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Imposante Bauwerke prägen unsere Zeit, von Brücken über Kulturtempel bis hin zu Wohn-und Bankenkolossen. Doch unser Jahrhundert bildet da keine Ausnahme. Für Sehenswürdigkeiten hat jede Generation gesorgt. In Freiburg war dies zu Beginn des 19. Jahrhunderts etwa mit der Fertigstellung der Grossen Hängebrücke durch den französischen Ingenieur Joseph Chaley im Jahre 1834 der Fall. Im gleichen Jahrhat auch Freiburgs berühmter Orgelbauer Aloys Mooser (1770–1839) die grosse Orgel in der Kathedrale fertiggestellt. Eine Prachtsorgel mit einer berühmten Geschichte, die Titularorganist François Seydoux den vielen Besuchern immer wieder erzählt. In den 1820er-Jahren habe der Blitz in den Kirchturm eingeschlagen und die alte Orgel zerstört. So habe Aloys Mooser, der gleich um die Ecke wohnte, den Auftrag erhalten, ein neues Instrument zu bauen. Die Orgel mit über 60 klingenden Registern, verteilt auf vier Manuale und Pedal, verhalf ihm zu Weltruf. Doch ohne Reibereien mit dem Staat ging es nicht. Streitpunkt war die Empore. Mooser wollte sie tiefer setzen als üblich, um das vierte Manual samt Echowerk zu realisieren. Wegen den Streitereien wurden die Arbeiten zeitweilig eingestellt. So dauerte der Bau ganze zehn Jahre, von 1824 bis 1834.
Vogt steht «Pikett»
Registermässig galt die Orgel damals als das grösste Instrument der Schweiz. Moosers Werk, so Seydoux, wurde innert kurzer Zeit so berühmt, dass der damalige Organist Jakob Vogt (1810–1869) geradezu «Pikett» stehen musste, um auf Abruf das Instrument den Reisenden vorzuführen. Vogt trug jeweils seine Paradekomposition, die sogenannte Gewitterfantasie, vor. Und zwar immer wieder in einer neuen Version. Nicht viel anders ist es heute. Die Gewitterfantasie ist das obligate Stück, das sich Stadtführer für ihre Gäste wünschen.
Freiburgs berühmte Söhne
Aloys Mooser gehörte zusammen mit dem Franziskanerpater und Pädagogen Pater Gregor Girard (1765–1850) zu den herausragenden Persönlichkeiten Freiburgs in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das Handwerk lernte Mooser bei seinem Vater, später bildete er sich in berühmten Werkstätten weiter, so etwa bei der Familie Silbermann in Strassburg.
Die grosse Orgel der St.-Nikolaus-Kirche ist sein letztes und grösstes Werk. Kurz nach ihrer Fertigstellung besuchte nebst Anton Bruckner auch Franz Liszt die Orgel in Begleitung von George Sand.
Quelle:CD «Die grosse Orgel von Aloys Mooser in der St.-Nikolaus-Kirche» mit Begleitheft (Orgel François Seydoux).
Nicolas Viatte: «Orgelspiel ist ein Akt des Glaubens»
V or sechs Jahren wurden nebst dem Musikwissenschaftler François Seydoux auch Jean-Louis Feiertag und Nicolas Viatte zu Titularorganisten ernannt. «Es ist für mich eine grosse Ehre, an einem so geschichtsträchtigen Ort die Orgel zu spielen», sagt der 40-jährige Viatte, der auch in Vevey Titularorganist ist. «Jedes Mal, wenn ich hier spiele, danke ich Gott für das Talent, das er mir geschenkt hat. Für mich ist das Orgelspiel ein Akt des Glaubens.»
Als einzige im Urzustand
Für die Mooser-Orgel hegt Viatte grosse Bewunderung. «Es ist die einzige, die 1982 wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt wurde: Andere Mooser-Orgeln wie jene in der Heilig-Geist-Kirche in Bern, in der Stadtkirche Bulle oder in Estavayer-le-Lac beinhalten nur noch einzelne Teile. Historische Instrumente sollten erhalten bleiben, zugleich muss man auch offen sein für Entwicklungen.»
Der Unterhalt der Kathedralenorgel kostet einiges. Drei bis vier Mal pro Jahr wird sie gestimmt, und alle 20 bis 30 Jahre werden die Pfeifen von Staub befreit. Die letzte grosse Reinigung fand 2010 statt und kostete rund 150 000 Franken. Der Staat ist Besitzer, und die Pfarrei muss für den Unterhalt aufkommen.
Die Organisten
Der erste Organist der Kathedrale war Jakob Vogt. Ihm folgte sein Sohn Eduard (1869 – 1911), dann Paul Haas (1911 – 1927), Joseph Gogniat, Direktor des Konservatoriums (1927 – 1954), und Josef Piccand, Direktor des Konservatoriums (1954 – 1974). il
Die Orgel kommt auch an den bevorstehenden Konzerten zum Jubiläum des Domkapitels zum Einsatz: Do., 30. August, 19 Uhr und Do., 6. Dezember, 20 Uhr.
Sommerserie
Die Kathedrale und ihre Schätze
2012 feiert das Freiburger Domkapitel St. Nikolaus sein 500-jähriges Bestehen: Am 20. Dezember 1512 erhielt es von Julius II. die päpstliche Anerkennung. Aus Anlass des Jubiläums erzählen die FN diesen Sommer Geschichten und Geschichtliches rund um das Domkapitel und die Kathedrale.cs