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(Latreille, 1804)
- DE: Rotflügelige Ödlandschrecke
- EN: Red-winged Grasshopper
- FR: L' Oedipode rouge
- IT: Edipoda germanica
- Syn.: Oedipoda miniata intermedia Ramme, 1913 | Oedipoda germanica pyrenaica Uvarov, 1936
Morphologie
Die Grundfarbe von Oedipoda germanica ist je nach Untergrund ebenso variabel wie diejenige von Oedipoda caerulescens. Meist ist sie jedoch dunkler und weniger kontrastreich gefärbt. Es überwiegen hell- und dunkelgraue Farbtöne. Viel seltener als bei Oedipoda caerulescens gibt es auch ockerfarbene bis braune Tiere. Die Flügel weisen 2-3 dunkle und helle Querbänder auf. Die Oberfläche des Halsschilds ist relativ glatt und mit wenigen Runzeln und Schwielen versehen. Der Halsschild-Mittelkiel ist nur wenig erhaben und hinter der Querfurche schwach ausgeprägt. Das wichtigste Bestimmungsmerkmal sind die leuchtend roten Hinterflügel, die extrem selten auch gelblich oder orange sein können. Eine dunkle Binde verläuft entlang des Flügelrands bis weit zum Körper hin, so dass nur die Spitze transparent ist. Der Kiel auf der Oberseite der Hinterschenkel fällt hinter der Mitte weniger abrupt ab als bei Oedipoda caerulescens.
Gesang
Das Gesangsverhalten von Oedipoda germanica ist demjenigen von Oedipoda caerulescens sehr ähnlich. Nicht selten sieht man isolierte Männchen, die Schwirrlaute äussern. Vor einem Weibchen sitzend, erzeugen die Männchen leise „schwi, schwi“-Laute, bevor sie das Weibchen anspringen. Wenn sich ein Männchen versehentlich mit einem anderen Männchen verpaaren will, was immer wieder vorkommt, gibt dieses sein Geschlecht bekannt, indem es kurze „zick“-Laute erzeugt. Das Geräusch wird erzeugt, indem die Hinterschienen ruckartig gegen die Hinterschenkel geschlagen werden. Im Flug erzeugen beide Geschlechter ein leises Flugschnarren.
Werbegesang von Oedipoda germanica. Das ♂ umwirbt ein fressendes ♀ - CH, VS, Gampel, 23 °C, sonnig.
Rivalengesang von Oedipoda germanica. Ein ♂ will sich fälschlicherweise mit einem anderen ♂ verpaaren. Es macht sich mit diesen Lauten als ♂ erkennbar. Das Geräusch kommt zustande, indem die Hinterschienen schnell gegen die Hinterschenkel geschlagen werden - CH, VS, Gampel, 23 °C, sonnig.
Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Oedipoda germanica reicht von Nordspanien bis ins nördliche Frankreich nach Belgien und Deutschland. Gegen Norden wird Oedipoda germanica immer seltener. Im Osten und Südosten Europas reicht das Areal bis ans Schwarze Meer und in die Türkei. In der Schweiz befinden sich die Hauptvorkommen im Wallis, Tessin und Graubünden, wo Oedipoda germanica bis in Höhen von 2500 m vorkommt. Vereinzelt kommt die Art am Jurasüdfuss und an den Voralpen vor. Auch in Deutschland befinden sich die meisten Vorkommen im Süden (Baden-Württemberg und Bayern).
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Tiere von Oedipoda germanica sind von Juni bis November zu finden.
Die Eier werden in lockeren, sandigen oder steinigen Boden abgelegt. Sie sind gut an hohe Bodentemperaturen angepasst. Die Larven schlüpfen im Folgejahr im Mai und durchlaufen 5 Stadien. Oedipoda germanica reagiert negativ auf Feuchtigkeit durch Regen oder Nebel. In Jahren mit überdurchschnittlichen Niederschlägen sind nur wenige Individuen zu finden.
Lebensraum
Oedipoda germanica besiedelt die extremsten Standorte, was Trockenheit und Wärme angeht. Es werden nur Habitate besiedelt, die ein geringes Vegetationsaufkommen haben. Dazu gehören felsige und steinige Südhänge, wie Fels- und Schotterfluren, Kiesgruben, Steinbrüche, Trockenwiesen, Weinberge oder Flusskies-Pionierfluren.
Gefährdung & Schutz
Da Oedipoda germanica im Wallis relativ weit verbreitet ist, gilt sie in der Schweiz lediglich als verletzlich. Allerdings wird für die isolierten Populationen im Schweizer Jura, im Mittelland und in Süddeutschland ein steter Rückgang verzeichnet. Die Gründe sind die Nutzungsintensivierung in Rebbaugebieten und die Ausdehnung des Siedlungsgebiets entlang trockener Südhänge. Auch die Nutzungsaufgabe steiler, wenig ertragreicher Hänge, das Aufschütten bzw. Verbuschen von Kiesgruben und Steinbrüchen machen der Art zu schaffen. Bestehende Populationen sollten durch Lebensraumaufwertungen erhalten und gefördert werden. Wichtigste Massnahme ist das Entfernen von Büschen und Bäumen. Die Bewirtschaftung sollte so ausgelegt sein, dass stets ausreichend vegetationsfreie und steinige Stellen vorhanden sind. Bei kleinen, isolierten Populationen sollte eine Habitaterweiterung angestrebt werden. Dabei hat sich ein Abhumusieren bereits in verschiedenen Projekten als erfolgreich erwiesen.
- CH: VU (Verletzlich)
- DE: 1 (Vom Aussterben bedroht)
- AT: EN (Stark gefährdet)
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
Oedipoda germanica ist nicht einfach von Oedipoda caerulescens zu unterscheiden. Diese hat als auffälligstes Merkmal blaue Hinterflügel, das Halsschild ist rauer und schwieliger und der Halsschild-Mittelkiel ist auch im hinteren Bereich erhaben. Der Kiel auf der Oberkante der Hinterschenkel fällt bei Oedipoda caerulescens abrupter ab. Sphingonotus caerulans ist ebenfalls ähnlich, hat jedoch ein stark eingeschnürtes Halsschild. Auch sind die Hinterflügel bläulich-glasig ohne dunkle Binde. Aufgrund der roten Flügelfarbe kann Oedipoda germanica mit Psophus stridulus, Bryodemella tuberculata und Acrotylus patruelis verwechselt werden. Alle Arten unterscheiden sich von Oedipoda germanica eindeutig durch das Fehlen der Stufe auf der Oberseite des Hinterschenkels. Die Männchen von Psophus stridulus sind in der Grundfarbe einfarbig und dunkler, die Weibchen heller und beide Geschlechter sind besonders auf den Flügeln weniger kontrastreich gezeichnet. Die Hinterflügelfarbe ist bei Psophus stridulus orangerot. Auch Bryodemella tuberculata fehlt die kontrastreiche Bänderung der Vorderflügel, zudem ist ihr Halsschild-Mittelkiel nicht erhaben. Acrotylus patruelis ist schlanker, sein Halsschild ist stark eingeschnürt und die Aufteilung der Farben auf dem Hinterflügel ist anders. Die schwarze Binde trennt die intensiv rosarote Basis von der grossen, durchsichtigen Flügelspitze. Ausserdem trägt Acrotylus patruelis auf den Hinterschenkeln drei mehr oder weniger dreieckige, dunkle Flecken.