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Die in der Fachzeitschrift "Water Resources Research" publizierte Studie ermögliche es, erstmals die Auswirkungen der Abschaltung eines Schweizer Kernreaktors auf umliegende Flüsse und Seen zu eruieren, schreibt die ETH Lausanne (EPFL) in einer Mitteilung vom Mittwoch.
Der leichte Temperaturrückgang in den Gewässern dürfte laut EPFL den Effekt der Klimaerwärmung auf lokaler Ebene verlangsamen. Vom kühleren Nass profitieren könnten zudem Unternehmen, die ihre Maschinen mit Flusswasser kühlen.
Heute wird rund 70 Prozent der Reaktorwärme von Mühleberg in die Aare abgegeben, die übrigen 30 Prozent werden in Strom umgewandelt. Die Studie basiert auf einer Feldforschung des Wasserphysik-Doktoranden Love Råman Vinnå am Bielersee.
Der Forscher zeichnete von 2013 bis 2015 in verschiedenen Wassertiefen Temperaturen und Fliessgeschwindigkeiten auf, ergänzte sie mit Daten von Meteoschweiz sowie Angaben des Reaktorbetreibers BKW zur abgegebenen Wärmeenergie (rund 700 Megawatt).
Aufgrund theoretischer Modellrechnungen konnte er die Folgen der Stilllegung des AKW Mühleberg präzise voraussagen. Der "Fall Mühleberg" sei relativ einfach, weil sich das Wasser im Bielersee alle zwei Monate erneuere, heisst es in der EFPL-Mitteilung.
Die vorausgesagte Wasser-Abkühlung um durchschnittlich 0,3 Grad kann schwanken und lokal im Winter bis zu 4 Grad betragen. Dieser Temperaturrückgang könnte bis nach Deutschland spürbar sein, sind doch 150 Megawatt Abwärme aus Mühleberg ab Bielersee noch während 350 Kilometern in den Gewässern messbar.
Nach Mühleberg fliesst die Aare via Hagneckkanal in den Bielersee, bevor sie unterhalb von Brugg AG in die Reuss und bei Koblenz schliesslich in den Rhein mündet.
(SDA)