Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03597.jsonl.gz/1608

Vor zwei Jahren hatte die Swiss noch Glück. Das Basler Zivilgericht wies die Klage eines Passagiers ab, der mehr als neun Stunden zu spät im brasilianischen São Paulo gelandet war und deshalb von der Swiss eine Entschädigung von 600 Euro verlangt hatte. Er berief sich auf die EU-Verordnung Nr. 261/2004, die auch für die Schweiz gilt. Doch das Gericht war anderer Meinung: Die EU-Verordnung gelte nur für Flüge in EU-Staaten, nicht aber in alle anderen Länder oder von dort in die Schweiz. Bei seiner Urteilsfindung war das Gericht auf einen Fachartikel der Flugrechtsprofessorin Regula Dettling-Ott hereingefallen, die seit 2007 für die Swiss arbeitet.
Kaputte Scheibe: sieben Stunden zu spät
Anders hat nun das österreichische Landesgericht Korneuburg in einem fast identischen Fall entschieden. Ein Passagier aus São Paulo landete mit siebenstündiger Verspätung in Wien. Die Swiss verteidigte sich zwar nicht mehr mit dem Argument, dass die EU-Verordnung auf Überseeflüge nicht anwendbar sei. Sie machte aber geltend, dass an der Verspätung eine gebrochene Cockpitscheibe schuld war. Da dies ein aussergewöhnlicher Umstand im Sinne der EU-Verordnung sei, müsse sie keine Entschädigung zahlen.
«Nein», sagte das österreichische Gericht. Eine gebrochene Cockpitscheibe stelle zwar einen ungewöhnlichen Defekt dar, der aber nicht als aussergewöhnlicher Umstand zu werten sei. Die Swiss muss den Passagier nun mit 600 Euro entschädigen.