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Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Niederrhein D
Johanna ist vor kurzem ein Jahr alt geworden. Seit einigen Tagen kann sie frei laufen. Lange Zeit war sie nur durch die Wohnung gerobbt.
Ihre Krabbelphase war sehr kurz. Es folgten das Entlanghangeln an Wänden und Möbeln, Festhalten und Gehen. Jetzt läuft sie, tapsend noch mit Trippelschritten.
Sie muss nicht mehr darauf achten, wie sie ihre Beine bewegt. Sie läuft problemlos mit 3 Puppen im Arm durch die Wohnung. Sie kann mehr entdecken, sieht viel mehr und begreift mehr.
Ihr erstes Wort ist „Mama“, alles ist „Mammamamam“, manchmal „daa“ und andere Buchstabenfolgen. Kopfnicken und Kopfschütteln versteht sie und sagt „ja“ oder „nein“.
Sie kennt Gesten:
-- das leichte Drehen der erhobenen Hand für die Verabschiedung,
-- das Zeigen mit dem Finger auf etwas, das sie haben oder essen will.
Sie versteht schon so viel! „Hole dir ein Sitzkissen, dann ist es auf dem Korbhocker bequem.“ Sie läuft durchs Zimmer, holt das Kissen und legt es auf den Hocker.
„Bringst du mir mal den Ball?“ Sie lässt ihn in meine Richtung rollen. „Komm’ zu mir!“
„Zähne putzen!“ Sie nimmt die Zahnbürste und steckt sie sich in den Mund. Sie kann die Puppen genau unterscheiden.
Sie macht sich vielfältig bemerkbar. Sie versteht, ohne Worte zu machen. Wenn sie etwas verstanden hat, lächelt sie die Person freundlich an.
Sie strahlt, und ich lächle zurück. Es ist ein zufriedenes Lachen. Beidseitig. Kinderlieder summt sie schon ein wenig mit.
Wenn sie sich behaglich fühlt, wenn es ihr schmeckt, summt sie laut vor sich hin. Sie zeigt auf das, was sie essen und trinken möchte und was sie nicht mag. Sie reisst ihre Arme nach oben, schaut den Erwachsenen an und will auf den Arm.
Die Mutter weiss sehr genau, warum sie weint. Der Durchbruch eines neuen Zahns steht bevor und bereitet Schmerzen. Sie will getröstet werden und beruhigt sich nach einiger Zeit.
Das Windelnwechseln kennt sie inzwischen gut. Sie hilft dabei mit, auch beim Anziehen, und beim Aufräumen.
Man kann sich mit ihr unterhalten, auch wenn sie nur wenige Worte sprechen kann. Sie lernt enorm viel und schnell in kürzester Zeit.
Sie ist jetzt mobil und mehr Gefahren ausgesetzt. Aber das wird das ganze Leben anhalten!
*
Justus, ihr Bruder, ist jetzt 4. Er will mit Opa in den Wald. Es sind nur ein paar Schritte zu gehen.
„Gehen wir quer durch?“ Der Boden ist weich. Wir laufen auf Blättern und Moos.
Die Baumkronen lassen nur wenig Licht durch. Abgestorbene Bäume und Äste liegen herum. „Bauen wir ein Baumhaus?“
Wir sammeln Äste. Justus findet die mit einer Gabelung gut. Man kann sie festklemmen. Jetzt noch Reisig zwischen die Äste legen. „Kommst du auch mit rein?“ Erst ein Foto machen. Justus im Baumhaus.
Justus interessiert sich für alles. An Altholzstöcken sind Baumpilze. Er entdeckt den mit den hübschen Ringen.
In einem Baumstumpf ist ein Loch. Wasser steht darin. „Das ist ein Mäuseklo!“
Justus muss mal. Er pinkelt ins „Mäuseklo“. Und freut sich.
Es geht einen Abhang hinunter. Justus findet einen Weg. Unten steht ein fertiges Baumhaus.
„Wer hat das gebaut?“ ‒ „Wer wohnt da drin?“ ‒ „Da schlafen nachts Tiere!“
Gerippeartiges Holz in einem alten Baumstamm. „Das ist ein Dinosaurierknochen!“ ‒
„Den nehmen wir mit, Mamma und Papa zeigen.“
Wir laufen zurück. Justus weiss den Weg.
Er ist schon so gross!
Hinweis auf ein weiteres Blog über Enkelkinder
20.01.2009: Skypen: Ein neues Programm mit Nähe zu den Enkelinnen