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Auf der linken Spur fahren wir und alle anderen grossen, klimatisierten Privatautos mit Vierradantrieb und getönten Scheiben. An einem Rotlicht lachen uns perfekte Ananas von einem Holzgestell an. Von einer freundlich lächelnden Frau, die mit ihrem Tablett gewandt durch die stehenden Autos geht, erstehen wir zwei der kunstvoll aufgeschnittenen Früchte. Die Sonne brennt vom Himmel und der süsse Duft der tropischen Früchte breitet sich langsam im Innern des Autos aus.
An einer Tankstelle beschliessen wir nun doch nach dem Weg zu fragen. Nach wie vor fehlt jede Spur von hilfreichen Strassenschildern, die wir mit unserer Karte hätten vergleichen können. Der kleine Wachmann, dessen riesiger Bauch beinahe seine graue Uniform zu sprengen scheint, grinst mir zahnlos zu. Nach einer kurzen Besprechung mit dem Tankwart scheint er sich sicher, dass wir die zweite Kreiselausfahrt nehmen und dann einfach immer geradeaus fahren müssen. Tatsächlich, nach einigen weiteren Kreiseln lichtet sich der Verkehr — wir sind dem Moloch Managua entkommen.
Dem Stacheldraht entlang
Nach einigen Tagen brechen wir auf und reisen ein Stück in Richtung Norden. Die unasphaltierte Landstrasse wird an beiden Seiten von dicken Holzpfosten mit rostigem Stacheldraht flankiert. Auf der Weide grast eine grosse Kuhherde. Unter dem einzigen schattenspendenden Tamarindo-Baum stehen zwei magere Pferde. Jetzt, nach der Regenzeit, gibt es genug Gras für die Tiere. Das ist aber nicht immer so. Ein Bauer, den ich auf einem Spaziergang treffe, erzählt mir, dass früher ungefähr alle sechs, sieben Jahre eine Dürre über das Land hereinbrach. Es blieb den Bauern nichts anderes übrig, als ihre ganze Herde — bis auf die allerstärksten Tiere — notzuschlachten, um dann nach der Regenzeit wieder mit der Aufzucht zu beginnen. Heute kämen die Dürren in immer kürzeren Abständen.
Alle paar Kilometer passieren wir einen Weiler. Bemalte Häuser aus Beton, Häuser mit Wellblechdächern und einfache Holzhütten säumen die Strasse. Wir halten kurz an, um eine Flasche Wasser zu kaufen. Eine schwarzhaarige Frau mit grossen, mandelförmigen Augen knetet in einem grossen Eimer ihre Wäsche. Ihre Tochter hängt die sauberen Kleider an einer Wäscheleine auf. Wie farbige Fahnen in allen Grössen — vom grossen XL T-Shirt des Vaters bis zum Strampler des kleinsten Mitglieds der Familie — tanzen sie im Wind, der von den grossen Seen im Landesinneren unentwegt Richtung Meer bläst. Ich entdecke eine Gruppe Schweine, die sich gemütlich im Schlamm suhlen. Ein prächtiger Hahn und seine Gefährtinnen picken zwischen den Häusern Körner. Grosse Fischernetze hängen wie überdimensionale Spinnweben zischen den Bäumen. Ein Fischer prüft sorgfältig Netz für Netz und flickt die Löcher mit blauem Faden.
Fotos: Alejandra Romo