Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03445.jsonl.gz/1506

Die Geschichte und Mythologie von Minas Gerais ist in seinem Namen verankert. Es ist die Region, in der es Berge mit Smaragden gibt, Flüsse voller Diamanten und Terrains mit Gold, das sich in den Augen des Wanderers spiegelt.
Die Städte entstanden unter Kriegsgeschrei und Waffengeklirr, beschützt von Goldfieber und der Gier nach Edelsteinen. Hierher drängten die bewaffneten Kräfte des kolonialen Brasiliens, denn es war von äusserster Dringlichkeit, jene umkämpften Ländereien zu verteidigen.
Die mineirische Folklore ist eine Erweiterung, gross, angepasst, mit eigenen Komponenten, aber trotzdem eine Erweiterung der paulistanischen Folklore (aus São Paulo). Trotz allem kann man sie auch nicht als “von der Mythologie anderer Bundesstaaten abhängig“ bezeichnen.
Viele klassische europäische Mythen und auch die von den Indios, besonders jene der Tupi, wurden eingeschleust und verbreitet durch die “Bandeiras“ (Söldnertruppen), aber die Arbeiter der Mineralien-Ausbeutung brachten andere Elemente mit ein, welche die Phantasie der Bevölkerung bewegten. Der Goldzyklus vermischte sich mit den “Mitos de fogo“ (Feuer-Mythen) und die mit der “Mboitatá“.
So vereinigte die “Mãe do Ouro“ (Mutter des Goldes) Reste anderer Legenden in sich – darunter die “Mãe d’Água“ (Mutter des Wassers), den “Batatá“, der in Minas Gerais “Batatal“ genannt wird und in Bahia als “Biatatá“ auftritt. “Saci-Pereré“ und die “Mão-Pelada“ (Nackte Hand) erschrecken die Menschen rund um ihre Behausungen. Nachtgespenster versetzen die Kinder in Panik. Monster aller Grössen schlurfen durch die Gebirge, sie wohnen in dunklen Höhlen, wie der “Minhocão“ (Riesenwurm), der im Bett des Rio São Francisco lebt und sich unterirdische Gänge gräbt.
Die Folklore des Rio da Prata hat ein paar ihrer bevorzugten Kreaturen einwandern lassen. Die dort in grosser Zahl ansässigen Afrikaner haben jenen Fabelwesen, die sich mit der Nacht paaren, ein paar ganz besondere, differenzierte Aspekte verpasst.
Die Mythologie von Minas Gerais wird durch willkürliche, konventionelle Trennungen bestimmt. Die Zone des Rio São Francisco, das lange, komplexe Grenzgebiet zum Bundesstaat Goiás – die Südzone mit ihren tausend Türen zum Einfluss Rio de Janeiros und ausgerechnet eins der dicht besiedelsten Gebiete – das sind die vorgegebenen Zentren für entsprechende Studien. Jedoch besitzen diese Zonen keine von ihnen selbst geschaffene Mythen oder Legenden der einen oder anderen Art, was die Verfolgung ihrer jeweiligen Herkunft erleichtert.
Die klassischen Legenden europäischer Herkunft überwiegen auch in diesem Fall. Der afrikanische Einfluss ist sehr viel sensibler, obwohl er kein einziges übernatürliches Wesen geschaffen hat – ausgenommen in den Spukgeschichten für Kinder.
Der omnipotente “Caapora“ verliert an Bedeutung gegen den “Saci-Pererê“. Die sekundären lokalen Legenden sind in der Mehrheit entlehnt aus São Paulo. Andere stammen aus Goiás und Mato Grosso. Und jene, die sich um den “Goldzyklus“ ranken und von den “Bandeiras“ mitgebracht wurden, fanden in Minas Gerais einen so fruchtbaren Boden, dass sie sich nicht nur in diesem Gebiet häuslich niederliessen, sondern sogar im Blühen begriffen sind.