Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03305.jsonl.gz/2264

Es gibt innerhalb von Jazz-Performances Momente, die absolut brilliant sind. So zum Beispiel Coleman Hawkins in einer Aufnahme in Holland (30-er Jahre),
in welcher er den Schlusston des Vocals der holländischen Sängerin exakt übernimmt für seinen eigenen Chorus, wobei besagte Sängerin von ihrem Standpunkt
aus eine andere Geschichte erzählt, die nichts mit Musik zu tun hat.
Oder ein Duo, live mitgeschnitten, von Don Byas und Slam Stewart, in welchem der Kritikerstreit punkto Swing versus Bebop zur lächerlichen Irrelevanz
degradiert wird.
Diamantene Momente werden aus dem ganzen Spektrum von Stilen, Instrumenten und Vocals zu hören sein. Um nur noch ein Beispiel zu verraten: Mel Powell in
einem Solo in Paris 1945, zusammen mit der Band auf den noch nicht angekommenen Leader wartend und noch nicht wissend, dass Glenn Miller im Flug über
den Ärmelkanal für immer verschwand und mitsamt der Flight-Crew als verschollen erklärt werden musste.
Fehlen wird auch nicht einer der Wichtigsten mit Namen Fats Waller
Der in Pennsylvania geborene Pianist wollte schon immer so Klavier spielen, wie Louis Armstrong seine Trompete beherrschte. Sein "grosser fetter Klang", durch Einspielungen von Satchmos zweiten Hot Five erstmal breiter bekannt geworden, rührte zum einen vom eisenharten Anschlag der Single Note-Linien, zum andern von der Entscheidung her, Melodien oft in Oktaven zu greifen oder an wichtigen Stellen durch Triller zur verstärken.
An diesem Abend sind einige solche Beispiele zu hören.
Der längere zweite Teil des BBC-Programms war eine Live-Sendung zum 50 Jahre Jubiläum mit Andy Oliver als Programmleiter, eine House Band geführt von
Jean Toussaint, ein Überraschungstrio mit Rolling Stones Drummer Charlie Watts und vielen Gästen: Scott Hamilton, Joshua Redman, Gregory Porter,
Jacquie Dankworth und Camilla George.
Zwischendrin Interviews über die Geschichte von BBC Jazz 625 und Soho, dem Jazz Zentrum Londons. Ferner Ausschnitte aus den ursprünglichen
Sendungen mit Stars wie Duke Ellington (erstes Programm 1964), Cleo Laine und Wes Montgomery. Als Zugabe gibt es ein paar Aufnahmen vom DDR
Fernsehen mit einem bemerkenswerten Max Roach Quartet mit Cecil Bridgwater (tp) und Odean Pope (ts) auf der Jazzbühne Berlin 1984.
Dexter Gordon lebte in den sechziger Jahren lange Zeit in Paris und Kopenhagen. Anlässlich des Jazzfestivals Zürich 1975 spielte er drei grossartige LPs
ein. Bei seiner triumphalen Heimkehr in die USA im nächsten Jahr entstand ein fulminantes Doppelalbum mit dem passenden Namen "Homecoming".
Einen seiner letzten Auftritte hatte er als Schauspieler und Saxophonist in der Rolle des Dale Turner im hoch gelobten Film "Round Midnight" von
Bertrand Tavernier.
Der heutige Jazz präsentiert sich als eine Vielfalt von Tendenzen, Individualstilen und besonderen Ansprüchen an die Zuhörer. Aber seine amerikanischen
Wurzeln waren um 1900 weltliche und sakrale Volksmusik der Nachkommen afrikanischer Sklaven und der europäischen Einwanderer. Auch wenn der Jazz inzwischen
von einer trendigen Tanz- und Popmusik zu einer kunstvollen Zuhörmusik geworden ist, suchen westliche Jazzmusiker seit den 1960er Jahren eine Auffrischung und neue Inspiration, oft bei einheimischen oder exotischen Musiktraditionen.
Doch im vernetzten medialen Zeitalter entdecken auch Musiker anderer Kulturen Jazz, Rock und westliche Klassik und der Austausch ist gegenseitig. So gibt es
nicht nur "Ethnic Jazz" und "World Jazz" bei uns; der Jazz beeinflusst auch auf anderen Kontinenten die Entstehung neuer indigener Tendenzen.
Warum ist Jazz dafür speziell geeignet und welche Kontaktpunkte gibt es? Mit Tonbeispielen skizziert Jürg Solothurnmann die Entwicklungen und ihre Gründe.
Edgar Sampson war ein wichtiger Komponist und Arrangeur der Dreissigerjahre.
Er lernte ursprünglich Violine, spielte dann auch Klarinette, Altsaxofon und Baritonsaxophon. Seine hauptsächliche Bedeutung erlangte er durch seine Kompositionen und Arrangements für das Chick Webb Orchester, sowie später für Benny Goodman. Er war einer der Steigbügelhalter für Goodman auf seinem Weg zum "King of Swing", allerdings ohne die gebührende Anerkennung zu erhalten.
Meine Präsentation beginnt mit einer Aufnahme aus 1928 und endet mit den Aufnahmen seines eigenen Orchesters von 1956. Vorgetragen werden Beispiele seiner Kompositionen und Arrangements sowie Werke mit seiner Mitwirkung als Instrumentalsolist. Nicht wenige der Aufnahmen sind Ohrwürmer. Wurmgefährdeten Personen wird vom Besuch abgeraten.
Der Abend, wo Pierre Favre höchstselbst von seiner langen Karriere erzählte und aus dem Nähkästchen plauderte, war ein grosser Erfolg.
Heute steht seine Musik aus den frühen Jahren im Mittelpunkt, die Zeit bei Max Greger und im Jazz Live Trio von Radio Zürich. Müsterchen des Free-Jazz Trios
Favre-Schweizer-Kowald und aus der allerersten Solo-Platte dürfen nicht fehlen und leiten ein Panoptikum höchst abwechslungsreicher Produktionen mit verschiedensten Besetzungen ein.
Sicher haben viele von Euch Wynton Marsalis vor rund 30 Jahren in einem Konzertsaal erlebt und haben ähnliche Gefühle gespürt wie bei der
ersten Begegnung mit Louis Armstrong, Dizzy Gillespie oder Miles Davis. Es ist nur wenigen Musikern gegeben, Jazz Geschichte zu schreiben, aber wie den
früheren Koryphäen ist das auch Wynton Marsalis gelungen, und auf ganz ähnlicher Weise.
Er hat sehr jung mit einem Quintett von begabten Kollegen begonnen - wie Louis Armstrongs Hot Five, Dizzy Gillespie/Charlie Parker Quintet, Miles
Davis/John Coltrane Quintet - und sich unentwegt entwickelt.
Im ersten Set gehen wir zurück zum Jazz Festival Montreux 1988 und begegnen der zweite Gruppe, die Wynton in die Schweiz brachte. Im zweiten reisen
wir nach Berlin zum Jazzfest in der Philharmonie, wo sich die Band auf sieben vergrössert hat, aber die ursprünglichen fünf noch dabei sind.
?