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Erfahre hier alles über Flora, Fauna, Landschaft und Natur der Gemeinde Bellwald
Der am tiefsten gelegene Punkt der Gemeinde Bellwald liegt auf etwa 1100 m ü. M. (Fürgangen), der höchste Punkt befindet sich auf 4274 m ü. M. (Finsteraarhorn). Die Vegetation ist nicht einheitlich, sondern der Höhe und den Bodenverhältnissen angepasst.
Nach dem sich ändernden Aussehen der Vegetation unterscheidet man verschiedene Höhenstufen, die gürtelartig aufeinander folgen. Das Gebiet von Bellwald ist zur subalpinen und alpinen Stufe zu rechnen. Die subalpine Stufe, deren obere Grenze mit der Grenze der geschlossenen Bestände von über 25 cm hohen Zwergsträuchern und Hochstaudenfluren zusammenfällt, umfasst zwei deutlich getrennte Unterstufen. Die tiefere, unterhalb des Dorfes Bellwald gelegene Stufe ist vorwiegend durch Rottannen und an trockenen Standorten
durch Föhren charakterisiert, während für die oberhalb des Dorfes Bellwald gelegene obere Stufe der etwas lichtere Lärchenwald mit Rottannen vermischt kennzeichnend ist. Letztere reicht bis auf ca. 2100 m ü. M. Die Gebiete oberhalb der Baumgrenze gehören zur alpinen Stufe. Sie umfasst vorwiegend natürliche Alpweiden sowie Schutt- und Felsvegetation. In der oberen alpinen Region lösen sich die Alpweiden auf und die Schneeflecken werden häufiger. Die Vegetation nimmt hochalpinen, arktischen Charakter an. Wenige tief wurzelnde, meist kriechende und polsterbildende Pflanzen herrschen hier vor (Steinbrechgewächse, Hahnenfüsse und Rosengewächse). Der Gletscherhahnenfuss - er wurde am Finsteraarhorn noch bei über 4200 m ü. M. entdeckt - und die Kriechende Nelkenwurz, die auf der alten Schweizer Zehnernote abgebildet war, gehören dazu.
Während der Einfluss des Menschen den Vegetationsaspekt in der alpinen Stufe nur unwesentlich verändert, ist die Vegetation der subalpinen Stufe weitgehend von ihm geprägt. Diese Vegetation umfasst ausserhalb der Wälder wenige Roggenäcker, Kartoffeläcker und kleine Gemüsegärten mit ihrer Unkrautvegetation, gemähte und beweidete Wiesen, Wegrandflora und Schuttflora sowie brachliegende Äcker und Wiesen. Die weitaus grösste Fläche der vom Menschen geprägten Vegetation nehmen die Wiesen ein. Diese sind mit Bäumen und Sträuchern wie Esche, Bergahorn, Aspe, Mehlbeerbaum, Rotem Holunder, Birke, Vogelbeerbaum, Kirschbaum und Traubenkirsche bestanden. Schlechtwüchsige und steile oder sehr abgelegene Wiesen dienen meist als Weiden, während man die übrigen vorwiegend mäht. Weiden zeichnen sich im Unterschied zu den Mähwiesen durch niedrig wachsende oder kriechende und meist zähe Pflanzen aus, die so beschaffen sind, dass sie möglichst wenig Schaden durch Tritte erleiden. Bei den periodisch gemähten Wiesen unterscheidet man Fettwiesen und Magerwiesen.
Fettwiesen besiedeln eher feuchte bis nasse Stellen und werden regelmässig mit Mist, Jauche oder auch Kunstdünger gedüngt. Magerwiesen werden nicht oder nur unregelmässig gedüngt und meist nur einmal im Sommer gemäht. Man findet sie vor allem an steileren Stellen, an trockenen Südhängen oder in abgelegenen Gebieten. Da der Boden dort im Sommer ziemlich trocken ist, bezeichnet man sie auch als Halbtrockenrasen.
Weitere Informationen zur Blütezeit von Pflanzen, zu Fettwiesen, Magerwiesen, Weiden, Schuttfluren, Triften, Wegrändern, Unkrautfluren, Wäldern, Gebüschen, Hecken, Alpweiden, Hochstaudenfluren, Pilzen sowie zum Gebrauch und zur Verwendung der Pflanzen findest du im Buch «Bellwald», das im Tourismusbüro erhältlich ist.
Vögel der Wälder, der Bäume und Büsche
Die Besiedelung der Wälder oder Gehölze durch Vögel ist stark abhängig von der Zusammensetzung und der Struktur der Baum- und Buschbestände. Verallgemeinernd kann man sagen, dass Waldränder stärker bevölkert sind als die Innenbezirke von Gehölzen und dass die Zahl der Vögel abnimmt und umso spezifischer wird, je höher man in die Berge steigt. Im Vergleich zu den Wäldern und Gehölzen des Flachlandes sind in unseren Wäldern also weniger Vogelarten anzutreffen, dafür aber solche, die in der Ebene nicht heimisch sind.
Vögel der Wiesen, Felder und Alpweiden
Sowohl in den landwirtschaftlich genutzten tiefer gelegenen Regionen als auch in der Alpwirtschaftszone kommt als Brutvogel der Turmfalke vor. Zum Nisten sucht er sich alte Krähen- oder Elsternnester auf einzeln stehenden Bäumen, in Hecken und an Waldrändern. Er brütet auch in Dachlücken oder auf Felsabsätzen.
Vögel der Fels- und Hauswände
Auf Gesimsen und Felsplatten in den Bergen bauen die Alpendohlen ihr Nest. Während der kargen Jahreszeiten, vor allem im Spätherbst und Frühling, steigen sie in die menschlichen Siedlungen hinunter, um auf Dächern und in Früchte tragenden Bäumen nach Nahrung zu suchen. Aber gegen Abend fliegen die Vögel stets wieder in die Höhe, um die Nacht im Schutz der Felswände zu verbringen. An den schwer zugänglichen Felswänden über dem Fieschergletscher horstet seit einigen Jahren wieder
der Steinadler. Glücklich ist, wer auf einer Alpwanderung diesen stattlichen Greifvogel zu Gesicht bekommt. Ebenfalls in den Felswänden über dem Weisswasser brütet der Kolkrabe. Er ist der grösste schwarze Vogel unseres Gebietes. Von der Rabenkrähe ist er durch die bedeutendere Grösse, den starken Schnabel und im Flug durch den keilförmigen Schwanz zu unterscheiden. Sein Ruf ist tief und klangvoll. Auf Felskämmen, Bergspitzen und in den Felsen der hoch gelegenen Gebiete ist der Schneefink anzutreffen.
An Amphibien kommen der an der Unterseite hellgelb bis orangerot gefärbte Bergmolch und der braun und dunkel gefleckte Grasfrosch vor. Der Bergmolch bewohnt Tümpel. Im Mai und Juni, wenn er sein Winterquartier unter den Steinen und Baumstrünken verlassen hat, ist er zahlreich in den mit Schmelzwasser gefüllten Tümpeln im Lärchenwald oberhalb des Dorfes zu finden. Hierher kommen auch die stumpfschwanzigen Grasfrösche, um zu laichen. In der Wärme der Frühlingssonne entwickeln sich aus dem Laich die Kaulquappen. Massenweise tummeln diese sich dann dort und tun sich gütlich an den abgestorbenen Pflanzen und Pflanzenteilen, um schliesslich als kleine Grasfrösche das Wasser zu verlassen. Man findet den Grasfrosch daher auch auf Wiesen und sumpfigen Weiden und sieht ihn bei Regenwetter durch das Gras und über die Wege hüpfen.
Ausser eher unscheinbaren Kleinsäugern wie Mäusen gibt es noch rund ein halbes Dutzend weitere freilebende Säugetierarten. Überall in den Wäldern bis hinauf zu den letzten Lärchen und Tannen ist das Eichhörnchen zu beobachten. Eine seit ein paar Jahren eher selten gewordene Erscheinung ist der Feldhase. Er hält sich in Feldgehölzen und im Nadelwald auf. Im oberen Waldgürtel und im baumlosen, steinigen Gebiet des Krummholzgürtels tritt an seine Stelle der im Winter weisshaarige Schneehase. Bei starkem Schneefall lässt er sich häufig vollständig einschneien und kommt erst hervor, wenn der Schnee durch Frost so hart ist, dass er ihn trägt. Recht oft bekommt man in den Wäldern, Gehölzen und Feldern den Fuchs zu Gesicht, obschon er ein Dämmerungs- und Nachttier ist. Der früher wegen seines Fleisches und Fettes gejagte Dachs hingegen ist nur selten anzutreffen. Sehr oft findet man aber, von diesem nächtlichen Räuber
nach Wurzeln, Mäusen und Insekten, durchstöberte Fluren. Abends und morgens sind auf den Wiesen und Feldern, die von Wäldern und Gehölzen umgeben sind, in kleineren Gruppen äsende Rehe zu beobachten. Tagsüber liegen die Rehe meistens im Wald. Stark ist in unserer Gegend das Rotwild vertreten. Rothirschrudel, bestehend aus Kühen, Kälbern und Jungtieren beider Geschlechter, treiben sich vorab im Winter und im Frühjahr in den Wiesen und Wäldern unterhalb des Dorfes herum. Sie fressen nicht selten die junge Saat, verwüsten im Herbst
die Kartoffelkulturen und besuchen nachts öfters die Gemüsegärten - sehr zum Verdruss der Besitzer. Während der Morgendämmerung sowie in der Abenddämmerung ist zur Hirschbrunftzeit von Ende September bis in den Oktober hinein das Röhren der Hirsche, der Brunftschrei, zu hören, besonders in der Umgebung von Steinhaus. Die Hirsche wanderten anfangs der Vierzigerjahre aus Graubünden über das Urserental ins Goms ein.
Die Alpweiden und Felsgebiete oberhalb der Waldgrenze sind der Lebensraum für das Alpenmurmeltier und die Gämse. Die Gämse steigt im Sommer bisweilen bis zur Schneegrenze auf 3000 m ü. M. hinauf. Auch im Winter hält sie es noch lange in der Höhe aus und steigt erst im März und April, wenn der Schnee in den unteren Gebieten stellenweise zu verschwinden beginnt, in tiefere Lagen. Als Standtiere rudeln sie gerne mit ihresgleichen und halten an dem einmal gewählten, weit reichenden Wohngebiet fest. Das Murmeltier bevorzugt sonnige, geröllreiche, aber gut bewachsene Hänge in eher einsamen Gebieten als Sommeraufenthaltsort. Im Herbst wandert es in tiefere Lagen, oft auch unter die obere Baumgrenze, und
bezieht den alten Winterbau oder gräbt einen neuen. Seit geraumer Zeit hat nun auch das schönste und stolzeste Tier der Alpen, der Alpensteinbock, auf unserem Gebiet Fuss gefasst. Vereinzelte Tiere, die 1972 am Eggishorn ausgesetzt wurden, verbringen den Sommer im schneefreien, kaum zugänglichen Felsgelände über der linken Seite des Fieschergletschers. Ihre Wintereinstände befinden sich vorwiegend in gegen Süden bis Südwesten exponierten steilen Felsgebieten, wo entweder der Schnee abrutscht oder viel rascher schmilzt als anderswo.
Seit einigen Jahren durchsteigt auch wieder der Luchs unsere zusammenhängenden Wälder. Dieser heimliche Beutegreifer zeigt eine Vorliebe für das Schalenwild. Insbesondere jagt er Rehe und Gämsen, wenn diese im Wald ihren Einstand haben. Der Luchs wurde im letzten Jahrhundert in der Schweiz ausgerottet, das letzte Tier wurde 1894 am Weissthorpass im Saastal erlegt. Ab 1971 wurde diese Katzenart an verschiedenen Orten in der Schweiz erfolgreich wieder angesiedelt.