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Der frühere sowjetische Oberstleutnant Stanislaw Petrow ist mit dem Dresdner Friedenspreis ausgezeichnet worden.
Der heutige Rentner bekommt die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung, weil er in der Nacht vom 25. zum 26. September 1983 wohl einen Dritten Weltkrieg verhindert hat. Bei der Preisverleihung sagte ZDF-Moderator Claus Kleber in seiner Laudatio, Petrow habe es gewagt, sein persönliches Urteil über das eines Computers zu stellen und damit eine atomare Katastrophe verhindert. Der heute 73-jährige hatte gegen alle Vorschriften nicht den Abschuss-Knopf für Atomraketen betätigt, als ein Alarm den Start von US-Nuklearwaffen Richtung Sowjetunion meldete. Stattdessen ging er von einem Fehlalarm aus, was sich später als richtig herausstellte.
Mit dem “Dresden-Preis” werden Persönlichkeiten ausgezeichnet, die Eskalationen verhindern wollten. Er wird jährlich am 13. Februar verliehen, dem Gedenktages an die Zerstörung Dresdens im Februar 1945.
Quelle:
http://wissen.dradio.de/nachrichten.58.de.html?drn:news_id=191994
Kommentar & Ergänzung:
Dieser Preis für Stanislav Petrow war überfällig. Dass eine Militärperson unter hohem Zeitdruck nicht einfach blind auf Vorschriften und Computerprogramme baut, sondern diese selbständig denkend in Frage stellt, ist nicht selbstverständlich. Unser aller Leben wäre vielleicht sehr anders verlaufen – kürzer, schwieriger – wenn sich Petrow konform mit seinen Vorschriften verhalten hätte.
Auch wenn die Auslösung des atomaren Gegenschlages letzlich vom sowjetischen Oberkommando und von der Staatsführung hätten angeordnet werden müssen, war die Situation höchst riskant. Unter absolutem Zeitdruck und mitten in der Nacht hätten diese Instanzen kaum Spielraum gehabt, die Lage zu prüfen und hätten daher vielleich reflexartig gehandelt.
Mir lief es jedenfalls kalt den Rücken hinunter, als ich vor ein paar Jahren von diesem Vorfall erfuhr. Glück gehabt. Und vielen Dank an Petrow.
Hier die Beschreibung des Ereignisses auf Wikipedia:
„Kurz nach Mitternacht des 26. September 1983 meldete der Computer eine auf die Sowjetunion anfliegende US-amerikanische Atomrakete. Petrow schlussfolgerte die Unwahrscheinlichkeit eines mit einer einzelnen Rakete durchgeführten Erstschlages, da der massive Gegenschlag die totale Auslöschung des Aggressors bedeuten würde. Zusätzlich war die Verlässlichkeit des Satellitensystems (Kosmos 1382) zuvor mehrfach in Frage gestellt worden. Auf Satellitenbildern der US-Militärbasis konnte Petrow keine Rakete erkennen; da die Basis zu dem Zeitpunkt genau auf der Tag-Nacht-Grenze lag, hatten die Bilder jedoch nur eingeschränkte Aussagekraft. Petrow meldete der Militärführung einen Fehlalarm.
Kurze Zeit später meldete das Computersystem eine zweite, dritte, vierte und fünfte abgefeuerte Rakete. Petrow glaubte weiterhin an einen Falschalarm, hatte jedoch keinerlei andere Quellen, um seine Vermutung zu überprüfen. Die Reichweite des landgestützten sowjetischen Radars war dermaßen kurz, dass es zum Entdeckungszeitpunkt bereits zu spät gewesen wäre.
Unter derart erheblichem Druck stehend, blieb Petrow aber bei der Entscheidung, die Informationen, die zu einem Gegenangriff geführt hätten, nicht weiterzuleiten. Er setzte weiterhin auf einen Computerfehler, im Bewusstsein, dass im Falle eines Irrtums seinerseits umgehend Dutzende nukleare Sprengköpfe über seinem Heimatland niedergehen würden. Da das Satellitensystem aber nur fünf abgefeuerte Raketen meldete, ging er von einem Falschalarm aus. Ein tatsächlicher Angriff hätte seiner Ansicht nach mit deutlich mehr Waffen stattfinden müssen.
Kurz danach an diesem Morgen stellte sich heraus, dass Petrows Einschätzungen richtig waren – das satellitengestützte sowjetische Frühwarnsystem hatte Sonnenreflexionen auf Wolken in der Nähe der Malmstrom Air Force Base in Montana, wo auch US-amerikanische Interkontinentalraketen stationiert waren, als Raketenstarts fehlinterpretiert. Auch wenn den Befehl zum Gegenschlag letztlich noch das sowjetische Oberkommando und die Staatsführung hätten anordnen müssen, hatte Petrow durch sein umsichtiges Verhalten die hierarchische Kettenreaktion bis zu einem möglichen Nuklearkrieg rechtzeitig unterbrochen.“
Hier die vorgängigen Träger des Dresdner Friedenspreises:
2010: Michail Gorbatschow, früherer Präsident der Sowjetunion
2011: Daniel Barenboim, Dirigent und Pianist
2012: James Nachtwey, Kriegsfotograf
Ausserdem:
Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.
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Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
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