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- Der diesjährige Literatur-Nobelpreis geht an die Französin Annie Ernaux.
- Das teilte die schwedische Akademie in Stockholm mit.
- Letztes Jahr war die prestigeträchtige Auszeichnung an den tansanischen Schriftsteller Abdulrazak Gurnah gegangen.
Die 82-jährige Französin Annie Ernaux bekomme den Preis «für den Mut und die klinische Schärfe, mit der sie die Wurzeln, Entfremdungen und kollektiven Beschränkungen der persönlichen Erinnerung aufdeckt», sagte der Ständige Sekretär der Akademie, Mats Malm, bei der Preisbekanntgabe.
Man habe sie zunächst telefonisch nicht erreichen können, sagte Malm bei der Ankündigung. Sie habe gearbeitet und das Telefon klingeln lassen, erklärte Ernaux nachher dem schwedischen Fernsehsender SVT. Die Auszeichnung sei «eine grosse Ehre» und «eine sehr grosse Verantwortung».
Eine Gewinnerin aus 233 Kandidaten
Der Nobelpreis für Literatur gilt als die prestigeträchtigste literarische Auszeichnung der Welt. Auf der sogenannten Longlist für den Preis standen in diesem Jahr 233 Kandidatinnen und Kandidaten – welche Namen darunter sind, wird alljährlich streng geheim gehalten.
Seit über vier Jahrzehnten schreibt Annie Ernaux Bücher – Bücher über sich und ihre Herkunft. Dabei blickt sie nicht nur radikal auf ihr eigenes Leben, sondern reflektiert schnörkellos die Zeit und Gesellschaft, in die sie hineingeboren wurde. Die 82-Jährige bezeichnet sich als Ethnologin ihrer selbst.
Kindheit in bescheidenen Verhältnissen
Ernaux wurde 1940 in Lillebonne in der Normandie geboren und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Ihr Vater verdiente den Lebensunterhalt als einfacher Arbeiter. Ihre Kindheit war geprägt vom frühen Tod ihrer älteren Schwester. Nach dem Studium der neueren Literatur wurde sie Gymnasiallehrern.
Im Jahr 1974 erschien ihr erster Roman «Les armoires vides» (auf Deutsch: «Die leeren Schränke»). Als sie sich 1980 scheiden liess, war sie Mutter von zwei Kindern. 1984 erschien «La Place» (auf Deutsch: «Der Platz»). Der Roman, für den sie den renommierten Renaudot-Preis erhielt, handelt von ihrem Vater und ihrem eigenen sozialen Aufstieg. In «Eine Frau» beschwört sie die Erinnerungen an ihre Mutter herauf, in «Passion simple» ihre Liebesbeziehung zu einem verheirateten Mann.
Zu ihren erfolgreichsten Büchern gehört «Les années» (auf Deutsch: «Die Jahre») aus dem Jahr 2008. Das Werk ist eine Rückschau auf 60 Jahre ihres Lebens, ein Blick auf eine Frau, die sich verändert – zusammen mit der Welt.
10 Millionen Kronen für die Gewinnerin
Der Literatur-Nobelpreis wird seit 1901 vergeben und ist mit zehn Millionen schwedischen Kronen (rund 900'000 Schweizer Franken) dotiert. Im vergangenen Jahr erhielt der in Sansibar geborene Schriftsteller Abdulrazak Gurnah die Auszeichnung.
Diese Woche bereits vergeben wurden die Nobelpreise 2022 in Medizin, Physik und Chemie. Gewonnen haben in diesen Sparten Svante Pääbo (Medizin), Alain Aspect, John Clauser und Anton Zeilinger (Physik) sowie Barry Sharpless, Morten Meldal und Carolyn Bertozzi (Chemie).