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Schon vor den Weihnachtstagen zeigte "Lucifer" Fressunlust; die Besitzer schrieben dies aber den Lärm und Unruhe verursachenden Handwerkern zu, welcher in der Wohnung zu dieser Zeit arbeiteten. Über Weihnachten verbesserte sich der Appetit aber nicht; ausserdem begann Lucifer auch zu erbrechen, weshalb die Besitzer die Katze uns am Stephanstag im Notfalldienst vorstellten.
Bei der Untersuchung am Stephanstag sind klinisch nur ein stark angefüllter Dickdarm feststellbar. Ein Klistier wird verabreicht und eine Paste abgegeben, welche den Kot weicher machen und so den Kotabsatz erleichtern sollte. Da die Katze auch 2 Tage später noch keinen Kot abgesetzt hat, wird unter Narkose der Dickdarm manuell ausgeräumt und eine intravenöse Infusion verabreicht, um die Produktion von weicherem Kot zu unterstützen.
1 Woche später wird "Lucifer" ein weiteres Mal vorgestellt. Nachdem es dem Kater initial besser ging und er wieder einen guten Appetit zeigte, hat er in der Zwischenzeit wieder mehrmals erbrochen und zeigte wieder Appetitverlust. Bei der Untersuchung erscheint der Dickdarm nun leer, dafür ist ein Knoten von etwa 2 cm Durchmesser im Bauch tastbar. Ein weiteres Röntgen zeigt eine stark röntgendichte, sternförmig anmutende Struktur, welche schon bei der vorherigen Röntgenaufnahme sichtbar gewesen war, damals aber ebenfalls als Kot im Dickdarm interpretiert worden war. Ein kurzer Ultraschalluntersuch bestätigt den nun dringenden Verdacht eines Darmfremdkörpers, welcher den Darm verlegt.
Der Darmfremdkörper muss chirurgisch angegangen werden. Eine intravenöse Infusion wird verabreicht, um den Kreislauf zu stützen, und es werden ein Schmerzmittel und zwei Antibiotika verabreicht. In Narkose wird die Bauchhöhle eröffnet und das fragliche Dünndarmstück vorgelagert: Der Fremdkörper ist im oberen Drittel des Dünndarms gut durch die Darmwand tastbar. Durch das Durchquetschen des Gegendstandes ist die magenwärts gelegene Darmwand gerötet und gedehnt; an einer Stelle ist aufgrund der Entzündung der Darmwand das grosse Netz (eine schleierartige feine Struktur im Bauchraum) mit dem Dünndarm verklebt. Die Verklebung wird gelöst, die Darmwand im Bereich des Fremdkörpers aufgeschnitten und der harte, stachelige Gegenstand entfernt. Die anfängliche Idee, es könnte sich um ein Stück Igelhaut samt Stacheln handeln, wird aufgrund des Umstandes, dass "Lucifer" sich nur in der Wohnung aufhält, wieder verworfen. Die Besitzer erkennen in dem Gegenstand schlussendlich ein Stück eines Gummispielzeugs, welches die Katze vor längerer Zeit zerkaut und offensichtlich teilweise verschluckt hat. Durch den längeren Aufenthalt in der Magensäure ist der Gummi steinhart und röntgendicht geworden. Erst jetzt, nachdem sich der Gegenstand ungünstigerweise in den Dünndarm bewegt hat, haben sich aber Symptome entwickelt.
Das Nähen des Darmschnitts gestaltet sich schwierig - aufgrund der massiven Entzündung des Darmes reissen die gelegten Nähte sofort ein, was ein Undichtwerden der Naht befürchten lässt. Um ein Austreten von Bakterien aus dem Darm in die Bauchhöhle zu vermeiden, wird ein etwa 15 cm langes Stück Dünndarm samt dem zugehörigen, stark geschwollenen Lymphknoten und einem Stück Gekröse (der feinen "Aufhängung" des Darmes) entfernt. Die Darmenden werden sorgfältig wieder miteinander vernäht und das grosse Netz leicht über der Naht befestigt, um eine optimale Heilung zu gewährleisten. Die Darmnaht wird gespült und der Bauch routinemässig verschlossen. Nach einer Nacht an der Tropfinfusion zeigt die Katze morgens schon wieder einen guten Appetit und wird im Verlauf des Tages nach Hause entlassen.
"Lucifer" erhält zur Vorbeugung gegen eine Bauchfellentzündung zwei Antibiotika sowie ein Schmerzmittel. Bei einem Kontrolluntersuch 5 Tage später geht es dem Tier wieder gut, und weitere 5 Tage später werden die Fäden gezogen und der Fall abgeschlossen.
Darmfremdkörper sind bei Katzen eher selten: Im Gegensatz zu Hunden verhalten sich Katzen beim Fressen stärker differenzierend; hin und wieder sind sogenannte lineare Fremdkörper (Schnur oder Garn) anzutreffen. Wahrscheinlich wäre das von "Lucifer" verschluckte Stück Gummispielzeug problemlos durch den Darmtrakt passiert, wenn es unmittelbar nach dem Verschlucken in den Dünndarm gelangt wäre. Durch den langen Aufenthalt im Magen hatte sich aber der verformbare Gummi in ein steinhartes Material verwandelt, das nicht mehr durch den Darm passte. Aufgrund seiner Form hat es perfiderweise aber auch nicht zu einem kompletten Darmverschluss, sondern nur zu einem Subileus geführt - eine gewisse Menge Futterbrei konnte offenbar in den Phasen, in denen die Katze nicht erbrochen hat, das Engnis im Darm überwinden. Dieser Umstand machte es umso schwieriger, die Ursache für das Erbrechen zu eruieren.