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Ursprünglich führte die Kander entlang dem Strättlighügel in den Raum der Gemeinden Amsoldingen-Allmendingen-Thierachern. Bei Hochwasser standen deshalb jeweils grosse Flächen Land unter Wasser. Im Jahre 1711 entschied der Grosse Rat schliesslich, dieses Hochwasserproblem mit einer Umleitung der Kander in den Thunersee zu lösen. Dafür musste das Wasser durch den Fels zwischen Einigen und Gwatt geleitet werden. Viele Mühen und Opfer forderte der Kanderdurchstich, doch das Werk gelang.
«und»: Was fasziniert am Kanderdurchstich?
Peter Affolter: Es ging erstmals darum, verschiedene Gemeinden von der permanenten Überschwemmungsgefahr durch die Kander zu befreien. Als dies gelang, brachte das eine grosse wirtschaftliche Entwicklung in die Region.
Warum lohnt es sich, sich mit dem Kanderdurchstich zu befassen?
Es kann den Besuchern gezeigt werden, was die Folgen dieses mutigen Entscheides gewesen sind. Überreste des alten Kanderlaufs sind noch sichtbar, beispielsweise die Tropfsteinhöhle im Glütschbachtal. Es hat eine grosse Landschaftsveränderung gegeben, die bis nach Thierachern beobachtet werden kann. Die neue Ableitung des Glütschbaches im alten Kanderbett war historisch. Heute ist das Glütschbachtal ein Naherholungsgebiet.
Mit welchen Fehleinschätzungen hatte man damals zu kämpfen?
Samuel Bodmer war der geistige Vater des Kanderdurchstichs. Er verlangte vor Beginn der Arbeiten am Durchstich eine Vergrösserung der Abflussmenge in Thun. Die Regierung lehnte dies ab, was für die Bevölkerung nach dem erfolgten Durchstich fatale Folgen hatte: Thun wurde mehrmals überschwemmt, bis die heutige Situation mit zwei Abflusskanälen geschaffen war. Falsch eingeschätzt hatte man auch das Gestein des Strättlighügels. Es handelt sich um instabiles, weiches Material. Und die Kosten des Tagbaus wurden ebenfalls unterschätzt.
Welche Lehren konnten für die späteren Gewässerkorrektionen gewonnen werden?
Ein Gewässer kann man nicht einfach nur umleiten. Mit Dämmen muss das zukünftige Landwirtschaftsland geschützt werden. Weil die ersten neuen Holzbrücken alle unterspült wurden und den Wassermassen nicht standhielten, lernte man, dass es Modellbauten braucht, an denen man den neuen Wasserlauf simulieren kann.