Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03144.jsonl.gz/786

«Wer jemals einen Tritt zu versetzen gezwungen war und das mit der Vehemenz des eingedrillten Spickens tat, wird über die Wirkung so erstaunt wie zugleich dankbar darüber gewesen sein, zu den Könnern des Taktschritts zu zählen …» Mit diesen ironischen Worten beschrieb der Lyriker und Publizist Hans Schumacher einen der «praktischen Werte» des so ungeliebten Taktschrittes.
Solothurner Füsiliere 1916 weiterlesen
Mit der Kriegserklärung von Frankreich an Preussen und Österreich sah man die Grenze bei Basel ernsthaft gefährdet. Die Eidgenossenschaft genehmigte deshalb zum Grenzschutz Ende Mai 1792 ein Aufgebot von 1300 Mann für Basel. Es trafen Zuzüger aus allen Ständen der Schweiz ein, die in Basel und den umliegenden Dörfern Quartier bezogen. Auch zwei Kontingente aus St. Gallen waren an den Rhein geeilt, wobei hier zwischen Fürstabt St. Gallen und der „Stadt und Republik St, Gallen- unterschieden werden muss. Das städtische Aufgebot St.Gallens zählte 25 Mann.
Unsere Darstellung zeigt einen „Gemeinen des Fussvolks“ der Stadt St. Gallen, der gerade dabei ist, eine Steinschlossmuskete kantonaler Ordonnanz zu laden. Sein Kontingent bereitet sich auf den Abmarsch nach Basel vor, im Hintergrund ist das alte städtische Zeughaus St. Gallens am Bohl zu sehen. Am Dreispitz trägt er einen Federstrauss, der oben rot und unten weiss ist. Der Strauss ist mit der weiss-schwarz-roten Kokarde und einer goldmetallenen Ganse an der Kopfbedeckung befestigt. Details des dunkelblauen Frackes lassen die Zuteilung erkennen.
Dieser Mann trägt goldfarbene Knöpfe, was ihn als Angehörigen der ersten Auszugsfahne (vergleichbar mit einem Bataillon) ausweist. Bei der zweiten Fahne wurden silberfarbene Knöpfe getragen. Es gab damals in der Stadt St. Gallen die beiden Fahnen und eine freiwillige Grenadierkompanie.
Kragen, Epauletten sowie Aufschläge sind rot, die Passepoils (feine Vorstösse entlang gewisser Nähte) weiss. Ebenfalls weiss ist die Weste, weiche unter dem Frack getragen wird, und die Hose. Die schwarzen Tuchgamaschen werden seitlich mit Knöpfen geschlossen und reichen vom Schuh bis hinauf zum Knie. An den weissen Lederbandeliers über den Schultern hängen die Munitionstasche, das Seitengewehr (hier aufgepflanzt) sowie der Säbel.
Roger Rebmann, Basel
Als Geburtsstunde des Frauen-Hilfsdienstes mag der 3. April 1939 gelten, der Tag, an dem der Bundesrat eine zeitgemässe Hilfsdienst-Verordnung erliess. Artikel 2 regelte dabei die Hilfsdiensttätigkeit der Frauen. Der freiwillige unbesoldete Einsatz der Frauen im Aktivdienst wurde jedoch nicht überall gern gesehen. In Zeiten, wo der Schweizerin kein Stimmrecht zugestanden wurde, herrschte in einigen Kreisen der Männerwelt noch eine festgefügte Vorstellung von der Rolle der Frau. Im Frühjahr 1940 erging ein nationaler Aufruf zum Dienst im FHD, man erhielt die Anmeldebogen am Postschalter, Bis zum Jahresende stieg die Zahl der Freiwilligen auf 18 0,00, aber noch immer gab es Vorbehalte Es kam sogar zu Diskussionen über die Uniformen des FHD, und selbst General Guisan mochte sich beispielsweise nicht recht mit dem Bild von Rotkreuzfahrerinnen in Reithosen anfreunden, denn solche Hosen -sind unschön und passen gar nicht für Damen.
Unser Bild zeigt links eine Späherin bei der Luftraumbeobachtung im Gebirge. Sie trägt eine Policemütze der Ordonnanz 1926 und den bei der Armee gebräuchlichen Fellmantel für den Wachtdienst bei grosser Kälte Unter dem Mantel ist ale mit einer hellgrauen Schürze bekleidet welche mit der FHD-Armbinde versehen ist. Hosen und Schuhe sind zivil. Für die Ausgangsuniform wurde den Frauen lediglich Offiziersstoff zur Verfügung gestellt. Die Uniformen mussten sie selber nach vorgegebenen Richtlinien nähen.
Rechts sehen wir eine Fahrerin des, Rotkreuzdienstes. Im Gegensatz zu ihrer Kameradin trägt sie eine Ordonnanz-Ausgangsuniform. Die Kopfbedeckung ist eine dunkelblaue Policemütze mit roter Quaste, sehr ähnlich dem Modell 1869. Jupe und Waffenrock sind ebenfalls in Dunkelblau gehalten auf den Ärmeln trägt sie eine Patte, welche über dem roten Kreuz das Lenkrad der Motorfahrer zeigt. Der spezielle Ceinturon bestand aus braunem Leder. Eine Tenüvariante im Dienst war bei warmem Wetter der Waffenrock mit Keilhose und dem geöffneten Hemd ohne Kravatte. Gelegentlich sah man Fahrerinnen aber auch mit den beim General so unbeliebten Reithosen, entweder mit Wadenbinden oder, ça alors, mit Reitstiefeln (siehe dazu die Dezemberausgabe Schweizer Soldat/MFD 1994, Seite 42 / Auszug aus dem Aktivdiensttagebuch von FHD Marion Van Laer, Jahrgang 1905).
Roger Rebmann – Rost und Grünspan
Das römische Kaiserreich ging im 4. Jahrhundert allmählich seinem Niedergang entgegen. Flavius Valentinianus regierte von 364 bis 376 als Valentinian 1. und war wohl der letzte grosse römische Kriegerkaiser. Unter seiner Herrschaft wurden auf dem Gebiet der heutigen Schweiz die letzten kraftvollen Bemühungen unternommen, die Rheinlinie zu befestigen. Eine lange Kette von Wachttürmen sowie einigen Festungen und Brückenköpfen jenseits des Rheines sollten vorn damaligen Rätien bis zur Nordsee ein Bollwerk gegen die germanischen Stämme bilden. Die Truppen, denen der Grenzschutz anvertraut war, kamen vielfach schon lange nicht mehr aus Rom. Es waren germanische Soldaten in römischen Diensten, welche die Grenzlande gegen ihre Stammesbrüder verteidigten. Die Dienstzeit eines Soldaten betrug 20 Jahre.
Der abgebildete Soldat unterscheidet sich wesentlich vom Bild des römischen Legionärs der vorangegangenen Jahrhunderte. Er steht gerade mit Schild und Speer im Kampf gegen Alamanni. Die schwere Kampfausrüstung besteht aus dem Helm und einem Kettenhemd, genannt Lorica hamata. Darunter trägt er einen hellen Rock aus Leinen mit roten Zierornamenten, Der breite Soldatengurt war ein Statussymbol, an ihm hängt das lange Schwert, genannt Spatha.
Zu jener Zeit hatten die Truppen Roms Kleidungsstücke der „Barbaren“ übernommen, so etwa Hosen. Die Hosenbeine stecken in hohen Wickelgamaschen, an den Füssen trägt der Soldat lederne Schnürsandalen. Dieses Schuhwerk war halbwegs geschlossen und zeigte mehr keltischen und germanischen Einfluss als die klassischen römischen Caligae.
Roger Rebmann, Basel
Über die Wehrmannskleider gemäss der Ordonnanz 1852 haben wir schon öfter berichtet. Heute sehen wir einen Fähnrich des Bündner Bataillons 22. Er hatte beim Aufmarsch des Bataillons seinen Platz im ersten Glied, links und rechte von Unteroffizieren flankiert, Im zweiten Glied sollte stets einer der tauglichsten Unteroffiziere direkt hinter dem Fähnrich gehen, Insgesamt waren acht „im Marschieren wohlgeübte Unteroffiziere“ zur Fahnenwache eingeteilt. Die Wachen hatten stets die Bajonette aufgepflanzt. Diese zerfetzten aber die flatternden Bataillonsfahnen wiederholt, bis man auf derart martialische Details verzichtete. Man war es leid, immer wieder neue Löcher zu flicken.
Der Tschako der Ordonnanz 1852 unseres Fähnrichs weist einen weissen Pompon mit gleichfarbiger Flamme auf – die Farbe des Stabes, Unter der Ganse aus Silberblech ist die Bündner Kantonskokarde zu sehen. Das Blechschild in Sonnenform zeigt ausgestanzt die Bataillonsnummer.
Der Uniformrock ist dunkelblau und hat eine Knopfreihe zu neun silberfarbenen Knöpfen. Rot gehalten sind die Vorstösse, die Schossumschläge sowie der Kragen. Als höherer Unteroffizier trägt der Fähnrich besondere Schulterstücke, so genannte „Contre-Epauletten“ ohne Fransen. Als Status des Ranges ist auch der Degen als Blankwaffe zu sehen, der hier auf der linken Seite getragen wird. Der Tragbandulier besteht aus schwarzem Leder und hat vorne eine zylindrische Hülse, in welche der Fuss des Fahnenschaftes beim Tragen gesteckt wird.
Die dunkelblauen Hosen haben entlang den Seitennähten rote Vorstösse. Hier werden unter den Hosen die weissen Tuchgamaschen getragen. Die Beschaffung feldtauglicher Schuhe war Sache des Wehrmannes. Die Fahne entspricht dern Reglement von 1852 und trägt den Kantonsnamen in grossen Lettern inmitten des weissen Kreuzes. Die Schleife zur Fahne ist in den Kantonsfarben gehalten.
Roger Rebmann, Basel
Gemäss der Armee-Einteilung um 1856 war die Aargauer 24-Pfünder-Haubitz-Batterie 3 in der Artilleriereserve der Brigade 2 eingeteilt. Der immer wieder in Militärbelangen fortschrittliche Kanton verfügte schon seit 1827 über Haubitzen dieses schweren Kalibers.
Auf unserer Illustration hat sich ein Aargauer Kanonier auf seinem Tornister niedergelassen, um ein Stück Brot zu verzehren. Dieses wird er mit einem Schluck Wasser (?) aus seinem nicht ordonnanzgemässen Zinnbecher begiessen.
Seine Kopfbedeckung ist der Tschako der Ordonnanz 1852 mit Artilleriegarnitur. In der Waffenfarbe Rot krönt ein Pompon mit gleichfarbiger Flamme die Kopfbedeckung. Auf der neusilbernen Blechganse prangt bei der Artillerie exklusiv anstelle eines schlichten Knopfes eine platzende Granate. Darunter sind die gekreuzten Kanonenrohre zu sehen, weiche noch bis zur Ordonnanz 1898 die Tschakos dieser Waffe zierten.
Der Artilleriefrack der Ordonnanz 1852 wies zwei Frackschwänze auf (hier nicht sichbar), welche deutlich kürzer waren als jene der Infanteriefräcke. Dies daher, weil Artilleristen, beritten oder auf dem Munitions-Caisson sitzend, keine Frackzipfel brauchten, die sich einmal unter der Gesässbacke und einmal frei flatternd bemerkbar machten. Der zweireihige dunkelblaue Frack hat einen roten Kragen und gleichfarbige Vorstösse, Die roten Artillerieepauletten waren inwendig mit einer Metallzange versehen und boten dem kaum bewaffneten Kanonier einen gewissen Schulterschutz gegen Säbelhiebe von Kavalleristen. Am linken Arm zeigt die Armbinde mit Schweizerkreuz, dass der Wehrmann für die Eidgenossenschaft Dienst tut.
Das weisse Gurtzeug lässt die dekorative Messingschnalle erkennen. Teilweise sichtbar ist hier das Faschinenmesser Modell 1852, welches bis ins 20. Jahrhundert dem Kanonier als Seitengewehr diente. Die blauen Tuchhosen haben einen roten Vorstoss enlang den Hosennähten. Hier werden die weissen Leinengamaschen unter den Hosenbeinen getragen. Auf dem Artillerietornister, der hier als Sitzgelegenheit dient, kann man den gerollten Kaput erkennen. Das Rollen der weissen Lederriemen zu „Schnecken“ war das Vorgängerritual des späteren Verschlaufens aller irgendwie vorstehender Lederstreifen. Schon damals achteten die Feldweibel mit Argusaugen auf solche Details.
Roger Rebmann – Rost und Grünspan
Das Wallis wurde 1815 der 20. Kanton der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Nach 1798 war es unter starken französischen Einfluss geraten, der 1810 darin gipfelte, dass es als Department Simplon in das französische Kaiserreich integriert wurde. Es ist daher nur natürlich, dass das Militärwesen des neuen Kantons bis zu einem gewissen Grad von französischen Einflüssen durchdrungen war. Dies war auch den Uniformen anzusehen.
Die beiden Korporale der Füsiliere auf der Illustration lassen in ihren Uniformen viele französische Elemente erkennen. Der Tschako ist nahezu identisch mit dem zeitgenössischen Modell der königlich-französischen Armee. Die Pompons sind bei den Füsilieren oben rot und unten weiss. Unter der Metallganse ist die Blechkokarde in den Walliser Standesfarben angebracht – im Zentrum Rot und aussen Weiss. Der Zierschild aus Weissblech sieht zunächst aus wie jener eines französischen Füsiliers, doch bei genauerem Hinsehen entdeckt man, dass im Wappen anstelle der Bourbonenlilien die Walliser Sterne prangen. Die mit Schuppenbändern versehenen Kinnriemen dienen dem Schutz des Kopfes gegen seitliche Säbelhiebe, Die Metallrosetten welche die Bänder am Tschako fixieren, zeigen die Füsiliersterne.
Unsere beiden Unteroffiziere tragen den dunkelblauen Frack nach französischem Schnitt. Seine scharlachroten Schossumschläge sind mit den weissen Sternen der Füsiliere benäht. Die Vorstösse sind überall ebenfalls in Scharlachrot gehalten, während der Kragen und die Ärmelaufschläge so wie die Hosen von hellblauer Farbe waren – ein Unikum in der damaligen Eidgenossenschaft. An den Ärmeln sind die beiden breiten, weissen Balken zu sehen, welche diese Wehrmänner als Korporale ausweisen. Als solche tragen sie zusätzlich zum Bajonett an den weissledernen Bandeliers einen Säbel nach napoleonischem Vorbild. Auf der Gegenseite hängt die Munitionstasche. Unter den hellblauen Hosen werden hier die dunklen Tuchgamaschen getragen. Auf den Felltornistern, ebenfalls ein französisches Modell, ruht zusammengerollt der graue Kaput. Ob er damals allerdings mit soviel Hingabe wie 100 Jahre später gerollt wurde, darf bezweifelt werden. Ihre Musketen entsprechen dem abgeänderten französischen Modell 1777.
Roger Rebmann, Basel
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehörte die Uniform der Kavallerie zum Prachtvollsten, was die Armee einem Wehrmann bieten konnte. Mitten in der momentanen Debatte zur drastischen Reduktion der Gesamtstärke der Streitkräfte mutet es sonderbar an, dass es in unserer Armee einst eine Waffengattung gab, die einen Helm nach populärem ausländischen Vorbild einführte, in der Hoffnung, mehr Rekruten anzulocken.
Der neue Tschako der Kavallerie wurde 1883 rechtzeitig zur Landesausstellung in Zürich an Rekruten ausgegeben. Visuell war diese neue Kopfbedeckung den damaligen preussischen Gardejäger-Tschakos bemerkenswert ähnlich, die Garnitur konnte ihre Paten nicht verleugnen. Mit dem Nachahmen populärer Vorbilder erhoffte man sich etwas mehr Zulauf für diese stets an Mannschaftsmangel leidende Waffengattung. Unser Dragonerkorporal der Solothurner Auszugs-Schwadron 14 um 1906 trägt diesen Tschako der Ordonnanz 1883/84, welcher bis in die 20er-Jahre in der Armee anzutreffen war. Der Pinsel obenauf ist schwarz, im Gegensatz zum Pinsel der Guiden, welcher weiss war. Das eidgenössische Kreuz im Stern zeigt die Schwadronnummer, während die Kantonskokarde auf der linken Seite, hier nicht zu sehen, unter der seitlichen Metallspange fixiert ist. Der Tschako besitzt zwar einen ledernen Kinnriemen, dennoch sieht man hier als Teil der Garnitur eine Ringkette, welche ebenfalls diese Funktion ausüben kann, jedoch überwiegend dekorativen Charakter hat.
Der Waffenrock in Dragonergrün hat einen karmesinroten Kragen und Vorstösse in derselben Farbe. Auf den Schultern sind silberfarbene Metallepauletten befestigt, am Vorderarm ist hier der weisse Doppelbalken als Gradabzeichen eines Korporals zu sehen. Die blaugrauen Reithosen weisen einen roten Vorstoss entlang der Seitennaht auf und sind an der Innenseite der Schenkel verstärkt. Die hohen Reitstiefel ergänzen die Uniform.
Der Lederbandulier, welcher mit dem Ceinturon verbunden ist, nimmt in zwei mal drei Taschen die Munition für den Kavalleriekarabiner der Ordonnanz 1905 auf. Wir sehen diese Waffe hier im seitlichen Sattelholster untergebracht. Dieser Karabiner mit Geradezugverschluss löste den Mannlicher-Kavalleriekarabiner der Ordonnanz 1893 ab. Hinten am Sattel ist der gerollte Kaput befestigt, während der Rest der Packung in den beiden Ledersacochen vor dem Reiter untergebracht ist.
Die geschulterte Blankwaffe unseres wackeren Solothurner Dragonerkorporals ist der Säbel der berittenen Mannschaft Ordonnanz 1896. Den Säbel führte die Kavallerie bis in die Jahre des Aktivdienstes, Ab 1943 mussten die stolzen Reiter ihn jedoch abgeben, von da an führten sie nur noch das vergleichsweise kümmerliche, aber zeitgemässere Bajonett für ihren Karabiner am Ceinturon.
Roger Rebmann – Rost und Grünspan
Bereits im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts wurde deutlich, dass die alte bunte Uniform immer weniger den Anforderungen der modernen Kriegsführung gerecht wurde. Nach zahlreichen Versuchen beschleunigte der Ausbruch des Ersten Weltkriegs den Entscheidungsprozess. Gemäss Bundesratsbeschluss vom 28, Oktober 1914 sollte nun jegliche Männerbekleidung aus feldgrauem Stoff gefertigt werden. Die neue Uniform wies zunächst noch an den Vorstössen sowie an den Kragen- und Ärmelpatten die jeweilige Waffenfarbe auf. Allerdings stellte man rasch fest, wie aufwändig es war, Uniformen für alle Waffengattungen mit jeweils verschiedenfarbigen Vorstössen an den Nähten herzustellen. Ab Sommer 1917 sollten die Vorstösse überall nur noch schwarz sein, lediglich die Patten bleiben bunt. Der Schnitt der neuen Uniform war stark von österreichischen Vorbildern geprägt.
Unser Füsilier des Zürcher Bataillons 66 trägt noch den Tschako der Ordonnanz 1898. Sein Gewehr Modell 1889 hinkt ebenfalls etwas hinter der Zeit her, die Armee wird es demnächst gegen ein Gewehr Modell 1911 austauschen. Anders jedoch seine feldgraue Uniform der Ordonnanz 1914/15. Sie sollte das Bild des Schweizer Soldaten für die nächsten drei Jahrzehnte prägen, Am Kragen und am Vorderarm sieht man die aufgenähten Patten in Grün, der Waffenfarbe der Infanterie. Charakteristisch für die neue Uniform sind die Brust- und die Schosstaschen des Waffenrockes der Ordonnanz 1915, dessen besondere Eigenheit die Stoffpatte war, welche die sechs Metallknöpfe verdeckte. Dies diente dazu, den verräterischen Metallglanz der Knöpfe zu verbergen.
Die alten bunten Uniformen der Ordonnanz 1898 verschwanden mit der neuen Ordonnanz nicht einfach von der Bildfläche. Noch Jahrzehnte lang konnte man die ausgedienten blauen Tenüs, ob prachtvolle Waffenröcke oder Feldblusen als Exerzieruniformen allenthalben in den Rekrutenschulen sehen. Die Schweizer Armee trennte sich nur ungern von Textilien, die sich noch irgendwie verwenden liessen.
Roger Rebmann, Basel
Unruhen in den äusseren Bezirken des Kantons Schwyz führten 1832/33 beinahe zur Kantonstrennung. Die Besetzung des aufständischen Bezirks Küsnacht durch Schwyzer Truppen am 31. Juli 1833 bewog die eidgenössische Tagsatzung dazu, Militär in den Kanton zu entsenden. Auch Appenzell-Ausserrhoden stellte ein Teil dieses Kontingents. Mit dem Grenzübergang an der Linthbrücke bei Schloss Grynau wurde den Appenzellern ein geschichtsträchtiger Ort zur Bewachung anvertraut. Dort traf 1799 General Massena auf die Österreicher. Die Brücke wurde damals wiederholt zerstört, und an der Linthlinie standen sich die Truppen Frankreichs und Österreichs gegenüber. Nun wachten die Appenzeller als „Friedenstruppe“ über die Brücke an der überschwemmten Linthwiese.
Unser Bild zeigt Appenzeller Füsiliere beim Üben des Salvenschiessens. Dabei feuerte das zweite Glied seine Salve durch die schmalen Zwischenräume des ersten Gliedes hindurch ab, wenn dieses seinerseits seine Salve abgeschossen hatte. Die Männer des ersten Gliedes kamen den Laufmündungen der Schützen hinter ihnen gefährlich nahe, weshalb dieses Manöver besonders gut geübt sein wollte.
Die Uniform der Wehrmänner von Appenzell-Ausserrhoden entsprach 1833 noch jener der napoleonischen Epoche, sie ging weitgehend auf die appenzellische Militärorganisation von 1808 zurück. Daher ähnelt der getragene hellgraue Kaput seinem französischen Paten. Eine Appenzeller Eigenheit sind der Kragen und die Ärmelaufschläge in Dunkelblau. Hier nicht sichtbar die eidgenössische Armbinde am linken Oberarm, denn die Appenzeller kamen im Auftrag der Tagsatzung nach Schwyz. Die dunkelblauen Hosen haben an der Aussennaht einen roten Vorstoss. Ober den Schuhen werden dunkle Tuchgamaschen getragen. Als Kopfbedeckung dient ein Tschako, den man wegen seines grossen Deckels auch „Tanzbödeler“ nannte. Die Garnitur zeigt unter der Kantonskokarde einen rautenförmigen Schild aus Messing mit den Buchstaben A U.R. (Appenzell Usser Rhoden). Auf den Tornister ist die gerollte Wolldecke aufgeschnallt. Beim Gewehr handelt es sich um eine Steinschlossmuskete kantonaler Ordonnanz. An weissen Lederbandoliers hängen einerseits die Munitionstasche mit Bajonett, andererseits der Säbel. Bei den Appenzellern trugen selbst gemeine Füsiliere den Säbel, der in anderen Kantonen Elitekompanien und Unteroffizieren vorbehalten war. Der Kanton begründete dies 1824 damit, dass das Tragen des Säbels in engem Zusammenhang mit altem Brauchtum und dem traditionellen Ehrgefühl stehe.
Roger Rebmann, Basel