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Das Bedürfnis des Menschen, sich selber zu akzeptieren, wertgeschätzt zu fühlen und seinen Platz in der Gesellschaft zu finden, gilt in der Psychologie als ein psychisches Grundbedürfnis. Entsprechend bedeutet ein gesundes Selbstwertgefühl weder Selbstbewunderung noch ein Überlegenheitsgefühl, sondern vielmehr die Akzeptanz eigener Schwächen und die Wertschätzung eigener Stärken, sich selbst als Person annehmen zu können. Erlebt man das Gegenteil, nämlich ständige Selbstkritik, Unzufriedenheit mit sich selbst und ein Gefühl von Minderwertigkeit, ist dies eine psychische Qual.
Paradoxerweise beschäftigen sich Menschen, die unter Selbstwertproblemen leiden, viel mehr mit sich selber, als dies andere tun, die mit sich selber zufrieden sind. Das quälende Grübeln und die Überfokussierung auf das ständig kritisierte Selbst verursachen erhebliches Leid und seelischen Schmerz und können damit zu einem erheblichen Leidensdruck führen.
Verschiedene psychische Störungen hängen mit einem tiefem Selbstwert zusammen. So verursacht zum Beispiel eine Depression eine Abwertung des eigenen Selbst, die soziale Phobie resultiert aus der Angst, in bestimmten Situationen von anderen Menschen abgewertet zu werden. Magersucht geht mit einem eingeschränkten Selbstwert einher: Die Person glaubt, sich nur dann schätzen und akzeptieren zu können, wenn sie dünn genug ist. Bei der narzisstischen Persönlichkeitsstörung kann ein Mensch sich erst dann akzeptieren, wenn er grossartig und allen anderen überlegen ist. Bei der selbstunsicheren Persönlichkeitsstörung leiden die Betroffenen unter der quälenden Überzeugung, anderen gegenüber grundsätzlich minderwertig zu sein.
Selbstwertprobleme und die damit verbundenen psychischen Störungen können behandelt werden. Das Ziel der Behandlung ist nicht eine Selbstverherrlichung oder das Abschalten der Selbstkritik. Vielmehr soll ein gesundes Mass an Selbstkritik entwickelt werden, das als hilfreich und nicht als bedrohlich erlebt wird. Ausserdem wird eine hilfreicher Umgang mit den eigenen Schwächen und das Erkennen der eigenen Stärken angestrebt. Weiter soll die konstruktive Gestaltung von zwischenmenschlichen Beziehungen erlernt werden. All dies führt zu einer besseren Selbstakzeptanz und zu einem gesundem Mass an Selbstvertrauen, also dazu, sich wohl zu fühlen in der eigenen Haut.