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Ammonium sulfuratum); dieser Körper kommt nur in wässriger Lösung als höchst übelriechende Flüssigkeit in den Handel,
welche aus Salmiakgeist und Schwefelwasserstoff zusammengesetzt ist und die beiden Gerüche derselben, den stechenden des
erstem und den Fäulnisgeruch des letztern in sich vereint. Die Darstellung geschieht, am besten im Freien, durch Einleiten
von frisch aus
Schwefeleisen mittels
Schwefelsäure entwickeltem Schwefelwasserstoffgas in den Salmiakgeist,
bis eine Probe zeigt, daß die Sättigung eingetreten ist.
Die Flüssigkeit ist anfangs farblos, wird aber bald gelb; durch Zusatz von etwas Schwefelblumen, welche sich darin lösen,
kann die farblose Flüssigkeit sofort in die gelbe verwandelt werden. Sie ist an der Luft leicht zersetzbar
und läßt dann
Schwefel fallen, muß daher stets in gut verschlossenen und möglichst vollgefüllten Flaschen aufbewahrt
werden. Ihre Verwendung hat sie besonders in der Chemie als Reagens zur Erkennung mehrerer Metalle und zu andern Arbeiten.
Man berechnet 100 kg mit 150 Mk. -
(Schwefelleinöl; balsamum sulphuris; oleum lini sulphuratum), ein pharmazeutisches
Präparat, welches durch Einwirkung von
Schwefel auf heißes
Leinöl bereitet wird. Heißes
Leinöl löst etwa ⅙ seines Gewichts
an Schwefelblumen, welche ihm durch Rühren einverleibt werden, völlig auf und bildet damit eine dunkelrotbraune, dickflüssige
oder steife, zähe Masse von sehr üblem Geruch, wie auch die Bereitung schon Anlaß zur Entwickelung
einer Menge stinkender Öldämpfe gibt. Dies ist der in der Tierarznei innerlich und äußerlich gebrauchte S., der, in
Terpentinöl
aufgelöst, ehedem unter dem Namen Harlemer
Öl als eine Art Universalmittel galt. -
Technisch gebraucht man den
Balsam zur Bereitung eines Goldpräparats, welches die sog. Glanzvergoldung
gibt (s. bei
Porzellan), sowie für andre Porzellanlüsterfarben. - Zollfrei.
(Baryumsulfid,Baryumsulfuret, Baryum sulfuratum), eine Verbindung von Baryummetall und
Schwefel, im
reinem Zustande weiß, in Wasser löslich, kommt gewöhnlich nur im rohen Zustande, für technische Zwecke bestimmt, in den
Handel und bildet dann eine poröse, von beigemengter Kohle mehr oder weniger grau bis schwärzlich aussehende
Masse. Man bereitet sie dadurch, daß man Schwerspatpulver mit Steinkohlenteer zu
Ziegeln formt und diese in einem Schachtofen
zwischen Kohlen brennt. Verwendet wird das S. zur Herstellung von
Chlorbaryum, salpetersaurem
Baryt und andern Barytsalzen.
Das rohe S. wird mit circa 40 Mk. pro 100 kg verkauft. - Zollfrei.
ein unreines S. wird durch Glühen eines Gemenges von frischgebranntem
Kalk mit
Schwefel oder von
Gips
mit Kohle erhalten als trocknes, gelblichweißes oder grauweißes Pulver, riecht befeuchtet nach Schwefelwasserstoff und
muß in gut verschlossenen Gefäßen aufbewahrt werden.
(Ferrum sulfuratum). Das
Eisen läßt sich in mehreren verschiednen Gewichtsverhältnissen mit dem
Schwefel
zu chemischen Verbindungen vereinigen, von denen auch einige als Mineralien in der Natur fertig gebildet vorkommen. Von
den künstlich darstellbaren findet man im Handel nur das Einfachschwefeleisen (Eisenmonosulphid, Eisenmonosulfuret); es
wird durch Erhitzen einer Mischung von drei Teilen Eisenfeile mit zwei Teilen
Schwefel in einem bedeckten
Schmelztiegel bis
zur starken Glühhitze erhalten und bildet eine dunkelbronzefarbene bis grauschwarze, schwachmetallglänzende Masse, die
in Wasser unlöslich ist, sich aber unter Schwefelwasserstoffgasentwickelung in verdünnten Säuren löst.
Man benutzt dieses S. allgemein zur Darstellung dieses Gases und verkauft die 100 kg mit 40-45 Mk.
Vgl. ferner
Schwefelkies. - Zollfrei.
(Eisenkies,Pyrit; lat. pyrites, frz. pyrite;
engl. pyrites). Dieses, im Handel und Hüttenwesen häufig abgekürzt auch bloß Kies genannte
wichtige Mineral besteht aus 46,7%
Eisen und 53,3%
Schwefel, ist demnach Zweifachschwefeleisen (Eisenbisulphid,
Doppelschwefeleisen, Eisendisulfuret). Nicht selten enthält dieses Mineral kleine Mengen von
Kupfer und Arsen, sowie auch
Spuren von
Gold,
Silber, Thallium und Gallium beigemengt.
Der S. kommt teils derb und eingesprengt, teils auch in oft ziemlich großen Kristallen vor; er hat eine
messinggelbe bis goldgelbe Farbe und metallischen Glanz; er ist eines der am allgemeinsten verbreiteten Erze und wird hauptsächlich
zur Bereitung von
Schwefel,
Schwefelsäure und schwefliger Säure verwendet, wobei die Rückstände, gewöhnlich aus
Eisenoxyd
bestehend, auch noch verwertet werden, indem man nicht allein die geringen Mengen von
Gold, Kupfer etc.
aus ihnen extrahiert, sondern auch das
Eisenoxyd noch benutzt. Auch
Eisenvitriol wird vielfach aus S. gefertigt.
Die Förderung von S. im Deutschen Reiche belief sich 1877 auf 2122520 Ztr., 1878 auf 2007306
Ztr., 1881 dagegen schon auf 2501140 Ztr. im Werte von 1279366 Mk.
Die österreichische Produktion von S. ist geringer und belief sich beispielsweise 1874 nur auf 902345
kg im Werte von 87644 fl. England förderte 1877 17795 Tons (à 20 Ztr.) S.; dieses Land bezieht
aber jährlich noch sehr bedeutende Mengen von diesem Erze aus Spanien, Portugal und Chili. Auch Deutschland führt noch
viel S. ein, so im Jahre 1881 82967400 kg, während die Ausfuhr 21255000 kg betrug. - Zollfrei.
(Schwefelalkohol,Kohlenstoffbisulfid,Sulfokohlensäure, lat. alkohol
sulfuris, carboneum sulphuratum; frz. sulfure de carbone; engl.
sulfuret of carbon). Aus zwei festen Körpern,
Schwefel und Kohle, entsteht, wenn sie durch Glühhitze zur Verbindung gezwungen
werden, der S., oder wie er von seinem ehemaligen Entdecker, Lampadius in Freiberg, genannt wurde, Schwefelalkohol.
Bei Bereitung desselben kommt es darauf an,
Schwefel in
¶
mehr
Dampfform durch glühende Kohlen streichen zu lassen. Die Apparate hierfür haben eine, in einem Ofen stehende, von unten
zu beheizende Retorte von Thon oder Eisen, im letzteren Falle innen mit Thon ausgekleidet. Sie wird mit Holzkohle in haselnußgroßen
Stückchen gefüllt und angefeuert, bis die Kohlen hell glühen. Es wird nun nach Bedarf ganzer Schwefel
eingeworfen durch ein Rohr, das von außen in die Retorte und bis nahe an deren Boden führt und immer rasch wieder geschlossen
wird.
Der unter den Kohlen schmelzende und verdampfende Schwefel durchzieht dieselben, sättigt sich mit Kohlenstoff und die neue
Verbindung zieht oben dampfförmig durch ein Knierohr ab, das durch eine Kühlvorrichtung geht. In einem
zwischengelegten Gefäße schlägt sich erst der unverbunden mit fortgegangene Schwefel nieder; das übrige geht weiter, verdichtet
sich tropfbar und sammelt sich in einer Vorlage unter Wasser, denn der S. ist schwerer als dieses und mischt sich nicht mit
Wasser. - Auch durch Destillation eines Gemenges von Kohle mit gemahlenem Schwefelkies, Kupferkies oder
Antimonglanz gewinnt man S. Das zunächst erhaltene gelbe Destillat ist aber noch nicht rein, sondern mit Schwefel beladen,
den es in bloßer Lösung enthält.
Durch ein nochmaliges Destillieren in gelinder Wärme treibt man das Flüchtige von dem Schwefel ab und
hat nun eine farblose, stark lichtbrechende, daher im Glase buntes Farbenspiel zeigende Flüssigkeit, abstoßend durch einen
widrigen Geruch nach faulen Rüben u. dgl., der
jedoch nur dem nicht genügend gereinigten Präparate zukommt, während der Geruch des reinen S. viel weniger unangenehm
ist. Trotz seiner spezifischen Schwere (1,271 bei 15° C.) ist der S. äußerst leicht flüchtig und
höchst feuergefährlich, denn er entzündet sich schon bei Annäherung eines glimmenden Körpers, ohne daß dieser mit der
Flüssigkeit selbst in Berührung zu kommen braucht. Es ist daher die höchste Vorsicht beim Umgange mit diesem Körper zu
empfehlen.
Der Geschmack desselben ist scharf gewürzhaft und kühlend. Die medizinische Wirksamkeit in sehr kleinen
Gaben ist wohl noch nicht hinreichend festgestellt; mehr dient er zu reizenden Einreibungen auf die Haut. In etwas größern
Gaben wirkt der Stoff als entschiedenes Gift. Auch seine Dünste, denen jetzt schon eine Menge Arbeiter in verschiednen technischen
Zweigen ausgesetzt sind, werden häufig als gefährlich denunziert und sollen wenigstens Kopfschmerzen,
heftiges Erbrechen, Gedächtnisschwäche und bei langer Einwirkung auch schlimmere Zufälle und langes Siechtum veranlassen.
Nach andern Aussagen ist die Sache wieder nicht so schlimm; gute Ventilationsvorrichtungen können hier jedenfalls viel thun.
Die hauptsächlichen Verwendungen des S. sind technische; sie gründen sich auf seine ausgezeichnete
lösende Wirkung gegen allerlei Harze, Fette, Schwefel, Phosphor, Guttapercha, Kautschuk u. dgl. Die Verwendungen dieser Art
haben sich in letzter Zeit sehr vermehrt und Fabrikation und Verbrauch des Artikels sind so gestiegen, daß er als eine Großhandelsware
gelten kann, die nicht mehr nur in kleinen
Flaschen, sondern en gros in großen eisernen Trommeln versandt
wird.
Die Preise der Ware sind demzufolge auch sehr niedrig geworden. Der Stoff dient zum Lösen und Erweichen von Kautschuk, Guttapercha,
zum Ausziehen des Fettes aus Wolle, Knochen, Maschinenputzlappen, des Öls aus gepulverten Ölsaaten statt des Fressens, zur
Extraktion von Gewürzen, welche Gewürzöle nachgehends im Gemisch mit Zucker, Salz, Gummi die sog. „löslichen
Gewürze“ bilden. Große Mengen S. werden jetzt auch zur Herstellung der Rhodanverbindungen (s.
Rhodankalium) verbraucht, etwas auch zur Bereitung von xanthogensaurem Kali.
Bei den neuartigen chemischen Waschanstalten spielt der Stoff neben andern flüchtigen Mitteln, wie Benzin u. dgl., eine Rolle;
Drucker und Färber, welche sich mit Aufarbeiten getragener Sachen beschäftigen, gebrauchen ihn zur Enfernung des Fettes
und der Ölfarben, mit denen sie früher bedruckt waren. Alle extrahierten Öle und Fette lassen sich durch bloßes Erwärmen
vom S. wieder gründlich befreien; natürlich wird dieses Abtreiben in den meisten Fällen in Form einer
Destillation ausgeführt, um das Lösungsmittel für weitern Gebrauch zurückzugewinnen. In der Regel aber ergibt sich dabei
ein bedeutender Ausfall; der Stoff ist zu flüchtig, um sich immer wieder vollständig verdichten zu lassen. Die vertilgende
Wirkung des Stoffes auf allerhand kleines Ungeziefer ist auch erwähnenswert. Man reinigt damit z. B.
Herbarien, indem man sie ein paar Tage mit beigegebenem S. in Kästen dicht einschließt. Der Tod aller
Insekten, Larven und Eier erfolgt sicher. Reiner S. muß, ohne Rückstand zu hinterlassen, verdampfen und darf beim Zusammenschütteln
mit Bleiweiß dieses nicht braun oder schwarz färben. - Die Beförderung des S. auf Eisenbahnen erfolgt
ausschließlich in offenen Wagen ohne Deckung und nur mit den Feuerzügen: die Gefäße müssen cylindrisch sein und entweder
aus Zinkblech bestehen oder aus starkem gehörig vernietetem und in den Nähten gut verlötetem Eisenblech bis zu höchstens 500 kg
Inhalt. - Zollfrei.