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Die Geschichte wiederholte sich: Wie schon zwei Wochen zuvor bei Mailand - Sanremo, dem ersten grossen Klassiker des Jahres, hatten die Topfavoriten Mathieu van der Poel, Wout van Aert und Julian Alaphilippe auch bei der Flandern-Rundfahrt das Nachsehen. Galt der Sieg des Belgiers Jasper Stuyven an der italienischen Riviera noch als grosse Überraschung, kann man jenen von Kasper Asgreen in der flämischen Region Belgiens nicht als solchen bezeichnen.
Überraschend war einzig, wie souverän sich der dänische Meister im Zielsprint in Oudenaarde nach 254 kräftezehrenden Kilometern gegen seinen einzigen verbliebenen Gegner durchsetzte. Obwohl er sich der Stärken Van der Poels im Spurt bewusst war, griff Asgreen auf den flachen letzten 13 km nicht an und zwang den niederländischen Meister stattdessen zu einem langen Sprint.
Knapp 50 Meter vor dem Ziel verliessen Van der Poel die Kräfte, Asgreen zog vorbei und jubelte über seinen ersten Sieg bei einem der fünf Radsport-Monumente. Dahinter belegten mit über 30 Sekunden Rückstand die Belgier Greg van Avermaet, Jasper Stuyven, Sep Vanmarcke, Wout van Aert und Gianni Vermeersch die Plätze 3 bis 7.
Van der Poel dominant und enttäuscht
«Ich beschloss, an Mathieus Hinterrad zu bleiben. So konnte ich entscheiden, wann wir antreten», beschrieb Asgreen seine Taktik, die ihn nach Rolf Sörensen (1997) zum zweiten dänischen Sieger in der 108-jährigen Geschichte der Flandern-Rundfahrt machte. In der Vorwoche hatte Asgreen, der 2019 bei der Tour de Suisse einen Tag das Leadertrikot trug, mit seinem Sieg im E3-Preis in Harelbeke seine gute Form angedeutet.
Asgreen und Van der Poel waren diejenigen Fahrer, die dem Rennen über die zahlreichen Kopfsteinpflaster-Passagen den Stempel aufdrückten. Mit einer Attacke läutete Van der Poel 53 km vor dem Ziel das Finale ein, Asgreen provozierte 26 km vor dem Ziel eine Vorentscheidung, als er mit einem Angriff die siebenköpfige Spitzengruppe sprengte, der auch sein Teamkollege und Weltmeister Julian Alaphilippe angehörte. Mit einem weiteren Antritt am alten Kwaremont, der zweitletzten von 19 Steigungen, wurde Van der Poel 17 km vor dem Ziel zwar seinen grossen Rivalen Van Aert los, nicht aber Asgreen, der nur wenig später aufschliessen konnte.
Van der Poel gab zu, dass er eine Zeit brauchen werde, um diesen 2. Platz zu verdauen. «Ich bin enorm enttäuscht. Aber ich wurde von einem Fahrer geschlagen, der stärker war als ich. Ich merkte, dass ich am Limit war, und er (Asgreen) war wirklich stark», sagte der Quer-Weltmeister, der im Vorjahr im Zielsprint Van Aert um wenige Zentimeter auf Platz 2 verdrängt hatte.
Nun legt Van der Poel in seinem Strassen-Programm eine Pause ein und sattelt aufs Mountainbike um. In dieser Disziplin will er im Sommer an den Olympischen Spielen in Tokio Nino Schurter herausfordern.
Bissegger stark, Küng im Sturz-Pech
Mit Stefan Bissegger mischte sich im Finale erfreulicherweise auch ein Schweizer unter die Favoriten. Der 23-jährige Thurgauer zeigte ein starkes Rennen, initiierte kurz nach dem Start die Fluchtgruppe des Tages und schüttelte später seine sechs Mitstreiter ab. Nach über 200 km an der Spitze musste Bissegger am Taaienberg jedoch Asgreen und Co. ziehen lassen. Das Rennen beendete er letztlich mit neun Minuten Rückstand im 89. Rang.
Einmal mehr kein Glück brachte die Flandern-Rundfahrt Stefan Küng. Der Schweizer Meister musste seine Ambitionen auf einen Spitzenplatz bereits früh im Rennen begraben. Just als bei der zweiten Passage des alten Kwaremont vorne die Post abging, verlor der Thurgauer nach einem Rempler das Gleichgewicht und stürzte. Dabei zog sich der Captain vom Team Groupama-FDJ zwar keine Verletzungen zu, sein Schuh nahm jedoch beträchtlich Schaden. Am Ende erreichte Küng das Ziel mit über drei Minuten Rückstand auf den Sieger als 44. - und war damit immer noch bester Schweizer.
Schweizer Pechsträhne
Denn abgesehen vom starken Auftritt Bisseggers erlebten die Schweizer im Norden Belgiens einen Tag zum Vergessen. Den Anfang machte Küngs Teamkollege Fabian Lienhard. Nach einem positiven Corona-Schnelltest wurde ihm die Starterlaubnis entzogen, obschon die zwei anschliessend durchgeführten PCR-Tests ein negatives Ergebnis anzeigten.
Nach über der Hälfte des Rennens wurde Michael Schär disqualifiziert. Die Jury stoppte den 34-jährigen Luzerner, weil er ausserhalb der erlaubten Zone eine Trinkflasche weggeworfen hatte. Der Weltverband UCI bestraft solche Vergehen in Eintagesrennen seit dem 1. April mit einem sofortigen Rennausschluss.
Am härtesten erwischte es jedoch den Aargauer Silvan Dillier. Der Edelhelfer von Van der Poel im Team Alpecin-Fenix stürzte knapp 70 km vor dem Ziel über einen am Boden liegenden Teamkollegen. Neben einer Schnittwunde im Gesicht verschob sich in seinem linken Schlüsselbein, das er sich bereits zweimal gebrochen hatte, eine Platte. Laut seinem Team ist jedoch keine Operation notwendig.