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Am 12. September 2016 wurde in Wien gefeiert: Genau vor 333 Jahren hatten die Habsburger mit Hilfe der Polen und anderer Heere die Osmanen vor den Toren der Stadt geschlagen und zurückgedrängt. Ein Befreiungsschlag für unsere Nachbarn – aber auch für die Eidgenossenschaft. Ohne diesen Sieg wäre sie möglicherweise von den Osmanen eingenommen worden.
Das Osmanische Reich entstand Anfang des 14. Jahrhunderts im Gebiet der heutigen Türkei und breitete sich immer weiter aus. Zur Zeit der grössten Ausdehnung im 17. Jahrhundert umfasste der islamisch geprägte Vielvölkerstaat Nordafrika, den Nahen Osten, die heutige Türkei, den Balkan und weitere Teile Osteuropas.
«Vater der Türken» trieb Modernisierung voran
Das Reich war in viele Kriege verwickelt: Hauptfeinde waren das Heilige Römische Reich im Westen, die Perser im Osten und später das Russische Reich im Norden. Nach der Niederlage bei Wien 1683 schrumpfte das Reich, bis es nach dem Ersten Weltkrieg 1922 endgültig auseinanderbrach.
An seiner Stelle wurde der Nachfolgestaat Türkei gegründet. Erster Präsident war Mustafa Kemal Pascha (1881–1938), bekannt unter dem Namen Atatürk (Vater der Türken). In seiner Amtszeit von 1923 bis 1938 trieb er die Modernisierung des Landes nach westlichem Vorbild voran und schaffte Sultanat wie Kalifat ab. Er gab den Frauen schon 1934 das Wahlrecht und propagierte ein modernes Frauenbild. Die Türken verehren ihn.
Erdogan orientiert sich an der Grösse des Osmanischen Reichs
Der heutige Präsident Recep Tayyip Erdogan (62) sieht sich als neuer Atatürk. Jedenfalls, wenn es um die Macht geht. Im Unterschied zum Staatsgründer kehrt Erdogan aber in den Konservatismus zurück und orientiert sich an der Grösse des Osmanischen Reichs.
Noch heute gibt es bei uns Spuren der hartnäckigen Belagerung durch die Osmanen. Mit ihrem Feldzug Richtung Österreich brachten sie den Kaffee nach Europa. Mythen berichten, dass man in dieser Zeit durch die Nachahmung des Halbmondes das Gipfeli erfunden habe und dessen Verzehr den symbolischen Tod eines Türken bedeuten sollte.
Ein besonderes Erinnerungsstück ist die grösste Glocke Österreichs, die Pummerin am Stephansdom in Wien – auch die «Stimme Österreichs» genannt. Die über 20 Tonnen schwere Glocke wurde aus den 1683 erbeuteten Kanonen der Osmanen gegossen. Als die Pummerin beim Kirchenbrand 1945 in die Tiefe stürzte und zerschellte, wurde aus dem Material eine neue gemacht.Publiziert am 11.10.2016 | Aktualisiert am 08.12.2016