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Ken Cuccinelli rezitierte am Dienstag im öffentlich-rechtlichen Sender NPR das auf dem Sockel der Freiheitsstatue eingravierte Gedicht - und gab ihm eine einwanderungskritische Wendung. Das Gedicht «The New Colossus» (Der neue Koloss) der US-Dichterin Emma Lazarus beschreibt die USA als Einwanderernation.
Cuccinelli verteidigte bei NPR die am Montag von US-Präsident Donald Trump vorgestellte Verschärfung bei der Vergabe dauerhafter Aufenthaltsgenehmigungen. Einwanderern, die Sozialleistungen beziehen, sollen die begehrten Green Cards und die US-Staatsbürgerschaft künftig verwehrt werden.
Auf die Frage, ob Lazarus' Gedicht aus dem Jahr 1883 «Teil des amerikanischen Ethos» sei, reagierte Cuccinelli mit einem abgewandelten Vers: «Gebt mir eure Müden und eure Armen, die auf ihren eigenen Beinen stehen und die nicht zu einer Belastung für die Allgemeinheit werden.»
Das Originalgedicht nimmt keinen Bezug auf die wirtschaftliche Selbstständigkeit von Einwanderern. Dort heisst es: «Gebt mir eure Müden, eure Armen, eure geknechteten Massen, die frei zu atmen begehren.»
Politiker der oppositionellen Demokraten kritisierten Cuccinellis Gedichts-Abwandlung scharf. «Unsere Werte sind auf der Freiheitsstatue in Stein gemeisselt. Sie werden nicht ersetzt», schrieb die Senatorin und demokratische Präsidentschaftsanwärterin Elizabeth Warren im Kurzbotschaftendienst Twitter.
Die Senatorin Kamala Harris, die sich ebenfalls um die demokratische Präsidentschaftskandidatur bewirbt, erklärte: «Die Vereinigten Staaten werden immer ein Ort bleiben, der Einwanderer und Flüchtlinge willkommen heisst - egal, wie viel Geld sie haben.»
Einige Twitter-Nutzer verwiesen auch auf die Herkunft von Cuccinellis Familie. Ein Nutzer schrieb, er habe eine «leise Ahnung», dass jemand «mit dem Nachnamen 'Cuccinelli' ein oder zwei arme Einwanderer in seinem Stammbaum» haben könnte.
Cuccinelli wehrte sich im Sender CNN gegen die Kritik: «Ich schreibe keine Poesie um, ich führe Politik ein.» Auch Trump verteidigte Cuccinelli: Es gehe um das Prinzip «America Zuerst». «Ich finde es nicht gerecht, wenn der amerikanische Steuerzahler dafür bezahlen muss, dass Menschen in die USA kommen», erklärte der Präsident.