Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03469.jsonl.gz/365

Wirtschaft
Anliegen ist, Wirtschaftsprozesse nachhaltig im Sinne einer brüderlichen Globalisierung zu gestalten. Wegweisend sind dabei die Gesetze einer Dreigliederung des sozialen Organismus in Kultur, Recht und Wirtschaft.
Assoziatives Wirtschaften
Das Assoziationsprinzip im Sinne eines „brüderlichen“ Wirtschaftens steht im Gegensatz zum Konkurrenzprinzip der Marktwirtschaft, welches durch die egoistische Gewinnerwartung angetrieben wird, im Gegensatz auch zum Prinzip der Planwirtschaft im Sozialismus, wo der einzelne Mensch zur Erfüllung des Plansolls gezwungen ist.
In Assoziationen sollen sich Produzenten, Händler und Konsumenten zusammenschließen um einen Interessenausgleich auf „brüderlicher“ Ebene zu schaffen. Sie dienen als Verständigungs- bzw. Bewusstwerdungs-, Bewusstseinsorgane, um ein partnerschaftliches Verhalten zu entwickeln. „Nicht Gesetze regeln die Erzeugung, die Zirkulation und den Verbrauch von Gütern, sondern die Menschen selbst aus ihrer unmittelbaren Erkenntnis und ihrem Interesse heraus.“ (Steiner, 1917, S. 16.). Betont wird in diesem Zusammenhang, dass es sich dabei aber um selbstverwaltete Organe handelt: „Assoziationen werden gebildet aus den im Wirtschaftsleben Tätigen oder durch ihre Repräsentanten. Eigene Erfahrung und tätige Verantwortung sind Voraussetzungen der Teilnahme.“ (Herrmannstorfer, 1992, S. 46.).
Preisgestaltung
Der Preis ist nicht mehr nur die Funktion aus Angebot und Nachfrage, er steht selbst zur Disposition. Es sollen die an den Assoziationen Beteiligten vorschlagen, mit welchen Maßnahmen sie eine Anpassung der tatsächlichen Verhältnisse an die erwünschten vornehmen wollen. Letztlich benötigt es einen Ausgleich zwischen dem realen Preis und dem auf die soziale Erfahrung gestützte Vernünftigkeit eines Zielpreises, um die allgemeine und zugleich individuelle, d.h. aber brüderliche Existenzsicherung zu bewirken.
Der reale Preis ist vergleichbar mit dem den kurzfristigen Ausgleich herstellenden Marktpreis in der Marktwirtschaft. Der Zielpreis ergibt sich durch den gemeinsamen Beratungsprozeß innerhalb der Assoziationen, in der sich die Erfahrungen der Produktions-und Lebensverhältnisse wiederfinden (vgl. Herrmannstorfer, 1992, S. 57.).
Zugang zu Kapital
Den Fähigen soll Raum für die freie Initiative gegeben werden, um von ihren Fähigkeiten Gebrauch machen zu können. Dazu sollen die in besonderer Richtung begabten Menschen oder Menschengruppen aus ihrer Initiative heraus frei über Kapital verfügen bzw. an dieses gelangen können, um zweckmäßige Güter für den sozialen Organismus erzeugen zu können. Daher müssen Formen des Eigentums neu überdacht werden – Unternehmen, sowie Grund und Boden müssen entkapitalisiert werden.
Bewertung von Arbeit
Die gegenwärtige Wirtschaftsentwicklung geht in eine arbeitsfeindliche Richtung, weil Löhne als Kosten angesehen werden. Eigentlich müsste Arbeit aber als Anteil am Ertrag gesehen werden. Denn Lohn ist ja nur die Innenseite des Preises, was deutlich wird, wenn man als selbständiger Unternehmer arbeitet und das Honorar sich aus dem Preis ergibt. Was Menschen in einem Unternehmen zusammen leisten, wird auf dem Markt verkauft und bildet den Ertrag des Unternehmens, welcher dann (abzüglich der Vorleistungen) unter allen aufgeteilt werden müßte. Nun ist es bei der Beschäftigung von Mitarbeitern nicht mehr üblich, dass die Leistung des gesamten Unternehmens auf die Mitarbeiter in Form einer Beteiligung aufgeteilt wird. Zwar findet man heute bereits wieder in vielen Unternehmen die Ertragsbeteiligung der Mitarbeiter in Form einer Gewinnbeteiligung, was aber aus rein ökonomischen Überlegungen durchgeführt wird, im Sinne einer Motivierung der Mitarbeiter. Da der Lohn so eng mit dem Preis zusammenhängt, ist er nicht nur eine interne Unternehmensfrage – der eigentliche soziale Prozeß spielt sich zwischen dem Unternehmen sowie zwischen den Unternehmen und Konsumenten ab. Somit müsste die Lohnfrage eigentlich zu einer volkswirtschaftlichen Frage werden (vgl. Herrmannstorfer 1994, S. 20 ff.).
Steuern
Hinsichtlich der Steuern sollte die verbreitete Einkommensteuer überdacht werden. Unterstellt man, dass durch assoziatives Wirken in einem zur Dreigliederung tendierenden sozialen Organismus die gröbsten Ungerechtigkeiten in der Einkommensbildung beseitigt sind, so ist das höhere Einkommen ja Ausdruck für eine intensive und ertragreiche soziale Betätigung. Das eigentliche Problem entsteht erst in der Geldverwendung, was jemand ausgibt, d.h. an Leistungen und damit an sozialer Arbeit beansprucht. Die Ausgabensteuer entspricht somit der Realität des sozialen Lebens wesentlich besser, Beanspruchungsunterschiede können mit ihrer Hilfe viel besser ausgeglichen werden. „Nicht weil einer mehr leistet, muss er einen größeren Anteil abgeben, sondern weil er mehr beansprucht.“(Herrmannstorfer, 1992, S. 64.).