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La Pierraz, ein Weiler in der Gemeinde Siviriez im Kanton Freiburg, hatte zur Lebenszeit von Marguerite Bays wohl etwa 15 Bauernhöfe. Die Eltern von Marguerite, Pierre-Antoine und Joséphine, liessen sich auf einem kleinen Gut nieder. Marguerite, die am 18. September 1815 zur Welt kam, war das zweitälteste von sieben Kindern. Marguerite Bays besuchte die Schule im Nachbarort. Sie wird als lebendig und lebensfreudig beschrieben, schien sich aber weder für Jungen noch später für ein Leben im Kloster zu interessieren. Bays blieb zeitlebens im Haus ihrer Eltern wohnen. Ihre fürsorgliche Art zeigte sich denn auch zuerst in der Familie. Im Alter von 15 Jahren erlernte Marguerite den Beruf der Näherin. Dieser Beruf wurde für sie zu einer Art Berufung. Sie wurde «die Näherin von La Pierraz» genannt. Durch ihre Arbeit hatte sie ein aufmerksames Ohr für alle Belange der Familien, die sie als Näherin besuchte, sie war aber eine diskrete Vertraute. Grosse Aufmerksamkeit richtete sie als alleinstehende Frau auf arme Kinder, Waisen und junge Hausangestellte. Sie verschaffte ihnen Kleidung und kümmerte sich um ihr Wohlbefinden. Wenn sie sie am Sonntagnachmittag zum Unterricht in Glaubensfragen versammelte, ermöglichte sie ihnen auch eine Zeit der Erholung, indem sie sie von der Landarbeit fernhielt. Marguerite Bays war auch sehr aktiv in der Begleitung der Kranken, zu denen sie oft gerufen wurde. «Ihre Worte berührten das Herz», sagten Zeitzeugen. Dies galt vor allem für sterbende Menschen. Marguerites Worte und Gebete kamen von Herzen und waren spontan. Sie hatte aber auch einen starken Charakter und zögerte nicht, unangemessene Verhaltensweisen zu kritisieren. Für ihren Biografen Robert Loup hat sie wegen dieser Strenge bei einigen Menschen als «böse Frau» gegolten. Marguerite Bays war viel unterwegs. Sie ging wenn immer möglich jeden Tag zur Kirche in Siviriez, eineinhalb Kilometer entfernt. Sie zog in der Region von Hof zu Hof, um ihrer Arbeit nachzugehen. Sie besuchte auch weiter entfernte Kirchen in Romont, Freiburg oder Broc. Ihre grössten Reisen aber waren die Wallfahrten zum Kloster Einsiedeln. Elf Mal sei sie in ihrem Leben dort hingepilgert, stets zu Fuss. Die rund 190 Kilometer hat sie in der Regel in drei Tagesetappen zurückgelegt. Gemäss Robert Loup machte Marguerite Bays in den letzten Jahren ihres Lebens auch eine Pilgerreise zum Marienwallfahrtsort Lourdes.
Marguerite Bays hatte einen wichtigen Platz in ihrer Pfarrei Siviriez. Sie besuchte nicht nur die tägliche Messe und den Gottesdienst, sondern war auch in verschiedenen Gruppen aktiv. Dazu kümmerte sie sich um die Kinder in ihrer Gemeinde und ging für kirchliche Anliegen von Hof zu Hof.
1854 litt Marguerite an Darmkrebs. Am 8. Dezember 1854, dem Tag der Verkündigung des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis Mariens, wurde sie auf wundersame Weise geheilt. Bald darauf soll sie die Stigmata – die Wundmale Jesu – an ihren Händen, Füssen und der Brust erhalten haben. Stark geschwächt arbeitete sie im Elternhaus weiter. Ab 1878 war Marguerite von der Krankheit sehr gezeichnet und ans Bett gebunden. Sie starb am 27. Juni 1879 im Alter von 64 Jahren.