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Kartause Ittingen – eine Kultur- und Begegnungsstätte in klösterlicher Tradition
Die Kartause Ittingen zählt zu den wichtigsten Kulturdenkmälern im Kanton Thurgau. Malerisch gelegen zwischen dem Städtchen Frauenfeld und dem Bodensee beherbergt das ehemalige Kartäuserkloster heute ein international bekanntes Schulungs- und Seminarzentrum mit eigenem Hotel und hervorragender Gastronomie.
Zudem bietet die Kartause mit ihren Museen, Ausstellungen und Konzerten ein vielfältiges Kulturangebot. Die reizvolle Umgebung und die geschichtsträchtige Anlage mit ihren wunderbaren Gärten prägen diesen beschaulichen Ort und sind ein ganz besonderer Anziehungspunkt in der Bodenseeregion.
Mitte des 12. Jahrhunderts wandelten Augustinermönche in Warth die Burg der Truchsessen von Ittingen in ein Kloster um. Der Gründungslegende zufolge sollte mit dieser Klostergründung der Tod eines Jungen gesühnt werden, der von einem Gefährten beim Spiel getötet worden war. Über drei Jahrhunderte wurde das Kloster von Augustinern geführt. Ab 1461 übernahmen Kartäusermönche das inzwischen verarmte Anwesen, bauten es umfangreich um und erweiterten es um einen grossen Kreuzgang. Ihren strengen Ordensregeln entsprechend lebten die Kartäuser sehr zurückgezogen. Auch die Kirche des Klosters stand der Bevölkerung nun nicht mehr zur Verfügung, was besonders die Frauen aus Warth empörte. Sie drangen schliesslich gewaltsam in die Klosterkirche ein und erzwangen damit den Bau einer Kapelle in Warth.
Als im Jahr 1524 der katholische Landvogt einen reformierten Pfarrer aus Frauenfeld gefangen nahm, kam es zu einem Volksaufstand, in dessen Folge das Kartäuserkloster verwüstet wurde. Aufgebrachte Bauern zündeten die Kartause an und es entstand beträchtlicher Schaden. Es dauerte Jahrzehnte, bis diese Zerstörungen behoben waren. Seine Blütezeit erlebte das Kloster Ittingen im 18. Jahrhundert.
Im Zuge der Säkularisation wurde das Kloster im Jahr 1838 aufgelöst. Die Gebäude wurden privater Wohnsicht und das Anwesen wurde über mehrere Jahrzehnte als Modellbauernhof geführt. Doch schliesslich konnte der Unterhalt privat nicht mehr bestritten werden. 1977 wurde daher die Stiftung Kartause Ittingen gegründet und die Anlage umfassend restauriert.
Schon die Kartäusermönche widmeten sich mit viel Sorgfalt der Pflege ihrer Gärten. So hatten sie vor ihren Zellen kleine Gärten, die sie nach eigenen Vorstellungen bepflanzten. Heute sind die Beete vor den ehemaligen Mönchsklausen vor allem mit Kräutern bepflanzt – auf Tafeln ist nachzulesen, um welche es sich handelt. Wer heute die Gartenanlage der Kartause Ittingen besucht, kann bei einem Gang über die Themenwege der verschiedenen Gartenbereiche den Charakter der ehemaligen Klosteranlage nachempfinden und in der beschaulichen Atmosphäre Kraft schöpfen. In den Gärten der Kartause befindet sich auch die grösste Sammlung historischer Rosen der Schweiz – mit mehr als 250 Sorten. Im Frühsommer erfreuen sie die Besucher ihrer üppigen Blütenpracht. Informationsmaterial und Audioguides erhält man am Eingang des Museums.
Die mittelalterliche Klosteranlage beherbergt heute neben Seminarzentrum, Hotel und Restaurant auch das Ittinger Museum, das Kunstmuseum Thurgau sowie ein evangelisches Begegnungs- und Bildungszentrum. Damit werden Grundsätze klösterlichen Lebens – Gastfreundschaft, Bildung und Pflege von Kultur und Spiritualität – auch heute fortgeführt.
Im Ittinger Museum können Besucher in das frühere Klosterleben eintauchen. Karge Mönchszellen, der Speiseraum, die Klosterküche und die Arbeitsräume der Mönche vermitteln einen authentischen Eindruck von dem Leben der Kartäuser, die zurückgezogen und nach strengen Ordensregeln lebten. Sehenswert ist auch die Klosterkirche, prächtig ausgestattet mit Fresken, die vom Leben des heilige Bruno erzählen. Er gilt als Gründer des Ordens der Kartäuser.
Das Kunstmuseum Thurgau zeigt neben wechselnden Ausstellungen eine kleine, wertvolle Sammlung mit Exponaten des Thurgauer Malers Adolf Dietrich und Werke international bekannter Künstler. In den historischen Räumen des ehemaligen Klosters entfalten diese Werke ihre Wirkung in faszinierender Weise.
Neben dem Restaurant mit seiner frischen saisonalen Küche bietet auch der Klosterladen ein kulinarisches Angebot. Hier gibt es traditionell Hausgemachtes wie Gelee, Kräuter, Tee und Spirituosen. Aber auch Informationsmaterial und Bücher sind hier erhältlich.
Bekannt ist auch das Ittinger Klosterbräu, ein bernsteinfarbiges Spezialbier, das seit fast 40 Jahren hergestellt wird. Es wird aus unterschiedlich gerösteten Malzsorten gebraut und mit Hopfen aus dem Anbau der Kartause gewürzt. Als eines der wenigen Schweizer Premiumbiere erfreut es sich grosser Beliebtheit, sodass der Hopfenanbau der Kartause mit der Zeit beträchtlich erweitert werden musste.
Die Kartause Ittingen ist darüber hinaus auch ein Ort der kirchlichen Erwachsenenbildung in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Landeskirche. In diesem Rahmen gibt es ein umfangreiches Angebot an Veranstaltungen – Kurse, Seminare und Tagungen –, die Raum bieten für Austausch, Besinnung und spirituelle Erfahrungen.
Das vielfältige Angebot und die beschaulichen Atmosphäre machen einen Ausflug zur Kartause Ittingen zu einem ganz besonderen Erlebnis. Für Kulturinteressierte lohnt sich aber auch ein längerer Aufenthalt, denn im Kanton Thurgau mit seinen historischen Burgen, Schlössern und Klöstern gibt es noch viele weitere Kulturdenkmäler zu entdecken.
Oberstes Bild: Die Kartause Ittingen zählt zu den wichtigsten Kulturdenkmälern im Kanton Thurgau. (© Parpan05, Wikimedia, GNU)