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Nach zwei Siegen gegen Kloten verlieren die ZSC Lions ausgerechnet in Biel 2:3. Gibt es eine Verschwörung gegen die Kloten Flyers? Eine berechtigte Frage. Die Suche nach Antworten ist interessant und fördert ein paar seltsame Begebenheiten ans Tageslicht.
Es gibt eine lange Liste von interessanten Verschwörungstheorien. Angeblich waren die Amerikaner nie auf dem Mond und haben die Landung auf dem Erdtrabanten bloss in einem Hollywood-Studio inszeniert. In einem Hangar auf der amerikanischen Luftwaffenbasis Wright-Patterson in der Nähe von Dayton (Ohio) lebt angeblich ein Ausserirdischer. Und Elvis Presley soll immer noch leben.
Nun können wir diese Liste um eine Einheit erweitern: Es gibt eine Verschwörung gegen den Milliardär Philippe Gaydoul. Es gibt Fakten, die das vermuten lassen.
Erst die Aufhebung vom Euro-Mindestkurs um sein Vermögen zu schädigen. Und nur einen Tag später der Versuch sein Hockeyunternehmen – die Kloten Flyers – durch dunkle Machenschaften in die Abstiegsrunde zu versenken. Die ZSC Lions haben nämlich zweimal hintereinander gegen Kloten gewonnen (4:2 und 3:2) und nun in Biel (absichtlich?) verloren. Damit die Bieler auf Kosten von den Flyers die Playoffs schaffen.
Gibt es tatsächlich eine Verschwörung gegen Kloten? Der Amerikaner Dan Brown schreibt «Kirchenthriller» über allerlei dunkle Machenschaften («Illuminati», «Sakrileg»). Er ist also einer der berühmtesten Verschwörungstheoretiker. Nehmen wir mal an, er wäre von Einzelrichter Reto Steinmann nach Biel entsandt worden um die Partie auf allfällige Verschwörungen zu untersuchen. Die Fragestellung ist einfach: Haben die Zürcher, immerhin Schweizer Meister, absichtlich 2:3 verloren?
Nun, die Löwen wirkten vor allem im Mitteldrittel, als sie noch 1:0 führten und zu gewinnen drohten (der 1:1-Ausgleich fiel in der 30. Minute), irgendwie lustlos. Die Abschlussversuche zaghaft. Das Abwehrverhalten nachlässig. Und den zweiten und dritten Treffer hätte Torhüter Niklas Schlegel verhindern können. Er musste nach dem 1:3 seinen Platz Luca Boltshauser überlassen. Trainer Marc Crawford war ganz und gar nicht zufrieden und monierte nach dem Spiel vor allem im Mitteldrittel Lauffaulheit und viel zu wenig direktes Spiel.
Also genug Indizien für die Erhebung einer Anklage bei Einzelrichter Reto Steinmann wegen Verdacht auf Verschwörung. Was käme dabei heraus? Ein Freispruch von erster Klasse. Denn Reto Steinmann würde beim Videostudium sofort sehen, dass die ZSC Lions in den beiden vorangegangenen Partien gegen die Kloten Flyers zwar gewonnen, aber keineswegs besser gespielt haben als nun in Biel. Die Seeländer waren eben viel besser als die Kloten Flyers. Deshalb haben sie richtigerweise 3:2 gewonnen.
Schon beim Vergleich von den Torhütern wird klar, dass es keine Verschwörung geben kann. Lukas Meili von Biel spielte gegen die ZSC Lions – wie schon beim 5:1 in Bern – famos. Er ist halt eine Nummer grösser als Jonas Müller von Kloten. Die Statistik sagt zwar etwas anderes. Die Saison-Fangquote von Jonas Müller (88,66 %) ist besser als die von Lukas Meili (87,67 %).
Aber was die Statistik verschweigt: Der letzte Mann von Biel ist ein Goalie, der ab und zu ein Spiel für seine Mannschaft gewinnt. Jonas Müller hingegen verliert ab und zu ein Spiel für seine Mannschaft. Kommt dazu: Die ZSC Lions hatten ja den Kloten Flyers am letzten Sonntag eine 2:0-Führung geschenkt. Nur wussten diese damit im Schlussdrittel nichts anzufangen. Selbst Dan Brown würde sagen: Nein, keine Verschwörung. Nicht im Vatikan und nicht in der Nationalliga A.
Die Bieler überzeugten einmal mehr mit Leidenschaft und Disziplin und defensiver Organisation und starker und schon fast charismatischer physischer Präsenz. Sie stecken den Ausfall von Topskorer Per Arlbrandt und Ahren Spylo weg und setzten erstmals ihren neuen Kandier Jérôme Samson ein – der allerdings kraftlos spielte wie ein kahl geschorener alttestamentlicher Samson – und siegten verdient.
Wieder einmal war der ehemalige SCB-Junior Philipp Wetzel, ein smarter und wehrhafter Riese mit erstaunlich feinen Händen (198 cm und 104 kg), auch dank seiner schier unheimlichen Kampfkraft der wahre Leitwolf bei den Bielern. Ein «Seeland-Messier».
Was auch gegen eine Verschwörungstheorie spricht: Es war bereits der dritte Sieg von Biel gegen den Meister in dieser Saison nach dem 3:2 n. P. am 20. September und dem 3:2 n. V. am 18. November 2014 – Siege zu einem Zeitpunkt, als noch gar niemand auf den Gedanken um eine Verschwörung kam.
Es ist, wie es ist: Elvis Presley lebt nicht mehr und die Amerikaner waren auf dem Mond und in Wright-Patterson lebt kein Ausserirdischer und vielleicht werden die Bieler sogar auf dem Planeten Playoff landen. Sie haben jetzt neun Punkte Vorsprung auf Kloten.
Neun Punkte sind auf den ersten Blick viel. Aber auf den zweiten Blick eben nicht. Die Kloten Flyers spielen noch zweimal gegen die Lakers (17. und 20. Februar). In diesen zwei Spielen wird es mehr oder weniger sechs Gratispunkte geben. Zudem hat es Kloten am 13. Februar in der Hand, in der Direktbegegnung Biel drei Punkte abzuknöpfen. Auch wenn nur noch 12 Partien zu spielen sind – die Bieler sind noch nicht in Sicherheit.
Wenn es in Kloten eine Kontinuität in der Geschäftspolitik gäbe, wäre jetzt wieder eine Trainerentlassung fällig. Tomas Tamfal musste in der Schlussphase in der Saison 2012/13 nach einer Serie von vier Siegen in zehn Spielen (darunter ein 12:0 gegen die Lakers) gehen. Zu diesem Zeitpunkt stand die Mannschaft noch auf Platz 8. Felix Hollenstein ist diese Saison nach zwei Siegen in vier Spielen ebenfalls auf dem 8. Platz des Amtes enthoben worden.
Der neue Trainer Sean Simpson hat bereits sechs von den letzten sieben NLA-Spielen verloren und wird noch immer im Amt gehalten. Spass beiseite – die Krise bei den Kloten Flyers ist bitterer Ernst. Kein Schelm, wer wettet, dass Sean Simpson seinen Dreijahresvertrag nicht erfüllen wird.