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Nach der vollständigen Rekatalogisierung der Zeitschriften per Ende 2011 ist nun ein weiterer Meilenstein der Rekatalogisierung in Reichweite: Der umfangreiche Bestand an Berichtsliteratur im Sozialarchiv ist bald vollständig im NEBIS-Katalog verzeichnet und kann somit online recherchiert werden. Von über 1’000 Institutionen sammelt(e) das Sozialarchiv die Jahresberichte. Damit liegen interessante Quellen für die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte vor, die Forschenden und einer interessierten Öffentlichkeit Einblick in die Entwicklung einer Organisation und ihres Wirkungskreises bieten. Allein die Änderungen in der Begrifflichkeit und der Namensgebung (z.B. vom „Idiotenwesen“ über die „Schwachsinnigenfürsorge“ zur „Heilpädagogik“) geben Auskunft über gesellschaftliche Veränderungen. Der wohl älteste Bestand in der Berichtsliteratur des Sozialarchivs ist der Jahresbericht der allgemeinen Armen-Anstalt in Basel (Signatur: K 908, ab 1804).
Die Themen der Berichtsliteratur sind vielseitig. Von Gewerkschaften, Stiftungen, Genossenschaften und Beratungsstellen über Verbände und Parteien hin zu Jahresberichten von Kinderheimen und Frauenhäusern und anderen sozialen Einrichtungen.
Drei Beispiele:
Der Jahresbericht der Bäckerei-Genossenschaft der Arbeiterunion Bern aus den Jahren 1898 bis 1911 (Signatur: K 680) ist auf den ersten Blick ein unscheinbarer Jahresbericht, der aber sehr amüsant und informativ zu lesen ist. Es werden lange Diskussionen über den Brotkonsum der Bevölkerung geführt, und es kommen die hohen Mehlpreise von anno dazumal zur Sprache. Die Rede ist von Brotführern und Pferden, die zu dieser Zeit das Brot noch mit Pferd und Wagen an die Aussenstellen verteilten. Vermerkt ist auch, wie viele Brote im Betriebsjahr gebacken wurden, wie viel für den Unterhalt der Pferde und wie viel für das Brennmaterial für die Öfen ausgegeben wurde. Im Jahr 1910 wurde über die Genossenschaft eine Mehlsperre verhängt, da diese den Brotpreis herabgesetzt hatte, um den Konsumenten eine Neujahrsfreude zu bescheren.
Der Verein Zürcher Brockenhaus existiert seit über hundert Jahren. In jüngster Zeit ist sein Jahresbericht (Signatur: K 606) in einer witzig-originellen Aufmachung erschienen, z.B. in Form einer flachen Bananenkiste (2002), als Notizblock (2003) oder als Stoffserviette (2004). Im Jahresbericht 2001 werden Menschen mit ihren Objekten aus dem Brockenhaus porträtiert. Weiter existiert ein sehr schöner Jubiläumsbericht zum 75-jährigen Bestehen des Vereins Zürcher Brockenhaus.
Der „Stiftikus“ (Signatur: K 736) ist der Jahresbericht der Stiftung Umwelt-Einsatz Schweiz. Die Stiftung plant, vermittelt und betreut in der ganzen Schweiz Gruppeneinsätze von freiwilligen Helfern – Jugendlichen und Erwachsenen – zum Schutz und zur Pflege der Natur. Der Jahresbericht umfasst viele Schwarzweiss-Aufnahmen und dokumentiert diverse Umwelteinsätze.
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