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Um als eine ernstzunehmende Kunstform anerkannt zu werden braucht eine Musikform mehr als bloss Musiker. Jede Musik braucht neben den Menschen, die sie spielen auch solche, die sie hören (das Publikum), solche, die sie aufnehmen und verbreiten (Toningenieure und Verlage) und schliesslich braucht sie Historiographen, welche das Narrativ formen und verbreiten. Eine Geschichtsschreibung des Schweizer Blues fehlte bislang und mit Dinu Logoz hat sich nun ein Zeitzeuge dieser lange vernachlässigten Thematik angenommen. Das so entstandene Buch Schweizer Blues Pioniere bietet die personenzentrierte Historiographie des Blues, die diese Kunstform am adäquatesten repräsentiert.
Die Geschichtsschreibung des Blues ist keine einfache. Wir alle, die wir uns mit dem Blues beschäftigen kennen die Erzählung, der zufolge die Work Songs der Sklaven auf den Baumwollfeldern die Grundlage bildeten für die Unterhaltungsmusik am Wochenende, zu der getanzt wurde. Von den Plantations im Delta hat sich die Kunstform dann weiter entwickelt, als W.C. Handy einen einsamen Musiker gehört haben soll und darauf seinen St. Louis Blues komponierte.
Ist es eine CD mit beigelegter Biografie, oder eine Biografie mit Begleit CD? Nun, es ist beides. Geplant hatte Richard Koechli einen biografischen Roman über J.J. Cale mit einer CD als Beilage. Das Ganze hätte im Frühjahr 2020 erscheinen sollen, doch Mike Kappus, Cales Manager, wollte nicht, dass der Roman veröffentlicht wird und so wird jetzt das Album als «Deluxe Edition» angeboten und das 368-seitige Buch gibt es in einer überarbeiteten Version als Gratisbeilage dazu. Damit dürfte es das umfangreichste CD-Booklet der Musikgeschichte sein.
In seiner neuesten Lehrbuchpublikation wendet sich Richard Koechli an Gitarristinnen und Gitarristen, insbesondere die «Bottleneck-Freaks», und wohl auch an solche, die es mittels dieses Buches werden wollen. Koechli hat in seinem Fundus gegraben und er legt hier zwölf Stücke von unterschiedlichen Stilcharakteristiken vor, die er mit grosser Sorgfalt transkribiert hat, und die nachzuspielen der Sinn dieses Buches ist. Es ist – wie der Untertitel sagt – ein Spielbuch, konsequent zweisprachig deutsch und englisch gehalten, und darin gibt es feine Übungsstücke. Es ist wirklich «für jeden etwas dabei», wie man sagt, und die stilistische Vielfalt macht gleichzeitig deutlich, dass Slide-Spiel nicht nur etwas ist für Bluesmusiker, sondern vielmehr ein alternativer Zugang zur Gitarre. Und es macht zumindest grossen Spass, in diesen offenen Stimmungen herumzupröbeln – dank Richard Koechli unter fachkundiger Anleitung.
In Zürich wurde eben ein Roman über Gitarren und Bluesmusik veröffentlicht: die Übersetzung von Grégoire Herviers 2016 erschienenem Roman Vintage. Im Französischen offenbar ebenso ein Code-Wort für alt-ehrwürdige Konsumgüter von früher, insbesondere Automobile und Gitarren. Um letztere geht es auch in diesem Roman, in dem Hervier seinen Helden auf eine wilde Reise schickt, die diesen ins Mississippi Delta führt und zu den Wurzeln der Bluesmusik. Und alles wegen einer ausgesucht unansehnlichen Gitarre: dem Modell «Moderne» der Firma Gibson. Um dieses geht die Geschichte, die bei Bluesnews.ch – und selbstverständlich ohne Spoiler – kurz umrissen wird. Das Buch ist eine schnell geschriebene und etwas atemlose Reise, die zu lesen gleichwohl Spass bereitet.
Was ist der Unterschied zwischen Geschichte und Vorgeschichte? Oder besser gesagt, wann geht die prähistorische Phase in die Zeit der Geschichte über? Wie Geschichtsstudierende im Ersten Semester an den Universitäten der Schweiz dieser Tage grad wieder lernen: Geschichte beginnt in dem Moment, wo etwas darüber aufgeschrieben wird. Was nicht bedeutet, dass Vorgeschichte nicht stattfand, wir wissen nur dramatisch weniger darüber als über die Ereignisse der historischen Ära. Ebenso verhält es sich auch mit dem Blues: Die historische Phase des Blues beginnt vielleicht mit W.C. Handys Notation des St. Louis Blues oder sie beginnt mit den ersten Tonaufnahmen von Bessie Smith oder Ma Rainey. Aber klar ist: Der Blues als Kunstform beginnt nicht erst mit der Geschichtsschreibung über den Blues oder mit den ersten Aufzeichnungen, so wie die Geschichte der Menschheit nicht erst mit Herodot, Thukydides oder Sima Qian anfängt. Abbott und Seroff legen mit ihrem grossformatigen Werk The Original Blues: The Emergence of the Blues in African American Vaudeville 1899–1926 eine Spurensuche vor, die beeindruckt und die vor allem eines klar macht: Der Blues ist deutlich älter als die Bereitschaft oder die Möglichkeit, ihn aufzuzeichnen.
Ein Wort der Warnung: Finger weg von diesem Machwerk namens Legends of the Blues. Dieses Buch, dass von aussen wirken mag wie ein Comic, ist in Wirklichkeit eine Zusammenstellung von Kurzbiographien von Bluesmusikern, jeweils mit einem gezeichneten Porträt. Teilweise hymnische Kritiken im Netz und auf Amazon erwecken den Eindruck, das Buch sei eine wahre Fundgrube für Informationen zu Bluesmusikern, und im Klappentext schwärmt Blues Brother-Regisseur John Landis von den Porträts der Musiker. Nach näherer Betrachtung dieses Buches komme ich zu einem anderen Schluss: Meiner Meinung ist dies ein vollkommen überflüssiges Büchlein mit schlechten, weil viel zu kurzen Biographien, das zudem eine Auswahl an Bluesmusikern präsentiert, die mindestens tendenziös ist und die man sogar als rassistisch bezeichnen könnte. Die Porträts der Musiker und Musikerinnen bieten zudem keinerlei neue Einblicke, sondern sie zementieren ein Bild von Bluesmusikern, von dem ich gehofft hatte, dass wir es hinter uns gelassen hätten.
Eine leider etwas aus der Mode gekommene Zaubershow zeigt einen Magier, der die Bühne mit einem Koffer betritt, aus dem er nach und nach üppige Blumensträusse, Topfpflanzen, sogar kleine Bäume auspackt. Immer, wenn man glaubt, nun sei der Koffer aber bestimmt leer, zaubert er noch ein riesiges Bouquet, noch einen Gummibaum, noch eine Yukkapalme hervor, bis schliesslich die ganze Bühne unter einem Blumenmeer verschwindet. Daran erinnert Richard Koechlis neuster Roman «Der vergessene König des Blues – Tampa Red».
«Die sensationellste und schillerndste Musikerbiographie des Jahrzehnts. Bewegend, ergreifend, kontroversiell und streckenweise sarkastisch provokant. Kompromisslos und polarisierend wie er selbst. Die gesellschaftskritische Abrechnung eines unbequemen Individualisten mit dem Zeitgeist.»
So beginnt der Werbetext für die kürzlich erschienene Biographie des Doyens der österreichischen Bluesszene, Al Cook. Es ist mit fast 800 Seiten ein grosses Werk geworden, etwa vom gleichen Kaliber, wie die Biographie von Keith Richards. Wo diese sich aber zu einem viel zu grossen Teil in Eigenlob und Prahlereien über exzessiven Drogenkonsum und Sex, pubertären Schwanzvergleichen und Beschimpfungen erschöpft und spätestens nach einem Drittel langweilt, zeichnet Cook ein abwechslungsreiches Bild seines Lebens, mit all seinen Hoffnungen und Enttäuschungen, Siegen und Niederlagen und schildert darüber hinaus sehr farbig die gesellschaftliche Entwicklung im Allgemeinen und der österreichischen im Besonderen. Damit bleibt die Biographie bis zur letzten Seite interessant und spannend.
Das Buch Instruments of Desire : The Electric Guitar and the Shaping of Musical Experience von Steve Waksman ist zwar bereits vor der Jahrtausendwende entstanden, aber da es sich mit historischen Ereignissen befasst, ist das wenig problematisch. Das Buch ist eine Kulturgeschichte der elektrischen Gitarre, wie es natürlich bereits viele gibt, aber dies hier ist wirklich bemerkenswert. Das Narrativ, das Steve Waksman hier vorbringt, unterscheidet sich grundlegend von denen anderer Darstellungen der elektrischen Gitarre, weil es die Genregrenzen ausser Acht lässt und sich nur auf das durch die Gitarristen und ihre Instrumente transportierten Lebensgefühle konzentriert. Dadurch gelingt es Waksman, so unterschiedliche Musiker wie Les Paul und Jimi Hendrix zusammenzubringen. Er analysiert deren Anliegen als identisch und das eröffnet neue Betrachtungsweisen. Dies wird stets gepaart mit der technischen Entwicklung und dem Festhalten der technischen Möglichkeiten, die den Musikern zur Verfügung standen. Was die Geschichte des Blues angeht, so stellt Waksman den historisch bedeutenden Umbruch in den Vordergrund, den Muddy Waters einleitete mit seinen ersten Aufnahmen in Chicago. Muddy Water, seine Band und der Chicago-Blues werden hier als entscheidende Schwelle verstanden, nach der die Musik nicht mehr dieselbe war. Laut Waksman hat die Populäre Musik dem Blues vor allem eines zu verdanken: emotionale Authentizität.
Der Blues-Enthusiast Richard Shade Gardner hat ein in Buchform erschienenen Bericht über seine Suche nach dem legendären Bluesman Son House vorgelegt. Diesen zu lesen kann man sich allerdings ruhig sparen, denn das Buch besteht aus mehreren Kapiteln, in den der Autor eigentlich immer dasselbe schreibet: nämlich dass er zu spät gekommen ist. Schade, aber so ist der Lauf der Zeit. Der Besuch war im Jahr 1981, das Buch erschien im Jahr 2015 und man fragt sich schon: versucht da jemand um jeden Preis Geld zu machen, selbst wenn es sich bei dem «Buch» um 79 Seiten gross gedruckt und üppig bebildertes Nichts handelt? Schade.
Der Journalist Jas Obrecht ist ein Kenner der Szene und ein erfahrener Autor: ein langjähriger Musikjournalist mit Veröffentlichungen in zahlreichen Fachmagazinen und mehrfacher Buchautor. Sein Schwerpunkt sind Blues-Gitarre und Blues-Gitarristen, und er ist ein ausgewiesener Fachmann auf diesem Gebiet. Mit seinem jüngsten Buchprojekt aber verlässt er seine Komfortzone, sein wohl bearbeitetes Feld und betritt Neuland: Die frühen Blues-Gitarristen der 1920er und 1930er Jahre interessieren ihr diesmal. Er erforscht deren Umfeld, leuchtet Produktionsbedingungen aus und gibt entsprechend der Materiallage relativ ausführliche Biographien von neun der frühen Stars der Blues-Gitarre. Diese waren die Vorbilder der ersten elektrischen Gitarristen wie B.B. King oder T-Bone Walker und diese Wiederum wurden zu Vorbildern für die moderne Blues- und Rockgitarre. Obrecht reicht mit seinen Recherchen drei bis vier Generationen zurück und erzählt erstaunliche und fesselnd zu lesende Geschichten über eine Zeit, als die Vaudeville-Sängerinnen und die grossen Orchester nicht mehr rentierten und die primitive Aufnahmetechnik neue Stars hervorbrachte: Blues-Solisten, deren Gitarre sich besser aufnehmen liess als die Banjos vergangener Jahrzehnte.
Wenn er auch in erster Linie als Bluesmusiker wahrgenommen wird, so sprengt das musikalische Schaffen von Richard Koechli doch jegliche Genregrenzen. Und somit ist es folgerichtig, dass das neueste Gitarrenlehrbuch nun nicht mehr ein Sparten-Lehrbuch ist wie seine zuvor publizierten Werke Masters of Blues Guitar (2010), Best in the West – Nashville Guitar (2000) oder Slide Guitar Styles von 1997. Mit seiner im November 2015 erschienenen Buch Die etwas andere Gitarrenschule (vollständige Angaben am Schluss des Artikels) legt der Schweizer Gitarrist ein Werk vor, das sogar mehr ist als ein Gitarrenlehrkurs, es ist ein niederschwellig zugängliches Lehrbuch über Musik, denn man lernt aus dem Buch viel mehr als Akkorde und Tonleitern: man lernt Musik. Der Inhalt umfasst auch die Grundlagen der Notation, eine Rhythmusschule und eine Einführung in die neurologischen Prozesse, die mit dem Erlernen eines Instruments einhergehen. Das Buch ist zudem nur ein kleiner Teil, mit dem Lehrgang erwirbt man den Zugang zu umfangreichem Multimedia-Material, das sich einfach runterladen lässt, und das gegenüber dem traditionellen Musiklehrer einen gewaltigen Vorteil hat: unendliche Geduld.
Ein Buch für drei der fünf Sinne – zum hören, sehen und verstehen. So lässt sich das Publikations-Konzept des Verlags «ear books» aus Hamburg beschreiben, der seine Produktpallette selbst beschreibt als «anspruchsvolle Coffee Table Books mit Musik». In dieser Reihe von schön anzusehenden Büchern gibt es bereits über 100 Titel, und nun liegt mit Deep South: The Story Of The Blues eine dem Blues gewidmete Publikation vor. Diese bietet in einem ansprechend gestalteten Fotoband mit informativen, aber doch nicht allzu leselastigen Begleittexten von Peter Bölke einen Einblick in die Geschichte des Blues, und dazu werden auf vier thematisch unterschiedlichen CDs musikalische Spielarten der Bluesmusik von Vaudeville bis zu Rock’n’Roll angeboten. An sich ein rundes Konzept und sehr zu begrüssen, aber zwei Aspekte sind es, die dennoch Stirnrunzeln hervorrufen.
Das war aber wirklich überfällig. Eine reich mit Anhängen ausgestattete Biographie von John Mayall. Der Schweizer Bluesmusiker Dinu Logoz hat seine langjährige Leidenschaft für den britischen Bandleader John Mayall zum Anlass genommen, diesem Übervater des Britischen Blues ein Denkmal in Form einer englischsprachigen Biographie zu errichten. Logoz beschreibt den beruflichen Werdegang und seine Arbeit als Bandleader faktisch und minuziös. Was das Biographische angeht, so gibt es dennoch auch Kritik an diesem Buch, das neben der vorbildlichen Diskographie eine protokollarische Aufzählung aller Bandformationen und eine detaillierte Diskussion der Instrumente Mayalls bietet, aber den Wissensdurst nach der Person John Mayalls nicht immer umfänglich zu stillen vermag. Dinu Logoz‘ Leistung gebührt höchstes Lob, aber dennoch hat man nach der Lektüre der Biographie bei essentiellen Themen mehr Fragen als davor. Womit sich einmal mehr die Frage stellt, für wen man eine solche Biographie überhaupt schreibt. Und vollkommen unverständlich bleibt die Entscheidung, das Buch ohne Index zu publizieren.
Die Amerikanische Soziologin Alice Goffman hat eine faszinierende Doktorarbeit verfasst, die in den USA als Buch für Furore sorgt und die nun unter dem Titel On the Run: Die Kriminalisierung der Armen in Amerika auch in deutscher Übersetzung vorliegt. Ihr Buch On the Run ist eine intensive und über Jahre entstandene Fallstudie einer kleinen Gemeinschaft von Afro-Amerikanern, die im «Ghetto» von Philadelphia leben und ihr Leben rund um ihr Verhältnis zum und Flucht vor den Strafverfolgungsbehörden organisieren. Obschon Goffman mit keinem Wort den Blues erwähnt, wird klar, wieso aus den Schwarzen und von Armut betroffenen Bevölkerungsschichten der USA keine Bluesmusiker mehr hervorgehen werden. Insofern ist die Studie relevant, wenn man sich fragt, wieso eigentlich sich der Blues von einer Schwarzen zu einer Weissen Musikform gewandelt hat.
Seit Anfang Dezember 2014 ist Richard Koechlis Musikroman «Dem Blues auf den Fersen» zu kaufen. Einen guten Monat später, am 28. Januar 2015 gab es eine Vernissage im Kulturhaus Bider & Tanner in Basel. Man kennt Büchervorstellungen: Der Autor sitzt hinter einem Tisch und liest aus seinem Werk vor, womöglich mit holprigem Schweizer Akzent, beantwortet Fragen und signiert dann die gekauften Exemplare der Gäste, sofern diese nicht vor Langeweile bereits eingeschlafen sind. Koechli, mit dem Swiss Blues Award 2013 und dem Schweizer Filmpreis 2014 ausgezeichneter Gitarrist, Sänger und Komponist fand einen andern, attraktiven Weg.
Der 1960 geborene Journalist Mark Kemp hat einen langen Weg hinter sich: Geboren und aufgewachsen im Südstaaten-Gliedstaat North Carolina wurde er später Musikkritiker beim New Yorker Magazin Rolling Stone. Daneben arbeitete er auch für MTV und die Schwesterstation VH1. Inzwischen lebt er mit seiner Ehefrau an der Westküste der USA und schreibt von San Francisco aus für das Magazin Acoustic Guitar. Von 2000 bis 2004 schrieb Kempdas Buch Dixie Lullaby : A story of music, race, and new beginnings in a new South. In diesem Buch verarbeitet er seine musikalische Sozialisation und damit auch gleich die Bewusstwerdung einer Generation von Südstaatenamerikanern, die nach den Rassenunruhen und nach der Ermordung von Dr. Martin Luther King Jr. versuchen mussten, einen Platz in der Welt zu finden. Dazu mussten sie sowohl den Hippie-Blues von Duane Allman wie auch die reaktionären Tiraden von Lynrd Skynrd-Frontmann Ronnie van Zandt einordnen. Das Buch ist die Musikgeschichte eines sehr spezifischen Zeitraums: Aufwachsen in den 1970er und 1980er Jahren in den Südstaaten: Irgendwo zwischen Sweet Home Alabama und Sweet Dreams.
«Kein Musikprofessor oder Historiker der Welt hätte es bisher geschafft, ihm abseits von Akkorden und Tonleitern das Wesen des Blues wirklich zu erklären.»
Blues heisst immer auch Geschichten erzählen und Bluesmusiker mussten das schon immer sehr gut können. Was entsteht, wenn einer sich plötzlich nicht mehr nur auf die paar Minuten seines Songs beschränkt, sondern eine lange Geschichte erzählt? Richard Koechli hat es sich zugetraut und den ersten Musikroman überhaupt geschrieben, bei dem es um nichts anderes geht, als um den Blues. Am 1. Dezember 2014 erscheint sein Debutroman «Dem Blues auf den Fersen». Wir haben ihn gelesen. Allerdings sind wir kein Literaturportal und bleiben gerne bei unseren Leisten, wagen aber trotzdem eine Rezension. Auf den Punkt gebracht: Für alte Bluesfreunde ein Genuss, für neue ein Muss!
Biographien von Bluesmusikern sind ein wichtiger Bestandteil der Geschichtsschreibung. In einem Genre, in dem die erste und stilbildende Generation von Musikern keine Autobiographien schrieben, weil das gedruckte Wort keinen grossen Stellenwert in ihrem Leben einnahm, sind die akribische Schilderung der Lebensumstände und -veränderungen einzelner Musiker von grossem Wert. Die ersten Generationen von Bluesmusikern weilen nicht mehr unter uns, und umso wichtiger wird die Recherche, die Suche nach Spuren in Archiven und Phonoteken. Michael Spörke legt nun mit Big Mama Thornton : The Life and Time eine gut recherchierte Biographie zu Willie Mae «Big Mama» Thornton (1926–1984) vor, der wohl bedeutendsten Bluessängerin, die nur deshalb nie den Titel «Queen of the Blues» trug, weil sie so gar nichts weiblich-majestätisches an sich hatte. Aber auf der Bühne und im Studio hat «Big Mama» Thornton die Blueswelt entscheidend geprägt — weit über ihre berühmten Titel Hound Dog und Ball and Chain hinaus. Spörke schliesst mit dieser Biographie eine schmerzliche Lücke in der Historiographie des Blues und er setzt Willie Mae «Big Mama» Thornton das ihr gebührende Denkmal. Das Buch setzt gezwungenermassen auf die Berichte dritter, baut aber auch auf Archivmaterial und zeitgenössische Zeitungsberichte. In der in Erfahrung zu bringenden Tiefe hat Spörke ihr Leben beschrieben. Das Buch regt an, an Stellen weiter zu grübeln, wo sich der Autor eines Urteils enthält.
Gitarrenvirtuose Greg Koch dürfte inzwischen relativ bekannt sein in der Subkultur der Gitarristen, insbesondere der Bluesgitarristen. Der 48jährige Amerikaner aus Milwaukee hat sich im Internet eine starke Präsenz aufgebaut, und wer sich mit der Bluesgitarre, Instrumente wie Techniken beschäftigt, trifft auf Youtube früher oder später auf Greg Koch, den exzentrisch wirkenden Mann mit wechselndem Kinnbart, stets in ein besticktes Country-Shirt gekleidet. Greg Koch spricht schnell, elaboriert und witzig, durchaus selbstverliebt, aber sein Narzissmus fusst auf Kompetenz. Kochs Renommee stammt von seiner Virtuosität auf der elektrischen Gitarre, wo er im Bereich zwischen Blues, Rock, Funk und Country eine manchmal schier unglaubliche Fähigkeiten an den Tag legt. Nicht nur sind sein Läufe rasant schnell, seine Musik zeichnet sich ausserdem durch eine beeindruckende Phrasierung und Dynamik aus. Genau diese kleinen Kniffe und Tricks, welche das Gitarrenspiel weiter entwickeln und personalisieren, gibt Koch im Lehrbuch Guitar Clues Operation Pentatonic weiter.
Der Journalist Peter Rüedi ist der Grand Seigneur des Jazz-Journalismus in der Schweiz. Und ein enorm fleissiger dazu. Rüedi hat über Jahrzehnte die Weltwoche mit seinen Jazz-Rezensionen und biographischen Kolumnen bereichert und nun sind zu seinem einundsiebzigsten Geburtstag die gesammelten Kolumnen erschienen. Der mit 1850 Gramm und 1320 Seiten Umfang monumentale Band ist unter dem Titel Stolen Moments erschienen und Bluesnews.ch hat sich das Buch angesehen. Bei aller Fachkenntnis seitens Peter Rüedis sei dennoch ein Wort der Warnung angebracht: Für Bluesfans ist hier nichts zu holen. Gar nichts. Jazz ist hier eng definiert und darin hat der Blues keinen Platz.
Der hier zu besprechende Band ist eine Studie von Jürg Martin Meili, einem Mittelschullehrer und freischaffenden Journalist, mit der dieser Arbeit 2010 an der Universität Zürich promovierte. Meili untersucht in seiner Doktorarbeit die wechselseitige Abhängigkeit von Kunst, insbesondere Musik und der Identität einer Gruppe, die diese Musik anhört am Beispiel der Afro-amerikanischen Bevölkerung der USA. Mit anderen Worten, er untersucht, inwieweit die Musik der Schwarzen Bevölkerung der USA mithalf, eine Identitätsfindung zu ermöglichen in der politischen Umbruchphrase der USA in den 1960er Jahren, als Martin Luther King und Malcolm X für die politische Gleichberechtigung und die tatsächliche Umsetzung des Wahlrechts kämpften, das den Schwarzen aufgrund von sog. Jim-Crow-Gesetzen weitgehend verwehrt war. In dieser Arbeit, die unter dem Titel Kunst als Brücke zwischen den Kulturen : Afro-amerikanische Musik im Licht der schwarzen Bürgerrechtsbewegung im transcript-Verlag erschienen ist, bemüht sich Meili, die zwei grossen Themenkreise Schwarze Musik und Bürgerrechtskampf unter einen Hut zu bringen. Ein sehr ambitioniertes Unterfangen, für dessen Umsetzung Meili an manchen Stellen die analytische Schärfe vermissen lässt. Insgesamt aber ist ihm eine ansprechende Darstellung in Deutscher Sprache gelungen, die begeisterte Leser finden wird unter denjenigen, die mit dem politischen Kampf um Gleichberechtigung kaum oder wenig vertraut sind. Der Titel ist etwas sonderbar, denn die Brücke zwischen den Kulturen wird wenig thematisiert, vielmehr wird Musik als Vermittler eines Zusammengehörigkeitsgefühl in der Schwarzen Bevölkerung behandelt.
Journalist Art Tipaldi ist heute der Chefredaktor von Blues Revue, einem wichtigen und einflussreichen Bluesmagazin, das in Print wie auch Online erscheint. Der Blues-Journalist hat 2002 ein Buch veröffentlicht mit dem Titel Children of the Blues : 49 Musicians Shaping a New Blues Generation. Darin wird die nächste Generation von Bluesmusikern vorgestellt, und der Fokus liegt dabei gemäss eigenem Anspruch darauf, dass diese jungen Musiker nicht nur die Flamme des Blues weiter am Brennen halten, sondern wie sie sich in einer Tradition ihren Lehrern gegenüber verpflichtet sehen. Das Konzept ist wirklich gut und wenn man an dem Buch auch einiges aussetzen kann, hat Tipaldi doch irgendwie ein nettes Lesebuch kompiliert. Über die Auswahl der Musiker, die vorgestellt werden, kann man natürlich immer die Stirne runzeln, aber etwas anderes ärgert viel grundlegender an seinem Buch. Der Titel und das Titelbild führen in die Irre, denn so viele Blueskinder gibt es nun auch wieder nicht, wie auch Tipaldi bald eingestehen muss.
«Hal Leonard» ist der marktführende Verlag im Bereich der autodidaktischen Gitarrenliteratur und Notentrakskription. Sie teilen den Markt mit ihrem wohl grössten Mitkonkurrenten «Mel Bay», aber der Branchenprimus ist klar «Hal Leonard». In ihrer Verlagsreihe «Backbeat Books» ist nun ein Werk erschienen mit dem all-umfassenden Titel The Blues Guitar Handbook : A Complete Course in Techniques and Styles, verfasst und aufgenommen von Adam St. James, einem Musikjournalisten. Das Buch umfasst 256 Seiten und eine beigelegte CD, und Adam St. James verspricht auf dem Cover, dass man mit diesem Kurs alles erlerne, was man zu wissen brauche und dass man mithilfe des Buches alle Stilrichtungen des Blues erlernen könne, «from basic to advanced». Das sind selbstverständlich Marketing-Sprüche. Doch in welchem Mass wird dieser Kurs dem eigenen hohen Anspruch auch gerecht?
Da mag man sich denken: Schon wieder eine Blues-Autobiograpie? Ja, aber diese ist anders. Trotzdem ist es bemerkenswert, dass die Generation der Nachkriegs-Musiker beginnt, ihre Memoiren aufzuschreiben. Nach Keith Richards und Klaus Voormann legt Hans Theessink mit Big Bill’s Guitar als ein weiterer Europäer seine Memoiren vor, in denen er eine Reihe von Informationsperlen mit einer sympathischen Nonchallance präsentiert. In Form eines langen Interviews spricht der Niederländer über seinen Werdegang, aber auch sein Verständnis der Musik. Dabei lässt er die Leser ganz nahe an sich heran und es ist deshalb ein intimes und berührendes Buch geworden. Der Zugang wurde nicht leicht gemacht, aber im Gespräch bestätigt Theessink, was auf den Alben zu hören ist: Gradlinigkeit, Authentizität und Bescheidenheit zeichnen diesen grossartigen Musiker aus.
Der Deutsche Musikverleger Verband e.V (DMV) . ist der Berufsverband der deutschen Musikverleger. In Deutschland sind rund 90% der Musikkverleger darin zusammen geschlossen. Er verleit seit zwanzig Jahren den «Best Edition» Preis in neun Kategorien. In der Kategorie Schul- und Unterrichtsliteratur für Erwachsene wurde der Preis dieses Jahr anlässlich der Musikmesse in Frankfurt an Richard Koechli sein neustes Werk: für Masters Of The Blues Guitar verliehen.
Der Autor habe eine «Würdigung stilprägender Musiker der Blues-Geschichte und vermittelt grundlegende Information über einen wichtigen Musikstil, der als einer der Grundsteine für die heutige Pop- und Rockmusik gilt» geschaffen, begründete die Jury ihren Entscheid.
Das neueste Lehrbuch des Schweizer Ausnahmegitarristen Richard Köchli führt Lernwillige ein in die Welt der klassischen Bluesgitarristen der Zwischenkriegsjahre, aber auch deren Nachfolger jüngerer Generationen. Es steckt viel Arbeit in diesem Buch, aber der Aufwand lohnt sich. Nichts weniger als den gesamten Umfang der klassischen Bluesgitarre bietet Koechli hier in gewohnt kompetenter und ansprechender Form an. Dies ist ein wirklich guter Lehrgang für Blues-Gitarristen – und das Buch macht richtig Spass. Hier gibt es eine Besprechung des Werks und einen Praxistext.
Der Fotoband Blues Booze and BBQ von Michael Loyd Young ist brandneu. Aber das spielt eigentlich keine grosse Rolle, denn der junge Fotograf aus Houston, Texas zeigt Dinge so, wie sie seit mindestens fünfzig Jahre waren: die Schönheit der Menschen und Landschaften im Mississippi Delta. Dabei dokumentiert er die Dinge wahrheitsgetreu mit seiner Kamera, bedient damit aber auch gleichzeitig jedes Klischee über das Delta, das man jemals gehört hat. Es gibt die Bilder als Photoband oder auch übers WWW. Und wer immer schon mal gerne ins Delta wollte, für den ist dies ein schöner Türöffner. Von Memphis nach Greenville: 150 Meilen in der mythologischen Geburtsstätte des Blues.
Die reiche und breit gefächerte Aktivität namens Musik war die Welt des Journalisten und Autors Robert Palmers (*19. 6. 1945; † 20. November 1997). Die Freude an der menschlichen Beschäftigung damit, Töne zu erzeugen und damit Musik zu spielen, trieb ihn an, und er wollte verstehen, was gute Musik so wunderbar macht. Robert Palmer erforschte die Dimensionen der Musik lange und gründlich, und er war ein einflussreicher Mann, der Karrieren befördern konnte, indem er seine brillanten Artikel geschrieben hat.
Mit dem vorliegenden Buch Blues & Chaos : The Music Writing of Robert Palmer wird erstmals eine Einschätzung der breit abgestützten Interessen dieses Autors möglich, denn sein Schaffen in Form von Zeitschriftenartikel wird hier als Ganzes präsentiert. Palmer schreibt über alle Formen der Musik, von der modernen Klassik amerikanischer Komponisten bis zu Punk und Weltmusik. Seine Grundlage aber bleibt dabei stets der Blues, weshalb der Titel nicht bloss Marketing, sondern dem Inhalt des Werkes angemessen ist.
Es brauchte einen Thurgauer und einen Solothurner, um die Geschichte der Basler Pop Kultur zu erzählen. Marc Krebs und der Coautor Andreas Schneitter haben sich des Themas angenommen und ein Buch veröffentlicht, das von Andreas Hidbe gestaltet und mit Fotos von Matthias Willi illustriert worden ist. Das Buch wird vom Rockförderverein der Region Basel herausgegeben und ist im Christoph Merian Verlag, Basel erschienen. Die Erstausgabe gelangte Ende November 2009 in den Verkauf, gerade richtig zur Weihnachtszeit.
Auf nicht ganz 300 Seiten werden jeweils zwei Vertreter der verschiedenen Musikstile portraitiert. Das schliesst Rock, Blues, Country, Punk, Rap, Reggae Hip-Hop und Techno ein. Dabei werden nicht nur die musikalischen Aspekte berücksichtigt. Das gesellschaftliche Umfeld wird ebenso beleuchtet, wie die kommerziellen Aspekte, die Reaktionen der Öffentichkeit und die Auswirkungen auf die aktuelle Musikszene. Eine CD mit typischen Beispielen rundet das Buch ab. Ein Stück weit ist es auch ein Who is Who der (Nordwest)Schweizer Popszene.
Der Buchmarkt bietet zwei Sammlungen von Porträtfotografien von Bluesmusikern an, beide Ende der 1990er Jahre unter dem Titel Legenden des Blues veröffentlicht. Zudem passt auf beide Werke dieselbe Beschreibung des Inhalts: Monochrome Fotografien von Bluesmusikern. Aber: beide Bildersammlungen enthalten vollkommen andere Bilder, und es werden andere Personen darin dargestellt. Das wirft die Frage auf, wer denn eigentlich den Aufstieg zu Status der Legende schafft. Hier also eine Besprechung der beiden Werke, die auch in der näher rückenden Weihnachtssaison ihren Weg unter den einen oder anderen Baum finden könnten. Eine Diashow zeigt einige der ausdrucksvollen Aufnahmen.
So in etwa wissen wir alle, dass der Blues irgendwo im Süden in den Baumwollfeldern entstanden ist, von den Sklaven, später Landarbeitern während der Arbeit gesungen worden ist, die damit ihr schweres Los besser ertragen konnten.
Aber wie muss man sich das vorstellen? Sind die in Afrika gefangen genommenen oder gekauften Menschen vom Schiff gegangen sind und haben angefangen Blues zu spielen? Schliesslich kamen die ersten Sklaven Anfangs 17. Jahrhundert nach Amerika, der Blues taucht jedoch erst Ende des 19. Jahrhunderts auf.
Robert Palmer, der amerikanische Musikwissenschaftler, Produzent und Journalist, der unter anderem Redakteur beim Rolling Stone Magazin und als Kritiker bei der New York Times arbeitete, verfolgt den Weg des Blues von seinen ländlichen Ursprüngen über die Blueskneipen in Chicago South Side bis zu seiner internationalen Anerkennung und Verbreitung in seinem ausgezeichneten Buch Deep Blues. Das Buch ist in Englisch geschrieben.
Robert Palmer - Deep Blues: A Musical and Cultural History of the Mississippi Delta to Chicago's South Side To The World, 1995, Penguin Books, ISBN-0 14 00.6223 8 (Erstauflage 1981), 310 Seiten, Paperback
Der Reiseführer von Steve Cheseborough ist kürzlich in seiner dritten, erweiterten Auflage erschienen. An seinem bewährten Layout hat sich nichts geändert. Für jeden, der eine Reise ins Delta plant, ist er unverzichtbar. Die bluesnews Redaktion konnte sich vor ein paar Jahren davon persönlich überzeugen. Wer ihn noch nicht kennt, soll ihn sich unbedingt ansehen, für alle, die schon damit gereist sind: Das Buch ist überarbeitet worden, Adressen et cetera sind aktualisiert worden, was ja gerade bei einem Reisführer äusserst wichtig ist.
Als Delta im Sinne des Blues ist nicht etwa das eigentliche Flussdelta des Mississippi gemeint. Es bezeichnet in etwa die Gegend zwischen Memphis im Norden und Vicksburg im Süden, im Westen entlang dem Mississippi. Die wichtigsten Orte im Delta sind Bentonia, Clarksdale, Cleveland, Greenville, Greenwood, Helena, Itta Bena, Jackson, Memphis, Rosedale, Tupelo und Vicksburg.
Passend zu unserem Artikel Blues Masters from the Past: Big Bill Broonzy heute die Rezension einer Biographie des grossen Bluesers.
Dieses Werk ist eine Art Autobiographie Big Bill Broonzys. Der unter diesem Namen in die Geschichte des Blues eingegangene William Broonzy (1893-1958) verfasste seine Memoiren sehr früh, will sagen zu einem Zeitpunkt, da Country Blues ausser von einigen Enthusiasten wie Alan Lomax oder von europäischen «Spinnern» wie Horst Lippmann, Fritz Rau und wohl auch Claude Nobbs kaum als Kunstform wahrgenommen wurde. Country Blues war eine Musikform, die viele Leute spielten und hörten, aber als musikalisches Genre von eigenem Charakter und künstlerischem Anspruch wurde es ebensowenig angenommen wie Hip-Hop zu Beginn der 80er Jahre.
Der Brite Paul Oliver ist ein bekannter Autor der Bluesliteratur. Von ihm stammen Werke wie The Story of the Blues von 1998 oder Blues Fell This Morning: Meaning in the Blues von 1990. 2005 erschien sein jüngstes Werk Broadcasting the Blues: Black Blues in the Segregation Era. Sein Einstieg in die Blues-Schriftstellerei war der hier vorliegende Band Conversation with the Blues, der erstmals 1965 (damals mit begleitender LP) erschien und heute als zweite Edition beim prestigeträchtigen Verlag Cambridge University Press erschienen ist. Der Band kostet auch bei Amazon die eindrucksvolle Summe von $100.-, was auch herunter gesetzt auf $92,40 noch eine schöne Stange Geld ist.
Was kriegt man dafür? Eine Neuauflage von 1965? Die Verantwortlichen beim Verlag scheinen in dem Werk einiges gesehen zu haben, das sich lohnt, erneut aufzulegen und das diesen Preis rechtfertigt. Aber was?
Braucht jemand noch ein Weihnachtsgeschenk? Hat jemand Lust, sich selbst ein wenig zu verwöhnen? Oder sucht Ihr ein Buch, dass man sich auch am 25. Dezember noch mit vollem Bauch gerne zu Gemüte führt?
Dafür gibt es jetzt The B.B. King Treasures, Unterlagen und Interviews, Erinnerungen und Memorabilien aus 60 Jahren B.B. King. Das Buch ist im Wesentlichen aufgezogen wie eine Biographie, die einzelnen Kapitel zeichnen den Lebensweg des King of the Blues nach, und dabei erfährt man allerhand. So erfahren wir, dass der junge Riley B. King nicht in Indianola geboren wurde, sondern dort lediglich aufwuchs. Geboren wurde er in Itta Bena. Er schildert sein Verhältnis zu seinem geliebten Lehrer und männlichen Vorbild, Luther Henson, von dem B.B. annimmt, dass dieser seine Persönlichkeit entscheidend beeinflusst habe. Wir erfahren Details über seine frühe Radiokarriere in Memphis.
Richard Koechli ist ein sorgfältiger Mann, das war unlängst schon bei der Rezension seiner CD Laid Back festzustellen. Diesmal geht es um ein Buch, das er verfasst hat, den Gitarrenkurs Slide Guitar Styles im hierfür einschlägig bekannten AMA-Verlag (publiziert 1997). Ausgehend von der Begeisterung für Koechlis CD wollte bluesnews wissen, wie er sich denn als Lehrer macht, denn auch als solcher ist er kein Unbekannter: Sascha Koch von Biscuit Jack gibt Koechli als «Impuls-Geber» an. Wenn also - man vergebe den Kalauer - schon der Koch vom Koechli lernt, wie ist es dann, mit einem von ihm verfassten Lehrbuch zu arbeiten?
Richard Köchli - Slide Guitar Styles - Brühl: AMA-Verlag, 1997 - 241 S., CD - ISBN 3-927190-90-X
Diese Autobiographie ist leider kein sehr gutes Buch. Fritz Rau hat ein Leben für die Rock- und Popmusik gelebt, seine Verdienste sind mannigfaltig, und Bluesfans sollten die spezielle Bedeutung dieses Mannes anerkennen, der zusammen mit seinem Partner Horst Lippmann in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts die verschiedenen Ausgaben des American Folk Blues Festival organisiert und durchgeführt hat. Das Festival gab es jedes Jahr bis 1982.
Seine Autobiographie ist unglücklicherweise ein schlecht geschriebenes Buch, und der Heidelberger Palmyra-Verlag hat sich nicht mit Ruhm bekleckert, als er dieses Werk herausgebracht hat. Es scheint kaum ein Lektorat gegeben zu haben und wenn, dann wäre das nur an den nicht vorhandenen Druckfehlern zu erkennen. Die Biographie macht allerdings deutlich, dass Fritz Rau als Mann von hohen Qualitätsansprüchen sicher diesbezüglich ein sehr tadelloses Manuskript abgeliefert hat. Aber ein inhaltliches Lektorat, das fehlt diesen Memoiren offensichtlich, und somit plaudert Fritz Rau einfach so aus dem Nähkästchen.
Fritz Rau 50 Jahre Backstage : Erinnerungen eines Konzertveranstalters - . Heidelberg: Palmyra, 2005
Im Bereich Kulturgeschichte gibt es einige sehr gute und klassische Bücher. Hier soll der grosse Bildband Nothing But The Blues besprochen werden.
Charles Shaar Murray - . Boogie Man - The Life and Adventures of John Lee Hooker in the American Twentieth Century - . St. Martin's Press, 2002. 512 Seiten. (Auch auf Deutsch erhältlich: Charles Shaar Murray John Lee Hooker - Der Boogie Mann).
DEUTSCHES TITELBLATT