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Gemeinsam singen!
Welchen Effekt hat Gruppenmusiktherapie auf das Leben von Tetraplegikern?
Autorin der Zusammenfassung: Jelena Obrenovic (Schweizer Paraplegiker-Forschung)
Originalartikel: Tamplin J, Baker FA, Grocke D, Berlowitz DJ. Thematic Analysis of the Experience of Group Music Therapy for People with Chronic Quadriplegia. Topics in Spinal Cord Injury Rehabilitation. 2014;20(3):236-47. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4257149/
Für Tetraplegiker besteht ein besonders hohes Risiko für soziale Isolation und Depression. Diese Studie hat gezeigt, dass Gruppenmusiktherapie einen psychologischen, physiologischen und sozialen Nutzen für Tetraplegiker haben kann.
Was war das Ziel der Studie?
Menschen mit einer Tetraplegie sind einem höheren Risiko ausgesetzt, an Isolation und Depression zu leiden. In dieser Studie sollte untersucht werden, welche Erfahrungen Tetraplegiker machten, die an einer Gruppenmusiktherapie teilnahmen. Bringt diese Art von Therapie irgendeinen Nutzen? Hilft sie dabei, Depression und Isolation vorzubeugen?
Wie sind die Forscher vorgegangen?
Die Wissenschaftler teilten die 24 Teilnehmer (mit Tetraplegie C4-C8) in zwei Gruppen auf. Eine Gruppe nahm 12 Wochen lang an einer aktiven Musiktherapie teil. Diese beinhaltete Singen in der Gruppe unter Anwendung von Techniken der Neurologischen Musiktherapie, Stimm- und Atemübungen, Singen von bekannten Liedern sowie Vokalimprovisation. Die andere Gruppe nahm an einer rezeptiven Musiktherapie teil, mit folgenden Schwerpunkten: Musik in der Gruppe wahrnehmen, Lieder teilen und diskutieren, Musikspiele und musikgestützte Entspannung. Jede Therapiesitzung dauerte eine Stunde.
Um die Ergebnisse der Musiktherapien zu bewerten, erhielten die Teilnehmer vor und nach der Musiktherapie Fragebögen. Zusätzlich führten die Forscher nach der Therapie sogenannte semi-strukturierte Interviews mit 20 Teilnehmern (5 Frauen und 15 Männer) durch. Ziel war es, allgemeine Informationen über die Erfahrungen mit der Gruppenmusiktherapie zu sammeln. Es wurde gefragt, was den Teilnehmern gefallen hat und was nicht, ob sich ihre Musikwahrnehmung oder -nutzung aufgrund der Therapie verändert hat, und wie es war, Teil einer Gruppe gewesen zu sein. Die Gespräche wurden dann von den Wissenschaftlern transkribiert und thematisch analysiert.
Was haben die Forscher entdeckt?
Die Ergebnisse zeigen, dass Musiktherapie in der Gruppe bedeutende psychologische, physische und soziale Vorteile für alle Teilnehmer brachte. Die Therapiesitzungen ermöglichten es manchen Teilnehmern, wieder Teil einer Gemeinschaft zu werden sowie Selbstvertrauen und Sozialkompetenz zu entwickeln.
Teilnehmer gaben an, dass sie Spass- und Erfolgserlebnisse hatten, was auch mit einem stärkeren sozialen Netz und Freundeskreis einherging. Sie berichteten ausserdem, zufriedener mit ihrem Wohlbefinden zu sein und sich innerhalb einer Gemeinschaft sicherer zu fühlen.
Was bedeuten diese Ergebnisse?
Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass die Teilnahme an musikalischen Gruppenaktivitäten – ob aktives Singen oder bewusstes Musikhören – für Tetraplegiker zugänglich, angenehm, nützlich wie auch motivierend ist. Die Ergebnisse dieser Studie sind besonders wichtig für mögliche Versuche, die aktive Eingliederung in der Gemeinschaft zu stärken, sowie zur Vorbeugung negativer Gesundheitsfolgen in Verbindung mit Depression und Isolation.
Wer hat die Studie durchgeführt und finanziert?
Die Studie wurde an einem grossen staatlichen Spital in Melbourne, Australien, durchgeführt. Alle Autoren arbeiteten an der Universität Melbourne, zwei von ihnen auch noch am Institute for Breathing and Sleep (DE: Institut für Atmen und Schlaf) von Austin Health in Melbourne. Die Studie wurde durch einen Grant der Victorian Neurotrauma Initiative in Geelong, im Staat Victoria (Australien) finanziert.
[Übersetzung des originalen englischen Beitrags]