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Mathilde Gomas wurde 1992 in Paris in eine Familie von Musikliebhabern geboren. Als Kind lernte sie Gitarre bei Gérard Verba bis zu Ihrem Abschluss am Conservatoire Régional de Paris 2010.
Erst mit 17 Jahren fand Mathilde über die Laute und andere Zupfinstrumente den Weg zur Alten Musik. Zu Beginn studierte sie Gambe bei Jean-Louis Charbonnier in Paris und anschließend bei Emmanuelle Guigues in Versailles. Zeitgleich absolvierte sie ein Studium in Musik und Musikologie an der Université de la Sorbonne. Von 2010-2013 sang sie als Sopran im Petit Choeur de la Sorbonne und trat in vielen Chorkonzerten und Festivals auf (Leitung : Denis Rouger, Ariel Alonso, Vincent Barthe). In Paris spielte sie häufig mit Les Pages et Chantres du Centre de Musique Baroque de Versailles (Leitung: Olivier Schneebeli). Sie besuchte viele Meisterklassen, Workshops und Kurse über das frühe Repertoire und arbeitete unter anderem mit Marianne Müller, Rainer Zipperling, Sylvia Abramowicz, Blandine Rannou, Antoine Torunczyk, C.-E. Fantin und Benjamin Perrot.
2014-2019 studiert sie bei Paolo Pandolfo an der renommierten Schola Cantorum Basiliensis (Schweiz). Dort erhält sie eine umfassade Ausbildung im Fach der Alten Musik unter vielen bedeutenden Musiker*innen wie Hopkinson Smith, Leonardo Garcia Alarcon, Jörg-Andreas Bötticher, Pedro Memelsdorff, Baptiste Romain, Evelyn Tubb und Andrea Marcon.
Seit 2015, tritt sie in der Schweiz, Deutschland, Italien, Österreich, Frankreich, Rumänien, Belgien, Griechenland und den Niederlanden sowohl als Solistin und als Mitglied verschiedener neuer und aufstrebender Ensembles auf, darunter The Little Light Consort, Primary Colours und Accademia Barocca Lucernensis. Ausserdem tritt sie seit 2018 regelmäßig mit dem griechischen Traditionsensemble En Chordais (Kyriakos Kalaitzides), sowie mit der renommierten Gambistin Friederike Heumann auf. Sie hat an weltberühmten Festivals für Alte Musik in Bukarest, Klagenfurt (Trigonale), Brügge & Utrecht teilgenommen und ist weiters auf den Bühnen der Pariser Philharmonie und der Griechischen Nationaloper in Athen aufgetreten.
Oktober 2021 wurde sie mit dem zweiten Preis beim internationalen Bach-Abel-Wettbewerb (Köthen, DE) ausgezeichnet.
Seit ihrem Abschluss als Specialized Master of Performance mit Auszeichnung im Juni 2019 lebt und arbeitet Mathilde in Basel (CH), wo sie ihre eigenen Projekte entwickelt, darunter das Duett Mallory mit der Mezzosopranistin Tessa Roos.
Instrumente
7-saitiger Bassgambe von Judith Kraft, Paris (FR), 2015 - nach einem Modell von Guillaume Barbey, Paris, 1687 (im Museum für Musikinstrumente, Brüssel).
6-saitiger Bassgambe von Shem Mackey, Ramsgate (UK), 2020 - nach einem Instrument von Henry Smith, 1620er Jahre (Privatsammlung).
Künstlerische Aussage
Zeitreise
Meine erste Begegnung mit Alter Musik fand 2007 in einem Sommerkurs statt. Dort versuchte ich das erste Mal Laute zu spielen. Das Instrument war alles andere als ein Original, es war sogar aus Kohlefaser gebaut. Und doch hat mich dieser Klang mitgerissen. Ich hatte plötzlich das Gefühl, eine Zeitreise zu machen und eine Verbindung mit Teil meines Kulturerbes aufzubauen.
Zufälle brachten mich dazu, Gambe zu spielen, aber das Gefühl blieb dasselbe. Ich fühle, dass meine Rolle in unserer Welt darin besteht, Musik aus der Vergangenheit lebendig zu machen - nicht nur, um sie überleben zu lassen, im Sinne von nicht vergessen werden, sondern auch, um sie lebend zu machen. Dies geht einher mit einem starken Bewusstsein, dass wir jedoch im Hier und Jetzt sind. Ich habe nicht die Absicht, zu versuchen, die Vergangenheit strikt zu imitieren - vorausgesetzt, dass dies überhaupt möglich ist -, sondern vielmehr nach Wegen zu suchen, eine imaginäre Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu schlagen, mit all den damit verbundenen Kompromissen und Entbehrungen.
Die Gegenwart
Die Unvollkommenheit einer Live-Performance, simpel und aufrichtig, ohne Aufnahmegerät, fasziniert mich. Nichts anderes als das Bewusstsein des gegenwärtigen Moments, der noch nie da war und nie wieder da sein wird... was kann historisch informierter sein als das? Dieser privilegierte, flüchtige Augenblick zwischen Musiker und Zuhörer soll genügen. Er kann durch keine virtuelle Alternative ersetzt werden. In einer Zeit virtueller Alternativen aller Art - Platten, die eine perfekter als die andere, Online-Hören, Videos etc. - Es ist eine echte Entscheidung, sich mit diesem Moment und dieser Unsicherheit zufrieden zu geben.
Marketing
Es ist schwierig, wenn nicht gar unmöglich geworden, als professioneller Musikerin zu existieren, ohne sich eine digitale Präsenz aufzubauen. Soziale Netzwerke und numerische Artefakte haben erstaunliche Möglichkeiten geschaffen, aber sie haben auch unser Verhältnis zur Realität und zur Live-Musik beeinträchtigt. Das frenetische Streben nach Online-Sichtbarkeit hat zahllose Musikvideos hervorgebracht, die die Realität unserer Arbeit verschleiern und dadurch die Erwartungen des Publikums und der Musiker selbst verwirren. Es ist in der Tat nicht leicht, der Versuchung zu widerstehen, jede Note, jeden Übergang, jedes Lächeln, jede Farbe zu kontrollieren... Aber wie viel Platz bleibt in diesen neuen Spielregeln für Aufrichtigkeit und Menschlichkeit?
Diese Website ist als Kompromiss gedacht – als eine Möglichkeit, für alle sichtbar zu sein, die sich für meine Musik, meine Einstellung und meine Versuche, verschiedene Formate der Aufführung vorzuschlagen, interessieren könnten. Alle Solo-Videos, die Sie hier sehen werden, sind ungeschnitten und die Audios kaum bearbeitet.
Mein Dank gilt allen Künstlern*innen die ich in Live-Konzerten erleben durfte, die mich inspiriert und mir ermöglicht haben diese Idee von Musik zu entwickeln.
Ein besonderer Dank gilt Gérard Verba, Paolo Pandolfo und natürlich Evelyn Tubb & Anthony Rooley.
Mathilde Gomas in Maria Saal, Juni 2020 (aktualisiert in Basel, Februar 2022).