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Das 1928 erbaute Haus Huber ist das letzte der drei Wohnhäuser mit Stahlskelett, die das Architekturbüro Artaria und Schmidt in Riehen schuf. Das Haus ist international bekannt und gilt als Meisterwerk der frühen modernen Architektur in der Schweiz.
Das Architektenduo Paul Artaria und Hans Schmidt setzte im Haus Huber wie bereits im Haus Colnaghi (1927) und im Haus Schaeffer (1927/28) zentrale Anliegen der künstlerischen Avantgarde-Bewegung Neues Bauen um. Die Häuser unterscheiden sich von der traditionellen Architektur: Statt der Massivbauweise verwendeten die Architekten den Eisenskelettbau als Konstruktionsprinzip. Sie versuchten damit, ihrem Bau technische Klarheit zu verleihen und den Bauvorgang zu vereinfachen. Die Grundfarben Rot, Blau und Gelb nebst Weiss und Schwarz herrschen in der Farbgebung vor. An den Häusern von Artaria und Schmidt in Riehen zeigt sich deren Beeinflussung durch die De Stijl-Bewegung in Holland, in der Maler wie Piet Mondrian (1872–1944) oder Architekten wie Gerrit Rietveld (1888–1965) ihre Vorstellungen von moderner Kunst zum Ausdruck brachten.
Die Bauherrschaft war die Erzieherin Tabitha Huber, geborene Zweifel (1893–1931), und der damalige Waisenhauspfarrer Fritz Huber (1892–1944), der mit Paul Artaria (1892–1959) verwandt und ein ehemaliger Schulkamerad von Hans Schmidt (1893–1972) war. Das Ehepaar liess das Haus für seine siebenköpfige Familie bauen.
Das Haus steht quer zum Hang und ist aus mehreren Kuben gebildet. Den Kern bilden Sockel, Treppenhaus und Dachzimmer. Auf der sonnigen Südseite lassen vom Boden bis zur Decke reichende Fensterbänder Licht ins Innere. Die Stahlskelettkonstruktion, welche die Mauern als tragendes Element ersetzte, ermöglichte mehr Freiheit in der Raumgestaltung. Bemerkbar macht sich das Skelett in der Rasterordnung, die sich im Entwurf auf allen vier Stockwerken wiederfindet. Die Fassade ist im Naturputz belassen. Die freistehenden Stützen sowie die Aussentüren sind pompejanisch-rot, die Fensterrahmen schwarz gestrichen. Im Innern sind die Wände der Wohnräume in Gelb, die Decken in Weiss sowie Holzeinbauten und Türen in Weiss oder Grau gehalten. Türkisblau bestimmt Küche und Badezimmer.
Der Entwurf des Hauses Huber ist von Le Corbusiers (1887–1965) Weissenhofbauten (1927) beeinflusst, jedoch ersetzten Artaria und Schmidt dessen spielerische Formen durch einen konsequent rationalisierten Typengrundriss. Peter Meyer (1894–1984), der für das Neue Bauen eintrat und einer der wichtigsten Schweizer Architekturkritiker werden sollte, bemängelte am Grundriss den «Zwang des Skelettschemas». Die logische Konstruktion werde auf Kosten der Benutzerfreundlichkeit durchgesetzt, was sich beispielsweise an den steilen Treppen zeige. Andere Architekturexpertinnen und -experten äusserten sich anerkennend. So sah Siegfried Giedion (1888–1968), ein weiterer Wortführer des Neuen Bauens, im Haus Huber die reifste Leistung des Architektenduos. Nicht nur die Programmpunkte des Neuen Bauens seien wie schon bei den früheren Häusern verwirklicht, sondern auch das Element der Aussicht sei vorhanden. Architekturschaffende schätzen das Haus Huber auch heute noch. Es ist über die Schweiz hinaus bekannt, vielfach publiziert und gehört der Kunsthistorikerin Dorothee Huber zufolge «zu den Meisterwerken der avantgardistischen Moderne in der Schweiz».
Der Architekt Benedikt Huber (1928–2019), ein Sohn der Bauherrschaft, renovierte sein Elternhaus 1993 sorgfältig. Im selben Jahr wurde es in das kantonale Denkmalverzeichnis aufgenommen. Artaria und Schmidt hatten beim Hausbau mit neuartiger Isolierverglasung experimentiert, die mit der Zeit Schwierigkeiten bereitete und ersetzt werden musste. Die originalen Fensterrahmen und Beschläge wurden bei der Renovierung instandgesetzt und wiederverwendet. Auch die ursprüngliche Farbgebung der Aussentüren und des Verbindungsschranks zwischen Küche und Essbereich wurde wiederhergestellt.
Autorin / Autor: Felix Steininger | Zuletzt aktualisiert am 6.1.2023
Schiess, Robert: Neues Bauen in Riehen. In: Jahrbuch z’Rieche 2005. S. 90–97.
Huber, Benedikt: Die Stadt des neuen Bauens. Projekte und Theorien von Hans Schmidt. Zürich 1993.
Huber, Dorothee: 9. Haus Huber. In: Heimatschutz Basel und Gemeinde Riehen (Hg.): Baukultur entdecken. Neues Bauen in Riehen. Riehen / Basel 2005.
Meyer, Peter: Zwei Stahlskelettbauten in Basel. In: Schweizerische Bauzeitung, 14.12.1929. S. 305–308, Tafel 21–24.
Suter, Ursula: Kritischer Werkkatalog. In: dies. (Hg.): Hans Schmidt. 1893–1972. Architekt in Basel, Moskau, Berlin-Ost. Zürich 1993. S. 109–374.
Theewen, Gerhard (Hg.): Thomas Huber präsentiert «Das Haus Huber in Riehen». 1929 erbaut von den Architekten Artaria & Schmidt: Materialien, Bezüge und Personalien zur Baugeschichte. Zusammengestellt von Benedikt Huber 2004. Köln 2009.