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Small Cities - Big Buildings. Oder: Drei Grosse in der kleinen Stadt
Drei Grosse - Richard Burdett, Winy Maas und Jacques Herzog - hielten einen Vortrag. Anschliessend moderierte Judith Solt ein Podiumsgespräch zum Umgang mit grossen Projekten in (nicht nur) kleinen Städten.
«Small Cities - Big Buildings», lautete der Titel des von Architekturdialoge Basel organisierten Vortrags und der anschliessenden Podiumsdiskussion. Den Reigen der drei in englisch gehaltenen Key Lectures eröffnete Richard Burdett vom Urban Age Institut in London. Er erzählte am Beispiel der Olympischen Spiele, die diesen Sommer in London stattfinden, wie ein Grossereignis mit grossen Bauten dazu genutzt werden kann, in die «DNA» einer Stadt einzugreifen. Denn eigentlich bräuchte London, mit über 25 Millionen Besuchern pro Jahr, keine Olympischen Spiele, um attraktiver zu werden. In London werden die Spiele jedoch dazu genutzt, den traditionell armen Osten der Stadt aufzuwerten. Ein interessanter Aspekt: Wenn man in der Station «Westminster» in die U-Bahn steigt und nach Osten fährt, nimmt die Lebenserwartung pro Station um fast ein Jahr ab. Das Olympiagelände in Stratford liegt zehn Underground-Minuten von der City entfernt, doch keiner kennt's. Das soll sich ändern. Von den grossen Olympiabauten bleiben nur jene stehen, die auch gebraucht werden (4 Stück), alle andern (10 Stück) sind provisorisch erstellte Gebäude, die nach den Spielen abgebrochen werden. An ihrer Stelle gibt es Platz für die Entwicklung der Stadt.
Anschliessend setzte Winy Maas vom Rotterdamer Büro MVRDV zu einem Überflug an, wie man es sich von ihm gewohnt ist. Ein grosser leerer Block in Berlin, der entzweigeschnitten werden soll, war eine Station. Es folgte Oslo, wo der Grossbau einer Bank so aufgegliedert werden soll, dass er kleinteiliger wirkt als er ist und erst noch interessante Arbeitswelten bietet. Am Beispiel eines Lego-Modells demonstriere Maas das Prinzip seiner Frakturierung. Aber er zeigte auch ein Gegenbeispiel, die Bibliothek im Rotterdamer Quartier Spijkenisse («mit dem niedrigsten IQ der ganzen Niederlande»): Hier wird das als Bücherstapel konzipierte Gebäude von einer grossen Hülle umschlossen, die grösser wirkt, als die Bibliothek eigentlich ist. Lyon war eine weitere Station auf Maas' Reise, und schliesslich durfte natürlich auch der Schweiz-Bezug nicht fehlen: Superzürich rund um den See und - recht konkret - der Vorschlag für Basel, das Klybeck-Areal durch den Bau eines zweiten Rheinarms und einer dicht bebauten Insel zu einem attraktiven Stadtteil zu gestalten. «Manhattan?», fragte er rhetorisch. Nein, die Häuser sind vielleicht 60 Meter hoch, wirken in der kleinen Stadt einfach grösser.
Als dritter war Lokalmatador Jacques Herzog an der Reihe. Er sprach über Basel, begann aber in London. Er blendete zurück, wie der Wettbewerbsgewinn einen grossen Sprung für das Büro bedeutete. Er betonte, wie der grosse, grossartige Raum der Tate Modern an einem anderen Ort nicht einfach nur zu gross, sondern schlicht falsch wäre. Ensuite - Herzog betonte die Trinationalität Basels - liess er die Beschäftigung von Herzog & de Meuron mit Basel und der Region der letzten zwanzig, dreissig Jahre Revue passieren. Als Beispiele führte er das Dreispitzareal und das Novartis-Areal an. Etwas weiter holte er bei zwei mitunter eher umstrittenen Objekten aus: dem Roche-Areal und dem Neubau der Messe. Hier bettete Jacques Herzog das Projekt des 175-Meter-Turms von Roche und des grossen Messeneubaus in die Gesamtplanung der beiden für Basel wichtigen Areale ein.
In der anschliessenden Diskussion fragte Moderatorin und Tec21-Chefredaktorin Judith Solt, wie denn die Bevölkerung vom grösseren Massstab überzeugt werden könne. Insbesondere in einer demokratischen Gesellschaft und insbesondere in der eher antiurbanen Schweiz. Jacques Herzog sieht das Problem nicht nur in der Schweiz, sondern auch in weniger demokratischen Ländern. Er erzählt vom Beispiel einer Polizeistation in Hong-Kong, gegen die es heftig Opposition gab. Die Menschen hätten eben grundsätzlich Vorbehalte gegenüber Veränderungen. Ein Rezept gebe es nicht, die Auseinandersetzung mit einem Projekt sei ein langer Prozess, bei dem es nicht nur darum gehe, die öffentlich Meinung zu überzeugen, sondern auch sich selbst: «Bei der Messe mussten auch wir uns immer wieder selbst überzeugen».
Richard Burdett meinte, dass die Kommunikation in Sachen Architektur in den letzten Jahren einen grossen Wandel durchgemacht habe. Heute würden viele Aspekte eines Projektes vermittelt, man konfrontiere die Öffentlichkeit nicht mehr nur einfach mit dem grossen Entwurf.
Mit Blick auf MVRDVs Superzürich-Projekt meinte Jacques Herzog, dass dieses die Qualität der Schweiz zerstören würde, nämlich die (mit Ausnahme der Alpen) Absenz des grossen Massstabs. Er schätze die unterschiedlichen Orte mit ihren spezifischen Qualitäten. «Ich mag es auch, wenn es herzig ist». Maas erwiderte, dass man manchmal eben ein Projekt brauche, um zu sehen, was man nicht machen soll. Ausserdem gäbe es mit Superzürich mehr Platz für gemütliche Grünräume… Herzog plädierte dafür, rigoroser zu werden: Paris sei doch die schönste Stadt der Welt, dabei seien doch alle Gebäude praktisch gleich. Städtebau dürfe nicht ein Feld unbeschränkter Möglichkeiten sein.