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Todesopfer, Verwüstungen, Stromausfälle und eine lahmgelegte Wirtschaft: Naturkatastrophen können vor allem in Städten schwere Schäden anrichten. Der Rückversicherer Swiss Re versucht darzulegen, wie die Urbanisierung überall auf der Welt die Risiken steigen lässt.
Gefährdet sind in erster Linie Küstengebiete und dabei mehr und mehr die Schwellenländer. Betroffen sind alles in allem 1,7 Milliarden Menschen, wie die veröffentlichte Studie zeigt. Für die Swiss Re zeigt der Hurrikan Sandy, der Ende Oktober des letzten Jahres auf die US-amerikanische Ostküste traf, exemplarisch die Risiken: 72 Menschen mussten ihr Leben lassen, 300'000 Wohnungen waren betroffen, U-Bahntunnel waren überflutet und 8,5 Millionen Einwohner hatten zum Teil wochenlang keinen Strom. Börse und Flughäfen schlossen. Die Schäden beliefen sich auf 68 Milliarden US-Dollar.
379 Millionen Menschen in Gefahr
Der Rückversicherer definiert fünf Katastrophenkategorien: Hochwasserströme, Erdbeben, Stürme, Sturmfluten und Tsunamis. In den insgesamt 616 Städten und Zentren, die von der Swiss Re auf ihre Anfälligkeit untersucht werden, sind über die Ufer tretende Flüsse das grösste Risiko: Für 379 Millionen Menschen könnten die Wassermassen zur Bedrohung werden.
Erdbebengefahren lauern für 283 Millionen Menschen, Stürme für 157 Millionen, Sturmfluten für 33 Millionen und Tsunamis für 12 Millionen Menschen. Während Stürme und Erdbeben flächendeckende Zerstörungen anrichten, sind die übrigen Gefahren geographisch begrenzt, gefährden aber die Küstenstriche besonders.
Die Ballungsräume mit den meisten potenziell betroffenen Menschen liegen alle in Asien. Laut Swiss Re könnten die Gefahren, die je nach Region ein oder mehrere der Katastrophenkategorien umfassen, im Grossraum Tokio-Yokohama in Japan 57,1 Millionen Menschen erreichen. Manila auf den Philippinen mit 34,6 Millionen Menschen folgt auf Platz zwei. Dann kommen das Perlfluss-Ästuar mit den Metropolen Hongkong, Macao und Kanton in China (34,5 Millionen), die Region um die japanischen Städte Osaka und Kobe (32,1 Millionen) und die indonesische Kapitale Jakarta (27,7 Millionen).
Wachstum erhöht Zahl der Betroffenen
Als erste nicht-asiatische Region erfolgt nach Nagoya (Japan, 22,9 Millionen), Kalkutta (Indien, 17,9 Millionen), Schanghai (China, 16,7 Millionen) die US-Westküstenmetropole Los Angeles, wo 16,4 Millionen Menschen den Naturgefahren ausgesetzt sind. Auf Platz zehn ist die iranische Hauptstadt Teheran (15,6 Millionen).
Wachstum erhöht die Zahl der potentiell betroffenen: «Das erste Mal in der Geschichte der Menschheit leben mehr Menschen in Städten als in ländlichen Gebieten», schreibt der oberste Verantwortliche für das Zeichnen von Versicherungspolicen der Swiss Re, Matthias Weber. 2050 werden laut Schätzungen der UNO mehr als zwei Drittel der Erdbevölkerung in Städten leben.
Absicherung als zentraler Punkt
Das Problem der Metropolen verschärft sich durch ungenügend geplantes Wachstum, mangelhafte Flächennutzungsrichtlinien und instabile Bauten. Stadtverwaltungen müssten als nicht nicht das tägliche Leben in Ballungsräumen funktionsfähiger machen, sondern auch vermehrt auf Katastrophenrisiken untersuchen, rät die Swiss Re.
Zudem gehe es auch darum, die Gebiete finanziell richtig abzusichern. In Europa sticht die erdbebengefährdeten türkischen Wirtschaftsmetropole Istanbul heraus: 6,4 Millionen Menschen wären hier betroffen. Ein Jahrhunderthochwasser der Seine würde in Paris 2,2 Millionen Menschen treffen, während ein Wintersturm das Potenzial hätte, 2,2 Millionen Londoner in Mitleidenschaft zu ziehen.
Zürich auf Rangliste auf Rang 11
In den übrigen Städten seien es vor allem die wirtschaftlichen Schäden, speziell durch Fluten und Stürme, welche dicht besiedelte Regionen ins Blickfeld rücken würden. Zürich etwa rangiert beim Risiko zu verlierender Arbeitstage auf Platz elf.
Beim Einfluss auf die Wirtschaftsleistung des entsprechenden Landes durch Naturereignisse ist der Grossraum Zürich auf Platz sieben in Europa. Davor stehen die Region Rotterdam-Amsterdam, Zagreb, Sofia, die beiden Städte Brüssel und Antwerpen, Athen und Paris.
(sda/awp/muv)