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Dieses Jahr wird der Schweizerische Verband für Pferdesport 120 Jahre alt. Finnland feiert in 2020 das 100-jährige Jubiläum. Eine weitere Parallele gibt es zwischen der Schweiz und Finnland. Beide verpassten 1921 die Gründung der FEI und traten zusammen zwei Jahre später bei, als FEI-Mitglieder Nummer neun und zehn. Die Schweizer konnten 1921 nicht dabei sein, weil durch das schwerfällige Vorortsystem keine schnelle Entscheidung möglich war – die Finnen, weil sie nur ein halbes Jahr nach der Gründung andere Sorgen hatten, als ins ferne Lausanne zu reisen, wo im Mai 1921 die FEI gegründet wurde.
Oskar Wilkman
Das jahrhundertelang von Schweden und Russland umkämpfte Finnland war erst 1917 unabhängig geworden. Der erste «Finne», der bei Olympischen Spielen ritt, 1912 in Stockholm, war der zaristische Offizier Oskar Wilkman. Er wurde 15. im Modernen Fünfkampf. Acht Jahre später, nun Oberst in der neuformierten finnischen Armee, bestritt der nunmehrige Oskar Vilkama in Antwerpen 1920 die Olympische Vielseitigkeitsprüfung. Er wurde 17. An die folgenden olympischen Spiele bis zum Zweiten Weltkrieg entsandten die Finnen jedes Mal nur einen Reiter. Platz fünf für Capt. Hans Olof von Essen 1928 in Amsterdam war die beste Platzierung. Vier Jahre zuvor, 1924 in Paris, ritt der junge Leutnant Lars Ehrnrooth, der Sohn einer prominenten finnischen Familie. 24 Jahre später, 1948 in London, bestritt sein jüngerer Bruder Adolf als Oberst die olympische Military und wieder vier Jahre später war ein dritter Bruder, Gustav, verantwortlich für die Reitwettbewerbe der Olympischen Spiele von 1952 in Helsinki.
Volle Equipen beim «Heimspiel»
Diese Olympischen Spiele von 1952 veranlassten die Finnen – die Armeeführung und den Pferdesportverband – zu verstärkten internationalen Anstrengungen. Bereits 1948 in London ritten drei finnische Military- und zwei Springreiter. Zu Hause in Helsinki 1952 gab es volle Equipen im Springen und in der Military. Auch nach Stockholm 1956 entsandte Finnland volle Kontingente in Military und Springen, dazu erstmals einen Dressurreiter: Mauno Roiha auf Laos, dem Pferd, mit dem er vier Jahre zuvor die olympische Military bestritten hatte. Zählbare Erfolge gab es für die Finnen bei diesen drei olympischen Starts nicht – möglicherweise der Grund für die darauffolgende fast totale internationale Abstinenz der finnischen Reiter bis Mitte der 70er-Jahre. Einzig bei den Nordischen Meisterschaften starteten in diesen zwei Jahrzehnten finnische Reiter.
Die Olympischen Spiele von 1952 waren Finnland als Entschädigung für die abgesagten Spiele von 1940 zugesprochen worden. Nach dem kriegsbedingten Verzicht des ursprünglich bestimmten Tokio war 1938 Helsinki eingesprungen, bis die finnische Hauptstadt nach der Invasion durch sowjetische Truppen im Januar 1940 ebenfalls absagen musste. Da damals der FEI-Präsident vom Veranstalterland der nächsten Olympischen Spiele kommen musste, war 1939 der finnische Geschäftsmann Magnus Rydman gewählt worden. Er blieb FEI-Präsident bis 1946.
Christopher Wegelius und Kyra Kyrklund
1974 erschien beim CSIO Rotterdam ein finnischer Reiter auf den Startlisten: Christopher Wegelius. Bei einem Gespräch mit dem damals 30-Jährigen entpuppte sich der finnische Springreiter als Bankier, der wenige Jahre später zum Generaldirektor der grössten finnischen Sparbank aufstieg. 1980 bestritt Wegelius die vom Westen boykottierten Olympischen Spiele in Moskau, wo er mit Monday Morning Zwölfter wurde. Ebenfalls in Moskau 1980 als Einzelreiterin in der Dressur am Start war Kyra Kyrklund. Mit Piccolo wurde sie Fünfte. 1988 und 1992 wurde sie mit Matador respektive Edinburgh erneut Olympia-Fünfte. 1990 gewann sie mit Matador die WM-Silbermedaille und 1991 siegte sie im Weltcupfinal in Paris. Ermuntert durch die erfolgreiche Privatinitiative von Christopher Wegelius, der nach seinem internationalen Debüt 1974 in Rotterdam weitere Auslandsreisen unternahm, wagten sich 1978 drei junge finnische Springreiter an den polnischen CSIO in Olsztyn, mit dem CSI in Warschau zuvor. Im Nationenpreis, mit nur drei Reitern, schafften zwei der Reiter drei Nuller und einen Vierfehlerritt. Aber da der dritte Reiter ausschied, gab es nur einen hinteren Platz. Einer der drei finnischen Reiter in Olsztyn war Tom Gordin (er mit zwei Nullfehlerritten), heute Organisator des CSI-W Helsinki.
Weltcupsieg für Forsten
Nach diesen ersten Kontakten wurden finnische Reiter international aktiver. Von 1990 bis 2000 bestritt Finnland 25 Nationenpreise. Auch im Weltcup sah man immer wieder finnische Springreiter am Start. Einer, Mikael Forsten – heute Präsident des finnischen Pferdesportverbandes –, gewann sogar das Weltcupspringen in Amsterdam.
Piia Pantsu und Arja Mikkonen
Einige Jahre errang auch eine finnische Vielseitigkeitsreiterin internationale Erfolge: Piia Pantsu. Bei den Fahrern glänzten die finnischen Einspänner. Bei der ersten WM 1998 in Ebbs (Österreich) wurde Arja Mikkonen Weltmeisterin. 2002 in Conty (Frankreich) gewannen Mikkonen, Heidi Sinda und Michaela van Assendelft WM-Silber und 2004 in Åstorp (Schweden) gab es Einzelbronze und wieder Mannschaftssilber für Finnland. An den beiden letzten Olympischen Spiele 2012 in London und 2016 in Rio de Janeiro nahmen zwei Dressur- und ein Militaryreiter teil. Die beiden Dressurdamen klassierten sich in London auf den Plätzen 22 und 30 – der finnische Eventer wurde 31. in Rio.
(Erschienen in der PferdeWoche Nr. 1/2020)
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