Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03132.jsonl.gz/2289

Das musikalische Material der Klanginstallation ist eine Komposition für Streichquartett "Der Himmel in Flandern".
Diese Komposition kann man live, im Rahmen eines Konzertes, als Streichquartett spielen, oder als Klanginstallation einrichten.
Als Klanginstallation schrieb ich die Musik für einen Film, für Bilder einer Landschaft. Wie aus dem Titel ersichtlich, ist die Landschaft Flandern und zwar Poldern, der dem Meer abgerungene Landstreifen an der Nordsee. Die Komposition bzw. die Musik ist nun selbstverständlich autonom und der Impuls zu ihrer Entstehung löst sich auf. Trotzdem suchte ich nach einer Möglichkeit die Partitur als Klanginstallation mit Bildern oder als Begleitung für den Bildbetrachter einzurichten. So entstand die Idee eines Klangturmes von 4 Lautsprechern die aufeinander geschichtet werden und von denen jeder in eine andere Richtung abstrahlt. Der Turm soll in der Mitte eines Raumes mit Bildern, Skulpturen, usw. (Galerie) stehen. Über jeden Lautsprecher wird eine einzeln aufgenommene Stimme des Quartettes abgespielt. Der Unterste für das Cello, der Zweitunterste für die Bratsche, oberhalb der Bratsche die zwei Violinen. Die vier Instrumente bzw. Quartettstimmen werden von vier kleinen CD-Player aus auf vier Aktivboxen abgespielt.
Der Besucher hat die Möglichkeit die CD-Player selbständig ein- und auszuschalten.
Er kann sich den Klangturm individuell einrichten. Die sinnliche Wahrnehmung soll im Vordergrund stehen. Wenn Fragen auftauchen möchte ich die Reflexion unterstützen indem der Besucher Einblick in die Partitur und die Spielanweisungen für das Streichquartett erhält. Es soll also eine Partitur aufliegen, in der er die Struktur einer individuellen Stimme erkennt und in Verbindung mit den Spielanweisungen seine sinnliche Wahrnehmung reflektieren kann.
Die Klanginstallation ist etwas vollkommen anderes als die Liveaufführung der gleichen Partitur in einem Konzert. Im Konzert heißt die Partitur "Der Himmel in Flandern" und als Klanginstallation "Klangturm". Diese zwei Titel weisen darauf hin, daß die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Reproduktionsformen (in diesem Fall Liveaufführung und elektronische Installation der gleichen Partitur) vollkommen verschiedene Lösungen hervorrufen können, die nicht mehr vergleichbar sind, sie werden etwas vollkommen anderes, d.h. die Auseinandersetzung mit einem anderen Medium, wenn man die Verschiedenheiten respektiert, bringen verschiedene, dem Medium mehr oder weniger entsprechende Lösungen hervor.
Die ganze Erfahrung ist natürlich erst gemacht, wenn man nun das Quartett live aufgeführt gehört hat und zwar möglichst im gleichen Raum in der die Klanginstallation eingerichtet ist.