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Worum geht es? Ab Dienstag, 22. November, bis Dienstag, 29. November, findet in den Kantonen Bern, Solothurn, Aargau, Luzern und Zürich die Militärübung «Pilum 22» statt. Mit der grössten Militärübung zum Thema Verteidigung seit 1989 testet die Schweizer Armee das Zusammenwirken der Bodentruppen.
Manöver mit bis zu 40'000 Beteiligten
Wie der Broschüre «Grosse Manöver» zu entnehmen ist, war das «gewaltigste aller Manöver» das «Dreizack 1986». 40'000 Teilnehmende aus Armee und Zivilschutz waren während 17 Tagen im Einsatz. Noch sollte damals – während des Kalten Krieges – niemand ahnen, dass grossangelegte Übungen bald der Vergangenheit angehören würden.
«Dreizack 1989» war dann die letzte grosse Militärübung zum Thema Verteidigung und endete drei Tage vor der Abstimmung zur Armeeabschaffungsinitiative. Damals waren mehr als 20'000 Armeeangehörige im Einsatz.
Mit dem Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 begann das Ende des Kalten Krieges. Die Landesregierung beschloss aufgrund der veränderten strategischen Lage, vorderhand keine Korpsmanöver mehr durchzuführen.
Die 5000 Armeeangehörigen, die in den kommenden Tagen an «Pilum 22» teilnehmen, wirken angesichts der Anzahl der an «Dreizack» beteiligten Personen gering, sie stehen jedoch in direkter Proportion mit der Grösse der heutigen Armee, wie deren Sprecher Daniel Reist erklärt.
Worauf muss man sich als Zivilperson gefasst machen? Laut Daniel Reist, Sprecher der Armee, wird beim Manöver zwar nicht geschossen, doch ist durch die Bewegungen der Panzer mit mehr Lärm zu rechnen. «Ausserdem kann es zu Landschäden kommen.» Die Truppe sei aber angehalten, mit den breiten Fahrzeugen und Panzern möglichst sorgfältig und vorsichtig zu fahren, um die Landschäden möglichst gering zu halten. «Aber es ist nicht zu vermeiden, dass an dem einen oder anderen Ort in ein Feld gefahren oder ein Kreisel beschädigt wird.» Dafür sei das Schadenszentrum des Verteidigungsdepartement VBS zuständig. «Die Experten des Zentrums begleiten die Übung und beraten die Truppen. Sie sind nahe dabei.»
Zudem sind Verkehrsbehinderungen möglich, denn auf den Hauptverkehrsachsen der betreffenden Kantone werden Panzer und gepanzerte Fahrzeuge unterwegs sein. Reist betont aber auch, dass die Sicherheit der übrigen Verkehrsteilnehmer an erster Stelle stehe. Und: «Wir versuchen, die Bevölkerung ausführlich zu informieren.»
Wo erhalte ich weitere Informationen? Die betroffenen Hauptverkehrsachsen wird die Armee laut deren Sprecher Daniel Reist jeweils auf deren Internetseite aufschalten. Zudem steht der Bevölkerung für die Dauer der Übung vom 22. bis 29. November eine Telefon-Hotline (0800 0800 85) und eine E-Mail-Adresse (<email-pii>) zur Verfügung. Über grössere Verschiebungen gepanzerter Fahrzeuge wird über die regionalen Medien und den Verkehrsinformationsdienst Viasuisse informiert.
Warum findet das Manöver überhaupt statt? Hat es etwas mit dem Ukraine-Krieg zu tun? Laut Reist besteht kein Zusammenhang zum Krieg in der Ukraine. «Pilum 22» wurde auf der Grundlage des Berichts «Zukunft der Bodentruppen» konzipiert, den der Bundesrat im Mai 2019 verabschiedet hatte. Laut VBS geht es um die Fähigkeit, Land und Leute in einem bewaffneten Konflikt auch am Boden zu verteidigen.
Das ist die Übungsanlage
Die Schweizer Armee trainiert in den kommenden acht Tagen mit der Mechanisierten Brigade 11 das Zusammenwirken der verschiedenen Truppenelemente im Hinblick auf die weitere Entwicklung der Bodentruppen, wie das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) schreibt.
Die Übungsanlage von «Pilum 22» sieht vor, dass die Verbände Standardverfahren einüben und Einsätze gegen bewaffnete Gruppen trainieren. Beteiligt sind vier mechanisierte Bataillone, dazu ein Logistikbataillon sowie eine Gebirgsinfanteriekompanie. Zur Durchführung der Übung und der Darstellung des Gegners werden auch eine auf die elektronische Kriegsführung spezialisierte Abteilung und ein Detachement des Kommandos Spezialkräfte beteiligt sein.
Laut Armeesprecher Daniel Reist wurden die grundsätzlichen Abläufe auf einem Simulator überprüft, nun müssten diese im Echteinsatz und im Echtgelände geübt werden, um «zu sehen, wo die Lücken sind». Denn es gebe immer neue Erkenntnisse, Friktionen und sogenannte Dilemmata zwischen den einzelnen Truppen und Befehlsgebungen.
Die Planung hat laut Daniel Reist vor zwei Jahren begonnen, also weit bevor Russland die Ukraine angegriffen hat. Allerdings musste an der Ausgangslage nichts geändert werden, da das Szenario – nämlich eine angespannte Lage unterhalb der Kriegsschwelle – der heutigen Situation entspricht.
Sind solche Manöver noch nötig? «Wir hatten viele grössere Übungen zum Thema Raumsicherung und anderen Themen.» Dies sei aber die erste grosse Verteidigungsübung seit 1989. Und die Situation in der Ukraine zeigt laut Reist eben schon: «Wir müssen in der Lage sein, unser Land zu verteidigen.» Mit der letzten Armee, der Armee XXI, habe man sich darauf beschränkt, die Kompetenzen zu erhalten. «Wir wussten, wie es geht, das Land zu verteidigen, aber wir haben es nicht trainiert.» Jetzt gehe es darum, die Verteidigungsfähigkeit wieder heranzubilden. «Das heisst auch, die Mittel bereitzustellen und das wirklich zu üben.»