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Am 29. Oktober 1969 bereitete Raymond Probst den Gegenangriff in dem, was man als den «Toblerone-Krieg» bezeichnen könnte, vor. Probst war nicht irgendwer: Von 1980 bis 1984 wird er das Amt des Staatssekretärs beim Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten ausüben. Als bevollmächtigter Botschafter und Delegierter des Bundesrates für Handelsverträge war er bereits in den Sechzigerjahren ein Spitzendiplomat der schweizerischen Wirtschaftsdiplomatie. Was war geschehen?
Gegen Ende der Sechzigerjahre trafen in Bern immer öfter besorgniserregende Nachrichten ein, dass in Japan die berühmtesten Schokoladen der Schweiz imitiert würden. Die Methode bestand darin, die Präsentation und Verpackung der Originalschokolade nachzuahmen. Die Täterin war hauptsächlich eine 1967 in Südkorea gegründete Firma, die in Japan mit dem Handel von Kaugummi begonnen hatte und heute beinahe 60’000 Angestellte zählt. Was die Schweizer Diplomatie am meisten störte, war, dass die japanischen Imitate mit in der Schweiz bezogenen Maschinen hergestellt wurden, noch dazu unter der technischen Leitung eines Schweizer Bürgers. Der «casus belli» betraf vor allem zwei Schweizer Schokoladen. Die erste war die «Milka»-Schokolade der Firma Suchard aus Neuenburg. Die Imitation dieser Schokolade wurde in Japan unter dem Namen «Milkajoy» gehandelt. Für diesen Fall sah die schweizerische Gegenangriffsstrategie vor, den Weg über das japanische Patentamt zu suchen, weil die Marke «Milka» auch im Land der aufgehenden Sonne markenrechtlich geschützt war.
Noch perfider aber war die Nachahmung der «Toblerone» der Firma Chocolat Tobler aus Bern. Schamlos wurde die berühmte dreieckige Form der Schokolade übernommen und die Vokalfolge des Wortes «Toblerone» im japanischen Namen wiederholt. Die grafische und sogar die farbliche Gestaltung der Originalverpackung wurden auf unverschämte Weise imitiert. Die schweizerische Diplomatie witterte hier eindeutig unlauteren Wettbewerb.
Nach mehreren Sitzungen unter der Leitung der Handelsabteilung des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements kamen die Diplomaten zum Schluss, dass Japan ein hohes technisches Niveau erreicht hatte und viele eigene Innovationen hervorbrachte. Deshalb, so das Argument, hätte es der japanische Stolz sicher zu vermeiden versucht, sich des unlauteren Wettbewerbs schuldig zu machen.
Um die Angelegenheit abschliessen zu können, sprach sich die Schweiz für den diplomatischen anstelle des rechtlichen Weges aus und beauftragte die schweizerische Botschaft in Tokio damit, für die Sache der «Milka» und der «Toblerone» beim japanischen Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten einzutreten. Dies hatte zur Folge, dass der «Toblerone-Krieg» mit den ersten Scharmützeln endete und in die Vergessenheit der Geschichte geriet, bis er von den Forscherinnen und Forschern der Diplomatischen Dokumente der Schweiz wiederentdeckt und jetzt unter den spannenden Dokumenten der Online Datenbank Dodis (dodis.ch/32497) der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.
[Datum der Erstausstrahlung: Radiotelevisione Svizzera RSI, Rete Due, 29. Oktober 2013, 07:05 Uhr]