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Nach der oberfetten "Legacy Of The Beast World Tour", die sich wegen Corona über total vier Jahre erstreckte, hätte wohl kaum jemand daran gedacht, dass sich dies noch toppen liesse, doch es kam anders und wie! Das wegen dem erstmaligen Einsatz von Guitar-Synths wegweisende Album «Somewhere In Time» von 1986 gehört nach wie vor für viele Iron Maiden Fans zu einem der besten und wurde zunächst mit der Tournee "Somewhere On Tour 1986/1987" bedacht. Es sollte danach über zwanzig Jahre dauern, bis die "Somewhere Back In Time World Tour" 2008/2009 wiederum die Alben «Powerslave», «Somewhere In Time» und «Seventh Son Of A Seventh Son» als Basis der Setliste führte. Nebst der grossen Freude darüber, wurde aber schon damals bedauert, dass das Epos «Alexander The Great» immer noch kein Thema war. Es folgten weitere Alben und Konzert-Tourneen der Eisernen, und so gingen die Jahre dahin. Niemand dachte auch in den kühnsten Träumen daran, dass sich hierbei etwas ändern sollte, bis dann letztes Jahr die Ankündigung der "The Future Past World Tour" erfolgte und die Bombe nach 37 Jahren platzte! Die Toten Hosen besingen ja "ihren Alex" entsprechend mit "Hey, hier kommt Alex", aber bezüglich Iron Maiden trägt das eine ganz andere Dimension!
The Raven Age
Bei Acts der Oberliga wie Metallica, AC/DC, KISS oder eben Iron Maiden spielen, respektive spielten Support-Bands auf deren Headliner-Tourneen überwiegend eine untergeordnete Rolle. Der wenig schmeichelhafte, aber wahre Hauptgrund dafür liegt darin, dass viele der "Anheizer" mehrheitlich ignoriert oder höchstens mit Höflichkeits-Applaus bedacht werden. Es gibt allerdings Ausnahmen, denen zumindest auf dem Papier eine Chance des Zuspruchs eingeräumt wird, und das hatten Iron Maiden 2006/2007 auf ihrer "A Matter Of Life And Death" Tour unter anderem mit Lauren Harris, der ältesten Tochter von Steve Harris. Wohlwollen und Respekt konnten die mittelprächtige Performance allerdings nicht retten, und nun schickte sich mit George Harris der älteste Filius vom Maiden-Boss an, diese Scharte mit seiner Band The Raven Age (nach 2016 und 2019) ein drittes Mal auszuwetzen. Die fünfköpfige Truppe aus London, 2009 gegründet, veröffentlichte anfangs Juli ihr drittes full-lenght Album «Blood Omen» als Nachfolger vom Zweitling «Conspiracy» (2019).
Die Mucke, die dem Genre Melodic Groove Metal/Metalcore zugerechnet wird, ist mehr auf jüngere Fans zugeschnitten, und vom neuen Album wurden fünf Songs gespielt. Tragendes Element ist vor allem der kräftige und ausdrucksstarke Gesang von Frontmann Matt James. Dieser ermöglicht es ihm, gegenüber der massiven Sound-Wand seiner Kollegen zu bestehen und dabei die entsprechende Melodik einbringen zu können. Damit bewegt man sich im Bereich von Kollegen wie Sylosis, Lamb Of God oder DevilDriver. Heisst soundmässig wird mit der grossen Kelle angerichtet und der rote Faden gnadenlos durchgezogen. Dies geht dann halt irgendwann mal auf Kosten der Abwechslung, da die Chose sehr gleichförmig wirkt. «Grave Of The Fireflies» als Long-Track vereinte dann immerhin auch ein paar ruhigere Momente, und «Fleur De Lis» (auf Spotify mit über vierzehn Millionen Abrufen!) holte zum Schluss weitere Kohlen aus dem Feuer. Dabei zeigte sich vor allem Matt als aktiver Zeremonien-Meister, der das Publikum immer wieder aus der Reserve lockte. Unter dem Strich also eine grundsolide Sache.
Setliste: «Parasite» - «Nostradamus» - «Forgive & Forget» - «Tears Of Stone» - «Seventh Heaven» - «Angel In Disgrace» - «Grave Of The Fireflies» - «Serpents Tongue» - «Fleur De Lis»
Iron Maiden
Vor genau zehn Tagen stand meine Wenigkeit noch vor der Festival Stage des ausverkauften "Sweden Rock Festivals" in Sölvesborg (S) und genoss Runde eins des absoluten Konzert-Highlights dieses Jahres: Die eisernen Jungfrauen auf ihrer diesjährigen "The Future Past World Tour"! Da die Setliste durchs Band hindurch immer gleich war (zumindest weiss ich nichts von allfälligen Änderungen), war diese Spannung natürlich, sprich leider weg. Zudem leben wir ja in Zeiten, wo das Internet solche Informationen jederzeit zur Verfügung stellt, und die Versuchung ist jeweilen gross, dies auch entsprechend zu tun. Nichtsdestotrotz war die Freude dennoch riesengross, denn es ist alles andere als sicher, ob «Alexander The Great» jemals wieder live zu hören sein wird. Somit lieber zweimal, und auf der anderen Seite bringen Hallen-Konzerte stets eine andere Dynamik mit sich als Open-Airs. Das Hallenstadion war auf jeden Fall ebenso "sold out", und somit konnte man von knapp 14'000 Fans ausgehen, die sich dieses mittlerweile ordentlich teure Spektakel auf keinen Fall entgehen lassen wollten!
Um etwa 20:50 Uhr wurde, wie immer seit einiger Zeit, der Klassiker «Doctor Doctor» von UFO als erstes Intro eingespielt. Somit wusste jeder Mensch und jedes Tier (welches auch immer) in diesem Gebäude, dass es bald losgehen wird. Anschliessend durfte noch der "Blade Runner" ran (Film-Musik von Vangelis), ehe die erste Minute vom Opener «Caught Somewhere In Time» ab Band kam, bis der ganze Gesangsverein dann von null auf hundert einstieg. Und was ich mir erhofft hatte, trat ein, sprich die Stimmung artikulierte sich von Anfang an, da eben indoor, ganz anders, heisst es ging ab wie ein Zäpfchen! Die Publikum sog alles wie einen Schwamm in sich auf reagierte mit immer lauterem Zuspruch, der jeweils nur während den «Senjutsu» Tracks einbrach. Davon gab es insgesamt fünf an der Zahl, und von «Somewhere...» waren es ebenso so viele. Kaum jemand hätte dabei etwas dagegen gehabt, wenn der komplette Klassiker von 1986 durchgespielt worden wäre. Die Augen und Ohren war jedoch alle auf «Alexander The Great» gerichtet, denn darauf haben die Fans weltweit seeehr lange darauf warten müssen.
Und dann war es endlich soweit! Zusammen mit einem passenden Backdrop erklang zunächst die kurze Speech, bevor die ersten, feinen Gitarren-Klänge einsetzten, um den Spannungs-Bogen aufzubauen. Danach konnte man sich nur noch zurück lehnen (wer sass) oder anmutig in sich kehren (wer stand) und jeden einzelnen Ton davon geniessen. Die Gänsehaut von Schweden stellte sich bei mir auch in Zürich ein, und das lag nicht nur an diesem speziellen Song selber, sondern der Performance der ganzen Band. Dabei stach vor allem Bruce Dickinson mit überragenden Vocals heraus. Es war einfach unglaublich, was der 64-Jährige da ablieferte, und dies konstant auf der ganzen, bisher laufenden Tour. Dies übertrug sich auf das begeisterte Publikum und verwandelte das ausverkaufte Hallenstadion in einen wahren Hexenkessel. Bei «Fear Of The Dark» brachen dann nochmals alle Dämme, einfach grossartig, das Feeling der glorreichen 80er nochmals erleben zu können! Doch es kam dann bei den Zugaben gar noch besser, einfach unfassbar was da bei «The Trooper» abging. A night to remember!
Setliste: «Doctor Doctor (Intro 1, UFO Song)» - «Blade Runner (Intro 2, Vangelis Song)» - «Caught Somewhere In Time» - «Stranger In A Strange Land» - «The Writing On The Wall» - «Days Of Future Past» - «The Time Machine» - «The Prisoner» - «Death Of The Celts» - «Can I Play With Madness» - «Heaven Can Wait» - «Alexander The Great» - «Fear Of The Dark» - «Iron Maiden» -- «Hell On Earth» - «The Trooper» - «Wasted Years» - «Always Look On The Bright Side Of Life (Outro, Monty Python Song)»