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Zwischen Binningerhöhe und Bruderholz
Binningen liegt haarscharf an der Kantonsgrenze zu Basel-Stadt, dort wo der Birsig aus dem Leimental in die Oberrheinische Tiefebene tritt. Der alte Siedlungskern befindet sich leicht erhöht auf einer mit Schwemmlehmen bedeckten Birsigterrasse auf der linken Talseite. Im Gegensatz dazu liegt Bottmingen auf der rechten Talseite auf einem kleinen Schwemmkegel. Der Gemeindebann von Binningen reicht ausserdem hinauf auf die beiden Sundgauerhügel. Im Westen gehört der ganze Hügel der Binningerhöhe bis zum Dorenbach dazu, welcher ihn vom Hügel der Allschwilerhöhe trennt. Im Osten befinden sich nur relativ kleine Teile des Bruderholzes auf Binninger Boden.
Die Birsigaue war während Jahrhunderten immer wieder hochwassergefährdet, was die Besiedlung dieses Teils des Tales hinausschob. Erst die Kanalisation des Baches hat hier Abhilfe geschaffen. Die «Hohe Strasse»
, welche Basel mit dem hinteren Leimental verband, verlief über die hintere Binningerhöhe. Die Talstrasse wurde erst 1870 gebaut, nachdem der Birsig von Dämmen eingefasst war. Damit konnten sich Siedlungen auf das Tal ausweiten. Die Ausnahme ist das Wasserschloss Binningen, welches schon 1299 erwähnt wird. Die Häuser in diesem Talabschnitt sind deshalb relativ jung, zum Teil aus der Vorkriegszeit, zum Teil aus den 1950er- und 1960er-Jahren. Am Nordfuss der Binningerhöhe liegen auf der Niederterrasse
das Holeeschlösslein und das Neubad und an exponierter Stelle auf dem Nordsporn des Bruderholzes St. Margarethen.
Ursprünglich ein Weinbaudorf
Bis weit ins 20. Jh. waren die Landwirtschaft, die Ziegelei und der Rebbau die wichtigsten Erwerbszweige. Noch in den 1950er-Jahren zählte man über 30 kleinere und grössere Bauernbetriebe. Im Gebiet der heutigen Spiegelfeld-Sportanlagen stand bis in die 1960er-Jahre eine grosse Ziegelfabrik. Vom frühen Mittelalter bis ins 19. Jh. zählte Binningen zu den mittelgrossen Rebbaugemeinden.
Wie die Baaderkarte
von 1838/39 oder die Siegfriedkarte von 1877
belegen, erstreckte sich auf dem Ostabhang der Binningerhöhe ein grosses Rebgelände, welches bis an den Dorfrand reichte. Am Westabhang des Bruderholzes existierten eher kleinflächige Rebberge vom Margarethenhügel bis zum Waldeck. Schon im 19. Jh, erst recht aber zu Beginn des 20. Jh., ging der Rebbau wie in der übrigen Nordwestschweiz stetig zurück. So verschwanden die letzten Reben am Margarethenhügel um 1914. Der letzte Rebberg am Erdbeergraben wurde 1960 aufgegeben. Seit 1994 existiert ein neuer Rebberg am Westabhang des Margarethenhügels.
Landschaftswandel ist in Binningen Siedlungswandel
Die Ausbreitung der Siedlung in den letzten rund 150 Jahren verschlang grosse Teile der alten, landwirtschaftlich genutzten Kulturlandschaft. Grössere Waldgebiete existierten in Binningen nie. Binningen bestand anfangs des 19. Jh. aus mehreren kleineren Siedlungsteilen: dem Strassendorf entlang der heutigen Hauptstrasse, dem Teil um das Schloss Binningen, dem Weiler um die Bottminger Mühle sowie St. Margarethen, Schloss Holee und Neubad. Bis 1837 gehörte auch Bottmingen politisch zur Gemeinde Binningen.
Bis Ende des 19. Jh. weitete sich das Dorf als Folge der Industrialisierung in Basel recht stark aus, was zu einer Vervierfachung der Wohnbevölkerung führte. Die damalige Entwicklung erfolgte zuerst entlang der Hauptstrasse Richtung Basel, dann im Bereich zwischen Hauptstrasse und Talstrasse sowie im . Es entstanden viele Arbeitersiedlungen mit Mietshäusern und Wirtschaften. Ausserdem wuchs die Siedlung langsam die Rebhänge hoch. Bis Mitte des 20. Jh. erfolgte mit der massiven Bevölkerungszunahme eine lockere Überbauung der Binningerhöhe. Etwa die Hälfte des Hügels war bereits damals überbaut. Eine starke Entwicklung gab es im Birsigtal entlang der beiden Hauptachsen sowie an den beiden Hangseiten.
Im Verlauf der Zeit änderte das einstige Vorortsdörfchen den Charakter radikal. In den 1960er- und 1970er-Jahren wurde Binningen Teil des Siedlungsbandes Leimental der Agglomeration Basel. Dieses reichte damals von Basel bis Oberwil. Landschaftlich markant war 1973 der Bau des Bruderholzspitals, des heutigen Kantonsspitals Bruderholz. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die direkte Lage an der Kantonsgrenze und die ausgezeichnete Verbindung durch zwei Tramlinien. Die Birsigtalbahn wurde auf der Talsohle als Einspurbahn 1887 bis nach Therwil eröffnet. Nach dem Bau des Dorenbach-Viadukts 1935 konnte das Dorfzentrum über die Hauptstrasse ans Basler Tramnetz angeschlossen werden. Heute ist beinahe der ganze Gemeindebann überbaut. Nur noch wenige Freiflächen wie Paradieshof, Acht Jucharten oder St. Margarethenpark sind übrig geblieben. Sie haben eine regionale Bedeutung für Freizeit und Erholung.
Das «Italienerdorf»
Schon 1846 bestand in Binningen eine Filiale der Seidenbandfabrik Sarasin. In der Zeit der Industrialisierung in Basel zogen nach 1850 viele Arbeiter und Dienstboten nach Binningen. Vor allem italienische Arbeiter prägten damals Basel und die Umgebung sowohl politisch als auch kulturell. Um 1900 wurde Binningen, bedingt durch die relative hohe Zahl von wohnhaften Italienern, weitherum als «Italienerdorf» bezeichnet. Mangels Anschluss an das SBB-Netz blieb die Industrialisierung in Binningen selbst allerdings bescheiden. Bis in die 1970er-Jahre gab es eine dorfeigene Industrie mit mehreren Fabriken. Die letzte war die Firma Gröninger (1904–70). Sie produzierte Aluminiumprodukte und exportierte Pfannen in alle Welt. Nach dem Abriss der Fabrikgebäude lag das Areal längere Zeit brach. Heute besitzt Binningen keine Industrie- und Gewerbegebiete mehr. Das letzte Gewerbegebiet mit der Firma Stamm
wurde kürzlich in eine Wohn- und Geschäftszone umgezont. Im Jahr 2014 wurde mit der Grossüberbauung «Im Holeegarten» mit Wohnblocks begonnen.
HPM