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Der Anführer
Der international bekannte Mönch, Mystiker und Philosoph Swami Omkarananda war (und ist) das geistige Oberhaupt des Divine Light Zentrums, kurz DLZ. Der gebürtige Inder kam Ende der 60er Jahre auf Einladung einer Yogalehrerin in die Schweiz und bezeichnete sich selbst nicht als Guru, sondern als «Diener der Menschheit». Von seinen Anhängern wurde er als «göttliches Licht» verehrt. Sie kamen aus verschiedenen Glaubensrichtungen und erwarben nach und nach diverse Liegenschaften im Winterthurer Quartier «Brühlberg».
Das Attentat
Ein schwelender Konflikt zwischen den DLZ-Anhängern und den Brühlberg-Bewohnern eskalierte in der Nacht vom 7. auf den 8. Oktober 1975. Vor dem Haus des damaligen Zürcher SVP-Regierungsrats Jakob Stucki explodierte eine Bombe. Weitere Bomben waren gelegt, zündeten aber nicht. In der gleichen Nacht war auch ein Anschlag auf einen Winterthurer Rechtsanwalt geplant - doch auch hier versagten die Bomben. Swami Omkarananda galt als Drahtzieher. Er und seine Anhänger wurden in der Folge teilweise zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt.
Die Farbe Blau
Die Fassaden der DLZ-Häuser wurden von den Mitgliedern der spirituellen Gemeinschaft blau gestrichen - ein Erkennungszeichen. Aufgrund dessen wurden die Mitglieder des DLZ oft einfach nur als «die Blauen» bezeichnet. Das Divine Light Zentrum zog auch grosse Namen an – zum Beispiel den langjährigen Chef des ersten Aluminiumwerks in Europa, der «Alusuisse». Emanuel Meyer finanzierte die Glaubensgemeinschaft in Winterthur massgeblich mit.
Die Glücksformel
«Friede, Freude, Kraft» - so lautet die Glücksformel der Glaubensgemeinschaft. Hinduistisches Gedankengut wird mit Inhalten der Bibel vermischt, Yoga und Meditation spielen eine zentrale Rolle. Die Anhänger des Divine Light Zentrums ernähren sich streng vegetarisch und verzichten strikt auf Sex und den Konsum jeglicher Drogen (Tabak und Alkohol inbegriffen). Es gibt für sie keine Trennung von Arbeit und Freizeit.
Die Giftpralinen
Schon bald nach der Gründung des Vereins kam es zu Streitereien mit der Anwohnerschaft in Winterthur. Lärm und auch der himmelblaue Anstrich der Häuserfassaden hatten zu zahlreichen Klagen geführt. Der Konflikt spitzte sich immer weiter zu und nahm zeitweise absurde Dimensionen an. Lügen, Anzeigen, Giftpralinen, Säureattacken, schwarze Magie – die Liste der gegenseitigen Vertreibungsversuche ist lang.
Das Nachspiel
Die Anhänger des Divine Light Zentrums waren und sind bis heute von der Unrechtmässigkeit der Verurteilungen überzeugt. Sie werfen den Behörden einen Komplott vor. Der Fall wurde Ende der 90er Jahre erneut aufgerollt. Der Schlussbericht dieser Untersuchung stellte Unregelmässigkeiten fest, da die Angeklagten vor Gericht nicht über verdeckte Ermittlungen informiert worden waren. Doch die Hauptvorwürfe wurden nicht bestätigt.
Noch heute gibt es das Divine Light Zentrum in Winterthur. Die Gemeinschaft umfasst noch rund 30 Personen, deren Umfeld im Besitz diverser Liegenschaften sind, auch ausserhalb der Stadt Winterthur. Die Mitglieder betreiben weiterhin Meditationen, hören die Predigten ihres geistigen Lehrers auf Tonbändern und pflegen eine friedliche Nachbarschaft mit den Bewohnern des Quartiers. Doch bis heute gibt es Fragezeichen, viele Wunden sind noch nicht verheilt – ob es jemals Antworten geben wird? Wir vermuten: Zumindest nicht solche, die alle Seiten zufriedenstellen.
Der neue fünfteilige SRF-Podcast «Himmelblau – Leben am Limit» erzählt die ganze Geschichte. Eine Geschichte über eine gespaltene Gemeinschaft und die Angst vor dem Fremden. Eine Geschichte, die sich überall wiederholen könnte. Auch heute.