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Kommt es bei einem Paar trotz regelmäßigem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr innerhalb von einem bis zwei Jahren zu keiner Schwangerschaft, sollten beide Partner ärztlichen Rat einholen.
Die Ursache für die Kinderlosigkeit liegt in etwa 35-40 Prozent der Fälle beim Mann, in etwa 40-50 Prozent der Fälle bei der Frau und in etwa 15 Prozent der Fälle bei beiden Partnern. Die Gründe, weshalb es mit dem Kinderkriegen nicht klappt, können sehr vielfältig sein.
Beim Mann können unter anderem folgende Ursachen ein Grund für Fruchtbarkeitsprobleme sein:
Die Abklärung der Fruchtbarkeit beim Mann wird von einem Urologen oder einem spezialisierten Hautarzt (Andrologen) durchgeführt. Nach einer körperlichen Untersuchung folgen die Kontrolle der Samenflüssigkeit (Spermiogramm) und Hormonuntersuchungen.
Der Arzt untersucht die männlichen Geschlechtsorgane. Er achtet dabei auf Veränderungen am Penis (auffällige Krümmungen, Verhärtungen), tastet Hoden, Nebenhoden, die Prostata sowie die Bläschendrüsen ab. Ein Abstrich zur Abklärung von Infektionskrankheiten, wie etwa einer Infektion mit Chlamydien, wird genommen. Eventuell wird auch ein Ultraschall der beiden Hoden und der Prostata durchgeführt.
Nach der genitalen Untersuchung erfolgt die Kontrolle der Samenflüssigkeit. Sie stellt die wichtigste Untersuchung zur Abklärung der männlichen Fruchtbarkeit dar. Sie muss vor jeder invasiven Maßnahme und vor dem Beginn jeder Therapie bei der Frau durchgeführt werden.
Die Untersuchung sollte nach einer Sex-Abstinenzzeit von drei bis vier Tagen durchgeführt werden. Die Samenprobe wird durch Masturbation gewonnen. Falls möglich, sollte die Probe direkt vor Ort in der Praxis des Urologen oder Andrologen erfolgen. Praxen, die solche Untersuchungen anbieten, haben entsprechende Räume, die für eine ungestörte Samenabgabe eingerichtet sind. Es gibt auch die Möglichkeit, den Samen von zu Hause mitzubringen und den Ejakulatbehälter im Labor abzugeben. Das Sperma sollte aber nicht älter als zwei Stunden sein.
Der frisch gewonnene Samen wird mikroskopisch untersucht und in einem Spermiogramm aufgezeichnet. Dabei werden die Menge des Ejakulats, die Beweglichkeit und Gestalt der Spermien überprüft sowie der Anteil der normal geformten Samenzellen bestimmt. Da die Qualität der Spermien stark variiert, wird die Untersuchung etwa einen Monat später erneut durchgeführt.
Als Richtwert für ein “normales” Ejakulat gilt ein Spermienanteil von mindestens 20 Millionen pro Milliliter Ejakulat. Der Anteil der normal geformten Spermien sollte mehr als 50 Prozent betragen, die Beweglichkeit sollte mindestens 50 Prozent betragen, und es sollten mindestens 25 Prozent der Samenzellen schnell vorwärtsbeweglich sein.
Bei mehrfach bestätigtem völligem Fehlen von Samenzellen in der Samenflüssigkeit kann von einer Zeugungsunfähigkeit ausgegangen werden. Befruchtungen sind jedoch auch möglich, wenn die Spermienzahl gering ist, die Samenzellen schlecht beweglich sind und/oder viele fehlgeformte Samenzellen vorliegen. Die statistische Wahrscheinlichkeit einer spontanen Schwangerschaft ist dadurch zwar erheblich erniedrigt, aber nicht unmöglich.
Eine Hormonuntersuchung wird nach der Untersuchung der Samenflüssigkeit und im Falle einer geringen Menge an Spermien durchgeführt. Hormone spielen eine entscheidende Rolle für die Produktion der Samenzellen. Dazu werden unter anderem die Werte von FSH und LH bestimmt. Diese Hormone sind zur Ausreifung der Samenzellen nötig. Auch der Testosteronspiegel muss bestimmt werden, da dieser die Bildung von FSH beeinflusst.
Die meisten Hormonstörungen können behandelt werden, so werden z.B. niedrige Testosteronwerte mit Testosterongels oder Testosteronspritzen “angekurbelt”. Die Hodenbiopsie (Gewebeprobe aus dem Hoden) wird heute als veraltet angesehen und wird nur mehr im Rahmen einer operativen Samengewinnung durchgeführt.