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Dank ersten Fortschritten und viel Glück zum Sieg
Ludovic Magnin lebte in den vergangenen Tagen mit einem Geheimnis, mit einer Sache, auf die er keine Antwort geben wollte: Wie gut ist seine Mannschaft? Er fand fast schon vergnügliche Wege, um Journalisten die Frage nicht beantworten zu müssen. Als er am Freitag daran war, das Trainingsgelände zu verlassen und noch einmal gefragt wurde, ob er denn überhaupt zuversichtlich in die neue Saison gehe, da sagte er: «Jaja.» Er lachte dabei - und ging.
Nun wurde das «Jaja» erstmals auf seinen Wert geprüft. Es hielt dem ersten Test stand. Der FC Zürich gewinnt sein Startspiel gegen Thun 2:1. Magnin hat Ansätze gesehen, die ihm gefallen haben. Ansätze auch, die er in der vergangenen Trainingswochen einstudiert und im Spiel wiederentdeckt hat. Das Kombinationsspiel zum Beispiel. Vor allem in der ersten Halbzeit kontrolliert seine Mannschaft das Spiel, sie lässt den Ball zirkulieren; mal mit einer, mal mit zwei Berührungen, der Ball wandert nach vorn, das sieht ganz gut aus, bringt aber meist wenig.
Schönbächler trifft gleich
Das ändert sich, als die 16. Minute anbricht; als Innenverteidiger Mirlind Kryeziu zu einem Vorstoss ansetzt und einen klugen Ball in die Spitze spielt; als Izer Aliu diesen unfreiwillig durch eine missglückte Annahme in die Tiefe weiterleitet; als Thuns Verteidiger Roy Gelmi den Ball schlecht kontrolliert - als all dies geschehen ist, da taucht Marco Schönbächler auf und setzt den Ball ins Tor.
Magnin hat Schönbächler noch am Vortag gefragt, ob er bereit sei und spielen könne. Der Langzeitverletzte sagte Ja, also darf er von Anfang an ran. Seit März 2015 hat er zwei Partien in der Super League gespielt, die dritte zeigt, dass seine Auffassung von Fussball viel mit Ästhetik zu tun hat. Statt den Ball mit Wucht am Goalie vorbeizuschiessen, macht er es mit List: Er schnibbelt ihn über den herauseilenden Faivre. «Er hat sehr schöne Dinge gemacht», sagt Magnin. Und: «Die drei Punkte geben uns Sicherheit.»
Weil Thuns Gelmi in der zweiten Halbzeit wiederum apathisch verteidigt und Toni Domgjoni ein feines Pässchen spielt, kann Adrian Winter zum 2:0 einschiessen. Winter hat zur Pause den am Knie verletzten und bis dahin überzeugenden Teenager Izer Aliu ersetzt.
Das zweite Tor ist die Entscheidung eines Spiels, dessen Kontrolle der FCZ von einer Minute auf die andere verliert. Die mangelnde Konstanz der vergangenen Saison erlebt ihr Comeback. Palsson muss auf der Linie retten, Thuns Hediger trifft den Pfosten, Goalie Brecher wehrt mit dem Fuss ab - nur mit Glück verhindert der FCZ den Gegentreffer. Und als der unsicher wirkende Brecher sich mit Innenverteidiger Kryeziu falsch abspricht, kommt es doch noch, das Gegentor. «Unnötig», sagt Magnin. Beinahe hätte Thun noch den Ausgleich geschossen, doch Alain Nef rettet in der 94. Minute - wieder auf der Linie.
Drei Punkte und etwas Selbstvertrauen für das Derby vom Samstag - das ist das erste Fazit. Ebenfalls sieht man, dass die Leichtigkeit von Zugang Salim Khelifi dem FCZ helfen kann, wenngleich der Flügel noch zu wenig ins Spiel eingebunden ist. Ebenfalls notiert Magnin, dass er im Zentrum mit Hekuran Kryeziu einen smarten Ballverteiler hat, der notfalls auch zu sehenswerten Grätschen ansetzen kann. Mit dessen Namensvetter Mirlind besitzt er zudem einen Innenverteidiger, der das Spiel geschickt auszulösen weiss.
Magnin spürt aber auch, dass sein Team auf lange Bälle anfällig ist, und weiss: Die Aussagekraft von Startspielen ist beschränkt. Vielleicht hilft da das Urteil von Sportchef Bickel: «Wir sind auf dem richtigen Weg.»