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Salvador Dali und Alberto Giacometti vereint in einer Ausstellung, die erst noch «Traumgärten» heisst – wie soll das gehen? Da der Surrealist mit seiner ausufernden Fantasie, dort der stringente Konstrukteur mit seiner komplexen Formsprache. Das Kunsthaus Zürich zeigt den Weg.
In den 30-er Jahren des letzten Jahrhunderts fanden sich die beiden Künstler Alberto Giacometti und Salvador Dali in einem gemeinsamen schöpferischen Kooperationsprozess. Surrealismus war vielleicht die Antwort auf die Schrecken des vergangenen Weltkrieges. Erst ein Schicksalsschlag Giacomettis, der Tod seines Vaters Giovanni 1933, lenkte das Schaffen des Künstlers aus dem Bergell, der seit 1922 in Paris lebte und arbeitet, in neue Bahnen. Und die Vereinigung der Surrealisten schlossen ihn 1935 aus ihrem Kreis aus.
Giacomettis «Traumgarten», eine Assemblage verschiedener Formen, die sich zu einem begehbaren Ganzen zusammenfügen. (Alle Bilder © René und Elisabeth Bühler)
Die Ausstellung im Kunsthaus Zürich aber zoomt genau auf die Zeit, als Giacometti und Dali gemeinsam Visionen nachhingen und Projekte realisierten. Mittelpunkt der Ausstellung im zweiten Stock des Chipperfield-Baus ist die in der ursprünglich gedachten Grösse nachgebaute Raumskulptur «Projekt pour une place», 1931/32 von Alberto Giacometti, die von der Pariser Fondation Giacometti erarbeitet wurde. Als Auftragsarbeit entworfen, wurde die Assemblage verschiedener Formelemente – Halbkugel, Kegel, Schlange, Scheibe und eine mannsgrosse Stele – nie realisiert.
«Etwas unwiderstehlich Grosses», nannte Kunsthaus-Direktorin Anne Demeester am Medienanlass die aus weissem Gips gefertigte Rekonstruktion, die mit ihren unterschiedlichen Formen Distanz und gleichzeitig Raum schafft. Für einen Garten der Villa Noailles in Hyère geplant, hätte die Installation eine radikale Abkehr der traditionellen Gartenarchitektur werden sollen. Giacometti wollte, dass man seine «Gartenanlage» leben, also berühren, begehen, «besitzen» könnte.
Zwei Künstler, eine Formsprache: Giacometti im Vordergrund, Dali im Bild hinten.
Der Plastiker nahm so in dieser Raumskulptur die Forderung des französischen Dichters und Theoretiker des Surrealismus André Breton auf, einem «Diktat des Denkens ohne Kontrolle durch die Vernunft und ohne moralische oder ästhetische Bedenken» zu entsprechen. Die ganze Vielfalt der menschlichen Psyche sollte mit dieser Kunst vorgeführt werden, auch Themen wie Sexualität, Gewalt, Obsessionen und Grausamkeit.
Giacomettis in einer Pariser Galerie ausgestelltes Werk «Boule suspendue» (im Kunsthaus Zürich im Original zu sehen) war der Anlass, ihn in den Kreis der Surrealisten aufzunehmen. Dali nannte die schwebende Kugel ein Objekt «à fonctionement symbolique» und sah darin Parallelen zu seinem, in Technik und Ausdruck ganz anders geartetem Schaffen.
Kleine Kostbarkeiten wie dieses «Carnet» oder Skizzenbücher Giacomettis werden in Vitrinen gezeigt.
Die Zürcher Ausstellung ist enorm vielfältig. In Vitrinen liegen zahlreichen «Carnets» Giacomettis, dazu kommen Skizzen und Entwürfe der beiden so unterschiedlichen Künstler, Objekte und Bilder aus dieser phantastischen, oft morbiden Welt des Surrealismus.
Die Ausstellung «Giacometti – Dali.Traumgärten» wird bis 2. Juli gezeigt. Infos über www.kunsthaus.ch.