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Armut stieg 2019 an
8,7 Prozent der Bevölkerung sind 2019 von Einkommensarmut betroffen gewesen. Jeder Achte (12,2 Prozent) kam kaum über die Runden. Dennoch war die Zufriedenheit zu Anfang des ersten Teil-Lockdowns vor einem Jahr hoch – und das Vertrauen in die Regierung auch.
In der ersten Hälfte des Jahres 2020 war die Schweizer Wohnbevölkerung gemäss eigenen Angaben nicht minder zufrieden als davor, wie erste Befragungen des Bundesamts für Statistik (BFS) ergaben. Einzig das Glücksempfinden ging nach dem 16. März 2020 signifikant zurück.
Das Vertrauen in das politische System war während des partiellen Lockdowns im zweiten Viertel 2020 höher als davor – in allen Altersgruppen, auf allen Bildungsstufen und egal, ob mit Migrationshintergrund oder nicht. Einzig die Tessiner – das BFS bezeichnet sie mit „Interviewsprache italienisch“ – gaben an, ihr Vertrauen in die politischen Systeme sei vor dem März 2020 höher gewesen.
Aktuellere Statistiken liegen noch nicht vor. Im zweiten Teil-Lockdown dürften die Ergebnisse erheblich von denjenigen von vor einem Jahr differieren.
Die Armutsquote erreichte 2019 mit 8,7 Prozent den höchsten Wert seit 2014, als sie bei 6,7 Prozent lag. In der gleichen Zeit ging das verfügbare Äquivalenzeinkommen der untersten Einkommensgruppe zurück. Die 10 Prozent der Bevölkerung mit den niedrigsten Einkommen hatten 2019 ein verfügbares Äquivalenzeinkommen von unter 25’868 Franken (2014: 27’252 Franken). Das Medianeinkommen blieb hingegen stabil bei rund 50’000 Franken. Median heisst: Die eine Hälfte hatte mehr, die andere weniger.
155’000 Personen – 4,2 Prozent der Bevölkerung – waren trotz Erwerbsarbeit arm. Die Armutsgrenze wird von den Richtlinien der Konferenz für Sozialhilfe (Skos) abgeleitet und betrug durchschnittlich 2279 Franken im Monat für eine Einzelperson und 3976 Franken für zwei Erwachsene mit zwei Kindern.
Jeder Achte (12,2 Prozent) hatte Mühe, über die Runden zu kommen. Jeder Fünfte (20,7 Prozent) war nicht in der Lage, eine unerwartete Ausgabe von 2500 Franken zu stemmen. Und fast jeder Sechste (15,1 Prozent) hatte Zahlungsrückstände.
Ausländische Personen, Personen in Einelternhaushalten, Personen ohne nachobligatorische Ausbildung und Personen in Haushalten ohne Arbeitsmarktteilnahme waren besonders häufig von Einkommensarmut und finanziellen Schwierigkeiten betroffen. Auch über 65-Jährige waren überdurchschnittlich oft einkommensarm. Dennoch waren sie im Schnitt zufriedener – nicht nur aus Genügsamkeit, sondern auch, weil viele auf Reserven zurückgreifen können.
Im europäischen Vergleich war der Lebensstandard 2019 in der Schweiz gemäss BFS immer noch hoch. Die nach internationalem Standard berechnete Armutsgefährdungsquote lag in der Schweiz mit 16 Prozent 0,8 Prozentpunkte unter dem EU-Schnitt.
Allerdings ist festzustellen, dass von den Nachbarländern nur Italien mit 20,1 Prozent eine höhere Armutsgefährdung aufweist als die Schweiz. Allen anderen geht es besser: Die Armutsgefährdungsquoten betrugen 14,8 Prozent in Deutschland, 13,6 Prozent in Frankreich und 13,3 Prozent in Österreich.
Die Armutsgefährdungsgrenze hängt vom Lebensstandard des jeweiligen Landes ab und betrug im Jahr 2019 in der Schweiz rund 2500 Franken pro Monat für eine Einzelperson.
Nicht alarmierend ist gemäss SKOS die Inanspruchnahme von Sozialhilfe, „die Fallzahlen sind entgegen den ersten Befürchtungen im Jahr 2020 nicht gestiegen“. Der Jahresindex 2020 betrage mit 100,7 nur unwesentlich mehr als der Vorjahresindex (100).
Gesamtschweizerisch war in der Sozialhilfe zu Beginn der Corona-Krise ein leichter Anstieg der Fallzahlen bemerkbar. Ende Dezember 2020 sind die Fallzahlen praktisch auf dem Niveau des Durchschnittsmonats 2019 und liegen bei 100,6 Prozentpunkten. Gegenüber dem Vormonat November beträgt der Anstieg +1,0 Prozentpunkte.
Regional zeigen sich in der Sozialhilfe grosse Unterschiede. Die Romandie etwa liegt 4,6 Prozentpunkte über dem schweizerischen Durchschnitt, das Tessin 3,7 Prozentpunkte darunter.
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