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Diskussionsrunden im Book Club
Wer vor 1974 an der Stiftsschule Matura gemacht hat, kennt sie noch, die sogenannte "Rhetorikerakademie". Und auch wenn es nun schon eine Zeit her ist, so ist sie immer noch bekannt. Einige Schüler der Stiftsschule, die im Book Club aktiv sind, erinnerten sich nämlich daran, dass es "da doch mal so einen Debattierclub" gab. Und ihnen gefiel die Idee so gut, dass sie beschlossen, im Rahmen des Book Club in unregelmässigen Abständen nicht nur kleine Vorträge, sondern Diskussionsrunden anzubieten.
Was war die "Rhetorikerakademie"?
Rhetorikerakademie war eigentlich nur der inoffizielle Name der 1885 von der Marianischen Sodalität des Klosters Engelberg gegründeten Marianischen Akademie.
Diese hatte unter anderem zum Ziel, die wissenschaftlichen Bestrebungen und den Umgang der Schüler mit der deutschen Sprache zu verbessern, die Schüler sollten sich ein möglichst breit gefächertes Wissen aneignen können. Die Marianischen Akademie war ein Verein, dem einer der Patres, der sogenannte P. Protektor, vorstand und leitete. Gemäss Satzung mussten bestimmte Pflichtarbeiten im Laufe des Schuljahres geleistet werden, unter anderem drei Vorträge. Mitglied konnten auch nur Schüler der obersten beiden Schuljahre werden, teilweise waren aber ganze Klassenzüge in der Akademie! Und obwohl die Vorträge und Diskussionen nur vereinsintern abliefen, hatte das Ganze schon einen sehr formellen Charakter. Jahreshöhepunkt war jeweils die "öffentliche Sitzung", die im Juni im Barocksaal des Klosters stattfand und zu der die ganze Schule eingeladen war. Die Auswahl der Themen hatte zwar häufig einen religiösen Kontext, war aber breit gefächert und nahm durchaus auch Bezug auf aktuelle politische Ereignisse, wie die beiden Reden für und gegen die Uno im Schuljahr 1969/70.
Mit der Verkürzung der Gymnasialzeit 1973 von 8 auf 7 Jahre wurde die Zeit für ausserschulische Aktivitäten knapper und die Mitgliederzahl sank deutlich. Als dann auch noch der langjährige Protektor, P. Wolfgang Hafner, die Stiftsschule verliess und für das Schuljahr 1973/74 kein Nachfolger gefunden werden konnte, löste sich die Rhetorikerakademie praktisch auf.
Diskussionsrunden im Book Club
Bereits im vergangenen Schuljahr trat der Book Club ein Stück weit in die Fussstapfen der Rhetorikerakademie. Beinahe wöchentlich stellte eine Schülerin oder ein Schüler ein Thema oder Buch vor, man schaute gemeinsam einen Film und diskutierte diesen im Anschluss. Der Wunsch nach Diskussionen zu bestimmten Themen unter Einbezug einer Fachperson führte nun dazu, die Diskussionsrunden auszuweiten.
Für die erste Diskussionsrunde, die Anfang September stattfand, wählten die Schülerinnen und Schüler das Thema "Meditation". Begleitet und geleitet wurde die Runde vom Leiter der Schulpastoral, P. Guido Muff. Der Begriff "Meditation" kommt von lateinisch "meditari" und bedeutet nachdenken, nachsinnen, überlegen. Das wiederum ist etwas missverständlich, geht es bei der Meditation doch gerade nicht ums Nachdenken, sondern das Loslassen der Gedanken. Was so einfach klingt, stellte sich bei der von P. Guido geführten Meditation als gar nicht so einfach heraus. In der anschließenden Diskussion stellten alle Schülerinnen und Schüler fest, dass dieses Loslassen und Nichts-Denken ganz schön harte Arbeit ist, aber auch sehr entspannend wirkt. Eine Schülerin überlegte, ob sie den wöchentlichen Sport durch Meditieren ersetzen solle. Man war sich schnell einig, dass man das Angebot einer regelmäßigen, geführten Meditation gerne wahrnehmen würde.
Zum hochaktuellen politischen Thema "Wie weit bestimmt der Ausgang des 2. Weltkriegs immer noch das heutige Weltgeschehen?" diskutierten 19 Schülerinnen und Schüler mit Stiftsarchivar und Geschichtslehrer Rolf De Kegel in der Ausleihbibliothek. Ausgangspunkt bildete der G7-Gipfel, welcher Ende August stattgefunden hatte. Mit viel Fachwissen rollte Herr De Kegel die Geschichte vom Heute über den Balkankrieg der 1990er Jahre, den Kalten Krieg und den Zusammenbruch der Sowjetunion, die Nürnberger Prozesse und die daraus resultierende völkerrechtliche Debatte bis zum 2. Weltkrieg aus, zeigte Zusammenhänge, Parallelen und Auswirkungen auf.
Den Abschluss vor den Herbstferien bildete eine philosophische Diskussion mit dem Thema "Tod – was jetzt?" mit Philosophielehrer Hansueli Flückiger. Die angeregte Diskussion warf vor allem Fragen auf: Sind Nahtoderfahrungen medizinisch nachweisbar? Wie grenzen sie sich von Halluzinationen ab? Was lebt nach dem Tod weiter und wie lange? Was versteht man überhaupt unter "Seele"? Falls es eine Reinkarnation gibt, warum kann ich mich nicht an meine früheren Leben erinnern? Braucht es ein Bewusstsein, um weiter zu leben?
Anders als die eher rhetorischen Vorträge in der Marianischen Akademie sind die Diskussionsrunden des Book Clubs nicht nur altersdurchmischter, sondern auch viel weniger formell. Die Schülerinnen und Schüler sollen vor allem motiviert werden, untereinander zu diskutieren und argumentieren.
Wir sind gespannt, zu welchen Themen in den kommenden Monaten diskutiert wird!
Esther Flückiger-Hawker
Leiterin Mediathek