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Häufig, aber nicht immer, ist das mit Schmerzen verbunden. Abhilfe kann meist durch eine Operation erreicht werden. Rund 80 Prozent aller Hernien treten in der Leistengegend auf; sie werden als Leistenbruch bezeichnet. Hernien sind weit verbreitet und können Kinder ebenso betreffen wie Erwachsene. In der Schweiz werden jährlich in Spitälern rund 18.000 Patienten und Patientinnen mit Hernien behandelt – das ist jeder fünfhundertste Einwohner.
Überblick: Was ist eine Hernie?
Hernie bedeutet „Bruch“. Damit ist keine Fraktur gemeint, also kein Knochenbruch, sondern das Durchdringen oder der Durchbruch von Gewebe durch eine Lücke. Wenn in der Medizin von einer Hernie die Rede ist, dann handelt es sich fast immer um einen Eingeweidebruch. Das heisst: Es entsteht eine Lücke in der Bauchwand, durch die Eingeweide oder Organe dringen und sich hervorstülpen. Möglich wird das wegen einer Schwachstelle in der Bauchhöhlenwand. Sie ist entweder angeboren, oft in Form einer Bindegewebsschwäche, oder erst in späteren Jahren erworben.
Die Ausstülpung wird Bruchsack genannt und die Lücke, durch die der Bruchsack austritt, ist die Bruchpforte. Man unterscheidet zwei Arten von Hernien: Wenn der Bruchsack nach aussen in Richtung Haut dringt, handelt es sich um eine äussere Hernie. Dehnt sich die Vorwölbung dagegen innerhalb des Körpers aus, spricht man von einer inneren Hernie.
Unterschiede: Welche Hernien gibt es?
Der Begriff „Hernie“ wird oft mit einem Eingeweidebruch gleichgesetzt. Das ist aber genaugenommen zu eng gefasst, denn es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Hernien. Dazu gehören auch Brüche, die ausserhalb des Bauchraums entstehen. Es gibt sogar Hirnhernien (cerebrale Hernien), bei denen sich Teile des Gehirns verschieben. Auch Bandscheibenvorfälle gehören zu den Hernien.
Die am häufigsten vorkommende Hernie ist der Leistenbruch. Bei etwa 25 Prozent aller Männer tritt im Laufe ihres Lebens eine solche Hernie an der Leiste auf. Bei Neugeborenen dagegen ist das Risiko für einen Nabelbruch gross, weil das Gewebe rund um ihren Bauchnabel noch nicht gefestigt ist: Bis zu zehn Prozent aller Babys erleiden eine Nabelhernie. Auch Narbenhernien kommen relativ häufig vor; nach Bauchoperationen treten Narbenbrüche bei rund 20 Prozent der Patienten und Patientinnen auf.
All diese Brüche gehören zu den äusseren Hernien. Die häufigste innere Hernie ist die Zwerchfellhernie, die aber im Vergleich zu äusseren Hernien eher selten auftritt.
Hier ein kurzer Überblick über die häufigsten Hernien, ihre vielfältigen Bezeichnungen und ihre Besonderheiten:
Die Leistenhernie (Leistenbruch)
Ein Leistenbruch wird auch Leistenhernie oder Inguinalhernie genannt. Er entsteht im Bereich der Leiste, also etwa zwischen Unterbauch und Oberschenkel. Wenn sich hier an einer Schwachstelle in der Wand des Leistenkanals eine Lücke bildet, können Eingeweideteile – zum Beispiel Teile des Darms – sackartig durch die Bauchwand nach aussen dringen. Die Ausstülpung (der Bruchsack) ist meist deutlich zu erkennen und lässt sich gut ertasten.
Leistenhernien kommen sehr häufig vor: Jährlich erleidet etwa jeder zweihundertste Mensch eine solche Hernie. Betroffen sind in rund 90 Prozent der Fälle Männer. Ein Leistenbruch beim Mann ist weitaus häufiger als ein Leistenbruch der Frau, weil der weibliche Leistenkanal enger ist als der männliche. Da das Bindegewebe im Laufe des Lebens schwächer wird, erleiden überwiegend ältere Männer einen Leistenbruch. In seltenen Fällen können aber auch Neugeborene schon betroffen sein.
Die Nabelhernie (Nabelbruch)
Eine Nabelhernie entsteht durch eine Schwachstelle am Bauchnabel. Das Gewebe, das hier durch die Bruchstelle dringt, wölbt sich kugelförmig nach aussen. Anders als bei Erwachsenen ist ein Nabelbruch bei Babys meist harmlos und bildet sich oft von selbst zurück. Schmerzhaft und problematisch kann diese Hernie aber werden, wenn in der Bruchstelle Organteile eingeklemmt sind. In jedem Fall sollten Eltern bei einer Nabelhernie ihres Kindes ärztlichen Rat einholen.
Ein Nabelbruch bildet sich bei Säuglingen und Kleinkindern relativ häufig: Rund zehn Prozent aller Babys erleiden eine Nabelhernie. Erwachsene sind dagegen nur selten betroffen.
Die Narbenhernie (Narbenbruch)
Eine Narbenhernie tritt immer als Folge einer Bauchoperation oder Bauchverletzung auf. Wenn bei der OP das Bindegewebe und die Muskelschichten der Bauchdecke durchtrennt werden und später verheilen, kann sich an der Narbe eine Schwachstelle bilden. Bei zu hohem Druck besteht dann die Gefahr, dass hier eine Narbenhernie erscheint. Diese Spätfolge der Operation tritt meistens innerhalb der ersten zwölf Monate nach dem operativen Eingriff auf.
Narbenbrüche sind keine Seltenheit: Nach einer Bauchoperation erleiden von hundert Patienten und Patientinnen bis zu 20 Prozent eine solche Hernie.
Die Bauchwandhernie
Eine Bauchwandhernie wird auch Bauchwandbruch, Oberbauchbruch, Bauchdeckenbruch oder epigastrische Hernie genannt. Diese Hernie entsteht von links nach rechts gesehen in der Bauchmitte und von unten nach oben betrachtet zwischen dem Bauchnabel und dem Beginn des Brustbeins. Die Vorwölbung ist meistens gut zu erkennen und zu ertasten. Im Bruchsack befinden sich häufig Bindegewebe und Fettgewebe, seltener auch Teile des Dünndarms.
Bauchwandhernien sind im Vergleich zu anderen Hernien eher selten.
Die Schenkelhernie (Schenkelbruch)
Eine Schenkelhernie wird auch Femoralhernie genannt. Sie entsteht, wenn sich die Bruchpforte unterhalb der Leiste bildet. Hier dringen Teile des Eingeweides in die Innenseite des Oberschenkels vor. Da die Bruchstelle bei einer Schenkelhernie sehr eng ist, können leicht Organe eingeklemmt werden. Das kann zu heftigen Schmerzen führen, die sich durch Bewegungen des Oberschenkels verstärken.
Von einem Schenkelbruch sind häufig ältere Frauen betroffen, vor allem Patientinnen mit Übergewicht.
Die Zwerchfellhernie (Zwerchfellbruch)
Eine Zwerchfellhernie wird auch Hiatushernie genannt. Das Zwerchfell ist eine aus Muskeln und Sehnen bestehende Struktur, die den Bauchraum vom Brustraum trennt. Ein Zwerchfellbruch entsteht, wenn durch eine Schwachstelle im Zwerchfell Teile des Magens nach oben rutschen und in den Brustraum vordringen. Häufig fliesst dabei Magensaft in die Speiseröhre, wodurch es zu sogenannten Refluxbeschwerden kommt. Sie können sich durch Aufstossen, Schluckbeschwerden und Sodbrennen äussern. Ein Zwerchfellbruch kann aber auch ganz ohne Beschwerden auftreten, weil der eigentliche Bruch meist nicht zu spüren ist.
Das Risiko für eine Zwerchfellhernie steigt mit zunehmendem Alter. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.
Die Bandscheibenhernie (Bandscheibenvorfall)
Die Bandscheibenhernie wird auch Bandscheibenvorfall, Diskushernie oder Diskusprolaps genannt. Bandscheiben liegen als weiche Puffer zwischen den harten Wirbelkörpern der Wirbelsäule. Wenn eine Bandscheibe geschädigt ist, kann sich ihr Kern vorwölben und auf das Rückenmark und den dortigen Nervenkanal drücken. Das kann zu starken, stechenden Schmerzen führen. Typische Stellen für einen Bandscheibenvorfall liegen an der Lendenwirbelsäule und an der Halswirbelsäule. Wenn bei einer Hernie der Bandscheiben ein Nerv eingeklemmt wird, der Arme oder Beine versorgt, kann es dort zu Lähmungserscheinungen kommen.
Ein schmerzhafter Bandscheibenvorfall ist keine Seltenheit. In der Schweiz sind jährlich etwa 13.000 Menschen von einer solchen Bandscheibenhernie betroffen. Die meisten von ihnen sind etwa 40 bis 50 Jahre alt.
Ursachen und Risikofaktoren: Wie entstehen Hernien?
Die Voraussetzung für eine Hernie ist eine Schwachstelle im Gewebe, zum Beispiel im Bauchgewebe. Sie kann angeboren sein oder erst im späteren Leben auftreten, wobei jedes Alter möglich ist. Angeborene Hernien entstehen meistens aufgrund einer Bindegewebsschwäche, die schon bei der Geburt vorlag. Später erworbene Hernien werden durch verschiedene Ereignisse und Risikofaktoren begünstigt. Dazu gehören zum Beispiel:
- das Heben schwerer Lasten
- Husten, Niesen
- Pressen beim Stuhlgang
- Erbrechen
Diese Vorgänge führen zu einem erhöhten Druck im Bauchraum und strapazieren das dortige Bindegewebe, bis es dem Druck nicht mehr standhält und reisst.
Weitere Risikofaktoren für Hernien:
- Übergewicht
- schlecht verheilende Wunden nach einer Bauchoperation (erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen Narbenbruch)
- Schwangerschaft (begünstigt das Auftreten einer Leistenhernie)
Symptome: Wie zeigen sich Hernien?
Hernien werden meist durch eine spürbare Ausstülpung des Bauchraums erkennbar. Sie zeigt sich vor allem im Stehen und weniger im Liegen. Oft wird eine Hernie von Druckgefühlen, einem Ziehen oder von Schmerzen begleitet. Husten, Niesen oder Pressen können diese Empfindungen verstärken. Narbenhernien zeigen sich anfangs meist weniger eindeutig. Manchmal werden sie durch ziehende Schmerzen im Narbenbereich spürbar, eine Vorwölbung ist oft erst später zu sehen. Bandscheibenhernien sind nicht sichtbar, aber häufig sehr schmerzhaft.
Nicht immer erzeugen Hernien Schmerzen. Aber auch in diesem Fall sollten Sie ärztlichen Rat einholen. Beim Leistenbruch kann es zum Beispiel vorkommen, dass sich die Ausbeulung von Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin nicht mit der Hand in den Bauchraum zurückdrängen lässt. In diesem Fall handelt es sich um einen irreponiblen Leistenbruch. Er muss schnell operiert werden.
Allgemeine Viszerale Chirurgie Sprechstunde
Das Universitätsspital Zürich bietet für Hernien eine Allgemeine Viszerale Chirurgie Sprechstunde an.
Vorbeugung: Wie lassen sich Hernien vermeiden?
Es gibt zwar keine Garantie dafür, wie sich eine Hernie sicher vermeiden lässt, aber Sie können das Risiko verringern. Achten Sie vor allem auf folgende Punkte:
- Vermeiden Sie Übergewicht. Dadurch entlasten Sie Ihre Bauchwand.
- Machen Sie Sport und trainieren Sie Ihre Bauchmuskeln.
- Vorsichtiges Heben und Tragen von schweren Lasten.
- Ernähren Sie sich gesund und trinken Sie viel, um Verstopfung zu vermeiden. So können Sie beim Stuhlgang riskantes Pressen und Druck auf den Bauch vermeiden.
Therapie: Wie werden Hernien behandelt?
Eine ursächlich wirkende Behandlung mit Medikamenten gegen Hernien gibt es nicht, in den meisten Fällen müssen sie früher oder später operiert werden. Lediglich beim Bandscheibenvorfall kann eine physiotherapeutische Behandlung dauerhaft helfen, und beim Zwerchfellbruch lassen sich zumindest die Symptome (zum Beispiel Sodbrennen) medikamentös behandeln. Bei Babys bilden sich Nabelbrüche oft von allein zurück. Wenn das in den ersten zwei Lebensjahren nicht der Fall ist, müssen auch sie operiert werden.
Eine Hernien-OP erfolgt entweder konventionell als offener Eingriff oder minimal-invasiv. Meistens wird die Bruchnaht zugenäht oder mit einem Netz aus Kunststofffasern verschlossen. Um das Risiko von Komplikationen zu minimieren, sollten Sie sich an ein Spital wenden, das über langjährige Erfahrung mit Hernien und solchen Eingriffen verfügt.