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Aufruf vom österreichischen Versöhnungsbund:
Liebe FreundInnen und Freunde!
Die Gemeinde von Tamarindo nahe Barranquilla ist akut von Vertreibung bedroht. Ein Richter hat die Zwangsräumung bereits für heute, 9. Dezember, angeordnet. Es wurden kein adäquater Raum für eine Umsiedlung der Gemeinde angeboten. Die Gemeinde würde im Falle der Räumung alles verlieren: ihre Felder, Tiere und ihre Häuser.
BegleiterInnen von unserer Partnerorganisation FOR Peace Presence sind als internationale BeobachterInnen seit 10 Tagen vor Ort.
Bitte unterschreibt den Aufruf “Keine Vertreibung der Campesinos von Asotracampo, die in Tamarindo leben” hier
Hintergrundinformation zu Tamarindo:
ASOTRACAMPO (VEREINIGUNG DER LANDARBEITERiNNEN)
HUMANITÄRER RAUM EL MIRADOR
Die Region an der Atlantikküste Kolumbiens wurde in den späten 90er-Jahren und Anfang des neuen Jahrhunderts besonders hart vom bewaffneten Konflikt getroffen. Eine ungeheure Anzahl intern Vertriebener strömte in die Küstenstädte, so auch nach Barranquilla im Departement Atlántico, der größten Hafenstadt der kolumbianischen Atlantikküste.
2001 begannen Kleinbauernfamilien, die meist bereits mehrfach vertrieben worden waren, das brachliegende Stück Land Tamarindo in der Nähe von Barranquilla zu besiedeln und zu bebauen. Als 2007 die Freihandelszone des Departements Atlántico (ZOFIA) in der Nähe von Barranquilla gegründet wurde, ging das mit der Errichtung einer für den Handel wichtigen Straße einher, die durch Tamarindo führt. Der Wert des Grundstücks schoss in die Höhe und mächtige Familien der Region begannen angebliche Besitzansprüche geltend zu machen.
2009 kann es zu ersten Räumungsversuchen, denen viele folgten. 2012 gründeten rund 130 Familien, die auf diesem Grundstück lebten, ASOTRACAMPO (Vereinigung der LandarbeiterInnen) mit dem Ziel, ihr Recht auf ein Leben in Würde und ihr Recht, nicht wieder vertrieben zu werden, gewaltfrei geltend zu machen. Die Räumungsaktionen werden oft von privaten Sicherheitsunternehmen unterstützt, indem sie ständig Druck auf die Bevölkerung ausüben. Leitungspersonen der Vereinigung werden immer wieder Opfer von Aggressionen wie Einschüchterungsversuchen, verbalen oder physischen Attacken bis hin zu Morddrohungen.
2013 führte eine Räumungsaktion zum Tod einer Frau, im selben Jahr wurde der Sohn eines Leiters von Asotracampo aus ungeklärten Motiven ermordet. Nach einer weiteren Räumung von Teilen des Grundstücks 2014 verblieb für die Familien nur mehr ein 33 ha großer Landstreifen, 25% des ursprünglichen Landes. ASOTRACAMPO proklamierte diesen letzten verbliebenen Teil des Landes namens El Mirador als Humanitären Raum, in dem die Familien hoffen bleiben zu können, bis eine dauerhafte und gerechte, der Menschenwürde entsprechende Lösung ihrer Situation gefunden wird. Doch bis dato bietet die lokale Regierung den Kleinbauern und -bäuerinnen keine adäquate landwirtschaftliche Nutzfläche als Kompensation an.
Der Fall Tamarindo ist beispielhaft für die problematische Umsetzung des Programms zur Landrückgabe: Als intern Vertriebene haben die BewohnerInnen von Tamarindo ein Recht auf das Land, das sie seit 15 Jahren bestellen. Staatliche und private Wirtschaftsinteresen scheinen höhere Priörität als das Opfer- und Landrückgabegesetz von 2012 zu haben.
Informationen auch auf der Website von FORPP