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In einem beispiellosen Schritt hat die Europäische Weltraumorganisation (ESA) ein Start-up ausgewählt, um ein Konsortium zu leiten und eine bahnbrechende Active Debris Removal (ADR)-Mission im Rahmen des kürzlich eingeführten Space Safety Programme durchzuführen. Das EPFL-Start-up ClearSpace wird die Aktivitäten von ADRIOS leiten und Technologien zur Erfassung und Beseitigung von Weltraummüll entwickeln. Die ClearSpace-1-Mission beinhaltet die Bergung eines inzwischen veralteten Vespa-Oberteils, eines Nutzlastadapters, der einst Teil der Vega-Nutzlastrakete der Agentur war.
Das von ClearSpace geführte Konsortium wurde aus 13 europäischen und kanadischen Konsortien ausgewählt, darunter führende Namen der Weltraum- und Avionikindustrie. Acht ESA-Mitgliedstaaten haben Mittel für die ClearSpace-1-Mission zugesagt, und das Budget wurde auf der Ministertagung Space19+ Ende November in Sevilla, Spanien, genehmigt. Die Arbeiten sollen Anfang 2020 beginnen. Der Ausbau des VESPA-Adapters ist für 2025 geplant.
Der Weltraum wird immer mehr mit Trümmern übersät. Zusätzlich zu den 2'000 funktionierenden Satelliten, die derzeit unseren Planeten umkreisen, gibt es über 3'000 verlassene. Die ESA schätzt, dass es derzeit mehr als 34'000 Objekte von 10 cm und mehr gibt, und diese Zahl nimmt rasant zu. All dieser Schrott verursacht ein großes Risiko für die Raumfahrt. Wenn stillgelegte Satelliten kaputtgehen, explodieren oder mit anderen Objekten kollidieren, zerfallen sie in kleinere Stücke aller Formen und Grössen, von denen viele weniger als 10 cm Durchmesser haben und von der Erde aus nicht zu erkennen sind.
Der richtige Zeitpunkt zum Handeln
Diese schnell laufenden Geschosse fliegen mit 28'000 km/h um den Planeten und stellen eine klare und unübersehbare Gefahr für Raumschiffe und Besatzung dar. Je nach Entfernung und Flugbahn kann es Jahrhunderte dauern, bis diese Objekte alleine (wenn überhaupt) die Umlaufbahn verlassen. Und da in den nächsten fünf Jahren Tausende von Satelliten in den Weltraum starten sollen - die meisten davon sind Teil von Netzwerkkonstellationen - war es noch nie so dringend, neue Wege zu finden, um veraltete Objekte und defekte Satelliten aus dem Orbit zu entfernen.
Etwa 40 % der heutigen mobilen Anwendungen basieren auf Satelliten, und die Weltrauminfrastruktur ist ein wichtiger Bestandteil der Industrie, der von Fernsehen und Telekommunikation über Logistik bis hin zur Erdbeobachtung reicht. Die Zeit zum Handeln ist gekommen.
Der ehrgeizige Plan der ESA, einen ihrer eigenen stillgelegten Satelliten einzufangen und wiederherzustellen, ist eine Premiere. Es ist eine beispielgebende Mission, die den Weg für andere, ähnliche Missionen in der Zukunft ebnen wird und den Grundstein für nachhaltige Geschäftsmodelle legt, die auf eine Einhaltung der Ordnung und verantwortungsvolle Entwicklung des Weltraums abzielen.
10 Jahre Erfahrung mit Weltraummüll
Seit 2010 arbeiten die Forscher des Space Center (eSpace) der EPFL im Rahmen des CleanSpace One-Projekts intensiv an neuen Weltraummüll-Auffind-und Abfangsystemen. Anfang 2018 gründeten sie ClearSpace, um dort weiterzumachen, wo das Projekt aufgehört hat - und die Idee in ein tragfähiges, nachhaltiges Geschäftsmodell umzusetzen.
Der erste Raumroboter des Start-ups wurde für die Entorbitierung des SwissCube entwickelt, einem Nanosatelliten vom Typ Cubesat, der 2009 von der EPFL und ihren Partnern in die Umlaufbahn gebracht wurde. Das Unternehmen wird nun seinen Weltraumroboter umrüsten, um ein neues Ziel zu erfassen: den oberen Teil der Vespa. Das 120 kg schwere und 1,8 m x 2 m große kegelförmige Objekt war Teil einer 2013 gestarteten ESA-Vega-Rakete, die mehrere Satelliten in die Umlaufbahn bringen sollte.
Acht ESA-Mitgliedstaaten, darunter die Schweiz, werden zusammen 86 Millionen Euro zum ADRIOS-Programm beitragen. Das Gesamtbudget beläuft sich auf 100,2 Mio. Euro, wobei ClearSpace die restlichen Mittel von Sponsorenpartnern und privaten Investoren bereitstellen wird.
Adresse der Pressemappe: https://go.epfl.ch/ClearSpace
Kontakte:
ClearSpace:
- Luc Piguet, CEO, <email-pii>, +41 79 315 24 12
- Muriel Richard, Technischer Leiter, <email-pii>.
- Ivo Petrov, Direktor Strategie, <email-pii>
Europäische Weltraumorganisation (ESA):
- Ninja Menning, Leiterin Newsroom und Medienarbeit, <email-pii>, +31 71 565 64 09