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Hintergrund
Das Ösophaguskarzinom steht weltweit bei den bösartigen Tumoren an 8. Stelle und betrifft in der Schweiz jährlich etwa 500 bis 550 Patienten, davon 75% Männer. Typischerweise erfolgt die Diagnose eher in einem späten Stadium bei Auftreten von Schluckstörungen bzw. abnormer Gewichtsabnahme. Grundsätzlich lassen sich zwei Typen des Ösophaguskarzinoms unterscheiden:
Plattenepithelkarzinom:
- hat seinen Ursprung in der plattenepithelialen Schleimhaut der Speiseröhre
- tritt meist im oberen und mittleren Teil der Speiseröhre auf
- Ursache kann ein erhöhter Nikotin- und Alkoholgenuss sein
Adenokarzinom:
- hat seinen Ursprung in drüsenartig umgewandelter Schleimhaut (Barrett-Metaplasie)
- tritt meist im unteren Teil der Speiseröhre auf
- Ursache kann vermehrter langjähriger Reflux (Sodbrennen) sein
Diagnostik
Ein akkurat durchgeführtes diagnostisches „Staging" ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Behandlung. Vor Beginn der Therapie ist es absolut entscheidend die Lage, Grösse und die exakte feingewebliche Einordnung des Tumors zu bestimmen. Ebenso müssen etwaige Absiedelungen in anderen Organen (Metastasen) ausgeschlossen werden.
Die hierzu eingesetzten diagnostischen Verfahren sind:
Magenspiegelung (Ösophago-Gastroskopie)
Mit einem Fiberendoskop werden unter Sedierung
(leichte Betäubung) die Speiseröhre und der Magen von innen betrachtet und der
makroskopische Aspekt sowie die genaue Lage des Tumors beschrieben. Des
Weiteren ist es bei dieser Untersuchung möglich, durch Biopsien Tumorgewebe zu
gewinnen.
Histologische und immunhistochemische Untersuchung
Durch den Pathologen erfolgt die feingewebliche Untersuchung des bei der Endoskopie gewonnenen Tumorgewebes. Mit neuesten Verfahren können durch spezifische Antikörper auch bestimmte Merkmale des Tumors analysiert werden, die für die weitere Therapieplanung wichtig sind.
Endosonographie (EUS)
Bei dieser Untersuchung wird über ein Endoskop eine
direkte Ultraschalluntersuchung des Tumors vorgenommen. Die EUS ermöglicht eine
Einschätzung, wie tief der Tumor bereits in die Wand der Speiseröhre
eingewachsen ist und ob die Lymphknoten um den Tumor herum möglicherweise
befallen sind.
Computertomographie (CT)
Diese Untersuchung ermöglicht eine Beurteilung der
Grösse und Lokalisation des Befundes, aber auch ob der Tumor möglicherweise
bereits Nachbarorgane infiltriert und ob Absiedelungen (Metastasen) in anderen
Organen vorliegen. Die CT kann mit einer PET (siehe unten) kombiniert werden
(PET-CT).
Positronenemissionstomographie (PET)
Dieses nuklearmedizinische Verfahren erlaubt eine
Beurteilung möglicher Absiedelungen des Tumors in Lymphknoten oder Organen.
Ebenso kann die PET bei der Einschätzung des Ansprechens des Tumors auf eine
Behandlung mit Chemotherapie und / oder Bestrahlung von Nutzen sein.
Für die erfolgreiche Behandlung des Ösophaguskarzinoms ist nicht nur die Qualität jeder einzelnen oben genannten Untersuchung von entscheidender Bedeutung. Die Ergebnisse müssen für jeden einzelnen Patienten im Rahmen einer interdisziplinären Sitzung (Tumorboard) diskutiert werden. Unter Mitwirkung von Experten der verschiedenen Fachrichtungen wird dann gemeinsam entschieden und der individuelle Therapieplan festgelegt. Es ist bekannt, dass die besten Ergebnisse bei der Behandlung des Ösophaguskarzinoms in grossen Zentren mit hoher Patientenzahl erzielt werden. Das UniversitätsSpital Zürich ist in der Schweiz das grösste dieser Zentren. Unser Team aus international anerkannten Chirurgen, Gastroenterologen, Onkologen und Radio-Onkologen bietet Ihnen eine integrierte onkologische Versorgung gemäss dem neuesten Stand der medizinischen Forschung.
Therapie des Speiseröhrenkarzinoms
Für die Behandlung des Speiseröhrenkarzinoms stehen heute verschiedene Verfahren zur Verfügung, die je nach Stadium angewendet werden. Eine sorgfältige Abklärung mittels Endoskopie, endoskopischem Ultraschall und bildgebenden Verfahren (CT, PET, PET-CT) und eine anschliessende Entscheidung im interdisziplinären Tumorboard bezüglich der individuellen weiteren Therapie ist daher von besonderer Wichtigkeit.
Die chirurgische Entfernung des Tumors samt den zugehörigen Lymphknoten ist die Standardtherapie bei einem bösartigen Tumor der Speiseröhre. In Abhängigkeit von der Lage des Tumors und auch von bestimmten feingeweblichen Eigenschaften des Gewebes muss entweder ein Teil der Speiseröhre oder auch das gesamte Organ reseziert werden. Als Ersatz wird im Regelfall der Magen verwendet; in Ausnahmefällen ist auch eine Interposition des Dick- oder Dünndarmes erforderlich. Nach einer Eingewöhnungsphase ist die Lebensqualität nach diesen Eingriffen in der Regel gut; die meisten Betroffenen können völlig problemlos feste und flüssige Nahrung zu sich nehmen.
Frühe Stadien des Ösophaguskarzinoms werden entweder durch eine lokale endoskopische Therapie (EMR = endoskopische Mukosaresektion; ESD = endoskopische Submukosa-Dissektion) oder durch eine limitiert-radikale Operation (OP nach Merendino) behandelt.
Die weitaus häufigeren fortgeschrittenen Karzinome werden heute üblicherweise mit einer Kombination aus präoperativer Strahlen-Chemotherapie (neoadjuvante Therapie) und nachfolgender radikaler Operation behandelt. In einer Reihe von Studien konnte nachgewiesen werden, dass diese Strategie zu einer signifikanten Verbesserung der Heilungschancen gegenüber einer alleinigen chirurgischen Therapie ohne entsprechende Vorbehandlung führt (The Lancet Oncology 2015).
Operationstechnik bei Speiseröhrenkarzinom
Für viele Patienten mit einem Karzinom der Speiseröhre bedeutet die
radikale chirurgische Entfernung des Tumors zusammen mit den benachbarten
Lymphknoten die einzige realistische Chance auf Heilung. Wie gut diese Chance
ist, hängt letztendlich von einer Reihe individueller Parameter (Grösse und
Ansprechen des Tumors auf die neoadjuvante Therapie, Anzahl der tumorbefallenen
Lymphknoten) ab. In Abhängigkeit von diesen Faktoren variiert die
krankheitsspezifische 5-Jahres-Überlebensrate zwischen 25% und über 90%.
Die von uns als Standardeingriff durchgeführte Operationstechnik wurde
im Jahre 1946 von dem englischen Chirurgen Ivor Lewis erstmals beschrieben (British Journal of Surgery 1946) und sieht die Entfernung der Speiseröhre zusammen mit den umliegenden
Lymphknoten über einen rechtsseitigen Brustkorbzugang vor. Der hierbei
entstandene Defekt wird mit Hilfe des zu einem Schlauch umgewandelten Magens
wieder überbrückt. Das Verfahren wurde über die Jahre technisch immer
weiter verbessert und kann heute auch über minimal-invasive Zugänge und in
geeigneten Fällen sogar mit einem Operationsroboter durchgeführt werden. In
spezialisierten chirurgischen Abteilungen ist die Komplikationsrate dieser
Operation niedrig und die postoperative Lebensqualität erreicht bei etwa der
Hälfte der Patienten die von Gesunden (Langenbeck's Archives of Surgery 2013).
Unser Experte für
Tumoren der Speiseröhre (Ösophagus), Magenoperationen, Endokrine Chirurgie)
Umfassende Diagnose und Behandlung von Krankheiten des oberen Gastrointestinaltraktes (Speiseröhre, Magen und Duodenum) durch ein hochspezialisiertes Team von national und international bekannten Experten. Wir verfügen über langjährige chirurgische Erfahrung auf dem gesamten Spektrum bösartiger und gutartiger Krankheitsbilder der Speiseröhre und des Magens. Als Universitätsklinik ist uns zudem die rasche klinische Umsetzung von Innovationen aus der Forschung ein wichtiges Anliegen. Diesem Ziel dient ein grosses Angebot klinischer Studien zur Evaluation neuer Therapieansätze.
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Verantwortliche Kaderärzte
Prof. Dr. C.A. Gutschow
Dr. D. Vetter
Prof. Dr. M. Bueter, PhD
Sprechzimmer
UniversitätsSpital Zürich
Upper GI-Sprechstunde
Ambulante Disposition (AUFN A 370)
Rämistrasse 100
8091 Zürich
Kontaktadresse
UniversitätsSpital Zürich
Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie
Herr Samuel Nicolas Aemisegger (Clinical Male Nurse)
Rämistrasse 100
8091 Zürich