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Nordwestl. vom Dorf finden sich zu beiden
Seiten dieses sog.
Heidenweges noch Reste von Römerbauten. Die Gegend schon früh
besiedelt. Königin Bertha stiftete in
Werd eine heute wieder verschwundene
Kapelle. Schon 1247 stand die Kirche zu Kappelen
unter dem Kloster
Gottstatt, dem die Kollatur der Pfarrei bis zur Reformation verblieb. Zu Ende des 13. Jahrhunderts
wurde die Dorfkirche von den schon seit langer Zeit mit den Bernern im Kampf stehenden Freiburgern durch Feuer zerstört,
wofür sie 1293 dem Kloster
Gottstatt als dem Patron dieser Kirche eine Entschädigung bezahlen mussten.
Nach der Reformation ging das Kirchengut an Bern
über. Die in Kappelen zu Beginn des 16. Jahrhunderts stattgefundenen Hexenprozesse
haben dem
Ort zu dem heute noch gebräuchlichen Uebernamen Hexenkappelen verholfen. Vor der Korrektion der Juragewässer haben
das Dorf und ein Teil des Gemeindebodens (die sog. Pürnizei, vom latein. pernicies = Verderben) viel
unter Ueberschwemmungen zu leiden gehabt; seither haben sich Bodenertrag und Wohlstand merklich gehoben. 1255: La Chapela.
oder Schratten, französisch Lapier,Lapiaz. So nennt man die auf Kalksteinmassen, die der Nässe ausgesetzt
sind, sich bildenden Vertiefungen und Wasserrinnen, die sich mit der Zeit ausserordentlich erweitern
und verzweigen und dann ganze weite «Karrenfelder» bilden können. Hier
wird die Felsoberfläche bald von engen, bald wieder von weiten, unregelmässigen Rinnen und
Löchern durchbrochen. Die dazwischen
stehen gebliebenen
Rippen und
Kämme sind zumeist scharfkantig und rauh, oft sogar messerscharf.
Dabei behält die ganze ausgezackte und durchbrochene Gesteinsmasse ihren soliden Zusammenhang, so dass
lose Trümmer sich selten finden. Die Ursache der Karrenbildung ist eine chemische Zersetzung des Kalksteins durch Regenwasser
und schmelzenden
Schnee. Karren können in jedem feuchten Klima entstehen, finden sich aber hauptsächlich da,
wo
Schnee lange
liegt und sein Schmelzwasser die Unterlage während des grössten Teiles des Jahres nass erhält, d. h.
also in der Nähe der Schneelinie.
Viele der hoch gelegenen Karrenfelder werden nach schneereichem Winter in kalten und nassen Sommern überhaupt nicht schneefrei,
während tiefer unten oder in günstiger Lage in warmen Jahren in den Karrenlöchern Humus und Pflanzensamen
sich ansammeln, aus denen dann Alpenpflanzen sich entwickeln, die als kriechende Polster bald ganze grosse Flächen überkleiden
können. «Wunderbar glänzt im Sommer die Farbenpracht der Blüten mitten aus
dem weissgrauen, kahlen Karrenfeld. Die
Löcher und Furchen der wilden Gesteinsfläche füllen sich durch das Absterben der
untern Pflanzenwurzeln mehr und mehr mit Humuserde an, die
Ast- und Wurzelgeflechte benachbarter Kolonien
verweben sich, und allmählig ragen nur noch die höchsten Karrenkämme steinig rauh aus der immer dichter, dicker und zusammenhängender
wachsenden Pflanzendecke hervor, und endlich ... werden auch diese letzten
Rippen unter der schwellenden Pflanzendecke begraben.»
Zu Karren ausgebildet werden namentlich Flächen von reinem Kalkstein (Urgon oder Schrattenkalk und Malm
oder Hochgebirgskalk), während unreine Kalke und andere Felsarten durch Verwitterung und Frost in ein Haufenwerk von Grus
und Trümmern aufgelöst werden (Blockgipfel und Felsenmeere). Sehr schöne und typische Karren sieht man z. B. an der
Silbern,
auf der Karren- und
Rädertenalp im Kanton Schwyz,
am
Mattstock bei
Amden, in der Mulde des sog. Grossen
Schnees am
Säntis,
im
Melchthal etc. Vergl.
Heim,
Alb. Einiges über die Verwitterungsformen derBerge. (Neujahrsblatt der Natur forsch. Gesellsch.inZürichauf 1874).Zürich
1873. - Ferner Schweizer. Idiotikon. Band III, S. 422.
Die Karrenalp ist ein unregelmässiges
Feld, auf dem Senken, breite Plateauflächen und
Rücken miteinander abwechseln, aber
nur wenige eigentliche Gipfel stehen. Solche sind der Hohe
Turm (2672 m), der
Pfannenstock (2572 m) und n. davon der gezackte
Kratzerngrat. Die
Silbern,
Twärenen, die
Mandliegg, der
Kupferberg etc. sind nur breit ausladende Höhenrücken,
die ihre Umgebungen nicht stark überragen. Abwechslungsreicher in ihren Formen sind wieder die die Karrenalp umgrenzenden
Kämme und Gipfel, deren höchster der Böse
Faulen (2804 m) ist.
Als einzige nennenswerte Furchen greifen in dieses Gebiet ein das vom
Bisithal gegen NO. zwischen den
Pfannenstock und
Kratzerngrat
sich hinaufziehendeRätschthal und die von da gegen das
Rossmatterthal sich senkende
Kratzern- und Drecklochalp.
Diese Furche bildet zugleich die geologische Grenze zwischen der Kreide (vorzüglich Urgon) im N. und dem
Jura (Malm) im S.
Ein Gebiet wie das der Karrenalp kann naturgemäss die Ausbildung von eigentlichen Alpweiden nur wenig begünstigen.
Die Karrenalp im engern Sinn umfasst 800 ha Fläche, wovon nur 224 als Alpweide angesprochen werden können
und 16 weitere sumpfige
Wiesen bilden. Von der benachbarten, 550 ha grossen
Glattalp können 380 ha zu Weidezwecken benutzt
werden. Beide
Alpen werden zusammen befahren und nähren während etwa 5-7 Wochen rund 450 Kühe. Das
Karrengebiet als ganzes misst etwa 5460 ha, wovon 1084 ha oder 20% auf eigentliche Alpweiden, 447 ha oder 8% auf
Wald und 21 ha
auf Sumpfwiesen entfallen. 72% der Fläche sind völlig unproduktiv.
Wald findet sich besonders im NW.
(Bödmern- und Mittewald,
zusammen 430 ha), im
Rätschthal und auf der
Brust- und
Thoralp¶
mehr
(zusammen 17 ha). An allen andern Stellen fehlt jeglicher Baumwuchs. Im Ganzen sömmern auf den Alpen des Karrengebietes während
6-8 Wochen 1534 Kühe. 3 Hütten in 1770, 1869 und 2096 m. Vergl. den Art. Karren.