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Rudolf Ehmann wurde am 1. Januar 1942 in Augsburg geboren. Seine Mutter war Schweizerin, sein Vater Deutscher. Er war verheiratet mit Kathrin, geb. Stuker; 3 Kinder, 6 Enkelkinder. Seine geliebte Familie war für ihn von grösster Bedeutung, wie auch am 12. April 2019 an der Beerdigung, dem ergreifenden Trauergottesdienst in der Pfarrkirche Stans und dem anschliessenden Trauermahl zu spüren war.
Nach der Matura in Deutschland studierte er anfänglich Recht und Germanistik, dann Medizin in Fribourg und Bern, medizinisches Staatsexamen 1970 in Bern. Anschliessend folgten Ausbildungsjahre in Pathologie, Innerer Medizin und Anästhesie und schliesslich die gynäkologisch-geburtshilfliche Ausbildung am Kantonsspital Olten, an der Frauenklinik Basel und am Kantonsspital Schaffhausen (als Oberarzt). Vom 1. Januar 1984 bis 31. Mai 2006 war er Chefarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe am Kantonsspital Nidwalden in Stans. Die Wahl zum Chefarzt erfolgte u.a. gerade deshalb, weil er nicht bereit war, Abtreibungen durchzuführen; dies unter dem damaligen Sanitätsdirektor Dr. med. Kurt Blöchlinger, der an „seinem“ Spital keine Abtreibungen durchgeführt sehen wollte. Nach dem (zweifelhaften) Motto „Lieber verhüten als abtreiben“ verordnete Rudolf anfänglich noch die „Pille“, allerdings Präparate, von denen er glaubte, sie seien nicht frühabtreibend. In seinem 2002 verfassten Curriculum schrieb er wörtlich:
„Mit der Zeit entdeckte ich aber, dass jede ‚Pille‘ eine potenziell frühabtreibende Wirkung hat, nebst den zusehends dokumentierten, teils schwerwiegenden Nebenwirkungen, weshalb ich ab 1987 keine ‚Pille‘ mehr verschrieb. Die Spirale hatte ich u.a. wegen ihrer abortiven Wirkung immer abgelehnt. Gleichzeitig wurde ich der Bedeutung der prophetischen Enzyklika ‚Humanae vitae‘ und ihres Wahrheitsgehalts gewahr und wandte mich völlig von der Kontrazeption ab, führte also auch keine Tubensterilisationen mehr durch. Fortan empfahl ich nur noch die Natürliche Empfängnisregelung (NER), der ich seit meiner Oberarztzeit in Schaffhausen ohnehin schon den Vorzug gegeben hatte. Dieser mein Gesinnungswandel brachte mir z.T. heftige Angriffe ein, vor allem in den Medien, aber auch seitens der Kollegen, bis hin zur Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe.“
Auch dank der konsequenten Haltung und Unterstützung seiner damaligen Oberärztin Frau Dr. med. Adelheid Grüniger konnte Rudolf sein Konzept durchsetzen. Allerdings wurde 1993 Grüniger als Oberärztin nicht wiedergewählt. An ihrer Stelle wurde eine Oberärztin, später ein Oberarzt angestellt, welche zur Durchführung von Sterilisationen verpflichtet wurden.Nachdem das Schweizer Stimmvolk am 2. Juni 2002 der Fristenregelung mit 72% zugestimmt hatte, beschloss der Landrat am 23. Oktober 2002 die Einführung der Abtreibung am Kantonsspital Nidwalden. Dies war ein schwerer Schlag für Rudolf, obschon sein Gewissensentscheid, keine Abtreibungen durchzuführen, weiterhin (ungern) respektiert wurde. Während seiner Tätigkeit als Chefarzt hat er nach seinem klaren Konzept 40 Ärztinnen und Ärzte während ein bis drei Jahren in Gynäkologie und Geburtshilfe ausgebildet.
Nach seiner Pensionierung beteiligte er sich an der Entwicklung des Centre Hospitalier Dominicain St. Martin de Porres in Yaoundé in Kamerun, zuerst als Berater von der Schweiz aus, von 2008 bis 2012 vor Ort, meistens im Rahmen von zwei ca. sechswöchigen Arbeitsaufenthalten pro Jahr. Mit Hilfe von HLI-Schweiz,Ja zum Leben International und HIOB International konnte Rudolf zusammen mit den dort ansässigen Dominikanerinnen, welche das Spital leiten, vor allem die gynäkologisch-geburtshilfliche Abteilung mit zeitgemässer Ausrüstung versehen. Ferner wurden moderne Untersuchungsmöglichkeiten, z. B. zum Toxoplasmose- oder HIV/AIDS-Nachweis, um nur 2 hochaktuelle Infektionsprobleme im Bereich der Gynäkologie und Geburtshilfe zu erwähnen, geschaffen. Ein besonderer Schwerpunkt während der Arbeitsaufenthalte waren neben seiner intensiven und vielseitigen operativen Tätigkeit die Aus- und Weiterbildung des medizinischen Personals, namentlich der einheimischen Ärzte und Hebammen. Nach seinen Einsätzen vor Ort begleitete Rudolf das Spitalzentrum weiter von der Schweiz aus vor allem mit kompetenter, stets diskreter Beratung und freute sich über jeden weiteren positiven Entwicklungsschritt.
Seit Jahren beschäftigte sich Rudolf mit bioethischen Fragen der Reproduktionsmedizin, insbesondere der Kontrazeption (verschiedene Publikationen und Vorträge, besonders die Wirkungsweise der Kontrazeptiva, v.a. deren frühabortive Wirkung und Nebenwirkungen betreffend, aber auch z.B. zur Pränatalen Diagnostik). Zum im Jahr 2000 im Hänssler Verlag herausgegebenen Nachschlagewerk Empfängnisverhütung – Fakten, Hintergründe, Zusammenhänge, herausgegebenvon Roland Süssmuth, hat er wesentliche Beiträge beigesteuert. Neben zahlreichen Vorträgen in der Schweiz referierte er auch in den USA, Kanada, Neuseeland, Australien, Deutschland, Österreich, Holland, Russland, Ukraine, Polen. Im Jahr 2002 wurde er in die neu gegründete Bioethikkommission der Schweizerischen Bischofskonferenz gewählt. Auf die Bitte der FIAMC (Fédération internationale d’associations de médecins catholiques) verfasste er 2008 ein sehr ausführliches Schreiben mit dem Titel „40 Jahre Enzyklika Humanae vitae – Eine Betrachtung aus medizinischer Sicht“,ein veritables Lehrbuch.
Rudolf war Vorstandsmitglied der Vereinigung katholischer Ärzte der Schweiz VKAS und deren „bioethisches Gewissen“;Vorstandsmitglied der World Federation of Doctors who Respect Human Life; 1996 bis 1999 2. Vorsitzender der Europäischen Ärzteaktion; Gründungs- und Vorstandsmitglied derInternationalen Ärztevereinigung für natürliche Familienplanung IANFP; Gründungsmitglied und erster Präsident von Human Life International Switzerland (HLI-Schweiz); Vizepräsident des Instituts für Natürliche Empfängnisregelung Prof. Dr. med. J. Rötzer e.V.(INER); Gründungs- und Vorstandsmitglied von Matercare International. Anlässlich des FIAMC-Kongresses 2006 in Barcelona wurde Rudolf mit dem FIAMC-Silver-Awardausgezeichnet mit folgender Widmung: „Presented to Dr. Rudolf Ehmann, in acknowledgement of his lifelong service to the genuine values of Obstetrics and Gynaecology and of his strenuous defence of the sanctity of human life“, unterschrieben vom damaligen FIAMC-Präsidenten Prof. G. L. Gigli M.D.
Im Jahre 2015 wurde Rudolf von einem heimtückischen Krebsleiden befallen. Er stellte sich dieser Herausforderung und unterzog sich geduldig den nötigen Abklärungen und vorgeschlagenen Therapien. Er befasste sich weiterhin mit den ihn interessierenden und beunruhigenden Themen und plante, ein Buch zu schreiben. Im letzten Jahr verschlechterte sich sein Zustand, ein neu aufgetretener rezidivierender Chylothorax verursachte einen massiven Eiweissverlust, der auch mit vermehrter Eiweisszufuhr nicht kompensiert werden konnte. Immer präsent für seine Familie und sehr dankbar für die tägliche, zunehmend intensive Begleitung und Betreuung durch seine Gattin Kathrin erlebte er, wie seine Kräfte schwanden, dies stets bei vollem Bewusstsein. Er verbrachte seine letzten Tage in Spitalpflege, auch dort umsorgt von seiner Familie. Einige Tage vor seinem Heimgang sagte er mir am Telefon mit schwacher, aber vernehmbarer Stimme: „Dieses Leiden gehört zu meinem Leben, es soll so sein“. RIP.
Dr. med. Nikolaus Zwicky-Aeberhard, Past Präsident der VKAS
Verwendete Unterlagen:
- Von Dr. Ehmann selbst verfasstes Curriculum aus dem Jahre 2002
- Laudatio an Dr. Ehmann durch den Unterzeichneten zur Verleihung des FIAMC-Silver-Award in Barcelona 2006
- Mehrere Nummern der Zeitschrift „HLI Report“, Publikationsorgan von HLI-Schweiz, aus den Jahren 2011 bis 2015