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Bei fortgeschrittenem Tumorstadium kann eine vollständige Tumorentfernung häufig nicht mehr durchgeführt werden. Teilentfernungen der Tumore sind nicht sinnvoll, da sie nur die Risiken der Operation beinhalten aber langfristig zu keiner Verbesserung des Überlebens führen. Das Ziel der Behandlung ist es dann, die Symptome des Patienten zu lindern.
Der Nutzen der Strahlentherapie (Radiotherapie und/oder Chemotherapie) beim Bauchspeicheldrüsenkrebs wurde in den letzten Jahren intensiv untersucht und es liegen dazu neue, teilweise allerdings noch etwas widersprüchliche Ergebnisse vor. Gesichert gilt heute die Tatsache, dass auch der Bauchspeicheldrüsenkrebs eine Erkrankung ist, welche mit geeigneten Chemotherapeutika behandelt werden kann. Es gibt verschiedene wirksame Substanzen und Substanzkombinationen, die jedoch teilweise noch im Rahmen von kontrollierten klinischen Studien geprüft werden.
Betreffend des Nutzens der Strahlentherapie zeigen insbesondere Daten aus Europa, dass sie häufig nicht wirksam ist. Sie wird deshalb in Europa nur in ausgewählten Fällen eingesetzt. Im Gegensatz dazu empfehlen aber gewisse Krebszentren insbesondere in den USA nach wie vor die routinemässige Strahlentherapie kombiniert mit Chemotherapie vor oder nach einer operativen Entfernung eines Bauchspeicheldrüsenkrebses.
Risiken der Bauchspeicheldrüsenchirurgie und Heilungschancen
In Zentren mit genügend hohen Fallzahlen und Erfahrung des gesamten Behandlungsteams ist die Operation der Bauchspeicheldrüse in den letzten Jahren sehr sicher geworden. Trotzdem kommt es nach der Operation gelegentlich zu Komplikationen, welche in ihrer Häufigkeit von der Tumorausdehnung, der Beschaffenheit der Bauchspeicheldrüse und vom Allgemeinzustand des Patienten abhängen. Neben den gängigen postoperativ möglichen Komplikationen wie zum Beispiel Blutung, Infektion oder Thrombose hat das Austreten von Bauchspeicheldrüsensaft aus der Restbauchspeicheldrüse (Pankreasfistel) in die Bauchhöhle besonderen Stellenwert. Eine nochmalige Operation aus diesem Grund ist sehr selten notwendig, verlängert jedoch häufig den Spitalaufenthalt und braucht besondere Aufmerksamkeit des Chirurgenteams.
Viele Patienten haben schon vor der Diagnose des Bauchspeicheldrüsentumors eine ungenügende Verdauung da die Verdauungsenzyme nicht in genügender Menge in den Darm gelangen können. Eine Mehrzahl der Patienten braucht nach dem Eingriff einen Ersatz von Verdauungsenzymen in Form von Kapseln, die zu jeder Mahlzeit eingenommen werden, aber äusserst gut toleriert werden. Auch die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) kommt häufig bei Patienten mit Bauchspeicheldrüsentumoren vor. Nach der Operation beobachtet man vielfach ein Gleichbleiben dieser Situation, jedoch sind auch Verbesserungen oder Verschlechterungen der Zuckerkrankheit möglich je nach Lage des Tumors und Ausmass der notwendigen Entfernung der Bauchspeicheldrüse (Resektion).
Trotz radikaler Entfernung des Pankreaskarzinoms leben nur ca. ¼ der Patienten, länger als 5 Jahre nach der Operation.
Patienten mit zystischen oder neuroendokrinen Tumoren haben eine deutlich bessere Prognose.
Patienten mit einem Pankreaskarzinom, bei denen eine Tumorentfernung auf Grund der Ausdehnung nicht möglich ist, sterben leider mehrheitlich innerhalb von 2-3 Jahren auch bei Einsatz von Chemotherapie.
Stand der Forschung
Weitere Forschung und Untersuchungen der molekularbiologischen Veränderungen beim Bauchspeicheldrüsenkrebs werden zu einem genaueren Verständnis der Tumorentstehung führen und damit die Grundlage für neue Ansätze in der vielleicht auch gentherapeutischen Behandlung des Bauchspeicheldrüsenkrebses bilden. Andererseits werden zunehmend und mit guten Erfolgen auch lokal ablative Verfahren (irreversible Electroporation, IRE) bei Pankreaskarzinomen eingesetzt, welche zwar technisch lokal nicht entfernbar sind aber noch keine Ableger gebildet haben. Das Inselspital ist eines der weltweit wenigen Zentren, welches eine solche Therapie aktuell anbieten kann.
Nachsorge
Sämtliches entfernte Gewebe wird durch erfahrene Pathologen mikroskopisch untersucht, womit eine genaue Beurteilung von Tumortyp und Tumorstadium erfolgen kann. Dies bildet die Grundlage für allenfalls notwendige weiterführende Behandlungen, welche individuell für jeden Patienten wöchentlich am interdisziplinären Tumorboard besprochen wird. Grundsätzlich gilt, dass bei Tumorstadien mit Befall der regionalen Lymphknoten eine zusätzliche Chemotherapie empfohlen wird.
Nach erfolgter Operation und abgeschlossener Zusatzbehandlung sollten die Patienten durch körperliche Untersuchungen, Laboruntersuchungen und eventuell auch radiologische Untersuchungen (Ultraschall, Computertomographie, Magnet-Resonanz-Tomographie) kontrolliert werden. Die Organisation von Nachuntersuchung erfolgt in Zusammenarbeit mit den behandelnden Hausärzten.
Entfernung Bauchspeicheldrüse - wie weiter im Alltag?
Bei Patienten, bei welchen die ganze Bauchspeicheldrüse oder auch nur ein Teil davon entfernt werden musste, kann es zu einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Einschränkung der Bauchspeicheldrüsenfunktion kommen. Dabei stehen folgende zwei Probleme im Vordergrund:
- zu wenig Pankreasenzyme: führt zu Verdauungsproblemen
- zu wenig Insulin: führt zu hohem Blutzucker
Ersatz von Pankreasenzymen
Heute sind gute, moderne Präparate auf dem Markt, welche die Enzyme der Bauchspeicheldrüse ersetzen (z.B. Creon, Panzytrat). Diese Enzympräparate müssen zu allen Hauptmahlzeiten und auch bei fett- oder proteinreichen Zwischenmahlzeiten ("Snacks") eingenommen werden.
Blutzuckerkontrollen, Insulinsubstitution
Sollten sich infolge der Bauchspeicheldrüsenkrankheit oder der Operation hohe Blutzuckerwerte zeigen, ist es notwendig, eine entsprechende Blutzuckertherapie durchzuführen. Diese erfolgt mehrheitlich mit Insulin und wird in Zusammenarbeit mit dem Hausarzt und/oder den Diabetesspezialisten des Inselspitals etabliert.