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«Mit grosser Leichtigkeit ziehen Staatsführer in den Krieg, ohne Rücksicht auf Konsequenzen.» Peter Maurer beschreibt damit kein Computerspiel, sondern die Weltlage. Immer schneller und häufiger werden Konflikte militärisch ausgetragen, «ohne sich ernsthaft darum bemüht zu haben, eine andere als kriegerische Lösung zu finden.»
Rücktritt nach zehn Jahren im Amt
Peter Maurer wurde 1956 in Thun geboren. 1987 trat er in den Schweizer diplomatischen Dienst ein und hatte verschiedene Positionen inne, bevor er 1996 als stellvertretender ständiger Beobachter der Mission der Schweiz bei den Vereinten Nationen nach New York versetzt wurde.
2000 wurde er zum Botschafter und Leiter der Abteilung Menschliche Sicherheit in der Politischen Direktion des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) ernannt.
2004 wurde er Botschafter und ständiger Vertreter der Schweiz bei den Vereinten Nationen in New York. Im Juni 2009 wählte die UNO-Generalversammlung Peter Maurer zum Vorsitzenden des Fünften Ausschusses, der für administrative und Budgetfragen zuständig ist. Im Januar 2010 wurde Peter Maurer zum Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten in Bern ernannt und übernahm die Leitung des EDAs.
Am 1. Juli 2012 übernahm Maurer das Amt des IKRK-Präsidenten als Nachfolger von Jakob Kellenberger. Nach rund zehn Jahren gibt er Ende September sein Amt ab. Seine Nachfolgerin wird Mirjana Spoljaric Egger.
Auf die Frage, ob humanitäre Arbeit die Konflikte verlängere, ob der Griff zur Waffe leichter falle, wenn sich eine Organisation um die Opfer kümmere, sagt Maurer, diese Frage sei so alt wie das IKRK selbst.«Nein», antwortet er bestimmt. «Kriege werden aus anderen, harten Interessen geführt. Nicht, weil das IKRK da ist.»
Humanitäre Hilfe mit Profit
Das Budget des IKRK ist auf über zwei Milliarden Dollar gewachsen. «Nicht weil wir Ambitionen haben zu wachsen, sondern weil es nötig ist», sagt Maurer. Er ist überzeugt, dass es nicht mehr reicht, auf Spenden zu setzen. Heute bezahlen vor allem westliche Staaten, allen voran die USA, Beiträge ans IKRK.
Nach Maurer kann auch der Finanzmarkt seinen Teil beitragen. «Wir verkaufen Wirkung». Investoren haben zwar nicht maximale Profite, doch sie tun Gutes. Pilotprojekte mit privaten Krediten für Rehabilitationszentren in Mali oder Nigeria waren erfolgreich.
Allen Aufgaben zum Trotz schafft es das IKRK, die nötigste Hilfen zu leisten. Darüber ist Maurer froh. Dennoch kritisiert beispielsweise die ukrainische Regierung, das IKRK mache zu wenig. «Ich verstehe die Kritik, weil ich ebenso frustriert bin bei jedem Gefangenen, den wir nicht besuchen», sagt Maurer.
In der Ukraine agiert das IKRK bereits seit 2014, oft auch im Hintergrund. Kriegsverbrechen konnte es nicht verhindern. Voraussetzung für Erfolg ist absolute Verschwiegenheit. «Vertraulichkeit verschafft uns den Zugang zu beiden Seiten.» Und das IKRK hält dicht.
Gerade mit Social Media ist das schwieriger, aber auch nötiger denn je. «Würden Informationen geleakt, wir könnten keinen einzigen Gefangenen mehr besuchen.»
Der Mensch, nicht die Maschine
Der Mensch soll über das Töten bestimmen. Nicht Roboter, nicht selbstlernende, autonome Waffen. Deshalb will das IKRK ein Abkommen, ähnlich dem Verbot von chemischen oder biologischen Waffen. «Seit der Gründung vor 160 Jahren prüft das IKRK, ob Waffen mit dem humanitären Völkerrecht vereinbar sind. Autonome Waffen sind es nicht», sagt Maurer.
Peter Maurer verlässt das Rote Kreuz und ist zufrieden mit der Arbeit des IKRK – aber unzufrieden mit der Weltpolitik: «Kein einziger Konflikt wurde während meiner Amtszeit gelöst.»