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Wetter: Morgens fiel leichter Regen bei bedecktem Himmel, gegen Abend nur ein paar Tropfen, während es aufklarte.
Früh am Morgen hatte sich ein Mann nicht weit von uns entfernt am Ufer niedergelassen, um zu angeln. Everett war zufrieden, dass der Angler mit seinem Werk fertig war, bevor er das Kanu zu Wasser ließ - er hätte ihn ungern gestört. Everett war mit dem Packen eher fertig als ich; ich half ihm, das Kanu ins Wasser zu tragen.
Kurz nach seiner Abfahrt kamen zwei Leute das Ufer entlang gelaufen. Einer der beiden trug ein Firmenschild auf seiner Kleidung, das dem auf den Wasserhäusern landeinwärts glich und schaute mürrisch drein, aber es sagte keiner was. Nachdem ich meine Sachen gepackt hatte, brach ich auf, mich auf den guten Weg freuend, den ich am letzten Abend auf der Suche nach einem Rastplatz verlassen hatte. Ich hatte mich gewundert und gefreut, eine so gute Bahn auf der grünen Wiese fern allen Häusern zu finden. Von ihr gingen hier und da Seitenwege zu Gebäuden ab, die anscheinend der Wasserversorgung dienten.
Leider war sie an diesem Morgen bald zu Ende und ich hoppelte über einen Feldweg, was vor allem dem Packsack nicht gut gut bekam. Mit der einseitigen Befestigung hatte ich noch Schwierigkeiten. Ich war froh, dass quer über den Weg ein Zaun auftauchte, an den ich das Rad lehnen konnte, um den Sack neu zu befestigen. Gerade als ich über das Fahrrad gebeugt war und die Gepäckgummis neu spannte, hörte ich ein Auto herankommen. Zwei Männer stiegen aus und kamen auf mich zu, einer hatte die gleiche Kleidung wie der Mürrische heute morgen, der andere schien eine Art Wachmann zu sein.
"Watt ar you doin here? Tiss is privat properti!" wurde ich begrüßt. Ich schaute ein wenig erschrocken und erklärte, dass ich am Tag zuvor über Trampelpfade auf dieses Gelände geraten war. Sie wollten mir nicht so recht glauben, dass ich dabei keinerlei Zaun gesehen hatte. "Are you a terrorist?" fragte der Jüngere, sicher von meinen langen Haaren und den Bartstoppeln animiert. "Hey, I'm only joking, don't worry".
Wir hatten dann eine nette Unterhaltung über das Woher und Wohin und noch ein paar andere Themen - zum Beispiel mein und sein gutes Englisch, das seinen Kollegen etwas erstaunte. Ein wenig später kam ein weiterer Kollege dazu und lauschte ebenfalls dem Gespräch, das der junge Mann teilweise ins Ungarische übersetzte. Als ich ihnen sagte, dass mein nächstes Ziel Serbien sei, taten sie entsetzt und meinten, ich solle vorsichtig sein. Der Wachmann bot mir seine Pistole an, die ich aber dankend ablehnte: "I thank you, but I don't have practice with guns. If I will be robbed again I am sure, the robber will take the gun and shoot me with it, if he hasn't one for himself." - Natürlich geschah dies mit beiderseitigem Augenzwinkern. ;) Nach einem Foto per Selbstauslöser verabschiedeten wir uns herzlich. Mir wurde noch eine gute Gaststätte im nächsten Ort genannt, aber ich wollte lieber erstmal ein paar Meter machen.
Kurz darauf traf ich ein älteres Schweizer Ehepaar, das den Donauradweg von der Mündung stromaufwärts befuhr. Wenn ich mich nicht täusche, hatten wir uns letztes Jahr nahe Gorleben am Elberadweg getroffen.
In Ráckeve schaute ich mir das ehemalige Schloss Eugens von Savojen von außen an - jetzt wird es als Hotel genutzt. Danach entdeckte ich im Ort ein Geschäft für Computer, wo ich nach einem USB-Stick fragte, nicht wissend, dass die geläufige englische Vokabel "pen-drive" ist. Der Verkäufer, die Inhaberin und ich brauchten lange, ehe wir ins darauf einigen konnten, dass sie solche Geräte verkauften. Als wir dies endlich heraus hatten, fuhr ich ein Stück zurück, um in einer Bank, die ich zuvor gesehen hatte, ein paar Euro umzutauschen.
Auf dem Rückweg zum PC-Geschäft kaufte ich in einem Kramladen eine Flasche Öl für das Fahrrad. In dem Computerladen war man so freundlich, die Bilder von der Kamera auf den USB-Stick zu kopieren, was über eine dreiviertel Stunde dauerte. Woran diese Langsamkeit lag, konnte ich nicht herausfinden. In der Zwischenzeit war ein Mitarbeiter so freundlich, mir einen Rechner von einem Live-Linux zu booten, so dass ich damit ins Internet gehen und ein paar Bilder auf die Homepage schieben konnte. Alles in allem dauerte das Ganze zwei Stunden.
Südlich des Dorfes Makád war ich falsch abgebogen und hatte einen ordentlichen Umweg gemacht. In Drömös kam ich wieder auf die Europastraße und traf dort just an der Kreuzung einen französischen Geistlichen, der ebenfalls mit dem Rad donauabwärts unterwegs war. Er kommt aus der Gegend von Le Mans und fuhr die Strecke Atlantik - Schwarzes Meer. Dieser Radfernweg ist in Serbien entlang des Donauradweges ausgeschildert. Jedes Jahr fährt er (wenn ich mich richtig erinnere) etwa fünfzehn Tage einen Teil der Strecke, in diesem Jahr war es seine fünfte Etappe. Ich zolle ihm meinen Respekt: er ist sicher älter als fünfzig Jahre und zumindest in diesem Jahr allein auf Tour. Mich störte an seiner Fahrweise, dass er enorm weit rechts fuhr. Einmal schnappte er ab und geriet auf das sehr schmale geschotterte Bankett. Einen Sturz konnte er glücklicherweise vermeiden.
Als wir zusammen unterwegs waren, trafen wir in einem Dorf an einer Bushaltestelle ein paar Leute, mit denen wir ich weiß nicht wie ins Gespräch kamen. Eins der hübschen Mädchen war eine irische Polin oder polnische Irin, die ihre Freundin in Ungarn besuchte. Ich meinte dazu: "Meeting of international travellers in the pampa of Hungary!" Wir machten ein paar Fotos und schwatzten ein wenig. Auf einmal stellte sich Franzose ganz nonchalant ein paar Schritte weiter an den Zaun und verrichtet seine Notdurft. Ich schaute die Irisch-Polin an, sie mich - wir zuckten beide mit den Schultern...
Am Ortseingang von (?) nahm ich Abschied von dem Franzosen. Er wollte hier im Ort übernachten, ich fuhr noch zweieinhalb Stunden weiter. Um einen Schlafplatz zu finden, brauchte ich eine Weile. Schließlich ließ ich mich an einem vermutlich kaum benutzen Pfad direkt am Ufer der Donau nieder. Zu meinem Leidwesen befand sich in einer Entfernung von dreißig Metern ein Kahn, der lautstark die Donau ausbaggerte. Trotz des Radaus schlief ich irgendwann ein.
Durch das späte Losfahren, das Einkaufen und die Gespräche unterwegs und den Umweg hatte ich nicht so viel Strecke geschafft wie geplant, dafür hatte ich mehr Kontakt zu Menschen.