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Aus: The Globe and Mail (Toronto)
Einer von Kanadas erfolgreichsten Autoren ist in Kanada selbst beinahe unbekannt. In Bangkok und anderen asiatischen Städten jedoch ist Christopher so etwas wie ein Volksheld geworden. Seine Calvino-Romane stehen in den Regalen der Buchhandlungen neben Stephen King und Michael Crichton.
Seit er vor zehn Jahren mit zwei Koffern und einem Laptop nach Thailand kam, hat er es geschafft, zum Kultautor zu werden, ohne von einem großen amerikanischen Verlag publiziert zu werden.
»Ein Autor ist nicht mehr unbedingt auf Nordamerika angewiesen, um verlegt zu werden«, sagt Moore, dessen Bücher bei White Lotus und Books Siam in Thailand erscheinen. »Mein Rat an die Autoren: Besorgt Euch einen Pass, hebt alles Geld von der Bank ab, sucht eine Region, die sich im Umbruch befindet und kauft ein einfaches Flugticket. Lernt die Sprache. Besucht Hochzeiten, Begräbnisse und das Leichenschauhaus. Lebt mit traditionellen Heilern, geht bis an die Kante und schaut runter. Und schreibt über diese Erfahrung.« »Als Professor führte ich ein sicheres Leben«, sagt Moore, dessen Englisch einen leicht thailändischen Akzent hat. »Aber eines Tages merkte ich, dass das Leben in einem risikofreien Umfeld den Schriftsteller unweigerlich schwächt. Diese Sicherheit beschützt und provinzialisiert zugleich.«
Während seiner ersten Asienreise im Jahr 1983 faszinierte ihn Bangkok. »In dieser Stadt lebte kein ausländischer Schriftsteller. Stellen Sie sich London, New York, Paris vor ohne Schriftsteller, die nach außen kommunizieren. Natürlich gab es viele bekannte und talentierte thailändische Schriftsteller, doch nur ganz wenige waren ins Englische übersetzt. Die thailändische Kultur mit ihrer Freiheitsliebe faszinierte mich. Thailand tolerierte eine große, vielfältige ausländische Gemeinde, die nicht durch Krieg oder Revolutionen auseinander gerissen worden war. Das ist in Asien eine Seltenheit.«
In einer düsteren Wohnung in Bangkok, umgeben von bellenden Hunden, rauchenden Abfallhaufen und neu gebauten Hochhäusern, begann Moore zu schreiben. »Ich durchstreifte die Gassen, um die Verwundeten, die Gefallenen, diejenigen ohne Stimme zu finden. Die Leute von Henry Miller und die von William Burroughs. Ich habe versucht, die Nöte, Leidenschaften und Fehlschläge dieser Gemeinschaft von Expatriierten zu erfassen. Über ihre Verluste zu schreiben, ihr schwebendes Lebensgefühl und den gleichzeitigen Versuch, Wurzeln zu fassen. In Asien besteht das Leben der Farang (»Fremde« in Thai) wie auch der Einheimischen zum großen Teil darin, sich das Überleben zu sichern. Hier lebe ich. Ganz nah bei den Knochen, unter der samtenen Haut.«