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Gut drei Wochen nach dem Kontrollverlust über einen Weltraumfrachter erleidet Russlands Weltraumbehörde einen neuen Rückschlag. Kurz nach dem Start einer Trägerrakete mit einem mexikanischen Satelliten vom Weltraumbahnhof im kasachischen Baikonur trat eine «Notfallsituation» ein.
Die Agentur Interfax meldete am Samstag, es habe kurz nach dem Start der «Proton-M»-Rakete eine Havarie gegeben, die Mission sei missglückt. Ob es in der dünn besiedelten Region Transbaikalien im Süden Sibiriens Schäden durch den Absturz gab, ist noch unklar.
Nach Darstellung russischer Raumfahrtexperten könnten bis zu zehn Tonnen hochgiftiger Treibstoff an Bord der abgestürzten Trägerrakete gewesen sein. Die betroffene Region Transbaikalien ist bekannt für ihre unberührte Natur. Einsatzkräfte suchten dort nach der genauen Absturzstelle. Sie riefen auch die Bevölkerung auf, Hinweise zu geben.
Die Proton ist seit Jahrzehnten das Arbeitspferd der russischen Raumfahrt. Ihren ersten Testflug absolvierte sie Mitte der 1960er-Jahre.
Bei der abgestürzten «Proton-M» gab es nach ersten Erkenntnissen Probleme mit einem Motor – und zwar an der dritten Raketenstufe. Eine Kommission soll die genaue Ursache ermitteln.
Bis Klarheit herrsche, seien alle weiteren Starts abgesagt, hiess es. Betroffen ist der für Anfang Juni geplante Transport eines britischen Kommunikationssatelliten.
Der bei der Havarie zerstörte 5,4 Tonnen schwere Kommunikationssatellit MexSat1 hatte Mexiko und Südamerika mit Dienstleistungen versorgen sollen. Die Rakete mit dem Satelliten war vom Weltraumbahnhof Baikonur in der zentralasiatischen Republik Kasachstan gestartet.
Der Verlust des mexikanischen Satelliten ereignete sich nur Stunden nachdem es an der Internationalen Raumstation ISS selbst Probleme mit einem «Progress»-Weltraumfrachter gegeben hatte. Nach Angaben von Roskosmos zündete das Triebwerk eines an die ISS angedockten Frachters aus ungeklärter Ursache nicht zum geplanten Zeitpunkt.
Zum Anheben der ISS sollte der Antrieb des angedockten Raumfrachters «Progress M-26» genutzt werden. Allerdings habe die Bodenstation kein Signal über die Bereitschaft des Motors erhalten, hiess es.
Die ISS bewegt sich in einer Höhe von rund 400 Kilometern über der Erde. Wenn die Station an Höhe verliert, wird die Bahn regelmässig mit Hilfe von Motoren korrigiert. Die sechs Raumfahrer an Bord der ISS waren an der Operation nicht beteiligt. Das Manöver soll am Montag (18. Mai) wiederholt werden. Experten prüfen, ob ein anderes Triebwerk eingesetzt werden kann.
Die pannengeplagte russische Raumfahrt hatte erst vor wenigen Wochen einen unbemannten Frachter mit Treibstoff, Nahrungsmitteln und Sauerstoff verloren. Grund für das Scheitern des Transports war die Fehlzündung einer Raketenstufe Ende April. Der «Progress»-Frachter verglühte am 8. Mai beim Eintritt in die Erdatmosphäre. Wegen der Panne waren auch die nächsten bemannten Raumflüge verschoben worden. Die Vorräte an Bord der ISS reichen nach Behördenangaben aus. (sda/dpa/afp)