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Jeder kennt Nikotinpflaster oder Nikotinkaugummis, die Rauchern beim Aufhören helfen sollen. Sie sind relativ beliebt, obwohl man mittlerweile weiß, dass sie einfach nicht funktionieren:
In 2012 wurde eine Studie veröffentlicht, bei der 787 Erwachsene über einen Zeitraum von 6 Jahren untersucht wurden, die eine Nikotinersatztherapie in Form eines Pflasters, Kaugummis, Inhalators oder Nasensprays machten.
Nikotin hilft nicht beim Rauchenaufgeben, aber…
Das erschütternde Ergebnis: Die langfristige Rückfallquote dieser Personen war identisch mit der von Rauchern, die zu aufhören versuchten und keine Produkte dieser Art benutzten. De facto war die Rückfallquote von Kettenrauchern doppelt so hoch, wenn sie ein Nikotinersatz-Produkt nutzten.
Doch gerade Nikotin, ohne den schädlichen Träger Tabak, hat einen interessanten Effekt auf kognitive Fähigkeiten: Diverse Studie zeigen, dass Nikotin einen positiven Effekt auf die Aufmerksamkeit, Gedächtnis und die psychomotorische Geschwindigkeit hat – zumindest kurzfristig.
Für Jennifer Rusted, Professorin für Experimentelle Psychologie an der Sussex Universität in Großbritannien, ist Nikotin der zuverlässigste kognitive Enhancer, den es derzeit gibt. Die Belege für kognitive Vorteile von Nikotin seien weitaus stärker als z.B. bei Provigil.
In den letzten 6 Jahren wurden mehr als ein Dutzend Studien in Spanien, Deutschland, Schweiz und Dänemark veröffentlicht, die daraufhin deuten, dass Nikotin zeitweilig die visuelle Aufmerksamkeit, das Arbeits- und prospektive Gedächtnis verbessert. Unter Letzterem ist die Fähigkeit gemeint, sich an Absichten zu erinnern und diese auszuführen.
Bereits seit den 1970er Jahren weiß man, dass Nikotin-Moleküle in die Rezeptoren für den Neurotransmitter Acetylcholin wie ein Schüssel in sein Schloss passen. Acetylcholin nimmt bei Lernvorgängen eine maßgebliche Rolle ein.
Nikotin hat jedoch auch einen positiven Effekt auf die Dopaminproduktion. Der Neurotransmitter Dopamin gilt im Volksmund als Glückshormon und spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation von Aufmerksamkeit, belohnungsorientiertem Verhalten, Drogensucht und Bewegung.
Macht Nikotin süchtig?
1987 schrieb das New York Times Magazine, Nikotin sei genauso süchtig machend wie Heroin, Kokain oder Amphetamine und hätte für die meisten Menschen größeres Suchtpotential als Alkohol.
Doch dies ist schlichtweg falsch. Tabak mag genauso süchtig machend sein wie Heroin, Crack und Alkohol zusammen. Doch Nikotin an sich, also ohne Tabak, scheint sicher zu sein: Es wurden keinerlei Entzugssymptome beobachtet.
Dennoch wird wohl jeder Arzt davon abraten, Nikotinpflaster zu einem anderen als gedachten Zweck (als Hilfe für alle, die mit dem Rauchen aufhören wollen) einzusetzen – obwohl Studien zeigen, dass es bei diesem Ziel nicht hilft.
Jeder muss also für sich entscheiden, ob er Nikotinpflaster oder –Tabletten zur Steigerung der mentalen Leistung einsetzen will.
Gary Lynch, Wissenschaftler an der Universität von Kalifornien, Irvine und Autor diverser Veröffentlichungen (u.a. Big Brain) zum Thema „smart pills“, äußerte sich jedenfalls folgendermaßen zum Einsatz von Nikotin:
„Nikotin hat einen legitimen Effekt. Ich nutze es selbst, wenn ich Schwierigkeiten beim Schreiben habe. Wenn ich gar nicht weiterkomme, kaue ich an einer Zigarre rum. Wenn mich jemand fragt, ob ich irgendein Mittel selbst nehme, die ich als Wissenschaftler untersuche, sage ich, dass mit Nikotin wirklich hilft.