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Glutofenhitze in Melbourne: Auf 39 Grad klettert das Thermometer am Tag des Finals bei den Australian Open zwischen Roger Federer (36) und Marin Cilic (29). Auch deswegen entscheiden die Organisatoren, das Dach über der Rod Laver Arena für das Endspiel am Abend zu schliessen. Das führt vor dem Beginn des Finals zu hitzigen Debatten, denn die Voraussetzungen für die Anwendung der «Extreme heat policy» sind gar nicht gegeben.
Ausschlaggebend ist ein Koeffizient, der sich aus der Temperatur und der sogenannten Wet Bulb Globe Temperature (WGBT) errechnet, eine Mischrechnung, die auch die Luftfeuchtigkeit einbezieht. «Ich kann es nicht glauben, dass sie das Dach geschlossen haben», sagt Jamie Murray. Die Grand-Slam-Turniere seien ein Outdoor-Event. Und ein geschlossenes Dach bevorzuge Roger Federer.
Für Aufregung sorgte ausserdem, dass sich Federer vor dem Final angeblich in einer Halle aufgewärmt hatte, während Cilic sich draussen auf den Final vorbereitet haben soll.
Noch während des Finals verteidigen die Organisatoren ihre Entscheidung: Kurz vor Spielbeginn habe der Index den Grenzwert von 32,5 Punkten knapp überschritten. Deswegen bleibe das Dach auch nach Zelebrierung der australischen Nationalhymne geschlossen. Zu keinem Zeitpunkt des Turniers, bei dem in der ersten Woche Temperaturen von 41 Grad gemessen worden sind, sei der Wert derart hoch gewesen.
Nur: Die Regelung sieht vor, dass der WGBT-Koeffizient erst dann zum Tragen kommt, wenn die Temperatur 40 Grad erreicht. Das war zu keinem Zeitpunkt des Finals der Fall. Weil er immer abends und bei geschlossenem Dach spielen dürfe, hatte Andy Roddick in der ersten Woche gesagt: «Federer wird bevorzugt.»
Vor allem dass Federer an einem der heissesten Tage die Organisatoren gebeten hatte, seine Zweitrunden-Partie am Abend spielen zu dürfen, hatte Anlass für Diskussionen gegeben. Der «Maestro» selbst erklärte danach, dass man als Spieler mit der Hitze klarkommen müsse.
Einen ganz eigenen Erklärungsansatz rund um die Dach-Diskussion hatte heute der nie um einen Spruch verlegene John McEnroe. Nach dem ersten Satz, den Federer gegen den äusserst nervösen startenden Cilic gleich mit 6:2 gewann, sagte er zur hitzigen Debatte: «Das Dach ist geschlossen: das bevorzugt Federer. Es wird abends gespielt: das bevorzugt Federer. Und es wird Tennis gespielt: Auch das bevorzugt Federer.»
Federer setzte sich gegen Cilic im Final schliesslich in fünf Sätzen durch und gewann mit 6:2, 6:7, 6:3, 3:6 und 6:1. Von einer Bevorzugung wollte der Schweizer bei der Pressekonferenz nach seinem 20. Grand-Slam-Titel aber nichts wissen. «Ich war überrascht, dass die Hitzeregel heute angewendet wurde. Als ich auf der Anlage ankam, war ich bereit, draussen zu spielen.»
Erst eine halbe Stunde vor dem Match sei ihm und Cilic mitgeteilt worden, dass das Dach geschlossen sein werde. «In der Vorbereitung hat sich für mich aber nichts geändert. Natürlich ist es gut für mich drinnen zu spielen, aber am Ende ist es nicht meine Entscheidung», so Federer.
Federers Angaben bestätigte nach der Partie auch Cilic: «Wir wurden kurz vor dem Match informiert. Gefragt wurde ich aber nicht», so der Kroate. Auf die Frage, ob das geschlossene Dach ein Vorteil für Federer gewesen sei, wich er aus: «Ich weiss nicht. Die Bedingungen waren schwer für mich. Ich spielte immer draussen, bereitete mich auf einen heissen Outdoor-Match vor. Sich ausgerechnet im Final umstellen zu müssen, ist schwierig. Statt 38 waren es vielleicht 23 oder 24 Grad. Aber ich wollte auch keine Energie damit verlieren, mich darüber zu ärgern.» (pre/sih)