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Zur Geschichte des Weinbrands
Weindestillate sind eine recht frühe Erfindung - im Gebiet der heutigen Türkei wurden sie vermutlich schon vor über 1.000 Jahren hergestellt. Im europäischen Hochmittelalter fanden sie zunächst vor allem als Arzneimittel Verwendung, zu einem hochwertigen Genussmittel wurde Weinbrand erst mit dem Beginn der bürgerlichen Epoche.
Weinbrand und seine Sorten
Der Begriff Weinbrand ist aus dem mittelhochdeutschen \"brandewin\" - englisch: \"brandy wine\" - entstanden. Die Bezeichnung \"Brandy\" ist heute in vielen Ländern ein eingeführter Name für gebrannten Wein. In der entsprechenden EU-Verordnung werden Brandy und Weinbrand gleichgesetzt.
Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts hießen Weinbrände in Deutschland unabhängig von ihrer Herkunft meistens Cognac. Im Jahr 1900 beschäftigte sich der \"Verband selbstständiger öffentlicher Chemiker\" zum ersten Mal mit der Qualitätsdefinition von Cognac - mit der Konsequenz, dass die Herstellung des Destillats ausschließlich aus Wein oder Tresterwein (Haustrunk, Gesindewein - ein aus den Pressrückständen bei der Weinerzeugung produzierter alkoholarmes und gerbstoffreiches Weingetränk) erfolgen dürfe. Die Chemiker hielten seinerzeit die Bezeichnung \"Cognac-Weinbrand\" für angemessen.
1908 hatte der Rüdesheimer Destillateur Hugo Asbach für seine Weindestillate das Warenzeichen \"Weinbrand\" angemeldet, was nach dem ersten Weltkrieg wichtig werden sollte: Der Versailler Vertrag enthielt den sogenannten Champagner-Paragraphen, mit dem Frankreich den Schutz bestimmter französischer Herkunftsangaben für sich reklamierte. Als Cognac durften fortan nur noch Weinbrände aus der gleichnamigen französischen Region bezeichnet werden. Ins deutsche Weingesetz wurde 1923 die Bezeichnung \"Weinbrand\" aufgenommen, die bis heute als gesetzlich geschützte Herkunfts- und Qualitätsbezeichnung für in Deutschland produzierte \"Qualitätsbranntweine aus Wein\" verwendet wird.
Die EU-Definition für Weinbrand
Heute sind die Begriffe "Weinbrand" oder "Brandy" durch EU-Recht europaweit geschützt. Der Alkoholgehalt der entsprechenden Spirituosen muss vollständig aus Wein stammen. Im ursprünglichen Weindestillat muss er zwischen 52 und 94,8 Volumenprozent (% Vol.), in einem trinkreifen Weinbrand mindestens 36 % Vol. betragen. Ethanol-Zusätze anderer Agrarprodukte sind bei der Weinbrandherstellung grundsätzlich verboten. Auch Aromazusätze sind nicht erlaubt, falls diese nicht Bestandteil traditioneller Herstellungsverfahren in den Herkunftsländern von Weinbrand sind. Die Farbe von Weinbrand ist kein Qualitätskriterium, da eine Zugabe von maximal drei % Vol. Zucker oder Zuckercouleur gestattet ist.
Die Reifung von Weinbränden muss gemäß den EU-Vorgaben im Eichenholzfass erfolgen. Die Mindestreifungszeit beträgt bei Fässern mit einer Kapazität von unter 1.000 Litern sechs Monate, bei größeren Fässern mindestens ein komplettes Jahr. Wenn ein Produkt als \"alter Weinbrand\" in den Handel kommt, wurde es mindestens zwölf Monate lang im Fass gelagert. Weinbrände mit der Bezeichnung \"V. S. O. P.\" - Very Superior Old Pale - haben mindestens vier Jahre Fasslagerung hinter sich gebracht. Tresterbrände sind für die Klassifikation als Weinbrand heute nicht mehr relevant.
Spezielle Vorschriften für deutschen Weinbrand
Seit 1998 gelten für deutschen Weinbrand einige spezielle Regelungen. Die Klassifikation als deutscher Weinbrand muss durch eine amtliche Prüfnummer ausgewiesen werden. Die Destillationsobergrenze liegt - gegenüber 94,8 % Vol. in der Europäischen Union - bei 86 % Vol., der ausgereifte Weinbrand muss einen Alkoholanteil von mindestens 38 % Vol. besitzen. Der Wein für deutschen Weinbrand darf ausschließlich von Rebsorten aus einem EU-Land stammen. Deutsche Weinbrände müssen mindestens zwölf Monate in Eichenholzfässern mit einem Fassungsvermögen von weniger als 1.000 Litern reifen. Das deutsche Weinrecht erlaubt Zusätze von traditionellen Zuckerarten bis zur Obergrenze von 20 Gramm pro Liter Fertigware sowie von Kaltauszügen aus Mandeln, getrockneten Pflaumen sowie Walnüssen als Aromastoffe, Zuckercouleur ist explizit verboten. (Das EU-Weinrecht erlaubt neben der limitierten Verwendung von Zuckercouleur den Zusatz von \"Zuckerstoffen\" in unbegrenzter Menge sowie eine Aromatisierung durch Kaltauszüge aus Eichenholz.)
Wie wird Weinbrand produziert?
Die Erzeugung von Weinbrand erfolgt in einem zweistufigen Prozess. Prinzipiell kann dafür jeder Wein verwendet werden. In den verschiedenen Ländern haben sich dafür jedoch bestimmte Praktiken etabliert - zum Teil müssen die Rebsorten für die Produktion von Weinbränden auch amtlich zugelassen werden. Im ersten Schritt wird aus dem Wein der sogenannte Roh- oder Raubrand destilliert, der noch zahlreiche unerwünschte Nebenstoffe enthält. Wesentlich aufwändiger ist die Destillation des Feinbrandes, die in drei \"Läufen\" - Vorlauf, Mittellauf und Nachlauf - vor sich geht. Vor- und Nachlauf dienen der Reinigung des Destillates und werden abgeschieden, das Resultat des Mittellaufs ist der sogenannte Feinbrand - eine klare Flüssigkeit, die nun im Eichenholzfass reifen muss.
Während der Lagerung im Fass kommt der Weinbrand mit Sauerstoff in Kontakt, was zu Entwicklung seines Aromas beiträgt. Aus dem Eichenholz gehen ebenfalls Farb- und Aromastoffe in den Weinbrand über. Innerhalb eines Jahrgangs egalisiert der Brandmeister farbliche und geschmackliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Fässern. Schließlich wird aus Weindestillaten verschiedener Jahrgänge und gegebenenfalls unterschiedlicher Rebenherkunft die Weinbrandmarke komponiert - ein Vorgang, der im Französischen als \"marriage\" - Vermählung - bezeichnet wird. Bis auf ganz wenige Ausnahmen ist also jeder Weinbrand ein Verschnitt.
Weinbrand - ein vielfältiger Genuss
Pur wird Weinbrand am besten aus dem Schwenker und bei Zimmertemperatur getrunken, da sich sein Aroma so optimal entfalten kann. In dieser Form ist er ein Genuss, der für sich selber steht, eignet sich jedoch auch hervorragend zum Kaffee oder als Digestif. "On the rocks" - auf Eis - wird er entweder als Longdrink mit Säften, Cola, Tonic oder Sodawasser angeboten oder ist ein Bestandteil aufwändigerer Mixgetränke.