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Obwohl heute viele dieser Mechanismen wissenschaftlich erforscht sind, sind einige noch nicht restlos erklärbar. So ist es nach wie vor erstaunlich, dass die Plazenta während der ganzen
Trächtigkeit exakt bis zur Geburt ihre Funktion ausübt, sich jedoch beim Rind bereits vier bis acht Stunden nach der Geburt ablöst und im Normalfall fristgerecht ausgeschieden wird.
Es ist deshalb beeindruckend, wie zuverlässig diese komplizierten Vorgänge in der Regel ablaufen und wie selten Störungen auftreten. Dennoch ist jede Geburt für den Tierbesitzer ein besonderes Ereignis, denn Geburtskomplikationen stellen ein erhöhtes Risiko für Jungtier und Mutter dar.
Hilfe bei engen Geburtswegen
Die Schulmedizin verfügt über einige Medikamente, welche bei Geburtsproblemen eingesetzt werden können. So gibt es zuverlässige Medikamente zur Geburtseinleitung (Kortison, Prostaglandin) und zur Eröffnung des Muttermunds. Ungenügende Wehen können durch eine Injektion von Oxytocin verstärkt werden. Die damit erzeugten Wehen sind zwar kräftig, aber eher krampfhaft und damit nicht so physiologisch wie normale, natürliche Wehen.
Die Homöopathie hat mehrere wertvolle Arzneimittel, die die Geburt unterstützen können und auch bei Geburtsproblemen eingesetzt werden können, wo in der Schulmedizin keine Mittel zur Verfügung stehen. Der folgende Fall soll dies zeigen:
Eine besonders bei erstgebärenden Rindern häufig auftretende Geburtskomplikation sind enge, nicht dehnbare Geburtswege. Dabei sind die Schamlippen und der hintere Scheidendrittel extrem eng und erschlaffen trotz länger dauernder Wehentätigkeit nicht. Die Bilder dokumentieren einen solchen Fall. Der Landwirt forderte tierärztliche Hilfe an wegen des engen Scheidengewebes. Die Fruchtblasen waren vor gut zwei Stunden geborsten und der Tierbesitzer versuchte seit einer Stunde vergeblich, durch sanfte Massage das enge Scheidengewebe zu dehnen. Die tierärztliche gynäkologische Untersuchung zeigte eine normale Lage des Kalbes, aber eine extreme Enge des hinteren Scheidendrittels. Das Scheidengewebe und die Schamregion waren derart eng, dass in der Schamspalte nur die Klauen des Kalbes sichtbar waren und das Kalb nicht extrahiert werden konnte (Bild 1). Deshalb wurde dem Muttertier das homöopathische Arzneimittel Gelsemium C30 (Gelber Jasmin) verabreicht. Bereits fünf Minuten nach der Verabreichung von Gelsemium und gleichzeitiger Massage zeigte sich eine deutliche Erschlaffung und Entspannung des Scheidengewebes (Bild 2) und das Kalb konnte erfolgreich geboren werden (Bild 3). Gelsemium hat bei dieser Geburtskomplikation schon oft hervorragende Dienste geleistet.
Gelber Jasmin gegen Angst
Gelsemium ist eines der Hauptmittel gegen Erwartungsangst und Lampenfieber beim Menschen. Vermutlich besteht bei Rindern mit den oben beschriebenen engen Geburtswegen ebenfalls eine Angst vor der bevorstehenden Geburt, was zu einer Verkrampfung der weichen Geburtswege führt. Durch die Verabreichung von Gelsemium verliert das Muttertier seine Angst, wodurch sich die weichen Geburtswege entkrampfen. Selbstverständlich kann Gelsemium nur die weichen Geburtswege entspannen, die knöchernen Geburtswege (Becken) können nicht beeinflusst werden.
Nebst Gelsemium gibt es weitere wertvolle homöopathische Arzneimittel, die bei Geburtskomplikationen eingesetzt werden können, so zum Beispiel Pulsatilla (Kuh- oder Küchenschelle) zur Geburtsvorbereitung und Geburtseinleitung, Caulophyllum (Frauenwurzel) bei Wehenschwäche, Arnika zur schnelleren Erholung nach der Geburt oder Sabina (Sadebaum) zur Förderung des Nachgeburtsabgangs.