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Brustkrebs (Mammakarzinom) ist eine bösartige Tumorerkrankung der Brustdrüse. Das Mammakarzinom ist in den westlichen Industrienationen die häufigste Krebserkrankung der Frau: In der Schweiz erkranken jährlich rund 5300 Frauen an Brustkrebs.
Denkt man sich ein Kreuz mit der Brustwarze als Zentrum, so kann man eine räumliche Häufigkeitsverteilung von Brustkrebs in vier Quadranten vornehmen. Am häufigsten ist der obere äussere Quadrant befallen, da er auch den grössten Teil der Brustdrüse enthält.
Bei Männern ist Brustkrebs sehr selten; nur etwa ein Prozent aller Brustkrebs-Erkrankungen betreffen Männer. Die Therapie unterscheidet sich nicht von der bei Frauen. Männer sind im Durchschnitt älter, wenn das Mammakarzinom festgestellt wird.
Bei Brustkrebs (Mammakarzinom) sind die genauen Ursachen noch nicht vollständig geklärt. Die überwiegende Mehrheit der Betroffenen erkrankt spontan – also ohne dass Mediziner sichere Ursachen ausmachen können. Jedoch sind mittlerweile verschiedene Risikofaktoren bekannt, welche die Krankheit begünstigen.
Zu den bekannten Risikofaktoren von Brustkrebs gehört eine zunächst gutartige Vermehrung der Drüsenläppchen und des Bindegewebes der Brustdrüsen (sog. proliferative Mastopathie).
Weitere mögliche Risikofaktoren für ein Mammakarzinom können sein:
Die Antibabypille erhöht das Risiko für Brustkrebs geringfügig. Auch eine Hormonersatztherapie gegen Wechseljahrsbeschwerden steigert die Wahrscheinlichkeit für ein Mammakarzinom.
Nur bei etwa 5 von 100 erkrankten Frauen ist eine genetische Veranlagung mitverantwortlich für die Entstehung von Brustkrebs (Mammakarzinom). Betroffen sind vor allem Frauen, deren Mutter oder Schwester auch an Brustkrebs erkrankt sind.
Vor allem zwei sogenannte Tumorgene (BRCA-1 und 2) stehen ursächlich mit Brustkrebs in Verbindung. BRCA steht dabei für Breast Cancer (engl. Brustkrebs). Trägerinnen der Erbgutveränderung (Mutation) in BRCA-1 und BRCA-2 haben ein Risiko von 50 bis 85 Prozent, im Lauf des Lebens irgendwann an einem Mammakarzinom zu erkranken. Die BRCA-Gene erhöhen auch das Risiko für andere Krebserkrankungen wie Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom). Bei Männern erhöht das BRCA-Gen die Wahrscheinlichkeit für Prostata- und Darmkrebs.
Bei Frauen, auf die eines der folgenden Kriterien zutrifft, ist ein Gentest sinnvoll:
Eine besondere Behandlung für Träger derartiger Mutationen gibt es derzeit nicht. Generell sollten alle Frauen monatlich eine Selbstuntersuchung der Brust durchführen.
Brustkrebs (Mammakarzinom) bereitet im frühen Stadium in aller Regel keine Beschwerden oder Schmerzen. Es gibt jedoch Symptome, die auf einen Tumor in der Brust hindeuten können. Wichtig ist deshalb, dass jede Frau ihre Brüste regelmässig selbst abtastet und genau beobachtet, ob sie sich in irgendeiner Weise verändert haben.
Mögliche Anzeichen auf Brustkrebs können sein:
Diese Anzeichen bedeuten nicht, dass es sich zwingend um Brustkrebs handelt. Um die genaue Ursache festzustellen, sollte man die Brust jedoch ärztlich auf ein Mammakarzinom untersuchen lassen, wenn diese Symptome auftreten.
Jeden Verdacht auf Brustkrebs (Mammakarzinom) sollte die betroffene Frau ärztlich abklären lassen – eine frühe Diagnose erhöht die Erfolgschancen der Therapie deutlich. Zunächst erfragt der Arzt die Krankengeschichte (Anamnese) und tastet beide Brüste sowie die Achselhöhlen und die Schlüsselbeingruben genau ab. Danach folgen zunächst eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) sowie eine Röntgenuntersuchung der Brust (Mammographie).
Mithilfe der Mammographie lassen sich gutartige von bösartigen Veränderungen abgrenzen, Grösse und Anzahl der Veränderungen bestimmen und Mikroverkalkungen erkennen. Mikrokalk sammelt sich in den Gängen des Brustdrüsengewebes an und ist ein indirekter Hinweis für einen möglicherweise noch sehr kleinen Tumor. Mikrokalk ist aber nicht immer ein Hinweis auf Brustkrebs: In etwa 80 Prozent der Fälle ist kein Mammakarzinom vorhanden.
Eine Ultraschalluntersuchung in Kombination mit der Mammographie erhöht die Sicherheit der Brustkrebs-Diagnose. Um endgültig sagen zu können, ob die Veränderungen gut- oder bösartig sind, entnimmt der untersuchende Arzt mit einer Nadel eine Gewebeprobe (Biopsie). Mögliche Verfahren hierbei sind:
Der Pathologe untersucht das Gewebe anschliessend auf Krebszellen. Mithilfe der mikroskopischen Gewebeuntersuchung (Histologie) kann der Arzt Brustkrebs nicht nur feststellen – liegt ein Mammakarzinom vor, erhält er gleichzeitig auch Aufschluss über den Tumortyp und den Grad seiner Aggressivität (sog. Grading).
In Einzelfällen setzt der Arzt auch eine Magnetresonanztomographie (MRT) Brustkrebs-Diagnose ein.
Patientinnen mit einem Mammakarzinom und einem hohen Risiko für Metastasen (Tochtergeschwulsten), zum Beispiel in Lunge, Leber oder Knochen, müssen sich weiteren Untersuchungen unterziehen. Hierzu zählen beispielsweise eine Röntgenuntersuchung der Lunge, die nuklearmedizinische Untersuchung der Knochen (Knochenszintigraphie) und eine Ultraschalluntersuchung der Leber, die Hinweise auf möglicherweise vorhandene Tochtergeschwulste geben.
Die Tumormarker CEA und CA 15-3 sind körpereigene Stoffe, die im Zusammenhang mit Brustkrebs vermehrt im Blut auftreten. Diese bestimmt der Arzt vor allem im Verlauf einer Krebserkrankung. Diese Werte können darauf hinweisen, ob ein Mammakarzinom unter Umständen wieder aufgetreten ist (sog. Rezidiv).
Die Ergebnisse aller Untersuchungen erlauben es, den Tumor in das sogenannte TNM-Schema – Tumorgrösse, Lymphknotenbefall (engl. node = Knoten), Metastasenbildung – einzuordnen, aus dem sich wiederum eine Einteilung in Stadien ergibt. Diese Stadieneinteilung bestimmt zusammen mit der Gewebeuntersuchung (Histologie) zum einen die Prognose der Krebserkrankung, zum anderen entscheidet sie über die Behandlungsstrategie.
Tumoren der Brust lassen sich grob unterteilen in:
Stellt der Arzt ein sogenanntes duktales Karzinom in situ (DCIS) als Diagnose fest, bedeutet dies, dass in den Milchgängen Vorstufen eines Mammakarzinoms vorhanden sind oder sehr eine sehr frühe Brustkrebsform. Der Tumor ist noch auf die Milchgänge beschränkt und wächst nicht in anderes Gewebe hinein. In diesem frühen Stadium kann der Brustkrebs noch keine Tochtergeschwulste (Metastasen) bilden.
Die DCIS-Diagnose stellt der Arzt mithilfe der Mammographie: Auf dem Mammogramm erkennt er winzige Kalkablagerungen (Mikrokalk), wenn ein DCIS vorhanden ist. In diesem Fall entnimmt der Arzt etwas Gewebe (Biopsie), um die DCIS-Diagnose zu sichern.
Auch in den Milchdrüsen können Vorstufen und frühe Brustkrebsformen auftreten. Mediziner sprechen dann von einem lobulären Karzinom in situ (LCIS). Die LCIS-Diagnose erfolgt auf dieselbe Weise wie die DCIS-Diagnose über eine Mammographie und eine Biopsie.
Eine besondere Form von Brustkrebs ist das entzündliche (inflammatorische) Karzinom: Dabei brechen Tumorzellen in die unter der Haut gelegenen Lymphbahnen ein und verursachen einen Lymphstau mit Schwellung ausgedehnter Hautbereiche. Die Haut ähnelt dann dem Aussehen einer Orange (Orangenhaut) oder zeigt eine entzündungsähnliche Rötung. Das inflammatorische Karzinom erfordert eine intensive Chemotherapie mit einer anschliessenden Operation und/oder Bestrahlung.
Bei Brustkrebs (Mammakarzinom) sind für die Wahl der optimalen Therapie folgende Faktoren ausschlaggebend:
Neben der Operation und der Strahlentherapie haben sich bei Brustkrebs auch die sogenannte adjuvante (ergänzende) beziehungsweise neoadjuvante Chemotherapie sowie die Hormontherapie etabliert und die Heilungschancen deutlich erhöht. Eine adjuvante Brustkrebs-Therapie ist der sogenannten Primärtherapie (z.B. Operation) nachgeschaltet. Die neoadjuvante Therapie beim Mammakarzinom erfolgt dagegen vor der Operation und hat zum Ziel, den Brustkrebs vor dem Eingriff zu verkleinern.
Die ergänzende (adjuvante) Therapie hat das Ziel, im Körper möglicherweise verbliebene Krebszellen zu vernichten, damit Brustkrebs (Mammakarzinom) nicht erneut auftritt (rezidiviert). Sie schliesst sich an die Primärtherapie (meist eine Operation) an. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, bei Brustkrebs eine adjuvante Therapie durchzuführen. Der Arzt setzt sie abhängig vom Krankheitsstadium ein – bei Frauen mit einem sehr geringen Rezidivrisiko kann er zum Beispiel oft darauf verzichten.
Die adjuvante Therapie kann aus einer Hormon- und/oder Chemotherapie bestehen. Welches Therapieverfahren bei einem Mammakarzinom das richtige ist, hängt in erster Linie von der Tumorgrösse ab und davon, ob sich der Krebs schon in die Lymphknoten ausgebreitet hat. Weitere Kriterien sind die Hormonempfindlichkeit des Tumors sowie der Menopausen-Status der Patientin – also ob sie bereits in den Wechseljahren ist beziehungsweise war oder nicht.
Durch Einsatz von Chemo- und/oder Strahlentherapie ist es für die Chirurgen heutzutage meistens möglich, eine brusterhaltende Operation durchzuführen.
Das Risiko, dass der Tumor wieder auftritt (Rezidiv), ist nach einer brusterhaltenden Operation im Vergleich zu einer kompletten Brustentfernung zwar erhöht – lässt sich durch die anschliessende Bestrahlung des verbleibenden Brustgewebes jedoch wieder deutlich senken. Auch die Langzeit-Überlebensraten bei einem Mammakarzinom verbessern sich durch eine Strahlentherapie erheblich. Daher schliesst sich an eine brusterhaltende Operation auch eine Bestrahlung an.
Für die Brustkrebs-Therapie ist es auch entscheidend, ob sich der Krebs schon in Lymphknoten in der Achselhöhle (axilläre Lymphknoten) ausgebreitet hat. Um dies festzustellen, kommen zwei Vorgehensweisen infrage: Entweder entnimmt und untersucht der Arzt direkt mehrere Lymphknoten und untersucht sie. Alternativ wählt er die sogenannte Sentinel-Node-Biopsie: Dabei spritzt der Arzt der betroffenen Frau vor der Operation eine radioaktiv markierte Substanz (Radionuklid) in die Nähe des Tumorgewebes und prüft anschliessend mit einem Messgerät, ob sich der radioaktive Stoff in einem Lymphknoten angereichert hat. Der erste Lymphknoten, der das Radionuklid speichert, wird Wächterlymphknotenoder englisch Sentinel-Node genannt. Er wird entfernt und umgehend untersucht. Nur wenn er von Krebszellen befallen ist, entfernt der Arzt auch die anderen Lymphknoten.
Von einem metastasierten Mammakarzinom (Brustkrebs) spricht man, wenn sich Tochtergeschwulste (Metastasen) in anderen Organen, etwa in der Leber, den Knochen oder dem Gehirn, gebildet haben. Zytostatika sind moderne Substanzen, die das Zellwachstum – insbesondere die Zellteilung – verhindern oder verzögern. Mit diesen Substanzen, einer Hormontherapie und eventuell einer zusätzlichen Strahlentherapie ist es möglich, die Beschwerden durch Metastasen zu lindern und häufig auch deren Wachstum einzudämmen.
Auch die Strahlentherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Brustkrebs-Therapie. Der Arzt setzt sie als ergänzende Therapie nach einer brusterhaltenden Operation ein und wenn er nicht ausschliessen kann, dass sich noch Tumorreste in der Brust befinden. Sie dient dazu, eventuell verbliebene Krebszellen abzutöten und senkt so die Gefahr, dass der Krebs wieder auftritt. Nach brusterhaltender Operation vermindert die Bestrahlung das Risiko für einen Krankheitsrückfall (Rezidiv) von etwa 30 Prozent ohne adjuvante Bestrahlung auf 5 bis 10 Prozent mit einer Strahlentherapie.
Nach einer kompletten Entfernung der Brust (Radikaloperation) prüft der behandelnde Arzt individuell, ob eine Strahlentherapie notwendig ist. Sie macht unter anderem dann Sinn, wenn der Tumor sehr gross war oder wenn der Krebs den Brustmuskel oder die Haut befallen hat.
Die Strahlenbehandlung bei Brustkrebs dauert meist etwa sechs Wochen. Betroffene werden dazu an vier bis fünf Tagen pro Woche bestrahlt. Die einzelne Bestrahlung dauert nur wenige Minuten und können meistens ambulant durchgeführt werden. Die Strahlentherapie beim Mammakarzinom ist nicht schmerzhaft, doch sie kann die Haut reizen und Rötungen hervorrufen. Gegen Ende der Strahlenbehandlung sind die Patientinnen häufig körperlich erschöpft und fühlen sich müde. Bleibende Veränderungen, wie eine Verfärbung der Haut sowie kleine, spinnenartig erweiterte Blutgefässe im Strahlenfeld kommen selten vor.
Abhängig vom Befund der Gewebeuntersuchung, entscheidet der behandelnde Arzt bei jeder Brustkrebs-Patientin individuell, ob es erforderlich ist, neben der Bestrahlung der Brust und der Brustwand auch noch weitere Körperbereiche zu bestrahlen, zum Beispiel die Lymphabflusswege in der Achselhöhle und in der Schlüsselbeingrube.
Ergänzend zur Strahlentherapie von aussen, werden manche Tumorreste auch von innen bestrahlt. Dazu setzt der Arzt direkt im Anschluss an die Operation eine kleine Strahlungsquelle an der Stelle ein, an der der Tumor vorher sass. Diese Stelle wird dann mit einer sehr hohe Strahlendosis – einem sogenannten «Boost» ¬– bestrahlt. Wenn die Operationswunden verheilt sind, folgt die Strahlentherapie von aussen.
Die Immuntherapie, auch Antikörpertherapie genannt, nutzt künstlich hergestellte Abwehrstoffe des Immunsystems, um Krebszellen zu zerstören – sogenannte Antikörper. Bei ungefähr einem Viertel der Frauen mit Brustkrebs tragen die Tumoren spezielle Andockstellen – sogenannte HER2-Rezeptoren – auf der Zelloberfläche. Ist dies der Fall, kann eine Immuntherapie eine Behandlungsmöglichkeit sein. Ein spezieller Antikörper, der sich an die HER2-Rezeptoren bindet, unterbindet ihr weiteres Wachstum. Das Immunsystem wird aktiviert und kann die Tumorzellen angreifen.
Da der Antikörper sich gezielt gegen Krebszellen mit HER2-Merkmal richtet, vertragen die meisten Betroffenen die Immuntherapie gut. Zu Beginn der Behandlung treten teilweise grippeähnliche Beschwerden auf. Allerdings kann auch das Herz beeinträchtigt sein. Deshalb ist es wichtig, regelmässig die Herzfunktion zu kontrollieren. Ärzte wenden die Immuntherapie meist bei fortgeschrittenem Brustkrebs an – in der Regel in Kombination mit einer Chemotherapie. Die Behandlung kann bei Brustkrebs mit dem besonderen Rezeptor aber auch als adjuvante – also begleitende – Behandlung sinnvoll sein.
Die Chemotherapie bei Brustkrebs erfolgt mit sogenannten Zytostatika, die das Wachstum der Krebszellen hemmen. Entweder verabreicht der Arzt die Medikamente über die Venen (Infusion) oder die Patientin nimmt sie in Tablettenform ein. Bei Brustkrebs kommen vor allem sogenannte Anthrazykline zum Einsatz; bei Lymphknoten-Metastasen in der Achselhöhle gegebenenfalls zusätzlich Taxane. Anthrazykline zerstören die Erbinformation einer Zelle und schädigen die Zellwand, so dass die Zelle nicht mehr teilungsfähig ist. Auch Taxane hemmen die Zellteilung. Chemotherapeutika ziehen auch gesunde Zellen in Mitleidenschaft, insbesondere in schnell wachsenden Geweben wie der Haut, dem Knochenmark, der Magen- und Darmschleimhaut und den Haarwurzeln. Daher verursachen sie Nebenwirkungen (z.B. Haarausfall, Magen-Darm-Beschwerden und geschwächte Abwehrkräfte). Mit modernen Medikamenten lassen sich viele der Nebenwirkungen der Chemotherapie gegen das Mammakarzinom jedoch relativ gut lindern.
Die Chemotherapie erfolgt in sogenannten Zyklen, das bedeutet, dass jeder Chemotherapie-Behandlung eine therapiefreie Zeit von einer bis drei Wochen folgt. Dieses Vorgehen hat den Vorteil, dass sich die Frau regelmässig von eventuellen Nebenwirkungen erholen kann.
Ungefähr zwei Drittel aller Brustkrebstumoren sind hormonabhängig, das heisst bestimmte körpereigene Botenstoffe regen die Krebszellen zum Wachstum an. Der wichtigste ist das weibliche Sexualhormon Östrogen. Das bedeutet umgekehrt, dass sich das Wachstum des Tumors durch eine Hormontherapie, also die Gabe von Substanzen, welche die Wirkung der Hormone unterbinden, bremsen lässt. Ist eine Chemotherapie notwendig, sollte die Hormontherapie erst beginnen, nachdem die Chemotherapie abgeschlossen ist.
Wenn der Tumor hormonpositiv ist – also auf Hormone reagiert, erfolgt eine Hormontherapie. Zur Hormontherapie von Brustkrebs (Mammakarzinom) stehen verschiedene Substanzen zur Verfügung, die sich in ihrer Wirkungsweise unterscheiden. Ein häufig eingesetzter Wirkstoff ist das Antiöstrogen Tamoxifen. Es besetzt die Östrogenrezeptoren auf den Zellen und verhindert dadurch, dass Östrogen andockt. Das Prinzip heisst kompetitive Hemmung.
Tamoxifen ist für Frauen vor und nach der der letzten Regelblutung (Menopause) geeignet. Meistens erhalten es Frauen mit Mammakarzinom nach den Wechseljahren. Die Hormontherapie erstreckt sich dann über etwa fünf Jahre und ist im Allgemeinen gut verträglich. Potenzielle Nebenwirkungen von Tamoxifen sind beispielsweise Hitzewallungen, Schweissausbrüche sowie ein erhöhtes Risiko von Blutgerinnseln (Thrombosen), Embolien und Gebärmutterschleimhautkrebs (Endometriumkarzinom).
Eine erweiterte Therapiemöglichkeit bei hormonpositivem Brustkrebs ist die Behandlung mit sogenannten Aromatasehemmern wie Letrozol. Aromatasehemmer sind Substanzen, die das Enzym Aromatase hemmen, das für die Bildung von Östrogen ausserhalb der Eierstöcke von Bedeutung ist. Dieser Wirkstoff eignet sich vor allem für Frauen, die nach den Wechseljahren (postmenopausal) an Brustkrebs erkrankt sind.
Östrogen entsteht vor allem in den Eierstöcken. Deshalb besteht eine weitere, zusätzliche Behandlungsmöglichkeit von hormonpositivem Brustkrebs darin, die Produktion von Östrogen und Progesteron in den Eierstöcken medikamentös auszuschalten. Ausserdem ist es möglich, die Eierstockfunktion mittels Bestrahlung oder operativ zu unterbinden.
Tochtergeschwulste (Metastasen) betreffen bei Brustkrebs häufig die Knochen. Dadurch ist das natürliche Gleichgewicht zwischen Auf- und Abbau des Knochens gestört und der Knochen ist weniger stabil: Spontane (ohne äussere Einwirkung) Knochenbrüche können die Folge sein. Wird viel Knochensubstanz abgebaut, gelang viel Kalzium ins Blut – eine hohe Konzentration dieses Minerals im Blut kann sich auf den gesamten Stoffwechsel nachteilig auswirken, zum Beispiel auf die Funktion von Herz und Nieren. Bestimmte Medikamente, die Bisphosphonate, vermindern den Abbau des Knochens . Bisphosphonate erhalten Frauen mit Mammakarzinom und Knochenmetastasen als Tabletten (oral) oder als Infusionen über die Vene (intravenös).
Die Radikaloperation (Mastektomie), also die Entfernung der gesamten Brust, war einst die gängige Therapie von Brustkrebs. Seit es möglich ist, den Tumor mit einem bestimmten Sicherheitsabstand gezielt zu entfernen, kommt die radikale Mastektomie beim Mammakarzinom nur noch selten zum Einsatz.
Unter bestimmten Umständen ist sie bei Brustkrebs jedoch unumgänglich:
Einer Brustkrebs-Erkrankung kann man nur bedingt vorbeugen, indem man bestimmte Risikofaktoren meidet. Übergewicht (Adipositas) sowie übermässiger Alkoholgenuss und Rauchen können begünstigen, dass ein Mammakarzinom entsteht. Hormone zur Linderung von Beschwerden während der Wechseljahre sollten betroffene Frauen nur unter strenger ärztlicher Kontrolle und möglichst zeitlich begrenzt einnehmen.
Als Früherkennungsmassnahme ist die Selbstuntersuchung der Brust von grosser Bedeutung, denn einen Grossteil der Tumoren ertasten Frauen selbst. Deshalb sollten Frauen ihre Brüste einmal im Monat selbst untersuchen. Neben der Brust sollten sie auch die Haut von Brust und Achselhöhle genau anschauen und abtasten.
Besonderheiten wie:
Frauen ab 50 Jahren wird empfohlen eine Brustkrebsfrüherkennung durch Mammografien durchführen zu lassen. Für Risikopatientinnen, also beispielsweise Frauen mit häufigen Krebserkrankungen in der Familie oder mit einer gutartigen Veränderung der Brust (proliferativer Mastopathie), empfehlen sich bereits ab dem 30. Lebensjahr regelmässige Mammographien.
In der Schweiz können sich Frauen freiwillig von einem Radiologen aufbieten lassen. In einigen Kantonen gibt es zudem sogenannte Mammografie-Screening-Programme. Dabei werden Frauen ab dem 50. Altersjahr alle zwei Jahre zu einer Mammografie eingeladen. Der Swiss Medical Board (SMB) sieht diese Screenings allerdings kritisch. Der Nutzen sei sehr gering. Laut einer Studie des SMB werden pro 1000 gescreenten Frauen nur ein bis zwei Todesfälle verhindert. Dem gegenüber stehen 100 Frauen, bei denen irrtümlicherweise eine Brustkrebs-Erkrankung diagnostiziert wurde.
Ein Wiederaufbau der Brust, also eine Brustrekonstruktion, bietet sich zum Beispiel nach einem ausgedehnten Eingriff wie der Radikaloperation (Entfernung der gesamten Brust) an. Ein Wiederaufbau ist aber auch nach einer brusterhaltenden Operation möglich. Die Rekonstruktion lässt sich sowohl sofort im Anschluss an die Operation als auch Monate oder Jahre später durchführen. Der Zeitpunkt der Rekonstruktion und die Wahl des Verfahrens hängen wesentlich von den jeweiligen Umständen der Nachbehandlung sowie vom Wunsch der Patientin ab.
Es gibt grundsätzlich zwei Varianten, die Brust wiederaufzubauen:
Bei beiden Methoden der Wiederherstellung der Brust ist das kosmetische Ergebnis bereits kurz nach der Operation gut. Die künstlichen Prothesen haben den Nachteil, dass Frauen sie manchmal nach einiger Zeit als Fremdkörper in der Brust wahrnehmen.
Nach der Brustkrebs-Therapie (Mammakarzinom-Therapie) sind regelmässige Nachsorgeuntersuchungen wichtig. Sie finden zunächst alle drei Monate statt, später werden die Abstände grösser. Ausserdem sollte sich die Betroffene einmal im Jahr einer Mammographie der gesunden Brust unterziehen. Nach einer brusterhaltenden Operation mammographiert der Arzt die operierte Brust zusätzlich alle sechs bis zwölf Monate. Besteht der Verdacht, dass der Brustkrebs erneut aufgetreten ist (sog. Rezidiv), erfolgen gegebenenfalls weitere Untersuchungen, zum Beispiel eine Ultraschalluntersuchung oder eine Magnetresonanztomographie (MRT).
Nach einer Brustkrebs-Erkrankung ist neben der medizinischen Betreuung auch die soziale und seelische Unterstützung wichtig. Hier können Gespräche mit dem Arzt sowie mit Angehörigen und Freunden, gegebenenfalls auch mit einem Psychologen oder Psychotherapeuten, hilfreich sein. Unterstützung bieten ausserdem zahlreiche Selbsthilfegruppen, in denen man sich mit anderen Betroffenen, die ein Mammakarzinom haben oder hatten, austauschen kann.
Jede Frau erholt sich individuell unterschiedlich von einem Mammakarzinom. Krankengymnastische Übungen für den Arm und die Schulter der betroffenen Seite helfen, Kraft und Bewegungsfreiheit nach der Brustkrebs-Behandlung schneller wiederherzustellen. Ausserdem verhindert dies Nacken- und Rückenbeschwerden, die Schmerzen verursachen.
Nach der Entfernung der Lymphknoten aus der Achselhöhle kann der Arm auf der operierten Seite anschwellen, weil die Flüssigkeit aus dem Lymphsystem (Lymphe) nicht abfliessen kann (Lymphödem). Bisher gingen viele Experten davon aus, dass man der Schwellung durch Schonung des Arms bedingt vorbeugen kann und Betroffene schweres Heben oder Tragen, ebenso wie grosse Hitze- und Kälteeinwirkung, vermeiden sollten. Neueren Erkenntnissen zufolge wirkt sich langsam gesteigertes Gewichtheben nicht negativ auf die Symptomatik der Lymphödeme aus, sondern verbessert die Knochenstabilität und reduziert überflüssiges Körperfett.