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Unsere domestizierten Hauspferde (Equus ferus caballus) stammen von verschiedenen Formen des Wildpferdes ab, dessen letzter lebender Vertreter das Przewalski-Pferd ist (Equus ferus przewalski). Heute noch lebende Verwandte der Pferde sind die afrikanischen Zebraarten sowie der afrikanische und der asiatische Esel. In historisch überlieferter Zeit kamen Wildpferde nur in Europa und Asien vor. Zwar entstand die zoologische Gattung Equus (Pferde) ursprünglich in Nordamerika; die letzten Pferde starben dort aber schon vor gut 10 000 Jahren aus. Die wilden Mustangs, die für uns untrennbar mit dem Bild der Ureinwohner Nordamerikas verwoben sind, sind also verwilderte Nachkommen eingeführter Hauspferde.
Das Pferd ist ein typisches Herdentier mit einer klaren Herdenordnung und einem ausgeprägten Sozialverhalten. Als reiner Pflanzenfresser ernährt es sich in erster Linie von Gräsern. Es hat einen gut entwickelten Geruchs- und Gehörsinn; schwächer ausgebildet ist dagegen die Sehschärfe. Wie bei allen Unpaarhufern dauert die Reproduktion recht lange. Die Tragzeit einer Stute beträgt rund elf Monate. Pferde werden mit etwa einem Jahr geschlechtsreif, sind aber erst nach ungefähr sieben Jahren ausgewachsen. Hauspferde werden bis zu 30 Jahre alt. Kleinpferde – sogenannte Ponys – erreichen sogar ein Alter von mehr als 40 Jahren.
Eine genaue Datierung der Domestikation von Wildpferden ist schwierig. Bereits chinesische Überlieferungen aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. berichten von der Einführung von Hauspferden in China. Bereits um 2000 v. Chr. waren Pferde dort weit verbreitet. Für Mitteleuropa belegen archäologische Funde die Haltung von Hauspferden um 1000 v. Chr. Die Zähmung des Pferdes brachte dem Menschen ein kräftiges Reit- und Arbeitstier. Darüber hinaus konnten Pferde als Fleischlieferant genutzt werden. Noch heute wird die Leistung von Motoren in Pferdestärken oder PS angegeben, wobei ein PS der erforderlichen Kraft entspricht, um 75 Kilogramm mit einer Geschwindigkeit von einem Meter pro Sekunde hochzuheben. Bis zur Entwicklung der Eisenbahn und des Automobils waren Pferde für den Gütertransport und den Postdienst unverzichtbar. Zudem wurden sie bis weit ins 20. Jh. hinein als Zugtiere zum Bestellen der Äcker oder bei der Waldarbeit eingesetzt.
Unter menschlicher Auslese sind weit über 300 Pferde- und Ponyrassen mit unterschiedlichem Äusseren und Verwendungszweck entstanden. Man unterscheidet zwischen sogenannten Warm- und Kaltblutpferderassen. Warmblutpferde sind leichtere und bewegliche Tiere und bilden den verbreiteten Freizeitpferdetyp. Sie eignen sich für den Reitsport und wurden früher gerne als Gespannpferde verwendet. Kaltblutpferde hingegen sind schwere Tiere und zeichnen sich durch einen stämmigen Körperbau aus. Sie haben ein eher ruhiges Temperament und wurden hauptsächlich als Arbeitspferde für die Feldarbeit gezüchtet.
Die Pferdezucht hat in der Schweiz eine lange Tradition. Unter den vielen anerkannten Pferderassen gibt es auch eigene Schweizer Rassen wie das Freiberger-Pferd oder das Schweizer Warmblut. Das rund 200 Jahre alte Freiberger-Pferd ist ein vielseitiges und leichtes Warmblutpferd, das an die teils rauen und gebirgigen Bedingungen in der Schweiz gut angepasst ist. Seine Ursprünge liegen auf dem Hochplateau der Freiberge im Kanton Jura. Die Schweizer Warmblut-Rasse entstand erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Es sind grössere Tiere als die Freiberger-Pferde, und sie werden vor allem für den Einsatz im Reitsport weitergezüchtet. Die Förderung und Erhaltung der Rassen ist unter anderem die Aufgabe des Schweizerischen Nationalgestüts in Avenches.
Das Pferd wurde früher auch in der Region Basel vielseitig eingesetzt. Auf dem Land unterstützte es als Zugtier den Bauer beim Bestellen seine Äcker. In der Pferdekutsche fuhren die wohlhabenderen Leute in die Nachbargemeinde, ins Stedtli (Liestal) oder in die Stadt (Basel). Auch in Basel gehörte das Pferd zum Strassenbild des 19. Jh. Die zahlreichen Fuhrhaltereien setzten zum Ziehen ihrer Transportwagen ebenfalls Pferde ein. In Häusern aus dem späten 19. Jh. finden sich deshalb noch Durchgänge, durch welche die Gespanne in die Hinterhöfe fuhren. An den früheren Verkehr der Pferdegespanne erinnern heute nur noch die knie- bis hüfthohen Ecksteine der Altstadthäuser. Sie schützten die Mauern vor Schäden durch die vorstehenden Radnaben der Pferdewagen.
Inzwischen sind auch die Pferde verschwunden, welche die ersten Trams zogen oder die Sanitätstruppen in der Kaserne unterstützt hatten. Von den letzteren sind noch die Namen der Veranstaltungsräume Reithalle und Rossstall in der «Kulturwerkstatt Kaserne» erhalten geblieben. In der Landwirtschaft sowie im Personen- und Warentransport mussten Pferde aber dem Motor Platz machen: Je nach Ausführung vereinigt dieser auf kleinem Raum die Kraft von 60, 100 oder gar 200 Einhufern. Das Pferd hat zwar überlebt, doch nicht als Helfer des Menschen, sondern als beliebter Begleiter auf Ausritten durch die Landschaft. Vor allem in der hügeligen Landschaft des Sundgauer Hügellands haben sich viele frühere Bauernbetriebe auf die finanziell interessante Haltung von Reitpferden spezialisiert. Zeitweise ist der Pferdeverkehr in den Wäldern und auf den Feldern im Leimental so dicht geworden, dass ein Reitwegenetz eingerichtet wurde.
DK / JS