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© Roman Graf
Nur wenige unserer Vögel verbringen das ganze Leben am selben Ort. Die meisten verlassen den Brutort im Spätsommer oder Herbst und suchen Winterquartiere auf. Diese können nur wenige Kilometer vom Brutort entfernt liegen.
Typische Zugvögel wandern regelmässig zwischen einem Brutgebiet und einem oder mehreren Winterquartieren hin und her. Oft führt diese Reise über Hunderte von Kilometern in den Mittelmeerraum, bei den sogenannten Langstreckenziehern über Tausende von Kilometern nach Afrika.
Kurzstreckenzieher legen täglich etwa 50 km zurück, wenn man die Pausen einrechnet. Für einen Zugweg brauchen sie ein paar Wochen. Vögel, die in Afrika überwintern, ziehen mit durchschnittlich 70 km pro Tag schneller. Für einen Zugweg sind sie etwa 2–3 Monate unterwegs. Viele Arten bleiben im Überwinterungsgebiet nicht durchgehend am selben Ort, sondern streifen über grössere Strecken von Hunderten von Kilometern umher.
Zugvögel führen also ein sehr unstetes Leben. Sie halten sich im Verlauf eines Jahres an ganz verschiedenen Orten auf. Arten, die im hohen Norden brüten, wie Watvögel und viele Enten, bleiben nur wenige Wochen im Brutgebiet. Den Rest des Jahres verbringen sie irgendwo zwischen dem arktischen Sibirien und Südafrika.
Wenn wir an die Probleme denken, die sich einem Zugvogel stellen, so kommen uns zuerst die Orientierung oder die langen, anstrengenden Zugwege über Meere, Wüsten und Gebirge in den Sinn. Mindestens ebenso wichtig ist aber, dass Zugvögel auf ihrer Wanderung und in den Winterquartieren geeignete Lebensräume finden, wo sie sich aufhalten und ernähren können, wo sie Energiereserven für den Weiterflug auftanken, sich vor Feinden verstecken und ihr Gefieder wechseln können. Diese Lebensräume nennen wir Rastplätze.
Geeignete Rastplätze sind für Zugvögel lebensnotwendig. Wie viele Brutgebiete sind auch sie zunehmend bedroht. Ihr Schutz ist besonders schwierig. Ein einziger Vogel benötigt viele, über eine riesige Fläche verstreute Rastplätze. Wenn nur ein wichtiger Rastplatz ausfällt, ist das Überleben des Vogels in Frage gestellt. Bisher wurden zu Recht vor allem die Brutgebiete geschützt, und ihre Erhaltung muss auch weiterhin Priorität haben; viele Arten nutzen diese Gebiete auch auf dem Zug. Andere benötigen aber ganz besondere Rastgebiete, die sich von den Lebensräumen zur Brutzeit stark unterscheiden. So sind z.B. die Watvögel und Wasservögel auf offene Wasser- und Schlickflächen angewiesen.
© Schweizerische Vogelwarte Sempach
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