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Bereits seit der Jahrhundertwende, nur unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg, verkehrten in Europa verschiedene Pullmanzüge. So beispielsweise der Simplon-Orient-Express, der bekanntlich auch die Schweiz durchquerte.
1927 beschlossen die SBB selber einen Pullmanzug auf die Schienen zu stellen. Hierfür wollten sie den „Gotthard-Express“ der Gotthardbahn- Gesellschaft wieder aufleben lassen.
Die Beweggründe der SBB hierfür dürften einerseits die Aussicht auf vermehrte Einnahmen durch eine zahlungskräftige Kundschaft gewesen sein, andrerseits aber auch der Wunsch, mit diesem Aushängeschild, der Eisenbahn die zahlungskräftige Oberschicht zu erhalten, deren Sympathie sich mehr und mehr dem Automobil zuneigte.
Plakat für den Gotthard-Pullman
Da die SBB keine eigene Erfahrung im Führen von Luxuszügen hatten, (die entsprechenden Erfahrungen der Gotthardbahn-Gesellschaft waren längst in Vergessenheit geraten) arbeiteten sie eng mit der CIWLT (Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express Européens) zusammen. Ende August 1927 meldete die Neue Zürcher Zeitung:
«Vom 1. September an verkehren auf der Strecke Basel - Mailand Expresszüge, die ausschliesslich Pullmanwagen erster und zweiter Klasse mit sich führen. Eine Neuerung, welche von den Reisenden zweifellos lebhaft begrüsst wird.»
Im September 1927 dann veröffentlichte das SBB-Nachrichtenblatt einen ausführlichen Bericht zum « Pullman-Express Basel – Zürich- Mailand ». Laut dieses Berichtes hatte am 1. September im Beisein einer grösseren Anzahl eingeladener Gäste die erste « wohlgelungene Fahrt dieses nunmehr schnellsten Gotthardzuges stattgefunden ».
Der Express bestand aus zwei Halbzügen mit je einem Pullman- wagen erster Klasse und einem mit Küche ausgestatteten Wagen zweiter Klasse. Dieses Wagenmaterial stellte die CIWLT. Als Gepäckwagen führten diese Halbzüge einen F3ü der SBB mit.
Der eine Halbzug fuhr um 7.12 Uhr in Basel ab und verkehrte mit seinem Wagenpaar «
mit den Reisenden aus den Nachtzügen von Paris, Calais, Brüssel, Holland, Hamburg und Berlin
» nach Arth-Goldau.
Das andere Zugpaar fuhr in Zürich um 8.15 Uhr ab.
In Arth-Goldau wurden die beiden Halbzüge zu einem Zug vereint. Dabei wurden die beiden F3 abgekuppelt und durch einen vierachsigen Gepäckwagen ersetzt.
Hierfür standen die beiden F4ü zur Verfügung, welche die SBB (zu diesem Zweck?) kurz zuvor von den BLS erstanden hatten.
(Anmerkung: Ob hierfür die beiden ursprünglich wohl grünen F4ü auf blau umgestrichen wurden, konnte bisher nicht endgültig geklärt werden. Entsprechende "Kratzversuche" bei einem noch vorhandenen Wagen brachten damals nur Grün zum Vorschein.)
Als Zugloks waren anfänglich Be 4/6 eingeteilt, später Maschinen des Typs Ae 4/7 aus der Serie 10973 - 11002 mit elektrischer Nutzstrombremse.
(Am Gotthard durften nur Maschinen aus dieser Serie im Normalbetrieb verkehren.)
Der Zug erreichte Mailand um 13.55 Uhr mit Anschluss an die Schnellzüge nach Genua, Bologna, Rom und Venedig.