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Schule Urtenen einst und jetzt
Vom kleinen Häuschen oben im Dorf zur heutigen Lee-Anlage
"Das Schulhaus in Urtenen ist gar nicht zweckmässig. Bei steigender Bevölkerungszahl ist schon seit Jahren die Schulstube zu klein. Das ganze Haus sollte verbessert werden, was schon vor zwei Jahren versprochen, aber noch nicht ausgeführt worden ist." So ist im Pfarrbericht von 1803 über das alte Schulhaus in Urtenen zu lesen. Anderswo wurde das Schulhaus abschätzig als "das kleine Häusli oben im Dorf" bezeichnet. Und tatsächlich, die Schulhäuser unterschieden sich damals nicht von den kleinen, stroh- oder schindelbedeckten Taunerhäuschen. Im einzigen Klassenzimmer erteilte der Lehrer Samuel Niklaus Lese- und Schreibunterricht; und zwar allen 150 Kindern aus Urtenen und Mattstetten. Weil damals kein Schulzwang bestand, war immer nur ein kleiner Teil der Schulkinder anwesend, so dass die Platzverhältnisse trotz allem irgendwie erträglich waren. Ein kleiner Umbau wurde im Jahre 1806 vorgenommen und kostete 98 Kronen, welche auf die Gemeinden Urtenen und Mattstetten verteilt wurden. Die Kinder waren offenbar damals auch keine Engel: alljährlich kehrt der Passus in der Säckelmeisterrechnung wieder: "Dem Glaser Leü zu Mattstetten für in dem Schulhaus die Pfenster auszubessern" oder "der Uhrmacher Rufer in Mattstetten musste die Schulhausuhr reparieren".
Die Platzverhältnisse wurden dann aber endgültig unhaltbar, als nach 1830 die allgemeine Schulpflicht eingeführt wurde. Das wichtigste Ereignis in der Schulgeschichte von Urtenen anfangs der 1830er Jahre war die Trennung der wohl mehr als hunderjährigen Schulgemeinde Urtenen-Mattstetten. Mattstetten forderte darauf von den Urtenern 64 Kronen vom gemeinsamen Schulgut. Urtenen weigerte sich, den geforderten Betrag herauszugeben, hat dann aber, wohl um den nachbarlichen Frieden zu wahren, ein Fuder schöner Tannen nach Mattstetten geschickt.
Die Gemeinde Urtenen wurde von den Behörden energisch aufgefordert, den nötigen Schulraum bereitzustellen. Die Urtener Gemeindeväter zeigten sich aber sehr störrisch und beschlossen erst 1840 aus eigenem Antrieb, einen Schulhausneubau zu erstellen. Das neue Schulhaus kam dort zu stehen, wo heute das "alte Schulhaus" in Urtenen zu finden ist. Es war zuerst nur zweigeschossig, hatte zwei Klassenzimmer, zwei Lehrerwohnungen, die nur je aus einem grossen Zimmer und der Küche bestanden und ganz hinten war das kleine Scheuerwerk. Um Geld zu sparen, wurden möglichst viele Arbeiten im "Gemeindewerk" ausgeführt. Das heisst, die Bevölkerung wurde verpflichtet beim Schulhausbau als Handlanger mitzuarbeiten. Als Entschädigung wurde von Zeit zu Zeit ein "Trunk" und beim Abschluss der Arbeiten ein "Aufrichtimahl" gespendet. Die Finanzierung des Schulhauses war für die Gemeinde Urtenen, die auch sonst nicht auf Rosen gebettet war, trotzdem eine grosse Belastung.
Es war schwer, die Eltern daran zu gewöhnen, die Kinder täglich für eine bestimmte Zeit zur Schule zu schicken. Man glaubte, wie früher, sie nach Belieben zu Hause behalten zu können. Im Sommer brauchte man die Kinder für die Feldarbeiten und im Winter zum Dreschen und Spinnen. Im weiteren hatte der Schulunfleiss seine Wurzeln aber auch in der sozialen Misere vieler Eltern: mangels Kleidern, wegen Krankheiten, Ausschlägen, wunden Händen u.a.m. wurden Kinder nicht in die Schule geschickt. Wie ein dicker, roter Faden zieht sich das Absenzenwesen durch die Verhandlungen der Schulkommission. So ist z.B. im Protokoll der Schulkommissionssitzung vom 5. Juli 1843 zu lesen, dass Bend. Rufer, des Ziegler Clausen Knab, die Sommerschule bis jetzt noch nie besucht habe. Es wird beschlossen, den Vater zu warnen, sonst erfolge Anzeige. Der Richter verfuhr meistens nicht streng mit verzeigten Eltern. Meistens wurden die fehlbaren Familienväter zu einigen Tagen Gemeindewerkarbeit verurteilt, selten zu ein oder zwei Tagen Arrest in Fraubrunnen. Es dauerte Jahrzehnte, bis man des Schulunfleisses Herr wurde.
Ab dem Jahr 1848 wirkte Seminarlehrer Zuberbühler in Urtenen als Schulkommisär. Dieser energische Mann scheint nun rücksichtslos in die Urtnener Schulverhältnisse eingegriffen zu haben. Durch eine spezielle Prüfung im Februar 1848 orientierte er sich über den Stand der Schule. Er verlangte viererlei: einen umfassenden Lehrplan für beide Schulabteilungen, eine strenge Handhabung des Absenzenwesens, strenge Disziplin und endlich Gratisabgabe der Lehrmittel an ärmere Schüler. Ab Herbst 1850 wurde auf Antrieb von Zuberbühler auch wieder Arbeitsschule gehalten. Lehrer Abbühl führte den Zeichenunterricht ein und im Jahr 1865 auf Anordnung der Erziehungsdirektion den Turnunterricht. 1871 wurden Barren und Reck angeschafft und für den Geographieunterricht eine grosse Schweizerkarte und zwei Globen, dazu anatomische Tabellen für den Anthropologieunterricht.
Die jüngste grosse Reform im Schulwesen des Kantons Bern war 1995 die Umstellung auf das Schulsystem 6/3, bei welcher sich unsere Gemeinde für das sogenannte Manuelmodell entschieden hat.
Examentage (Schuljahresschluss)
Die Examentage waren damals für die Kinder im Bernbiet die grössten Festtage des Jahres. Am Abend vorher knallten die Knaben tüchtig von den Höhen herunter. Dieses Examenschiessen wurde allerdings von der Schulkommission mehrmals verboten. Die Mädchen aber mussten die Schulzimmer- und Fensterwäsche besorgen und erhielten ein Zvieri, bestehend aus Wein und Brot. Am Examen erschienen die Kinder in ihren besten Kleidern, die Söhne der Bauern in gestärkten Hemden mit Krawättlein, die Mädchen im "Jaggli" mit einer langen Reihe von Knöpfen und in bis auf die Schuhe reichenden Röcken und Schürzen, die Taunerkinder aber in entsprechend bescheidener Kleidung.
Am 13. April 1848 bestand das Examen
in der Oberschule nach dem Eingangsgebet aus folgenden Fächern:
Schülerzahlen und Klassen
Im Jahr 1849 zählte die Oberschule 92 und die Unterschule 71 Schülerinnen und Schüler. Erst im Jahr 1871 wurde die Errichtung einer dritten Schulklasse beschlossen. Um 1806 wurde die Schule vierteilig und um 1930 fünfteilig.
1968 war das Lee 1 bezugsbereit, gleichzeitig löste sich Urtenen von der Sekundarschule Jegenstorf und gründete einen eigenen Sekundarschulverband mit den Gemeinden Mattstetten und Moosseedorf.
Das 1974 erstellte Schulhause Lee 2 war ursprünglich als Oberstufen-Primarschulhaus geplant, wurde dann aber durch die Sekundarschule genutzt.
1979 entstand das Lee 3 für die Mediothek, Klassenzimmer und vor allem Spezialräume.
Und als Abschluss der Lee-Anlagen konnte 1994 das Lee 4 für die Mittelstufenklassen bezogen werden.
Heute zählt unsere Schule (Lee und Schulhaus Urtenen) 534 Schülerinnen und Schüler. Diese besuchen den Unterricht in 28 Klassen. 60 Lehrkräfte unterrichten zurzeit an unserer Schule. Eingerechnet sind alle, auch diejenigen, welche zur Erteilung von Spezialunterricht angestellt sind: neben der Primarstufe und Sekundarstufe I: gymnasialer Unterricht in der 9. Klasse (Quarta), spezielle Deutschklasse, Kleinklassen D (A in Jegenstorf), Spezialunterricht wie Legasthenie, Logopädie, Dyskalkulie, etc.
Schulkommission
Zum Abschluss Schule einst und jetzt möchte ich einen kleinen Vergleich der Schulkommissions- geschäfte vor 100 Jahren mit heute anstellen:
(Originalprotokoll vom März 1899)
"März 1899
11. Schulkommission
Anwesend: Präs. J. Abbühl, Sekretär Witschi. Joh. Huber, Gottf. Iseli, Fr. Huber, Jb. Scheidegger, Joh. Rufer.
Verhandlungen
Elisabeth Iseli
Propaganda-/Pressekomitee Dorffest 1999