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Das Tellurium ist Bestandteil der Sammlung Sternwarte. Angelegt wurde diese von Rudolf Wolf (1816-1893). Er war Professor für Astronomie, Leiter der Semper-Sternwarte, Direktor der Bibliothek des Polytechnikums (heute ETH) und Sammler astronomischer Instrumente. Die Sammlung wurde von seinen Nachfolgern Alfred Wolfer und William Otto Brunner weitergeführt, jedoch nicht mehr im gleichen Umfang und mit der gleichen Systematik. Das Tellurium wird auf Ende des 19. Jhs. datiert und könnte somit erst nach dem Tod von Rudolf Wolf 1893 in die Sammlung Sternwarte gelangt sein. Da es im Inventar von Rudolf Wolf nicht aufgeführt ist, lässt sich der Zugang zur Sammlung nicht mehr rekonstruieren.
Ein Lehrmittel für die Schule
Tellurien wurden verwendet, um die Bewegungen der Erde und des Mondes in Beziehung zur Sonne sowie alle Beleuchtungserscheinungen an der Erde und dem Mond zu verstehen, da diese «in der Wirklichkeit»1 nicht beobachtet werden können. So steht es in der Gebrauchsanweisung, die dem Tellurium beigelegt war. Und weiter: «Hieraus ergibt sich die unabweisbare Forderung eines Telluriums für den Schulunterricht.»2
Die Sonne wird im Tellurium durch eine Kerze dargestellt. Eine Feder im Boden des Leuchters sorgt dafür, dass die Flamme stets in gleicher Höhe bleibt. Die Erde wiederum wird durch einen kleinen, leicht abgewinkelten Erdglobus dargestellt. Während eines Umlaufs dreht sich die Erde genau 365mal um ihre eigene Achse. Der Mond wird durch eine silberglänzende Kugel dargestellt, die Grösse steht dabei im richtigen Verhältnis zur Grösse der Erdkugel.
Ernst Schotte & Co
Konstruiert wurde das Tellurium von Ernst Schotte, dem Gründer der geographisch-artistischen Anstalt von Ernst Schotte & Co. An der ursprünglichen Form hat die Firma Ernst Schotte & Co. nur wenig geändert.
Die Firma Ernst Schotte & Co wurde 1855 in Berlin gegründet und war ein bekannter Hersteller von Globen und Planetarien, aber auch von Tellurien in verschiedenen Grössen. Sie existierte bis 1940.3
Unser Tellurium wurde gemäss Inschrift von Heinrich Albrecht entworfen und gezeichnet, aber ebenfalls von der Firma Ernst Schotte & Co. hergestellt, und stellt damit vermutlich eine spätere Version des ursprünglichen Telluriums dar. Die beiliegende Gebrauchsanweisung, ebenfalls verfasst von Heinrich Albrecht, datiert von 1903. Das Tellurium ist aber etwas älter und wird auf ca. 1885-1900 datiert.
Die Gebrauchsanweisung
Welche verschiedenen Möglichkeiten das Tellurium für den Unterricht bietet, zeigt eindrücklich die Gebrauchsanweisung von 1903, welche vollständig digitalisiert ist und unten durchgeblättert werden kann:
3D – Digitalisierung
Objektauswahl
Das über 100 Jahre alte Tellurium ist zwar in gutem Zustand, aber die Mechanik funktioniert kaum noch und der Mond kann nicht mehr in der richtigen Position fixiert werden. Das 3D-Modell ermöglicht es, das Tellurium zu bewegen und die Bewegungen der Erde und des Mondes zu verfolgen. Da der Mond separat digitalisiert wurde, konnte er nachträglich in die richtige Position gebracht werden. Dass er im Original nicht mehr hält, sieht man im 3D-Modell nicht. Wir werden das 3D-digitalisierte Tellurium sicherlich bei Führungen zeigen, da das Original nicht mehr vorgeführt werden kann. Es wäre auch schön, wenn es von Schulen genutzt würde.
Photogrammetrie und Modellierung
Das Tellurium wurde in mehreren Einzelteilen digitalisiert: das Gestell mit der Erdkugel, der Mond und die auflegbare Scheibe wurden separat digitalisiert. Die Einzelteile liessen sich gut digitalisieren. Die mechanischen und animierten Elemente wurden anhand der Scanvorlage manuell modelliert. Die Kerze ist im Originalobjekt nicht vorhanden. Da sie die Sonne darstellte, wurde sie im 3D-Modell ergänzt, um die Funktionsweise des Telluriums noch deutlicher zu machen.