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Langzeitbetreuung mehrfachkranker, süchtiger Armutsbetroffener
Misshandelt und mehrfach krank sein, ist fast nicht verkraftbar!
Mehrfachkranke Menschen haben eine so genannte Dreifachdiagnose. Eine Dreifachdiagnose bedeutet Polytoxikomanie (Vielfachsucht), schwere psychische Störungen, meist in Folge schwerer Kindheitstraumata und schwere, oft tödliche, somatische Erkrankungen. Durch die Kombination ihrer schweren Erkrankungen fehlt diesen Menschen oft die Kraft, die Sucht zu überwinden oder scheitert an der Realität des Gesundheitszustandes mit der bitteren Einsicht, das Leben ohnehin weitgehend verpasst und nur noch wenig Lebenszeit vor sich zu haben. Sie weisen enorme Sozialisationsdefizite auf; entsprechend ist wenig Sozialkompetenz vorhanden, um (legal) zu überleben.
Der Drogen und/oder Alkoholkonsum trägt dazu bei, dass der unerträgliche Lebensschmerz, bedingt durch die tödlichen somatischen Krankheiten und die schweren psychischen Störungen und Erkrankungen, erträglich werden. Schwindende physische und psychische Kräfte verhindern, verlangen zwingend nach umfassender persönlicher Unterstützung und Begleitung, um das Leben durch kleine, aber schwierige Schritte zu verbessern.
Ein Teil dieser mehrfachkranken Menschen lebt in grosser Armut. Sie sind aber aufgrund ihrer Lebenssituation und ihres Gesundheitszustandes oft nicht in der Lage, Sozialleistungen in Anspruch zu nehmen. Sie verfügen nicht über tragfähige Beziehungsnetze, so dass die Einzelnen meistens sozial isoliert sind und keine stützenden Freundschaften oder Bezugspersonen haben.
Zur Situation von armutsbetroffenen mehrfachkranken Menschen
Viele mehrfachkranke und armutsbetroffene Personen haben eine traumatische Lebensgeschichte. Oft ist bereits ihre frühe Kindheit von Misshandlung und Verwahrlosung geprägt. Zudem kommen Schulprobleme und Lehrabbruch hinzu. Die massiven psychischen Folgen dieser Erlebnisse werden durch Suchtmittel zu verdrängen versucht. Diese Selbstmedikation vermag zumindest kurzzeitig das Gefühl von Wohlbefinden zu vermitteln, schränkt jedoch die Handlungsfähigkeit und Handlungsräume dieser Menschen zusätzlich ein. Psychische Krankheiten, körperliche Krankheiten, Suchtmittelkonsum und soziale Desintegration verstärken sich gegenseitig und bilden einen Teufelskreis, der kaum zu durchbrechen ist.
Ziel der Langzeitbetreuung
Das Ziel der Langzeitbetreuung der IG Sozialhilfe ist ein menschenwürdiges Leben und die Verbesserung der gesamten Lebenssituation für mehrfachkranke, süchtige Armutsbetroffene zu erarbeiten, um vorzeitiges Sterben zu verhindern.
Die Person soll entscheidungs- und handlungsfähig werden, sich über eigene Fähigkeiten und Handlungsmöglichkeiten bewusst werden und zunehmend Verantwortung für sich übernehmen.
Voraussetzung für die Langzeitbetreuung ist, dass sich diese Menschen auf eine tragfähige Beziehung und Betreuung einlassen können und wollen und bereit sind, Hilfe anzunehmen.
Finanzverwaltung/Ordnung amtlicher Papiere
Die Anmeldung eines offiziellen Wohnsitzes, die Beantragung von Leistungen der Sozialhilfe bzw. der Invalidenversicherung und die Anmeldung bei einer Krankenkasse sind wichtige Grundlagen, um überhaupt die Situation zu verbessern. Da die Leute Schwierigkeiten im Umgang mit finanziellen Mitteln haben, erweist es sich oft als notwendig, ihre Finanzen zu verwalten.
Eingliederung ins Gesundheitssystem
Ein entscheidender Schritt ist, diese Menschen in medizinische Behandlungen einzubinden und sich regelmässig in ärztliche Behandlung und/oder Psychotherapien begeben. Hier für ist die Begleitung durch die Betreuungsperson sehr wichtig, gilt es doch die grosse Angst vor Ärzten und oft sämtlichen medizinischen Therapien zu überwinden und zu vermeiden.
Beziehungsgestaltung
Aufgrund der genannten Schwierigkeiten kommt der Beziehungsaufnahme und Beziehungsgestaltung zentrale Bedeutung zu. Die Langzeitbetreuung beinhaltet ein konstantes Beziehungsangebot. Die Bezugsperson baut aktiv eine Beziehung auf: Nichteinhalten von Terminen und Abmachungen führen nicht zu einem Beziehungsabbruch von Seiten der Bezugsperson. Die Bezugsperson gewährleistet gute Erreichbarkeit auch ausserhalb der üblichen Arbeitszeit in dringenden Situationen. Durch das konstante Beziehungsangebot wird eine Retraumatisierung durch sanktionierendes Verhalten vermieden und die positive Erfahrung einer verlässlichen und tragenden Beziehung gemacht, sodass sich Vertrauen entwickeln kann. Klare Grenzsetzungen und Verbindlichkeiten sind Teil dieser Begleitung und stehen dazu nicht in Widerspruch.
Menschenwürdiges Wohnen
Teil der Langzeitbetreuung ist das selbstbestimmte Wohnen in der eigenen Wohnung. Für die Obdachlosen werden individuell angepasste, einzelne Kleinwohnungen in Mehrfamilienhäusern oder Wohnblöcken gemietet. Dadurch wird angestrebt, dass die Menschen in einem „normalen“ Umfeld wohnen und sie sich aus den sogenannten sozialen Brennpunkten begeben.
Miteinander-Tun/ Lernen am Modell
Menschen, die eine Langzeitbetreuung brauchen, fehlen oft Grundkenntnisse zur Alltagsbewältigung, wie bspw. putzen, einkaufen, kochen und waschen. Die Betreuungsperson übt dies ein, dadurch werden die Alltagsbewältigungskenntnisse durch Lernen am Modell erworben. Da die meisten chronisch unterernährt sind, kommt dem Thema Ernährung grosse Bedeutung zu. Gemeinsam Essen zubereiten und einnehmen ist daher zentral.
Finanzieller Bedarf jährlich 110 000 SFr.
*Menschenwürdiges Wohnen:
Wir haben keine Wohnungen zu vermieten! Es gibt keine Warteliste, weil keine MieterInnen mehr aufgenommen werden!