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Mit der Ankündigung der bevorstehenden Einsatzbereitschaft des Hyperschallgleitflugkörpers Avantgard durch den russischen Präsidenten Wladimir Putin hat offensichtlich ein neues Zeitalter der Kriegführung eingesetzt.[i] Zum Hyperschallbereich gehören Geschwindigkeiten von Mach 5 bis Mach 10.[ii] Mit hohen Überschallgeschwindigkeiten gehören Mach 10 bis Mach 25. Mit dem russischen System Avantgard soll eine Hyperschallgeschwindigkeit von über Mach 25 erreicht werden.
Es werden zwei verschiedene Technologien von Hyperschallwaffen unterschieden. Beide Technologien gehören zur nahen Zukunft der Kriegführung.[iii] Die erste Technologie beruht auf dem Einsatz eines ballistischen Flugkörpers mit zwei Trägerstufen. Dieser Flugkörper führt einen Gleitflugkörper bis in den Weltraum hinauf und stösst ihn auf einer bestimmten Bahn ab. Dieser Gleitflugkörper rast mit einer Geschwindigkeit von bis zu Mach 20 auf das Ziel zu und führt immer wieder Änderungen der Flugbahn durch. Dadurch wird die gegnerische Raketenabwehr ausmanövriert. Ausgerüstet mit nuklearen oder konventionellen Gefechtsköpfen sollen mit diesen Gleitflugkörpern strategischer Ziele ausgeschaltet werden.[iv]
Die zweite Kategorie von Hyperschallwaffen sind Marschflugkörper oder ballistische Flugkörper, die durch Bomber mitgeführt und abgeworfen werden, und durch ihre Staustrahltriebwerke Geschwindigkeiten von Mach 5 bis 7 erreichen sollen. Sie sind für kurze Reichweiten vorgesehen. Mit konventionellen Gefechtsköpfen sollen Schiffe, Fliegerstützpunkte und landgestützte Startrampen vernichtet werden.
Russland plant ab 2020 den Einsatz des Gleitflugkörpers Avantgarde auf bestehende ballistische Flugkörper. Mit nuklearen Gefechtsköpfen soll mit diesen Flugkörpern die amerikanische Raketenabwehr ausmanövriert, dadurch die Fähigkeit zu einem Zweitschlag in einem nuklearen Schlagabtausch aufrechterhalten werden und damit die russische Abschreckungsfähigkeit gesichert sein.[v] Ein zweites System ist der nuklearangeriebene Marschflugkörper Burevestnik, der auch zur Aufrechterhaltung der Abschreckungsfähigkeit Russlands beitragen soll.
China hat in der Parade vom 1. Oktober 2019 anlässlich des 70. Jahrestages der Volksrepublik die Werfer für die Hyperschalflugkörper DF-17 und CJ-100 vorgestellt. Im Gegensatz zum DF-17 könnte der Marschflugkörper CJ-100 hohe Hyperschallgeschwindigkeiten erreichen. Beide Systeme sind offenbar mit konventionellen Gefechtsköpfen für den Einsatz gegen die Seestreitkräfte der USA im Südchinesischen Meer vorgesehen.[vi]Durch deren Einsatz sollen die amerikanischen Seestreitkräfte aus dem Südchinesischen Meer verdrängt werden. Im Gegensatz zu den Systemen Russlands, die für strategische Einsätze vorgesehen sein dürften, haben die chinesischen Systeme eine operative Einsatzenveloppe im Kriegstheater des Südchinesischen Meeres.[vii] Für den Schutz ihrer Seestreitkräfte dürften die USA bei einem bevorstehenden Angriff Chinas die chinesischen Satelliten zerstören. Für das Ausmanövrieren dieser Gegenmassnahme müsste China gleichzeitig mit seinem Angriff die amerikanischen Satelliten ausschalten, was nicht einfach zu erreichen sein dürfte.[viii]
Auch die USA entwickeln für Ihre Doktrin des Prompt Global Strikeverschiedene Varianten weitreichender Hyperschallwaffen.[ix]
Sowohl Frankreich und Indien sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt an der Entwicklung von Hyperschallwaffensystemen.[x]
In absehbarer Zeit wird die Welt mit einer Revolution der Kriegführung konfrontiert sein. Angesichts der Geschwindigkeit, Reichweite und Wirkung von Hyperschallwaffen könnte der Einsatz von Panzerarmeen in einem Krieg sehr bald definitiv obsolet sein.[xi]
[i]STRATFOR, Russia: First Set of Nuclear-Armed Hypersonic Glide Vehicles Reportedly to Enter Active Duty Soon, November 13, 2019.
[ii]Barrie, D., Unstable at speed hypersonic at arms control, Military Balance Blog, 18th October 2019.
[iii]Friedman, G., Hypersonics and Modern War, Hypersonics could introduce a radically new type of war, in: Geopolitical Futures, April 30, 2019.
[iv]Friedman, G., P. 3.
[v]Friedman, G., P. 3.
So auch Gottemoeller, R., Renew the New START pact, in: The New York Times International, November 11, 2019, P. 14.
[vi]Barrie, D., P. 3.
Friedman, G., P. 3.
[vii]Friedman, G., P. 4.
[viii]Friedman, G., P. 4.
[ix]Barrie, D., P. 3.
[x]Barrie, D., P. 2.
[xi]Friedman, G., P. 4.