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In der Nacht auf Samstag findet in der NHL der Entry Draft statt. Wir sagen dir, welche jungen Schweizer Chancen haben, gezogen zu werden, und was du sonst noch wissen musst.
Die erste Runde beginnt in der Nacht auf Samstag um ein Uhr morgens (Schweizer Zeit). Die zweite Runde beginnt am Samstagnachmittag um 16 Uhr.
Zum zweiten Mal in Folge findet der NHL-Draft aufgrund der Coronavirus-Pandemie rein virtuell statt. Das heisst, die Teams und ihre General Manager und Scouts befinden sich in einem Draft-Room in ihrer jeweiligen Stadt und geben die Picks via Liveschaltung bekannt. Gesendet wird dabei aus den Studios des NHL-Networks in Secaucus im US-Bundesstaat New Jersey.
Der NHL-Entry-Draft ist ein Event, bei dem jährlich die 32 Teams der NHL die Rechte an den besten Eishockey-Junioren im Alter von 17 bis 20 Jahren (selten auch älter) sichern können. Wenn ein Team sich die Rechte an einem Spieler gesichert hat, darf er bei keiner anderen NHL-Organisation unterschreiben, es sei denn, die Rechte sind abgetauscht worden.
Der Draft besteht aus sieben Runden, wobei jedes Team in jeder Runde ein Draft-Recht (Draft-Pick) zur Verfügung und somit zumindest theoretisch sieben Picks pro Draft hat. Je früher ein Draft-Pick ist, desto wertvoller ist er.
Die Reihenfolge der Draft-Picks ab Runde 2 ist die umgekehrte Version der NHL-Rangliste. Das schlechtplatzierteste Team der Saison (dieses Jahr sind es die Buffalo Sabres) wählt zuerst, der Stanley-Cup-Sieger (Tampa Bay Lightning) zuletzt.
In der ersten Runde bestimmt die Draft-Lotterie, welches Team den Nummer-1-Pick erhält, um absichtliches Tanking zu vermeiden. Es ist ein komplizierter Modus, aber einfach gesagt: Jede der 15 Mannschaften, welche die Playoffs verpasst haben, hat eine Chance besser zu draften, als sie klassiert waren. Je schlechter die Saison war, desto grösser die Chance auf einen guten Pick. Die 16 Playoff-Teams werden in der ersten Runde wie im Rest des Drafts in der umgekehrten Reihenfolge der Rangliste angeordnet (Stanley-Cup-Sieger zuletzt).
Im Gegensatz zu den Jahren direkt zuvor scheint es so, als würde die Schweiz wieder einmal mehrere Spieler haben, die gedraftet werden. Eine Garantie, dass es tatsächlich so kommt, gibt es allerdings nicht.
Die besten Karten hat Lorenzo Canonica. Der Center der Shawinigan Cataractes wird als Kandidat für die späte dritte oder frühe vierte Runde gesehen. Seine Stärken sind die Stocktechnik und gute Pässe.
Nachdem er zwei Jahre ungedraftet blieb, darf sich Biels Verteidiger Janis Moser nach einer starken Saison und überzeugenden WM Hoffnung machen, dass es dieses Jahr endlich klappt. Corey Pronman, Draft-Experte von The Athletic, erwartet, dass Moser früh in der vierten Runde gezogen wird. Flügelstürmer Simon Knak, der die letzte Saison beim HC Davos begonnen hat, ist ebenfalls ein Kandidat für die vierte Runde. Letztes Jahr wurde er noch übergangen, dieses Jahr soll es dank verbessertem Skating nun klappen.
Das nächste Schweizer Prospect, das sich Chancen ausrechnen kann, ist Verteidiger Noah Meier. Der 18-Jährige hat letzte Saison bereits 18 Spiele für die ZSC Lions absolviert, verbrachte aber den grösseren Teil des Jahres bei Farmteam GCK. Meier würde wohl in der sechsten oder siebten Runde gezogen. Lediglich Aussenseiterchancen auf einen späten Draft haben die Zuger Dario Sidler und Dario Allenspach.
In der Draft-Lottery hat das schlechteste Team der letzten Saison den Nummer-1-Pick gehalten. Die Buffalo Sabres dürfen so Samstagnacht den Draft eröffnen und auch in den darauffolgenden Runden am nächsten Tag jeweils zuerst ziehen.
Speziell ist dieses Jahr, dass Arizona in der ersten Runde keinen Draft-Pick hat. Nachdem sich die Franchise aus der Wüste bei der Draft-Combine, wo die jungen Talente auf ihre körperliche und geistige Fitness getestet werden, mit unerlaubten eigenen Tests einen Vorteil verschafft hatte, hat die NHL ihr dieses Jahr den Pick in der ersten Runde entzogen.
Seattle startet in diesem Herbst in seine erste NHL-Saison und darf diesen Sommer deshalb auch erstmals am Draft teilnehmen. In der Draft-Lotterie sind sie einen Platz nach oben gerutscht und dürfen in der ersten Runde an zweiter Stelle wählen. In den Runden zwei bis sieben sind die Kraken dann jeweils an dritter Stelle dran.
Ja. Deshalb ist die Anzahl von sieben Picks pro Draft nur theoretisch. Draft-Rechte sind ein üblicher Gegenwert bei Spieler-Trades. Dieses Jahr haben die New Jersey Devils dank Trades mit Arizona und Vancouver in der ersten Runde gleich drei Picks.
Manchmal versuchen Teams im Vorfeld des Drafts auch noch, weiter nach oben zu klettern, indem sie mehrere schlechtere Draft-Picks oder Spieler gegen einen guten Pick tauschen.
Eines sei vorweggenommen: Der Draft-Jahrgang scheint dieses Jahr nicht so stark wie auch schon. Es gibt kein Generationentalent, wie das Connor McDavid, Auston Matthews oder Alexis Lafrenière waren. Dementsprechend war auch nicht immer klar, welcher Spieler denn als Nummer 1 gezogen wird.
Mittlerweile hat sich Owen Power als aussichtsreichster Kandidat auf die erste Position herauskristallisiert. Der Verteidiger von der University of Michigan ist gross und schwer (195cm/97kg) und trotzdem mobil und gut am Puck. Gemäss den Scoutingberichten ist er kein Spieler, der mit technischen Feinheiten auffällt, sondern einer, der kluge Pässe spielt und mit seinem Positionsspiel verteidigt.
Dahinter gibt es mehrere Spieler, die irgendwo auf den Rängen zwei bis zehn landen können. Da ist etwa Center Matthew Beniers, Teamkollege von Power bei der University of Michigan. Er überzeugt vor allem mit seiner Arbeits- und Spieleinstellung, gibt immer Vollgas, egal ob beim Fore- oder Backchecking. Verteidiger Luke Hughes, Bruder von Jack und Quinn Hughes, wird ebenfalls weit oben in den Rankings geführt. Seine grösste Waffe ist sein überragendes Skating.
Und auch Mason MacTavish ist bei vielen Listen in den Top-10 zu finden. Der Center hat die Saison beim EHC Olten begonnen, wo er in 13 Spielen neun Tore schoss und zwei Assists gab. Bei MacTavish fällt insbesondere der überdurchschnittliche Schuss auf.