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Wie Russen in die Ferien gehen
Viele Russen gehen gar nie in die Ferien, weil sie dazu schlichtweg kein Geld haben. Die meisten kämpfen sich durch den Alltag mit der ständigen Angst im Nacken, dass ihr Gehalt vor dem Ende des Monats aufgebraucht sein könnte. Nebenbschäftigungen wie zum Beispiel Taxifahren sind äusserst beliebt. Die Frauen gehen selbstverständlich auch einem Erwerb nach, nur dass sie nebenbei auch noch den Haushalt in Schuss halten müssen.
An den Wochenenden oder in den Ferien fahren die Russen oft in ihre Datschas. Dies sind Familiengärtchen am Stadtrand mit einem kleinen Häuschen wo sich vorzüglich Wodka trinken lässt. Der Ertrag aus dem Garten hilft die Ausgaben für Nahrungsmittel zu reduzieren. Die Freizeit wird oft mit Jagen, Fischen oder Pilzsammeln verbracht was zu weiteren gratis Lebensmittel verhilft.
Die meisten Betriebe schliessen über die Maifeiertage. Diese beginnen mit dem 1. Mai, dem Tag der Arbeit und enden mit dem 9. Mai, dem Tag des Sieges über den Faschismus im Jahre 1945. Im Herbst wird am 7. und 8. November nicht gearbeitet zum Gedenken an die Oktoberrevolution. Die Tage liegen nach unserer Zeitrechnung im November weil zur Zeit der Revolution in Russland noch der alte Greogorianische Kalender galt. Über das Jahresende wird vom 24. Dezember bis am 13. Januar nur reduziert gearbeitet. Die Weihnachtsferien enden somit am "alten neuen Jahr", dem Neujahrstag nach dem Gregorianischen Kalender.
Wer in der glücklichen Lage ist eine oder zwei Wochen Ferien zu machen fährt vielmals ins betriebseigene Ferienheime. Dies sind entweder kleine Hüttendörfer, wo man ähnlich wie auf einem Zeltplatz die meiste Zeit im Freien verbringt, oder dann sind es kleine Pensionen. Sie liegen meist an einem See oder einem Fluss in der näheren Umgebung des Betriebs oder dann an der Küste des Schwarzen Meeres, wo ein mildes Mediteranes Klima herrscht. Beliebteste Reisezeit ist der September. Da ist die sommerliche Hitze bereits vorbei, aber das Meer ist immer noch warm. Gereist wird mit dem Zug, mit Bussen oder mit Auto und Zeltanhänger.
Schwarzmeerküste bei Nebjug (nähe Sochi)
Für die Russen sind aber nicht mehr alle Schwarzmeer Ferienorte der alten UdSSR zugänglich: Sukumi liegt in Georgien, die Krimhalbinsel und Odessa liegen in der Ukraina, das einzige was noch bleibt ist die Gegend um Sochi. Wer etwas mehr Geld hat - aus welchen dubiosen Quellen es auch immer stammt - kann sich aber auch eine Flugreise leisten. Die bringt ihn meist nach Zypern oder Hurgadha (Ägypten).
Zaghaft beginnt sich in Russland eine Mittelschicht zu bilden - junge Leute aus Moskau oder St. Petersburg mit Universitätsabschluss, die in Privatbetrieben arbeiten. Ihr Einkommen von knapp über tausend Schweizerfranken ermöglicht ihnen ein Lebenstandart ähnlich demjenigen der Amerikaner in den sechziger Jahren. Eine Auslandreise kann da durchaus drinliegen, allerdings nicht jedes Jahr. Beliebt ist Winterurlaub - entweder an einem warmen Strand oder zum Skilaufen. So lange es dazu auch noch Wodka gibt, ist die Welt in Ordnung.
Die Oberschicht kann sich alles erdenkliche Leisten. Neuerdings interessiert man sich für Safaris in Afrika und Andentouren in Südamerika und Trecking in Nepal, .
Da hat sich seit dem Fall des eisernen Vorhangs schon einiges verändert. Früher waren nur Reisen in die Länder der sozialistischen Freunde möglich. Da ging es nur nach Warschau, Prag, Budapest, Bulgarien oder vielleicht auch mal nach Kuba.
Bei Russen beliebte Destinationen
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Peter Christener