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In der Region Basel werden rund 8% des nationalen Bruttoinlandprodukts (BIP) von gut 7% der Erwerbstätigen erwirtschaftet. Rund 6% der Schweizer Bevölkerung sind in der Region wohnhaft. Diese Zahlen lassen erkennen, dass die Wirtschaft der Region Basel überdurchschnittlich produktiv ist. Entsprechend belegt die Region sowohl beim BIP pro Kopf als auch bei der Arbeitsproduktivität den nationalen Spitzenplatz. Dies zeigt sich auch im Performance Index, der die wirtschaftliche Leistung einer Region misst. Mit 130 Punkten liegt der Index der Region Basel über dem Wert der Schweiz von 111 (siehe Grafik 1) und dem westeuropäischen Mittel von 100.
Der Performance Index enthält – neben der Niveaubetrachtung – eine historische Wachstumskomponente. Hier schneidet die Region Basel über die letzten zehn Jahre betrachtet (2002–2012) besser ab als die Schweiz. Grafik 2 verdeutlicht, dass sich in diesem Zeitraum sowohl das BIP als auch das BIP pro Kopf in der Schweiz weniger schwungvoll entwickelten als in Basel. Besonders in der Hochkonjunkturphase ab 2003 bis zur Finanzkrise zeigte die Wirtschaft der Region eine deutlich höhere Dynamik als die Gesamtschweiz.
Kleine Region, die international sehr gut positioniert ist
Im internationalen Vergleich steht die Region Basel beim Performance Index besser da als die Benchmarking-Regionen. Besonders Regionen mit einer wichtigen chemisch-pharmazeutischen Industrie in Deutschland, in den Niederlanden sowie in Belgien lässt die Region Basel weit hinter sich. Insgesamt konnte sich Basel im internationalen Vergleich gegenüber der letzten Artikelserie von BAK Basel in dieser Zeitschrift bezüglich wirtschaftlicher Leistung deutlich verbessern. Im damals betrachteten Zeitraum 1990–2006 entwickelte sich die Region Basel – wie auch der Rest der Schweiz – noch schwächer als der westeuropäische Durchschnitt.
1 Vgl. Die Volkswirtschaft 11-2008, S. 47–51.
Neben der starken Performance der Region Basel spielte in den letzten Jahren sicher auch die Schwächephase in Europa im Zuge der Schuldenkrise eine Rolle.
Der Attractiveness Index misst die Attraktivität einer Region für Unternehmen sowie für hoch qualifizierte Arbeitskräfte. Der diesbezügliche Indexwert der Region Basel (115) liegt nur leicht über dem Schweizer Wert (114), aber deutlich über den Werten der europäischen Vergleichsregionen. Im internationalen Vergleich spielen insbesondere die gute Erreichbarkeit, die tiefe Steuerbelastung sowie die relativ schwache Regulierung der Märkte eine Rolle. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Region Basel – eine wesentliche Komponente der Wettbewerbsfähigkeit bei der Standortwahl von Unternehmen und hoch qualifizierten Arbeitskräften – sind also im Vergleich mit den europäischen Peers überdurchschnittlich gut.
Beim Structural Potential Index, welcher das zukünftige wirtschaftliche Entwicklungspotenzial erfasst, liegt die Region Basel mit 133 Punkten über dem Wert der Schweiz (122). Auch den internationalen Vergleich braucht Basel nicht zu scheuen, liegt die Region doch weit oberhalb des westeuropäischen Durchschnitts (100) und schneidet besser ab als alle betrachteten Vergleichsregionen. Der Grund hierfür ist das hohe gesamtwirtschaftliche Wachstumspotenzial, das von der chemisch-pharmazeutischen Industrie ausgeht. Zudem weist diese Branche eine überdurchschnittliche Produktivität aus, was sich in hohen Werten beim Structural Potential Index niederschlägt.
Branchenstruktur: Dominante Life-Sciences
Beim Betrachten der Branchenstruktur fällt die dominierende Position der Life-Sciences und der Chemie in der Region Basel auf (siehe Grafik 3).
2 Die Life-Sciences bestehen aus den Branchen Pharma (Noga 21), Biotechforschung (Noga 7211), Agrochemie (Noga 202) sowie elektrische und mechanische Medizinaltechnik (Noga 2660 und Noga 325).
Während auf gesamtschweizerischer Ebene der Anteil bei etwa 5% liegt, beträgt der Wertschöpfungsanteil dieser Industrie in der Region Basel rund 27%. Damit stammt jeder vierte Franken der gesamten regionalen Wertschöpfung aus dieser Branche. Diese Konzentration eines Industriezweiges in einer einzelnen Region ist in diesem Ausmass schweizweit einmalig. Der Anteil des zweiten Sektors von 38% ist denn auch der höchste aller Schweizer Regionen. Überdurchschnittlich präsent sind in der Region auch die unternehmensbezogenen Dienstleistungen (7%) sowie die Branche «Verkehr und Lagerei» (5%). Während Erstere von der Nähe zu den Grosskonzernen der Region profitiert, zieht Letztere ihre Vorteile aus der guten verkehrstechnischen Lage. Hier sind vor allem die Rheinhäfen zu nennen, welche rund 10% aller Schweizer Importe umschlagen. In deren Sog haben sich in der jüngeren Vergangenheit zahlreiche Logistikunternehmen entlang der Autobahn A2 angesiedelt. Ebenfalls bedeutend für die Region sind der öffentliche Sektor (15%), der Handel (12%) und der Finanzsektor (9%). Allerdings liegen deren Wertschöpfungsanteile unterhalb des Schweizer Durchschnitts.
Eine genauere Analyse der Life-Sciences zeigt die wahre Abhängigkeit der Region Basel von der Pharma-Industrie. Diese macht alleine 24% der gesamten regionalen Wirtschaft aus, während etwa die Chemie
4 Die Chemie (Noga 20) ohne Agrochemie (Noga 202).
nur einen Wertschöpfungsanteil von 1,7% hat. Auch die beiden anderen Subkategorien Medizinaltechnik (0,7%) und Forschung in der Biotechnologie (0,7%) sind im Vergleich zur pharmazeutischen Industrie von geringer Relevanz. Dies gilt zumindest auf Ebene der gesamten Region. Für einzelne Gemeinden kann die lokale Bedeutung jedoch viel höher sein, weshalb in einem nächsten Schritt die innerregionale Verteilung betrachtet wird.
Regional verbreitet mit lokalen Clustern
Bei Betrachtung von Grafik 4 wird sofort ersichtlich, dass den Life-Sciences fast überall in der Region Bedeutung zukommt. Im Detail lassen sich jedoch einige Clusterräume identifizieren. Zum einen ist dies die Stadt Basel, wo die Branche dank den Grosskonzernen selbst im innerregionalen Vergleich ein überdurchschnittliches Gewicht aufweist. Als traditioneller Produktionsstandort von chemischen und pharmazeutischen Stoffen weist das Gebiet Schweizerhalle ebenfalls eine hohe Konzentration der Life-Sciences auf. An Bedeutung gewonnen hat der Industriezweig auch im unteren Baselbiet, etwa im Raum Aesch aufgrund der Forschung und Produktion im Bereich Generika oder in Allschwil dank der Biotechforschung.
Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sind die Life-Sciences zudem im Oberbaselbiet. Im Ergolztal oder im hinteren Frenkental finden sich zahlreiche Firmen aus dem Bereich der chemischen und der pharmazeutischen Industrie. Zusätzlich existieren im Waldenburgertal verschiedene Unternehmen aus dem Bereich Medizinaltechnik. Einige Wegzüge in den vergangenen Jahren – wie etwa jene von Straumann oder von Synthes – haben jedoch die Dominanz in dieser Region etwas reduziert.
Hohe Abhängigkeit von Grenzgängern
Der Anteil der Erwerbstätigen der Region Basel an der gesamten Schweiz ist leicht grösser als der Bevölkerungsanteil. Besonders auffällig ist dabei der Stadtkanton, wo die Zahl der Erwerbstätigen und die der Bevölkerung beinahe gleich gross sind. Da nicht alle in Basel wohnhaften Personen zur Erwerbsbevölkerung gezählt werden können, ist dies nur dank Zupendlern möglich. Entsprechend stammen über 35% der Erwerbstätigen in Basel aus dem Kanton Basel-Landschaft und mehr als 10% aus den Kantonen Aargau und Solothurn. Aufgrund der Nähe zu Frankreich und Deutschland spielen aber auch Grenzgänger eine wichtige Rolle. So pendeln über 15% aller Erwerbstätigen der Region aus dem Ausland nach Basel (im Schweizer Durchschnitt sind es rund 6%). Betrachtet man nur den Kanton Basel-Stadt, liegt der Anteil noch höher (18%). Obschon die Zahl der Grenzgänger in der Region Basel zwischen 2003 und 2013 mit 1,3% pro Jahr im Vergleich zur gesamten Schweiz (rund 5% p.a.) spürbar weniger dynamisch zunahm, kommt die Region ohne Arbeitskräfte aus dem grenznahen Ausland nicht aus. Das unterdurchschnittliche Bevölkerungswachstum der Region zwischen 2003 und 2012 (Basel: +0,3% p.a., Schweiz: +1,0% p.a.) untermauert die These der regionalen Abhängigkeit von ausländischen Arbeitskräften. Aus diesen Gründen ist die Umsetzung der am 9. Februar 2014 angenommenen Masseneinwanderungsinitiative für die Region Basel von grosser Bedeutung.
Steuerlich kann Basel attraktiver werden
Grafik 5 zeigt verschiedene Dimensionen des Attractiveness Index sowie weitere Faktoren der Standortattraktivität für die Region Basel und die Schweiz. Der Schweizer Mittelwert ist jeweils auf 100 normiert. Dabei ergibt sich ein gemischtes Bild. Besonders in Steuerfragen schneidet die Region schlecht ab und liegt unter dem Schweizer Durchschnitt.
5 Die Werte bei der Besteuerung beziehen sich auf die Stadt Basel.
Vor dem Hintergrund der nachhaltigen Finanzpolitik existiert hier sicher noch Verbesserungspotenzial.
Positiv hingegen präsentiert sich das Bild bei der Erreichbarkeit. Die Region Basel ist dank dem Flughafen gut an Europa angebunden. Gut ist auch die Erreichbarkeit innerhalb der Schweiz (gemessen auf Ebene der Gemeinden), und zwar sowohl beim öffentlichen Verkehr als auch beim motorisierten Individualverkehr. Der Grund für das positive Abschneiden ist die Kleinräumigkeit der Region: Selbst die peripheren Gebiete sind gut erschlossen. Bei der Lebensqualität, welche wirtschaftliche, gesellschaftliche und ökologische Faktoren enthält, besteht nur ein sehr geringer Unterschied zum Schweizer Mittel.
Für die Region mit ihrer forschungsintensiven Schlüsselbranche sind diese Faktoren von zentraler Bedeutung. Basel schneidet dabei sowohl beim Ausbildungsstand wie auch bei den Masszahlen zur Forschungsqualität überdurchschnittlich ab. Die Tertiärquote
6 Anteil Erwerbstätiger mit tertiärer Berufsbildung – wie etwa Universitätsabschluss – am Total aller Erwerbstätigen.
liegt ebenso über dem Schweizer Mittel wie die Zahl der Patente pro Kopf und der Schanghai-Index pro Kopf. In den beiden letztgenannten Bereichen belegt Basel sogar den nationalen Spitzenplatz. Dies widerspiegelt die hohe Innovationskraft der Region, welche die Ausrichtung auf die Life-Sciences mit sich bringt. Sie ist aber auch nötig, um die nationale und die globale Spitzenposition zu halten.
Life-Sciences: Ein Segen, aber auch ein Risiko
Die Region Basel schneidet trotz ihrer geringen Grösse punkto Wirtschaftskraft im nationalen wie auch im internationalen Vergleich überdurchschnittlich ab. Die historisch gewachsene Fokussierung auf die Life-Sciences war nicht zuletzt in den Krisenjahren eine Stütze der regionalen Konjunktur. Auch der Blick in die Zukunft bleibt optimistisch. Zwar dürften die Life-Sciences die Wachstumsdynamik der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts nicht mehr erreichen; dennoch ist auch in Zukunft mit überdurchschnittlichen Zuwachsraten zu rechnen. Die hohe Konzentration in der Region birgt aber zugleich ein erhebliches Klumpenrisiko, denn jeder vierte Franken an Wertschöpfung wird von dieser Industrie generiert. Dabei noch nicht eingerechnet sind die indirekten und die induzierten Effekte.
7 Erstere beschreiben die in anderen Branchen ausgelöste Nachfrage, während Letztere durch die generierten Einkommen, Gewinne und Steuern auftreten, wenn diese erneut in den Wirtschaftskreislauf eingebracht werden. Die Life-Sciences sind also weitaus wichtiger, als es die Wertschöpfungszahlen suggerieren.
In einem sich rasch ändernden und global ausgerichteten Marktumfeld mit einer zunehmenden Preisregulation seitens der Politik gilt es, innovativ zu bleiben. Deshalb kommt der Forschung ein hoher Stellenwert zu. Die Region Basel scheint angesichts der Spitzenplätze bei den Messzahlen zur Forschungsqualität gut darauf vorbereitet zu sein.
Reto Krummenacher Projektleiter, Regionenverantwortlicher Schweiz, BAK Basel Economics
Methodik der Indizes
Die Methodologie der BAK Index Family wurde im Einführungsartikel zu dieser Textreihe ausführlich erläutert: Rebekka Rufer, Martin Eichler und Reto Krummenacher, Die Wettbewerbsfähigkeit von Schweizer Grossregionen – Auftakt zur neuen Artikelserie, in: Die Volkswirtschaft 5-2014, S. 34–36.
Während auf gesamtschweizerischer Ebene der Anteil der Life-Sciences bei etwa 5% liegt, beträgt der Wertschöpfungsanteil dieser Industrie in der Region Basel rund 27%.
Foto: Keystone