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Das Wichtigste in Kürze
- Die ersten Vorläufer der Formel-1-WM finden bereits ab 1925 statt.
- Nach dem Zweiten Weltkrieg wird aus der Europa- eine Weltmeisterschaft.
- Seit ihren Anfangsjahren hat sich die Königsklasse des Motorsports drastisch verändert.
Keine andere Rennserie übt eine vergleichbare Faszination aus wie die Formel 1. Von Melbourne bis Monza, von Monaco bis Montreal – die Königsklasse des Motorsports begeistert seit Jahrzehnten.
Die Zwischenkriegs-Anfänge der Formel 1
Die Wurzeln der Formel 1 gehen auf den Grand-Prix-Sport der Zwischenkriegszeit zurück. Teilnehmer dieser ersten Grandes Épreuves fuhren überwiegend auf abgesperrten öffentlichen Strassen, praktisch alle Fahrzeuge waren zugelassen. Die damals bereits bestehende Fédération Internationale de l'Automobile organisierte ab 1925 Meisterschaften, zu denen die Grands Prix zählten.
Der direkte Vorläufer der Formel 1 in der Zwischenkriegszeit ist die ab 1931 ausgeschriebene AIACR-Europameisterschaft. Anfangs nach bestehenden Formula-Libre-Reglements gefahren, kristallisierten sich ab 1934 eigene Regeln heraus. Das Fahrzeuggewicht wurde auf 750 Kilogramm beschränkt.
Mercedes und Auto Union – angetrieben von der Propaganda-Maschinerie des Dritten Reiches – dominierten in dieser Phase. Mercedes-Star Rudolf Caracciola holte drei Europameister-Titel, unterbrochen nur von Bernd Rosemeyer (Auto Union). Weil die deutschen Rennwagen 1937 weit mehr als 600 PS leisten konnten, wurde ab dem Folgejahr erstmals eine Motorenformel eingeführt. Dabei griff man sogar auf unterschiedliche Hubraum-Begrenzungen für Fahrzeuge mit und ohne Kompressor zurück.
Ab 1946 eine Formel, ab 1950 eine Weltmeisterschaft
Erstmals definiert wurde die Formel 1 als solche 1946 als Einsitzer-Kategorie, basierend auf den letzten Regeln der Zwischenkriegszeit. Eine übergeordnete Meisterschaft wurde aber erst 1950 erstmals ausgeschrieben – die Automobil-Weltmeisterschaft. Damit reagierte die FIA auf die bereits 1949 eingeführte Motorrad-Weltmeisterschaft.
In den Anfangsjahren zählten auch die 500 Meilen von Indianapolis zum insgesamt sieben Grands Prix umfassenden WM-Kalender. Allerdings wurde dort nach einem anderen Reglement gefahren, weshalb die europäischen Stars nur selten in den USA antraten.
Den ersten Weltmeistertitel sicherte sich Nino Farina am Steuer eines Alfa Romeo 158. Sein Nachfolger war der Argentinier Juan-Manuel Fangio, der bis 1957 noch vier weitere Titel gewinnen sollte. Bis 2002 war er damit alleiniger Rekordweltmeister der Formel 1. Die Titel 1954 und 1955 gewann Fangio am Steuer des Mercedes W196 – bis 2010 der letzte Formel-1-Renner aus Stuttgart.
Heckmotoren, Sicherheitsdebatten
Nach überwiegend italienischer Dominanz in den 1950er Jahren übernahm ab 1959 die englische Motorsport-Szene das Kommando. Hersteller wie Cooper, BRM, Lotus und Brabham dominierten – angetrieben auch vom Wechsel von Front- zu Heckmotoren. Vor allem die Lotus-Designs von Colin Chapman sorgten immer wieder für Furore.
Geprägt wurde diese Ära der immer leichteren, immer schnelleren Formel-1-Fahrzeuge aber auch durch zahlreiche Todesfälle. Selbst Weltmeister wie Jim Clark oder Jochen Rindt blieben vom Schicksal nicht verschont. Der Österreicher Rindt erlebte seinen einzigen WM-Titel nicht einmal – er starb in Monza, wurde aber nicht mehr eingeholt. Bis heute ist der Titelträger von 1970 der einzige posthume Weltmeister der Formel 1.
Dank verbesserter Sicherheitsvorkehrungen ging die Anzahl tödlicher Unfälle in der Formel 1 in den 70er Jahren zurück. Gleichzeitig wiesen die Fahrzeuge immer mehr aerodynamische Anhängsel auf, Front- und Heckflügel wurden die Norm. Radikale Konzepte – wie etwa der sechsrädrige Tyrell P34 – traten in Erscheinung.
Die Formel 1 wird zur Weltmeisterschaft
In den späten 70ern fingen die Teams zudem an, mit dem sogenannten Ground Effect zu arbeiten. Auch bei diesem aerodynamischen Trick war das Lotus-Team von Colin Chapman federführend. Zudem fand Carbon als Material – etwa für das Cockpit – Einzug in die Formel 1. Dem neuartigen Carbon-Monocoque ist etwa geschuldet, dass John Watson seinen Unfall in Monza 1981 überlebte.
Ab 1981 trug die bis dahin als Automobil-Weltmeisterschaft ausgeschriebene WM offiziell den Namen «Formel-1-Weltmeisterschaft». Überschattet wurden die Anfangsjahre aber auch von schweren Unfällen. Mit Patrick Depailler und Gilles Villeneuve verlor der Sport 1980 und 1982 zwei seiner grossen Helden.
1983 gewann erstmals ein mit einem Turbomotor ausgerüstetes Fahrzeug – der Brabham von Nelson Piquet – den WM-Titel. In der Folge waren die Turbomotoren das Mass aller Dinge, ehe sie zur Saison 1989 verboten wurden. Neu eingeführt wurden Anfang der 1990er Jahre dafür elektronische Fahrhilfen.
Das schwarze Wochenende von Imola
Vor allem Systeme wie die 1991 von Williams eingeführte Traktionskontrolle wurden essenziell, um vorne mitzumischen. Aktive Radaufhängungen reagierten auf die Veränderungen im Streckenprofil. Die Fahrzeuge wurden immer schneller, immer fragiler. Und die Formel 1 zahlte den Preis dafür.
Beim Grand Prix von Imola 1994 kommen zwei Piloten ums Leben, einer von ihnen ist der grosse Ayrton Senna. Der als unzerstörbar verehrte Brasilianer stirbt bei einem Hochgeschwindigkeitsunfall. Sein Tod ist ein Schock für die gesamte Motorsportwelt – und der Katalysator für neue Sicherheitsmassnahmen.
Spezielle Benzinmischungen wurden verboten und der Hubraum auf drei Liter reduziert, um die Leistung der Autos zu reduzieren. Aerodynamik-Elemente wurden reglementiert, Sicherheitsvorschriften für die Cockpits verschärft. 20 Jahre lang sollte Ayrton Senna der letzte Todesfall in der Formel 1 bleiben.
Die Schumacher-Ära
1996 hatte Jean Todt den damaligen zweifachen Weltmeister Michael Schumacher von Benetton zu Ferrari gelotst. Nach einigen schwierigen Jahren – unter anderem der WM-Ausschluss 1997 – erntete man ab 2000 die Früchte dieser Arbeit. Damit endete die 21 Jahre dauernde Titellosigkeit in Maranello in eindrucksvoller Weise. Bis 2004 dominierten Schumacher und Ferrari in nie dagewesener Manier die Königsklasse.
Als Schumacher seinen – rückblickend ersten – Rücktritt verkündete, hatte er fast alle Rekorde gebrochen. Die Marke von sieben WM-Titeln schien unerreichbar, ebenso sein Rekord von 91 Grand-Prix-Siegen. 2006 zog sich der Deutsche aus dem Sport zurück – vorerst.
Bereits 2005 hatte die Formel 1 von den seit Anfang der 1990er Jahre üblichen V10-Motoren auf V8-Triebwerke umgesattelt. Das beendete die Ferrari-Dominanz, Renault – mit Fernando Alonso – gewann die nächsten Titel. 2007 holte Kimi Räikkönen für Ferrari den bis dato letzten WM-Titel.
Aero-Revolution, Turbomotoren – Mercedes-Dominanz
Zur Saison 2009 hin wurden die aerodynamischen Vorschriften radikal umgestaltet. Das zuvor an Ross Brawn verkaufte und in BrawnGP umbenannte Ex-Honda-Team profitierte davon. Dank eines Technik-Tricks – der Doppel-Diffusor – war Brawn zum Saisonbeginn das Mass aller Dinge. Jenson Button bescherte dem Team einen unerwarteten WM-Titel, ehe es an Mercedes weiterverkauft wurde.
Die Folgejahre sahen eine beinahe Schumacher-gleiche Überlegenheit von Red Bull. Sebastian Vettel gewann vier WM-Titel in Folge, ehe 2014 eine neue Motorenformel eingeführt wurde. Die Dreiliter-V8-Saugmotoren wurden durch die aktuellen 1,6-Liter-V6-Hybrid-Triebwerke ersetzt.
Mit der Umstellung begann auch eine beispiellose Dominanz von Mercedes und Lewis Hamilton. Seit 2014 gewann der deutsche Hersteller, 2010 mit Nico Rosberg und Michael Schumacher zurückgekehrt, sechs WM-Titel en suite. Lewis Hamiltons Herrschaft wurde nur 2016 von Rosberg unterbrochen, der unmittelbar nach dem WM-Titel zurücktrat. Seither ist der Brite an der Spitze der Weltmeisterschaft unangefochten – und macht Jagd auf Schumachers Rekorde.