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Bollettino dell'Alpinista
Die Gesellschaft der Tridentiner Alpinisten fährt fort, in der Weise, auf die ich schon wiederholt in diesem Jahrbuch ( siehe z.B. XLIII, pag. 433 ) hingewiesen habe, durch ihr Bollettino und durch Unterstützung ähnlicher privater Publikationen sich gegen die germanische Invasion zu wehren. Ja, sie kehrt gelegentlich den Spieß um. So ist es offenbar Attacke, wenn seit 1906 das von Prof. Ettore Tolomei redigierte ( und im Bollettino der S. A. T. lebhaft sekundierte ) Archivio per l' Alta Adige con Ampezzo e Lìvinallongo daran geht, das Gebiet der oberen Etsch mit ihren Zuflüssen vom Brenner abwärts bis zu den Grenzen des Trentino bei Lerno ebenfalls für die italienische Rasse in Anspruch zu nehmen und dem Deutschtum, welches sich hier seit Jahrhunderten im sicheren Besitz wähnte, auf Grund historischer Forschung zu entreißen. Dem gleichen Zweck dient auch der Artikel „ Questioni toponomastiche " im Bollettino nos 4-5 von 1908, der prinzipielle Bedeutung und einen gewissen Wert auch für uns hat. In der Frage der Rechtschreibung Orties ( ursprünglich Orteies ) oder Ortler sind die Dokumente unstreitig für die erstere Form, aber die offizielle Schreibweise der Karten und der Literatur hat nun die letztere so zur orthodoxen gemacht, daß dagegen nicht mehr aufzukommen ist. Und unstreitig wäre der deutsche Name ^Zufallhütte " für „ Rifugio del Cevedale " auf italienischem Sprachgebiet und auf italienischen Karten widersinnig, aber erstens ist „ Zufall " alte Verdeutschung für Cevedale auf der nun deutschsprachlichen Seite des Bergstockes und dann ist „ Rifugio del Cevedale " schon für eine Hütte der Tridentiner Alpinisten auf der andern ( italienischen ) Seite des Gebirgsstockes in Anspruch genommen. Auch der Name Königsspitze, den schon der erste Ersteiger P. Corbinian Steinberger, neben dem italienischen Zebru, braucht, wird auf deutschen Karten besser beibehalten, wenn auch den Italienern nicht benommen werden soll, ihn mit Gran Zebru von dem Kleinen Zebru zu unterscheiden. „ Giogo Alto " für Hochjoch oder „ Passo del Lago gelato " für „ Eisseepaß " würden auch keine glücklichen Neuerungen sein, aber es bleibt zu bedauern, daß die Sektionen des D. & Ö.A.V. durchgehends, auch auf italienischem oder ladinischem Sprachgebiet, die Gewohnheit angenommen haben, ihren Hütten die Namen der erbauenden Sektionen, die dem Leser über die geographische Lage gar nichts sagen, anzuhängen. So verbindet sich mit Bambergerhütte, Sachsendankhütte, Reichenbergerhütte keinerlei topographische Vorstellung, während wir mit Rifugio di Boë, del Nuvolàu, della Croda di Lago in dieser Beziehung besser dran sind. Und den Anfängen dieser Richtung in den Schweizeralpen sollten wir wehren und bei unserm geographischen Prinzip bleiben, wo nicht die Pietät eine persönliche Namensform entschuldigt. Aus dem übrigen Inhalt des Bollettino notiere ich nur die hochtouristischen Artikel: Attraverso il gruppo del Cevedale, von Dr. Vittorio Stenico; Natale sulla Presanella, von Mario Scotoni; La Cima Vegaia, von Dr. A. Gallina; Escursioni varie ( Campanile Letter, Sass Maor, Cima della Madonna ), von Margherita Taler-Costa; Cima d' Asta, von Mario Scotoni; Tosa-Paganella, von C. M.; Paganella, la direttissima d' inverno, von Mario Scotoni, und den historisch rückblickenden Artikel: Appunti turistici sulF epoca del Concilio di Trento, von Prof. Andrea Galanti, wobei ich nicht bestreiten will, daß nicht auch die viel Raum einnehmenden Berichte über die Kongresse der Tridentiner Alpinisten, des C.A.I., des Polisportivo di Trento, der Stazione universitaria del C. A. L, oder über die Inauguration von Hütten gelegentlich großes alpines Interesse bieten. Die Illustration des Bollettino ist reichlicher und besser als früher.Redaktion.