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Blenden wir kurz zurück zur Fussball-WM 1986 in Mexico: Diego Maradona hält die Zuschauer in Atem mit seinen beiden legendären Toren gegen England und wird zum weltweit gefeierten Fussballstar. Doch beim ersten Tor geht es nicht mit rechten Dingen zu. Unmittelbar vor dem Tor fliegt der Ball hoch, Maradona nutzt die Gunst dieser Sekunde – und erzielt das Tor mit der Hand. Auf den Fernsehbildern ist dies zwar zu erkennen, manche Zuschauer und Spieler werden Zeugen, doch der Schiedsrichter sieht es anders und lässt das Tor gelten. Videobeweise gibt es zu dieser Zeit nicht. So gewinnt Argentinien das Viertelfinale gegen England und wird schliesslich Weltmeister.
Noch Jahre später ist dieses Ereignis im Gespräch. Erst 2005 gibt Maradona offiziell zu, den Ball mit der Hand gespielt zu haben. Wie wäre die Geschichte wohl ausgegangen, wenn das Tor nicht anerkannt worden wäre und Maradona die rote Karte erhalten hätte?
In der Fussballgeschichte gab es zahlreiche bedeutende Entscheide, die angezweifelt wurden.
Diese Diskussionen sollten mit der Einführung des Video Assistant Referee (VAR) der Vergangenheit angehören.
Dank des technischen Fortschritts ist es heute möglich, entscheidende Aktionen eines Fussballspiels mittels Videoaufzeichnungen in Echtzeit zu überprüfen.
An der WM 2018 in Russland wurde von dieser Möglichkeit erstmals an einer WM Gebrauch gemacht. In der darauffolgenden Saison liess auch die UEFA in der Champions League ab den Achtelfinals die Entscheide erstmals von Videoschiedsrichtern überprüfen.
Im Hinblick auf den Saisonstart 2019/2020 testete die Swiss Football League (SFL) während neun Monaten alle geforderten technischen Abläufe und bereitete in einem intensiven Programm die Schiedsrichter auf die neue Aufgabe als VAR vor. Kurz vor Saisonstart bewilligten die FIFA und das International Football Association Board den Einsatz des Videoassistenten in Super-League-Spielen. Seither hilft der VAR bei Super-League-Spielen mit, Fehlentscheide zu verhindern, und sorgt für noch mehr Gerechtigkeit im Spiel.
Als Technologiepartner stellt Swisscom Broadcast die Verbindung zwischen den zehn Super-League-Stadien und dem Video Operation Room in Volketswil her.
Swisscom Broadcast überträgt die Videosignale sämtlicher Spiele der Raiffeisen Super League vom Stadion in den Video Operation Room und zurück. Je nach Spiel stehen im Stadion sechs bis neun Kameras im Einsatz. Die Signale der Kameras werden im Übertragungswagen von unserem Partner NEP verarbeitet und von dort an Teleclub und die SRG für die TV-Ausstrahlung übermittelt. Neu werden zusätzlich die einzelnen Kamerasignale über unser Broadcast-Netz direkt an den Video Operation Room gesendet. Auch die Bilder für den Schiedsrichter zurück zum Spielfeldrand sowie die Videosignale für die TV-Partner von der Kamera, welche die Arbeit des VAR filmt, überträgt Swisscom Broadcast.
Drei Dinge sind unverzichtbar für eine solche Anwendung:
hohe Bildqualität
tiefe Latenz (Zeitverzögerung)
höchste Zuverlässigkeit
Daher übertragen wir die Inhalte in hoher Bitrate, transportieren sie auf dem zuverlässigen Glasfasernetz von Swisscom und verwenden bewährte Komponenten in redundanter Ausführung. Um die benötigte Kapazität auch in Spitzenzeiten mit bis zu 50 zusätzlichen Kamerafeeds zu gewährleisten, haben wir unser Core-Netz mit neuen Terabit-Switches aufgerüstet.
Adrian Lienhart, Fachbereichsleiter Transportnetze, Swisscom Broadcast
Stefan Leuthold, Projektleiter Business Development, Swisscom Broadcast
Reto Häuselmann, Gesamtprojektleiter VAR, SFL
Im Video Operation Room verfolgt ein Video Assistant Referee zusammen mit einem Assistenten und einem Techniker das Spiel vor je zwei grossen Bildschirmen live mit. Sie überprüfen die relevanten Entscheide des Schiedsrichters und können diesen bei einem klaren und offensichtlichen Fehler in einer spielentscheidenden Situation unterstützen.
War die rote Karte gerechtfertigt?
Ist der Penalty-Entscheid richtig?
Ging dem Tor ein unmittelbarer Regelverstoss voraus?
Verwarnte der Schiedsrichter den richtigen Spieler?
Was der Schiedsrichter je nach Standort nicht immer genau erkennt, kann sich das VAR-Gespann präzise und aus verschiedenen Kamerapositionen noch einmal anschauen. Sobald der VAR einen Entscheid für überprüfenswert hält, informiert er den Schiedsrichter und bittet ihn, das Spiel zu unterbrechen. Der Schiedsrichter auf dem Feld zeigt den Spielern und Zuschauern den Kontakt zum VAR an, indem er seine Hand an sein Headset führt.
Ist die Überprüfung abgeschlossen, meldet der VAR dem Schiedsrichter
«Check completed» – und teilt ihm seine Empfehlung mit.
Bei faktischen Entscheiden (z.B. Abseits, Foulspiel innerhalb oder ausserhalb des Strafraums, Ball im Aus) nimmt der Schiedsrichter die Information des VAR zur Kenntnis und kann entscheiden, ohne sich die Bilder anzuschauen. Bei subjektiven Entscheiden (z.B. Penalty oder nicht, gelbe oder rote Karte nach Foulspiel, Foulspiel des Angreifers, passives Abseits) nutzt der Schiedsrichter die Möglichkeit, sich die Szene auf dem Bildschirm in der Referee Review Area am Spielfeldrand aus unterschiedlichen Kameraperspektiven noch einmal anzuschauen.
In diesem Fall werden die Signale vom Video Operation Room ins Stadion zurückgespielt. Die finale Beurteilung der Situation liegt immer beim Schiedsrichter auf dem Platz.