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Der Architekt Rudolf Preiswerk baute 1936 das Haus Martig mit neuen Baustoffen und Konstruktionsprinzipien, die ebenso wie der funktionale Grundriss und die klare Formensprache des Wohnhauses Kennzeichen der Architekturbewegung Neues Bauen darstellen.
Das Haus Martig wurde 1936 in nur vier Monaten für Andreas Martig-Gisep, einen Lehrer an der Taubstummenanstalt, errichtet. Der ausführende Architekt Rudolf Preiswerk (1896–1968) war ein Schüler des ETH-Professors Karl Moser (1860–1936), der Vaterfigur des Neuen Bauens in der Schweiz. Preiswerk konnte die Bauzeit enorm verkürzen, indem er vorgefertigte normierte Bauteile und neue Konstruktionsprinzipien einsetzte, was Architekturpioniere wie Paul Artaria (1892–1959) und Hans Schmidt (1893–1972) bereits Mitte der 1920er-Jahre erprobt hatten.
Nicht nur die Konstruktion und das Baumaterial des Hauses, sondern auch sein funktionaler Grundriss und die reduzierte Formensprache sind Merkmale des Neuen Bauens. Die strenge Quaderform des Baukörpers, dessen Fassaden an den Schmalseiten und der nördlichen Langseite mehrheitlich geschlossen sind, wird durch die offene Gartenseite im Süden aufgelockert. Hier bieten grosse, rhythmisch angeordnete Fensterbänder und ein durchgehender Balkon, der von einem überkragenden Flachdach geschützt wird, Abwechslung und einen durchlässigen Bezug zum Aussenraum mit Garten. An der Südseite des Obergeschosses sind vier Schlafzimmer an einem mit raumsparenden Einbauschränken ausstaffierten Gang aufgereiht, der sich wie Abstellraum, Bad und Treppe an der Nordseite befindet. Im Erdgeschoss sind Wohn- und Esszimmer im Süden, Eingang, Treppe und Küche im Norden untergebracht.
Autorin / Autor: Felix Steininger | Zuletzt aktualisiert am 28.12.2022
Anselmetti, Romana: 19. Haus Martig. In: Heimatschutz Basel und Gemeinde Riehen (Hg.): Baukultur entdecken. Neues Bauen in Riehen. Riehen / Basel 2005.