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13.-14.7.2022
Von Potsdam nach Berlin Tempelhof
Von Flughäfen und keinem Flughafen
Von Potsdam (Havel KM 23) zurück nach Norden über den Teltow-Kanal nach Berlin-Tempelhof mit 62'000 Einwohnern (Teltow-Kanal KM 23). Die Fahrt konnte nur mit Vorsicht angegangen werden. Sind doch die Brückenhöhen in den diversen See- oder Wasserkarten oder auch auf den digitalen Kartenplottern sehr different, und unsere Höhe ist mehr als knapp für diese Gewässer. Haben wir doch teilweise nur noch zehn Zentimeter zwischen dem herab geklappten Instrumententurm und den Brücken. Nur kleine Wellenschläge von entgegenkommenden Schiffen gefärderte eine Kollision mit der Brücke.
Der Name Tempelhof hat im Zusammenhang mit Flughäfen doch eine Bedeutung? Klar, nun fahren wir bereits beim dritten nicht mehr benutzten Flughafen vorbei. Lag unser Winterlager in Spandau gerade neben dem Flughafen Gatow, der vor allem als Militärflughafen benutzt wurde im englischen Besatzungsgebiet zu finden war. Gut, wenn die Queen angereist kam, wurde sie über Gatow auf Berlin begleitet. Gatow wurde kurz nach der Wende stillgelegt. Dann hausten wir in Tegel, wollte gerade schifften schreiben, ist aber auch nicht das richtige Wort. Airport Tegel, im französischen Gebiet, war bis zur Inbetriebnahme des Flughafens Schönefeld (2020) der Hauptflughafen Berlins. Und nun Tempelhof, der sich im amerikanischen Rayon befand. Auch dieser wurde 2008 stillgelegt. Nun reist alles über den Flughafen Schönefeld. Jetzt nennt man dieses Hauptdrehkreuz mit geplanten 45 Millionen Passagieren pro Jahr, Flughafen Brandenburg «Willy Brand» (BER). Der Flughafen Zürich (ZRH) mit 36 Millionen Passagieren besticht aber auch durch eine gewisse Grösse. Der Start des grössten Bauvolumens in Deutschland startete 2006 und sollte 2011 eröffnet werden. Das Opening wurde siebenmal verschoben und 2020 landetes dann endlich das erste Flugzeug nach sechzehn Jahren Bauzeit. So wie ich das interpretiert habe, wurde das ursprüngliche bewilligte und bestellte Projekt im Nachhinein und während dem Bau, politisch redimensioniert. Man kann aber bei einer Anlage nicht einfach einen Teil herausschneiden. Da stimmt nichts mehr. Die Umplanungen bereiteten wahrscheinlich fast ähnliche Kosten, wie wenn der Hafen beim alten Projekt geblieben wäre. Dann sind die Planer und Generalunternehmer ausgestiegen und es musste neu vergeben werden und eben die neuen Player kosteten nun ein Mehrfaches. Und wie das so ist bei Änderungen, Umdisponierung oder Anpassungen, da wird auf eine grundsätzliche Neuplanung verzichtet «Das haben wir ja schon gemacht» wird vermittelt. Aber genau dann ist vielleicht eine Trafostation oder eine Sprinkler Zentrale an einem falschen Ort. Und alles passt nicht mehr und muss für unglaublich viel Geld umgebaut werden. Aber nun ist er im Betrieb und die veranschlagten zwei Milliarden oder die sechs Milliarden Euro abgerechneten Baukosten sind nun Geschichte.
Der Bezirk Tempelhof liegt im Süden Berlins und die Lage des Hafens ist mehr als Urban, liegt doch Ruhebecken für Schiffe am Teltow-Kanal an renovierten Lager- und Speicherstätten mit einem sehr beachtlichen Einkaufszentrum mit Büros und Wohnungen, dem Hauptgebäude des ehemaligen Ullstein Verlages und der U-Bahnstation Ullsteinstrasse. Der im späten 19. Jahrhundert geründete Ullstein Verlag, mit der Eule, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg aufgelöst und 1952 als Tochter des Axel-Springer-Verlages und dem schwedischen Medienunternehmers Bonnier wieder gegründet
Jetzt wird die Umgebung entdeckt, dabei sind wir auf dem verkehrsreichen und sechsspurigen Tempelhofer-Damm gegen Norden spaziert. Die Bundesstrasse kreuzt sich am Bahnhof Tempelhof mit der U-, S-, Regionalbahn und das Drehkreuz besitzt erst noch einen eigenen Autobahnanschluss. Alles ist aber drei Kilometer vom Flughafen Eingang entfernt und aller ÖV musste über 2 U-Bahnlinien und einigen Busslinien erbracht werden. Nach heftigen und heutigen Diskussionen wurde entschieden, das Flughafengelände, mit 3.8 km2, als eines der grössten Freiflächen in Grossstädten der Welt zu belassen. Unglaublich, wenn man da drinsteht.
Das Feld hat auch Geschichte. Der 1. Mai, der Ende des 19. Jahrhundert in den Staaten durch Gewerkschaften mit dem Generalstreik begründeten internationalen Tag der Arbeit, missbrauche oder deutete Adolf am 1. Mai 1933 auf dem Tempelhof-Feld zum nationalen Arbeitertag um. Dieser wurde zeitgleich als arbeitsfreier Tag im Sinne des Nationalsozialismus eingeführt. Um eine Million Menschen trafen sich mit der Hoffnung auf prosperierende Zukunft. Einen Tag danach hatte Dölf brutalst alle Gewerkschaften aufgelöst und alle wurden zwingend in die national-sozialistische Arbeiterfront integriert.
Bildhaft fiel beim Besuch Neuköllns (Einwohner etwa 160'000) die vielen Bewohner aus osteuropäischer, türkischer oder nordafrikanischer Herkunft auf. Sogar die nationalen Telefon Gesellschaften präsentieren ihre Angebote auch in arabischen Lettern. Ich denke diese Ghettobildung ist für eine Integration nicht gerade förderlich.