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Der Wasserkopf (Hydrocephalus)
Der Hydrocephalus (Wasserkopf) stellt ein Ungleichgewicht zwischen der produzierten Nervenwassermenge zu ungunsten zu deren Resorption da. Nach aussen hin sichtbar wird dieser nur im Kleinkindalter, da hier bei noch nicht geschlossenen Schädelnähten das zusätzliche Nervenwasservolumen im Schädelinneren den Kopfumfang vergrössern kann. Normalerweise wird ein gleichbleibendes Volumen an Nervenwasser täglich in den inneren Nervenwasserräumen des Gehirns gebildet. Dieses Nervenwasser fliesst durch die Nervenwasserkammern (Ventrikel) durch feine Kanäle in die Spinngewebshaut (Subarachnoidalraum) und verteilt sich so um das Gehirn und das Rückenmark. Von hier aus wird das Nervenwasser in den äusseren Gehirnschichten und in den das Gehirn umgebenen Häuten wieder in den Blutkreislauf aufgenommen. Beim Hydrocephalus besteht nun ein permanentes Überangebot an Nervenwasser (Liquor). Zwei Ursachen kommen hier prinzipiell in Frage:
Zum einen kann der Nervenwasserabfluss aus den inneren Hirnkammern, in denen er gebildet wird, mechanisch verlegt sein (Verschlusshydrocephalus).
Die andere Ursache ist die verminderte Wiederaufnahme des Nervenwassers in den Räumen um das Gehirn, hervorgerufen durch möglicherweise altersbedingte (degenerative) Veränderungen in den Resorptionsstrukturen (Normaldruckhydrocephalus/Hydrocephalus male resorptivus).
Verschlusshydrocephalus
Der Verschlusshydrocephalus zeichnet sich durch eine recht schnelle (akute) Ausbildung der Symptome aus.
Da es sich um eine mechanische Verlegung der Nervenwasserabflusswege aus den Hirnkammern handelt, kommt es sehr rasch (akut) zu Symptomen der Hirndrucksteigerung mit Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Ursachen sind häufig Tumoren, Zysten, Entzündungen oder Blutungen. Die Therapie der Wahl ist die Entfernung der Raumforderung, welche zur Blockade der Abflusswege geführt hat. In seltenen Fällen kann dieses aber nicht möglich sein. Hier kommt dann das Verfahren zur endoskopischen Drittventrikulostomie zum Einsatz. Sollte auch dieses Verfahren in bestimmten Fällen nicht geeignet sein, ist die Einlage eines Schlauchsystems (Shunt) unter der Haut verlaufend (subcutan) von den Nervenwasserkammern, vorzugsweise in den Bauchraum (intraperitoneal), vorzunehmen.
Normaldruckhydrocephalus
Durch gleichbleibende Produktion des Nervenwasservolumens über eine relativ lange Zeit (Monate) kommt es zu einem langsamen Anstieg des Nervenwasservolumens im Schädelinneren. Ein Druckanstieg findet nicht oder nur sehr gering statt, da das Gehirn in gleichem Masse wie das Liquorvolumen zunimmt an Substanz verliert. Daher treten die Symptome oft verzögert und schleichend auf. Bemerkbar macht sich der Normaldruckhydrocephalus vor allem durch den Funktionsverlust des Gehirns. Typisch hierfür ist die Hakim Trias mit kleinschrittigem breitbasigem Gangbild, Gedächtnisstörungen und Urge-Inkontinenz. Da die Resorptionsfähigkeit des Gehirns für den Liquor dauerhaft gestört ist, gelingt keine ursächliche Behandlung. Die Behandlung der Wahl ist die Implantation eines subcutan gelegenen Shuntsystems, welcher das Nervenwasser von den inneren Hirnkammern zum Beispiel nach intraperitoneal ableitet. Hier kann der Liquor in der Regel problemlos resorbiert werden. Welchen Stellenwert die endoskopische Behandlung mittels Drittventrikulostomie bei diesem Krankheitsbild hat, ist noch unklar.
Kindlicher Hydrocephalus
Der kindliche Hydrocephalus nimmt einen besonderen Stellenwert ein. Häufig handelt es sich um einen akuten Verschlusshydrocephalus durch Blutungen im Schädelinneren während des Geburtsvorganges oder bei unreifen Frühgeborenen. Auch Tumore oder Zysten können sehr selten Ursache sein. Aufgrund der noch nicht geschlossenen Schädelnähte kann das gestaute Nervenwasser den Kopfumfang vergrössern und so können neurologische Symptome erst im späteren Krankheitsverlauf auftreten. Die Diagnose des frühkindlichen Hydrocephalus wird über den unproportionalen Grössenzuwachs des Kopfumfanges und mittels Ultraschallmessung der Grösse der Nervenwasserkammern gestellt. Wiederholte Nervenwasserpunktionen über die noch offenen Schädelnähte oder der Einbau eines Shunts sind im Kleinkindalter unter einem Jahr die Therapie der Wahl. Die endoskopische Drittventrikulostomie kann erst bei Kindern, welche älter als 12 Monate sind, als Therapieoption mit hinzugezogen werden.