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W. A. B. Coolidge: La Haute-Eugadine et la Bregaglia
W. A. B. Coolidge: La Haute-Engadine et le Bregaglia à travers les Siècles. Histoire et Bibliographie. Zürich 1894.
Das neue Bändchen der Sammlung Conway & Coolidge schließt sich an das zuletzt besprochene über die Adula-Alpen an, insofern es die Nordseite des Vorder-Rheinthals beschreibt, während jenes dessen Südseite behandelte. Anderseits schließt es aber auch an den Führer über die Lepontischen Alpen an, insofern es die große Kette beschreibt, die sich in nordöstlicher Richtung rom Hauptkamm der Alpen abzweigt und die Kantone Uri und Glarus von Graubünden trennt. Die genauen Grenzen sind: im Süden: Oberalppaß und Vorder-Rheinthal von Andermatt bis Chur; im Osten: Kunkelpaß und Taminathal von Reichenau bis Ragaz mit Ausschluß des Calanda; im Westen: das Reußthal von Andermatt nach Altorf; im Norden: Klausenpaß und dann eine Linie von Lintthal nördlich des Kärpfstocks nach Elm über den Foopaß und durch das Weißtannenthal nach Mels. Die einzelnen Gruppen sind benannt nach folgenden Gipfeln: 1 ) Piz Giuf, 2 ) Oberalpstock, 3 ) Clariden, 4 ) Scheerhorn, 5 ) Tödi, 6 ) Hausstock, 7 ) Piz Sol und 8 ) Ringelspitz. Auch in Beziehung auf Ausführlichkeit und Genauigkeit gleicht das Bändchen den früher von dem gleichen Verfasser herausgegebenen und verdient das höchste Lob. Es sind mir nur zwei Stellen aufgefallen, die verbessert werden könnten. Auf pag. 7 wird der Piz Giuf mit dem Schattig-Wichel identifiziert, so daß der erstere Name die romanische, der zweite die deutsche Bezeichnung wäre. Nach der Siegfriedkarte und den Andeutungen des Herrn Amberg in diesem Jahrbuch möchte es besser sein, zwei getrennte Gipfel anzunehmen. Die nämliche Unterscheidung möchte ich vorschlagen für Sonnig- Wichel und Wichel-Schyn ( pag. 8 ). ( Vergl. S.A.C. XXX, pag. 201. ) Die Reihenfolge der Gipfel von Norden nach Süden wäre also Sonnig-Wichel, Wichel-Schyn, Schattig-Wichel, Piz Giuf. Um die schwierige Topographie der Tödigruppe und deren Besteigungsgeschichte hat sich Mr. Coolidge ganz besonders Mühe gegeben und ich glaube, daß diese Fragen nunmehr bereinigt sind. Hier ist besonders bedeutsam die Unterscheidung zwischen der Ruseinlücke ( ca. 3380 m, zuerst begangen 1866 von Freshfield und Tucker ) zwischen Piz de Dor oder Bleisas Verdas und Piz Meilen und der Ruseinpforte ( ca. 3550 m, zuerst begangen von Herren Hauser und Genossen 1869 ), zwischen Piz Rusein und Piz de Dor, aber am Fuße des letzteren. Mit Recht hat Mr. Coolidge die Route über den Westgrat, von Prof. Picard ( 1866 ) im Abstieg gemacht, deutlich getrennt von dem Zugang Hausers durch die Ruseinpforte, d.h. über die Südwestwand und den Südgrat. Die entgegenstehenden Bemerkungen Hausers in der Neuen Alpenpost IV, pag. 112113, sind eine oratio pro domo ohne beweisenden Charakter. Der kühne Abstieg von Herrn Hoff-mann-Burckhardt ( S.A.C. VIII, pag. 6 ff. ) direkt vom Rusein über den Firnhang und die Felsen der Westwand ins Ruseinthal hinunter, ohne Berührung der Ruseinpforte, hätte eine deutlichere Hervorhebung verdient. Über den historischen Exkurs „ Die deutschredende Kolonie im Kalfeisenthal " habe ich schon letztes Jahr referiert. Coolidge giebt noch Auskunft über die Geschichte der Namen Crispait und Vepcha Mons. Nach meiner Überzeugung ist damit ursprünglich immer nur der Panixerpaß gemeint gewesen; die bei Campell in Verbindung mit diesem Namen erwähnte Quelle, die Mr. Coolidge nicht identifizieren konnte, ist die der „ Brigelser Kolonie " bekannte Fernata auf Alp Quader.
Die zweite Arbeit von Mr. Coolidge ist ein Auszug aus dem von Orell Füßli herausgegebenen Prachtwerk „ Le Massif de la Bernina ", das ich nicht erhalten habe und deshalb nicht bespreche. Der Beitrag von Mr. Coolidge ist sehr wertvoll, da er durchaus auf Originalquellen beruht, die mit sicherer Kritik behandelt sind. Die angehängte Bibliographie ist bis 1893 fortgeführt und wird auch vollständig sein. Ich habe wenigstens keine Lücken darin entdeckt.Red.