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Das Baby eines Borneo-Orang-Utans, Bhima, wurde im Oktober 2020 gerettet. Zusammen mit seiner Mutter war er von einem Baum gefallen – gefällt von einem Arbeiter, dem bewusst war, dass sich die Orang-Utans an der ungeschütztesten Stelle vor seiner Kettensäge versteckten. Während seine Mutter blutend entkam, konnte sich das Baby Bhima mit einem gebrochenen Arm nicht mehr an ihrem Körper festhalten. Er wurde dann von genau der Person, die seine Tragödie verursacht hatte, aufgenommen und den Behörden übergeben. Während COVID-19 unser Team daran hinderte, sich auf die Suche nach seiner Mutter zu machen, ging das Abholzen der Bäume in der Gegend von Bengalon weiter, um Platz für den Palmöl- und Kohleabbau zu schaffen.
Im Alter von nur einem Jahr und mit einer so schweren Verletzung war es herzzerreissend zu sehen, welches Leid er ertragen musste. Nach einer Woche medizinischer Versorgung verschlimmerte sich die Verletzung immer mehr, als der gebrochene Knochen seine Haut durchbohrte. Ein solcher offener Bruch ist äusserst gefährlich, da eine Infektion schnell tödlich sein kann. Er unterzog sich einer Notoperation, um den Knochen wieder in seine Position zu bringen. Danach stand Bhima unter strenger Aufsicht des medizinischen Teams und der Pfleger in der Quarantäne der ORANG-UTAN WALDSCHULE, die in Partnerschaft mit Jejak Pulang betrieben wird.
Vier Wochen später, als unser Untersuchungsteam einen weiteren Versuch unternahm, mehr über Bhimas Mutter herauszufinden, wurden sie mit einem weiteren Orang-Utan-Baby konfrontiert: Indra. Während dieses vierte Waisenkind des vergangenen Jahres gerettet wurde, zeigte man dem Jejak Pulang Untersuchungsteam den Stamm des Baumes, von dem Bhima gefallen war, und informierte sie, dass Indra von denselben Holzfällern aufgelesen wurde. Sie gaben keine weiteren Informationen preis, aber wir konnten uns den Rest denken.
Da er so jung war, erholte sich Bhima in der 24-stündigen Pflege seiner neuen menschlichen Mütter relativ schnell. Er liebte die regelmässige Versorgung mit einer Milchflasche, aber nicht die Obststücke oder - noch schlimmer - das Gemüse! Am Anfang nuckelte er nur etwas an Melone oder Banane, doch sein Zustand verbesserte sich dennoch zusehens. Das regelmässige Verarzten seiner Verletzungen und Wechseln der Verbände wurde ihm zunehmend lästig, so dass er schliesslich für die Behandlung und die nachfolgenden Röntgenaufnahmen eine leichte Sedierung benötigte.
Zeit zum Heilen
Glücklicherweise, da Bhima so jung ist, heilte sein Knochen schnell. Da sein Körper noch im Wachstum ist, besteht eine gute Chance, dass keine Spuren dieser schweren Verletzung zurückbleiben. Nach vier Monaten wurden der Gips und die Verbände entfernt und die letzte Röntgenaufnahme gemacht. Diese zeigten, dass die Bruchstellen gut ausgerichtet waren, sich aber auch etwas überlappten. Dadurch war der ehemals gebrochene Oberarmknochen einen Zentimeter kürzer als sein rechter. Aber Knochen bauen sich unter Belastung und Gebrauch selbst wieder auf, besonders in einem Organismus, der noch wächst.
Zu Bhimas eigener grosser Erleichterung durfte er seinen Arm endlich benutzen und klettern, baumeln, greifen und zupacken - wie ein normales Orang-Utan-Baby. Das war nicht nur gut für Bhimas Wohlbefinden, sondern auch für den Aufbau seiner körperlichen Kraft und den Abbau von überschüssigem Gewicht, das er zugelegt hatte.
Zur weiteren körperlichen Rehabilitation baute das Jejak Pulang-Team ein spezielles Klettergerüst, das seine Orang-Utan-typische Fortbewegung und damit den Einsatz seines Arms in einer sicheren und kontrollierten Situation anregte. Einige Wochen lang half dies dem kleinen Bhima, Kraft zu gewinnen und Muskeln aufzubauen, während er seine akrobatischen und lokomotorischen Fähigkeiten trainierte.
Nun, da Bhimas Arm geheilt war, konnten Bekanntschaften mit anderen Orang-Utans gemacht werden! Zuerst traf er Indra, der etwa ein Jahr älter ist. Nach ein paar Tagesausflügen in die Waldschule verliessen sie die Quarantäne für immer und zogen dauerhaft in die Waldschule ein. Von da an verbrachten sie den ganzen Tag im Wald, erforschten Bäume, Lianen und Kräuter zur Fortbewegung und probierten Waldnahrung. Nachts schlafen sie immer noch drinnen, in der Kinderstube des Porta-Lagers. Sobald sie mit dem Wald und den Abläufen vertraut waren, durften sie zwei andere junge Waisenkinder treffen, die im letzten Jahr in der ORANG-UTAN WALDSCHULE angekommen waren, Damai und Lestari.
Er hat noch einen langen Weg vor sich
Bhima hat noch einen langen Weg vor sich, bevor er wieder in die Wildnis entlassen werden kann. In den kommenden etwa 6 Jahren muss er alle seine Fortbewegungsfähigkeiten perfektionieren. Aber nicht nur das, er wird auch lernen, was er fressen kann – er wird lernen, mindestens 200 verschiedene Arten von Nahrungsbäumen zu erkennen! – und wie er seine Nahrung verarbeitet, wann sie reif ist und wo er sie finden kann. Er wird lernen, ein Nest zu bauen und andere Möglichkeiten, sich vor dem Wetter und verschiedenen Bedrohungen, wie Schlangen oder Bären, zu schützen. So viele Dinge muss ein junger Orang-Utan lernen, um ein unabhängiger und freier Affe zu werden!
Auch wenn es ein langer Weg ist, sind Bhima und seine Freunde nun wieder auf dem richtigen Weg dorthin. Mit der Hilfe des Jejak Pulang Teams, das jeden Schritt seiner Reise begleitet und unterstützt. Eines Tages, so sind wir optimistisch, können wir ihm seine Freiheit und den Regenwald in seiner Heimat Borneo zurückgeben.
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