Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03354.jsonl.gz/1892

Lorenz Oken (1779—1851) hiess eigentlich Laurentius Okenfuss und war Sohn eines Klein bauern im offenburgischen Bohlsbach. Im Alter von 13 Jahren verlor er seine Mutter, und als er 18-jährig war, starb auch sein Vater Der Bohlsbacher Lehrer sowie die beiden Pfarrer Johann Georg Schwendemann und Anton Kolmann wurden seine Förderer, sodass er das Franziskaner Gymnasium in Offenbach besuchen konnte. Dank eines Stipendiums durfte er 1800 in Freiburg ein Medizinstudium beginnen, und 1804 wurde er zum «doctor medicinae» promoviert. Lorenz Oken setzte seine Studien in Würzburg und Göttingen fort, und durch Fürsprache von Johann Wolfgang von Goethe berief ihn Jena zum ausserordentlichen Professor der Medizin. Von 1827 bis 1832 arbeitete er in München und nahm daraufhin die Berufung an die Universität Zürich als Professor für Naturgeschichte und -philosophie an. Schon nach wenigen Monaten wurde er zum Rektor ernannt. In der Zürcher Zeit schrieb Lorenz Oken sein grösstes Werk, die 13-bändige «Allgemeine Naturgeschichte für alle Stände» samt dem prächtigen Bilderatlas. 1851 starb er an einer Bauchfellentzündung; sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Sihlfeld.
Den grössten Teil seiner Freizeit verbrachte der berühmte Naturwissenschafter auf dem Pfannenstiel. Der Platz bei der Hochwacht war ihm so lieb geworden, dass er seinen Lieblingsplatz 1838 käuflich erwarb. Für 116 Franken wurde die Okenshöhe 1854 von seiner Witwe an eine Gruppe von Meilemer Bürgern mit François Wille an der Spitze verkauft. Diese brachten auf dem Findling eine Gedenktafel an und traten das Gelände der Mittwochgesellschaft Meilen ab. Die Mittwochgesellschaft arrondierte später das Gelände und ist mittels Dienstbarkeiten auf dem Umgelände bis heute für die Erhaltung eines Rests der von Bäumen bedrängten Aussicht besorgt. Der Findling mit der gediegenen Form, ein gewaltiger Sernifitblock, ist zum Gedenkstein für Lorenz Oken geworden mit der Inschrift:
Dem grossen Naturforscher, welcher der Ruhm der Zürcher Hochschule war, dem unabhängigen Manne Lorenz Oken, geboren 2. Aug. 1779 gestorben 11. August 1851 haben an seinem Lieblingsplatze Einwohner von Meilen diese Gedenktafel errichtet.
Als die Aussicht noch grösser war, liess die MGM 1899 den bis heute bestehenden «Alpenzeiger» aufstellen (schweizerisch für Panoramatafel mit Darstellung der Alpenkette), ursprünglich unter Glastafel und zum Schutz mit einem metallenen Deckel versehen, heute ein Direkt-Farbdruck auf Aluminium, mit einem Schutzlack überzogen (Zeichnung: Albert Bosshard).
Erhaltenswerter historischer Zeuge der Landesvermessung
Gleich daneben befindet sich die 1911 anstelle einer hölzernen Vorgängers von 1877 erstellte, einst als Triangulationspunkt dienende weisse Metall-Pyramide auf Beinen, damals ein noch optisch weithin sicht- und anpeilbares Signal der Landesvermessung. (Triangulation bedeutet zuerst die Gliederung der Erdoberfläche in Netze von Dreiecken 1. und 2. Ordnung. Sind jeweils eine Seitenlänge und zwei angrenzende Winkel einer Dreiecksseite bekannt, kann mit trigonometrischen Formeln die Länge der zwei anderen Seiten berechnet werden.) Das für Meilen massgebende Dreieck 1. Ordnung hatte die Eckpunkte Rigi/Lägern/Hörnli, während die Okenshöhe in 2. Ordnung Eckpunkt u.a. des kleineren Dreiecks mit den weiteren Ecken Bachtel Orn und Schloss war. Seit 1987 erfolgt die Erdvermessung mit Hilfe von geodätischen Satelliten und GPS (Global Positioning System). Zwischen 1884 und 1970 wurden rund 80 eiserne Pyramiden aufgestellt. Mit dem zunehmenden Fortschritt der Messinstrumente und -techniken, beispielsweise mittels Satelliten-Positionierungssystem (GPS), schwand die Bedeutung der Pyramiden allmählich. Zurzeit hat es davon in der Schweiz noch rund 60 Stück; sie sind oftmals auch ein nationales oder zumindest regionales Symbol.
Als Fixpunkte erlauben uns die Pyramiden noch immer, ähnlich wie Kirchtürme oder gewisse Kommunikationsantennen, Peilungen vorzunehmen und dienen uns zur Orientierung. Obwohl die Triangulationspunkte heute, aufgrund des technologischen Fortschritts, weniger häufig im Einsatz stehen, werden sie ihre Sonderstellung als historische Zeugen der Kultur und Landschaft der Schweiz behalten.
Der Flurname Hochwacht und der Name des gleich lautenden Restaurants im heutigen Bau von 1908 verweisen auf einen Stützpunkt des einstigen militärischen Alarmsystems mittels Feuerzeichen oder – bei Nebel – Böllerschüssen. Alarm wurde durch Feuer in einer schwenkbaren Harzpfanne an galgenartigem Gerüst gegeben – nachts mit dürrem Holz, tagsüber mit feuchtem, Rauch erzeugendem Holz. Auf zürcherischem Gebiet gab es ab 1624 23 Hochwachten, die Meilen zunächst benachbarte auf dem Albis. Trotz scheinbar passendem Namensbestandteil geht «Pfannenstiel» nicht auf die frühere Hochwacht zurück, sondern wie auch anderswo auf ein entsprechend geformtes Grundstück der Umgegend und ist älter als die Hochwachten.