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Edward Saidi Tingatinga
Vier Jahre nachdem Edward Saidi Tingatinga zum ersten Mal Pinsel und Farbe in die Hand nahm, finden seine
Bilder immer mehr Käufer - und seine eben erst begonnene karriere ein abruptes Ende: Eine Polizeistreife
erschießt 1972 den 40-jährigen Tingatinga an einem Samstagabend mitten in Dar es Salaam. Irrtümlich zwar,
weil sie ihn für einen flüchtenden Räuber hielt, doch das machte den Verlust für seine Frau Agata Mataka nur
noch härter. Erst zwei Jahre waren sie verheiratet, und Agata hatte die Bilder ihres Mannes an immer mehr
Touristen verkaufen können. Jetzt lebte sie mit ihren beiden Kindern Daudi und Maritina allein im einzigen
Raum ihrer kleinen Wohnung.
Geboren wurde Tingatinga 1932 im Dorf Namocheli im Distrikt Tunduru, nahe der mosambiquanischen Grenze.
Da die Volksgruppen im Süden Tansanias matrilinear organisiert sind, wird er wie seine Mutter ein Makua,
während sein Vater zum Volk der Ndonde gehörte. Edward Saidi besuchte vier Jahre die Primarschule;
mit 25
zog der Älteste von vier Kindern von zuhause weg nach Tanga an die Küste nahe der kenyanischen Grenze.
Dort fand er Arbeit auf einer Sisalplantage, zog aber 1959 nach zwei Jahren weiter nach Dar es Salaam zu seinem
Cousin Salum Mussa, der ihm eine Stelle als Hausboy beschaffen konnte. Später zog er mit einem Fahrrad
durch Dar und verkaufte Früchte und Gemüse, machte Stickarbeiten und lernte Matten und Körbe zu flechten.
In dieser Zeit dekorierte Tingatinga auch einzelne Häuser in Dar mit traditionellen Motiven und Farben aus
roter Tonerde, weißem Kalkstein und Holzkohle.
36-jährig nimmt Tingatinga erstmals einen Pinsel und Ölfarben zur Hand und beginnt auf einer quadratischen
Spanplatte Tiere zu malen. In dieser Zeit wirkt er auch als talentierter Tarimba-Spieler bei der Musik- und
Tanzgruppe Sindimba und lernt dort seine spätere Frau Agata Mataka kennen.
Vor allem bei Touristen finden Tingatingas Bilder auf den 60x60 cm großen Spanplatten Anklang. Als er die
ersten Aufträge von der 'National Development Cooperation' erhält, kann er bald seinen Job am Empfang des
Muhimbili Medical Centre, dem Universitätsspital, aufgeben und ganz vom Malen leben.
"Tingatinga war immer gut aufgelegt", erinnert sich Saidi Chilamboni, der ihn aus der Zeit im Muhimbili Hospital kennt, "ich habe ihn nie streiten gesehen oder jemanden ausnützen. "
Bald schon hatte Tingatinga einige Verwandte um sich herum, die ihm bei der Arbeit halfen; doch er ermutigte
sie, selber mit malen zu beginnen. So wurde Ajaba, Adeusi, Linda, Tedo und Mpata, der jüngere Bruder von
Tingatinga, seine ersten Schüler.