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Im alltäglichen Leben setzen sie wir öfter ein als wir denken. Etwa vor dem Club in den man unbedingt reinkommen will und dafür spontan die Rolle einer fiktiven Person, die scheinbar auf der Gästeliste steht, einnimmt. Oder dann unterwegs beim frei erfundenen Mitsingen eines Liedes, dem man elegant eine zusätzliche Stimme hinzufügt.
In der Musik hat die Improvisation eine lange Geschichte. Im Mittelalter wurden zum Beispiel vor allem einstimmige Melodien notiert. Die Musiker mussten dann so ein gesamtes Stück um diese einzelne Melodie herum gestalten. Es gab schon damals „Standards“; bei Musikern bekannte Stücke, über die man spontan fantasieren konnte – ähnlich wie bei heutigen Jazzimprovisationen.
In den prunkvollen Schlössern der Renaissance begann das Interesse an instrumentaler Tanzmusik. Wie sonst hätte man neben genügend Alkohol wilde Partynächte zum laufen bringen sollen? Allerdings wurde bei der höfischen Tanzmusik nur der Bass notiert, den Rest sollten die Musiker selber improvisieren.
Natürlich gab es in der Wiener Klassik gab es bereits heisse Jamsessions.Für Mozart war es nicht untypisch, dass er bei seinen Opernaufführungen zwischen den Akten auf die Bühne ging und für die Pausenunterhaltung sorgte, indem er nach Lust und Laune auf dem Klavier herumklimperte. Diese prächtigen musikalischen Einlagen konnten sich dann auch einmal bis zu einer halben Stunde hinziehen. Viele von Mozarts Kompositionen sind auf diese spielerische Art und weise, aus dem Bauch heraus entstanden. Auch bei Notationen selbst hielt er sich gerne Stellen zur Improvisation frei. Im Klavier Konzert No. 26 etwa liess er Takte lang Noten der linken Hand des Solisten weg, sodass er oder sie spielen konnte was das Herz begehrte.
Der heutige Jazz wäre ohne die Improvisation, des „Jams“ nicht dasselbe geworden. In den frühen 1940ern Jahre trafen sich Swingmusiker vorzugsweise im Milton Playhouse mitten im düsteren Harlem um nach Mitternacht „after hours“ zusammen die Bühne aufzuwirbeln. Jene durchzechten Nächte, bei denen übrigens Thelonious Monk als Haus-Pianist zugegen war, endeten mit der Entwicklung des Bebops in einem musikalischen Paradigmenwechsel. Der praxisorientierte Meinungsaustausch wird seit 2001 auch im Zürcher Mehrspur gefördert. Jeweils am Mittwochabend treffen sich passionierte Jazzmusiker sowie Freunde der Musik zu öffentlichen Jamsessions.
Wir freuen uns auf euch im neuen Mehrspur auf diese musikalischen Höhenflüge begrüssen zu dürfen!
Der Mehrspur Blog erscheint ein- bis zweimal monatlich und widmet sich jeweils einem Thema rund um die vielseitige Mehrspur-Welt im Toni-Areal © by Phil Cron