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Saison 1944/45: Hintere Reihe (von links nach rechts): Werner Sterchi, Max Aebersold, Kurt Gutmann, Hans Kunz, Jakob Dolder, Ernst Moser, Fritz Rytz, Ernst Aeschbach, Emil Bohnenblust. Vordere Reihe (von links nach rechts): Willy Bühlmann, Walter Aebersold, Fritz Kunz, Peter Gfeller.
Aus der Vereingeschichte des EHC WIKI-Münsingen
"Vor und während der Gründungszeit"
Man kann sich auch heute noch streiten, welcher der beiden Vereine der ältere ist: Der HC Kirchdorf oder der SC Wichtrach. Stützt man sich jedoch auf die erhaltenen Originaldokumente ab, dann wurde der HC Kirchdorf am 13. Dezember 1941 gegründet, der Schlittschuh-Club Wichtrach am 7. November 1942.
In der Tat und Wahrheit verfügen aber die Wichtracher doch über eine etwas längere Vereinstradition, geht doch die eigentliche Gründung des SCW ursprünglich auf eine Luftgewehr-Schützengesellschaft zurück, die etwa um 1937/38 herum entstanden sein mag. Persönlich kann sich der Chronist jedenfalls an zwei Ausschiesset zurückerinnern, die jeweils im Herbst in der Kegegelbahn des Restaurants Bahnhof damals noch Oberwichtrach stattfanden. Als sportlicher Ausgleich wurden in den Sommermonaten in der Grube bei der Zimmerei Rytz Velorennen veranstaltet, die unter dem Motto "Mercedes gegen Auto-Union" in Szene gingen.
Diese waren damals in ausgeprägten Mass vom Berner Grand Prix beeinflusst. Die Rennen wurden jeweils mit viel Engagement gefahren; Stürze, zerschundene Arme oder Beine, nebst zerissenen Hosen, waren an der Tagesordnung und gehörten schon eigentlich schon fast zum "guten Ton".
Im Gegensatz dazu liegt die Geschichte der Gründungsphase in Kirchdorf wohl eher im Dunkeln. Doch plötzlich und ohne eigentliche "Vorwarnung" gab es da einen Hockey-Club, praktisch aus dem Nichts entstanden, eine für damalige Verhältnisse nahezu revolutionäre Entwicklung in ländlicher Abgeschiedenheit, in der, nebst dem Schiessen, Turnen, Hornussen oder Platzgern, für andere sportliche Aktivitäten kaum Platz vorhanden war. Eindeutig steht aber fest, dass der "Eishockey-Funke" von Kirchdorf her auf die Wichtracher übersprang und zündete...
Den Entscheid, uns Wichtrach ebenfalls dem Eishockey zu verschreiben ( damals in einem Bauerndorf ein "unfassbarer" Gedanke ) wurde anlässlich einer denkwürdigen Sitzung in der Waschküche der Familie Wyler am Fröschenmöösliweg gefällt. Initiant und eigentlicher "Vater" der Wichtracher Eishockeybewegung war Hans Wyler, der einzige übrigens, der damals schon richtige Eishockey-Schlittschuhe ( Marke "Bibi Spezial" ) besass. Den anderen standen lediglich die sogenanneten Absatzmörder zur Verfügung. Was die übrigen Ausrüstungsgegenstände anbelangte, da setzte die Phantasie keine Grenzen. Etwa mit Filz gepolsterte Turnhosen oder Zeitungsbündel als Beinschoner. Das Fröschenmöösli war damals der eigentliche Mittelpunkt der Welt, bevor wir uns auf den Gerzensee wagten und die Domäne der Kirchdorfer ins Wanken brachten. Erstaunt mussten wir feststellen, dass die Kirchdorfer bereits über richtige Tore verfügten ( das Drahtgeflecht soll, so behaupteten böse Zungen, in einer gezielten Nacht- und Nebelaktion "organisiert worden sein ). Als Banden dienten ausgemusterte Telefonstangen.
Im Zusammenhang mit der Gründungseuphorie in beiden Dörfern drängt sich die Frage auf, aus welchen Gründen auch immer wir uns damals dem Eishockey zuwandten. Mag sein, dass das Eishockey eine Sportart verkörperte, die auf uns bezogen - dem dmaligen Zeitgeist entsprach. Eishockey ist ein Phänomen. Es ist das schnellst aller Spiele, es ist auch das härteste. Kein Sport für allzu Sensible, kein Spiel für Zartbesaitete, ein Spiel für Männer, die noch Männer sind. Aber kein Spiel für Männer ohne Disziplin. Eishockey: Ein ritterliches Spiel, vielleicht eines der ritterlichsten überhaupt. Es verlangt ein enormes Mass an Selbstzucht, an Fairness. Es verlangt den ritterlichen Handschlag nach dem Spiel. Dazu kam, dass unser Land, die Nationalmannschaft, dank den berühmten "ni-und er-Sturmformationen" uns Jugendliche begeisterte, mitriss. Ihnen wollten wir nacheifern...
Dies mögen die Gründe sein, die damals bewogen haben, sich voll und ganz dieser Sportart zu verschreiben. Doch der jugendliche Enthusiasmus stiess damals in der Dorfbevölkerung während der Grundungsphase auf wenig Verständnis und Gegenliebe. Diese ablehnende Haltung, vorab in der Gemeinde Oberwichtrach, stärkte aber unser Zusammengehörigkeitsgefühl, die Bereitschaft zum Durchhalten, förderte die jugendliche Trotzreaktion um Anerkennung und Gleichberechtigung in der dörflichen Vereinsgemeinschaft. Und dieser Durchhaltewille sollte sich, wenn auch erst viele Jahre später, voll auszahlen. Heute gehört der EHC WIKI-Münsingen zu den etablierten Vereinen in der Dorfgemeinschat, in der Region.
Doch kehren wir zurück zu den Anfängen. Die Jahre 1941 bis 1943 standen ausnahmslos im Zeichen einer ausgeprägten sportlichen Rivalität zwischen dem HC Kirchdorf und dem SC Wichtrach um die Vormachtstellung im Eishockey in der Region Aaretal. Der HCK spielte gegen den SCW und umgekehrt, vorab auf dem Gerzensee und in der Regel unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Glücklicherweise wurden damals von diesen Spielen weder Protokolle noch Ranglisten erstellt. So kann heute keiner behaupten, sein Club sei der bessere gewesen. Im administrativen Bereich waren die Wichtracher aktiver als die Kirchdorfer. Im Jahre 1943 traten Sie erstmals mit einem Filmabend im Gasthof Kreuz in Oberwichtrach vor die Öffentlichkeit. Die Filmvorführung "Ein Volk fährt Ski", nebst drei weiteren Filmen als Rahmenprogramm, fand praktisch vor leeren Reihen statt. Und das an sich bescheidene Defizit musst durch die Eltern abgedeckt werden.
Zwischen den einzelenen Mitgliedern der beiden Vereine bestanden seit jeher freundschaftliche Bande und es war eigentlich naheliegend, dass man sich schon recht bald über einen möglichen Zusammenschluss machte. Und doch schien alles in letzter Minute an einem einzigen Punkt zu scheitern: Der Namensgebung eines vereinten Vereins. Die Wichtracher sprachen sich gegen einen HC Kirchdorf aus, die Kirchdorfer gegen SC Wichtrach. Das hatte seinen guten Grund: Beide Vereine waren eigenständig, traditionsbewusst, was die Fusionsverhandlungen zäh und langatmig werden liess.
Endlich am 29. April 1944, war es dann sowei: Der HC Kirchdorf und der SC Wichtrach schlossen sich zu einem neuen Verein zusammen. Zündstoff beinhaltete lediglich, wie bereits angedeutet, die Nammensgebung. Dieses Traktandum gab übermässig viel zu reden. Neutrale Vereinsnamen in allen nur erdenklichen Varianten stiessen auf taube Ohren, hüben wie drüben. Doch dann, es mag so gegen Mitternacht gewesen sein, hatte der Kirchdorfer Captain Walter Aebersold die zündende, erlösende Idee; " Wir nehmen von beiden Ortsbezeichnungen die ersten beiden Buchstaben WI von Wichtrach und KI von Kirchdorf. Somit war der neue Clubname "WIKI" in seiner Kurzform geboren!