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Im Jahr 2015 starben 52’404 Menschen an Arzneimittel-Überdosen. Das waren mehr als die Opfer von Strassenunfällen und Selbsttötungen zusammen.
Davon starben 33’000 Männer und Frauen allein an Überdosen opioider Schmerzmittel. In den letzten 15 Jahren sind in den USA fast 200’000 Menschen, die von opioidhaltigen Schmerzmitteln abhängig wurden, an den Folgen gestorben. Das gab die US-Aufsichtsbehörde, die «Centers for Disease Control and Prevention» CDCP, bekannt.
Todesfälle in den USA im Jahr 2015 nach Ursachen. Quelle CDCP. Grafik ‹Vox Media›. Grössere Auflösung hier.
Opioidhaltige Schmerzmittel enthalten Wirkstoffe wie Morphin, Methadon, Oxycodon, Fentanyl oder Heroin, die alle auf das Zentralnervensystem einwirken. Deutlich geringer abhängig machen Medikamente, die Codein enthalten. Bei vernünftigem und überwachtem Einsatz können opioidhaltige Schmerzmittel für Schmerzpatientinnen und Schmerzpatienten ein grosser Segen sein. Doch wegen des Abhängigkeitspotenzials ist eine medizinisch unzweckmässige und nicht überwachte Anwendung sehr problematisch.
Ein Riesengeschäft für Pharmakonzerne
In den USA werden weltweit mit Abstand am meisten opioidhaltige Schmerzmittel eingenommen (siehe Grafik weiter unten). Der Jahresumsatz erreicht fast 10 Milliarden Dollar. Am Fernsehen verbreiteten die Pharmakonzerne Daiichi Sankyo and AstraZeneca TV-Spots, in denen sie für Medikamente gegen Verstopfung warben, die von opioidhaltigen Arzneien verursacht werden.
Wie stark die Konzerne mit Marketing-Aktivitäten zum Überkonsum und zur Abhängigkeit von opioidhaltigen Schmerzmitteln beigetragen haben, will die demokratische US-Senatorin Claire McCaskill von Missouri jetzt abklären. Das berichtete das «Center for Public Integrity» Ende März.
McCaskill forderte die fünf wichtigsten Hersteller solcher Schmerzmittel auf, ihre Sponsorenbeiträge, Marketingpläne und Verkaufsstatistiken offenzulegen: «Diese Aufklärung drängt sich im Namen aller Schmerzmittel-Abhängigen auf.»
In einem veröffentlichten Brief vom 28. März 2017 forderte die Senatorin die Pharmafirmen unter anderem auf, alle Zahlungen seit 2012 an diverse Ärztegesellschaften, Schmerz-Organisationen und «Patientenorganisationen» bekannt zu geben. Betroffen sind die «American Academy of Pain Medicine», die «American Pain Society», die «American Pain Foundation», die «American Geratrics Society», die «American Chronic Pain Association», die «American Society of Pain Educators», die «National Pain Foundation», das «Pain Care Forum» etc. etc.
13 solche Schmerz-Organisationen, welche von Pharmafirmen mitfinanziert werden, gehören einem «Pain Care Forum» an, das in Washington für den Nutzen von Schmerzmitteln und gegen gesetzliche Auflagen lobbyiert. Das geht aus Recherchen von AP/Center for Public Integrity hervor. Die Schmerzmittel-Lobby habe von 2006 bis 2015 in den USA mehr als 880 Millionen Dollar ausgegeben. Dies übersteige die Ausgaben der in den USA starken Waffenlobby.
«Die Schmerzmittel-Epidemie [in den USA] ist das klare Resultat einer zwanzigjährigen Verkaufs- und Marketing-Strategie der grössten Hersteller von opioidhaltigen Schmerzmitteln», schrieb Senatorin McCaskill in ihrem Brief.
In einer Stellungnahme erklärte Jessica Castles Smith, Sprecherin des Pharmakonzerns «Janssen Pharmaceuticals»: «Wir sind überzeugt, bei den opioidhaltigen Schmerzmitteln verantwortungsvoll und im besten Interesse der Patientinnen und Patienten zu handeln. Diese sind von der FDA zugelassen und enthalten Warnhinweise auf jedem Beipackzettel.» Andere Pharmakonzerne haben Stellungnahmen erst in Aussicht gestellt.
Die USA führen den Opiate-Verbrauch an. Die Schweiz folgt an 7. Stelle.
Verbrauch opioidhaltiger Schmerzmittel: Dosis pro 1 Million Einwohner. Quelle: UN-International Narcotics Control Board. Grafik ‹Vox Media›. Grössere Auflösung hier.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine