Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03394.jsonl.gz/2162

mehr
Uromyces betae Tul. (Rost der Runkelrüben) ist seit 1856 in zunehmender Verbreitung den Kulturen verderblich. Die braunen Häufchen der Sommer- und Wintersporen brechen in Menge an den Blättern hervor, welche dadurch vorzeitig gelb werden und absterben. Das Aecidium entwickelt sich an den Blättern der jungen, im Frühling gesetzten Rübenpflanzen. Da aus dessen Sporen der eigentliche Rost entsteht, so muß man die Blätter, auf denen er sich zeigt, sorgfältig entfernen; auch muß das alte rostige Stroh verbrannt werden, weil aus den Sporidien der im Frühjahr keimenden Teleutosporen das Aecidium sich entwickelt.
Mehrere einander ähnliche Arten bringen den Rost der Hülsenfrüchte hervor, nämlich Uromyces appendiculatus Lév., an Arten von Vicia, Ervum, Pisum und Lathyrus;
U. phaseolorum Tul., an den Gartenbohnen;
U. apiculatus Lév., besonders auf Rot- und Weißklee;
U. striatus Schröt., auf Genista, Trifolium- und Medicago-Arten, besonders auf Luzerne.
Die Sommersporen (Uredo leguminosarum Link) dieser Pilze [* 2] sind den genannten Nährpflanzen sehr schädlich. Zu ihnen gehört das Aecidium leguminosarum Rabenh., und ihr Entwickelungsgang ist ganz analog demjenigen der vorigen Art, die Verhütungsmaßregeln daher dieselben. Eine heterözische Art ist der Erbsenrost (U. pisi Schröt.), dessen Uredo- und Teleutosporenform aus Erbsen, Wicken und Lathyrus-Arten lebt, während die Äcidien auf der Wolfsmilch (Aecidium Euphorbiae Pers.) die bekannten Krankheitserscheinungen hervorrufen; auf letzterer perennieren die Mycelien in den Wurzelstöcken.
3) Gymnosporangium Dec. (Podisoma Link). Die Teleutosporen sind, wie bei Puccinia, zweizellig und gestielt, aber in eine gallertartige Masse eingebettet, welche durch Aufquellen der fadenförmigen, durcheinander gewundenen Stiele entsteht, und bilden gallertige, gelbliche bis braune, stumpf kegelförmige Häufchen, welche aus der Rinde hervorbrechen. Diese auf Stämmen und Ästen gewisser Nadelhölzer [* 3] wachsenden Rostpilze stehen im Generationswechsel mit der früher unter dem Gattungsnamen Roestelia Rebent. (Gitterrost) beschriebenen Äcidiumbildung, welche den Rost der Kernobstgehölze darstellt, der durch die Sporen des Gymnosporangium erzeugt wird.
Letztere sind die Wintersporen, welche beim Keimen ein Promycelium mit Sporidien entwickeln; letztere lassen ihre Keimschläuche in die Blätter der Kernobstbäume eindringen, wo aus ihnen die Roestelia entsteht. Der Gitterrost bildet lange, flaschenförmige Peridien, welche sich in viele Zellenreihen spalten, entweder nur an der Spitze pinselförmig oder der ganzen Länge nach gitterförmig, indem die Spitze mützenartig ganz bleibt, und welche zahlreiche runde, einzellige Sporen enthalten, welche reihenweise abgeschnürt werden.
Diese Peridien erscheinen gesellig auf der Unterseite gelber oder roter, polsterförmiger Blattflecke, an deren Oberseite vorher die dunklern, punktförmigen Spermogonien entstehen. Der Pilz [* 4] verdirbt das Laub, siedelt sich auch bisweilen an den jungen Früchten an, welche dann ebenfalls verdorren werden. G. fuscum Dec., in rotbraunen, kegelförmigen Häufchen, im Frühjahr auf Juniperus-Arten, erzeugt den Gitterrost der Birnbäume (Roestelia cancellata Rebent.), welcher im Sommer und Herbst auf Blättern und Früchten des Birnbaums kegelförmige, blaßgelbe, bis 2 mm große Peridien bildet, welche der Länge nach gitterartig zerreißen und an der Spitze ganz bleiben. G. clavariaeforme Örst., in mehr cylindrischen oder keulenförmigen, hellgelben Häufchen auf Juniperus communis, erzeugt den Gitterrost der Apfelbäume (Roestelia penicillata Örst.), mit bis 4,5 mm langer, flaschenförmiger Peridie, welche bis zur Basis in Fasern zerreißt, die an der Spitze nicht verbunden sind, im Sommer und Herbst auf Blättern und jungen Früchten des Apfelbaums, sowie die Varietät Roestelia lacerata Sow., auf Weißdorn und Mispeln, welche durch nicht bis zur Basis zerreißende Peridien unterschieden ist. Zu G. conicum Örst., auf Stämmen und Ästen von Juniperus communis in kegelförmigen, goldgelben oder braunen Häufchen, gehört Roestelia cornuta Ehrh., auf den Blättern der Ebereschen, durch hornförmige, oft gekrümmte, nur an der Spitze zerreißende Peridien ausgezeichnet. Die genannten Arten von Juniperus sind daher, insofern sie Gymnosporangium tragen, dem Obstbau schädliche Pflanzen.
4) Phragmidium Link. Teleutosporen gestielt, walzenförmig und durch mehrere Querscheidewände geteilt, schwarze Häufchen auf der Unterseite der Blätter bildend, zusammen mit lebhaft orangeroten Sommersporen, ohne Aecidium. Phragmidium incrassatum Link bildet den Rost der Brombeersträucher, Ph. rosarum Rabenh. den Rost der Rosen und Ph. intermedium Ung. den Rost der Himbeersträucher.
5) Chrysomyxa Ung. Die Teleutosporen sind nicht gestielt, cylindrisch, aus mehreren übereinander stehenden Zellen gebildet und bisweilen verzweigt, mit rotgelbem Inhalt und bilden ein fest zusammenhängendes, orangerotes, aus der Epidermis [* 5] hervorbrechendes Lager. [* 6] Ch. abietis Ung. ist die Ursache des Fichtenrostes oder der Gelbsucht der Fichten, welche stellenweise oft über große Flächen verbreitet sich zeigt. Die einjährigen Nadeln [* 7] sind gelbfleckig oder ganz gelb, und auf der Unterseite brechen daselbst die Sporenlager im Frühling hervor, worauf die Nadeln bald abfallen. Die Sporen keimen dann und erzeugen Sporidien, deren Keimschläuche in die neugebildeten jungen Nadeln eindringen, in denen schon im ersten Sommer das Mycelium sich entwickelt. Sommersporen und Aecidium sind nicht bekannt. Man entferne sofort die kranken Bäume, sorge durch zweckmäßigen Durchhieb für Herstellung genügenden Luftwechsels und für Entwässerung zu feuchter Lagen.
6) Melampsora Cast. Die Teleutosporen sind nicht gestielt, einzellig, keilförmig oder prismatisch, parallel nebeneinander stehend und unter sich und mit der Unterlage fest verwachsen zu einem flachen, schwarzen oder braunen Lager unterhalb der Epidermis, wo es sich erst nach dem Absterben des Pflanzenteils ausbildet. Auf derselben Nährpflanze gehen die Sommersporen vorher als blaßrote oder rotgelbe, stäubende Häufchen, welche als Rost den Nährpflanzen schädlich sind. M. salicina Lév. bildet rötlichschwarze Flecke auf der Oberseite der Blätter fast aller Weidenarten, stellt mit seinen Sommersporen (Uredo mixta Duby) den Weidenrost dar. M. lini Desm. bildet den Leinrost; die Sommersporen (Uredo lini Dec.) stellen rotgelbe Rosthäufchen an den grünen Teilen des Flachses dar; die Teleutosporen erscheinen später als schwarze Flecke an den untern Teilen des Stengels. Die Krankheit tritt in Westeuropa verderblich auf.
7) Aecidium Pers. (Becherrost). Die Sporen werden in kleinen, becherförmigen Peridien gebildet, welche mit gezahntem Rand aufbrechen und in ihrem Grund Basidien enthalten, von welchen die gelben oder orangeroten, einzelligen, mit feinstachligem Episporium versehenen Sporen kettenförmig ¶
mehr
abgeschnürt werden. Die Peridien sitzen meist gruppenweise auf entfärbten Flecken der Blätter oder auf verdickten und verunstalteten Teilen von Blättern, Stielen, Blüten oder Stengeln oder auf den Blättern von Sprossen, die durch die Einwirkung der Parasiten eine gewisse regelmäßige, aber den Pflanzen fremdartige Gestaltung angenommen haben. In der Begleitung der Peridien (vgl. Tafel »Pflanzenkrankheiten«, [* 9] Fig. 15 p) und etwas vor ihnen erscheinen sehr kleine, punktförmige Spermogonien (s), aus denen schleimartige Tröpfchen entleert werden, in denen die zahllosen Spermatien eingehüllt sind, welche innerhalb der Spermogonien abgeschnürt werden.
Aecidium elatinum Alb. et Schw. ist an den Weißtannen Ursache des Krebses und der Hexenbesen. Die Krebsgeschwülste des Stammes sind tonnenförmige Verdickungen, welche durch ein ungewöhnliches Dickenwachstum des Holzes, der Rinde und des Bastes hervorgebracht werden, wobei das Holz [* 10] oft durch Maserbildungen unregelmäßig wird und die Rinde birst, was ein Morschwerden des Holzes zur Folge hat. Zwischen den Zellen der genannten Gewebe [* 11] befindet sich das Mycelium des Pilzes, welches hier eine sehr lange Dauer besitzt, indem die Krebsgeschwülste mitunter über 60 Jahre alt werden. Die Fruktifikation kommt aber nur an den Nadeln dünner Zweige vor, und die letztern stellen dann die Hexenbesen (s. d.) dar. Auf der Unterseite dieser Nadeln entstehen die Peridien. Die Nadeln fallen zeitig ab; aber der Hexenbesen verjüngt sich immer in dieser krankhaften Form, weil das Mycelium in ihm perenniert.
8) Peridermium Link. Wie Aecidium, aber die Peridien sind ziemlich groß, blasen- oder schlauchförmig und zerreißen unregelmäßig. P. pini Wallr. (Kiefernblasenrost) tritt auf der Rinde dickerer und dünnerer Zweige der Kiefer mit 4,5-9 mm langen und breiten Peridien, auf den Nadeln mit nur 2-3,5 mm großen Peridien auf. Die rindebewohnende Form ist den jüngern Kiefernzweigen schädlich wegen der durch die zahlreichen Peridien hervorgebrachten Verletzung der Rinde, befällt aber auch die Stämme und erzeugt dann den Kienzopf.
Das Mycelium wuchert zwischen den Zellen des Bastes und dringt durch die Markstrahlen in das Holz ein, wo es die Harzkanäle zerstört; die Folge ist Verkienung des Holzes und Aufhören der Jahresringbildung an der befallenen Stelle. Wenn dieser Prozeß den ganzen Umfang des Stammes einnimmt, so stirbt der obere, dann »Zopf« genannte Teil des Baums ab, und letzterer geht ein, wenn er nicht unterhalb der kranken Stelle Äste hat, die das Höhenwachstum wieder aufnehmen. Der Kiefernblasenrost steht mit dem auf Senecio-Arten lebenden Coleosporium Compositarum Lév. in Zusammenhang, welches die zugehörige Uredoform darstellt.
9) Caeoma Tul. Die Sporen stimmen nach Beschaffenheit und Entstehung durch kettenförmige Abschnürung mit Aecidium überein, aber die Peridie fehlt. Generationswechsel ist nicht bekannt. C. pinitorquum A. Br. (Kieferndrehrost) bildet mit seinen orangegelben Sporen bis 3 cm lange, hervorbrechende Schwielen oder Pusteln an den Zweigen junger Kiefern, vornehmlich der Sämlinge, bis zu zehnjährigem Alter und verursacht bisweilen in den Schonungen großen Schaden, indem die befallenen Triebe absterben und jüngere Pflanzen ganz darunter eingehen.
Häufig sind die Zweige nur an einer Seite befallen und zeigen dann Krümmungen oder Drehwüchsigkeit. C. laricis R. Hart. bildet im Frühling rundliche oder längliche, blaßgelbe Sporenlager auf den Nadeln der Lärchen, welche dadurch rasch gelb werden und absterben; die Krankheit ist erst seit neuerer Zeit bekannt und stellenweise sehr schädlich aufgetreten.
Vgl. De Bary, Neue Untersuchungen über die Uredineen (Berl. 1865);
Schröter, Die Brand- und Rostpilze Schlesiens (Bresl. 1869).