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Larry Hatheway, Group Chief Economist und Head of Investment Solutions bei GAM, wiegt die Pros und Contras von aktiven und passiven Anlagen ab.
26.07.2017, 12:20 Uhr
Redaktion: jho
Die Dynamik hinter den weltweit steigenden Aktienmärkten und höheren Anleihenrenditen lässt allmählich nach, da die Anleger ihre Erwartungen an ein stärkeres Wachstum und eine höhere Inflation zurückschrauben. Dies hat zur Folge, dass die breitere Marktrichtung die Anlageergebnisse in der zweiten Hälfte des Jahres 2017 wohl kaum unterstützen wird. Deshalb hält es Larry Hatheway, Group Chief Economist und Head of Investment Solutions bei GAM, für wichtig, die Portfolioperformance durch Anlageansätze zu verbessern, die durch die Titelauswahl Renditen erzielen das heisst, auf ein aktives Management setzen.
Ab Mitte 2016 bis März dieses Jahres wurden die steigenden Aktienmärkte und Anleihenrenditen durch unvorhergesehen gute Konjunkturdaten und die Erwartung angetrieben, dass eine reflationäre Wirtschaftspolitik in den USA das nominale BIP stärken würde. Bis zum ersten Quartal dieses Jahres hatten die weltweiten Wachstumserwartungen jedoch den Höhepunkt überschritten und begannen sich abzuschwächen. Nachdem die Republikaner im März keine Einigung über die Gesundheitsreform erzielen konnte, wurde die herrschende Konsensmeinung hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit von Steuerreformen und fiskalischen Impulsen in den USA in Frage gestellt. Die Abschwächung des Kreditwachstums in China nahm den meisten Rohstoffmärkten den Wind aus den Segeln. Zuletzt rief der überraschende Rückgang der Gesamt- und Kerninflationsraten in den USA und in Kontinentaleuropa Zweifel am Tempo der geldpolitischen Anpassung in den USA und der Eurozone hervor.
Kurz gesagt wurde die Grundlage für weitere Gewinne bei den sogenannten "Reflation-Trades" in Frage gestellt, die die Performance von Multi-Asset-Portfolios in den letzten drei Quartalen angetrieben hatten, wodurch sich der Beitrag der Marktrichtung ("Beta") verringerte. Da die sogenannten indexabbildenden "passiven" Strategien ihre Renditen fast ausschliesslich durch die Partizipation am Trend erzielen, schwächte sich ihre Performance ab, da die Marktdynamik ins Stocken geriet.
Deshalb hält es GAM für angebracht, die Portfolioperformance durch aktiv gesteuerte Positionen zu verbessern. Dazu zählen ausgewählte Engagements in Schwellenländeraktien und auf Lokalwährungen lautenden Anleihen von Schwellenländern ohne Währungsabsicherung. Ausserdem bevorzugt GAM nachrangige Anleihen von Finanzunternehmen, am Sekundärmarkt gehandelte hypothekenbesicherte Wertpapiere sowie Multi-Asset-Target-Return-Strategien. Keine dieser Anlageformen wird über leicht zugängliche, kostengünstigere "passive" Ansätze angeboten.
Und was spricht nun für "passive" Anlagen?
Zunächst einmal glaubt Larry Hatheway, dass der Begriff "passive Anlagen" häufig falsch verstanden und missbraucht wird. Ein wirklich passiver Ansatz besteht in der Auswahl eines Instruments, mit dem der Anleger einem relevanten Index folgen kann, in der Regel zu geringen Kosten. In der ursprünglichen Form nutzten passive Anlagen börsennotierte Fonds (ETFs), die den nach der Marktkapitalisierung gewichteten Index einer bestimmten Anlageklasse, wie etwa Aktien oder Anleihen, nachbildeten.
GAM ist kein Befürworter passiver Anlagen im oben definierten Sinn. Das liegt zum Teil daran, dass die Märkte nach Meinung des Asset Managers nicht immer effizient sind und damit Chancen bieten, zusätzliche Erträge gegenüber einer indexabbildenden Strategie zu erzielen. Ausserdem macht sich Hatheway Sorgen, dass Anlagen, die sich rein nach der Marktkapitalisierung richten und andere Faktoren ausser Acht lassen, zu einer Fehlallokation des Kapitals führen, sowohl insgesamt als auch in Bezug auf die einzelnen Positionen.
In ihrer gebräuchlicheren (aber inkorrekten) Verwendung bezieht sich die Bezeichnung "passive" Anlagen häufig auf die Umsetzung von Anlagestrategien mithilfe von kostengünstigeren Anlageinstrumenten, hauptsächlich börsennotierten Fonds und Futures, aber nicht unbedingt zur Nachbildung einer Marktkapitalisierung. Da solche Ansätze in der Regel eindeutig aktive Anlageentscheidungen beinhalten zum Beispiel darüber, welche kostengünstigen Anlageinstrumente für Positionen in bestimmten Bereichen der Kapitalmärkte genutzt werden können , bevorzugt man bei GAM eine andere Bezeichnung. Statt "passiv" können diese Anlageentscheidungen als kostengünstiges aktives Management bezeichnet werden, was diesen Anlageansatz genauer beschreibt.
Bei GAM befürwortet man ein kostengünstiges aktives Management. Man nutzt regelmässig ETFs und Futures, wenn man der Meinung ist, dass ein Engagement in breiten Markttrends ("Beta") das beste Risiko-Rendite-Verhältnis bietet. Ausserdem glauben die GAM-Experten, dass Marktineffizienzen an Märkten mit hoher Kapitalisierung, wie dem S&P 500 weniger ausgeprägt sind. Deshalb realisiert GAM Engagements im breiteren Markt häufig über kostengünstige Fonds oder Futures, statt über einen Fonds von aktiven Managern. Oft ist es auch sinnvoll, ETFs für eine aktive Allokation unter verschiedenen Stilen (Faktorinvestments) oder Sektoren zu verwenden.
Um es auf den Punkt zu bringen: Im engeren Sinn des Begriffs investiert man bei GAM nicht passiv. Man befürwortet jedoch den Einsatz von kostengünstigen Anlageinstrumenten zur Umsetzung aktiver Anlageentscheidungen.
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