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Haben Frauen keine Lust mehr auf Politik?
- Mittwoch, 10. Juni 2015, 9:23 Uhr
Der Nationalrat wird weiblicher. Das galt seit Einführung des Wahlrechts für Frauen 1971. Bei den letzten Nationalratswahlen stagnierte erstmals der Frauenanteil in der grossen Kammer.
Erstmals ist bei den Nationalratswahlen 2011 der Frauenanteil in der grossen Kammer nicht gestiegen. Nach den Wahlen waren 57 Frauen vertreten – genau gleich viele wie nach den Wahlen 2007.
Eine Ursache für die Stagnation ist im Rückgang der Kandidaturen von Politikerinnen zu finden. 2007 waren 35,2 Prozent der Kandidierenden Frauen. Vier Jahre später sank der Anteil auf 32,7 Prozent.
Der Berner Politologe Werner Seitz erklärte 2011 den stagnierenden Frauenanteil unter anderem mit den Sitzverlusten bei den Grünen. «Die grüne Lokomotive lahmt», sagte er. Bei den Grünen stellten nach den Nationalratswahlen 2011 die Frauen nicht mehr die Mehrheit. 6 Frauen und 8 Männer schickten sie in die grosse Kammer.
Bundesratsbesetzung «schuld» an stagnierendem Frauenanteil
Dass der Frauenanteil stagniere, habe auch damit zusammen gehangen, dass die Geschlechterfrage in der Öffentlichkeit im Vorfeld der Wahlen kaum ein Thema gewesen sei, erklärte Seitz. Angesichts der Frauenmehrheit im Bundesrat sei es schwierig gewesen, die Untervertretung der Frauen zu einem Thema zu machen.
Nach der Einführung des Frauenstimmrechts kandidierten von Wahl zu Wahl immer mehr Frauen für einen Nationalratssitz.
Der Anteil der Kandidatinnen lag 1971 bei 15,8 Prozent und stieg kontinuierlich auf über 35 Prozent im Jahr 2007. Mit einer Delle 1999, als der Frauenanteil im Vergleich zu 1995 um 0,3 Prozentpunkte sank.
Frauen rücken nach
Zurzeit ist der Frauenanteil im Nationalrat höher als bei den Wahlen 2011. Stand 8.Juni 2015: 62 Nationalrätinnen. Der Grund: Frauen sind bei Rücktritten aus dem Rat nachgerückt. Auch in der Legislatur 2003-2007 stieg die Zahl der Frauen zwischenzeitlich auf 60.
4 Frauen im Bundesrat
Nach der Wahl von Simonetta Sommaruga im September 2010 erhielt der Bundesrat erstmals eine Frauenmehrheit. Diese verlor er mit der Wahl Alain Bersets als Nachfolger von Micheline Calmy-Rey auf den 1. Januar 2012 wieder. Neben Sommaruga und Calmy-Rey waren in dieser Zeit Doris Leuthard und Eveline Widmer-Schlumpf im Bundesrat vertreten.
Sendungsbeitrag zu diesem Artikel
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Stagnierender Frauenanteil in Parlamenten
Aus 10vor10 vom 22.4.2015
Kürzlich riet die SP-Politikerin und eigentliche Vorkämpferin für mehr Frauen in der Politik, Susanne Leutenegger-Oberholzer jungen Frauen statt in die Politik, in die Wirtschaft zu gehen. Wie eben veröffentlichte Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigen, lassen sich in der Tat wenige Frauen für die Politik begeistern. Der Anteil an Frauen in Parlamenten stagniert seit 20 Jahren.
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