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Im Folgenden sind alle mediävistischen Lehrveranstaltungen aufgelistet, die im Herbstsemester 2017 an der Universität Zürich angeboten werden. Die Veranstaltungen sind in fünf Rubriken eingeteilt:
Vorlesungen
Bartuschat, Johannes (Romanistik)
Esilio e viaggio nella «Commedia» di Dante
Mi 12:15-13:45
Il bando da Firenze, avvenuto nel 1302, costituisce l’evento centrale della vita di Dante che costruirà la sua opera successiva a partire dalla sua condizione d’esule. Nella prima parte, il corso analizza le diverse rappresentazioni dell’esilio nelle opere dantesche. Nella seconda parte si intende dimostrare come nella Commedia il tema dell’esilio s’intreccia a quello del viaggio di cui si esplorano le implicazioni simboliche e culturali.
Unterrichtsmaterialien: Si consiglia l’acquisto di un’edizione commentata della „Commedia" di Dante.
Was ist die Liebe? Ein starkes Gefühl, eine intersubjektive Relation, eine christliche Tugend, ja eine göttliche Eigenschaft - die Reihe liesse sich fortsetzen bis hin zu der auf den ersten Blick kontraintuitiven Konzeption von Liebe als 'symbolisch generalisiertem Kommunikationsmedium' bei Niklas Luhmann. Es handelt sich in jedem Fall um ein Phänomen, das einerseits Evidenzcharakter hat, andererseits aber schwer zu greifen ist, beschworen werden muss, etwas, zu dessen (glaubhafter) Evokation es nicht zuletzt vieler Worte bedarf. Einen Zugang, sich diesem komplexen Phänomen zu nähern, schuf Roland Barthes, indem er in seinem 1977 erschienenen Werk 'Fragments d'un discours amoureux' sogenannte Figuren alphabetisch anordnete: Redebruchstücke, die - intersubjektiv gültig - doch von dem einen Liebenden für sich gesprochen werden, und zwar nicht im Moment der Erfüllung, sondern im Zeichen von Abwesenheit und Sehnsucht. Die jeweiligen Redefiguren lassen sich nicht definieren, führen aber stets ein 'Argumentum' mit sich, eine 'Zusammenfassung', ein 'kleines Drama', eine 'erfundene Geschichte'. Während es Barthes um einen entschiedenen Gegenwartsbezug ging - sein Buch hängt mit der Notwendigkeit zusammen, "daß der Diskurs der Liebe heute von extremer Einsamkeit ist" -, verfolgt die Vorlesung ein historisches Interesse: Untersucht werden fünfundzwanzig Figuren der Sprache der Liebe, wie sie in der mittelhochdeutschen Literatur um 1200 greifbar sind. Angesichts veränderter sprachlicher, stilistischer, aber auch umfassend kultureller Rahmenbedingungen (Stichwort: höfische Kultur) erscheinen die Figuren und ihre Argumenta im Zeichen der Alterität. Alterität meint hier allerdings keine Gegenstandsqualität (der 'andere' Diskurs der Liebe), sondern ein methodisches Vorgehen: Figuren und Argumenta des fortgeschrittenen 20. Jahrhunderts werden mit den Redebruchstücken der mittelhochdeutschen Literatur konfrontiert, um zu historisch-adäquaten, komplexen Beschreibungen des mittelhochdeutschen Liebesdiskurses und seiner literarischen Ausformungen zu gelangen. Die Figuren werden, dem Modell Barthes' folgend, alphabetisch angeordnet: Abhängigkeit, Abwesenheit, Anbetungswürdig, Begegnung, Bejahung, Bild, Entstellung, Erfüllung, Erwachen, Exil, Fading, Fehler, Fest, Gedenken, Habenwollen, Herz, Hingerissenheit, Induktion, Katastrophe, Nacht, Objekte, Redseligkeit, Stummheit, Verausgabung, Zugrundegehen.
Behandelt werden neben den zentralen epischen (Heinrich von Veldeke, Eneasroman; Hartmann von Aue, Erec; Gottfried von Strassburg, Tristan; Wolfram von Eschenbach, Parzival; Konrad Fleck, Flore und Blanscheflur; Rudolf von Ems, Willehalm von Orlens) auch wichtige lyrische Texte (Carmina Burana, Heinrich von Morungen, Reinmar, Walther von der Vogelweide) der Zeit um 1200.
Literatur zur Vorbereitung: Text und Handeln. Zum kommunikativen Ort und Minnesang und antiker Lyrik, hg. v. Albrecht Hausmann, Heidelberg 2004 (darin die Beiträge von Harald Haferland, Gert Hübner und Jan-Dirk Müller); Jan-Dirk Müller, Höfische Kompromisse. Acht Kapitel zur höfischen Epik, Tübingen 2007, S. 418-478; Roland Barthes, Fragmente einer Sprache der Liebe. Unveröffentlichte Figuren, Frankfurt/Main 2015.
Begleitend zum Besuch der Vorlesung empfehle ich den Besuch des Tutorats "Lateinische Liebesdichtung in der Antike und ihre Rezeption in der europäischen Literatur der Frühen Neuzeit", das dienstags von 14:00 bis 15:45 von Mike Lingg und Raoul DuBois angeboten wird.
Boskovska Leimgruber, Nada (Geschichte)
Geschichte Russlands I
Mi 10:15-12:00
Die Vorlesung erstreckt sich über zwei Semester, in denen ein umfassender Überblick über die Geschichte Russlands gegeben werden soll. Politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklungen werden dargestellt und immer wieder auch durch die Analyse von Quellentexten veranschaulicht. Der erste Teil befasst sich mit der Zeit vom Frühmittelalter bis zum Ende des 17. Jahrhunderts und behandelt die Entstehung des Kiever Reiches aus dem Zusammenwirken von schwedischen Raubhändlern und ostslavischen Siedlern, die Zeit der mongolischen Herrschaft, den Aufstieg Moskaus und die enorme territoriale Expansion im 16. und 17. Jahrhundert, die ein ethnisch und religiös vielfältiges Reich entstehen liess.
Unterrichtsmaterialien: Goehrke, Carsten: Russland. Eine Strukturgeschichte, Paderborn 2010; Alexander, Manfred/Stökl, Günter: Russische Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart. 7., vollst. überarb. und aktualisierte Aufl., Stuttgart 2009; Hildermeier, Manfred: Geschichte Russlands vom Mittelalter bis zur Oktoberrevolution, München 2013; Heller, Klaus: Russische Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Darmstadt 1987.
Cardelle Gonzalez, Maria del Carmen (Mittellatein)
Literaturgeschichte V: Spätmittelalter
Mi 10:15-12:00
Im Spätmittelalter versiegt oder vermindert sich die Produktion lateinischer Schriften in Gattungen wie der Epik, der weltlichen Lyrik oder dem geistlichen Spiel, in denen die Volkssprachen als Literatursprachen die Oberhand gewinnen. In der lateinischen Literatur werden wissensvermittelnden Textsorten und Schriften, welche die religiöse Erfahrung in ihrer ganzen Breite abdecken (von der Kanonistik bis zur Mystik, von den Streitschriften bis zu den Predigten) dominant. Beim Publikum dieser Literatur gibt es ebenfalls eine Verschiebung: Immer mehr Laien sind in der Lage Latein zu lesen, eine neue literarische Öffentlichkeit konstituiert sich um die Universitäten. In den norditalienischen Städten erwacht ein Interesse an der antiken Literatur, fernab von jeder praktischen Nutzbarmachung, und ein Bestreben, Latein als Sprache der schönen Literatur zu etablieren und nach antiken Modellen zu formen. Wir nennen diese Bewegung Humanismus, sie wird in der Frühen Neuzeit einen europaweiten Einfluss ausüben. In der Vorlesung werden wichtige Autoren und Textsorten vorgestellt; in der anschließenden Übung bekommt man die Gelegenheit, sie anhand von repräsentativen Textbeispielen kennen zu lernen.
Ganz, David (Kunstgeschichte)
Materialität
Do 14:00-15:45
Die Stofflichkeit von Kunstwerken ist das Thema dieser Vorlesung. Sie findet in der Kunstgeschichte nicht erst seit dem «material turn» der letzten Jahre Beachtung, hat durch diese Wende aber doch an Brisanz gewonnen. Sobald man anerkennt, dass die materielle Beschaffenheit wesentlicher Bestandteil von Kunstwerken ist, tritt deutlich hervor, wie umfassend Kunstwerke in die Stofflichkeit wirtschaftlicher Kreisläufe und in die Körperlichkeit gesellschaftlicher Interaktion eingebunden sind. Dem steht in der europäischen Kunsttradition ein Ideal der Mimesis entgegen, das darauf abzielt, die Schwere des Materiellen in der Kunst zum Verschwinden zu bringen. Fachgeschichtlich hat sich dieses Ideal im Gebrauch von Reproduktionsmedien wie der Fotografie niedergeschlagen, die es erlauben, Formen und Motive der Kunst von ihrem materiellen Substrat abzulösen. Ziel der Vorlesung ist es, in die Diskursgeschichte des material turn einzuführen und Aspekte von Materialität in der Kunst an mittelalterlichen Beispielen zu erörtern. Dies ist zum einen deshalb besonders lohnend, weil die europäische Kultur des Mittelalters dem Ideal der Mimesis nur bedingt Geltung einräumt und sie daher auch nicht zwischen materialgebundenem Kunstgewerbe und materialtranszendierender Kunst unterscheidet. Auf der anderen Seite ist das mittelalterliche Europa von theologischen Diskursen geprägt, die das Materielle kritisch betrachten und ihm lediglich Mittlerstatus für ein anders nicht erfahrbares Jenseits zugestehen. Gerade diese Spannung zwischen Zuschaustellung und Transzendierung von Materialität ist für die Entwicklung der Kunst im europäischen Mittelalter immer wieder produktiv geworden.
Unterrichtsmaterialien: Daniel Miller, Material Cultures. Why Some Things Matter, Chicago 1998; Daniel Miller, Materiality, Durham 2005; Tony Bennett/Patrick Joyce, (Hg.), Material Powers. Cultural Studies, History and Material Turn, London 2010; Caroline Walker Bynum, Christian Materiality. An Essay on Religion in Late Medieval Europe, New York 2011; Sigrid Köhler u.a. (Hg.), Materie. Grundlagentexte zur Theoriegeschichte, Frankfurt a.M. 2013; Jan Keupp/Romedio Schmitz-Esser (Hg.), Neue alte Sachlichkeit. Studienbuch Materialität des Mittelalters, Ostfildern 2015. Günter Bandmann, Bemerkungen zu einer Ikonologie des Materials, in: Städel-Jahrbuch 2 (1969); Thomas Raff, Die Sprache der Materialien. Anleitung zu einer Ikonologie der Werkstoffe, München 1994; Monika Wagner (Hg.), Material in Kunst und Alltag, Berlin 2002; Christy Anderson/Pamela H. Smith (Hg.), The Matter of Art. Materials, practices, cultural logics, c.1250–1750, Manchester 2015.
Der zweite Teil des Moduls KG1 beschäftigt sich mit dem Christentum im Westen und reicht von der Völkerwanderung bis zu den Theologen der Scholastik oder von Ravenna bis zu den irischen Inseln. Es wird von Mönchen und Kruezfahrern die Rede sein und in eine intensive und reiche Epoche, die eine Fülle von Quellen hervorgebracht hat, eingeführt werden.
Müller, Kevin (Nordistik)
Geschichte der skandinavischen Sprachen
Mi 09:00-09:45
Diese Vorlesung, die mit dem dazugehörigen Seminar eines der drei Basismodule im BA-Studium der Skandinavistik bildet und in die Skandinavische Sprachwissenschaft einführt, gibt einen Überblick über die Geschichte der skandinavischen Sprachen von den ersten Runeninschriften bis in die Moderne. Von besonderem Interesse sind der Sprachwandel und die äusseren Einflüsse, welche zur Entstehung der sechs modernen Standardsprachen beigetragen haben.
Für BA-Studierende des Basismoduls "Skandinavische Sprachwissenschaft" ist der Besuch des dazugehörigen Seminars "Einführung in die skandinavische Sprachgeschichte" obligatorisch.
Ringvorlesung des Kompetenzzentrums «Zürcher Mediävistik»
Zürich im Mittelalter - Mittelalter in Zürich
Di 16:15-18:00
Aufgrund der grossen Fülle an Material findet die im Herbst 2016 begonnene Ringvorlesung im Herbst 2017 eine Fortsetzung. Die Reihe hat einen lokalgeschichtlichen Fokus und öffnet mit der Zweiteiligkeit des Titels verschiedene Perspektiven: «Zürich im Mittelalter» möchte den Blick in die Vergangenheit richten und beispielsweise zeigen, welche Bedeutung unsere Stadt im Mittelalter hatte, welche geistes- und kulturgeschichtlichen Anregungen von hier ausgingen, wie Gesellschaft und Stadt aufgebaut waren und funktionierten, welche Dichter, Künstler oder andere grossen Denker hier lebten und wirkten etc. «Mittelalter in Zürich» soll hingegen das reiche Erbe beleuchten, welches aus dem Mittelalter auf uns gekommen ist und dem man noch heute auf Schritt und Tritt begegnen kann. An der Vortragsreihe werden sich erstmals auch externe Institutionen wie Bibliotheken, Museen und andere kulturelle Einrichtungen beteiligen. Die Vorträge richten sich an Studierende aller Studienstufen und Fachrichtungen (buchbares Modul) sowie an alle weiteren Interessierten. Der Besuch des ersten Teils wird nicht vorausgesetzt.
Rohrbach, Lena (Nordistik)
Grosse und kleine Formen in der altnordischen Literatur
Fr 09:00-09:45
In dieser Vorlesung soll dem Grossen und Kleinen in der altnordischen Literatur nachgegangen werden. Nach einführenden Überlegungen zum Zusammenspiel zwischen Grossem und Kleinem in der Literaturgeschichte und verschiedenen möglichen Perspektivierungen von Gross und Klein werden typische Erscheinungsformen in der mittelalterlichen Literatur Islands und Norwegens nachgegangen. Die grosse Form der Saga ist geprägt durch die Einbettung und Verflechtung von kleineren Erzähleinheiten - den þættir - ebenso wie durch das Prosimetrum - das Zusammenspiel von Prosatext und eingeschobenen einzelnen Skaldenstrophen. Gleichzeitig sind die einzelnen Sagas im Handschriftenverbund meist Teil grösserer Kompilationen und daher gleichermassen grosse wie kleine Form. Der Textualität und Literarizität dieser kleinen und grossen Formen werden wir uns aus verschiedenen theoretischen Perspektiven (Gattungstheorie, Medientheorie, materielle Philologie, New Historicism, Wissensgeschichte) annähern.
Einführende Literatur: - Althaus, Thomas; Wolfgang Bunzel; Dirk Göttsche (Hg.): Kleine Prosa. Theorie und Geschichte eines Textfeldes im Literatursystem der Moderne. Berlin 2012. - Andersson, Theodore M.: "The Long Prose Form in Medieval Iceland". In: Journal of English and Germanic Philology 101(3) (2002), S. 380-411. - Autsch, Sabine; Claudia Öhlschläger; Leonie Süwolto (Hg.): Kulturen des Kleinen. Mikroformate in Literatur, Kunst und Medien. Paderborn 2014. - Clover, Carol: The Medieval Saga. Ithaca 1982.
Rübekeil, Ludwig (Germanistik)
Die Frühgeschichte der germanischen Sprachen
Do 12:15-13:45
Ausgehend von den frühen mittelalterlichen Überlieferungsstufen der germanischen Sprachen (den "Alt"-Sprachen Althochdeutsch, Altnordisch, Altenglisch, Gotisch, Altfriesisch usw.) führt die Vorlesung zurück in die Anfänge der germanischen Sprachgeschichte, also zum Urgermanischen und Indogermanischen. Dargestellt wird zum einen die Entwicklung der typischen grammatischen Strukturen (mit Schwerpunkten in der Phonologie und Morphologie), zum anderen Aspekte der "äusseren" Sprachgeschichte, also zeit- und kulturgeschichtliche Kontexte sowie deren sprachlicher Niederschlag beispielsweise im Lexikon oder in der Schriftlichkeit. Da es sich bei den behandelten Sprachstufen zum Teil um Rekonstruktsprachen und Trümmersprachen handelt, werden auch methodische Fragen thematisiert, so etwa die Prinzipien der Rekonstruktion oder der Umgang mit frühgeschichtlichen Quellen und Überlieferungsformen.
Literatur: Orrin W. Robinson, Old English and its closest relatives. A survey of the earliest Germanic languages. Stanford 1992.
Schwedler, Gerald (Geschichte)
Geschichte des Mittelalters: Die Zeit der Karolinger
Do 14:00-15:45
Der Dynastiewechsel von den Merowingern zu den Karolingern führte zu grossen Veränderungen im Frankenreich. Das karolingische Großreich war die erste dauerhafte und auch höchst folgenreiche Reichsgründung auf dem Gebiet des ehemaligen Imperium Romanum. Ziel der Vorlesung ist es, diesen bedeutenden Wandel in politischer, religiöser und ideengeschichtlicher Hinsicht zu analysieren. Dabei werden sowohl die inneren Strukturen des karolingischen Reiches als auch die kulturellen Prozesse und die sie begleitenden sozialgeschichtlichen Entwicklungen in chronologisch-systematischer Weise behandelt.
Unterrichtsmaterialien: In der Vorlesung werden Blätter mit Quellenauszügen, Genealogien und der wichtigsten Literatur verteilt bzw. online gestellt. Einführungsliteratur: Rudolf Schieffer, Die Karolinger, 4. überarb. Aufl., Stuttgart 2006; ders., Die Zeit des karolingischen Großreichs (714-887) (Gebhardt, Handbuch der deutschen Geschichte, 10. völlig neu bearb. Aufl., Bd. 2), Stuttgart 2005; Matthias Becher, Merowinger und Karolinger (Geschichte kompakt), Darmstadt 2009.
Sommerer, Sabine Elisabeth (Kunstgeschichte)
Zwischen Stuhl und Bank. Funktion, Bedeutung und Performanz mittelalterlicher Sitzgelegenheiten
Do 16:15-18:00
Die Vorlesung soll einen Überblick über mittelalterliche Sitzgelegenheiten nördlich wie südlich der Alpen bieten. Dabei werden formale Aspekte wie Typologie, Materialien und Gestaltung der Sitze besprochen ebenso wie die unterschiedlich manifestierten weltlichen und/oder sakralen Machtansprüche in den jeweiligen Aufstellungskontexten. Anhand ausgewählter Objektbiographien – die Spannbreite reicht von sizilianischen Thronen normannischer Herrscher bis zum Chorgestühl im Basler Münster oder dem Wiener Elefantenstuhl aus dem mittleren 16. Jh. – soll nicht nur ein Blick auf die Sitze selbst, sondern auch auf die Sitzenden geworfen werden. Wer sass wann wo, und zu welcher Gelegenheit? Ein weiterer Fokus soll auf der architektonischen Kontextualisierung dieser Sitzgelegenheiten liegen und nach deren Performanz im Raum, Blickachsen, liturgischen Einbettung etc. fragen.
Japan ist ein populärer Gegenstand für Imaginationen von Kultur – und das nicht nur in populären Medien („The Last Samurai" etc.), sondern auch in der Wissenschaft (klassisch: Roland Barthes' „Reich der Zeichen"). „Things Japanese" und ihre medialen Reflexionen eignen sich daher gut für eine kritische Betrachtung dessen, was unter Kultur zu verstehen ist. Die Vorlesung entfaltet begriffliche Elemente für das Verständnis von Kultur im Ausgang von Cassirers Philosophie der symbolischen Formen. Sie zeigt in steter Auseinandersetzung mit den „Fakten der Kultur" in Japan das Potenzial, aber auch die Grenzen von Cassirers Konzeption auf und entwickelt diese weiter. Im Zentrum steht dabei der Zusammenhang von Weltverstehen und symbolischer Vermittlung. Dieses Semester bilden mythologische Dokumente aus dem Altertum und Mittelalter den Gegenstand der Erörterung. Mythen werden häufig (und auch von Cassirer) als Zeugnisse einer archaischen, noch undifferenzierten Bewusstseinsform verstanden. Die Auseinandersetzung mit japanischen Mythen zeigt jedoch, dass sie in Form und Inhalt durch die soziale und kulturelle Konstellation der jeweiligen Epoche geprägt sind. Mythen nehmen Elemente aus anderen symbolischen Domänen (Recht, Religion, Wissenschaft) in sich auf; sie müssen das sogar tun, um überzeugend zu sein. Zugleich geben sie diesen Inhalten ihr eigenes Gepräge. Gerade in der Veränderung über die Zeit hinweg zeigen sich so die essenziellen Momente des Mythos als symbolischer Form.
Unterrichtsmaterialien: Naumann, Nelly. Die einheimische Religion Japans. Teil 1: Bis zum Ende der Heian-Zeit. Bd. 4. Handbuch der Orientalistik. Fünfte Abteilung: Japan. Leiden: Brill, 1988. ———. Die einheimische Religion Japans: Teil 2: Synkretistische Lehren & religiöse Entwicklungen von der Kamakura- bis zum Beginn der Edo-Zeit. Handbuch für Orientalistik. Fünfte Abteilung: Japan 4. Leiden, New York: Brill, 1994. Steineck, Raji C. Kritik der symbolischen Formen I: Symbolische Form und Funktion. Stuttgart: frommann-holzboog, 2014. ———. Kritik der symbolischen Formen II: Zur Konfiguration altjapanischer Mythologien. Stuttgart: frommann-holzboog, 2017.
Im Rahmen der einführenden Vorlesung in die Geschichte von Byzanz werden nach einer quellenkundlichen und methodologischen Grundlagenvermittlung verschiedene Lebensbereiche in ihrer diachronen Entwicklung vom 4. bis 15. Jh. (Schwerpunkt 7.-12. Jh., Balkanhalbinsel) untersucht. Erst werden die historischgeographischen Bedingungen erläutert, ehe nach ihren Auswirkungen auf die Gestaltung der wirtschaftlichen und verkehrsgeographischen, der siedlungsgeographischen und demographischen, der politischen und militärischen Struktur gefragt wird. In einer Synopsis aller analysierter Strukturen wird schliesslich die Rolle des geographischen Faktors in den einzelnen Lebensbereichen beurteilt.
Unterrichtsmaterialien: Schreiner, Peter, Byzanz (Oldenbourg - Grundriss der Geschichte, Bd. 22). 4., völlig überarb. Aufl., München 2011.
Timofeeva, Olga (Anglistik)
History of the English Language, Part I
Di 10:15-11:00
This two-semester module is an introduction to the history of English and to English historical linguistics. It is intended for Bachelor students in their second year (Vertiefungsstufe) and consists of two parts: a one-hour lecture and a two-hour seminar. The lecture provides an overview on the history of the English language from the Indo- European pre-history of English to the English spoken today. The seminar introduces the students to Old English (the language spoken and written in Britain between AD 450-1150) in the autumn semester and to Middle English (the language spoken and written in England between AD 1150- 1500) in the spring semester. The module gives an insight into these early forms of English, and enables students to read original texts in Old and Middle English with the help of glossaries. It also introduces some basic principles of English historical linguistics and of the study of medieval English literature. The module ends with a written examination. Please note that the module is obligatory. Participants are required to take both parts of the seminar with the same instructor.
Unterrichtsmaterialien: Course books – please get your own copy by the beginning of the course: - Baker, Peter. 2012. Introduction to Old English. Third edition. Malden, MA/Oxford: Wiley-Blackwell. - Brinton, Laurel J. and Leslie K. Arnovick. 2016. The English Language: A Linguistic History. Third edition. Oxford: Oxford University Press. Please note that you have to get the third edition of these books. The course books can be bought at KLIO Buchhandlung (Zähringerstrasse 45, 8021 Zürich). Additional reading assignments will be announced in the course.
Trachsler, Richard (Romanistik)
Les Fabliaux et le comique médiéval
Mi 12:15-13:45
Les fabliaux sont des "contes à rire en vers", selon la célèbre définition de Joseph Bédier. Souvent drôles, mettant en scène des couples adultères et des voleurs astucieux, ils sont comme le miroir en creux de la littérature courtoise. Le cours présentera le corpus des ca. 120 fabliaux et abordera, entre autres, la question du comique médiéval, des rapports entre hommes et femmes, ainsi que le dossier de la transgression et de la subversivité de ces textes.
Unterrichtsmaterialien; Une anthologie de textes sera placée sur Olat.
Im Mittelpunkt dieser Vorlesung steht die zweihundertjährige Phase der Orientkreuzzüge zwischen dem Aufruf Papst Urbans II. zum ersten Kreuzzug im Jahr 1095 und dem Verlust der Hafenstadt Akkon als letzter Kreuzfahrerbastion im Jahr 1291. Die Eroberung Jerusalems und anderer Städte im Heiligen Land führte zur Gründung der sogenannten Kreuzfahrerstaaten und der geistlichen Ritterorden im Heiligen Land. Dadurch wurden westliche Herrschafts- und Sozialstrukturen im Nahen Osten etabliert. Die Dynamik dieses sowohl im Innern wie auch nach aussen konfliktreichen Prozesses soll auch aus dem Blickwinkel der zeitgenössischen christlichen wie muslimischen und jüdischen Chronistik genauer betrachtet werden. Vergleichend wird es um die Reconquista auf der Iberischen Halbinsel und um die dortige Neuordnung des politischen, geistlichen und kulturellen Lebens gehen.
Unterrichtsmaterialien: In der Vorlesung werden Blätter mit Quellenauszügen und der wichtigsten Literatur verteilt. Einführungsliteratur: Nikolas Jaspert, Die Kreuzzüge, Darmstadt, 6. Aufl., 2013 Peter Thorau, Die Kreuzzüge, München, 4. Aufl., 2012.
Seminare
Il seminario propone uno studio pluridisciplinare della vita intellettuale a Firenze tra la fine del Duecento e l’inizio del Trecento. Intendiamo esplorare il nesso che si stabilisce tra la vita politica comunale e la cultura da una parte, e tra la filosofia e la poesia dall’altra. Un vasto movimento di divulgazione di un sapere prima riservato ai chierici e la ricerca di una nuova morale per la società comunale caratterizzano questi decenni di grande fervore intellettuale e culturale. Si propone la lettura di una scelta di testi poetici e teorici (trattati, prediche, ecc) per indagare i principali temi della riflessione "comunale" sull’uomo e la vita civile: la giustizia, la pace, l’individuo e la società, il ruolo della conoscenza. Si analizzano altresì le istituzioni e le modalità della diffusione dei testi e delle conoscenze (sviluppo delle istituzioni politiche, ruolo degli ordini mendicanti, ricezione dei testi classici, volgarizzamenti ecc). Il seminario permetterà di conoscere e di apprezzare meglio il Dante filosofo e poeta nonché una parte consistente della poesia del Duecento e del primo Trecento nel loro contesto, ma anche di scoprire altri autori di centrale importanza per questo periodo cruciale della storia culturale fiorentina ed italiana.
Unterrichtsmaterialien: Letture consigliate per un primo approccio al tema del seminario P. Borsa, Pace, giustizia e bene comune da Guittone a Dante. La poesia politica in età comunale, in "Per leggere" 26 (2014), pp. 141-156 R. Lambertini, Aristotele e la riflessione politica in Italia nel primo Trecento, in La filosofia in Italia al tempo di Dante, a cura di C. Casagrande e G. Fioravanti, Bologna, Il Mulino, 2016, pp. 165-190 E. Igor Mineo, Cose in comune e bene comune. L’ideologia della comunità in Italia nel tardo medioevo, in The languages of the political society. Western Europe, 14th-17th Centuries, a cura di A. Gamberini, J.-P. Genet, A. Zorzi, Roma, Viella, 2011, pp. 39-67
Was unterscheidet das Dorf von der Stadt? Wie veränderten sich im Verlauf des Mittelalters innere Struktur und Erscheinungsbild der Siedlungen? Wie lassen sich diese Fragen anhand archäologischer und bauhistorischer Untersuchungen beantworten? Anhand von Beispielen vornehmlich aus der Schweiz sollen diese und ähnliche Themen beleuchtet werden.
Das Frühmittelalter ist die Zeit, in der Latein sich als Kultur- und Verkehrssprache im westlichen Europa etablierte. Diese Entwicklung ist nicht selbstverständlich und sie ist auch nicht nur pragmatisch bedingt. Im Seminar wollen wir das Sprachdenken dieser Zeit eruieren und sehen, nach welchen Prämissen Sprache beurteilt und eingesetzt wurde. Dazu werden wir nicht nur Grammatiken und verwandte Textsorten lesen, sondern auch andere Texte, in denen in unterschiedlichen Kontexten (Bibelauslegung, Predigt und Mission, Wissensvermittlung) über Sprache nachgedacht wurde.
Im Europa des späten Mittelalters rangierten grossformatige Wandteppiche ganz weit oben in der Hierarchie der Bildmedien. Die aus gefärbten Woll- und Seidenfäden gewirkten Tapisserien waren Luxusgüter, die nur sehr kosten- und zeitintensiv produziert werden konnten. Herrscher und kirchliche Einrichtungen legten in ihren Schätzen ganze Sammlungen figürlicher Wandbehänge an, die traditionelle religiöse Themen, aber auch Stoffe aus der antiken Geschichte und der mittelalterlichen Dichtung zeigten. Zu hohen Feiertagen, wichtigen Empfängen und glanzvollen Festen wurden Kirchen und Residenzen, aber auch Höfe und Strassen mit diesen „beweglichen Bilderfahrzeugen" (Aby Warburg) ausgekleidet, die das Publikum in bewunderndes Staunen versetzten. Das Seminar behandelt die Tapisserie als exemplarisches Medium für zentrale Fragen der kunsthistorischen Erforschung mittelalterlicher Bildkunst: Es geht um Techniken und um Themen, um Produzenten, Besteller und Betrachter, um Funktionen, Anlässe und Räume der Präsentation, aber auch um eine ganz eigene, medienspezifische Ästhetik textiler Grossformate, in deren Produktion moderne Momente von Serialität und Arbeitsteiligkeit einflossen.
Ganz, David und Schweinfurth Ventura, Sophie (Kunstgeschichte)
Suger von Saint-Denis. Kunsttheorie und monastische Kultur im 12. Jahrhundert
Mo 10:15-12:00
Seit Beginn der wissenschaftlichen Diskussion über Gotik gilt das 12. Jahrhundert als die „Geburt der Gotik", aufs engste verknüpft mit den Auftraggebern der ersten Kathedralen – meist mächtigen Äbten. Daher hat die Forschung hier schon früh nach der Verbindung von Theologie und Kunst gefragt: gibt es so etwas wie eine theologische Ästhetik, die der Architektur und Bildkunst der Gotik zu Grunde liegt? Abt Suger von Saint-Denis ist eine Schlüsselfigur in dieser Forschungsfrage: als mächtiger Benediktiner-Abt verantwortete er nicht nur die Bau- und Ausstattungsprojekte der Kathedrale von Saint-Denis, einem der Hauptwerke der Frühgotik, sondern äusserte sich auch in zahlreichen Schriften detailliert zur Ästhetik der Kathedrale. Doch Sugers Position und die zunehmende monastische Prachtentfaltung blieben nicht unwidersprochen: in dem Zisterzienser Bernhard von Clairvaux begegnet uns ein sprachmächtiger Kritiker, der die Verbindung von monastischem Auftrag und prachtvoller Repräsentation im Namen des Christentums scharf verurteilt. Neben zentralen Monumenten der französischen Frühgotik steht vor allem die Analyse des ästhetischen Diskurses und dessen Einbettung in die monastische Kultur des 12. Jahrhunderts im Fokus des Seminars, das die „Erfindung der Gotik" auch wissenschaftshistorisch verorten will.
Günthart, Romy (Germanistik)
Parzival
Di 16:15-18:00
Wolframs von Eschenbach "Parzival" gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Erzähltexte des Mittelalters. Die Zahl der Handschriften, die breite literarische Rezeption und die seit 200 Jahren andauernde wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Werk sind exzeptionell. Um uns in der Fülle der Themen und Lektüren nicht zu verlieren, wollen wir uns im Seminar auf das sogenannte Frageversäumnis resp. die "Mitleidsfrage" konzentrieren. Dabei stellen sich im Wesentlichen folgende Fragen: Wie werden Parzivals Besuche beim Gralskönig in Munsalvaesche in der Edition Lachmanns und in den unterschiedlichen handschriftlichen Fassungen erzählt? Wie wird Parzivals Verhalten innerhalb der Erzählung beurteilt, wie von der Forschung gedeutet? Und schliesslich: Wie wird die heilsbringende Frage "Oheim, was wirret dir?" in verschiedenen modernen Bearbeitungen interpretiert und literarisiert.
Vorbereitende Lektüre: Wolfram von Eschenbach "Parzival" (insbesondere die Bücher V und XVI). Empfohlene Ausgabe: Wolfram von Eschenbach, Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann, Berlin: de Gruyter, 2. Auflage, 2003.
Nachdem im ersten Semester des Basismoduls Skandinavische Mediävistik (Einführung ins Altnordische) die Erarbeitung der Grundzüge der Grammatik des Altisländischen im Mittelpunkt stand, werden im zweiten Semester durch intensive Textlektüre die Fertigkeiten der Textarbeit und die Kenntnisse der altisländischen Sprache weiter vertieft sowie methodische Fragestellungen diskutiert. Es sollen Auszüge zentraler Prosatexte des isländischen Mittelalters übersetzt werden, die von der Entdeckung und Landnahme (landnám) Islands, Grönlands und Vínlands handeln. Die Gattung der Isländersaga wird im Mittelpunkt stehen mit den Werken Egils saga, Eyrbyggja saga, Laxdæla saga und die Vínlandsagas. . Sowohl die Primärtexte als auch die weiterführende Literatur werden von der Dozentin auf Olat bereitgestellt.
Hodel, Tobias und Schöller, Bettina (Geschichte)
Wie baut man das Mittelalter? Von der Rezeption zur digitalen Gestaltung einer Epoche (BA)
Mo 14:00-15:45
Nachbildungen „des Mittelalters" sind längst in allen Sparten der Populärkultur angelangt, gerade auch in digitalen Medien wie vom Mittelalter inspirierten Games und Open-World-Spielen. Die Kritik von historischer Seite an diesen verallgemeinernden und verzerrenden Vorstellungen der Epoche füllt Bände. Doch könnten die unbegrenzten Möglichkeiten dieser digitalen Nachbildungen nicht auch für die Wissenschaft nutzbar gemacht werden? Ziel des Seminars ist es, nach eingehender Beschäftigung mit mittelalterlichen Erzeugnissen – vorwiegend Karten und Burgen – und deren Rezeption, neue Darstellungsformen des Mittelalters mit digitalen Mitteln zu erproben und diese zu reflektieren. Neben der Erarbeitung individuell oder in Gruppen entwickelter digitaler Artefakte sollen die Studierenden den Arbeits- und Reflexionsprozess in Form einer Seminararbeit darlegen. Das Seminar ist ein Versuch, die historisch-kritische Darstellung einer Epoche um eine neue Form zu erweitern.
Unterrichtsmaterialien: Groebner, Valentin: Das Mittelalter hört nicht auf. Über historisches Erzählen, München 2008 Oexle, Otto Gerhard: Die Moderne und ihr Mittelalter – eine folgenreiche Problemgeschichte, in Peter Segl (Hg.): Mittelalter und Moderne - Entdeckung und Rekonstruktion der mittelalterlichen Welt. Sigmaringen 1997, S. 307-364.
Höfert, Almut (Geschichte)
Die Stadt und ihre Heiligen im Mittelalter
Fr 10:15-12:00
In der Spätantike entstand die Figur des Heiligen. Heilige Männer und Frauen, deren Lebenswandel als besonders gottesnah eingestuft wurde, konnten eine besondere Autorität beanspruchen. Ausbau und Ausgestaltung der Heiligenkulte trugen zur Christianisierung bei und waren eng mit lokaler, regionaler oder reichsweiter Politik verbunden. Nach der ersten Phase der frühen Märtyrer-Heiligen wurden im Frühmittelalter viele Bischöfe und Mönche verehrt, während ab dem 12. Jahrhundert der Marienkult einen großen Aufschwung erfuhr. Über die Herstellung und Sammlung von Reliquien (der Leichnam Ludwigs des Heiligen wurde in Wein und Wasser gekocht, die Verteilung der begehrten Reliquien war sehr umkämpft) sowie Heiligenviten konnte ein Heiligenkult weit über den Wirkort der Heiligen verbreitet werden. Heilige waren Ausnahmegestalten und standen zugleich im Zentrum gesellschaftlicher Entwicklungen. In diesem Seminar werden wir Heilige als Phänomen analysieren, über das religiöse, politische und soziale Spannungsfelder zugänglich werden. Neben einen Blick auf die Heiligen im Islam werden wir vor allem danach fragen, welche Funktionen Heilige in der mittelalterlichen Stadt erfüllten. Im Seminar wird eine dreistündige Schreibwerkstatt integriert sein (d.h. eine Seminarsitzung am Freitag wird dreistündig sein), in der wir das Schreiben eines Forschungsüberblickes auf Master-Niveau üben.
Unterrichtsmaterialien: Peter Brown: Die Heiligenverehrung. Ihre Entstehung und Funktion in der lateinischen Christenheit. 1991; Arnold Angenendt: Heilige und Reliquien. Die Geschichte ihres Kultes vom frühen Christentum bis zur Gegenwart. München 1997; Peter Gemeinhardt: Die Heiligen. Von den frühchristlichen Märtyrern bis zur Gegenwart (Reihe Beck Wissen). München 2010; Richard Bartlett: Why Can the Dead Do Such Great Things? Saints and Worshippers form the Martyrs to the Reformation. Princeton 2013.
Das Seminar soll den Blick für datierungsrelevante Elemente der mittelalterlichen Stadt schärfen, die bis heute erhalten und trotz späterer Überformung sichtbar geblieben sind. Das können Architekturelemente wie Fensterformen, Bauinschriften oder Eckverbände sein, bestimmte Gebäude wie Kirchen oder Rathäuser, Infrastruktur wie Brunnen oder Ehgräben und nicht zuletzt auch die Verkehrsführung, deren Organisation sich dem heutigen Betrachter nicht immer ohne weiteres erschliesst. Nebst einer grundsätzlichen Auseinandersetzung mit der mittelalterlichen Stadt wird am praktischen Beispiel vor Ort geübt. Die vielseitige Quellenlage und die unterschiedlichen Aspekte des Phänomens „Stadt" erlauben differenzierte, fachübergreifende Herangehensweisen.
Die volkssprachliche Lyrik des 15. und 16. Jahrhunderts zeichnet sich, soweit sie höhere artifizielle Ansprüche erhebt, durch Experimente mit Subjektkonzeptionen, situativen Konkretheiten und lebensweltlichen Dimensionen aus. Zugleich entstehen mit der humanistischen Lyrik neue Typen, durch Formbeherrschung, Reflexivität und autobiographische Züge geprägt. Das Seminar will die neuen Tendenzen an einem breiten Spektrum von Texten deutscher, französischer, englischer und lateinischer Sprache diskutieren, von Oswald von Wolkenstein und François Villon über Eobanus Hessus bis hin zu Shakespeare. Für nichtdeutschsprachige Texte werden auch Übersetzungen zur Verfügung stehen.
Im Mittelpunkt des Seminars stehen Schwankromane oder Schwankcollagen aus der Zeit des 13. bis 16. Jahrhunderts. Es handelt sich um episodenartig strukturierte Texte, zentriert auf einen einzigen Protagonisten, dessen Abenteuer in einen mehr oder weniger deutlichen biographischen Rahmen gestellt sind. Die Geschichten handeln von List, Tücke und Täuschung, zum Teil in derber, körperbetonter oder gewalttätiger Form. Zu diskutieren werden sein: die narrativen Dimensionen der Einzelerzählungen, die Rolle des integrierenden Rahmens und die kulturellen Anschlussstellen, die in den Texten verhandelt werden. Anzuschaffen sind die Reclamausgaben von Strickers Pfaffen Amis und des Ulenspiegel.
Die Helden im höfischen Artus-, Grals- und Tristanroman sind weniger heldenhaft, als Sie denken. Nicht nur, daß die Ritter gelegentlich vom Pferd und "in die Blumen" fallen oder einen Turnierkampf verlieren. Gerade die Titelhelden vergessen ihre Herrscherpflichten (Erec), versäumen Termine, auf die alles ankäme (Iwein), scheitern an der Liebe (Tristan) oder sind gewalttätig aus Torheit (Parzival). Warum sind sie trotzdem Helden? Und wie unterscheiden sich die höfischen von den heroischen Helden? Siegfried im 'Nibelungenlied' scheint an seiner "Exorbitanz" zu sterben. In der späten 'Heldenbuchprosa' sind schließlich seltsame kulturstiftende Zwerge auf Helden angewiesen: eine Heldendämmerung eigener Art. Im Seminar verschaffen wir uns anhand der Frage 'Was ist ein Held?' zugleich einen Überblick über verschiedene Gattungen mittelalterlicher Literatur.
Texte: Drei Wochen vor Vorlesungsbeginn wird ein Reader mit den im Seminarverlauf zu lesenden Textausschnitten auf OLAT gestellt.
Teilnahmevoraussetzung: Skizzieren Sie auf etwa 3 Seiten Antworten auf die Frage 'Was ist ein Held?'. Hilfreich ist dazu der Aufsatz von Klaus von See, Held und Kollektiv, in: ZfdA 122 (1993), 1-35 (gleichfalls auf OLAT). . Abgabetermin: 18.9.2017; bitte elektronisch an: sekretariat- <email-pii>
Das Seminar sucht den Zugang zur mittelalterlichen Politik-, Kultur- und Verfassungsgeschichte über das Thema der Entscheidungsfindung. Wie werden Entscheidungsprozesse in Quellen des europäischen Mittelalters dargestellt? Welche Rolle spielen dabei soziale Normen, Emotionen, Rituale oder Beratungen? Welche Optionen erwägen die Akteure in erzählenden Quellen, welche nicht, und warum? Wer bestimmte mit, ob z. B. ein Krieg erklärt oder Steuern erhoben wurden, und auf welche Weise? Wann versagte die Entscheidungsfindung? Und schliesslich: Welchen Beitrag zum Verständnis historischer Entscheidungsfindung bieten moderne Entscheidungstheorien? Der Schwerpunkt wird auf erzählenden Quellen des frühen, hohen und späten Mittelalters liegen, aus einer Vielfalt geographischer Regionen. Wir befassen uns aber auch z. B. mit gerichtlichen Urteilen sowie den Parliament Rolls des spätmittelalterlichen England.
Unterrichtsmaterialien: Althoff, Gerd: Colloquium familiare - Colloquium secretum - Colloquium publicum. Beratung im politischen Leben des früheren Mittelalters, in: Frühmittelalterliche Studien 24, 1990, S. 145-167.
Mertens Fleury, Katharina (Germanistik)
Einführung in die Lektüre mhd. Texte (BA)
Mo 14:00-15:45
Das Seminar bietet eine grundlegende Einführung in die sprachlichen und literarischen Eigenheiten mittelhochdeutscher Texte. Ziel ist die Fähigkeit, mittelhochdeutsche Texte zu verstehen, eigenhändig zu erschliessen und in die Sprache der Gegenwart zu übersetzen. . Begleitend zu diesem Seminar wird ein Tutorat angeboten.
Die Stadt Mailand war im Spätmittelalter das innovationstreibende Zentrum einer geographisch ausgedehnten Region, die von der Mittelmeerküste bis in die alpine Schweiz reichte. Die Konzentration politischer, wirtschaftlicher und religiöser Macht in diesem Zentrum verlangte die Definition von Relationen, welche ihrerseits verschiedene Räume konfigurierten. Das Seminar befasst sich mit den verschiedenen Ebenen der Beziehungen zwischen der Stadt und diesen Räumen.
Unterrichtsmaterialien: Einstiegslektüre: Late Medieval and Early Modern Milan. The Distinctive Features of an Italian State, hg. v. Andrea Gamberini, Leiden 2015.
Rübekeil, Ludwig (Germanistik)
Runeninschriften und verwandte Epigraphik
Mi 10:15-12:00
Dieses Seminar beschäftigt sich einerseits mit den Runen als der ältesten bei den Germanen verwendeten Schrift als auch mit anderen frühen Formen epigraphischer Schriftlichkeit im Umkreis der germanischen Sprachen. Das Themenspektrum reicht von der Entstehungsgeschichte der europäischen und vor allem runischen Schriften über die aktuellen epigraphischen Gebrauchskontexte bis hin zu methodischen Fragen, die Analyse der Inschriften und der verschrifteten Sprachvarianten betreffend. Im Zentrum steht die Arbeit an möglichst vielen konkreten Inschriften und dem teils schwierig zu verstehenden Inhalt der Inschriften. Die Lehrveranstaltung wendet sich an Studierende der Vergleichenden germanischen Sprachwissenschaft, der Skandinavistik und der Germanistischen Linguistik, sowie Studierende anderer Fächer, welche die Voraussetzungen erfüllen. Absolute Minimalvoraussetzungen sind gute Kenntnisse der älteren deutschen Sprachgeschichte. Vergleichend- sprachgeschichtliche Kenntnisse sind darüber hinaus erforderlich; diese können bei Bedarf mit ergänzender Literatur nachgearbeitet werden (wie etwa im Anhang).
Einführende Literatur: Klaus Düwel, Runenkunde. 4. A. Stuttgart 2008. Ergänzende Literatur: Orrin W. Robinson, Old English and its closest relatives. A survey of the earliest Germanic languages. Stanford 1992. Edition: Tineke Looijenga, Texts & Contexts of the Oldest Runic Inscriptions. Leiden 2003. - Wir werden aber von Fall zu Fall auch andere Editionen benutzen.
Ausgehend von Konrads von Würzburg "Herzmære" wird anhand einschlägiger Texte der Stofftradition der Dreiecksgeschichte, in der die Rache des betrogenen Ehemanns darin besteht, dass er seiner Frau das Herz des Nebenbuhlers als Spezialität offeriert, nachgegangen (u.a. "Le lai d'Ignauré", Boccaccio, Uhland). Dabei kommen Fragen der Narratologie und Poetologie genauso in den Blick wie diskursive Verschiebungen und Überlagerungen gesellschaftlicher, religiöser, geschlechterpolitischer, ethischer und moralischer Werte und Ordnungsmuster. Die zu Herzen gehenden (Liebes)Geschichten werden so in ihrer je spezifischen Poetizität zu Prismen verschiedener Konzeptionen von Liebe und Religion, Liebe und Gesellschaft, Liebe und Dichtung sowie Liebe und Körperlichkeit...
Textgrundlage: Konrad von Würzburg, Das Herzmære. In: K.v.W., Heinrich von Kempten, Der Welt Lohn, Das Herzmære. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch; übers., mit Anm. und Nachw. von Heinz Rölleke. Stuttgart 1987 (Reclam UB 2855). Weitere Texte (12.- 19. Jh.) werden auf Olat bereitgestellt. Voraussetzung: Der Text von Konrad von Würzburg muss Anfang Semester gelesen sein! Es wird die Abgabe eines Aufnahmepapiers bis eine Woche vor Vorlesungsbeginn verlangt. Genauere Angaben dazu auf OLAT.
Die Geschichte eines durch Verleumdung verstossenen Stiefsohns des Kaisers, der über vielfältige Abenteuerfahrten letztlich wieder in seine Heimat zurückkehrt, eine Mischung aus politischer Geschichte, Exotik und idealem Heldentum, ist eines der beliebtesten Werke des Mittelalters und wurde während Jahrhunderten immer wieder neu erzählt. Das Seminar geht vor allem Fragen der Konstituierung des Anderen (Fremden), der Imagination des Eigenen und des Verhältnisses von politischer Geschichte und Mythos nach. Textausgabe: Herzog Ernst. Ein mittelalterliches Abenteuerbuch. In der mittelhochdeutschen Fassung B nach der Ausgabe von Karl Bartsch mit den Bruchstücken der Fassung A herausgegeben, übersetzt, mit Anmerkungen und einem Nachwort versehen von Bernhard Sowinski. Stuttgart 1994 (RUB 8352).
Voraussetzung: Der Text muss am Anfang des Semesters gelesen sein. Es wird die Abgabe eines Aufnahmepapiers bis eine Woche vor Vorlesungsbeginn verlangt. Genauere Angaben dazu auf OLAT.
In diesem Seminar geht es einerseits um den Entwurf der Ersten Philosophie bei Aristoteles in dessen später «Metaphysik» genannten Buch und andererseits um die Kommentierung dieser Texte 1600 Jahre später in dem lateinischen Mittelalter. Wir lernen dabei eine grundlegende Disziplin der Philosophie (reflexive Theorie vom Seienden als Seienden) und ausgewählte Fragen daraus kennen. Zudem erwerben wir Kompetenzen in Textexegese und studieren Übersetzungen. Dabei werden wir auch mit rezeptionsgeschichtlichen Fragen vertraut. Eine methodische Hauptfragestellung des Seminars wird also sein: Wie lese ich philosophische Texte?
Die Texte von Aristoteles und Thomas von Aquin werden mehrsprachig präsentiert und können auf OLAT heruntergeladen werden.
Schweinfurt Ventura, Sophie (Kunstgeschichte)
Byzantinische Palastkultur (BA)
Mo 14:00-15:45
Der Kaiser in seinem Palast war das ideelle Zentrum des byzantinischen Reiches und der Palast selbst ein eigenständiger, herausgehobener Bereich innerhalb der urbanen Struktur Konstantinopels. Der byzantinische Kaiserpalast verfügte nicht nur über eigene Werkstätten und zahlreiche Bedienstete, er beherbergte ebenso wichtige Reliquien wie das Staatsvermögen und war nicht zuletzt der administrative Mittelpunkt des Imperiums. Ein hoch elaboriertes Hofzeremoniell regelte das Leben des Kaisers und seines Hofes und die Kommunikation mit der Aussenwelt. An zahlreichen Gelegenheiten verliess der Kaiser seinen Palast und zeigte sich der städtischen Bevölkerung; hierzu war der Kaiserpalast mit anderen zentralen Orten Konstantinopels wie der Hagia Sophia oder dem Hippodrom auch topographisch verwoben. Die Prachtentfaltung innerhalb des Palastes – sei es im Bereich der Kleidung, des Schmucks oder der Raumausstattung – war das gesamte Mittelalter hindurch legendär und ist von zahlreichen Besuchern des Kaiserpalastes beschrieben worden.
Das Seminar untersucht diese vielfältige byzantinische Palastkultur im Hinblick auf all seine unterschiedlichen Aspekte und will somit ein nuanciertes Verständnis der Rolle des byzantinischen Kaisers erreichen.
Die Protoindustrialisierung war in keiner anderen Region der Alten Eidgenossenschaft so weit fortgeschritten wie im Gebiet der heutigen Kantone St.Gallen, Thurgau und Appenzell Innerrho-den/Ausserrhoden. Die grosse Mehrheit der Bevölkerung hatte im Laufe des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit die bäuerliche Lebensweise ganz oder teilweise aufgegeben und verdiente ihren Lebensunterhalt durch die gewerbliche Massenproduktion von Textilien für den europäischen Exportmarkt. Im Seminar werden die mittelalterlichen Anfänge und die Entwicklung der Textilwirtschaft in der Bodenseeregion untersucht. Dabei interessieren insbesondere die Verbindungen zwischen Stadt und Land. Unter anderem wird den bislang von der Forschung nicht oder nur partiell beantworteten Fragen nachgegangen, seit wann nebst den zünftisch organisierten Webern der Städte auch ländliche Arbeitskräfte in die Produktion eingebunden wurden und woher das Rohmaterial stammte. Ebenso wenig erforscht sind Kooperationen im mehrstufigen Verarbeitungsprozess von Tüchern sowie wirtschaftliche und politische Absprachen unter den Textilproduktions- und handelsstädten. Von besonderem Interesse wird auch die Frage sein, wie sich eine zunehmend gewerblich tätige Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln versorgen konnte. Das Seminar beleuchtet die textile Vergangenheit der Bodenseeregion aus der Sicht der Wirtschafts-, Sozial- und Kommunikationsgeschichte. Durch den Beizug bislang unerforschter Primärquellen sollen offene Fragen diskutiert werden. Es sind zudem Exkursionen in Museen und ehemalige Produktionsstätten vorgesehen.
Unterrichtsmaterialien: Tanner, Albert: Das Schiffchen fliegt, die Maschine rauscht. Weber, Sticker und Fabrikanten in der Ostschweiz, Zürich 1985.
Stercken, Martina (Geschichte)
Geschichte schreiben. Chroniken des Spätmittelalters
Mi 16:15-18:00
Das Seminar befasst sich mit spätmittelalterlichen Entwürfen von Vergangenheit aus klösterlichem, adeligem und städtischem Kontext. Dabei wird es zum einen darum gehen, am Beispiel von ausgewählten Chroniken aus der Zeit zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert einen Überblick über Entstehungskontexte, Typen, Funktionen und Gebrauchsformen von Geschichtsschreibung zu entwickeln. Zum anderen stehen neuere Überlegungen der historischen Forschung zur Debatte: Diese hat sich insbesondere mit Historiographie als Herkunft deutende, Standpunkte legitimierende und Identität stiftende ‚invention of tradition’, mit den zeitspezifischen Konzeptionen, Themen und Strategien historiographischen Schreibens und mit dem Wandel auseinandergesetzt, der sich im Übergang von einer heilsgeschichtlich orientierten mittelalterlichen zur Geschichtsschreibung im humanistischen Zeitalter vollzieht.
Unterrichtsmaterialien: Frank Rexroth: Meistererzählungen und die Praxis der Geschichtsschreibung. Eine Skizze zur Einführung, in: Frank Rexroth (Hg.), Meistererzählungen vom Mittelalter. Epochenimaginationen und Verlaufsmuster in der Praxis mediävistischer Disziplinen, München 2007 (Historische Zeitschrift. Beih. 46), S. 1–22; Peter Johanek: Das Gedächtnis der Stadt – Stadtchronistik im Mittelalter, in: Gerhard Wolf, Norbert Ott (Hg.), Handbuch Chroniken des Mittelalters, Berlin/Boston 2016, S. 325–385; Regula Schmid: Schweizer Chroniken, in: Gerhard Wolf, Norbert Ott (Hg.), Handbuch Chroniken des Mittelalters, Berlin/Boston 2016, S. 267–300.
Teuscher, Simon (Geschichte)
Geschichtskonsum
Di 14:00-15:45
Geschichte – gerade auch des Mittelalters – verkauft sich gut, sei es in der Form von historischen Filmen, Mittelaltermärkten, Re-enactments, Computgergames oder historischen Romanen, sei es, wenn historische Artefakte Höchstpreise auf dem Kunstmarkt erzielen oder touristische Destinationen sich als „historische Stätten" vermarkten. Die akademische Geschichtsforschung hat an der populären Geschichtskultur lange vor allem die Konstruktion nationaler Identitäten interessiert. Doch der Geschichtskonsum macht vor nationalen Grenzen längst nicht mehr halt; ausgewählte historische Stoffe finden Absatz auf globalen Märkten. Wir fragen, wie sich neue Phänomene der individuellen, an Erlebnissen orientierten Aneignung von Geschichte konsumgeschichtlich untersuchen lassen: Welche Rolle spielen soziale Distinktion und Selbstfashioning? Wie lassen sich Marktkalküle und die Preisbildung verstehen? Wie wirkt sich der Konsum von Geschichte auf deren kulturelle Funktionen aus? Und hat der vielbeschworene kulturelle Wert des Historischen wirklich gar nichts mit ökonomischer Wertschöpfung zu tun?
Unterrichtsmaterialien: Palatschek, Sylvia / Korte, Barbara (Hg.), History goes pop. Zur Repräsentation von Geschichte in populären Medien und Genres, Bielefeld 2009; Boltanski, Luc / Esquerre, Arnaud, L’énigmatique réalité des prix, in: Sociologie 7/1, 2016, S. 41–58.
Teuscher, Simon (Geschichte)
Ökonomien der Kindheit im Mittelalter (BA)
Do 10:15-12:00
Die Geschichte der Kindheit seit dem Mittelalter wird oft als Prozess der Befreiung aus ökonomischen Zwängen und der zunehmenden Orientierung am Kindeswohl erzählt. Dabei ist gar nicht so klar, welche Rolle Kinder in der Bedürfnisbefriedigung von Haushalten im Mittelalter genau spielten – und ob vergleichbare Funktionen aus den Gesellschaften der Gegenwartsgesellschaft wirklich verschwunden sind. Wir fragen, mit welchen (oft generationenübergreifenden) Kosten- und Nutzenkalkülen die Zeugung, Geburt, Betreuung, Erziehung, Ausbildung von Kindern im Mittelalter verbunden war. Inwiefern gab es schon in der Vormoderne „Projektkinder"? Wie fügten sich der Austausch, die Verdingung, die Ziehelternschaft und der Einsatz von Kindern als Arbeitskräfte in zeitgenössischen Formen des Lebensunterhalts ein, und wie könnten die Kinder selbst dies erlebt haben? Wir befassen uns sowohl mit Beispielen adliger Fortpflanzungsstrategien und Kindererziehungspraktiken als auch mit der bäuerlichen und handwerklichen Haushaltsorganisation.
Unterrichtsmaterialien: Ariès, Philippe: Geschichte der Kindheit, München 2011 (frz. Erstausgabe 1960).
Trachsler, Richard (Romanistik)
La Naissance du Texte: du manuscrit à l'édition
Do 12:15-13:45
Les oeuvres vernaculaires du Moyen Age nous sont parvenues dans des manuscrits qui ont aujourd’hui entre 500 et 800 ans. En général, nous lisons ces textes dans des éditions modernes qui nous évitent d’avoir à recourir directement aux témoins manuscrits dont le nombre peut être important. Mais les éditions modernes ne sont pas neutres: un éditeur est intervenu pour nous aider dans la compréhension du texte, ce qui implique des transformations de l'original. En général, l’éditeur va essayer d’établir un texte compréhensible à chaque fois que celui-ci paraît avoir été altéré par une erreur d’un scribe. L’éditeur va également signaler les passages où les différents manuscrits ne donnent pas le même texte; il choisira alors,entre plusieurs possibilités, la leçon qui lui paraît la meilleure. L’édition est donc un filtre entre nous et les manuscrits: elle permet de gagner certaines informations, en même temps qu’elle en fait aussi perdre. Dans ce séminaire, nous souhaitons initier les participants à l’étude des manuscrits et aux différentes façons d’aborder la « naissance » d’un texte.
Unterrichtsmaterialien: Un dossier comportant des articles critiques et des reproductions de manuscrits sera mis sur Olat pour toutes les séances. Un dossier de textes sera disponible sur Olat.
Trachsler, Richard (Romanistik)
Le Roman de Tristan sans Tristan. La fin du manuscrit fr. 24400 de la Bibl. Nationale de France
Mi 16:15-18:00
Le Tristan en prose est conservé dans plusieurs rédactions. Dans toutes les rédactions, ils s’achève peu après la mort du personnage principal sur une scène de dueil à la cour d’Arthur. Le manuscrit fr. 24400 de la BNF est le seul à proposer une suite au roman, montrant les événements inconnus ailleurs. Nous examinerons ensemble cet ajout à l’aide d’une transcription du manuscrit en question et nous nous familiariserons avec les problèmes d’interprétation que pose un tel cas pour la reconstitution de l’histoire de la littérature médiévale.
Unterrichtsmaterialien: Un dossier de textes sera disponible sur Olat.
Zey, Claudia (Geschichte)
Kreuzzugspropaganda (BA)
Di 14:00-15:45
Als Massenbewegung waren die Kreuzzuüge im 12. und 13. Jahrhundert das Ergebnis von äußerst wirksamer Propaganda. Doch wie konnte es in einer Zeit, in der Massenmedien nicht zur Verfügung standen, gelingen, in den verschiedenen, vielsprachigen Regionen Europas die Massen zu erreichen? Mit welchen Argumenten, Drohungen und Versprechungen wurden die Kreuzzüge propagiert und von wem? Diese Fragen sollen anhand des einschlägigen Quellenmaterials beantwortet werden.
Unterrichtsmaterialien: D.M. MacDowell, Demosthenes the Orator, 2009; I. Worthington, Demosthenes of Athens and the fall of classical Greece, 2013; W. Will, Demosthenes, 2013; C. Carey & R.A. Reid, Demosthenes. Selected private speeches, 1985; M. Fuhrmann, Die antike Rhetorik, 6. Aufl., 2011. Empfohlene Übersetzungen: M. Gagarin (Ed.), Demosthenes. Speeches. The Oratory of Classical Greece (mehrere Bände).
Kolloquien
Im Zweifel steckt, auch etymologisch, die Verzweiflung. Doch der Zweifel ist zugleich produktive Skepsis, also die Erkenntnischance schlechthin. Im Mittelalter wird die Ambivalenz von Glaubenszweifeln zum doppelten Risiko. Als 'Schwermutʽ kann der Zweifel zur Klosterkrankheit werden oder Heldentum blockieren (Parzival ist ein berühmtes Beispiel), als 'Sündenfall des Geistesʽ steht der Zweifel immer schon am Abgrund von 'Ketzereiʽ. Im Kolloquium diskutieren wir spezifisch literarische Strategien, mit dem Glaubenszweifel fertig zu werden, von der Spätantike bis zur frühen Neuzeit.
Texte: Drei Wochen vor Vorlesungsbeginn wird ein Reader mit den im Seminarverlauf zu lesenden Textausschnitten auf OLAT gestellt. Teilnahmevoraussetzung: Leselust und Bereitschaft zur intensiven Diskussion.
Im Zentrum des Kolloquiums steht das Kloster Muri, das sich als Gründung der Habsburger und als Reformkloster des 11. Jahrhunderts in den kirchenpolitischen Kontext des Hochmittelalters einfügte. Anhand urkundlicher und historiographischer Quellen wird die institutionelle Geschichte des Klosters untersucht und in Relation zu derjenigen anderer Klöster im Südwesten des römisch-deutschen Reiches gesetzt. Ein zentraler Diskussionspunkt der Veranstaltung sind die politischen, rechtlichen, sozialen und wirtschaftlichen Facetten der Klosterreform des 11. Jahrhunderts im Allgemeinen sowie ihre spezifische Ausprägung in Muri. Zudem wird das Verhältnis der monastischen Reform zur gregorianischen Kirchenreform und zum Investiturstreit diskutiert. Schliesslich rücken auch adelsgeschichtliche und regionalpolitische Aspekte in den Blick, die eine Kontextualisierung der hochmittelalterlichen Klostergeschichte Muris ermöglichen.
Unterrichtsmaterialien: Goez, Werner, Kirchenreform und Investiturstreit, Stuttgart 2008; Jakobs, Hermann, Der Adel in der Klosterreform von St. Blasien (Kölner Historische Abhandlungen 16), Köln 1968; Jakobs, Hermann, Kirchenreform und Hochmittelalter (Oldenbourg Grundriss der Geschichte 7), München/Wien 1984; Meier, Bruno, Das Kloster Muri - Geschichte und Gegenwart der Benediktinerabtei (Monumenta monasterii Murensis 13), Baden 2011; Szabó-Bechstein, Brigitte, Libertas Ecclesiae (Studi gregoriani per la storia della "Libertas Ecclesiae" 12), Rom 1985; Wollasch, Joachim, Mönchtum des Mittelalters zwischen Kirche und Welt (Münstersche Mittelalter Schriften 7), München 1973.
Meier, Thomas (Geschichte)
Ad fontes. Einführung in den Umgang mit handschriftlichem Archivmaterial
Mo 16:15-18:00
Es gehört zu den Kernkompetenzen von Historikerinnen und Historikern, Quellen lesen, verstehen und interpretieren zu können. Bei handschriftlichen Archivalien aus dem Mittelalter und der Frühneuzeit sind bereits die beiden ersten Schritte mit Schwierigkeiten verbunden, die viele davon abhalten, sich darauf überhaupt einzulassen. Das BA-/MA- Kolloquium dient dem Aufbau von Kompetenzen und damit dem Abbau von Hürden im Umgang mit Schriftstücken, die auf den ersten Blick fremd und hermetisch anmuten. Vermittelt werden spezifische Werkzeuge und Techniken, um diese Quellen lesen und verstehen zu können. Zur Vorbereitung oder Vertiefung einzelner Sitzungen werden Module der Internet-Lernplattform «Ad fontes» (www.adfontes.uzh.ch) gelöst. In den Sitzungen selbst steht die Arbeit an Dokumenten aus Deutschschweizer Archiven im Vordergrund. Um Schriftstücke verschiedener Art im Original betrachten und damit auch in ihrer Materialität als Objekte erfassen zu können, sind Archivbesuche geplant.
Zur Zeit des Humanismus wurde ein bemerkenswertes Bild vom Mittelalter gepflegt. Einerseits setzte man sich vom Mittelalter ab und pflegte ein radikal neues Verständnis vom Menschen. Doch im Bereich der Geschichtsschreibung überwiegen ungebrochene Traditionslinien zu den Jahrhunderten zuvor. Ziel des Kolloquiums ist es, anhand ausgewählter Textauszüge das Vergangenheitsbild der Humanisten der damaligen Schweiz und Süddeutschlands zu bewerten. Aus wissenschaftsgeschichtlicher Perspektive ist es besonders reizvoll, nicht nur den waghalsigen Theorien und Vergangenheitskonstruktionen nachzugehen, sondern auch den zahlreichen Beispielen, bei denen Historiker hemmungslos Quellen erfanden oder nach Bedarf unterschlugen.
Zey, Claudia (Geschichte)
Ritterorden - Die Johanniter europaweit und vor Ort
Mi 14:00-15:45
Die Johanniter gehören zu den grossen Orden, die sich im Rahmen der Kreuzzugsbewegung zunächst als Hospitalgemeinschaft, dann als Ritterorden in Jerusalem etablierten. In ihrer wechselvollen mittelalterlichen Geschichte mussten sie ihren Hauptsitz mehrfach verlegen (von Jerusalem nach Akkon, Zypern und Rhodos) bis sie im 16. Jh. schliesslich auf Malta landeten, wo sie bis 1798 blieben. Schon während des 12. Jh.s wurden die Johanniter eine internationale Organisation unter zentraler Leitung mit einem Netz von Niederlassen (Kommenden, Komtureien) in der gesamten Christenheit. Auch in Bubikon (ZH) wurde am Ende des 12. Jahrhunderts eine Johanniter-Kommende gestiftet, die bis 1789 bestand und heute zum Museum umgestaltet ist. Der gesamte schriftliche Nachlass der Ritterhauskommende Bubikon wurde dem Staatsarchiv Zürich überstellt und liegt dort zur Erforschung bereit. Anhand von ausgewählten Dokumenten sollen einzelne Aspekte der Geschichte des Ordenslebens in dieser Kommende durchleuchtet werden. Im Rahmen dieser Veranstaltung ist sowohl ein Besuch des Museums Ritterhauskommende Bubikon wie auch des Staatsarchivs Zürich vorgesehen.
Unterrichtsmaterialien: Nikolas Jaspert, Die Kreuzzüge, Darmstadt, 6. Aufl. 2013 Jürgen Sarnowsky, Die Johanniter. Ein geistlicher Ritterorden in Mittelalter und Neuzeit (Beck’sche Reihe 2737), München 2011. Die geistlichen Ritterorden in Mitteleuropa: Mittelalter, hg. von Karl Borchardt, Jan Libor, Brno 2011 Die Johanniter, die Templer, der Deutsche Orden, die Lazariter und Lazariterinnen, die Pauliner und die Serviten in der Schweiz (Vol. 1-2), hg. von Bernard Andenmatten (Helvetia Sacra IV 7), Basel 2006.
Übungen und Exkursionen
In der Bibliothèque municipale de Dijon wird eine monastische Bibliothek von besonderem bibliotheksgeschichtlichen Interesse aufbewahrt, nämlich die Büchersammlung des Klosters Cîteaux. Die Exkursionsvorbereitung umfasst eine Einführung in den Umgang mit Büchern im Zisterzienserorden sowie eine Einleitung in die Handschriftenbeschreibung. Während des dreitägigen Aufenthaltes in Dijon (22.–24. November) wird jeder Teilnehmer sich mit einer Handschrift intensiv beschäftigen und sie anschließend der Gruppe vorstellen. Die Anmeldung muss verbindlich bis zum 13. August bei Dario Binotto (<email-pii>) erfolgen, der auch weitere Auskünfte erteilen kann.
Frascoli Gagliani, Lotti (Mittelalterarchäologie)
Einführung in die Mittelalterarchäologie: Geschichte, Forschungsgegenstände, Methoden
Di 14:00-15:45
Die „Einführung in die Mittelalterarchäologie" bietet – wie für eine Einführungsveranstaltung üblich – einen Blick auf die Geschichte der Disziplin, macht aber vor allem mit ihren wichtigsten Forschungsgegenständen und Methoden vertraut. Es sollen dabei gleichermaßen Befunde (Gräberfelder, Kirchen, Siedlungen, Burgen und Pfalzen) wie Funde bzw. Materialgruppen (Keramik [Geschirr- und Ofenkeramik], Eisen, Glas, Münzen etc.) im Fokus stehen.
Unterrichtsmaterialien: Archäologie mittelalterlicher Burgen (= Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit, Bd. 20), Heidelberg 2008. Fehring, Günter P.: Einführung in die Archäologie des Mittelalters, Darmstadt 1989. Fehring, Günter P./Sage, Walter: Mittelalterarchäologie in Zentraleuropa: Zum Wandel der Aufgaben und Zielsetzungen, Köln 1995. Krohn, Niklot et alii: Kirchenarchäologie heute. Fragestellungen – Methoden – Ergebnisse, Darmstadt 2010.
Führer, Dörthe (Mittellatein)
Spezialkurs: Poetische Bauformen im Mittelalter
Do 10:15-12:00
In diesem Spezialkurs beschäftigen wir uns mit der metrischen und rhythmischen Dichtung des Mittelalters. Dazu werden zunächst die antiken Grundlagen kurz eingeführt und ihre weitere Entwicklung nachgezeichnet, danach wenden wir uns den spezifisch mittelalterlichen Formen zu. Wir beschäftigen uns mit Silbenmessung und Betonungsregeln, Reimschemata sowie Vers- und Strophenbau. Dabei wollen wir uns einerseits mit den am weitesten verbreiteten Formen vertraut machen und andererseits ein möglichst breites Spektrum von unterschiedlichen Gedichttypen abdecken. Ziel der Veranstaltung ist es, dass die Teilnehmer die formale Struktur eines unbekannten poetischen Textes herausarbeiten und korrekt beschreiben können. Bedingung für das Bestehen ist regelmässige aktive Teilnahme und eine schriftliche Prüfung.
Rübekeil, Ludwig (Germanistik)
Sprachgeschichte und Frühgeschichte
Mi 14:00-15:45
Sprachgeschichte ist immer auch Teil der allgemeinen Geschichte. Deshalb befasst sich die Historische Sprachwissenschaft in der Regel nicht nur mit systematischen (innersprachlichen) Fragestellungen, sondern begleitend auch mit aussersprachlichen Inhalten. Die Analyse und Auswertung sprachlicher und aussersprachlicher Daten aus der Frühgeschichte (Mittelalter und Vormittelalter) ist Inhalt dieser auf Methodik und Praxis ausgerichteten Lehrveranstaltung. Zentral ist dabei immer die Frage, was die Sprachwissenschaft zum historischen Gesamtbild beitragen kann und welche methodischen Regeln dabei beachtet werden müssen. Minimalvoraussetzung ist eine bestandene Einführung in die deutsche, skandinavische oder englische Sprachgeschichte. Ausserdem sollten verschüttete Lateinkenntnisse vor Beginn der Lehrveranstaltung ausgegraben und reaktiviert werden.
Proseminare
Bruggisser-Lanker, Therese (Musikwissenschaften)
Musik der mittelalterlichen Kathedralen
Do 16:15-18:00
Gotische Kathedralen, konzipiert als Stein gewordenes Abbild des Himmlischen Jerusalem und damit des Gottesreiches auf Erden, offenbaren im Denken des Mittelalters gleichsam die Vollendung einer kosmischen Ordnung. Diese mystische Ineinssetzung von kirchlichem und himmlischem Raum wurde von Abt Suger beim Bau der Abteikirche von Saint-Denis (geweiht 1144) bewusst durch ästhetische Mittel ins Werk gesetzt, denn die Wirkung des Schönen sei wie die des Lichts, das „seine schönheitsbewirkenden Gaben allem hineinstrahlt". Seine Intention war es, dass in der Schönheit des in Gold und Edelsteinen erstrahlenden Werks der Geist erhellt werde, damit dieser derart zum allumfassenden wahren Licht gelange. Über das Leuchten und den materiellen Glanz wird nach Suger die innere Erleuchtung provoziert, die in der Anagogé zu einem Überstieg, zur Rückkehr in jene göttlichen Sphären führt. Die bis heute Staunen erregende Meisterschaft dieser Sakralarchitektur bot die Hülle für eine Musik, die als kosmologisch fundierte Kunst der Harmonie in der Liturgie ebensolche Funktionen in die Ewigkeit gerichteter Daseinsorientierung erfüllte. Als ‚Ereignis Notre Dame‘ ging das sog. Pariser Organum in die Musikgeschichte ein: Hier wurde die Mehrstimmigkeit aus einem liturgischen Schmuck kraft ihrer Struktur zu einer selbständigen musica mensurabilis. In einer Zeit intellektuellen und künstlerischen Aufbruchs in den Städten – man denke an die Gründung der Pariser Universität (um 1200) oder die europaweit bedeutsame Kathedralschule von Chartres – blühten die Artes liberales und die Philosophie. Fassbar wird dieser hohe Anspruch auch in der epochemachenden Klanglichkeit des Magnus liber organi der Meister Leonin oder Perotin und im Saint-Martial-Repertoire, die zur Motettenkunst der Ars antiqua und Ars nova führen sollten.
Gonzalo de Berceo, un clérigo riojano que vivió en la primera mitad del siglo XIII, pasa por ser el primer poeta de nombre conocido de la literatura española. Es un poeta espléndido, un gran narrador y uno de los espectadores más perspicaces de la realidad de su tiempo. Los Milagros de Nuestra Señora, su obra maestra, reúne veinticinco episodios en los que la devoción por la Virgen María se convierte en clave para la salvación de los pecadores. Aunque todas las historias dependen de fuentes latinas, el poeta de la Rioja supo conferirles su peculiar impronta y trasvasarlos a un castellano rico de matices. Mediante la lectura de los Milagros de Nuestra Señora trataremos de familiarizarnos con diversos aspectos de la literatura medieval castellana. De las/los estudiantes que participen en este curso se espera que presenten una ponencia (con handout) sobre un tema literario o filológico relacionado con la lectura. La lengua del proseminario será el español.
Unterrichtsmaterialien: Gonzalo de Berceo, Milagros de Nuestra Señora, ed. de Fernando Baños, Barcelona, Crítica, 2002 (Clásicos y modernos, 18). [excelente edición de bolsillo] Variante 1: Gonzalo de Berceo, Milagros de Nuestra Señora, ed. de Fernando Baños, Madrid, Real Academia Española, 2011 (Biblioteca Clásica). Variante 2: Gonzalo de Bereo, Milagros de Nuestra Señora, ed. de Michael Gerli, Madrid, Cátedra, 1989 (Letras hispánicas 224).