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Phrasierung
nennt man die deutliche
Gliederung musikalische
Gedanken durch den
Vortrag.
Gut phrasieren ist eine schwere
Kunst, weil unsre Notenschrift; wie sie heute ist, besonderer Zeichen für die Phrasengrenzen und
Motivgrenzen entbehrt; als solche hat neuerdings (1882) H.
Riemann den jetzt zur Anzeigung des Legatovortrags gebrauchten
Bogen
[* 2] (für die
Phrase) und einen kleinen, eine
Linie des
Liniensystems durchschneidenden
Strich, das Lesezeichen (für die motivische
Untergliederung), vorgeschlagen und in seinen »
Phrasierungsausgaben« angewandt.
Bisher hat das Verlangen nach
Anhalten für die
Phrasierung dazu geführt, daß man die Legatobogen nach Möglichkeit
so führte, daß sie wenigstens nicht aus einer
Phrase in die andre übergriffen; so besonders bei H. v.
Bülow, I.
^[Immanuel]
Faißt, S.
Lebert und H.
Scholtz. Die traditionellen
Bogen der Klassikerausgaben sind notorisch auch für
Klaviermusik meist in einer
Ordnung disponiert, die
nur für Streichmusik korrekt wäre (vgl.
Bogenführung). Eine radikale
Reform mit gänzlicher Beseitigung des Legatobogens kann keine großen Angelegenheiten schaffen,
da man Legatovortrag überall
als verlangt anzunehmen gewohnt ist, wo nicht Stakkatopunkte das Gegenteil bestimmen; die
Bindung der Grenznote einer
Phrase
an die Anfangsnote der folgenden ist durch einen Tenutostrich (_) über der
Schlußnote anzuzeigen. Die
Bezeichnung der Phrasengrenzen ist darum von großer Bedeutung, weil
sie der dynamischen und agogischen
Schattierung die Wege
weist. Die Trennung der
Phrasen erfordert einen kleinen Zeitverlust; die Anfangsnoten der
Motive und
Phrase erhalten mehr oder
minder starke
Accente (s.
Takt und
Ausdruck).
Vgl. Riemann, Musikalische Dynamik und Agogik (Hamb. 1884).