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Im zweiten Teil der Serie möchte ich das Thema Übergewicht beleuchten und die Resultate, der im ersten Teil dieser Serie referenzierten Studie, erläutern sowie auf die aktuellsten Zahlen des Monitoring-Systems Ernährung und Bewegung (MOSEB) des Bundes (Schweiz) aus dem Jahre 2016 eingehen.
Gemäss Bundesamt für Statistik betrugen die Ausgaben im Gesundheitswesen 2014 in der Schweiz insgesamt rund 74 Milliarden Franken (11.1% des BIP) [1]. Gemäss OECD ist die Schweiz damit auf Rang 2 nach den USA [2]. Zwischen 2002 und 2012 haben sich die direkten und indirekten Kosten zur Behandlung von Übergewicht und Adipositas von 2.7 auf 8 Milliarden Franken fast verdreifacht [3]. Diese Zahlen zeigen eindeutig, dass Übergewicht und Adipositas zu einem wesentlichen Problem unserer Gesellschaft geworden ist, sowohl wirtschaftlich wie auch gesundheitlich.
Einleitung
Das Körpergewicht wird in verschiedene Kategorien unterteilt: Untergewicht, Normalgewicht, Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit). Wobei Übergewicht auch Präadipositas genannt und Adipositas in drei Grade (1, 2 und 3) unterteilt wird. Die Einstufung findet mit Hilfe des Body-Mass-Index (BMI) statt. Normalgewichtige Menschen haben in der Regel einen BMI zwischen 18.5 und 25. Ich sage bewusst in der Regel, da der BMI nicht für alle Menschen korrekte Werte liefert. Gerade bei grossen, kleinen oder muskulösen Menschen stimmen die Zahlen meist nicht und man fällt in eine falsche Kategorie. Zum Beispiel werden Bodybuilder fast immer als adipös (fettleibig) eingestuft, obschon sie das offensichtlich nicht sind. Das liegt daran das der BMI nur die Körpergrösse und das -gewicht berücksichtigt, nicht aber die Zusammensetzung des Köreprs. Die Formel zur Berechnung des BMI lautet Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch die Körpergrösse in Meter im Quadrat.
Sinnvoller ist es das Körpergewicht über den Bauchumfang zu bewerten, da dieser im Vergleich zum BMI wesentlich mehr über die Körperzusammensetzung und das damit verbundene Krankheitsrisiko aussagt. Besonders gefährlich ist das Fett im Bauchraum (viszerales Fett), das sich zwischen den Organen befindet und diese negativ beeinflussen kann. Befinden sich die Fettdepots direkt unterhalb der Haut (Arme, Beine und auch Bauch), spricht man von subkutanem Fettgewebe. Das ist zwar unschön, aber nicht so kritisch wie ein hoher Anteil von viszeralem Fett. Ein hoher viszeraler Fettanteil resp. ein Bauchumfang grösser als 94 cm bei Männern und 80 cm bei Frauen [4] gilt als einer der Faktoren des Metabolischen Syndroms (Bauchfett, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung und Insulinresistenz welche als Hauptursache für Diabetes Mellitus Typ 2 gilt).
Übergewicht entsteht dann, wenn dem Körper mehr Energie in Form von Nahrung zugeführt wird, als er verbraucht. Menschen die körperlich intensiv arbeiten oder ausgiebig Sport treiben, benötigen mehr Energie als andere Menschen und dürfen und sollen dementsprechend auch mehr Nahrung zu sich nehmen. Nebst der Anzahl Kalorien spielt aber auch die Qualität der Lebensmittel eine Rolle. Je nahrhafter, desto besser. Lebensmittel mit einer höheren Nährstoffdichte sättigen lange und verleiten nicht bereits nach kurzer Zeit dazu noch mehr zu essen. Um Übergewicht vorzubeugen resp. abzubauen muss nur eine einzige Regel befolgt werden: Weniger Energie zuführen als man verbraucht. So einfach ist das.
Übergewicht in der Schweiz
Die Häufigkeit von Übergewicht in der Schweizer Bevölkerung nimmt stetig zu. So waren im Jahr 2012 53% der über 65-Jährigen von Übergewicht und Adipositas betroffen [5]. Im Jahr 1992 waren es noch 44%, wobei der Anteil zwischen 1997 und 2007 relativ satbil blieb und 2012 wieder leicht zugenommen hat. Bei den Erwachsenen zwischen 18 und 64 Jahren waren 2015 insgesamt 41% von Übergewicht und Adipositas betroffen, wobei Adipositas bei 12% der 18- bis 64-Jährigen vorkommt. Interessant ist, dass der Anteil an übergewichtigen Männern mit 40% fast doppelt so hoch ist wie derjenige von Frauen (18%). Hingegen ist Adipositas (fettleibigkeit, BMI >= 30) unter beiden Geschlechtern fast gleich verteilt (Männer 13%, Frauen 11%). Bei den Kindern ist fast jedes fünfte Kind (17.3%) von Übergewicht (12.9%) oder Adipositas (4.4%) betroffen. Erfreulicherweise gab es zwischen 2005 und 2015 eine Reduktion um 2.6 Prozenpunkte. Bezüglich Adipositas und Schulstufen sind im Kindergarten rund 12% in der Unter- / Mittelstufe bereits 21% und in der Obserstufe 23% der Kinder betroffen.
Obst und Gemüse
Inwiefern ein erhöhter Obst- und Gemüsekonsum Übergewicht und Adipositas zu bekämpfen vermag, wurde in der zu Beginn erwähnten Studie untersucht. Das Resultat ist, dass ein zusätzlicher Konsum von Obst und Gemüse Übergewicht nicht reduziert. Im Gegenteil, bei einem hohen Obstanteil kam es sogar zu einem leichten Anstieg des Körpergewichts. Das ist nicht erstaunlich, denn in der entsprechenden Studie wurden Fruchtsäfte verwendet, was mit dem Verzehr von ganzem Obst nicht mehr viel gemeinsam hat. Das Problem bei Fruchtsäften ist die hohe Konzentration. Für einen Liter Orangensaft braucht es je nach Grösse der Orangen zwischen 13 und 15 Orangen. Nun kann man sich selber überlegen wie einfach man einen Liter Orangensaft getrunken und wann man zuletzt in dieser Zeit 13 bis 15 Orangen gegessen hat. Hinzu kommt, dass Fruchtsäften (wenn nicht mit 100% Frucht deklariert) Zucker beigefügt wird (Produkte mit der Bezeichnung "Nektar" fallen in diese Kategorie).
Werden hingegen energiereiche Nahrungsmittel (idR. Fertigprodukte) durch Obst und vor allem Gemüse ersetzt, kam es zu einer Reduktion des Körpergewichts. Das ist wiederum nicht erstaunlich, denn Obst und Gemüse haben eine geringere Kaloriendichte (weniger Kalorien bei gleichem Volumen) als Fertigprodukte oder andere energiereiche Lebensmittel. Zum Beispiel haben 100g Karotten lediglich 36 kcal. 100g Vollkornbrot hingegen 196 kcal. Somit wird durch den Verzehr von Obst und Gemüse anstelle energiereicher Lebensmittel die Kalorienaufnahme reduziert, was schlussendlich zu einem Kaloriendefizit und einer Gewichtsreduktion führt.
Persönliches Fazit
Die wissenschaftliche Aussage, dass es nur mögliche Beweise dafür gibt, dass eine Erhöhung des Obst- und Gemüsekonsum Übergewicht reduzieren kann, ist zwar richtig, aber aus meiner Sicht irreführend. Eine Erhöhung bei gleichbleibender Ernährungsgewohnheiten führt logischerweise zu keiner Reduktion des Körpergewichts, da die aufgenommene Kalorienmenge nicht reduziert wird. Um Übergewicht wirksam zu bekämpfen, bedarf es einer Umstellung der Ernährungsgewohnheiten sowie idealerweise auch des Lebensstils. Bewegung und natürliche Lebensmittel anstelle von Fertigprodukten oder andersweitig energiereichen Nahrungsmitteln sind der Schlüssel zum Erfolg. Und das man von pflanzlichen Lebensmitteln nicht satt wird, davor muss sich niemand fürchten, denn man wird viel schneller und bleibt viel länger satt als von Industrienahrung.
Quellen
[1] Ausgaben für das Gesundheitswesen (BFS)
[2] Health expenditure and financing (OECD)
[3] Kosten von Übergewicht und Adipositas (BAG)
[4] Diagnosis and Management of the Metabolic Syndrome
[5] Monitoring-Systems Ernährung und Bewegung (MOSEB)