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(lat. Logica, v. griech.
logos, »Vernunft, Vernunftschluß«),
Denklehre, Lehre
[* 4] von den Normal- (wie die Psychologie von den Natur-)
Gesetzen des Denkens. Dieselbe wendet die Denkgesetze auf die Naturprodukte des Denkens, die thatsächlichen Begriffe, Urteile,
Schlüsse und Schlußketten, an und gestaltet sie, denselben entsprechend, zu Kunstprodukten des Denkens, d. h. zu logischen
Begriffen, Urteilen, Schlüssen und Schlußreihen, um. Je nachdem die Normalgesetze des Denkens selbst verschiedener
(formaler: auf die Form, realer: auf den Ursprung des Denkprodukts bezüglicher) Art sind, nimmt auch die Logik verschiedenen
(formalen oder realen) Charakter an. Da jedes Denken (s. d.) Zusammenfassen eines Mannigfaltigen und folglich jedes Produkt
desselben Zusammenfassung (Synthese) eines solchen ist, so besteht die Verrichtung der Logik darin,
die Notwendigkeit, Erlaubtheit oder Unerlaubtheit letzterer zu prüfen, die notwendigen oder erlaubten zuzulassen, die unerlaubten
auszuschließen. Da ferner an jeder Verknüpfung die Form (das Verhältnis des Verknüpften unter sich seinem Inhalt nach)
von dem Ursprung (d. h. von der Ursache derselben) zu unterscheiden ist, so kann das Denkgesetz, welches
über die Zulässigkeit oder Unzulässigkeit derselben entscheidet, entweder deren Form (formales) oder deren Ursache (reales
Denkgesetz) beteffen ^[richtig: betreffen].
Nach jenem, welches der formalen Logik zu Grunde liegt, sind diejenigen Synthesen notwendig, deren Manigfaltiges identisch oder
eins durch das oder die andern begründet ist (Denkgesetz der Identität und des zureichenden Grundes),
diejenigen zulässig, deren Manigfaltiges einstimmig (Denkgesetz der Einstimmigkeit oder Widerspruchslosigkeit), dagegen diejenigen
unzulässig, deren Mannigfaltiges unverträglich ist (Denkgesetz des Widerspruchs). Nach diesem, welches der realen Logik zu Grunde
liegt, sind alle Synthesen gültig, deren Ursache eine reale (entweder in der Vernunft: apriorische, oder in der Erfahrung:
aposteriorische Synthesen, gelegene) ist.
zum Begriff (Begriffe zum Urteil, Urteile zum Schluß) darzuthun, nach, daß zwischen denselben das Verhältnis der Identität oder
der Abfolge, um ihre Erlaubtheit darzuthun, daß jenes der Einstimmigkeit, um ihre Unerlaubtheit darzuthun, daß jenes des
Widerspruchs zwischen ihnen herrsche; der Übergang vom Gleichen zum Gleichen, von dem Begründenden zum Begründeten
gilt ihr als denknotwendig, die Vereinigung des Einstimmigen als denkmöglich, jene des Widersprechenden als undenkbar und
folglich als ungültig.
Die reale Vernunftlogik begnügt sich, den Ursprung einer thatsächlichen Synthese auf die Vernunft, die reale Erfahrungslogik,
denselben auf die Erfahrung zurückzuführen, um sie dadurch (auch wenn sie formal undenkbar wäre) als
real gültig darzuthun. Vom Standpunkt der erstern ist jedes formell tadellose Denken (Begriff, Urteil, Schluß), es mag im übrigen
aus der Vernunft oder aus der Erfahrung stammen, vom Standpunkt der Vernunftlogik nur das aus der Vernunft, von jenem der Erfahrungslogik
nur das aus der Erfahrung stammende Denken logisches Denken.
Thatsächlich wird unter Logik die formale Logik verstanden, die durch Aristoteles im wesentlichen eingeführt,
der aber schon durch Platon, der das Kriterium der Wahrheit im »Schauen« der Ideen erblickte, eine Vernunft- sowie durch Epikuros,
der dasselbe in der sinnlichen Wahrnehmung fand, eine Erfahrungslogik entgegengestellt worden ist. Jene erhielt durch den
Umstand, daß Platon den Vernunftbegriff (die Idee) zugleich für das wahrhaft Seiende erklärte, einen
ontologischen Charakter; dialogischen Synthesen (die thatsächlichen Vernunftbegriffe) fielen mit dem thatsächlich Seienden
als »Ideen«, die »Dialektik« fiel mit der Metaphysik als »Ideenlehre« zusammen.
Die formale Logik sowie die Erfahrungslogik, die den Begriff nur als »Gedankending«, d. h.
als Zusammenfassung eines Mannigfaltigen im Denken, ansahen, behielten den Charakter einer »Denklehre« bei.
Im Mittelalter, wohin die Platonische Logik durch die neuplatonisierenden Kirchenväter, die Aristotelische Logik durch die Araber
verpflanzt wurde, bildete sich dieser Gegensatz zu dem zwischen realistischer und nominalistischer aus, deren erstere den
Begriff (das Allgemeine, universale) als »Sache« (res),
Kant, indem er erklärte, die Logik habe seit Aristoteles keine nennenswerte Veränderung erfahren, hat durch seine Behauptung,
daß nur die Materie, niemals aber die Form der Erfahrung gegeben sei, der Erfahrungslogik, welche sich
gerade auf das Gegebensein ihrer Synthesen (dem Stoff und der Form nach) stützt, den Boden weggenommen, dagegen durch seine
Behauptung, daß nicht nur die Vernunft-, sondern auch die Verstandes- und (reinen) Anschauungssynthesen apriorisch seien,
die Vernunftlogik begünstigt.
Kants idealistische Nachfolger von Fichte
[* 6] an sind dazu fortgeschritten, das gesamte Denken in die Vernunft
zu verlegen und diese endlich (wie Platon) mit dem Seienden selbst (Hegels Panlogismus) für Eins zu erklären, wodurch die
Logik abermals mit der Metaphysik zusammenfiel. Kants realistischer Nachfolger (Herbart) hat der Erfahrungslogik ihr berechtigtes
Gebiet, die realen Erfahrungsbegriffe, zurückgestellt, dagegen den Anspruch erhoben, daß diese sich,
wo sie Widersprüche aufweisen, also vom Standpunkt der formalen aus undenkbar erscheinen, einer Bearbeitung nach dem formalen
Denkgesetz unterwerfen sollen. Die reinen Empiriker, welche diesem Anspruch der formalen Logik ebensowenig wie
die reinen Vernunftphilosophen nachzugeben gewillt und in der reinen Erfahrung, ebenso wie diese in der
reinen Vernunft, eine dem bloßen Verstand weit überlegene Autorität zu verehren geneigt sind, haben in J. St. ^[JohnStuart]
Mills »induktiver (s. unten) eine neue (eigentlich
alte) Erfahrungslogik aufgestellt.
Von den zahlreichen Lehrbüchern der Logik heben wir hervor: Drobisch, NeueDarstellung der Logik nach ihren einfachsten
Verhältnissen (Leipz. 1836, 5. Aufl. 1887);