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Die Firma von Dr. Alfred G. Epprecht erscheint in der OGS, weil sie 1959 in Liquidation ging und von der Seebacher Firma Contraves AG übernommen wurde, wo sie ab 1960 ein wichtiges Standbein der industriellen Produktion hätte werden sollen.
Offensichtlich schon 1950 und zuvor gab es in Zürich ein Chemisches Institut Dr. A. G. Epprecht. Dieses ist durch eine wissenschaftliche Abhandlung nachgewiesen, siehe weiter unten. Der genaue Name von Epprechts Firma, welche ab 1953 die Viskosimeter produzierte, ist noch etwas unsicher. Es liegt eine Notiz vor, welche die Firma als "Dr. Alfred G. Epprecht AG" bezeichnet, was vermuten lässt, dass er sein ursprüngliches Chemisches Institut umbenannt haben könnte.
Dr. Alfred G. Epprecht wird erst ab 1953 als Hersteller von Rheo- und Viskosimetern bezeichnet. Mit dem Modell RM-15 wurde er erstmals urkundlich erwähnt. Das Kürzel RM stand für Rheomat oder Rheometer. Wo die Firma ihr Domizil hatte, ist ebenfalls noch etwas unsicher. In der bereits erwähnten Notiz steht lediglich, dass Dr. Alfred G. Epprecht an der Limmattalstrasse 214 zu Hause gewesen sei. Das war in Zürich-Höngg. Die Firma Dr. Alfred G. Epprecht AG wurde am 1. September 1959 von der Contraves AG übernommen. Von der Contraves AG wurden die Viskosimeter als «Viscometer VM» und «Rheomat RM» bezeichnet. Letzteres war damals ein geschützter Markenname. Dr. Alfred G. Epprecht konnte sein ganzes Forschungslabor in die Contraves AG integrieren und auch einen Teil seines Personals, darunter auch seine Tochter, welche sein Labor administrativ unterstützte und auch seine Fachkorrespondenz erledigte. Da die Firma Epprecht nirgendwo mehr abrufbar ist, stehen vorerst keine weiteren Infos zur Verfügung. Es gäbe aber noch die Möglichkeit, im Stadtarchiv Zürich in alten Adressbüchern von 1950 bis 1959 weitere Nachforschungen anzustellen.
Publikationen/Referate
Dr. Epprecht hat auch Fachbeiträge publiziert. Aufgefunden wurden sie in folgenden Publikationen:
- Chemie Ingenieur Technik, Band 24 vom 8.8.1952 auf den Seiten 455-456 mit dem Titel "Versuche zur Endpunktbestimmung bei Fällungsreaktionen mit dem Drage-Viskosimeter".
- Helvetica Chimica Acta, Band 22 von 1939 auf den Seiten 925-927 mit dem Titel "Einfacher und empfindlicher Stickstoff-Nachweis für das organische Laboratorium".
- Helvetica Chimica Acta, Band 21 von 1938 auf den Seiten 205-211 mit dem Titel "Die Dissoziationskonstante der ersten Stufe des Schwefelwasserstoffs".
- Kleine Broschüre vom Chemischen Institut A. G. Epprecht in Zürich. Publiziert im Jahre 1950, 7 Seiten mit dem Titel: "Viskosität und Thixotropie: Deren Messung in Laboratorium und Betrieb".
Ferner ist überliefert, dass Dr. Epprecht an der 5. Tagung der Deutschen Rheologischen Gesellschaft in Frankfurt am Main vom 17.-18.5.1955 einen Vortrag hielt mit dem Titel "Messen, Registrieren und Regeln mit dem Rotations-Viskosimeter". Dieser Vortrag wurde 1956 in der Chemischen Rundschau Band 145, Heft 2, Seite 116-117 publiziert.
Der Frmengründer
Dr. Alfred G. Epprecht war 1961 geschätzte 50 Jahre alt. Er wohnte in den 1950er Jahren an der Limmatstrasse 214 in Zürich-Höngg. Ob das wirklich seine Wohnadresse oder eher der Geschäftssitz war, liess sich aus der Information nicht herauslesen. Er war verheiratet und hatte eine Tochter sowie einen Sohn, deren Namen mir aber nicht mehr in Erinnerung sind. Da die Tochter im gleichen Büro bei der Contraves AG arbeitete wie ihr Vater, sah ich sie ab und zu. Sie war eine sehr freundliche Person und damals etwa 25 Jahre alt.
Dr. Epprecht fuhr um 1960 einen französischen Panhard Dyna Z mit Zweizylindermotor mit etwa 850 cm³ Hubraum, Luftkühlung und einer Leistung von 50 PS. Er hatte Frontantrieb wie der Citroën und besass eine für die damalige Zeit eher eigenwillige Karrosserieform, welche etwas pummelig wirkte. Das Auto besass auch eine Kühlerfront von auffällig rundlicher Bauart und das Geräusch des Motors klang sehr vernehmlich tuckernd, ähnlich einem Aussenbordmotor eines Bootes. Da ich mich sehr für sein seltsames Auto interessierte, nahm er mich einmal für eine kurze Probefahrt mit und zwar vom Standort der Contraves AG in Seebach zum Industrievertrieb in Glattbrugg an der Industriestrasse.
Die Fahrgeräusche sind mir immer noch in bester Erinnerung, ganz speziell der ständig wechselnde sanfte Pfeifton, welcher die Fahrt begleitete und ein wenig an einen Düsenjäger erinnerte. Dr. Epprechts Dyna Z war entweder grau oder allenfalls beige, so genau erinnere ich mich nicht mehr daran, denn Dr. Epprecht gehörte zu jener Fahrergilde, welche den Wagen nicht wöchentlich auf Hochglanz polierte, sondern lediglich darauf achtete, dass der Tank immer voll war und einmal im Jahr der Service erledigt wurde. Daher könnte die Farbe auch durch die Ansammlung von Strassenstaub mitgeprägt worden sein. Dafür spricht auch, dass sein Auto immer matt war. Mehr über den Panhard Dyna Z findet man in «Wikipedia». Eine Foto dieses Wagens findet man im dortigen Beitrag, allerdings nicht in den Originalfarben von Dr. Epprecht, sondern in schwarz.
Dr. Epprecht war ein typischer Forscher und hatte eine ebenso typische Forscherseele. Wer sich für sein Werk interessierte, dem widmete er viel Zeit und erklärte seine Geräte mit ebenso viel Geduld.
Die Abteilung Viskosimeter bei der Contraves
Dr. Epprechts Aufgaben innerhalb der Contraves AG beschränkten sich nach der Übernahme seiner Firma vermutlich ganz allein auf die Forschung. Die Produktion erfolgte offenbar in anderen Abteilungen. Sein Forschungslabor, wo er Prototypen zusammen baute, blieb aber weiterhin bei ihm, soweit ich das damals beurteilen konnte. In dieser Zeit waren es der Rheomat RM115 und der Viskometer STV und VM, welche noch von der Vorgängerfirma Epprecht AG entwickelt wurden.
Dr. Epprecht hätte mich gerne als Physik-Laboranten-Lehrling eingestellt, doch hatte ich bereits woanders einen Lehrvertrag abgeschlossen, sodass daraus nichts wurde. Dennoch gab er seiner Tochter den Auftrag, mir ein paar Grundlagen zum Fliessverhalten verschiedener Flüssigkeiten beizubringen und auch, wie man diese mit Viskosimetern ermitteln könne. In Erinnerung geblieben ist mir noch, dass es thixotropes, rheopexes, dilatantes, plastisches, pseudoplastisches Fliessverhalten sowie newtonsche und nichtnewtonsche Flüssigkeiten gebe. Sie war sehr freundlich und auch geduldig und gab mir viele Unterlagen mit. Insgeheim hoffte Dr. Epprecht, dass ich es mir nochmals überlege, die Lehre nicht doch bei ihm zu machen. Leider war aber nichts mehr zu ändern.
Dr. Epprecht blieb aber nicht ewig bei der Contraves, denn von 1967 bis 1971 entwickelte er bei den Firmen Grohmann-Labitzke und Stollack in Österreich Druckfarben. Zu dieser Zeit fuhr er einen Amerikanerwagen, hatte aber weiterhin seinen Wohnsitz in der Schweiz, vermutlich in Basserdorf ZH. Er soll auch in den Balkanstaaten gearbeitet haben.
Nach dem Abgang von Dr. Epprecht bei der Contraves AG, der 1967 oder früher erfolgt sein musste, wurde Lothar Gehm Abteilungsleiter für die Rheometer und Viskosimeter, der noch bis 1984 bei der Contraves arbeitete. Danach verkaufte die Contraves diesen Geschäftszweig an Mettler-Toledo.
Über das Schicksal der Epprechts ist der OGS nichts weiter bekannt. Falls sich Nachfahren oder ehemalige Mitarbeiter Dr. Epprechts zufällig in der OGS-Seebach verirren sollten, wären diese freundlich gebeten, sich zu melden, damit dieser Beitrag noch etwas verbessert werden kann.
Quellen: - OGS-eigene - einige weitere sind im Text erwähnt - eine namentlich nicht mehr bekannte Person meldete mir, dass Dr. Epprecht auch einen Sohn hatte) - Robert Drev (Infos zu den Jahren 1967 bis 1971)