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Bernhard Sauter (© Copyright):
Wenn es so ist.
Text zur Ausstellung in der Galerie Rehbock, Stein am Rhein, 1971
Der Autofahrer macht ein Bild.
Er sieht das eine, während er das Nächste anvisiert. Eine Vielzahl von optischen und akustischen Wahrnehmungen. Alle Einzelheiten bedeutungslos, aber vergleichbar mit Buchstaben, die zusammengesetzt ein Wort ergeben, sind es Chiffren, die seine Situation erkennbar machen:
Das Bild des Autofahrers. Er braucht es zum Überleben.
Aus vielen Bildern ein Bild machen.
Mit der Filmkamera Bilder aneinander reihen. Bilder, die man kennt, aus ihrer gewohnten Umgebung nehmen. Sie in neuer Beziehung aufeinander abstimmen. Ihr Erscheinen bei der Projektion ist zu kurz, um einzeln ins Bewusstsein zu dringen.
Als Reizimpulse treffen sie auf ein vorprogrammiertes Gehirn.
Vom Reisen:
Bei nassem Wetter in einem Warenhauseingang sich unter dem Warmluftvorhang die Schuhe trocknen lassen. Die Strassenbahnaufschriften lesen und vergleichen mit Strassenbahnaufschriften in anderen Städten. Unbekannte Zigarettenmarken ausprobieren. Immer wieder am gleichen Kiosk das Gleiche kaufen. Ein Restaurant suchen, wo man eine saubere Toilette benützen kann. Auf dem Bahnhof herumstreunen. Weil es kalt ist, sechs Stunden lang im Kino sitzen. Auf einem Fabrikareal einer Gruppe daherkommender Arbeiter ausweichen. Sich schliesslich von einem ätzenden Säuregeruch vertreiben lassen.
Ich habe mir einen Leserbrief notiert:
Warum bringen Sie nichts von den Offenbarungen des dritten Auges in Ihrer Zeitschrift? Ich sende Ihnen gerne Prospekte.
Sr. Angelika Häuser
Bottropp
Der Kriminalist sichert am Tatort die Spuren und rekonstruiert den Fall.
Dieser Leserbrief ist ein "Tatort". Im übrigen ist er unheimlich gut. Alles stimmt. Selbst dass die Schwester Häuser heisst und aus Bottropp stammt, wofür sie eigentlich nichts kann.
Die Landschaft vom Flugzeug aus betrachtet ist die gleiche. Die gleich Landschaft aber ein anderes Bild. Etwas, dessen Existenz durch die Möglichkeit des Flugzeuges erkannt und sinnlich erfassbar gemacht wird.
Das Erkennen einer Existenz ist die Praxis des Bildermachers. Sie sinnlich erfassbar machen, ist seine Methode.
Ein Mann erfährt, dass sein Haus in zehn Minuten explodieren wird.
Was für Gegenstände würde er zu retten versuchen?
Eine Nonne trägt eine Handtasche bei sich.
Was für Gegenstände sind darin?
Anweisung für die Darsteller:
Wenn der Schnee schwarz ist,
Erkennt man das Weiss besser
Dinge sind Akteure. Sie spielen ein Spiel.
Der Ausgang des Spieles ist ungewiss.
Zürich, im Juli 1971, Bernhard Sauter
© Copyright: Bilder + Werke Bernhard Sauter / Fotos + Texte Eva Sauter Lemmenmeier