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Während die Ukraine von eigenen Fortschritten in der Nähe zweier Siedlungen sprach, deren Eroberung Präsident Wolodymyr Selenskyj und Verteidigungsministerin Hanna Maljar zuletzt verkündet hatten, bestritt die russische Seite am Donnerstag, dass diese Dörfer in ukrainischer Hand seien. Beide Seiten berichteten von Kämpfen um weitere Ortschaften in verschiedenen Regionen.
Der ukrainische Militärsprecher Andrij Kowaljow sagte im Fernsehen, die Armee sei nahe der Siedlung Uroschajne nach Süden vorgedrungen. Das Dorf liegt knapp 100 Kilometer westlich der von Russland annektierten Bezirkshauptstadt Donezk. Bis zur russisch besetzten Hafenstadt Mariupol am Asowschen Meer sind es ebenfalls rund 100 Kilometer Luftlinie. Mit einer Rückeroberung eines Korridors nach Mariupol würde die ukrainische Armee den russischen Besatzern den Landweg zur annektierten Krim abschneiden.
Ministerin Maljar hatte am Mittwoch erklärt, das an einer Durchgangsstrasse gelegene Dorf Uroschajne sei befreit worden. Es handelte sich um die erste von der Ukraine gemeldete Rückeroberung seit der am 27. Juli von Selenskyj erklärten Einnahme des Nachbardorfs Staromajorske. Der russische Statthalter in den besetzten Teilen der Nachbarregion Saporischschja, Wladimir Rogow, bestritt nun diese Darstellung. Rogow erklärte am Donnerstag auf dem Kurznachrichtendienst Telegram, beide Dörfer stünden nicht unter ukrainischer Kontrolle.
Der ukrainische Militärsprecher Kowaljow erklärte am Donnerstag weiter, nahe den Ortschaften Senkiwka in der Region Charkiw und Bohdaniwka in der Region Donezk dauerten schwere Kämpfe an. Die russische Seite habe dort erfolglose Offensiven begonnen. Südlich der Stadt Bachmut, die ebenfalls im Gebiet Donezk liegt, werde eine Gegenoffensive der ukrainischen Truppen fortgesetzt. Der russische Politiker Rogow erklärte seinerseits, russische Truppen hätten eine ukrainische Offensive nahe dem Dorf Robotyne in der Region Saporischschja abgewehrt. Das Verteidigungsministerium in Moskau sprach von einer erfolgreichen Offensive russischer Truppen im Gebiet Donezk.
Russland kontrolliert rund ein Fünftel des ukrainischen Staatsgebiets. Neben der Krim handelt es sich um grosse Teile der Oblaste Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson im Osten und Süden des Landes. Die Gegenoffensive der Ukraine wird nach deren Angaben durch starke russische Verteidigungslinien mit ausgedehnten Minenfeldern erschwert. Auch die fehlende Lufthoheit der Ukraine macht deren Bodentruppen zu schaffen.
Russland hatte die Ukraine im Februar vergangenen Jahres angegriffen und bezeichnet sein Vorgehen als "militärische Spezialoperation". Der Angriff war in der UN-Generalversammlung von der grossen Mehrheit der internationalen Staatengemeinschaft verurteilt worden.
(Reuters)