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Mittelalter
Das Mittelalter im Wallis lässt sich in zwei Perioden unterteilen. Die erste, die Spätantike, reicht vom 4. bis zum 13. Jahrhundert, die zweite umfasst das 14. und das 15. Jahrhundert.
Die Spätantike
Das Wissen über die Spätantike und den Feudalismus im Wallis ist noch recht unvollständig. Archäologische Forschungen an Fundorten aus dieser Zeit würden es ermöglichen, einige Rätsel zu lösen, Lücken zu füllen und in weitere Forschungsgebiete vorzudringen. Bessere Kenntnisse über Kultstätten, Bewohner und Besiedlung könnten unser Bild des damaligen Wallis vervollständigen. Diese Zeit kann dennoch anhand von drei Hauptbereichen betrachtet werden: erstens die Bevölkerung, ihre Gruppierungsweisen und die aufgewendeten Mittel zur Beschaffung der lebensnotwendigen Ressourcen; zweitens die Kirche, sowohl unter dem Aspekt der Theologie, die sie vermitteln wollte, als auch ihres Einflusses auf die Lebensweise der Laien und schliesslich die Ausübung der weltlichen Macht – wie die Machtinhaber Menschen gruppierten und oft auch gegeneinander aufwiegelten. Diese drei Themenbereiche sind ineinander verschachtelt und zeigen drei Seiten ein und derselben Geschichte. Durch ihre Analyse können wir Vorboten des heutigen Wallis erkennen. Es gibt mehrere heute noch greifbare Hinterlassenschaften aus dieser Zeit, wie die Grenzen der Diözese, die Kirchgemeinden oder die sprachliche Aufteilung des Kantons.
Das ausgehende Mittelalter
Im 14. und 15. Jahrhundert änderten sich wichtige Elemente der regionalen Kultur, und die aktuellen Strukturen entstanden. Vorerst wurde durch das Bevölkerungswachstum die Besiedlung anders verteilt. Die Walliser wurden dazu gedrängt, ihr Bauern- und Hirtensystem anzunehmen und der Viehzucht mehr Bedeutung beizumessen. Der Ausbruch der Pest war, über den persönlichen Schock hinaus, ein bedeutender Veränderungsfaktor. Da es nun weniger Menschen zu ernähren gab, konnte Boden, der bisher dem Getreideanbau vorbehalten gewesen war, in Weiden umgewandelt werden. Die Viehzucht wurde alsbald kommerziell betrieben. Die politischen Ereignisse dieser Zeit lassen sich im Wesentlichen auf die Konfrontation zwischen dem Bischof von Sitten und den Adligen von Savoyen reduzieren. Nach der Schlacht auf der Planta im Jahr 1475 und der Rückeroberung des Unterwallis sind der Fürstbischof von Sitten und die Patrioten die einzigen Herrscher im Wallis. Aufgrund dieser Veränderungen wurden gewisse bedeutende Entwicklungen in der Diözese erst möglich. Der Bereich des Wissens erfährt ebenfalls bedeutende Umwälzungen. Um auf seine natürliche Umgebung Einfluss zu nehmen, entwickelte der Mensch gewisse Kenntnisse und wendete diese in der Landwirtschaft, der Zeit- und der Raummessung an. Unser Wissen über die damaligen Kenntnisse und den Glauben in Bezug auf die natürliche Umgebung ist jedoch noch sehr unvollständig; die verfügbaren Quellen, hauptsächlich Hexenprozesse, sind wie Zerrspiegel.
Im Wallis ist diese in die Neuzeit mündende Übergangszeit noch ungenügend dokumentiert. Vertiefende Forschungen zu diesen grundlegenden Themen, wie die wirtschaftliche Entwicklung, der politische Wandel, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und das Wissen werden mit Sicherheit neue und interessante Perspektiven für das Verständnis des Walliser Mittelalters bringen.
Bibliographie
- Histoire du Valais, Annales valaisannes 2000-2001, Sion, 2002