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Stell dir vor, du und deine Schulkameraden möchten wissen, wie viele Tier- und Pflanzenarten im nächst gelegenen Wald leben: Wie würdet ihr vorgehen?
Zuerst braucht es einen Plan. Wahrscheinlich würdet ihr euch die Aufgabe aufteilen: Zum Beispiel würden die SchülerInnen, die sich für Insekten interessieren, diese Arten suchen und zählen; diejenigen, die sich mit Bäumen und Sträuchern auskennen, wären nur für diese Pflanzen zuständig.
Nehmen wir an, dass die "Experten" in deiner Klasse auch wirklich alle Arten erkennen und benennen können, für die sie zuständig sind. So weit, so gut.
Der Teufel liegt im Detail
Bald tauchen aber vermutlich die ersten Fragen, zum Beispiel:
- Müsst ihr vielleicht mehrmals im Jahr nach Blütenpflanzen suchen, da nicht alle gleichzeitig blühen? Oder nach Vögeln, da nicht alle in der Schweiz überwintern?
- Wie klein dürfen Wirbellose oder Algen sein, um mitgezählt zu werden? Sollt ihr ein Binokular oder sogar ein Mikroskop benutzen?
- Zählt ihr nur Arten, die NUR im Wald leben können, oder auch solche, die im Wald und in Feldern oder Gärten vorkommen, z.B. der Fuchs?
- Zählt ihr nur Arten, die ihr ganzes Leben im Wald leben, oder auch solche, die Teile ihrer Entwicklung in anderen Lebensräumen verbringen, z.B. gewisse Froscharten?
- Sucht ihr mehrmals und speziell aufmerksam nach besonderen Arten, von denen ihr vermutet, dass sie in diesem Wald vorkommen könnten, aber wahrscheinlich ziemlich selten sind?
- Was passiert mit den Arten, die noch niemand gesehen hat, auch "echte" Experten nicht?
Wie du siehst, kann es ganz schön kompliziert werden. Auch die vielen Forschenden, die die Artenvielfalt (= die Anzahl Arten) in der ganzen Schweiz erfassen, stellen sich sehr ähnliche Fragen.
Niemand weiss, wie viele Tier- und Pflanzenarten es in der Schweiz gibt. Bekannt sind ca. 46'000 Arten, insgesamt schätzt man, dass es 75'000 sind. Davon verbringen 32'000 im Wald ihr Leben ganz oder teilweise im Wald und können ohne ihn nicht überleben - diese nennt man "Waldarten".
Nur 6'000 Waldarten werden untersucht, das heisst, dass Experten sie kennen und sie regelmässig nachweisen können. So wissen sie, ob sie selten sind oder nicht. Über viele tausend Waldinsekten weiss man noch wenig.
Mehr naturnaher Laubwald im Mittelland, mehr natürliche Verjüngung, mehr Totholz und mächtigere Bäume: Nicht nur die Bergwälder, sondern auch die Wirtschaftswälder der Tieflagen sind in den letzten 10 Jahren wieder naturnaher geworden.
Zwei Drittel der Schweizer Wälder sind naturnah oder sogar sehr naturnah. Deshalb beherbergen sie mehr Arten als das Offenland. Für viele Arten sind die Wälder und Waldränder sogar zu einer Art Zufluchtsstätte geworden.
An der WSL...
... ist Artenvielfalt ein wichtiges Forschungsthema. Dazu arbeiten viele Experten, die bei Inventaren von Waldarten mitwirken oder sogar die Ergebnisse in Datenbanken (Listen) oder Karten darstellen - z.B. für Fledermäuse, Pilze, Insekten, Moose oder Flechten. Andere Forschende untersuchen die Artenvielfalt, z.B. in alten Wäldern, und arbeiten zusammen mit der Forstpraxis, um die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten zu schützen.