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Goetz Hermann, 1840-1876, Komponist
Hermann Goetz war ein deutscher Komponist der von 1863 bis 1870 in Winterthur lebte. Er wirkte von 1863 bis 1872 als Organist an der Stadtkirche. In Winterthur ist ihm zu Ehren eine Strasse benannt. Goetz' Musik lässt keineswegs darauf schließen, dass sie von einem Todkranken stammt. Goetz' Musik zeichnet sich durch Lyrik und große Klarheit aus. Lange Zeit war Goetz nahezu vergessen. Erst seit den 1990er Jahren wird sein Schaffen wieder stärker beachtet.
Hermann Goetz wurde am 7. Dezember 1840 in Königsberg/D als Sohn eines musikliebenden Bierbrauers geboren. Den ersten Musikunterricht erhielt er von einer Cousine. Er spielte Mozart, betätigte sich als Dirigent privater Liebhaberaufführungen und begann 15-jährig eine Sonate für Klavier vierhändig zu komponieren. 1857 wurde er Klavierschüler des in Königsberg ansässigen Pianisten, Komponisten und Musikjournalisten Louis Köhler. Seine ersten Kompositionsversuche datieren aus der Gymnasialzeit: Klavierstücke, Lieder, sogar ein Entwurf zur Vertonung eines Singspiels von Goethe (Claudine von Villa Bella). 1858 immatrikulierte er sich an der Königsberger Universität für Mathematik, entschloss sich aber 1860, stattdessen Musik zu studieren. Darauf ging er für zwei Jahre an das Sternsche Konservatorium nach Berlin, wo er Partiturspiel bei Julius Stern, Klavier bei Hans von Bülow und Komposition bei Hugo Ulrich studierte. An der Abschlussprüfung im April 1862 spielte er sein Klavierkonzert in Es-Dur und beendete damit seine Studien. Danach erteilte er selber Unterricht am Konservatorium und übernahm die Leitung des Meichsnerschen Gesangvereins.
Seit seinem 14. Lebensjahr litt Goetz an Tuberkulose. In der Hoffnung, dass sich das Schweizer Klima für seine angeschlagene Gesundheit positiv auswirken würde, bewarb er sich 1863 erfolgreich um die Organistenstelle an der Winterthurer Stadtkirche. Sein Vorgänger war Theodor Kirchner, der nach beinahe zwanzig Jahren in diesem Amt nach Zürich übergesiedelt war. In Winterthur etablierte sich Goetz rasch. Hier vermochte er allmählich eine vielseitige musikalische Tätigkeit als Pianist, Dirigent, Organist und Klavierlehrer zu entfalten. Er gründete sogar einen eigenen Chor, den Gesangverein Melodia, der sich allerdings nach nur anderthalb Jahren wegen fehlender Männerstimmen auflöste. Gesellschaftlichen Kontakt in Winterthur erhielt Goetz nicht zuletzt durch die Sonntagskränzchen, die jede Woche im Kasino stattfanden. In Winterthur lebte damals auch der Dichter und Journalist Joseph Victor Widmann. Goetz lernte ihn kennen, als Widmann einen Vortrag über Goethe und die Religion hielt. Auf den Dreikönigstag 1866 hin schrieb Goetz zu einem Text Widmanns sein erstes dramatisches Werk: „Das Neujahrsspiel, die heiligen drei Könige“.
Bei diesen Sonntagskränzchen lernte Goetz auch Laura Wirth kennen, die er am 22. September 1868 heiratete. Getraut wurden sie vom gemeinsamen Freund J. V. Widmann, der in Frauenfeld als Pfarrhelfer amtierte. In Winterthur widmete sich Goetz zunehmend grösseren musikalischen Formen. Dort entstanden sein zweites Klavierkonzert, welches er am 1. Dezember 1867 in Basel uraufführte, ein Violinkonzert, die Sinfonie in e-Moll (von seiner Frau wohl posthum vernichtet), ein Streichquartett (bei Amadeus erschienen, BP 367), das Klaviertrio op. 1 (BP 563), und das Klavierquartett op. 6. Dieses Werk ist Johannes Brahms gewidmet, den Goetz im Jahre 1865 kennenlernte und mit dem er stets ein freundschaftliches Verhältnis behielt. Mit Widmann als Textdichter plante Goetz nun eine Oper. Zunächst war der Parzival-Stoff im Gespräch, dann entschied er sich für "Der Widerspenstigen Zähmung“ nach Shakespeare. 1870 übersiedelte Goetz nach Zürich, wo er als freischaffender Pianist, Klavierlehrer und zeitweise auch als Musikjournalist arbeitete; die Organistenstelle in Winterthur behielt er noch bis 1872. 1872 schloss er die Komposition seiner Oper ab. Nachdem sie u.a. von Dresden und München abgelehnt worden war, wurde sie vom Kapellmeister Ernst Frank in Mannheim angenommen. Die Uraufführung am 11. November 1874 war ein durchschlagender Erfolg, es folgten rasch Aufführungen an vielen weiteren Bühnen, u.a. in Wien, Leipzig und Berlin.
In seinen letzten Lebensjahren musste Goetz auf Konzerttätigkeiten und Unterricht verzichten, da sich seine Tuberkulose, unter der er bereits seit den 1850er Jahren litt, zunehmend verschlimmerte und schließlich zu seinem Tod führte. Er starb am 3. Dezember 1876, vier Tage vor seinem 36. Geburtstag. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Zürcher Friedhof Rehalp. Seine Tochter Margarete hat in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts den Nachlass ihres Vaters der Zentralbibliothek Zürich geschenkt.
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