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Psychische Folgen des 11. September
Eine Studie über die Prävalenz von posttraumatischem Stress und Depression in der Bevölkerung Manhattans nach dem 11. September.

Titel
Psychological sequelae of the September 11 terrorist attacks in New York City.
Autoren
Galea S, Ahern J, Resnick H, Kilpatrick D, Bucuvalas M, Gold J, Vlahov D.
Quelle
N Engl J Med. 2002 Mar 28;346(13):982-7
Abstract
Fragestellung
Die vorliegende Studie evaluiert die psychischen Folgeerscheinungen in der Bevölkerung Manhattans fünf bis acht Wochen nach dem Anschlag auf das World Trade Center und untersucht, welche Faktoren das Auftreten von Depression und posttraumatischem Stress begünstigten.
Hintergrund
Der Terroranschlag am 11. September 2001 auf das World Trade Center war der grösste Terrorakt der amerikanischen Geschichte. Allein in Manhattan verloren über 3’000 Menschen ihr Leben.
Methoden
Studiendesign
Die Daten dieser Querschnittsstudie wurden mittels telephonischer Befragung erhoben. Dazu wurden in einem Randomisierungsverfahren Telefonnummern südlich der 110. Strasse angewählt. Aus jedem so erreichten Haushalt wurde eine erwachsene Person zufällig für das Interview ausgewählt. Als Zufallsgenerator diente dabei das aktuellste Geburtsdatum innerhalb des Haushaltes, d.h. diejenige Person mit dem aktuellsten Geburtsdatum wurde befragt. Insgesamt willigten 64.3% der Angerufenen in die Befragung ein.
Einschlusskriterien
Einwohner von Manhattan (zwischen 16. Oktober und 15. November offiziell registriert als Einwohner) südlich der 110. Strasse.
Ausschlusskriterien
Angerufene wurden ausgeschlossen, wenn für den erreichten Haushalt Gewichtungsvariablen wie Anzahl Erwachsene im Haushalt oder Anzahl Telefone im Haushalt fehlten.
Primäre Endpunkte
- Häufigkeit Posttraumatisches Stresssyndrom (PTSD)
- Häufigkeit Depression
Sekundäre Endpunkte
Vorhersagefaktoren für Depression oder PTSD.
Beobachtungszeitpunkt
Status quo 5-8 Wochen nach dem 11. September.
Resultate
Basisdaten
Siehe Tabelle 1
Primäre Endpunkte
Siehe Tabelle 2
Sekundäre Endpunkte
Siehe Tabelle 3
Diskussion durch die Autoren
Die Autoren ziehen folgende Schlüsse aus den Resultaten ihrer Studie:
- Im Vergleich zu bekannten Prävalenzwerten aus der Allgemeinbevölkerung sind die gefundenen Werte für PTSD und Depression fast doppelt so hoch.
- Die direkt vom Anschlag (Wohnen in der Nähe vom WTC, Besitzverlust) betroffenen Personen haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, PTSD und Depression zu entwickeln.
- Obwohl die Art des Studiendesigns keine Aussagen über einen direkten prognostischen Zusammenhang zwischen initialen Panikattacken und dem Auftreten von PTSD oder Depression zulässt, deuten die Resultate auf einen solchen Zusammenhang hin und bestätigen Beobachtungen aus anderen Studien, die ebenfalls einen Zusammenhang zwischen den initialen emotionalen Reaktionen nach einem Trauma und der Entwicklung von PTSD oder Depression gefunden haben.
- Die anhaltende Bedrohung für terroristische Anschläge dürfte dazu führen, dass der Schweregrad und die Dauer von PTSD und Depression beeinflusst werden. Aus diesem Grund sollte die prognostische Rolle einzelner Vorhersagewerte in weiteren Studien untersucht werden.
Zusammenfassender Kommentar
Die gemachte Querschnittstudie belegt die psychischen Folgen des Terroranschlags vom 11. September auf die, dem WTC benachbarte Wohnbevölkerung. Da diese Studie keine Vergleichsgruppen beinhaltet, können die gefundenen Werte nur mit historisch vergleichbaren Situationen oder bekannten Basisdaten verglichen werden.
In einem Kommentar zu dieser Studie wurde gefragt, ob die erhöhte Prävalenz für PTSD und Depression auch zu einer höheren Beanspruchung von «Mental health services» in Manhattan geführt hatte. Die Autoren entgegnen auf diesen Kommentar, dass 16.9% der Befragten in den 30 Tagen vor dem 11. September einen «Mental health services» in Anspruch genommen haben und 19.4% der Befragten in den 30 Tagen danach.
Bemerkungen zu Studiendesign und Beschreibung
In der Studie fehlen Angaben über die Grösse der Gesamtpopulation, woraus die Stichprobe gezogen wurde. Aus Hochrechnungen lässt sich abschätzen, dass die 1’002 befragten Personen etwa 0.1% der Gesamtbevölkerung ausmachen (alle Bewohner südlich der 110. Strasse). Ob diese Stichprobe gross genug ist, um repräsentative Aussagen machen zu können, wird nicht beschrieben.
Die Studie dürfte möglicherweise einige Biases aufweisen:
- Durch die Verweigerung teilzunehmen (35.7%).
- Durch die telefonische Befragung: Bewohner, die nicht über einen Festnetzanschluss verfügten, wurden ausgeschlossen.
- Indem keine Aussagen gemacht werden über Personen, die zwischen dem 11. September und dem 16. Oktober auf Grund der Ereignisse möglicherweise aus dem fraglichen Stadtgebiet weggezogen sind.
Besprechung von Dr. phil. nat. Klazien Matter-Walstra und Dr. med. Fritz Grossenbacher, Master of Medical Education, Mediscope Knowledge Center
N Engl J Med. 2002 Mar 28;346(13):982-7 - S. Galea et al
14.02.2004 - dde