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Geschichte
Als älteste Universität der Schweiz blickt Basel auf eine reiche und faszinierende Geschichte von über 550 Jahren Lehre und Forschung zurück.
Die Universität wurde am 4. April 1460 mit einem Gottesdienst im Basler Münster eröffnet. Sie erlebte von Beginn an eine dynamische Entwicklung: Schon im ersten Jahr nach der Eröffnung verzeichnete die Universitätsmatrikel Basel 226 Studenten und Dozenten. Heute zählen die sieben Fakultäten der Universität Basel rund 13’000 Studierende und über 350 Professorinnen und Professoren.
Von vier auf sieben Fakultäten
Von Anfang an bildeten vier Fakultäten die grundlegende Organisationsstruktur: die Theologische, die Juristische, die Medizinische sowie die Artistenfakultät (septem artes liberales), die später in die Philosophische Fakultät überging. Die Aufgabe der Artistenfakultät bestand darin, Grundwissen zu vermitteln und auf ein Studium in Theologie, Jurisprudenz und Medizin vorzubereiten.
Während sich die Gliederung in vier Fakultäten in den ersten Jahrhunderten kaum änderte, kam es im 19. Jahrhundert zu einer zunehmenden Ausdifferenzierung, die 1937 zur Gründung der Philosophisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät führte. Die Philosophisch-Historische Fakultät umfasste weiterhin ein breites Spektrum an geistes-, kultur- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen, bis sich 1997 die Wirtschaftswissenschaften als eigenständige Fakultät konstituierten. 2003 wurde schliesslich der Fachbereich Psychologie zur Fakultät erhoben.
Perioden der Prosperität und der Stagnation
In den über 550 Jahren ihres Bestehens erlebte die Universität Basel immer wieder Zeiten des Aufbruchs und Zeiten tiefer Krisen. Auf die erfolgreiche Gründungsphase folgten erste Auseinandersetzungen um die Kosten und das universitäre Modell, an dem sich Basel ausrichten sollte. Probleme stellten sich auch im Rahmen des Beitritts Basels zur Eidgenossenschaft 1501, der mit einem Rückgang der Immatrikulationen einherging.
Die Reformationszeit wurde für die stark geistlich geprägte Institution zu einer Belastungsprobe. Das Kollegium war zunehmend in Anhänger und Gegner der Reformation gespalten. Die Konflikte eskalierten, sodass sich 1528 nur noch ein einziger Student an der Universität immatrikulierte. Dennoch wurde der Universitätsbetrieb nie ganz eingestellt. So fand 1531 an der Medizinischen Fakultät die erste öffentliche anatomische Sektion statt, mit der die lange Erfolgsgeschichte der Basler Anatomie begründet wurde. In der Folge gewann die Universität dann gerade durch ihre relative konfessionelle Offenheit an internationaler Ausstrahlung.
Ort der kulturellen Reflexion
Seit der Gründungszeit zeichnete sich die Universität auch als Ort der kulturellen Reflexion aus. Wesentlich dazu beigetragen haben der Buchdruck und die seit dem 15. Jahrhundert wachsenden universitären Sammlungen, die den Grundstock für die international bekannte Museenlandschaft der Stadt bilden. Zahlreiche Gelehrte wie Erasmus von Rotterdam, die im Laufe der Zeit in Basel tätig waren, prägten den Universitätsstandort und verhalfen der Stadt zum Ruf eines Zentrums des Humanismus. Dies zeigen die wertvollen historischen Bestände der Universitätsbibliothek, die heute zu den grössten Bibliotheken der Schweiz zählt.
Aufhebung der Universität zur Debatte
Im 17. und 18. Jahrhundert gab das gespannte Verhältnis zwischen Universität und Obrigkeit wiederholt Anlass zu Diskussionen. Im Zug von Revolution und Helvetik kam es zu einer weiteren Existenzkrise, in der die Aufhebung der Institution Universität diskutiert wurde. Die Krise konnte 1818 zunächst durch eine Reorganisation überwunden werden, bei der die Universität ihre letzten Privilegien einbüsste und dem Staat unterstellt wurde.
Die Teilung des Kantons Basel von 1833 und die damit verbundene Vermögensteilung zwischen Stadt und Land bedeutete für die Universität eine enorme Herausforderung. Sie konnte dank des aussergewöhnlichen Einsatzes der Basler Bürgerschaft gemeistert werden.
Traditionell breites Fächerangebot
Wissenschaftlich war die Universität seit ihren Anfängen durch die Breite ihres Fächerangebots gekennzeichnet. Hervorragende Leistungen in den unterschiedlichsten Gebieten trugen über die Jahrhunderte zum Ruf der Universität bei, den es im globalen Wettbewerb zu bewahren gilt.
Dabei spielen die Naturwissenschaften, die seit dem 19. Jahrhundert an Bedeutung gewonnen haben, eine wesentliche Rolle. Schon im 17. Jahrhundert war die Universität Basel mit den berühmten Mathematikern und Physikern der Familie Bernoulli eine Wegbereiterin dieser Entwicklung. Heute sind besonders die Life Sciences einer der Schwerpunkte der Forschung und haben für die Region eine enorme wirtschaftliche Bedeutung.
Starkes Wachstum im 20. Jahrhundert
Das 20. Jahrhundert stand im Zeichen des Wachstums, auch wenn die beiden Weltkriege die Universität Basel vor politische und gesellschaftliche Herausforderungen stellten. Mit der Öffnung der Wissenschaft über Studierende und Forschende hinaus leistete die Universität Innovatives. Schon 1919 wurde eine Volkshochschule gegründet, die heute als eigenständige Einrichtung funktioniert. 1997 wurde die Senioren-Universität eingeführt und 2004 die Kinder-Uni eröffnet.
Nur verzögert wurden hingegen Frauen an der Universität Basel vorgelassen: Das Frauenstudium konnte erst 1890 durchgesetzt werden. 1928 wurde erstmals eine Frau als Privatdozentin zugelassen und 1964 die erste Frau zur ordentlichen Professorin berufen. Heute stellen die Frauen rund 54 Prozent der Studierenden.
Das letzte Viertel des 20. Jahrhunderts war von Diskussionen über eine Rücknahme des staatlichen Einflusses zugunsten einer stärkeren universitären Autonomie geprägt. Dies führte zu einem institutionellen Wandel, an dem sich die Universität selber stark beteiligte. Die Hochschule gewann an Eigenständigkeit gegenüber den staatlichen Trägern, was ihr Verhältnis zu Staat und Gesellschaft veränderte. Mit dem Staatsvertrag von 2007 erweiterte sich die Trägerschaft auf die beiden Kantone Basel-Stadt und Baselland, die seither die Universität paritätisch tragen.
Parallel dazu erfuhr die Universität eine markante innere Dynamisierung, die sich in neuen Fachbereichen und Fakultäten, einer Neugestaltung des Studiums gemäss der Bologna-Reform und in erweiterten Kooperationen mit anderen Hochschulen ausdrückt.
Wer mehr über die Geschichte der Universität Basel erfahren möchte, findet ausführliche Informationen und Materialien auf der Website zur Universitätsgeschichte: http://www.unigeschichte.unibas.ch/
Chronologie
Erweiterung der Universitätsbibliothek um 2700 Bücher aus den ehemaligen Klosterbibliotheken