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| Pachomius († 346/7) - Leben des heiligen Pachomius (Vita Pachomii)

Kap. 27. Das verständige Wesen des Theodorus gegenüber seinem Bruder Paphnutius und einem schwachen Mitbruder.
[S. 853] Während er noch dies sagte, kam Paphnutius dorthin, ein Bruder des Theodorus, der bat, ebenfalls in die Zahl der Mönche aufgenommen zu werden. Da aber Theodorus mit ihm durchaus nicht wie mit einem Bruder verkehren wollte - denn er hatte den alten Menschen gänzlich ausgezogen -, kränkte sich Paphnutius sehr und weinte.
Als dies der Große wahrnahm, sagte er zu Theodorus: "Schön ist die Herablassung gegen solche Menschen in den Anfängen, mein Bruder. Denn wie mit einem Baume nur die größte liebende Hingabe das frischaufgepflanzte Reis vereinigt, so ist es auch mit einem, der mit der Askese erst beginnt, bis er selbst durch die Gnade des Herrn Wurzel gefaßt hat und eine Stütze im Glauben findet." Als dies Theodorus gehört hatte, fügte er sich der Aufforderung des Vaters, indem er seinen Bruder in allem unterstützte; denn er verstand das, was man ihm sagte. Ein Bruder nun kränkte sich sehr, weil er zu häufig vom Vater zurechtgewiesen wurde, wenn er eine Unterweisung im Guten erhielt, und er stand auf dem Punkte, zu entfliehen. Da verstellte sich Theodorus und sagte zu ihm: "Du weißt doch, Bruder, daß die Sprache dieses alten Mannes über Gebühr schroff ist. Ich weiß nicht, ob ich es hier aushalten kann." Der aber, gleichsam wie wenn er seine eigene Last abgelegt hätte und in dem anderen gern einen Leidensgefährten sähe, sprach zu Theodorus: "Auch du leidest so?" Theodorus aber erwiderte ihm: "Ja, und sehr leide ich. Aber wenn du willst, so wollen wir zusammenkommen, um uns gegenseitig zu trösten, bis wir mit ihm noch einmal einen Versuch gemacht haben. Wenn er gegen uns freundlich ist, gut, dann wollen wir hier bleiben, wenn aber nicht, dann gehen wir fort."
Als dies der Bruder gehört hatte, wurde er gestärkt in seiner Gedankenschwäche. Theodorus aber ging zu [S. 854] Pachomius und erzählte ihm seine Absicht. Der sagte zu ihm: "Das hast du gut gemacht, mein Kind; wohlan, bringe ihn mit her, tadle dann vor ihm, so gut du kannst, seinen Entschluß, und wenn Gott Erfüllung gewährt, findet der Bruder einen Vollkommeneren." Sie kamen nun mitsammen , und Theodorus machte ihm nach der Belehrung des Vaters Vorwürfe. Da neigte sich der Vater und sprach: "Verzeihet mir, Brüder, daß ich gefehlt habe; aber auch ihr müßt, wie leibliche Kinder, euren Vater ertragen." So bediente er sich einer weisen List und förderte sie.