Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03585.jsonl.gz/862

Bäume enthält vor der Blüthezeit eine grosse Menge Stärkemehl. Die Bäume werden zur Gewinnung desselben gefällt, gespalten, das herausgenommene Mark nach gewöhnlicher Methode auf Stärke verarbeitet. Die noch feuchte Stärke wird mittelst Durchreiben durch Drahtsiebe gekörnt, dann in eisernen Gefässen unter beständigem Rühren auf ca. 80° C. erwärmt. Hierbei verkleistert sich die Oberfläche und die Körner erscheinen mehr oder weniger durchsichtig. Diese Operation geschieht in eigenen Sagofabriken, namentlich in Singapore und Calcutta (wohin die rohe Stärke noch feucht gebracht wird) fast immer durch chinesische Kulis. In neuerer Zeit wird auch in Westindien echter Sago fabrizirt. In Europa benutzt man zur Darstellung eines sehr guten Sago die Kartoffelstärke. Diese wird in ganz ähnlicher Weise behandelt und zwar zuerst durch verschiedenartige Vorrichtung gekörnt, die Körner dann in langsam rotirenden Trommeln gerundet, oberflächlich getrocknet, schliesslich in Cylindern auf 70-80° C. erwärmt, und durch einen kurzen Dampfstrom, der die Körner oberflächlich verkleistert, glasirt. Kartoffelsago ist weiss und durchscheinend; von dem ostindischen Palmsago hat man weisse, gelbe und braune Sorten.
Dextrinum.
Dextrin.
Stärkegummi, Postkleister, Kastanienmehl, Gommeline, Léiogomme.
Das Dextrin, eine Umwandlung des Stärkemehls, mit dem es die gleiche chemische Zusammensetzung hat, findet sich fertig gebildet in vielen Pflanzensäften vor, lässt sich aber auch, wie wir schon in der Einleitung des vorigen Artikels erwähnt haben, auf verschiedene Weise künstlich aus dem Stärkemehl herstellen. Der Name Dextrin, der ungefähr so viel bedeutet als Rechtskörper, ist ihm deshalb gegeben, weil es im Polarisationsapparat rechts dreht. Es wird für die Technik, die es in grossen Massen als Ersatz des arabischen Gummis braucht, auf verschiedene Art und Weise aus ordinärer Stärke, namentlich Kartoffelstärke, hergestellt. Man hat auch die Stärke der Rosskastanie, die man ihres bitteren Geschmackes wegen nicht anders benutzen kann, dazu verwandt. Daher der Name Kastanienmehl. Es kommt in drei verschiedenen Formen in den Handel, theils als feines, fast weisses bis gelbbraunes, wie Stärkemehl knirschendes Pulver, theils in festen, durchsichtigen, dem Gummi arabicum ähnlichen Stücken (Gommeline), theils in flüssiger Form, als Dextrinsirup, von den Franzosen Léiogomme genannt.
Dextrinpulver wird gewonnen, indem man Stärke gut austrocknet und auf 160-200° C. erhitzt. Man benutzt hierzu meistens schräg stehende, sich langsam drehende eiserne Cylinder, die durch Wärmezuführung auf die oben genannte Temperatur erhitzt werden. Das Stärkemehl wird dem oberen Theil des an beiden Seiten offenen Cylinders allmälig zugeführt, dreht sich mit diesem langsam um und verwandelt sich, während des sehr langsamen Passirens, in mehr oder weniger gelbliches Dextrin,
welches in die untergestellten Gefässe fällt. Oder man erhitzt das Stärkemehl in flachen, eisernen Kästen, welche im Oelbade auf 160° C. erhitzt werden, unter beständigem Umrühren so lange, bis eine herausgenommene Probe mittelst Jodwasser kein unzersetztes Stärkemehl mehr zeigt. Dextrin wird durch Jod nicht mehr gebläut, sondern roth gefärbt. Das Pulver hat einen eigenthümlichen, nicht gerade angenehmen, mehr oder minder starken Geruch und löst sich schon in kaltem Wasser zu einer stark klebenden Flüssigkeit auf.
Dextrin in Stücken wird dargestellt, indem man 1000 Th. Stärke mit 300 Th. Wasser und 2 Th. starker Salpetersäure zu einem Teig zusammenknetet, diesen zuerst bei 40° C. austrocknet und dann längere Zeit auf 60-70° erwärmt. Zeigt jetzt eine herausgenommene Probe, mittelst Jodreaktion, die annähernd vollständige Umwandlung in Dextrin, so erhitzt man die Masse kurze Zeit auf 110°, knetet nochmals mit etwas angesäuertem Wasser durch, und trocknet bei 110° völlig aus. Die angewandte Salpetersäure verschwindet bei dieser Operation vollständig, sie ist im fertigen Dextrin nicht nachzuweisen.
Dextrinsirup, der namentlich in der Strohhutfabrikation viel Verwendung findet, wird dargestellt, indem man das Stärkemehl, mit reichlich Wasser gemengt und mit Malzdiastase versetzt, längere Zeit auf 70° erwärmt. Die so erhaltene klare Flüssigkeit wird durch Eindampfen auf die gewünschte Konzentration gebracht.
Dextrin bildet sich ebenfalls beim Bierbrauen und beim Brotbacken.
Verwendung findet es zu den mannigfachsten Zwecken, als Klebmittel, zum Appretiren, dem Verdicken der Farben in der Zeugdruckerei etc.
Aus wässeriger Lösung wird das Dextrin durch starken Alkohol ausgefällt; hierauf beruht die Methode der Darstellung des chemisch reinen Dextrins, wie es hier und da in der Pharmazie gebraucht wird. Die ausgeschiedene Masse wird in dünnen Schichten getrocknet, gepulvert und stellt nun ein weisses, geruch- und geschmackloses, nicht hygroskopisches Pulver dar.
Das käufliche. Dextrin zieht mit Begierde Feuchtigkeit an, ist deshalb an trockenen Orten in gut verschliessbaren Gefässen aufzubewahren.
Verbindungen der aromatischen Reihe.
Benzol (Benzin).
Benzol, Steinkohlenbenzin.
C6H6 (in reinem Zustande).
Der Name Benzin resp. Benzol kommt ursprünglich nur diesem aus dem Steinkohlentheer dargestellten Präparate zu. Später ist er auf das aus dem Rohpetroleum hergestellte ähnliche und zu gleichen Zwecken verwandte Präparat übertragen worden, und heute versteht man, wenn der