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Hochgeachteter Herr Präsident!
Im Anschluße übermittle ich Ihnen eine Depesche, welche ich gestern von Hrn. Ingenieur Koller erhalten habe. Da sich Hr. Koller nicht dazu verstehen konnte, länger in Florenz zu bleiben & mir aus der beifolgenden Depesche, sowie aus einem Briefe des Hrn. Koller , den ich Hrn. Direktor Schmidlin übermittelte, hervorzugehen schien, daß eine ander weitige Einwirkung in Florenz dringend nothwendig sei, habe ich Hrn. Schmidlin die Abreise nochmals empfohlen. Derselbe hat nun versprochen, auf Samstag zu verreisen.
Ueber die Verhandlungen unsres Großen Rathes werden Sie bereits | durch die Zeitungen Näheres ver nommen haben. Ich erlaube mir zur Erklärung des Resultates noch Folgendes beizufügen. Es ergab sich bei den Vorbesprechungen, daß die Mehrheit der liberalen Mitglieder des Großen Rathes bereit war, zu einer Subvention von 1.200,000 fs. ohne Veto zu stimmen; eine nicht unbedeutende Minderheit – die Vertreter mehrerer etwas abgelegener Landbezirke, in denen sich eine sehr ungünstige Volksstimmung kund gegeben – war dagegen nicht zu bestimmen, höher als auf 1 Mill. fs. ohne Veto zu gehen. Wenn man nun nicht riskiren wollte, daß schließlich dem Betheiligungsbe schluße das Veto angehängt werde, so müßte bei der Abstimmung die Position v. 1.200,0000 fs. verlaßen werden und | die Mehrheit eventuell sich auf 1 Mill. vereinigen. Nachdem dieß erfolgt, wurde das Veto mit 59 gegen 29 Stimmen beseitigt & dann das ganze Dekret mit 67 gegen 28 Stimmen angenommen. Sämmtliche liberale Abgeordnete stimmten zu dem Dekrete.
Für unsere kantonalen Verhältniße ist diese Einmüthigkeit der liberalen Parthei in dieser Angelegenheit nicht unwichtig. Im Intereße unsrer Bestrebungen für Verwirklichung der Gotthardtbahn wäre mir freilich ein anderes Ergebniß lieber gewesen.
Genehmigen Sie bei diesem Anlaße die erneute Versicherung meiner ausgezeichnetsten Hochachtung
Ihr ergebener:
J. Zingg.
Luzern d. 9 Nov. 65.