Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03161.jsonl.gz/2365

Der FC Sion hat am Dienstag in einer Mitteilung bekanntgegeben, dass die Eintrittskarten für die Heimspiele des Super-League-Klubs ab sofort personalisiert werden. Diese Massnahme zielt darauf ab, die Zuschauerkontrolle zu verbessern, das heisst zu verhindern, dass Fans trotz Verbot (aufgelistet in Hoogan, der nationalen Datenbank über Hooligans) die Tribünen des Tourbillon-Stadions betreten.
Sollte sich dieses in der Schweiz neue Vorgehen als unzureichend erweisen, denkt die Walliser Kantonsregierung bereits über eine andere, wesentlich restriktivere Lösung nach: die Installation von Kameras zur Gesichtserkennung an den Stadiontoren.
Konkret müsste jeder Fan sein Gesicht am Eingang vor eine Kamera halten, um das Drehkreuz zu aktivieren. Das Drehkreuz würde sich nur öffnen, wenn der Besucher nicht in der Hoogan-Datei registriert wäre.
Gegenüber watson bestätigte der für den Sport zuständige Walliser Staatsrat Frédéric Favre, dass die Gesichtserkennung «eine Option für die Zukunft sei. Sie könnte aktiviert werden, wenn wir sehen, dass Menschen die Kontrollen massiv unterlaufen, indem sie ihre Ausweisdokumente an Dritte verleihen. Aber es wäre schade, so weit zu gehen.» Er fügte hinzu, dass die Identifizierung von Videoaufnahmen in den letzten zwei Jahren vorgeschlagen wurde, aber noch nicht formell in Betracht gezogen wird.
Die Diskussionen zu diesem Thema waren so ernst, dass der Walliser Datenschutzbeauftragte hinzugezogen wurde. Sébastien Fanti sagt: «Frédéric Favre hat mich nach meiner Meinung zur möglichen Einführung von Gesichtskameras gefragt und ich habe mich nicht dagegen ausgesprochen. Einfach weil ich nicht möchte, dass mein neunjähriger Sohn mit Gewalt konfrontiert wird, wenn wir als Familie ins Stadion gehen. Aber wenn die aktenkundigen Hooligans wissen, dass ihre Gesichter am Eingang gescannt werden, werden sie sich nicht vor die Tore des Tourbillons trauen.»
Die Behörden wissen, dass eine solche Abschreckungsmassnahme die Sicherheitskosten (die von der Kantonspolizei auf 400'000 Franken geschätzt werden, wovon ein Teil vom FC Sion finanziert wird) reduzieren würde, aber auch, dass sie mit grosser Vorsicht zu geniessen ist. Es ist ein sensibles Thema. Auf Nachfrage wichen der Sittener Stadtpräsident Philippe Varone und Sions Klubpräsident Christian Constantin Fragen dazu aus, indem sie höflich auf Favre verwiesen.
Vorsicht ist bei vielen Unbekannten geboten. Gibt es zum Beispiel eine rechtliche Grundlage für die Identifizierung von Zuschauern mit Hilfe von Gesichtskameras? Staatsrat Favre hat sich mit dem Thema noch nicht beschäftigt, aber 2019 versicherte uns ein Sprecher der Waadtländer Kantonspolizei, dass es diese nicht gebe. Ein weiterer unbekannter Faktor ist der Datenschutz. Sébastien Fanti glaubt jedoch, dass dieser gewährleistet werden könne, «indem alle Informationen von Zuschauern gelöscht werden, die am Ende des Spiels nicht in Hoogan waren.»
Aber wird das Publikum noch kommen, wird es das Tourbillon noch als Stadion und nicht als Flughafen sehen? Viele Fans in den verschiedenen europäischen Ligen empfinden die Sicherheitsmassnahmen als zunehmend erdrückend, ja sogar als freiheitsfeindlich.
Manche prangern sie kollektiv an. Dies geschah in Frankreich vor zwei Jahren, nachdem der FC Metz eine Aktion mit gefilmten Kontrollen an den Eingängen durchgeführt hatte. Der Verein hatte an einem Wochentag heimlich Freiwillige von einer Gesichtserkennungsfirma zu einer Testreihe einbestellt. Die National Supporters' Association erfuhr erst später davon und fand das gar nicht gut.
"Nous refusons de devenir les rats de laboratoire de la reconnaissance faciale"— Asso.Nat.Supporters (@A_N_Supporters) January 24, 2020
L'ANS s’oppose fermement à l’utilisation de la reconnaissance faciale à titre expérimental dans les tribunes françaises et demande la suspension immédiate de tout programme en court. pic.twitter.com/qI4uYtb3DF
Die Gegenwehr verstärkte sich eine Woche später, als die französische Sportministerin Roxana Maracineanu die Identifikationstechnologie befürwortete und andeutete, dass sie auf andere Sportarten ausgeweitet werden könnte: «Diese Experimente zur Gesichtserkennung sollen bei den grossen Sportereignissen, die Frankreich organisiert, und bei anderen Sportereignissen, bei denen Frankreich sein Know-how exportieren kann, zum Einsatz kommen.» Die Schweiz sieht das noch nicht so.