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Diplomarbeit zu sozialen Aspekten im Vergleich von Energiesystemen am Natural and Social Science Interface der ETH Zürich.
Betreuung durch Prof. Dr. Roland W. Scholz und Dr. Stefan Hirschberg
Zusammenfassung
Eine zuverlässige Energieversorgung ist essentiell für alle Bereiche der heutigen Gesellschaft. Die Bereitstellung dieser Energie birgt jedoch viele Risiken für die Gesellschaft und die Umwelt. Zurzeit stellt uns der Klimawandel vor die Frage, wie die fossilen Energieträger ersetzt werden könnten. Dies ist eine kontroverse Frage, da andere Energiesysteme wiederum andere Auswirkungen und Risiken mit sich bringen. Um Entscheidungen für zukünftige Energiestrategien zu treffen, ist es daher notwendig, eine ganzheitliche Nachhaltigkeitsbewertung von Energiesystemen vorzunehmen.
Das Ziel dieser Diplomarbeit ist die Untersuchung der bisherigen Berücksichtigung sozialer Aspekte in der Bewertung von Energiesystemen. Die bisherige Berücksichtigung wurde anhand von drei Fallstudien – Hirschberg, Dones et al. (2004), Renn, Hampel et al. (2006) und Eliasson, Lee et al. (2003) – diskutiert. Diese Studien basieren bezüglich des Einbezugs sozialer Aspekte auf dem gleichen methodischen Ansatz: Es wird eine Anzahl Energieszenarien oder -portfolios mit Hilfe eines Partizipationsansatzes und einer Multi-Criteria Decision Making (MCDM)-Methode verglichen.
In dieser Diplomarbeit wird von einer integralen Nachhaltigkeitsdefinition ausgegangen. Folglich werden alle Aspekte mit direkten oder indirekten Auswirkungen auf die Gesellschaft als sozial klassifiziert. Diese Perspektive unterscheidet sich von den bisherigen Ansätzen, welche sich bezüglich sozialer Aspekte auf Themen wie Gesundheit, Sozialsicherheit, Arbeitsmarkt oder Einkommen beschränken.
Um unabhängig von den bisherigen Ansätzen Aspekte zu identifizieren, welche für eine Nachhaltigkeitsbewertung wichtig sind, werden die drei Energiesysteme Nuklearenergie, Biofuels und Photovoltaik im Detail betrachtet. Zur Diskussion der Eignung der drei erwähnten Fallstudien werden zuerst (i) Stärken und Schwächen der Partizipations- und MCDM-Methoden betrachtet und wird anschliessend (ii) die Berücksichtigung der unabhängig identifizierten Aspekte durch die drei Fallstudien untersucht. Nachfolgend werden, basierend auf den bisherigen Erkenntnissen, alternative Ansätze identifiziert.
Durch die in dieser Diplomarbeit unternommenen Untersuchungen und Nachforschungen wurde gezeigt, dass die Resultate von Partizipationsansätzen durch Framing-Effekte verfälscht werden. Zudem wird die Rolle von Kultur und Werten ungenügend aufgezeigt. Die verschiedenen Interessensgruppen sind ungleich repräsentiert, weil sich die Eloquenz einzelner Teilnehmer unterscheidet und zukünftige Generationen sowie die Umwelt selbst nicht teilnehmen können. Ausserdem sind die persönlichen Zeithorizonte der Teilnehmer zu kurz, um Konsequenzen zu beurteilen, die weit in der Zukunft liegen. MCDM-Methoden sind bezüglich der Berücksichtigung von zwei Aspektgruppen limitiert: Erstens werden Aspekte mit einem hohen Detaillierungsgrad vernachlässigt. Zweitens werden systemische Aspekten im Zusammenhang mit (i) konkurrierenden dynamischen und sozialen Nachfragefunktionen, (ii) langfristigen sozialen Nachfragefunktionen, sowie (iii) dynamischen Effekten von Veränderungen in Ökosystemvariablen ungenügend berücksichtigt.
Diese Erkenntnisse zeigen, dass die bisherigen, stakeholder-orientierten MCDM-Ansätze nicht alle Probleme im Zusammenhang mit einer zukunftsorientierten Nachhaltigkeitsbewertung von Energiesystemen lösen können. Die Ecological-Evolutionary Theory von Lenski (2005) wurde als der interessanteste alternative Ansatz zur Bewertung von Energiesystem identifiziert.