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Pop-Up Märchen - Acht sagenhafte Geschichten der KV Zürich Business School
Frau Holle reloaded
ein Märchen von Natalia Saravia
Es war einmal eine Witwe, die mit ihren zwei Töchtern in Elektroghetto im Tomorrow- land lebte. Davon war die eine schön und fleissig, die andere hässlich und faul. Die Witwe bevorzugte aber die eitle und faule Tochter.
Die brave Tochter machte alle Arbeit im Ehouse, sie musste sich täglich mit dem Houseroboter in den Keller setzen und Hausarbeit machen. Der Houseroboter war ihr bester Freund. Stundenlang musste das arme Mädchen die Kleider der Mutter und Schwester nähen. Ihre Schwester hingegen hatte nichts Besseres zu tun, als sich Youtube Clips reinzuziehen und sich ständig mit Ihren Freundinnen im Technorama zu treffen.
Eines Tages stach sich die Fleissige in den Finger. Da die Spule ganz blutig war, ging sie zum Brunnen im Garten, um sie abzuwaschen. Plötzlich geschah das Unglück. Dem Mädchen haben ihre Finger so weh getan, dass sie die Spule in den Brunnen fallen liess.
"Oh nein, was wird Mutter nur dazu sagen? " rief sie erschrocken.
Sie weinte, lief zur Stiefmutter und erzählte ihr das Unglück. Die Stiefmutter wurde jedoch sehr wütend und unbarmherzig, dass sie sprach: "Hast du die Spule hinunterfallen lassen, so hol sie auch wieder herauf."
Da ging das Mädchen zum Brunnen zurück und wusste nicht, was es nun machen sollte. Aus Verzweiflung sprang sie in den Brunnen hinein. Sie verlor die Besinnung, und als sie erwachte und wieder zu sich kam, war sie auf einer schönen Wiese, wo die Sonne schien und viele Blumen standen. Sie fühlte sich sehr wohl hier, denn der Anblick der Blumen und den Schmetterlingen hat sie fasziniert.
Auf dieser Wiese ging sie weiter, und kam zu einem Backofen, der voller Brot war. Das Brot rief: "Ach, zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenn ich: ich bin schon längst ausgebacken."
Da ging das Mädchen zum Backofen und holte mit dem Brotschieber alles nacheinander heraus.
Danach ging sie weiter und kam zu einem Baum, der voller Äpfel war. Dieser rief ihr zu: "Ach, schüttel mich, schüttel mich, wir Äpfel sind alle miteinander reif."
Da schüttelte sie den Baum, dass die Äpfel fielen und keiner mehr oben war.
Endlich kam sie zu einem kleinen Haus, in dem eine alte Frau am Fenster stand. Da diese so grosse Zähne hatte bekam das Mädchen Angst, und wollte fortlaufen. Die alte Frau aber rief ihr nach: "Was fürchtest du dich, liebes Kind? Ich bin Frau Holle. Du darfst bei mir bleiben, wenn du alle Arbeit im Hause ordentlich tust, so werde ich dich reich belohnen. Du musst nur mein Bett gut machen und es fleissig aufschütteln."
Weil die alte Frau so lieb war, willigte das Mädchen ein. Sie machte alles nach ihrer Zufriedenheit und schüttelte ihr das Bett immer kräftig.
Nun war das Mädchen eine Zeitlang bei der Frau Holle, da wurde sie traurig und bekam Heimweh. Obwohl sie wusste, dass es ihr hier viel besser ging als zu Hause, sagte sie zu Frau Holle: "Ich habe Heimweh gekriegt, und wenn es mir auch noch so gut hier unten geht, so möchte ich nicht noch länger bleiben, ich muss wieder hinauf ins Elektroghetto.
Die Frau Holle sagte: "Es gefällt mir, dass du wieder nach Haus willst, und weil du mir so treu gedient hast, so will ich dich selbst wieder hinaufbringen."
Sie nahm sie darauf bei der Hand und brachte sie vor ein grosses Tor. Als das Mädchen unter dem Tor stand, fiel ein gewaltiger Goldregen herunter, und alles Gold blieb an ihr hängen.
"Unglaublich, wie habe ich nur das viele Gold verdient?" fragte das Mädchen.
"Das sollst du haben, weil du so fleissig warst", sagte die Frau Holle und gab ihr auch die Spule wieder, die ihr in den Brunnen gefallen war.
Darauf wurde das Tor wieder verschlossen.
Das Mädchen lief wieder heim, und als sie vor dem Haus der Mutter stand kam ihr schon der Hausroboter entgegen, und rief: "Tintiritiin, unsere goldene Jungfrau ist wieder hier!"
Da ging sie hinein zu ihrer Mutter, und weil sie so mit Gold bedeckt war, wurde sie von ihr und der Schwester gut aufgenommen. Doch auch das Gold verhalf ihr nicht zur Mutterliebe.
Das Goldkleid erweckte jedoch den Neid der faulen Schwester, deswegen entschied sie sich, auch in den Brunnen einzutauchen. Für diese äusserst wichtige Mission wollte sie sich gut ausrüsten. Sie ging in ihr Zimmer, zog die Roboterschuhe, die Virenschutzhose, die Headphones, die Googlebrille und natürlich noch die Kabelohrringe an. Als sie schon aufbrechen wollte, hat sie schon fast ihr bestes Stück vergessen, das GPS. ,,Nun habe ich alles was ich brauche, meine Ausrüstung ist komplett, die GPS Funktionen funktionieren, das iPhone ist geladen, jetzt kann es losgehen!“
Ihr iPhone wollte sie unbedingt dabei haben, um die Fotos ihren Freundinnen zu zeigen, und anschliessend möglichst viele auf Facebook und Instagram zu stellen. Nun ging sie zum Brunnen, warf Ihr iPhone hinein und sprang ihm nach in der Hoffnung, Frau Holle zu finden.
Sie kam, wie ihre Schwester, auf die schöne Wiese und ging auf demselben Pfad weiter. Dann wollte sie viele Fotos machen, doch es war nicht sehr spannend da es überall nur seltsame grüne Bäume und bunte Blumen hatte. Sie fragte sich, warum hier nicht die Tabletsbäume und die Radioblumen wachsen. Und die Kopfhörerlibellen waren auch nicht unterwegs.
Als sie dann wie die Schwester zu dem Backofen kam, schrie das Brot wieder: "Ach, zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenn ich, ich bin schon längst ausgebacken."
Die Faule aber antwortete: "Als hätte ich Lust mich schmutzig zu machen!?" und ging fort. Doch dann dachte sie an das Goldkleid Ihrer Schwester, und ging zurück zum Backofen. Sie zückte ihr Handy und drückte ein paar Knöpfe um es mit dem Backofen zu verbinden. Mit dem Fernbedienungsapp kamen die Brote von alleine raus, ohne dass sie sich schmutzig machen musste.
Bald kam sie zu dem Apfelbaum, der rief: "Ach, schüttel mich, schüttel mich, wir Äpfel sind alle miteinander reif." Sie antwortete aber: "Ach das ist nicht so schlimm, Appleprodukte muss man ja auch nicht pflücken", und ging weiter.
Als sie endlich zum Haus der Frau Holle kam, fürchtete sie sich nicht, weil die Schwester schon von ihren grossen Zähnen erzählt hatte. Das faule Mädchen ging zu der Frau Holle und durfte wie ihre Schwester bei ihr bleiben, solange sie die Hausarbeiten erledigte.
Am ersten Tag riss sie sich noch zusammen und war fleissig, oder besser gesagt ihre Fernbedienungsapp war fleissig. Denn so ging alles von allein, ohne dass sie einen Finger krümmen musste.
Am zweiten Tag aber hatte ihr iPhone fast keinen Akku mehr, am dritten Tag hatte es gar keinen Akku mehr. Morgens wollte sie schon gar nicht mehr aufstehen, weil sie keine Lust hatte, irgendetwas alleine zu machen. Die Frau Holle hatte keine Lust mehr, das Kind zu beherbergen und wollte sie nach Hause schicken. Das Mädchen freute sich darüber, da sie dachte, nun würde der Goldregen kommen.
Frau Holle führte sie auch zum Tor, als das Mädchen aber darunter stand, kam statt Gold ein grosser Regen voller USB-Sticks. Gierig stopfte das Mädchen sich die Taschen voll. ,,Die sind mindestens eine halbe Million wert! Das sind die kompatibelsten Geräte auf dem ganzen Markt. Das allerbeste ist, dass der USB-Stick 256 GB Speicherplatz hat!“ Das Mädchen jubelte: ,,Die kann ich alle auf Ebay verkaufen!“
Darauf wurde das Tor wieder verschlossen.
Das Mädchen lief wie ihre Schwester wieder heim, und als sie vor dem Haus der Mutter stand, kam sie ihr auch schon entgegen und fragte sie: „Mein liebes Kind, wo ist dein Goldkleid?"
"Nein, Mutter ich habe etwas viel besseres, tausende von USB-Sticks!"
Die Mutter war sehr stolz auf ihre Tochter!
Das faule Mädchen konnte es nicht abwarten, alle USB-Sticks auf ihrem Computer auszuprobieren und sie auf Ebay zu verkaufen.
Doch plötzlich fingen die Lichter im ganzen Elektroghetto an zu flackern.
"Was ist nur los, was hat Frau Holle mit diesen USB-Sticks gemacht?" schrie das Mädchen entsetzt.
Noch ehe das Mädchen zu Ihrer Mutter renne konnte, erschien auf dem Bildschirm das Gesicht von Frau Holle. Frau Holle lachte mit ihren grossen Zähnen und sagte: "Virenalarm!"
Und wenn das Elektroghetto durch den Virus noch nicht zerstört ist, dann leben sie noch heute.