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Bild
Titel:
Vorbeimarsch des Inf Rgt 34 in Appenzell
Thema: Politik
Datum: 17.10.1968
Masse: Zeichnung schwarz/weiss 30,7 x 22 cm
Standort: Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden, KB-014195
Urheber/-in:
Beschreibung:
Eventuell eine Art Flyer oder Veranstaltunghinweis als Kleinplakat. Signiert auf der Vorderseite unten rechts: Wm.T.
Alpabzug und Defilé in vermischter Darstellung: Abwechselnd Kühe, Appenzellerhäuser, Militärlastwagen und Soldaten im Taktschritt.
Geschichte:
Im WK des Inf Rgt 34 im Jahr 1968 wurden drei Schwerpunkte gesetzt: In der ersten Woche stand vor allem die Nachtausbildung auf dem Programm, in der zweiten Woche folgte eine Gefechtsausbildung mit scharfer Munition und in der dritten Woche lag der Fokus auf der Panzerabwehr. Im Anschluss an die Niederschlagung des Prager Frühlings im August 1968 und die Besetzung der Tschechoslowakei (CSSR) durch Truppen des Warschauer Pakts, welche die militärische Präsenz der Sowjetunion in Osteuropa stark erhöhte, schätzte der Regimentkommandant des Inf Rgt 34 die Lage so ein, „dass sich ein potentieller Angreifer [aus Osteuropa] in erster Linie seiner Panzereinheiten bedienen würde“, weshalb die Panzerausbildung im WK besonders wichtig sei.
Der Vorbeimarsch des verstärkten Inf Rgt 34 am 17. Oktober 1968 in Appenzell war gemäss Angaben in der Appenzeller Zeitung festlich gestaltet, nicht zuletzt weil an diesem Tag nach ein paar bewölkten Tagen in Appenzell die Sonne schien. Nachmittags um 16 Uhr sei das verstärkte Regiment zum Vorbeimarsch bereit gewesen; die Vampire-Formation der Fliegerstaffel 2 sei dann im Tiefflug über Appenzell geflogen und hätte damit das Défilé eröffnet. In der Appenzeller Zeitung wurde neben der „bemerkenswert fortgeschrittene[n] Motorisierung“ (S. 3) des Inf Rgt 34 auch die Bewaffnung der Truppen und vor allem die physischen Strapazen, welche die Soldaten in den letzten Wochen auf sich genommen hatten, betont; dies wurde aber auch mit einem gewissen Stolz bemerkt, denn beim symbolischen Abschluss des Wiederholungskurses schienen die Soldaten die Strapazen vergessen zu haben und „der erkennbare Vorsatz, […] vor den Vorgesetzten und sich selbst als einsatzbereiter Soldat bestehen zu können, war deutlich erkennbar.“ (S. 3f.)
Die Besetzung der Tschechoslowakei durch Truppen des Warschauer Pakts hatte zur Folge, dass viele Bürger der CSSR ihr Land als Flüchtlinge verliessen. Die Appenzeller Zeitung berichtete denn auch in der Ausgabe vom 16. Oktober über die tschechoslowakischen Flüchtlinge in der Schweiz. Seit dem Einmarsch der Sowjetunion in der CSSR hätte die Schweiz 11000 Einreisevisa für tschechoslowakische Bürger ausgestellt, 9000 seien nun in der Schweiz. Über die Flüchtlinge aus der Tschechoslowakei 1968 wurde genauso wie über die ungarischen Flüchtlinge 1956 in einem ausgesprochen positiven Ton berichtet, denn sie galten als Helden im Kampf gegen den Kommunismus.
Autoren: Katharina Merian, Speicher und Hans Georg Kasper, Trogen
Literatur:
Das Infanterie-Regiment 34 unter den Fahnen. In: Appenzeller Zeitung Nr. 231 (1986), S. 3.
Gegen 9000 Tschechoslowaken in der Schweiz. In: Appenzeller Zeitung Nr. 244 (1968), S. 11.
Heiteres aus dem WK. In: Appenzeller Zeitung Nr. 244 (1968), S. 3.
Vorbeimarsch des verstärkten Infanterie-Regiments 34 in Appenzell. In: Appenzeller Zeitung Nr. 246 (1968), S. 3f.
Cattani, Alfred. Erwünschte Flüchtlinge. Ungarn, Tibeter und Tschechoslowaken in der Schweiz. In: Wege der Schweiz. NZZ Folio 08, Zürich 1991
Zusatztexte:
Am 16. Oktober 1968 konnte folgende kleine Zwischenmeldung in der Appenzeller Zeitung gefunden werden:
Heiteres aus dem WK
Zu Beginn des diesjährigen Wiederholungskurses des Inf Rgt 34 wurde der Befehl erteilt, dass die von jedem Wehrmann gefasste Notration nur im äussersten Notfall verspeist werden dürfe.
An einem Nachmittag der dritten Dienstwoche erblickte der Kommandant einer Füsilierkompagnie am Strassenrand einen seiner Füsiliere, der in aller Seelenruhe seine Notportion verzehrte. Wieso er dazu kommen, diesen ausdrücklichen Befehl einfach zu missachten, wollte der Kadi wissen. „Die hani gfonde“, gibt ihm der Füsel mit Fassung zur Antwort. Wo er denn seine eigenen Notportion habe, wollte der Hauptmann weiter wissen. „Die seb hani verlore.“
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