Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/47600

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird gebeten, darüber Auskunft zu erteilen, inwieweit sich der Vertriebskanal (Selbstdispensation oder Apothekenvertrieb) bei den Medikamenten auf die Kostenentwicklung auswirkt.</p><p>1. Welchen Einfluss hat der Vertriebskanal insbesondere in Bezug auf die Menge, die Preise, die Art der abgegebenen/verschriebenen (Originalpräparate oder Generika) Medikamente?</p><p>2. Ist mit Blick auf das Ziel der Kosteneinsparung einem Vertriebskanal der Vorzug zu geben?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Daten der IHA-IMS Health (Institut für Haushaltanalysen in Hergiswil; zu den Daten vgl. die Tabelle: Entwicklung des kassenzulässigen Pharmamarktes Schweiz ohne Spital; (Die Vorstösse mit Tabellen und Grafiken können heruntergeladen werden unter: Ratsbetrieb / Curia Vista / Vorstösse mit Tabellen und Grafiken, die in der Geschäftsdatenbank nicht abgebildet werden können) belegen annähernd - weil nicht sämtliche Daten erfassend - für den rezeptpflichtigen Markt ein überproportionales Wachstum des Medikamentenumsatzes im Vertriebskanal der selbstdispensierenden (SD) Ärzte, hingegen nur ein marginales im Vertriebskanal der Apotheken. Im ersteren betrug die Veränderung hinsichtlich der Menge in den Jahren 2000 bis 2002 rund 6 Prozent, im letzteren nur gerade 0,4 Prozent. Hinsichtlich des Umsatzes betrug die Veränderung im SD-Kanal in derselben Periode rund 17 Prozent, während sie im Apothekenkanal nur gerade 8,5 Prozent ausmachte. Damit stieg der Umsatz im SD-Kanal bei ungefähr gleich bleibenden Preisindices im entsprechenden Warenkorb (Quelle: Bundesamt für Statistik) rund doppelt so stark wie beim Apothekenkanal.</p><p>Im Bereich des nichtrezeptpflichtigen Marktes wuchsen die Verkäufe der SD-Ärzte seit 1995 jedes Jahr fast doppelt so stark als diejenigen der Apotheker. Daraus ist zu schliessen, dass die SD-Ärzte hinsichtlich der Medikamentenverkäufe einen immer aktiveren Part spielen. Dies dürfte u. a. darauf zurückzuführen sein, dass das Einkommen des SD-Arztes nicht zuletzt auch von der Menge der verschriebenen und der abgegebenen Medikamente abhängt.</p><p>Mit dem Verbot der Gewährung und Annahme geldwerter Vorteile (Art. 33 HMG) sowie der strafrechtlichen Hinterlegung dieser Bestimmung und der sozialversicherungsrechtlichen Pflicht zur Weitergabe erhaltener Vergünstigungen (Art. 56 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 92 Bst. d KVG) wurde per 1. Januar 2002 ein wirkungsvolles Instrumentarium geschaffen, um der medizinisch nicht indizierten Verschreibung und Abgabe von Medikamenten zu begegnen. Mit Einführung der leistungsorientierten Abgeltung der Apotheker per 1. Juli 2001 und der damit verbundenen Umstrukturierung der SL-Preise wurde die Abschaffung sowohl der preisbezogenen als auch der mengenmässigen Anreize bezweckt. Dies gelang beim Apothekenkanal nicht zuletzt auch wegen des Abschlusses des Tarifvertrages zwischen dem SAV und der Santésuisse und den dort vorgesehenen Kontrollmechanismen. Während im Apothekenkanal grundsätzlich keine Anreize mehr bestehen, teurere Medikamente abzugeben, muss den umsatzsteigernden und damit falschen Anreizen im SD-Kanal im Rahmen einer konsequenten Umsetzung der vorerwähnten heilmittel- und sozialversicherungsrechtlichen (Straf-)Bestimmungen begegnet werden.</p><p>Der Generikamarkt ist im Jahr 2002 mit fast 16 Prozent im Vergleich zum Jahr 2001 stark angewachsen (Quelle: IHA-IMS Health) und wächst prozentual schneller als der Markt der Originalpräparate. Weil der Lohn der Apotheker - im Gegensatz zu jenem der SD-Ärzte - heute unabhängig von den Medikamentenpreisen festgesetzt wird, steigt der Generikaanteil im Apothekenkanal stärker als im SD-Kanal. Diese Tendenz wurde ausserdem durch die Veränderung der Margen der Generika unterstützt.</p><p>2. Nach dem Gesagten stellt der Bundesrat fest, dass der Vertriebskanal der Apotheken mit Blick auf das Ziel der Kosteneinsparung zu bevorzugen ist. Dies vor dem Hintergrund, dass auch in der Schweiz die Gesundheit der Patienten am wirksamsten - wie dies bereits in den meisten EU-Staaten der Fall ist - durch eine konsequente Trennung von Medikamentenverschreibung und Medikamentenabgabe ("Vier-Augen-Prinzip") sichergestellt werden kann.</p>  Antwort des Bundesrates.