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Adventskalender 5 von Fari Golshani: Der Grimm – Das Deutsche Wörterbuch
Mit seinen stolzen 33 Bänden, wenn man das Quellenverzeichnis, welches den gesamten 33. Band einnimmt, dazuzählt, ist es das umfassendste Wörterbuch der deutschen Sprache. Es wird auch „der Grimm“ genannt, nicht etwa, weil die berühmten Märchensammler wie Sprachwissenschaftler Jacob und Wilhelm Grimm es verfasst hätten, sondern, da sie als Ideenträger dieses gewaltigen Werkes, damit begannen, es in die Wirklichkeit umzusetzen. Sie beendeten die Buchstaben A-E bevor sie starben, allerdings mit der Hilfe von über 80 Mitarbeitenden. Fertiggestellt wurde die Reihe erst 1961 durch das Schaffen zahlreicher, weiterer Sprachwissenschaftler, rund 123 Jahre nachdem die Brüder mit ihr begonnen hatten. Simultan zu ihrer Vollendung startete auch deren Neubearbeitung.
Nun, was liest sich in einem solch monumentalen Nachschlagewerk? Vorerst ist es etymologisch ausgerichtet, das heisst, es gibt Auskunft über die Herkunft und Entstehung eines Wortes. Wo und wann ist ein Wort zuerst aufgetaucht? Handelt es sich um ein Lehnwort oder ein Wort indogermanischen Ursprungs?
Die Frage, wozu dieses Wissens dient, ist durchaus berechtigt. Meiner Ansicht nach, liegt die Bereicherung darin, mit Hilfe der Geschichte der Wörter die Geschichte der Menschheit und Kultur zu erforschen. Zum Beispiel darf man vermuten, wenn in einer bestimmten Zeitspanne mehrere Lehnwörter eines gewissen Tätigkeitsbereiches in eine andere Sprache übernommen wurden, die Kultur der „wortschenkenden Sprachträger“ eben in jenem Gebiet damals weiter entwickelt war, und durch Kontakt zu den “wortaufnehmenden Sprachträgern“, diesen vermittelt wurde.
Der Grimm hat aber noch mehr zu bieten. Ebenfalls gibt er den aktuellen und ehemaligen Gebrauch der Wörter an, falls sich dieser im Laufe der Zeit geändert haben sollte. Gestützt durch zahlreiche Literaturzitate von bekannten oder weniger bekannten Schriftstellern, die ein jeweiliges Wort verwendet haben, wird einem dessen Geschichte bestens vor Augen geführt.
Vielleicht möchten Sie nun wissen, wie man ein solches Nachschlagewerk handhaben kann. Wortwörtlich von A-Z durchlesen dauerte wohl ziemlich lange, und ob es einen positiven Effekt auslöste, bleibt fraglich. Ich gebe gerne ein Beispiel, wie und wann ich es benutze. Im Prinzip muss das Wort mich finden und nicht ich das Wort. Ich sitze im Zug, vor mir der „Blick am Abend“. Es dauert ein paar Minuten, bis ich widerwillig nach ihm greife. Eine Statistik über das durchschnittliche Fernseh-Konsumverhalten der Schweizerinnen und Schweizer. Eine Angabe, ob die berechnete Stundenzahl sich auf den Tag, die Woche, oder gar den Monat bezieht, fehlt. Ich lege ihn zurück und denke: „Diese Zeitung ist doch bescheuert“. Eine Denkpause. Bescheuert hallt nach in meinem Kopf, und ich bemerke, dass es „scheuern“ beinhaltet. So offensichtlich und trotzdem habe ich es bisher nie bemerkt. Ist ein Bescheuerter einer der gescheuert wurde oder zu viel gescheuert hat, als er seinen Verstand verlor. Kaum zu Hause, schlage ich das Wort im Grimm nach. Nichts. Vielleicht ist das Wort zu neu, wenn ich bedenke, dass es in einem der ältesten Bände stehen müsste. Allerdings ist mein Interesse längst geweckt, was es mit dem „scheuern“ selbst auf sich hat, und ich werde mit einer ganzen Spalte Kleingedrucktem beglückt. Die Antwort auf die zuerst entstandene Frage finde ich kurz und prägnant auf www.duden.de.
Wem es genügt, die Rechtschreibung und knappe Bedeutung eines Wortes zu kennen, wird in diesem Sinne auch nicht mehr als einen Duden benötigen.
Bibliographie:
Gebunde Ausgabe
Deutsches Wörterbuch
Jacob und Wilhelm Grimm
Hirzel Verlag, 1961
ISBN: 9783740100001
Oder:
Taschenbuchausgabe
Deutsches Wörterbuch
Jacob und Wilhelm Grimm
Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv), 1984
ISBN: 3423059451
Oder:
Taschenbuchausgabe
Deutsches Wörterbuch
Jacob und Wilhelm Grimm
Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv), 1999
ISBN: 9783423590457