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In den verschiedenen Lebensabschnitten sind die Pferde unterschiedlichen Anforderungen ausgesetzt und je nach Rasse ist die Lebenserwartung sehr unterschiedlich. Vor allem im Alter treten unterschiedliche „Abnützungserscheinungen“ auf. Die Gelenke und Herzklappen können sich degenerativ verändern, die Zahnsubstanz ist ausgerieben, endokrinologische Entgleisungen wie „Cushings Disease“ (PPID) treten auf, die Linsen der Augen können trüb werden. Diese Alterungsprozesse können nicht aufgehalten werden, aber es gibt Möglichkeiten den Tieren das Altern zur erleichtern und Sie in jedem Lebensabschnitt optimal zu unterstützen. Eine jährliche Überprüfung des Gesundheitsstatus vor allem im Alter ist daher empfehlenswert.
Bei einem klinischen Check-up untersuchen wir das Pferd auf Auffälligkeiten und klinisch-pathologisch vervollständigen wir diese Ergebnisse mit einer Blutuntersuchung und Kotuntersuchung.
Der Fellwechsel ist in unseren Breitengraden ein wichtiger Vorgang zur Thermoregulation des Equiden (Pferd, Pony, Esel, Maultier, Maulesel etc.; in der Folge schlicht als Pferd bezeichnet).
Er beginnt nach dem Winter wenn die Tageslänge und Intensität der Sonneneinstrahlung zunimmt und dauert ca. 6 Wochen (in etwa April bis Mai). Über der Schulter, dem Rücken und der Kruppe bleibt das Winterfell länger als am Bauch und an den Beinen bestehen. Wahrscheinlich weil hier das Fell zur Abwehr von Regen und Schnee dichter und ausgeprägter gewachsen ist und länger beibehalten werden soll. Im Herbst, wenn die Tage kürzer werden und die Wärme abnimmt, wechselt das Pferd erneut zum Winterfell (in etwa September bis Oktober).
Der Fellwechsel verbraucht viel Energie. Wird doch jedes einzelne lange Winterhaar in seiner Wurzel durch ein neues kurzes Sommerhaar ausgetauscht (und im Herbst umgekehrt).
Es kann - je nach Alter des Pferdes - notwendig werden diesen Prozess etwas genauer zu verfolgen. In dieser Phase kann es geschehen, dass der Organismus in eine Mangelsituation schlittert, da der Organismus die Energie zugunsten der Haarbildung nutzt. Nicht immer ist eine solche Mangelsituation klinisch erkennbar, manchmal verläuft sie auch subklinisch (von Aussen nicht erkennbar). Dem gesteigerten Bedarf an Mineralien, Vitaminen und Spurenelementen kann gezielt (z.B mit VETCARE SUPPLEMENTS) nachgeholfen werden.
Das junge Gras im Frühling ist eiweiss- und kohlenhydratreich und gut verdaulich. Das Pferd und seine Darmflora müssen sich zuerst auf das neue Futter einstellen. Etwa vier Wochen sollten eingerechnet werden, um das Pferd schonend auf den Futterwechsel umzustellen. Über diesen Zeitraum sollte die Weidezeit stetig gesteigert werden. Falls es in dieser Umstellungszeit zu Verdauungsproblemen (Kolik, Durchfall, Kotwasser u.a.m.) kommt, sollte die Weidezeit neu angepasst werden.
Mit dem Start in die Weidesaison beginnt für bereits metabolisch erkrankte Pferde die Gefahr einer erneuten Entgleisung (Equines metabolisches Syndrom; EMS). Bei diesen Pferden ist eine langsame und kontrollierte Umstellung auf Gras umso mehr von Bedeutung.
Mit dem Beginn der Weidesaison sind einige Vorkehrungen betreffend Entwurmung beim Pferd zu treffen. Grob eingeteilt gibt es zwei verschiedene Entwurmungsstrategien – die regelmässige Entwurmung (4x pro Jahr) ohne Koprologie oder die selektive Entwurmung nach Kotuntersuchung mittels McMaster. Im Falle der Entwurmungsstrategie ohne Koprologie empfehlen wir Ihnen Ihr Pferd vor Beginn der Weidesaison mit einem Ivermectinpräparat (nach Winterentwurmung mit Praziquantel/Moxidectin) oder mit einem Moxidectinpräparat (nach Winterentwurmung mit Ivermectin/Praziquantel ) zu entwurmen.
Falls Sie Ihr Pferd nach der selektiven Strategie entwurmen, empfehlen wir Ihnen eine frische (nicht älter als 24h, kühl gelagert) Kotprobe mittels McMaster bei uns in der Praxis untersuchen zu lassen. Sollte die Kotprobe < 200 Eier pro Gramm (EpG) Kot aufweisen, ist eine Entwurmung zum jetzigen Zeitpunkt nicht notwendig. Falls die Koprologie > 200 EpG zeigt, wird ebenfalls mit einem Ivermectinpräparat (nach Winterentwurmung mit Praziquantel/Moxidectin) oder mit Equest (nach Winterentwurmung mit Ivermectin/Praziquantel) entwurmt.
Bei einem klinischen Check-up untersuchen wir das Pferd auf Auffälligkeiten und klinisch-pathologisch vervollständigen wir diese Ergebnisse mit einer Blutuntersuchung und Kotuntersuchung. Dabei bestimmen wir bei der Blutuntersuchung den momentanen «Leistungszustand» (z.B. eine Blutarmut, Hypoproteinämie, Selenmangel, Zinkmangel, Hyperglykämie, Hyperinsulinämie u.a.m.). Mit der Kotprobe wird die Notwendigkeit einer Entwurmung überprüft.
Beim älteren Pferd, bei verzögertem (über den Zeitraum vom Frühling respektive Herbst hinaus) oder bei unvollständigem Fellwechsel, Juckreiz, Hautentzündungen, flächigem Haarverlust oder anderen
Besonderheiten sollte zusätzlich zur Einschätzung des Leistungszustandes auch der Cushing-Wert (Erkrankung PPID) analysiert und auf Ektoparasiten respektive Pilze untersucht werden. Beim EMS Patienten bestimmen wir gerne Metaboliten und Hormone, um den Grad der Kompensation auszurechnen und so das Risiko einer Folgeerkrankung, beispielsweise Hufrehe abschätzen zu können.
Zwei sehr wichtige Körperorgane, welche grosse Belastungen während der Turniersaison aushalten müssen sind die Sehnen und Hufen.
Die Sehnen werden während der Bewegung des Pferdes ständig gedehnt und belastet. Sehnen passen sich sehr langsam einer erhöhten Belastung an und regenerieren sich ebenfalls langsam nach einem Trauma.
Die Hufgesundheit ist ein stetes Thema, nicht nur während der Turniersaison. Vor allem im Springsport werden Pferdehufe ziemlich stark beansprucht. Je nach Witterungsverhältnissen kann sich ein Pferd gerne mal ein Eisen abreissen oder die Hufe bekommen aufgrund der Trockenheit Risse oder werden spröde. Wechselnde Feuchtigkeit oder Temperaturen schwächen die natürliche Barriere der Hufwand und -sohle gegen das Eindringen von Keimen, weshalb Abszesse oder Infektionen nahe der weissen Linie entstehen können.
Hitzetage können auch bei Pferden zu Problemen führen. Bei älteren oder bei empfindlichen Tieren kann es zu Kreislaufproblemen oder Sonnenbrand auf empfindlichen Hautstellen kommen.
Wie wir Menschen regulieren die Pferde ihre Körpertemperatur ebenfalls durch Schwitzen.
Der Sinn des Schwitzens ist es, den Körper höchst effektiv zu kühlen. Durch Verdunstung entzieht der Schweiss dem Körper die Wärme, damit dieser sich nicht aufheizt. Das sogenannte «Schwitzkühlen» dient dem Pferd (als Fluchttier) lange rennen zu können ohne zu überhitzen. Der Schweiss enthält neben Salzen auch Proteine, daher schäumt der Schweiss des Pferdes. Wahrscheinlich wird das ölige Pferdefell durch dieses Schaumwasser leichter benetzt (Reduktion der Oberflächenspannung) und der Schweiss verdunstet besser, was wiederum eine effiziente Kühlung bringt.
Bei einem Hitzeschlag atmet das Pferd schnell und schwer. Es schwitzt stark, ist schwach oder krampft und seine Körpertemperatur steigt über 39.0°C. Der Tierarzt sollte umgehend gerufen werden. Bis zu seiner Ankunft gilt als Sofortmassnahme das Abkühlen der Haut mit dem Wasserschlauch (6°C) im Schatten: Beginn bei den Hinterbeinen, über die Vorderbeine, dann Hals und Nacken und schliesslich der restliche Körper (mind. 30 Minuten). Auch das Benetzen des Kopfes und Halses mit gekühlten Tüchern (auch alkohol-getränkt) hilft.
|Austrocknung||Flüssigkeitsverlust||Allgemeinzustand||Hautspannung||Kapilläre Füllungszeit|
|leichtgradig||5-7 Prozent||ruhig||geringgradig||>2 Sekunden|
|mittelgradig||8-9 Prozent||apathisch, Herzfrequenz erhöht, Augen eingefallen||mittelgradig||>3 Sekunden|
|hochgradig||10 Prozent und mehr||Seitenlage, Körpertemperatur erniedrigt||Elastizität aufgehoben||>5 Sekunden|
(aus Divers et al.2003)
Wenn ein Pferd von 500kg geringgradig ausgetrocknet ist und ein Flüssigkeitsverlust von ca. 5 Prozent vorliegt, so fehlen dem Tier bereits 25 Liter Flüssigkeit (!). Wenn es hochgradig ausgetrocknet ist, also ein Flüssigkeitsverlust von ca. 10 Prozent vorliegt, so fehlen ihm 50 Liter Flüssigkeit.