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Die Fragen rund um Stillen und Corona beantwortet im Interview Rebecca Powell. Sie ist Infektiologin und Assistenzprofessorin am Mount Sinai Hospital in New York und erforscht unter anderem die Antikörperreaktion auf Grippeimpfstoffe. Sie nahm am Medela Symposium 2021* teil.
«wir eltern»: Frau Powell, in der Schweiz dürfen sich laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) auch Schwangere gegen Corona impfen lassen. Gilt das auch für die Stillzeit?
Rebecca Powell: Ja. Sowohl das BAG, die Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) als auch als auch die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in den USA empfehlen eine Impfung, auch während des Stillens.
Was ist, wenn eine Mutter mit starken Impfnebenwirkungen zu kämpfen hat: Ist es dann nicht besser, mit dem Stillen aufzuhören?
Nein, es gibt keine Beweise dafür, dass mögliche Nebenwirkungen des Impfstoffs einen negativen Effekt auf das Stillen haben. Das Stillen sollte so lange fortgesetzt werden, wie sich die Mutter dazu in der Lage fühlt.
Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr für das Baby, wenn eine ungeimpfte, stillende Mutter an Covid-19 erkrankt?
Wenn eine nicht geimpfte Person mit sehr engem Kontakt zu einem Säugling - wie eine stillende Mutter - mit Covid-19 infiziert ist, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sich das Baby ebenfalls infiziert.
Dann ist es wohl besser, aufhören zu stillen, oder?
Nein! Die Mutter sollte dennoch weiter stillen, da in der Milch selbst kein Virus enthalten ist und die Muttermilch viele immunstärkende Faktoren enthält. Diese tragen dazu bei, dass das Baby nicht schwer an Covid-19 erkrankt. Zudem beginnt die Mutter bereits nach drei Tagen, in ihrer Milch Antikörper gegen Covid-19 zu bilden, die dem Baby helfen können, die Infektion abzuwehren.
Muttermilch hat demnach eine Schutzwirkung für den Säugling gegen Covid-19? Wurde dies wissenschaftlich untersucht?
Unsere Studien haben gezeigt, dass nach einer Covid-19-Infektion etwa 90 Prozent der Mütter signifikante Mengen an Covid-spezifischen Antikörpern in ihrer Milch aufweisen. Nach einer mRNA-basierten Impfung (wie Pfizer oder Moderna) verfügen praktisch 100 Prozent der Mütter über hohe Mengen an Covid-spezifischen Antikörpern in ihrer Milch. Der passive Schutz durch diese Antikörper besteht darin, dass diese in der Milch im Wesentlichen die Schleimhäute des Mundes, der oberen Atemwege und des Verdauungstrakts des Babys bedecken und so eine Schutzschicht bilden. Diese kann eine Infektion der Zellen in diesen Bereichen verhindern, wenn das Baby dem Virus ausgesetzt ist, oder die Infektion möglicherweise abschwächen.
Diese Wirkung ist aber nur vorübergehend, denn die Antikörper werden innerhalb weniger Stunden abgebaut oder ausgewaschen. Wenn das Baby abgestillt wird, ist der Schutz verschwunden. Er hält nicht länger als ein paar Stunden nach der letzten Mahlzeit an.
Da die Antikörper nicht durch den Verdauungstrakt in den Blutkreislauf gelangen, tauchen sie auch nicht in einem Bluttest vom Baby auf.
*Das Schweizer Medizintechnik-Unternehmen Medela veranstaltet jährlich ein wissenschaftliches Still- und Laktationssymposium für medizinisches Fachpersonal aus aller Welt. -> www.medela.com/symposium