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| Athanasius (295-373) - Abhandlung über die Synoden zu Rimini in Italien, und zu Seleucia in Isaurien. (De synodis Arimini et Seleuciae in Isauria)

30.
Nachdem sie dieses in Isaurien niedergeschrieben hatten, gingen sie nach Konstantinopel, und änderten, als wenn sie das Geschriebene bereueten, dieses nach ihrer Gewohnheit ab, jedoch mit Hinzusetzung einiger Wörter, so daß sie nicht einmal eine Hypostasis in dem Vater, dem Sohne und dem heiligen Geiste behaupteten. Sie überschickten es denen, welche in Rimini versammelt waren, und zwangen alle Bischöfe dieser Gegenden, dasselbe zu unterzeichnen; diejenigen aber, welche sich ihnen widersetzten, wurden, auf ihr Betreiben, vom Konstantius verbannt. Diese Glaubensformel lautet nun so1.Wir glauben an Einen Gott, allmächtigen Vater, von welchem alle Dinge sind; und an den eingebornen Sohn Gottes, welcher vor allen Zeiten und vor allem Anfange aus Gott gezeugt wurde, durch den alle Dinge gemacht sind, sowohl die sichtbaren als auch die unsichtbaren, an den gebornen Eingebornen, den alleinen aus dem alleinen Vater, Gott aus Gott, gleich dem Vater, welcher ihn gezeugt hat, den Schriften gemäß, dessen Geburt Niemand weiß, als der Vater allein, der ihn gezeugt hat. Wir wissen, daß dieser eingeborne Sohn Gottes, indem ihn der Vater sandte, von den Himmeln herabgekommen ist, wie geschrieben steht, zur Zerstörung der Sünde und des Todes, und aus dem heiligen Geiste von Maria der Jungfrau dem Fleische nach geboren worden ist, wie geschrieben steht, unter den Jüngern gewandelt ist, die ganze Heilsanstalt dem Willen des Vaters zu Folge in Erfüllung gebracht hat, gekreuziget worden, gestorben, begraben worden und abgestiegen ist zu der Hölle, vor dem die Hölle selbst erbebt, welcher auch am dritten Tage von den Todten auferstanden ist, unter seinen Jüngern geweilt hat, nach dem Verlaufe von vierzig Tagen in die Himmel aufgenommen worden ist, zur Rechten des Vaters sitzt, und kommen wird am jüngsten Tage der Auferstehung in der Herrlichkeit des Vaters, um einem Jeden zu vergelten nach seinen Werken. Und an den heiligen Geist, welchen der eingeborne Sohn Gottes selbst, Christus, unser Herr und Gott, dem Menschengeschlechte als Tröster zu senden verheißen hat, wie geschrieben steht:2 Der Geist der Wahrheit, den er ihnen nach seiner Himmelfahrt gesandt hat. Das Wort „Wesenheit“ aber, welches von den Vätern ohne hinreichenden Grund gesetzt wurde, und, weil es den Völkern unbekannt war, Aergerniß verursachte, da dieses in den Schriften nicht enthalten ist, beschlossen wir zu entfernen, und dasselbe ferner durchaus nicht mehr erwähnen zu lassen, weil auch die göttlichen Schriften nirgends von der Wesenheit des Vaters und des Sohnes eine Erwähnung machen. Ja es darf auch keine Hypostasis in Bezug auf den Vater, den Sohn und den heiligen Geist genannt werden. Wir behaupten aber, daß der Sohn dem Vater gleich sey, wie die göttlichen Schriften es aussprechen und lehren. Alle Ketzereien hingegen, sowohl die schon früher verdammten,
als auch die erst neulich entstandenen, welche dieser von uns bekannt gemachten Schrift widersprechen, sollen verflucht seyn!
1: Diese zehnte Glaubensformel ward verfaßt im Jahre 360. Sie steht auch bei Theodoret lib. 2, cap. 21; Bei Sokrates lib. 2. cap. 41; bei Nicephorus lib. 9, cap. 44.
2: Ioh. XVI, 13.