Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03332.jsonl.gz/997

kb Meinung
„Du lavierst wieder. Auf meinem Schachbrett haben sie nichts zu suchen. Ich lege auch keine Schachfiguren in deine Bouillon hinein.“
„Überhaupt! Dass dir ein solcher Gedanke kommt! Eine Schachfigur in die Bouillon ist wie ein Holz im Wein. Das Extrakt von Holz ist nicht geeignet, um die Bouillon zu verfeinern. Lass lieber die Finger vom Kochen. Ich gehe eine Pizza essen. Dort kommt es ihnen wenigstens nicht in den Sinn, Holz in eine Bouillon zu legen. Sie werden vielmehr, wie es sich gehört, Holz für das Feuer verwenden, das die Pizza röstet.“
„Ein Hühnerknochen gehört nicht auf mein Schachbrett. Ein Knochen ist eine Figur ohne Sinn. Du salzest deine Suppe auch nicht mit Zucker. Das Schach ist ein Spiel mit Sinn.“
„Aber eben doch nur ein Spiel.“
Der eine ass still weiter, der an sinnierte über seinem Brett. Diese verhaltene Situation dauerte an, bis ein Klopfen auf dem Brett andeutete, dass Kabar Extas eben eine Figur bewegt hatte. Der andere fuhr in seinem Reden fort: „Mein Huhn und die Knochen von diesem sind der Einstieg in die Vergangenheit, in die Zukunft und in die Gegenwart. Du muss die Knochen nur zermalmen und dann unters Mikroskop stecken und dann kannst du sehen und erkennen, was sich in der Materie versteckt. Dein schwierigstes und ausgeklügeltes Schachproblem ist nichts verglichen zu dem, was im Kaffeesatz eines zermalmten Hühnerknochens steckt, und dem, was es preis gibt, wenn man den Kaffeesatz zu lesen weiss!“
„Vertraue nur deinen Augen. Die werden nie alles sehen. Die Augen des Schachspielers befinden sich im Inneren des Kopfes, im Hirn. Die sehen weiter. Tiefer. Das Schachbrett ist nicht ein Brett, das die Gedanken abprallen lässt. Sie dringen hinein und bewegen die Figuren.“
„Und schlagen Wurzeln, wie ein Hunzelmännchen, das seine Runzeln tagelang glättet, griesgrämig, weil es die Welt nicht versteht. Und die Runzeln werden nicht weniger. Ein Schachzug lässt keine Spaghettis wachsen. Das lass dir gesagt sein. Sobald Spaghettis in meinem Garten wachsen, die mit der Würze eines Schachzugs gedünkt worden sind, werde ich die Vorzüge des Schachspiels anerkennen. Aber, solange solches nicht geschieht, vertraue ich, was die Spaghettis angeht, auf den Kochherd und nicht auf das Schachbrett.“
„Du hast so eine Art, etwas zu sagen, die ist unglaublich. Im Grunde genommen bist du ein Ekel. Statt Borsten sollten Spaghettis aus deinem Kinn und deinen Wangen wachsen. Die könntest du dann essen, damit du noch dicker und feister wirst. Dein Bart wäre dein Labsal, von dem du ständig kosten könntest. Du müsstest nie mehr Hunger leiden.“
„Mein Leib ist meine Würde. Die gestalte ich selber aus. Mein Leib ist der Träger meiner Gedanken, dessen, was ich bin. Ich bin nun mal eine Forschermaschine, die ernährt werden muss, damit sie in Schwung bleibt.“
„Das, was sich an dir rundet, gewinnt an Schwung. Wenn du so weiter machst, wirst du deine Dicke nicht mehr abbauen können.“
Als Studenten teilten Kabar Extas und Wilhelm Schnepfensskorn eine Wohnung. Die Gründe dafür lagen in grauer jugendlicher Vorzeit, die vermutlich so bunt gewesen war, dass eine gemeinsame Hause im Bereich des Wünschbaren lag. Dieselben Gründe konnten aber nicht dafür herhalten, um zu erklären, warum ein Student der Biochemie und ein anderer des Schachspiels – an keiner Fakultät eingeschrieben – das Leben teilten.
Die Vermutung liegt nahe, dass die beiden sich auf der geschlechtlichen Ebene fanden. Aus gesicherten Quellen lässt sich jedoch ganz deutlich erschliessen, dass die beiden nichts Fleischliches teilten, ausgenommen den Mittags- und Abendtisch. Ihre Körper standen nicht auf Kontakt. Die Verwandtschaft lag auf der geistigen Ebene.