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In der Schweiz wird vieles unternommen, damit ältere und chronisch kranke Personen länger zu Hause leben können. Dies ist allerdings mit dem Risiko verbunden, dass Patienten am Lebensende häufiger hospitalisiert oder transferiert werden müssen. Wie ausländische Studien gezeigt haben, kann das wiederum zu erhöhten Gesundheitskosten und zu belastenden Situationen sowohl für die Patienten als auch für deren Angehörige führen.
Grosse regionale Unterschiede
Eine 2016 von Helsana veröffentlichte Studie hat gezeigt, dass 2014 in der Schweiz rund 38 Prozent der Menschen im Spital starben, 39 Prozent im Pflegeheim und lediglich 23 Prozent zu Hause. Man ist also noch weit weg vom Zielwert: Zwei Drittel möchten nach eigener Aussage die letzten Tage am liebsten in den eigenen Wänden erleben. Rund 65 Prozent der Patienten wurden in den letzten sechs Monaten aber mindestens einmal verlegt; die Hälfte aller Transfers führte von zu Hause ins Spital. Von den Pflegeheimpatienten wurden nur rund 14 Prozent hospitalisiert.
Die Analysen der Daten von 11’310 Verstobenen ergab weiter, dass 62 Prozent in den letzten sechs Monaten mindestens einmal hospitalisiert wurden, im Durchschnitt waren es drei Verlegungen. Knapp 13 Prozent mussten gar eine belastende Verlegung erfahren, d.h. sie wurden entweder mindestens dreimal innerhalb der letzten 90 Tage oder mindestens einmal in den letzten drei Tagen vor dem Tod hospitalisiert. Mit zunehmendem Alter nahm die Zahl der Verlegungen ab (siehe Abb. 1).
Die Studienergebnisse weisen darauf hin, dass in vielen Regionen der Schweiz in Bezug auf die Versorgungsstrukturen am Lebensende noch Koordinationsbedarf besteht, da bei der Anzahl Verlegungen grosse regionale Unterschiede bestehen. In der Westschweiz, wo die Palliativversorgung stärker verbreitet ist und eine längere Tradition hat als in der übrigen Schweiz, lag die Anzahl Verlegungen deutlich tiefer. In der Zentralschweiz dagegen, wo weniger Angebote bestehen, gab es mehr Transfers. Zudem zeigte sich, dass die Zahl der Verlegungen in Regionen mit mehr Spitex-Personal tiefer lag. Patienten in Managed-Care-Modellen wurden in den letzten sechs Lebensmonaten vergleichsweise häufiger verlegt; trotzdem verursachten sie tiefere Gesamtkosten.
Tiefere Kosten dank besserer Versorgungsstrukturen
Es gibt in der Schweiz kein flächendeckendes Angebot an spezialisierter Palliativversorgung. Auch die Finanzierung des Angebots ist weder einheitlich noch abschliessend geregelt. Es fehlt zudem eine nationale Regelung in Bezug auf die Finanzierung von Sterbehospizen.
Während viele Hospitalisationen indiziert und angemessen sind, könnte zumindest ein Teil davon vermieden werden. Internationale Studien haben gezeigt, dass mit ausgebauter Palliativversorgung sowohl die Zahl der Hospitalisationen als auch die Gesundheitskosten gesenkt werden können. Verbesserte Versorgungsstrukturen wie mobile Palliative-Care-Teams oder Spitex-Angebote könnten Abhilfe schaffen und die Zahl der Hospitalisationen und somit die Kosten senken.
Auch liessen sich regionale Differenzen reduzieren und im Sinne der Präferenzen der Sterbenden anpassen. Dies bedingt, neben verbesserten Versorgungsstrukturen, einen möglichst frühzeitigen und vorzugsweise mit dem Hausarzt geführten Dialog über die Präferenzen am Lebensende.
Abb. 1: Die Grafik zeigt die Anzahl Verlegungen in den letzten sechs Monaten vor dem Tod, in Abhängigkeit von Alter und Geschlecht. Ein Mann zwischen 75 und 84 Jahren wird im Schnitt zweimal verlegt, ein Mann zwischen 85 und 94 Jahren noch einmal, wobei die Streuung grösser ist.
Legende:
- Bähler C, Signorell A, Reich O (2016). Health Care Utilisation and Transitions between Health Care Settings in the Last 6 Months of Life in Switzerland. PLoS ONE 11(9): e0160932. doi: 10.1371/journal.pone.0160932