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Die Einflüsse von Paul Anka und Buz Kohan auf Michael Jacksons Raffinesse als Songschreiber werden gerne übersehen. Quincy Jones habe sein Talent geformt, ist meist nur zu lesen. Wir blicken genauer hin, als und wie die Kompositionen des jungen Michael Jackson besser und besser wurden und beleuchten auch die Kollaborationen mit Freddie Mercury und Paul McCartney.
Der King of Pop war so vieles: Entertainer, Visionär, Tänzer, Sänger. Dabei wird sein Talent als Songschreiber oft übersehen, obschon die meisten Hits seiner Ideen entsprungen sind: «Billie Jean», «Beat It», «Smooth Criminal», «Black or White», der «Earth Song» und viele mehr.
Doch wie wurde aus dem Leadsänger der Jackson 5 ein so genialer Songschreiber? Motown, Stevie Wonder und Marvin Gaye waren die ersten direkten Einflüsse auf Michael Jackson. Stundenlang guckte MJ seinem älteren Labelkollegen Stevie Wonder im Studio über die Schulter. Marvin Gayes «What’s Going On» mit den aufwühlenden Texten und vielschichtigen Gesangsharmonien faszinierte Michael sehr. Das Album wurde 1971 bei Motown veröffentlicht, als Michael und seine Brüder noch keine eigenen Songs schrieben. Erst drei Jahre später erschien eine erste Komposition der Jackson 5 mit dem Titel «What’s Your Game?», interpretiert von M-D-L-T Willis, eine von Vater Joseph Jackson gemanagte Frauengruppe. Die Plattenfirma der Jackson 5 schien unbeeindruckt. Um ihrem Wunsch nachkommen zu können, Eigenkompositionen aufzunehmen, mussten sie Motown 1975 verlassen.
Das mit Greg Phillinganes aufgenommene «Shake Your Body» wurde ihr erster eigens komponierte Hit beim neuen CBS-Label Epic Records. Und als kurz darauf das von Quincy Jones produzierte «Off The Wall» erschien, glänzte Michael Jackson mit drei weiteren Songs: «Don’t Stop ‚Til You Get Enough», «Working Day And Night» und «Get On The Floor». Ab da überschlugen sich die Ereignisse.
Paul Anka – 1980
I Never Heard (This Is It) – Love Never Felt So Good – It Don’t Matter To Me
Während Greg Phillinganes und Quincy Jones wichtige kreative Partner an Michael Jacksons Seite blieben, wollte Michael weitere Zusammenarbeiten ausprobieren. Dank eines gemeinsamen Bekannten – wahrscheinlich David Gest – wurde er einem der erfolgreichsten Songschreiber vorgestellt: Paul Anka, der MJ im Jahr 1980 für zwei Wochen auf sein Anwesen in Kalifornien einlud. Dort tüftelten sie gemeinsam an Texten und Melodien, und nahmen letztendlich drei Demos in Paul Ankas privatem Studio auf. Das war eine grosse Sache.
Der aus Kanada stammende Sänger mit libanesisch-syrischen Wurzeln wurde als Teenager zum Star. Sein 1957 in New York aufgenommenes und selbst geschriebenes «Diana» verkaufte sich über 10 Millionen Mal und zählt zu den meistverkauften Singles aller Zeiten. Es folgten Hits wie «Lonely Boy» oder «You Are My Destiny». Für Frank Sinatra schrieb er «My Way» und für Tom Jones komponierte er «She’s A Lady». Dann stand Paul Anka auch mit dem angehenden King of Pop im Studio.
«Michael fing bei mir an, als er 21 war. Er war sehr professionell, wusste, was er wollte, und war wie ein Schwamm. Man wusste, dass er das Geschäft liebte und die Nummer eins sein wollte. Und er war ein sehr talentierter Kerl, mit dem man arbeiten konnte. Ich habe mit vielen von ihnen gearbeitet, von Sinatra bis zu The Group. Aber er hatte etwas ganz Besonderes, und das hört man auch. Das war ein sehr einzigartiges Talent», sagte Paul Anka in der Talkshow The View nach Michaels Tod.
Damals wurde gerade die erste posthume Single von Michael Jackson veröffentlicht. Sony Music vermarktete «This Is It» als neue Aufnahme, die Michael für seine gleichnamige Konzertserie in London aufgenommen hätte. Doch schnell wurde der Irrtum aufgedeckt, da Fans den Song erkannten. Die Sängerin Sa-Fire hatte ihn bereits im März 1991 unter dem Titel «I Never Heard» veröffentlicht. Auch Paul Anka meldete sich bei der Nachlassverwaltung, die Michael Jackson als alleinigen Urheber angegeben hatte. Das stimme so nicht, er habe den Song gemeinsam mit Michael komponiert. Im Fernsehen spielte Paul Anka einen kurzen Ausschnitt ihrer Original-Aufnahme, auf der Michaels Stimme von ihm am Piano begleitet wird.
Die als «This Is It» veröffentlichte Version wurde vom Nachlassverwalter John McClain produziert und The Jacksons sangen nachträglich Backing-Vocals ein. Ungeachtet der Kontroversen wurde die posthume Version zum gefeierten Hit und manche fragten sich, wieso Paul Anka und Michael Jackson «I Never Heard» nie fertig aufgenommen hatten.
Die Zusammenarbeit zwischen Paul Anka und Michael Jackson dürfte im ersten Halbjahr 1980 stattgefunden haben, zwei Jahre vor den «Thriller»-Sessions und bevor «Triumph» von The Jacksons erschien. Während der zwei kreativen Wochen in Ankas Studio entstanden zwei weitere Songs: «Love Never Felt So Good» und «It Don’t Matter To Me.»
Ersterer wurde die Lead-Single vom 2014 veröffentlichten «Xscape» in einer posthum produzierten Duett-Version mit Justin Timberlake. Die Single kletterte bis auf den 9. Platz der Billboard Chart, womit MJ der erste Solo-Künstler Amerikas wurde, der über fünf Jahrzehnte hinweg Top 10 Hits landete. Auf der Bonus-Discs des Albums gibt es die Original-Demo von «Love Never Felt So Good» zu hören, die seit 2006 illegal im Internet kursiert.
Eigentlich wollte Paul Anka den Song im Sommer 1983 als Duett auf seinem «Walk A Fine Line»-Album veröffentlichen. Doch Michael – mitten in der «Thriller»-Promotion – fand keine Zeit, um erneut ins Studio zu gehen. In Rücksprache mit MJ gab Paul Anka die Komposition dann dem Sänger Johnny Mathis. Er veröffentlichte «Love Never Felt So Good» im Januar 1984 mit von Paul Anka und Kathleen Wakefield überarbeitetem Text.
«It Don’t Matter To Me» ist der einzige bisher unveröffentlichte Titel aus der vielversprechenden Kollaboration der beiden Talente – ein Duett zwischen Paul Anka und Michael Jackson. Allerdings wurde Michaels Gesangspart im Jahr 2018 von Drake für seinen neuen Song «Don’t Matter To Me» verwendet und auf dem Nr. 1-Album «Scorpion» publiziert.
«Als wir zusammenkamen, war ich besorgt, denn man will die Leute kennen und mögen», sagte Anka dem Ottawa Citizen über das Treffen mit Drake. «Ich bin in einer Phase meines Lebens, in der ich meine Zeit nicht verschwenden will, aber er ist ein guter Mensch. Die Leute um ihn herum sind sehr klug. Es hat sich mit ihm kreativ und intellektuell einfach zusammengefügt.»
Paul McCartney – 1979 bis 1983
Girlfriend – Say Say Say – The Man – The Girl Is Mine
Nach den Sessions mit Paul Anka bot sich eine noch spektakulärere Gelegenheit für Michael Jackson: mit einem der legendären Beatles zu schreiben!
Paul McCartney und MJ hatten sich erstmals in den 1970er Jahren getroffen. Bei ihrem zweiten Treffen im Sommer 1976 an einer Party in Beverly Hills eröffnete Paul McCartney seinem jüngeren Musikkollegen, dass er einen Song für ihn geschrieben habe: «Girlfriend». Zwar wurde der dann zuerst von Paul McCartney und seiner Band «Wings» auf dem «London Town»-Album veröffentlicht, doch Quincy Jones und Michael Jackson mochten den Song so sehr, dass sie ihn ein Jahr später auch selbst aufnahmen. «Girlfriend» erschien in England als 5. Single von «Off The Wall».
Danach kam es im Mai 1981 zu einer gemeinsamen Writing-Session, wofür Michael Jackson zu Paul McCartney nach Grossbritannien reiste.
«Ich hörte zum ersten Mal von Michael, als er mich in den Weihnachtsferien 1980 anrief, und meine erste Reaktion war: ‚Wer ist das und woher hat er meine private Telefonnummer?‘ Michael lachte und erklärte mir, wer er war, und als wir uns unterhielten und ich ihn fragte, warum er anrief, sagte er: ‚Willst du ein paar Hits machen?‘ Und das war der Beginn unseres gemeinsamen Abenteuers. Er kam mit seinem engen Freund und Betreuer Billy [Bray] nach England und sie besuchten unser Haus auf dem Lande viele Male, während Michael und ich die Ideen für unsere Songs zusammenstellten. Zuerst kamen wir auf eine Idee und entwickelten diese für einen Song, den ich begonnen hatte und der zu ‚Say Say Say‘ wurde. Wir nahmen in den Air Studios in London auf, wo George Martin produzierte, und fuhren schließlich nach Kalifornien, um das Video für den Song zu drehen. Lustigerweise wohnte ich auf der Ranch, die Michael später kaufte und zu Neverland machte», schrieb Paul McCartney am 4. Juli 2009 rückblickend auf seiner Webseite. Und in einem Interview auf seinem offiziellen YouTube Channel erklärte McCartney wie ihnen der Hit gelang: «Es kam sehr einfach. Weil ich sehr aufgeregt war, mit ihm zu schreiben, und er sehr aufgeregt war, mit mir zu schreiben, und so inspirierten wir uns gegenseitig.»
Damals, 1981, entstanden zwei Songs, an denen sie bis 1983 weiterarbeiteten. Die beiden Duette «Say Say Say» und «The Man» landeten dann auf Paul McCartneys «Pipes of Peace»-Album.
«Say Say Say» wurde Michaels sechste Nr. 1-Hit in den USA. Bereits im Oktober 1982 hatte er ein Duett mit Paul McCartney als Vorab-Single von «Thriller» auf den Markt gebracht. Hierfür war McCartney im April in die Westlake Recording Studios in Los Angeles gereist, wo er seine Parts von Michaels Solo-Komposition «The Girl Is Mine» einsang.
Vielleicht wären noch mehr Songs zwischen den beiden Ikonen entstanden, wenn Michael am 14. August 1985 nicht dank dem Verhandlungsgeschick seines Anwaltes John Branca den ATV-Songrechtskatalog inklusive 251 Beatles-Songs gekauft hätte. Paul McCartney hatte auch geboten, konnte aber mit den 47.5 Millionen nicht mithalten, die Michael auf den Tisch legte.
«Ich schrieb ein paar Briefe und sagte: ‚Michael, meinst du nicht, dass ich – auch wenn ich nur ein Angestellter auf der Gehaltsliste war – nach 30 Jahren einigermaßen erfolgreicher Arbeit für dieses Unternehmen, das dir jetzt gehört, eine Gehaltserhöhung bekommen könnte?’», so Paul McCartney im Oktober 2001 gegenüber der New York Post. Die Antwort von MJ sei kurz ausgefallen: «Oh Paul, so läuft das Geschäft», erinnert sich McCartney. «Er antwortet nicht einmal auf meine Briefe, also haben wir nicht miteinander geredet und wir pflegen keine so gute Beziehung. Das Ärgernis ist, dass ich diese Songs umsonst schrieb und sie zu dieser horrenden Summe zurückkaufen müsste… Ich kann es einfach nicht.»
Nach Michaels Tod gab er sich in der David Letterman Show versöhnlich: «Er ist ein liebenswerter Mann, unglaublich talentiert, und wir vermissen ihn.»
Buz Kohan – 1971 bis 1997
Gone Too Soon – Neverland Landing – Make A Wish – You’re The One – Scared Of The Moon – You Were There – Elizabeth, I Love You
Buz Kohan und Michael Jackson trafen sich 1971 bei den Dreharbeiten für das Jackson 5 TV-Spezial «Goin‘ Back To Indiana», für das Kohan Dialoge schrieb. Schon damals soll Michael den Wunsch geäussert haben, wieder mit ihm zusammen zu arbeiten.
Im Februar 1983 trafen sie sich erneut. Buz Kohan wirkte an der Fernsehshow «Motown 25» mit, bei der Michael seinen ersten Moonwalk tanzte. Kurz darauf muss Michael ihn gebeten haben, ihm bei Songideen zu helfen, die er Steven Spielberg für eine Musical-Verfilmung zusenden wollte. So schrieben sie gemeinsam einige Songs, von denen Michael mindestens zwei aufnahm: «Make A Wish» und «Neverland Landing».
«Damals hatte Steven ein Filmprojekt über Peter Pan, und Michael wollte natürlich dazugehören. Er träumte davon, diese Figur zu verkörpern, mit der er sich sein ganzes Leben lang identifizierte. Wir komponierten somit gemeinsam einige Songs, bei ihm daheim in Encino, wo er immer noch mit seinen Eltern lebte», verriet Buz Kohan dem Black & White Magazin.
«Michael legte absolut Wert darauf, eine unserer Kompositionen Steven Spielberg zu schicken, um ihm zu zeigen, wie intensiv er sich mit diesem Projekt befasste. Und wenn Michael sich in etwas stürzte, machte er nie halbe Sachen. Für eine unserer Demoaufnahmen ließ er folglich an einem Sonntag ein ganzes Orchester antreten – als sämtliche der Musiker normalerweise Wochenende hatten – um den Song am Montagmorgen Steven zu schicken! Jahre später erfuhren wir dann, dass Steven die Gewohnheit pflegte, seinen Kindern dieses Stück hören zu lassen, damit sie abends einschliefen. Dieser Song heißt ‚Make A Wish’…»
«Wir schrieben auch einen Song namens ‚Neverland Landing‘, der komplett fertig wurde, und es gibt ein Demo mit Klavier, das ich zu Hause spielte», verriet Buz Kohan dem Autor vom Buch «Making Michael».
Steven Spielberg hat den Peter Pan Film nie verwirklicht, und so sind Michaels Songs hierfür bis heute unbekannt. Wer weiss, vielleicht wird sich das bald ändern, wenn das offizielle Biopic im Frühjahr 2025 in die Kinos kommen wird. Thematisch könnten die Lieder nicht besser zu Michaels Lebensgeschichte passen, denn die Geschichte von Peter Pan zählte zu Michael Jacksons grössten Inspiration. Und der Song «Neverland Landing» dürfte den Traum beflügelt haben, in einem eigenen Neverland zu leben. «This is the land where joy and happiness never grow old», sang Michael auf dem Stück. «Come on and feeling – seeing – loving – beeing – feeling – seeing – welcome to Neverland!»
Buz Kohan war trotz Projekten mit Bill Cosby oder Frank Sinatra kein allzu bekannter Name, doch MJ erkannte sein Talent und war von ihren gemeinsamen Kompositionen sehr angetan. Ausserdem entwickelte sich bald eine schöne Freundschaft zwischen den beiden.
Schon kurz vor ihrem «Motown 25»-Wiedersehen sah Michael im Februar 1983 wie Dionne Warwick einen herzzerreissenden Song im Fernsehen aufführte: «Gone Too Soon». Schnell fand er heraus, dass die Musik von Larry Grossmann komponiert und der Text von Buz Kohan geschrieben wurde. Michael rief Buz Kohan an und liess ihn wissen, dass er den Song gerne für eines seiner zukünftigen Alben aufnehmen würde. Und so kam es, dass Michael fast zehn Jahre später «Gone Too Soon» für «Dangerous» einsang und im Dezember 1993 als Single herausgab.
Den meisten Hörern war nicht bewusst, dass Michael Jackson und Buz Kohan zu dem Zeitpunkt bereits diverse Songs zusammen geschrieben hatten. Nach den Liedern für die unverwirklichte Peter Pan Verfilmung entstand 1984 «Scared Of The Moon», das jedoch in den Archiven liegen blieb und erst Ende 2004 auf der «Ultimate Collection» veröffentlicht wurde.
Eine weitere Komposition von ihnen trägt den Titel «You’re The One» und wurde 1985 von Jennifer Holliday veröffentlicht, von einer Sängerin und Musical-Darstellerin, in der Michael viel Potential sah. Er hatte sie während den «Beat It» Dreharbeiten bei einem Besuch des Musicals «Dreamgirls» entdeckt.
In ihrem «Say You Love Me» Album ist zu lesen: «An Michael Jackson. Ich weiß nicht, warum du mich ausgewählt hast, aber ich bin zutiefst berührt, sehr geehrt und dir sehr dankbar, dass du ‚You’re The One‘ für mich geschrieben hast. Danke für eine so schöne Erfahrung!»
Buz Kohan beschrieb, wie sie die Songs entwarfen: «Meistens setzte ich mich ans Klavier und spielte einige Akkordideen. Anschließend fand Michael eine Melodie, und wir phantasierten herum, bis wir eine Formel hatten. Wenn er eine genaue Vorstellung davon hatte, was er hören wollte, konnte Michael sehr autoritär sein. Sicherlich war er kein gelernter Musiker, aber er hatte einen instinktiven Verstand, was Musik, was Klänge anbelangte. Manchmal rückte er sehr nah an mich heran, und bewegte einen Finger von mir am Klavier, damit ich die Harmonie spielte, die er in seinem Kopf hörte! Das war lustig… An den Texten arbeiteten wir ebenso eng zusammen.»
Ende 1989 schrieben Buz Kohan und MJ den Song «You Were There», den Michael Anfang 1990 an der «Sammy Davis Jr. 60th Anniversary Celebration» aufführte. Die ehrfürchtigen Zeilen berührten den legendären Entertainer sichtlich, der zu dem Zeitpunkt bereits unheilbar krank war und bald darauf verstarb.
Auch als Michael für seine Freundin Elizabeth Taylor einen Song schrieb, bat er Buz Kohan um Hilfe, um das Beste aus seiner Idee herauszuholen. Michael sang «Elizabeth, I Love You» im Februar 1997 an Taylors 65. Geburtstagsfeier.
Es war ihre letzte Zusammenarbeit, doch der Kontakt blieb bestehen. Nachdem sich Michael Jackson Ende 2003 mit Kindesmissbrauchsvorwürfen konfrontiert sah, schrieb ihm Buz Kohan ein Gedicht mit dem Titel «Remembrance».
«Wir sprachen viel miteinander während der Zeit des zweiten Prozesses, im Jahre 2005. Um ihm Mut zu machen, hatte ich ihm sogar ein Gedicht geschickt, das ich geschrieben hatte, als ich an ihn dachte. Um sich zu bedanken, ließ Michael mir einen Karton liefern, voll mit allen möglichen Geschenken. Darin fanden meine Frau und ich überraschenderweise einen Vogelkäfig mit zwei weissen Tauben… Michael dachte sogar daran, dort einen Beutel mit Futter hineinzutun sowie ein Buch, wie man sich um diese Vögel kümmern sollte. Er war der Einzige, der auf solche Ideen kommen konnte!» [Lachen]
Freddie Mercury – 1983
There Must Be More to Life Than This – State of Shock – Victory
Drei weitere Songs entstanden mit dem Queen-Frontmann Freddie Mercury, der Mitte 1983 von Michael in sein kürzlich umgebautes Hayvenhurst-Familienanwesen in Encino, Los Angeles, eingeladen wurde.
Mercurys Assistent Peter Freestone erinnert sich: «Wir kamen am Haus an und passierten einen Sicherheitsbeamten am Tor. Michael kam mit einem breiten Lächeln auf uns zu, um uns zu begrüßen, er war ganz offensichtlich stolz auf sein Haus. Bevor wir hineingingen, bestand er darauf, dass wir ihn zuerst auf einen Rundgang durch das Anwesen begleiten. Ich werde es nie vergessen, wie Freddie Mercury durch den Matsch lief, er trug damals eine weiße Hose und weiße Tennisschuhe, und mit Lamas sprach. Michael zeigte uns alle Tiere und brachte uns zu einem Teich, in dem Schwäne schwammen. Michael liebte seine Tiere und Vögel wirklich sehr; sie waren Teil seiner Familie, so wie Freddies Freunde Teil dessen Familie waren.»
Im Heimstudio der Jacksons präsentierte Michael dem Queen-Sänger «State of Shock», den sie gemeinsam einsangen. Und auch Freddie Mercury brachte eine Komposition mit: «There Must Be More to Life Than This», für die sich Freddie Mercury ans Klavier setzte und Michael singen liess… Einen weiteren Song schrieben sie gemeinsam: «Victory».
«Ich habe vor etwa einem Jahr drei Tracks mit ihm gemacht. Und Victory war einer der Songs, aber er wollte den Titel für das Jacksons [Album] verwenden. Aber der Song ist immer noch da und er wartet wahrscheinlich nur darauf, dass wir beide zusammenkommen und ihn fertigstellen», sagte Freddie Mercury in einem Interview, das erst 2003 auf einer Queen-DVD als Bonusmaterial enthüllt wurde.
«Es ist nur so, dass er Verpflichtungen hat. Ich habe Verpflichtungen und es ist sehr schwierig. Ich meine, er ist auf Tournee, ich gehe auf Tournee… es ist sehr schwierig, wenn zwei verschiedene Musiker versuchen zusammenzukommen, und er muss seine Sachen machen. Es ist einfach so, dass, als ich einige Zeit in LA verbrachte… Wir sind Freunde. Er sagte, warum versuchen wir nicht etwas… Eines Tages wird es wahrscheinlich fertig sein.»
Der Song «Victory» ist bis heute unveröffentlicht – obwohl das Jacksons-Album diesen Titel trug, war kein gleichnamiger Song darauf, und es kann davon ausgegangen werden, dass Mercury und Jackson nie Zeit fanden. Das gleiche Schicksal ereilte «There Must Be More to Life Than This», das Freddie Mercury 1985 – ohne Michaels Stimme – auf seinem ersten Solo-Album «Mr. Bad Guy» veröffentlichte, und «State of Shock», das Michael letztendlich mit Mick Jagger von den Rolling Stones einsang und für «Victory» verwendete.
Freddie Mercury nahm es gelassen, dass nicht er, sondern Jagger auf dem Jacksons-Album zu hören ist: «Der andere Song heißt ‚State of Shock‘, den ich gemacht habe, und Mick Jagger ist jetzt darauf. Aber es ist alles in Ordnung, denn Michael rief mich an und sagte: ‚Ich möchte den Song fertigstellen, ich will ihn auf dem Jacksons-Album haben‘ und ich sagte, ‚ich kann nicht vorbeikommen, weil ich in München bin.‘ Und er sagte, ’na ja, ist es okay, wenn Mick es macht?‘ Also sagte ich: ‚Gut.‘ Songs sind Songs. Ich meine, solange unsere Freundschaft anhält, können wir nach dem noch alle Arten von Songs schreiben.»
Michael Jackson traf Freddie Mercury erstmals im Juli 1980 backstage an einem Queen-Konzert. Beim Treffen mit Queen schwärmte Michael von «Another One Bites The Dust» und riet, der Song müsse unbedingt als Single erscheinen, was Queen auch bald danach umsetzte. Es wurde die erfolgreichste Queen-Single. Im September besuchte Michael ein weiteres Queen-Konzert.
In den frühen 2000-er Jahren leakte die von Freddie und Michael gesungene «State of Shock»-Version im Internet, ebenso die von MJ gesungene Version von «There Must Be More to Life Than This». Und im Jahr 2014 erschien davon eine posthume Duett-Version auf «Queen Forever». Gerne hätten die noch lebenden Queen-Musiker auch das originale «State of Shock» verwendet, doch die Nachlassverwaltung um John Branca und John McClain rückten damit nicht heraus.
Wäre Michael Jackson noch grösser geworden, wären die Kollaborationen mit Freddie Mercury, Buzz Kohan und Paul Anka bereits zu Lebzeiten erschienen? Kaum vorstellbar, denn auch ohne diese Titel hatte Michael Jackson Ende der 1980-er Jahre eine noch nie dagewesene Bekanntheit erreicht. Und sein gereiftes Songwriter-Talent ist auf dem mit neun Eigenkompositionen bestückten «Bad»-Album eindrücklich zu hören.
Quellen:
Michael Jackson – All The Songs (François Allard, Richard Lecocq); Making Michael: Inside the Career of Michael Jackson (Mike Smallcombe); Conversations with McCartney (Paul Du Noyer); The Ultimate Collection (MJJ Productions); Michael Jackson: Before He Was King (Todd Gray); Michael Jackson – A Visual Documentary (Adrian Grant); Michael Jackson: The Maestro (Chris Cadman)
jacksondynasty.net, michael-jackson.fandom.com, paulmccartney.com, The View, Ottawa Citizen, New York Post, wikipedia.org
Black & White (2009) – all4michael: Buz Kohan über die Zusammenarbeit mit Michael
‚Greatest Video Hits 2‘ – Queen (2003) «A Musical Prostitute: Freddie Mercury Interview 1984»