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Abstract
Seit dem Projekt «Situation Primarschule Schweiz» in den 1980er Jahren, das erstmals den Kindergarten in die Situationsanalyse einbezog, wurden verschiedenste Anstrengungen unternommen, den Übergang vom Kindergarten in die Primarschule fliessender zu gestalten. Eine völlig neue Dimension erhielt dieses Unterfangen mit der Idee, im Rahmen der Basisstufe Kindergarten sowie das erste und zweite Schuljahr zusammen zu legen. Realisiert wurde die Umsetzung bereits 2003 im Schulreformprojekt 4bis8 der EDK-Ost. Definiert wurden strukturelle, organisatorische und personale Rahmenbedingungen. Obwohl explizit didaktische Innovationen gefordert wurden, sind keine kohärenten Ausführungen zu pädagogisch-didaktischen Fragen zu finden. Dieser Umstand ist nicht weiter erstaunlich, weil für diesen Bereich kaum empirische wie theoretisch-konzeptionelle Arbeiten vorhanden sind.
Obwohl die Basisstufe nach Abschluss des Schulreformprojekts 4bis8 der EDK im Jahr 2010 in den Kantonen nicht flächendecken eingeführt wurde, sieht sich die Schuleingangsstufe – definiert als Bildungsstufe für die vier- bis achtjährigen Kinder – nach wie vor mit vielfältigen Entwicklungen im Zusammenhang mit der «Interkantonalen Vereinbarung über die Harmonisierung der obligatorischen Schule» konfrontiert. Deshalb setzte sich das vorliegende Forschungsprojekt zum Ziel, der pädagogischen Praxis in der Schuleingangsstufe empirisch nachzugehen und diese zu beschreiben. Als theoretischer Rahmen wird das Konzept des «Classroom Management» genutzt. Der Vorteil des Konzepts besteht darin, dass eine Vielzahl von strukturierenden und organisatorischen Elementen, die wesentlich für die Unterrichtsgestaltung in der Schuleingangsstufe sind, integriert und theoretisch gefasst werden.
Das Forschungsvorhaben folgte einem «mixed-methodolgy-design». In einem ersten Schritt wurden Lehrpersonen des Kindergartens und der Primarunterstufe mittels standardisiertem Fragebogen zur Unterrichtsgestaltung und im Speziellen zum Classroom Management postalisch befragt. Dabei handelt es sich um eine repräsentative Stichprobe für den Kanton Bern. Die Daten der quantitativen Erhebung bildeten die Grundlage für den zweiten Schritt, den qualitativen Teil der Studie. Nach inhaltlichen Kriterien wurden Lehrpersonen des Kindergartens und der Primarunterstufe ausgewählt, um videobasierte Unterrichtsbeobachtungen durchzuführen. Anhand von ausgewählten Unterrichtssequenzen wurden die Lehrpersonen in Form des fokussierten Interviews aufgefordert, ihre pädagogische Praxis zu kommentieren und zu reflektieren.
Das vorliegende Forschungsprojekt leistet einen empirischen und theoretischen Beitrag in einem Bereich, der momentan viel beachtet und gleichzeitig mit der Gefahr konfrontiert ist, schnell wieder in Vergessenheit zu geraten.