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Immer mehr Schweizerinnnen und Schweizer forschen und studieren in den USA. Dies bestätigt ein Bericht des "Institute of International Education". Die Abwanderung der geistigen Elite (Brain-Drain) wird zu einem Problem für die Schweiz.Dieser Inhalt wurde am 19. November 2000 - 18:38 publiziert
Die Schweiz könnte ihre Vormachtstellung in den Bereichen Wissenschaft und Technologie verlieren, findet Johannes Kaufmann, Wissenschaftsrat in der Schweizer Botschaft in Washington. Denn die Anzahl der Studierender aus der Schweiz in den USA beläuft sich auf rund 5'000 und hat im Vergleich zum Vorjahr um 2,1 Prozent zugenommen. Zudem arbeiten etwa 2'000 Schweizer Wissenschaftler in amerikanischen Forschungs-Zentren.
Jährliche Investitionen von 215 Mio. Dollar
Die amerikanische Regierung ist überzeugt, dass man nicht von einer Abwanderung der geistigen Elite aus der Schweiz sprechen könne. Der Unterstaats-Sekretär für Ausbildung und Kultur, William Bader, ist der Meinung, dass eine solche Abwanderung aus einem entwickelten Land unwahrscheinlich sei. Es stelle sich eher die Frage, welche Länder den Studierenden und Wissenschaftlern die besten Entwicklungs-Möglichkeiten böten. Die USA investieren jährlich rund 215 Mio. Dollar in die Ausbildung ausländischer Studierender.
Gleichzeitig betont Bader jedoch auch, dass die amerikanische Regierung nicht spezielle Anstrengungen unternehme, um ausländische Studierende oder Wissenschaftler - und schon gar nicht solche aus Industrieländern - ins Land zu holen.
Schweizer Wissenschaftsrat beunruhigt
Der Wissenschaftsrat der Schweizer Botschaft teilt diese Meinung nicht. Die Abwanderung der geistigen Elite, so Kaufmann, sei sicher unter anderem die Folge der Globalisierung und des wirtschaftlichen Aufschwungs in den USA. Die amerikanische Regierung, der Kongress und die Privatwirtschaft verfolgten jedoch auch gezielt eine Politik, die ausländische Studierende und Wissenschaftler anlocke, ist Kaufmann überzeugt.
Um die Abwanderung aufzuhalten, müssten ausländische Studierende und Wissenschaftler leichter in der Schweiz studieren oder arbeiten können und die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Privatwirtschaft müsste gefördert werden.
Xavier Comtesse, Direktor des "Swiss House" in Boston, das Wissenschaftler aus den USA und der Schweiz vernetzen soll, vertritt die Ansicht, dass die Schweiz ihr Forschungsbudget verdoppeln müsste, um die Abwanderung ihrer geistigen Elite zu bremsen.
Studium und Forschung in den USA weltweit beliebt
Die USA ziehen immer mehr ausländische Studierende an: Im letzten Jahr waren dies über 500'000 oder fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Die meisten Studierenden stammen aus Asien, doch auch Europäerinnen und Europäer studieren immer öfter in den USA.
swissinfo und Marie-Christine Bonzom, Washington
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