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Nach mehr als zwei langen Pandemiejahren bin ich wieder in Barcelona, in der Stadt, die mir eine zweite Heimat ist. Ich wohne jeweils nahe am Meer und die Spaziergänge vor dem Frühstück gehören zu meinem Morgenritual. Jedes Wetter hat dabei seinen Zauber: Wenn die Sonne im Meer aufgeht ist es ein grosses Schauspiel, wenn ein stürmischer Wind bläst, lässt mich der Lauf am Strand schwer atmen, bei leichtem Regen wie gestern verschwimmen Himmel und Wasser. Ein gräuliches Blau legt sich über das ruhige Meer wie ein fahles weites Tuch.
Es gibt einen Ort am Strand, an dem nach jedem Sturm von den Wellen geschliffenen Splitter von Bauschutt angeschwemmt werden. Vielleicht wurden beim grossen ‚Umbau‘ des Quartiers im Rahmen der Olympischen Spiele in Barcelona 1992 die Backsteine und Bodenplatten der abgerissenen Fabriken und Häuser hier entsorgt. Lieber stelle ich mir vor, dass die Steine von weit her kommen, über das Meer angespült werden.
Wenn ich die gesammelten Strandgütchen vor mir ausbreite, frage ich mich, wie wohl die Wohnung ausgesehen hat, aus der dieser Splitter aus einem Fussboden stammt oder der winzige Rest einer Kachel. Was für Menschen sind über diese Böden gelaufen in den Fabriken im Quartier oder in den engen Treppenhäusern und Korridoren? Welche Hände haben die gekachelten Wände geputzt?
Die Fundstücke liegen auf dem Regal in meinem Arbeitszimmer, ich schaue sie gerne an, sie erinnern mich an die Kraft des Meeres. Ich mag es auch, sie immer wieder neu zu gruppieren. Aber auch einzeln sind sie in ihrer ‚Wertlosigkeit‘ einfach schön.