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von Andrin Uetz, 06.02.2020
Προμηθεύς bedeutet im Altgriechischen “der Vorausdenkende”, und in der Griechischen Mythologie stiehlt der Titan den Göttern das Feuer und bringt es den Menschen. Er ist somit Rebell aber auch Gründervater der Zivilisation, und genau in dieser Dialektik von Ausbruch und Ordnung bewegen sich die vier Musiker von Meta Zero Dave Gisler (Gitarre), Raphael Schilt (Tenorsaxophon), Raphael Walser (Kontrabass) und Samir Böhringer (Schlagzeug).
Prometheus heisst auch die erste Nummer des Albums, welche ausgehend von Saxophonklappen, rückwärtslaufenden Gitarrenklängen und sanften Kontrabass-Tupfern in einer art Urmelodie mündet, was etwas an Joe Zawinuls “In A Silent Way” denken lässt. Bereits das zweite Stück “Remain Silent” jedoch weist mit seiner rhythmischen Sprunghaftigkeit und unerwarteten Wendungen eher in die Gegenwart als zurück in die 1970er Jahre. Es ist weniger Gebot zur stillen Einkehr als Aufforderung den Mund zu halten und zuzuhören, denn hier geht was.
Das an freie Improvisation erinnernde “H D 25-1” leitet über zum lyrischen “Roses”, bei dem (Sopran?)-Saxophon und Gitarre auf einem sanften Bass-und-Schlagzeugteppich Zärtlichkeiten austauschen, um nach und nach in höhere Gefilde abzuheben.
Etwas enttäuschend ist das folgende “Ins3rt_T1lt”, nicht weil es eine schlechte Nummer ist, ganz im Gegenteil: Es fängt sehr gut an, das kontrapunktische Spiel von Gitarre und Saxophone hätte das Potential sich weiter zu entfalten. Leider aber verirrt es sich in einem undefinierten Gewusel von Klang und Geräusch, welches verzagt und angestrengt wirkt, nicht über die nötige Kraft verfügt. Hier lässt die Aufnahme ganz generell noch Spielraum nach Oben vermuten. Die lauteren Passagen wirken zu brav, zu kalkuliert, zu vorsichtig.
“Matter / Gravity” zentrifugiert den Hörer kurz in John Coltranes Spätphase, bei “Unit” gibt es Platz für ein unaufgeregtes Solo vom Kontrabass, “Miasma” und “Stonemaul” funktionieren – ergänzend zu oben erwähnter Kritik – wahrscheinlich besser im Konzert. Abgerundet wird das Album vom späten Highlight “Lazarus”, welches alles hat, was zeitgenössischen Jazz ausmacht; einen verspielten Rhythmus, eine gehaltvolle Leichtigkeit, und vier hochinspirierte Individualisten, welche in die gleiche Richtung spielen.
Zugegebenermassen erschliesst sich die Poetik von Prometheus beim ersten Hören nicht so richtig. Es braucht etwas Zeit, und gezielte Aufmerksamkeit. Meta Zero machen keine Fahrstuhlmusik, und auch im Einkaufszentrum wird Prometheus wohl kaum sein Feuer entfachen.
In der Pressemitteilung wird darauf aufmerksam gemacht, dass das Album wie ein Konzert an einem Stück gehört werden soll. Und hier liegt ein entschiedener Punkt: Die Musik funktioniert zwar als Aufnahme, doch eigentlich will man Meta Zero lieber live hören. Wir können also nur hoffen, die vier Jungs finden bald wieder den Weg in die Ostschweiz.
Ein Porträt über Samir Böhringer finden Sie hier. Reinhören in das neue Album von Meta Zero kann man unter anderem hier.
Prometheus by Meta Zero
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