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<h2>SubmittedText<h2><p>Nach dem Film "Tomorrow" steht die Permakultur plötzlich im Rampenlicht. Ziel dieser auf der Agrarökologie basierenden Anbaumethode ist es, die Natur nachzubilden, um das Potenzial von Ökosystemleistungen nutzen zu können. Die Permakultur stützt sich auf Praktiken wie den Damm oder den Etagenanbau, die Bodenbedeckung oder die Kompostierung. Pflanzenschutzmittel und Monokulturen sind nicht erlaubt. Vielmehr setzt man auf eine sinnvolle Kombination verschiedener Pflanzen. Es wird nicht mehr gepflügt, weniger bewässert und weniger Unkraut vernichtet. Eine dichte Bepflanzung und die Ausnutzung natürlicher Synergien führen zu erhöhter Produktivität bei gleichzeitiger Schonung der Umwelt. In den USA hat man die Produktivität des Dammanbaus genauer studiert und festgestellt, dass sich der Ertrag auf derselben Fläche durch Verdichtung und Bodenverbesserung um das Sechs- bis Achtfache steigern lässt. Eine 2015 durch das Nationale Institut für Agronomieforschung in Frankreich publizierte Studie hat ausserdem aufgezeigt, dass die Permakultur bereits ab 1000 Quadratmetern eine nachhaltige Nutzung mit angemessener Entlöhnung ermöglicht.</p><p>Die Umweltbelastung durch die Landwirtschaft ist in der Schweiz erheblich. Ausserdem ist Kulturland in einem bergigen und dichtbesiedelten Land ein seltenes und wertvolles Gut. Dies sind zwei Gründe, warum wir uns für die Permakultur, eine ökologische und zugleich äusserst produktive und selbst auf kleinen Flächen wirtschaftlich interessante Anbauweise, interessieren sollten.</p><p>Ich stelle dem Bundesrat daher die folgenden Fragen:</p><p>1. Welche Bedeutung kommt der Permakultur und der Agrarökologie in der schweizerischen Landwirtschaft zu? Wie bewertet der Bundesrat ihr Potenzial, insbesondere im Rahmen des Anbaus auf kleinen Flächen, der urbanen Landwirtschaft und des traditionellen Gemüseanbaus?</p><p>2. Existieren in der Schweiz Forschungsprojekte zu diesen Anbaumethoden, z. B. beim Forschungsinstitut für biologischen Landbau? Wenn ja, zu welchen Erkenntnissen ist man gelangt? Wenn nein, warum nicht?</p><p>3. Wie sieht das Bildungsangebot zur Permakultur in der Schweiz aus? Ist es ausreichend? Wird das Thema Permakultur in den traditionellen Lehrgängen zur Landwirtschaft und zum Gemüseanbau behandelt? Falls nicht, wäre es denkbar, Module zur Permakultur und zur Agrarökologie einzuführen?</p><p>4. Inwiefern ist es möglich, diese Praktiken im Rahmen unserer Landwirtschaftspolitik zu fördern? Welche Massnahmen müssten ergriffen und welche Bedingungen müssten geschaffen werden, um sie zu unterstützen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Agrarökologie ist ein vielseitig verwendeter Begriff. So bezeichnet Agrarökologie einerseits eine wissenschaftliche Disziplin, welche die Interaktionen zwischen landwirtschaftlichen Praktiken und den von den Ökosystemen erbrachten Leistungen erforscht. Andererseits werden unter dem Begriff landwirtschaftliche Praktiken subsumiert, welche die Umwelt schonen. Darüber hinaus wird unter demselben Begriff eine Bewegung verstanden, welche breite Ziele verfolgt wie Ernährungssicherheit oder -souveränität, aber auch ethische Aspekte wie faire Produktion. Auch im Begriff Permakultur schwingen diese drei Dimensionen mit. Permakultur kann als eine bestimmte Ausprägung von Agrarökologie verstanden werden, bei der die Konstruktion von sich selbst erhaltenden Kleinstökosystemen einen hohen Stellenwert einnimmt.</p><p>1./2. Agrarökologie spielt in der Schweizer Landwirtschaft eine zentrale Rolle und wird mit verschiedenen agrarpolitischen Instrumenten gezielt gefördert. Der ökologische Leistungsnachweis fordert von den Landwirtschaftsbetrieben unter anderem einen angemessenen Anteil an Biodiversitätsförderflächen, einen geeigneten Bodenschutz und eine geregelte Fruchtfolge. Mit Ressourceneffizienzbeiträgen werden agrarökologische Praktiken wie eine schonende Bodenbearbeitung direkt gefördert. Die verschiedenen Akteure der landwirtschaftlichen Forschung in der Schweiz arbeiten in zahlreichen Projekten daran, Grundlagen zu schaffen, dass die vorhandenen Potenziale von agrarökologischen Praktiken noch besser genutzt werden können. Bei der Umsetzung der Erkenntnisse in die Praxis spielen Ressourcenprojekte eine wichtige Rolle. Mit solchen vom Bund unterstützten regionalen Projekten werden wirksame technische, organisatorische und betriebliche Neuerungen konkret im schweizerischen Umfeld getestet und dabei Erkenntnisse gewonnen für eine später schweizweite Umsetzung. Die Permakultur spielt in der Schweizer Landwirtschaft eine untergeordnete Rolle und wird in der Forschung in einzelnen Projekten untersucht, u. a. am Forschungsinstitut für biologischen Landbau und an der Agroscope. Durch die geringe Mechanisierbarkeit, hohe Anforderungen an das Verständnis verschiedenster Kulturen und hohe Produktionskosten scheint das Potenzial für eine grossflächige Umsetzung der Permakultur begrenzt. Ein Permakulturgarten kann für Betriebe mit Direktvermarktung, Agrotourismus oder gemeinschaftlichen Stadt-Land-Projekten interessant sein.</p><p>3. Agrarökologische Themen fliessen in die Bildungsziele der Grundbildung und der höheren Berufsbildung von Landwirtinnen und Landwirten und von Gemüsegärtnerinnen und Gemüsegärtnern mit ein. Es stehen zudem zahlreiche Aus- und Weiterbildungen zu agrarökologischen Praktiken zur Verfügung. Permakultur wird in der Grundbildung und in der höheren Berufsbildung nicht behandelt, es werden jedoch verschiedene Kurse und Anlässe zum Thema angeboten. Die Überprüfung des Bildungsplans erfolgt alle fünf Jahre in Zusammenarbeit von Berufsorganisationen, Bund und Kantonen unter Federführung der Organisation Agri Ali Form.</p><p>4. Die Agrarpolitik unterstützt die Wissensgenerierung und -vermittlung im Bereich Agrarökologie und fördert agrarökologische Praktiken mit verschiedenen Instrumenten. Für die Weiterentwicklung der Agrarpolitik werden neue wissenschaftliche Erkenntnisse im Bereich Agrarökologie berücksichtigt, um eine Verbesserung der Nachhaltigkeit der Schweizer Landwirtschaft zu erreichen. Darüber hinaus unterstützt der Bund auch den internationalen Dialog zum Thema, beispielsweise durch die Mitfinanzierung des zweiten internationalen Symposiums der FAO zum Thema Agrarökologie.</p>  Antwort des Bundesrates.