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Viele Marken lassen zwar einen Hinweis auf die Währungseinheit vermissen, sie enthalten jedoch die Wertangabe in Ziffern oder Worten, was durch den Weltpostverein auch von seinen Mitgliedern gefordert wird.
Aus früherer Zeit sind aber Marken bekannt, bei denen auf einen Werteindruck verzichtet wurde. Waren die Marken nur im Inland gültig, wie zum Beispiel bei den Zeitungsmarken oder gab es nur eine Marke für diesen Gültigkeitsbereich, konnte auf einen Wertangabe verzichtet werden.
Es gab auch mehrfach Marken, die im Auslandverkehr oder zwischen den Kolonien und dem Mutterland gültig waren und ohne Wertangabe geblieben sind. Bei diesen entschied die Druckfarbe über den Verkaufs- und Frankaturwert. Das war nur dann möglich, wenn im betreffenden Postgebiet die Tarifstruktur einfach war, so dass nur wenige verschiedenfarbige Marken notwendig waren.
In verschiedenen Ländern wird auch heute noch die Druckfarbe als Erkennungszeichen für den Verwendungszweck, Drucksache, Inland und Ausland, gemäss den ehemaligen Weisungen für die Farbverwendung des Weltpostvereins eingesetzt.
Ionischen Inseln
Die Republik der Ionischen Inseln war ein Staatswesen, das im 19. Jahrhundert die griechischen Inseln Korfu, Kythira, Antikythira, Lefkada, Ithaka, Kefalonia, Paxos, Antipaxos und Zakynthos umfasste. Sie entstand 1800, nachdem 1797 die über Jahrhunderte währende Herrschaft der Republik Venedig über die Inseln geendet hatte. 1815 erhielten die Briten die Oberherrschaft über die Ionischen Inseln. Diese dauerte bis 1864, als die Ionischen Inseln mit dem Königreich Griechenland vereint wurden.
Am 15. Mai 1859 erschienen die ersten und einzigen Briefmarken der Republik der Ionischen Inseln, welche die britische Königin Victoria zeigen. Die Wertstufen waren ½d, orange; 1d, blau und 2d, braunrosa. Eine Wertangabe ist nicht vorhanden.
Die Briefmarken wurden in London bei Perkins, Bacon & Co gedruckt. Die Auflage war jeweils 50.000 Stück pro Wert.
Vorsicht vor Fälschungen. Lesen sie » hier mehr zur Markenausgabe der Ionischen Inseln, in Englisch.
Frankreich
Passend zu den anstehenden Sommerferien gab die französische Post am 30. Juni 2015 ein » Markenheftchen mit 12 selbstklebenden Marken ohne Werteindruck heraus. Damit kann ein lettre verte unbeschränkt frankiert werden. Der Brief bis 20 Gramm muss in Frankreich aufgegeben und innerhalb von Frankreich, Andorra oder Monaco zugestellt werden. Die Marken können auch in Mehrfachfrankatur verwendet werden, wenn das Gewicht oder die Priorität höher ist oder das Ziel im Ausland liegt. Die Post hat dazu im Internet eine Berechnungstabelle bereitgestellt.
Die Marken wurden vom Künstler PEF gestaltet. Er hat die Ferien humorvoll und zart, voller unerwarteter Begegnungen dargestellt.
Der aktuelle Verkaufspreis beträgt für das Markenheftchen mit den 12 verschiedenen Motiven 8.40 €.
Barbados
Am 1. August 1851 wurde die Kolonialbehörde verantwortlich für den inländischen Postverkehr, aber das britische General Post Office in London behielt bis 1858 die Kontrolle über die Post ins Ausland.
Die ersten Briefmarken von Barbados wurden am 15. April 1852 herausgegeben und zeigen die auf Handelsgut sitzende Britannia mit einem Schiff im Hintergrund. Diese erste Ausgabe hat keine Wertangabe und die Wertstufen waren an den Farben ersichtlich: grün für ½d, blau für 1d, schiefer-grau für 2d und braun-rot für 4d. Von den ½d gibt es die Farbvarianten gelb-grün und dunkel-grün. Die Marken wurden auf weisses Papier ohne Wasserzeichen gedruckt. Dieses verfärbte sich beim Druckvorgang bläulich, als bei der Befeuchtung Kalium austrat. Die Marken sind aus dem Bogen mit 110 Marken mit 11 Zeilen zu 10 Marken geschnitten.
Die ersten 10.000 grünen ½d und 50.000 blauen 1d, welche am 30. Dezember 1851 bei Perkins, Bacon & Petch in London bestellt wurden, erreichten die Kolonie nicht, da das Schiff Amazon auf See verloren ging.
Die Portostufe für das Inland war 1 Penny pro ½ Unze für den vorausbezahlten Brief, jede weitere ½ Unze kostete ebenfalls 1d.
Zeitungen wurden bis 1854 unentgeltlich befördert. Ab dann kosteten Zeitungen im Inland ½ d. Bücher und Zeitschriften bis 8 Unzen kosteten 1d.
Drucksachen kosteten ½d. Barbados war die erste britische Kolonie, die die ½d Rate einführte.
Vom 4. August bis 21. September 1854 wurde die 2d Marke auch halbiert verwendet, da an 1d Marken Mangel herrschte. Diese kann nur auf Brief gesammelt werden.
Briefe nach den Westindischen Inseln kosteten 4d. Dazu kam das Inlandporto von 2d, das dem Sender, wie dem Empfänger verrechnet wurde.
Das gleiche Motiv wurde mit entsprechenden Namen der Kolonien auch in Trinidad und Mauritius eingeführt.
Österreich - Zeitungsmarken
Die österreichischen Zeitungsmarken vom Typ Merkur trugen von 1851 bis 1880 keine Wertangabe, der Frankaturwert war nur anhand der Farbe der Marke erkennbar. Dadurch konnten sie sowohl in Österreich, als auch im Königreich Lombardo-Venetien das Teil von Österreich war, aber die italienische Silberwährung besass, verwendet werden. Entworfen hatte diese Marken, die den römischen Götterboten zeigen, der österreichische Kupferstecher Josef Axmann.
Gedruckt wurden die Marken auf zum Teil geripptem Maschinenpapier unterschiedlicher Stärke. Die Merkurmarken wurden nur in ganzen Bogen zu 80 Marken an die Zeitungsversender verkauft.
Zeitungen konnten damals zu ermässigtem Porto versandt werden:
0.6 Kreuzer beziehungsweise 3 Centesimi für eine Zeitung. Dafür wurde der blaue Merkur verwendet. 6 Kreuzer beziehungsweise 30 Centesimi für 10 Zeitungen. Dafür wurde der gelbe Merkur verwendet. 30 Kreuzer beziehungsweise 1.5 Lira für 50 Zeitungen. Dafür wurde der rosa Merkur verwendet.
Da der Versand von 50 Zeitungen an eine Adresse relativ selten war, wurde der rosa Merkur im Oktober 1852 abgewertet und gleichzeitig mit dem blauen Merkur für den Versand von einer einzelnen Zeitungen verwendet.
Beim gelben Merkur tauchten ebenfalls mehrere Probleme auf. Die Markenfarbe gelb erwies sich für die Verwendung auf Zeitungen als ungünstig gewählt. Das Markenbild war meist nur schlecht erkennbar. Ausserdem war es mit chemischen Mitteln leicht, zum Schaden der Post einen blauen in einen gelben Merkur zu verändern. 1856 entschloss man sich schliesslich zu einer Änderung der Farbe beim gelben Merkur. Die verbliebenden Restbestände des gelben Merkurs wurden ab März 1856, wie der rosa Merkur, für die Frankierung einer einzelnen Zeitung aufgebraucht.
Der neue, zinnoberrote Merkur mit einem Wert von 6 Kreuzer beziehungsweise 30 Centesimi war für 10 Zeitungen zu verwenden. Auf Grund mangelnder Nachfrage wurde diese Zeitungsmarke bereits am 31. Dezember 1858 für ungültig erklärt. Ein Aufbrauch fand auf Grund der niedrigen Auflage nicht statt.
Die Auflage beim blauen Merkur betrug 136.000.000 Stück. Vom zinnoberroten Merkur wurden 120.000 Stück gedruckt.
Die Marken waren bis zum Aufbrauch, längstens jedoch bis 31. Mai 1864, der zinnoberrote Merkur bis am 31. Dezember 1858, gültig.
Von den Merkur-Marken gibt es zahlreiche » Neudrucke und Fälschungen. Die Zeitungsmarken sind kein einfaches » Sammelgebiet.
Grossbritannien - 1st- and 2nd-class-letter
Auf den 16. September 1968 führte die Britische Post neue Tarifstrukturen ein.
Der Tarif für die Postkarte wurde abgeschafft. Die Gewichtsstufen wurden angepasst - und - es wurden die first class und second class letter eingeführt.
Der Anspruch der Post war, beim first class service 90% der Briefe am nächsten Werktag zuzustellen und im second class service 95% innerhalb von drei Werktagen auszuliefern.
Nach 16 Tarifanpassungen vom 16. September 1968 bis am 5. September 1988 wurden zur Kosteneinsparung bei der Briefmarkenherstellung am 22. August 1989 neue Briefmarken ohne Wertangaben herausgegeben. Die Unterscheidung über den Verwendungszweck wurde durch die Bezeichnung des Services gemacht: 1ST und 2ND.
Lesen sie » hier mehr.
Eine andere Art von fehlenden Wertangaben ist das Fehlen der entsprechenden Druckfarbe.
Grossbritannien, Königin Elisabeth II, Ausgabe 1969, Investitur des Prinzen von Wales, 3 zusammenhängende Werte zu je 5d. Die Druckfarbe schwarz ist ausgegangen oder wurde nicht gedruckt. Deshalb fehlen Wert und Beschriftung auf den Marken. Fehler in den Druckvorgängen kamen bei der britischen Post in dieser Zeit relativ häufig vor und wegen mangelhafter Kontrolle gelangten die Marken in den Verkauf.
Im Artikel über die britischen EFTA-Marken von Paul Mathieu in der Zeitschrift Stamp Magazine vom März 2017 ist die Fehlerhäufigkeit wie folgt beschrieben: 1950er-Jahre: 0 Fehler; 1960er-Jahre: 300 Fehler; 1970er-Jahre: 143 Fehler; 1980er-Jahre: 7 Fehler.
Abgebildete Marken: Grosvenor Auktion, Verkauf 27.
Im Januar 2017 kamen drei Probedrucke der Schweizer Druckerei Helio Courvoisier SA ans Licht, die diese im Auftrag der Londoner Firma House of Questa für die königliche britische Post 1997 hergestellt hatte.
Da Questa zu dieser Zeit keine Kapazität für Aetztiefdruck (Fotolithographie) hatte, erteilte ihr die Royal Mail die Erlaubnis, die Helio Courvoisier SA damit zu beauftragen, die Probedrucke zu erstellt.
Helio Courvoisier SA druckte zu dieser Zeit Marken für Kenia und für diese Probedrucke ohne Wertangabe wurde das gleiche gestrichene Papier ohne Phosphorstreifen verwendet. Es existieren drei verschiedene Drucke zu den damaligen Werten: dunkelgrün (2p), grau (29d) und orange (1st). Gedruckt wurden die Marken in Bogen zu 100 Stück (10x10). Die Zähnung ist 15x14. Interessanterweise fehlt das elliptische Loch, das 1993 bei den britischen Marken als Sicherheitsmerkmal eingeführt wurde. Die Anordnung der Zähnung lässt den Schluss zu, dass 2 Bogen gleichzeitig gedruckt wurden. Im Bogenrand ist zu lesen: PRINTED BY HELIO COURVOISIER S.A. LA CHAUX-DE-FONDS, SWITZERLAND. Wie viele Bogen effektiv gedruckt wurden, ist im Moment aber nicht bekannt.
Helio Courvoisier SA konnte aber den folgenden Druckauftrag nicht produzieren. Dieser ging an MDC Corporation Byfleet, Surrey. Die Firma Helio Courvoisier SA, die 1880 gegründet wurde und seit 1937 Marken druckte, ging 2001 in Konkurs.
Die drei Bogen, die sich in Privatbesitz befanden, konnten an der Spring Stampex 2017 in London ausgestellt werden. Heute sind die Bogen im Besitz der Auktionsfirma Daniel F. Kelleher Auctions in Danbury, Connecticut, USA. » Link.