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Was ist ein Schneeballsystem?
Ein Schneeballsystem ist ein illegales Geschäftsmodell, bei dem sich alle Involvierten verpflichten, einen Teil des Kaufpreises dadurch zu begleichen, dass er neue Kunden vermittelt, die den gleichen Bedingungen unterliegen.
Kettenbriefe
Text: Annemarie Voss (77)
Ich war noch recht jung, als ich von einem Freund einen Brief erhielt mit der Aufforderung, diesen an fünf FreundInnen und Bekannte weiterzuschicken. Die Reihenfolge der bereits vermerkten Adressen sollte beibehalten und meine Anschrift als letzte angefügt werden. Die Adresse an erster Stelle sollte von mir 10 Franken erhalten und nicht mehr weiter aufgeführt werden.
Die erste Runde ist vielversprechend
Den Betrag habe ich damals per Brief verschickt, da sich noch niemand vorstellen konnte, dass es einmal Twint geben würde. Bis dann meine Adresse ganz oben landen würde, könnte es etwas dauern, aber in der Zwischenzeit sollte ich endlich mal viel Post erhalten. In der ersten Runde sah das recht vielversprechend aus. Ich erhielt Post vor allem von denen, die ich angeschrieben hatte.
Aber auch ein paar Briefe von Adressen, die bereits etwas auf der Liste aufgerückt waren.
Geschmolzen wie Schnee an der Sonne
Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass solche Kettenbriefe eigentlich verboten seien, aber das beeindruckte mich nicht. Ich hatte ausgerechnet, im besten Fall ein paar Tausend Franken in Form von Zehnernoten zu erhalten. Im weniger guten Fall sollten aber doch ein paar Zehner hereinflattern. Somit wären die Kosten für fünf Briefmarken mehr als nur gedeckt. War aber nicht so, kein einziges Nötli hat den Weg zu mir gefunden. Ich habe mich gefragt, wie der Empfänger meiner 10 Franken es wohl geschafft hatte, die Spitze der Adressliste zu erklimmen.
Fazit: Ich war um eine Erfahrung reicher und eine Illusion ärmer.
Bitte 5’000 Franken einzahlen
Text: Elias Gobeli (21)
Man könnte meinen, heute wissen die Menschen besser, was ein Schneeballsystem ist. Doch die Liebe nach schnellem Geld macht blind. Früher waren es physische Sachen, die eine Person verkaufte und mit denen man weitere Menschen anwerben sollte. Heute passiert das alles digital. Network-Marketing nennt man das.
Durch Investment reich werden
Ich war 18 Jahre jung, als ich durch einen Bekannten eine Nachricht erhielt, in der stand: «Hey Elias, möchtest du schnell mehr Geld verdienen? Ich habe eine super Möglichkeit für dich.» Unten war noch ein Link zu einem Zoomcall, in dem ein 20 Jahre junger Mann erklärte wie dies funktioniert. Erstmals sollte ich 5’000 Franken auf ein Konto einzahlen, danach andere Menschen anwerben, die zusammen auch 5’000 Franken einzahlen. Dann hätte ich insgesamt 10’000 Franken eingezahlt und bekäme eine Provision. Mir wurde auch noch eine Zusatzmöglichkeit angeboten: Mit 2’000 Franken auf einer Trading-Plattform seien mir 5 bis 10 Prozent Provision pro Monat sicher. Ich habe dann schnell mal gemerkt: Dies ist ein Schneeballsystem, verpackt unter dem Deckmantel Trading, dem Handel mit Wertschriften.
Ein Ding der Unmöglichkeit
Wenn jeder Mensch sechs weitere Menschen anwerben würden, dann wären ab der 13. Runde alle Menschen auf dieser Welt in diesem Schneeballsystem. Sprich, es ist unmöglich, ein solches System aufrechtzuhalten. Dieser junge Mann, der mich ansprach, war ein Student aus Zürich. Er sagte zum Schluss noch: «Man liest im Internet, es sei ein Schneeballsystem, aber glaub mir, dem ist nicht so!» Das war der Grund, dass ich Schneeballsystem über Google recherchierte und meinen Bruder fragte, der Banker ist. Dank Google und meinem Bruder investierte ich keinen Rappen in dieses System. Meiner Meinung nach braucht es Aufklärung. Trading ist seit einigen Jahren ein echter Boom geworden, aber auch die grösste Gefahr, um sein Geld gebracht zu werden.
Fazit: Schnelles Geld gibt es nicht, man muss mit Geduld investieren.