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In nur 37 Jahren wurde der Haupttempel von Angkor Wat vollendet
Wenn man berücksichtigt, dass der Bau des Kölner Domes eine Ewigkeit in Anspruch nahm und mehr als sechs Jahrhunderte dauerte, dann ist es fast nicht zu glauben, dass der gigantische Haupttempel von Angkor Wat im 12. Jahrhundert in nur 37 Jahren vollendet wurde. Dies ist ein Meisterwerk der Architektur- und Steinmetzkunst. Aber zum gesamten Areal gehören mehr als 290 Tempel, von denen gerade einmal 40 restauriert wurden und nun nach der Räumung von Minen aus der Pol-Pot-Zeit für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Der eindrucksvolle Komplex von Angkor Wat ist so etwas wie das Symbol eines Landes, das aus dem Koma erwacht ist und sich für den Aufbruch in eine neue Zeit gerüstet hat.
Nach den Greueltaten des Pol Pot: Die Hölle hat ihre Schrecken verloren
Zweifellos war der Genozid des Rote-Khmer-Regimes, der zwischen 1975 und 1979 drei Jahre, acht Monate und 20 Tage währte, eine der schlimmsten Tragödien, die Indochina je erlebte. Die kommunistischen Guerillas verwandelten Kambodscha in eine Hölle. Heute ist das arme Land, dessen Nationalflagge die Kulisse der Tempel ziert, weit entfernt von jener Epoche des 10. Jahrhunderts, als die Khmer dank ihrer raffinierten Bewässerungsanlagen so viel Reis ernteten, dass sie dadurch zu einem grossen Reichtum gelangten. Nur so war es möglich, in Angkor Wat ein religiöses Zentrum zu errichten, den Nabel der Macht. Inzwischen sind Wissenschaftler der Ansicht, dass der fünfstufige Tempel Baphuon, der in seiner ursprünglichen Pyramiden-Form nur noch in Fragmenten erhalten ist, dem Götterberg Meru nachempfunden wurde.
Die Ruinen der einstigen Tempelstadt im Würgegriff der Natur
Etliche Ruinen der Tempelstadt befinden sich seit langer Zeit in einer Art Würgegriff der Natur und sind umschlungen von den Wurzeln der Bäume. Auch das selbst für Archäologen geheimnisvolle Lächeln des steinernen Bodhisattva Avalokitesvara ist ein interessantes Fotomotiv für alle, die als Besucher durch die einzigartige Anlage bummeln. Zwar gilt der Franzose Henri Mouhot als "Entdecker" des Götterberges, doch als er um 1860 staunend vor den Resten einer alten Kultur stand, gab es hier wohl schon ein Kloster mit etlichen Mönchen. Die gibt es dort auch heute noch, und sie stehen als Besucher ebenso atemlos vor diesen Steinen und lassen sich in Angkor Wat einfangen von der mystischen Atmosphäre.