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Literatur
Eine verhängnisvolle Talkshow
Im finnischen Winter werden innert weniger Stunden ein Gerichtsmediziner und ein Puppenbauer erstochen aufgefunden. Beide waren einige Wochen zuvor zusammen in einer Talkshow aufgetreten. Kurz darauf entgeht der Moderator der Sendung nur knapp einem Mordanschlag. Kommissar Kimmo Joentaa und seine Kollegen werden auf den Fall angesetzt. Dies die Rahmenhandlung dieses von einem Deutschen geschriebenen finnischen Krimis.
Der Autor ist 1972 geboren, lebt in der Nähe von Frankfurt und in Finnland, und verfügt, seiner Biografie wegen, gleichzeitig über eine Aussen- wie auch Innenansicht Finnlands, was dieses Buch zu weit mehr als einem "Wer ist der Mörder"-Rätsel (oder, korrekter, einem "Wer ist die Mörderin"-Rätsel) macht.
"Die Figur des jungen Polizisten Kimmo Joentaa ist eine Sensation", wird Die Welt auf dem Schutzumschlag zitiert, doch unzutreffender geht es eigentlich fast gar nicht, denn mit einer Sensation verbindet man genau all das, was man mit Kimmo Joentaa nicht verbindet. Was also verbindet man mit Kimmo Joentaa? Einen nachdenklichen, unaufgeregten, sensiblen Mann, der immer mal wieder "eine neue abwegige Idee" hat und gleichzeitig zugibt, eigentlich oft nicht zu verstehen, was läuft. Zur Illustration:
"Kimmo, ich habe die Sendung auch gesehen und weiss, dass diese Puppen einfach nur Pappkameraden waren. Filmleichen. Requisiten. Kunststoff."
"Du verstehst nicht, was ich sagen will"
"Nicht ganz."
"Ich möchte die Datenbanken mit Fotos sichten, die Mäkelä angelegt hat", sagte Joentaa.
"Warum?"
"Vaasara sagte, dass er eine Menge an … Recherche-Fotos gesammelt hatte."
"Ja, ja. Aber warum möchtest du die ansehen?"
"Ich weiss nicht."
Sundström senkte den Blick auf seine Cornflakes. "Das ist eine typische Kimmo-Joentaa-Begründung -ich weiss ncht."
Doch "nicht zu wissen" ist keine Joentaa-Spezialität, sie ist gelegentlich auch dem gerade zitierten Sundström eigen:
"Warum die Frage", sagte Hämäläinens Redakteurin. "Glauben Sie etwa, dass Kai-Petteri …"
"Offen gesagt, werden wir im Moment von dem, was passiert, überrollt", sagte Sundström. "Das passiert manchmal. Wir wissen nichts, und wir begreifen nichts. Wir nehmen lediglich zur Kenntnis, was passiert."
Die Leser erfahren in diesem Buch unter anderem auch von Joentaas Beziehung mit einer Prostituierten sowie der Spielsucht eines seiner Kollegen. Zudem finden sich darin auch ein paar gescheite Bemerkungen zum Medium Fernsehen. Hier zwei Beispiele:
"Sie fuhren schweigend, und Kimmo Joentaa dachte an Kai-Petteri Hämäläinen, der sich selber gespielt hatte. Eine Rolle, die es den ganzen Tag auszufüllen gab. Ein Mann, der auf dem Bildschirm echt und in der Realität eine Kopie war."
"Der Politiker, der einige Wochen lang die Schlagzeilen dominiert hatte, weil er während eines feierlichen Empfangs in Schweden Kokain konsumiert hatte, bat darum, dieses Thema auszusparen, obwohl er der einzige Grund dafür war, dass man ihn überhaupt eingeladen hatte."
Summa summarum: Lohnende Lektüre, die einem nicht zuletzt Finnland und die Finnen näher bringt.