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Wohl kein Mensch wurde so oft kopiert wie er: Charlie Chaplin brachte es vom Schauspieler zur Legende, ja zu einem Stück Filmgeschichte. Dabei gab und gibt es eine Menge Fragen rund um sein Leben. Heute vor 125 Jahren wurde er geboren.
Sein wirklicher Name, Charles Spencer Chaplin, klingt zwar elegant, doch nicht einmal der Geburtsort ist sicher. In den meisten Biografien steht London, eine Geburtsurkunde fand aber nicht einmal der Geheimdienst. Die Chaplins waren bettelarm, die Mutter psychisch krank, der Vater trank sich zu Tode – aber sie hatten eine kleine Bühne. Seinen ersten Auftritt hatte Charlie im Alter von fünf Jahren.
Hollywood war damals nur ein staubiger Vorort von Los Angeles, aber dort wurden Filme gemacht. Besser gesagt Filmchen, nur ein paar Minuten lang, mit ewig gleicher Handlung. Dazu gehörte eine Truppe Polizisten, die auf alles mit ihren Schlagstöcken eindrosch und so dem Genre den Namen gaben: Slapstick.
Chaplin war einmal dabei, aber schon in seinem zweiten Film spielte er einen Vagabunden mit zu grossen Hosen, ausgebeulten Schuhen, Melone, Bärtchen und Stock – Charlie Chaplin war geboren.
«Der Spazierstock steht für die Würde des Menschen», sagte Chaplin einmal, «der Schnurrbart für die Eitelkeit und die ausgelatschten Schuhe für die Sorgen». Seine Gage waren fürstliche 175 Dollar die Woche. Bald übernahm er auch die Regie und lieferte mit «The Tramp» 1915 sein erstes Meisterwerk ab.
Mit «Ein Hundeleben» und vor allem «The Kid» rührte er Millionen zu Tränen. Mit «Der Zirkus», «Lichter der Grossstadt» und «Moderne Zeiten» drehte er drei Filme hintereinander, die noch heute zu den grössten Werken der Filmgeschichte zählen. Es waren noch Stummfilme, als die ganze Welt schon nach «Talkies» schrie. Als Chaplin selbst einen Tonfilm machte, gelang ihm mit «Der grosse Diktator» eine der brillantesten Filmsatiren der Kinogeschichte.
Noch zwei Filme folgten bis 1952 – die letzten in Amerika. Denn der Brite wurde in den USA misstrauisch beäugt. Zum einen weigerte er sich mitten im Kalten Krieg, Kommunisten zu boykottieren. Zum anderen hatte er einen Hang zu sehr jungen Frauen.
Die ersten beiden waren 16, als er sie heiratete – mehr aus Not, um einem Skandal zu entgehen. Bei seiner vierten und letzten Ehe war er 54. Bei Oona, Tochter des Literaturnobelpreisträgers Eugene O'Neill, qualmten fast noch die Kerzen auf der Torte zu ihrem 18. Geburtstag.
Als Chaplin in Europa war, liess ihm das FBI die Rückkehr versperren. Chaplin rächte sich als Chaplin: In «Ein König in New York» wird er, als europäischer Ex-Monarch, vor den Senat in Washington geladen. Doch Chaplin, tollpatschig wie einst Charlie, verheddert sich in einem Feuerwehrschlauch und spritzt die Politiker zur Tür hinaus. Der Film von 1957 wurde auch in den USA gezeigt. Allerdings erst 1973.
Da hatte Chaplin gerade seinen zweiten Ehren-Oscar abgeholt. Doch der alte Mann konnte kaum noch laufen. Die letzten Jahre verbrachte er in Vevey. Am ersten Weihnachtstag 1977 erschütterte die Nachricht von seinem Tod die Welt. 35 Jahre später wurden zwei Requisiten in Los Angeles für 50'000 Euro (rund 60'900 Franken) versteigert. Ein Hut und ein Stock. (can/sda/dpa)