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Die Städte des Westens sind gezähmte Städte und erzählen nur noch einen kleinen Ausschnitt des Lebens. Umfassende Städte findet man in den Filmen von Wong Kar-Wai oder Wayne Wang. Eine Hand streckt eine Raubkopie von Twenty Four in die vorüberziehende Menschenmasse, in der feuchtheissen Luft hängt der Duft von Yasminblüten, undichter Kanalisation und scharfem Essen. Ein Luxuswagen westlicher Bauart pflügt sich durch das knöcheltiefe Wasser des letzten Monsunregens. Neonlicht in allen Farben verdrängt das warme Licht der Garküchen mit ihren Kohlefeuern. Der Lärm ist konstant und verschwindet schnell unter der Wahrnehmungsschwelle; die Strassen sind voll von Körpern und Blicken.
Chinese Box von Wayne Wang erzählt die Liebe eines Mannes zu einer Stadt und einer Frau. Keine von beiden kann er wirklich kriegen; nur in Fragmenten wird die Sehnsucht nach Leben gestillt, und der Preis ist der Tod. Die Stadt zieht ihn zurück ins Chaos und erfüllt die Sehnsucht nach Auflösung. Was einst die Natur tat, als der Mensch noch nicht von ihr getrennt war, vollbringt heute die Stadt; zu tief, zu unergründlich, zu dicht, als dass wir sie erfassen könnten. Am Ende liegt Jeremy Irons im Hafen von Hongkong und filmt seinen eigenen Übergang zurück in den Schlund der Stadt.