Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03116.jsonl.gz/1396

Vier Monate verbrachte der bildende Künstler Andreas Gefe im Zentralschweizer Künstleratelier in New York. Im folgenden Bericht schildert er seine persönlichen Eindrücke.
Die Gegend an der Upper West Side ist sehr wohnlich und unkompliziert. Man findet sich schnell zurecht und alles, was man im Alltag benötigt, ist in Fussdistanz zu erreichen. Während meines Aufenthalts war das Wetter prächtig geeignet, die Stadt zu entdecken. Und da ich vorher noch nie in New York war, freute ich mich sehr darauf. Daneben wollte ich eigene Projekte realisieren und Kontakte knüpfen.
Einige Monate vor meiner Abreise nach New York hatte ich Neal Sugarman kennengelernt, einen Musiker und Mitinhaber des Plattenlabels «Daptone Records», der nun in Zürich lebt. Als grosser Black-Music-Fan kannte ich einige ihrer Produktionen und nahm mir vor, das Studio zu besuchen und wenn möglich eine Reportage darüber zu zeichnen. Bei meinem Besuch in Bushwick wurde ich freundlich empfangen, und man führte mich durch das kleine Haus mit dem Tonstudio. Ich wusste bereits, dass momentan keine neuen Aufnahmen geplant waren, zwei Stars des Labels, Sharon Stone und Charles Bradley, waren vor kurzem an Krebs gestorben. Ich entschloss mich, diese Fährte nicht länger zu verfolgen. Trotzdem fotografierte ich das Studio und mit Hilfe dieser Fotografien malte ich später an der Amsterdam Avenue ein Portrait von Charles Bradley. Es war das erste von vier Bildern, das ich in der Wohnung in New York malte. Die anderen Bilder wurden von meinen Spaziergängen durch die Stadt inspiriert.
Jobs am Rande der Gesellschaft
Ich begann, die Charakteristiken der verschiedenen Quartiere zu realisieren, ging gerne nach Harlem oder Brooklyn, und diese Unterschiede führten mir noch stärker den Kontrast zwischen meinem privilegierten Aufenthalt und den einfachen Menschen vor Augen. Ich stellte mir die Frage, welchen Beruf ich wohl ausführen müsste, wenn ich ohne Stipendium in New York überleben müsste? Die vielen Paketzusteller in ihren auffälligen Lieferwagen hatten mich dazu inspiriert, über diese Frage mit dem Bleistift zu spekulieren. Diesem Motiv fügte ich jeden Tag eine weitere Zeichnung hinzu, überlegte mir weitere Tätigkeiten, die ich ausüben könnte. Die Fokussierung auf dieses Thema fand ich sehr bereichernd, und ich hatte auch meinen Spass daran, mich in augenzwinkernden Situationen zu zeigen. Ich erfuhr einiges über die vielen Jobs am unteren Rand der Gesellschaft, beispielsweise wenn ich die amerikanische Bezeichnung für die beobachtete Tätigkeit gar nicht kannte und erst einmal recherchieren musste.
Ich erhielt gute Reaktionen auf diese Zeichnungen, und nach meiner Rückkehr fand ich in der Kunstbuchhandlung «Never Stop Reading» in Zürich einen geeigneten Ort, eine Auswahl der Zeichnungen auszustellen.
Wieder mal ein Comic
Während der Zeit in New York konnte ich einige Freundschaften schliessen, was mich sehr glücklich machte. So lernte ich auch den Comic-Szenaristen Julian Voloj kennen, der mich in der Bronx herumführte. Er schlug mir vor, einen Comic zusammen zu realisieren und präsentierte mir eine Geschichte, die er sich ausgedachte hatte. Die Erzählung hat mich motiviert, mich nach längerer Pause wieder einmal einem Comic zu widmen. Ich habe nun zurück in der Schweiz einige Seiten gezeichnet, damit wir einen Verlag suchen können und um Geld für die Realisation zu finden. Ein erster grosser Erfolg ist mir damit bereits gelungen, denn ich habe das Comic-Stipendium der Deutschschweizer Städte Basel, Luzern und Zürich gewonnen. Ich freue mich sehr darüber und mein Dank gilt umso mehr der Kulturförderung des Kantons Schwyz, die mir den Aufenthalt in New York ermöglicht hat.
Andreas Gefe
Autor
SchwyzKulturPlus
Kategorie
- Kunst & Design
Publiziert am
Webcode
www.schwyzkultur.ch/T9wNAE