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Die Impfquote bei Säuglingen liegt für die gängigen Routine-Impfungen nach Impfplan sehr hoch. Trotzdem sind Eltern oft unsicher, wenn es um Schutzimpfungen ihrer Kleinsten geht. Hier sind die sechs wichtigsten Argumente für die Schutzimpfungen:
„Sind Impfungen tatsächlich wirksam?“
Dass Impfstoffe Erkrankungen wirksam verhindern können, zeigt das Beispiel Kinderlähmung: 1961 erkrankten in Deutschland fast 4.700 Kinder an Polio. 1965, nach Einführung der Polio-Impfung Anfang der 1960er Jahre, waren es nur noch 50 erkrankte Kinder. Seit 2002 gilt Europa als Polio-frei. Die Zulassungsbehörden lassen Impfstoffe nur bei nachgewiesener Wirksamkeit und Verträglichkeit für die Anwendung am Menschen zu. Dazu durchlaufen sie umfangreiche Prüfverfahren.
„Warum impfen, wenn das Baby alle Abwehrstoffe von der Mutter bekommt?“
Richtig ist, dass ein Neugeborenes Antikörper und Abwehrstoffe von der Mutter erhält – vor der Geburt über die Plazenta und danach in sehr geringen Mengen aus der Muttermilch. Beim „Nestschutz“ handelt es sich jedoch um einen begrenzten natürlichen Schutz eines Neugeborenen und gestillten Säuglings vor Infektionskrankheiten, wenn die Mutter Antikörper auf das Kind übertragen hat. Diese übertragenen Antikörper der Mutter schützen das Kind nur während der ersten Lebenswochen und gegen bestimmte – nicht alle – Infektionskrankheiten. Die Mutter kann nur Antikörper gegen jene Erkrankungen weitergeben, die sie selbst durchgemachte hat oder gegen die sie geimpft wurde. Zudem müssen bei ihr diese Antikörper in ausreichender Konzentration vorhanden sein.
„Warum gegen harmlose Kinderkrankheiten impfen, die normal für die Entwicklung sind?“
Der Begriff Kinderkrankheit beschreibt den häufigsten Zeitraum ihres Auftretens – nicht ihren möglichen Schweregrad oder ihre Harmlosigkeit. In einem von 1.000 Masernfälle entwickelt sich eine Masern-Enzephalitis mit meist bleibenden Hirnschädigungen oder tödlichem Ausgang. Bislang konnte keine wissenschaftliche Studie belegen, dass sich Kinder mit dem Durchmachen von Infektionskrankheiten „besser“ entwickeln. Im Gegenteil: Typischerweise verlangsamen Erkrankungen die kindliche Entwicklung.
„Warum impfen, solange das Kind noch so klein ist?“
Säuglinge werden bereits ab der sechsten Lebenswoche gegen Rotaviren und nach dem vollendeten zweiten Lebensmonat gegen weitere sechs Erkrankungen geimpft, um ihnen so früh wie möglich einen Impfschutz zu geben. Erkranken Kinder in den ersten sechs Lebensmonaten an Keuchhusten, kommt es in 25 Prozent der Fälle zu Komplikationen wie Lungenentzündungen. Bei älteren Kindern beträgt die Komplikationsrate noch fünf Prozent. Eine Keuchhustenschutzimpfung in den ersten zwei Monaten reduziert die Keuchhusten-bedingten Spitalaufenthalte um rund zwei Drittel. Säuglinge können sich bei ungeimpften Kontaktpersonen anstecken. So sind Mütter mit einem Anteil von 39 Prozent die häufigste Quelle für Pertussis-Infektionen bei Säuglingen im Alter bis sechs Monate.
„Warum gegen Krankheiten impfen, die es bei uns nicht mehr gibt?“
Dass einige Infektionskrankheiten wie Polio und Diphtherie hierzulande selten geworden sind, ist das Ergebnis langjähriger Impfprogramme. Sinkende Impfquoten können zu steigenden Fallzahlen bei diesen Erkrankungen führen. Beispiele dafür sind wiederkehrende Polio-Epidemien 1978 und 1992 unter ungeimpften Bevölkerungsgruppen in den Niederlanden oder in den 1990er Jahren eine Diphtherie-Welle aufgrund sinkender Impfquoten in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion. Die Erreger gelangen beispielsweise durch internationale Reisebewegungen nach Europa.
„Warum so viele Impfungen auf einmal? Ist mein Kind damit nicht überfordert?“
Es gibt keine Hinweise, dass moderne, hochgereinigte Mehrfachimpfstoffe das kindliche Immunsystem überfordern. Sie enthalten sogar weniger Antigene als frühere Einfachimpfstoffe. Zum Vergleich: Die heutigen Impfstoffe für alle empfohlenen Schutzimpfungen enthalten in Summe 150 Antigene. Der frühere (noch bis 1994 empfohlene) Keuchhusten-Einfachimpfstoff mit dem quasi-vollständigen Erreger bestand aus rund 3.000 Antigenen. Übrigens: Kinder kommen täglich mit einer vielfachen Antigenanzahl in Kontakt – und bestens zurecht.
Quelle: www.coliquio.de