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Sanyu ist ähnlich wie frühere Filme Robert Franks (Life Dances On, 1980, The Present, 1996) ein Stück Erinnerungsarbeit in Bildern («the memory, it’s all about memory»). Diesmal begibt sich Frank mit einer handlichen digitalen Kamera auf die Suche nach Spuren seines Freundes Sanyu, eines chinesischen Malers, der 1966 im Alter von 66 Jahren in Paris, seinem langjährigen Arbeitsort, gestorben ist. Anlass für diese «Recherche» ist eine grosse Auktion, die Sotheby’s Taiwan organisiert hat. Dreissig Jahre nach seinem Tod gelang Sanyu damit auch bei einem breiteren, zahlungskräftigen Publikum der Durchbruch, auf den er zeitlebens umsonst gewartet hatte.
Anders als in den stärker autobiografischen Filmen aus den Sechziger- und Siebzigerjahren, die von der Familie, den beiden Kindern Andrea und Pablo und der ersten Frau Mary, handelten (vor allem Conversations in Vermont, 1969), sind es in Sanyu seltener die eigenen Fotografien, die Vergangenes in die Gegenwart zurückholen. Stattdessen lässt er einen Schauspieler als Sanyu auftreten und ihn von dessen Träumen erzählen. Die entsprechenden Szenen sind in Schwarzweiss mit einer 16-mm-Kamera, also auf Zelluloid, gedreht worden. Der Eindruck, man habe es mit historischen Aufnahmen zu tun, wird dadurch noch verstärkt. Um das fingierte Dokumentarmaterial herum gruppieren sich, optisch deutlich davon abgesetzt, eine Reihe farbiger Sequenzen, in denen Leute zu Wort kommen, die Sanyu offenbar persönlich gekannt haben: Freunde, Gönner und Sammler. Ihre Erinnerungen an den zu Lebzeiten mittellosen Maler stehen in einer spannungsvollen Beziehung zu den Bildern von der Auktion, bei der Sanyus Werke Millionenbeträge lösen.
Wie zu Beginn von The Present zeigt sich Frank zunächst auch in Sanyu unsicher «of what I will be trying to say and to show», vertraut jedoch darauf, dass einmal mehr «by intuition a small idea will start rolling like a snowball on a Swiss mountain». Tatsächlich verdichten sich die Erinnerungen an den toten Freund und die Impressionen aus dem städtischen Alltag von Paris und Taipeh zusammen mit dem aut Texttafeln eingeblendeten Briefwechsel zwischen Frank und der Auktionatorin Rita Wong im Fortgang des Films zu einer komplexen, sinnlichen Reflexion über das Verhältnis, in dem das öffentliche Ansehen eines Künstlers zu seiner privaten Biografie und seine Kunst zum Geschäft mit ihr steht. Gemeinsam mit dem Alter und der Einsamkeit sind das die Themen, über die Sanyu an Franks früheres Filmschaffen anknüpft und es fortsetzt.