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Ausgehend von dem nördlich des Ticino stehenden Maschinenhaus der Kraftwerke Ritom in Piotta führt die Standseilbahn zur Bergstation Piora auf 1794 m ü. M. in der Nähe des Ritomsees. Diese Bahn liessen die SBB um 1917 im Rahmen des Kraftwerkbaus zur Montage der Rohrleitung und zum Transport der Baumaterialien erstellen. Der Ingenieur Cesare Lucchini (1885-1965) übernahm die Bauleitung. Die von der Firma Von Roll gelieferte einspurige Windenbahn besitzt keine Ausweiche und hat somit nur einen Wagen. Die leicht gekurvte Linie der Bahn verläuft parallel zur Druckleitung und weist eine maximale Steigung von 87,8% auf.
In kräftigem Bruchsteinmauerwerk aufgeführte Bauten stehen neben den nicht überdeckten Stationen. Das westlich vom Maschinenhaus stehende Stationsgebäude enthält die Seilwinde, ein kleines Büro und eine offene Wartehalle. Die Zwischenstationen Sanatorio (heute geschlossen) und Altanca besitzen einfache Wartehäuschen. Die Endstation ist mit der Apparatenkammer der Druckleitung zusammengebaut. Der mit einer Betonkrone versehene Unterbau und die Wegüberführungen der Strecke sind ebenfalls in Bruchsteinmauerwerk errichtet.
Seit der Bauvollendung des Kraftwerks 1921 dient die Bahn auch dem öffentlichen Verkehr. Dazu mussten die Wagen umgebaut und zusätzliche Zwischenstationen eingerichtet werden. Der ehemals zum Rohr- und Materialtransport benutzte und mit zwei Zangenbremsen ausgerüstete Wagen erhielt einen Aufbau für den Personentransport. Das 1985 ausgemusterte Fahrzeug wurde als Schauobjekt in der Nähe der Talstation aufgestellt. Das zu diesem Zeitpunkt in Betrieb gesetzte neue zweiachsige Von Roll-Fahrgestell erhielt einen metallenen Aufbau der Firma Cattaneo SA mit Platz für 50 Passagiere.
Das Antriebsaggregat der Windenbahn befindet sich in der Talstation. Von hier verläuft das Seil bis zur Umlenkstation im Berg neben dem Gleis. Dabei wird das Seil über Rollen von grossem Durchmesser geleitet, die teilweise auf Fachwerkmasten ruhen. Von der Umlenkstation bis zum Wagen verläuft das Seil in der Mitte zwischen den Schienen.
Die Bahn wurde 1977/78 durch die Firma Von Roll Habegger umgebaut. Aus dieser Zeit stammen der Antrieb und das Getriebe. Die Betriebs- und Sicherheitsbremse wurden 1985 beziehungsweise 1998 ersetzt. 2003 folgten eine neue Steuerung und Fernüberwachungsanlage.
Die eindrückliche Bahn wird seit 2003 durch die Funicolare Ritom SA betrieben. Sie dient sowohl der öffentlichen Erschliessung wie auch dem Transport von Touristen ins hoch gelegene Pioratal.
Die im Zusammenhang mit dem Bau des Wasserkraftwerks Ritom entstandene Bahn ist eine typische Windenbahn. Die längs der Druckleitung angelegte Bahn diente vorerst der Rohrmontage und dem Transport von Baumaterialien. Nach Abschluss der Arbeiten wurde sie 1921 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Vor dem Bau der Gelmerbahn (vgl. 61.061) galt sie mit einer Maximalneigung von 87,8% als die steilste Standseilbahn der Schweiz. Ungewöhnlich ist die Lage der Antriebswinde in der Talstation. Das von hier neben dem Gleis und über teilweise hohe Stützen verlaufende Seil wird über eine Umlenkrolle in der Bergstation geführt, bevor es die Kabine erreicht. Die Linienführung, der Unterbau und die Streckenbauwerke sind original erhalten. Die Stationen sind wie die übrigen Kraftwerksbauten in markantem Bruchsteinmauerwerk errichtet. Der Antrieb und die Bremsen wurden kontinuierlich nachgerüstet bzw. ersetzt. Der Vorgänger des seit 1985 auf der Linie verkehrenden Wagens ist als Ausstellungsobjekt im Kraftwerksgelände zu besichtigen. Die Kraftwerksbahn erlebt eine Renaissance als Touristenbahn.
|Konzeption|
|Erschliessungsidee (Vision)||Erschliessung der Apparatekammer des Kraftwerks Ritom in Piora, ausgehend vom Maschinenhaus in Piotta, zur Montage der Rohrleitung|
|Linienführung: Planung, Umsetzung||parallel zur Druckleitung angelegte, leicht gekurvte Linie mit sorgfältig gefügtem Mauerwerksunterbau|
|Seilbahntechnik|
|besondere oder typische tech. Konstruktion, Ausführung, Lösung, Materialien||Windenbahn mit einem Fahrbetriebsmittel; ungewohnte Anordnung der Antriebswinde im Tal; Führung des Rücklaufseils über mehrere Meter neben der Bahn über hohe Stützen|
|seilbahntechnische Bedeutung: Prinzip, Hersteller||typische, zum Transport von Rohren u. Baumaterialien erstellte Kraftwerksbahn mit beachtlicher Maximalneigung von 88%|
|Baukunst: Streckenbauwerke, Hochbauten|
|Ingenieurbau||anspruchsvoller u. kräftig ausgebildeter Unterbau; Brücken; Streckenbauwerke in Natursteinmauerwerk u. mit Betonkronen|
|Architektur||Teil der imposanten Kraftwerksarchitektur|
|besondere oder typische arch. Konstruktion, Ausführung, Lösung, Materialien||rohe, steinsichtige u. der Umgebung angepasste Materialisierung|
|bautypologische Bedeutung||integraler Bestandteil der Karftwerksanlage Ritom|
|Authentizität: materielle, ideelle Überlieferung|
|Umfang und Qualität der ursprünglichen Komponenten||Linienführung, Unterbau u. Streckenbauwerke aus der Anfangsphase erhalten|
|Qualität der Nachrüstungen||zweckmässige Nachrüstungen bzw. kontinuierlicher Ersatz von Antrieb (1977/78), Fahrbetriebsmittel (1985), Bremssystem (1985/1998) u. Steuerung (2003)|
|funktionale Unversehrtheit||sowohl als Kraftwerks- als auch als Touristenbahn (öffentliche Erschliessung) in Betrieb|
|Kulturgeschichte|
|Personen, Firmen, Institutionen||Elektrifizierung der Gotthardlinie durch die SBB|
|Wirtschaft, Tourismus, Verkehr, Militär||SBB-Gotthardlinie; Kraftwerksbau; bedeutend auch für die Alpe Piora|
|Räumliche Situation|
|Berücksichtigung der Landschaft, der natürlichen Umgebung, des urban. Kontexts||Orientierung am Druckleitungssystem der Kraftwerksinstallation; Bestandteil der als Kontrapunkt zur Landschaft erstellten technischen Anlage|
|Infrastruktur|
|touristische/betriebliche Infrastruktur||Wanderwegsystem|
|Verkehrsnetze||Station Gotthardbahn; Kantonsstrasse|
|Bundesinventare|
|-||ISOS (national)||Piotta (Quinto), villagio|
|Literatur|
|-||Eggenberger, H.: Das Kraftwerk Ritom der S.B.B., in: Schweizerische Bauzeitung SBZ, vol.81/82(1923), p. 246-249, 255-256, 267-270, 296-297, 305-309, 318-321.|
|-||Habich, H.: Das Kraftwerk Ritom der S.B.B., in: Schweizerische Bauzeitung SBZ, vol. 82(1923), p. 6-9, 65-66, 69-73, 90-93|
|-||Schweizer Heimatschutz (Hg.): Die schönsten Verkehrsmittel der Schweiz, Zürich, 2007, p. 58 |
|e-docs|
|-||http://www.ritom.ch |
|-||http://www.funimag.com/suisse/piotta01.htm |
|-||http://www.bahn-bus-ch.de/bahnen/fpr/index.html |