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Venezuela nach Chávez: Amtseid im Machtvakuum
- Samstag, 9. März 2013, 4:44 Uhr
Nur wenige Stunden nach der Trauerfeier für den verstorbenen venezolanischen Staatschef Hugo Chávez ist dessen Vize Nicolás Maduro als Interimspräsident vereidigt worden. Die Opposition schäumt und attackiert das Oberste Gericht.
Venezuelas Übergangspräsident Nicolás Maduro ist vom Parlamentspräsidenten für sein Amt vereidigt worden. Der verstorbene Präsident Hugo Chávez hatte den 50 Jahre alten früheren Busfahrer und Gewerkschafter als seinen Nachfolger auserkoren. Er soll bei den Neuwahlen in spätestens 30 Tagen als Spitzenkandidat der Vereinten Sozialistischen Partei Venezuelas (PSUV) ins Rennen gehen.
Oberstes Gericht attackiert
Maduro schwor «im Namen absoluter Loyalität zu Kommandant Hugo Chávez» die «Bolivarische Verfassung» Venezuelas zu verteidigen. Die von der Opposition boykottierte Zeremonie wurde im Fernsehen übertragen.
Oppositionsführer Henrique Capriles bezeichnete die Interimspräsidentschaft Maduros als illegitim. «Niemand hat Nicolás gewählt», sagte Capriles in Caracas. Die Entscheidung des obersten Gerichts, dass Maduro bis zur Wahl als Übergangspräsident eingesetzt werden soll, sei «Missbrauch». Laut Verfassung muss Maduro binnen 30 Tagen Neuwahlen ansetzen.
Polit-Prominenz aus aller Welt
Staatschef Hugo Chávez war am Dienstag einem Krebsleiden erlegen. Er hatte Venezuela 14 Jahre lang regiert und Maduro als Nachfolger benannt. Bei der Präsidentschaftswahl Anfang Oktober war Capriles Chávez unterlegen.
Zur Trauerfeier für Chávez waren zahlreiche Staats- und Regierungschefs aus aller Welt nach Caracas gekommen, unter ihnen Raúl Castro aus Kuba, Evo Morales aus Bolivien und Mahmud Ahmadinedschad aus dem Iran.
Auch die Staatschefs von Kolumbien, Ecuador, Uruguay, Honduras, Peru und Mexiko waren erschienen. Der Trauerakt in der Militärakademie Fuerte Tiuna wurde im Fernsehen live übertragen.
Im gläsernen Sarg
Die EU-Länder waren überwiegend durch ihre Botschafter vertreten, die USA schickten einen Abgeordneten und einen Ex-Parlamentarier der Demokraten. Insgesamt wurden nach Angaben der venezolanischen Behörden 50 Delegationen von Staats- oder Regierungschefs angeführt.
Chávez soll seinen Anhängern erhalten bleiben: Der Verstorbene wird einbalsamiert und in einem gläsernen Sarg ausgestellt. «Das Volk soll ihn wie Ho Tschi Minh, Lenin und Mao Tsetung ewig präsent haben können», sagte Maduro.
Opposition kürt Kandidaten
Die Chávez-Gegner wollen ihren Kandidaten nächste Woche nach Ablauf der siebentägigen Staatstrauer nominieren, wie der Vertreter des venezolanischen Oppositionsbündnisses MUD in den USA, Pedro Mena, in Miami sagte.
Erste Wahl sei der Gouverneur des Bundesstaates Miranda, Henrique Capriles Radonski. Der 40-Jährige hatte im Oktober die Präsidentenwahl gegen Chávez verloren.