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Nach diesen drei Hauptverbreitungsgebieten unterscheidet man auch verschiedene Dialekte, und dabei zerfallen das Oberländer- und das Engadiner-Romanisch je noch in zwei gesonderte Mundarten: surselvisch und subselvisch im Oberland (ob und unter dem Flimser Wald), ober- und unterengadinisch im Engadin. Zwischen diesen Hauptdialekten, die auch ihre eigenen Literaturen haben, vermitteln die Mundarten des Hinterrheingebietes, besonders des Oberhalbsteins, ohne eigene Literatur (ausgenommen die 1755 in Bonaduz veröffentlichte Cuorta doitregna).
Einzelne Gegenden, besonders das Albulathal und Domleschg (mit Heinzenberg) sind sprachlich ausserordentlich gemischt: deutsch und romanisch gehen da durcheinander und wechseln nicht nur von Kreis zu Kreis, sondern auch von Ort zu Ort, ja es sind sogar die einzelnen Orte oft zweisprachig, und es entsteht dann da vorübergehend eine eigentümliche Mischsprache. Das sind die Gegenden des Kampfes der beiden Sprachen, der in der Regel über kurz oder lang mit dem Sieg des Deutschen endet.
Das letztere herrscht im untern Rheingebiet (Churer Rheinthal, Prätigau, Schanfigg, Churwalden), dann in Davos und im Landwasserthal bis Schmitten, in Rheinwald, Avers, Safien und Vals, ferner in einzelnen kleinen Sprachinseln innerhalb des romanischen Sprachgebietes, endlich auch in Samnaun (hier von Tirol eingedrungen). Das deutsche Element macht gegenwärtig 47% der Gesamtbevölkerung aus. Das italienische Element endlich ist ansässig in den Thälern des Pogebietes: Misox mit Calanca, Bergell und Puschlav, flottant mehr oder weniger zahlreich fast in allen Kantonsteilen, besonders aber längs der im Bau befindlichen Albula- und der Oberländerbahn.
Dasselbe erscheint darum gegenwärtig mit gegen 18000 Angehörigen oder 17% der Gesamtbevölkerung etwa um 3% stärker als gewöhnlich. Sieht man von dieser flottanten italienschen Arbeiterschar ab, so erhält man rund 100000 ständige Bewohner Graubündens und zwar etwa 49% Deutsche, 36% Rätoromanen, 14% Italiener und 1% Anderssprachige. Noch bunter wird das bündnerische Völkerbild, wenn man auch die Konfessionen berücksichtigt. Denn da finden wir Reformierte und Katholiken unter allen drei Sprachgruppen.
Die Reformierten machen etwa 53%, die Katholiken 47% der Gesamtbevölkerung aus. Die Reformierten herrschen vor im untern Rheingebiet, im Hinterrheinthal (alle drei Stufen), in Avers-Ferrera, im Engadin und Bergell, dann in einzelnen Teilen des Albulagebietes (Davos bis Wiesen, Bergün-Filisur, in letzterer Gegend momentan allerdings durch die vielen italienischen Bahnarbeiter alteriert) und des Oberlandes (Felsberg bis Flims, Safien, Versam bis Ilanz, Riein-Duvin, Waltensburg), die Katholiken im grössten Teil des Oberlandes, im untern Albulagebiet (Becken von Tiefenkastel), in Misox-Calanca, im Puschlav und Münsterthal, endlich in Samnaun und Schuls.
Mehrere Thalschaften sind konfessionell stark gemischt. So haben z. B. das Domleschg und untere Rheinthal starke katholische Minoritäten und selbst ganze katholische Gemeinden (Tomils, Paspels, Bonaduz, Räzüns, Ems), umgekehrt finden sich grössere reformierte Minoritäten im Puschlav und Münsterthal. Im allgemeinen sind die Deutschbündner reformiert, doch giebt es auch katholisch-deutsche Gemeinden, so z. B. in Vals, Obersaxen und Samnaun, dann auch im Domleschg, in Chur und anderwärts.
Die Rätoromanen sind etwa zu ⅔ katholisch und zu ⅓ reformiert. Zu den letztern gehören vor allem das Engadin (ausgenommen das katholische Tarasp), dann auch mehrere kleinere isolierte Gruppen, wie Waltensburg, Riein-Duvin, Bergün-Filisur, im Domleschg etc. Die bündnerischen Italiener endlich sind weit vorherrschend katholisch (vor allem im Misox-Calanca). Doch bietet das Bergell ein Beispiel eines fast rein italienisch-reformierten Thals, und auch das Puschlav hat einige hundert Reformierte. Gewiss spiegeln sich in diesen komplizierten sprachlichen und konfessionellen Verhältnissen Graubündens ebensowohl die Vielgestaltigkeit des Landes als eigentümliche geschichtliche Entwicklungen. Den Schluss dieses Abschnittes möge eine tabellarische Uebersicht bilden, aus der zugleich die politische Einteilung des Landes ersichtlich ist.
|Bezirke||km2||Einwohn.||Per km2||Deutsche||Romanen||Italiener||Andere||Reform.||Kathol.||Andere|
|Vorderrhein||562.5||5917||10.5||116||5766||31||6||19||5900||0|
|Glenner||698.1||10494||15.0||2721||7552||345||26||2982||7660||2|
|Imboden||206.5||5939||29.0||1888||3706||315||11||2664||3286||0|
|Heinzenberg||254.7||6446||25.2||3825||2216||403||19||4435||2025||3|
|Hinterrhein||505.4||2601||5.1||1327||1203||81||0||2394||217||0|
|Moësa||494.1||6027||12.2||53||15||5965||8||16||6018||7|
|Plessur||292.2||15206||52.0||12734||1584||791||317||1032||4634||60|
|Unter Landquart||352.5||11519||32.6||10977||147||333||52||8789||2718||2|
|Ober Landquart||676.6||13258||19.6||11241||534||495||1208||10560||2753||165|
|Albula||704.9||7841||11.1||1320||4876||1656||18||1354||6508||8|
|Maloja||932.9||7183||7.7||1413||2691||2859||233||5020||2128||48|
|Inn||1010.7||6283||6.2||947||5006||329||11||4914||1377||2|
|Bernina||239.4||4301||18.0||96||40||4191||16||805||3537||1|
|Münsterthal||193.3||1505||8.0||279||1172||59||1||687||824||0|
|:||7123.8 *)||104520||14.6||148937||36508||17883||1926||55371||49585||298|
|47%||35%||17%||1-2%||53%||47%||-|
*) Feste Landfläche ohne die Gewässer.
Wie die Volksdichte und die sprachlichen und konfessionellen Verhältnisse zeigen auch die Siedelungen manches Eigenartige in Anordnung und Stil, und es lässt sich darin deutlich teils die Anpassung an die Landesnatur als Sitte und Brauch der verschiedenen Volkselemente ¶