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Zucker, Handel, Sklavenhandel
(betr. TA v. 17.12.05, Savoir Vivre, Fest à l'ancienne)
Durch die Schweizer Geschichtsschreibung der Industrialisierung zieht sich wie ein roter (oder besser weisser) Faden: Baumwolle ist billig, nimmt im 18. Jahrhundert einen gewaltigen Aufschwung und wird irgendwo her importiert. Es gibt ganze Bibliotheken voll von Büchern über die Verarbeitung der Baumwolle, über die Mechanisierung des Spinnens und Webens, über das Färben und Bedrucken. Die Lage der Arbeiterschaft in der Heimindustrie, die Herkunft und die Stellung der Unternehmer und ihres Kapitals, die Veränderung der Lebens- und Arbeitswelt in der Textilindustrie - sie sind die klassische Domäne einer sozial- und wirtschaftsgeschichtlich geprägten Forschung. Dabei hatte schon Karl Marx deutlich gesagt, was Sache ist: "Ohne Sklaverei keine Baumwolle; ohne Baumwolle keine moderne Industrie."
Was für die Industrialisierung und die Baumwolle gilt, gilt für die Ernährung und den Zucker. Auch wenn es im Interview mit François de Capitani "nur" um Essgewohnheiten geht, so ist seine Erklärung für den Preissturz beim Zucker im 18./19. Jahrhundert schwer zu ertragen: "Es hing mit dem Handel zusammen." Ja, das stimmt auch. Aber weitergehend hing es mit dem Sklavenhandel zusammen und mit der Ausbeutung von Millionen versklavter afrikanischer Männer und Frauen auf den Zuckerplantagen der "Neuen Welt". Das zu erwähnen hätte drei Zeilen mehr gebraucht, die man bei der Vanillecrème und beim Truthahn hätte einsparen können.