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Text und Bilder von Hans Speck
Welcher Bub hat nicht schon einmal von alten Burgen und Schlössern geträumt. Für uns dorfbekannte Lausbuben war die "Bürglen“ ein eigentliches Refugium. Dort haben wir stundenlang mit Steinen selbst "Burgen“ gebaut und dazu "Ritterlis“ gespielt. Was wir damals aber nicht ahnten, war, dass in unmittelbarer Nähe tatsächlich einmal so etwas wie eine kleine Burg oder ein Wehrturm gestanden hatte. Von diesen Zeitzeugen aus dem Mittelalter sind aber nur noch Mauerreste vorhanden, die heute schwer auffindbar sind und im Laufe der Zeit von Stauden und Moos überwuchert wurden.
Das Refugium "Bürglen"
Eine Ausnahme unter den mittelalterlichen Wehranlagen des Kantons bildet die Umfassungsmauer auf "Bürglen" in Netstal. Während auf allen anderen Objekten Mörtel als Bindemittel nachgewiesen ist, finden sich auf "Bürglen“ lediglich Reste von Trockenmauern. Der Name dieses auffallenden, an seinem Rande steil abfallenden, rundlichen Hügels südlich von Netstal, umgeben vom Matt- und Kublihoschet-Quartier, soll vom Wort "Burg“ her stammen. Zumindest weisen historische Dokumente auf diesen Umstand hin. Die "Bürglen“ wird heute teils landwirtschaftlich genutzt und ist teils bewaldet. Und genau in dieser Waldpartie sind die Überreste von diesen erwähnten Trockenmauern zu finden, die damals das gesamte Plateau auf der "Bürglen“ umfassten. Die Dicke der Mauern schwankt zwischen 85 Zentimetern und 4 Metern. Das Mauerwerk bestand aus mit geringem Füllmaterial beschichteten, mächtigen Steinblöcken. Die höchsten Mauerteile erheben sich bis in eine Höhe 1,8 Meter über den Boden. In der Nordpartie, wo eine alte Wegspur erkennbar ist, dürfte die Toranlage zu suchen sein. Innerhalb des Ringes aber sind keine Mauerresten auffindbar. Die Anlage auf der "Bürglen“ war vermutlich einmal ein Refugium für die Menschen zum Schutze bei kriegerischen Ereignissen. Ähnliche Mauerreste finden wir beispielsweise auf der Alpwüstung "Bergeten“ oberhalb Braunwald. Diese erinnern stark an die Viehpferche auf den Alpen.
Gut erhaltene Trockenmauer auf der Ostseite der Bürglen, zum Teil mit Stauden und Moos
überwuchert.
Die Turmburg "Ober Büelen"
Eine Burg war der repräsentative Wohnsitz einer Adelsfamilie, Zentrum einer Herrschaft mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben, Mittelpunkt eines Landwirtschaftsbetriebs, in vielen Fällen auch Wehranlage und Refugium für die Menschen bei kriegerischen Ereignissen. Eine solche Turmburg namens "Ober Büelen“ soll gemäss historischen Unterlagen ("Die Burgen des Kantons Glarus“ von Jakob Winteler Marty sowie die Buch-Dokumentation "Vom ältesten Glarus“) beim sogenannten Burghügel mitten im "Kilchengut" gestanden haben. Die Burg "Ober Büelen“ soll mutmasslicher Sitz einer gleichnamigen Rittersfamilie gewesen sein und auf dem prägnanten, etwa neun Meter hohen, runden Hügel nordwestlich von Netstal mitten im "Kilchengut" gestanden haben. Auffallend ist die Böschung, die vermutlich künstlich angelegt worden ist.
Am nördlichen Fuss des Burghügels fand man ebenfalls Spuren eines seichten Grabens. Es ist anzunehmen, dass die prekären Platzverhältnisse auf der schmalen Hochfläche des Hügels kaum mehr als einen Turm zuliessen. Mauerspuren fand man keine, aber unter der Grasnarbe Mörtelreste und in der neueren Trockenmauer am Fusse des Hügels viele Mauersteine. Die einfache Turm-Burg soll gegen Ende des 13. Jahrhunderts den Herren von Netstal gehört haben. Die Anlage wurde gleichzeitig mit dem Bau der Letzi von Näfels dann aufgegeben. Später diente der "Forrenbüel“, wie dieser Hügel noch heute von den Einheimischen benannt wird, als Spielplatz für uns Kinder. So wetteiferten wir beispielsweise: Wer als Erster auf dem Hügel steht, bekommt einen Bärendreck-Stengel, nicht ahnend, dass vielleicht damals vor vielen hundert Jahren schon die Kinder der Herren von Netstal ähnliche Spielchen betrieben hatten, vermutlich aber ohne Bärendreck-Stengel.