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Rolls-Royce – der Inbegriff einer Luxuslimousine, Teil 1
Es gab und gibt viele Hersteller von absoluten Oberklasse-Automobilen, doch wenn der Name Rolls-Royce fällt, wird es jedem Auto-Enthusiasten warm ums Herz, steht er doch für Eleganz und Luxus pur. Und nicht nur das. Auch die Verarbeitungsqualität der englischen Nobelmarke ist weltweit ziemlich einzigartig und war von Beginn an oberste Maxime des Herstellers. In diesen Rahmen gehört auch der zur Legende gewordene Spruch: „Das lauteste Geräusch (im Wageninneren) ist das Ticken der Uhr.“
Frederick Henry Royce (1863-1933) gründete 1884 mit Ernest A. Claremont eine Firma für den Bau von Elektroanlagen, die F.H. Royce & Co. Als er 1902 sein erstes Motorfahrzeug gegen einen gebrauchten Decauville 10 hp auswechselte, gelang es ihm nicht, das Auto zu starten. Überhaupt war er mit der Qualität des Wagens unzufrieden und entschied sich schliesslich – mit der Absegnung des Verwaltungsrats seines Unternehmens – drei Automobile nach seinen eigenen Vorstellungen zu konstruieren.
Er selbst behielt einen der drei Prototypen, die beiden anderen gingen an seinen Geschäftspartner Claremont und den Grossaktionär Henry Edmunds. Letzterer war sehr angetan von dem Modell Royce 10 hp und tauschte seine positiven Erfahrungen mit einem Freund, Claude Johnson, aus, der wiederum ein Geschäftspartner von Charles Rolls war.
Charles Rolls (1877-1910) war mit seinem Betrieb C.S. Rolls & Co., gegründet 1903, einer der ersten Autohändler auf der britischen Insel. Er importierte und vertrieb vornehmlich Luxusfahrzeuge der belgischen Marke Minerva sowie des französischen Herstellers Panhard – heute begehrte Oldtimer. Seit seinen Anfängen als Händler war er auf der Suche nach einem englischen Produzenten für sein Portfolio, allerdings genügten die heimischen Autos nicht seinen hohen Ansprüchen an Qualität und Zuverlässigkeit.
Beim ersten Treffen von Royce und Rolls im Jahr 1904 machte Rolls eine Probefahrt mit dem Royce 10hp und war sofort von der Güte des Wagens überzeugt. Die beiden Männer einigten sich anschliessend ohne schriftlich fixierte Verträge auf eine Zusammenarbeit. Der 10 hp wurde etwas modifiziert und erhielt die bis heute typische Tempelform des Kühlers sowie ein neues Logo mit dem Namen Rolls-Royce. Im ersten Jahr der Kooperation wurden insgesamt 17 Modelle gebaut und verkauft. Der Nachfolger 20 hp entstand ebenfalls in der vertragslosen Zeit und fand zwischen 1904 und 1906 37 Käufer.
Ende des Jahres 1904 unterzeichneten Rolls und Royce einen Vertrag über ihre Zusammenarbeit. Rolls bekam die exklusiven Verkaufsrechte für alle von der – inzwischen umbenannten – Royce Ltd. gebauten Autos. Kurz danach wurde die Produktpalette auf dem Pariser Autosalon erstmals im Rahmen einer Messe vorgestellt.
Im Frühjahr 1906 schlossen sich die C.S. Rolls & Co. und Royce Ltd. schliesslich zur Rolls-Royce Ltd. mit Sitz in Manchester zusammen. Einige Monate später zeigte das Unternehmen das erste Gemeinschaftswerk, den Rolls-Royce 40/50 hp oder auch „Silver Ghost“, auf der Olympia Motor Show in London. Dieser Wagen verschaffte Rolls-Royce den sofortigen Durchbruch auf dem Markt. Zudem stand der Hersteller fortan in dem Ruf, das beste Auto weltweit zu bauen.
Charles Rolls war nicht nur ein Autonarr, sondern auch ein begeisterter Pilot. Im Juni 1910 überquerte er als erster Mensch den Ärmelkanal in einem Nonstop-Hin-und-Rückflug. Nur einen Monat später kam er jedoch bei einem Flugzeugabsturz ums Leben, als ein neu angebautes Heck seines Wright-Biplane abbrach.
1911 führte das Unternehmen seine bis heute aktuelle Kühlerfigur ein, den „Spirit of Ecstasy“, im deutschsprachigen Raum auch „Emily“ genannt. Geschaffen wurde sie von dem Bildhauer Charles Sykes, als Modell fungierte wahrscheinlich Eleanor Velasco Thornton. Woher die Bezeichnung „Emily“ stammt, ist nicht allerdings gesichert.
Kurz vor dem Ersten Weltkrieg stieg Rolls-Royce in die Produktion von Flugzeugmotoren ein und hatte in diesem Bereich ebenfalls sehr schnell grossen Erfolg. Im Zweiten Weltkrieg zum Beispiel waren rund 50 Prozent aller Flugzeuge der Alliierten mit Rolls-Royce-Motoren ausgestattet.
In den 1920er Jahren waren die Fahrzeuge von Rolls-Royce bereits so etwas wie ein Mythos. Sie galten weltweit als Zeichen für Reichtum, Glamour und Prominenz. Viele Königs- und Adelshäuser schworen auf die britische Marke, nicht nur in Europa, sondern bis hin zum Maharadscha von Jahore in Indien.
1931 übernahm Rolls-Royce mit Bentley einen Konkurrenten, der vor allem durch seine teuren und edlen Sportwagen bekannt geworden war. Die Marke Bentley wurde aber nicht aufgegeben, sondern vor allem für sportliche Modelle weiterhin genutzt, während die Limousinen parallel unter beiden Namen auf den Markt gebracht wurden, mit leichten Unterschieden beim Kühlergrill und der Kühlerfigur.
(Weiter geht’s im zweiten Teil.)
Oberstes Bild: Rolls-Royce 20hp (Tony Hisgett, Wikimedia, CC)