Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03473.jsonl.gz/1376

Cannabis-Kapseln sind einer Studie zufolge besser wirksam für die Schmerzbekämpfung als das Rauchen von Joints. Demnach spüren Versuchspersonen nach dem Einnehmen von Kapseln des Präparats Dronabinol (THC) Schmerzen später als nach dem Rauchen von Cannabis.
Die Wirkung der Kapseln hält ausserdem länger an als die Wirkung des Joints, berichtet die Psychiaterin Ziva Cooper von der Columbia University in New York.
Dronabinol wird in einigen Ländern ärztlich verschieben gegen Schmerzen, Schwindel und Übelkeit bei Krebs-Patienten, gegen Appetitlosigkeit bei AIDS-Kranken und gegen Muskelkrämpfe. Für ihre Studie gaben die Wissenschaftlerinnen 30 Versuchspersonen, die schon regelmäßig Cannabis rauchten, über zwei Wochen lang täglich Dronabinol-Pillen mit unterschiedlicher Konzentration oder Placebos. Die Probanden rauchten zudem Joints, ohne jedoch zu wissen, ob sich darin Cannabis befand und in welcher Menge.
Um die Auswirkung von Dronabinol oder gerauchtem Cannabis auf die Schmerzempfindlichkeit zu erfassen, mussten die Probanden ihre Arme in vier Grad kaltes Wasser halten. Sowohl Dronabinol als auch im Joint gerauchtes Cannabis wirkten schmerzlindernd. Die Versuchspersonen, die Dronabinol geschluckt hatten, zogen ihre Arme jedoch später aus dem eiskalten Wasser, hielten den Schmerz also länger aus.
Die schmerzlindernde Wirkung von Cannabis ist schon seit langer Zeit bekannt. Unklar war jedoch bis anhin, welchen Unterschied die Form der Einnahme von Cannabis ausmacht. Allerdings sind die Resultate der Studie nur bedingt aussagekräftig, da alle Versuchsteilnehmer schon zuvor Cannabis rauchten, wie die Forscherinnen einräumen. Unklar ist, ob die beobachteten Differenzen in der Wirkung auch bei Nicht-Cannabis-Rauchern auftreten würden.
Quelle:
http://science.orf.at/stories/1716532/
“Comparison of the Analgesic Effects of Dronabinol and Smoked Marijuana In Daily Marijuana Smokers” ist am 22. April 2013 im “Nature”-Journal “Neuropsychopharmacology” erschienen (doi: 10.1038/npp.2013.97).
Kommentar & Ergänzung:
Bisher schon klar war, dass die Wirkung von Cannabis bei peroraler Anwendung länger anhält als beim Rauchen eines Joints.
In diesem Versuch wurden im übrigen nicht einfach unterschiedliche Anwendungsformen des selben Wirkstoffs verglichen. Dronabinol enthält isoliertes THC. Ein Joint oder auch ein Cannabistee oder eine Cannabistinktur enthalten ein Gemisch verschiedener Cannabinoide, unter denen THC ein wichtiger Vertreter ist.
Die Schmerzstillung ist meinem Eindruck nach allerdings nicht der zentrale Anwendungsbereich von Cannabis als Medikament. Wichtiger scheinen mit die Anwendung zur Linderung von Spastik zum Beispiel bei Multipler Sklerose und die Anwendung bei Appetitllosigkeit, Übelkeit und Erbrechen im Umfeld einer Krebstherapie bzw. Chemotherapie.
Zu Dronabinol siehe auch:
Cannabis als Heilmittel zulassen (zu Dronabinol in der Schweiz)
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch