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Wenn ich mit folgender Rede erreiche, dass sich am Schluss niemand übergeben muss, wird sie ihren unbescheidenen Zweck erfüllt haben. Der Teil, den ich dazu beitragen kann, wird darin bestehen, möglichst unverständlich zu reden. Den anderen Teil haben die Zuhörer zu übernehmen. Sie sollen wenn möglich weghören.
Das bescheidene Ziel dagegen, das ich mit Folgendem zu erreichen suche, ist, mir aus alten Freunden neue Feinde zu machen. Schon der Altrömer Lallus Antitheticus Chiasmus sagte, dass eine Rede, in der man sich keinen alten Feind zum neuen Freund und keinen alten Freund zum neuen Feind mache, nichts tauge.
In einem Brief, den ich neulich erhielt, steht der Satz: So gilt in der Schweiz der Grundsatz, dass Steuern dort zu bezahlen sind, wo sich das Schwergewicht der persönlichen und beruflichen Lebensführung befindet.
Wer mich näher kennt, der weiss, dass ich weder eine persönliche noch eine berufliche Lebensführung habe. Ich lebe einfach so in den Tag und die Nacht hinein. Ein Schwergewicht besitze ich auch nicht. Man nimmt es, wie es kommt und geht. Zudem habe ich sowieso Untergewicht. Dass sich da etwas auf der Welt an einem Ort Namens Zürich befindet und ab und zu einen eingeschriebenen Brief oder eine Rechnung erhält, gebe ich zu.
Kaum, dass ich mich der persönlichen und beruflichen Lebensführung erwehren musste, tritt schon die richtige Lebensführung an mich heran. Nachdem ein böser Geist (deus malignus) es zunächst versuchte, mich mit Beamtendeutsch zu verhexen, gibt er sich nun Mühe, mich mit Philosophenjargon zu verzaubern und in die Irre zu führen.
Lebensführung hin Lebensführung her, ich werde mich zu keiner nicht bekennen. Wie hinterhältig und gemein Wortkonglomerate wie die richtige Lebensführung sein können, hat uns eine unserer antiken Kalamitäten entdeckt.
In einer seiner Schriften unterscheidet er mehrere Arten und Weisen, mit denen wir aussagen oder ausdrücken, was ist. Dass Sokrates verheiratet ist, kann ihn nicht daran hindern, dass er ein Paidagoge ist. Daraus folgte sofort, dass, wenn das, was ist, auf einfältige Weise ausgesagt würde, Michael Jackson der grösste Philosoph wäre.
Ein anderes Werk derselben Kalamität kommt zu einem ähnlichen Resultat. Gut wird nicht in gleicher Weise ausgesagt oder ausgedrückt von dem, was gut ist, sondern in vielfältiger Art. Dass der Knabe gut ist, hat hinsichtlich gut sein nichts zu tun mit dem, dass diese Philosophie gut ist. Hieraus folgte wiederum unmittelbar, dass, wenn gut sein auf einfältige Weise ausgesagt würde, Michael Jackson über die beste aller möglichen Philosophien verfügen würde.
Dürfen wir nun behaupten, dass das, was für gut gut ist, für richtig nur richtig sein kann?
Unsere Gastgeber, die, wie wir wissen, uns immer mindestens eine bis zwei Axthiebe bzw. Autolängen voraus sind, haben in der Einladung geschrieben: Den Auftakt zu dieser Reihe bilden sechs Reden zum Thema ,Die richtige Lebensführung', die mit sprühendem Humor die Ernsthaftigkeit rechten Lebens ergründen sollen.
Die Sache wird langsam aber sicher etwas kompliziert. Jetzt werden wir auch noch rechten Lebens und rechtes Leben der Ernsthaftigkeit verdächtigt.
Ich bevorzugte, wenn schon denn schon, den Akkusativ, gegen den wir uns wenigstens wehren könnten, statt rechten Lebens, dessen Ernsthaftigkeit so ernsthaft ergründet werden soll, wie rechtes Leben gegründet ist.
Wovon soll man also sprechen? Von der richtigen Lebensführung oder von der Ernsthaftigkeit rechten Lebens oder vom rechten Leben?
Dürfen wir demnach noch ergänzen, dass das, was für recht recht ist, für ernsthaft ernsthaft behauptet wird?
(Neo)Aristoteliker, zu denen gewisse solche Leute zu zählen sind, die, wie ich mir habe sagen lassen, schwitzen, was das Unterleibchen aufzunehmen vermag, schälten und schälten alle diese Wortfrüchtchen, bis sie auf den einen Bedeutungskern, genannt focal meaning, stiessen.
Mein Einwand dagegen wäre nach Dr. Johnsons Art. Ich würde raten, wieder einmal eine Orange nicht nur zu schälen und ganz zu verschlingen, sondern Schnitz für Schnitz zu essen und dabei die Kerne zu zählen, die eine derartige Frucht haben kann.
Als (Neu)Kantianer brauchte man sich seine Hände nicht so klebrig zu machen. Man dürfte alle diese Ponderanzen in den Müll werfen. Nicht so unglitschig, zumal, wenn er noch zu den Jüngern Petri gehörte, ginge es ab, wenn sich einer der ultraorthodoxen Neuestkantianer zu Wort meldete. Denn er machte die Unterscheidung zwischen Die richtige Lebensführung und Das richtige Lebensführung.
Ihm erteilte ich den Ratschlag, den jeder Primarschullehrer in solch einem Falle gäbe.
Hardtrance-Analytiker und Drum&bass-Reduktionisten dagegen sind eine prosaische und lakonische künstliche Art. Sie sagten ganz schlicht: ,Maul zu!'.
Ein Sampler dieser Aufnahmen sind die Jungle-Permutationisten. Mit leichter Turnschuhbesohlung denotierten, referierten und deflorierten sie über den Dancefloor, bis in der Augen letzter Röte, wenn die rosenfingrige Eos sich, noch trunken vom Schlaf, müde die verwunderten Augen reibend von ihrem Nachtlager erhebt, sie dem Diskojey ins Off sagen könnten, dass er nochmals die neue Scheibe der alten ,Natural Kinds' auflegen solle.
Es soll auch unter gebildeten Menschen vorkommen, dass gewisse unter ihnen glauben, Exstasy habe etwas mit Existenz zu tun.
Für gottlose Materialisten, worunter einige uomini fallen, die italienische Cabrios mit UBS fahren, wären derartige Ueberlegungen Symptome einer Magen-Darm-Grippe. Sie verschrieben Antibiotika und Schmerzmittel aufgelöst in Red Bull.
Dagegen hilft nur Tempo 7 und Kamillentee.
Wittgensteinianer dagegen bekämen sofort einen Vater-Mutter-Komplex. Sie würden weder Mütter noch Väter sondern nur nähere und fernere Verwandte anerkennen, die eine oder mehrere Familien mit engerer oder weiterer Verwandschaft bildeten. Wittgensteinianer betreiben Parthenogenese und sind Kulturfolger, wie leicht zu sehen ist. Aber sie sind trotzdem keine Biologisten.
Hier kann nur das Biene-Blüten-Beispiel Abhilfe schaffen.
Jemand, der der Todtnauberger Holzfällersprache mächtig ist, und der zu denjenigen gehört, die einen Axelstick benutzen, versubstantivierte und versubstantialisierte und verstrangulierte gewisse einzelne Wortteile und fragte etwa nach dem Sein des Seienden, dem Gut des Guten, dem Richtig des Richtigen, dem Recht des Rechten oder des Ernsthaft des Ernsthaften. Das letzte dürfte ja nicht im Geäst verkehrt werden mit der Ernsthaftigkeit des Ernsthaftigkeiten. Sonst umstöb' gar grausig' Sturm die Hütt' auf irrgelich'ter Höh'. Was gelichtet ist, ist auch verwindet.
Gegen diese Aexte ist noch kein Kraut gewachsen. Ich muss es neidlos zugeben!
Aber ich schwöre beim Speer des Hagen, dass dies der einzige Satz aus dem Nibelungenleid sein wird.
Das Gesagte ist synk, wenn auch nicht durchwegs semk, so doch nicht synik, aber auch nicht durchwegs semik, obgleich nicht polnisch notiert.
Die Frage aber ist: Was heisst Monotonismus?
Einem Instrumentenverleiher und Parthenogeneseverehrer mag diese Frage vertraut vorkommen. Andere sind darob vielleicht überrascht und zartere Gemüter gar verschreckt. Ich will sie hier ein für alle Mal nicht beantworten.
Zumal sich an diese eine Frage eine Reihe weiterer wichtiger Fragen anschliesst. Ich bin mir sicher, dass sich mit dieser Frage ein weites Feld für die Forschung auftut. Die Beantwortung dieser Fragen stellen ein ernsthaftes Desideratum philosophischer Obsolutionen und Obstruktionen dar. Diese Quaestiones und ihre Derivate konstituieren ein derart exorbitantes Reservoir an Cogitationes, dass es ganz aussichtslos wäre, auf Fremdwörter zu verzichten.
Eine dieser weiteren Fragen, wäre etwa: Wer ist Monotonist? Oder: Wer lebt monotonistisch?Von der Beantwortung dieser Frage könnten ja Leben abhängen.
Der Parthenogenetiker aller Parthenogenetiker soll gesagt haben, dass es ihm ziemlich gleich sei, was er esse, wenn es nur immer das gleiche sei. Können, sollen oder müssen wir gar behaupten, dass solch eine Aeusserung nur der verbale Ausdruck eines Monotonisten sein kann. Wenn ja, wären dann alle Parthenogenetiker per se Monotonisten? Wenn nein, gäbe es einzelne Parthenogenetiker, die trotzdem Monotonisten wären?
Löst sich dieser Knoten, wenn wir berücksichtigen, dass Parthenogenetiker unmöglich polygam sein können. Das ist ein analytischer Satz, und als solcher keines Beweises bedürftig. Anders gesagt heisst das, dass Parthenogenetiker notwendig monogam sind.
Unausweichlich stellt sich nun die Frage, ob Monotonisten monogam sein müssen oder auch polygam sein können. Mit der quaestio secunda beantwortete sich aufgrund der conditio analytica auch die quaestio prima, ob Parthenogenetiker unbedingt monogam sind oder eben auch polygam sein können.
Wir kommen also zum Schluss, dass Parthenogenetiker entweder monoton monogam oder polyton monogam sein müssen. Das heisst auch, dass Parthenogenetiker entweder Monotonisten oder keine Monotonisten sein müssen.
Das alles mag mancher oder manchem oder manchem (dem Rebhuhn) strange einfahren. Wir sind aber noch nicht beim Filter angelangt. Wie ist es möglich, dass Kombinationen dieser und jener oben erwähnten Spezies auftreten? Wer hielte es z.B. für möglich, dass ein irrlichtender Holzfällergeselle und ein tachometrischhypnotisierter Demokrit zusammenwohnen?
Die Antwort, die am nächsten liegt, ist: Vorsokratiker! Weit gefehlt! - Die richtige Lebensführung! Wenn der Wind in die Lichtung des Denkens des einen einfällt, dann bildet sie den Windkanal für die Denkrasereien des anderen. Die Denkrasereien des anderen erzeugen schädliche Abfallstoffe, aufgrund derer neue Waldlichtungen des einen nötig werden. Wenn ich nicht irre, nennen die Biologen derartige Formen des Zusammenlebens katastroph.
Es lässt sich nun zeigen, dass Todtnauberger und Materialisten keine Parthenogenetiker, also weder monoton monogam noch polyton monogam sind. Das stimmt mit dem überein, was oben behauptet wurde. Was noch gezeigt werden könnte, wäre, dass mindest eine Neuestkantianer ultraorthodox monoton monogam und gewisse einzelne Jungle-Permutationisten unter einer gewiss nicht vorgespielten zweiten Naivität polyton total monogam sind.
Alle anderen hier Weghörenden sollen ihr eigenes Unwissen erforschen und befragen! Oder sie sollen eine Philosophiegeschichte zur Hand nehmen, in der sich die sachdienlichen Fragen in den unzutreffenden Antworten verlieren!
Uebrigens, bevor es ausgeht, legt mein Beitrag zum heutigen Abend nahe: Wenn Wittgensteinianer Parthenogenetiker sind, aber keine Biologisten, und wenn Parthenogenetiker notwendig monogam sind, darf dann monogam in einem biologischen Sinne verstanden werden? Natürlich nicht! Also muss die Frage sein: Was heisst in diesem Zusammenhang monogam
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- Geschrieben von Viktor Wildhaber
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Wenn ich mit folgender Rede erreiche, dass sich am Schluss niemand übergeben muss, wird sie ihren unbescheidenen Zweck erfüllt haben. Der Teil, den ich dazu beitragen kann, wird darin bestehen, möglichst unverständlich zu reden. Den anderen Teil haben die Zuhörer zu übernehmen. Sie sollen wenn möglich weghören.