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Der Terrier wird uns vorgestellt, weil er in letzter Zeit vermehrt Futter erbricht - seltsamerweise auch, wenn er einen halben Tag zuvor gar nichts mehr gefressen hat. Auch hat Jago Mühe mit dem Absetzen von Kot, weil dieser sehr hart ist. Aus der früheren Geschichte ist bekannt, dass der Hund ein Futtermittelallergiker ist und nur ein bestimmtes Hypoallergen-Futter verträgt.
Der klinische Untersuch verläuft weitgehend unauffällig; allerdings ist ersichtlich, dass der Hund einen Grossteil der Kaumuskulatur verloren hat und so die Knochenstrukturen des Schädels deutlicher zutage treten. Dieser Zustand wird mit grösster Wahrscheinlichkeit durch eine Entzündung der Muskulatur in deren Endstadium verursacht; auf eine weitere Abklärung diesbezüglich wird deshalb verzichtet.
In der Folge wird dann aber das Erbrechen schrittweise abgeklärt: Ein Kotuntersuch auf Parasiten und ein Blutuntersuch verläuft negativ; allerdings bewirkt die Fütterung eines anderen Diätfutters ein Verschwinden der Kotabsatzprobleme.
Ein Röntgen des Bauches wird angefertigt, welches unauffällig ausfällt - allerdings ist dafür im noch knapp abgebildeten Brustbereich eine Verdichtung ("Weissfärbung" der oberen/hinteren Lungenanteile) bemerkt. Ein Bruströntgen bestätigt diesen Befund.
Das Bruströngen ist verdächtig für eine Erweiterung der Speiseröhre in diesem Bereich. Zur weiteren Abklärung erhält Jago nun Futter, welches mit einem Röntgenkontrastmittel vermischt ist. In einer weiteren Röntgenaufnahme wird dann dokumentiert, dass das geschluckte Futter nicht ordnungsgemäss im Magen gelandet ist, sondern in der stark erweiterten Speiseröhre in der Brusthöhle liegen geblieben ist - der Hund leidet unter einem Megaösophagus.
In der Folge werden noch drei Labortests durchgeführt, um zu eruieren, ob die Speiseröhrenerweiterung einen dokumentierbaren Auslöser hat. Alle 3 Tests verlaufen jedoch negativ, weshalb die Diagnose eines "idiopathischen Megaösophagus" (idiopathisch = aus sich selbst entstehend) gestellt wird.
Die Besitzerin füttert in der Folge stehend, indem der Futternapf auf ein Möbelstück gestellt wird und das Futter durch die aufrechte Position des Hundes so von der Schwerkraft begünstigt besser in den Magen rutschen kann. Ausserdem trägt sie das Tier nach der Fütterung noch einige Minuten in dieser Position herum; in der Folge verschwindet das Erbrechen (oder vielmehr das sogenannte Regurgitieren) vollständig. Die Kaumuskulatur am Kopf bleibt vollständig zurückgebildet, allerdings zeigt der Hund deswegen keinerlei Kaubeschwerden.
Beim Problem von Jago handelt es sich eigentlich nicht um ein Erbrechen, sondern um ein Regurgitieren: Hierbei wird ohne Einsatz der sogenannten Bauchpresse Speiseröhreninhalt aus einer unnatürlichen Erweiterung des Oesophagus ausgestossen.
Eine solche Erweiterung (Megaösophagus) kann ein angeborenes Problem oder eine erworbene Erscheinung darstellen.
Ein angeborener Megaösophagus wird häufig durch einen sogenannten vaskulären Ring bewirkt: Hierbei handelt es sich um eine Missbildung im Herz-/Gefässsystem, in deren Folge sich ein Gewebeband straff über die Speiseröhre im Brustkorb legt und so die Passage von Futter verunmöglicht. Entsprechende Welpen zeigen während des Säugens häufig keine Probleme, da Flüssigkeit die Engstelle passieren kann; sobald eine Umstellung auf Festfutter vorgenommen wird, zeigt sich dann aber ein Regurgitieren.
Ein erworbener Megaösophagus kann durch eine hormonelle Störung der Schilddrüse oder Nebenniere provoziert werden; auch sind Störungen bei der Reizüberleitung vom Nerv auf die Muskelfasern der Speiseröhren bekannt. Bei der grossen Mehrzahl der nicht-angeboreren Speiseröhrenerweiterungen lässt sich jedoch keine Ursache eruieren, weshalb eine Therapie wie bei Jago ausschliesslich aus der beschriebenen Fütterungstechnik besteht. Ein Megaösophagus stellt ein Riskio für eine Aspirationspneumonie dar - hierbei kann das regurgitierte Futter in die Lunge eingeatmet werden, was zu einer schweren Lungenentzündung führt.
Ungeklärt bleibt bei Jago der Zusammenhang zwischen dem Megaösophagus und dem Verlust der Kaumuskulatur. Dieser Verlust ist wahrscheinlich bedingt durch eine autoimmun bedingte Entzündung der Muskeln, welche in einen Muskelverlust mündet. Zur genaueren Diagnose müsste eine Muskelbiopsie entnommen werden, worauf wegen fehlender Symptome einer Kaustörung verzichtet wurde. Ein Zusammenhang mit der Schädigung der Speiseröhre ist nicht auszuschliessen, ist doch auch hier eine Beeinträchtigung der entsprechenden Muskulatur vorhanden.