Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03408.jsonl.gz/2646

Die G. umfasst alle Massnahmen, welche die Geldversorgung einer Volkswirtschaft beeinflussen und regeln. Die für die G. verantwortl. Institution ist in der Regel die Zentralbank (Notenbanken), die mit einer Reihe von Instrumenten auf die Bankenliquidität und damit auf die Zinssätze des Geldmarktes in einer ihren spezif. Zielen angemessenen Weise einwirkt. Während bis zum Zusammenbruch des Systems der festen Wechselkurse von Bretton Woods zu Beginn der 1970er Jahre die Hauptaufgabe der Zentralbanken darin bestand, die Parität mit den anderen Währungen aufrechtzuerhalten, liegt heute die Priorität auf der Preisstabilität (Inflation). Die Schweizerische Nationalbank (SNB), die hierzulande für die G. zuständige Behörde, wurde 1905 gegründet und ist seit 1907 tätig.
Das eidg. Münzgesetz von 1850 stellte den ersten Schritt zur Zentralisierung der G. dar. Mit dem Beitritt zur Lateinischen Münzunion 1865 ging die Schweiz vom Silbergeld zur Doppelwährung (Gold und Silber) über. In den folgenden Jahrzehnten stellte die Geldversorgung der Volkswirtschaft das wichtigste Ziel dar. Ab den 1880er Jahren machte die Schweiz faktisch eine Entwicklung vom Bi- zum Monometallismus bzw. zur Goldwährung durch. Gegen Ende des 19. Jh. führten versch. Faktoren, darunter die unkontrollierte Verbreitung von Banknoten durch die Notenbanken, zum Fall des Wechselkurses des Schweizer Frankens und zum Abfluss von Silber ins Ausland. Um solchen Situationen vorzubeugen, wurde dem Bund das Notenmonopol übertragen und die SNB gegründet.
Autorin/Autor: Nadia Meunier-Porro / CN
Die G. der SNB beruhte von Anfang an auf den Grundsätzen des Goldstandards. Ihr ausdrückl. Ziel war es, die Konvertibilität der Banknoten zu gewährleisten, d.h. jedermann jederzeit die Möglichkeit zu garantieren, die von der SNB ausgegebenen Banknoten gemäss festen, durch Gold- und Silberparität vorgegebenen Wechselkursen gegen Edelmetallmünzen einzutauschen. Papiergeld war damals noch kein gesetzlich anerkanntes Zahlungsmittel.
Um die Konvertibilität zu sichern, war die SNB bestrebt, die eigenen Edelmetallreserven über dem minimalen Deckungsgrad von 40% zu halten, den das Gesetz vorschrieb. Sie betrieb auch eine Politik der Währungsstabilisierung: Wäre der Wert des Frankens nämlich unter die Gold- oder Silberparität gesunken, so hätte das Publikum die Banknoten in gesetzl. Geld umgetauscht und so die Deckungsreserven der SNB vermindert.
Die G. der SNB operierte von Anfang an mit drei Instrumenten: Den Diskont- (Rediskontierung von Wertpapieren) und den Vorschusskrediten, dem An- und Verkauf von Schweizer Titeln sowie den Transaktionen in ausländ. Währungen und in Gold. Zwischen 1907 und 1914 stellten die Diskontgeschäfte das wichtigste Instrument zur Regelung der Geldversorgung dar.
Autorin/Autor: Nadia Meunier-Porro / CN
Mit dem Ausbruch des 1. Weltkriegs nahm die Nachfrage nach Banknoten stark zu, während der Deckungsgrad gleichzeitig zurückging. Wie die meisten Länder, die faktisch den Goldstandard anwandten, hob auch die Schweiz die Goldeinlösepflicht der SNB auf und erhob das Papiergeld zum gesetzlich anerkannten Zahlungsmittel.
Nach dem Krieg war die G. der SNB durch den Kampf gegen die Inflation und für die wertmässige Stabilisierung des Frankens bestimmt, der deutlich unter die Parität gefallen war. Bei den Preisen stellten sich rasch Ergebnisse ein: Als Folge des Rückgangs der Notierungen auf den Weltmärkten begann der Index der Konsumentenpreise ab 1920 zurückzugehen. Mit versch. Massnahmen wurde der Frankenkurs schrittweise gestärkt (Währungsbewertung). Die frühere Parität des Frankens gegenüber dem Gold bzw. dem Dollar wurde im Herbst 1924 wieder erreicht.
Autorin/Autor: Nadia Meunier-Porro / CN
Ende 1926 wurde die Lat. Münzunion endgültig aufgelöst, nachdem sie schon in den letzten Jahrzehnten des 19. Jh. ihre Bedeutung weitgehend verloren hatte. Bereits 1920 hatte die Schweiz die ausländ. Silbermünzen ausser Kurs gesetzt. Die Noteneinlösepflicht der SNB wurde 1929 offiziell wieder eingeführt. Bei dem damals etablierten System handelte es sich aber nicht um den Goldstandard der Vorkriegszeit, sondern um den sog. Golddevisenstandard, der die SNB ermächtigte, die eigenen Banknoten entweder mit Gold oder mit in Gold konvertierbaren Devisen einzulösen. Ab den 1930er Jahren führten die internat. Wirtschaftskrise und die Abwertungen der wichtigsten Währungen zu einem Zielkonflikt zwischen dem Festhalten an der Goldparität einerseits und der Stabilisierung des Preis- und des Beschäftigungsniveaus anderseits. Die Schweiz war eines der letzten Länder, das die Parität aufgab; erst im Sept. 1936 ordnete der Bundesrat die Abwertung des Frankens um 30% an (Abwertung 1936).
Während des 2. Weltkriegs war das primäre Ziel der SNB die Bewahrung der Preisstabilität, um die im 1. Weltkrieg gemachte Erfahrung nicht zu wiederholen. Dies war auch einer der Gründe, weshalb die Schweiz zu den wenigen Ländern gehörte, welche die Konvertibilität der eigenen Währung während der ganzen Kriegszeit aufrechterhielten. Es gelang der SNB weitgehend, ihre Absicht umzusetzen und die Preisstabilität zu gewährleisten. Als problematisch wird allerdings ihre Rolle im Goldhandel mit der dt. Reichsbank beurteilt.
Autorin/Autor: Nadia Meunier-Porro / CN
In der unmittelbaren Nachkriegszeit wurde das schweiz. Geld- und Währungssystem der neuen internat. Ordnung angeglichen, die 1944 mit den Abkommen von Bretton Woods entstanden war. Die Schweiz legte die Parität des Frankens gegenüber dem Gold fest und gab 1954 den Banknoten gesetzl. Zahlkraft, wobei sie eine Schwankungsgrenze des Frankens gegenüber der Goldparität von 1,5% festlegte. Die SNB wurde also verpflichtet, den Frankenkurs zu stabilisieren, was der Erhaltung eines konstanten Wechselkurses gegenüber dem Dollar entsprach.
Ab 1958 sah sich die SNB infolge der Wiedereinführung der freien Konvertibilität der meisten europ. Währungen ständig vor die doppelte Aufgabe gestellt, einerseits der starken Nachfrage nach dem Schweizer Franken entgegenzutreten und anderseits die expansiven Wirkungen des Devisenankaufs auf das Geldangebot im Innern zu dämpfen. Sie tätigte nicht nur massive Dollarkäufe, sondern ergriff auch versch. Massnahmen, um den Zufluss an ausländ. Geldern zu bremsen, und bemühte sich darum, eine möglichst grosse Differenz zwischen den nationalen und den höher liegenden Zinssätzen anderer Ländern zu halten.
Nach starkem Druck auf den Frankenkurs wurde die schweiz. Währung 1971 gleich zweimal aufgewertet. Zudem wurden die Einschränkungen für den Kapitalimport verschärft. Trotzdem nahm die Geldmenge weiterhin beträchtlich zu, was einen starken Anstieg der Inflation nach sich zog. Die massive Zunahme der Ölpreise ab 1971 begünstigte diese Entwicklung.
Im Jan. 1973 gab die SNB die Stützkäufe des Dollars nach starkem Druck auf den Wechselkurs des Dollars auf. Die Schweiz war damit das erste Land, das seinen Wechselkurs freigab. Das System von Bretton Woods brach im Febr. 1973 endgültig zusammen. Mit dem Wegfall der Wechselkursverpflichtung war die SNB zum ersten Mal in der Lage, eine unabhängige, den spezif. Bedürfnissen der Schweizer Wirtschaft angepasste G. durchzuführen.
Autorin/Autor: Nadia Meunier-Porro / CN
Nach dem Übergang zum System der Flexiblen Wechselkurse betrieb die SNB eine vom Monetarismus geprägte Politik, die darin bestand, am Ende jedes Jahres ein Wachstumsziel für die Geldmenge M1 für das folgende Jahr zu bestimmen und bekannt zu geben, um so die Preisstabilität zu gewährleisten. Diese Geldmenge M1 umfasst nicht nur die Notenbankgeldmenge, die sich aus dem umlaufenden Geld und den auf Girokonten gelagerten Guthaben der Banken bei der SNB zusammensetzt, sondern auch die Sichteinlagen. Die konsequente Verteidung eines harten Frankens begünstigte den Finanzplatz, brachte aber die Exportindustrie mitunter in Schwierigkeiten.
Dank der neuen Strategie gelang es der SNB zwischen 1975 und 1977, den Liquiditätsüberschuss im Umlauf zu verringern. Die Konsumentenpreise stabilisierten sich 1976. Die Stabilisierung war von einer starken Rezession und einem Rückgang von fast 10% des realen Bruttoinlandprodukts 1975-76 begleitet. Die nach Schwankungen der Wechselkurse erfolgte Aufwertung des Frankens und die gestiegenen Erdölpreise verstärkten diese Tendenz noch. In diesen Jahren wurden die geldpolit. Ziele nur teilweise erreicht. In Wirklichkeit wollte die SNB nie eine rigide G. ohne Rücksicht auf die extremen Schwankungen des Wechselkurses verfolgen. Als sich im Herbst 1978 eine starke Tendenz zur Höherbewertung des Frankens abzeichnete, beschloss die SNB, vorübergehend ein Wechselkursziel festzulegen. Anschliessend verzichtete das Noteninstitut darauf, ein Geldmengenziel für das folgende Jahr zu fixieren.
Autorin/Autor: Nadia Meunier-Porro / CN
Im Lauf des Jahres 1979 liess der Druck auf die Wechselkursmärkte nach, was der SNB ermöglichte, für 1980 wieder ein Geldmengenziel festzulegen. Allerdings entschied das Noteninstitut, sich in seiner Zielsetzung auf die Notenbankgeldmenge, die per definitionem genau kontrolliert werden kann, und nicht auf das Aggregat M1 zu beziehen.
1980 und 1981 kam es zu neuen Inflationsschüben, die mit der starken monetären Expansion der vorhergehenden Jahre und dem sog. Zweiten Ölschock von 1979 zusammenhingen. Diese Schübe brachten die SNB dazu, eine restriktivere Geldpolitik zu verfolgen, als eigentlich geplant war. Nach diesem Entscheid setzte in der Schweizer Wirtschaft in den Jahren 1982-83 eine kurze Rezession ein.
1985 und Anfang 1986 wurde der Franken deutlich stärker. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, beschloss die SNB Mitte 1986, die Geldpolitik zu lockern. Gegen Ende dieses Jahres entschied sie sich auf Grund der raschen Liquiditätsausweitung sowie der ersten ermutigenden Anzeichen von den Wechselmärkten zu einer Kurskorrektur und handhabte die Geldpolitik wieder restriktiver.
Doch dann durchkreuzten äussere Ereignisse die Absichten der SNB. Einerseits machte der Börsencrash vom Okt. 1987 eine vorübergehende Erhöhung des Geldangebots notwendig; anderseits verringerte die schweizweite Einführung des elektron. Interbank-Zahlungsverkehrssystems (Swiss Interbank Clearing) den Bedarf an Bankreserven. Zudem traten 1988 neue gesetzl. Bestimmungen in Kraft, die eine Reduktion der Mindestreserven vorsahen.
Angesichts dieser Veränderungen erlitt die monetäre Nachfrage eine Reihe von strukturellen Schocks, welche die Notenbankgeldmenge als Indikator der Geld- und Währungspolitik vorübergehend unbrauchbar machten. Gleichzeitig erholte sich die internat. Konjunktur rascher als vorhergesehen. Die Schweizer Wirtschaft geriet so in eine Phase der konjunkturellen Überhitzung, was einen erneuten Anstieg der Inflation bewirkte.
Um zu verhindern, dass die häufigen Abweichungen vom Geldmengenziel über kurz oder lang die eigene Glaubwürdigkeit in Frage stellten, entschied sich die SNB Ende 1990, statt jährl. Ziele mittelfristige Geldmengenziele auszuarbeiten. Sie schuf sich damit einen grösseren Spielraum für aussergewöhnliche Situationen, die z.B. durch Schwankungen des Wechselkurses oder der monetären Nachfrage bedingt sein konnten. Für den Zeitraum 1991-94 wie auch für die folgenden fünf Jahre setzte sich die SNB ein durchschnittliches jährl. Wachstum der Notenbankgeldmenge um 1% zum Ziel.
Während der ersten Periode verfolgte die SNB eine restriktive Politik, um die in diesen Jahren besonders hartnäckige Inflation zu bekämpfen. Diese Politik führte bis Anfang 1992 zu einem hohen Zinssatzniveau und einer deutlichen konjunkturellen Verlangsamung, mit denen eine starke Zunahme der Arbeitslosigkeit einherging. 1994 erholte sich die Schweizer Wirtschaft kurzfristig, doch im nächsten Jahr litt sie unter einem neuerl. Kursanstieg des Frankens. Die SNB lockerte die eigene G. zwar sukzessive, aber infolge der konjunkturellen Schwäche, die ganz Europa erfasste, fand die Schweiz erst 1997 aus einer mehrjährigen Stagnationsphase heraus.
Als Folge der schlecht abschätzbaren Entwicklung der Notenbankgeldmenge in den vorhergehenden zwei Jahren, führte die SNB 1997 neue Variablen zur Überprüfung der eigenen Tätigkeit ein. Als Indikator für die langfristige Entwicklung wurde die Geldmenge M3 gewählt, die Termineinlagen in Franken und die Geldmenge M2 umfasst. Letztere setzt sich ihrerseits aus M1 und den Spareinlagen in Franken zusammen. Als Indikatoren für kurzfristige Bewegungen werden zudem die Wechselkurse sowie die konjunkturelle Lage herangezogen.
Um der anhaltenden konjunkturellen Schwäche entgegenzutreten, die von der im Sommer 1997 einsetzenden Asienkrise ausgelöst wurde, und den zu erwartenden Deflationsschüben zuvorzukommen, behielt die SNB die expansive Geld- und Währungspolitik bis Mitte 1999 bei.
Autorin/Autor: Nadia Meunier-Porro / CN
Wegen der andauernden Instabilität bei der Geldnachfrage beschloss die SNB Ende 1999, die G. neu zu konzipieren und ab dem Jahr 2000 auf die Festlegung von Zielen für das Geldmengenwachstum zu verzichten. Oberste Maxime bleibt die Wahrung der Preisstabilität, die für die SNB gegeben ist, sofern die jährl. Inflationsrate unter 2% liegt. Das Herzstück der neuen Strategie bildet eine mittelfristige Inflationsprognose, die auf einer weit gefassten Reihe von Indikatoren, insbesondere jenen zur Konjunkturentwicklung und der Wechselkurse, basiert. Konkret legt die SNB einen Schwankungsspielraum von 1% auf dem Libor (London Interbank Offered Rate) fest - London stellt den wichtigsten internat. Markt für den Schweizer Franken dar -, wobei der Dreimonatszinssatz auf den Einlagen in Schweizer Franken als Referenzgrösse gilt. Eine Verschiebung dieses Schwankungsspielraums gegen oben zeigt eine Veränderung der G. in restriktivem Sinn an, während eine Senkung eine Lockerung widerspiegelt. Bis Mitte 2002 nahm die SNB zehnmal Veränderungen am Drei-Monats-Libor vor. Nach einer restriktiven Politik wegen der günstigen wirtschaftl. Entwicklung senkte die SNB 2001-02 angesichts der starken konjunkturellen Verlangsamung und der Höherbewertung des Frankens gegenüber dem Euro die Zinssätze deutlich, um so die Voraussetzungen für einen wirtschaftl. Aufschwung zu schaffen. Um der Finanzkrise 2008-09 entgegenzuwirken, wurden die Zinssätze ebenfalls gesenkt.
Autorin/Autor: Nadia Meunier-Porro / CN
Autorin/Autor: Nadia Meunier-Porro / CN