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Magadinoebene: Park statt zersiedeltes Gebiet
Die Tessiner Magadinoebene soll vor der Zersiedlung bewahrt werden: Der Tessiner Grosse Rat will sie in einen Park und damit auch in ein Naherholungsraum umwandeln. Diesem Entscheid waren grosse Diskussionen vorausgegangen.
Ende des 19. Jahrhunderts grassierte in der Magadinoebene noch die Malaria, das stark sumpfige Land wurde lediglich vereinzelt als Weideland genutzt. Doch während der Nachkriegsjahrzehnte begannen in dem Gebiet Industrie und Landwirtschaft zu blühen und gedeihen. Damit nahm allerdings auch die Besiedelung dieses Landstrichs massiv zu. – Nun will der Kanton rund 2,2 Millionen Franken in die Umwandlung der 11 Kilometer langen Ebene zwischen Giubiasco und Locarno in einen Park investieren. Zudem sollen 2016 rund 470 ‘000 Franken in die neue Betreibergesellschaft des Parks fliessen.
Laut dem Bericht der Mehrheitskommission, der unter anderem die Grünen und die CVP angehörten, soll ein Park das Ökosystem der Magadino-Ebene schützen und darüber hinaus die Verkehrsströme besser organisieren. Aktuell teilen sich die Landwirtschaft, Anlieger und Velofahrer die Strassen, die mehrheitlich in den 50-er und 60-er Jahren angelegt wurden, als das Verkehrsaufkommen noch deutlich geringer war. Der Grünen-Vertreter Sergio Savoia erhofft sich, dass die Parkgründung den Tourismus angekurbelt: „Die Deutschschweizer suchen jene Orte im Tessin auf, an denen die Natur noch erhalten ist.“ Deshalb müsse man sichergehen, dass diese mittlerweile wenigen Gebiete geschützt werden."
SVP forderte Entscheid über Verbindungsstück der A2 und A13
Kritik kam seitens der SVP: Ihre Grossräte waren zwar nicht grundsätzlich gegen den Park, forderten aber, dass zunächst der Entscheid über das fehlende Verbindungsstück zwischen den Autobahnen A2 und A13 gefällt wird. Dieses würde den Grossraum Locarno direkt an die Autobahn 2 in Richtung Gotthard anschliessen - und müsste damit zwangsläufig durch den geschützten Teil des Parks führen. Unterstützung bekamen die SVP-Vertreter in der Minderheitskommission von der Lega. Diese entschied jedoch auf Stimmfreigabe für die Endabstimmung, in der Folge liefen einige Leghisti zum Lager der Park-Unterstützer über.
Staatsrat Claudio Zali (Lega) argumentierte, dass bisher aus Bern keine Gelder für ein Verbindungsstück freigegeben worden seien und der Park deshalb Vorrang geniesse. Seit rund vier Jahren werden mehrere Varianten diskutiert, die etwa eine komplette Untertunnelung der Magadinoebene vorsehen. Die veranschlagten Kosten reichen von 800 Millionen bis 1,1 Milliarden Franken. Die Vorarbeiten für den Park in der Magadinoebene sollen schon im kommenden Jahr beginnen.
Im Fahrwasser des Parkprojekts befinden sich zwei kantonale Volksinitiativen, welche in dieser Woche in der Tessiner Staatskanzlei mit den nötigen Unterschriften eingereicht wurden: Dies ist zum Einen die Initiative „Grünflächen für unsere Kinder“ - sie kämpgt gegen die Erschliessung weiterer Naturräume im Tessin – und zum Anderen die Initiative „Eine Zukunft für unsere Vergangenheit“, bei der es um den Erhalt historischer Bausubstanz geht. (sda)