Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03623.jsonl.gz/2094

Dünnes Japan
Nein, die Japaner sind nicht dick. 2014 hatten gemäss einer Studie des Gesundheitsministeriums 28,6 Prozent der japanischen Männer einen BMI von über 25. Laut der WHO sind Menschen mit einem BMI-Wert zwischen 18,5 und 25 im Normalbereich.
2011 lag dieser Wert noch bei 31,7 Prozent. Seit drei Jahren werden die Japaner also wieder dünner. Man habe endlich einen Gegentrend in Bewegung setzen können, betont das Ministerium.
Auch bei den Frauen ist ein ähnlicher Trend in der Kategorie der Übergewichtigen feststellbar. 20,3 Prozent der Japanerinnen haben einen BMI über 25. Das ist weniger als noch vor drei Jahren. Damals brachten 23 Prozent zu viel auf die Waage.
Die Übergewichtigen
28,6 Prozent übergewichtige Männer und 20,3 Prozent übergewichtige Frauen sind im internationalen Vergleich absolut bescheidene Werte. So haben in der Schweiz laut dem Bundesamt für Statistik 50,5 Prozent der Männer einen BMI von über 25. Bei den Frauen sind es insgesamt 32 Prozent.
Der Rückgang an fettleibigen Männern in Japan ist einerseits womöglich auf eine Regierungsmassnahme zurückzuführen, wonach der Arbeitgeber mit Unterstützung der staatlichen Krankenkasse Übergewichtigen eine Diätberatung anordnen kann (Asienspiegel berichtete).
Mit dem überall verwendeten Begriff «Metabo» wurde in den letzten Jahren auch ein öffentliches Bewusstsein für einen ungesunden Lebensstil entwickelt (Asienspiegel berichtete). «Metabo» stammt vom englischen Fachbegriff «metabolic syndrom» und umschreibt eine Kombination von Gesundheitsrisiken wie Übergewicht, hoher Blutdruck und Blutfettwerte, die das Risiko eines Herzinfarkts oder Hirnschlags sowie auch für Diabetes markant erhöhen.
Die Untergewichtigen
Am anderen Ende der Gewichtsskala fallen die Japaner, insbesondere die Japanerinnen, hingegen eher auf. Während 4,5 Prozent der Männer zu leicht sind, haben bei den Frauen ganze 12,3 Prozent einen BMI unter 18,5. In der Schweiz liegt dieser Wert für die Frauen bei 6,2 Prozent.
Die Statistik deutet zudem darauf hin, dass in den kommenden Jahren ein noch grösserer Anteil an Japanerinnen zu leicht sein werden. Die Japanerinnen zwischen 20 und 30 Jahren fallen in dieser Statistik besonders auf. 21,5 Prozent von ihnen gelten als untergewichtig. Das ist weniger als vor vier Jahren, aber laut dem Gesundheitsministerium immer noch zu viel. Ziel sei es, den Wert auf unter 20 Prozent zu senken.
Die Gründe für das leichte Gewicht
Die Folgen von Untergewicht sind nicht zu unterschätzen. Eine eingeschränkte Kalorienzufuhr verlangsamt den Stoffwechsel, das durchschnittliche Geburtsgewicht der Kinder von Untergewichtigen sinkt und das Sterberisiko im Falle einer ernsten Erkrankung steigt.
Ein Hauptgrund, weshalb die Japanerinnen überdurchschnittlich dünn sind, sei der soziale Druck, erklärte Hisako Watanabe, eine Medizinerin von der Universität Keio in Tokio der Washington Post: «Japanerinnen sind überaus kritisch gegenüber anderen Frauen.» Diesen Trend umzukehren, wird womöglich einiges schwieriger werden.
Folgen Sie Jan Knüsel und Asienspiegel auf YouTube, Instagram und Facebook:
UNTERSTÜTZEN SIE DEN ASIENSPIEGEL
Sponsoring-Beiträge vieler treuer Leser ermöglichen diesen Blog, den Jan Knüsel seit 2009 täglich schreibt. Ohne diese Grosszügigkeit würde es diesen Blog nicht geben. Arigatō gozaimasu!
- Zahlungsmittel: Master, Visa, PayPal
- Für Einzahlungsschein hier klicken.