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Pf-t, pf-t, pf-t, pf-t … Das leise Geräusch weckte mich oft mitten in der Nacht. Sie haben bereits ein gewisses Alter, falls auch Sie sich ans Geräusch erinnern: das leise «Pf-t, pf-t …», das die Tonabnehmernadel eines Plattenspielers verursachte, wenn sie am Ende einer LP-Seite angelangt war und dann wieder und wieder in die Rille zurückfiel. Endlos.
Ausser, man stand auf und stellte das Gerät ab. Oder legte den Arm des Plattenspielers wieder an den Anfang der Platte zurück, zum Beispiel: «Elton John live in Australia with the Melbourne Symphony Orchestra», B-Seite. Das war zu der Zeit, als ich zu schwülstigem Sound tendierte, zugegeben. Jedenfalls hörte ich zum Einschlafen gern Musik. Funktionierte wunderbar bei Titeln wie «Your Song» und «Don’t Let the Sun Go Down on Me». Nur eben stand das Gerät danach nicht still, sondern die Platte drehte sich leise weiter. Und irgendwann weckte einen dieses «Pf-t, pf-t …» wieder. Ein Spiel ohne Ende.
Aber das wollte ich gar nicht erzählen. Sondern … Mist, wenn ich das jetzt noch wüsste! «Tolle Kolumnenidee», ging mir vor einer halben Stunde durch den Kopf. Nun aber ist sie weg. Und mir fällt stattdessen ein, weshalb ich weit ungestörter geschlafen hätte, hätte ich damals, 1987, bereits auf Compact Disc umgestellt gehabt. Denn die stellt nicht nur von selber ab, sie hat auch eine weit längere Spieldauer: 74 Minuten.
Und wissen Sie, wer daran schuld ist? Beethoven. Genauer: Wilhelm Furtwängler. Der hatte im Jahr 1951 Beethovens Neunte Symphonie mal so langsam dirigiert, dass sie 74 Minuten dauerte. Und diese Aufnahme diente als Vorlage für die CD, was wiederum deren Durchmesser von zwölf Zentimetern ergab. Wegen good old Beethoven sieht die CD also aus, wie sie aussieht. Besser: aussah. Das Medium ist ja im Verschwinden begriffen …
«Brothers in Arms» von Dire Straits war 1985 das erste Werk, von dem mehr CDs als LPs verkauft wurden. Fünfzehn glückliche Jahre lang verdiente die Musikindustrie mit dem überteuerten Medium unanständig viel Geld. Als Grössenordnung für das Loch in der Mitte jeder CD diente übrigens das Dubbeltje, das niederländische Zehn-Cent-Stück, seinerzeit die kleinste Münze der Welt – verschwunden auch sie …
Aber warum um Himmels willen merke ich mir solche Dinge? Statt mir zu merken, was ich mir wirklich merken will?
Was ich Ihnen heute ursprünglich erzählen wollte? Ich bin sicher, es wird mir einfallen. Wenn ich aus dem Schlaf aufschrecke, mitten in der Nacht.
Bänz Friedli live: 27. 10. Biel, Théâtre de Poche
Autor: Bänz Friedli
Fotograf: Bänz Friedli