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Archäologische Forschungen in Gonur Depe
Foto: S. Winkelmann
Gonur Depe = „Grauer Hügel“ liegt ca. 70 km vom alten Merv und ca. 80 km von der heutigen Bezirksstadt Mary entfernt, mitten in der Karakum-Wüste, in der Nähe eines Zweiges des Karakum-Kanals. Gonur Depe 1 ist die grösste Siedlung der Gonur Oase, in der in den 70er Jahren durch Sarianidi 21 Siedlungsstellen erfasst wurden, und gleichzeitig die grösste bronzezeitliche Siedlung in der gesamten Margiana. Gonur wurde sowohl in der MBZ als auch der SBZ besiedelt. Einer Untersuchung von D. Potts (2008) zufolge könnte Gonur Depe als ein Hauptort des BMAC mit dem antiken Šimaški, der Heimat einer bedeutenden elamischen Dynastie des späten 2. Jt. v. Chr. zu gleichen sein.
Gonur Depe wurde durch Viktor I. Sarianidi 1972 entdeckt. Er legte dort 1972 und 1974 (Gonur Depe 1 Nord) die ersten Testschnitte an. Seit 1988 werden hier grossflächige Ausgrabungen geführt, die bis heute andauern. Bis heute ist Gonur-depe der grösste und wichtigste Grabungsort in der Margiana. 1989 begannen die Ausgrabungen in Gonur Süd („Temenos“), die 1993 abgeschlossen wurden. Zwischen 1992-2001 wurde die mittelbronzezeitliche Nekropole freigelegt: Die Grabung erfolgte teilweise zusammen mit italienischen Archäologen vom Forschungszentrum Ligabue Venedig. Parallel dazu wurde von 1991-1995 (Ostteil) und 2002-2004 (Nord-, West- und Südfassade) der mittelbronzezeitliche Palast von Gonur Nord freigelegt, dessen Restaurierung and Konservierung seit 2003 mit Hilfe der amerikanischen Botschaft erfolgte, die Wiederherstellung von grossen Teilen der Palastanlage erfolgte in den Jahren 2007–2008.
Die Arbeiten in Gonur Depe wurden bis 2013 von Viktor Sarianidi fortgeführt, der im Dezember 2013 verstarb. Er fungierte dabei als Leiter eines gemeinsamen Projekts der „Nationalen Abteilung für den Schutz, das Studium und die Restaurierung der Denkmäler der Geschichte und Kultur Turkmenistans“ des Ministeriums für Kultur Turkmenistans, und des Instituts für Ethnologie und Anthropologie der Russischen Akademie der Wissenschaften.
Sarianidi 2005
Der Fundort besteht aus drei Teilen: 1) der grossen mittelbronzezeitlichen Stadtanlage, Gonur Depe 1 Nord; 2) der dazugehörigen mittelbronzezeitlichen Nekropole mit fast 3000 Bestattungen sowie 3) einer spätbronzezeitlichen Stadtanlage, Gonur 1 Süd. Im Stadtgebiet von Gonur 1 Nord mit seinen drei Stadtmauer-Ringen, zahlreichen Tempeln, Wohnbauten und Handwerkervierteln wird seit den 90er Jahren fortlaufend weiter gearbeitet. Diese Ausgrabungen laufen ununterbrochen bis heute und bringen ständig neue überraschende Ergebnisse. So wurden erst 2004 der Königsfriedhof von Gonur ausserhalb des Umfassungswalls aus der ersten Besiedlungsphase der Stadt entdeckt, und 2009 ausgegraben, zwischen 2006–2008 wurde ein Architekturkomplex in Südwesten Gonur-depes mit ritellen Tierbestattungen in der Mitte gefunden, 2010–2011 fanden Grabungen östlich des Feuertempels statt. 2012 und 2013 wurden die Ausgrabungen ausserhalb des zweiten Umfassungswalls im Nordwesten und Südosten von Gonur-depe 1 Nord fortgesetzt.
Hauptdesiderat des SLSA-Projektes des IAW der Universität Bern, welches unter der Lizenz der russischen Kooperationspartner durchgeführt wird, ist die Gewinnung einer Feinstratigraphie durch die gezielte Anlage einer Sondage. Diese soll eine Keramiksequenz liefern, welche die Grundlage einer datierenden Keramiktypologie bietet. Damit verbunden wird die Probennahme für C14-Datierungen. Als Ergebnis wird eine solide Chronologie avisiert, die eine präzise Datierung der einzelnen Perioden und Baubefunde ermöglicht. Darüber hinaus sollen die Funde und Befunde auch dazu beitragen, ein besseres Verständnis der Gesellschaft des antiken Gonur Depe zu gewinnen und Fragen der sozialen Gliederung sowie Subsistenz nachzugehen.
Partner
Russische Margiana-Expedition der Russische Akademie der Wissenschaften, Institut für Ethnographie und Anthropologie Miklukho Maklai, Moskau, Leiterin: Prof. Nadezhda Dubova
Abteilung für den Schutz, die Erforschung und Restaurierung der kulturhistorischen Denkmäler Turkmenistans des Ministeriums für Kultur Turkmenistans, Ashgabat, Leiter: Dr. M. A. Mahmedov, Dr. R. Muradov
Historisches Institut der Turkmenischen Akademie der Wissenschaften, Ashgabat, Direktor: Dr. G. Orazmohammedova, Nationalmuseum Turkmenistans, Ashgabat, Direktor Dr. O. Mammetnurov
Archäologisches Museum, Mary und Archäologisches Museum "Altes Merw", Bajramali
Projektteam
Gesamt-Leitung: Mirko Novák (Bern),
Projektleitung: Sylvia Winkelmann (Bern)
Grabungsleitung: David Meier (Bern)