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Geschichte
Die Anfänge der Herrenstube liegen im Dunkeln. Vermutlich bilden die Freiherren von Hohenklingen den personellen Kern der adligen Stubengesellschaft. Die erste Herren- und Gesellenordnung aus dem Jahr 1420 ist nicht erhalten. Das erste Mitgliederverzeichnis aus dem Jahr 1582 führt 155 Mitglieder auf. Erster bekannter Versammlungsort ist die 1512 vor dem Gredhaus errichtete Herrenstube. Im Gegensatz zu Konstanz, Zürich oder Schaffhausen ist Stein am Rhein keine Zunftstadt. Die Herrenstube hat fürsorgerisch-geselligen Charakter und fungiert als Darlehensgeberin. Eine politische Hauptrolle spielt sie nur während der Helvetik. 1840 zieht sie in das Haus Zum Kleeblatt um. Die Ära im Kleeblatt steht im Zeichen von Fürsorge und Gemeinnützigkeit. Bereits 1873 wird das Gesellschaftshaus wieder verkauft. Die Versammlungsorte wechseln. Durch den Kauf des Weissen Adlers 1977 verlagert sich der Fokus auf den Erhalt des einzigartigen Bürgerhauses und kulturelle Aktivitäten.
Die Herrenstube unterhalb der Brücke und das Kleeblatt oberhalb der Brücke auf der Stadtansicht von 1548 in der Eidgenössischen Chronik von Johannes Stumpf. Die Herrenstube, ein markanter, vor dem Gredhaus im Rhein stehender Riegelbau, wurde zwischen 1856 und 1859 abgerissen. Bild: Zentralbibliothek Zürich.
Spanischsuppenschüssel aus der Herrenstube mit den Wappen und Namen der drei Oberen Beat Böschenstein, Hanss Jacob Graaff und Joss Hubenschmidt. Bronzeguss. 1614. Schweizerisches Nationalmuseum (LM-49660).
Quellen
Die schriftlichen Quellen beginnen im Jahr 1582 zu fliessen. Eine Sammelhandschrift enthält unter anderem eine revidierte Stubenordnung, deren Titelseite mit einem Lindenblatt geschmückt ist, ferner ein Mitgliederverzeichnis von 1584 und ein Inventar des Hausrats und Geschirrs von 1634. Aufschlussreich sind die 112 Kostenrechnungen der Mahlzeiten anlässlich von Neujahr, Huldigung und Bürgermeistertrunk von 1660 bis 1798. Die bis heute geführten Rechnungsbücher setzen 1635 ein, die Protokollbücher 1759. Jahresberichte liegen seit 2016 vor.
Titelseite der Stubenordnung von 1582. Quelle: Stadtarchiv Stein am Rhein.
Kabinettscheiben in der Herrenstube
Die Schenkung von Wappenscheiben in Rathäuser, Zunftstuben, Bürgerhäuser, Wirtshäuser und Klöster erfreut sich in der Alten Eidgenossenschaft grösster Beliebtheit. Auch die Gesellschaft der Herren Stuben beteiligt sich als Stifterin und Empfängerin an der weitverbreiteten Sitte. Drei der vierzehn Wappenscheiben aus der Herrenstube sind erhalten geblieben. Sie befinden sich heute in der Sammlung des Schweizerischen Nationalmuseums. Die Kabinettscheiben der Renaissance gehören zu den herausragenden Eigenleistungen der Schweizer Kunst.
Kabinettscheibe aus der Herrenstube mit dem Wappen der Konstanzer Patrizierfamilie Hürus. 1521. Es handelt sich um eine Stiftung des damals in Stein am Rhein ansässigen Grosskaufmanns Moritz Hürus. Seine Grossnichte, Elisabeth Hürus, war die Frau des Gesellschafters Felix Schmid und die Mutter des Freiherrn Johann Rudolf Schmid zum Schwarzenhorn. Schweizerisches Nationalmuseum (LM-12812).