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Bildung sollte sich weniger an einem Bildungsideal orientieren, wie es in Ihrem Blog angesagt ist, sondern an einem Bedürfnisideal. Es gibt Menschen, die wir lernbehindert nennen, weil sie Probleme haben die Mindestanforderungen, die man an Allgemeinbildung stellt, zu erreichen. Damit einher geht vor allem die Verachtung von Handarbeit und die daraus abgeleitete Verachtung für ein dreigliedriges Schulsystem. Paradox ist, dass sogenannte Künstler für ihre Produkte hochbezahlt werden, aber durchschnittliche “Handwerker”, in Bildungskreisen keine Anerkennung finden, die sich in einer gerechten Bezahlung niederschlagen würde.
Gäbe es keine Gewerkschaften, das Bildungsbürgertum würde es immer so organisieren, dass mittelmässige und schlechte Akademiker automatisch besser bezahlt werden, als gute Handwerker und Pflegekräfte.
Gäbe es keine Gewerkschaften, das Bildungsbürgertum würde es immer so organisieren, dass mittelmässige und schlechte Akademiker automatisch besser bezahlt werden, als gute Handwerker und Pflegekräfte. Auf Grund des höheren Status und der daraus folgenden besseren Bezahlung ist die Bildung natürlich immer mehr so organisiert, dass man diesen höheren Status erreichen soll. Die Folge ist, dass für diese Art der Bildung ungeeignete Menschen die angesetzten Ziele nicht erreichen werden, weil sie es einerseits nicht können und es andererseits gar nicht wollen. Daraufhin schraubt man die Anforderungen herunter, so dass in Deutschland viele das Abitur machen, und das entgegen ihrer eigentlichen Bedürfnisse. Sie wählen dann eine Beamten- oder Akademikerlaufbahn, obwohl sie in einem Handwerk glücklicher UND nützlicher wären. Wären Bezahlung und Status gerecht, nach Wichtigkeit und Relevanz für die Gesellschaft verteilt, würde niemand die Hauptschule, oder auch Sonderschule, als abwertend empfinden. Auch ein Sonderschüler kann ein hervorragender Handwerker, ein Fitnesstrainer, Rapmusiker oder Fußballprofi werden und mit dem Erfolg und gesellschaftlicher Anerkennung ein glückliches Leben führen. Stattdessen schlägt im Verachtung entgegen, und den Betrieben und uns Lehrlingsausbildnern geeignete junge Menschen entzogen. Es ist klar, dass in Ihrem Blog eher das Bildungbürgertum vertreten ist. Menschen, die aus unerfindlichen Gründen glauben, jeder mit Gehirn könnte das Abitur schaffen und das Studium absolvieren. Er müsse es nur wollen. Ist man ein Versager, wenn man es gar nicht schaffen will? Ist man ein Versager, wenn man gar nicht Mathematik (ich rede nicht vom Rechnen) lernen will? Gegen seine Natur, gegen seine Gene zu lernen und zu handeln, ist schwer. Dazu kommt natürlich auch die Effizienz des Gehirns.
Nicht jeder mit zwei Beinen kann die hundert Meter unter 10 Sekunden laufen.
Nicht jeder mit zwei Beinen kann die hundert Meter unter 10 Sekunden laufen. Auch nicht, wenn alle sich ganz arg bemühen. Nicht jeder mit einem Gehirn ist ein Einstein. Aber nicht jeder kann auch komplexe sanitäre Kühlsystem einbauen, Bleche verschweissen und auf Baustellen immer wieder geeignete Lösungen finden. Übrigens. Wen meint Einstein, als er behauptete, die menschliche Dummheit ist unendlich? Sprach er vor allem vom Bildungsbürgertum oder von seinem Gärtner?
Tonio Cumbrix ist Lehrlingsbeauftragter eines Spenglerbetriebs in Wuppertal