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Zwischen zwei ehemaligen Piers, an welche nur noch die in den Hudson-River gerammten Holzpfähle erinnern, die knapp aus dem Wasser ragen, steht seit Mai 2021 «Little Island». Der neue Touristen-Hotspot auf der Westseite von Manhattan liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Meatpacking District, wo seit 2015 das Whitney Museum beheimatet ist und der High Line Park beginnt.
«Little Island» ist eine quadratische Park-Plattform im Hudson-River in der Grösse von 100 x 100 Meter, welche mit 280 Betonpfählen fundiert ist. Die Plattform ist über zwei gleich breite Brücken mit Manhattan verbunden. Den Auftakt auf die südliche Brücke macht ein rostiger Torbogen, ein Relikt vom 1991 abgerissenen Pier 54 Gebäude-Portal. Die Park-Plattform steht städtebaulich leicht abgewinkelt zum Flussufer und nimmt so die Ausrichtung des orthogonalen Strassenrasters von Manhattan auf.
Im Jahr 2012, nach einem Design Wettbewerb, wurde das Heatherwick Studio vom Hudson River Park Trust und der The Diller – von Furstenberg Family Foundation beauftragt, ein Projekt zu realisieren, das aus einem Park und einem Amphitheater bestehen soll. Die Architekten aus London haben in New York bereits in Hudson Yards den Vessel entworfen, siehe auch Post vom 16. September 2019: «Vessel» – Was darf ein Lächeln kosten!
Die architektonische Hauptidee von «Little Island» besteht aus 132 fünfeckigen Töpfen, welche aus je 5 vorfabrizierten Beton-Kelchblättern zusammengefügt sind. Die pentagonförmigen Töpfe lassen im Grundriss viele Kombinationsmöglichkeiten zu. Sie ragen in unterschiedlichen Höhen zwischen 4.6 Meter und 18.9 Meter aus dem Wasser, was eine vielfältige Topografie auf der Plattform verspricht. Jeder dieser Töpfe, von denen es 39 verschiedene Typen gibt, wird von einem Betonpfahl getragen, der je nach Lage Lasten von 250 – 350 Tonnen aufnehmen kann. Die 132 organisch geformten Töpfe mit einem Gewicht bis zu 68 Tonnen legen nahe, dass sie mit Erde gefüllt sind und so den grossen Bäumen auf «Little Island» einen idealen Wurzelraum bieten. Das trifft leider nicht zu, siehe Schnittplan. So ist die Tulpenform der über 100 Töpfe, welche «Little Island» vierseitig umschliessen, «nur» ein dekoratives Element. In der Mitte des Parks ist eine ebene Betondecke, die von weiteren 148 Betonpfählen getragen wird. Auf dieser Ebene befinden sich versteckt unter dem Weg, der zur Aussichtsplattform in der Südwest-Ecke führt, WC-Anlagen, Garderoben und andere Räumlichkeiten. Architektonisch schade ist, dass auf der Park-Plattform die polygonale Struktur der Tulpen-Töpfe nur punktuell sichtbar ist. Viele Töpfe wurden mit einer Betondecke verbunden, so ist von dieser aufwendigen Architekturstruktur im Park kaum etwas lesbar. Nur an einigen wenigen Randbereichen und der Süderschliessung, wo die tulpenförmigen Töpfe ein Tor bilden, lässt sich die faszinierende Form erkennen.
Räumlich bietet «Little Island» auf einer Fläche von knapp 10’000 Quadratmeter einiges: Zwei Aussichtsplattformen, zwei Picknick-Wiesen, welche nach Osten ausgerichtet sind – ideal für Yoga, ein grosser Platz mit Verpflegungsmöglichkeit und ein Amphitheater mit 687 Sitzplätzen, das für hochwertige Aufführungen steht. Alles ist durch ein 550 Meter langes Wegnetz und 420 Treppenstufen miteinander verbunden. Es gibt differenzierte Raum- und Klimazonen, die neben einer vielfältigen Topografie durch eine breite Palette von unterschiedlichen Pflanzen geschaffen wird: 35 verschiedene Baumarten, 65 Buschtypen und 290 Gräsersorten stehen für eine üppige Vegetation. Für die gelungene Landschaftsarchitektur verantwortlich ist das New Yorker Büro Matthews Nielsen Landscape Architects.
«Little Island» kostet 281 Millionen US-Dollar. 260 Millionen der Baukosten trägt die Diller – von Furstenberg Family Foundation, welche zusätzlich für den Betrieb der nächsten 20 Jahre 120 Millionen US-Dollar zur Verfügung stellt. Neben den hohen Kosten waren auch Einsprachen von Umweltschützern dafür verantwortlich, dass es im Jahr 2017 zu einem Bauabbruch kam. Ein sehr exklusiver Park, der pro Quadratmeter mit 36’000 US-Dollar Baukosten zu Buche schlägt …
In der Architektur ist neben städtebaulichen Fragen die Art der Erschliessung – Adressierung – im Besonderen bei öffentlichen Anlagen von grosser Bedeutung. Die um 90 Grad abgewinkelte Erschliessungsbrücke nordseitig der Plattform ist architektonisch gesehen eine Notlösung, verglichen zur Südbrücke, welche mit dem alten Pier Portal ihren Auftakt nimmt und die Besucher direkt unter den tulpenförmigen Töpfen elegant in den Park führt.
«Little Island» der Park über dem Hudson-River – ist keine Insel* – sondern eine Plattform auf Pfählen! Ein Besuch von «Little Plattform» in der Blauen Stunde lohnt sich trotz allem auf jeden Fall.
* Bauwerke in einem Gewässer, wie Bohrplattformen, Leuchttürme, Windkraftanlagen, Pfahlbauten und vergleichbare, fest mit dem Untergrund verbundene Objekte, sind hingegen keine Inseln, da es an dem Definitionsmerkmal Landmasse mangelt. Quelle Wickipedia: Insel
Tipps:
- The B1M 23.06.2021: The Battle to Build the Big Apple’s Little Island (YouTube 8:41 Min.)
- DesignCity Lab 21.05.2021 – How Little Island in New York was constructed | Heatherwick Studio (YouTube 1:55 Min.)
- Arup Foresight – Digital fabrication 29.02.2020: «Little Island» Pier 55, New York – David Farnsworth (YouTube 14:05 Min.)
- The Architectural Review 11.10. 2021: In too deep: Little Island in New York City, US by Heatherwick Studio