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Beschreibung
Wie Lehrpersonen mit Unterrichtsstörungen umgehen, ist nicht nur für den weiteren Verlauf des Lernprozesses der störenden Schülerin / des störenden Schülers und der gesamten Klasse von entscheidender Bedeutung (Sutherland et al., 2008; Blank & Shavit, 2016), sondern auch für das Wohlbefinden der Lehrperson selbst. Eine Störung des eigenen Unterrichts ist einer der wichtigsten schulischen Belastungsfaktoren für Lehrpersonen (Veenman, 1984; Melnick & Meister, 2008; Cothran et al., 2009; Aloe, Shisler, Norris, Nickerson, & Rinker, 2014).
Für die PH Luzern soll daher ein Verhaltenstraining zum Umgang mit Unterrichtsstörungen entwickelt werden. Neu ist, dass die Studierenden die Bearbeitung von Unterrichtsstörungen nicht lesend oder durch das Betrachten von Videofällen lernen, sondern handelnd in realitätsnahen Situationen. Der Schwerpunkt liegt also auf der Handlungsebene. Dabei wird erstmals mit In Situ-Simulationen gearbeitet, wozu Lernformate aus der Medizin in die Lehrerbildung übertragen werden.
Das Ziel ist, dass die künftigen Lehrpersonen lernen, ihre emotionalen Impulse während Unterrichtsstörungen nach innen und nach aussen zu kontrollieren und gleichzeitig die Gefühle der Schülerinnen und Schüler positiv zu beeinflussen. Ferner sollen sie in der Lage sein, eine Unterrichtsstörung schnell, effektiv und zielgerichtet zu minimieren und zu beenden.
Innerhalb des Trainings wird in einem ersten Schritt deklaratives Wissen aufgebaut:
- zum Umgang mit Unterrichtsstörungen
- zu emotionstheoretischen Grundlagen
- über Emotionsregulation
Dieses Wissen können die Studierenden in einem zweiten Lernschritt handelnd ausprobieren. D.h. jeder Student / jede Studentin erhält im Rahmen einer In Situ-Simulation die Möglichkeit, eine Unterrichtstörung zu bearbeiten. Anschliessend soll eine Reflexion stattfinden, in der die Studierenden in der Rolle der Lehrperson ihre Emotionen formulieren und angeben, wie gut es ihnen gelungen ist, die Unterrichtsstörung zu beenden. Zudem sollen Studierende in der Rolle der Schüler und Schülerinnen berichten, welche Emotionen bei ihnen ausgelöst wurden.
Die Absicht ist, dass Lehramtsstudierende durch dieses Verhaltenstraining lernen, in stark gestörten Unterrichtssituationen ihre negativen Emotionen (Ärger, Hilflosigkeit) zu kontrollieren und mit der Situation angemessenen umzugehen. Die Wirksamkeit des Verhaltenstrainings soll in der letzten Sitzung durch eine vergleichende Evaluation (mit einer Studierendengruppe, die ein anderes Seminar besucht hat) überprüft werden. Es soll untersucht werden, inwieweit ein Verhaltenstraining in der Ausbildung die Emotionsregulation bei den Lehrpersonen sowie den Umgang mit Störungen in kritischen Unterrichtssituationen positiv verändern kann.