Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03543.jsonl.gz/2606

Bisweilen genügt gute Gartenerde, wie sie der sorgfältig bearbeitete und reichlich gedüngte Gemüsegarten liefert; häufiger
kann man gute Komposterde benutzen, die durch Zusatz von Lehm oder Sand schwerer oder leichter gemacht wird. Ähnlich ist
die
Rasenerde, die man aus abgeschältem Rasen von fruchtbaren, lehmig-sandigen Wiesen oder Triften herstellt,
indem man denselben auf Haufen setzt, wiederholt umsticht und mit Stallmist mischt. Für manche Pflanzen benutzt man Moorerde,
die, der obern Schicht von Moorwiesen entnommen, längere Zeit der Luft ausgesetzt und dann reichlich mit Quarzsand gemischt
wird.
Ebenso behandelt man die Schlammerde aus Teichen und Gräben. Mistbeeterde besteht aus vollständig verrottetem
Dünger. Heideerde wird in Nadelwäldern gesammelt und Lauberde in Laubwäldern. Letztere bereitet man aber auch künstlich,
indem man Laub und andre Pflanzenabfälle auf Haufen setzt und wiederholt umsticht, bis sich alles in eine lockere, gleichmäßige
Masse verwandelt hat. Diese Erdarten werden zum Teil unvermischt angewandt, für die meisten Pflanzen aber
mischt man verschiedene Erdarten, namentlich Heideerde und Lauberde, und setzt je nach BedürfnisLehm (am besten von alten Lehmwänden),
Sand und Kalk (von alten Mauern) hinzu. Für manche Zwecke wird auch lockeres Torfklein oder reiner Quarzsand und, wenn letzterer
nicht zu haben ist, gewaschener Flußsand benutzt.
Eßbare Erden nennt man solche Erden, welche von gewissen Völkerschaften als Speise benutzt werden. Der Gebrauch der Erde als Speise
findet sich am häufigsten in Ländern der heißen Zone. Weiber und auch erwachsene Männer zeigen eine fast unwiderstehliche
Neigung, Erde zu verschlucken, und nicht etwa nur Kalkerde zur Sättigung von Magensäure, sondern eine
fette, schmierige und stark riechende Erde. Die Ottomaken am Orinoko leben, solange die Überschwemmungen des Flusses dauern
(2-3 Monate), wodurch ihnen Jagd, Fischfang und Kräutersuchen unmöglich gemacht sind, von einem feinen, graugelben, schmierigen
Thon, den sie am Feuer etwas brennen, und auch beim reichsten Fischfang mischen sie diese Erde unter ihre
Speise.
Man rechnet auf die Person täglich 125 g, und dabei sind diese Leute gesund und kräftig und bekommen auch keinen harten
und aufgetriebenen Leib. An den Küsten von Guinea speisen die Neger eine gelbliche Erde als Leckerbissen; noch als Sklaven in
Amerika
[* 5] suchen sie eifrig nach diesem Genuß, leiden aber hier unter der Befriedigung desselben. Auf den
Antillen wählen sie dazu einen rotgelben Tuff, den sie heimlich auf den Märkten kaufen. Auf Java verkauft man den Eingebornen
kleine, viereckige und rötliche Kugeln aus schwach auf einem Eisenblech geröstetem Thon.
Die Neukaledonier essen in teurer Zeit große Stücke eines zerreiblichen Tropfsteins; eine andre Erde,
welche die Neger in Afrika
[* 6] auf den Inseln Bunka und Los Idolos essen, ist ein weißer und zerreiblicher Speckstein. Die Eingebornen
von Tigua in der kalten Region von Quito speisen eine mit quarzigem Sand vermischte, sehr feine Thonerde ohne Nachteil.
Sehr allgemein verbreitet ist das Erdeessen in Persien.
[* 7] In denBazaren werden besonders zwei Erdarten feilgeboten: die eine (vom
Mahallatgebirge) ist ein weißer, feiner, etwas fettig anzufühlender Thon;
die andre (von Kirman) bildet unregelmäßige,
weiße, feste Knollen,
[* 8] fühlt sich feinerdig an und schmeckt etwas salzig.