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Zürich 13 November 1869.
Mein hochverehrtester Herr!
Ihr geschätztes Schreiben vom 25. v. M. ist mir seiner Zeit richtig zugekommen & Herr Bundespräsident Welti hat mir von dem Briefe Kenntniß gegeben, den Sie in letzter Zeit an ihn gerichtet haben. Herr Oberst Hammer ist im Sinne der von Ihnen geäußerten Wünsche instruirt worden.
Unser Gotthardausschuß ist in voller Thätigkeit, um die in der Schweiz noch zu beschaffenden Millionen beizubringen. Ein gutes Stück Arbeit bei unsern kleinen Verhältnissen, welche durch die in neuster Zeit bei uns eingeführten Formen der reinen Demokratie nichts an Größe gewinnen! Aus Italien, mit dem ich in fortwährender Correspondenz bin, noch | nichts neues entscheidendes.
Die Bildung der Gesellschaft für die Ausführung der Gotthardunternehmung beschäftigt mich gegenwärtig in überwiegender Weise. Eine spezielle Seite dieser Frage veranlaßt mich, heute schon an Sie zu schreiben, während ich mir vorgenommen hatte, dieß erst zu thun, wenn ich Ihnen einmal bestimmtere Ergebnisse der Thätigkeit mittheilen könnte, welche der Gotthardausschuß & das Consortium für Leitung einer Gotthardbahngesellschaft mittlerweile hat walten lassen. Diese spezielle Seite der Frage der Gesellschaftsbildung besteht in dem Gedanken, von Städten, Provinzen Bahngesellschaften u. s. f., welche ein Interesse an dem Zustandekommen der Gotthardbahn haben & an der Beschaffung der Subventionen nicht Theil nehmen, die Übernahme eines bedeutenden Theiles des Actiencapitales pari (zum Unterschiede von dem Consortium, | welches die Actien unter pari bekäme) & «mit der Verpflichtung, sie binnen 3 Jahren von der Constituirung der Gesellschaft an gerechnet, nicht zu veräußern», zu erwirken. Ich habe dabei Italienische Städte & Provinzen, einzelne Schweizerstädte, deutsche Eisenbahnen im Auge & könnte mir denken, daß man auch bei Elsässischen, Belgischen & Holländischen Städten, großen industriellen Etablissements u. s. f. ein geneigtes Gehör finden dürfte. Wenn es gelänge, einen großen Theil, vielleicht die Hälfte des Actiencapitales in solcher Weise erhältlich zu machen, so würde dieß zweifelsohne die Unterbringung des Restes des Actiencapitales mächtig erleichtern. Correnti, mit welchem ich hierüber in Correspondenz stehe, ist dem Gedanken, was Italien betrifft, nichts weniger als abgeneigt. Was sagen Sie dazu? Wenn Sie, wie ich fast nicht daran zweifeln kann, auch bei| pflichten, so gestatten Sie mir, Ihre Aufmerksamkeit noch auf einen weitern Punct zu richten. Ich habe den Mittheilungen, welche mir Welti gemacht hat, entnommen, daß Delbrück mit dem Gedanken umgeht, zu der Subventionsleistung Deutschlands auch Eisenbahnen, Minen, große industrielle Etablissements herbeizuziehen. Dieß wäre der Verwirklichung meines Gedankens natürlich sehr nachtheilig. Hinwieder kann es Delbrück nicht entgehen, daß, wenn man die Sache will, man auch die Bildung der Gesellschaft thunlichst erleichtern muß & daß es ohne Unterstützungen, wie die von mir in Aussicht genommene außerordentlich schwer halten wird, eine Gesellschft ins Leben zu rufen. Angesichts dieser Verhältnisse möchte ich Sie bitten, auf Delbrück einwirken zu wollen, daß er das Revier der Bahngesellschaften, Minen u. s. f. uns, die wir die Gesellschaft zu bilden haben, überlasse. Herr Weishaupt, den ich bestens grüße, hätte gewiß die Güte, Sie hierin zu unterstützen.
Ganz Ihr
Dr A Escher.