Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03648.jsonl.gz/2403

Holz oder auch Zellulose ist ein universelles Material, aus dem von Papier und Karton über Möbel, Fussböden und gar Häuser alles hergestellt werden kann. Wälder sind hervorragende CO2-Speicher. Werden sie einmal gefällt, kann das Holz bestenfalls mehrfach, in immer kleiner werdenden Stücken wiederverwendet werden, was den Rohstoff äusserst ressourceneffizient macht.
Die Anfänge der Zertifizierung
In den 1980er Jahren wurde die starke Abholzung des Regenwaldes immer mehr zum internationalen Thema. Aus der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung (UNCED) in Rio im Jahre 1992 wurde die Erklärung zu den Waldgrundsätzen verfasst, die eine nachhaltige Entwicklung von Wäldern forderte. In der Folge wurde 1993 das heute namhafte Forest Stewardship Council (FSC) gegründet. Das Label setzt sich weltweit für eine ökologisch, sozial und ökonomisch verantwortungsvolle Bewirtschaftung der Wälder ein. Die Standards werden auf nationaler Ebene den Gegebenheiten in den einzelnen Ländern angepasst und festgelegt, welche vom jeweiligen Manager oder Eigentümer eines Waldes befolgt werden müssen. Ursprünglich wurde das FSC-Label vor allem für Tropenwälder entwickelt. Ende der 1990er Jahre folgte die Einführung des Programme for the Endorsement of Forest Certification (PEFC), um auch die nachhaltige Waldbewirtschaftung in Europa zu vereinfachen. PEFC schliesst nicht nur ethische Aspekte der nachhaltigen Waldbewirtschaftung zu Beginn der Lieferkette ein - worauf sich das FSC-Label hauptsächlich konzentriert -, sondern beschäftigt sich auch mit der Holzverarbeitung. Dafür gelten beim FSC-Label generell strengere Auflagen beim Naturschutz als sie das PEFC-Label fordert. Beide Organisationen zusammen haben bisher weit über 400 Millionen Hektaren Wald zertifiziert.
Ist immer drin was draufsteht?
An Holz-Nachhaltigkeitslabels mehrt sich die Kritik. FSC beispielsweise wird von grossen Naturschutzorganisationen wie dem WWF unterstützt. Nach 25 Jahren Mitgliedschaft ist Greenpeace allerdings abgesprungen mit der Begründung, dass das Label die Entnahme von Holz aus Urwäldern zulasse, anstatt sich konsequent für deren Schutz einzusetzen. Dies sei nicht mit den Kernzielen von Greenpeace zu vereinbaren. Zwar hätten sich der Waldschutz und die Rechte von Arbeitnehmenden dank der Zertifizierung insgesamt verbessert, jedoch würden die Kontrollen des FSC-Label nicht mehr mit dem Wachstum der weltweit zertifizierten Waldflächen mithalten können. Was besonders angekreidet wird, ist die Tatsache, dass die Kontrollstellen privatwirtschaftlich organisiert sind – und nicht etwa unabhängig oder transparent – was bedeutet, dass ein grosses finanzielles Interesse von Seite des FSC vorhanden ist, Mitglieder zu zertifizieren. Da ist die Versuchung gross, die Standards etwas zu lockern, wenn dafür mehr finanzielle Mittel fliessen. Dabei wäre es wichtig, die Standards strenger und landesübergreifend zu gestalten, sodass die Lieferketten genau rückverfolgt oder beispielsweise auch indigene Völker besser geschützt werden könnten.
In den letzten Jahren machten FSC und PEFC beide Negativschlagzeilen. Für das schwedische Möbelunternehmen IKEA illegal in Sibirien gefälltes Holz war offiziell durch das FSC-Label zertifiziert. Das PEFC zog im Jahr 2015 eine Beschwerde gegen einen österreichischen Holzkonzern zurück. Dies, obwohl zu diesem Zeitpunkt bereits klar war, dass undokumentiertes Holz aus Rumänien Verwendung fand. Derselbe österreichische Konzern wirkt mittlerweile unter anderem Namen und setzt sich für mehr Transparenz in seiner Lieferkette ein, beispielsweise durch das GPS-Tracking von Baumstämmen.
Ausserdem hat die Recherche des International Consortium of Investigative Journalism (ICIJ) kürzlich Fälle von über 340 zertifizierten Holzfirmen zusammengetragen, die mit ihrem Verstoss gegen Umweltgesetze oder Nachhaltigkeitsverpflichtungen Greenwashing betrieben haben sollen. Beispielsweise musste ein brasilianisches Unternehmen seit 1998 schon 36 Strafen zahlen, weil keine entsprechenden Herkunftsdokumente für das Holz verfügbar waren. Dies hielt den Betrieb allerdings nicht davon ab, sich damit zu brüsten, es sei «mit Bravour» zertifiziert worden.
Die Ergebnisse solcher Studien zeigen, dass die Zertifizierungsstandards unzureichend sind. Dabei wäre spätestens jetzt der Moment gekommen, etwas gegen die grossflächige Abholzung der Wälder zu tun. Durchschnittlich gehen rund 13 Millionen Hektar Wald pro Jahr durch Abholzung verloren. Gesunder Wald wird oftmals genutzt für die Produktion von Fleisch, Soja oder Palmöl. Dies führt zur irreversiblen Zerstörung von Lebensräumen und dezimiert gleichzeitig die Anzahl der Pflanzen- und Tierarten.
Welche Möglichkeiten haben die Kunden?
Die Schwierigkeit für den Kunden besteht darin, dass sich nur schwer bestimmen lässt, ob ein Produkt tatsächlich genau so nachhaltig hergestellt und produziert wurde, wie uns dies die Zertifizierung weismachen will. Allerdings sind Zertifizierungsstandards auf jeden Fall immer noch besser, als wenn überhaupt keine Kontrolle vorhanden wäre. Beim Siegel des FSC gibt es allerdings auch kleine, aber feine Unterschiede. FSC 100% beschriftet Produkte, deren Holzmaterial zu 100 Prozent aus FSC-zertifizierten Wäldern stammt, während FSC Recycled-Produkte ausschliesslich aus Recyclingmaterial bestehen, wie dies beispielsweise beim Papier der Fall sein kann. Allerdings gibt es auch noch FSC Mix. Bei diesem Label bestehen 70 Prozent oder mehr der gesamten Holzmenge eines Unternehmens aus FSC-zertifiziertem Produkten oder anerkanntem Recyclingmaterial. Da hier die Angaben etwas ungenau sind, und deshalb eine grössere Wahrscheinlichkeit zum Missbrauch zulässt, wird vorgeschlagen, auf FSC-Mix-Produkte zu verzichten. Tropenhölzer meidet man sicherheitshalber am besten gleich ganz, selbst wenn sie mit einem Label versehen sind. Es gibt auch die Möglichkeit, sich auf der Suche nach zusätzlichen Informationen an das jeweilige Verkaufsgeschäft zu wenden.
Am wirksamsten ist natürlich wie immer die Reduktion des Konsums und die Frage danach, ob man ein Produkt wirklich benötigt oder ein vergleichbares Stück auch in einer Brockenstube erhältlich sein könnte. Auch finden immer mehr Start-Ups und Unternehmen neue Wege, einem guten Stück ein zweites Leben zu bescheren. Bei der Schweizer Firma Rewood lassen sich beispielsweise Möbelunikate aus rezykliertem Holz erstehen.
„Schweizer Holz“ ist Trumpf
Will man auf Nummer sicher gehen, verwendet man sowieso am besten einheimisches Holz. Hierfür sind keine langen Transportwege nötig und die Konsumenten können davon ausgehen, dass das Holz so umweltschonend und nachhaltig produziert wird, wie es die einheimischen Vorschriften verlangen. In der Schweiz wächst mehr Holz nach, als natürlich abstirbt oder abgeholzt wird, sodass der Holzvorrat durchschnittlich rund 350m3 pro Hektare beträgt. Das ist ganz schön viel – auch im internationalen Vergleich.
Mit dem Label «Schweizer Holz» deklarierte Produkte stehen für die einheimische Produktion. Auf ihrer Webseite lassen sich alle Mitglieder des Labels in den Kategorien der Produzenten, Anwender, Fachpartner und dem Handel finden und kontaktieren.
Zusammengefasst sind international geltende Nachhaltigkeitszertifikate für Holz wie FSC und PEFC zwar als Anhaltspunkte geeignet. Besonders in Weltregionen, wo die Arbeitsbedingungen zu wünschen übrig lassen, steigen allerdings auch die Korruptionsrisiken. Zusätzliche ungenügende Kontrollen können dazu führen, dass illegale Geschäfte im Holzhandel abgewickelt werden – manchmal trotz Zertifizierung. Rezykliertes oder einheimisches Holz ist deshalb in jedem Fall den anderen Holzprodukten vorzuziehen.
Bieri, L., Binder, C. und Stauffacher, M. (2005): FSC in der Schweiz
NDR: Wie nachhaltig ist das Holz-Siegel
Der Standard: Recherchen enthüllen Missstände bei grünen Labels für Holz
WWF: Waldvernichtung
Kommentare (0) anzeigenausblenden