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Will man Agaven vermehren, pflanzt man die von den Mutterpflanzen getrennten Ausläufer in Töpfe. Die Pflege ist einfach, Agaven brauchen einen sonnigen Standort und einen durchlässigen Boden.
Die Gattung Agave umfasst um die dreihundert Arten in verschiedenen Sorten; sie ist beheimatet vom südlichen Nordamerika bis zum nördlichen Südamerika. Das Wort Agave ist griechisch und bedeutet die Herrliche, die Erhabene. Spricht man bei uns in Europa von Agaven, ist damit meistens die Agave americana, die ‚Amerikanische Agave’, gelegentlich auch ‚Hundertjährige Agave’ genannt, gemeint. Sie wurde schon im ersten Jahrhundert nach der Entdeckung Amerikas von Mexiko nach Europa gebracht, wo sie im Mittelmeerraum bald verwilderte. Heute ist die Agave in milden, eher trockenen Gegenden der ganzen Welt verbreitet.
Sie bildet grosse Rosetten mit lederartigen graugrünen Blättern, die Längen bis zu zwei Metern und Breiten bis zu zwanzig Zentimetern erreichen. Die schwertförmigen Blätter laufen in einen kurzen, aber sehr spitzen Endstachel aus. Die Randstacheln sind vorwärts oder rückwärts gekrümmt, auch die Blätter selbst können sich besonders längs nach innen rollen. Die plötzlich erscheinenden und sehr rasch wachsenden Blütenstände können über fünf Meter Höhe erreichen und bilden reichliche Samenkapseln. Agaven sind monokarpe Pflanzen, das heisst solche, die nach der Blütenbildung absterben; ihre Lebensdauer beträgt in Südeuropa und in unseren Wintergärten zwanzig bis fünfzig Jahre. Aber nicht nur mittels reichlicher Samenflut, sondern auch mittels Ausläufer und Bulbillen (Brutknöllchen) vermehren sich Agaven.
Die sukkulenten Agaven gehören an sonnige, trockene Standorte im Freien, sei es im Gefäss oder ausgepflanzt. Der Boden muss sehr durchlässig, sandig sein, auch felsig ist ideal. Für Gefässkultur sind Kakteen- oder Kübelpflanzenerde geeignet. Es muss nie oder doch nur ganz selten gegossen werden, da die Wurzeln stets möglichst schnell abtrocknen müssen, um nicht zu faulen. Monatelange Trockenheit wird gut ertragen. Die Wurzeln wachsen schnell dorthin, wo Feuchtigkeit zu finden ist. Gedüngt wird nie oder doch nur mässig, wenn schon dann nur im Frühjahr mit etwas Langzeitdünger. Auf der Alpennordseite sind die Pflanzen ins Winterquartier zu bringen, sobald die Temperaturen unter Null Grad zu geraten drohen. Ein nur bei Frost geheiztes Gewächshaus oder ein frostfreier aber kalter heller Keller sind zu bevorzugen. Die Agave americana erträgt auch Temperaturen von einigen Grad unter Null. Die Luft sollte stets trocken sein, ansonsten werden die Blätter weich aufgedunsen und hängen über, können gar faulen. Im Winterquartier sollte nie gegossen werden. Auf der Alpensüdseite, besonders in den Gegenden um die oberitalienischen Seen, gedeiht die Amerikanische Agave ausgezeichnet und ohne jegliche Pflege ganzjährig im Freien. Sie liebt dort besonders felsige oder steinige trockene, nach Süden geneigte Standorte.
Will man Agaven selbst vermehren, pflanzt man die von den Mutterpflanzen getrennten Ausläufer in Töpfe mit der oben angegebenen Erde. Die Pflege ist dieselbe wie für ausgewachsene Pflanzen, nur kann anfänglich im Sommer gelegentlich gegossen werden. Die Vermehrung durch Samen ist langwierig und nicht zu empfehlen.
Die Aloe vera, die ‚Wahre Aloe’, stammt aus Arabien. Sie ist der heilenden Wirkung ihres Saftes wegen seit alten Zeiten als Medizinalpflanze bekannt. Ihre Ansprüche an Klima und Boden sind ähnlich denjenigen der Agave americana. Aloen ertragen jedoch häufigere Wassergüsse etwas besser.
Wirtschaftlich lassen sich die Agavenblätter als Lieferanten von Fasern verwenden. Die Qualitäten sind je nach Art sehr verschieden. Besonders beliebt sind die Fasern der Sisalagave, die Sisalhanf genannt werden. Seile aus Agavenfasern sind elastischer als solche aus Hanf. Eine andere Agavenart liefert besonders in Mexiko den Rohstoff Zucker für alkoholische Getränke. Der Saft, der gegen das Lebensende der Pflanze aus den Wunden abgeschnittener junger Blütenstände ausfliesst und etwa zehn Prozent Zucker enthält, wird zu einem Getränk mit dem Namen ‚Pulque’ vergoren. Eine Pflanze kann täglich einige Liter zuckerhaltigen Saft fördern, dies während mehrerer Monate, bis sie – da sie ja eigentlich geblüht hat – abstirbt. So kommen gegen tausend Liter Saft oder zehn Kilo Zucker zustande.
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