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Eigentlich ist schon der Titel falsch, dürfen doch im Badeteich keine
chemischen Desinfektionsmittel eingesetzt werden. Und wird es doch gemacht ist
es per Definition kein Bade- oder Schwimmteich mehr. Es ist wie bei Reinheitsgebot
beim Bier: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen und Hefe, sonst nichts. Im Badeteich
sind es Wasser, Kiese, Pflanzen und allenfalls natürliche Substrate und
sonst nichts.
Bei dieser Aufbereitungsart denke ich vor allem an die immer mehr Verbreitung findende Methode, mittels Elektrolyse Kupfer- und Silberionen zu produzieren und mit diesen dann den Aufwuchs von Algen zu verhindern. Unternehmen, welche diese Technik anwenden, haben die Geduld verloren, mit Kunden zu diskutieren, welche sich über Algen im Badeteich beklagen. Oder sie haben die Kunden nicht richtig aufgeklärt, dass halt Algen entstehen können.
Wie funktioniert das Prinzip dieser Desinfektion:
Eine Elektrode (elektrisch leitfähiges Metallteil) und eine Kupfer- und Silberanode stehen einander gegenüber. Die Elektrode wird angesteuert und durch die elektrische Ladung werden Kupfer- und Silberionen frei, die im Wasser verteilt werden.
Mit dieser Methode kann die Konzentration an Kupfer und Silber so dosiert werden, dass nur gerade die Algen absterben, nicht aber die Pflanzen. Er beträgt ca. 0.3 mg/l Wasser. Dies ist für den Menschen grundsätzlich unbedenklich, da die Trinkwasserverordnung in den meisten europäischen Ländern eine Konzentration von 2 mg/l Wasser erlaubt.
Eine andere Methode besteht darin, dass eine Diamantelektrode im Wasser vorhandene
und zum Teil leicht mit Soda angereichert. Mittels diesem Elektrolyt wird der
im Wasser vorhandene Sauerstoff ‚aktiviert’, wie die Hersteller
das wohl entstehenden Wasserstoffperoxyd umschreiben, welches für das Abtöten
sämtlicher Organismen zuständig sind.
Diese Methode wird bislang nur für pflanzenfreie, konventionelle Pools verwendet, wo durch diese Massnahme das Chlor oder ein anderes Desinfektionsmittel ersetzt wird. Immerhin erwähnt der Vertreiber dieser Methode, dass es sich nicht um ein biologisches Verfahren handelt.
Wie erwähnt werden diese Methoden in den Normen für natürliche
Schwimm- und Badeteiche untersagt. Wo sie eingesetzt werden, darf infolge dessen
nicht mehr von Schwimm- oder Badeteichen gesprochen werden.
Diese formelle Disqualifizierung soll eine Diskussion über Sinn und Zweck dieser Methoden aber nicht ausschliessen. Was soll abwegig daran sein, einen Pool zu bauen, in dem auch noch Pflanzen gedeihen und in dem man nun wirklich keine Algen und praktisch keinen Biofilm antrifft, der also die Qualitäten und Eigenschaften von chemisch gereinigtem Pool und Schwimmteich vereint, wo man ein natürliches Feeling inmitten von Pflanzen hat. Und wo auch der Pflegeaufwand geringer ist, da halt keine oder doch viel weniger abgestorbene Biomasse anfällt und eben auch keine Algen. Zudem sind die geringen Mengen an toxischen Stoffen absolut unbedenklich. Sagt man jedenfalls. In diesem Zusammenhang kommt mir das bekannte Unkrautvertilgungsmittel ‚RoundUp’ mit dem Wirkstoff Glyphosate in den Sinn, dem zu Beginn seines Einsatzes zugebilligt wurde, sich im Boden vollständig abzubauen. Nun hat sich herausgestellt, dass dem halt doch nicht so ist, findet man das Gift mittlererweile im Urin von 20-30 % der untersuchten Männer.
Grundsätzlich ist es jedem Kunden und jedem Unternehmer unbenommen, im
Rahmen der gesetzlichen Vorgaben alles zu bauen, was man sich wünscht,
sofern es auch richtig deklariert wird. Warum soll ich auf all diese Vorzüge
verzichten, ich bin frei in meinen Entscheidungen.
Warum soll ich mich als Unternehmer nicht diesen zuweilen lästigen Klagen entledigen, die da des öftern bezüglich überhandnehmender Algen im Badeteich eintreffen.
Die Unehrlichkeit beginnt dort, wo ich diesen Teich als natürlichen Badeteich verkaufe und dem Kunden vorgaukle, ihm ein Stück Natur in den Garten zu stellen. Verschaukelt müssen sich dann alle ehrlichen Badeteichbauer vorkommen, die sich bemühen, ein wirklich natürliches Produkt zu bauen. Es ist vergleichsweise schwierig, dem Kunden beizubringen, dass es eben nicht geht, einem Schwimmteich mit Kupfer und Silber nachzuhelfen, und das dauerhaft.
Und warum soll das nicht gehen?
Die Schwimmteichbranche hat mit viel Aufwand, Experimenten, Überzeugungsarbeit und vor allem sehr vielem Lehrgeld ein neues Produkt lanciert, das immer mehr Anhänger findet. Das aber auch gewisse Nachteile hat, das ab und zu aus welchen Gründen auch immer, nicht absolut zufriedenstellend funktioniert, das immer noch in Entwicklung ist und das halt gelegentlich unangenehme Algen produziert.
Nun kommen Trittbrettfahrer hinzu, die auf der Welle und auf dem Namen des Badeteiches reiten und ein Produkt anbieten, das eben nicht bio, das kein Badeteich ist. Es ist, als wenn jemand Bioprodukte anbietet, die des Nachts mit chemischen Mitteln behandelt werden, welche sie schöner aussehen und schneller wachsen lassen. Da nennt man es Betrug, bei den Badeteichen soll es eine neue Marktnische sein.
Ein weiterer Aspekt ist der toxikologische. Es gibt keine Studien, die darüber Auskunft geben, ob das Baden in diesem Wasser wirklich unbedenklich ist. Es ist nicht erhärtet, dass hier keine Unfälle passieren, es ist durchaus denkbar, dass die Elektrode plötzlich versagt und ganz andere Mengen von Kupfer oder Silber freisetzt.
Ab 2 mg/l schmeckt das Wasser metallisch, ab 5 mg/l ist es ungeniessbar. Kupfer kann in erhöhten Konzentrationen zu Organschäden (Leberschäden bei Kleinkindern) führen. (Wesener)
KRAUSE Handbuch für Aquarienwasser:"Bei Dauereinwirkung muss ab 0,2-0,5 mg/l Cu2+ mit Todesfällen bei Fischen gerechnet werden. Schädigungen sind zu erwarten ab
0,03 mg/l bei Algen, Bakterien (Filter!),
0,08 mg/l bei höheren Wasserpflanzen,
0,10 mg/l bei Fischen
Kupfer wirkt toxisch auf das Photosynthese-System der Grünalgen, nicht aber auf das Photosynthese-System der Blaualgen!!! (Wesner)
In einem öffentlichen Bad wird der Chlorgehalt von geschultem Personal ständig überwacht, im Chlorpool zu Hause verflüchtigt sich das Chlor. Wir sollen den Teufel nicht an die Wand malen. Kupfer ist nicht lebensgefährlich. Aber es wird auch nicht abgebaut. Es setzt sich im Pool überall fest und es wird ja ständig nachgeliefert, ist zudem noch ein durchströmter Kiesfilter vorhanden, was allerdings absolut unnötig wäre, kann sich der nährstoffreduzierende Biofilm wegen dem Kupfer ja auch nicht entwickeln, wird auch da Kupfer akkumuliert. Im gesamten Pflanzenbereich wird das Schwermetall angereichert und wird wohl irgendeinmal Konzentrationen erreichen, welche auch den Pflanzen zu schaffen machen werden. Wann, kann niemand sagen. Das wusste man zu Beginn des DDT Einsatzes auch nicht, heute ist das DDT überall und hat zum Teil verheerende Auswirkungen.
Ein weiterer Aspekt des Einsatzes von Kupfer liegt in seinen weiteren im Pool nicht immer bekannten chemischen Auswirkungen. Neulich habe ich einen auf diese Art aufbereiteten Teich gesehen, der sich stark eintrübte und das über Tage. Niemand kennt die Ursache, denn sie ist nicht biologischer Natur. Der Teich ist ein Jahr alt und es kann sich nicht um mineralische Trübstoffe aus dem Kies handeln. Das geschieht lediglich am Anfang und ist meist rasch vorbei. Eine Grobanalyse dieses Teichwassers hat folgende Werte ergeben:
Wie erwähnt, solange es nicht verboten ist, auf diese Art und Weise Badegewässer aufzubereiten darf jeder machen was er will. Aber mit naturnahen Bade- und Schwimmteichen hat das nichts zu tun.
Dass die Methode aber auch nicht immer funktioniert bewies ein Augenschein,
den ich bei so einem Teich vornahm. Der Teich hat mehr oder weniger über
Nacht eine Trübung angenommen und es haben sich ziemlich Sedimente gebildet.
Die Anlage an sich schien aber tadellos zu funktionieren. Eine Wasserprobe ergab
sehr gute Werte bezüglich des Phosphatgehaltes, lediglich die Leitfähigkeit
mit 540 µS/cm war etwas hoch, jedoch längst innerhalb der Norm. Im
Plankton konnten diverse lebende Grünalgen gefunden werden, u.a. Gloeocystis,
Mesotaenium, eigentlich Arten, die im Schwimmteich sonst sehr selten auftauchen.
Im Sediment habe ich Gonium, Haematococcus und vermutlich auch die Blaualge
Calothrix und andere gefunden. Die Bestimmung ist allerdings sehr schwierig
und ungenau, da etliche der Zellen Schädigungen aufweisen.
Die Problematik bei Störungen bei dieser Art Aufbereitung liegt darin, dass man die Ursachen nicht genau eruieren kann, wenn die Anlage ansonsten einwandfrei läuft und das notwendige Quantum an Gift absondert. Man kann die Dosis allerdings nicht beliebig erhöhen, da sonst die Pflanzen schaden leiden.