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Preis für eine Tageskarte
Eine Analyse des Verhältnisses zwischen der Grösse (Pistenlänge) eines Wintersportgebietes und dem Preis für einen Tagekarte zeigte 2014, dass wohl eine Beziehung zwischen diesen beiden Grössen besteht. Die Abhängigkeit ist aber nicht ausgeprägt, denn der Preis für eine Tagekarte ist nicht konsequent höher je grösser ein Skigebiet ist. Erklärbar ist dieses Resultat mit der Tatsache, dass aktuell einerseits für eine Tagekarte eine („psychologische“) Obergrenze um die 70 Franken besteht (Ausnahme Zermatt, mit Cervinia I, grenzüberschreitend), andererseits kleinere und kleinste Gebiete einen untere Preisgrenze (Deckungsbeitrag) nicht unterschreiten dürfen, um betriebswirtschaftlich mindestens den Break-even-Point zu erreichen, da Bergbahngesellschaften im Verhältnis zu den Gesamtkosten einen sehr hohen Anteil an Fixkosten haben.
Die Rangfolge (bei einem Wechselkurs von 1.05) nach dem Preis für eine Tagekarte zeigt, dass die Schweizer Wintersportgebiete im Vergleich zum Ausland weit oben rangieren, d.h. im Allgemeinen werden in der Schweiz hohe Preise verlangt, teilweise gar die höchsten.
Preis pro Kilometer
Mit Hilfe der Kennzahl „Preis pro Kilometer Pistenlänge“ wurde 2014 ein Ranking erstellt, das zeigt, dass 1. eine starke Durchmischung der europäischen Destinationen vorzufinden ist, dass 2. die kleineren Skigebiete stark im Nachteil gegenüber grösseren sind.
2014 wurden die Berechnungen mit einem Euro-Wechselkurs von 1.20 angestellt. Durch den „Kursschock“ vom 15. Januar 2015, als die schweizerische Nationalbank den Wechselkurs frei gab bzw. die Untergrenze von 1.20 nicht mehr verteidigte, hat sich das Ranking, wie zu erwarten war, zu Ungunsten der Schweizer Destinationen verschoben.
Die Abwertung des Euro von 1.20 auf 1.05 gegenüber dem Franken bedeutet eine Verteuerung der Tagekarte für ausländische Gäste um durchschnittlich 14.3%. Auf der anderen Seite verbilligt sich eine Tagekarte in den Euroländern für Schweizer um durchschnittlich 12.5%.
Somit hat sich die Schere Preisniveau Schweiz zum Preisniveau Ausland weiter deutlich zu Ungunsten der Schweiz geöffnet.
Basiskurs Euro – Schweizer Franken
Die Freigabe des Wechselkurses am 15. Januar 2015 führte zu einer rasanten Aufwertung des Schweizer Frankens; der Wechselkurs erreichte kurzfristig fast die Schwelle von einem Euro zu einem Franken. Aktuell hat sich der Kurs bei etwa 1.05 Franken für einen Euro eingependelt.
Für die Umrechnung der Euro-Preise wurde 2014 ein Wechselkurs von CHF 1.20 je Euro, nun 2015 CHF 1.05 je Euro verwendet.
Basisdaten
Die Daten der Wintersportgebiete und der Preise stammen von einer Studie des „European Consumer Centres Network“ und aus den Angaben auf den Websites der Bergbahnbetreiber.
Preisentwicklung Tagekarte
Die meisten der ausgewählten Wintersportgebiete haben den Preis für eine Tagekarte auf die Wintersaison 2014/15 nicht oder nur massvoll (1 Franken bzw. 1 €) erhöht.
Folgen der Wechselkursfreigabe
Die Schweizer Wintersportgebiete befinden sich in Bezug auf die höchsten Preise vielfach in den vorderen Rängen (vgl. Anhang 1).
Der tiefere Wechselkurs führte dazu, dass sich eine Tageskarte für einen ausländischen Gast im Durchschnitt um 14.3% verteuert hat. Auf der anderen Seite ist für den Schweizer eine Tageskarte in einem Euroland um 12.5% günstiger geworden (vgl. Anhang 2).
Die schon als teuer angesehene Schweiz wird nochmals teurer, auf der anderen Seite das Euroland für den Schweizer günstiger, d.h. attraktiver. Die Folgen sind offensichtlich: Destinationen, die wesentlich von Gästen aus Euroländern besucht werden, hat die Zahl der Übernachtungen abgenommen (Le Temps, 13. Juli 2015); auf der anderen Seite machen Schweizer vermehrt Ferien in einem Euroland. Beides führt auch zu einer Abnahme der Umsätze bei vielen Bergbahngesellschaften.
Ranking Preis pro Kilometer
Wie zu erwarten haben sich im Vergleich zu 2013/14 die Positionen der Schweizer Stationen gegenüber der ausländischen Konkurrenz nach hinten verschoben, bzw. verschlechtert. Beispielsweise hat sich St. Moritz von Rang 9 auf Rang 14 verschlechtert, die Silvretta Arena von 11 auf 18, Zermatt von 14 auf 19, Grindelwald/Wengen von 27 auf 35, Saas-Fee von 36 auf 44 usw. (vgl. Anhang 3).
Wie angeführt benachteiligt der relative Preis pro Pistenkilometer stark die kleineren Gebiete.
Vergleich innerhalb der Schweiz
Im Vergleich mit ausgewählten Skigebieten in der Schweiz schneiden die Walliser Destinationen Portes du Soleil (650 km für 57 CHF, CH und F), Verbier (4 Vallées; 412 km für 71 CHF) und Zermatt inkl. Cervinia (361 km für 92 CHF) verhältnismässig gut ab. Ihnen kommt die Grösse zu Gute. Eine etwas weniger gute Kennzahl Preis Tageskarte je Pistenkilometer erzielen die Destinationen Lauchernalp/Lötschental (55 km für 55 CHF), Anzère (52 km für 52 CHF), Leukerbad (50 km für 50 CHF) und Grächen (42 km für 55 CHF).
Fazit internationaler Vergleich
Es scheint, dass die Economies of Scale voll zum Tragen kommen. Grosse Skigebiete können mehr Skierlebnisse zu einem verhältnismässig viel tieferen Preis als kleinere Gebiete anbieten. Dabei gilt es aber zu berücksichtigen, dass die Skigebietsgrösse (Pistenlänge) für die Wahl einer Destination zwar ein wichtiges Kriterium ist, jedoch weitere Faktoren (Gesamterlebnis) miteinbezogen werden müssen (z.B. Bekanntheitsgrad und Kundenausrichtung des Ortes, Gastronomie, Events, Klima, Höhenlage, technische Beschneiung (Schneesicherheit), Snow- und Funpark etc.).
Ein Vergleich zwischen den Preisen von Topdestinationen in Mitteleuropa mit Skigebieten in Nordamerika beispielsweise hat ergeben, dass die Preise in Mitteleuropa im Durchschnitt rund 35% unter denjenigen von Nordamerika liegen.“ Bieger et al. (2006) begründen dies hauptsächlich damit, dass die lokale oder sogar regionale Konkurrenz im Alpenraum besonders hoch ist. Die Aufwertung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro hat weiter zu einer deutlichen Verteuerung der Schweiz geführt und somit zu nochmals schechteren Karten der Schweizer Wintersportgebiete in diesem Konkurenzkampf.
Quellen
Le Temps, 13. Juli 2015; Face au franc fort le tourisme souffre
Institut Wirtschaft & Tourismus (HES-SO Wallis): Arbeitsbericht Walliser Bergbahnen: Kooperationsmöglichkeiten unter den Walliser Bergbahnen (2008).
The European Consumer Centres Network: Ski Resorts in Europe 2012/13.
Bieger, Thomas; Laesser Christian; Riklin Thomas (2006): Thesenpapier. Neue Preismodelle für mehr Unternehmens- und Kundenwert in der Bergbahn-Industrie. Universität St. Gallen.
Wiederspächer Kevin (2013): 150-Skiregionen-Studie: Wo ist der Skisport in Europa am günstigsten? In: Reihe Verbraucherstudien.
Verschiedene Websites der einbezogenen Skigebiete