Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03148.jsonl.gz/2111

Schweizer Trachten in Kunst und Kunstgewerbe
02.09.2017 – 07.01.2018
Ganzes Parterre
Das Kunstmuseum Solothurn besitzt mehrere Hauptwerke, in denen die Tracht als Bildmotiv auftritt. Dazu gehören Beispiele der Schweizer Malerei um 1900, wie die Gemälde "Richesse du soir" (1899) von Cuno Amiet (1868–1961), "La noble contrée" (1903) von Edmond Bille (1878–1959) oder "Mädchen aus dem Haslital" (um 1906) von Max Buri (1868–1915). Die damalige Häufung von Trachtendarstellungen bezieht sich auf eine allgemeine Tendenz der Jahrhundertwende zum Regionalismus. Bereits 100 Jahre zuvor malt der Luzerner Josef Reinhard (1749–1824) seine Zyklen von "Personen in Nationaltracht". Finden Romantik und Jugendstil ein enzyklopädisches, touristisches oder nationalistisches Interesse am Thema, prägen in den 1930er Jahren die Bedürfnisse des "Landi-Geistes" die patriotische Motivwahl. Derzeit erfährt die Tracht neue Popularität, sowohl in der Werbung wie an Volksfesten. Die Ausstellung vereint Werke von der Romantik bis zur Gegenwart und umfasst Malerei, Skulptur, Zeichnung, Fotografie, Video- und Plakatkunst sowie kunsthandwerkliche Gegenstände. Neben Bildnissen sind auch viele Genreszenen des ländlichen Lebens und Brauchtums zu sehen. Im Bereich des zeitgenössischen Kunstschaffens widmen sich vor allem Frauen der Tracht, wie Pipilotti Rist (*1962) oder Anka Schmid (*1961) mit ihrer fulminanten, vom hitzigen Appenzeller Paartanz ausgehenden Video-Installation "Hierig-Heutig" (2008).
In der Ausstellung gibt es einen Kino-Raum, wo ein ein halbstündiger Sampler mit Schweizer Filmen von 1896 bis 1999 gezeigt wird. Zu sehen sind jeweils diese Ausschnitte, in denen die Tracht eine Rolle spielt. Der Sampler kann auch auf youtube angeschaut werden.
Kuratiert mit Marcel Just.
Zum 40. Geburtstag des Musée Barbier-Mueller, Genf
02.09.2017 – 04.02.2018
Nordwestsäle des ersten Stocks
Nachdem das Kunstmuseum Solothurn 2016 der Solothurner Sammlerin Gertrud Dübi-Müller (1888–1980) eine Ausstellung gewidmet hat, ist das heurige 40-Jahr-Jubiläum des Musée Barbier-Mueller ein schöner Anlass, auch ihren Bruder Josef Müller (1887–1977) mit einer kleinen Hommage zu würdigen. Sie fällt just ins 40. Todesjahr des ehemaligen Kustos unseres Hauses. Zu den Glanzstücken des Genfer Museums gehören Skulpturen der Arts primitifs, die einst Josef Müller gehört haben. Bei den entsprechenden Leihgaben handelt es sich um Werke aus Schwarzafrika und dem Jemen, aus Ozeanien und Mexiko. Die geographische Weite der Exponate betont den globalen Anspruch der Arts primitifs als "Weltkunst". Die archaischen Skulpturen aus Stein und Holz, die durch ihre Ausdruckskraft begeistern, werden integriert in eine Ausstellung ausgesuchter Gemälde der Josef Müller-Stiftung, die der Sammler 1969 für das Kunstmuseum Solothurn errichtet hat. Neben Meisterwerken von Braque, Hodler, Léger, Matisse und Renoir können auch selten ausgestellte Gemälde unbekannterer Maler entdeckt werden. Spannend ist der Vergleich zwischen den Figuren der Arts primitifs und den Bildern der Moderne. Auch hier interessierte sich Josef Müller für die Gestalt und den ursprünglichen Aspekt des "Primitiven", das sich wie in den Gemälden von Georges Rouault (1871–1958) in betonter Materialität und markanter Zeichnung zeigt.
Die graphischen Welten des Komponisten Hermann Meier
28.10.2017 – 04.02.2018
Graphisches Kabinett
Der Solothurner Komponist Hermann Meier (1906–2002) verfolgte in seinem Schaffen visionäre musikalische Ideen. Besondere Anregungen erhielt er in der Beschäftigung mit der zeitgenössischen Malerei und Architektur. Meier träumte von einer "Mondrian-Musik", einem "Musizieren mit fertigen Flächen", einer "Architektonik mit Rechtecksfeldern". Er wollte die neue Musik nicht mehr nur auf Notenpapier in konventioneller Notenschrift entwerfen, sondern sie zeichnen, legen und schichten. So schuf Meier grossformatige, oft farbenreiche Kompositionspläne, die er nachher "vertonte". Die graphischen Vorstellungen, die eine Nähe zur Malerei der konkreten Kunst spiegeln, radikalisierten sein Komponieren. In einer späten Schaffensphase konzipierte Meier ausschliesslich Pläne für elektronische Musik. Die Ausstellung zeigt viele von Meiers Kompositionsplänen erstmals öffentlich. Neben einer repräsentativen Auswahl aus diesen bildhaften Notationen sind weitere Dokumente aus Meiers Nachlass sowie graphische Partituren anderer Komponisten zu sehen, u.a. das legendäre Werk "December 1952" von Earle Brown (1926–2002). Die Ausstellung wird begleitet von mehreren Konzerten, die einen umfassenden Einblick in das Schaffen dieses unkonventionellen, einer breiteren Öffentlichkeit kaum bekannten Solothurner Künstlers ermöglichen. In Kooperation mit der Paul Sacher Stiftung Basel und der Hochschule der Künste Bern. Kuratiert von Michelle Ziegler.