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London habe es verdient, im Jahr 2012 die Olympischen Sommerspiele auszurichten, erklärt ein Schweizer IOC-Mitglied.Dieser Inhalt wurde am 06. Juli 2005 - 21:57 publiziert
Die IOC-Delegierten seien durch den leidenschaftlichen Effort der Briten beeindruckt worden, die Spiele in ihre Hauptstadt zu holen, sagt Gian Franco Kasper gegenüber swissinfo.
Die Ausmarchung für die Durchführung der Olympischen Sommerspiele 2014 gewann London, das Paris im letzten Wahlgang mit 54 gegen 50 Stimmen auf den zweiten Platz verwies. Der Entscheid fiel am Mittwoch an der jährlichen Sitzung des Internationalen Olmypischen Komitees in Singapur.
Drei weitere Städte, die sich um die Durchführung der Spiele beworben hatten - Madrid, New York und Moskau – waren bei den vorangegangenen Abstimmungsrunden ausgeschieden.
Der Schweizer Bundespräsident Samuel Schmid schickte der britischen Königin Elizabeth II. und Premierminister Tony Blair ein Glückwunsch-Telegramm. Schmid zeigte sich überzeugt, dass die britische Hauptstadt bestens gerüstet sei, das grösste Sport-Ereignis der Welt zu beherbergen.
Kasper, der im Jahr 2000 ins IOC gewählte Präsident des Internationalen Skiverbandes (FIS), macht keinen Hehl daraus, dass seine Wahl nach dem Vortrag des zweimaligen 1500-m-Olympiasiegers Sebastian Coe, dem Vorsitzenden des britischen Angebotes, auf London gefallen sei.
swissinfo: Zum Schluss war es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen London und Paris. Waren Sie überrascht, dass London es für sich entscheiden konnte?
Gian Franco Kasper: Vor einer Woche hätte ich noch Ja gesagt. Aber nachdem ich die Kampagne des Londoner Teams hier in Singapur sah, war es keine Überraschung mehr.
Es war knapp, aber Sebastian Coe als Hauptverantwortlicher des Londoner Angebots machte einen tollen Job. Und Premierminister Tony Blair sprach mit jedem einzelnen IOC-Mitglied.
Was gab den Ausschlag für den Sieg der Londoner Kandidatur?
G.F.K.: Im Wesentlichen war es die Art, mit der die Londoner Mannschaft in den letzten Tagen für Stimmen geworben hatte. Weiter präsentierten sie den IOC-Mitgliedern eine ausgezeichnete und sehr emotionale Präsentation, die sich auf das Erbe der olympischen Bewegung konzentrierte.
Auch ihr technisches Dossier war hervorragend. Und alles in allem, denke ich, wusste die Welt, dass es Zeit für Grossbritannien war, die Sommerspiele wieder ausrichten zu dürfen.
swissinfo Wie wählten Sie und die anderen Schweizer Mitglieder des IOC?
G.F.K.: ich kann nicht für die anderen sprechen. Vor ein paar Wochen aber habe ich Sebastian Coe versprochen, für ihn zu stimmen. Erstens wegen des hervorragenden technischen Dossiers der Londoner, aber auch, weil sich das Team ausgezeichnet verkaufte.
Im Allgemeinen gibt es bei den Bewerbungen als Olympische Stadt einige gute Kandidaten aber auch andere, die nicht fähig sind, die Spiele durchzuführen.
Dieses Mal aber hatten wir fünf Traumstädte. Und so trafen wir halt eine emotionale statt einer technischen Entscheidung.
swissinfo: Sie haben den Effort der Londoner Mannschaft erwähnt. Ähnliche Anstrengungen von Schweizer Städten, Olympische Winterspiele abzuhalten, haben jedoch nicht zum Erfolg geführt. Warum?
G.F.K.: In der Schweiz ist niemand wirklich daran interessiert, Olympische Spiele auszurichten. Ich glaube, dass im Moment keine entsprechende Offerte realisiert werden könnte.
Meiner persönlichen Meinung nach werden in den nächsten 15 bis 20 Jahren keine Spiele in der Schweiz stattfinden. Wir haben sie zweimal, 1928 und 1948, in St. Moritz abgehalten, für die Zukunft aber schaut es nicht gut aus.
Wenn es um Sport geht, braucht die Schweiz eine grosse Portion mehr Pioniergeist. Niemand von der Politik oder der Wirtschaft ist bereit, sich richtig zu engagieren oder in ein Schweizer Angebot zu investieren.
swissinfo: Es gibt Gerüchte, dass die Schweiz für die Durchführung der Olympischen Winterspiele 2018 oder 2022 kandidieren will. Könnte der Fakt, dass die Olympischen Sommerspiele 2012 in Europa stattfinden, negative Auswirkungen auf ein mögliches Schweiz
G.F.K.: Das ist theoretisch möglich. Aber wir müssen zuerst über den Austragungsort der Winterspiele von 2014 entscheiden. Korea ist dafür zurzeit der Kronfavorit. Das Land konkurriert gegen Schweden und Österreich. Sollte Korea sich durchsetzen, könnten mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit die Spiele 2018 nach Europa zurückkehren.
Wenn aber die Olympischen Spiele 2014 in Österreich oder Schweden stattfinden, können Sie sicher sein, dass die darauffolgenden olympischen Winterspiele nicht in Europa abgehalten werden.
swissinfo-interview: Ramsey Zarifeh
(Übersetzt aus dem Englischen: Etienne Strebel)
Fakten
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) besteht aus 116 Mitgliedern.
104 nahmen an der letzten Wahlrunde teil; die Vertreter der beiden Kandidaten Grossbritannien und Frankreich waren ausgeschlossen.
Die Schweiz stellt 5 Mitglieder: Marc Hodler, Denis Oswald, René Fasel, Joseph Blatter und Gian Franco Kasper.
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