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Reflexologie ist die von W. Bechterew
ab 1910 bevorzugte Bezeichnung für seine objektive Psychologie [1]
, in der die psychischen Vorgänge nur in ihren angeblich objektiven Erscheinungen betrachtet werden. Alles Verhalten wird als Ergebnis der Kombination von Reflexen angesehen. Der Unterschied zu I. P. Pawlows
Physiologie der bedingten Reflexe [2]
besteht einerseits in den metaphysischen Grundlagen (eindeutige Opposition zu materialistischen Auffassungen; es wird zuerst ein psychophysischer Parallelismus vertreten) und andererseits in der vorwiegenden Verwendung von Reflexen der Skelettmuskulatur im Gegensatz zu Pawlows wichtigsten Untersuchungen der Drüsenreaktionen [3]
. Die höchsten psychoreflektorischen Funktionen (also komplexe Intelligenz- und Zielhandlungen) sind nach Bechterew
ohne Übergang mit niederen, reflektorischen Funktionen des Rückenmarks verbunden; die Tätigkeit des ganzen Nervensystems von den niederen bis zu den höheren Zentren ist nur eine allmähliche Komplikation des Verhältnisses zwischen Außenreizen und Reaktionen [4]
.
Assoziationsreflexe (Psychoreflexe) sind ebenso wie einfache Reflexe durch folgendes Schema gekennzeichnet: 1. zentripetale (Reiz-)Leitung, 2. Erregung in Zentren und 3. zentrifugale (motorische) Leitung; bei den ersteren geht aber die Impulsleitung nicht wie bei den letzteren nur durch ein, sondern durch zwei, drei oder mehr Zentren [5]
. Wo das Schema durch assoziative Reproduktion (Belebung von physiologischen Spuren früherer Reize) kompliziert wird, entsteht ein neuropsychischer Prozeß. Bechterews R. ist, besonders in den ausgedehnten spekulativen Partien, der traditionellen Assoziationspsychologie verwandt und unterscheidet sich von ihr nur darin, daß Bechterew es ablehnt, Vorstellungen und andere Bewußtseinstatsachen mit in die Erklärung aufzunehmen [6]
. Bechterew hat in seinem Leningrader Labor mit dressierten Tieren gearbeitet und auch bei Menschen Assoziationsreflexe untersucht. Ein angeblich erzielter Assoziationsreflex zwischen Ton und Kniesehnenreflex ist allerdings später nicht reproduziert worden. Bechterew untersucht nicht nur äußere Assoziationsreflexe, sondern auch «innere» wie Pawlow. Seit 1918 veranlaßte er einfache sozialpsychologische Leistungsexperimente (ohne genügende Kontrolle der Versuchsvariablen), die er zur kollektiven R. rechnete [7]
.
Die Verwendung des Ausdrucks ‹R.› für alle Reiz-Reaktions-Theorien ist kaum gebräuchlich, obwohl es sich in der Sache um nah verwandte Auffassungen handelt. J. B. Watson
hat sich von Bechterews R. distanziert, insbesondere wegen des in ihr ausgesprochenen psychophysischen
Dualismus, den Bechterew
später selbst nicht mehr vertreten hat [8]
.