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Der erste Tag des One Planet – Polar Summit endete gestern nach 22 Uhr mit informellen Gesprächen umgeben von den Tieren in der Galerie de l’évolution des Naturhistorischen Museums in Paris, während der Start inmitten der Gärten im Verniquet-Amphitheater mit der Eröffnung des Forums gestaltet worden war. Ein Tag, der von den wissenschaftlichen Vorträgen über den Zustand der Kryosphäre geprägt war, die sich fast psalmenhaft anhörten. Durch die Einladung internationaler Experten lieferten sie eine höchst aktuelle Bestandsaufnahme mit größtmöglicher Genauigkeit.
Der Rückzug und die Ausdehnung des Packeises in der Arktis (im Norden) erreichten im Jahr 2020 eine Rekordschwankung, während in der Antarktis (im Süden) im Juli 2023 die stärkste Schwankungen verzeichnet wurde. Dort wuchs das Packeis bis 2015 weiter, verliert aber seit 2016 deutlich an Boden.
Die Schwankungen des Meereises im Süden werden immer ausgeprägter, mit größeren Unterschieden zwischen Rückgang und Ausdehnung. Infolgedessen entfernen sich diese Abweichungen immer weiter von dem Durchschnittswert, um den sie früher kreisten. Noch ist es zu früh, um genaues zu sagen, aber 2023 könnte einen Wechsel des Klimasystems einläuten.
Aus dem Norden meldet die Forschung scheinbar bessere Nachrichten. Gemäss den aktuellsten Prognosen dürfte das Meereis nicht verschwinden. Denn im Winter, während der Polarnacht, wird es sich weiterhin bilden. Doch zeigen die verschiedenen Szenarien seinen drastischen Rückgang in der Dauer in den kommenden Jahren.
Der Zusammenhang zwischen den durch menschliche Aktivitäten freigesetzten Treibhausgasen und dem Verlust von Meereis ist wissenschaftlich durch eine einfache Gleichung belegt: Je mehr Kohlenstoff in der Atmosphäre, desto weniger Meereis auf dem Ozean. So verliert das Meereis für jede Tonne Kohlenstoff, die freigesetzt wird, 2,6 Quadratmeter.
Das Meereis ist mit den ständigen Veränderungen in der Zirkulation der Luftmassen verbunden. Die Mechanismen, die in großen Höhen am Werk sind, werden von der wissenschaftlichen Gemeinschaft jedoch nicht richtig verstanden. Der Jetstream und sogar die Ozonschicht könnten die Entwicklung des Packeises beeinflussen.
Wenn das Packeis dem Wasser weicht, könnten die Zunahme des Wasserdampfes und die Bildung von Wolken den Treibhauseffekt verstärken. Über die Lebensdauer der Wolken ist jedoch ebenso wenig bekannt wie die Rolle des Niederschlags im Wasserkreislauf der Antarktis.
Wenn sich Meereis bildet, setzt das Wasser bei der Verdichtung eine salzhaltige Sole frei. Die Wasserschichten, die dieses überschüssige Salz enthalten, sind dichter und sinken tiefer. Weniger Meereis bedeutet also einen weniger salzhaltigen Ozean und potenziell weniger starke Strömungen, die zudem durch die Süßwasserzufuhr aus dem Eisschild geschwächt werden.
Es ist möglich, dass diese unterseeischen Wasserfälle weniger tief absinken und dadurch die Aufnahme von atmosphärischem Kohlenstoff verlangsamen und einen Strom von wärmerem Wasser zur Oberfläche schaffen. Um dies aber zu bestätigen, müssten die Wissenschaftler den Arktischen und den Südlichen Ozean genauer untersuchen, die im Sommer kaum und im Winter noch weniger befahren werden.
Mehr Messinstrumente, die im Ozean treiben oder verankert sind, mehr Beobachtungen im Zentrum der Arktis oder per Satellit, besserer Zugang zu den Daten und mehr Zeit, um sie zu untersuchen – die Liste der am Forum präsentierten technischen Empfehlungen zur Verbesserung der wissenschaftlichen Ergebnisse war lang und vielfältig.
Verbündete für die Forschung
Eis ist auch eine Unterlage, an die sich das Leben klammert. Beispielsweise sind die Mikroorganismen in den Polarregionen einzigartig, nicht nur, weil sie an die Kälte angepasst sind, sondern auch, weil ihr Genom nirgendwo sonst auf dem Planeten zu finden ist. Sie produzieren Gase, von denen einige eine abkühlende Wirkung haben, und das Phytoplankton ist die Hauptquelle für organisches Material, das das gesamte polare Nahrungsnetz versorgt.
Im Süden sind antarktische Räuber Allierte der Polarforschung. Denn ausgestattet mit Sensoren und Loggern können sie unter dem Eis oder in der Tiefe, wo sie jagen, Daten sammeln und so wertvolle Informationen zurückbringen.
So können zum Beispiel Daten über das Jagdverhalten von Pinguinen mit denen von Robben, Walen und Orcas kombiniert werden und man erhält eine detaillierte Karte derjenigen Gebiete, in denen die Artenvielfalt und Organismen besonders gut gedeihen. Diese Karte kann später von politischen Entscheidungsträgern bei der Einrichtung von Meeresschutzgebieten genutzt werden.
Doch die Artenvielfalt insgesamt ist bedroht. Das sagt unter anderem eine Arbeit von thailändischen Forschenden, die einen deutlichen Anstieg der Parasiten bei Eisfischen festgestellt hatten. Dies bringen sie mit Schadstoffen aus fossilen Brennstoffen in Verbindung.
Überhaupt ist die Reduzierung der Treibhausgasemissionen eine zwingende Empfehlung, sowohl für das Funktionieren der Gesellschaften als auch für die Wissenschaft, die ihre eigenen Praktiken hinterfragt.
Dies möchten sie erreichen, indem sie Bemühungen anderweitig ausrichten, beispielsweise auf eine stärkere Zusammenarbeit und eine Verlagerung des wissenschaftlichen Fachwissens in die Nähe der betroffenen Gebiete, so nah wie möglich am Feld. Länder wie Australien, Neuseeland, Chile und Argentinien sind dabei federführend. Aber auch im Norden muss dies geschehen, in der Nähe der Inuit-Gemeinschaften, die auch über ihre eigene Politik entscheiden können müssen, z. B. über die Zunahme des Schiffsverkehrs in der Nordwestpassage. Diese birgt sowohl Risiken (Verschmutzung) wie auch Vorteile (Versorgung) für die Küstenbewohner. Doch wie stark Vorteile und Risiken sich gegeneinander verhalten ist unklar. Die Wissenschaft möchte dazu eine Analyse der Auswirkungen des künftigen Verkehrs.
Sie will außerdem eine regelmäßigere Analyse des Anstiegs des Meeresspiegels, der zum Teil durch das Schmelzen der Eiskappen und Gletscher sowie durch die Erwärmung des Wassers verursacht wird. Denn jeder Zentimeter Anstieg hat Auswirkungen auf zwei Millionen Menschen.
Die Stabilität der Eisschilde hängt vom Untergrund ab, auf denen ihre Grundlinie ruht, doch auch hier fehlen Daten über diese Gebiete. Doch die sind entscheidend, um das Überschreiten von Schwellenwerten abzuschätzen. Wenn diese Schwellen überschritten werden, werden die Gletscher verschwinden.
Dieser ununterbrochene, beinahe mantraartig rhythmisierte Fluss von Aussagen beschreibt die neuesten Entdeckungen und Fragen im Polar- und Alpinbereich und hat unter dem aufmerksamen Auge von 300 Spezialisten die Hauptthemen einer Liste von Empfehlungen validiert. Diese wird morgen den politischen Entscheidungsträgern übergeben. Sie bleibt vorerst geheim, ebenso wie die Handlungsverpflichtungen, die am Freitag erklärt werden.
Camille Lin, PolarJournal
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