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Tief hängen die Wolken über dem einsamen, wilden Talkessel des Mayanghdi-Khola. Undeutlich und verschwommen sieht man da und dort hinter den flink vorüber treibenden Nebelschwaden eine schroffe Felswand. Doch im Nu ist sie wieder vom alles verschluckenden Grau verdeckt. In den Flanken des Dhaulagiri wüten die Lawinen, und auf den Gletschern herrscht Sturm. Das ist das „Dhaulagiri-Wetter“.
So beginnt Max Eiselins Buch „Erfolg am Dhaulagiri“. Max Eiselin, 1932 in Kriens geboren, war Leiter des Schweizer Expeditionsteams welchem im Frühjahr 1960 die Erstbesteigung des Dhaulagiri, dem dazumal letzten noch unbestiegenen Achttausender gelang. Nachdem Eiselin bereits 1958 einen Versuch gewagt hatte aber gescheitert war, erreichten am 13. Mai 1960 (einem Freitag!), 6 von insgesamt 13 Mitglieder den 8167 m hohen Gipfel. Zu den Gipfel-Erstbesteigern gehörten die Schweizer Albin Schelbert, Peter Diener, Ernst Forrer, der Österreicher Kurt Diemberger und die Sherpas Nima Dorje und Nawang Dorje.
Peter Diener und Ernst Forrer auf dem Gipfel © Schweizer Himalaya Stiftung
Nach dem ersten, gescheiterten Versuch 1958 war Eiselin überzeugt, dass der Schlüssel zum Erfolg nicht in der «Birnenroute», sondern in dem seines Erachtens viel leichteren und sichereren Nordostsporn lag. Auf seinen Tipp hin versuchte 1959 eine österreichische Mannschaft diese Linie und gelangte bis auf 7800 Meter, verpasste den Gipfelerfolg aber äusserst knapp.
Damit war der Weg für eine zweite, von Max Eiselin geleitete, Expedition im folgenden Jahr frei. Da die Truppe nicht genügend Geld hatte „bettelten“ sie die gesamte Ausrüstung zusammen. Die grösste Einnahmequelle war eine Aktion mit etwa 30 000 Grusskarten, die man für fünf Franken kaufen konnte. Ausserdem fanden sie Unterstützung in der Presse, speziell dem «Tages-Anzeiger» und der NZZ, die schon vor Beginn der Reise grosse Artikel mit dem Postcheckkonto der Expedition publizierten.
Postkarte © vintagecertinas.ch
Postkarte mit Unterschriften © vintagecertinas.ch
In dieser Expedition wurde erstmals ein Flugzeug zum Transport von Ausrüstung und Mannschaft eingesetzt. Der Prototyp des Pilatus Porter PC-6 (HB-FAN) stellte dabei den heute noch gültigen Rekord für die höchstgelegene Landung, die je von einem Starrflügel-Flugzeug durchgeführt wurde, auf. Die 5700m ü.M. brachten dem Flugzeug, welchem Eiselin den Namen „Yeti“ gegeben hatte, einen Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde ein. Doch am 05. Mai 1960 stürzte „Yeti“ noch während der Expedition ab und zerschellte. Glücklicherweise konnten die beiden Piloten unversehrt aus dem Wrack klettern und zu Fuss ins Tal laufen.
Der Pilatus Porter „Yeti“ © Max Eiselin
Daneben sind aber auch die verwendeten Uhren interessant. Soll es sich doch um Certina DS-Modelle handeln. In der Certina History steht im Eintrag von 1960 dazu:
„Die CERTINA DS wird auf dem Himalaya unter Beweis gestellt. Die Erstbesteigung des Dhaulagiri (8167 m) gelingt einem Schweizer Team. Jedes Mitglied trägt die CERTINA DS am Handgelenk, die allen Druck- und Höhenunterschieden standhält.“
Nebenan ein Bild, welches einen Mann mit einer Uhr auf einem Berg zeigt. Wer dieser Mann ist, wo dieses Bild entstanden ist und um was für eine Uhr es sich handelt, ist auf der Aufnahme nicht eindeutig erkennbar. Das Bild stammt jedoch aus einem Artikel einer Ausgabe der Certina-Hauszeitung „Echo“ aus dem Jahr 1960, in dem es um eben diese Expedition geht. Soweit sollte das Ganze also belegt sein.
© Certina
Die DS-Linie kam 1959 auf den Markt und hatte erstmals das legendäre Gehäusesystem, bei dem das ganze Werk mithilfe eines elastischen Stossdämpferrings „schwimmend“ im Gehäuse befestigt war. Mehr Infos über die DS-Modelle findest du auf der entsprechenden Seite.
Die Lancierung der äusserst erfolgreichen DS Modelle war ein Meilenstein in der Geschichte der Marke Certina. Um die Robustheit der Uhren unter Beweis zu stellen wurden verschiedene werbewirksame Härtetests veranstaltet. Die Ausstattung des Dhaulagiri-Expeditionsteams ist sicher einer der Spektakulärsten. Unten findet ihr eine sehenswerte Dokumentation über die Expedition.
Abenteuer Dhaulagiri © SRF Dok
Grund genug für mich das Ganze genauer unter die Lupe zu nehmen. Also ging ich auf die Suche nach weiterem „Beweismaterial“. Ich besorgte mir zuerst mal Max Eiselins Buch „Erfolg am Dhaulagiri“. Fand aber weder im Text noch auf den Fotos weitere Hinweise. Auch auf den Fotos im Netz gab es nichts verwertbares. Klar, in dieser Höhe und bei den Temperaturen läuft man auch nicht gerade im T-Shirt herum und macht Wristshots.
Also dachte ich mir: „Warum nimmst du nicht einfach Kontakt mit Herr Eiselin auf?“. Gesagt, getan. Nachdem er sich bei unserem ersten Telefonat zuerst nicht an die Uhren erinnern konnte, bestätigte er mir nach ein paar Tagen, dass Certina Uhren zumindest bei bei seiner späteren Hindukusch Expedition mit von der Partie waren. Das ist in seinem zweiten Buch „Wilder Hindukusch“ sogar erwähnt. Ein späteres Telefonat seinerseits mit einem seiner damaligen Mitstreiter brachte dann aber die Gewissheit. Die DS-Uhren waren definitiv schon bei der Expedition von 1960 dabei gewesen. Die per Mail gestellte Frage ob Eiselin seine Uhr noch habe blieb bis dahin leider unbeantwortet…
Nach unserem ersten Kontakt wollte ich ihn gerne persönlich treffen und so verabredeten wir uns und trafen uns an einem Tag im Oktober 2015 in Luzern. Ein Treffen mit einem Mann der soviel erlebt hat ist natürlich eine spannende Sache. Er erzählte einige Anekdoten aus seinen vielen Abenteuern. Mich interessierte selbstverständlich vor allem die Geschichte mit den Uhren. Umso erfreulicher war deshalb, dass er tatsächlich seine Uhr zufälligerweise vor ein paar Tagen wieder gefunden hatte!
Zusammen mit Max Eiselin © vintagecertinas.ch
Und so konnte ich schliesslich eine der Expeditionsuhren in meinen Händen halten. Es ist eine DS Automatik mit Datum, Referenz 5601 003. Und die Uhren haben auf dem Gehäusedeckel sogar eine Gravur mit der Aufschrift „Schweizer Himalaya Expedition 1960“. Dieses Stück Geschichte in den Händen zu halten war toll. Das sind die Momente die unser Hobby so grossartig machen!
Die Uhr von Max hat über die Jahre hinweg ein neues Zifferblatt bekommen und das Band ist natürlich auch nicht mehr original. Ursprünglich hatte die Uhr ein Gay Frères Band wie die Uhr im untersten Bild. Mindestens ein weiteres Mitglied besitzt seine Uhr noch und trägt sie scheinbar täglich!
Gravur der Expeditionsuhr © vintagecertinas.ch
Die Expeditionsuhr © vintagecertinas.ch
So konnte ich meine „Expedition Dhaulagiri“ vorerst abschliessen und die Ganze Geschichte in der Certina History kann definitiv als gesichert betrachtet werden. Ich bleibe mit Max in Kontakt und so kann ich vielleicht bald schon noch weiteres Material liefern.
Veröffentlicht: 28.05.2017
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