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Unberührte Steilhänge mit den Skiern oder dem Snowboard zu befahren, das ist Freeriden. Ging es dabei ursprünglich nur um den Spass und darum, stetig neue Grenzen zu durchbrechen, hielt 2008 der Wettkampfgedanke in der Szene der Freerider Einzug. Der schweizerisch-englische Doppelb ürger Nicolas Hale-Woods initiierte die erste Freeride World Tour. 2013 folgte die erste Austragung der Junior Tour, der Vorstufe zum Profi-Level.
Nicht damit gerechnet
Einer der Rider auf der Junior Tour ist Liam Rivera. Der Sohn eines Mexikaners und einer Freiburgerin ist in Düdingen wohnhaft und hat den Schweizer Pass. Auf der Junior Tour startet er jedoch unter der Flagge Mexikos und damit als Exot, was grössere Aufmerksamkeit bewirkt. 2015, bei seiner Premiere auf der Junior Tour, wurde Rivera Gesamtsechster. In seiner zweiten Saison, die vorletztes Wochenende in Verbier zu Ende gegangen war, konnte er sich nun den Gesamtsieg sichern. «Damit gerechnet habe ich sicher nicht, aber es war schon ein Ziel von mir», sagt der Snowboarder. Er habe ein Rennen nach dem anderen genommen und sei letztlich immer in den Top 2 gelandet. Entscheidend für den Triumph von Rivera war, dass er in den Events der höchsten Kategorie vorne dabei gewesen ist. «Auf der Tour gibt es drei unterschiedliche Kategorien von Rennen. Bei den Events der Kategorie mit einem Stern erhält man für einen Sieg 300 Punkte, bei jenen mit zwei Sternen 600 und bei jenen mit drei Sternen 1100 Punkte», erklärt Rivera. In die Gesamtwertung fliessen schliesslich die drei besten Resultate der Saison ein. Für den Freiburger waren dies 1100 Punkte für den Sieg im österreichischen Fieberbrunn und je 900 für die beiden zweiten Plätze in Chamonix und Verbier. «Im Vergleich zur letzten Saison konnte ich mich in allen Belangen steigern. Ich fahre schneller und schaffe grössere Sprünge. Zudem komme ich in den technischen Passagen besser zurecht. Ich habe mein Niveau sicherlich verbessert.»
Sturz bei der Junioren-WM
Trotz dieser Steigerung war Rivera in dieser Saison nicht vor Enttäuschungen gefeit. 2015 wurde der Freiburger an der Junioren-WM in Andorra Vize-Weltmeister, diesen Januar reichte es ihm an selber Stelle nur zum 9. Rang. «Ich beging einen Orientierungsfehler und verlor viel an Geschwindigkeit. Erst viel weiter unten am Berg wusste ich wieder, wo ich bin. Dann hatte ich aber nicht genug Tempo für den letzten Sprung und ich bin gestürzt», sagt Rivera, der sich deutlich mehr erhofft hatte. Denn eine WM sei vom Event her viel grösser als ein Rennen auf der Junior Tour.
Die World Tour vor Augen
2017 findet die Junioren-WM ein weiteres Mal in Andorra statt–und Rivera hat damit eine neuerliche Chance auf dem WM-Titel. Das ist denn auch eines seiner beiden Ziele; das andere ist die Verteidigung des Gesamtsieges auf der Junior Tour. Eine letzte Saison ist der Freiburger für diese startberechtigt, ehe dann der Wechsel in die World Tour folgen soll.
«Die World Tour ist noch einmal ein ganz anderes Kaliber», sagt der Collège-Schüler, der Sport und Studium dank der einen oder anderen Dispens gut vereinbaren kann. «Die Rider verfügen über viel mehr Erfahrung, und die Abfahrten an den Bergen sind nicht ganz die gleichen wie bei den Junioren.» So gehen die Sprünge bei den Profis weiter, und die Hänge sind noch steiler. Deshalb kann auch nicht jeder Junior, ob Gesamtsieger oder nicht, direkt in die World Tour einsteigen. «Zuvor gilt es, eine Art Qualifikation zu bewältigen», erklärt Rivera. Doch dies ist alles noch Zukunftsmusik. Zunächst geht es für den Freiburger nächste Woche nach Verbier noch einmal aufs Snowboard, um mit Kollegen die Saison abzuschliessen. Der Start in die Junior Tour 2017 erfolgt dann im Januar.
In Fieberbrunn stand Rivera zuoberst auf dem Podest. Bild Tim Lloyd
Freeride Junior Tour
Liam Rivera bester Snowboarder
Freeride Junior Tour. Männer. Snowboard. Schlussrangliste:1. Liam Rivera (MEX, SUI) 2900 (2. Platz in Chamonix, Sieg im Fieberbrunn, 2. Platz in Verbier). 2. Loic Aubert (SUI) 2800. 3. Jake Terry (GBR) 2000. 4. Martin Aeby (FRA) 1920. 5. Finn Duffy (NZL) 1800.–38 kl.