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Für persönliche Dinge aus dem Leben legendärer Film- und Musikstars zahlen Sammler und Liebhaber bisweilen astronomische Preise. Auktionen brechen regelmässig Rekorde. Entsteht da etwa eine neue Anlageklasse?
Für einen ausrangierten Anzug, der mehrere Jahrzehnte auf dem Buckel hat, würde wohl kaum jemand eine grössere Summe auf den Tisch blättern. Für gewöhnlich landen solche Stücke im Müll oder in der Altkleidersammlung. Nicht so, wenn es sich um ein ganz besonderes Teil handelt. Die Rede ist vom weissen dreiteiligen Polyester-Suit, den John Travolta in seiner Rolle als Tony Manero im Kultfilm »Saturday Night Fever« getragen hat. 260.000 US-Dollar war das Disco-Outfit im April dieses Jahres einem Käufer wert. Das Geschäft war Teil einer gross angelegten Versteigerung des Auktionshauses Julien’s, bei der rund 1.400 Andenken und Requisiten aus Hollywood-Filmen unter den Hammer kamen. Dabei übertraf nicht nur Travoltas Anzug die Erwartungen. Auch das bunt bemalte Hoverboard von Michael J. Fox aus dem Blockbuster »Zurück in die Zukunft II« brachte mit 91.000 US-Dollar deutlich mehr ein, als von Julien’s taxiert. Genauso wie ein von Al Pacino handsigniertes Filmposter vom Mafia-Klassiker »Der Pate«, das für gut 32.000 US-Dollar den Besitzer wechselte.
600.000 US-Dollar für eine kaputte Gitarre
Nicht nur der Handel mit Film-Souvenirs boomt, auch für Erinnerungsstücke aus dem Leben und Wirken von berühmten Pop- und Rockstars werden zum Teil astronomische Preise bezahlt. Im Englischen werden solche kultigen Accessoires als Memorabilia bezeichnet. So wurde im zurückliegenden Mai eine zerschmetterte Gitarre des 1994 verstorbenen Nirvana-Frontmanns Kurt Cobain in New York für knapp 600.000 US-Dollar versteigert. Der Schätzwert der kaputten Fender Stratocaster hatte bei 80.000 US-Dollar gelegen.
Knapp 240.000 US-Dollar erzielte auf der gleichen Auktion eine grüne »Irish Falcon«-Gitarre, die einst im Besitz des U2-Sängers Bono war. Eine schwarz-goldene Jacke, die Michael Jackson 1992 während seiner »Dangerous«-Welttournee trug, brachte wiederum 117.000 US-Dollar ein.
Riesengeschäft mit Beatles-Souvenirs
Besonders beliebt unter Sammlern sind Memorabilia der Beatles. Auktionen, bei denen persönliche Dinge der Pilzköpfe unter den Hammer kommen, setzen regelmässig Standards. Man denke nur an John Lennons legendären psychodelisch bemalten Rolls-Royce Phantom V, der bereits im Jahr 1985 für die damalige Rekordsumme von 2,3 Millionen US-Dollar versteigert wurde. Oder an Paul McCartneys handgeschriebenen Liedtext des Klassikers »Hey Jude«, der im April 2020 mehr als 900.000 US-Dollar und damit das Sechsfache seines Schätzwerts einbrachte.
Auch persönliche Dinge von Freddie Mercury sorgen bei Versteigerungen regelmässig für Höchstpreise. Besondere Spannung verspricht die am 6. September 2023 anberaumte Auktion »Freddie Mercury: A World of His Own« von Sotheby’s in London. Versteigert werden rund 1.500 private Gegenstände der verstorbenen Legende. Alle Objekte stammen aus Mercurys Londoner Haus »Garden Lodge«, das Mercury seiner Freundin Mary Austin vermachte, als er 1991 verstarb. Wie Bloomberg berichtet, gehen Experten davon aus, dass die Auktion insgesamt mehr als 7 Millionen US-Dollar einbringen wird.
Memorabilia – eine Anlageklasse?
Auf den ersten Blick erscheint der Markt für Movie- und Musik-Memorabilia auch aus Anlegersicht nicht uninteressant. Doch im Gegensatz zum Kunsthandel oder anderen Sammlermärkten wie für hochwertige Uhren oder klassische Autos geht es auf dem Feld der Kult-Souvenirs sehr wild und unübersichtlich zu. Zwar haben sich einige Auktionshäuser wie Julien’s Auctions oder CooperOwen auf entsprechende Versteigerungen spezialisiert. Und auch Urgesteine wie Sotheby’s entdecken zunehmend das Potenzial dieser Nische.
Doch von einer eigenen Anlageklasse zu sprechen, davon ist der Handel mit Requisiten und Andenken mangels Transparenz und Liquidität weit entfernt. Wer einen von Dean Martin verwendeten Money-Clip für 4.500 US-Dollar oder einen von Liz Taylor getragenen Cowboy-Hut für 9.000 US-Dollar erwerben möchte, hat vermutlich eher persönliche Motive als Renditeerzielungs- oder Diversifikationsabsichten.
Noch am weitesten entwickelt ist der Markt für Sport-Memorabilia. Hier hat sich in den USA ein reger und strukturierter Handel mit Baseballkarten etabliert. So werden Karten der New York Yankees-Legenden Joe DiMaggio und Mickey Mantel – analog zum Aktienmarkt – auch schon mal als »Blue Chips« bezeichnet, die in keinem gut diversifizierten (Karten-)Portfolio fehlen sollten.