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Er wird von allen «Kev» genannt, der Rotschopf mit dem fahlen Blick, den eine Sozialarbeiterin als Kind eingesperrt in einem Zimmer fand, wo er nichts ausser Sonnenstrahlen zum Spielen hatte. Kevin, der inzwischen ein Jugendlicher ist, leidet an einer so schweren Form von Autismus, dass sich die meisten darauf spezialisierten Einrichtungen lange Zeit weigerten, ihn aufzunehmen. Clémence Hébert ist ihm mit ihrer Kamera von einem zum nächsten Ort gefolgt. Die Wortbegabte und der ausserhalb Lebende haben einander auf Augenhöhe gebändigt, mit der Linse des Objektivs, das das erfasst, was pulsiert, hochkommt, sich zerfasert und von Neuem beginnt, als einzigem Medium der Wieder-Erkennung. Eine diskontinuierliche, aber lebendige Verbindung. Fernand Deligny hatte als Ergebnis seiner langen Erfahrung mit Betroffenen ein Wort geschaffen, das sein Begreifen des Kinos als Mittel, den Autismus zu denken, zusammenfasst: «Einkammern» anstatt «Filmen». Anders ausgedrückt «Splitter in den Kasten füllen» als Versuch, einen alltäglichen Menschen zu schaffen. Diesem Gedankengang folgt auch Clémence Hébert, der es gelingt, uns ohne Worte die Welt aus der Sicht dieses so anderen Wesens zu zeigen.
Emmanuel Chicon