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Ein Zuschauer wollte von mir kürzlich genau wissen, wie das Farbfernsehen in der Schweiz und Deutschland begonnen hatte. Beni Thurnheer habe am 24. August 2017 im Nachtclub auf DRS 1 über das Fernsehen in früheren Zeiten gesprochen. Unter anderem habe das Farbfernsehen 1973 begonnen, was doch nicht stimmen könne, denn er habe schon die Apollo-Sendungen um einiges früher in Farbe verfolgt! Dieser Beitrag wurde sogar zwei Tage später im Morgenradio nochmals wiederholt. Hier also meine eigenen Erinnerungen, wie ich sie dem Zuschauer mitgeteilt habe:
Sogar das deutsche Fernsehen hat noch etwas vor uns angefangen, und die Zahl 1967 würde etwa für die Schweiz stimmen. Da wurden bei uns die ersten Farbkameras für jeweils eine halbe Million Franken angeschafft, und 1967 begann auch das Werbefernsehen – von Anfang an farbig! Für mich begann das Fernsehen am 22. Oktober 1968 mit der Landesendung von Apollo 7. Wir hatten zwei Studios im Bellerive Zürich, das kleine «farbige» Touricop-Studio mit 2 (oder 3?) Kameras, und das grössere Schwarzweiss-Studio von 1953, die ehemalige Tennishalle im Bellerive. Von dort sendete man, wenn mehr Leute Platz finden mussten als Charles Raedersdorf und ich. Apollo haben wir von Anfang an farbig gesendet, wie alles von Eurovision übernommene. Wenn die Schweizer (und offenbar Beni) immer noch von Schwarzweiss sprechen (weil sie zuhause ev. noch einen Schwarzweissfernseher hatten…), so verwechseln sie das auch mit den Kameras vom Mond bis und mit Apollo 11. Apollo 12 hatte zwar erstmals eine farbige Mondkamera, aber die «schaute» dooferweise kurz in die Sonne und war gleich kaputt. Bei Apollo 13 kam es nicht zur Landung und erst Apollo 14 lieferte live farbiges vom Mond, wenn auch qualitativ nicht so gut wie die 16mm-Filme, die aber jeweils erst nach der Landung gezeigt werden konnten. Daher war ich so scharf auf jene und habe heute etwa 80 GB davon, deren beste ich im Film «Flugjahre zum Mond» verwendet habe.
Apollo 17 war übrigens die allerletzte Sendung, deren Zusammenfassung das Schweizer Fernsehen vom Touricop-Studio ausstrahlte, und zwar am 24. Dezember 1972. Alles übrige wurde zu diesem Zeitpunkt bereits in den Leutschenbach-Studios in Zürich Seebach produziert. Die Tagesschau wurde aber noch während Jahren schwarzweiss ausgestrahlt, und auch meine Abendsendung mit der (echten) Apollo-13-Crew aus dem schwarzweissen Bundeshausstudio in Bern (Oktober 1970) ist daher bis heute nicht farbig erhalten.
Nicht lange ist’s her, seit ich ein Stück farbiges Studio-Video von Apollo 12 entdeckt habe, denn damals konnte man zwar im Studio schon schwarzweiss auf 2-Zoll-Bänder aufzeichnen, aber im übrigen nur farbig ausstrahlen! Nun hat ein Zuschauer ein Stück per Stativ ganz gut ab Bildschirm auf 16mm-gefilmt, und dieses habe ich kürzlich im Internet entdeckt. Die paar einigermassen brauchbaren Frames habe ich (weil’s nix besseres gibt) als Collage verewigt. Ein ganz rares Dokument vom November 1969!
Was die meisten Europäer nicht wissen: das Fernsehen hat in den USA 1948 angefangen und bereits 1955 (!) farbig. Ich habe dort 1965 erstmals Farbiges überhaupt gesehen. Während man bei uns erst ab Apollo 14 (1971) die 2-Zoll-Bänder aufbewahrt hat (weil sie so teuer waren) habe ich in den USA vor Weihnachten einmal reihenweise die unglaublich romantischsten Weihnachtssendungen aus den Fünfzigerjahren gesehen – alle schon farbig!! Die «kulturlosen» USA haben noch alles. Bei uns ist viel Kultur für immer verschwunden.