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Die Geschichte der reformierten Kirche Andelfingen
Die Geschichte der ersten Kirchen in Andelfingen liegt weitgehend im Dunkeln. Weder Urkunden noch Ausgrabungen geben uns verbindliche Auskünfte über die verschiedenen Kirchenbauten. Man vermutet eine bereits frühmittelalterliche Kapelle, von der lediglich ein Mauerrest erhalten geblieben ist. Sie erfuhr im Mittelalter mehrere Erweiterungen und erhielt schliesslich zwei Schutzheilige, Sigisbert und Placidus.
Im 16. Jahrhundert schloss sich Andelfingen der Reformation an. Damit verlor die Kirche Andelfingen ihre Schutzheiligen. Nach Merians Topographie von 1654 zeigt die Kirche in den Längsseiten vier Spitzbogenfenster. Der massige, nicht sehr hohe Turm schliesst mit einer Käsebisse ab.
Andelfingen um 1654
Bis ins 17. Jahrhundert gehörten nebst Andelfingen, Kleinandelfingen, Humlikon, und Adlikon auch Dorlikon (= Thalheim, bis 1599), Volken (bis 1610), Dägerlen (bis 1642) und Dorf (bis 1658) zur Kirchgemeinde Andelfingen.
1666 wurde die Kirche bis auf den Grund abgebrochen und neu aufgebaut. Eine Empore und das fünfte Fenster über den hinteren Eingängen sind in dieser Zeit entstanden. Vorn in der Kirche lag der Chor, über dessen Kreuzgewölbe der Turm aufgebaut war.
Dieser ist als ältester, wenn nicht ursprünglicher Teil der Kirche zu betrachten. Übertünchte Gemälde, die anlässlich seines Abbruches im Chorgewölbe gefunden wurden, wiesen auf die Zeit vor der Reformation zurück und zeugten davon, dass Vergrösserungen in westlicher Richtung ausgeführt worden sind.
Andelfinger Kirche um 1810
Der neugotische Turm
Wohl als Folge des Aufbaus der Kirche von 1667 war ein offensichtliches Missverhältnis im Höhenunterschied zwischen Turm und Kirche entstanden. Die beiden Enden der Käsebisse reichten fast bis auf den Kirchenfirst hinunter. Deshalb beschloss man 1859, einen neuen Turm aus lokalem Tuffstein in neugotischem Stil zu bauen. Als Architekt konnte man Staatsbauinspektor Johann Kaspar Wolff gewinnen. Man trug den alten Turm über dem Chor bis auf 15m Höhe ab und war mit dem neuen Turm schon fast beim Dachgesimse, als man im Chorgewölbe Risse und abbröckelnde Teile feststellte. Da weitere Absenkungen im Fundament dazukamen, beschloss man am 2.11.1860 den sofortigen und vollständigen Abbruch des Turmes und des Chors. Der neue, 52m hohe Turm wurde ein Jahr später etwa 6m östlich, also näher an die Landstrasse gebaut. Die Kirche wurde verlängert, verlor damit aber den ursprünglichen Chor.
Andelfinger Kirche um 1961
Fresko im Turm
1930 bekam Kunstmaler Emil Frei (1882-1955) von Kleinandelfingen den Auftrag, ein Fresko zu malen über dem östlichen Eingang, also unter dem Turm. Es zeigt Jesus auf dem Mühleberg mit Sicht auf die Reben des Schiterbergs und spielt an auf Worte von Jesus: „Schon ist die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt. Jeder Baum nun, der nicht gute Frucht bringt, wird umgehauen.“ (Mt 3,10) und an das Gleichnis vom Feigenbaum. (Lk 13, 6-9).
Veränderungen im Innern:
Die Kirche erlebte auch im Innern verschiedene Phasen:
Andelfinger Kirche innen 1930
Bei der Renovation 1969/70 wurde die Kanzel von der Wand weg und mehr in den Raum gerückt. Die neue Orgel wurde im Chorraum platziert. Anlässlich dieser Renovation entstand auch der Wandteppich.
Andelfinger Kirche innen 1970
Sturm 1982
Am 15.8.1982 zerstörte ein Sturm neun der sechzehn Fialen des Turmes und richtete grossen Schaden an der Kirche und Umgebung an. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt, obwohl tonnenschwere Sandsteinbrocken auf die Treppe und Strasse fielen.
Renovation von 2004
2004 wurde die Kirche erneut renoviert, weil sich Schäden abzeichneten am Kirchturm und an der Fassade der Kirche. Zugleich wurde das Kircheninnere umgestaltet, um mehr Platz zu gewinnen für Feiern mit Kindern, Konzerte und Kleingottesdienste im Chor. Das Chorgestühl und die Kanzel wurden entfernt. Die Kirche erhielt eine neue, verschiebbare Kanzel, einen Abendmahlstisch und eine bessere Beleuchtung.
Andelfinger Kirche innen 2004, Blick von der Empore.
Taufstein
Der jetzige Taufstein aus Schleitheimer Alabaster stammt aus dem Jahr 1773 und wurde von Bildhauer Spengler in Schaffhausen gestaltet. Achteckig ist er, weil Ostern als der achte Schöpfungstag gilt und die Taufe an die Auferstehung Jesu erinnert. Deshalb auch die Inschrift auf dem Taufstein aus Römer 6,8: Sie werden in Jesu Tod getauft (und werden durch die Taufe zu neuen Menschen, denen Gott Anteil gibt am ewigen Leben).
Abendmahlsgeräte
Die Kirchgemeinde ist noch im Besitz alter, hölzerner Abendmahlsgeräte, eingeführt nach der Reformation, 1607 zum ersten Mal erwähnt. Sie sind hinten in der Kirche in einer Vitrine ausgestellt. Sie wurden 1897 abgelöst durch silberne Abendmahlsgeräte, bestehend aus acht Bechern und sechs Tellern.
Literaturverzeichnis zur Geschichte der reformierten Kirche Andelfingen
Geschichte der Kirchgemeinde Andelfingen.
Dr. Emil Stauber. Bd I. 1940, S. 313ff
Kirche Andelfingen. Eine Baugeschichte von 1859-1962.
Hrsg. Kirchenpflege Andelfingen 1961
Andelfingen und seine Kirchen im frühen und hohen Mittelalter.
Hans Kläui. In: Zürcher Chronik 4/1970
Zürcher Denkmalpflege. 7. Bericht 1970-1974. 1. Teil
Heimatkundliches Archiv Kleinandelfingen