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Erfolgreichste Schweizerinnen, die Geschichte schrieben – Teil 1
„Es gibt viele Schweizer Frauen, deren Leben und Werk in den Geschichtsbüchern zu wenig Aufmerksamkeit finden“, stand vor einier Zeit erstaunlicherweise in der „grössten Zeitung der Schweiz“. Darauf folgte eine Auswahl von acht aussergewöhnlichen und inspirierenden Frauen, die die Schweizer Geschichte geprägt haben, mit der Nummer 1, der St. Gallerin Wiborada und der Nummer 3 Johanna Spyri
Wiborada lebte als Inklusin in St. Gallen und war eine Einsiedlerin, geweihte Jungfrau und Märtyrin der katholischen Kirche. Sie wurde als erste Frau überhaupt im Jahr 1047 von einem Papst heiliggesprochen, Clemens II. Mittelalterlichen Quellen zufolge wurde ihr im Juni 925 in einer göttlichen Vision der Ungarneinfall in das Kloster St. Gallen und ihr eigener Märtyrertod offenbart. Sie riet daraufhin dem Abt des Klosters, die Manuskripte und Schätze des Klosters auf eine Fluchtburg zu bringen. So wurden die kostbaren Bücher gerettet, denn der Ungarneinfall fand 926 tatsächlich statt. Die Mönche des Klosters flüchteten, doch Wiborada entschloss sich, zu bleiben und starb. Wiborada wird noch heute als Schutzpatronin von Bibliotheken, Bücherfreunden, Pfarrhaushälterinnen und Köchinnen verehrt. Jeweils am 2. Mai jedes Jahres begeht das Bistum St. Gallen eine Feier zu Ehren Wiboradas, bei der gesegneter Wein gespendet wird.
2. Elisabeth von Wetzikon (1235-1298) – die grosse Frau von Zürich
Elisabeth von Wetzikon war von 1270 bis 1298 die Fürstäbtissin des Fraumünsterklosters in Zürich und somit die Herrin der Stadt. In ihrer Position als Äbtissin verpachtete sie die Zölle von Zürich, wählte den Bürgermeister und seinen Stellvertreter und war die oberste Richterin der Stadt. Das Fraumünsterkloster führte ausserdem die städtische Kanzlei. Heute existieren noch 170 Urkunden, die mit ihrem Namen und Siegel versehen sind. Hinzu kommt, dass sie in Zürich mit dem Bau des Querschiffs des Fraumünsters die Gotik einführte. Allein, dass wir noch heute so viel über diese Frau wissen, zeigt, welchen Einfluss sie zu ihrer Zeit in der Limmatstadt und darüber hinaus hatte.
3. Johanna Spyri (1827-1901) – die Bestseller-Autorin der Schweiz
Johanna Spyri erschuf die Romanfigur Heidi und ist die wohl bekannteste Autorin der Schweiz. Sie wurde 1827 als Tochter eines Arztes und einer Dichterin in Hirzel, Zürich geboren. Mit 15 zog sie zu ihrer Tante nach Zürich, nach Abschluss der Schule ging sie zwei Jahre lang nach Yverdon, um Französisch zu lernen. Danach kehrte sie wieder nach Hirzel zurück, um ihrer Mutter im Haushalt zu helfen und ihre kleineren Geschwister zu unterrichten. 1852 heiratete sie den Zürcher Juristen und Redaktor Bernhard Spyri, mit dem sie einen Sohn hatte. Während der Schwangerschaft litt Spyri an Depressionen, die auch nach der Geburt ihres Kindes noch jahrelang anhielten. Zu schreiben begann sie denn auch eher spät; der Bremer Pastor Cornelius Rudolph Vietor, ein Freund der Familie, brachte sie auf die Idee. Ihre erste Erzählung «Ein Blatt auf Vrony’s Grab» erschien 1871 in Bremen und wurde ein grosser Erfolg. Weitere Erzählungen folgten, die allesamt unter dem Pseudonym J.S. veröffentlicht wurden. Nach ihrem ersten Kinderbuch «Heimatlos» veröffentlichte Spyri 1879 «Heidis Lehr- und Wanderjahre», das über Nacht zu einem grossen Erfolg wurde. 1881 folgte der zweite Band, «Heidi kann brauchen, was es gelernt hat». «Heidi» wurde in über 50 Sprachen übersetzt, mehrfach verfilmt und ca 50 Millionen Mal verkauft. Der Roman gehört damit zu den meistverkauften Büchern der Welt. Spyri erkrankte 1901 an Krebs und liess sich von der ersten Schweizer Ärztin Marie Heim-Vögtlin behandeln. Doch sie hatte keine Chance gegen die Krankheit und starb kurz darauf in Zürich.
Bild: Wiborada