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Erste Besteigung 1812 durch die von Dr.
Rud. Meyer aus
Aarau geworbenen Führer Arnold Abbühl aus
Melchthal und die beiden
Walliser Alois Volker und Josef
Bortes (Dr. Meyer selbst erreichte die
Spitze nicht). Diese erste Karawane nahm den
heute seiner ausserordentlichen Schwierigkeiten nur selten noch begangenen Weg über den
Studerfirn und den SW.-Grat. Mit
Unrecht ist behauptet worden, dass sich diese ersten Pioniere geirrt und statt des Finsteraarhorns den benachbarten
Altmann
(3482 m) erstiegen hätten.
Den zweiten Versuch unternahm 1828, also erst 16 Jahre später, der
Solothurner Naturforscher Franz Josef
Hugi, der auf dem heute allgemein üblichen Weg über den
Hugisattel und den
W.-Grat bis zu 67 m unter der eigentlichen
Spitze
gelangte; erst 1829 erreichte derselbe Hugi mit den Führern Jakob Leuthold und Johannes Währen die
Spitze. Dann folgte als
dritter 1842 der Basler Student Joh.^[Berichtigung: Kaufmann Rudolf] Sulger mit den Führern Joh.
Jaun
aus
Meiringen, Andreas Abplanalp aus dem
Hasle und Heinrich Lorenz aus
Wassen(Uri).
Ueber die Einzelheiten der Besteigungsgeschichte
des Finsteraarhorns vergl.
Gottlieb Studer: UeberEisundSchnee. Zweite verbess. Aufl., von A. Wäber und H. Dübi. Bd. I.
Bern,
1896.
Die Aussicht vom Finsteraarhorn ist eine der Bedeutung dieses Hochgipfels entsprechend ausgedehnte und
grossartige und auch in allen Einzelheiten von vollendeter Pracht. Neuestens hat S. Simon im Jahrbuch des S. A. C. (1901/92)
das von ihm aufgenommene und farbig ausgeführte Panorama des Gipfels veröffentlicht. Heute wird das Finsteraarhorn häufig
bestiegen, und oft treffen am gleichen Tag und zur selben Stunde auf dem Gipfel mehrere Partien zusammen.
Anstiegsrouten: von der
Oberaarjochhütte des S. A. C. aus über Gemsenlücke und
Hugisattel (4089 m) in 6½ Stunden; von der
Konkordiahütte des S.
C. A. und dem Gasthof Konkordia aus über die
Grünhornlücke und den
Hugisattel
in 7 Stunden; von der Schwarzegghütte des S. A. C. aus über
FinsteraarjochAgassizjoch und
Hugisattel in 9 Stunden.
(Kt. Bern
u. Wallis).
Unter dieser Bezeichnung versteht man den ganzen ö.
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mehr
Abschnitt der BernerAlpen zwischen Gemmi und Grimsel. Die Einteilung der BernerAlpen in zwei orographische Gruppen rechtfertigt
sich durch ihren von einander verschiedenen geologischen Bau und ihren grossen Unterschied an landschaftlichem Charakter
und Bedeutung. Der w. Abschnitt der BernerAlpen ist vorwiegend Kalkgebirge; die Kammlinie erreicht hier nirgends 4000 m,
die Seitenketten steigen rasch zum Mittelland ab, und Firn- und Eisfelder sind nur schwach entwickelt. Im Gegensatz dazu zeichnet
sich die Finsteraarhorngruppe aus durch ihr - wenigstens in den höchsten Teilen - aus krystallinen Schiefern aufgebautes
Felsgerüste, durch die grosse Anzahl von 4000 m Höhe übersteigenden Spitzen und durch ihre grossartigen
Firn- und Gletscherbildungen, die im ganzen Alpengebirge ihres Gleichen nicht wieder finden.
Die beiden durch diese Linie abgegrenzten Abschnitte unterscheiden sich voneinander wieder sowohl durch ihren geologischen
Aufbau als ihren landschaftlichen Charakter. Die s. Hälfte besteht vorwiegend aus krystallinen Schiefern und
bildet ein einziges Meer von Eis und Firn, das durch mächtige Felsmauern gegliedert und von riesenhaften Spitzen überragt
ist; die n. Hälfte gehört den sedimentären Formationen an und weist weniger grossartigen landschaftlichen Charakter auf,
ihre Berggipfel sind nicht so schroff gegliedert und ihre 3000 m nicht erreichenden Höhen lassen die
Ausbildung von Gletschern nicht zu.
A. Die s. Hälfte der Finsteraarhorngruppe
stellt weniger eine Kette, d. h. eine lineare Folge von Bergen dar, als vielmehr ein ganzes Gebirgsmassiv, das nach O. an
Breite und Höhe stets zunimmt und in dem es auf den ersten Blick schwierig erscheint, eine zentrale Achse und
davon abgehende Seitenzweige zu unterscheiden. Die Massenzunahme ist eine derartige, dass dieser nach O. gelegene Teil der
Gruppe zum bedeutendsten Hochgebirgskomplex nicht nur der Alpen sondern von ganz Europa wird. Dazu stempeln ihn nicht die
absolute Höhe seiner Gipfel, wohl aber die Grosszügigkeit seiner Formenentwicklung und die mächtige Ausbildung seines
Eispanzers. Im Grossen genommen zieht die Kammlinie dieser s. Hälfte der Finsteraarhorngruppe in der Richtung von SW.-NO.
Doch ist der orographische Bau dieses Abschnittes ein derart verwickelter, dass wir genötigt sind, davon vor dem Beginn
der Einzelschilderung einen allgemeinen Ueberblick zu geben u. den Gang unserer Beschreibung zu erklären. Im
Zentrum der Gruppe erhebt sich ein beinahe allseitig geschlossener, weiter Ring von Hochgebirgsmauern, der nur nach S. zu
geöffnet erscheint und hier dem Grossen Aletschgletscher den Austritt gestattet.
Im W. schliessen sich an diesen Ring drei
untereinander parallele, vom SW.-NO. streichende Ketten an, deren mittlere nahe dem W.-Ende der Gruppe
vom Gebirgsstock des Balmhorns seinen Ausgang nimmt; nach O. sendet der zentrale Ring die Kette des Finsteraarhorns aus, die
sich bald in sehr schwierig zu überschauender Weise verzweigt; die Bergmassen nö. vom Ring endlich zeigen ein vom Schreckhorn
abgehendes wirres Durcheinander von Ketten. Unsere Einzeldarstellung wird die Reihenfolge von W.-O. und
von S.-N. innehalten.
Unsere s. Hälfte der Finsteraarhorngruppe beginnt im W. mit der Gebirgsmasse des Balmhorns, die mit ihren Vorbergen und Ausläufern
- den Plattenhörnern (2859 m), dem Grossen und Kleinen Rinderhorn (3457 u. 3007 m), der Altels (3636 m), dem Ober Tatlishorn
und Tatlishorn (2966 und 2505 m) - über der Gemmi (2329 m) und der ihr nach N. vorgelagerten, etwa 8 km
langen Einsenkung aufragt. Das Ganze beherrschen die zwei Eisspitzen des eigentlichen Balmhorns (3676 und 3711 m). Von den
Eisfeldern dieser Masse nennen wir den zwischen Rinderhorn u. Altels nach NW. absteigenden Schwarzgletscher. Während der Hauptkörper
der Balmhornmasse sw. über dem vom Oberlauf der Kander durchflossenen merkwürdigen Gasternthal sich aufbaut, zweigt sich
von ihr nach S. eine kurze Kette ab, die den untern Teil des wilden Lötschenthales im W. begleitet und als bemerkenswertesten
Gipfel das als prachtvoller Aussichtspunkt oft erstiegene Torrenthorn (3003 m) trägt.
Oestlich vom Balmhorn wird die orographische Gliederung reicher; sie lässt sich deutlich in drei untereinander
parallel von SW.-NO. streichende Ketten auflösen: die Kette des Bietschhorns im S., die Kette der Blümlisalp im N. und, in
der Mitte zwischen beiden, die Kette des Petersgrates. Die erstgenannte gehört ausschliesslich dem Einzugsgebiet der Rhone
an, die andere sendet ihre Wasser zur Aare, und die dritte bildet die Wasserscheide zwischen den beiden
Flüssen. Bietschhornkette und Petersgrat schliessen sich im O. an den den Ursprung des Grossen Aletschgletschers umrahmenden
mächtigen Gebirgs- und Eiszirkus an, während die Kette der Blümlisalp mit abnehmender Höhe gegen das obere Lauterbrunnenthal
streicht und als dessen W.-Wand endigt.
Von Gampel steigt die Kette des Bietschhorns allmählig an bis zu einer ganzen Folge von Felsgipfeln, den Leghörnern (2840
und 2913 m), dem Strahlhorn (3160 m), Hohgleifen (3280 m), Wilerhorn (3311 m; sendet die erste der genannten
Seitenketten aus), Schwarzhorn (3132 m) und Schafberg (3170 m), von denen die vier letzten zu einem Teil vergletschert sind.
Dann steigt als mächtige Pyramide das Bietschhorn (3953 m) in die Lüfte, dem im N. das Kleine Bietschhorn (3348 m) vorgelagert
ist.
Nö. vom Breitlauihorn steht das Breithorn (3783 m), das über einen Felskamm nach SO. mit der grossartigen Pyramide des GrossNesthorns (3820 m) verbunden ist. An diesem letztern vereinigen sich die drei übrigen s. Seitenzweige der Bietschhornkette,
von denen der dritte und
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