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Geschichte der MG Brass Band Wilen
Im Jahre 1915 zog ein musikbegeisterter Mann nach Wilen. Er war Trompeter und Aktivmitglied der Stadtmusik Wil. Dieser Mann begeisterte noch mehr junge Männer, die sich ebenfalls der Stadtmusik Wil anschlossen. Das ging so bis ins Jahr 1919, da waren schon 5 Männer von Wilen als Aktivmitglied in der Stadtmusik Wil. Das blieb der Gemeinde Wilen nicht verborgen. Bereits zu sechst begannen die Männer in Wilen zusammen zu musizieren und schon bald kam die Anfrage an einem heiligen Fest aufzuspielen. Die Gründung eines Vereins stand bevor mit den Auftritten Weihnachten 1919, Neujahrsmusik 1920 und Fastnachtsmusik 1920. Nach diesen Auftritten erfolgte die erste Versammlung zur offiziellen Gründung des Musikvereins 1920. Als Probelokal stellte der Präsident seine Stube zur Verfügung. Eines der 6 Gründungsmitglieder begann weiteren Personen die „Blaskunst“ zu erlernen. Er wurde später Dirigent des Musikvereins und Trompetencorporal im Militär. Bis zur 1. Hauptversammlung am 4. September 1920 bestand die Besetzung des Vereins aus den 6 Gründungsmitgliedern. Erst dann wurde ein neuer Bassist und Hornist als Aktivmitglied im Verein aufgenommen.
1.Hauptversammlung 1920
Es wurde Bilanz über das erste vergangene Jahr gezogen. Der Verein erhielt den Namen „Musikgesellschaft Wilen bei Wil“. Auch die ersten Statuten wurden erstellt mit Regeln und Vorschriften. Dabei wurden auch die Vorschläge aufgenommen Bussgeld bezahlen zu müssen; bei zu spät kommen an die Probe 20 Rappen, bei nicht erscheinen gar 50 Rappen und 5 Franken beim Ausbleiben an Konzerten ohneEntschuldigung. Bereits im ersten Jahr wurden viele Anlässe besucht wie die Fahnenweihe der Schützen, Spielen an einer Gewerkschaftstagung und den Bummel zu den Restaurants. Mit dem Landhaus wurde ein neues Probelokal gefunden. Das gewünschte Probelokal im Schulhaus durfte nicht benutzt werden.
Protokollbuch; Eintrag von 1920, Ausflug nach Littenheid
Nicht allen Leuten gefiel der neue Musikverein. Die Musikanten wurden angerempelt und verspottet und als „Löhli und Schnuderbuben“ bezeichnet. Wegen Beleidigung und „Gefährdung der Vereinsehre“ wurde Anzeige beim Friedensrichter in Sirnach erhoben.
Erste Ereignisse
Der erste Vereinsabend oder Abendunterhaltung, wie wir sie heute nennen, fand am 08. und 15. Januar 1922 in Wilen statt. Im gefüllten Saal spielten die Musikanten 6 Stücke von Märschen bis Walzer. Nach dem Verkauf der Tombolalosen standen zwei kurze Theaterstücke auf dem Programm, bei denen nicht immer alles reibungslos verlief. Das Programm war sehr erfolgreich und das Publikum begeistert. Bei flotter Tanzmusik war der Abend viel zu schnell vorbei, denn um 2.00 Uhr morgens mussten alle aufbrechen. Auf den Strassen hörte man noch lange: „Wie schö isches doch gsi!“
Musikreise 1922 Der Verein versammelte sich auf dem Dorfplatz. Von da an ging die Reise zu Fuss in die nahegelegenen Nachbardörfer. Die Tour ging über den Ägelsee nach Littenheid und Busswil zurück nach Wilen Immer wieder wurden bei verschiedenen Gasthöfen angehalten und eingekehrt, damit alle auf ihre Rechnung kamen. Zum Dank spielte man einige Stücke. Auch bei vielen Passivmitgliedern machten sie einen kurzen Rast. Bei der Rückkehr ins Dorf Wilen spielten sie. Den vereinzelten Zuhörer der Wilener Dorfbevölkerung konnte man ansehen, dass sie Interesse und Freude an der Musik haben. Mit dem offiziellen Schluss beendete der Präsident den Ausflug. Solche Zusammenkünfte des Vereins stärkten den kollegialen Zusammenhalt der Mitglieder. So schrieb auch der damalige Aktuar Hans Hollenstein ein passendes Gedicht in das Protokollbuch;
Wilen 11.Juli 1922, Hans Hollenstein
Immer wieder liest man in den Protokollen der Musikgesellschaft Wilen, wie sie auf Reisen in den Nachbardörfern waren. Mit geschmücktem Wagen zogen die Rösser die Musikanten durch die Dörfer, jedoch mussten auch Teile des Weges zu Fuss zurückgelegt werden. Mit dabei auf den Reisen waren immer alle Instrumente und Noten, um jederzeit spielen zu können. Es wurde gespielt, gesungen und gelacht. Dabei wurde nicht wenig Alkohol getrunken. Was man heute noch von den Musikgesellschaften kennt. Nicht selten fand ein Musikant etwas in seinem Instrumentenbecher, das nicht hineingehörte.
Das erste Musikfest an dem die Musikgesellschaft Wilen teil nahm war in Münchwilen am 10. Mai 1925. Durch einen Marsch verabschiedeten sich die Musikanten von Wilen und marschierten nach Münchwilen. Auf kollegiale und freundschaftliche Weise wurden sie empfangen. Mit einem Festumzug zogen sie mit allen anderen Musikvereinen zum Festplatz, wo jede Musik auf der Bühne ihr Musikstück zum Besten gab. Zu ihrer positiven Überraschung absolvierten sie dies sehr gut. Glücklich kehrten die Musikanten in ihr Dorf zurück.
Meilensteine der Geschichte
Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der BB Wilen, war der Betritt zum Kantonalen Musikverband 1925. Die Mitgliederzahlen des Vereines stiegen stetig an, 20 Jahre nach der Gründung waren es bereits 22 Mitglieder. Die 25-Jahrfeier des Vereins wurde wegen des Krieges auf das Jahr 1946 verschoben. Es war ein voller Erfolg und man hoffte auf weitere gelungene Jahre in der Musikgesellschaft BB Wilen. Mit 41 Mitgliedern im Jahre 1966 hatte man den höchsten Mitgliederstand. Nicht nur die Mitgliederzahlen stiegen, auch das Niveau der Musik stieg stetig an.
Musikgesellschaft 1948
Die 50-Jahrfeier des Vereins wurde ausgiebig an drei Abenden gefeiert. Leider findet man in den Protokollen keine genaueren Angaben dazu. In einer Kommissionssitzung wird nur erwähnt, dass eine bereits bestehende Offerte für ein 800 Leute Festzelt doch zu klein sei und man nach einem grösseren Festzelt sich umsehen muss. Nach Luzern reiste man 1971, um am ersten eidgenössischen Musikfest des Vereines teilzunehmen. Die Anreise fand mit der SBB statt. Mit einem Wettspiel und einem Marschmusikstuck präsentierte sich der Verein in Luzern. Die vielen Proben für das Musikfest wurden belohnt, so konnte man am Schluss den Goldlorbeerenkranz am Vereinsfahnen präsentieren. Am Bahnhof Wil wurde die Musikgesellschaft von den Dorfvereinen von Wilen gebührend empfangen und in die Heimat zurückbegleitet.
Neuzeit
Immer wieder nahm die Musikgesellschaft an Kreismusiktagen, Kantonalen und Eidgenössischen Musikfesten teil. Einer der starken Auftritte absolvierte die BB Wilen am Kantonalen Musikfest in Amriswil 2004. In ihrer Stärkeklasse wurde die Brass Band mit einem Selbstwahlstuck und einem Aufgabestuck Erste. Auch in der Marschmusik spielten und marschierten sie sehr gut, und holten die zweithöchste Punktzahl an diesem Tag. Der herzliche Empfang im Dorf war an diesem Tag der krönende Abschluss.
Auch die Teilnahme der BB Wilen am eidgenössischen Musikfest in Luzern 2006 war prägend. Mit einem 10-Wochenstück begann die intensive Vorbereitung auf das Musikfest. Das Vorbereitungskonzert mit dem Musikverein Oberhelfenschwil in Oberhelfenschwil war der erste Glanzpunkt. Gut vorbereitet traten sie die Reise nach Luzern an. Mit hervorragenden Punktzahlen wurden sie für ihre Arbeit belohnt. So belegten sie in der Konzertmusik den 10. Platz und in der Marschmusik klassierten sie sich auf dem 9. Platz. Dass ihnen mit einem neuen Dirigenten ein solches Resultat gelang überraschte viele. Nach den Auftritten war die Anspannung weg und man genoss einen gemütlichen Abend miteinander, bis es nach einer langen Nacht in Luzern auf die Heimreise ging. Alls traditionellen Anlass im Dorf führt die BB seit über 20 Jahren den Spaghettiplausch auf dem Primarschulhausplatz durch. Mit Spaghetti und Saucen in vier Variationen, einem reichhaltigem Kuchenbuffet und Rösslikutschenfahrt für gross und klein, bietet der Anlass für jeden etwas. Im Dorf ist dieser Anlass sehr beliebt und wird auch sehr gut Besucht. Was geblieben ist, sind die Unterhaltungsabenden. Jedes Jahr im März findet dieser statt. Mit Musik und einigen kleinen Theatereinlagen bereitet die BB ihren Gästen einen schönen Abend. Was dabei auch nicht vergessen werden darf, sind die vielen Preise, die es bei der Tombola zu gewinnen gibt. Nicht nur mit Glücklosen können Preise gewonnen werden, um Mitternacht findet alljährlich die Nietenverlosung statt. Wer dann noch nicht genug von der Musik hat, der schaut noch an der Musik-Bar auf einen Drink vorbei.
Zu einem Musikverein gehört immer auch eine Uniform. Über fünf verschiedene Uniformen hatte die BB bereits, von weiss-schwarzen bis zu blau-weissen. Mit den Spenden von Firmen und Privatpersonen konnte sie sich 2007 eine neue Uniform leisten. Schon damals gehörte sie zu den moderneren Uniformen. Auf die üblichen Verzierungen und Kopfbedeckung wurde zur Freude von Allen verzichtet. Mit einem grossen Einweihungsfest im März wurde die Uniform zum ersten Mal dem Publikum präsentiert. Mit der Unterstützung von anderen Vereinen aus den Nachbardörfern gelang ein sehr schöner Abend, an dem viel gelacht wurde. Die Uniform neu in den Farben dunkelblau, orange und schwarz, kam sehr gut an beim Publikum und auch unter den Musikanten. Das Atelier Büttiker in Pfaffnau LU hatte eine sehr gelungene Arbeit abgeliefert. Zusätzlich wurde Stoff gekauft, um künftige Mitglieder einkleiden und Änderungen an den Uniformen vornehmen zu können.
Heutige Uniform
Viele spannende Geschichten und Anekdoten liest man in den Protokollbüchern. Eine Tradition die seit über 90 Jahren wahrt. Vieles gäbe es noch über die Geschichte des Vereins zu schreiben, doch konnte ich nur einige der wichtigsten Meilensteine niederschreiben. Der Verein wurde kurz nach dem ersten Weltkrieg gegründet und überstand den zweiten Weltkrieg. Viele Generationen spielten in unserem Verein schon mit und nie wurde der Verein aufgegeben, auch wenn einige dagegen waren. Hätten die Gründungsmitglieder damals Gedacht, dass dieser Verein so lange bestehen bleibt?
Auszug aus der Vetiefungsarbeit von Corina Somm, Januar 2014
Vielen Dank für’s recherchieren 😎