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|4.3. Wasserwege|
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|Wasserwege
Allgemein - Ihre Grundlage

Das Wallis ist ein in die Alpen eingebettetes 110km langes Trogtal, eingeengt zwischen paralellen Bergketten: den Walliser und den Berner Alpen. Diese Bergketten bilden regelrechte Sperren gegenüber den Tiefdruckgebieten vom Atlantik, als auch aus dem Mittelmeerraum und sorgen dafür dass die Feuchtigkeit niedergeht, bevor diese das Tal selber erreicht. In der Nacht kondensiert die Feuchtigkeit an den ausgedehnten, kalten Eisflächen der hohen vergletscherten Gebirge und lässt so die Luft austrocknen.
Während die Regionen des schweizerischen Mittellandes und die Täler der Voralpen jährlich jeweils mehr als 1000mm, oder sogar 1500mm Niederschlag erhalten, ist die Wassermenge im Talgrund des Wallis - zwischen Martinach und Brig viel niedriger. Hier werden im Normalfall nur um die 600mm Regenmenge gemessen. Gemäss den Aufzeichnungen der SMA, ist Grächen die regenärmste Station der Schweiz - und noch weniger Niederschlag gibt es an den gegenüberliegenden Sonnenhängen.
Früher wurden oftmals Bittgänge zu den Heiligen veranstaltet, um das nötige Nass zu erflehen. Im trockenen Sommer 1893 veranstalteten beispielsweise, die Bewohner von Zeneggen, 14 verschiedene Prozessionen. In den höher gelegenen Regionen - im Umfeld der Drei- und Viertausender, fällt jedoch ausreichend Niederschlag und steht in genügender Menge als Schmelzwasser zu Verfügung.

Blick auf das zentrale Wallis. Foto von Ueli Raz

Suonen-Linienführung in den Hängen ob Gampel, um 1940, fotographiert von Charles Paris. In der steppenartigen Flora sind die dunkleren Vegetations-Linien die auf die Suonen zurückzuführen sind - gut zu erkennen.
|Diese
klimatische Besonderheit lässt sich auch in der Landschaft lesen.
Geht
man das Rhonetal von Martinach an aufwärts, erscheinen die ersten
Steppen, flaumhaarige Eichenwälder, Kieferwälder, sowie
spezielle
Kulturen die sich an die geringe Feuchtigkeit angepasst haben. Die
steilen Abhänge und der Föhn (warmer und trockener Wind),
verstärken
die Wirkung noch und geben der Landschaft einen mediterranen Anstrich.

Wie die Bewohner anderer Alpentäler mit ähnlichem Charakter - etwa das Aosta-, das Isère- und das Arctal, sowie das Val di Susa (Piemont), das Engadin und das Südtirol - griffen die Walliser zur künstlichen Bewässerung, um den Wassermangel zu beheben.
Wenn immer es möglich war, wurde versucht Gletscherwasser ableiten zu können. Dieses Wasser wurde am meisten geschätzt, weil es viele feine Schwebeteilchen enthielt, die nicht nur den Boden befeuchteten, sondern diesen zugleich auch düngten. Durch die langen Leitungen von den hoch gelegenen Gletschern bis ins Tal, erwärmte sich zudem das kalte Gebirgswasser und wirkte sich günstiger auf die Vegetation aus, als kälteres Wasser aus den näher gelegenen Bächen.
Das Problem, oder vielmehr die Herausforderung war, das Schmelz- wasser der Gletscher aus den tief eingeschnittenen Seitentälern, auf die breiten und sonnenüberfluteten Matten an den Berghängen zu leiten. Die Lösung bestand darin, dass aus diesen tiefen Seitentälern, Leitungen gezogen wurden, die meist mit nur minimalen Höhenverlust, auf die nach Wasser dürstenden Almen und Weiden heraus geführt wurden.
|"Suonen" - die Walliser Wasserleitungen und ihre Anfänge:|
|Die Wasserleitungen, im
französischen "Bisses" (von bief - Bachbett), werden im Oberwallis
"Suone" genannt. Das Wort Suone stammt vom Wort Sühne ab. In alter
Zeit, als die Bürger zur Instandstellung der Leitungen
zusammenkamen, wurden dabei auch die Gemeinde- angelegenheiten erledigt
und Gericht abgehalten. So entstand das Wort "Suone" oder "Siene" und
bedeutet "den Ort der Sühne".

Der genaue Ursprung der Suonen, resp. deren zeitliche Anfänge bleiben rätselhaft. Einige Leitungen seien schon "von den Heiden", d.h. den Römern erbaut worden - so das "Heidenwasser", das vom Gamsengletscher im Nanztal, hinunter nach Visperterminen führt.
Manche Leitungen werden den Sarazenen zugeschrieben, welche im 8. Jh. ins Wallis drangen und sich im 10. Jh. hier festsetzten. In Vercorins ob Siders heisst eine Leitung "Bisse de Sarazins".
Die ersten erhaltenen Dokumente ab dem 12/13. Jh. belegen nicht nur die Existenz von Suonen, sondern weisen oft auch auf noch ältere Konstruktionen hin. In Ausserberg existiert z.B. eine Urkunde aus dem Jahre 1311, wonach bei der Reperatur einer Leitung aus dem Bietschtal, auf einen Schlag zwölf Männer verunglückt sind; das Geschlecht der Jakober sei bei diesem Unglück ganz zugrunde gegangen.
Die Erwärmung des Klimas ab dem 12. Jh. und die lange Phase des Bevölkerungswachstums könnten, wenn nicht gar den Grund der Erfindung, so wenigstens die Verbreitung der Suonen schon vor 1300 erklären. Ab dem 15. Jh. sind die Dokumente ausführlicher und besser erhalten. Bauverträge, Reglemente und Gerichtsakten zeigen, dass die Probleme der Bewässerung die Bevölkerung intensiv beschäftigten.
Bis zum 15. Jahrhundert werden zahlreiche Suonen erstellt um die wachsende Nachfrage - vermutlich aus der intensiver betriebenen Viehzucht - zu stillen. Zwischen dem 15. und dem 18. Jh. werden nur wenige neue Suonen angelegt - bekannt sind deren 18.
Die plausibelste These über die Ursache der geringen Zahl an neuerbauten Suonen, bezieht sich auf die Klimaveränderung in jener Zeit. Ab dem 14. Jh. wurde das Klima in Europa allmählich kälter und feuchter, was auch den Bedarf an neuen Wasserleitungen verminderte. So wurden in diesen Jahrhunderten auch einige bestehende Suonen aufgelassen und erst Mitte des 19. Jh wieder in Betrieb genommen, resp. neu erbaut.

Auf dem Bild oben ist gut zu sehen wie selbstverständlich die Menschen jener Zeit auf den "bequemen" Begleitstegen den Suonen entlang unterwegs sind. Die Bretter waren im übrigen meist nur lose aufgelegt - also mir läuft nur schon beim Gedanken daran, ein kalter Schauer über den Rücken.
Foto der Bisse de Rho, um 1930, fotographiert von Emilie Gos

Im späten 19. Jh. wurden dann sukzessive umfangreiche Bau- und Ausbesserungsarbeiten an den Suonen vorgenommen. Alleine in den Jahren 1895-1912 wurden 60 Bewässerungsprojekte aufgelegt, an denen 50 Gemeinden direkt beteiligt waren. Im Jahre 1921 werden z.B. alleine im Gredetschtal total neun Wasserleitungen gezählt, die insgesamt 82 Kilometer Länge aufweisen.
Neben der traditionellen Rolle die vorallem die Bewässerung von Wiesen beeinhaltete, wurde das Wasser der Suonen nun auch mehr und mehr für die Bewirtschaftung von Reb- Obst- und Gemüsekulturen verwendet. Dies hatte zur Folge, dass viele der bestehenden Leitungen zu kleine Dimensionen auswiesen um den gestiegenen Bedarf nach Wasser zu decken. In den Folgejahren werden wiederum grosse Anstrengungen unternommen um sowohl die durchschnittliche Wassermenge zu erhöhen, als auch die Unterhaltskosten für die Suonen zu verringern, die aufgrund ihrer Lage sehr den Unbillen der Natur, d.h. Steinschlag, Erdrutschen und Lawinen ausgesetzt sind.
So werden schon bald einmal die ersten Tunnels gebohrt um die gefährlichsten Streckenabschnitte zu entschäften. Diesen ersten Tunnels folgten alsbald weitere, was die Kontuinität und die Durchflussmengen der Suonen deutlich erhöht.
Leider verschwanden so auch unzählige abenteuerlich angelegte Konstruktionen. Aufgrund ihrer Ausgesetztheit sind viele dieser meisterlichen Bauwerke, resp. die Zeichen davon, längst verschwunden und unwiederbringlich verloren.
Das Bild auf der linke Seite zeigt eine solch abenteuerliche Konstruktion - nämlich jene der Bisse de Beudon, nahe Fully, im Jahre 1935 fotographiert von Charles Paris
|Ab
1940 nimmt der Viehbestand im Wallis kontinuierlich ab - einige Suonen
verlieren dadurch Ihre Berechtigung. Als dann in den 70-er und 80-er
Jahren an einigen Orten die Zahl der betriebenen Intensivkulturen
(Reben, Obstgärten, Erdbeeren) zurückgeht und andernorts
vermehrt auf die Bewässerung mittels Druckleitung umgestellt wird
- scheint das Ende der Suonen eingeläutet.

1993 sind im Kantonalen Inventar der Suonen total 190 Wasserleitungen mit einer Gesamtlänge von 760km aufgelistet. Von diesen sind noch 165 ganz oder teilweise in Betrieb. Einige der Suonen erreichen oder erreichten, beachtliche Längen; so misst der "Bisse de Saxon" 26km, der "Bisse de Audannes" deren 23km und die "obere Riederin" in Staldenried 22km.
Viele dieser grossen Werke existieren heute nur noch in Teilen - da mit dem zusehenden Verfall der Suonen, Teile von ihnen verloren gegangen sind.
Für einmal zeigt sich nun aber die positive Seite des Tourismus. Da einige der Gäste im Wallis, Interesse an den Suonen zeigten - wurden viele der aufgelassenen oder gefährdeten Wasserführen wieder Instand- gestellt, resp. Instandgehalten.
Obwohl heute viele der Suonen nicht mehr Ihre ursprüngliche Funktion erfüllen, bleiben sie dank der neuen Nutzung der Nachwelt - und damit auch uns erhalten.

Die Bisse du Rho, nahe Crans-Montana
Foto von Heinz Riniker
| Auf den folgenden Seiten
möchte ich Euch einen detaillierteren Einblick in die Geschichte
der Suonen vermitteln, sowie Euch je eine Wanderung vorschlagen die
Euch in zwei Regionen Einblick gewährt, die eine grosse Tradition
haben, was den Bau von Suonen betrifft.

|1. Suonen - Konstruktion und Bauweise
||Einblick
in die Konstruktion der Suonen.

|2.
Suonen
- Unterhalt und Betrieb
||Wie
die Inbetriebnahme der Wasserführe vonstatten ging.

|3. Suonen - Verteilung des Wassers
||Die Aufteilung der Wasserrechte und die Technik des
Wässerns.

|4. Wandervorschlag im Wallis
||Seite noch nicht aufgeschaltet|
|5. Wandervorschlag im Südtirol
||Seite
noch nicht aufgeschaltet

|© Seitenlayout by Reinhard Dietschi

Die Texte, sowie die Fotos wurden grossteils aus dem Buch "Die Suonen des Wallis" entnommen und durch den Autor der Homepage angepasst. Vielen Dank an den Herausgeber des Buches - den Rotten-Verlag in Visp. Viele lohnende Informationen habe ich auch im Werk "Die Vispertaler Sonnenberge" von F.G. Stebler, aus dem Jahre 1921, gefunden.