Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03412.jsonl.gz/339

Mit Prostatakrebs wird eine bösartige Tumorerkrankung der Prostata (Vorsteherdrüse) bezeichnet. Sie befindet sich unterhalb der Harnblase und ähnelt in Grösse und Form einer Kastanie. Als eines der männlichen Sexualorgane ist sie für die Produktion der Samenflüssigkeit, eines Anteils des Spermas, zuständig. Bei Prostatakrebs mutieren Zellen des Drüsengewebes und bilden bösartige Tumore aus. Dass auch die männliche Sexualfunktion durch diese Erkrankung und ihre Begleitumstände beeinträchtigt werden kann, macht Prostatakrebs zu einem besonders sensiblen Thema.
Prostatakrebs wird jährlich bei ungefähr 6‘000 Männern diagnostiziert. Dies entspricht etwa 30 Prozent der neu registrierten Krebsfälle bei Männern. Die Erkrankung betrifft vor allem ältere Männer ab einem Alter von 50 Jahren. Die Anzahl der Neuerkrankungen verteilt sich zu etwa 45 Prozent auf die Gruppe der 50- bis 69-jährigen und zu 54 Prozent auf Männer, die über 70 Jahre alt sind. Da diese Krebsart sich oft nur langsam entwickelt, entfallen die meisten Todesfälle auf die letztere Gruppe, während nur 13 Prozent unter 70 Jahren alt sind. Insgesamt sterben jährlich etwa 13‘00 Männer an Prostatakrebs.
Vorrangige Untersuchungsmethoden
Massnahmen zur systematischen Früherkennung sind für Prostatakrebs umstritten. Die Diagnose der Krankheit kann unter Umständen relativ aufwendig sein, während kleinere Tumore in höherem Alter kein lebensbedrohliches Risiko darstellen müssen. Die üblichen Früherkennungsmethoden umfassen das Abtasten der Prostata durch einen Arzt. Ein Finger wird über das Rektum eingeführt, um unregelmässige Knoten zu suchen. Dies ist für die Patienten unangenehm, bringt aber keine besonderen Belastungen mit sich. Nicht jeder Tumor kann allerdings so ertastet werden. Daneben kann über die Bestimmung des sogenannten PSA-Wertes im Blut die Möglichkeit einer Krebserkrankung festgestellt werden. PSA steht für prostataspezifisches Antigen und meint ein Eiweiss, das in der Prostata gebildet wird und im Blut nachgewiesen werden kann. Auch diese Methode lässt sich einfach und schnell durchführen. Als normal gilt im Regelfall ein Wert von unter 4 ng/ml. Ist der Wert erhöht, kann dies ein Hinweis auf Prostatakrebs sein und weitere Untersuchungen sollten erfolgen. Der Anstieg dieses Wertes kann nämlich auch durch die häufig auftretende gutartige Prostatavergrösserung oder eine Entzündung (Prostatitis) bedingt sein.
Mögliche Symptome von Prostatakrebs
Während diese Verfahren der Früherkennung ab einem Alter von 50 Jahren ohne konkreten Anlass zur regelmässigen Kontrolle sinnvoll sein können, gibt es auch körperliche Symptome, die eine Untersuchung auf Prostatakrebs besonders nahelegen. Hinweise können zum Beispiel Schwierigkeiten beim Wasserlassen oder Erektionsstörungen sein. Auch diese Symptome können allerdings von einer Entzündung oder der Prostatavergrösserung herrühren und sind nicht eindeutig.
Blut in Urin oder Sperma sollte ernstgenommen werden. Wenn zusätzlich Gewichtsverlust und allgemeiner Leistungsabfall besteht, sollte die Prostata unbedingt auf Krebs untersucht werden.
Vor- und Nachteile der Früherkennung
Ein definitiver Nachweis von Krebs kann letztlich über Gewebeentnahmen, sogenannten Biopsien, erfolgen. Eventuell können die fraglichen Regionen der Prostata, die auf Krebszellen getestet werden sollen, durch verschiedene Ultraschallverfahren eingegrenzt werden. Eine umfassende Früherkennung wird dabei kritisch debattiert, weil Tumore in der Prostata oft nur langsam wachsen und vor allem in höherem Alter auftreten. Oft sind andere Erkrankungen die Todesursache. Umgekehrt können die Diagnose des Prostatakrebses und seine Therapie aber zu einer grossen Belastung für die betroffenen Männer werden. Vor allem wenn ein familiär erhöhtes Risiko vorliegt, sind regelmässige Untersuchungen auf jeden Fall zu empfehlen. Ein solches Risiko besteht in Zusammenhang mit dem Auftreten von Brust- und Eierstockkrebs in der Familie. 5 bis 10 Prozent der Brust- und Eierstockkrebserkrankungen sind auf erbliche Ursachen zurückzuführen. Die Männer in solchen Familien erkranken ebenfalls häufiger an Prostata- und auch Brustkrebs. Bei Menschen ohne familiär erhöhtes Risiko sollte allerdings in einer individuellen Beratung beim Arzt über die Vor- und Nachteile von erweiterten Früherkennungsmassnahmen und die Folgen einer möglichen Diagnose von Krebs gesprochen werden, bevor entsprechende Untersuchungen durchgeführt werden.