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Gelebte Inklusion – das etwas andere Vorstellungsgespräch und was wir daraus lernen können
Letzte Woche ging ein Kurzfilm in den sozialen Medien viral, bei welchem es um ein Vorstellungsgespräch mit etwas anderem Inhalt geht. Der Ausgang der Geschichte überrascht. Und wir können einiges aus dem Film lernen.
Der knapp 12 Minuten dauernde Film beginnt in der stylischen Lobby einer australischen Anwaltskanzlei. Ein elegant gekleideter Kandidat namens Thomas nimmt Platz und wartet darauf, für sein Vorstellungsgespräch abgeholt zu werden. Als ihn der junge James, welcher Down Syndrom hat, zum Gespräch bittet, schaut Thomas zuerst etwas irritiert und folgt ihm schliesslich nur zögernd. Die Irritation hält an, als er in ein Büro mit verschiedenen Märchenfiguren auf dem Tisch geführt wird. Als das Gespräch beginnt, sind es nicht typische Interview-Fragen, welche dem Kandidaten gestellt werden. Denn einer der ersten Punkte, welcher angesprochen wird, sind die Film-Vorlieben des Kandidaten. Während der Interviewer zu einer Imitation des Charakters von Lord Voldemort aus den Harry Potter ansetzt, weiss Kandidat Thomas im ersten Moment gar nicht mehr, wohin schauen. Und man sieht ihm an, dass er sich überlegt, ob er dieses Gespräch abbrechen soll.
Der Interviewer ist „nur“ der Kaffeeboy
Die skurrilen Fragen und Kommentare gehen noch etwas weiter, bis Thomas gefragt wird, warum er seine jetzige Arbeitsstelle verlassen will. Daraufhin entwickelt sich ein Gespräch zwischen den beiden, in welchem es um eigene Werte und die Unternehmensziele von Firmen geht. Thomas betont, dass er gerne im Bereich von pro bono Fällen tätig wäre und damit beispielsweise Start-Ups unterstützen möchte. Nach rund sechseinhalb Film-Minuten wird das Gespräch unterbrochen. James wird von einem Vorgesetzten harsch zurechtgewiesen. Dieser hat denselben Nachnamen wie James – der Film lässt offen, ob er „nur“ ein Senior-Partner in der Firma ist oder auch der Vater von James. Der Herr weist James zurecht, er solle sich auf seine Aufgaben des Kaffee- und Teemachens und auf das Kopieren von Akten konzentrieren, statt so zu tun, als ob er der HR-Verantwortliche wäre. Doch als der Senior-Partner die Liste von James Interviewfragen sieht, realisiert er plötzlich, dass er noch etwas lernen kann. Und dass der „Kaffeeboy“ Ideen hat und Fragen stellt, welche für ein Bewerbungsgespräch sehr wertvoll sein können. Der Senior-Partner sagt sogar, er möchte von James lernen, wie man Bewerbungsgespräche „richtig“ führt.
Im zweiten Teil des Films erhalten wir einen Blick in die Zukunft. Der interviewte Thomas ist mittlerweile Partner in der Firma geworden und James unterstützt ihn dabei, Job-Kandidaten bei Gesprächen auf Herz und Nieren zu prüfen. Er ist nicht aus Versehen dort – sondern wird bei Interviews bewusst eingesetzt – und geschätzt.
Was lernen wir aus dem Film?
Hinter dem Kurzfilm versteckt sich eine schöne Botschaft – die Inkludierung von allen Mitarbeitern für alle möglichen Aufgaben in einer Firma. Und dass sich das Erkennen des Potenzials von Menschen, bei welchen dieses vielleicht nicht direkt auf den ersten Blick erkennbar ist, auszahlen kann. Ob beim ersten Kontakt mit einem Kandidaten – oder beim Feststellen, dass ein langjähriger Mitarbeiter Fähigkeiten hat, von denen man gar nichts ahnte.
Die Art, wie James Dexter dank gezielten Fragen herausfand, dass der Kandidat Thomas die richtigen Voraussetzungen für ein langfristiges Engagement in der Firma mitbrachte, ist beeindruckend. Er liess sich nicht mit einer Standard-Antwort abspeisen, sondern hängte dort ein, wo es eine Ungereimtheit gab. So fand er heraus, was die wirklichen Motive von Thomas für eine Bewerbung bei dieser Firma waren. Und schaffte es damit, dass die anfängliche Irritation des Kandidaten und des Senior-Partners in Bewunderung umschlug. Herr Dexter Senior hatte dann auch die Grösse, direkt im Gespräch zuzugeben, dass er James Fähigkeiten unterschätzt hatte. Dies gibt eine gute Indikation über die Kultur in der Firma und hinterlässt den Eindruck, dass ein respektvoller Umgang miteinander gepflegt wird – ein Umstand, der die Entscheidung des Kandidaten zugunsten der Firma sicherlich positiv beeinflusste.
Den ganzen Film können Sie sich hier anschauen.
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