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Science Fiction im Deutschunterricht – ein paar didaktische Umsetzungsvorschläge
In meinem aktuellen Fachdidaktik-Seminar habe ich als Schwerpunktthema Science Fiction gewählt. Ausgangspunkt ist eine kleine Lektüreliste, die ich auch im Hinblick darauf zusammengestellt habe, dass Monika Stiller an einem ähnlichen Semesterthema arbeitet:
- Kaufmann: Helle Materie (Erzählungen, 2019)
- Brooker: Black Mirror (Serie, UK, 2011-2019)
- Kling: QualityLand (Hörbuch, 2017)
- Gsponer/Horvath: Jugend ohne Gott (Film, 2017)
- Zeh: Corpus Delicti (Roman, 2007)
Die Diskussion im Seminar ging am Anfang von einer gewissen Irritation aus: Ist Science Fiction wirklich ein für die deutsche Literatur repräsentatives Phänomen? Darüber haben wir länger diskutiert. Ein Student schrieb etwa in seinem Lernportfolio:
Wenn ich darüber nachdenke, wie ich das Thema „Science Fiction“ am besten für den Deutschunterricht fruchtbar machen soll, kommen mir vor allem Gründe in den Sinn, weshalb ich dieses Thema gar nicht erst wählen würde. Es ist mir schleierhaft, inwiefern Science Fiction für deutschsprachige Literatur relevant sein soll. (…) Ich glaube auch nicht, dass sich an diesem Genre etwas exemplarisch zeigen lässt, das sich nicht auch an einem anderen, für die deutsche Literatur wichtigeren „Genre“ zeigen liesse.
Mittlerweile ist aber eine angeregte Auseinandersetzung entstanden, was auch damit zu tun hat, dass wir Texte mit einbezogen und eine Sachanalyse durchgeführt haben. Einige Unterrichtsideen, die in diesem Rahmen entstanden sind, möchte hier kurz vorstellen:
(1) Science Fiction als Perspektive und ästhetische Vorgabe
Schülerinnen und Schüler lernen, dass Geschichte als Science-Fiction-Geschichte erzählt werden können, aber etwa auch als Utopie, Dystopie etc. Eine einfache Aufgabenstellung dazu: Science Fiction und Utopie vergleichen, indem dieselbe Geschichte einmal als Science Fiction und einmal als Utopie erzählt wird.
(2) Bosstown Dynamics
Das Online-Video-Unternehmen Corridor Digital macht Videos, in denen Roboter vorkommen, die ähnlich wirken wie die, welche Boston Dynamics herstellt. Diese Roboter werden von Menschen misshandelt und beginnen sich dann zu wehren. Daraus ergeben sich viele Geschichten, aber auch Ängste und Reflexionen über die Frage, was uns Menschlich macht und wie Roboter auf uns wirken. Ein paar Ansätze finden sich auf meiner Facebook-Seite.
In einem ersten Schritt könnten Schülerinnen und Schüler über die in ihrem Leben schon präsenten Roboter oder Maschinen nachdenken: Wann beginnen wir, sie zu benennen, ihnen Gefühle zuzuschreiben?
(3) Black Stories
Das ist die rundeste Idee: Im Kurs haben wir die »nahphantastischen Erzählungen« aus Helle Materie mit Black Mirror verglichen. In beiden Sammlungen haben Erzählungen einen Rätselcharakter: Es wird ein Geschehen erzählt, das nicht hinreichend erklärt wird – in der Rezeption wird gefordert, eine Art Lösung zu suchen.
Das erinnert an Black Stories. Wie im Beispiel von Sebastian Fitzek erkennbar, werden Geschichten auf Rätsel reduziert. Sie werden dann nicht erzählt, sondern vom Publikum erraten.
Im Zusammenhang mit Helle Materie und Black Mirror würde dann folgendes Vorgehen gewählt: In Paaren analysieren die Schülerinnen und Schüler eine Erzählung und adaptieren sie zu einer Black Story. Die Klasse erstellt dann eine ganze Sammlung, ein Spiel-Set.
(4) Sprachreflexion mit Arrival
Arrival (USA, Denis Vileneuve 2016) ist ein Science-Fiction-Film, der sich aus sprachwissenschaftlicher Sicht für den Deutschunterricht eignet. Daraus leitet sich die Projektidee ab, eine Alien-Sprache zu entwickeln und beschreiben – möglicherweise auch in eine Rahmenerzählung eingebettet.
(Dieser Beitrag wird noch ergänzt und mit einer Reflexion abgeschlossen.)
Aktueller Link: Sahner (2019): Literarische Planspiele zwischen Hubots und Facebook-Revolutionen