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Seit Jahresbeginn sind in Europa schon rund 780‘000 Hektar Wald verbrannt – dies entspricht mehr als der Fläche des Kantons Graubünden. In einem durchschnittlichen Jahr verbrennen bis Mitte August rund 190‘000 Hektaren Wald. Noch nie seit Aufzeichnungsbeginn 2006 war die verbrannte Waldfläche bereits so gross wie Mitte dieses Augusts. Die diesjährigen Waldbrände sind aber nicht nur im Vergleich zu den letzten Jahren intensiv - der Rückblick ins letzte Jahrhundert zeigt noch deutlicher, wie ungewöhnlich die diesjährigen Waldbrände sind.
Oft ist Brandstiftung die Brandursache
75% aller Wildfeuer weltweit (unkontrollierte Feuer) sind direkt auf menschlichen Einfluss zurückzuführen. Sie werden entweder vorsätzlich (Brandrodung, Brandstiftung) oder aus Unachtsamkeit (Weggeworfene Zigarettenkippen oder Streichhölzer) verursacht. Ausschliesslich natürlichen Ursprungs sind gerade mal 4% aller Feuer.
Feuerabhängige vs. Feuerempfindliche Ökosysteme
Waldbrände sind nicht in jedem Fall schlecht für die Natur. In vielen Regionen ist das regelmässige Auftreten von Waldbränden gar essentieller Bestandteil der natürlichen Sukzession, also der zyklischen Erneuerung eines Ökosystems. Nur durch diese bleibt die typische Struktur und Zusammensetzung des Lebensraums bestehen. Die Mammutbäume in Kalifornien etwa brauchen Brandereignisse, damit die Samen aus ihren Zapfen herausfallen. Gebiete, in denen Waldbrände einen natürlichen und notwendigen Prozess darstellen, werden als feuerabhängige Ökosysteme bezeichnet.
In feuerempfindlichen Ökosystemen hingegen - wie etwa in tropischen Feuchtregenwäldern - erholen sich Pflanzen und Tiere nur schlecht nach einem Brandereignis. Aber auch feuerabhängige Ökosysteme sind nicht auf grosse, flächendeckende Waldbrände vorbereitet. Natürliche Feuer wären ohne menschlichen Einfluss meist kleinflächig und kämen viel seltener vor. Ein Beispiel für ein solches überstrapaziertes feuerabhängiges Gebiet ist der Mittelmeerraum. Die heutige Häufigkeit und Intensität der Waldbrände entspricht nicht mehr dem natürlichen Feuerregime der Region. Das Schema, mit dem Brände heute in der Mittelmeerregion auftreten, weicht sehr stark von der charakteristischen Norm ab.
Waldbrände im Mittelmeerraum auf das Vierfache angestiegen
Waldbrände kommen nur noch verhältnismässig selten ohne jegliches menschliches Einwirken zustande. Durch die enorm hohe Zahl an menschenverursachten Waldbränden hat die Waldbrandfläche stark zugenommen. Im Mittelmeerraum ist die durchschnittliche jährliche Waldbrandfläche seit den 1960er-Jahren auf das Vierfache angestiegen. Gründe für die grosse Walbrandfläche in den letzten Jahren sind vorwiegend vorsätzliche und fahrlässige Brandstiftungen, kombiniert mit extremer Hitze und Trockenheit. Die Brandereignisse der letzten Jahrzehnte sorgten dafür, dass sich heute viel trockenes Holz in den Wäldern befindet und sich langsam eine Vegetation einstellt, die zwar besser mit den Folgen eines Waldbrandes klarkommt, jedoch weniger Widerstand gegen dessen Verbreitung leistet.
Seit der Jahrtausendwende haben die Mittelmeerstaaten mit dem Phänomen der Mega-Waldbrände zu kämpfen. Diese breiten sich mit enorm hoher Geschwindigkeit aus und sind kaum noch unter Kontrolle zu bringen. In Zukunft werden Waldbrände wohl noch häufiger auftreten, da die Voraussetzungen günstiger werden. Mit dem Klimawandel werden die Sommer heisser und trockener. Die Waldbrandsaison verlängert sich, im südlichen Mittelmeerraum herrscht das ganze Jahr über Waldbrandrisiko. Doch nicht nur Südeuropa muss sich mit einer erhöhten Waldbrandgefahr auseinandersetzen. Auch die nördlicheren Regionen müssen sich auf vermehrte, gar regelmässige Waldbrandereignisse einstellen. "Deutschland ist jetzt ein Waldbrandland" brachte es unlängst Dr. Somidh Saha, Experte am Karlsruher Institut für Technologie, auf den Punkt.
Am effektivsten werden Waldbrände gemeinsam bekämpft
Von essentieller Bedeutung bei der Bekämpfung von Bränden sind unter anderem fundierte Informationsgrundlagen sowie die interregionale und internationale Zusammenarbeit. Die EFFIS (European Forest Fire Information System) liefert deshalb europaweit Daten zur aktuellen Situation und erstellt Karten, die das aktuelle und zukünftige Feuerrisiko abbilden. Bisher wurden in den einzelnen Ländern jedoch unterschiedliche Systeme angewandt, wodurch eine länderübergreifende Zusammenarbeit erschwert wurde. Ende Juli 2022 wurde das erste Instrument veröffentlicht, das europaweit eine einheitliche Methodologie anwendet und flächendeckende Daten liefert. Ausgearbeitet wurde das Instrument von der EU-Kommission Waldbrandexperten aus 43 verschiedenen Ländern aus Europa, Nordafrika und dem Nahen Osten. Die einheitlichen Daten sollen die Zusammenarbeit zwischen den Ländern vereinfachen und bessere Entscheidungsgrundlagen zum Schutz von Menschenleben und Umwelt liefern. Dass aber die wirksamste Methode zur Eindämmung der Waldbrandgefahren die Bekämpfung und Begrenzung des Klimawandels ist und bleibt: Das müssen wir an dieser Stelle wohl kaum mehr betonen!
Quellen und weitere Informationen:
WWF: Waldbrandstudie 2016
Europäische Kommission: Neue europaweite Risikobewertung von Waldbränden
European Forest Fire Information System EFFIS
Pan-European wildfire risk assessment
idw: KIT-Experte: „Deutschland ist jetzt ein Waldbrandland“