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Schweizer Drohnenforscher sind gefragt. Aus weltweit über 400 Bewerbern wurden 9 Teams für ein Indoor-Drohnenrennen in den USA ausgewählt. Eines dieser Teams stammt aus Zürich und gehört sogar zu den Favoriten. Es ist die 15-köpfige Forschungsgruppe um Davide Scaramuzza von der Robotics und Perception Group der Universität Zürich.
Organisiert und finanziert wird das Drohnenennen von Lockheed Martin. Der grosse US-Rüstungskonzern versucht, von den Strategien der verschiedenen Hochschulteams zu lernen und allenfalls begabte Drohnenentwickler abzuwerben.
Denn Drohnen, die autonom in Innenräumen herumfliegen können, sind auch für militärische Zwecke höchst interessant.
«Keine Maschinen für bösartige Zwecke»
Die Zürcher Forscher entwerfen sonst Drohnen für zivile Zwecke. Macht es ihnen keine Mühe, dass ihr Know-how für militärische Zwecke genutzt werden könnte? «Doch, das ist ein Problem für mich», sagt Davide Scaramuzza. «Ich wollte nie Maschinen bauen für bösartige Zwecke».
Die Programmierung der Drohne – die Algorithmen also, die sie entwickelten, damit die Drohne so schnell wie möglich die 300 Meter lange Strecke durch gegen 30 Tore fliegen kann – bleibe allerdings unter Verschluss. Lockheed Martin könne zwar ein Kaufangebot machen. «Aber wir verkaufen nichts, was auch für kriegerische Einsätze gebraucht werden könnte».
Interessant sei das Drohnenrennen, das am 6. Dezember in Austin, Texas stattfindet, wegen des Preisgeldes von 1 Million Dollar. «Wir könnten das Geld gut gebrauchen, um unsere Forschung voranzutreiben», sagt Scaramuzza.
Fliegen in Innenräumen bleibt schwierig
Draussen ist es heute keine Kunst mehr, Drohnen auf vorgegebenen Routen fliegen zu lassen. Post- Film- oder Überwachungsdrohnen gehören zum Alltag. Sie orientieren sich mit GPS, das via Satelliten funktioniert.
«Das GPS-Signal ist aber relativ schwach und dringt nicht durch Mauern», sagt Scaramuzza. Drohnen, die durch Innenräume fliegen, brauchen deshalb Sensoren, mit denen sie ihre Lage und ihre Geschwindigkeit ständig überprüfen können.
Die vierflügeligen Indoor-Drohnen haben eine Kamera zur Navigation vorne und eine Kamera zur Überprüfung der Geschwindigkeit unten. Die Aufnahmen laufen im Bordcomputer zusammen. Pro Sekunde verarbeitet er 30 Bilder, errechnet die Flugbahn ständig neu und gibt den Rotoren die entsprechende Geschwindigkeit durch.
«Das tönt relativ einfach, ist es aber nicht», sagt Scaramuzza. «Oft sind die Drohnen noch instabil». Sie lassen sich durch Bewegungen oder durch Lichtwechsel ablenken.
Nutzen auch für zivile Forschung
Scaramuzzas Team hat auch Drohnen entwickelt, deren Arme sich im Fliegen falten können. So verkleinert gelingt es den Drohnen sogar durch kleine Mauerlöcher zu schlüpfen.
Nach einem Erdbeben könnten Drohnen so in einsturzgefährdeten Gebäuden nach Überlebenden suchen. «Dabei brauchen wir genau die gleiche Software, die wir beim Drohnenrennen in den USA einsetzen», sagt Scaramuzza. Im besten Fall hilft das US-Drohnenrennen also sogar, zivile Projekte voranzubringen.