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Die Eröffnung des Espace Museal in St-Imier ist für Ende September geplant. Wir sind noch gut im Zeitplan und haben heute gerade drei weitere Figuren abgelichtet - bleiben nur noch drei. Vor Ort in St-Imier geht es auch gut voran, die Inneneinrichtung ist so gut wie abgeschlossen und die längste Vitrine welche die Figuren 1900 bis 1995 zeigt ist zu 99% fertig.
- Die ersten beiden Bilder zeigen die fertige Figur eines Spiessers im Jahr 1530. Da sein Spiess eine Länge von 5 Metern hat, konnte die ganze Figur nicht am Stück fotografiert werden. Zudem glänzt die Rüstung stark und durch die Spiegelung wird das ganze Umfeld abgebildet. Wir haben daher den Raum mit Stoff eingekleidet und je nach Bedarf auch den Boden zugedeckt, so dass die Spiegelungen natürlich aussehen, aber keine Objekte aus dem Umfeld zu erkennen sind. Ausser natürlich die eigenen Arme oder Waffen. Den langen Spiess haben wir für die Aufnahme mit einem halben ersetzt und den Spiess separat fotografiert. Dieser wird für das fertige Foto eingesetzt.
- Das dritte Foto zeigt die fertigen Figuren Angangs 18. Jahrhundert; ein Milizsoldat aus La Neuveville im 2. Villmergerkrieg 1712 und einen Soldaten der Pruntrutter Infanterie Compagnie 1735.
- Die zwei weiteren Fotos zeigen die fast fertig eingerichtete Vitrine in St-Imier. Wir können es kaum erwarten die Bodenabdeckungen zu entfernen und die fertige Ausstellung zu betrachten.
Es geht nun schnell voran. Wir arbeiten am Aufbau von drei weiteren Figuren. Danach sind es lediglich noch 3 weitere.
Hier einige Fotos der fast kompletten Figuren:
1530 Spiesser
Dem Spiesser aus der Renaissance fehlt noch die Bewaffnung sowie die Sturmhaube. Man bekommt aber schon ein gutes Bild wie prächtig diese Figur aussehen wird. Die Gewandung ist hauptsächlich von Gemälden von Schweizer Reisläufern inspiriert.
- Wams mit geschlitzten Ärmeln, auf dem 2. Bild geöffnet zu sehen.
- die Hose hat eine prominente Schamkapsel. Während das rechte Bein aus rotem und weissem Wolltuch genäht sind, ist das linke Bein nur aus rotem Tuch, lässt jedoch einen weissen Leinenstoff durch die Schlitze hervortreten.
- die beiden letzten Bilder zeigen den über den Wams getragenen Harnisch
1712 La Neuveville
Als Teilnehmer des 2. Villmergerkriegs dürften die Milizen von La Neuveville ungefähr so ausgesehen haben. Es handelt sich noch nicht um eine vorgeschriebene Uniform, lediglich die roten Aufschläge sind in einem Brief erwähnt. Daher sind Schnitt und Aussehen eine Vermutung im Stil der Zeit.
- Die ersten Bilder zeigen die Leinenhose. Der Schnitt ist sehr einfach, die Hose wird vorne lediglich mit einem Knopf geschlossen und hinten mit zwei Bändeln zusammengehalten. Beim Knie wird sie mit Bändern geschlossen.
- Das Gilet aus braunem Wollstoff hat viel Knöpfe, wird aber nur bis zur Taille geschlossen.
- Die letzen beiden Bilder zeigen Figur mit Ihrer Ausrüstung. Das Gewehr wird später über die Schulter getragen und der Hut noch etwas geformt.
1776 Moutier
Auch hier handelt es sich nicht um eine Uniform im eigentlichen Sinne. Im Rahmen der Huldigung vor dem Bischof wurde jedoch den reformierten Milizsoldaten von Moutier nahegelegt, sie sollen in braunen oder grauen Röcken mit rotem Gilet antreten. Dies entsprach der gängigen Tracht dieser Zeit und erforderte nicht die Anschaffung von speziellen Uniformen.
Diese Figur wird den Hut zum Gruss heben. Dadurch ist die Zipfelmütze gut sichtbar, welche von der Landbevölkerung oft getragen wurde. Der Gurt unter dem Rock hält das Bajonett.
Diesen Monat ist viel passiert. 23 fertige Figuren haben wir in 3 Fahrten nach St-Imier transportiert und dort teilweise aufgebaut. Somit sind die Figuren von 1792 bis 1995 so gut wie abgeschlossen.
Die 3 neusten fertigen Figuren sind ein Soldat in Französischen Diensten von 1770, ein Füsilier aus dem Jahr 1885 und sein Nachfolger von 1900.
- Auf dem ersten Bild sind sie alle zusammen zu sehen. Die beiden hinteren Figuren noch ohne Ihre Waffen.
- Auf dem 2. Bild ist der Rock von 1770 zu sehen. Durch seine rote Farbe ist er als Soldat in Französischen Diensten zu erkennen. Die weissen Ärmelaufschläge, Rabatten sowie die Anordnung der Knöpfe zeigen die Zugehörigkeit zum Regiment Eptingen. Die Mannschaft dieses Regiment wurde hauptsächlich aus der Region des heutigen Juras eingezogen.
- Der selbe Rock sieht hier doch ziemlich anders aus; Die Rabatten sind übereinander geschlossen, der eine Ärmelaufschlag herunter gelassen und die Schösse sind nicht eingehängt.
- Die nächsten beiden Bilder zeigen das Gepäck des Füsiliers aus dem Jahr 1885, welcher mit dem Vetterli-Gewehr ausgestattet ist.
- Das Gepäck der Ordonnanz 1898 ist auf den beiden letzten Bilder zu sehen. Bis auf die Patronenschlaufen auf der Brust wurde diese Art von Gepäck noch viele Jahrzehnte in nur leicht abgeänderter Version getragen.
Im Museum sieht es nun schon sehr belebt aus. Einige Impressionen vom Aufbau:
- Anfahrt und Ausladen der Transportkisten
- Auf dem 3. Bild sind die Figuren noch im schützenden Plastik grob an ihrem Platz eingeordnet.
- Die länngste Vitrine beginnt 1900 und geht bis 1995. Sie ist auf dem 5. Bild zu sehen.
- Die Vitrine mit den Figuren 1812 bis 1885 ist noch nicht ganz fertig gestellt. Die Figuren sind daher in einer anderen Vitrine zwischengelagert. Das gesellige Zusammensein ist auf Bild 6 zu sehen.
Um alle Regionen und wichtigen Epochen des Juras zu repräsentieren, wurde noch eine Figur hinzugefügt. Somit sind es nun 30 an der Zahl. Davon haben wir mittlerweile 21 Figuren fertig gestellt, fotografiert und in die Transportkisten verpackt. Im April erfolgt der erste Transport nach St-Imier mit einigen der Figuren.
Da die fertigen Fotos noch nicht veröffentlicht werden sollen zeigen wir hier wieder einige Einzelteile. Einen Eindruck kurz vor der Fotosession geben diese Bilder:
1350
Auch wenn die älteste bisher gefundene Hose eines Reiters rund 3200 Jahr alt ist, wurden noch im 14. Jahrhundert statt einteiligen Hosen vorzugsweise 2 einzelne Beinlinge getragen. Diese wurden entweder an einem separaten Gurt oder wie bei unserer Figur an der Bruche - einer grosszügigen Unterhose - festgebunden.
Unsere Beinlinge sind aus krappgefärbter Wolle, die Bruche aus Leinen.
1735 Porrentruy
Diese Figur stellt einen Soldaten der Garnison oder Infanterie Compagnie des Bischof Porrentruy dar. Es ist in unserer Reihe der erste mit einer kompletten Uniform, welche relativ detailiert vorgeschrieben war und auch vom Bischof bezahlt wurde. Briefwechsel und Quittungen zeugen vom Stoffeinkauf, der Fertigung und weiteren Details.
Die Hose aus blauem Tuch, gefüttert mit Leinen ist bereits fertig. Im Gegensatz zu den späteren "Culotte" mit Latz wurde diese vorne mit einem geknöpften Schlitz geknöpft. Diese Schliessart ist im Prinzip nicht viel anders als heutige geknöpfte Hose. Damit man sich trotz der engen Beine gut bewegen und sich vor allem auch setzten konnte, war der Schnitt um das Gesäss weit. Auch die Vorderseite war im Schritt daher eher unansehlich. Da die Gilets jedoch lange waren und den oberen Teil der Hosen komplett verdeckten, war das nicht schlimm. Erst als die Gilets kürzer wurden und mehr von der Hose preisgaben hat sich der vorne flachere Latz durchgesetzt.
Das Gilet ist noch ohne Taschenpatten und die Ärmel sind unfertig. Auf dem letzten Bild ist gut der Unterschiede zwischen den zwei Arten von Knopflöchern zu sehen. Vom Hals auf die Höhe der Taschen sind die Knopflöcher echt, das heisst dass die Knöpfe geschlossen werden können. Darunter sind die Knöpfe und auch die Knopflöcher nur zur Dekoration. Die unteren Knopflöcher sind daher nur gestickt, ohne dass ein Loch durch den Stoff geschnitten wurde.
1852
Den Tornister der eigentlich schon fertig war, haben wir nun noch ein wenig umgebaut. In letzter Minute konnten wir ein Original finden welches wir besichtigen konnten. Es handelt sich dabei nicht nur um ein Original, sondern sogar um ein Muster mit Etikette. Solche Muster konnten sich die Sattler im Zeughause ansehen, damit die Tornister möglichst einheitlich waren.
Auch bei den Gamaschen konnten wir noch ein paar Gamaschen finden welches der Beschreibung im Reglement entspricht. So haben wir die Riemchen für die oberen 3 Knöpfe nach dieser Art angebracht.
Daneben haben wir für das Bajonett eine Scheide nach einem Original - ebenfalls ein Muster - angefertigt.
Das letzte Bild zeigt das geweisselte Bandelier mit Kapseltasche und der Raumnadel.
1970
Auch jüngere Objekte sind nicht immer leicht im Original zu bekommen. So haben wir zwei Verpackungsröhren für Gewehrgranaten rekonstruiert. Während die Röhre selber ein simpler Karton ist, besteht der Deckel aus geprägtem Metall mit Aufkleber. Den Deckel haben wir galvanoplastisch kopiert, geschwärzt und mit einen nachgedruckten Aufkleber versehen.
Dieses Jahr soll - wenn die Corona-Bestimmungen es zulassen - das Museum eröffnet werden. Damit das auch klappt, fehlen nur noch wenige Einzelteile. Einige davon sind nun fertig geworden:
1712 La Neuveville
Der frühste Justaucorps in der Reihe der Figuren ist nun fertig. Die roten Aufschläge sind das einzige was diesen Milizsoldaten - neben der Bewaffnung - als solchen kennzeichnet. Der Schnitt war in der Regel für alle Bevölkerungsschichten sehr ähnlich. Da die Arbeit eines Schneiders nicht sehr viel kostete, waren vor allem die verwendeten Materialen bei den Wohlhabenden hochwertiger. Hier handelt es sich um einen gut situierten Bauern, der es sich nicht nehmen lies viele Knöpfe und zahlreiche falsche Knopflöcher zu verwenden. "Falsche" Knopflöcher haben keine Öffnung durch welche ein Knopf geknöpft werden könnte. Sie dienen nur der Dekoration. Hier sind sowohl die Knopflöcher der Taschenpatten sowie des Rückenschlitzes falsch.
Auf dem 2. Bild ist der heruntergeklappte Aufschlag zu sehen. Auf diese Weise konnte man die Hände etwas vor Kälte schützen.
Das 3. Bild zeigt den nun fertigen Gurt mit Aufhängung für Degen und Aufsteckbajonett.
1776 Moutier Bajonettgurt
Als bei vielen europäischen Infanteristen der Säbel abgeschafft wurde, wurde das Bajonett entweder wie bisher am Bandelier aufgehängt, oder aber an einem Gurt. Für den Milizsoldaten aus Moutier haben wir solch einen Gurt gefertigt.
Auf dem ersten Bild wird der Halter genäht, auf dem 2. wird die Position bestimmt. Auf dem letzten Bild ist der fertige Gurt zu sehen. Er wird im Gegensatz zum meisten anderen Lederzeug aus Büffelleder so bleiben. Das Lederzeug wurde in der Schweiz meist erst einige Jahr später mit verschiedenen Rezepturen geweisselt.
1792 Biel Krawatte und Gamaschen
Auf zahlreichen Bildern von Franz Feyerabend sind Bieler Soldaten und Offiziere zu sehen. Darauf sieht man teiweise die schwarze Krawatte mit dem Hemd welches darüber gelegt ist sowie die mittellangen Gamaschen.
Auf dem letzten Bild ist der Soldat fast fertig, jedoch noch ohne das Lederzeug zu sehen.
1820 Bern
Eine weitere Variante das Bajonett unterzubringen, war am Riemen der Patronentasche. Hier ist die Patronentasche sowie der Riemen mit Bajonetthalter zu sehen. Das letzte Bild zeigt eine umflochtene Glasflasche mit Wollkordel zum Umhängen.
1855 Eidgenössischer Füsilier
1852 wurde neben der Uniform auch die Ausrüstung vereinheitlicht. Die davor verwendeten kantonalen Ausrüstungsgegenstände wurde noch viele Jahre über die Ordonnanz 1852 hinaus weiter getragen. Unser Füsilier aus dem Jahr 1855 trägt jedoch die Ausrüstung nach den neusten Bestimmungen.
Das Bajonett ist nun direkt am Kasten der Patronentasche untergebracht. Am Bandelier der Patronentasche wurde nun jedoch ein sogenanntes Kapseltäschchen angebracht. Es nahm die für das neue Perkussionsgewehr notwendigen Zündhütchen auf. Das Fell im inneren verhinderte dass Inhalt herausspringen konnte. Daneben ist eine kleine Schlaufe angebracht, in welche die Zündnadel gesteckt wurde.
Die nächsten Bilder zeigen den Tschako nach Ordonnanz 1852, wegen seiner Form auch Zigerstock genannt. Bis auf Ganse und Kokarde wurde alles rekonstruiert.