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Was haben Portugiesisch und Polnisch gemein – abgesehen davon, dass beide Sprachen zur indoeuropäischen Sprachfamilie gehören (und mit einem P beginnen)? Eine mögliche Antwort ist: Sie werden schnell miteinander verwechselt.
Das ist zumindest einer der Befunde der wissenschaftlichen Auswertung einer gross angelegten Online-Umfrage. 2013 stellte der Sprachforscher und Programmierer Lars Yencken sein «Great Language Game» ins Netz – ein Multiple-Choice-Spiel, bei dem es darum geht, ein rund 20-sekündiges Hörbeispiel einer von 78 Sprachen zuzuordnen.
Bisher lockte das Game fast eine Million Teilnehmer an – die insgesamt über 15,5 Millionen Mal eine Sprache zu erraten versuchten. Diesen Datenschatz hat Yencken nun zusammen mit den Sprachwissenschaftlern Hedvig Skirgård von der Australian National University und Seán G. Roberts vom Max-Planck-Institut für Psycholinguistik in Nimwegen gehoben; ihre Studie erschien am 5. April in der Online-Fachzeitschrift PLOS ONE.
Von besonderem Interesse waren dabei die Fehler, die von den Teilnehmern gemacht wurden – beispielsweise, welche Sprachen am meisten miteinander verwechselt wurden. Jede Sprache sei mindestens einmal mit allen anderen verwechselt worden, schreiben die Wissenschaftler. Am wenigsten geschah dies beim Paar Französisch – Vietnamesisch. Französisch wurde von allen Sprachen übrigens am besten erkannt, aber auch Deutsch wurde wenig verwechselt.
Besonders häufig kamen Verwechslungen dagegen bei nah verwandten Idiomen vor, beispielsweise bei den nordgermanischen Sprachen Dänisch, Norwegisch, Schwedisch und Isländisch. Auch die slawischen Sprachen wurden oft miteinander verwechselt, wobei es häufiger vorkam, dass Polnisch, Serbisch, Tschechisch usw. für das sprecherstarke Russisch gehalten wurden als umgekehrt.
Aus den Verwechslungen generierten die Sprachforscher ein «Neighbor Net»; ein Diagramm der Sprachähnlichkeit. Es deckt sich in vielen Bereichen mit einem Diagramm der Sprachverwandtschaft. So liegen die slawischen Sprachen wie erwähnt allesamt nahe beieinander, und auch die malayo-polynesischen Sprachen wie Tonga oder Maori bilden eine eigene Gruppe.
Daneben gibt es aber auch auffallende Differenzen. Die keltischen Sprachen Gälisch und Walisisch liegen zum Beispiel nahe bei den nordischen Sprachen und dem Niederländischen, obwohl sie nicht sehr eng mit diesen verwandt sind. Portugiesisch liegt näher bei den slawischen Sprachen als bei den romanischen Schwestersprachen Spanisch und Italienisch; dies gilt – weniger erstaunlich – auch für das Rumänische, das immerhin geographisch und kulturell näher beim slawischen Raum liegt.
Rückschlüsse auf Nationalität und mehr noch Muttersprache der Teilnehmer am «Great Language Game» sind nur bedingt möglich, denn den Wissenschaftlern stehen nur deren IP-Adressen zur Verfügung. Davon ausgehend zeigte sich, dass Teilnehmer aus Luxemburg das beste Ohr für Sprachen hatten: Sie identifizierten 75 Prozent der Sprach-Samples korrekt (der Durchschnitt aller Teilnehmer lag bei rund 70 Prozent). Am schlechtesten schnitten mit 60,7 Prozent die Chinesen ab. Die Schweizer (73,1%) lagen vor den Niederländern und den Deutschen – aber hinter den Österreichern (73,4%, Rang 5) – auf Platz 8.