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Mit Freude habe ich festgestellt, dass – nachdem der Ammann-Verlag seine Tätigkeit eingestellt hat – die in loser Folge erscheinende Ausgabe der Werke von Fernando Pessoa bei Fischer weitergeführt wird. So ist dieses Jahr – zweisprachig, wie sich das für Lyrik gehört – unter dem Titel Er selbst eine Auswahl aus Pessoas Gedichten erschienen, die der Meister des Heteronyms noch zu seinen Lebzeiten unter seinem richtigen Namen publiziert hat, oder bei denen mehr oder weniger eindeutig fest steht, dass er sie unter seinem richtigen Namen zu publizieren gedachte. Viele der Gedichte sind Fragment, Entwurf. Andere sind fast fertig, wurden aber nie veröffentlicht, weil sich Pessoa zusehends weigerte, Salazars Vorschriften zu befolgen, was denn nun im portugiesischen “Estado Nuevo” wie zu schreiben wäre. Dabei war Pessoa selber durchaus patriotisch, ja chauvinistisch veranlagt – und keineswegs ein Anhänger der demokratischen Staatsform. Nur, in seinem eigenen dichterischen Schaffen Vorschriften unterworfen zu sein – das ging nicht an.
Als Lyriker gehört Pessoa zu den Weltbesten. Zwar sind in diesem Band nicht seine allerbesten Gedichte versammelt, aber gut genug, um einen Eindruck des Lyrikers Pessoa zu geben, sind sie allemal. Im Chor seiner Heteronyme ist sein Orthonym ‘Pessoa’ für den Dichter eine weitere Stimme. ‘Pessoa’ gibt dem Ästhetiszismus des Dichters Ausdruck. Für ‘Pessoa’ ist der Traum nicht nur so wichtig wie die Realität, er ist wichtiger – ja, er ist die eigentliche Realität. Das ist mehr als Calderóns La vida es sueño [Das Leben ist ein Traum], und nicht nur, weil Pessoas Christentum heterodoxer, bedeutend heterodoxer ist als das des alten Spaniers. Das Fühlen und Spüren mit allen Sinnen vermischt sich für Pessoa mit dem Denken. Das ist im Grunde genommen regressiv, romantisch; und so finden wir im vorliegenden Band – nebst einigen, seiner Mutter gewidmeten Gedichten – auch je eines, das Rimbaud und eines, das Baudelaire gewidmet ist. Aber selbst wenn Pessoas Verwurzelung im französischen Symbolismus unübersehbar ist – er überschreitet in seinem Panästhetizismus auch diese Grenzen.
Durmo. Regresso ou espero?
Não sei. Um sonho flui
Entre o que sou e o que quero
Entre o que sonho e o que fui.
19.10.1927
Ich schlafe. Eine Rückkehr, ein Warten?
Ich weiß es nicht. Ein Traum fließt
Zwischen dem, was ich bin, und dem, was ich will,
Zwischen dem, was ich träume, und dem, was ich war.