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Kodex der Prüfer
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/ Mario Konrad
- Vor dem Beginn der Prüfung machen Sie dem Prüfling klar, dass seine gesamte Berufslaufbahn von seinem Erfolg abhängen kann. Betonen Sie die Wichtigkeit der Prüfung. Lassen Sie ihm von Anfang an keinen Zweifel.
- Geben Sie Ihre schwierigste Frage zuerst. Dies ist äusserst wichtig. Wenn die erste Frage hinreichend schwierig oder kompliziert ist, wird er zu verwirrt sein um nachfolgende Fragen zu beantworten, egal, wie einfach diese auch sein mögen.
- Wenn Sie sich an den Prüfling wenden, seien Sie reserviert und streng. Im Gegensatz dazu unterhalten Sie sich fröhlich mit den anderen Prüfern. Ein äußerst wirksames Mittel ist es, zu den anderen Prüfern witzige Bemerkungen über die Leistungen des Prüflings zu machen und Kommentare, die so gewählt sind, als ob er gar nicht im Raume anwesend wäre.
- Lassen Sie ihn jedes Problem auf Ihre Weise beantworten, besonders wenn Ihre Weise nur für Eingeweihte verständlich ist. Stellen Sie ihn dauernd unter Druck. Geben Sie bei jeder Frage viele Einschränkungen und Spezialfälle an. Die Idee dabei ist, ein an sich einfaches Problem zu komplizieren.
- Wenn sich der Prüfling in einen trivialen Fehler verrannt hat, dann helfen Sie ihm nicht heraus sondern lassen Sie ihn rätseln. Wenn er seinen Irrtum erkennt, jedoch knapp bevor er die Möglichkeit hat, diesen zu erklären, verbessern Sie ihn mit scharfen Worten. Diese Taktik verlangt ein gewisses Mass an Einfühlungsvermögen und ist nur durch Übung zu perfektionieren.
- Wenn sich der Prüfling in einer tiefen Klemme befindet, dann führen Sie ihn nicht heraus. Statt dessen seufzen Sie und wechseln Sie das Thema.
- Stellen Sie dem Prüfling unfreundliche Frage wie etwa: "Haben Sie das nicht schon in der Grundschule gelernt?" oder: "Gestern hab ich das meiner vierjährigen Tochter erklärt, sie hat es augenblicklich verstanden, und was ist mit Ihnen?"
- Lassen Sie ihn niemals Fragen zur Klärung stellen. Wiederholen Sie niemals eigene Formulierung des Problems. Befehlen Sie dem Kandidaten barsch, nicht laut zu denken; was man hören möchte sind Antworten.
- Alle paar Minuten frage man den Prüfling, warum er nervös sei. Ätzende Bemerkungen verschärfen die Situation, besonders defaitistische Bemerkungen müssen würdevoll mit einem sarkastischem Unterton vorgetragen werden. Beispiel: "Sehen Sie den Baum da vor dem Fenster? Seine Blätter sind grün. Eine Fortsetzung der Prüfung bei roter Blätterfärbelung könnte Ihrer Phantasie bei der Beantwortung der Fragen sicher auf die Sprünge helfen!"
- Tragen Sie dunkle Sonnenbrillen, das entnervt.
- Setzen Sie sich und die anderen Prüfer so, dass der Prüfling nicht alle zugleich anblicken kann. Dies ermöglicht es Ihnen, ihn mit einem vieläugigen Kreuzfeuer einzudecken. Warten Sie, bis sich der Prüfling abgewendet hat und stellen Sie ihm dann eine Frage. Bei guter Koordination zwischen den Prüfern kann man den Prüfling einige vollständige Drehungen in kurzer Zeit ausführen lassen. Bei hohen Rotationsgeschwindigkeiten tritt ein ähnlicher Effekt wie unter Punkt 2 ein.
- Beendigen Sie die Prüfung, indem Sie dem Prüfling mitteilen: "Rufen Sie uns nicht an, wir werden Ihnen Bescheid geben."
- Sobald der Prüfling die Tür hinter sich geschlossen hat, lautstark zu Lachen beginnen! Dies vermittelt dem Prüfling, der es garantiert noch mitbekommen wird (laut!), das Gefühl des totalen Versagens seinerseits und gibt ihm vollends den Rest!