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Die aktuellsten Inflationsdaten für die Konsumentenpreise bestätigen, dass die Inflation zwar weiterhin auf dem Rückzug ist, dass sie sich aber immer noch auf erhöhtem Niveau befindet. In den USA beträgt sie 4% (Mai), in der Eurozone 5.5% (Juni) und in der Schweiz 1.7% (Juni).
Am kommenden Mittwoch, 12. Juli, werden die US-Inflationsdaten (CPI-Index) für Juni erwartet. Der Konsensus erwartet einen erneuten Rückgang von 4% (Mai) auf 3.1%. Auch die Kerninflation, d.h. unter Ausschluss der Komponenten für Nahrungsmittel und Energie, sollte gemäss den Erwartungen von 5.3% auf 5.0% fallen.
Die Analyse der Inflationszahlen nach ihren Treibern und Komponenten geniesst derzeit viel Aufmerksamkeit. Insbesondere interessiert der erwartete weitere zeitliche Verlauf der Inflation. Im Zentrum steht die Frage, ob die schon stark angehobenen Leitzinsen ausreichend restriktiv wirken, so dass sie die Wirtschaft genügend stark abkühlen.
Im aktuellen Marktumfeld führen ermutigende Nachrichten zur wirtschaftlichen Aktivität und gute Beschäftigungsdaten im Arbeitsmarkt paradoxerweise zu einer negativen Stimmung an den Aktienmärkten. Solange die Zentralbanken die gewünschte Abkühlung der Wirtschaft durch die bisher beschlossenen Zinserhöhungen nicht erreichen, drohen noch höhere Zinsen. Auf eine erhöhte Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios reagieren die Aktienmärkte gegenwärtig mit Kursverlusten.
Aus unserer Sicht setzt sich derzeit ein neuer Konsensus durch, dass, zumindest für das Jahr 2023, eine Rezession in der US-Wirtschaft ausbleiben sollte. Die US-Notenbank erwartet für 2023 ein Wachstum der US-Wirtschaft von immerhin 1%. Für den Arbeitsmarkt erwartet sie keinen wesentlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit, welche sie im Jahresmittel 2023 bei 4.1% prognostiziert. Die am 7. Juli veröffentlichten US-Arbeitsmarktzahlen für den Monat Juni blieben bei den neu geschaffenen Stellen leicht unter den Erwartungen. Die US-Arbeitslosigkeitsrate bleibt unverändert bei tiefen 3.7%.
Im Trend der letzten 2 Jahre bleibt eine sehr moderate Verschlechterung der Situation erkennbar. Es ist aber zu vermuten, dass die Notenbank nicht so sehr durch diesen Umstand beeinflusst wird, als dass sie auf den nächsten Zinsschritt von +0.25% am 26. Juli verzichten würde.
Der sich hartnäckig robust haltende US-Arbeitsmarkt und die damit verbundenen stabilen Konsumausgaben haben zur Inflationstendenz beigetragen. Obwohl die US-Leitzinsen bis auf 5.5% oder gar 5.75% steigen könnten, scheint aus heutiger Sicht ein noch deutlich höheres Zinsniveau für den US-Dollar unwahrscheinlich.
In der Eurozone bleibt die Inflation mit 5.5% auf hohem Niveau. Entsprechend werden zwei weitere Zinsschritte von je 0.25% erwartet. Dies würde die EUR-Leitzinsen (Einlagensatz) neu auf 4% bringen. Der nächste planmässige Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank EZB findet am 27. Juli statt. Die Schweizerische Nationalbank fällt ihren nächsten planmässigen Zinsschritt am 21. September. An den Zinsmärkten wird eine Anhebung um 0.25% erwartet. Dies liesse die Leitzinsen für den CHF auf 2% ansteigen. Diese Erwartungen könnten sich in den kommenden Monaten abhängig vom Konjunkturverlauf aber noch ändern. Die Inflation in der Schweiz dürfte aufgrund von steigenden Mieten und der laufenden Überwälzung der Teuerung im Gesundheitswesen und bei Dienstleistungen nur langsam fallen und vorübergehend gar leicht steigen. Wir gehen wir von einer SNB-Leitzinsanhebung im September von 0.25% aus.
Der US-Technologie Aktienindex Nasdaq hat seit Jahresanfang in CHF über 25% Rendite erzielt. Der Schweizer Aktienmarkt hat im gleichen Zeitraum gut 5% zugelegt. Wir empfehlen Anlegern, die auf Schweizer Aktien fokussiert sind, eine Beimischung im US-Technologie Sektor. Anfang Juli haben wir nun taktisch einen Teil der Gewinne auf in diesem Bereich realisiert. An einer moderaten strategischen Beimischung halten wir aber weiterhin fest. Trotz den Schwankungen an den Aktienmärkten, die von den unsicheren Zinsaussichten getrieben sind, halten wir weiter an der taktischen Übergewichtung bei Aktien fest. Die Überwindung der gegenwärtigen inflationären Phase könnte etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen als erwartet. Eine markante Rezession halten wir aber nicht für wahrscheinlich.
Der SMI-Index liegt am heutigen Montag geringfügig 0.1% im Minus. Der deutsche Aktienindex (DAX) eröffnet ebenfalls leicht tiefer (-0.15%). Für die US-Aktienbörsen signalisieren die Futures Indizes ebenfalls eine geringfügig negative Handelseröffnung (Stand 09.15 Uhr, 10.07.2023, Basel Zeit).