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Sprechend-instrumentales Musizieren
An der Hochschule Luzern – Musik wurden unter der Leitung von Heinrich Mätzener die «Airs du Mariage de Figaro» von Amand Vanderhagen neu herausgegeben. Damit einher ging eine vertiefte stilistische Auseinandersetzung mit der Musik des ausgehenden 18. Jahrhunderts.
«In Harmonie» gesetzt erfreuten sich Bearbeitungen bekannter Opern und Sinfonien im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert grosser Beliebtheit, ebenso die Airs du Mariage de Figaro (deuxième livraison) von Amand Vanderhagens. Für eine stilistische Auseinandersetzung mit der Musik dieser Zeit ist eine Opernbearbeitung besonders gut geeignet: Interpreten und Interpretinnen können auf die Opernvorlage zurückgreifen, ihr Spiel nach dem dramaturgischen Geschehen der Handlung auszurichten. Sie finden in der Gesangsvorlage den Schlüssel für ein sprechend-instrumentales Musizieren. Dies entspricht einem zentralen Anliegen, das Leopold Mozart 1756 in seinem Versuch einer gründlichen Violinschule (S. 108 und 109) formulierte: «Und wer weiss denn nicht, dass die Singmusik allezeit das Augenmerk aller Instrumentisten seyn soll?»
Um dieser Forderung bei der aufführungsorientierten Neuausgabe nachzukommen und um eine differenzierte Ausführung des Vokalparts auf dem Instrument zu ermöglichen, wurden die Libretto-Texte in die Partitur und in das Stimmenmaterial von Vanderhagens Figaro-Bearbeitung übertragen. Der Gestus der italienischen Sprache und der emotionale Gehalt der Arien können dadurch unmittelbar im instrumentalen Vortrag reflektiert werden. Die dazu eingesetzten technischen Mittel wie z. B. differenzierte Artikulationen, kleinräumig ausgearbeitete Dynamik, Profilierung rhythmischer Figuren sowie Phrasierung und agogische Gestaltung erschliessen sich aus dem Sprachduktus. Ausserdem wurden mit freundlicher Genehmigung des Bärenreiter-Verlages die originalen Vortragsbezeichnungen (Artikulation, Dynamik, Bindebögen) aus dem Urtext der Neuen Mozartausgabe in Vanderhagens Bearbeitung übertragen und durch Farbe markiert.
Wie Leopold Mozart vermittelte auch Amand Vanderhagen in seinem Unterrichtswerk Méthode nouvelle et raisonnée pour la clarinette (1785) Hinweise zu einer stilistisch adäquaten Umsetzung der Musik des ausgehenden 18. Jahrhundert. Beide Lehrmeister diskutierten detailliert Fragen hinsichtlich Artikulation, Dynamik, Stimmführung, Rhythmus und Phrasierung. Neben dem praktisch eingerichteten Notenmaterial enthält die Neuedition einen Vergleich einzelner Abschnitte beider Unterrichtswerke. Diese Gegenüberstellungen bestätigen, dass die Violinschule Leopold Mozarts bereits zu seinen Lebzeiten als richtungsweisendes Werk für die Musizierkunst betrachtet wurde und dass sie auch in musikpädagogische Werke späterer Epochen eingeflossen ist.
AIRS du Mariage de Figaro, Mise en Harmonie par Amand Vanderhagen, für 2 Flöten, 2 Klarinetten, 2 Hörner und 2 Fagotte, Neuausgabe von Heinrich Mätzener, Institut für Musikpädagogik, Hochschule Luzern – Musik, 2013
Forschungsbericht und Notenausgabe