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Am 12. September sind in Berlin die 27. internationalen Press Freedom Awards von Reporter ohne Grenzen verliehen worden. Die saudi-arabische Bloggerin, Aktivistin und Journalistin Eman al-Nafjan, die maltesische Journalistin Caroline Muscat sowie die vietnamesische Autorin und Journalistin Pham Doan Trang wurden ausgezeichnet.
Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der deutschen Sektion von Reporter ohne Grenzen fand der Anlass im Deutschen Theater in Berlin statt: ROG International verlieh am 12. September die Press Freedom Awards 2019. An der von der Rundfunk-Journalistin Pinar Atalay moderierten Zeremonie nahmen viele bekannte Gäste teil, darunter Michael Müller, Bürgermeister von Berlin, Alan Rusbridger, ehemaliger Guardian-Chefredaktor, Spiegel-Journalistin Susanne Koelbl, TV5Monde-Journalistin Nidhya Paliakara sowie ehemalige Preisträgerinnen und -träger wie etwa Swati Chaturvedi, Can Dündar und Grigory Pasko.
Der «Prix du Courage», der an Medienschaffende, Medien oder NGOs geht, die sich durch besonderen Mut bei der Ausübung, Verteidigung oder Förderung des Journalismus ausgezeichnet haben, wurde der saudischen Journalistin Eman al Nafjan verliehen. Sie ist die Gründerin der Webseite SaudiWoman.me und Autorin zahlreicher Artikel in der internationalen Presse wie etwa dem Guardian und der New York Times. Al Nafjan führte die Kampagne der Frauen an, die sich gegen das repressive männliche Vormundschaftssystem in Saudi-Arabien und gegen das Fahrverbot für Frauen richtete. Im Mai 2018 wurde sie mit anderen feministischen Aktivistinnen verhaftet, am 28. März auf Bewährung entlassen. Laut saudischen Medienberichten wird ihm vorgeworfen, die «nationale Sicherheit zu untergraben», «verdächtige Kontakte zu ausländischen Stellen» gehabt und «Verrat» geübt zu haben. Dafür drohen ihr bis zu 20 Jahre Gefängnis.
Der «Prix de l’Impact» geht jeweils an Medienschaffende, deren Arbeit zu einer konkreten Verbesserung oder einem vergrösserten Bewusstsein für Freiheit, Unabhängigkeit und Pluralismus im Journalismus geführt hat. Er ging an die vietnamesischen Journalistin und Bloggerin Pham Doan Trang. Sie hat das Online-Rechtsmagazin Luât Khoa gegründet und gibt auch die Zeitschrift thevietnamese heraus; beide Publikationen ermöglichen es dem Publikum, mithilfe der Gesetze des Landes ihre Rechte zu verteidigen und die Willkür der Partei zu bekämpfen. Die Preisträgerin ist auch Autorin zahlreicher Bücher, von denen eines zur Förderung der Rechte der LGBT-Gemeinschaften des Landes beigetragen hat. Sie erlebte ihrer Arbeit wegen mehrmals polizeiliche Übergriffe und willkürliche Festnahmen.
Der «Prix de l’Indépendence», mit dem jeweils Journalisten geehrt werden, die politischem, wirtschaftlichem oder religiösem Druck ausgesetzt sind, ging an die maltesische Journalistin Caroline Muscat. Sie gründete nach der Ermordung ihrer Landsfrau Daphne Caruana Galizia das unabhängige Online-Medium The Shift News, das sich der Bekämpfung von Korruption und der Verteidigung der Pressefreiheit in Malta widmet. Ihren Preis widmete Muscat Caruana Galizia und verwies darauf, dass unabhängiger Journalismus keine Frage des Mutes sein sollte: «Wir müssen keine Helden sein. Die Tatsache, dass einige von uns als solche betrachtet werden, sagt mehr über die Zustände in unserem Land als über uns selbst aus.»
Zwei der drei Preisträgerinnen konnten ihre Auszeichnung nicht persönlich entgegennehmen. Eman al-Nafjan wurde zwar aus der Haft in Saudi-Arabien entlassen, darf das Land jedoch nicht verlassen. Stellvertretend für sie nahm ihre ehemalige Mitstreiterin Omeima al-Najjar die Auszeichnung entgegen. Pham Doan Trang konnte ebenfalls nicht nach Berlin kommen, meldete sich aber in einer Videobotschaft.
«Jedes Jahr sind die Preisträger abwesend, weil sie von den Führern ihrer Länder daran gehindert werden», sagte Christophe Deloire, Generalsekretär der ROG International denn auch. Er verwies auf den chinesischen Journalisten und Menschenrechtler Liu Xiaobo, der 2004 den ROG-Preis erhalten hatte, ihn aber nicht entgegennehmen konnte: «Diese Journalistinnen und Journalisten sollten die Ehre ihres Landes sein. Stattdessen werden sie am Reisen gehindert und ihrer Freiheiten beraubt. Doch die Botschaft, die von diesen Frauen und Männern ausgeht, ist grenzenlos.»
Der Preis von Reporter ohne Grenzen wird seit 1992 verliehen. Zu den früheren Ausgezeichneten zählen der inzwischen verstorbene myanmarische Journalist Win Tin, der bis heute inhaftierte saudi-arabische Blogger Raif Badawi, die syrische Journalistin Zaina Erhaim und die türkische Zeitung Cumhuriyet. Über die Gewinnerinnen hatte eine internationale Jury entschieden. Der Preis in der Kategorie «Courage» wurde vom Maildienstleister Posteo gefördert, das Medienunternehmen Intan sponserte den Preis für «Impact». Historischer Partner der Press Freedom Awards ist der französische Fernsehsender TV 5 Monde.