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- Am Donnerstag wird in Katalonien ein neues Parlament gewählt. So hat es im Herbst die Zentralregierung in Madrid angeordnet.
- Soll die autonome Region ein unabhängiger Staat werden? Kann Katalonien wirtschaftlich allein überhaupt überleben? Zwei gegensätzliche Stimmen von Unternehmern aus Barcelona.
Wie stark ist Katalonien?
Katalonien sei stark und in Spanien eigentlich in allem führend, sagt Joan Canadell als feuriger Anhänger der Unabhängigkeitsidee. Er ist im Treibstoffgeschäft, hat mehrere Tankstellen, ist aber auch in anderen Branchen aktiv. Zahlen bedeuten dem Industrie-Ingenieur viel: Katalonien allein produziere 25 Prozent der spanischen Exporte und steigere diese Zahl jährlich um 5 bis 10 Prozent. Und das mit nur 15 Vertretungen im Ausland. Das alles bekommt erst die gewünschte Wirkung mit dem hingeworfenen Nachsatz: «Spanien hat Botschaften in der ganzen Welt, aber die sind bürokratisch und tun nichts für spanische Unternehmen.»
Katalonien allein produziert 25 Prozent der spanischen Exporte.
«Ein gutes Beispiel ist der «Corredor Mediterraneo», die Bahnverbindung der Küste entlang. Seit 25 Jahren fordern wir die, aber passiert ist nichts», sagt Canadell. Und selbst als die EU eine solche Verbindung verlangte, förderte die Regierung den Bahnweg via Madrid und bewegte sich nicht für die Küstenstrecke, wo die Häfen und die meisten Industriebetriebe sind.
Katalonien mit neuen Grenzen?
Carlos Rivadulla stimmt dem zögernd zu. Er ist Unternehmer im Lebensmittelsektor, Patentanwalt und Dozent. Die Unabhängigkeit hält er für ein Hirngespinst. Allzu viel Terrain will err den Separatisten denn auch nicht zugestehen: «Ja, der Staat war langsam, aber er kann nicht alle Bedürfnisse gleichzeitig befriedigen. Extremadura zum Beispiel hat schlechte Bahnen, das ist auch ein Problem. Die Küstenverbindung aber hätte man tatsächlich früher bauen sollen, das stimmt.»
Nur, das betreffe ja nicht nur Katalonien allein, sondern auch Valencia, Murcia und Andalusien, sagt Rivadulla. Wer derart mit Bedürfnissen der Exportwirtschaft argumentiere, könne nicht gleichzeitig neue Grenzen ziehen.
Unternehmer wollen einen grossen Markt, in dem überall die gleichen Regeln gelten.
Die Unternehmer wollten einen grossen Markt, in dem überall die gleichen Regeln gelten, betont Rivadulla. Nicht zwei Steuersysteme, wo vorher eines galt, nicht zwei Patentrechte, nicht zwei Tarifsysteme und so weiter. Ein Alleingang Kataloniens würde nach seinen Worten den Unternehmen Kosten verursachen, weil sie grösseren Verwaltungsaufwand hätten. Viele würden Katalonien verlassen oder mindestens ihren Steuersitz nach Spanien verlegen.
Worauf stützt sich Kataloniens Optimismus?
Unsinn ist das für den separatistischen Unternehmer Canadell: «Für unsere Unabhängigkeit würden wir mit Spanien einen Vertrag abschliessen, der alles regelt – eine Art katalanischen Brexit.» Und weiter: «Wir sind heute mit Spanien Mitglied der EU und würden sofort einen bilateralen Vertrag erhalten.» Dass die Schweiz länger dafür brauchte, macht ihn dann doch kurz nachdenklich, aber seinen Optimismus bricht das Argument nicht.
Niemand wisse, was bei einer Unabhängigkeit Kataloniens passiere, erklärt Canadell. Aber die Region sei Sitz von 40 Prozent der multinationalen Konzerne Spaniens. Es glaube wohl kaum jemand, dass diese keinen Lobby-Druck aufbauen würden, um einen Freihandelsvertrag der EU mit Katalonien zu erreichen. Alles andere wäre absurd, so Canadell. Und dass Tausende Firmen Katalonien verlassen wollen, kontert er wieder mit Zahlen: «3000 von 600’000. Das sind sehr wenige. Und bisher blieb es bei Drohungen. Gegangen ist noch kaum wer.»
Mit Spanien sehe er keine Zukunft mehr, sagt Canadell. Das Land stehe vor einem Kollaps. Das kommende Jahr werde schwierig sein. Spanien habe eine Billion Euro Schulden und damit 100 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Europäische Zentralbank werde davon kaum mehr grosse Beträge aufkaufen. Es drohten also steigende Risikozinsen. Ein Grund mehr, sich von diesem Land zu verabschieden, findet Canadell – der eigentlich gar keine Gründe mehr sucht.
Der Konflikt mit Katalonien könne den Aufschwung bremsen.
Rivadulla ist optimistischer, was Spaniens Wirtschaft angeht. Er mischt aber auch dunkle Töne in sein Bild: Seit drei Jahren erhole sich Spanien gut und wachse. Der Konflikt mit Katalonien könne diesen Aufschwung bremsen. Rivadulla räumt aber ein, Katalonien sei nicht das einzige Problem. Die Löhne seien zu tief und stimulierten die Wirtschaft nicht. Es fehle immer noch an Innovation, Effizienz und Produktivität.
Spaniens Wirtschaft ist oft noch rückständig und krisenanfällig. Das Land hat grosse Probleme zu lösen. Ohne Katalonien noch viel grössere.