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Verantwortliche Person:
Dr. med. U. Borner
Sprechstundentermin via Sekretariat Poliklinik
Schnarchen kann in zwei grosse Gruppen unterteilt werden.
Das simple Schnarchen kommt bei fast 25% der männlichen und bei 9% der weiblichen Bevölkerung vor. Das simple schnarchen kann vor allem die Umgebung stören und zu sozialen Problemen führen. Beim Schnarchen mit Schlafapnoe kommt es zu Atemaussetzer während des Schlafens, was mittelfristig negative Folgen für die eigene Gesundheit haben kann.
Ursache:
Durch z.B. vergrösserte Gaumenmandeln, langes Zäpfchen, zu grosse Zunge oder durch Erschlaffen der Mund/Rachenmuskulatur kann es zu Engstellen kommen, die den Atemfluss vermindert oder sogar unterbrechen.
Was merkt der Patient:
- Lautes Schnarchen
- Tagesmüdigkeit
- Unruhiger Schlaf, Schlafstörung
- Kopfschmerzen am Morgen
- Konzentrationsschwäche
- Leistungsabfall
- Depressive Verstimmung
Was sind die Folgen von einem unbehandelten Schlafapnoe-Syndrom:
- Erhöhter Bluthochdruck
- Herzerkrankungen
- Erhöhter Blutzucker
- Schlaganfall
- Sekundenschlaf (Verkehrs-und Arbeitsunfälle)
- Verminderte Lebensqualität
Wie wird die Diagnose gestellt:
Die typischen Beschwerden werden anhand spezifischer Fragebögen abgefragt. In der klinischen Untersuchung werden die anatomischen Verhältnisse im Hals, Nase und Rachenbereich untersucht. Bei einem Verdacht auf ein Schlafapnoe-Syndrom wird eine Schlafuntersuchung durchgeführt (durch einen Spezialarzt oder in einem Schlaflabor). Diese Untersuchung kann zu Hause (respiratorische Polygraphie) oder im Schlaflabor (Polysomnographie) durchgeführt werden. Bei diesen Untersuchungen werden unter anderem die Anzahl Atemaussetzer pro Stunde gemessen.
Therapie:
Konservativ:
Bei einer leichten bis schweren Form vom obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom kann sich ein angepasster Lebensstil positiv auf die Erkrankung auswirken.
- Gewichtsreduktion
- Regelmäßige sportliche Betätigung
- Änderung der Schlafposition (Lagetherapie)
Therapie mit medizinischen Hilfsmitteln:
CPAP (continuous positive airway pressure):
Die Standardbehandlung einer obstruktiven Schlafapnoe erfolgt mittels der sogenannten CPAP-Therapie. Dabei wird während des Schlafes durch eine gut sitzende Maske ein dauerhafter Überdruck im Rachen erzeugt, um Atemaussetzer zu vermeiden. Der Patient kann seine Atemtiefe, Atemfrequenz und Geschwindigkeit selber bestimmen. Die Therapie ist effektiv in der Reduktion der Atempausen und behandelt auch das Schnarchen. Diese Methode kann bei einigen Patienten mit unerwünschten Nebenwirkungen wie z.B. Kopfschmerzen und Mundtrockenheit verbunden sein, was eine Auswirkung auf den Therapieerfolg haben kann.
Unterkiefer-Protrusionsschiene:
Die Schlafapnoe kann auch durch eine spezielle Zahnschiene behandelt werden, die dafür sorgt, dass der Unterkiefer vorverlagert und der Atemweg in der Nacht freigehalten wird.
Chirurgische Therapie bei obstruktivem Schlafapnoe:
Operative Verfahren werden immer dann in Erwägung gezogen, wenn die oberen Atemwege Veränderungen in Form oder Funktion aufweisen, die das Schnarchen und die Atempausen verursachen oder eine bereits eingeleitete Maskentherapie erschweren bis unmöglich machen.
Falls die anatomische Situation nicht klar ist, erfolgt in der Regel vor einer Operation die Lokalisation der verursachenden Engstelle mittels Spiegelung des Mund-Rachen-Kehlkopfes (Schlafendoskopie). Diese erfolgt auf der Pneumologie hier im Hause. Dadurch kann die Lokalisation der Engstelle besser beurteilt werden.
Eine behinderte Nasenatmung kann mittels Nasenchirurgie behandelt werden, die nächtlichen Atempausen lassen sich dadurch meist nicht normalisieren, aber oft wird danach eine nächtliche Maskentherapie besser toleriert.
Die am häufigsten durchgeführte Operation ist die Entfernung der Gaumenmandeln (Tonsillektomie) mit Straffung des weichen Gaumens (konventionelle Uvulopalatopharyngoplastik).
Zur Behandlung einer Engstelle im Bereich des Zungengrundes kann eine Reduktion mittels Laser oder Radiofrequenzablation durchgeführt werden. Der Therapieerfolg ist aber meistens nur kurzfristig.
Durch die Kollegen der Kieferchirurgie kann gelegentlich auch eine Vorverlagerung des Unterkiefers (Umstellungsosteotomie) eine Verbesserung der Atemaussetzer bringen.
Eine neue Behandlungsmöglichkeit stellt die Einlage eines Hypoglossus-Stimulators dar:
Bei dieser Therapie wird der Zungennerv (Hypoglossus) atemsynchron stimuliert, sodass der Zungenmuskel nicht erschlafft und die damit verbundenen Atemaussetzer ausbleiben.
Allgemeine Information:
- OSAS ist sehr häufig
- Über die Hälfte der Patienten trägt die Maske nicht durchgängig
- Der Hypoglossusstimulator wird von der Krankenkasse bezahlt
- Signifikante Reduktion der Atemaussetzer über 5 Jahre (79% der Atemaussetzer werden reduziert)
- Signifikante Reduktion der Tagesmüdigkeit und Verbesserung der Lebensqualität
- Schnarchen wird signifikant reduziert
- Hohe Patientenzufriedenheit mit der Therapie
- Das System erkennt das Atemmuster und stimuliert sanft den Nervus Hypoglossus
- MRI können durchgeführt werden (Kopf und Extremitäten bis 1.5 Tesla), der Patient muss immer erwähnen, dass er einen Stimulator hat und den Implantationsausweis vorweisen
- Es ist möglich zusätzlich einen Herzschrittmacher einzulegen
- Falls der Patient nicht zufrieden ist mit dem Schrittmacher, kann dieser wieder entfernt werden.
- Der Schrittmacher wird von einer Batterie betrieben. Diese hält 7-11 Jahre. Wenn die Batterie verbraucht ist, muss die Batterie operativ in Vollnarkose gewechselt werden.
Wann kommt der Stimulator in Frage:
- AHI in der Polysomnographie: 15-65/h
- CPAP-Intoleranz / CPAP-Versagen
- <25% zentrale oder gemischte Apnoen in der Polysomnographie
- Kein signifikantes Übergewicht (BMI< 32 kg/m2, in Ausnahmefällen bis 35 kg/m2)
- Keine signifikante Tonsillenhypertrophie
- Keine neuromuskulären Erkrankungen, welche die Stimulation beeinträchtigen könnten.
- Keine aktiven psychiatrischen Erkrankungen, welche die Nutzung der Therapie einschränken könnten.
- Der Patient muss in der Lage sein, das System mit der Fernbedienung zu aktivieren
- Die DISE zeigte keinen komplett konzentrischen Kollaps im oberen Weichgaumen
Um zu evaluieren, ob ein Patient für die Therapie in Frage kommt, erfolgen interdisziplinäre Vorabklärungen.
Was sind die Risiken vom Eingriff?
Allgemeine Risiken:
o Blutung
o Infektion
o Allergie
o Thrombose
o Embolie
Spezifische Risiken:
o Narbe
o Narbenwucherung
o Empfindungsstörungen um die Operationsgebiete
o Schwellungen, Lymphödembildung
o Schmerzen
o Verletzung des Zungennervs
o Unangenehmes Gefühl der Zunge, insbesondere am Anfang
o Funktionsstörung bis Lähmung (Zungenbeweglichkeit, Zungensensibilität, Mundastschwäche)
o Pneumothorax
o Probleme beim Schlucken, Sprechen und Essen
o Technische Probleme
o Sichtbarkeit von Teilen des Systems
o Fremdkörpergefühl
o Probleme bei der Nahrungsaufnahme
o Schlafstörungen
Wie läuft der Eingriff ab?
- Vorher:
o Ambulante Vorabklärung 1-2 Wochen vor dem Eingriff mit Blutentnahme
o Ab Mitternacht vor dem Eingriff sollten sie nüchtern bleiben
o Ob und von wann bis wann blutverdünnende Medikamente pausiert werden sollen, müssen sie vorgängig mit dem die Intervention durchführenden Arzt absprechen.
- Während:
o Am Morgen treten die Patienten um 6.30Uhr ein
o Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose
o Operationszeit ca. 2-3 Stunden
o Stationärer Aufenthalt 2-3 Nächte
Wie geht es weiter?
- Der Patient soll sich melden bei Blutungen, Rötungen im Bereich der Implantationsstellen, bei Schmerzen, bei Fieber.
- Schonung und kein Heben von Schweren Gegenständen (Kopfrollen ist erwünscht)
- Wundkontrolle beim Operateur nach ca. 1-2 Wochen (auf der HNO)
- Ambulante Aktivierung des Geräts auf der Pneumologie inkl. HNO (nach ca. 4 Wochen nach OP)
- Feineinstellung im Schlaflabor nach ca. 10-12 Wochen nach der Aktivierung
- Regelmässige Nachsorge durch die Pneumologie / Schlafmedizin, minimal einmal pro Jahr