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Aufgabe des Handels ist es, die Waren örtlich und zeitlich zu verteilen und auf diese Weise Überfluß und Mangel zu begleichen.
Er sucht die Ware da auf, von wo sie billig zu beziehen, wo sie also in relativem Überfluß vorhanden
ist, und verbringt sie dahin, wo sie höher bezahlt wird, wo demnach einem dringendern Begehr ein verhältnismäßig kleiner
Vorrat gegenübersteht. Folge hiervon ist größere örtliche Ausgleichung der Preise. Hand
[* 4] in Hand hiermit
geht die zeitliche Verteilung der Waren (An- und Verkauf zu verschiedenen Zeiten, z. B. von Kohlen, landwirtschaftlichen Erzeugnissen
etc.) und die zeitliche Preisausgleichung (z. B. bei verschiedenem
Ernteausfall).
Als Hilfsmittel dienen dem Handel hierbei die Lagerbestände und Vorräte der Lagerhäuser, Warenhäuser, Docks, Entrepots, Speicher,
Magazine etc. Als Bedarfshandel genügt der Handel vorhandenen
Bedürfnissen, als Spekulationshandel faßt er die wahrscheinliche zukünftige Gestaltung des Marktes ins Auge
[* 5] (z. B. nach
Maßgabe der Berichte über den wahrscheinlichen Ernteausfall etc.), oder er sucht auch durch Schaustellung,
Reklame etc. neue Bedürfnisse zu wecken.
Bei einigermaßen entwickelter Kultur ist die internationale Arbeitsteilung unvermeidlich. Infolgedessen scheidet sich der
auswärtige Handel oder Außenhandel vom innern oder Binnenhandel (letzterer auch bisweilen als Landhandel
im Gegensatz zum Seehandel, d. h. dem über See, insbesondere nach entlegenen Ländern, betriebenen Handel). Der auswärtige Handel zerfällt
zunächst in den Einfuhr- und den Ausfuhrhandel. Häufig sind die eingeführten Waren nicht dazu bestimmt, im Land konsumiert,
sondern wieder ausgeführt zu werden; geschieht dies
lediglich unter Benutzung der Verkehrsanstalten
eines Landes, so spricht man vom Durchfuhr- (Transito-) Handel, werden dagegen an den eingeführten Waren technische oder wirtschaftliche
Veränderungen und solche spekulative Operationen vorgenommen, welche die Absatzfähigkeit und Wiederausfuhr vorbereiten (Lagern,
Sortieren, Teilen, Mischen, Emballieren etc.), so wird dieser Handelsbetrieb Zwischenhandel (früher Ökonomiehandel)
genannt (vorzüglichstes Beispiel: England, die Hansestädte und Holland in der Vermittelung des überseeischen Handels mit den
europäischen Kontinentalstaaten).
Die Geschichte des Welthandels hat eine weitreichende Bedeutung, weil sie zugleich die Geschichte der menschlichen Gesittung
ist; seit Menschengedenken hat der Handel den Anstoß zu großen politischen und sozialen Bewegungen gegeben, zu geographischen
Entdeckungen geführt und die Kultivierung ganzer Erdstriche veranlaßt.
Später gelangte durch die politische Macht MakedoniensAlexandria zur Blüte.
[* 22] Alexander d. Gr. gründete
diese Stadt an einer
der Mündungen des Nils, um den Handel zwischen dem ganzen Osten und Westen zu beherrschen. Alexandria erhob
sich bald zu einer der bedeutendsten Handelsstädte und behauptete seine Stellung bis zur arabischen Herrschaft. Im Gegensatz
zu dem bisher geschilderten Zusammentreffen politischer und wirtschaftlicher Kultur bietet das römische Weltreich das Bild
einer Großmacht, welche dem Erwerb und Handel keinen Aufschwung zu geben, sondern nur die von andern errungenen
Erfolge rücksichtslos auszunutzen und schließlich zu vernichten verstand; die eroberten Provinzen werden geplündert und
kolossale Reichtümer in der Hauptstadt aufgehäuft.
Im byzantinischen Reich wurde Konstantinopel ein Verbindungsglied der morgenländischen und abendländischen Welt; es betrieb
einen nicht unbedeutenden Handel mit Indien, Ägypten (über Alexandria) sowie nach dem Westen und Norden; die
staatlichen Verhältnisse ließen indessen keine dieser Handelsrichtungen mächtig erstarken. Schon im 7. Jahrh. tritt der
Einfluß der Araber hervor, welche mit den Persern die hervorragendsten Träger
[* 29] der muselmanischen Kultur wurden; sie verstanden
es, nicht bloß in Arabien und Mesopotamien, in Syrien mit dem damals zur höchsten Bedeutung gelangten
Damaskus und in den Küstenländern des Schwarzen und KaspischenMeers, sondern auch selbst in dem von der Natur so schlecht ausgestatteten
Landstrich zwischen dem KaspischenMeer, dem Aralsee und dem Dschihun eine kunstgewerbliche und kommerzielle Blüte hervorzurufen,
und bemächtigten sich vollständig des ostasiatischen Handels.
Seit dem 12. Jahrh. wurde es von den übrigen italienischen Städten in den Hintergrund gedrängt. Unter diesen errang Venedig
infolge seiner glücklichen Lage und dadurch, daß es seiner Flotte gelang, die sarazenischen Seeräuber
zu bekämpfen, schon im 9. Jahrh. ein großes Ansehen; Genua und Pisa
[* 35] verdanken ebenfalls den im 10. und 11. Jahrh. besonders
lebhaft entbrennenden Kämpfen gegen sarazenische Seeräuber und normännische Plünderer sowie der gemeinsamen Eroberung von
Corsica und Sardinien ihre erste Bedeutung.
Zur Zeit, als die italienischen Hafenplätze ihren Zenith erreicht hatten, beginnt auch schon im NordenEuropas der kommerzielle
Geist sich zu regen. Im karolingischen Reich nimmt das Erwerbsleben einen raschen Aufschwung, insbesondere aber zeichnet sich
das Zeitalter der Städtegründung durch das Aufblühen des deutschen Gewerbes (Zunftbewegung) aus. Seit
dem 11. Jahrh. nimmt auch der Handel einen regern Aufschwung; die Kreuzzüge tragen das meiste zur Hebung
[* 38] des Binnenverkehrs und
der Beziehungen mit Italien und der Levante bei.