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Im 16. Jahrhundert konnte der Zürcher Rat seine Position am oberen linken Zürichseeufer auf Kosten des Johanniterordens stärken. Zürich erwarb die Komturei Wädenswil und gliederte sie als Landvogtei dem Stadtstaat an. Da Schwyz und Glarus befürchteten, Wädenswil könnte als Ausgangspunkt für kriegerische Aktionen dienen, musste die Burg geschleift werden. Als Ersatz entstand das dorfnahe Schloss. Während 250 Jahren regierten von hier aus nun die Landvögte. Bei den jeweiligen Anwärtern aus der gehobenen Zürcher Klasse war die Vogtei Wädenswil sehr beliebt.
Sie galt als Karrieresprungbrett, versprach Reichtum und verlieh Prestige. Zudem war sie von Zürich aus bequem mit dem Schiff zu erreichen. Und nicht zuletzt galten die « Wedenschwyler» als lustiges Völkchen.
Nach der Helvetischen Revolution 1798 und dem Ende der Landvogtei wurde das Schloss zum Nationalgut erklärt und an die Gemeinde Wädenswil verpachtet. Während zweier Jahre wurde ein Knabeninstitut darin untergebracht, das Projekt scheiterte aber. Ein einschneidendes Ereignis in der Schlossgeschichte war das Jahr 1804, als Wädenswiler Hitzköpfe Feuer im Hauptgebäude legten und der stattliche Bau vollständig niederbrannte. Das Ereignis hatte Signalwirkung für den Bockenkrieg, einen Aufstand von Landleuten gegen die konservative Zürcher Regierung. 1816 begann der bedeutende Zürcher Architekt Hans Conrad Stadler mit dem Bau des heutigen, klassizistischen Schlosses.
Nach mehreren Jahrzehnten in Privatbesitz entstand 1890 im Schloss die «Deutsch -schweizerische Versuchsstation für Obst-, Wein- und Gartenbau». Ihr erster Direktor wurde mit Hermann Müller-Thurgau eine spätere Berühmtheit. Er gilt als bedeutendster Pionier der angewandten Botanik. Ihm gelangen die ersten wissenschaftlich exakten Rebkreuzungen, unter anderem die Züchtung der Riesling und Sylvaner-Rebe, die dem daraus gekelterten Weisswein den Namen gab. In den 90ern zeigten genetische Analysen, dass Müller-Thurgau dabei ein Irrtum unterlaufen war. Statt mit der Sylvaner- hatte er nämlich Riesling- mit Gutedelrebe gekreuzt.
In den folgenden 150 Jahren bis heute entwickelte sich die Forschungsstation, 1968 in « Eidgenössische, Forschungsanstalt» umbenannt und heutige «Forschungsanstalt Wädenswil» zu einer Institution von Weltruf.
Bibliographie