Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03281.jsonl.gz/2487

Die Dinge des Alltags sind auf einmal in Frage gestellt. Es liegt kein Sinn mehr in dem, was man tut, und umso mehr fragt man nach dem Sinn. Freude und Genuss, wie sind sie zu rechtfertigen? Die Lust, wie verteidigt sie sich? Die Normalität, in wessen Namen tritt sie auf? Das Selbstverständliche als Kategorie ist verschwunden. Der Wein, den du trinkst, ist von Blut nicht mehr zu unterscheiden.
Es ist die Jahreszeit der schroffen Wechsel. Man tritt aus der Winterstarre in die wärmende Sonne. Man tritt aus der Sonne in die Todeskühle des Schattens. Der Krieg mischt sich ein in das Schreiben. In das Denken, das Fühlen. Ist es ein Ziel, eine Art Unschuld des Schreibens wiederzuerlangen? Gibt es ein Schreiben, das Schuld und Unschuld nicht kennt? Käme es der Wahrheit näher?
Ich es sehe, wie der Wind durch die Schneeglöckchen fährt, ich rieche den Duft der Erde, und ich weiss, dass gleichzeitig in Charkow Menschen verbluten. Ist es meine Aufgabe, dies auszuhalten, ohne den Anblick und das Prinzip der Schönheit zu hassen? Indem ich die Schönheit hochhalte, nehme ich am Krieg teil als einer, der sie verteidigt?
Vermehrt wieder die per Mail eintreffenden Frohbotschaften der Werbung, zum Beispiel Erfolgreich selbstständig werden , als ob nichts geschehen wäre, als ob der Courant normal, zu dem die Erfolgreichen unmittelbar nach Corona zurückgekehrt sind, jederzeit weiter aufgedreht werden könnte wie ein Wasserhahn, aus dem es immer munter sprudelt.
Man vergleiche den Horror in den Kriegsgebieten mit dieser Triggerwarnung: Die folgenden Texte beschäftigen sich mit negativen Erfahrungen bei Schwangerschaftsabbrüchen. Die Schilderungen können belastend sein und negative Reaktionen auslösen (correctiv.org). Müssen künftig Nachrichten aus der Ukraine mit Warnungen versehen werden, weil sie negative Reaktionen auslösen könnten?