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Paratexte der Kirchenväter-Editionen im Basler Humanismus
Das vorliegende Projekt (kurz Praefationes-Projekt) besteht in der Erschliessung der Vorworte zu den lateinischen Ausgaben der Opera omnia spätantiker christlicher Autoren, welche in Basel von den Anfängen des Buchdrucks bis zur Einführung des Index librorum prohibitorum (1559) erschienen sind. Ausgeschlossen sind Nachdrucke von Ausgaben anderer Herkunft mit ihren Vorworten. Die genannten räumlichen und zeitlichen Grenzen sind aus kulturhistorischen Gründen und im Hinblick auf die Projekt-Gesamtlaufzeit von drei Jahren festgelegt worden.
Ziel des Projektes ist eine Edition der Praefationes mit Übersetzung und knappen philologischen und historischen Anmerkungen. Die Arbeit wird von zwei MitarbeiterInnen durchgeführt.
Die geplante Untersuchung stellt Paratexte (vgl. Genette 1987, 11; Stanitzek 2007) in den Mittelpunkt, die üblicherweise am Rande der erwähnten Editionen stehen und auch in der Forschung eine relativ marginale Rolle gespielt haben. Sie sind aber programmatische Texte von besonderer Relevanz, denn in textinterner Hinsicht liefern sie Leseanweisungen für die darauffolgenden Werke und Informationen über deren Überlieferung und inhaltliche Bedeutung; in textexterner Hinsicht bieten sie Einblicke in die Entstehungsumstände der patristischen Ausgaben und verorten sie im kulturhistorischen Zusammenhang des mitteleuropäischen Humanismus. Vielfach sind sie auch der Platz, an dem der Herausgeber sowohl die Wahrnehmung seiner eigenen Rolle in der Gelehrtenwelt als auch seine intellektuellen und religiösen Überzeugungen zum Ausdruck bringt. Zudem sind die Vorreden im 16. Jh. gerade dank dem Buchdruck zu einem beliebten Mittel der literarischen und theologischen Debatte auf internationaler Ebene geworden.
Insofern öffnet das Praefationes-Projekt neue wichtige Forschungsperspektiven sowohl für die Rezeptionsgeschichte der spätantiken Literatur als auch für die Literatur-, Theologie- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit. Ausserdem ordnet es sich in die aktuelle Paratextforschung ein, welche die spezifische Rolle und die Merkmale der Vorreden beleuchtet.
Für die Durchführung dieses Projektes erweist sich der Standort Basel wegen seiner reichen Frühdruckbestände als besonders geeignet. Daher setzt die Basler Latinistik ihren Schwerpunkt nicht nur in der Antikenrezeption, sondern auch in der Erschliessung lateinischer Texte des oberrheinischen Humanismus. Interdisziplinäre Anknüpfungen an die Forschung im Fach Geschichte der Renaissance und Kirchengeschichte sind gegeben.