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Es ist 3.000 v. Chr. und ein unerträglich heisser Tag in Sumer, einer florierenden Zivilisation im heutigen Südirak. An einem sonnigen Platz stillen zwei Sumerer ihren Durst mit Weissbier. Der Fermentierungsprozess des Biers hinterlässt oft unerwünschte, feste Nebenprodukte, die oben am Getränk aufschwimmen. Zusammen mit Käfern und Schmutz, stören diese beim trinken. Um ihr Getränk geniessen zu können, saugen sie das Bier durch Knochen oder Halme aus Stroh und erfinden somit den heutigen Strohhalm.
Viertausend Jahre später sind Strohhalme immer noch Bestandteil vieler Getränke im Offenausschank, jedoch sind sie heute biegsam und aus Kunststoff. Ein Problem, dem sich viele Umweltschützer verschreiben. Zusammen mit Bildern von toten Tieren mit Strohhalmen im Magen, waren die Aufrufe so wirksam, dass nun in einigen amerikanischen Staaten und in Vancouver (Kanada) Plastikstrohhalm-Verbote verhängt wurden. Die EU möchte ebenfalls ab 2021 Einweg-Plastikprodukte verbieten.
Die Auswirkungen sind enttäuschend
Die Zahl 0,025% stellt die Verbote in einen interessanten Kontext: Laut phys.org (2019) machen Plastikstrohhalme 0,025% der gesamten Müllmasse im Ozean aus. Laut dem jährlichen Aufräumbericht der Ocean Conservancy wurden 2018 ca. 643‘542 Strohhalme aus dem Meer gezogen. Das sind 0,26 Tonnen. Die Wissenschaftler Denise Hardesty und Chris Wilcox (2019) schätzen, dass bis zu 8,3 Milliarden Strohhalme die weltweiten Meeresküsten verunreinigen. Wenn man bedenkt, dass ein Strohhalm etwa 0,4 Gramm wiegt, sind das 3‘320 Tonnen Kunststoff. Das mag nach einer grossen Zahl aussehen, aber im Vergleich zu den 8 Millionen Tonnen Plastikmüll, die im Meer schwimmen, ist das bemerkenswert wenig. Strohhalme sind also nur ein kleiner Teil eines viel grösseren Problems mit Meeresmüll, aber immerhin ein Teil davon.
Ein Plastikstrohhalm-Verbot schränkt behinderte Menschen in ihrer Autonomie ein.
Der Berliner Inklusionsaktivist Raul Krauthausen (2019), der selbst auf einen Rollstuhl angewiesen ist, fügt an, dass er selbst zwar nicht, aber manche Menschen auf Strohhalme angewiesen seien: „Es gibt Menschen, die ihre Arme nicht bewegen können. Die brauchen Strohhalme, wenn sie beim Trinken nicht gefüttert werden wollen.“ Andere Materialien seien in diesem Fall keine Alternative: Menschen mit Spastiken könnten sich an Strohhalmen aus Glas oder Metall verletzen, schreibt Krauthausen auf seiner Website. Halme aus Papier und Bambus seien weniger flexibel als Exemplare aus Plastik, die durch ihren Knick besonders gut geeignet seien.
Was schwimmt denn nun in den Weltmeeren?
Wenn man den Müll im Great Pacific Garbage Patch analysiert, dann macht Mikroplastik 94% des Plastiks in den Weltmeeren aus. Dieses Mikroplastik besteht jedoch nicht, wie man denken möchte, aus Plastikteilen, wie Strohhalme und Plastikflaschen, sondern aus Fischernetzen und Fischerausrüstung, die sich langsam in winzige Plastikfasern auflösen. Diese machen 46% des gesamten Meeresplastiks aus, also 1‘840 Mal mehr als Plastik von Strohhalmen. Ein Strohhalmverbot ist deshalb nur ein symbolischer Akt, eine niedrig hängende Frucht, die sehr einfach zu verbieten ist. Die meisten Menschen kommen um einen Strohhalm herum, das Plastik verschwindet aus den Drinks und somit aus den Augen der Aktivisten. Es ist eine Farce. Die Fischerindustrie braucht sich indes keine Gedanken über verschärfte Kontrollen bezüglich der Entsorgung ihres Equipments zu machen.
Quellen:
.de, W. (2019, März 28). Strohhalm-Verbot der EU: Warum Raul Krauthausen dagegen ist. Abgerufen 10. Dezember 2019, von https://www.watson.de/wissen/gesundheit/810356391-strohhalm-verbot-der-eu-warum-raul-krauthausen-dagegen-ist
Borenstein, S. (2019, Sommer 21). phys.org. Abgerufen 9. Dezember 2019, von https://phys.org/news/2018-04-science-amount-straws-plastic-pollution.html Parker, L. (2018, März 22). The Great Pacific Garbage Patch Isn’t What You Think it Is. Abgerufen 10. Dezember 2019, von https://www.nationalgeographic.com/news/2018/03/great-pacific-garbage-patch-plastics-environment/