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Was verbirgt sich hinter Roséweinen?
Farblich scheint ein Roséwein zwischen dem dunkleren, intensiveren Rot von Rotweinen und dem gelblich-grünlich-goldenen Ton von Weißweinen zu liegen. Das hat seinen guten Grund. Die Basis für einen Roséwein stellen nämlich dunkle Trauben von rötlicher bis bläulicher Farbe. Deren Pigmente sitzen in der Fruchtschale. Sie werden bei der Gärung freigesetzt, wobei sie nur kurz auf der Maische verweilen und deshalb ein heller Farbton von Lachsfarben mit Orange-Stich über Rosa bis Pink entsteht. Der kurze Kontakt – von wenigen Stunden statt mehreren Tagen – des Fruchtfleisches zur Schale der Trauben stellt sicher, dass kein Rotwein entsteht. Es gibt aber auch kirschrote Roséweine zu kaufen. Die Herstellung von Roséwein entspricht den Methoden, die bei Weißwein zum Tragen kommen. Manche Weingüter konzentrieren sich jedoch darauf, vor der Pressung einen geringen Anteil des Mosts abzuziehen und als Rosé zu vinifizieren. Jene Saignée-Methode bedient sich quasi eines Beiprodukts der Rotweinfertigung. Eine Ausnahme stellen Schaumweine wie Champagner dar, die mit dem Zusatz Rosé verkauft werden. Bei ihnen handelt es sich um eine Assemblage aus weißen und roten Weinen, wobei der Weißweinanteil deutlich überwiegt. Ein solcher Verschnitt ist bei Stillweinen laut EU-Richtlinien nicht erlaubt.
Charakteristika von Roséwein
Will man Roséwein kaufen, ist die Auswahl zwar nicht unbedingt riesig, doch es herrscht dennoch die Qual der Wahl. Die verschiedenen Farbtöne spiegeln die unterschiedlichen Charakterzüge der Roséweine wider, die teilweise auf der ausgesprochen süßen Seite angesiedelt sind, in anderen Fällen aber trocken ausgebaut wurden. Nicht jeder Wein dieser Kategorie wird explizit mit Rosé gekennzeichnet, denn die Spanier pflegen den Ausdruck Rosado und die Italiener vermarkten ihre Produkte als Rosato. Damit wären wir bei zwei Ländern, die einen beachtlichen Einfluss auf Roséweine ausüben. Vorzüglicher Roséwein aus Italien mag theoretisch in jedem der 20 Weinbaugebiete zu Hause sein und bringt meist ein unleugbares Mittelmeer-Feeling mit. Ähnlich verhält es sich bei Roséwein aus Spanien, der viel mit den berühmten Rotweinen gemeinsam hat und ebenfalls für Charisma und ein gewisses Temperament steht. Wer will, der kann natürlich auch aus Frankreich Rosé kaufen. Italienische Roséweine gibt es z. B. als klassischen Chiaretto Bardolino der hochwertigen Art zu entdecken, bei dem DOC-Status auf ein zugängliches Trinkerlebnis trifft. Sizilien ist eine gute Anlaufstelle für Rosewein, da z. B. aus der autochthonen Rebsorte Negroamaro aus Salento hervorragende Roseweine mit mediterranem Charakter erhältlich sind. In Frankreich mögen die unterschiedlichsten Trauben für eine Cuvée zurate gezogen werden, u. a. Cinsault, Syrah und Grenache Noir. Man sollte jetzt nicht meinen, Rosé gäbe es nur von den Mittelmeer-Weinländern zu entdecken. So mischt Roséwein aus Österreich den Markt auf, der auf der dort so beliebten Rebsorte Blauer Zweigelt basiert und eher mitteleuropäische Charakterzüge zum Vorschein bringt.
Und wozu passt der Roséwein Geschmack?
So pauschal lässt sich das nicht beantworten. Viele setzen den Rosé als universellen Speisebegleiter ein; andere kombinieren Roséwein gern mit Meeresfrüchten, Fisch, mediterraner Küche oder Vorspeisen. Hochwertige Roséweine lassen sich auch unabhängig von Speisen als Sommerwein genießen. Sie geben sich nämlich meist fruchtbetont, erfrischend und zugänglich, sodass die sommerliche Stimmung ganz von allein aufkommt. Ob trocken oder süßlich, ob saftig fruchtig oder zart blumig – es gibt etliche Persönlichkeiten, die ein Roséwein annehmen kann. Entscheidet man sich für Rosé-Schaumwein, kommt der prickelnde Kohlensäuregehalt hinzu, der dem Genuss noch mehr Frische und Charme verleiht. Manche Roséweine verbinden einen vollmundigen, intensiven Geschmack mit einem feinen Aroma oder ein eindringliches Bouquet mit einem milden Trinkerlebnis. Solche Gegensätze findet man bei Rotweinen und Weißweinen weniger. Alles in allem lohnt es sich, dem Rosé eine Chance zu geben. Sein Marktanteil mag häufig nur bei bis zu zehn Prozent liegen, doch die rosafarbenen Weine sind auf dem Vormarsch. Das gut gekühlte Genießen ist ein Muss, unabhängig vom Charakter des Roséweins.