Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03170.jsonl.gz/1567

Einführung & Vision
Netto 0 bis 2030 ist möglich! Die institutionelle Politik hat versagt uns einen Ausweg aus der Klimakrise zu zeigen und wir mussten diese Aufgabe deshalb selber angehen. Der Klimaaktionsplan zeigt technisch machbare und sozial gerechte Wege auf, um unsere Forderung nach Netto 0 bis 2030 zu verwirklichen.
Die Herausforderung
Im Jahr 2015 unterzeichnete die Schweiz zusammen mit fast allen anderen Ländern der Welt das Pariser Abkommen. Dieses verpflichtet die Vertragsparteien, die Erderwärmung auf deutlich unter 2°C gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter (1850) zu begrenzen und Anstrengungen zu unternehmen, um unter 1.5°C zu bleiben. Der IPCC-Sonderbericht von 2018 macht deutlich, dass das 1.5°C-Ziel von grösster Bedeutung ist, wenn wir nicht in eine unaufhaltsame Rückkopplungsschleife der Erhitzung jenseits menschlicher Kontrolle geraten wollen. Mit unserem derzeitigen Kurs steuern wir auf eine Erwärmung von 4°C oder mehr zu. Das hätte - und hat bereits - katastrophale Folgen wie Hungersnöte, Wasserknappheit, häufigere und stärkere Stürme, Waldbrände, Kriege um schwindende Ressourcen, einen steigenden Meeresspiegel und andere Umweltkatastrophen.
Im August 2019 hat der Bundesrat das Ziel festgelegt, die Treibhausgasemissionen (THG) der Schweiz bis 2050 auf netto null zu reduzieren. Dieses Ziel ist nicht nur unzureichend, sondern verleugnet die wissenschaftliche Realität komplett. Es ist illusorisch zu glauben, dass wir mit diesem Ziel innerhalb unseres Kohlenstoffbudgets bleiben könnten.
Wenn wir eine Chance von 66% haben wollen, die Erhitzung unserer Atmosphäre unter 1.5°C zu halten, dann dürfen wir ab Ende 2017 gemäss IPCC noch höchstens 420 Gt CO2eq ausstossen. Da weltweit jedes Jahr etwa 42 Gt CO2eq emittiert werden, dürfte dieses Budget bei einem Business-as-usual-Szenario bereits in weniger als acht Jahren aufgebraucht sein, stand 2020. Ziehen wir hingegen eine lineare Reduzierung der Emissionen in Betracht, dann muss die gesamte Welt spätestens 2035 klimaneutral sein.
Angesichts der Tatsache, dass wohlhabende Nationen eine grössere historische Verantwortung tragen und über mehr finanzielle Mittel verfügen, müssen sie ihren Treibhausgasausstoss schneller vermindern und ärmere Länder bei der Dekarbonisierung finanziell unterstützen. Infolgedessen muss ein Land wie die Schweiz bis spätestens 2030 netto null Treibhausgasemissionen erreichen. Abbildung 1 veranschaulicht diese Herausforderung. Die Abbildung 1 vergleicht die Entwicklung der Treibhausgasemissionen der Schweiz bei einem Business-as-usual-Szenario mit dem Netto-Null-Ziel bis 2050 der Schweizer Regierung und dem notwendigen Netto-Null-Ziel bis 2030.
Über das Projekt
Was ist der CAP?
Der Klima-Aktionsplan (CAP, eng. Climate Action Plan) ist ein andauerndes Projekt mit dem Ziel, heute eine gemeinsame Lösung für die Klimakrise zu finden und eine vereinte Vision für unsere Gesellschaft von morgen zu schaffen. Der CAP erhebt nicht den Anspruch, einen makellosen Masterplan darzustellen. Wir haben versucht, so umfassend wie möglich zu sein, aber der CAP toleriert auch ein gewisses Mass an Überschneidungen oder leichten Widersprüchen zwischen verschiedenen Massnahmen. Dennoch sind die wichtigsten Massnahmen sehr detailliert ausgearbeitet worden.
Wir behandeln eine sehr breite Auswahl an möglichen Massnahmen. Welche Kombination von Massnahmen sich hinsichtlich ihrer Wirkung und sozialen Umsetzung am effektivsten erweisen, muss noch weiter untersucht werden. Möglicherweise haben wir trotz allem auch einige ausgezeichnete Massnahmen übersehen. Das 1.5-Grad-Ziel und die Notwendigkeit von netto null bis 2030 für die Schweiz bleibt nicht verhandelbar. Aber wir sind immer daran interessiert, den Weg dahin zu diskutieren. Wir können es uns nicht leisten, noch länger zu warten. Einige Massnahmen können ab 2021 sofort umgesetzt werden. Und das müssen sie auch.
Der CAP ist an die Bevölkerung gerichtet. Wir wollen alle Teile der Gesellschaft motivieren, mit uns nach den richtigen Lösungen zu suchen. Die verschiedenen Akteur*innen aus den emittierenden Sektoren, Organisationen und Einzelpersonen sind eingeladen, Feedback zu geben und Vorschläge für neue Massnahmen zu machen. Wir laden alle dazu ein, sich dem Projekt anzuschliessen, um einen fairen Wandel hin zur Klimaneutralität zu initiieren. Wir erwarten daher, dass Kritik an dem Plan konstruktiv statt polemisch erfolgt. Wir sind offen für Verbesserungsvorschläge und wollen gemeinsam voranschreiten können, anstatt uns in ideologischen Grabenkämpfen zu verlieren.
Ziel des CAP
Viele haben die Realisierbarkeit von netto null bis 2030 in Frage gestellt und das Ziel als unrealistisch oder sogar gefährlich kritisiert. Der CAP ist eine Antwort auf diese Kritik. Er zeigt auf, wie dieses Ziel auf technisch realisierbare und gesellschaftlich gerechte Weise erreicht werden kann.
Seit den allerersten Schulstreiks fürs Klima wurde immer wieder kritisiert, dass Schüler*innen eine sichere Zukunft fordern, ohne selbst Lösungen für diese existenzbedrohende Krise aufzuzeigen. Obwohl es einem Staatsversagen gleichkommt, dass diese Aufgabe Schüler*innen zufällt, nachdem die institutionelle Politik drei Jahrzehnte lang darin versagte, diese Krise in den Griff zu bekommen, blieb uns schlussendlich keine andere Wahl, als selbst die Massnahmen zu erarbeiten. Massnahmen, die das Schweizer Parlament bereits hätte verabschieden müssen, bevor die meisten Klimastreikenden überhaupt geboren waren.
Unser Plan beweist, dass es mit den vorhandenen Technologien und innerhalb demokratischer Strukturen möglich ist, bis 2030 netto null Treibhausgasemissionen zu erreichen.
Wer schrieb den CAP?
Der Klima-Aktionsplan wurde als gemeinsames Projekt von jungen Klimastreikenden, Wissenschaftler*innen und Expert*innen aus den verschiedensten Fachgebieten mit einem Ausarbeitungsbudget von CHF 0 verfasst. Alle Beteiligten stellten ihre Zeit ehrenamtlich zur Verfügung. Der Plan entstand aus der Zusammenarbeit von Dutzenden von Personen. Deshalb sehen wir die teilweise heterogene Form nicht als Schwäche, sondern viel mehr als Stärke.
Wie der Plan zu lesen ist
Der gesamte CAP umfasst über 300 Seiten, 12 Kapitel und insgesamt 138 Massnahmen. Die Kurzfassung sollte einen guten Überblick über den Inhalt geben, behandelt die Themen aber eher oberflächlich. Die Leser*innen können bei Interesse tiefer in den Plan eintauchen, um mehr über einzelne Kapitel oder bestimmte Punkte zu erfahren. In der Kurzfassung sind die Quellen aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht angegeben. Im detaillierten Klima-Aktionsplan hingegen werden die verwendeten externen Quellen jeweils am Ende der Kapitel aufgeführt. Die vollständige Version des CAP ist in englischer Sprache verfasst, die Kurzfassungen sind auf Deutsch, in Italienisch und Französisch verfügbar.
Die kurze sowie lange Version des Plans können heruntergeladen oder online hier auf der Website angesehen werden. Auf der Website besteht jederzeit die Möglichkeit zwischen Kurzfassung und vollständiger Version hin und her zu wechseln (Button oben an jedem Kapitel). Unter climatestrike.ch/cap findet sich die Übersicht über alle Kapitel. Jedes Kapitel behandelt ein spezifisches Themengebiet und enthält verschiedene Massnahmenvorschläge. Wer nur die gebündelten Massnahmen ansehen möchte findet diese im Table of Policies.
Das Projekt geht weiter
Der CAP muss mit so vielen Menschen wie möglich diskutiert werden (z.B. im Rahmen von Klimaversammlungen). Von den Ergebnissen konstruktiver Diskussionen erwarten wir, dass eine Vielzahl überlegenswerter Ideen zusammenkommt und sich daraus neue konkrete Massnahmen entwickeln lassen. Für uns ist es wichtig, dass auch Menschen sich an der Diskussion beteiligen, die in Bereichen arbeiten, in denen grundlegende Veränderungen dringend notwendig sind. Aufbauend auf diesem CAP planen wir die Veröffentlichung einer zweiten Version. Diese soll die neuen Ideen und die Kritik aus der Bevölkerung miteinbeziehen. Wir hoffen, die zweite Fassung auf einer breiteren Basis abstützen zu können. Die nächste Version soll ein visionärer und exakter Plan zur Überwindung der Klimakrise mit dem Ziel einer lebenswerten Zukunft sein.
Liste der Mitwirkenden
Der Plan basiert auf dem Wissen und der fachlichen Kompetenz der aufgelisteten Personen. Die namentliche Erwähnung von Personen, Organisation oder Institution impliziert keine direkte Unterstützung der politischen Inhalte des Plans.
Allen, die ihre wertvolle Zeit in dieses Projekt investiert haben, wollen wir von ganzem Herzen danken.
|Name||Titel||Vereinigung||Arbeitsgruppe|
|Christian Huggel||Prof. Glaciology and Geomorphodynamics||Department of Geography, University of Zurich||Klima-Anpassung|
|Nicolay Sylvain||PhD in Physics||Klima-Anpassung|
|Felix Küchler||Medical Doctor||Maternité Désirée||Klima-Anpassung, Landwirtschaft & Ernährungssysteme|
|Daniel Bretscher||Eidg. Dipl. Biology||Landwirtschaft & Ernährungssysteme|
|Sonja Keel||PhD in Biology||Landwirtschaft & Ernährungssysteme|
|Daniel Langmeier||BSc Agricultural Studies / MA Development Studies||Biovision||Landwirtschaft & Ernährungssysteme|
|Miriam Leimgruber||MSc Agricultural Sciences||Soil Resources research group, ETH Zurich||Landwirtschaft & Ernährungssysteme|
|Silva Lieberherr||MSc in Agricultural Sciences, PhD in Geography||Bread for all||Landwirtschaft & Ernährungssysteme|
|Adrian Müller||Research Institute of Organic Agriculture FiBL; Institute of Environmental Decisions IED, ETH Zurich||Landwirtschaft & Ernährungssysteme|
|Julian Rogger||Department of Earth Sciences, ETH Zurich; Klimastreik||Landwirtschaft & Ernährungssysteme|
|Hanna Taverna||Landwirtschaft & Ernährungssysteme|
|Michael Schmidt||Prof. Dr. Soil Science and Biogeochemistry||Department of Geography, University of Zurich||Landwirtschaft & Ernährungssysteme, Negative Emissionen|
|Elmar Grosse Ruse||Dipl. Environmental Psychologist||WWF||Gebäude & Raumentwicklung|
|Jakob Schneider||Architekt MA FHNW SIA||Architects for Future||Gebäude & Raumentwicklung, Sektorenübergreifende Massnahmen|
|Axel Schubert||Dipl.-Ing. Arch. / Stadtplaner||klimaverantwortungjetzt.ch||Gebäude & Raumentwicklung, Mobilität|
|Anja Kollmuss||Affiliated Researcher Stockholm Environment Institute||Sektorenübergreifende Massnahmen, Gebäude & Raumentwicklung, Industrie und Dienstleistungssektor|
|Patrick Hofstetter||PhD Environmental Sciences||WWF||Sektorenübergreifende Massnahmen, Industrie und Dienstleistungssektor|
|Jevgeniy Bluwstein||PhD in Political Ecology||University of Fribourg||Wirtschaftliche und politische Strukturen|
|Beat Ringger||Former Director of Denknetz||Wirtschaftliche und politische Strukturen, Sektorenübergreifende Massnahmen|
|Lena Bühler||Klimastreik||Redaktionsteam|
|Andri Gigerl||Klimastreik||Redaktionsteam|
|Simon Imhof||MSc in Environmental Sciences||Klimastreik||Redaktionsteam|
|Jonas Kampus||Klimastreik||Redaktionsteam, Wirtschaftliche und politische Strukturen, Internationale Zusammenarbeit und Klimafinanzierung|
|Hanna Fischer||Klimastreik||Redaktionsteam, Bildung|
|Nico Müller||Klimastreik||Redaktionsteam, Energieversorgung|
|Lorenz Obrist||Klimastreik||Redaktionsteam, Landwirtschaft & Ernährungssysteme|
|Manuel Fischer||Bern University of Applied Sciences||Bildung|
|Maret Gentinetta||Klimastreik||Bildung|
|Manuel Lehmann||BSc in Community Development||Thinkpact Zukunft||Bildung|
|Petra Schäfer||Bildung|
|Patricia Schmid||MSc Human Ecology||Bildung|
|Léonore Hälg||PhD in Energy Politics||Energy Politics Group, ETH Zurich; Research Group for Renewable Energy ZHAW||Energieversorgung|
|Felix Nipkow||Swiss Energy Foundation||Energieversorgung|
|Jürg Rohrer||Prof. Ecological Engineering||ZHAW||Energieversorgung|
|Stefan Schori||MSc in Engineering||Bern University of Applied Sciences||Energieversorgung|
|Henrik Nordborg||PhD in Physics||Institute of Energy Technology, Ostschweizer Fachhochschule||Energieversorgung|
|Felix Güthe||PhD in Chemistry||Basel 2030||Energieversorgung, Negative Emissionen|
|Maya Tharian||Klimastreik||Finanzsektor|
|Tobias Stucki||PhD in Management and Economics||Bern University of Applied Sciences||Industrie und Dienstleistungssektor|
|Regina Betz||Prof. Energy and Environmental Economics||Center for Energy and the Environment, ZHAW||Industrie und Dienstleistungssektor|
|Jürg Füssler||Dr. sc. nat. ETHZ||INFRAS||Industrie und Dienstleistungssektor|
|Axel Michaelowa||PhD in Economics||Int. Climate Policy Research Group, University of Zurich; Perspectives Climate Group||Internationale Zusammenarbeit und Klimafinanzierung|
|Jürg Staudenmann||MSc in Environmental Eng. / MAS Development Coop.||Alliance Sud||Internationale Zusammenarbeit und Klimafinanzierung, Negative Emissionen|
|Christina Bitschnau-Kappeler||MSc Life Sciences, Natural Resource Sciences||VCS SG/AP||Mobilität|
|Mario Leandros Huber||BanPrivateJets.org||Mobilität|
|Christian Ochsenbein||Managing co-Director BFH Energy Storage Centre||Bern University of Applied Sciences||Mobilität|
|Tony Patt||Prof. Climate Protection & Adaptation||Climate Policy Group, ETH Zurich||Mobilität|
|Emanuel Peter||Student MSc Computer Science||Klimastreik||Mobilität|
|Lucie Petetin||MSc in Engineering||Klimastreik||Mobilität|
|Caspar Thut||BSc UZH||Klimastreik||Mobilität|
|Sven Scherrer||Electrical Engineer||Engineers for Future||Mobilität, Energieversorgung|
|Niels Jungbluth||PhD in Life Cycle Assessment||ESU-services GmbH||Mobilität, Energieversorgung, Landwirtschaft & Ernährungssysteme|
|Cyril Brunner||Institute for Atmospheric and Climate Sciences, ETH Zurich||Negative Emissionen|
|Victor Garcia||PhD in Theoretical Biology||Negative Emissionen|
|Matthias Hafner||Klimastreik||Negative Emissionen|
|Jonas Hostettler||PhD in Chemistry||Eltern fürs Klima||Negative Emissionen|
|Jonas Lechot||MSc in Plant Science||Negative Emissionen|
|Marc Novara||Negative Emissionen|
|Hakon Reichardt||Fossil Free||Negative Emissionen|
|Brigitta Mathys||BSc in Physics||Negative Emissionen, Wirtschaftliche und politische Strukturen|
|Camille Coppée||Übersetzung|
|Giulia Crotti||Übersetzung|
|Alexiy De Galembert||Übersetzung|
|Alessia Galeazzi||Übersetzung|
|Oscar Hughes||Übersetzung|
|Christophe Kaufmann||Traduction|
|Mirna Tagliaferri||Übersetzung|
|Anna Frey||Klimastreik||Illustration|
|Leonie Jucker||Klimastreik||Illustration|
|Anja Müller||Illustration|
Vision - eine Botschaft aus der Zukunft
Viele Menschen glauben, dass wir für immer so weiterleben werden, wie wir es heute tun. Aber die Realität sieht anders aus. Es wird unausweichlich gewaltige Veränderungen geben. Wir müssen uns entscheiden. Entweder entscheiden wir uns passiv für eine Welt voller Leiden und Probleme oder wir engagieren uns aktiv für eine Welt voller Neugestaltungen und Lösungen. Wir zeigen hier eine mögliche Vision unserer Zukunft.
Stellen Sie sich vor, Sie wachen morgens auf und treten an einem Sommertag vor Ihre Haustür. Sie atmen saubere und frische Luft ein. Sie schauen sich um. Obwohl Sie in einer grossen Stadt leben, sehen Sie viele Bäume und Pflanzen, die die Gebäude um Sie herum zu umarmen scheinen und die Stadt mit ihren verschiedenen Farben ausmalen. Zudem halten die Pflanzen die Umgebung angenehm kühl. Sie hören nicht mehr den lauten Lärm der Flugzeuge, den Sie früher immer beim Aufwachen wahrgenommen haben. Stattdessen hören Sie die Vögel und Insekten um Sie herum summen.
Heute fahren Sie mit dem Velo zur Arbeit. Vor zehn Jahren haben Sie als Assistenzingenieur*in am Flughafen Zürich gearbeitet. Als die Corona-Krise die Welt traf, wurden Flugzeuge gegroundet. Sie bangten um ihren Job. Später sind viele Flugzeuge wegen den Klimaschutzmassnahmen nie wieder abgehoben. Aber zu diesem Zeitpunkt brauchte man keine Angst mehr davor zu haben, arbeitslos zu werden. Eine berufliche Umschulung ermöglichte es, in vielen verschiedenen anderen Bereichen zu arbeiten, die mit einer ökologischen Zukunft vereinbar sind. Am Anfang war es schwer, die gewohnte Arbeit aufzugeben. Aber heute, als Ingenieur*in von CO2 absorbierenden Technologien, hat die Arbeit wieder einen Sinn. Es war zwar eine Herausforderung, aber auf lange Sicht war die Umschulung eine grosse Chance. Ein Kollege von Ihnen machte ähnliche Erfahrungen. Er wollte etwas ganz Neues versuchen, weil er es satthatte, den ganzen Tag vor dem Computer zu sitzen. Er entschied sich für eine Umschulung im Bereich der Landwirtschaft. Jetzt leitet er eine grosse Permakultur-Farm und arbeitet den ganzen Tag in und mit der Natur. Er fühlt sich jetzt viel besser und gesünder. Ausserdem ist er froh, aufs Land zurückgekehrt zu sein. Dorthin wo er aufwuchs. Es gibt viele Permakultur-Bauernhöfe oder Bauernhöfe mit ähnlichen Methoden, die keine fossilen Brennstoffe, sondern mehr menschliche Kraft benötigen. Es wurden Jobs geschaffen, die nicht gegen, sondern mit der Natur arbeiten. Weil diese Techniken auch effizienter sind, müssen viel weniger Nahrungsmittel aus anderen Ländern importiert werden. Aufgrund von Regulationen landen Fleisch und Fisch heute eher selten auf dem Teller. Zu Beginn gab es viele Menschen, die sich darüber beklagten. Mittlerweile haben sich die Menschen daran gewöhnt. Heute gibt es viele medizinische Studien, die aufzeigen, wie dank der Ernährungsumstellung ein deutlicher Rückgang an Herz-Kreislauf-Erkrankungen möglich wurde.
Nicht nur die Ernährung machte uns gesünder, sondern auch die Art und Weise, wie wir reisen. Die Erinnerungen an Ihren Urlaub im vergangenen Frühling lassen Sie lächeln. Sie haben eine dreiwöchige Radreise unternommen, zusammen mit Ihrer Tochter und Ihrem Partner, der als Klimaflüchtling vor der Heuschreckenplage in Somalia in die Schweiz flüchtete. Das Velofahren ist nun sicher, denn die autofreien Strassen gehören wieder den Fussgänger*innen und dem Langsamverkehr. Das soziale Leben hat sich auf die Strassen und Plätze ausgeweitet. Die Menschen sprechen mit Nachbar*innen, um deren Leben sie sich früher nicht geschert haben. Das Kennenlernen anderer Kulturen erfordert nicht mehr den Ausstoss vieler Tonnen an Treibhausgasen. Alle grösseren Städte in Europa sind heute an einem modernen Bahnnetz für Hochgeschwindigkeitszüge angeschlossen. Preiswerte Nachtzüge machen das Reisen simpel und erschwinglich. Ihre Tochter spricht bereits von all den Ländern, die sie einmal erkunden möchte, wenn sie gross ist.
Die Energie für das Nachtzugnetz kommt von den allgegenwärtigen Solarpanels. Auf zahlreichen Dächern und in grossen Solarparks wandeln sie Sonnenenergie in Strom um. Die Sonnenkollektoren haben heutzutage sogar ein neues Design, so dass sie wie normale Fassaden und Dächer aussehen. Nur mit dem Vorteil, dass diese Energie produzieren. Zusätzlich wird Ihre Stromrechnung immer weniger teuer, da Sie immer mehr eigene Energie produzieren.
Wenn Sie an die Zeit zurückdenken, bevor die Regierung anfing zu handeln, schütteln Sie den Kopf. Wie blind die Meisten damals für die Krise waren. Als Ihr Interesse für das Thema aufkam und Sie sich besser informierten, begannen Sie, die Dringlichkeit der Krise zu erkennen. Die geschehenen Veränderungen scheinen heute nur logisch. Im Allgemeinen brachten viele Massnahmen bedeutende Veränderungen im Leben der Menschen mit sich. Der zwölfmonatige Elternurlaub ermöglichte es Ihnen und Ihrem Partner, eine enge Beziehung zu Ihrer Tochter aufzubauen, ohne sich um etwas anderes kümmern zu müssen. Sie fingen an, gerne darüber nachzudenken, wie Sie ihre Lebensweise ändern könnten, um ein glücklicheres Dasein zu führen. Sie begannen selbst, politisch aktiv zu werden. Viele taten es ihnen gleich. Als der Zeitpunkt des Wandels kam und die Menschen sich der Klimakrise bewusst wurden, wollten alle mitmachen und mitentscheiden, wie unsere neue Welt aussehen sollte. Mit nur sechs Arbeitsstunden pro Tag ist ein gemeinnütziges Engagement nun auch viel einfacher möglich.
Nicht nur die Schweiz hat in den letzten Jahrzehnten enorme Veränderungen durchgemacht. Nach der Corona-Pandemie gab es eine riesige Welle von Veränderungen auf der ganzen Welt. Es war fast surreal. Die Länder lernten zusammenzuarbeiten und sich gegenseitig zu helfen. Und es musste auch zwingend zusammengearbeitet werden, um aus der Klimakrise herauszukommen. Wir steckten da alle gemeinsam drin.
Wenn Sie auf dem Weg zur Arbeit durch den Wald fahren, lächeln Sie. Sie sind dankbar für all die Menschen, die für die ökologische Revolution kämpfen - ja so nennen es einige Leute. All die Menschen, die Ideen verwirklicht haben, um Sie vor der Krise zu schützen. Sie sind dankbar dafür, die richtige Wahl getroffen zu haben.