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Absturz der Ju-52: Welche Rolle spielte das Wetter?
Die folgende Analyse beschreibt, was die Piloten auf ihrem Weg gesehen haben und vor dem Flug gesehen haben mögen. Sie lesen keine Spekulation zur Unfallursache.
Die Vorhersage für das Absturzgebiet
Die feinmaschigen Modelle wie die Prognosen von Meteo Schweiz sagten für Samstag vor allem für die Berge einzelne Gewitter vorher. Das Schweizer 1×1-km-Modell prognostizierte für Graubünden, unter anderem auch für das Absturzgebiet, Gewitter für 17 Uhr:
Für denselben Zeitpunkt wurden nördliche Winde für den Bereich um den Segnaspass berechnet:
Die stärksten Böen in der Vorhersage für 17 Uhr treten mit 40–50 km/h rund um den Segnaspass auf (der hellgrüne Fleck südöstlich von Elm):
Das tatsächliche Wetter zum Zeitpunkt des Absturzes
Zunächst kann festgestellt werden, dass sich die vorhergesagte Windgeschwindigkeit durch die Messungen auf dem Crap Masegn bestätigten; es wurden Böen bis 48 km/h gemessen:
In der Stunde darauf nahm der Wind noch etwas zu. Das ist jedoch noch keine Windgeschwindigkeit, die für sich alleine Flugzeuge zum Absturz bringen kann.
Die Böen hatten zwei Komponenten als Ursache, zum einen einen generellen Überdruck auf der Alpennnordseite mit 1017 hPa in Zürich und 1014 am Abflugort in der Magadino-Ebene:
Das reicht für böigen Nordwind über die Pässe, der aber noch durch eine Reihe sich schnell entwickelnder Schauerwolken verstärkt wurde, die in der Lage sind, Abwinde ausserhalb ihrer eigentlichen Aufwindzone in der Wolke nach aussen zu schicken. Modellvorhersagen vom Morgen können nie genau sagen, wo sich am Nachmittag Gewitter entwickeln werden, aber in der Tat gab es genau um den Absturzzeitpunkt die ersten Schauer knapp nördlich der Alpenkette zwischen Glarus und Graubünden (Radar 16.50 Uhr, andere Zeiten via Menü).
Man sieht an den Radarbildern nach dem Absturzzeitpunkt, dass die Radarechos stärker werden, das bedeutet, dass sich die Schauerwolken vor und während der fraglichen Zeit rasch entwickelten. Die Wolkentürme reichten zum Absturzzeitpunkt bei Linthal und nordöstlich von Elm bis in etwa 4 km Höhe.
Es ist wahrscheinlich, dass es in der Nähe sich schnell entwickelnder Cumulonimbuswolken zu absinkenden Luftbewegungen (downdrafts) sowie zu Turbulenzen kommen kann. Diese sind für sich jedoch nicht geeignet, ein Flugzeug zum Absturz zu bringen.
Was auf dem Satellitenbild von 16.50 Uhr auffällt, ist, dass die Quellwolken zwar in der Tiefe gestaffelt, aber so nebeneinander angeordnet sind, dass bei einem Anflug aus Süden keine eindeutige Lücke zu sehen gewesen sein wird, weil die Wolken sich horizontal zufällig so entwickelt hatten, dass sie eine einheitliche Kulisse von mehr oder weniger hohen und nahen Wolken bildeten, die in zwei Fällen gerade ihr Reifestadium mit beginnendem Niederschlag erreichten: Das Satellitenbild von Samstag 16.50 Uhr, andere Zeiten und Regionen via Menü.
Die Ju-52 fliegt auf Sicht, das heisst, sie muss sich ausserhalb von Wolken halten. Betrachtet man den Satellitenfilm zwischen Tessin und Glarus zwischen 15.50 und 16.50 Uhr, sieht man, dass das in relativ dichter und vor allem zunehmend höherer und aktiverer Quellbewölkung keine leichte Aufgabe war und ein geradliniger Kurs ausgeschlossen scheint:
Da die Ju-52 über keine Blackbox verfügt, werden die Kameras und Telefone der Passagiere – soweit auswertbar – die Schlüssel zur Unfallursache sein, deren Ermittlung der zuständigen Behörden es abzuwarten gilt.