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Das alte Mannchen lud uns zum Tee in sein einstoeckiges Haus ein. Der Innenraum, aufgeteilt in Wohn- und Kuechenraum, war hell und einladend. Vor zwei alten eisernen Bettgestellen stand ein grosser Holzkasten, wo man die Bienenwaben reinhaengen kann. In der Ecke befand sich eine Zentrifuge, in welche die Waben hereingelegt werden, um den Honig rauszuschleudern. Vor dem Fenster stand ein quadratischer Tisch, ausgelegt mit gruenem frischen Dill, der stark roch. Die Zwischenfenster waren etwas mit Moos aufgefuellt, zur Isolierung. An den weissen Waenden hingen zwei Wandteppiche, auf dem einen war eine Darstellung des in teils Gebieten traditionellen Frauenraubes mit Pferd zu sehen. Pascha hatte Kekse mitgebracht, und wir tranken in der Kueche Kraeutertee. Auf dem Tisch stand ein grosses Glas Honig und eine Schuessel mit Wabenresten, d.h. Honig, der an Wachs klebt. Das solle man kauen, meinte der Mann, da seien noch gesunde Pollen (pl’ca) dran. Man duerfe ihn aber nicht in den Tee ruehren, so verliere der Honig generell seine Kraft. Ich machte den Fehler und schluckte das ganze Honig- und Wachsknauel mit Muehe herunter, dabei konnte man den leeren Wachs wieder ausspucken.Der Mann lachte und meinte zu seinem Honig: “Meine Zellen sind alt und sterben nur noch ab, aber nur der Honig kann Zellen wieder aufbauen.” Er kaute auf dem Wachs herum, dabei schob sich sein dicker grauer Schnurrbart immer bis unter die Nase.Er erinnerte mich an ein Portrait eines Malers, der seinen eigenen Vater malte. Weisse Haare, ein Schnurrbart, dunkle faltige Haut und kristallblaue Augen und eine Muetze. War es vielleicht Dix? Ich muss nachsehen. Das Mannchen in seinen langen Unterhosen, Gummigaloschen und Holzfaellerhemd kam mir nach wenigen Momenten schon so vertraut vor.Er lebe am 17.August schon vierzig Jahre hier oben, jeweils fuer acht Monate. In der Stadt lebe es sich nicht gut fuer ihn. Er haette dort einmal in den Spiegel geschaut und sein aschfahles Gesicht gesehen und begriffen, dass es fuer ihn nur die Berge gibt. Am 23. August werde er 73. Er vermisse lediglich seine Enkelchen, wovon er zehn habe.Selber habe er vier Kinder,die er mit seiner Imkerei etwas unterstuetze, so gut er koenne.Immerhin habe er vom Sommer her schon acht grosse Milcheimer verkaufen koennen zu 1200 Tenge (120.-).Er erklaerte, dass eine volle Wabe etwa vier bis fuenf Kilogramm schwer sei. In jedem Bienenkasten habe es etwa drei bis fuenf Waben. Ich fragte, ob er uns die Kasten zeigen wuerde. Sicherheitshalber gab er uns Imkerhuete und ein zusaetliches Hemd zum UEberziehen. So stapften wir durch seinen Garten und er erzaehlte zu seinen Bienen, seiner Lebenshingabe. An den Baeumen hingen kleine Holzdaecher, wo sich die Bienen, bevor sie losfliegen sich anscheinend versammeln. Ueberall von allen Richtungen surrte es. Pascha schenkte dem Mann eine Flasche Cognac, im Gegenzug erhielt er ein Kilo Honig. Ich glaube es war der beste Honig, den ich jeh hatte, und das ist wirklich wahr. Diesen Geschmack kannte ich zuvor nicht, den Geschmack des Altaj.