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Mein bald zweijähriger Neffe hat die Sprache für sich entdeckt – und ist gerade dabei, sich eine völlig neue Welt zu erschliessen. Als ich ihn letztes Wochenende besucht habe, plapperte er unentwegt alle Worte vor sich hin, die er gerade neu gelernt hat.
«Laster», «Bagger» und «Auto» gehören dabei definitiv zu seinen Favoriten. Und sie werden immer wieder aufs Neue ausgesprochen. Meine Altgriechischdozentin an der Uni hat immer gesagt, dass man eine Vokabel oder eine grammatikalische Regel mindestens siebenmal wiederholen muss, bevor man sie sich merken kann. Der kleine Junge scheint diesen Grundsatz ganz intuitiv zu beherrschen. Da sass ich also neben meinem Neffen und war dabei, ganz verträumt zuzuhören, wie die vielen Worte aus seinem niedlichen Mund flossen, als er mich auf einmal ganz genau anschaute, zu lachen begann und mir sogleich bewies, dass der Spracherwerb nicht nur ein Segen ist.
«Nase», sagte er und platzierte seinen Zeigefinger auf meinem Riechorgan. «Mund», fuhr er fort, legte den Finger auf meine Lippen, hob ihn sogleich wieder an, liess ihn an einer anderen ganz bestimmten Stelle wieder sinken und sagte vor Freude strahlend: «Pickel!» Autsch. Das tat nicht nur weh, weil der Finger direkt darauf gelandet war.