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Gerne wird beklagt, dass die deutsche Sprache Frauen benachteilige. Ein oft gehörtes Beispiel lautet wie folgt: sind 19 Lehrerinnen und ein Lehrer im Lehrerzimmer, dann ist es auch korrekt zu sagen, dass sich 20 Lehrer im Lehrerzimmer befinden. Es genügt also ein einziger Mann, um korrekterweise nur die maskuline Form zu verwenden, auch wenn es sich um eine grosse Mehrzahl an Frauen handelt. Bloss: auch wenn 20 Frauen im Lehrerzimmer sind, ist es korrekt zu sagen, dass sich 20 Lehrer im Lehrerzimmer befinden. Denn "Lehrer" hat hier keinen Bezug zum Sexus, zum männlichen Geschlecht.
Wie so oft basieren Beispiele wie dieses auf einem fehlerhaften Verständnis der deutschen Sprache. Leicht lässt sich das zeigen mit dem Satz: "An unserer Schule gibt es nur Lehrer". Dieser Satz bedeutet nicht, dass es an dieser Schule ausschliesslich männliche Lehrer gibt (auch wenn er so verstanden werden kann). Vielmehr ist die Aussage, dass es an dieser Schule nur Menschen mit dem Beruf des Lehrens gibt und beispielsweise keine zusätzliche Verwaltung.
Dies ist so, weil der Begriff "Lehrer" eine Rollenbezeichnung ist. Ein Lehrer ist jemand (unabhängig vom Geschlecht), der Lehren zum Beruf hat. Deshalb ist es auch korrekt zu sagen, dass es im Lehrerzimmer 20 Lehrer hat, selbst wenn es sich um 20 Frauen handelt. In diesem Satz geht es nicht ums Geschlecht, sondern ebenfalls ausschliesslich um die Rollenbezeichnung. Deshalb gibt es auch kein Lehrerinnenzimmer, denn der Ausdruck "Lehrerzimmer" hat selbstverständlich keinen Bezug auf den Sexus, es ist ja nicht das für männliche Lehrer reservierte Zimmer. Vielmehr bezeichnet der Begriff "Lehrer" hier ausschliesslich eine Rolle, es ist das Zimmer für die Menschen mit dem Beruf des Lehrens. Und Rollen lassen sich nicht "gendern". Ein Lehrerinnenzimmer hätte eine andere Bedeutung - es wäre reserviert für Frauen, welche Lehren als Beruf haben. Zutritt für Männer verboten.
Will man ausdrücken, dass 20 männliche Lehrer im Lehrerzimmer (oder an einer Schule) sind (und nur Männer!), dann muss man das genau so umständlich sagen. Es genügt nicht, einfach zu sagen, dass 20 Lehrer im Lehrerzimmer oder an der Schule sind - denn diese Formulierung lässt keinen zwingenden Rückschluss auf das Geschlecht dieser Lehrer zu. Will man aber betonen, dass im Lehrerzimmer oder an einer Schule ausschliesslich Frauen mit Beruf "Lehrer" (Rolle!) sind, dann lässt sich die Kurzform "Lehrerinnen" verwenden. Lehrerinnen sind nämlich Frauen (-innen), deren Beruf (-er) das Lehren (Lehr-) ist. Lehrer hingegen sind Menschen, deren Beruf (-er) das Lehren (Lehr-) ist. Das "-er" bezieht sich nicht auf eine männliche Form - in der deutschen Sprache lässt sich nicht von einem Genus auf einen Sexus schliessen. Die Ader, die Kammer, die Geschwister sind alle genausowenig männlich wie der Wald, der Arm oder der Uterus.
Und auch beim Lehrer steht das "-er" nicht für einen Mann. Dies lässt sich leicht am Beispiel des Druckers zeigen. Ein Drucker ist ein Gegenstand (-er), dessen Haupttätigkeit das Drucken ist (Druck-). Offensichtlich bezieht sich das "-er" hier nicht auf einen Mann. Ein Drucker kann ein Gegenstand - aber auch ein Mensch sein, welcher Drucken als Haupttätigkeit ausübt. Das "-er" bezieht sich in beiden Fällen nicht auf einen maskulinen Sexus und genauso ist es beim generischen Maskulinum, also auch beim Lehrer.
Mangels einer Alternative (nur die feminine Form wird durch ein "-in" explizit gemacht) fällt dieses sogenannte generische Maskulinum allerdings in manchen Fällen mit der maskulinen Bedeutung zusammen. Drucker kann auch Mann, der Drucken als Beruf hat bedeuten. Das ist aber die Ausnahme und nicht die Regel.
Mit dem generischen Maskulinum werden Frauen also eindeutig bevorzugt - denn eine solche elegante Kurzform wie das "-innen" gibt es für Männer nicht. Männer wissen deshalb nie, ob sie beim generischen Maskulinum mitgemeint sind oder nicht - ist die Rede davon, dass 10 Lehrer im Lehrerzimmer sind, kann es sich dabei auch um 10 Lehrerinnen, also um 10 Frauen handeln. Umgekehrt aber wissen Frauen immer, wenn von "Lehrerinnen" die Rede ist, dass damit ausschliesslich Frauen gemeint sind.
Dieses Thema wird im Artikel »generisches Maskulinum noch weiter vertieft.
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