Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03268.jsonl.gz/2445

The World Islands, ein künstlich angelegtes Archipel bestehend aus 300 Sandinseln, gilt als eines der verrücktesten Mega-Projekte Dubais. Die Inseln sollten zusammen die Form einer Weltkarte bilden. Der Bau begann im September 2003. Im Gegensatz zum Inselprojekt The Palm Jumeirah, einer ebenfalls künstlich erschaffenen Inselgruppe in Form einer Palme, startete das Projekt The World Islands allerdings nie richtig durch – im Gegenteil. Schon bald jagte eine Hiobsbotschaft die nächste.
2008 kam das Projekt wegen der Finanzkrise und damit verbundenen finanziellen Schwierigkeiten von mehreren Investoren zum Stillstand. Das führte unter anderem dazu, dass sich Sand in den kleinen Durchlässen zwischen den Inseln sammelte. 2011 fiel schliesslich die Entscheidung, diese nicht mehr frei zu baggern. Den Inseln drohte je länger je mehr, die Grundlage wegzuschwimmen. Es bestand die Gefahr, dass sie wieder ins Wasser sinken, da immer mehr Sand abgetragen wurde.
«Alle Inseln sind da. Ich sehe sie jedes Mal, wenn ich darüber hinweg fliege»
Dubais Tourismusbranche ist diese Berichterstattung viel zu negativ. «Das Projekt ist nicht eingeschlafen», sagt Hoor Alkhaja, Asscociate Vice President von Dubai Tourism, im Gespräch mit Travelnews. Alle Inseln seien da. «Ich sehe sie jedes Mal, wenn ich mit dem Flugzeug unterwegs bin. Sie liegen direkt auf der Flugroute zum Dubai International Airport.» Jetzt gehe es darum, dass sie von Investoren touristisch betrieben würden.
«Dubai ist nicht das einzige beliebte Reiseziel, das mit Erosion zu kämpfen hat», so Hoor Alkhaja. Auch auf den Malediven trage das Meer Sand ab. «Die Strände dort müssen regelmässig wieder aufgefüllt werden. Davon spricht niemand.»
Eine Pionierrolle übernahm auf der Insel, die den Libanon darstellen soll, der Beach-Club «The Island». Besucherinnen und Besucher können vor Ort oder online eine Tagestour buchen. Es stehen zwei Strände zum Sonnenbaden zur Verfügung. Wer will, kann dort auch Volleyball spielen oder im Pool planschen.
Um die Umgebung zu entdecken, können Tagesgäste ein Kajak oder Stand-up-Paddle-Board ausleihen. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, auf der Insel ein Abendessen im Kerzenschein zu geniessen. Besucherinnen und Besucher, denen es besonders gut gefällt, können vor Ort auch übernachten.
Die erste grosse Hotelanlage, die als Teil des Mega-Projekts eröffnete, war vor rund anderthalb Jahren das Anantara World Islands Dubai Resort. Es liegt in «Südamerika» und ist von seinem Schwesterbetrieb, dem Anantara The Palm Dubai Resort, in rund 20 Minuten per Schnellboot erreichbar.
Die Anlage verfügt über 70 Zimmer, Suiten und Villen – von erhöhten Zimmern mit Meerblick bis hin zur Beach Pool Villa mit vier Schlafzimmern, die sich über gewaltige 224 Quadratmeter erstreckt. Neben viel Luxus und gutem Essen gibt es auch ein breites Sportangebot. Unter anderem stehen Jet-Skis und ein hochmoderndes Fitnessstudio zur Verfügung.
Nun soll es auch mit einem weiteren Projekt auf der künstlichen Insellandschaft endlich vorwärts gehen: The Heart of Europe. Treibende Kraft ist der österreichische Investor Josef Kleindienst. Seine hochtrabenden Pläne auf den World Islands verzögerten sich immer wieder, nicht zuletzt wegen der Corona-Krise.
«Vergangenen Samstag hatten wir fast 1400 Gäste auf der Insel»
Das gesamte Projekt umfasst «Paläste» mit Privatstränden, Hunderte kleinerer Villen und Apartments, Hotels sowie schwimmende «Seepferdchen»-Villen auf dem Sechs-Insel-Cluster, das vier Kilometer vor der Küste Dubais liegt. Ein erster kleinerer Teil des Projekts, das Cote d'Azur Monaco Hotel, ist seit Anfang dieses Jahres für die Öffentlichkeit zugänglich. «Allein letzten Samstag hatten wir fast 1400 Gäste», sagt Kleindienst in der Zeitung «The National News». «Wir waren überwältigt, an einem Tag so viele Menschen auf der Insel zu haben», so der Investor.
«Momentan sind mehr als 70 Objekte im Bau. Ein Teil davon wird bis Ende dieses Jahres eröffnet», erklärt Kleindienst weiter. Konkret handelt es sich dabei um knapp 50 «Seepferdchen»-Villen. Über 70 schwimmende Villen sind laut dem Investor bereits verkauft, hauptsächlich an Interessenten aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Bis 2026 soll The Heart of Europe komplett fertig gebaut sein.
Allen Unkenrufen zum Trotz: The World Islands Dubai scheint – mit etwas Verspätung – doch noch Gestalt anzunehmen. Je nachdem, wie erfolgreich die bestehenden und die neu anlaufenden Projekte sind, könnte die künstliche Insellandschaft auch für weitere Investoren interessant werden.