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Nachdem ein breites Bündnis von Organisationen gegen die geplante Freisetzung gentechnisch veränderter Olivenfliegen in Spanien protestiert hatte, hat das britische Unternehmen Oxitec seinen Antrag jetzt zurückgezogen.
Nach Berichten in spanischen Medien hatte die Firma von den Behörden das Signal erhalten, dass sie die Versuche nicht genehmigen würden, wie der Verein Testbiotech berichtet. Das Experiment hätte über ein ganzes Jahr laufen sollen, die mit Netzen überspannte Versuchsfläche hätte sich über eine Fläche von bis zu 1000 m² erstreckt. Es ist bereits das zweite Mal seit 2013, dass Oxitec mit einem Antrag scheitert (siehe auch Bericht vom Oktober 2013).
Olivenfliegen können erhebliche wirtschaftliche Schäden im Olivenanbau verursachen. Derzeit werden die Fliegen mit Insektiziden oder mit biologischen Mitteln wie Insektenfallen, Beschneidungs- und Bewässerungsmethoden bekämpft. Oxitec beabsichtigt mit ihren Gentechnik-Insekten, die natürlichen Populationen der Olivenfliegen zu reduzieren, um so die wirtschaftlichen Schäden zu verringern, die durch diese Art verursacht werden können. Die gentechnisch veränderten männlichen Insekten sollen sich mit den weiblichen Fliegen in den natürlichen Populationen paaren und so ihr künstliches Erbgut verbreiten.
Verliefe alles, wie von Oxitec geplant, könnte es zu einer erheblichen Reduzierung der Art kommen. Dies kann zu einer Beeinträchtigung der biologischen Vielfalt mit erheblichen Auswirkungen auf die Stabilität der Ökosysteme, die Umwelt und die Landwirtschaft führen. Während Oxitec behauptet, dass Insekten im Labor genetisch stabil vermehrt werden können, kann niemand die genetische Stabilität und das Langzeitverhalten der Insekten vorhersagen, nachdem sie erst einmal freigesetzt wurden. Falls Fliegen aus dem Versuchsgebiet entkommen würden, könnte ihre Ausbreitung nicht kontrolliert werden. Olivenfliegen gelten als eine Art, die sich in geeigneten Lebensräumen rasch verbreitet. Sind die Fliegen einmal freigesetzt, könnten sie sich nach gewisser Zeit im gesamten Mittelmeerraum ausbreiten. Für ökologisch produzierende Olivenbauern könnte es dann unmöglich werden, die gentechnisch veränderten Fliegen von ihren Flächen fernzuhalten. In ihren Produkten könnten sich dann die toten Larven der gentechnisch veränderten Fliegen finden und sie könnten diese dann nicht mehr als gentech-frei verkaufen, ganze Absatzmärkte gingen somit verloren. Unter extremen Bedingungen könnte auch die gesamte Olivenproduktion in der Mittelmeerregion von einer Verbraucherablehnung betroffen sein.
Die protestierenden Organisationen zeigen sich zufrieden mit der Entscheidung von Oxitec, das Gesuch zurückzuziehen. Allerdings blicken sie kritisch und besorgt auf die Entwicklung im Bereich gentechnisch veränderter Organismen.
„Wir gratulieren den Umweltschützern und Landwirten in Spanien zu ihrem Erfolg. Leider wird dieser Antrag aber nicht der letzte gewesen sein. Im Labor wird längst an der nächsten Generation gentechnisch veränderter Insekten gearbeitet. Beim Blick in die wissenschaftlichen Fachpublikationen hat man den Eindruck, dass es in naher Zukunft eine regelrechte Welle von Freisetzungen mit unkontrollierbaren Organismen geben könnte.“
Christoph Then, Testbiotech
Situation in der Schweiz
In der Schweiz gilt bis mindestens 2017 ein Moratorium für gentechnisch veränderte Pflanzen und Tiere (GVO). Deren kommerzielle Nutzung wurde verboten, nachdem 2005 eine entsprechende Volksinitiative angenommen wurde. Theoretisch dürften einzelne Mais-, Soja- und Futtermittelsorten importiert werden, solange sie deklariert sind. Allerdings verzichten bisher sowohl die Grossverteiler auf den Verkauf solcher Produkte wie auch die Schweizer Landwirtschaft auf den Import von Gentech-Futter.