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Thailand ist ein Hotspot der globalen Agrarindustrie. Auch in der Schweiz werden gerne Nahrungsmittel wie Reis, Poulet, Auberginen oder Kokosmilch aus Thailand konsumiert. Unsere Partnerorganisation «Mekong Migration Network» hat die Situation von ArbeitsmigrantInnen in der Thai-Landwirtschaft am Beispiel von vier wichtigen Produkten (Mais, Kassava, Palmöl und Kautschuk) genauer untersucht. Der neue Bericht beleuchtet unhaltbare Zustände.
Win Zaw Oo migrierte vor 17 Jahren nach Thailand und arbeitete seither in thailändischen Mais-, Ananas- und Zuckerrohrplantagen. Bei der Veröffentlichung des Berichts "Migrant Agricultural Workers in Thailand" erzählte er von seinen Erfahrungen in den Plantagen: «Wir erhalten sehr niedrige Löhne, wenn wir in der Landwirtschaft arbeiten. Unser Tageslohn beträgt lediglich 150 Bath. So tiefe Löhne reichen in Thailand nur knapp zum Überleben.»
150 Bath entspricht knapp fünf Franken, also etwa der Häfte des offiziellen Mindestlohns in Thailand. Ein ausreichender Lohn um eine Familie durchzubringen, läge gemäss Asia Floor Wage bei etwa 600 Bath.
So gelangen die Agrarprodukte ins Schweizer Thai-Curry
Der in Thailand produzierte Mais wird hauptsächlich als Futtermittel für die Geflügelmast verwendet. Die Schweiz hat 2019 aus Thailand rund 600 Tonnen Hühnerfleisch im Wert von 3.7 Millionen Franken importiert. Das nach Reis wichtigste Agrarimportprodukt aus Thailand ist Kassava (Importe 2019 im Wert von 7.1 Millionen Franken). Die Wurzel dient vor allem als Grundstoff für künstliche Süssstoffe und Glutamat, das sich häufig in Streuwürze und Saucen findet. Die Arbeitsbedingungen in der Ananas-, Auberginen- und Papaya-Produktion – alles Produkte, welche ebenfalls häufig aus Thailand in die Schweiz importiert werden – dürften nicht weniger schlimm sein, als jene in den vier untersuchten Produkten.
Tiefe Löhne für gefährliche Arbeit
ArbeiterInnen müssen oft mehr als 12 Stunden pro Tag arbeiten. Die Mehrheit (64,2%) der befragten MigrantInnen erhält weniger als 9000 Thai Baht (280 CHF) pro Monat. Auch der Arbeitsschutz wird oft vernachlässigt, so etwa wenn keine adäquate Schutzausrüstung beim Einsatz von Pestiziden verteilt wird. Die Untersuchung zeigt auch, dass die Kosten für eine Arbeitserlaubnis in Thailand deutlich zu hoch sind. So lebt die Hälfte der befragten WanderarbeiterInnen weiterhin ohne gültige Papiere. Manchmal werden die Dokumente auch von den Arbeitgebern eingezogen, was zu einer Form von Zwangsarbeit führt.
Versprechen der Regierung
Eine Vertreterin des thailändischen Arbeitsministeriums kündigte Verbesserungen bei den staatlichen Kontrollen durch ArbeitsinspektorInnen an. Zudem werde eine Telefon-Hotline eingerichtet, die allen MigrantInnen offen stehe. Und in Zukunft sollen alle MigrantInnen in Thailand Zugang zum Sozialversicherungssystem erhalten. Damit dies auch Realität wird, wird das «Mekong Migration Network» weiterhin MigrantInnen beraten und die Regierung regelmässig an ihre Versprechen erinnern.