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Der regelmässige Gang zur Toilette ist eine gewohnte und alltägliche Erfahrung aller Menschen. Über viele Jahrzehnte funktioniert die Blase ohne weiter aufzufallen. Entsprechend gering ist das Wissen über den Harntrakt und die Funktion. Viele Menschen stellen sich den Vorgang der Blasenentleerung wie die eines Behälters, Tanks oder Speichers vor.
Tatsächlich ist es ein kompliziertes Mess- und Regelsystem, welches aus dem Wasserlassen einen komplexen Vorgang macht. Der untere Harntrakt besteht aus der Harnblase und den Schliessmuskeln. Ein Netzwerk aus vegetativen und willkürlich steuerbaren Nervenbahnen ermöglicht es Blase und Schliessmuskel, zwei im Grunde gegensätzliche Funktionen auszuführen: einerseits die Speicherung von Urin über mehrere Stunden unter Wahrung der Kontinenz (Speichermodus) und andererseits die vollständige Entleerung der Blase zu einem willkürlich bestimmten und von der Umgebung akzeptierten Ort und Zeitpunkt (Entleerungsmodus). Um Speicherung und Entleerung korrekt ausführen zu können, sind gewisse körperliche und psychische Voraussetzungen (Kasus) notwendig:
- eine normale Form und Funktion des Harntraktes
- die intakte Koordination aller Teile des Harntraktes durch das Nervensystem
- die Fähigkeit, die Entleerung willentlich hinauszuzögern und zu einem selbstbestimmten Zeitpunkt einzuleiten
- das Einhalten sozialer Normen bezüglich Intervall, Zeitpunkt und Ort der Blasenentleerung.
Fehlen eine oder mehrere dieser Voraussetzungen, so resultiert eine Fehlfunktion des Harntraktes.