Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03442.jsonl.gz/739

Vogt ist ehemaliger Nationalrat. Seinen Rücktritt per Ende 2021 begründete er damit, dass er sich auf seine Tätigkeit als Jurist und Professor für Privat- und Wirtschaftsrecht konzentrieren wolle.
Damals sagte er, dass er sich in der Politik manchmal wie ein Tennisspieler auf einem Fussballplatz fühle. Auf eine entsprechende Nachfrage an den Medienkonferenz am Mittwoch in Zürich sagte er: "Ich meinte damit die Arbeit im Parlament. Ein mögliches Exekutivamt habe ich mir immer offengehalten."
Rita Fuhrer, die Präsidentin der Findungskommission, bezeichnete Vogt als perfekten Kandidaten. Vogt verbinde das Urbane mit dem Ländlichen. Zudem habe er mehrere Jahre im Ausland gelebt, im Gegensatz zu den jetzigen Mitgliedern des Bundesrats.
Wäre erster homosexueller Bundesrat
Der Stadtzürcher wäre der erste Bundesrat, der offen homosexuell lebt. Auf die Frage, ob die Schweiz bereit ist für den ersten schwulen Bundesrat, reagierte die Präsidentin der Findungskommission leicht genervt. "Würden Sie diese Frage auch einem Linken stellen?" fragte Fuhrer zurück.
Vogt selber meinte, er habe nicht mit dieser Frage gerechnet. Seine sexuelle Orientierung spiele in der Politik keine Rolle. In der Schweiz sei schon viel erreicht worden für die Minderheit, der er angehöre.
Eher zurückhaltend
Der ehemalige Nationalrat gilt als eher zurückhaltend. Über sich selber sagte er einmal, er sei "nicht sehr gut im Generieren von Aufmerksamkeit". Er sei vielmehr konstruktiv und an Lösungen interessiert.
Auch dies sei in Verbindung mit der Arbeit im Parlament gemeint, stellte er am Mittwoch klar. Es sei ihm durchaus bewusst, dass ein Bundesrat in der Öffentlichkeit stehe. Aber nur für den Zweck Aufmerksamkeit zu suchen, liege ihm nicht.
Ihm gehe es darum, einen Dienst am Land zu leisten. "Wenn ich hier nicht nur am Strahlen bin, liegt das daran, dass ich grossen Respekt vor dem Amt habe", sagte Vogt.
Mit Initiative gescheitert
Der Zürcher war von 2015 bis 2021 Nationalrat. Mit einer Kandidatur für den Ständerat scheiterte er 2015. Zuvor war er vier Jahre Kantonsrat.
Seinen grössten Auftritt auf der politischen Ebene hatte der 52-Jährige mit der Selbstbestimmungsinitiative 2018. Diese richtete sich gegen "fremde Richter" und forderte, dass die Bundesverfassung gegenüber dem Völkerrecht Vorrang hat. Vogt hatte massgeblichen Anteil an der Ausarbeitung. Die Initiative scheiterte an der Urne deutlich.
Liste von Absagen
Die Liste der Absagen von Zürcher SVP-Vertretern war zuletzt immer länger geworden. Erst am Dienstag hatte auch noch Nationalrat Thomas Matter abgewinkt. Zuvor sagten auch Regierungsrätin Natalie Rickli und Nationalrat Gregor Rutz ab.
Kantonalpräsident Domenik Ledergerber sagte an der Medienkonferenz am Mittwoch, dass Vogt Spitzen- und Wunschkandidat sei. Fuhrer sagte, sie sei überrascht gewesen, dass Vogts Name nie gefallen sei. Seine Fähigkeiten eigneten sich ideal für das Amt. "Meine Kandidatur ist sehr ernst gemeint", sagte Vogt.
Fünfte Kandidatur
Ihre Kandidatur angekündigt haben bisher der Berner Nationalrat Albert Rösti, der Berner Ständerat Werner Salzmann, der Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler und zuletzt die Nidwaldner Regierungsrätin Michèle Blöchliger.
Blöchliger sorgte bereits für Schlagzeilen, weil sie am Montag ihre britische Staatsbürgerschaft abstritt und diese am Dienstag aufgrund von Medienberichten dennoch zugeben musste. Die SVP hatte sich in der Vergangenheit kritisch gegenüber Doppelbürgern geäussert.
Am 7. Dezember wählt die Bundesversammlung den Nachfolger oder die Nachfolgerin von Finanzminister Ueli Maurer.
(AWP)