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Versuche mit Tieren an der Universität Bern
Als Tierversuch gilt in der Schweiz jede Handlung mit einem lebenden Tier, die dem Erkenntnisgewinn dient. Das im Versuch eingesetzte Tier wird dadurch zum Versuchstier. Diese allgemeine Definition schliesst also an der Universität Bern und an anderen Hochschulen auch Versuche zur Verbesserung des Tierwohls oder die Erforschung von Wildtieren mit ein. So gilt ein Versuch mit Hühnern zur Optimierung von Haltungsbedingungen genauso als Tierversuch, wie wenn das Verhalten von Kohlmeisen in der Natur beobachtet wird oder Versuche in der biomedizinischen Grundlagenforschung durchgeführt werden.
Wichtig für die Beurteilung der sehr unterschiedlich ausgerichteten Tierversuche ist der Schweregrad der Belastung für das Tier. In der Schweiz werden 4 Schweregrade von 0 bis 3 unterschieden. In den Jahren 2004 bis 2014 waren 85,5% der Tierversuche an der Universität Bern den Schweregraden 0 (41,4%) und 1 (44,1%) zuzuordnen. 12,2% entfielen auf den Schweregrad 2. Einem Versuch mit Schweregrad 3 waren 2,3% der Versuchstiere ausgesetzt.
2014 wurden an der Universität Bern (inkl. Inselspital) 36'572 Tiere in Versuchen eingesetzt. Ein Teil der Tiere, die für Versuche der Schweregrade 0 (17’216 Tiere) und 1 (14'057 Tiere) eingesetzt wurden, befinden sich nicht in einer Versuchstierhaltung, sondern sind Nutztiere oder Haustiere in Privatbesitz, deren Halter ein Einverständnis beispielsweise zu einer Datenerhebung oder der Entnahme einer Blutprobe für Forschungszwecke gegeben haben. Die überwiegende Mehrzahl der von der Universität und dem Inselspital speziell gehaltenen Versuchstiere sind Labornagetiere. Auch von diesen wird nur eine Minderheit für Versuche der Schweregrade 2 und 3 eingesetzt.
Die Universität Bern verfügt mit Professor Hanno Würbel über die einzige Professur für Tierschutz in der Schweiz. Sie ist seit 1988 aktiv in der 3R-Forschung und verfügt über zahlreiche ausgewiesene Fachleute in diesem Bereich. Die 3R-Prinzipien Replace (Ersatz von Tierversuchen mit geeigneten Alternativmethoden), Reduce (Reduktion der Anzahl benötigter Tiere im Versuch) und Refine (Verminderung der Belastung der Tiere bei der Haltung und im Versuch) bilden die Eckpfeiler von humanen Tierversuchen.