Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03229.jsonl.gz/1606

Kürzlich stand ich vor einem Lift. Als die Türen aufgingen, standen zwei Leute drin, ohne Schutzmaske. Ich, mit Maske, fragte, ob es okay sei, wenn ich reinkomme. «Ist doch nur ein Schnupfen», entgegnete der Herr im Lift verächtlich.
Wie nahe ist bei euch Corona?
Ich verstehe. Ich verstehe, dass man die Einschränkungen der persönlichen Freiheiten als zu viel empfindet. Ich würde auch lieber wieder leben wie «vorher». Ich verstehe insbesondere alle, die einem wirtschaftlichen Ruin ins Auge blicken. Was ich nicht verstehe, sind all diejenigen, welche einigermassen umsetzbare Massnahmen wie Maskenpflicht als «Staatswillkür» beschimpfen.
Meine Schwiegermutter wurde mit schwersten Covid-Symptomen ins Krankenhaus eingeliefert. 24 Stunden lang lag sie im Koma, wurde positiv getestet.
Liebe Leute, die ihr protestiert und auf Social Media schimpft, lasst mich eine Frage stellen: Wie nah ist euch Corona wirklich gekommen? Vielleicht liege ich ja falsch, aber ich vermute, nicht wirklich nah. Bisher. Dann erzähle ich euch gern etwas aus meinem derzeitigen Leben.
Lieber heute als morgen aus dem Spital
Meine Schwiegermutter wurde mit schwersten Covid-Symptomen ins Krankenhaus eingeliefert. 24 Stunden lang lag sie im Koma, wurde positiv getestet. Wir befürchteten das Schlimmste. Mein Schwiegervater, der nicht mal allein eine Kaffeemaschine bedienen kann, war auf sich gestellt, da mein Schwager wegen direktem Kontakt zu seiner Mutter in Qurantäne musste. Wir wohnen zu weit weg, um uns zu kümmern. Das Spital will sie lieber heute als morgen nach Hause schicken. Man brauche den Platz. Wer sich dann um sie kümmern soll? Keine Ahnung.
Ich weiss, alte Leute sterben. Er hatte ein sehr langes, sehr erfülltes Leben. Aber diesen einsamen Tod hat er nicht verdient.
Mein Grossvater liegt im Sterben. Krebs im Endstadium. Er ist im Spital. Meine Grossmutter darf nur zu festgelegten Zeiten kurz zu ihm. Mit Abstand. Ja, und man wäre froh, er würde ein bisschen vorwärtsmachen. Man braucht auch sein Bett. Ich weiss, alte Leute sterben. Er hatte ein sehr langes, sehr erfülltes Leben. Aber diesen einsamen Tod hat er nicht verdient.
Schuldgefühle wegen positivem Test
Meine Tochter ist in Quarantäne. Eine ihrer engsten Freundinnen wurde positiv getestet. Das Mädchen plagen unendliche Schuldgefühle. Und mein Kind schleicht zu Hause rum, als wäre es giftig, traut sich nicht mal, die Katze zu streicheln.
Es geht hier doch darum, alles zu tun, was irgendwie in meiner Macht steht, um andere zu schützen.
Hätte all dies mit konsequentem Maskentragen verhindert werden können? Ich weiss es doch auch nicht. Aber es geht hier doch darum, alles zu tun, was irgendwie in meiner Macht steht, um andere zu schützen. Auch wenn man keine Garantie hat, dass es tatsächlich hilft.
Die Gefahr so gut wie möglich reduzieren
Ich habe meinen Sohn auch zu Hause behalten, bis seine Schwester negativ getestet ist. Vorgeschrieben wäre das nicht gewesen. Und so richtig in den Kram passt es mir auch nicht. Er gehört nämlich nicht zu den schulischen Selbstläufern, die zu Hause einfach funktionieren. Ich muss da immer und immer wieder nachfragen, nachschauen, abfragen. Und es ist nicht so, als hätte ich keine Arbeit. Und auch wenn ich die Chance, dass er infiziert ist, für sehr klein halte, will ich die Gefahr so gut wie möglich reduzieren.
Genau das tun wir auch mit Massnahmen wie der Maskenpflicht. Es geht nicht um «Staatswillkür» - sondern um Rücksichtnahme.