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Mit künstlichen Eisbergen das Trinkwasser schützen
Wenn die Gletscher schmelzen, wird in vielen Regionen auch das Trinkwasser knapp. Künstliche Eisberge – sogenannte «Ice Stupas» – könnten einen Beitrag zum Schutz des Trinkwassers leisten. Der Energie- und Umwelttechnik-Student Pascal Meinen optimierte die Technik zum Bau der Ice Stupas.
Sie erinnern an einen magischen Eispalast: Tatsächlich verzauberten die Ice Stupas bei Pontresina letzten Winter zahlreiche Besucherinnen und Besucher. Die begehbaren Skulpturen aus Eis haben aber einen ernsthaften Ursprung: Sie wurden im Indischen Ladakh erfunden, um die Wasserknappheit im Frühling zu bekämpfen. Gletscher stellen im trockenen Hochtal die einzige Wasserquelle dar. Durch den Klimawandel haben die sich aber soweit zurückgezogen, dass den Bauern im Frühjahr das Wasser fehlt, um ihre Felder zu bewässern.
Das Prinzip der künstlichen Eisberge ist simpel: Schmelzwasser fliesst durch eine Rohrleitung talwärts. Durch den Höhenunterschied entsteht ein Druck, mit dem das Wasser in eine vertikale Lanze gepumpt wird. An der Spitze der Lanze sprudelt das Wasser heraus, wie bei einem Springbrunnen. Die feinen Wassertropfen lagern sich auf einem groben Gerüst aus Weideästen ab und gefrieren an der kalten Luft. Im Laufe der Zeit entstehen Eiskegel – ähnlich wie die kegelförmigen buddhistischen Kultbauten, die sogenannten Stupas. Im Frühling schmilzt das Eis langsam und versorgt die Bauern kontinuierlich mit Wasser.
Ein Symbol gegen die Gletscherschmelze
Die Idee begeisterte Felix Keller, Glaziologe an der Academia Engadina. Zusammen mit dem Architekten Conradin Clavout und Studenten der Höheren Fachschule für Tourismus Graubünden baute er vor zwei Jahren im Val Roseg die erste Ice Stupa ausserhalb Ladakhs. Im letzten Winter initiierte er gar den Bau eines ganzen Ice Stupa Village beim Bahnhof Morteratsch. «Ice Stupas sind bei uns primär Kommunikationsinstrumente, um auf die Themen Wasser und Gletscherschwund aufmerksam zu machen», erklärt der Glaziologe, «der Morteratsch-Gletscher verliert jährlich Eis im Ausmass von etwa 15’000 Ice Stupas». Wassermangel könnte also auch im Engadin ein Thema werden.
Den Gletscher künstlich beschneien
Seine Erkenntnisse könnten aber auch in der Schweiz von Nutzen sein: Felix Keller will in den nächsten Jahren einen Teil des Morteratsch-Gletschers systematisch beschneien. Die dünne Schneeschicht soll das Licht der Sommersonne reflektieren und so den Gletscher vor dem Abschmelzen schützen. Berechnungen zeigen: Wird zehn Prozent der Gletscheroberfläche im Sommer am richtigen Ort schneebedeckt gehalten, würde der Morteratsch-Gletscher in zehn Jahren wieder zu wachsen beginnen. Auch hier soll die potentielle Energie des Wassers aus einem höhergelegenen Gletschersee genutzt werden. Vorerst lässt Felix Keller weiter Ice Stupas wachsen. Mit den Optimierungen von Pascal Meinen könnten die künstlichen Eisberge dieses Jahr noch grösser und prachtvoller werden.