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Header Foto © ADAC e.V./Sascha Kreklau
In der deutschen und französischen Schweiz bezeichnen mehr als ein Drittel aller Personen über 15 Jahren Skifahren als die am häufigsten ausgeübte Wintersportart. In der italienischen Schweiz ist es jede vierte Person. Ski wird durchschnittlich an 8 Tagen im Jahr gefahren. 5,8 % der Schweizer Wohnbevölkerung nannte Schlitteln und Bobfahren als eine weitere Wintersportaktivität, welche an durchschnittlich 2 Tagen pro Saison ausgeübt wird.
Zwischen 2000 und 2019 starben beim Skifahren auf Schweizer Pisten 118 Personen. Im selben Zeitraum starben 12 Personen beim Schlitteln. Bei den Schlittel-Todesfällen waren zu einem Viertel Kinder unter 16 Jahren betroffen (3 Kinder). Beim Skifahren auf der Piste waren 16 von 118 Todesfällen Kinder unter 16 Jahren. Bei beiden Aktivitäten gehörten die meisten der verstorbenen Personen der Altersklasse zwischen 17 und 64 Jahren an. (Quelle: BFU)
Jede Saison müssen sich in der Schweiz durchschnittlich 6'500 Schlittlerinnen und Schlittler nach einem Unfall ärztlich behandeln lassen. Es kommt zu Selbstunfällen und zu Kollisionen, etwa mit anderen Personen, mit Bäumen, Absperrungen, Pfosten oder Autos.
Jede sechste Verletzung betrifft den Kopf (ca. 1'100 Fälle). Dies unter anderem, weil nicht einmal die Hälfte der Erwachsenen mit Helm schlittelt (nur 43 %, im Vergleich zu 92 % beim Skifahren). Wer einen Schneesporthelm besitzt, sollte diesen vor jeder Schlittenfahrt aufsetzen. Skihelme werden vielerorts vermietet; als Alternative kann auch ein Velohelm, kombiniert mit einer dünnen Unterziehmütze (gegen die Kälte) vor Schädel- und Hirnverletzungen schützen.
Beide Helmarten werden für Aufprallgeschwindigkeiten ausgelegt, die auch beim Schlitteln relevant sind. Bei der Benützung des Helms ist auf einen korrekten Sitz des Helms zu achten.
Hohe, feste Schuhe mit gutem Profil tragen ebenfalls zum sicheren Schlitteln bei. Um das Tempo auch in schnellen und eisigen Passagen im Griff zu behalten, empfiehlt die BFU, Bremshilfen zu benützen, die man an den Schuhen befestigen kann. Bremshilfen gibt es im Fachhandel. In einigen Schlittelregionen können sie gemietet werden. Zudem ist es sinnvoll, das Lenken und Bremsen ein paarmal zu üben, bevor man richtig losfährt.Der Rodel schlägt den Davoser
Ein Teil der Schlittelunfälle ist auf die Wahl des Gefährts zurückzuführen: Klassische Schlitten wie der «Davoser» oder der «Grindelwalder» sind nicht als Sportgeräte gedacht, sondern für den Lastentransport. Wer stattdessen einen Rodel benützt, kann bergab einfacher und präziser lenken.
Ein Helm schützt vor Folgen eines Aufpralls und wärmt den Kopf. Um Rückenverletzungen vorzubeugen, empfiehlt es sich, einen Rückenprotektor zu tragen.Gute Handschuhe und Skibrille
Wie beim Snowboarden sind die Hände beim Schlitteln viel im Schnee. Daher lohnt sich eine robuste Qualität. Die Skibrille schützt die Augen vor stiebendem Schnee und Eis beim Bremsen.Offizielle Schlittelwege benutzen
Wichtig sind auch sichere Schlittelanlagen. Richtlinien zur Planung, Bau und Betrieb finden sich bei der Schweizerische Kommission für Unfallverhütung auf Schneesportabfahrten (SKUS-RABU).Schlitteln mit Kindern: was ist zu beachten
Auf Basis der Erkenntnisse aus der Unfalldatenauswertung wurden zwei Crashtests in einer Skihalle durchgeführt. Hierbei wurde ein Schlitten mit Fahrer auf ca. 25 km/h beschleunigt und kollidierte frontal mit einer Holzbarriere, welche im 120°-Winkel zur Fahrtrichtung des Schlittens im Boden verankert war. Der Unterschied zwischen den Crashtests lag darin, dass der Schlittenfahrer im zweiten Versuch einen Helm trug und somit die Schutzwirkung eines Skihelms beim Schlittenfahren untersucht werden konnte.
Der Vergleich der beiden Crashversuche zeigte, dass beim Versuch mit Helm der Kennwert für die Kopfbelastung HIC um ein Vielfaches (-73 %) reduziert werden konnte. Im Zusammenhang mit diesem Kennwert konnten auch die Wahrscheinlichkeiten einer Verletzung verringert werden. Während die Wahrscheinlichkeit einer AIS3-Verletzung (z.B. geschlossene Schädelbasisfraktur) im Versuch mit Helm bei 10 % liegt, steigt sie auf 90 % beim Versuch ohne Helm an. Ausserdem ergibt sich beim Crashversuch ohne Helm eine 3 % Wahrscheinlichkeit eine tödliche Kopfverletzung zu erleiden.
Die Obduktion der Dummies ergab, dass nicht nur am Kopf, sondern auch im Bereich der Halswirbelsäule, der oberen und unteren Extremitäten teilweise schwere Verletzungen auftreten können. Aufgrund der spezifische Sitzposition auf dem Schlitten trifft der Kopf mitunter als erstes auf die Barriere, wodurch die Halswirbelsäule sehr stark gestaucht wird, was zu knöchernen Verletzungen der Halswirbel führen kann.
Demzufolge wird empfohlen, die Gefahr des Schlittenfahrens nicht zu unterschätzen, vorausschauend und mit Rücksicht auf andere dem Wintersportvergnügen nachzugehen und einen Helm zu tragen.
Besonders Kinder sollten auch auf dem lokalen Schlittenberg ihren Kopf mit einem Helm schützen.