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KarlBorromäus,Graf von, Urenkel von Harrach 3), geb. studierte in
Wien
[* 9] die
Rechte und zugleich
Medizin, erregte die
AufmerksamkeitJosephs II. und ward
Regierungsrat in
Prag. NachJosephsTod legte er diese
Stelle nieder, nahm
das Johanniterkreuz, da der
Widerstand der Eltern seinen Heiratsplan durchkreuzt hatte, und ging auf
Reisen, wo
er mit den
hervorragendsten Geistern verkehrte, um sich in der
Heilkunde auszubilden, promovierte 1803, nachdem er in
Wien seine fachmännische
Ausbildung beendigt hatte, und übte 25 Jahre unentgeltlich seine
Kunst daselbst aus. Überaus thätig
als
Freund der
Armen bewies er sich besonders in den Unglücksjahren 1805 und 1809, während sein
Haus der Sammelplatz aller
berühmten Reisenden und
Gelehrten war. Ein vielseitig gebildeter, auch mit orientalischen
Studien befreundeter Humanist, starb
er in
Wien.
Ferdinand, Graf von, Maler der Landschaft und des historischen Genres, geb. 1832 zu Rosnochau (Regierungsbezirk
Oppeln), studierte in Berlin Philosophie und Jura, trieb eine Zeitlang landwirtschaftliche Studien und ging erst Ende der
50er Jahre nach Weimar, wo er sich zehn Jahre lang unter Kalckreuth, Ramberg und Pauwels der Malerei widmete
und sich zu einem ausgezeichneten Koloristen heranbildete. In seinen Bildern ist gewöhnlich der Landschaft und den Figuren,
die meist eine historische Genrescene darstellen, welche wohl an lebhafter dramatischer Bewegung zu wünschen übrig läßt,
gleiche Bedeutung beigelegt.
Dahin gehören aus seiner ersten Zeit bis etwa 1870: Heinrich der Vogelsteller, KaiserMax auf der Martinswand, Gemsjagd, schottische
Fischerfamilie und Überfall Luthers auf seiner Rückkehr von Worms. Eine zweite Periode seiner Thätigkeit veranlaßte der
deutsch-französische Krieg, an welchem er, wie vorher am österreichischen Krieg, teilnahm. Die Früchte dieses
Feldzugs waren die Bilder: aus den Weinbergen von Wörth und vorgeschobener Posten am Mont Valérien, beide wegen ihres Kolorits
und ihrer feinen malerischen Behandlung sehr bewundert;
ebenso künstlerisch interessant sind der Brief Napoleons an König
Wilhelm nach der Schlacht bei Sedan und Moltke vor Paris (1876).
Als dritter Kreis seiner Stoffe folgten
diesem zweiten einige Bilder romantischen und biblischen Inhalts: Seekönigs Tod, das allerdings nur durch pikanten Beleuchtungseffekt
bedeutende Opfer Abrahams, die den Hirten verkündete Geburt Christi und die Verleugnung Petri. 1880 hatte er auf der Berliner
Ausstellung ein treffliches Porträt des ehemaligen Ministers v. Varnbüler. H. lebt in Berlin,
ist Ritter des preußischen Kronenordens dritter Klasse, des sächsischen Falkenordens erster Klasse und seit 1873 Mitglied
der Akademie.
altes böhm. Adelsgeschlecht, welches 1550 und 1552 den Freiherrenstand, 1559 das
Erblandstallmeisteramt in Osterreich ob der Enns, 1624 dasselbe auch unter der Enns sowie 1627 den Reichsgrafenstand erlangte
und 1752 Sitz auf der schwäb. Grafenbank erhielt, weshalb ihm auch durch Beschluß des DeutschenBundes vom der
TitelErlaucht zuerkannt worden ist. – Während
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die böhm. Linien des Geschlechts, das bereits in Urkunden des Stifts Hohenfurth aus dem 13. Jahrh. mehrfach erwähnt wird,
allmählich ausstarben, nahm es in den deutschen Erdlanden einen großen Aufschwung, besonders als es sich mit der Erwerbung
der Herrschaft Rohrau 1527 in Niederösterreich festsetzte. – Der FreiherrKarl vonHarrach (1570–1628),
der in österr. Interesse mehrere wichtige diplomat. Missionen ausgeführt hatte und Geheimrat Kaiser Ferdinands II. war,
wurde von diesem 1627 in den erblichen Reichsgrafenstand erhoben.
Von seinen Töchtern vermählte sich Elisabeth mit Albrecht von Wallenstein, Maximiliana mit GrafAdam Terzky. Sein ältester
Sohn, Ernst Albrecht von Harrach (1598–1667), war Kardinal und Erzbischof zu Prag, seit 1665 auch Fürstbischof
zu Trient,
[* 21] und machte sich in der Geschichte der böhm. Unruhen bekannt. Von seinen Brüdern stiftete Karl Leonbard die 1886 erloschene
Linie Rohrau (Fideikommiß seit 1628), OttoFriedrich die Linie zu Brück an der Leitha. Des letztern Sohn, Ferdinand Bonaventura
von Harrach (geb. gest.
der Vertraute KaiserLeopolds, wurde 1697 als außerordentlicher Gesandter an den span. Hof geschickt, wo er sich bemühte,
die Nachfolge der österr.
Obschon Vertrauensmann der Kaiserin Maria Theresia, stand er als einflußreiches Mitglied des österr.
Adels in Opposition gegen ihre aristokratischen und centralistischen Absichten in Bezug auf die Organisierung und Verwaltung
des Reichs. Er starb 1749 als letzter böhm. oberster Hofkanzler. – GrafKarl Borromäus von Harrach, ein Urenkel des GrafenAloysL.Th. Raymund von Harrach, geb. studierte in Wien die Rechte und nebenbei Heilkunde, erregte durch
seinen lebhaften Geist die AufmerksamkeitJosephsII. und wurde znm Regierungsrat in Prag ernannt.
Nach JosephsTode legte er dies Amt nieder, trat in den Johanniterorden und ging auf Reisen, um sich in der Arzneiwissenschaft
auszubilden.
Nachdem er 1803 die mediz. Doktorwürde erlangt, übte er 25 Jahre lang in Wien unentgeltlich die Heilkunde aus. 1806 trat
er in den DeutschenOrden
[* 27] über und leitete seit 1814 das Elisabethinerinnenspital in Wien, dem er auch sein ganzes Vermögen
hinterließ. Er starb zu Wien. – Sein älterer Bruder, GrafJohannNepomuk Ernst von Harrach, geb.
gest. seit 1779 Regierungsrat, seit 1785 Wirkl.
Reichshofrat unter KaiserJosephII., machte sich als Freund von Kunst und Wissenschaft sowie als Förderer der Linnen- und
Eisenindustrie auf seinen Gütern verdient. Die Tochter seines jüngsten Bruders, des Grafen Ferdinand von
und seiner ersten Gemahlin Christine, geborenen Freiin Raysky, Gräfin Auguste von Harrach, geb. lernte in Teplitz der
König von Preußen, Friedrich Wilhelm III., kennen, der sich zu Charlottenburg
[* 28] morganatisch mit ihr vermählte und
ihr an demselben Tage den Titel einer Fürstin von Liegnitz und Gräfin von Hohenzollern
[* 29] verlieh.
Sie starb zu Homburg.
[* 30] Ein Neffe derselben, Graf Ferdinand von Harrach (s. d.), geb.
hat sich als Maler rühmlichst bekannt gemacht. – Der älteste Sohn des 1884 gestorbenen GrafenFranz von Harrach, GrafJohannNepomuk von Harrach, geb. jetziges Haupt der jüngern (Brucker) Linie sowie seit dem 1886 erfolgten Erlöschen der ältern
Linie Erbe von Rohrau und Chef des Gesamthauses, erbliches Mitglied des österr. Herrenhauses, Magnat in Ungarn und k. k. Geheimrat,
ist ein eifriger Anhänger der Czechen, legte aber wegen der Fortschritte des Jungczechentums 1893 sein
böhm. Landtagsmandat nieder.
Denn nun folgten nach abermaligem Aufenthalt in Italien (1872-73) die drei Bilder: Aus den Weinbergen von Wörth, Vorgeschobener
Posten am Mont-Valérien und General Reille überbringt am Abend der Schlacht von Sedan
[* 34] dem Könige von Preußen den Brief des
Kaisers Napoleon, welchen bald ein viertes: Moltke mit seinen Adjutanten in seinem Observatorium vor Paris,
[* 35] folgte. Darauf kehrte der Künstler wieder zu romantischen und religiösen Stoffen zurück, von welchen 1877 Des Seekönigs
Tod, 1878 Die Verkündigung an die Hirten und Das Opfer Abrahams, 1879 Die Verleugnung Petri (Museum in Breslau) und 1881 Die
Versuchung Christi sein Atelier verließen. In allen ist die landschaftliche Scene mit großen Beleuchtungseffekten
wesentlich. In vielen andern ist die Landschaft sogar überwiegend, wie im Abend am Thunersee (1881), in dem Übergang über
eine Lawine (1884) und in Abgestürzt (1886; Berliner Nationalgalerie). Seither ist er vorzugsweise als Maler von Bildnissen
thätig. Harrach ist seit 1873 Mitglied der BerlinerAkademie.
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