Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03472.jsonl.gz/1335

Die Augenlinse (Phakos)
Die Augenlinse (lat. phakos) ist eine transparente, doppelkonvexe Struktur im Auge, die sich hinter der Pupille befindet. Sie spielt eine entscheidende Rolle bei der Fokussierung von Lichtstrahlen auf der Netzhaut, um ein klares und scharfes Bild zu erzeugen.
Die Augenlinse besteht hauptsächlich aus einer elastischen, gelartigen Substanz, die als Linsenkern bezeichnet wird. Sie wird von einer dünnen, elastischen Kapsel umgeben. Die Linsenform kann sich verändern, indem sie flacher oder dicker wird, um die Brechung des Lichts anzupassen und die Fokussierung auf unterschiedliche Entfernungen zu ermöglichen. Dieser Vorgang wird als Akkommodation bezeichnet.
Bei einer normalen Sicht ist die Augenlinse entspannt und flach, um das Licht von fernen Objekten zu fokussieren. Durch den Augeninnendruck und die Kontraktion des Ziliarmuskels wird die kugelförmige Form abgeflacht, daher der Name "Linse". Wenn wir jedoch auf nahe Objekte schauen, ziehen sich die Muskeln in der Nähe der Linse zusammen, was zu einer Verdickung der Linse führt. Dies erhöht die Brechung des Lichts und ermöglicht eine klare Sicht auf nahe Objekte.
Die Augenlinse ist Bestandteil des dioptrischen Apparates des Auges und eines der wichtigsten optischen Elemente des Auges. Sie spielt eine wesentliche Rolle beim Sehprozess. Zusammen mit der Hornhaut und der Form des Augapfels trägt die Linse dazu bei, das einfallende Licht zu brechen und auf der Netzhaut ein scharfes Bild zu erzeugen, das dann von den Sinneszellen im Auge wahrgenommen und an das Gehirn weitergeleitet wird.
Aufbau der Augenlinse
Die Funktion der Augenlinse ergibt sich aus zwei Besonderheiten:
- Als durchsichtige Sammellinse kann sie das Licht umlenken. Das nennt man auch "Licht brechen".
- Die Brennweite der Augenlinse ist dynamisch anpassbar, indem ihre Form durch Muskelkraft verändert wird.
Im entspannten Zustand ist die Linse im Zentrum etwa 4 mm dick, ihre Ausdehnung beträgt etwa 6 - 8 mm. Diese Werte ändern sich, wenn sie sich durch Kontraktion des Ziliarmuskels in Richtung einer Kugelform ausdehnt.
Die Augenlinse wiegt etwa 1,7 Gramm. Sie besteht aus dem sog. Linsensack (eine Art durchsichtiger Haut), der mit einer gelartigen Flüssigkeit gefüllt ist - so ähnlich wie ein mit Wasser gefüllter durchsichtiger Luftballon. Normalerweise würde sich die Linse in alle Richtungen gleichmäßig kugelförmig ausdehnen. Sie ist jedoch an ihrem Äquator an den sog. Zonulafasern aufgehängt, die wiederum an dem Ziliarmuskel befestigt sind, der sich kreisförmig um die Augenöffnung legt.
Die Linse im Zentrum des Sehens
Die Augenlinse hat einen entscheidenden Anteil daran, dass man Dinge scharf sehen kann. Dafür muss das Licht, das ins Auge eindringt, auf einen möglichst kleinen Punkt gebündelt werden, die sog. "Gelbe Fleck" (Makula) oder auch Fovea. Das ist eine Stelle auf der Netzhaut des Auges, an der die Sinneszellen, die das Licht in Nervenimpulse umwandeln, besonders dicht gedrängt sind. Das Auflösungsvermögen ist also an dieser Stelle besonders hoch - man kann die Dinde, deren Lichtstrahlen dorthin projiziert werden, besonders scharf erkennen.
Die dioptrische Wirkung der Augenlinse ist also von ihrer Form abhängig, die durch Muskelkraft aktiv verändert werden kann. Man nennt diesen Vorgang Akkommodation.
Akkommodation - Nahsicht und Fernsicht
Wenn der Ziliarmuskel entspannt ist, sind die Zonulafasern straff gespannt - dadurch wird die Linse in eine längliche Gestalt gezogen. Die Brechkraft ist dann optimal für die Fernsicht.
Um auf Nahsicht umzuschalten, muss sich der Ziliarmuskel anspannen. Dann deht sich der Muskel ringförmig in Richtung Augenlinse aus, wodurch die Zonulafasern entspannt werden. Die Augenlinse wird nicht mehr in die Länge gezogen, sondern dehnt sich in Richtung einer Kugelgestalt aus. Dadurch werden Lichtstrahlen von Dingen im Nahbereich auf die Makula projiziert.
Im Gegensatz zu einer festen Linse, die immer die gleiche dioptrische Wirkung hat, ist die Augenlinse also für das "Scharfstellen in verschiedenen Sehdistanzen geeignet. Je nachdem, in welcher Entfernung sich die anvisierten Dinge befinden, schaltet der Ziliarmuskel automatisch auf Nah- oder Fernsicht.
Alterssichtigkeit
Unglücklicherweise verfestigt sich die Augenlinse im Laufe des Alters - mit der Folge, dass sie ihre Flexibilität verliert. Sie dehnt sich daher nicht mehr von alleine zur Kugelform aus, auch wenn sich der Ziliarmuskel fest anspannt (der Muskel drückt die Linse nicht in ihre Form, er kann sich also noch so sehr anstrengen - Wenn die Linse erst mal innen dickflüssig ist, macht sie sich nicht mehr von sich aus breit).
Dieser Verlust an Elastizität bewirkt, dass man im Alter nicht mehr im Nahbereich scharf sehen kann. Diese verminderte Akkommodationsfähigkeit des Auges nennt man auch Alterssichtigkeit ( Presbyopie)
Wie alle Fehlsichtigkeiten, die auf einem dioptrischen Verlust basieren, kann man auch die Alterssichtigkeit mithilfe vorgesetzter Linsen ausgleichen. Eine Lesebrille oder Lesehilfe (Fertiglesebrille) korrigiert die Alterweitsicht.
Auch mithilfe des modernen Augenlaserns kann man wieder zu alter Sehkraft kommen: Dabei wir die Hornhaut an einigen Stellen etwas abgetragen, wodurch die Brechkraft des Auges optimiert wird.
Grauer Star (Katarakt)
Beim Grauen Star (sog. Katarakt) trübt sich die Flüssigkeit in der Augenlinse langsam ein. Dieser Prozess verläuft kaum merklich über Jahre, und viele Betroffene merken es anfangs gar nicht. Im Grunde ist fast jeder mensch betroffen - entsprechend ist die Operation eines Grauen Stars die am häufigsten durchgeführte Operation in Deutschland.
Bei der Katarakt-OP wird die verfestigte, klumpenartige Füllung im Linsensack zerkleinert und abgesaugt. Anschließend wird eine künstliche Linse (sog. Linsenimplantat) eingesetzt. Die Betroffenen schwärmen davon, dass es sei, als würden die grauen Vorhänge aufgezogen.
Siehe auch: