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Szenarioanalysen sind eine der bekanntesten und beliebtesten Methoden der Unternehmensplanung. Diese Methodik ist grundsätzlich überall dort anwendbar, wo Unsicherheiten vorhanden sind – vom operativen bis hin zum strategischem Level. Besonders oft wird die Szenarioanalyse in der Finanzplanung bzw. den finanziellen Planrechnungen genutzt.
Bei der Erstellung eines Finanzplans müssen zahlreiche Annahmen getroffen werden, die a priori mit Unsicherheit behaftet sind: Zum Beispiel die Entwicklung der Materialpreise oder der Kundenzahl. Dabei gilt: Je länger der Planungshorizont ist, desto grösser sind auch die möglichen Abweichungen vom Ist- und Planwert.
Unter einem Szenario versteht man eine Darstellung einer möglichen zukünftigen Situation. Für die Analyse werden verschiedene Szenarien entwickelt. Dabei werden diese Zukunftsbilder auf Basis der aktuellen Annahmen und Berechnungen erstellt.
Typischerweise werden drei Szenarien gebildet: ein negatives (Low Case), ein positives (High Case) und ein Standardszenario (Base Case). Der Base Case ist das Szenario mit der höchsten Wahrscheinlichkeit.
Oft wird die Abweichung der folgenden Parameter untersucht:
Kundenzahl
Damit kann man ausrechnen, was passiert, wenn die Kundenzahlen vom Planwert variieren. Dies hat eine Auswirkung nicht nur auf den Umsatz, sondern beispielsweise auch auf den Personalbestand – man braucht evtl. weniger oder mehr Mitarbeiter, um Produkte herzustellen und Kunden zu bedienen.
Nettopreis/ Nettoumsatz pro Kunde
Solche Simulationen sind nützlich, wenn der Markt nicht reif ist oder eine Preisstrategie nicht fest definiert werden kann. In der Analyse können verschiedene Preisvarianten betrachtet und deren Auswirkung auf das Gesamtergebnis untersucht werden.
Materialpreis (oder andere variable Kosten)
Damit kann die Robustheit des Business gegenüber externen Preisänderungen untersucht werden. Überdies gibt diese Analyse einen Anhaltspunkt, ob die den Planrechnungen zugrunde gelegten Preis angemessen sind (steigen die Inputpreise, ist abzuklären, ob die Verkaufspreise immer noch angemessen sind).
Währungskurs
Unternehmen, die von anderen Währungsräumen Produkte oder Dienstleistungen beziehen oder in diese exportieren, können sehr sensibel auf den Wechselkurs reagieren.
Kosten und Laufzeit des Fremdkapitals
Zur Untersuchung von verschiedenen Finanzierungsvarianten können die Finanzierungsparameter variiert werden, um so die entstehenden Effekte zu testen.
Zeitrahmen
Bei längeren und grösseren Projekten ist es nicht unüblich, dass die geplanten Fristen nicht eingehalten werden können. Solche Verzögerungen haben oft drastische Auswirkungen auf die Höhe des benötigten Kapitals, die Liquidität und letztlich auch auf die Profitabilität.
Die Liste der Parameter zur Analyse ist nicht abschliessend. In Abhängigkeit von der Situation können weitere Kennzahlen untersucht werden. Die Szenarien werden individuell an die Situation des Unternehmens angepasst.
Zu komplexe Szenarien mit Duzenden von variierenden Variablen sollten jedoch vermieden werden. Am besten sollte man zuerst die (Haupt-) Value Driver bestimmen und deren Abweichungen untersuchen. Nicht selten bewirken geringe Abweichungen dieser Schlüsselparameter grosse Auswirkungen auf das Gesamtergebnis. Um mögliche Synergieeffekte zu analysieren, können nach der Erstellung dieser eher einfacheren Szenarien komplexere erstellt werden.
Die Szenarioanalyse ist – wie die finanziellen Planrechnungen auch – keine exakte Wissenschaft und stellt daher keine „echten“ Vorhersagen dar. Szenarioanalysen haben mehr Ähnlichkeit mit Gedankenexperimenten, die verschiedene „Was-wäre-wenn-Fragen“ stellen und beantworten. Ausserdem liefern Szenarioanalysen keine Informationen über die Eintreffenswahrscheinlichkeit des jeweiligen Szenarios. Dieser Nachteil kann mit Hilfe zusätzlicher Simulationen beseitigt werden.
Nichtsdestotrotz ist eine Szenarioanalyse sehr empfehlenswert. Sie hilft, mögliche Probleme aufzudecken und die entsprechenden Gegenmassnahmen vorzubereiten. Ausserdem zeigt die Szenarioanalyse nicht offensichtliche Zusammenhänge in qualitativer Form auf und bietet dem Unternehmen verschiedene Perspektiven auf den Businessprozess.
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