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In ihrem Bericht an die Unesco kommen die Forscher zum Schluss, der Klimawandel sei eine «ernste Herausforderung» für jene Merkmale, die das Riff zum Weltnaturerbe machen.
Die Fortschritte bei der Verringerung der Verschmutzung des Riffs durch Landwirtschaft seien zudem zu langsam. Es seien mehr Investitionen erforderlich, um die Ziele für eine Verbesserung der Wasserqualität zu erreichen, heisst es in dem Bericht der Mission.
Der Entscheid der Experten, das Riff solle auf die sogenannte «Rote Liste» der «gefährdeten» Welterbestätten gesetzt werden, muss nun von der Unesco evaluiert werden, bevor sie dem Welterbekomitee vor seiner nächsten Sitzung eine formelle Empfehlung abgibt.
Zehn «äusserst dringliche» Empfehlungen
Der Abschlussbericht enthält zehn Empfehlungen, die «mit äusserster Dringlichkeit» angegangen werden sollten. Ihre Umsetzung könne Australiens Fähigkeit, die Erhaltung des Schutzgebietes zu gewährleisten und voranzutreiben, drastisch verbessern und seinen «herausragenden universellen Wert» für künftige Generationen erhalten.
Das Kernstück der Regierung, der Plan Reef 2050, müsse noch in diesem Jahr gestärkt werden, so der Bericht. Seit dem Besuch der Mission im März hat die im Mai gewählte sozialdemokratische Regierung von Premierminister Anthony Albanese ein verbessertes nationales Ziel festgelegt, um die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 43 Prozent gegenüber 2005 zu senken und bis 2050 netto null zu erreichen.
Rifftourismus stellt über 60'000 Arbeitsplätze
Eine Abstufung des Great Barrier Reefs würde nicht nur das Ansehen Australiens schädigen, sondern hätte verheerende Folgen für die Tourismusindustrie. Das Riff ist eine der Hauptattraktionen für Australien-Besucher. Der Rifftourismus stellt über 60'000 Arbeitsplätze.
Grosse Kohle- und Gasindustrie
Trotz der negativen Folgen für das globale Klima will die neue australische Regierung scheinbar am Ausbau der lukrativen Kohle- und Gasindustrie festhalten. Obwohl Klimaschutz eine globale Aufgabe ist, kommt Australien eine besondere Rolle zu: Das Land ist der grösste Exporteur von Kohle, die Wissenschaftler als «Klimakiller» beschreiben. Analysten zufolge sind über 100 Projekte für neue Minen und Verarbeitungsanlagen geplant.
Klimatologen meinen, die globale Erhitzung könne nur unter Kontrolle gebracht werden, wenn keine neuen Gas- und Kohleressourcen mehr erschlossen und fossile Brennstoffe so schnell wie möglich durch erneuerbare Energieformen ersetzt werden.
Die australische Umweltministerin Tanja Plibersek kritisiert die Empfehlung der Experten. Die Regierung habe im jüngsten Haushaltsplan hunderte von Millionen Dollar budgetiert, um die Wasserqualität zu verbessern. Auch würden mehr Mittel in die Forschung gesteckt, um die Widerstandsfähigkeit der Korallen und Riffe zu stärken.
Korallenexperten sind aber skeptisch. Forschungen zufolge ist das neue Klimaziel Australiens nur mit einer Begrenzung der Erwärmung auf 2 Grad Celsius vereinbar – deutlich mehr, als 1.5 Grad Celsius, dem Wert, der für die langfristige Gesundheit des Riffs als entscheidend gesehen wird. Steigende Meerestemperaturen, die durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Kohle und Gas verursacht werden, haben in den Jahren 1998, 2002, 2016, 2017, 2020 und 2022 eine weit verbreitete Korallenbleiche verursacht.
Korallen können eine Bleiche überstehen, aber nur, wenn sie Zeit haben, sich zu erholen
Die führende australische Korallenexpertin Katharina Fabricius fürchtet, dass es im kommenden australischen Sommer zu einer weiteren Unterwasserhitzewelle kommen könnte – mit potenziell katastrophalen Folgen für das Riff. «Korallen können eine Bleiche überstehen, aber nur, wenn sie Zeit haben, sich zu erholen», so Fabricius.