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Das Gebiet zwischen Neuewelt und St. Jakob wurde lange Zeit von den Hochwassern der Birs verändert und überformt. Nach der Korrektion des Flusslaufes im 19. Jh. wurde die früher vor allem als Weidenutzung betriebene Landwirtschaft intensiviert. Ab dem zweiten Drittel des 20. Jh. wurde Brüglingen schliesslich für Sport- und Erholungsnutzungen umgebaut.
Historisch wichtiger Handelsweg
Der Übergang über die Birs befand sich wahrscheinlich schon seit römischen Zeiten in der Gegend von St. Jakob und war damit ein strategisch wichtiger Ort. Als Entschädigung für die sichere Überquerung war ein Wegzoll zu entrichten. Bis ins 19. Jh. mussten die zahlreichen Seitenarme des reich verzweigten Flussabschnittes auf Stegen überquert werden. Diese wurden bei Hochwasser immer wieder weggerissen und in der Folge regelmässig wieder instandgestellt.
«Dörflein» vor den Toren der Stadt
Neben dem verästelten Birslauf und dem 1624 von St. Jakob in die Neuewelt
verlängerten St. Alban-Teich, befanden sich in der Brüglinger Ebene bis zum Beginn des 19. Jh. nur die auf Münchensteiner Boden liegende Mühle und auf Basler Boden die St. Jakobskirche, das Wirts- und Zollhaus, die Siechenhäuser und die Ziegelhütte. Sie bildeten das Dörflein St. Jakob. Der Name Brüglingen geht auf Brugilo zurück, einen Besiedler aus der Alemannenzeit. Bereits vor 1650 wurde zur Wasserversorgung dieser Gebäude ein Brunnwerk errichtet. Ein Wasserrad im St. Alban-Teich trieb eine Pumpe an, mit der Quellwasser in einen Turm und von dort weiter zum Brunnen des Dörfleins geleitet wurde.
Ungezähmte Birslandschaft
Um 1750 beschrieb Daniel Bruckner in seinem «Versuch der Beschreibung historischer und natürlicher Merkwürdigkeiten der Landschaft Basel» die regelmässig überfluteten Flächen zwischen den Birsarmen als «dürre Heide». Auf den Kiesflächen haben sich wohl mehrheitlich Vegetationstypen entwickelt, die man heute als Trockenrasen bezeichnet. Spätere Stadien der Vegetationsentwicklung waren im Gebiet wahrscheinlich seltener. In der natürlichen Birs stiegen auch die Lachse zur Fortpflanzung auf und im Frühjahr fand der Nasenstrich statt, die jährliche Laichwanderung der als Nase bezeichneten Fischart.
Birskorrektion
Hochwasserereignisse, die mehrfach die Kirche von St. Jakob beschädigt hatten, und die Gewinnung von Kulturland waren der Anlass zur Korrektion der Birs. Der Landkommissär Johann Jakob Schäfer vermass und zeichnete 1798 den Unterlauf der Birs von der Neuenwelt bis zur Mündung. Die Ausführung der darin ebenfalls eingetragenen Kanalisierung dauerte von 1814 bis 1823.
Neu gewonnene Landwirtschaftsflächen
1824 erhält Christoph Merian das von seinem Vater um 1811 erworbene Landgut Brüglingen als Hochzeitsgeschenk. Wenig später lässt der ausgebildete Agronom zur Bodenverbesserung nährstoffreichen Lössboden vom Bruderholz herbeikarren und bringt diesen auf den mit der Korrektion gewonnenen Flächen von rund 100 Jucharten (36 Hektaren) aus. Nach und nach dehnt Merian seinen Besitz aus. Um 1836 kauft er das «Dörflein» St. Jakob und baut den Hof Vorder-Brüglingen. In der Talsohle wird das Land als Wies- und Weideland bewirtschaftet, auf den höher gelegenen Flächen der Niederterrassen
wird Ackerbau betrieben. Das Landgut Brüglingen war nur eine kleiner Teil des Vermögens, das der Besitzer später testamentarisch der Stadt Basel vermacht hat und aus dem die heutige Christoph Merian Stiftung entstanden ist.
Entstehung der Erholungslandschaft
Verkehrswege wie Eisenbahn und Strassen trennten das Gebiet mit der Zeit stärker von der Stadt und noch vor dem Zweiten Weltkrieg wurden die Sportanlagen im Gebiet St. Jakob errichtet. Es folgten das Fussballstadion und das Gartenbad. Eine grosse Umwälzung erfuhr die Landschaft auch beim Bau der Gartenschau «Grün 80». Der St. Alban-Teich wurde aufgestaut und daneben wurden ein Quellsee errichtet sowie ein neuer künstlicher Bachlauf angelegt. Aufgeschüttete Hügel und Beete mit Zierpflanzen gliedern heute die vor allem an Wochenenden stark besuchte Freizeitlandschaft und im westlichen Teil öffnen die Merian Gärten die Augen der Besucher für die vielfältige Pflanzenwelt. Seit 2013 ist auch die Stiftung Pro Specie Rara in Brüglingen heimisch. Auf ihren Flächen werden traditionelle Sorten von Nutzpflanzen kultiviert, um den Sortenreichtum als Naturwert zu erhalten.
DK