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Schwändi korrigierte. Die Wasserkraft des Sernf ist lange nicht in dem Masse in den Dienst der Industrie gestellt wie
diejenige der obern
Linth. Zwei einzige Etablissemente benutzen dieselbe, nämlich das mit einer
Säge verbundene kleine Elektrizitätswerk
in
Elm und die Weberei
Engi. Die Triebkraft für die
Spinnereiin Matt, die Weberei
Sernfthal in
Engi und die
Sernfthalbahn wird durch die grossen Seitenbäche des Sernf, den
Krauchbach und den
Mühlebach, geliefert. Ueber den Sernf
führen ausser einer Anzahl hölzerner
Stege und Brücken zwei steinerne Brücken, die alte malerische Engibrücke und die
bei Anlass des Baues der Sernfthalbahn neu erstellte Brummbachbrücke s.
Matt.
(Kt. Glarus).
2263-516 m. Rechtsseitiges, vom
Sernf durchflossenes Nebenthal des
Linththales. Es wird von der Bevölkerung
des Kantons Glarus
auch
Kleinthal genannt, im Gegensatz zum
Grossthal, dem s.
Schwanden liegenden Abschnitt des
Linththales. Es hat eine Länge
von 22 km und bildet einen auffällig regelmässigen halbkreisförmigen
Bogen um den O.-Fuss der Freibergkette
herum. Das Sernfthal ist nicht, wie manche andere Alpenthäler, in mehrere übereinanderliegende Thalstufen gegliedert, lässt
sich aber doch in drei deutliche Hauptabschnitte einteilen.
Der unterste, 5 km lange Abschnitt erstreckt sich von
Schwanden bis nach
Engi und stellt eine enge, im ganzen um 250 m
ansteigende Thalrinne von V-förmigem Querschnitt dar. Die steilen, von dunkeln Tannenwäldern bedeckten, aus rotem Verrucanokonglomerat
gebildeten Abhänge des
Gandstocks und des
Gufelstocks fallen mit gleichförmiger Böschung zum
Sernf hinunter. Bloss im mittleren
Teil dieses Thalabschnitts, beim
WeilerWart, weicht der Fuss der n. Thalwand etwas zurück, so dass hier
Raum für ein welliges Wiesengelände entsteht.
Bei der Engibrücke (770 m), dicht vor dem Dorfe
Engi, betreten wir den mittleren, 8 km langen und bis nach
Elm reichenden
Thalabschnitt. Statt der engen Waldschlucht sehen wir nun einen 300-500 m breiten, mit grünen
Wiesen bedeckten, ziemlich
flachen Thalboden vor uns, über den sich von beiden
Seiten her zahlreiche kleinere und grössere Bachschuttkegel
gelegt haben. Deren grösste sind diejenigen des
Mühlebaches bei
Engi, des
Krauchbaches und des
Berglibaches bei
Matt. Da die
Bäche in stabilem, bisweilen ziemlich stark eingeschnittenem
Bette über diese Schuttkegel hinweg liessen, tragen sie gut
gepflegte
Wiesen und Kartoffeläcker; auch die
Dörfer
(Engi und
Matt) und die zerstreuten
Weiler und
Höfe
stehen fast alle auf solchen Schuttkegeln.
Der Thalgrund wird auf beiden
Seiten bis auf 1300-1400 m
Höhe von steilen, bewaldeten und von Felsbändern durchzogenen, gleichförmig
geneigten Abhängen eingefasst, über denen dann mässiger steile, unregelmässig wellige, mit Alpweiden bedeckte
Terrassen gegen die Berggipfel ansteigen. Im dritten Thalabschnitt, der von
Elm (982 m) bis in den
Hintergrund des
Thales reicht,
wird die Thalsohle unregelmässiger. Auf dem rechten Ufer des
Sernf ist sie von einer Reihe von Bachschuttkegeln, auf dem
linken Ufer von hügeligen Moränenmassen bedeckt.
Dann geht sie allmählig in die Alpweiden über, die den Thalhintergrund erfüllen. Auf der
NW.-Seite
steigen die mit grünen
Alpwiesen und dunkeln
Wäldern bekleideten Abhänge mässig steil über das Thal empor; im S. und O.
dagegen bilden die wilden Felswände des
Vorab und des
Hausstocks einen imposanten Thalabschluss. Die Kammlinie der Freibergkette
hat von der
Sohle des Sernfthals einen Horizontalabstand von 3-4 km, während diejenige der Sardonakette,
die das
Thal im O. begrenzt, 5-8 km von ihr entfernt ist.
Daher ist auf der
O.-Seite mehr Raum für die Entwicklung von Seitenthälern als auf der W.-Seite. Von der Freibergkette her
steigen eine ganze Reihe von kurzen Seitenthälchen ins Sernfthal hinunter; sie münden meist mit einer
steilen, schluchtartigen Rinne aus und erweitern sich oben zu breiten, jedoch ziemlich steil ansteigenden, mit Alpweiden
und Heuwiesen bedeckten Mulden.
Von S. nach N. folgen der Reihe nach die von den rauhen Felsmauern des
Kärpfstocks überragten
Thälchen von
Erbsalp undBischofalp, die von den
Bleitstöcken heruntersteigenden Thälchen der
Embächlialp,
der
Kühbodenalp und der
Geissthalalp, das von
Berglihorn und
Karrenstock überragte Thälchen der
Berglialp und die vom
Gandstock
absteigende, unregelmässige Mulde der
Lauelialp, die jedoch zu wenig tief eingeschnitten ist, um ein Thal genannt werden
zu können. Die auf der rechtenSeite einmündenden Seitenthäler, nämlich das
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mehr
gegen den Panixerpass aufsteigende Thal der Jätzalp, das Raminthal, das Krauchthal und das Mühlebachthal, sind alle bedeutend
länger, besitzen darum auch ein mässigeres Gefälle und sind tiefer in den Gebirgskörper eingeschnitten; sie münden alle
mit engen Schluchten auf das Hauptthal aus. Dieses ist durch zahlreiche Passübergänge mit den benachbarten Thälern
verbunden. Ueber die Vorab-Sardonakette führen der Segnespass (2625 m) und der Panixerpass (2407 m) ins Bündner Vorderrheinthal
hinüber.
Die Berge, welche das Sernfthal einrahmen, sind an der Basis aus eozänen und oligozänen Schiefern und
Sandsteinen und aus Nummulitenkalkbänken, an den Gipfeln aus Verrucano aufgebaut, der von S. her über jene jüngern Gesteine
hinweggeschoben worden ist. Die Ueberschiebungsfläche liegt im S. in der Gipfelregion der Sardonakette, sinkt dann rasch
nach N. und NW., verschwindet dicht n. vom Dorf Engi unter der Thalsohle und tritt nahe bei Schwanden (bei
der Lokalität Lochseite) an den Ufern des Sernf für eine kurze Strecke nochmals zu Tage. So kommt es, dass im s. Sernfthal
die Berge von der Thalsohle bis in die Gipfelregion aus Flysch bestehen und nur auf den höchsten Gipfeln noch von Verrucano
gekrönt sind, während umgekehrt im N., zwischen Engi und Schwanden, die Thalwände ganz im Verrucano liegen. (Vergl. «Geologie»
in den Artikeln Kanton Glarus
und Sardonagruppe).
Dieses geologischen Aufbaues wegen bieten die Berghänge des Sernfthals einen ganz andern Anblick als diejenigen des Linththals
und der übrigen glarnerischen Alpenthäler. Statt der von schmalen Gesimsen oder breiten Terrassen unterbrochenen
steilen Kalkwände sehen wir hier gleichförmig geneigte, oft bis zum Gipfel mit Vegetation bedeckte Hänge, die von vielen
parallelen Runsenzügen durchfurcht sind. Am Vorab, wo zwischen dem Eozän und dem Verrucano eine mehrere hundert m mächtige
Malm- und Neokommasse auftritt, sehen wir die Erosionsformen des Flysch mit denjenigen des Kalkgebirges
kombiniert. Im Gegensatz zu andern Schiefergebieten fehlen dem Sernfthal verheerende Wildbäche; dafür entstehen an den langen,
gleichförmigen Berglehnen oft gefährliche Lawinen.
Die Weissenberge am Abhang des Gulderstocksob Matt sind die am höchsten gelegenen das ganze Jahr bewohnten Siedelungen des Kantons Glarus.
Abgesehen von dem im untersten Teil des Thales liegenden WeilerWart, der zur Gemeinde Sool und zur Kirchgemeinde Schwanden gehört,
bilden die Ortschaften des Sernfthals die drei Gemeinden Engi, Matt und Elm und die beiden Kirchgemeinden
Matt und Elm. Sie zählen im ganzen 2763 fast ausschliesslich reformierte Einwohner. Aus der Abgeschlossenheit des Thales erklärt
es sich, dass seine Bewohner hinsichtlich Sprache, Kleidung und Volkssitten manche Eigentümlichkeiten aus früherer Zeit
bewahrt haben.
Die Bevölkerung von Elm zeichnet sich durch hohen, kräftigen Wuchs aus. Die Bauern tragen hier auch
Sonntags den blauen oder grauen «Lismer», ein gestricktes Wams. Viehzucht
und Alpwirtschaft waren lange Zeit die einzige Erwerbsquelle der Bevölkerung des Sernfthals und spielen hier jetzt noch
eine wichtige Rolle, namentlich in Elm, dessen Rassenviehzucht berühmt ist. Seit Jahrhunderten trieben
die Elmer Bauern im Herbst ganze Herden
von Jungvieh über den «Bündnerberg» (Panixerpass) auf die tessinischen und oberitalienischen
Märkte.
Dieser Welschlandhandel hat jedoch in neuester Zeit der grossen Reisekosten und finanzieller Misserfolge wegen aufgehört.
Das Vieh wird jetzt auf die inländischen Märkte gebracht oder von den fremden Händlern an Ort und Stelle
aufgekauft. Die Alpen des Sernfthals liefern jährlich rund 40000 kg Käse, 60000 kg Zieger und 25000 kg Butter. Der Obstbau
ist im Sernfthal ohne Bedeutung, und der Ackerbau beschränkt sich auf den Anbau der Kartoffel. Kleine Kartoffelgärten fehlen
auch den höchst gelegenen Höfen nicht.
Die Industrie fand schon vor Jahrhunderten Eingang. Im 17. Jahrhundert beschäftigte die Wollweberei
und im 18. Jahrhundert die Baumwollspinnerei als Hausindustrie zahlreiche Hände. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts ging jedoch
diese Verdienstquelle verloren, und es herrschte bis gegen 1850 Not und Armut im Thale, namentlich in Engi, so dass zahlreiche
Einwohner sich zur Auswanderung nach Amerika entschlossen. Eine Periode neuen Aufschwungs begann mit
der Eröffnung der Baumwollwebereien in Engi (1852 und 1864), die jetzt etwa 330 Arbeiter beschäftigen und die Haupterwerbsquelle
dieses Dorfes bilden, und der Spinnereiin Matt (1867), die 80 Arbeiter zählt.
Die Tonschiefer des Sernfthales werden gegenwärtig in drei Bergwerken ausgebeutet. Deren ältestes liegt
s. Engi auf der W.-Seite des Thales. Es besteht schon seit Jahrhunderten und wird seit 1844 vom Kanton betrieben und heisst
darum der Landesplattenberg. Zwei andere Schieferbrüche sind in neuerer Zeit bei Elm am W.-Fuss der Vorabkette angelegt worden.
Der im Jahr 1870 eröffnete Schieferbruch am Tschingelberg veranlasste durch seinen unrichtigen Betrieb
den Bergsturz von Elm (1881) und ist im Jahr 1890 an der gleichen Stelle aufs neue in Betrieb gesetzt worden.
Alle Plattenberge des Sernfthales beschäftigen etwa 200 Arbeiter. Sie liefern in Engi vorwiegend Dachschiefer und Tischplatten,
in Elm mehr kleine Schiefertafeln. Die Schiefer von Engi schliessen eine interessante Fauna ein, von der
bisher 27 Fischarten, 2 Schildkröten und 2 Vögel bekannt geworden sind. Auch der Fremdenverkehr ist in neuerer Zeit für
das Sernfthal von ziemlicher Bedeutung geworden. Elm, dessen Umgebung durch einen reichen Wechsel von grossartigen und lieblichen
Landschaftsbildern ausgezeichnet ist und Gelegenheit zu vielen interessanten Hochgebirgstouren, lohnenden
Exkursionen und Passübergängen bietet, wird immer mehr von Touristen und Kurgästen aufgesucht und hat Aussicht, ein gut
besuchter Fremdenort zu werden.
Bis ins 19. Jahrhundert führte bloss ein holpriger Saumpfad von Schwanden auf dem linker Ufer des Flusses ins Sernfthal hinein.
Auf die wiederholten Petitionen der Sernfthalgemeinden beschloss die Landsgemeinde 1821 den Bau einer
Strasse von Schwanden bis Matt auf dem rechten Ufer des Sernf und 1835 die Fortsetzung derselben bis Elm. Das Teilstück Schwanden-Engi
wurde jedoch so planlos und unzweckmässig ausgeführt, dass man sich 1848 entschliessen musste, dasselbe durch eine neue
Strasse zu ersetzen.
Seit dem Bau der Eisenbahnlinie Glarus-Linthal (1879) strebten die Behörden und Industriellen des Sernfthales nach einer
Bahnverbindung mit dem Hauptthal. Die Landsgemeinde des Jahres 1892 erteilte dem Initiativkomite, das an der Verwirklichung
des Projektes arbeitete, die Konzession zur Benutzung der Landstrasse für eine elektrische Schmalspurbahn Schwanden-Elm und
für Verwendung der Wasserkraft des Sernf zwischen Engi und Wart. Allein langwierige Anstände zwischen
dem Sernfthal und der Gemeinde Schwanden wegen Benutzung dieser Wasserkraft verzögerten die Ausführung des Werkes.
Erst 1903 wurde es in Angriff genommen, nachdem man sich entschlossen hatte, für den Betrieb der Bahn die Wasserkraft des
Mühlebaches zu verwenden. Die Verbreiterung der Strasse erforderte auf der Strecke Schwanden-Engi ziemlich
umfangreiche Felssprengungen. Im August 1905 wurde die elektrische Bahn eröffnet. Ihre Erstellungskosten betrugen 1600000
Fr., woran der Kanton 750000 Fr., die drei Gemeinden 205000 Fr. und Private des Sernfthals 45000 Fr. à fonds perdu leisteten.
Das neue Verkehrsmittel wird für die wirtschaftliche Entwicklung des Sernfthals, namentlich auch für
die
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