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Glossar
Was ist unter Atopie zu verstehen? Was ist eine Sensibilisierung oder ein Etagenwechsel? Wichtige Fachausdrücke aus der Allergologie.
Patienten und Patientinnen mit schweren allergischen Reaktionen (anaphylaktischer Schock) zum Beispiel auf Insektengift oder Lebensmittel sollten ein Notfallset mit einer Adrenalin-Fertigspritze und Notfalltabletten bei sich tragen und mündlich und schriftlich instruiert werden, wie diese einzusetzen sind. Handhabung und Haltbarkeit der Fertigspritze sind regelmässig zu kontrollieren. Adrenalin verengt bei einem Blutdruckabfall in Minutenschnelle die Gefässe und stabilisiert dadurch Blutdruck und Kreislauf. Ausserdem entspannt es die Muskulatur der Bronchien, wodurch das Atmen erleichtert wird.
Ein Allergen ist ein an sich harmloser Stoff, der über die Vermittlung des Immunsystems Überempfindlichkeitsreaktionen auslöst. Allergene sind meistens Proteine (Eiweisse).
Überreaktion des Immunsystems auf körperfremde, an sich aber harmlose Substanzen oder Stoffe wie etwa Pollen, Nahrungsmittel oder Hausstaubmilben.
Wenn allergische Krankheiten bereits im Säuglings- und Kindesalter beginnen und nach einem charakteristischen Muster verlaufen, wird von Allergiekarriere gesprochen. Sie umschreibt, dass allergisch veranlagte Kinder mit zunehmendem Alter aus einer allergischen Erkrankung «herauswachsen», danach aber an einer nächsten Allergieform zu leiden beginnen.
Der Allergiepass ist ein Dokument, das nach Abklärung durch die Ärztin, den Arzt ausgestellt wird. Der Allergiepass ist erhältlich in Deutsch, Französisch, Italienisch, immer kombiniert mit Englisch.
Bei Verdacht auf eine Allergie können beim Hausarzt oder der Allergologin Tests durchgeführt werden, um ein spezifisches Allergen zu identifizieren oder auszuschliessen. Man unterscheidet zwischen Haut-, Blut- oder Provokationstests.
Die Anamnese bezeichnet das Aufnahmegespräch zwischen Patient, Patientin und Arzt oder Ärztin. Sie fasst die Krankheitsgeschichte eines Patienten, einer Patientin aufgrund deren persönlichen Erfahrungen zusammen. Mit Hilfe der Anamnese wird eine Diagnose möglich. Die Anamnese wird im Regelfall vor oder spätestens während der medizinischen Untersuchung durchgeführt.
Eine Anaphylaxie bezeichnet unerwartete, rasche und schwere allergische Reaktionen mit Blutdruckabfall, Kollaps, Bewusstlosigkeit und Schock. Die Reaktionen können mehrere Organsysteme wie Haut und Schleimhäute, Verdauungstrakt, Atemwege und das Herz-Kreislauf-System betreffen. Innerhalb von Sekunden bis Minuten, selten Stunden, nach dem Kontakt mit dem allergieauslösenden Stoff treten Symptome auf, die lebensbedrohlich sein können.
Ein Anitallergikum ist ein Medikament, das die Symptome einer allergischen Erkrankung beseitigt oder zumindest lindert. Oft sind damit Antihistaminika gemeint.
In diesen Medikamenten sind Stoffe enthalten, die die Wirkung des körpereigenen Botenstoffs Histamin abschwächen oder aufheben, indem sie die Histamin-Rezeptoren blockieren und so die Allergie-Symptome lindern. Sie werden darum auch Histamin-Rezeptorenblocker genannt. Antihistaminika werden in Form von Tropfen oder Tabletten zur Behandlung von Allergien eingesetzt.
Bei einem Asthmaanfall verengen sich die Atemwege so stark, dass das Ausatmen zu einer grossen Belastung wird. Betroffene haben das Gefühl, zu wenig Luft zu bekommen, was sie in Angstzustände versetzen kann. Typische Symptome bei einem Asthmaanfall sind Atemnot, Kurzatmigkeit oder Engegefühle in der Brust und trockener Husten.
Die Atopie bezeichnet die persönliche oder familiäre Veranlagung, auf den Kontakt mit an sich harmlosen Substanzen Antikörper zu produzieren und mit allergischen Symptomen zu reagieren. Atopie umschreibt die Bereitschaft des Körpers zur erhöhten Bildung von Immunglobulin-E-Antikörpern (IgE). Zum atopischen Formenkreis gehören Asthma, Neurodermitis und allergischer Schnupfen mit Bindehautentzündung mit Heuschnupfen und Hausstaubmilbenallergie.
Bronchodilatatoren sind bronchienerweiternde Medikamente zur Behandlung und Vorbeugung der Bronchokonstriktion, das heisst dem abnormen oder krankhaften Zusammenziehen der Muskeln in den Bronchien. Das ist bei Krankheiten wie Asthma der Fall.
Immunmodulatoren sind Wirkstoffe in Medikamenten, die das Immunsystem beeinflussen. Dazu gehören auch die Wirkstoffe Tacrolimus und Pimecrolimus, die zu den Calcineurininhibitoren gehören. Diese werden beim atopischen Ekzem (Neurodermitis) als Salbe oder Crème lokal auf der Haut eingesetzt und wirken dort entzündungshemmend und juckreizlindernd.
Die Desensibilisierung ist die ursächliche Therapie bei bestimmten Allergien wie Pollenallergie, Hausstaubmilbenallergie, Tier- und Schimmelpilzallergien. Gerade bei schweren Insektengiftallergien (Bienen- und Wespengift) ist eine Desensibilisierungstherapie zu empfehlen, weil sie vor lebensgefährlichen Reaktionen schützt. Die Allergene werden in steigender Dosierung unter die Haut gespritzt oder als Tabletten oder Tropfen verabreicht. Ziel ist, den Körper an das Allergen zu gewöhnen und damit allergische Reaktionen möglichst zu verhindern.
Als Differenzialdiagnose bezeichnet man alle weiteren Diagnosen, die als Erklärung für die Symptome oder medizinischen Befunde in Frage kommen.
Als Etagenwechsel wird das Übergreifen von allergischen Reaktionen von den oberen Atemwegen (Nasen-Rachenraum) auf die unteren Atemwege (Bronchien, Lungen) bezeichnet: vom allergischen Schnupfen zum Asthma bronchiale. Rund ein Drittel der Pollenallergiker und -allergikerinnen erkrankt irgendwann auch an Asthma. Um einen Etagenwechsel vorzubeugen, wird eine Desensibilisierung empfohlen (vergl. Allergiekarriere).
Enacsings sind Überzüge aus sehr eng gewobenem Gewebe, mit denen Matratze, Kissen und Duvet bei Hausstaubmilbenallergien umhüllt werden. Die Haustaubmilben können dieses Gewebe nicht durchdringen.
Enzyme sind Eiweisse, die biochemische Reaktionen auslösen. Sie haben wichtige Funktionen im Stoffwechsel. Unter anderem steuern sie den Hauptteil der Verdauung.
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Pricktest
Allergenlösungen werden auf die Haut am Vorderarm oder am Rücken geträufelt und mit einer feinen Nadel unter die Haut geprickt (Pricktest). Führt das Allergen nach 20 Minuten zu einer Reaktion wie nach einem Mückenstich, so ist der Test positiv.
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Epikutan- oder Patch-Tests
Mit einem Pflaster, das viele Testkammern enthält, werden geringe Mengen verschiedener Kontaktallergene auf die Haut des Rückens geklebt. Im Durchschnitt können so 30 bis 40, wenn nötig sogar bis zu 80 Substanzen gleichzeitig getestet werden. Nach zwei Tagen werden die Pflaster entfernt und es erfolgt die Testablesung; diese wird nach weiteren ein bis drei Tagen wiederholt. Entwickelt sich unter einer Testkammer ein lokales Ekzem, hat das Immunsystem reagiert und die auslösende Substanz ist als Kontaktallergen identifiziert.
Hauttests werden routinemässig von Fachpersonen durchgeführt.
Mittels H2-Atemtests kann eine Laktose- oder Fructoseintoleranz nachgewiesen werden. Der H2-Atemtest funktioniert wie folgt: Die betroffene Person kommt nüchtern zum Test. Nach der Einnahme von 25 Gramm in Wasser aufgelöster Laktose oder Fructose wird in der Ausatmungsluft die Konzentration von Wasserstoff (H2) alle 30 Minuten während mindestens 2 Stunden gemessen. Die Konzentration des H2-Gehaltes in der Atemluft zeigt an, wie gut die Laktose oder Fruktose im Dünndarm abgebaut wird.
Ist ein hormonähnlicher, lebenswichtiger Stoff. Normalerweise führt das Enzym Diaminoxidase aus der Darmschleimhaut zu einem raschen Abbau von Histamin.
Bei der Histaminintoleranz wird das körpereigene und durch Nahrungsmittel zugeführte Histamin nicht genügend abgebaut. Nahrungsmittel mit besonders hohem Histamingehalt: gereifter Käse, geräucherte Fleisch- und Wurstwaren. Auch Rotwein enthält viel Histamin.
Das Gift der Hornisse ist vergleichbar mit dem der Wespe. Der Stich ist schmerzhafter, weil der Stachel länger ist und tiefer eindringt. Hornissen sind sehr friedfertig, Stiche sind selten und sind im Zusammenhang mit Allergien selten ein Thema.
Die Hummeln sind grösser, schwerer und haariger als Honigbienen, gehören aber zur gleichen Gattung. Der Stachel einer Hummel hat keine Widerhaken und bleibt bei einem Stich nicht stecken. Hummeln sind sehr gutmütig und stechen nur, wenn sie sich bedroht fühlen. Die sehr seltenen Attacken mit Bissen und Stichen können allergische Reaktionen auslösen. Das Gift von Hummeln und Bienen ist ähnlich.
Sammelbegriff für verschiedene Arten von Insekten wie Bienen, Hummeln, Wespen, Hornissen oder Ameisen. Es gibt über 115‘000 bekannte Arten von Hymenopteren, davon rund 11‘500 allein in Europa. Hymenopteren können mit ihren Giftstichen Allergien auslösen, die zu einer Anaphylaxie (Anaphylaktischer Schock) führen können. Eine Ameisengiftallergie ist in unseren Breitengraden äusserst selten.
Bei einer Allergie vom Soforttyp, der häufigsten Allergieform, bildet das Immunsystem Antikörper – die Immunglobuline IgE – gegen eigentlich harmlose Stoffe wie Pollen, Hausstaubmilben, Tierspeichel, Insektengift oder Nahrungsmittel.
IgG-Antikörper sind Bestandteile unseres Immunsystems. Im Gegensatz zu den IgE-Antikörpern zeigen die IgG-Antikörper eine normale Reaktion auf Nahrungsmittel an, die man oft isst. Das entspricht einer normalen Immunantwort und ist nicht als Nahrungsmittelallergie oder -intoleranz einzustufen. Diätempfehlungen und therapeutische Massnahmen aufgrund von IgG-Bestimmungen sind deshalb abzulehnen. Nationale und europäische Allergologie-Fachverbände raten von einer IgG-Diagnostik mit Nahrungsmitteln ab.
Eine Immunantwort bezeichnet die Reaktion des Immunsystems auf fremde Organismen oder Substanzen. Das Immunsystem kann auf fremde Erreger wie Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten reagieren. Wird der Reiz als ungefährlich eingestuft, löst dieser in Zukunft keine Reaktion mehr aus (Immuntoleranz). Auch an sich harmlose Substanzen aus der Umwelt können irrtümlicherweise als gefährlich eingestuft werden und eine Reaktion auslösen (Allergie).
Immunmodulatoren sind Wirkstoffe in Medikamenten, die das Immunsystem beeinflussen. Die Wirkstoffe Tacrolimus und Pimecrolimus etwa gehören zu den Calcineurininhibitoren und werden beim atopischen Ekzem (Neurodermitis) als Salbe oder Crème örtlich auf der Haut eingesetzt und wirken dort entzündungshemmend sowie juckreizlindernd.
Die Immunologie ist die Lehre von den biologischen Grundlagen der körperlichen Abwehr von Krankheitserregern und anderen körperfremden Stoffen (Gifte). Es gibt verschiedene Teilgebiete der Immunologie. Die klinische Immunologie untersucht Störungen des Immunsystems wie sie bei Allergien auftreten.
Ein Inhibitor ist ein Hemmstoff, der eine oder mehrere chemische, biologische oder physikalische Reaktionen so beeinflusst, dass sie verlangsamt, gehemmt oder verhindert werden.
Karenz bedeutet völliger Verzicht beispielsweise auf bestimmte Lebensmittel. Karenz in der Allergologie bedeutet auch: den Kontakt mit dem Allergen zu vermeiden und beispielsweise auf Haustiere oder Pflanzen zu verzichten.
Kortisol ist ein lebensnotwendiges Hormon (Botenstoff) und wird in der Nebennierenrinde von Menschen und Säugetieren gebildet. Das Hormon steuert die Aufnahme von Zucker, beeinflusst den Fett- und Eiweiss-Stoffwechsel, den Knochenaufbau, wirkt auf das Immunsystem und unterdrückt Entzündungsreaktionen. Wegen dieser stark entzündungshemmenden Wirkung werden Kortisonpräparate vor allem bei entzündlichen Erkrankungen eingesetzt wie allergischen Krankheiten, Asthma, Hauterkrankungen (z.B. atopische Dermatitis/Neurodermitis oder Kontaktdermatitis).
Bei einer Kreuzreaktion kann der Körper ähnliche Eiweisse (Allergene) nicht unterscheiden. Meist reagieren Allergiebetroffene – neben der ersten Allergie wie beispielsweise auf Birkenpollen – plötzlich auch auf ein bis zwei Nahrungsmittel und auf andere Pollen.
Bei einer Malabsorbtion kann der Darmtrakt wegen einer Störung zu wenig Nährstoffe in die Blut- und Lymphbahn aufnehmen.
Mastzellen sind Abwehrzellen des Immunsystems und kommen in der ganzen Haut wie auch in den Schleimhäuten, in der Nähe von Gefässen und in den Organen vor. Sie schütten unter anderem Histamin aus, das die Gefässdurchlässigkeit erhöht und dazu führen kann, dass Blutplasma ins Gewebe austritt. Dies führt zu Schwellungen oder Quaddeln, etwa bei allergischen Reaktionen.
Der Allergiepass ist ein Dokument, das nach fachkundiger Abklärung durch den Arzt, die Ärztin ausgestellt wird. Der Allergiepass ist erhältlich in Deutsch, Französisch, Italienisch, immer kombiniert mit Englisch.
Alle Patienten und Patientinnen mit einer allergischen Allgemeinreaktion (Schock) sollten ein Notfallset bei sich tragen, das meistens eine Adrenalin-Fertigspritze enthält und Notfalltabletten. Über den Einsatz dieser Medikamente im Falle eines erneuten Kontaktes mit dem Allergen müssen Betroffene mündlich und schriftlich instruiert werden. Handhabung und Haltbarkeit des Autoinjektors sind regelmässig zu kontrollieren.
Beim Provokationstest wird je nach Allergieverdacht eine Lösung mit Allergenen auf die Schleimhaut von Augen und Nase aufgetragen. Sie kann auch inhaliert werden. Beim Verdacht auf eine Medikamenten- oder Nahrungsmittelallergie wird das Allergen oral eingenommen.
Diese Unverträglichkeitsreaktion ähnelt sehr stark einer klassischen allergischen Reaktion vom Soforttyp, ohne dass aber im Blut eine immunologische Reaktion nachweisbar ist. Die häufigsten Auslöser sind Arzneimittel und Lebensmittelzusatzstoffe. «Pseudoallergene» sind Stoffe/Mediatoren wie etwa Histamine, die das Immunsystem nicht tangieren.
Beim Vorliegen einer Sensibilisierung hat der Organismus nach dem Erstkontakt mit einem Fremdstoff – oft ein Allergen – eine fehlgeleitete, spezifische Immunantwort aufgebaut. Bei einem erneuten Kontakt kann es dann zu einer allergischen Reaktion kommen. Mittels Hauttest lässt sich eine Sensibilisierung meistens nachweisen. Nicht jede Sensibilisierung ruft Beschwerden hervor. Treten Beschwerden auf, für die sich ein Allergen als Ursache, nicht aber eine Sensibilisierung nachweisen lässt, spricht man von einer Unverträglichkeit oder Intoleranz. Erst wenn auf die Sensibilisierung Symptome der Haut, des Magen-Darmkanals, des Respirationstraktes oder des Kreislaufsystems folgen, ist von einer Allergie auszugehen.
In der Allergologie werden Trigger als Auslöser von Allergiesymptomen bezeichnet. Es handelt sich nicht um Allergene (Eiweisse), sondern Hilfs- oder Reizstoffe wie etwa Düfte. Auch Kälte kann als Trigger wirken.
Urtikaria wird auch Nesselsucht oder Nesselfieber genannt. Dabei bilden sich Hautschwellungen (Quaddeln) und Rötungen der Haut. Bei Urtikaria können Quaddeln innerhalb von Minuten entstehen oder auch wieder verschwinden.
Über eine begrenzte Zeit werden bei Allergieverdacht mit einer Weglassdiät bestimmte, «verdächtige» Nahrungsmittel weggelassen. Diese Diät sollte zwei bis vier Wochen streng eingehalten werden. Ist nach dieser Zeit keine wesentliche Linderung der Beschwerden festzustellen, können die ausgelassenen Nahrungsmittel als Auslöser der Symptome mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Wird die betroffene Person unter der Diät symptomfrei, weist dies auf das vermutete Allergen hin. Ein Provokationstest kann als Bestätigung der Diagnose durchgeführt werden.
Bei Auftreten von trockenen, juckenden und schuppenden Hautveränderungen im vorderen Fussbereich, vor allem während der kalten Jahreszeit und häufig bei Kindern zwischen zwei und zehn Jahren, spricht man von atopischen Winterfüssen. Die Differenzialdiagnose und Abgrenzung etwa zu Fusspilz oder zur Kontaktallergie wird vom Facharzt, von der Fachärztin gestellt.