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Bahnhof St. Gallen, 10.00 Uhr morgens. Ein junger Mann in schwarzem Mantel und mit Lockenfrisur redet mit einem Greenpeace-Aktivisten. Er lässt sich nicht vollquatschen, sondern diskutiert engagiert, wedelt dabei mit der Brezel in seiner Hand, hält entgegen und schliesst mit dem Satz ab: «Ich bin noch zu jung, um zu unterschreiben.»
8. 4. 2005. Eine Frau wacht in ihrem Bett auf und hört Schreie. Die Wohnung brennt. Ihr Mann brennt. Sie schafft es, ihn mit dem Stubenteppich zu löschen. Knapp und dramatisch erzählt mir heute, mehr als ein Dutzend Jahre später, ein Mann mit Cowboy-Hut die Geschichte. Er zieht an einem Strohhalm, der aus einem Humpen Bier ragt. Sein Gesicht ist dabei verdeckt. Als er wieder aufblickt, ist das Resultat des Wohnungsbrands nicht zu übersehen. Verbrannte Ohren, unzählige Narben, ein lippenloser Mund. Der 49-jährige Marcel Mathis reibt sich die Hände, an deren Fingern mehrere Totenkopfringe stecken.
«Das Leben ist ein Weg», sagt Gabrielle Nanchen. Und auf diesem Weg war die heute 75-Jährige ihrer Zeit stets ein paar Schritte voraus. Sie studierte Politik und Soziologie, als Frauen noch gar nicht politisch mitbestimmen durften. Mit 28 Jahren trat sie als Nationalrätin unter die Kuppel im Bundeshaus, das war 1971, im Jahr, als Frauen zum ersten Mal schweizweit an die Urne durften.
Nahe der italienischen Grenze, am Fusse des Ofenhorns, entspringt der Nebenfluss Binna und schlängelt sich durchs Binntal, vorbei am Mineralien-Museum im Binner Feld, in dem ein älterer Herr hinter dem Tresen steht. In diesem Gebiet kennt der Strahler André Gorsatt jeden Quadratmeter.