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Brian Auger: „Verrückt ohne Musik“
Von Silvan Gertsch | 28. Juli 2009 | 0 Kommentare
Letzte Woche trat die Hammond-Legende Brian Auger beim Festival „Am Schluss“ in Thun auf. Im Interview blickt er zurück auf seine Karriere.
Den Grundstein für Ihre Karriere legten Sie bereits in jungen Jahren.
Brian Auger: Das stimmt. Im Alter von drei Jahren spielte ich zum ersten Mal Piano – Pianola, um genau zu sein. Das erste Stück, das ich lernte, war wahrscheinlich Rossinis Ouvertüre zu Wilhelm Tell. Mein ältester Bruder besass viele amerikanische Jazz-Platten. So kam ich mit der Musik von Leuten wie Duke Ellington, Fats Waller und Benny Goodmann in Berührung. Später kamen John Coltrane und Miles Davis dazu. Diese Musik spielte ich mit meinen ersten Bands in Pubs.
Und dann kam der grosse Auftritt des Organisten Jimmy Smith?
Genau. Er spielte ein Konzert in London. Mir gefiel sein Sound so gut, dass ich mir eine Hammond-Orgel kaufte. Das veränderte mein Leben und war auch der Grund dafür, wieso ich um die ganze Welt reisen durfte.
1965 gründeten Sie die Band Steampacket zusammen mit Long John Baldry, Julie Driscoll und Rod Stewart. Wie kam es zur Gründung?
Die Band gründeten John und ich. Julie lernte ich bei der Arbeit kennen. Mit ihr bin ich noch heute in Kontakt. Rod lebt in Los Angeles, aber wir sind eigentlich nie sehr gut miteinander ausgekommen. John brachte ihn in die Band, als Rod noch unbekannt war. In England gab es zu dem Zeitpunkt kein vergleichbares Line-Up. Wir waren unglaublich erfolgreich. Das Problem war, dass wir alle unterschiedliche Manager hatten, die sich nicht einigen konnten, wo wir unsere Musik rausbringen sollten. Deshalb haben wir nie ein Album veröffentlicht.
Aber es existieren doch sicher noch Songs aus dieser Zeit?
Ich habe viel Material gesammelt. Das wird als „The Real History of the Band“ veröffentlicht. Das wird ein Super-Package, dem ich auch viele Fotos hinzufügen werde. Die Fotografie war eines meiner grossen Hobbies. Deshalb existieren aus dieser Zeit noch viele unveröffentlichte Bilder. Sobald ich ein Label gefunden habe, wird das Material veröffentlicht.
Zu einem späteren Zeitpunkt hatten Sie nochmals Probleme mit einem Manager. Als Sie mit ihrer damaligen Band Trinity von einer US-Tournee zurück kamen, übergab er Ihnen eine Rechnung anstatt Lohn.
Das war 1969. Lächerlich. Julie und ich hatten einen gemeinsamen Manager, Gomelsky. Der verliess uns nach vier Jahren und hinterliess uns kein Geld. Ich musste bei meinen Freunden in Chelsea Geld ausleihen, damit ich meine Band aus den Staaten nach Europa zurück fliegen lassen konnte. Wie dem auch sei. Das ist längst Geschichte.
Wollten Sie damals aufhören, Musik zu machen?
Nein. Musik ist etwas, das mich mein ganzes Leben begleitet hat. Mit der Musik aufzuhören, stand zu keinem Zeitpunkt zur Debatte. Ich würde verrückt werden. Über die Jahre wurde ich immer enthusiastischer. Erst mit der Zeit realisierte ich, welchen Effekt Musik auf ein Publikum hat. Man nimmt die Konzertbesucher mit auf eine Reise und kommuniziert mit ihnen. Das ist Unterhaltung.
Dann tourten Sie mit der Band Oblivion Express, mit der Sie auch heute wieder unterwegs sind. Was sind die grössten Unterschiede?
Wir spielen heute mehr Funk. Ich habe vieles ausprobiert: Rock, Jazz, Funk-Jazz. Und dann musste ich feststellen, dass mir Funk am meisten zusagt. Vor zehn Jahren stiess meine Tochter Savannah zur Band. Bis zu dem Zeitpunkt fragten mich viele Leute, wieso ich die alten Hits nicht mehr spiele. Damals hatte ich immer die Ausrede, dass ich keine Sängerin in der Band hatte. Da meine Tochter als Sängerin einstieg, hatte ich auf einmal keine Ausrede mehr und begann diese Songs wieder ins Programm aufzunehmen. Unsere Arrangements sind auch moderner geworden. Auch wenn natürlich die jazzigen Elemente nicht zu kurz kommen.
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