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Amos Oz hat in seinem letzten Roman „Judas» den Verräter als Kämpfer für die gute Sache beschrieben, der seine Überzeugungen nicht über Bord wirft, wenn der politische Wind gedreht hat. Politiker in vielen europäischen Ländern, aber auch in Israel, versuchen, den intellektuellen Diskurs zu nationalisieren. In Israel heftet man regierungskritischen Künstlern das Etikett „anti-zionistisch» an. Wie erleben Betroffene diese Entwicklung und was für Schlüsse ziehen sie daraus? Der Nahostexperte Richard C. Schneider unterhält sich mit dem Tänzer und Performer Hillel Kogan, dessen ausgezeichnete Produktion „We love Arabs» mit grossem Erfolg am letzten Theaterspektakel gezeigt wurde. Als ihn anlässlich der Aufführung der Tages Anzeiger fragte, ob die Freiheit der Kultur in Israel gefährdet sei, meinte er: „Oh ja! Aber nicht wegen Miri Regev. Ich finde es zwar schlimm, dass sie auf die Subventionspolitik Einfluss zu nehmen versucht; Subventionszuteilung ist nicht ihr Job. Ich persönlich habe aber mit dem Kulturministerium bis jetzt gut zusammengearbeitet. Beängstigend ist: Es geht Regev gar nicht um [den christlichen Araber Norman] Issa, sondern um den Wähler. Und dass sie tatsächlich die Sympathie eines grossen Teils der Wähler mit solchen Aktionen gewinnt, ist das eigentlich Schreckliche. Die Leute auf der Strasse sind rassistischer geworden, nationalistischer. Der Geist der Strasse bedroht die Freiheit.»
Das Gespräch findet in englischer Sprache statt.
Hillel Kogan, 1974 in Tel Aviv geboren, ausgebildet in den Bat-Dor Dance Studios, Tel Aviv, und im Merce Cunningham Studio, New York, tanzte bei Batsheva, der Schweizer Gruppe Nomades und beim Gulbenkian Ballet in Portugal. Die israelischen Tanzkritiker zeichneten Hillel Kogan für „We Love Arabs» als herausragenden Choreografen 2013 aus.
Richard Chaim Schneider wurde als Sohn ungarischer Shoa-Überlebender in München geboren. Nach seinem Studium war er mehrere Jahre an Theatern in Amsterdam, Bonn, München und Wien tätig. Nach einem längeren Forschungsaufenthalt in Jerusalem begann er ab 1989 für die ARD zu arbeiten, und war seit 2006 Leiter des ARD-Fernsehstudios in Tel Aviv; seit diesem Jahr übt er dieselbe Funktion in Rom aus. Schneider ist Autor von zahlreichen Büchern über jüdisches Leben in Europa und über den Nahost-Konflikt und schreibt derzeit ein neues Buch über die Krise der israelischen Gesellschaft.