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Ein offener Brief erhöht den Druck auf den designierten demokratischen US-Präsidentschaftskandidaten Joe Biden vor der Bekanntgabe seiner Nominierung für das Amt der Vize-Präsidentin.
In dem Schreiben fordern mehr als 100 prominente afroamerikanische Männer, Biden solle eine schwarze Frau als seine mögliche Stellvertreterin benennen. «Wenn Sie 2020 keine schwarze Frau auswählen, verlieren Sie die Wahl. Wir wollen nicht zwischen dem kleineren von zwei Übeln wählen und wir wollen nicht zwischen dem Teufel, den wir kennen und Teufel, den wir nicht kennen, stimmen, weil wir es satt haben, für Teufel zu stimmen – Punkt», heisst es in dem Schreiben, das am Montag im Medium «Atlanta Daily World» veröffentlicht wurde.
Zu den Unterzeichnern gehört unter anderem der Rapper und Schauspieler Sean «Diddy» Combs sowie Ben Crump, der Anwalt der Familie des Afroamerikaners George Floyd, dessen gewaltsamer Tod bei einem Polizeieinsatz Ende Mai landesweite Proteste ausgelöst hatte.
Viel zu lange hätten schwarze Frauen alles für die demokratische Partei riskiert «ohne Anerkennung, ohne Respekt, ohne Sichtbarkeit», heisst es weiter. Es empöre die Unterzeichner, dass nun mögliche Kandidatinnen unrechtmässig öffentlich kritisiert und hinterfragt würden.
Biden hatte bereits Mitte März angekündigt, im Fall eines Wahlsiegs eine Frau zur Vizepräsidentin zu machen. Infolge der landesweiten Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt war der Druck auf Biden gewachsen, eine nicht-weisse Frau aus der Liste der potenziellen Kandidatinnen zu wählen.
Zum Kreis der Favoritinnen zählen die US-Senatorin Kamala Harris sowie die damalige Nationale Sicherheitsberaterin von Barack Obama, Susan Rice, die beide schwarz sind. Doch werden unter anderem auch der weissen Senatorin Elizabeth Warren Chancen eingeräumt.
Bidens Entscheidung wird mit Spannung erwartet und könnte noch diese Woche anstehen. Wichtig ist sie deshalb, weil sie grossen Einfluss nicht nur auf die Wahlchancen haben dürfte, sondern auch auf die Zukunft des Landes. Bei Amtsantritt wäre Biden 78 Jahre alt. Es wird gemutmasst, dass er nur eine Amtszeit lang regieren könnte, sollte er die Wahl am 3. November gewinnen. Seine Vizepräsidentin könnte sich als Nachfolgerin in Position bringen. (sda/dpa)