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R. SCHNEIDER-SLIWA & C. ERISMANN, mit M. CAPRARESE:
Kompostieren und Abfallentsorgungsverhalten in Basel.
= Basler Stadt- und Regionalforschung, Band 30, 2008.
Zusammenfassung. Seit der Einführung der gebührenpflichtigen Kehrichtsäcke in Basel im Jahr 1993 ist das Sammeln und Wiederverwerten von Wertstoffen ein wichtiges Thema geworden, auch bei den organischen Abfällen. Durch das Einrichten der Kompostberatung stieg der Anteil derjenigen Haushalte, die kompostieren, beträchtlich an. Von der Stadtgärtnerei werden heute rund 8800 Kompostplätze betreut. Viele weitere Einwohner von Basel kompostieren ihre Abfälle aber auch ohne Unterstützung der Stadt. Allerdings gibt es noch einen recht grossen Anteil von Haushalten, die ihre organischen Abfälle zusammen mit dem Hausmüll entsorgen. Dieses „Rohmaterial“ könnte besser genutzt werden. Im Jahr 2006 wurde in Pratteln die erste Bio-Power-Anlage der Region Basel in Betrieb genommen, in der organisches Material vergärt wird und Bio-Gas sowie hochwertige Komposterde produziert werden. Für die Stadt Basel stellte sich nun die Frage, ob die Einführung einer Abfuhr für Küchenabfälle aus Privathaushalten eine sinnvolle Ergänzung zum bestehenden Abfallentsorgungskonzept sein könnte, oder ob damit eher für die fraglos ökologischste Variante des dezentralen Kompostierens Konkurrenz geschaffen würde.
Ziel der Studie. Bereits im Jahr 1996 führte das Geographische Institut der Universität Basel in Zusammenarbeit mit der Stadtgärtnerei eine Studie zum Kompostierverhalten der Basler Bevölkerung durch. Ziel der Studie von 2007 war es, aktuelle Erkenntnisse zum Kompostierverhalten der Bevölkerung von Basel zu erhalten und den ungefähren Anteil der Haushalte zu eruieren, die auf privaten öffentlichen und in Familiengärten eingerichteten Stellen kompostieren. Ebenso wurde versucht, die ungefähren Mengen an dezentral kompostiertem Material im jeweiligen Haushalt der befragten Passanten zu erfassen bzw. die Mengen, die von nicht-kompostierenden Haushalten im normalen Hausmüll entsorgt werden. Determinanten des Kompostierverhaltens in ausgewählten, unterschiedlich strukturierten Wohnquartieren wurden mittels Passantenbefragungen in den jeweiligen Quartierzentren und in der Innenstadt von Basel dokumentiert. Ermittelt wurde auch die Bereitschaft, eine Sammlung von Küchenabfällen gegen Gebühr zu nutzen, wobei unterschieden wurde zwischen Sammelcontainern in den Quartieren und einer Abfuhr wie beim Hauskehricht. Abschliessend wurden Empfehlungen bezüglich der Vorteile des dezentralen Kompostierens gegenüber einer Grünabfuhr/-sammlung herausgearbeitet.
Ergebnisse. Anteil der Kompostierer. In der Studie gaben 786 (38%) der befragten Personen an, dass sie kompostieren und 1296 (62%) entsorgten ihre Küchenabfälle im Kehrichtsack. Im Vergleich zur Untersuchung von 1996 zeigt sich, dass der Anteil der befragten Personen, die kompostieren, in der Stichprobe von 49% auf 38% zurückgegangen ist.
Was wird nicht kompostiert? Auch Personen, die kompostieren, entsorgen gewisse organische Abfälle (v.a. gekochte Speisereste, Zitrusfrüchte, Bananenschalen) bewusst im normalen Hauskehricht (ca. ein Drittel ihrer gesamten organischen Abfälle), obwohl das meiste davon problemlos kompostiert werden könnte. Hier scheint noch Aufklärungs- und Informationsbedarf vorhanden zu sein. 72% der befragten Kompostierer gaben an, dass sie die Komposterde selber im Garten oder auf dem Balkon verwenden.
Bereitschaft zum Kompostieren. 60% der befragten Nicht-Kompostierer würden eventuell mit dem Kompostieren beginnen, wenn ihnen zu Hause gratis ein Kompost eingerichtet würde. Das bedeutet, dass beinahe zwei Drittel der Nicht-Kompostierer damit potentielle Kompostierer darstellen. Geht man davon aus, dass auch bei denjenigen Personen, die keinen Platz zum Kompostieren zu Hause haben, eine grundsätzliche Bereitschaft besteht, mit dem Sammeln ihrer organischen Abfälle zu beginnen, würde dies für eine Einrichtung von zusätzlichen öffentlichen Quartierkompostplätzen sprechen. Bei der Analyse der Daten zeigte sich, dass diese Massnahme von 65% der Befragten begrüsst würde.
Nutzung einer Sammlung von Küchenabfällen durch die Stadt. Von insgesamt 2079 befragten Personen (Kompostierer und Nicht-Kompostierer zusammen) würden 51.7% Sammelcontainer für Küchenabfälle und 67.2% eine Abfuhr für Küchenabfälle nutzen. Aus diesem Resultat kann eindeutig geschlossen werden, dass ein Holsystem einem Bringsystem vorgezogen würde. Bei den Kompostierern würden 21% mit dem Kompostieren aufhören, wenn Sammelcontainer für Küchenabfälle aufgestellt würden. 71% der Befragten würde auch bei der Einführung von Sammelcontainern weiter kompostieren. Bei der Einführung einer Abfuhr würden 37%, d.h. mehr als ein Drittel der befragten Kompostierer, umsteigen. Betrachtet man nur diejenigen Befragten, die das eine oder andere Angebot tatsächlich auch nutzen wollen, zeigt sich, dass zwischen 20.2% und 29.3% nicht bereit wären, eine Gebühr zu bezahlen. Zwischen 14.8% und 18.0% wären bereit, höchstens CHF 0.50 für die Entsorgung eines Kompostkessels zu bezahlen, knapp die Hälfte der Befragten würden CHF 1.00 als Maximum akzeptieren. Eine Gebühr von CHF 1.50 würden immer noch gut ein Drittel der Befragten bezahlen. Generell ist die Zahlungsbereitschaft bei den Nicht-Kompostierern leicht höher.
Wertstoffsammlung allgemein. Der Vergleich zwischen kompostierenden und nicht-kompostierenden Haushalten zeigt, dass die kompostierenden Haushalte sämtliche Wertstoffe zu einem leicht höheren Anteil separat entsorgen als die nicht-kompostierenden Haushalte. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich das Abfalltrennverhalten in Basel seit 1996 leicht verbessert hat.
Abfallmengen im Vergleich. Betrachtet man den Mittelwert der geschätzten Abfallmengen in Liter pro Haushalt und Woche, zeigt sich einerseits die Abhängigkeit der Menge von der Haushaltsgrösse, andererseits ein deutlicher Unterschied zwischen Kompostierern und Nicht-Kompostierern. Kompostierer produzieren pro Kopf weniger Abfall und Einpersonenhaushalte produzieren pro Kopf deutlich mehr Abfall als Zweipersonenhaushalte.