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Smith & Wesson - Rachels grosses Wagnis
22. Februar - 14. März 2020
von Alessandro Baricco
Schweizer Erstaufführung
Unweit der Niagarafälle im Jahr 1902. Rachel, eine junge Journalistin, hat von ihrem Chef eine Aufgabe bekommen, die über ihre berufliche Zukunft entscheidet: Sie hat zehn Tage Zeit, um eine Titelgeschichte über «Die Niagarafälle, das Paradies für die Flitterwochen» zu schreiben. Da dies keine Topstory ist, beschliesst Rachel, selbst Nachrichten zu machen, und wagt ein riskantes Experiment. Sie will das erste menschliche Wesen sein, das sich von den Niagarafällen stürzt, um zu überleben. Gefährliche 50 Meter, die sie mit Unter stützung von zwei Männern überstehen will.
Tom Smith ist der eine, ein glückloser Erfinder und selbsternannter Meteorologe, der eine statistische Methode zur genauen Vorhersage des Wetters entwickelt hat. Der andere, Jerry Wesson, wohnt in einer schäbigen Hütte in der Nähe der Niagarafälle. Keiner kennt die Stromschnellen so gut wie er, denn er ist Leichenfischer und zieht regelmässig tote Körper aus dem Wasser. Die beiden Männer haben sich gerade kennengelernt, als Rachel in ihr Leben platzt. Wird sie den Sprung überleben?
Alessandro Baricco wurde 1958 in Turin geboren. Seit seinen literarischen Erfolgen mit «Seide», «Land aus Glas», «Novecento» und «Oceano Mare» zählt er zu Europas Kultautoren.
Inszenierung:
Markus Keller
Besetzung:
Jerry Wesson Gilles Tschudi
Tom Smith Wolfgang Seidenberg
Rachel Larissa Keat
Mrs. Higgins Kornelia Lüdorff
Echos
(...) Das grösste Spektakel vollzieht sich dabei nicht auf der Bühne, sondern im Publikumsraum und in der Imagination: Wenn alle Lichter ausgehen und das Wasserrauschen in den Lautsprechern zu einem ohrenbetäubenden Getöse anschwillt, wird Rachels Beklemmung im Fass körperlich erfahrbar. In einem kurzen Aufblitzen erscheint sie im Scheinwerferlicht auf der Bühne – als Heldin oder als Wasserleiche. «Smith&Wesson» erzählt von einem Abenteuer ohne rauchende Colts, aber dafür voll von geistigem Schiesspulver gewitzter Geister.
Anne-Sohie Scholl, Der Bund
Helen Lagger, Berner Zeitung
Gilles Tschudi ist ganz der Mann, mit seinem mimischen Talent diese Figur einmalig wirkungsvoll und vielseitig zu charakterisieren. Das führt so weit, dass man ihn als Gekrümmten sieht, obschon er gar nicht wirklich gebückt da steht.
Unerwarteter Besuch erhält er von einem selbsternannten Meteorologen namens Smith, der nach dem statistischen Prinzip Wetterprognosen verfasst. Grundlage sind dabei die zahllosen Tabellen, die er aus den Befragungen von Leuten über ihre Wetterbeobachtungen während Jahrzehnten zusammenstellt. Als vermeintlich genialer Erfinder hat er bisher kaum Erfolge. Seine Eloquenz, seine pingelige sprachliche Akkuratesse, seine in jeder Situation steife Gespreiztheit verleihen dem Spiel auf der Bühne ein immer wieder belustigendes sarkastisches Kolorit. Wolfgang Seidenberg, den seine Körpergrösse im Vergleich zu seinem Gesprächs- und späteren Schicksalspartner Gilles Tschudi äusserlich noch zusätzlich unterstützt, mimt diese Arroganz, die nur schlecht mögliche Schwächen und Misserfolge kaschiert, mit grosser schauspielerischer Ausdruckskraft.
Fritz Vollenweider, Seniorweb