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Der schreibende Versicherungsbeamte
Mit nur 40 Jahren erliegt Franz Kafka einer Kehlkopftuberkulose. Solange es seine Gesundheit erlaubt, arbeitet er tagsüber als Versicherungsbeamter, die Nächte widmet er seinem eigenen Schreiben. Fortwährend ringt Kafka mit der Mehrfachbelastung von Familie, Erwerbstätigkeit und seiner Berufung. Denn er vertritt die Ansicht, er könne sich nur in der Sprache entfalten: Er «bestehe aus Literatur», schreibt er 1913 in einem Brief an seine damalige Verlobte Felice Bauer. Viele seiner Texte bleiben unvollendet, nur wenige werden zu Lebzeiten publiziert – und grosse Beachtung findet zunächst keiner. Doch heute gehören seine Erzählungen und Romane – von Die Verwandlung bis zum posthum veröffentlichten Der Prozess – zu den meistrezipierten Werken der Weltliteratur.
Grosser Lärm (Bildhinweis): Kafka lebt mit seinen Eltern und seinen Schwestern sowie einem Dienstmädchen in einer gutbürgerlichen Prager Wohnung. Knapp ein Jahr später, im Herbst 1912, erscheint seine Beschwerde über die Schwierigkeiten zuhause zu schreiben in den Prager «Herder Blättern» unter dem Titel «Grosser Lärm». Kurz darauf bezeichnet er die Publikation in einem Brief an Felice Bauer als eine «wenig schmerzliche öffentliche Züchtigung meiner Familie».