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Die Fachbegriffe im Bereich der Verständlichkeitsforschung werden in der Literatur uneinheitlich verwendet. Wir gehen von folgenden Herleitungen und Definitionen aus:
Der Rezeptionsprozess lässt sich in drei Phasen auffächern (vgl. van Vaerenbergh 2007:178):
- Aufnahme des Textes durch die Sinnorgane
- Erkennen und Verstehen von Wörtern und Sätzen
- Verstehen des Textinhalts
Jede Phase ist dabei von der vorhergehenden abhängig: Wörter und Sätze können nicht erkannt werden, wenn der Text nicht aufgenommen werden kann und der Textinhalt kann nicht verstanden werden, wenn Wörter und Sätze nicht erkannt werden.
Ist ein Text so beschaffen, dass er gut mit den Augen aufgenommen werden kann, ist er leserlich. Die Leserlichkeit (engl. legibility) hängt von der graphischen und typographischen Beschaffenheit eines Textes ab (Göpferich 2002:103). Schlecht leserlich ist ein Text beispielsweise, wenn der Druck schlecht, die Schrift zu klein oder die farbliche Abstufung von Schrift und Hintergrund zu nahe ist. Kann man den Text nicht wahrnehmen, kann man ihn auch nicht verstehen.
Die Lesbarkeit (engl. readability) dagegen bezeichnet Textkriterien auf der sprach-stilistischen Ebene (Göpferich 2002:108). Texte sind besser lesbar, wenn sie aus relativ einfachen Sätzen und bekannten Wörtern bestehen. Zur Messung der Lesbarkeit existieren verschiedene Lesbarkeitsformeln, welche beispielsweise Satz- und Wortlänge miteinander verrechnen und die Texte dadurch einem bestimmten Schwierigkeitsgrad zuordnen. Dazu gibt es mittlerweile auch Tools im Internet, mit welchen man die Lesbarkeit seiner eigenen Texte einfach bestimmen kann – z.B. leicht lesbar, eine Seite, die sich der Flesch-Formel (Reading Ease) bedient. Die Lesbarkeit wird hier berechnet aus einem Faktor der Wortlänge minus der durchschnittlichen Satzlänge in Wörtern. Dieser Text hier erhält bei leicht lesbar den Wert 41 und wird damit als „durchschnittlich“ eingestuft.
Ein Problem solcher Formeln ist der Transfer in verschiedene Sprachen: Die durchschnittliche Wortlänge kann sich in verschiedenen Sprachen massgeblich unterscheiden. Viele Formeln berücksichtigen dies nicht sondern sind nur für die englische Sprache geeicht.
Lesbarkeitsformeln wurden verschiedentlich kritisiert. Zum einen sind sie meist nicht theoretisch hergeleitet (z.B. Heringer 1979:264). Zum anderen heisst gut lesbar nicht automatisch auch gut verständlich (vgl. unten) und die Wortbedeutungen können mit solchen Formeln natürlich auch nicht berücksichtigt werden. Ausserdem ermüdet man auch schneller beim Lesen, wenn der Text nur aus kurzen Sätzen besteht. Es fehlt dann eine kognitive Herausforderung.
Verständlichkeit schliesslich bezeichnet den Umstand, dass man das neue Wissen aus einem Text an sein eigenes, persönliches Vorwissen anknüpfen kann (Schnotz 2000:497). Bei komplexen Inhalten kann es darum hilfreich sein, wenn das individuelle Vorwissen der Zielgruppe durch Hinweise im Text aktiviert wird.
Verständlichkeit ist damit nicht nur eine Texteigenschaft, sondern sie steht immer in Beziehung zu den einzelnen Individuen. In den meisten Fällen von Kommunikation können wir nicht für jede einzelne Zielperson einen eigenen Text verfassen. Verständliche Texte sollten aber auf den Durchschnitt der Zielgruppe und deren Vorwissen abgestimmt werden. Will man also einen verständlichen Text verfassen, muss man seine Zielgruppe und ihr Vorwissen genau kennen.
Die Verständlichkeit von Texten hängt von mehr ab als von der Beschaffenheit des Textes und dem Vorwissen. Diese Kriterien sollen in den einzelnen Blog-Einträgen nach und nach aufgearbeitet werden.