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Samu Abu Fariz ist ungefähr 75 Jahre alt. Genau weiss sie das nicht. «Den Kaiser Haile Selassie habe ich noch erlebt, als ich bereits erwachsen war». Samu hat sechs Kinder, die nicht mehr zuhause wohnen, und eine Schar Enkel- und Urenkel, deren genaue Zahl sie nicht kennt.
Ihre kleine Hütte teilt sie sich mit einer ihrer Töchter und deren Sohn. Wie viele der ärmlichen Hütten in ihrer Umgebung ist auch Samus Zuhause nicht für starke Regenfälle ausgelegt. Während der Starkregen-Periode hat es ständig durch das alte Grasdach geregnet. «Wir hätten genausogut draussen schlafen können. Es hätte keinen Unterschied gemacht». Durch den Regen werden die schon geschwächten Menschen schnell krank.
Samu besitzt fast nichts mehr. Ihre Hütte ist sehr spärlich eingerichtet – ein paar alte Decken, einige fast ausgediente Töpfe und ein Wasserkanister. Ausserdem ist da noch der vierte Mitbewohner, ein kleines Kalb. Samu hat es im Tausch gegen eine Schlafdecke vorübergehend von einem Nachbarn erhalten, um es wieder aufzupäppeln.
Samu steht etwa eine halbe Hektare Land zur Verfügung, das sie bearbeiten darf. Ihre Pflugochsen sind aber bereits letztes Jahr verhungert, sodass sie das Feld nicht bestellen kann. Die Nachbarn kann sie nicht fragen, ob sie bei der Bestellung des Feldes helfen können. Denn auch deren Pflugochsen leben nicht mehr. Darüberhinaus hat Samu während der Dürreperiode ihr gesamtes Saatgut verloren. Für die nächste Saison muss sie sich wieder etwas von ihren Nachbarn leihen – «falls diese noch etwas haben».
Samus Tochter kann ein geringes Einkommen erwirtschaften mit dem Verkauf von Backplatten für das Fladenbrot Injera. An einer Platte arbeitet sie knapp drei Tage. Alle sechs bis acht Wochen geht sie zu Fuss auf den 15 km entfernten Markt, wo sie pro Platte etwa zwanzig äthiopische Birr erhält (ungefähr 90 Rappen).
Immerhin ist die nächste Trinkwasserstelle nicht weit. Sie wurde im vorigen Jahr mit Hilfe der Caritas Schweiz errichtet.
«Ich wünsche mir ein ordentliches Haus, in das es nicht mehr hineinregnet», sagt Samu. Denn sie hofft auf den nächsten Regen – sodass sie wieder etwas anbauen und eigenständig ihre kleine Familie ernähren kann.
Samu Abu Fariz lebt im östlichen Äthiopien, in der Verwaltungszone West Hararghe in der Oromia-Region, einem von der Dürre am meisten betroffenen Gebiet. Aufgezeichnet von Jens Steuernagel, Caritas-Delegierter in Äthiopien.