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Die Edelkastanien mit ihren Früchten in den stacheligen Umhüllungen erinnern uns bei ihrem Anblick an südliche Landschaften. Wohl lieben die markanten Bäume das warme Klima. An geeigneten Standorten gedeihen sie aber auch sehr gut nördlich der Alpen. Sie bescheren uns im Herbst mit zahlreichen wohlschmeckenden Früchten, bei uns als "Marroni" bekannt.
Nicht alleine die Marroni machen die pflegeleichte Edelkastanie so beliebt. Auch ihr prächtiger Wuchs, die wunderschöne Belaubung, die herrlichen Blüten im Mai/Juni und die markante Herbstfärbung lassen den Baum in jedem Garten zu einer speziellen Erscheinung werden.
Die Edelkastanie (Castanea sativa), auch Esskastanie, Marroni oder Marone genannt gehört zur Familie der Buchengewächse (Fagaceae). Man vermutet, dass ihre ursprüngliche Heimat in Kleinasien liegt. Von dort soll sie im 5. Jahrhundert vor Christus nach Griechenland gelangt sein, bevor sie schliesslich im ganzen Mittelmeerraum Verbreitung fand. Mit den Eroberungszügen der Römer gelangte die Edelkastanie später über die Alpen, wo sie heute noch in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland gepflanzt wird.
Vom Mittelalter bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die Edelkastanie in den Bergregionen Südeuropas das Hauptnahrungsmittel der Landbevölkerung. Während die Edelkastanien früher noch zu Mehl verarbeitet und als "Arme-Leute-Essen" betrachtet wurden, gelten sie heute als ausgesprochene Delikatesse. Der volle Geschmack der Kastanie kommt erst durch das Rösten oder Kochen der Frucht zum Ausdruck. Aus den gekochten Früchten können neben Mehl auch Kastanienpüree (Vermicelles) und Konfiserieartikel hergestellt werden. Bei Wildgerichten wird die Marroni auch gerne als Beilage mit Rotkraut serviert.
Anfang dieses Jahrhunderts waren in Frankreich über 300, in Italien etwa 200 und im Tessin um die 150 Sorten bekannt. All diese Sorten hatten, jede für sich, spezifische Eigenschaften betreffend Grösse, Geschmack, Reifezeitpunkt, Qualität usw. Dementsprechend war die Verwendung unterschiedlich. Zum Beispiel gab es Sorten, die nur für Mehlproduktion, andere nur für Kastanienpüree oder zum Kochen verwendet wurden. Verschiedene Sorten waren nur regional verbreitet. Diese waren ideal auf die jeweiligen Standortverhältnisse angepasst.
In Italien ist der Name "Marroni" und "Marone" seit 1170 gebräuchlich. Die Franzosen nennen sie "Marron", und in Deutschland verwendet man meistens den Namen "Marone" oder "Marre". In der Schweiz kennen wir die Frucht unter dem Namen "Marroni". Botanisch genau genommen handelt es sich dabei gar nicht um eine Frucht, sondern um süsse Samen. Dies erklärt auch, warum diese Samen manchmal so schnell austreiben.
Die Edelkastanie hat eine breitovale Wuchsform mit einer ausladenden Krone. In unseren Breitengraden erreicht der Baum oder Grossstrauch eine Wuchshöhe von 8 bis 10 m und kann bis zu 500 Jahre alt werden.
Grosse, lanzettliche, grob gesägte Blätter von glänzend sattgrüner Farbe zieren den Baum. Im Herbst präsentiert sich die Edelkastanie in einer schönen, goldbraunen Herbstfärbung.
Die Edelkastanie ist einhäusig, das heisst, die Blüten sind geschlechtlich getrennt, befinden sich aber auf dem gleichen Baum. Die männlichen Blüten sind auffällige, weissgelbliche Kätzchen, während die weiblichen Blüten fast unscheinbar sind. Die attraktiven männlichen Blütenkätzchen erscheinen im Mai/Juni wie auch die weiblichen Blüten. Die Bienen produzieren aus dem Nektar der männlichen Blüten einen dunkelbräunlichen und geschmacksintensiven Honig.
Die Edelkastanie gilt als selbstunfruchtbar, oder zumindest schlecht selbstfruchtbar. Um gute Marroni-Erträge zu erreichen, muss deshalb eine geeignete Befruchtersorte in der näheren Umgebung vorhanden sein (Umkreis von 800 m). Trifft das nicht zu, dann muss eine zweite Sorte in der Nähe gepflanzt werden.
Die wohlschmeckenden Früchte der Edelkastanie stecken in einer 5 bis 6 cm breiten, stacheligen Hülle und sind so gut geschützt. Nördlich der Alpen reift die Frucht jedoch nur in sonniger und warmer Lage voll aus. Bei der Reife im Oktober oder November brechen die Hüllen auf und geben die Marroni frei. Bei der langen Reifedauer der Edelkastanie ist jeder Sonnentag wichtig. Je nach Sorte, Erziehung und Standort kann ein Baum schon nach wenigen Jahren (veredelte Sorten) die ersten Früchte bringen oder aber 10 bis 15 Jahre Geduld erfordern (Sämlingspflanzen). Die qualitativ besten Früchte haben eindeutig die veredelten Sorten.
Nicht verwechselt werden darf die Edelkastanie mit der bei uns häufig anzutreffenden Rosskastanie (Aesculus hippocastanum). Deren Früchte sind ungeniessbar und dienen höchstens als Tierfutter.
Die Edelkastanie verlangt viel Licht und Wärme. Deshalb sind nördlich der Alpen milde Lagen, z.B. Weinbauklima oder anderweitig geschützte Standorte zu bevorzugen.
Besondere Beachtung ist den Bodenverhältnissen zu schenken. Der Baum gedeiht sehr gut auf durchlässigen, humosen und eher sauren Böden mit ausreichender Feuchtigkeit. Besonders bei der Pflanzung lohnen sich diesbezüglich entsprechende Bodenverbesserungen.
Ein älterer Baum der Edelkastanie verträgt relativ tiefe Wintertemperaturen. Junge Pflanzen hingegen benötigen in den ersten Jahren einen Winterschutz, speziell im Wurzelbereich. Dieser kann im Herbst z.B. mit einer dicken Laub- oder Mulchschicht abgedeckt werden.
Der malerische Zierbaum kann in Einzelstellung oder in Gruppen in jedem Garten ein "Hingucker" sein. Das Laub und die Früchte können auch für floristische Zwecke verwendet werden.
Für den Liebhaber- und Selbstversorger-Anbau nördlich der Alpen sind in unseren Gartencentern verschiedene, speziell für unser Klima ausgewählte Sorten erhältlich. Diese sind alle veredelt und geben dadurch bereits in jungen Jahren einen Ertrag mit qualitativ sehr guten Marronis.
Wenn der Edelkastanie genügend Platz zur Entfaltung gegeben wird, so ist ein Rückschnitt nicht erforderlich. Der Baum zeigt jedoch eine sehr schnelle Regenerationskraft, falls er einmal stark zurückgeschnitten werden muss.
Wie schon erwähnt, ist bei Jungbäumen ein Winterschutz, z.B. aus einer Laub- oder Mulchschicht zu empfehlen. Das verhindert das Durchfrieren des Wurzelbereichs bei lang anhaltenden, tiefen Wintertemperaturen.
In unseren Breitengraden sind die Edelkastanienbäume auf die herkömmlichen Krankheiten und Erreger nicht sehr anfällig. Jedoch kann bei der Produktion von Kastanien der Wurmbefall ein Problem darstellen. Der Befall kann verringert werden, indem alle wurmigen Früchte eingesammelt und verbrannt werden. Nördlich der Alpen ist der Wurmbefall jedoch gering.
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