Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03210.jsonl.gz/2313

11.07.2023
So kann moderne Industrialisierung aussehen
Stefana Parascho kam im März 2022 als Assistenzprofessorin an die EPFL, wo sie seither das Lab for Creative Computation (CRCL) aufbaut. "Im Moment bin ich damit beschäftigt, Hardware für das Labor zu bestellen und mein Team weiter aufzubauen", sagt sie. Derzeit arbeiten fünf Forschende und mehrere Techniker*innen mit ihr zusammen, um die Hardware- und Software-Workflows für die Implementierung neuer Roboterprozesse einzurichten. Stefanas Forschung konzentriert sich auf die Beziehung zwischen Mensch und Maschine: "Wir erforschen vor allem, wie man robotische Bauprozesse anpassungsfähiger machen kann." Dabei appelliert sie, die klassische Automatisierung neu zu denken.
Arbeiten MIT der Maschine
"Bei der klassischen Industrialisierung muss ein Roboterprozess von selbst laufen", sagt sie, "denn ein solcher Prozess lässt sich leicht an die Industrie verkaufen." Wenn ein Prozess jedoch bereits vollständig automatisiert ist, geht die Interaktion zwischen Mensch und Maschine verloren, sagt Stefana, und die Menschen könnten eher geneigt sein, industrialisierte Prozesse abzulehnen. "Die Prozesse müssen zugänglicher und interaktiver werden, um die im Bauwesen erforderliche Vielseitigkeit zu ermöglichen. Ausserdem sind interaktive Prozesse, bei denen Menschen und Maschinen zusammenarbeiten, viel leichter zu akzeptieren, glaubt Stefana. "Es ist einfacher, eine Person davon zu überzeugen, mit einer Maschine zu arbeiten, als sie zu bitten, einem starren, vorprogrammierten Roboterprozess zu folgen."
Neue Arbeitsformen
Nicht nur in der Industrie ist es wichtig, sich aktiv an einem Prozess zu beteiligen und die Initiative zu ergreifen. Die gleichen Regeln gelten auch in der akademischen Welt und für die Studierenden, die Stefana unterrichtet. "In unserem Labor geht es darum, zu vermitteln, welche Möglichkeiten es gibt und wie sich der Bereich des digitalen Designs und der Konstruktion weiterentwickelt, damit die Studierenden ihn schliesslich selbst und für ihre eigenen Ziele nutzen können." Stefana appelliert an die Eigeninitiative der Studierenden: "Man kann nicht einfach warten, bis man eine Aufgabe bekommt, die man eins zu eins umsetzen kann. In einem Bereich wie der Technologie, in dem sich alles in rasantem Tempo weiterentwickelt, ist es nicht effektiv, von oben herab zu unterrichten." Es liegt an den Studierenden, sich zu engagieren. Es sollte die Möglichkeit geben, Ideen auszutauschen und an diesem Austausch zu wachsen. Stefana möchte den Studierenden beibringen, wie neue Dinge und Technologien leicht anzueignen sind und wie diese für eigene Zwecke genutzt werden können.
CRCL Forschende und Studierende des Kurses “Digital Design and Making" an der EPFL
Die Dualität mit der Technologie
"Es braucht die Offenheit der Studierenden, um zu lernen, wie mit neuen Technologien, Software und Werkzeugen umgegangen werden kann". In der Architekturszene beobachtet Stefana einen Zwiespalt, wenn es um Technologie geht. "Oft ist ein Mensch entweder für oder gegen Technologie". Die Studierenden greifen diese Dualität auf und sind dementsprechend oft sehr kritisch gegenüber dem Einsatz dieser. "Ich verstehe die Kritik an neuen Technologien, ich unterstütze sie sogar, da sie den Student*innen hilft, kritisch über die Auswirkungen der Technologie nachzudenken", sagt Stefana, "aber anstatt ein neues Werkzeug oder eine neue Technologie blindlings abzulehnen, möchte ich, dass meine Student*innen in der Lage sind, die Kritik durch Erfahrungen mit diesen Werkzeugen zu untermauern und sie schliesslich dazu anleiten, sich neue Verwendungsmöglichkeiten für solche Werkzeuge vorzustellen, die die Mängel der Technologie beheben können.
Mensch und Maschine in der Zukunft
"Die Beziehung zwischen Mensch und Maschine birgt verschiedene Vorteile, die bisher vielleicht noch nicht so sichtbar sind, da viele Dinge noch nicht umgesetzt wurden", sagt Stefana. In der Regel muss bei der Arbeit mit Robotern alles sehr genau vordefiniert werden. "Die Maschine macht nur dann einen Fehler, wenn wir Menschen etwas nicht genau genug definieren." Stefana glaubt, dass es in Zukunft üblich sein wird, dass ein/e durchschnittliche/r Endbenutzer*in einen Roboter bedient. "Wenn ein Mensch einen Roboter bedienen will, sollte der Mensch nicht auf teure Hilfsmittel wie einen grossen Roboter in der Halle angewiesen sein, geschweige denn sich die technischen Fähigkeiten aneignen müssen", führt Stefana weiter aus. Es sollte möglich sein, dass Mensch und Maschine gemeinsam Bauprozesse in Echtzeit entwickeln, indem sie miteinander kommunizieren und das Fachwissen des anderen in Echtzeit während des Baus aufnehmen. Damit dies eines Tages möglich wird, arbeiten Stefana und ihr Team jeden Tag daran, Architekturstudierenden das Wissen über Roboter näher zu bringen und die Forschung im Bereich der kollaborativen Roboterfertigung fortzusetzen.