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| Paul Koetschau, Allgemeine Einleitung über Leben und Schriften des Origenes. In: Origenes, Schriften vom Gebet und Ermahnung zum Martyrium. Aus dem Griechischen übersetzt von Paul Koetschau. (Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 48) München 1926.

Allgemeine Einleitung über Leben und Schriften des Origenes
A. Das Leben des Origenes
Lebensabriss
5.
Vielleicht ist die Angabe des Epiphanius (Haer. 64,3) richtig, die Hexapla seien die erste der Arbeiten gewesen, die Origenes auf Antrieb des Ambrosius unternommen habe; vgl. Harnack, Chronologie S. 29 f. Der bekannte Freund und Gönner des Origenes, den dieser selbst scherzweise „den Fronvogt bei seinen Arbeiten" genannt hat (vgl. Hier., De vir. ill. 61), weil er ihn unablässig zur Arbeit drängte1, war früher Anhänger des Gnostikers Valentinus2 gewesen (Euseb, VI 18, ), aber von Origenes ebenso wie viele andere Häretiker und griechische Philosophen unter Caracalla, noch vor 215, zur kirchlichen Rechtgläubigkeit bekehrt worden. Der reiche Ambrosius dankte ihm dafür durch tatkräftige Unterstützung seiner Arbeiten, denen er offenbar großen Wert beilegte. Eusebius erzählt uns an einer späteren Stelle (VI 23,1 f.), Ambrosius habe seinem Freunde seit 218 zur rascheren Herstellung der Bibelkommentare — deren Anfänge wohl schon vor 218 liegen — mehr als sieben Schnellschreiber, die abwechselnd das Diktat des Origenes aufnahmen, dazu ebensoviel Buchschreiber und auch noch Mädchen, die im Schönschreiben geübt waren, dauernd zur Verfügung gestellt. Da war es allerdings „die Pflicht" des [S. 25] Origenes (In Joh. V 1, IV 100,3), dem Freunde auch das Gewünschte in vollem Umfange zu leisten.
Neben den mühevollen und zeitraubenden Arbeiten am Bibeltexte des Alten Testaments und Neuen Testaments setzte Origenes seine Unterrichtstätigkeit an der Katechetenschule in unvermindertem Maße fort. Seine Schüler, die ihn hoch verehrten, trugen den Ruhm seiner Gelehrsamkeit bis über die Grenzen Ägyptens hinaus. So kam es, daß Origenes 215, oder noch vor 215, zu dem Statthalter von Arabien, der sich deswegen brieflich an den Bischof von Alexandria, Demetrius, gewandt hatte, nach Petra oder nach Bostra berufen wurde, um ihm auf gewisse Fragen, vermutlich aus theologischem oder philosophischem Gebiet, Auskunft zu geben. Bald nach seiner Rückkehr, 215 oder 216, fand das furchtbare, von Caracalla befohlene Blutbad in Alexandria statt, das den Origenes veranlaßte, sich wohl für längere Zeit nach Cäsarea in Palästina zurückzuziehen. Dort baten ihn die Bischöfe Theoktistus von Cäsarea und Alexander von Jerusalem, in Bewunderung seiner theologischen Gelehrsamkeit, öffentlich vor der versammelten Gemeinde im Gotteshaus zu reden und die heiligen Schriften zu erklären, obwohl er kein kirchliches Amt bekleidete. So hoch ehrten ihn, den jungen Mann, jene beiden Bischöfe. Vermutlich ist er bei seinen Freunden in Cäsarea viel länger geblieben, als Demetrius angenommen hatte; dieser war auch über die Predigttätigkeit des Origenes in Cäsarea ungehalten, so daß Theoktistus und Alexander genötigt waren, den Origenes deshalb in einem Schreiben an Demetrius (Euseb. VI 19,17. 18) zu rechtfertigen. Dem dringenden Ersuchen des Demetrius, das durch Entsendung von Diakonen noch verstärkt wurde, mußte Origenes gehorchen und nach Alexandria zurückkehren, wo er seine frühere Tätigkeit in vollem Umfange wieder aufnahm. Dies mag wohl erst 217 geschehen sein. Einige Zeit später, vielleicht schon 2183, wurde er mit einem [S. 26] Ehrengeleit zu Julia Mamäa, der Mutter des Kaisers Alexander Severus, nach Antiochia berufen. Denn diese hohe Frau, die Eusebius (VI 21,3 f.) wegen ihrer Gottesfurcht preist, hatte von dem Ruhme des Origenes gehört und legte großen Wert darauf, ihn persönlich kennen zu lernen und seine von allen bewunderte Einsicht in göttliche Dinge zu erproben. Origenes verweilte einige Zeit in Antiochia und unterredete sich mit der Kaiserin-Mutter über die wichtigsten theologischen Fragen. Nach seiner Rückkehr nach Alexandria setzte er hier etwa zehn Jahre lang seine Lehrtätigkeit und seine eigenen wissenschaftlichen Studien ohne größere Unterbrechung fort. Es waren dies die Jahre seines fruchtbarsten Schaffens, in denen er neben den mühsamen hexaplarischen Arbeiten seit 218 die großen Kommentare zum Johannesevangelium, zur Genesis und zu den Psalmen wohl gleichzeitig in Angriff nahm und außerdem noch andere Werke vollendete, die in Verbindung mit seiner Lehrtätigkeit standen.
1: E. Preuschen (Orig. IV S. LXXVII) denkt an einen „Vertrag“ zwischen Ambrosius und Origenes, was m. E. aus den Worten des Origenes, In Joh. V 1 (S. 100,3) nicht zu schließen ist.
2: Nach Hieron. (De vir. ill. 56) soll er Anhänger des Marcion gewesen sein.
3: Vgl. Harnack, Chronologie S. 30. Bardenhewer (Gesch. d. altkirchl. Lit. II2 S. 108) setzt 218 oder 219 an. Der Ansatz von K. Joh. Neumann (Hippolytus von Rom I 137) «231 bis 233" ist zu spät und widerspricht der Einordnung bei Eusebius.