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Die Ghanaerin Anjama, später Susanna Luise, lebte während 24 Jahren als Pflegetochter von Christian Friedrich Spittler in Riehen.
Tochter des Königs Kwadade (Herrscher der Akwapim) und der Königstochter Afro Pedei. Biologischer Vater: Mensa (Plantagenarbeiter). Pflegetochter des Christian Friedrich Spittler (Sekretär der Deutschen Christentumsgesellschaft in Basel) und der Susanna, geborene Götz.
Anjama kam im November oder Dezember 1846 in Akropong im Süden Ghanas zur Welt. Ihre Mutter war die Königstochter Afro Pedei. Der Sitte der Akwapim entsprechend, wurde Anjamas biologischer Vater nicht als solcher anerkannt, sondern der jeweilige Anführer der Akwapim galt als Familienvater und Schutzherr der Königskinder. Er war dazu verpflichtet, sich an deren Unterhalt zu beteiligen. Ab 1848 war Kwadade König der Akwapim und somit Anjamas anerkannter Vater.
Die Basler Mission hatte 1842 in Akropong eine Missionsstation eröffnet. Anjama wohnte und arbeitete im Haushalt der Familie des Missionars Johann Gottlieb Christaller (1827–1895), der sie ins Christentum einführte. Als Christaller 1858 erkrankte, kehrte die Familie nach Basel zurück. Sie nahmen die zwölfjährige Anjama nach Europa mit, einerseits als Kindermädchen für ihr drei Monate altes Kind, andererseits als Teilnehmerin eines 1857 gestarteten Ausbildungsprojekts der Basler Mission.
1857 startete die Basler Mission einen Lehrgang für Afrikanerinnen und Afrikaner mit dem Ziel, diese als ausgebildete Missionare und Missionarinnen in ihre Herkunftsländer zurückzusenden. So kamen damals mindestens 24 Menschen, hauptsächlich aus Ghana, Äthiopien und dem Sudan und meist noch im Kindesalter, in die Region Basel.
Einige dieser Kinder erkrankten in Europa rasch an Tuberkulose. Schon 1858, im Jahr von Anjamas Ankunft in Basel, beschloss die Leitung der Basler Mission deshalb, das Ausbildungsprojekt zu beenden und die Kinder in ihre Herkunftsländer zurückzubringen. Auch Anjama sollte sofort nach Ghana zurückkehren. Bis zur geplanten Rückreise im Herbst 1858 wurde Anjama in der Voranstalt des Missionshauses bei der Familie Kolb untergebracht. Dort wohnte auch Anjamas Cousin David Asante.
Zur Rückreise nach Ghana kam es nicht: Am 17. August 1858 erlaubte das Basler Missionskomitee dem 76-jährigen Christian Friedrich Spittler, Anjama bei sich aufzunehmen und zu unterrichten. Sie zog nach Riehen in Spittlers Sommerhaus Klösterli, wo sie von Spittlers Adoptivtochter Sette Spittler (1810–1880) zu ‹christlichem Gehorsam› erzogen wurde.
Im Winter wohnte Anjama mit den Spittlers im Haus Zum Fälkli am Stapfelberg in Basel. Anjama besuchte die Schule beim Münster und nahm Taufunterricht bei Pfarrer Karl Lorenz Peter (1812–1897). Im Jahr 1859 wurde sie auf den Namen Susanna Luise getauft. Damals legte man ihr Geburtsdatum auf den 5. Dezember 1846 fest.
1862 sollte Anjama nach Ghana zurückkehren. Sie lehnte eine Rückkehr allerdings ab. Wie aus überlieferten Briefen ersichtlich wird, forderten ihre Mutter Afro Pedei, Johann Gottlieb Christaller und David Asante sie wiederholt zur Abreise auf. Anjama sprach sich 1866 persönlich vor dem Komitee der Basler Mission gegen eine Rückkehr nach Ghana aus und bestätigte diesen Entschluss auch schriftlich. Nach 1873 beantragte Sette Spittler eine Aufenthaltserlaubnis für Anjama.
Sette Spittler und Anjama führten gemeinsam den Haushalt im Klösterli, wo sie auch Gäste empfingen. Bei Anjama trafen sich zudem Schwarze Menschen und People of Color aus Basel und Riehen, und wenn diese erkrankten, pflegte sie sie im Klösterli. So kümmerte sie sich beispielweise um den Oromojungen C. P. L. Rufo, der an Tuberkulose erkrankt war, oder das Oromomädchen Genome Duro, das 1868, im Alter von elf Jahren, vom Chrischona-Missionar Eiperle nach Basel gebracht worden war.
Später pflegte sie auch Christian Friedrich und Sette Spittler.
Anjama (Susanna Luise) starb am 30. März 1882 in Riehen.
Autorin / Autor: Luzia Knobel | Zuletzt aktualisiert am 7.5.2022
Christian Friedrich Spittler-Archiv. Susanna Luise Anyama Markus Spittler: PA 653a I 17.
Pfarrer Wilhelm Ecklin: Notizen zu Begräbnisreden, 1862–1917. 3. Susanna Louise Anyama (1847–1882) von Ostafrika: PA 576 E 23.
Debrunner, Hans Werner: Eine Afrikanerin in Riehen – Susanna Luise Anjama (1846–1882). In: Jahrbuch z’Rieche 1982. S. 32–47.
Debrunner, Hans Werner: Presence and Prestige. Africans in Europe. A History of Africans in Europe before 1918. Basel 1979.
Debrunner, Hans Werner: Anjama und ihre Schwestern. Zur Geschichte von Afrikanerinnen in der Schweiz. In: Höpp, Gerhard (Hg.): Fremde Erfahrungen. Asiaten und Afrikaner in Deutschland, Österreich und in der Schweiz bis 1945. Berlin 1996. S. 275–286.
Kober, Johannes: Anjama. Bild des äusseren und inneren Lebens einer Tochter Afrikas. Basel 1884.