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Chemikalien, die nach Tankerunglücken das Wasser von ausgelaufenem Öl reinigen sollen, sind gefährlicher für oberflächennahe Tiere als das Öl selbst. Das haben Forscher der Queen's University gezeigt, als sie im Labor die Auswirkung bestimmter Konzentrationen von Öl und Reinigungsmitteln auf Regenbogenforellen untersuchten. «Die heute verwendeten Reinigungsmittel sind vielleicht langfristig die beste Form der Behandlung von Ölteppichen, da das ausgetretene Öl verdünnt und abgebaut wird. Kurzfristig erhöhen sie jedoch die Giftigkeit und das Mass der Aufnahme ins Gewebe von Forellen um das Hundertfache», so Studienleiter Peter Hodson.
Chemikalien, die bei Reinigungsmitteln eingesetzt werden, senken die Oberflächenspannung, zerlegen dadurch das Öl in feinste Tröpfchen und vermischen es mit Wasser. Das erhöht die Übertragung von Kohlenwasserstoffen aus dem Öl ins Wasser, von wo aus sie viel leichter in das Gewebe der Fische eindringen können. Besonders in den frühen Lebensphasen der Tiere stellt dieser Prozess eine Bedrohung dar. Wird Öl mit Reinigungsmitteln vermischt, beeinträchtigt es schon in einer Konzentration von zehn Milligramm pro Liter Wasser das Embryonenwachstum bei Regenbogenforellen. Konzentrationen ab 100 Milligramm erwiesen sich bei den meisten Versuchen als tödlich. «Das könnte die Existenz ganzer Fischpopulationen ernsthaft gefährden und auch der Fischerei schaden», betont Hodson.
Chemische Reinigungsmittel werden im Süsswasser kaum angewandt. Hier könnten jedoch natürliche Vorgänge bei Ölverschmutzungen denselben gefährlichen Verteilungseffekt übernehmen. «Es macht keinen Unterschied, ob das Öl von Chemikalien oder von der Strömung verteilt werden», so der kanadische Biologe. Als nächsten Schritt wollen die Forscher Risikoabschätzungen eines Ölteppichs für Fische und für die Fischerei erarbeiten, die auf den Ort des Ölteppichs sowie auf die Laich- und Entwicklungszeit der Fische Rücksicht nimmt.
Pro Jahr eine grosse Tankerkatastrophe
«Bei jedem Tankerunfall stellt sich die Frage, ob eine chemische Behandlung durch Dispergentien oder das Belassen des Öls im Wasser gefährlicher ist», erklärt Jörg Feddern von der Naturschutzorganisation Greenpeace. Bei einem Ölunfall gebe es bisher keine Alternative als mit Skimmern und durch Absaugen auf der Wasseroberfläche so viel Öl wie möglich abzutragen. Auf diese Weise könnte in der Regel maximal ein Zehntel des Öls geborgen werden. Doch jeder abgeschöpfte Eimer zählt: «Ist das Öl erst einmal auf der Küste, dann bleibt nur noch die mechanische Arbeit mit Handschuhen, Eimern und Schaufeln», so der Hamburger Biologe. Trifft das Öl auf Felsküste, können die Rückstände kaum mehr vollständig entfernt werden.
Im Gegensatz zu den Ölbekämpfungsmethoden hätten sich die Tankerschiffe weiterentwickelt, so Feddern. «Man plant, dass 2015 nur mehr Doppelhöhlentanker die Weltmeere befahren.» Eine Garantie, dass es dadurch zu keinen Ölverschmutzungen kommt, sei das jedoch nicht. «Noch immer kommt es zu mindestens einer grossen Tankerkatastrophe pro Jahr, daneben gibt es viele Unglücke, über die nicht in den Medien berichtet wird.» Wo möglich, sei der Transport in Pipelines zu bevorzugen, betont der Greenpeace-Experte. (pte/18.03.2009)