Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03489.jsonl.gz/1661

(frz. und engl. copal); der Gesamtname einer Gruppe
von
Harzen, die in ihren mancherlei Sorten zahlreiche Verschiedenheiten in äußerm Ansehen und Farbe, in Härte und in ihrem
Verhalten zu Lösungsmitteln zeigen. Hinsichtlich der Abstammung dieses
Harzes herrscht noch viel Unsicherheit,
nur so viel ist gewiß, daß dieselbe nur zu einem Teil von lebenden Bäumen in geringerer Qualität gesammelt wird, zum
andern aber fossil vorkommt, also gegraben, gelegentlich auch fortgeschwemmt im Sande von Flüssen gefunden wird.
Bei diesem Aufenthalt in derErde hat das
Harz Veränderungen, ähnlich dem
Bernstein, erlitten, namentlich
ist es härter, schwerer löslich und schwerer schmelzbar geworden, und machen sonach eben die gegrabenen Stücke die harten
Sorten aus, die allein in der Firnisbereitung einen Vorzugswert haben, während die leicht löslichen, weichen in eine Kategorie
mit andern wohlfeilem
Harzen zusammenfallen. Man sagt, daß die Kopalbäume nicht nur das
Harz aus der
Rinde ausschwitzen, sondern massenhaft auch an ihrer Pfahlwurzel absondern, womit denn die unterirdischen Funde sich erklären
würden.
Als Ursprungsland der besten Ware erscheint Afrika, besonders dessen östliche Küstenländer und das nahe liegende Zanzibar,
das sowohl selbst K. produziert, als der hauptsächliche Verschiffungsplatz für jene Gegenden ist. Die
Ware wird dort nach sichern Angaben von den Schwarzen gegraben. Westafrika führt in seiner ganzen Erstreckung, vom 8. Grad
Nord bis 14. Grad Süd, auf eine Länge von 700 Meilen mit wenig Unterbrechungen K. und zwar noch reichlicher als der Osten
und durchweg unterirdisch bis in 3 Meter Tiefe. Die wichtigsten Distrikte und danach benannten Sorten
sind Sierra Leone, Acra, Benin, Gacun, Loango, Congo, Angola, Benguela. Die beiden letzten liefern die größten Mengen,
circa 2 Mill. kg jährlich. Diese afrikanischen Sorten sind im allgemeinen weicher als aus dem Osten, ebenso die brasilianischen,
kommen aber diesen in einzelnen Fällen an Qualität ziemlich nahe. - Für die brasilianische Ware besteht die unrichtige
Benennung westindisch; ebenso unrichtig heißen die besten ostafrikanischen Sorten ostindischer K. Eine wirklich ostindische
Sorte ist nur die Manila, eine der geringsten im Handel vorkommenden.
Eine besondre Art bildet der australische Kaurikopal, der auch australisches und neuseeländisches
Dammarharz
genannt wird und in dieser Rubrik besprochen ist. Die Kopalsorten kommen in fast allen Schattierungen von fast weiß, gelblich
oder rötlich bis zu gelb und braun, mehr oder weniger durchsichtig, in rundlichen, eckigen und unregelmäßigen Stücken
und Klumpen, staubig oder runzelig, überrindet oder geschält und gesäubert in den Handel. Wird die
Ware durch Anwendung von
Ätzlauge äußerlich gereinigt, so kommt eine mit Pusteln besetzte Fläche zum Vorschein, die sog.
Gänsehaut, welche als ein Zeichen der Güte gilt (Gänsekopal).
Die weichen Kopalsorten lösen sich
leicht in Weingeist und
Terpentinöl, die harten nur unter Anwendung von
Hitze und verschiedner Kunstgriffe, daher die Bereitung guter harter Kopallacke keine leichte Sache ist. Man bereitet fette
Firnisse, die Leinölfirnis und
Terpentinöl enthalten, und eigentliche Kopallacke mit
Terpentinöl,
Äther etc. Die härtesten
Zanzibarsorten bilden fast das einzige Material zur Herstellung dieser schleifbaren
Lacke, wie sie z. B. beim Wagenlackieren
gebraucht werden. Sie sind daher eine gesuchte, teure und teurer werdende Ware. - Der K. ist zollfrei.
Kopallack gem. Tarif im Anh. 5 a.
(Kotsteine); es sind dies versteinerte Exkremente vorweltlicher
Tiere, bräunliche, im allgemeinen längliche,
zapfenartige Steine von etwa Pflaumengröße oder zu größern Klumpen geballt, die zuerst in England, wo
sie in ungeheurer Menge vorkommen, ihrer Natur nach erkannt und da sich in ihnen die vermutete mineralische Düngsubstanz,
der phosphorsaure
Kalk wirklich vorfand, als Düngemittel verwendet werden. Man fertigt gewöhnlich
Superphosphat (s. d.) daraus.
Die
Tiere, von denen die Hinterlassenschaft herstammt, sind Fleischfresser gewesen. Einige glauben Raubeidechsen, andre Hyänen.
Jedenfalls ist die Menge des Vorkommens erstaunlich. Man findet sie in Höhlen, hauptsächlich aber schichtweise
einige Fuß unter der Erdoberfläche, wo sie fast als ein geologisches Gebilde erscheinen. Die Lager befinden sich im Süden
und Westen Englands, in den Grafschaften York und Suffolk und namentlich Cambridge. Hier werden an den günstigen Stellen
die Ansammlungen in etwa 2 dm dicken Schichten gefunden und in einer Art abgebaut, die mit der Bernsteingräberei große
Ähnlichkeit hat. Die Brocken werden auf
Maschinen gewaschen, gemahlen und dann weiter behandelt. Die nämliche Art des Vorkommens
wiederholt sich in Frankreich und es sollen vom Kanal bis nach den Vogesen hin unermeßliche Vorräte
liegen; eine starke Benutzung ist aber dort noch nicht im Gange. In Deutschland kennt man erst vereinzelte Lokalitäten,
wo Koprolithen vorkommen, z. B. bei Degerloch in der Nähe von Stuttgart. - Zollfrei.
(Corallen, frz. corail, engl. coral). Unter den
zahlreichen, kalkige Gehäuse bauenden Polypentieren hat die Edel- oder Blutkoralle (Isis nobilis oder
Corallium rubrum) als Lieferant eines schönen Materials zu Schmuckwaren einen besondern Wert. Die Heimat derselben ist das
Mittelländische Meer, wo sie sich an den Festlands- und Inselküsten auf Felsengrund und Vorsprüngen steiler felsiger Küsten
meist in beträchtlicher Tiefe des Meeres ansiedelt; ihre von vielen Menschen betriebene Einsammlung
und Verarbeitung repräsentiert beträchtliche Werte. Der Polypenstock oder mineralische Träger einer Menge einzelner Schleimtierchen
wächst durch deren nach innen gerichtete Ausscheidung von Kalkmasse zu einem gedrungenen Bäumchen mit Ästen aus, das nur
38-30 cm hoch und bis zu 2½ cm stark wird. Die Masse, wie sie im Handel ist, besteht hauptsächlich
aus kohlensaurem
Kalk nebst etwas
¶
mehr
kohlensaurer Magnesia und Eisenoxyd. Der rote Farbstoff ist hauptsächlich organischer Natur. Im lebenden Zustande ist dieses
feste Gerüst mit einem roten, häutigen, aus Kalk und animalischer Substanz bestehenden Überzug umgeben, in welchen die
Einzeltierchen, von unten nach oben sich vermehrend, eingebettet sind und ihre Fangwimpern alle nach außen strecken. Die
animalische, eigentlich aus den Tierleibern selbst aufgebaute Scheide, die ein weißer, milchiger Nahrungssaft durchzieht,
ist außer dem Wasser nach dem Abtrocknen bröcklig und leicht abfallend.
Die Vermehrung der K. erfolgt in zweierlei Weise, indem sowohl von dem Bäumchen abfallende Zweige zu selbständigen Stöcken
fortwachsen, als auch von den Polypen in der Sommerzeit eine Menge Brut als schwärmende Fäden ausgestoßen
werden, die sich endlich irgendwo festsetzen und die Grundlage zu neuen Stöcken werden. Die erste Arbeit mit den geernteten
K., die gleich auf den Fischerbarken vorgenommen wird, besteht in der Entfernung des tierischen Überzugs durch Abreiben
und Waschen.
Die meisten und besten K. finden sich an der afrikanischen Küste zwischen Algier und Tunis, außerdem
bei den Balearen, an den Küsten von Spanien, Frankreich, Korsika, Sardinien, Sicilien, Neapel etc.
Die Örtlichkeiten des Vorkommens sind in der Regel schon seit langen Zeiten bekannt und man sichert sich einen regelmäßigen
Ertrag dadurch, daß man dieselbe Lokalität immer erst nach zehn Jahren von neuem aberntet. Eine nicht
geringe Anzahl von Booten, mit je 7-8 Mann besetzt, ziehen, die meisten aus Neapel, alljährlich zur Korallenfischerei aus
und arbeiten von April bis Juni, gewöhnlich in der Weise, daß ein paar übers Kreuz verbundene Balken oder ein Rahmen,
an welchen Netze, Schlingen, Haken verteilt sind, unter Belastung auf den Felsengrund, 60-90 m tief, an Seilen hinabgelassen
und durch die rudernden Boote auf großen Strecken hin und her und kreuzend geführt werden, sodaß die dabei getroffenen
und abgebrochenen K. im glücklichen Falle in den Netzen hängen bleiben.
Statt dieser augenscheinlich mangelhaften Methode betreibt man das Geschäft anderwärts, besonders bei
den Franzosen, durch Taucher, welche dickere Stämmchen heraufbringen, aber nur in flachern Tiefen arbeiten können und namentlich
an der ganzen afrikanischen Küste unmöglich sind. Man soll allein in der Straße von Stromboli und bei Messina jährlich
gegen 2000 kg K. fischen, während auf afrikanischer Seite, wo bei Bona und La Calle jährlich etwa 200 französische
und italienische Barken zusammenkommen, deren Ertrag auf 15-35000 kg angegeben wird. Im Jahre 1875 belief sich die von Seiten
italienischer Schiffer eingebrachte Korallenernte auf 23000 kg I. Qualität im Durchschnittswerte von 120 Frcs. pro kg, 20000 kg
II. Qualität à 75 Frcs. und 67436 kg III. Qualität à 6 Frcs. pro kg. 3700 Mann in 404 Barken
beteiligten sich hierbei.
Bona und La Galle sind die wichtigsten Marktplätze für alles, was im Mittelmeere gefischt wird. Aus der eingebrachten Ernte
werden erst die größten
und schönsten Exemplare als Kabinetsstücke ausgesucht und dann das Übrige
so ausgestückelt, wie dies die zweckmäßigste Verwendung an die Hand gibt. Die rohe Ware zerfällt in folgende Sorten:
tote oder faule K., mit mineralischem und animalischem Niederschlag überzogen, gilt das Kilo 5-20 Frcs.;
schwarze, durch
Lagern in Schlamm geschwärzt, 12-15 Frcs.;
die gewöhnliche, lebend gefangene Ware, in Kisten, 45-70
Fcrs.;
auserwählte, besonders dicke und rosenrote Stücke 4-500 Frcs. das kg, endlich sehr seltene weiße K. Man überarbeite
zuvörderst die rohen Stücke aus dem Groben mit Raspeln und Feilen und schleift sie dann auf Schleifscheiben mit immer feinerm
Schmirgel. Es gibt in mehreren Mittelmeerstädten, besonders in Neapel, dann auch in Livorno, Genua,
Trapani, Marseille, Casais, Bona, Algier etc. viele Leute, die sich mit Schleifung, Polierung,
Bohrung, Fassung von K. beschäftigen, teils als Künstler, teils als Fabrikarbeiter und am häufigsten Arbeiterinnen.
Man
fertigt aus den hinreichend großen Stücken Stockknöpfe, Messerhefte etc., aus den kleinern
Schmucksachen verschiedner Art, wie runde, ovale, birnförmige und unregelmäßige Perlen zu Halsbändern, Paternostern, Knöpfe,
Einsätze von Nadeln, Broschen etc. Die Farben variieren vom tiefsten Blutrot und schönen Zinnoberrot
bis zum Blaßrosa. Früher waren die dunkelsten Farben die beliebtesten, später hat sich der Geschmack hierin geändert.
In Europa hat die Vorliebe für K. ziemlich abgenommen, obschon ab und zu versucht wird, dieselben durch
schöne Schmuckwaren, wie sie sich z. B. auf den Leipziger Messen zeigen, wieder emporzubringen.
Den ständigen und von der Mode nicht beeinflußten Absatz haben die Waren in Japan, China, in Arabien und dem Orient überhaupt.
Bei den Orientalen ist die Vorliebe für Korallenschmuck so lebhaft, daß man denselben überall an Kleidung,
Waffen, Pferdegeschirren, Gerätschaften und selbst an den Wänden vornehmer Wohnungen anbringt. Außerdem gehen K. nach
Rußland, Amerika, und in Stellvertretung von Münzen, in Form von Perlenschnüren zu Neger- und andern wilden Stämmen.
- Rohe, unbearbeitete K. sind zollfrei, bearbeitete s. Tarif im Anh. Nr. 33 c
und Nr. 20 a.