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Über das Schiff Erebus, seinen Kapitän, den Entdecker und Seefahrer Sir James Clark Ross (1800-1862) und seine berühmte Forschungsreise in die Antarktis (1839-1843) wurden bereits unzählige Aufsätze, Artikel und Sachbücher geschrieben. So kann man zurecht fragen, was in diesem Zusammenhang noch nicht erforscht und und noch nicht veröffentlicht wurde? Nichtsdestotrotz gibt es auch heute immer noch Überraschungen.
Als dem 22-jährigen Joseph Dalton Hooker (1817-1911) verkündet wurde, dass er an der Polarreise in die Antarktis teilnehmen dürfe, war er weder ein berühmter Wissenschaftler noch der Direktor der Royal Botanic Gardens in Kew, sondern lediglich ein leidenschaftlicher Botaniker. Sein Vater Sir William Jackson Hooker (1785-1865), ein damals bekannter Botaniker und der erste Direktor der Kew Gardens in London, hatte seine Beziehungen spielen lassen und für seinen Sohn einen Platz als zweiter Arzt und Botaniker auf dem Schiff Erebus sichergestellt.
Ursprünglich wurde HMS Erebus als Kriegsschiff gebaut (1826) und war für Patroullienfahrten im Mittelmer vorgesehen. Doch bereits im Jahr 1830 war die Zeit als Kriegsschiff abgelaufen und die Erebus wurde zu einem Forschungsschiff umgebaut. Auf ihrem Weg in die Antarktis wurde die Erebus vom Schwesterschiff Terror begleitet.
Es ist heute gesichert, dass Kapitän Ross hat die wissenschaftlichen Aktivitäten von J. D. Hooker unterstützt hat; ihm wurde sogar ein eigenes Bücherregal zugeteilt, was nicht selbstverständlich war. Die Mitnahme von Büchern auf Forschungsreisen wie die in die Antarktis war nichts Ungewöhnliches. Überraschend ist allerdings, dass man eines dieser Bücher wiederentdeckt hat und heute in der Hand halten kann.
Die 5-bändige Göttinger Ausgabe (1825-1828) enthält auf jeder Titelseite das handschriftliche Exlibris von Hooker.
Auf der Titelseite des ersten Bandes kann man deutlich den handschriftlichen Eintrag entziffern: «Jos. D. Hooker HMS „Erebus“ July 1839».
Auch in den weiteren vier Bänden hat der Botaniker seinen Besitznachweis vermerkt: «Jos. D. Hooker „Erebus“»
Es ist eine echte Sensation, im Bestand der ETH-Bibliothek ein Werk aufzubewahren, dass vor mehr als 180 Jahren einen berühmten Wissenschaftler auf einer Forschungsexpedition in die Antarktis begleitet hat. Das Exemplar wurde in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts als Teil der Schenkung Altherr in den Bestand der ETH-Bibliothek aufgenommen. Heute ist der Vollltextzugriff über e-rara.ch unkompliziert möglich.
Weniger glücklich verlief allerdings das Schicksal des berühmten Schiffes auf seiner zweiten grossen Forschungsexpedition in die Arktis auf der Suche nach der viel gesuchten Nordwestpassage. Heute weiss man, dass das Schiff im Jahr 1848 von der Besatzung aufgegeben werden musste, wobei der Leiter der Expedition, der grosse Polarforscher Sir John Franklin (1786-1847), bereits ein Jahr früher verstorben war. Darüber hinaus kamen alle Besatzungsmitglieder ums Leben. Im Jahr 2014 wurden die Reste des Wracks im Norden Kanadas aufgefunden.
Literatur
Carl von Linée: Systema vegetabilium, 5 Bände. Göttingen: Johann Christian Dieterich, 1825-1828. ETH-Bibliothek, Alte und Seltene Drucke, Rar 3806 https://doi.org/10.3931/e-rara-19736
Carl von Linné: Vollständiges Pflanzensystem, Teil 1. Nürnberg: Gabriel Nicolaus Raspe, 1777. ETH-Bibliothek, Alte und Seltene Drucke, Rar 5934 https://doi.org/10.3931/e-rara-22877
Ross James Clark: A voyage of discovery and research in the southern and Antarctic regions, during the years 1839-43. London: John Murray, 1847. Museums Victoria Melbourne, Online-Version: https://www.biodiversitylibrary.org/page/46551008
Henry William Ravenel: Photograph Album. South Caroliniana Library, University of South Carolina, Photographs 14614 album, Online-Version: https://digital.library.sc.edu/collections/henry-william-ravenel/
Michael Palin: Erebus. Ein Schiff, zwei Fahrten und das weltweit grösste Rätsel auf See. Hamburg: mareverlag, 2019