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| Athenagoras (2. Jhd.) - Über die Auferstehung der Toten (De Resurrectione)

24.
Nachdem wir die angekündigten Punkte mehr oder weniger ausführlich untersucht haben, dürfte es nur noch erübrigen, den vom Endzie1 hergeleiteten Beweis zu betrachten. Da er durch das Vorhergehende schon klar ist, bedarf er nur noch soviel Erwähnung und Naherückung, daß es nicht aussieht, als werde etwas von dem früher kurz Angedeuteten außer acht gelassen und so der Stoff oder die anfangs gegebene [S. 373] Einteilung beeinträchtigt. Deshalb also und im Hinblick auf das, was darin eingeschlossen liegen wird, dürfte es am Platze sein, wenigstens soviel anzuerkennen, daß ein jedes Wesen, mag es nun ein Werk der Natur oder der Kunst sein, seinen besonderen Endzweck haben muß; dies sagt uns wohl schon der gemeine Menschenverstand, und auch der Augenschein bezeugt es. Sehen wir etwa nicht, daß der Landmann ein anderes Ziel verfolgt als der Arzt und daß die von der Erde hervorgebrachten Pflanzen wieder einen anderen Zweck haben als die animalischen Wesen, die auf ihr leben und in natürlicher Reihe entstehen? Wenn aber dies einleuchtend ist und wenn den natürlichen oder künstlerischen Kräften und ihren Leistungen das naturgemäße Endziel folgen muß, so ist es auch absolut notwendig, daß das Endziel der Menschen, da es das Endziel einer ganz eigenartigen Natur ist, aus der Gemeinschaft der anderen Geschöpfe ausscheidet. Es wäre doch nicht recht anzunehmen, daß Wesen, die nach immanenten Sitten- und Vernunftgesetzen handeln und daher auch ein verständiges und moralisches Leben führen, kein höheres Ziel hätten als jene Geschöpfe, die der logischen Unterscheidung entbehren. Somit dürfte für die Menschen nicht die Schmerzlosigkeit als Endziel bestimmt sein; diese käme ja auch den ganz empfindungslosen Wesen zu. Aber auch nicht im Genusse dessen, was den Leib nährt und ergötzt, und in einer Fülle sinnlicher Lustgefühle kann das Endziel der Menschen liegen; sonst hätte das tierische Leben notwendig den Vorrang und das tugendhafte Leben wäre zwecklos; solches mag für Herdenvieh ein geeignetes Endziel sein, aber nicht für Menschen, die eine unsterbliche Seele haben und logischer Unterscheidung fähig sind.