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Aargauer Meditationslehrer und Sex-Guru machte sich Schülerinnen gefügig
Er bezeichnete sich als den höchsterleuchteten Mann auf Erden, gab sich als spirituellen Meister aus. Mehrere Schülerinnen seiner Meditationsschule isolierte er von ihrem sozialen Umfeld, schürte Ängste, machte sie von ihm abhängig. Seine Machtposition missbrauchte er, um fünf Frauen zu sexuellen Handlungen zu zwingen. Für seinen perfiden Plan wählte er Opfer in schwierigen Lebenslagen aus, die sich hilfesuchend an ihn gewandt hatten.
Das Zurzacher Bezirksgericht verurteilte den vorbestraften Sektenguru, der zuletzt in Endingen gewohnt hatte, im Dezember 2016 unter anderem wegen mehrfacher sexueller Nötigung zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren und drei Monaten und ordnete eine Verwahrung an.
Das Aargauer Obergericht bestätigte später den Entscheid, sprach den Beschuldigten jedoch teilweise vom Vorwurf der mehrfachen sexuellen Nötigung von einer der Frauen frei und senkte die Freiheitsstrafe auf neun Jahre. Ein Teil der Missbrauchsfälle war bereits verjährt. Die Oberrichter entschieden sich zudem für eine vollzugsbegleitende ambulante Massnahme statt für eine Verwahrung.
Ist eine ambulante Massnahme angebracht?
Die Therapie soll die Rückfallgefahr vermindern und die Chancen auf eine Resozialisierung erhöhen. Voraussetzung für eine Massnahme ist unter anderem ein Gutachten. Weil der Beschuldigte eine persönliche Untersuchung verweigerte, konnte der Gutachter bei seiner Einschätzung nur auf die Akten zurückgreifen. Diesen Umstand versuchte der Meditationslehrer für seine Zwecke zu nutzen.
Er argumentierte, das Gutachten sei nicht als Grundlage geeignet, um über die Anordnung einer Massnahme zu entscheiden, weil er nicht untersucht worden sei. «Widersprüchlich», urteilte das Bundesgericht. Schliesslich habe er es sich aufgrund seiner Verweigerungshaltung selbst zuzuschreiben, dass es nicht zur persönlichen Untersuchung gekommen sei. Nach Ansicht der obersten Richterinnen und Richter eignet sich das Gutachten als Basis für den Entscheid, auch deshalb, weil der Gutachter offengelegt habe, welche Fragen sich anhand der Akten beantworten lassen und welche nicht.
Rückfallgefahr lässt sich senken
Psychisch schwer gestört muss ein Täter sein, damit eine ambulante Therapie ausgesprochen werden kann, so sieht es das Strafgesetzbuch vor. Eine Voraussetzung, die der Beschuldigte in seinem Fall für nicht erfüllt hält. Eine ambulante Massnahme sei nur dann möglich, wenn eine präzise psychiatrische Diagnose nach einem anerkannten Klassifikationsinstrument vorliege, machte er geltend. Das Bundesgericht weist diesen Einwand zurück.
Zwar habe der Gutachter keine psychischen Störungen im engeren Sinn, dafür aber eine akzentuierte narzisstische Persönlichkeit sowie einen sehr stark ausgeprägten «Dominanzfokus» festgestellt. Die Rückfallgefahr lasse sich durch eine mehrjährige psychotherapeutische Behandlung relevant senken, befand der Gutachter.
Das Bundesgericht bezeichnet dessen Ausführungen als schlüssig und entscheidet, das Aargauer Obergericht habe zu Recht eine vollzugsbegleitende ambulante Massnahme angeordnet. Der Beschuldigte ist auch in Bezug auf den geforderten teilweisen Freispruch und die Strafreduktion erfolglos mit seiner Beschwerde; somit bleibt es bei den neun Jahren Freiheitsstrafe und der Therapie hinter Gittern.
Bundesgerichtsurteil 6B_933/2018 vom 3. Oktober 2019