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Homozystinurie ist das Leitsymptom verschiedener Stoffwechselerkrankungen, die autosomal rezessiv vererbt werden. Zu dieser Gruppe zählen Defizienzen der Enzyme Cystathionin-β-Synthase (CBS) und Methylentetrahydrofolat-Redukatase (MTHFR), sowie weitere genetisch bedingte Pathologien des Aminosäurenmetabolismus. Der Cystathionin-β-Synthase-Mangel wird auch als klassische Homozystinurie bezeichnet, die übrigen Erkrankungen entsprechend als nicht-klassische Homozystinurien. Die Therapie besteht primär in diätetischen Maßnahmen und Nahrungsergänzung, um Blut- und Urinkonzentrationen von Homozystein und Homozystin so niedrig wie möglich zu halten.
Das klinische Bild variiert in Abhängigkeit von der zugrunde liegenden Erkrankung:
Patienten, die an einer Stoffwechselerkrankung leiden, die mit Homozystinurie einhergeht, sind verstärkt anfällig für Thromboembolien [4]. So kann es schon im Kindesalter zu Schlaganfällen kommen [5]. Myokardinfarkt und Lungenembolie werden seltener beschrieben. Die mit Homozystinurie verbundene Mortalität ist hauptsächlich auf Thromboembolismus zurückzuführen [6].
Blutuntersuchungen zeigen in jedem Fall erhöhte Konzentrationen an Homozystein, wobei die Befunde bei CBS- und MTHFR-Defizienz am auffälligsten sind [7]. Auch der Methioninspiegel sollte bestimmt werden. Konzentrationen über dem Referenzbereich sind typisch für einen Mangel an CBS, bei einer MTHFR-Defizienz sind dagegen Werte im unteren Referenzbereich zu erwarten. Störungen des Cobalminstoffwechsels, die zur Homozystinurie führen, gehen in der Regel nicht mit Veränderungen der Plasmakonzentration von Methionin einher. Die Bestimmung der Plasmakonzentration der Methylmalonsäure ist zur Differentialdiagnostik seltenerer Varianten der Homozystinurie von Bedeutung [3]. Urinanalysen bestätigen eine vermehrte Ausscheidung von Homozystein und Homozystin, sowie möglicherweise von Methionin [4].
Bei entsprechendem Verdacht kann die Enzymaktivität in Fibroblasten bestimmt werden, die nach definierten Protokollen aus Hautbiopsieproben angezüchtet werden [8]. Ein ähnlicher Ansatz wird in der Pränataldiagnostik verfolgt, die auf dem Nachweis einer verminderten Enzymaktivität in Amniozyten beruht [4]. Die Enzymaktivität in den Chorionzotten ist dagegen bereits physiologisch sehr gering [6]. Beim Homozystinurie-Patienten kann alternativ mittels Liquid-Chromatographie-Massenspektometrie/Massenspektometrie eine Messung der Enzymaktivität im Plasma erfolgen [9].
Molekularbiologische Techniken können angewandt werden, um den ursächlichen Gendefekt zu identifizieren [10] [11]. Die Ergebnisse sind auch bei der familiären Aufarbeitung sehr hilfreich.