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Beto Marubo weilte Ende Juni 2023 in der Schweiz, um im Rahmen eines GfbV Benefiz-Abends Geld für den Schutz der in freiwilliger Isoliertheit lebenden Gemeinschaften im brasilianischen Amazonas zu sammeln. Im Interview erzählt er unter anderem über deren Situation und die politischen Entwicklungen in Brasilien.
Sie engagieren sich im brasilianischen Amazonas für Gruppen, die im Vale do Javari in freiwilliger Isoliertheit leben. Wie ist die Situation dieser Gruppen momentan?
Unter Lulas Regierung sind die freiwillig isoliert lebenden Gruppen in Brasilien genauso bedroht wie unter Bolsonaro. Im Javari Tal bedrohen Goldabbau, Rohstoffabbau und Drogenhandel und die mit diesen profitablen Geschäften einhergehende Gewalt diese Gemeinschaften. Um die Situation zu verbessern, sucht Lulas Regierung den Dialog, doch die beiden Kammern des nationalen Parlaments sind nach wie vor deutlich rechts. Und es ist das Parlament, das die Gesetze macht: Diese zielen weiterhin darauf ab, Indigenenrechte zu schwächen.
Hat sich in den letzten Monaten denn gar nichts geändert?
Die aktuelle Regierung hat ein Indigenenministerium erschaffen. In diesem Ministerium ist auch die Behörde angesiedelt, die für den Schutz der isoliert lebenden Gruppen zuständig ist. Dies ist ein Fortschritt, doch dem Indigenenministerium sind aufgrund der rechten Politik unter der letzten Regierung oftmals die Hände gebunden: Die tatsächlich getroffenen Schutzmassnahmen sind kaum nennenswert.
Wie organisieren Sie sich als UNIVAJA, um den Schutz dieser Gruppen zu stärken?
Einerseits schauen wir der Regierung auf die Finger und erinnern sie an ihre Versprechen und Verpflichtungen. Doch das allein genügt nicht. Deshalb nehmen wir die Dinge auch immer wieder selbst in die Hand: Wir lokalisieren isoliert lebende Gruppen, beobachten sie von Weitem und markieren ihre Territorien, um ihr Recht auf ihr Territorium durchzusetzen. Damit ergänzen wir behördliche Massnahmen. Manchmal müssen wir uns aber auch gegen die Behörden stellen: Dann reichen wir zum Beispiel eine Verfassungsklage gegen die Regierung oder Behörden ein. Damit versuchen wir diese auf gerichtlichem Weg zu verpflichten, die Rechte der isoliert lebenden Gruppen durchzusetzen.
Inwiefern muss auch die Schweiz als Sitz multinationaler Konzerne Verantwortung übernehmen?
Der Schutz der isoliert lebenden Gruppen in Brasilien ist nicht allein eine Sache der brasilianischen Regierungen. Er ist auch in der Verantwortung der Schweiz: Diese muss ihren internationalen Verpflichtungen nachkommen und ihren Handel transparent machen, insbesondere jenen mit Gold. Denn ein Teil des Goldes, darunter jenes aus dem Yanomami-Gebiet im brasilianischen Amazonas, ist mit einer Geschichte schwerer Menschenrechtsverletzungen verflochten – und wird auf dem Schweizer Finanz- und Goldplatz gehandelt. Davor darf die Schweiz die Augen nicht länger verschliessen.
Welche Unterstützung wünschen Sie sich von den Menschen in der Schweiz?
Mit finanzieller Unterstützung, wie sie auch die GfbV geleistet hat, kann ich meiner Gemeinschaft direkt und konkret helfen. Solche Massnahmen sind sehr wichtig, denn sie sind effizient und pragmatisch. Doch auch politische Massnahmen sind erforderlich: Menschen in der Schweiz müssen Druck auf die Regierung ausüben, damit in der Schweiz kein Gold und keine anderen Mineralien aus Indigenen Territorien mehr gehandelt werden.
Beto Marubo
Beto Marubo ist ein Indigener Aktivist aus dem Javari Tal, der sich seit Jahren für die Rechte der dort lebenden Indigenen Gemeinschaften einsetzt. Heute ist Beto Marubo Repräsentant der Union of Indigenous Peoples of the Javari Valley (UNIVAJA) und sensibilisiert die Öffentlichkeit und die Behörden national und international für den Schutz der in freiwilliger Isoliertheit lebenden Indigenen Gruppen.
Foto: Paulo Zero