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Die Niederlande ist zurück in der K.o.-Phase der Europameisterschaft. Doch dafür musste Trainer Frank de Boer mit Traditionen brechen.
13 Jahre musste die Fussballwelt warten, bis die Niederlande an einer Fussball-Europameisterschaft wieder die K.o.-Runde erreicht. 2008 begeisterten die Fans der «Oranje» in der Schweiz, die «Elftal» musste dann im Viertelfinal allerdings bereits die Segel streichen. 2012 scheiterte das Team in der Gruppenphase, 2016 schaffte man nicht mal mehr die Qualifikation für das Turnier.
Doch nun ist die Niederlande zurück und hat sich dank zweier Siege (3:2 gegen die Ukraine und 2:0 gegen Österreich) bereits vorzeitig für die Achtelfinals qualifiziert. Die Rückkehr zum Erfolg ist bei den Holländern aber auch eine Abkehr von der Tradition.
Trainer Frank de Boer hat nämlich das traditionelle 4-3-3, mit dem die Holländer seit Ewigkeiten spielen durch ein 5-3-2-System ersetzt. Stefan de Vrij, Matthijs de Ligt und Daley Blind sorgen in der Abwehr für Stabilität, während Denzel Dumfries und Patrick Van Aanholt auf den Flügeln wirbeln.
Es ist nicht das erste Mal, dass die Niederländer an einem Turnier vom bewährten 4-3-3 abrücken. 2014 stürmten sie ebenfalls mit einem 5-3-2-System bis in den kleinen Final der Weltmeisterschaft in Brasilien. Damals stand allerdings noch der deutlich mehr respektierte Louis van Gaal an der Seitenlinie.
De Boer hat sich diesen Respekt der niederländischen Fans noch nicht erarbeitet. Vor dem EM-Start flog ein Flugzeug über das Trainingsgelände der «Elftal», mit einem angehängten Banner auf dem «Frank. Einfach 4-3-3» stand. Doch der «Bondscoach» liess sich nicht beeinflussen und hielt am 5-3-2 fest. Frank de Boers Zwillingsbruder Ronald meinte gegenüber dem «Telegraaf» deshalb: «Johan Cruyff würde sich im Grab umdrehen.» Er erklärte gleichzeitig aber, dass das System durchaus seine Vorteile hat.
Frank de Boer bevorzugt das 5-3-2, weil ihm das 4-3-3 zu statisch ist. «Mit drei Spielern in der Innenverteidigung kannst du sehr dominant auftreten. Das wollen wir auch», sagte der Trainer der «Oranje». Das gelingt den Holländern mittlerweile auch. Während man im ersten Spiel gegen die Ukraine noch verwundbar auf schnelle Gegenstösse war, liess man gegen Österreich kaum noch etwas zu. Eigentlich liess nur die eigene Chancenauswertung zu wünschen übrig.
De Boer profitiert auch davon, dass diverse seiner Spieler das 5-3-2-System bereits kennen. Frenkie de Jong hat es in Barcelona gespielt, Maarten De Roon und Hans Hateboer haben bei Atalanta Bergamo Erfahrungen damit gesammelt und Jasper Cillesen, Stefan De Vrij, Daley Blind, Joël Veltman, Georgino Wijnaldum und Memphis Depay waren 2014 in Brasilien schon dabei.
Eines ist jetzt schon klar: Wenn «Oranje» an der EM weiter so überzeugend und mit seinem spektakulären Fussball in die späteren Runden vorstösst, werden die Fans ihrem Trainer auch die Abkehr von der Tradition verzeihen.