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Ver-18 trauen auf die Entwicklungsfähigkeit des Volks und des Staates energisch zu entschiedenen Reformen drängten. Der Führer der Bojaren, Lascar Catargiu, bildete das erste Kabinett des Fürsten Karl. Es folgten bald mehrere liberaler Färbung. In diese Zeit fallen das von Joan Bratianu angeregte weittragende Gesetz über die Erbauung einer Eisenbahn, welche die Mitte des Landes durchziehen sollte und deren Ausführung Strousberg und Oppenheim übertragen wurde, und die durchgreifenden Reformen in Verwaltung und Finanzen.
Viel Aufsehen erregten die ebenfalls 1868 in der Moldau stattfindenden Krawalle gegen die Juden sowie das Eindringen bulgar. Freischärler in türk. Gebiet. Man schob ohne haltbare Gründe für beides Bratianu die Schuld zu, und dieser nahm im November seine Entlassung. Drei aufeinander folgende konservative Ministerien konnten die erwünschte Ruhe im Staatswesen nicht herbeiführen, und während Joan Ghika bis die Staatsgeschäfte leitete, fanden zwei wichtige Begebenheiten statt, die beinahe den Zusammenbruch des neuen rumän. Staates nach sich gezogen hätten: Strousbergs Bankrotterklärung, die die Vollendung der Eisenbahn in Frage stellte, und 22. März die Störung des deutschen Friedensfestes in Bukarest, [* 2] die sich als eine direkte Kundgebung gegen den Fürsten kennzeichnete.
Der Abdankung des Fürsten wurde glücklich vorgebeugt, und die Regierung ging auf den hochkonservativen Lascar Catargiu über, der bis zum im Amte blieb. Durch ein Übereinkommen mit Bleichröder und der Diskontobank (1872) wurde der Ausbau der Eisenbahnen gesichert. 1875 wurden die ersten Handelsverträge auf freihändlerischer Grundlage abgeschlossen. Das Kabinett zeigte sich jedoch den Zeitforderungen nicht gewachsen; man stand am Vorabend des Orientalischen Krieges ohne ein zielbewußtes polit. Programm, vor einer ungedeckten Staatsschuld von 97 ½ Mill. Lëi, und so gingen die Zügel der Regierung wieder in die Hände der Nationalliberalen über unter der Führung Joan Bratianus, der 12 Jahre lang (bis die rumän. Angelegenheiten leitete. An dem Russisch-Türkischen Krieg von 1877 und 1878 (s. d.) sollte die Lebensfähigkeit des rumän. Staates erprobt werden.
Bis dahin hatte beim Ausbruch eines Türkenkrieges Rußland regelmäßig Rumänien [* 3] in Besitz genommen und es durch russ. Generale verwalten lassen. Nun mußte es sich überzeugen, daß Rumänien nicht ohne weiteres mehr ein Durchzugsland für seine Heere war. Diese Erklärung gab Bratianu in Livadia ab, als er im Herbst 1876 den Kaiser Alexander II. auf Befehl des Fürsten Karl begrüßte, und Rußland mußte sich herbeilassen, mit Rumänien einen Vertrag abzuschließen, worin allerdings der verlangte Durchzug gewährt wurde, der aber zugleich die feierliche Zusage der Achtung aller rumän. Staatseinrichtungen und die Garantie des vollen Territorialbestandes enthielt.
Noch bevor der russ. Aufmarsch an der Donau sich vollzogen hatte, proklamierte Rumänien seine Unabhängigkeit und stellte die Zahlung des Tributs an die Pforte ein Nachdem die Russen die Donau überschritten hatten und vor Plevna (s. d.) in eine gefahrvolle Lage geraten waren, sah sich der Oberbefehlshaber Großfürst Nikolaus gezwungen, sich an den Fürsten Karl um Hilfe zu wenden, der 20. Aug. mit seiner Armee über die Donau ging und den Oberbefehl über die gesamten russ.-rumän. Truppen vor Plevna übernahm, mit denen die von Osman Pascha heldenmütig verteidigte Festung [* 4] 10. Dez. erobert wurde. Nach diesem Siege zogen die Russen über den Balkan, die Rumänen längs der Donau gegen die Festungen Rahova und Vidin. Nach deren Übergabe durch die Türken und kehrte Fürst Karl mit seiner Armee nach Rumänien zurück. Am schlossen Russen und Türken vor den Thoren Konstantinopels den Vertrag von San Stefano (s. d.) ab, worin, trotz des russ.-rumän. Abkommens vom die Rückgabe der südbessarab.
Distrikte an Rußland festgesetzt wurde. Obgleich Rumänien feierlichen Protest gegen diesen Vertragsbruch einlegte, fügte es sich endlich doch den Beschlüssen des Berliner [* 5] Kongresses (s. d.) und nahm Nov. 1878 anstatt der bessarab. Distrikte von der Dobrudscha Besitz. Die von den Kongreßmächten verlangte Emancipation der Juden und Gleichberechtigung aller Glaubensbekenntnisse machte eine Verfassungsrevision notwendig, die Okt. 1879 alle auf die Religion begründete Unterschiede in der staatsbürgerlichen Stellung aufhob, dagegen den Erwerb des ländlichen Grundbesitzes von dem Besitze des rumän. Staatsbürgerrechts abhängig machte. Rußland und Österreich-Ungarn [* 6] erkannten die Unabhängigkeit R.s 1878 an, Italien [* 7] 1879, die übrigen Mächte 1880.
Nach Beendigung des Krieges ging man an den Ausbau des Staatswesens. Die alten, von den Bojaren beherrschten engen Wahlkollegien machten eine Verfassungsrevision zu ihrer Erweiterung im liberalen Sinne nötig (1884). Es wurden tiefgreifende Gesetze erlassen für Decentralisation der Verwaltung, Besserung des Gerichtswesens, Verbreitung des öffentlichen Unterrichts, Ausbau der Eisenbahnen, Errichtung von Kreditanstalten, vor allem aber für Regelung der Finanzen.
Das Tabaksmonopol, das sich in den Händen engl. Pächter befand, und die Eisenbahnen wurden verstaatlicht, die Kopfsteuer zu zwei Dritteln nachgelassen, die technische Verbesserung der Salzbergwerke durchgeführt und das Gleichgewicht [* 8] im Staatshaushalt trotz der steigenden Staatsbedürfnisse hergestellt. Man schritt zu dem Ausbau der Donauhäfen, zur Errichtung von Staatssilos in Galatz und Braila zur Aufbewahrung des Getreides und von Viehmärkten in Turn-Severin und Küstendže.
Mit Ablauf [* 9] der alten Handelsverträge wurde 1886 ein Schutzzolltarif erlassen und die neue Handelspolitik auf die beschränkte Meistbegünstigungsklausel gegründet. Der erste derartig abgeschlossene Vertrag war der mit der Schweiz [* 10] (1886): diesem folgten (1887) die Verträge mit Deutschland [* 11] und der Türkei. [* 12] Diese veränderte volkswirtschaftliche Politik führte zu einem Zollkriege mit Österreich-Ungarn, der erst 1891 mit dem Erlasse eines mildern, die österr.-ungar. Interessen mehr berücksichtigenden Zolltarifs endigte.
Ganz besonders richtete sich das Augenmerk auf die Armee: die Ausgaben für den jährlichen Unterhalt wurden verdoppelt, mehrere hundert Millionen für den Bau von Kasernen, Militärschulen, Arsenalen, Festungen sowie für Bewaffnung und Munition verwendet. Dies konnte nicht ohne Einfluß auf die polit. Stellung R.s im europ. Staatengebilde bleiben. Am erhob ein Parlamentsbeschluß Rumänien zum Königreich, Fürst Karl wurde zum König gekrönt und 1885 die rumän. orthodoxe Kirche durch feierlichen Akt für ¶
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19 unabhängig erklärt. Das Königtum wurde befestigt durch Stiftung von Krondomänen (1884) und durch die Regelung der Thronfolge, indem der zweite Sohn des Fürsten Leopold von Hohenzollern, [* 14] Prinz Ferdinand, 1886 zum präsumtiven Thronfolger ernannt wurde, weil die mit der Prinzessin Elisabeth zu Wied geschlossene Ehe des Königs kinderlos war. Seinen entschiedenen Willen, sich gegen jeden Angriff zu sichern, zeigte Rumänien, indem es 1886 mit den nach Brialmonts Plänen entworfenen Befestigungsbauten von Bukarest anfing, denen 1887 die Befestigungslinie Focşani-Galatz folgte. So erwarb es sich eine geachtete Stellung, und da Rumänien ein ebenso großes Friedensbedürfnis fühlte wie das übrige Europa, [* 15] so war es natürlich, daß seine Beziehungen zum Dreibunde und hauptsächlich zu Deutschland sich zu den freundschaftlichsten gestalteten.
Die mehrmaligen Besuche König Karls in Berlin [* 16] und Wien [* 17] und das jährliche Erscheinen Bratianus oder seines Mitarbeiters Demeter [* 18] Sturdza beim Fürsten Bismarck und Grafen Kalnoky waren thatsächliche Beweise der Stabilität eines Verhältnisses, das für den Orient Europas von allgemeiner Wichtigkeit war. Im Wirrsal der orient. Verwicklungen wurde das junge Königreich ein fester Ruhepunkt, und Febr. 1886 tagten die zum Frieden vom 3. März führenden Konferenzen zwischen Serbien, Bulgarien und der Türkei in Bukarest.
Die Bojarenpartei aber, unterstützt von Paris [* 19] und Petersburg, [* 20] fing schon 1886 sich zu regen an, nahm 1887 eine schärfere Tonart an, bis sie März 1888 so weit ging, Straßenkrawalle in Bukarest und Bauernaufstände um die Hauptstadt zu veranlassen. Joan Bratianu gab nun seine Entlassung, obgleich ihn eine Kammer- und Senatsmajorität von über zwei Dritteln unterstützte, und die Junimisten (s. Junimea) unter Führung Rosettis ergriffen nun das Staatsruder.
Ihre erste That war, Joan Bratianu und seine Mitarbeiter in den Anklagezustand zu versetzen; doch nahmen sie später Abstand davon. Vom bis zum wechselten sieben Ministerien, der Junimisten- oder der Bojarenpartei angehörend, und unter verschiedenartigen Benennungen sich bekämpfend und vereinigend. Seit führt Lascar Catargiu die Präsidentschaft, der durch die Aufnahme einiger junimistischer Mitglieder in sein Kabinett, darunter der Ackerbauminister Carp (s. d.), sich deren Reformideen geneigt zeigte.
Nach auswärts gab die Regierung die Erklärung, daß eine Politik der Neutralität und der freien Hand [* 21] verfolge. Nach innen ging ihre Thätigkeit vielfach auf Eindämmung der freiheitlichen Strömung im Lande, centralisierte Verwaltung und Wahlbeeinflussung. Diesen Charakter tragen die während dieser Zeit erlassenen Gesetze für Kirchen- und Schulwesen, Justiz und Verwaltung, Regelung der Arbeiterverhältnisse auf dem Lande, Organisation der Armee. 1889 wurde die Goldwährung eingeführt und eine Erweiterung der frühern Befugnis der Regierung für den Verkauf von Staatsdomänen an Bauern erlassen; 1891 erfuhr die frühere Schutzzollpolitik eine Linderung durch einen neuen Zolltarif, dem 1890 ein stark zum Freihandel hinneigender Handelsvertrag mit Serbien vorangegangen war; es folgten Verträge mit Frankreich, Schweiz, Italien, England 1893, mit Deutschland, Österreich-Ungarn, Belgien [* 22] 1894. Am erfolgte die Eröffnung des Donaukanals, der eine sichere Einfahrt in den St. Georgsarm ermöglicht.
Wie tief die Liebe zur Hohenzollerndynastie schon im Lande Wurzel [* 23] geschlagen hatte, zeigte sich als König Karl sein 25jähriges Regierungsjubiläum beging. Zur Befestigung der Dynastie trug noch die Vermählung des Kronprinzen Ferdinand mit der Prinzessin Marie von Sachsen-Coburg-Gotha und die Geburt des ersten rumän. Prinzen bei. Dazwischen (1891) fällt eine Hofintrigue, die den Kronprinzen regierungsunfähig zu machen bezweckte durch eine unebenbürtige Heirat mit dem Hoffräulein Helene Bacarescu. Trotz großer Schwierigkeiten hat sich eine feste Stellung im Osten Europas erobert.
Vgl. Mitileneu, Colectiune de tractate (Bukarest 1874);
Hurmuzaki, Dokumente (22 Bde., ebd. 1878–94);
ders., Fragmente (5 Bde., ebd. 1878–86);
Analele Parlamentare (7 Bde., ebd. 1888–94);
Sturdza-Petrescu, Dokumente (7 Bde., ebd. 1888–93);
Henke, Rumänien Land und Volk (Lpz. 1877);
Beaure und Mathorel, La Roumanie (Par. 1878);
Bergner, Rumänien (Bresl. 1887);
Samuelson, Roumania (Lond. 1882);
Zingeler, Die Hohenzollern in Rumänien (Bonn [* 24] 1890);
La succession au trône de Roumanie (Bukarest 1889);
Bacarescu, R.s Anteil am Kriege 1877/78 (Lpz. 1888);
Aus dem Leben König Karls von Rumänien (Bd. 1, Stuttg. 1894).