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Reisen
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- Erstellt: 26. Juni 2016
Meine Geburtstagsreise führe uns vom 17. bis 21. Juni 2016 in den hohen Norden nach Island. Ein Direktflug brachte uns am Freitag von Zürich nach Reykjavik. Für das verlängerte Wochenende hatten wir ein Auto gemietet um wenigstens einen Teil der grossen Insel besichtigen zu können. Island ist mit 100'000 km2 der zweitgrösste Inselstaat Europas, die grösste Vulkaninsel der Welt und befindet sich knapp unterhalb des nördlichen Polarkreises. Mit dem Auto braucht man ca. eine Woche um die Insel zu umrunden. Soviel Zeit hatten wir nicht weshalb wir uns auf die Hauptstadt und den Golden Circle beschränkten.
Nachdem wir unser Appartement in der Innenstadt gefunden hatten, gab es am Freitagabend noch genug Zeit um einen ersten Erkundungsrundgang in Raykjavik zu machen.
Raykjavik ist die am nördlichsten gelegene Hauptstadt der Welt und mit 200'000 Einwohnern eher klein. Der Name bedeutet auf Isländisch 'Rauchbucht' und rührt vermutlich von den Dämpfen der heißen Quellen in der Umgebung her. Die Stadt wurde im Jahr 870 vom Wikinger Ingolfur Arnarson erstmals besiedelt. Wie üblich, warf er die Holzstützen seines Hochsitzes von Bord und liess sich dort nieder wo die Bretter angeschwemmt wurden. Diese Stützen finden sich heute im Stadtwappen wieder.
Die Innenstadt hat einen dörflichen Charakter der durch kleine Holzhäuser geprägt ist, die mit buntem Wellblech verkleidet sind um das Holz vor den nordatlantischen Wetterbedingungen zu schützen. Es gibt jedoch moderne Neubauten die durch ihre eigenwillige Architektur Akzente setzen. Das Wahrzeichen der Stadt ist die Hallgrimskirkja, die aus hellen Betonsäulen errichtet wurde und an eine Rakete erinnert. Das Innere ist hell und schlicht gehalten und beherbergt eine grosse Orgel des Bonner Orgelbauers Johannes Klais.
Erwähnenswert ist das Konzert- und Konferenzhaus Harpa, dass 2013 den Mies-von-der-Rohe-Preis für zeitgenössische Architektur erhielt. Das Besondere an der 'Harfe' ist seine wabenartige Glasfassade die je nach Lichteinfall eine andere Stimmung widerspiegelt. Zuerst von der Bevölkerung kritisiert, steht das Gebäude heute für die städtebauliche Zukunftsorientiertheit Raykjaviks. Es macht Spass durch die Haupthalle der Harpa zu wandeln und die gebrochenen Ausblicke auf Stadt und Umland durch die Glaswaben zu bewundern.
Ein weiteres Highlight der Stadt ist der Wasserspeicher Perlan. Auf den ersten Blick erinnern die sechs riesigen Wasserbehälter an Öltanks in einem Petroleumhafen. Allerdings wurde auf die Tanks eine Plattform mit einer grossen Halbkugel (Perle) gebaut, die die einzelnen Tanks zu einem Gesamtgebäude vereint. Perlan versorgt die Stadt mit geothermischem Warmwasser. Davon gibt es so viel, dass im Winter damit die Strassen geheizt werden können. Die Kuppel enthält ein Drehrestaurant und bietet von seiner Hügellage eine gute Aussicht über die Stadt.
Den Samstag nutzten wir für eine Inselrundfahrt auf dem Golden Circle. Diese eintägige Rundfahrt führt zu drei bekannten Sehenswürdigkeiten Islands. Zuerst erreicht man die ehemalige Thing-Stätte Þingvellir im gleichnamigen Nationalpark. Hier stossen die nordamerikanische und die europäische Kontinentalplatte aneinander und bilden ein magisches Landschaftsbild. Vielleicht deshalb befindet sich hier seit dem Jahr 930 einer der ältesten Volksversammlungen der Welt, das Althing.
Weiter ging es zum Hochtemperaturgebiet Haukadalur. Hier gibt es, was man von Island erwartet: Geysire. Durch verschiedene Mineralien beeinflusst, zeigt sich hier der Boden in diversen Farben. Die Geysir-Tümpel sind unterschiedlich in ihrer Aktivität. Der Strokkur bricht - sehr zur Freude der Besucher - ca. alle 10 Minuten aus und schiesst eine schwefelige, kochende Wasserfontäne 30 Meter in die Höhe. Kleiner Geysire auf dem Gebiet blubbern träge vor sich hin und brechen selten bis nie aus. Mit dem Grossen Geysir ist das so eine Sache; mal bricht er aus, mal nicht. Falls es geschieht, kann er eine Fontäne bis zu 140 Metern in den Himmel schiessen. Es lohnt sich aber nicht darauf zu warten, weil zwischen den Ausbrüchen auch schon mal 100 Jahre vergehen können. Während unseres Besuchs war von ihm nur ein grauer Wassertümpel zu sehen. Dafür liess sich der Strokkur nicht bitten. Innerhalb einer Stunde sahen wir ihn drei- bis viermal ausbrechen.
Im weiteren Verlauf der Tour gelang man zum eindrucksvollen Wasserfall Gullfoss. Hier fliessen die gewaltigen Wassermassen des Flusses Hvita in zwei Stufen (11 und 21 Meter) mit einem Versatz von 90 Grad in die Tiefe. Etwas später kommt man zum Vulkankratersee Kerio zu dem man steil hinabsteigen kann. Aufgrund des einsetzenden Regen haben wir uns diese Kletterpartie gespart. Stattdessen fuhren wir weiter zum Geothermalkraftwerk Hellisheiðarvirkjun. In der Ausstellung erfuhren wir wie aus tiefen Bohrlöchern der heisse Wasserdampf gewonnen und über Turbinen die Generatoren zur Stromerzeugung der Insel antreibt.
Der Sonntag verlief aufgrund des schlechteren Wetters etwas ruhiger. Ein schöner Spaziergang am äussersten Zipfel der Raykjavik Halbinsel mit vielen Entenfamilien an einem steinigen und fast menschenleeren Strand, danach ein Rundgang um den Golfplatz der Stadt sowie die Besichtigung der Wikingerschiffplastik an der Uferpromenade. Später genossen wir den teuersten Döner unseres Lebens (20 Euro) und am Abend das EM-Spiel 'Schweiz-Frankreich (0:0)' in einem Bierpub. Auf Island zur Mittsommerzeit kann es nicht schaden eine Uhr zu tragen, da es 24 Stunden lang taghell ist.
Am Montag traten wir ganz früh morgens die Rückreise an. Der Flug führte über den Nordatlantik oberhalb von Schottland vorbei um dann gegen Süden Richtung Dänemark abzubiegen. Doch halt; kurz vor Norwegen bog der Flieger plötzlich Richtung Nordosten ab und die Anzeige auf den Monitoren zeigten als Zielort 'Bergen' anstatt 'Zürich' an. Kurze Zeit später kam die Erklärung vom Pilot: wegen ungeplantem Kerosinverlust muss eine Notlandung auf dem nächstgelegenen Flughafen stattfinden, nämlich Bergen in Norwegen. Die Landung verlief völlig normal trotzdem wir auf dem Flughafen von einer Feuerwehrbrigade eskortiert wurden (eine reine Sicherheitsmassnahme; bei Spritproblemen weiss man ja nie, ob die Kiste nicht doch in Flammen aufgeht).
Im Flughafengebäude herrschte dann die grosse Unsicherheit: fliegen wir heute noch weiter? Evtl. über Kopenhagen? Kommt ein Techniker aus Oslo um die Maschine zu reparieren? Müssen wir hier übernachten? Fragen über Fragen. Da Icelandair in Bergen kein Personal hat, wurde die gesamte Kommunikation von einer SAS-Angestellten durchgeführt, die nach einigen Stunden entnervt aufgab und auf das Callcenter der Isländischen Fluggesellschaft verwies. Nur wer dort anrief, erfuhr wie die Weiterflüge ablaufen sollten. Einige Zeit später war klar, dass wir am nächsten Tag nach Stockholm in Schweden weiterfliegen würden. Da es in Flughafennähe keine Hotelzimmer mehr gab, entschlossen wir uns auf eigene Faust ein Zimmer in der Stadt Bergen zu buchen. Bekannterweise gehört Norwegen nicht zu den Billigländern, so dass wir für 500 Euro ein Business Class Zimmer im Radisson Blue buchen mussten.
Schlussendlich war das die richtige Entscheidung, da wir statt eines langweiligen Flughafenhotels am Abend den Fischerhafen von Bergen-Bryggen besichtigen konnten. Wir gönnten uns direkt am Hafen zwei leckere Königskrabbenbeine und konnten die schönen bunten Holzhäuser von Bryggen anschauen. Am nächsten Tag flogen wir nach Stockholm, wo uns strahlender Sonnenschein empfing. Da wir erst vor zwei Jahren die Stadt besuchten, entschlossen wir uns für einen Besuch in 'unserem' Loungeclub Josefina wo wir den Nachmittag bei einer gepflegten Flasche Sauvignon Blanc.
Am Abend flogen wir ohne weitere Zwischenfälle zurück nach Zürich wo wir mit 36 Stunden Verspätung gegenüber unserer eigentlichen Reiseplanung ziemlich erschöpft ankamen.
Fazit
- Island ist eine Reise wert - Raykjavik weniger
- Nimm ein dickes Portemonnaie und warme/wasserdichte Kleidung mit
- Miete ein Auto und lass dich von der unendlichen Weite des Nordlandes verzaubern
- Nutze die Gelegenheit und erweitere deine Islandreise zu einer kleinen Skandinavien Rundfahrt