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Wie entstand der erste Winterreifen der Welt?
Heute ist allen, die in Finnland leben, klar, dass hier bei uns im Winter Winterreifen eingesetzt werden. Für den Sommer werden die Reifen gewechselt. So war es aber nicht immer, vor allem im Hinblick darauf, dass der Winterreifen selbst noch keine hundert Jahre alt ist. Wie wurde der erste Winterreifen der Welt erfunden?
In Finnland trat das Gesetz über die Winterreifenpflicht 1978 in Kraft. Die ersten Winterreifen der Welt waren erst 44 Jahre früher hergestellt worden, also im Jahre 1934. Der damalige „Witterungsreifen“ von Suomen Gummitehdas Osakeyhtiö war in erster Linie für Lkws konzipiert, denn zu jener Zeit wurden die mit Pferden durchgeführten Transporte allmählich durch Motorfahrzeuge ersetzt.
– Die Straßen waren damals in einem schlechten Zustand, aber die Güter mussten das ganze Jahr hindurch transportiert werden. Als die Anzahl der Pkws in den 1930er Jahren anstieg, nahm auch der Bedarf an Pkw-Reifen zu. Im Jahre 1936 entwickelte das Unternehmen einen kleineren, für die Pkws bestimmten Winterreifen. Der erste Hakkapeliitta-Winterreifen sorgte für Griff unter den winterlichen Bedingungen, ließ sich aber auch im Sommer verwenden, konstatiert Herr Eromäki, der seit mehr als 35 Jahren bei Nokian Tyres arbeitet.
In den 1930er Jahren waren aber auch die damaligen Autos nicht sehr beständig, und man konnte nicht immer sicher sein, ob man mit seinem Wagen auch das Ziel erreicht. Daher bestanden die wichtigsten Eigenschaften der Winterreifen darin, eine beständige Konstruktion und ein gutes Griffvermögen auf eisigen und verschneiten Fahrbahnen zu bieten.
– Die Entwicklung der Winterreifeneigenschaften war völlig auf die Winterbedingungen konzentriert. Das Profilmuster des ersten Winterreifens war von einer völlig neuen Art, da die Rillen quer mit einem zickzackförmigen Griff verliefen, weshalb der Griff auf weichem Untergrund im Schnee und Schlamm gut war. Die Idee des Winterreifens basierte ja gerade auf einer möglichst guten Grifffläche auf verschneiten Straßen, erzählt Herr Pirhonen, der als Entwicklungsleiter bei Nokian Tyres tätig ist.
Zuerst Spikereifen, dann M+S-Reifen
Da die Anzahl der Autos ständig zunahm, wurde damit begonnen, die Straßen mit einem Schneepflug zu räumen, damit der Verkehr im Fluss bleiben würde. Beim Schneeräumen bildeten sich jedoch glatte Eisflächen auf der Oberfläche der Fahrbahn, und die damaligen Winterreifen konnten auf diesen Flächen nicht greifen.
– Zu Beginn der 1960er Jahre wurde der moderne, mit den Hartmetallspikes versehene Spikereifen entwickelt. Es hatte allerdings schon früher Versuche gegeben, Spikes an den Reifen zu befestigen, aber der eigentliche Spikereifen wurde erst jetzt erfunden. Im Jahre 1974 traten in Finnland die Verordnungen über den Gebrauch von Spikereifen in Kraft. Das Ziel derselbigen bestand darin, den spikebedingten Verschleiß der Straßen zu reduzieren, erinnert sich Herr Eromäki.
Mit dem Wachstum des Fahrzeugbestands wurden die Straßen mehr und mehr asphaltiert, weshalb die Straßen auch nicht mehr vereisten. Deshalb wurde damit begonnen, einen andersartigen Reifen zu entwickeln, und zwar einen solchen, der von den Winterreifenverordnungen nicht abhängig wäre.
– Die ersten spikelosen M+S-Reifen wurden in den 1970er Jahren konzipiert. Dabei handelte es sich um Reifen, bei denen die Griffeigenschaften eines Spikereifens teils durch eine starke Lamellierung im Profilmuster und teils durch neue innovative Gummimischungen ersetzt wurden. Zudem verfügte der M+S-Reifen über einen besseren Fahrkomfort, denn er war fast geräuschlos, erzählt Herr Eromäki.
Nur eins ist gleichgeblieben
Heute werden Winterreifen für unterschiedliche Gebiete entwickelt. Daher weichen die nordamerikanischen, die nordischen und die mitteleuropäischen Reifen sehr stark voneinander ab.
– Die Fahrer im Norden schätzen die Umweltfreundlichkeit und die Wintereigenschaften der Winterreifen am meisten, konstatiert Herr Pirhonen.
Im Vergleich zu der Situation während der ersten Jahren der Reifenindustrie gehören die heutigen Straßen in eine ganz andere Klasse. Dies gilt auch für die heutigen Pkws, die ihren Vorgängern eigentlich nur darin ähneln, dass man immer noch auf vier Rädern fährt. Die modernen Winterreifen sind niedrigprofiliert, was bedeutet, dass sich das Profil der Reifen erweitert und der Innendurchmesser sich vergrößert hat. Den Reifen verlangen die gegenwärtigen Pkws völlig andere Eigenschaften ab als zuvor.
– Die Reifenindustrie hat für die Pkws bessere Fahr- und Griffeigenschaften entwickelt. Das sind Dinge, die die Fahrer zu schätzen wissen. Weitere wichtige Faktoren, die die Verbraucher neben diesen Eigenschaften seit letzten Jahren mehr und mehr betonen, sind die Umweltfreundlichkeit der Reifen und deren Materialien, der niedrige Rollwiderstand und das geringe Reifengeräusch, fährt Herr Pirhonen fort.
Innerhalb der letzten Jahrzehnte ist die Entwicklung der Reifen in großen Sprüngen vorangeschritten. Die Computer sind heute alltägliche und normale Werkzeuge, und das Testen der Reifen wird immer technischer. Dennoch ist eines der wichtigsten Dinge von Jahrzehnt zu Jahrzehnt gleich geblieben:
– Es gibt keine Maschine, die von allein neue Ideen erfindet. Damit meine ich, dass die kreative Denkarbeit immer noch von Menschen geleistet werden muss, veranschaulicht Herr Eromäki.
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