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| Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Erstes Buch
35. Auslegung der Worte: Der Herr hat mich geschaffen.
Weil sie das Prophetenwort nicht verstehen und die himmlische Lehre nicht kennen, bemühen sie sich in ihrem verdorbenem Sinn und im Eigensinn ihrer Meinung, die Behauptung, Gott sei eher geschaffen als geboren, dadurch zu bekräftigen, daß gesagt sei: „Der Herr hat mich geschaffen für den Beginn seiner Wege für seine Werke;”1 er gehöre also zum gewöhnlichen Wesen und Kreis der Geschöpfe, wenn er auch mehr hervorrage in der Art seiner Geschöpflichkeit; in ihm sei also auch nicht die Herrlichkeit göttlicher Geburt, sondern nur die kraftvolle Überlegenheit eines mächtigen Geschöpfes.
Wir dagegen werden nichts Neues, nichts von außen her Angemaßtes beibringen, sondern durch eben jene Bezeugung der Weisheit die Wahrheit und Berechtigung des Wortes vorlegen; daß es nicht auf die Erkenntnis der göttlichen und ewigen Geburt bezogen werden könne, daß er für den Anfang der Wege Gottes und für die Werke geschaffen worden sei. Denn es ist nicht dasselbe, (einerseits:) für dies (die Werke) erschaffen und (anderseits:) vor allem Geschöpflichen geboren zu sein; wo [S. 101] nämlich die Bezeichnung der Geburt ist, da ist auch nur von der Geburt die Rede. Wo aber das Wort „Geschöpf” vorliegt, dort ist auch die Ursache der Schöpfung vorher vorhanden. Und wenn die Weisheit vor allem Geschöpflichen geboren ist, so ist es doch darum, weil sie für den Bereich einiger (geschöpflicher) Dinge geschaffen worden ist, noch längst nicht dasselbe, (dies:) daß sie vor allem Geschöpflichen ist, und (dies:), daß sie nach anderem angefangen hat, Dasein zu haben.
1: Sprichw. 8, 22.