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Bei diesem Buch (Rar 4205) ist schwer zu entscheiden, was wertvoller ist: die beiden Drucke aus dem 16. Jahrhundert, oder der an die 700 Jahre ältere Bucheinband, der zu den ältesten Objekten der Spezialsammlungen gehören dürfte.
Das Tabellenwerk des deutschen Astronomen und Mathematikers Regiomontanus (1436-1476) „Tabulae directionum profectionumque, …“ gedruckt 1559 in Tübingen, und seine in Griechisch verfasste Schrift „Astrologica, quorum titulos versa pagella indicabit …“, gedruckt 1532 in Nürnberg, liess der damalige Besitzer vielleicht gegen Ende des 16. Jahrhunderts in einen Band zusammenfassen. Der Buchbinder verwendete dazu sogenannte Makulatur, Material aus alten Büchern.
Der Einband, obwohl heute unscheinbar und abgegriffen, darf als Besonderheit angesehen werden. Das gelbe, an Ecken und Buchrücken brüchig gewordene, fleckige Pergament mit der stark verwischten Schrift stammt aus einem Folianten, der in einem frühmittelalterlichen Skriptorium hergestellt worden war. Die regelmässigen, streng vertikal stehenden Minuskeln wurden mit spitzer Feder und brauner Tinte geschrieben, einzelne Majuskeln am Wortanfang eines Verses sind mit einem roten Vertikalstrich markiert. Der Typus dieser Handschrift verweist in karolingische Zeit, wohl ins erste Drittel des 9. Jahrhunderts. Der Text konnte als Ausschnitt aus Augustinus‘ „De Civitate Dei“ identifiziert werden. Diese theologische Schrift gehörte in den karolingischen Klosterschulen zum Grundbestand für Studium und Lehre der Benediktiner-Mönche.
Die Literatur hat keinerlei Bezug zum aktuellen Buchinhalt, doch wurde das linierte, zweispaltig beschriebene Pergamentblatt sehr sorgfältig und sparsam eingesetzt. Auf dem hinteren Buchdeckel ist neben grosszügigen Seitenrändern die linke Textspalte mit den letzten 16-18 Zeilen des 23. Kapitels erhalten. Das Interkolumnium, der Abstand zwischen den Textspalten, ist auf dem Buchrücken platziert, und auf der Vorderseite des Buches liegt die rechte Spalte mit 16-18 Zeilen vom Schluss des 24. Kapitels. Anhand der Textlücke kann geschlossen werden, dass die ursprüngliche Buchseite ungefähr doppelt so gross war wie der Einband. Die obere Hälfte wurde vielleicht für einen zweiten Einband verwendet, sie fehlt heute.
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Zur Handschriftenkunde siehe: Christine Jakobi, Buchmalerei. Ihre Terminologie in der Kunstgeschichte, Berlin 1991.