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Bischöfliches Schloss in Chur wird grundsaniert
Im März 2013 bewilligte der Grosse Rat die geplante Kreditvorlage für die umfassende Renovierung des Bischöflichen Schlosses in Chur. Der einzigartige Barockbau weist Schäden auf, die das Gebäude langfristig stark gefährden und unter dem Aspekt der Denkmalpflege so bald als möglich behoben werden müssen, um einen weiteren Zerfall zu verhindern.
Das Bischöfliche Schloss in Chur (Kanton Graubünden) ist ein Bestandteil des sogenannten Hof-Komplexes, einer römisch-katholischen Enklave in der Stadt. Das Ensemble, zu dem sich noch eine Reihe ehemaliger Domherrenhäuser gesellt, gruppiert sich um einen dreieckigen Platz hoch über der Churer Altstadt. Das Schloss selbst steht auf der Liste der Kulturgüter von nationaler Bedeutung und gehört zu den bedeutendsten Profanbauten im Kanton. Es ist Sitz des Diözesanbischofs von Chur, der bischöflichen Kanzlei und des Offizialats.
Die Ursprünge der heutigen Anlage, die auf dem Gelände eines ehemaligen spätrömischen Kastells errichtet wurde, gehen zurück bis ins 13. Jahrhundert. Aus dieser Zeit ist noch der Marsölturm erhalten, in dem sich früher die Stallungen der Domherren befanden. Seit dem 20. Jahrhundert wurde der Marsöl als bischöfliches Hotel genutzt. Der Neubau des Schlosses erfolgte unter den Bischöfen Johannes von Flugi (1636-1661) und Ulrich von Mont (1661-1692) auf den Resten des mittelalterlichen Bestandes. Sein gegenwärtiges Aussehen mit der markanten Westfassade erhielt das Schloss um 1732/33 unter dem damaligen Bischof Benedikt von Rost, dessen Amtszeit von 1728 bis 1754 dauerte. Der Bischof stammte aus Tirol, deshalb ist die Architektur des Schlosses auch vom österreichischen Barock seiner Heimat geprägt.
Die reichen plastischen Aussendekorationen der Eingangsfassade machen das Schloss in Graubünden einzigartig. Zwischen den vier Pilastern befinden sich zahlreiche Stuckaturen und üppige Fensterverzierungen, die beiden Portale sind mit je zwei bronzenen Löwenmasken geschmückt, die als Ringhalter dienen. Direkt hinter der Fassade befindet sich im Inneren eine monumentale und prachtvolle Treppenanlage, die ebenfalls reichlich mit Dekorationen versehen ist und die zu den besten Régencestuckaturen in der Schweiz gezählt werden. Sie alle stammen von Meister Joseph und datieren auf das Jahr 1733.
Weitere Höhepunkte der Ausstattung im Inneren sind das sogenannte Silbergewölbe, die sternförmige Kassettendecke der Bibliothek mit prächtigen Intarsien, der doppelgeschossige Rittersaal mit seiner Galerie und der reich gegliederten Felderdecke aus dem Jahr 1663 sowie diverse Skulpturen und drei Turmöfen von Johannes Ruostaler aus den Jahren 1750 bis 1753.
Der derzeitige bauliche Zustand des Bischöflichen Schlosses ist allerdings als überaus schlecht zu bezeichnen. Viele Risse durchziehen das Mauerwerk, so dass Feuchtigkeit ungehindert hineinsickern kann. Schadhafte Stellen sind zum Teil nur notdürftig durch Zugstangen gesichert. Die letzte grosse Renovierung erfolgte 1912, in den 1960er und 1970er Jahren wurden verschiedene, kleinere Massnahmen durchgeführt. Um den Ansprüchen der Denkmalpflege und dem Schutz des Schlosses gerecht zu werden, ist eine umfassende Sanierung und Instandsetzung nötig, und zwar bald.
Die gesamten Kosten für die geplante Renovierung belaufen sich auf die erkleckliche Summe von 29 Millionen Franken. Jeweils 2 Millionen wollen der Bund und der Kanton Graubünden beisteuern. Die Zahlung soll allerdings in mehreren Tranchen und erst bei einer tatsächlichen Ausführung einzelner Bauetappen erfolgen. Die laufenden Beiträge des Bundes sind übrignes bisher nur bis 2015 gesichert. Ab 2016 hängt der weitere Geldfluss davon ab, ob zwischen Bund und Kanton eine neue Programmvereinbarung für die Bereiche Heimatschutz und Denkmalpflege zustande kommt.
Das Schloss befindet sich im Besitz der privaten Stiftung „Mensa Episcopalis Curiensis“, in deren Rat auch der derzeitige Bischof Vitus Huonder amtiert. Die Stiftung kann kurzfristig 7,2 Millionen Franken aus Eigenmitteln und Bankkrediten zur Verfügung stellen. Das heisst, es müssen noch rund 17,8 Millionen Franken aufgebracht werden – kein leichtes Unterfangen. Die restliche Finanzierung soll mit Spenden, Beiträgen von kirchlichen und staatlichen Einrichtungen, Unternehmen und Privatpersonen, Stiftungen und anderen Organisationen auf die Beine gestellt werden.
Die Planung hat das Büro der Architekten Dieter Jüngling und Andreas Hagmann aus Chur übernommen, das über einige Erfahrung mit kirchlichen Bauten verfügt. Die vorgesehenen Massnahmen sollen aber nicht allein der Erhaltung der Bausubstanz dienen, sondern auch eine angemessene Nutzung in der Zukunft ermöglichen. Planung und Ausführung werden von der Denkmalpflege des Kantons und dem Archäologischen Dienst Graubünden begleitet.
Die Nutzung der einzelnen Gebäudeteile wird völlig neu organisiert, um die vielfältigen Funktionen des Bischöflichen Schlosses zu optimieren. Zusammenhängende Bereiche sollen dafür räumlich konzentriert werden. Darunter fallen die Wohnräume für die Kurie, das Personal und die Gäste des Hauses, Büros und Betriebsräume für die Verwaltung, Sitzungs- und Empfangsräume, Depots für bewegliches Kulturgut, Archive und die Bibliothek – und schliesslich eine Tiefgarage sowie Räume für die komplett zu ersetzende Haustechnik. Das neue Domschatz-Museum und der Rittersaal sollen nach ihrer Fertigstellung für die Öffentlichkeit zugänglich sein.
Darüber hinaus sollen die verschiedenen Teile des Schlosses mit Durchgängen, Treppen und Aufzügen möglichst in einer Weise erschlossen werden, dass nicht allzusehr in die alte Bausubstanz eingegriffen wird. Wann die Arbeiten abgeschlossen sein werden, steht noch nicht sicher fest.
Oberstes Bild: Bischöfliches Schloss in Chur. (Urheber: Xenos / Wiki / Lizenz: CC)