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Otto Flakes Luzern
«Luzern, am Meer gelegen, wäre mit dem ganzen See und seinen Bergen, Vorsprüngen, Gliederungen eine einzige Bucht gewesen, schöner und mächtiger als die von Rio de Janeiro, erklärte Robert dem Gefährten am ersten Abend vor der Karte. Jeden Nachmittag entführte er ihn zu Schiff und mit Zahnradbahnen zu neuen Stätten der Aussicht: Pilatus, Rigi, Stanserhorn, Seelisberg, Bürgenstock und Brünig.»
Otto Flake: Die Sanduhr (1950)
Die Luzern-Episoden schildern einen frühen Lebensabschnitt der Hauptfigur: Alexander Klein aus Baden-Baden wird 1914 von der begüterten Witwe Barbara Grendel aus Luzern adoptiert. In ihrem Sohn Robert findet der Junge einen Gefährten, der ihm die Schönheiten der Vierwaldstätterseelandschaft näher bringt. Später macht Alexander Karriere als Kunsthistoriker und Professor, seine Wege führen ihn dabei immer wieder in die Schweiz zurück.
Otto Flake (1880-1963) war gebürtiger Lothringer, eine Vermittlerfigur zwischen französischer und deutscher Kultur, von Zeitgenossen als ein grosser Europäer, ein eleganter Kosmopolit beschrieben. 1918 liess er sich für kurze Zeit in Zürich nieder und schloss sich dem Kreis der Dadaisten an. Nach Reisen quer durch Europa nahm er 1928 Wohnsitz in Baden-Baden, wo er bis zu seinem Tod lebte. 1933 unterschrieb Flake, auf Bitte seines jüdischen Verlegers Samuel Fischer, eine Ergebenheitsadresse an Adolf Hitler. Für diesen Akt wurde er von Thomas Mann, Bertolt Brecht und Alfred Döblin massiv kritisiert und sie sorgten mit dafür, dass Flake künstlerisch isoliert wurde. Erst nach dem Krieg, Jahrzehnte später, verhalf der Schriftsteller Rolf Hochhuth dem Romancier zu einem Comeback. Hochhuth, damals Lektor beim Bertelsmann Verlag, schickte eine Neuauflage der «Sanduhr» mit 250'000 Exemplaren an den Start. Sie wurden verkauft. (BP)
Eingebettet in ein eindrückliches Bergpanorama liegt Luzern, das Tor zur Zentralschweiz, am Vierwaldstättersee. Die Ausflugsberge Rigi (1871 erste Bergbahn Europas) und Pilatus haben Luzern sehr früh zur Touristendestination gemacht. Ihren Aufstieg verdankt die Stadt im wesentlichen dem Alpenverkehr über den Gotthardpass: Schon um 1250 hatte sie so viele Einwohner wie im 19. Jahrhundert. Das Stadtbild prägt die gedeckte, mittelalterliche Kapellbrücke über die Reuss, eine der ältesten überdachten Holzbrücken Europas. Zahlreiche Kirchen, so die Jesuitenkirche, weisen auf Luzerns führende Rolle in der katholischen Schweiz hin. Eines der bekanntesten Schweizer Monumente ist das Löwendenkmal, ein sterbender Löwe, welcher zum Andenken an den Heldentod der 1792 in den Pariser Tuilerien gefallenen Schweizer Söldner in den Felsen gehauen wurde. Das 112 Meter lange Bourbaki-Panorama erinnert an die im deutsch-französischen Krieg auf Schweizer Boden internierten, erschöpften französischen Soldaten. Ein architektonischer Höhepunkt ist das von Jean Nouvel gestaltete Kultur- und Kongresszentrum (KKL), Schauplatz des alljährlich stattfindenden Lucerne Festival für klassische Musik. Im Stadtleben spielt die Luzerner Fasnacht eine herausragende Rolle.