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Die Kirche Biglen steht seit 500 Jahren an ihrem Platz. / Bild: Markus Wehner (wmb)
Biglen:
Die Kirche Biglen zählt zu den schönsten in der Region. Das Gotteshaus überzeugt mit den Wandmalereien, die teilweise in frühbarocker Zeit entstanden sind.
Im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts wurde die an sich romanische Kirche Biglen durch den heute noch in seinen wesentlichen Teilen spätgotischen Saalbau ersetzt. Aus handschriftlichen Notizen erfahren wir, dass man mit dem Bau der Kirche 1521 – also vor genau 500 Jahren – begann und ihn weitgehend aus dem Verkauf von Jahreszinsen, das heisst Rechten zur Erhebung bestimmter Abgaben, finanzierte. Für das Geläute begnügte man sich, wohl aus finanziellen Gründen, zunächst mit der Überführung des Glöckchens aus der nahe gelegenen, später abgerissenen Beinhauskapelle.
«Unnütze» Gemälde
Der bernische Rat bekannte sich 1528 zur Reformation und verstaatlichte die kirchliche Verwaltung. Die Massnahmen wurden in verschiedenen Gegenden mit Gewalt durchgesetzt. 1651 erhielt der Prädikant Jakob Alber von der bernischen Obrigkeit die Weisung, dass die «unnützen» spätgotischen Glasgemälde von 1522 abzuschaffen seien.
Das Gotteshaus erfuhr in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts massgebliche Veränderungen. 1629 erhielt der Kirchturm eine Uhr, vier Jahre später wurde der ganze Bau einer Renovation unterzogen. Das Innere bekam die heute wieder sichtbar gemachte und ergänzte, reiche Dekorationsmalerei mit den Bibelsprüchen im Schiff und den Wappen der bernischen Obrigkeit im Chor.
Etwa ein Jahrhundert später, im Jahr 1779, wurde im Westteil des Schiffes die Empore für eine Orgel eingezogen. Vielleicht gleichzeitig, mit Sicherheit aber noch im 18. Jahrhundert, brach man den ursprünglichen Chorbogen heraus. 1806 zerstörte ein Blitzschlag den Turmhelm, welcher dann 1810 durch den heutigen ersetzt wurde.
Eine Stuckdecke eingezogen
Eine tiefgreifende Umgestaltung erfuhr die Kirche Biglen im Jahr 1825. Im Zuge einer Renovation entfernte man die Glasmalereien und wohl auch die Masswerke der Fenster. Die Wände wurden begradigt und weiss bemalt; die spätgotische Decke musste einer Stuckdecke weichen. Zu diesen Veränderungen trat 1871 eine neue Bedachung mit farbig glasierten Falzziegeln, welche die ursprüngliche Eindeckung ersetzte.
1887 übergab man die Flachschnitzereien der entfernten Holzdecke zum einen Teil dem Rittersaalverein Burgdorf, zum anderen dem Bernischen Historischen Museum.
Renovationen im 20. Jahrhundert
Von 1931 bis 1933 wurde neben der Beseitigung neuerer Wanddekorationen und der Freilegung der Turmfenster vor allem technische Neuerungen vorgenommen: Heizung und Läuteeinrichtung wurden elektrifiziert, der Turm erhielt eine neue Uhr und einen eisernen Glockenstuhl. Das Geläute wurde um drei neue Glocken bereichert. Neben dem ersten Glöckchen von 1458 umfasste es zu dieser Zeit bereits eine 1591 gekaufte, 1508 datierte Mittagsglocke sowie eine 1633 vom Berner Glockengiesser David Zender angeschaffte weitere Glocke. Das heutige Geläute umfasst die Tonlagen cis (1933), e (1933), fis (1508) a (1933) und h (1633). Die älteste Glocke aus dem Beinhaus ist nicht mehr in Betrieb.
Das heutige Gesicht der Kirche wird von der umfassenden Renovation des Gotteshauses in den Jahren 1966/67 bestimmt. Der Bau erfuhr einen wesentlichen Eingriff durch die Verlängerung des Schiffes nach Westen. Weiter wurde das alte Südportal wieder geöffnet und die Bedachung mit historischen Falzziegeln durch ortsübliche Biberschwanzziegel ersetzt. Im Innern rekonstruierte man den ursprünglichen Bogen.
Die vom Rittersaalverein Burgdorf und vom Bernischen Historischen Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellten Flachschnitzereien konnten in die wiederhergestellte Holzdecke eingefügt werden. Die freigelegten Dekorationsmalereien von 1635 wurden konserviert und sinngemäss ergänzt. Zwei Jahre nach der erfolgten Renovation wurde weiter eine neue Orgel eingebaut. Sie ersetzte das bereits mehrfach umgestaltete Instrument von 1883, dem damals die barocke Orgel weichen musste.
Die Wandmalereien
Im Chor reihen sich hierarchisch geordnet die Wappen der Berner Obrigkeit aneinander. Im Scheitel über dem Spitzbogen ist die Inschrift angebracht: «Als man zaltt 1521 Jar. Dises Gottshus gebuwen ward».
An der nördlichen Chorwand befinden sich zwei grosse Spruchtafeln; links mit Texten aus Johannes 17 und Matthäus 22, rechts das «Vaterunser». Die Südwand des Chores ziert das von Hans Lütti und anderen Chorherren gestiftete Glaubensbekenntnis. Im Kirchenschiff sind über dem wiedergeöffneten alten Südeingang verschiedene Textstellen zu finden. Neben der Kanzel erscheint der Spruch «Gott ist ein Geist» und über der Empore befinden sich ein Psalm und ein Spruch aus Matthäus 24 und 25.
Der Zehntenspeicher
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts liess der Niedere Spital in Bern direkt neben der Kirche den Zehntenspeicher errichten. Er diente der Lagerung des Zehnten, welche die Leute aus der Umgebung alljährlich zu entrichten hatten. Im Urbar, dem Verzeichnis zinstragender Flächen, wurde der Flächeninhalt in Jucharten angegeben und daraus der «Zehnten» berechnet.
Quelle: Schweizerischer Kunstführer, «Kirche Biglen».