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Eine Opernsängerin und ein IT-Bandpromoter führen gemeinsam eine Bar. Wie kommt das?
Mein Mann Kirk und ich wünschten uns schon länger ein kleines Geschäft, das Menschen zusammenbringt. Als wir das «Kraken» von einem Freund übernehmen konnten, haben wir zugegriffen. So ein Neuanfang ist in den USA nichts Ungewöhnliches, wir Amerikaner mögen das. Ich habe nie als Opernsängerin gearbeitet, sondern in verschiedenen anderen Jobs. Aber mein Herz gehört der Musik, ich habe lange in lokalen Bands gesungen. Und Kirk ist gut darin, Musik zu vermarkten.
Was zeichnet das «Kraken» aus?
Das «Kraken» ist eine echte Roadhouse-Bar. Obwohl man vielleicht denkt, das sei etwas Ur-Amerikanisches, gibt es gar nicht mehr so viele davon. Das Wichtigste in einem Roadhouse ist Musik. Bei uns treten lokale Bands auf, es wird Americana, Bluegrass, Blues, Metal, Country, Jazz und natürlich Rock gespielt. Während der Basketballsaison übertragen wir ausserdem alle Spiele der Tar Heels, des Teams der Universität Chapel Hill – in diesem Team hat Michael Jordan gespielt. Mein Mann und ich sind grosse Fans, die meisten Gäste ebenfalls.
Wer sind eure Gäste?
Unsere Bar existiert seit 1940. Sie ist mehrmals umgetauft worden, aber manche Gäste sind ihr seit Generationen treu. Es sind echte «Locals», einige haben in der Gegend Wurzeln, die bis in den Bürgerkrieg reichen. Da gibt es eine Mrs. Durham, einen Mr. Tripp oder eine Mrs. Butler – und es gibt die Tripp-, die Butler- und die Durham-Street. Die Strassen sind nach den Eltern oder Grosseltern unserer Gäste benannt.
Hat sich die Stimmung verändert, seit Donald Trump Präsident ist?
Manche ertränken ihren Frust in Alkohol. Aber ich lasse nicht zu, dass hier politische Diskussionen eskalieren. Kirk ist der Kopf des «Kraken», ich bin der Muskel, wie man auf englisch sagt. Ich sorge dafür, dass diejenigen, die sich politisch nicht korrekt verhalten, rausgeworfen werden.
North Carolina hat Trump gewählt.
Das «Kraken» liegt ziemlich genau auf der Grenze zwischen dem eher ländlichen North Carolina und dem liberalen «Research Triangle». Das ist eine Region, die durch drei grosse Universitäten geprägt wird. Die Mischung unserer Gäste bietet also Zündstoff. Aber Bier und Politik passen grundsätzlich nicht zusammen, und das «Kraken» ist für Bier zuständig. Ich selber bin eine unerschütterliche Liberale, das wissen hier alle. Aber ich will nicht Partei ergreifen, sondern Gemeinschaft und Solidarität fördern.
Wie macht man das?
Kirk und ich sind einfach immer hier. Viele Gäste sehen uns als Familie und die Bar als eine Art Zentrum, in das man jederzeit zurückkehren kann. Wir organisieren «Potlucks», gemeinsame Essen, zu denen jeder etwas mitbringt. Wir unterstützen lokale Geschäfte und organisieren viele Spendensammlungen. Ausserdem koordinieren wir «Food Drives», bei denen Nahrungsmittel für bedürftige Menschen in der Region gesammelt werden. Und wir sind an einem Mittagstisch für arme Kinder beteiligt. Essen, Trinken und Musik fördern eine starke Zivilgesellschaft. Und was könnte heutzutage wichtiger sein?
«The Kraken», Chapel Hill
Die Bar befindet sich am 28/23 Highway 54 W in Chapel Hill im amerikanischen Bundesstaat North Carolina. Sie hat zum Highway hin eine Holzveranda, die als Sommerterrasse dient. Sommer ist es in North Carolina rund 9 Monate im Jahr. Ins «Kraken» geht man vor allem wegen der kostenlosen Konzerte. Das billigste Bier kostet 2,50 Dollar. Neben Bier ist das meistverkaufte Getränk der «Fireball», ein Zimtwhisky für 5 Dollar.
USA
Einwohner: 323,1 Millionen
BIP pro Kopf: 62866 Franken
Durchschnittsalter: 37,9 Jahre
Alkoholkonsum pro Kopf und Jahr
(reiner Alkohol): 9,2 Liter
Abstinenzlerquote: 12 Prozent
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