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Genetisch gesehen ist der Kronenkamm nichts anderes als eine Verdoppelung des Einfachkamms, wie Horst Schmidt im «Handbuch der Nutz- und Rassehühner» schreibt. Der Kopfschmuck ist durch eine Mutation entstanden und durch die Zuchtauslese erhalten geblieben. Beim Haushuhn ist er beim Sizilianischen Buttercumphuhn, dem Caumont und den Augsburgern bekannt.
Der Kamm ist das wichtigste Rassenmerkmal der Augsburger. Damit dieser genügend Platz hat, soll der Kopf möglichst breit sein. Der Kamm steht aufrecht, beginnt am Schnabel einfach und teilt sich nach der ersten oder zweiten Kammzacke. So entsteht ein kronenartiger, gezackter Kamm. Dieser sollte möglichst gleichmässig sein. Beide Kammteile sollten so geformt sein, dass der entstehende Becher nach hinten möglichst geschlossen ist. So lautet die Beschreibung des Kamms aus dem Rassegeflügelstandard. Die Gleichmässigkeit der Zacken bildet die letzte Vollendung eines perfekten Kronenkamms. Eine Kissenbildung vor der Teilung des Kamms, mehr als drei einfache Zacken oder ein nach hinten offener Kamm sind nach dem Rassegeflügelstandard grobe Fehler. Sie führen bei einer Schönheitskonkurrenz zu einem geringeren Resultat.
Die Gefiederfarbe ist bei den Augsburgern seit jeher schwarz. Der blau-gesäumte Farbenschlag ist erst mit der Wiedervereinigung von Deutschland in den Standard aufgenommen worden. Dort zeigt sich eine taubenblaue Gefiederfärbung, und jede einzelne Feder sollte von einem schwarzen Saum gezeichnet werden. Beim Hahn sind die Schultern und Flügeldecken im ausgewachsenen Stadion schwarzblau gefärbt. Nebst dem Kamm fallen die weissen Ohrscheiben der Augsburger auf. Für einen Schönheitswettbewerb sollten diese nicht mit roter Farbe durchsetzt sein. Eine lange und breite Rückenlinie prägt den Körperbau. Der Rücken ist wie die Brust leicht angehoben. Darunter sind die Schenkel gut sichtbar. Die Augsburger verkörpern ein Landhuhn mit einem ausgeprägten Hahnenschwanz, welcher gut besichelt ist.
Legefreudig und auch in Zwergform
Entstanden sind die Hühner mit der Krone auf dem Kopf 1870 im Schwarzwald und der Gegend von Augsburg aus den damaligen Lamotta-Rassen und den La Flèche. Herauszüchter war der Tapeziermeister Julius Meyer aus Augsburg im Südwesten Bayerns. In der Folge waren die Hühner stets eine Rasse mit beachtlicher Legeleistung. Diese wird in der Geflügel-Zeitung von 2017 mit 200 weissschaligen Eier mit dem Gewicht von jeweils 60 Gramm angegeben. Die gute Legeleistung soll über mehrere Jahre andauern.
Die Augsburger gibt es auch als Zwergrasse. Die ist erst hundert Jahre nach den Grossen entstanden – als Zwerghuhn mit gestreckter Landhuhnform und etwas aufgerichteter Haltung. Die Merkmale entsprechen der Grossrasse, und das Wichtigste ist ebenfalls der Kronenkamm. Im Gesicht stechen die weissen Ohrscheiben deutlich heraus. Alle anderen Partien wie der dunkelhornfarbige Schnabel oder die dunkelbraunen Augen sind im Einklang mit dem schwarzen Gefieder, das bei den Zwergen der einzige anerkannte Farbenschlag ist. Wichtig ist ein satter Grünglanz auf den Federn ohne Einlagerungen von Violett oder Bronze. Bei den Zehenspitzen sind weisse erlaubt, wobei die dunklen immer bevorzugt werden.
Grossrasse
Gewicht Hahn: 2,3 bis 3 Kilo
Gewicht Henne: 2 bis 2,5 Kilo
Schalenfarbe: Weiss
Mindestgewicht Bruteier: 58 Gramm
Legeleistung pro Jahr: 180 Eier
Zwergrasse
Gewicht Hahn: 900 Gramm
Gewicht Henne: 800 Gramm
Schalenfarbe: Weiss
Mindestgewicht Bruteier: 38 Gramm
Legeleistung pro Jahr: 120 Eier
50:50-Chance auf die Krone
Von den Züchtern wird geschätzt, dass die Augsburger leicht zu mästen sind. In der Haltung sind die Augsburger einfach und können sowohl in unbegrenztem Auslauf wie auch in einer Voliere gehalten werden. Die grösste Schwierigkeit der Rasse ist jedoch die Vererbung der Kammform. Diese wird nur an die Hälfte der Nachkommen weitergegeben. Die andere Hälfte des Nachwuchses zeigt einen Hörner- oder Becherkamm. Das war stets eine Hürde für die Verbreitung der Augsburger. Sie wurden deshalb vom Bayerischen Landwirtschaftsrat 1905 nicht als Wirtschaftsrasse anerkannt. Diese sogenannt spalterbige Vererbung ist der grosse Unterschied zu den französischen Schopfhühnern, den Caumont und den Sizilianischen Buttercumphühnern. Die vererben ihre Kammform reinerbig an die Nachkommen. Bei den Augsburgern gelingt dies nur in den seltensten Fällen.
Besonders der Zweite Weltkrieg reduzierte die Bestände der Augsburger enorm, sodass nur noch eine geringe Basis von Tieren mit doppeltem Kamm überlebte. So gelten die Augsburger heute in Deutschland als gefährdet. Wie der Bund der Deutschen Rassegeflügelzüchter bekannt gab, gab es vor zehn Jahren in Deutschland nur noch 64 Hähne und 289 Hennen. In der Schweiz war die Rasse nie stark verbreitet, doch in den letzten Jahren immer mal wieder an Ausstellungen zu sehen.