Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03654.jsonl.gz/808

Skeptisch sein
-
Prof. Dr. phil. Helmut Holzhey
Unser Nachdenken über den Zweifel soll in diesem dreiteiligen Seminar folgenden Gang nehmen:
1) Methodischer Zweifel. Ausser dem Staunen wird auch der Zweifel als Anfang der Philosophie in Anspruch genommen. Das geschieht vielfach in Berufung auf R. Descartes. Allerdins wird immer wieder bestritten, dass Descartes' Infragestellen jeder Gewissheit einem genuinen Zweifel entspringt, zumal dessen methodischer Zweifel die angeblich unerschütterliche Gewissheit eines "ich existiere" zum Ergebnis hat. Doch ein im Zuge dieser Kritik konsequent geübter universaler Zweifel erweist sich als letztlich nicht durchführbar. Wie den Gefahren zu begegnen ist, die er für Vernunft und Leben birgt,hat David Hume in der Mitte des 18. Jahrhunderts in Gestalt des von ihm vertretenen "gemässigten" Skeptizismus gezeigt.
2) Selbstzweifel. Der radikale Zweifel an der Gewissheit einer "Aussenwelt" kann bis zum Selbst vordringen und so jedwede Selbstgewissheit in Frage stellen. Das geschieht einerseits auf erkenntnistheoretischer, andererseits auf existentieller Ebene. Der Skeptiker verwickelt sich dabei in einen Widerspruch, ist er es doch, der sich auszulöschen sucht.
3) Verzweiflung. Selbstzweifel kann in Verzwiflung münden. Hat Verzwiflung aber überhaupt einen Ort in der Philosophie? Kierkegaard gewinnt der Verzweiflung (als "Zweifel der Persönlichkeit") phiosophische Relevanz ab, indem er das verzweifelte Nichtselbstseinwollen und seine Negation zum Leitfaden für den Weg zum Selbst wählt. Adorno treibt diese Verallgemeinerung persönlicher Verzweiflung bis zur gesellschaftspolitischen "Verzweiflung an der Welt" weiter, in deren Niemandsland er Erfahrungsspuren einer Wahrheit bergenden Hoffnung aufscheinen sieht.
Wir lesen und besprechen Texte von René Descartes, David Hume, Sören Kierkegaard und Theodor W. Adorno.
Anmeldung: <email-pii>
Kosten: (inkl. Pausenverpflegung) Mitglieder GAD und entresol Fr. 100.-, Nichtmitglieder Fr. 140.-
Ort: Restaurant Weisser Wind, Weggenstube, Oberdorfstrasse 20, 8001 Zürich