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Kausalität
(vom lat. causa,
Ursache) oder Ursachlichkeit, das Verhältnis der
Ursache zur Wirkung oder das Abhängigkeits-
(Dependenz-) Verhältnis zwischen
Thatsachen. Es ist parallel, aber nicht identisch mit dem logischen Abhängigkeitsverhältnis
der Folge zum
Grund; daher Kant seine
Kategorie der
Kausalität aus dem hypothetischen
Urteil (als
Ausdruck der logischen Dependenz)
ableiten konnte. Man pflegt zu sagen: jedes Ding hat seine
Ursache; richtiger würde es lauten: jede
Veränderung hat ihre
Ursache (Kant:
Alles, was geschieht oder anhebt zu sein, setzt etwas voraus, worauf es nach einer Regel folgt). In dieser strengern
Fassung gehört das Gesetz der
Kausalität (Kausalgesetz) unbestritten zu den Grundgesetzen der
Erfahrung. Die neuere
Wissen-
^[Artikel, die man unter K vermißt, sind unter C aufzusuchen.] ¶
mehr
schaft reduziert eigentlich die Ursache ganz auf das Gesetz; eine andere Ursache Ursache z. B., welche den Fall der Körper bewirkt, als das Gesetz, dem er gehorcht, nämlich das Newtonsche Gesetz der Attraktion, suchen wir heute nicht mehr; es sei denn, daß man eben dies Gesetz auf ein höheres zurückzuführen denkt. So ist auch die Kraft, [* 3] als Ursache gedacht, nur ein anderer Ausdruck des Gesetzes. Bevor darüber Klarheit erreicht war, namentlich aber, solange das Gesetz der Verursachung nicht als ein bloßes Erfahrungsgesetz, sondern als ein Gesetz der Dinge galt, begreift es sich, daß man hinter der Ursache noch etwas Verborgenes suchte, daß man sie meist vermenschlichend nach Art einer Willenshandlung dachte.
Daraus entsprang unter anderm die Vermischung der Ursache mit dem Zweck. Aber auch nachdem erkannt war, daß an der
Kausalität wirklich
nichts mit unserer Erkenntnis erreichbar ist als die Gesetzlichkeit, glaubte man die eigentlich den Effekt bewirkende Ursache
(causa efficiens) in die letzte Substanz (Gott) verlegen zu müssen, während man die gewöhnlich so benannten,
empirischen Ursachen bloß als Gelegenheitsursachen (causa occasionalis) gelten ließ. Auch Leibnizens System der prästabilierten
Harmonie steht dieser Auffassung nahe.
Hume vollzog die Auflösung der in die bloße Gesetzmäßigkeit des Geschehenen, glaubte aber damit zugleich den Begriff zu bloß subjektiver Gültigkeit herabsetzen zu müssen; während Kant durch Einschränkung seiner Gültigkeit auf die Grenzen [* 4] möglicher Erfahrung zugleich seine objektive Gültigkeit innerhalb dieser Grenzen sicher zu stellen glaubte. Nach dieser Auffassung ist eine jede (empirische) Ursache selbst wieder als verursacht anzusehen und ein Abschluß in der Reihe der Ursachen für unsere Erkenntnis ein für allemal unerreichbar. Die Forderung eines solchen Abschlusses führt zu dem Begriff einer Causa sui (einer Sache, welche sich selbst Ursache ist), der einen Widerspruch in sich selbst enthält. –
Vgl. König, Die Entwicklung des Kausalproblems von Cartesius bis Kant (2 Bde., Lpz. 1888–90).
In der Rechtspflege gehört die Feststellung der
Kausalität namentlich in Schadensprozessen und
in Strafprozessen zu einer wichtigen Obliegenheit des Richteramtes. Soll dem Beklagten oder dem Angeklagten ein nachteiliger
Erfolg zugerechnet werden, so genügt es nicht festzustellen, daß er eine in irgend einer Beziehung rechtswidrige, z. B.
polizeilich oder durch ein Vertragsverhältnis verbotene Handlung schuldhafterweise vorgenommen hat und
daß der Erfolg durch diese Handlung verursacht ist, sondern der benachteiligende Erfolg muß dem Handelnden zur Schuld zugerechnet
werden dürfen.
Nur das Preuß. Allg. Landr. I, 6, §. 26 hat die gesetzgeberisch nicht zu billigende Vorschrift, daß derjenige, welcher ein auf Schadenersatz abzielendes Polizeigesetz vernachlässigt, für allen Schaden, welcher durch die Beobachtung des Gesetzes hätte vermieden werden können, ebenso haftet, als wenn der Schaden aus seiner Handlung unmittelbar entstanden wäre. Bei einer Beschädigung aus Fahrlässigkeit gilt für das Gemeine Recht der Grundsatz, daß der Urheber einer beschädigenden Handlung für den Schaden nicht haftet, welchen der Beschädigte bei Anwendung der erforderlichen Sorgfalt hätte von sich abwenden können.
Der §. 217 des Deutschen Entwurfs (zweite Lesung) lautet: «Hat bei Entstehung des Schadens, wenn auch nur durch Unterlassen der Abwendung oder Minderung desselben, ein Verschulden des Beschuldigten mitgewirkt, so hängt die Verpflichtung zum Ersatz, sowie der Umfang des zu leistenden Ersatzes, von den Umständen, insbesondere davon ab, inwieweit der Schaden vorwiegend von dem einen oder andern Teil verursacht ist.» Bei rechtswidrigen Verletzungen ist ferner, wenn ein Verschulden mehrerer nicht im Zusammenhang handelnden Personen vorliegt, zu untersuchen, ob nicht das, was der erste gethan hat, nur den Anlaß für den aus der Handlung des zweiten entstandenen Schaden bot, ohne dessen Ursache zu sein. Z. B. eine vorsätzlich oder fahrlässig beigebrachte leichte Verwundung wird von einem Pfuscher, welchen der Verletzte zuzieht, so schlecht behandelt, daß der Tod eintritt. Der Pfuscher wäre nicht zugezogen ohne die Verletzung; aber ohne die Behandlung des Pfuschers hätte die Verletzung auch den Tod nicht zur Folge gehabt.