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Nach einer Definition des International Council of Museums (ICOM) sind Museen Einrichtungen, deren Aufgabe es ist, „das materielle und immaterielle Erbe der Menschheit und ihrer Umwelt zu erwerben, zu bewahren, zu erforschen, zu vermitteln und auszustellen (…)“. In einer Zeit verflachender Unterschiede zwischen materiellen Kulturen überall auf der Welt gerät das immaterielle Erbe einer Kultur in den Vordergrund: ihre oralen Überlieferungen – die Lieder, Geschichten, Erinnerungen.
Ethnologische Tonarchive sind heute deshalb unverzichtbare Ergänzungen der Objektesammlungen eines Völkerkundemuseums; sehen und hören Sie selbst:
shad khla
Das Stück wurde auf einer ka muiñ genannten Maultrommel gespielt; die Musikerin – sie starb vor wenigen Jahren – hiess Eni Lyngdoh; sie war eine Kharew und gehörte als solche dem grösseren Volk der Khasi im nordostindischen Bundesstaat Meghalaya an. Das Stück heisst shad khla, „Tigertanz“, und die dazu gehörende Geschichte geht so:

Geschichte
Ein Tiger und eine Frau stritten darüber, wer von beiden über grössere Kräfte verfügte. Sie beschlossen, ihre Kräfte in einem Wettkampf zu messen, und der Tiger sagte: „Gewinnst du, dann kannst du mich fressen. Gewinne ich, dann fresse ich dich.“ Die Frau dachte sich: „Sicherlich gewinnt der Tiger.“ Sie grub ein Loch und wollte notfalls hineinspringen, um sich so vor dem Tiger zu schützen.
Danach begann der Wettkampf. Der Tiger forderte sie auf, die Maultrommel zu spielen, er selbst werde zur Musik tanzen, und wer von beiden zuerst vor Erschöpfung aufgebe, sei der Verlierer. Die Frau spielte, der Tiger tanzte und tanzte, bis er vor Erschöpfung zusammenbrach und starb, ohne dass ihn die Frau auch nur berührt hätte. Sie hatte gewonnen.
Seither war es dem Tiger nicht mehr erlaubt, Menschen grundlos zu töten. Heute sind Tiger und Mensch Freunde, sie warnen und helfen sich gegenseitig.
Tigermenschen
Hier im letzten Satz ihrer Erzählung spielt Eni Lyngdoh auf die briew khla, die Tigermenschen an. Ihr Vater war ein solcher; er starb zu Hause ganz plötzlich, als ein Jäger im Wald jenen Tiger erlegte, in dem die Seele von Enis Vater unterwegs war.