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Manfred Gsteiger
Den Vater begraben
Zytglogge Verlag, 1993
Aus: Manfred Gsteiger. Den Vater begraben. Zytglogge Verlag, 1993
Was ist überhaupt gewesen, und warum sollte es gerade so gewesen sein? Weil ich mit diesem Vater, den ich mir derart zusammenbaue, noch halbwegs zurecht kommen kann. Den ich mir zusammenbaue aus Fotoalben und Briefen, aus Vorbereitungsheften und Zeugnisheften und Ausgabenheftchen, aus einem Bierzipfel und einem Gesangbuch der bernischen Landeskirche, einem vergoldeten Drehstift und einer Fischrute, einem Feldstecher im abgeschabten Lederetui und einem Brocken grünem, von Blaschen durchsetztem Flaschenglas, einer lackierten Federschachtel und einem Winkelmesser mit Spuren roter Tusche, einer Trillerpfeife und einem Serviettenring mit Monogramm, einem Eton Hat und einer Rebschere und einer Armbanduhr und einem Stockschirm, aus einem Geburts- schein und einem Todesschein. Einen Vater, den ich mir zusammenbaue, wie es mir gerade passt, aber ihm vielleicht gerade nicht passt. Ich fabriziere einen Vater aus Wörtern: Bierzipfel und Trillerpfeife, Minderwertigkeitsgefühl und Autoritätsglaube. Ich fabriziere aus meinen Unzulänglichkeiten seine Unzulänglichkeit, aus meiner Kleinbürgerlichkeit seine Kleinbürgerlichkeit, aus meinem Geburtsschein seinen Todesschein und aus seinem Tod meine Geburt, die eine Papiergeburt ist.