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Dominique de Buman war zehn Jahre Syndic der Stadt Freiburg. Drei Mal wurde er für die CVP in den Nationalrat gewählt.
Dominique de Buman, wenn Sie in den Ständerat gewählt würden, in welcher Sprache würden Sie dort sprechen?
Im Ständerat ist es die Regel, dass jeder sich in seiner Muttersprache ausdrückt, aber Ausnahmen sind möglich. Ich würde wohl meistens auf Französisch sprechen. Aber in einer kontradiktorischen Debatte im Ständerat, in welchem die Wortmeldungen ja frei sind, wäre es möglich, dass ich einem Kollegen in seiner Muttersprache antworte.
Ist Ihnen diese Frage wichtig?
Wir müssen nicht nur unsere eigene Sprache verteidigen und erleben, wir müssen uns auch bemühen, vom jeweils anderen verstanden zu werden. Wenn man ihn versteht und von ihm verstanden wird, so landet man mehr Treffer. Ich präsidiere den Schweizer Tourismusverband oder die Seilbahnen Schweiz fast ausschliesslich auf Deutsch. Im Ständerat gibt es keine Simultanübersetzung. Man muss sich also verständigen können, sonst darf man nicht kandidieren.
In den letzten 36 Jahren war immer ein Deutschfreiburger Ständerat. Ist das für Sie eine Hypothek?
Nein, absolut nicht. Zwischen 1995 und 2003 waren es mit Anton Cottier und Otto Piller sogar zwei Deutschsprachige. Niemand hätte damals darüber gejammert. In der gesamten parlamentarischen Delegation des Kantons Freiburg sind heute vier Deutschsprachige. Wenn ich also designiert und gewählt würde, so wäre unter Beibehaltung der jetzigen Mandate ein Drittel der Delegation deutscher Muttersprache. Das ist immer noch ausgewogen.
Was Ihnen immer wieder vorgehalten wird: Sie traten in einer Bundesratswahl gegen Urs Schwaller an …
Nein, das ist absolut falsch. Diese Unwahrheit wird wohl immer wieder hervorgeholt, weil man mir sonst nichts vorwerfen kann. 2009 wurde ich von der CVP-Findungskommission angefragt, ob ich kandidieren würde. Da stand auch der lateinische Aspekt zur Debatte. Deshalb stellte die Sektion der Stadt Freiburg meine Kandidatur vor, was publik wurde. Das war lange bevor Urs Schwaller seine eigene Kandidatur ankündigte. In der Fraktion fand eine Anhörung statt: Mir war bewusst, dass die Fraktion hinter ihrem Chef stand, und nach der Anhörung habe ich meine Kandidatur zurückgezogen. Von 48 Stimmberechtigten kriegte Schwaller 48 Stimmen, inklusive seiner und meiner.
Welches ist die Hauptmotivation Ihrer Kandidatur?
Ich habe Erfahrung auf drei politischen Stufen: Gemeinde, Kanton und Bund. Diese Erfahrung braucht man im Ständerat, weil die Beratungen rascher verlaufen, die Zahl der Ratsmitglieder geringer ist, die Kommissionssitzungen kürzer sind. Zudem hat man die Möglichkeit, auch zu den Geschäften anderer Kommissionen etwas zu sagen. Man muss Durchblick haben und rasch die Lage beurteilen können. Der zweite Grund liegt in meiner politischen DNA: Ich bin ein Spiegelbild der Partei. Es ist auch die DNA der Partei und des Ständerats.
Was würde sich für Sie im Falle einer Wahl ändern?
Sicher der Zeitaufwand. Ein Nationalratsmandat entspricht etwa zwei Dritteln eines Vollamts, aber der Ständerat gegen 80 Prozent. Es gibt mehr Sitzungen bei nur 46 Ratskollegen. Das heisst, dass die Mitglieder in mindestens zwei bis drei Kommissionen sitzen. Man muss mehr Dossiers beherrschen. Wenn ich designiert und gewählt werde, würde ich wohl ein paar Nebenämter abgeben. Zum Beispiel das Vizepräsidium der CVP Schweiz. Man kann nichts anderes nebenbei machen.
Was spricht dafür, dass ein Kandidat aus dem Bundesparlament und nicht aus der Kantonsregierung in den Ständerat kommt?
Für den Kontakt zwischen der Bundesdeputation und Freiburg gibt es die regelmässigen Treffen mit der Kantonsregierung. Heute sind ein Drittel der Ständeräte ehemalige Regierungsräte und ein Drittel frühere Nationalräte. Aber man kann aus Zeitgründen nicht ein Kantonsamt mit einem nationalen Mandat kumulieren. Ich habe diese Erfahrung während acht Monaten als vollamtlicher Stadtpräsident und Nationalrat gemacht. Das war unerträglich.
Welchem Parteiflügel würden Sie sich zuordnen?
Bei den wichtigsten Abstimmungsvorlagen habe ich fast immer die Empfehlungen der Partei befolgt und vertreten. Ich habe mich in der Kommission für Wirtschaft und Abgaben für die Rahmenbedingungen der Wirtschaft eingesetzt. Wirtschaftlich bin ich Mitte-Rechts: für eine liberale Marktwirtschaft, aber mit einer menschlichen Weltanschauung. Eigentlich verfolge ich die Linie von Urs Schwaller.
Was hätte Ihr Abgang aus dem Nationalrat für die Freiburger CVP für Folgen?
Ich bin mir bewusst, dass ohne Listenverbindungen der zweite Nationalratssitz der CVP wackelt. Aber es wäre auch eine Gefahr, dass bei einer Kandidatur von Christine Bulliard und mir wenig Perspektiven für die anderen Bezirke bestünden. Es wäre so nicht sicher, dass wir eine komplette und hochkarätige Liste präsentieren könnten. In diesem Sinne ist es auch im Interesse der Partei, dass ich für den Ständerat kandidiere.
Wo stehen Sie heute in Ihrer politischen Karriere?
Ich wurde vor 29 Jahren zum ersten Mal gewählt. Das ist für mich eine Leidenschaft. Ich habe immer noch die gleiche Energie und Begeisterung.
URs HAenni
Beat Vonlanthen wurde als Nachfolger von Urs Schwaller 2004 in den Staatsrat gewählt. Der Volkswirtschaftsdirektor strebt zum ersten Mal ein Mandat in Bundesbern an.
Beat Vonlanthen, sollten Sie im Herbst gewählt werden, in welcher Sprache würden Sie im Ständerat auftreten?
Ich würde Deutsch sprechen, weil ich als Mitvertreter des Kantons Freiburg wohl Christian Levrat haben werde, der französisch spricht. Ich werde aber, wie ich das im Staatsrat handhabe, mich so einbringen, dass es Sinn macht und wirksam ist. Da muss man teilweise in der Sprache des Partners reden. Das ist der Vorteil des deutschsprachigen Kandidaten: Mit den Vertretern der Deutschschweizer Kantone ist der Kontakt einfacher und auch effizienter.
Wie wichtig ist die Sprachenfrage für den Freiburger Ständeratssitz?
Für mich ist sie sehr wichtig. Nicht nur beim Umsetzen von Ideen und Interessen, sondern auch vom Symbolgehalt her für den Kanton Freiburg, der als zweisprachiger Brückenkanton diese Rolle spielen können muss. In den interkantonalen Konferenzen konnte ich bereits bisher ausgedehnt Brückenbauer sein. Für mich ist es wichtig, dass das Freiburger Erfolgsmodell mit der Vertretung beider Sprachen im Stöckli weitergeführt wird.
Bereits zum zweiten Mal sind Sie bereit, wenn es gilt, in die Fussstapfen von Urs Schwaller zu treten. Zufall?
In der Politik ist es so, dass man zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein muss. In diesem Sinn konnte ich ab 2004 Urs Schwaller im Staatsrat ersetzen. Ich habe dabei gezeigt, dass ich etwas bewirken, eine Aufgabe zukunftsgerichtet wahrnehmen und eigene Schwerpunkte setzen kann. Deshalb ist es für mich nicht überraschend, dass mich die Partei anfragt, die Nachfolge von Urs Schwaller auch in Bundesbern anzutreten.
Was ist Ihre Hauptmotivation für die Kandidatur?
Nach mehr als zehn Jahren im Staatsrat bin ich bereit, diese Herausforderung anzunehmen. Ich habe als Staatsrat und Volkswirtschaftsdirektor politische Erfahrungen sammeln können, um erfolgreich die Interessen des Kantons zu vertreten.
Wie würde sich Ihr Leben als Ständerat ändern?
Der Hauptschwerpunkt meiner Arbeit würde sich neu nach Bern verschieben. Ich würde mich vermehrt auf nationale Themen konzentrieren, aber weiterhin die Rolle der Kantone und namentlich Freiburgs wesentlich im Blickfeld haben.
Sie würden während eines Übergangsjahrs Staatsrat und Ständerat sein. Wie soll das funktionieren?
In einer Übergangsphase sind gemäss der Kantonsverfassung Doppelmandate bis Ende Legislatur möglich. Es wäre für mich auch wegen der Kosten für den Staat nicht vertretbar, dass es im Mai 2016 eine Ergänzungswahl gibt und dieser neue Staatsrat im November sich erneut zur Wahl stellen müsste. Von der Arbeitslast her kann ich sicher beide Ämter managen. Bereits jetzt habe ich als Präsident derEnergiedirektorenkonferenzund in anderen Ämtern viele Zusatzaufgaben, ohne dass ich deswegen im Kanton Abstriche machen muss. Im Falle einer Wahl in den Ständerat würde ich selbstverständlich diese Zusatzämter abgeben, wie beispielsweise auch die Mitgliedschaft im Büro der Versammlung der Regionen Europas.
Welches sind Ihre inhaltlichen Schwerpunkte für das Amt in Bern?
Die Sorgen der Bevölkerung müssen ernst genommen werden. Der jährlich erhobene Sorgenbarometer wird ein Orientierungspunkt darstellen, um proaktiv Lösungen zu entwickeln. Die Rolle der Kantone ist für mich ganz zentral. Es gibt auf Bundesebene Zentralisierungstendenzen, die ich nicht gut finde, weil man auf kantonaler Ebene viel bürgernäher ist. Ein zentrales Thema ist für mich die Entwicklung einer nachhaltigen Wirtschaft. Da stellen sich viele Aufgaben, namentlich die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative und die Weiterführung der bilateralen Verträge mit der EU. Aber auch die Energiewende, die Innovationspolitik und der Fachkräftemangel müssen energisch angegangen werden. Als Bundesparlamentarier möchte ich mich weiter mit den Megatrends der Gesellschaft auseinandersetzen, wie etwa mit der Zukunft der vernetzten Gesellschaft.
Wo ordnen Sie sich politisch innerhalb der CVP ein?
Ich sehe mich als Volkswirtschaftsdirektor Mitte-Rechts. Unser Wohlstand hängt davon ab, dass sich die Wirtschaft gut entwickeln kann. Die guten Rahmenbedingungen für die kleineren und mittleren Unternehmen müssen immer im Blickfeld bleiben.
Haben Sie sich auch mit der Frage beschäftigt, wie die CVP Ihren Staatsratssitz verteidigen würde?
Ich bin da zuversichtlich, weil wir einige interessante potenzielle Kandidaten aus Deutschfreiburg hätten. Das ist beruhigend. Wenn ich noch eine Legislatur mache, dann müssten wir 2021 aufgrund der Altersguillotine gleichzeitig zwei Sitze neu besetzen. Die Gefahr, einen Sitz zu verlieren, wäre dann grösser.
Wo stehen Sie heute in Ihrer politischen Karriere?
Ich sehe mich heute in meiner Rolle als Staatsrat voll im Saft und könnte mit grosser Freude diese Aufgabe noch die nächsten sechs Jahre weiterführen. Aber die Gelegenheit, die sich mir heute bietet, würde es mir erlauben, diese Erfahrungen zu nutzen und auf Ebene des Bundes neue Impulse einzubringen.
Im Falle einer Wahl in den Ständerat würde ich meine Zusatzämter abgeben.
Beat Vonlanthen
Anwärter für den Ständerat
Es ist meine politische DNA: Ich bin ein Spiegelbild der Partei.
Dominique de Buman
Anwärter auf den Ständerat
Dominique de Buman: verfolgt die Linie Schwallers. Bilder Alain Wicht