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Erfahrungsbericht
Vorwort
Ich habe mich im Juni 2007 dazu entschlossen ein adultes Pärchen T. purpureomaculatus eines Bekannten zu übernehmen. Ich hatte mir die ganze Sache lange überlegt, da ich von verschiedenen Seiten her über die Aggressivität und Beissfreudigkeit der Tiere aufgeklärt worden war. Als ich dann aber das farbenprächtige Pärchen das erste Mal zu Gesicht bekam, konnte ich nicht widerstehen und prompt hatte ich das Pärchen für mich reservieren lassen.
Zu Hause angekommen, durfte ich -beim Umsetzen in das vorbereitete Becken- zum ersten mal mit dem Wesen der Tiere Bekanntschaft machen; Die Infos, welche ich im Voraus erhalten hatte, waren nicht übertrieben. Bereits nach dem Öffnen der Transportboxen sprangen mir die Tiere ein erstes Mal mit Abwehrbissen entgegen. Zudem wurden auch die Schlangenhaken attackiert. Ein Umsetzen von solch schnellen und wendigen Tieren könnte einen Anfänger durchaus schnell überfordern und zu hektischen Reaktionen verleiten lassen. Der Umstand, dass die Tiere schon mal den Haken hinauf kriechen können, macht die ganze Situation nicht ungefährlicher.
Trotzdem sind mir diese Tiere bereits nach kurzer Zeit sehr ans Herz gewachsen. Ein Forenkollege hat diese Tiere mit Zitat: „sind halt Charakterschlangen“ aus meiner Sicht am treffendsten beschrieben.
Beschreibung
Familie: Viperidae (Vipern)
Unterfamilie: Crotalinae (Grubenottern)
Gattung: Trimeresurus
Art: Trimeresurus purpureomaculatus (Mangrovenviper)
Verbreitung: Indien, Süd-Thailand, Indonesien, Bangladesh, Burma
T. purpureomaculatus hat einen eher plumpen Körperbau mit einem massigen, sich vom Hals deutlich absetzenden, dreieckigen Kopf. Allerdings ist das Kopfdreieck nicht so deutlich wie bei anderen Trimeresurus-Arten. Weibchen haben einen beachtlichen Körperumfang und erreichen eine Länge von bis zu 100cm, während die Männchen deutlich schlanker und mit 50-60cm auch deutlich kleiner bleiben.
Trutnau schreibt:
“Die Mangrovenviper besitzt zwischen 11 und 13 Oberlippenschilde. Der erste ist ganz oder teilweise mit dem Nasalschild verschmolzen. Der 2. bildet den vorderen Rand der Lorealgrube, der 3. ist der grösste. Die Kopfoberseite ist von flachen, tuberkelartigen Schuppen bedeckt. Männchen haben in der Rumpfmitte zwischen 23 und 25 Reihen, Weibchen zwischen 25 und 29 Reihen. Die Anzahl der Bauchschilde beträgt bei den Männchen 160 bis 175, die der paarigen Schwanzschilde zwischen 66 und 79. Bei den Weibchen sind es zwischen 152 und 170 Bauchschilde und zwischen 54 und 67 paarige Schwanzschilde. Das Analschild ist ungeteilt.
(Auszug L. Trutnau, 1998)“
Die Körperfärbungen variieren stark untereinander. Während Jungtiere sehr dunkel (schwarz bis dunkelblau) und unscheinbar sind, können adulte Tiere einen schwarzen Rücken mit gelben Flanken und braunen Flecken haben. Eher selten und sehr begehrt sind Tiere, welche vollkommen schwarz (melanistisch) sind. Auch schwarz gefärbte Tiere mit bläulichen oder violetten Schuppen an den Flanken sind bekannt.
Wunderschön anzusehen: die erwähnten komplett schwarz gefärbten Tiere.
(Quelle/Copyright: Jerôme Zubler, snakestation.ch)
T. purpureomaculatus lebt vorwiegend in Mangrovensümpfen und im Mangrovendschungel. Daher auch der Deutsche Trivialname Mangrovenviper. T. purpureomaculatus ist nachtaktiv. Am Tage verstecken sich die Tiere im Geäst, in Gebüschen oder am Boden unter z.B. Rindenstücken. In der Nacht machen sie sich auf die Suche nach einem geeigneten Lauerplatz und verharren dort oft stundenlang -in der für sie typischen Position- in S-Form mit dem Kopf nach unten und lauern auf Beute. Das Beutetier wird bevorzugt von Oben gepackt. Aufgrund ihrer arboricolen Lebensweise haben sie einen stark ausgeprägten Greifschwanz.
Wird ein Beutetier in ihrer unmittelbaren Umgebung wahrgenommen, schlagen sie blitzschnell zu und behalten die Beute in der Regel solange im Maul bis die Wirkung des Giftes einsetzt und beginnen dann mit dem Fressen.
Hier nochmals schön zu sehen; die typische Lauerposition in S-Stellung mit dem Kopf nach unten.
Wie unter 1.1 bereits angesprochen, sind T. purpureomaculatus alles andere als ruhige Gemüter. Sie sind sehr aufmerksam und es scheint fast so, als ob sie jede Bewegung um sich herum mit absolutem Misstrauen verfolgen würden. Auch kleinste Erschütterungen werden sofort mit zuckenden Bewegungen wahrgenommen. Kommt man ihnen zu nahe oder agiert in ihrer Nähe zu hektisch, wird dies postwendend mit einer imposanten Drohhaltung und mit schnellen Abwehrbissen quittiert. Es reicht bei meinen Tieren schon aus, wenn ich das Sprühwasser zu wenig gut temperiere um die Tiere in Rage zu versetzen und Bissattacken zu provozieren. Nach ein paar Sekunden beruhigen sich die Tiere allerdings und konzentrieren sich darauf die gebildeten Wassertropfen aufzunehmen.
Allgemein gilt es die Tiere so wenig wie möglich zu stören und zu händeln. Natürlich gibt es aber immer Situationen, in denen es sich nicht vermeiden lässt die Tiere aus ihren Becken zu nehmen. Ich mache dies mit der 2-Hakenmethode. Bei den meisten anderen Grubenottern gestaltet sich das Umsetzen in der Regel unproblematisch. T. purpureomaculatus allerdings ist nicht wie die meisten andern Grubenottern; sie schlagen mit ihren Schwänzen gegen die Haken und auch Bissattacken sind keine Seltenheit. So gestaltet sich das Umsetzen auf die Haken doch eher schwierig und ist mehr eine Geduldsfrage. Zudem sind die Tiere extrem schnell und wendig und klettern nicht selten auf den Haken dem Hakenhalter entgegen, wenn dieser die Haken nicht in der richtigen Position hält.
Haltung
Ich halte meine Tiere einzeln in Glasterrarium mit den Massen lxbxh 120x60x80 (Männchen in kleineren Terrarien). Ich bin der Meinung, dass es sich vom Platzangebot her ähnlich verhält wie es G. Maxwell bei M. viridis (Morelia viridis – das Kompendium) beschreibt; wichtiger als eine extreme Höhe der Becken ist die Länge um ein genügend grosses, horizontales Temperaturgefälle erreichen zu können. Somit können sich die Tiere ihren bevorzugten Temperaturbereich selbst aussuchen. Bei Becken, welche zwar höher als 1 Meter sind, aber nur z.B. 80cm breit und 60cm tief, wird sich im oberen Drittel des Beckens kein grosses Temperaturgefälle mehr erreichen lassen. Überdies können die Tiere ihr Futter bei einer Höhe von “nur“ 80cm und genügend Klettermöglichkeiten immer noch ohne Probleme von oben herab erbeuten.
Als Bodengrund verwende ich Terrarienhumus aus Cocosfasern. Dieser eignet sich hervorragend für Feuchtterrarien, da er die Feuchtigkeit lange speichert und nicht schimmelt. Aus den schönen Schweizer Bergen habe ich dann verschiedenste Moose zusammengesucht. Auch Moos hat ja bekanntlich die Eigenschaft Wasser lange zu speichern. Zudem machen die verschiedenen Moose, welche langsam das ganze Becken in Beschlag nehmen auch für das Auge etwas her.
Auch die Kletteräste wurden im Wald zusammengesucht und auf die entsprechenden Grössen zurechtgesägt. Ich verwende Ahorn- , Eichen- und Buchenholz. Mit diesen Hölzern habe ich in Sachen Schimmel und Feuchtigkeit die beste Erfahrung gemacht.
Update 02.11.2018:
Seit 2016 verwende ich nur noch Lianen und Korkäste in meinen Terrarien. Diese sind deutlich resistenter und somit langlebiger und je nach Holztyp bieten sie diverse natürliche Wannen und Mulden, welche (mit Silikon eingestrichen) tolle Wasserstellen ergeben.
Bei der Dicke der Äste sollte darauf geachtet werden, dass sie mindestens so dick sind wie die Tiere, welche darauf ruhen. Um eine gewisse Stabilität zu erreichen, verbinde ich die Äste mit Kabelbinder. Auf Schrauben oder Nägel werde ich auch in Zukunft verzichten, da ich das Risiko von Rost nicht eingehen will.
In der Höhe wurde das Becken nur mit Efeutute bepflanzt, da ich zugegebenermassen nicht gerade den grünsten Daumen besitze. Zusätzlich habe ich im Boden noch Heidelbeeren-Sträucher gesetzt, welche auch bei sehr nassem Bodengrund gut wachsen und das Bild eines Waldbodens noch verstärken.
Da sich die Tiere tagsüber gerne mal am Boden aufhalten, ist es nicht verkehrt einige Rindenstücke auszulegen.
Ich habe meine Tiere zwar noch nie daraus trinken sehen, aber auch ein Trinkgefäss am Boden ist vorhanden. Eine Überlegung wert, wäre vielleicht die Anbringung von Trinkgefässen in den Ästen. Da meine Tiere aber regelmässig nach dem Sprühen die sich bildenden Tropfen trinken, erachte ich dies als nicht zwingend notwendig.
Wie die meisten asiatischen Grubenottern ist auch T. purpureomaculatus anfällig auf diverse Lungenkrankheiten, wenn das Klima nicht ziemlich genau den Anforderungen entspricht, welche die Tiere stellen. Zwar sind T. purpureomaculatus nicht mit ausgesprochen heiklen Arten wie T. wagleri zu vergleichen, trotzdem sollten die Richtwerte eingehalten werden um eine erfolgreiche Langzeithaltung zu erreichen. Eine konstant mittelhohe Luftfeuchtigkeit in Verbindung mit einer guten Durchlüftung ohne Zugluft sind der Schlüssel um die Tiere vor Erkrankungen erfolgreich zu bewahren.
Ich halte T. purpureomaculatus bei Temperaturen von Tagsüber 25 bis 29 Grad bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 60 bis 70%. In der Nacht senke ich die Temperaturen auf 21 bis 22 Grad ab. Die Luftfeuchtigkeit bleibt auch in der Nacht konstant bei nahezu 70 bis 80%.
Die Grundtemperaturen von 24 bis 26 Grad erreiche ich durch Zimmertemperatur und kleineren Spots über dem Becken. Ein weiterer Spot sorgt für einen Sonnenplatz mit Temperaturen von 28 bis 29 Grad. Die Spots sind an eine Zeitschaltuhr gekoppelt und sind für 12 Stunden pro Tag eingeschaltet. In der Nacht fällt die Temperatur automatisch auf 22 Grad.
Ich sprühe täglich am frühen Abend die gesamte Einrichtung inklusive der Tiere an. Wichtig ist, dass die Einrichtung nach dem Sprühen wieder komplett abtrocknen kann und es somit nicht zu Schimmelbildung kommt.
Wie bereits erwähnt benötige ich zum Erzeugen des richtigen Klimas kleinere Spots und zum Sprühen einen handelsüblichen Drucksprüher.
Die Spots werden über eine Zeitschaltuhr gesteuert. Die Temperatur in den Becken kontrolliere ich mit digitalen Thermostaten. Dadurch, dass das Becken mit viel Moos und mit vielen Pflanzen ausgestattet ist, wird die Luftfeuchtigkeit recht gut gehalten. Das abendliche Sprühen unterstützt das Erreichen der hohen Luftfeuchtigkeit und dient dazu die Tiere zum Trinken zu animieren und ihre Körper zu befeuchten. Die Luftfeuchtigkeit wird mit digitalen Hygrostaten kontrolliert.
Nachtrag vom 22.06.2011:
In der Zwischenzeit befindet sich in fast allen Becken ein Gemisch aus Blumenerde und Cocoshumus. Dieser Bodengrund wird von mir nur noch äusserst selten ausgewechselt.
Ernährung
T. purpureomaculatus sind normalerweise Lauerjäger, welche sich nicht wirklich viel bewegen. (Eine Ausnahme bildet vielleicht die Suche nach einem geeigneten Lauerplatz am Abend). Somit dauert auch der ganze Verdauungsvorgang etwas länger als bei Tieren, welche einen grösseren Bewegungsdrang haben. Es ist ratsam die Tiere nicht allzu oft zu füttern. Eine Überfütterung kann bei den Tieren ernsthafte Folgen wie Verdauungsprobleme oder Verstopfungen nach sich ziehen. Zudem verfetten die Tiere sehr schnell. Ein Fütterungsintervall von 5 bis 6 Wochen hat sich bei mir bewährt.
In ihrem natürlichen Lebensraum ernährt sich T. purpureomaculatus von Vögeln, ab und zu auch Fischen und kleineren Säugetieren wie Mäusen. Man vermutet allerdings, dass Letztere nicht unbedingt die Hauptnahrung darstellen. Nager werden aber ohne Probleme angenommen.
Stand: 29.09.2018/cr