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Greifen Impfungen das Myelin an?
Theoretisch könnten Impfungen – vergleichbar mit Infektionen – über Autoimmunprozesse das Risiko für zentral demyelinisierende Erkrankungen erhöhen. Kalifornische Kollegen gingen dieser Frage nach und werteten Krankenkassendaten aus den Jahren 2008 bis 2011 aus. In diesem Zeitraum fanden sich 780 neue Fälle einer demyelinisierenden Krankheit, in erster Linie Multiple Sklerose (54,7 %), gefolgt von optischer Neuritis und idiopathischer transverser Myelitis.
Die Fälle wurden mit 3885 Kontrollen verglichen. Es fand sich keine Assoziation zwischen der Krankheitsinzidenz und den Impfungen innerhalb des dreijährigen Beobachtungszeitraums (für Hepatitis B betrug die OR 1,12, für HPV 1,05 und für alle Seren zusammen 1,03). Bei unter 50-Jährigen erhöhte jegliche Vakzinierung das Risiko einer Neuerkrankung in den ersten 30 Tagen nach der Applikation (OR 2,32), danach liess sich dieser Zusammenhang nicht mehr nachweisen.
Leichter Anstieg nach Vakzination
Die Autoren führen diesen kurzzeitigen Anstieg darauf zurück, dass die Impfung den Übergang einer subklinischen in eine offenkundige Autoimmunstörung beschleunigen kann. Eine Kausalität liegt aber nicht vor. Es gibt keinen Grund, die gängige Impfpolitik zu ändern, so das Fazit der Autoren.
Quelle: Annette Langer-Gould et al., JAMA Neurol 2014; online first