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Kunigunde – Herrscherin und HeiligeVeröffentlicht am 23.2.2020, zuletzt geändert am 31.1.2024 #Mittelalter
Mit ihrem Gatten, aber auch ohne ihn, reist Kunigunde in Regierungsgeschäften durch ganz Europa. Im Herbst 1019 dürfte sie zur Weihe des Münsterneubaus in Basel gewesen sein. Nach dem frühen Tod Heinrichs im Jahr 1024 führt sie das Reich mehrere Monate alleine und zieht sich dann als einfache Nonne in ein Kloster zurück. Bald schon ranken sich viele Legenden um das Paar.
Eine Ehe mit Keuschheitsgelübte
Kunigunde wird um 980 als Tochter des Grafen Siegfried von Luxemburg und seiner Frau Hadwiga geboren. Ihre Erziehung erhält sie in einer kirchlichen Schule. Dort soll sie schon als junge Frau ein Keuschheitsgelübde abgelegt haben. Vor der Hochzeit, heisst es, habe sie Heinrich zum selben Entschluss überredet. Kunigundes Eltern sterben 998. Zu diesem Zeitpunkt könnte sie schon mit Heinrich verheiratet sein. Die Ehe mit Heinrich ist für Kunigunde ein sozialer Aufstieg. Das Grafengeschlecht der Luxemburger steht weit unter dem ottonischen Königshaus, dem er entstammt.
1002 wird sie mit Heinrich im Paderborner Dom zur Königin gesalbt. Sie ist die erste römisch-deutsche Herrscherin, bei der dieser sakrale Ritus nachweisbar ist. Der Dom muss dabei erst wieder im Aufbau gewesen sein, denn er war im Jahr 1000 fast vollständig einem Brand zum Opfer gefallen.
Genauso wie später in Basel engagiert sich das Paar 1007/8 bei der Ausstattung des Bistums Bamberg. Zu den Gaben gehört die Bamberger Apokalypse, eine Prachthandschrift, die im Kloster Reichenau gefertigt wird. Kunigunde bringt zur Finanzierung sogar ihr Witwengut mit ein; ihre Familie sieht das nicht gerne. 1014 reisen Heinrich und Kunigunde nach Rom; Papst Benedikt VIII. führt die Kaiserkrönung im Petersdom durch.
Stifterin des Basler Münsters
Basel ist zunächst Teil des Burgunderreiches und gehört damit nicht zum Heiligen Römischen Reich. Burgunderkönig Rudolf III. aber ist kinderlos und Heinrich II. sein nächster männlicher Verwandter. Um sich seine Unterstützung zu sichern, tritt er um 1016 Basel als ein vorzeitiges Erbe an Heinrich ab. Kunigunde und Heinrich finanzieren den Bau einer neuen Bischofskirche – die alte ist von den Ungarn verwüstet worden – und statten das Bistum mit zahlreichen Gaben aus.
Auch wenn die Anwesenheit des Kaiserpaares in Basel nicht historisch belegt ist, so können wir annehmen, dass es der Weihezeremonie beiwohnte. Kunigunde können wir uns neben ihrem Gemahl und neben Bischof Adalbero in einem langen Gewand mit verziertem Gürtel und Handschuhen unter einem reichbestickten Umhang aus Seide vorstellen. Ihren Status betonen dabei eine scheibenförmige Mantelschliesse, Ohrringe und natürlich die Krone. So sehen wir sie zusammen mit Heinrich zu Füssen Christi auf dem goldenen Altarantependium abgebildet, das sie dem Münster stiften.
Von der Kaiserin zur Nonne
Kunigunde ist stark in die Regierungsgeschäfte involviert. Etwa ein Drittel der von Heinrich unterzeichneten Urkunden nennt sie als Intervenientin, d.h. als Fürsprecherin. Es gibt auch Münzen, die in ihrem Namen geprägt werden. Als Heinrich 1024 schwer erkrankt und am 13. Juli an einem chronischen Steinleiden stirbt, hat das grosse Folgen für Basel und Kunigunde: Basel fällt zurück an Rudolf III. und Kunigunde führt das Reich für mehrere Monate zusammen mit ihren Brüdern Dietrich und Heinrich. Sie hat die Reichsinsignien in ihrer Obhut und übergibt sie persönlich an Konrad II.
Nach der Einsetzung des Nachfolgers zieht sie sich in das Kloster Kaufungen zurück, das sie selbst gegründet hat, und lebt dort als einfache Nonne. Bis zu ihrem Tod am 3. März 1033 gibt es kaum noch Zeugnisse von ihr. Sie wird zunächst in der dortigen Klosterkirche bestattet. Später überführt man ihren Leichnam nach Bamberg.
Basler Stadtpatronin
Die kinderlose Ehe von Heinrich und Kunigunde wird in den folgenden Jahrhunderten zur Josefsehe verklärt – also zu einem Zusammenleben der Gatten, das mehr dem von Geschwistern gleicht. Kunigunde wird als jungfräuliche wundertätige Heilige gesehen. Der Legende nach soll sie unbeschadet über glühende Pflugscharen gelaufen sein, um ihre Keuschheit zu beweisen.
Am Westportal des Münsters wachen Heinrich und Kunigunde als Steinfiguren über die Stadt. In Basel wird Kunigunde meist mit einem mit Gemmen besetzten Kreuz dargestellt. Das goldene Heinrichskreuz soll Partikel des Kreuz’ Christi und seines Blutes enthalten. Dabei handelt es sich um das Hauptheiligtum des Münsters, das das Paar bei der Weihe stiftete.
Die Verehrung der Heiligen Kunigunde erreicht in Basel nie das Ausmass, das in Bamberg mit ihr verbunden ist; dort nimmt sie eine marienähnliche Stellung ein. In Basel herrscht der Heinrichskult vor, und Kunigunde wird im kommunalen Kontext kaum abgebildet. 1527 schafft der Rat mit 24 kirchlichen Feiertagen auch das Heinrichsfest ab und beendet damit das offizielle Gedenken an den Stadtpatron und seine Gemahlin.
Quellen
Literatur
Ingrid Baumgärtner (Hrsg.), Kunigunde – eine Kaiserin an der Jahrtausendwende, Kassel 1997.
Irina Bossart, Kunigunde. Stille Präsenz in Stadt und Bistum Basel. In: Still & stark – die heiligen Frauen von Mariastein : eine etwas andere Wallfahrt zu Maria in der Felsengrotte. Zürich 2003, 85-90.
Gold & Ruhm – Kunst und Macht unter Kaiser Heinrich II. Hrsg. von Marc Fehlmann, Michael Matzke u. Sabine Söll-Tauchert, Historisches Museum Basel 2019.
Kunigunde – consors regni. Vortragsreihe zum tausendjährigen Jubiläum der Krönung Kunigundes in Paderborn (1002-2002), hg. von Stefanie Dick/Jörg Jarnut/Matthias Wemhoff (Mittelalter Studien 5), München 2004.
Stefan Hess, Zwischen Verehrung und Versenkung: zum Nachleben Kaiser Heinrichs II.in Basel. Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 102, 2002, 83-145.
Abbildungen
Abb. 1: Terry Allen / Alamy Stock Foto, Bild-ID: DRH91T.
Abb. 2: Bildarchiv Monheim GmbH / Alamy Stock Photo. Bild-ID: MW69P0.
Abb. 3: Historisches Museum Basel, Foto: P. Portner.
Abb. 4: Historisches Museum Basel, Foto: A. Seiler.
Abb. 5: Bamberg, Staatsbibliothek, R.B. Msc. 120, fol. 32v.
Autor*in
Sophie Hüglin ist Archäologin und Mitglied der Konzeptgruppe von Band 1 und 2 der neuen Basler Stadtgeschichte. Sie verfasst auch archäologische Beiträge für spätere Epochen. Sie war von 2002 bis 2014 Mitarbeitende der Archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt und hat zahlreiche Grabungen geleitet. Sie arbeitet an verschiedenen Forschungs- und Publikationsprojekten in Europa und Indien. Sie engagiert sich ehrenamtlich als Vizepräsidentin der European Association of Archaeologists.