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Der Spiegel-Redakteur Henry Glass, stets neugierig auf das Aussergewöhnliche in Wissenschaft und Leben, war eine Legende. Aus seinen Texten liest Harry Rowohlt. Zwei Jahrzehnte lang belebte Henry Glass, mitirischem Sinn fürs Skurrile und Absurde, den Kultur- und Wissenschaftsteil des Spiegel. Er berichtete über die Prozedur des Alkohol-Entzugs bei süchtigen Eseln, die alljährlich in England ausgetragene Weltmeisterschaft der "Wurmklopfer" und porträtierte die 1000-jährige Ir(r)en-Metropole Dublin. Dazu gesellten sich Artikel über abgründige Forschungsgegenstände wie "Fremdkörper im Rektum", "Wurzelgleichung beweist Murphy's Law" oder "Die Gasdynamik des Darms". Lange bevor der Spiegel Autorenzeilen unter den Artikeln einführte, erkannte man die Beiträge des Heimweh-Iren und Kopfweh-Briten Glass. In ihrer stilistischen Originalität und ihrem Einfallsreichtum sind sie unerreicht und geniessen Kultstatus. Die vorliegende Sammlung feiert den findigen Kopf und stellt einige seiner besten Texte vor.
Portrait
Henry Glass, 1951 als Sohn einer rumänisch-deutschen Mutter und eines nordirischen Geschäftsmannes in München geboren, arbeitete von 1978 bis zu seinem Tod im Jahr 2000 im Wissenschaftsressort des Spiegel. Er war ein liebenswürdiger Chaot, der seinen angelsächsischen Spleen mit dem Tragen von knielangen Shorts, James-Joyce-Brillen und Capes darzutun pflegte. Harry Rowohlt, geboren 1945 in Hamburg, lebte als Autor, Übersetzer und begnadeter Vortragskünstler in Hamburg Eppendorf. Er brillierte unregelmässig als Penner Harry in der Fernsehserie 'Lindenstrasse'. 1999 erhielt er den "Johann-Heinrich-Voss-Preis" der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Im Januar 2001 erhielt er den Satirepreis "Göttinger Elch". Harry Rowohlt verstarb im Juni 2015.