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Grenzgänge(r) zwischen Europa und Asien im 17. und 18. Jahrhundert
Freitag, 5. Februar
14:30 bis 17:00 Uhr
Raum 105
Unter Grenzgängern versteht man heute insbesondere solche Personen, die eine (politische) Grenze zum Zweck der Arbeitsaufnahme überschreiten und damit ihr Leben gleichsam zwischen zwei Ländern/Nationen verbringen – ein im Basler Raum bzw. in der Schweiz recht alltägliches Phänomen mit diversen Herausforderungen und Problemen. Doch ist das Phänomen des Grenzgängers nicht auf die "mobile" Neuzeit beschränkt. Mobilität um des beruflichen Fortkommens willen gibt es schon wesentlich länger, wenn sich auch die institutionellen Probleme, die damit einhergehen, gewandelt haben mögen. In der Vormoderne wurden Grenzgänger meist als Personen definiert oder wahrgenommen, die zwischen zwei Kulturen migrierten und sich dadurch von ihrer Herkunftskultur immer weiter entfernten. Im Konflikt- bzw. Extremfall konnten solche Grenzgänger dann leicht als Überläufer oder gar Verräter wahrgenommen und bestraft werden. Gerade an (und wohl auch in) "Grenzgängern" zeigen sich kulturelle wie nationale Grenzziehungen ganz unmittelbar, wie allerdings auch die Passagen, die Wege also, die von der einen zur anderen Kultur führen und eine solche Migration überhaupt erst möglich machen. Im Panel sollen solche "Grenzgänger" im Zeitraum zwischen etwa 1650 und 1800 genauer in den Blick genommen werden, die sich zwischen dem europäischen und dem asiatischen Raum bewegten und dies i.d.R. willentlich und wissentlich taten. Gerade die grosse räumliche Distanz zwischen (Mittel-)Europa und Asien bewirkte eine relativ langdauernde Absenz vom "Eigenen", von der Herkunftskultur. Auch die Tatsache, dass die meisten Reisenden zu Handels-, Diplomatie- oder auch Forschungszwecken reisten, also mit der Reise auch ihr persönliches Fortkommen verbanden, und sie dadurch eine spezifische Motivation hatten, in der Ankunftskultur gewisse "Erfolge" zu erzielen, lässt sie als "Grenzgänger" erscheinen, die zumindest im Alltagshandeln (nicht selten z.B. in Kleidung, Sprache und Ernährung) Anleihen an der oder den "fremden" Kultur(en) nahmen und nehmen mussten. Gleichzeitig waren sie häufig mit "Grenzerfahrungen" konfrontiert, mussten sowohl reale wie symbolische Grenzen "überwinden" – und gaben davon i.d.R. auch Zeugnis nach Hause, in die Herkunftskultur. Dabei reflektierten sie nicht selten auch die Grenzen der eigenen Kultur und Identität.
Aufgrund von 4-5 exemplarischen Reisenden, die in verschiedenen Medien (Briefe, Erinnerungen, Reiseberichte etc.) diese Reise- und Grenzerfahrungen reflektierten und überlieferten, sollen solche Bilder vom "Eigenen" als Europäischem aufgesucht, aber vor allem die Möglichkeiten des Überschreitens der Grenzen Europas nach Asien hin herausgearbeitet werden.
Verantwortung
Diskussion/Kommentar
ReferentInnen
Referate
- "Brahmanen aus dem Norden"? Jesuitische Missionare als Grenzgänger im Indien des 17. Jahrhunderts
- Zwischen Ständen und Kulturen. Die doppelten Grenzgänge des Juwelenhändlers und Indienreisenden Jean-Baptiste Tavernier (1605 – 1689)
- Der "arabophile" Carsten Niebuhr. Über emotionale und andere Grenzüberschreitungen im "glücklichen Arabien"
- Ungeziefer und Wilde: Sibirien als Reiseland im 18. Jahrhundert