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In den 1970er Jahren war Gebärmutterhalskrebs die häufigste Krebserkrankung von Frauen. Heute ist das Risiko dank guter Früherkennung deutlich gesunken. Inzwischen steht der Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) nur noch an fünfter Stelle der Krebserkrankungen bei Frauen in der Schweiz. Die Ursache eines Gebärmutterhalskrebses ist in der Regel eine Infektion mit bestimmten Typen des humanen Papillomavirus (HPV). Mit einer Impfung gegen den HPV-Virus können sich junge Mädchen gegen den Krebs schützen.
Bei einem Gebärmutterhalskrebs wuchert das Gewebe am Gebärmutterhals, es entsteht ein bösartiger Tumor. Diese Veränderung zieht sich allerdings gewöhnlich über Jahre hin. Es kann Jahrzehnte dauern, bis aus gutartigen Zellveränderungen über die Entstehung von Krebsvorstufen ein bösartiger Krebs am Gebärmutterhals entsteht.
Der Gebärmutterhals verbindet die Gebärmutter mit der Scheide. Am unteren Ende des Gebärmutterhalses befindet sich der äussere Muttermund. Hier grenzt die im Gebärmutterhalskanal sich befindliche Schleimhaut an diejenige, die den sichtbaren Teil des Gebärmutterhalses (Portio) bedeckt. Diese sogenannte Transformationszone verändert sich bei Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs. Fachleute unterscheiden drei Stufen von Zellveränderungen der Epithelschicht, der CIN (cervical intraepithelial neoplasia):
Eine solche Dysplasie bedeutet jedoch nicht, dass Betroffene Krebs haben!
Bei einer Dysplasie, also Veränderung der Schleimschicht am Gebärmutterhals, handelt es sich um eine Krebsvorstufe. Sie muss keineswegs zu Krebs führen! Bei den Stufen CIN I und CIN II ist es sehr unwahrscheinlich, dass daraus Krebs entsteht. In rund der Hälfte der Fälle bilden sich solche Veränderungen von allein zurück. Bei leichten Dysplasien ist also eine regelmässige Kontrolle durch die Gynäkologin oder den Gynäkologen nötig, aber kein direktes Eingreifen. Bei einer schweren Dysplasie (CIN III) ist die Gefahr eines Gebärmutterhalskrebses gross. Deshalb wird man hier meist eingreifen.
Jedes Jahr wird in der Schweiz bei rund 250 Frauen Gebärmutterhalskrebs diagnostiziert. Dazu kommen rund 5‘000 Frauen, bei denen Krebsvorstufen entdeckt werden. Bei Frauen zwischen 20 und 49 Jahren ist Gebärmutterhalskrebs in der Schweiz die fünfthäufigste Krebsart. Die verursachenden HPV-Viren sind weit verbreitet: Schätzungsweise 70 bis 80 Prozent der sexuell aktiven Frauen und Männer infizieren sich irgendwann mit HPV. Bei den allermeisten von ihnen verschwindet der Virus innerhalb von zwei Jahren wieder, ohne dass sie etwas davon bemerken. Bei rund zehn Prozent der Betroffenen jedoch bleiben Viren im Körper. Sie können später irgendwann die Krebsvorstufe auslösen. Durchschnittlich wird ein Gebärmutterhalskrebs mit 53 Jahren diagnostiziert.
Die Hauptursache für Gebärmutterhalskrebs ist eine Infektion mit bestimmten humanen Papillomaviren (HPV). Rund 70 Prozent aller Frauen stecken sich damit an, meist mit Beginn ihrer sexuellen Aktivität. In den meisten Fällen lösen diese Viren erst einmal keine Symptome aus. Deshalb merken Infizierte nichts von ihrer Infektion – sind aber trotzdem ansteckend. Bestimmte HPViren können allerdings auch Genitalwarzen auslösen. Diese sind gutartig und können nicht entarten. Bei rund 90 Prozent aller Infizierten vertreibt das körpereigene Immunsystem die Viren innerhalb von einem, spätestens zwei Jahren rückstandslos. Doch bei rund zehn Prozent schlummern die Viren im Körper und können später wieder aktiv werden – etwa bei einer Schwächung des Immunsystems. Dann können sie Veränderungen im Gebärmutterhals auslösen.
Dazu kommen weitere Risikofaktoren, die einen Gebärmutterhalskrebs begünstigen:
Gebärmutterhalskrebs löst in sehr vielen Fällen keine Beschwerden aus. Deshalb ist die Krebsvorsorge bei der Gynäkologin oder beim Gynäkologen so wichtig, weil dieser in vielen Fällen die Krebsvorstufen rechtzeitig entdecken und behandeln kann. In der Schweiz übernimmt die Grundversicherung der Krankenkasse den Krebsabstrich im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung jedes dritte Jahr. Manchmal können auch folgende Symptome auf ein Zervixkarzinom hinweisen:
Allerdings können all diese Symptome auch völlig andere, oft harmlose Ursachen haben.
Meistens fällt ein Gebärmutterhalskrebs bei einer Vorsorgeuntersuchung auf. Deshalb empfehlen wir allen Frauen bis zum Alter von 70 Jahren, die Vorsorgetermine alle drei Jahre einzuhalten. Zu Beginn fragen wir erst einmal nach Beschwerden und Auffälligkeiten. Danach erfolgt eine körperliche Untersuchung auf dem gynäkologischen Stuhl. Dabei tasten wir den Muttermund und den Gebärmutterhals ab. Mit der zweiten Hand auf dem Bauch der Patientin machen wir uns ein Bild von der Gebärmutter und den Eierstöcken. Wichtig ist der Abstrich, von Fachleuten Pap-Test genannt: Mit einem Spekulum – einem Untersuchungsgerät, das die Scheide vorsichtig etwas öffnet – können wir auf den Muttermund blicken. Mit einem Spatel und einer kleinen Bürste entnehmen wir dann eine Zellprobe vom Gebärmutterhals. Diese Zellen kommen anschliessend auf einen Objektträger oder eine geeignete Flüssigkeit und werden im Labor unter dem Mikroskop untersucht. So lässt sich erkennen, ob die Zellen gesund sind oder ob eine Entzündung oder eine Zellveränderung (Dysplasie) vorliegt. Bei auffälligen Befunden liefert eine Gebärmutterhalsspiegelung (Kolposkopie) weitere Klarheit. Es handelt sich dabei um eine Untersuchung, bei der der Gebärmutterhals mit einer Lupe betrachtet werden kann. Bestimmte Lösungen können dabei aufgetragen werden, wodurch kleinste Gewebedefekte sichtbar werden. Die Untersuchung ist völlig schmerzfrei. In unserer nach der DKG (Deutschen Krebsgesellschaft) zertifizierten Spezialsprechstunde für Dysplasieerkrankungen können ausführliche Beratungen bzgl. Diagnostik und Therapie sowie HPV-Impfung erfolgen. Sämtliche Abklärungen, die zur Diagnose einer Krebsvorstufe oder einer Krebserkrankung am Gebärmutterhals führen, können hier erfolgen und entsprechende Therapien eingeleitet werden.
Liegt nur eine leichte Veränderung der Schleimhautzellen vor, werden wir vor allem engmaschige Kontrolluntersuchungen empfehlen. Ausserdem werden wir manchmal einen HPV-Test machen und gelegentlich Gewebeproben aus dem Gebärmutterhals und Gebärmuttermund entnehmen (Biopsie). Dadurch können wir die Verdachtsdiagnose eines Gebärmutterhalskrebses oder eine Vorstufe bestätigen oder auch widerlegen. Mit einem Ultraschall versuchen wir zu erkennen, wie stark sich der Krebs ausgebreitet hat. Bei fortgeschrittenem Tumor nutzen wir häufig auch bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT). Je nach deren Ergebnis sind in Einzelfällen auch Röntgenuntersuchungen der Lunge oder eine Spiegelung des Enddarms nötig. Positronen-Emissions-Tomographie (PET) wird eingesetzt, um eventuell vorhandene Metastasen in Lymphknoten oder Organen zu entdecken. Eine Blutuntersuchung zeigt den allgemeinen körperlichen Zustand der Betroffenen.
Jede körperliche Erkrankung kann auch mit psychischen Belastungen verbunden sein. Diese kann sich unter anderem in Sorgen, Anspannung, Gedankenkreisen oder Schlafstörungen zeigen und den Behandlungsverlauf erschweren. Falls Sie oder Ihre Angehörigen den Wunsch nach psychiatrisch-psychologischer Beratung und Unterstützung haben, stehen Ihnen unsere Fachleute im USZ gerne zur Verfügung.
Junge Frauen sollten sich heute gegen den humanen Papillomavirus (HPV) impfen lassen; so können sie ihr Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, deutlich senken. Wer den Virus bereits (wahrscheinlich) in sich trägt, kann durch eine gesunde Lebensweise und den Verzicht auf Zigaretten die Gefahr mindern. Ein wichtiger Faktor zur Vermeidung von Gebärmutterhalskrebs ist die Früherkennung: Wer die Vorsorgeuntersuchungen alle drei Jahre wahrnimmt, hat eine gute Chance, dass die Gynäkologin oder der Gynäkologe jede Veränderung der Gebärmutterschleimhaut frühzeitig erkennt. So kann der Krebs bereits im Frühstadium mit leichteren Waffen bekämpft werden.
Bis sich aus einer Krebsvorstufe tatsächlich Krebs entwickelt, dauert es oft viele Jahre oder sogar Jahrzehnte. Wird ein Gebärmutterhalskrebs früh erkannt, kann er vollständig geheilt und die Betroffene kann auch wieder schwanger werden. Nach einer Konisation (Entfernen eines Stücks des Gebärmutterhalses) erholt sich das Gewebe im Laufe von vier bis sechs Wochen: Die Wunde heilt und die Schleimhaut baut sich neu auf. Muss die ganze Gebärmutter entfernt werden, kann die Frau keine Schwangerschaft mehr austragen. Selbst nach einer kompletten Entfernung der Gebärmutter kann es passieren, dass Krebs an den umliegenden Organen wiederkehrt. In diesem Fall oder bei Tochtergeschwülsten ausserhalb der Bauchregion (Fernmetastasen) sind die langfristigen Prognosen eher ungünstig. Regelmässige Nachsorgeuntersuchungen sind in allen Fällen nötig.
Es besteht auch die Möglichkeit einer begleitenden komplementärmedizinischen Behandlung.
Liegt eine schwere Dysplasie vor, oder bleiben die Zellveränderungen über einen langen Zeitraum unverändert, so empfehlen wir in der Regel eine Konisation. Dabei entnehmen wir einen konusförmigen (kegelförmigen) Teil des Gebärmutterhalses. Dieser wird anschliessend im Labor auf die Ausbreitung der veränderten Zellen untersucht. Die umgebende Schleimhaut im Gebärmutterhalskanal schaben wir aus (Kürettage), um eine allfällige Beteiligung des Gebärmutterhalses auch oberhalb des entfernten Konus auszuschliessen. Die Schleimhaut bildet sich anschliessend wieder neu. Die Konisation wird ambulant unter Kurznarkose oder in Lokalanästhesie durchgeführt. Hat sich der Krebs noch nicht zu weit ausgebreitet, kann er mit der Konisation oft vollständig entfernt werden. Damit bleiben die Frauen fruchtbar und können weiter Kinder bekommen. Allerdings haben sie erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt.