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Was sind die Geisteswissenschaften?
Die Geisteswissenschaften beschäftigen sich mit dem Denken, Handeln und den Hervorbringungen der Menschen in ihrer ganzen Vielfalt. Dazu gehören die Alltagskultur, die Sprache, die Geschichte, das Recht, das soziale, politische und religiöse Leben, die Künste, aber auch die Praxis aller Wissenschaften sowie deren Denkweisen. Die Geisteswissenschaften lassen bewusst werden, dass historisch gewachsene Bedingungen unser Tun prägen, dass Wertungen unumgänglich sind und dass diese nie endgültig sein können.
Atomauto
Die Vorfreude auf den Atomkühlschrank und das Atomauto in den 1950er Jahren ist der Angst gewichen.
Zielvorstellungen und Werte ändern sich
Der Begriff «Geisteswissenschaften» (er wird kaum je in der Einzahl verwendet) existiert nur im Deutschen; er geht auf die idealistische Philosophie des neunzehnten Jahrhunderts (Hegel, Dilthey) zurück. Er wird heutzutage oft als Kürzel für einen Bereich verwendet, der auch die Kultur- und Sozialwissenschaften einschliesst. In anderen Sprachen werden die Geisteswissenschaften sciences humaines, scienze humane, humanities genannt. Als Wissenschaften vom Menschen haben sie ihre Wurzeln in den studia humanitatis, die im Europa der Renaissance aufkamen und von da aus als humanistische Bildung einen weltweiten Siegeszug antraten. Als akademische Disziplinen etablierten sie sich im neunzehnten Jahrhundert.
Die Geisteswissenschaften führen fort, was am Ursprung der modernen Wissenschaften steht: die kritische Überprüfung von Vorstellungen, Ideen und sprachlichen Bildern. Sie versuchen, Dogmatik und Ideologie durch kritische Diskussion zu ersetzen und damit Reflexions- und Orientierungswissen zu schaffen. Dieses Wissen ermöglicht es dem Einzelnen, sich selbst eine Meinung zu bilden – eine Grundlage jeder demokratischen Ordnung.
Sie befassen sich mit von Kollektiven unterschiedlich wahrgenommenen Welten, wie sie durch Symbole und Zeichen erlebt und vermittelt werden. Analysiert werden dabei das Erfassen, das Einordnen, das Verstehen und Bewerten dieser jeweiligen symbolischen Welt in all ihren Aspekten.