich im Jahr 1905 auf 289007 Meterzentner.
Die drei aargauischen Salinen sind, auf Grund einer vom Kanton Aargau unterm 19./20. Dezember 1871 erteilten Konzession, einer im Jahr 1874 unter der Firma «Schweizerische Rheinsalinen in Rheinfelden» gebildeten Aktiengesellschaft zur Ausbeute überlassen worden. Ein vor etwa zehn Jahren etwas weiter östlich, nahe Koblenz, unternommener Bohrversuch hat auch hier das Vorhandensein eines ziemlich beträchtlichen Lagers von Steinsalz ergeben. Dafür sind eine ganze Anzahl von andern Bohrversuchen resultatlos geblieben, so z. B. diejenigen bei Bettingen (im Kanton Basel Stadt), im Oristha bei Wiesen und bei Oberdorf (im Kanton Basel Land), beim Laufen oberhalb Koblenz, an zwei Stellen bei Felsenau gegenüber Koblenz, bei Sulz nahe der Mündung des Sulzgrabens oberhalb Rheinfelden (im Kanton Aargau). Im Berner Jura hat man bei Cornol schon 1820 vermittels eines bis in nahezu 400 m Tiefe hinabgestossenen Bohrloches Salz gesucht, freilich ohne Erfolg, da die Erdrinde in dieser Gegend besonders energischen Dislokationen unterworfen gewesen ist. Nachdem das Bohrloch die Trias durchstossen hatte, schnitt es von neuem alle jüngern Gesteinsschichten in umgekehrter Lagerung.
Das Salzwerk Bex ist die einzige Stelle der Schweiz, wo das Salz in unterirdischen Stollen direkt abgebaut und gewonnen wird. Zuerst benutzte man zum Betrieb eine 1554 entdeckte Salzquelle, die bei Le Fondement im Thal der Gryonne dem Felsen entsprang. Der seit 1684 begonnene bergmännische Betrieb verfolgte lange Zeit nur den Zweck der Suche nach Salzquellen, bis man seit Beginn des 19. Jahrhunderts den «Salzfels» selbst, ein etwa 30% Steinsalz enthaltendes Gemenge von Gips, Anhydrit, Dolomit und Tongestein, in Angriff nahm.
Die durch künstliche Unterwassersetzung der im Salzfels getriebenen Stollen oder durch Entsalzung des zertrümmerten und in besondern Apparaten aufeinander geschichteten Gesteins erhaltene Salzlauge wird verdampft. Nachdem das Salzwerk Bex zu der Zeit, da es vom Staat Waadt selbst betrieben wurde, eine starke Krise durchzumachen gehabt hatte, ist es seit seiner Uebernahme durch die private «Compagnie des salines et mines de Bex» im Jahr 1866 in eine Periode beträchtlicher Blüte eingetreten. Heute liefert das Werk nicht nur dem Kanton Waadt seinen gesamten Salzbedarf (etwa 40000 Meterzentner jährlich) sondern gibt noch an verschiedene Industrien (Badetablissemente, chemische Fabrik in Monthey) Salzlauge und daneben eine beträchtliche Menge von Viehsalz ab.
Die Salzproduktion der Salinenwerke Bex, Rheinfelden, Riburg, Kaiseraugst und, Schweizerhalle in den Jahren 1888 bis 1905 zeigt folgende (dem Statistischen Jahrbuch der Schweiz für 1906) entnommene Zusammenstellung:
Salzproduktion der schweizerischen Salinen.
|Jahr||Bex q.||Schweizerische Rheinsalinen (Kaiseraugst, Riburg und Rheinfelden) q.||Schweizerhalle q.||Total q.|
|Kochsalz||29633||253755||192878||476266|
|Tafelsalz||531||344||345||1220|
|Viehsalz||13156||1100||4491||18747|
|Gewerbesalz||850||32765||22918||56533|
|Düngsalz||-||1043||698||1741|
|Total 1905||44170||289007||221330||554507|
|1904||40697||280720||223307||544724|
|1903||37954||270780||211512||520246|
|1902||39302||268847||201755||509904|
|1901||39011||267968||198927||505906|
|1900||35361||262783||194697||492841|
|1899||37442||253435||178052||468929|
|1898||38124||261172||207875||507171|
|1897||30059||226865||184154||441078|
|1896||27750||252856||192323||472929|
|1895||26727||231255||159971||417953|
|1894||29464||231084||173438||433986|
|1893||29538||220686||147462||397686|
|1892||31411||213256||160555||405222|
|1891||26290||196785||148839||371914|
|1890||25937||206285||134928||367150|
|1889||21986||200105||146484||368575|
|1888||23166||187566||150099||360831|
Man hat an verschiedenen Stellen der Alpen versucht, Salzlager desselben geologischen Alters wie dasjenige von Bex, das gleich den Rheinsalinen der Trias angehört, aufzufinden, indem man sich dabei auf die Beobachtung stützte, dass sich die das Steinsalz von Bex enthaltende Gips- und Anhydritzone von dieser Stelle an längs dem ganzen Fuss der Hochalpen bis zum Thunersee ununterbrochen fortsetzt. So hat man sich in der Umgebung von Krattigen umgesehen, ob die Verhältnisse für die Vornahme von Bohrversuchen günstig seien, die geplanten Arbeiten jedoch nicht begonnen. ¶