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(Depechen, franz., v. ital.
dispaccio), amtliche Schreiben, welche zwischen dem
Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten und den ihm unterstellten
diplomatischen
Agenten gewechselt werden; sie sind eigentlich von der einen Seite die fortlaufenden Ergänzungen der
Instruktionen
und von der andernBerichte.
Fremden diplomatischen
Agenten stellt man nicht Depeschen, sondern
Noten zu. Den
Namen
haben die Depeschen von der
Notwendigkeit ihrer schleunigen Besorgung. Im weitern
Sinn versteht man unter Depeschen überhaupt Zufertigungen
von Wichtigkeit, die durch
Kuriere oder sonst auf schleunigem Weg befördert werden.
Geheime Mitteilungen werden vielfach in
Geheimschrift depeschiert (chiffrierte Depeschen). Mit Rücksicht auf die schnelle Beförderung
hat man den
Namen der Depeschen schlechtweg auf die
Telegrammeübertragen (telegraphische Depeschen); daher depeschieren, eilig befördern,
absenden (besonders
Telegramme).
diejenige Art der
Verbannung, wobei der Bestrafte an einen bestimmten
Ort verwiesen und mehr oder minder in seiner
Freiheit
beschränkt wird. Diese unter den ersten römischen
Kaisern aufgekommene Art des
Exils bestand darin, daß nicht
ein allgemeiner
Bann ausgesprochen (aquae et ignis interdictio), sondern eine Stadt oder bestimmte
Insel (deportatio in insulam),
die wenigstens 50,000
Schritt (10 geogr.
Meilen) vom festen Land entfernt liegen mußte, auch nicht
Kos, Rhodus,
Lesbos oder
Sardinien
[* 10] sein durfte, oder sonst ein entlegener, meist überseeischer
Ort dem Verurteilten als Aufenthaltsort
angewiesen wurde.
keins seiner bürgerlichen Rechte, darf sich nach seinem Gefallen beschäftigen und sich in einem bestimmten Umkreis frei bewegen.
Doch steht er unter der Aufsicht des Bürgermeisters, der auch die Briefe einsieht, welche der Verbannte in die Heimat schreibt.
Unter dieser Klasse befinden sich die meisten der wegen politischer Vergehen Verurteilten. Der den Bataillonen
zugeteilte Verbannte steht unter einer strengen Disziplin, hat aber ebenfalls die Vergünstigung, unter der Aufsicht seiner
Vorgesetzten Briefe in die Heimat schreiben und solche von daher empfangen zu dürfen.
Auch erhält der Verurteilte, wenn ihm seinem Stand nach keine Arbeit zugemutet werden kann und er mittellos ist,
von der Regierung ein Jahrgeld. Die dritte Klasse, die der Kolonisten (Poselentzi), entrichtet in den ersten drei Jahren keine
Abgabe, in den folgenden sieben Jahren nur die Hälfte, und erst nach Verlauf von zehn Jahren ist sie denselben Auflagen unterworfen
wie die Kronbauern, erlangt aber auch dieselben Rechte. Die vierte Klasse, die der Bergwerksarbeiter, ist
rechtlos und steht vollständig außer dem Gesetz.
Die anstrengende Arbeit, schlechte Kost und üble Behandlung machen dem Leben dieser Elenden ein baldiges Ende. Die fünfte Klasse,
die der Arrestantenkompanien, wird in den Zuchthäusern zu den niedrigsten und entehrendsten Arbeiten gebraucht, geht fortwährend
in Ketten und trägt den Kopf halb geschoren. Der Verbrecher kann durch gutes Betragen von einer Klasse
zur andern aufrücken, bis er als Kolonist zu einem Wohlsein gelangt, das größer ist, als das der frühern Leibeignen Rußlands.
Während der Kriege des ersten Kaiserreichs hinderte jedoch die Unterbrechung desVerkehrs mit den Kolonien die Ausführung der
Deportation, und an die Stelle derselben trat lebenslängliche Detention des Verurteilten im Inland. Bei der Revision des Code pénal 1832 wurde
dieser thatsächliche Zustand, welcher bis dahin fortbestanden hatte, zu einem rechtlichen gestaltet.
Die Deportation nach den Kolonien wurde indessen durch Gesetz vom wieder in das Strafsystem aufgenommen, und zwar unterschied
man nunmehr zwischen Deportation ersten und zweiten Grades.
Die erstere wird an einem sicher umschlossenen überseeischen Orte (dans une enceinte fortifiée) verbüßt.
Hierzu war das Thal
[* 12] von Waitahu auf der im Markesasarchipel gelegenen Insel Tahuata bestimmt. Die Déportation simple, bei
mildernden Umständen und geringern Verbrechen anwendbar, sollte auf der InselNukahiwa vollstreckt werden. Die Sträflinge
sollten nicht der strengen Aufsicht unterliegen wie bei der Deportation ersten Grades. Indessen wurde die Deportation nach
Algerien
[* 13] und später nach Guayana (Hauptstadt Cayenne) vorgezogen.
Verschiedene Dekrete dehnten die Strafe aus, welche namentlich auch auf politische Verbrechen Anwendung fand. Die Nebenstrafe
des bürgerlichen Todes dagegen, welche bis dahin mit der Deportation verbunden gewesen war, wurde durch das Deportationsgesetz
vom beseitigt. Was aber die Sache für Frankreich so unklar und schwierig machte, ist der Umstand,
daß neben der Deportation als Strafe noch
die sogen. Transportation als eine Maßregel der allgemeinen Sicherheit gehandhabt
und nicht selten gemißbraucht ward.
Man verstand darunter die Wegsendung politisch verdächtiger und der Sicherheit gefährlicher Individuen. Endlich wurden
auch gemeine Verbrecher transportiert, um die Strafe der Zwangsarbeit in französischen Kolonien zu verbüßen. Durch Dekret
vom wurde Neukaledonien
[* 14] zum Vollstreckungsort für die Transportation bestimmt. Inzwischen hatte ein Gesetz vom die
Deportationsstrafe für alle Transportierten angedroht, welche eigenmächtig nach Frankreich zurückkehren würden.
Der Aufstand der Kommune 1871 ließ die Deportation als politische Strafe wieder aufleben. Das Gesetz vom bezeichnete
Neukaledonien als Deportationsort. Dazu kamen verschiedene Ausführungsbestimmungen, namentlich die Anordnung, daß bei der
einfachen Deportation der Deportierte einen Erlaubnisschein zu gewerblicher und landwirtschaftlicher Thätigkeit,
zunächst nur provisorisch, nach fünf Jahren aber definitiv, erhält. Neuerdings hat man die Deportation als Strafe
gegen rückfällige Verbrecher sanktioniert.
Nachdem sich aber die erstgenannten Kolonien vom Mutterland losgerissen hatten, wurde Neusüdwales in Australien
[* 17] als Verbannungsort
gewählt, welches alle Vorteile, die anderwärts fehlten, zu vereinigen schien. Die Hauptzwecke der britischen Regierung bei
der Gründung der Kolonie von Neusüdwales waren folgende: das Mutterland von der Plage einer täglich zunehmenden
Anhäufung von Verbrechern in den Gefängnissen und Zuchthäusern zu befreien;
einen passenden Ort für die sichere Bewachung
und die Bestrafung dieser Verbrecher wie auch für deren spätere und allmähliche Besserung zu
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