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Mieko Azuma wurde 1977 in Kyoto geboren, ab 2001 hat sie an der HFF in München Dokumentarfilm und Fersehjournalismus studiert. August ist ein Konzeptfilm mit einer schweren Prämisse: Er stellt das freiwillige und das unfreiwillige Vergessen in den Mittelpunkt, gebündelt im Hinblick auf die jeweils im August stattfindenden Gedenkfeiern in Hiroshima. Und natürlich kann kein Film mehr dieses Thema streifen, ohne sich in irgend einer Weise auf Alain Resnais‘ Hiroshima mon amour von 1959 zu beziehen. Den Bezug stellt denn auch die Protagonistin von Azumas Dokuspielfilm her, die von einer Schauspielerin verkörperte Deutsche, die in Hiroshima nach Erinnerungen sucht. Sie fragt ihren japanischen Übersetzer, mit Blick auf ein Hotel, ob er denn den Film nicht kenne. Und er kennt ihn natürlich nicht.
Das ist Teil des überladenen Konzept dieses Films. Es geht um die Erinnerungen an das Unvorstellbare, um den Wunsch nach Vergessen der Betroffenen und den Wunsch nach fassbaren Erinnerungen bei ihren Nachkommen. Es geht um Verdrängen und Vergessen, nicht nur in Japan, sondern auch in Deutschland. Die Mutter der Frau, mit der sie hin und wieder telefoniert, ist offenbar dement und kennt meistens nicht einmal mehr die Tochter. Die Schauspielerin erinnert sich in einer anderen Szene auf Deutsch an ihre eigene Grossmutter, die mit ihrem Mann, einem Arzt, wohl einmal ein Konzentrationslager besucht haben muss, aber der Enkelin nicht wirklich davon erzählt hat – weil die auch nicht wirklich nachgefragt hat. Und als eine japanische Enkelin unter Tränen von ihrer Grossmutter erzählt, bricht auch die Schauspielerin, welche die deutsche Frau spielt, in Tränen aus.
Mit diesem Hybridkonzept hat Azuma zwar etliche Aspekte in den Film eingebracht, gleichzeitig aber schmeisst sie manche Zuschauer auch wieder raus. Wenn die Protagonistin als neutraler Avatar vor der Kamera her durch Hiroshima geht und beobachtet, bekommt das tatsächlich Ego-Shooter-Qualität, wie Elfi Mikesch in der Diskussion anmerkte. Wenn die Figur aber Fotos anschaut, von einem Mädchen redet, das Keiko hiess und offenbar ihr und ihrer Mutter einmal bekannt war, und nun gar dieses Mädchen sucht, dann fängt der Film eine Geschichte an zu spinnen, die sich einfach im Nichts verliert. Die fortgesetzte Trauermine der Schauspielerin hat mich zu ärgern begonnen, ein Verdacht kam auf, die Figur flüchte vor dem eigenen Elend (zum Beispiel mit der dementen Mutter) in das beruhigend unfassbare Erinnerungselend von Hiroshima – was die Filmemacherin wiederum eher unverständlich fand. Aber wenn ich mir Isabelle Huppert in der Rolle des Avatars vorstelle, eine Schauspielerin, die es perfekt beherrscht, gleichzeitig unfassbar und augenfesselnd zu agieren, dann bin ich geneigt, die Schwächen des Films der Schauspielerin zuzuschreiben. Was wiederum sehr ungerecht wäre, zumal Mieko Azuma erklärt hat, sie habe genau diese Verschiebungen in der Wahrnehmung gesucht.
August ist damit zu einem konsequenten und anregenden proof of concept geworden, aber leider nicht zu einem bleibenden, starken Film. Was als Leistungsausweis für Mieko Azuma aber durchaus positiv zu werten bleibt. Ich möchte den nächsten Film der Frau auf jeden Fall sehen.