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roten, oft auch graugrünen Mergeln; es ist dies die sog. rote Molasse, die um Gourze und bei Vevey ansteht. Mit der Annäherung an die Alpen gehen alle diese Stufen mit teilweiser Ausnahme der roten Molasse in Nagelfluh über, die in dicken Bänken mit Mergeln wechsellagert. Alle diese Gesteine sind Verwitterungs- und Erosionsprodukte, die im Miocän von den zuerst in einen grossen Süsswassersee und später in einen tertiären Meerbusen mündenden Alpenflüssen herabgeschwemmt und abgelagert worden sind.
Die Lagerungsverhältnisse der Schichten sind im Jorat sehr verwickelte. Um Lausanne liegen sie nahezu wagrecht, während sie über Lutry plötzlich alpeneinwärts nach O. fallen und dazu noch durch eine Verwerfung gestört sind. Hier befinden wir uns auf der Antiklinallinie der subalpinen Molasse, die von Ouchy bis La Claye aux Moines zieht. Bis zur Veveyse hin folgen dann noch eine Reihe von Lagerungsstörungen, die abwechselnd die rote Molasse und die kohlenführende Molasse zu Tage anstehen lassen.
Diese Verhältnisse erläutert das beigegebene geologische Querprofil. Im W., wo die Schichten wagrecht liegen, bilden die Höhenzüge abgerundete Rücken, während ö. der Antiklinallinie, wo die oft noch gefalteten Schichten im allgemeinen gegen SO. einfallen, schmale Kämme in grosser Anzahl hinter einander folgen. Die vorspringenden Rippen entsprechen hier den harten und widerstandsfähigen Schichten und die dazwischen eingesenkten kleinen Erosionsthälchen den leicht zerstörbaren weichen Mergellagern. Im Gebiet der horizontalen Molasse w. der Antiklinallinie werden die durch die Flüsse (Talent, Mentue, untere Broye) ausgewaschenen Thäler von nahezu senkrechten Steilwänden begleitet.
Der Molasseboden ist an sich wenig fruchtbar. Wenn der Jorat trotzdem ein fruchtbares Land genannt werden darf, so verdankt er dies dem Glazialschutt, der besonders als toniges Grundmoränenmaterial grosse Teile der Landschaft, namentlich aber die Senken überdeckt. Erosion und Ueberführung mit glazialen Geschieben haben zusammen die heutigen Oberflächenformen des Jorat geschaffen. Stellenweise findet man auch noch Seitenmoränen aus der Zeit des Rückzuges des eiszeitlichen Rhonegletschers, so z. B. diejenigen, die den Lac de Bret und die Sumpfebene von Le Vernay bei Chexbres aufgedämmt haben.
Aehnliche Seitenmoränen liegen in verschiedenen Höhenlagen am Hang von Lavaux. Sie bestehen gewöhnlich aus Kiesen, weniger aus Blöcken. Ziemlich häufig sind ferner die erratitischen Blöcke, die sowohl vereinzelt als in Gruppen auftreten. Bei Les Cases (über Belmont) sieht man eine ziemlich mächtige Lage von fluvioglazialen Schottern, die entweder zwischen zwei Grundmoränenschichten eingelagert oder auch der Molasse direkt aufgekleistert sind. Diesen Schottern entspringen ziemlich ergibige Quellen, die für die Wasserversorgung der Stadt Lausanne gefasst worden sind.
Aehnliche Kiese finden sich noch bei Mézières und Moudon, und alle werden stark abgebaut. Wo der Grundmoränenboden nahezu eben oder wannenförmig eingesenkt oder auch durch Wallmoränen abgesperrt ist, bilden sich im stagnierenden Wasser Torfmoore, wie solche z. B. zu beiden Seiten der Höhen von Gourze, bei Le Vernay und in vielen Thälchen des Freiburger Jorat vorhanden sind. Ausgedehnte Entwässerungsarbeiten haben aber bereits die Mehrzahl dieser Sumpfböden trocken gelegt und dem Anbau zurückgewonnen.
Viele der ziemlich tief eingeschnittenen Thalfurchen haben keinen sichtbaren Wasserlauf und sind vollständig trocken, da alles Wasser durch einen unterirdischen Sammelkanal abfliesst. Das so trocken gelegte Land hat die Fähigkeit, viel Wasser aufzusaugen, was wiederum dazu beiträgt, die Hochwassergefahr der Joratflüsse abzuschwächen. Der marine Sandstein und die graue Molasse werden in zahlreichen Steinbrüchen (Crissier, Le Mont, Servion etc.) abgebaut. Neben den schon genannten Quellen von Les Cases müssen noch diejenigen von Sainte Catherine und Pierre Ozeire erwähnt werden, die dem Molassesandstein entspringen und ebenfalls nach Lausanne geführt werden.
Klima, Anbau, Erwerbsverhältnisse.
Seiner Höhenlage entsprechend hat der Jorat ein ziemlich rauhes Klima. Er gestattet den NO.-Winden ungehinderten Zutritt und hat namentlich sehr strenge Winter. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt in Form von Regenwasser und Schnee 100-105 cm. Das jährliche Regenmittel ergibt für Lausanne 102,5 cm (1874-1893), für Échallens 103,6 cm (1884-1891), für Moudon 102,8 cm (1883-1891). Nach den meteorologischen Beobachtungen zu Lausanne (1874-1893) hält sich hier das jährliche Temperaturmittel auf 9° C.
Wie wir schon bemerkt haben, ist der Jorat in seinen höhern Teilen hauptsächlich mit Wald bestanden, während in den Thälern und auf den Plateaus Aecker und zwar besonders Kornfelder vorherrschen. Hauptbeschäftigung und vornehmste Erwerbsquelle der Bewohner sind Landwirtschaft und Ackerbau, deren Produkte nach den an der Grenze der Landschaft liegenden Städten ihren Absatz finden. Im untern Abschnitt der SO.- und O.-Hänge (Bezirke Vevey, Lavaux und Lausanne) finden sich Weinberge, die mit zu den bedeutendsten des Kantons Waadt zählen.
Kleinere Rebenparzellen sieht man auch noch hie und da im W. und NW. (Bezirke Orbe und Yverdon). Tabak wird im N., besonders um Payerne und bis nach Lucens hin gebaut. Die Industrie ist im Jorat, abgesehen von einigen Ziegeleien und Mühlen, nur schwach vertreten. Immerhin bestehen einige bedeutende Fabrikbetriebe: Fabriken zur Herstellung von kondensierter Milch und Kindermehl in Bercher und Payerne, die ein zahlreiches Personal beschäftigen und die Milch aus einem grossen Teil der Landschaft aufkaufen;
Tabak- und Zigarrenfabriken in Payerne, Avenches und Moudon, ebenda Spinnereien, grosse Mühlen in Granges, Uhrenindustrie in Lucens.
Eisenbahnlinien: Lausanne-Yverdon längs der W.-Grenze, Lausanne-Palézieux-Payerne, Lausanne-Freiburg, die Querlinien Lausanne-Saint Maurice längs der S.-Grenze, und Yverdon-Payerne-Freiburg längs der N.-Grenze, ferner die Schmalspurbahnen Lausanne-Bercher und Lausanne-Mézières-Moudon. Der Jorat wird von einer grossen Anzahl von Strassen durchzogen, die meist gut unterhalten werden. Deren wichtigste sind die Züge Lausanne-Yverdon, Échallens-Payerne, Lausanne-Estavayer, Lausanne-Freiburg-Bern, Vevey-Moudon, Yvonand-Romont, Yverdon-Moudon, Orbe-Échallens-Moudon, Lausanne-Moudon. Viele dieser Strassen werden zugleich von Postwagen befahren.
Rund um den Jorat herum liegen die bedeutendsten Städte des Kantons Waadt, nämlich Yverdon, Payerne, Lausanne, Vevey und die Freiburger Städte Estavayer und Romont. Im Innern sind die beträchtlichsten Siedelungen Échallens, Moudon, Lucens und Granges. Zahlreiche Dörfer, im s. Abschnitt viele zerstreute Einzelhöfe. Der n. Jorat ist eine der wohlhabendsten Gegenden des Kantons Waadt.
Schon zur Römerzeit querten den Jorat mehrere wichtige Strassen, wie die Züge Vevey-Moudon-Aventicum (Avenches), Aventicum-Eburodunum (Yverdon) und, im W., Cheseaux-Eburodunum. Bis zum 12. Jahrhundert bleibt dann die Geschichte der Landschaft dunkel. Nun wurde ein grosser Teil Eigentum des Bistums Lausanne; es entstanden gleich zu Anfang des Jahrhunderts die ¶
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Klöster Montherond und Haut Crêt, sowie das von den Herren von Joux gestiftete Kloster Montbenoit in der Freigrafschaft Burgund, das in der Folge im w. Abschnitt des Jorat kirchliche und weltliche Rechte erwarb und zur kulturellen Entwicklung dieser Landschaft viel beitrug. Es trat alle diese Rechte 1476 an die Abtei am Lac de Joux ab. An der Kolonisation des Jorat beteiligten sich auch die Herren von Oron, Palézieux, Saint Martin du Chêne, Bioley-Magnoux, Goumoens und Échallens. Zur Zeit der Berner Oberhoheit (1536-1798) war der sog. Jorat d'Échallens gemeinsamer Besitz von Bern und Freiburg, während der Jorat l'Évêque ausschliessliches Eigentum von Bern war. In einzelnen Gegenden des Jorat trieben noch bis zu Ende des 18. Jahrhunderts Räuberbanden sich herum.
Bibliographie.
Razoumowski, le comte G. de. Histoire naturelle du Jorat et de ses environs. 2 vol. Lausanne 1789. Pasche, Ch. La contrée d'Oron dans les temps anciens, au moyen âge et sous la domination bernoise. Lausanne 1895. - District, le, d'Échallens (in Journal de la Société vaud. d'utilité publ. 1854). - Cornaz-Vuilliet. A travers le Gros de Vaud. Lausanne 1894. - Secretan, Ch. Paysages vaudois. Lausanne 1895. - Savary, E. A travers le Jorat. Lausanne 1903. - Martignier, D., et A. de Crousaz. Dictionnaire histor., géograph. et statist. du Canton de Vaud. Lausanne 1867.