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Tiefe Innovationsfähigkeit
Während der britischen Besatzung von 1858 bis 1947 wurde Indien vom bedeutenden Textilexporteur zum Rohstofflieferanten der Krone degradiert. Die Kolonialherrschaft war wenig an einer konkurrenzfähigen Industrie interessiert, denn die indische Kolonie sollte nicht die heimische Produktion auf dem Weltmarkt konkurrenzieren. Durch seine Grösse war Indien zudem ein attraktiver Exportmarkt für britische Hersteller. Mangelnde Produktivität und Innovationsfähigkeit wurden durch den Einsatz zusätzlicher Arbeitskräfte ausgeglichen. Die ernorme Verfügbarkeit von günstigem Humankapital machte Bemühungen um grössere Effizient überflüssig. So erlitt das Land während der Kolonialzeit sogar einen industriellen Rückschritt.
Fehlendes Industriewissen
Nach der Unabhängigkeit 1947 konnte Indien daher nicht mit den asiatischen Tigerstaaten wie Südkorea und Taiwan mithalten. Diese trumpften nicht nur mit günstigen Arbeitskräften auf, sondern auch mit industriellem Know-how. Damals wie heute stellen mangelnde Kenntnisse im Industriebereich ein grosses Problem dar. Die Analphabetenrate ist noch immer hoch und Bildungsstätten stossen angesichts des rasanten Bevölkerungswachstums an ihre Grenzen.
Tertiärbildung ist vorwiegend einer ausgewählten Elite vorbehalten, die bevorzugt im exportorientierten Dienstleistungssektor beschäftigt ist. Unternehmen rund um die Welt haben Geschäftsprozesse nach Indien ausgelagert. Der Erfolg im Tertiärsektor absorbiert allerdings eine Vielzahl an qualifizierten Arbeitskräften, die im Industriesektor benötigt werden. Die grosse Lücke zwischen hoch und tief qualifizierten Beschäftigten hält denn auch ausländisches Kapital fern und erschwert den Wissenstransfer aus dem Ausland.
Bürokratie und stark fragmentierte Unternehmenslandschaft
Nach dem Ende der britischen Besatzung wurden grosse Teile der Wirtschaft verstaatlicht und trotz der Liberalisierung in den 1980/90er Jahren ist noch immer ein beträchtlicher Teil in öffentlicher Hand. Unter dem wettbewerbsverzerrenden staatlichen Einfluss leidet die Wirtschaft noch heute. Die Situation wurde sogar verschlimmert, indem der Unternehmenslandschaft ein komplexes Regelwerk aufgezwungen wurde.
Unternehmen ächzen aber nicht nur unter der enormen Bürokratie, sondern auch unter dem starken Protektionismus. Hohe Importzölle und komplexe Einfuhrbestimmungen sollten ursprünglich die heimische Industrie schützen. Doch sie verteuern auch den Import von dringend benötigtem Produktionsmaterial. Nicht zuletzt wegen der hohen Komplexität richten insbesondere kleinere Betriebe ihre Produktion nicht auf den Exportmarkt aus. Der Binnenmarkt wäre zwar gross, es fehlt jedoch eine breite, kaufkräftige Mittelschicht. Kleinbetriebe können daher kaum Skaleneffekte ausnutzen, weshalb die Unternehmenslandschaft stark fragmentiert bleibt.