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Wenn sich ein Schweizer Spitzenpolitiker zum VR-Präsidenten der einst angesehensten Schweizer Grossbank aufstellen lässt, deren Kapital zu 80 % in den Händen ausländischer Aktionäre liegt, geht er ein hohes Imagerisiko ein. Wenn von allen Seiten, ausser der Grossbank selber, verlangt wird, sie müsse ihre Kreditrisiken besser unter Kontrolle bringen, geht er ein doppeltes Image-Risiko ein, denn die Vermutung liegt zu nahe, der CEO des UBS-Konzerns, Oswald J. Grübel, könnte ihn zum VRP gemacht haben, um als Schutzschirm gegen zu viel politischen und gesellschaftlichen Druck auf dem wichtigen Heimmarkt zu dienen.
Kaspar Villiger ist der Prototyp des anständigen Menschen. Er wurde zum Bundesrat gewählt als Innerschweizer KMU-Unternehmer, wagte es doch niemand in der FDP-Führung, nach dem unnötigen Sturz von Elisabeth Kopp, einem Zürcher Freisinnigen erneut eine nationale Führungsposition zu geben. Villiger siegte im Endspurt gegen den Urner Franz Steinegger, der damals in wilder Ehe mit seiner heutigen Frau zusammen lebte, was viele nicht goutierten.
Villiger, als Bundesrat von Daniel Eckmann über weite Strecken gecoacht, zerriss keine Stricke. Der Niedergang der Schweizer Armee begann in seiner Zeit, als sich die Konturen der nationalen Interessen aufzulösen begannen; Dölf Ogi setzte dies fort. Als Finanzminister fehlte Kaspar Villiger jener Durchsetzungswille, wie ihn Otto Stich auszeichnete, der unangenehm, aber wirkungsvoll war. Kaspar Villiger, der verbindliche, alle miteinander verbindende, selten klare Positionen beziehende „man for all seasons“, bot wenig Grund für Angriffe und überlebte die wenigen Tsunamis, die über ihn hinweg rollten, stoischen Gemüts.
Nun steht er im Feuer wegen seines Salärs als VRP des UBS-Konzerns, das nicht so bescheiden ist, wie er es ankündigte, Was ist die Realität? Der ehemalige Bundesrat hat gemäss Kompensationsmodell Anrecht auf CHF 2 Mio. Grundsalär und 200 000 UBS-Aktien, die für vier Jahre geblockt sind. Wer dies addiert, kommt auf ein Jahressalär von CHF 5 Mio. an Gesamtvergütung. Geschehen ist dann folgendes:
– Kaspar Villiger hat im 2010 auf einen Teil seines Grundsalärs und 87 % der ihm zustehenden Aktien verzichtet. Er bezog ein Grundsalär von CHF 850 000.– und 26 940 Aktien. Insgesamt bezog er eine Gesamtvergütung von CHF 1,49 Mio., davon CHF 500 000.– in geblockten Aktien, also nicht ausbezahlt.
– Schon 2009 bezug Villiger ein Grundsalär von CHF 850 000.–, liess sich aber nur CHF 794 008.– auszahlen, da er erst im April 2009 zum VRP gewählt wurde.
Wer als liberaler Schreinermeister oder Sekundarlehrer darob immer noch erschrickt, fasse zusammen: Villiger hat im Jahr 2010 auf 58 % seines Lohnes und 87 % der ihm zustehenden Aktien verzichtet.
98 % der freisinnigen Wähler werden immer noch durchatmen, werden sie mit solchen Zahlen konfrontiert. In Wirklichkeit kommt darin der Widerspruch zwischen den Unternehmen der global orientierten A-Schweiz und denjenigen der national orientierten B-Schweiz zum Ausdruck, der in Kaspar Villigers Einkommen sichtbar wird. Villiger ist es als einem von wenigen gelungen, aus dem KMU Villiger & Söhne in Pfeffikon/LU, hinauf in die grosse weite Welt zu springen, wo andere Winde wehen als in der Enge der Kantone. Er hat die alemannische Gemeinschaft, die der Politiker so gerne repräsentierte und die ihn gross machte, verlassen zugunsten einer Weltgemeinschaft, die von weiten Teilen der Schweizer Öffentlichkeit nicht verstanden wird. Deshalb bleibt auch er bei vielen unverstanden.