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Greinacher-Preis 2010 geht an Andreas Nyffeler
Der Physiker Andreas Nyffeler hat das Magnetfeld eines Elementarteilchens berechnet und ist dabei einem folgenreichen Vorzeichenfehler auf die Spur gekommen. Diese Entdeckung ist von zentraler Bedeutung für die Grundlagenphysik. Am 3. November wird Nyffeler an der Universität Bern dafür mit dem Preis der Heinrich-Greinacher-Stiftung geehrt.
Der mit 20'000 Franken dotierte Preis der Heinrich-Greinacher-Stiftung geht an Dr. Andreas Nyffeler. Der Preisträger erhält den zum sechsten Mal verliehenen Preis für seinen fundamentalen Beitrag zur Theorie des so genannten anomalen magnetischen Moments – eines Teils des Magnetfelds – des Myons und für seinen beispielhaften Einsatz für die Grundlagenphysik. Nyffeler hat an der Universität Bern studiert und promoviert, und an verschiedenen renommierten Forschungsinstituten für Elementarteilchenphysik in den USA, Deutschland, Frankreich und der Schweiz gearbeitet. Heute ist er am Harish-Chandra Research Institute in Allahabad, Indien, tätig.
Im Jahr 2001 untersuchte Nyffeler mit Mitarbeitenden in Marseille die so genannte «hadronische Licht-an-Licht-Streuung», wie also Licht mit anderen Teilchen (Hadronen) wechselwirkt. Diese Wechselwirkung ergibt einen kleinen Beitrag zum Magnetfeld des Myons. Dabei fand Nyffeler einen Vorzeichenfehler in früheren Rechnungen anderer Forschungsgruppen.
Das anomale magnetische Moment des Myons war kurz zuvor experimentell sehr genau gemessen worden. Dabei wurde festgestellt, dass der theoretisch berechnete Wert sich erheblich von dieser Messung unterscheidet. Nyffelers neue Berechnung führte dazu, dass die theoretischen Vorhersagen im Standardmodell der Elementarteilchenphysik und die experimentellen Messungen besser übereinstimmen. Die Präzision in Experiment und Theorie ist dabei so hoch, dass es beim anomalen magnetischen Moment des Myons auf die 9. Stelle nach dem Komma ankommt. Vergleiche von theoretischen Rechnungen mit experimentellen Ergebnissen sind von zentraler Bedeutung für die Grundlagenforschung in der Physik. Abweichungen zwischen Theorie und Experiment haben in der Vergangenheit öfters entscheidend zu neuen Modellen der Grundlagenphysik und der Naturwissenschaften geführt.
Zugunsten des Forschungsnachwuchses
Die Heinrich-Greinacher-Stiftung, die ihren Sitz in Bern hat, wurde im Jahr 1988 gegründet. Sie beruht auf dem Nachlass von Frieda und Heinrich Greinacher. Zweck der Stiftung ist es, die Zinserträge des Stiftungskapitals für den Greinacher-Preis sowie für die Unterstützung von in- und ausländischen Nachwuchsforschenden zu verwenden. Der Preis geht an Forscherinnen und Forscher, die in Bern Physik studiert haben oder längere Zeit am Physikalischen Institut der Universität Bern tätig waren. Heinrich Greinacher (1880-1974) war von 1924 bis 1952 Professor für Physik und Institutsdirektor an der Universität Bern. Mit geringen Forschungsmitteln entwickelte er verschiedene Instrumente, die später entscheidend zu bahnbrechenden Erfolgen in der Kernspaltung und der Elementarteilchenphysik beigetragen haben.
01.11.2010