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Heute befassen wir uns mit dem Fressen und dem Wachsen einer ganz besonderen Spezies der Maulbrüter, dem Maulbrüterwels (Arius herzbergii). Dieser Zeitgenosse bewohnt den Blätterwald und dort mit einer unvergleichlichen Anpassungsleistung einen spezifischen Lebensraum: Arius herzbergii hat sich eingerichtet in den Gezeitenkanälen der Mangrovenwälder. Dort bestimmen Ebbe und Flut das Wohl und das Wehe von Flora und Fauna. Solche Bedingungen findet das Tier laut Beobachtungen der Journa- und Aquaristik nicht nur in Nordbrasilien; der Maulbrüter siedelt im Gegenteil immer öfter in Tümpeln von Binnenländern.
Da das Wasser in den Jagdgründen des Fisches durch den Schlamm oft sehr trüb ist, das Sichtverhältnis behindert, sind über das Treiben der Tiere nur Vermutungen wissenschaftlich haltbar. Direkte Spuren seines Verhaltens zeigen sich lediglich, wenn das Wasser bei Ebbe aus dem Wald strömt und die Abdrücke der nahrungssuchenden Fische auf dem Schlammboden zutage treten.
Der Maulbrüterwels fängt üblicherweise kleines Getier, das wie er nahe an der Schlammoberfläche lebt. Bei Nahrungsmangel, Revierstreitigkeiten und interner Konkurrenzsituation kann es jedoch vorkommen, dass sich der Fisch auch hinter Artgenossen macht. Er legt ihnen dann Sätze in den Mund, die er im eigenen Maul ausgebrütet hat. Solche Art der Selbsterhaltung generiert eine Reihe weiterer Maulbruten, die dann in anderen Kanälen abgestreift werden. Beliebt dafür sind die verschiedenen Formen des Editorials.
Charakteristisch ist die Nahrungssuche der Maulbrüterwelse. Diese ist sehr oft mit Geräuschen verbunden. Sie rühren daher, dass der Fisch mithilfe starker Schwanzschläge seine Schnauze in den Boden drückt und so die oberste Schlammschicht, in der er reiche Beute vermutet, absaugt. Typischerweise gräbt das Tier selten tief, es gibt sich mit der ersten Schicht des Bodenmaterials zufrieden. Lautes Klatschen im Blätterwald ist darauf zurückzuführen, dass ein Maulbrüterwels auf Beutejagd mit der Schwanzflosse aufs flache Wasser schlägt.
Auf besonders anschauliche Weise hat sich der Maulbrüterwels Catherops sp. an das Leben in den Mangroven angepasst. Das Tier brütet seine Eier im Maul des Männchens aus. Während der Maulbrut kann das Männchen nicht fressen und magert in der Folge sehr stark ab. Doch das fortpflanzungsbedingte Fasten wird durch intensives Fressen vor und nach der Brut wieder ausgeglichen. Wissenschaftler streiten sich über die Ursachen der Feststellung, dass Fressexzesse im trüben Wasser immer häufiger werden.
Daniele Muscionico ist Journalistin bei der «NZZ» und Trägerin des Zürcher Journalistenpreises 2004.
* Siehe auch «Maulbrüter (1)»