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Radon ist ein im Boden produziertes, natürliches, radioaktives und messbares Edelgas, das in die Luft übertritt. Die Radonexposition in Gebäuden, die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs, wird als Risiko auch heute noch oft unterschätzt!
Radon, ein geruchs-, geschmacks- und farbloses radioaktives Edelgas, entsteht massgeblich als Radon-Isotop 222Rn in der Uranzerfallsreihe. Uran ist überall im Untergrund vorhanden, in kristalinem Gestein in grösserer Menge, wie in anderen geologischen Schichten. Beim natürlichen Zerfall von Uran (U) entsteht nach einigen anderen Elementen Radium (Ra) und daraus dann Radon (Rn). Radonatome zerfallen mit einer Halbwertszeit (die Zeit in der die Hälfte der Atome zerfallen) von 3.82 Tagen und geben dabei Alphateilchen (Heliumnuklide) ab. Aus Radon entstehen der Reihe nach verschiedene Isotope von Polonium (Po), Bismuth (Bi) und Blei (Pb). Die Radonfolgeprodukte sind bis auf das 206Pb (stabiles Isotop von Blei), dem letzten Produkt in dieser Kette, Alpha- oder Betastrahler, die z.T auch Gammastrahlung emittieren. Diese Elemente sind nicht mehr gasförmig, sondern kleinste, elektrostatisch geladene Festkörper, die sich Aerosolen (Luftgetragene Festkörper oder Tropfen) und an Oberflächen anhaften.
Über luftdurchlässige Pfade im Boden findet das Radon Wege in die Atmosphäre und so auch in die Atemluft von Lebewesen. Im Freien verdünt sich das Radon schnell, aber in Räumen, vor allem in schlecht gelüfteten, kann sich das Radon anreichern. Eingeatmete oder in der Lunge entstandene Radonfolgeprodukte, die sich in den Bronchien und Alveolen festsetzen, reizen das nahe Gewebe und schädigen das Erbgut (DNA-Strangbrüche) in nahen Zellen, was zu einem Karzinom (Krebs) führen kann. Das noch nicht zerfallene Radon wird entweder wieder ausgeatmet oder über den Hauptkreislauf innerhalb kurzer Zeit ausgeschieden.
Radon, eine bis heute oft unterschätzte Gefahr!
Radon mit seinen Folgeprodukten sind in der Schweiz für 200 bis 300 Todesopfern pro Jahr, also ca 10 % aller Lungenkrebsfälle, verantwortlich und stellt somit nach dem Rauchen, noch vor Asbest, die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs dar. Das Lungenkrebsrisiko ist umso grösser, je höher die Radonbelastung in der Atemluft ist und je länger man diese Luft einatmet. Zwischen der Belastung des Lungengewebes und dem Auftreten von Lungenkrebs können Jahre bis Jahrzehnte vergehen. Bei Lungenkrebs handelt sich um eine bösartige, kaum zu therapierende Form des Krebses, die daher fast ausnahmslos binnen kurzer Zeit nach der Diagnose zum Tode führt.
Besonders gefährdet sind Raucher, die einer erhöhten Radonkonzentration exponiert sind - Die Kombination von Rauchen und Radonbelastung verzehnfacht das Erkrankungsrisiko.
|Todesursache||Tote / Jahr|
|Krebsfälle 2007||16'022|
|Tabakkonsum 2007||9'201|
|Radon 2007||240|
|Asbest Spätfolgen 2007||200|
|heutige Asbestexposition (zukünftige Tote / Jahr)||(23)|
Repräsentative Studien zeigen mittlerweile, dass bereits bei Strahlungswerten ab 100 - 200 Becquerel pro Kubikmeter Raumluft (Bq/m3) und ganztägiger Exposition das Auftreten von Lungenkrebs signifikant zunimmt. Nach heutigem Erkenntnisstand geht man von einem linearen Risikoanstieg, ab theoretischen 0 Bq/m3 betrachtet (keinen Schwellenwert), von ca. 16 Prozent pro Anstieg der Radonkonzentration um 100 Bq/m3 aus. Dabei ist das relative Lungenkrebsrisiko durch Radon für Raucher und lebenslange Nichtraucher vergleichbar hoch. Da Raucher aber ein ca. a 25-fach höheres Ausgangsrisiko für Lungenkrebs haben, führt ein vergleichbar hohes relatives Risiko zu einem deutlich höheren absoluten Risiko für Raucher als für Nichtraucher.
Berufliche Strahlenbelastung durch Radon
Wer in seiner beruflichen Tätigkeit oder bei seiner Ausbildung durch eine kontrollierbare Strahlung eine effektive Dosis von mehr als 1 mSv pro Jahr akkumulieren kann gilt als beruflich strahlenexponiert. Personen unter 16 Jahren dürfen nicht beruflich strahlenexponiert werden, für Jugendliche sowie Schwangere und Stillende gelten besondere Schutzbestimmungen. Die meisten beruflich strahlenexponierten Personen sind im Gesundheitswesen zu finden (Röntgen, Strahlentherapie).
Dass Radon im Untertagbau Arbeiter gesundheitlich schädigen kann ist seit langem bekannt: Bald nach Entdeckung des Elements (um 1900), wurde Radon in den Bergbaustollen im Erzgebirge nachgewiesen. Da entstand bereits der Verdacht, dass Radon die Ursache für den Lungenkrebs unter Arbeitern im Erzbergbau sei – ein Krebs, der seit dem 16. Jahrhundert unter der Bezeichnung „Schneeberger Krankheit“ bekannt war.
Radon kann sich in (Hohl-) Räumen aufkonzentrieren, so dass der beruflich bedingte Aufenthalt an Orten mit hohen Radonkonzentrationen mit eine Strahlenbelastung darstellt. Für die Radonkonzentration am Arbeitsplatz gilt zur Zeit ein über die monatliche Arbeitszeit gemittelter Grenzwert von 3'000 Bq/m3 (StSV, Art. 110).
Arbeitsplätze mit potentiell hohen Radonkonzentrationen befinden sich insbesondere:
- in Wasserwerken
- im Untertagebau
- in Militäranlagen
Der Arbeitgeber ist für den Gesundheitsschutz seiner Mitarbeiter verantwortlich. Dieser Verantwortung wird er nur gerecht, wenn er die Strahlenexposition seiner exponierten Arbeitnehmer überwacht und erforderliche Massnahmen trifft.
Häusliche Exposition mit Radon
Nach dem Radon auch in Wohnräumen in gefährlichen Konzentrationen entdeckt wurde, starte man in den 80er Jahren in vielen Ländern, so auch in der Schweiz, umfangreiche Messkampagnen, die das Ausmass der Radonbelastung von Gebäuden in verschiedenen Regionen aufzeigen sollen. Auf der Basis dieser Messdaten und dem damaligen Wissen zur Dosis-Wirkung-Beziehung, erfolgte 1993 eine erste Radonrisikoeinschätzung für die Bevölkerung und 1994 wurde für Neubauten und sanierten Gebäuden ein Richtwert von 400 Bq/m3 (Mittelwert), der nicht Überschritten werden sollte und einen Grezwert von 1'000 Bq/m3 (Mittelwert), bei dessen Überschreitung Massnahmen zu ergreifen sind, rechtsverbindlich für für Wohn-, Gewerbe, Schul- und Verwaltungsbauten festgelegt.
Die 1994 eingeschlagene Richtung mit hohen Grenz- und Richtwerten genügt heutigen Erkenntnissen nicht mehr. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, dass ein Referenzwert von 100 Bq/m3 in Wohnräumen im Mittel nicht überschreiten werden sollte. Falls dieses Niveau in einem Land aufgrund besonderer Umstände nicht erreicht werden kann, soll das Referenzniveau nicht über 300 Bq/m3 liegen.
Mit erhöhten Radonkonzentration in Gebäuden ist nach dem neuen (noch nicht offiziellen) Risikomodell in nahezu allen Regionen der Schweiz zu rechnen. Die höchsten Radonwerte sind in den Kantonen Tessin, Uri, Graubünden und Neuenburg zu finden. Nebst dem uranhaltigen Gestein im Untergrund beeinflusst die Luftdurchlässigkeit der Schichten darüber und die Deckschicht massgeblich das austreten von Radon. Das Eindringen des Gases in Gebäude wird durch die Dichtigkeit der Gebäudehülle gegen das Erdreich und die Druckverhältnisse im und ausserhalb des Gebäudes bestimmt.
Man geht davon aus, dass Radon für etwa 58% der Belastung der Bevölkerung durch radioaktive Strahlung verantwortlich ist. Gemäss einer Studie Indoor Air 2013, von Hauri et al,, sind in der Schweiz 0.2 % der Bevölkerung einer durch Radon verursachten radioaktiven Exposition von mehr wie Durchschnittlich 300 Bq/m3 und 26.4 % einer von mehr wie 100 Bq/m3 in iherm häuslichen Umfeld ausgesetzt.
Die Allgemeinbevölkerung ist vor allem in Gebäuden, in die aus dem Baugrund Radon eintritt, einer Strahlenexposition durch Radon und deren Folgeprodukten ausgesetzt. Zur Vorbeugung sind deshalb bei Neu- und Umbauten geeignete bauliche Massnahmen zu treffen, die das Eindringen von Radon stark verringern. Diese Anforderung ist 2014 auch in die Baunorm SIA 180 aufgenommen worden. SIA- Normen repräsentieren in der Schweiz den anerkannten Stand der Bautechnik. Ein Missachten dieser Norm kann demzufolge als Baumangel ausgelegt werden. Der Nachweis über die Erfüllung dieser Anforderung kann mit einer vom BAG anerkannten Radonmessung erbracht werden.
In der Schweiz enthält die überarbeitete Strahlenschutzverordnung (StSV) ab Januar 2018 einen gesetzlichen Referenzwert von 300 Bq/m3 für die Allgemeinbevölkerung, der den alten Richtwert (Zielwert für Neubauten und Sanierungsziel 400 Bq/m3) und den Grenzwert (1'000 Bq/m3)aus dem Jahre 1994 ablöst.
Radon im Trinkwasser
Radon kann im Trinkwasser, das sich aus Quell- oder Grundwasservorkommen speist, enthalten sein. Je nach den lokalen geologischen und hydrologischen Gegebenheiten und den jeweiligen Wasseraufbereitungsmethoden variieren die Radon-Konzentrationen zwischen wenigen Bq/l (Becquerel pro Liter Wasser) und Spitzenwerten über 1'000 Bq/l. Bis das Wasser beim Endverbraucher ankommt gast das enthaltene Radon zum grössten Teil aus
Einen gesetzlich verbindlichen Grenzwert für Radon im Trinkwasser gibt es nicht, nur Empfehlungen, dass bei über 100 Bq/l für Radon im Trinkwasser Massnahmen geprüft werden sollen. In Gebieten mit erhöhten Werten im Wasser treten meist auch erhöhte Bodenluftkonzentrationen auf.
Radonbalneologie, Bestrahlung durch Radon als Therapie
Radonbalneologie, auch Radontherapie genannt, ist die therapeutische Anwendung des radioaktiven Radongases. In Deutschland und Österreich werden solche Therapien in Form von Trinkkuren, Bädern und Inhalationen im Radonstollen, meist zur Linderung von schmerzhaften chronischen Beschwerden des Bewegungsapparates, angeboten. Allerdings handelt es sich dabei um eine Therapie, deren Wirksamkeit in Fachkreisen kontrovers diskutiert wird.
Die effektive Dosis entspricht derjenigen von diagnostischen Untersuchungen mit geringer Belastung (ca. 2mSv), und liegt somit weit unterhalb der in der Strahlentherapie normalerweise verabreichten Dosen. Bei der Radontherapie ist das behandelnde Personal strahlenexponiert. Die vom Personal aufgenommene effektive Dosis liegt zwischen 0.5 bis 15 mSv pro Jahr. Dieser Wert ist höher als die meisten der in anderen strahlenexponierten Berufsbereichen in der Schweiz aufgenommenen Dosen. Er ist somit nicht zu vernachlässigen.