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Sprache,
[* 2]Schrift und Litteratur. Die japan.
Sprache stimmt in ihrem Wort- und Satzbau besonders mit den ural-altaischen,
ohne daß sich jedoch irgend welche wirkliche Verwandtschaft mit einer jener
Sprachen nachweisen ließe,
überein. Das
Japanische ist eine agglutinierende und zwar durchaus suffigierende
Sprache; d.h. sie bringt die grammatischen
Verhältnisse und Wandlungen durch Partikeln zum
Ausdruck, die den Wörtern angehängt werden. Der Lautvorrat der japan.
Sprache
setzt sich aus 19
Lauten, 14
Konsonanten und 5
Vokalen, zusammen (zu bemerken ist, daß der
l-Laut gänzlich
fehlt).
Mit deren Hilfe hat man 47 oder (mittels einiger Lautveränderungen) 72, ursprünglich ausnahmslos offene
Silben gebildet.
Es giebt weder
Diphthonge, noch eigentlich Doppelkonsonanten; dagegen sind der
Sprache lange
Vokale und
Konsonanten eigen. Die 72
Silben
– entweder jede einzeln für sich, oder mehrere zu einem Ganzen verbunden - lieferten den Wortschatz
der alten japan.
Sprache, die jedoch in ihrer Einfachheit und Reinheit nicht erhalten geblieben ist. Zuerst durch die Koreaner
mit der chines.
Sprache bekannt gemacht, nahmen die
Japaner in ihre
Sprache sehr bald eine große Menge chines. Wörter auf,
die sich dem japan. Lautstande anschmiegten und teils allein, teils in Zusammensetzung
mit japan.
Bestandteilen sich einbürgerten.
Durch diese fremdsprachlichen Elemente, deren Eindringen noch heute kein Ende gefunden hat, sowie eine gewisse Künstlichkeit
im Satzbau, hat das heutige
Japanisch einen wesentlich andern Charakter erlangt, als das alte. Doch macht sich seit den letzten
Jahren eine rückläufige
Bewegung geltend, die
Beschränkung des chines. Einflusses und Förderung der
alten Sprachreinheit zum Ziel hat. Scharf zu scheiden ist die gesprochene und geschriebene
Sprache. Eine große Anzahl von
Formen, Wörtern,
Wendungen und Konstruktionen, die jener geläufig sind, dürfen in dieser gar nicht zur Anwendung kommen.
Auch ist die Umgangssprache besonders charakterisiert durch eine Menge von
Ausdrücken, deren
Wahl von
dem
Grade der
Achtung abhängt, die man der besprochenen oder angeredeten
Person zuerkennt; dasselbe gilt von den Fürwörtern.
Besondere Beachtung ist endlich auch noch der
Sprache im
Briefe zu schenken, die in manchen
Beziehungen wiederum
Abweichungen
von dem sonst üblichen Bücherstile zeigt. Auch hier spielen die Höflichkeitsformen eine ganz bedeutende
Rolle.
In der
Grammatik ist die
Lehre
[* 3] von den Partikeln von besonderer Wichtigkeit. Durch Partikeln wird z.B. die Deklination der
Nomina ersetzt; Partikeln dienen zum
Ausdruck der syntaktischen Verhältnisse (attributives Verhältnis der Nomina und ganzen
Sätze zu einem Worte;
Kausalität, Konzessivität u.s.w. beim
Verbum). Stellungsgesetze thun das übrige.
Zu bemerken ist ferner die Anwendung von sog. Klassenwörtern bei den
Zahlen. Wie man im
Deutschen z.B. nicht sagen kann: sechs
Vieh, sondern hinzufügt
«Stück», also: sechs
Stück Vieh, so im
Japanischen.
Und zwar giebt es solcher Klassenwörter für eine große Anzahl von Gruppen verschiedene. Komposita,
sowohl nominale, als auch verbale, bildet die japan.
Sprache zahlreich und zwanglos. Zu besonders leichter und gefälliger
Ausdrucksweise ist der japan. Satzbau nicht gerade geeignet; er behält immer etwas
Schweres und Schleppendes. Die
Schrift
der
Japaner hält die
Richtung wie die chinesische inne; man schreibt von oben nach unten in senkrechten
Reihen, die aufeinander von rechts nach links folgen. Die
Japaner bedienen sich dreier verschiedener Schriftgattungen:
1) des Firakana (Hirakana), 2) des
Katakana, 3) der chines. Wortzeichen. Die gebräuchlichste Schriftform ist eine
Verbindung der chines. Wortschrift mit der japan. Silbenschrift,
wobei die Wortstämme durch die erstere, die Flexionsendungen durch die letztere wiedergegeben werden.
Das Hirakana ist eine Silbenschrift und besteht aus ursprünglich chines. Wortzeichen, deren
jedes eine
Silbe darstellt. Diese
Silben bestehen teils aus einem einzigen
Vokal, teils aus einem
Konsonanten in
Verbindung mit
folgendem
Vokal. Da beim Schreiben des Hirakana die Zeichen vielfach miteinander verbunden werden, oft
auch von dem Schreibenden mit einer gewissen Willkür verwirrt werden, so ist diese
Schrift nicht selten schwierig zu entziffern,
umsomehr, da das Ende der einzelnen Wörter nicht gekennzeichnet wird.
Neuerdings ist für den Druck eine vereinfachte Form des Hirakana eingeführt worden, indem jede
Silbe nur durch ein
Zeichen vertreten wird, während nach der ältern Schreibweise eine ganze Anzahl verschiedener Schriftzeichen für eine und
dieselbe
Silbe im Gebrauch waren. Nicht so häufig kommt das
Katakana zur Anwendung; es ist gleichfalls eine Silbenschrift.
Beiden Schriftsystemen gehören noch die Hilfszeichen: Nigori und Maru an, von denen das erste den anlautenden
Konsonanten erweicht (also k zu g u.s.w.), das zweite das anlautende h in p (nach der japan.
Grammatik) verhärtet. Man hat versucht, die
Transskription der japan. wie chines.
Schrift durch lat.
Buchstaben einzuführen,
indessen mit geringem Erfolge, denn ein
Verein, der sich diese
Aufgabe gestellt und sogar durch eine Zeitschrift
seine Bestrebungen zu fördern gesucht hatte, ist wieder eingegangen.
Die japan. Litteratur ist sehr reich in allen Fächern.
Außer einer Anzahl histor. Werke nimmt von den in Europa
[* 4] bis jetzt
näher bekannten Werken die große chines.-japan.
Encyklopädie (105 Bde.,
Jedo 1714) den ersten Rang ein. Von allen
Provinzen
und wichtigen
Städten des
Reichs giebt es
¶
mehr
873 geogr.-topogr. Beschreibungen mit reichen histor. Einzelheiten. Von den japan. Landkarten
[* 6] hat schon Siebold
mehrere bekannt gemacht, doch hat seitdem die Kartographie in Japan
[* 7] bedeutende Fortschritte gemacht. Die Naturgeschichte,
namentlich die Botanik, hat viele Vertreter gefunden. Auch zahlreiche chines. Werke dieser Art sind in Japan wieder neu bearbeitet
worden. Vortrefflich ausgestattet ist die Litteratur der chines. und japan.
Lexikographie. Zum Studium des Sanskrit sind gleichfalls Mittel vorhanden; auch giebt es Glossare für die Sprache der Ainu und
der Koreaner.
Eine reiche Litteratur haben der Confucianismus und der Buddhismus hervorgerufen. Auch die poet. Litteratur ist reich und
mannigfaltig. Die Japaner besitzen viele, zum Teil sehr alte Dichtungen mytholog. und histor. Inhalts. Die
älteste Sammlung japan. Gedichte ist das sog. «Manjōschū»,
d.h. «Die zehntausend Blätter», welche auf den Prinzen Moroje (gest. 757 n.Chr.) zurückgeführt wird.
An diese schließt sich eine von dem berühmten Dichter Tsurajuki 905 veranstaltete Sammlung, welche u.d.T. «Kokinshū»,
d. h. «Sammlung von Altem und
Neuem», bekannt ist. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich ferner die sog. «Monogatari»,
eine Art histor. Romane, unter denen das «Heike-monogatari» (übersetzt in der in Genf
[* 8] erscheinenden
Zeitschrift «Atsume-gusa», Bd.
1),
«Gendschi-monogatari» (übersetzt von Suyematz Kenchio, Lond.
1882) und «Taketori-monogatari» (übersetzt von Dickins, ebd. 1888) hervorzuheben
sind. Unter den neuern japan. Romanen dürfte das «Hakkenden» von Bakin die ersteStelle einnehmen. Die
dramat. Litteratur weist zwei gesonderte Gattungen auf:
1) die sog. «Nō», eine Art kurzer dramat. Scenen meist mytholog. Inhalts, ungefähr den Mysterien des christl. Mittelalters
entsprechend, und 2) das lyrische Drama der Neuzeit. Die christl. Litteratur ist nicht bedeutend. Das
Neue Testament soll schon im 17. Jahrh. (Miako 1613) japanisch vorhanden gewesen sein. Reich sind die Japaner an Sagen und Märchen;
jene gehen zurück bis zur Erschaffung der Welt, behandeln dann die Götter- und Heldensagen, bis sie an die geschichtliche
Tradition streifen; auch Gespenster- und Lokalsagen sowie an den Buddhismus sich anschließende Legenden
sind zahlreich vorhanden.
Vgl. L. de Rosny, Grammairejaponaise (2. Ausg., Par. 1865);
ders., Éléments de la grammaire japonaise,langue vulgaire (ebd. 1873);