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Am frühen Sonntagmorgen (MEZ) bestätigte das dreiköpfige Bundesgericht in Melbourne den Entzug der Einreisebewilligung von Novak Djokovic. Somit muss der nicht gegen Covid geimpfte Serbe Australien verlassen und kann seinen Titel am Australian Open nicht verteidigen.
Es ist der Schlusspunkt einer Geschichte, die letztlich nur Verlierer hinterlässt: Djokovic, der vorgeführt wurde wie ein Krimineller, fünf Tage in einem Ausschaffungshotel nächtigen musste und nun noch mit einem dreijährigen Landesverweis zu rechnen hat. Die Organisatoren des Turniers, die dem besten Spieler (ebenso wie die lokalen Behörden im Bundesstaat Victoria) signalisiert hatten, dass er willkommen sei und alle Einreiseauflagen erfülle – und (vor allem) die australische Regierung, die mit Blick auf die Wahlen Stärke demonstrieren will und am serbischen Superstar ein Exempel statuiert. Handelt es sich hier um staatliche Willkür?
Mittlerweile mehren sich auch in Australien die kritischen Stimmen der eigenen Regierung gegenüber und die Erkenntnis, dass in der allgemeinen Hysterie vor allem mit der Moral-Keule geschwungen wurde und die Verhältnismässigkeit komplett verloren ging.
Paul McNamee, zweifacher Doppel-Champion in Melbourne und während zwölf Jahren Direktor des Australian Open, schreibt in einem Kommentar in der Melbourner Tageszeitung The Age, dass «Djokovic ein einfaches Opfer in der Hexenjagd auf die Impfgegner ist».
Weiter führt er aus: «Wenn Sie hier in Victoria die gleiche medizinische Ausnahmegenehmigung wie Djokovic haben, können Sie einen Job bei Woolies (ein Supermarkt) bekommen oder bei den Australian Open arbeiten oder daran teilnehmen. Als Djokovic das Flugzeug für diesen langen Flug nach Australien bestieg, hatte er allen Grund zu der Annahme, dass er zur Einreise berechtigt war. Doch im Gegensatz zu den anderen Spielern und Offiziellen, die vor ihm mit der gleichen medizinischen Genehmigung eingetroffen waren, war er derjenige, der für die Inhaftierung ausgewählt wurde. Das einzige Positive ist, dass der Ort seiner Haft ein Licht auf die Behandlung von Flüchtlingen geworfen hat.»
Und auch der Kolumnist der zweiten grossen lokalen Zeitung, Herald Sun, wundert sich: «Die Djokovic-Entscheidung der Regierung grenzt an Absurdität. Die Gründe von Einwanderungsminister Alex Hawke für die Abschiebung von Novak Djokovic sind sogar für einen australischen Politiker aussergewöhnlich schwach.»
Zwar liegt Australien am anderen Ende der Welt (aus Schweizer Optik), die Geschichte muss aber auch uns eine Warnung sein. In der Bekämpfung der Corona-Pandemie ist längst jegliches Augenmass verloren gegangen. Sonst wäre es kaum möglich, dass der Verzicht auf eine Impfung reicht, um wie ein Verbrecher abgeführt und aus einem demokratischen Land ausgewiesen zu werden.
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