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Die Rolle von Adrenalin bei Diabetes
Adrenalin ist ein Hormon, das von der Nebenniere in Form von Epinephrin gebildet wird. Es wird vor allem ausgeschüttet, wenn wir uns bedroht, gestresst oder nervös fühlen. Adrenalin bewirkt im Körper zahlreiche Veränderungen, die ihn in erhöhte Leistungsbereitschaft versetzen: Es erhöht den Blutdruck, die Schlagkraft des Herzens und seine Frequenz, verbessert die Reizweiterleitung der Herzmuskelzellen, erweitert die Atemwege, erhöht die Atemfrequenz und führt dazu, dass das Blut vermehrt ins Gehirn, die Muskulatur und das Herz, anstelle von Haut, Magen und Nieren gelangt (Goldstein 1999; Westfall und Westfall 2011).
Einfach ausgedrückt, ist Adrenalin dazu da, Energiereserven in Form von Glukose und freien Fettsäuren in Erwartung an körperliche Aktivität oder zur Erholung einer Hypoglykämie freizusetzen. Zur Erholung einer Hypoglykämie müssen die endogene (körpereigene) Insulinausschüttung unterdrückt und die Glukagon-Ausschüttung der Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse, sowie die Adrenalinausschüttung stimuliert werden (Verberne et al. 2016).
Zudem erhöht Adrenalin die Plasmaglukose, indem es die Glykogenolyse in der Leber und der Muskulatur, sowie auch die Glukoneogenese in der Leber und auch eine Hemmung der Glukoseaufnahme durch die Muskulatur bewirkt.
Diabetes und Adrenalin
Vor allem für Diabetiker, insbesondere Typ I, ist Adrenalin als Gegenspieler des Insulins und damit zur Gegenregulierung bei einer Hypoglykämie sehr wichtig, weil Typ-I-Diabetiker weder Insulin noch Glukagon ins Blut abgeben können. Innerhalb von fünf Jahren nach der Diagnose «Typ I Diabetes» verliert der Körper die automatische Antwort, bei einer Hypoglykämie Glukagon auszuschütten. Wieso es zu diesem Mechanismus kommt, ist bis heute nicht eindeutig geklärt (Amiel 2005; McCrimmon 2009).
Sanders und Ritter stellten 2000 in einer Untersuchung fest, dass durch Insulin verursachte Hypoglykämien zu erhöhten Spiegeln an Glukagon und Adrenalin im Plasma, aber zu bleibenden niedrigen Blutglukosespiegeln führen. Wie oben beschrieben, funktioniert bei insulinpflichtigen Diabetikern die automatische Glukagonausschüttung bei einer Hypoglykämie nicht mehr. Andere glukagon-stimulierende Substanzen wie z.B. Arginin oder Carbachol funktionieren aber weiterhin (Fukuda et al. 1988). In einem Versuch mit Ratten konnte auch beobachtet werden, dass 12 Wochen nach Beginn des Typ I-Diabetes durch elektrische Stimulation bestimmter Hirnregionen keine ausreichende Glukagon-Ausschüttung provoziert werden konnte, während die Antwort auf Arginin normal ausfiel (Hertelendy et al. 1992).
Die Resultate führen zur Annahme, dass es zu einer «Abkapselung» zwischen Hirnregionen, die die extrazelluläre Glukosespiegel wahrnehmen und des autonomen Outputs der Bauchspeicheldrüse kommt. Es bleiben aber noch immer zahlreiche Fragen offen.
Wo wird die Hypoglykämie registriert?
Warum gibt es so viele verschiedene Bereiche im Körper, die Glukose wahrnehmen?
Zu 2. wird angenommen, dass das so ist, weil das Glukosegleichgewicht nicht nur für Körperfunktionen, sondern auch für ein Funktionieren des Nervensystems entscheidend ist.
Was passiert bei moderater Belastung?
Während moderater körperlicher Aktivität erhöht sich im Plasma die Adrenalinkonzentration, während die Sekretion aber nur sehr gering ansteigt. Deshalb wird bei moderatem Training vermutet, dass weniger Adrenalin abgebaut statt ausgeschüttet wird. Wenn per Infusion Adrenalin gegeben wird, erhöhen sich allerdings das Plasmarenin, die Glukose und die freien Fettsäuren. Das kardiovaskuläre System wird aber kaum beeinflusst.
Abschliessend kann also gesagt werden, dass Adrenalin ein metabolisches Hormon ist, das enorm wichtig ist, um eine Gegenantwort auf eine Hypoglykämie auszulösen. Deshalb ist es seit dem Artikel von Verberne et al. (2016) als «Primäres Gegenspieler-Hormon bei Typ-I-Diabetikern» deklariert. Und letztlich wird deutlich: Adrenalin ist nicht nur schlecht und erhöht den Blutzucker. Es kann auch lebensrettend sein.
Referenzen