Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03570.jsonl.gz/1124

« ZurückWeiter »
entweder angeboren ist, oder, wie oben gezeigt wurde, durch Entzündung eines der Muskeln entsteht, hervorgerufen zu werden. Daher wird bei der fehlerhaften Gewohnheit, den Kindern die Gegenstände zu nahe, oder immer in einer Richtung vorzuhalten, leicht durch vermehrte Contractilität des thätigen, bewegten Augenmuskels ein Schielen hervorgebracht, daher wird durch Verdunklungen der Hornhaut, der Linse etc., indem das Auge nur in einer gewissen Stellung die Gegenstände gewahrt, das Schielen bedingt. Büffon) hat bemerkt, dass durch Ungleichheit der Sehkraft der Augen das Schielen begründet werde, da, im Falle das eine Auge fern, das andere kurzsichtig ist, die Eindrücke, die das Individuum erhält, wenn es mit beiden Augen die Gegenstände betrachtet, verwirrt sind, woher es dann genöthiget ist, das schwächere Auge von der Sebaxe des stärkern abzuziehen, wodurch Ungleichheit in der Thätigkeit der Muskeln entsteht. Ueberhaupt wird das schielende Auge vernachlässigt und schwächer, als das gesunde, was bei der Behandlung zu berücksichtigen ist. Ist das Auge durch die mechanische Gewalt einer in der Aus gengrabe sich entwickelnden Geschwulst schielend, So ist gewöhnlich Exophtalmus gleichzeitig vora handen. Gemeiniglich entwickelt sich der Strabismus im kindliclien Alter zur Zeit des Zahnge* schäftes. Die Luscitas ist die höhere Stuffe des Strabismus, und unterscheidet sich von diesem durch das Unvermögen, den feblerhaft gestellten Bulbus in die der fehlerhaften Stellung entgegengesetzte Richtung zu bringen ). Ursache an.
St. Yves (Nouveau traité des maladies des yeux pag. 164) beschreibt ein Schielen, welches Folge des rheumatischen Leidens ist, und empfiehlt Aderlässe,
Abführ- und Brechinittel zur Hebung desselben. 1) Memoires de l'Acad. des Sc. ann. 1743. 4. 2) Beer, im a. W. S. 667. 2. B..
Bei der Behandlung trachte man die Ursache des Uebels, die krankhafte Nervenstimmung, den consensuellen Reiz, jenen Einfluss, den die fehlerhafte Gewohnheit weckte, zu entfernen. Vorzüglich hat man auf den gestörten Antagonismus der Muskeln, und auf die angeborne oder erworbene Schwäche des Auges Rücksicht zu nehmen. Die durchlöcherten Schalen, die Röhrenbrillen und andere Vorrichtungen, vermöge welchen das Auge gezwungen wird, den Gegenstand in gerader Richtung zu betrachten, werden empfohlen, allein die Anwendung derselben gewährt keinen günstigen Erfolg, da das Individuum pur mit dem gesunden Auge sieht, und das schielende von dessen Axe entfernt ist, sie können vielmehr nachtheilig werden, da gewöhnlich zur Seite der Schalen einiger Raum für das Eintreten der Lichtstrahlen besteht, wohin das schielende Auge sich wendet, und wodurch der krankhafte Zustand erhöht wird. Das schwarze Pflaster auf die Nasenspitze geklebt, gewährt beim Strabismus divergens eben so wenig Nutzen, als die von Verduc) vorgeschlagenen kleinen auf die Seite des Auges befestigten Spiegel. Das Verfahren von Buffon, das in neuern Zeiten von Roux 2) mit Erfolg angewandt wurde, verdient Nachahmung; es wird das gesunde Auge bedeckt, das schwächere auf eine passende Weise geübt, um dadurch die Gleichheit der Energic der Netzhaut beider Augen und die Harmonie der Wirkung der Muskeln zu erhalten. Die Wirkung dieses Verfahrens wird durch geistige Einreibungen in die Augengegend, durch Galvanism oder Elektricität u. dgl. zweckmässig unterstützt. Neyrosen, bei welchen die Sensation
krankhaft verändert ist. In den hier aufgestellten Krankheitsformen spricht 1) Pathologie T. 2. p. 50. a) Obs. sur un Strabisme diverg. gucri sur un sujet adulte.
sich die Receptivität der sensiblen Sphäre entweder erhöht oder vermindert aus, Die hieher gehörigen Krankheitsformen sind: die Amaurose, die Amblyopie, die Diplopie, die Hemiopie, die Hemeralopie, die Nyctalopie. Die Amaurose fasst bist weilen alle diese Krankheitsformen, welche selbst ständig aufzutreten vermögen, als Symptome in sich, sie ist daher auch die wichtigste der hier aufgestellten Krankheiten. Obgleich die Myopie und Presbyopie gewöhnlich durch den Bau des ganzen Auges hervorgerufen werden, so ist die Veränderung der Sensation, wenn schon hier nur symptomatisch, doch so auffallend ausgedrückt, dass diese Zustände hier aufgestellt zu werden verdienen.
Von der Amaurose.
Die Beschränkung oder vollkommene Aufhebung des Sehvermögens, gesetzt durch den abnormen Zustand des Sehnervengebildes *), bedingt dieAmaurose. Die Erblindung ist weder Folge der Verschleimung der Hüllen, noch der Trübung der Flüssigkeiten des Auges. Es leidet nur ein Auge, oder was gewöhnlicher ist, es erkranken beide. Beschränkt sich das Leiden im Beginnen des Uebels nur auf ein Auge, so steht das Individuum doch in Gefahr, völlig zu erblinden, da das andere in
*) Beer hat gezeigt, dass die Sehnerven nicht aus dem untern
und hintern Theile der Sehhügel ihren Ursprung nelimen, sondern er hat den Verlauf derselben bis zur medulla oblongata verfolgt. Sie erhalten Verstärkungen von der eminentia quadrigemina, von den Sehnervenhügeln, welche man als Ganglien dieser Nerven betrachtet,' von den Schenkeln des Gehirns, und, von dem Trichter aus der Masse des Gehirns. (Anatoinische und physiologische Darstellung des menschlichen Auges von F. Müller. Wien 1819. pag. 81). Die Ansicht, dass irgend ein anderer Nerve thatigen Antheil an dem Sehvermögen habe, ist grundlos.
icht
Kulter
der Folge gewöhnlich in denselben ErkrankungsProcess gezogen wird. Mehrentheils erstreckt sich die Krankheit über die ganze Retina (Amaurosis completa), zuweilen nur über die Hälfte derselben (Amaurosis dimidiata ). Im ersten Falle ist der Kranke ganz blind; im zweiten sieht er die Gegenstände nur halb. Zuweilen begränzt sich die Krankheit auf eine einzelne kleine Stelle der Retina; der Kranke sieht alsdann einen einzelnen schwarzen unbeweglichen Flecken. Man hat schon beobachtet, dass bei dem über die Retina ausgebreiteten Leiden eine kleine Stelle derselben gegen das Licht empfindlich blieb. *).
Das Erlöschen des Sehvermögens findet entweder plötzlich Statt, oder man bemerkt allmählige Ab nahme desselben. In letzterm Falle geschieht dieses unter Erscheinungen, welche gesteigerte oder verminderte Sensibilität bezeichnen.
Die Amaurose mit gesteigerter Sensibilität zeigt bei ihrem Entstehen vermehrte Empfindlichkeit des Auges, Lichtscheue; glänzende Gegenstände sind dem Auge unerträglich, die Lichtflamme, alle glänzenden Gegenstände scheinen dem Leidenden mit einem Farbenkreise umgeben zu seyn.
Es entsteht zuweilen eine ausserordentliche Schärfe des Gesichts (Oxyopia), zuweilen bei hohem Grade der Lichtscheue, sieht das Individuum nur bei sehr geringer Beleuchtung. Im Auge finden Lichtentwicklungen Statt. Der Patient fängt an zu schielen, und es bildet sich Diplopie. Gewöhnlich stellen sich Schmerzen im Kopfe und in dem Auge ein, die Conjunctiva wird leicht geröthet, das Auge thränt oder ist vollkommen trocken, hart, und zuweilen hervorstehend. Die Pupille ist gewöhnlich verengert, und die Bewegungen der Iris sind träge.
Die beginnende Amaurose mit verminderter Sen
*) Richter, Anfangsgr. der Wundarzn. 3. B. pag. 496.
sibilität spricht sich durch Abnahme des Sehvermögens, indem der Kranke die Gegenstände wie in eine Wolke gehüllt, schwer erkennt, durch Sinnestäuschungen, indem schwarze Puncte im Auge aufzusteigen scheinen, wodurch das Gesicht verwirrt wird, vorzüglich aus. Die Gegenstände erscheinen auf verschiedene Weise entstellt (Metamorphopsia), oder nur zur Hälfte (Hemiopia), und der Zusammenhang derselben unterbrochen (Visus interruptus). Sie scheinen dunkler bemalt, als sie sind, und werden nur bei starker Beleuchtung wahrgenommen. Die Kranken beklagen sich über Lichtmangel und wenden sich mit grosser Begierde gegen das Licht *). Nach leichten Anstrengungen, nach geringem Säfteverlust vermindert sich das Sehvermögen, das durch excitirende Momente gebessert wird. Die Iris wird in ihren Bewegungen immer träger, die Pupille verliert ihre reine Schwärze, und wird erweitert. Der kranke Augapfel declinirt von der Sehaxe des gesunden. Zuweilen stellt sich Lähmung des obern Augenliedes, und Trägheit in den Bewegungen der Augenmuskeln ein. Man bemerkt bei der Entwicklung des schwarzen Staares zuweilen keine anhaltende Zunahme, sondern ein von Zeit zu Zeit sich einstellendes Stehenbleiben, und selbst Abpalıme des Uebels, das aber immer wieder exacerbirend endlich unter diesen anhaltenden Schwingungen vom Bessern zum Schlimmern und umgekehrt die höchste Stuffe der Ausbildung zu erreichen vermag
Die Diagnose des ausgebildeten Uebels ist leicht trüglich, da keine der einzelnen Erscheinungen bezeichnend ist, und diese erst ihren diagnostischen Werth im Verein aufgefafst, erhalten; zudem genügt es nicht, hier nur der Namen der Krankheit aufzufinden, das Wesen derselben muss er
*) Beer (im a. W. 2. B. S. 429) nennt diesen Zustand
Lichthunger.