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Umbau von Palazzo in Vico Morcote: Hotel zwischen Hügel und Wasser
In unmittelbarer Nachbarschaft des Tessiner Dorfes Vico Morcote ist ein historischer Palazzo saniert und zum Hotel umgenutzt worden. Der gleichzeitig realisierte Anbau hebt sich deutlich vom Bestand ab, ohne jedoch vom architektonischen Erbe abzuweichen.
VonRenzo Stroscio
Das malerische Dorf Vico Morcote TI ist durch ungefähr zehn Kilometer Wasser- oder Strassenweg von Lugano getrennt. An Hanglage zwischen den Weinbergen gelegen bietet es auf einer Höhe von 442 Metern eine eindrucksvolle Aussicht auf den See.
Die Gemeinde mit ihren rund 400 Einwohnern besitzt ein historisches Erbe, das aus engen Gassen und Arkaden aus dem 17. und 18. Jahrhundert besteht. Am Waldrand im äussersten Süden des Ortes befindet sich ein besonderes Gebäude. Dessen Struktur stammt aus dem 18. Jahrhundert und soll früher, gemäss den Stadtarchiven, ein Kloster beherbergt haben. Seitdem wurde es für verschiedene Zwecke genutzt, zuletzt für eine private Architekturschule.
Der Palazzo, der zum geschützten Kulturgut gehört, blieb jedoch einige Jahre lang geschlossen. Bis es im Jahr 2009 durch eine Familie erworben wurde, die sich in diesen Ort verliebt hatte. Die neuen Besitzer wollten dieses kleine architektonische Kleinod in das charmante Hotel «Relais Castello di Morcote» verwandeln.
Um die strukturellen Gegebenheiten optimal zu nutzen, entschied man sich für die Renovation des gesamten Gebäudes, welches von einem Garten mit Südausrichtung umgeben ist. Den Auftrag erhielt das Tessiner Architekturbüro Sergio Calori. Die Landschaftskommission erteilte jedoch die Vorgabe, die Architektur des Gebäudes zu bewahren. Darüber hinaus galt es, Kompromisse zwischen der Kommission und den Wünschen der Bauherrschaft zu finden.
Das Grundstück ist nach traditionellem Raster organisiert, das Gebäude steht an exponierter Lage an einer Weggabelung. Der rechteckige Baukörper verfügt über ein Gesamtvolumen von 3021 Kubikmetern, die sich über drei Etagen und ein Erdgeschoss verteilen.
Der Restaurantbetrieb im Erdgeschoss wurde auch während der Arbeiten nicht eingestellt, die Räumlichkeiten nur geringfügig modifiziert. Der externe, separate Eingang ist durch einen internen Durchgang mit dem Rest des Gebäudes verbunden.
Quelle: Matteo Aroldi
Das Hotel «Relais Castello di Morcote» nach Abschluss des Um- und Anbaus: Die Verbindung von alter und neuer Architektur sowie der Übergang zur ländlichen Umgebung machen den Reiz des Ortes aus.
Die Vergangenheit «korrigieren»
Beim Projektstart im Jahre 2015 trafen die Architekten auf ein gesundes äusseres Erscheinungsbild des Gebäudes. Doch zu Beginn der Arbeiten 2017 mussten sie relativ schnell die tragenden Strukturen verstärken.
Und obwohl einige Eingriffe seitens der ehemaligen Bewohner vorgenommen wurden, musste beispielsweise das Dach vollständig ersetzt und saniert werden. Teilweise kamen auch historische Bauelemente zum Vorschein. Architekt Sergio Calori und sein Team legten viel Wert auf eine harmonische Einbettung des Gebäudes in seine Umgebung und planten die Renovierung bis ins kleinste Detail.
So befassten sie sich auch genauer mit den Fassaden: Aufgepeppt, frisch gestrichen und in Szene gesetzt haben die Fassaden zu ihrem alten Glanz zurückgefunden. «Der ursprüngliche Putz an den historischen Fassaden des Gebäudes aus dem 16. Jahrhundert sollte erhalten bleiben», betont Calori.
Durch die Anwendung des alten, ursprünglichen Verfahrens konnten die speziellen Mischungen aus Sand und Gips wiederhergestellt und die Wände manuell verputzt werden. «Die Fassade des Palazzos besteht nun aus vier verschiedenen übereinanderliegenden Schichten. Ein Anstrich auf Kalkbasis reproduziert originalgetreu den historischen Look», so Calori.
Auch der Innenbereich wurde vollständig restauriert: Alle Räume wurden neu konzipiert, die Gliederung im ersten Stock neu überdacht. Der Architekt hat diesen Ort in einer zeitgemässen architektonischen Formensprache neu interpretiert.
Insgesamt verfügt das «Relais Castello di Morcote» über zwölf Zimmer mit eigenem Bad, die über die verschiedenen Stockwerke verteilt sind. Jedes Zimmer unterscheidet sich in seinem Raumkonzept mit einigen Elementen, die an vergangene Epochen erinnern, und einer wohl überlegten Inneneinrichtung. Das grosse Wohnzimmer krönt eine originale Kassettendecke.
Quelle: Matteo Aroldi
So sah das Castello di Morcote, ein Palazzo aus dem 18. Jahrhundert, vor dem Umbau aus.
Quelle: Matteo Aroldi
Und so präsentiert sich das Boutique-Hotel nach der Frischzellenkur.
Quelle: Matteo Aroldi
Sämtliche Elemente, die sich im grossen Wohnraum befinden, wie Balken, Holzkastendecke, historische Fliesen und andere Ornamente, stammen aus dem Bestand und wurden restauriert. Sie passen perfekt zu einer zeitgemässen Innenausstattung.