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Mit Der Blick des Odysseus hat der Grieche Theo Angelopoulos ein filmisches Monument über Liebe, Leidenschaften und verlorene Unschuld im 20. Jahrhundert geschaffen. In einer nordgriechischen Kleinstadt weilt ein in die USA ausgewanderter Filmemacher (Harvey Keitel) zu Besuch. Man zeigt sein letztes Werk, in dem er über Grenzen nachdenkt, die sich die Menschen wieder vermehrt schaffen. Der Regisseur besucht seine alte Heimat aber aus einem anderen Grund: Er ist daran, einen Dokumentarfilm über die Gebrüder Manakis zu realisieren, die vor neunzig Jahren auf dem Balkan die ersten Filme realisierten.
Vordergründig erzählt Angelopoulos die Geschichte eines Mannes, der durch den Balkan reist, um die ältesten Filmrollen zu finden. Sie führt ihn und uns von Griechenland über Albanien, Mazedonien, Bulgarien nach Rumänien und dort die Donau hinauf nach Belgrad, um in Sarajevo zu landen, dem Brennpunkt der europäischen Geschichte im 20. Jahrhundert. In Der Blick des Odysseus erzählt der Grieche zwar nicht die Geschichte des Kinos, aber er spürt ihm und seinem Wesen nach, er tastet die bewegte visuelle Kunst ab. Die Unschuld von Odysseus' Blick bei der Rückkehr in seine Heimat Ithaka interessiert ihn, und einmal mehr liest er die Antike aus der Neuzeit heraus. Was kann Kino noch, nachdem es im ersten Jahrhundert die Unschuld verloren hat? Was heisst es, in einem visuellen Sinn zu erzählen? Es gibt verschiedene Antworten auf die Fragen. Die Filme von Theo Angelopoulos geben eine. Walter RuggleÜber die Autorin / über den Autor:
Theo Angelopoulos wurde 1935 in Athen geboren. Nach einem abgebrochenen Jurastudium studierte er in Paris an der Sorbonne Literatur und besuchte das Institut des Hautes études cinématographiques – das er allerdings wieder verlassen musste, da er sich nicht an die Schnitt-Vorgaben seines Professors hielt. 1964 kehrte er zurück nach Griechenland, wo er als Journalist tätig war. 1968 drehte er seinen ersten Kurzfilm. Internationalen Erfolg hatte er mit der Filmtrilogie über die Geschichte Griechenlands von 1936 bis 1970. 1980 gestaltete Theo Angelopoulos mit Der grosse Alexander einen grandiosen Abgesang auf die Systeme der Macht, indem er einen Befreiungshelden in seiner Entwicklung zum Despoten zeigte. Seine nächsten Filme wurden persönlicher und auch individueller (Reise nach Kythira, Der Bienenzüchter, Landschaft im Nebel). Am 24. Januar 2012 starb Theo Angelopoulos beim Überqueren einer Strasse in Piräus.
Wie kaum ein anderer Regisseur hat Theo Angelopoulos in seinen Filmen die Veränderungen des 20. Jahrhunderts festgehalten, wobei er nicht die Geschichte erzählte sondern das Innenbild Griechenlands und Europas im ersten Jahrhundert des Kinos in Bildergeschichten von grosser Poesie kleidete. Angelopoulos hat im Verlauf seiner Karriere als Filmemacher über vierzig international bedeutende Preise gewonnen, darunter den Europäischen Filmpreis, den japanischen Filmpreis, die Goldene Palme und den Goldenen Löwen. Mehrfach ist er in den letzten Jahren auch für sein Lebenswerk geehrt worden.
Regie: Theo Angelopoulos; Drehbuch: Theo Angelopoulos mit Tonino Guerra, Petros Markaris, Giorgio Silvagni; Kamera: Giorgos Arvanitis; Musik: Eleni KaraindrouPreis: CHF 28.00