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Selbst Jeff Bezos fürchtet diese Senkrechtstarterin
Die derzeit grösste Gefahr für Amazon, Apple, Facebook und Co. dürfte von der 32-jährigen Senkrechtstarterin Lina Khan ausgehen, die von US-Präsident Biden nun für einen einflussreichen Regierungsposten nominiert wurde.
Es gibt im hochpolarisierten Washington, D.C. derzeit wenig, was Republikaner und Demokraten zusammenbringen kann. Die 32-jährige Lina Khan gehört dazu. 1989 als Tochter pakistanischer Eltern in London geboren, zog sie mit diesen im Alter von 11 Jahren in die USA.
US-Präsident Joe Biden hat Khan nun als Kommissarin der Handelsbehörde FTC nominiert, die für die Einhaltung des Wettbewerbsrechts zuständig ist.
Bei Khans Senats-Anhörung vergangene Woche sagte der ultrakonservative Republikaner Ted Cruz, er freue sich, mit ihr zusammenzuarbeiten. Ihre Bestätigung für den FTC-Posten durch den gesamten Senat dürfte damit nur noch eine Formalität sein. Was Cruz und Khan vereint? Ihre Bestrebungen, die Macht der «Big Tech»-Unternehmen einzugrenzen.
Einflussreicher Aufsatz macht Khan zum Juristenstar
Noch als Studentin veröffentlichte die damals völlig unbekannte Khan 2017 einen Aufsatz im hochrenommierten Yale Law Journal mit dem Titel «Amazon’s Antitrust Paradox». Die Reaktion in der Fachwelt war überwältigend. Bereits ein Jahr später schlussfolgerte die «New York Times», dass Khan mit einem einzigen Aufsatz Jahrzehnte des Wettbewerbsrechts neu geschrieben habe.
Hauptprämisse des Wettbewerbsrechts war bisher die Frage, ob Konsumenten durch mächtige Unternehmen geschädigt werden. Amazon bietet oft die günstigen Preise, die Facebook-Nutzung ist sogar kostenlos, für Konsumenten ist also alles prima, oder? Das aktuelle Wettbewerbsrechts sei nicht gerüstet für Unternehmen wie Amazon, die bereit sind, über Jahre oder sogar Jahrzehnte hinweg Verluste zu akzeptieren, um durch den Aufkauf von Konkurrenten und Dumpingpreise Marktmacht aufzubauen, so Khans Argument.
Amazon ist wie Standard Oil
Stattdessen solle man doch lieber zum Wettbewerbsrecht zurückkehren, meint Khan, das Anfang des 20. Jahrhunderts herrschte und dafür sorgte, dass Monopol-Unternehmen wie Standard Oil zerschlagen wurden. Ihrem hochgelobten Aufsatz setzte sie ein Zitat über Standard-Oil-Gründer John D. Rockefeller voraus, der für seine Geduld bekannt war.
Standard Oils moderne Entsprechung seien Firmen wie Amazon. Auch Gründer Jeff Bezos war sehr geduldig. In seinen ersten sieben Jahren schrieb Amazon rote Zahlen. Danach pendelte das Unternehmen um den Break-Even-Point, mit meist bescheidenen Gewinnen. Doch in den jüngsten Jahren explodierte der Gewinn, 2020 gab es ein Plus von 23 Milliarden Dollar.
Eingeschossen hatte sich Khan bereits vergangenes Jahr, als sie für das US-Repräsentantenhaus einen Bericht zum Machtmissbrauch der «Big Tech»-Firmen schrieb. Amazon sagte damals abfällig, der Bericht transportierte eine «Randgruppenansicht», wenn es um Wettbewerbsrecht gehe. Doch Khans Position ist inzwischen fest im Mainstream der amerikanischen Politik angekommen und in der FTC kann sie sie in die Praxis umsetzen. Die Zukunft von Amazon und anderen Big-Tech-Konzernen dürfte dank Khan deutlich turbulenter werden.
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