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Die erste an der Schule unterrichtete Fremdsprache soll eine Landessprache sein. Der Nationalrat will dies in der Bundesverfassung verankern. Er setzt damit ein Zeichen in der umstrittenen Frage des Frühenglischen.
Mit 72 zu 67 Stimmen hiess die grosse Kammer, der Nationalrat, am Donnerstag (22.03.) eine Initiative des Sozialdemokraten Didier Berberat (NE) gut. Nach seinem Willen sollen die Kantone dafür sorgen, "dass als zweite Sprache jeweils eine der Landessprachen des Bundes unterrichtet wird".
Stärkt den Zusammenhalt
Der Nationalrat möchte so dem "Verständigungsauftrag" der Verfassung nachleben. Die Initiative sei "keine Kriegserklärung" an das in der Deutschschweiz forcierte Englische, sagten Berberat. Die Kommissions-Sprecherin Ursula Haller (SVP/BE)unterstrich, dass die Kenntnisse der Landessprachen für die kulturelle Vielfalt und den Zusammenhalt des Landes eine zentrale Bedeutung zukomme. "Das sehen wir gerade hier im Tessin ganz deutlich." Wenn in der Verfassung Bestimmungen über den Schulanfang und den Sportunterricht erwähnt würden, wäre es nur recht, auch einen Sprachenartikel darin zu verankern.
Erfolglos bekämpfte die Genfer Liberale Barbara Polla die Initiative. Der neue Verfassungsauftrag stelle den Föderalismus in Frage, sagte sie. Er fördere die Einmischung des Bundes in das Schulwesen, das eine klassische Domäne der Kantone sei. Dies drohe den nationalen Zusammenhalt zu schwächen, statt ihn zu stärken.
Diese Vorlage wird nun dem Ständerat überwiesen. Das letzte Wort hat dann aber das Volk, das jede Verfassungsänderung genehmigen muss.
Kantone uneins
Die Debatte um den Fremdsprachenunterricht an der Primarschule ist voll im Gang. Animiert wurde sie durch die Ankündigung der Zürcher Regierung von Mitte September 2000, als erste Fremdsprache ab 2003 Englisch statt Französisch unterrichten zu lassen. Englisch soll ab der dritten Klasse auf dem Lehrplan stehen, Französisch erst ab der fünften.
Die Konferenz der kantonalen Erziehungs-Direktoren (EDK) hatte nach der Zürcher Ankündigung intensiv debattiert - allerdings mit unentschiedenem Ergebnis. 13 Kantone votierten für eine Landessprache als erste unterrichtete Fremdsprache, während 12 Kantone für die Wahlfreiheit zwischen Landessprache und Englisch votierten. Die EDK verzichtete deshalb auf eine Empfehlung.
swissinfo und Agenturen