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25.06.2018, 15:00-18:00
Eintritt: frei
Obsoleszenz ist eines der größten Risiken, wenn es um die Bewahrung zeitbasierter Medienkunst geht. Was ist zu tun, wenn eine 13 Jahre alte Arbeit, die seit zehn Jahren nicht mehr ausgestellt wurde, zurück ins Rampenlicht gebracht werden soll? In der Vorbereitung auf eine zweijährige Tour mit der Ausstellung Unstable Presence, einer Koproduktion des MAC Montreal und dem SFMoMA wurde die Tate gebeten, die Arbeit "Subtitled Public" auszuleihen. Diese Arbeit ist ein komplexes softwarebasiertes Kunstwerk des Künstlers Rafael Lozano-Hemmer. Besuchern, die den dunklen Ausstellungsraum betreten, wird ein Wort, ein in der dritten Person konjugiertes Verb, in Brusthöhe auf den Körper projiziert, welches sie durch den Raum begleitet. Die Arbeit verwendet ein Ortungssystem, welches Personen im Raum findet und ein zufällig ausgewähltes Wort aus einer Liste auf die Besucherin oder den Besucher projiziert. Für die geplante Tour wurde es notwendig, eine neue Variante der Arbeit zu entwickeln, die neue, verlässliche Hardware benutzt, ohne Änderungen an der originalen Software vorzunehmen. Das Ziel war es, so wenig wie möglich in die Arbeit eingreifen.
In seiner 4. Ausgabe widmet sich die Veranstaltungsreihe "Conservation Piece(s)" dem Thema der technischen Obsoleszenz von institutioneller sowie künstlerischer Perspektive. Für einen Vortrag konnten Patricia Falcão und Tom Ensom (Tate Britain) gewonnen werden, die über die Erhaltungsstrategien des interaktiven Werks "Subtitled Public" des mexikanisch-kanadischen Künstlers Rafael Lozano-Hemmer sprechen werden, das vor 10 Jahren von der Tate in London angekauft wurde. Valerie Perrin wird von den Erhaltungsstrategien am Espace Multimedia Gantner in Bourogne, Frankreich, berichten und der Schweizer Künstler Marc Lee stellt seine persönliche Strategie im Umgang mit Webtechnologien vor.
Patrícia Falcão ist seit 2008 Konservatorin für zeitbasierte Medienkunst an der Tate. Ihr Hauptinteresse gilt der Bewahrung digitaler Bestandteile zeitgenössischer Kunst mit einem besonderen Augenmerk auf softwarebasierte Kunstwerke. Sie arbeitet mit Kolleg*innen intern und extern zusammen, um digitale Strategien und eine Infrastruktur an der Tate zu entwickeln. Patricia Falcão schloss ihr Studium an der Hochschule der Künste in Bern 2010 mit einer Arbeit über die Risikoeinschätzungen softwarebasierter Kunst als MA ab und forscht seitdem im Bereich der Konservierung softwarebasierter Kunst.
Tom Ensom ist Konservator für digitale Kunst in London und beendet im Moment seine Dissertation am King's College London in Zusammenarbeit mit der Tate. Seine Dissertation beschäftigt sich mit einem neuen Verständnis für die Prozesse, Analysen und Dokumentation, die die Langzeitbewahrung softwarebasierter Kunstwerke verbessern können. Bevor er mit der Arbeit an seiner Dissertation begann, arbeitete Tom Ensom in digitalen Archiven und hatte verschiedene Positionen in der Forschung und Entwicklung im UK Data Archive inne. Sein Hauptforschungsinteresse ist die Bewahrung komplexer digitaler Dinge, insbesondere solcher, die in den Bereich des kulturellen Gedächtnisses fallen, wie zum Beispiel Medienkunst und Computerspiele.
Valérie Perrin ist die Direktorin des Espace Multimédia Gantner, eines Zentrums für zeitgenössische Kunst und beherbergt die Sparte der neuen Technologien der Médiathèque Départementale du Territoire de Belfort (Frankreich). Perrin arbeitet zudem als Kuratorin, hat mehrere Podcasts zum Thema digitale Kunst produziert und agierte als Ko-Kuratorin das Festival Impetus.
Marc Lee kreiert netzwerkorientierte interaktive Kunstprojekte, interaktive Installationen, Medienkunst, Internetkunst, Performancekunst und Videokunst seit 1999. Er experimentiert mit Informations- und Kommunikations- Technologien und ortet Themencluster welche kreative, kulturelle, soziale, ökonomische und politische Aspekte enthalten.
Die Vorträge finden in englischer Sprache statt.