Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03583.jsonl.gz/2522

Nicht nur Liebende küssen sich. Auch gute Freunde zeigen ihr Vertrauen zueinander über ein "Bussi". Der Kuss ist in der Philematologie sogar Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtungen geworden und erhält am 6. Juli - dem "Tag des Kusses" - besondere Aufmerksamkeit. Zelebriert wird dieses Datum seit 1990. Somit feiern alle Paare, dass sich "ihr" internationaler Tag des Kusses 2015 zum 25. Mal jährt.
Bereits ein Vierteljahrhundert steht ein internationaler Tag des Kusses für das Gefühlvolle und ein Aufbegehren gegen zu strenge Moralansichten. Der Welttag des Kusses nahm seinen Anfang in Großbritannien. Als das Datum zum ersten Mal gefeiert wurde, stand die konservative Politikerin Margaret Thatcher als Premierministerin dem Königreich vor. Die Dame galt als resolut und sie verkörperte eine sehr klassisches Rolle, die Emotionalität und Gefühle vermissen ließ. Um Widerstand gegen diesen Konservatismus zu zeigen wurde die Idee für den Welttag des Kusses geboren. Ziel war es, ein Zeichen gegen die strenge Obrigkeit zu setzen und den Kuss als den Inbegriff der Leidenschaft zu feiern. Warum ausgerechnet der 6. Juli zum entscheidenden Datum wurde, ist unklar. Ein Zusammenhang mit den vorhergehenden Welttagen des Lächelns im Februar und dem Weltlachtag im Mai scheint wahrscheinlich.
Mindestens 100.000 Küsse verteilt jeder im Laufe des Lebens. Die meisten neigen ihren Kopf bei einem Kuss nach rechts. Auf die Frage "Warum küssen sich Menschen?" würden Männer und Frauen unterschiedliche Antworten geben. Für viele Herren steht der Kuss vor allem für Erotik und kann ein Vorgeschmack auf Sex sein. Für 63 % der deutschen Frauen ist das Küssen hingegen viel wichtiger als Geschlechtsverkehr. Sie verbinden mit dem Liebkosen der Lippen eher Gefühle von Vertrauen, Zugehörigkeit und Zärtlichkeit. Sie genießen den Kuss mit geschlossenen Augen, während 70 % der Männer die Augen bei einem Kuss nicht ganz schließen. Beide Geschlechter sind bei einem innigen Kuss so aktiv, dass sie dabei etwa 15 Kilokalorien verbrauchen. Das entspricht dem Energiegehalt eines Stückchens Schokolade.
Einen der bekanntesten Küsse der Historie zeigt das Bild "Mein Gott, hilf mir, diese tödliche Liebe zu überleben" von Dmitri Vrubel. Er malte den Bruderkuss zwischen Erich Honecker und Leonid Breschnew und verewigte ihn in der East Side Gallery auf der Berliner Mauer. Für Wirbel sorgte auch der inszenierte Kuss zwischen Britney Spears und Madonna bei den Music Awards von MTV. Zaghafter ging es noch beim ersten Kuss in der Filmgeschichte zu. Dieser fand 1896 in "The Kiss" statt. Dass Küsse auch verräterisch sein können zeigt der Judaskuss, mit dem der Apostel Judas Ischariot Jesus seinen Verfolgern zu erkennen gab.
Den innigen Paar-Kuss kennt man sowohl in anderen Ländern Mitteleuropas als auch in den USA. Kaum ein Hollywood-Film kommt ohne ihn aus. Das hierzulande beliebte Begrüßungsbussi auf die Wangen ist bei den Amerikanern aber äußerst unbeliebt. Zu viele Nähe zwischen Bekannten ist dort nicht gewünscht. Ein romantischer Handkuss ist hingegen in Osteuropa und besonders in Russland üblich. Hier bleibt es aber bei einer Andeutung, denn die Lippen sollen die Hand nicht berühren. In Thailand oder Indien küssen sich nur junge Paare in der Öffentlichkeit. Für Ältere ist dies ein Tabu. In China ist es Paaren erst seit 1997 erlaubt, öffentlich Zärtlichkeiten auszutauschen. Bis heute ist das Küssen vor anderen in vielen islamischen Staaten untersagt. Mehr Leidenschaft zeigen die Brasilianer - sie küssen ihre Angebetete bei der Begrüßung doppelt - auf die rechte und die linke Wange. Im Land der Liebe ist es nicht anders. Hier hat der berühmte French Kiss (Zungenkuss) seinen Ursprung und zur Begrüßung dürfen es bis zu vier Küsse auf die Wange sein. Dass ein Kuss die Verbundenheit zweier Menschen symbolisiert zeigt sich besonders in Neuseeland. Die Ureinwohner pressen Nase und Stirn bei der Begrüßung aufeinander. Sie spüren dabei den Atem des anderen. Auf diese Weise sollen die Seelen der Menschen besser in Kontakt zueinander treten können.