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18.10.1684 Heidelberg, 1.12.1735 St. Gallen, ref., ab 1717 von St. Gallen, vermutlich hugenott. Abstammung. Sohn des Salomon, kurpfälz. Ballenmeisters (Aufseher im Ballhaus, in dem die in die Stadt eingeführten Warenballen lagerten), und der Elisabetha Noot, Tochter des Heidelberger Anwalts, Handelsmanns und Schultheissen Peter. ∞ 1707 Barbara Steinmann, Tochter des Eusebius, Färbers. Nach Eröffnung eines Ladens, in dem B. u.a. mit versch. importierten Textilartikeln handelte, führte er 1721 als erster die Barchentweberei und damit die Baumwollverarbeitung in der Stadt St. Gallen ein, deren Wirtschaft zuvor vollständig vom Leinwandgewerbe geprägt war. Indem er alle Arbeitsprozesse der Barchentherstellung - Rohstoffbezug, Spinnerei, Weberei und Vertrieb - im Sinne des Verlagssystems unter seine Leitung stellte, verstiess er gegen versch. Zunftsatzungen, namentlich gegen die Trennung von Produktion und Handel. Während starre Zunftreglemente auf das Leinwandgewerbe noch immer rigorose Anwendung fanden, gelang es B., selbst Mitglied der Schneider-, dann der Weberzunft, die Unterstellung der Baumwollverarbeitung unter dieselben zu verhindern. Die Firma des zum Grosskaufmann aufgestiegenen B. wurde nach seinem Tod von Peter Gonzenbach (ab 1737 Gonzenbach & Schlumpf) weitergeführt. B.s Wirken bedeutet eine Zäsur in der Wirtschaftsgeschichte der Stadt St. Gallen und ihres weiteren Umlands: Die von ihm eingeführte Barchentproduktion legte die Grundlage für die ausgedehnte Baumwoll- und später Stickereiindustrie der Nordostschweiz. Sie bot einen Ersatz für das im 18. Jh. zugrunde gehende Leinwandgewerbe und weitete die protoindustrielle, nicht zünft. Produktionsweise in der Region stark aus.
Literatur
– H. Wartmann, Industrie und Handel des Kt. St. Gallen auf Ende 1866, 1875, 87-91
Autorin/Autor: Marcel Mayer