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zweimaliges Schmelzen erforderte, bereitet, oder brennt man jetzt das M. durch direktes Zusammenschmelzen der beiden Metalle. Ein Messingbrennofen enthält eine Anzahl Tiegel, in welche Kupfer und Zink in Stücken abwechselnd mit Kohlenklein eingeschichtet und mit einer dicken Schicht von Kohlenstaub überdeckt werden. Die flüssig gewordene Masse aller Tiegel wird in einen großen zusammengegossen, gerührt und abgeschäumt. Nun erfolgt der Guß zu Stückmessing, oder zu Tafelmessing. Im ersten Falle gießt man in Mulden, die im Boden der Hütte in Stand gemacht sind, hebt das Metall, sowie es erstarrt ist, noch heiß heraus und zerschlägt es in Stücke, welche für Gelbgießereien u. a. das Rohmaterial bilden. Die Messingtafeln von 6-20 mm Dicke werden entweder sofort oder nach nochmaligem Umschmelzen zwischen zwei großen mit Lehm und Kuhmist überzogenen Granitplatten gegossen.
Die Tafeln finden zum Teil direkt Verwendung; die stärkeren bei Pumpen- und Spritzenfabrikanten, und Graveuren. Etwas dünneres
Tafelmessing gebrauchen Gürtler, Wagenbauer u. a. Die Tafeln kommen aus
dem Guß rauh und durch Oxyd geschwärzt und erhalten daher erst eine mehr oder weniger sorgfältige Zurichtung ihrer Oberfläche
durch Beizen, Schaben oder Behandlung auf der Hobelmaschine, meist auch durch Glätten zwischen stählernen Glättwalzen.
Ein andrer Teil des rohen Tafel
messings wird auf den Hütten durch Zerschneiden und mehrmaliges Strecken
auf Walzwerken zu den verschiednen Sorten von Messingblech (s. unter
Blech) verarbeitet. Aus
Blechen geht ferner der Messingdraht
in seinen verschiednen
Stärken hervor, indem jene auf
Maschinen in schmale vierkantige Leistchen, Drahtband, zerschnitten
werden, welche die Drahtzieher verarbeiten. -
Das M. tritt in seinen ungemein zahlreichen Anwendungen überall vor Augen. Es findet viel häufiger als Kupfer und Zink allein Verwendung. In dem M. sind die guten Eigenschaften der beiden Metalle vereinigt und es wird dadurch gleichsam ein drittes, höher gewertetes Metall geschaffen, das weniger kostet als Kupfer. Das M. ist härter als dieses, weniger der Abnutzung und atmosphärischen Einflüssen unterworfen, besitzt eine gefälligere Farbe und große Politurfähigkeit.
Vom
Kupfer hat es die Eigenschaft, in kaltem Zustande in hohem Grade dehn- und hämmerbar zu sein; es läßt sich mit Leichtigkeit
strecken, treiben, zu dem dünnsten
Blech auswalzen und dem feinsten
Draht ausziehen, allerdings unter der Voraussetzung, daß
es bei diesen Bearbeitungen wiederholt ausgeglüht wird, um ihm die Härte zu nehmen, die es bei dem
Walzen etc. erhielt. Im glühenden Zustande sind viele
Messingsorten brüchig, doch erweisen
sich
Legierungen mit 35-40%
Zink als sehr gut unter dem Hammer und Walzen streckbar (schmiedbares M.). -
Als Gußmaterial hat das M. hohen Wert; es ist dünnflüssig, füllt deshalb die Formen gut aus und gibt dichte Güsse. - Der Rotguß wird in ganz gleicher Weise wie das M. hergestellt; für manche Zwecke wird ihm noch ein sehr kleiner Anteil Zinn beigegeben. Er ist vermöge seines größern Kupfergehalts nicht nur tiefer von Farbe, sondern auch feiner im Korn, weicher und dehnbarer. Rotguß findet zu den verschiedensten Zwecken Anwendung, sowohl zu größeren Stücken, Maschinenteilen u. dgl., als zu Kurzwaren. Der tiefere Farbenton macht die kupferreicheren Legirungen besonders geeignet für zu vergoldende Artikel, und dienen solche daher in großer Ausdehnung zu Bijouteriewaren (unechtem Goldschmuck). Hierher gehören auch die sog. Leonischen Waren aus vergoldetem Draht und Lahn in Form von Tressen, Kantillen, Quasten u. dgl.
Bei solchen Drähten und dann auch bei dem Flitter- oder Rauschgold greift auch eine andre noch zu erwähnende Messing- oder Tombakbildung Platz, die sich nur auf der Oberfläche vollzieht, die sog. Zementation. Man bringt die kupfernen Drähte und dünnen Bleche in feuerfeste und luftdicht zu verschließende Kästen zugleich mit Zink, welches zu unterst liegt. Durch die darauf einwirkende Hitze wird das Zink erst geschmolzen und dann in Dämpfe verwandelt, die sich mit dem Kupfer zu M. verbinden. Derselbe Vorgang findet auch bei dem gewöhnlichen Schmelzen statt: das zu unterst liegende Zink verdampft und die Dämpfe verbinden sich mit dem Kupfer zu leichtflüssigerem M., bis endlich der ganze Einsatz in Fluß gekommen ist. -
Die Darstellung des M. geschieht teils in den Fabrikstädten, welche dasselbe stark verarbeiten, wie Nürnberg, Fürth, Iserlohn, Berlin etc., teils gibt es in verschiednen Gegenden besondre Messinghütten, die sich nur mit Darstellung von Platten und Blechen, resp. Draht beschäftigen. Sehr schönes Tafelmessing und Blech wird jetzt in Berlin erzeugt, in Sachsen in Niederauerbach. In England ist der Hauptsitz der Messingindustrie Birmingham, in Belgien Lüttich und Namur, in Frankreich Romilly und Givet. - Zoll: s. Tarif im Anh. Nr. 19 a bis d. Vergoldete oder versilberte Messingwaren, ferner fein gearbeitete und zugleich vernierte desgl. vernickelte Galanterie- und Quincailleriewaren werden gem. Tarif Nr. 20 b 1, bzw. 2 des Tarifs verzollt.