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Geschichte
Die Gründungsmitglieder
Im Frühjahr 1978 wurde an einem Kolloquium der Nationalen Schweizerischen UNESCO-Kommission zum Thema „Probleme der Volksmusik in der Schweiz“ beschlossen, eine «Interessengemeinschaft für die Volksmusik in der Schweiz» zu gründen. Anlass dazu gab u.a. ein Appell der UNESCO (Paris) an die westlichen Staaten, sich vermehrt für die Pflege des nationalen Kulturerbes einzusetzen. Die Interessengemeinschaft bezeichnete an ihrer ersten Tagung im August 1978 folgende Ziele:
- Errichtung einer Dokumentationsstelle für die Volksmusik sowie einer Musikinstrumentensammlung;
- Erstellung eines Verzeichnisses von Personen und Institutionen, die auf dem Gebiet der Volksmusik tätig sind;
- Gründung einer Vereinigung für die Volksmusik in der Schweiz.
Am 22./23. September 1979 wurde in Vissoie (VS) die Gesellschaft für die Volksmusik in der Schweiz gegründet. Als Präsident wurde Lance Tschannen, Leiter der Abteilung Kulturprogramme beim Schweizer Radio International, gewählt. Die erste Generalversammlung von 1980 genehmigte die Statuten und wählte für den Vorstand Vertreter aus den vier Sprachregionen der Schweiz: Christine Burckhardt-Seebass (Deutschschweiz), Marcel Cellier (Romandie) und Gion Antoni Derungs (rätoromanisch- und italienischsprachige Schweiz); des weiteren Beat Halter als Kassier, Mario Müller (Schweizerische UNESCO-Kommission) und Ernst Roth als Sekretär. Roth betreute bei der SUISA das Ressort Volksmusik und so bot sich der Hauptsitz der SUISA an der Bellariastrasse 82 in Zürich als Sitz des Sekretariats an.
Die Zahl der Mitglieder stieg von ursprünglich 20 auf rund 100 an. In den letzten Jahren gelang es, vermehrt Leute aus der aktiven Volksmusikszene als Mitglieder zu gewinnen.
Dem statutarisch festgelegten Vereinszweck (Erforschung und Förderung der schweizerischen Volksmusik) ist die GVS über die Jahrzehnte treu geblieben. Bei der Wahl der Schwerpunkte ihrer Tätigkeit hat sie jeweils den Zeiterscheinungen Rechnung getragen.
Die GVS hat von Anfang an die Zusammenarbeit mit zielverwandten Interessengemeinschaften gesucht.
Von 1981 bis 2017 war die GVS Mitglied des Schweizer Musikrats (SMR). Mit Lance Tschannen stellte sie 1978 bis zu seinem Tod 1984 den Präsidenten. Bis 2015 war sie ständig im Vorstand vertreten und setzte sich als einziges Mitglied des SMR aus dem Bereich der Volksmusik für deren Belange ein.
Die Verbindung zum ICTM (International Council of Traditional Music) begann 1986 mit der Gründung eines schweizerischen Nationalkomitees, in welchem GVS-Mitglieder an massgebender Stelle mitwirkten. Eine Belebung erfuhr die Beziehung 1994 mit der Gründung der Schweizerischen Gesellschaft für Ethnomusikologie (CH-EM), die zugleich die Funktion des Nationalkomitees des ICTM übernahm. Auch in der CH-EM wirken GVS-Mitglieder aktiv mit. Ausserdem wird seit das Bulletin der GVS seit 2002 gemeinsam mit der CH-EM herausgegeben.
Eine partnerschaftliche Zusammenarbeit besteht seit längerer Zeit mit Pro Helvetia, der SRG, Migros-Kulturprozent, UNESCO-Kommission und SUISA. Wesentlich ausgebaut wurde der Gedankenaustausch mit den Musikverbänden (Blasmusikverband, Jodlerverband, Pfeifer- und Tambourenverband, Verband Schweizer Volksmusik VSV) und mit der Schweizerischen Trachtenvereinigung. 2011 wurde die GVS Mitglied des Vereins „Goldener Violinschlüssel“ und darf sich rühmen, dass schon einigen ihrer Mitglieder dieser Preis verliehen wurde. Seit 2016 ist die GVS Mitglied der IG Volkskultur.
Die GVS war Gründungsmitglied der Aktionsgemeinschaft für das Kornhaus Burgdorf und in dessen Stiftungsrat vertreten. Dieses 1991 eröffnete Museum für Volkskultur musste 2005 wegen langjähriger Unterfinanzierung und unüberwindlicher betrieblicher Schwierigkeiten geschlossen werden. Das Haus der Volksmusik in Altdorf hat die dadurch entstandene Lücke für den Teilbereich Volksmusik schon ein Jahr später geschlossen. Die GVS war bei der Planung dieses Kompetenzzentrums massgeblich beteiligt und unterstützt es seither personell sowie projektbezogen auch finanziell.
Eine enge Zusammenarbeit besteht ebenfalls zwischen der GVS und dem Zentrum für Appenzeller und Toggenburger Volksmusik Roothuus Gonten und dem Schweizer Zither-Kulturzentrum Trachselwald.
Die Verankerung in diesen Zentren erleichtert es der GVS ein Netzwerk mit aktiven Volksmusikern in allen Regionen der Schweiz aufzubauen.
2008 liess sich die GVS im Handelsregister des Kantons Uri eintragen und hat seither ihren Sitz in Altdorf.
Als erste Buchproduktion der GVS entstand 1985 der Bild- und Textband «Volksmusik in der Schweiz» mit Fachartikeln verschiedener Autoren. Es war dies das erste thematisch und geographisch umfassende Werk über das Volksmusikleben in der Schweiz.
1989 erschien das Grundlagenwerk «Die instrumentale Volksmusik» von Ueli Mooser. Gedacht als Fachbuch für Musiklehrkräfte und Musikanten mit theoretischer Vorbildung, fand diese Publikation im Laufe von fast drei Jahrzehnten immer wieder Abnehmer. Seit Februar 2018 steht das Buch vollständig aktualisiert, überarbeitet und mit neuen Noten- und Tonbeispielen versehen auf www.volksmusik.ch online zur Verfügung.
Die vierteilige CD-Serie «Volksmusik im Jahreskreis» von 1993 vermittelte mit 80 sorgfältig ausgewählten Instrumentalstücken und Liedern einen repräsentativen Querschnitt durch die Vielfalt der Volksmusik in der Schweiz.
Nach fast zehnjähriger Vorarbeit eines Editorenteams unter der Leitung von Fabian Müller veröffentlichte die GVS 2002, in Zusammenarbeit mit dem Mülirad Verlag, die Schweizer Volksmusik-Sammlung von Hanny Christen in einer 10-bändigen Edition. Die über 10'000 Melodien, die Hanny Christen (1899-1976) zwischen 1940 und 1960 zusammengetragen hatte, wurden damit allen Interessierten zugänglich gemacht. Von dieser, in ihrer Art einmaligen, Notenedition gingen seither wesentliche Impulse zur Bewahrung und Erneuerung der instrumentalen Volksmusik der Schweiz aus.
2006 förderte und unterstützte die GVS die Herausgabe von Dieter Ringlis «Schweizer Volksmusik», einem historischen Überblick über ausgewählte Kapitel der Schweizer Volksmusik und ihrer Erforschung, in welchem erstmals weniger bekannte Bereiche wie die Ländler- und Populärmusik berücksichtigt werden. Nachdem das Buch vergriffen war, bemühte sich die GVS in Form eines Projekts um eine zweite erweiterte und mit Beiträgen von führenden Volksmusikantinnen und Volksmusikanten ergänzte Auflage, die 2017 herauskam.
Ebenfalls unter der Ägide der GVS und in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Nationalphonothek in Lugano und der finanziellen Unterstützung von MEMORIAV wurden 2013 die rund 50 in mehrjähriger Arbeit erschlossenen Tonbänder, auf welchen Hanny Christen ihre Feldaufnahmen festgehalten hatte, auf der online Datenbank der Schweizerischen Nationalphonothek und auf derjenigen von MEMORIAV veröffentlicht.
2007 bis 2016 war die GVS an der Produktion von insgesamt 36 CDs des Sublabels „Neue Volksmusik“ der Reihe Musiques Suisses vom Migros-Genossenschafts-Bund, zusammen mit dem Haus der Volksmusik, Pro Helvetia und der SUISA-Stiftung beteiligt. Hervorzuheben ist, dass die Zusammenstellung und der Begleittext der ersten Produktion „Schweizer Volksmusik im Wandel der Zeit“ von Dieter Ringli und der letzten „Vüna bèla! Panorama popolare ticinese“ von Silvia Delorenzi-Schenkel realisiert wurden.
Die 2015 von Dieter Ringli und Johannes Rühl verfasste Publikation «Die Neue Volksmusik» entstand im Rahmen eines Forschungsprojekts der Hochschule Luzern. Sie beleuchtet die jüngsten Entwicklungen der Schweizer Volksmusik. Die GVS leistete einen namhaften Beitrag an die Entstehungskosten.
2002/2003 wurden die Informationsblätter unter dem Titel «Bulletin» neu gestaltet und erscheinen seither als gemeinsames Publikationsorgan der GVS und der CH-EM (Schweizerische Gesellschaft für Ethnomusikologie). Diese Bulletins decken thematisch jeweils ein breites Spektrum von volksmusikalischen Themen ab.