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Sebastian Münster (1488-1552), der deutsche Theologe und Humanist veröffentliche 1544 nach 18jähriger Arbeit mit seiner Cosmographia ein monumentales Renaissance-Werk. Er hatte dazu die verschiedensten Quellen benutzt; einerseits waren dies griechische und lateinische Autoren wie Herodot, Strabo und Titus Livius, anderseits italienische, deutsche und Schweizer Historiker wie Marcantonio Sabellico, Beatus Rhenanus, und Aegidius Tschudi. Ebenso holte Münster seine Informationen vor Ort ein und sammelte Augenzeugenberichte, die er wie historische Tatsachen behandelte.
Tafel 8: Die erst tafel des Rheinstroms/ in der vergriffen wirt die Eidgenossenschaft/das Elsass und Brisgoew
Die Cosmographia war ein grosser Erfolg. Die erste Übersetzung in die lateinische Sprache von 1550 gilt als die vollständigste und hat heute grossen Seltenheitswert. Von 1552 bis 1558 folgten Übersetzungen ins Französische, Englische, Tschechische und Italienische. Das Werk galt als die modernste und vollständigste enzyklopädische Abhandlung der Zeit und erreichte in den folgenden 84 Jahren noch über 35 Auflagen.
Ungefähr die Hälfte der Cosmographia ist germanischen Völkern gewidmet, unter denen die Schweizer einen besonderen Platz einnehmen. Sebastian Münster befasste sich speziell mit der lokalen Geographie und Geschichte, bezog aber auch volkskundliche und anthropologische Aspekte mit ein.
Die Biographen bezeichnen Münster als Pionier auf dem Gebiet der Anthropologie, denn er beschrieb Sitten und Bräuche, Kleidung, Ernährungs- und Verhaltensweisen, sowie die Charaktere der Einwohner verschiedener Länder und verglich diese miteinander.
In der Cosmographia bezieht sich Münster eher beiläufig auf die Alpen, deren Grösse ihn nach einer Reise in den Kanton Wallis und einer Bergwanderung sehr beeindruckt hatte. Münster arbeitet einen Zusammenhang zwischen der Natur und dem Charakter der Bergbevölkerung heraus. So schildert er die Schweizer dem steilen, kalten und beinahe vegetationslosen Gebirge entsprechend als ernsthaftes, mutiges Volk, welches um seine Rechte und Freiheiten kämpft. Diese Sicht kommt auch in der Beschreibung der Geburt der Eidgenossenschaft zum Ausdruck, wo Münster aufzeigt, wie sich die Schweizer ihre Unabhängigkeit vom „Römischen Reich Deutscher Nationen“ erkämpft hatten.
Link:
Münsters Cosmographia im Bibliothekskatolog (mit Link zur online Version)
Literatur zu Sebastian Münsters Leben und Werk: