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Matchball. Sogar zwei. Vier Aufschläge für ein Ass. Es ist angerichtet. Ein sporthistorischer Moment. Alle machen sich bereit für die Standing Ovation. Praktisch gewonnen. Der 21.!
Ruhe, bitte! Noch fehlt ein Punkt zum grossen Sieg. Der Letzte soll der Schwierigste sein. Wie schwierig? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit für einen Sieg?
90%! Denn die Top-Tennisspieler bringen gemäss einer Statistik von 2011 zwei Drittel ihrer ersten Aufschläge ins Feld und gewinnen damit 75% der Punkte. In einem Drittel der Fälle müssen sie also über den zweiten Aufschlag. Damit gewinnen sie noch 56% der Punkte. Dies ergibt 69% Wahrscheinlichkeit zum Sieg bei einem Matchball und 90% bei zwei Matchbällen.
Wirklich? 90%? Aber hier spielt doch nicht irgendwer! Es spielt Roger Federer gegen Novak Djokovic. Der Grösste aller Zeiten gegen den grössten Return-Spieler aller Zeiten. Welche Gesetze gelten für diese Konstellation?
Federer verlor in Wimbledon bereits die anderen beiden Matches gegen Djokovic: die Finals von 2014 und 2015. Überhaupt gewann er gegen Djokovic nur das erste von insgesamt 10 Grand Slam Matches.
Federer hatte zuvor in seiner Karriere 21 Matches nach Matchbällen verloren. Am häufigsten – gegen Djokovic.
US Open 2010: Federer verliert das Halbfinale nach zwei Matchbällen gegen Djokovic.
US Open 2011: Federer verliert das Halbfinale nach zwei Matchbällen gegen Djokovic.
Und in der jüngsten Vergangenheit? Federer gewann zwei der letzten zehn Duelle.
Aber jetzt zählte nur dieses Match, dieser Tag, der 14. Juli 2019: Federer schlug in diesem Match bisher doppelt so viele Winner, doppelt so viele Asse, gewann doppelt so viele Breakpunkte und auch insgesamt mehr Punkte. Er gewann sogar mehr Punkte in den zwei Sätzen die er verlor. Er spielte ein fantastisches Match.
Doch Federer war älter als Djokovic. War er auch müder? Nachdenklicher? Nervöser? Spielte der Wind eine Rolle? Der Sonnenstand? Der Zustand der Bälle? Der Ausgang der vergangenen Duelle? Der Blick von Djokovic? Was stand ihm noch im Weg?
Ein Zuschauer niest.
Konzentration. «Chum jetze!» Noch ein Punkt für die Ewigkeit.
Also, wie gross ist nun die Wahrscheinlichkeit für einen Sieg beim Stand von 40:15 im fünften Satz in einem Wimbledon Finale Federer gegen Djokovic? 90 zu 10? 10 zu 90? 50 zu 50? Zögern Sie noch?
Brauchen Sie noch mehr Daten, zum Beispiel die Anzahl unerzwungener Fehler in den drei nervenaufreibenden Tie Breaks? Elf von Federer, einer von Djokovic.
Oder wünschten Sie sich ein ausgeklügeltes Modell, das die Wahrscheinlichkeit berechnet?
Ein einfaches Spiel mit zwei Protagonisten und klaren Regeln. Statistiken zu jedem Detail. Und doch ist es so schwierig. Wie sieht es dann erst auf den Finanzmärkten aus, mit Millionen von Protagonisten und sich laufend ändernden, diffusen Regeln? Dies diskutieren wir im nächsten Blog.
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