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Anke Goldberg, Deutsche Sprache, 8. 2011
Konrad Dudens pädagogisches bzw. volksaufklärerisches Wirken und seine Arbeit an der einheitlichen, einfachen deutschen Rechtschreibung sind als die zwei Seiten derselben Medaille zu betrachten. […] Wenn überall Normierung erfolgte, wenn eine blühende Zeitungslandschaft im Kaiserreich entstand, wenn sogar transatlantische Kommunikation möglich war, dann musste sich in diesen Trend auch die Rechtschreibung einklinken; man musste sie vereinheitlichen, anstatt länger in kleinlichem Gezänk hinterherzuhinken. […] Das Beherrschen der Schriftsprache dürfe nicht Privileg der höheren Bildungsschicht sein. […] Mithin gingen der didaktische und der funktionale Aspekt Hand in Hand bei seinem großen Werk: Einfach sollte die Rechtschreibung sein, damit jeder sie beherrschte. Einheitlich sollte sie sein, damit im geeinten Deutschen Reich jeder dieselbe Schreibweise praktizierte. Die Schulen gedachte Duden für die Verankerung der neuen Rechtschreibung in der Gesellschaft zu nutzen. Indem sie von den Menschen, die sie im Unterricht erlernt hatten, in höheren Berufen mit reichlich Schriftverkehr angewendet werde, verbreite sie sich allmählich und festige sich mittels optischer Gewöhnung. So setzte sich Schritt für Schritt eine einfache, mit vielen eingedeutschten Fremdwörtern versehene Orthografie durch.