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Xylographie, R. Anheisser, 1908
Schon 1824 richtete die Gemeinde in der leeren oberen Stube der Alten Schwärze, der ehemaligen Gerichtsschreiberei, ein Schulzimmer für die Knabenschule ein. Bis 1840, dem Erstellungsjahr des Pestalozzischulhauses, dauerte dieses Provisorium.
In neuerer Zeit wurde 1964 wieder eine Unterstufe in der Alten Schwärze eingerichtet (Erdgeschoss) und 1977 im ersten Obergeschoss die zweite. Mit dem Bau der Neuen Schwärze wurden 1987 vier weitere Klassen sowie ein Kindergarten in der Schwärze einquartiert, so dass seither ein ganzer Klassenzug (Kindergarten - 6. Klasse) unterrichtet wird.
Die Schwärzi (auch Schwerzi, oder Schwärze) wurde 1548 von Lutz Ulmer erbaut, wahrscheinlich auf alten Fundamenten. Dies bezeugen die schweren in gotischen Formen gehaltenen Steinsäulen im Keller. Untergeschoss und erster Stock sind massiv gebaut. Der leicht vorragende Oberbau besteht aus Riegelwerk. Er ruht auf etwa zwei Dutzend kräftigen verwetterten Balken. Die Jahrzahl 1409 über dem Portal hat nichts mit dem Bau zu tun, sondern zeigt nur das Datum des Verkaufs eines Stückes Reben. Der Name ist aber schon früher bezeugt: Im Jahre 1319 verkaufte Konrad von Bussnang dem Kloster Magdenau einen Acker, der an den Weingarten genannt "Swerzun" grenzte.
Im 17. Jahrhundert sollte die Schwärze an obiges Kloster verkauft werden. Dass sie in katholische Hände gerät, wollte Zürich, das unterdessen Weinfelden erworben hatte, verhindern und erwarb das Gebäude. Es diente fortan jeweils dem Zürcher Obervogt als Bleibe, wenn er seine sechs Jahre Verwaltung hinter sich hatte und dem neuen Herrn im Schlosse Platz machen musste. Er blieb aber nur einige Wochen, bis die Übergabe geregelt und der neue Vogt in die Geschäfte eingeführt war. In dieser Zeit war die Liegenschaft umgeben von einer Ringmauer, "welche zu dreien Seiten Tor und an zweien vordern Eggen Türmli hat".
1706 wurde die Schwärze stark umgebaut und 1824 wurde die obere Stube, die als Gerichtsschreiberei gedient hatte, zum ersten Mal in ein Schulzimmer (für die Knabenschule) umgewandelt. Dieses diente aber nur als Provisorium bis 1840, dem Erstellungsjahr des ersten richtigen Weinfelder Schulhauses, des Pestalozzischulhauses. 1923 ging das Gebäude an die Familie Gideon über, die bis heute im Besitze der Schwärze ist. Die an der Südseite angebrachte Sonnenuhr von 1926 mahnt: "Der Schatten weicht zurück zur Stund, die uns der Tod wird machen kund."
Die Schwärze wurde 1964 umfassend renoviert. Im gleichen Jahr zog auch wieder eine Schulklasse ein. In Weinfelden waren alle Schulhäuser bis auf den letzten Platz belegt, steigende Schülerzahlen bedingten aber die Errichtung einer weiteren Lehrstelle. Siegfried Gideon hat mit beträchtlichem Aufwand den alten Saal im Parterre in eine freundliche Schulstube verwandeln lassen. 1977 wurde auch die obere Stube wieder als Schulzimmer verwendet. Beide Zimmer dienen bis heute dem Unterricht. In den 90iger Jahren wurde von der Schulgemeinde auch noch eine 2-Zimmerwohnung im ersten Obergeschoss dazugemietet, deren Räume dem Gruppenunterricht dienen. Zudem wurden in den letzten Jahren immer wieder kleinere Renovationsarbeiten vorgenommen, um den Ansprüchen eines zeitgemässen Schulunterrichts einigermassen Genüge zu tun.
Bis allenfalls im Westen Weinfeldens ein neues Schulzentrum errichtet wird, wird dieses altehrwürdige Gebäude wahrscheinlich weiterhin Bleibe von zwei Schulklassen der Unterstufe bleiben.
(zusammengefasst aus dem Buch "Geschichte und Geschichten um Weinfelder Häuser und Plätze" von Hermann Lei)
Bibliographie