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Der Korb war für die Ernährung der ersten Menschen wichtiger als Pfeilspitzen und andere Jagdwaffen. Denn mit Körben wurden Früchte, Wurzeln, Kleintiere und Insekten eingesammelt, ohne die sie nicht hätten existieren können. Es wäre daher nur konsequent gewesen, so der Kulturwissenschaftler Andreas Gehrlach, diesen Zeitraum nicht als Steinzeit, sondern als Korbzeit zu bezeichnen. Dass es anders kam, hat einen ganz banalen Grund: Die eingebürgerten Epochenbezeichnungen orientieren sich nicht an den Materialien, «die zur jeweiligen Zeit die wichtigsten waren, sondern an den Dingen, die übrig blieben, weil sie im Verlauf der Jahrtausende nicht zerfallen sind».
Die Tatsache, dass schon unsere frühen VorfahrInnen ständig kleine Gegenstände mit sich herumtrugen, inspiriert Gehrlach zu einem Lob der kleinen Dinge, das er im Essay «Das verschachtelte Ich. Individualräume des Eigentums» an verschiedenen Beispielen wie der von römischen Legionären getragenen Umhängetasche und den Muscheln in der Seemannskiste eines Piraten entfaltet. Es geht um all die Gegenstände, die Menschen in Taschen, Schubladen und Schatullen aufbewahren – Sachen, die keinen Nutzwert zu haben scheinen, aber für das Individuum sehr kostbar sind. Erst zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Taschen, die die bürgerlichen Frauen trugen, voluminöser – weil diese darin nun verstärkt Dinge verstauten, die zuvor den Männern vorbehalten gewesen waren: eigenes Geld oder einen Schlüsselbund. Der reaktionäre Widerstand gegen die neu eroberte Autonomie entzündete sich am Trageutensil: Das Taschentragen galt bei Frauen als unfein und wurde mit der Französischen Revolution assoziiert.
Gehrlachs schmaler Band über die ganz intimen «Individualräume des Eigentums» will ein Stachel im Fleisch des Kapitalismus sein. Gelingt ihm das? In Ansätzen, ja. Denn sein origineller und wunderbar leichtfüssig geschriebener Beitrag zur philosophischen Anthropologie ist ein Statement gegen die totale Verwertbarkeit der Dinge.