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Mitglieder der Konzernleitungen der Credit Suisse (CS) und der UBS verkauften Aktien ihrer Grossbanken für mehr als 75 Millionen Franken. Sie wurden ihnen als Teil ihrer Saläre zugesprochen.
154 Millionen Franken: So viel waren die Aktien wert, welche die neun Mitglieder der Konzernleitung (KL) der Credit Suisse (CS) Ende 2013 besassen. Hätten sie die Wertschriften ihrer Firma noch Ende 2014 gehalten, hätten sie einen Verlust von 14,4 Millionen eingefahren. Die Aktie zählte 2014 in einem steigenden Markt zu den Verlierern.
Die Buchverluste der führenden Manager der Grossbank waren wohl kleiner:
Dies ergibt eine Auswertung der auf der Website der Schweizer Börse publizierten Managementtransaktionen. Mitglieder des Verwaltungsrats (VR) verhökerten CS-Wertschriften für 6,7 Mio. Franken. Wer sich von Titeln trennt, ist nicht ausgewiesen.
Auffällig ist: Während der letzten zwei Jahre gab es keinen einzigen Zukauf – weder von einem VR- noch einem KL-Mitglied.
Bei der UBS ist das Bild differenzierter: Die elf KL-Mitglieder sassen Ende 2013 auf UBS-Aktien im Wert von 148 Millionen Franken. Auch sie kauften 2013 und 2014 keine Titel.
Hingegen verzichteten drei VR-Mitglieder darauf, die Hälfte ihres Honorars in bar zu beziehen. Sie liessen sich ihre gesamte Vergütung in Aktien zuteilen. Daneben gab es drei Aktienverkäufe von VR-Mitgliedern. Insgesamt übersteigt der Wert der Käufe derjenige der Verkäufe.
Seit 2005 müssen KL und VR-Mitglieder offenlegen, wenn sie Titel ihrer Firmen kaufen oder verkaufen. Damit soll verhindert werden, dass sie ihr Insiderwissen vor der Bekanntgabe kursrelevanter Informationen ausnutzen können. Daher sind die Zeitfenster für die Durchführung von Managementtransaktionen eng bemessen. In der Regel ist dies nach der Bekanntgabe der Quartalsergebnisse möglich.
Bei beiden Grossbanken ist vorgeschrieben, wie viele Aktien die KL-Mitglieder mindestens halten müssen. Zudem wird ihnen ein hoher Anteil ihrer Saläre in Form von Wertschriften vergütet (siehe Box unten). Deswegen unterliessen sie weitere Zukäufe, sagt der stellvertretende Direktor der Anlagestiftung Ethos, Vincent Kaufmann: «Damit aber auch die Aktien-Verkäufe angemessen bleiben, fordern wir einen Mindestanteil an Aktien in der Höhe eines Jahreslohns.»
Selbst zu den Aktienkursen unmittelbar vor der Aufhebung des Mindestkurses zum Euro durch die Nationalbank lag die Schwelle unter den Salären, welche die beiden CEOs 2013 bezogen hatten: UBS-Chef Sergio Ermotti muss Aktien für 8,3 Millionen Franken halten, CS-Chef Brady Dougan für 8,1 Millionen. Bei KL-Mitgliedern der CS sind es 3,5, bei der UBS 5,8 Millionen. Auch diese Werte liegen unter dem Durchschnittslohn eines KL-Mitglieds.
Die Mindesthalte-Schwelle liegt gemäss den Geschäftsberichten von 2013 meist tiefer als die Zahl der gesperrten Titel der KL-Mitglieder. Das ermöglicht den Managern, zugeteilte Wertschriften zu verkaufen. Angesichts des vergleichsweise geringen Baranteils tun dies KL-Mitglieder, um Steuern, einen Hauskauf oder eine Scheidung zu finanzieren.
UBS-Investmentbanking-Chef Andrea Orcel und zwei KL-Mitglieder der CS hielten Ende 2013 gar keine frei verfügbaren Titel mehr. Zu Recht hält also Kaufmann die Regelung beim Versicherungskonzern Zurich Insurance Group für empfehlenswert: «Erhalten Konzernleitungsmitglieder gesperrte Aktien definitiv zugeteilt, dürfen sie nur die Hälfte gleich wieder verkaufen. Den Rest müssen sie mindestens drei Jahre behalten.» Denn mit der Abgabe von meist mehrere Jahre gesperrten Aktien sollen die Interessen der Manager mit denen der Eigentümer gleichgeschaltet werden. Sie sollen einen Anreiz haben, dann viel zu verdienen, wenn der Wert ihrer Firma steigt. Oder Geld verlieren, wenn der Aktienkurs sinkt.
Die Offenlegung der Managementtransaktionen soll auch Transparenz für die Anleger schaffen. Der Aktienrechtler Peter Forstmoser formulierte es einst so: «Damit sollen Aussenstehende Signale erhalten, wie Insider die Gesellschaft beurteilen.» Schliesslich kennt keiner eine Unternehmung so gut, wie die obersten Chefs.
Nur funktioniert das bei den Grossbanken nicht. Der emeritierte Bankenprofessor Hans Geiger sagt: «Deren Manager verhalten sich nicht wie Unternehmer, sondern wie Angestellte und verkaufen ihre frei verfügbaren Aktien.» Das sei nicht glorios, aber sinnvoll. So könnten sie den grossen Anteil an Titeln ihrer Firmen abbauen und ihr Vermögen diversifizieren.
Auch der Bankenanalyst der Bank Vontobel, Andreas Venditti, sagt, die Manager seien einem Klumpenrisiko ausgesetzt und verkauften Aktien auch aus Diversifikationsgründen: «Finden aber immer nur Verkäufe statt, hat das schon eine negative Signalwirkung. Die Chefs glauben offenbar nicht, dass der Aktienkurs nachhaltig steigt.»
Bei der CS hat sich der Kurs seit 2010 mehr als halbiert. Bei der UBS liegt er nach der Aufhebung der Euro-Untergrenze wieder unter dem Wert von damals. Bankenprofessor Geiger hält Grossbank-Aktien für keine attraktive Anlage. Er kaufe keine: «Ihr Kurs hängt zu stark von der Politik und dem Währungssystem ab. Zudem tauchen sie stets, wenn es irgendwo konjunkturelle Probleme gibt wie beispielsweise in Griechenland.»