Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03133.jsonl.gz/1771

Eisenzeit: 800-52 v.Chr.
Die ältere Eisenzeit
Die ältere Eisenzeit dauerte von 800–450 v.Chr. und trägt auch die Bezeichnung «Hallstattzeit», so benannt nach einem wichtigen Fundort in Österreich. Diese Epoche hat in Basel nicht viele Spuren hinterlassen.
Vermutlich bestand die spätbronzezeitliche Besiedlung im Bereich des Münsterhügels zu Beginn der älteren Eisenzeit noch weiter, doch dann brechen die Spuren ab. Dies lässt darauf schliessen, dass Basel in der Hallstattzeit kein wichtiges Zentrum darstellte. Grabhügel auf dem westlichen Dinkelberg und in der Hard bei Muttenz und Pratteln deuten indessen an, dass auch damals reiche und mächtige Personen die Basler Regio bewohnten.
Die jüngere Eisenzeit
Der jüngere Abschnitt der Eisenzeit ist ebenfalls nach einem berühmten Fundort benannt: La Tène am Neuenburgersee. Sie wird daher auch als Latènezeit bezeichnet. Diese dauerte von 450 v.Chr. bis knapp vor Christi Geburt. Während aus der frühen Latènezeit im Kanton Basel-Stadt nur einzelne Gräber bekannt geworden sind, ändert sich das archäologische Bild für den jüngsten Abschnitt grundlegend. Zwei Siedlungen sind dabei von besonderer Bedeutung: die Grosssiedlung Basel-Gasfabrik und das Oppidum Basel-Münsterhügel.
Die keltische Siedlung Basel-Gasfabrik
Die unbefestigte Siedlung bei der Alten Gasfabrik liegt auf der Niederterrasse am linken Ufer des Rheins und wurde in der Zeit zwischen ca. 150–80 v.Chr. bewohnt. Mit der rund 150 000 m² umfassenden Grosssiedlung kommt es erstmals in unserer Region zu einer Aufteilung in eine zentrale Siedlung und in ein landwirtschaftlich geprägtes Umfeld und zu komplexen Austausch- und Abhängigkeitsverhältnissen. Damit gehen zahlreiche politische und wirtschaftliche Innovationen einher, und eine Entwicklung wird angestossen, die letztendlich zur modernen Stadt Basel führt.
Von der Holz-Lehmarchitektur sind Pfostenbauten, Herdstellen und Lehmstampfböden gefunden worden. Weiter konnten Gräben festgestellt werden, die vermutlich Arealabgrenzungen bildeten. Die weitgehend einheitliche Ausrichtung der Gebäudegrundrisse und anderer Baustrukturen zeigt, dass die Bewohner die Siedlung systematisch geplant hatten.
Die zahlenmässig wichtigsten Befunde sind die über 330 Gruben verschiedener Grösse und Form. Die primäre Funktion der Gruben ist weitgehend unbekannt; möglicherweise dürften einige als Getreidesilos, andere als Werkplätze gedient haben. Zuletzt sind sie meist mit Siedlungsabfall verfüllt worden und enthalten deshalb umfangreiches Fundmaterial. Gefässscherben, Münzen, Schmuck, Werkzeuge, Tierknochen, aber auch aus Italien importierte Weinamphoren vermitteln uns einen faszinierenden Einblick in den damaligen Alltag.
In einigen Gruben wurden offenbar gezielt besondere Gegenstände deponiert oder gar Tote bestattet. Üblicherweise fanden aber die Toten ausserhalb des Wohngebietes ihre letzte Ruhestätte. So fand man nördlich der Siedlung einen Friedhof mit rund 120 Körperbestattungen. Die Toten wurden hier, im Gegensatz zu anderen Gebieten, nicht verbrannt.
Siedlung Basel-Münsterhügel
Anders als die unbefestigte Siedlung Basel-Gasfabrik, wurde die etwas jüngere keltische Siedlung (Mitte 1. Jh. v.Chr. bis ca. 30/15 v.Chr.) auf dem Basler Münsterhügel nach strategischen Gesichtspunkten angelegt. Der natürliche Geländesporn ist auf drei Seiten von Rhein und Birsig eingefasst. Die vierte Seite wird durch einen Graben und einen Erdwall, einen sogenannten murus gallicus befestigt.
Der Erdwall, der mit Holzbalken armiert war, schützte die leicht zugängliche Südostseite des Münsterhügels zwischen Rittergasse und Freier Strasse. Dieser Wall war an der Feindseite mit einer Trockenmauer verblendet, in deren Front in regelmässigen Abständen senkrechte Pfosten eingelassen waren. Vor dem Wall lag ein breiter Graben, der bis zur Bäumleingasse reichte und dessen Spuren heute noch im Gelände sichtbar sind. An der Rittergasse befand sich auf der Höhe der heutigen Turnhalle ein Tor, welches einen Zugang zur befestigten Siedlung, dem oppidum, erlaubte.
Die Innenbebauung der Siedlung ist nur lückenhaft bekannt. Vor allem die Grabungen im Münster lieferten wichtige Befunde: Unter dem heutigen Münster führte auf der Achse von der Rittergasse zur Augustinergasse eine Strasse durch. Neben dieser ehemaligen Strasse sind Pfostenlöcher und Gruben zum Vorschein gekommen, welche von der einstigen Bebauung zeugen.
Infolge der mehr oder weniger lückenlosen zweitausendjährigen Besiedlung des Münsterhügels sind die spätkeltischen (spätlatènezeitlichen) Bebauungsspuren oft durch jüngere Eingriffe zerstört. Die noch vorhandenen Spuren ergeben nur ein fragmentarisches Bild der Siedlung. Allerdings kam vor und hinter dem Murus Gallicus eine grosse Menge an Funden zum Vorschein, welche die materielle Kultur der spätkeltischen Zeit spiegeln. Es handelt sich zur Hauptsache um Keramik (zerbrochenes Alltagsgeschirr) und Tierknochen (Speise- oder Schlachtabfälle). Aber auch Amphoren, Münzen, Fibeln und Schmuckstücke wurden gefunden.