Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03644.jsonl.gz/4019

Basil Poledouris Additional music: Richard Marvin, Judd Miller, Eric Colvin La-la Land Records LLLCD 1173 CD 1: 59:15 / 12 Tracks CD 2: 58:20 / 14 Tracks CD 3: 50:19 / 10 Tracks Limitiert auf 3000 Stk.
Selten ist es der Fall, dass man die Möglichkeit hat auf einer einzelnen Veröffentlichung an der Ver- und Abänderung eines Filmscores teilzuhaben (von Entwicklung würde ich in diesem Fall nicht sprechen wollen). Mit der Lalaland Box, die drei CDs umfasst, erhält man Einblick in die erste Version bis hin zum schliesslich verwendeten Filmscore. Das Booklet, verfasst von Jeff Bond, fasst die Vorgänge unterhaltsam zusammen, so dass ich nur kurz darauf eingehe. Nachdem Poledouris seinen Score, einen seiner ersten zu denen er ein sogenanntes Synthmockup erstellte, eingespielt hatte, spürte Mostow nach den Testscreenings den Drang nach Änderungen. So gelang Judd Miller, der das elektronische Blasinstrument EVI spielt, zum Projekt. Gemeinsam mit Poledouris, dessen Assistenten Eric Colvin und Toningenieur Timothy Boyle, (teil)improvisierte das Quartett, insbesondere die EVI-Sounds von Miller waren das Resultat eines Stehgreifspiels. Später stiess dann auch noch „Mostow-Komponist“ Richard Marvin hinzu, der Anteile an 4 Tracks zusätzlich komponierte.
Breakdown war 1997 ein Sleeperhit von Jonathan Mostow (U-571, Terminator: Raise of the Machines). Ein Thriller mit Kurt Russell, dem grossartigen J.T. Walsh und Kathleen Quinlan. Russell und Quinlan spielen ein Paar, das mit ihrer Geländelimousine quer durch die USA nach Kalifornien fährt. Nach einem Fastunfall und einem Tankstopp bleiben sie mit einer Panne mitten in der Wüste liegen. Ein Trucker nimmt Amy mit zur nächsten Raststätte um den Pannendienst anzurufen, während Jeff beim Wagen wartet. Vergebens. Nachdem der Wagen schliesslich doch wieder anspringt, fährt Jeff los, nur um zu erfahren, dass Amy nie in der besagten Raststätte angekommen zu sein scheint. Ein Katz- und Mausspiel beginnt, in dem sich der biedere zum entschlossenen Jeff wandelt und alles daran setzt seine Frau zu finden.
Beginnen möchte ich mit CD 2, die Scheibe, welche die gänzlich von Poledouris komponierte Musik präsentiert. Er startet mit den Main Titlesmit Horn, Streichern und Schlagwerk, ehe ein ausgedehntes Gitarrenmotiv ertönt. Dieses verwendet Poledouris mehrere Male, auch in Variationen (Ende von Earl and Cop Shot zB.), es verleiht dem Score eine Art Einsamkeit, Ausgeliefertsein und „Kälte“ in der Hitze der Wüste Nevadas. Ein weiteres Motiv ist im Spannungsgeflecht von Blech und Streichern (steigernd mit Snares, Pauken, Timpani) in In the Freezerals auch in Main Titles zu hören. Das Orchester spielt zumeist, wie es bei Poledouris in solchen Genrescores Usus ist, mit den perkussiven und rhythmischen Elementen. Selten agiert es für sich alleine wie etwa in The Bank.
Die erzeugten Klänge sind in der Paarung Orchester/Elektronik massiv, kräftig, packend, typisch im Poledouris-Kleid eben, mit kleinen Soloeinwürfen einer Oboe oder Querflöte etwa. Pièce de résistance, was die Länge angeht, ist das fast 13 Minuten dauernde In the Freezer/Deke Freese/Car Chase mit viel Suspense (Mittelteil) und brodelnder Action. Im abschliessenden Truck Ramming (inklusive einer Szene, die so in der synchronisierten, Deutschen Kinoversion nicht enthalten war) nimmt sich Poledouris gar Zeit einen kurzen, aber wirklich nur kurzen, Moment Emotionen aufkommen zu lassen, allerdings nicht überschwänglich sondern bedrückt erleichtert ob dem zuvor erlebten Alptraum.
Disc 1 zeigt den Score wie er schlussendlich im Film verwendet wurde. Es ist eine nochmals unterkühltere Angelegenheit mit sphärischen Synthies, viel (E-)Perkussion und den fremdartig wirkenden EVI-Klängen, sogleich in Main Titles zu hören. Viel Ambient, viel Elektronisches, weniger Bewegung als bei Poledouris’ erstem Entwurf und mit noch mehr experimentellem Anspruch. Das Gitarrenmotiv ist ebenfalls kurz zu hören, allerdings von einem Synthesizer gespielt (Ende von Gas Station/Leaving Bell). Die gespenstisch wirkenden EVI Sounds übrigens erinnern mich an Klänge aus Field of Dreams von James Horner.
Eine Gitarre ist auch im „final revised film score“ prominent eingesetzt, nämlich als typisches US-Countryside Idiom, wie zu Beginn von Route 7-North. In diesem Track ist auch erstmals Richard Marvins Einfluss zu hören (der actionreiche Orchesterpart), der zu insgesamt 4 Stücken Teile beisteuerte.
Vieles was auf CD 1 zu hören ist, bewegt sich mehr auf Sounddesign-Linie denn dass es als Komposition erscheint. Das war vermutlich auch die Veränderung, die sich Jonathan Mostow gewünscht hatte.
CD 3 dann hält insgesamt 10 Alternates bereit, die mehr oder weniger von bestehenden Tracks abweichen, hier mit zusätzlichen Instrumenten ausgestattet, da etwas verändert und hier ein bisschen angepasst.
Poledouris „alternative early film score“ (CD 2) ist um einiges geniessbarer, interessanter und packender als die Filmversion, dem Poledouris Fan, durchaus Spass machend, wenn er den düsteren Kompositionen à la Switchback oder Robocop etwas abgewinnen kann.
Ohne den Hörvergleich gemacht zu haben, scheint es sich bei den CDs 1 und 2 des 3-CD Sets zumindest zum grössten Teil um diejenigen der 2001er Soundtrack Library Bootveröffentlichung zu handeln. Diese Box ersetzt also das Bootleg und ist für Poledouris Liebhaber der Thriller/Actionseite durchaus eine Empfehlung wert. Wer sich eher an melodische Werke wie The Blue Lagoon oder Farewell to the Kinghält, für den ist Breakdown doch eher ungeeignet.
Phil, 4.8.2011
CD 1:
CD 2: