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Franz, Liederkomponist, geb. 22. Dez. 1819 zu Eilenburg, besuchte die Thomasschule in Leipzig, studierte dann Theologie
daselbst, wandte sich aber bald der Musik zu, in der er sich zunächst als Dirigent des Studentengesangvereins Philharmonischer
Verein und durch beifällig aufgenommene Klavier- und andre Kompositionen auszeichnete. Zu Anfang 1841 erhielt er
die Stelle eines Musikdirektors am Hoftheater zu Bernburg und gegen Ende desselben Jahrs eine gleiche Stelle am Aktientheater
in Zürich,
wo er bis Ende 1852 blieb und durch zahlreiche Kompositionen (besonders für ein- und mehrstimmigen Gesang) sich große
Beliebtheit erwarb. Aus jener Zeit stammt unter andern die allbekannte Komposition des Liedes »Wenn die
Schwalben heimwärts ziehn etc.« Seit 1852 als Hofkapellmeister in Braunschweig angestellt, ward er 1881 pensioniert und lebt
zur Zeit in Wiesbaden. Abts Kompositionen (über 200 Nummern) zeichnen sich im allgemeinen durch Melodienreichtum und gefällige
Harmonie aus, erheben sich jedoch nur selten über das Niveau des Liedertafelgeschmacks.
einem Schiff die Takelage, d. h. die beweglichen Teile der Masten (Stengen) und die andern Rundhölzer (Raaen
etc.) sowie die Segel und das Tauwerk (mit den Blöcken, bez. Takeln), abnehmen.
Dies geschieht, wenn das Schiff außer Dienst
gestellt wird, und zuweilen bei größern Reparaturen, wo sein Gewicht vermindert werden muß.
Das Aufbringen
der Takelage auf ein neugebautes oder abgetakeltes Schiff heißt Auftakeln.
in der Jägersprache einen Leithund oder Schweißhund, welcher eine Fährte so oft gezeichnet hat, daß man
sie ansprechen (richtig erkennen) kann, vorn aufheben und von der Fährte fortführen, damit er auf derselben
nicht weiter suche;
auch einen Jagdfalken so zähmen, daß er sich auf der Faust tragen und sich das gefangene Wild abnehmen
läßt.
gold- und silberhaltige Legierungen einem oxydierenden Schmelzen unterwerfen, wobei die unedlen Metalle in
Oxyde verwandelt werden, die edlen Metalle aber unverändert bleiben. Hauptsächlich wird diese Operation
auf silberhaltiges Blei angewendet, um das Blei nebst andern oxydierbaren Metallen vom Silber zu scheiden. In der Hitze und unter
dem Zutritt der atmosphärischen Luft ist Blei leicht zu oxydieren. Das Oxyd (Bleiglätte, Silberglätte) schmilzt und fließt
ab oder wird von dem porösen Herd, auf welchem man das Abtreiben vornimmt, aufgesogen. - Im Seewesen heißt
von Wind und See in Lee (s. d.) getrieben werden; das Ergebnis des Abtreibens nennt man Abtrift, d. h. der Winkel, welchen der
wahre Lauf des Schiffs mit der Richtung des Kiels macht. - Im Forstwesen ist Abtreiben s. v. w. Abholzen.
der Leibesfrucht, die widerrechtlich herbeigeführte Ausstoßung eines unreifen Kindes aus dem Mutterleib
oder die widerrechtliche Tötung eines solchen im Mutterleib. Schon im Altertum kannte man die verbrecherische Handlungsweise,
teils
durch mechanische Kunstgriffe, teils durch innere arzneiliche Mittel (s. Frühgeburt) den Fötus im Mutterleib zu töten
oder die Gebärmutter zu dessen vorzeitiger Ausstoßung zu veranlassen, und noch heute wird sie zuweilen
namentlich von außerehelich Geschwängerten ausgeübt, obschon die Gesetze harte Strafe darauf setzen.
Das deutsche Strafgesetzbuch (§§ 218 ff.) besonders straft die Schwangere, welche ihre Frucht vorsätzlich abtreibt oder
im Mutterleib tötet, mit Zuchthaus bis zu 5 Jahren und bei mildernden Umständen mit Gefängnis bis zu 5 Jahren
und nicht unter 6 Monaten. Gleiche Strafe trifft auch denjenigen, welcher mit Einwilligung der Schwangern die Mittel hierzu bei
ihr angewendet oder ihr beigebracht hat. Hat der Betreffende dies gegen Entgelt gethan, so steigert sich die Strafe auf Zuchthaus
bis zu 10 Jahren.
Wurde aber die Abtreibung ohne Wissen und Willen der Schwangern vorgenommen, so tritt Zuchthausstrafe von mindestens 2 bis
zu 15 und, wenn dadurch der Tod der Schwangern herbeigeführt wurde, Zuchthausstrafe von mindestens 10 Jahren bis auf Lebenszeit
ein. Auch der Versuch der Abtreibung ist strafbar. In medizinischer Hinsicht ist zu bemerken, daß die Abtreibung, durch
welches Mittel sie immer versucht werden möge, nie ohne große Gefahr für die Mutter selbst stattfinden kann, und daß oft
Siechtum fürs ganze Leben oder doch chronische Leiden der Geschlechtsteile und andre schwere Folgen nach der Abtreibung zurückbleiben.
In manchen Ländern besteht die Unsitte, daß selbst verheiratete Frauen die Abtreibung vornehmen, um einem zu
reichen Kindersegen vorzubeugen.
Vgl. v. Fabrice, Die Lehre von der Kindesabtreibung (Erlang. 1868);
Horch, Das Verbrechen der
Abtreibung (Mainz 1879);
Ploß, Zur Geschichte, Verbreitung und Methodik der Fruchtabtreibung (Leipz. 1884).
(Abort, Appartement, Kommoditee, Klosett, Retirade, Privet), der zur Aufnahme der menschlichen Exkremente bestimmte
Raum, soll womöglich warm und so gelegen sein, daß man ihn vom Wohn- und Schlafzimmer erreichen kann, ohne das Freie passieren
zu müssen. Dieser Forderung ist indes nur dann zu genügen, wenn die ganze Anlage eine derartige ist,
daß aus den Exkrementen (s. d.) sich entwickelnde Gase nicht ins Haus gelangen können. Der Abtritt muß jedenfalls geräumig, hell
und vollkommen luftig, aber nicht zugig sein.
Zur Ableitung des bei der Benutzung des Abtritts sich entwickelnden Geruchs bringt man ein Stankrohr an, welches vom Trichter
ausgeht und über dem Dach des Hauses mündet. Das Sitzbrett bestehe aus hartem polierten Holz, die Brille
sei mit einer schweren Klappe verschließbar, welche so mit der Abtrittsthür verbunden sein kann, daß sie sich beim Öffnen
der letztern von selbst schließt. Mit der Brille wird direkt das Abfallsrohr verbunden, oder man fügt einen Trichter
aus emailliertem Gußeisen, Steingut, Porzellan ein, welcher unten mit einer automatisch sich öffnenden und schließenden Klappe
oder mit einem ∿-förmig gebogenen Rohr (Siphon) versehen ist, in welchem die Exkremente einen gasdichten Abschluß gegen das
Abfallsrohr bilden. Letzteres besteht am besten aus Steingutröhren. Über die Ansammlung der Exkremente in Gruben oder
Tonnen s. Exkremente. Die Konstruktion des Abtritts hat erst in neuerer Zeit diejenige Beachtung gefunden, welche sie verdient;
man findet indes noch häufig genug Einrichtungen, welche
mehr
den einfachsten Anforderungen der Hygieine durchaus nicht entsprechen. Weitaus am komfortabelsten und allen Ansprüchen genügend
ist das Wasserklosett (water-closet), bei welchem der Trichter mit Siphon versehen ist, der durch reines Wasser aus einer Wasserleitung
abgeschlossen wird. Nach jeder Benutzung wird der Trichter durch einströmendes Wasser gespült, und wenn derselbe von
Zeit zu Zeit mit einer Bürste abgerieben wird, ist das Klosett vollständig geruchlos.
Immerhin muß auch ein Abtritt mit Wasserklosett hell und luftig sein. Vorteilhaft versieht man das Wasserklosett
mit einer Vorrichtung, welche beim Öffnen der Thür des Abtritts in Funktion tritt und den Trichter mit einer bestimmten,
von der Willkür des Benutzenden unabhängigen Menge Wasser spült. Man schaltet zu diesem Zweck ein Zwischengefäß
in die Wasserleitung ein, welches den durchschnittlichen Bedarf zu einmaliger Spülung enthält und bei Öffnung eines Hahns
sich schnell entleert, aber um vieles langsamer durch die enge Zuflußöffnung sich wieder füllt, also intermittierend wirkt.
Über Moules Erdklosett und das Rochdaler Aschenklosett s. Exkremente. Bischleb und Kleucker in Braunschweig
haben Zimmerklosette mit Mechanismus zum automatischen Aufstreuen von Torfpulver konstruiert. Alle diese Einrichtungen erstreben
eine Desodorisierung der Exkremente und sind, wenn auf diesen Zweck besonderer Wert gelegt und eine sorgfältige Behandlung
gesichert ist, sehr empfehlenswert. Die Schwierigkeiten, welche die Behandlung der Exkremente verursacht,
knüpfen sich wesentlich an den Harn, und man hat sich daher vielfach bemüht, durch Separateurs oder Diviseurs verschiedener
Konstruktion die festen von den flüssigen Exkrementen im Klosett zu trennen.
Hierher gehört das skandinavische Luftklosett, welches bei zweckmäßigen Dimensionen und einigem Reinlichkeitssinn vortrefflich
funktioniert. Die Kosten und Unannehmlichkeiten der Abfuhr sind auf ein Minimum reduziert, und wo das Klosett
in warmem Raume mit gut ziehendem Schornstein in Verbindung steht und nur von wenigen Personen benutzt wird, kommt es vor, daß
die Exkremente vollständig mumifiziert werden. Beim Müller-Schürschen Klosett werden ebenfalls Exkremente und Harn gesondert
aufgefangen und erstere automatisch mit einem Desinfektionspulver aus gebranntem Kalk, Holzkohlenpulver
und Karbolsäure bestreut.
Beim Feuerklosett soll der Kot in einem gemauerten Schlot aufgefangen und von hier aus täglich einmal in eine Koksfeuerung
entleert werden, um zu Asche verbrannt zu werden, während der Harn durch die hierbei abgehende Wärme in Blechpfannen verdampft
und schließlich ebenfalls verbrannt werden soll. Das Friedrichsche Klosett hält die festen Exkremente in einer Grube zurück
und läßt die flüssigen mit den Hauswässern abfließen. Dabei wird eine Desinfektionsmasse aus Kalk, Thonerdehydrat, Eisenhydroxyd
und Karbolsäure angewandt, welche zugleich mit dem Wasserleitungswasser aus einem Zentralreservoir in die Klosette gespült
wird. Es sind zwei Gruben, eine Hauptklär- und eine Nachklärgrube, erforderlich, aus welchen die desinfizierten
Massen wöchentlich abgelassen werden. Auch die Süvernsche Masse benutzt man in ähnlicher Weise bei Klosetten. Vgl. Abwässer.