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Die Vorstellung, die EU verlassen zu müssen, erfüllt sie mit Angst und Schrecken. Nach ihrer Ansicht läuft Gibraltar im Falle eines Brexits Gefahr, die Grundlage seiner prosperierenden Wirtschaft zu verlieren. Auf den Ausgang des Referendums haben die Bewohner des "Affenfelsens" allerdings nur minimalen Einfluss: Die 23 000 Wahlberechtigten machen gerade einmal 0,05 Prozent der Gesamtzahl der stimmberechtigten Briten aus.
"Die Gibraltarer sind europäischer als die übrigen Briten", sagte Joseph Garcia, Vizeregierungschef des Überseegebiets, der Deutschen Presse-Agentur. "Dies liegt daran, dass Gibraltar direkt mit dem europäischen Kontinent verbunden ist und es mit einem schwierigen Nachbarn (Spanien) zu tun hat."
Spanien erhebt Ansprüche auf das "Klein-Britannien" im Süden der Iberischen Halbinsel, das 1713 im Vertrag von Utrecht den Briten zugesprochen wurde und dessen Fläche etwa so gross ist wie die von Baltrum, der kleinsten ostfriesischen Insel. "Die EU ist für uns ein Sicherheitsnetz", erläuterte García. "Sie schützt uns vor exzessiven Aktionen der Spanier."
In Gibraltar hat man nicht vergessen, dass Spaniens Diktator Francisco Franco 1969 die Grenze komplett schliessen liess. Die Blockade wurde erst 1982 gelockert, als Spanien mit der Europäischen Gemeinschaft, wie die EU damals hiess, über einen Beitritt verhandelte. Während der Blockade war der Felsen nur per Schiff oder Flugzeug erreichbar.
Angesichts eines möglichen Brexits erinnerte Spaniens Aussenminister José Manuel García-Margallo an die Idee, Madrid und London könnten sich die Souveränität über das Territorium teilen. Auf diese Weise könnte sich Gibraltar im Falle eines britischen EU-Austritts einen Zugang zum Binnenmarkt der EU bewahren.
Davon will auf dem Felsen aber niemand etwas wissen. "Gibraltar ist britisch und wird britisch bleiben", betonte der Vizeregierungschef. "Wir haben die Garantie des Vereinigten Königreichs, dass sich daran ohne Zustimmung der Bevölkerung nichts ändern wird."
Mit seinen niedrigen Steuersätzen lockte der Felsen zahlreiche Finanzinstitute, Versicherungen und Betreiber von Online-Spielen an. "Diese Gesellschaften wären nicht hier, wenn wir nicht zur EU gehörten", sagte Garcia. Die Tourismusbranche fürchtet, dass Spanien bei einem Brexit das Passieren der Grenze erschweren könnte. Pro Jahr besuchen zehn Millionen Urlauber Gibraltar. Etwa 10 000 Spanier passieren täglich den Grenzübergang, um auf dem britischen Territorium zu arbeiten.
"Ein Austritt aus der EU wird uns nicht zerstören", schrieb Regierungschef Fabian Picardo in der Zeitung "Gibraltar Chronicle". "Aber warum sollten wir etwas aufgeben, das relativ gut funktioniert?" Im Newsletter "Politico" hatte der Sozialist einen Brexit zuvor gar als "existenzielle Bedrohung" Gibraltars bezeichnet./hk/DP/tos
(AWP)