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"Frei sein bedeutet, von den Eltern frei zu sein, nichts anderes." Dieser Satz könnte als Untertitel für L'étudiante et Monsieur Henri dienen. Constance, die junge Studentin, die, um sich über Wasser halten zu können, sogar versucht, ein Paar auseinanderzubringen, muss sich entscheiden: Entweder übernimmt sie den Marktstand des Vaters oder sie versucht, ihren eigenen Weg zu gehen. Ihre Entscheidung fällt auf Letzteres, was ihre Familie nicht goutiert.
Wie sich aber herausstellt, leidet ihr neuer Mitbewohner, Monsieur Henri, unter demselben Problem, nur aus der anderen Perspektive. Er ist strikt gegen die Beziehung seines Sohns Paul und dessen Ehefrau Valérie, da sich seine Sympathie ihr gegenüber stark in Grenzen hält. Paul seinerseits, hat es, obwohl er schon über 40 ist, noch immer nicht geschafft, sich von seinem Vater abzunabeln, was nicht nur an ihrem Umgangston erkennbar ist, sondern auch an der Tatsache, dass er das Büro seines Vater übernommen hat, obwohl er das eigentlich nie wollte. Der Film zeigt somit, welchen Einfluss die eigene Familie auf einen Menschen hat, unabhängig davon, wie alt man ist.
Doch die Art und Weise, wie diese Thematik inszeniert wird, ist altbekannt. Ähnlich wie in Intouchables, der erfolgreichsten französischen Komödie, treffen in L'étudiante et Monsieur Henri mit Constance und Monsieur Henri zwei Charaktere aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Dennoch müssen sie miteinander auskommen. Dass eine junge, aufmüpfige Studentin und ein menschenhassender, grimmiger alter Mann in ihren Interaktionen für einige Lacher sorgen, kann man sich leicht vorstellen. Wie gesagt, ist dieses Konzept altbewährt, so dass grosse Überraschungen und neue Ideen weitgehend fehlen. Zudem ist der Film durchaus naturalistisch aufgebaut, das heisst, die Handlung, die Gespräche, etc. könnten alle so in unser aller Leben geschehen. Hollywoodmässige Zufälle und übertriebener Kitsch fehlen.
Dies kann wiederum als Vorteil des Films gesehen werden. Man kann sich in die Figuren hineinversetzen und kennt deren Probleme und Situationen. Nehmen wir als Beispiel Constance: Eine junge, abgebrannte Studentin, auf deren Schultern seitens ihrer Familie grosser Erfolgsdruck lastet, versucht, ein eigenes Leben in Paris zu führen und herauszufinden, was sie mit ihrem Leben anfangen möchte. Dabei scheitert sie konsequent, was für ihr Selbstvertrauen nicht gerade förderlich ist. Doch es ist genau dieses unperfekte Leben, das man als Zuschauer gerne sieht, da es aus eigener Erfahrung durchaus bekannt sein kann, mit all seinen Emotionen, seien diese positiv oder negativ. Regisseur Ivan Calbérac gelingt es somit, die Unperfektion des Lebens beinahe perfekt darzustellen.