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Die Medizin unterscheidet grob zwischen fokalen Anfällen und generalisierten Anfällen.
Bei fokalen Anfällen sind nur bestimmte Abschnitte des Gehirns am Anfall beteiligt und entsprechend zeigt sich der Anfall nur durch Bewegungen oder Empfindungen an einzelnen Körperregionen.
Alle anderen Hirnzellen in den anderen Arealen bleiben vom Anfall ungestört. Somit können gewisse Tätigkeiten, die Betroffene verrichten, während des Anfalles „weiterlaufen“. Zum Beispiel kann bei einem fokalen Anfall nur das Augenlid zucken, oder sich der Arm oder ein Bein unwillkürlich bewegen, während die betroffene Person ganz normal am Tisch sitzen bleibt.
Unterschieden werden fokale Anfälle mit Bewusstseinsstörung und solche ohne Bewusstseinsstörung. Eine Bewusstseinsstörung kann sich als kurze Umdämmerung äussern, wobei dies Aussenstehenden meist nicht auffällt. In der Regel haben Betroffene keine Erinnerung an den Anfall. Bei einem Anfall ohne Bewusstseinsstörung können Betroffene den Anfall und ihr Erleben dabei erinnern und beschreiben.
Bei generalisierten Anfällen ist das ganze Gehirn am Anfall beteiligt. Entweder von Anfang an oder dadurch, dass ein fokaler Anfall in einen generalisierten Anfall übergeht.
Generalisierte Anfälle zeigen sich als Absenzen, die kurze Zeit dauern und in denen die betroffene Person nicht ansprechbar ist.
Ebenfalls zu den generalisierten Anfällen zählt man die myoklonischen Anfällen, die sich als plötzliche und kurze Zuckungen von ganzen Muskelgruppen zeigen.
Schliesslich zählen auch Anfälle, die zu einer Versteifung und dann zum Krampfen des ganzen Körpers führen (früher auch Grand Mal genannt) zu den generalisierten Anfällen.
Epilepsien können sehr unterschiedliche Ursachen haben, doch nicht immer lässt sich diese zweifelsfrei und sicher feststellen. Mögliche Ursachen sind:
- andere Erkrankung des Gehirns, wobei die Epilepsie dann ein Symptom dieser Erkrankung bildet
- Stoffwechselkrankheiten, vorgeburtliche Fehlentwicklungen, schädigende Einflüsse während Schwangerschaft und Geburt
- Vergiftungen
- Hirnverletzungen durch Schlaganfall, Hirnblutung, Hirntumor oder Schädel-Hirntrauma
- genetische Faktoren
- unbekannte Ursachen: In etwa der Hälfte der Fälle bleibt die Ursache der Epilepsie ungeklärt
Bei Symptomen, die den Verdacht auf eine Epilepsie nahelegen, sollte rasch und ohne Zögern eine medizinische Abklärung durchgeführt werden. Da es sich bei Epilepsien nicht um ein einheitliches Krankheitsbild handelt, ist ein sehr differenziertes Vorgehen erforderlich.
Grundlagen für die Abklärung sind die Anamnese und die detaillierte Beschreibung der Anfälle. Hier sind Eltern oder Angehörige sehr gefordert, ihre Beobachtungen festzuhalten, vor allem wenn die betroffenen Kinder oder Erwachsenen die Anfälle nicht beschreiben oder sich nicht daran erinnern können. Halten Sie Ihre Beobachtungen fest, in Ihrer Sprache und möglichst ohne Fachwörter, die Verwirrung stiften können. Die Beobachtungen sind für die Abklärung zentral.
Auf die Anamnese folgen eine klinisch-neurologische Untersuchung und neurophysiologische Abklärungen mit dem Elektroenzephalogramms (EEG). Bei einem EEG werden die Spannungsänderungen der Gehirnaktivität aufgezeichnet. Dazu werden Elektroden auf der Kopfhaut platziert und mittels dünner Drähte mit dem EEG-Gerät verbunden. Die Untersuchung dauert ungefähr eine Stunde, sie ist ungefährlich, zuverlässig und schmerzlos.
Das Diagnostizieren stärkerer Epilepsien erfordert weitere hoch spezialisierte Untersuchungen und Langzeitabklärungen.
Merkblatt für den Arztbesuch
Epi-Suisse hat ein Merkblatt erarbeitet, das Betroffene oder die Eltern epilepsiebetroffener Kinder als Vorbereitung auf einen Arztbesuch nutzen können.
Jede erfolgreiche Therapie basiert nebst der Diagnosestellung auf wiederholten, ausführlichen Gesprächen mit dem behandelnden Arzt. Dazu zählt stets die Beschreibung der Anfälle, deren Häufigkeit und der Zeitpunkt ihres Auftretens.
Epilepsien werden in der Regel in einem ersten Schritt medikamentös mit Antiepileptika behandelt. Manchmal ist es nötig, unterschiedliche Medikamente nebeneinander und nacheinander zu nehmen, wobei stets die Wirkung aber auch die Nebenwirkungen beobachtet werden. Der Weg, bis das richtige Medikament in der richtigen Dosierung gefunden ist, ist lang, was Betroffene und ihre Angehörige meist als sehr belastend empfinden. Dennoch: 60 bis 70% der Epilepsien lassen sich mit Medikamenten gut behandeln.
Die medikamentöse Behandlung einer Epilepsie ist immer eine Langzeittherapie und dauert meistens mehrere Jahre. Eine Therapie stützt sich vor allem auf folgende Massnahmen:
- regelmässige Medikamenteneinnahme
- geregelte Lebensführung mit regelmässigem Schlaf-Wach-Rhythmus
- regelmässige ärztliche Kontrollen
- Über- oder Unterforderung meiden
- vermeiden von anfallsprovozierenden Faktoren (je nach Epilepsie: Lärm, Blitzlicht, Alkohol, Schlafmangel, Drogen, usw.)
Mit diesen Massnahmen werden viele der Betroffenen anfallsfrei. Bei einigen Patienten aber kann die Krankheit nicht befriedigend kontrolliert werden.
Eine kleine Zahl von Patientinnen und Patienten, mit sogenannten therapieresistenten Epilepsien, kann heute operativ behandelt werden, sofern sich der Herd in einer genau umschriebenen Region des Gehirns befindet. Weitere Therapieformen, die in einzelnen Fällen erfolgreich angewandt werden, sind spezielle Diäten (ketogene Diät) oder die Vagusnervstimulation (sog. Hirnschrittmacher). Unterstützend wirkt bei manchen Betroffenen auch die alternative Therapie Neurofeedback.
Zahlen und Fakten
Neudiagnosen pro Jahr
In der Schweiz erhalten 4500 Menschen jedes Jahr die Diagnose Epilepsie.
1% der Bevölkerung betroffen
In der Schweiz sind rund 80’000 Menschen von Epilepsien betroffen, davon sind rund 20’000 noch im Kindesalter. Insgesamt lebt etwa 1 Prozent der Bevölkerung mit Epilepsien.
5% der Schweizer erleben im Laufe des Lebens einen Anfall
Epileptische Anfälle sind weitaus häufiger: Etwa 5% der Bevölkerung erleben irgendwann im Leben einen epileptischen Anfall.
In 80% dieser Fälle handelt es sich um sogenannte Gelegenheitsanfälle, die auf einen bestimmten Auslöser zurückzuführen sind (z.B. Fieber, Alkohol, Medikamente, Suchtmittelenzug, Müdigkeit und Schlafmangel oder anderes). Nur in rund 20% der Fälle entwickelt sich aus einem epileptischen Anfall eine Epilepsie.
Damit gehört die Epilepsie zu den häufigsten Erkrankung des Gehirns.
Kleinkinder und Menschen über 60
Die Wahrscheinlichkeit an Epilepsie zu erkranken ist im ersten Lebensjahr und jenseits des 60. Lebensjahres am grössten.
Über 30 Arten von Epilepsien
Es gibt nicht eine, sondern mehr als 30 Arten von Epilepsie.
In der Regel gut behandelbar
Etwa 60-70 % aller Epilepsien lassen sich mit einem Medikament gut behandeln und die Betroffenen können anfallsfrei leben.