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Am 13. März 2012 starben in Sierre 28 Menschen – darunter 22 Schulkinder – in einem belgischen Reisebus, der auf der A9 in eine Tunnelwand prallte. Als wahrscheinlichste Ursache für das schwerste Busunglück in der Schweiz seit 30 Jahren wurde in einem Untersuchungsbericht «Unaufmerksamkeit oder ein Schwächeanfall des Chauffeurs» angenommen.
Dies stimmt nicht, glaubt der belgische Journalist Douglas De Coninck. Der Reporter der Zeitung «De Morgen» hat heute sein Buch «De busramp in Sierre: 1 pil, 28 doden» («Das Busunglück in Sierre: 1 Pille, 28 Tote») vorgestellt. Er glaubt nicht, dass dieses fürchterliche Unglück ein Unfall war.
De Coninck ist überzeugt, dass der Chauffeur Geert Michiels den Bus absichtlich in die Tunnelwand lenkte. Michiels, der das Antidepressivum Seroxat eingenommen hatte, soll eine Verzweiflungstat begangen haben – ähnlich wie der Germanwings-Co-Pilot Andreas Lubitz, der im März 2015 seinen Airbus absichtlich abstürzen liess.
In seinem Buch rekonstruiert De Coninck die Unglücksfahrt anhand der letzten SMS, die der Chauffeur verschickte, der Auswertung des Fahrtenschreibers und der Aussagen der Überlebenden. Zudem zieht er eine Studie heran, die auf gefährliche Nebenwirkungen von Seroxat hinweist. Chauffeur Michiels war vor seinem Tod dabei, das Antidepressivum allmählich abzusetzen. «Wenn man alle Elemente zusammenstellt, wird deutlich, dass hier etwas anderes als Zufall im Spiel ist», sagt De Coninck im «Morgen».
Bei der Buchpräsentation waren laut «De Morgen» auch mehrere Angehörige von tödlich verunglückten Kindern anwesend. Man empfinde es als eine Erleichterung, dass dieses Buch erscheine, hiess es aus ihren Reihen. Von den Schweizer Behörden habe es nie befriedigende Antworten auf die Fragen gegeben. Eine Frau sagte, sie hoffe, das Buch werde zu einer neuen Untersuchung führen.
Eine andere Frau, Mutter eines Opfers, sagte: «Der Chauffeur ist in unseren Augen kein Schuldiger. Er ist genauso ein Opfer wie unsere Kinder. Was wir aber wirklich brauchen, ist eine Erklärung, warum dieses Busunglück geschehen konnte. Die Antworten, die die Schweizer Justiz nicht geben konnte oder sogar unterdrückt hat, gibt Douglas De Coninck.»
Die These, dass der Chauffeur absichtlich in die Tunnelwand fuhr, um Selbstmord zu begehen, ist allerdings nicht neu. Schon vor knapp zwei Jahren behauptete die niederländische Rechtsmedizinerin Selma Eikelenboom in einer TV-Sendung, es sei keine valable Erklärung, den Unfall auf eine Unachtsamkeit des Fahrers zurückzuführen. «Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Chauffeur mit Absicht in die Mauer gefahren ist, obwohl er unter dem Einfluss von Antidepressiva stand», sagte sie damals. (dhr)