Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03598.jsonl.gz/1811

Die Bereitschaft der Schweizerinnen und Schweizer, sich für den Erhalt der Biodiversität einzusetzen, ist weiterhin gross. Dies zeigt die am 2. Dezember 2013 veröffentlichte Studie des Forschungsinstituts gfs.bern. Der Zustand der Biodiversität wird nach wie vor erstaunlich positiv beurteilt: Obwohl die Biodiversität seit Jahrzehnten ärmer wird, gehen 74% der Befragten davon aus, dass sie in einem eher guten bis sehr guten Zustand ist.
Wie bereits 2009 und 2010 führte das Forschungsinstitut gfs.bern im September 2013 eine repräsentative Umfrage in der Schweizer Bevölkerung über ihre Wahrnehmung der Biodiversität durch (siehe unten). Hier die wichtigsten Ergebnisse.
Der Begriff Biodiversität ist in der Bevölkerung mehrheitlich bekannt. 2013 haben ihn 67% der Befragten gehört oder gelesen. Das sind etwas mehr als 2010 (65%) und deutlich mehr als 2009 (48%). Der Begriff wird allgemein korrekt wahrgenommen und mit der Vielfalt von Natur, Pflanzen und Tieren in Verbindung gebracht. Spontan assoziieren die Befragten Nahrungsmittel und Landwirtschaft mit Biodiversität. Auf die Frage, welche Bilder sie mit Biodiversität verbinden, werden die Natur, Tiere, Wald oder Bäume sowie andere Pflanzen genannt.
Die Notwendigkeit, die Biodiversität zu erhalten, ist unbestritten. Die Befragten begründen sie in erster Linie mit der «Pflicht gegenüber zukünftigen Generationen», der «Verbundenheit» mit der Natur, ihrer «Schönheit» und mit einer «moralischen Pflicht gegenüber der Natur». Wirtschaftliche Gründe und die existenzielle Bedeutung der Biodiversität für die Menschheit erhalten weniger Zustimmung.
Hohe Bereitschaft für persönliches Engagement
Die Schweizerinnen und Schweizer erachten es als wichtig, sich persönlich für den Erhalt der Biodiversität einzusetzen. Auf einer Skala von 0 bis 10 erreicht die Bedeutung des Engagements einen Wert von 7,5. Die einzelne Person engagiert sich am liebsten bei Gartenarbeiten (7,2 auf einer Skala von 0 bis 10), bei Freizeitaktivitäten (7,2) und beim Einkaufen (6,8) zugunsten der Biodiversität.
In Bezug auf politische Forderungen zeigt sich eine breite Zustimmung zu allen vorgeschlagenen Massnahmen für den Erhalt der Biodiversität. Am meisten Zustimmung (91% der Befragten) geniesst die Aussage, dass die Landwirtschaft mehr Rücksicht auf die Biodiversität nehmen soll. Nur leicht weniger Befragte (88%) sind der Meinung, dass bei der Planung von Anlagen zur Produktion von erneuerbaren Energien auf Naturgebiete Rücksicht genommen werden soll. 87% der Befragten sind sehr oder eher damit einverstanden, dass das Produkteangebot verbessert werden soll, und 85% wünschen Biodiversitätsflächen in Siedlungen.
Zu positive Einschätzung des Zustands der Biodiversität in der Schweiz
Erstaunlicherweise stufen die Schweizerinnen und Schweizer den Zustand der einheimischen Biodiversität zu positiv ein. 74% der Befragten gehen spontan davon aus, dass der Zustand der Biodiversität eher gut (65%) oder sogar sehr gut (9%) ist. Diese Einschätzung wird leicht korrigiert, wenn die Personen zum spezifischen Zustand der Wiesen oder der Tierwelt befragt werden. Anhand der gestellten Fragen liess sich keine Erklärung für diese Diskrepanz zwischen tatsächlichem Zustand der Biodiversität und der zu optimistischen Wahrnehmung der Befragten finden.
Die Biodiversität - also die Vielfalt an Arten und Ökosystemen sowie die genetische Vielfalt - ist in der Schweiz rückläufig. Aufgrund des anhaltenden Drucks auf die natürlichen Lebensräume und Ökosysteme ist mittlerweile ein Drittel der einheimischen Arten in unterschiedlichem Masse bedroht. Der Bundesrat hat 2012 die Strategie Biodiversität Schweiz verabschiedet. Diese sieht insbesondere die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen oder die Förderung der Biodiversität im Siedlungsraum vor, um die Biodiversität mittel- und langfristig zu erhalten und zu fördern. Im Frühjahr 2014 wird der Aktionsplan zur Umsetzung der Strategie in die Vernehmlassung geschickt.
Befragung von 1005 Personen
Im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt, des Schweizer Vogelschutzes SVS/BirdLife Schweiz, des Forums Biodiversität sowie der Schweizerischen Vogelwarte Sempach befragte das Forschungsinstitut gfs.bern zwischen dem 17. und 28. September 2013 1005 EinwohnerInnen ab 18 Jahren aus der ganzen Schweiz. Die Fehlerquote liegt bei rund 3,2%.