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Vor einem Jahr hatte der Ostschweizer Konzern noch einen Reingewinn von 26,3 Millionen Franken erzielt. Währungseffekte von 30 Millionen aufgrund der abrupten und starken Aufwertung des Schweizer Frankens seit Jahresbeginn, insbesondere gegenüber dem Euro, hätten das Ergebnis erheblich beeinträchtigt, gab der Konzern am Mittwoch in einem Communiqué bekannt.
Belastet wurde das Konzernergebnis noch durch weitere Kursverluste im Finanzergebnis in der Höhe von 32,1 Millionen Franken. "Diese sind vor allem auf stichtagsbezogene Bewertungseffekte aufgrund der starken Aufwertung des Schweizer Frankens - infolge der kurz vor dem Halbjahresabschluss erfolgten Leitzinserhöhung - insbesondere gegenüber dem Euro, zurückzuführen", schrieb Stadler.
In der Phase zwischen Angebotsabgabe und finaler Vertragsunterschrift, die teilweise mehrere Jahre dauern könne, liessen sich die Währungsrisiken nicht in vollem Umfang absichern. "Zusätzlich können aufgrund der langen Laufzeiten der Aufträge von mehreren Jahren, die Währungsrisiken nicht vollständig über die gesamte Abwicklungsdauer abgesichert werden", erklärte der Konzern.
Umsatz und EBIT gestiegen
Der Umsatz legte dagegen um 4 Prozent auf 1,47 Milliarden Franken zu. Der Betriebsgewinn EBIT kletterte um 36 Prozent auf 66,8 Millionen Franken. Grund dafür sei ein Einmaleffekt im Zusammenhang mit der im vergangenen Dezember angekündigten Akquisition der deutschen Signaltechnikfirma BBR.
"Während sich die Corona-Auswirkungen weitgehend normalisiert haben, bleibt die Lieferkettensituation weiterhin angespannt", schrieb Stadler: Verzögerungen bei Zulieferteilen hätten bisher zu keinen wesentlichen Verschiebungen bei den Fahrzeugauslieferungen geführt. Dies sei den Anstrengungen, die Fertigungsprozesse zu vereinfachen, einen kontinuierlichen Produktionsfluss zu schaffen, die Materialbereitstellungen zu optimieren und der starken lokalen Verankerung der Lieferanten zu verdanken.
Der Geschäftsgang von Stadler sei grundsätzlich von einer starken Saisonalität geprägt, die typischerweise zu bedeutend höheren Umsätzen und einer höheren Profitabilität in der zweiten Jahreshälfte führe. In der Regel werden rund ein Drittel der Umsätze in der ersten, und die restlichen zwei Drittel in der zweiten Jahreshälfte erwirtschaftet. "Im laufenden Jahr zeichnet sich eine leichte Verschiebung dieser Regel zu Gunsten der ersten Jahreshälfte ab", hiess es.
Auftragseingang verdoppelt
Der Auftragseingang schoss allerdings bereits in den ersten sechs Monaten auf 5,97 Milliarden Franken nach oben. Damit sei das Gesamtjahresziel schon erreicht worden. Und die Auftragsbücher sind mit 21,7 Milliarden Franken so dick wie noch nie. Ende Dezember hatte der Auftragsbestand noch bei 17,9 Milliarden Franken gelegen. So hat Stadler Riesenaufträge der SBB und der ÖBB an Land gezogen sowie eine Reihe weitere Grossaufträge gewonnen.
Damit hat das Unternehmen von Peter Spuhler die Erwartungen der Analysten bei Auftragseingang, Umsatz, EBIT und EBIT-Marge teils weit übertroffen, beim Reingewinn aber total verfehlt.
Profitabilitätsziele gesenkt
Zudem schraubt der Konzern den Ausblick teilweise zurück. Zwar erwartet Stadler im Gesamtjahr 2022 weiterhin Umsatz zwischen 3,7 und 4,0 Milliarden Franken. Auch die Investitionen von circa 200 Millionen Franken werden bestätigt.
Dagegen peile Stadler neu eine etwas tiefere EBIT-Marge im Vergleich zum Vorjahreswert von 6,2 Prozent an. Diese werde aber mindestens 5 Prozent betragen, hiess es. Bisher war der Konzern von einer stabilen Marge ausgegangen.
Für 2025 bestätigt Stadler das Ziel von 8 bis 9 Prozent EBIT-Marge "in stabilem wirtschaftlichen Umfeld", aber aufgrund aktueller Rahmenbedingungen seien 7 bis 8 Prozent realistisch, schrieb das Unternehmen: "An der Dividendenpolitik mit einer Ausschüttung von circa 60 Prozent des Konzernergebnisses hält Stadler weiterhin fest."
jb/rw
(AWP)