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Erstmals will ein Mitglied des thailändischen Königshauses in die Politik einsteigen. Die ältere Schwester des Königs, die 67-jährige Prinzessin Ubolratana Mahidol, tritt bei den Wahlen am 24. März gegen den Kandidaten der Militärjunta an. Für SRF-Korrespondentin Karin Wenger ist klar: Hinter der Kandidatur steckt der ehemalige Premierminister Thaksin Shinawatra.
Karin Wenger
Südostasien-Korrespondentin, SRF
Karin Wenger ist seit Frühling 2016 Südostasien-Korrespondentin von SRF in Bangkok. Sie berichtet über Indonesien, Malaysia, Philippinen, Thailand, Burma, Vietnam und weitere südostasiatische Länder. Wenger lebte zuvor sechs Jahre lang in der indischen Hauptstadt Neu Delhi. Früher berichtete sie als freie Journalistin aus dem Nahen Osten.
SRF News: Warum geht das Königshaus mit dieser Kandidatur auf Konfrontationskurs mit dem regierenden Militär?
Karin Wenger: Das ist schwer zu sagen, weil man als Beobachterin nicht hinter die dicken Mauern des Königspalasts sehen kann. Aber klar ist: Unter dem letzten König Bhumibol gab es eine starke Allianz zwischen dem Königshaus und der Armee. Er hatte den Militärputsch vor fünf Jahren nicht kritisiert.
Prinzessin Ubolratana Mahidol geht eigentlich für den ehemaligen Premier Thaksin Shinawatra ins Rennen.
Diese Allianz scheint nun aufzubrechen. Denn Prinzessin Ubolratana Mahidol wurde von einer Splitterpartei des ehemaligen Premierministers Thaksin Shinawatra nominiert. Das heisst, sie geht eigentlich für ihn ins Rennen. Er selbst ist 2006 von der Armee weggeputscht worden und lebt im Exil. Somit war es ein cleverer Schachzug, diese Prinzessin einzuspannen.
Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie gewählt wird?
Die Prinzessin hat durchaus Chancen, weil sie als Kandidatin für Thaksin ins Rennen geht. Das heisst, sie vereint eine sehr grosse Anhängerschaft hinter sich. Denn Thaksins Anhängerschaft ist immer noch sehr gross.
Gleichzeitig kann sie die Royalisten hinter sich vereinen. Das gibt ihr eine gute Wählerbasis. Und sie wird dadurch zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz für den amtierenden Regierungschef, Armeechef Prayut Chan-o-Cha. Das wird ein spannender Wahlkampf. Alles ist offen.
Wird Thailand mit dieser Entwicklung stabiler oder instabiler?
Es kann beides bedeuten. Bislang hiess es immer, Thaksin Shinawatra und seine Anhänger, die Rothemden, seien Gegner der Monarchie. Wir erinnern uns an die Strassenschlachten zwischen den Rothemden und den Gelbhemden, die die Monarchie unterstützen, vor einigen Jahren. Mit der Prinzessin werden diese zwei Gegenpole miteinander vereint. Das könnte Versöhnung bedeuten. Die zentrale Frage wird nun sein: Wie wird sich die Armee verhalten? Was wird sie tun, um ihre Macht behalten zu können?
Die Armee kann mit einer Prinzessin nicht gleich umspringen, wie sie es mit anderen Oppositionskandidaten oder Herausforderern macht.
Wir haben in den letzten paar Monaten beobachtet, dass es eng wurde. Es gab weniger Luft für Aktivisten. Ende Jahr wurden zwei Leichen von Dissidenten im Mekong gefunden. Aber es ist auch ganz klar, dass die Armee mit einer Prinzessin nicht gleich umspringen kann, wie sie es mit Aktivisten oder mit anderen Oppositionskandidaten oder Herausforderern macht.
Die Prinzessin hat in der Schweiz studiert. Geheiratet hat sie gegen den Willen ihres Vaters in den USA. Sie lebte dort und bekam drei Kinder. 2001 kam sie zurück nach Thailand. Was hat sie nach ihrer Rückkehr gemacht?
Sie engagierte sich im Kampf gegen Drogen. Sie trat aber auch in Seifenopern und Filmen auf. Sie ist ein gern gesehener Gast bei Partys und bei sozialen Anlässen. Sie führte ein relativ buntes Leben. Heute ist sie wieder Teil der Königsfamilie. Sie hat aber nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie Sympathien für Thaksin Shinawatra hegt. Und diese Sympathien scheinen so gross zu sein, dass sie es jetzt wagt, für den Exilpolitiker gegen den Armeechef ins Rennen zu gehen.
Das Gespräch führte Ivana Pribakovic.