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‘Feliza Bursztyn: Welding Madness’.
Online-Symposium anlässlich des Erscheinens der Publikation
Das Symposium fand am 9. April statt. Hier finden Sie die Aufzeichnung davon.
‘Feliza Bursztyn: Welding Madness’ ist die erste Museumsretrospektive der kolumbianischen Künstlerin Feliza Bursztyn (geb. Bogotá, 1933 – gest. Paris, 1982), die ausserhalb ihrer Heimat gezeigt wird. Diese ambitionierte, ihre gesammte Karriere umfassende Überblicksschau, die etwa 50 Skulpturen, Filme und Installationen sowie Archivmaterial zusammenführt, das grösstenteils zum ersten Mal in Europa gezeigt wird, positioniert Bursztyn als eine der bedeutendsten Bildhauer*innen Lateinamerikas im 20. Jahrhundert.
Feliza Bursztyn war eine wegweisende kolumbianische Künstlerin, deren kinetische Skulpturen die südamerikanische Kunst ebenso revolutionierten wie die Arbeiten ihrer bekannteren Zeitgenoss*innen Gego und Mira Schendel.
Bursztyn schuf ihre Werke unter Verwendung ausrangierter Fragmente von Maschinen, Reifen, Kabeln und anderer Metallteile, die sie, im Lauf der Zeit, um handgefärbte Stoffe, Motoren, Licht- und Klangelemente ergänzte und so zunehmend komplexe, raumgrosse Installationen herstellte. Schliesslich schuf sie immersive, erfahrungsbezogene Räume: Ihre Skulpturen klammerten sich an Wände, hingen von der Decke herab oder sassen auf Bühnen und brachten in auf dramatische Weise ausgeleuchteten und verzierten Räumen vertonte und choreografierte Tänze zur Aufführung. Ihre gesamte Karriere hindurch kombinierte und hinterfragte die Künstlerin Vorstellungen von Kunst, Maschinen, Kunsthandwerk, Modernität und Arbeit unter dem Gesichtspunkt der Hysterie – ein Begriff, der seit dem 19. Jahrhundert dazu dient, weibliche Labilität, Abnormalität und emotionalen Überschwang zu beschreiben. Bursztyn setzte die Idee und die Tropen des Wahnsinns ein, um die Irrationalitäten, Fragilitäten und Mehrdeutigkeiten des modernen Lebens zu erkunden.
Das eintägige, dem Werk Feliza Bursztyn gewidmete Symposium, das Teil der Ausstellung ist und das Erscheinen der ersten der Künstlerin gewidmeten Monografie begleitet, ist ein Versuch, eine dringend benötigte Geschichte dieses dynamischen Œuvres anzubieten.
Das Symposium fand in englischer Sprache statt.
Keine Reservierung erforderlich. Freier Eintritt.
PROGRAMM
Begrüssung
Grażyna Kulczyk, Gründerin des Muzeum Susch, Vorstandvorsitzende der Art Stations Foundation CH
Einführung:
Marta Dziewańska, Abigail Winograd
Kuratorinnen der Ausstellung ‘Feliza Bursztyn: Welding Madness’
Teil I: Eine Aussenseiterin: Feliza Bursztyn und ihr Kontext
Vortrag: Abigail Winograd, ‘Feliza Bursztyn: Life in Images’
Podiumsdiskussion: Camilo Leyva, Agnieszka Sosnowska, Sylvia Suárez, Abigail Winograd
15' Kaffee-Pause
Vorführungen (sind nicht Teil der Aufzeichnung):
Hoy Feliza, (Heute Feliza), 1968
von Luis Ernesto Arocha, 16 mm-Film, Schwarzweiss, 6 Min.
Courtesy die Künstler und Instituto de Vision, Bogotá
1968 enthüllte Feliza Bursztyn einen neuen Werkkomplex aus rostfreiem Stahl und mit einem kinetischen Aspekt, dem sie den Titel Las histéricas (Die Hysterikerinnen) gab. Diese motorisierten Skulpturen wurden gelegentlich in immersiven Environments präsentiert, die nicht nur mit einem lauten mechanischen Klang einhergingen, sondern auch einen Kurzfilm mit dem Titel Hoy Feliza (Heute Feliza, 1968) beinhalteten, der von ihrem Freund, dem experimentellen Filmemacher Luis Ernesto Arocha stammte. Dieser Film hält Las histéricas in Aktion fest: vibrierend und wahnsinnig, verflochten mit Bildern der Künstlerin selbst, aber auch mit einem Dutzend Standfotos von Hollywooddiven und -sexsymbolen, darunter Greta Garbo, Bette Davis und Marlon Brando. Der 16 mm-Film bildete den Auftakt einer Ausstellung im Salón Cultural, die in der Galerie der Banco de la República stattfand, und wurde auf die Fassade des Gebäudes projiziert.
Azilef, 1971
von Luis Ernesto Arocha, 16 mm-Film, Schwarzweiss, 8 Min.
Courtesy die Künstler und Instituto de Vision, Bogotá
1971 inspirierten Bursztyns Miniaturskulpturen Minimáquinas (Minimaschinen) den Filmemacher Ernesto Arocha dazu, einen Kurzfilm mit dem Titel Azilef (‘Feliza’ rückwärts geschrieben) zu drehen. Die maschinenartigen und zoomorphen Eigenschaften der Skulpturen lassen sie als fremdartige Geschöpfe, Raumschiffe oder Satelliten erscheinen, die sich durch den leeren Raum bewegen. Der Soundtrack des Films wurde eigens für dieses Projekt von der in Bogoa ansässigen, von den Beatles inspirierten Rockband Los Teipus inspiriert und enthielt einen psychedelischen Folk-Rock-Song mit englischen Texten über Magie, Träume, Liebe, das Universum und Möglichkeiten[NS2] . Arochas Film verortet Bursztyns Werk im Kontext des hippismo (‘Hippytum’) mit seiner Ablehnung von Konventionen, seinen Ideen sexueller Befreiung, dem Verzicht auf Materialismus, Experimenten mit Drogen, Akzeptanz neuer populärer Kunstformen und dem utopischen Glauben an die Möglichkeit einer besseren Zukunft.
Teil II: Eine Pionierin: Feliza Bursztyn und der dezentralisierte Feminismus
Vortrag: Cecilia Fajardo-Hill, ‘Die gegenderte politische Verkörperung von Feliza Bursztyns Werk’
Im Gegensatz zu der gängigen Vorstellung, Abstraktion sei eine ästhetische Sprache, die nicht im Dialog mit der Wirklichkeit steht, wird dieser Vortrag zeigen, dass Feliza Bursztyns Werk keineswegs vom Leben und der sozialen und politischen Wirklichkeit Kolumbiens abstrahiert oder abgekoppelt ist, sondern vielmehr eine äusserst kritische Haltung und Beziehung gegenüber und zu ihrer Zeit unterhält, die sowohl politisch als auch gegendert ist. Bursztyns Linksorientierung und feministische Haltung durchziehen ihr Werk, insbesondere Las histéricas (Die Hysterikerinnen), Las camas (Die Betten) und La baila macánica (Das Mechanische Ballett), und verleihen ihrer Einladung, ihre Kunst unter sozialen und politischen Gesichtspunkten zu interpretieren, Dringlichkeit. Diese Präsentation wird analysieren, wie ihre unkonventionellen motorisierten Skulpturen und performativen Installationen die Betrachter*innen provozierten und aktivierten, indem sie gesellschaftliche Tabus herausforderten und emanzipatorische Situationen schufen.
Vortrag: Gina McDaniel Tarver, ‘Wir müssen kämpfen: Feliza Bursztyn und kolumbianische Frauen in den Künsten’
Als in den 1960ern und 1970ern kulturelle Veränderungen über den Globus hinwegfegten, kamen die Verhütungspille und die sexuelle Befreiung selbst im extrem konservativen katholischen Kolumbien an. In dieser Zeit spielte Feliza Bursztyn eine prominente Rolle bei der Eröffnung neuer sozialer, beruflicher und kreativer Möglichkeiten für Frauen. Ihr Werk war ein beeindruckendes Beispiel künstlerischer Innovation und scheute nicht davor zurück, mit Gender-Stereotypien zu brechen. Bursztyns Karriere überschnitt sich mit denjenigen anderer erfolgreicher kolumbianischer Frauen in den Künsten wie Marta Traba, Beatriz Daza und Jacqueline Nova, und diese Frauen ergänzten, unterstützten und inspirierten einander, indem sie unter Beweis stellten, dass sie auf einem Gebiet die Führung übernehmen konnten, das zuvor von Männern beherrscht wurde.
15:00
Podiumsdiskussion: Marta Dziewańska, Cecilia Fajardo-Hill, Pierre-Henri Foulon, Abigail Winograd, Gina McDaniel Tarver, Lynn Zelevansky
16:15
Vorführung (ist nicht Teil der Aufzeichnung):
Feliza Bursztyn: Welding Madness
Film über die Ausstellung und die Künstlerin, 22 min.
Partner des Symposiums und der Publikation:
The Institute for Studies on Latin American Art
Skira Editore