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Swiss Laos Hospital Project
Im Januar 2012 leistete ich einen Monat lang einen Einsatz in Laos als Gynäkologe und Geburtshelfer im Rahmen des SWISS LAOS HOSPITAL PROJECT.
Während diesem Einsatz begleitete mich meine älteste Tochter Laura, die ihr gynäkologisch-geburtshilfliches Praktikum im Rahmen des Wahlstudienjahrs ihres Medizinstudiums in Laos absolvierte.
Laos ist eines der ärmsten Länder der Welt und hat immer noch eine erschreckend hohe Kinder- und Müttersterblichkeit. Das Ziel des „SWISS LAOS HOSPITAL PROJECT“ ist die Senkung der Kinder- und Müttersterblichkeit durch Verbesserung der medizinischen Versorgung durch Zusammenarbeit mit laotischen Spitälern, gezielte materielle Hilfe sowie die Verbesserung der hygienischen Verhältnisse bei den vielen medizinisch nicht betreuten Hausgeburten. In Laos kommen ca 80% der Kinder ohne wirkliche medizinische Hilfe zu Hause zur Welt.
Neben der Armut der Bevölkerung erschweren fehlende Bildung sowie die dünne Besiedelung (Laos hat etwa gleich viele Einwohner wie die Schweiz, ist aber flächenmässig etwa 10 Mal grösser), die teils schwierigen topographischen Verhältnisse und dadurch die schlechte Verkehrsinfrastruktur eine medizinische Versorgung des ganzen Landes. So benötigt man zum Beispiel von der Hauptstadt Vientiane in die nur ca 300 km entfernte nördliche Provinzhauptstadt Phonsavan mit dem Auto gut 10 Stunden. Die Fahrt geht dabei zuerst auf der Haupt Nord-Südachse (Strasse Nr. 13) in Richtung Norden. Diese Strasse sollte gemäss älteren Angaben vollständig asphaltiert sein, in der Realität ist sie jedoch immer wieder über längere nicht befestigte, mit Schlaglöchern übersäte und staubige Abschnitte zeitweise nur im Schritttempo zu befahren. Nach der Abzweigung auf die Haupt West-Ost-Achse im Norden (Strasse Nr 7), die bis nach Nordvietnam weiter führt, wird zwar der Strassenbelag besser, die relativ schmale Strasse schlängelt sich jedoch über gut 100 km durch eine hügelige, zeitweise gebirgige Landschaft von einer rauhen Schönheit. Immer wieder passiert man Strassendörfer, in denen häufig ethnische Minderheiten, z.B. Mhong leben. Die Strassendörfer verfügen über Elektrizität, die Wasserversorgung beschränkt sich jedoch oft auf einige wenige öffentliche Wasserstellen im Dorf auf einem kleinen zementierten Quadrat, auf dem dann auch am Kaltwasseranschluss geduscht wird. Um die Intimsphäre zu wahren wird dabei ein Tuch um den Leib gewickelt.
In diesen Dörfern gibt es praktisch keinen Zugang zu medizinischer Versorgung, die zahlreichen Kinder kommen meist ohne Hilfe zu Hause zur Welt. Bei Komplikationen sind die Einwohnerinnen dieser Strassendörfer wenigstens über die Strasse (wenn auch oft in langen Fahrten auf Pickups) in ein Spital transportierbar. Oft erfolgt leider dann die medizinische Behandlung zu spät.
Noch schlechter versorgt sind die abseits der Verkehrsachsen in den unzugänglichen Berggebieten gelegenen Dörfer.
So stiessen wir bei unserem kurzen Einsatz im Provinzspital von Phonsavan unmittelbar nach unserer Ankunft um 8 Uhr morgens auf eine eben von ihrer Familie eingelieferte Frau unter der Geburt, mit einer sogenannten verschleppten Querlage, bei der der linke Arm des Babies bereits „vorgefallen“, d.h. bereits geboren war. Eine Querlage ist eine sogenannte „geburtsunmögliche“ Lage, bei der der Versuch einer vaginalen Geburt praktisch immer zum Tod von Mutter und Kind führt. Nach dem Vorfall des Armes zu Hause, wahrscheinlich bereits nach stundenlangen Wehen ohne Betreuung war die Frau vom Volk der Mhong in einer fünfstündigen Fahrt in einem Auto von ihrem Bergdorf ins Spital gefahren worden. Neben der offensichtlichen Mangelernährung bestand bereits bei Eintritt durch den erheblichen Blutverlust der Mutter ein Hämoglobinwert von 6 g/dl (normal sind Werte über 12 g/dl). Auf Grund der Grösse des Bauches war ein Schwangerschaftsalter von etwa 30 Wochen (d.h. ca 10 Wochen vor Geburtstermin) anzunehmen, das Kind hatte aber noch eine normale Herzfrequenz. Anlässlich des sofort durchgeführten notfallmässigen Kaiserschnittes in Vollnarkose konnte der knapp 1000g schwere Junge lebend geboren werden. Leider verstarb er wenige Stunden später auf der mit viel Engagement betriebenen, aber nur rudimentär ausgerüsteten neonatologischen Intensivstation wegen seiner noch unreifen Lunge. Die Mutter erlitt während der Operation einen zusätzlichen erheblichen Blutverlust, einerseits durch die schwierige Entwicklung des Kindes, andererseits durch die teilweise vorzeitige Lösung der Placenta. Ausserdem fand sich bei ihr auf der linken Seite ein weit in den Oberbauch ziehender zystischer („wassergefüllter“) Ovarialtumor (Eierstocktumor) von einem Liter Inhalt, der ebenfalls entfernt werden musste. Bei der ersten Kontrolle der Blutwerte nach der Operation zeigte sich noch ein Hämoglobinwert von 3.7 g/dl, ein Wert der eigentlich bereits lebensbedrohend ist. Wir hätten bei uns bereits längst Blut transfundiert. Da jedoch im Spital nur zwei Konserven der benötigten Blutgruppe Null vorhanden waren, von denen die eine wegen einer Unverträglichkeit nicht verwendet werden konnte und die andere bereits reserviert war, gab es einfach kein Blut. Da von den begleitenden etwa sechs Familienangehörigen niemand die Blutgruppe Null aufwies, kamen sie als Direktspender alle nicht in Frage. Eine Bestellung von Blut in der Hauptstadt Vientiane kam wegen organisatorischer Probleme, dem über 10 stündigen Transportweg per Auto ohne einen Kostenträger sowie der nur einmal täglichen Linienflugverbindung nachmittags ebenfalls nicht in Frage. Konsterniert mussten wir feststellen, dass „kein Blut“ in Phonsavan leider ganz fatalistisch wirklich „kein Blut“ bedeutet, nicht wie bei uns wo „kein Blut“ halt „Blut holen per Blaulicht von Zürich in Winterthur“ oder „Einfliegen von Blut per REGA“ heisst. Abends wurde die einzige in Frage kommende Blutkonserve dann endlich frei gegeben, so dass unsere Patientin wenigstens eine Blutkonserve erhielt, die Nacht überlebte und am nächsten Morgen mit einem Hämoglobinwert von 4.2 g/dl „stabil“ war. Stoisch und fatalistisch nahmen sie und ihre Familie die Nachricht vom Tod ihres Babies zur Kenntnis.
Vor dem dramatischen Einsatz waren wir drei Wochen in Vientiane, der Hauptstadt von Laos im „National Mother and Child Hospital“ tätig.
Dabei ging es um die klinische, geburtshilfliche und operative Zusammenarbeit sowie den Erfahrungsaustausch mit den teils sehr versierten und routinierten Oberärzten und leitenden Ärzten des Spitals auf der einen Seite, andererseits um das Teaching von einheimischen Kolleginnen und Kollegen im Bereich der Ultraschalldiagnostik.
Neu erarbeitet, eingeführt und etabliert werden konnte auch ein bei uns übliches standardisiertes und an die lokalen Verhältnisse und Möglichkeiten angepasstes Behandlungsschema im Bereich der Wehenhemmung und Lungenreifungsinduktion bei drohenden Frühgeburten.
Ein weiterer wichtiger Teil meiner Tätigkeit war die Bestandesaufnahme, technische Kontrolle, Anpassung und Inbetriebnahme von aus der Schweiz gelieferten gebrauchten Ultraschallgeräten sowie die Instruktion der laotischen Kolleginnen und Kollegen an diesen Geräten.
Neben der anstrengenden und teilweise belastenden Arbeit hatten wir aber auch Gelegenheit, das wunderschöne Land und seine Bewohner näher kennen zu lernen. So machten wir einen Wochenendausflug in die alte Königsstadt Luang Prabang, „erfuhren“ die Strecke von Vientiane nach Phonsavan auf dem Hinweg physisch mit dem Auto und besuchten die Umgebung von Phonsavan, unter anderem die „Plain of Jars“.
Was uns immer wieder erstaunte und erfreute, war die auffällige Gelassenheit, Freundlichkeit und Fröhlichkeit der laotischen Menschen.
Die Praxis in Zürich war während vier Wochen geschlossen, während meiner Abwesenheit wurde ich kompetent durch Frau Dr. med. A. Rake, Herrn Dr. med. P. Villars und Herrn Dr. med. R. Simeon vertreten, (vielen Dank!).
Gleichzeitig nutzten wir die Zeit, um die Praxisräumlichkeiten nach bald 15 Jahren wieder einmal zu renovieren. Einen besonderen Dank verdient dabei meine Frau Sissi, die während unserer Abwesenheit die Bauleitung inne hatte.
Eindrücke über unsere Tätigkeit sehen Sie unter: Laos Fotos
Für weitere Informationen über das Swiss Laos Hospital Project empfehle ich die auch die offizielle Homepage: www.swisslaos.ch