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Textilkunst und Architektur
Dekorative Teppiche von Claudia Caviezel (*1977) oder technische Akustikstoffe von Annette Douglas (*1971) – textile Raumelemente sind heute allgegenwärtig. An internationalen Textilausstellungen wie Decorum in Paris (2014) und Fiber Sculpture. 1960 - Present in Boston (2014) erlebten Elsi Giauques Elément Spatial von 1979 oder Pierrette Blochs Maille de Crin von 1983/84 in Kunst & Textil – Stoff als Materie und Idee in der Moderne von Klimt bis heute in der Staatsgalerie Stuttgart eine neue Welle der Aufmerksamkeit. Als Sophie Taeuber(-Arp) (1889-1943) 1916 bis 1929 als Lehrerin an der Fachstelle für Sticken an der damaligen Kunstgewerbeschule der Stadt Zürich die floralen Stickereien ihrer Schülerinnen auf geometrische Wege lenkte, legte sie damit auch die Basis für einen innovativen Umgang mit textilen Techniken. Bereits damals – etwa 1917 in den Gewerbemuseen Winterthur und Zürich – gab es Wettbewerbe für Stoffdruckmuster für eine „vorbildliche Gestaltung von Wohnstoffen“. Taeuber-Arps Schülerin Elsi Giauque (1900-1989) wiederum lieferte 1924 Entwürfe für Leinengewebe an die Interieur-Firmen Langenthal und (Création) Baumann. Bei Elsi Giauque finden sich aber auch aus Fäden gewirkte transparente Säulen, die den architektonischen Bauelementen paroli bieten. Zudem gleiste die Grande Dame des Schweizer Textils ab den 1930er-Jahren zahlreiche Auftragsarbeiten auf. Sie selbst realisierte Vorhänge und Teppiche für die Expo 1939 wie auch 1964. Von 1944 bis 1966 nun selbst in der Leitung der Textilklasse regte Giauque die weitere Zusammenarbeit zwischen den Fachklassen an und vermittelte der Schule Aufträge für textile Beiträge im Bereich der Innenarchitektur, etwa für die Schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit SAFFA II, die 1958 in Zürich stattfand. Die nächste Generation Textilkünstlerinnen wie etwa Moik Schiele (1938-1993), Lisbeth Burri (*1924) und Marlise Staehelin (1927-1991) schufen in der Blütezeit der Fiber Art in den 1960er bis 1980er-Jahren bestimmende Raumelemente für öffentliche Räume, für Restaurants und Kirchen.
Sammlungskorpus
Wie sich zeigt, spielt die Beschäftigung mit Textilien in der Landschaft des Schweizer Kunstschaffens eine wichtige Rolle. Von der kunsthandwerklich orientierten Textilklasse hin zur unabhängigen Textilkunst oder in neuerer Zeit dem Textildesign, ist es den verschiedenen Protagonistinnen immer wieder gelungen, Werke mit grosser – teils auch internationaler – Strahlkraft zu schaffen. Besonders an der Schnittstelle zwischen Textilkunst und Architektur entstehen bis heute oft eindrückliche Raumelemente, seien dies Vorhänge, Teppiche oder Raumteiler und textile Wandbilder oder – in neuerer Zeit – Licht und Schall schluckende Elemente. In der Kunstgewerbesammlung und im Bereich Textildesign auch in der Designsammlung befinden sich zahlreiche im Kontext der Kunstgewerbeschule Zürich entstandene Textilwerke. Angefangen von kleineren Objekten, die noch in traditioneller Frauenhandarbeit verhaftet sind, bis zu Auftragswerken. Das Archiv der ZHdK besitzt Unterrichtsmaterialien der verschiedenen Lehrpersonen, wie auch Fotodokumentationen vieler Schülerarbeiten.
Aufarbeitungsstand
Wo Möbel und Gebrauchsgegenstände oft einen hohen Aufarbeitungsstand vorweisen können, zeigen sich im Feld der textilen Anwendungen grosse Lücken respektive Forschungsdesiderate. Nicht zuletzt die Tatsache, dass die Arbeiten lange als Frauenarbeiten und lediglich dekorative Elemente abgetan wurden, ist Anlass genug, dieses Manko zu thematisieren. In verschiedenen Ausstellungskatalogen des Museum Bellerive sowie der Biografie Elsi Giauques (Johanna Morel von Schulthess, Elsi Giauque 1900-1989, Wegbereiterin der textilen Kunst, Bern 1997) lassen sich Spuren von Kooperationen zwischen Architekten und Textilkünstlerinnen aufnehmen. Eine Aufarbeitung solcher Zusammenarbeiten fehlt bislang.
Das Museum Bellerive würdigt ab Oktober 2015 in der Ausstellung Der textile Raum zahlreiche textile Werke, die der Raumgestaltung und -strukturierung dienten. Sie ermöglicht erste Einblicke in das Thema und stellt die Protagonistinnen vor.
Forschungsvorhaben/Termine
Ziel des Projekts ist die systematische Sichtung und Erfassung des Materials und eine profunde Recherche und Vernetzung der Daten. Je nach Fragestellung lassen sich die Forschungsresultate im Bereich der Lehre oder Vermittlung nutzen.
Kontakt
Roman Aebersold, Leiter Sammlungsbetrieb, +41 43 446 67 03.