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Reden ist Schweigen und Silber ist Gold
Haben Sie schon mal erlebt, dass Sie einfach zu reden beginnen, ohne Ahnung weshalb, ohne Ziel, ohne vorgeplanten Inhalt, nur damit geredet ist, vielleicht weil geredet werden muss oder geredet werden darf oder geredet werden soll? Sie reden und reden und reden, über dies und über das, und plötzlich merken Sie, dass Sie reden und nichts sagen, dass Sie nichtssagend daher reden. Hören Sie dann abrupt auf zu reden oder fahren Sie fort und versuchen während des Redens herauszufinden, weshalb Sie reden und was Sie reden?
Es gibt solche Leute, zum Beispiel in den Waschküchen, in Warenhäusern, öffentlichen Parks und an Ufern von Seen und Flüssen, sogar in Krankenhäusern, an Skiliften und in Bahnhöfen, an Pferderennen und auf Kreuzfahrtschiffen, manchmal sogar in stecken gebliebenen Aufzügen. Nehmen wir an, Sie gehören nicht zu dieser Gattung. Aber ein Opfer dieser Spezies sind Sie sicher schon geworden, nehme ich an. Wie verhalten Sie sich in einer solchen Situation? Warten Sie geduldig das Abebben des Schwalls ab oder zählen Sie still bis tausend? Es gibt nur eine Methode, um diese Monster auszubremsen: das Instrument der paradoxen Intervention aus dem Arsenal des therapeutischen Humors.
Wenn Ihnen das nächste Mal jemand die Ohren mit Unsinn vollplappert, sagen Sie einfach mal aus heiterem Himmel: Der Kopfsalat ist billiger geworden oder das Motorboot kommt oder Sie haben Ihre Unterhosen verloren. Versuchen Sies mal, und hauen Sie ab, bevor sich das Biest erholt hat. Denken Sie sich jetzt schon einen Satz aus, damit Sie gerüstet sind, wenn Sie wieder attackiert werden. Sie werden staunen, wie gut diese Taktik funktioniert. Nur nicht locker lassen.
Kolumne im Baslerstab vom 14.09.2001