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La Motte – Der Grenzwachtposten im Land des Windes
Postenordner dienten der Grenzwache einst zur dienstlichen Instruktion des Postenpersonals. In den 1990er-Jahren verschwanden diese spannenden Zeitzeugnisse im Dunkel der Archive. Forum Z. hat die «Orientation du poste» des Grenzwachtpostens La Motte JU ans Licht geholt.
05.09.2022 von Roman Dörr, Zollexperte, Zoll Basel Nord
Die «Orientation du poste» von La Motte wurde in der Zeit des 2. Weltkriegs verfasst. Der Hauptteil besteht aus Informationen zur Orts- und Postengeschichte und den Dienstweisungen. Über die Jahre wurde der Postenordner laufend mit Fotos, Illustrationen und Zeitungsartikeln ergänzt.
Kleine Postengeschichte
Der Grenzwachtposten von La Motte liegt am Doubs, etwa zehn Kilometer westlich von St. Ursanne an der Hauptstrasse, die ins französische Brémencourt führt.Bereits 1851 stand in Ocourt ein „bureau de péages“, das von Bernischen Gendarmen betrieben wurde. 1893 ging der Dienst an das Grenzwachkorps über. 1896 wurde der neue Grenzwachtposten La Motte an der Grenzlinie zu Frankreich eröffnet.
Die Grenzwache hatte die Aufgabe, den Abschnitt La Motte zu überwachen und den Schmuggel im Doubs-Tal einzudämmen. Der Dienst im ansteigenden Gelände dieses weiten Sektors war anspruchsvoll. Laut schriftlichem Befehl galt es, «alles, was entlang der Grenze passiert, zu kontrollieren und im Moment zuzuschlagen, in dem es die Delinquenten am wenigsten erwarten». Dies führte immer wieder zur Aufdeckung von Verstössen gegen bestehende Gesetze. Die Grenzwächter kämpften neben den Schmugglern noch gegen einen anderen Feind: die Bise. La Motte wurde daher auch als «Land des Windes» bezeichnet.
Land und Leute
La Motte ist ein Weiler des Dorfes Ocourt, der 1139 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Das Tal am Doubs erlebte über Jahrhunderte eine wechselhafte Geschichte. Seit 2009 fusionierte der Ort mit sechs weiteren Siedlungen zur Gemeinde Clos du Doubs mit Sitz in St. Ursanne.
Lange Zeit lebte die Bevölkerung vom Acker- und Obstbau, von Holzhandel, Fischfang und Viehzucht. Die Einheimischen unterhielten gute Verbindungen zur französischen Nachbarschaft. Zum einen aus familiären Gründen, zum anderen aber, um Waren zu schmuggeln.
Geschmuggelt wurde im Tal des Doubs schon immer. Mit der Grenzschliessung im 2. Weltkrieg und der Internierung von 22'000 französischen und polnischen Soldaten erlebte der Schwarzhandel in der Gegend von La Motte seinen Höhepunkt. Begehrt war vor allem Mangelware, wie Zigarettenpapier, Tabak, Butter, Jungrinder, Kühe und Schafe. Nach Frankreich gelangte vor allem Kaffee, Schuhe und Tabakprodukte. Nach dem Krieg nahm die Schmuggeltätigkeit wieder ab.
Heute
An der Schweizer Grenze bei La Motte ist es still. Der Doubs fliesst träge durch die grossartige Landschaft. Bauern bestellen mit schwerem Gerät ihre Felder. Die grosse Ruhe wird nur unterbrochen, wenn ein paar Autos oder Ausflügler auf grossen Motorrädern La Motte passieren.
Am 31. Dezember 1999 wurde der Grenzwachtposten geschlossen. Er ist heute in Privatbesitz. An der Fassade prangt eine Tafel mit der Aufschrift «Château La Motte». Doch auch wenn der Posten geschlossen ist, sind die Mitarbeitenden des Bundesamts für Zoll und Grenzsicherheit noch immer präsent und überwachen die Gegend mit zeitgemässen Mitteln.