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Die Römer hatten im eigentlichen Sinne keine Religion. Sie frönten über Jahrhunderte dem Polytheismus. Da viele verschiedene Völker unter dem Dach des römischen Imperiums lebten, waren es auch viele Strömungen.
Religion bedeutet, dass eine allseits motivierende, übernatürliche Kraft den Halt im Leben gibt, gut zu sein. Die Römer hatten diese Anschauung nicht. Hauptsache war, dass die Götter und die Ahnen einem halfen, seine Lebensziele zu erreichen.
Die römischen Götter waren fest im Leben der Römer verankert. Zum Beispiel ein Gewitter versinnbildlichte Jupiter und war somit real anwesend.
Kulte und ihre PriesterInnen spielten eine weit wichtigere Rolle im Glauben des Römers. Der Glaube war eine rein persönliche Angelegenheit und war ganz fest mit dem Leben verbunden.
Priester waren zum Teil staatstragend. Zum Beispiel waren Duoviri staatliche Amtspersonen, die gleichzeitig Priester waren.
Somit ist gesichert, dass Kult und Staat fest miteinander verbunden waren.
Auch waren Laren und Penaten eine sehr wichtige Verbindung zu den bereits verstorbenen Ahnen. Was man mit Bestimmtheit sagen kann, die Römer glaubten an ein Leben nach dem Tode und dass die Ahnen auf sie acht geben würden, sofern man sie genügend darum bittet.
Die Römer waren aufgrund ihres Glaubens und ihrer Kulte ein sehr egoistisches Volk.
Die Erreichung der persönlichen Lebensziele und derjenigen der im engsten Familienkreis lebenden Personen, waren wichtiger als alles andere.
Die römischen Kulte wurden von der Vielzahl der Götter, die jeweils für einen bestimmten Lebensbereich zuständig waren, bestimmt. Die drei römischen Hauptgötter und zugleich die obersten Staatsgötter waren Jupiter, Juno und Minerva. Weitere wichtige Götter für die Römer waren Mars, zuständig für Krieg und Ackerbau, Janus, Gott des Tores, des Eingangs und Anfangs, und Vesta, die Göttin des Herdes.
Eine Besonderheit der römischen Kulte war die Verehrung von Hausgöttern und privaten Göttern, der Laren, Penaten und des Genius, deren Altäre im Wohnhaus standen. Als Laren bezeichnete man die weiterlebenden Geister verstorbener Familienmitglieder, gute Geister, die die Familie beschützen sollten. Die Penaten waren die Götter der Legionäre. Der »genius« war eine Personifizierung der Fortpflanzung und der Lebensenergie. Also eine dem Mann zugewandte Personifizierung.
Die Frömmigkeit der Römer war sehr formell und im Unterschied zu den orientalischen Erlösungsreligionen und dem Christentum ganz dem Leben zugewandt. Eine kultische Handlung, ein Opfer war wie die Erledigung einer Pflicht. Es gab auch keinen Unterschied zwischen der Verpflichtung, sich den Eltern gegenüber zu betragen und der, die Götter den Vorschriften entsprechend zu verehren.
Fast immer ist Religion mit der Auffassung vom Tode und mit dem Totenkult verbunden. Ein konkretes Jenseits, was bei den Griechen und Christen als Hades oder Scheol bekannt war, gab es bei den Römern jedoch nicht. Das Grab des Verstorbenen war heilig. Man glaubte, dass die Seele nur nach einer den Riten entsprechenden Totenfeier mit Totenmahl befreit würde, das heisst eine göttliche Natur annehme.
Neben Opfer, Gebet und Totenkult gab es als weiteren kultischen Bereich die Weissagung. Vor jeder größeren Unternehmung wurde durch Beobachtung des Vogelfluges von darin ausgebildeten Priestern, den Auguren, darüber befunden, ob der Zeitpunkt günstig war oder nicht. Solche Massnahmen wurden auch vor wichtigen privaten Ereignissen durchgeführt.
Des weiteren kannte man die Weissagung aus den Eingeweiden von Opfertieren, was die Römer durch die Etrusker, den Vermittlern zwischen Griechen und Römern, kennenlernten. Diese Art von Weissagung wird auch heute noch von vielen Völkern praktiziert.
Da diesen römischen Kulten jede Innerlichkeit fehlte, konnte sich das Christentum im 1. Jh. n Chr. ausbreiten und die altrömischen Götter langsam verdrängen. Konstantin richtete dann ab 337 n. Chr. das Christentum definitiv als Staatsreligion ein.