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Auf Spitzbergen leben gleich viele Eisbären wie Einwohner (ca. 2500). Die Heimat des «Königs der Arktis» ist überzogen von mächtigen Gletscherströmen. Spitzbergen wird das ganze Jahr über angeflogen, aber nur im arktischen Sommer von Mai bis September sind Expeditionsseereisen möglich.
DAS Symbol schlechthin für die Arktis ist natürlich der Eisbär. Die meisten Spitzbergen-Reisenden fiebern einer Begegnung mit dem «König der Arktis» entgegen. Idealerweise im sicheren Rahmen einer Expeditionsseereise. Etwa 2500 Eisbären werden auf den Inseln und im weiten Packeis des Nordpolarmeers vermutet. Einige sind «gechippt», wurden also mit einem Peilsender versehen, um wissenschaftliche Erkenntnisse zum Aufenthaltsort und zur Wanderung der Tiere zu gewinnen.
Eisbären leben auf dem Packeis des Polarmeeres und an den Küsten der Inseln rund um den Nordpol. Ihr Vorkommen beschränkt sich auf Spitzbergen, Franz-Josef-Land, Kanada, Alaska und Sibirien.
Die Haut des Polarbären ist schwarz, was auf den ersten Blick erstaunlich scheint. Sie dient ihm aber dazu, die wenige Wärme der Sonne bestmöglich zu absorbieren. Zudem sind die einzelnen Haare des dichten Fells innen hohl (was sie gelblich-weiss erscheinen lässt), ebenfalls mit dem Zweck, die Wärme der Sonnenstrahlen direkt auf die Haut zu leiten.
Die Arktis durchstreifen sie in der Regel als Einzelgänger, ausser in der Paarungszeit. Ist ein Weibchen trächtig (und dies ist nur alle drei Jahre möglich), gräbt sie sich eine Höhle in den Schnee. Zwischen November und Januar werden ein oder zwei Junge geboren. Sie verlassen die Höhle erst nach etwa vier Monaten und leben die ersten drei Lebensjahre mit der Mutter zusammen.
Der Eisbär ist das grösste lebende Landraubtier. Ausgewachsene Männchen erreichen eine Grösse von 3 Metern und ein Gewicht von bis zu 700 Kilogramm. Weibchen sind kleiner und deutlich leichter.
Es wird vermutet, dass die Inselgruppe Spitzbergen bereits im 12. Jahrhundert durch die Pomoren, Jäger aus dem Norden Russlands, genutzt wurden. Die «offizielle Entdeckung» gebührt aber dem holländischen Seefahrer Willem Barentsz, der 1596 aufbricht, um einen nördlichen Seeweg nach China zu suchen. Er benennt die Inseln aufgrund der hohen Berge der Westküste «Spitsbergen».
Dank der wissenschaftlichen Erforschung werden auf Spitzbergen schnell grössere Bodenschätze vermutet. Um 1900 beginnt der kommerzielle Bergbau, 1906 gründet der Amerikaner John Munro Longyear die erste grössere Siedlung: das heutige Longyearbyen. Die Grube Nr. 7 ist immer noch in Betrieb, auch wenn der Kohlebergbau wirtschaftlich nicht mehr rentabel betrieben werden kann.
Mit dem Beginn des Bergbauzeitalters werden die Besitzverhältnisse wichtig, denn bis anhin sind die Inseln Niemandsland. Während der Friedenskonferenzen nach dem Ersten Weltkrieg überzeugt Norwegen die übrigen Staaten, Spitzbergen (norwegisch: Svalbard) unter ihre Hoheit zu stellen. Der sogenannte «Spitzbergenvertrag» wird 1920 in Versailles unterzeichnet und 1925 in Kraft gesetzt. Der Vertrag bestimmt die norwegische Verwaltung und den freien Zugang und gleiche wirtschaftliche Rechte für alle unterzeichnenden Staaten. Vom Recht, Bergbau zu betreiben, macht allerdings einzig Russland Gebrauch: Es betreibt in Barentsburg eine Kohlemine.
Spitzbergen erscheint auf den ersten Blick als unwirtlicher Lebensraum. Die lange Polarnacht und die eisigen Temperaturen im Winter lassen nur wenig Leben vermuten. Im Frühling und Sommer entwickelt sich aber auf den Inseln eine erstaunliche Vielfalt; in kurzer Zeit entsteht ein einmaliges Tierparadies.
Die Tundra erblüht und grosse Vogelschwärme ziehen ins Land. Sie brüten zu Zehntausenden an grossen Vogelfelsen, z. B. am Alkefjellet in der Hinlopenstrasse. Dickschnabellummen, Eiderenten, Möwen, Küstenseeschwalben und sogar eine Kolonie Papageitaucher lassen das Herz jedes Ornithologen höherschlagen.
Vor allem am Isfjord und in den Fjorden im Westen leben Rentiere, die kaum Scheu vor Menschen zeigen. In der Nähe der Vogelfelsen patrouillieren Polarfüchse auf der Suche nach Eiern und Jungvögeln.
Das Meer rund um Spitzbergen wird von Walrossen, Robben und Walen bewohnt. Mit etwas Glück können Finnwale, Grönlandwale, Delfine und sogar die selten gewordenen weissen Belugas beobachtet werden.
In Spitzbergen darf sich jeder niederlassen, der das möchte. Es gibt weder ein Steuer- noch ein Sozialsystem. Wer hier leben möchte, muss sich daher selbst versorgen können.
Die norwegische Verwaltung in Longyearbyen regelt das Zusammenleben auf Spitzbergen. Der «Sysselmann», eine Art Gouverneur, ist Polizei und Gericht in einem. Etwa 2000 Einwohner leben in Longyearbyen, darunter zahlreiche Studenten, die an der nördlichsten Universität UNIS studieren.
Der Tourismus ist zum wichtigsten wirtschaftlichen Sektor geworden. Die Infrastruktur ist mittlerweile gut ausgebaut, es gibt grössere und kleinere Hotels sowie Veranstalter für Aktivitäten im Sommer und im Winter. An manchen Tagen legen grosse Kreuzfahrtschiffe an der schmalen Pier in Longyearbyen an – dann wird die kleine Siedlung von tausenden Touristen «geflutet».
Zum Gebären und zum Sterben müssen sich die Einwohner Spitzbergens allerdings aufs norwegische Festland begeben. Es gibt in Longyearbyen zwar ein kleines Krankenhaus, das ist aber nur für Notfälle gedacht – und eine Geburt ist kein Notfall. So fliegen Schwangere drei Wochen vor dem Geburtstermin nach Tromsø aus. Und auch beerdigt wird auf Spitzbergen niemand; wegen des Permafrostes würden die Leichen konserviert.
Die Inselgruppe Svalbard liegt am 80. Breitengrad und ist nur 1000 km vom Nordpol entfernt. Trotzdem ist der grösste Teil der Küste im Sommer eisfrei – dank der warmen Gewässer des Golfstroms. Im Sommer 1987 kletterte die Quecksilbersäule in der Hauptstadt Longyearbyen auf rekordverdächtige + 23 °C. Genauso wie ein solcher Wärmeeinbruch kann aber auch ein Kälteeinbruch stattfinden: Neuschnee mitten im Sommer ist keine Seltenheit. Im Juli, wenn unsere Expeditionsreisen stattfinden, liegt die Durchschnittstemperatur bei + 6° Celsius.
Das Leben wird stark von Polarnacht und Mitternachtssonne geprägt. In Longyearbyen scheint die Mitternachtssonne vom 20. April bis zum 23. August. Von Ende November bis Mitte Januar herrscht die Polarnacht mit 24 Stunden Dunkelheit. Dafür können bei guten Bedingungen tanzende Polarlichter am Himmel bewundert werden!