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09.05.2012
Die aufgeräumte Briefmarke – HEUTE AUSGABETAG!

09.05.2012
Die aufgeräumte Briefmarke – HEUTE AUSGABETAG!
Vor über zwei Jahren wurde Ursus von der Schweizerischen Post angefragt, ob er eine Briefmarke aufräumen könne... es hat lange gedauert, bis all die Zäggli sauber ausgeschnitten waren,
aber nun ist sie da:
Die erste aufgeräumte Briefmarke – offiziell frankaturgültig und erhätlich bei jeder Poststelle!
HIER KANN MAN DIE MARKE ONLINE BESTELLEN!
Und hier noch Ursus' Text, der anlässlich der Veröffentlichung im Magazin der Post LUPE erschienen ist:
Angefangen hat alles mit einer chaotischen Marke.
Es war im Jahr 1988, als Jean Tinguely eine 90er-Marke mit dem Titel 'Meta' gestaltete, die grösser war als alle Marken, die ich bisher gesehen hatte.
Auf der Marke zu sehen war das typisch tinguelysche Chaos, ein Bild, das mit Farben übersät war, blau, grün, violett, orange waren wild verteilt und ich fand diese Marke so grossartig, dass ich gleich mehrere Bögen davon kaufte
und ich nahm die Marke zum Anlass, Leuten Briefe zu schreiben, denen ich gar nie schreiben wollte, einfach, damit ich diese Briefmarke gebrauchen konnte. Weil die Marke so grossformatig war, habe ich sogar einmal jemandem eine Karte geschickt ohne Karte, das heisst, ich hab den Text und die Adresse direkt hinten auf die Marke geschrieben und sie so in den Briefkasten geworfen. Das Erstaunlichste war: sie kam an und war sogar abgestempelt!
Angefangen hat alles mit dieser chaotischen Marke.
Sie hat mich dann, mehr als zehn Jahre später, auf die Idee gebracht, dass man Kunst 'aufräumen' könnte. Ich stellte mir vor, wie die 'femme de ménage', also die Putzfrau, des Künstlers eines Morgens in seinem Atelier stehen würde und zuerst den Boden, dann den Arbeitstisch und zuletzt eben auch noch die chaotischen Bilder an der Wand aufräumen würde.Und ich stellte mir das Gesicht von Herrn Tinguely dazu vor. Die Idee faszinierte mich und ich hab dann begonnen, Dutzende von Kunstwerken von verschiedensten Künstlerinnen und Künstlern 'aufzuräumen', neu anzuordnen und habe die Ergebnisse in einem Bilderbuch vereint. Es entstanden immer neue Bilder, ich habe die Aufräumtätigkeit ausgeweitet auf Objektkunst, aber auch auf Musikstücke, Gedichte und zuletzt auf den ganz normalen Alltag. Ich habe für ein neues Buch einen Fruchtsalat nach Früchten sortiert, einen Strassenplan nach Linien angeordnet, eine Badewiese aufgeräumt, die Autos eines Parkplatzes nach Farben parkiert ... die Projekte wurden immer grösser und als ich dann auch noch die Sterne des Weltalls nach Grösse angeordnet hatte, fiel mir nichts Grösseres mehr ein, was es aufzuräumen gäbe. Was soll darauf noch folgen?
Die Antwort kam postwendend, und zwar von der Post: eine Briefmarke!
Und damit hat sich der Kreis geschlossen: ich sah mich plötzlich vor Katalogen von 'unordentlichen' Markensujets, die man aufräumen könnte. Auf den ersten Blick erscheinen Briefmarken ja sehr ordentlich zu sein, doch wenn man mit dem Aufräumblick herangeht, gibt es einiges zu tun: die Bahnhofsuhr wollte ich schon immer mal aufräumen, und so hat sich das Sujet aus den 'Design-Klassikern' angeboten, das jetzt endlich mal ordentlich daherkommt: die einzelnen Elemente säuberlich aufgereiht, die Gleise schön parallel und der verteilte Schotter aufgetürmt auf einem Haufen!
Angefangen hat alles mit einer chaotischen Marke.
Übrigens: ich habe in meinen Büchern nie ein Bild von Jean Tinguely aufgeräumt und auch seine Briefmarke war nie in der Auswahl von Marken, die hätten aufgeräumt werden können. Manchmal soll das Chaos auch einfach Chaos bleiben dürfen!