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Einige Daten zur Bindfadenfabrik in Flurlingen
Heinrich Moser auf Charlottenfels war es, der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts auf die Idee kam, durch die Anlage eines Stauwehrs im Rheins die treibende Kraft des Stroms für die Schaffhauser Industrie auf beiden Rheinufern nutzbar zu machen. Er erwarb in Flurlingen untern anderem das Steinhölzli, dem Standort der ehemaligen Bindfadenfabrik. Er nutzte die Wasserkraft oben auf dem Berg durch eine den Berg hinauf geleitete Transmissionsanlage (was damals als kühner Gedanke betrachtet wurde).
Die Wasserkraftwerkgesellschaft stellte die Mittel für den Bau der Turbinenanlage bereit und unter Moser’s persönlicher Leitung wurde 1863 mit dem Bau begonnen. 1866 war eine Wasserkraft von 120 Pferdestärken verfügbar. 1870 waren es bereits 700 PS. Der Weg für die zukünftige Fabrikation und den Verkauf von Bindfaden, Packschnüren, Seilen, Web-, Schuh-, Schlauch- und Segelgarnen war geebnet. 1874 wurde die Schweizerische Bindfadenfabrik in Betrieb genommen.
1906 wurden Pläne für einen Ausbau der Fabrik laut. Die Strasse Schaffhausen – Winterthur wurde verlegt, sodass «ein schön arrondiert, vollständig überbaubares Areal» entstand, dass «spätere allfällige Verdoppelung der Anlage einen geeigneten Platz schaffte». Der geplante Ausbau erfolgte in mehreren Etappen während mehreren Jahren. Alte Anlagen fielen Neuen zum Opfer. Die Bauten wurden neu aus Beton und Eisenbeton gebaut. 1913/14 wurde das Rohstoffmagazin erstellt, 1914/16 das Kesselhaus und die Reparaturwerkstätten.
Es folgten die Arbeiten für die Kanalisation des ganzen Geländes, der Bau des vollständig unterkellerten Reibe- und Hecheleigebäudes, ein zweites Reservoir für den Ausbau der Wasserversorgung, die Entstehung einer Fabrik Feuerwehr, ein Ölmagazin, der 4 700 m2 grosse Bau des Hanf- und Werg-Vorwerk- und Spinnereigebäudes. Strassen und Geleise wurden erstellt, eine Telefonanlage für 100 Stationen, eine el. Wasserstandsfernmeldeanlage, eine Uhren- und Signalanlage, eine Wächterkontrollanlage, eine Feuermelde- bzw. Sirenenanlage, eine Luftbefeuchtungsanlage und nicht zuletzt richtete man eine Arbeiterkantine mit Küche und Esslokalen ein.
Die Denkschrift zum 50 jährigen Bestehen der Schweizerischen Bindfadenfabrik von 1922, aus der diese Bilder stammen, befasst sich des Weiteren mit der Kriegswirtschaft und der Nachkriegszeit, der Fürsorge, der Wohnhäuser für Angestellte und Arbeiter, der Einführung der Krankenkasse sowie der Pensionskasse und letztendlich auch des Wohlfahrtsfonds für Angestellte.
Hanf und Flachs
Die Bedeutung der Hanf- und Flachskultur der Schweiz war in der ersten Hälfte des 19ten Jahrhunderts nur auf den Eigenbedarf bzw. auf den bäuerlichen Haushalt ausgerichtet. Einerseits war das Klima, andererseits die beschränkte Anbaufläche dafür verantwortlich. Zu Beginn des 20. Jahrhundert fand man Hanf und Flachs vor allem in den entlegenen Gegenden Graubündens, aber auch im Kanton Waadt, Freiburg und Bern. Die geringe Produktion und die primitiven Arbeitsmethoden waren Grund dafür, dass auch die Spinnereien damals keine grössere volkswirtschaftliche Bedeutung erlangten. 1874 wurde der Betrieb in der Bindfadenfabrik aufgenommen, wo Hanf und Flachs verarbeitet wurden.