Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03409.jsonl.gz/1346

Pinot Noir
Herkunft
Links: Pinot Noir RAC 12
Pinot Noir ist der Name der Rebsorte. In der Deutschschweiz wird sie auch Blauburgunder oder Clevner genannt. Entsprechend der Deklaration der Winzer finden Sie Produzentenadressen unter Clevner, Blauburgunder und Pinot Noir.
Rechts: Pinot Noir RMW Classic
Die Pinot Noir-Rebe stammt in fast direkter Line von einer Wildrebe ab. Das schliesst die Biologin Carole Meredith aus umfangreichen Genanalysen, die sie in den 1990er-Jahren durchführte. Tatsächlich wuchsen bis zur Reblauskatastrophe Ende des 19. Jahrhunderts auch Wildreben bis im äussersten Norden Frankreichs. Die Analysen Merediths zeigen eine grundsätzliche Verschiedenheit zu den im Süden Frankreichs vorherrschenden Sorten, die vermutlich von den Griechen ins Land gebracht wurden.Die frühere Erklärung Ferdinand Regners, Pinot Noir sei eine spontane Kreuzung der Schwarzriesling- mit der Traminer-Rebe, konnte nicht bestätigt werden. Vielmehr ist Schwarzriesling eine spätere Mutation der Pinot Noir. Die genetische Forschung hat herausgefunden, dass die Pinot Noir- und die Gouais-Rebe die Urahnen sind, aus denen einige der bedeutendsten Rebsorten entstanden, die heute in Europa angebaut werden.
Die Pinot Noir ist eine sehr alte, aus Burgund stammende Rebsorte. Ihr Anbau ist seit dem 4. Jahrhundert nachweisbar. Die Urform war im Burgund bereits vor dem Einmarsch der Römer heimisch. Ab dem 10. Jahrhundert wurde das Benediktinerkloster Cluny zum Mittelpunkt des burgundischen Weinbaus. Durch Schenkungen verfügte das Kloster bald über die besten Lagen. Diese sind noch heute als Grand Cru-Lagen bekannt. Eine Grand Cru-Lage im Burgund ist um ein Vielfaches kleiner als die eines Premier Crus von Bordeaux. Die Preise für Burgunder Weine sind auch bei grosser Nachfrage ziemlich stabil und, mit wenigen Ausnahmen, verhältnismässig günstig.
Verbreitung
Die geschmackliche Qualität und der feine Duft der Pinot Noir-Weine findet wieder zunehmend an Beachtung. In Frankreich hat sich die Rebfläche innerhalb der letzten 50 Jahre verdreifacht. Die bedeutendsten Anbaugebiete sind im Burgund und in der Champagne. Anbaufläche gewonnen hat die Pinot Noir auch im übrigen Europa. In Übersee bevorzugt sie die kühleren Anbaugebiete. Dort sind Kalifornien, Oregon, Chile, Argentinien, Südafrika, Australien und Neuseeland wichtige Gebiete.
In der Schweiz ist die Pinot Noir-Rebe im Wallis, am Neuenburgersee und in der Ostschweiz beheimatet. Pinot Noir wird mit verschiedenen Klonen überall in der Schweiz angebaut. In der Ostschweiz spielt sie eine vorherrschende Rolle. Pinot Noir wird sortenrein oder im Verschnitt mit anderen Trauben vinifiziert. Bekannte Verschnittweine sind der Salvagnin im Waadtland und der Dôle im Wallis.
Servagnin ist eine Selektion (Klon) der Pinot Noir-Rebe. Servagnin ist seit dem 15. Jahrhundert in der Waadtländer Region Morges verwurzelt. Der unregelmässig produzierende und krankheitsanfällige Servagnin wurde zugunsten des Gamay aufgegeben, bis sich eine Gruppe von Winzern dazu entschloss, diese lokale Varietät zu rehabilitieren. Mittlerweile ist der Servagnin eine geschützte Marke, welche die ampelografische und geografische Herkunft sowie An- und Ausbau des fertigen Produktes regelt und garantiert.
Detaillierte Informationen zum Anbau in den einzelnen Ländern finden Sie weiter unten.
Eigenschaften
Der Name «Pinot» ist möglicherweise dem französischen Wort für Fichtenzapfen «Pin» entlehnt und hängt somit mit der Form der Traube zusammen. In der Ampelographie, der Rebsortenkunde, wird der Habitus, die typischen sichtbaren Eigenschaften, folgendermassen beschrieben:
Bild: Pinot Noir RMW 89-3
- Die Triebspitze ist offen. Sie ist stark weisslich bis hellgrün behaart. Die Jungblätter sind anfangs spinnwebig behaart um danach fast unbehaart zu sein.
- Die mittelgrossen dunkelgrünen Blätter sind rundlich, meist ganz oder schwach dreilappig, selten jedoch schwach angedeutet fünflappig. Die Stielbucht ist V-förmig offen. Das Blatt ist stumpf gezähnt. Die Zähne sind im Vergleich der Rebsorten mittelgross. Die Blattoberfläche (auch Spreite genannt) ist blasig derb.
- Die walzenförmige Traube ist selten geschultert, mittelgross und dichtbeerig. Die rundlichen bis ovalen Beeren sind mittelgross und von dunkelblauer bis violettblauer Farbe. Die Schale der Beere ist dünnhäutig bis mittelstark.
Die Pinot Noir treibt mittelfrüh aus, ist empfindlich auf Frühjahrsfröste und reift früh. Bei guter Holzreife kann ihr Winterfrost keinen Schaden zufügen. Sie bevorzugt kalkhaltige, kiesige Böden und einen nicht zu heissen Standort. Bei keiner anderen Art der Vinifera spielt die genetische Zusammensetzung eine so grosse Rolle. Die Selektion des Klons ist deshalb sehr wichtig. Die Pinot Noir ist eine weinbaulich eher schwierige Rebsorte. Ein zu hoher Ertrag wirkt sich besonders nachteilig auf die Qualität des Pinot Noir aus. Die dünnhäutigen Früchte verlangen eine sehr feinfühlige Bearbeitung, da durch Verletzungen der Schale ihr Saft zu früh freigesetzt wird. Ausserdem reagiert sie stark auf Klimaschwankungen.
Pinot Noir ist anfällig für den Echten und den Falschen Mehltau. Im weiteren neigt sie zu Chlorose (Blattschädigung, meist ein Zeichen für Mineralstoffmangel), Rohfäule (auch Sauerfäule, tritt bei unreifen Beeren in feuchtwarmer Witterung auf oder wenn die Beeren durch Hagel beschädigt sind) und Virusbefall.
Durch Klonselektion konnten einige dieser Probleme reduziert werden, neuere Klone aus Geisenheim, Freiburg im Breisgau und Weinsberg haben weniger Probleme mit Fäulnis, da die Schale der Beeren etwas stärker ist. Die aus ihnen gewonnenen Weine weisen aber auch etwas andere sensorische Eigenschaften auf.
Siehe auch unter Klone und Kreuzungen weiter unten.
Weintyp
Bild: Pinot Noir RMW Classic
Die Pinot Noir-Rebe bringt je nach Lage leichte, fruchtige oder kräftige, körperreiche Weine hervor. Pinot Noir-Weine sind vollmundig, geschmeidig und filigran, und man braucht eine exzellente Nase und einen feinen Gaumen, um ihrem komplexen Charakter auf die Spur zu kommen. Ein besonders grosser Wein entsteht, wenn sich zur Konzentration noch eine delikate und subtile Fruchtigkeit sowie aromatische Frische und Eleganz gesellen. Um dies zu erreichen, müssen die Trauben gelesen werden, sobald alle Komponenten ein harmonisches Ganzes bilden. Kluge Winzer haben dies begriffen und präsentieren heute prachtvolle Weine, die mitunter in Barriques ausgebaut werden. Oft wird Pinot Noir mit anderen Rebsorten assembliert.
Die Alterung der Pinot Noir-Weine ist nur schwer vorauszusagen und somit riskant. Spitzenweine können jedoch sehr langlebig sein und entwickeln ausserordentlich komplexe Aromen. Im Allgemeinen verliert der Wein jedoch seinen Charme.
Synonyme
Blauburgunder und Clevner (deutsche Schweiz), Spätburgunder (Deutschland, Österreich).
Auvernat noir, Berligout, Blauburgunder, Blauer Klevner, Blauer Nürnberger, Blauer Spätburgunder (dies ist die offizielle Bezeichnung in Deutschland), Bodenseetraube, Bourguignon noir (im Beaujolais), Burgundac Crni, Burgundi Crni (in Slowenien, Kroatien und Serbien), Burgundi mic (in Rumänien), Clävner, Clevner, Cortaillod (in der Schweiz), Franc noirien, Franc pineau, Franc pinot, Kisburgundi Kék, Klävner, Klevner, Langedet, Maurillon, Morillon noir, Noble joué, Noir de Franconier, Noir de Versitch, Noir menu, Noirien, Noirun, Orléans, Petit noir, Petit noirin, Petit plant doré (in der Champagne), Petit vérot, Pignol, Pignola, Pineau, Pineau de Bourgogne, Pineau de Gevrey, Pineau noir, Pino nero, Pinot de Chambertin, Pinot de Fleury, Pinot de Gevrey, Pinot de Migraine, Pinot fin, Pinot negre, Pinot nero, Pinot noir, Pinot tinto, Plant à bon vin, Plant de Cumières, Plant doré, Plant fin, Plant noble, Pynoz (in einer Ballade des 14. Jahrhunderts von Eustache Deschamps), Rounci, Salvagnin, Salvagnin noir, Savagnin noir, Schwarzer Assmannshäuser, Schwarzer Burgunder, Schwarzer Riesling, Schwarzer Süßling, Süßedel, Süßling, Vert doré.
Anbaugebiet
Pinot Noir rund um die Welt:
- Frankreich ist das Mutterland dieser Rebsorte und verfügt über eine bestockte Rebfläche von 26'337 Hektar (Stand 2005). An der Côte d’Or, im Herzen des Burgunds, ist sie die einzige, zugelassene Rebsorte zur Erzeugung von roten Qualitätsweinen. Bekannt ist auch das Anbaugebiet der Côte Chalonnaise, im Süden der Côte d’Or. Bereits der erste Herzog von Burgund, Philipp der Kühne (1363–1404) erkannte den kommerziellen Wert des Weines für den Export und bemühte sich um seine Vermarktung. Unter anderem liess er den Anbau von Gamay mit dem Argument der Gesundheitsschädlichkeit per Dekret verbieten. Ausserdem verbot er die Düngung der Weinberge, da offensichtlich die Erträge viel zu hoch waren. Einige Historiker sehen in dieser Zeit das Fundament einer erfolgreichen Strategie der Herzöge von Burgund, den Burgunder-Wein an den Königshöfen Europas als den besten Wein Europas zu etablieren.
- In der Champagne ist die Pinot Noir mit einem Anteil von 38% noch vor den Rebsorten Chardonnay und Pinot Meunier (Schwarzriesling ??) wichtigster Bestandteil des Champagner. Dazu werden die Trauben gepresst und der gewonnene, helle Saft ohne Einmaischung und somit ohne die Schale vergoren. So entsteht ein Weisswein. Sortenreiner Schaumwein aus Spätburgunder wird unter der Bezeichnung «Blanc de Noirs» vermarktet.
- In Sancerre, Menetou-Salon und der Touraine werden leichte Rotweine oder Roséweine erzeugt.
- Im Elsass werden ebenfalls meist leichte Rotweine erzeugt. Im besten Fall können die Weine an den Charakter eines Burgunders herankommen.
- In Deutschland, am Bodensee, wurde die Sorte im Jahr 884 durch Kaiser Karl III. als «Clävner» eingeführt. In Baden wurde die Sorte daher lange als «Clevner» oder «Klevner» bezeichnet. Heute sind etwas mehr als zehn Prozent mit Pinot Noir bepflanzt. Dieser wird Spätburgunder genannt. In deutschen Anbaugebieten werden mittlerweile Spitzenqualitäten erzielt. Hat man in Deutschland noch in den 1980er-Jahren aus Spätburgunder durchweg eher süssliche Weine erzeugt, schwach in Farbe, Körper und Alkohol, so hat sich das Geschmacksbild in den folgenden Jahrzehnten dramatisch verändert. Heute werden auch in Deutschland viele farb-, tannin- und körperreiche, gehaltvolle Rotweine erzeugt, die sich mit den berühmtesten roten Burgundern Frankreichs messen können. Beste Erzeugnisse aus der Pfalz und Baden erreichen aber auch schon jetzt mit dem Burgund vergleichbare Preise. Weitere gute Rotweinlagen finden sich in Assmannshausen im Rheingau und an der Ahr. Daneben wird mit Erfolg auch in Rheinhessen und Württemberg Spätburgunder angebaut. Neben Rot- und Roséweinen wird sie auch zu fruchtigem und spritzigem Weissherbst (deutsche Bezeichnung für «Blanc de Noirs») verarbeitet.
- In Österreich ist das Synonym «Blauburgunder» gebräuchlich. Die Hauptanbaugebiete konzentrieren sich auf das Burgenland, wo die besten Qualitäten aus den Regionen in der Nähe des Neusiedlersees sowie aus dem Mittelburgenland stammen. Ein anderer Schwerpunkt ist die Thermenregion. Der Blauburgunder wird in Österreich trocken und häufig im kleinen Holzfass, dem Barrique, ausgebaut.
- In Italien ist der Anbau der Sorte in 44 Provinzen empfohlen und in weiteren 12 Provinzen zugelassen. Die Hauptanbaugebiete für Pinot Nero befinden sich im nördlichen Italien im Südtirol, in der Lombardei im Aostatal und im Piemont.
- In England und Wales nimmt die noch bescheidene Rebfläche von Pinot Noir beständig zu. Durch den Klimawandel haben gewisse Anbauregionen Südenglands mittlerweile Anbaubedingungen, wie sie vor einigen Jahrzehnten in der Champagne bekannt waren. Erzeuger wie Nyetimber bringen mittlerweile in guten Jahren Schaumweine auf den Markt, die einem gut gemachten Champagner ebenbürtig sind. Sortenrein ausgebaute Stillweine sind hingegen noch sehr leicht und entsprechen eher einem Rosé, da sich aufgrund der kurzen Vegetationszeit noch nicht genügend Farbpigmente in den Schalen der Beeren bilden.
- Obwohl der Weinbau in Oregon erst ab den 1960er-Jahren professionell aufgestellt wurde, spielt dieser US-Bundesstaat mittlerweile nach Kalifornien eine bedeutende Rolle im amerikanischen Weinbau. Mit an die 300 Weingüter stellt der Weintourismus eine bedeutende Einnahmequelle dar. Etwa 90 Prozent der Rebfläche ist mit Pinot Noir bestockt.
- In Kanada wurden Qualitätsweine aus Pinot Noir bislang in Ontario auf der Niagara-Halbinsel und speziell in der Weinbauregion Short Hills Bench erzeugt. Die Nordküste des Lake Erie ist ebenfalls schon seit längerer Zeit mit dieser Rebsorte bestockt. Später kamen Rebflächen in den Weinbauregionen Okanagan, Lower Mainland und Vancouver Island in British Columbia hinzu. In den letzten 10 Jahren (Stand 2007) wurden erste Weinberge im Edward County in Ontario angelegt. Pioniere wie Geoff Heinricks gründen ihren Optimismus auf Klima- und Bodenanalysen, die eine weitgehende Übereinstimmung mit dem Bedingungen im französischen Burgund belegen.
- In Australien wird die Pinot Noir in den eher kühlen Regionen angebaut. Der Erfolg reicht aber nicht an die Nachbarn aus Neuseeland heran.
- Die Pinot Noir-Rebe ist für Neuseelands Weinindustrie wichtiger, als die aktuell bestockte Rebfläche vermuten liesse. Aufgrund des eher kühlen Weinbauklimas war Pinot Noir eine der wenigen Rebsorten, die für den Anbau von Rotwein in Frage kamen. Dennoch wurden die ersten Bemühungen in den 1970er- und 1980er-Jahren nicht von Erfolg gekrönt. Die Ursachen lagen in der Wahl des Rebmaterials. Zum einen wurde irrtümlich häufig Gamay gepflanzt und zum anderen war die Klonselektion in Europa noch in vollem Gange. Die damals verfügbaren Klone eigneten sich nicht für einen Anbau in Neuseeland. Einziger früher Lichtblick war der St. Helena 1984 Pinot Noir aus der Region Canterbury. Die dadurch geschürten Hoffnungen und Neupflanzungen in dieser Gegend konnten jedoch nicht hundertprozentig erfüllt werden, obwohl in der Region von Waiparapa einige interessante Weine entstanden. Seit Ende der 1980er-Jahre erzeugten die Weingüter Palliser Estate, Martinborough Vineyards, Murdoch James Estate und Ata Rangi sehr interessante Pinot Noir-Weine. Die bei Martinborough am südlichen Ende der Nordinsel gelegenen Rebflächen wurden zuerst auf Schwemmlandböden der Bäche Huangarua und Dry River angelegt. Später wurden auch Hanglagen nördlich der Gemeinde erschlossen. Anfang der 1990er-Jahre wurde die Pinot Noir im Central Otago-Distrikt im Flusstal des Kawarau River angepflanzt. In der vornehmlich für ihr Steinobst bekannten Gegend wurde zwar schon seit 1864 Wein angebaut, doch schienen die klimatischen Bedingungen nicht unbedingt optimal. Als einzige Region Neuseelands verfügt Central Otago über nahezu kontinentales Klima: die heissesten Sommer- und die kältesten Wintertemperaturen. Das liegt an der besonderen Lage Central Otagos: Der Distrikt wird im Westen durch die Neuseeländischen Alpen vor den Roaring Forties geschützt, grenzt aber trotz seiner recht östlichen Lage nicht an den Pazifik.
www.mondial-du-pinot-noir.com
- In Moldawien waren im 19. Jahrhundert grosse Rebflächen mit Pinot Noir bestockt. Die Reblauskatastrophe sowie die Verdrängung durch ergiebigere Sorten haben den Anteil der Pinot Noir während der kommunistischen Ära stark schrumpfen lassen. Die heutigen Weine reichen noch nicht an internationale Standards. Die Weine lassen Feinheit vermissen und präsentieren sich häufig mit übertriebenem Eichenholz-Geschmack. Mit Investitionen und ausländischem Know-how verspricht das allgemein vorhandene Potenzial jedoch Qualitätsweine hoher Güte.
Mutationen
Mutationen und Klone
Die Pinot Noir-Rebe neigt zur verstärkten Bildung von Mutationen. Mutationen entstehen durch eine Veränderung des Erbguts. Allein in Frankreich wurden 50 Mutationen, sogenannte Klone, für den gewerblichen Anbau selektiert und zugelassen. Bei der wesentlich häufiger angebauten Cabernet Sauvignon-Rebe wurden derweil nur 25 Klone zugelassen.
Neben den Klonen sind eine ganze Reihe eigenständiger Rebsorten bekannt, die aus einer Mutation der Pinot Noir hervorgingen. Zu diesen zählen die Sorten Frühburgunder, Pinot Liébault, Pinot Blanc (Weissburgunder), Pinot Gris (Grauburgunder) und Blauer Arbst. Pinot Gris scheint aus einer Mutation der DNA-Abschnitte VvMYBA1 oder VvMYBA2 aus der Pinot Noir entstanden zu sein. Pinot Blanc könnte dabei sogar eine Zwischenetappe von Pinot Noir und Pinot Gris sein. Der genetische Fingerabdruck aller drei Sorten ist identisch. Zwei andere Burgundersorten, die Pinot Teinturier und die Pinot Tête de Nègre (auch Pinot Moure genannt), sind ebenfalls Mutationen der Pinot Noir.
Im Jahr 1810 wurde in Gevrey, an der burgundischen Côte d’Or, die Rebsorte Pinot Liébault selektiert. Auch hierbei handelt es sich um eine Mutation der Pinot Noir. Die Sorte ist etwas ertragsicherer und ertragreicher als die Pinot Noir, behält jedoch ihre hohe Qualität bei. Aus heutiger Sicht würde die Pinot Liébault lediglich als Klon der Hauptsorte deklariert. In den Appellationsvorschriften des Burgunds wird die Pinot Liébault jedoch noch als eigenständige Sorte geführt.
Die in englischsprachigen Ländern bekannte «Wrotham Pinot» wurde in der Ortschaft Wortham in Kent gefunden. Sie ähnelt der Schwarzriesling, reift jedoch fast 2 Wochen früher und erzielt etwas höhere Mostgewichte. Edward Hyams von der Oxted Viticultural Research Station in Oxted (Surrey) wurde auf diesen speziellen Weinstock aufmerksam gemacht. Erste Versuche mit Schaumwein verliefen erfolgversprechend. Der Amerikaner Richard Peterson pflanzte die «Wrotham Pinot im» Jahr 1980 in Kalifornien und fertigt seither einen roséfarbenen Schaumwein.
Im August 2007 gaben französische Forscher über die Zeitschrift Nature bekannt, dass die DNA des Genoms der Pinot Noir als erste Rebsorte weltweit vollständig sequenziert sei.
Klone
In der Schweiz angebaute Klone
www.reben.ch
- Klon 2/45 FAW1 Der Standardklon der Forschungsanstalt Wädenswil hat in der Schweiz das grösste Verbreitungsgebiet. Die kleinen, oft geschulterten Trauben weisen eine relativ geringe Botrytisanfälligkeit auf, was im Vergleich mit den Burgunderklonen unter anderem auf den späteren Reifezeitpunkt zurückgeführt werden kann. Der Klon ist ertragreich. Er neigt in schwächeren Jahren oder bei zu hohem Ertrag zur Bildung von etwas dünnen, farbarmen Weinen. Er gehört in gute Lagen. Zur Zertifizierung gelangte die Nachselektion 2/45/3 FAW1.
- Klon RMW* 10/5-5 Der zertifizierte Klon RMW 10/5-5 ist ebenfalls ein traditioneller Standardklon mit kompakteren Trauben als der Klon 2/45. Die Fäulnisanfälligkeit ist etwas höher als beim Klon 2/45, jedoch niedriger als in der Vorgängergeneration (Klon RMW 10/5). Die Zuckergehalte sind leicht höher, bei mittlerer Säure, gutem Ertragspotenzial und etwas dunklerer Farbe. Der Klon RMW 10/5-5 ist geeignet für trockene und etwas höher gelegene Standorte. Die erste Generation, den Klon RMW 10, hatte der Rebschulgründer Albert Meier im Jahre 1929 ausgelesen.
*) RMW=Rebschule Meier Würenlingen
- Mariafeld-Klone Die Mariafeld-Klone bilden eine Gruppe für sich. Sie weisen dank ihrem lockeren Traubengerüst eine gute Botrytisresistenz auf. Früher auch Grossclevner genannt, handelt es sich um eine Mutation des Blauburgunders, die vor über sechzig Jahren im Rebgut Mariafeld des Generals Wille in Feldmeilen gefunden wurde. Seither wurden von den Rebschulen und der Forschungsanstalt Wädenswil verschiedene blühfeste und virusfreie Nachselektionen vermehrt. Die Mariafeld-Klone sind stärker wüchsig als die anderen Blauburgunderklone, sie bringen gute Öchslegrade, der Reifeindex hingegen ist wegen der erhöhten Säure und des tiefen pH-Wertes oft niedriger. M 1/17 ist der am häufigsten angebaute Mariafeld-Klon. Er stammt aus der Forschungsanstalt Wädenswil. Auf der Unterlage 3309 kann er nicht veredelt werden (Holzrunzeligkeit). Als Alternative zu diesem Klon stehen die beiden zertifizierten Klone RMW M 891 und RMW M 903 zur Verfügung. Sie wurden in den 1980er-Jahren von der Rebschule Meier selektioniert. M 891 hat einen kräftigen Wuchs und ist äusserst fruchtbar. Beim Klon M 903 handelt es sich um einen Qualitätsklon mit hohen Mostgewichten. Die Triebe wachsen erfreulich senkrecht.
- Geradwuchs-Klone Eine gerade Wuchsform ermöglicht bedeutende Zeiteinsparungen beim Einschlaufen. Die Geradwuchs-Klone sind buchstäbliche «Senkrechtstarter». Sie eignen sich vorwiegend für den Streckbogenschnitt. Die Fäulnisanfälligkeit ist jedoch erhöht, weshalb sie sich eher für trockene Standorte anbieten. Unter guten Bedingungen können sie überdurchschnittliche Zuckerleistungen bzw. einen besonders hohen Reifeindex erbringen. Bekanntester Klon dieser Art ist der Klon 28. Äusserst interessant, vor allem bezüglich Reifeindex, scheinen auch die beiden neu zertifizierten Klone RMW 89/3 und RMW 89/7. Kaum ein anderer Blauburgunderklon erreicht ihre hohen Öchslegrade.
- Burgunder-Klone Augenfällig bei den meist aus dem Burgund stammenden, kleinbeerigen Klonen ist der frühe Reifezyklus. So beginnt der Farbumschlag oft schon eine Woche früher als bei den übrigen Blauburgunderklonen. Es lassen sich höchstens mittlere Erträge erwarten, wodurch aber das Menge-Güte-Verhältnis positiv beeinflusst wird. Die Säurewerte sind deutlich tiefer. Das bedeutet, dass ab einem gewissen Reifegrad keine Säure mehr in Zucker umgewandelt werden kann. Somit liegen die Öchslegrade in guten Jahren im Mittel unter denjenigen anderer Klone, in schlechteren Jahren jedoch bedeutend höher. Die Burgunderklone sind in etwas höheren Lagen zu empfehlen, wo sie auch in mittleren Jahren noch die Vollreife erreichen. Die Trauben sind dicht und deshalb fäulnisanfällig. Der Klon 115 ist der im Burgund meistangebaute Klon und bei uns derjenige unter ihnen, der dem Wein die meiste Farbe verleiht. Er ist konstant sowohl im Ertrag als auch in der Qualität. Als weitere Qualitätsklone aus dem Burgund gelten die Klone 111, 667, 777, 828 und 943. Mit dem Klon RMW «Classic» wurde neu ein Klon zertifiziert, dessen Charakteristik zwischen den Burgunderklonen und dem Cortaillod 9-18 liegt.
- Klon Cortaillod 9-18 RAC12 Der Pinot Cortaillod 9-18 wurde von der Forschungsanstalt Changins in Pully selektioniert. Es handelt sich um einen kleinbeerigen Blauburgunderklon, dessen Reifeleistung beachtlich ist. Bei hohen Zuckergehalten und tiefer Säure lässt dieser Klon beste Qualitätsweine entstehen. Seine Fäulnisanfälligkeit ist jedoch erheblich, vergleichbar mit den Burgunderklonen.
Kreuzungen
Aufgrund genetischer Untersuchungen von 322 Rebsorten im Jahr 1998 stellte sich heraus, dass die Sorten Aligoté, Aubin Vert, Auxerrois, Bachet Noir, Beaunoir, Chardonnay, Dameron, Franc Noir de la Haute Saône, Gamay Blanc Gloriod, Gamay, Knipperlé, Melon de Bourgogne, Peurion, Romorantin, Roublot und Sacy alle aus spontanen Kreuzungen zwischen Pinot und Gouais Blanc entstanden.
Die Gouais Blanc ist eigentlich eine minderwertige Rebsorte, die im Mittelalter nur wegen der hohen Erträge geschätzt wurde und häufig in unmittelbarer Nähe zu Pinot Noir-Anpflanzungen zu finden war. Die räumliche Nähe der Pflanzen führte zwangsläufig zu gegenseitiger Befruchtung und somit zu neuen Sorten. Insbesondere die Hochwertigkeit einiger Sorten (insbesondere Chardonnay, Aligoté, Auxerrois und Gamay) lässt sich mit dem Heterosis-Effekt erklären. Von einem Heterosis-Effekt spricht man immer dann, wenn die beobachtete Leistung der ersten Filial-Generation (F1) höher ist als die durchschnittliche Leistung dieser Eigenschaft bei der Parental-Generation. Mischlinge sind besonders vital und leistungsfähig, wenn man sie – so vorhanden – mit ihren reinerbigen Eltern vergleicht. Das genetische Grundmuster beider Kreuzungspartner ist stark verschieden und erklärt die Fülle neuer Sorten.
Neben diesen Spontankreuzungen entstanden im 20. Jahrhundert auch gezielt durchgeführte Neuzüchtungen. Erfolgreiches Beispiel ist die 1925 entstandene Sorte Pinotage. Kreuzungspartner war dabei die südfranzösische Sorte Cinsault.