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Es gibt Menschen, die an einem Freitag den 13. am liebsten das Haus nicht verlassen würden. Andere erschrecken sich, wenn eine schwarze Katze den Weg vor ihnen von links nach rechts quert. In Brasilien ist es aber ein Journalist, der derzeit den Fans der Seleção die Ruhe raubt. In ihren Augen ist der Sportjournalist Everaldo Marques eindeutig ein “Pé-frio“. Wörtlich übersetzt ist das ein “kalter Fuß“. Der Pé-frio ist in Brasilien aber ein Pechvogel oder eben jemand der anderen Pech bringt, genauer gesagt Fußballmannschaften.
Vier Nationalmannschaften hat der Brasilianer bereits Pech gebracht. Everaldo Marques hat ausgerechnet über die Spiele berichtet, die wegen ihrer ungewöhnlichen Ausgänge für Aufsehen gesorgt haben, wie Japan gegen Deutschland, Saudi Arabien gegen Argentinien, Marokko gegen Belgien und Tunesien gegen Frankreich. Bei allen vier Spielen haben „Zebras“ und nicht die Favoriten gewonnen.
“Zebras“, das sind Außenseitermannschaften, die unerwartet gegen die als stärker eingestuften Mannschaften gewinnen. “Deu zebra“ (wörtlich übersetzt etwa: es gab ein Zebra) heißt es in Brasilien, wenn das der Fall ist.
Was das afrikanische Tier mit dem Fußball zu tun hat? Zum ersten Mal ist der Ausdruck 1952 aufgetaucht. Damals hat der Trainer der Portuguesa-RJ, Gentil Cardoso, zu einem bevorstehenden Spiel in einem Interview gesagt: “Wir sind hier versteckt hier und hoffen, dass es ein Zebra gibt“.
Gentil Cardoso spielte damit auf das eigentlich illegale Wettspiel “Jogo do bicho“ an. Bei dem wählt der Wettende eins von 25 vorgebenen Tieren aus, wie Esel, Schlange oder Affe und setzt darauf. Ein Zebra ist unter den Tieren allerdings nicht dabei. “Das Zebra“ (es gibt Zebra) steht deshalb für ein Ergebnis, dessen Eintritt eigentlich unmöglich ist.
Ganz so unmöglich sind sie in Qatar allerdings nicht. Bei der Fußball-WM 2022 scheinen die Zebras vielmehr los zu sein. Vielleicht hat auch Everaldo Marques damit etwas zu tun. Er hat jedenfalls die meisten Spiele kommentiert, in denen es zu unerwarteten Ergebnissen kam. Statt Deutschland hat Japan gewonnen, statt Argentinien Saudi Arabien, statt Belgien Marokko und statt Frankreich Tunesien.
Die Brasilianer sind sich deshalb sicher, Everaldo Marques muss ein Pé-frio sein, oder ein Zebrarufer. Er ist aber keineswegs der erste Pechvogel einer Fußball-Weltmeisterschaft.
Berühmte Kalte Füsse
Bei der 2014 in Brasilien ausgetragenen Weltmeisterschaft war der Pé-frio übrigens kein anderer als Mick Jagger. Der Rolling Stones-Sänger war eigentlich schon im Achtelfinale der WM 2010 in Südafrika zum Pechvogel erkoren worden. Sobald er eine Mannschaft anfeuerte, schien der Spielausgang besiegelt und ebenso die Niederlage seiner Favoritenmannschaft.
2014 traf der Fluch Mick Jaggers ausgerechnet die Brasilianer. Denn vor dem Spiel Brasilien gegen Deutschland hat der Rockstar unglücklicherweise erklärt, dass er die Seleção anfeuern wird. Kein gutes Zeichen. Dann ist er auch noch im Stadion Mineirão, wo das Spiel stattfand, erschienen. Damit war das Aus für Brasilien besiegelt.
Dass Brasilien allerdings sieben Tore eingesteckt und nur ein einziges Mal den Ball im deutschen Tor versenkt hat, war selbst Mick Jagger zuviel. Es könnte ja durchaus sein, dass er ein Pechbringer sei, aber schuldig gemacht werden könnte er lediglich für das erste, nicht aber für die anderen sechs Tore, soll Mick Jagger nach dem Debakel gesagt haben. Geholfen hat ihm das wenig. Von den Brasilianern wurde er zum größten Pé-Frio aller Zeiten erklärt.
Beim Finale im berühmten Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro muss der Sänger 2014 dann wohl Argentinien angefeuert haben. Verraten hat er seine Wahl zwar nicht. Aber es muss so gewesen sein. Schließlich hat die deutsche Elf damals mit einem 1:0 gegen Argentinien gewonnen und sich den WM-Titel geholt.
Auszeit für Mick Jagger
Bei der Fußball-WM 2018 in Rußland gab es für Mick Jagger hingegen eine Auszeit. Bei der wurde die mexikanische Sängerin und Schauspielerin Dulce María zum Pé-Frio erklärt. Fast alle Nationalmannschaften für die sie sich in ihren sozialen Netzwerken ausgesprochen hatte, haben verloren.
Vorerst können die Brasilianer aber beruhigt sein. In Qatar ist Mick Jagger bisher noch nicht erschienen. Viele Brasilianer drücken wahrscheinlich die Daumen, dass dem auch weiterhin so bleibt. Entwarnung gibt es auch vom Journalisten Everaldo Marques. Er werde keins der Spiele Brasiliens bei der WM 2022 kommentieren, verriet er in einem Post in den sozialen Netzwerken, nachdem etliche Fans ihn gebeten hatten, ja nicht über die Spiele der Seleção zu berichten.
In Acht nehmen sollte sich aber die portugiesische Elf. Denn das Spiel Portugal gegen Südkorea steht zum Pech der Südeuropäer am Freitag auf dem Programm des brasilianischen Sportjournalisten und Pé-frio 2022.