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Finanzheuschrecken geben zu: „Grün ist das neue Gold“
Die Finanzbranche macht kein Geheimnis daraus, daß die sog. „Grüne Ökonomie“ das neue große Feld der Finanzspekulation ist.
Ein Papier von Sonja Gibbs, Direktorin für Globale Politische Initiativen am Washingtoner Institute of International Finance (IIF), vom 12.9. trägt den verräterischen Titel: „Grün ist das neue Gold“.
Sie frohlockt über das Wachstum der grünen Blase, die „in den ersten acht Monaten des Jahres 2019 annähernd 235 Mrd.$ betrug“ und 2019 voraussichtlich auf 350 Mrd.$ anwachsen werde. Eine Grafik zeigt, daß die Renditen für grüne Anleihen höher sind als der Durchschnitt für Anleihen mit positivem Rating (Investment Grade Bonds): kumuliert 14,8% gegenüber 13,8% seit 2017.
Trotzdem ist der Markt für grüne Anleihen immer noch winzig: nur 0,5% des weltweiten Anleihenmarktes von 110 Bio.$. Das IIF schlägt Maßnahmen vor, um ihn auszuweiten, u.a. die Bereitstellung von mehr Liquidität und die „Weiterentwicklung eines grünen Hochzins-Anleihemarkts sowie grüne Verbriefungs- und grüne Kreditmärkte“.
Hochzinspapiere und Verbriefungen sind das Gegenteil sicherer Anlagen. „Hochzinspapiere“ ist ein Synonym für Ramschanleihen, und Verbriefungen erlauben es, Risiken auf das globale System zu übertragen, was bei Investitionen mit geringem Risiko unnötig ist.
Das IIF hat alle Entscheidungen zur Rettung und „Reform“ des Finanzsystems seit 2008 mit entworfen, darunter die berüchtigten „Bail-in“-Verfahren (Kontenenteignungen). Man könnte sogar sagen, daß die durch das IIF vertretene Finanzbranche und das System der Zentralbanken ein- und dasselbe sind, da das Spitzenpersonal ständig durch die berüchtigte „Drehtür“ hin- und herwechselt. Der derzeitige Vorsitzende des IIF ist der ehemalige Bundesbankchef Axel Weber.
Es hat eine eigene Abteilung für „Grüne Finanzen“ eingerichtet, die Sustainable Finance Working Group (SFWG). Diese erklärt stolz: „IIF-Mitgliedsunternehmen auf der ganzen Welt haben eine Fülle neuer Produkte, Anlageinstrumente und Programme auf den Markt gebracht, um Nachhaltigkeitsaspekte in den Mainstream des globalen Finanzwesens einzubeziehen. Unsere Aufgabe ist es, dazu beizutragen, diese Initiativen zu vernetzen und sie mit Bemühungen des öffentlichen Sektors zu koordinieren, um die gleichen lebenswichtigen Ziele zu erreichen.“
Bezeichnenderweise stammt SFWG-Chef Daniel Klier von der HSBC, einer der größten Zockerbanken der Welt. Der Derivatebestand der HSBC wuchs im ersten Halbjahr 2019 um 15%, Ende Juni belief sich ihr Brutto-Derivatebestand auf 39 Bio.$.
In einem Schreiben an die Europäische Kommission vom 25. März 2019 empfiehlt das IIF, mit der Klassifizierung von Investitionen auf der Grundlage von CO2-Emissionen (Taxonomie), die derzeit bei der Kommission ausgearbeitet wird, die Unternehmen zu zwingen, sich an der grünen Wirtschaft zu beteiligen.
„Taxonomie sollte kein binärer Rahmen sein, um zu definieren, was grün ist oder nicht“, heißt es in dem Brief. Mit anderen Worten, die Perspektive für Industrie- und Landwirtschaftsbetriebe soll sein: „entweder grün werden oder untergehen“.
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Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).
Der Newsletter kostet 250 € im Jahr. Er wird vom E.I.R.-Verlag herausgegeben, zu bestellen bei: Caroline Hartmann, <email-pii>
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