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Aarau 8 Sept. 1877
Hochgeachteter Herr und Freund!
Ich habe vor einigen Tagen in Bern eine Besprechung mit den HH. Heer und Welti gehabt. Nach den Äußerungen derselben zu schließen hätten Sie erst kürzlich von Homburg aus , den auf die Berlinerbankiers1 auszuübenden offiziellen Druck in Anregung gebracht und die beiden Bundesräthe haben mit mir aus führlich die ganze Angelegenheit der 20 Millionen2 besprochen.
Es wurde konvenirt daß der offizielle Druck durch die Vermittlung v. Röders der unmit telbar in Bern erwartet wurde, veranlaßt werden solle und daß ich gleichzeitig an Bamberger 3 schreiben solle der in Inter laken wohnt und welchen in Gotthardsachen zu konsultiren Röder angewiesen sein soll. Die Unterredung mit dem Gesandten hat | am 6 in Bern stattgefunden und bei deßen Rückkehr nach Interlaken muß er dort Bamberger im Besitze meines Briefes4 gefun den haben.
Die Ansichten von Heer und Welti über die rechtliche Seite der Sache sind: der Geldbeschaffungsvertrag von 18715 ist unan fechtbar. Nachdem die Bankiers in demsel ben in Bern Domizil genommen, können sie im Falle der Zahlungsweigerung vor die Bernischen Gerichte zitirt und dort verur theilt werden.6 Den Vollzug des Urtheils in Preußen hält Welti in Folge eines dort gültigen Gesetzes über die Exeku tion fremder Urtheile als möglich.
Schluß: die Renitenz der Bankiers wird dieselben von der Zahlungspflicht nicht befreien. Der Prozeß zu dem sie uns nöthigen, kann nur die Rekonstruktion der Gesellschaft verspäten.7 In diesem Verhält niße liegt ein Grund mehr zu einer | leisen offiziellen Intervention.
Hier komme ich auf einen früher von mir geäußerten Gedanken zurück, den Sie damals abgelehnt haben. Neben Diskonto und den zwei andern Berlinern muß man Rothschild nicht außer Auge laßen.8 Derselbe hat 17% der deutschen Betheiligung.9 Ich erlaube mir nun zu widerholen daß ein Besuch Ihrerseits die beste Wirkung haben würde. Wenn Sie Carl v. Rothschild 10 , der immer in seiner Privatwohnung weilt die obigen Sätze über den Vertrag von 1871 darlegen, ihn bei seiner Eigenliebe faßen und ihm zu verstehen geben daß es dem Adel seines Hauses nicht entsprechend wäre, ohne Aussicht auf Prozeßgewinn durch ein trölerisches Verfahren der Ausführung eines europäischen Unternehmens und dem Willen der 3 Regierungen hemmend in den Weg zu treten, so würde diese Ihre persönliche Intervention von großer Wirkung sein. |
Heer und Welti fand ich schon resolut ge stimmt. Die Frage der schweiz. Subsidien fängt an zu kristallisiren. Die Bernische Komißion11 will eine Million proponiren: die 3 Bedingungen welche sie daran knüpft und die noch näherer Redaktion bedürfen , bewegen sich vorzugsweise auf dem Rücken der Central bahn. Man wird aber hierüber noch reden können. In Bern schlägt überhaupt die Stimmung um. Genannte Bundesräthe nehmen an daß 4–5 Mill. durch Partial subsidien erhältlich seien und wollen mit dem Rest vor die Bundesversammlung.
Hr Zingg den ich gestern sah wird Ihnen über die Gotthardexpertise die Subventionsraten12 be treffend, Bericht erstattet haben. Die italiänischen Delegirten nehmen die dortigen 10 Mill. als zweiffellos an.
Verschiedene andre Punkte verspare ich auf Ihre Rückkehr die ich auf den 15 unge fähr hoffe. Genehmigen Sie die widerholte Versicherung meiner Hochachtung
Feer Herzog