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Am Montag verlegte der seit einem Jahr regierende Premierminister sein Büro nun erstmals in eine abgelegene Aborigines-Siedlung an der Nordspitze des Landes. Von einem Zelt aus führt er nun die Regierungsgeschäfte des Landes, das bis heute über den richtigen Umgang mit seiner indigenen Bevölkerung streitet.
Abbotts improvisierter Amtssitz liegt fast tausend Kilometer östlich von Darwin am Rande der Ortschaft Nhulunbuy. «Falls es dramatische Entwicklungen geben sollte, kann ich nötigenfalls natürlich umziehen», sagte der Premier bei einer morgendlichen Interview-Runde mit mehreren Fernseh- und Radiosendern.
Vor seiner Zeit als Regierungschef hatte Abbott mehrfach Freiwilligendienste in Aborigines-Siedlungen geleistet. Die Verlegung seines Büros begründete er mit dem Wunsch, «die Bedürfnisse der Menschen besser kennenzulernen, die in diesen Gegenden leben und arbeiten».
Keine PR-Aktion
Laut NZZ-Korrespondentin Heidi Gmür liegt die indigene Bevölkerung Abbott wirklich am Herzen. «Es geht nicht nur darum, Sympathiepunkte zu sammeln», spricht Gmür die schlechten Umfragewerte Abbotts an. Der Regierungschef habe schon lange angekündigt, die vielen Probleme, mit denen sich die Aborignies konfrontiert sehen, zu lösen. «Ob ihm das gelingt, ist eine andere Frage.»
Die Aborigines gelten als die am stärksten benachteiligte Bevölkerungsgruppe Australiens. Ihre Lebenserwartung liegt deutlich unter dem Durchschnitt der australischen Bevölkerung, die Kindersterblichkeit und Arbeitslosigkeit weit darüber. Als im Jahr 1788 die ersten britischen Siedler in Australien eintrafen, wurde die Zahl der Ureinwohner noch auf etwa eine Million geschätzt. Heute beträgt sie bloss noch die Hälfte davon – bei einer Gesamtbevölkerung von rund 23 Millionen Menschen.