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<h2>SubmittedText<h2><p>Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen zu der Bedeutung, dem Zustand und der Gefährdung von Wildbienen, Solitärbienen, Hummeln und anderen wilden Bestäuberinsekten in der Schweiz:</p><p>1. Wie sind die ökologische und ökonomische Bedeutung sowie der Zustand und die Gefährdung von Wildbienen und anderen wilden Bestäuberinsekten in der Schweiz zu bewerten?</p><p>2. Wie unterscheiden sich die erhobenen Daten bezüglich Wildbestäuberpopulationen in landwirtschaftlich stark genutzten Gegenden, im Siedlungsraum, im Wald und in abgelegenen (Berg-)Gebieten?</p><p>3. Welche Gefahren gehen für Wildbestäuber aus von einem einseitigen Trachtangebot, Zeitpunkt und Methoden der Ernte, synthetischen Pestiziden, vermehrt auftretenden Wetterextremen, der Sauerbrut oder Varroamilbe usw.?</p><p>4. Welchen Handlungsbedarf leitet er aus den gewonnenen Erkenntnissen ab, bzw. welche Massnahmen zum Schutz von wilden Bestäuberinsekten hält er für dringlich?</p><p>5. Neue Richtlinien der Efsa zur Risikobewertung von Pestiziden für Bienen sehen auch die Bewertung von Risiken für Hummeln und Solitärbienen vor. Ist er bereit, solche Bewertungen einzuführen, und wenn ja, auf welchen wissenschaftlichen Grundlagen will er diese aufbauen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass die Rolle der Wildbienen und anderer Wildbestäuber für die Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen bisher deutlich unterschätzt wurde. Wildbienen sind aufgrund von physiologischen, morphologischen oder verhaltensbiologischen Eigenschaften im Vergleich zur Honigbiene oftmals ebenbürtige, effizientere oder gar die alleinigen Bestäuber bestimmter Blütenpflanzen. Insbesondere die Wildbienen erlitten aber in den vergangenen Jahrzehnten teilweise beträchtliche Rückgänge sowohl in ihrer Artenvielfalt als auch in ihren Bestandesgrössen. So sind in Mitteleuropa je nach Land und Region zwischen 25 Prozent und 68 Prozent aller Wildbienenarten auf aktuellen Roten Listen aufgeführt. In der Schweiz gelten gemäss einer Einschätzung aus dem Jahr 1994 45 Prozent der rund 600 Wildbienenarten als gefährdet, und einige sind schon verschollen. Die Bestandessituation der Wildbienen dürfte sich nach Einschätzung von Fachleuten seither eher noch verschlechtert haben. Die aktuelle Gefährdungssituation der Wildbienen in der Schweiz ist jedoch unbekannt, und es fehlt eine langfristige Überwachung der Wildbestäuberfauna.</p><p>2. Es gibt wenig Daten, die speziell die Frage der Wildbestäuberpopulation in Abhängigkeit von den Gebieten beantworten. Wildbienen haben hohe Ansprüche an ihre Nahrungs- (Blüten) und Nistressourcen (Kleinstrukturen) und reagieren entsprechend empfindlich auf alle Landschafts- und Lebensraumveränderungen, die zu einer Verringerung oder zu einer räumlichen Veränderung des Angebotes an Blüten und Kleinstrukturen führen. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts führten die Intensivierung der Landwirtschaft, die Ausräumung der offenen Kulturlandschaft sowie die rasante Ausdehnung des Siedlungsgebietes in der Schweiz vielerorts zu einer massiven Abnahme des qualitativen und quantitativen Angebotes an Nahrungs- und Nistressourcen. Andererseits verwaldeten wertvolle Grenzertragsstandorte durch Nutzungsaufgabe, und Wald ist bekanntlich arm an Wildbienen. Siedlungsraum kann durch die gezielte Ansiedlung geeigneter Pflanzenarten oder durch die Schaffung von geeigneten Nistplätzen ein Refugium bzw. eine Oase für Wildbienen sein.</p><p>3. Sauerbrut und Varroamilbe sind spezifisch an der Honigbiene. Unter den aufgeführten Gefährdungsfaktoren dürfte die starke Abnahme des qualitativen und quantitativen Blütenangebots und von Nistplatzmöglichkeiten (Boden, Altbäume) eine der Hauptursachen für den Rückgang der Wildbienenvielfalt und -häufigkeit in weiten Teilen Europas sein. Tatsächlich ist - bedingt durch den hohen Anteil an Nahrungsspezialisten unter den Wildbienen - die Artenvielfalt der Blütenpflanzen oft der entscheidende Faktor für die Diversität der Wildbienen auf Landschaftsebene. Gerade diejenigen Blütenpflanzen, welche von Wildbienen besonders stark genutzt werden, gingen am stärksten zurück. Das Mähen mit einem Kreiselmäher mit Aufbereiter während Flugstunden kann der Honigbiene schaden. Das kann auch der Fall für die Wildbestäuber sein. Pestizide können bei falscher Anwendung Honigbienen schädigen. Effekte auf Wildbienen können gleich oder sogar grösser sein (Einfluss auf die Reproduktion).</p><p>4. Im August 2013 wurde in Erfüllung der Motion UREK-N 13.3372 eine Arbeitsgruppe gebildet mit dem Ziel, einen Massnahmenplan zur Bienengesundheit in der Schweiz auszuarbeiten, der auch Wildbienen und Hummeln berücksichtigt. In der Arbeitsgruppe sind Experten auf diesem Gebiet vertreten.</p><p>5. Die Schweiz beteiligt sich an den laufenden Gesprächen (Efsa, OECD, Setac) über die Einführung neuer Bewilligungsverfahren für Pestizide in der EU und namentlich über die Beurteilung des Risikos für andere Bestäuberinsekten als die Honigbiene. Neue Evaluierungsmethoden müssen erarbeitet werden. Diese Methoden werden in der Schweiz angewendet, sobald sie von den zuständigen internationalen Organisationen geprüft wurden.</p>  Antwort des Bundesrates.