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Was versteht man unter einem "trockenen Auge"? Das "trockene Auge" ist eine der häufigsten Augenkrankheiten. 10 - 30 % der Bevölkerung leidet darunter. Das Auge wird ungenügend befeuchtet und verursacht Beschwerden. Ursache dafür ist meistens eine veränderte Zusammensetzung des Tränenfilms. Die Therapie besteht vor allem in regelmässiger Lidrandpflege und der Anwendung von befeuchtenden Augentropfen.
Welche Beschwerden sind typisch bei einem "trockenen Auge"?
Augenrötung
Brennen und Stechen
Fremdkörpergefühl (wie Sand in den Augen)
Lichtempfindlichkeit
müde Augen
verschwommenes Sehen
Unverträglichkeit von Kosmetika
Augentränen (bei Wind und Kälte)
Jucken
Was sind die Ursachen eines trockenen Auges?
Erhöhte Verdunstung ("Evaporatives trockenes Auge")! Die Tränenflüssigkeit besteht aus mehreren Komponenten (Wasser, Schleim, Fett). In 80 % liegt die Urache in einem Fettmangel (Lipid-Mangel) bei einer Störung der Talgdrüsen (Meibomdrüsen-Dysfunktion). Dies wiederum führt zu einer vermehrten Verdunstung der Tränen und zur Austrocknung.
Mangel in der wässrigen Tränenproduktion
Oft Kombination beider Ursachen:
im Alter
infolge von Hormonumstellungen (Wechseljahre, "Pille")
bei Einnahme bestimmter Medikamente (B-Blocker, "Pille", Psychopharmaka, Aknemittel)
infolge Umweltbelastungen: Ozon, trockene Raumluft (Klimaanlagen, Heizen im Winter), Staub, Abgase, Bildschirmarbeit (bei Konzentration weniger Blinzeln)
Allgemeine Krankheiten (rheumatische Erkrankungen, Sjögren-Syndrom, Hauterkrankungen wie Akne, Rosazea oder Psoriasis ("Schuppenflechte"), Schilddrüsenerkrankungen, Zuckerkrankheit, Schlaganfall, Parkinson`sche Erkrankung etc.)
Wie funktioniert die Befeuchtung des Auges, und warum ist sie so wichtig? Die Tränenflüssigkeit wird in verschiedenen Drüsen rund ums Auge produziert. Sie fliesst um und über das Auge und dient zur:
Feuchthaltung und Ernährung der Hornhaut
Reinigung des Auges und damit zu einer guten Sicht
Schutz vor Infektionen
Durch den Lidschlag (alle 5-10 Sekunden) wird die Tränenflüssigkeit über die Augenoberfläche gezogen und fliesst danach über den Tränenkanal in die Nase und weiter in den Mund ab. Der Tränenfilm besteht aus 3 Schichten:
Schleimhaltige Schicht (gleicht Unebenheiten auf Hornhaut und Bindehaut aus)
Wässrige Schicht (Reinigung, Ernährung und Schutz vor Infektion)
Fetthaltige Schicht (Schutz vor zu schneller Verdunstung der Tränenflüssigkeit)
Was sind die Therapiemöglichkeiten des trockenen Auges?
ausführliche Untersuchung beim Augenarzt zum Ausschluss einer schweren Augenerkrankung, zur Ursachenfindung und Therapie
regelmässige Anwendung von befeuchtenden Augentropfen, Gels, Salben ("künstliche Tränen"), Liposomenspray
regelmässige Reinigung der Lidränder bei Meibomdrüsen-Dysfunktion und chronischer Lidrandentzündung ("Lidrandhygiene")
ausreichende Flüssigkeitszufuhr (mindestens 2 Liter pro Tag)
regelmässiger Aufenthalt an der frischen Luft, regelmässiges Lüften von Räumen, Luftbefeuchter aufstellen
bei Bildschirmarbeit: häufiger Blinzeln, regelmässige Pausen, gute Bildschirmeinstellung, bei Fehlsichtigkeit optimale Brille tragen
Verzicht auf Rauchen und Alkohol
Gesunde und vitaminreiche Ernährung: evtl. Nahrungsergänzung mit Omega-3-Fettsäuren. Dies sind lebensnotwendige (essentielle) ungesättigte Fettsäuren. Sie sind in Leinsamenöl, Rapsöl, Sanddornöl, Meerfischen (Lachs, Sardinen, Hering, Thunfisch etc.) enthalten. Sie haben nachgewiesene gesundheitsschützende Wirkungen wie:
Befeuchtung der Haut und Schleimhäute "von innen"
Schutz vor Herz-Kreislauferkrankungen
Vorbeugung der Arteriosklerose
Risikosenkung einer möglichen Alzheimer-Erkrankung
Verschluss des Tränenkanals:Dadurch verbleibt die ungenügend produzierte Tränenflüssigkeit länger am Auge, ohne dass sie zu schnell über den Tränenkanal wegfliesst.
Dies erfolgt durch:
Verödung des Tränenpünktchens durch chirurgisches Verfahren
Verschluss des Tränenpünktchens durch Kunststoffstöpsel
Entzündungshemmende Medikamente: Da bei schweren trockenen Augen meist auch eine entzündliche Komponente vorliegt, müssen zum Teil entzündungshemmende Tropfen wie Cortison- oder Ciclosporin-Augentropfen eingesetzt werden.
Antibiotika: Bei der Meibomdrüsen-Dysfunktion kommt es nicht selten zu einer bakteriellen Infektion der Lider, was eine Antibiotika-Therapie in Tablettenform oder örtlich als Salben oder Tropfen notwendig macht.
Behandlung bei einem Schmerzspezialisten! Es gibt Patienten, die chronisch starke Augenschmerzen haben, ohne dass der Augenarzt viele Trockenheitszeichen an den Augen sieht. Die Schmerzen bleiben typischerweise auch dann bestehen, wenn der Augenarzt ein Lokalanästhetikum (Tropfen, die die Augenoberfläche unempfindlich machen) ins Auge tropft. Es handelt sich dabei um eine zentrale Sensibilisierung (der Nerven, des Gehirns), um einen sogenannten neuropathischen Schmerz. Eine normale Behandlung des trockenen Auges reicht bei diesen Patienten nicht. Es bedarf eines Spezialisten für Schmerzbehandlungen, wohin Sie Ihr Augenarzt überweisen wird.