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6.04-26.10.2003
Dieter Roth - La Bibliothèque
Dieter Roths Begabung und vitale Stärke sind wie ein Spiegelbild der schöpferischen Kraft Friedrich Dürrenmatts. Roth verfügt, wie Dürrenmatt, über eine grosse Schaffenskraft; er beschäftigt sich mit denselben literarischen und künstlerischen Gedanken; und auch er ist besessen vom Drama des Individuums, Gefangener von Raum und Zeit zu sein, dem Tod bestimmt.
Maler, Graphiker, Videokünstler, hat er einen grossen Teil seines Talents der Schriftstellerei und der Entwicklung von Büchern gewidmet. Nachdem er anfangs der konkreten Poesie nahe stand, löste er sich rasch von dieser Bewegung, um aus seinem eigenen Universum die literarische Substanz zu schöpfen und sie ins Visuelle zu übertragen, wobei er der Form ebensoviel Bedeutung zumass wie dem Inhalt. Das Buch interessierte ihn als künstlerisches, spielerisches Objekt.
Die Schweizerische Landesbibliothek, der das Centre Dürrenmatt angegliedert ist, besitzt eine grosse Sammlung von Büchern Dieter Roths. Der Schwerpunkt unserer Ausstellung liegt bei diesen Büchern und legt auf ihre Form gleich viel Wert wie auf ihren Inhalt, vergleicht sie aber auch mit anderen Ausdrucksformen wie Collagen, graphischen Werken und Videos.
Der Kurator dieser Ausstellung ist Johannes Gachnang, welcher gleichzeitig Verleger, Künstler und ein Spezialist der Beziehungen zwischen Texten und Bildern ist. Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit Peter Erismann und Janine Perret Sgualdo entstanden.
DIETER ROTH (1930 - 1998)
1930 in Hannover als Sohn eines Schweizers und einer Deutschen geboren, ist Roth 1998 in Basel gestorben. Wie Dürrematt hat Roth seine ersten künstlerischen Inspirationen in Bern gefunden. Hier begegnete er Eugen Gomringer, dem Schöpfer der «konkreten Poesie», mit dem er die Zeitschrift Spirale gründete. Dieter Roth hat beharrlich gegen das gekämpft, was man üblicherweise Unterhaltungskunst nennt, auch wenn ihn seine Ausbildung zum Grafiker anfänglich in eine Formenwelt geführt hat, die im Dienst der Kommunikation und der Werbung steht (Geigy, GGK). Er unterrichtete auch in den Vereinigten Staaten, in Island und Deutschland Design, bevor er in den siebziger Jahren das Feld der Werbung hinter sich liess, um sich persönlichen Projekten zu widmen.
Dieter Roth ist gleichzeitig Maler, Zeichner, Schmuck- und Möbelentwerfer. Trotz seiner Nähe zu der Fluxus-Bewegung und den Neuen Realisten, vor allem zu Jean Tinguely und Daniel Spoerri, ist er kunstgeschichtlich schwer einzuordnen. So bewahrt er zum Beispiel, während mehreren Jahren, Spuren seiner materiellen Existenz auf: Zigarettenkippen, Eisenbahnfahrkarten, Nahrungsabfälle, verwelkte Blumen, und archiviert dieses ganze Material sorgsam in hunderten von Ordnern. In seinem Tagebuch A Diary filmt er sich selbst von morgens bis abends, ohne künstliche Zutaten, seinen Beschäftigungen nachgehend, eingetaucht in seine Welt. Er steht auf, geht umher, setzt sich an seinen Arbeitstisch, kommt zurück, nimmt ein Bier aus dem Kühlschrank: lauter gewöhnliche, automatische Bewegungen, die den Alltag eines jeden von uns ausmachen. Gleichzeitig mit mehreren Dutzend Filmprojektoren gezeigt machen uns die Sequenzen dieses Tagebuchs, gegen unsern Willen, zu Voyeuren.
FRIEDRICH DÜRRENMATT - ENDSPIELE
Eine neue Ausstellung, welche die Vielschichtigkeit und den Reichtum der Begabung und des Denkens Dürrenmatts zeigt. Zu sehen sind Zeichnungen, Bilder und Texte, in welche der Autor, inspiriert von Religion, Mythen, Politik und Wissenschaft, die gleichen wiederkehrenden Motive einbrachte. Dürrenmatt hat sich stets mit Phänomenen des Endes auf einzelmenschlicher, metaphysischer, kosmischer und dramaturgischer Ebene beschäftigt. Endlichkeit ist aber für Dürrenmatt nicht einfach negativ besetzt, sondern auch verantwortlich für jede Sinnstiftung. Sein Interesse für die Endlichkeit findet weitere Nahrung in modernen kosmologischen Theorien, in denen die Endlichkeit des Weltalls ein zentraler Punkt ist.
Als Liebhaber des Schachspiels hat er dieses immer wieder als Metapher verwendet. Er baute seine Werke auf einer « Dramaturgie der schlimmstmöglichen Wendung » auf, welche bei ihm legendär wurde.
Der Kurator dieser Ausstellung ist Ulrich Weber, der wissenschaftliche Berater des Centre Dürrenmatt.