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Das Verhältnis zwischen Huldrych Zwingli und Martin Luther ist immer wieder Gegenstand der reformationsgeschichtlichen Forschung gewesen. Die vergleichende Beschäftigung mit den beiden wichtigen Exponenten der reformatorischen Bewegung hat dabei sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede innerhalb der theologischen Positionen festgestellt und zu erklären versucht. Diesen Konvergenzen und Divergenzen geht die geplante Dissertation auf dem Gebiet der reformatorischen Ethik mit einer Fallstudie nach.
Während sich Zwingli 1523 mit der Unterscheidung zwischen göttlicher und menschlicher Gerechtigkeit grundlegend zu seinen (sozial-)ethischen Grundprinzipen sowie dem Verhältnis zwischen Evangelium und weltlicher Obrigkeit äußerte, legte Luther im gleichen Jahr in Form der Obrigkeitsschrift einen vergleichbaren Entwurf vor. Ein eingehender Vergleich dieser Schriften legt sich aufgrund der zeitlichen Nähe und aus sachlichen Gründen nah, da beide ausführliche exegetische und grundlegende Überlegungen zur Thematik darstellen. Ob diese Entwürfe aber von ähnlichen Grundeinsichten ausgehen oder ganz eigene Wege bei der theologischen Theoriebildung beschreiten, ist in der Forschung bislang umstritten. Angesichts der divergierenden Forschungsmeinungen ergibt sich daher das Desiderat, die Unterschiede und Parallelen zwischen den beiden Konzeptionen zu untersuchen und zu klären. Ziel des Dissertationsprojektes ist es, die Inhalte und das Proprium der beiden Konzeptionen herauszuarbeiten und damit einen schärferen Blick auf die theologische Ethik der beiden Reformatoren in ihrem spezifischen Bezugshorizont zu werfen.
Die Entstehung des Christentums ist verbunden mit innerchristlichen und interreligiösen Fragenkomplexen durch den Austausch mit und der Abgrenzung von seiner Umwelt. Diese Tendenzen sind aber nicht auf die Formationsepoche begrenzt. Vielmehr werden jene inhaltlichen Auseinandersetzungen auch im Mittelalter, unter anderen in literarischen Religionsdialogen, verarbeitet. Charakteristisch für diese Dialoge ist die literarisch fiktionale Konfrontation christlicher Akteure mit Vertretern anderen Glaubens oder anderer Weltansichten über philosophisch-theologische Fragestellungen. Dass diese Dialoge relevant für eine christliche Selbstvergewisserung waren bzw. heute noch sein können, wurde in der Forschung bisher kaum berücksichtigt. Im Rahmen des Dissertationsprojektes sollen daher die Zusammenhänge der Darstellung (expliziter oder impliziter) christlicher Identität aufgezeigt werden. Die hieran zu beobachtenden identitätsstiftenden Aspekte können Aufschluss über die Rolle interreligiöser Begegnungen für ein christliches Selbstverständnis geben. Methodisch wird dabei anhand der Quellen ein differenzierter Fragenkatalog erarbeitet, der verschiedene Perspektiven des Forschungsanliegens beleuchtet. Das methodische Vorgehen konzentriert sich dabei anhand der literarischen Analyse auf die Mehrdimensionalität der christlichen Selbstinszenierung und ihrer Identitätsstiftung und bringt sie mit Methoden der Quellenkritik in einen Zusammenhang. Die erörterte Fragestellung soll anhand multilateraler Religionsdialoge erarbeitet werden. Grundlegend sind dafür folgende mittelalterliche Religionsdialoge: Disputatio Iudaei et Christiani sowie Disputatio christiani cum gentili de fide Christi von Gilbert Crispin, Dialogus contra Iudaeos von Petrus Alfonsi und Collationes sive dialogus von Petrus Abaelard.
Betreuerin: Prof. Dr. Katharina Heyden
Eingereicht: 20.02.2020
Defensio: 05.06.2020
Die Bestimmung des Menschen (Johann Joachim Spalding) ist ein zentraler Arbeitsschwerpunkt in der intellektuellen Welt des 18. Jahrhunderts. In Philosophie, Theologie und Dichtung steht die Frage danach im Zentrum, was es mit dem Menschen auf sich hat und wie sich das Menschsein in aufgeklärten Zeiten neu beschreiben lässt. Für die Theologie bringt dies die Herausforderung mit sich, ihre überkommenen anthropologischen Deutungsmuster zu hinterfragen.
Gotthold Ephraim Lessing, Pfarrerssohn, gescheiterter Student der Theologie und Klassiker der deutschen Literatur ist Zeitgenosse dieser Umformung des christlichen Denkens (Emanuel Hirsch) und nimmt selbst an ihr teil. Das Dissertationsprojekt will sich Lessings Werk mit einer theologischen Perspektive nähern. Grundlegend ist die Wahrnehmung, dass theologische und religionsphilosophische Themen Lessing sein Leben lang beschäftigt haben und dass seine Texte religiös grundiert sind. Im Längsschnitt durch das vielgestaltige Werk sollen Aspekte seiner Anthropologie herausgearbeitet werden. Um dem episodischen und dialogischen Charakter der exemplarisch ausgewählten, zu analysierenden Texte gerecht zu werden, soll besonders die Zeit- und Ortsgebundenheit verschiedener Ideen sowie der Facettenreichtum seines Denkens ans Licht gestellt werden. Hierfür wird der ideengeschichtliche Kontext von Lessings Werken, der Denkraum, in dem er sich bewegte, ausführlich Berücksichtigung finden.
Als Leitfaden für die Untersuchung dienen der Sündenbegriff sowie das Dogma der Erbsünde. Während manche seiner Zeitgenossen gewillt sind, diesen harten Kern christlicher Selbstdeutungskultur (Georg Raatz) preiszugeben, bezieht Lessing Gehalte des Lehrstücks verschiedentlich in sein Werk ein. Auf diese Weise stellt er oft spielerisch nach wie vor gültige Aspekte der christlichen Sündenanthropologie heraus ohne traditionalistisch am Buchstaben von Schrift oder Dogma zu kleben. Hieran zeigen sich exemplarisch Lessings Perspektive auf den Menschen sowie seine Haltung gegenüber dem Christentum und sein Umgang mit dessen überkommenen Traditionsbeständen.
Gegenstand der geplanten Dissertation ist Gregor von Nazianzens Verständnis von Gottes unfassbarem Wesen und Gottes wahrnehmbarem Wirken.
Seit der Antike wird die christliche Theologie von einem Paradox bewegt: Einerseits gilt Gottes Wesen unfassbar und unerkennbar. Andererseits beschreiben Theologen es als zentralen Glaubensinhalt, dass der gänzlich transzendente Gott ins Immanente eintritt und durch sein Wirken erfahrbar wird. Die Gegensätzlichkeit der beiden Sachverhalte stellt ein logisches Problem dar, das Theologen zu einer Lösung herausfordert. Ein Versuch, innerhalb dieser Spannung sprachfähig zu werden, ist die Lehre vom Wesen und den Energien Gottes: Durch die Unterscheidung von Gottes unbegreifbarem Wesen und seinem erfahrbaren Wirken soll beides zusammen denk- und aussagbar gemacht werden.
In der Diskussion um die Unterscheidung von Wesen und Wirken Gottes kommt Gregor von Nazianz eine zentrale Rolle zu. So sieht z.B. der orthodoxe Theologe Ioannis Zizioulas den Ursprung einer christlichen Energienlehre bei ihm (Zizioulas, Being as Communion, 1985, S.91).
Anhand von ausgewählten Quellen soll herausgearbeitet werden, a) inwiefern die Unterscheidung von Gottes unbegreiflichem Wesen und Gottes erfahrbarem Wirken in Gregors Werk relevant ist und b) was diese Unterscheidung in konkreten theologischen Fragestellungen leisten kann.
In einem ersten Schritt nach den Methoden der historischen Quellenkritik wird untersucht, wie Gregor in seinen Reden (bes. or. 27-31) die Begriffe οὐσία und ἐνέργεια/δύναμις und ihre Äquivalente verwendet und welchen theologischen Rahmen er mit ihnen absteckt. Im zweiten Schritt werden Gregors sprachliche Bilder im Zusammenhang mit Gottes Wesen und Gottes Wirken untersucht: Geht der Theologe in seinen Reden und in seinen poetischen Schriften möglicherweise motivisch weiter als er es terminologisch vermag?
Ziel des Forschungsprojektes ist die Analyse einer der auflagenstärksten und erfolgreichsten Zeitschriften der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts: die „Sammlung auserlesener Materien zum Bau des Reiches Gottes“, die unter verschiedenen Namen von 1731 bis 1761 erschienen ist. Zwei Redaktoren – und vor allem der letzere – prägten die Zeitschrift, die beide Pastoren aus der protestantischen Diaspora aus Teschen, Schlesien, waren: Traugott Jerichovius (1696-1734) und Johann Adam Steinmetz (1689-1762). Sie hatten ein deutlich hallisch-pietistisch-protestantisches Profil und dabei einen transnationalen, transatlantischen und transkonfessionellen Zugriff. Ziel der Arbeit ist es, den eschatologischen und den heilsgeschichtlichen Charakter der veröffentlichten Nachrichten aus aller Welt herauszuarbeiten. Diese Nachrichten wurden konsequent aus dem pietistischen Verständnis des Reiches Gottes heraus interpretiert. Themenfelder der Nachrichten waren (Auswahl): Erweckungsbewegungen (Great Awakening in Nordamerika, Methodismus in England), weltweite Mission (etwa Indien oder Nordamerika), Anzeichen der Schwächung des Papsttums (Jansenismus in Frankreich), Verfolgung der Protestanten (Salzburger Emigration, Hugenotten), Übersetzung und Verbreitung von Bibeln, Einrichtung von Waisenhäusern. Absicht der Pietisten war es, in Zeiten der zunehmenden Rationalisierung der Theologie und der Kirche den Lesern Hoffnung zu vermitteln, dass Gott seine Verheissungen zum Ziele führt und dies ganz real in Raum und Zeit. Schnittpunkte ergaben sich dabei mit der Orthodoxie und mit der Aufklärung. Pietistische Zeitschriften sind zwar nach ihren medialen Aspekten recht gut erforscht, nicht aber nach ihren Inhalten. Diesem Desiderat soll das Projekt, das bis Sommer 2017 dauern wird, entsprechen.
Die rasante Industrialisierung im 19. Jahrhundert führte auch in der Schweiz zu einschneidenden Veränderungen: wirtschaftliche Entwicklung und Wohlstand auf der einen, Verelendung auf der anderen Seite. Um die gravierenden sozialen Auswirkungen der Industrialisierung zu bekämpfen, propagierte eine Gruppe protestantischer Unternehmer unter der Leitung des Basler Seidenbandindustriellen und Ratsherrn Karl Sarasin (1815–1886) einen «christlichen Patriarchalismus». Auf dem Hintergrund der kontroversen Auseinandersetzungen der Kirchen mit der sozialen Frage erforscht Marcel Köppli das sozialpolitische Anliegen dieser protestantischen Unternehmer und ergründet, wieso die Konzeption des «christlichen Patriarchalismus» letztlich scheitern musste.
Inspiriert von östlichen und westlichen monastischen Vorbildern zogen sich zu Beginn des 5. Jahrhunderts Männer und allmählich auch Frauen in ein abgeschiedenes und kaum zugängliches Waldgebiet am südlichen Ende des französischen Juragebirges zurück. Sie lebten asketisch und gestalteten ihren Alltag mit Arbeiten und Beten. Zwei Viten und zwei Briefe überliefern Informationen zu den Anfängen des Juramönchtums: Einerseits die anonyme Vita vel regula sanctorum patrum Romani Lupicini et Eugendi monasterium iurensium abbatum und die Vita Lupicini et Romani, die Gregor von Tours im Rahmen seines Liber Vitae Patrum herausgegeben hat; andererseits die Epistula 16 von Avitus von Vienne an den damals in Condatisco lebenden Viventiolus wie auch eine Notiz in Sidonius Apollinaris' Brief 25 an Domnulus.
Das Dissertationsprojekt untersucht die Vernetzung der frühen Juramönche mit monastischen Traditionen sowie mit weltlichen und geistlichen Zeitgenossinnen und Zeitgenossen. Ausserdem zeigt es exemplarisch auf, wo und in welcher Weise bestimmte Ideale und Praktiken des Juramönchtums weitergeführt wurden. Analysiert werden primär diejenigen Verbindungen, die in den vier überlieferten Quellen genannt werden, wobei berücksichtigt wird, dass die Beziehungspartner/innen auch untereinander vernetzt waren. Zur Untersuchung des synchron wie auch des diachron komplex verwobenen Netzwerkes von Condatisco und seinen Tochterklöstern bietet sich der verflechtungsgeschichtliche Zugang besonders an; ihm entsprechend werden die Quellen insbesondere traditionsgeschichtlich, textkritisch, gattungskritisch, überlieferungs- und rezeptionsgeschichtlich analysiert.
Eine Untersuchung des Beziehungsgeflechts von Condatisco und seinen Tochterklöstern steht bislang aus. Das Dissertationsprojekt soll diese Lücke schliessen und neue Erkenntnisse über die Einbindung des frühen Juramönchtums in seinen sozialgeschichtlichen und literarischen Kontext liefern.
Der aus dem Elsass stammende Oscar Cullmann (1902-1999) war Professor für Neues Testament und Alte Kirchengeschichte in Basel und leitete seit 1941 für 30 Jahre das Theologische Alumneum. Dieses Studentenhaus bot jungen Theologen (Studenten oder Doktoranden) die Möglichkeit, während des Semesters zu günstigen Konditionen in der Nähe der Universität Basel zu wohnen. Neben den akademischen Veranstaltungen an der Theologischen Fakultät hielt Cullmann den Studenten im Alumneum Hausandachten. Die dafür gefertigten ungefähr 230 unveröffentlichten Manuskripte sind an der UB Basel zugänglich und stellen den Quellenbestand dieser Arbeit dar.
Aufgabe der Dissertation ist es, in einem ersten Schritt den Quellenbestand zu sichten und zu beschreiben. Unter Anwendung der traditionellen Methoden der historischen Kritik soll anschliessend untersucht werden, wie die Andachten entstanden sind und welche Ziele Cullmann damit verfolgte.
Da ein wesentlicher Teil der Andachten der Auslegung des Neuen Testaments gewidmet ist, soll in einem dritten Schritt der Vergleich mit Cullmanns akademischen Werken versucht werden. Wo finden sich Gemeinsamkeiten, wo Unterschiede im exegetischen Vorgehen, wenn das Neue Testament einerseits in Cullmanns Vorlesungen und Publikationen und andererseits in seinen Andachten ausgelegt wird?
Durch die Bearbeitung dieser kaum erforschten Quelle möchte die Dissertation einen Beitrag zur Erforschung von Leben und Werk Oscar Cullmanns leisten.
Oscar Cullmann (1902-1999) war Professor für Neues Testament und Ältere Kirchengeschichte in Basel. Neben seinen exegetischen Studien zum Neuen Testament war die Ökumene das zweite grosse Thema seines Schaffens. Die Auseinandersetzung mit der Frage der Einheit der Christen fand in seinem Buch Einheit durch Vielfalt aus dem Jahr 1986 einen Höhepunkt. In der Folge korrespondierte Cullmann mit vielen bekannten Theologen, kirchlichen Würdeträgern, Politikern und Laien über seinen Entwurf. Die vielen Reaktionen verarbeitete er in einem Zusatzkapitel seines Buches, das in zweiter Auflage im Jahr 1990 erschien.
Die Dissertation zeigt die Entwicklung der ökumenischen Sicht Cullmanns von seinen frühen Werken bis hin zu Einheit durch Vielfalt auf. Dazu werden Veröffentlichung Cullmanns untersucht, die für die Ökumene relevant wurden oder die sich ausdrücklich zur Ökumene äussern.
Weiter wird die Diskussion (Korrespondenzen und Buchbesprechungen) von Cullmanns ökumenischem Entwurf behandelt. Es wird sichtbar, wie sich Cullmann für die Umsetzung seines ökumenischen „Projekts“ einsetzte und wie seine Gedanken von den Gesprächspartnern aufgenommen wurden.
Schliesslich wird der Frage nachgegangen, welche Bedeutung Cullmanns ökumenische Sicht für die gegenwärtige Situation der Ökumene haben könnte.
Die Dissertation soll einen Beitrag zur Erforschung von Leben und Werk Oscar Cullmanns leisten und sein ökumenisches Denken und Wirken in Erinnerung rufen.