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Die Acaipalme (Euterpe oleracea) gedeiht ausschliesslich in Südamerika und kann bis zu 20 Meter hoch wachsen. Die Pflanze dient zur Gewinnung von Palmherzen. Hauptgrund für den Anbau sind jedoch die Beeren (Acai-Beeren), welche von den Einheimischen des Amazonasgebietes als Nahrungsmittel genutzt werden.
Seit 2004 werden Acai-Beeren in den USA, anschliessend auch in Europa vermarktet. Als Verkaufsargumente kommen antioxidative Eigenschaften und die Wirkung als Anti-Aging-Produkt und Schlankheitsmittel zum Zug.
Die runden, violetten Acai-Beeren bestehen aus 52% Kohlenhydraten, 8% Proteinen und 32% Fetten. Sie besitzen einen hohen Nährwert und enthalten Vitamin E, Vitamin B1, Ballaststoffe, Eisen und Calcium. In den Acai-Beeren findet man zudem Phytosterole und Flavonoide (Anthocyane und Proanthocyanidine), welche antoxidativ wirksam sein sollen. Im Rahmen von in-vitro Studien wurden entzündungshemmende und zytostatische Wirkungen festgestellt. Es gibt jedoch keine Belege, dass Acai-Beeren bei bestimmten Krebserkrankungen vorbeugend oder therapeutisch eingesetzt werden könnten.
Gemäss Professor Hostettmann haben gewisse einheimische Früchte vergleichbare antioxidative Eigenschaften (beispielsweise Brombeere, Schwarze Johannisbeere, Heidelbeere) und sind zudem weitaus günstiger. Es existieren keinerlei wissenschaftliche Belege, dass Acai-Beeren als Schlankheitsmittel wirksam sein sollen.
Literatur:
Les vertus thérapeutiques des fruits exotiques, Kurt Hostettmann, Editions Favre 2011, p11
Quelle:
http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=4196&NMID=4196&LANGID=2
Kommentar & Ergänzung:
Ein ähnliches Fazit zieht Wikipedia:
„Seit 2005 wird die Frucht in den USA und Europa, im deutschsprachigen Raum unter der Bezeichnung Acai-Beere, vorwiegend als Schlankheitsmittel vermarktet. Der Gehalt an Antioxidantien ist nicht höher als in vielen anderen Früchten. Die versprochenen Wirkungen, von Gewichtsabnahme bis zur sexuellen Stimulation, sind nicht wissenschaftlich bewiesen.“
Quelle: Wikipedia (Literatur siehe dort)
Im Internet wird Acai als Super-Frucht und Power-Beere angepriesen.
Was unbekannt und exotisch ist, kommt offenbar immer besonders stark an. Gut zu wissen, dass auch viele alte Bekannte genauso gesund sind.
Ein Lob daher auf Brombeeren, Heidelbeeren und Schwarze Johannisbeeren. Oder wie wär’s mit einem Apfel?
Die immer wiederkehrenden Hypes um ganz wunderbare und oft exotische Früchte, Naturheilmittel oder Heilpflanzen sind vor allem ein psychologisches Phänomen. Warum fliegen offensichtlich so viele Leute auf ein Wundermittel, das so marktschreierisch mit Gesundheitsversprechungen vollgepumpt wird?
Acai-Beeren sind wohl schon gesund. Ich setze mich aber mit Nachdruck ein für das scheinbar Gewöhnliche, Alltägliche, Banale. Auch wenn das vielleicht für manche Leute weniger aufregend ist…..
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch