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Kolontumoren und Funktionsstörungen
Peter Bauerfeind
Colon irritabile
Zur medikamentösen Behandlung des Colon irritabile zeigen die Resultate einer randomisierten Doppelblindstudie mit 44 Patienten, die an einem durch Diarrhö dominiertem Reizdarmsyndrom litten, dass die vierwöchige Behandlung mit dem Alfa-2-Adrenorezeptoragonisten Clonidin im Vergleich zu Plazebo eine deutlich stärkere Linderung der Symptome bewirkt [1]. Das trizyklische Antidepressivum Desipramin erwies sich in einer plazebokontrollierten Studie bei 431 Frauen mit einem mittelschweren bis schweren Reizdarmsyndrom als wirksam, wobei aber über ein Viertel der Patientinnen die Behandlung vorzeitig abbrach [2]. Auch der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Paroxetin führte in einer Doppelblindstudie mit 110 Patienten, deren Reizdarmsydrom auf eine faserreiche Kost nicht angesprochen hatte, zu einer Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens, obwohl die Schmerzen kaum gelindert wurden [3]. Die kommerziell erhältliche Kräutermischung Iberogast® zeigte in einer plazebokontrollierten Multizenterstudie bei der Behandlung des Reizdarmsyndroms eine beeindruckende Wirksamkeit, die sich mit derjenigen von eigentlichen Medikamenten durchaus vergleichen lässt [4].
Die Wirksamkeit der psychologischen Therapie bei der Behandlung des Reizdarmsyndroms konnte in einer Metaanalyse bestätigt werden [5]. In die gleiche Richtung weisen die Resultate einer US-amerikanischen Studie, die für die Verhaltenstherapie bei Frauen mit einem mittelschweren bis schweren Colon irritabile eine höhere Wirksamkeit als für die reine Informationsvermittlung ergab [2]. Des Weiteren zeichnete sich Yoga in einer indischen Studie mit 20- bis 50-jährigen männlichen Patienten, die an einem von Diarrhö geprägten Reizdarmsyndrom litten, durch eine höhere Wirksamkeit aus als die medikamentöse Behandlung mit Loperamid [6]. Im Gegensatz dazu zeigt eine australische Studie, dass die Verhaltenstherapie wie auch die Entspannungstherapie der routinemässigen klinischen Betreuung nicht überlegen sind [7]. Trotz dieser teilweise widersprüchlichen Resultate können jedoch alternative Therapieformen bei hartnäckigen Fällen des Reizdarmsyndroms durchaus eine sinnvolle Behandlungsoption darstellen.
Kolorektales Karzinom
Im Zusammenhang mit der seit langem diskutierten Prävention des kolorektalen Karzinoms zeigen zwei Studien aus dem vergangenen Jahr, dass durch eine faserreiche Kost die Inzidenz von Polypen verringert werden kann, sofern eine genügend grosse Menge an Fasern eingenommen wird [8, 9]. Zur präventiven Wirksamkeit von Aspirin ergaben zwei letztjährige Studien widersprüchliche Resultate, da bei Patienten mit einem kolorektalen Karzinom in der Anamnese einerseits eine Reduktion der Inzidenz von kolorektalen Adenomen um ein Drittel und andererseits eine nur geringfügige Verringerung des Rezidivrisikos nachgewiesen wurde [10, 11]. Eine neue grosse Doppelblindstudie mit 27'077 Krankenschwestern weist nun aber auf eine mit der Anzahl der eingenommen Aspirin-Tabletten korrelierte Abnahme des Risikos für kolorektale Karzinome hin, wobei durch die Einnahme von mindestens zwei Tabletten Aspirin pro Woche eine Risikoreduktion von 25 Prozent erreicht wurde [12]. Entgegen den Resultaten von früheren Untersuchungen ergab eine Metaanalyse von acht Studien mit 489'979 Teilnehmern, dass Alkoholkonsum nur eine geringfügige Erhöhung des Risikos für ein kolorektales Karzinom bewirkt, welche zudem erst bei einer täglichen Einnahme von mindestens 30 Gramm Alkohol eintritt [13]. Trotz dieser Erkenntnisse zur Primärprävention des kolorektalen Karzinoms kann jedoch auf ein regelmässies Screening nicht verzichtet werden. Dabei kann das Risiko für ein kolorektales Karzinom durch die Koloskopie um 70 bis 80 Prozent und durch die Sigmaskopie um 33 Prozent reduziert werden, während durch den Hämoccult-Test eine Verringerung des Karzinomrisikos um 10 bis 20 Prozent erzielt wird.
Zur adjuvanten Chemotherapie des kolorektalen Karzinoms wurden im vergangenen Jahr neue onkologische Behandlungsansätze veröffentlicht. So zeigte eine multizentrische Studie mit 2'246 Patienten, dass durch die im Anschluss an die kurative Resektion erfolgende Behandlung mit Oxaliplatin in Kombination mit Fluorouracil und Leucovorin im Vergleich zur Standardchemotherapie mit Fluorouracil und Leucovorin die Überlebensrate signifikant verbessert werden konnte [14]. Allerdings ist zu beachten, dass die mit der adjuvanten Chemotherapie erzielbare Verlängerung der Überlebenszeit vor allem bei älteren Patienten lediglich wenige Wochen beträgt [15]. Der mit einer adjuvanten Chemotherapie gegenüber keiner Therapie erreichbare, nur geringe Gewinn an Lebenszeit muss mit dem Patienten offen besprochen werden, damit er die Nachteile einer Chemotherapie und deren Folgen im Vergleich zur potenziell erzielbaren Verlängerung der Überlebenszeit abwägen kann.
Für den nicht-invasiven Nachweis von kolorektalen Karzinomen wurden in zwei früheren Studien genetische Stuhltests zur Erfassung von Polypen und Karzinomen beschrieben, die eine Sensitivität von 60 bis 90 Prozent und eine Spezifität von 90 bis 100 Prozent zeigten. Als weiterer genetischer Stuhltest zur Erkennung von kolorektalen Karzinomen wird nun die Bestimmung des Methylierungsstatus der fäkalen DNS geprüft, welcher gemäss ersten Resultaten eine Sensitivität und Spezifität von 77 Prozent hat [16–18].
PD
Dr. med. Peter Bauerfeind
Literatur