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Mütter übertragen das Virus nur selten aufs Kind
Schwanger mit SARS-CoV-2
Eine Coronavirusinfektion der werdenden Mutter bringt das Leben des Neugeborenen offensichtlich nicht in Gefahr. Allerdings steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Frühgeburt leicht an.
Für eine prospektive Kohortenstudie hatten Wissenschaftler die Daten von 88 159 Kindern, die im ersten Pandemiejahr zwischen März 2020 und Januar 2021 in Schweden geboren worden waren, und ihrer 87 005 Mütter ausgewertet. Bei 2323 der Babys waren die Frauen während ihrer Schwangerschaft positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden, berichten Professor Dr. Mikael Norman vom Karolinska Institutet in Stockholm und Kollegen.
Mehr Atemwegsprobleme und Hyperbilirubinämien
Lediglich bei 21 (0,9 %) der Kinder von SARS-CoV-2-positiven Müttern liess sich in den ersten 28 Lebenstagen gleichfalls eine Infektion mit dem Coronavirus nachweisen. Keiner der positiv getesteten Säuglinge hatte eine Lungenentzündung. Zwölf der Neugeborenen waren komplett gesund, neun hatten Erkrankungen, die keinen offenkundigen Bezug zu SARS-CoV-2 hatten. Das Risiko der Virenübertragung von der Mutter auf ihr Kind ist also gering, schreiben die Studienautoren. Kommt es dennoch dazu, sind die Folgen milde.
Bei den Kindern, deren Mütter in der Schwangerschaft die Infektion durchgemacht hatten, war weder die Mortalität (0,30 % vs. 0,12 %) erhöht noch verlängerte sich die Verweildauer auf der neonatologischen Station (je sechs Tage). Zudem wurden die Babys ähnlich häufig bei der Entlassung aus der Klinik gestillt (94,4 % vs. 95,1 %). Allerdings mussten die Neugeborenen Test-positiver Mütter häufiger intensivmedizinisch versorgt werden (11,7 % vs. 8,4 %) und hatten öfter Probleme mit den Atemwegen (2,8 % vs. 2,0 %). Auch eine Hyperbilirubinämie (3,6 % vs. 2,5 %) wurde bei ihnen öfter festgestellt.
Respiratorische Störungen aufgrund vorzeitiger Geburt
Ausserdem erhöhte die Coronavirusinfektion während der Schwangerschaft die Rate an Frühgeburten (8,8 % vs. 5,5 %) – was auch die erhöhte Morbidität der Kinder in dieser Situation erklären dürfte: In der überwiegenden Zahl der Fälle (89,3 %) lag den neonatalen respiratorischen Störungen nämlich eine vorzeitige Geburt zugrunde. Ein ähnlicher Effekt ist nach Ansicht der Autoren in puncto Hyperbilirubinämie denkbar.
Auch Dr. Dani Dumitriu und Dr. Cynthia Gyamfi-Bannerman von der Columbia University in New York geben Entwarnung. Zwar sei der Zusammenhang zwischen SARS-CoV-2 in der Schwangerschaft und Frühgeburten nicht von der Hand zu weisen, schreiben sie in ihrem Kommentar. Für die leicht erhöhte Neugeborenenmorbidität sei aber in vielen Fällen die Frühgeburtlichkeit verantwortlich. Insgesamt würden die Daten bestätigen, dass bei einer Coronavirusinfektion in der Schwangerschaft die Risiken für neonatale Infektionen, Morbidität und Mortalität lediglich gering sind, so ihr Fazit.
Norman M et al. JAMA 2021; 20: 2076–2086; doi: 10.1001/jama.2021.5775.
Dumitriu D, Gyamfi-Bannerman C. A.a.O.; 2051-2052; doi: 10.1001/jama.2021.6210