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März 2015
Nach einem 3‘600 km langen Flug ab dem chilenischen Festland erreichte ich die Osterinsel oder Rapa Nui, wie die Einheimischen ihre Insel nennen. Rapa Nui ist eine der abgelegensten Inseln der Erde. Die nächste bewohnte Insel ist die Insel Pitcairn, die 2‘075 km entfernt ist und auf der die 50 Nachfahren der Meuterer des Schiffes „Bounty“ leben. Rapa Nui wurde erst ungefähr 1200 n. Chr. von Polynesiern bevölkert. Wahrscheinlich sind sie von den 2‘600 km entfernten Mangareva Inselgruppe aufgebrochen. Man kann sich kaum vorstellen, wie diese Leuten die bloss 25 km lange Oster-Insel im weiten Ozean finden konnten. Immerhin zeigen Pflanzenteile im Wasser sowie Insekten und Vögel in der Luft bereits 100 km bevor eine Insel gesehen werden kann, dass Land in der Nähe ist.
Die berühmten Statuen von Rapa Nui, Moai genannt, repräsentierten vermutlich verstorbene angesehene Clan-Mitglieder. Je zahlreicher und grösser die Statuen waren, desto mehr Prestige kam dem Clan zu. Der Konkurrenzkampf zwischen den Clans und die Überbevölkerung führte zu einem irrwitzigen Raubbau an der Natur, der schliesslich den Untergang der damaligen Rapa Nui Kultur bedeutete.
Als die Gesellschaftsordnung innert kurzer Zeit zusammen brach, waren 288 Moais errichtet, 92 waren auf dem Weg zu ihrem Bestimmungsort und 397 waren in Bearbeitung. Der grösste aufgestellte Moai war 9.80 Meter hoch und wog 74 Tonnen.
Bei der Landnahme durch die ersten Polynesier war die Insel reich bewaldet und drei Baumarten erreichten mehr als 15 Meter. Der Transport und die Errichtung der Moais benötigte viel Holz, so dass immer mehr der grossen Bäume gefällt wurden. Schlussendlich war nicht einmal mehr Holz zum Bau der Kanus vorhanden, ohne die kein Fischfang möglich war. Auch die Anzahl Vögel ging wegen dem Mangel an Bäumen stark zurück. Als die ersten Europäer die Insel im Jahre 1722 entdeckten, waren bloss 2‘000 bis 3‘000 Leute auf der Insel, gegenüber 15‘000 auf dem Höhepunkt der Rapa Nui Zivilisation ein Jahrhundert vorher. Da die Nahrungsmittel knapp wurden, kam es zum Krieg unter den verschiedenen Clans. Auch Kannibalismus konnte nachgewiesen werden. Die Clans begannen, die Moais der anderen Clans zu stürzen, was nur in einer Gruppe unter immensem Krafteinsatz möglich war. 1830 waren wegen der internen Auseinandersetzung schlussendlich alle Moais auf der Insel am Boden, wobei einige auch durch Erdbeben und Tsunamis umstürzten.
In dieser Zeit des Umbruchs wurden gute Krieger mächtiger und der Kult des Vogelmenschen gewann an Bedeutung. Dieser basierte auf einem Wettbewerb um das erste erbeutete Ei einer bestimmen Vogelart auf einer vorgelagerten Insel. Auf Hawaii sind exakt die gleichen Felszeichnungen zum Vogelmensch-Kult vorhanden, sodass man annehmen muss, dass die ersten Siedler diesen Kult bereits kannten.
Trotz der verheerenden Situation auf der Insel kam es noch schlimmer. 1862 überfielen Peruanische Sklavenhändler die Insel und entführten 1‘500 Leute, was der Hälfte der damaligen Bevölkerung entsprach. Unter den Entführten befand sich auch die gesamte Oberschicht, die als einzige die Rongorongo Schrift lesen und schreiben konnte. Damit war diese Schrift für immer verloren. Krankheiten, eingeführt durch die Peruaner und durch Walfänger, dezimierten den Rest der Bevölkerung, so dass im Tiefstpunkt bloss 111 Leute auf Rapa Nui lebten. Ein paar Leute waren alt, so dass bloss 36 von ihnen wieder Kinder hatten. Zeitweise starben so viele Menschen, dass die Toten nicht einmal mehr begraben werden konnten.
Heute leben über 6‘000 Leute auf der Insel und die wichtigsten Moais sind wieder aufgestellt. Obwohl es ein abgeschiedenes, einfaches Leben mit langsamem Internet ist, leben die Leute nicht schlecht. Viele sind im Tourismus beschäftigt. Zudem gewährt Chile ihnen eine vollkommene Steuerbefreiung. Einzig die Mehrwertsteuer auf Gütern und Dienstleistungen aus dem Festland muss bezahlt werden, da sie im Preis bereits inbegriffen ist. Der Verkehr auf der Insel ist so bescheiden, dass es weder Staus noch Parkuhren oder Verkehrsampeln gibt.
Ich war acht Tage auf dieser magischen Insel und war meist mit dem Velo unterwegs.
Wie die Fotos zeigen, ist eine Reise zur Osterinsel ein ganz besonderes Erlebnis. Von den Moais ging eine Ruhe aus, die mich in eine meditative Stimmung versetzte. In der Nacht konnte ich Millionen von Sternen und die Milchstrasse sehen, da es kaum Licht- und Luftverschmutzung gibt.
Tahai
In der Nähe des Hauptortes Hanga Roa stehen die Tahai Statuen
… und einige Statuen aus rotem Tuffstein.
Ko Te Riku
Die Ko Te Riku Statue
Rano Kau Krater
Der Rano Kau Krater, auf dessen Kraterrand sich die Tempelsiedlung Orongo befindet.
Typische Landschaft mit erloschenem Vulkan
Papa Vaka
Die Felszeichnungen und Felsmalereien waren für die alten Rapa Nui wichtige, heilige Darstellungen. Hier ein Oktopus bei Papa Vaka.
Anakena
Moais in Anakena
Der einzige Badestrand auf der Osterinsel bei Anakena
Tongariki
Sonnenaufgang bei Tongariki
Alle Statuen bei Tongariki
Umgestürzte Moais, die roten Hüte sind weggerollt
Rano Raraku
Der Rano Raraku Steinbruch, wo die Moais entstanden. Diese Moais waren bereit für den Abtransport.
Eine Show einer Rapa Nui Truppe
Nach einer beeindruckenden Woche auf der Osterinsel flog ich weiter nach Peru.