Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03176.jsonl.gz/2883

1 · Coolness
Die Nikotinindustrie engagiert Designer:innen, die das Produkt "Vape" mit leuchten bunten Farben, aufgefallenen Graphiken und aussergewöhnlichen Formen gestalten.
So wird aus einer langweiligen E-Zigarette ein cooler Artikel, als wäre er etwas Besonderes, etwas, was man auf einer Party oder bei einem Treffen mit Freund:innen unbedingt dabei haben will.
Stell dir vor, die nikotinhaltige Flüssigkeit eines Vapes mit einer klumpigen E-Zigarette der ersten Generation zu dampfen: Schon ist die E-Zigarette nicht mehr so cool und auch nicht mehr so interessant.
Die Frage für dich lautet: «Würde ich E-Zigaretten dampfen, auch wenn sie hässlich, langweilig oder altmodisch aussehen würden?».
Falls deine Antwort ‘Nein’ lautet und du trotzdem vapest, weisst du nun, dass dich ein cooles Design zum Konsum verführen kann.
2 · Der Brandherd in deiner Clique
Die Nikotinbranche weiss, wie wichtig Freundschaften in deinem Alter sind.
Deshalb wird sie versuchen, jemanden in deiner Gruppe zum Vapen zu animieren. So wie ein Brandherd, der sich rasch als Feuer im trockenen Wald des Freundeskreises ausbreitet, werden dann vielleicht auch die anderen in der Gruppe das gleiche Produkt vapen wollen.
Auf diese Weise nutzt die Nikotinindustrie das Bedürfnis Jugendlicher, Erfahrungen mit anderen zu teilen und sich als Teil einer Gemeinschaft zu fühlen. Was für die einen spannend und lustig ist, wollen die anderen auch auskosten und so Teil eines gemeinsamen Erlebnisses sein.
Selbstverständlich zwingt dich niemand in deiner Gruppe, zu vapen. Unterschätze trotzdem nicht den Einfluss der sozialen Bedürfnisse auf dein Verhalten.
Die Frage dazu lautet: «Würde ich vapen, auch wenn ich in der Gruppe der Einzige wäre?».
Falls deine Antwort ‘Nein’ lautet und du trotzdem vapest, weisst du nun, dass die Nikotinbranche schafft, dich mit Hilfe deiner Freund:innen zum Konsum zu verführen.
3 · Die Influencer:innen
Manche Influencer:innen gehören zu den mächtigsten Verbündeten der Nikotinindustrie, dies auch wenn sie aus eigener Initiative ohne direkte Finanzierung des Anbieters für ein Produkt werben.
Disclaimer
Natürlich dürfen wir nicht alle Influencer:innen in einen Topf werfen. Es gibt jene, die sich bewusst sind, welche Verantwortung sie tragen, die verzichten für schädliche Produkte, ‘Werbung’ zu machen und in ihrem Fachgebiet äusserst kompetent sind.
Aber es gibt auch die anderen, jene, die nicht darüber nachdenken, welche Folgen ihr Handeln für die jungen Zuschauer:innen hat.
Da gibt es zum Beispiel jemanden, der filmt, wie er so viele Züge an einem Vape inhaliert, bis er fast ohnmächtig wird. Auf diese Weise kann er andere Jugendliche dazu animieren, dasselbe zu versuchen.
Es gibt auch diejenigen, die erzählen, wie cool und trendy die neuen Vapes sind, aber nicht über die schädlichen Auswirkungen berichten und so zu ihrer Verbreitung beitragen.
Influencer:innen haben Millionen junger Follower weltweit. Sie sind sympathisch, witzig und wirken selbstbewusst, als wüssten sie alles - und wir so wenig. Sie sind so, wie wir gerne wären: berühmt, einflussreich und selbstbewusst. Als Vorbilder können sie sehr überzeugend sein und Meinungen und Wünsche stark beeinflussen.
Selbstverständlich zwingen dich die Influencer:innen und die sozialen Medien nicht zu vapen. Unterschätze trotzdem nicht ihre Überzeugungskraft.
Die Frage dazu lautet: «Würde ich vapen, auch wenn niemand in den sozialen Medien über Vapes sprechen würde?».
Falls deine Antwort ‘Nein’ lautet und du trotzdem vapest, weisst du nun, dass dich die sozialen Medien zum Konsum verführen können.
4 · Neugier auf Neuheiten
Ein älteres Produkt wirkt auf Jugendliche mit der Zeit nicht mehr so spannend, was für die Anbieter zum Verlust von Marktanteilen führt.
Mit einem neuen Produkt können neue Kunden begeistert werden... auch wenn das Neue (die Vapes) bei genauerer Betrachtung das Alte ist (die E-Zigarette), das anders aussieht und gut vermarktet wird.
Wer keine neuen Artikel lanciert, verliert Kunden und riskiert, vom Markt zu verschwinden. Aus diesem Grund kommen von den Anbietern immer wieder neue Vapes-Produkte, die das Bedürfnis junger Menschen auf Neuheiten befriedigen.
Neuheiten machen junge Menschen neugierig. Der Schritt von der Neugier zum Konsum ist klein.
Die Frage dazu lautet: «Würde ich dieses Produkt konsumieren, auch wenn es seit mehreren Jahren auf dem Markt wäre?».
Falls deine Antwort ‘Nein’ lautet und du trotzdem das Produkt konsumierst, weisst du nun, dass dich der Anreiz der Neuheit zum Konsum verführen kann.
5 · Fruchtaromen
Vapes sind nikotinhaltige Produkte mit vielen Fruchtaromen, die bei manchen Jugendlichen gut ankommen.
Warum ist das so? Vielleicht, weil wenn etwas nach Früchten schmeckt, als gesund (oder weniger schädlich) empfunden wird? Weil mit verschiedenen Fruchtaromen die Chance gross ist, dass mindestens ein davon auf Zustimmung bei den Konsumierenden stosst? Weil neue Geschmackserlebnisse neugierig machen? Weil die Fruchtaromen den Geschmack von Nikotin verdecken?
Es ist auffällig, dass Vapes viele Fruchtaromen bieten. Fruchtaromen sind eindeutig eine Kernstrategie der Industrie, um ein junges Zielpublikum zu erreichen.
Die Frage dazu lautet: «Würde ich vapen, auch wenn die Vapes nur nach Dampf schmecken würden?».
Falls deine Antwort ‘Nein’ lautet und du trotzdem vapest, weisst du nun, dass dich Fruchtaromen oder andere Geschmacksrichtungen zum Konsum verführen.
6 · Zugänglichkeit und Kosten
Billig und leicht zugänglich muss ein Produkt sein: So erreicht man junge Menschen. Denn viele Jugendliche haben wenig Geld und auch keine Lust, aufwändig nach einem Artikel zu suchen.
Und schau da: Vapes sind (ziemlich) günstig. Und einfach zu finden: u.a. in Tankstellen und Kiosks sowie in Online-Shops.
Die hohe Zugänglichkeit und die tiefen Kosten tragen dazu bei, dass sich Vapes in manchen Segmenten der jungen Bevölkerung gut ausbreiten können.
Die Frage dazu lautet: «Würde ich vapen, auch wenn die Vapes teuer oder wenn sie schwierig zu finden wären?».
Falls deine Antwort ‘Nein’ lautet und du trotzdem vapest, weisst du nun, dass dich leichte Zugänglichkeit und tiefe Preise zum Konsum verleiten können.
Die Kunst der Verführung auf einen Blick
Wie werden Jugendliche von der Nikotinindustrie zum Vapen verführt?
- Die Nikotinbranche gibt ihren Produkten eine unverkennbare Coolness und Vergnügtheit durch Farben, Graphiken und Formen.
- Sie nutzt das soziale Bedürfnis junger Menschen für gemeinsame Erlebnisse aus.
- Sie nutzt die überzeugende Kraft von Influencer:innen und sozialen Medien.
- Sie befriedigt die Neugier junger Menschen mit neuen Produkten.
- Sie setzt den Vapes fruchtige Aromen zu, die bei Jugendlichen beliebt sind.
- Sie bietet die Vapes zu tiefen Preisen und sorgt dafür, dass sie breit zugänglich sind.
Es wird so bleiben
Jedes Jahr kommen neue Produkte auf den Markt, die auf junge Menschen abzielen. Auch die Nikotinindustrie wird weiterhin ihre bewährten Tricks anwenden, um Jugendliche zu animieren, ihre Produkte zu konsumieren. Das ist so und wird sich nicht ändern.
Was kannst du dagegen tun? Schütze deine Freiheit und mache dich vom Einfluss der Nikotinindustrie unabhängig .
Das ist schwieriger als es scheint, da die verführerische Kraft der Nikotinbranche, die damit Millionen verdient, nicht unterschätzt werden darf.
Viele werden von sich behaupten, dass sie immun gegen die Einflussversuche von Marketingspezialisten sind. Wer so denkt, ist besonders gefährdet, Opfer der Verführung zu werden.
Fakt ist, dass alle Menschen manipulierbar sind, weil alle Menschen Bedürfnisse und Schwachstellen haben: Jugendliche wie Erwachsene.
Bleib wachsam, denk darüber nach, was dir im Leben wichtig ist, und informiere dich aus vertrauenswürdigen Quellen, damit du dein Leben aktiv gestalten und das tun kannst, was für dich (und nicht für andere) richtig ist.