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Der Amerikaner Mickey Pearson hat sich seit seiner Studienzeit in Oxford ein Marihuana-Imperium in Grossbritannien aufgebaut. Nun will er aus dem Geschäft aussteigen.
Ein potenzieller Käufer für sein Unternehmen findet er im milliardenschweren Landsmann Matthew Berger. Ein Deal scheint beschlossene Sache zu sein, als sich die Ereignisse überschlagen.
Eine von Pearsons geheimen Indoor-Plantagen wird überfallen, ein schmieriger Privatdetektiv taucht auf und auf einmal mischt auch die chinesische Mafia mit.
Das alphamännischste Zitat
«Es gibt nur eine Regel im Dschungel: Wenn der Löwe hungrig ist, frisst er!» Solche Weisheiten gibt Mickey Pearson pistolenwedelnd gegenüber seinen Widersachern zum Besten.
Der Regisseur
Der Engländer Guy Ritchie machte sich zur Jahrtausendwende mit seinen Gangsterkomödien «Lock, Stock & Two Smoking Barrels» und «Snatch» einen Namen als Drehbuchautor und Regisseur.
Seither folgten Filme, die sich grob in drei Kategorien unterteilen lassen: Mal mehr mal weniger erfolgreiche Big-Budget-Blockbuster («Sherlock Holmes», «King Arthur: Legend Of The Sword», «Aladdin»), von Publikum und Kritik verachtete Arthouse-Versuche («Swept Away», «Revolver») und Filme, mit denen sich Ritchie zurück zu seinen Wurzeln begibt («RocknRolla»).
In die letzte Kategorie lässt sich auch «The Gentlemen» einordnen.
Fakten, die man wissen sollte
Hugh Grant spielt den zwielichtigen Privatdetektiv Fletcher. Der wird vom Herausgeber einer fiktiven Boulevardzeitung angeheuert, um Informationen zu beschaffen, die Mickey Pearson belasten könnten.
Die Besetzung war in Grossbritannien nicht nur ein Thema, weil es sich bei Fletcher um eine für Grant eher untypische Rolle handelt. Der 59-Jährige ist Vorstandsmitglied der Non-Profit-Organisation «Hacked Off». Diese setzt sich seit 2011 für Reformen im Bereich der Presseregulierung seitens des britischen Staates ein und unterstützt Opfer unfairer Berichterstattung.
Das Urteil
Es gibt durchaus Dinge, die man an «The Gentlemen» mögen kann. Colin Farrell stellt in einer Nebenrolle als irischer Boxtrainer und Mentor für Jugendliche einmal mehr sein komödiantisches Talent unter Beweis.
Hugh Grant zur Abwechslung als schmierigen, skrupellosen Betrüger zu sehen, bereitet ebenfalls Spass, während Michelle Dockery, die Pearsons Frau Rosalind spielt, aus einer undankbaren Rolle herausholt, was geht.
Ist man mit Ritchies Frühwerk vertraut, wird man leider den Eindruck nicht ganz los, dass der Regisseur sich nicht nur nach seinem Prestige vergangener Zeiten zurücksehnt, sondern auch nach den vergangenen Zeiten selbst.
Plumpe Sprüche auf Kosten von Minderheiten kommen gefühlt im Zehn-Minuten-Takt vor. Das muss an sich kein Problem sein.
Dienen sie beispielsweise dazu, auf interessante Weise die Unzulänglichkeiten oder Unsicherheiten der Figuren zu illustrieren, die solche Äusserungen tätigen, kann dadurch durchaus interessantes Kino mit grossem Unterhaltungswert entstehen.
Doch in «The Gentlemen» sind die weissen Männer mittleren Alters einfach nur cool. Sie lassen sich nichts bieten und zeigen den aufmüpfigen Jungspunden und hinterlistigen Migranten, wo es langgeht.
Dass ihr moralischer Kompass dabei keinen Deut besser ist als derjenige ihrer Widersacher, scheint Ritchie beim Verfassen des Drehbuchs nicht gestört zu haben.
Seine neuste Gangsterkomödie wirkt zuweilen wie die Beiträge, die erzkonservative Männer mittleren Alters, welche die Welt nicht mehr ganz verstehen (wollen), in den Kommentarspalten von Boulevard-Zeitungen hinterlassen.
So kann man «The Gentlemen» als plumpes Statement gegen immer lauter werdende Forderungen nach politischer Korrektheit und Gleichberechtigung deuten.
Kinostart: 27.2.2020