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Ein paar Tage nach Ostern begegneten sich auf einer Wiese ein Hase und ein Storch. Der Storch wünschte dem Hasen einen guten Tag. Der Hase war einen Moment lang unschlüssig, ob er wegrennen sollte oder nicht. Der Storch war grösser als er, und sein Schnabel sah aus wie eine Waffe. „Wie gehen die Geschäfte?“, fragte der Storch. Der Hase, immer noch sprungbereit, fragte zurück: „ Welche Geschäfte?“ „Die Ostergeschäfte natürlich. Du bist doch, wie ich gehört habe, der Liebling der Kinder. Tausende von ihnen sollen sich jedes Jahr an Schokoladen-Hasen erfreuen. Es soll Tonnen davon geben, so viele, dass sie zusammengezählt das Gewicht der Kinder, die alle aufessen sollten, übersteigen.“ „Das ist masslos übertrieben“, antwortete der Hase. Er überwand seine Furcht und näherte sich dem Storch. „In einem Punkt stimmt es. Es werden umso mehr Schokoladen-Hasen hergestellt je weniger Kinder an den Osterhasen glauben, der die Eier bringt.“ Der Storch wiegte den Kopf. „Ja, ja. Mit der Romantik um mich ist es auch vorbei. Wer glaubt noch an den Storch? Die Kinder werden schon im Kindergarten aufgeklärt. Nachweisbar aber gibt es weniger Geburten, seitdem wir Störche nicht mehr als Kinderbringer gelten. Ehrlich gesagt, es gibt auch weniger Störche.“ „Und weniger Hasen“ ergänzte der Hase. Die Beiden waren sich jetzt so nah, dass sie sich in die Augen sehen konnten. Der Storch klapperte mit dem Schnabel. „Ich habe gehört, Storch und Hase gelten als Symbole für Frühling, Wachstum und Fruchtbarkeit. Wir müssen uns unserer Stärke wieder bewusst werden.“ Der Hase stand auf die Hinterbeine. „Wir gelten auch als stark weil wir friedlich sind. Dabei hatte ich vorhin Angst vor dir.“ Der Storch hob ein Bein und schien nachzudenken. „So weit kommt es, wenn man sich meidet anstatt miteinander über das Alltägliche zu reden. Man glaubt sich als Fremde, dabei ist man sich im Wesen so ähnlich.“ Gerne hätte er den Hasen für ein Froschessen in sein Storchennest auf dem Kirchturm eingeladen. Das aber scheiterte nun doch an der genetischen Verschiedenheit der Beiden.