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Die Legenden aus dem Reich des Aberglaubens und der Gespensterwelt, überliefert aus dem Erzählgut der Sklaven aus den Zucker-Engenhos, würden sicher viele Bände füllen – eine davon möchte ich hier erzählen:
“In biblischen Tagen befand sich unser Herr Jesus Christus auf der Flucht vor seinen jüdischen Verfolgern auf einer einsamen Strasse, unter einer sengenden Sonne, hungrig und durstig, als er eines grossen Zuckerrohrfeldes ansichtig wurde, welches sich in einer Senke bis zum Horizont ausbreitete. Zum Umfallen müde, kroch er zwischen die dichten grünen Blätter, die ihn verbargen, ihm Schatten spendeten und einen tiefen, erholsamen Schlaf. Danach kaute er ein paar Stücke der saftigen, süssen Stengel, die seinen Hunger und Durst stillten. Und bevor er zur Strasse zurückkehrte, breitete er seine Arme aus, segnete das Zuckerrohrfeld und sprach: “Aus dieser Pflanze soll dem Menschen eine Speise werden, süss und wohlbekömmlich wie das Manna des Himmels” – ausgeruht und mit neuer Kraft nahm er seinen Weg unter die Füsse.
Am nächsten Tag, just zur gleichen Stunde, kam auch der Teufel dieselbe Strasse entlang – geradewegs aus dem Höllenfeuer galoppierte er mit angesengtem Schwanz und gesenkten Hörnern auf das Zuckerrohrfeld zu, wo er sich auf dem endlosen Grün der Blätter zur Rast ausstreckte. Aber die Pflanzen spickten ihn mit ihren winzigen haarigen Sporen, sodass er anfing sich zu kratzen wie ein lepröser Hund. Das machte ihn wütend – er schnitt sich ein Stück von einem Stengel ab und kaute darauf herum, aber der Saft schien ihm saurer als Essig und verbrannte ihm die Kehle. Er wurde fuchsteufelswild und verdammte das Zuckerrohrfeld mit den Worten: “Aus dieser Pflanze soll dem Menschen ein Trunk werden, so glühend heiss wie das Feuer der Hölle”! Und dann verzog er sich unter stetigem Kratzen, fauchend und mit gesenkten Hörnern.
So erklärt es sich, dass die gleiche Pflanze sowohl den Zucker als auch den Cachaça hervorbringt – den einen durch den Segen unseres Herrn und den andern durch die Verwünschung des Teufels”.