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Acht Schlangenarten sind heimisch in der Schweiz, zwei davon sind giftig. Das Gift der beiden Vertreterinnen der Vipern – nämlich der Kreuzotter (Vipera berus) und der Aspisviper (Vipera aspis) – ist jedoch bei weitem nicht so gefährlich wie das ihrer australischen Verwandten. Schon um eine der beiden zu Gesicht zu bekommen, braucht man eine gehörige Portion Glück, denn die scheuen Tiere verschwinden schnell im hohen Gras oder im nächsten Steinhaufen, sobald ein Mensch in ihrem Blickfeld auftaucht. Dies macht auch ihre Identifizierung schwierig: Selbst für Experten ist es teilweise knifflig, die Kreuzotter und die Aspisviper auseinanderhalten zu können. Beide Arten variieren stark in ihrer Färbung und Musterung und können sich so sehr ähnlich sehen. Ausserdem besiedeln sie die gleichen Regionen; beide kommen hauptsächlich im Jura und in der Alpenregion vor.
Der Trockenbiss als Warnung
Der Biss einer Schlange enthält nicht immer ihr Gift, oftmals warnt die Schlange den Feind mit einem Trockenbiss vor. Denn die Giftproduktion ist energieaufwendig und hauptsächlich auf den erfolgreichen Beutefang ausgelegt – also nicht auf die Verteidigung, wie man vielleicht meinen könnte. Das Schlangengift besteht aus einem Mix aus Toxinen und Enzymen. Die Toxine lähmen das Beutetier, die Enzyme helfen bei der späteren Verdauung. Eine Schlange, ob ungiftig oder giftig, beisst ausserhalb ihres Jagdverhaltens nur zu, wenn sie sich bedroht fühlt, in die Enge getrieben wird und nicht in ihr Versteck fliehen kann. Lässt man dem Tier genügend Raum zur Flucht, ist ein Biss sehr unwahrscheinlich, denn spätestens beim visuellen Kontakt mit einem Menschen zieht es die Schlange vor, die Flucht zu ergreifen.
Schon gewusst?
Der letzte tödliche Vorfall eines Schlangenbisses in der Schweiz datiert zurück auf das Jahr 1961.
Die Giftmenge der Kreuzotter allein reicht bei weitem nicht aus, um einen Menschen in eine lebensbedrohende Situation zu bringen. Vielmehr stellen eine allergische Reaktion und der nicht behandelte allergische Schock, der u.a. mit Atemnot einhergeht, die wahre Gefahr dar. Oftmals sind Menschen, die allergisch auf Wespen- und Bienenstiche reagieren, auch allergisch auf Schlangenbisse.
Die Ungiftigen: Im Wasser, zu Land und auf Bäumen
Die restlichen sechs Vertreter der heimischen Schlangen gehören alle zu der Familie der Nattern. Im Gegensatz zu den Vipern haben diese Schlangen einen rundlichen Kopf sowie runde Pupillen. Alle Nattern der Schweiz sind völlig harmlos und ungiftig. Übrigens greift diese Unterscheidung anhand der Form der Pupillen nur für die heimischen Schlangen: Für Vertreterinnen aus beispielsweise Terrarien oder den Nachbarländern kann die Giftigkeit nicht aus der Pupillenform geschlossen werden.
Zu den Wasserschlangen zählen Vipernatter, Ringelnatter und Würfelnatter. Während die Ringelnatter (Natrix natrix) häufiger an Gewässerufern, wie zum Beispiel auch im Bernbiet an der Aare vorkommt, ist die extrem seltene Vipernnatter (Natrix maura) nur im Rhonetal und am Genfersee zu finden. Wie ihre zwei Kolleginnen lebt auch die Würfelnatter (Natrix tessellata) im Wasser und ist ein absolut friedliches Tier. Auch sie ist in Europa sehr selten.
Schlingnatter, Gelbgrüne Zornnatter und Äskulapnatter gehören zu den Land- und Baumnattern.
Die häufigste Schlange der Schweiz ist die Schlingnatter (Coronella austriaca). Sie ist in weiten Teilen Europas verbreitet. Sie wird bis zu 70 cm lang, und obwohl sie trockene und warme Plätze bevorzugt, kann sie sich auf der Flucht zu einer guten Schwimmerin verwandeln. Die Zornnatter (Hierophis viridiflavus) hat ihren Namen aus einem naheliegenden Grund: Sie ist die angriffslustigste unter den heimischen Schlangen und beisst am ehesten zu. Da sie jedoch zu den ungiftigen Schlangen gehört, ist da dann der Schreck grösser als die tatsächliche Gefahr. Ebenso wie die Zornnatter kann die Äskulapnatter (Zamenis longissimus) bis zu zwei Meter lang werden. Die Äskulapnatter zählt zu den grössten Schlangen Europas und lebt nicht nur auf dem Boden, sondern zieht sich auch gerne auf Bäume und Sträucher zurück.
Bedrohung trotz strengem Schutz
Alle Schlangenarten stehen in der Schweiz unter strengem Schutz und dürfen weder gejagt noch getötet werden. Der schwindende Lebensraum lässt die Individuenzahl jedoch trotzdem stark sinken. 11 der 14 in der Schweiz vorkommenden Reptilienarten stehen auf der Roten Liste. Die beiden Giftschlangen finden so nur noch in abgelegenen Bergregionen ausreichend Schutz. Zunehmend sind aber auch ihre dortigen Habitate von Tourismus, Besiedlung und der Verwaldung von sonnigen Plätzen bedroht. Um diesen faszinierenden Tieren zu helfen, ist es wichtig, ihnen ausreichend intakten Lebensraum mit Sonnenplätzen, vielen Versteckmöglichkeiten sowie Eiablageplätzen zur Verfügung zu stellen. In unseren Gärten ist die Anlegung einer Trockenmauer oder Steinhaufen ein erster Schritt, um die scheuen Tiere zu unterstützen. Denn gerade der Verlust von hochwertigen Kleinstrukturen wie Hecken, Trockenmauern und Steinhaufen sind hauptverantwortlich für den Rückgang vieler Reptilienarten im Siedlungsraum der Schweiz. Neben dem Lebensraumverlust spielt auch die intensive landwirtschaftliche Nutzung unserer Landschaften eine gewichtige Rolle beim Rückgang der Schweizer Schlangen-Populationen.