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Der kürzlich in Südafrika abgehaltene BRICS-Gipfel sollte ursprünglich als Auftakt zur Neuen Weltordnung dienen. Allerdings scheint es, dass das Treffen in Johannesburg nicht nur auf das Ende der amerikanischen Vorherrschaft und den Aufstieg der Schwellenländer zur Macht abzielte. Einige überambitionierte Kommentatoren äußerten in PR-Terminologie den Vergleich zur Bandung-Konferenz von 1955, die den Weg für eine Bewegung ebnete, die sich nicht in die von den Konfliktparteien des Kalten Krieges, den USA und der UdSSR, vorgegebene Ordnung einfügte.
Obwohl es auf den ersten Blick anders scheint, offenbart die verborgene Realität, dass die Organisation BRICS stärker gespalten ist als jemals zuvor. Das liegt daran, dass jedes Mitglied hohe Ambitionen hat, aber niemand über die Fähigkeiten, Stärke oder den Einfluss der USA verfügt, um die Führungsrolle zu übernehmen, wie es Washington in der NATO tut.
Zum Überblick:
Der Johannesburg-Gipfel hat offiziell erreicht, was geplant war: die erste Erweiterung des Bündnisses seit seiner Gründung im Jahr 2009. Ab 2024 werden neben den fünf Gründungsländern (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) auch Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten, Iran, Äthiopien und Argentinien hinzukommen. Für Argentinien hängt die Mitgliedschaft allerdings vom Wahlausgang ab, der momentan unsicher ist.
Das bemerkenswerteste Ergebnis dieses Gipfels ist jedoch der Wunsch des erweiterten BRICS-Bündnisses (nun BRICS+ genannt), seinen steigenden wirtschaftlichen Einfluss dafür einzusetzen, die von den USA dominierte globale Ordnung herauszufordern. Diese Strategie, die sowohl wirtschaftliche als auch politische Elemente verbindet, macht BRICS+ zu einem ernst zu nehmenden geopolitischen Akteur.
Demografisch und wirtschaftlich ist die Macht von BRICS nicht zu übersehen. Nach der Erweiterung im nächsten Jahr wird BRICS+ fast die Hälfte der Weltbevölkerung repräsentieren. Schon vor der Erweiterung entsprach das kombinierte BIP der Mitgliedsländer auf Basis der Kaufkraftparität einem Drittel des globalen BIP – höher als das der G7, angeführt von den USA. Mit den neuen Mitgliedern wird der Anteil von BRICS+ am globalen Markt fast 40% betragen. Die wirtschaftliche Kluft zum Westen wird sich voraussichtlich in den kommenden Jahren weiter vergrößern, da ein Wirtschaftswachstum in den beitretenden Ländern erwartet wird.
Das Interesse von mehr als 40 Ländern an einer Mitgliedschaft in BRICS+ zeigt, wie dieses Bündnis an Bedeutung und Einfluss gewinnt. Die weitreichende Assoziation beinhaltet nun nahezu die Hälfte der Weltbevölkerung und strahlt somit eine magnetische Anziehungskraft aus.
Diese Entwicklung wird von veränderten wirtschaftlichen Dynamiken im Westen begleitet, wo Finanzdienstleistungen oft über reale Wirtschaftsleistungen dominieren. Analysen deuten darauf hin, dass die G7-Staaten in Bezug auf die Produktion von Konsumgütern kaum mithalten können – China allein ist in dieser Hinsicht ebenbürtig.
Doch BRICS+ ist mehr als nur ein wirtschaftliches Schwergewicht; das Bündnis hat auch das Potenzial, den globalen Energiemarkt zu kontrollieren. Mit Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten integriert es zwei Schlüsselspieler im Ölsektor, was das Petrodollar-System der USA bedrohen könnte. Diese Entwicklungen, zusammen mit der Einbeziehung Äthiopiens, eines strategisch wichtigen afrikanischen Staates, signalisieren eine Verschiebung in den geopolitischen Machtverhältnissen.
Die US-Verbündeten im Nahen Osten, die sich für eine russisch-chinesische Allianz entscheiden, sind ein klarer Beleg für diese Verschiebung. Trotz Versuche einiger Medien, die Bedeutung des Johannesburg-Gipfels herunterzuspielen, lassen sich die Konsequenzen für die USA nicht ignorieren. Sie stellen nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein strategisches Dilemma dar, insbesondere wenn man die historischen Beziehungen zu Saudi-Arabien und die Rolle des Petrodollars berücksichtigt.
Für viele stellt BRICS+ einen „geopolitischen Schutzschirm“ dar, insbesondere angesichts einer als aggressiv wahrgenommenen Außenpolitik des Westens. Länder wie Südafrika sehen darin sogar eine Chance für eine neue Welle der Dekolonisation.
Trotz des Konsenses über die wachsende Bedeutung von BRICS+ gibt es interne Spannungen. Russland und China drängen auf eine Organisation, die als Gegengewicht zur westlichen Hegemonie dient. Indien hingegen bevorzugt einen weniger konfrontativen Ansatz und pflegt weiterhin enge Beziehungen zu den USA.
Diese Spannungen werfen Fragen über die zukünftige Ausrichtung von BRICS+ auf. Wird die Organisation als antiwestliche Allianz fungieren, oder wird sie einen gemäßigteren, inklusiveren Ansatz verfolgen? Das kommende Jahr könnte entscheidend sein, insbesondere da Russland die Präsidentschaft des Bündnisses übernehmen wird, ein Land, das sich faktisch in einer konfrontativen Beziehung zum Westen befindet.
Das Jahr 2024 könnte daher als Wendepunkt in der globalen Ordnung dienen, angetrieben durch die wachsende Macht und Bedeutung von BRICS+. Mit einer so breiten Mitgliederbasis, die von Ländern mit unterschiedlichen Interessen und Beziehungen zum Westen repräsentiert wird, sind die Konsequenzen dieser Veränderung noch ungewiss, aber sie werden zweifellos weitreichend sein.