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Wie könnte man die Umweltfreundlichkeit von Nationalträt*innen am besten einschätzen? Wie vermittelt man die Rolle der Schweiz während des Kolonialismus? Und welcher Eindruck hat ein Erstwähler von den Berner National- & Ständeratskandidat*innen? Antworten dazu heute im RaBe-Info:
Kritik am Umweltrating
In zwei Tagen ist es soweit: Die Schweiz wählt ein neues Parlament. Noch selten hatten Kandidatinnen und Kandidaten, die sich für einen ausgeprägten Klimaschutz aussprechen, derart gute Chancen gewählt zu werden.
Doch wie umweltfreundlich stimmen unsere Nationalrätinnen und Nationalräte tatsächlich ab?
Das sogenannte Umweltrating von der schweizerischen Umweltallianz soll dabei helfen, genau diese Frage zu beantworten. Die Umweltallianz veröffentlicht jeweils im Sommer vor den eidgenössischen Wahlen ihr Rating, in welchem sie das Stimmverhalten einer ganzen Legislatur beurteilt. Ein hilfreiches Tool für Stimmbürger*innen also, – doch womöglich liesse sich dieses Umweltrating noch verbessern.
Der Umweltexperte und Buchautor Hanspeter Guggenbühl kritisiert, dass im aktuellen Umweltrating das Wirtschaftswachstum als relevanter Umweltfaktor eher vernachlässigt werde. Gerade die Grünen und die SP schneiden dadurch besser ab, als sie es möglicherweise verdient hätten. Eine hunderprozentige Umweltfreundlichkeit sei laut Guggenbühl nämlich nur dann möglich, wenn sich die Kandidatin oder der Kandidat gegen das Wirtschaftswachstum und für mehr Konsumeffizienz ausspricht.
Postkoloniale Schweiz
Die Schweiz war keine Kolonialmacht. Und doch zeigt die Postkolonialismus-Forschung, dass auch die Schweiz indirekt sehr wohl und sehr stark in Kolonialismus und Sklavenhandel involviert war. Viele Schweizer Privatpersonen und Handelshäuser hielten Aktien im transatlantischen Sklavenhandel. Die Republik Bern zum Beispiel gehörte im 17. Jahrhundert zeitweise zu den Haupt-Aktionärinnen der britischen South Sea Company, die tausende von Sklav*innen von Westafrika nach Amerika verschiffte. Viele Schweizer*innen besassen Ländereien in Übersee, andere machten als Söldner im Dienste der Kolonialmächte Karriere, Schweizer Wissenschaftler trugen zur Verbreitung der Rassentheorien bei und auch hierzulande gab es die berühmt-berüchtigten Völkerschauen, die das ihre dazu beitrugen, das rassistische Bild der vermeintlich „Anderen“ zu prägen.
Im gängigen Schulunterricht wird die Rolle der Schweiz aber bisher kaum thematisiert. Und wenn, dann ausschliesslich aus der europäischen, männlichen, weissen Perspektive. Das soll sich nun ändern. In Zusammenarbeit mit der PH Bern entwickelte die Stiftung Cooperaxion Schulmaterialien zur postkolonialen Schweiz. Bei den Materialien konzentrierten sie sich auf die Schwerpunkte Transatlantischer Dreieckshandel, Völkerschauen, Identität und Koloniale Erinnerungskultur. Dabei wird Wert darauf gelegt, möglichst alle Perspektiven zu vermitteln. Bei den Völkerschauen hiesse das zum Beispiel, sich zu fragen, was es denn bedeutete, selber auf dem Podest zu stehen, oder Vorfahren zu haben, die auf dem Podest standen. Weiter sollen mit den Schulmaterialien auch bisher ungehörte Stimmen zu Wort kommen, wie die Genfer Abolutionist*innen beispielsweise, die schon damals die Abschaffung der Sklaverei forderten.
Zum ersten Mal an die Urne…
…das darf unser Kolumnist Dennis Schwabenland. In seiner Radioblog-Serie Schwabenland im Schweizerland berichtete er regelmässig über das nicht ganz leichte Unterfangen, Schweizer zu werden. Mittlerweile hat der Schauspieler und Regisseur das rote Büechli erhalten – somit darf er nun auch wählen und abstimmen. Heute also die sechste Episode seiner Serie: „Die Qual der Wahl“.