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Viel Bewegung tut nicht nur den Menschen gut, sondern auch den Tieren.
Ein besonders süsser Hund
Ein kleiner Terrier-Mischling hat ein Problem: Sein Blutzucker und sein Gewicht sind viel zu hoch. Und das zweite Problem: Wie bringt man das der Halterin so diplomatisch wie möglich bei?
Der kleine Hund wankte in die Praxis. Er schleppte seinen schweren Bauch, der fast den Boden berührte. Mit traurigen Augen sah er zu mir hoch. Die Besitzerin beschwerte sich, dass der Terrier-Mix inkontinent geworden sei. Er würde jede Nacht hineinpinkeln. Während sie seinen Namen aussprach, wedelte er langsam mit dem Schwanz.
Um seine üppigen Pölsterchen zu kaschieren, hatte die Dame ein Foulard um seinen Bauch gebunden. Auch sie selbst trug weite Kleidung, damit ihre füllige Figur weniger auffiel. Beim Untersuch des Hundes entdeckte ich nichts Besonderes. Sein Übergewicht war ein grosses Problem, doch ist es immer heikel, die Halter darauf anzusprechen, wenn sie noch mehr Übergewicht haben als ihr Tier. Wie konnte ich sie für eine Diät gewinnen, ohne sie zu kompromittieren?
Ich entnahm dem Hund Blut und Urin. Während das Laborgerät schnurrte und ratterte, überlegte ich fieberhaft, wie ich dem kleinen Hund helfen konnte. Ich spürte genau, dass die Besitzerin wütend wäre und nicht wieder kommen würde, wenn ich sagte, ihr Haustier sei zu dick. Dem Hund würde das nichts nützen. Das Laborblatt zeigte unmissverständlich, dass der Hund Zucker im Urin hatte. Das war auch der Grund, weshalb er hineinpinkelte. Um den erhöhten Zucker aus dem Blut herauszuschaffen, trank und pinkelte der Kleine Unmengen von Flüssigkeit. Ich versorgte die Besitzerin mit Unterlagen über dieses Problem.
Auch verschrieb ich dem kleinen Terrier eine strenge Diät gegen den Zucker. So konnte ich dessen Gewicht gleichzeitig senken und ihm damit helfen, ohne der übergewichtigen Besitzerin zu nahe zu treten. Die regelmässigen Kontrollen waren erfreulich. Das Foulard verschwand und der Hund wurde lebhafter. Auch musste er weniger pinkeln und konnte über Nacht wieder durchhalten. Die Besitzerin hatte wieder Freude an ihrem Hund. Da er lebhafter geworden war, baute er weiter Fett ab und es war eine Freude zu sehen, wie er abnahm und gesünder wurde. Auch die Besitzerin schien schlanker zu werden. Oder bildete ich mir das nur ein?
Sie erzählte bei der letzten Kontrolle, sie und ihr Hund hätten täglich Pralinés geteilt. Jetzt sei ihr klar geworden, wie schädlich Schokolade für Hunde sei. Nur habe sie ein Problem: Sie müsse mehr und weiter spazieren, und anstatt Pralinés zu essen, müsse sie nun mit ihm spielen. Ihr Arzt habe gefragt, wieso ihr eigener Blutzuckerwert so viel besser sei. Mit einem Augenzwinkern meinte sie noch, sie habe selbst durch die Hundetherapie abgenommen.
(Coopzeitung Nr. 50/2012)
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