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Rudolf Keel v/o Puls, 10.04.1925 – 26.05.2014
26.05.2014 - Ruedi Keel v/o k.k.
Nachruf
Dr. med.
Rudolf Keel v/o Puls
Kyburger, Corona Sangallensis
10.04.1925 – 26.05.2014
Rudolf Keel wurde am 10. April 1925 in St. Gallen geboren, besuchte dort die Schulen, u.a. die Kantonsschule (Gymnasium). Hier trat er der Corona Sangallensis und damit dem StV bei. Er erhielt den Biernamen Clarin und war Senior. Nach der Matura begann er das Medizinstudium in Fribourg. Dort war er Mitglied der Alemannia und erhielt den Vulgo Puls. Nach den Propädeutika wechselte er nach Zürich. Hier trat er 1947 bei den Kyburgern ein, wo er ein Semester lang als Consenior amtete. 1951 trat er in den Altherren-Verband über. 1954 schloss er das Studium ab mit dem Doktorat (Dissertation über Gehörlosigkeit, die ihm zeitlebens zu einem Anliegen wurde). In der Folge bildete er sich weiter als Assistent in den Spitälern St. Gallen, Walenstadt und Zürich sowie mit Aufenthalten in Kliniken zu Lille, Paris, München und Wien. Zurückgekehrt nach St. Gallen heiratete er 1957 Marianne Kuster, die ihm vier Töchter schenkte. Er trat in die Arztpraxis seines Vaters ein, die er später übernahm. So betrieb er gewissermassen ein Gesundheitszentrum des Kirchenpatrons St. Martin im Schatten der Pfarrkirche, wurde der beliebte und viel beanspruchte Quartier-Hausarzt und wirkte als solcher bis etwa 1990. Seinen Töchtern, Enkelinnen und Enkeln blieb er in Erinnerung als Mittelpunkt eines frohen Familienlebens, bis dann viel später die Krankheit seiner Gattin Ungemach bereitete.
Es ist erstaunlich und kaum nachvollziehbar, dass er nach einer solchen Traumkarriere für uns Kyburger völlig ins Schattendasein verschwand. Ich habe ihn weder an einem Anlass noch am Stamm der Ostschweizer Kyburger je getroffen. Auch fand kaum einer von uns den Kontakt zu ihm (löbliche Ausnahme ist Specht!). Ich selbst mache mir Vorwürfe, dass ich ihn nie besucht habe. Vielleicht hätte gerade er Zuwendung von Seiten eines Farbenbruders nötig gehabt. Er gehörte von nun an zu den Stillen im Lande. Diese Aussenseiter sind allerdings für jede Gemeinschaft lebenswichtig. Würde zum Beispiel eine Studentenverbindung nur aus aufgestellten, lebenslustigen, phantasievollen, feuchtfröhlichen Aktiven bestehen, dann liefe sie Gefahr, dass ihr Wirken in Events, Festivitäten, grossen Worten und Holdrio-Anlässen verpuffen würde. Die Stillen im Lande erinnern daran, dass es die Minderheiten gibt, die schwachen Glieder, die Unterstützung bedürfen. So fördern sie den Zusammenhalt!
So möchte ich unsern Farbenbruder Puls würdigen als
- Den Stillen im Lande, den Aussenseiter
- Den anregenden Kommilitonen
- Den Strom des Lebendigen
Vielleicht hat uns Puls durch seine Abwesenheit und sein Schweigen mehr gegeben, als wenn er regelmässig den Stamm besucht und sein Bier mit uns getrunken hätte. Denn er mahnte und mahnt zur Besinnung, was ein jeder zur Gemeinschaft beitragen kann. Deshalb war und ist Puls ein anregender Kommilitone, weil er uns durch sein Schweigen auffordert, im Sinne unserer Ideale tätig zu werden als Kyburger und StVer. Und letzten Endes ist Puls lebenserhaltend: Jeder von uns hat seinen Puls, der kaum je beachtet wird, es sei denn, es stehe ein Herzschrittmacher, ein Bypass oder eine Herzklappenoperation an. Es ist der Puls, der unermüdlich schlägt, vom ersten Schrei des Säuglings bis zum letzten Atemzug, unaufhörlich, lebenserhaltend und herzerfrischend.
So verstehen wir ‚Puls‘ in zweifachem Sinn: Da ist unser eigener Puls, der unsern Lebenssaft durch die Adern pumpt, für den wir dem Herrgott dankbar sind. Und da ist der Puls, der als stiller Teilhaber unserer Verbindung trotz allem zu uns gehört, von dem wir heute Abschied nehmen mit einem herzlichen „Danke Puls“. Und ruhe in Frieden.