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Holy Celtic Church
Die Holy Celtic Church ist eine freibischöfliche Gemeinschaft in liberalkatholischer und neokeltischer Tradition mit priesterlicher und ritualistischer Ausrichtung.
Gründer der Holy Celtic Church ist Alistair Bate, der sich mit vollem Titel Presiding Bishop Rt Revd Dom Alistair Bate OSBA, MA Div. nennt.
Alistair Bate ist englischer und schottischer Abstammung, aber in der Republik Irland aufgewachsen. Er stammt aus royalistischem Haus und vertritt auch selbst eine prononciert monarchiefreundliche Position, wie Devotionalien aus dem britischen Königshaus in seinem Wohnzimmer belegen und wie er auch selbst gerne einräumt. „The Republic was a fault“, meint er mit Blick auf das Land, in dem er aufgewachsen ist. Bate studierte Theologie an der Universität Edinburgh, deren theologische Fakultät presbyterianisch geprägt ist. Von der dort gelehrten Theologie wurde Bate allerdings nicht wirklich angesprochen, aus seiner Sicht wurde „quite too much Karl Barth“ geboten, wie er im Rückblick meint. Sein Studium schloss Bate dennoch erfolgreich mit dem Titel eines Master of Divinity ab.
Seine Ordination empfing Bate in der Ancient Celtic Church. Diese Organisation wurde Ende der 1950er Jahre gegründet von Jean Pierre Danyel, der von seinen Anhängern St. Tugdual der Jüngere genannt wird. Tugdual war Freibischof oder sog. „episcopus vagans“, d.h. in apostolischer Sukzession zum Bischof geweiht, aber nicht durch einen von der römisch-katholischen Kirche anerkannten Bischof, sondern durch einen anderen Freibischof resp. episcopus vagans. Theologisch versuchte Tugdual, auf das keltische Christentum des Frühmittelalters zurückzugreifen. Er anerkannte die sieben ökumenischen Konzilien, schätzte die Spiritualität der Wüstenväter, aber betonte neben dem Transzendenzbezug der Wüstenväter bewusst auch die Diesseitsfreude der keltisch-paganen Tradition, wie sie von der romantischen Keltentum-Renaissance des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts formuliert wurde. Diese wesentlichen Ideen übernahm Bate später in seine eigene Kirche. Auf der Tradition der Ancient Celtic Church basiert auch eine der Messliturgien, die Alistair Bate heute verwendet, es handelt sich um die Celtic Liturgy nach Brendan O’Malley, ein Versuch der Rekonstruktion irischer Liturgien aus dem Frühmittelalter, allerdings ergänzt durch moderne Texte, die etwa von der romantischen Schöpfungsspiritualität des 19. und 20. Jahrhunderts geprägt sind.
Daneben wirkte Bate in verschiedenen Organisationen, Geheimbünden und Logen mit, die eine westliche esoterische Tradition vertreten, namentlich bei den Hochgradfreimaurern, der Societas Rosicruciana in Anglia und den Knights Templar. Diese sich personell vielfach überlappenden Organisationen und Strömungen vertreten eine mystische und magische Auffassung des Christentums als Aufstiegsweg zu Gott, verbunden mit dem Gedanken einer ethischen Verfeinerung des Menschen und der Vorstellung, dass der mystische Gottsucher durch Formeln und rituelle Handlungen die Realität magisch verändern kann. Diesen Organisationen gehört Bate heute nicht mehr an, sein Status sei „lapsed“, abgefallen resp. abtrünnig, wie er scherzend meint.
Tief geprägt wurde Bate von der Tradition der Liberalkatholischen Kirche, einer freibischöflichen Kirche, welche von den Theosophen Wedgwood und C.W. Leadbeater im Jahr 1916 begründet wurde. Die Liberalkatholische Kirche zelebriert altkirchliche Liturgien in z.T. modernisierter Form. Hintergrund ist die Vorstellung, dass dem kirchlichen Ritual, insbesondere den Sakramenten, eine magische Kraft innewohne. Leadbeater glaubte, dass mit der Durchführung des Zeremonials der Messe Ströme geistiger Macht sich eingiessen und geistige Wesenheiten, z.B. Engel, herbeigerufen würden. So entstünde ein Feld des Segens, das ins weitere geographische Umfeld hineinwirkte. Die Liberalkatholische Kirche vertritt bewusst keine verpflichtende Dogmatik und besteht heute aus einer weitgefächerten Szene z.T. unterschiedlicher Organisationen. Ein Teil dieser Gemeinschaften ist mit der Gay Community verbunden, der schon C.W. Leadbeater angehörte. So bieten Organisationen aus der liberalkatholischen Tradition meist auch Trauungen für gleichgeschlechtliche Paare an. Die Verbindung der Holy Celtic Church zur liberalkatholischen Tradition besteht auch heute noch und zeigt sich etwa daran, dass Alistair Bate gern die liberalkatholische Messliturgie verwendet – im Wechsel zur oben erwähnten Celtic Liturgy nach Brendan O’Malley.
Obschon die Liberalkatholische Kirche von zwei Theosophen begründet wurde, vertritt sie die typisch theosophischen Lehren, etwa die theosophische Reinkarnationslehre mit der Vorstellung einer von Leben zu Leben voranschreitenden Höherentwicklung oder den Glauben an Mitteilungen von jenseitigen Meistern, ausdrücklich nicht. Diese Position teilt Alistair Bate, indem er sich von der theosophischen Reinkarnationslehre ausdrücklich distanziert. Ähnlich denkt er über östliche Spiritualität, welche zwar durchaus o.k. sei für Menschen, die sich davon angesprochen fühlten, aber nicht in die Lehre und die Praxis seiner Holy Celtic Church gehöre.
In den Jahren 2007 und 2008 empfing Alistair Bate die Bischofsweihe in apostolischer Sukzession durch Freibischöfe in keltischer und liberalkatholischer Tradition. Daraufhin begründete Bate seine eigene Kirche, zuerst unter dem Namen „Apostolic Catholic Church of the Holy Cross“, später umbenannt in Holy Celtic Church.
Die Holy Celtic Church ist priesterlich organisiert: Mitglieder sind die Amtsträger, Gemeindebildung durch Laienmitgliedschaft ist nicht angestrebt. Zur Zeit sind an 14 Orten Amtsträger der Holy Celtic Church tätig, in der Deutschschweiz im Avers, im Raum Zürich und im Raum Luzern/Sursee. Vorsteher der Gemeinschaft ist Alisair Bate als Presiding Bishop.
Wer sich der Holy Celtic Church anschliessen will, besucht Ordinationskurse, die Alistair Bate anbietet. Die erste Weihe ist diejenige zum Diakon, nach deren Absolvierung kann der Kurs zur Priesterweihe besucht werden. Der Theorieteil der Kurse wird online erarbeitet, die Praxis daraufhin vor Ort in Avers erlernt. Alistair Bate bietet neben den Ordinationskursen noch eine Vielzahl weiterer Schulungen an, meint aber, dass die Ordinationskurse die meistnachgefragten Ausbildungen seien. Grosses Wachstum wird nicht angestrebt, denn, so Alistair Bate: „We like to be small“.
Da sich die Holy Celtic Church am Frühmittelalter orientiert, ist fürs Priesteramt kein Zölibat vorgegeben. Wer zölibatär leben will, kann das tun, Priester können aber auch Partnerschaften pflegen, sei es zu Menschen des eigenen oder des anderen Geschlechts. Hingegen ist eine Priesterweihe von Frauen ausgeschlossen. In liturgischen Fragen wären Frauen und Männer nicht gleichberechtigt, sondern, so drückt es die Website der Holy Celtic Church aus, komplementär. Ansonsten ist die Holy Celtic Church in ethischen Fragen betont liberal.
Hauptsitz der Holy Celtic Church ist seit drei Jahren das Einfamilienhaus Am Bach 81c in Avers GR. Hier findet sich im Parterre, gleich rechts vom Eingang, ein ca. 3×4 m grosser Raum mit Altar, der nicht geostet ist, sondern eher in Richtung der britischen Inseln verweist. So wird zwar nicht ad orientem, aber trotzdem von der Besucherschaft abgewandt zelebriert. Auf dem Altar finden sich in der Mitte ein typisches keltisches Kreuz, daneben zu beiden Seiten je zwei Monstranzen, deren Inhalt auf der Website der Gemeinschaft detailliert angegeben ist. Zur rechten Seite des Altars ist das Tabernakel angebracht. Zwei Bischofsstäbe unterschiedlichen Stils sind links und rechts vom Altar in den Ecken des Raumes an die Wand angelehnt. Auf der gegenüberliegenden Seite stehen Sitzgelegenheiten für ca. sieben Personen. Die Wände des Raums sind mit Heiligenbildern in westlicher und Ikonen in ostkirchlicher Tradition geschmückt. Stilistisch heraus fällt ein Bild des Namenspatrons der Kapelle, des heiligen Gallus. Dieser ist mit Bär und Brot in einem modernen Stil abgebildet, der an die Ikonographie der Gay Community erinnert.
In dieser Kapelle wird regelmässig die Messe gelesen, so wöchentlich durch Bruno Pedrini in italienischer Sprache und nach dem römisch-katholischen Messformular, wobei Alistair Bate jeweils ministriert. Gäste sind dabei nach Aussage von Alistair Bate kaum je zugegen. Alistair Bate selbst zelebriert die liberalkatholische und die keltische Messe, gerne für Gäste nach Vereinbarung, so für den Schreibenden und seine Frau anlässlich unseres Besuchs am 19. Oktober. Dabei liess Alistair
Bate uns die Wahl, ob wir den liberalkatholischen oder den keltischen Messritus erleben wollen. Da mir ersterer bereits bekannt war, entschieden wir uns für letzteren. Alistair Bate zelebrierte in liturgischen Gewändern mit Albe, grüner Stola und violettem, bischöflichen Pileolus (Käppi), das für die Messfeier abgelegt wurde. Zur Mitwirkung stellte Alistair Bate uns je ein Liturgie-Heft zur Verfügung, in welchem die Responsorien in Fettdruck hervorgehoben waren. Die Kommunion reichte Alistair Bate in altkirchlicher Tradition sub utraque forma. Eine finanzielle Spende für den Aufwand wurde widerstrebend akzeptiert.
Für die Finanzierung des Lebensunterhalts von Alistair Bate und Bruno Pedrini spielt die Holy Celtic Church nach eigener Aussage eine untergeordnete Rolle. Haupteinnahmequelle sind die Touristenzimmer, die Bate und Pedrini auf einschlägigen OnlinePlattformen anbieten. Maximal elf Betten können vermietet werden, zum Zeitpunkt unseres Besuchs sind deren zwei ausgelastet. Die grosse Mehrheit der beherbergten Touristen hat keinen Bezug zur Holy Celtic Church, ein solcher liegt nur bei rund 10% der Gäste vor.
Wie im freibischöflichen Umfeld allgemein üblich gehört Alistair Bate verschiedenen ähnlich ausgerichteten Organisationen an. So ist Alistair Bate nicht nur vorsitzender Bischof der Holy Celtic Church, sondern auch Abt der von ihm im Jahr 2007 gegründeten Gemeinschaft „Holy Cross Benedictines of Adoration OSBA“, einer Gemeinschaft, welche die benediktinische Ordensregel modern interpretieren will.
Die Mitglieder der Holy Celtic Church sind meist auch bei den Holy Cross Benedictines dabei. Letztere umfassen darüber hinaus auch Vertreter anderer freibischöflicher Kirchen.
Als Abt der Holy Cross Benedictines of Adoration trägt Alisair Bate das schwarze benediktische Gewand mit römischem Kragen.
Am vergangenen Pfingstsonntag, 24. Mai 2015, führte die Holy Celtic Church in Luzern eine Priesterweihe durch. Zu diesem Zweck wurde die Luzerner Markus-Kirche gemietet, welche seinerzeit als anglikanische Kirche erbaut wurde, heute aber im Besitz der Luzerner Gemeinde des Freikirchenverbandes BewegungPlus ist. Die Priesterweihe empfing Adriano Amato aus Sursee, Zelebrant war Angelo Casali, welcher von Alistair Bate als Bischof der Holy Celtic Church für Italien eingesetzt wurde.
Sehr deutlich wurde anlässlich der Priesterweihe, dass die Holy Celtic Church eine Priestergemeinschaft ist. Anwesend waren nebst dem Schreibenden und seiner Frau rund 30 Personen, etwas über 20 Familienangehörige und Freunde des Priesterkandidaten, daneben drei Bischöfe der Holy Celtic Church (Bate, Casali, und Pedrini) sowie zwei Priester der Holy Celtic Church und befreundeter unabhängig-katholischer Kirchen. Ein Bischof kam auf sieben Laien.
Im Gespräch mit Vertretern der Holy Celtic Church und verwandter Kirchen wird immer wieder deutlich, dass es den Amtsträgern der unabhängig katholischen Gemeinschaften nicht um die Bildung grosser Gemeinden geht. Zentrales Anliegen ist das Sakrament, das richtig gespendet werden soll, damit es auf seine geographische Umgebung einwirken kann. Wenn Laien partizipieren wollen, sind sie eingelanden, ihre Präsenz ist aber nicht wirklich erforderlich.
Typischen Ausdruck findet diese Haltung darin, dass zahlreiche unabhängig-katholische Bischöfe und Priester ihre Messfeiern filmen und in YouTube publizieren. Zwar soll das Anschauen einer Messfeier am Bildschirm förderlich wirken, aber Zuschauer sind auch hier nicht zwingend notwendig. Die Publikation im Web soll vor allem den Segen, der mit dem Sakrament verbunden ist, in die Welt hinaustragen.
Die Priesterweihe in Luzern wurde in lateinischer und italienischer Sprache durchgeführt, wobei weitgehend dem römisch-katholischen Ritual gefolgt wurde. Die anschliessende Kommunion – die erste, die der frischgeweihte Priester spenden durfte, was er mit sichtlichem Stolz tat – wurde sub utraque forma – indem die Oblate in Weinbrand getaucht war – und in Mundkommunion gereicht.
Im Anschluss an die Priesterweihe hatten wir Gelegenheit, im Rahmen eines grosszügigen Apéros mit Angehörigen des Weiheempfängers zu sprechen. Dabei wurde deutlich, dass dieser schon früh von einem sehr starken Wunsch beseelt war, Priester zu werden, aber aus verschiedenen Gründen – genannt wurden mehrere, z.T. durchaus nachvollziehbare, deren Validität wir aber nicht überprüfen können – weder in ein Priesterseminar noch in ein Kloster aufgenommen wurde. Unabhängig katholische Kirchen sind, so der Eindruck, ein Sammelbecken von sakramentalistisch orientierten Menschen, die aus verschiedenen Gründen in den bestehenden Kirchen nicht den Platz finden, den sie sich wünschen. Wichtig scheint, dass die Kirchen mit diesen Gemeinschaften an ihren Rändern in Kontakt bleiben. So haben wir im Rahmen unserer Gespräche von einem Priester der Holy Celtic Church erfahren, der inzwischen wieder in die römisch-katholische Kirche zurückgekehrt ist.