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Eine therapeutische Herabsetzung der Körpertemperatur auf 33 bis 34°C verbessert die Chancen von Neugeborenen, die einem schweren Sauerstoffmangel unter der Geburt ausgesetzt waren. Dies ist das Ergebnis einer multizentrischen Studie, an der auch das Perinatalzentrum der Ruhr-Universität am St.-Elisabeth-Hospital teilgenommen hat. Betroffene Kinder, die in den ersten drei Tagen gekühlt wurden, hatten bessere Überlebenschancen und zeigten häufiger eine normale Entwicklung als intensivmedizinisch behandelte Kinder, die nicht gekühlt wurden.
Die Forscher berichten in der online-Ausgabe der renommierten Zeitschrift Pediatrics.
Studie in Deutschland, Frankreich, Dänemark und Italien
Die unter Leitung von Prof. Dr. Georg Simbruner (Universität Innsbruck) in Deutschland, Frankreich, Dänemark und Italien durchgeführte Studie (neo.nEURO.network trial) schloss insgesamt 129 Neugeborenen ein, die Zeichen einer schweren Hirnschädigung durch Sauerstoffmangel nach der Geburt hatten. Die Hälfte der Kinder wurde nach aktuellen Standards intensivmedizinisch behandelt, die andere Hälfte wurde zusätzlich in den ersten drei Tagen auf eine Körperkerntemperatur von 33 bis 34° C gekühlt.
Kühlung: Doppelt so viele überleben, doppelt so viele zeigen normale Entwicklung
Mit der Kühlung überlebten nicht nur doppelt so viele Neugeborene, sondern die Überlebenden zeigten im Alter von zwei Jahren doppelt so häufig eine normale oder weitgehend normale Entwicklung. „Damit steht erstmals eine Therapie zur Verfügung, mit der Neugeborenen nach Sauerstoffmangel wirksam geholfen werden kann“, so Dr. Norbert Teig vom Perinatalzentrum der RUB im St. Elisabeth Hospital.
Schäden durch Zellstress vermindern
Der exakte Wirkungsmechanismus der Kühlung ist nach wie vor unklar. Man weiß jedoch, dass nach einer akuten Minderdurchblutung des Gehirns nur ein Teil des Gewebes sofort so schwer geschädigt wird, dass es abstirbt und nicht mehr zu retten ist. Ein wesentlicher Teil des Gewebes wird lediglich in seiner Funktion geschädigt, d.h. die Zellen werden verletzt. Nach wenigen Stunden, wenn wieder ein ausreichender Kreislauf hergestellt ist, produzieren diese Zellen zahlreiche Stress-Substanzen, die erst dann zum Zelluntergang führen. Eine rechtzeitige Kühlung unterdrückt diese Reaktion durch eine allgemeine Herabsetzung des Zellstoffwechsels. So wird die Regeneration der geschädigten Zellen ermöglicht. Versuche, diese Prozesse medikamentös zu beeinflussen, werden seit vielen Jahren versucht, haben sich bislang aber nie als wirksam herausgestellt.
400 bis 600 Kinder jährlich in Deutschland betroffen
Die Neugeborenen-Intensivstation des Bochumer Perinatalzentrums ist Teil der Universitätskinderklinik. Sie hat seit 2003 an der Studie teilgenommen und führt seit vielen Jahren die Kühlung bei betroffenen Neugeborenen durch. Jährlich werden in Deutschland etwa 400 bis 600 Kinder geboren, die einen schweren Sauerstoffmangel erleiden. Bei einem Großteil dieser Kinder kam es bislang zu lebenslangen Hirnschädigungen mit Lähmungen und Verminderung der Intelligenz.
Titelaufnahme
Georg Simbruner, MD, Rashmi A. Mittal, MD, Friederike Rohlmann, BS, Rainer Muche, PhD: Systemic Hypothermia After Neonatal Encephalopathy: Outcomes of neo.nEURO.network RCT. In: Pediatrics, published online September 20, 2010, doi:10.1542/peds.2009-2441
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Meldung von Dr. Josef König, Pressestelle, Ruhr-Universität Bochum, vom 24.09.2010.