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Über Ella Fitzgeralds Leben wurde schon viel geschrieben, und auch diverse TV-Stationen ehrten sie an ihrem Geburtstag: Die Geschichten über ihre nicht eben einfache Kindheit und ihre entsprechend komplizierten Jugendjahre sowie ihre erste (später annullierte) Ehe mit einem Drogendealer sollen nicht von dem wesentlichen ablenken: Ella war, ist und bleibt als Sängerin, aber auch als Mensch, einmalig.
Es ist nicht nur ihre klare, bis ins hohe Alter mädchenhaft wirkende, unverwechselbare Stimme; es ist viel mehr! Zum Beispiel die Art, wie sie Liedertexte zum Leben erweckte, mit ihrer Interpretation diesen Texten Sinn gab, Stimmungen schaffte, mit ihren Scats swingende Glücksgefühle erzeugte, aber auch vielen Balladen die nötige Tiefe verlieh, ohne je billig oder schnulzig zu wirken.
Zwei Grammys
Von den über 50 Alben, die sie im Laufe ihrer Karriere besungen hat, ist nach wie vor das meistverkaufte "Ella in Berlin" oder eben "Mack the Knife", wie es später umgetauft worden war, bestimmt nicht zuletzt wegen der zwei Grammys, die Ella für ihre "Mack the Knife"-Version 1960 verliehen wurden.
Kurzversion
Die hier besprochene HiRes-Version ist eine "veredelte" Version der Original LP, die (aus technischen Gründen) nur rund 35 Minuten des Konzertmitschnitts enthielt. Eigentlich schade, denn schon 1993 veröffentlichte Polygram unter dem Titel "The Complete Ella in Berlin: Mack the Knife" eine "Remastered"-CD dieses denkwürdigen Konzerts vom 13. Februar 1960 in der Deutschlandhalle in Berlin, die vier weitere Stücke enthält und beinahe 14 Minuten länger Freude bereitet.
Sound
Der direkte Vergleich der "Complete Ella in Berlin"-CD und der neusten HiRes-(Kurz-)Version zeigt, dass die Originalaufnahmen nochmals überarbeitet wurden. Vor allem bei den Becken ist der Unterschied offensichtlich: Hier klingen sie natürlicher, wirken auf der CD etwas zu spitz; der Gesamtklang ist nun ohne Transparenzverlust etwas weicher, runder, angenehmer geworden – ein geschmackvolles, gelungenes Remastering.
Brillante Musiker
Nicht zuletzt dank Norman Granz, der über viele Jahre ihr musikalisches Schicksal steuerte, hatte Ella Fitzgerald stets erstklassige Begleitmusiker um sich. Und während man bei Pianisten wie Tommy Flanagan, Lou Levy oder Oscar Peterson anerkennend nickt, war für mich (damals) Paul Smith eine unbekannte Grösse. Und dabei konnte der 2013 verstorbene Pianist, der (meiner Ansicht nach) dem Berlin-Konzert eine zusätzliche Note von Unbeschwertheit, ein "Let’s have fun"- Gefühl verleiht, auf eine lange, erfolgreiche Karriere zurückblicken, in der er jedoch nur ganz selten eine Produktion unter eigenem Namen veröffentlichte, meist als aussergewöhnlich anpassungsfähiger Tastenmann Leuten wie Anita O’Day, Dinah Shore und Mel Tormé harmonisch unter die Arme griff. Deshalb sei dem 1922 geborenen Kalifornier hier ein zusätzliches Kränzchen gewunden.
Alles in allem
"Ella in Berlin" ist eines der Alben, die man sich immer wieder zu Gemüte führen kann, die nie verleiden und immer wieder für Überraschungen sorgen. Die Stimmung dieser Live-Aufzeichnung, die Wahl der Songs sowie die Qualität der Interpretationen sind aussergewöhnlich.
Doch danach hatte ich echt Lust auf mehr Ella, auf "Ella in Rome" auf "Twelve Nights in Hollywood", aber auch auf "Ella Fitzgerald Sings Cole Porter". Ich glaube, es ist wieder mal Zeit für ein swingend-entspanntes Wochenende mit Ella.