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Kleespitzmäuschen
l'apion du trèfle (fr.), clover seed weevil (engl.)
wissenschaftlicher Name:
- Dunkles Kleespitzmäuschen: Apion apricans Herbst; neu: Protapion apricans
- Weisskleespitzmäuschen: A. dichroum Bedel (Synonym: A. flavipes Panzer); neu: Protapion dichroum
- Grünliches Kleespitzmäuschen: A. virens Herbst); Erbsenrüssler: A. pisi F.;
- Bleigraues Kleespitzmäuschen: A. seniculus Kirby;
- Luzernestängelrüssler: A. tenue Kirby
- Ferner: A. assimile und A. trifolii L. (= A. aestivum Germ)
Taxonomie: Metazoa, Arthropoda, Insecta, Coleoptera, Curculionidae
Das dunkle Kleespitzmäuschen (Apion apricans) und das Weisskleespitzmäuschen (A. dichroum) kommen in Europa, Asien und Nordafrika vor (Hoffmann und Schmutterer 1999). A. apricans entwickelt sich in erster Linie an Rotklee (Trifolium pratense), A. dichroum vorwiegend an Weißklee (T. repens). Beide Arten zählen zu den wichtigsten Schädlingen im mitteleuropäischen Kleesamenanbau. Deren Larven zerstören die Samenanlagen und mindern den Kleesamenertrag.
Abb. 1. Die Eiablage erfolgt vorwiegend auf noch grüne Köpfchen. Die Weibchen legen jeweils ein Ei pro Einzelblüte ab.
Schadbild
Die Käfer von A. apricans (Abb. 1) verursachen an Blättern von Rotklee einen runden bis strichförmigen Lochfrass. Die Löcher sind von Blattadern begrenzt. Im Extremfall werden die Blätter bis auf ein Skelett, bestehend aus Blattadern, gefressen. Später fressen die Käfer auch in den Blütenköpfchen, jeweils in der Nähe der Blütenkelche. Je mehr Käfer auf dem Feld vorkommen, desto häufiger und intensiver sind die Frassschäden.
Den Hauptschaden richten die Larven an. Sie zerstören durch ihre Frasstätigkeit in den Blütenköpfchen die Samenanlagen (Abb. 2). Erst ein Zerlegen der Blütenköpfe enthüllt die gelblich weissen Larven. Bei starkem Befall können aus einem Rotkleeköpfchen bis zu hundert Rüssler schlüpfen (Hoffmann und Schmutterer 1999).
A. dichroum schädigt den Weissklee (T. repens) in ähnlicher Weise: Lochfrass der Käfer an den Blättern und Reifungsfrass in der Blüte, sowie Frasstätigkeit der Larven in den Blütenköpfchen.
Beschreibung des Schädlings
Die Eier von A. dichroum sind oval, gelb und am Kelch der Einzelblüten von blossem Auge noch erkennbar.
Die Larven von A. apricans haben eine Länge von etwa 3 bis 3.5 mm (Abb. 2), diejenigen von A. dichroum sind etwas kleiner: 2.5 bis 3 mm (Hoffmann und Schmutterer 1999). Sie sind leicht nach innen gekrümmt, gelblich weiss, haben eine braune Kopfkapsel und keine Beine.
Die Käfer (Abb. 3) sind 2.2 bis 3 mm (A. apricans), beziehungsweise 1.8 bis 2.4 mm (A. dichroum) lang. Der Kopf läuft in einen dünnen, leicht gebogenen Rüssel aus, der etwa so lange ist wie ein Drittel des Körpers. An der Spitze des Rüssels befinden sich winzige Mundwerkzeuge mit denen die Rüssler fressen. In der Mitte des Rüssels setzen die relativ kurzen Fühler an, die im Gegensatz zu den eigentlichen Rüsselkäfern nicht gekniet sind (Zahradnik et al. 1985). Beide Arten sind schwarz. Bei A. apricans sind die Schienen (Tibia) der Vorderbeine gelb, die Mittel- und Hinterschiene schwarz. Bei A. dichroum sind alle Schenkel (Femur) und Schienen rötlich gelb (Hoffmann und Schmutterer 1999).
Eine genaue Bestimmung der verschiedenen Arten ist schwierig und erfordert grosse Erfahrung.
Abb. 3. Käfer des Kleespitzmäuschens (Apion apricans), deutlich sichtbar ist der Rüssel mit den kurzen Fühlern und die charakteristische Färbung der Beine.
Lebenszyklus
Die Käfer überwintern in der Regel auf den befallenen Feldern in Erdspalten unter abgestorbenen Pflanzenteilen oder in der Bodenstreu an Waldrändern, in Hecken, Gebüschen und an Böschungen (Hoffmann und Schmutterer 1999). Ab Ende April beginnen sie mit dem Reifungsfrass an den Kleeblättern und später in den Blütenköpfchen an einzelnen Blüten. Dort vollziehen die Käfer auch die Begattung. Die Eiablage erfolgt im Juni und Juli auf vorwiegend noch grüne Köpfchen. Die Weibchen, die im Durchschnitt etwa 100 Eier erzeugen, legen jeweils ein Ei pro Einzelblüte ab. Nach einigen Tagen schlüpft die Eilarve und ernährt sich zunächst von Pollen (Wyss 2008). Die Larve frisst sich nach unten und zerstört mehrere Blütenkelche und damit auch die Samenanlagen. Die Verpuppung erfolgt in den abgestorbenen Blüten, wo man die Puppen als weiches, weisses Gebilde finden kann. Aus den Puppen schlüpft die neue Käfergeneration. Nach kurzem Frass suchen die Rüssler auf dem Feld oder in nahe liegenden Wäldern ihre Winterquartiere auf (Hey 1945).
In Kleesamenbeständen können die Kleespitzmäuschen ihre Entwicklung auf dem Feld zum Abschluss bringen. Futterklee wird dagegen geschnitten, bevor die Larven sich fertig entwickelt haben. In diesem Fall geht die Entwicklung der Larven auch nach dem Schnitt während der Heubereitung weiter (nicht aber im Silo). Das Schlüpfen der Jungkäfer erfolgt in den Scheunen. Hey berichtete 1945, dass in der näheren Umgebung von Kleeheu-Lagerstätten ungezählte Kleespitzmäuschen die Pflanzenwelt häufig fast kahl fressen.
Die Entwicklung von A. virens, A. pisi, A. seniculus und A. tenue verläuft dagegen in oder an Blattstielen, Sprossknospen, Blättern oder Stängeln, nicht aber in den Blüten. Befallene Pflanzen zeigen nur schwach entwickelte Triebe mit Fensterfrass.
A. assimile und A. trifolii gehören wiederum zu denjenigen Arten, deren Larven die Blüten und Samenanlagen schädigen können.
Prof. Dr. Urs Wyss vom Institut für Phytopathologie der Universität Kiel produzierte eine Videodokumentation über die Lebensweise und Entwicklung der Kleespitzmäuschen Apion flavipes und A. apricans. Die DVD kann unter folgender Adresse bestellt werden: www.entofilm.com
Epidemiologie
Trockene und warme Witterung fördert das Auftreten der Kleespitzmäuschen. In der Regel haben beide Apion-Arten in Mitteleuropa nur eine Generation im Jahr. Bei besonders günstigen Witterungsbedingungen ist aber eine 2. Generation möglich (Hey 1945; Hoffmann und Schmutterer 1999). Die Lebensdauer der Käfer kann länger als ein Jahr betragen.
Wirtsspektrum
Die Jungkäfer sind häufig wenig wählerisch bei der Auswahl ihrer Nahrungspflanzen. Sie können sich längere Zeit durch Frass an verschiedenen Pflanzen am Leben erhalten. Für die Eiablage bevorzugen sie allerdings ganz bestimmte Wirtspflanzen.
Apion apricans entwickelt sich vorzugsweise an Rotklee, während A. dichroum den Weissklee als Brut- und Nährpflanze bevorzugt. A. virens ist auf Rot- und Weissklee spezialisiert. A. pisi findet man auch auf der Luzerne, Inkarnat- und Gelbklee. A. seniculus und A. tenue leben unter anderem an Rotklee und Luzerne. A. assimile und A. trifolii fressen in den Blüten des Rotklees.
Bekämpfung
Kleespitzmäuschen sind ein Problem in der Bio-Saatgutproduktion. Zur Vermeidung dieser Gefahr sollte der Fruchtfolge sowie dem Standort des Feldes grosse Beachtung geschenkt werden. Das Feld für die Gewinnung von Kleesamen sollte möglichst isoliert von anderen Kleeaufwüchsen angelegt werden.
Nach Hey (1945) ist eine vorherige intensive Beweidung im Herbst und im Frühjahr besonders wirksam bei der Bekämpfung der Kleespitzmäuschen. Die Beweidung oder der Schnitt der Weisskleebestände im Frühjahr sollte bei Blühbeginn erfolgen, wenn die Mehrzahl der überwinternden Käfer ihre Eier bereits abgelegt haben. Der Folgeaufwuchs wird dann von den Kleespitzmäuschen nicht mehr für die Eiablage genutzt.
Ein Schnitt der für die Samengewinnung angelegten Rotkleebestände bei Blühbeginn während des ersten Aufwuchses ist eine erfolgversprechende Abwehrstrategie und verhindert ebenfalls weitgehend eine Eiablage auf die Blüten des 2. Aufwuchses.
Als weitere Massnahmen werden genannt: Anlage von Ablenkungsstreifen, eine 1-jährige Kulturführung, Aufbau neuer Vermehrungszentren in befallsfreien Gebieten oder die Behandlung mit Metarrhizium anisopliae.
Chemische Bekämpfung: Nach Hoffmann und Schmutterer (1999) ist in der Kleesamenproduktion die wirtschaftliche Schadenschwelle bei einem Ei oder einer Eilarve pro Blütenkopf zu Beginn der Blüte erreicht. Als kritische Käferzahl werden 5 Tiere pro m2 angesehen. In der Schweiz sind in der Kleesamenproduktion der Einsatz von Produkten mit dem Wirkstoff Spinosad für die chemische Bekämpfung der Kleespitzmäuschen bewilligt (BLW). Achtung: Spinosad gilt als bienengefährlich.
Literatur
Hey A, 1945. Die wichtigsten Krankheiten und Schädlinge im Samenbau der kleeartigen Pflanzen. Der Futtersaatbau, Veröffentlichungen aus der Gemeinschaftsarbeit des Forschungsdienstes und des Reichsverbandes der Pflanzenzucht, Berlin-Dahlem Band 3 / Heft 8, 142 S.
Hoffmann GM, Schmutterer H, 1999: Parasitäre Krankheiten und Schädlinge an landwirtschaftlichen Kulturpflanzen. Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co. (2. Auflage)
Wyss U, 2008. Lebensweise und Entwicklung der Kleespitzmäuschen Apion flavipes und A. apricans. 49. Fachtagung des DLG-Ausschusses „Gräser, Klee und Zwischenfrüchte", Züchtungsperspektiven und Saatgutproduktion bei Gräsern, Klee und Zwischenfrüchten, Vorträge Fachtagung, 4. Nov. 08, Bonn (www.dlg.org/uploads/media/fachtagung49.pdf)
Zahradnik J, Jung I, Jung D, et al., 1985. Käfer Mittel- und Nordwesteuropas. Parey, Berlin, ISBN 3-490-27118-1.