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1971 wurde der damals neu gewählte Amriswiler Organist André Manz von der evangelischen Kirchenbehörde ermuntert, eine Konzertreihe für Amriswil ins Leben zu rufen. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es nur sporadisch musikalische Veranstaltungen. Ein grösserer, jährlicher Zyklus fehlte. Die damals von André Manz und seiner Frau, der Pianistin Irène Manz-Pomey, aufgebaute Konzertreihe stand deshalb zunächst unter den Fittichen der evangelischen Kirchgemeinde. Sie trug den Namen «Musikalische Veranstaltungen der Evangelischen Kirchgemeinde Amriswil-Sommeri». Finanziert wurden die Konzerte von der Kirchgemeinde und den Konzertkollekten. Ein bedeutender Schritt in finanzieller Sicht geschah Mitte der siebziger Jahre, als ein Konzertfonds gegründet wurde, der durch freiwillige Spenden von Musikliebhabern aus nah und fern gespeist wurde und bis heute wird. Als sich dann 1982 auch die Politische Gemeinde Amriswil mit einem jährlichen Beitrag hinzu gesellte, wurde der Name der Konzertreihe in «Amriswiler Konzerte» geändert. Dies nicht zuletzt, um auch die konfessionelle Ungebundenheit zu betonen. Mittlerweile finden sich vereinzelte Orgelkonzerte im jährlichen Gesamtprogramm. Schon 1977 kam mit der «Orgelmusik zum Wochenende» ein neuer Zyklus hinzu.
Jährlich gab es zehn Orgelrezitals. Dazu wurden stets namhafte in- und ausländische Konzertorganisten eingeladen. Nach über 36 Jahren wurde dieser Zyklus infolge schwindenden Interesses eingestellt. Auch ein Versuch des Organisten Thomas Haubrich, den Zyklus in den Sommer und unter dem Namen «Internationaler Amriswiler Orgelsommer» in die katholische Kirche zu verlegen, brachte nicht den erhofften Erfolg. Dennoch setzt auch der heutige Vorsteher der Amriswiler Konzerte, Stefan Zöllig, wieder auf die Orgel.
Ein musikalischer Aufschwung
Aus den bescheidenen Anfängen hatte sich bald ein erfreulicher und breiter musikalischer Aufschwung in Amriswil entwickelt, der ständig grössere Kreise zog und bald alle Erwartungen übertraf. Seit 1971 wurden gegen 1000 Konzerte organisiert. Darunter Orgel- und Klavierkonzerte, Auftritte des Jugendsinfonieorchesters, Opernaufführungen sowie Aufführungen eines eigens ins Leben gerufenen Projektchors mit 120 Mitgliedern. Die kulturelle Bedeutung der Amriswiler Konzerte strahlt heute weit über die Stadtgrenze hinaus und stellt anerkanntermassen mit jährlich durchschnittlich etwa zwanzig Veranstaltungen einer der bedeutendsten musikalischen Beiträge im Kulturleben unseres Kantons dar.
Konzerte für alle Bevölkerungsschichten
Die Veranstaltungen der Amriswiler Konzerte finden weitgehendst bei freiem Eintritt statt. Meist gab es eine Kollekte zur Deckung eines Teils der Unkosten. «Dieser Grundsatz wurde von Anfang an bewusst verfolgt – vor allem aus der Überlegung heraus, dass auch wirklich alle Bevölkerungsschichten Gelegenheit zur Teilnahme am musikalisch-kulturellen Leben haben können», erklärt Stefan Zöllig. Die Konzertzyklen werden vornehmlich von Musikern und Musikerinnen aus dem Thurgau oder den angrenzenden Gebieten bestritten. Daneben werden aber auch immer wieder renommierte Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt engagiert, sodass sich dem Publikum Vergleichsmöglichkeiten bieten und die Attraktivität der Konzerte gewährleistet bleibt. Aber nicht nur die Künstler, auch das Publikum setzte sich von Anfang an stets aus sämtlichen Bevölkerungsschichten und Altersgruppen zusammen, wobei auch der Anteil Jugendlicher gelegentlich positiv auffällt.
Ein Toggenburger in Luzern
Mit Wolfgang Sieber ist es den Amriswiler Konzerten gelungen, eine Koryphäe des Orgelspiels für das 50-Jahr-Jubiläum zu gewinnen. Der im Toggenburg geborene Hof- und Stiftsorganist der St. Leodegar Kirche in Luzern ist auch Komponist, Improvisator und Pädagoge. Er debütierte nach einem schweren Unfall vor zwei Jahren am «Lilu» (Lichtfestival Luzern) mit ausverkauften Shows an der grossen Hoforgel. Er wirkt als dynamischer Grenzgänger und publikumsnaher Charismatiker an seiner Orgel. Jüngste Auftragswerke wurden 2019 in Paris uraufgeführt. Seine Kompositionen für Orgel solo und vierhändig, Trompete, Oboe, Horn und ethnische Instrumente der Schweizer Alpen sowie Märchen und liturgische Werke (Chor und Perkussion) bezeugen seine Kreativität, unerschöpflichen Einfallsreichtum und ein sicheres Gespür für kompositorische Formen. Dank Siebers Initiative konnte im November 2015 in der Hofkirche das Echowerk zur Grossen Hoforgel eingeweiht werden. Die grosse Hoforgel wurde somit zum stilistisch vielfältigsten Instrument und ist das Unikat für ein Surround-Klangerlebnis. Künstler aus aller Welt präsentieren ihre Musik an der Grossen Hoforgel Luzern auf YouTube und Tonträgern. Für den Verein der Orgelfreunde der Luzerner Hofkirche, welchen er 2004 gründete, initiiert Sieber unter dem Label «Die Orgel und der Wein» Reisen ins Südtirol, Wallis, Burgund, nach Spanien, Wien-Burgenland und Mallorca. 2009 wurde Wolfgang Sieber mit dem Kunst- und Kulturpreis der Stadt Luzern und 2014 mit dem «Goldenen Violinschlüssel» für besondere Verdienste um die Volksmusik geehrt. Aus Anlass des 50-Jahre-Jubiläum als Kirchenmusiker erhielt er den päpstlichen Orden BENE MERENTI. Auf das Jahr 2018 wurde Wolfgang Sieber der Horwer Kulturbatzen zugesprochen.
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50 Jahre «Amriswiler Konzerte»
Am 19. September, findet um 17 Uhr das Konzert von Wolfgang Sieber in der evang. Kirche statt. Er spielt Stücke von Georg Friedrich Händel, von Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Strauss, Astor Piazolla und Eigenkompositionen. Anschliessend lädt der Verein zum Gala-Dinner ins Pentorama. Das Konzert kostet 30 Franken Eintritt, das Konzert inkl. das Gala-Dinner 100 Franken. Einlass ist nur mit einem gültigen Covid-Zertifikat möglich. Vor Ort besteht keine Möglichkeit für einen Schnelltest. Mehr Informationen und Tickets: www.amriswiler-konzerte.ch
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