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Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen (GER) ist ein europaweit anerkanntes Raster, welches die kommunikativen Kompetenzen einer Person in einer Fremdsprache beschreibt. Man unterscheidet sechs Niveaus von Sprachkompetenzen: elementare (A1, A2) – selbständige (B1, B2) – kompetente (C1, C2).
Einen GER-zertifizierten Sprachstand brauchen Personen etwa, wenn sie bestimmte Ausbildungsgänge besuchen, die Einbürgerung beantragen, in anderen europäischen Ländern arbeiten möchten ... Auch für die Vergleichbarkeit von diversen Sprachkursangeboten, für die Gestaltung der Lehrpläne, die Ausarbeitung der Curricula usw. dient das Raster zur Orientierung.
Ein Manko des bestehenden Rasters ist seine Begrenzung auf gesprochene Sprachen. Die vielen europäischen Gebärdensprachen, wie sie Gehörlose nutzen, sind damit nur teilweise zu erfassen. – Hier setzt unser Projekt an.
Ziel ist es, für den Bereich "Textualität", also das Lesen und Schreiben, in den kommunikativen Kompetenzen in Gebärdensprachen ein geeignetes Raster zu entwickeln, welches gut differenzierbare Sprachkenntnisstufen beim Lernen von Gebärdensprachen als Fremdsprache charakterisieren.
Weil Gebärdensprache keine Schriftsysteme haben, sind neue Herangehensweisen nötig: Statt Verschriftungen nutzen Gehörlose andere Medien, insbesondere Videoaufzeichnungen, um die Flüchtigkeit der Face-to-face-Kommunikation zu überwinden und einen Vortrag, eine Geschichte, eine Erklärung, eine künstlerische Darbietung etc. zu fixieren und weiterzugeben. In diesen Aufzeichnungen treten die Merkmale, die für geschriebene Texte und Textsorten gelten, ebenfalls zutage: Der Begriff „Textualität“ bezieht sich damit nicht mehr auf Schrifttexte, er wird modalitätsunabhängig und ergibt sich aus den Beschreibungskategorien (Inhaltliche Gliederung, Kohärenz, Adressatenorientierung ...) selbst