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Am Anfang der Erkenntnis steht immer die Frage. Nur wer fragt, kann Lücken mit Wissen füllen. Erstaunlich genug, dass ausgerechnet die alten Römer kein Fragezeichen kannten: In lateinischen Texten war die Frage nur aus dem Kontext von der Feststellung zu unterscheiden. Heute notieren wir ganz selbstverständlich ein Fragezeichen, und damit gibt’s keine Missverständnisse mehr.
Bis zum heutigen Fragezeichen war es ein langer Weg, und es gibt verschiedene Erklärungen. Eine davon besagt, dass erste Schreiber im Zug der Schriftreformen Karls des Grossen im achten Jahrhundert damit begannen, Fragen eindeutig zu kennzeichnen. Das taten sie, indem sie nach einem Fragesatz ganz einfach das Wort quaestio einfügten, auf Deutsch «Frage», so dass da zum Beispiel auf Lateinisch stand: «Er weiss das. Frage.» Bloss: Enthielt ein Text viele Fragen, häufte sich das Wort, und die Schreiber begannen abzukürzen – aus quaestio wurde «qo». Um Platz zu sparen, wurde mit der Zeit das q über dem o notiert, und das o schmolz auf einen einfachen Punkt zusammen. So hatte man am Ende der Frage ein kleines q über einem Punkt.
Es gibt auch eine andere Erklärung. Was die gesprochene Frage von der Feststellung unterscheidet, ist die Sprachmelodie. Im Gegensatz zu «Er weiss das.» weist bei der Frage «Er weiss das?» der Stimmverlauf nach oben. Das Ur-Fragezeichen könnte daher aus einem Punkt für das Satzende und einem schräg nach oben geschwungenen Doppelbogen bestanden haben, eine Art Tilde, um damit den Stimmverlauf anzudeuten – ganz ähnlich, wie das die ersten Musiknoten im gregorianischen Gesang getan haben.
schrieben Redaktor Ferdinand Stolle und Herausgeber Ernst Keil in der Weihnachtszeit des Jahres 1852:
Zu den vielen Geschenken, die Euch der heilige Christ bescheert hat, kommen auch wir mit einer Gabe – mit einem neuen Blättchen! Fern von aller raisonnirenden Politik und allem Meinungsstreit in Religions- und andern Sachen, wollen wir Euch in wahrhaft guten Erzählungen einführen in die Geschichte des Menschenherzens und der Völker, in die Kämpfe menschlicher Leidenschaften und vergangener Zeiten.
Bescheiden war sie nicht, die Woche für Woche erscheinende «Gartenlaube», und die Namen der Autoren sind ein Who is Who der Zeit: Romankapitel von Theodor Fontane standen da Seite an Seite mit Texten von Alfred Brehm (von «Brehms Tierleben») oder Heimatgeschichten von Ludwig Ganghofer. Ein Erfolgsrezept war der damals noch neue Fortsetzungsroman: Keine zehn Jahre nach der Gründung lag die Auflage bereits auf 100 000; 1875 wurde das Blatt von Millionen gelesen.
Die «Gartenlaube» ist ein Spiegel der deutschen Geschichte. In den ersten Jahren eine moralische Belehrungsschrift, wurde sie nach der Reichsgründung 1871 zum preussisch-liberalen Kampfblatt, keine 10 Jahre später schliesslich zum konservativ-unpolitischen Unterhaltungsorgan. 1904 geriet die «Gartenlaube», diese Urmutter aller Illustrierten, in rechtsnationales, dann in nationalsozialistisches Fahrwasser. Der Erfolg aber war dahin: 1944, noch vor Kriegsende, war Schluss; späte Wiederbelebungsversuche in den 70er- und 80er-Jahren führten zu nichts. Und heute sind die erhaltenen Ausgaben der «Gartenlaube» vor allem ein Fall für die Forschung.
schrieb der britische Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke:
Entweder wir sind allein im Universum, oder wir sind es nicht. Beides ist gleich furchterregend.
Die Vorstellung, da draussen im All könnte es intelligentes Leben geben, hat Menschen immer schon fasziniert und erschreckt. Schon der griechische Philosoph Plutarch hat darüber nachgedacht, ob es Lebewesen jenseits der Erde geben könnte – nicht gar so abwegig in einer Welt, in deren Mythologie es von Göttern und Halbgöttern nur so wimmelte. Über Ausserirdische spekulierte im 16. Jahrhundert auch der Priester und Astronom Giordano Bruno. Weil die von ihm postulierte Unendlichkeit des Weltraums aber keinen Raum für ein Jenseits liess, wurde Bruno im Jahr 1600 wegen Ketzerei auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Der Gedanke aber blieb, und seit 1695 und Christiaan Huygens‘ Schrift «Weltbeschauer, oder vernünftige Muthmaßungen, daß die Planeten nicht weniger geschmükt und bewohnet seyn, als unsere Erde» zählen Ausserirdische zum festen Inventar von Wissenschaft und Spekulation.
Ob niedlich wie E.T. im Spielfilm von Steven Spielberg, brutal wie die Marsianer und ihre dreibeinigen Kampfmaschinen im Hörspiel von Orson Welles oder grausig wie das Alien in den Filmen von Ridley Scott: Wesen aus der Tiefe des Alls sind ideale Projektionsflächen für menschliche Sehnsüchte und Ängste. In der geheimen Luftwaffenbasis «Area 51» in der Wüste von Nevada, so glauben Verschwörungstheoretiker bis heute, werden abgestürzte Alien-Raumschiffe untersucht – mitsamt ihren (wahlweise toten oder noch lebendigen) Besatzungen.
Jacob Schmidheiny und sein Freund Anton Dufour waren jung, und sie waren Autonarren. Dufour war der erste Ostschweizer gewesen, der einen eigenen Wagen besass. 1907 gründeten die beiden die Autofabrik «Safir», eine Abkürzung für «Schweizer Automobil-Fabrik in Rheineck», einen Steinwurf vom heutigen Flughafen St. Gallen-Altenrhein entfernt.
Schmidheiny und Dufour stammten aus Industriellenfamilien, und Bescheidenheit war ihre Sache nicht. Schnelle Tourenwagen wollten sie bauen, dazu Busse und Lastwagen. Schon ein Jahr später, 1908, zog «Safir» ins Zürcher Industriequartier, dahin, wo heute der Prime Tower steht.
Unsere Kunden sprechen sich höchst anerkennend aus über die Rentabilität der von uns bezogenen Lastwagen,
dazu Medaillen an Langstrecken-Testfahrten in der Schweiz, Deutschland, Frankreich und Belgien. Der 50 PS starke, maximal 97 km/h schnelle Tourenwagen mit seinem Kardanantrieb sei in der fünfwöchigen englischen Konkurrenzfahrt im Herbst 1907 «ohne jeden Defekt» angekommen und habe «den grössten Erfolg» errungen.
Dem Unternehmen dagegen war weniger Erfolg beschieden: Gegen die Wirtschaftskrise und die Konkurrenz im In- und Ausland kam «Safir» nicht an. Schon 1910, nach der Produktion weniger Dutzend Fahrzeuge, wurde der Betrieb wieder eingestellt. Gründer Jacob Schmidheiny aber machte weiter von sich reden: als Nationalrat, als Alleininhaber der gleichnamigen Ziegelei und als oberster Chef der Maschinenfabrik Escher Wyss.
sagt man. Zuweilen aber galoppieren Unwahrheiten munter davon, und deshalb haben Ermittler schon immer davon geträumt, eine Lüge von der Wahrheit zweifelsfrei unterscheiden zu können.
Der Gedanke ist gar nicht so abwegig: Anfang des 20. Jahrhunderts hielten die Psychologen Carl Gustav Jung und Max Wertheimer unabhängig voneinander fest, dass – erstens – Menschen beim Lügen nervös werden, und sich dass sich – zweitens – Nervosität auch in der Physiologie zeigt. Lügen ist nämlich anstrengend: Beschleunigter Atem, schneller Puls, erhöhter Blutdruck, Schwitzen, zuweilen gar Zittern. Diese körperlichen Phänomene lassen sich beobachten und messen. Und so konstruierte 1913 der Psychologe Vittorio Benussi an der Universität Graz einen ersten sogenannten «Polygraphen», einen Apparat, der kontinuierlich die Atemfrequenz und den Puls einer Testperson anzeigte.
Lügendetektoren haben sich vor allem in den USA verbreitet, und sie sind viel raffinierter geworden. Die neuesten Geräte sind sogar in der Lage, mit Infrarotkameras die Durchblutung des Gesichts und damit das Erröten zu messen – oder auch winzige Veränderungen der Stimmlage (sogar am Telefon). Magnetresonanz-Scans machen heute selbst Vorgänge im Gehirn sichtbar.
Wahr oder unwahr aber kann auch der modernste Apparat nicht unterscheiden; das kann allein der geschulte Bediener. Wenn der sich irrt – und das tut er Studien zufolge immer wieder –, kann das vor Gericht gravierende Folgen haben. In der Schweiz und in Deutschland ist der Lügendetektor im Strafverfahren daher verboten.