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Der Rindviehbestand wird mittels Tankmilch- und Blutproben überwacht. Die Probenerhebung ist aufwändig und erfordert viele Hofbesuche. Bei Mutterkuhherden und Masttieren kann die Entnahme einer Blutprobe für beteiligte Personen bisweilen auch gefährlich werden. Um die Überwachung effizienter, kostengünstiger und sicherer zu gestalten, wurden im beschriebenen Projekt alternative Methoden zur Probennahme erforscht und in der Praxis getestet.
Das Projekt «Probennahme am Schlachthof als Datenquelle für Überwachungsprogramme» zielte darauf ab, für nicht milchliefernde Rinderhaltungen – rund ein Drittel aller Rinderhaltungen – effizientere Methoden und Konzepte zur Überwachung zu entwickeln. Nebst einer Machbarkeitsstudie wurde anhand von Computermodellen beurteilt, ob Proben aus dem Schlachthof die Gesamtheit der Rinder in der Schweiz gut abdecken und ob die Kosten gegenüber der herkömmlichen Beprobung auf dem Hof geringer ausfallen. Für die Überwachung der Milchbetriebe wurde bereits 2010 ein Teil der Blutproben durch Milchproben ersetzt, was eine effizientere Überwachung ermöglicht.
Begehungen der in Bezug auf die Anzahl Rinderschlachtungen sechs grössten Schweizer Schlachthöfe dienten dazu einzuschätzen ob es möglich ist, während des Schlachtens Proben zu nehmen und wie sich die Probennahmen auf den Arbeitsablauf auswirken. Mithilfe von Workshops und Fragebogen wurde praktisches Wissen eingeholt und der Aufwand so weit als möglich quantifiziert. In der Pilotstudie wurde getestet, wie gut die Identifizierung und Beprobung von zuvor bestimmten Einzeltieren unter reellen Schlachthofbedingungen funktioniert. Untersucht wurde auch, welches Material oder Organ während des Schlachtens am einfachsten zu entnehmen ist. Um das Kosten-Nutzen-Verhältnis einzuschätzen, wurde die Überwachung mittels Schlachthofproben unter Verwendung der Daten aus der Tierverkehrsdatenbank modelliert.
Es zeigte sich, dass Blut sowie andere Proben erhoben werden können, ohne den Schlachtprozess zu stören. Die Proben aus den sechs grössten Schweizer Schlachthöfen deckten den Rindviehbestand der Schweiz gut ab. Zwar erwies sich die Beprobung im Schlachthof günstiger als die herkömmliche Beprobung auf dem Hof, aber es ist mit Proben aus dem Schlachthof schwieriger infizierte Herden aufzudecken. Grund dafür ist die Anzahl der Proben pro Herde: Tiere einer Herde werden in der Schweiz häufig einzeln anstatt in Gruppen zur Schlachtung gebracht, oder sie werden aus wirtschaftlichen Überlegungen verschiedenen Schlachthöfen zugeführt. Es ist daher kaum vorherzusehen, wann, wo und wie viele Rinder einer Herde geschlachtet werden, was die Planung der Überwachung erschwert. Hingegen eignen sich Proben aus dem Schlachthof gut, um die Häufigkeit einer Krankheit landesweit einzuschätzen und den Nachweis zu erbringen, dass die Schweiz frei von bestimmten Seuchen ist. Letzteres ist für den internationalen Handel wichtig.
Aufgrund der Ergebnisse der Studie werden die Proben für Mutterkuhherden und Mastgruppen heute an den sieben grössten Schlachthöfen der Schweiz erhoben. Diese decken einen Grossteil der Schweiz und rund achtzig Prozent der Rindviehschlachtungen ab (Projekt Rindviehbeprobung am Schlachthof, RiBeS). Für die Umsetzung wurde die webbasierte RiBeS-Anwendung geschaffen, die anhand von Tierverkehrsdaten den mit der Fleischkontrolle betrauten Personen über die Betriebssoftware des Schlachthofs mitteilt, welche Rinder zu beproben sind. Die Proben werden von anerkannten Diagnostiklaboren untersucht. Die Ergebnisse werden dem BLV zur Auswertung und Überwachung übermittelt. RiBeS wird vorerst zur Überwachung der Bovinen Virusdiarrhoe (BVD) verwendet. Zu einem späteren Zeitpunkt soll RiBeS für die Überwachung weiterer Tierseuchen genutzt werden.
Die Anwendung RiBeS macht die Überwachung des Schweizer Rindviehbestandes einfacher und kostengünstiger. Die Identitas AG, Betreiberin der Tierverkehrsdatenbank, bewerkstelligt den Betrieb der Anwendung RiBeS. Die Betriebskosten von RiBeS trägt der Bund.