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Gestaltung | Architektur | Künste
Corentin Bezençon, 2003 | Riehen, BS
Die Idee einer Orchestrierung ist in mir entstanden, als ich im Orchester M. Ravels Orchestrierung der «Bilder einer Ausstellung» von M. Mussorgsky gespielt habe. Als Musiker und Cellist bin ich täglich nicht nur auf der Suche nach den schönsten und perfektesten, sondern auch nach neuen Klängen. Um noch mehr neue Klänge erreichen zu können, wollte ich mit meiner Arbeit diese in einer noch reizenderen Gestaltungsform als die der Komposition schaffen, nämlich in der der Orchestrierung. Mit der Kreierung einer neuen Klangwelt hoffe ich sowohl den Zuhörern als auch den Interpreten jene Emotionen zu geben, die ich beim Musizieren in meiner Vorstellung erlebe. Als Stück für diese Orchestrierung wählte ich den IV. Satz des Dumky Trios von A. Dvorak, denn die mehrfach wiederholten Themen dieses Satzes sind ideal für das Hervorbringen unterschiedlicher Klangfarben.
Fragestellung
(I) Was kann ich mit einem Stück in einem Kammerorchester tun, was in einer Triobesetzung nicht machbar ist? (II) Welche musikalischen Effekte kann ich mit einer Orchestrierung erzeugen? (III) Wie kann ich meine Klangvorstellungen umsetzen?
Methodik
Meine Arbeit unterteilte sich in zwei klare Abschnitte. Der Erste bestand aus dem Aufarbeiten und der Anschaffung von Kenntnissen, die für das Orchestrieren nötig sind, weil ich bisher keinerlei Erfahrung in dieser Kunst hatte. Dies tat ich, indem ich Originalwerke sowie Orchestrierungen von Komponisten anhörte und mir auffällige Merkmale und Gestaltungsmöglichkeiten sorgfältig notierte. So gewann ich Kenntnisse über das Instrumentieren, gestützt durch das Studium von Instrumentationshandbüchern. Beim Orchestrieren wollte ich dann meine persönlichen Klangvorstellungen herausarbeiten und gleichzeitig die Vielfalt an Orchestrierungsmöglichkeiten zeigen. Somit waren die im ersten Teil der Arbeit gewonnenen Kenntnisse grundlegend für das eigene Orchestrieren. Insgesamt gestaltete ich viele kurze Orchestrierungen einzelner Themen des Satzes, auf die ich mich wiederum für die vollständige und endgültige Orchestrierung des IV. Satzes des Dumky Trios stützte.
Ergebnisse
Dank dieser Erkundungsarbeit konnte ich eine Orchestrierung gestalten, die nicht nur meine Klangvorstellungen umsetzt, sondern auch die durch praktische Vorarbeiten erlernten Orchestrierungsaspekte und Möglichkeiten implementiert. Dabei werden die Instrumente in ihren Stärken und klanglichen Besonderheiten eingesetzt, um eine prachtvolle Orchestrierung zu erzeugen. Die Partitur dokumentiert diesen Erlernungsprozess. Der Überarbeitungsprozess der Orchestrierung ist allerdings, wie wohl immer in Kunstwerken, nie vollständig zu Ende.
Diskussion
Rückblickend kann man über meine Orchestrierung sagen, dass an jeder Stelle jene Klänge gefunden werden konnten, die mir anfangs vorschwebten. Allerdings gibt es wenige musikalische und orchestrierungstechnische Punkte, die mit etwas Distanz erkennbar werden. Ein Kritikpunkt ist die Notwendigkeit von musikalischen Erklärungen an manchen Stellen. Ein anderer besteht in den spieltechnischen Schwierigkeiten in gewissen Bläserstimmen. Die meisten musikalischen Kritiken hängen mit der Umsetzung des Satzes zusammen. Je nach dem Spiel der Musiker könnten manche Einsätze und Übergänge recht abrupt wirken. Formal betrachtet gab mir meine Vorgehensweise die Freiheit, meine musikalischen Wünsche und die praktisch gewonnenen Erfahrungen umzusetzen. Leider steht die Realisation mit einem Orchester bisher noch aus, sie findet voraussichtlich am 28. Juni in der Musik-Akademie Basel statt.
Schlussfolgerungen
Während dem Orchestrieren konnte ich bemerken, wie essenziell die Interpretation eines Werkes bei dessen Orchestrierung ist. Beim Orchestrieren muss nämlich gezwungenermassen eine gewisse Stimmung festgelegt und somit das orchestrierte Werk durch die Orchestration interpretiert werden. Dabei kann den Musikern mittels der Notation mehr oder weniger Interpretationsfreiheiten zugestanden werden. Dank dieser Orchestrierungsarbeit konnte ich einen eigenen Stil entwickeln und entdecken, deren Eigenschaften in der Verwendung des Englischhorns und dem ausgiebigen Gebrauch von pizzicati in den Streicherstimmen bestehen.
Würdigung durch den Experten
Felix Baumann
Aus der Faszination, beim Musizieren über das Erklingende hinaus wahrzunehmen und zu erahnen, hat sich Corentin Bezençon in einer akribischen und beeindruckenden Weise mit der Kunst des Orchestrierens beschäftigt. Dafür hat er relevante Stücke wiederholt gehört und studiert, sorgfältig deren Besonderheiten erfasst und sich parallel mittels Instrumentationshandbüchern und Privatunterricht das nötige Wissen erarbeitet. Als Ergebnis dieses Aneignungsprozesses ist eine eigenständige Instrumentation des vierten Satzes aus dem Dumky-Klaviertrio von Antonín Dvořák für Orchester entstanden.
Prädikat:
sehr gut
Sonderpreis Lucerne Festival
Gymnasium Kirschgarten, Basel
Lehrer: Samuel Strub