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Langnau gewinnt bei den Lakers in der Verlängerung und führt in der Serie mit 3:0. Noch nie ist in der Liga-Qualifikation ein 0:3 aufgeholt worden. Zeit, um im Emmental an die NLA zu denken.
Die Nordamerikaner pflegen zu sagen: «It's not over till the fat lady sings» («Es ist nicht vorbei, bevor die dicke Frau gesungen hat»). Die Redewendung hat ihren Ursprung in der Oper. Vor allem die grandiosen Opern von Richard Wagner enden mit dem Auftritt einer in der Regel dicken Sopranistin.
Die Oper ist also nicht vorbei, bevor die dicke Frau gesungen hat. Auf die Liga-Qualifikation übertragen bedeutet diese Redewendung: Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist. Die SCL Tigers sind erst aufgestiegen, wenn sie viermal gewonnen haben. Drei Siege genügen nicht.
Die dicke Frau kann sich allerdings auf ihren Auftritt vorbereiten. Die Lakers müssten jetzt viermal hintereinander gewinnen. Das ist ihnen diese Saison zwar einmal gelungen. Sie haben die drei letzten Partien der Qualifikation und die erste der Platzierungsrunde gewonnen (gegen die ZSC Lions, Servette und zweimal gegen Kloten). Aber nun viermal gegeneinander gegen die SCL Tigers gewinnen? Eher nicht.
Wir erlauben uns deshalb einen Blick nach vorne. Obwohl die dicke Frau noch nicht gesungen hat. Aber im Sportkapitalismus des 21. Jahrhunderts gehört es zum umsichtigen Management, lange vor der Zeit, bevor die dicke Lady gesungen hat, Pläne zu schmieden.
So ist es auch in Langnau. Präsident Peter Jakob, der aus eigenen Mitteln 15 Millionen in die Stadionerneuerung investiert hat, weiss, wie es im Falle eines Aufstieges weiter gehen wird. Er war schon Vorsitzender, als die Langnauer im Frühjahr 2013 abstiegen. Das ist der Vorteil eines intakten Sportunternehmens. Es ist möglich, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen.
Peter Jakob, ein erfolgreicher, international tätiger Unternehmer (Drahtseile) mit Sitz in Trubschachen, wird in erster Linie die Ausländerpolitik ändern. «Die Ausländer haben uns in der NLA jede Saison mehr als anderthalb Millionen gekostet», sagt Jakob. «Wir verliessen uns auf gute Namen und Statistiken und hatten trotzdem nie vier gute Ausländer. Mindestens zwei enttäuschten uns jedes Mal.»
Die neue Strategie ist daher klar: «Wir werden namenlose ausländische Spieler für vernünftige Saläre engagieren. Sie können sich bei uns mit guten Leistungen für bessere Verträge bei den grossen Klubs empfehlen und dann verlassen sie uns halt wieder.»
Er weiss, wie schwierig die Suche nach der Rolex auf dem internationalen Transferwühltisch ist. «Aber es ist möglich. Ich bin zuversichtlich, dass unser Sportchef erfolgreich sein wird.» Peter Jakob sagt, mit Jörg Reber habe man jetzt einen Sportchef, der sich mit dem Klub identifiziere. «Wir haben in der Vergangenheit die Wichtigkeit des Sportchefs unterschätzt und hatten auf dieser Position Amateure.»
Peter Jakob sagt, Jörg Reber habe sich dagegen gewehrt, während dieser Saison Transfers um der Transfer willen zu machen: «Es war für ihn wichtig, die Chemie im Team zu bewahren. Das hat sich bewährt.» Zur Strategie des Sportchefs gehört auch, dass die Zukunft von Trainer Bengt-Ake Gustafsson erst nach der Saison diskutiert wird.
Die Strategie der «Billig-Ausländer» hat sich diese Saison ja bereits ausbezahlt. Chris DiDomenico und Kevin Hecquefeuille dürften die Ausländer mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis der ganzen Nationalliga sein. Kevin Hecquefeuille kam im Herbst 2013 für 80'000 Euro netto und im Laufe der Saison 2013/14 holten die Emmentaler aus der italienischen Liga Chris DiDomenico. Beide werden auch nächste Saison für die SCL Tigers spielen. Der Sportchef muss also auf dem internationalen Transferwühltisch noch zwei Spieler finden.
Mit dem Aufstieg wäre auch klar, dass Anton Gustafsson seine Option für einen Wechsel zu den Lakers nicht einlöst und in Langnau bleibt – ausgerechnet er hat am Ostermontag in der Verlängerung den Siegestreffer gebucht.
Die Langnauer rechnen in der NLA mit rund 1,5 Millionen Mehreinnahmen (TV-Geld, höhere Ticket-Preise, höherer Werbeertrag). Mit diesem Betrag ist es möglich, die zwei zusätzlichen Ausländer und ein paar günstige Schweizer Transfers zu finanzieren. Die Mittel für ein oder zwei zusätzliche «Königstranfers» könnten aufgebracht werden.
Ein solcher Königstransfers wäre Reto von Arx. Der 38-jährige Leitwolf des HC Davos ist im Sommer 1995 ausgezogen, um mit dem HCD unsere Hockeywelt zu erobern – nach 20 Jahren könnte er heimkehren. Aus Kreisen des Verwaltungsrates ist zu vernehmen, dass dieser Transfer im Falle eines Aufstieges sehr wohl ein Thema sein wird.
Ob die fette Lady am Donnerstag (oder später im Laufe der Liga-Qualifikation) noch singen wird oder nicht – eines dürfen wir jetzt schon feststellen: Präsident Peter Jakob und sein Vize Karl Brügger haben eine der erstaunlichsten Leistungen der neueren Hockeygeschichte vollbracht. Im Frühjahr 2013 standen sie nach dem Abstieg buchstäblich vor dem Nichts: Sämtliche Spielerverträge waren nicht mehr gültig.
Joel Genazzi, Federico Lardi, Philippe Rytz und Etienne Froidevaux wechselten zum Aufsteiger Lausanne und sind dort inzwischen Stammspieler des zweimaligen Playoff-Teilnehmers geworden. Simon Moser (SC Bern), Simon Lüthi (Lakers), Arnaud Jacquemet (Servette) und Christian Moser (Biel) wechselten ebenfalls in die NLA.
Zwei Jahre später haben die SCL Tigers wieder eine Mannschaft, die nur noch einen Sieg für die Rückkehr in die höchste Spielklasse braucht. Eines der erstaunlichsten Comebacks seit der Auferweckung des Lazarus. Mehr noch: Der Aufbau einer neuen Mannschaft ist auch eine wirtschaftliche Meisterleistung – die SCL Tigers mussten sich nicht verschulden. Ganz im Gegenteil. Sie haben in den zwei Jahren in der NLB insgesamt schwarze Zahlen geschrieben und wenn sie den Aufstieg schaffen, dann kehrt ein finanziell durch und durch gesundes Hockeyunternehmen in die NLA zurück.