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begreiflich, baß die gesamte rheinländische Kunst in der «kölnischen Schule» sich vereinigt ausprägt, und diese ihre Einflüsse auch in anderen Gegenden geltend macht.
Kölnische Meister. Bereits im Jahre 1380 erwähnt die Limburger Chronik, daß in Köln «der beste Maler in allen teutschen Landen» gewesen sei, der «malete einen jeglichen Menschen, als hätte er gelebt». Es war dies ein Meister Wilhelm, wahrscheinlich von Herle, der 1358 in Köln ein Haus kaufte und zwischen 1372-78 starb. Seine Werkstatt übernahm Wynrich von Wesel (der auch die Witwe heiratete), welcher ein angesehener Mann wurde, da man ihn mehrmals zum Ratsherrn wählte.
Als sichere Werke des Meisters Wilhelm dürften wahrscheinlich nur die Ueberreste von Wandmalereien im Kölner Rathause zu betrachten sein, obwohl man ihm gewöhnlich eine stattliche Reihe von Tafelbildern zuschreibt. Im Grunde ist es nicht so erheblich wichtig, ob Meister Wilhelm die Bilder eigenhändig gemalt hat, oder seine Schüler sie ausführten. Von wesentlicher Wichtigkeit ist nur die Thatsache, daß in der Zeit von etwa 1360-1400 in kölnischen Werkstätten jene Gemälde entstanden, welche die neue Richtung der Kunst in ihrer ganzen Bedeutsamkeit vertreten (Fig. 382).
Die geistige Auffassung erscheint vor allem bestimmt durch die bereits vorhin besprochene mystische Richtung. Diese war nun gerade in Köln besonders hervorgetreten, beherrschte die Geister, somit auch die Kunst. Die kölnische Malerei will daher auf Gefühl und Empfindung wirken, das Holdselige, Zarte zur Erscheinung bringen; ihr Lieblingsgegenstand wird daher Maria mit dem Kinde, als Urbild der vollendetsten Anmut zugleich in der höchsten weiblichen Würde als Mutter; fein und zierlich bildet sie daher auch die Gestalten und aus der Natur entnimmt sie deren lieblichste Schöpfungen, die Blüten. Erfindung, Anordnung und Zeichnung sind durch diese Absicht: innige Gefühlsstimmung zu erwecken, bedingt;
sie hätten aber nur unvollkommen derselben gedient, wenn nicht die Farbengebung das Beste dazu gethan hätte.
^[Abb.: Fig. 378. Cima da Conegliano: Madonna.
Parma. Pinakothek.] ¶
In der letzteren liegt der entscheidende Fortschritt; die Farbe wird jetzt zu dem wesentlichsten Ausdrucksmittel der Erscheinung, man wählt kraftvolle und leuchtende Töne und achtet darauf, daß sie im schönen Verhältnisse zu einander stehen, kurz, arbeitet auf feine Farbenstimmung hin. Gewisse Mängel der Zeichnung bleiben daher ziemlich lange bestehen, auch dann noch, als das Streben nach größerer Naturwahrheit sich geltend machte; das Ueberschlanke und Eckige verschwindet zwar, dafür werden die kurzen Verhältnisse der Gestalten, ein eigentümlich brüchiger Faltenwurf der Gewandung und eine derbe, breite Gesichtsbildung bei den Männern für die späteren Werke bezeichnend.
In der Behandlung der Farbe und in dem Ausdrucke der Stimmung zeigt sich die kölnische Malerei der gleichzeitigen italienischen überlegen, die Stärke der letzteren liegt in der Darstellung bewegten Lebens, der Handlungen. Auf dieser hohen Stufe erscheint die kölnische Kunst bereits in den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts, wofür das sogenannte «Dombild» zeugt, ein dreiteiliges Altargemälde, das für die 1426 gestiftete Rathauskapelle bestimmt war. (Fig. 383.)
Stephan Lochner. Dieses bedeutsame Werk wird dem Meister Stephan Lochner zugeschrieben, der aus Meersburg am Bodensee stammte und 1451 starb. Ebenso wenig wie bei Meister Wilhelm lassen sich mit zweifelloser Sicherheit die Arbeiten Lochners feststellen, und sein Name mag denn auch mehr als Vertreter der Kunstweise seiner Zeit zu betrachten sein. Schon diese Gruppe läßt das Fortschreiten zu größerer Wirklichkeitstreue erkennen, welches in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts immer deutlicher hervortritt. Es geschah dies unter dem mächtigen Einflüsse der niederländischen Malerei, welche seit 1420 mit aller Entschiedenheit auf «Naturwahrheit» ausgegangen war und mit allen bis-
^[Abb.: Fig. 379. Carpaccio: Abreise der Verlobten.
(Aus der Geschichte der hl. Ursula.) Venedig. Akademie.] ¶