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Bäckeranlage
Impressionen Bäckeranlage
Beschreibung
Die um 1900 angelegte und 1938 weitgehend umgestaltete Bäckeranlage ist einer der wenigen öffentlichen Freiräume im Kreis 4. Sie verkörpert ein Stück Entwicklungsgeschichte des um die Jahrhundertwende am dichtesten besiedelten Stadtquartiers.
Entwicklung
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die Vorortsgemeinde Aussersihl, bevölkerungsreicher als die Stadt Zürich und schwer verschuldet, die treibende Kraft für die erste Eingemeindung von 1893. Im Gegensatz zu anderen Gemeinden kannte Aussersihl keine einheitliche Bebauungsplanung. Die Grundstücke waren bis an die Parzellengrenzen bebaut, für Grünräume waren keine Flächen ausgespart. Einzig das grosse Grundstück des Eidgenössischen Schützenfestes von 1872 stand nach der Eingemeindung für die Errichtung von öffentlichen Bauten und einer Parkanlage zur Verfügung.
1901 wurde die neue Parkanlage nach dem Projekt von Evarist Mertens eingeweiht. Der Entwurf stand noch ganz in der Tradition des bürgerlichen, am Landschaftsgarten orientierten Stadtparks. Mit dem dichten Weg- und Platzgefüge hatte die Anlage mehr einen stadtplatz- als einen parkartigen Charakter. Ein Musikpavillon und ein Springbrunnen markierten je die Mitte von zwei elliptischen baumbestandenen Plätzen. Die Anlage entsprach von Beginn weg nicht den Bedürfnissen der Bewohner. Als Folge verkam die Anlage zusehends und präsentierte sich rund vierzig Jahre nach Eröffnung in einem erbärmlichen Zustand.
Mit neuen Zielvorstellungen wurde die Anlage 1938 komplett umgestaltet. Sie sollte ein Volksgarten, ein Tummelplatz für breite Bevölkerungsschichten werden, dabei aber natürliche Schönheit und Harmonie ausstrahlen. Das Projekt der Gebrüder Mertens (Söhne von Evarist Mertens) übernahm von der alten Anlage nur einige Bäume. Kern war eine grosse Grünfläche zum freien Spielen. Darum herum führte ein breiter Weg aus Granitplatten und Kies, ein weiterer Weg durchquerte die Grünfläche diagonal. Ein Wasserbecken und ein neuer Musikpavillon rundeten das Angebot ab.
1943 wurde die Bronzeplastik «Zebragruppe» von R. Wenning aufgestellt. Das Wasserbecken wurde 1976 saniert und der umgebende Platz mit Pergola, Sitzstufen und Tischtennistischen aufgewertet. Gleichzeitig wurde ein Seilzirkus installiert. Die Hohlstrasse zwischen der Bäckeranlage und dem Schulhaus wurde 1982 für den Durchgangsverkehr gesperrt und als Spielstrasse hergerichtet.
In den Siebziger bis in die Neunziger Jahre wurde die Anlage zunehmend von Randgruppen in Beschlag genommen und die Bevölkerung verdrängt. 2001 wurde der Park vorübergehend geschlossen. Seitdem wird mit hoher Polizeipräsenz eine normale Benutzung durch die Bevölkerung gewährleistet.
Der 1999 aus einem Wettbewerb hervorgegangene Entwurf des Architekturbüros EM2N für ein Quartierhaus wurde vom Gemeinderat wegen der Grösse und seinem Erscheinungsbild zurückgewiesen. Das 2004 eingeweihte neue Projekt von EM2N ist ein schlichter dreistöckiger Bau mit einem nierenförmigen Grundriss.
Nutzung
- Historischer Quartierpark mit altem Baumbestand
- Spiel- und Liegewiese mit Sitzbänken, Kletteranlage, Rutschbahn, Karussell, Schaukelpferd, Pingpong, Wasserspielgerät, Planschbecken, Sandkasten
- Züri WC
Besonderes
Eine bewegte Geschichte zeichnet die Bäckeranlage als Gartendenkmal aus. Die umgestaltete Anlage von 1938 weist durch ihre Gestaltungselemente und Materialien grosse Ähnlichkeit mit der damaligen Gestaltungsform von Hausgärten, dem sogenannten «Wohngartenstil», auf. Sie ist in ihrer Konzeption, den baulichen und vegetabilen Elementen gut erhalten und konnte bis heute ihre Atmosphäre bewahren. Sie gehört zu den lebendigsten Parkanlagen der Stadt
Die Bäckeranlage wurde 1955 in Aussersihler Anlage umbenannt, erhielt aber 2009 auf Druck des Quartiers ihren alten Namen zurück.
Wegbeschrieb
Hohlstrasse, Feldstrasse, Stauffacherstrasse
Tram Nr. 8 oder Bus Nr. 31 bis Bäckeranlage