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Resveratrol – das Schweizer Messer gegen jede Krankheit?
In der Behandlung von Erkrankungen hat Rotwein eine lange Tradition. Hippokrates setzte ihn schon 400 BC gegen Störungen des Herz- Kreislaufsystems, als Beruhigungsmittel, als Schlafmittel, gegen Kopfschmerzen sowie gegen Verstimmungszustände ein. Zur Wundbehandlung bekamen römische Legionäre 100 BC Rotwein als Antiseptikum. Hildegard von Bingen behandelte Erkrankungen 1150 mit gelöschtem Rotwein, einer homöopathischen Abwandlung. Von 1650 ist überliefert, dass Friedrich Hoffmann in seinem Kloster Weinkuren mit bis zu 8 Liter Rotwein durchführte. 1892 gab es dann Rotwein sogar auf Kassenrezept. Dies basiert auf einer Studie zur Wirkung von Rotwein gegen Herzinfarkte von 1819, welche 1992 nochmals bestätigt wurde. Erstmals wurde das sogenannte „French Paradoxon“ beschrieben.
Durch den regelmässigen Genuss von Rotwein, welcher in der Essenskultur der Franzosen begründet ist, bekommen in Frankreich weniger Menschen Herzinfarkte oder durch Herzinfarkt bedingte Todesfälle, als in allen anderen Ländern. Um 1900 wurden Wein und Bier aufgrund ihrer gesundheitsfördernden Wirkung vorübergehend als fester Bestandteil der Diäten in Deutschen Heilstätten (heute Rehabilitationseinrichtungen) aufgenommen. Dabei sind es die Polyphenole im Rotwein, wie z. B. Resveratrol (hochpotente Antioxidantien mit einer vielfach höheren Wirkung als Vitamin C), denen entzündungshemmende, antithrombotische und lebensverlängernde Wirkungen zugeschrieben werden.
Das Polyphenol Resveratrol ist intensiv untersucht und zeigt eine Vielzahl an Wirkungsweisen, die es für diverse Einsatzgebiete in der Medizin interessant macht. Eine wachsende Zahl von Studien zeigt auch einen Anti-Aging-Effekt vieler Pflanzenstoffe für den menschlichen Organismus. Der Wirkmechanismus wurde auf der molekularen Ebene gefunden. Mit der Entdeckung der Sirtuinen – Gene, welche eine Schlüsselfunktion im Stoffwechsel von Proteinen haben – wurde der Alterungsprozess von Lebewesen besser verstanden. Vor allem Sirt2, welches für den Schutz vor milden, meist asymptomatischen, chronischen Entzündungen verantwortlich ist, spielt dabei eine wesentliche Rolle. Resveratrol stimuliert die Expression von Sirt2 und führt so in-vivo zu einer Lebensverlängerung und Verdopplung der Ausdauerleistung bei Mäusen.
Zudem führt Reseveratrol zu einer
Prof. Dr. med. Joachim Drevs
Unifontis-Praxisklinik für
Integrative Onkologie, Sickte
Kernthese Nr. 9:
Zahlreiche Zivilisationserkrankungen, wie Herz- Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen, haben eine systemisch-inflammatorische Komponente, welche die Grunderkrankung vorantreibt und Komorbiditäten begünstigt. Das Inflammationsgeschehen ist Teil des Alterungsprozesses, wird aber in seiner Intensität und Progression massgeblich durch zahlreiche Lebensstilfaktoren mitbestimmt.
Kernthese Nr. 10:
Körperliche Aktivität hat einen anti-entzündlichen Effekt, der durch eine Erhöhung des Stoffwechsels sowie freigesetzter Myokine aus der kontrahierenden Skelettmuskulatur induziert wird. Viele bekannte positive Wirkungen des Sports in der Prävention und Therapie scheinen über diese immunregulatorischen Effekte vermittelt zu werden.
Die daraus resultierende Kalorienrestriktion (Begrenzung der Kalorienzufuhr um 30 bis 50 Prozent), die in Tiermodellen gezeigt werden konnte, ist der Grund für die lebensverlängernde Wirkung um 50 bis 70 Prozent bei Mäusen.
Der Effekt der Kalorienrestriktion ist an gewissen Merkmalen zu erkennen:
Als Nahrungsergänzungsmittel ist Resveratrol kein Medikament, somit gibt es auch keine festgelegte Dosis. Rechnet man die in Studien eingesetzte therapeutische Dosis auf die in Rotwein vorkommende Menge um, kommt man auf eine Tagesdosis von ca. 8 Liter Rotwein. Das entspricht der bereits 1650 eingesetzten Menge von Friedrich Hoffmann. Die übliche tägliche Dosis, ermittelt aus Erfahrungswerten und Einzelfallstudien, liegt aber bei ungefähr 500 Milligramm und damit in einem sicheren Bereich, der frei von Nebenwirkungen ist. Sowohl aktuelle klinische Studien, als auch Studien an Primaten bestätigen die Übertragbarkeit der präklinischen Ergebnisse von in vivo-Versuchen an Mäusen auf den Menschen. Die mit dem für die Kalorienrestriktion verantwortlich Gen Sirt2 verwandten Gene Sirt1 und AMP-Kinase werden mit dem Überleben eines Lebewesens in Zusammenhang gebracht. Auch diese Gene werden von Resveratrol aktiviert.
Aus der Diskussion:
„Ein Vortrag mit sehr viel Humor – Medizin mit Humor ist toll!“
„Wenn ich mir die französische Esskultur vor Augen führe – bleiben die wirklich bei einem Glas Rotwein am Abend?“
Kommentar aus Sicht der SfGU:
„Resveratrol ist einer von vielen potenten sekundären Inhaltsstoffen, die therapeutisch eingesetzt werden können. Wollen wir therapeutisch wirksam arbeiten, geht das nicht über die Ernährung – kein Mensch kann z. B. 8 Liter Rotwein pro Tag trinken. Deshalb bedarf es entsprechender Präparate, die den persönlichen Bedarf decken. Das gilt für alle biochemisch wirksamen Mikronährstoffe.“
Andreas Hefel, Präsident der SfGU