Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03378.jsonl.gz/735

Alexander Schulz:

Alexander Schulz

Zenit
Die Geschichte der russischen Spiegelreflex-Prismensucherkamera mit M39-Objektivanschluss
2003, Lindemanns Verlag
ISBN 3-89506-242-1
|Zenit der Vorserie, 1952, Gehäuse-Nr. 52 0019|
Die Contax S von Zeiss Ikon Dresden hatte es gezeigt, wie aus einer Entfernungsmesser- eine Spiegelreflexkamera wird. Das Klassenziel allerdings hatte sie nicht ganz erreicht, nämlich soviele technische Details als möglich von der Entfernungsmesser-Contax zu übernehmen. Mit dem horizontal verlaufenden Schlitzverschluß, dem M 42-Gewinde für den Objektivanschluß und schließlich dem Prismensucher war eine neue Kamera entstanden, die mit der ursprünglichen Contax außer dem Namen kaum mehr etwas gemeinsam hatte. Und der wurde ihr von Zeiss Ikon Stuttgart auch bald strittig gemacht. Daß es auch anders ging und praktisch alle Merkmale einer Kamera übernommen und durch das Prismensucherprinzip ergänzt werden konnten, haben wenig später, Anfang der 50er Jahre, die Konstrukteure im Krasnogorski Mekhanicheskii Zavod bei Moskau am Beispiel der Zenit-Kamera gezeigt. Sie nahmen, vereinfacht ausgedrückt, eine Zorki, die wiederum eine Kopie der Leica II (D) war, und ersetzen den Entfernungsmessersucher durch ein Dachkantprisma, (fast) alles andere beließen sie so wie es war.
Wofür Leitz bis 1964 gebraucht hatte, nämlich eine Prismensucherkamera in Gestalt der Leicaflex zu entwickeln, in Krasnogorsk benötigte man dafür gerade einmal zwei Jahre. Außerdem hatte die Leicaflex mit der klassischen Leica noch weniger gemeinsam als die Contax S mit der Contax Entfernungsmesserkamera. Die Leica wie die Leicaflex stammten zwar aus demselben Stall, wie sich einmal Rick Oleson ausgedrückt hat, waren aber verschiedene Tiere.
Daß der Zenit-Kamera im westlichen Ausland zunächst kein großer Erfolg beschieden war, lag nicht an etwa mangelhafter Qualität, sondern an den politischen Umständen, trennte doch während des Kalten Krieges der Eiserne Vorhang die Länder des Kommunismus von denen des Kapitalismus. Erst seit den 60er Jahren begannen die Zenit-Kameras im westlichen Ausland allmählich populär zu werden, und nur deshalb, weil sie sich bar jeden technischen Pomps auf das fotografisch Notwendige beschränkten und deshalb ziemlich preisgünstig sein konnten.
Schließlich ein Wort der Erklärung, warum sich diese Monographie auf die Zenit mit M 39-Objektivanschluß beschränkt. Es sind dies die Kameras aus Krasnogorsk, die über die Zorki auf die Leica II (D) zurückgehen. Mit der Einführung des M 42-Objektianschlusses bei der Zenit-E und Zenit-B wurde eine neue Generation geschaffen, die, um noch einmal das Bild von Rick Oleson zu bemühen, zwar aus demselben Stall stammte, aber nicht mehr so ganz reinrassig war. Indem aber diese beiden Kameras zu Beginn noch das M 39-Gewinde besaßen, bilden sie das Bindeglied zwischen älterer und jüngerer Zenit-Generation. In der Tat ist es interessant zu beobachten, wie sich die M 39-Zenit immer stärker von der Zorki/Leica emanzipierte, bis schließlich in der Zenit-E und Zenit-B das Vorbild nur noch zu erahnen war.
Das vorliegende Buch haben viele Personen mit Rat und Tat begleitet. An erster Stelle ist Jean Loup Princelle, Ondreville sur Essone, zu nennen, der Vater der Geschichtsschreibung über russische und sowjetische Kameras. Er stellte großzügig anderweitig nicht erhältliche Fotos von Zenitkameras für die Veröffentlichung zur Verfügung. Dr. Milos Mladek, Wien, verdanke ich nicht nur Fotos seiner Kristall 2-Kamera, auch durfte ich manche Probleme mit ihm per E-Mail diskutieren. Yuri Boguslavsky, Hawthorne, USA, sowie Nathan Dayton, Columbia Maryland, sind die Klärung mancher Details zu verdanken. Alfred Klomp, Leiden sandte mir Bilder eines frühen Zenit-Prototyps. Heinz Rohde, Hamburg, und Massimo Bertacchi, Sassuolo (MO), stellten Fotos von Kameras und Objektiven zur Verfügung. Thomas R. Lutton, Wirral, England, verdanke ich Literaturhinweise. Lothar Thiele, Gabsheim, bearbeitete zahlreiche, häufig in der Auflösung unzulängliche Bilddateien und schuf aus ihnen vorzeigbare Abbildungen. Schließlich spreche ich Galina S. Yaroshenko, Krasnogorsk, meinen Dank für ihre Übersetzungsarbeiten aus dem Russischen aus.
Alexander Schulz, 24. Oktober 2003
Großer Staat war mit der Kameraindustrie in der Sowjetunion zu Beginn der dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts nicht zu machen. So beklagt sich in der Zeitschrift »Sovjetskoe Foto« vom April 1936 der Autor N. German in einem Aufsatz über die »Aufgaben des sowjetischen Kamerabaus«: »Der wichtigste Apparat auf unserem Markt ist bekanntlich die ‚Fotokor No. 1‘. Eben diesen Kameratyp produziert auch die Arfo-Fabrik. Bestimmt sind beide Kameras für den Durchschnittsamateur. Das andere Modell, die ‚Turist’ des VOOMP (Zusammenschluß der Optisch-Mechanischen Werke, Leningrad) ist so eigenartig, daß sich der Anwenderkreis nur schwer bestimmen läßt. Als Klappkamera war die Kamera wohl für Fotoreporter gedacht, jedoch entspricht ihre Konstruktion in keiner Weise deren Anforderungen. Ähnlich wie eine Amateurkamera, ist sie nicht universell genug, und dazu noch unbequemer zu handhaben als eine Klappkamera von Typ ‚Fotokor No. 1‘. Deshalb ist dieser Kamera auch keine große Zukunft vorauszusagen. Der dritte Apparat ist die ‚FED‘ der Arbeitskommune F. Dzerzhinsky des NKWD. Mit einigen Einschränkungen läßt sich sagen, daß diese Kamera die Anforderungen an eine Reporterkamera erfüllt. Und damit erschöpft sich auch schon das Sortiment der Modelle. Mehr zu sagen ist nicht notwendig, um die Armseligkeit unseres Sortiments zu beweisen.« (Anm. 1)
Bei der Fotokor No. 1 handelte es sich im eine 9 × 12 cm Plattenkamera, die im Großen und Ganzen eine Kopie der ICA Ideal darstellte. Ihre Produktion begann am 20. Juli 1929 bei GOZ (Staatliche Optische Fabrik), später GOMZ (Staatliche Optisch-Mechanische Fabrik), in Leningrad. Anfangs mit importierten Compur- und Vario-Verschlüssen ausgestattet, gab es dafür seit November 1931 Verschlüsse aus einheimischer Produktion. Zwischen 1930 und 1940 wurden insgesamt mehr als 1 Million Fotokor-Kameras in verschiedenen Modellen produziert.
Die Arfo (Abkürzung für »Atelier-Foto«) war ebenfalls eine 9 × 12 cm Plattenkamera mit einem Zentralverschluß, der identisch mit dem der Fotokor war. Produziert wurde sie in der Werkstätte Foto-Trud in Moskau zwischen 1933 und 1941 in etwa 80 000 Exemplaren. Dieses Werk, abgekürzt F.T., ging 1942 im Krasnogorski Mekhanicheskii Zavod (Krasnogorsker Mechanische Fabrik), kurz KMZ, auf. Ein junger Mitarbeiter dieser Firma war damals E. V. Soloviev, der in den sechziger Jahren bei der Konstruktion der Horizon, der Panorama-Kamera von KMZ, tätigen Anteil hatte. (Anm. 2)
Die Turist-Kamera erschien 1934 während des zweiten Fünfjahresplans und wurde bis 1938 in einer Stückzahl von 136 000 Exemplaren gebaut. Sie war eine anspruchslose Kamera mit einer eigenen 6 × 9 cm Filmkassette. Das Gehäuse bestand aus schwarzem Bakelit. (Anm. 3)
Bei der FED 1, auch Fedka genannt, handelte es sich um eine Kopie der Leica II (D). Sie wurde zwischen 1934 und 1941 sowie 1946 bis 1955 in acht Modellen, vier vor dem Krieg, vier nach dem Krieg, in insgesamt über 700 000 Exemplaren gebaut. (Anm. 4)
Das war das Angebot an Kameras vor der Sport-Kleinbild-Spiegelreflexkamera, deren Erscheinen in einer Kleinanzeige in der gleichen Ausgabe 4/1936 der Zeitschrift »Sovjetskoe Foto« angekündigt wurde: »Im optischen Werk der OGPU (GOMZ) in Leningrad begann die Herstellung der Kamera ‚Sport‘. Das Gerät ist eine Spiegel-,Leica‘ (зеркалка-«лейка»), die normalen perforierten Film benutzt. Die Kamera wird geladen mit einem Film von 2 m Länge, auf dem man ungefähr 50 Bilder unterbringen kann. Bildabmessungen: 24 × 38 mm. Da der Steg zwischen den Aufnahmen fehlt, besteht die Möglichkeit, Panoramaaufnahmen unmittelbar auf dem Negativ zu erhalten. Die Kamera wurde von dem Ingenieur A.O. Gelgar entwickelt.« (Anm. 5) Und dieser löste die Platzfrage, die ein senkrecht ablaufender Schlitzverschluß für eine Spiegelreflexkamera aufwirft, auf eine elegante Weise.

Abb. 1: Sport-Spiegelreflexkamera, 1937–1941, mit dem GOMZ-Signet links oben am Sucherkasten.

Abb. 2: Verschlußskizze der Sport

(nach D. Bunimovich).
Auch Hubert Nerwin von Zeiss Ikon Dresden war mit diesem Problem konfrontiert worden, als er Ende der 30er Jahre seine Syntax-Kamera auf der Grundlage der Entfernungsmesser-Contax hatte konstruieren sollen (Anm. 6), und er biß sich die Zähne daran aus. Im Falle der Sport hingegen ging A.O. Gelgar bei dem vertikal ablaufenden Schlitzverschlusses einen originellen Weg. So bewegte sich der obere Verschlussvorhang B in vertikaler Richtung, es handelte sich also um einen Guillotine-Verschluß. Der untere Vorhang H hingegen vollführte während dessen eine Drehung aus der horizontalen in eine geneigte Lage, und seine Oberkante wurde in Führungen neben dem Bildausschnitt hinter dem ersten Vorhang her nach oben gezogen. Anschließend deckte er den Film säuberlich ab, bis der Spiegel wieder seine Ausgangsposition eingenommen hatte. Durch diese Anordnung der Vorhänge schrumpfte der untere Platzbedarf auf ein Minimum, während für den oberen Vorhang im starren Lichtschachtgehäuse genügend Platz vorhanden war. (Anm. 7)
Allerdings kann es sich bei dem 1936 vollmundig angekündigten Fotoapparat noch um keine Serienkamera, sondern eher um eine Musterkamera gehandelt haben, denn eineinhalb Jahre später berichtet dieselbe Zeitschrift »Sovjetskoe Foto« in Heft 11 (November) 1937: »Die weite Verbreitung von transportablen Kameras geringer Abmessungen für die Aufnahme von Kinofilm auf dem Weltmarkt veranlaßte das Werk zur Konstruktion einer neuartigen Spiegelreflexkamera, die mit Kinofilm arbeitet – ‚Sport‘. Das Gehäuse der ‚Sport‘ besteht aus Aluminiumdruckguß und besitzt eine gegossene und gefräste Filmbühne. Der Apparat ist mit Kassetten ausgerüstet, so daß er bei Tageslicht geladen werden kann. Die Kamera besitzt eine ausgezeichnete Transporteinrichtung, eine scharfzeichnendes achromatisches Objektiv sowie ein gefälliges Äußeres. Die erste Partie dieser Geräte erhalten die sowjetischen Fotoamateure und Fotoreporter zum 20. Jahrestag der Großen Sozialistischen Revolution«. (Anm. 8) Der 7. November 1937 ist also das authentische Erscheinungsdatum der Sport. Damit ist sie nach der Kine-Exakta, die während der Leipziger Frühjahrsmesse des Jahres 1936 erstmals vorgestellt wurde, die weltweit zweite einäugige Spiegelreflex-Kleinbildkamera.

Abb. 3: Spiegelreflexkamera von A.A. Min, 1929 (nach A.A. Syrov).

Dabei hätte eine andere sowjetische Konstruktion beste Chancen gehabt, die erste einäugige Kleinbild-Spiegelreflexkamera der Welt zu werden. Die Rede ist von dem Entwurf einer Kleinbild-Spiegelreflexkamera von A. A. Min aus dem Jahre 1929 (Abb. 3), also nur vier Jahre nach dem Erscheinen der Leica von Oskar Barnack. (Anm. 9)

Abb. 4a: ICA-Rekord-Schlitzverschluß mit vier Schlitzen;

a Band des Verschlusses mit den vier Schlitzen,
b Vertikalverbindungen,
c Querversteifungen.

Abb. 4b: ICA-Rekord-Schlitzverschluß von der Seite;

a obere Aufwickelwalze,
b Band mit vier Schlitzen,
c s. Abb. 4a,
f Leitrolle,
g untere Aufwickelwalze,
h Spiralfeder.
Diese Spiegelreflexkamera war für ein Aufnahmeformat von 32 × 24 mm gedacht, wobei 2,5 Meter Kinefilm für 75 Aufnahme in einer Kassette oder 100 Aufnahmen auf einer Spule reichen sollten. Als Objektiv war ein 3,5/5 cm Anastigmat VOOMP vorgesehen.
Die Kamera besaß einen Schlitzverschluß, der hinter dem Spiegel ablief. Dabei war der Spiegel auch gleichzeitig Bestandteil des Verschlusses, da er beim Spannen des Verschlusses das Bildfeld während der Rückkehr des Vorhangs lichtdicht abdeckte. Das Verschlußband erlaubte durch vier feste Schlitze und eine zusätzliche Veränderung der Federspannung die Einstellung von acht verschiedenen Belichtungszeiten sowie »B«. Die Zeiteinstellung mittels Auswahl des Schlitzes und der Spannung geschah durch ein Knopf auf der rechten Kameraseite. Hier befand sich auch der Auslöseknopf, bei dessen Herunterdrücken sich der Spiegel anhob und der Verschluß ablief.
In letzter Konsequenz gibt die Beschreibung des Min-Verschlusses das Prinzip des Ica-Rekord Schlitzverschlusses von etwa 1912 wieder. (Anm. 10) Auch hier benutzte man einen entsprechend langen Vorhang mit vier Schlitzen. Ebenso hier übernahm der Spiegel einer einäugigen Spiegelreflexkamera die Abdeckung der Filmschicht während des Spannens, und auch hier ließ sich durch eine Erhöhung der Spannung in der Federwalze der Ablauf des Verschlußvorhangs verkürzen, so daß man zu Belichtungszeiten von 100 ms (1/10 s) bei kleinster Spannung und größter Schlitzbreite bis zu 1 ms (1/1000 s) mit höchster Federspannung und kleinstem Schlitz gelangte.
Um den Nachteil der damaligen noch ungenügend plan liegenden Kleinbildfilme auszugleichen, wurde bei A.A. Min der Film durch eine Platte dicht an das Bildfenster angedrückt, während des Filmtransports jedoch wieder freigegeben. Die Kamera folgte damit dem Prinzip vom F.L. Burmistrov und seiner Repro-Kleinbildkamera-Kamera aus etwa der gleichen Zeit. (Anm. 11) Eine besondere Markiereinrichtung erlaubte die Kennzeichnung von Bildern oder Teilen des Filmes, indem auf die Bildtrennlinie kleine Erhöhungen gepreßt wurden. Mit Hilfe der Lupe, die sich auf dem herausziehbaren Lichtschacht befand, konnte das Bild scharf gestellt werden.
Verschiedentlich wurde die Konstruktion von A.A. Min als der Verläufer der Sport von A.O. Gelgar bezeichnet. (Anm. 12) Aber außer dem turmartig herausragenden und von einer Einstelllupe abgeschlossenen Lichtschacht, der bei der Min-Kamera in das Kameragehäuse hineingeschoben werden konnte, bei der Sport aber unbeweglich war, haben die Kameras nichts gemeinsam. So besaß die Sport im Gegensatz zu der älteren Kamera den geschilderten höchst interessanten Schlitzverschluß, der in dieser Art bei noch keiner anderen Kamera vorzufinden war, während die Min-Kamera auf ein deutsches Vorbild zurückgriff.
Eine große Bedeutung erreichte die sowjetische Kameraindustrie auch nach dem Erscheinen der Sport nicht. Schätzungsweise 16 000 Exemplare dieser originellen Kleinbild-Spiegelreflexkamera wurden gebaut, dann begann am 22. Juni 1941 für die Sowjetunion der »Große Vaterländische Krieg«, in dessen Folge die komplette sowjetische Kamera-Industrie zum Erliegen kam.
Leningrad, der Sitz des GOMZ wurde 872 Tage lang, von 1941 bis 1944, von Truppen der Deutschen Wehrmacht belagert. Charkow, wo die FED produziert wurde, fiel am 25. Oktober 1941 in die Hände des Gegners. Die FED-Kommune war vorher nach Berdsk in der Nähe von Novosibirisk evakuiert worden und produzierte dort Flugzeugteile, Vergaser und Einspritzpumpen für die sowjetische Luftwaffe. Erst 1946 konnte die FED-Produktion in Charkow wiederaufgenommen werden.
Ganz so lange brauchte sich die Belegschaft der Werkstätten für »Optische Produkte« nicht im Exil aufhalten. 1941 durch Ministererlaß als Zusammenschluß verschiedener früherer Moskauer Werkstätten in Krasnogrosk bei Moskau gegründet, mußte die Fabrik noch in demselben Jahr vor den auf Moskau heranrückenden deutschen Truppen nach Swerdlowsk im Ural evakuiert werden. Nach der Schlacht um Moskau, die im Dezember 1941 entschieden war, konnte das Werk bald wieder nach Krasnogorsk zurückkehren, und so gilt der Februar 1942 als das offizielle Gründungsdatum des Krasnogorski Mekhanicheskii Zavod (Krasnogorsker Mechanische Fabrik), kurz KMZ genannt. (Anm. 13)
Sein neues Firmenzeichen, das stilisierte Dovesche Prisma, nannten die Firmenangehörigen bald respektlos den »Grabstein«. Es weist bereits auf den Zweck der Gründung, denn dieses von dem aus Liegnitz stammenden »Vater der Meteorologie« Heinrich Wilhelm Dove (1803–1879) erfundene Umkehrprisma wird hauptsächlich für Panzer- und U-Boot-Periskope benutzt, KMZ war also als ein reiner Rüstungsbetrieb konzipiert.
In der Folgezeit wurde die Assoziation des Firmensignets an einen Grabstein abgemildert, indem ab 1949 der Strahlengang durch das Dove-Prisma eingezeichnet wurde. Es ist ein Pfeil, der von links horizontal in das trapezoide Prisma dringt, vom Boden reflektiert wird und rechts wieder horizontal heraustritt. Die Schöpfer dieses neuen Firmenemblems waren die Graveure E. K. Nikolayev und N. R. Gobov.
»Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei, auf jeden Dezember folgt wieder ein Mai.« Das Versprechen dieses Durchhalteliedchens für den deutschen Landser erfüllte sich. Allerdings benahm sich der Mai 1945 gar nicht wie ein Wonnemond. Das Großdeutsche Reich hatte den Krieg verloren, seine Rechtsnachfolger wurden zur Kasse gebeten. Demontage hieß das Wort des Tages. Güterzugweise wurden die in der sowjetisch besetzten Zone abgebauten Fertigungseinrichtungen nach dem Osten geschafft, so beispielsweise auch für die Contax Entfernungsmesserkamera, die ab 1947 mit deutschen Maschinen im ARSENAL Zavod (ARSENAL-Fabrik) in Kiev gebaut wurde.
Darüber hinaus ging von 1946 bis 1949 der größte Teil der in Dresden produzierten Exakta- und Praktiflex-Kameras als Reparationsleistung nach der Sowjetunion. (Anm. 14) Bereits im November 1945 verhandelte die sowjetische Militäradministration (SMA) über Reparationslieferungen der Kine-Exakta. Am 3. Januar 1946 gingen die ersten Lieferungen an die UdSSR. Ob es sich bei den Kameras um reguläre Exporte oder Reparationslieferungen handelte, war aus dem Namensschild zu ersehen. Reparationskameras hatten ein »Exacta«-Namensschild, während die regulären Exportkameras das übliche Schild mit »Exakta«-Gravur hatten. Eine Gravierschablone für einen Schriftzug mit »c« statt »k«, der 1937 für nur wenige Exportkameras nach den USA, Frankreich und Portugal bestimmt gewesen war, hatte damit eine sinnvolle Wiederverwendung gefunden.
|Abb. 5: Kine-Exacta (Reparationsmodell), 1946–1948, Gehäuse-Nr. 61853 (Sammlung Heinz Rohde, Hamburg).|
Wie der Ihagee mit der Exakta, so erging es auch den Kamera-Werkstätten Dresden-Niedersedlitz mit der Praktiflex. Bereits am 19. Mai 1945 erhielt man dort den SMA-Befehl über Reparationslieferungen von je 25 000 Praktiflex- und Pilot-Super-Kameras. Der für die Umsetzung des Befehls zuständige sowjetische Offizier war Oberleutnant Kaljushni, ein deutsch sprechender talentierter Ingenieur von 27 Jahren, der als Halbjude seine ganze Familie im Kriege verloren hatte. Entsprechend schroff war seine Haltung gegenüber den Deutschen. (Anm. 15)
Bis Jahresende 1945 wurden etwa 1400 Praktiflex-Kameras produziert, die aber erhebliche Fertigungsmängel aufwiesen. Um mit den Unzulänglichkeiten in Niedersedlitz aufzuräumen, erhielt im Januar 1946 der damals 26 Jahre alte Siegfried Böhm, der bis dahin bei Zeiss Ikon gearbeitet hatte, den Befehl seitens der SMA, in den Kamera-Werkstätten eine qualitätsgerechte Fertigung und Konstruktion zu sichern sowie die Praktiflex zu überarbeiten. Nachdem Böhm und Kaljushni gegenseitig ihre Grenzen abgesteckt hatten, kam es zu einer äußerst ersprießlichen Zusammenarbeit zwischen ihnen. Bald waren sie sich darüber einig, daß selbst eine Weiterentwicklung der Praktiflex die technisch-wirtschaftlichen Forderungen an eine moderne Kamera nicht erfüllen konnte. Deshalb unterstützte der russische Offizier den deutschen Konstrukteur nach Kräften, um die Praktica als Nachfolgemodell zu entwickeln, wobei eine Reihe von Konstruktionsdetails bereits der laufenden Praktiflex-Produktion zugute kamen. Denn bis die Praktica auf der Leipziger Frühjahrsmesse des Jahres 1950 vorgestellt werden konnte, mußte die Praktiflex weiter geliefert werden.
|Abb. 6: Praktiflex mit Objektivanschraubring mit Gewinde M 42 x 1, 1948, Gehäuse- Nr. 067137.|
Genau 19 581 Exacta- sowie 47 396 Praktiflex-Kameras wurden zwischen 1946 und 1949 als Reparationen in die UdSSR geliefert. Dort wurden beide Kameras nicht nur zur Deckung des Inlandbedarfs benutzt, sondern teilweise wieder nach dem Westen exportiert, um an Devisen heranzukommen. Darüber hinaus erfolgten im gleichen Zeitraum zusätzliche Lieferungen von 24 844 Exakta-Kameras, die in Reichsmarkt bezahlt wurden, mit der allerdings auf dem damaligen Schwarzmarkt keine einzige Zigarette zu haben war.
Insgesamt wurden also in der unmittelbaren Nachkriegszeit von 1946 bis 1949 die Zahl von 91 821 Kleinbildspiegelreflex-Kameras aus der Sowjetischen Besatzungszone nach der UdSSR geliefert. Da war es nicht sinnvoll und wirtschaftlich vertretbar, die eigene Spiegelreflexkamera Sport wieder aufleben zu lassen, zumal diese Kamera nicht mehr dem Stand der Technik entsprach.
Statt dessen wurde in Charkow die Produktion der FED-Leica wieder aufgenommen. Die ersten Exemplare verließen die mittlerweile von NKWD unabhängig gewordene Fabrik im März 1947. Die Veränderungen gegenüber den Vorkriegskameras waren nur marginal und betrafen hauptsächlich das äußere Erscheinungsbild.
Im gleichen Jahre baute man bei KMZ in Krasnogorsk zusätzlich zur Beute-Ikonta, jetzt Moskva genannt, mit Unterstützung von FED-Ingenieuren eine neue Produktlinie für FED-Kameras auf. Im Bewußtsein der Russen war der Name »FED« gleichbedeutend mit »Leica«, weshalb bei den neuen Kameras aus Krasnogorsk über dem KMZ-Prisma das Markenzeichen FED erschien. Eine sklavische Kopie der in Charkow hergestellten FED war die Kamera aus Krasnogorsk indessen nicht, entwickelte man doch sofort den Schlitzverschluß zum so genannten »rigiden Schlitz« weiter, der um einiges zuverlässiger als der FED-Verschluß war.
|Abb. 7: FED-Zorki von 1949, Gehäuse-Nr. 04963. Das KMZ-Signet ist noch das Dove-Prisma ohne den gebrochenen Lichtstrahl.|
Bald jedoch selbstbewußter geworden, wurde ab 1948 der Name »Zorki« – wörtlich übersetzt »scharfsichtig« – unter dem FED-Signet eingraviert, bis schließlich ab 1949 der Name FED gänzlich weggelassen wurde und nur noch das KMZ Prisma und der Name Zorki verwendet wurden. Zorki wurde in der Folgezeit zum Synonym für KMZ und sogar für die Stadt Krasnogorsk selbst. So erreichten Briefe lediglich mit der Aufschrift »„Zorki“ ihren Adressaten KMZ, und auch der Name der Werkszeitung nahm Bezug auf die Kameramarke, hieß sie doch »Zorkoye oko« (scharfer Blick). Drei Personen ist der rasche Erfolg bei KMZ zu verdanken: Chefingenieur war seit 1946 N.A. Gavrilov, der zusammen mit P.A. Denisov, dem Leiter der Forschungsabteilung, und I.A. Korolkov von der »Prototyp-Gruppe« der Moskva und Zorki, die Weichen für die neue Produktion stellte. (Anm. 16) 1949 schuf dieses Entwicklungsteam einen neuen Auslöser, wodurch sich die Zorki auch äußerlich von der FED unterschied. In der Folgezeit konzentrierte sich die FED auf den heimischen Markt, während die KMZ mit ihrer Zorki auch auf den Exportmarkt setzte.
Während man sich in der Sowjetunion in Details wie unterschiedlichen Formen des Auslösers und des Drahtauslöseranschlusses für die FED- und Zorki-Kameras verlor, geschah in der industriell demontierten deutschen Sowjetzone vor den Augen der SMA etwas Ungewöhnliches. Eine völlig neue Kamera wurde entwickelt: die Contax S oder Spiegel-Contax. Zwar hatten die Sowjets bald von den Entwicklungsarbeiten zu dieser Spiegelreflexkamera mit fest eingebautem Prismensucher Wind bekommen. So ließ sich beispielsweise anläßlich seines Besuches am 22./23. Oktober 1945 in Jena Major Turygin von dem Konstrukteur Wilhelm Winzenburg über Neuentwicklungen im Hause Zeiss Ikon berichten. Im Protokoll über diese Sitzung steht dazu der kurze, aber inhaltsschwere Satz: »Die Neukonstruktion der Spiegelkontax wurde erwähnt.« (Anm. 17) Aber die Militäradministration ließ die Leute von Zeiss Ikon in Ruhe ihre Spiegelcontax zur Serienreife entwickeln, bis sie zu der Leipziger Frühjahrsmesse 1949 offiziell vorgestellt werden konnte.
|Abb. 8: Spiegel-Contax von 1949, Gehäuse-Nr. 303. Die Kamera besitzt noch die ursprüngliche Zeitenfolge mit 1/25 s und 1/250 s statt der späteren 1/20 s und 1/200 s.|
Diese neue Kamera erregte Aufsehen diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs. Sie beeindruckte beispielsweise die Ungarn so stark, daß sie auf der Grundlage ihrer Duflex, einer Kamera mit Reflexsucher, bestehend aus einem Porro-Spiegelsystem, die Reflex S mit Prismensucher konstruierten. Sie sah der Contax S so ähnlich, daß bald die Legende entstand, die ostdeutsche Kamera sei eine Kopie der ungarischen. Nur drei Prototypen der Reflex S wurden gebaut, dann wurde das Vorhaben wieder fallen gelassen. (Anm. 18)
Abb. 9: Duflex und Reflex S. Die Duflex erschien 1948 und besaß als Sucher ein Porro-Spiegelsystem. Die Reflex S wurde 1949 in nur drei Exemplaren gebaut. (Foto mit freundlicher Erlaubnis von Fejér Zoltán, Budapest).
Ein anderes sozialistisches Bruderland griff die Idee einer Spiegelreflexkamera mit Pentaprismensucher ebenfalls auf und hatte großen Erfolg mit ihr, die Sowjetunion. Dort wurde in Krasnogorsk die Zenit auf der Grundlage der Zorki entwickelt, eines Fotoapparates, der wiederum durch seine Beziehung zur FED ein Vetter der Leica II (D) war. War bereits 1936 in Zusammenhang mit der Sport-Reflexkamera der Name »Spiegel-Leica« gefallen (Anm. 19), so traf diese Bezeichnung auf die Zenit in noch stärkerem Maße zu.
Ein genaues Datum, wann mit der Entwicklung der Zenit begonnen wurde, läßt sich nicht mit letzter Sicherheit bestimmen, jedoch wird es nicht vor Bekanntwerden der Spiegel-Contax anläßlich der Leipziger Frühjahrsmesse im März 1949 gewesen sein. Dieses Datum erscheint um so plausibler, als es die Jahre 1949/50 waren, daß sich die Ingenieure in Krasnogorsk von der sklavischen Nachbildung der FED-Kamera gelöst und begonnen hatten, in der Konstruktion eigene Wege zu gehen. So besaß der Auslöseknopf der Zorki Typ 1b von 1950 im Gegensatz zur FED ein Innengewinde zur Aufnahme eines Drahtauslösers. Auf der Deckplatte trug sie in kyrillischen Buchstaben nur noch den Namen Zorki und das neue KMZ-Signet, das Dove-Prisma mit dem gebrochenen Pfeil. Die Belichtungszeiten betrugen in Leica II-Manier 1/20 s, 1/30 s, 1/40 s, 1/60 s, 1/100 s, 1/200 s, 1/500 s sowie Z. (Anm. 20)
Aus der nämlichen Zeit wie die Zorki Typ 1b scheint auch ein Prototyp der Zenit zu stammen, von dem angeblich sechs Exemplare gebaut wurden. (Anm. 21) Das Exemplar No. 00003 aus dem KMZ-Werksmuseum (Abb. 10) zeigt deutlich die Anleihen von der Zorki Typ 1b. Sie besitzt dieselben Abmessungen, mit Ausnahme des rundgeschlossenen Auslöser- und Verschlußdecks sowie des Spiegelvorbaus mit dem darüber befindlichen Prismengehäuse in kantigen, der Contax S nachempfundenen Formen. Auf der geraden Vorderfläche des Prismengehäuses trägt sie den Namen Zenit in kyrillischer Schreibschrift sowie das neue KMZ-Signet und darüber die Fertigungnummer 00003. Der Auslöseknopf besitzt ein Innengewinde zur Aufnahme eines Drahtauslösers. Auch der Filmtransportknopf mit dem ringförmigen Bildzählwerk ist ähnlich dem der Zorki Typ 1b gestaltet, nur daß sich aus Platzgründen zwischen Aufzugsknopf und Bildzählwerk ein schmalerer Schaft befindet, um Raum für den verkleinerten Bildzählknopf zu schaffen. Wie das Kameragehäuse, so ist auch der Vorbau des Spiegelgehäuses komplett mit Vulcanit überzogen, während anschließend in der Vorserie nur die Schmalseiten des Spiegelvorbaus mit Vulcanit bezogen und die Vorderseite schwarz lackiert ist. Wie der Zorki Typ 1b fehlen auch diesem Prototyp die beiden schmalen schwarz emaillierten Streifen als oberer und unterer Abschluß des schwarzen Vulcanit-Gehäuses, die erst ab der Zorki Typ 1c (etwa 1951 bis 1953) auftreten. Die wichtigste Gemeinsamkeit zwischen Zorki Typ 1b und dem Zenit-Protoyp besteht in der Folge der Belichtungszeiten, die ebenfalls die Stufung 1/20 s, 1/30 s, 1/40 s, 1/60 s, 1/100 s, 1/200 s, 1/500 s sowie Z aufweist. Eine solche Zeitenreihe muß auch A. A. Syrow im Jahre 1954 für die Beschreibung der Zenit vorgelegen haben, wiederholt er doch in seinem Buch exakt diese Folge (wobei er, wie es scheint, die 1/200 s vergessen hat). (Anm. 22) Die bei Syrow abgebildete Kamera, eine Zenit der Vorserie von 1952/53 mit »Square Logo«, besitzt als bemerkenswertes Objektiv einen BioTar Krasnogorsk 2,5/8cm, abgekürzt BTK, dessen Name bereits seine Herkunft von Zeiss Jena verrät. Es ist der Vorläufer des zehn Jahre später in ungeheuer großen Stückzahlen gebauten Helios-44.
Auch Yuri Ryshkov vermerkt in seinem »Katalog der russischen und sowjetischen Kameras (1840 bis 1991)« etwas unscharf für die ersten Zenit- Kameras bis 1953 Belichtungszeiten von 1/20 s bis 1/500 s, wobei er sich offensichtlich an A. A. Syrow anlehnt, dessen Buch 1954 erschien. (Anm. 23)
|Abb. 10: Erster Prototyp der Zenit, Gehäuse-Nr. 0003, aus dem KMZ-Werksmuseum (Foto mit freundlicher Genehmigung von Jean Loup Princelle, Ondreville sur Essone).|
Bei dem Objektiv des Prototyps No. 00003 handelt es sich um einen gekürzten Industar 22 Zorki von 1951, ein Zeichen dafür, daß bis dahin noch keine eigene Objektive für die Zenit vorhanden waren. Deren Objektivgewinde betrug zwar wie bei der Schraub-Leica und der Zorki M 39, ihr Auflagemaß jedoch war wegen des hervorstehenden Spiegelgehäuses mit 45,5 mm länger als das für die Zorki-Kameras, deren Auflagemaß nur 28,8 mm betrug. Deshalb lassen sich bei der Zenit-Kamera Zorki-Objektive nur als Makro-Objektive für geringe Entfernungen benutzen – der Tubus entspricht Zwischenringen – und sie können nicht auf Unendlich scharf gestellt werden.
|Abb. 11: Zweiter Prototyp der Zenit (Foto mit freundlicher Genehmigung von Jean Loup Princelle, Ondreville sur Essone).|
Ein weiteres Exemplar eines Prototyps mit kantigem Prismengehäuse (Abb. 11) hat auf der Vorderseite des Prismengehäuses den Namen Zenit in kyrillischen Blockbuchstaben, darüber befindet sich im Trapez des Prismengehäuses in den Vulcanit-Bezug aufgepreßt das Dove-Prisma mit dem gebrochenen Pfeil. (Anm. 24) Ein wichtiger technischer Unterschied gegenüber dem ersten Protoyp besteht in der Konstruktion des Filmaufzugsknopfes ohne eine ringförmige Bildzählscheibe an seinem Fuß. Vielmehr befindet sich jetzt das Bildzählwerk im Aufzugsknopf als runde Scheibe mit einem Rändelring, um die erste Bildnummer einzustellen. Schließlich besitzt dieser Prototyp im Gegensatz zum vorhergehenden Riemenösen an den Seiten.
Mit diesem geschilderten Muster scheinen die Entwicklungsarbeiten für die Zenit-Prismensucherkamera zu einem Abschluß gekommen sein. Im Jahre 1952 konnte dann eine erste, limitierte Vorserie aufgelegt werden.
Um ein merkwürdiges Gebilde handelt es sich bei der Kamera, für die nur Bilddateien geringer Auflösung vorliegen (Abb. 12). Sie stammen von Alfred Klomp, einem jungen Holländer aus Leiden, der sie wiederum von Dmitry Kopp, einem Systemingenieur aus Krasnogorsk, erhalten hatte. (Anm. 25) Eines der Bilder, das mit der Vorderansicht der Kamera, steht im Internet. Weitere Angaben liegen nicht vor, weshalb die Bilder in mäeutischer Weise selbst befragt werden müssen. Vielleicht geben sie eine Antwort.
Daß es sich um eine gebrauchsfähige Zenit-Kamera handelt, beweist die Abbildung der Unterseite, an der klar die zenitspezifische Spannfeder zur Aktivierung des Spiegel- und Verschlußmechanismus zu erkennen ist. Daß die Kamera auch wirklich benutzt wurde, zeigen die deutlichen Abnutzungsspuren.

Abb. 12: Prototyp einer Zenit mit gekuppeltem (?) Belichtungsmesser (Fotos mit freundlicher Genehmigung von Alfred Klomp, Leiden).

Um was handelt es sich also bei dem abgebildeten Apparat? Zweifellos ist es eine Zenit mit einem durch eine Klappe abgedeckten Belichtungsmesser, auf welcher der in kyrillischen Buchstaben geschriebene Name Zenit zu entziffern ist. Allerdings handelt es sich nicht um den üblichen Schriftzug in Schreibschrift, sondern ist wie bei der Vorserie in Kapitälchen wiedergegeben, diesmal aber nicht eingraviert, sondern, wie es scheint, vertieft eingegraben.
Das Objektiv läßt sich mit einigem guten Willen als ein Industar-22 identifizieren. Es handelt sich jedoch um kein Original-Zenit-Objektiv, sondern um ein Zorki-Objektiv, das verkürzt wurde, um das für die Zenit notwendige Auflagemaß zu erreichen. Ein ähnliches Objektiv war bei dem bereits vorgestellten ersten Prototyp anzutreffen, wahrscheinlich, weil die Fertigung der Original-Zenit-Objektive noch nicht begonnen hatte. Allerdings hat das Prismengehäuse nicht mehr die kantigen Formen dieses Prototyp, sondern weist bereits die geschwungenen Formen der Vorserien-Zenit auf. Ferner sind auch die sichtbaren Teile des Spiegelvorbaus mit Vulcanit bezogen und nicht, wie später nur einfach schwarz lackiert. Der Filmtransportknopf mit seinem ringförmigen Bildzählwerk ist offensichtlich der Zorki entlehnt. Unverändert von der Zorki sind auch der Auslöser sowie der Entriegelungshebel für den Filmrücktransport übernommen.
Alle diese Merkmale deuten auf eine Entstehung der Kamera nach dem ersten Protoyp, aber noch vor der Vorserie der Zenit, also auf die Jahre 1951/52.
Anders jedoch als bei den späteren Zenitkameras, bei denen in der Lünette des Prismengehäuses das KMZ-Signet in den Vulcanitüberzeug erhaben beziehungsweise vertieft eingepreßt erscheint, ist hier die Lünette verchromt und darin das KMZ-Signet eingraviert oder -gepreßt. Insgesamt erscheinen die Proportionen des Kameragehäuses gestreckt. In seine Höhe reicht es etwa bis zur Oberkante des Zeiteinstellknopfes der regulären Zenit. Um die dadurch entstandenen überhöhten Proportionen für das Auge etwas zu mildern, zieht sich in Höhe des normalen Gehäuse-Abschlusses ein schwarz lackiertes Band um das Kameragehäuse.
Einen eingebauten, ungekuppelten und durch eine Klappe verschlossenen Belichtungsmesser besitzt auch die Contax E, jedoch wurde diese Version der Spiegel-Contax erst während der Leipziger Frühjahrsmesse 1956, also rund fünf Jahre später, vorgestellt. Hingegen gibt es einen solchen Belichtungsmesser bereits seit 1936 bei der Contax III und ab 1952 auch bei dem Contax-Nachbau, der Kiev III. Wie bei diesen Kameras sollte die Klappe im geschlossenen Zustand nicht nur das Leben des Selenelements verlängern, sondern aufgeklappt auch als Schutz vor Streulicht beim Meßvorgang dienen. Im geöffneten Zustand ragte diese Klappe seitlich etwas über die Begrenzung des Prismengehäuses hinaus, wie auf der Abbildung der Rückseite zu erkennen ist. Von der Contax/Kiev III entlehnt ist auch rechts der Rückspulknopf mit den darin integrierten Einstellelementen für Filmempfindlichkeit und Blende für den Belichtungsmesser. Allerdings sucht man ein Meßinstrument, wie bei der Contax/Kiev III oder später bei der Contax E sichtbar vorhanden, auf dieser Kamera vergebens.
Merkwürdig erscheint auf den ersten Blick die Übernahme des abgeschrägten und geriffelten Verschlußeinstellknopfes von der zeitgleichen Contax S, ohne jedoch die versenkte vierpaßförmige Verschlußzeitenscheibe. Und auf der Rückseite befindet sich nicht nur das mit der Möglichkeit einer Dioptrieneinstellung ausgerüstete Okular, sondern im Durchmesser größer ein zweiter Einblick, der sich genau unter dem »Contax«-Zeiteinstellknopf befindet.
Diese Anordnung, Zeiteinstellknopf ohne Verschlußzeitenangabe sowie Einblick direkt unter dem Zeiteinstellknopf, können des Rätsels Lösung sein: Bei der Meßanordnung könnte es sich um einen mit dem Verschluß gekuppelten Belichtungsmesser handeln, das Meßinstrument befände sich dann innerhalb der Kamera hinter dem Einblick, und durch Drehen des auf der Oberseite der Kamera befindlichen Verschlußeinstellknopfes würden die ebenfalls nur im Innern der Kamera sichtbaren Verschlußzeiten mit dem Zeiger des Meßinstruments in Deckung gebracht werden. Also ein frühes Beispiel einer Spiegelreflexkamera mit gekuppeltem Belichtungsmesser. Sie ging niemals in Serie.
Was bei Zeiss Ikon Dresden der Arbeitsgruppe um Hubert Nerwin in den Vorkriegs- und Kriegsjahren nicht gelungen war, nämlich eine Prismensucherkamera zu entwickeln, die möglichst viele Merkmale der bereits bestehenden Contax-Entfernungsmesserkamera übernehmen konnte, namentlich den Verschluß sowie die Objektive – die Ingenieure in Krasnogorsk scheinen dies mit ihrer Zenit im Handumdrehen geschafft zu haben. Bei dieser russischen Prismensucherkamera entsprechen der Schlitzverschluß, der Auslösemechanismus sowie der Filmtransport weitgehend der Zorki-Kamera. Gegenüber dieser Entfernungsmesserkamera unterscheidet sich die Zenit äußerlich lediglich durch das dachartige Gehäuse für das Pentaprisma über dem Spiegelvorbau. Letzterer bedingt auch ein anderes Auflagemaß des im übrigen mit der Zorki identischen Standardobjektivs.
Abb. 13: Das optische System der Zenit
Eine Übersichtsskizze für das Suchersystem ist auf Abbildung 13 wiedergegeben. Der Spiegel befindet sich in während der Arbeitsposition AB in einem Winkel von 45° zur optischen Achse des Objektivs und reflektiert das Bild auf die plane Fläche der Bildfeldlinse. Die Entfernung zwischen Punkt 0 und dem Film ist gleich der Entfernung zwischen Punkt 0 und der mattierten Planfläche der plankonvexen Linse. Wenn also das Bild auf der Grundfläche der Sammellinse scharf erscheint, wird es gleicherweise auch scharf auf dem Film abgebildet.
Das vom Objektiv (1) entworfene umgekehrte Bild wird durch den Spiegel (2) aufgerichtet und zum Pentaprisma (3) gelenkt, wo es nochmals umgekehrt wird und so dem Auge des Fotografen im Okular aufrechtstehend und seitenrichtig erscheint. Das Okular bietet eine fünffache Vergrößerung. Das darin sichtbare Bild besitzt konstruktionsbedingt ein Format von 20 × 28 cm, ist also etwas kleiner als das originale Filmformat von 24 × 36 mm.
|Abb. 14: Das Motiv (1) wird vom Ojektiv auf dem Kopf stehend und seitenverkehrt auf den Spiegel (2) projiziert und von diesem höhenrichtig zum Pentaprisma (3) gelenkt. Eine weitere Umkehrung im Prisma führt zum aufrechten und seitenrichtigen Bild im Okular (4) der Zenit.|
Abb. 15: Das Antriebssystem für den Spiegel der Zenit
Das empfindlichste Element der ganzen Kamera stellt der Antriebsmechanismus für den Spiegel dar (Abb. 15). Filmtransport, Verschlußaufzug und Bewegung des Spiegels sind miteinander gekoppelt. Dies geschieht dadurch, daß den Auslöserschaft (1) manschettenförmig eine Kurve (2) umfängt, die in einem Hebelarm (4) endet. An dem Auslöserschaft befindet sich eine Schraube (3), die bei Drehen des Schaftes an der Unterfläche der Kurve entlang gleitet und dadurch den Hebelarm (4) während der ersten halben Umdrehung senkt.
Dieser Hebelarm (4) ist mit einem weiteren Hebel (5) verbunden, der durch die Bewegung des Hebelarms (4) entsprechend hinuntergedrückt wird. Mit diesem Hebel (5) ist nun waagerecht ein dritter Hebel (6) verbunden, der den Spiegel während der ersten halben Umdrehung des Auslöserschaftes unter den Vorsprung des Hebels (7) in seine Arbeitsposition schiebt.
Während der nächsten halben Umdrehung kehren Hebel (6) und Hebel (5) durch die Kraft der Feder (8) wieder in ihre Ausgangsposition zurück. Der Spiegel jedoch verbleibt, festgehalten unter dem Vorsprung des Hebels (7) in seiner Arbeitsposition.
Während des Auslösevorgangs muß der Spiegel in seine Ausgangslage zurückkehren, bevor sich der erste Verschlußvorhang in Bewegung setzt. Dies geschieht auf folgende Weise: Wenn der Auslöseknopf heruntergedrückt wird, drückt er auf eine flache Feder (9) am Boden des Kameragehäuses. Diese wiederum bewegt den Hebel (10), dessen zweiter Arm den Hebel (7) zur Seite drückt, wodurch der Spiegel freigegeben wird. Ein Spiralfeder am Schaft des Spiegelrahmens läßt dann den Spiegel in seine Ausgangsposition zurückkehren.
Während der Spiegel zurückklappt, schiebt er den hervorstehenden Teil des Hebels (11) beiseite. Über ein Scharnier (12) ist der Hebel (11) mit dem Hebel (13) verbunden, dessen Ende als Klinke ausgebildet ist, die in eine Aussparung am Fuß der Aufwickelspule des ersten Vorhangs greift. Durch die durch den herabklappenden Spiegel induzierte Bewegung des Hebels (11) bewegt sich auch der Hebel (13), seine Klinke gibt die Vorhangtrommel frei, und der Vorhang kann jetzt ablaufen.
Wenn der Verschluß gespannt wird und der Spiegel in seine Arbeitsposition zurückkehrt, wird auch der Hebel (11) durch die Feder (14) in seine Startposition gebracht.
|Abb. 16: Das Antriebssystem für den Spiegel der Zenit, Gehäuse-Nr. 5501015|
Äußerlich unterscheidet sich die in lediglich einigen hundert Exemplaren gebaute Zenit-Kamera der Vorserie von dem zweiten Prototyp durch die geschwungenen Linien des Prismengehäuses, die mit den abgerundeten Seiten des der Leica verpflichteten Gehäuses harmonisieren. Der Name Zenit ist wiederum in kyrillischen Blockbuchstaben wiedergegeben, nur daß sie im Gegensatz zum zweiten Prototyp von einem Rechteck umfaßt werden. Auch die Schmalseiten des Spiegelvorbaus sind mit Vulcanit überzogen statt, wie später, nur schwarz lackiert, und das KMZ Signet in der Lünette des Prismengehäuses ist erhaben geprägt, während es ab 1954 in den Vulcanit-Bezug eingepreßt ist.
|Abb. 17: Vorserien-Zenit, Gehäuse-Nr. 520019|
Wie anschließend das Standardmodell besitzt die Vorserienkamera ebenfalls ein Stabilisierungsfüßchen unter dem Spiegelvorbau, um bei schweren Objektiven die sonst kopflastige Kamera abzustützen und in der Waagerechte zu halten.
Was die Datierung der Zenit-Kameras betrifft, so hat es KMZ den späteren Interessenten dieser Kameras sehr einfach gemacht. Die Angabe der Entstehungszeit ist integrierter Bestandteil der Gehäusenummer. Die ersten beiden Ziffern zeigen das Jahr an, in dem die Kamera gebaut wurde. So stammen die beiden Kameras der Zenit-Vorserie 520019 sowie 520121 noch aus dem Jahre 1952, während die Vorserien-Kamera 530386 in das Jahr 1953 zu datieren ist. Im übrigen sind die Ziffern der Kameras aus den Jahren 1952 und 1953, und zwar nicht nur der Vorserie, sondern auch der Standard-Zenit, auf der Rückseite der Kameras in aufrecht stehender Schrift eingeprägt, während sie ab 1954 in kursiver Schrift erscheinen.
|Abb. 18: Serien-Zenit, Gehäuse-Nr. 530074.|
Entsprechen bei dem Zenit-Prototyp die Zeitenfolge und der fehlende schwarzen Zierstreifen zur Begrenzung des Vulcanit-Gehäuses noch der Zorki Typ 1b von 1950, so setzt bereits mit den Exemplaren der Zenit-Vorserie von 1952/53 der wechselseitige Einfluß zwischen Zorki und Zenit ein. Einmal ist es die Zorki, von der konstruktive Details für die Spiegelreflexamera übernommen werden, dann wieder ist die Zenit in ihrer technischen Entwicklung der Zorki um eine Nasenlänge voraus. So auch hier.
Denn bereits die Zenit der Vorserie macht Schluß mit den komplizierten und in ihrer Bedeutung nicht ganz nachvollziehbaren Zeitenfolge der Leica II (D) sowie der Zorki Typ 1a-d. Vielmehr lauten die vereinfachten Standardzeiten der Zenit: 1/25 s, 1/50 s, 1/100 s, 1/250 s, 1/500 s sowie B. Diese Zeiten finden sich bei der Zorki erst beim Typ 1e von 1954. Die neue Zeitenfolge, allerdings nach oben um die 1/1000 s und nach unten um die langen Zeiten 1 s bis 1/10 s erweitert, findet sich auch an der Zorki 3 von 1951.
Von der Zorki Typ 1c von 1951 übernommen scheinen hingegen die schmalen Zierstreifen oben und unten am Vulcanitbezug sowie der Indexpunkt an der Manschette des Auslöserknopfs.
Als Standardobjektiv ist die Zenit ab der Vorserie mit einem vergüteten Industar-22, 3,5/5 cm ausgerüstet, der mit einem Hebel zur Erleichterung der Entfernungseinstellung ausgestattet ist. Wie beim Kameragehäuse, so geben auch hier die beiden ersten Zahlen der Objektivnummer das Produktionsjahr an, So stammt beispielsweise ein Objektiv mit der Nr. 530499 aus dem Jahre 1953. Im metallenen Objektivdeckel ist in kyrillischer Schrift der Name Zenit eingeprägt, bis 1953 in Blockschrift, später dann in Schreibschrift.
|Abb. 19: Zorki Typ 1e, Gehäuse-Nr. 55214132, mit den neuen Standardzeiten.|
Im folgenden Jahr 1953 finden sich nach Ausweis der Gehäusenummern beide Typen, die Vorserienkamera und das Standardmodell, die sich im übrigen zunächst bis auf den Schriftzug in ihrer technischen Spezifikation und in ihrem Aussehen nicht unterscheiden. Lediglich der Name Zenit auf der Vorderseite erscheint beim Standardmodell nicht mehr von einem Rechteck eingerahmt in kyrillischer Blockschrift, sondern er steht in Schreibstift frei auf der Fläche. Sein Duktus ist ähnlich dem auf dem Prototyp von 1950. Beispiele für solche Kameras sind die frühen Gehäusenummern 530005 sowie 530074.
Auch in der Folgezeit halten sich die Veränderungen in Grenzen, So erscheint beispielsweise bei der Kamera Nr. 531388 die Gehäusenummer auf der Rückseite nicht mehr in gerader, sondern in kursiver Schrift (So ganz konsequent scheint man allerdings nicht vorgegangen zu sein, denn es gibt zum Beispiel eine Zenit, deren Gehäusenummer 546284 noch in gerader Schrift graviert ist.) Marginal ist auch die Veränderung an der Rückseite der Kamera Nr. 531388, wo am Deck für Auslöser und Zeiteinstellung statt bisher zwei nur noch eine Schraube zu sehen ist. Auch ist bei dieser Kamera auf den Vulcanitbezug der Schmalseiten des Spiegelvorbaus verzichtet, die nunmehr wie die Vorderseite schwarz lackiert sind. Geblieben ist jedoch die erhabene Prägung des KMZ-Signets in der Lünette des Prismengehäuses.
Im Gegensatz zu den Kameras von 1953 erscheint ab 1954 das KMZSignet im Vulcanitbezug der Lünette ausnahmslos in vertiefter Form. Ein Beispiel für eine solche Kamera ist die Zenit mit der Gehäuse-Nr. 5412296.
Eine kleine Änderung ist bei den späten Kameras des Jahres 1955 zu bemerken. Waren bisher an der Vorderseite des Gehäuses vier Schrauben zu sehen, so wurde jetzt das obere Schraubenpaar weggelassen. Beispiel hierfür ist die Zenit mit der Gehäuse-Nr. 5516625.
Die letzte Änderung schließlich betrifft das Standardobjektiv, den Industar- 22, bei dem man ab 1955 auf den Fokussierhebel verzichtete. Ein Beispiel hierfür ist das Objektiv Nr. 5501170.
Insgesamt 39 019 Kameras von Typ Zenit wurden zwischen 1952 und 1956 gebaut. Abgelöst wurde sie durch das Nachfolgemodell Zenit C, deren Produktion bereits 1955 einsetzte.
Der kyrillische Buchstabe »C« neben dem Zenit-Namenszug an der Vorderseite dieser Kamera steht für »Synchronisation«. Für sie hatte in mehrfacher Hinsicht die Zorki C von 1955 Pate gestanden, die wiederum für Verschluß und Zeiteinstellmechanismus der Zorki 2 von 1954 verbunden ist. Wie dort wird der Auslöseknopf nicht mehr zusammen mit dem Verschlußmechanismus gedreht, vielmehr hat seine Manschette nun die Funktion eines Rückspuleinstellknopfes erhalten, weshalb jetzt der separate Rückspulhebel fortfällt. Ferner besitzt die Kamera einen neuen Verschlußzylinder mit einem Indexstrich auf der Achse des Ringes. Bei der Einstellung der Belichtungszeiten zieht man jetzt in Exakta-Manier den Einstellring mit der Belichtungszeitenskala leicht nach oben und dreht ihn so, daß die gewünschte Belichtungszeit gegenüber dem Indexstrich steht. Wie schon bei dem Vorgängermodell, der Zenit, und wie bei den späteren Modellen ebenfalls, darf der Zwischenraum 500 – B nicht übersprungen werden. Dies bedeutet, daß die Belichtungszeiten nur in der Richtung B – 25 – 50 – 125 – 250 – 500 und zurück eingestellt werden dürfen. Ein Fortschritt gegenüber der Zenit ist die Möglichkeit, daß die Zeiten nun auch bei noch nicht gespanntem Verschluß verändert werden können.
|Abb. 20: Zenit C, Gehäuse-Nr. 5614907, mit der herkömmlichen Zeitenfolge.|
|Abb. 21: Zenit C, Gehäuse-Nr. 59919820, mit der neuen geometrisch gestuften Zeitenreihe: 1/30 s, 1/60 s, 1/125 s, 1/250 s, 1/500 s sowie B.|
Die wichtigste Änderung jedoch bedeutet die Synchronisation des Verschlusses, die ebenfalls von der Zorki C als der ersten synchronisierten Kamera dieser Serie übernommen wurde. Die Normbuchse zum Anschluß des Blitzlichts befindet sich an der Vorderseite des Decks für Auslöser und Zeiteinstellung, der Hebel zur Auswahl der Synchronisatonsvorlaufzeit von 0, 5, 10, 15, 20 und 25 Millisekunden ist unter der Einstellscheibe für die Verschlußzeiten. Dabei galt die 0-Vorlaufzeit für Elektronenblitzgeräte, die bei einer Verschlußzeit von 1/25 s (später 1/30 s) gezündet wurden. Allerdings mußte der Verschluß sofort nach der Aufnahme wieder gespannt werden, um die Kontakte zu öffnen und damit ein Dauerblitzen zu vermeiden. Vakublitze wurden ebenfalls mit einer Belichtungszeit von 1/25 beziehungsweise später 1/30 s sowie mit einer Verzögerung von 20 Millisekunden gezündet. Wofür die übrigen Synchronisationswerte gebraucht wurden, ist nicht bekannt.
Ein weiteres sofort ins Auge springendes Merkmal der Zenit C ist der Seilzugmechanimus zur Steuerung der Spiegelbewegung. Es versteht sich von selbst, daß bei der Zenit C durch die Sychronisation der Auslöse- und Verschlußmechanismus mehr Platz einnehmen als bei der einfachen Zenit ohne Synchronisation, daß für den Hebelmechanismus für die Spiegelbewegung kein Platz mehr vorhanden war. In dieser Situation half man sich durch einen Rückgriff auf die Contax S, deren Spiegel ja auch durch einen Seilzugmechanismus in seine Arbeitsposition versetzt wurde.

Abb. 22: Das Antriebssystem für den Spiegel der Zenit C und Zenit 3. Deutlich ist der von
der Contax S entlehnte Seilzugmechanismus zu erkennen.

Abb. 23: Das Antriebssystem für den Spiegel der Zenit C, Gehäuse-Nr. 60287617.

In den sieben Jahren seiner Produktion war die Kamera etlichen Veränderungen unterworfen.
So wurde bald auf das Stabilisierungsfüßchen unter dem Spiegelvorbau verzichtet, das als offensichtlich ebenfalls eine Übernahme von der Contax S bereits bei der Standard-Zenit vorhanden war. Eine der letzten Kameras, die dieses Füßchen noch besitzt, stammt nach dem Ausweis ihrer Gehäusenummer 5614907 aus dem Jahre 1956.
|Abb. 24: Exportmodel »Zenith C« von 1960, Gehäuse-Nr. 60013042.|
Tiefgreifender als dieser mehr marginale Verzicht auf das im übrigen sehr praktische Standfüßchen war im Jahre 1959 die Einführung der geometrisch gestuften Zeitenreihe in den Bereichen 1/30 s, 1/60 s, 1/125 s, 1/250 s, 1/500 s sowie B. Ein Beispiel für eine Kamera mit der neuen Belichtungszeitenreihe ist die Zenit C mit der Gehäuse-Nr. 59919820.
Ebenfalls mit der geometrisch gestuften Zeitenreihe ausgestattet ist eine auf der Vorderseite in lateinischer Schreibschrift gehaltene Zenith C mit der Gehäuse-Nr. 60013042. Auf der Rückseite des Decks für Auslöser und Zeiteinstellung ist die Herkunftsbezeichnung »MADE IN USSR« eingraviert. Diese Kamera ist ein Beispiel für die frühen, im übrigen nicht gerade erfolgreich verlaufenen Bemühungen, Zenit-Kameras in das kapitalistische Ausland zu exportieren. Sofort gab es eine Warenzeichenkollision, die Partie mußte zurückgezogen werden, und die verbliebenen Zenith C-Kameras wurden auf dem sowjetischen Binnenmarkt verkauft. Eine russische Herkunftsbezeichnung »СДЕЛАНО В СССР« trägt hingegen eine Zenit aus dem Jahre 1958 mit der Gehäuse-Nr. 58023961 auf der Rückseite.
Entsprechend der sich überlappenden Fertigung der Zenit und Zenit C im Jahre 1955 waren die ersten Zenit C-Kameras ebenso wie die späte Zenit mit einem Industar-22 ohne Fokussierhebel ausgestattet. Beispiel hierfür ist die Zenit C Nr. 5502488, die mit einem Industar-22 Nr. 5508824 ausgerüstet ist. Ab 1956 wurde dieses Objektiv vom Industar-50 f3,5/5 cm als Standardobjektiv abgelöst. Es handelte sich dabei um eine verbesserte Version des Industar-22 mit einer höheren Auflösung.
In den Jahren 1955 bis 1961 wurden insgesamt 232 949 Zenit C-Kameras gefertigt. Abgelöst wurde dieser Kameratyp durch das Modell der Zenit 3, das bereits ab 1960 hergestellt wurde. Wie bereits im Falle der Zenit wurde auch hier überlappend produziert, eine Eigentümlichkeit, die auch bei den folgenden Zenit-Modellen zu beobachten ist.
Um werksseitige Sonderanfertigungen im Sinne von Versuchskameras, die niemals in Produktion gingen, dürfte es sich bei den Kameras mit den Gehäusenummern 5502023 sowie 57135208 handeln.
Äußerlich ist die Zenit C mit der Gehäuse-Nr. 5502023 ganz in Schwanz gehalten, jedoch dürfte es sich dabei um keine Originalausführung handeln. Vielmehr wurden und werden auch noch heute solche Veränderungen von privaten Werkstätten in Odessa und anderswo mit einem hohen Maß an technischem Geschick und Sauberkeit der Ausführung durchgeführt, so wohl auch im Falle dieser Kamera. Was aber höchstwahrscheinlich nicht auf das Konto einer solchen Werkstatt geht, sondern auf das von KMZ, ist der Einbau einer plankonvexen Bildfeldlinse mit Meßkeilpaar.
Im Gegensatz beispielsweise zur Contax FM aus dem Jahre 1958, die ebenfalls eine Bildfeldlinse mit Meßkeilpaar aufweist, wurde diese Art von Entfernungsmessung bei sowjetischen Spiegelreflexkameras nie serienmäßig angewendet. Lediglich bei einem Prototyp, einer Kristall-2 mit der Gehäuse-Nr. 00003, wohl aus dem Jahre 1962, ist ein solcher Sucher mit Bildfeldlinse mit Meßkeilen zu finden.
|Abb. 25: Zenit C, Gehäuse-Nr. 5502023, mit Schnittbildent- fernungsmesser.|
Letztendlich dürfte ein bedeutender Nachteil dieser Meßmethode die Konstrukteure in Krasnogorsk von einer serienmäßigen Einführung der Schnittbildmeßlupe abgehalten haben. Zwar bot bei schlechten Lichtverhältnissen die Meßlupe den Vorteil, daß zur Einstellung das gegenüber der Mattscheibe hellere Luftbild herangezogen wurde. Der Nachteil dieser Meßmethode bestand jedoch darin, daß die Blende nicht kleiner als 5,6 gewählt werden durfte, da sonst eine Abschattung im Meßfeld eintrat.
Bei der Zenit C mit der Gehäuse-Nr. 57135208 handelt es sich um ein Modell, bei dem versuchsweise ein Objektiv mit M 42-Schraubanschluß, also mit Contax S-Gewinde, verwendet wurde. Hierzu mußte am Spiegelvorbau nicht nur der verchromte M 39-Gewindering, sondern die gesamte Vorderseite abgenommen und durch eine neue Platte mit der entsprechenden Dicke ersetzt werden, um das notwendige Auflagemaß 45,5 mm zu gewährleisten. Im Gegensatz zur Originalkamera, bei welcher der M 39-Gewindering aufgeschraubt ist, ist bei dieser Versuchskamera der Gewindering aus der Vorderplatte herausgefräst, stellt also mit der Platte ein einziges Teil dar.
|Abb. 26: Zenit C, Gehäuse-Nr. 57135208, mit M 42-Schraubanschluß.|
Als Objektiv für diese Kamera ist ein serienmäßiger Industar-50 mit der Nr. 5737461 verwendet, auf dessen M 39-Gewinde ein Messingring mit M 42-Außengewinde geschraubt ist.
Es sollte jedoch noch neun Jahre ins Land gehen, bis das Objektivgewindemaß M 42 × 1 im Jahre 1967 allgemein für Zenit-Kameras eingeführt wurde.
|Abb. 27: Schnittmodell der Zenit C, GehäuseNr. 60292966.||

Abgesehen von der Kristall, die nur zwei Jahre lang gebaut wurde, technisch aber mit dem Nachfolgemodell, der Zenit 3M identisch ist, ist die Zenit 3 die KMZ-Prismensucherkamera mit der kürzesten Produktionsdauer. Ganze 81 776 Exemplare wurden in den Jahren 1960 bis 1962 gebaut, und gleichzeitig, nämlich 1961/62 machte ihr die Kristall mit 65 433 Stück tüchtig Konkurrenz.
Mit der Zenit 3 wurde das an die Leica II (D) erinnernde separate Deck für Auslöser und Zeiteinstellung verlassen und in der Art des Prototyps der Belichtungsmesser-Zenit durch einen durchgehenden Gehäuseaufsatz ersetzt. Auch wurde hier, um die überhöhten Proportionen des Kameragehäuses für das Auge zu mildern, in der Höhe des ursprünglichen Gehäuseabschlusses ein diesmal verchromtes, abgesetztes Band eingeführt.
|Abb 28: Zenit 3 mit kyrillischer Beschriftung, Gehäuse-Nr. 61025425.|
|Abb. 29: Zenit 3 mit lateinischer Beschriftung, Gehäuse-Nr. 62912142.|
Als Hinweis, daß mit dieser Kamera die dritte größere konstruktive Änderung eingeführt wurde, trägt die Kamera auf der Stirnseite in der schon gewohnten Schreibschrift den Namen Zenit 3, und zwar einmal in kyrillischen, dann wieder – ein Zeichen für den verstärkten Export in den kapitalistischen Westen – in lateinischen Buchstaben. Dabei fehlt bei der Version in lateinischer Schrift auf der Vorderseite grundsätzlich das KMZSignet, das Dove-Prisma mit Strahlenpfeil, das sich bei der kyrillischen Beschriftung unterhalb der Ziffer 3 befindet. Stattdessen ist es bei der Exportversion auf der Rückseite eingraviert: links vom Okular das Dove- Prisma, rechts die Herkunftsbezeichnung MADE IN USSR. Ein Beispiel für die Zenit in der beschriebenen Ausführung mit kyrillischer Schrift und Dove-Prisma ist die Kamera mit der Gehäuse-Nr. 61025425. Ein Exemplar einer Kamera mit lateinischer Beschriftung und ohne Dove-Prisma auf der Vorderseite ist die Zenit 3 mit der Gehäuse-Nr. 62912142.
Darüber hinaus existierten anfangs auch Zenit 3-Kameras mit kyrillischer Beschriftung ohne Dove-Prisma, weder auf der Vorderseite noch auf der Rückseite. Ein Beispiel dafür ist die Kamera mit der Gehäuse-Nr. 60003605.
Um dem Wunsch europäischer Importeure nach einer Kamera mit eigenem Namen entgegenzukommen, gab es schließlich eine Namensvariante: Zeniflex, auf der Frontfläche in Kapitälchen geschrieben. Ein Beispiel einer solchen Kamera ist die Gehäuse-Nr. 62207244.

Abb. 30: Zeniflex, Gehäuse-Nr. 62207244 (Foto mit freundlicher Genehmigung von Jean
Loup Princelle, Ondreville sur Essone).

Notwendig wurde der unorganisch wirkende Aufbau der Zenit 3 durch eine Neuerung in Gestalt eines Schnellaufzugshebels für Filmtransport und Verschluß, dessen Mechanismus unter dem Gehäuseaufbau untergebracht war. Dem Bildzählwerk am Aufzugshebel entspricht auf der rechten Seite ein ähnlich gestalteter, gestufter Rückspulknopf mit integrierter Filmmerkscheibe in kyrillischer Beschriftung, gleichgültig ob es sich um eine Kamera mit kyrillisch oder lateinisch geschriebenem Namen handelt.
Ein weitere Neuerung, von der Zorki 6 (1959–1966) übernommen, ist schließlich der Selbstauslöser.
Bei den Standardobjektiv konnte der Käufer zwischen zwei Objektiven wählen, dem herkömmlichen Industar-50 3,5/50 mm und dem Helios-44 2,0/58 mm. Außer der verbesserten Lichtstärke zeichnete sich letzteres Objektiv noch durch die Möglichkeit einer Blendenvorwahl aus, wie sie bei den Zeiss-Objektiven der DDR bereits seit 1951 Usus war.
Alles in allem handelte es sich bei der Zenit um eine Übergangskamera mit zwei nützlichen Neueinführungen, dem Schnellaufzugshebel und dem Selbstauslöser. Auf weitere grundsätzlich neue technische Änderungen wurde jedoch verzichtet, so blieb beispielsweise der Bewegungsmechanismus des Spiegels unangetastet und wurde von der Zenit C einfach übernommen.

Abb 31:
Nikolay Mikhaylovich Marenkov.
»Die Zenit 3 wurde zweifellos von N.M. Marenkov entworfen«, steht bei Jean Loup Princelle (Anm. 26), der diese Mitteilung von seinen KMZ-Gewährsleuten in Moskau erhalten haben dürfte.
Nun ist aber bereits mit der Konstruktion der Zorki 3 von 1951 der Name Nikolay Mikhaylovich Marenkov verbunden, vor allem daß er für diese Kamera weitestgehenden Gebrauch vom Aluminium-Spritzgußverfahren für Gehäuse und Aufbauten gemacht hat.
Eine weitere Quelle ergänzt diese Mitteilung. (Anm. 27) Ihr zufolge wurden in Erfüllung des fünften 5-Jahresplans (1951–1955) in der ganzen Sowjetunion Rationalisierungsbrigaden aufgestellt. Eine solche leitete in Krasnogorsk zusammen mit N.M. Egorov, dem damaligen Direktor des Werks, N.M. Marenkov. Diesem Team gelang es, durch ausgiebige Verwendung von Spritzgußteilen die Zahl der bis dahin benötigten Einzelteile beträchtlich zu verringern und damit die Herstellungsdauer der Zorki um 46 Minuten zu verkürzen, was jährlich einer Ersparnis an Herstellungskosten von 200.000 Rubel entsprach.
1951 ist das Jahr, in dem die Zorki 3 herauskam. Was also liegt näher, als auch für die Zenit einen entscheidenden Teil der Produktionsverantwortung N.M. Marenkov zuzuweisen, bei der ebenfalls von Anfang an Spritzgußteile für Gehäuse und Aufbau verwendet wurden.
Daß N. M. Marenkov zu Beginn der 50er Jahre einen entscheidenden Einfluß bei der Konstruktion neuer Kameras besaß, zeigt auch die Entwicklungsgeschichte der Rodina. (Anm. 28) Diese Kamera wurde laut P.A. Tikhomirov, der für die Konstruktion des Verschlusses für diese Kamera zuständig war, 1952 von einer Arbeitsgruppe unter der Leitung von N.M. Marenkov entworfen. Unnötig der Hinweis, daß auch bei dieser Kamera die Verwendung von Spritzgußteilen favorisiert wurde. Allerdings kam diese Konstruktion nicht über den Bau von Versuchskameras hinaus. Aus fertigungstechnischen Gründen mußte schließlich der Zorki 3 der Vortritt gelassen werden, die ja auch von N. M. Marenkov stammt.
Weitere Daten zum Leben und Wirken von Nikoly Mikhaylovich Marenkov liegen bislang nicht vor. Einzig ein Foto von ihm ist in der KMZ-Monografie von V.L. Rapoport »Mastera Optiki« von 1983 veröffentlicht. Es zeigt den talentierten Konstrukteur mit seinen Orden und Auszeichnungen, die er für seine Arbeit erhalten hat. In den Händen hält er eine Zenit E, ein Kameramodell, das zwischen 1965 und 1982 in mehr als drei Millionen Exemplaren gebaut wurde. So bringt dieses Foto in sinnhafter Weise die Verbundenheit von dem Schöpfer und seinem Werk, der Zenit-Kamera, zum Ausdruck.
Waren die fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts in der gehobenen Klasse der Kleinbildkameras von der Konkurrenz zwischen Entfernungsmesserkameras und Prismensucherkameras geprägt, aus der schließlich die Spiegelreflexkamera als Siegerin hervorging, so hatten die sechziger Jahre ebenfalls ein Reizwort, und das hieß Massenproduktion. Immer größere Stückzahlen wurden gefordert, die mit herkömmlichen Werkstattmethoden nicht mehr hergestellt werden konnten. Neue Wege mußten gesucht werden. So besuchte beispielsweise Siegfried Böhm von Pentacon in dieser Zeit Japan, um die dortigen Fertigungsmethoden zu studieren und sie in der Baureihe der Praktica nova anzuwenden. Neue Wege ging auch Nikolay Mikhaylovich Marenkov mit seiner Kristall, die 1961 auf dem Markt erschien.
Hatte bereits die Zenit 3 den Selbstauslöser von der Zorki 6 übernommen, so ist die Kristall mit noch weiteren Übernahmen dieser Entfernungsmesserkamera verbunden, die zwischen 1959 und 1966 produziert wurde. Wie sie hatte nun auch die Kristall nicht nur einen Schnellaufzugshebel, wie ihn schon die Zenit 3 besaß, sondern jetzt war auch der Auslöser in der Art der Zorki 6 in den Schnellaufzugshebel integriert. Wichtig noch war die Tatsache, daß bei der Kristall genauso wie bei der Zorki 6 das Oberteil aus einem einzigen gegossenen Werkstück bestand. Weiter hatte die Kristall die angelenkte Rückwand der Zorki 6 entlehnt sowie deren neuen Schlitzverschluß, Filmbühne, Filmaufnahmespule, Verschlußentriegelungsknopf und Filmzählwerk, ferner Rückspulknopf mit Filmmerkscheibe. (Anm. 29)
|Abb. 32: Kristall, Aufbau in Hammerschlag-Lackierung, Gehäuse-Nr. 61009908.|
|Abb. 33: Kristall, Aufbau in verchromter Ausführung, Gehäuse-Nr. 61021914.|
Während jedoch die Zorki 6 bereits Normbuchsen für den F- sowie XKontakt besaß, hatte die Kristall noch eine einzige Blitzlichtbuchse, und die Umstellung geschah noch mittels des bekannten Synchroselektors am Zeiteinstellknopf. Allerdings war dieser Selektor insofern vereinfacht, daß auf die Zwischenstufen verzichtet wurde und nur noch die Wahlmöglichkeit zwischen Elektronenblitzlicht (0 Millisekunden Verzögerung) und Vakublitz (20 Millisekunden Verzögerung) blieb, beide Möglichkeiten durch entsprechende Symbole anstatt durch Zahlen gekennzeichnet.
|Abb. 34: Zorki 6, Gehäuse-Nr. 60005908|
Gegenüber dem von der Zenit C übernommenen Bewegungsmechanismus des Spiegels der Zenit 3 ist der Spiegelmechanismus der Kristall nochmals vereinfacht worden (Abb. 35). Das Zahnrad (5) vollzieht während des Spannens des Verschlusses eine komplette Drehung. Dabei dreht der Stift (6) am Zahnrad (5) den Hebel (3), der am entgegengesetzten Arm eine Schraube (4) besitzt. Das Ende der Schraube lehnt gegen den oberen Arm des Hebels (2).
Wenn sich der Hebel (3) dreht, dreht sich ebenfalls der Hebel (2), drückt gegen den Spiegelrahmen und senkt ihn. Im nächsten Moment gibt der Stift (6) den Hebel (3) frei und der Spiegel könnte in die Ausgangsposition zurückkehren. Der Vorsprung des Hebels (1) jedoch verhindert dies, und der Spiegel verbleibt in der Arbeitsposition.
Beim Drücken des Auslöserknopfes wird der Hebel (1) durch einen bereits von der Standard-Zenit bekannten Mechanismus zur Seite gedrückt, und der Spiegel fällt durch Federkraft in seine Ausgangsposition zurück. Auch besitzt der Spiegelmechanismus eine Blockiervorrichtung für den Verschluß ähnlich der Zenit, wo sie bereits im Detail vorgestellt wurde. (Anm. 30)
Abb. 35: Der neue Bewegungsmechanismus des Spiegels für die konventionelle Kristall sowie für die Zenit 3M.
Waren die Zenit-Kameras in der Vergangenheit mit Vulcanit ähnlich der Leica II (D) bezogen, so wurde bei der Kristall das äußere Erscheinungsbild durch einen quergestreiften schwarzen Nylonbezug im Fischgrätenmuster dem der Zorki 6 angeglichen.
Als Standardobjektiv diente der bereits von der Zenit C her bekannte Industar-50.
Die Kristall wurde lediglich in den Jahren 1961 und 1962 hergestellt. Sie ist damit die kurzlebigste Kamera aus der frühen Zenit-Reihe und mit 65 433 Exemplaren, wenn man diesen Zahlen vertrauen darf, eine der selteneren. Angesichts der Eingangsbehauptung, daß mit dieser Kamera das Prinzip der Massenproduktion bei der Zenit Eingang fand, kein beeindruckende Zahl. Zu erklären ist dies dadurch, daß diese Kamera durch ihr äußeres Erscheinungsbild keine Akzeptanz bei den Amateuren fand. Dies war schließlich der Grund, warum die Kamera so rasch vom Markt zurückgezogen wurde, und nicht etwa Qualitätsmängel. Im Gegenteil, die Zenit 3M, die von 1962 bis 1970 in der beachtlichen Stückzahl von 777 175. Exemplaren produziert wurde, ist technisch mit der Kristall identisch. Vielmehr waren Mißgriffe ästhetischer Natur für den Mißerfolg der Kamera verantwortlich. Zwar ist der durch die Mechanik des neuen Schnellschalthebels bedingte hohe Gehäuseaufsatz durch eine Stufung für das Auge gemildert. Die in einer Hammerschlag-Lackierung gehaltenen Metallteile aber ließen eher an ein Werkzeug denken als an einen Fotoapparat. Deshalb gab es die Kristall auch mit matt verchromten Metallteilen. Aber das nützte wenig, denn die vierfach gerippte Prismenabdeckung wurde ebenfalls heftig kritisiert, da sie an die Kühlerhaube eines russischen Lastkraftwagens jener Zeit erinnerte. (Anm. 31)
Wenn also auch keine Schönheit, so bot die Kristall einige bedeutsame Verbesserungen im Vergleich zu ihrem Vorgängermodell, der Zenit 3.
Aber N. M. Marenkov blieb keineswegs bei dem einmal Erreichten stehen, sondern versuchte sich immer wieder mit Neuerungen. Beispiel hierfür sind die beiden Prototypen „Kristall-2“, die zwar den gleichen Namen tragen, sich aber in ihren Spezifikationen voneinander unterscheiden.
Die eine Kamera stammt laut Ausweis ihrer Gehäuse-Nr. 61000559 aus dem Jahre 1961. (Anm. 32) Sie trägt den Namen Kristall in kyrillischen Schreibschrift, ergänzt durch eine in die Mitte gesetzte große »2«. Anders als ihre normalen Geschwister, deren Gehäuse in Schwarz gehalten sind und nur die Aufbauten in der Hammerschlaglackierung beziehungweise verchromt erscheinen, sind bei dieser Kristall-2 auch die freiliegenden Metallflächen des Gehäuses verchromt. Im übrigen unterscheidet sich diese Kamera von ihrem Äußeren her nicht von einer herkömmlichen Kristall-Kamera.
|Abb. 36: Die erste Kristall-2 mit Rückkehrspiegel, Gehäuse-Nr. 61000559 (Foto mit freundlicher Genehmigung von Dr. Milos Mladek, Wien).|
|Abb. 37: Kristall-2, erste Ausführung Gehäuse-Nr. 61000559 (Foto mit freundlicher Genehmigung von Dr. Milos Mladek, Wien)|
In ihrem Innern jedoch beherbergt diese Kamera einen Rückkehrspiegel. »Herzstück dieser Konstruktion ist ein etwa 250 Grad runder Blechzylinder, der den Spiegel anhebt. Letzterer ist federbelastet und kehrt von selbst in die abgesenkte Stellung zurück, sobald er nicht mehr durch den sich drehenden Zylinder angehoben wird.
Beim Spannen des Verschlusses wird der Finger, der über eine Übersetzung später den Spiegel anhebt, zunächst durch eine entsprechende den Finger nach unten weisende Abschrägung unter den Zylinder gedrückt. Dieser dreht sich über ihm um 360 Grad, wobei der Finger auf den letzten etwa 110 Grad minimal nach oben schnappt (weil er nicht mehr an der Unterseite des Zylinders schleift, denn der Zylinder ist ja nur etwa 250 Grad gebogen, er beschreibt also etwa einen Dreiviertelkreis, keinen vollen Kreis). Schließlich gleicht der Zustand vollkommen dem Ausgangszustand, allerdings mit dem Unterschied, daß der Mechanismus gespannt ist und der Zylinder sich nun durch die Federkraft um 360 Grad zurückdrehen könnte. Beim Auslösen geschieht dies auch, wobei jetzt der Finger auf eine anders geformte Nase an der anderen Kante des Drehzylinders trifft, die ihn nach oben drückt, wobei über die erwähnte Übersetzung der Spiegel angehoben wird. Wenn der Zylinder fast das Ende seiner Drehbewegung von 360 Grad in umgekehrter Richtung zurückgelegt hat, endet der Zylinder und der Finger rutscht nach unten, wodurch der Spiegel abgesenkt wird« (Milos Mladek).
Ein einfacher sinnreicher Mechanismus, der deshalb so ausführlich beschrieben wurde, weil er auch bei der nächsten bekannt gewordenen Kristall-2 sowie 1964 bei einem Prototyp der Zenit 3M, der Zenit 3EM, angewandt wurde, bis er schließlich bei der Zenit-E in millionenfache Serie ging.
Die zweite Kristall-2 ist gleich in zwei Exemplaren bekannt geworden. Das eine besitzt einen Aufbau in der bekannten Hammerschlaglackierung. (Anm. 33)
Die Oberseite der zweiten Kamera, die im folgenden beschrieben werden soll, ist verchromt. Die Metallteile des übrigen Gehäuses sind schwarz lackiert. Datieren läßt sich dieses Exemplar nicht genau, denn auf der Rückseite trägt sie unter dem KMZ-Prisma lediglich die Gehäuse-Nr. 00003.
Das Neue an dieser Kamera ist der Verschluß mit seiner geometrisch gestuften Zeitenreihe in den Bereichen 1/2 s, 1/4 s, 1/8 s, 1/15 s, 1/30 s, 1/60 s, 1/125 s, 1/250 s und 1/500 s. Das dazu notwendige Hemmwerk findet sich auch bei der Zorki 3C (1955) sowie bei der Zorki 4 (1956) wieder, nur daß diese Kameras auch 1 s sowie 1/1000 s besitzen. Auf diese beiden Zeiten ist bei der Kristall-2 verzichtet.
Weiter ist bei dem Prototyp der Kristall-2 auf den an der Zeiteneinstellscheibe befindlichen X- und M-Selektor der Serien-Kristall verzichtet. Statt dessen finden sich seitlich zwei Normbuchsen für den X- und MAnschluß in der Art der Zorki 6 (1959). Soweit also die Übernahmen von anderen KMZ-Kameras.
|Abb. 38: Kristall-2, zweite Ausführung, Vorderansicht, Gehäuse-Nr. 00003.|
|Abb. 39: Kristall-2, zweite Ausführung, Draufsicht, Gehäuse-Nr. 00003.|
|Abb. 40: Kristall-2, zweite Ausführung, Blick in das Spiegelgehäuse.|
An Neuerungen besitzt diese Kamera den bereits von der ersten Kri-stall-2 bekannten Rückkehrspiegel sowie einen schon vom Äußeren her sofort ins Auge springenden eingebauten, ungekuppelten Belichtungsmesser, dessen Selenelement sich genau in der Mitte des Kameravorbaus befindet, darunter die Typenbezeichnung in kyrillischer Schreibschrift: Kristall-2. Schließlich ist die Kamera mit einem Schnittbildentfernungsmesser versehen.
Wie schon bei den FED-Kameras, aus denen 1949 die KMZ-Kameras hervorgingen, offenbart sich auch diesem Prototyp ein Eklektizismus, indem Elemente verschiedener bestehender Kameras neu arrangiert und durch innovative ergänzt wurden, so daß schließlich eine neue Kamera entstand.
Die Sowjetunion konnten in jenen Jahren technisch durchaus mit der Kameraentwicklung der DDR mithalten. Denn bis auf die Einrichtung für eine Vorwahlspringblende war die zweite Kristall-2 mit allen technischen Eigenschaften ausgestattet, wie sie beispielsweise erst drei Jahre später die Praktica V FB von 1965 aufwies. Wohl weil technisch zu aufwendig, ging die Kristall-2 mit Belichtungsmesser, Langzeitenwerk und Rückkehrspiegel niemals in Serie.
|Abb. 41: Günter Heller, Wiesbaden, bei der Reparatur der Kristall-2, Gehäuse-Nr. 00003.|
An die Kristall scheint man in Krasnogorsk große Erwartungen geknüpft zu haben, die aber nicht in Erfüllung gingen. Selbstverständlich hatte sie einige bedeutende Neuerungen aufzuweisen wie den Auslöser, der jetzt in den Schnellaufzugshebel integriert war, oder die angelenkte Rückwand, mit der jetzt das Filmeinlegen zum Kinderspiel geworden war, um nur die beiden wichtigsten zu nennen. Aber schließlich siegte das ästhetische Empfinden über die Technik, auch scheint man mit der Namensänderung nicht einverstanden gewesen zu sei. Wie dem auch sei, KMZ kehrte schon bald, 1962, reumütig zu dem alten Namen Zenit zurück, den man um die Buchstaben 3M erweiterte, wobei das »M« für »modernisiert« stand. (Anm. 34) Bei der Zenit 3M handelte es sich also um eine modernisierte Zenit 3. Einer anderen Quelle zufolge sollte jedoch das »M« auf den Namen des Konstrukteurs N.M. Marenkov weisen. (Anm. 35) Als einzige technische Änderung, nicht Neuerung, ist die Rückkehr zur gepreßten und mattiert verchromten Deckplatte zu nennen. Im übrigen entspricht die Zenit 3M in ihrer technischen Spezifikation vollkommen der Kristall.
|Abb. 42: Zenit 3M mit kyrillischer Beschriftung, Gehäuse-Nr. 63006437.|
Was bereits für die Kristall geplant war, hier kam die Idee der Massenproduktion vollständig zum Tragen. Insgesamt 777 175 Kameras wurden hergestellt, und die Produktion dauerte noch in die Jahre 1966 bis 1970 hinein, als bereits die Zenit-E und Zenit-B als Nachfolgemodelle auf dem Markt erschienen waren.
|Abb. 43: Der Bewegungsmechanismus für den Spiegel der Zenit 3M, Gehäuse-Nr. 64061941.|
|Abb. 44: Zenit 3 M mit lateinischer Beschriftung, Gehäuse-Nr. 630700014.|
Blieb auch die Zenit technisch im großen und ganzen unverändert, so gab es doch in der langen Spanne von neun Jahren der Produktion eine ganze Anzahl äußerlicher Veränderungen. Diese beginnen bereits bei den Schriftzügen in lateinischen Buchstaben, während der kyrillische Schriftzug während der gesamten Produktionszeit unverändert blieb.
Schon 1960 hatte es den ersten zaghaften Versuch gegeben, die Zenit ins kapitalistische Ausland zu exportieren, was jedoch bald an den Einsprüchen wegen Namensverletzungen scheiterte. Ein Jahr später wurden mit der Zenit 3 diese Versuche erfolgreicher fortgesetzt. Denn diesmal war man klüger, behielt den russischen Namen Zenit bei, nur in lateinischen Buchstaben geschrieben, und ging damit einer Kollision mit bereits bestehenden Markennamen aus dem Weg. Darüber hinaus versah man auch Kameralieferungen mit dem Namen Zeniflex als Hausmarke europäischer Importeure.
Diese Exportpolitik hatte sich als erfolgreich herausgestellt, und so verfolgte man sie bei der Zenit-3M in einem größeren Stil. Neben der Zenit 3M in kyrillischer Schrift gab es deshalb auch die Zenit 3M in lateinischen Buchstaben, und das gleich in drei Varianten:
Außerdem wurden für bestimmte Importeure Kameras mit deren gewünschten Namen versehen. Beispiele hierfür sind die Kameras:
Nicht nur in den Schriftzügen unterschieden sich die Zenit 3M-Kameras. Auch in anderen Details gab es Unterschiede, auch wenn sie häufig nur minimal waren. So besitzen die frühen Zenit 3M-Kameras noch die entsprechenden Symbole für Elektronen- beziehungsweise Vakublitz am Wähler an der Zeiteinstellscheibe. Beispiel hierfür ist die Kamera Nr. 63006437. Bald jedoch verließ man die Symbole und ersetzte sie durch die Buchstaben X und M, beispielsweise an der Kamera mit der Gehäuse-Nr. 64124668. In gleicher Weise geschah dies bei der Zorki, von der ja die Kristall die Blitzlichtsymbole übernommen hatte, wo es jetzt auch X und M hieß. Beispiel dafür ist die Zorki mit der Gehäuse-Nr. 640015506.
Auf die Zeiteinstellung bei Blitzaufnahmen bezog sich – auch dies eine Neuerung gegenüber der Kristall und den ersten Zenit 3M-Modellen – der Buchstabe X neben der Ziffer 30 auf der Zeiteinstellscheibe. Diese Verbindung X-30 wurde auch bei den Nachfolgemodellen Zenit-E und Zenit-B beibehalten.
War die Zeiteinstellscheibe in den ersten Jahren der Zenit 3M noch verchromt mit schwarz eingelegten Zahlen, so wurde sie ab 1966 zugunsten einer schwarzen Scheibe mit weiß eingelegten Ziffern verändert. Konsequent allerdings scheint diese Änderung nicht eingeführt worden zu sein. So gibt es bereits aus dem Jahre 1966 Kameras mit schwarzer Scheibe, zum Beispiel an den Gehäuse-Nummern 66030141 und 66046330, und aus den Jahren 1967 und 1968 existieren noch Kameras mit verchromten Zeiteinstellscheiben, beispielsweise die Gehäuse-Nummern 6704782 und 68002047.
Unterschiede gab es auch bei den Filmmerkscheiben an der rechten Seite. So entsprach bei den frühen Zenit 3M-Kameras ihre Gestaltung noch exakt der der Kristall, zum Beispiel die Gehäuse-Nr. 63008437. Ab etwa 1964 wurde die Schrift etwas größer und besser lesbar, und bei den Exportkameras war das russische Wort für Farbe durch das englische »Colour« ersetzt, zum Beispiel bei der Kamera mit der Gehäuse-Nr. 64124668. Die Filmempfindlichkeit war durchweg nach der sowjetischen Norm in GOST angegeben.
Ab 1968 wurde die Filmmerkscheibe für Exportkameras nochmals geändert. Die Filmempfindlichkeit wurde jetzt sowohl in GOST-ASA als auch in DIN vermerkt, und das Wort für Farbe erschien sowohl in Russisch als auch in Englisch (Beispiel: Global-Kamera mit der Gehäuse-Nr. 68119457) Bei den Revueflex-Kameras, die an das deutsche Versandhaus Quelle geliefert wurden, war die Filmmerkscheibe mitunter nur in DIN ausgelegt (Beispiel: Revueflex mit der Gehäuse-Nr. 68002047). Für die Quelle bestimmt war auch die Zenit 3M-Revueflex mit der jüngsten bekannten Gehäuse-Nr. 70005262 aus dem Jahre 1970.
|Abb. 45: Rückseite der Zenit 3M-Revueflex, Gehäuse-Nr. 70005262.|
Varianten gab es auch bei der Plazierung des KMZ-Signets, das einmal links auf der Rückseite wiedergegeben war oder sich aber – seltener – links auf der Vorderseite befand. Auch die Plazierung der Gehäuse- Nummer variierte. Einmal befand sie sich unter dem KMZ-Signet auf der Rückseite, und die Herkunftsangabe »Made in USSR« war dann auf der gegenüberliegenden rechten Seite. Oder aber die Herkunftsbezeichnung befand sich links unter dem KMZ-Symbol, und dann war die Gehäuse- Nummer auf die rechte Seite gerückt. Bei Kameras mit dem KMZ-Signet auf der Vorderseite befand sich die Gehäuse-Nummer isoliert links auf der Rückseite, eine Herkunftsbezeichnung fehlte. Beispiele hierfür sind die Kameras Nr. 66030141 sowie 6605445.
Eine stringente Systematik in der Plazierung von Signet, Gehäuse-Nummer und Herkunftsbezeichnung läßt sich nicht ausmachen, doch erscheint ab 1966 in verstärktem Maße die Herkunftsbezeichnung unter dem KMZ-Signet links und die Gehäuse-Nummer rechts auf der Rückseite.
Neben dem Industar-50, 3,5/50 mm in verchromter, später auch schwarzer Ausführung dienten als Normalobjektive der Helios-44, 2/58 mm in Aluminium sowie später in Schwarz, ferner der Helios 44-2, 2/58 mm.
Bei der Zenit 3M jedoch blieb man in Krasnogorsk nicht stehen, es wurde weiter konstruiert und entwickelt. Ein Beispiel hierfür ist der Prototyp Abb. 45: Rückseite der Zenit 3M-Revueflex, Gehäuse-Nr. 70005262. der Zenit 3 EM, die nach Ausweis ihrer Gehäuse-Nr. 64027660 aus dem Jahre 1964 stammt. Der Buchstabe »E« in der Typenbezeichnung »3 EM« dürfte für »»Exponometer«, Belichtungsmesser stehen, den diese Kamera aufweist. Von seiner Spezifikation her ist die Kamera eine vereinfachte zweite Kristall-2, wobei der Verschluß mit integriertem X- und M-Selektor der Zenit 3M benutzt und auf den Schnittbildentfernungsmesser verzichtet wurde. Damit entspricht diese Kamera technisch der Zenit-E, die ebenfalls mit einem Belichtungsmesser ausgestattet war und ein Jahr später, 1965, in Serie ging. Die Zenit 3 EM ist als einer ihrer Vorläufer anzusehen. Auch die Zenit-3 besaß bis zum Herbst 1967 einen M 39-Objektivanschluß. Ferner hatte sie wohl bereits von Anfang an einen Rückkehrspiegel. Jedenfalls ist bis heute keine Kamera dieses Typs bekannt geworden, die noch einen herkömmlichen Spiegel besaß, der erst nach Spannen des Verschlusses in die Ausgangsposition zurückkehrte.
|Abb. 46: Zenit S3 EM mit Belichtungsmesser und Rückkehrspiegel, Gehäuse-Nr. 64027660, Vorläufer der Zenit-E.|
Bei der Zorki-S und Zorki-4 wurden Sondereditionen erstmals zum Jugend- Festival 1957 gefertigt, zehn Jahre später war dann das 50. Jubiläum der Oktoberrevolution der Anlaß, dieses Ereignis bei der Zorki-4 durch gleich drei verschiedene Sonderausgaben zu feiern. Diesmal beteiligte sich auch die Zenit 3M am staatlichen Jubel und brachte im Jahre 1967 eine Sonderserie heraus, die auf dem Dach des Prismas in drei Symbolen die Macht der Sowjetunion und den steilen technischen Aufschwung jener Jahre darstellte. Über der Silhouette des Kreuzers Aurora, von dem aus an jenem denkwürdigen 25. Oktober 1917, 21.45 Uhr in St. Petersburg durch einen (Blind-)Schuß die proletarische Revolution eingeleitet worden war, schießt senkrecht eine rote Rakete in die Höhe, links daneben in roter Schrift die Jahreszahlen 1917 und 1967, rechts davon in Rot der hohe Kremlturm, der von einem roten Stern bekrönt wird. Fast unnötig zu bemerken, daß derart verzierte Kameras den Namen Zenit in kyrillischer Schrift aufweisen und die Filmmerkscheibe ausschließlich in GOST ausgelegt ist, ein Zeichen, daß diese Kameras nur für den Inlandbedarf hergestellt wurden. Das kapitalistische Ausland hätte ja auch damals in der Zeit des Kalten Krieges für die Demonstration der Macht der Sowjetunion, für die man obendrein hätte bezahlen müssen, kaum Verständnis gehabt. Die Jubiläumskamera wurde ausschließlich im Jahre 1967 hergestellt. Ein Beispiel dafür ist die Gehäusenummer 67042782.
|Abb. 47: Zenit 3M, Sondermodell zum 50. Jahrestag der Oktoberrevolution, Gehäuse-Nr. 67042782.|
|Abb. 48: Zenit 3M, private Gravur zum 50. Jahrestag der Oktoberrevolution, Gehäuse- Nr. 660107864.|
Ferner gibt es auch eine Zenit 3M zum gleichen Anlaß, die auf dem Dach des Prismas lediglich in schwarz graviert den Kremlturm sowie die Jahreszahlen 1917 und 1967 zeigt. Es handelt sich um eine feine Arbeit, die jedoch an der linken Seite einen winzigen Stichglitscher aufweist, außerdem befindet sich das Gebäude nicht ganz in der Mitte des Prismendaches. Das wichtigstes Argument jedoch, daß es sich um keine offizielle KMZVariante einer Jubiläumskamera sondern um eine private Arbeit handeln dürfte, ist die Gehäuse-Nr. 660107864. Die Kamera stammt also bereits von 1966, einem Jahr vor dem Ereignis.
Daß sich bei KMZ die Produktion älterer und neuer Modelle zeitlich überschnitt, ist keine neue Erfahrung. Dies traf bei praktisch allen Zenitkameras zu, und 1962 wurden sogar drei Typen nebeneinander hergestellt: die Zenit 3, die Kristall und die Zenit 3M. Kein Wunder, daß auch die Zenit 3M und ihr Nachfolgemodell, die Zenit-E, eine Zeitlang nebeneinander gebaut wurden. Allerdings ist die Zeitspanne bemerkenswert, denn es waren immerhin mehr als fünf Jahre, daß der Käufer – zumindest im Ausland – die Wahl zwischen zwei Zenittypen hatte.
|Abb. 49: Zenit-E in kyrillischen Buchstaben, mit M 39-Objektivgewinde, Gehäuse-Nr. 6602488.|
|Abb. 50: Zenit-E in lateinischen Buchstaben, mit M 39-Objektivgewinde, Gehäuse-Nr. 66012459. Deutlich ist der gegenüber der Kamera auf Abb. 51 schmalere Gewindering zu erkennen.|
Für den Buchstaben »E« gibt es gleich zwei Erklärungen. Zum einen heißt es, daß das »E« für »Exponometer« (Belichtungsmesser) stehe. Zum anderen soll einer inoffiziellen Information zufolge dieser Buchstabe auf Nikolay Mikhaylovich Egorov hinweisen, der von 1953 bis 1965 Direktor von KMZ war. (Anm. 37)
Ein herausragendes Merkmal der Zenit-E ist der Rückkehrspiegel, der wie es scheint bereits bei den ersten Modellen eingebaut war. Jedenfalls ist bis heute keine Kamera dieses Typs bekannt geworden, die noch einen herkömmlichen Spiegel besaß, der erst nach Spannen des Verschlusses in die Ausgangsposition zurückkehrte. (Anm. 38)
Eine weitere serienmäßige Neuerung ist der eingebaute, ungekuppelte Belichtungsmesser, an dessen Vervollkommnung seit mindestens 1962, damals noch bei der Kristall-2, später dann bei der Zeit 3 EM gearbeitet worden war.
Das Objektivgewinde scheint bei den ersten Kameras der E-Serie bis zum Herbst 1967 das M 39 × 1 der alten Zenit gewesen zu sein, das dann anschließend durch das Praktica-Gewinde M 42 × 1 ersetzt wurde. (Anm. 39)
Mit dem M 39-Gewinde, das noch von der Leica II (D) aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg herrührte, hatte die Zenit 16 Jahre lang der Entwicklung hintergehinkt. Erstmals an der Contax S angewandt, wurde das M 42-Gewinde auf Anraten von Prof. August Klughardt vom Wissenschaftlich- Photographischen Institut der Technischen Hochschule Dresden auch von Siegfried Böhm für die letzten Praktiflex- und dann für die Praktica- Kameras verwendet. (Anm. 40) Später hatte dann Asahi Kogaku für die Asahiflex das M 42-Gewinde von den DDR-Kameras übernommen, nachdem sich das japanische Unternehmen Mitte der 50er Jahre, also bedeutend später als die Sowjetunion, der Prismensucher-Spiegelreflexkamera zugewandt hatte. Auch andere japanische Kamera- und Objektivhersteller hatten den Vorteil des M 42-Objektivanschlusses erkannt, und so stand dem Amateur eine Fülle von ausgezeichneten Objektiven zur Verfügung, mit „Pentax-Anschluß“, wie das Gewinde später international in Verkennung der historischen Gegebenheiten genannt wurde.
Ob eine frühe Zenit-E noch ein M 39- oder bereits ein M 42-Objektivgewinde besitzt, läßt sich nur bei genauem Hinsehen erkennen. So gab es für das M 39-Leica-Gewinde zwei verschieden breite Gewinderinge, einen schmaleren, der unter der verchromten Fläche unter dem Selenelement abschloß, und einem breiteren mit den Außenmaßen des Gewinderinges für das M 42-Objektiv, der sich mit der Chromfläche unter dem Belichtungsmesser um etwa einen Millimeter überschnitt.
Von ihrer ganzen Form und vom Gewicht her unterschied sich die Zenit-E von ihrem Vorgängermodell der Zenit 3M. Wog das Gehäuse der Zenit 3M ohne Objektiv gerade einmal etwa 600 g, so brachte Zenit-E etwa 700 g auf die Waage. Betrug die Höhe der Zenit 3M ohne Prismenaufsatz etwa 7 cm, so war die Zenit-E jetzt etwa 7 mm höher. Unterstrichen wurde diese Höhewirkung noch durch die jetzt senkrechten Streifen des Nylonbezugs und den Verzicht auf eine Stufung der Deckplatte, wie sie noch für die Zenit 3M bestanden hatte. Der Filmrückspulknopf unterscheidet sich von dem der Zenit 3M dadurch, daß in ihn die Einstellelemente für Filmempfindlichkeit und Blende für den Belichtungsmesser integriert sind. Dagegen ist das Zählwerk das alte geblieben, mit der einen Ausnahme, daß jetzt die Manschette um den Auslöseknopf nicht mehr gerändelt ist sondern die Bildzählscheibe mittels eines kleinen erhabenen Knopfes auf die Ausgangsstellung eingestellt wird.
Der bedeutendste, sofort ins Auge springende äußere Unterschied zwischen der noch elegant wirkenden Zenit-3M und der etwas klobigen Zenit-E sind die möglichst gerade Linien, um die man sich bei dieser Kamera bemühte. Das gilt auch für den Aufzugshebel, der nicht mehr geschwungen, sondern kantig ist. So ist auf der Vorderseite auf den ursprünglich der Leica II (D) verpflichteten runden Gehäuseabschluß zugunsten eines kantigen verzichtet. Inkonsequent wie man war, blieb jedoch auf der Rückseite der runde Abschluß bestehen, was der Kamera insgesamt einen eigenartig unorganischen Eindruck verleiht.
Neu war für diese Kamera ein aufsteckbarer Blitzlichtschuh.
Wie bereits bei den Vorgängerkameras seit 1960 gibt es auch für die Zenit-E eine Inlands- und eine Exportvariante, einmal mit dem Namen in kyrillischen Buchstaben, dann mit dem Namen in lateinischer Schrift geschrieben.
Mit ihren zwischen 1965 und 1981 exakt 3.334.540 gebauten Exemplaren, zu denen noch 1 im Jahre 1982 hinzukam, zunächst mit M 39-Objektivanschluß ausgestattet, bald dann aber mit dem Contax-Gewinde M 42, verdient die Zenit-E einen Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde. (Anm. 41)
Möglicherweise war man sich auch in Krasnogorsk bewußt, daß mit der Zenit-E kein Schönheitswettbewerb zu gewinnen war. Jedenfalls versuchte man sich bei der Zenit 66 aus den Jahren 1965/66, just also der Einführungsphase der Zenit-E, mit einigen kosmetischen Korrekturen am Gehäuse.6 So war die neue Kamera etwas schlanker und schmaler. Betrugen die Maße der Zenit-E 134 × 90 × 50 mm , so war die Zenit 66 nur 126 × 88 × 45 mm groß. Der auffälligste Unterschied bestand in der Gestaltung der Prismenabdeckung. War bei der Zenit-E die Abdeckung etwas schmaler als der Spiegelvorbau, der im übrigen in gleiche Höhe mit der Deckkappe abschloß, war bei der Zenit 66 der Vorbau etwas niedriger und vermittelte nach hinten zum Höhe der Deckplatte. Die Prismenabdeckung reichte jetzt bis zur Außenkante des Vorbaus, was dem Ganzen einen zeltartigen Charakter verlieh. Wie die Zenit-E besaß die Kamera einen Rückkehrspiegel, hatte jedoch keinen Belichtungsmesser. Der Schnellspannhebel mit integrierten Auslöserknopf und Bildzählwerk war ebenfalls von der Zenit-E übernommen, der Rückspulknopf mit Filmmerkscheibe von der Zenit 3M. Als einzige technische Besonderheit besaß die Zenit 66 den Auslöserknopf für die Filmrückspulung auf der Bodenplatte.

Abb. 51: Zenit 66, Prototyp von 1965/66, ausgestattet mit Rückkehrspiegel (Foto mit
freundlicher Genehmigung von Jean Loup Princelle, Ondreville sur Essone).

Abb. 52: Zenit 66, Prototyp von 1965/66, Draufsicht ((Foto mit freundlicher
Genehmigung von Jean Loup Princelle, Ondreville sur Essone).

Zweifellos war diese merkwürdige Kamera als Protoyp für die Zenit-B gebaut worden. Doch ihre eigenwillige Form scheint nicht überzeugt zu haben. Jedenfalls wurde die Zenit-B zwei Jahre später, 1968, äußerlich in enger Anlehnung an die Zenit-E gebaut, nur daß ihr der Belichtungsmesser fehlte und statt dessen der Rückspulknopf mit Filmmerkscheibe von der Zenit 3M beibehalten wurde.
|Abb. 53: Zenit-B in kyrillischen Buchstaben, mit M 39-Objektivgewinde, Gehäuse-Nr. 68027519, mit breiterem Gewindering.|
Wenn es zutrifft, daß der Buchstabe »E« bei der Zenit-E an den dem KMZ-Direktor Nikolay Mikhaylovich Egorov (1953–1965) erinnert, so ist der Schluß erlaubt, daß der Buchstabe »B« bei der Zenit-B auf seinem Nachfolger Lev Alekseyevich Voronin (1965-1968) weist (wobei der russische »B« in der in der hier benutzten GOST-Umschrift zu »V« wurde). (Anm. 43)
Bei der Zenit-E war man seit August 1967 auf die ausschließliche Verwendung von M 42-Objektiven übergegangen. Warum man bei der Zenit-B die ersten zwei Jahre zunächst noch einmal auf die Standardobjektive Industar 50-2, 3,5/50 mm, sowie Helios 44 und Helios 44-2, 2/58 mm, in M 39- Fassung zurückgriff, darüber kann man nur spekulieren. Möglicherweise waren als Folge der Planwirtschaft noch zu viele Objektive mit diesem Schraubgewinde vorhanden, die noch verkauft werden mußten. Fakt ist jedenfalls, daß ab 1969 nur noch M 42-Objektive benutzt wurden. Die Außenmaße des verchromten M 39-Gewinderinges an der Kamera haben dasselbe breitere Außenmaß wie die zweite Version des Gewinderinges der Zenit-E.
|Abb. 54: Zenit-B in lateinischen Buchstaben, mit M 39-Objektivgewinde, Gehäuse-Nr. 69019134.|
Mit der Zenit-B endet die Tradition der M 39-Zenit-Kameras, die in ihrer Form und Technik von der Leica II (D) herkamen und sich im Laufe der Zeit technisch wie im Erscheinungsbild immer mehr vom Ursprung entfernten, wenn auch bei der Zenit-E und der Zenit-B das Modell der Standard-Zenit immer noch durchscheint.
Die Kameras Zenit 11, 4, 5, und 6 der Jahre 1964 bis 1968 waren von ihrer Herkunft völlig andere Kameras, besaßen sie doch in der Art der Nachkriegs-Contaflex beziehungsweise der Voigtländer Bessamatic Zentralverschlüsse. Bereits damit begann der Name Zenit zur allgemeinen Bezeichnung für KMZ-Spiegelreflexkameras zu werden, unabhängig davon, ob sie etwas mit der ursprünglichen Zenit zu tun hatten oder nicht. Und auch heute noch heißen die Spiegelreflex-Kleinbildkameras aus dem Krasnogorski Mekhanicheskii Zavod einfach Zenit. Die Bezeichnung Zenit ist, ähnlich wie der Name Praktica bei Pentacon, zum Allerweltsnamen geraten.
Bei der Entwicklung der Zenit, diese Tatsache zieht sich wie ein roter Faden durch dieses Buch, hatte die Leica II (D) Pate gestanden. Es wurden möglichst viele Details dieser Kamera beibehalten, so auch das Objektivgewinde M 39 × 1. Dennoch konnten die ursprünglichen Leicabeziehungsweise Zorki-Objektive nicht verwendet werden. Bedingt durch den Spiegelgehäusevorbau hatten die Objektive für die Zenit-Kameras ein anderes Auflagemaß. Betrug es für die Zorki-Objektive 28,8 ± 0,02 mm, so war es für die Zenit-Objektive 45,2 ± 0,02 mm.
So unterscheiden sich eine Reihe von Objektiven nur durch das Auflagemaß, beispielsweise die Industar-22 beziehungsweise Industar-50 Objektive. Andere Objektive gab es nur für die Zorki, wie zum Beispiel den Industar 26 M (28/52 mm) oder ausschließlich für die Zenit, beispielsweise den Industar 24 M (3,5/10,5 cm).

Abb. 55: Zenit-Vorserienmodell mit BTK 2/5,8 cm, abgebildet bei A.A. Syrov, 1954.

Das erste und wohl speziell für die Zenit adaptierte Objektiv scheint der BTK (BioTar Krasnogorsk 2/5,8 cm) gewesen zu sein, wie er bei A.A. Syrov an der Vorserien-Zenit von 1952 abgebildet ist. Das bei Princelle gezeigte Objektiv besitzt die Nr. 5100004. Über eine Vorserie scheint dieses Objektiv nicht hinausgekommen zu sein. Es ist jedoch der Vorläufer des später weitverbreiteten Helios-44 Objektivs.
Zunächst jedoch verschwand dieses Objektiv in der Versenkung, und Standardobjektiv wurde der Industar-22 (3,5/5 cm). Es handelte sich dabei um eine Kopie des Leitz Elmar (3,5/5 cm) und wurde von der gleichzeitigen Zorki übernommen, allerdings mit einem anderen Auflagemaß.
Abb. 56: Industar-22, 3,5/5 cm, Nr 530499, mit Fokussierhebel, und Industar-22, 3,5/5 cm, Nr. 5509568, ohne Fokussierhebel.
Die ersten Jahre noch mit dem seitlichen Fokussierhebel ausgestattet, wurde ab etwa 1955 auf diese praktische Hilfe verzichtet.
Im Jahre 1956 wurde der Industar-22 durch den Industar-50 (3,5/5 cm) als Standardobjektiv der Zenit C abgelöst. In seinem Aufbau war dieses Objektiv praktisch identisch mit dem Vorgängerobjektiv. Allerdings wurde dem neuen Objektiv eine höhere Auflösung nachgesagt. Lange Jahre lediglich in einem Aluminumfinish gefertigt, wurde der Industar-50 spätestens ab 1966 auch in einer schwarzen Ausführung geliefert. Unnötig zu sagen, daß es die Zenit-Objektive sowohl mit kyrillischer als auch, für den Export, in lateinischer Beschriftung gab.
Abb. 57: Industar-50, 3,5/50 mm, Nr. 1602342, und Industar-50, 3,5/50 mm, Nr. 6657686.
Mit dem Erscheinen der Zenit 3 im Jahre 1960 wurde das eingangs erwähnte BTK-Objektiv wieder aktiviert und alternativ zum Industar-50 als lichtstarkes Standardobjektiv der Helios-44 (2/58 mm) in Aluminiumausführung angeboten. Ab etwa 1966 gab es dieses Objektiv in zwei baugleichen, schwarz emaillierten Versionen als Helios 44 (Hersteller: BelOMO) beziehungsweise Helios-44-2 (Hersteller: KMZ), wobei letzteres Objektiv etwas kürzer war. Wie die ältere Aluminumausführung, so waren auch die schwarz emaillierten Objektive in beiden Versionen mit einer Vorwahl-Rastblende ausgerüstet.
Abb. 58: Schnitt durch den Helios-44, 2/58 mm.
Der große Vorteil von Spiegelreflex-Schlitzverschlußkameras liegt in der Möglichkeit, problemlos Wechselobjektive benutzen zu können. Dies trifft auch für die Zenit zu. Allerdings scheint es wegen Produktionsengpässen einige Jahre gedauert zu haben, bis dieser Vorteil voll zum Tragen kam.
Als Weitwinkelobjektiv ist hier das Mir-1 (2,8/37 mm) zu nennen, das mit einer Vorwahl-Rastblende ausgestattet war. Vorgestellt worden war es auf der Brüsseler Weltausstellung, wo es auch mit einem Preis ausgezeichnet wurde. Darauf nimmt die Beschriftung Bezug: „Grand Prix Brussels 1958“. Zuweilen findet sich diese auch in russischer Sprache.
|Abb. 59: Mir-1, 2,8/37 mm, Nr. 7000833.|
Als Teleobjektiv war dem Industar 24 M (3,5/10,5 cm) mit Vorwahl- Rastblende, der etwa 1960 herauskam, kein großer Erfolg beschieden.
|Abb. 60: Industar-24 M, 3,5/10,5 cm, Nr. 00724.|
Den Rang liefen ihm die etwa gleichzeitig erscheinen Jupiter-Objektive ab. Zu nennen sind hier der Jupiter 9 (2/85 mm) mit Vorwahlrastblende sowie der Jupiter-11 (4/135 mm), die so genannte »Handgranate«, mit einer Rastblende ohne Vorwahlmöglichkeit, ferner der Jupiter-6, (2,8/180 mm), die russische Version des Zeiss »Olympia-Sonnars«, ausgestattet mit einer Vorwahl-Rastblende.
|Abb. 61: Jupiter-9, 2/85 mm, Nr. 6603895.|
|Abb. 62: Jupiter-11, 4/135 mm, Nr. 6117807.|
Abb. 63: Schnitt durch den Jupiter-6, 2,8/180 mm.
Mit den Jupiter-Objektiven verbindet sich die Legende, der Name sei als Referenz gegenüber Zeiss gewählt worden. Der Name Zeiss erinnere an „Zeus“ und dessen latinisierter Name laute eben »Jupiter«. Zwei Gründe sprechen gegen eine solche Verbalhornung. Bei aller Wertschätzung der Russen gegenüber Zeiss-Produkten handelte es sich bei den Zeiss-Unternehmen um Rüstungsbetriebe in nationalsozialistischen Diensten, deren Know how die Sowjets nach dem Krieg ausgiebig nutzen, denen sie aber im übrigen reserviert gegenüber standen. Zum anderen fehlt in der russischen Sprache die Assoziation „Zeiss - Zeus“, denn der griechische Göttervater wird im Russischen – ähnlich wie im Neugriechischen – „Zews“ (Зевс) ausgesprochen. Auch die gelegentlich gehörte Assoziation »Sonnar - Sonne - Helios« trifft nicht zu. Denn das Helios-Objektiv ist eine Biotar-Kopie.
Dagegen trifft sicherlich die Erklärung zu, daß die Objektive »Jupiter« wie »Helios« der russischen Vorkriegstradition folgen, Objektive nach Gestirnen zu benennen. Beispiele dafür sind: »Cirrus« und »Saturn«. Später waren es dann »Wega« und »Orion«, nicht zu vergessen das »Tair«.
Ein weiteres Teleobjektiv war das Helios-40 (1,5/85), ein äußerst lichtstarkes Objektiv, das ab etwa 1960 zusammen mit drei Farbfiltern in einer eigenen Lederbereitschaftstasche geliefert wurde. Ausgestattet war es mit einer Vorwahl-Rastblende und wegen seines Gewichtes von etwa 950 Gramm mit einem 3/8“ Stativgewinde.
|Abb. 64: Helios-40, 1,5/85 mm, Nr. 025126, mit dazugehörigen Farbfiltern.|
Bei dem Telemar-22 (5,6/200 mm), in den 60er Jahren angeblich in nur geringen Stückzahlen gebaut, handelte es sich um ein Objektiv mit Vorwahl- Rastblende, dessen Seltenheit allgemein überschätzt wird.
|Abb. 65: Telemar-22, 5,6/200 mm, Nr. 001981 (Foto mit freundlicher Genehmigung von Massimo Bertacchi, Sassuolo (MO).|
Nicht zu vergessen sind schließlich die Tair-Objektive. Entwickelt wurden sie von David Samuilovich Volosov in den Jahren 1941/42. Seine Aufgabe lautet: »Schaffung einer Grundausrüstung zur Fotografie von weit entfernten Objekten unter geringen Lichtverhältnissen sowie im Zwielicht«. Damit handelte es sich zweifellos um einen Rüstungsauftrag. Im Zuge dieser Arbeit hatte Volosov im Jahre 1943 das lichtstarke Tair- System entwickelt, das nach dem Stern Altair (ohne den Artikel »Al«) im Sternbild des Adlers benannt ist.
Das Tair-11 (2,8/133 mm) war das modernste aus dieser Objektiv-Familie. Wie das Mir-Weitwinkelobjektiv war es 1958 in Brüssel ausgestellt gewesen und hatte einen Preis errungen. Ensprechend häufig finden sich Tair-11 Objektive mit der Gravierung »Grand Prix Brussels 1958«. Ausgestattet ist diese Objektiv mit einer Vorwahl-Rastblende. Weitere Objektive aus dieser Reihe sind das Tair-3 (4,5/300 mm) das ebenfalls oft die Beschriftung »Grand Prix Brussels 1958« trägt. Im Gegensatz zu den bisherigen Objektiven, die anfangs überwiegend in Aluminium ausgeführt sind, wurde dieses Objektiv mit Vorwahlblende von vornherein in schwarzer Ausführung gefertigt.
|Abb. 66: Tair-11, 2,8/133 mm, Nr. 8150725.|
Schließlich beschränkten sich die Objektive für die Zenit, besonders für ihre Exportversionen, nicht allein auf das russische Angebot. So gab es auch westdeutsche Hersteller, die für die Zenit M 39-Objektive fertigten. Ein Beispiel hierfür ist ein Weitwinkel-Revue (3,5/35 mm) für eine »Quelle«-Revueflex (Zenit 3M), ohne Herstellerangabe, aber nach allen Merkmalen zu urteilen ein Isco-Objektiv. Der Preis betrug 1968/70 DM 85,–. Ferner ist ein ENNA Tele-Ennalyt (4,5/240 mm) zu nennen, mit dem ebenfalls eine Revueflex ausgestattet war. Weitere Objektive waren ein Super-Weitwinkelobjektiv (3,5/28 mm) zu DM 125,– sowie ein Teleobjektiv (3,5/135) zu DM 139,–.
Abb. 67: Revueflex (Zenit 3M) Gehäuse-Nr. 68097574, mit Enna Tele-Ennalyt, 4/240 mm, Nr. 4059869, es kostete 1968/70 DM 170,– (Sammlung Heinz Rohde, Hamburg).
In den Vulcanitbezug der Lünette ist das KMZ-Symbol erhaben eingepreßt, darunter auf der verchromten Fläche der Name "Zenit" in kyrillischen Kapitälchen, von einem Rechteck umschrieben. Von daher die englische Bezeichnung »Zenit Square Logo« für diese Ausführung. Das Gehäuse, einschließlich die Schmalseiten des Spiegelvorbaus, mit Vulcanit bezogen. An der Gehäusevorderseite 4 Schrauben. An der Rückseite des Decks für Auslöser und Zeiteneinstellung 1 Schraube.
Gehäuse-Nr. der abgebildeten Kamera: 520019, weitere Exemplare in dieser Spezifikation: 520121 sowie 530386.
Wie I.1, jedoch
Gehäuse-Nr. der abgebildeten Kamera: 530005; ein weiteres Exemplar in dieser Spezifikation: 530074.
Wie II.1, jedoch
Gehäuse-Nr. der abgebildeten Kamera: 531388.
Wie II.2, jedoch
Gehäuse-Nr. der abgebildeten Kamera: 5412296; weitere Exemplare in dieser Spezifikation: 5418002, 546284 sowie 5500083.
Wie II.3, jedoch
Gehäuse-Nr. der abgebildeten Kamera: 5516625.
Wie II.4, jedoch
Gehäuse-Nr. der abgebildeten Kamera: 5614907.
Wie III.1, jedoch
Gehäuse-Nr. der abgebildeten Kamera: 57127127, weitere Exemplare in dieser Spezifikation: 57135209, 58060748.
Wie III.2, jedoch
Gehäuse-Nr. der abgebildeten Kamera: 58023961.
Wie III.3, jedoch
Gehäuse-Nr. der abgebildeten Kamera: 59919820, ein weiteres Exemplar in dieser Spezifikation: 60287617.
wie III.3, jedoch
Gehäuse-Nr. der abgebildeten Kamera: 60013042.
Wie III.4, jedoch
Gehäuse-Nr. der abgebildeten Kamera: 60003605 (schwarze Lackierung nicht original).
Wie IV.1, jedoch
Gehäuse-Nr. der abgebildeten Kamera: 61025425.
Wie IV.1, jedoch
Gehäuse-Nr. der abgebildeten Kamera: 62207244.
Wie IV.1 jedoch
Gehäuse-Nr. der abgebildeten Kamera: 62912142.
Wie IV.2, jedoch
Gehäuse-Nr. der abgebildeten Kamera: 6100908.
Wie V.1., jedoch
Gehäuse-Nr. der abgebildeten Kamera: 61021914.
Wie V.2, jedoch
Gehäuse-Nr. der abgebildeten Kamera: 63008437.
Wie VI.1, jedoch
Gehäuse-Nr. der abgebildeten Kamera: 63070014.
Wie VI.2, jedoch
Gehäuse-Nr. der abgebildeten Kamera: 63117251.
Wie VI.3, jedoch
Gehäuse-Nr. der abgebildeten Kamera: 64061941.
Wie VI.3, jedoch
Gehäuse-Nr. der abgebildeten Kamera: 66030141.
Wie VI.3, jedoch
Gehäuse-Nr. der abgebildeten Kamera: 66046330.
Wie VI.5, jedoch
Gehäuse-Nr. der abgebildeten Kamera: 66054645.
Wie VI.4, jedoch
Gehäuse-Nr. der abgebildeten Kamera: 66099808.
Wie VI.3, jedoch als Sonderausgabe zum 50. Jubiläum der Oktoberrevolution,
Gehäuse-Nr. der abgebildeten Kamera: 67042782.
Wie VI.3, jedoch
Gehäuse-Nr. der abgebildeten Kamera: 68002047.
Wie VI.3, jedoch
Gehäuse-Nr. der abgebildeten Kamera: 68119457.
Wie VI.11, jedoch
Gehäuse-Nr. der abgebildeten Kamera: 69001125.
Wie VI.11, jedoch
Gehäuse-Nr. der abgebildeten Kamera: 69021538.
Wie VI.11, jedoch
Gehäuse-Nr. der abgebildeten Kamera: 70005262.
Neues Kameramodell in Fortsetzung der Zenit 3M, mit eingebautem Belichtungsmesser und Rückkehrspiegel, zunächst noch mit M 39-Objektivgewinde, später ausschließlich mit M 42-Objektivgewinde,
Gehäuse-Nr. der abgebildeten Kamera: 66012459.
Wie VII.1, jedoch
Gehäuse-Nr. der abgebildeten Kamera: 66024888.
Wie die Zenit-E, jedoch ohne Belichtungsmesser,
Gehäuse-Nr. der abgebildeten Kamera: 68027519.
Wie VIII.1, jedoch
Gehäuse-Nr. der abgebildeten Kamera: 690191134.
Revueflex aus dem Quelle-Katalog 1969/70.
1 Zitiert nach Richard Hummel: »Kine Exakta« oder »Sport«? Welche war die erste Spiegelreflex-Kleinbildkamera? Die Lebenswerke von Karl Nüchterlein und A.O. Gelgar. Stuttgart 1997, S. 42.
2 Jean Loup Princelle: The authentic guide to Russian and Soviet cameras. Made in USSR. 200 Soviet cameras. St. Helier, Jersey, 1995, S. 83.
3 Princelle, a.a.O., S. 30.
4 Princelle, a.a.O., S. 56 ff. Eine Übersicht über die Entstehung der FED-Kamera bietet Oscar Fricke: The Dzerzhinsky Commune: Birth of the Soviet 35 mm camera industry. In: History of Photography, Vol. 3, No. 2, April 1979, S. 135 ff.
5 Zitiert nach Hummel, a.a.O., S. 19 f.
6 Vgl. Alexander Schulz: Spiegel-Contax. Die Geschichte der ersten Spiegelreflex-Prismensucherkamera der Welt. Stuttgart 2000, S. 17 ff.
7 Vgl. Hummel, a.a.O., S. 45, ferner Jost Simon in: Andreas Henke, Mechanik-Highlights, Vol. II. Photographica Cabinett 27/02, S. 12.
8 Zitiert nach Hummel, a.a.O., S. 22 f.
9 Vgl. A.A. Syrow: Der Weg der Kamera, Moskau 1954. Ein Faksimile des russischen Textes ist wiedergegeben bei Hummel, a.a.O. S 31 f.
10 Vgl. Josef Stüper: Die photographische Kamera. Wien 1962, S. 179 f.
11 Vgl. Princelle, a.a.O., S. 18
12 Vgl. Princelle, a.a.O., S. 26.
13 Princelle, a.a.O., S. 82
14 Hummel, a.a.O., S. 25.
15 Mündliche Mitt. von Siegfried Böhm, Dresden. Vgl. auch Alexander Schulz: Praktiflex aus den Kamera-Werkstätten Niedersedlitz-Dresden. Stuttgart 2002, S. 29 f. sowie S. 48.
16 Vgl. Princelle, a.a.O., S. 84, ferner V.L. Rapoport: Mastera Optiki. Moskva 1983, S. 92.
17 Vgl. Alexander Schulz: Das Rätsel um die frühe Spiegel-Contax von 1949. In: Photographica Cabinett. Das Magazin für Sammler, Nr. 23, August 2001, S. 5.
18 Vgl. Zoltán Fejér: Hungarian Cameras – Ungarische Kameras. Budapest 2001, S. 66 und 169.
19 Vgl. Seite 10.
20 Vgl. Princelle, a.a.O., S. 89
21 Vgl. Princelle, a.a.O., S. 104
22 Syrow, a.a.O., S. 333 f.
23 Vgl. Yuri Ryshkov: Russian and Soviet cameras. Rostov on Don 1993, S. 57 f.
24 Vgl. Princelle, a.a.O., S. 104
25 Vgl.»Alfred’s Camera Page« von Alfred Klomp im Internet.
26 Princelle, a.a.O. S 106.
27 Rapoport, a.a.O, S. 96
28 Vgl. Princelle, a.a.O., S. 94.
29 Vgl. Isaak S. Maizenberg: All you need to know about design and repair of Russian cameras. 1996, S. 182f. und S. 242 f.
30 Vgl. Seite 37.
31 Vgl. Princelle, a.a.O., S. 107.
32 Diese Kristall-Kamera befindet sich im Besitz von Dr. Milos Mladek, Wien, der freundlicherweise Fotos von seiner Kamera zur Veröffentllichung zur Verfügung stellte, und von dem auch die Beschreibung des Rückkehrspiegel-Mechanismus stammt.
33 Beschreibung von Dr. Milos Mladek, der diese Kamera in der Hand gehabt hatte.
35 Princelle, a.a.O., S. 107.
36 1971 brachte dieses Handelshaus ein eigenes Ratgeberbuch für den Umgang mit der Zenit heraus: Ronald Spillman: Discover Rewarding Photography. The Manual of Russian Equipment. Eine 2. Auflage erlebte dieses Buch im Jahre 1974.
38 Vgl. dagegen Princelle, a.a.O., S. 110, wonach die ersten Zenit-E-Kameras noch ohne Rückkehrspiegel gebaut waren.
39 Tom A.H. Piel: Zenit-E, Fan and Userpage im Internet.
40 Vgl. Alexander Schulz: Contax S. A History of the world’s first 35 mm prism SLR camera. Stuttgart 2003, S. 34 f.
41 Vgl. Princelle, a.a.O., S. 110.
42 Vgl. Princelle, a.a.O., S. 111.
43 Vgl. KMZ-Homepage im Internet.
|Zenit||Zenit C||Zenit 3||Kristall||Zenit 3M||Zenit E||Zenit B|
|1952||200|
|1953||1243|
|1954||19000|
|1955||18555||2147|
|1956||21||25040|
|1957||32407|
|1958||38201|
|1959||55019|
|1960||60000||4425|
|1961||20135||30351||30098|
|1962||47000||35335||27664|
|1963||121950|
|1964||140003|
|1965||113021||350|
|1966||112602||27192|
|1967||118601||90000|
|1968||113200||83875||24402|
|1969||29634||90000||131334|
|1970||500||100584||178787|
Tabelle: Die Produktionszahlen der Zenit-Kameras von 1952 bis 1970.
Hier können Sie den originalen Text des Buches in der Version 2003 im PDF-Format downloaden:
Alle Rechte am Buch "Zenit" liegen bei Alexander Schulz, Eppelsheim. Für das Internet bearbeitet von Guido Studer.
Weitere Angebote in diesem Zusammenhang:
|Alle Rechte © Guido Studer, Basel - Letzte Änderung: 03.07.2008|