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Was für sie frei zu sein bedeute, fragt der Interviewer die Sängerin. Es sei einfach so ein Gefühl. Vergleichbar mit jenem des Verliebtseins, welches man einem Unerfahrenen sowieso nicht erklären könne.
Die Sängerin weicht aus und doziert ein wenig, erzählt von Momenten auf der Bühne, spielt Sängerin im Interview. Dann, im Reden, eine plötzliche Bewegung mit dem Oberkörper nach rechts. Sie schaut und spricht jetzt nicht zum Gesprächspartner.
«Ich sag Dir, was für mich Freiheit ist: N o F e a r .» Beinahe ausgespuckt werden die beiden letzten Worte. Ihr Gesicht zeigt Zorn. Sie schaut nach innen. Langsam richtet sie den Oberkörper wieder auf. «Ich meine – wirklich – keine Furcht.» Sie unterstreicht diese Worte kurz mit den Händen, ihre Mimik beginnt sich wieder aufzuhellen. Sie wirkt nun traurig und nachdenklich.
Nina Simone schafft es als klassisch ausgebildete Pianistin beinahe in eine der damaligen Konzert-Kaderschmieden in den USA und verdient ihren Lebensunterhalt als Sängerin am Klavier in einer Bar. Sie ist verwurzelt in der afroamerikanischen Gospelkultur des Südens und nennt sich nach einer französischen Schauspielerin der Fünfziger Jahre Simone Signoret. In ihrer etwas über 40-jährigen Karriere spielt sie Jazz-Tunes, alte Blues-Gassenhauer, Lieder aus Musicals und Filmen, Folk-Songs und Chansons.
Sie covert unter anderen Jacques Brel, Randy Newman, Charles Aznavour, Duke Ellington gleichwohl wie Bessie Smith, Bob Dylan, Sandy Denny und die Bee Gees. 1964 singt sie die zornigste aller Seeräuberjennys.
1971 glaubt man ihr jedes Wort in einer luftigen und verhalten zukunftsfrohen Version von George Harrisons ‹Here Comes the Sun›. Man säuft im «Gin House Blues», liebt und leidet in «The Other Woman», tanzt in «See-Line Woman», baut sich auf in «Feeling Good».
Einen grossen Hit landete Nina Simone nie, obwohl es Mitte der Sechziger Jahre seitens ihrer Plattenfirma nicht an Versuchen mangelt. «Don’t let me be misunderstood » und «I Put a Spell on You» warden mittlere Erfolge in England, wo ihr Bewunderer Eric Burdon damit eine Karriere startet.
Die wenigen von ihr selbst geschriebenen Lieder stehen im Kontext der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung, deren Teil sie mehr und mehr wird. Die Hymne «To Be Young, Gifted and Black» in der Rocksteady Version von Marcia Griffiths und Bob Andy leuchtet dabei zu Recht immer wieder mal in einem DJ Set in Schaffhausen.
Einige Zeit nach der Ermordung Martin Luther Kings verlässt sie die USA. Mitte der Siebziger läuft der Plattenvertrag aus. Sie lebt unter anderem in Liberia, in Belgien und der Schweiz, schreibt eine vielbeachtete
Autobiographie, gibt immer wieder Konzerte und nimmt bis 1993 sporadisch Platten auf. Am 21. April 2003 stirbt Nina Simone nach längerer Krankheit in ihrem Haus in Südfrankreich.
Michael Stipe nennt Rufus Wainwright die neue Nina Simone. Die Performerin Peaches wählt ihren Namen nach einer der vier Frauenfiguren in Nina Simones Song «Four Women». Antony Hegarty, Leslie Feist, Cat Power und My Brightest Diamond covern Nina Simone. J kauft ihrem Freund C in einem Berliner Plattenladen die Original LP des 68er Albums «’Nuff Said!».
Ein junger User aus Costa Rica schreibt auf last.fm: «Nina Simone… all my feelings,,, all my emotions,,, all my senses.., all in her voice!!!» User Hape60 schreibt zurück «you’re right.»
«Everybody is half dead. Everybody avoids everybody. All over the place. In most situations. Almost all the time. I know – I’m one of everybody. And to me it is terrible. And so, all i’m trying to do all the time, is just open people up. So they can feel themselves and get themselves be open to somebody else. That’s all. That’s it.» (Nina Simone)
Ein Gastbeitrag von HP Mullis.