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Nebel und Sonne in Münster. Aquarell von F.G.Pasquale.
Strenge Sitten
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Früher wurden in Stammbäumen uneheliche
Kinder und deren Nachkommen oft nicht gezeigt. Das war auch
bei den im 19. und 20. Jh. erstellten Werlen-Stammbäumen der Fall.
Selbstverständlich
haben wir das korrigiert! Wie so was
möglich war wird verständlich, wenn wir die alten Moralvorstellungen
besser kennen. Wir illustrieren sie mit Beispielen aus dem Oberwallis:
-
Ein verheiratete Frau war ohne Kopftuch oder sonst eine
Kopfbedeckungt nicht anständig gekleidet (1914).
-
Mädchen durften auch bei tief zugeschneiten Wegen
und Schneesturm nicht mit Hosen in die Schule (1954).
-
Im Internat des Kollegiums
Spiritus Sanctus in Brig wuschen Oberwalliser Knaben nie einen
Körperteil dessen blosse Erwähnung schon Sünde war (1930).
-
Versandhauskataloge
mit Abbildungen von Unterwäsche gehörten nicht in Kinderhände (1930).
-
Weibliche Jugendliche durften
nicht bei Tanzanlässen Musik spielen (1955).
-
Unvorstellbar war, dass Mann
und Frau unverheiratet zusammenleben. Das war damals auch gesetzlich
verboten (1958).
-
Unvorstellbar war auch, an einem
Sonn- oder Feiertag der Kirche fernzubleiben (1960).
-
Eigenartig war das Verhältnis
zu Einheimischen, die nicht katholisch heirateten, ein uneheliches
Kind hatten, im Gefängnis
waren oder sich gar zu Gottlosigkeit oder Sozialismus bekannten.
Der Engländer A. Conan Doyle schrieb dazu (1908): "... solche
Fälle waren
selten, und wenn sie doch eintraten, betrachteten die
Einheimischen
den Unhold
halb bewundernd, halb
verabscheuend als jemanden, der sich mit einer verruchten Sünde
seine Individualität ertrotzt hatte".
-
Prüderie und Bigotterie waren
in den "alten Zeiten" allgemein verbreitet und sind keineswegs
ein besonderes Merkmal
des Oberwallis oder katholischer Landesteile! Die Körperfeindlichkeit
erreichte Schweizweit im 19. Jh. ihren Höhepunkt und hatte ihren
Ursprung in anderen christlichen Glaubensrichtungen.
-
Im Vergleich zu anderen schweizerischen
Landesteilen, hatten die Frau in der alten Oberwalliser- und Walser-Kultur
eine bessere Stellung,
u.a. waren sie bei der Erbteilung gleichberechtigt.
Nicht von ungefähr finden wir auch die erste Schweizer-Gemeinde
mit Frauenstimmrecht im Oberwallis
(Unterbäch 1957).
- Falsch wäre auch die Ursachen aller Gebräuche
nur in der Moral zu sehen. Z.B. kannten die meisten
Zöglinge des erwähnten Internats auch zuhause weder Dusche noch
Bad. Noch um 1950 hatten die Wohnhäuser der Walliserbergdörfer,
bis auf wenige Ausnahmen, nur in der Küche fliessendes Wasser. Gebadet
wurde im Zuber. Vorher musste das Wasser auf dem Holzherd in Pfannen aufgeheizt
werden.
Es ist anzunehmen, dass in einigen Generationen
unsere Nachkommen die Zwänge und Gebräuche der heutigen
Zeit, auch mit einer Mischung
aus Kopfschütteln und Schmunzeln betrachten!