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Finnwale werden vor Svalbard regelmäßig beobachtet, vor allem in den Sommermonaten. Doch die rasche Erwärmung der Arktis und die sich damit verändernde Verfügbarkeit von Beutetieren scheint die Gewässer westlich von Svalbard auch in der dunklen Jahreszeit für Finnwale zunehmend attraktiver zu machen.
Ein italienisches Forschungsteam nahm mit Hilfe von passivem akustischen Monitoring, wobei fest installierte Hydrophone die Unterwassergeräuschkulisse überwachen, im Kongsfjord an der Westküste Spitzbergens über einen Zeitraum von sieben Jahren (2014 – 2020) mehr als 16.000 Signale von Finnwalen auf. Das Team fand heraus, dass nicht alle Finnwale für die Fortpflanzung in gemäßigte Breiten ziehen und stattdessen möglicherweise die Gewässer vor Svalbard für die Paarung nutzen.
Die Analysen der Aufnahmen zeigten, dass sich Finnwale das gesamte Jahr über vor Svalbard aufhalten. Darüberhinaus stellte das Team fest, dass die Gesänge der Finnwale im Laufe der Jahre unterschiedliche Muster aufwiesen. Während die Forschenden über die gesamten sieben Jahre in den Monaten Februar bis Juli fast ausschließlich Laute mit einer Frequenz von 20 Hertz aufnahmen, waren insbesondere in den Monaten Oktober, November und Januar auch Laute mit 130 Hertz zu finden. Sie vermuten, dass die Finnwale entweder die Gesangsmuster im Jahresverlauf wechseln, oder dass Individuen anderer akustischer Populationen mit unterschiedlichen Mustern den Winter vor Svalbard verbringen.
Sollte letztere Hypothese zutreffen, würde das darauf hindeuten, dass Finnwale über die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit verfügen, ihre Migrationsstrategien zu verändern, so das Autorenteam in der Studie, die in der Fachzeitschrift Nature Scientific Reports veröffentlicht wurde. Die Wale könnten in einem Jahr die Fortpflanzungssaison in der Arktis verbringen und im nächsten Jahr wieder in Richtung Süden ziehen.
Laut des Autorenteams ist es wegen der sich ändernden Umweltbedingungen von entscheidender Bedeutung zu wissen, wann und wie sich Wale in arktischen Regionen aufhalten, um sie angesichts des Klimawandels besser schützen zu können.
Finnwale verbringen normalerweise den Sommer in hohen Breiten, wo sie sich von Krill und kleinen Fischen ernähren, und ziehen im Winter in gemäßigte Regionen, um ihre Jungen zu gebären. Entlang der Westküste von Svalbard wurden Finnwale zwischen März und November bis 81,5° N beobachtet, mit den meisten Sichtungen zwischen Juni und September.
Der Studie zufolge beobachten Forschende seit 2002 einen Anstieg an Finnwal-Sichtungen in den Küstengewässern und Fjorden von Svalbard. Nach 2010 orientierten sich die Wale weiter polwärts, da mehr warmes Wasser in Richtung Norden strömte und auch ihre Beutetiere aus dem Atlantik häufiger in hohen Breiten auftauchten.
Das Forschungsteam vermutet, dass der durch den Klimawandel verursachte Anstieg der Wassertemperatur und der Rückgang des Meereises den Lebensraum für die Finnwale attraktiver macht und sie so dazu bringt, ihre Wanderung zu verschieben.
Julia Hager, PolarJournal
Beitragsbild: Michael Wenger
Link zur Studie: Papale, E., Pelagatti, M., Pedrazzi, G. et al. Occurrence and patterns of fin whale songs reveal alternative migration strategies in Svalbard Islands, Norway. Sci Rep 13, 4436 (2023). https://doi.org/10.1038/s41598-023-31665-x