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Alvaneu Dorf - Pfarrkirche Mariae Geburt
Alvaneu liegt auf 1205 m ü. M. und auf einer Sonnenterrasse über der Nordseite der Albula. Die erste urkundliche Nennung des Dorfes "Alvunde" erfolgte 1244. Im Auftrag der Herren von Vaz besiedelten im 13 Jh. deutschsprachige Walser einen Herrschaftshof in Alvaneu. Das Dorf liegt im Bereich der deutsch-romanischen Sprachgrenze.
Zum ersten Mal wird in den Schriften der Bau einer Kirche im Jahre 1290 genannt. Zwischen 1687 und 1890 wurde die Seelsorge durch den Kapuzinerorden gewährleistet.
Die erste Kirche, von der keine genaueren Nachrichten mehr vorhanden sind, brannte 1460 ab. Den spätgotischen Neubau weihte 1495 Bischof Heinrich V. von Konstanz zu Ehren des Heiligen Mauritius, dem Ortspatron von Alvaneu, ein. Nach der Übernahme der Seelsorge durch die Kapuziner wurde die baufällige Kirche bis auf den Turm niedergerissen. Am 27. Juni 1697 wurde der Grundstein zum Neubau gelegt. Schon 1698 ist das neue Gotteshaus, das komplett durch Spenden finanziert worden ist, von Bischof Ulrich VII. von Federspiel, unter dem neuen Patrozinium «Mariae Geburt», geweiht worden. Der missionarische Eifer des Kapuzinerordens und die Opferbereitschaft
und der Arbeitseinsatz der Bevölkerung ermöglichte in Alvaneu den Bau dieses prachtvollen Gotteshauses.
Die Pfarrkirche Mariae Geburt erhebt sich in prägnanter Weise über der Ortsmitte von Alvaneu. Zusammen mit dem Pfarrhaus aus dem Ende des 17. Jh. bildet sie ein geschlossenes Ensemble ergänzt durch den Kirchhof eingefasst durch eine hohe Mauer.
Markant sind die Wandmalereien mit barocken Heiligendarstellungen in den Bildnischen an der Fassade. Im unteren Bereich zeigen sie den ursprünglichen Kirchenpatron Mauritius (li) und den Heiligen Georg, beide zu Pferd. Darüber sieht man den Bistumspatron Luzius (li) und den Heiligen Primus (re). Im Giebel befindet sich eine ovale Darstellung der Schutzmantelmadonna.
Der Innenraum der Kirche ist harmonisch proportioniert und zeigt einen barocken Raumeindruck. Das Langhaus ist nach Norden gerichtet und endet im Chor. Seitlich des Langhauses schliessen sich die beiden Seitenkapellen an, die nach italienischer Manier niedrig gehalten sind. Seitlich des Chores befinden sich zwei Sakristeien.
Die hochbarocken Stuckaturen im Kirchenraum sind sparsam gesetzt. So wird das Augenmerk ganz auf den Hauptaltar gelenkt. Die Seitenkapellen wirken dadurch wie aufwendig ausgestattete Schreine für die Nebenaltäre.
Die Wandmalereien im Innenraum finden sich vor allem in der Gewölbezone. Im Chor sieht man beidseits Leinwandmalereien, die auf das Jahr 1700 datiert sind. Links ist die Vermählung Mariens dargestellt und rechts die Geburt Mariens. Diese Bilder sind eine Stiftung von Stefan Simen, dessen Familienwappen auf der linken Bildtafel dargestellt wird.
Die Bildfolge an der Orgelempore stammt aus der Zeit um 1749. Der Mittelteil zeigt ein vielfältiges Engelkonzert mit der Hl. Cäcilia an der Orgel. Links eine ländliche Szene der Geburt Jesu mit den Hirten und rechts die Anbetung der Hl. Drei Könige.
Der prachtvolle Hochaltar stammt aus der Zeit um 1698. Die gemalten und geschnitzten Teile des Flügelaltars zählen zu den besten spätgotischen Bildwerken Graubündens. Die Schnitzereien entstanden zwischen 1500 – 1510 und stammen aus dem Umkreis von Niklaus Weckmann aus Ulm, der zwischen 1481 und 1526 ganz Süddeutschland, Tirol und Graubünden belieferte. Die tiefe Marienverehrung der damaligen Zeit spiegelt sich in der Madonna mit Kind als zentrale Figur des Hochaltares. Rechts neben ihr stehen die Heiligen Magdalena und Mauritius und links die Heiligen Ursula und Johannes der Täufer, die ebenfalls aus der Ulmer Schule stammen. Sie strahlen Ruhe und Sammlung aus.
Der Altarumgang wurde um 1725 durch reich geschnitzte Türen geschlossen. Die Chorstühle stammen aus dem 17. Jh. Die schlichte Holzmensa des Volksaltares schmückt eine Herz-Jesu-Darstellung aus dem 19. Jh.
Dies Seitenaltäre in den flachen Kapellen entstanden zu Beginn des 18. Jh. Ein Altar wird von Medaillons umrahmt, die die sieben Schmerzen Mariens darstellen. Die rundbogige Nische enthält das Gnadenbild von Alvaneu, eine Pieta, die Gegenstand einer viel besuchten Wallfahrt war. Zahlreiche Votivtafeln in der Sakristei und die erhaltenen Mitgliedertafel der Bruderschaft zur schmerzhaften Muttergottes zeugen von der Bedeutung dieser Wallfahrt.
Ein Altar zeigt die Unbefleckte Empfängnis und stammt aus dem Jahr 1725. Links von der Madonna steht der Heilige Franziskus und links der Hl. Antonius von Padua. Oben stehen Rosa von Viterbo (Franziskaner Terziarin), ein heiliger Kardinal und ein Bischof.
Der Kreuzaltar bei der Empore entstand um 1730. In den Leuchter-Stufen ist eine Darstellung von Christus im Grab untergebracht. Das Kruzifix in der Mittelnische und die Figuren von Maria und Johannes sollen noch aus der alten Kirche stammen. Seitlich von diesen Figuren steht eine Schutzengelfigur und der Erzengel Michael.
Der Rosenkranzaltar im Norden ist auf das Jahr 1734 datiert. In der rundbogigen Nische steht die Rosenkranzmadonna, begleitet vom Heiligen Dominikus und der heiligen Katharina von Siena.
Die Kanzel an der Westseite wurde um 1633 gebaut und berichtet von der Zeit der Pest um 1630.
Die Barockorgel auf der Südempore wurde am 15. Dezember 1985 geweiht und von der Firma Metzler aus Dietikon (ZH) geschaffen. Die bekrönenden Figuren stammen noch von der ersten Orgel aus dem Jahre 1750.
aus dem Kunstführer