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Der Verlag für Anthroposophie wurde vor fünf Jahren gegründet, um ein Forum für Autoren zu schaffen, die mehr oder weniger von der repräsentativen anthroposophischen Szene ausgegrenzt werden. Der damals (und heute noch) aktuelle und akute Anlass war gegeben durch das Auftreten einer außergewöhnlichen anthroposophischen Autorin – außergewöhnlich, weil sie eigene übersinnliche Erfahrungen in geisteswissenschaftlichen Darstellungen veröffentlicht hat. Nachdem im Verlag am Goetheanum die Bücher von Judith von Halle nicht mehr erwünscht waren, fanden diese und alle folgenden mitsamt ihrem Verleger ein neues Zuhause unter dem Dach der umgebauten Schreinerei am Blumenweg in Dornach; diese beherbergt auch die Freie Vereinigung für Anthroposophie Dornach, eine Vereinigung von Menschen, die innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft als «Gruppe auf sachlichem Feld» die spirituelle Arbeit und die geistigen Impulse Judith von Halles unterstützen, die sie in der lebendigen Erfassung und Pflege des Christus-Mysteriums im Sinne der Anthroposophie sieht.
Der Name des Verlags soll hinweisen auf das Verlagsprogramm. So wenig ein «Verlag für Mathematik» den Anspruch hat, die Mathematik an sich zu vertreten, so wenig hat der «Verlag für Anthroposophie» den Anspruch, allein die Anthroposophie zu vertreten ... Der Name soll nur auf das Programm hinweisen, Anthroposophie soll nicht versteckt werden. Der Verlag ist auch nicht der Verlag eines einzigen Autors: von den zur Zeit 50 verzeichneten Verlagstiteln sind 21 von Judith von Halle und 29 von siebzehn verschiedenen Autoren. Von den 20 in diesem Verzeichnis (seit 2010/11) neu aufgeführten Titeln sind nur 6 von Judith von Halle, 14 von andern Autoren.
Trotzdem liegt das Schwergewicht bei den Veröffentlichungen dieser Autorin, die wie kaum jemals ein anthroposophischer Autor in der Anthroposophischen Gesellschaft wegen neuer Forschungsergebnisse verleumdet und diskriminiert wurde und wird – weil ein Mensch, der die Wundmale Christi trägt, keine wahre Geistesforschung betreiben könne! Dabei werden ihre Ergebnisse gar nicht oder nur auszugsweise und in verfälschter Form zur Kenntnis genommen – eine bestürzende Tatsache, weil es sich um für die Anthroposophie existenzielle Erkenntnisse (wie den «Phantom»-Begriff) handelt. Mit Rücksicht auf eine 33 Jahre lang gepflegte Autorität wird ein Erkenntnisgespräch verweigert – aus Furcht vor Ergebnissen, die unangenehm sein könnten, schließt man Kompromisse mit dem Unwahren. Die Ignoranz geht so weit, dass eine gründliche, methodisch-wissenschaftliche Untersuchung wie die Arbeit von Helmut Kiene (2013, siehe Seite 6) «offiziell» einfach nicht beachtet und nirgendwo besprochen wird. Dasselbe Schicksal wurde auch der umfangreichen «Rehabilitation» der stigmatisierten Anna Katharina Emmerick zuteil (2013, siehe die Neuerscheinung Seite 8).
Vor diesem Hintergrund, liebe Leserin, lieber Leser, möge man das besondere Engagement des Verlags für Anthroposophie für diese besondere Autorin begreiflich finden. Es geht keinesfalls um die Person dieser Autorin, es geht um die Inhalte ihrer Geistesforschung. Dass solche anders anmuten, wenn sie von einem Forscher beschrieben werden, der dem Geist sozusagen von Angesicht zu Angesicht begegnet, als wenn sie von einem Autor kommen, der die geistige Welt bloß vom Gelesenhaben kennt, kann nicht verwundern. So führte bereits das erste, grundlegende Buch des Verlags viele Leserinnen und Leser hin zu einem vertieften Verständnis und Erlebnis – das bezeugen auch viele nach der Lektüre der «Beiträge zum Verständnis des Christusereignisses» (Bd I - X).
Mit dem Empfang der Wundmale wurden Judith von Halle unmittelbare Erfahrungen der Ereignisse der Zeitenwende zuteil, deren spirituelle Hintergründe sie mittels ihrer Fähigkeit, geisteswissenschaftlich zu forschen, beeindruckend zu schildern vermag. Dies bildet jedoch nicht das einzige Themenfeld ihrer Arbeit. So zeugen Bücher wie die über die Demenzerkrankung (siehe Seite 27), über die okkulte Biographie Rudolf Steiners (siehe Seite 25) oder die Initiationsrituale des Templer-Ordens von ihrer profunden anthroposophischen Forschungsarbeit. Diese erfasst sogar konkrete Details der Geschichte: dass allein aufgrund der Schilderung der Architektur und geographischen Lage des Ortes jene Templer-Burg, die in Band I als Initiationsort und Gralsweihestätte beschrieben ist, von dem Forscher und Templer-Experten Horst Biehl gefunden und eindeutig identifiziert wurde, ist ein äußerer Beweis der Richtigkeit ihrer Erkenntnisse – eigentlich eine Sensation!
Peter Tradowsky feiert am 5. Dezember 2014 seinen 80. Geburtstag. In einer Schriftenreihe erschienen im Verlag für Anthroposophie sechs Titel zu den Hintergründen der Zeitgeschichte, zuletzt «Die Gegenwart Christi».
Ein Anthroposoph, dem die anthroposophische Bewegung unschätzbar viel zu verdanken hat, ist am 7. März 2014 gestorben: Benediktus Hardorp. Aus was für einem umfassenden geistigen Hintergrund seine vielen Gründungen, Initiativen usw. entstanden sind, lässt sich erahnen beim Lesen der Texte, die im nun vorliegenden Band (siehe Seite 35) gesammelt sind.
Ein Verlag für Anthroposophie ist ein Verlag für Menschen, die Anthroposophie suchen. Die Anthroposophie, zu der die Bücher des Verlags führen möchten, wird dargestellt als ein lebendiges Erkennen und Handeln mit der bewussten Pflege des Christus-Impulses als Zentralereignis des individuellen Lebens so wie der gesamten Menschheitsgeschichte. In diesem Sinne hat der Verlag für Anthroposophie seinen Namen erhalten als Dienstleister des freien Geisteslebens.
Joseph Morel, Verlagsleiter