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Was ist Selbstwert?
Der Selbstwert wird von vier verschiedenen Faktoren bestimmt. Stell Dir vor, Dein Selbstwert ist eine Kommode mit vier Schubladen. In diesen Schubladen befinden sich Dein Selbstvertrauen, Deine Selbstakzeptanz, Deine soziale Kompetenz und Dein soziales Netz und ganz viele Erinnerungen zu diesen vier Bereichen. Diese vier Bereiche, bzw. die in diesen Schubladen abgespeicherten Erlebnisse und Erinnerungen beeinflussen Deinen Selbstwert. Bist Du zum Beispiel gerade alleine in eine neue Stadt gezogen und am Zweifeln, ob Du hier jemals gute Freunde finden wirst? Dann könntest Du an Dein letztes Auslandssemester im Studium denken und wie schnell Du dort gute Freunde gefunden hast mit Deiner offenen, freundlichen und vertrauenswürdigen Art.
Doch wie beeinflussen diese vier Schubladen nun unseren Selbstwert?
Schublade 1 - Selbstakzeptanz: Darunter versteht man, dass Du Dir Deiner Stärken und Schwächen bewusst bist. Menschen mit niedrigem Selbstwert sind oft nur auf ihre Schwächen fokussiert und unterschätzen ihre Stärken. Falls Dir eine realistische Einschätzung schwer fällt, dann frage doch einfach einmal bei Deiner Familie oder Deinen Freunden nach. Selbstakzeptanz meint auch, die eigene Unsicherheit anzunehmen und Situationen, in denen Du dich unsicher fühlst, nicht zu vermeiden. Die Voraussetzung für Selbstakzeptanz ist also erst einmal, sich seiner selbst bewusst zu werden. Welche Fähigkeiten habe ich? Welche Schwächen? Wann verspüre ich Freude, Angst, Trauer oder andere Gefühle? Wenn Du einen differenzierten Blick auf Dich selber hast, fällt es Dir leichter, Dich mit all Deinen Besonderheiten zu akzeptieren.
Schublade 2 - Selbstvertrauen: Ein wesentlicher Faktor für Dein Selbstvertrauen ist es, Deine Stärken zu kennen, sie zu nutzen und auf sie zu vertrauen. Indem wir uns immer wieder Situationen stellen, in denen wir Ängste verspüren, können wir das Vertrauen in unsere eigenen Fähigkeiten stärken.
Schublade 3 - Soziale Kompetenz: Die Soziale Kompetenz umfasst Fähigkeiten, die uns dabei helfen, mit anderen Menschen bedürfnisorientiert zu kommunizieren, ohne dabei unsere eigenen Ziele aus den Augen zu lassen. Dazu zählen z.B. die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, mit anderen zusammenzuarbeiten, Gefühle zu zeigen, Konflikte auszuhalten und anzusprechen und auch andere zu führen oder sich führen zu lassen.
Schublade 4 - Soziales Netz: Dazu zählt, wie eingebunden Du in positive Beziehungen bist, egal ob Freunde, Kollegen, Bekannte oder die Familie. Ist man verbunden mit anderen Menschen, fühlt man sich wichtig für sie, hat das Gefühl, gemocht zu werden und wird in seiner Besonderheit gesehen. All dies lässt uns wertvoll fühlen.
Ist Dein Selbstwert in der Balance?
Sowohl ein zu niedriger, als auch ein zu stark ausgeprägter Selbstwert kann Schwierigkeiten mit sich bringen. Menschen mit zu hohem Selbstwert fällt es oft schwer aufzugeben, auch wenn die Kosten den Nutzen überschreiten. Ausserdem sind sie oft nicht dazu bereit, sich weiterzuentwickeln, da sie zu sehr von ihren Stärken überzeugt sind. Menschen mit zu niedrigem Selbstwert zweifeln hingegen oft sehr an sich und neigen zu Selbstkritik. Sie suchen die Ursachen für Misserfolge immer in ihrer eigenen Person. Dies kann sich bis hin zu einer Depression und anderen psychischen Erkrankungen steigern.
Viele Menschen, die eine psychotherapeutische Praxis aufsuchen, haben Schwierigkeiten damit, sich wertvoll zu fühlen. Manche fühlen sich sogar komplett unzulänglich. Der Selbstwert spielt für unsere mentale Gesundheit eine wichtige Rolle. Viele Annahmen über uns selbst haben wir im Laufe unseres Lebens von anderen Menschen aus unserem Umfeld so übernommen. Unsere Erfahrungen aus der Kindheit, die Erziehung und unsere Freunde haben uns geprägt. Haben Dich Deine Eltern früher bestärkt, in dem was Du versucht hast? Waren sie eher ängstlich und ermahnten Dich zur ständigen Vorsicht? Solche Dinge haben Einfluss auf Deinen Selbstwert. Ohne dass es uns bewusst ist, handeln wir meist nach inneren Überzeugungen, die uns schon früh eingeprägt wurden. „Um etwas zu bitten ist aufdringlich und zeigt, dass ich schwach bin.“ oder „Besser ich versuche es erst gar nicht. Es würde sowieso nur schief gehen.“ können Glaubenssätze sein, wenn Dein Selbstwert niedrig ausgeprägt ist. Man könnte sie auch als Selbstwerträuber bezeichnen. Solche unbewussten Überzeugungen kann man in einer Psychotherapie identifizieren und verändern lernen. Unsere Psychotherapeuten von WePractice können Dich dabei unterstützen.
Doch vorab hier schon ein paar Gedanken, wie Du negative Glaubenssätze umformulieren und Deinen Selbstwert stärken kannst. Denn Du hast es in der Hand, Deinen Selbstwert zu stärken! Bereits Konfuzius wusste, wie wichtig es ist, die Dinge umzudeuten und sich nicht nur auf das Negative zu fokussieren: „Es ist besser, ein einziges kleines Licht anzuzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen.“ (Konfuzius *551 v. Chr. †479 v. Chr.). Hier sind ein paar Beispiel für Selbstwerträuber und wie man sie entmachten kann.
Dysfunktionaler Gedanke: „Ich kann überhaupt nichts.“
Umdeutung: „Heute ist mir … (z.B. das Mittagessen) gut gelungen.
Dysfunktionaler Gedanke: „Ich bin eine Last für andere.“
Umdeutung: „Heute habe ich einer älteren Dame geholfen, die den Weg nicht alleine gefunden hat.“
Dysfunktionaler Gedanke: „Er hat sich von mir getrennt, weil ich es nicht wert bin, geliebt zu werden.“
Umdeutung: „Wir haben uns in verschiedene Richtungen entwickelt und wohl nicht mehr zusammengepasst.“
Versuche solche Selbstwerträuber ausfindig zu machen und zu entmachten, indem Du sie umdeutest.
Gerade bei negativen Überzeugungen kann es auch hilfreich sein, sich abends hinzusetzen und sich drei Dinge zu notieren, die am Tag gut gelaufen sind. Dies stärkt den eigenen Selbstwert und das Wohlbefinden.
Ich möchte Dir noch eine weitere kleine Übung beschreiben, die Deinen Selbstwert und Dein Wohlbefinden stärkt. Spüre in ein angenehmes Erlebnis hinein und atme tief ein, bis Du das angenehme Gefühl deutlich spürst. Versuche nun herauszufiltern, was Dein eigener Anteil an diesem angenehmen Erlebnis ist. Was hast Du dazu beigetragen? Welche Stärken kannst Du in dieser Situation bei Dir finden? Spüre ihnen in Ruhe nach. Wiederhole dies am besten jeden Tag mit einem angenehmen Erlebnis.
Ein starker Selbstwert schützt Dich davor, Dich zu schnell entmutigen zu lassen und hilft Dir dabei, für Dich selber einzustehen. Du fühlst dich trotzdem wertvoll, auch wenn Dir mal etwas nicht gelingt, weil Du Dir Deiner Fähigkeiten bewusst bist. Durch das Vertrauen in Deine eigenen Bewältigungsstrategien meisterst Du Krisen viel leichter und bist resilienter.
Ich wünsche Dir jetzt ganz viel Erfolg beim Stärken Deines Selbstwertes, egal ob alleine oder in Zusammenarbeit mit unseren Experten von WePractice. Alles Gute!