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Mitte des 20. Jh. wuchs die Bevölkerung in der Region wie auch in der Schweiz rasant. Ein ungebremstes Wirtschaftswachstum forderte immer mehr Ressourcen. Unrealistische Wachstumsprognosen und ein ungebremster Wachstumsrausch führten zu einem Bauboom (Gebäude, Strassen usw.). Die Prognosen für die Zukunft waren gigantisch bezüglich Wachstum.
Das waren die Rahmenbedingungen für den Ausbau der Stromversorgung in der Schweiz und in Europa. Die Kernkraft schien damals eine saubere und günstige Alternative zu Kohle- oder Erdölkraftwerken zu sein. Sicherheitsbedenken waren praktisch keine zu hören. Für die atomaren Abfälle würde man, so lautete der fortschrittsgläubige Tenor, sicherlich eine Lösung finden.
Unter diesen Umständen wurde ganz rasch das Atomkraftwerk (AKW) Beznau (mit Flusswasserkühlung) gebaut, welches schon 1969 den Betrieb aufnahm. 1967 erfolgte der Spatenstich in Mühleberg. 1973 erhält des AKW Gösgen die Betriebsbewilligung. Das AKW wurde trotz heftigen Protestmärschen 1978 in Betrieb genommen.
1966 gab die Motor-Columbus die Absicht bekannt, im aargauischen Kaiseraugst, nur zehn Kilometer von Basel entfernt, ein Atomkraftwerk zu bauen. Damit verzichtete das Technologieunternehmen auf das ursprünglich geplante konventionelle thermische Kraftwerk am Ort. 1987 wurde der Bau mit Rheinwasserkühlung bewilligt. Eine alternative Kühlung durch eine Fernwärmeversorgung der Region wurde nicht ansatzweise diskutiert.
Seit den 1960er-Jahren entwickelten sich aus den pazifistischen Ostermarschkreisen neuartige Aktionsformen gegen die Atomkraftwerke. 1970 trat mit dem Nordwestschweizer Aktionskomitee gegen Atomkraftwerke (NWA) erstmals eine organisierte Opposition gegen den 1964 eingeleiteten Bau von Atomkraftwerken auf, zuerst vorab gegen die Flusswasserkühlung, ab 1971 gegen Kühltürme gerichtet. Die Gewaltfreie Aktion Kaiseraugst (GAK) organisierte 1973 erste Besetzungen des Baugeländes. 1971 verbot der Bundesrat die Flusswasserkühlung an Aare und Rhein. Gewässerschutz war damals das Top-Umweltschutzthema.
Für Kaiseraugst hiess das Kühltürme. Das wiederum weckte nun auch den Widerstand der Natur- und Landschaftsschützer. 1975 besetzten AKW-Gegner das Baugelände. An Demonstrationen marschierten bis zu 20 000 Leute auf. Im März 1979 geriet das AKW Three Mile Island in Harrisburg (USA) ausser Kontrolle. Dies nutzten die Bundesbehörden, um in Kaiseraugst strengere Vorschriften bezüglich Notfallplanung durchzusetzen.
Nach dem Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 kamen zwei neue Initiativen zustande: Das Volk lehnte allerdings 1990 jene der SP für den Ausstieg aus der Atomenergie mit 53 % Nein ab, stimmte aber mit 54,5 % Ja einem zehnjährigen Moratorium für den Bau neuer Atomanlagen zu. Schlusspunkt des Projektes Kaiseraugst: Am 2. März 1988 verzichtete das Bundesparlament auf einen Bau von Kaiseraugst. In der Zwischenzeit hatte das ebenfalls im Kanton Aargau gelegene Kernkraftwerk Leibstadt 1984 den Betrieb aufgenommen. Es erzeugt rund einen Sechstel des schweizerischen Strombedarfs.
In der Folge war aber in der Frage der Kernenergienutzung noch immer kein Konsens gefunden. Erst die Katastrophe von Fukushima 2011 verursachte ein schnelles Umdenken. In der Schweiz wurde der Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen. Die Diskussion wird heute (2012) einerseits durch das Thema «Laufzeit der bestehenden Atomkraftwerke», andererseits durch das «Wie des Ausbaus der Alternativenergien» bestimmt. Beim Letzteren stehen oft Energieinteressen zum Teil landschaftschützerische Aspekten diametral gegenüber (Standorte Windräder).
HPM