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Die Wahl sei ein «wichtiger Moment» in der Geschichte des Landes, sagte der sozialistische Favorit François Hollande nach seiner Stimmabgabe in einem Büro im zentralfranzösischen Tulle. «Es geht nicht nur um einen Wettstreit der Persönlichkeiten, die Menschen wollen wissen, welche Politik folgen wird», sagte der 57-Jährige. «Ich muss meinem Land neuen Lebensatem geben und eine neues Bekenntnis für Europa abgeben.»
Amtsinhaber Nicolas Sarkozy wählte in dem bürgerlichen 16. Arrondissement von Paris, ohne einen Kommentar abzugeben. Der Konservative erschien zusammen mit seiner Frau Carla Bruni. Der 57-jährige Sarkozy lag in letzten Umfragen sowohl für den ersten Wahlgang als auch für die Stichwahl am 6. Mai hinter Hollande.
Höhere Beteiligung als erwartet
Anders als zunächst befürchtet, zeichnete sich eine relativ hohe Wahlbeteiligung ab. Am Mittag lag sie nach Angaben des Innenministeriums bei 28,29 Prozent, wobei die Überseegebiete zunächst nicht berücksichtigt wurden.
Die Beteiligung war damit zwar etwas tiefer als bei der letzten Wahl vor fünf Jahren, jedoch deutlich höher als 2002, als zur selben Zeit nur 21,4 Prozent ihre Stimmen abgegeben hatten. Damals hatte überraschend Jean-Marie Le Pen von der rechtsextremen Front National den Einzug in die zweite Wahlrunde geschafft, der Sozialist Lionel Jospin schied aus.
Duell zwischen Sarkozy und Hollande erwartet
Die Umfragen lassen erwarten, dass Sarkozy und Hollande mit etwa 26 beziehungsweise 29 Prozent der Stimmen den zweiten Wahlgang erreichen werden. Dahinter lag zuletzt Marine Le Pen von der Front National, die mit 16 Prozent der Stimmen rechnen konnte, gefolgt von Jean-Luc Mélenchon von der radikalen Linksfront, der auf 14 Prozent kam.
Zentrumspolitiker François Bayrou wurde ein Stimmenanteil von etwa 10 Prozent vorhergesagt. Er hatte am frühen Vormittag als erster der zehn Kandidaten seine Stimme abgegeben. Der 60-jährige frühere Bildungsminister erklärte, über die Wahl werde bereits in der ersten Runde am Sonntag entschieden. Die zahlreichen Unentschlossenen müssten sich entscheiden, wer in die Stichwahl kommen solle.
Sieg im 1. Wahlgang bietet keine Sicherheit
Seit Einführung der direkten Wahl des französischen Präsidenten vor 50 Jahren hat noch kein Kandidat in der ersten Runde die absolute Mehrheit der Stimmen erreicht. Die Entscheidung fiel immer erst in der zweiten Runde, die diesmal am 6. Mai stattfindet.
Drei Mal musste sich der Sieger der ersten Runde in der Stichwahl geschlagen geben. 1974 passierte dies dem Sozialisten François Mitterrand, der in der ersten Runde deutlich besser abschnitt als der Konservative Valérie Giscard d'Estaing, in der Stichwahl dann aber knapp unterlag.
1981 war es dann genau umgekehrt: Amtsinhaber Giscard d'Estaing gewann die erste Runde, aber zwei Wochen später wurde Mitterrand zum ersten sozialistischen Präsidenten der Fünften Republik bestimmt. 1995 hatte der Sozialist Lionel Jospin in der ersten Wahlrunde die Nase vorn - und wurde dann von Jacques Chirac geschlagen.
Die wichtigsten Informationen zur Wahl:
- Gewählt ist, wer die absolute Mehrheit gewinnt. Da das im ersten Wahlgang bei zehn Kandidaten nicht zu erwarten ist, kommt es zwei Wochen später zum Stichentscheid zwischen den beiden Erstplatzierten.
- Wahlberechtigt sind 44,5 Millionen Frauen und Männer, die mindestens 18 Jahre alt seien müssen. Sie können ihre Stimme im In- und Ausland in 65'000 Wahllokalen abgeben, die auf dem Land von 8 bis 18 Uhr und in den Grossstädten bis 20 Uhr geöffnet sind.
- Erste Prognosen werden kurz nach Schliessung der Stimmlokale erwartet. Hochrechnungen werden erst nach 20 Uhr publiziert.
- Die Stimmberechtigten in den französischen Überseebesitzungen wählen bereits am Samstag. Die Ergebnisse bleiben bis Sonntagabend unter Verschluss. Für die etwa eine Million im Ausland lebenden Franzosen stehen 780 Stimmlokale bereit, die meisten in der Schweiz und in den USA.
- Die fünfjährige Amtszeit des Präsidenten endet am 15. Mai. Sollte ein neuer Staatschef gewählt worden sein, wird der Termin der Amtseinführung zwischen altem und neuem Präsidenten vereinbart. Sie könnte bei einem Sieg Hollandes vor dem 15. Mai liegen, da am 18. und 19. Mai ein G8-Gipfel geplant ist.
- Vor der Amtsübernahme übergibt der scheidende Präsident seinem Nachfolger den geheimen Code für die französischen Atomwaffen.
- Der neue Präsident ernennt eine Übergangsregierung, die bis zur Parlamentswahl am 10. und 17. Juni die laufenden Geschäfte führt.
(vst/tno/sda)