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Während Hip-Hop bereits in den 1970er-Jahren in New York keimte, fasste das Musikgenre erst in den 1990er Jahr hierzulande Fuss. Dabei gilt «Murder by Dialect» als Urknall des Deutschschweizer Raps. Der Track, auf dem der Basler MC Black Tiger auf Schweizerdeutsch rappt, erschien 1992 auf der Compilation «Fresh Stuff 2». Auf besagter Platte folgte direkt im Anschluss ein Song der Lausanner Crew Sens Unik, die im selben Jahr ihr Debütalbum «Le VIème Sens» veröffentlichte.
In den Jahren danach entwickelte sich langsam aber sicher eine nationale Szene, in der beide Pioniere noch lange tätig sein sollten. Und das – zumindest im Falle von Sens Unik – mit grossem Erfolg. Die Crew um Carlos Leal, der sich mittlerweile auch als Schauspieler einen Namen gemacht hat, verdiente sich bis zur Auflösung der Band anno 2010 vier Goldene Schallplatten. Und mit ihrem Label Unik Records – notabene das erste europäische Indie-Rap Label überhaupt – erhielt sie international Aufmerksamkeit.
Im weiteren Verlauf der 1990er- und den 2000er-Jahre tat sich in Sachen Rap einiges in der Schweiz. Vor allem in Zürich, Bern und Lausanne etablierten sich Szenen mit heute noch aktiven Protagonist*innen wie Greis, Big Zis, Bligg oder Stress. Aber auch ausserhalb der Grossstädte bildeten sich Zellen. Beispielsweise im Kanton Graubünden, wo Liricas Analas 2004 «Analogia» veröffentlichte – ein weiterer Meilenstein des Schweizer Hip-Hops: Beim Album handelte es sich um den ersten Tonträger, auf dem rätoromanischer Rap zu hören ist.
Obwohl nach wie vor einige Künstler*innen von damals den Schweizer Hip-Hop von heute prägen, macht sich nun eine neue Generation breit. Dazu zählen etwa der Solothurner Pronto, Danitsa aus Genf oder der Berner DaHated. In Sachen Bekanntheit, Klicks und Vermögen kann aber niemand mit der Luzerner Rapperin Loredana mithalten. Ihr Hit «Sonnenbrille», mit dem sie im Sommer 2018 durchstartete, wurde 13 Millionen Mal aufgerufen – innerhalb der ersten 15 Tage nach dessen Veröffentlichung. Heute verzeichnet der Song auf YouTube über 62 Millionen Plays. Dies und die darauffolgenden Erfolge bescherten der Rapperin 2020 den Swiss Music Awards in der Kategorie «Best Breaking Act» – und ein stattliches Vermögen, das auf 2 Millionen Euro geschätzt wird.
Dass Schweizer Rap aber auch ein hartes Pflaster sein kann, zeigt das Beispiel von Livio Carlin aka LCone. Anfang 2019 postete der Rapper, ebenfalls aus Luzern, auf Instagram seinen Kontostand: CHF 28.80. «Ich finde es erfrischend, auf Instagram mal etwas Ehrliches zu posten», meinte Carlin dazu. Und weiter: «…in der Schweiz […] ist [Rapper] ein Liebhaberjob. Man verdient wenig».