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Wenn es nach dem Bundesamt für Strassen (Astra) geht, soll künftig das Leergewicht von Wohnmobilen mit vollem Frischwassertank bestimmt werden. Dagegen wehrt sich Caravaningsuisse, weil dies eine Vorwegnahme des freien Entscheides des Fahrers darstellt, wie er sein Fahrzeug beladen will. So wie das Einhalten des Tempolimits, soll auch das Einhalten der 3,5-Limite auf der Strasse kontrolliert werden und nicht durch virtuelle Zusatzlast auf dem Leergewicht künstliche Reserven eingebaut werden.
Caravaningsuisse, der Schweizer Caravangewerbe-Verband, lehnt die Änderung der Verordnung vom 19. Juni 1995 über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge (VTS; SR 741.41) ab. Die Ablehnung betrifft die Bestimmung des Leergewichts von Wohnmotorwagen mit vollen Frischwassertanks (Art. 7 Gewichte Abs. 1, 1bis und 1ter [neu]) und das für die Bestimmung der Platzzahl massgebende Personengewicht von Wohnmotorwagen (Anhang 9 Ziffer 25 VTS).
Im Grundsatz gilt: Leergewicht soll Leergewicht bleiben. Die Verantwortung für die Zuladung bleibt beim Fahrzeugführer. Der Staat hat genügend Möglichkeiten, die Einhaltung des Gesamtgewichts im konkreten Fall zu prüfen. Ein künstlicher Einbau von Toleranzwerten schränkt nur die Personenbeförderung ein, verhindert aber nicht prinzipiell das Überladen des Fahrzeugs.
Argument 1: staatlich vorgeschriebener ökologischer Unsinn
Die 3.5-t-Gewichtsgrenze ist für die Hersteller von Wohnmotorwagen eine Herausforderung. Die Bestimmung des Leergewichts hat insofern hohe Bedeutung, weil sie in vielen Fällen einen direkten Einfluss auf die Vergabe möglicher Sitzplätze hat.
Es ist jedoch dem Halter respektive Führer des Fahrzeugs zu überlassen, ob er den ökologischen Unsinn machen will, mit gefüllten Frischwassertanks über den Gotthard ins Tessin oder nach Italien zu reisen, oder ob er lieber eine oder zwei Personen mehr befördern will und erst auf dem Campingplatz Frischwasser tankt.
Wichtig ist allein, dass er das Gesamtgewicht von 3.5 t einhält. – Wie viele Dosen Ravioli er im Schrank, wie viele Getränkeflaschen er im Kühlschrank und wie viel Wasser er im Wassertank mitführt, liegt in der Verantwortung des Fahrzeughalters oder Fahrzeugbenutzers! Gleiches gilt übrigens für das Mitführen von Kleidern, Büchern, Velos oder Sportgeräten.
Aus diesem Grunde lehnt caravaningsuisse diese Bestimmung als unnötige Bevormundung des Fahrzeughalters und als unverhältnismässige Einschränkung bezüglich der Art der Verwendung des Fahrzeugs ab. Denn wird das Frischwasser bereits beim Leergewicht von Wohnmotorwagen eingerechnet, so kann der Fahrer zwar auf das Mitführen von Wasser verzichten und mehr Sachgegenstände zuladen, aber er kann nicht mehr Personen mitführen, da bei der Sitzplatzvergabe diese Möglichkeit bereits ausgeschlossen wurde. Dies widerspricht jeder Logik. Zentral ist allein die Einhaltung der 3.5-t-Limite beim Gesamtgewicht.
Argument 2: Hunde ja, Kinder nein
Verschärfend zur Thematik kommt in Anhang 9 Ziffer 25 VTS hinzu, dass das für die Bestimmung der Platzzahl massgebende Personengewicht von Wohnmotorwagen von 75 kg erhöht wird auf 85 kg plus 10 kg pro Meter Fahrzeuglänge für Gepäck.
Konkret heisst das, dass das Fahrzeug zum gewogenen Gewicht quasi mit «virtuellem Gepäck» wie folgt beladen wird, bevor die Sitzplätze vergeben werden:
252 Gepäckgewicht von Wohnmotorwagen
Bei Wohnmotorwagen sind als Gepäckgewicht zu berücksichtigen:
• a. 10 kg für jeden bewilligten Sitzplatz einschliesslich Führer oder Führerin; und
• b. 10 kg pro 1 m Fahrzeuglänge.
Auch diese Regelung stellt eine unzulässige Bevormundung des Fahrzeughalters respektive Fahrzeugführers dar! In der Realität sind meist nicht vier erwachsene Personen im Fahrzeug unterwegs, sondern Familien mit zwei, drei, manchmal sogar vier Kindern. Sie alle mit 85 kg Körpergewicht plus 10 kg Gepäck zu bewerten, ist willkürlich. Die 10 kg pro 1 m Fahrzeuglänge – bei einem 7-m-Fahrzeug immerhin 70 kg – gehen dabei bereits von einer Grundbeladung aus und haben mit einem Leergewicht nichts mehr zu tun.
Es ist nicht nachvollziehbar, dass eine Familie aufgrund der gesetzlichen Bestimmung bei Einhaltung des Gesamtgewichts nicht mit den Kindern reisen darf (weil zur Bestimmung der Sitzplätze von viel zu hohen Gewichtswerten ausgegangen wird), aber ein Hundehalter hingegen seine vier grossen Hunde im Fahrzeug mitführen darf!
Der Staat hat sich analog der Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit darauf zu konzentrieren, die Einhaltung des Gesamtgewichts im konkreten Fall auf der Strasse zu kontrollieren und durchzusetzen.
Argument 3: Ungleichheit durch Anpassung
In den Erläuterungen wird weiter argumentiert, dass es sich bei dieser Änderung um eine Anpassung an EU-Recht handelt und dass, um «der Industrie und dem Gewerbe Zeit zu geben, sich anzupassen, […] für die Anwendung der neuen Vorschriften von Artikel 7 Absatz 1ter eine Übergangsbestimmung vorgesehen» ist.
Dabei wird verheimlicht und überspielt, dass die Auswirkungen in ihrer Konsequenz für den Schweizer Caravaninghandel in keiner Weise dieselben sind! Die Käufer von Wohnmobilen sind zum grössten Teil in der Altersgruppe 50+ zu finden. Diese Käufer haben beispielsweise in Deutschland in der Regel einen Führerschein nach altem Recht gemacht und können ohne zusätzliche Prüfung Fahrzeuge bis 7.5 t lenken! Somit kann in Grenzfällen das Fahrzeuggewicht problemlos auf 3850 kg oder 4500 kg aufgelastet werden. An den Dimensionen des Fahrzeugs ändert das übrigens nichts!
Diese formlose Möglichkeit der Erhöhung des Gesamtgewichts hat der Schweizer Käufer nicht. Er kann dies nur durch den aufwendigen Erwerb des Ausweises C1 machen. In der Praxis hat der Handel in Deutschland nun noch rund 20 Jahre Zeit, um technische Entwicklungen zur Gewichtsreduktion vorzunehmen, bis er sich mit der gleichen Problematik, die wir in der Schweiz bereits haben, auseinandersetzen muss. Ein staatlicher Zwang zum Fahren mit vollem Wassertank und mit virtueller Beladung vor der Zuteilung möglicher Sitzplätze ist darum abzulehnen, weil er in der Praxis in der Schweiz eine zusätzliche massive Einschränkung des Handels darstellt.
Zusammenfassung
caravaningsuisse lehnt Art. 7, Abs. 1 sowie Anhang 9 Ziffer 25 VTS ab, weil er die Verwendung des Fahrzeugs im Bereich Personenbeförderung unabhängig vom Einhalten der 3.5-t-Limite einschränkt. Der Staat hat sich zur Durchsetzung der Einhaltung des Gesamtgewichts auf seine Kontrollaufgabe zu beschränken und nicht dem Halter respektive dem Lenker des Fahrzeugs vorzuschreiben, was er zuladen respektive befördern darf. Gleichzeitig stellen Art. 7, Abs. 1 sowie Anhang 9 Ziffer 25 VTS in der Praxis eine Benachteiligung des Schweizer Handels dar, da die Auswirkungen nicht mit der Situation in anderen Ländern vergleichbar sind. Von einer einfachen Anpassung an EU-Recht kann darum aus Sicht der Praxis nicht gesprochen werden.
Text: caravaningsuisse
Bild: caravaningsuisse