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Ich muss gestehen, dass mir diese "begnadete Polemikerin und Kolumnistin" bis zum Erscheinen ihrer gesammelten Kolumnen für das Gorki Theater – als Werden sie uns mit FlixBus deportieren? herausgekommen – unbekannt war. Der Titel des Buches – wer von uns ist noch nie mit dem FlixBus gefahren – hat an persönliche Erfahrungen angedockt, aber noch nie habe ich diese Erfahrung mit der Idee von Deportationen verbunden. Der FlixBus und Deportationen? Irgendwie schräg. Aber auch unheimlich, weil gar nicht so abwegig. Diese titelgebende Kolumne geht ungefähr so: Mely Kiyak sitzt mit einem Freund und Kollegen in der Kantine des Gorki Theaters und räsoniert über Rassismus im Alltag. Im Verlauf des Gesprächs fragt sie den Freund, ob sie, die "offensichtlich" nicht zu "den Deutschen" dazugehören, mit der Deutschen Bahn in Lager gebracht werden würden? Der Freund erwidert darauf, dass er das nicht glaube. "Die wollen, dass wir dort auch ankommen. Die deportieren uns mit dem FlixBus." (vgl. Kiyak 2022) Diese witzig anmutende Konversation am Kaffeetisch wird aus der Vielfalt der im Band versammelten Kolumnen als Beispiel herangezogen, um die Aufmerksamkeit auf eine Sprachverwendung zu lenken, in der mit feiner Klinge das Desaströse des Politischen enthüllt wird. Es ist diese intensive Arbeit, diese Lust an der Sprache, die Mely Kiyak zu einer Autorin "mit beängstigender Intelligenz und ozeanischer Zärtlichkeit" (Milo Rau) machen. Diese schonungslose Offenlegung politischer Missstände hat Kiyak im deutschsprachigen Feuilleton zu einer gefragten Autorin gemacht. Neben ihren Kolumnen für das Gorki Theater, die Zeit-Online sowie für die Republik schreibt Kiyak auch Romane. Für ihre Arbeiten wurde Mely Kiyak im Bereich der literarischen Publizistik mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
Sie, so Mely Kiyak, schreibe "für Leute, mit zärtlicher Neugier auf die Welt". Dieser Zugang zur Welt und zum Schreiben verleiht ihren Texten einen eigenen Ton, der sich auch dann nicht verliert, wenn Macht und Gewalt des Politischen zur Sprache kommt. Es ist diese "zärtliche Neugier auf die Welt", die mich beim Lesen der Kolumnen in den Bann gezogen und zu einer wunderbaren Begegnung mit einer mir bis dahin unbekannten Autorin geführt hat. Doris GödlKlappentext:
Mely Kiyak ist die Meisterin der literarischen Weltbetrachtung. Schonungslos und aufrichtig entlarvt sie das Desaströse, Politische und Dramatische in der Gegenwart. Wo sie ist, gibt es keinen Safe Space.
Die "Frau mit der beängstigenden Intelligenz und ozeanischen Zärtlichkeit" (Milo Rau) hat eines der umfangreichsten Kolumnenwerke der deutschen Literatur geschaffen. Mit grausamem Scharfsinn und prächtigen Pointen munitioniert die "Seidenstickerin unter den deutschen Kolumnistinnen" (Jury des Kurt-Tucholsky Preis) ihren künstlerischen Widerstand. Immer in wilder Hoffnung auf Glamour, Witz und Menschlichkeit. Erhellend, erheiternd, erschütternd.Über die Autorin / über den Autor:
Mely Kiyak schreibt Kolumnen. Zuletzt erschienen bei Hanser Frausein (2020) und Werden sie uns mit FlixBus deportieren? (2022). Ihre Kolumnen "Kiyaks Deutschstunde", "Kiyaks Theater Kolumne" und "Kiyaks Exil" erscheinen regelmässig in Deutschland und in der Schweiz.Preis: CHF 30.50