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Musik-Akademie der Stadt Basel, Basel BS
Am 8.2.1867 wurde auf Initiative des Basler Gymnasiallehrers und Waisenvaters Johann Jakob Schäublin (1822–1901) und der "Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige" (GGG) die Allgemeine Musikschule in Basel gegründet. Erster Direktor war 1868–96 Selmar Bagge, es folgte 1896–1918 der Komponist →Hans Huber. Dieser ergänzte 1905 die Musikschule für Laien durch das Konservatorium (seit 1999 Hochschule für Musik), eine Berufsschule für angehende Berufsmusikerinnen und -musiker, die erste ihrer Art in der Deutschschweiz. 1954 wurde die Schola Cantorum Basiliensis, 1933 von →Paul Sacher gegründet, mit der Musikschule und dem Konservatorium vereinigt. Seither bildeten diese drei Institute zusammen die M. 1999 wurde die Berufsabteilung der Jazzschule Basel in die Hochschule für Musik integriert, und seit 2001 werden als viertes Glied der M. die musikalischen Grundkurse geführt: im Auftrag des Erziehungsdepartements des Kantons Basel-Stadt betreut die M. die obligatorischen Grundkurse in Musik an den Primarschulen. Seit 1999 besitzen die Hochschule für Musik und die Berufsabteilung der Schola Cantorum Basiliensis den Status einer Fachhochschule.
1913 rief Huber am Konservatorium mit der "Schule für Opernsänger" die erste Opernschule der Schweiz ins Leben. Als Hauptlehrer unterrichtete →Gottfried Becker. Sie musste jedoch 1915 den Unterricht einstellen, da viele Schüler (insbesondere jene aus dem Elsass und Südbaden) wegen des Ersten Weltkriegs ausblieben. 1918–21 übernahm Hermann Suter die Direktion der Institute, 1921–26 Willy Rehberg. Bereits 1907 waren Rezitationskurse eingeführt worden, neben anderen geleitet von Richard Feldhaus (1907–21), Louise Nef-Lavater (1918–48), Anny von Orelli (1921–22), →Lucie Lissl (1922–35) und Ruth Thurneysen (1935–51). Unter der Direktion von →Felix Weingartner (1927–35) wurden 1928 am Konservatorium eine Tanzklasse (Leitung bis 1930: →Rosalia Chladek) sowie eine Schauspiel- und eine Opernklasse eingerichtet, deren Leitung →Oskar Wälterlin, der damalige Direktor des →Stadttheaters Basel, 1928–31 innehatte und die 1931–32 unter Wälterlins Oberleitung Gottfried Falkenhausen und →Felix Klee übernahmen. Nach Wälterlins Weggang aus Basel 1932 kam keine Opernklasse mehr zu Stande, die Schauspielklasse führte →Wilhelm Treichlinger während eines Jahres weiter, dann fiel auch diese weg. Weingartners Nachfolger Hans Münch (1935–47) sorgte 1935 für die Wiederaufnahme der Opern- und Schauspielkurse (1942 ergänzt durch eine Theaterchorschule unter der Leitung von →Karl Keuerleber). Die Opernkurse wurden bis 1945 abermals unter der Leitung von Becker angeboten, die Schauspielkurse bis 1941 unter der Leitung von Wälterlins ehemaligem Schüler →Wilfried Scheitlin. Als dieser 1937/38 beurlaubt wurde, betraute man den Regisseur →Gustav Hartung mit der Leitung der Schauspielklasse, der auch nach Scheitlins Rückkehr weiter unterrichtete und so genannte Meisterkurse für Schauspielkunst durchführte. Eine anonyme Denunziation führte 1943 wegen angeblicher Affären Hartungs mit Schauspielschülerinnen zu seiner Demission. Danach wurde die Schauspielklasse zu einer eigentlichen Schauspielschule umstrukturiert, und es übernahmen →Ellen Widmann und →Adolf Manz (zunächst unter der Oberleitung von →Paul Eger, dann für kurze Zeit in gemeinsamer Verantwortung) die Leitung. Zu den Schauspielschülerinnen und -schülern des Konservatoriums zählten →Alfred Rasser, →Hans Hausmann, →Klaus Steiger, →Ruedi Walter, →Marianne Kober, →Pia Bommer, →Walter Morath, →Trudi Roth und →Buddy Elias. 1947 wurde →Walter Müller von Kulm Direktor von Musikschule und Konservatorium. Er vollzog 1954 den Zusammenschluss mit der Schola Cantorum Basiliensis und leitete die nunmehr unter dem Namen M. geführte Institution bis 1964 gemeinsam mit Sacher. Ab diesem Zeitpunkt bis 1969 alleiniger Direktor, liess Sacher 1965 die Opernklasse am Konservatorium wiedereröffnen. Bis 1972 wurde sie von →Friedrich Schramm geleitet. Die nachfolgenden Direktoren der M. waren 1969–74 Klaus Lindner, 1974–82 Friedhelm Döhl, 1983–94 →Rudolf Kelterborn, 1995–2001 Hans F. J. Linnartz und seit 2001 André Baltensperger. 1975–98 existierte an der Abteilung Konservatorium/Musikhochschule das Studio für Musik und Theater, das vom Schauspieler und Regisseur →Helmut Förnbacher gegründet und bis 1985 geleitet wurde. Lehrende waren dort neben anderen Dagmar Barthold, →Inge Borkh, Eva Csapo, →Erich Holliger, Jan Kessler, →Derrik Olsen, Irène Pellmont, →Harri Rodmann, Hardy Schneiders und →Sieglinde Weichert. In der Nachfolge Förnbachers war →Martin Markun Leiter des Studios. Wegen finanziellen Schwierigkeiten wurde es 1998 mit dem →Schweizer Opernstudio in Biel, mit dem sich eine enge Zusammenarbeit entwickelt hatte, und das ebenfalls von Markun geleitet wurde, zusammengelegt. An der M. werden seither im Rahmen der regulären Gesangsausbildung ein Opernkurs und eine Schauspielwerkstatt angeboten.
Literatur
- Ehinger, Hans: Gedenkschrift zum 50jährigen Bestehen der Abteilung Konservatorium, 1905–1955, 1955.
- Oesch, Hans: Die Musik-Akademie der Stadt Basel, 1967.
Autor: Thomas Blubacher
Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:
Blubacher, Thomas: Musik-Akademie der Stadt Basel, Basel BS, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1301–1302.