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Einst galten die Golden Globes im Januar als zuverlässiger Indikator dafür, wer bei den kurz darauffolgenden Oscars im Februar zu den Favoriten gezählt werden durfte. Von diesem Nimbus ist einiges verloren gegangen.
Nachdem im vergangenen Jahr die «Los Angeles Times» die Ergebnisse einer investigativen Recherche veröffentlichte, wurden den Veranstaltern der Globes Intransparenz, Bestechung und Rassismus vorgeworfen. Unter anderem fand man heraus, dass sich unter den 87 Mitgliedern der Hollywood Foreign Press Association (HFPA), welche die Preise vergibt, kein einziger Schwarzer befand.
Ausserdem machte stutzig, dass viele Mitglieder der Jury überhaupt keine Filmjournalisten waren und sie auch sonst keine Referenzen im Bereich Film und Fernsehen vorzuweisen hatten.
Der Sender NBC sagte deshalb die TV-Übertragung für 2022 ab, viele Stars übten heftige Kritik, Firmen setzten die Zusammenarbeit aus.
Inzwischen hat die Organisation versucht, sich von Grund auf zu reformieren. Ein Diversitätsberater wurde eingestellt, ein neuer Vorstand gewählt, die Mitgliedschaft vergrössert.
Trotz den Bemühungen ist die Akzeptanz in der Szene aber noch nicht auf dem früheren Niveau. Für die Show in der Nacht auf Montag in Hollywood wollten nach wie vor ein paar der wichtigsten Namen mit Abwesenheit glänzen. So kam die verschärfte Situation mit Omikron den Veranstaltern wohl schon fast gelegen.
Statt bei einer pompösen Gala wurden die Gewinnerinnen und Gewinner in diesem Jahr über Twitter aus einem Zimmer im Ballsaal des Beverly Hilton Hotels verkündet. Auch auf ein Streaming der Veranstaltung wurde verzichtet.
Und das wäre ihr Preis gewesen: Abräumer des Abends waren mit je drei Globes «Succession» sowie der Western «The Power of the Dog». Ebenfalls drei Golden Globes holte die Neuauflage von «West Side Story» von Steven Spielberg. Dort hat die Schauspielerin und Sängerin Rachel Zegler den Golden Globe als Hauptdarstellerin in einer Komödie/Musical gewonnen.
«Succession» ist eine düstere Satire über den familiären Machtkampf in einem Medienkonzern und hat wie bereits im letzten Jahr den Preis als beste Dramaserie gewonnen.
Der Western «The Power of the Dog» hat den Golden Globe als bestes Filmdrama gewonnen. Er setzte sich unter anderem gegen Kandidaten wie «Belfast» und «Dune» durch. Regisseurin Jane Campion holte damit auch den Regie-Globe.
Weitere Preisträger sind Kate Winslet mit «Mare of Easttown», Nicole Kidman mit «Being the Ricardos» und Will Smith als «King Richard». Oh Young-Soo erhielt einen Globe als bester Nebendarsteller in der Netflix-Serie «Squid Game».
Andrew Garfield hat den Golden Globe als Hauptdarsteller in einer Komödie/Musical gewonnen. Er überzeugte in dem Musicalfilm «Tick, Tick...Boom!» von Regisseur Lin-Manuel Miranda.
Beste Hauptdarstellerin in einer Dramaserie wurde MJ Rodriguez in «Pose» über die Ballroom-Szene im New York der 1980er-Jahre. Mit Rodriguez Auszeichnung gab es den ersten Golden-Globe-Triumph für einen Transgender-Star.
Bei den Comedyserien siegte «Hacks» über die Arbeits-Freundschaft einer alternden Las-Vegas-Entertainerin mit ihrer jüngeren Gag-Autorin.
Star-Komponist Hans Zimmer gewann eine weitere Golden-Globe-Trophäe. Der gebürtige Frankfurter holte mit seiner Komposition für das Science-Fiction-Drama «Dune» den Preis in der Sparte «Beste Filmmusik». Zwei Globes hat er schon, 1995 für «König der Löwen», 2001 für «Gladiator».
Und auf das Comeback dieser Zeiten hoffen auch die Organisatoren wieder. Der Boykott sei recht hart gewesen, aber die HFPA stehe nun viel besser da. «Auf jeden Fall sind wir zuversichtlich, dass wir 2023 für unser 80. Jubiläum wieder eine Gala haben.»