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Zur langen Geschichte des Gasthofes „Hirschen“ in Lyss BE
Der Bau des Gasthofs ”Hirschen” geht, soweit dies aktenkundig nachweisbar ist, auf Jahr 1870 zurück. Sechs Jahre nach der Eröffnung der Eisenbahnlinie Bern-Lyss-Biel und sechs Jahre, bevor das Dorf Lyss mit dem Bau der Bahnlinie Lyss-Payerne-Lausanne zum Eisenbahnknotenpunkt wurde, entstand am heutigen Hirschenplatzes eine Gastwirtschaft, die „Hotel, Restaurant, Speisesaal, Wohnung und Kellergewölbe“ umfasste. Im Jahr 1875, als die Ortschaft Lyss wahrscheinlich erstmals vermessen wurde, wurde das Grundstück, zu dem noch Garten, Hofstatt und Wiesland gehörten, mit einer Fläche von 22’978 Fuss angegeben. Dies entspricht einer Flächt von 3’147 Quadratmetern.
Der „Hirschen“ wurde nicht zufällig zu diesem Zeitraum erbaut. Vielmehr ist davon auszugehen, dass vom Bau der ersten Bahnstation in der ersten Hälfte der sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts und von der Erstellung der Bahnhofstrasse (1863) starke bauliche Impulse ausgingen, die zu einem neuen Dorfzentrum im Gebiet des heutigen Hirschenplatzes im damaligen „Unterdorf“ führten. Zwischen dem ehemaligen Dorfzentrum bei der alten Kirche und dem damals neuen Bahnhof entstand der neue Dorfmittelpunkt, obwohl eine Strassenverbindung nach Biel noch fehlte. Dass sich die neugewonne Verkehrsgunst der Ortschaft Lyss nicht nur baulich stark niederschlug, sondern auch wirtschaftlich grosse Auswirkungen hatte, zeigen verschiedene Vereinsgründungen. Musikgesellschaft, Frauenchor, Männerchor, Turnverein und die Eröffnung einer Sekundarschule fielen in die gleiche Zeit, die in Lyss ganz offensichtlich von einer Aufbruchsstimmung gekennzeichnet war.
Auf einem Plan aus der Jahr 1897 ist ersichtlich, dass der „Hirschen“ schon damals eine Terrasse mit zwei Treppenaufgängen hatte. Vor dem Hirschen befand sich ein grosser Garten mit zwei Brunnen. In Richtung des heutigen Gemeindehauses war ein weiterer Garten anzutreffen. Unmittelbar hinter dem „Hirschen“ befand sich zur damaligen Zeit ein kleineres Bauernhaus mit nördlich dahinterliegender Scheune.
Grössere Umbauten erlebte der Gasthof in den Jahren um 1940 und um 1959, als nach langwierigen Verhandlungen mit der Gemeinde und den Kantonsbehörden die bekannte Gebäudeecke Richtung Hirschenplatz wegen Strassekorrektionsarbeiten und Trottoirbau „gebrochen“ werden musste. Der Umbau der Vierziger Jahre wurde vom Architekten Schneider, dem Erbauer der Chesa Veglia in St. Moritz, geleitet; beim Umbau 1959 hingegen wirkte Kunstmaler Soom gestalterisch mit, der auch das Wandbild im heutigen Saal schuf.
Als erster Eigentümer und wahrscheinlicher Erbauer des „Hirschen“ ist 1879 Friedrich Bucher anzutreffen.Um Jahr 1906 erwarb die Bierbrauerei Lyss AG die Liegenschaft. Weitere Eigentümerwechsel prägten die Jahrzehnte bis zum heutigen Tag.
Im Saal des Restaurants „Hirschen“ ist ein direkt auf das Mauerwerk gemaltes Wandbild zu sehen: eine Darstellung des alten Lyss, die der Maler Walter Soom (Heimiswil) geschaffen hat. Als thematische Vorlage diente dem im ganzen Bernerland bekannten Künstler ein vom Appenzeller Ulrich Fizi stammender kolorierter Stich aus dem Jahr 1841, auf dem eine Partie am Schlattbach, eine Häuserzeile an der heutigen Aarbergstrasse (zwischen Lyssbach und Hirschenplatzes) dargestellt ist.