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Dynamik des Ursprungs
Am Anfang steht ein Auftrag: "Tut dies zu meinem Gedächtnis!" Die Kirche antwortet, indem sie Eucharistie feiert. Wie aber entspricht ihr Feiern heute dem ursprünglichen Auftrag?
'Tut dies zu meinem Gedächtnis' - Dieser Satz aus der neutestamentlichen Überlieferung vom letzten Mahl Jesu mit den Seinen steht am Ursprung der Eucharistie der Kirche. Er ist der dynamische Impuls, der ihre Entfaltung trägt, der aber auch das Mass dieser Entfaltung ist. Immer wieder muss die Kirche fragen, ob sie diesem Ursprung in ihrer Eucharistiefeier noch entspricht. Er enthält zwei Elemente. 'Tut dies' weist uns auf den Zusammenhang des Mahls hin und auf das Neue, das Jesus bei diesem Mahl getan hat und das die mit ihm zum Mahl versammelten 'zu seinem Gedächtnis' wieder tun sollen. Das 'Gedächtnis' aber weist uns auf die Bedeutung der Wiederholung dieser Mahlhandlungen Jesu hin.
Die Grundgestalt: ein stilisiertes Mahl
Schauen wir zunächst auf die Handlungen, die sich hinter der Anweisung 'tut dies' verbergen! Es sind vier: Er nahm, sagte Dank, brach und gab. So ist es dem neutestamentlichen Bericht über Jesu Mahlhandlung mit dem Brot zu entnehmen, vom Kelch wird - naturgemäss ohne die Brechung - ausdrücklich gesagt, dass Jesus 'in gleicher Weise' tat.
Und tatsächlich: Die Abfolge dieser vier Handlungselemente bildet in allen Liturgien des Ostens und des Westens (es gibt ja nicht nur unsere römisch-westliche!) die tragende Struktur der eucharistischen Feier! Er nahm - das ist die Bereitung der Gaben; sagte Dank - dem entspricht das eucharistische Hochgebet, die grosse Danksagung über Brot und Wein; er brach - die Brechung, die eine eigene Handlung bildet und deshalb nicht als 'Veranschaulichung' ins Hochgebet gehört; schliesslich die Austeilung von Brot und Wein, die jeweils mit einem Deutewort verbunden ist.
Dabei ist dieses Grundmodell durchaus flexibel. Ursprünglich - so schildern es noch die Abendmahlsüberlieferungen bei Lukas und Paulus - waren die beiden Mahlhandlungen mit Brot und Wein durch das Mahl selbst getrennt. So entsprach es jüdischem Mahlbrauch für ein festliches Mahl mit Wein. Dabei wurde zunächst über einen ersten Becher ein Lob- und Segengebet gesprochen, von dem uns noch Lukas berichtet (und der nicht mit dem 'eucharistischen' Becher verwechselt werden darf). Dann folgte ein Gebet über das Brot. Nach dem Mahl folgte ein Nachtischgebet über einen weiteren Becher. Aus dem Zusammenwachsen dieser Gebete ist das eucharistische Hochgebet erwachsen. Durch den Wegfall des eigentlichen Sättigungsmahles hat eine gewisse Stilisierung und Konzentration auf den Kern stattgefunden. Aber auch in dieser Stilsierung bleiben die Elemente der Mahlhandlungen Jesu (nehmen, danken, brechen, geben) gestalt- und strukturbildend für die eucharistische Feier. Die Eucharistie ist in ihrer Grundgestalt ein stilisiertes Mahl.
Brot und Wein
Jesus hat Brot- und Becherhandlung gedeutet. Die Deutung führt uns zum brennenden Inhalt der Eucharistiefeier. Zentral ist: Sie wird im Angesicht des Todes gegeben. Sie wird gegeben angesichts der bevorstehenden Verwerfung Jesu als Ansage der durchgehaltenen Liebe, die den Fluchtod der Verwerfung auf sich nimmt und ihn wandelt in die offen bleibende Möglichkeit des Heils für alle. Sie sagt: Brot und Wein sind wirksame Zeichen bleibender Gegenwart im Blick auf die sich in den Tod gebende und durch den Tod hindurch rettende Liebe. Das Brot - der Leib - für euch: Das bin ich ('Leib' im semitischen Denken!) für euch. Der Becher - Bundesblut des endgültig erneuerten Bundes - vergossen für die Vielen (die unzählbare grosse Zahl: alle) zur Vergebung der Sünden durch den Gottesknecht. Wer aber teilnimmt an Brot und Becher und so teilhat an der Heilsgegenwart Jesu, der blickt mit Jesus zugleich auf das endgültige Festmahl in der Herrschaft Gottes: 'Denn ich sage euch: Ich werde es nicht mehr esssen, bis das Mahl seine Erfüllung findet im Reich Gottes.' (Lukas 22,16). Jede Eucharistie nimmt dieses Freudenmahl vorweg.
'... zu meinem Gedächtnis'
Die Eucharistiefeier, die von den so gedeuteten Mahlhandlungen Jesu bestimmt ist, geschieht zum 'Gedächtnis'. Wenn aber Juden und Christen vom Gedächtnis reden, dann reden sie nicht primär von einem 'denken an'. Dann kommt vielmehr der treue Gott Israels in den Blick, in dessen Gedächtnis die Lebenshingabe seines Sohnes und dieser selbst als der Auferstandene und Erhöhte lebendige Gegenwart ist. 'Tut dies zu meinem Gedächtnis' heisst dann: Im eucharistischen Handeln der Kirche verbindet sich unser Gedenken mit dem Gedächtnis Gottes im Heiligen Geist zur lebensspendenden Gegenwart seines Sohnes und seiner Hingabe in den Tod - bis er kommt in Herrlichkeit. Dies und nur dies will die Liturgie der Kirche Gestalt werden lassen: Das ist der Massstab.
Martin Brüske

Geistlicher Impuls
"Im Neuen Testament tritt ein Mensch auf, der ganz von Gott her lebt und daher so wie Gott handeln, heilen, versöhnen und befreien kann. Die Selbsthingabe Gottes in Jesus Christus wird in der Eucharistiefeier repräsentiert. Beim letzten Mahl, das Jesus mit seinen Freunden feierte, deutete er die Zeichen von Brot und Wein – die guten Gaben Gottes zum Leben der Menschen – auf seine Person hin um: 'Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib – für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sprach: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, so oft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis.' (1 Kor 11,23-35).
In seinem Leben hat Jesus die Hin-Gabe des Heilswillens Gottes an die Menschen abgebildet. Auch in der tödlichen Bedrohung hat er sie nicht preisgegeben, so dass sich die Hingabe in seinem Sterben nochmal verdichtete. Jesus gibt ihnen nicht nur Lebenswichtiges (Brot), sondern indem er sich in seinem Leben ganz (für Gott und damit) für die Menschen gegeben hat, ist er selbst das 'Brot des Lebens' (Joh 24,35) geworden.
Wenn in Jesus Gott selbst ganz da war und selbst da ist und wenn Jesus seinen Freundinnen und Freunden vor seinem Tod das Mahl als Vermächtnis seiner bleibenden Gegenwart hinterlassen hat, dann hat die nachösterliche Gemeinde (bis heute) – in dem Masse, wie sie sich real für Gottes Willen öffnet und sich von ihm zu realer Communio wandeln lässt – in der eucharistischen Feier tatsächlich Anteil (griechisch: koinonia, lateinisch: communio) am Leib Christi, Anteil am Leben Gottes."
Dorothee Mann (1998)
Facts
Katechismus der Katholischen Kirche Nr. 1341-1344
"Der Auftrag Jesu, seine Gesten und seine Worte zu wiederholen, 'bis er kommt' (1 Kor 11, 26), verlangt nicht nur, sich an Jesus und an das, was er getan hat, zu erinnern. Er zielt darauf, daß die Apostel und ihre Nachfolger das Gedächtnis Christi, seines Lebens, seines Todes, seiner Auferstehung und seines Eintretens für uns beim Vater liturgisch begehen.
Die Kirche blieb von Anfang an dem Auftrag des Herrn treu. ...
Die Christen versammelten sich vor allem 'am ersten Wochentag', das heißt am Sonntag, dem Tag der Auferstehung Jesu, 'um das Brot zu brechen' (Apg 20, 7). Bis in unsere Tage wird die Feier der Eucharistie gleichbleibend fortgesetzt, so daß sie sich heute mit der gleichen Grundstruktur überall in der Kirche findet. Sie ist die bleibende Mitte des Lebens der Kirche.
Von Feier zu Feier verkündet das pilgernde Volk Gottes das Pascha-Mysterium Jesu, 'bis er kommt' (1 Kor 11, 26), und schreitet 'auf dem schmalen Weg des Kreuzes' (AG 1) auf das himmlische Festmahl zu, bei dem alle Erwählten im Reich Gottes zu Tisch sitzen werden."