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US-Politiker soll zurücktreten – er log, er habe jüdische Wurzeln
Die republikanische Führung seines Wahlkreises hat den US-Kongressabgeordneten George Santos wegen falscher Angaben im Lebenslauf zum Rücktritt aufgefordert. Er sollte nicht im Dienste der Allgemeinheit tätig sein, sagte Joseph Cairo, Vorsitzender der Republikaner in Nassau County im US-Bundesstaat New York, am Mittwoch.
«Er hat Schande über das Repräsentantenhaus gebracht und wir betrachten ihn nicht als einen unserer Kongressabgeordneten.» Deshalb fordere die republikanische Führung von Nassau County seinen «sofortigen Rücktritt» als Abgeordneter.
Santos hatte keinen Uni-Abschluss
Der 34-Jährige war bei den Kongresswahlen im November erstmals ins Repräsentantenhaus gewählt worden. Die Zeitung «New York Times» nahm daraufhin Santos' Lebenslauf unter die Lupe. So behauptete er etwa, ein «erfahrener Investor an der Wall Street» gewesen zu sein.
Auf Anfrage der Zeitung teilten jedoch angebliche Arbeitgeber mit, Santos sei nie bei ihnen beschäftigt gewesen. Auch seinen Universitätsabschluss konnte die Zeitung nicht verifizieren – obschon er gegenüber der eigenen Partei sogar behauptete, er sei der Star des Uni-Volleyball-Teams gewesen:
Holy shit. The Nassau County Republican Party just said that George Santos told them in his vetting interview that he was a star volleyball player at Baruch College and won the league championship.— No Lie with Brian Tyler Cohen (@NoLieWithBTC) January 11, 2023
He didn’t even attend the school.
Santos wurde zudem vorgeworfen, er habe die Öffentlichkeit in Bezug auf seine Familiengeschichte getäuscht. So behauptete er, dass er ukrainisch-jüdischen Hintergrund habe und dass seine Vorfahren vor dem Holocaust im Zweiten Weltkrieg geflüchtet seien.
Er denkt nicht daran, zurückzutreten
Des weiteren behauptete er, der tatsächlich von brasilianischen Einwanderern abstammt, einst, seine Mutter sei bei den Terroranschlägen am 11. September 2001 ums Leben gekommen. Tatsächlich verstarb sie erst im Jahre 2016.
Die New Yorker Staatsanwaltschaft nahm daraufhin im Dezember Ermittlungen auf. In einem Interview räumte der Republikaner ein, er habe seinen Lebenslauf «beschönigt».
In diversen Satire-Shows wird Santos bereits aufs herrlich Korn genommen:
Er werde nicht zurücktreten, sagte Santos am Mittwoch Reporterinnen und Reportern zufolge. Der frisch gewählte republikanische Vorsitzende der Kongresskammer, Kevin McCarthy, hatte zuvor erklärt, den Fall Santos intern zu regeln.
Demokraten könnten profitieren
Ein Rücktritt Santos' wäre für die Republikaner im Repräsentantenhaus heikel. Bei den Kongresswahlen haben sie zwar die Mehrheit in der Kongresskammer zurückerobert - allerdings nur hauchdünn. Sollte Santos zurücktreten, müsste es eine Neuwahl in seinem Wahlkreis geben.
Es wäre nicht ausgeschlossen, dass die Demokraten den Sitz gewinnen und die republikanische Mehrheit schmilzt. Der Demokrat und heutige US-Präsident Joe Biden hat bei der Präsidentenwahl 2020 in Nassau County gewonnen.
(mhe)