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Jeans gegen Bügelfalte - schon das musste im verschlafenen, konservativ geprägten Österreich der beginnenden Siebziger als Protest wirken. Parallel zur Modernisierungspolitik der SPÖ-Alleinregierung von Bruno Kreisky entwickelte die junge Generation ein neues Lebensgefühl, das von Rock-Musik ebenso beeinflusst war wie von der Studentenrevolte der Sechziger. Es traf sich mit einer Phase des Umbruchs und des Wertewandels, weg von der exzessiven Konsumgesellschaft hin zu ökologischem Denken. Georg Friesenbichler beschreibt in seinem Buch, in welchen Formen sich diese Umbruchphase realisierte: Anti-Militarismus, Bildungsdebatten, Faschismus-Diskussion, Kampf für die Fristenlösung und die Entstehung von Bürgerinitiativen sind einige Beispiele. Das späte Aufbegehren wirkte weit in die folgenden Jahrzehnte hinein: Die Arena-Besetzung erzielte mit zivilem Ungehorsam erstmals Breitenwirksamkeit. Der Erfolg bei der Volksabstimmung gegen das AKW Zwentendorf gab der Umweltbewegung jenen Schwung, der sie in den Achtzigerjahren ins Parlament brachte. Die Frauenbewegung ist ohne ihre Vorkämpferinnen in den Siebzigern nicht denkbar. Aus solchen Vorgaben bildete sich ein neues Milieu, eine neue Wählerschicht mit gewandelten Einstellungen und Moralbegriffen. Von revolutionären Träumen ist der jungen Generation von damals nicht mehr viel geblieben - dennoch hat sie zur Veränderung der Gesellschaft beigetragen.
Portrait
Georg Friesenbichler, geboren in Wien, ist Journalist und leitet heute das Aussenpolitik-Ressort der "Wiener Zeitung". Als Jahrgang 1956 hat er in den Siebzigerjahren studiert, war literarisch tätig, hat Folk-Musik gemacht und die heftigen politischen und sozialen Bewegungen der Siebziger hautnah miterlebt.