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Ein echter
Assistenzhund

Von Will Guild, USA
Seit etwas mehr als 7 Jahren ist Gus, ein Cardigan Welsh Corgi, mein Assistenz-Hund und mein bester Freund und ich bin überzeugt, dass er mir das Leben gerettet hat.
2008 wurde bei mir schwere PTBS diagnostiziert. Ich hatte mehr als 30 Jahre als Navy SEAL (Spezialeinheit der US Navy) gedient. Ich hatte gekämpft, Freunde verloren und Dinge gesehen, die ich vergessen wollte. Menschen erleben PTBS verschieden und in meinem Fall kam sie als Depression und Schlafstörungen zum Ausdruck. Als jemand, der regelmässig und sicher im Schutze der Nacht arbeitete, bekam ich im Dunkeln Klaustrophobie und hatte Angst, dass etwas oder jemand mit der gleichen Ausbildung wie ich mich angreifen würde. Jahrzehntelang in höchster Alarmbereitschaft für die Sicherheit im Feld zu sorgen, hatte zu einer Art Zusammenbruch geführt und ich fühlte mich nun zu verängstigt und verwundbar, um in einen tiefen Schlaf zu fallen. Man verordnete mir Schlaftabletten, aber ich hasste das Gefühl, das sie mir gaben, und die Angst war immer noch da.
Mein Psychiater empfahl mir, einen Hund anzuschaffen. Er meinte, dass ein Hund beide meiner Probleme lösen könnte: er würde mir die Verantwortung geben, für ein Lebewesen zu sorgen und mir helfen, mehr präsent zu sein und von meinem eigenen Drama wegzukommen; gleichzeitig würde ich einen Beschützer haben, der über mich wachte, während ich schlief, was mir das notwendige Vertrauen geben würde, mich zu entspannen und in den dringend benötigten tiefen Schlaf zu fallen. Das leuchtete mir ein und ich gebe zu, ich wünschte mir tatsächlich einen Hund.
Ich dachte sofort an einen Deutschen Schäferhund, aber nachdem ich mit zwei Schäferhunden aufgewachsen war, wusste ich, welche Anforderungen sie an Platz und Bewegung stellen. Ich wohnte in einer Einzimmerwohnung auf Coronado Island in Kalifornien und mir war klar, dass es für einen grossen Hund keine geeignete Umgebung war. Also begann ich, verschiedene Rassen zu recherchieren, indem ich gezielt nach den für einen guten Gesellschaftshund notwendigen Eigenschaften suchte - Intelligenz, Einfühlungsvermögen, Beschützerinstinkt, Trainierbarkeit und Geselligkeit - samt der Fähigkeit, sich in dem begrenzten Raum einer überbevölkerten Ferienstadt wohl zu fühlen.
Meine Suche führte mich zu den Corgis. Nun, ich muss gestehen, ich hatte mir nie vorgestellt, der Besitzer eines Cardigan Corgis zu werden und schon gar nicht, einen als Assistenz-Hund in den Dienst zu nehmen. Ich hatte eine ungefähre Vorstellung der Rasse und wusste, dass sie gemeinsame Vorfahren mit dem Dackel hatten und näher mit dem Pembroke verwandt waren. Ich fand, dass der Cardigan ein putziger Hund ist, der aussieht als wäre er aus verschiedenen Ersatzteilen zusammengesetzt, die aus einem Geschäft stammen, das gut mit Ohren eingedeckt ist, aber dem gerade die Beine ausgegangen sind. Er schien jedoch der perfekte Hund für Familien mit Kindern und kleinem Garten zu sein - aber kaum ein Hund für einen alleinstehenden Mann und dazu noch einen Navy SEAL!
Meine Suche führte mich jedoch immer wieder zu diesem bemerkenswerten Hund und als ich mehr über die Rasse las und sie kennen lernte, überdachte ich meine früheren Vorurteile. Sie entsprach allen Erwartungen an Wesen und Gesundheit und erfüllte sämtliche Anforderungen an einen Assistenz-Hund. Als ich las, dass die Waliser den Cardigan liebevoll als Deutschen Schäferhund ohne Beine betrachten, war ich gefangen - zudem wollte ich einen Hund mit Rute. Vielleicht, dachte ich, hatte ich genau den Hund gefunden, den ich suchte: einen tragbaren Deutschen Schäferhund.
Ich wandte mich an eine anerkannte Hundetrainerin in San Diego und erkundigte mich über Corgis und wo ich eine seriöse Züchterin finden könne. Sie verwies mich an Susan Lassila vom Zwinger "Shadowalk" in Montana und ich setzte mich sofort in Verbindung mit ihr. Susan beantwortete bereitwillig alle meine Fragen und stellte mir ihrerseits alle die Fragen, die eine gewissenhafte Züchterin einem zukünftigen Besitzer stellen würde, einschliesslich ob ich mir bewusst sei, auf was ich mich einliess. Sie informierte mich über den starken Willen und die Hartnäckigkeit, die einem Hund eigen sind, der dafür gezüchtet wurde, auf einer Farm oder Ranch Entscheidungen zu treffen, eine Aufgabe, die auch darin besteht, es mit störrischem Vieh aufzunehmen. Hmmm, dachte ich: mutig, hartnäckig, eigensinnig und schlau... das klingt bekannt, ich bin dabei. Also setzte Susan mich auf die Warteliste. Als sie mir nach mehreren Monaten mitteilte, dass sie einen Wurf habe, sagte ich ihr, was ich suchte und überliess ihr die Wahl des Welpen. Neun Wochen später nahm ich am San Diego Cargo Terminal einen 3.5 kg schweren tricolor Welpen in Empfang, dem ich sogleich den Namen Gus gab.
Gus ist nun schon sieben Jahre an meiner Seite und er ist alles und mehr, das Susan versprach. Ich hatte in meinem Leben verschiedene Hunde und kann ohne zu zögern sagen, dass meine Erfahrungen mit Gus die schönsten sind. Er ist ausserordentlich loyal und einfach zu trainieren; aufmerksam aber nie feige; zuverlässig aber nicht roboterhaft in seinem Gehorsam. Ursprünglich wollte ich einen Gesellschaftshund, um den ich mich kümmern musste, um meine Gedanken von den eigenen Problemen abzulenken. Was ich bekam war meinen besten Freund.
Gus' PTBS-Assistenzhund-Abzeichen
Erfahrung ändert in der Tat die Perspektive. Aus Respekt und Liebe für Gus (und unser neustem Familienmitglied, Merle von Raconteur Cardigans), würde es mir schwerfallen, einen Cardigan mit einer anderen Hunderasse zu vergleichen. Sie sind ganz einfach eine Klasse für sich, vielleicht teilweise auf Grund ihres Ursprungs. In meinen Augen sind sie nicht länger putzig und komisch aussehend. Für mich sind sie nichts weniger als aristokratische Lebewesen von grossem Charakter und Mut. Es scheint daher, dass man bei Vergleichen respektvoll vorgehen und sie zum Standard nehmen soll, woran andere Rassen gemessen werden: Deutsche Schäferhunde sind wie langbeinige Cardigans.
Aus dem CWCCA Handbuch 2017 erschienen anlässlich des 75. Jubiläums und übersetzt von ANo mit freundlicher Genehmigung.