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Auf einer Landkarte finden wir viele Information über die naturräumliche Gliederung sowie über alle sichtbaren und dauerhaften Veränderungen, die der Mensch vorgenommen hat (Häuser, Strassen, Eisenbahnen, etc.).
Karten, die einen Ausschnitt der Erdoberfläche abbilden, wo der Mensch keine sichtbaren Spuren hinterlassen kann, haben einen besonderen Reiz und laden zu Gedankenreisen ein.
Das Hochgebirge der Schweizer Alpen ist kein solches Gebiet mehr. Ein Blick auf die Landeskarten zeigt, dass alle Gipfel, Gletscher und Täler mit Namen versehen und vermessen sind. Eingezeichnete Staumauern und SAC-Hütten sind dauerhafte Eingriffe in eine nicht mehr unberührte Natur.
Aber die Wasseroberflächen der grossen Weltmeere oder die Sandwüsten sind unberührte Gebiete. Gleichförmig flach oder wellenförmig, häufig in Bewegung, hier gibt es eigentlich nichts zu kartieren.
Trotzdem gibt es Weltkartenwerke, die der Vollständigkeit halber, die ganze Erdoberfläche abdecken. So entstehen eigentlich „unnütze“ leere Blätter in blau. Um sie trotzdem „nützlich“ zu machen, wird das Relief des Meeresuntergrundes kartiert. Im Ausschnitt des Kartenblatts 70 der Weltkarte 1:2 500 000 wird das Relief mit Höhenlinien (oder Präziser: Tiefenlinien) und Farbabstufungen dargestellt.
Quelle: Glavnoe upravlenie geodezii i kartografii pri Sovete Ministrov SSSR
Beim Definieren des Übersichtsnetzes der Landeskarten der Schweiz ergab es sich, dass das Blatt 1055, Romanshorn, der Landeskarte 1:25 000 einen grossen Ausschnitt des Bodensees abdeckt. Nur im Südwesten (Romanshorn und Umgebung) sowie im Nordosten (Langenargen, Deutschland) gibt es Festland. Wie beim erwähnten Weltkartenwerk wird das Relief des Seegrundes mit Tiefenkurven dargestellt.
Quelle: Bundesamt für Landestopografie
Die spärlich aufgedruckten Zahlen, die nicht eine Tiefenkurve unterbrechen, haben folgende Bedeutung:
Quelle: Bundesamt für Landestopografie
Schwarze Zahl mit einem Kreuz = Höhe in Meter über Meer auf dem Seegrund; Blaue Zahl unterstrichen = Mittlere Höhe des Seespiegels in Meter über Meer (beim Pfingsthochwasser 1999 lag die Höhe des Seespiegels ca. 2,5 m höher!); Blaue Zahl mit Pfeil, der nach unten zeigt = See Tiefe. Der Tiefste Punkt auf dem Grund eines Schweizer Sees liegt übrigens im Lago Maggiore südlich von Brissago: 79 m unter dem Meeresspiegel!
Namen im See geben Rätsel auf: Schussengrund, Montforter Berg (die Montforter waren ein süddeutsches Adelsgeschlecht, ausgestorben im 18. Jh., auffällig auch das Schloss Montfort das bei Langenargen in den See ragt), Schweb-vor der Argen (ein Schweb ist eine ebene Fläche auf dem Seegrund).
Warum ist übrigens die Route der Autofähre zwischen Romanshorn und Friedrichshafen auf der Karte eingezeichnet? Sie hinterlässt ja keine sichtbaren und dauerhaften Veränderungen auf der Wasseroberfläche, die die Aufnahme ins Kartenbild rechtfertigen. Die Routen der übrigen öffentlichen Schifffahrtslinien sind ja ebenfalls nicht eingezeichnet.
Wer über die Weihnachtszeit nicht in den warmen Süden oder ins verschneite Gebirge verreisen will, dem kann ich die Überfahrt von Romanshorn nach Friedrichshafen auf der Autofähre bei Wind, Wolken oder gar Nebel draussen auf dem Deck sehr empfehlen. Es stellt sich das Gefühl ein, dass die Schweiz ganz weit und leer ist.
Foto: Markus Appenzeller, aufgenommen vom Hafen in Romanshorn, Überfahrt mit der Fähre nicht möglich, wegen Föhnsturm bei Friedrichshafen