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Der Schuman-Plan, ein diplomatisches Theater in 3 Akten oder ein Vorschlag zur besseren Verdauung eines schwierigen Sachverhalts
Figuren:
Robert Schuman
Französischer Aussenminister von 1948-1952
Bernard Clappier
Direktor des Kabinetts von Robert Schuman von 1947-1950
Jean Monnet
Leiter des französischen Planungsamtes von 1946-1950
Konrad Adenauer
Deutscher Bundeskanzler von 1949-1963
Cäsar
Hund von Konrad Adenauer von 1950-1965
Dean Acheson
Amerikanischer Aussenminister von 1949-1953
Ernest Bevin
Aussenminister Grossbritanniens von 1945-1951
Akt I, Szene I
Die Aussenminister der USA, Grossbritanniens und Frankreichs spazieren an jenem 15. September 1949 in Washington DC zum Lincoln Memorial und plaudern ein bisschen über die aktuellen Schwierigkeiten der westlichen Aussenpolitik.
Dean Acheson: Was derzeit in Korea passiert ist für uns Anlass zu grösster Besorgnis.
Ernest Bevin: Wir teilen diese Sorge, Kim Il-Sung ist für uns nicht mehr tragbar.
Robert Schuman: Die Verbindungen zwischen Kim Il-Sung und Josef Stalin scheinen sich zu vertiefen, das ist natürlich gar nicht in unserem Interesse.
Acheson: Das ist gut zu hören. Hoffen wir, dass alles noch ein gutes Ende nimmt. Und was sagen die werten Herren Kollegen Aussenminister eigentlich zu Deutschland?
Schuman: Schweigen.
Bevin: Räuspern.
Acheson: Ich schlage vor, dass wir unseren französischen Herrn Kollegen Schuman anfragen, ob es möglich wäre, die wichtigsten Punkte einer gemeinsamen Politik gegenüber Deutschlands zu erarbeiten. Er hat schliesslich sehr grosse Kenntnisse von der deutschen Sache.[1]
Schuman: Geehrter Herr Kollege Acheson. Ich werde mir erlauben, Ihre Anfrage genauer zu prüfen, ehe ich Ihnen eine Antwort zukommen lasse. Seien Sie aber versichert, dass ich das Bestmögliche tun werde, um Ihrer Bitte nachkommen zu können.
Acheson: Natürlich. Ich verstehe Ihre Aussage als ein Zeichen zur Zusammenarbeit. Wann gedenken Sie, mir Bescheid geben zu können?
Schuman: Geben Sie mir sechs Monate, Herr Aussenminister Acheson.
Acheson: Ein halbes Jahr, nicht mehr und nicht weniger. Einverstanden.
Schuman: Einverstanden.
Bevin (zu Acheson flüsternd): Sie haben natürlich Recht, Herr Kollege Acheson, dass die Deutsche Frage nur mithilfe Frankreichs gelöst werden kann.
Akt I, Szene II
Einige Tage später, Aussenminister Schuman ist zurück in Paris. Unterhaltung mit Bernard Clappier, seinem Kabinettsdirektor.
Schuman: Herr Kabinettsdirektor Clappier, wenn ich Sie nun um eine ehrliche Antwort auf meine zu stellende Frage erfrage, dann empfinden Sie daraus meine höchste Hochachtung für Ihre diplomatischen Fähigkeiten.
Bernard Clappier: Ich bitte Sie, Herr Aussenminister.
Schuman: Was ist mit Deutschland? Wie kann ich mein Mandat der Herren Acheson und Bevin erfüllen?[2]
Clappier: Diese Frage zu beantworten ist allerdings eine schwierige Aufgabe. Es ist eigentlich nahezu unmöglich mit Deutschland einen gemeinsamen Nenner zu finden. Allerdings sollte man auch die derzeit sehr verworrene Lage in der Ostzone nicht vergessen. Väterchen Stalin wird da auch noch ein Wörtchen mitreden wollen…[3]
Schuman: Zu allen Schwierigkeiten wird nun auch noch über die Saar verhandelt werden müssen. Herr frisch «gewählter» Bundeskanzler Konrad Adenauer[4] wird mit mir darüber sprechen wollen, das spür ich im Urin.
Schuman: Herr Direktor Clappier, was ist denn plötzlich mit Ihnen? Ist Ihnen schlecht? Sie sind ja ganz bleich.
Clappier: Entschuldigen Sie, Herr Aussenminister, ich hab da nur gerade so eine Art Idee. Vertrauen Sie mir bitte, wenn ich Ihnen sage, dass ich jetzt in diesem Moment darüber nicht sprechen kann, mich aber zu einem gegebenen Zeitpunkt umgehend bei Ihnen melde werde. Ich muss das zuerst verdauen, Sie verstehen?
Schuman: Das scheint mir ein Wahnsinnsplan zu sein, Sie sind ja ganz aufgeregt.
Clappier: Entschuldigen Sie, Herr Aussenminister. Ich empfehle mich und wünsche Ihnen einen schönen Abend.
Akt I, Szene III
Paris im Winter 1949/1950. Jean Monnet, Leiter des französischen Planungsamtes und Bernard Clappier frühstücken zusammen in einem noblen Pariser Restaurant.
Jean Monnet: Sie nehmen doch sicher einen Cognac, Herr Kabinettsdirektor?[7]
Clappier: Bewahren Sie, Herr Leiter des französischen Planungsamtes. Sie würden mich schlagartig unter dem Tisch wiederfinden.
Monnet: Wie dem auch sei. Sie haben also meine Pläne gelesen?
Clappier: Sie sind sehr interessant, Herr Leiter des französischen Planungsamtes.
Monnet: Und jetzt haben Sie mich hierher bestellt…Ich darf doch sicher den Grund erfahren, diese Ehre zu haben?
Clappier: Sehen Sie, die Sache ist die: Herr Aussenminister Schuman…
Monnet: …ein interessanter Mann!
Clappier: Ohne Zweifel, da haben Sie durchaus Recht, Herr Leiter des französischen Planungsamtes. Nun, Herr Aussenminister Schuman befindet sich in einer schwierigen Lage, die Herren Aussenminister Bevin und Acheson…
Monnet: …jetzt hören Sie doch mit diesen dummen Anreden auf, Herr Kabinettsdirektor Clappier des französischen Aussenministers Robert Schuman! Höhnisches Grinsen.
Clappier: Nun, wie dem auch sei, die beiden Herren Englischer und Amerikanischer Aussenminister jedenfalls haben Herrn Schuman um die Ausarbeitung einiger wichtiger Punkte zur deutsch-französischen Zusammenarbeit gebeten, eine Sache, die Herrn Schuman (beiseite: Und auch mir!) ziemlich auf dem Magen liegt, wie sie sicherlich verstehen werden. Nun, wie dem auch sei, um mich kurz zu halten: Ihre Pläne haben mich fasziniert und ich würde sie gerne dem Aussenminister Schuman vorlegen. Vielleicht können wir Ihm damit ja einen Gefallen für seine Verdauung tun, wenn Sie verstehen was ich meine.
Monnet: Aha! Das freut mich natürlich ausserordentlich. Tun Sie das, Herr Clappier. Darauf stossen wir an! Herr Ober, ein Cognac für den Herrn Kabinettsdirektor! (beiseite: Das fördert die Verdauung, sagt man!)
Clappier: Ich habe Sie gewarnt, Herr Monnet!
Monnet: Meine Pläne bei Schuman![8] Das ist ein Grund zum Feiern! Prost! Auf ein neues Europa!
Clappier: Prost! Auf ein neues Europa!
Akt II, Szene I
Bonn, 15. Januar 1950. Robert Schuman besucht den deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer. Es ist eisig kalt, in Berlin führt die Kälte zu Ausfällen im Öffentlichen Verkehr.[9]Die beiden Herren stapfen durch den Schnee in Richtung Beethoven-Denkmal am Bonner Münsterplatz.
Schuman: Das hab ich schon länger nicht mehr erlebt, eine solche Kälte, Herr Bundeskanzler.
Adenauer: Nun, Herr Aussenminister Schuman, man gewöhnt sich an alles. Und in der Kälte schwitzt man wenigstens nicht. Ein «Kölner» wie ich nimmt die Kälte mit Humor.[10] Sie können froh sein, sind Sie derzeit nicht in Berlin. Da läuft offenbar nichts mehr.
Schuman: Tatsächlich, Herr Bundeskanzler, davon habe ich gehört. Allerdings scheint das Klima hier in Bonn ja nicht nur in Celsius gemessen ein Kaltes zu sein, wenn Sie verstehen was ich meine.
Adenauer: Da müssen Sie schon genauer werden, Herr Aussenminister Schuman.
Schuman: Nun, ich mag es nicht, um den heissen Brei herum reden. Ich beziehe mich natürlich auf den kalten Empfang, den man mir hier in Bonn bereitet hat. Die Deutschen scheinen nicht sehr warmherzig zu sein.[11]
Adenauer: Sie sollten sich von der öffentlichen Meinung nicht zu sehr erhitzen lassen. Ich persönlich bin von Ihrer politischen Arbeit in höchstem Masse überzeugt und ich bin sicher, dass wir die bestehenden Schwierigkeiten im Saargebiet gemeinsam meistern werden, Herr Aussenminister.
Schuman: Das möchte ich auch hoffen, Herr Bundeskanzler Adenauer. Ich nehme an, dass Sie sich der deutsch-französischen Verantwortung für Europa bewusst sind. Wir haben noch einen langen Weg vor uns.
Adenauer: Seien sie dessen versichert. Und nun lassen Sie uns auf kürzestem Wege zurückkehren in die warme Stube.
Schuman: Eine gute Idee, Herr Adenauer, durchaus eine gute Idee.
Akt II, Szene II
Die Zeit vergeht, es wird wieder wärmer und die Saarfrage bleibt weiterhin heiss. Dann, in Paris, am Gare de l’Est, 29. April 1950: Aussenminister Schuman und sein Kabinettsdirektor Clappier unterhalten sich auf dem Perron, dazwischen Lautsprecherdurchsagen.
Schuman: Sie sind ein Schlingel, Herr Kabinettsdirektor.
Clappier: Wie meinen, Herr Aussenminister?
Schuman: Sie hätten mir die Pläne unseres Leiters des französischen Planungsamtes Jean Monnet schon viel früher zeigen sollen. Die Verzögerung lässt sich nun nicht mehr wettmachen.
Clappier: Ich wollte zuerst sichergehen, ob da tatsächlich etwas zu holen ist, Herr Aussenminister.
Schuman: Das verstehe ich natürlich. Es herrscht ja eigentlich viel Leerlauf in unseren Ämtern.
Clappier: Was halten Sie von diesen Plänen, Herr Aussenminister?
Schuman: Ich sehe in diesem Projekt zwei Aspekte: Einen politischen und einen technischen Aspekt. Für den politischen Aspekt: Lassen Sie mich das machen. Aber was halten Sie vom technischen Aspekt? Sind Sie nicht auch der Überzeugung, dass die Zusammenlegung der Kohle- und Stahlindustrien schwerwiegende Konsequenzen haben könnte und ein Risiko darstellt für unsere Kohlegruben und Stahlwerke?[12]
Clappier: Das Risiko ist gewiss vorhanden, Herr Aussenminister. Unsere Werke sind allerdings sehr gut aufgestellt. Nach meinen Prüfungen komme ich zum Schluss, dass wir es wagen sollten. Ja, ich denke, wir sollten es wagen.
Schuman: Ich nehme Sie beim Wort, Herr Kabinettsdirektor. Wir werden darüber verhandeln müssen. Europa ist zu wichtig als dass man es vergessen könnte. Und eine weitere Verzögerung in dieser Sache ist niemandem dienlich!
Clappier: Vielleicht sollten Sie sich mal mit dem Herrn Leiter des französischen Planungsamtes Jean Monnet persönlich unterhalten, Herr Aussenminister.
Schuman: Arrangieren Sie ein Treffen! So, ich geh dann mal. Schöne Ferien!
Clappier: Das werd‘ ich tun. Tun sie das. Das wünsch‘ ich Ihnen auch, Herr Aussenminister!
Akt II, Szene III
Residenz des amerikanischen Botschafters in Paris, David Bruce. Es ist der 8. Mai 1950, früher Morgen. Die Franzosen feiern 5 Jahre bedingungslose Kapitulation Deutschlands und Ende des Zweiten Weltkriegs. Monnet und Schuman treffen Acheson, den amerikanischen Aussenminister.
Acheson: Herr Aussenminister Schuman, schön Sie zu sehen!
Schuman: Herr Aussenminister Acheson, schön Sie zu sehen! Ich erlaube mir bei dieser Gelegenheit, Ihnen Herr Monnet, Leiter des französischen Planungsamtes vorzustellen.
Acheson: Hocherfreut. Was führt Sie zu mir?
Monnet: Hocherfreut, Herr amerikanischer Aussenminister. Ich bin von Herrn Aussenminister Schuman zur Klärung Ihrer Frage vom letzten Herbst in Washington bezüglich Deutschland beauftragt worden. Ich freue mich, Ihnen heute einen Vorschlag präsentieren zu können.
Acheson: Herr Schuman, Sie haben unsere Konversation in Washington also nicht vergessen! Das ist gut. Das ist sehr wichtig.[13]
Schuman: Wie könnte ich Ihre Anfrage vergessen? Sie liegt mir seither sogar richtig auf dem Magen. Und entschuldigen Sie bitte die mehrwöchige Verspätung, Herr Kollege Aussenminister.
Acheson: Verspätung? Da hab ich in meinem Amt schon viel Schlimmeres erlebt, Sie verstehen. Na, dann lasst mich mal sehen.
Akt III, Szene I
8.Mai 1950. Der deutsche Bundeskanzler im Gespräch mit seinem Hund, dem Rottweiler «Cäsar». [14]
Adenauer: Seit mehr als 25 Jahren ist für mich die Zusammenlegung der deutschen und französischen Schwerindustrien ein Thema.[15]
Cäsar: Wuff!
Adenauer: Ich habe den Aufstieg der Nazis miterlebt und schliesslich die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht.
Cäsar: Wuff!
Adenauer: Ich habe mich nach dem Krieg an den Wiederaufbau gemacht, immer mit einem klaren Ziel vor Augen: Die deutsch-französische Versöhnung und damit ein allgemeingültiger Frieden in Mitteleuropa zu fördern.
Cäsar: Wuff!
Adenauer: Und jetzt stellt dir einmal vor, Cäsar! Nicht eine Stunde ist es her, da hat mir der ehrenwerte Herr Michlich die sensationelle Eröffnung des ehrenwerten Herrn französischen Aussenministers Schuman übermittelt, dass die ehrenwerte französische Regierung eine Zusammenfassung der ehrenwerten deutschen und französischen Kohlen- Eisen- und Stahlproduktion vorschlage![16]
Cäsar: Wuff! Wuff!
Akt III, Szene II
9.Mai 1950. Im Pariser Elysée-Palast treffen sich die französischen Minister zur Konferenz. Mittag ist bereits vorüber und die Sitzung neigt dem Ende entgegen. Die Minister haben Hunger. Aussenminister Schuman hat ganz andere Sorgen.[17]
Schuman (zu sich selbst): Die Sitzung geht zu Ende und ich habe kein Wort gesagt. Was macht dieser verfluchte Clappier wieder? Man sollte Telegramme haben die man in Echtzeit verschicken kann. Es sollte einfach jeder einen Telegramm-Empfänger bei sich haben…Da kommt er ja!
Clappier: Herr Aussenminister, Sie müssen sofort intervenieren, die Sitzung darf nicht zu Ende gehen! Adenauer, also ich meine der ehrenwerte Herr deutsche…
Schuman (energisch): Was ist mit ihm?
Clappier: Nun, er ist, wie soll ich sagen…? Einverstanden! Schauen Sie selbst! (Hält Schuman ein Telegramm hin)
Schuman (liest):
„Sehr geehrter Herr Präsident
ich beehre mich, Ihnen für Ihr freundliches Schreiben (…) meinen verbindlichsten Dank zu sagen.
Ich begrüsse die in diesem Schreiben entwickelten Gedanken (…) zu einer neuen, auf der Grundlage friedlicher Zusammenarbeit aufgebauten Ordnung in Europa. (…) Ich kann aber schon jetzt die Bereitschaft Deutschlands erklären, sich an dem Studium des Plans und an der Vorbereitung der in Zukunft erforderlichen organisatorischen Massnahmen zu beteiligen.
Gezeichnet, Adenauer“[18]
Schuman (laut): Verehrte Herren Minister! Sie gehen mir noch nicht in den Mittag! Ich habe hier ein Dokument, das ich mit Ihnen unbedingt schnell besprechen muss! Und Sie Herr Clappier rufen sofort eine Medienkonferenz aus für heute Nachmittag, sagen wir um 16:00 Uhr.
Clappier: Gerne, Herr Aussenminister. Wo denken Sie die Konferenz…
Schuman (schreit): Im Uhrensaal des Palais d’Orsay, natürlich! Wie immer! Und jetzt hopp hopp!
Akt III, Szene III
9.Mai 1950, 16:00 Uhr. Palais d’Orsay. Anwesend: Schuman, Monnet, Clappier und über hundert Journalisten aus aller Welt.
Schuman (liest):
Meine Herren,
Der Friede der Welt kann nicht gewahrt werden ohne schöpferische Anstrengungen, die der Grösse der Bedrohung entsprechen.
Klatschen.
(…)
Europa ist nicht zustande gekommen, wir haben den Krieg gehabt.
Europa lässt sich nicht mit einem Schlage herstellen (…) Die Vereinigung der europäischen Nationen erfordert, dass der jahrhundertealte Gegensatz zwischen Frankreich und Deutschland ausgelöscht wird. Das begonnene Werk muss in erster Linie Deutschland und Frankreich erfassen.
Lauteres Klatschen.
(…)
Die französische Regierung schlägt vor, die Gesamtheit der französisch-deutschen Kohle- und Stahlproduktion unter eine gemeinsame Hohe Behörde zu stellen, in einer Organisation, die den anderen europäischen Ländern zum Beitritt offensteht.
Die Zusammenlegung der Kohle- und Stahlproduktion wird sofort die Schaffung gemeinsamer Grundlagen für die wirtschaftliche Entwicklung sichern – die erste Etappe der europäischen Föderation – und die Bestimmung jener Gebiete ändern, die lange Zeit der Herstellung von Waffen gewidmet waren, deren sicherste Opfer sie gewesen sind.
Noch lauteres Klatschen.
(…)
So wird einfach und rasch die Zusammenfassung der Interessen verwirklicht, die für die Schaffung einer Wirtschaftsgemeinschaft unerlässlich ist und das Ferment einer weiteren und tieferen Gemeinschaft der Länder einschliesst, die lange Zeit durch blutige Fehden getrennt waren.
Durch Zusammenlegung der Grundindustrien und die Errichtung einer neuen Hohen Behörde, deren Entscheidungen für Frankreich, Deutschland und die anderen teilnehmenden Länder bindend sein werden, wird dieser Vorschlag den ersten Grundstein einer europäischen Föderation bilden, die zur Bewahrung des Friedens unerlässlich ist.
Langanhaltendes Klatschen.
(…)
Die Ein- und Ausfuhr von Kohle und Stahl zwischen den Teilnehmerländern wird sofort von aller Zollpflicht befreit und darf nicht nach verschiedenen Frachttarifen behandelt werden.
Kurzes Klatschen.
(…)
Die Verhandlungen, die zur Ausarbeitung der Ausführungsbestimmungen unerlässlich sind, werden mithilfe eines Schiedsrichters geführt werden, der durch ein gemeinsames Abkommen ernannt wird. Dieser Schiedsrichter wird darüber zu wachen haben, dass die Abkommen den Grundsätzen entsprechen, und hat im Falle eines unausgleichbaren Gegensatzes die endgültige Lösung zu bestimmen, die dann angenommen werden wird.
Die gemeinsame Hohe Behörde, die mit der Funktion der ganzen Verwaltung betraut ist, wird sich aus unabhängigen Persönlichkeiten zusammensetzen, die auf paritätischer Grundlage von den Regierungen ernannt werden.[19]
Langanhaltendes und lautes Klatschen. Jubel. Blitzlichter.
(…)
Monnet: Ich brauche einen Cognac!
Jubel. Vorhang fällt.
[1] Clappier, Bernard, Interview de Bernard Clappier: extraits sur les origines du plan Schuman et le rôle de Jean Monnet 11. Novembre 1980, http://www.cvce.eu/de/obj/interview_with_bernard_clappier_extracts_on_the_origins_of_the_schuman_plan_and_the_role_of_jean_monnet_11_november_1980-en-278699a3-a23a-4688-8fe2-c4a83186c762.html, Gesehen am 02.05.2016. «Je propose que nous demandions à notre collègue français, qui connaît fort bien les affaires allemandes, de définir les grandes lignes de la politique commune que nous devrions suivre vis-à-vis de l’Allemagne.»
[2] Ebd. «Et l’Allemagne? Que dois-je faire pour remplir le mandat qu’on m’a confié?»
[3] Tatsächlich wird am 7. Oktober 1949 die Deutsche Demokratische Republik ausgerufen. Die Gründung der DDR ist auch als eine Antwort auf die Gründung der BRD am 23. Mai 1949 zu verstehen. Am 8. Oktober 1949 überträgt die Sowjetunion wichtige Verwaltungsfunktionen an die Regierung der DDR und unterstreicht damit die Eigenständigkeit der DDR.
[4] Adenauer wurde am 15. September 1949 mit einer Stimme Mehrheit (einschliesslich seiner eigenen!) zum Bundeskanzler der BRD gewählt.
[5] Eine erste Aussprache wird am 15. Januar 1950 stattfinden. Siehe hierzu: Adenauer, Konrad, Aufzeichnung des Bundeskanzlers Adenauer, in: Schwarz, Hans-Peter (Hg.), Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland, September 1949 bis Dezember 1950, München 1997, Dokument 25, S. 57-62.
[6] Die Saarfrage wird die beiden Länder noch sechs weitere Jahre lang beschäftigen. Siehe hierzu bspw. auch «Die Saarfrage – Rede von Heinrich von Brentano in Bonn, 29. November 1956, Text zur europäischen Integration, https://www.europa.ch/nachrichten/die-saarfrage-rede-von-heinrich-von-brentano-in-bonn-29-november-1956-1/, Gesehen am 09.05.2016
[7] Jean Monnet entstammte einer französischen Handelsdynastie, die im Cognac-Handel tätig war.
[8] Der heute als «Schuman-Plan» bekannte Plan zur Zusammenlegung der Schwerindustrien von Deutschland und Frankreich basiert zu grossen Teilen auf Plänen von Jean Monnet und sollte daher fairerweise «Schuman-Monnet-Plan» heissen.
[9] Siehe: Geschichte und Geschichten, Edition Luisenstadt, Berlinische Monatsschrift, Heft 3/2001, S. 183, http://www.luise-berlin.de/bms/bmstxt01/0103gesg.htm#seite183, Gesehen am 03.05.2016.
[10] Tatsächlich ist Konrad Adenauer in Rhöndorf, unweit von Bonn aufgewachsen und hat massgeblich dazu beigetragen, die Hauptstadt der BRD nach Bonn zu verlegen.
[11] Siehe bspw. die Aufzeichnungen des deutschen Ministerialdirigenten Herbert Blankenhorn, der in einem Gespräch mit dem französischen Stellvertretenden Hohen Kommissar Armand Bérard über Unstimmigkeiten Schuman’s während seiner Deutschlandreise im Januar 1950 berichtet: Blankenhorn, Herbert, Aufzeichnungen des Ministerialdirigenten Blankenhorn, in: Schwarz, Hans-Peter (Hg.), Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland, September 1949 bis Dezember 1950, München 1997, Dokument 28, S. 68-71.
[12] Clappier, Bernard, Interview de Bernard Clappier: extraits sur les origines du plan Schuman et le rôle de Jean Monnet 11. Novembre 1980, http://www.cvce.eu/de/obj/interview_with_bernard_clappier_extracts_on_the_origins_of_the_schuman_plan_and_the_role_of_jean_monnet_11_november_1980-en-278699a3-a23a-4688-8fe2-c4a83186c762.html, Gesehen am 02.05.2016. «Je vois qu’il y a dans ce projet deux aspects : un aspect politique et un aspect technique. L’aspect politique j’en fais mon affaire. Mais l’aspect technique? Qu’en pensez-vous? Ne croyez-vous pas que cette mise en commun des productions de charbon et d’acier pourrait avoir des conséquences sérieuses et faire courir des risques à nos charbonnages et à notre sidérurgie?».
[13] Clappier, Bernard, Interview de Bernard Clappier: extraits sur les origines du plan Schuman et le rôle de Jean Monnet 11. Novembre 1980, http://www.cvce.eu/de/obj/interview_with_bernard_clappier_extracts_on_the_origins_of_the_schuman_plan_and_the_role_of_jean_monnet_11_november_1980-en-278699a3-a23a-4688-8fe2-c4a83186c762.html, Gesehen am 02.05.2016.
[14] Hund Cäsar scheint wie sein Herrchen nicht viel von der deutschen Sozialdemokratie gehalten zu haben. Vgl.: Der Spiegel, Nachrichtenmagazin, Rubrik Personalien: Cäsar, Rottweiler von Konrad Adenauer, 29 / 1957, http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41758040.html, Gesehen am 09.05.2016.
[15] Siehe bspw. die Äusserungen Konrad Adenauers, damals Oberbürgermeister der Stadt Köln, während einer Besprechung in der Reichskanzlei am 9.1.1924, insbesondere Seiten 3 und 4, http://www.konrad-adenauer.de/downloads/pdf/Dokumente/1924-01-09_Protokoll.pdf, Gesehen am 03.05.2016.
[16] Vgl.: Anm. 3, Adenauer, Konrad, Bundeskanzler Adenauer an den französischen Aussenminister Schuman, in: Schwarz, Hans-Peter (Hg.), Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland, September 1949 bis Dezember 1950, München 1997, Dokument 57, S. 57.
[17] Vgl.: Anm. 5, Adenauer, Konrad, Bundeskanzler an den französischen Aussenminister Schuman, in: Schwarz, Hans-Peter (Hg.), Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland, September 1949 bis Dezember 1950, München 1997, Dokument 57, S. 145.
[18] Ebd.
[19] Den vollständigen Schuman-Plan können Sie unter anderem auf der Internetseite der Europäischen Union nachlesen: Europäische Union, Über die EU, Schuman-Erklärung – 9. Mai 1950, http://europa.eu/about-eu/basic-information/symbols/europe-day/schuman-declaration/index_de.htm, Gesehen am 09.05.2016.