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Überwinterung von Igeln in menschlicher Obhut
Igel, die bei drohendem Wintereinbruch leichter als 300g sind, sollten nicht im Freien gelassen werden. Ihr kleiner Körper kühlt schnell aus und die Futtersuche ist schwierig.
Diese Jungigel werden drinnen bei Raumtemperatur auf mindestens 400g Körpergewicht aufgefüttert und anschliessend in einem Aussengehege weitergefüttert bis zum winterschlaftauglichen Gewicht von 500-600g.
In der Regel werden solche Jungigel erst im nächsten Frühling, das heisst nach dem Winterschlaf im Gehege, wieder aus dem Aussengehege in die Freiheit entlassen. Eine Freilassung im Spätherbst oder Winter könnte diese noch unerfahrenen Jungtiere in eine kritische Situation bringen (wegen fehlender Lebensraumkenntnis).
Generell aber gilt folgendes: Der Braunbrustigel gehört in der Schweiz gemäss dem Natur- und Heimatschutzgesetz zu den geschützten Tierarten. Das bedeutet, es ist unter anderem verboten, Igel grundlos zu berühren, einzufangen oder in Gewahrsam zu nehmen. Findet man einen Igel, der sich scheinbar oder tatsächlich in einer Notlage befindet (Beispiele: kranke oder verletzte Tiere, Igel die bei Wintereinbruch weit unter dem für den Winterschlaf notwendigen Minimalgewicht sind oder verwaiste Igelsäuglinge) dürfen solche Tiere vorübergehend in Gewahrsam genommen werden, dies allerdings nur, wenn man sich gleichzeitig, respektive so rasch wie möglich, mit einer qualifizierten Igelfachstelle in Verbindung setzt. Die Fachstelle wird entscheiden, ob es überhaupt nötig ist, das Tier temporär in menschlicher Pflege zu belassen, und falls ja, ob dies beim Finder selber erfolgen kann oder ob der Igel Betreuung in einer Igelstation oder beim Tierarzt benötigt. (siehe Häufige Fragen).
Die Igel werden in einem Raum, der wärmer ist als 15°C, gehalten. Das Gehege sollte mind. 1.5-2 m2 gross sein. Es wird mit Zeitungspapier ausgelegt. Als Nest dient eine Kartonschachtel mit Öffnung, die mit zerrissenem Haushaltpapier gefüllt wird. Zeitungspapier und Haushaltpapier müssen täglich gewechselt werden. In den Auslauf stellt man ein Schälchen Wasser und ein Schälchen Katzenfutter (je nach Grösse der Igel 2-4 Esslöffel).
Die Gewichtszunahme muss täglich kontrolliert werden. Ideal ist eine Gewichtszunahme von 10-15 (20) g pro Tag bei Jungigeln und abgemagerten Igeln. Ausgewachsene Igel mit gutem Ernährungszustand sollten nicht weiter zunehmen!
Feuchtfutter (Tagesration/Igel):
2-3 Esslöffel (=100-150g) Katzendosenfutter
(muss ein Igel länger als 2-3 Wochen gefüttert werden, empfehlen wir die tägliche Zugabe von ½ Teelöffel Animastrath und etwas Weizenkleie)
Trockenfutter (als Ergänzung):
1 Esslöffel Katzentrockenfutter
Spätestens wenn die die Igeljungen ein Gewicht von 500-600g erreicht haben und gesund sind, müssen sie zur Überwinterung draussen in ein oder auf einen geschlossenen, spaltenfreien (!) Balkon umgesiedelt werden, wo sie den Winterschlaf halten.
Diese Umplatzierung nach draussen kann auch im Dezember/Januar stattfinden; die Igel überstehen diesen Temperaturwechsel erstaunlich gut, vorausgesetzt sie erhalten draussen genügend Futter und einen gut wärme-isolierten Schlafplatz.
Als Nest draussen dient jetzt ein Winterschlafhaus mit Stroh gefüllt. Das Winterschlafnest (Kiste) darf nicht von der Sonne beschienen werden, sonst erwacht der Igel zu früh aus dem Winterschlaf. Am besten Winterschlafkiste auf der Nordseite des Hauses aufstellen oder künstlich beschatten.
Das Katzenfeuchtfutter (150g pro Igel) und das Trockenfutter werden unter ein Futterhäuschen gestellt, wo es vor gefrässigen Katzen sicher ist. Zum Trinken dient eine grosse Schale, die mit Wasser gefüllt wird. Solange der Igel wach ist, kontrollieren Sie gelegentlich sein Gewicht und passen die Futtermenge entsprechend an.
Rührt der Igel das angebotene Futter nicht weiter an, ist er in den Winterschlaf gefallen. Er muss jetzt nicht mehr gefüttert werden. Als Notration kann Trockenfutter angeboten werden. Wacht der Igel zwischendurch auf, muss wieder das gewohnte Futter angeboten werden. Ein Stück WC-Papier, das quer über den Eingang geklebt wird, ist ein guter Hinweis, ob der Igel noch schläft oder das Nest schon mal verlassen hat. Etwa ab März bis Mitte April erwachen die Igel aus dem Winterschlaf. Die Auswilderungsphase beginnt.
Macht der Igel bei Temperaturen unter 4 Grad oder Schnee und einem Körpergewicht von mehr als 600g keine Anstalten, den Winterschlaf abzuhalten, muss ihm das Futter entzogen werden. Der Futterentzug findet am besten verbunden mit einem Temperatursturz statt. Das animiert den Igel, in den Winterschlaf zu gehen. Ein Futterentzug muss sicher 3-5 Tage durchgezogen werden, damit er die gewünschte Wirkung zeigt. Wasser erhält der Igel weiterhin. Der Igel hält Winterschlaf, weil er keine Nahrung mehr findet und nicht wegen der Kälte. Einige Igel gehen nicht in den Winterschlaf, wenn sie immer gefüttert werden!
Zeigt der Futterentzug nicht die gewünschte Wirkung, wird er bei Beginn der nächsten Kälterperiode wiederholt.
Nach zwei Wochen Aufenthalt im Gehege bzw. Balkon in wachem Zustand, etwa ab April, können die Igel in die Freiheit entlassen werden, falls bereits Futtertiere vorhanden sind. Dabei wird das Freigehege geöffnet, so dass die Igel in die Freiheit spazieren können. Sind die Igel auf dem Balkon überwintert worden, zügelt man das gewohnte Futter- und Schlafhaus mit Igel in den Garten. Während zwei Wochen wird am gewohnten Ort weiterhin gefüttert. Auch das Schlafhaus soll dem Igel weiterhin zur Verfügung stehen. Auf diese Weise haben die Igel genügend Zeit, ihren neuen Lebensraum kennen zu lernen.
Warum dürfen Igel nicht im Keller überwintert werden?
Siehe Häufige Fragen.
Kann ein Igel kurz vor dem Wintereinbruch oder während des Winters wieder in die Freiheit entlassen werden?
Siehe Häufige Fragen
Die Checkliste für Auswilderung (PDF 800 KB) fasst die wichtigen Punkte für eine kontrollierte Überwinterung draussen und Auswilderung im folgenden Frühjahr nochmals zusammen.
Jedem Igel seinen Winterschlaf!
"Der Winterschlaf der Tiere bleibt für die meisten Menschen ein Rätsel und lässt Raum für falsche Interpretationen. Das kann dazu führen, dass Igelfreunde meinen, sie müssten dem Stacheltier durch den Winter helfen, indem sie es in einem Gehege im Haus halten. Das ist falsch und alles andere als artgerecht."
Zeitung des Igelzentrums Zürich, Ausgabe 2011/3
Igel&Umwelt 20011/3 (PDF 0.8 MB)