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Am 7. Februar 2021 wird das Schweizer Frauenstimmrecht 50 Jahre alt. In Erinnerung an all die hartnäckigen und mutigen Frauen, die jahrzehntelang darum kämpften, dass auch wir Frauen endlich abstimmen und wählen dürfen – und selbst gewählt werden können – stellen wir hier mehrere dieser Wegbereiterinnen vor. Es kommen laufend weitere dazu.
Tilo Frey (1923-2008)
Tilo Frey zog 1971 als eine der ersten elf Nationalrätinnen, als erste schwarze Person und als erste Frau of Color ins Bundesparlament ein. Geboren wurde Frey in Kamerun, als Tochter einer Kamerunerin und eines Schweizers. Als 5-Jährige kam sie in die Schweiz. Zur Schule ging sie in Neuenburg, wo sie später als Lehrerin und Direktorin unter anderem an der Berufsschule für Mädchen arbeitete.
Frey gehörte der FDP an und übernahm 1964 ihr erstes politisches Amt im Neuenburger Stadt-Parlament. Ab 1969 sass sie schliesslich als erste Frau im Neuenburger Grossrat. Politisch setzte sie sich für die Lohngleichheit der Geschlechter, für die Entkriminalisierung der Abtreibung und für eine verstärkte Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern ein.
Im Juni 2019, mehr als zehn Jahre nach Freys Tod, wurde der zentrale Platz vor der Universität Neuchâtel nach ihr benannt. Zuvor hiess der Platz «Espace Louis-Agassiz». Nach dem Schweizer Naturkundler und Rassisten Louis Agassiz, der mit seinen Theorien die systematische Rassentrennung in den USA stützte.
Der «Espace Tilo-Frey» ist bislang der einzige Platz in der Schweiz, der einer Person of Color gewidmet ist. Und zudem einer der wenigen Orte, der nach einer Frau benannt ist.
Rosa Bloch-Bollag (1880-1922)
Rosa Bloch-Bollag wuchs in ärmlichen Verhältnissen in Zürich auf und gehörte zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu den herausragenden Figuren der Schweizerischen Arbeiter*innenbewegung.
Bloch-Bollag war Agitatorin, Publizistin und Revolutionärin: Sie verantwortete «Die Vorkämpferin», eine Zeitung der Arbeiterinnenbewegung und sass 1918 als einzige Frau zwischenzeitlich im Oltener Aktionskomitee zur Vorbereitung des Generalstreiks. Ihr ist es zu verdanken, dass das Frauenstimm- und -wahlrecht im Programm des Komitees an zweiter Stelle stand.
Bloch-Bollags Wirkungsfeld war in den Arbeiterinnenvereinen und auf der Strasse: 1918 organisiert sie in Zürich eine vielbeachtete Hungerdemonstration, an der sie neben einer gerechten Verteilung von Lebensmitteln an bedürftige Familien auch den Einlass einer Frauendelegation in den Kantonsrat fordert. Über tausend Arbeiterinnen versammeln sich am 10. Juni in strömendem Regen und marschieren – angeführt von Rosa Bloch-Bollag – zum Rathaus. Und tatsächlich: Den Frauen wird eine Anhörung im Kantonsparlament gewährt. Eine Woche nach dem Aufmarsch können Rosa Bloch-Bollag und zwei ihrer Mitstreiterinnen ihre Forderungen im Kantonsrat vortragen, als erste Frauen überhaupt!
Mehr als 50 Jahre dauert es, bis sich dieses Ereignis endlich wiederholt: Erst 1970 – nach Einführung des kantonalen Frauenstimmrechts – sprechen erneut Frauen im Zürcher Kantonsrat.
Elisabeth Kopp (*1936)
Elisabeth Kopp zog 1979 für die Zürcher FDP in den Nationalrat ein. Fünf Jahre später, am 2. Oktober 1984, wurde sie als erste Frau überhaupt in den Bundesrat gewählt. Dort stand sie – bis zu ihrem unfreiwilligen Rücktritt 1989 – dem Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement vor.
Schon vor ihrem Einzug in den Bundesrat engagierte sich Elisabeth Kopp für die gesellschaftliche Besserstellung der Frauen. In einem Interview für das jüngst erschienene Buch «50 Jahre Frauenstimmrecht» (Limmatverlag), sagt Kopp: «Ich wurde vom Feminismus schon als Teenager infiziert. Einmal hat mich der Rektor meiner Schule in Bern ins Rektorat bestellt und mich gefragt, was ich eigentlich in einem Gymnasium verloren hätte: Ich würde doch nur einem Jungen den Platz wegnehmen und selber nicht für mehr als eine Eisrevue taugen. Eislaufen war damals meine grosse Leidenschaft. Ich war so wütend. Wenn er gesagt hätte, ich würde jemandem den Platz wegnehmen, der – geschlechtsneutral! – mehr für die Schule arbeitet, dann okay. Aber diese Argumentation war für mich damals schon nicht in Ordnung.»
Später, als Nationalrätin setzte sich Kopp für den Artikel über die Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Bundesverfassung ein. Ihren allergrössten Kampf nennt Kopp selbst allerdings die Revision des Eherechts, die sie 1988 als Bundesrätin durchbrachte. Für die Frauen bedeutete das, dass sie endlich arbeiten gehen konnten, ohne die Erlaubnis ihres Mannes zu brauchen!
In der «Affäre Kopp», die sie 1989 zum Ausscheiden aus dem Bundesrat zwang, ging es um ein Telefonat, das sie mit ihrem Mann geführt hatte. Der sass im Verwaltungsrat der Firma Shakarchi, gegen die Drogengeldwäscherei-Vorwürfe im Raum standen. Elisabeth Kopp rief ihren Gatten an, warnte und bat ihn, aus dem Verwaltungsrat auszutreten. Dies brachte ihr den Vorwurf der Amtsgeheimnisverletzung ein. 1990 sprach das Bundesgericht Kopp in dieser Sache frei. Der mediale Druck hatte da aber bereits zu ihrem Rücktritt geführt.
Danach zog sich Kopp mehrheitlich aus der Öffentlichkeit zurück. 2004 trat sie jedoch prominent für die Einführung einer Mutterschaftsversicherung ein. In Vorträgen und Diskussionen unterstreicht sie auch heute noch die Notwendigkeit der Gleichstellung von Frau und Mann und ermutigt die Frauen, in die Politik einzusteigen.