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Die Kunst begleitet ihn durchs Leben
Bereits im Eingangsbereich von Tibor Franaszeks Wohnung im Zollikerberg werden seine Kreativität und die Fähigkeit, Bilder sprechen zu lassen, spürbar. Überall hängen und stehen die Werke des Künstlers. Sein Atelier hat er in Pfaffhausen.
Geboren ist Tibor Franaszek 1945 im belagerten Budapest. Die sowjetische Rote Armee und die deutsche Wehrmacht lieferten sich in der Endphase des Zweiten Weltkriegs in und um Budapest heftige Gefechte. Nach Kriegsende kehrte für zwei Jahre Normalität ein. Tibor Franaszeks Vater arbeitete für die Kaffee Hag-Filiale in Budapest und erste Kontakte mit dem Hauptsitz in Feldmeilen wurden geknüpft. Dann kam die kommunistische Diktatur. Am 23. Oktober 1956, Tibor Franaszek war gerade elf Jahre alt, wehrten sich im Ungarnaufstand breite gesellschaftliche Kräfte gegen die kommunistische Regierung und die sowjetische Besatzungsmacht. Tibor Franaszek erinnert sich: «Wir wohnten in jenem Bezirk in Budapest, wo die sowjetischen Truppen am härtesten eingriffen und die heftigsten Kämpfe stattfanden.
Flucht via Italien
Nach dem Aufstand waren die Grenzen in Ungarn geschlossener denn je. Erst 1966 konnte die Grenze zu Jugoslawien mit einer Spezialbewilligung überquert werden. Zudem durften Personen über 50 Jahre begleitete Kulturreisen in europäische Städte machen. Tibor Franaszeks Eltern buchten so eine Reise und gingen nach Italien. Nach den Vorschriften musste aber mindestens die Hälfte der Familie im Land bleiben. Glücklicherweise waren die Behörden damals noch nicht genügend miteinander vernetzt. «Es gelang mir, diese Spezialbewilligung zu organisieren und nach Jugoslawien zu reisen. Mit meinen Eltern hatte ich vereinbart, über die Kaffee-Hag-Filiale in Feldmeilen zu kommunizieren. Jetzt musste ich nur noch eine Möglichkeit finden, die jugoslawisch-italienische Grenze zu überqueren, ohne erwischt zu werden.» «Wir riskierten bis zu fünf Jahre Gefängnis.» Da zu dieser Zeit viele italienische Studenten ihre Wochenenden in Jugoslawien verbrachten, gab er sich selber auch als solchen aus. «Ich ging lange im Zollbereich herum und merkte, dass die Zöllner ihre Waffen gesichert an der Hüfte trugen und wohl einige Zeit brauchen würden, bis sie schussbereit waren. Also lief ich mit den Italienern zum Checkpoint, zeigte dort meinen ungarischen Studentenausweis, ich war Student an der Hochschule der Künste in Budapest, und während die Dame im Häuschen Alarm schlug, rannte ich los, unter der Abschrankung hindurch in Richtung Italien. Noch vom Zoll aus konnte ich die Kaffee-Hag-Filiale in Feldmeilen kontaktieren. Diese wiederum informierte meine Eltern und regelte unsere Einreise in die Schweiz. Wir zogen in eine Wohnung im Zollikerberg. Von der ersten Minute an habe ich mich hier zu Hause gefühlt.»
Bilder ohne Pinsel
An der Kunstgewerbeschule in Zürich nahm Tibor Franaszek eine Grafiker-Ausbildung auf. Deutsch sprach er damals praktisch keines. Während seiner Ausbildung lernte er seine spätere Frau Christa kennen. Durch sie und durch die Ausbildung lernte er Deutsch. Als Mitglied des Künstlerverbandes gelang es ihm mehrmals, an jurierten Ausstellungen im Kunsthaus und im Helmhaus teilzunehmen, was für seine Anerkennung als Künstler zentral war. Drei seiner Bilder gehören zur Kunstsammlung der Stadt Zürich.
Er ist als professioneller Künstler anerkannt und macht ungefähr alle drei Jahre eine Einzel-Ausstellung. So auch jetzt im Höchhuus in Küsnacht. Die Ausstellung zeigt einerseits Spurenbilder, anderseits Rhythmogramme. Die Spurenbilder sind entstanden für eine Ausstellung zum Thema «Yesterday and Tomorrow». Mit Hilfe von Naturelementen wie Gras und Treibsand unter Einwirkung des Windes in verschiedenen Zeitabständen, sind Bilder entstanden, die mit einfachen Pinselstrichen nie möglich gewesen wären. Die Rhythmogramme symbolisieren die Herzfrequenz des Menschen. Speziell an allen Bildern von Tibor Franaszek ist seine Technik: Er trägt die Farben mit den Händen auf. «Meine vielen Pinsel brauche ich nur, um die Farben zu mischen.» (fh)
Lesen Sie das ausführliche Persönlich im aktuellen «Zolliker Bote» vom 8. November 2013