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Die junge Namibierin Ndaindila Mercy Haindongo wurde im Frühling 2016 von der Schweizer Non-Profit-Organisation B360 Education Partnerships im Rahmen ihres Bildungsprogramms im südlichen Afrika in einem strengen Selektionsverfahren ausgewählt und konnte im Herbst bei der Haco AG in Gümligen ein dreimonatiges Praktikum absolvieren. Wir haben in der Dezemberausgabe 2016 berichtet. Nach ihrer Rückkehr nach Namibia schloss Mercy ein Jahr später ihr Studium an der NUST (Namibia University of Science and Technology) als Bachelor in Environmental Health Practitioner Science erfolgreich ab. Das folgende Interview ist vor ein paar Wochen entstanden.
Mercy, Sie haben bei den Natural Namibian Meat Producers im Dezember 2016 als Qualitätsmanagerin angefangen. Wer sind die NNMP und welches sind Ihre Aufgaben?
Die Natural Namibian Meat Producers (auch bekannt als Aranos Schlachthof) haben ihren Sitz in der Kalahari-Region Namibias, ungefähr 500 km südöstlich von Windhoek, etwas ausserhalb von Aranos. Der Schlachthof hat 63 Mitarbeitende und zwei Schlachtlinien mit einer Kapazität von 1200 Schafen und 30 Rindern pro Tag. Der Betrieb ist für den Export zugelassen und beliefert sowohl den namibischen als auch den südafrikanischen Lamm-, Schaf- und Rindfleischmarkt. Ich bin derzeit Qualitätsleiterin bei NNMP und verantwortlich für die Durchführung interner Audits, die Implementierung von HACCP-Plänen, für die Überprüfung der internen Dokumente (Richtlinien, Verfahren, Arbeitsanweisungen und Formulare) sowie für die Schulung der Mitarbeitenden in den Bereichen Hygiene und Lebensmittelsicherheit.
Welches waren die grössten Herausforderungen beim Start bei NNMP in Aranos?
Als ich Mitte Dezember 2016 bei den NNMP anfing, wurde der Schlachthof wegen mangelnder Compliance geschlossen. Die Geschäftsleitung hatte hohe Erwartungen an mich, denn im Januar 2017 sollte der Betrieb wieder eröffnet werden. Ich hatte gerade mal zwei Wochen Zeit, um ein effizientes Lebensmittel-Sicherheitssystem einzuführen und mich für das Audit zur Re-Zertifizierung im Januar vorzubereiten. Lange Arbeitszeiten und hohe Arbeitsbelastung sowie die Zusammenarbeit mit Leuten, die viel älter sind als ich, waren einige der besonderen Herausforderungen. Das Unternehmen hat das Audit erfolgreich bestanden und wir sind seit Januar 2017 wieder für den Export zugelassen.
Die Arbeit als Qualitätsmanagerin bei NNMP erfordert Fähigkeiten in verschiedenen Bereichen. Was haben Sie in der Schweiz gelernt, das Ihnen geholfen hat mit der Situation in Ihrem Betrieb umzugehen?
Während meines Praktikums bei der Haco AG habe ich gelernt, wie man ein Team-Player wird, dass es wichtig ist, die Aufgaben von verschiedenen Hierarchiestufen zu verstehen. In der Schweiz habe ich mit den unterschiedlichsten Menschen zusammengearbeitet und zusammengelebt, bin gereist und habe mich vernetzt. Diese Erfahrungen sind für meine Position unerlässlich, weil ich Schulungen durchführe und die offizielle Vertreterin des Unternehmens für QM-Belange bin, d.h. mit den verschiedensten Menschen zusammenarbeite. Die erworbenen Kenntnisse für Zeit- und Projektmanagement, Genauigkeit und Präzision sind das eigentliche Rückgrat für meine Funktion: Ich muss Termine einhalten, Meetings für das Management leiten und Richtlinien zur Lebensmittelsicherheit zwecks Einhaltung der Exportnormen erarbeiten.
Dank der Zertifizierung, kann NNMP nun wieder nach Südafrika exportieren. Was bedeutet das für den Schlachthof, seine Mitarbeitenden und für die Region?
NNMP ist einer der wichtigsten Arbeitgeber in Aranos. Dank der Exportzulassung sind die Arbeitsplätze inzwischen gesichert und die Firma arbeitet effizienter als vorher. Die Produktion konnte 2016–2017 um 25,9 Prozent gesteigert werden. Die Gründe dafür sind, dass die Kunden von der Einführung des Lebensmittelsicherheits-Management-Systems (FSMS) überzeugt sind, dadurch mehr Fleisch nach Südafrika exportiert werden kann und die Anlage das ganze Jahr über reibungslos funktioniert. Der Agrarsektor trägt am meisten zum BIP von Namibia bei. Die Wiederinbetriebnahme des Schlachthofs kommt deshalb nicht nur Aranos, sondern dem ganzen Land zugute. Da der NNMP der einzige Export-Schlachthof in der Kalahari ist, bedeutet dies, dass die Bauern ihre Tiere in ihrer Nähe und regelmässig zum Schlachten bringen können. Dadurch sind sie in der Lage, für ihre Familien zu sorgen.
Welches ist Ihr Rezept, um in einem so schwierigen Umfeld erfolgreich zu sein?
Meine Motivation und mein Ziel sind, die Lebensmittelindustrie in Namibia zu unterstützen. Das Aufdecken bestehender Lücken in diesem Sektor erfordert Kraft, harte Arbeit und Konzentration. Zu wissen, wer du bist und was du im Leben erreichen willst, spielt dabei eine Schlüsselrolle. Wichtig ist auch, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu haben und daran zu glauben, dass man Herausforderungen gleich welcher Art meistern kann.
Welches war Ihr grösster Erfolg in Ihrem bisherigen Berufsleben?
Eine Führungsposition gleich in meinem ersten Job zu erhalten. Ich hätte nie gedacht, dass ich im Alter von 23 Jahren Meetings der Geschäftsleitung leiten und die Vision des Unternehmens einer Gruppe von Leuten «verkaufen» würde. Ich habe bei den NNMP ein effektives FSMS erfolgreich eingeführt und damit einen wichtigen Beitrag für die Bevölkerung von Aranos geleistet.
Welches sind die Herausforderungen, die vor Ihnen liegen?
Namibia ist ein trockenes Land, d.h. dass die Kalahari-Region wie diesen Sommer zu wenig Niederschläge erhält. Dies wiederum führt dazu, dass die Bauern die Tiere nicht verkaufen und dadurch die Produktion im Schlachthof sinkt und wir statt täglich nur an zwei Tagen in der Woche schlachten können.
Welches sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Vorab möchte ich meinen Master in Lebensmittel-Wissenschaften abschliessen, an dem ich derzeit an der Universität von Namibia (UNAM) arbeite. Mein Ziel ist, Namibia im Bereich Lebensmittel-Sicherheit in der Afrikanischen Union, in der FAO oder in einem anderen internationalen Gremium zu vertreten und so meinem Land zu dienen. Ich würde auch gerne meine internationalen Kontakte erweitern, damit mein fachliches Know-how vertiefen. einen Doktortitel erlangen und damit zur Weiterentwicklung meines Landes und meines Kontinents beizutragen. Als grosse Anhängerin der Forschung, will ich die Literatur in den Lebensmittel-Wissenschaften in Namibia erweitern und in internationalen Zeitschriften publizieren. Ich bin jedoch nicht nur eine 24-jährige Frau mit hohen Karrierezielen, ich träume auch davon, eine eigene Familie zu haben.
B360 Education Partnerships www.b360-education-partnerships.org
B360 ist eine Non-Profit-Organisation und wurde 2009 von der ehemaligen Kaderfrau bei der Credit Suisse, Sabina Balmer gegründet. Ziel ist der Auf- und Ausbau des Austausches von Fachwissen zwischen europäischen Fachexperten und afrikanischen Studierenden. B360 fokussiert sich auf Fachgebiete, die einen Beitrag zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der Länder leisten können. Entsprechend werden die Fachleute aus dem öffentlichen und privaten Sektor ausgewählt, die während zwei bis vier Wochen einen ehrenamtlichen Lehrauftrag erhalten. Inzwischen konnten rund 200 Einsätze an den Partneruniversitäten in Namibia, Sambia und Südafrika geleistet werden.
Im Gegenzug können die besten Studierenden der Partneruniversitäten in der Schweiz ein dreimonatiges Praktikum absolvieren. Im August 2018 starten wieder acht weitere Studierende ihr Praktikum.