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| Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat

9. Buch
19. Das Wort „Dämonen“ wird nicht einmal mehr von den Verehrern der Dämonen zur Bezeichnung eines guten Wesens gebraucht.
Doch ich muß mich jetzt, damit es nicht den Anschein gewinne, als würde auch ich nur um Worte streiten, über die guten Engel äußern; denn manche Dämonenverehrer, darunter auch Labeo, versichern, daß die Wesen, die sie als Dämonen bezeichnen, von anderen Engel genannt würden, wobei sie die Existenz guter Engel nicht in Abrede stellen, nur daß sie sie lieber gute Dämonen als gute Engel nennen. Wir dagegen lesen in der Schrift, die für uns als Christen maßgebend ist, zwar davon, daß die Engel teils gut, teils böse sind, nirgends aber von guten Dämonen ; sondern wo immer sich in diesen Schriften das Wort Dämon findet, sei es in der Form daemones oder daemonia, werden damit stets nur böse Geister bezeichnet. Und diesen Sprachgebrauch hat man sich so allgemein angeeignet, daß auch unter den sogenannten Heiden, die die Verehrung vieler Götter und Dämonen als Pflicht hinstellen, kaum einer im wissenschaftlichen Sprachgebrauch so zu Hause ist, daß er auch nur seinem Sklaven als Schmeichelei sagen möchte: „Du hast einen Dämon“, sondern niemand darüber in Zweifel sein kann, daß man mit einer solchen Anrede, man mag sie gegen wen immer gebrauchen, nur in dem Sinn verstanden werde, als habe man eine Schmähung gebrauchen wollen. Warum also sollen wir uns bei den angekündigten Ausführungen über die Engel dieses Wortes bedienen, das nun doch einmal bei so vielen, ja fast allen Ohren Anstoß erregt, weil man es nur im schlimmen Sinn zu nehmen pflegt, während wir diesem Anstoß, den der Name Dämon verursachen kann, durch Anwendung des Wortes Engel aus dem Wege gehen können?