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Der Band versammelt theoretische Positionen und historische Fallstudien zu einer grundlegenden Frage der Editionswissenschaft
Konjektur und Krux. Zur Methodenpolitik der Philologie, hrsg. v. Anne Bohnenkamp, Kai Bremer, Uwe Wirth und Irmgard M. Wirtz, Wallstein 2010.
Schon seit den Anfängen der Philologie in der Antike wird bei der Edition der Texte das Verfahren der ‹Konjektur› angewandt, um fehlende oder verfälschte Textstellen zu rekonstruieren. Welche Textstelle für falsch und welche Korrektur für plausibel erklärt wird, ist «Sache des durch Übung gebildeten Talents» des Herausgebers. Im 19. Jahrhundert setzte zeitweilig eine regelrechte Begeisterung für diese Methode ein. Die moderne Philologie hat Zweifel an dieser subjektiven Verfahrensweise angemeldet. Anstelle des Talents ist eine markierte Leerstelle getreten: die Krux. Doch kann die Krux die Konjektur gänzlich ersetzen?
Vertreter der Kulturtheorie und der Archivpraxis haben in verschiedenen Workshops in Berlin, Frankfurt und Bern die editionsphilologische Frage vermeintlicher «Fehler» in Texten erörtert. Die produktive Zusammenarbeit zwischen dem Lehrstuhl für Neuere deutsche Literatur und Kulturwissenschaft in Giessen, dem Freien Deutschen Hochstift, Frankfurt und dem Schweizerischen Literaturarchiv wird nun im vorliegenden Sammelband dokumentiert: Konjektur und Krux sind keine Alternativen, sondern stehen in einem wechselhaften Verhältnis zueinander.
Letzte Änderung 02.11.2010