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Schweden hat nicht nur hübsche Frauen, ein gutes Sozialsystem und Ikea zu bieten, sondern hat auch einige international erfolgreiche Künstler wie Timbuktu, Chords oder natürlich die Looptroop Rockers hervorgebracht. Dieser Liste gilt es nun auch Prop Dylan hinzuzufügen, der schon so manche Bühne ausserhalb seiner Heimat niedergebrannt und kürzlich sein zweites Album „Crossing theBridge“ veröffentlicht hat. Auf diesem macht er keinen Hehl daraus, dass ihn klassischer Boom Bap Rap am meisten inspiriert hat. Aufgepeppt werden die Songs durch eingängige Hooks, einige Reggae Elemente sowie Features von u.a. Masta Ace, Promoe und Supersci. Wir trafen den sympathischen Nordländer vor seiner Show am Make the Hood Look Good Festival und sprachen mit ihm über sein Album, Mando Diao und klärten natürlich auch, woher er seinen ungewöhnlichen Namen hat.
Bitte stell dich zu Beginn unseren Lesern vor!
Mein Name ist Prop Dylan, ich komme aus Schweden und habe 1997 mit der Musik begonnen. Mein älterer Cousin gab mir eine CD vom Wu-Tang Clan und ich mochte den Vibe, die Attitüde und ihre Reims. Meine Cousins hörten dann vermehrt Westcoast Rap, was mir aber weniger zusagte. Schliesslich begannen sie mit Popmusik und heute kennt man sie als Mando Diao und Sugarplum Fairy. Ich ging also definitiv meinen eigenen Weg. Sie hatten mich zwar damals gefragt, ob ich Bass spielen möchte, aber ich lehnte dankend ab, was ich vielleicht manchmal ein wenig bereue. Zwischenzeitlich hatte ich auch ein, zwei Jahre mit Rap aufgehört, bis ich meinen jetzigen Hypeman Prince Maleek traf und wir zusammen begannen Musik zu machen. Das war 1999, ich bin nun also seit zehn Jahren intensiv dran.
1999 kam auch deine erste Veröffentlichung. Dein erstes Album erschien aber erst acht Jahre später. Gibt es einen bestimmten Grund dafür, dass du dir so lange Zeit gelassen hast?
Ich bin Mitglied einer Gruppe namens Ragin Goblins und wir haben viele Demos und 2005 ein Album veröffentlicht. Zudem habe ich viele Shows gespielt, Demos aufgenommen und EPs veröffentlicht. Nachdem wir das Ragin Goblins Album releast hatten, entschied ich mich, etwas Eigenes zu machen, wo ich keine Kompromisse beim Sound eingehen muss. Ich wollte herausfinden, wie es ist als Solokünstler. Ich begann an einer EP zu arbeiten und daraus wurde schlussendlich ein komplettes Album.
Deine Musik ist definitiv von den „good old days“ beeinflusst. Was vermisst du an der aktuellen Rapmusik?
Ich vermisse die Intelligenz in der Musik. Wenn du Songs mit Aussagekraft an die Label schickst, will das niemand veröffentlichen. Das ist ein Fakt. Die Labels suchen nach idiotischen Songs, bei welchem sich Strophen und Refrain ständig wiederholen. Die Plattenfirmen wollen die Leute dumm halten. Zudem kann sich heutzutage jeder HipHop nennen, es ist ein so breiter Begriff geworden. Oder dieses Auto-Tune Zeugs, was soll das?
Jay-Z hat gesagt es sei tot..
Genau, hoffen wir es! Aber ich denke nicht ,dass sie wegen seiner Aussage damit aufhören werden. Aber ein netter Versuch ist es trotzdem.
Du hast zuvor Wu-Tang erwähnt, welche anderen Künstler haben dich sonst beeinflusst?
Hauptsächlich Eastcoast Künstler zwischen 1994 und ungefähr 2001. Leute wie Big L, Big Pun, Kool G Rap, D.I.T.C., solche Sachen. Ich halte immer Ausschau nach Künstlern, die zu dieser Zeit heiss waren, dann aber nie den Durchbruch schafften. Wie Mali, ein Künstler der von Buckwild produziert wurde, eine EP veröffentlichte und dann verschwand. Ein verrückter Rapper.
Deine Songs haben öfters sehr eingängige Hooks. Ist dies auch ein Versuch, den Boom Bap Sound einem grösseren Publikum schmackhaft zu machen?
Ich denke es ist eine meiner Stärken, gute Hooks zu schreiben. Schwer zu sagen, ich mache einfach was ich fühle. Wenn ich einen Beat höre, fliegen mir die Ideen zu, ich schreibe es hin und zehn Sekunden später nehme ich es auf. Als Musiker ist die Situation sehr hart in Schweden, speziell bei HipHop. Niemand hört wirklich HipHop, vor allem nicht, wenn es sich um einen klassischen Boom Bap Beat handelt. Vielleicht versuche ich unterbewusst mit den Hooks mehr Leute zu erreichen und in den Strophen reisse ich es nieder, wie ich es immer mache. Ich reflektiere generell nicht wirklich über meine Songs. Ich schreibe sie, nehm sie auf und wenn sie mir einen Monat später noch gefallen, veröffentliche ich sie.
Du hast auch einige Songs mit Reggaeeinflüssen. Gibt es dafür einen speziellen Grund?
Ich habe diesen Typen namens Caribinghi getroffen, der in einer Stadt nahe von meiner wohnt. Er ist viel jünger als ich, aber wir verstanden uns sofort gut und ich lud ihn zu mir ins Studio ein um einige Beats anzuhören. Ich war nie ein Fan von Reggae oder Ragga, ich hasste es schon fast. Aber er hat eine völlig neue Perspektive reingebracht, wie man es mit HipHop kombinieren kann. In Schweden hat es diese Kombination noch nicht sehr oft gegeben, also habe ich einfach gemacht. Eine Weile lang habe ich viele Sachen in diese Richtung probiert. Den Song „Mr Judge“ haben wir in sehr kurzer Zeit aufgenommen, lange wollte ich damit gar nichts anfangen, schlussendlich entschied ich mich aber dafür, ihn aufs Album zu packen. Er ist anders aber man muss auch für Abwechslung sorgen.
Holst du dir deine Beats bei schwedischen Produzenten oder hast du auch mit internationalen Beatmakern gearbeitet?
Panik von Molemen hat einen Song produziert. Ich habe auch einen finnischen Produzenten namens Sakke. Ich habe ihn in einem guten Moment erwischt, denn er hat gute Acts in Finnland und ich glaube auch in Frankreich produziert. Nun hat er aber damit begonnen Pop zu produzieren, da er die Möglichkeit dazu hatte und nun viel Geld damit verdienen kann.
Wenn du jeden Produzenten der Welt haben könntest, wer wäre auf deiner Liste?
Natürlich DJ Premier, das wäre ein Traum. Pete Rock und 9th Wonder wären ebenfalls toll. Von Kanye West würde ich einen richtigen Soulbanger picken.
Ich kann mir vorstellen, dass alle danach fragen, trotzdem nimmt es mich Wunder, wie du zu deinem Namen gekommen bist!
Wie ich erzählt habe, kam ich durch meine Cousins zu HipHop und sie begannen dann mit Popmusik. In meiner Stadt macht eigentlich fast jeder Pop oder Rock. Ich hing also mit vielen Poprockmusikern ab und sie verstanden nie, wieso ich HipHop mache. Irgendwann wurde es mir zu viel und ich wollte sie ein wenig ärgern. Da sie viel Bob Dylan hörten, nannte ich mich Prop Dylan, abgeleitet von Props.
Auf deinem neuen Album hast du mit Promoe gearbeitet. Waren Looptroop eine wichtige Crew für dich, da sie aufzeigten, dass es möglich ist für einen schwedischen Rap-Act internationalen Erfolg zu haben?
Ja, absolut. Nicht im musikalischen Sinne, da ich nie Looptroop gehört habe. Ich weiss nicht wieso, irgendwie sprachen sie mich nie an. Aber aus unternehmerischer Sicht war es ein grosser Einfluss, da sie bewiesen, dass es auch ohne Plattenfirma möglich ist. Ausserdem kommen sie aus einer Stadt, die nur etwa eine Stunde von meiner Heimat entfernt liegt.
Es gibt zahlreiche Rap-Künstler und auch Produzenten aus Schweden, die auch internationalen Erfolg haben. Woran liegt es deiner Meinung nach, dass Schweden zu den europäischen Ländern mit den meisten international erfolgreichen Künstlern gehört?
Schwer zu sagen. Die Leute in Schweden haben ein Talent für Sprachen. Zudem hatte Schweden immer diesen Amerikakomplex, die Leute wollen in allen Belangen wie die Amerikaner sein. Es gab auch viele Shows von US-Künstlern. Aber ich denke der Hauptgrund ist wohl, dass wir die englische Sprache schneller lernen konnten als andere. Aber eine genaue Erklärung kann ich dir auch nicht abgeben.
Viele der schwedischen Künstler die ich kenne, gehen eher in Richtung des klassischen Boom Bap Sounds. Wenn ich in Schweden an eine HipHop-Party gehe, würde ich dann auch diesen Sound zu hören bekommen?
Also erstens gibt es keine HipHop-Partys in Schweden. Ungefähr im Jahr 2000 gab es überall HipHop-Jams mit Looptroop und anderen schwedischen Gruppen. Richtiger Backpack-HipHop mit den vier Elementen. Heutzutage ist HipHop in Schweden absolut furchtbar, noch viel schlimmer als in den Staaten, es ist erbärmlich. Wenn ein DJ versucht Boom Bap Sound zu spielen, werden die Leute gehen, da sie die Songs nicht kennen.
Du hast viele Shows in Europa und auch in Costa Rica gespielt. Ist es dein Ziel noch weiter zu expandieren, vielleicht sogar in die Staaten?
Mein Ziel sind nicht die Staaten. Ich gehe vielleicht wieder dorthin um mit Produzenten aufzunehmen. Ansonsten fokussiere ich mich auf Europa und Asien. Es begann für mich vor einigen Jahren und es wird mit jedem Jahr besser, wir werden also sehen, wohin es mich noch führt. Ich habe keine speziellen Territorien, die ich unbedingt noch erobern möchte. Es wäre sicherlich nett, nach Japan gehen zu können und dort vor zwei Millionen Menschen zu spielen (lacht). Wir werden sehen, was noch passiert.
Wie war die Show in Costa Rica?
Es war gut und etwas schräg. Wir waren am Ende des Dschungels direkt an einem riesigen Strand. Die Show war in der Nacht und das einzige Licht kam vom Mond. Geplant waren eigentlich fünf Shows am selben Ort. Doch nach der ersten Show gab das Equipment seinen Geist auf und wir konnten keine weiteren Konzerte spielen. Wir chillten dann 15 Tage am Pool, was ja auch nicht schlecht ist.
Hier in der Schweiz oder auch in Deutschland rappen die meisten MCs in ihrer Muttersprache. Hast du auch Songs in Schwedisch?
Ich mache nur Features in Schwedisch. Ich komme aus einer Region, die einen sehr witzigen Dialekt hat. Es gibt zwei Regionen in Schweden, bei denen es nicht akzeptiert ist, im jeweiligen Dialekt zu rappen und ich komme aus einer von diesen beiden. Wenn ich Features mache, dann mit Acts aus derselben Region wie ich und mehr aus Spass.
Dein Album „Crossing the Bridge“ ist ab sofort erhältlich. Arbeitest du bereits an weiteren Projekten?
Ich arbeite an einem neuen Album, welches komplett von Logophobia produziert wird. Es wird etwas völlig anderes, wir gehen mit vielen Musikern ins Studio und die Beats werden einfach crazy.