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Medikamentöse Behandlung von Burnout
Eine Burnout-Therapie setzt sich aus vielen verschiedenen Bausteinen zusammen, die individuell auf die Probleme und Persönlichkeit des Patienten abgestimmt sind.
Neben psychotherapeutischer Unterstützung kann die Abgabe von Medikamente Hilfe bei Burnout bringen – insbesondere, wenn schwere depressive Symptome einhergehen. Zur medikamentösen Therapie werden in erster Linie Antidepressiva eingesetzt. Weitere Psychopharmaka wie Neuroleptika, Sedativa und Hypnotika können angezeigt sein. Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) werden individuell therapiert, zum Beispiel mit Antihypertonika gegen Bluthochdruck oder Analgetika gegen Schmerzen. Ein bestimmtes "Burnout-Medikament" gibt es nicht, dennoch werden eine Vielzahl von Medikamenten bei einem Burnout verordnet.
Burnout oder Depression?
Ein Burnout und eine Depression sind nicht dasselbe und ein Burnout-Patient muss nicht zwangsläufig depressiv sein. Die Erkrankung kann jedoch in eine Depression übergehen oder von einer solchen begleitet sein. Burnout- Patienten haben ein erhöhtes Risiko für Folgeerkrankungen wie beispielsweise Herzinfarkt, Diabetes mellitus oder psychische Erkrankungen. So ist es durchaus nachvollziehbar, dass durchblutungsfördernde Mittel, cholesterinsenkende Medikamente, Mittel gegen Infektionen etc. auf dem Medikamentenplan eines Burnout-Patienten stehen.
Burnout-Behandlung mit Depression gepaart
Vor allem, wenn die depressive Symptomatik stark ausgeprägt ist und dadurch die Mitarbeit an einer Therapie sehr erschwert wird, kann in Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt über die Zuhilfenahme von Medikamenten nachgedacht werden.
Oft werden Medikamente aus der Gruppe der Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) gewählt, die auch im Rahmen einer Depression zum Einsatz kommen. Der erhöhte Spiegel des Botenstoffes Serotonin kann zur psychischen Stabilisierung beitragen und dem Burnout-Patienten erleichtern, sich der eigentlichen psychotherapeutischen Behandlung des Burnouts zu widmen.
Die alleinige medikamentöse Therapie eines Burnouts mag zwar die Symptome lindern, lässt aber die eigentliche Ursache der Krankheit unangetastet.
Nebenwirkungen nicht unterschätzen
Nicht zu vernachlässigen sind auch die mitunter erheblichen unerwünschten Wirkungen der Antidepressiva. Sie können sich in Händezittern, Schwindel, Schwitzen, Übelkeit, Gewichtszunahme, Müdigkeit, Gefühlsschwankungen und Libidoverlust äussern. Bei längerer Einnahme von SSRI-Medikamenten kann sich eine Osteoporose (Knochenbrüchigkeit) entwickeln.
In Grossbritannien und den USA hat die Regulierungsbehörde zudem vor einer erhöhten Suizidgefahr bei Kindern und Jugendlichen gewarnt.
SSRI-Medikamente sollten zudem nie gemeinsam mit Migräne-Medikamenten aus der Gruppe der Triptane eingenommen werden, da beide Medikamente eine ähnliche Wirkung haben und es bei gleichzeitiger Einnahme zum lebensgefährlichen Serotonin-Syndrom kommen kann.
Benzodiazepine, die zu den Schlafmitteln (Hypnotika) gerechnet werden, findet man noch häufig auf den Rezepten von Burnout-Patienten. Diese lösen Spannungs- Angst- und Unruhezustände und fördern das Ein- und Durchschlafen.
Auch hier gibt es nicht unerhebliche unerwünschte Wirkungen sowie Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Häufig sind Müdigkeit, Schläfrigkeit, Mattigkeit, Schwindelgefühl, Benommenheit und Einschränkung des Reaktionsvermögens (Lenken von Autos und anderen Fahrzeugen) sowie die Gefahr der Abhängigkeit (-> Sucht).
Schlafmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine zeigen folgende Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen:
- mit Medikamenten, die das Gehirn beeinflussen, wie zum Beispiel Psychopharmaka, Schlaf- und Beruhigungsmittel, starke Schmerzmittel und Narkosemittel, Antihistaminika, Muskelrelaxantien und Alkohol. Hier wir die gegenseitige Wirkung verstärkt.
- bei Dauerbehandlung mit blutdrucksenkenden Medikamenten, die auch das Gehirn beeinflussen, mit Betablockern und Gerinnungshemmern wie Antikoagulantien sind Wechselwirkungen möglich, deren Art und Umfang oftmals nicht vorhersehbar ist.
- bei Behandlungen mit einem Magenmittel wie Omeprazol, mit dem Asthmamittel Theophyllin und beim Rauchen kann es ebenfalls mit einigen Wirkstoffen aus der Reihe der Benzodiazepine zu unerwünschten Reaktionen kommen.
Neben den genannten Medikamenten aus der klassischen Schulmedizin sind mit rein pflanzlichen Behandlungsmethoden (Phytotherapie) oftmals sehr viel verträglichere Therapien mit weitaus weniger Begleiterscheinungen und problematischen Wechselwirkungen möglich;
Medikamente aus der Naturheilkunde
Häufig werde auch rein pflanzliche Präparate (Phytotherapeutika), wie Johanniskraut, Baldrian, Lavendel, Hopfen, Melisse und Passionsblume, als natürliche Medikament eingesetzt. Durch ihre leichte antidepressive Wirkung bringen sie dem Patienten Beruhigung und Entspannung - und dies oftmals ganz ohne unerwünschte Nebenwirkungen ...
Johanniskraut (Hypericum perforatum):
Wer schon einmal die Johanniskrautblüte näher betrachtet hat, kann nachempfinden, dass diese Heilpflanze eine besondere Beziehung zum Licht hat. Die Blüten öffnen sich vermehrt zur Mittagszeit, saugen das Licht geradezu auf und wandeln dieses um. Die umgewandelte Energie stellt die Johanniskrautpflanze den Menschen zur Verfügung. So wirkt sie stimmungsaufhellend und heilt Verletzungen des Körpers wie auch der Seele.
Baldrian (Valeriana officinalis):
Diese Heilpflanze besitzt Eigenschaften, überschüssige Spannung, die durch nervliche Überbelastung erzeugt wird "abzuleiten". Sie wirkt auf das gesamte "Nervenkostüm" vermittelnd, ausgleichend und beruhigend. Baldrian gelingt, durcheinander geratene Gefühle wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Auch das Gedankenkarussell wird angehalten: Negativ kreisenden Gedanken von eventueller Ablehnung, Tadel, Nichtbeachtung werden in Bahnen gelenkt, so dass die daraus entstehende Unruhe sich lösen kann.
Lavendel (Lavandula angustifolia):
Das wohlriechende Gewächs aus der Familie der Lippenblütler hilft kreisende Gedanken und Angstgefühle in den Griff zu bekommen. Er wird bei Unruhe, Angst- und Spannungszuständen eingesetzt. Zahlreiche Studien belegen die beruhigende und einen gesunden Schlaf fördernde Wirkung.
Hopfen (Humulus):
Beim Abbau von Hopfen im Körper entsteht eine bittere Säure (Alphasäure), die die innere Anspannung verringert. Studien der ESCP (European Scientific Cooperative on Phytotherapy) belegen, dass der Wirkstoff des Hopfens bereits nach zwei Minuten in die Blutbahn gelangt und dort seine ent-stressende Wirkung entfaltet.??
Melisse (Melissa officinalis):
Die (Zitronen-) Melisse besitzt starke Eigenschaften der Harmonisierung. Die Heilpflanze hilft in Tee-Form bei Magen-Darmbeschwerden, löst die innere Unruhe auf, so dass sich auch leichte Herzbeschwerden wieder legen können. Melissen-Tee in Milch wirkt zudem schlaffördernd.
Passionsblume (Passiflora incarnata):
Passionsblumenkraut (und nicht die Blume an sich) hat als Tee einen positiven Einfluss auf den Gehirnbotenstoff GABA (Gamma-Aminobuttersäure). Als Folge werden die Gefühle von übermächtigem Leistungsdruck reduziert. Wirkt beruhigend, krampflösend, angstlösend, schlaffördernd, blutdrucksenkend.
Zu guter Letzt:
Mit traditioneller chinesischer Medizin (TCM), Aminosäuren, Mikronährstoffen, Zink, Vitamin B, Vitamin E, Artischocke, Mariendistel, Schwarzkümmel und Spirulina (Alge) hat man bei Burnout oft noch sehr hilfreiche Unterstützung erfahren.
Text: Helga Grafe 01/2017