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Kunkler, ein Schüler von Gottfried Semper, wählte für dieses Bauwerk klassizistische Architekturformen, die sich in den gestalterischen Details, den ausgewogenen Proportionen oder symmetrischen Grundrissstrukturen widerspiegeln. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts geriet dieser Architektur-Stil ausser Mode. Der damalige Stadtbaumeister Paul Trüdinger, ein vehementer Befürworter der Neuen Sachlichkeit, leitete 1936 nicht nur die Fassadenrenovation, sondern plante auch den Umbau des Singsaals im Dachgeschoss, ein heller und schlichter Raum mit einer dezent strukturierten Decke sowie einem monumentalen Wandbild. Dafür wurde eigens, unter der Aufsicht der Eidgenössischen Kunstkommission, ein Wettbewerb ausgeschrieben, welcher aber kein befriedigendes Resultat ergab. In Folge des Zweiten Weltkriegs und der damit verbundenen schlechten Auftragslage in Künstlerkreisen entschied man sich 1948, zwölf lokale Künstler mit der Abgabe eines 120x125cm grossen Tafelbilds zu beauftragen. Davon wurden neun Bilder angekauft und hier im Singsaal in Form eines kleinen Gemälde-Kabinetts aufgehängt. Gleichzeitig erhielt der Raum, vermutlich auf Vorschlag von Willi Koch und August Wanner, seine heutige Farbfassung.
Die 2020 abgeschlossene Renovation des Singsaals übernahm nun nicht nur die Farbstimmung von 1949, sondern besann sich auch auf die ursprüngliche Absicht eines Bilder-Kabinetts. Dazu mussten einige Bilder wieder aus dem Archiv ans Tageslicht geholt werden.
Zusammen mit der neuen Beleuchtung entstand ein stimmungsvoller Musiksaal, welcher in architektonischer wie künstlerischer Hinsicht in St.Gallen einmalig ist.