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Vor rund 100 Jahren wurden die Kühe von Hand gemolken. Das Euter war gestuft mit langen Zitzen, was heute unerwünscht ist. Im Laufe der Jahre haben sich die Euter verändert und die Milchmenge hat zugenommen. Früher gab eine gute Kuh rund 14 kg Milch pro Tag, heute ist es bei einem Durchschnittstier rund das Doppelte. Spitzenkühe erreichen pro Tag sogar 40 bis 50 kg, was einer ganzen Milchkanne entspricht. Anfangs der 70er Jahre wurde eine Kuh mit 5500 kg als Hochleistungskuh bezeichnet und eine Milchleistung von 20 kg je Tag bedurfte einer Kraftfuttergabe von drei Kilogramm. Entsprechend sind die heutigen Kühe grösser und schwerer, aber auch effizienter.
Von der Stärkeeinheit zu W-FOS
Der Agridea Futterplan entstand in den 60er Jahren. Mit einem einfachen Berechnungstool konnten Rationen für Milchkühe von Hand berechnet werden. Die ersten Futterplanberechnungen basierten auf Stärkeeinheiten. Erst später, 1977 wurden die ersten Milchviehfütterungspläne mit dem Computer gerechnet. Die UFA-Genossenschaft wirkte beim Entwickeln des damaligen LBL-Plans mit und hat diesen später weiterentwickelt, damit die Berater die Futterpläne selbstständig berechnen konnten. Der Milchviehfütterungsplan war nun deutlich aussagekräftiger und das entsprechende Ergänzungsfutter konnte automatisch berechnet werden. Grundfut-ter-Analysen kamen anfangs der 60er Jahre auf. Die Gehalte konnten manuell in den Fütterungsplan integriert werden. Die Kennzahl NEL löste die Stärkeeinheiten ab. Das APD-System stammt aus Frankreich und wurde in den 80er Jahren auf Schweizer Verhältnisse angepasst und stark gefördert. Diese Änderungen brachten eine kleine Revolution bei der Berechnung der Rationen. Mitte der 90er Jahre kam Bewegung in die Rationsberechnung. Die Futtermittelindustrie wollte den Agridea-Futterplan weiterentwickeln, Agridea war jedoch nicht bereit, in ein neues System zu investieren. Die grösseren Futtermittelfirmen wollten sich weiterentwickelten, was dazu führte, dass in der Schweiz heute mindestens vier verschiedene Kalkulationsprogramme für Futterpläne existieren, die kaum miteinander verglichen werden können.
UFA hat sich für das in den Niederlanden entwickelte System von W-FOS entschieden, das die Vorgänge im Pansen detailliert abbildet, um den Tieren eine optimale Ration anbieten zu können.
Beratung früher und heute
Anfangs der 70er Jahre gab es nur wenige Milchvieh-Berater. Der Milch-vieh-Bereich wurde primär von den regionalen LANDI abgedeckt. Die meisten LANDI hatten ihr eigenes Mischfutterwerk. Der Verkauf war primär Aufgabe der Verbände. Der Anteil an Milchviehfutter bei der UFA war zu dieser Zeit sehr gering. Die UFA gab einzig die Rahmenbedingungen vor (Futternummern und Gehalte). Bei der Zusammensetzung war die LANDI relativ frei. Mit der Gründung der Orador, begann die Spezialisierung im Aussendienst und die Struktur im Verkauf wurde optimiert. Um die Fütterung zu verbessern und die Kunden weiterzubringen, werden die Milchviehspezialisten laufend weitergebildet. Die Spezialisierung der einzelnen Tierkategorien ist heute nicht mehr aus der UFA wegzudenken. Die Professionalisierung nahm laufend zu.
Die UFA entwickelte im Jahre 2000 das Herdenmanagement-Programm UFA Herd Support (UHS). UHS wurde zuerst im Jura und später von sämtlichen Milchviehspezialisten genutzt und geschätzt. Dank laufenden Innovationen wird dieses Management-Tool auf vielen Betrieben sehr geschätzt.
Die Schweiz ist Weltmeister
Die Schweiz ist ein Grasland. Umweltbedingungen und Bodenbeschaffenheit sind für den Graswuchs und den Futterbau ideal. Jedoch muss bedacht werden, dass im Ausland das Raufutter teilweise teurer war als Kraftfutter. In der Schweiz war das Kraftfutter Mitte der 90er Jahre deutlich kostspieliger als das Raufutter, was eine zu starke Ausdehnung der Milchproduktion verhinderte. Auch heute noch ist der grösste Teil des in der Schweizer Milchproduktion eingesetzten Futters Raufutter. Im Vergleich zu anderen westeuropäischen Ländern ist der Kraftfuttereinsatz in der Schweizer Milchproduktion zurückhaltend. In der Schweiz beträgt das Verhältnis Raufutter zu Kraftfutter ungefähr 80 zu 20. In EU-Ländern kann dies genau umgekehrt sein. Der Kraftfuttereinsatz pro Milchkuh in der Schweiz wird auf ca. 640 – 710 kg pro Jahr geschätzt. In den Ländern der EU liegt der Einsatz bei rund 2000 – 2500 kg pro Kuh und Jahr. Umgerechnet auf die Produktion von einem Kilogramm Milch werden in der Schweiz 100 g Kraftfutter, in Frankreich 200 g, in Deutschland/Holland/Dänemark 300 g und in Spanien sogar 400 g eingesetzt. Die Schweizer Milchviehhalter sind also echte Weltmeister bei den Grundfutter-Leistungen. Auswertungen sämtlicher 223 UHS-Betriebe aus dem Jahre 2017 zeigen eine Grundfutterleistung von über 6800 kg Milch.
Mineralstoffe essentiell
Die Zufütterung von Mineralstoffen und deren Wichtigkeit waren schon früh bekannt. Bis 1972 wurden die Mineralstoffe durch die landwirtschaftlichen Genossenschaftsverbände hergestellt. Ein Zitat aus der UFA-Revue von 1/1972 beschreibt die Situation folgendermassen: «Die Intensivhaltung der Nutztiere verleiht den Mineralstoffen eine wachsende Bedeutung». Dabei war UFA 193 eines der ersten Mineralsalze ab Werk Sursee. Es wurde für Hochleistungskühe und für Fruchtbarkeitsprobleme entwickelt und beworben.
Entstehung Startphasenfutter
Die Eiweissversorgung kam Mitte der 70er Jahre auf, zugleich wurde die Methioninversorgung der Kühe thematisiert. UFA 163 war das erste UFA-Milchviehfutter mit pansengeschütztem Methionin. Der Zusatz dieser Aminosäure wird auch heute noch den Startphasenfuttern zugegeben.
Dank der Extrudertechnologie ist UFA 173 entwickelt und beworben worden, das Produkt enthielt extrudierte Sojabohnen. Die VLG Bern arbeitete als erstes mit der Technik. Die Vorteile von UFA 173 lauteten:
- Bessere Fressbarkeit
- Hohe Nährstoffkonzentration (APD und NEL)
- Grobe, wiederkäuergerechte Struktur
- Günstiger Preis pro Nähstoffeinheit
Mitte der 90er Jahre wurde in Lenzburg der erste Expander für die Produktion von Milchviehfutter eingebaut. Die Hauptvorteile des Expanders sind die bessere Fressbarkeit und der Schutz des Proteins, bzw. die Erhöhung des Bypass-Anteils.
Entwicklung Melktechnik
Die ersten elektrischen Melkmaschinen folgten anfangs des 20. Jahrhunderts. Zu Beginn von 1990 wurden Melkroboter entwickelt, welche den gesamten Melkprozess automatisierten. Eine Statistik aus dem Jahre 2010 zeigt die Verbreitung der unterschiedlichen Melksysteme in der Schweiz: 39,4 Prozent Eimermelkanlagen, 31,5 Prozent Rohrmelkanlagen, 26,5 Prozent Melkstände, 2 Prozent Melken von Hand, 0,5 Prozent Melk roboter.
Neuere Zahlen liegen leider nicht vor, aber die Entwicklung ist definitiv nicht stehengeblieben. So sind in der Schweiz heute bereits über 700 Melkroboter im Einsatz.
Fazit
Die Milchviehhaltung hat sich durch die Professionalisierung und den technischen Fortschritt enorm weiterentwickelt. Die Leistung und die Effizienz sind heute auf einem sehr hohen Niveau. Es bleibt spannend, welche Entwicklungen die nächsten 60 Jahre der Milchviehhaltung prägen werden.
Weit mehr als NEL und APD
Bei der Optimierung des Energieangebotes sollte nicht nur die Kennzahl NEL berücksichtigt werden, sondern auch die Verdaulichkeit des Futters und die Pansenfermentation. Für jedes einzelne Rau- und Kraftfutter können die Kennzahlen basierend auf der chemischen Zusammensetzung und Abbauparametern erhoben werden. Indem die Ergänzungsfütterung auf die Pansenfermentation ausgerichtet wird, können Probleme wie Pansenazidose weitgehend verhindert werden. UFA W-FOS hat einen grossen Praxisnutzen wie, ausgeglichene Fermentation, bessere Futterverwertung, stabiler PansenpH und konstantere Persistenz. Bessere Gesundheit und Leistungsfähigkeit sind nicht mehr aus der UFA-Milchviehfütterung wegzudenken.