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Biografie
Otto Wyler 1887 - 1965
Raphael Wyler, der Vater von Otto Wyler, stammte aus einer jüdischen Familie aus Endingen, einem der zwei Dörfer in der Schweiz, wo Juden nach dem Frieden von Münster (1648) wohnen durften, bis ihnen 1866 freie Niederlassung gewährt wurde. Die Mutter, eine geborene Guggenheim, war eine Tochter aus gutem Hause in St. Gallen. Anfänglich hatte der Vater einen kleinen Laden in Mumpf, wo beide Söhne, Eugen 1885 und Otto 1887, zur Welt kamen. In den neunziger Jahren zog die Familie nach Aarau, an die Vordere Vorstadt 14. Auch hier hatten die Eltern im Erdgeschoss ein am Shabbat geschlossenes Geschäft mit Weißwaren, Arbeitskleidung und anderen Textilien.
Im Alter von 12 Jahren wurde bei Otto Wyler ein Gehirntumor festgestellt (1899). Einem jungen deutschen Spezialisten gelangen die zwei Operationen in Basel, welche aber das “Rechenzentrum” in Ottos Gehirn zerstörten. Das war schließlich der Grund (?), um Maler zu werden, da der Arzt einen Beruf “im Freien“ empfahl (Gärtner, Förster, Dekorationsmaler ).
Der Zeichenlehrer der “Gewerbeschule“, wo Otto nach den Operationen weiter studierte, Herr Steimer, erkannte das Zeichentalent von Otto Wyler und empfahl den Eltern, ihren Sohn Kunstmaler werden zu lassen. Sein Talent bestätigte sich auch durch die Tatsache, dass er schon als 18-jähriger an der Ecole nationale des Beaux-Arts in Paris ins Atelier von Fernand Cormon angenommen wurde.
Ein Jahr später (1906/1907) reist Otto Wyler nach München, wo er bei Heinrich Knirr arbeitet (ebenfalls Lehrer von Paul Klee). 1907 / 1908 ist Otto Wyler wieder in Paris, diesmal im Atelier von Jacques-Emilie Blanche. Das ist der Herbst der großen Cezanne-Ausstellung im Salon d’Automne, welche einen großen Einfluss auf Otto Wyler hat.
Im Sommer malte er meistens in der Schweiz – Jura und Engadin. Mit ehemaligen Schulkollegen gründete er die Sektion Aargau der GSMBA (Gesellschaft Schweizerischer Maler, Bildhauer und Architekten).
Im Jahre 1910 fragte Otto Wyler einen ehemaligen Schulkameraden, Walter Jaeger, ob ihm dessen Schwester Modell zur einer Madonna stehen würde. Betty Jaeger war damals Studentin an der ETH in Zürich. Das große Madonna-Bild war im gleichen Jahr noch im neuen Kunsthaus in Zürich zu sehen. Am 25. November 1910 erschien dazu eine positive Kritik von Hans Trog in der Neuen Zürcher Zeitung ( NZZ ).
Sein erster wichtiger Erfolg war 1911 mit dem Ankauf des Bildes “Die Gitarrespielerin“ durch das Kölner Wallraf-Richartz-Museum, nachdem dieses in einer internationalen Ausstellung unter Beteiligung der GSMBA gezeigt wurde.
In der Berliner Sezession zeigte Otto Wyler Engadiner Winterbilder und im Münchner Glaspalast das Maienzugbild, das später in die Aula des Zelglischulhauses kam und als Diapositiv in deutschen Kinos gezeigt und auch in einer Zeitschrift reproduziert wurde. Dadurch errang das Maienzugbild von 1911 große Bekanntheit. Der größte Erfolg für den damals 26-jährigen Maler war die Auszeichnung einer Aarelandschaft mit der zweiten goldenen Medaille an der XI. Internationalen Kunstausstellung in München 1913.
Der Ausbruch des ersten Weltkrieges scheint das Leben Otto Wylers nicht im selben Masse betroffen zu haben wie andere Künstler in Europa, für die der Krieg zu einem tiefen Einschnitt im Leben und Schaffen wurde. Er war 1907 nicht zur Rekrutenschule eingezogen worden, der zuständige Arzt ließ es damit gut sein, dass Otto Wyler lieber auf den Dienst verzichtete. Das wurde 1914 nicht mehr geändert, und so blieb ihm Zeit für die Malerei. Die Reisen ins Ausland wurden allerdings sehr erschwert. Dadurch wurden die Berge, vor allem im Engadin, häufiger zu seinem Motiv.
Betty Jaeger hatte 1913 ihr Studium abgeschlossen und eine Stelle an der Bezirksschule in Menziken erhalten, wo sie Naturwissenschaften und Mathematik unterrichtete. Als sie Otto 1917 heiratete, verlor Betty Wyler ihre Stelle.
Von 1917 bis 1924, nach ihrer Heirat, wohnen Otto und Betty Wyler in Ftan. Dort bekommt Betty eine Stelle an dem Privaten Gymnasium für Mädchen, welche sie ebenfalls verliert als deutlich wird, dass sie ein Kind erwartet.
Während dieser Zeit werden drei Kinder geboren ( 1918 Zimira / 1920 Beate / 1922 Oswald ).
1917 entstanden die beide großen Monte Forno-Bilder. Eines dieser Bilder wurde in Zürich im Sommer in der großen GSMBA-Ausstellung gezeigt. In der Frankfurter Zeitung erschien die folgende Rezension von Dr. Carl Weichardt (Kunst-Korrespondent der Zeitung in Bern): “Den Preis unter den Schweizer Landschaften muss man dem herrlichen ‘Monte Forno am Tag’ (Maloya) des Aarauers Otto Wyler zuerkennen”.
Dieses Bild wurde später in den Jahren 1921 und 1922 in der USA in verschiedenen Museen ausgestellt, so im Brooklyn Institute of Art and Science, im Art Institute of Chicago, im City Art Museum St. Louis, etc...
Erwin Poeschel, der die große Giacometti-Monographie geschrieben hat, veröffentlichte im Januar 1922 in “Westermann’s Monatsheften“ einen längeren Artikel über Otto Wyler mit mehreren Reproduktionen.
Anfang 1924 zog die Familie nach Aarau, wo das vierte Kind ( Lotti ) zur Welt kam. Während den Jahren 1925 – 1934 malt Otto Wyler oft in Südfrankreich, und 1931 und 1932 nimmt er im Winter auch seine Familie mit nach Sanary.
Otto Wyler malte während zwei längeren Aufenthalten in Marokko ( 1934 / 1935 ),
wo die Stadtverwaltung von Marrakesch ihm ein Atelier zur Verfügung stellte.
Diese Werke werden später in Aarau und in Genf mit viel Erfolg ausgestellt.
Der Zweite Weltkrieg macht das Reisen ins Ausland unmöglich und Otto Wyler malt viel in Losone (Tessin). Nach dem Krieg reist er wieder - nach Griechenland, Italien, Frankreich, Spanien und im Jahr 1955 auch nach Israel.
Zu seinem 75. Geburtstag (1962) werden in einer großen Ausstellung im Aargauer Kunsthaus 222 seiner Bilder gezeigt. Diese Ausstellung war ein großer Erfolg.
Ein halbes Jahr vor seinem Tod, im Spätsommer 1964, malte Otto Wyler auf Einladung der Gemeinde Zurzach die dortige Rheinlandschaft, die bald danach durch ein Wasserkraftwerk für immer verändert wurde. In einem Interview äußerte sich der Maler skeptisch zu diesem Opfer der Natur zugunsten der Technik. Er hatte die Landschaft als Maler gesehen, ihm tat es leid um die alten Weiden, die zerstört wurden. Er fand es wichtig, dass die Landschaft wenigstens im Bild erhalten bliebe, das heißt, er verstand seine Malerei durchaus auch als eine Dokumentation eines Zustandes, als einen Dienst am Gedächtnis seiner Heimat.
Otto Wyler malt bis zum Ende seines Lebens – 1965 stirbt er im Alter von 78 Jahren. Sein letztes Bild ist ein "Wald im Winter”.
Seit seinem Tode gab es verschiedene Ausstellungen seiner Werke – unter anderen 1965 in der Galerie 6 in Aarau, 1987 im Rathaus der Stadt Aarau, und 2013 in Israel, wo 40 Bilder im Ein Harod Kunstmsueum gezeigt wurden.
Zeitachse: Link zur Zeitachse Otto Wyler (PDF)