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Basel oder Montbéliard, um 1600/1610 (spätere Kopie)
Ölmalerei auf Leinwand
H. 31 cm, B. 24,5 cm
Inv. 1988.12.
Der Mediziner und Botaniker Johannes Bauhin (1541–1613) könnte in vielen verschiedenen Zusammenhängen behandelt werden. Zunächst stand sein Leben unter dem Zeichen der religiösen Verfolgung; sein in Paris lebender Vater Jean (Johannes) Bauhin (1511–1582) hatte, nachdem er sich der Reformation zugewandt hatte, Frankreich 1542 verlassen müssen. So kam der Sohn bereits als Kleinkind mit der Familie über Antwerpen 1543/44 nach Basel, wo sie Aufnahme fanden. Wie Vater und Grossvater, die Ärzte waren, studierte auch Johannes Bauhin Medizin, dazu Botanik, in Basel, Tübingen, Montpellier und Padua, jeweils verbunden mit dem Besuch weiterer Städte in der Umgebung. Mit diesen Stationen gibt er ein Beispiel für die charakteristische «Peregrinatio academica» des 16. Jahrhunderts, die mehrere Studienorte und auch -länder berührende Studienlaufbahn. Seit 1563 war er als Arzt in Lyon tätig, wo er auch als Pestarzt arbeitete und heiratete. Konfessionelle Schwierigkeiten im Zusammenhang mit seiner Eheschliessung verleideten ihm den Aufenthalt in Lyon.
1568 wurde er Stadtarzt in Genf und wirkte entscheidend an der ersten Genfer Medizinalordnung mit. Für eine Professur in Rhetorik kehrte er 1570 nach Basel zurück; doch bereits im folgenden Jahr wurde er zum Leibarzt des jungen Grafen Friedrich von Mömpelgard (späterer Herzog Friedrich I. von Württemberg) nach Montbéliard berufen, das damals württembergische Residenzstadt war. Während andere Porträts auf seine medizinische Tätigkeit und seine botanischen Forschungen hinweisen, fehlen diese Andeutungen hier völlig. Johannes Bauhin wird als ernster, würdiger Mann gezeigt; das einzige, umso markantere Attribut ist die dreifache Goldkette mit dem angehängten Goldmedaillon, einem sogenannten Gnadenpfennig. Dabei handelt es sich um eine kostbare Anerkennung in Form einer Porträtmedaille, die ein Fürst für besondere Verdienste verleihen konnte. Angesichts der unpräzisen Darstellung, aber auch wegen der typologischen Ähnlichkeit der in Frage kommenden württembergischen Herzöge ist nicht eindeutig zu klären, ob es sich dabei um eine Medaille mit dem Porträt Herzog Friedrichs I. (reg. 1593–1608) oder Herzog Johann Friedrichs (reg. 1608–1628) handelt. Beiden diente er als Leibarzt, und zwar – das zeigt die kostbare Anerkennung – zur vollen Zufriedenheit. Wie auf dem Porträt trug er auch sonst diese Verbindung stolz zur Schau: Auch auf dem Torbogen, der sich von seinem Haus am Basler Peterskirchplatz erhalten hat, bezeichnet er sich als Leibarzt des württembergischen Herzogs. Johannes Bauhin starb 1613 in Montbéliard.