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«Jede Zigarette schadet der Gesundheit»
Prävention Rund ein Drittel der Rauchenden in der Schweiz gab im Jahr 2016 an, nur gelegentlich – nicht täglich – zu rauchen. Wie schwerwiegend die Folgen dennoch sein können, erklärt Thomas Beutler, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention.
Herr Beutler, besteht für Gelegenheitsraucher, die nur ab und zu an einer Party eine Zigarette rauchen, bereits ein gesundheitliches Risiko?
Thomas Beutler: Ja, grundsätzlich gilt: Jede Zigarette schadet der Gesundheit.
Der eingeatmete Rauch reduziert in jedem Fall die Sauerstoffsättigung im Blut und zwingt das Herz, stärker zu pumpen, um den Körper mit dem nötigen Sauerstoff zu versorgen.
Was bedeutet das konkret?
Thomas Beutler: Laut einer Studie, welche letztes Jahr im Journal of the American Medical Association publiziert wurde, sind die langjährigen Folgen von «Wenigkonsum» signifikant. Besonders ausgeprägt ist dieser Umstand bei der koronaren Herzkrankheit, einer der häufigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Eine Zigarette pro Tag lässt das Risiko für diese Erkrankung sprunghaft ansteigen, und damit das Risiko für Herzinfarkt und Herz-Kreislauf-Stillstand. Eine einzige Zigarette pro Tag macht beinahe die Hälfte des Risikos einer ganzen Schachtel aus.
Viele Gelegenheitsrauchende gehen davon aus, dass sie alles im Griff haben und jederzeit aufhören können. Was sagt die Forschung – wann besteht eine Abhängigkeit?
Thomas Beutler: Hierzu liegen leider keine Erkenntnisse vor. Es ist nicht auszuschliessen, dass es Gelegenheitsraucher/-innen gibt, die nicht nikotinabhängig sind. Ob eine Person abhängig ist oder nicht, lässt sich mit einem ernst gemeinten Rauchstopp testen.
Fällt es einer Gelegenheitsraucherin oder einem Gelegenheitsraucher leicht, für sechs Monate oder gar ein Jahr gänzlich auf Tabak zu verzichten, kann man davon ausgehen, dass wohl keine Abhängigkeit vorhanden ist. Bereitet ein Rauchstopp Probleme, so muss man davon ausgehen, dass eine Abhängigkeit vorliegt.
Sollte man zur Vorbereitung des Rauchstopps seinen Tabakkonsum kontinuierlich reduzieren oder lieber auf einen «kalten Entzug» setzen?
Thomas Beutler: Eine kontinuierliche Reduktion des Tabakkonsums ist für den Rauchstopp nur sinnvoll, wenn ein Rauchstoppdatum fixiert wurde. Man reduziert und weiss: An diesem Tag höre ich ganz auf mit Rauchen. Eine Reduktion ohne klares Ausstiegsdatum hat sich als wenig Erfolg versprechend herausgestellt.
Der «kalte Entzug» ist eine der am häufigsten angewandten Methoden zum Rauchstopp, auch wenn es bei Weitem nicht die Erfolg versprechendste Methode ist. Grundsätzlich erhöhen sich die Erfolgschancen eines Rauchstopps, wenn man ihn gut plant. Medikamentöse Hilfen und Beratung können wichtige Elemente für einen Erfolg beim Rauchstopp sein.
Eignen sich auch E-Zigaretten, um mit dem Rauchen aufzuhören?
Thomas Beutler: Jein, wir können heute noch keine guten Aussagen zu den Erfolgschancen der E-Zigarette beim Rauchstopp machen. Dazu fehlt uns die wissenschaftliche Basis. Aus unserer Sicht ist die E-Zigarette eine Option, wenn die von uns empfohlenen Rauchstopphilfen nicht zum Erfolg geführt haben.
Wie bewerten Sie E-Zigaretten und andere neue elektronische Produkte zum Inhalieren?
Thomas Beutler: Experten gehen davon aus, dass die E-Zigarette deutlich weniger schädlich ist als die Zigarette. Das Ausmass der Gefährdungsreduktion ist aber unklar, da wir keine Langzeitstudien zu den Risiken von E-Zigaretten haben.
Bei anderen elektronischen Produkten zum Inhalieren, die Tabak erhitzen, wissen wir noch weniger zu den Risiken. Hier werden mit Feuchtigkeitsmittel behandelte Zigaretten durch eine Heizquelle auf zwischen 280 bis 350 Grad Celsius erwärmt und dann konsumiert.
Eine erste unabhängige Studie belegt, dass – zwar in geringeren Mengen, aber dennoch – die gleichen Schadstoffe wie bei konventionellen Zigaretten vorliegen. Was dies für die Gesundheitsrisiken bedeutet, wird Bestandteil zukünftiger Studien sein.
Tipp
Die SmokeFree Buddy App ermöglicht den Rauchstopp mit Unterstützung einer selbst gewählten Person.
Diese Person wird in der Rolle als Buddy von der App angeleitet, wie sie die aufhörwillige Person bei der Rauchstopp-Challenge bestmöglich motivieren kann.
Gleichzeitig kann die Person, die mit dem Rauchen aufgehört hat, jederzeit angeben, wie sie sich fühlt und den Buddy um Hilfe bitten.