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Text & Fotos: Jürg Sommerhalder
Die Skorpione gehören zu den widerstandsfähigsten Tieren der Erde. Sie ertragen extreme Hitze ebenso wie starken Frost, gegen Radioaktivität sind sie nahezu immun, und hungern können sie bis zu einem Jahr, ohne Schaden zu nehmen. Vor 350 Millionen Jahren bereits traten die ersten landlebenden Vertreter auf. Ihre acht Beine entlarven die Tiere als Spinnenverwandte. Zusätzlich sind sie mit zwei Scheren ausgerüstet und tragen am Ende ihres langen Schwanzes einen Giftstachel.
Verbreitung
Skorpione kommen in allen Klimazonen vor und bewohnen die meisten Lebensraum-Typen: Tropische Regenwälder, gemässigte Wälder, halbfeuchte Savannen, heiss-trockene Wüsten. Selbst in der Schweiz gibt es drei Arten, die alle zur Gattung Euscorpius gehören (E. italicus, E. alpha, E. germanus) und in eher südlichen Lagen im Tessin, Graubünden und Wallis auftreten.
Auch der höchstgelegene Skorpion-Fundort Europas liegt in der Schweiz, auf 2250 m.ü.M auf der Alp Terza im Bündnerland nämlich.
Panzerwechsel
Der Chitin-Panzer der Skorpione stützt den Körper der Tiere und schützt ihn vor mechanischer Einwirkung. Eisen- und Zinkeinlagerungen verstärken ihn an besonders beanspruchten Körperstellen. Gleichzeitig dient er als lebenswichtige Imprägnierung, denn er verhindert Eindringen und Verlust von Wasser über die Körperoberfläche. Die Rüstung besteht aus harten Panzerplatten, die an den Gelenken über weichhäutige Verbindungen zusammengehalten werden.
Vom Fressen und Gefressenwerden
Über vibrations-empfindliche Organe in ihrer Bauchseite können Skorpione durch Beutetiere ausgelöste, feinste Bodenerschütterungen noch aus einem Meter Distanz wahrnehmen. Ausserdem verfügen sie am Bauch über kammartige Taster, mittels derer sie chemische Analysen des Bodens vornehmen. Offenbar vermögen sie so Beutetieren zu folgen, Fressfeinden auszuweichen und Geschlechtspartner zu finden. Skorpione erbeuten meist andere Gliedertiere, Insekten etwa und Spinnen sowie andere Skorpione.
Gift
Mit grossen Scheren bewehrte Skorpion-Arten sind oftmals kaum giftig, da sie ihre Beute Kraft ihrer Scheren erlegen können. Meist kommt der Giftstachel beim Beutefang nicht zum Einsatz. Bei Arten mit feinen Scheren hingegen ist in der Regel grössere Vorsicht geboten, denn sie kompensieren die relative Schwäche mit starkem Gift.
Die bei uns heimischen Euscorpius-Arten sind allesamt harmlos: Ihr Gift ist schwach und die Tiere selbst sind ausgesprochen stechfaul.
Menschen versuchen Skorpione ohnehin nur zu stechen, wenn sie sich bedroht fühlen. Es gibt auch Arten, die ihr Gift zur Verteidigung gezielt in Richtung der Augen des Angreifers verspritzen.
Brauttanz
Skorpione halten sich zur Vermählung an den Scheren und tanzen einen mitunter stundenlang dauernden Hochzeitstanz. Tatsächlich sucht das Männchen währenddessen mittels der Kammorgane an seinem Bauch einen geeigneten Ablageplatz für seinen Spermienbehälter. Hat er ihn gefunden, setzt er das Spermatoforum am Boden ab und dirigiert das Weibchen anschliessend so darüber, dass es die Spermien mittels seiner Geschlechtsöffnung aufnehmen kann. Skorpione sind lebendgebärend, die gesamte Embrionalentwicklung findet also im Leib der Mutter statt. Zwischen Paarung und Geburt der Jungen können viele Monate vergehen. Nach der Geburt klettern die bis zu 100 Jungskorpione auf den Rücken ihrer Mutter, wo sie bis nach ihrer ersten Häutung verbleiben.
Erleuchtet
Eine ganz besondere Eigenschaft des äusseren Panzers aller Skorpione zeigt sich nachts. Er wandelt für das menschliche Auge unsichtbares UV-Licht in sichtbare Fluoreszenz um. Welchen Vorteil dieser Effekt dem Skorpion verschafft, ist noch nicht geklärt.