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Am 26. November 1965 kommentiert Arturo Marcionelli, Schweizer Botschafter in Léopoldville, dem heutigen Kinshasa in der Demokratischen Republik Kongo, in seinem Politischen Bericht Nr. 7 an Bundesrat Friedrich Traugott Wahlen den Staatsstreich von General Joseph-Désiré Mobutu des vergangenen Tages. Marcionelli, ein Tessiner aus Bironico, war im Februar 1963 vom Bundesrat zum Botschafter von Léopoldville ernannt worden und kannte die Situation im Kongo daher gut. Lakonisch merkte er an, dass Mobutus Putsch der einzige mögliche Ausweg aus der Inkonsequenz, den Widersprüchen und dem Chaos sei, die das politische Leben des Landes seit seiner Unabhängigkeit dominiert hatten. Er stelle aber noch lange keine Lösung dar. Die eigentliche Ursache für das unentwirrbare kongolesische Chaos lag gemäss dem Schweizer Diplomaten in den kongolesischen Strukturen selbst und war hauptsächlich im Fehlen von kompetenten Führungskräften und in einem mangelnden nationalen Bürgersinn bei den Parlamentsabgeordneten auszumachen.
Der Staatsstreich Mobutus war der Beginn einer langen autoritären Herrschaft, geprägt von einem starken Personenkult, der den Diktatoren nach und nach dazu trieb, sich den afrikanischen Namen Mobutu Sese Seko zu geben, das Land in Zaire umzunennen und sogar den Namen des Albertsees in Mobutu-Sese-Seko-See zu ändern.
Als der Tyrann 1997 seinem Krebsleiden erlag, meinte die renommierte Wochenzeitschrift Der Spiegel in einem Nekrolog, dass Mobutu über sein Volk gekommen sei wie die Dreifaltigkeit von Pest, Aids und Ebola und sich der Staat unter seiner Herrschaft buchstäblich aufgelöst habe. Der Entscheid des Bundesrates, die ungefähr 8 Millionen Franken zu blockieren, die Mobutu auf Schweizer Banken deponiert hatte, stösst daher nicht auf Verwunderung. Die Landesregierung verfolgte damit die Absicht, die Gelder dem kongolesischen Volk zurückzuerstatten. Andererseits erstaunt es, dass das eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten 2009 eine Pressemeldung veröffentlichte, die in überraschend klaren und wenig diplomatischen Worten verfasst war: Aus Mangel an Unterstützung durch die kongolesischen Behörden habe sich die Schweiz gezwungen gesehen, Mobutus Vermögen freizugeben. Vielleicht muss hier daran erinnert werden, dass einer der Erben Mobutus in der Regierung der Demokratischen Republik Kongo sass…
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[Datum der Erstausstrahlung: Radiotelevisione Svizzera RSI, Rete Due, Dienstag 26. November 2012, 07:05 Uhr]