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Architektur im Experimentalfilm
The Production of Space - Architecture as Site as Stage as Screen as Ruin as Movement
Part 1: Samstag, 24. Mai 2014, 21:30h, Outdoor Screening _ La Région Centrale, Michael Snow
Part 2: Donnerstag, 29. Mai 2014, 18:30h, Kurzfilmprogramm im Festivalkino Cinema Z3
Zusammengestellt von Simone Schardt & Wolf Schmelter
Ausgehend von einem Raumbegriff, der Raum sowohl als Produkt als auch als Produktion fasst, befragt das Filmprogramm die Verschränkungen und Brüche von wahrgenommenen, konzipierten und gelebten Räumen. Die filmischen Repräsentationen, die dabei an der Arbeit sind, rücken darin ebenso in den Blick wie ihre Leerstellen - die uneingelösten utopischen Versprechungen ebenso wie aktualisierte politische Forderungen.
Mit Filmen von Jane Crawford, Robert Fiore, Ana Hoffner, Judith Hopf, Dorit Margreiter, Rita Myers, Henrik Olesen, Natascha Sadr Haghighian, Wolf Schmelter, Michael Snow und Florian Zeyfang.
- 188. La Région Centrale, Michael Snow, CDN 1971
- 189. Tilt 1, Rita Myers, USA 1973
- 190. Le Pavillon, Wolf Schmelter, D/CH 2004
- 191. The Evil Faerie / Fluxfilm (Film 25), Henrik Olesen & Judith Hopf, D 2004
- 192. 10104 Angelo View Drive, Dorit Margreiter, USA/A 2004
- 193. Proprio aperto, Judith Hopf/Natasha Sadr Haghighian/Forian Zeyfang, D 2005
- 194. Robert Smithson - Sheds, Jane Crawford & Robert Fiore, USA 2004
- 195. Bewegung, privatisiert., Ana Hoffner, D/A 2009
188. La Région Centrale
„Michael Snow suchte sich einen hohen, unzugänglichen Berggipfel in Kanada und transportierte eine Apparatur auf diesen Gipfel, die es ermöglichte, eine Kamera in jede nur mögliche Richtung zu drehen, dabei auch verschiedene Bewegungen miteinander zu kombinieren und diese Bewegungen in hoher Geschwindigkeit ablaufen zu lassen.“ (Charlotte Townsend)
Aus dem auf diese Weise gewonnenen, mehr als sechsstündigen Filmmaterial montierte Snow einen dreistündigen Film, Inbegriff des blicklosen Sehens, eines Maschinen-Sehens, das keine_n Betrachter_in mehr adressiert. Der solchermassen entgrenzte Blick erfordert, Snow zufolge, umso mehr eine Grenze, eine Rahmung: Der Bildrahmen der Kamera ersetzt das menschliche Augenlid und macht die hindurchströmenden Bilder als solche erst wahrnehmbar. Der filmische Raum von La Région Centrale erweist sich dabei als ein multiperspektivischer Raum ohne feststehende Massverhältnisse, entstanden durch ein filmisches Verfahren, das auf die Dekonstruktion gewohnter Raumwahrnehmungen zielt.
Michael Snow (*1929 in Toronto) is a musician, filmmaker and artist. Since 1970 he has been working with video, film, slide and sound installations and produced groundbreaking structural film and video works, such as Wavelength (1967).
189. Tilt 1
Tilt 1 ist Teil einer Videoperformance-Serie, in der Rita Myers im Spannungsfeld von realem und filmischem Raum agiert. Wir sehen die Künstlerin, die sich über den kontrollierenden Blick auf den Monitor (re-)positioniert, um die Illusion eines aufrecht stehenden Körpers als Illusion aufzuführen, während sich die Kamera weiterdreht.
Rita Myers (*1947, lives in New York), artist, is currently Adjunct Professor at the Cooper Union School of Art in New York City. Since 1975, she has worked on a body of large-scale, multi-media installations that create highly theatrical, metaphorical spaces from a fusion of video, text, sound, and sculptural forms.
190. Le Pavillon
In Le Pavillon wird ein leeres modernistisch anmutendes Gebäude, ein exklusives Appartmenthaus in Zürich, anhand einer gleichmässigen horizontalen Kamerabewegung in einer Art Pendelbewegung mehrmals durchmessen. Durch den maschinenhaften Blick des Kameraauges und die spezifische Montage des Videomaterials entsteht ein Wahrnehmungsraum, der mittels Überblendungen, Wiederholungen, Spiegelungen und Unschärfen die gefilmte Architektur hinsichtlich ihres Verhältnisses von Innen und Aussen, Grenze und Transparenz, Öffnung und Einschliessung, gebautem und imaginiertem Raum befragt. Was zunächst als filmische (Re-)Inszenierung der dieser Architektur inhärenten Wahrnehmungsorganisation wirkt, entfaltet sich als ein Verweis auf kinematographische und architektonische Risse, Brüche und Leerstellen.
Wolf Schmelter (*1974, lives in Zürich and Berlin), artist, is a lecturer at Zürcher Hochschule der Künste and initiated with artist Simone Schardt Kinoapparatom, an Instant Cinema on the move, www.kinoapparatom.net.
191. The Evil Faerie / Fluxfilm (Film 25)
The Evil Faerie von Judith Hopf und Henrik Olesen ist ein 'Remake' des gleichnamigen Filmes von George Landow aka Owen Land. Eine Skyline wird für einen kurzen Moment zur Bühne für Akteur_innen und ihre raumdurchquerenden Praktiken.
Henrik Olesen (*1967), artist, lives in Berlin. In his work he discusses questions about identity, language, the body and their construction to describe relations of power and social norms.
Judith Hopf (*1969, lives in Berlin), artist, is working with video, drawing, performance and installation and has participated in collective video projects since 1997, such as Team Ping Pong-video group from 2003-2005. Currently she is teaching at Städelschule, Frankfurt am Main.
192. 10104 Angelo View Drive
Im Zentrum des Filmes von Dorit Margreiter steht ein modernistisches Einfamilienhaus – die Sheats-Goldstein-Residence (1961-1963), errichtet vom US-amerikanischen Architekten John Lautner – das bisher zahlreichen Hollywoodproduktionen als Schauplatz des "Bösen" und des Devianten diente. Die Architektur figuriert in dem Film als Sehmaschine und als Modell, wie über das gesellschaftliche Bild- und Blickregime der Blick auf und der Umgang mit dieser Architektur bestimmt ist. An der Schwelle von Architektur und Screen intervenierend, eröffnet der Film ein Spannungsfeld zwischen Bild und Raum, Blick und Körper. Für den Film wird der gebaute Raum in kurzen Einstellungen zur Bühne queeren Begehrens, queerer Kollektivität umgedeutet und angeeignet.
Dorit Margreiter (*1967, lives in Vienna), artist and filmmaker, teaches at the Academy of Fine Arts in Vienna. www.doritmargreiter.net
193. Proprio aperto
In gleichförmiger Bewegung schweift die Kamera über fotografische Oberflächen. Diese zeigen die Filmemacher_innen bei einem Besuch der Biennale Pavillons in den Giardini in Venedig ausserhalb der Ausstellungssaison. Die Pavillons beherbergen jährlich alternierend die nationalen Repräsentationen der Architektur- bzw. Kunstbiennale. Die Fotografien legen Zeugnis ab von den Spuren der Zwischennutzung durch andere Akteur_innen. Sie sind zugleich Ausgangspunkt einer Reflexion über die “Lücken” in der Repräsentation zwischen globalem Kunstkontext und lokalem Umfeld.
Judith Hopf (*1969, lives in Berlin), artist, is working with video, drawing, performance and installation and has participated in collective video projects since 1997, such as Team Ping Pong-video group from 2003-2005. Currently she is teaching at Städelschule, Frankfurt am Main.
In place of her biographical note Natascha Sadr Haghighian wishes to draw readers attention to the website bioswop.net that went online in 2004 as a work in progress. Artists and other cultural practitioners can borrow, exchange and compile cv's for various purposes.
In his texts, videos and installations, Florian Zeyfang (*1965, lives in Berlin) looks critically at the connotations of a globalized world of media signs and at the world of ideas that they reflect.
194. Robert Smithson - Sheds
Im Januar 1970 errichtete Robert Smithson Partially Buried Woodshed anlässlich eines Festivals auf dem Gelände der Kent State University in Ohio: Eine verlassene Hütte wurde so lange mit Erde bedeckt, bis der tragende Balken erste Risse zeigte. In diesem Zustand wurde das halbbedeckte Gebäude sich selbst überlassen – als Beispiel einer entropischen Architektur, als Form einer “De-Architecturization”. Vier Monate später, am 4. Mai 1970, eröffnete die Armee das Feuer auf protestierende Studierende, die das sofortige Ende der US-amerikanischen Invasion in Kambodscha forderten und tötete vier Studierende. Der Film unternimmt anhand von Footage-Material zu Mica Spread (Rozel Point, Great Salt Lake, Utah, April 1970) und Partially Buried Woodshed sowie Archivaufnahmen zu den Unruhen auf dem Campus der Kent State University und Gesprächen mit Beteiligten eine Archäologie der kulturpolitischen Kämpfe um Sichtbarkeiten und Geschichtspolitiken.
Jane Crawford, artist and filmmaker, directs the estate of Gordon Matta-Clark, Robert Fiore works as filmmaker and cinematographer.
195. Bewegung, privatisiert.
In der Videoperformance Walking in an Exaggerated Manner around the Perimeter of a Square erforscht Bruce Nauman das Verhältnis von Körper und Raum. Seine Bewegung entlang der Seiten eines Quadrats findet in der Geschlossenheit seines Ateliers statt und wird dem Publikum erst durch das Medium zugänglich. In einem Reenactment dieser Arbeit aus dem Jahr 1968 wird der Versuch unternommen, das Verhältnis von Körper und Raum für die Gegenwart zu reartikulieren. Naumans Bewegung findet diesmal unter direkter Einbeziehung des Publikums statt und nähert sich Fragestellungen, die in einen entpolitisierten Bereich des Privaten abgeschoben werden. Das Quadrat steht dabei symbolisch für ein System, das durch Privatisierung jede soziale Bewegung unmöglich macht. Am Beispiel sexualpolitischer Bewegungen, die im neoliberalen Kapitalismus absorbiert und zum Stillstand gebracht werden, wird sichtbar, wie ein selbsterklärtes kapitalistisches und heteronormatives Zentrum sich über seine Ränder ergiesst und Möglichkeiten der Opposition untergräbt. Innen und Aussen aber auch Öffentlich und Privat verschwinden dabei in einer Ununterscheidbarkeit, in der es nur noch ein ruhiggestelltes Privat gibt. (Ana Hoffner)
Ana Hoffner is Senior Lecturer in the Department for Education in the Arts, participant of the PhD in Practice program at the Academy of Fine Arts in Vienna. Hoffner’s research fields include Performance Art, Post Conceptual Art, Post War Art, Visual Cultural Studies, Queer Theory, Postcolonial Studies and Trauma Theory.