Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03205.jsonl.gz/1227

Ominöse Bitcoin-Milliarde: Hinter der Transaktion stecken US-Behörden6. November 2020 um 11:58
Plötzlich wechselte ein Wallet mit Bitcoins im Wert von rund einer Milliarde Dollar den Besitzer. Nun scheint das Rätsel gelöst.
Am 3. November 2020 wurden von einem passwortgeschützten Bitcoin-Wallet 69'370 Bitcoins transferiert. Dies entspricht einem Wert von rund einer Milliarde US-Dollar. Laut dem Analysedienst Elliptic soll dies das viertgrösste Bitcoin-Guthaben überhaupt sein, welches auf einer einzelnen Adresse parkiert war.
Tom Robinson, Mitbegründer von Elliptic, erklärte daraufhin unter anderem der 'BBC': "Die Analyse zeigt, dass diese Bitcoins aus einer Brieftasche stammten, die 2012 mit Silk Road verbunden war." Silk Road war ein Online-Schwarzmarkt für Drogen, Geldwäscherei, gestohlene Daten und mehr, der 2013 von den US-Behörden geschlossen wurde. Ross Ulbricht, der Erstbetreiber von Silk Road, sitzt seither eine Haftstrafe von zweimal lebenslänglich ab.
Ross Ulbricht.
Nun begannen die Spekulationen: Hatte Ulbricht das Wallet-Passwort an jemanden weitergegeben? Konnten bis jetzt unbekannte Silk-Road-Mittäter darauf zugreifen? Wurde das Konto gehackt?
Am 5. November gab dann das US-Justizministerium laut 'Reuters' bekannt, "Bitcoins im Wert von über einer Milliarde Dollar" beschlagnahmt zu haben. Diese stünden tatsächlich in Zusammenhang mit Silk Road. Die Behörden erklärten, sie würden die Kryptowährung einziehen wollen. Die Bitcoins hätten sich im Besitz eines nicht namentlich genannten Hackers befunden, der sie von Silk Road gestohlen habe.
Die offene Milliarden-Dollar-Frage
"Silk Road war der berüchtigtste kriminelle Online-Marktplatz seiner Zeit", wird der US-Staatsanwalt David Anderson in einer in San Francisco veröffentlichten Medienmitteilung laut 'CBS' zitiert. "Die erfolgreiche Strafverfolgung des Gründers (Ross Ulbricht) von Silk Road im Jahr 2015 liess eine Milliarden-Dollar-Frage offen. Wohin ging das Geld? Die heutige Beschlagnahmung beantwortet diese offene Frage zumindest teilweise. Eine Milliarde Dollar dieser kriminellen Erträge befinden sich jetzt im Besitz der Vereinigten Staaten."
Gemäss den US-Behörden hatte die Adresse, auf welche die Bitcoins verschoben wurden, nicht Ulbricht gehört, sondern dem unbekannten Hacker. Mithilfe des Blockchain-Analysten Chainalysis hätten Ermittler der US-Steuerbehörde IRS 54 Transaktionen gefunden, bei denen mehr als 70'000 Bitcoins zwischen 2012 und 2013 von Adressen von Silk Road auf andere Adressen verschoben wurden.
Der Weg der Bitcoins seit 2012. Grafik: Chainalysis
Keine dieser Transaktionen sei in Protokollen von Silk Road als Käufe oder Abhebungen von Verkäufern aufgetaucht. Dies deute darauf hin, dass es sich wahrscheinlich um das Werk des Hackers handelte, der die gestohlene Beute transferierte. Die Bitcoins hatten damals einen Wert von umgerechnet 354'000 US-Dollar.
In einem Blogbeitrag schreibt Chainalysis: "Im Jahr 2015 liquidierte die Person X einen Teil der gestohlenen Gelder bei BTC-e, einer Krypto-Umtauschstelle, die 2017 von den US-Behörden wegen Geldwäsche geschlossen wurde. Aber der Grossteil der gestohlenen Gelder befand sich im Wallet von Person X, während der Preis von Bitcoin stieg. Bis zu dieser Woche, als sie beschlagnahmt und in ein Wallet der US-Regierung transferiert wurden."
Loading
Europol warnt vor den dunklen Seiten von ChatGPT und Co.
Die europäische Polizeibehörde möchte das öffentliche Bewusstsein über Missbrauchsmöglichkeiten von KI erhöhen.
Über 33'000 digitale Straftaten in der Schweiz
Ein Grossteil sind Fälle von Wirtschaftskriminalität im Cyberraum. Die Phishing-Attacken haben sich erneut fast verdoppelt.
Ransomware-Banden belästigen ihre Opfer immer häufiger
Cyberkriminelle setzen ihre Opfer immer mehr unter Druck, um sie zu Lösegeldzahlungen zu bewegen, zeigt eine neue Studie von Palo Alto Networks.
"Früher machte man einfach die Türe zu und war sicher"
Gil Shwed ist CEO des Security-Unternehmens Check Point. Im Interview erklärt der Veteran, was sich in den letzten 30 Jahren verändert hat und wie es in der Schweiz läuft.