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Eine inspirierende Zen-Geschichte für dich zum JETZT
Namasté
Hier eine inspirierende Zen-Geschichte für die Frühlings-Yogaleicht-Pause 2020, wie lange die noch dauern wird… ist im Jetzt noch offen.
Ja oder Nein
Am frühen Morgen sass eine Zen-Meisterin vor ihrer bescheidenen Hütte und trank mit einer begabten Schülerin eine Tasse Tee, als ein Mann des Weges kam und sie fragte: «Gibt es einen Gott?» Die Meisterin antwortete: «Nein, es gibt keinen Gott.» Etwas später am Mittag erkundigte sich ein anderer Mann im Vorbeigehen bei ihr: «Gibt es einen Gott?» Die Meisterin gab zur Antwort: «Ja, es gibt einen Gott.» Die Schülerin die beides beobachtet hatte, war etwas verwirrt über die unterschiedlichen Antworten der Meisterin. Aber sie schwieg, vielleicht ergab sich ja zu einem anderen Zeitpunkt die Möglichkeit, die Meisterin über ihre gegensätzliche Unterweisung zu befragen.
Am frühen Abend erschien ein dritter Mann und bat die Meisterin ebenfalls, ihr eine Frage stellen zu dürfen. Die Meisterin bot dem Mann an, Platz zu nehmen. Der Mann sprach: «Meisterin, es gibt sowohl Menschen, die an Gott glauben, als auch Menschen, die nicht an Gott glauben. Ich für meinen Teil, habe diesbezüglich keine eindeutige Haltung. Ich weiss nicht, was ich glauben soll. Kannst du mir bitte helfen?» Die aufmerksame Schülerin, war schon ganz gespannt, was die Meisterin diesem Mann wohl antworten würde. Eine dritte Antwort war ihren Erachtens nicht möglich, denn entweder gibt es einen Gott, oder es gibt keinen Gott. Also müsste die Antwort «Ja» oder «Nein» lauten.
Doch die Meisterin gab eine dritte Antwort. Sie stellte ihren Becher auf den Holztisch, richtete die Wirbelsäule auf und schloss die Augen. Ein lauter Wind strich durch den Bambushain, die Vögel zwitscherten leise, und die Sonne verabschiedete sich mit einem farbenfrohen Gruss am Himmel. Der Mann beobachtete die Meisterin und war davon überzeugt, dass diese Geste eine Antwort auf seine Frage sein könnte. Also setzte er sich ebenfalls mit geradem Rücken hin, entspannte seine Gesichtszüge und schloss die Augen. Die Meisterin und der Mann sassen nun regungslos versunken in stiller Meditation. Achtsame Ruhe kehrte ein.
Nach einer Stunde öffnete der Mann plötzlich seine Augen und lächelte. Er legte seine Handflächen vor der Brust aneinander und mit diesem respektvollen Gruss verneigte er sich mehrmals tief vor der Meisterin. Demütig und dankbar sprach er: «Wie unendlich sind dein Mitgefühl und deine Weisheit. Ich danke dir von Herzen für deine Antwort. Ich habe den Weg gefunden.» Der Mann verabschiedete sich glücklich und zufrieden.
Die Schülerin war nun komplett durcheinander und verstand überhaupt nichts mehr. Sie konnte nicht länger schweigen und bat die Lehrerin um eine Begründung: «Meisterin, bitte erkläre mir deine unterschiedlichen Unterweisungen!» Die Meisterin sagte: « Der erste Mann wollte nur eine Bestätigung von mir erhalten, dass Gott existiert. Er war ein Theist und hatte seine Antwort schon im Kopf. Noch bevor er mir die Frage stellte, war für ihn klar, dass es einen Gott gibt. Ich musste also mit « Nein» antorten, um seinen Glauben zu zerstören. Auch der zweite Mann kam bereits mit einer Antwort im Kopf zu mir. Er war ein Atheist. Für ihn war klar, dass es keinen Gott gibt. Auch er wollte von mir nur eine Bestätigung. Und um seinen Glauben zu zerstören, musste ich also «Ja» sagen. Beide Männer waren weder wissend noch weise und auch nicht aufrichtig suchend. Sie waren Gefangene ihrer festgefahrenen Meinungen, Vorstellungen und Erwartungen.
Nur der dritte Mann war ein ehrlicher und demütiger Suchender mit einem offenen Geist. Er hatte keine vorgefasste Meinung und wollte wirklich meine Hilfe und meinen Rat. Er verstand meinen Hinweis, dass die Antwort nicht in einer verbalen Unterweisung zu finden ist, sondern nur in der Stille des Augenblicks und in der Tiefe und im Frieden des eigenen Herzens. Er war wissend und weise und folgte deshalb meinem edlen Schweigen in die Meditation. In der Versenkung erfuhr er dann die wahre Antwort. In der Bewusstheit des Seins, in der Erkenntnis der wahren Natur spielt es keine Rolle mehr, ob Gott existiert oder nicht. Begrenzungen lösen sich auf, die Dualität wird überwunden, und das Ich transzendiert. In diesem Moment hat er das Göttliche in sich selbst erkannt!»
Quelle zur Zen-Geschichte : Im Schatten der Kiefer von Sandy Taikyu Kuhn Shimu
Ich wünsche dir weiter viel Vertrauen, Hingabe und Freude beim Yogaüben und beim Verweilen in Meditation bei dir zu Hause.
In Vorfreude auf das gemeinsame Yogaüben bei Yogaleicht, wann auch immer das sein mag.
Herzlich Corinne