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Alles andere als gewöhnlich: Parker Ramsay und seine Harfe07.01.2022 Gstaad
Parker Ramsay, ein Nachwuchstalent auf der Harfe, spielte die Goldberg-Variationen von Bach im Rahmen des New Year Music Festivals in Gstaad. Die St.- Niklaus-Kapelle in Gstaad bot diesem Anlass am Mittwochabend eine hervorragende Bühne.
JENNY STERCHI
Der Altarraum in der kleinen St.-Niklaus-Kapelle war mit Parker Ramsay und seiner beeindruckenden Harfe gefüllt. Auch die Sitzreihen waren voll und so startete das Ausnahmetalent aus den Vereinigten Staaten von Amerika in einen aussergewöhnlichen Konzertabend. In der Festivalkategorie «New Talents» war der junge Musiker, der in New York City zu Hause ist, an genau der richtigen Stelle.
Der Harfenist, der bereits an namhaften Spielorten wie der Royal Albert Hall in London musizierte, begann mit Filmmusik. Die Kompostion von Nino Rota zur Literaturverfilmung des Shakespeare-Klassikers «Romeo und Julia» von 1968 klang auf der Harfe leicht und freundlich. Im darauffolgenden Stück, einer Variation des Hauptthemas aus Bedrˇich Smetanas «Die Moldau», verstand es Ramsay, mit der Musik Bilder zu malen. Das allgemein bekannte Werk über die Charakteristik des Flusses war in jedem Fall wieder zu erkennen, hatte aber auf der Harfe einen ganz anderen Charme.
Aussergewöhnlich talentiert
Und dann kamen die Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach. Er hatte sie ursprünglich für das Klavier komponiert. Parker Ramsay, der offensichtlich mit einem aussergewöhnlichen Musikverständnis ausgerüstet ist, transponierte das Stück, um es auf der Harfe präsentieren zu können. Und das tat er in brillanter Art und Weise. Für den Laien kaum zu verstehen, wie die vielen Saiten so virtuos gespielt werden können. Parker Ramsay, der als Kind einer Harfenistin sehr früh seine Leidenschaft für dieses Instrument entdeckte, zupfte und schlug die Saiten und entlockte ihnen Töne, die für das ungeübte Ohr schwer einzuordnen waren. Mal waren es ganz feine und zarte Klänge, mal kamen die Töne laut und energisch daher.
Wussten Sie das?
Die Harfe als Teil eines Orchesters verheimlicht die Beteiligung der Füsse beim Musizieren, denn die Pedale an diesem mächtigen Instrument werden in der Regel von den übrigen Orchestermitgliedern verdeckt. Am Mittwochabend hatten die Zuschauer freie Sicht auf alles, was Parker Ramsay unternahm, um die Harfe klingen zu lassen. Und auf die Frage, was die Pedale denn bewirken, war Folgendes zu erfahren: Mittels der Pedale kann der vibrierende Abschnitt der Seite verkürzt und die Höhe des Tones um einen Halbtonschritt heraufgesetzt werden. Neben dem Musikgenuss also auch noch etwas gelernt.
Als Zugabe lieferte Ramsay nochmals ein von ihm transponiertes Stück von Bach. Nach dem letzten Ton aus der Harfe brandeten Beifall und Bravorufe von den Bänken.