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die Ebene aus dem Sumpf- und Heidegebiet der ^[richtig: des] Landes, an der untern Garonne bis an die Charente aus dem hügeligen Gebiet, welches die berühmten Bordeauxweine hervorbringt. Nach NO. hin steht das Garonnebecken durch den fast genau von N. nach S. gerichteten Teil des Charentethals, darauf eine nur 150 m erreichende Schwelle und jenseit derselben durch den gleich gerichteten Clain, den Nebenfluß der Vienne, über Poitiers mit der großen nordfranzösischen Ebene im Loire- und Seinebecken in Verbindung.
Diese Einsenkung zwischen Angoulême und Poitiers ist eine der wichtigsten, historisch berühmtesten Straßen von Frankreich, welche den Norden [* 2] mit dem Südwesten und Spanien [* 3] verband, daher bezeichnet durch zahlreiche Schlachten, [* 4] die an derselben geschlagen wurden, namentlich an ihrem nördlichen Ende bei Poitiers. Die Ebene an der Loire breitet sich fast gleichmäßig zu beiden Seiten des Flusses aus (Orléans [* 5] 93 m), zwischen Loire und Cher als das noch immer mit Seen und Sümpfen bedeckte und nicht völlig fieberfreie Gebiet der Sologne.
Eine weite Ausbuchtung der Ebene begleitet südwärts die Vienne und den Cher bis Poitiers (190 m) und Bourges (130 m), eine noch größere im N. reicht an der Sarthe bis Le Mans; [* 6] an der untern Loire verengert sich aber die Ebene wieder bis auf etwa 100 km und besteht nicht mehr aus tertiären und darunterliegenden, in den Flußthälern aufgeschlossenen Kreideschichten, sondern aus Granit, durch welchen sich die Loire unterhalb der Mündung der Maine in tiefer eingeschnittenem Thal [* 7] einen Weg zum Meer gebahnt hat.
Jene eben geschilderte Einsenkung nämlich ist eine in der Jurazeit vorhanden gewesene Meerenge zwischen dem granitischen Hochfrankreich und dem ebenfalls überwiegend granitischen Nordwestfrankreich. Doch hat letzteres kein eigentliches zusammenhängendes Gebirgssystem und unbedeutende Höhen; das kleine Plateau von Gâtine in Poitou, welchem westlich die Ebene der Vendée vorgelagert ist, erreicht kaum 300 m und die Montagne d'Arrée (s. d.) in der nordwestlichsten Bretagne nur 391 m. Zwei breite Granitzonen, deren eine mit Ostwestrichtung bei Alençon, die andre mit Südost-Nordwestrichtung mit dem Gâtineplateau beginnt, stoßen in dieser Montagne d'Arrée zusammen und bilden, paläozoische (silurische) Schichten in der Mitte, den Boden Nordwestfrankreichs, das somit auch in dieser Hinsicht wie in Bezug auf seine reiche Küstenbildung, sein winterlich mildes, stets feuchtes Klima [* 8] und seine Bevölkerung [* 9] eine Sonderstellung einnimmt.
Dem Verkehr bieten sich hier bei der geringen Höhe der Granit- und Schieferplatte nur geringe Schwierigkeiten, Kanäle, die jetzt freilich für den Verkehr fast unnütz geworden sind, verbinden mitten durch das Land Nantes [* 10] mit Brest und St.-Malo, letzterer hat nur eine Scheitelhöhe von 64 m. Ostwärts umfaßt dieses aus älterm Gestein bestehende Gebiet der Bretagne auch noch den Südwesten der Normandie und die Halbinsel Cotentin, ja dort finden sich bei Alençon Höhen von 417 m, die höchsten Punkte Nordwestfrankreichs.
Wie aber das zentrale Hochland von einer Jurazone umgeben ist, welche auf dem ältern Gestein auflagert, so auch das nordwestliche gegen das Becken der Seine hin. Dieses letztere ist von der Loireebene nicht zu scheiden, und die Kanäle von Orléans und Briare, welche beide Flußsysteme verbinden, übersteigen mit ihren Scheitelpunkten 100 m nicht beträchtlich. Das Becken der Seine ist fast kreisrund und ringsum von einem Gürtel [* 11] von Jurakalksteinen umschlossen, welche nur an der Peripherie anstehen, nach innen aber das Liegende eines zweiten konzentrischen Ringes von Kreidekalken bilden, die ihrerseits überwiegend von tertiären Schichten bedeckt und nur an der Sohle der Flußthäler durch Erosion [* 12] bloßgelegt sind.
Der geologische Bau und die Entstehung des Seinebeckens sind eine ganz ähnliche wie die des Garonnebeckens. Es trägt den Charakter eines Hügellandes, das sich nur an den Rändern hier und da bis zu 300 m und mehr hebt. Paris, [* 13] das nur noch 25-30 m ü. M. liegt, ist der Mittelpunkt; dort vereinigt sich die Marne mit der Seine, wenig unterhalb auch die Oise, dorthin konvergieren demnach alle Straßen, welche von NW., O., SO. und S. über den Rand in das Becken eingetreten sind. So erleichtert ist auch hier der Verkehr, daß Kanäle nicht nur das Seinegebiet mit dem der Loire und Saône, sondern auch mit Schelde, Maas und Rhein verbinden. So dem Verkehr mit dem Ausland günstig gelegen, wohlbewässert und fruchtbar, daß selbst die Abhänge des plateauartigen Kreidekalkgebiets der Champagne, das sonst nur als Weideland zu dienen vermag, noch die berühmten Weine hervorbringen, hat das Seinebecken und sein von der Natur so scharf bezeichneter Mittelpunkt schon früh die Führerrolle in Frankreich zu übernehmen vermocht.
Der Nordost- und Ostrand des Seinebeckens bildet nun zugleich einen Teil der vom Mittelmeer bis zum Kanal [* 14] durch sich aneinander fügende Gebirge und Höhenzüge deutlich bezeichneten Ostgrenze Frankreichs. Dieselben beginnen an der engsten Stelle des Kanals (jenseit dessen sie sich in England fortsetzen), am Kap Gris Nez und bilden als ein niederer Höhenzug die Berge von Artois, die Wasserscheide zwischen dem belgischen Tiefland und der Somme und Oise. Kein Punkt in diesem Höhenzug erreicht 200 m, aber nach O. hin tritt an die Stelle der Kreide- und tertiären Bildungen die Kohlenformation, die eine bedeutende Industrie ins Leben gerufen hat.
Hier ist also die Grenze Frankreichs eine völlig offene, hier liegen daher zahlreiche Schlachtfelder und starke Festungen. Günstiger ist das Verhältnis nach dieser Seite hin weiter nach SO., wo von den Quellen der Schelde und Sambre an sich die äußersten Ausläufer der Ardennen, des Westflügels des Rheinischen Schiefergebirges, anschließen, deren einförmige, paläozoische (devonische) Schieferplatte noch von dichten Wäldern bedeckt und von der Maas und ihren Nebenflüssen Chiers und Semoy in tief eingeschnittenen, vielgewundenen Thälern durchbrochen wird.
Das ganze Ardennengebiet ist daher schwer zugänglich und von jeher vom Verkehr gemieden worden. In den südlichen Ardennen beginnt die Jurazone, welche das Seinebecken im O. und SO. umgrenzt und hier die Wasserscheide gegen die Maas bildet. Namentlich früher reichbewaldet, wird die höchste Erhebung derselben mit dem Namen Argonnen bezeichnet, welche die Westgrenze des Plateaus von Lothringen bilden. Im W. dem Jura, im O. der Trias angehörig, mitten von der Mosel durchflossen, dacht sich dasselbe nach N. ab, hat aber eine mittlere Höhe von 300-400 m. Im S. verwächst es mit den Monts Faucilles (Sichelbergen), im SO. mit den Vogesen, deren Kamm vom Mont Donon südwärts die Grenze bildet. Der Abfall der Vogesen ist nach O. zur Rheinebene ein steiler, zum westlichen Hochland ein sanfter; bei einer mittlern Kammhöhe von 1000 m erreichen die gewölbten Granitkuppen im S. 1400 m. Die westliche Abdachung bildet noch Buntsandstein. Nach S. fällt das Gebirge ziemlich steil zu der schon erwähnten Pforte von Belfort [* 15] und Montbéliard ab, jenseit welcher sich der Jura erhebt. ¶
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Dieses durch seitlichen, von den Alpen [* 17] her wirkenden Druck entstandene Gebirge, dessen Ketten und Längsthäler deshalb einen merkwürdigen Parallelismus und Steilabsturz auf der schweizerischen, plateauartige Abdachung auf der französischen Seite zeigen, bildet bis zum Genfer See die Grenze, erstreckt sich aber bis zum Rhône-, ja wohl richtiger bis zum Isèreknie. Die höchsten Erhebungen liegen im südlichen Teil der innersten, im Mittel 1300 m hohen Kette (Crêt de la Neige 1724 m, Reculet 1720 m). Der Verkehr über diese Ketten war bei dem Mangel an Querthälern auf der französischen Seite immer ein schwieriger und ist erst in neuester Zeit erleichtert worden.
Von den Alpen, die sich als weit höherer Grenzwall an den Jura anschließen, gehören seit der Annexion Savoyens die Westalpen zum größern Teil an. Insbesondere liegen auf französischem Gebiet die Savoyer Alpen mit der kolossalen Gebirgsmasse des Montblanc (4810 m) mit gegen das Thal von Chamonix abfallendem Nordabhang, den gegen den Genfer See sich absenkenden nördlichen Vorbergen, darunter dem Mont Buet (3109 m) und Dent du Midi (3285 m), und der westlichen Absenkung gegen das mittlere Rhônethal.
An der französisch-italienischen Grenze liegen der fahrbare Paß [* 18] des Kleinen St. Bernhard (2157 m), des Mont Cenis (2098 m) sowie die durch den Mont Fréjus mittels Tunnels führende Mont Cenis-Bahn, sodann der Paß des Mont Genèvre (1860 m). Zwischen diesen Pässen erheben sich die Grajischen Alpen, die mit ihren westlichen Berggruppen (Grands Couloirs 3861 m, Col d'Iséran 2769 m, Mont Tabor 3175 m) sowie mit ihren westlichen Vorbergen, den Grandes Rousses (3473 m) Frankreich angehören.
Zwischen den Pässen des Mont Genèvre und den durch den Col de Larche (1995 m), verbundenen Thälern der Ubaye und Stura ziehen sich vielverzweigt die Kottischen Alpen hin mit der Serpentinpyramide des Monte Viso (3845 m), dem Mont Chambeyron (3400 m) und ihrer westlichen Fortsetzung, dem mächtigen Granitstock der Pelvouxgruppe (Les Ecrins 4103 m), einem großartigen, gletscherreichen Hochgebirge mit tiefen, engen und malerischen Felsthälern, interessant für den Mineralogen und Geognosten, aber wenig bevölkert, schwer zugänglich und wenig besucht.
Noch weiter südlich folgen die Seealpen (Rocca d'Argentiera, an der italienischen Grenze, 3300 m; Mont Pelat 3053 m), welche sich gegen das Mittelmeer hin absenken und von dem fahrbaren Paß des Turin [* 19] mit Nizza [* 20] verbindenden Col di Tenda durchschnitten werden. Südwestlich dieser Kette breiten sich um die Thäler des Var und Verdon die bis 1000 m ansteigenden Kreideberge des Esterelgebirges und endlich, durch das Thal des Argens geschieden, im äußersten Süden das niedrige kristallinische Urgebirgsland der Montagnes Maures aus. Eine Reihe von niedrigern Bergzügen sind den erwähnten Hauptgruppen der Französischen Alpen westlich gegen das Rhônethal vorgelagert und bilden den Übergang zu der Ebene dieses Flusses.
Den Alpen gegenüber, deren verhältnismäßig leichte Zugänglichkeit von W. her sich am besten darin ausprägt, daß französisch sprechende Bevölkerung auch die Thäler der östlichen Abdachung bis an ihren Ausgang in die Ebene von Piemont bewohnt, bilden die niedrigern Pyrenäen gegen Spanien eine viel unzugänglichere Scheidewand. Sie erheben sich, namentlich von Frankreich aus gesehen, als eine gewaltige, wenig eingeschartete Mauer, von Meer zu Meer reichend, in ihrem zentralen Teil mit einer Kammhöhe von nahezu 2600 m. Im Gegensatz zu den Alpen senden sie nicht so gewaltige Ströme in die Ebene, haben wenig Seen und geringe Gletscherbildung.
Bei einer Länge von 570 km sind die Zentralpyrenäen zwischen dem Col de la Perche (1610 m) im O. und dem Paß von Canfranc (1640 m), beide einen Teil des Jahrs durch Schnee [* 21] gesperrt, auf eine Länge von 245 km ohne fahrbare Straße und nur auf beschwerlichen, höchstens für Maultiere gangbaren Pfaden von 2500 m und mehr übersteigbar. Es sind meist schmale, wie in die Felsmauer gehauene Risse (porte, puerto); der wildeste dieser Pässe, die Rolandsbresche (2804 m), dicht westlich vom Mont Perdu.
Außer den genannten höchsten Fahrstraßen gibt es nur noch wenige. Am meisten vermitteln jetzt den Verkehr die beiden unmittelbar am Meer im O. und im W. geschaffenen Eisenbahnen (die erstere seit wenigen Jahren). Vorher war der wichtigste Paß der von Perpignan nach Figueras führende Col de Pertus, nur 290 m hoch und 23 km vom Meer, den schon Hannibal überschritt, dann die breite, plateauartige Einsattelung des Col de la Perche, 1610 m hoch, aus den Thälern der Têt und Aude in das des Segre; im W. der berühmte Paß von Roncesvalles (1207 m), vorzugsweise die Völkerstraße, und noch weiter westlich der noch niedrigere (868 m) Puerto de Betale, die beide von Bayonne nach Pamplona führen.
Nur hier im W. bildet demnach der Kamm der Pyrenäen die politische, nicht auch die ethnographische Grenze. Man kann das Gebirge in drei Abteilungen zerlegen: die Ostpyrenäen, die sich mit dem Nordwestende noch vor die Zentralpyrenäen schieben und mit denselben durch einen Querriegel an den Quellen der Garonne verwachsen;
die Zentralpyrenäen von da bis zum Pic du Midi d'Ossau (2885 m) und dem Canfrancpaß;
davon westlich die Westpyrenäen.
Das gebirgsbildende Gestein der Pyrenäen gehört vorzugsweise der Silur- und Devonformation an, namentlich ist es Schiefer, in welchem sich zahlreiche größere und kleinere Granitkerne finden, die zum Teil die Gipfel des Hauptkammes bilden. Auf diese innere Zone folgen auf beiden Abhängen ziemlich regelmäßig von innen nach außen triassische (Buntsandstein), jurassische, Kreide- und tertiäre Schichten und schließlich Gerölle und Alluvium in den Ebenen.
Die höchsten Erhebungen finden sich in den Zentralpyrenäen, in denen allein sich mit ewigem Schnee bedeckte Spitzen und Gletscher finden, wenn auch nur an der niederschlagsreichen Nordseite. In der Maladettagruppe, südlich von der obersten Garonne, erheben sich (schon auf spanischem Gebiet) der Pic d'Anethou zu 3404 m und der Mont Perdu (3352 m), welchen aber der französische Vignemale (3290 m) wenig nachsteht. Die Zentralpyrenäen geben dem Adour und der Garonne den Ursprung mit vielen ihrer Zuflüsse, die von einem zentralen Punkt fächerförmig über die nördliche Abdachung hinabfließen; viele von ihnen entwickeln sich in den charakteristischen, an Kaskaden reichen Zirkusthälern; hier in den Zentralpyrenäen finden wir auch zahlreiche Mineralquellen, Thermen wie kalte Schwefel- und Eisenquellen. Der östlichste Teil der Ostpyrenäen wird als Mont Albères noch besonders unterschieden; mit dem nach N. vorgeschobenen, weithin sichtbaren Canigou (2785 m) beginnt erst die Hauptkette der Ostpyrenäen, von welcher sich der niedere Zug der Corbières bis gegen Narbonne hin vorstreckt. Die französische Seite der Pyrenäen bildet, namentlich je näher am Ozean, mit ihren grünen Weiden und Wäldern und ihren Wasserfällen einen ¶