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Es war einmal ein König, der hatte eine Tochter, die war so traurig, dass sie niemals lachte. Darüber war der König sehr betrübt. So liess er eines Tages ausrufen: «Wer meine Tochter zum Lachen bringen kann darf sie heiraten.»
Davon hörte auch der Sohn von armen Leuten und er bat seinen Vater so lange, bis er ihn ziehen liess.
Da lief nun der junge Mann in die Welt hinaus und begegnete einem alten Mütterchen, das fragte: «Wohin des Weges, junger Mann?»
«Ich will zum Schloss ziehen und die Königstochter zum Lachen bringen!», sagt der Jüngling.
«Da du so ehrlich zu mir gewesen bist, will ich dir einen Rat geben!», sagt die Alte. «Wenn du noch ein Stück weitergehst, so wird ein schöner Vogel auf deine linke Schulter fliegen. Behalte ihn immer bei dir, so wird er dir helfen!»
Der junge Mann bedankte sich für den Rat, bei sich jedoch dachte er: ‹Ach was die Alten immer so schwatzen, das kann nicht alles wahr sein.›
Doch nicht lange darauf flog auf einmal ein grosser, wunderschöner Vogel auf und setzte sich auf seine linke Schulter. Der junge Mann geht nun weiter und kommt zu einer Wirtschaft. Die Gäste staunen, als sie den prächtigen Vogel sehen. «Was willst du für den Vogel haben?», fragen sie.
Doch der Junge schüttelt nur den Kopf. Da bietet einer hundert Franken, einer zweihundert und schliesslich sogar einer dreihundert Franken, aber er gibt den Vogel nicht her.
Er geht mit ihm in eine Wirtschaft. Dort sind einige Gäste, und die wollen ihm den Vogel abkaufen. Da zwinkert der Wirt seinen Gästen zu und sagt leise: «Wartet nur, wenn er den Vogel für dieses Geld nicht geben will, so stehle ich ihn heute Nacht und verkaufe ihn euch morgen.»
Der Bursche geht in sein Zimmer, legt sich ins Bett und nimmt den Vogel zu sich. Um Mitternacht schleicht sich tatsächlich der Wirt in den Unterhosen ins Zimmer und will den Vogel nehmen. Doch kaum hat er den Flügel des Vogels berührt, da bleibt er an ihm hängen. Die Wirtin wundert sich, warum ihr Mann gar nicht zurück ins Bett kommt. Nur mit Nachthemd und Betthaube bekleidet schleicht sie ins Zimmer, um nach dem Rechten zu sehen und will ihren Mann von dem Vogel wegziehen. Aber oje! Jetzt bleibt sie auch noch hängen! Vor Schreck schreit sie auf, und die Magd, die gleich nebenan schläft, steht auf und geht ebenfalls ins Zimmer von dem Jungen. Aber kaum will sie die Wirtin wegziehen, bleibt auch sie hängen. Alles Jammern hilft nichts und so stehen sie die ganze Nacht da, und als der Junge am nächsten Morgen aufsteht und seinen Vogel auf die Schultern setzt, müssen die drei, die an ihm hängen, mit ihm gehen. Wie sie durch das Dorf gehen, schaut soeben der Pfarrer aus dem Fenster. Als er diesen seltsamen Zug in Unterhosen und Nachthemd sieht, da springt er aus dem Haus, um die drei zurückzuhalten, doch auch er bleibt kleben. Sie kommen am Backhaus vorbei und die Bäckerin ist dabei das Brot aus dem Ofen zu ziehen. Sie will den Pfarrer am Ärmel festhalten; doch was geschieht: Auch sie bleibt hängen!
So kommen sie zum Schloss und der König führt sie schnurstracks ins Zimmer seiner Tochter. Als die Prinzessin diesen seltsamen Zug sieht, da beginnt sie zu lachen. Sie lacht und lacht und kann kaum noch aufhören. So bekam der junge Bursche die Königstochter zur Frau. Alle aber, die an dem Vogel hingen, konnten wieder nach Hause gehen, der Bursche aber wurde später ein guter und gerechter König.
Aus: Die drei Winde, Rätoromanische Märchen aus der Surselva, gesammelt von Caspar Decurtins, Ursula Brunold-Bigler (Übers. und Hg), Desertina Verlag, bearbeitet von Djamila Jaenike