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Publikationen
„Bestseller“ und Reinkarnation - Von Aspasia bis zu Winnetou
von Barbara Bachmann
Artikel erschienen in „Wendezeit" - Ausgabe Juli/August 2002 - Nr. 4/02
1896 macht der berühmte Schriftsteller Karl May, geistiger Vater von Winnetou, ein überraschendes Geständnis: Er erklärt in Wirklichkeit kein Schriftsteller zu sein. Er hätte kein einziges seiner Wahnsinnsabenteuer erfunden - er habe sie alle selbst erlebt! Um dies zu untermauern führt er in seinen Lesungen die Narben aus seinen angeblichen Kämpfen vor und hebt, offenen Hemdes, Tische hoch um seine Kraft zu beweisen.(*)
War der sächsische Schullehrer, der wegen Betrügereien sieben Jahre im Gefängnis verbrachte, plötzlich verrückt geworden?
Die Forschung hat sich weitgehend darauf geeignet, dass Karl May nicht gerade verrückt war, er sei aber mindestens neurotisch gewesen. So neurotisch wie ein Mensch nur neurotisch sein kann. Karl May, der mit seinen Helden laute Gespräche führte und mit ihnen laut lachte und weinte, behauptete 22 Mal in Amerika gewesen zu sein und 38 Sprachen in Wort und Schrift zu beherrschen. Er beharrte allerdings darauf von allen Sprachen der Welt, ausgerechnet Lappländisch nicht dazu zählen zu wollen und gibt damit seinem Biographen ein weiteres Rätsel auf.
Der „Bestseller" Winnetou
Mit einer Weltauflage von 80 Millionen rangiert der Erfolgsautor Karl May neben Persönlichkeiten wie Mao Zedong oder Stephen King. Der Unterschied zwischen ihnen ist allerdings gross.
Karl May war ein Erzähler, der „unendlich viel schrieb ohne gross dabei nachzudenken" (Zitat). Ideen und Geschichten strömten nur so aus ihm heraus. Die Geschichte von Winnetou und Old Shatterhand, sein Hauptwerk, ist für vier Generationen junger und alter Europäer zum Symbol für Treue, Freundschaft und Idealismus geworden. Es war Karl May, der uns das Volk der Indianer Nordamerikas so nahe gebracht hat.
Oder... war es vielleicht Winnetou selbst?
War Karl May‘s Behauptung als Winnetou gelebt zu haben ein Bluff?
Hypothetisch besteht die Möglichkeit, dass die Gesamtheit seiner zahlreichen Erzählungen tatsächlich unbewusste Erinnerungen an vergangenen Existenzen waren. Erinnerungen, die in der erzwungenen Abgeschiedenheit sieben Jahre Gefängnisses, sich den Weg aus der Tiefe des Unterbewusstseins gebannt haben um ganz spontan, durch seine Feder, heraus auf Papier zu fliessen begannen.
Praktisch hatte Karl May nur noch das, durch die „ungeführte" Rückerinnerung entstandene Durcheinander ordnen müssen. Eine fast durchgehende Anpassung der Geschehnisse an höhere Ideale ergab sich dabei sicher von selbst.
Unter diesem Aspekt betrachtet, könnte seine beharrliche Ablehnung gegenüber der Lappländischen Sprache auf eine frühere, traumatische Erfahrung in jener Landesgegend hindeuten. Eine Schattenexistenz bei der, trotz extrem blühender Phantasie, keine höheren Ideale und ethische Werte heraus zu gewinnen waren.
Das Unterbewusstseins macht den „Bestseller" aus
Zwangsläufig muss man hier den Unterschied zwischen Literatur und Belletristik berücksichtigen. Wir bleiben im Bereich der Belletristik, da dort die Mehrheit der Bestseller eingesiedelt sind.
Auf dem ersten Blick sind „Bestseller" Erzählungen wie es unendlich viele davon gibt. Ein Verleger mag wohl eine Neuerscheinung als „Bestseller" anpreisen, aber ob es einer wird, entscheiden einzig und allein die Leser. Das was bei diesen Romanen fesselt ist weniger die literarische Qualität oder der Stil in dem der Autor die Erzählung geschrieben hat, sondern die tiefe Echtheit der Empfindungen, der Charaktere und deren Emotionen. Es weckt beim Leser eine innere, unbewusst/subjektive Resonanz. Vertieft in der Lektüre, spielt es keine Rolle mehr ob es sich dabei um einen Klassiker, sogennante „gute" Literatur, Belletristik oder lediglich Trivialliteratur handelt. Man identifiziert sich mit dem Geschehen und kann das Buch nicht mehr weglegen, es wird buchstäblich „verschlungen". Tief in uns spüren wir unbewusst, dass die Geschichte nicht einfach von einem Schriftsteller erfunden, sondern echt erlebt wurde. Ein Erlebnis das uns jetzt erzählt wird.
Die Schlüsselexistenz
Symptomatisch für Bestsellerautoren scheint die Einmaligkeit ihrer Genialität zu sein. Gezählt wenigen Autoren gelingt es mehr als ein Bestseller zu schreiben. So bleiben Charaktere wie eine Scarlett O‘Hara, Amber oder Sinuhé unvergesslich, während die Namen der Autoren fast in Vergessenheit geraten, so wie auch die folgenden Bücher, die sie später schrieben.
Betrachten wir dieses Phänomen aus dem Stanpunkt der Lehre der Wiedergeburt, ergibt sich dafür eine einfache und plausible Erklärung: Es handelt sich um eine unbewusst provozierte Erinnerung an einer vergangenen Existenz, die im Trancezustand fast automatisch niedergeschrieben wurde. Meistens ein voll mit intensiven Gefühlen und verzwickten Situationen gespicktes früheres Leben, das als Schlüsselexistenz zum heutigen Dasein bezeichnet werden kann.
Bei längerem Schreiben gleitet man meistens, unbemerkt in einem veränderten Bewusstseinszustand. Das Unterbewusstsein öffnet sich und die Erinnerungen aus einer früheren Existenz werden durch Assotiationen „reaktiviert" und kommen an die Oberfläche des Seins. Sobald die Niederschrift dieser Erinnerungen in Gang kommt, fliessen ganz automatisch alle Begebenheiten und Ereignisse, sowohl erfreuliche wie auch unerfreuliche auf's Papier.
Durch das Niederschreiben setzt sich das Unterbewusstsein mit der damaligen Problematik auseinander, erlebt erneut die Emotionen durch und löst somit das alther mitgebrachte Trauma auf.
Der („nicht eingeweihte") Schreiber weiss nichts von den bei ihm in Gang gebrachten Mechanismen. Er identifiziert sich mit seinem Helden, er wird alles „miterleben" und leidenschaftlich mit seinem vermeintlich „erdachten" Protagonisten lachen, weinen, kämpfen und sterben bis ans Ende.
Verständlich wenn später, nach der Überarbeitung, diese tief erlebten Abenteuern starke Gefühle beim Leser wecken. Er wird jede Emotion nachvollziehen und sich damit auseinandersetzen. Diese innere Auseinandersetzung bringt ihn dazu sich anderen mitzuteilen. So wird aus einer Erzählung, oft ganz überraschend, ein Bestseller.
Betrachten wir dazu einige Beispiele:
Sinuhé's Leben in Ägypten
Der Finne Mika Waltari lässt Sinuhé selbst seine Geschichte niederschreiben und Sinuhé tut dies in einer altertümlichen Sprache, in der man sich anfänglich einlesen muss. Im Gegensatz zu den meisten anderen Erzählungen, rückt Sinuhé Ägypten in ein ganz anderes Licht als wir es gewohnt sind, stellenweise sehr düster. Die Abenteuer, die er erlebt, reichen von belustigend bis erschreckend und die Charaktere sind sehr ausgefeilt. Er lebte zur Zeit Amenophis III, hatte eine tiefe Beziehung zu Pharao Echnaton, erlebte die Abschaffung der Götter und wurde später durch Pharao Haremhab verbannt.
Die Geschichte wird so erzählt, dass man den Eindruck bekommt alles sei wirklich so und nicht anders geschehen. Es entsteht ein Gefühl von „dabei-gewesen-sein".
Natürlich gibt es keine Beweise, die besagen, dass Mika Waltari die Wiederverkörperung des agyptischen Arztes Sinuhé war. Wer aber das Werk mit diesem Hintergedanken liest, sieht die Geschehenisse unter einem ganz anderen Licht. Mika Waltari, anfänglich als Romancier bezeichnet, wurde nach Erscheinen von „Sinuhé" als Historiker tituliert.
Später schrieb er weitere Romane im selben Stil. Akkurat recherchierte er für u.a. „Minutus der Römer", „Der Renegat des Sultans" und „Turms, der Unsterbliche", und obwohl diese Werke vom literarisch/historischem Standpunkt aus gesehen, höher als „Sinuhé" zu bewerten waren, wurde keiner von ihnen ein Bestseller.
Aspasia, Geliebte des Perikles
Taylor Caldwell erzählt in einem ihrer über 28 (!) Bestseller die Geschichte der berühmtesten Hetäre des Altertums - Aspasia. Sie sticht durch Geistesgaben und Schönheit hervor und hat den Ehrgeiz zu beweisen, dass Frauen auch denken können. Allerdings unterläuft ihr ein grundlegender Fehler und wird an einem Perser verkuppelt. Die Hassliebe endet damit, dass der Perser sie freigibt. Es kommt zur Begegnung mit Perikles und damit beginnt eine der grössten Liebesgeschichten des Altertums.
Dass Taylor Caldwell in einer ihrer früheren Existenzen als Aspasia gelebt hat, ist „mit-an-Sicherheit-angrenzender-Wahrscheinlichkeit" die Wahrheit!
Taylor Caldwell, die in der Mitte des Lebens bei einem Unfall den Tod fand, konnte stolz von sich sagen: „Ich habe nur Bestseller geschrieben!"
Hier begegnet uns ein einmaliger Fall. Eine Schriftstellerin, die nicht wie die anderen auf Einmaligkeit begrenzt war. Eine Schriftstellerin, bei der jedes einzelne ihrer Bücher ein Bestseller wurde.
So unglaublich dies auch erscheinen mag, gibt es dazu eine einfach einleuchtende Erklärung: Bei ein paar ihrer ersten Bestseller, wie z.B. „Die Atlantis Saga" figuriert als Coautor niemand anderes als Jess Stearn.
„Der schlafende Prophet"
Jess Stearn, Biograph von Edgar Cayce und weltweit bekannt für sein Werk „Der Schlafende Prophet" ist im vergangenen Monat März in seinem Heim in California gestorben. Er war 87 Jahre alt.
Jess Stearn, ursprünglich Reporter bei den New York Daily News und späterer Mitarbeiter bei Newsweek, fing anfänglich ziemlich skeptisch 1968 damit an, sich mit den Theorien über früheren Existenzen und den Prophezeihungen des Hellsehers und Heilers Edgar Cayce auseinander zu setzen.
Bei der Aufzählung seiner Werke und Erforschungen über Geist und Reinkarnation, findet sich u.a. eine kurze Notiz über „Taylor Caldwell's Psychic Lives".
So kommt es, dass Jess Stearn bei einigen sehr wenigen der ersten Romanen von Taylor Caldwell als Coautor figuriert. Da er sich u.a. auch mit der Reinkarnationsforschung beschäftigte, durfte sich seine Mitarbeit sicher nicht nur auf die Semantik beschränken. Der Reichtum und die Fülle der Ereignisse, wie auch die Genauigkeit der historischen Kulissen vor denen sich die Ereignisse abspielten, verraten den wissensdurstigen Geist eines Forschers. Eines akkuraten und idealistischen Forschers, der sich später zur Aufgabe stellte, aus dem unendlichen Reichtum von Edger Cayce hinterlassenen Readings (= medizinisch/spirituelle Anweisungen) seine, bis zum Jahr 2000 reichenden Prophezeiungen aus der Menge der Angaben heraus zu finden.
Taylor Cadwell war selbst medial begabt. Im alter von 12 Jahren verfasste sie die erste Version ihres Romans über Atlantis, jener der Jahrzehnte später von Jess Stearn „überarbeitet" werden sollte. So kommt man leicht zur Schlussfolgerung, dass jeder von Taylor Caldwell verfassten Romane, einer ihrer früheren Existenzen entspricht. Existenzen, die bei der Wiedererzählung sicher „modifiziert" und dem Zeitgeschmack angepasst worden sind, aber nicht desto weniger echten Begebenheiten entsprechen.
Die Tatsache dass all ihre Werke - ohne Ausnahme - zu Bestseller wurden, kann als zwingender Beweis für das Zutreffen dieser Hypothese betrachtet werden.
Hätte also Karl May jemand an seiner Seite gehabt, der ihn bei seinen Rückerinnerungen systematisch begleitet hätte, wäre Band 81 seiner gesammelten Werken „Abdahn Effendi", der fünf Novellen, ein Theaterstück und das Drama „Babel und Bibel" enthält, nicht erst im Jahre 2000 auf dem Markt erschienen.
* GEO-Epoche Okt.2000