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Nach wie vor wird die industrielle Arzneimittelsuche ausschliesslich als technisch-ökonomisches Problem betrachtet. Diese Eigenperspektive der pharmazeutischen Industrie übersieht jedoch, dass die Suche nach neuen Wirkstoffen nicht nur von technisch-ökonomischen Fragestellungen abhängt. Betrachtet man den Prozess der Arzneimittelentdeckung aus einer philosophischen Perspektive, so wird deutlich, dass dieser Prozess auch als kreative Praxis zu verstehen ist, der von Individuen - den Laborleitern - getragen wird.
Darum gilt es aus einer philosophischen Perspektive herauszufinden, wie diese Individuen ihre Entscheidungen im Labor treffen und nach welchen Kriterien. Diese Entscheidungen werden unter hoher Unsicherheit getroffen, so dass die Laborleiter auf kreative, narrative Strategien zurückgreifen müssen, um ihre Handlungen sowohl anzuleiten als auch, um sie gegenüber ihren Vorgesetzten zu rechtfertigen.
Das Ziel des Projekts besteht erstens in der Identifikation dieser kreativen, narrativen Strategien der Laborleiter, so dass ein besseres und erweitertes Verständnis der Arzneimittelherstellung gezeichnet werden kann als bisher. In einem zweiten Schritt sollen dann diese Erkenntnisse in einer breiteren wissenschaftsphilosophischen Debatte über anwendungsorientierte Forschung kontextualisiert werden, um das bestehende Klischee der vermeintlich umkreativen, anwendungsorientierten Forschung hin zu einem komplexeren Bild zu überwinden.
Insbesondere für die Schweizer Wirtschaft ist die Frage nach einer adäquaten Beschreibung der pharmazeutischen Forschung von zentraler Bedeutung, da jeder dritte im Ausland verdiente Franken auf die Pharmaindustrie zurück zu führen ist und es nicht zuletzt, um die Sicherung einer zukunftsfähigen und innovativen Arzneimittelforschung geht.