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Der Poet des Schwarzen Lebens
Sterling A. Brown (1901–1989) war kein Musiker, kein Musikproduzent und kein Instrumentenbauer. Trotzdem gibt es eine CD von ihm - eine CD mit seinen Texten. Er war ein Intellektueller und Uni-Professor, der als Dichter wunderschöne Zeilen auf das Leben der einfachen Leute im Südern der USA verfasst hat, namentlich das Leben der Schwarzen. Er schreibt damit über das Leben, in welchem der Blues geboren wurde, seine Gedichte beschreiben das Leben. Durch ihre Rhythmik und ihren Drive sind es Blues-Gedichte, und sie sind ein Vergnügen zu lesen.
Sterlin A. Brown war ein Akademiker, er wurde schon in einer Uni geboren, nämlich auf dem Campus der Howard University in Washington, einer Bildungsanstalt für Schwarze Amerikaner. Er war das sechste und letzte Kind seiner Eltern und der einzige Junge. Sein Vater Sterling N. Brown, hatte selbst die Sklaverei noch erlebt, und war inzwischen Professor und Priester an der Howard University Divinity School. Auch seine Mutter Grace Adelaide Brown war Lehrerin an einer öffentlichen Schule. Schon in der Mittelschule herausragend, besuchte Sterling 1918–1922 die Uni Williams College und errang dort sein Stipendium für Harvard, wo er 1923 mit einem MA in Englischer Literatur abschloss. Er wurde danach ebenfalls am Virginia Theological Seminary, wo er eine Familie gründete, aber nicht lange blieb.
Er unterrichtete an vielen Universitäten, kehrte aber 1929 an seine Geburtsstätte Howard University zurück, wo er für die nächsten 40 Jahre die Afro-Amerikanische Literatur und Folklore erforschte. Er unterrichtete seine Studenten mit Blues-Texten und Jazz-Musik, aber am Wichtigsten ist, dass er selbst Gedichte schrieb, in denen er das Leben in den Südstaaten beschrieb.
Sterling Brown wurde zum Poeten des Folk Revivals, seine Gedichte lasen sich gut und unterhaltsam, sie wurden teilweise vertont und wenn sie auch heute keine grosse Aufmerksamkeit mehr geniessen, sind die Gedichte Browns sehr lesenswert. Sie beschreiben die Gefühle der Schwarzen Bevölkerung im Mississippi-Delta, von Memphis bis New Orleans, sie geben diesen namenlosen Unterdrückten Arbeitern, die unter Armut, Naturkatastrophen und dem Weissen Rassissmus zu leiden hatten, eine Stimme. Seine Gedichte tragen daher auch Titel wie «Memphis Blues», «Old King Cotton», «Ma Rainey» oder «Riverbank Blues».
Sterling Brown bediente sich dabei stets einer «unkorrekten» Schreibweise des Englischen, in dem er etwa «the» konsequent als «de» umschreibt, so wie es eben auch gesprochen wird. Analoges gilt für «deir», «dey», «dere» («their», «they» und «there»). Er schreibt auch immer «nebber» für «never» oder «git» anstelle von «get». Er verwendet zudem die unkorrekte dritte Person in Sätzen wie «We stays in debt; Until we’se dead». Damit klingen seine Gedichte einerseits authentisch, weil die dialektal-sozialen Sprachfärbungen der Schwarzen Bevölkerung berücksichtigt werden. Gleichzeitig machten diese komischen Wörter Luste, das Gedicht zu lesen und manchmal muss man sich Zeilen laut vorlesen, um dahinter zu kommen was gemeint ist. In «Old King Cotton» heisst es etwa: «Tiahed uh co’n pone, Pok an’ greens, Fat back an’ sorghum, An’ dried up beans.» Die ersten paar Wörter stellen hier das Problem dar. Es heisst «Tired of corn bread, pork and greens, fatback and sorghum, and dried up beans». Also eine Klage, wie satt das literarische Ich die immer gleichen Nahrungsmittel der Südstaaten hat.
Anstelle eines ausgedehnten Lebenslaufes folgen hier deshalb Leseproben dieser sehr rhythmischen Gedichte. Als erstes kommt das gerade angesprochene Gedicht über den Herrscher des Südens, König Baumwolle, und zugleich die Klage eines armen Schwarzen Bauers über das Sharecropper-System der Landwirtschaft.
Old King Cotton
Das folgende Gedicht ist sehr gut zu verstehen. Es schildert einen Schwarzen Arbeiter und seine Gefühle angesichts der Probleme seines Berufes und der Tatsache, dass er trotz harter Arbeit nirgends hinkommt. Aber er spielt Musik als Ausgleich, um sich zu beruhigen. Seine Name ist der Titel des Gedichts: Moses.
Mose
Das Lied «Ma Rainey» schildert einen Konzertauftritt der berühmten Sängerin und Mutter des Blues. Die Beschreibung der Konzertbesucher ist sehr bewegend. Man muss sich nur vergegenwärtigen, dass diese Leute nicht jeden Abend ein Glasfaserkabel voller Langeweile Frei Haus geliefert kriegten, und schon ist man im Gedicht drin:
Ma Rainey
I
When Ma Rainey
Comes to town,
Folks from anyplace
Miles aroun',
From Cape Girardeau,
Poplar Bluff,
Flocks in to hear
Ma do her stuff;
Comes flivverin' in,
Or ridin' mules,
Or packed in trains,
Picknickin' fools. . . .
That's what it's like,
Fo' miles on down,
To New Orleans delta
An' Mobile town,
When Ma hits
Anywheres aroun'.
II
Dey comes to hear Ma Rainey from de little river settlements,
From blackbottorn cornrows and from lumber camps;
Dey stumble in de hall, jes a-laughin' an' a-cacklin',
Cheerin' lak roarin' water, lak wind in river swamps.
An' some jokers keeps deir laughs a-goin' in de crowded aisles,
An' some folks sits dere waitin' wid deir aches an' miseries,
Till Ma comes out before dem, a-smilin' gold-toofed smiles
An' Long Boy ripples minors on de black an' yellow keys.
III
O Ma Rainey,
Sing yo' song;
Now you's back
Whah you belong,
Git way inside us,
Keep us strong. . . .
O Ma Rainey,
Li'l an' low;
Sing us 'bout de hard luck
Roun' our do';
Sing us 'bout de lonesome road
We mus' go. . . .
IV
I talked to a fellow, an' the fellow say,
«She jes' catch hold of us, somekindaway.
She sang Backwater Blues one day:
'lt rained fo' days an' de skies was dark as night,
Trouble taken place in de lowlands at night.
'Thundered an' lightened an' the storm begin to roll
Thousan's of people ain't got no place to go.
'Den I went an' stood upon some high ol' lonesome hill,
An' looked down on the place where I used to live.'
An' den de folks, dey natchally bowed dey heads an' cried,
Bowed dey heavy heads, shet dey moufs up tight an' cried,
An' Ma lef' de stage, an' followed some de folks outside. »
Dere wasn't much more de fellow say:
She jes' gits hold of us dataway.
Long Track Blues
Schliesslich zur Verbindung mit dem Fluss der Flüsse, dem grossen Mississippi, dessen Schlamm das Leben ist, aber auch ein Gefängnis, dessen Fruchtbarkeit die Baumwolle wachsen lässt aber damit auch die Ausbeutung und die Sklaverei erst nötig machte. Das Gedicht macht auch klar, welche tiefe Verbundenheit mit der Musik Muddy Waters ausdrückte, indem er seinen Kinder-Kosenamen zum Bühnennamen machte.
Riverbank Blues
Als letztes ein Gedicht mit dem Titel seines 1933 erschienenen Buches Southern Road, das zum grossen erfolg wurde und dem Autor Sterling Brown Ruhm brachte. Das Gedicht mit dem Titel ist besonders spannend, weil es sich anhört wie ein Worksong, inklusive der Schläge mit dem Hammer einer Chain Gang, die Strassenarbeiten verrichten müssen. Es endet mit seiner Speziellen Schreibweise von «ever more»: Evahmo'.
Links
Link zu einer Ausgabe The Collected Poems of Sterling A. Brown bei Google Books