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Antarktische Algen könnten eine stärkere gesundheitsfördernde Wirkung haben als ihre Verwandten aus wärmeren Breiten. Ein türkisches Forschungsteam untersucht gerade, welche Algenarten Antioxidantien und andere nützliche Verbindungen produzieren.
In einer Reihe wissenschaftlicher Studien konnte bereits gezeigt werden, dass Meeresalgen antioxidative Verbindungen produzieren, die beim Kampf gegen Krankheiten wie Krebs, Diabetes oder Atherosklerose helfen könnten. Ekrem Cem Çankırılıgil, Fischereiingenieur am Forschungsinstitut für Schafzucht in Bandırma, Türkei, vermutet, dass antarktische Makroalgen, die mit äußerst extremen Bedingungen zurecht kommen müssen, besonders wirksame Verbindungen produzieren.
Daher sammelte er Anfang dieses Jahres an der Küste von Horseshoe Island westlich der Antarktischen Halbinsel Proben von antarktischen Algen, wie er im Fachmagazin Nature berichtet. Auf derselben Insel soll auch die Türkische Antarktisforschungsstation errichtet werden.
Die Artenvielfalt der Algen in der Region ist kaum erforscht und die Wissenschaftler denken, dass sie mehr als 15 verschiedene Arten gefunden haben. Einige davon waren bisher nur aus anderen Regionen der Antarktis bekannt. Çankırılıgil vermutet, dass sich die Artenvielfalt rund um die Insel verändert haben könnte, weil Klimawandel und Gletscherschmelze die Lichtverhältnisse verändert, mehr Süßwasser eingetragen und neue Nährstoffe geliefert haben.
Mit seinem Team untersucht er nun, welche Algenarten für die menschliche Gesundheit von Nutzen sein könnten, indem sie die Proben auf Antioxidantien, Chlorophyll und weitere Verbindungen sowie auf Proteine, Lipide, Amino- und Fettsäuren analysieren.
Da Algen im marinen Lebensraum weltweit intensiver Sonneneinstrahlung und hohen Sauerstoffkonzentrationen ausgesetzt sind — Bedingungen, die die Entstehung freier Radikale begünstigen — geht man davon aus, dass sie entsprechende Mechanismen zum Schutz schädlicher Auswirkungen entwickelt haben.
In einer Studie vom vergangenen Jahr gelang es dem Team in einem Experiment die antioxidativen Verbindungen in der Braunalge Gongolaria barbata zu erhöhen, indem sie die Lichtmenge und den Salzgehalt veränderten. Ihre Hoffnung ist nun, eines Tages unter idealen Anbaubedingungen antarktische Algen zu züchten, die viele gesundheitsfördernde Stoffe enthalten. Bereits heute ist Algenextrakt in Nahrungsergänzungsmitteln enthalten.
Julia Hager, PolarJournal
Beitragsbild: Michael Wenger