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Die Anleger lassen an der Beobachter-Hotline ihrem Frust freien Lauf: Der pensionierte Psychologe Martin Haller (Name geändert) zum Beispiel hatte 60'000 Franken in Lehman-Papiere investiert. «Ich wollte dieses Geld sicher anlegen, da es für unsere Vorsorge reserviert war. Mein Bankberater meinte damals, diese Papiere seien absolut sicher - sogar seine Grossmutter gehe mehr Risiken ein.»
Vermittler sind nicht Herausgeber
Am 15. September 2008 gab Lehman Brothers, die viertgrösste US-Investmentbank, ihre Insolvenz bekannt. Das Konkursverfahren kann Jahre dauern. Ob und wie viel Geld Schweizer Anleger aus dem Konkurs erhalten werden, ist ungewiss. Die Anleger, die bei Schweizer Banken Kapitalschutzprodukte von Lehman gekauft hatten, meinten, die Papiere seien sicher.
Ein Irrtum, der durch den Begriff «Kapitalschutz» entstand: Viele Anleger glaubten, ihre Investitionen seien durch die Bank, die ihnen die Papiere vermittelte, gedeckt. Tatsächlich aber garantiert die Herausgeberin, in diesem Fall Lehman Brothers, den Kapitalschutz. Der Anleger trägt das Risiko, falls die Herausgeberin zahlungsunfähig wird - dies nennt sich Emittentenrisiko. Es besteht grundsätzlich kein Anspruch auf Entschädigung durch die Bank, die das Produkt vertrieben hat.
Anders sieht es aus, wenn die Bank bei der Beratung ihre Informations- und Aufklärungspflichten verletzt oder den Kunden gar überredet hat, einen Grossteil seines Geldes in ein einziges Produkt zu investieren. In solchen Fällen kann sie allenfalls haftbar gemacht werden.
Schlecht beraten
Tatsächlich gibt es Anzeichen, dass Fehlberatungen stattgefunden haben. Der Ingenieur Hans Schwander (Name geändert) hatte 50'000 Franken auf seinem Sparkonto. Er habe seiner Bankberaterin klargemacht, dass er bei einer Anlage null Risiko eingehen wollte. «Gerade deshalb hat sie mir die strukturierten Produkte von Lehman Brothers empfohlen. Sie betonte immer wieder den Kapitalschutz. Über das Emittentenrisiko klärte sie mich nicht auf.» Wie Schwander kann sich kaum einer der Ratsuchenden daran erinnern, über das Emittentenrisiko informiert worden zu sein. Der Grundtenor der Anrufer ist, dass sie beim Kauf der strukturierten Produkte mit dem Argument «Kapitalschutz» geködert und in Sicherheit gewiegt wurden.
So wähnte sich auch Pensionärin Petra Müller (Name geändert) im falschen Film, als ihr ein Bankberater telefonisch mitteilte, dass Lehman Brothers Insolvenz angemeldet hatte. Sie muss nun um rund 290'000 Franken bangen. Fast zwei Drittel ihres Bankguthabens hatte sie auf Anraten ihrer Beraterin in Lehman-Papiere investiert.
Müller habe die Produktbeschreibung genau studiert: «Trotzdem war mir nicht klar, dass Lehman Brothers für das Produkt geradestehen muss. Für mich war meine Bank die Herausgeberin des Papiers», sagt sie. «Meine Bankberaterin hat betont, dass ich mit diesen Anlagen garantiert kein Risiko eingehe, da ja ein Kapitalschutz bestehe.»
Nachdem die meisten Schweizer Banken anfänglich Entschädigungen ausschlossen, können einige Anleger nun doch noch hoffen: Zwei von elf angefragten Banken wollen die Verluste ihrer Kunden bei kapitalgeschützten Lehman-Produkten vollumfänglich ersetzen, vier immerhin teilweise (siehe Tabelle unten). Unklar bleibt, nach welchen Kriterien die Entschädigungen festgelegt und begründet werden - die Banken fühlen sich in sehr unterschiedlichem Ausmass verantwortlich.
Hier finden Sie Unterstützung
Wenn Sie der Ansicht sind, beim Kauf der Papiere falsch oder zumindest nicht korrekt informiert worden zu sein, begründen Sie das gegenüber Ihrer Bank möglichst präzise und verlangen Sie eine schriftliche Stellungnahme. Wenn Ihnen diese vorliegt und Sie damit nicht einverstanden sind, können Sie sich an den Bankenombudsmann wenden: Er wirkt vermittelnd und unterbreitet den Streitparteien einen Lösungsvorschlag - dieser ist nicht bindend, wird aber häufig akzeptiert.
Kontakt: www.bankingombudsman.ch - oder Telefon 043 266 14 14 (8.30 bis 11.30 Uhr)