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Das Asphaltlager im Val de Travers, dem heute alljährlich 25000 Tonnen entnommen werden, enthält nach glaubwürdigen Schätzungen in der durch die Tiefbohrungen von 1867-1868 erforschten Region noch für eine Dauer von 100 Jahren abbauwürdiges Gestein. Ueber die Technik etc. des Abbaues vergl. die Angaben im Art. Schweiz (dieses Lexikon V, 278 f.).
Seit einigen Jahren gewinnt man auch den nicht asphalthaltigen Kalkstein der nämlichen Schicht, um ihn mit importiertem Bitumen zu vermengen und so eine Nachahmung des natürlichen Asphaltgesteins zu erzwecken. Die neue Industrie ist im Thal von der «Val de Travers Asphalte Paving Company» eingeführt worden, die zu diesem Zweck bei Travers eine Fabrik erstellt hat.
Bausteine werden in verschiedenen Teilen des Thales eifrig gebrochen. Steinbrüche mit Tagbau sind sowohl in den Jura- als in den Neokomkalken angelegt. Portlandkalk bricht man beim Pont de la Roche und in Buttes, Valangienkalk beim Vanel. Der bitumenfreie weisse Urgonkalk hat eine zeitlang als sägbares Steinmaterial zu architektonischen Verzierungen Verwendung gefunden, welche Industrie aber heute eingegangen ist.
Das Val de Travers besitzt in Couvet eine Ziegelei, die die Tone der aquitanischen Molasse am SO.-Hang des Thales verarbeitet. Der Sand- und Kiesausbeute in den alten Wildbachdeltas und den fluvioglazialen Schottern haben wir bereits Erwähnung getan. Die Herstellung von Zement und hydraulischem Kalk aus den Furcilmergeln des obern Bathonien besorgen drei verschiedene Fabriken bei Noiraigue, deren zwei nur hydraulischen Kalk liefern, während die dritte, die Usines du Furcil, auch künstlichen Portlandzement fabriziert. Am andern Ende des Thales, d. h. im Zirkus von Saint Sulpice werden die Mergel und Mergelkalke des Argovien von der grossen «Fabrique suisse de ciment Portland» verarbeitet, deren Produkte sich eines guten Rufes erfreuen.
Poststrassen verbinden das Val de Travers mit den Thälern von Les Ponts und La Brévine, über La Côte aux Fées und das Val de Noirvaux mit Sainte Croix im Kanton Waadt, sowie über die Clusette und Rochefort mit dem Neuenburger Weinland. Durch die tiefe und enge Schlucht der Pouëtta Baisse führt ein malerischer Fussweg zum Hochplateau des Chasseron hinauf. Die 1856-1860 erbaute Eisenbahnlinie Neuenburg-Pontarlier-Paris (der ehemalige Franco-Suisse) folgt dem linksseitigen Thalrand seiner ganzen Länge nach, während die Thalsohle selbst von der 1883 erstellten Regionalbahn Travers-Fleurier mit Abzweigungen nach Buttes und nach Saint Sulpice bedient wird.
Das frischgrüne und von dunkeln Tannenwaldungen umrahmte Val de Travers, von den Bewohnern kurzweg der «Vallon» genannt, wird von einem intelligenten und gastfreundlichen Volksschlag mit lebhaftem und offenem Charakter bewohnt. In der Geschichte des Thales treffen wir nicht selten auf hervorragende Männer, wie z. B. den Rechtsgelehrten Emer de Vattel, Verfasser des Droit des gens, die «vier Petitpierre», mehrere Angehörige der Familien Berthoud und Borel und einige Patrioten der Revolutionen von 1831 und 1848 als Dr. Petitpierre, Dr. Roessinger und Alexis Marie Piaget, zubenannt der «Vater der Neuenburger Republik».
Nachdem das Thal bis ins 16. Jahrhundert vorwiegend agrikol gewesen, begünstigte die Ankunft französischer Flüchtlinge die Einführung verschiedener Industrien, wie der Spitzenklöppelei, der Handschuhfabrikation in Fleurier etc. Im 18. Jahrhundert erscheinen die Uhrenmacherei, die Werkzeugfabrikation, die Absinthindustrie, der Abbau der Asphaltlager etc., im 19. Jahrhundert die Zement- und Holzstofffabrikation etc. Heute stehen Gewerbe und Industrie in voller Blüte, wie auch das soziale und gesellige Leben von grosser Intensität geworden ist. Dabei zeigt aber jede Ortschaft ihre ganz besondern Charakterzüge. Die hauptsächlichsten Siedelungszentren reihen sich dem Thalfluss entlang auf.
Reste aus der Steinzeit sind in Noiraigue und Couvet zutage gefördert worden. Einzelfunde von römischen Münzen lassen auf das Vorhandensein eines einstigen Verkehrsweges zwischen Helvetien und Gallien durch das Traversthal schliessen. Unter den Burgunderkönigen war das Thal ¶
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Reichsland und entstand im 10. Jahrhundert in Môtiers die Propstei Vautravers deren Herrschaftsrechte sich bis über das Val de Ruz erstreckten. Als Burgund 1016 ans Reich überging, blieb das Val de Travers als Reichslehen zunächst im Besitz der Grafen von Burgund, von denen es später an das Haus Châlons-Arlay überging. Vom 13. Jahrhundert an waren die Grafen von Neuenburg unmittelbare Oberherrn des Vallon. 1369 verlieh Graf Ludwig den Gemeinden des «Vautravers» eine Reihe von Vorrechten und Freiheiten.
Das Thal ward eine Burgherrschaft, die ausser dem heutigen Bezirk Val de Travers auch noch das Thal von La Brévine umfasste. Les Verrières ward 1370 eine Herrschaft und 1412 eine sog. Mairie. Auch Travers bildete von 1413-1848 eine besondre Herrschaft. Das Val de Travers nahm einen besonders lebhaften Anteil an den revolutionären Bewegungen der Jahre 1831 und 1848. Aus der Vereinigung der drei alten historischen Einheiten Burgherrschaft Vautravers, Mairie Les Verrières und Herrschaft Travers bildete man dann 1848 den heutigen Bezirk Val de Travers. Ueber Les Verrières und durch das Traversthal kamen im Februar 1871 80000 Mann der französischen Ostarmee (Bourbaki) als Schutzsuchende in die Schweiz.
Bibliographie. Quartier-La Tente, Ed. Le cant. de Neuchâtel. III: Le Val de Travers. Neuchâtel 1893. - Godet, Philippe, et T. Combe. Neuchâtel pittoresque; vallées et montagnes. Neuchâtel 1902. - Vouga, P. Essai sur l'origine des habitants du Val de Travers. (Recueil de travaux publ. p. la Faculté des Lettres. 3). Neuchâtel 1907. - Fleurier et le Val de Travers; guide illustré.