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Unser Bundesratssprecher Oswald Sigg, bei dem die Haare auf dem Kopf mehr auffallen als jene auf der Zunge, hat sich bei seinem Amtsantritt auf Offenheit verpflichtet. Was nützt aber die Offenheit, wenn nichts herauskommt? Jetzt lässt das Departement Blocher wissen, dass Sigg falschen Rat gegeben hat. Ich sage, dies ist sein Todesurteil, mag es auch noch nicht vollzogen sein.
Weblog
Tagesarchiv für 20. Februar 2006
Karen Hughes, Staatssekretärin im US-Aussenministerium, Beauftragte für Public Diplomacy, hat einen Job, den sie wie folgt positioniert:
– „Mein Job ist die Wahrheit.“
Hier stellt sich die Frage, wessen Wahrheit.
– „Ich glaube, dass wir in einem wunderbaren Land leben.“
Hier stellt sich die Frage, für wen ein wunderbares Land – und für wen nicht?
– Über George W. Bush: „Die Menschen liegen ihm am Herzen, er ist ein wunderbarer Führer.“
Hier stellt sich die Frage, welche Menschen liegen ihm am Herzen. Bei „wunderbarer Führer“ denke ich an Kim II Song.
Aus Anlass seines 10-jährigen Bischofsjubiläums gewährte der Basler Bischof Kurt Koch ein Interview. Er klagte über die Komplexität seines Bistums, wo die Hälfte der Gläubigen abtrünnig sein dürften, indem er ausführte: „Um einzelne Bistumsregionen zu besuchen, muss ich sogar die Nachbardiözesen Chur und St. Gallen durchqueren.“ Sorgen hat der Mann.
Um in der Deutschen Schweiz als Denker-Autor-Berater angesehen zu sein, muss man entweder einige Zeit in den USA oder in Deutschland, am besten in Hamburg oder Berlin, verbracht haben. Üblicherweise berufen sich die älteren PR-und Werbeberater vor allem auf Erfahrungen in lange zurückliegenden US-Wahlkämpfen, seltener auf Erfahrungen bei Philip Morris, Wal-Mart und anderen Grosskonzernen, weil dort Schweizer seit langem keine Rolle mehr spielen.
Anders bei unseren Grossdenkern der journalistischen Szene. Roger Köppel, Sportredaktor der „NZZ“, dann Chefredaktor der „Weltwoche“, der diesen lahmen Gaul wieder kurze Zeit zum Hengst aufschminkte, blieb der Einzug in die Chefredaktion der „Neue Zürcher Zeitung“ bisher verwehrt. Jetzt hält er sich bei der „Welt“, einem der Leitorgane der deutschen Intellektuellen, als Chefredakteur ganz ausgezeichnet. Gleiches gilt für Roger Schawinski, der seinen Berliner Privatsender, dessen Name ich immer vergesse, mit irgendwelchen Schmonzetten an der Spitze des unterhaltsamen Nichts heranführt. Eigentlich würde er lieber tolle News machen, was ich ihm abnehme, aber die Deutschen nehmen ihm dies nicht ab. Das spricht aber eher gegen die Deutschen als gegen den „lieben Roschee“, wie er uns bekannt ist.
Einer aber, aus dem mystischen Dunkel der „Zeit“ herauskommend, vorher als Chefredaktor des „Tagi“ frühzeitig ausgeschieden, Dr. Roger de Weck, ist allseits als liberale Unke präsent, hoch gebildet und oft hoch schwammig in der Aussage. Diese Positionierung als „Fettklöschen der Schweizer Journalistik“ wird nun untermauert durch zwei berufene Geister: Giovanni di Lorenzo und Theo Sommer. Di Lorenzo, heute Chefredakteur der „Zeit“, nennt Roger de Weck die Maggie Thatcher der „Zeit“, eine Positionierung, die unserem Schweizer Linksradikalen wenig gefallen wird. Theo Sommer kommentiert die Leistung des Schweizer Kurzzeit-Chefredaktors: „Wirklich gefährlich wurde es, als wir allzu jugendlich wurden – geschminkt auf hippig-flippig. Das war eine Phase, in der wir die Jugend nicht gewannen und die Älteren verloren.Doch haben Josef Joffe und Michael Naumann dies wieder begradigt.“
Als „Zeit“-Leser seit 50 Jahren, und dies ohne Pause, kann ich nur bestätigen: Unser Schweizer Grossgeist aus der Romandie hat in Deutschland keine Spuren hinterlassen. Seine schweizerisch-patrizische Familie kämpft noch darum.