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«Viele Drummer wissen nicht, was es bedeutet, sanft zu spielen», sagte Tony Allen einmal. Und: «Ich spiele mein Schlagzeug so, wie ich mich im Leben verhalte.» Am 30. April, wenige Monate vor seinem 80. Geburtstag, kam Allens Leben in Paris zu einem Ende. Der sanft treibende Groove des Nigerianers wird aber noch lange nachhallen.
Allen wuchs in Lagos auf. Er verehrte die US-amerikanischen Bebop-Drummer Max Roach und Art Blakey und spielte zuerst Jazz sowie Highlife (den Musikstil, der Ende der fünfziger Jahre in ganz Westafrika populär wurde). Dann stieg er beim Sänger und Saxofonisten Fela Kuti ein, der anfänglich diese beiden Stile verbinden wollte.
1969 reisten Fela und Allen nach Los Angeles. Fela tauchte in die amerikanische Black-Power-Bewegung ein, Allen in die entsprechenden Musikstile – Soul und Funk. Zurück in Lagos, gründeten sie eine neue Band namens Africa 70. Fela wandte sich dem Panafrikanismus zu und legte sich wortgewaltig mit dem diktatorischen Regime Nigerias an. Im Hintergrund kreierte Allen den passenden Beat, indem er Bebop, Soul und Funk mit Highlife sowie der polyrhythmischen Trommeltradition des Yoruba-Stamms verschmolz. Er schuf nichts weniger als einen neuen Musikstil: den Afrobeat, der schon bald die Jugend Afrikas bewegte und auch viele westliche MusikerInnen beeinflusste.
Doch der sanfte Allen litt zunehmend unter dem dominanten Fela, von dem er sich ausgebeutet fühlte. Nach über dreissig Alben ging Allen 1979 eigene Wege. Fela sah sich gezwungen, die Lücke in der Band durch vier neue Schlagzeuger und Perkussionisten zu füllen.
Seinen Stil bezeichnete Allen fortan als Afrofunk. Er zog nach London, später nach Paris und spielte mit grossen Namen ganz unterschiedlicher Musikszenen zusammen, Charlotte Gainsbourg, Damon Albarn oder Jeff Mills zum Beispiel.
Bei aller Neugierde und Spiellust, die er bis zuletzt an den Tag legte: Immer blieb sich Tony Allen treu. Zeitlebens spielte er so, wie er es selbst einmal ausdrückte: «Du lässt es fliessen wie einen Fluss.»