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Während der Zürcher Dada-Jahre bewegte sich Sophie Taeuber, als Schweizerin eine Ausnahme im internationalen Dada-Kreis, im Spannungsfeld von Kunstgewerbe und künstlerischer Avantgarde. Die angewandte Kunst wurde für Taeuber dabei zur Schrittmacherin ihrer abstrakten Formfindungen in der freien Kunst. Im breiten Fächer der dadaistischen Veranstaltungen und Publikationen ist sie aber einseitig als «Kunsthandwerkerin» zu finden, dazu als bedeutende Tänzerin auf den Dada-Bühnen. Ihre Anstellung als Lehrerin für textiles Entwerfen an der Kunstgewerbeschule von 1916 bis 1929 war für sie zugleich Berufung und Bürde. Die schulischen Verpflichtungen und die Anfertigung von textilen Auftragsarbeiten absorbierten sie stark und sie fragte sich in einem Brief an Hans Arp, «ob es nicht etwas besseres gibt, seine Zeit bis zum Tod auszufüllen, als mühsam so viel Geld zu verdienen [...] und ausserdem Perlarbeiten zu machen, die zwar sehr schön sind, aber unverhältnismässig mühsam, da sie doch nur Geschmack sind und nichts neu erfinden, was doch der grosse Unterschied zwischen uns ist.» Dabei schuf Taeuber gleichzeitig ein avantgardistisches künstlerisches Werk, sah darin aber vorerst Studien für ihre angewandte Kunst. Eine gewisse Scheu vor den «Käsegehirnen in Zürich», wie sie noch in den Zwanziger Jahren festhielt, mag ebenfalls zur vorläufigen Isolierung dieser Arbeiten beigetragen haben. Die «kunsthandwerklichen» Marionetten und Dada-Köpfe stellte sie erstmals an der Ausstellung der Künstlervereinigung «Das Neue Leben» (1919) aus. Abbildungen davon folgten in Der Zeltweg, es sind die einzigen in den Dada-Zeitschriften.
Die Wahrnehmung all der «Linien, Flächen, Formen, Farben» in den Arbeiten von Arp sowie Otto und Adya van Rees in deren Ausstellung in der Galerie Tanner (1915) war für Taeuber gleichzeitig Bestätigung und Impuls für die von ihr eingeschlagene Richtung. Die Ausstellung markierte den Anfang ihrer privaten Beziehung und engen Zusammenarbeit mit Arp – eine Kollaboration, die so symbiotisch sein konnte, dass die einzelnen Handschriften nicht mehr auseinanderzudividieren sind. Das freie Oeuvre von Taeuber beinhaltet ab 1915 die Compositions verticales-horinzontales, die sie zu einer Pionierin der konstruktiven Kunst machen. Es folgten im Rahmen von Dada Zürich Rythmes libres und Taches quadrangulaires. In den Rythmes libres bewegt ein leiser Wind das rigide Vertikal-Horizontal-Raster. Man hat Tuchfühlung: Die Gouache wandelt sich zu einem hauchdünnen Stoff in leichter Brise, zu einem feinen Überzug für ein federleichtes Kissen. Erst nach Aufgabe der Lehrtätigkeit fanden diese Arbeiten ab 1929 den Weg in die Öffentlichkeit.
Dem Wust an persönlichen Dada-Erinnerungen und allgemeinen Dada-Historien fügte Taeuber selbst nie etwas hinzu. Wenige Unterlagen aus ihrer Lehrtätigkeit liefern die Grammatik zu ihrer angewandten Kunst. Auch Manifeste, z.B. jenes der «Radikalen Künstler / artistes radicaux» (1919), waren nicht ihre Sache: «Ich bin wü ü ü ü ü ü ü ü tend. Was ist das wieder für ein Quatsch ‚radikale Künstler‘. Wenn ich ein Künstler wäre und mein Name würde andauernd lächerlich gemacht durch schreien, quietschen, heulen, schmieren und drucken, so würde ich dem Urheber Leim in’s Maul stopfen und in die Finger beissen, dass er nicht mehr kann.» Taeubers künstlerisches Manifest war das kompromisslose, zauberhafte Selbstporträt mit Dada-Kopf. Es hätte Tristan Tzara für seine Bildnisgalerie im nie erschienenen Opus Magnum Dadaglobe dienen sollen. Bereits zuvor hatte ihr Tzara in der Liste der Dada-«Présidents et Présidentes» einen festen Platz zugewiesen.
Provenienz: Geschenk von Hans Arp aus dem Nachlass der Künstlerin, 1958.
Erste Ausstellungen: Winterthur, Kunstmuseum; Strassburg, Musée d’Art Moderne, Sophie Taeuber, 1977. Zürich, Kunsthaus, Dada in Zürich, 1980. Zürich, Kunsthaus, Meisterwerke der Graphischen Sammlung, 1984.