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Ein Rückblick auf das brasilianische Jahr 2007 mit ausgesuchten Ereignissen, exklusiv aus unserer News-Redaktion in Brasilien.
JANUAR
Präsident “Lula“ Luiz Inácio Lula da Silva für 2. Amtszeit vereidigt
Gegen 16:00h hat Lula mit dem Präsidenten Rolls Royce Cabriolet – Baujahr 1952 – den Palácio da Alvorada verlassen und wurde zur Kathedrale von Brasília gefahren. Anschliessend fuhr der Tross zum Nationalkongress, wo Lula für seine 2. Amtszeit vereidigt wurde. Die Zeremonie war viel schlichter als bei seiner ersten Amtseinführung. Ausländische Regierungschefs waren keine anwesend, nur einige diplomatische Vertreter. Beim Auftakt seiner 2. vierjährigen Amtszeit versprach Lulu eine Wiederbelebung der schwachen Konjunktur.
Goldrausch in Amazonien lockt Tausende zu illegaler Mine
Das sogenannte “Neue Eldorado Amazoniens“ lockt seit kurzem Tausende nach Novo Aripuanã, darunter Arbeitslose, Landarbeiter, Kaufleute, Lehrer, Ärzte, Hausfrauen, Pastoren, Politiker und Índios. Sie alle hoffen, ein Stück Reichtum zu ergattern in der im November letzten Jahres entdeckten Goldader am rechten Ufer des Rio Juma, in der Nähe der Kleinstadt Apuí, 455 km von Manaus entfernt.
Pantanal zum “Bedrohten See des Jahres 2007“ erklärt
Zum heutigen Welttag der Feuchtgebiete erklärte die internationale Umweltstiftung Global Nature Fund (GNF) das Pantanal zum “Bedrohten See des Jahres 2007“. Das Pantanal ist zwar kein See, sondern mit seiner Gesamtfläche von annähernd 150.000 km2 das grösste Überschwemmungs- oder Binnenfeuchtgebiet der Welt, doch die Bedrohung dieser einzigartigen Landschaft ist real.
Beija-Flor holt sich den vierten Titel in fünf Jahren in Rio de Janeiro
Der spannende Wettkampf um den Titel der besten Sambaschule entschied sich heute Nachmittag in Rio de Janeiro. Zum vierten Mal in fünf Jahren holte sich Beija-Flor den Titel mit ihrem grandiosen Umzug zum Thema Afrika. Nach dem dreifachen Sieg in den Jahren 2003, 2004 und 2005 war Beija-Flor im vergangenen Jahr nur auf den fünften Platz gekommen.
Rio de Janeiro feierte 442. Geburtstag
Vom Fuss der berühmten Jesus-Statue auf dem Corcovado erklingen Kompositionen des berühmten Komponisten Tom Jobim, auf dem Zuckerhut spielt ein Orchester der Feuerwehr und für das Volk steht ein Kuchen mit einem Durchmesser von 4.42 Metern zur Verköstigung bereit – Rio de Janeiro feiert Geburtstag. Die “Cidade maravilhosa“ – die “wundervolle Stadt“ wurde gestern 442 Jahre “jung“.
Riesenbaby aus Bahia ist prinzipiell kerngesund
Er ist 15 Monate alt, wiegt 24 Kilo und trägt Kleidung eines 8-jährigen. Das „Riesenbaby aus Bahia“ sorgte in den vergangenen Tagen weltweit für Aufsehen und stellte die behandelnden Ärzte vor ein Rätsel. Nun kamen erste Entwarnungen aus einer Spezialklinik in Salvador: Mateus Souza do Carmo ist prinzipiell kerngesund. Der Wonneproppen stammt aus dem Süden Bahias, dem kleinen Ort Porto Seguro. Mit seiner Mutter war er am vergangenen Wochenende in die Hauptstadt Salvador gereist, damit endlich umfassende Untersuchungen durchgeführt werden können. Die 24-jährige Mutter Aline Araújo do Carmo war dabei auf die Hilfe eines anonymen Spenders angewiesen. Da niemand das übergewichtige Baby betreuen wollte, hatte sie Ende vergangenen Jahres ihre Arbeitsstelle als Fahrkartenverkäuferin bei einer Busgesellschaft verloren. Entsprechend angespannt ist dadurch die derzeitige finanzielle Lage der Familie.
Streik der Fluglotsen sorgt für Chaos in Brasilien
Endlose Schlangen, übernächtigte Passagiere, machtlose Angestellte. Der Streik der brasilianischen Fluglotsen hat die Flughäfen des Landes in ein Chaos gestürzt. Begonnen hat alles am frühen Freitagmorgen in Manaus. Die Flugaufsicht des internationalen Flughafens Eduardo Gomes legt endgültig die Arbeit nieder. Bereits am Vortag wurden dort zwischen Mitternacht und sechs Uhr keine Flüge abgefertigt. Eine Kettenreaktion beginnt, Flüge mit dem Ziel Manaus kehren um und fliegen zu ihren Startflughäfen zurück. Innerhalb kürzester Zeit werden Flugausfälle und Verspätungen im ganzen Land gemeldet. Schon um die Mittagszeit haben rund 1/5 aller Flüge in Brasilien Verspätungen von mehr als einer Stunde oder sind komplett gestrichen worden.
Mindestlohn auf 380 R$ erhöht
Seit dem 01. April beträgt der gesetzlich festgelegte Mindestlohn in Brasilien 380 R$ (ca. 138 Euro). Er steigt somit von 350 R$ um 30 R$ oder 8.57 Prozent. Betrachtet man die Heraufsetzung des Mindestlohnes inflationsbereinigt, so haben ab sofort die Arbeiter und Angestellten nur rund 5 Prozent mehr Geld in der Tasche. Die letzte Erhöhung fand am 01. April 2006 statt. In diesem Zeitraum stiegen die Preise des für die Statistik verwendeten Warenkorbes um etwa 3 Prozent.
Neue Bestimmungen beim Handgepäck bei Auslandsflügen
Seit dem 01. April gelten in Brasilien neue Gepäckbestimmungen bei internationalen Flügen. Sowohl im Transitbereich der Flughäfen als auch in den Flugzeugen selbst dürfen nun nur noch Flüssigkeiten, Gels und Sprays bis zu 100 ml im Handgepäck mitgeführt werden. Diese werden dann in einem komplett verschlossenen transparenten Kunststoffbeutel mit den Massen 20 x 20 Zentimeter eingeschweisst. Je Passagier ist nur Beutel erlaubt.
Mehrzahl der brasilianischen Nationalparks sind für Besucher geschlossen
Wer in Brasilien unberührte Natur hautnah erleben will, steht oft vor verschlossenen Toren. Denn von den 62 brasilianischen Nationalparks sind gerade einmal 19 für Besucher geöffnet. Und zwei davon vereinigen rund ¾ aller Besucher auf sich: der Nationalpark von Iguaçu im Bundesstaat Paraná und der Nationalpark Tijuca in Rio de Janeiro. Andréa Zimmermann hat dies in ihrer Abschlussarbeit an der Universität von Brasília untersucht. Nach ihrer Meinung liegt es daran, dass die brasilianische Politik die Nationalparks fast immer mit Zugangsbeschränkungen versieht, um die Natur schützen zu wollen. Aber organisierte Wanderungen und Besuche im Park, die ein stärkeres Bewusstsein in der Bevölkerung schaffen, könnten diese Ziele jedoch weitaus besser fördern. Zimmermann hat herausgefunden, dass lediglich 1,5% der brasilianischen Bevölkerung im letzten Jahr einen Nationalpark besucht hat, da eben nur 16 Stück ganz offiziell ihre Tore für Besucher öffnen. “Dies ist eine sehr kleine Zahl, wenn man es mit Ecuador oder Argentinien vergleicht“ erklärt die Wissenschaftlerin. In Ecuador sind sämtliche Nationalparks für Besucher geöffnet, in Argentinien ist lediglich ein einziger geschlossen. Nationalparks, so kann man in ihrer Studie nachlesen, können drei Dinge ermöglichen: Wissenschaftliche Forschung, Schutz der Natur und nicht zuletzt Umwelterziehung und den damit verbunden Ökotourismus. Und gerade letzter Punkt wird stark vernachlässigt.
Papst Benedikt XVI. ist in Brasilien
Am Mittwochabend landete der Pontifex in São Paulo und wurde von Brasiliens Staatspräsident da Silva begrüsst. Im Mittelpunkt seines ersten Besuches im grössten katholischen Land (dauert bis 14. Mai) steht am Sonntag die Eröffnung der V. Generalkonferenz des Episkopats von Lateinamerika und der Karibik.
Romario schiesst nach eigenen Angaben sein 1000. Tor
Der 41-jährige Stürmer-Altstar Romario hat nach eigener Rechnung sein 1000. Tor erzielt. Der erlösende Treffer gelang ihm in der 47. Minute per Elfmeter am Sonntagabend im São Januario-Stadion in Rio de Janeiro im Spiel Vasco da Gama gegen Sport Recife zum 3:0 für seinen Verein Vasco da Gama. Die FIFA erkennt die Zahlen von Romario nicht an. Aber nicht nur die Fifa ist skeptisch, sondern auch viele Beobachter der brasilianischen Fussballszene, die darauf hinweisen, dass Romario Tore berücksichtigt habe, die er bei inoffiziellen Spielen oder in seiner Jugend erzielt habe.
TAP baut Flugangebot nach Brasilien weiter aus
TAP – der portugiesischen Staatscarrier – erweitert ab dem 19. Juli 2007 das Streckennetz um ein neues Ziel. Brasilia wird dann 5-mal wöchentlich von Lissabon direkt angeflogen. TAP ist dann ab Juli die erste Airline mit einem direkten Transatlantikflug in die brasilianische Hauptstadt. Neben São Paulo wird Brasilía als zweiter Hub in Brasilien aufgewertet. TAP will durch den neuen Hub in der Hauptstadt den Gästen vor allem bessere Flugverbindungen in den Norden und den Nordosten Brasiliens ermöglichen. Weiter werden die aktuell 11 wöchentlichen Verbindungen zwischen Lissabon und São Paulo auf neu 14 erhöht. Rio de Janeiro wird von aktuell 10 Flügen pro Woche, mit 5 zusätzlichen Verbindungen auf neu 15 Flügen erweitert.
3 Millionen Kinder müssen immer noch arbeiten
In Brasilien arbeiten rund 3 Millionen Kinder unter 16 Jahren. Dies geht aus einer Studie des brasilianischen Instituts für Statistik IBGE hervor, die gestern im Rahmen des “internationalen Tages für den Kampf gegen Kinderarbeit“ veröffentlicht wurde. Die Mehrzahl der Kinder sind junge Mädchen, die in fremden Haushalten waschen, kochen oder Kleinkinder betreuen. Wie auch die 13-jährige Thaine Silva in Bahia. Sie arbeitete nach eigenen Angaben als Kindermädchen um ihre Mutter und 5 Geschwister finanziell zu unterstützen. Thaine und 872.000 weitere Kinder werden nun vom Programm der Regierung gegen Kinderarbeit (PETI) betreut. “Früher war es sehr schlimm, denn ich arbeitete oft, ohne dass ich bezahlt wurde und wurde dann rausgeschmissen. Doch seit ich bei PETI bin, bekomme ich Geld aus dem Programm, was mir sehr hilft und ich lerne dort auch sehr viel dazu“ erklärt die 13-jährige.
Amazonas soll doch länger als der Nil sein
Brasilianische und peruanische Wissenschaftler wollen nun herausgefunden haben, dass in Wahrheit der Amazonas und nicht der Nil der längste Fluss der Erde ist. Nach einer 14-tägigen Expedition in den peruanischen Anden haben die Forscher nach eigenen Angaben nun eine neue Quelle gefunden. Diese liegt südlicher als die in den 60-er Jahren des letzten Jahrhunderts anerkannte und soll rund 5.000 Meter über dem Meeresspiegel entspringen. Dies gab das brasilianische Institut für Geografie und Statistik IBGE nun auf einer internationalen Konferenz in Lima bekannt. Der Amazonas wird nun mit einer Länge von 6.800 Kilometern statt 6.448 Kilometern angegeben, dies sind rund 100 Kilometer mehr als der Nil, dessen offiziell anerkannte Länge 6.695 Kilometer beträgt.
Cristo Redentor ist eines der sieben neuen Weltwunder
Die 7! Habe ich es nicht heraufbeschworen und hat es sich nicht erfüllt? LiveEarth in Rio de Janeiro war ein voller Erfolg. Zwar kamen keine 700.000 sondern nur 400.000 Besucher, doch waren die Besucherzahlen weitaus höher als bei allen anderen 7 Konzerten weltweit. Der „Cristo Redentor“ wurde zudem zu einem der “sieben neuen Weltwunder“ gewählt und letztendlich hat die Seleção in einem Spiel mit 7 Toren eindrucksvoll bewiesen, dass man das Fussballspielen noch nicht gänzlich verlernt hat.
Über 180 Tote bei Flugzeugunglück in Brasilien
Bei einem schweren Flugzeugunfall in der Millionenmetropole São Paulo in Brasilien sind mindestens 187 Menschen ums Leben gekommen. Eine Maschine der brasilianischen Fluggesellschaft TAM schoss gegen 18.40 Uhr Ortszeit bei der Landung auf dem Stadtflughafen Congonhas vermutlich aufgrund von Aquaplaning über die Piste hinaus, überquerte eine Schnellstrasse und raste eine Tankstelle sowie das dahinter gelegene Verwaltungsgebäude. Die Maschine fing durch mehrere Explosionen sofort Feuer. Es wird vermutet, dass der Pilot versucht hat, einen Unfall zu verhindern, in dem er das Flugzeug auf der Landebahn durchstartete. Warum die Maschine jedoch am Ende eine Linkskurve beschrieben hat, ist weiterhin völlig unklar. In dem Airbus A-320 mit der Flugnummer JJ 3054, welcher aus Porto Alegre in Rio Grande do Sul kam, waren laut Angaben der Fluggesellschaft 180 Passagiere, darunter 18 Mitarbeiter der Fluggesellschaft und 6 Besatzungsmitglieder. Mittlerweile wurde eine vollständige Liste der Opfer seitens der Fluggesellschaft veröffentlicht. Allerdings dürfte die Zahl der Todesopfer noch steigen, da sechs Angestellte, die sich zum Unglückszeitpunkt in dem Gebäude aufgehalten haben, weiterhin vermisst werden. Zudem wurde mittlerweile bestätigt, dass eine Mitarbeiterin im Krankenhaus ihren Verletzungen erlag. Nach neusten Medienberichten wurden mittlerweile über 160 Leichen geborgen, viele bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Auch der Flugschreiber wurde inzwischen gefunden.
Medaillenrekord Brasiliens bei Pan 2007 in Rio de Janeiro
Mit einem farbenfrohen Spektakel sind am Sonntagabend Ortszeit in Rio de Janeiro die diesjährigen pan-amerikanischen Spiele zu Ende gegangen. Vom 13. bis 29. Juli kämpften rund 5.600 Athleten aus 42 Nationen des amerikanischen Kontinents in der Metropole unter dem Zuckerhut um Gold, Silber und Bronze. Darunter waren selbstverständlich auch 660 brasilianische Sportler. Und diese lieferten fast rund um die Uhr Rekorde. 161 Medaillen konnten die Athleten aus Brasilien in Empfang nehmen, 38 Medaillen mehr als bei den letzten pan-amerikanischen Spielen 2003 in der Dominikanischen Republik. 54 x Gold, 40 x Silber und 67 x Bronze sicherte der brasilianischen Delegation Rang 3 in der Nationenwertung nach den USA mit 237 Medaillen (97 x Gold, 88 x Silber, 52 x Bronze) und Kuba mit 135 Medaillen (59 x Gold, 45 x Silber, 41 x Bronze). Betrachtet man sich nur die Goldmedaillen, welche Brasilien bei den Pan 2007 erringen konnte, so sind dies 116 Prozent mehr als in Winnipeg 1999 und 86 Prozent mehr als 2003 in Santo Domingo. 48 Prozent der brasilianischen Athleten oder 315 der 660 Sportler konnten eine Gold-, Silber oder Bronzemedaille mit nach Hause nehmen.
2.000 demonstrieren gegen Staatspräsident Lula in São Paulo
Eine Demonstration gegen die Regierung von Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva versammelte heute in São Paulo rund 2.000 Personen zu einem friedlichen Protestmarsch. Die Demonstranten zogen, begleitet von einem grossen Lautsprecherwagen von der Avenida Paulista durch den Süden der Stadt zum regionalen Parlamentsgebäude. Viele Teilnehmer waren schwarz angezogen und hatten sie rote Clownsnasen aufgesetzt. “Lula – Korrupt und Inkompetent“ konnte man auf einigen Transparenten nachlesen. Der Marsch wurde von der Orkut – Internetgemeinschaft “Lula raus!“ initiiert. Im Netz hat die Diskussionsgruppe rund 200.000 Mitglieder. Der Marsch selbst stand wörtlich übersetzt unter dem Motto “Umzug des grossen Auspfeifens – Lula raus!“ Nach Angaben der Veranstalter wollen die Teilnehmer mit der Aktion eine “Beendigung der Korruption, der Misswirtschaft, der fehlenden Sicherheit, der chaotischen Zustände im Luftverkehr, des Chaos auf den Strassen, der Skandale, einschliesslich des Senats“ erreichen.
Forscher entdecken 50 neue Fischarten in brasilianischen Flüssen
Nach zwei Jahren intensiver Forschung habe Wissenschaftler der Universität von São José do Rio Preto einen Katalog mit 50 neuen Fischarten vorgestellt. Die fast ausschliesslich sehr kleinen Süsswasserfische wurden innerhalb und im Bereich der Flüsse Rio Grande, Tietê, Paranapanema, Paranaíba und Paraná in den Bundesstaaten Goiás, Minas Gerais, São Paulo, Paraná und Mato Grosso do Sul entdeckt. Neben der unglaublichen Artenvielfalt in den entsprechenden Regionen zeigt die Studie auch die besonderen Lebensräume der Fische auf. Selbst die ausgewachsenen Arten leben oftmals ihr ganzes Leben im Bereich von Quellen, in kleinen Bächen oder in kleinen Seen am Rand der grossen Flüsse.
Neuregelung im brasilianischen Staatsbürgerschaftsrecht verabschiedet
Das brasilianische Parlament hat am Dienstag (14) in zweiter Lesung einen Gesetzesentwurf des Senats zur Veränderung des Staatsbürgerschaftsrechtes verabschiedet. Zukünftig können im Ausland geborene Kinder brasilianischer Eltern oder Elternteile dort über die Botschaften und Konsulate die brasilianische Staatsbürgerschaft beantragen. Bislang war es für die Erteilung der Staatsbürgerschaft notwendig, dass die Kinder auch in Brasilien lebten. Viele Eltern sind daher bislang nach Brasilien zurückgekehrt, um ihre Kinder anmelden zu können. Die für den Gesetzesentwurf zuständige Abgeordnete Rita Camata begründete die notwendige Änderung damit, dass abhängig vom Geburtsland der Kinder diese teilweise keinen Anspruch auf die lokale Staatsbürgerschaft hätten und somit “technisch gesehen staatenlos sind“. Mehr als 200.000 Brasilianer können nach Angaben des zuständigen Ministeriums nun von der Neuregelung profitieren. Da das Gesetz bereits vom Senat genehmigt ist, kann es nun veröffentlicht werden.
Das schnellste Fussball-Tor aller Zeiten
Mit seinem 9-Sekunden Tor, dem schnellsten FIFA-Tor aller Zeiten, sicherte sich heute Fabinho – oder mit komplettem Namen Fabio Rodrigues da Silva (17/03/90) vom Sport Club Internacional Porto Alegre – einen Platz in den ewigen Statistiken und Rekordbüchern. Er erzielte das Eröffnungstor am 1. Spieltag der U17-WM in Südkorea, wo die „Seleçãozinho“ am Schluss 7:0 gegen Neuseeland siegte. Hakan Sükür, der bisherige Rekordhalter aus der Türkei, schoss seinen Führungstreffer an der WM 2002 im Spiel um Platz 3 gegen Südkorea in elf Sekunden.
Frankreich will 100 Mio. USD in Amazonien investieren
Die brasilianische “Banco da Amazônia“ und die französische Entwicklungsbank AFD haben in Paris eine Vereinbarung über die Durchführung von ökonomischen und umweltpolitischen Projekten im Amazonasgebiet abgeschlossen. Wie der Präsident der brasilianischen Bank, Abidias José de Souza Júnior, in der französischen Hauptstadt bestätigte, sollen in den kommenden Jahren etwa 100 Millionen US-Dollar an Krediten für entsprechende Projekte in der Region zur Verfügung gestellt werden. Das französische Geldinstitut hat neben eigenem Kapital auch die Möglichkeit, Geldmittel aus internationalen Märkten zu geringeren Kosten aufzubringen. Dies sei gerade bei längerfristigen Projekten wie der Wiederaufforstung ideal, so der Präsident der “Banco da Amazônia“ in Paris.
Erneut mehr Wale vor Brasiliens Küste gesichtet
Über Jahrzehnte waren sie Ziel der Harpunen von Walfängern, ihr Bestand wurde fast vollständig ausgerottet. Und auch heute werden die Südkaper noch regelmässig vor der Küste des brasilianischen Bundesstaates Santa Catarina gejagt – nun allerdings von Touristen mit Ferngläsern und Fotoapparaten. Die Südkaper, auch unter der Bezeichnung südlicher Glattwal bekannt, sind neugierige und zutrauliche Tiere, die oft sehr nah ans Ufer oder in die Nähe von Schiffen kommen. Die Bartenwalart, die bis zu 18 Meter lang werden kann, wurde in den vergangenen Jahrhunderten dermassen gejagt, dass die weltweite Population von rund 100.000 Tieren auf etwa 1.000 Tiere sank. Ihr Lebensraum ist ausschliesslich die Südhalbkugel zwischen Antarktis und dem 30. Breitengrad. Obwohl die Tiere bereits seit 1937 unter Schutz stehen, wurde das Massaker im Endeffekt erst vor gut 20 Jahren tatsächlich beendet. Und seitdem erholen sich die Bestände zur Freude der Walschützer langsam wieder. In diesem Winter wurden von den Walbeobachtern rund 200 Tiere vor der brasilianischen Küste entdeckt, so viele wie schon seit Jahren nicht mehr. Die Wale kommen in den kälteren Monaten in den Norden, um dort ihre Jungen zu gebären.
40.000 Kinder werden in Brasilien jährlich als vermisst gemeldet
Der Fall der kleinen Madeleine, die in Portugal verschwunden ist, wird auch in Brasilien mit Spannung beobachtet. Einen positiven Nebeneffekt hat der Vorfall, der sich bereits im Mai ereignete, jedoch: Menschenrechtsorganisationen können verstärkt auf Fälle von vermissten Kindern im eigenen Land aufmerksam machen. Die Bevölkerung ist sensibilisiert. Nach offiziellen Angaben verschwinden in Brasilien 40.000 Kinder im Jahr. Die Zahl, die nach den eingegangenen Meldungen bei den Polizeistationen nun von der Regierung veröffentlicht wurde, ist für die Leiterin des nationalen Netzwerks zur Lokalisierung und Identifizierung vermisster Kinder (Redesap), Mariza Tardelli jedoch als überhöht anzusehen, da viele Fälle gleich mehrfach in die Statistik eingeflossen sind. 75% aller in Brasilien gemeldeter Fälle gehen auf “Ausreisser“ zurück. Die Kinder hauen von daheim wegen schlechter Behandlung und Familienproblemen ab. Zudem sind es meist Angehörige der niedrigen Einkommensschichten.
Brasilien will Grundstückserwerb für Ausländer einschränken
Wie aus Regierungskreisen bekannt wurde, will Brasilien zukünftig den Erwerb von Grundstücken durch Ausländer mit stärkeren Auflagen versehen, um die heimische Agrarwirtschaft sowie Flächen im Amazonas besser schützen zu können. Im Immobilienbereich ist der Kauf von Ausländern in den letzten Jahren regelrecht explodiert. Neben Agrarflächen wurden hauptsächlich Sommerhäuser an der Küste im brasilianischen Nordosten erworben. Ausländische Firmen umgehen jedoch oftmals die derzeitigen Bestimmungen, in dem sie die Objekte von brasilianischen Firmen kaufen lassen. Diese Vorgehensweise soll nach Aussage von Rolf Hackbart, Präsident des brasilianischen Instituts für Agrarreform nun ein Ende haben. Demnach soll der Erwerb durch brasilianische Firmen mit ausländischem Kapital stärker reglementiert werden. Dies sei keine Fremdenfeindlichkeit, so Hackbart, viel mehr müsse jedoch das Land Eigentümer seines Territoriums bleiben. Nach der Neuregelung dürfen ausländische Firmen nur noch Flächen mit einer Grösse von bis zu 100 MEIs erwerben. MEI ist eine vom jeweiligen Munizip festgelegte Grösseneinheit. Ein MEI entspricht z.B. in Salvador fünf Hektar, in Amapá sind es 70 Hektar.
1 Million Menschen in Piauí leiden unter anhaltender Dürre
Rund eine Millionen Menschen leiden derzeit im Bundesstaat Piauí im Nordosten Brasiliens unter der anhaltenden Dürre. Tanklaster erreichen in den seltensten Fällen die Ortschaften im Hinterland, so dass die Bewohner für das eigene Überleben gezwungen sind, Wasser zu kaufen. In der Gemeinde São João do Piauí, rund 500 Kilometer von der Hauptstadt Teresina entfernt, sterben immer mehr Tiere an Hunger und Durst. Dort müssen die Bewohner, “Sertanejos“ genannt, kilometerweite Fussmärsche in der prallen Sonne in Kauf nehmen, um an ein bisschen Wasser zu gelangen. “Zwei Kilometer bin ich gelaufen, bis ich einen Wasser-LKW gefunden habe“ so der Kleinbauer Osvaldo Araújo. Die Tanklaster, die von der Regierung des Bundesstaates angemietet wurden, sind absolut unzureichend um die Bewohner in der extrem trockenen Region zu versorgen. Vielerorts greifen daher die “Sertanejos“ auf das teure Trinkwasser in Plastikflaschen zurück. Danach fehlt ihnen jedoch das Geld, um Lebensmittel kaufen zu können. Und das beigeschaffte Wasser in den Tanklastern ist zudem noch sehr teuer. Eine volle Ladung mit 8.000 Litern oder 8 Kubikmetern Wasser kostet umgerechnet zwischen 30 und 60 Euro*. “Drei Monate habe ich nichts mehr für meine Landwirtschaft kaufen können. Alles was ich hatte habe ich eingetauscht gegen Wasser“ so Luiza Costa, die ebenfalls einen kleinen Bauernhof in der Region unterhält. Piauí ist der einzige Bundesstaat im Nordosten, wo die Tanklaster von der Bezirksregierung und nicht vom Militär gesteuert werden. Es gibt zu wenig Laster und entlegenen Orte werden einfach nicht erreicht.
Fussball-WM 2014 findet in Brasilien statt
Wie erwartet hat Brasilien den Zuschlag als Gastgeberland für die Fussball-Weltmeisterschaft 2014 erhalten. Als gegen 12.36 Uhr Ortszeit Rio de Janeiro Fifa-Präsident Joseph Blatter die einstimmige Entscheidung des Exekutivkomitees bekannt gab, jubelten Tausende von Fans in Brasilien vor den Fernsehbildschirmen. “A Copa do Mundo é nossa“ – “País de futebol“ titelten die grossen brasilianischen Nachrichtenportale das Ereignis, welches für die Fans noch in so weiter Ferne liegt und trotzdem auf die Organisatoren in rasender Eile zukommt. Denn es gibt viel zu tun in der Fussballnation Brasilien. Nicht ein Stadion befindet sich derzeit in WM-tauglichen Zustand, es muss renoviert, umgebaut und neu errichtet werden. Über eine Milliarde Euro sollen dabei von privaten Investoren aufgebracht werden, weiteres Geld wird aus dem Steuersäckel in die Infrastruktur fliessen.
Neue Airline-Pleite: Brasilianischer Billigflieger BRA stellt Flugbetrieb ein
Die brasilianische Billig-Airline BRA ist pleite. Wie das Unternehmen gestern in einer Pressemitteilung erklärte, wurden mit sofortiger Wirkung alle nationalen und internationalen Flüge eingestellt sowie allen 1.100 Mitarbeiter eine vorsorgliche Kündigung zustellt. Passagiere mit gültigen Flugtickets sollen laut der brasilianischen Luftaufsichtsbehörde Anac auf andere Gesellschaften umgebucht werden. BRA hatte bereits in den vergangenen Wochen massive Zahlungsschwierigkeiten und konnte einige internationale Flüge nicht durchführen. So sassen unter anderem Passagiere über 60 Stunden in Lissabon fest. Daraufhin untersagte Anac den weiteren Verkauf von Flügen nach Europa. Nun wurde auch der innerbrasilianische Flugplan komplett ausgesetzt. BRA ist in Deutschland vor allem im Zusammenhang mit der Pleite von köln-rio travel GmbH bekannt. Der Kölner Reiseveranstalter nutzte die Gesellschaft im Winter 2006/2007 für preiswerte Charterflüge von der Rheinmetropole an den Zuckerhut. Doch bereits nach wenigen Monaten stellte BRA die Flüge angeblich wegen Aussenstände seitens der köln-rio travel GmbH ein. Diese behauptete wiederum, Forderungen gegen die Airline zu besitzen, da fast jeder Flug massiv verspätet war und der Service an Bord von vielen Reisenden als unzureichend beschrieben wurde.
Brasilien ist erneut Beach-Soccer Weltmeister
Die Seleção ist den Erwartungen einmal mehr gerecht geworden und wurde zum 11-Mal Beach-Soccer-Weltmeister seit der Einführung des Wettbewerbs im Jahr 1995. Die Ballzauberer unter Leitung des Trainers Alexandre Oares gewannen das Endspiel gegen Mexiko klar mit 8:2. Die 10.000 Fans im ausverkauften, eigens für das Turnier errichteten Stadion an der Copacabana, sahen von Beginn an eine stark aufspielende Seleção, die den Mexikanern keine Chance liess.
Öffentliche Schulen erhalten 90.000 Computer mit lizenzfreier Software
Die brasilianische Regierung hat begonnen, rund 90.000 Computer mit lizenzfreier Software an öffentliche Schulen im ganzen Land zu liefern. Dies gab der Leiter der Technologieabteilung im brasilianischen Ministerium für Planung, Corinto Meffe im Rahmen der 4. Lateinamerikanischen Konferenz für freie Software bekannt. Die Veranstaltung mit Namen “Latinoware 2007“ fand die letzten Tage in Foz do Iguaçu statt und endet heute. Die Computer wurden mit Mitteln aus dem nationalen Bildungsfond angeschafft. “Zu diesen [neuen Computern] kommen noch 50.000 bereits existierende PCs hinzu, so dass wir nun den Informatikunterricht in der Schule erheblich ausweiten können“ so Meffe. Auch mit dem Programm “Computer für alle“ sollen vor allem Kinder aus einkommensschwachen Familien den Zugang zur digitalen Welt erhalten. Laut Meffe konnte dieses Programm, welches landesweit in den Geschäften preiswerte Einsteigermodelle anbietet, den Verkauf von illegal importierter Hardware massiv eindämmen. Mittlerweile sind rund 70 Prozent aller verkauften Computer im Land legal. Immer mehr Konsumenten wenden sich von den Graumärkten ab und kaufen geprüfte Produkte mit entsprechenden Garantieleistungen. So können nun vernünftige PCs mit staatlicher Subventionierung mittlerweile für um die 1.000 R$ erworben werden (ca. 385 Euro), die fast immer auch in bis zu 12 Monatsraten ohne jegliche Zinsen abbezahlt werden können.
Bevölkerung Brasiliens wächst pro Jahr um 2 Millionen
Nach der letzten internen Berechnung des brasilianischen Instituts für Geografie und Statistik leben in Brasilien derzeit 183.9 Millionen Menschen (zur Überraschung vieler, den bis dato war die Rede von 190 Millionen Menschen). Dies geht aus der Auswertung der Volkszählung “Censo 2007“ hervor, welche in diesem Jahr in 5.435 Gemeinden bis 170.000 Einwohner durchgeführt wurde. Damit leben in Brasilien rund 14 Millionen Menschen mehr als bei der letzten Volkszählung vor 7 Jahren, was einer durchschnittlichen Steigerung von durchschnittlich 2 Millionen pro Jahr entspricht.
Emotionale Zeremonie beendet IX Spiele der indigenen Völker
Angehörige von mehr als 30 Indianerstämmen sorgten am letzten Tag der IX Spiele der indigenen Völker in Recife und Olinda für eine emotionale Abschlussveranstaltung. Über eine Woche kämpfen rund 1.000 Teilnehmer in den Wettbewerben um Sieg und vor allem um die Ehre ihres Volkes. Als alle Teilnehmer am späten Abend in das eigens für die Spiele errichtete Stadion am Strand von Bairro Novo in Olinda einmarschierten, erhoben sich die zahlreichen Besucher vor ihren Plätzen und applaudierten minutenlang. Auch Brasiliens Sportminister, der Gouverneur des Bundesstaates Pernambuco und de Bürgermeister von Recife und Olinda konnten zuvor schon eine der ältesten Traditionen der brasilianischen Urbevölkerung miterleben, die zwar durchaus bekannt, doch bislang immer unter Ausschluss “des weissen Mannes“ durchgeführt wurde: des Zeremonie des heiligen Feuers.
35 Bauwerke von Oscar Niemeyer zum Nationalerbe erklärt
Das nationale Institut für künstlerisches und historisches Erbe (Iphan) hat am gestrigen Donnerstag (06.12.) in einem ersten Schritt 24 Werke des Stararchitekten Oscar Niemeyer zum Nationalerbe erklärt. Weitere 11 Konstruktionen sollen nach Auskunft des Instituts in Kürze ebenfalls diesen Status erlangen. Alle Werke wurden von dem deutschstämmigen Architekten, der am 15. Dezember seinen 100. Geburtstag feiert, selbst ausgewählt. Nun müssen zukünftig sämtliche Baumassnahmen und Renovierungen an den Objekten von der Iphan genehmigt und begleitet werden, um Veränderungen am Charakter der Bauwerke zu verhindern. So untersagte das Institut im September dieses Jahres z.B. in der Kapelle “Palácio da Alvorada“ in Brasília das erneute Überstreichen der Decke mit weisser Farbe. Bei der Renovierung war zuvor unter bereits vorhandenen Farbschichten das Original Deckenfresko entdeckt worden, welches nun wieder zum Vorschein kommen soll. Unter den nun ausgewählten Monumenten in Brasília ist unter anderem der “kulturelle Komplex der Republik“ vermerkt, ein Platz mit Museum und Bibliothek in der Nähe der weltberühmten Kathedrale. Aber auch in anderen Teilen Brasiliens hat der Stararchitekt Bauwerke ausgewählt. Im Bundesstaat Rio de Janeiro finden sich unter anderem das Sambódromo von Sapucaí, das Kulturzentrum Duque de Caxias und das Museum für zeitgenössische Kunst in Niteroí auf der Liste.
96 Prozent der ausländischen Touristen wollen Brasilien erneut besuchen
Ausländische Touristen haben im Jahr 2006 durchschnittlich pro Tag nur geringfügig mehr ausgegeben als 2005. Die Aufenthaltsdauer für einen Urlaub in Brasilien ist ebenso nahezu gleich geblieben. Dies geht aus nun veröffentlichten Daten des brasilianischen Tourismusministeriums hervor. So lagen die Ausgaben im Jahr 2005 je Tourist und Tag bei 89,06 US-Dollar, im Jahr 2006 waren es 91,74 US-Dollar. Wie die zuständige Ministerin Marta Suplicy mitteilte, verblieben die Touristen durchschnittlich 18,19 Tage im Land. 2005 waren es 17,97 Tage gewesen. Laut der Studie sind im vergangenen Jahr die Bereiche Event-Tourismus, Geschäftsreisen und Messebesuche (28,1%) gestiegen, der reine Badeurlaub ging zurück. Unverändert geblieben ist der Bereich der Rundreisen, der mit 44,1% den gleichen Anteil am brasilianischen Tourismus umfasst wie 2005.