Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03136.jsonl.gz/3112

Schottland – Ferien in den Highlands
Die schottischen Highlands bilden den am dünnsten besiedelten Teil des Vereinigten Königreichs. Die Gebirgsregion im Norden Schottlands ist ein Land der Mythen und Sagen.
Die an Kämpfen, Verrat und Verschwörungen reiche schottische Geschichte wurde nicht zuletzt durch die mächtigen Clans aus den Highlands geprägt, die zäh ihre Unabhängigkeit verteidigten und immer wieder um die Macht stritten. Tatsächliche und literarische Dramen spielten sich hier ab. Ein berühmtes Beispiel ist Shakespeares Macbeth. Gleich zwei Burgen, Inverness Castle und Cawdor Castle, erheben den Anspruch, historischer Schauplatz des Geschehens um den schottischen König zu sein.
Menschenleer und unberührt
Heute sind die Highlands ein weitgehend unberührter Teil Grossbritanniens, der sich für Wanderferien in der Natur geradezu anbietet. Besuchern präsentiert sich die Region mit ihren weiten, waldlosen Hügel- und Berglandschaften, der tief zerklüfteten Felsenküste mit etlichen Fjorden sowie zahlreichen Seen – hier Loch genannt – als wildromantisches Land von herber Schönheit.
Tatsächlich waren die Highlands nicht immer so menschenleer, wie es heute scheint. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden viele Bewohner von ihren Gutsherren gezwungen, das Land zu verlassen, um der Schafzucht Platz zu machen. Als „Highland Clearances“ wird dieser Prozess bezeichnet. Hinzu kam die Landflucht – die Abwanderung in attraktivere Industrieregionen. Von der einst dichteren menschlichen Besiedlung zeugen noch viele Ruinen ehemaliger Dörfer und Siedlungen. Das Erscheinungsbild der Highlands heute ist daher nicht nur naturbedingt, sondern auch Ergebnis menschlichen Handelns.
Highlands – vielschichtiger Begriff
Der Begriff „Highlands“ ist im Übrigen nicht ganz genau abgegrenzt. Zum einen umfasst er die gleichnamige schottische Verwaltungseinheit mit der Hauptstadt Inverness, dem urbanen Zentrum der Region. Zum anderen bezeichnet er ein grösseres geografisches Gebiet, das nördlich einer Linie vom Firth of Clyde im Westen über den Loch Lomond bis zur Stadt Stonehaven an der Ostküste beginnt. Südlich davon erstrecken sich die Lowlands. Eine zweite Trennlinie, der Great Glen mit mehreren Seen – unter anderem dem berühmten Loch Ness – endet in Inverness und teilt die Northwest Highlands von den Grampian Mountains.
Wandern in den Northwest Highlands
In den Northwest Highlands erreichen die Höhen selten mehr als 1000 Meter – für Schweizer Verhältnisse eher bescheiden. Dennoch sind Wanderungen in dem Gebiet durchaus anspruchsvoll. Das hängt nicht nur damit zusammen, dass Anlaufpunkte zum Rasten oder für Übernachtungen rar sind.
Typisch für die Highlands ist das Fehlen markierter Wanderwege, man wandert quasi querfeldein. Gute topografische Kenntnisse und Planung sind daher mehr als empfehlenswert. Die Küste präsentiert sich Besuchern mit tiefen Einbuchtungen und Zerklüftungen und erinnert stark an Norwegen. In den Tälern herrscht Moorheide vor, während sich ab 600 Metern Höhe die Vegetation karg zeigt und mehr auf Gebirgs- oder arktische Regionen verweist.
Als ein besonders schönes Ziel gilt die Insel Skye. Sie gehört schon zu den inneren Hebriden, ist aber mit dem Festland über eine Brücke verbunden. Die Bergwelt von Skye übt einen magischen Zauber aus. Die Insel ist Heimat der MacDonalds, eines der bekanntesten Highland-Clans, der Schottlands Geschichte und Sagenschatz um einiges bereichert hat.
Great Glen und Grampian Mountains
Im Great Glen können Reisende eine ganze Seenkette für sich entdecken. Sie gehören zu der vielgestaltigen Seenwelt der Highlands – ebenso wie die Fjorde ein Überbleibsel der Eiszeit. In dem Tal reihen sich Loch Ness, Loch Oich, Loch Lochy und Loch Linnhe aneinander, alle durch den Kaledonischen Kanal miteinander verbunden. Der grösste, längste und bekannteste See ist zweifelsohne Loch Ness. Trotz vieler Besucher und Forscher – die sagenumwobene Nessie wurde hier bisher noch nicht gefunden.
Die Grampian Mountains bilden ein eigenes Hochland mit charakteristischen Heide- und Moorlandschaften. Mit dem Ben Nevis (1344 Meter) und dem Ben MacDhui (1309 Meter) verfügen sie über die beiden höchsten Berge in Grossbritannien und Schottland. Der Ben MacDhui gehört zu den Caingorms, einer Gebirgsgruppe, die auch als Wintersportgebiet einen guten Ruf besitzt. Der Ort Aviemore ist ein bekanntes Skizentrum.
In die Grampian Mountains führt auch der Castle Trail, eine in Aberdeen startende Route, die 17 markante schottische Schlösser und Burgen umfasst. Ohne die wehrhaften Mauern auf Felsen und Klippen oder an Seen wäre das Bild Schottlands unvollständig.
Highland-Whiskey – eine Probe wert
Mit den Highlands ist ein landestypisches Produkt untrennbar verbunden, der Whiskey. Von den fast 100 aktiven schottischen Whiskey-Brennereien liegt ein Viertel in den Highlands. Der Highland-Whiskey gilt als kräftig und ausgeprägt. Oft wird noch mal eine Unterscheidung zwischen Central, Northern, Eastern und Western Highlands als besonderen Whiskey-Regionen vorgenommen. Eine Verkostung in einer Brennerei vor Ort kann ein schönes Highlight einer Tour sein.
Wechselhaft – schottisches Wetter
Die beste Reisezeit für die Highlands sind die Monate Mai bis September. Dann sind die Temperaturen mit durchschnittlich 18 Grad am höchsten. Dank des gemässigten Klimas sind Ausreisser nach oben oder unten sowieso die Ausnahme. Nichts ist so beständig wie der Wechsel – diese Redensart gilt besonders für das schottische Wetter. Vier Jahreszeiten an einem Tag: Das ist hier auch im Sommer möglich. Wer die Reize unterschiedlicher Wetterlagen zu schätzen weiss, wird sich daran nicht stören.
Artikelbild: Kilchurn Castle, Loch Awe, Schottland © Swen Stroop – shutterstock.com