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Nicht alle normannischen Kleinadeligen und Ritter wollten sich in die straffe Lehensordnung der Herzöge einfügen und suchten sich deshalb ihr eigenes Glück in fremden Ländern. Italien war um das Jahr 1000 ein Flickenteppich aus Fürstentümern und Kleinkönigreichen, wie z.B. die Lombardei, die Toscana oder das Fürstentum Capua. Der Kirchenstaat war wesentlich grösser als heute und Apulien und Kalabrien gehörten zum byzantinischen Reich, während Sizilien ein arabisches Emirat war.
Die Geschichte der Normannen in Süditalien ist ebenso beeindruckend, wie die Eroberungen der dänischen und norwegischen Wikinger im Atlantik und an der Küste des Frankenlandes. Wegen der sehr bewegten und komplizierten Geschichte der Normannen in Italien kann ich hier nur eine knappe Zusammenfassung geben:
Im 10./11. Jhdt. war es in Europa Mode geworden, zu den christlichen heiligen Stätten zu pilgern und so entstand eine eigentliche „Tourismusindustrie“ zu Land und zu Wasser. Pilgerziele waren nicht nur Rom und Jerusalem, sondern auch verschiedene weitere heilige Stätten auf dem Weg dorthin, wie z.B. die Grotte des Hl. Michael in Monte Sant‘ Angelo auf dem Gargano am Stiefelsporn von Italien. Die Pilgerzüge mussten nicht nur transportiert und verpflegt werden, sondern benötigten auch Schutz vor den vielen Wegelagerern und Räubern. Normannische Kleinadelige und Ritter entdeckten ab dem Jahr 1000 den Kriegsdienst als ihr „Geschäftsmodell“ und kämpften für jeden, der sie gut bezahlte und sie wechselten problemlos auch die Seite, wenn es sich lohnte. Schon bald waren normannische Söldner gleich gruppenweise in verschiedene Schlachten verwickelt und stiegen unaufhaltsam zu einer wichtigen Macht in Süditalien auf. Im Jahr 1030 erhielt Rainulf Drengot die Grafschaft Averso (heutiges Aversa N Neapel) als Lehen und 1043 erhielt Wilhelm Eisenarm, einer der Söhne des Tankred von Hauteville, ein Lehen in der Region Melfi. 1050 bestanden damit zwei normannische Machtzentren in Italien: Averso unter den Drengots und Melfi unter den de Hauteville-Brüdern. Beide Geschlechter suchten dauernd, ihre Einflusssphären zu vergrössern. „Spitzenpersonal“ dieser Kämpfe waren die beiden Brüder Robert „Guiscard“ und Roger de Hauteville, beides harte Kämpfer und skrupellose Anführer.
An einer Synode 1059 in Melfi erhob Papst Nikolaus II. Robert de Hauteville zum Fürst von Sizilien und von weiteren Ländereien an der Stiefelspitze. Kleines Detail war allerdings, dass Sizilien von den Arabern beherrscht war und also zuerst durch die Normannen besiegt werden musste, ein Schachzug des Papstes um dem Christentum zum Durchbruch zu verhelfen. Robert de Hauteville ging diese Aufgabe an und eroberte 1072 Palermo in einer überraschenden Invasion. Dort setzte er seinen Bruder Roger als Graf von Sizilien ein. Die Eroberung von ganz Sizilien war in der Folge aber ein eher dorniges Geschäft, Stadtstaat um Stadt, Burg um Burg musste mühsam erobert werden und es wurde 1100 bis die Insel den Arabern entrissen war. Roger wurde als Roger I. von Sizilien erster christlicher König von Sizilien, während sein Bruder Robert es vorzog, weiter durch den Osten von Europa zu ziehen und an schier ungezählten Belagerungen und Schlachten im Mittelmeerraum Ruhm zu ernten. Dabei kam ihm der Investiturstreit von Papst Gregor VII (der, welcher nach Canossa ging!) sehr gelegen.
Die de Hauteville-Brüder sorgten in Süditalien für das Ende der Herrschaft der Langobarden und der Byzantiner und in Sizilien diejenige der Sarazenen. Das Völkergemisch aus Normannen, Griechen, Juden und Arabern blieb auf Sizilien aber bestehen – es ging um Macht und Reichtum und dies war durch Toleranz in religiösen Fragen am besten zu erreichen. Als Symbol für Macht und Pracht hier ein Bild der Cappella Palatina, der Hofkapelle von König Roger I. im Palazzo Reale in Palermo.
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