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Die Niederschläge waren massiv, aber es war warm. Grosse Schneemengen fielen damit nur im Hochgebirge.
Eins vorweg: Rekordverdächtig waren bei diesem Ereignis vor allem die Niederschlagsmengen in flüssiger Form, nicht die Schneemengen. So fielen vom Samstag, 26. bis Dienstag, 29. August in Teilen des Tessins und Mittelbündens über 200 mm Niederschlag (siehe dazu auch Blog MeteoSchweiz). Mit einem eindrücklichen Temperatursturz sank die Nullgradgrenze von über 5000 m um 3000 m ab und lag am Dienstag bei 2000 bis 2500 m; die Schneefallgrenze sank von über 3000 m gegen 2000 m ab, in Südbünden lag sie aber lange deutlich höher (Abbildung 1).
Die Verifizierung der gefallenen Neuschneemengen gestaltete sich sehr schwierig: Die lokalen Abweichungen sind bei so grossen Niederschlagsmengen beträchtlich und die Schneefallgrenze lag lange sehr hoch und war zudem regional sehr unterschiedlich. Weitere Schwierigkeiten waren: (1) die IMIS-Stationen, welche die Schneehöhe messen liegen fast ausschliesslich in einem Höhenband von 2200 bis 2800 m und sind damit meist zu tief, (2) höher oben sind kaum Stationen verfügbar, (3) hoch gelegene Webcams (Bsp. Gornergrat, Jungfraujoch, Mittellegihütte, Titlis, Diavolezza) sind oft vereist, aber auch sonst ist die Neuschneeabschätzung aufgrund der Bilder sehr schwierig.
Die beste Abschätzung liefert das INCA-Modell, ein Produkt von MeteoSchweiz, welches die Neuschneehöhen aus Radar- und Stationsdaten berechnet (vgl. Abbildung 2).
Die IMIS-Station ELA 2 (Tschitta, 2725 m) in Mittelbünden (Bergün) zeigte am 29. August allerdings eine Schneehöhe von 51 cm und eine 3-Tages-Neuschneesumme von 71 cm. Dies lässt vermuten, dass die Neuschneesummen im Osten vom INCA eher etwas unterschätzt wurden. Dafür scheinen die Werte im Westen eher etwas hoch verglichen mit dem Eindruck, der sich von den Webcams ergibt.
Abgeschätzt aus allen verfügbaren Informationen dürften verbreitet 50 bis 80 cm Neuschnee oberhalb von rund 3000 m, bzw. im Berninagebiet oberhalb von etwa 3500 m gefallen sein. Markant war aber sicherlich auch die Höhenzunahme der Neuschneemengen, so dürften die Neuschneemengen oberhalb von 4000 m deutlich über einem Meter liegen. Dies zum Beispiel im MonteRosa oder Aletschgebiet.
Am Sonntag, 27. August erschien ein Lawinenbulletin (Textbulletin). Darin wurde vor trockenen Schneebrettlawinen im Neu- und Triebschnee im Hochgebirge gewarnt. Der Schnee fiel verbreitet auf aperen Boden.
Die Lawinengefahr dürfte in den kommenden Tagen rasch abnehmen. Dennoch sollte vor allem an Nordflanken im Hochgebirge eine vorsichtige Beurteilung der Verhältnisse gemacht werden. Ebenfalls sollten exponierte Stellen, wo bereits ein kleiner Rutsch zum Absturz führen kann, vorsichtig beurteilt werden. Vor allem an Grashängen oder aus Felsplatten sind Gleitschneerutsche zu erwarten.
Über Lawinenabgänge war bis Redaktionsschluss nichts bekannt.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.