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Geschichte
Geschichte und Zukunft der Ordensburg Vogelsang
Seit Anfang 2006 ist der ehemalige NS Ordensburg Vogelsang in der Eifel der Öffentlichkeit wieder zugänglich. Bis Ende des Jahres 2005 hatten es seit Ende des Zweiten Weltkriegs zunächst englische und dann belgische Truppen als Militärgelände genutzt. Die Ordensburg Vogelsang war eine von dreien ihrer Art. In Krössinsee und Sonthofen bauten die Nazis ebensolche Monumentalbauwerke, eine vierte Ordensburg sollte in Marienburg gebaut werden, kam aber über den Planungsstand nicht hinaus. Zweck der Ordensburgen war die Ausbildung von "Ordensjunkern" als "künftige Parteielite der NSDAP" (S. 7). Der vorliegende Sammelband vereint vierzehn Aufsätze, die sich umfassend sowohl mit der Geschichte der Ordensburg Vogelsang beschäftigen als auch mit deren Zukunft als Gedenkstätte. Zudem wird in zwei hervorragenden Beiträgen von Lutz Raphael und Kiran Klaus Patel die nationalsozialistische Weltanschauung analysiert und der Platz der Ordensburgen innerhalb dieses Wertesystems verdeutlicht.
Die Ordensburg Vogelsang, die nie vollendet wurde, entstand in den Jahren 1934 bis 1941 in zwei Hauptbauphasen. Neben einer Turnhalle und einem Schwimmbad wurden auch ein Sportplatz, Hörsäle, Bibliotheken, Aufenthaltsräume und vieles mehr errichtet. Ein Modell der Ordensburg von 1936 sah zudem ein KdF-Hotel für 2000 Personen vor. Mit der forcierten Aufrüstung kam es ab 1938 zu einem "fast vollständigen Erliegen der Bautätigkeiten auf Vogelsang" (S. 104). Michael Schröders wendet sich in seinem Aufsatz der Geschichte der Ordensburg nach 1945 zu und erläutert umfassend die englische und belgische Nutzung des Geländes. Besonders die belgischen Streitkräfte betrieben einen "aktiven und substanzerhaltenden Denkmalschutz" (S. 120). So wurden Teile des Ostflügels wiederhergestellt und Reliefs trotz ihrer nationalsozialistischen Funktion, erhalten.
Der zweite große Komplex befasst sich eingehend mit der Zukunft der Ordensburg Vogelsang. Wie kann man mit diesem nationalsozialistischen Erbe umgehen bzw. es als Gedenkort nutzbar machen? Die Planungen hierfür gehen langsamer voran als geplant. Die Gründe dafür liegen im Interessenskonflikt der vielen beteiligten Akteure: Der Bund als Eigentümer der Immobilie, Das Land Nord-Rhein-Westfalen, die Bezirksregierung Köln, die Landkreise Euskirchen, Aachen und Düren, die Stadt Schleiden etc. In einer nichtöffentlichen, beschränkten Ausschreibung wurden zehn renommierte Gestaltungs- und Planungsbüros gebeten, ein Gesamtkonzept für die Ausstellungs- und Informationsbereiche abzugeben. Sechs von Ihnen haben termingerecht abgegeben und man hat sich auf einen Anbieter geeinigt. Man darf hoffen, dass die Zukunft der Ordensburg Vogelsang als Gedenk- und Museumsort ein Stück näher gerückt ist. Der Aufsatz über die NS- und SED-Stätte Prora zeigt eindringlich, was passieren kann, wenn man sich auf kein Konzept einigen kann: Die ehemalige KdF-Stätte verfällt mit jedem Jahr mehr. Hier wurde eine große Chance verpasst. Für die Ordensburg Vogelsang erhofft man sich einen anderen Ausgang.
Der vorliegende Sammelband deckt beinahe alle Facetten der Geschichte und Zukunft der Ordensburg ab und weiß den Laien wie den Fachmann gleichermaßen zu informieren.