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von Nanina Egli
Matthäus Pfau (1820 - 1877), ein Kaufmann aus Winterthur, kaufte das Schloss Kyburg und wohnte ab 1865 auf der Burg. Gegen ein bescheidenes Eintrittsgeld zeigte er seine Sammlung von berühmten Gemälden, Folterwerkzeuge, schöne Möbel und Figurinen, die historische Szenen darstellten. Tausende Besucher kamen. Das anfängliche Gehäuse, das Schloss, wurde ein immer wichtigeres Objekt der Sammlung, am Schluss war die Kyburg selbst das Hauptobjekt. Was für uns wie ein typisches «Museum» klingt, wurde zeitgenössisch nicht Museum genannt. Pfau lud die Besucher als Gäste in sein Privatleben ein. Im Aufsatz wird argumentiert, dass Pfau das ihm aus der Kunstgeschichte bekannte «Indizienparadigma» auf die Burgarchitektur übertrug und so die stummen Mauern zum Erzählen brachte. Die rabiaten Methoden er schlug etwa den Verputz von den Wänden, um Malereien freizulegen muss zeitgenössisch als Ausdruck eines Bedürfnisses, hinter die Fassaden zu blicken, gedeutet werden. Als Politiker der Demokratischen Bewegung war ihm die Volksbildung ein Hauptanliegen. Das Proto-Museum auf Schloss Kyburg wurde damit zu etwas, was unserer Vorstellung von Museen näher kommt als die als Museen bezeichneten Institutionen der Zeit.
, Nanina : Mauern zum Erzählen bringen: Matthäus Pfau, das Indizienparadigma und das Proto-Museum auf Schloss Kyburg (1864 - 1877)
Mittelalter – Moyen Age – Medioevo – Temp medieval, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 18. Jahrgang 2013, Heft 4, 108 - 115.