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Was ist Keratokonus?
Der Fachbegriff Kertokonus besteht aus den Worten Kerato (Hornhaut) und Konus (Kegel). Beim Keratokonus handelt es sich um eine seltene Augenerkrankung, bei der die Hornhaut kegelförmig verwölbt ist und sich dadurch das Sehvermögen des Betroffenen verschlechtert. Diese Sehbeeinträchtigung äussert sich regelmässig in Kurzsichtigkeit (Myopie) oder einer Verkrümmung der Hornhaut (Astigmatismus). Oftmals ist zunächst nur ein Auge betroffen. Im späteren Verlauf kann sich die Sehfähigkeit beider Augen verschlechtern. Männer leider häufiger an dieser Augenerkrankung der Hornhaut als Frauen.
Was sind die Auslöser?
Ob der Keratokonus vererbbar ist, ist noch Gegenstand der Forschung. Bisher fehlen Beweise für eine Vererbbarkeit. Allerdings sind in einigen Fällen Häufungen in der Familie zu beobachten. Darüber hinaus lässt sich oftmals ein Zusammenhang zwischen dieser Augenerkrankung und vererbbaren Erkrankungen wie Down-Syndrom, Ehlers-Danlos-Syndrom und Marfan-Syndrom beobachten. Auch andere Erkrankungen und gesundheitliche Probleme können damit zusammenhängen. Das gilt beispielsweise für die Glasknochenkrankheit, Schilddrüsenprobleme, einen Prolaps der Mitralklasse im Herzen und einige Augenerkrankungen. Darüber hinaus kann auch ein Zusammenhang zum Auftreten von Allergien bestehen.
Abgesehen davon kann das oftmalige Reiben der Augen das Auftreten eines Keratokonus fördern. Auch ein Unfall oder ein Schlag auf die Augen ist als Ursache möglich.
Symptome des Keratokonus
Der Betroffene spürt den Keratokonus in Form einer Kurzsichtigkeit oder Sehverschlechterung. Die Sehfähigkeit schwankt oftmals. Aufgrund des sich verändernden Sehvermögens sind die Brillen und Kontaktlinsen laufend zu korrigieren und anzupassen. Im Anfangsstadium verschlechtert sich das Sehvermögen nur langsam. Betroffene sehen regelmässig Gegenstände doppelt oder erkennen Schatten an Objekten. Im Bereich von Lichtquellen nehmen sie sternförmige Strahlen wahr. Von Buchstaben scheinen hingegen Schlieren auszugehen.
Insgesamt kann sich die Erkrankung in diesen Symptomen zeigen:
- Doppelbilder
- Schatten und Schlieren
- In der Dämmerung und der Nacht ist das Sehvermögen eingeschränkt
- Erhöhte Lichtempfindlichkeit (Blendempfindlichkeit)
- Halosehen: Wahrnehmen von Ringen um Lichtquellen
- Juckende Augen
- Krämpfe um die Augen
- Dauerhafte Rötungen an den Augen
- Kopfschmerzen
- Konzentrationsstörungen
- Bei starker Verwölbung verrutschen Kontaktlinsen oftmals oder fallen heraus
Schmerzen treten nur in seltenen Fällen auf.
Diagnostik des Keratokonus
Die Diagnose dieser seltenen Augenerkrankung erfolgt meist im Rahmen einer augenärztlichen Routineuntersuchung. Als erste Anzeichen sind häufige Brillenkorrekturen zu nennen, die mit erheblichen Veränderungen der Achse einhergehen. Auch eine stark schwankende Sehstärke gilt als Indiz. Bei guter Beleuchtung sind halbkreisförmige oder kreisförmige Linien in Farbtönen von Grünbraun bis Gelbbraun erkennbar. Hierbei handelt es sich um die sogenannten Keratokonus-Linien, Fleischer’schen Ringe oder Kayser-Fleischer-Kornealring.
Augenärzte untersuchen die ausgedünnte und vorgewölbte Hornhaut. Sie analysieren mithilfe einer Spaltlampe die aufgetretenen Veränderungen. Dazu gehören der Fleischerring (Eisenablagerungen), vertikale Linien (Vogt-Striae) und Trübungen. Darüber hinaus wird im Rahmen einer Hornhauttomografie die Hornhautoberfläche vermessen. Wenn ein Keratokonus vorliegt, ist eine unregelmässige Hornhautverkrümmung zu erkennen.
Bei einer optischen Kohärenztomografie (OCT) lassen sich Schnittbilder erstellen, auf denen die Ausdünnung gut erkennbar ist. Mit der OCT lässt sich auch die Verdünnung des Epithels feststellen. Diese gilt als erstes Anzeichen für die Augenerkrankung und ist die Vorstufe einer Hornhautverdünnung.
Behandlung des Keratokonus
Derzeit gibt es keine Möglichkeit, Keratokonus zu heilen. Allerdings bieten sich einige Behandlungsmöglichkeiten, die darauf abzielen, die Sehschärfe zu verbessern und das Voranschreiten dieser Augenerkrankung zu verhindern.
Weiche Kontaktlinsen oder Brille bei geringfügiger Hornhautverkrümmung
Wenn die Kurzsichtigkeit und die Hornhautverkrümmung geringfügig sind, sieht die Behandlung vor, dass der Betroffene weiche Kontaktlinsen oder eine Brille trägt, um die Sehschwäche auszugleichen.
Hornhautvernetzung (Collagen-Crosslinking)
Bei einer starken Hornhautverkrümmung sind harte und formstabile Kontaktlinsen notwendig, um die Unebenheiten zu korrigieren. Als Behandlungsmethode bietet sich beispielsweise die Hornhautvernetzung (Collagen-Crosslinking) an. Diese soll die dünne Hornhaut festigen. Bei der Hornhautvernetzung trägt der Augenarzt Riboflavin (Vitamin B2) auf die Hornhaut auf und bestrahlt mittels UV-A-Licht. Dadurch kommt es zu einer Freisetzung von Sauerstoffradikalen, die wiederum eine Reaktion mit den Kollagenfasern der Hornhaut auslösen und dann eine Quervernetzung hervorrufen. Diese verstärkten Vernetzungen stabilisieren die ausgedünnte Hornhaut und halten somit das Voranschreiten des Keratokonus auf. Das Sehvermögen wird dadurch nicht verbessert.
Hornhaut-Implantation eines Kunststoffsegments
Eine Therapiemöglichkeit besteht darin, ein Kunststoffsegment in die Hornhaut zu implantieren. Ein solches Ringsegment setzt sich aus zwei Kunststoffringelementen zusammen, die durch einen kleinen Schnitt in die Hornhaut eingefügt werden. Damit kommt es zu einer Abflachung der unregelmässigen Hornhautoberfläche. Der Keratokonus wird vermindert.
Hornhauttransplantation (Keratoplastik)
Wenn die Sehschärfe sehr gering beziehungsweise die Hornhaut sehr dünn und trüb ist, empfiehlt sich häufig eine Hornhauttransplantation (Keratoplastik). Das ist bei circa 20 Prozent der Personen der Fall, die an Keratokonus leiden. Dieser operative Eingriff erfordert Erfahrung, ein ausführliches Gespräch im Vorfeld und eine sorgfältige Abwägung durch den Augenarzt.
Nach einer Hornhauttransplantation braucht der Patient etwas Geduld, bis eine Verbesserung der Sehschärfe eintritt. Nicht immer ist eine optimale Korrektur möglich. Es kann daher vorkommen, dass der Betroffene auch nach der Hornhauttransplantation eine Sehhilfe (regelmässig Kontaktlinsen) tragen muss.
Wie gefährlich ist Keratokonus?
Wenn die Augenerkrankung bereits weit fortgeschritten ist, kann die krankheitsbedingt sehr dünne Hornhaut einreissen. Dies würde rasch zu einer Verschlechterung des Sehvermögens und allenfalls auch zu Schmerzen führen. Infolge des Risses kann Kammerwasser in die Hornhaut eindringen und damit eine Trübung verursachen. Hierbei handelt es sich um einen akuten Hydrops, der als augenärztlicher Notfall gilt. In diesem Fall benötigt der Betroffene eine sofortige Behandlung in einer Klinik oder bei einem Augenarzt. Das Risiko einer vollständigen Erblindung besteht nicht. Allerdings kann sich das Sehvermögen im Krankheitsverlauf so drastisch verschlechtern, dass eine Hornhauttransplantation notwendig wird.
Prognose und Vorbeugung
Laut aktuellen Erkenntnissen gibt es derzeit keine Möglichkeit, dieser Augenerkrankung vorzubeugen. Allerdings ist es hilfreich, einige Tätigkeiten zu vermeiden, die die Hornhaut belasten und das Auftreten des Keratokonus fördern. Darunter fällt das Reiben der Augen. Zudem ist es wichtig, gereizte und trockene Augen zu behandeln. Um diesen Folgen entgegenzuwirken, sollte langes Arbeiten am PC vermieden werden beziehungsweise auf ausreichend Pausen geachtet werden. Betroffene sollten darüber hinaus verstaubte und verrauchte Räume sowie klimatisierte Räumlichkeiten meiden.
Patienten mit Keratokonus sollten jedenfalls viel trinken und sich häufig an der frischen Luft aufhalten.
Eine Prognose zum Krankheitsverlauf lässt sich nur schwer treffen, zumal weder die Ursachen noch der Einfluss äusserer Faktoren hinlänglich bekannt sind. Für Augenärzte ist es daher schwierig zu sagen, wie schnell und wie stark die Erkrankung voranschreitet, welche Behandlung vorzuziehen ist und wie sich der Patient verhalten soll. Der Verlauf kann sehr unterschiedlich ausfallen. Einige Patienten benötigen bereits nach wenigen Monaten (oder sogar Wochen) eine Hornhauttransplantation. Andere Patienten kommen über Jahre oder für ihr restliches Leben mit Kontaktlinsen oder einer Brille aus.
Abgesehen von den unterschiedlichen Verläufen lässt sich doch eine Prognose treffen, die für die meisten Patienten gilt. Demnach kommt die Erkrankung überwiegend zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr zum Stillstand.
In den meisten Fällen bricht der Keratokonus in jungen Jahren aus, nämlich in der Teenagerzeit oder im jungen Erwachsenenalter. Vielfach ist zunächst nur ein Auge von der Erkrankung betroffen, was sich jedoch bei 50 Prozent der Patienten mit fortschreitendem Krankheitsverlauf ändert.
Sollten Sie Fragen bezüglich der Erkrankung Keratokonus haben, können Sie jederzeit unsere Augenärzte in Zürich kontaktieren.