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Lava auf La Palma nähert sich dem Meer
Glühende Lavaströme wälzen sich bergabwärts Richtung Atlantik. Beim Eintreffen werden Explosionen und giftige Dämpfe erwartet.
Gigantische, glühende Lavaströme wälzen sich langsam aber sicher Richtung Meer, nachdem ein Vulkan auf der Kanareninsel La Palma ausgebrochen ist. Umfangreiche Evakuierungen haben Opfer verhindert, aber die Lava zerstört auf ihrem Weg bergabwärts alles, was sich dort befindet. Wo zuvor grünes Land war, verläuft nun eine schwarze Spur der Zerstörung. Rund 100 Häuser liegen in Schutt und Asche.
Mariano Hernández, Leiter der Inselverwaltung, sagte, eine sechs Meter hohe Lavawand zerstöre Häuser, Infrastruktur und Ernten auf ihrem Weg ins Meer. Es wurde erwartet, dass sie noch am Montag gegen Sonnenuntergang in den Atlantik strömt. Dann wird mit Explosionen und der Freisetzung säurehaltiger Dämpfe gerechnet. Der Handelsschifffahrtsverkehr um La Palma wurde ausgesetzt.
Keine Menschenleben in Gefahr
Rund 5000 Menschen wurden evakuiert, nachdem der Vulkan am Sonntag im Bereich der Bergkette Cumbre Vieja ausgebrochen war. Menschenleben sind nicht mehr in Gefahr, wie Ángel Víctor Torres, der Regierungschef der Kanaren, dem Radiosender SER sagte. «Wir erwarten keine weiteren Eruptionen», sagte Torres, «und wir hoffen, dass niemand verletzt wurde». Es habe keine grösseren Schäden gegeben, der Luftverkehr sei nicht beeinträchtigt.
«Die Lava wird vermutlich keine Menschenleben kosten, aber alles zerstören, was sich im Weg befindet», erklärte Nemesio Pérez, der wissenschaftliche Koordinator des Kanarischen Vulkanologischen Instituts. Auch am Montag floss nach Angaben des Instituts Lava in zwei Strömen mit 700 Meter pro Stunde durch ein weitgehend unbewohntes Gebiet in Richtung Meer. Die Ströme fliessen 200 Meter voneinander entfernt und werden sich vermutlich vereinen, bevor sie das Ufer erreichen.
Erhöhte seismische Aktivität war bereits seit einer Woche gemessen worden. In dem Gebiet im Süden der Insel brach zuletzt 1971 ein Vulkan aus.
Eruptionen könnten Monate dauern
Der Ausbruch ereignete sich in einem als Cabeza de Vaca bekannten Gebiet am westlichen Hang der Bergkette. Ein Lavastrom ergoss sich entlang des Hangs, näherte sich einer Gruppe von Häusern im Dorf El Paso und wälzte sich durch die Stadt Los Llanos de Aridane.
Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez sagte seine geplante Reise zur UN-Vollversammlung in New York ab, um sich nach La Palma zu begeben. Nach einem Treffen mit zuständigen Stellen auf der Insel versicherte er den Bewohnern, alle nötigen Mittel und Einsatzkräfte seien vorhanden.
Der seismologische Leiter des Nationalen Instituts für Geologie in Spanien, Itahiza Dominguez, sagte dem Sender RTVC, noch könne nicht gesagt werden, wie lange der Ausbruch dauern werde. Frühere Eruptionen auf den Kanaren hätten aber Wochen oder sogar Monate gedauert, sagte er. Die Gefahr für die Menschen aber sei vorüber.
Die zu Spanien gehörende Insel hat rund 85’000 Einwohner. Das betroffene Gebiet im Süden der Insel ist nur dünn besiedelt. Vor der Eruption wurde am Sonntag ein Erdbeben der Stärke 4,2 registriert. Das Wissenschaftliche Komitee des Vulkangefahr-Präventionsplans erklärte, für einen Abschnitt der Südwestküste der Insel bestehe die Gefahr von Steinschlag.
dpa