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KULTUR > Erstfeldertal
Neue Erkentnisse findet man in:
"Geologie des hinteren Erstfeldertals" Diplomarbeit
der Philosophisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Bern
vorgelegt 2008 von
Anita Lehmann
Diplomarbeit (171'557 KB )
Geologische Karte Erstfeldertal (14'196 KB )
Detailkarte Graustock (748 KB )
Detailkarte Mittleren Seck (2'440 KB )
Detailkarte Silberberg(Sustenpass)1'839 KB
Profil Kalksilikate Grüeni(1'458 KB )
Wir gratulieren der dipl. Geologin Anita Lehmann für die interessante Diplomarbeit in "unserem Tal".
Gleichzeitig danken wir für das "copyright".
Sepp Huber
Landschaftsbild – Morphologie
Die Alpen entstanden bekanntlich durch die Stapelung und Verformung von Gesteinspaketen während der Kollision zweier Kontinentalplatten. Die im Querschnitt des Reusstales erkennbaren Überschiebungen und Falten entstanden vor 35-10 Millionen Jahren, d.h. in späten Phasen der alpinen Gebirgsbildung.
Ab 35 Millionen Jahren wurden Gesteine im Gebiet des Urnersees- Reusstals zu Gebirgszügen aufgetürmt und gleichzeitig erodiert. Bis zu 50 km breite, riesige Schuttfächer (z.B. im Bereich Rigi-Rossberg, bezogen vor 30-25 Millionen Jahren das Gesteinsmaterial von heute fast völlig eliminierten Überschiebungseinheiten eines frühen alpinen Gebirges. Die Gesteine des Aar-Massivs (Abschnitt zwischen Erstfeld und Andermatt) hingegen lagen noch rund 7 bis 15 km unter der Oberfläche und wurden erst im Verlauf der letzten 15 Millionen Jahren hochgehoben und vermutlich von einem Vorläufer des Reusstals durchschnitten. Die sichtbare Form des Reusstals ist das Resultat junger eiszeitlicher Glazialerosion sowie von Ablagerungen und Felsrutschen, welche sich nach dem Höchststand der letzten Eiszeit bildeten (Würm: 18'000 Jahre vor heute.
Dr. Peter Brack, Institut für Mineralogie und Petografie
Der Kanton Uri
Der Kanton Uri ist ein Teil der Nordalpen und trennt als Quertal die Berner Alpen im Westen von den Glarner Alpen im Osten. Eine naturräumliche Differenzierung ergibt sich in erster Linie durch die Höhengliederung: Die tiefsten Lagen am Vierwaldstätersee weisen eine Höhe von rund 430 m ü.M. auf, die höchsten Gipfel reichen über 3'500 m ü.M. Die Tektonik weist eine deutliche Zweiteilung auf. Die nördlichen Kantonsteile werden durch helvetische Decken (Axen- und Wildhorn- Drusbergdecke) gebildet, der südliche Kantonsteil durch das Aar- und Gotthardmassiv mit der eingelagerten Urserenzone sowie den aufliegenden (para)autochthonen Sedimenten. Die Grenzlinie verläuft westlich der Reuss auf der Höhe des Erstfeldertales, auf der östlichen Seite im Maderanertal. Leicht überprägt wird diese Grundstruktur durch quartäre Ablagerungen in den Talböden und an den Hängen. In der Quartärepoche der Erdgeschichte, während den vier Eiszeitaltern zwischen 600'000 bis 12'000 v. Chr., hat sich die Oberfläche des Urnerlandes gebildet. Und als die Alpengletscher während der Würmzeit erneut bis ins Mittelland vorstiessen, trat erst in der Späteiszeit von 12'000 bis 8'000 v.Chr. in den alpennahen Gegenden der Mensch wieder in Erscheinung. Mit wärmerem Klima von 10'000 bis 6'000 v.Chr. änderte sich die Pflanzenwelt und um 2'000 v. Chr. war die Landnahme bis in die alpinen Seitentäler vorangeschritten.
Dr. Hans Stadler
Glaziale Übertiefung und postglaziale Füllung der Täler
Die Resultate neuerer seismischer Erkundung im Bereich des Reussdeltas lassen ein durch Gletscher ausgehobeltes typisch U-förmiges und bis auf mehr als 100 m unter den Meeresspiegel reichendes Tal erkennen. Die über 500 m tiefe und wahrscheinlich bis Erstfeld reichende Wanne wurde in den vergangenen 12'000 Jahren mit Seeablagerungen (Ton, Silt) und Schüttungen aus Seitentälern und des sich nordwärts verschiebenden Deltas der Reuss (Sande, Schotter) gefüllt.
Dr. Peter Brack, Institut für Mineralogie und Petografie
Schlossberg
Die schroffen Karbonatfelswände des Schlossbergs sind aus Karbonaten der Trias (vor 200-250 Millionen Jahren) und Jurazeit (142-200 Millionen Jahren) über "weicher" Topographie in "alten" metamorphen Gneisen des Aar-Massivs. Die ehemals von Süden her überschobenen Decken sind hier nicht mehr vorhanden.
Entweder sind sie schon verwittert oder vielleicht bei der letzten Hebung des Massivs nach Norden abgeglitten. Der gewölbeförmigen Erhebung des kristallinen Massivs sich anpassend, liegen die mesozoischen Sedimente in der Spannortgruppe noch annähernd horizontal und sinken dann in der Schlossbergkette mit Streichen N. 65° O. unter zirka 35° wellenförmig nach NNW ab. Im Gegensatz dazu, fällt der Gneis steil, fast senkrecht nach SO. Der Hauptkamm der Schlossbergkette verläuft von der Schlossberglücke aus bogenförmig nach Nordosten. Ein unbedeutender Nebengrat zieht vom Hauptkamm nach Norden und endet beim Surenenpass, wo er auf den Hochgebirgskalk Eocen (Flysch) aufgelagert ist.
Pieter van der Ploeg 1912
Bild: van der Ploeg
Erstfelder Gneis
Altkristallin: (Erstfelder) Gneise und Amphibolite (aus ozeanischen Balsaten entstanden. Der kristalline Sockel, auf dem die autochthonen Sedimente aufruhen, wird von sogenannten Erstfeldergneis gebildet. Das Einzugsgebiet der Wassermessstation in der Mettlen oberhalb der Bodenberge liegt zum grossen Teil im wenig durchlässigen aarmassi-vischen Erstfelder Gneis, Wasserzirkulation kann z.T. entlang von Klüften auftreten. Die Flanken des Schlossbergs, des Geissbergs und des Gross Spannort auf der linken Talseite bestehen aus Kalken, die zur Sedimentbedeckung des Aar-Massivs gehören. Wegen ihrer Verkarstungsanfälligkeit sind diese Gesteine für die Wasserzirkulation von grosser Bedeutung. Gneise sind weltweit verbreitet und finden sich häufig in den alten Kernen der Kontinente.
Landschaftsgestaltung
Die Schönheit des alpinen Lebensraumes zählt neben den Meeresküsten als wichtiger Erholungsraum und ist erfüllt mit positiven Lebenselementen. Die Menge der Ablagerungen lassen erkennen, dass die erodierende Tätigkeit des Eises weitaus stärker ist als die des Wasser oder des Windes. Während der jüngsten Vereisungsphase wurden in den Meeren der Erde insgesamt ein Vielfaches mehr an Sediment abgelagert als während der nicht vereisenden Perioden. Geformt durch geologische Hebungs- und Erosionsprozesse wurden einige der schönsten Landschaften der Schweiz durch prähistorische Bergstürze geschaffen. Diese ungleichmässig verlaufenden Massenbewegungen sind Bestandteil der Natur, die mit mehr oder weniger grossen Schüben, bei Bergstürzen, Rutschungen, Murgängen oder Hochwasserereignissen die Landschaft immer neu gestalten. Einen wesentlichen Beitrag zur Landschaftsgestaltung leistete im Verlaufe der Jahrmillionen das Wasser. Zunächst als Urmeer, das einst auch über unserem Alpengebiet lag. Später von den mächtigen eiszeitlichen Gletschern, welche die Täler aushobelten. Vollendet wurde das Werk von der Reuss und ihren zahlreichen Nebenflüssen. Sie schütteten den Talboden auf, wuschen Gesteine aus und gruben tiefe Schluchten ins Gebirge. Im Erstfeldertal ist besonders gut zu sehen, wie kreativ das Wasser die Landschaft gestalten kann. In Abertausenden von Jahren hat der Alpbach durch die harten Felsen eine wildschöne Landschaft geformt. Entstanden ist so ein Seitental mit verschiedenen Ebenen und unterschiedlichen Gefällestufen.
Steiler Anstieg
Den steilen Anstieg verdankt das Erstfeldertal den Glazialerosionen. Die gewaltigen Gletschersysteme umfassten als Hauptvorstoss die vom Gotthardmassiv und seinen Ausläufern drängenden Reussgletscher und auf der Höhe des heutigen Dorfes Erstfeld als Zuwachs den Schlossberg- Spannortgletscher. Wegen seines geringeren Einzugsgebietes blieb dieser Gletscher schmächtiger und vermochte nicht dieselbe Erosionsleistung zu vollbringen wie der vordringende Reussgletscher. Deshalb enden viele Seitentäler nach dem Rückzug der Gletscher hoch über dem Niveau der Hauptsohle an einer vorgelagerten Abbruchkante, die dann steil zum Haupttal niederfällt. Der Alpbach, der anfänglich in hohem Wasserfall in ein noch tiefer gelegenes Tal niederstürzte, hat sich mit der Zeit tief in diese Steilstufe eingeschnitten und bildet heute das Alpbachtobel.
Am Nordrad des Aarmassivs
Die Schlossberg- Spannortgruppe schliesst mit seiner steilen Südwand das Erstfeldertal nach Norden und Westen ab, bildet im Osten auf einer Strecke von 3 km die linke Talseite der Reuss und senkt sich in allmählicher Abdachung nach Norden zum Waldnachter- und hinteren Engelbergertal hinab. Während sich die Schlossbergkette in einheitlicher 8 km langer Mauer leicht gebogen in ost-nordöstlicher Richtung vom Schlossberg über die verschiedenen Sonnigstöcke bis zum Griggeler hinzieht, setzt sich die Spannortgruppe aus einzelstehenden Gipfeln zusammen. Gross-und Klein Spannort, Zwächten Schneehühnerstock und Krönten ragen in schroffen, klotzigen oder schlank aufstrebenden Türmen aus dem Gletscher des Erstfeldertales empor. Alles dreitausender Gipfel, werden sie vom Gross Spannort überragt, das mit seinen 3198 Metern Höhe weithin sichtbar, sofort an seiner zweigeteilten, wildverzackten Gestalt erkennbar ist. Geologisch orientiert befinden wir uns hier am Nordrand des Aarmassivs, wo die Schlossberg- Spannortgruppe einen Teil des autochthonen, "an Ort und Stelle abgelagertes und gefaltetes Gebiet", ehemals wohl das ganze Massiv bedeckten Sedimentmantels darstellt. Dieser Bereich ist durch unterschiedliche Gesteine mit unterschiedlichem Alter aufgebaut. Während die Berge auf der Südseite des Alpbaches noch durch Erstfeldergneis aufgebaut sind, schliessen Kalkgipfel das Tal gegen Norden ab. Gross und Klein Spannort werden von Hochgebirgskalk gebildet und stellen isolierte Reste der Sedimentdecke dar. Die übrigen Gipfel der Spannort- Zwächten- Kette sind Gneisgipfel. Auch beim Aufstieg zum Krönten zeigen sich in der Gipfelregion die verschiedenen Gesteinszonen. Eine geologische Skizze des Gebiets zeigt, dass der untere Teil des Kröntens aus Erstfeldergneis besteht, der überlagert ist von einer fast horizontal liegenden, autochthonen Sedimentkappe, der gespaltene Gipfelkopf des Krönten wird von Hochgebirgskalk gebildet.
Spuren der Vergletscherung
Spuren der ehemaligen Vergletscherung sind noch gut erhalten. Der Gneis, welcher den Verwitterungen besser Stand halten konnte als die Kalk- und Schiefergesteine, zeigt an vielen Stellen schöne Rundhöcker. So bei der Kröntenhütte, oberhalb Chüeplanggalp, dann am Ausgang des Tales bei Emmeten und noch oberhalb Bogli bei 1537 m. Moränenreste lassen sich sowohl im Talboden als auch in den Hängen bis zum Kontakt des Gneises mit den mesozoischen Sedimenten hinauf verfolgen. Ältere Wallmoränen zeigen sich beim Anstieg zur Kröntenhütte. Der Fulensee mitsamt dem hinterliegenden Sumpfland ist durch eine Stirnmoräne gestaut. Eine ihr entsprechende Randmoräne zieht sich an der Ostseite dieses kleinen, trogförmigen Seitentälchens zur Hüehnergand hinunter.
Diss. 1912; P. van der Ploeg
Das Kar im Wanneli
Ein prächtiges, gänzlich in Malm eingeschnittenes Kar ist das Wanneli oberhalb von Erstfeld. Auch hier lagern sich am Fuss der Wände bereits starke Schutthäufungen an. Doch ist der Boden des Kars zum grössten Teil noch unbedeckt und weist dabei die schönen Schrattenbildungen auf. Unzählige Rinnen und Furchen ziehen sich im Sinne des Gefälles quer durch den Kalk hindurch, von breiten gerundeten Rücken oder schmalen Rippen mit messescharfen, oft fein kannelierten Kämmen begleitet.
Daneben zeigen sich tiefe Spalten und Trichter, in denen sich die Schneeanhäufungen des Winters bis spät in den Sommer hinein halten können. In engster Beziehung zu diesem karförmig abgeschlossenen Karrenfeld steht die unterhalb des Wanneli, ungefähr 300 m tiefer hervortretende intermittierende Quelle, die ein- oder zweimal im Jahr unvermittelt eine mächtige Wassermenge zu Tale fördert, um bald darauf wieder zu versiegen und das verhältnismässig breite, felsige Bachbett wieder austrocknen zu lassen.
Die Kar vom Fulensee und Obersee
Der Obersee ist ein typischer Karsee. Ringsum von steilen Wänden halbkreisförmig eingeschlossen, wird er nach Norden hin durch einen sanft gerundeten Felsriegel abgedämmt. Seitdem das Kar firnfrei ist, haben sich hier mächtige Schuttkegel anhäufen können, die den kleinen See immer mehr zurückdrängen und gänzlich auszufüllen drohen.
Die Karschwellen aus Gneis liegen höher als die übertieften Becken, sind von Rundhöckern über-sät und die Terrassen zwischen den Hügeln be-herbergen Moore und Tümpel. In mehreren Windungen fliesst vom Obersee nach einer Gefällsstufe von rund 200 Höhenmetern der Fulenbach durch die Moore, sich stellenweise in mehrere Arme aufteilend.
Das Gebiet des Fulensees wurde in den Eiszeiten mitsamt dem hinterliegenden Sumpfland durch eine Stirnmoräne gestaut. Eine ihr entsprechende, blockreiche Randmoräne zieht sich an der Ostseite dieses kleinen, trogförmigen Seitentälchens zur Hüendergand. Dazu gehört er zu den jüngsten Moorlandschaften der Schweiz und war bei den letzten Gletschervorstössen noch teilweise von Eis bedeckt. Ihre Arbeit hat lehrbuchartig schöne Reliefformen hinterlassen, von denen viele die Moorbildung erst ermöglicht haben. Steilwandige Hänge umgeben die flachen Karböden von Ober- und Fulensee mit ihren Verlandungs- und Schwemmebenen, ein Wasserfall ergiesst sich von einer Karstufe in die andere.
Quellen
Da die Sedimente nach Norden einfallen, ist die linke Seite des Erstfeldertales sehr arm an Quellen. Zwischen Hoch Biel und den Börtern treten einige Schuttquellen zu Tage, die jedoch im Hochsommer wieder versiegen. Doch auch auf der Nordseite der Schlossbergkette treffen wir keine grossen Bäche an. Die atmosphärischen Wasser sickern sofort wieder in den Malm ein. Sie treten zwar zum Teil am Fusse der Kette in einigen Quellen wieder hervor, fliessen jedoch zum grösseren Teil unterirdisch ab. Bäche, die von unterschiedlichen Schichten auf Malm herabfliessen, schneiden sich hier sofort tief in den Kalk hinein. So stürzt der von Waldnacht kommende Bockibach, sobald er den Malm erreicht, in einem fast senkrechten Tobel ins Reusstal hinab.
Anders präsentiert sich der Wasserhaushalt im Erstfeldertal insgesamt. 3 Bergseen liegen in seinem Einzugsgebiet, alle auf der rechten Talseite. Dazu versorgen die verschiedenen Quellfassungen des Erstfeldertales die Einwohnerin-nen und Einwohner der Gemeinde Erstfeld mit Trinkwasser in genügender Menge und von hervorragender Qualität.
Rötidolomit
Beim Anstieg ins Erstfeldertal fällt schon von weitem unter den Sonnigstöcken das zweimal, stellenweise dreimal übereinander sich wiederholende Auftreten von rötlichem Gestein in die Augen. Es handelt sich um ein 12 bis 15 Meter breites, rötlich- gelb gefärbtes Band, den Rödidolomit, der nach der kleinen Alp Matt im Einschnitt vom Rotsteintal besonders sichtbar wird. Unter dem Spannort reduziert sich das Band auf einige Meter und tritt erst wieder im Meiental, am Kalkkeil von Färnigen auf, während es unter dem Zwächten und dem Krönten gänzlich aussetzt. Diese, vor ca. 200 Millionen Jahren entstandene Meeresablagerung mit seiner gelben bis gelbroten Anwitterungsfarbe zieht sich vom Vättis dem ganzen Nordrand des Aaremassivs entlang.
Gleich östlich von den Hütten der Alp Matt findet man in einer schmalen Runse noch einmal Rötidolomit, von Dogger überlagert und auf rötlichem Sandstein und Gneis aufruhend. Der Gneis ist von einem Aplitgang durchsetzt, der die limonitische Färbung des Sandsteins bedingt. Die Schichtfolge ist weniger gestört, dass man auf den ersten Blick anstehendes Gestein vor sich zu haben glaubt. Der ganze Komplex ist von Schutt umgeben; eine horizontale Verbreitung lässt sich nicht erkennen. Schon der ganze Boden der Matt, die wellige Oberfläche, vereinzelte Risse und frische Entblössungen an der lehmigen Halde deuten darauf hin, dass hier Rutschungen stattgefunden haben und noch stattfinden. Ungefähr 60 m unter den Hütten tritt im Walde wiederum eine mehrere Meter lange Dolomitenbank zu Tage, und abermals, etwas weiter westlich, an beiden Seiten des Grosstals, gleich am Waldesrande. Hier jedoch ist die sekundäre Lagerung ohne weiteres ersichtlich. Die Runse hat sich durch den Moränenschutt hindurch bis auf den Gneis eingeschnitten. Die Dolomitenbank greift quer durch den Schutt hindurch und lehnt sich an den Gneis an, der selber ungestört bis zum Kontakt hinaufreicht.
Dolomit
Beim Aufstieg zum Punkt 2467 der Siegfriedkarte, westlich vom Griggeler, fand der Geologe van der Ploeg kurz unter dem Gipfel eine ca. 50 cm mächtige, staubig gelb angewitterte Dolomitenbank, die sich im Kalk verliert. Es handelt sich zweifelsohne um an Ort und Stelle chemisch abgesetzten Dolomit. Diese Thitonkalke sind oft stark gebleicht, gelb und rot gefärbt. Besonders, wo sie durchdrungen sind von den eisenschüssigen Sanden und Tonen der Bonerzformationen, kann die Färbung eine überaus bunte werden. Das Gestein ist hier manchmal förmlich zu einer Breccie ausgebildet von hellgefärbten Kalkbrocken in grüner oder roter, von chamositischer oder limonitischer Substanz durchtränkter, toniger Grundmasse. Man bezeichnet diese gefärbten und bunten Kalke von jeher ohne Unterschied als Marmor, obwohl es sich um dichte Kalke handelt, und auch in der Breccie der Kalk dicht ist und muscheligen Bruch zeigt.
Untere Schiefer
Die direkt dem Rötidolomit aufliegenden unteren Schiefer sind schwarze, glimmerführende Tonschiefer von 12- 14 m normaler Mächtigkeit und heben sich durch ihre Farbe deutlich vom hellen Dolomit ab. Auf den unteren Eisendoolith legen sich grau anwitternde, kalkige Tonschiefer als obere Schiefer von 8 bis 12 m Stärke.
Der Erdwissenschaftler U. Stutz, (Über das Erstfeldertal. Neues Jahrbuch für Mineralogie 1879) fand im oberen Teil der Schiefer unter der Bezeichnung Grosstal eine Menge Fossilien. Über dem Eisendoolith und mit diesem eng verwachsen, bildet ein grau und gelb gefleckter Kalk, der Schiltkalk, das unterste Glied des Malms. Es geht in merglige Kalkbänke und Schiefer über.
Untere und Obere Schiefer
Auf den unteren Eisenoolith von kaum einem Meter Mächtigkeit legen sich grau anwitternde, kalkige Tonschiefer von 8- 12 m Mächtigkeit, die einzelne Kalkbänke enthalten. Der weitverbreitete obere Eisenoolith bildet das Schlussglied der ganzen Doggerserie. Er unterscheidet sich vom unteren Eisenoohlith durch einen stärkeren Eisengehalt, erkennbar an seiner bunten, grün bis violetten Oxydationsfarbe des eisenschüssigen Gesteins.
Malm
An manchen Stellen, so unter den Sonnigstöcken, weisen die unteren Malschichten eine merkwürdig rote, gelb bis grünliche Färbung auf, wie sie auch in höheren Zonen und besonders im oberen Malm in Kontakt mit dem Eocän auftraten kann. Nach oben schliesst er mit Korallenbalken ab, indem die eocänen Ablagerungen über seine verwitterte Oberfläche hinwegtransgredieren. Im Griggeler bildet der Malm eine scharfwinklige, nach Norden über-hängende Falte, deren muldenförmige Umbiegung sich noch im Grat der Sonnigstöcke verfolgen lässt. Er zieht sich dann wellenförmig durch das Wanneli hindurch und mit einigen Fältelungen bis nach Attinghausen hinunter, wo er unter der Talsohle verschwindet.
Alpenkalk
Aus den Argovienschiefern entwickelt sich in allmählichem Übergang der 300 bis 400 m mächtige Hochgebirgskalk, der bekannte, graue, dichte, homogene Alpenkalk. Die korallogenen Ablagerungen im oberen Teil des Hochgebirgskalkes sind raue, harte Kalkbänke, die sich von weitem schon an ihrer hellen Farbe erkennen und sich vom Griggeler bis zum Schlossberg verfolgen lassen. Sie werden nach oben manchmal dünnbankig und merglig und gehen in wenig mächtige Schiefer über, wie östlich vom Schlossberg, wo sich auf diesen grauen Schiefern noch eine Bank von hellem feinem Kalk einstellt.
Am Haltenegg, beim Scheidnössli, kann man den Kontakt zwischen den vor ca. 300 Millionen Jahren zu einem kristallinen Grundgebirge gefalteten Urschichten und den darauf liegenden jüngeren Sedimentgesteinen, die sich vor ca. 210 Millionen Jahren abzulagern begannen, besonders schön beobachten. Dieselbe geologische Formation zieht sich durch das ganze Erstfeldertal über Spannort und und Titlis hinaus ins Berner Oberland. Sie präsentiert sich stets als gelbes Band unter mächtigen, blauen Kalkwänden.
Bergstürze im Erstfeldertal
"Die Alpen zeigen kein beruhigtes Greisenantliz", hat der bekannte Geologe Albert Heim in seinem Alterswerk «Bergsturz und Menschenleben» festgestellt. Alles ist in Bewegung, sowohl allmähliche, von einem labilen Gleichgewicht zum nächsten tastend, als auch plötzliche, in abrupten Zuckungen sich vollziehende, die den Menschen, der meinte, sich auf den ewigen Bergen ruhig niederlassen zu können, als verhängnisvolle Katastrophen überfallen. Bergstürze haben auch an den steilen Wänden des Erstfeldertales stattgefunden. Die Hütten von Sulzwald stehen mitten in einem solchen Chaos von gewaltigen Gneisblöcken, die von der rechten Talseite abgestürzt, hier auf einer mächtigen Moränenunterlage angehäuft sind (Sulzplatten). Ein weiterer Bergsturz unterhalb der Bodenberge hatte eine zeitweilige Stauung des Baches zur Folge, worauf das geringe Gefälle bei Bodenberg und die hier bei zufälligen Schürfungen zu Tage tretenden, feinen Sande unterhalb der Geröll führenden Oberfläche hindeuten.