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Was halten Sie von Massnahmen, die CO2 neutralisieren – zum Beispiel Aufforstung oder Direct Air Capture Technologien, welche die Luft regelrecht filtern?
Bäume zu pflanzen, wird nicht ausreichen, um Netto-Null zu erreichen. Ausserdem ist das mit der Aufforstung so eine Sache. Einfach irgendwo Flächen anzupflanzen, geht nicht, oft fehlt es an Transparenz. Es braucht lange, bis die Bäume wachsen. Wir müssen unsere CO2-Emissionen bis 2030 halbieren, das geht nicht auf. Mit zunehmender Erwärmung erhöht sich ausserdem das Risiko nach Bränden. Aufforstungsprojekte müssen also gut durchdacht werden und sollten nicht nur für Greenwashing-Zertifikaten dienen. Direct Air Capture Technologien helfen sicherlich, jedoch konnten diese bisher nur sehr gering eingesetzt werden. Das Volumen müsste stark erhöht werden. Climeworks, ein ETH-Spin-off, ist dabei ein vielversprechendes Startup und sammelte kürzlich 600 Millionen in einer Finanzierungsrunde, um neue Grossanlagen bauen zu können. Aber auch im besten Fall werden die CO2- Mengen, die damit aufgenommen und gespeichert werden, nur einen kleinen Teil, höchstens 10 Prozent, der jetzigen Emissionen betragen. Dies soll primär als Kompensation für Emissionen dienen, die schwer vermeidbar sind, zum Beispiel bei der Abfallverbrennung, bei einem Teil der Zementindustrie, und bei Flügen, die nicht vermeidbar sind. Deshalb ist es viel wichtiger, den Anteil an fossilen Energieträgern massiv zu reduzieren, vor allem bei der Heizung und im Verkehr.
Sollte die Politik strengere Gesetze verabschieden, um den Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen voranzutreiben?
Es ist klar, dass wir momentan nicht auf Kurs sind. Da ich Klimaforscherin bin und nicht Politikerin, beurteile ich diese Frage als Bürgerin. Spannend zu beobachten ist, dass Gesetze, die Erfolg haben, oft auf Verboten basieren. Dann sind alle nämlich gleichermassen betroffen. Dass das CO2-Gesetz abgelehnt wurde, hatte unter anderem damit zu tun, dass viele glaubten, dass es unfair sei und zu teuer für die Einzelnen. In der Realität hätten die meisten in der Schweiz am Ende eher davon profitiert. Ein interessantes Beispiel aus dem Kanton Glarus zeigt aber, dass die Bevölkerung sehr wohl bereit ist für die Veränderung. An der Landesgemeinde stimmten sie letzten September ab, das Heizen mit Öl oder Gas komplett zu verbieten – sowohl bei Neubauten wie bei Renovationen. Ein junger Mann namens Kaj Weibel ergriff das Wort an der Versammlung und überzeugte die Anwesenden. Das, obwohl 60 Prozent der Glarner:innen gegen das viel weniger strenge CO2-Gesetz gestimmt hatten.
Sind Sie also zuversichtlich, dass die Gletscher-Initiative angenommen wird?
Damit soll der Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen bis 2050 garantieren werden, eine sehr gute Initiative. Ausserdem verlangt sie auch mindestens einen linearen Absenkpfad, sprich: Die Treibhausgasemissionen werden jährlich um denselben Betrag reduziert, was garantiert, dass die Emissionen sofort nach der Implementierung der Initiative reduziert werden. Aktuell wird zur Initiative ein indirekter Gegenvorschlag ausgearbeitet, der den Zielen der Gletscher-Initiative gerecht werden könnte. Damit würde wertvolle Zeit gespart. Denn: Wird der Gegenvorschlag angenommen, würde dieser als Gesetz sofort in Kraft treten.
Was gibt es sonst noch, was Ihnen Hoffnung bereitet?
Die vielen schlauen Köpfe, welche ich an der ETH treffe. Gerade im Bereich Klima und Energie wird viel geforscht und gearbeitet. Ich sehe enormes Potenzial, jedoch braucht es einen verstärkten Austausch zwischen den einzelnen Departements. Das Wissen soll gebündelt werden. Wir alle haben nur ein Puzzleteil der Lösung. Das müssen wir zusammensetzen, damit ein umfassendes Bild der Zukunft entstehen kann.
Welchen Einfluss hat die ETH auf die Gesellschaft?
Die ETH und andere Universitäten und Bildungsstätten spielen eine wichtige Rolle, gerade im Bereich Umweltwissenschaft und in der Forschung. Wir kommunizieren Fakten und konzipieren Lösungswege. Neben den Informationen stellen wir Alternativen zur Verfügung, warnen aber auch vor den Risiken – so wie jetzt, wenn es um die Ener- gieträger und den Klimawandel geht.
Welches ist Ihr persönlicher Beweggrund, sich für eine enkelfreundliche Zukunft zu engagieren?
Ich habe selbst zwei kleine Kinder und will mich für sie und zukünftige Generationen einsetzen. Am Ende meines Lebens will ich nicht zurückschauen und denken, dass die Weltlage in schlimmerer Verfassung ist als bei meiner Geburt. Die Klimakrise geht uns alle an, und ich bin dankbar, mich hierfür an der ETH engagieren zu können.
Nachhaltigkeit in Ihren Worten?
So zu handeln, dass zukünftigen Generationen nicht negativ beeinträchtigt werden.