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Die Dialektometrie (DM) beschäftigt sich mit der Auffindung möglichst hochrangiger Ordnungsstrukturen in sprachgeographischen Netzen. Dabei wird angenommen, dass es zu einem Universale menschlichen Sprechens gehört, das dialektale Nebeneinander im Raum gesetzes-konform und nicht chaotisch zu vollziehen: siehe dazu das Theorem der „basilektalen Bewirtschaftung des Raumes durch die dort wohnenden Sprecher“, das eine tragende Säule der in Salzburg praktizierten DM ist.
In empirischer Hinsicht arbeitet die DM vorrangig mit den Daten von klassischen Sprachatlanten, da diese in aller Regel nach einem einheitlichen Mess-Schema erhoben worden sind und damit interkomparable Daten enthalten.
In methodischer Hinsicht verfügt die Salzburger DM über ein numerisches und ein graphisch-visualisatorisches Standbein.
In numerischer Hinsicht wurden bzw. werden vorrangig Anleihen bei den Methoden der „Numerischen Klassifikation“ und der „Quantitativen Geographie“ gemacht; in graphisch-visualisatorischer Hinsicht geht es um die zielorientierte Nutzung aller im Bereich der quantitativen und EDV-gestützten Kartographie beheimateten Verfahren. In beiden Fällen wurde und wird stets darauf geachtet, eine auf die Bedürfnisse der Geolinguistik (bzw. Sprachgeographie) abgestimmte Methoden-Auswahl zu treffen.
Das Forschungsinteresse der DM richtet sich neben der Erfassung der räumlichen Distribution dia- bzw. basilektaler Ähnlichkeiten und Unterschiede auch auf die numerische Erfassung (und nachfolgende Visualisierung) der klein- und großräumigen Interaktion zwischen „Dialekten“, wobei diese als typologisch relevante Konstrukte auf der Ebene des Allgemeinen verstanden werden.
Seit der Jahrtausendwende können die in Salzburg gepflegten dialektometrischen Verfahren mit Hilfe des sehr effizienten EDV-Programms VDM umgesetzt werden, das von Edgar Haimerl entwickelt wurde und laufend à jour gehalten wird.
Die Salzburger DM-Methoden können auch auf diachron relevante Daten appliziert werden. Zudem ist es möglich, außerlinguistisch relevante Daten, sofern deren Grundstruktur jener der Daten von Sprachatlanten entspricht, ebenso mit sehr gutem Erfolg mittels VDM (numerisch sowie graphisch-visualisatorisch) zu verarbeiten.
Links:
Hans Goebl, 22.4.2013