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28.11.2014 - Hydrologischer Spezialbericht des Bundesamts für Umwelt BAFU vom 18. November 2014. Eine Südstaulage mit mehreren intensiven Niederschlagsphasen hat im November 2014 zu Hochwasser an den Tessiner Seen geführt. Der Lago Maggiore und Lago di Lugano überschritten die Hochwassergrenze und traten über die Ufer.
Seit Anfang November hat es im Tessin immer wieder geregnet. Und dies teils sehr intensiv und anhaltend. Eine länger andauernde Südstaulage hat mehrmals feuchte Luftmassen vom Mittelmeer Richtung Alpensüdseite geführt und für hohe Niederschlagsmengen gesorgt. Wegen der für die Jahreszeit eher hohen Temperaturen fiel der Niederschlag grösstenteils als Regen. Erst zum Schluss des Ereignisses sank die Schneefallgrenze markant ab, so dass der Niederschlag teilweise als Schnee liegen blieb. Die Niederschlagssummen bis Mitte November betrugen ein Mehrfaches der Mengen, die normalerweise im gesamten Monat November gemessen werden. Im Tessin sind so innerhalb von 15 Tagen Niederschlagsmengen gefallen, wie sie nur ganz selten gemessen werden. Genauere Informationen dazu finden sich in den Berichten der Wetterdienste (siehe Links nebenan).
Durchnässte Böden, grosse Abflussmengen und Hangrutschungen
Bereits das Niederschlagsereignis in der ersten Novemberwoche hatte die Flüsse und Seen im Tessin ansteigen lassen und örtlich Hangrutschungen verursacht. Die gesättigten Böden konnten kaum mehr Wasser aufnehmen, so dass die nachfolgenden Regenfälle rasch abflusswirksam wurden.
In den Tessiner Flüssen kam es zwar zu markanten Abflussanstiegen, aber kaum zu grösserem Hochwasser. An kleineren Flüssen, z.B. an der Casserate, der Breggia und der Magliasina wurden zwischenzeitlich Hochwasser verzeichnet, die statistisch gesehen alle zwei bis fünf Jahre vorkommen (HQ2 bis HQ5). Der Seeausfluss des Lago di Lugano wird zur Senkung des Seepegels seit mehreren Tagen auf dem hohen Niveau von 170 bis 190 m3/s gehalten. Daher wird an der Tresa seither ein Hochwasser der Gefahrenstufe 3 mit einer statistischen Wiederkehrperiode von 10 bis 30 Jahren beobachtet.
Lago Maggiore und Lago di Lugano traten über die Ufer
Die Summe der Zuflüsse des Lago Maggiore und Lago di Lugano liessen die Wasserstände der beiden Seen stark ansteigen. Seit der Einführung der offiziellen Hochwasserwarnungen am BAFU musste am Dienstag, 11. November erstmals eine Warnung für die Gefahrenstufe 5 ausgesprochen werden. Der Lago Maggiore erreichte am Mittwochmorgen, 12. November die Gefahrenstufe 5 (195.75 m ü.M.) und verzeichnete am Donnerstag, 13. November einen ersten Höchststand von 196.40 m ü.M. Nach einer kurzen Regenpause und erneuten intensiven Niederschlägen stieg der See am Sonntag, 16.11.2014 schliesslich nochmals auf das Niveau von 196.41 m ü.M. an. Teile der Stadt Locarno, die Magadino-Ebene sowie grössere Bereiche am Ufer des Sees standen unter Wasser.
Der Lago di Lugano erreichte am Samstagabend, 15. November ebenfalls die Gefahrenstufe 5 (271.65 m ü.M.), erreichte am Sonntagmittag einen Pegelstand von 171.85 m ü.M. und stieg bis Montagabend, 17. November auf einen Höchststand von 271.88 m ü.M. Auch dieser See trat über die Ufer und setzte Strassen und nahe am See gelegene Regionen unter Wasser.
Nicht so hoch wie in den Jahren 2000 und 2002
Auch wenn es die letzten Jahre nicht mehr so oft vorkam: Hohe Seepegel sind im Tessin keine Seltenheit, wie die untenstehende Grafik zeigt.
Ähnlich hohe oder noch höhere Wasserstände traten u.a. während der Hochwasserereignisse vom Oktober 2000 und November 2002 auf:
|[Angaben in m ü.M.]||16./17. Nov. 2014||29. Nov. 2002||18. Okt. 2000||November-Maximum||Absolutes Maximum||Jahresmittel Messperiode||Bezugspe-riode seit|
|Lago Maggiore||196.41||196.30||197.57||196.60

(1951)
|197.57 (2000)||193.51||1943|
|Lago di Lugano||271.88||272.08||270.90|| 272.08

(2002)
|272.08

(2002)
|270.49||1965|
Weitere Aussichten
Für die kommenden Tage ist trockenes und sonniges Wetter vorhergesagt. Die Zuflüsse zum Lago Maggiore und Lago di Lugano werden in den nächsten Tagen weiter zurückgehen. Dementsprechend werden auch die Pegel des Lago Maggiore und Lago di Lugano weiter sinken. Es wird jedoch mehrere Tage dauern, bis die Wasserstände sich wieder einigermassen normalisiert haben werden.
Weiterführende Informationen
Letzte Änderung 28.11.2014