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Unter dem Millionenangebot von Weinen gibt es nur ganz wenige, die den Ruf einer Weinlegende geniessen. Wir stellen ein paar dieser Ultra-Premium-Weine vor. Zuerst präsentieren wir den Grange von Penfolds.
Sicher, es gibt etliche Weine, die in manchen Jahren bei Kritikern besser abschneiden als die international hoch gerühmten Weinlegenden. Doch auf tolle Bewertungen kommt es nicht alleine an. Um eine Legende zu werden, bedarf es mehr als ein, zwei Jahre optimaler Punktzahlen. Ein bisschen Tradition muss schon auch dahinter stecken. Wie etwa beim Grange des australischen Weinguts Penfolds.
Den Grundstein dafür legte der englische Arzt Dr. Christopher Rawson Penfold, der 1844 mit seiner Familie nach Australien auswanderte und einige in Frankreich erworbene Rebstöcke mitgenommen hatte. Überzeugt davon, dass Rotwein sich positiv auf die Gesundheit auswirkt, pflanzte er im selben Jahr in Magill nahe der südaustralischen Metropole Adelaide seine ersten Weinberge an.
Anfangs produzierte er an Portweine erinnernde schwere, süsse Rotweine, die er seinen Patienten als Gesundheitselixier empfahl. Die süssen Tropfen eroberten den australischen Markt und noch um 1940 stellten sie rund 97 Prozent der Weinproduktion des Hauses dar.
Dann aber kam dem damaligen Chef Jeffrey Penfold Hyland die geniale Idee, seinen Chief-Winemaker Max Schubert mit der Erzeugung trockener Weine im Bordeaux-Stil zu beauftragen. Der damals wohl kreativste und visionärste Kellermeister ausserhalb Europas reiste nach Frankreich, wo ihn die Rotweine an der Rhône und in Bordeaux am meisten faszinierten.
Von dieser Tour brachte er die Idee mit, in Australien Weine zu keltern, die grossen europäischen Weinen in Komplexität und Langlebigkeit ebenbürtig sind. Da Schubert zu Hause fast nur auf die Sorte Shiraz zurückgreifen konnte, verwendete er Trauben aus alten Anlagen und baute sie in neuen amerikanischen Barriques aus, da französische Fässer damals unerschwinglich waren.
Mit seinem ersten Wein aus dem Jahrgang 1951 ging er zwar bei den Kritikern unter, da bis dahin australische Weine mit Barriquenoten völlig unbekannt waren. Aber als er den 1955er Grange Hermitage, so hiess der Grange bis zum 1989er Jahrgang, sieben Jahre später bei der Royal Sydney Show präsentierte, gelang Penfolds damit der Sprung in die Schlagzeilen der Weltpresse.
Wer heute eine Flasche aus diesem Jahrgang kaufen will, muss rund 15.000 Euro auf den Tisch legen. Wer eine der knapp zwei Dutzend verbliebenen Flaschen vom 1951er erstehen möchte, muss mindestens doppelt so viel investieren.
Wie der Grange entsteht
Doch trotz des Erfolges wurde Penfolds 1976 von der Brauerei Tooth & Co. aus New South Wales übernommen. 1982 ging das Weingut in den Besitz der Adelaide Steamship Co., und acht Jahre später in den Besitz der South Australia Brewing über, die dann ein Teil der Southcorp-Gruppe wurde. 2005 kamen die Weingüter der Southcorp, darunter die australischen Güter Rosemount und Wolf Blass und das kalifornische Gut Beringer, in den Besitz der Foster’s-Group. 2011 spaltete Foster’s sein Weingeschäft schliesslich in die Treasury Wine Estates Ltd. ab.
Dem Erfolg des Granges haben die diversen Übernahmen zum Glück nicht geschadet.
Was aber zeichnet diesen Wein aus? Zuerst einmal die Auswahl der Trauben aus den etwa 500 Hektar umfassenden Weinbergen des Betriebes. Die Rebstöcke dort sind bis zu 110 Jahre alt und Peter Gago, Chief-Winemaker seit 2002, wählt stets die besten Trauben aus den besten Lagen.
Nach der Ernte wird erst einmal jedes für den späteren Grange potentiell mögliche Lesegut aus den verschiedenen Blocks separat vergoren. Anschliessend reifen die Partien jede für sich in Barriques aus neuem amerikanischem Holz und werden von allen Rotwein-Kellermeistern von Penfolds verkostet und diskutiert.
Das ist ein ziemlich langwieriger Prozess und ganz am Ende fällt die Entscheidung über die Zusammenstellung in enger Abstimmung zwischen den erfahrensten Kellermeistern des Hauses und Peter Gago, der das allerletzte Wort hat. In manchen Jahren besteht der Grange zu 100 Prozent aus Shiraz, in anderen Jahren kommt noch ein Anteil Cabernet Sauvignon hinzu, aber nie mehr als maximal 13 Prozent.
Nach der endgültigen Zusammenstellung folgt eine bis zu dreijährige Flaschenreife. Ein Grange kommt erst nach rund fünf Jahren auf den Markt. Am besten schmeckt er normalerweise nach 15 oder 20 Jahren, aber auch in seiner Jugend überzeugt er mit seiner aussergewöhnlich kräftigen Textur.
Wer heute sagen wir 40 oder 50 Flaschen vom 2010er kaufen würde, könnte im Prinzip jedes Jahr eine Flasche geniessen und hätte immer Spass daran. Denn ob man nun den Grange jung, nach 20 Jahren oder nach vier, fünf Jahrzehnten trinkt, man hat stets ein unterschiedliches und faszinierendes Geschmackserlebnis. So entstehen Legenden.
Wie der Grange schmeckt
Benannt ist der Wein übrigens, als Hommage, nach dem Cottage des Gründerpaares. Wir haben die vier neuesten Jahrgänge verkostet.
2010 Penfolds Grange – 100 von 100 Punkten
Herzlichen Glückwunsch, das ist bereits der 60. Grange in Serie. Dieses Mal mit einem 4-prozentigen Anteil Cabernet Sauvignon. Tiefdunkles Rubingranat mit violetten Reflexen. Im Glas zeigen sich feine Gewürzanklänge, dunkle Beeren und etwas Brombeerkonfit.
Am Gaumen präsentieren sich reife Herzkirschen und Pflaumen, etwas Kakao und Eukalyptus, feine mineralische Noten, eine enorme Konzentration, präsente, sehr gut eingebundene Tannine und ein enormer, etwas an roten Beeren erinnernder Nachhall. Dürfte Potenzial für gut 50 bis 60 Jahre haben.
2009 Penfolds Grange – 94 Punkte
Tiefdunkles Rubingranat mit violetten Reflexen. Im Glas präsentieren sich dezente Dörrobstanklänge, ein Hauch von Quitten, eingelegte Kirschen, etwas Pflaumen und Feigen. Im Mund wirkt er kraftvoll und zeigt gereifte, etwas trockene Tannine mit Nougat im sehr langen Nachhall. Auch der 2009er dürfte rund 30 Jahre lang Trinkvergnügen bereiten und wirkt bereits relativ zugänglich.
2008 Penfolds Grange – 99 Punkte
Der 2008er war ein besonders aussergewöhnlich guter Jahrgang bei Penfolds. Der Grange hat einen Anteil von 2 Prozent Cabernet Sauvignon. Sehr dunkles Violett. Im Glas zeigen sich Aromen von dunklen Beeren, in erster Linie Brombeeren, dazu etwas Pflaumen und Feigen, dunkle Schokolade, Kaffee, Vanille, Nüsse, würzige Akzente, feine Mineralik und Holznoten.
Im Mund kraftvolle Beerenfrucht, Kaffee, Kakao, würzige Akzente, enorme Konzentration, animierendes Säurespiel, stattliche Tanninstruktur und ein ganz langer fruchtig-würziger Nachhall.
2007 Penfolds Grange – 94 Punkte
Der 2007er wird zwar nicht ganz so lagerfähig sein wie etwa der 2008er oder andere Spitzenjahre, aber das Potenzial für drei Jahrzehnte hat er problemlos in sich. Tiefes Granat- bis Purpurrot. Im Bukett zeigen sich Aromen von reifen dunklen Beeren, Kirschen und etwas Datteln, exotisch-würzige Noten, Vanille, Anklänge von Kaffee, Kakao und Nüssen.
Am Gaumen feine Frucht, vorwiegend Kirschen und Datteln, Röstaromen, würzige Noten, elegante Säure, sehr gut integrierte Tannine, dicht, kompakt mit präsenter aber nicht dominanter Holznote und einem lang anhaltenden fruchtig-würzigen Abgang.