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Die Versorgungssicherheit ist in einem Land wie Japan, das zu über 80% von importierter Energie abhängt, ein wichtiges politisches Anliegen. Die Erdölschocks der 70er-Jahre trafen die japanische Volkswirtschaft besonders hart. Durch Effizienzverbesserung und Diversifikation der Energiequellen konnte Japan den Ölanteil bei der Versorgung von über drei Vierteln auf rund die Hälfte senken. Der Ausbau der Kernenergie war einer der Ecksteine dieser Politik. Gemäss Plänen soll er weitergehen und der Nuklearanteil bis 2010 auf rund 30% steigen. Um abzuklären, ob angesichts der Erfahrungen von 2003, als 17 Kernkraftwerksblöcke wegen Nachinspektionen abgeschaltet blieben, ein so hoher Nuklearanteil für die Versorgungssicherheit tragbar ist, erarbeitete das Baker Institute ein volkswirtschaftliches Modell des Inselreichs. Das Modell quantifiziert den Beitrag der Kernenergie zur Versorgungssicherheit. Damit beantwortet es folgende Fragen: Auswirkung einer plötzlichen Ölpreiserhöhung; Höhe des Schadens für die Volkswirtschaft; wirtschaftliches Risiko eines teilweisen oder totalen Ausfalls der Kernkraftwerke; Wert der heutigen Kernkraftwerke für die japanische Volkswirtschaft; relativer Vorteil des Baus neuer Kernkraftwerke im Vergleich zum Bau anderer Kraftwerke in den kommenden 30 Jahren. Im Modell berücksichtigt wurden unterschiedliche Varianten von Umweltvorschriften und das beschlossene Entwicklungsprogramm für neue erneuerbare Energien. Der Vergleich mit historischen Daten seit den 70er-Jahren erlaubte es, das Modell an die Besonderheiten des isolierten japanischen Elektrizitätsnetzes mit hoher Spitzenlast anzupassen und zu überprüfen.
Gemäss den Modellrechnungen hat das Land dank den Kernkraftwerken kumuliert bereits rund JPY 42 Mio. (rund CHF 470'000) pro installiertes Megawatt gespart. Bei einem einmaligen Ölpreissprung um 25% gegen oben wären es nochmals JPY 42 Mio. pro MW oder rund 16% des in die Kernkraftwerke investierten Kapitals. Halten die Turbulenzen auf dem Ölmarkt längere Zeit an, können die Einsparungen gemäss den Modellrechnungen bis zu 60% des investierten Kapitals ausmachen. Der Vergleich der rund 40 verschiedenen Szenarien zeigt, dass die Diversität der Energiequellen wesentlich zur Stabilität beiträgt. Entsprechend gibt es für den Kernenergieanteil ein vom mittleren Ölpreis abhängiges wirtschaftliches Optimum, das heute wohl über 30% liegt. Auch für die Anteile der anderen Energien bestehen Optimalwerte entsprechend ihrem Einsatz zur Deckung der Grund-, Mittel- und Spitzenlast. In der Grundlast ist hinter der Kernenergie die Kohle die günstigste Energie, wenn Umweltgesichtspunkte eine sekundäre Rolle spielen, andernfalls das Erdgas. Ein weiteres Ergebnis ist, dass für eine optimale Versorgung die Regierung nur beschränkt Einfluss nehmen sollte und Flexibilität bei der Wahl der Energiequellen die Gesamtkosten tief hält.
Quelle
P.B. nach NucNet, 28. September, und Baker Institute Study No. 26. Oktober 2004