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Menglin,
Eine Frage hätte ich aber immer noch: Irgendwo habe ich jetzt ich glaube, von dir, ich habe ein grausames Gedächtnis gelesen, dass das Yixing-Kännchen nach dem Teegenuss mit den gebrauchten Blättern außen(!) abgerieben werden sollte und danach mit einem Baumwolltuch poliert. Habe ich mich da verlesen, was falsch verstanden oder das nur geträumt? Was bringt es dem Kännchen, wenn es von außen mit den Blättern abgerieben wird? Zieht das Aroma der Blätter von außen durch den Ton?& oder ist das nur für die Optik des Kännchens? Wenn man es innen abreiben würde, könnte ich das ja gut verstehen&
Schönen Gruß
Arno
Eine Frage ruft eine andere Frage hervor. Ich liebe solche Situation!
Nun hat Arno nichts falsches gehört. Ja, ich poliere die Aussenfläche meiner Teekanne mit gebrauchten Teeblätter und anschliessend mit einem Baumwolletuch. Das ist die so genannte Pflege-Methode. Es gibt sicher noch andere Variationen, aber ich benutzt diese Methode.
Möchtest Du wissen, weshalb diese Methode zustande kommt? Teekanne pflegen hängt mit dem chinesischen Weltbild zusammen. In diesem Weltbild ist eine Teekanne nicht lediglich eine Teekanne, sondern ein Teil von Teeliebhaber. Eine neue Teekanne ohne Geschichte ist nicht wertvoller als eine alte Teekanne voller Ereignisse. Wenn ich Deine „hässliche“ Teekanne sehe, weiss ich ungefähr, wie Du mit Dir selbst und anderen Menschen umgehst. Eine Teekanne gehören nicht zur Vitrinen, sondern zur Waschküche, wo sie gerbaucht wird. Man pflegt sie, wie einen Teil von uns. Man reibst sie mit dem Teeblätter, damit die Oberfläche der Kanne mit der Zeit eine eigene Glanz bekommt und ein eigenes Leben verliehen wird. Also der Mensch und die Teekanne wird zur einen Einheit. (Natürlich kann man mit den Blättern die Innen-Wände reiben.) Dieser Prozess ist zeitaufwendig und bedarf Geduld. Man könnte auf der materiellen Ebene auch so verstehen, dass die ätherischen Öle der Teeblätter sich in die rauchen Oberfläche und Poren eindringen, so dass die Teekanne glänzt. Für mich ist es eher eine magische Akt. Ich reinige gerne meine Teekanne in der Ruhe, berühe sie und trockne sie ab. Eine grosse Zufriedenheit füllt uns. Wenn die Zeit nicht mehr da ist, solche Handlungen durchzuführen, weiss ich, dass ich mich in einem schlechten Zustand befinde. Der Ausbruch der Unzufriedenheit ist wie ein Amoklauf.
Am liebsten schenke ich eine Teekanne oder Teelöffel an Freunde. Auch schenke ich Teetücher, damit die Teekanne von Freunde richtig glänzen und gebraucht werden kann. Es hat in unserer Kultur einen symbolischen Sinn. Als eine Abmachung, als eine Verbindung und als eine Vereinigung. Mein Qigong Meister schenkt mir gerne Buchzeichen, weil er denkt, ich lese zu wenig bücher und rede zu viel. Von meinem Teelehrer bekam ich ein Gaiwan und schwierige Teeproben, die ich lösen muss, was für einen Tee sein könnte. Ich bin allein in Europa und diese Menschen könnten mir ihre Liebe nur so durch symbolische Wesen andeuten. Man pflegt die Teekanne mit Zeit, Aufwand und „Liebe“ und dann verschenkt sie weiter, ein Teil von sich selbst. Eine wunderbare Tradition.
Vor Weihnachten besuchte mich Bruno mit einer Teekanne, die in Globus gekauft wurde. Diese Teekanne wurde bereits mit Lack behandelt. Warum? Denn Lack verleiht der Teekanne einen Schein, lang benutzt zu werden. Die glänzende Oberfläche täuscht Augen eines Unwissenden und vermittelt die Täuschung der Liebhaberei eines Teeliebhabers. Ich riet ihm diese Kanne neu zu behandeln, so dass das Lack entgültig verschwinden kann. Man sollte solche Teekanne in mit Teeblätter gefüllten Wasser kochen. Langsam aufkochen und ausschalten. Eine Nacht stehen lassen. Am nächsten Tag sieht diese Teekanne anders aus. Die Oberfläche wird rauh und glanzlos. Dann ist diese Teekanne bereit für die echte Teeliebhaberei!
Wärst Du zufrieden mit dieser Erklärung, lieber Arno?
Ps. noch eine kleine Story:
Ich lernte einen bekannten Keramik-Künstler Hsu Chaozong durch einen Zufall kennen. Er, 50 und ich war 26. Wir haben uns zuvor noch nie begegnet. Er arbeitete früher als Vase-Maler und holt heute alle Preise von allen Keramik-Wettbewerb in Taiwan. Seine Werke werde überall in Taiwan und China nachgeahmt. Ich stand vor einer Vase, 160 cm hoch. und staunte. „Ach, ich würde so gerne unter diesem Kiefer schlafen!“ sagte ich. Es war am einen Nachmittag im Sommer, heiss und feucht. Auf der Vase malte er ein grosses Kiefer und eine Berglandschaft. Er hörte es und stand auf. Mir brachte er eine Gaiwan, wunderschön blau bemalt. Nur ein Salz: „Der Sommer für Dich!“ Diese Sommer-Gaiwan nehme ich überall mit, nach England, nach Deutschland und nach Zürich. Sie ist kostbar im materiellen Sinn, aber sie erinnert mich auf eine andere Ebene als das Vorbild, wie ich leben möchte.
Menschen, die sich nicht gesehen haben und gekannt haben, können die Zeit, den Raum und die Altergrenze überspringen und sich begegnen. Es ist ein Ideal in dem chinesischen Weltbild – 忘年之交. Man spürt eine Affinität voneinander und weiss, worum es geht. Vielleicht bin ich deswegen manchmal zu nah und zu schnell für die Europäer, die Zeit brauchen, wie der Tee.
Ach, noch etwas: nach dem Gebrauch von Yixing Kanne muss man diese Kanne eine Pause gönnen! Damit die Kanne sich trocknen kann und keinen Fremdgeruch bekommt!