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Sogenannte Spacs (Special Purpose Acquisition Companies) sind vor allem bei vermögenden Anlegern beliebt. Können auch gewöhnliche Investorinnen vom Boom bei diesen Mantelgesellschaften profitieren – und empfiehlt es sich überhaupt?
Die meisten Anleger sind wahrscheinlich irgendwann gegen Ende 2020 zum ersten Mal mit dem Begriff konfrontiert worden. Wenn ein «normales» Unternehmen an die Börse will, hat es in der Regel bereits mehrere Jahre mit einem nachweislichen «Track Record» hinter sich und der Anleger kann zumindest nachvollziehen, wie es sich mit seinen Produkten in der realen Wirtschaft entwickelt hat.
Ein SPAC ist dagegen eine Art Mantelgesellschaft ohne operative Tätigkeit, einzig mit dem Versprechen, eine andere Gesellschaft zu kaufen. Das akquirierte Unternehmen wird dann indirekt über eine Verschmelzung an die Börse gebracht, ohne dass die sonst üblichen Prüfverfahren greifen würden. Wir empfehlen Privatanlegern grundsätzlich, sich nicht in solchen Papieren zu engagieren.
In einer neuen Studie von Raiffeisen schnitt ein Portfolio aus Schweizer Aktien und Obligationen besser ab als ein mit internationalen Titeln bestücktes Portfolio (zwischen 2008 und 2020). Ergibt es Sinn, nur auf heimische Titel zu setzen?
Die Marktkapitalisierung des Schweizer Aktienmarktes ist im Vergleich zur Wertschöpfung im Land, gemessen am BIP, sehr hoch. Das ist schon ein Indiz dafür, dass die börsenkotierten Unternehmen ihre Erträge zum höchsten Teil im Ausland erwirtschaften. Das macht relativ kleine Volkswirtschaften wie die Schweiz sehr kompetitiv und ihre Unternehmen sind erfolgreich auf den Weltmärkten unterwegs.
Trotz dieses Erfolgs beträgt das Gewicht des Schweizer Aktienmarktes am weltweiten Aktienmarkt (MSCI Welt Free Float) jedoch «nur» 2.5 %. Der US-Aktienmarkt hat ein Gewicht von 60 %, Europa (ex Schweiz) rund 14 %. In einem «Balanced»-Portfolio investieren wir auch überproportional rund 20 % in Schweizer Aktien. Wir wollen aber dennoch von den Opportunitäten in anderen Märkten profitieren und legen 23 % in globalen Aktienmärkten (inklusive Schwellenländer) an.
Wagen wir ein Gedankenexperiment: Eine glückliche Lottospielerin, ein glücklicher Lottospieler gewinnt einen Betrag in mehrfacher Millionen-Franken-Höhe. Welche Anlagetipps geben Sie dieser Person – vorausgesetzt, dass sie bereits ein gesichertes Einkommen und etwas Vermögen hat?
Unabhängig davon, ob es eine Lottospielerin oder ein Lottospieler ist, würden wir die gleiche Anlagestrategie empfehlen. Wenn es die persönliche Situation (Risikofähigkeit und -neigung) zulässt, würden wir auf langfristigen Kapitalzugewinn setzen und deshalb mindestens ein Risikoprofil «Wachstum» umsetzen.
Zusätzlich böte sich die Option «Nachhaltig» oder «Traditionell» Für die Referenzwährung (CHF) sähe das Portfolio «Nachhaltig» derzeit etwa so aus: Eine Aktienquote von gesamthaft zwei Dritteln des Portfolios, aufgeteilt in 30 % im Heimmarkt Schweiz; in entwickelten Märkten International 30 % und in Schwellenländern 7 %. Dazu kommen verschiedene Obligationenmärkte von rund 17 %. Wandelanleihen und Cat-Bonds zu je 5 % bilden zusätzliche Bausteine.
Ergänzt wird das Portfolio mit Realwerten in Form von Immobilien Global (3 %) und Gold (2 %). Rund 2 % verbleiben als Cashreserve. Der Aktienteil International kann dann noch durch individuelle Impact-Themen angereichert werden. Wenn bisher zur Miete gelebt wurde, würden wir im Weiteren prüfen, ob eine Liegenschaft (Haus oder Stockwerkeigentum) erworben werden sollte.
«Wenn ein «normales» Unternehmen an die Börse will, hat es in der Regel bereits mehrere Jahre mit einem nachweislichen «Track Record» hinter sich und der Anleger kann zumindest nachvollziehen, wie es sich mit seinen Produkten in der realen Wirtschaft entwickelt hat.»
Italien dürfte besonders stark von den Hilfen des EU-Wiederaufbaufonds profitieren. Lohnt es sich für Investorinnen, jetzt auf ausgewählte italienische Titel zu setzen?
Die Marktkapitalisierung des italienischen Aktienmarkts von etwas über 400 Milliarden US-Dollar beträgt nur etwa ein Viertel des Schweizer Aktienmarktes. Ein Blick auf den Kurszettel offenbart, dass die grössten Unternehmen aus den Sektoren Finanz, Versorger, Automobil und Luxusgüter stammen.
Wie die Gelder aus dem EU-Aufbaufonds letztendlich eingesetzt werden, ist schwierig zu beurteilen. Bankaktien müssten von einer Entlastung auf der Kreditseite profitieren. Auf unserer Empfehlungsliste Europa figurieren derzeit mit Enel (Versorger) und Intesa Sanpaolo (Bank) zwei italienische Aktien.
Wie stark beschäftigt die Corona-Krise die Finanzmärkte?
Die Weltwirtschaft wird in diesem Jahr mit voraussichtlich rund 6 % das kräftigste Wachstum seit Anfang der 1970er Jahre erzielen. Für 2022 rechnet der Internationale Währungsfonds mit einem Wachstum von 4.4 %.
Der MSCI Welt als «Barometer» für die globalen Aktienmärkte befindet sich auf einem Allzeit-Höchststand. Die Stimmung an den Kapitalmärkten wird teilweise als euphorisch beschrieben.
Allerdings – das Ganze ist nur möglich, weil die Staaten, an vorderster Stelle die USA, immense Ausgabenpakete beschliessen und so die Wirtschaft ankurbeln: Konjunkturpaket (USD 1.9 Billionen), Americans Family Plan (USD 1.8 Bio.) und Infrastrukturpaket (USD 2.3 Bio.), aber auch der Wiederaufbauplan in Europa mit einer Grössenordnung von EUR 750 Milliarden zeigen, mit welchen Kalibern die Krise bekämpft wird. Die langfristige Finanzierung dieser Pakete beschäftigt die Märkte vorerst noch nicht.
Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Die ersten vier Monate haben dem SMI einen Kursanstieg von 3.4 % beschert, rechnet man die bereits ausbezahlten Dividenden hinzu, sind es gar rund 6 %! Die letzten Handelstage zeigten im Einklang mit den anderen wesentlichen Börsenplätzen eine gewisse Konsolidierung. Wir gehen davon aus, dass sich der SMI in den nächsten Wochen in der Nähe der erreichten Marke von 11'000 Punkten bewegen wird.
Wo steht der SMI in zwölf Monaten?
Die Performance des Schweizer Aktienmarktes wird stark durch Nestlé und die beiden Pharma-Schwergewichte beeinflusst. Während Nestlé im bisherigen Jahresverlauf ziemlich genau die Gesamtmarktrendite abbildet, haben Novartis und Roche noch keine Stricke zerrissen.
Wenn dieser Sektor wieder in den Fokus der (globalen) Anleger rückt, müsste der Schweizer Aktienmarkt deutlich zulegen können. Wir sehen den SMI in einem Jahr in einer Bandbreite von 11'500 bis 12'000 Punkten.
Das Interview wurde schriftlich geführt.