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Der Ringelhof an der Petersgasse ist eines der interessantesten Häuser unserer Altstadt. Seine ursprünglichen drei Teile, die noch heute im Grundriss deutlich zu erkennen sind, wurden im 16. Jahrhundert durch den reichen lombardischen Spediteur Christophore d'Annone in einer Hand vereinigt. Auf ihn geht der gründliche Um- und Ausbau von 1573 zurück; daran erinnert die Jahrzahl über dem Hoftor, auf dessen Zwickeln der Bauherr sich und seine Gattin in steinernen Porträt-Medaillons verewigen liess.
Der Strassenzug Petersgasse-Nadelberg stellte im Mittelalter ein aristokratisches Quartier dar, und allein deswegen finden wir hier eine stattliche Reihe von Herren- und Patrizierhäusern vor. Die verschiedenen Höfe waren Sitze aller Adelsfamilien, Bürgermeister waren hier zu Hause und zur Zeit der Blüte des St. Peterstiftes residierten auch zahlreiche Geistliche in seiner Nähe. Unter diese "adligen" und "geistlichen" Höfe fällt auch der Ringelhof an der Petersgasse 23, der die Bauwut der 1930er glücklicherweise überstanden hat. Er ist noch das einzige verbliebene Gebäude linker Hand zwischen Blumenrain und Kellergässlein. Nicht etwa zufällig, auch nicht allein seiner zum Teil zinnengekrönter Mauer oder des davor stehenden Brunnens wegen. Nein, der Ringelhof wurde anlässlich der Projektierung des Verwaltungsgebäudes "Spiegelhof" absichtlich vom Staat angekauft, um ihn vor spekulativer Zerstörung zu bewahren und der Nachwelt zu erhalten.
Das Gebäude des heutigen Ringelhofes bestand ursprünglich aus drei gesonderten Bestandteilen, die allmählich zusammengewachsen sind: Das älteste Haus - von der Gasse her vorne rechts - wird zum ersten Mal im Jahr 1324 erwähnt unter der Bezeichnung "Domus Siegberti", dann 1372 das Gebäude dahinter "Zum Museck" und schliesslich Anno 1448 der linke Teil als Haus "Zum Butenheim". Noch heute sind die Stockwerkhöhen unterschiedlich; die drei Teile wurden allerdings zu einem Block zusammengebunden, indem sie auf drei Seiten von Gässchen umgeben waren (Gold- und Pommeranzengässchen). Im Folgenden soll kurz auf die drei Einzelbauten eingegangen werden.
Ursprünge der drei Liegenschaften
Das Haus "zum Siegebert" war ursprünglich im Besitz des Chorherrenstifts St. Peter und gelangte 1324 an Greda, die Tochter des Johannes von Oberwinterthur, der ums Jahr 1300 dem Stift St. Peter ein Kirchenfenster geschenkt hatte. Das Haus war also im Besitz von Leuten, die in Diessenhofen und Oberwinterthur, also in der Ostschweiz, ihre Heimat hatten. Mitte des 14. Jahrhunderts besass ihn der Fischer Heinrich Bötwiler, der zuvor schon die unten anstossende Liegenschaft "zum Museck" besessen hatte. 1396 wurde er an Johann Sögerer, Kaplan zu St. Peter, veräussert. Den bisher mit dem Haus verbundenen Stall liess er durch einen Neubau ersetzen, um dann Haus und Hofstatt 1407 an Henmann von Wegenstetten zu verkaufen, der sie im gleichen Jahr an das Petersstift zurückgab. Seither diente Siegeberts Haus als Wohnsitz verschiedener Chorherren und gelangte 1521 wieder zurück in den Besitz des Petersstiftes.
Im Haus "Museck" wohnten, wie in der Liegenschaft "zum Siegebert", auch Geistliche zu St. Peter, unter anderen jener Kaplan Bernhard Stieff, der 1510 in hohem Alter die Kanoniker im Chor laut beschimpft habe, sodass das Kapitel gegen ihn einschreiten musste. Auch mit dem Lohnamt stritt er sich wegen eines Mäuerleins unterhalb seiner Liegenschaft während Jahren. Oder mit dem benachbarten Hans von Offenburg, der ihn beim Fünfergericht einklagte, weil er hinter dem Haus einen Platz eingehegt und ihm damit den Zugang zu seinem Keller versperrt hatte.
Als ältester Besitzer des Hauses "zum Butenheim" erschien der Ritter Hemann von Offenburg (1412-1466). Die Offenburg stammten aus dem Schwarzwald und der genannte Hemann spielte in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Basel und im damaligen deutschen Reich eine ganz bedeutende Rolle als Finanzmann und namentlich als Diplomat. Er war der Vertrauensmann von König Siegmund und wurde durch seine wiederholte Verwendung als Gesandter ein weit bekannter und geachteter Mann. In Basel bekleidete er die Würde eines Oberstzunftmeisters und zählte zu den reichsten Leuten der Stadt. Auch an persönlicher Tapferkeit scheint es ihm nicht gefehlt zu haben. Er wurde 1433 auf der Tiberbrücke in Rom zum Ritter geschlagen und erhielt das wappen (ein offenes Stadttor) verliehen, welches heute noch an seiner ehemaligen Behausung an der Petersgasse zu sehen ist. 1448 ging die Liegenschaft an Ritter Hans von Flachsland, der sechs Jahre später als Bürgermeister der Stadt aufsteigen sollte und als solcher massgeblich an der Gründung der Universität beteiligt war. Er wurde 1458 als Delegierter nach Italien gesandt, um Enea Silvio Piccolomini, dem Freund Basels und neu gewählten Papst Pius II. die Glückwünsche des Basler Rats zu überbringen. Bei dieser Gelegenheit bat er den Papst, unserer Stadt eine jährliche Messe zu bewilligen und einen hohe Schule zu stiften. Damit nahm die glorreiche Geschichte unserer Universität ihren Anfang.
Über die erste Entstehung der Häusergruppe wissen wir so gut wie nichts; dem Baustil nach zu schliessen, der in der Hauptsache in die Zeit der Spätgotik weist, müsste das Haus gegen Ende des 15. Jahrhunderts entstanden sein. Ein Teil desselben wird aber ja bereits im Jahre 1324 erwähnt, und es ist anzunehmen, dass sogar noch früher irgendwelche Behausungen vorhanden waren. Auch deutet das älteste Motiv an der Talseite des Hauses, ein auf Konsolen ruhender Rundbogenfries, in die romanische Bauepoche zurück, also sogar ins 12. Jahrhundert. Es ist ferner anzunehmen, dass die Liegenschaft anlässlich der Vereinigung von "Domus Siegeberti" und "Museck" etwa um 1500 bauliche Ausgestaltungen erfuhr. In der Hauptsache aber dürften die jetzt noch vorzufindenden Formelemente auf den im Jahre 1573 vorgenommenen Umbau durch d'Annone (s. unten) zurückzuführen sein. Nebst spätgotischen Zimmertüren und Fenstern, einer gewölbten Decke im Hauptgeschoss finden wir bei einem Rundgang durch das Haus an der Hoftür auffallenderweise zwei jonische Voluten, ein untrügliches Zeichen der die Spätgotik ablösenden Renaissance.
Vereinigung der drei Bauteile und Umbau im Stil der Renaissance
Im Jahre 1521, als sich Basel als neuer eidgenössischer Ort anschickte, die bischöfliche Herrschaft abzuschütteln, besass das St. Petersstift die beiden rechten Teile. Etwas später, wahrscheinlich eine Folge der Reformation, ging die unter dem Namen "zum Museck" vereinigte rechte Liegenschaft in privaten Besitz über. Als sich Mitte des 16. Jahrhunderts die evangelischen Flüchtlingsströme aus Frankreich und Italien nach Norden ergossen, nahm das "Museck" 1565 den aus der Lombardei ausgewanderten Gutferker (Gutfertiger oder Spediteur) und Seidenhändler Christophore d'Annone und seine Frau Angela Augusta in seinen Mauern auf. Das sehr begüterte Ehepaar kaufte die beiden rechten Liegenschaften "zum Museck" und "Siegeberts Haus". Damit begann für den Ringelhof ein neues Kapitel. D'Annone war im Jahr vorher vor der Inquisition aus der Lombardei geflohen, und da er sich hier schnell etabliert und verdient gemacht hatte, war er 1572 in der Lage, auch das Haus links "Zum Butenheim" anzukaufen und alle drei Teile zusammen gründlich umzubauen. Nebst strukturellen Änderungen durchsetzte er insbesondere die gotische Bauweise mit Elementen der Renaissance. So finden wir in dem reizvollen Höflein und im östlichen Teil des Gebäudes noch verschiedene schöne Türeinfassungen, bemerkenswert durch eben diesen Einschlag von Renaissance-Motiven in spätgotische Formen. Die Fassadenfenster sind zum Teil mit feinen gotischen Profilen geschmückt. Wieder an italienische Bauweise und an die Heimat des d'Annone erinnern hingegen zwei Räume im Parterre des Hauses, unter dem ein doppelgeschossiger tiefer Keller liegt.
Der Bauherr begnügte sich aber nicht nur mit diesen beiden in sich greifenden Stilformen, sondern liess das Hauptportal sogar in frühgotischem Kleeblattbogen erstellen. Interessant sind ausser den schlanken Säulenabsätzen, die an Kerbschnitzereien erinnern, vor allem die beiden Medaillons oben bei der Jahreszahl 1573. Sie erinnern an das Ehepaar d'Annone, das sich mit diesem Werk in Stein verewigt hat. Links sehen wir, mit fliegendem Barthaar, den Bauherrn selber, und rechts, mit geringeltem Zopf, seine Frau Angela Augusta. Auf Grund der beigefügten Jahreszahl kann der Schluss gezogen werden, dass wohl das gesamte Portal zur Zeit der Renaissance erstellt worden ist. Die vielen gotischen Formelemente am Ringelhof aber liefern uns einen neuen Beweis dafür, wie schwer die Renaissance in unserer Gegend mit der Gotik zu kämpfen hatte.
Eigenartig an der Lage des Hauses war zur Zeit d'Annones auch der Umstand, dass es ringsum frei stand, denn von der Petersgasse lief zu beiden Seiten des Anwesens je ein Gässlein gegen den Fischmarkt hinunter, von denen das eine oberhalb des Hauses "zum Brunnen" wieder in das andere einmündete. Von der Petersgasse aus zweigte zur linken Seite des Ringelhofes das Goldgässchen ab, das nach etwa zwanzig Metern rechts abbog und zwischen dem Haus "zum Brunnen" und der Gartenmauer des Ringelhofes zum Pommeranzengässchen führte, das rechts wieder hoch zur Petersgasse ging und links Richtung Fischmarkt. Diese Gässchen existieren ansatzweise heute noch, sind aber der Benutzung entzogen und durch Türen abgeschlossen.
Weitere Handänderungen seit dem Umbau
D'Annones Präsenz in der Stadt und sein Anwesen schienen ziemlich effektvoll gewesen zu sein. In Felix Platters bauschriftlichem Häuserverzeichnis aus dem Jahr 1610 heisst die heute "Ringelhof" genannte Liegenschaft "Danons Haus". Der Name "Ringelhof" tauchte erst etwa ein halbes Jahrhundert später auf, zurückgeführt auf den Predigerschaffner und späteren Basler Bürgermeister Johann Wernhard Ringler-d'Annone (1615-1630), Schwiegersohn von d'Annone und späterer Eigentümer des vereinigten Hauses. Von diesem Besitzer her dürfte das Haus den noch 1773 erwähnten Namen "des Ringlers Hof" erhalten und bis heute, missverständlich geändert, behalten haben. Bis 1672 verblieb der Ringelhof in der Familie d'Annone, und durch die folgenden Jahrhunderte ging der Ringelhof von den Erben d'Annones an verschiedene Privatpersonen, darunter Staatsgerichtsbeisitzer Jakob Schultheiss, Handelsmann Philipp Dienast, Färbermeister Jakob Heinrich Wild und Handelsmann Jakob Wohlleb. 1793 ging das Haus an den Buchhändler J.J. Flick über, dessen Sohn es an einen Hermann Egger von Thal im Rheintal übertrug. Die Reihe der privaten Besitzer schloss also am Anfang des 19. Jahrhunderts, wie sie anfangs des 14. Jahrhunderts begonnen hatte, mit Angehörigen der Ostschweiz. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Liegenschaft gemeinnützigen Zwecken dienstbar gemacht, indem sie von der Evangelischen Gesellschaft für Stadtmission erworben wurde. Es befand sich hier zunächst eine Gesellenherberge oder ein "Arbeiter-Kosthaus" darin, während das Haus später einem Stadtmissionar eine Wohnung und weitere Räume zu Vereinszwecken bot.
Heute ist sie als ein zu schützendes Baudenkmal in Staatsbesitz und wieder in ein Wohnhaus umfunktioniert. Auch wenn die unterhalb und seitlich der Liegenschaft liegende Gartenmauer heute nicht mehr existiert, so hat sich der Ringelhof in erstaunlicher Weise erhalten, mitsamt seines charmanten Höfleins, seines interessanten äusseren Form und seiner charaktervollen Stilmischung. Wäre nicht der Bauherr d'Annone ausgerechnet aus der Lombardei hierhergezogen, so wären wohl auch die wenigen Merkmale der Renaissance, die in Italien ja schon seit 140 Jahren gepflegt worden waren, weggeblieben. So präsentiert sich der Ringelhof als ein Baudenkmal ganz besonderer Art, und wir hoffen, dass speziell diesem eigenartigen Bau noch recht lange sein besonderer Charakter bewahrt bleibe.
Von zwei Schwestern, zwei Kosaken und einem wütenden Vater
Zum Abschluss noch eine kleine Anekdote, denn im Ringelhof trug sich einst etwas Köstliches zu: Als in der Nacht vom 20. Dezember 1813 die Alliierten mit 22'000 Soldaten in Basel einmarschiert waren und am Morgen zwei Bewohnerinnen des Ringelhofes, die Schwestern Egger, nichtsahnend durch die Stadt gingen, wurden sie plötzlich von zwei Kosaken verfolgt, die in einem Fort "Mamsell, Mamsell!" riefen und auf ihren Rösslein den schreienden Mädchen bis in den Ringelhof hinein nachritten. Der Vater Egger, Lohnwäscher und Kurier am "Drei König", wusste sich nicht anders zu helfen, als seinen Nachbarn, Leonhard Lotz-Jäcklin, zu Hilfe zu rufen. Dieser durch seine enorme Körpergrösse auffallende Mann kam denn auch und brüllte die beiden Kosaken auf gut Baseldeutsch dermassen an, dass sie, erschreckt und in Lotz irgendeine hochobrigkeitliche Person vermutend, sofort ihre Pferdchen wendeten und zum Tor hinaus trabten. Als später Lotz seiner Zunft eine schöne Uhr aus dem 17. Jahrhundert mit schönen Schlachtenbildern schenkte, liessen seine Zunftbrüder darüber einen Schneiderbock, eine Allegorie von Krieg und Frieden und das Sprüchlein anbringen: "Steck ein dein Schwerdt, / Weils Friede ist, / Hast's nicht gehört! / Durch Schneider Lift / Der Feinde Hort / Marschiert schon fort" zum ewigen Andenken an die Heldentat ihres Zunftgenossen.
Quellen:
- National-Zeitung vom 4. Dezember 1971
- Basler Nachrichten 11. Dezember 1959
- National-Zeitung vom 14. März 1926
- Neue Basler Zeitung vom 17. Oktober 1924