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Umgang mit einer unerwarteten Situation Oktober 2019
Nayra war am Working Test Romandie Ende September erstmals blockiert, als sie die zweite Markierung von einem Doppelmark bringen sollte. Sie suchte, fand, und blieb in Nähe des Dummys stehen, eingefroren, rechtwinklig zu mir ausgerichtet, den Kopf waagrecht unbeweglich haltend, die Rute tief.
Sie war nicht in der Lage, das Dummy vom Boden aufzunehmen. Erst nach wiederholtem Ermuntern (eine Null war ja bereits notiert wegen Blinkens) brachte sie mir das Dummy.
Meine Interpretation: eine Duftmarke am Boden in Nähe des Dummys war für Nayra in dieser Situation zu stark, hat sie aus der Bahn geworfen.
Nayra startete freudig in die Prüfung, ausser ihres wechselnden bis fehlenden Appetits seit einer Woche war mir zu Hause nichts aufgefallen. Ihre Portion Kalorien erhielt sie als Leckerbissen aus meiner Hand, so konnte sie fressen.
Wer eines meiner Seminare besuchte, hat gelernt: Verhalten steht immer in einem Kontext, das selbe Verhalten kann verschiedene Ursachen haben. Es lohnt sich genauer hinzusehen, statt eine Etikette dran zu hängen. Unerwünschtes Verhalten ordnen wir ein; erstens: welches ist der Funktionskreis: Soziales / Sicherheit / Fortpflanzung? und zweitens: wie ist die aktuelle emotionale Verfassung: Neugier/Jagdverhalten oder beispielsweise Stress/Angst.
Bei der nächsten Aufgabe an dem Working Test, abermals eine Doppelmarkierung, stoppte Nayra wiederum auf dem Weg zum zweiten Dummy, und zwar genau an der Stelle, wo die 15 Hunde der Beginner Klasse ziemlich gestresst sitzen mussten; ihr Führer lief allein weg, und hinter dem Hund fiel eine beschossene Markierung. Diese Po-Abdrücke hinterliessen Duftspuren, die Nayras Interesse ablenkten, und zwar im aversiven (unangenehmen) Sinn: sie war abermals eingefroren und war völlig blockiert.
Weshalb Nayra nicht über die völlig alltäglichen Gerüche hinweg kam, lag an ihrem aktuellen hormonellen Status. Sie war gerade 60 Tage nach Stehtagen der Läufigkeit, hatte deutliche Zeichen von Scheinträchtigkeit (wechselnder Appetit, Gesäugeanbildung mit Milchproduktion, leckte häufig an der Vulva). Was braucht nun eine Hündin um den Geburtstermin? Ruhe, Sicherheit, aber gewiss nicht Gerüche von vielen fremden Artgenossen. Meine Nähe war ihr besonders wichtig, sie hat sich nicht von mir lösen können selbst für einfache Markierungen, ihr Tempo war sehr gehemmt.
Eine gehemmtes Verhalten, oder gar eine Blockade, muss unbedingt ernst genommen werden. Wenn mein Hund kommuniziert: "das geht jetzt gerade nicht!" so akzeptiere ich das. Ich analysiere die Hintergründe dieses hundlichen Entscheids: entweder habe ich ihn zuwenig sorgfältig ausgebildet, die Situation war zu komplex, die Signale nicht klar genug. Oder es sind weitere, extrinsische oder intrinsische Faktoren, die zu einer Blockierung führen. Die Erkenntnis trägt zu einer Erweiterung meines persönlichen Horizonts bei und ist der Schlüssel zu echtem Vertrauen.
Ein Hund mit einer Verhaltensänderung gehört medizinisch abgeklärt. Ich habe eine umfassende Blutuntersuchung gemacht und festgestellt, dass Nayra eine temporäre Unterstützung benötigt, bis die hormonelle Situation sich beruhigt hat.
Meine tiefe Liebe zum Wesen Hund lässt nicht zu, dass ich Nayra davon überzeugen soll, etwas zu tun, das sie gerade nicht kann. Nayra hat am Working Test in Oberwald gezeigt, was möglich ist, wenn alles stimmt. Nun begleite ich sie durch diese schwierige Phase und freue mich auf frische Lust!
Galerie
leider fehlen noch die Bilder dazu ;-)
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Trainingsferien im Engadin auf Hof Zuort, September 2018
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Trainings-Weekend im Gasterental Juli 2018
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Foto: Nala, Nyra, Mambo, Amy, Jester und Jalu
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Trainer: Guido Picenoni; Organisation: Andrea Feist
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