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Als erste Schweizer Institution präsentiert das Museum Haus Konstruktiv eine Einzelausstellung der 1925 in Beirut geborenen Künstlerin Etel Adnan, die zu den grossen Entdeckungen der dOCUMENTA (13) zählt.
Die Ausstellung 29. Oktober 2015 bis 31. Januar 2016 statt.
Adnan hat mit ihren kleinformatigen Malereien, Tapisserien, Faltbüchern und Super-8-Filmen die Kunstwelt erobert. Bekannt wurde sie zunächst jedoch als Schriftstellerin, Dichterin und Kulturredakteurin. Zu ihren wichtigsten Publikationen zählen der Roman «Sitt Marie Rose» (1977), für den sie den «Prix de l’amitié franco-arabe» erhielt, der Gedichtband «Arabische Apokalypse» (1980) und das Künstlerbuch «Reise zum Mount Tamalpais» (1986). Ihre ersten Malereien entstanden Ende der 1950er Jahre in den USA, wo sie nach ihrem Philosophie-Studium (an der Sorbonne, in Berkeley und in Harvard) als Dozentin tätig war.
Nach ersten, meist konkret konzipierten Bildern, in denen die Künstlerin rechteckige Formennebeneinandersetzt oder auf Farbflächen schweben lässt, entstehen ab den 1980er Jahren Abstraktionen von Landschaften. Die kalifornische Landschaft nördlich von San Francisco und insbesondere der Mount Tamalpais, in dessen Nähe Adnan ihr Domizil gefunden hat, prägen die Bilder dieser Zeit. Ihre obsessive Beschäftigung mit diesem Berg, den sie über 35 Jahre lang in all seinen wetterbedingten Licht- und Farberscheinungen zu Tag- und Nachtzeiten studiert und in Malerei übersetzt hat, lädt zu Vergleichen mit Paul Cézanne ein, der immer wieder die Montagne Sainte-Victoire in Südfrankreich als Motiv wählte. Manchmal kann man in Adnans Malereien noch eine Bergform, einen Horizont oder eine Hügellandschaft ausmachen, schnell aber verlieren sie ihre gegenständliche Lesbarkeit und lassen vielmehr ein in Malerei oder Zeichnung festgehaltenes Stimmungsmoment lebendig werden. Für Adnan geht es nicht um die Abbildung des Gesehenen, sondern um die Emotion gegenüber dem Wahrgenommenen.
Adnans Malerei kennt keine Hierarchie zwischen Primär- und Mischfarben; ihr Kolorit ist reich und leuchtend. Die mit einem Spachtel aufgetragene Farbe fügt sich in klar konturierten Flächen zu beinahe architektonisch anmutenden Bildordnungen, die denen von Nicolas de Staël (1914–1955) formal verwandt sind. Zu ihrer Vorgehensweise erklärte die Künstlerin in einem Gespräch mit Sabine Schaschl: «Wenn ich eine Farbe auftrage, dann hat diese Farbe ihre eigene Intensität, doch sie hat auch eine Form. Sie muss eine Form haben. Man kommt nicht darum herum. Und das bedingt den nächsten Schritt. (…) Es geht darum, stets ein neues Gleichgewicht zwischen Farbe und Bedeutung herzustellen.»
Etel Adnans Bilder entstehen in einem Malvorgang, ohne Unterbrechung und ohne nachträgliche Korrekturen. Das kleine Format ihrer Gemälde vergleicht die Künstlerin mit dem Schreiben von Gedichten: «Gedichte sind klein und kompakt. Und meine Leinwandbilder sind genauso. (…) Im Grunde genommen sind sie visuelle Gedichte.»
In ihren Faltbüchern, die Etel Adnan seit 1964 entwickelt, greifen Zeichnung, Dichtung und der Prozess des Schreibens selbst unmittelbar ineinander. Zusammengefaltet, sind diese Leporellos kleine, intime Bücher. In voller Länge ausgefaltet, werden sie zu Raumobjekten.
Die Ausstellung im Museum Haus Konstruktiv gibt mit über 50 Malereien aus allen Schaffensperioden, mit ausgewählten Tapisserien, Paravents, Faltbüchern sowie einem Super-8-Film einen Überblick über die Vielfalt der künstlerischen Ausdrucksformen Etel Adnans. Die Künstlerin entschied sich für den Ausstellungstitel «La joie de vivre», die Freude am Leben, und betont damit den Statement-Charakter ihrer Kunst: als Entscheidung für das Leben an sich.
Zur Ausstellung erscheint im Verlag der Buchhandlung Walther König ein Katalog (deutsch/englisch), mit jüngsten Gedichten von Etel Adnan und einem Interview, das Sabine Schaschl mit der Künstlerin in Paris geführt hat. Erhältlich im Museumsshop.
weitere Informationen finden Sie unter www.hauskonstruktiv.ch.