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|1907|
Am 24. März wird Théodore Strawinsky in S. Petersburg geboren. Er ist das erste von vier Kindern des Komponisten Igor Stravinsky und seiner Gattin Catherine, geb. Nossenko. Seine Geschwister sind Ludmila, Soulima und Milène, welche in den Jahren 1908 bis 1914 zur Welt kommen.
1910
Von 1910 an wählt die Familie Strawinsky als Winterquartier Montreux-Clarens (Schweiz) und den Sommer verbringt sie auf ihrem Landgut in Ustilug (Ukraine).
1914
Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zwingt die Familie, in der Schweiz zu bleiben. Sie wohnen in Clarens, im Haus des Dirigenten Ernest Ansermet. 1915 ziehen sie in die Villa Rogivue in Morges, später ins Haus Bornand, ebenfalls in Morges.
1920
Strawinsky's verlassen im Frühjahr endgültig die Schweiz und ziehen in das Haus Bel Respiro in Garches, das ihnen Coco Chanel zur Verfügung stellt.
1921
Im Frühling schaut Théodore hinter den Kulissen den Ballets Russes von Diaghilev zu und entdeckt erstaunt den von Picasso gemalten Bühnenvorhang für Parade von Satie. Er ist hell begeistert und beeindruckt.
1924
Die Familie zieht einmal mehr weiter, diesmal nach Nizza in die Villa des Roses. Dort treffen sie sich häufig mit Jean Cocteau, der in Villefranche-sur-Mer wohnt.
1927
Die Galerie Quatre Chemins in Paris zeigt in einer ersten Einzelausstellung Bilder des 20-jährigen Théodore Strawinsky. Es sind Ölbilder, Zeichnungen und Gouachen. Bereits ein Jahr später folgt die zweite Ausstellung in derselben Galerie. Im Gästebuch finden wir Einträge und Skizzen bekannter Namen : Rouault, Lifar, Sauguet, Goossens, Souvtchinsky, Ansermet, Diaghilev, Lourié und andere.
1930
Während den Sommerferien in der Nähe des Lac Paladru, Dept. Isère, besuchen sie Prokofiew, der in der Nähe seine Ferien verbringt. Die idyllische Gegend verleitet Igor Stravinsky einmal mehr, sein Domizil zu wechseln.
1931
Umzug der Familie ins Château de la Veronnière in Voreppe, Nähe Grenoble.
1933
Théodore kommt als Maler erstmals in Kontakt mit der Theaterwelt, indem er die Dekors von Loire, von Adré Obey entwirft, einem Stück, das im Theater Vieux Colombier in Paris aufgeführt wird. Es folgen über zehn Aufträge für Theaterdekors und Kostüme in Frankreich, Belgien und der Schweiz.
1934
Ende Jahr wird die Familie Stravinsky (mit Ausnahme von Théodore) in Frankreich eingebürgert und lässt sich in Paris nieder, zuerst an der Rue Viète 21, dann am Faubourg Saint Honoré 25. Hier wie an den vorherigen Wohnorten verfügt Théodore über sein eigenes Atelier. Hier hat der Künstler, wie auch der Vater, sein Arbeitszimmer nahe der Wohnräume der Familie.
1936
Heirat von Théodore Strawinsky mit Denise Guerzoni am 29. Juni in Paris. Denise ist die Tochter der Schweizer Malerin Stéphanie Guerzoni, die seinerzeit eine Schülerin von Ferdinand Hodler war. Sie ist auch die Schwiegertochter des tschechischen Schriftstellers und Diplomaten Josef Palivec, zweiter Mann ihrer Mutter.
1938
Ludmila, die Schwester von Théodore, stirbt im November an Lungentuberkulose. Sie ist die Mutter der einjährigen Tochter, die denselben Namen wie ihre Grossmutter trägt, Catherine.
1939
Im März muss Théodore den Tod seiner Mutter Catherine beklagen und im Juni desselben Jahres stirbt die Grossmutter väterlicherseits, Anna.
1940
Ausstellung Théodore Strawinsky in der Galerie Perls in New York.
1941
Unter dem Vichy Regime wird Théodore verhaftet. Einige Monate später wird er aus dem Lager Récébédou entlassen und nimmt unverzüglich die Malerei wieder auf.
1942
Théodore und Denise gelangen in die Schweiz, der Heimat von Denise. Sie lassen sich im Haus Bonnet, 40 rue du Marché in Genf nieder.
Die Galerie Georges Moos organisiert eine Einzelausstellung des Künstlers und zwei weitere Ausstellungen folgen in den Jahren 1944 und 1947. Fast jedes Jahr bis zu seinem Tod 1989 zeigt Théodore Strawinsky seine Werke in der Schweiz (Genf, Zürich, Bern, Neuenburg, Yverdon, Fribourg, Lausanne, Vevey, Sierre, Sion, Montreux), in Frankreich (Paris, Le Mans) und in Italien (Rom, Mailand, Omegna, Orta, Bergamo), an über fünfzig Ausstellungen zu seinen Lebzeiten.
1943
Iouri Mandelstramm, Witwer von Ludmila und Vater der 6-jährigen Catherine, stirbt im Lager Jaworzno in Polen.
1944
Von 1944 bis 1963 realisiert der Maler mehrere Theaterdekors und die Kostüme, u. a. für L’Histoire du soldat und Sodome et Gomorrhe 1944, Petruschka 1945, The Rake’s Progress 1952.
1946
Denise und Théodore nehmen die Nichte Catherine zu ihnen, die nach vielen Jahren im Sanatorium in Leysin endlich ein Heim findet. Die Adoption folgt 1952. Vier Jahre später erhählt Théodore für sich und seine Tochter das Schweizer Bürggerrecht.
1948
Théodore bekommt den Auftrag für fünf Kirchenfenster in Siviriez, Nähe Fribourg, mit dem Thema Szenen aus dem Evangelium. Während rund fünfunddreissig Jahren führt der Künstler gut vierzig Werke aus : Wandmalereien, Kirchenfenster, Mosaiken, Wanteppiche und Gravuren auf Marmor. Er arbeitet mit den Architekten Denis Honegger, Hans van der Laan, Nico van der Laan oder Jan de Jong zusammen. Er gehört so zu den berühmten Künstlern, die sich in der Ausschmückung von Kirchen engagieren. Es sind dies z. B. Léger, Lurçat, Rouault, Matisse, Braque, Chagall...
1963
Von 1963 an wird Holland beinahe die zweite Heimat des Malers. Mit Pater Hans van der Laan, Gründer der Architekturschule genannt Bossche School, arbeitet Théodore bis 1978 und malt Wandmalereien in sechs Kirchen in Holland und Belgien.
1971
Am 6. April stirbt Igor Stravinsky in New York. Er gilt als einer der einflussreichsten Komponisten moderner Musik des XX. Jahrhunderts.
1973
Nach einem ersten schriftlichen Werk, das er 1948 seinem Vater widmete, publiziert Théodore im Andenken an seine Eltern Catherine and Igor Stravinsky a Family Album.
1976
Théodore Strawinsky wird die Silbermedaille Arts, Sciences, Lettres der Académie française für sein Gesamtwerk überreicht.
1977
Der Maler wird von Papst Paul VI zum Kommandeur des Ordens des Heiligen Gregor d. Gr. ernannt für "den Dienst an der Kirche durch die Kunst".
1987
Der Künstler malt sein letztes Werk, ein Pastell, L'ananas, dann muss er wegen Erblindung die Pinsel niederlegen.
1989
Théodore Strawinsky stirbt 82-jährig am 16. Mai in Genf und wird auf dem Russischen Friedhof Sainte-Geneviève-des-Bois in der Nähe von Paris beigesetzt, wo schon seine Mutter, seine Schwester und seine Grossmutter ruhen. Im Jahr 2004 wird auch seine Ehefrau Denise im dortigen Familiengrab beerdigt.
Strawinsky ? Stravinsky ? Stravinski ?
In Europa signierte Igor mit "Strawinsky" als korrekte phonetische Betonung, um zu verhindern, dass das "v" vor allem im deutschsprachigen Raum als "f" ausgesprochen wird.
Als er sich dann 1939 in Amerika niederliess wählte er das "v", das in der englischen Sprache zum "w" wird. Er wurde damit zum Igor Stravinsky.
Die UNESCO vereinheitlicht die Schreibweise slawischer Namen und aus dem polnischen "i" und dem russischen "ij" wird nun "i" (Stravinski).
Théodore hingegen hat die ursprüngliche Schreibweise des Namens, Strawinsky, beibehalten.
Fotos
1907 Théodore mit seinen Eltern, Russland
1917 Familien Stravinsky und Ramuz, Morges
1920 Foto des Familienpasses, Morges
1932 Die Stravinsky Familie, Voreppe
1936 Hochzeitstag von Théodore und Denise, Paris
1948 Théodore und Denise mit ihrer Tochter, Genf
1952 Igor, Denise und Théodore, Genf
1969 Théodore