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Unsere grosse Sommerserie über die Geschichte des Telefons. In der Schweiz und auf der Welt.
- Teil 1: Der Schweizer Telefonpionier, den niemand kennt
- Teil 2: Wetten, du errätst nicht welches Handy am meisten verkauft wurde?
- Teil 3: Die Geschichte der ersten Telefonbauer
- Teil 4: Eigentlich begann alles mit dem Stück eines Besenstiels
- Teil 5: Eine Manufaktur in der schnellen Entwicklung der Telegrafie (20. August)
- Teil 6: Eine Erfindung verändert die Kabelwelt (27. August)
- Teil 7: Warum das erste Glasfaserkabel in Zürich ein Fail war (3. September)
- Teil 8: Wie das Licht in das Kabel kam (10. September)
- Teil 9: Wie die Schweiz das erste Land mit vollautomatischem Telefonnetz wurde (17. September)
Im Jahre 1884 suchte ein Mitarbeiter von Lars Magnus Ericsson nach einer bequemen Lösung, um die vielen Apparate in den Telefonzentralen einfacher prüfen zu können.
Er befestigte dazu den Hörer und das Mikrofon an beiden Enden eines Besenstielstückes, unwissend natürlich, dass das improvisierte und schrecklich aussehende Werkstück als erstes Handmikrotelefon der Welt in die Geschichte eingehen würde.
Ericsson, der Telefonpionier seit 1878, erkannte sofort den Wert dieser glänzenden Idee und sorgte für die Umsetzung. Das Tischtelefon «Ericsson 1892» war dann das erste Luxustelefon mit dem neuen Mikrotelefon. Ganz dem damaligen Geschmack entsprechend sind die mechanischen Teile sichtbar, so dass der Benützer sich an den Bewegungen der verchromten und mattierten Zahnräder und Achsen freuen und die bemalten, schimmernden und bedruckten Oberflächen auf Füssen und Streben bewundern kann. Bestechend ist aber nicht nur die revolutionäre Idee des Mikrotels, die das Modell 1892 so einzigartig und attraktiv macht. Auch mit der Platzierung des Hörers oberhalb des Apparates auf einer Gabel betont Lars Magnus Ericsson seinen Sinn für praktische Lösungen.
Die Station war fünf Kilogramm schwer. Das gab einen guten Stand, auch wenn an der Kurbel gedreht wurde. Sogar den Induktionsmagneten wurde eine verbindliche Funktion gegeben: sie dienten gleichzeitig als augenfällige Füsse des Apparates. Durch diese kam dann die Station auch zu einem ihrer Spitznamen, dem «Dackel». In Dänemark war es die «Nähmaschine», als «Eiffelturm» kannte man das Telefon in den USA, als «Skelettapparat» in Deutschland und als «the skeleton type» funktionierte es in Grossbritannien.
Der Apparat wurde zum nationalen und internationalen Erfolg. Bis in die 30er-Jahre wurden zwei Millionen Stück gefertigt.
Für den russischen Zaren Nikolaus II gab es eine Sonderedition von nur 10 Apparaten mit Gold und Edelsteinen und einer anderen Anschlussschnur in den Nationalfarben.
Da konnte die Schweiz nicht abseitsstehen: Auch die eidgenössische Telegraphenverwaltung bestellte viele Apparate, die genaue Zahl kann nicht mehr beziffert werden. Im Preisverzeichnis 1901-1904 sind leider nur dürftige Eintragungen vorhanden, die sich aber nur auf den Anschaffungspreis beziehen. Noch bis zum Jahre 1909 wird dieser mit 65 Franken angegeben.
Als stilisierte Zeichnung wurde der Apparat 1894 in Ericssons erstes eingetragenes Warenzeichen eingebunden. Heute sind diese Apparate gesuchte Artikel bei Sammlern.