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Prolog
-Eine Art Wiedersehen-
Die Sonne warf ihr goldenes Licht durch die schmutzverkrusteten Scheiben des Kings-Cross-Bahnhofes, goldene Blätter bedeckten den regennassen Asphalt und eine klare, kalte Brise wehte raschelnd durch Londons Gassen, als eine kleine Familie sich aus der Menschenmenge löste und plötzlich verschwand. Keiner hatte sie bemerkt, wie sollte man denn auch etwas glauben, was unmöglich war?
Aber es war geschehen und möglich war es auf jeden Fall. Die Granger-Weasley Familie war durch die Barriere zwischen Gleis neun und Gleis zehn verschwunden. Als hätten sie nie existiert, verschwand die kleine Familie in der Wand. Aber sie existierten alle. Ron Weasley, Hermine Granger, Hugo Granger-Weasley und Rose Granger-Weasley, der Anlass, weshalb die Familie nach Kings-Cross gekommen war.
Ein kleines Kind, das an der Hand ihrer Mutter lief, rieb sich die Augen. Doch keiner hat es gesehen.
Zwischen Gleis neun und zehn war diese Barriere das Tor zum Gleis neun- dreiviertel, dem magischen Gleis, der nur für einen Zug gebaut worden war, dem Hogwarts-Express. Ein scharlachroter Zug, der in diesen Moment das Zentrum der Aufmerksamkeit war. Aus seinen Schornstein stob dunstig weißer Rauch, der sich über die vielen Menschenköpfe legte und den ganzen Bahnsteig verhüllte.
Wortfetzen, Eulengekreische und das Pfeifen der Lok erfüllten die Luft.
,, Wo sind sie denn?".
Hugo Granger Weasley, ein kleiner, rothaariger Junge mit auffallend buschigen Haaren thronte auf den Koffer, den sein Vater auf einen Gepäckwagen schob. Hermine strich über den Kopf ihres Sohnes.
,, Wahrscheinlich sind sie noch nicht da.".
Wie ihr Sohn besaß auch seine Mutter buschiges Haar, allerdings in einen dunkleren Farbton.
,, Da sind sie!".
Rose machte einen Luftsprung, als sich im wogenden Dampf fünf Silhouetten abzeichneten. Ihr Cousin, Albus begrüßte sie erleichtert.
,, Hi.".
Rose strahlte ihn an. Anders als sie trug er nicht den Hogwarts-Umhang und schien eher nervös als aufgeregt.
Lily, Albus kleine Schwestern Hugo fingen eine angeregte Diskussion darüber an, in welche Häuser sie kommen würden, wenn sie in Hogwarts wären.
,, Wenn du nicht nach Gryffindor kommst, dann enterben wir dich.", sagte ihr Vater.,, Aber mach dir bloß kein Stress.".
,, Ron!", rief Hermine empört.
Rose machte ein ernstes Gesicht. Wurde ihr Vater das wirklich tun? Lily und Hugo lachten.
Sie spürte, wie sich die Erwachsenen plötzlich alle in eine Richtung drehten.
Drei dunkle Gestalten erhoben sich im silbrigen Dampf. Ein blondhaariger Mann mit kahler Stirn, eine dunkelhaarige, blasse Frau und ein ebenso sehr hellblonder Junge in ihrem Alter standen im sich kurz lichtenden Nebel.
Als der Mann bemerkte, wie sie ihn anstarrten, nickte er bloß und wandte sich ab.
,, Das ist also der kleine Scorpius.", sagte ihr Vater leise.,, Pass bloß auf, dass du ihn in jeder Prüfung schlägst, Rosie. Gott sei Dank hast du den Grips deiner Mutter geerbt.".
Rose zog eine halb belustigte und eine halb ernste Miene.
,, Ron, um Himmels Willen.", rügte Hermine ihren Vater, ebenfalls teils belustigt und teils streng.,, Hetz sie doch nicht gegeneinander auf, noch ehe sie mit der Schule angefangen haben!".
Ron verzog das Gesicht entschuldigend.
,, Sieh aber zu, dass du dich nicht allzu sehr mit ihm anfreundest, Rosie. Großpapa Weasley würde es dir nie verzeihen, wenn du einen Reinblüter heiratest.".
Rose nickte. In diesen Moment war James, der ältere Bruder von Albus und Lily, wieder aufgetaucht.
,, Hey!".
Er platzte offensichtlich vor Neuigkeiten.
,, Dahinten ist Teddy,", sagte er nach Atem ringend und zeigte über seine Schulter.,, Hab ihn eben gesehen. Und ratet mal, was er macht? Er knutscht mit Victoire!".
Die Erwachsene verzogen keine Miene.
,, Unser Teddy! Teddy Lupin! Knutscht mit unserer Victoire! Unserer Cousine! Und ich hab Teddy gefragt, was er da treibt-".
,, Du hast sie gestört`", unterbrach ihn seine Mutter Ginny.,, Du bist ja haargenau wie Ron-".
James ging nicht auf die Unterbrechung ein redete weiter auf sie ein.,,-und er meinte, er sei gekommen um sie zu verabschieden. Und dann hat er gesagt, dass ich verschwinden soll. Er knutscht mit ihr!", fügte James noch hinzu.
,, Oh, es wäre wunderbar, wenn sie heiraten würden!", hauchte Lily entzückt.,, Dann würde Teddy wirklich zu unserer Familie gehören!".
,, Er kommt ja jetzt schon ungefähr viermal die Woche zum Abendessen.", sagte Harry.,, Warum laden wir ihn einfach nicht ein, bei uns zu leben und lassen es damit gut sein?".
James war offensichtlich begeistert.,, Jaah! Mir macht es nichts aus, ein Zimmer mit Al zusammen zu haben-Teddy könnte meins kriegen!".
Onkel Harry schüttelte den Kopf.
,, Nein, du und Al werdet euch erst ein Zimmer teilen, wenn ich das Haus zum Abriss freigebe. Es ist fast elf, ihr steigt besser ein.".
Ihre Mutter umarmte sie fest.
,, Versprich uns, jede Menge Briefe zu schicken.".
,, Und falls du etwas brauchst, um Malfoy einen Streich zu spielen, frag einfach deinen Onkel George.", ergänzte ihr Vater, der von ihrer Mutter einen strengen Blick erntete.
,, Tschüss, Rosie!", sagte Hugo und umarmte sie.,, In zwei Jahren bin ich auch dran!".
Rose winkte ihrer Familie zu, bevor sie in einen der Zugabteilen verschwand.
Im Zug herrschte ein reges Treiben. Eine Fünftklässlerin zerrte ihren Koffer auf die Gepäckablage und eine Gruppe von Zweitklässlern lief schwatzend nach vorne.
Als sich der Zug in Bewegung setzte, überkam sie ein Gefühl der Aufregung. Rose stand zwischen zwei Waggons, winkte und sah lachend ihren Eltern dabei zu, wie sie mit den Zug bis zum Ende des Bahnsteigs liefen. In den Augen ihrer Mutter, sie hätte das schwören können, standen Tränen und ihr Vater verzog für eine Sekunde besorgt das Gesicht. Als der Hogwarts-Express um die Ecke bog, verschwanden die Erwachsenen hinter einen grünen Hügel und eine endlose Landschaft aus Tälern breitete sich vor den Fenster aus.
3
Kapitel 1
-Der Hogwarts-Express-
Wie eine rote Schlange wand sich der Hogwarts-Express durch die graugrünen Täler und Hügel, er ratterte und schaukelte auf den Schienen, er wankte und schnaufte mit aller Kraft. Nieselregen klatschte gegen die Fensterscheiben, er trommelte auf den Dächern und ließ den alten Lok erzittern. Ein zartgrauer Schleier lag vor der Landschaft, hinter der Scheibe. Die Wiesen erschienen verwischt und der Himmel grau hinter der Decke aus Regentropfen. Eine dicke, graue Wolkendecke verdeckte den Himmel und ließ nur in Wolkenbrüchen der Sonne ihren Durchbruch.
Rose lief durch den ratternden Hogwarts-Express, ihren Koffer in der Hand und auf der Suche nach freien Plätzen. Je weiter sie lief, desto mehr verließ Rose die Hoffnung auf ein ruhiges Abteil. Hinter den Scheiben, die kleine Waggons voneinander trennten, erblickte sie lachende Schüler in Hogwarts-Roben. Kein Erstklässler meinte sie gesehen zu haben.
Plötzlich erblickte sie einen dunkeln Haarschopf hinter einer der gläsernen Türen.
,, Al!", sagte sie erfreut, als sie die Abteilst aufschob. Der Blondschopf neben ihn ließ ihre Stimmung sinken.
Dann blieb sie wie angewurzelt im Türrahmen stehen. Gegenüber von Albus saß der Malfoy-Schössling, Scorpius Malfoy. Aus der Nähe sah er aus, wie eine kleine Version von seinen Vater, nur ohne kahler Stirn.
,, Scorpius Malfoy". Der Junge nickte ihr zu. Rose fasste sich und nickte kühl zurück.
,, Kommst du, Al?". Sie hoffte, ihr Cousin würde dem Malfoy gleich erklären, er müsse mit ihr mitkommen, weil er es versprochen hatte, doch er blieb sitzen und sah sie entschuldigend an.
,, Tut mir Leid, Rose.". Er warf Malfoy ebenfalls einen schnellen Blick zu.,, Ich bleib hier.". Seine Worte trafen Rose wie einen Schlag in ihre Magengegend. Fassungslos suchte sie nach den Blick ihres Cousins, doch der wich ihren zornigen Blick aus.
,, Schön.", sagte sie kühl und ließ die Abteilstür zurauschen. Dann machte sie auf den Absatz kehrt.
Rose saß allein im letzten Abteil.