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Essstörungen bei Kindern
Hilfe, mein Kind isst nicht recht, was soll ich tun? Wenn jüngere Kinder beim Essen sehr wählerisch sind, machen sich Eltern oft grosse Sorgen. Isst das Kind genug? Erhält es die richtigen Nährstoffe?
Circa 20 % der Kinder sind sogenannte wählerische Esser (Englisch: Picky Eaters). Sie wollen meist kein Gemüse und kaum Salat und Früchte essen; sie verweigern fast alles, was die Eltern als gesund ansehen. Nicht selten versuchen die Eltern, das Kind mit Versprechungen („nachher bekommst du einen Dessert“) oder Drohungen („wenn du nicht aufisst, darfst du nachher nicht rausgehen“) zum Essen zu bringen. Das Kind isst aber insgesamt sehr wenig und nach Belieben nur Pommes Frites, Pizza oder Nudeln ohne Sauce.
Eltern sollen ihre Kinder nicht dazu zwingen, gesündere Sachen zu essen. Auch sollen Süssigkeiten nicht vollständig verboten werden, um das Kind dazu zu bringen, andere Sachen zu essen. Es empfiehlt sich auch nicht, die Kinder ständig zu ermahnen, weniger zu essen. Es gilt der Grundsatz: Die Eltern bestimmen, was auf den Tisch kommt und das Kind bestimmt, was es davon isst. Das reichhaltige und vielfältige Nahrungsangebot und das gute Vorbild der Eltern sind entscheidend. Das Familienessen sollte in einer möglichst entspannten und angenehmen Atmosphäre stattfinden. Süssigkeiten sollte es nicht zu oft zwischendurch, sondern nur gelegentlich geben.
Die meisten Kinder entwickeln bis ins Erwachsenenalter einen zunehmend vielfältigen Geschmack und das selektive Essverhalten verschwindet von selbst. Wenn ein Kind zwar eher dünn ist, sich aber altersentsprechend weiter entwickelt und gemäss der Altersnormkurve zunimmt, müssen Eltern sich kaum Sorgen machen über das Essverhalten. Sie können bei der Kinderärztin/ dem Kinderarzt überprüfen lassen, ob mit der Gewichtszunahme alles in Ordnung ist. Wenn das Kind sehr wenig Früchte und Gemüse isst, so sollte dies nicht zu einem dominanten Streitthema werden, weil das Kind sich dann in der Regel eher verweigert und das Problem zunimmt. Stattdessen kann ein Vitaminpräparat gegeben werden und der Verlauf abgewartet werden.
Wenn das Kind in die Essstörung gerät
Wenn das Kind abnimmt oder nicht altersentsprechend mit dem Wachstum zunimmt, sollten die Eltern aber eine Abklärung einleiten. Leidet das Kind an einer Essstörung? Bereits bei Kindern vor der Pubertät gibt es sogenannte atypische Essstörungen, bei denen das Kind aufgrund von emotionalen Problemen zu wenig isst. In diesen Fällen braucht es eine sorgfältige Beratung und psychotherapeutische Behandlung. In anderen Fällen kann sogar eine richtige Magersucht bei Kindern vor der Pubertät auftauchen. Diese Kinder sind trotz ihres jungen Alters bereits dem herrschenden Schlankheitsdruck erlegen und finden sich zu dick. Sie verweigern das Essen, um abzunehmen. Auch hier ist eine Psychotherapie unter Einbezug der Eltern unbedingt erforderlich.
Hilfe mein Kind isst zu viel, was soll ich tun?
Häufig sorgen sich Eltern, wenn das Kind reichhaltig, unüberlegt und viel isst. Sie haben Angst, dass das Kind dick werden könnte. Sie versuchen es zu bremsen und im Essen einzuschränken. Sind Kinder pummelig, dann müssen sich die Eltern nur dann Sorgen machen, wenn das Gewicht über die Altersnormkurve hinaus schiesst. Der Versuch der Eltern, das Kind zum Abnehmen oder weniger essen zu bringen, kann dem Kind den Eindruck vermitteln, dass die Eltern es dick finden. Darunter leidet das Selbstwertgefühl des Kindes empfindlich. Dies bewirkt meist das Gegenteil des Gewünschten: Das Kind isst noch mehr und setzt „Kummerspeck“ an. Damit das Kind ein gutes Körpergewicht behält, ist Selbstvertrauen ganz entscheidend. Das Kind soll andere Kinder treffen, nach draussen gehen, sich bewegen und Spass haben an Bewegung wie am Essen. Meist nehmen die Kinder nicht übertrieben zu, wenn sie ein gutes Selbstwertgefühl haben und sich ausreichend bewegen.
Fazit
Ob Eltern bei Essproblemen ihrer Kinder handeln müssen, zeigt sich vor allem am Gewichtsverlauf. Solange das Kind normalgewichtig ist und gemäss der Alterskurve zunimmt, gilt Entwarnung. Einige wenige Kinder zeigen vor der Pubertät bereits gefährliche Essstörungen mit Gewichtsabnahme. Hier sollte so schnell wie möglich eine Psychotherapie eingeleitet werden. Im Zweifelsfall sollen Eltern die Kinderärztin / den Kinderarzt um Rat fragen.
Text: D. Pauli, KD Dr. med., Chefärztin, Stv Klinikdirektorin / 03-2018