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Unter P. werden Texte oder Bilder verstanden, welche dazu bestimmt sind, sexuelle Erregung zu stimulieren (Sexualität). Über diese fundamentale Definition hinaus herrscht in der Forschung wenig Einigkeit.
Eine grössere Verbreitung erfuhr die P. erst im 18. Jh. Die ersten Produktionszentren von pornograf. Material waren Frankreich und die franz. Exilgemeinde in London. Pornograf. Inhalte bildeten in der vorrevolutionären Zeit einen wichtigen Bestandteil der Pamphletliteratur, innerhalb derer es keinen klaren Unterschied zwischen philosoph. und pornograf. Schriften gab. Schweizer Unternehmen wie die Société typographique de Neuchâtel sowie Verlage in der Stadt Genf spielten eine wichtige Rolle in der Distribution dieser in Frankreich verbotenen Schriften. Ab der Mitte des 18. Jh. gab es in der Schweiz Versuche der Zensur obszöner Texte, manchmal unter ausländ. Druck. Erst im 19. Jh. entwickelte sich die P. zu einem eigenen literar. Genre. Mitte des Jahrhunderts erlaubten die Daguerreotypie und die Fotografie zum ersten Mal eine mechan. Abbildung von zumeist weibl. Körpern sowie sexuellen Handlungen. Bis Ende des Jahrhunderts hatte sich das Genre breit ausdifferenziert und dank sinkender Preise tendenziell demokratisiert. Grosse Mengen von Abbildungen wurden v.a. in Paris, Wien und Budapest hergestellt. Untersuchungen zur Schweiz fehlen, doch dürfte es v.a. in den Städten einen regen Handel und auch eine beträchtl. Produktion gegeben haben. Im Zuge des Abolitionismus und der Sittlichkeitsbewegung kam die P. auch in der Schweiz unter gesetzgeber. Druck. 1911 wurde das internat. Übereinkommen zur Bekämpfung der Verbreitung unzüchtiger Veröffentlichungen vom Bundesrat ratifiziert und eine Zentralstelle zur Überwachung der P. eingerichtet. Eine erste gesamtschweizerische gesetzl. Regelung trat aber erst 1925 in Kraft. Die P. wird heute im Sexualstrafrecht (Art. 197 Strafgesetzbuch) geregelt.
Seit den Anfängen des Films wurden auch pornograf. Inhalte produziert. Ab Ende der 1960er Jahre erlebte die Pornoindustrie parallel zur Liberalisierung sexueller Normen einen starken Aufschwung. Die Produktionen wurden aufwendiger und fanden den Weg in die Kinos, was zu heftiger Kritik konservativ-kirchl., aber auch feminist. Kreise führte. So blockierte die Frauenbefreiungsbewegung Ende 1975 eine Vorführung der "Histoire d'O" im Kino Le Paris in Zürich. Auch auf internat. Ebene wurde die P. Gegenstand intensiver Debatten im Spannungsfeld von Kapitalismuskritik und der Homosexuellenbewegung. So wurde in den sog. Sex Wars der 1980er Jahre u.a. im Umkreis der Zeitschrift "Emma" die Ansicht vertreten, dass der männl. Konsument das Gesehene früher oder später in die Tat umsetze. Die sog. Sex Radicals verwiesen demgegenüber auf die vielschichtige Zusammensetzung der Konsumierenden, die Existenz homosexueller P. und zeigten, dass die Darstellenden nicht einfach nur ausgebeutet werden. Vertreterinnen der Queer Studies wie Judith Butler betonten zwar auch die Performativität von Sprache und Bildern. Sie betrachten diese jedoch als äusserst komplexen Prozess, der niemals in einer direkten Umsetzung endet. Das Aufkommen von Homevideo förderte zur gleichen Zeit die Produktion billiger Massenware, von Amateurpornografie und nicht-heterosexuellen Darstellungen. Diese Entwicklung wurde durch das Internet beschleunigt. Seit den 1990er Jahren wird zunehmend die Kinderpornografie in den Medien und im Strafrecht verhandelt. 2008 nahm der Souverän die Volksinitiative für die Unverjährbarkeit pornograf. Straftaten an Kindern an.
Literatur
– M. Porret, «Etouffer l'obscénité», in Equinoxe 19, 1998, 105-116
– S. Krottenthaler, Die Pornographiebestimmungen in der österr. und schweiz. Rechtsordnung, 1999
– B. Eppenberger, D. Stapfer, Mädchen, Machos und Moneten, 2006
Autorin/Autor: Peter-Paul Bänziger