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Auf das Thema seines vorwiegend dokumentarisch gestalteten Films kam Swiss durch ein Spielfilm-Exposé von Ernest Artaria, das seinerzeit - im Kalten Krieg, als man für Heldentaten u.a. kommunistischer Partisanen wenig Interesse (und Geld) übrig hatte - in der Schublade liegenblieb. Erzählt wird von der kurz vor Kriegsende durch italienische Partisanen in Zusammenarbeit mit Schweizer Geheimdienst-Informanten (wahrscheinlich) verhinderte Sprengung des Simplon-Tunnels durch deutsche Heereseinheiten.
Nach einem Prolog aus historischem Filmmaterial, der den damals aktuellen Hintergrund schildert, baut Swiss seine Rekonstruktion der bis heute wenig bekannten Ereignisse kapitelweise aus verschiedenen Gestaltungselementen auf.
Den informativsten Anteil haben die Schilderungen der damals an der Aktion beteiligten Veteranen und ihrer Helfer(innen). Bewundernswert, mit welcher Akribie (und vermutlichen Ausdauer) Swiss seine Zeugen aufgespürt hat, so etwa den damals für die ganze Aktion verantwortlichen „Bill“, und „Mirco“, den Anführer der Partisanengruppe, die schliesslich den eingelagerten Sprengstoff vernichtete, oder auch den in Domodossola stationiert gewesenen Schweizer Zöllner, der das Treiben der Deutschen ausspähte und ein Bindeglied zwischen den Partisanen und dem Schweizer Geheimdienst war. Und wenn der SBB-Fahrleitungskontrolleur Rodoni, der die Sprengvorbereitungen beobachtet hatte, noch leben würde, Swiss hätte ihn bestimmt auch vor die Kamera gebracht; so kommt immerhin seine damalige Freundin zu Wort.
Das zweite Schwergewicht liegt, neben Passagen über Spuren der Ereignisse in der Landschaft des Valle d’OssoIa, Archivrecherchen und Bildern von der Gedenkfeier im April 1985, auf den Spielsequenzen, mit denen die Beobachtungen Rodonis, dann die Vorbereitungen und die Durchführung der entscheidenden Aktion und zuletzt die Ehrung der Helden filmisch in Szene gesetzt werden. Die gespielten Szenen wirken zwar bewusst leicht karikiert, bekräftigen aber gerade dadurch die rein dokumentarischen Sequenzen. Eine allzu geschliffene Inszenierung hätte den Film aus dem Gleichgewicht gebracht und so die authentischen Aussagen dramaturgisch abgewertet.
Alles in allem ist Swiss eine — lediglich etwas zu lange - unterhaltsame Geschichtslektion gelungen, die einerseits zum Thema „Schweiz im Krieg“ etwas beiträgt, andererseits den vielen sicher noch vorhandenen „Bella ciao“-Platten einen neuen Klang verleihen könnte — die in linksintellektuellen Gefilden beheimateten Mythen vom Partisanentum (gerade dem italienischen) waren längst fällig, näher zum Boden der historischen und menschlichen Wirklichkeit gebracht zu werden.