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Von der Gründung bis heute
Im Jahr 1955 hatten in Kienberg ein paar junge Männer das Bedürfnis, sich unter
Gleichgesinnten sportlich zu betätigen. So entstand die Idee zur Gründung eines Turnvereins. Da in dieser Zeit die politische Farbbekennung im Dorf sehr ausgeprägt war, bildeten sich bald zwei Gruppierungen. Der Katholische Turnverein (KTV) wurde aus der Taufe gehoben. Das war für einige jedoch konfessionell und politisch zu einseitig. Man wollte sich mit den Initianten aus dem KTV zusammensetzen, um die Idee eines «neutralen» Vereins auf den Tisch zu bringen. Dieser Vorschlag fand aber bei den KTVlern kein Gehör. So entstand in diesem kleinen Dorf Kienberg ein zweiter Turnverein, der ETV (Eidgenössischer Turnverein, heute in STV Schweizerischer Turnverein unbenannt).
Am 6. Juli 1955 wurde die erste Versammlung einberufen. Es wurde ein Komitee gebildet, das die Gründung des ETV Kienberg in die Wege leiten sollte.
Am 30. Juli 1955 fand dann im Saal des Restaurants Sonne die Gründungsversammlung statt. Der ETV Kienberg war nun Mitglied des Solothurner Kantonalturnverbands und des Eidgenössischen Turnverbands.
Folgende Mitglieder gehörten zum Gründungskomitee:
Megert Ernst (Präsident Kantonalturnverband), Bienz Ernst, Schmidli Alfons,
Gubler Eduard,Wüthrich Walter, Strub Eugen,Hammer Werner, Scheidegger Ernst
Der erste Vorstand setzte sich wie folgt zusammen:
Gubler Eugen (Präsident), Weber Roman (Oberturner), Gubler Hans (Kassier),
Scheidegger Heinz (Aktuar), Strub Eugen, Bienz Ernst, Wüthrich Walter
(alle Beisitzer), Schmidli Alfons (Vizepräsident), Gubler Eduard (Vize-Oberturner)
Noch vor dem Ende des Jahres 1955 wurde das erste Material angeschafft: zwei Barren und eine Rolle Turnbändeli. Bereits im Gründungsjahr nahm man an zwei Verbandsveranstaltungen
teil, nämlich an der Bezirksturnfahrt auf den Wiesenberg und am solothurnischen Herbstwaldlauf in Biberist.
Am 29. Januar 1956 fand dann die erste Generalversammlung des ETV Kienberg statt. Das am 7.November 2004 verstorbene Gründungs- und Ehrenmitglied Hans Gubler-Schaffner konnte die erste Rechnung mit einem bescheidenen Vermögen präsentieren. Oberturner Alfons Schmidli präsentierte das Arbeitsprogramm für 1956:
- 15./21. April Erste Turneraufführung in Kienberg
- 13. Mai Kantonalturnfest auf dem Gempenplateau
- 7./8. Juli Regionalturnfest in Wangen (Programm: Marsch- und Laufübungen,
Freiübungen, 80-m-Lauf,Weitsprung, Steinstossen)
Die erste Turnaufführung war ein Riesenerfolg und hat einen für damalige Verhälnisse sehr grossen Reingewinn von Fr. 1000.– erwirtschaftet!
Leider konnten sich im Dorf nicht alle für diesen Turneranlass begeistern. Vor allem der damalige Dorfpfarrer Schmidlin war mit dem Samstagabendanlass nicht einverstanden, da am sonntäglichen Gottesdienst nur wenige Kirchgänger auszumachen waren.
Schon im ersten Jahresbericht des Oberturners Alfons Schmidli aus dem Jahr
1956 war zu lesen, dass die Erfüllung des Programms und des Turnstundenbesuchs
nicht befriedige. Nichtsdestotrotz wurde auch für 1957 wieder ein intensives
Jahresprogramm zusammengestellt. Im Frühling war wieder eine Turneraufführung
geplant. Alfons schlug der Versammlung ebenfalls vor, am Bezirksturnfest in Niedererlinsbach mit einer Barrenübung zu starten. Dies sei eine gute Vorbereitung
für das Kantonale Turnfest im Jahr 1958 und das Eidgenössische Turnfest in Basel im 1959. Das Programm wurde einstimmig gutgeheissen. Dies war die Initialzündung
für das Barrenturnen in Kienberg.
Die Trainingsmöglichkeiten für das Barrenturnen waren in Kienberg in dieser Zeit alles andere als einfach, da noch keine Turnhalle vorhanden war. So mussten sich die Verantwortlichen immer wieder nach einem geeigneten Lokal umsehen. Im Winter wurde ab und zu in der Garage des Transportunternehmens Ernst Rippstein, in den Scheunen von Karl Ramseier, ebenfalls Transporteur, oder Fritz Schneeberger trainiert. Natürlich wurden auch immer Kurse des Bezirks- und des Kantonalturnverbands besucht. So nahmen Eugen Gubler und Heinz Scheidegger am Kurs für Vereinsfunktionäre in Olten teil.
1959 folgte ein bedeutendes Jahr in der Geschichte des ETV Kienberg:
Eine Vereinsfahne wurde angeschafft und geweiht. Neben der noch heute existierenden Fahne wurden auch zwei Hörner gekauft. In diesem Jahr besuchten die
Kienberger Turner auch ihr erstes Eidgenössisches Turnfest in Basel. Das Resultat
von 141 Punkten fiel leider im Vergleich zum Regionalturnfest in Wangen,wo man 144,33 Punkte erreichte, etwas enttäuschend aus.Aber das ETF war eine tolle
Erfahrung und die Teilnahme eine Ehrensache für jeden Turner. Offenbar war es für den damaligen Präsidenten schwierig, wieder alle Turner nach Kienberg zurückzubringen.
Am 13. Oktober 1959 musste der Vizepräsident eine ausserordentliche Generalversammlung einberufen. Als erstes Traktandum stand die Wahl eines neuen Präsidenten auf dem Programm. Peter Gubler wurde als Vereinsoberhaupt gewählt.
In einem weiteren Traktandum wurde die Gründung einer Jugendriege abgehandelt.
Rund 20 Knaben wurden in diesem Jahr von Hansruedi Muster sen. geleitet.
An der GV im Jahre 1960 gab es dann wieder eine Rochade im Vereinsvorstand:
Peter Gubler musste aus gesundheitlichen Gründen bereits wieder ersetzt werden. Nach nur zwei Jahren Amtszeit musste auch gleich noch ein neuer Oberturner gewählt werden.
Wie fast jedes Jahr plante der ETV auch in diesem Jahr wieder eine Turneraufführung, die in Kienberg aber zu einem Politikum wurde. Der damalige Pfarrer Schmidlin kritisierte diese Veranstaltung aufs schärfste und publizierte folgenden Artikel im Pfarrblatt vom Oktober 1960:
«Die Gläubigen müssen den schuldigen Gehorsam nicht nur den feierlichen
Glaubensentscheiden der Kirche, sondern entsprechend auch den übrigen Satzungen und Bestimmungen leisten» (Pius XI.,Rundschreiben «Casti conubii»).
Wir Katholiken haben kein Interesse, Vereine, die durch Samstagabendanlässe
diese Gewissenspflicht der Katholiken missachten, den rechten Gehorsam gegen
die Weisungen der Bischöfe bei den Unsrigen gefährden und die seelsorglichen Aufgaben erschweren, durch Besuch ihrer Anlässe moralisch und finanziell zu unterstützen. Darum mein seelsorglicher Rat: den Turnerabend ETV nicht zu besuchen (am Samstagabend nicht aus Gehorsamspflicht gegen die bischöflichen Weisungen, am Sonntag nicht aus Protest).
Der Vorstand hat sofort mit einem Schreiben an den Kantonaloberturner, Oswald Müller, auf diese Publikation im Pfarrblatt geantwortet.Dieser seinerseits gelangte mit einem gelinde gesagt sehr unmissverständlichen Schreiben an den Kienberger Dorfpfarrer.
1961 organisierte der ETV Kienberg den 2. Bezirks-Orientierungslauf in Kienberg.
1962 wurde die Fahne der Jugendriege geweiht.
1963 organisierten die Kienberger die Bezirks-Delegiertenversammlung.
1964, neun Jahre nach der Gründung, wurde mit Hans Gubler bereits der 4. Präsident gewählt. An der GV 1965 löste dessen Bruder, Walter Gubler, Alfons Schmidli als Oberturner ab, der sein Amt acht Jahre lang ausübte.
Neben der Teilnahme an Bezirks-, Kantonal- und Eidgenössischen Turnfesten führte der ETV Kienberg auch immer wieder Maskenbälle, Turnerabende und 1965 sogar den Kantonalen Solothurner Ringertag durch. Leider musste auch der neue Oberturner Walter Gubler in seinem Jahresbericht festhalten, dass von den 20 Mitgliedern z.T. nur etwa 5–8 regelmässig die Turnstunden besuchten.
Auch in den sechziger Jahren musste die Vereinsführung immer wieder nach Lokalitäten für den Turnbetrieb Ausschau halten. Mal turnte man im Sonnensaal, dann wieder in der Tenne von Fritz Schneeberger, im Dresch-Schopf und wieder in der Scheune von Karl Ramseyer.
1967 wechselte der Vierjahresturnus der Eidgenössischen Turnfeste auf sechs Jahre. Bisher besuchte der ETV Kienberg drei Eidgenössische Turnfeste (1959 Basel, 1963 Luzern, 1967 Bern). Die nächsten Jahre waren wieder geprägt durch Bezirks- und Kantonalturnfeste sowie Maskenbälle, die bekannten Chilbi, Spieltage und Turnaufführungen.
Anfang der siebziger Jahre wurden die Turnstunden oft in Anwil durchgeführt, weil dort die bessere Infrastruktur vorhanden war. Der Vorstand hatte diesbezüglich ein Schreiben an das Kantonale Turninspektorat gesandt, in dem die schlechten Turnbedingungen erläutert wurden, natürlich mit der Absicht, dass der geplante Bau einer Mehrzweckhalle in Kienberg etwas forciert würde. Der damalige Präsident Hans Gubler hat in dieser Zeit versucht, mit dem Präsidenten des etwas dezimierten KTV über einen Zusammenschluss beider Vereine zu diskutieren. In einer internen Abstimmung beim KTV wurde dies aber abgelehnt. Kurz darauf wurde der KTV aufgelöst.
1972 stand mit dem Eidgenössischen Turnfest in Aarau ein weiterer Höhepunkt auf dem Programm.
1976 konnte die Fertigstellung der langersehnten Mehrzweckhalle gefeiert werden – ein Meilenstein in der 50jährigen Geschichte des Turnvereins.
An der GV 1977 wird Walter Gubler durch Jörg Hürbi als Oberturner abgelöst. Eigentlich haben alle bisherigen Oberturner ihr Amt relativ lange ausgeführt. Wali Gubler war aber mit 12 Jahren «Rekordhalter». Wie jeder Oberturner wünschte sich Jörg Hürbi einen möglichst guten Turnstundenbesuch. Denn nur wer viel trainiert, darf am Eidgenössischen Turnfest von 1978 in Genf teilnehmen. Sein Zitat:
«Bei solch hohen Preisen kann sich der Turnverein einfach keine Touristen leisten mitzunehmen, denn es wird ja schliesslich nach Genf gefahren zum Turnen, nicht zum Saufen.»
Jörg Hürbi, Oberturner 1977
1979 wurde vom Oberturner das Abendmeeting Kienberg aus der Taufe gehoben. Ziel war es, mit den umliegenden Vereinen einen kameradschaftlichen, fairen Leichtathletikwettkampf durchzuführen. Am ersten Meeting erreichte der ETV Kienberg den zweiten Platz. Auch heute wird von diesem Anlass sowohl sportlich als auch finanziell sehr profitiert.
1982 führte der ETV zum zweiten Mal die Bezirks-Delegiertenversammlung durch.
1984 fand das Eidgenössische Turnfest in Winterthur statt.
1986 fand der grösste Anlass in der Vereinsgeschichte des ETV Kienberg statt: das Bezirksturnfest. Das war sicherlich eine grosse Herausforderung mit einer solch kleinen Sportanlage im Bühl.
Mittlerweile wurde der Name «ETV» in «STV» unbenannt. Für einmal nicht nach sechs, sondern nach sieben Jahren fand 1991 (700 Jahre Eidgenossenschaft) das Eidgenössische Turnfest in Luzern statt. Es war das letzte Fest, bei dem Männer und Frauen getrennt turnten.
1996 folgte dann das Eidgenössische Turnfest in Bern, bei dem zum letzten Mal ein 4teiliges Vereinsprogramm geturnt wurde. Die Umstellung von 30er-Wertung auf 10er-Wertung wurde vollzogen.
1998 wurde in Kienberg der Bezirksspieltag durchgeführt, Korbball, Volleyball und Faustball standen auf dem Programm.
Der STV Kienberg pflegt immer wieder (und heute auch noch) an die grösseren
Turnanlässe in der Region mit Traktor und Wagen anzureisen. So z.B. ans Bezirksturnfest von 1999 in Niedererlinsbach, ans Kantonale von 2000 in Olten und ans Regionalturnfest 2004 in Lostorf.
Im Jahre 2000 fand in Kienberg die Gründungsversammlung des heutigen Regionalturnverbands Olten-Gösgen (RTVOG) statt.
2001 fanden in Kienberg die Regionalen Meisterschaften im Vereinsturnen statt.
2004 fand wiederum in Kienberg die 5. DV des RTVOG statt.
(Zusammengestellt von Roman Belser, Präsident STV Kienberg, anlässlich des 50 Jahr-Jubiläums 2005)