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DAS mental health der Berner Fachhochschule
CAS eHealth des Institut für Kommunikation und Führung, Luzern
Psychose
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Der Begriff Psychose wurde im 19. Jh. geprägt, leitet sich vom Wort „psychisch“ d.h. „mit der Seele zusammenhängend“, also seelisch, ab. Mit diesem Begriff werden schwere psychische Erkrankungen zusammengefasst, welche in der Regel nicht alleine bewältigt werden können.
Schizophrene Psychose
Unter dem Begriff der „schizophrenen Psychosen“ werden schwere psychische Erkrankungen verstanden, bei denen vor allem Schwierigkeiten beim Denken und der Wahrnehmung im Vordergrund stehen. Der Begriff „Schizophren“ stammt aus dem Griechischen und meint wörtlich übersetzt „Spaltung der Seele“. Er wurde anfangs des 20. Jh. vom Psychiater Eugen Bleuler (1857-1937) eingeführt. Gemeint ist damit nicht etwa eine Spaltung des Menschen in zwei Persönlichkeiten, sondern die Tatsache, dass Personen, die eine schizophrenen Psychose erleben, „zwei Wirklichkeiten“ kennen: Die reale Wirklichkeit“, welche dem normalen Verständnis und Empfinden der Durchschnittsbevölkerung entspricht, und eine „zweite Wirklichkeit“, in der sie Dinge erfahren, Sinneseindrücke wahrnehmen, die andere nicht nachvollziehen können. Der Begriff „schizophren“ meint also das Vorhandensein von zwei nebeneinander bestehenden Wahrnehmungswelten. Auch der umgangssprachliche Begriff „verrückt“ will andeuten, dass die Art der Wahrnehmung von Personen in einer Psychose gegenüber dem Empfinden der meisten übrigen Menschen „weggerückt“, eben „ver-rückt“ oder verschoben ist. Der Begriff des „gespalten seins“ bezieht sich aber auch darauf, dass in der schizophrenen Psychose die psychischen Funktionen (Denken, Wahrnehmen, Fühlen, Handeln) nicht mehr in der gewohnten Weise aufeinander abgestimmt sind, im eigenen Erleben nicht mehr richtig zusammen passen. Es entsteht ein Chaos, die Psyche gerät aus dem Gleichgewicht. Dies wird manchmal so erlebt, dass die eigene Identität (Einheit der Person) verloren zu gehen droht. Von aussen wirkt das Erleben und Handeln der betroffenen Person oft fremd und unverständlich. D.h. zu Beginn einer Psychose haben die Betroffenen oft das Gefühl, dass sowohl „aussen“ wie auch „innen“ „alles durcheinander“ ist. Manche Menschen erleben nur eine psychotische Episode in ihrem Leben, andere durchleben mehrere, können aber in den psychosefreien Zeiten ohne oder mindestens ohne grössere Beschwerden am „normalen“ Leben teilnehmen. Es gibt jedoch leider auch Menschen, die an einer chronischen, fortdauernden oder immer wieder auftretenden Form der Psychose leiden. Diese erholen sich oft nicht vollständig und sind meist auf familiäre und medizinisch-therapeutische Hilfe (inkl. Medikation) angewiesen.
Häufigkeit
Eine auf hundert Personen (1% der Bevölkerung) erkrankt irgendwann im Laufe ihres Lebens an einer schizophrenen Psychose. Die Häufigkeit des Auftretens von Psychosen ist in allen Ländern etwa gleich hoch. Bezogen auf den Kanton Bern mit seiner Bevölkerung von ca. 1 million Menschen bedeutet dies: In dieser Region dürften im Laufe ihres Lebens ca. 10’000 Menschen an einer schizophrenen Psychose erkranken.
Alter von Ersterkrankten
Ersterkrankungen treten am häufigsten im Alter von etwa 25 Jahren auf. Das Erkrankungsrisiko ist für beide Geschlechter gleich hoch. Jedoch erkranken Männer im Durchschnitt etwa drei Jahre früher (im Mittel zwischen 20 und 25 Jahren) als Frauen (im Mittel zwischen 25 und 30 Jahren). Möglicherweise spielt dabei das häufige Zusammentreffen mehrerer Belastungsfaktoren in diesem Alter eine Rolle: Ablösung vom Elternhaus, Einstieg ins Berufsleben, Aufbau einer Partnerschaft, ev. Familiengründung, etc. Bei verletzlichen (vulnerablen) Menschen können solche Ereignisse psychotisches Erleben auslösen.
Vererbung als Risikofaktor?
Wer mit einer Person blutsverwandt ist, die an einer schizophrenen Psychose leidet oder litt, hat selber ein erhöhtes Erkrankungsrisiko. D.h. Vererbung kann bei der Entstehung einer Psychose mit eine Rolle spielen. Schizophrene Psychosen sind aber keine Erbkrankheit! Erbliche Einflüsse sind nur eine Teilursache, von entscheidender Bedeutung sind noch andere Faktoren. Die Erkrankung eines eineiigen Zwillings bedeuted keineswegs, dass auch sein Zwillingsgeschwister an einer Psychose erkrankt, obwohl dieses identische Erbanlagen aufweist.
Wenn man hört, dass jemand psychisch krank gewesen ist, geschieht es häufig, dass nur noch dieser Aspekt im Zusammenleben und in der Zusammenarbeit wahrgenommen wird. Betroffene werden nur noch aufgrund dieses Kriteriums beurteilt und in der Folge ausgegrenzt und stigmatisiert. Es geschieht auch häufig, dass Betroffene selbst diese Meinung übernehmen, sich dadurch nichts mehr zutrauen und sich fremdbestimmen lassen. Die Ansicht, dass der Kern des Menschen gesund ist und nur die äußeren Schichten von der Krankheit betroffen sind, ist in Bezug auf das Verstehen und die Bewältigung vielleicht am hilfreichsten: das Innerste der Persönlichkeit ist gesund und in der Lage, die äußeren Schichten (Einstellungen, einzelne Fähigkeiten etc.) positiv zu verändern.
Wie erkläre ich mein Erleben?
Zuerst sollte jeder Betroffene entscheiden, wem er davon erzählen möchte (Familie, PartnerIn, enge Freunde etc., welche verständnisvoll und im Genesungsprozess unterstützend sein können) und wer informiert werden sollte (Ärzte, Arbeitgeber, Lehrmeister). Nicht alle Leute müssen wissen, was mit einem geschehen ist, und es ist legitim, mit Informationen zurückhaltend umzugehen. Ist jedoch einmal entschieden, dass jemand informiert wird, lohnt es sich, diese Person(en) ausreichend mit Informationen zu versorgen (Bücher, Zeitschriftenartikel, Internetadressen etc.), damit sie besser verstehen lernen, was der Betroffene erlebt und wie er unterstützt werden kann. Es ist denkbar, dass es Menschen im jeweiligen Umfeld gibt, denen es nicht möglich ist, sich in die Situation des Betroffenen zu versetzen und ihm Verständnis entgegenzubringen. Betroffene selbst schlagen hier vor, eine gesunde Distanz zwischen sich und Angehörige und Freunde zu bringen, welche nicht verstehen und hilfreich sein können. Es ist wichtig, dass Betroffene und das jeweilige Umfeld so positiv und hoffnungsvoll wie möglich mit der Erkrankung umgehen.
Beispiele für Antworten auf die Frage „Wie geht’s“:
- „Bin in der Klinik“
- „Habe ein Time-out genommen, weil es mir nicht gut gegangen ist“.
- „Mache momentan eine Therapie“
- „Bin in einer Erholungskur“
- „Mir geht es momentan nicht so gut, möchte aber nicht darüber sprechen“.
- „Bin hospitalisiert“
- „Bin in stationärer Behandlung“
- „Hatte eine Krise“
Die Formulierung, man habe eine Krise gehabt, ist insofern gut, als man den Leuten nicht eine schwer verständliche psychiatrische Diagnose erklären muss und dass man unter einer Krise im Allgemeinen etwas Vorübergehendes versteht. Mit diesem Ausdruck kann man der Gefahr vorbeugen, als gänzlich krank und krank bleibend abgestempelt zu werden. Je nach Gesprächspartner und Vertrauensverhältnis kann man mehr oder weniger offen sprechen. Dementsprechend empfiehlt es sich, je nach Situation eher oberflächlich und ausweichend oder aber eingehender und realistischer zu antworten.
Weitere Antwortmöglichkeiten sind:
- „Bin in psychiatrischer Behandlung“
- „Bin in stationärer psychiatrischer Behandlung“
- „Bin in einer psychiatrischen Klinik“
- „Hatte starke Konzentrationsschwierigkeiten“
- „Es kam mir alles fremd und unwirklich vor“
- „Hörte Stimmen“
- „Hatte eine Psychose“
- „Hatte eine verändertes Körpergefühl“
- „War depressiv“
- usw.
Quellen:
- Bäuml, Josef; Pitschel-Walz, Gabi; Bechdolf, Andreas; Bergmann, Frank; Buchkremer, Gerhard (Hg.) (2008): Psychoedukation bei schizophrenen Erkrankungen. Konsensuspapier der Arbeitsgruppe „Psychoedukation bei schizophrenen Erkrankungen“ ; [+ CD-ROM mit Arbeitsmaterialien] ; 64 Tabellen. Arbeitsgruppe Psychoedukation bei Schizophrenen Erkrankungen. 2., erw. und aktualisierte Aufl. Stuttgart: Schattauer. Online verfügbar unter http://deposit.d-nb.de/cgi-bin/dokserv?id=2998204&prov=M&dok_var=1&dok_ext=htm.
- Schizoprenia.com. Online verfügbar unter http://www.schizophrenia.com.