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Nach drei Wochen Rüeblisaft mit Safranglace und alkoholfreiem Bier mit Pfirsichgeschmack überschritten wir die Grenze zu Armenien. Im ersten Dorf nach der Grenze deckten wir uns gleich mit Bier ein, entsorgten diskret die Schariakleidung und betranken uns zmidst im Nachmittag mit 3dl Bier. So blau schafften wir es gerade noch knapp ein Taxi zu organisieren, das uns nach Goris fuhr (der einzige Bus fährt um 8 Uhr morgens). Die Strasse führte über unzählige Haarnadelkurven der Grenze zu Aserbaidschan entlang, vorbei an Gold- und Kupferminen (ша́хта) ins Bergstädtchen Goris.
An Goris ist der Karabachkrieg nicht spurlos vorbei gegangen. Unsere Gastgeberin Nadja erzählte uns von diesen schrecklichen Jahren von 1992 bis zum Waffenstillstand 1994, als auch in Goris viele Flüchtlinge wohnten, zum Teil in prekären Verhältnissen. Die Region Bergkarabach war zwar während der Sowjetunion Teil der Asberbaidschanischen Sowjetrepublik, aber eine autonome Region in der mehrheitlich (Dreiviertel der Bevölkerung) ethnische Armenier lebten. Schon mehrmals während der Sowjetunion wurden seitens Bergkarabach erfolglose Anstrengungen unternommen, die Unabhängigkeit bzw. den Anschluss an Armenien zu erlangen. Der Zusammenbruch der Sowjetunion liess diesen Konflikt eskalieren. Seit nun 20 Jahren besteht ein Waffenstillstand aber es wurde bisher kein Friedensvertrag unterschrieben und sowohl Armenien als auch Aserbaidschan und Bergkarabach zeigen sich nicht wirklich kompromissbereit um eine für alle zufriedenstellende Lösung zu erreichen. So kam es 2008 erneut zu Reibereien an der Grenze und 20’000 armenische Soldaten “sichern” die Grenze zu Aserbaidschan in Bergkarabach.
Armenien ist in punkto Diplomatie ein Phänomen und unterhält sowohl zum Iran, zu den USA und zu Russland ausgezeichnete Beziehungen, die Grenzen zu Aserbaidschan und der Türkei sind jedoch geschlossen. Die guten Beziehungen zu Russland konnten wir gleich am Grenzübergang vom Iran nach Armenien erfahren – wir wurden von russischen Beamten kontrolliert.
Von Goris aus führt eine Strasse nach Stepanakert in Bergkarabach, die einzige Strasse, die auch von ausländischen Touristen benutzt werden kann. Wir blieben jedoch schön brav auf der armenischen Seite.
Von Goris aus sind es nur einige Kilometer bis zur
einzigen spektakulärsten Seilbahn Armeniens – der Wings of Tatev Seilbahn. Durch den Blog von Dania und Martin ist diese Seilbahn in unseren Bekanntenkreisen schon zur Berühmtheit geworden, daher müssen wir nicht noch einmal betonen, dass diese mit ein wenig Schweizer Beteiligung gebaut wurde. Auch wir wagten es, “die längste, in einer Sektion mit durchgehendem Tragseil ausgeführte Pendelbahn der Welt” (Zitat Wikipedia) zu nehmen. Auf der anderen Seite der Worotan Schlucht angekommen gingen wir das spektakuläre Kloster Tatev besichtigen. Die Zellen, deren Fenster direkt auf die Schlucht gehen, erinnerten uns ein wenig an das hier. Das Kloster wurde im 9. Jahrhundert erbaut und entwickelte sich zu einer wichtigen Universität im Armenien des Mittelalters. Im 10. Jahrhundert wohnten gar 1000 Menschen in der Klosteranlage (heute sind es nur noch eine Handvoll).
Vom Kloster aus wanderten wir hinunter in die Schlucht, wo es eine mit Gras überwachsene Klosterruine zu entdecken gab. Da zu diesem Ort keine bequeme Strasse oder Seilbahn führt, hatten wir den Abenteuerspielplatz ganz für uns. Nach diesem romantischen Abstecher wanderten wir dem überwucherten Weg der Schlucht entlang bis zur “Satans-Brücke”. Nadja, unsere Gastgeberin in Goris, hatte uns erklärt dass die Satansbrücke aus einem grossen Fels besteht, der in der engen Schlucht stecken blieb. Heute führt eine Strasse über den Fels. Was uns Nadja auch erzählte, war dass es gleich bei der Satansbrücke zwei Wasserbecken gibt, in welchen es sich baden lässt. Nur ist anscheinend radioaktives Radon im Wasser gelöst, sodass man nicht länger als 15 Minuten drin bleiben soll – aber es sei gesund für die Knochen! Als wir die dreckigen Pfützen sahen, begnügten wir uns mir einer kleinen Bestrahlungskur unserer Füsse und liessen es nach zwei drei Minuten sein – gesund oder nicht. Im Aufstieg auf der anderen Seite der Schlucht
erwischte uns das schon lange angekündigte Gewitter überraschte uns ein Gewitter. Ein nettes russisches Pärchen nahm uns freundlicherweise in ihrem Mietwagen bis zum nächsten Café mit. Danke viel Mal!
Weil es uns in Goris so gut pässelte, beschlossen wir einen Tag lang die Umgebung zu erkunden und erst später nach Eriwan, der Hauptstadt Armeniens, weiterzureisen. So wanderten wir am nächsten Tag ganz romantisch der Hauptstrasse entlang mit rauchenden Ladas und uralten den Berg hinauf schnaufenden Kamaz Lastwagen bis nach Chndsoresk. In diesem Dörfchen lebten die Leute zum Teil bis in die 1980er Jahre in Höhlen, die in den Fels gehauen wurden. Während des Karabach-Krieges flüchteten die Menschen erneut in die Höhlen, um sich vor Bomben zu schützen – denn das Dorf liegt nur fünf Kilometer von der Grenze entfernt.
Schliesslich war es an der Zeit sich von Nadja zu verabschieden und in ein Sammeltaxi Richtung Eriwan zu steigen.