Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03130.jsonl.gz/3166

GARS-Station DE
GARS-Station bei O’Higgins
Koordinaten : 63°19′S- 57°54′W
Betriebszeit : 9.Okt.1991 bis heute
deutsch-chilenische Satellitenstation im ERS-ProgrammAm 9. Oktober 1991 zeichnete die deutsche Empfangsstation für den europäischen Fernerkundungssatelliten ERS-1 auf der chilenischen Antarktisstation O’Higgins die ersten Radarbilder von der Antarktis auf. Diese Daten wurden in der Deutschen Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DLA) in Oberpfaffenhofen in Bilddaten umgesetzt. Die chilenische Station ist ständig von sieben Soldaten besetzt. Hinzu kommen die vier deutschen Wissenschaftler und Techniker, die 1991-92 von Herrn Nottarp geführt wurden.
Unabhängig von Tageszeit und Bewölkung kann jetzt das polare Eis beobachtet werden. Aus den ERS-1-Daten können Eiskarten für die Schiffahrt erstellt werden. Die Radarbilder haben eine solche Qualität, dass man die verschiedenen Eisdicken erkennen kann.
Der Brief von der deutschen ERS-Station vom 4.9.91 zeigt noch den rechteckigen Stempel “MONTAGE”. Später im Herbst 1991 kam ein solcher Stempel mit der Bezeichnung “INBETRIEBNAHME” zur Anwendung. Der Bildcachet “ERS-1 Ground Station … ” ist nicht deutschen Ursprungs, er stammt aus Australien.
Die Bezeichnung “GARS” steht für German Antarctic Receiving Station. Es ist die deutsche Bahnverfolgungsstation bei der chilenischen Forschungsbasis O’Higgins, wo Daten der europäischen ERS-Satelliten und weiterer amerikanischer Femerkundungssatelliten aufgezeichnet werden.
Zur Geschichte der Station: Mitte der 8Oer jahre haben deutsche Antarktis-und Geodäsieforscher eine Studie vorgelegt, die den Betrieb einer Empfangsstation in der Antarktis rechtfertigte. Die Satelliten der ERS-Serie der Europäischen Weltraum-Agentur produzieren so viele Messdaten, dass diese nicht an Bord des Satelliten gespeichert werden können. Allein das Hauptinstrument des ERS, das Radar, mit dem die Erdoberfläche in einem 100 Kilometer breiten Streifen abgetastet wird, liefert pro Minute soviel Daten, die ungefähr 547 vollgeschriebene 3,S”-Disketten entsprechen. Wenn keine Satelliten-Empfangsstation in Reichweite ist, gehen diese Daten verloren. In der Antarktis gab es keine solche Bodenstation. Zunächst wurde an den Bau einer mobilen Empfangsstation gedacht, die bei der deutschen Neumayer-Station installiert werden sollte. Da Neumayer aber nur in wenigen Wochen in der Sommersaison mit dem Schiff erreichbar ist, war dieser Standort ungeeignet. Ende 1988 beauftragte das Bundesministerium für Forschung und Technologie das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung. das Institut für Angewandte Geodäsie und das DLR mit dem Entwurf, Erwerb und Betrieb einer solchen Bodenstation. Das ursprüngliche Konzept wurde geändert, jetzt sollte es eine permanente Station sein. Nach der Besichtigung mehrerer Standorte, erwies sich die chilenische Militärbase O ‘Higgins am Kap Legoupil der Trinity-Halbinsel der Antarktischen Halbinsel bei 63° 19’5üd und 57° 54′West als geeigneter Ort. Hier gab es bereits eine Infrastruktur durch die chilenische Base und relativ gute Zugangsmöglichkeiten. Die Station ist ständig von sieben chilenischen Soldaten besetzt. Für das Fundament der Antenne war Grundgestein vorhanden. Die deutsche Station liegt auf einer kleinen 200 x 300 Meter grossen Felseninsel vor O’Higgins.
Von Januar bis Juli 1990 erfolgte der Bau der Bodenstation. In der Saison 1990-91 erfolgte der Einbau und erste Testläufe der Empfangsstation. Am 9. Oktober 1991 konnten auf der Station die ersten Daten und Radarbilder von ERS-1 empfangen werden. Damals testete eine vierköpfige deutsche Forscher-und Technikergruppe unter Herrn Nottarp die Anlage.
Die Station: Kernstück der Station ist die Parabolantenne mit neun Meter Durchmesser und einem Drehstand zum Nachführen der Antenne. Dazu gehört in einem der vielen Containern der Betriebsraum für die Steuerung der Antennenanlage. In mehreren Containern sind die Datenaufzeichnungsgeräte, Messeinrichtungen und Computer aufgestellt. Zwei Container enthalten Meerwasserentsalzungsanlage und Tanks für die Herstellung von Süsswasser. Eine Dieselaggregatanlage dient der Stromerzeugung. Zu dieser Anlage gehören mehrere auslaufsichere Dieseltanks, Reinigungsanlage und zwei 154- KW-Dieselmotoren, die abwechselnd laufen. Es gibt in einem Container noch ein 35- KW -Dieselnotstromgenerator. Die Bodenstation wird elektrisch beheizt, aber auch die Abwärme der Generatoren wird der Station zugeführt. Zahlreiche Container enthalten noch Werkstätten und Materiallager. Es gibt ausserdem noch Wohncontainer mit Schlaf- und Aufenthaltsräumen sowie Küche und Sanitäreinheit. Die Container haben ein Innenrmass von 2,10 x 5,60 Meter. Es geht recht eng zu. Die Polarforscher müssen sich selbst versorgen – Küchendienst ist angesagt.
Das Deutsche Femerkundungsdatenzentrum (DFD-BS) des Deutschen Zentrums für Luft-und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen unterhält und betreut seit 1991 die Station GARS. In jeder australen Sommersaison sind Geodäten und Messtechniker meist in zwei Kampagnen dort tätig. Zuerst im September-Oktober und dann im Januar-März. Neben den DLR-Leuten sind Wissenschaftler vom Institut für Angewandte Geodäsie im Einsatz. Nach der Wende auch Forscher vom Geodäsie-Institut in Leipzig unter Dr. Reinhold. Aus der polaren Literatur sind mehrere Helikopterflüge vom deutschen Polarforschungsschiff “Polarstern” zur Bodenstation bekannt. Am 19. Januar 1994 flog der Pilot Schreiber vom Wasserthal’schen Helikopteruntemehmen zur Basis. Ein weiterer Flug fand am 10. Dezember 1997 von der “Polarstern” nach O‘ Higgins statt, wo zwei deutsche Wissenschaftler im Rahmen der GAP-Forschungen eingeflogen wurden. ERS-l ESA Remote Sensing Satellite Die ERS 1 Mission ist ausgerichtet auf die Beobachtung von Ozeanen, Küstenzonen und polaren Eiskappen. Benutzt werden moderne Mikrowellen-Instrumente, die auch bei Dunkelheit und Bewölkung Bilder und Daten von der Erdoberfläche liefern. Die Station sollte ursprünglich bei der argentinischen Station Esperanza gebaut werden. Dazu wurde auch mit dem Instituto Antartico Argentino ein entsprechender Kooperationsvertrag ausgehandelt, der jedoch im Oktober 1989 überraschend von argentinischer Seite aufgekündigt wurde. Nun musste kurzfristig eine Ersatzstation gefunden werden. Dazu wurde anlässlich der Antarktisreise des FS Polarstern im Dezember eine neue Standorterkundung durchgeführt und die chilenische Station O’Higgins als geeigneter Standort auserkoren. Wegen des geplanten Starttermins von ERS-1 war Eile geboten. Dank gemeinsamer Anstrengungen der beteiligten chilenischen und deutschen Institutionen gelang es dann doch noch, in der Saison 1989/90 die notwendigen Fundamente mit einem Bauvolumen von ca. 200 m3 Stahlbeton in O’Higgins zu errichten. Die Station konnte noch vor dem Start des Satelliten (am 7.7.1991) fertiggestellt werden und ihren Betrieb somit recht zeitig aufnehmen. Die Station ist in den (antarktischen) Sommermonaten mit deutschen Technikern besetzt und wird im Winter vom chilenischen Personal der Station O’Higgins gewartet.