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Die beim Inseli am Ufer stehende Steinskulptur „Kauernde“ von Otto Charles Bänninger wurde ursprünglich für den Haupteingang des alten Kunstmuseums erschaffen. Dies kam so: „1941 wurde Henri Königs [Bildhauer] Frauenfigur <La Brise> in Form einer Gipskopie vor dem Eingang des Luzerner Kunstmuseums [im Rahmen einer Ausstellung] platziert“. Diese fand grossen Anklang. Nach deren Abbau begann in verschiedenen Kreisen der Ruf nach einer neuen Figur bei diesem Haupteingang.1
Es gab die Frage zu klären, ob wieder „La Brise“ dort stehen sollte oder ein anderes Kunstwerk. Um „La Brise“ definitiv aufzustellen, hätte es jedoch diverse Arbeiten benötigt. So bekam Henri König den Auftrag, eine Figur für diesen Standort zu schaffen. Jedoch konnte keiner seiner Entwürfe, weder die Vertreter der Stadt noch die Kunstexperten, überzeugen.2
Darauf folgte ein Wettbewerb für eine stehende Skulptur 2 mit den Auflagen, dass die Skulptur aus Naturstein sein musste (Bronze war aus kriegswirtschaftlichen Gründen nicht gestattet) und die Kosten durften Fr. 35’000.- nicht überschreiten. 3 Für die Ausführung bat der Stadtrat um finanzielle Mithilfe des Bundes. 2 Beim ersten Wettbewerb konnte keiner der Entwürfe überzeugen. So wurde ein zweiter durchgeführt.4 Dabei erhielt der Entwurf einer stehenden Frau von Otto Charles Bänninger am meisten Stimmen. Gegner liessen jedoch nicht lange auf sich warten. So wurden Zeitungseinsendungen und Protestschreiben, wegen sittlicher und moralischer Bedenken, aber auch in Bezug auf die Ästhetik an den Luzerner Stadtrat und den Bundesrat verfasst. Trotzdem wollte man die Figur aufstellen und man begann über den Standort zu diskutieren. Als Ergebnis einer Besprechung zwischen dem Luzerner Stadtpräsident und dem Vorsteher des Eidgenössischen Departments des Innern resultierten die Standortvarianten: „im Innern des Museum[s]“ oder „im Gärtchen zum See hin“. Die Bau – und Polizeidirektion wollte jedoch am Standort beim Haupteingang festhalten und regte zu einer Abänderung des Entwurfes an. Der Stadtrat und die Kunstgesellschaft waren sich jedoch einig, dass „die Skulptur vorzugsweise im Gärtchen auf der Ostseite des Kunsthauses zu stehen kommen sollte.“ 5 Gegen Winterende 1951 gab Bänninger die Fertigstellung der Skulptur bekannt. Zum grossen Erstaunen aller Beteiligter wich der Bildhauer eigenmächtig vom Wettbewerbsentwurf ab, mit der Begründung er hätte sie dem neuen Standort angepasst.5
Trotzdem wurde die Skulptur nicht gleich aufgestellt und mit den Studien zum Umbau des Kunsthausrestaurants und dessen Gartenterrasse wurde der Standort erneut diskutiert. Am 5. Mai 1952 wurde die bis anhin im Keller des Kunstmuseums Zürich stehende Skulptur nach Luzern überführt. Drei Tage später wurde sie 6 anlässlich einer Feier offiziell Baudirektor Schwegler, der den abwesenden Stadtpräsidenten Wey vertrat, in intimem Kreise und ohne Presse übergeben. 7
Somit erhielt Luzern seine erste vollkommen unbekleidete Frauenfigur. 8 Otto Charles Bänninger hat der Skulptur keinen Namen gegeben. Im Laufe der Zeit hat sich jedoch, aufgrund ihrer Haltung, der Name „Kauernde“ ergeben. Nach dem Abriss des Kunsthauses fand die „Kauernde“ zunächst im Werkhof der Stadt und ab 1999 auf dem „Inseli“ eine neue Heimat. 9 Wie die neue Standort-Evaluation verlief, konnte Anhand der Quellen nicht eruiert werden.
Otto Charles Bänninger (1897-1973) ein Zürcher Künstler, absolvierte eine Bildhauerlehre10 und war bei Emile Antoine Bourdelle (1861-1929) Student und arbeitete von 1920 -1931 in Paris. Im Jahr 1932 ging er nach Zürich zurück und blieb dort bis zu seinem Tod. Er stellte seine Kunstwerke in Paris, sowie in Genf, Basel und Zürich aus. Die meisten seiner Skulpturen sind im Musée des Beaux Arts in Lausanne und im Kunsthaus in Zürich aufbewahrt. 1 Bänninger konzentrierte sich auf klassische Themen, d.h. er setzte die erneuerte Tradition eines klassischen Menschenbildes fort.10