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Manchmal erzählen „richtige“ Historiker auch durchaus seltsame Geschichten. Ein bekannter Autor (er ist schon lange verstorben, darum erlaube ich mir, über seine Theorie zu lästern!) schrieb sinngemäss etwa folgendes: Wilhelm der Eroberer und Harold von England hätten nach der Landung des ersteren keine Ahnung gehabt, wo sich der jeweilige Gegner befinde. Wilhelm hätte dann auf dem Weg nach London plötzlich die Armee von Harold angetroffen. Die Angelsachsen hätten sich alsdann rasch auf den Senlac Hill zurückgezogen um dort die Verteidigung zu organisieren. Die Schlacht bei Hastings sei eine „Rencontre Schlacht“ gewesen, was immer dies auch für eine mittelalterliche Schlacht heissen mag. Eben im Sinne von „Nice to meet you . . !“ Dies ist nun wirklich Unsinn und beleidigt die beiden erfahrenen Heerführer!
Harold Godwinson war seit dem Tod seines Vaters, 1053, Earl of Wessex. Dies ist auch die Gegend, in der Harold aufgewachsen war, als junger Mann gejagt hatte und in welcher der Senlac Hill, das heutige Battle liegen. Er kannte also die Gegend zwischen London und der Südküste wirklich gut und war 1053-1066 auch für deren Verteidigung zuständig. Als Earl unter Edward dem Bekenner unternahm er ferner diverse Feldzüge, vor allem gegen die Waliser und zeigte sich als ein hervorragender Heerführer. Ihm zu unterstellen, er sei „blind“ und ohne Aufklärung mit einem Heer gegen Süden marschiert, wird ihm nicht gerecht! Harold hatte ja nach seinem Sieg in Stamford Bridge anfangs Oktober die Nachricht vernommen, dass Wilhelm am 28. September an der Südküste gelandet war. Darauf zog er mit seinen Getreuen in Eilmärschen wieder gegen Süden, rekrutierte unterwegs weitere Krieger und bestimmte als Sammelpunkt für weitere Verstärkungen den „Grauen Apfelbaum“, eine markante Stelle ca. 700 m oberhalb des späteren Schlachtfeldes. Harold wusste zu jeder Zeit ganz präzise, wo sich der Eroberer mit seinem Heer befand.
Wilhelm der Eroberer wiederum war ein durchtriebener Krieger und Heerführer. Permanente Aufklärung, das Wissen über den Gegner zu beschaffen, war für ihn selbstverständlich. Wir wissen ja auch aus verschiedenen zeitgenössischen Quellen, dass er kurz nach der Landung an der Küste Patrouillen ausgesandt hatte. Diese hatten u.a. den Auftrag Nachrichten zu beschaffen, falls notwendig auch durch Folter an den Dorfbewohnern. Ferner gibt es verschiedene Berichte, wonach vor der Schlacht Boten hin- und hergeritten waren um ein Ultimatum von Wilhelm an Harold zu übergeben.
Nein: Die beiden Widersacher wussten genau, wo sich der Gegner befand und Wilhelm brach am 14. Oktober 1066 frühmorgens mit seiner Armee bewusst auf, um den Kampf am Senlac Hill aufzunehmen. Dies, weil er bereit war und weil mit jedem Tag, den er wartete Harold’s Armee nur stärker wurde. Ferner habe ich ausgerechnet, dass Wilhelm mit der Spitze seines Aufmarsches in der Nähe des Senlac Hills war, als seine letzten Truppenteile gerade das Lager in der Nähe der Küste verliessen! Die Gegend war nämlich im Mittelalter stark bewaldet und die Römerstrasse, auf der sich die Kolonne bewegte höchstens ca. 5 m breit. Seine Kolonne war also mehrere Kilometer lang! Wie soll sich daraus ein Begegnungsgefecht entwickeln?