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Zeit & Ort
30. März 2023, 20:00
Gasthof Bären, Bärensaal
Über die Veranstaltung
Höhenfeuer – 1985
Von Fredi M. Murer
Auf dem abgelegenen Bergbauernhof «Auf der Mauer» lebt die Familie des «Jähzornigers»: Vater, Mutter, die Tochter Belli und der Sohn, der einfach «der Bub» genannt wird (Rolf lllig, Dorothea Moritz, Johanna Lier, Thomas Nock). Auf der gegenüberliegenden Talseite wohnen die Eltern der Mutter (Jörg Odermatt, Tilli Breidenbach). Mit ihnen kann die Familie mit dem Feldstecher Kontakt aufnehmen, und sie haben für diese Kommunikation ein einfaches Zeichensystem erfunden; der Besuch bei den Grosseltern ist, wie ein Besuch der Messe und des Markts im Hauptort des Tals, fast eine Tagreise; zu den Nachbarn gibt es keinen Sichtkontakt.
Der einsamste unter den Einsamen ist der gehörlose Bub, der allerdings mit seiner Schwesterseele wortlos, aber differenziert kommuniziert. Der erwachenden Sexualität seines Sohns, die sich auch in «Überstelligkeit» äussert, begegnet der Vater halb spöttisch, halb strafend. Die letzte Strafe ist die Verbannung des Buben auf die oberste Alp Staffel, die dieser nicht nur von Steinen säubert, sondern zu seinem eigenen Reich ausbaut. Als ihn dort seine Schwester besucht, werden sie zum Liebespaar. Die Tragödie ist eingeleitet. Der Bub kommt auf den Hof zurück, sucht und findet wieder die Nähe seiner Schwester. Als Bellis Schwangerschaft offensichtlich wird, ist die Katastrophe nicht mehr abzuwenden: Der Vater stirbt von der Hand des Buben, die Mutter folgt ihm in den Tod nach. Das Liebespaar legt die toten Eltern ins kalte Schneegrab, hängt als Nachricht für die Grosseltern ein russchwarzes Leintuch vors Haus, bezieht das Elternbett und übernimmt die seit Jahrhundertengleichgebliebenen Arbeiten auf dem Hof.
Murer verbindet das mythische Ödipusmotiv mit äusserster ethnografischer Genauigkeit, das Symbolische mit dem Realistischen. Er steigert den Alltag - etwa die Maulwurfjagd zu Beginn, den Gang der Jahreszeiten samt Wachstum der Flora und der Tiere, den Gang zu den Grosseltern, zur Kirche und zum Mark – ins Zeichenhafte, ja Metaphysische.
Das Thema der elterlichen Gewalt, das zum Angelpunkt von «Vollmond» werden sollte, und die Gegenbewegung der Befreiung aus den tödlichen Zwängen sind bereits in «Höhenfeuer» der Motor der Geschichte. Wortkargheit, gar Wortlosigkeit (schon angelegt in «Wir Bergler in den Bergen ...» und «Grauzone») schaffen Raum für eine ausserordentlich filmogene Körpersprache; «Höhenfeuer» hat die Kraft und die Macht des Stummfilms.
Die Wortlosigkeit befreit die Energien der Landschaft und der nichtverbalen Töne: Tausende von Stimmungen und Geräuschen, eine kontrapunktische «Naturmusik», die von Mario Berettas Filmmusik noch potenziert wird.
Martin Schaub 1985
Eintritt Film: CHF 13.–
Bärenbar und Kinosnack
Veggie- oder Fleischwrap während dem Film CHF 18.–
Voranmeldung
<email-pii> | 0041 56 521 33 43
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Programmänderungen vorbehalten