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10. Januar - Hl. Christiana (Oringa), Jungfrau
Die Heilige war, weltlich zu sprechen, von ganz gemeinem Geschlecht und musste in ihrer Jugend das Vieh hüten. Indem sie aber scheinbar das mindeste Geschäft, was man einem Menschen auftragen kann, besorgte und in Gesellschaft von Kühen und Ochsen zubrachte, übte sie zugleich das edelste und höchste Geschäft, das nur möglich ist und brachte in vornehmerer Gesellschaft zu, als wenn sie von Fürsten und Königen umgeben gewesen wäre. Sie unterhielt sich nämlich fortwährend mit Gott in Gebet und Betrachtung. Und während ihre Tiere unten am Boden weideten, so weidete die Seele der Hirtin oben am Himmel und suchte dort ihre geistige Nahrung.
Ihr ganzes Wesen wurde so rein und geheiligt, dass sie jedes Mal vor Abscheu sich erbrechen musste, sooft sie unanständige Reden hörte. Dieser Ekel und Erbrechen war zuweilen so heftig, dass sie davon krank wurde. Sie gewöhnte sich deshalb, wo sie sittenlose Reden hören musste und sich nicht entfernen konnte, die Ohren zuzuhalten, obschon sie vielmehr darüber verlacht worden sein mag. Sie blieb am liebsten ganz allein, wenn sie aber ausgehen musste, so ging sie mit abwärts gesenktem Blick, um nicht Dinge zu sehen, welche ihre reine Seele stören konnten.
Ihre Brüder wollten sie zum Heiraten zwingen, allein da ihre Seele schon zu sehr an den Umgang mit Jesus Christus gewöhnt war, wollte sie sich nicht auf irdische Eheverhältnisse einlassen. Wegen ihrer Weigerung zu heiraten, wurde sie von den Brüdern geschimpft und geschlagen, bis sie endlich entfloh und in einer nahen Stadt bei einer rechtschaffenen Bürgerfamilie sich verdingte.
Hier begehrte sie keinen Lohn, als geringes Essen und geringe Kleidung und täglich freie Zeit für das Gebet. Sie ging barfuß und musste oft beinahe gezwungen werden, etwas Weniges zu essen, weil sie so sehr dem Fasten ergeben war. Sie aß manchmal nur deshalb, um kein Aufsehen durch ihr langes Fasten zu erwecken. In ihrer armen Kammer überließ sie sich dem innigen Gebet und der Betrachtung des Leidens Christi, besonders an Freitagen, so dass nicht nur ihre Kleider, sondern selbst der Boden von ihren Tränen nass wurden.
Später tat sie sich mit mehreren Jungfrauen zusammen und errichtete ein Kloster, wo sie miteinander ein sehr armes und frommes Leben führten. So arm sie waren, so gaben sie fortwährend Almosen, verhältnismäßig mehr als reiche Leute.
Als sie 70 Jahre alt war, wurde sie vom Schlag gerührt und lag drei Jahre lang krank, so dass ihre rechte Seite ganz tot war. Sie liebte aber den Heiland so sehr und wurde auch von den Klosterfrauen so sehr geliebt, dass diese sie alle Tage in die Kirche trugen, wenn die hl. Wandlung war.
Als endlich ihre Todesstunde kam, da leuchtete über ihr Antlitz eine besondere Schönheit und Helle, vergleichbar der holden Freude, welche sich zeigt auf dem Gesicht eines Kindes, wenn es nach längerer Trennung seine Mutter wieder sieht.
Sie wurde schon allgemein bei Lebzeiten als eine Heilige angesehen, eigentlich hieß sie Oringa, aber das Volk nannte sie wegen ihres wahrhaft christlichen Wandels Christiana - die christliche, und dieser Name ist ihr dann auch geblieben.
Als sie tot war, lief fortwährend eine zahllose Menschenmenge zu ihrer Leiche, um sie zu sehen. Die wunderbare Schönheit beim Sterben blieb ihr auch im Tod und man verspürte nicht die geringste Verwesung. So ließ man sie zehn Tage lang unbegraben. Als aber bei dem großen Zulauf auch eine Person von schlechtem Ruf zu dem Leichnam der Heiligen trat und ihn betrachtete, soll sich die Tote mit ihrem eigenen Kleid das Angesicht zugedeckt haben. Auch noch andere Wunder sind geschehen, durch welche Gott zeigte, wie wohlgefällig die Verstorbene vor seinen Augen sei.
Kirchengebet
O Gott, der Du die Herzen der Menschen Deinem Sohne darstellst und den Kleinen die Wunder Deiner Liebe offenbarst. Gib, dass auch wir in der Liebe zum Gekreuzigten und zur Unbefleckten Mutter die selige Christiana nachahmen und durch ihre Fürsprache Deine Hilfe erlangen. Durch unsern Herrn.
Quellen:
- Alban Stolz, Legende oder der christliche Sternhimmel
- Santi e beati