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Friedrich Nietzsche wurde am 15. Oktober 1844 als erstes Kind einer lutherischen Pfarrfamilie pietistischer Prägung im Dorf Röcken nahe Leipzig geboren. Bereits 1849 starb der Vater und im Jahre darauf der jüngere Bruder. Als einziges verbleibendes männliches Familienmitglied lebte Nietzsche mit Mutter und Schwester daraufhin in Naumburg, wo die Familie nach dem Tod des Vaters hinzog. Hier besuchte Nietzsche die Schule, erhielt Klavierunterricht und unternahm bereits erste Kompositionsversuche. Ab 1858 besuchte Nietzsche dann die traditionsreiche Landesschule Pforta (Schulpforta), ein strenges Internat, in dem die altsprachliche Bildung im Zentrum stand.
Nach dem Abitur begann Nietzsche 1864 ein Studium der Altphilologie und – auf Wunsch der Mutter in der Tradition der Familie – der Theologie in Bonn. Die Theologie, zu der er von Anfang an ein ambivalentes Verhältnis hatte, gab er jedoch bereits nach einem Semester auf, um sich ganz auf die Altphilologie zu konzentrieren. Sein wichtigster Lehrer war der berühmte Friedrich Ritschl, der Nietzsches Talent schon früh bemerkte und förderte. Als Ritschl 1865 nach Leipzig berufen wurde, folgte ihm Nietzsche. Hier führte er sein Studium intensiv fort und konnte bereits erste Arbeiten publizieren, die einige Beachtung fanden. Neben den philologischen Bemühungen entdeckte Nietzsche in dieser Zeit mit Begeisterung Schopenhauers Philosophie. Ein weiteres Schlüsselereignis in Leipzig war für Nietzsche eine erste Begegnung mit Richard Wagner 1868. Das Studium in Leipzig unterbrach Nietzsche 1867 für einen einjährigen freiwilligen Militärdienst, den er aufgrund eines Reitunfalls jedoch vorzeitig abbrechen musste. Im August und September 1870, als Nietzsche bereits in Basel lebte, folgte ein weiterer kurzer Freiwilligendienst als Sanitäter im Deutsch-Französischen Krieg. Dies, obwohl Nietzsche bei seinem Umzug in die Schweiz die preussische Staatsbürgerschaft auf eigenen Wunsch aufgegeben hatte und staatenlos geworden war.
Bereits im Januar 1869 wurde Nietzsche der ausserordentliche Lehrstuhl für griechische Sprache und Literatur an der Universität Basel angeboten. Der scheidende Professor Adolf Kiessling hatte sich bei seinem Lehrer Ritschl nach Nietzsche erkundigt, nachdem ihm dessen Arbeiten aufgefallen waren. Ritschl empfahl Nietzsche warm und so beschloss man in Basel, den viel versprechenden jungen Gelehrten zu berufen. Dass der erst fünfundzwanzigjährige, noch unpromovierte Nietzsche in Basel einen Lehrstuhl erhielt, erregte Aufsehen. Der berühmte Philologie und Nietzsche-Gegner Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff unterstellte später Nepotismus. Allerdings berief die Universität Basel angesichts finanzieller Engpässe in dieser Zeit verschiedentlich Gelehrte dieses Alters. So war es ihr möglich, trotz begrenzter Mittel herausragende Persönlichkeiten zu verpflichten.
Der überraschte Nietzsche gab den Plan eines naturwissenschaftlichen Studiums in Paris auf, in Leipzig wurde im März noch eilig seine Promotion besorgt und im April traf der frischgebackene Professor in Basel ein. Neben der Arbeit an der Universität gehörten auch Lektionen am Pädagogium (heute Gymnasium am Münsterplatz) zu Nietzsches Aufgaben. Seine philosophischen Interessen auch bei der philologischen Arbeit machte Nietzsche schon früh ausdrücklich. In seiner Antrittsrede formulierte er in Abwandlung einer Seneca-Sentenz das «Glaubensbekenntnis»: «philosophia facta est quae philologia fuit». Nietzsche beschäftigte sich in seiner Lehre auch immer wieder mit Philosophen, er lehrte allerdings nie als Philosophiedozent. Zwar bemühte er sich 1871 nach dem Weggang von Gustav Teichmüller um den vakant gewordenen zweiten Lehrstuhl für Philosophie, jedoch ohne Erfolg.
In Basel entstanden Nietzsches erste selbstständige Publikationen. 1872 veröffentlichte er die Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik. Sie wurde vom bereits genannten, noch jüngeren Wilamowitz-Moellendorf vernichtend kritisiert. Die folgenden Publikationen entstanden nicht mehr auf dem Gebiet der Altphilologie. Es waren dies ab 1873 die vier Unzeitgemässen Betrachtungen und 1878 Menschliches, Allzumenschliches.
Reiste Nietzsche in diesen Jahren aus der Stadt, so war eine wichtige Destination Tribschen bei Luzern, wo er jeweils von Richard und Cosima Wagner empfangen wurde. Beide verehrte Nietzsche sehr. Allerdings kam es bald zu Spannungen zwischen Wagner und Nietzsche. 1878 kam es definitiv zum Bruch. In Basel selbst verkehrte Nietzsche unter anderem mit seinem bald engsten Freund Franz Overbeck, mit dem er von 1870-76 im selben Haus, der so genannten «Baumannshöhle» (benannt nach der Hauswirtin Anne Baumann) am Schützengraben 45 wohnte, und mit dem deutlich älteren Jacob Burckhardt, der an der Universität Geschichte und Kunstgeschichte lehrte. Ihn bewunderte Nietzsche sehr.
Schon ab 1873 litt Nietzsche zunehmend unter gesundheitlichen Beschwerden. Aufgrund seines Gesundheitszustands wurde er 1876 zunächst vom Unterricht im Pädagogium befreit und erhielt bald darauf einen einjährigen Urlaub. Danach nahm er die Tätigkeit an der Universität nochmals auf. 1879 musste er jedoch von allen Pflichten zurücktreten. Man gestand ihm eine grosszügige Rente zu, die ihm in den Folgejahren seinen Lebensunterhalt sicherte. Sie wurde gemeinsam von Kanton, Heuslerschem Vermächtnisfonds und der Freiwilligen Akademischen Gesellschaft getragen.
Nietzsche lebte in den folgenden zehn Jahren an verschiedenen Orten, unter anderem Sils-Maria, Genua, Nizza und Turin. Mit den vielen Ortswechseln zielte er darauf ab, in jeder Jahreszeit an dem für seine Gesundheit optimalen Ort zu wohnen. In diesen Jahren entstanden zahlreiche Werke, darunter von 1883-84 Also sprach Zarathusra. Vor allem im Jahr 1888 schrieb Nietzsche ausserordentlich viel, allerdings wurden dabei auch erste wahnhafte Anzeichen sichtbar. Anfang 1889 kam es in Turin zu einem geistigen Zusammenbruch. Overbeck reiste an und brachte seinen Freund in die Psychiatrische Klinik in Basel, wo eine progressive Paralyse festgestellt wurde. Nietzsche wurde bald in eine Jenenser Klinik überführt, wo er im Mai 1890 ungeheilt entlassen wurde, um in der Folge zunächst von der Mutter und nach deren Tod von seiner Schwester gepflegt zu werden. 1879 zog sie mit ihrem Bruder nach Weimar um, wo Nietzsche 25. August 1900 starb.
Nietzsches vielseitiges Werk hat in diversen Bereichen nachgewirkt, in der Philosophie gewiss in besonderem Masse. Im Namen des Lebens hat Nietzsche ganze philosophische Disziplinen in Frage gestellt, namentlich die Metaphysik und die Moralphilosophie. Er hat das Selbstverständnis des modernen Menschen, seiner Wissenschaft und Kultur erschüttert und den Werten der französischen Revolution griechische Ideale entgegengesetzt. Das Verständnis des Griechentums, das der geniale Altphilologe dabei vertrat, eröffnete neue Perspektiven. Das oft verdeckte Leitmotiv menschlichen Existierens sah Nietzsche im Willen zur Macht. Die Betrachtung der menschlichen Kultur unter dem Blickwinkel der Macht hat in der Philosophie grosse Wirkung entfaltet. Ein weiterer Hauptgedanke Nietzsches war die These von der ewigen Wiederkehr des Gleichen. Bedeutsam ist aber auch die Form von Nietzsches Philosophie. Die neuartigen Methoden und der einzigartige Stil von Nietzsches Kritik verliehen dieser eine originäre Sprengkraft, durch die Nietzsches Werk für die Philosophie zur bleibenden Herausforderung wurde.