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Unter der Oberfläche des Grönländischen Eisschildes liegen Schneeschichten, die mehr als ein Jahr alt sind und mit der Zeit zu Gletschereis werden. Diese bis zu achtzig Meter dicke, poröse Firnschicht kann weniger Schmelzwasser speichern als bisher angenommen, wie die Universität Zürich am Dienstag mitteilte.
Forschende aus Dänemark, den USA und von der Universität Zürich haben festgestellt, dass die derzeitige Erwärmung den Firn derart verändern, dass Schmelzwasser schneller abfliesst. Ihre Ergebnisse erscheinen im Fachjournal “Nature Climate Change”.
“Unsere Forschung erhärtet den Verdacht, dass der Firn schnell auf ein sich änderndes Klima reagiert”, liess sich Horst Machguth von der Universität Zürich in der Mitteilung der Hochschule zitieren. Wahrscheinlich könne der Firn Schmelzwasser weniger effizient speichern als vermutet und damit weniger gut dem Massenverlust des Eisschildes vorbeugen.
Frühere Studien haben gezeigt, dass die Firnschicht wie ein Schwamm wirkt. Sie speichert einsickerndes Schmelzwasser von der Oberfläche in sogenannten Eislinsen.
Da der jüngste Sommer in Grönland ungewöhnlich warm war, wollten die Forschenden um Machguth herausfinden, ob der Firn die grossen Mengen Schmelzwasser aufnehmen konnte. Hierfür entnahmen und untersuchten die Wissenschaftler zahlreiche Bohrkerne an Stellen, wo bereits vor fünfzehn bis zwanzig Jahren vergleichbare Kerne gebohrt wurden.
Im Vergleich der alten und neuen Bohrkerne fiel auf, dass der Firn vielerorts deutlich mehr Eislinsen enthielt als früher. In tieferen Höhenlagen bildete die ungewöhnliche Menge an Schmelzwasser sogar eine massive Eisschicht direkt unter der Oberfläche.
Die grosse Menge Schmelzwasser scheint zahlreiche Eislinsen geformt zu haben, die zu der mehreren Meter dicken Eisschicht zusammengewachsen sind, vermutet der an der Studie beteiligte Dirk van As vom Geologischen Dienst in Dänemark und Grönland. Diese Eisschicht liege nun wie ein Deckel über nach wie vor porösem Firn.
Schmelzwasser konnte folglich nicht mehr einsickern, bildete Flüsse und floss zum Rand des Eisschildes ab. Dies könnte den Massenverlust des Grönländischen Eisschildes verstärken, wie die Forschenden befürchten.
Diese Eisschicht lässt sich mittels Radarmessungen über Dutzende Kilometer verfolgen, wie die Universität Zürich schrieb. Ihre vollständige Ausdehnung ist jedoch bisher unbekannt. Wie stark der Eisdeckel zum Massenverlust des Eisschildes beiträgt, lässt sich daher noch nicht abschätzen. Ein ähnlicher Effekt wurde jedoch bereits im Firn der Kanadischen Arktis beobachtet, was darauf hindeutet, dass das Phänomen weit verbreitet sein könnte.
(SDA)