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queer Denken – queer Handeln
Theoretische Annäherung an queer und Anregungen zur Umsetzung in der Offenen Jugendarbeit
Mädchen oder Junge? Unmittelbar nach der Geburt werden Menschen dem weiblichen oder männlichen Geschlecht zugeordnet und somit in ihrer Rolle, in ihrem Sein und Handeln unhinterfragt determiniert. Aus dem anatomisch wahrnehmbaren Geschlecht wird auf das soziale Geschlecht, auf die gegengeschlechtliche Begehrensform und die Identität geschlossen. Alle Formen des Seins wie Homosexualität, Transgender und Intersexualität, welche nicht dieser Kohärenz und der Geschlechterdualität entsprechen, werden entnormalisiert und somit diskriminiert. In sich täglich wiederholenden Handlungen sowie den vermittelten (Rollen)Bildern in allen gesellschaftlichen Bereichen werden diese herrschenden Normen der Zweigeschlechtlichkeit und der Heteronormativität hergestellt und reproduziert.
Die Queer Theory rekonstruiert diese Normen als Struktur und Grundlage unseres Denkens und Handelns und kritisiert sie. An diversen alltäglichen Beispielen wird ersichtlich, wie grundlegend strukturierend diese Normen sowohl für die Gesellschaft als Ganzes als auch für unsere individuellen Lebensweisen sind. Im Zentrum der Arbeit stehen die Fragestellungen, wie sich queer theoretisch beschreiben lässt und welche Möglichkeiten es gibt, queer in der Offenen Jugendarbeit umzusetzen.
Die theoretische Beschreibung von queer wird hauptsächlich anhand der Annahmen von Judith Butler sowie unter Einbezug von Sekundärliteratur zu Butler vorgenommen. Dadurch, dass wir die herrschenden Normen der Zweigeschlechtlichkeit und der Heteronormativität durch unser tägliches Handeln ständig konstruieren, ergeben sich vielfältige Reproduktionsmechanismen, welche gezielt genutzt werden können, um alternative Betrachtungs- und Lebensweisen aufzuzeigen, vorzuleben und zu vermitteln. Am Beispiel der Offenen Jugendarbeit als Teilbereich der professionellen Sozialen Arbeit werden auf der Grundlage bestehender Literatur konkrete Handlungsvorschläge herausgearbeitet, wie dies geschehen kann.
In der Arbeit wird ersichtlich, dass queer in der Sozialen Arbeit nicht verbreitet ist. Diese Feststellung zeigt sich beispielsweise daran, dass ein Studium in Sozialer Arbeit an einer Fachhochschule in der Schweiz abgeschlossen werden kann, ohne mit queerem Denken und Handeln in Kontakt zu kommen. Das macht deutlich, dass auch die Soziale Arbeit durch die herrschende heteronormative und zweigeschlechtliche Norm strukturiert ist. Es braucht einen Einzug von queer in Lehre und Forschung der Sozialen Arbeit sowie in die Politik, um eine breite Abstützung und Institutionalisierung der Thematik zu ermöglichen und am Ende in der Praxis professionell handlungsfähig zu werden.