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Man schrieb das Jahr 1344. Die Trauer um den verstorbenen König Robert war abgelegt, am Hofe von Neapel rüstete man sich zu neuen Festen, denn Königin Johanna war eine lebenslustige Dame, die nicht die Absicht hatte, mit ihren achtzehn Jahren lange um den Tod ihres Grossvaters zu trauern.
In Neapel selbst hatte man dieser Thronbesteigung zum Teil mit gemischten Gefühlen entgegengesehen. Manchem sagte es nicht zu, dass eine so junge Königin den neapolitanischen Thron innehatte. Aber Johannas Vater, der Erbe der Krone, hatte sehr früh das Zeitliche gesegnet. So war Johanna am Hofe des Grossvaters geblieben und von vornherein von König Robert dazu ausersehen, einstmals die Krone von Neapel zu tragen.
Diesem Plan stellten sich allerdings bald Hindernisse in den Weg. König Ludwig von Ungarn, ein Neffe Roberts, beanspruchte für seinen Bruder Andreas die Krone von Neapel. Es kam zu einer gütlichen Einigung, indem König Robert seine Enkelin Johanna mit dem damals erst sieben Jahre zählenden Prinzen Andreas vermählte. Die beiden Kinder, Andreas und Johanna, blieben am Hofe König Roberts unter Aufsicht von Erziehern. Das kleine fünfjährige Mädchen zeigte von vornherein einen herrschsüchtigen Charakter, so dass es noch in den Kinderschuhen zu argen Differenzen zwischen dem kindlichen Ehepaare kam.
Johanna war herangewachsen, ihr jugendlicher Gatte hatte Neapel verlassen, Reisen in fremde Länder gemacht und auch an mehreren Feldzügen teilgenommen. Erst der Tod König Roberts, der im Jahre 1348 erfolgte, rief Andreas nach Neapel zurück, um bei der Krönung seiner Gemahlin zugegen zu sein.
Andreas hatte stets gehofft, dass sich Johanna bereitfinden werde, ihm die neapolitanische Krone zu überlassen. Jetzt sah er sich getäuscht. König Robert hatte alles festgelegt, hatte Johannas Ansehen gekräftigt, und so hatte man sich im ganzen Lande damit abgefunden, Johanna als zukünftige Königin anzusehen.
In Karl von Durazzo und Ludwig von Tarent, zwei Brudersöhnen ihres Grossvaters, hatte Johanna eine starke Stütze gefunden. Sie bestärkten Johanna in dem Gedanken, ihren Gatten nur als Nebenfigur zu betrachten und ihm keine Rechte einzuräumen.
Besonders Prinz Ludwig von Tarent, ein selten schöner Mann, mit leidenschaftlichem Temperament, wusste sich bei Johanna beliebt zu machen. Es war dem Manne, der Ausgangs der Dreissig stand, nicht schwer, die Zuneigung Johannas zu gewinnen. Er zeigte sich ihr gegenüber stets als aufmerksamer Untertan, als ratender Freund und als verlangender ...