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Das Asperger-Syndrom, genannt nach seinem ersten Beschreiber, Dr. med. Hans Asperger (1944), wird heute als eine Manifestation von leichten autistischen Zügen bei sonstiger normalen Entwicklung verstanden.
In der Regel weisen Menschen mit Asperger-Syndrom ein normales Funktionsniveau auf, zeigen jedoch einige Auffälligkeiten, die zu Problemen führen können. Diese Auffälligkeiten, also die leichten autistischen Züge können nicht wegtherapiert werden. Sie umfassen sowohl Stärken als auch Schwächen und bilden zusammen mit anderen Eigenschaften die Persönlichkeit der betroffenen Personen.
Eine Behandlung oder Begleitung kann den Betroffenen dabei helfen, mit Schwierigkeiten besser umzugehen, Folgeprobleme effizienter zu bewältigen, sowie ihre Stärken zu entfalten und konstruktiv einzusetzen.
Ursachen des Syndroms
Die Ursachen des Syndroms, sowie die eigentlichen Unterschiede zwischen Autisten und Nicht-Autisten, welche den Auffälligkeiten zugrunde liegen, sind noch nicht genügend geklärt. Deshalb müssen wir uns gegenwärtig bei der Beschreibung, Diagnostik und Behandlung auf die einzelnen Auffälligkeiten fokussieren.
Um welche Auffälligkeiten geht es?
Im Folgenden werden einige der häufigsten Auffälligkeiten aufgelistet.
Kommunikation
Menschen mit Apserger-Syndrom neigen dazu, in verbaler und schriftlicher Kommunikation sich sehr, fast ausschliesslich auf das Sachliche, nicht auf das Persönliche zu fokussieren.
Sie wenden zudem weniger nonverbale Kommunikation an (z.b. Gestik, Mimik, Blickkontakt), weniger paraverbale Kommunikation (Betonung, Sprachmelodie, Lautstärke) und beachten weniger bzw. missverstehen häufiger die nonverbale und paraverbale Kommunikation ihrer Gesprächspartner.
Auch beachten sie weniger und missverstehen häufiger Andeutungen und Doppeldeutungen, das „Zwischen den Zeilen Lesen“, Ironie oder Anspielungen zu verstehen fällt ihnen schwer.
Dadurch ergeben sich zwischen Asperger-Betroffenen und Nicht-Autisten häufig Missverständnisse. Des Weiteren werden Menschen mit Asperger-Syndrom deshalb zuweilen als kaltherzig oder arrogant wahrgenommen, was jedoch nicht der Fall ist und lediglich auf der unterschiedlichen Kommunikationsart beruht.
Spezialinteressen
Menschen mit Asperger-Syndrom haben häufig Spezialinteressen, eine Leidenschaft für zum Teil ungewöhnliche, klar umfasste Themen, die manchmal auch eine Inselbegabung darstellen (eine Hochbegabung spezifisch für ein Thema, ein spezieller Interessenbereich, in dem sie über ein aussergewöhnlich breites Wissen und Sachverständnis verfügen).
Systematik, Regeln und Routine
Menschen mit Asperger-Syndrom schätzen klare Regeln, repetitive Abläufe, Systematik und Rituale. Sie erkennen in der Regel leichter als Nicht-Autisten Systematik und Regelhaftigkeit. Spontanität und Flexibilität, Umgang mit Unvorhergesehenem fallen ihnen häufig schwerer.
Diese Eigenschaft ist hilfreich beim Erlernen der Fertigkeiten, die Nicht-Autisten intuitiv beherrschen (z.B. soziale Kompetenzen wie Konversation, welche andere Funktionen der Sprache als die Informationsvermittlung beinhaltet).
Häufig bevorzugen Menschen mit Asperger-Syndrom denselben vertrauten Wohnort und meiden Mobilität, Neben der geschätzten Routine spielt dabei auch die räumliche Orientierung eine Rolle. Diese ist manchmal weniger entwickelt als bei Nicht-Autisten.
Wahrnehmung, Konzentrations- und Merkfähigkeit
Menschen mit leichten autistischen Zügen haben eine erhöhte Fähigkeit zur Detail-Wahrnehmung. Manchmal erschwert sie ihnen, den Durchblick zu gewinnen, das Gesamtbild zu erfassen oder zwischen Wichtig und Unwichtig zu unterscheiden.
Menschen mit Asperger-Syndrom haben häufig eine erhöhte Fokussierungsfähigkeit und können sich – je nach Thema – länger und besser konzentrieren als Menschen ohne autistische Züge.
Auch die Merkfähigkeit ist häufig entwickelter als bei Nicht-Autisten.
Sinnesempfindlichkeit und Gefühle
Die Sinnesempfindlichkeit bei Menschen mit Asperger-Syndrom ist erhöht. Geräusche, grelles Licht, Gerüche und taktile Reize (z.B. bestimmte Stoffe auf der Haut, Körperkontakt) empfinden sie häufig als störend, äusserst unangenehm oder gar schmerzhaft.
Menschen mit leichten autistischen Zügen beachten Gefühle tendenziell weniger als andere, auch ihre eigenen Gefühle nehmen sie manchmal erst dann wahr, wenn diese bereits intensiv werden. Deshalb neigen sie zum Teil zu emotionalen Ausbrüchen (z.B. Wutausbrüche, ein plötzliches Verlassen einer für sie unangenehmen Situation oder Vollführen eines Freudetanzes). Die nonverbalen Signale von Gefühlen bei anderen Menschen, wie traurige Mimik oder niedergeschlagene Körperhaltung, nehmen sie manchmal als solche nicht wahr und reagieren deshalb erst dann empathisch, wenn ihre Interaktionspartner ihre Gefühle ihnen verbal und eindeutig kommunizieren. Dadurch wirken Menschen mit Asperger-Syndrom manchmal zunächst unempathisch.
Selbstreflexion
Die Fähigkeit zu Selbstreflexion ist bei Menschen mit Asperger-Syndrom häufig besonders entwickelt. Die Hyperbeschäftigung damit, die aus reinem Interesse für das Beobachtete folgt, wird von Mitmenschen manchmal als egozentrisch wahrgenommen.
Stresstoleranz
Menschen mit Asperger-Syndrom berichten häufig von niedriger Stresstoleranz und von Schwierigkeit, sich wechselnden Situationen anzupassen.
Gerechtigkeitssinn
Menschen mit Asperger-Syndrom haben häufig einen hoch entwickelten Gerechtigkeitssinn.
Motorik
Häufig zeigen Menschen mit leichten autistischen Zügen fein- oder grobmotorische Ungeschicklichkeiten.
Folgeprobleme
Je nach Konstellation und Ausmass der Auffälligkeiten und in Abhängigkeit von weiteren Faktoren können Probleme entstehen, die die Betroffene belasten. Typische Folgeprobleme werden im Folgenden aufgelistet.
Soziale Probleme
Viele Menschen mit Asperger-Syndrom sammeln im Laufe ihres Lebens aufgrund ihrer Eigenartigkeiten leider schlechte soziale Erfahrungen. In der Schule werden sie gemobbt oder sie erfahren am Arbeitsplatz wiederholende Kommunikationsschwierigkeiten ohne zu verstehen, woran diese liegen.
Da Menschen mit leichten autistischen Zügen häufig – meist zu Unrecht – als arrogant, besserwisserisch, egozentrisch oder unempathisch aufgefasst werden, erhalten sie entsprechend unfreundliche oder gar verletzende Reaktionen von Mitmenschen.
Des weiteren wirken Asperger-Betroffene zu weilen gutgläubig naiv, dies zum Einen weil sie sich bei der Kommunikation alleine auf das Direktgesagte fokussieren und zum Anderen weil sie sehr ehrlich sind, das Lügen fällt ihnen schwer, auch dort wo es sozial angebracht wäre („weisse Lügen“ oder Selbstschutz in Not). Dies wird mitunter belächelt oder ausgenützt.
Zum Teil ziehen sich Menschen mit leichten autistischen Zügen aufgrund dieser schmerzhaften Erfahrungen sozial zurück, um sich von weiteren Verletzungen zu schützen. Dies wiederum führt zu Einsamkeit, worunter die Betroffene zusätzlich leiden.
Berufliche Probleme
Obwohl Menschen mit Asperger-Syndrom normal intelligent sind und häufiger als andere Insel-Hochbegabungen haben, kann die Entfaltung ihrer Fähigkeiten am Arbeitsplatz wegen ihrer erhöhten Sinnes-Empfindlichkeit (z.B. zu laut, zu hell), wegen Problemen in der Kommunikation mit Mitarbeitern oder wegen anderer Eigenartigkeiten oftmals deutlich beeinträchtigt werden.
Gesundheitliche Probleme und psychischer Stress
Wie zu erwarten ist, können auf die vielen frustrierenden Erfahrungen, oder bei erhöhtem Stress und gleichzeitiger reduzierten Stresstoleranz oder bei mangelnder sozialen Unterstützung, psychische Probleme folgen. Soziale Problemen und Einsamkeit kommen wie oben bereits erwähnt häufig vor, ebenfalls kommen auch Ängste, Schlafstörungen, Depressionen und Zwangsstörungen bei Menschen mit autistischen Zügen häufiger vor.
Was kann man dagegen tun?
Eine fachlich korrekt durchgeführte Diagnostik hilft das Syndrom zu identifizieren und die Schwächen und Stärken der betroffenen Person zu erkennen.
Danach können eine Therapie der Folgestörungen und ein Training von Verhaltensfertigkeiten stattfinden. Die autistischen Züge jedoch verschwinden in Folge der Therapie nicht. Viel mehr kann eine fachliche Begleitung ein Training anbieten, das zur Besserung der Kommunikations-Gewohnheiten und der beruflichen Integration, zum Aufbau und Pflege von sozialen Kontakten, zur Entfaltung eigener Stärken und zum erhöhten Wohlbefinden beitragen.
Für weitere Information Siehe z.B. http://www.autismus.de
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