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Elektrohof
Im Süden der Gemeinde, hart an der Grenze zu Niederhasli, steht im Gebiet zwischen der “Allmänd“ und der Glatt eine bäuerliche Gebäudegruppe: der “Elektrohof“ im Tiergarten. Die Gebäudegruppe, ein Bauernhaus mit Nebengebäuden, hat eine besondere Geschichte.
1925 errichtete die Schweizerische Vereinigung für Innenkolonisation und industrielle Landwirtschaft (SVIL) im damaligen Meliorationsgebiet ein Wohnhaus in Fachwerkbauweise; dazu gehören gewölbte Kellerräume, eine Scheune, Stall und Walmen sowie ein Schopfanbau. Der Versicherungswert betrug 44'000 Franken. 1927 kam ein Ökonomiegebäude dazu. 1933, nach einem schweren Brandschaden, wurden die Gebäude wiederhergestellt, eine Zentralheizung wurde eingebaut und ein Wagenschopf errichtet.
Die Verwendung von Elektrizität in der Landwirtschaft war in den 1920er-Jahren noch keine Selbstverständlichkeit. Die neue Anlage sollte als Demonstrationshof dienen und den Bauern modernere Methoden näherbringen, insbesondere zeigen, wie elektrische Energie in Haus und Stall nutzbringend anzuwenden war. Dazu wurde von den Initiatoren die Zusammenarbeit mit den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich gesucht: Ein Vertrag sicherte einen jährlichen finanziellen Beitrag der EWZ von 10'000 Franken zu. Der Hof diente in den 1930er-Jahren auch als Ausbildungszentrum für Traktorführerkurse und beherbergte in der Wirtschaftskrise ein Arbeitslager zur Umschulung von Metallarbeitern für die Landwirtschaft.
Wer waren die Promotoren dieses Demonstrationshofs, dieses Kampagnenbetriebs für eine moderne Landwirtschaft? Die Vereinigung für Innenkolonisation und Landwirtschaft wurde am 15. Juli 1918 in Zürich vom späteren Zürcher Ständeart Hans Bernhard (1888-1942) gegründet, der 1928 auch Professor der Agrikultur an der ETH Zürich wurde. Das primäre Ziel war es zunächst, die durch Industrialisierung und internationale Arbeitsteilung stärker werdende Verstädterung beziehungsweise Landflucht aufzuhalten und damit durch ausgleichende Massnahmen einen Beitrag zum sozialen Frieden zu leisten. Kernpunkt der Überlegungen war die Modernisierung der Landwirtschaft, die nicht nur durch die Einführung neuer Energieformen, sondern generell durch organisatorische und soziale Verbesserungen bewirkt werden sollte. Bernhard wurde erster Geschäftsführer der SVIL. Unter seiner Leitung entwickelte sich die Vereinigung zu einer quasistaatlichen Landwirtschaftsplanungsstelle, die insbesondere dem industrialisierungsbedingten Rückgang der landwirtschaftlichen Selbstversorgung der Schweiz den Kampf ansagte. Bernhard wollte dieses Ziel mit einer radikalen Intensivierung der Landwirtschaft, einer “Steigerung der Innenkolonisation“, erreichen - dies jedoch nicht gegen, sondern in Zusammenarbeit mit Industrie und Energiewirtschaft. In den 1920er-Jahren engagierte sich Bernhard auch für die Wiederansiedlung von Schwyzer Bauern, deren Land im neuen Sihlsee untergegangen war. Als Ständerat widmete er sich bis zu seinem frühen Tod den Vorbereitungen der so genannten Anbauschlacht, als deren Vordenker er zu betrachten ist.
Die SVIL ist heute tätig als Vereinigung, die sich auf nationaler Ebene vor allem für eine aktive Raumplanungspolitik einsetzt; der "Elektrohof“ hingegen gehört inzwischen Privatleuten ohne Bezug zum SVIL.
Sebastian Brändli