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Nun bin ich also in Freetown. Gestern waren mit uns etwa 40 Personen im Flugzeug. Wir hatten sehr viel Platz. Normalerweise fliegt Air Brussels fünf Mal pro Woche nach Freetown. Air France und British Airways auch, diese haben ihre Flüge jedoch wegen der Ebola-Epidemie komplett eingestellt. Brussels Air fliegt noch zwei Mal pro Woche mit grossem Defizit, weil das Flugzeug nur wenig belegt ist. Ohne Air Brussels würde die gesamte humanitäre Hilfe für Sierra Leone ausbleiben! Im Flugzeug wurde auf ein Spendencouvert hingewiesen, um die Airline zu unterstützen.
In der senegalesischen Hauptstadt Dakar sind wir zwischengelandet, um das Kabinenpersonal auszuwechseln. Bei der Ankunft in Freetown mussten alle ein Gesundheitsformular ausfüllen und Fieber messen. Danach erlebten wir eine abenteuerliche Wassertaxifahrt, viel zu schnell bretterten wir in einem grossen Motorboot über die Meereswellen in der Dunkelheit nach Freetown. Ich war froh, hatte jeder von uns eine Schwimmweste an, für alle Fälle. Wieder an Land, wurden wir von einem Hotelkleinbus abgeholt, der uns ins Hotel brachte. Es liegt wunderschön an einer Bucht. Wir haben grosszügige Zimmer.
Heute morgen am Frühstückstisch fällt mir auf, wie bedrückt die Stimmung ist und dass es im Vergleich zur Anzahl Gäste viel zu viel Personal hat. Ich frage den Besitzer des Hotels, wie es ihm geht. Er hat 90 Zimmer und nur zehn sind belegt. Acht muss er vermieten, um alleine die Stromkosten zu decken. Er hat 90 Angestellte. Viele Hotels haben Kurzarbeit eingeführt, um die Personalkosten tief zu halten. Er hat sich dagegen entschieden und beschäftigt alle mit Defizit weiter. Er kann das ca. drei bis vier Monate durchhalten danach ist fertig. Er hofft, dass mit Hilfe des Roten Kreuzes und mit dem Ende der Regenzeit, die Ebola-Epidemie zu Ende gehen wird. Auch für ihn persönlich ist diese Epidemie eine grosse Katastrophe. Normalerweise ist das Hotel voll. In Sierra Leone gibt es viele Hilfswerke. Aber alle haben ihr Personal abgezogen und das Land verlassen. Nur die WHO, MSF und wir, das Rote Kreuz, sind noch im Land.
Als ich für mein Mobiltelefon eine lokale SIM-Karten kaufe, bedankt sich die Angestellte dafür, dass ich meine Familie verlassen habe, um den Menschen hier beizustehen.
Morgen früh werden wir nach Kenema im Südosten des Landes weiterreisen, wo sich das Spital befindet, in dem ich arbeiten werde.