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Das Zoologische Museum betritt man durch den dritten Eingang von Karl Mosers Universität an der heutigen Karl Schmid-Strasse 4. Stand man früher in dessen Eingangshalle, wurde man auf das Feingliedrige der Museumsarchitektur und ihrer Exponate durch die im hinteren, rechten Teil der Halle gelegene Museumstüre vorbereitet. Die Museumstüre war in drei hochrechteckige, durch feine Holzleisten gegliederte Glasfelder mit einem mittigen, breiteren Türfeld unterteilt. In der darüber liegenden Lünette war der Institutionsname in eleganter Kurrentschrift, mit der Moser auch seine Planzeichnungen beschriftete, in einem Queroval angezeigt. Heute ist von dieser feingliedrigen Bauornamentik noch der rechts von der Museumstüre angelegte schmiedeeiserne Gitterabschluss zur Garderobe vorhanden.
Bodmer-Malereien in der Eingangshalle
Der vordere Teil der Eingangshalle wird durch die beiden Rundbogen geprägt, deren rechter zur Museumstüre führt, während der linke die Haupttreppe zu den oberen Geschossen des ehemaligen Biologischen und Zoologischen Instituts rahmt. Die tonnengewölbte Eingangshalle selbst ist farblich herausgehoben durch die pompejanisch-rot bemalten, durch weiss gestrichene Pfeiler voneinander abgesetzten Wandfelder. In die Lünetten unter ihren sechs Stichkappen hatte Paul Bodmer (1886–1983) 1914 schwarzgrundige Medaillons gemalt. Zu sehen sind Katzenbilder, Aktdarstellungen und ein weiblicher Kopf, über die ein feines Netz von teils blühenden Pflanzenstengeln gelegt ist. Bemerkenswert ist ein sitzender Männerakt im Profil, bei dem ein Blatt das Auge, ein anderes die Nase abdeckt, so dass sein Kopf den Eindruck eines Totenschädels vermittelt. Bei diesen Malereien handelt es sich um den einzigen Beitrag Bodmers aus der Anfangszeit von Mosers Universitätsneubau, , der nach seiner Entstehung nicht gleich wieder überstrichen wurde.
Institutsleiter und Sammlungsdirektor Arnold Lang
Der Zoologe Arnold Lang (1855–1914) war damals Direktor des Zoologischen Museums und Präsident der Baukommission des akademischen Senats. Als solcher hatte er einen bedeutenden Einfluss auf Mosers Universität, insbesondere auf die Ausgestaltung des heute noch vorhandenen Zoologischen Museums. Arnold Lang starb wenige Monate nach der Universitätseinweihung. Zu seinem Gedenken schuf Carl Burckhardt (1878–1923) – der Bildhauer, mit dem Moser schon beim Kunsthaus Zürich und dem Badischen Bahnhof in Basel zusammengearbeitet hatte – 1915 eine Bronzebüste. Es ist die einzige erhaltene Porträtbüste im Werk Burckhardts; sie wurde 1916 im Lichthof des Zoologischen Museums aufgestellt. In diesem zentralen, zweigeschossigen, von einer flachen Glasdecke abgeschlossenen Raum waren als Grossexponate die Skelette des Mammuts aus Niederweningen (mit noch seitenverkehrt eingesetzten Stosszähnen), eines Elefanten und eines irischen Riesenhirschs präsentiert.
Lichthofeinbau von Ernst Gisel
Heute wird der Lichthof von der 1984–91 entstandenen Eisenbetonkonstruktion dominiert, mit der Ernst Gisel (* 1922) einen grossen Hörsaal (KO2-F-180A) sowie in zusätzlichen Obergeschossen Bibliothek und Leseräume des Historischen Seminars als «Haus im Haus» zwischen vier nach oben pyramidal zulaufenden Pfeilern eingehängt hat. Als Deckengestaltung hängt unter dem schwebenden Hörsaalboden die Installation Raumsegel von Martin Schwarz (* 1946). Durch den Hörsaaleinbau fiel das ehemalige Glasdach weg, das den Lichthof des Zoologischen Museums überdeckt hatte, und mit ihm der Jugendstil-Kugelleuchter – Moser hatte ihn auch in der Schalterhalle des Badischen Bahnhofs in Basel (1910–13) verwendet.
Das Zoologische Museum wurde am 19. Mai 1914 eingeweiht, einen Monat nach den allgemeinen Feierlichkeiten zum Universitätsneubau. Arnold Lang konzipierte die Sammlungsaufstellung nach dem Vorbild des («stammesgeschichtlich» geordneten) Phyletischen Museums in Jena, das 1907 durch Ernst Haeckel, bei dem Lang doktoriert hatte, begründet worden war. Weiter orientierte man sich an der «modernsten Museologie», wie sie in London, München und Berlin zur Anwendung gekommen war.
Präsentationsweise der Sammlung
Die Einrichtung der Zürcher zoologischen Sammlung folgte der Idee eines Rundgangs: Nach der Museumstüre wurden die Besucher durch die den Lichthof umlaufenden Ketten und Wegleitungen nach links zuerst in einen längsgeteilten Seitensaal gelenkt, wo in Wandschränken auf die höchststehenden Wirbeltiere – die Primaten – die übrigen Tiergruppen folgten. Am Südende wendete die Richtung, und man konnte bis zurück zum Ausgangspunkt Raubtiere betrachten, kehrte dann erneut um und gelangte nach Durchschreiten des schmalen Seitengangs wieder ans Südende, wo der Lichthof betreten werden konnte. Hier waren neben den grossen Skelettexponaten eine Giraffe sowie in Glasschränken Moschusochsen und Wisente ausgestellt. In der nordwestlichen Ecke des Lichthofs gelangte man in den stadtseitigen Saal, wo u. a. Vögel, Reptilien und Fische zu sehen waren. Im südwestlichen Saal traf man auf eine Sammlung schweizerischer Tierarten.
Über die Treppe am Südende des Museums, die über den Schweizersaal erschlossen wurde, erreichte man das Obergeschoss und die den glasbedeckten Lichthof umlaufende Galerie. Die grau, ocker- und eierschalenfarben bemalte Galerienbrüstung war in abwechselnd hochrechteckig schmale und annähernd quadratische Wandfelder mit vereinzelt eingeschriebenen Ovalen gegliedert. Hier waren in Wandschränken und liegenden Vitrinen die wirbellosen Tiere ausgestellt, an der Süd- und Westseite die Korallensammlung, die der Winterthurer Färbereifabrikant Carl Weber-Sulzer 1909 der Universität Zürich geschenkt hatte (seit 1959 grösstenteils im Naturmuseum Winterthur).
Die damaligen Institutsmitglieder lobten an Arnold Langs Sammlungsordnung die «Übersichtlichkeit und Einfachheit» und die grösstenteils gewahrte «systematische Reihenfolge». Karl Mosers Museumsarchitektur mit ihrem Lichthof wurde für die Möglichkeit gepriesen, die «Beleuchtungsverhältnisse für alle Teile der Sammlung» gut zu nutzen. Man war zuversichtlich, dass das neue Zoologische Museum einen seiner Vorläufer – das einst in der Wasserkirche untergebrachte barocke «Naturalienkabinett» – als Sehenswürdigkeit werde ablösen können.
Michael Gnehm
Weiterführende Literatur und Link
Rüegg, Arthur: Weiterbauten an der Zürcher Universität: Von Karl Moser zu Gigon/Guyer. In: Kunst Bau Zeit 1914 2014: Das Zürcher Universitätsgebäude von Karl Moser, hrsg. von Stanislaus von Moos und Sonja Hildebrand, Zürich 2014, S. 314–327.
Zur Architektur des Zoologisches Museums