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GANTENG – EIN ORANG-UTAN-JUNGE LERNT, FREI ZU SEIN
Im vergangenen Jahr lernte der vierjährige Orang-Utan-Junge Ganteng Vieles. In der Quarantänestation geboren und von seiner Familie zurückgelassen, musste er nicht nur Fähigkeiten, wie Klettern und Nestbau lernen, sondern auch ganz viel Selbstbewusstsein und Mut aufbauen.
Gantengs erste Erinnerung an den Regenwald ist der Anblick, wie seine Familie ihn zurücklässt. Obwohl er in der SOCP-Quarantänestation geboren wurde, blieb er Menschen gegenüber vorsichtig. Seine Mutter mochte Menschen nie – zu schlimm waren ihre frühere Erfahrungen mit ihnen. Der direkte Kontakt zwischen dem Baby-Orang-Utan Ganteng und den Pflegern wurde auf ein Minimum reduziert um eine spätere Wiederauswilderung zu ermöglichen. Bei einer möglichen Wiederauswilderung sollte Ganteng und seine Schwester von ihrer Mutter lernen, in den Bäumen zurecht zu kommen, zu klettern, ein Nest für die Nacht zu bauen und Früchte zu sammeln – kurz: ein wilder Orang-Utan zu sein. Doch dieser Plan ging nicht auf.
Ganteng ist der Zwillingsbruder von Ginting und Sohn von der ehemals blinden Gober, die im Januar gemeinsam in den Regenwald ausgewildert werden sollten. Als der Käfig geöffnet wurde, verschwanden Mutter und Schwester schnell im Wald und liessen den schüchternen und unsicheren Ganteng zurück. Im Laufe dieses Jahres entwickelte das Team des Orang-Utan-Schutzprogramms für Ganteng ein spezielles Trainingsprogramm, um ihm mehr Selbstbewusstsein und die wichtigsten Fähigkeiten und Sozialkompetenz beizubringen.
Ganteng wurde im April mit dem Orang-Utan-Weibchen Meysin zusammengebracht, mit der Hoffnung, dass er von ihr lernen würde. Meysin wurde mit der Zeit zu einer Art Ersatzmutter für Ganteng: Er lernte viel von ihr und schlief sogar zeitweise in ihrem Nest. Bereits im Juni entliess das Team Ganteng und Meysin das erste Mal gemeinsam in den Wald, wobei der Orang-Utan-Junge seiner Adoptivmutter schnell aus dem Käfig folgte. Doch wie im Januar zuvor bei seiner echten Mutter, liess er Meysin ohne ihn losziehen und blieb verängstigt in der Nähe der Station zurück.
Ein nächstes Ziel war es, Gantengs Furcht vor dem Wald zu nehmen. Dafür motivierten seine Betreuer ihn, in die Bäume zu klettern und dort aufgehängtes Futter zu suchen. So kletterte er immer höher und legte weitere Distanzen hinter sich – er wurde sichtlich selbstsicherer und mutiger. Schliesslich begann er, den Regenwald in unmittelbarer Nähe zu erkunden und mit anderen, bereits ausgewilderten Orang-Utans zu spielen. Trotzdem kam der Schützling jeweils zum Fressen und Schlafen zurück in die vertraute Station.
Das Team machte eines Abends einen Versuch: Was würde passieren wenn er nicht mehr in seinen Käfig gelassen würde? Ganteng überraschte alle, als er nach kurzer Trotzreaktion vor dem verschlossenen Käfig sass und sichtlich empört war, es seinen Freunden gleich tat und das erste Mal ein eigenes Nest baute – ein grosser Trainingserfolg!
Das Vertrauen in den Wald hat der Orang-Utan-Junge noch immer nicht ganz gefasst. Er macht aber grosse Fortschritte. Wir hoffen, dass er in den ersten Wochen des neuen Jahres eines Tages nicht mehr den Drang verspürt, nach jedem Ausflug in den Regenwald in die Station zurück zu kehren. Dann wird er – ein Jahr nach seiner Familie – endlich frei sein können.
Schauen Sie Ganteng beim Training zu.
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