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Er fühle sich leicht besser als vor einem Jahr an gleicher Stelle, eröffnete Roger Federer seine Pressekonferenz nach dem Sieg gegen Stan Wawrinka mit einem Schmunzeln. Damals konnte er kaum noch gehen, nachdem er im Halbfinal der ATP-Finals in fast drei Stunden und nach Abwehr von vier Matchbällen gewonnen hatte. “Ich wusste schon kurz nach dem Spiel, dass es kaum reichen würde, um am nächsten Tag spielen können”, erinnert er sich. Tatsächlich musste er dann für den Final gegen Novak Djokovic forfait erklären. “Das waren die schlimmsten 24 Stunden fast meiner ganzen Karriere.” In diesem Jahr sind die Gegner sowohl im Halbfinal als auch im Final am Sonntagabend die gleichen, die Voraussetzungen aber völlig anders.
Diesmal gewann Federer gegen Wawrinka 7:5, 6:3, und der Halbfinal dauerte nur 70 Minuten. “Das Break zum 2:3 war etwas unnötig”, analysierte Federer nach dem Spiel. “Aber ich reagierte gut darauf. Ich hatte den Eindruck, dass Stan nach dem Re-Break etwas enttäuscht war.” Dies nutzte Federer blitzschnell zur Vorentscheidung aus. “Nach den fünf, zehn guten Minuten am Ende des ersten und am Anfang des zweiten Satzes war ich in einer guten Situation.”
Dabei hatte der 34-jährige Basler gemischte Gefühle angesichts eines weiteren Duells gegen seinen Landsmann. Am Freitagabend vor dem Fernseher war er beim Duell zwischen Wawrinka und Andy Murray hin- und hergerissen. “Ich hoffte ja für Stan, dass er gewinnen würde. Aber dann dachte ich auch, dass es gegen Murray vielleicht einfacher würde.” Der Romand spiele seit ein paar Jahren so stark, dass es extrem schwierig sei gegen ihn. “Ich habe enormen Respekt vor ihm.”
Wawrinka stellte aber fest, dass Federer “das perfekte Spiel hat gegen mich”. Er habe einen guten Service und setze ihn ständig unter Druck. “Er spielte heute sehr offensiv, mit viel Aufschlag-Volley. Es ging schlicht zu schnell für mich.” Der Lausanner trauerte der verpassten Chance nach, als er Mitte des ersten Satzes mit einem Break führte. “Ich war in diesen Momenten mental nicht hart genug. Ich spielte da hin, wo ich eigentlich nicht wollte.” Vielleicht seien die Batterien auch nicht mehr ganz voll gewesen, meinte Wawrinka, der im Gegensatz zu Federer keinen Tag Pause gehabt hatte.
Insgesamt zeigte er sich aber extrem zufrieden mit seinem “nicht immer einfachen, aber wahnsinnig guten Jahr”. Neben Novak Djokovic erreichte Wawrinka als einziger Spieler bei allen vier Grand-Slam-Turnieren die Viertelfinals. Mit dem Titel beim French Open, Halbfinals am Australian Open, am US Open und am Masters, dem Viertelfinal in Wimbledon sowie weiteren Turniersiegen in Chennai, Rotterdam und Tokio ist seine Bilanz exzellent. Nun habe er aber eine Pause nötig, betonte er. Auf diese muss Federer noch einen Tag und ein Spiel warten.
(SI)