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Montag, 21. Oktober 2013 17:30 Uhr: Vortrag
Die Zeit der Karolinger in der Schweiz
Bahnhof Buffet HB Zürich, 1. Stock, Raum Alcina
Karl der Grosse hat als erster mittelalterlicher Kaiser die Kultur Europas massgeblich geprägt. Obwohl er einen grossen Teil seiner Regierungszeit (768–814) im Sattel verbrachte, entstand im lateinischen Westen erstmals in nachrömischer Zeit ein strukturierter Herrschaftsraum. Die Einrichtung einer Grafschaftsverfassung, eine gezielte Kirchenpolitik und eine umfassende Bildungsreform sind Stichworte zu politischen Neuerungen, welche das Mittelalter wesentlich prägten und in gewissen Belangen bis in die Gegenwart nachwirken.
In der Schweiz hat sich eine ungewöhnliche Anzahl bedeutender Bauten und Kunstwerke aus karolingischer Zeit (750–900) erhalten. Eine Präsenz Karls in der heutigen Schweiz ist freilich nicht verbürgt, aber bei mehreren Alpenüberquerungen zu vermuten. Jedenfalls haben der Grosse Sankt-Bernhard und die Bündner Pässe als Verbindung zwischen dem fränkischen Norden und dem langobardischen Italien einen seit römischer Zeit ungekannten Aufschwung genommen. Die Bau- und Kunstwerke aus der Zeit der Karolinger hierzulande verdanken ihre Entstehung einem intensivierten Austausch mit dem Norden und dem Süden, ihre Erhaltung der späteren peripheren politischen Situation der Zentralalpen.
Prof. Dr. Georges Descœudres war bis zu seiner Emeritierung 2011 Ordinarius für Archäologie und Kunstgeschichte des Mittelalters an der Universität Zürich. Er ist Mitherausgeber des im Benteli Verlag erscheinenden Buches «Die Zeit Karls des Grossen in der Schweiz», eine Begleitpublikation zur Ausstellung «Karl der Grosse und die Schweiz» im Schweizerischen Landesmuseum zum 1200. Todestag.