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GRETH SCHELL HISTORISCHES
Margaritha Schell
Zum Charakteristischen Bild der Zuger Fasnacht gehört die Figur der Greth Schell, begleitet von ihren Kumpanen, den Lölis. Bis in die aktuelle Zeit hinein dauert das Rätelraten um die Herkunft und Hintergründe der Figuren.
Als Vorbilder kommen zwei Frauen aus dem Geschlecht der Schell in Frage. Zwar dürfte die 1687 verstorbene Jakobea Schell, die mehr durch den Lebenswandel ihrer Ehegaten als durch ihre Person selbst bekannt wurde, nicht in den gewünschten Raster passen. Dies trifft dagegen weit eher für die Lehrerin Margaritha Schell zu, die 1740 in Zug verstorben ist.
«Hoor uf dä Zäh»
Sie war Lehrerin und gab als solche der Schulbehörde viel zu schaffen. 1717 wurden verschiedene Klagen, die Schule betreffend, vor den Stadtrat gebracht. Dieser ernannte einige Inspektoren, die dem Grunde der Überstände nachforschen sollten. Die Inspektoren berichteten «Sie hätten gesehen, dass Margaretha Schell zum höchsten Schaden und wider das jüngste Verbot sich erfreche, die Jugend im Schreiben und Lesen zu instruieren.». Der Rat beschloss daraufhin eine Revision des Schulwesens und verordnete gleich als ersten Punkt, dass Margaritha Schell Knaben unter Androhung von Geld- und Turmstrafe nicht mehr instruieren dürfe. Diese Anordnung hat nicht viel gefruchtet, denn abermals musste der Rat einschreiten und Margaritha massregeln. Sie gab nicht auf und hatte wahrlich «Hoor uf dä Zäh». Aus dieser Sicht darf Margaritha Schell durchaus als Pionierin der modernen Schulerziehung angesehen werden.
(Bildquelle: Getty Image/Campwillowlake)
Burschikos anmutend
Margaritha Schell war das, was man heute als «Original» zu bezeichnen pflegt. Einzelne Charaktereigenschaften mögen so ausgeprägt gewesen sein, dass Sie durch Überlieferungen in verfremdeter Form der Nachwelt erhalten geblieben sind. Demnach gilt die Greth Schell als eine burschikos anmutende Ehefrau, die jeweils zu später Stunde ihren trink- und weinseligen Mann in einem Tragkorb von der Wirtschaft nach Hause gebracht hat. Die Diskrepanz zwischen der Greth als Figur und Margaritha Schell erwächst aus dem Umstand, dass die Lehrerin Margaritha Schell unverheiratet geblieben ist.
Hüterin des Brauches
Belegt ist, dass der Greth Schell-Brauch gegen Ende des 19. Jahrhunderts verwahrloste und sich die Kostüme in einem schlechten Zustand befanden. Das aktive Zunftmitglied Ferdinand Müller orientierte am Vorbott vom 9. Januar 1887 über den möglichen Ankauf der Greth-Schell-Figuren. Auf Antrag der Zunftmitglieder Kaspar Fridlin und Jakob Bossard stimmte das Hauptbott der Zunft der Schreiner, Drechsler und Küfer der Stadt Zug am 14. Februar 1887 dem Ankauf der gesamten Ausrüstung der Greth Schell-Gruppe zu.
Der Greth-Schell Brauch
Beim Greth Schell-Brauch handelt es sich um eine sehr alte Tradition. Deutungen hierzu gibt es mehrere. Die reale Version besagt, dass sich hinter der Figur der Greth Schell die Zuger Lehrerin Margaretha Schell (1672-1740) verberge, die als Schulmeisterin in der Stadt zwischen 1717 und 1722 mindestens zweimal durch den Rat von Zug wegen Zuwiderhandlungen gegen das Gesetz verwarnt wurde.
Ein Vergleich mit der in Zug bekannten Figur der Greth, die in einem Tragkorb ihren betrunkenen Mann nach Hause schleppt, zeigt eine wichtige Diskrepanz, da die Lehrerin Margaretha Schell unverheiratet war. Es ist demnach möglich, dass sich hinter der Symbolfigur der Greth noch andere Träger dieses Namens verbergen könnten, deren Lebenswandel eher auf die Gestalt der Korbträgerin passen könnten.
32 Franken und 80 Centimes
Der Kauf kam durch Bezahlung eines Barbetrages in der Höhe von 32 Franken 80 Centimes und die Aufnahme einer verzinslichen Anleihe von 150 Franken bei der Creditanstalt Zug zustand. Da vom Vorjahr noch ein Überschuss zu verwerten war, beantragte Mitmeister Christian Luthiger, am Nachmittag des Hauptbottes 1888 die Masken laufen zu lassen und die Kinder mit allerlei Esswaren zu beschenken. So erlebte die Stadt Zug am 13. Februar 1888 erstmals einen durch die Zunft der Schreiner, Drechsler und Küfer veranstalteten Greth-Schell-Umzug. Schon 1889 konnte die Zunft dank einer positiven Finanzlage die Anleihenschuld bei der Creditanstalt künden.
Seither ist die Schreinerzunft die Hüterin und Wahrerin dieses Brauches.