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Kann die Lohnpolizei der Lohngerechtigkeit zum Durchbruch verhelfen?
Im November 2015 hat der Bundesrat eine neue Gesetzesvorlage mit einem Kontrollzwang für die Unternehmen in die Vernehmlassung geschickt. Ziel dieser Vorlage ist die Lohngerechtigkeit zwischen Frauen und Männer herzustellen. Kann das schlecht sein? Eigentlich nicht. Führt es zum Ziel? Wahrscheinlich nicht.
Warum der Arbeitsmarkt nicht versagt hat
Aus Sicht des Think-Tanks Avenir Suisse sind die anvisierten Massnahmen des Bundes zur Beseitigung der Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen eine falsche Therapie. Der Bund operiere aufgrund einer Fehldiagnose. Laut Avenir Suisse bestehen zwar gemäss den statistischen Lohnstrukturerhebungen Lohndifferenzen zwischen Männern und Frauen, die sich nicht erklären liessen. Allerdings zieht die Denkfabrik bei der Frage, warum dies so sei, andere Schlüsse als der Bundesrat. Nicht ein Versagen des Arbeitsmarktes und eine Diskriminierung der Frauen seien der Grund, sondern Verhaltensunterschiede in der Arbeitswelt, deren Ursache in der Gesellschaft liege – und in den statistischen Erhebungen des Bundes zu wenig berücksichtigt werde.
Die nun diskutierten Massnahmen des Bundes, so mahnt Avenir Suisse, könnten sich eher noch zuungunsten der Frauen auswirken, weil sie die Unternehmen veranlassen könnten, weniger Frauen einzustellen. Tatsächlich seien nämlich die Reallöhne der Frauen in den vergangenen Jahren um 50% gestiegen. Verbleibende Lohnunterschiede seien auf Erwerbsunterbrüche und Teilzeitanstellungen zurückzuführen. Die Lohnunterschiede seien deshalb besonders ausgeprägt zwischen Vätern und Müttern und nicht zwischen Männern und Frauen. Frauen strebten zudem in Antizipation einer späteren Schwangerschaft Berufe und Tätigkeiten an, die sich leichter mit der Familie vereinbaren liessen – die in der Regel jedoch auch schlechter bezahlt seien.
Diese Faktoren, die auch lohnrelevant seien, so kritisiert Avenir Suisse, würden in der statistischen Analyse des Bundes ausgeklammert. Untersuchungen etwa aus Deutschland zeigten dagegen, dass, wenn die effektiven Jahre in Voll- und Teilzeit sowie Babypausen berücksichtigt würden, sich die Lohndifferenz quasi auflöse. Die Verhaltensunterschiede von Müttern und Vätern hätten vor allem mit tradierten Werten zu tun. Die letzte Meile der Gleichstellung sei deshalb die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, damit sich Frauen stärker beruflich engagieren könnten (von Nadine Jürgensen, Quelle: NZZ)