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Die urbanen Landschaften der Metropolitanregionen sind einem permanenten Wandel unterworfen. Dieser vollzieht sich nicht homogen verteilt auf das gesamte Territorium, sondern erfasst zyklisch auch ganze Quartiere. Ehemals enorm stabil bewertete Zonen können sich durch strukturelle wirtschaftliche, soziale oder kulturelle Transformationsprozesse innerhalb weniger Jahre zu Gebieten höchster Dynamik entwickeln – und umgekehrt. Auf Phasen kontinuierlicher Abwertung folgen so jeweils wieder Perioden der Neuinterpretation und steigender Gewinnerwartungen. In den vergangenen Jahren konnten solche tiefgreifenden Veränderungen vor allem in den inneren Peripherien beobachtet werden. Diese sind relativ zentral gelegene, aber nicht mehr rentable oder nachgefragte Gewerbe-, Industrie- und Infrastrukturbereiche. Auch Quartiere um innerstädtische Bahnanlagen, Rotlichtviertel oder heruntergekommene homogen strukturierte Wohnviertel unterlagen ähnlichen Prozessen oder sind gerade im Begriff, neue Rollen in den polyzentral organisierten Metropolen einzunehmen. Diese Quartiere sind häufig gekennzeichnet durch eine intensive Nutzung öffentlicher Flächen und ebenerdiger Aktivitäten, wie z.B. Einzelhandel, Gastronomie und die Kreativwirtschaft. Diese befinden sich in der Regel in Bereichen mit historischem und teilweise wertgeminderten Baubestand und einer gemischten Einwohnerstruktur. Diese dienen als Sprungbrett für sozial aufsteigende Gruppen, wie z.B. MigrantInnen, Studierende oder UnternehmerInnen, und bieten die gesellschaftlichen Nischen und Netzwerke, die für das Praktizieren unkonventioneller Lebensstile und Arbeitsweisen erforderlich sind.
Die Forschungsplattform Urban Breeding Grounds des Lehrstuhls für Architektur und Städtebau von Prof. Kees Christiaanse untersucht die Transformation und die Entwicklung solcher dynamischen und gemischten Innenstadtquartiere in Europa sowie in Asien über das Future Cities Laboratory in Singapur.
Die wechselseitigen Beziehungen zwischen dem urbanen Raum und der lokal verankerten Wirtschaft standen im Fokus der jüngsten fachlichen Diskussion. Während Städte als Ressourcen in Bezug auf Räume und die Diversität von Fähigkeiten, Wissen und Erfahrungen gelten, trägt die lokal verankerte Wirtschaft zu der Kultur der Pluralität, der Möglichkeit, Unterschiede zu erfahren, und der Intensivierung des urbanen Alltagslebens bei.
Im Kern der neusten Recherche stand das Forschungsprojekt Urban Made (2013–2018), das vom Schweizer Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) unterstützt wurde. Es basierte auf der zentralen Hypothese, dass lokal verankerte Ökonomien eine wichtige Rolle bei urbanen Entwicklungsstrategien spielen können, die Innovationspotenziale für urbane Quartiere hervorbringen, indem sie deren Heterogenität, Diversität und den Austausch intensivieren. Darüber hinaus haben die jüngsten Transformationen in der Wirtschaft und bei den Produktionsmitteln zu saubereren Prozessen und kleineren Unternehmen geführt; beides ermöglicht und erfordert die Integration in die urbanen Quartiere. Durch die Analyse der Best Practices und Design-Experimente und die Analyse ihrer Auswirkungen wurden Strategien für die Einbettung kleiner Unternehmen bei der Transformation von urbanen Quartieren in den Randbezirken von Zürich entwickelt. Damit fördert das Projekt einen Wandel im derzeitigen Paradigma der Homogenisierung der Quartierentwicklung. In Zusammenarbeit mit dem Amt für Städtebau der Stadt Zürich und externen Expertinnen und Experten wurden innovative Raum- und Investitionsmöglichkeiten gesucht und getestet, die potenzielle Konflikte zwischen Wohn- und Produktionsnutzungen im urbanen Raum mildern. Die Ergebnisse wurden in der Publikation Urban Made Zürich, Neue Quartiere mit Mischnutzung an Zürichs Stadtrand veröffentlicht.