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Das 1915 neu erbaute Haus mit Scheune Bellacherstrasse 1 steht am Platz eines älteren Doppelhauses (Nr. 8 und 9), das am 26. März desselben Jahres gemeinsam mit dem heute nicht mehr existierenden Haus Nr. 11 einem Brand zum Opfer fiel.
Ländliche Architektur
Das 1750 datierte Bauernhaus Bellacherstrasse 3 besitzt am Türsturz ein in Stein gehauenes Doppelwappen Bellacherstrasse 1 und 3 sowie die Signatur M R, für Melchior Rudolf, und M G wohl für Maria Glutz. Auf der Nordseite des Hauses befindet sich ein Speicher, der in seinem Kern wohl in die Zeit um Mitte des 18. Jahrhunderts zurückreicht. Ein Ofenhaus wurde 1881 abgebrochen.
Das Bauernhaus ist Teil der älteren, noch hangparallel angeordneten Bebauung von Selzach. Entlang der alten Verbindung zwischen Bellach, Selzach und Bettlach, der ehemaligen alten Landstrasse, reihen sich noch heute gut erhaltene Bauernhöfe vom Ende des 18. beziehungsweise des 19. Jahrhunderts. Es sind traufständig angeordnete stattliche Höfe mit vorgelagerten Plätzen oder Gärten.
Traditionelle Bauformen
Das mächtige Wohnhaus mit angebauter Scheune weist mit den holzverschalten Ründen nach beiden Strassenseiten sowie den gezwirnten und farbig gefassten Bügen der Dachkonstruktion typische Elemente des damals beliebten Heimatstils auf. Die Scheune mit Krüppelwalmdach besitzt eine Stalltüreinfassung, die mit grob verputztem Kunststein Bossenquader vortäuscht. Diese Anlehnung an Bauformen ländlicher historischer Architektur, wie sie sich beispielsweise im Nachbarhaus Bellacherstrasse 3 präsentiert, ist für den schweizerischen Heimatstil charakteristisch. Wer sich heute dem Dorf auf der alten Landstrasse von Osten her nähert, erhält deshalb noch immer den Eindruck eines ländlich geprägten Dorfes.
Der östlich des Haupthauses Bellacherstrasse 1 nahe am Strassenrand stehende Speicher geht in seiner Grundsubstanz vermutlich auf das frühe 17. Jahrhundert zurück. Im Kern ein hoher und schmaler Steinbau, wurde er im Laufe der Zeit von einer Holzkonstruktion ummantelt. Das leicht unter dem Bodenniveau liegende Erdgeschoss ist durch ein sorgfältig gearbeitetes Türgewände mit Kielbogen zugänglich. In den Dorfteilen Moos und Bäriswil sind weitere bemerkenswerte Speicher aus der Mitte des 18. Jahrhunderts erhalten.
Heimatstil
Der Heimatstil ist in der Schweiz als Begriff seit 1910 bekannt. Der Name bezeichnet die schweizerische Ausprägung einer Reformarchitektur mit nationalem Charakter, die sich spätestens seit der Landesausstellung in Genf 1896 mit dem Village Suisse bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 zu etablieren begann. In ganz Europa gibt es ähnliche Architekturströmungen, die sich auf die eigene Vergangenheit und auf die eigene architektonische Tradition beziehen. Der Heimatstil in der Schweiz zeichnet sich durch ein Gemisch von Reformbestrebungen und traditionell schweizerischen Bauformen aus, die sich oft an die ländliche historische Architektur anlehnen.