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Lavendelöl reduziert Menstruationsbeschwerden (Dysmenorrhoe). Bei 48 Studentinnen, die eine Stunde nach dem Einsetzen der ersten Symptome Lavendelöl inhaliert hatten, reduzierten sich u.a. Unterleibskrämpfe, Müdigkeit, Übelkeit und Kopfschmerzen deutlich gegenüber der Kontrollgruppe. Die Blutungsstärke blieb vergleichbar in beiden Gruppen.
Quelle: http://www.carstens-stiftung.de/artikel/lavendelduft-bei-regelbeschwerden.html
Raisi Dehkordi Z, Hosseini Baharanchi FS, Bekhradi R. Effect of lavender inhalation on the symptoms of primary dysmenorrhea and the amount of menstrual bleeding: A randomized clinical trial. Complement Ther Med. 2014 Apr;22(2):212-9
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24731891
Kommentar & Ergänzung:
Ich kann mir gut vorstellen, dass Lavendelöl bei Menstruationsbeschwerden wohltuend ist und die Symptome lindert. Die Studie selbst wirft allerdings ein paar Fragen auf. Die Studentinnen inhalierten Lavendelöl auf der Basis von Sesamöl, die 48 Studentinnen der Kontrollgruppe dagegen reines Sesamöl. Sesamöl ist allerdings weitgehend geruchs- und geschmacklos. Eine Verblindung zwischen Placebogrupe und Lavendelölgruppe (Verum) fand hier also nicht statt. Es scheint naheliegend, dass die Probandinnen der Lavendelöl-Gruppe eine wirksamere Intervention erwarteten als die Probandinnen der Gruppe mit reinem Sesamöl. Ein dadurch grösserer Placeboeffekt in der Lavendelölgruppe könnte das Ergebnis verzerrt haben.
Es scheint mir aber allgemein schwierig zu sein, bei klinischen Studien mit ätherischen Ölen eine ausreichende Verblindung zu erreichen. Riecht das Placebo gleich wie das Verum ist es kein Placebo mehr. Riecht das Placebo anders als das Verum kann es irgendeine Wirkung entfalten und ist kein Placebo mehr. Ist das Placebo geruchlich neutral, wie in dieser Studie das Sesamöl, ist es als Placebo zu erkennen. Ich bin sehr für hochwertige Doppelblindstudien, doch muss man auch sehen, dass es Bereiche gibt, in denen es sehr schwierig ist, hochwertige Studien zu machen, weil die Verblindung nicht wirklich gelingen kann.
Neben den ätherischen Ölen dürfte diese Schwierigkeit auch im Bereich Wickel vorhanden sein. Man kann höchstwahrscheinlich kein Placebo herstellen, das unverwechselbar wie ein Kartoffelwickel aussieht und riecht und sich so anfühlt, aber kein Kartoffelwickel ist. Die Chance, dass für Ätherische Öle und Wickel in hochwertigen Studien eine Wirksamkeit belegt werden kann ist daher klein – auch in den Bereichen, in denen sie de facto wirksam sind.
P. S. Die Lavendelöl-Studie wurde in Teheran durchgeführt. Das macht mich immer etwas skeptisch, seit ich in einem Interview folgende Aussage von Roman Huber gelesen habe:
„Bei derartigen Untersuchungen sollte man vorsichtig sein, denn aus dem Iran kommen genau wie aus China in Sachen Naturheilkunde eigentlich nur Studien mit positiven Ergebnissen.“
Quelle: http://www.badische-zeitung.de/nachrichten/panorama/schoen-mild-und-sehr-beruhigend–38073981.html
Roman Huber leitet das Zentrums für Naturheilkunde der Universitätsklinik Freiburg.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
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