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Kurz vor Weihnachten schlug die Nachricht ein wie eine Bombe: In Grossbritannien und Südafrika wurden Mutationen von Covid-19 gehäuft festgestellt. Die Schlagzeilen dominierte vor allem die Mutation aus Grossbritannien. Diese soll sich erfolgreicher weiterverbreiten, als das ursprüngliche Covid-19-Virus.
Grossbritannien reagierte schnell und hart: Die Massnahmen wurden massiv verstärkt. International versuchte man, Grossbritannien und damit auch die Mutation zu isolieren, doch zu spät. Die Mutation wird international immer häufiger nachgewiesen, zahlreiche Staaten haben ihre Massnahmen verschärft und sich dabei auf die Mutation berufen.
Was wissen wir über die britische Covid-19-Mutation B117, die den Bundesrat eine Kehrtwende hat vollführen lassen?
B117 soll bis zu 70 Prozent ansteckender sein. Was heisst das genau?
Die 70 Prozent leiten sich von der angenommenen Erhöhung des Reproduktionswerts (R) von 0,4 bis 0,7 ab. Das bedeutet: Bei einem R-Wert von 1.5 bei Covid-19, also dass zehn Covid-19-Positive die Infektion auf 15 weitere Personen übertragen, hätte B117 einen R-Wert von 1,9 bis 2,3. Zehn Infizierte würden damit 19 bis 23 andere Menschen infizieren, weil sich die Mutation in der Übertragung «professionalisiert» hat.
Um die Verbreitung eines Virus auszubremsen, muss der R-Wert unter eins gebracht werden. Mit der aggressiveren B117-Mutation steigt der Druck, die Fallzahlen zu senken und möglichst schnell viele Menschen zu impfen zusätzlich. Das BAG warnt: Die Gefahr sei auch in der Schweiz gross, dass sich die Ausbreitung jede Woche verdopple. Schon im Februar könnten mehr Ansteckungen auf die mutierte als auf die bisherigen Varianten fallen.
Schützen uns die Impfstoffe gegen B117?
Die meisten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nehmen an, dass die entwickelten Impfstoffe auch gegen die Mutation wirksam sind. Wenn B117 aber weiter mutiert, also seine Eigenschaften präzisiert, könnte es sein, dass die Impfstoffe weniger effektiv werden. Das ist ein weiterer Grund, wieso das Virus dringend eingedämmt werden muss. Denn je mehr Infektionen auftreten, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich das Virus weiterentwickeln kann und noch gefährlicher wird.
Die gute Nachricht: Falls sich das Virus weiterentwickelt, könnte die Wissenschaft darauf rasch reagieren. Weil das mutierte Virus noch immer sehr ähnliche Grundeigenschaften besässe, würden wohl schon kleine Anpassungen an den Impfstoffen reichen, um diese wieder effektiver zu machen.
Infizieren sich Kinder häufiger mit B117?
Grundsätzlich können sich Menschen aus allen Altersgruppen mit Covid-19 und auch der B117-Mutation infizieren und es weiterverbreiten. Bei den älteren Varianten des Virus schienen das Kinder im Primarschulalter weniger oft zu tun. Daten aus Grossbritannien zeigen nun, dass sich das mit der Mutation geändert haben könnte. Die Daten sind allerdings noch nicht stichfest.
Die Variation des Virus könnte Kinder gleich angreifbar wie Erwachsene machen, sagt etwa die britische Virologin Wendy Barclay vom Imperial College London, die auch die Regierung berät. Frankreich reagiert nun und plant Massentests für Kinder und Lehrkräfte. Überall dort, wo es sinnvoll sei, solle bereits ab einem Alter von sechs Jahren getestet werden.
Im Zusammenhang mit B117 und den verschärften Corona-Massnahmen, die ab 18. Januar gelten, wird nun auch in der Schweiz wieder über Schulschliessungen diskutiert.
Wie konnte das Virus mutieren?
Das ist noch nicht klar. Bei einer typischen Infektion mit dem Corona-Virus sind Infizierte ansteckend, bevor Symptome auftreten, schliesslich will sich das Virus möglichst unbemerkt möglichst weit ausbreiten. Wenn sich die Symptome zeigen, beginnt der Körper idealerweise mit Abwehrreaktionen und schwächt das Virus. Ausser im Falle eines schweren Verlaufs kann der Körper das Virus innert weniger Wochen loswerden.
Anders sieht das bei Personen mit Immunschwächen aus. In ihrem Körper kann sich das Virus monatelang aufhalten und sich in Ruhe weiterentwickeln und stärken. Studien belegen, dass das Virus oft mutiert, wenn es sich lange in einem Körper aufhalten kann.
Forschende haben auch beobachtet, dass natürliche Selektion bei Mutationen eine Rolle spielen kann. Dieser Faktor könnte verstärkt worden sein durch die Medikation dieser Patientinnen und Patienten, weil das Virus sich auf die Medikamente einstellen konnte und dadurch immun gegen sie wurde.
Eine weitere Theorie ist, dass Covid-19 sich auf Tiere – beispielsweise Nerze – übertragen hat, dadurch mutiert ist und von den Tieren wiederum auf Menschen übergesprungen ist.
Viren führen konstant kleine Änderungen an ihrem genetischen Code durch. Meistens haben diese Mutationen keinen positiven Effekt auf das Virus. Im Falle von B117 und der Mutation, die häufig in Südafrika nachgewiesen wurde, aber offenbar schon.
Ich hatte bereits Corona. Kann ich mich mit dem mutierten Virus erneut anstecken?
Das wird aktuell untersucht. Es gibt aber auch bei älteren Varianten von Covid-19 Personen, die sich mehrfach infiziert haben.
Bedeutet eine Infektion mit B117 einen schlimmeren Krankheitsverlauf?
Bisher gibt es keine Belege, dass eine Infektion mit der B117-Mutation einen schlimmeren Krankheitsverlauf mit sich bringt als die älteren Versionen des Virus. Bei der in Südafrika gehäuft festgestellten Mutation, die teilweise Überschneidungen mit B117 aufweist, wurde in ersten Studien festgestellt, dass Patientinnen und Patienten eine höhere Konzentration der Viren in den oberen Atemwegen aufwiesen. Bei vielen viralen Infektionen wird das mit schwereren Symptomen in Verbindung gebracht.