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Take That war für das Phänomen der Boy- und Girlgroups der Neunziger- und Nullerjahre wegweisend – wenn nicht gar einiges mehr. Mit rund sieben Millionen verkauften Konzerttickets, über 48 Millionen verkauften Tonträgern, zwölf Nummer-1-Singles und 20 Top-Ten-Hits zählen sie bis heute zu den kommerziell erfolgreichsten Bands.
Das an Perfektion grenzende Marketingkonzept der Boygroup, bei der möglichst viele Schwarm-Typen Seite an Seite Lieder über die Qualen und Freuden der Liebe in die Mikrofone hauchen, ging auf und zog Teenies – mehrheitlich weibliche Teenies – vollumfänglich in ihren Bann.
Von 1992 an eroberten Gary Barlow, Mark Owen, Howard Donald, Jason Orange und ein gewisser Robbie Williams mit drei Studioalben massenweise die Herzen ihrer Fans, bis sich letzterer im Juli 1995 dazu entschied, die Band zu verlassen. Im Februar 1996 verkündete die Band daraufhin als Konsequenz ihre endgültige Trennung. Heute vor 25 Jahren, am 4. April 1996, spielten sie ihr vermeintlich letztes Konzert in Amsterdam. Gefühlt ging eine ganze Welt für eine Generation unter. Zusammenbrüche und Selbstmorddrohungen inklusive.
Die Trauer verflog, die Welt drehte sich weiter und der Erfolg der ITV-Doku «Take That: For the Record» zeigte den Plattenfirmen, dass sich mit Take That auch 2005 noch Geld verdienen lässt. Die Reunion war perfekt, die Tour angekündigt und die Besetzung immer nahe am Original.
Und wenn der Umsatz nicht gestorben ist, so touren sie noch heute. Zumindest drei Fünftel davon (namentlich Gary, Mark und Howard). Doch was lief in der Zwischenzeit so? Und was machen sie heute neben ihrem Publicity-Job als wiedervereinigte Band?
Dieser Herr – einst Lückenbüsser in der Band – braucht vermutlich keine Einleitung. Nachdem er sich mit Leithammel Gary Barlow überworfen hat, weil dieser ihm nicht mehr Bühnenpräsenz zugestehen wollte, verliess er die Band, um letztlich einer der erfolgreichsten Soloartisten der frühen Nullerjahre zu werden. Zumindest in Europa.
Mit der Single «Angels» gelang ihm der Durchbruch, was mitunter zur Folge hatte, dass er mit 18 BRIT Awards zu einem der erfolgreichsten britischen Künstler wurde. Ebenfalls ist er im Guinness Buch der Rekorde, weil er an einem Tag unfassbare 1,6 Millionen Konzerttickets verkaufte.
Robbie suchte ebenfalls den Erfolg in den USA, der jedoch ausblieb. Persönlich durchlebte er gemäss eigenen Aussagen während seiner erfolgreichsten Zeit eine persönliche Hölle: Alkohol-, Medikamenten- und Drogensucht, Depressionen, Streitereien, Zusammenbrüche. Erst 2006, als er seine jetzige Frau Ayda Field kennenlernte, ging es persönlich und gesundheitlich langsam aber stetig aufwärts.
Mittlerweile hat das Paar vier Kinder und lebt mehrheitlich in Kalifornien. Robbie produziert immer mal wieder Alben, die jedoch nicht mehr wie einst promotet werden. 2018 war er zudem Juror der 15. Staffel der TV-Sendung «The X-Factor UK», nach der er aber wieder ausstieg. Der allgemeine Eindruck bleibt jedoch, dass der mittlerweile 47-Jährige seinen Fokus voll und ganz auf seiner Familie hat.
Nach dem Band-Aus von 1996 startete Barlow ebenfalls einen Versuch als Solokünstler – ein Traum, den er angeblich bereits länger hegte. Sein Debütalbum stiess auf rege Nachfrage, was mitunter dem Nachhall der dramatischen Trennung geschuldet sein dürfte. Die Folgealben sowie sein Versuch, in den USA Fuss zu fassen, floppten jedenfalls.
Dieser Rückschlag traf Barlow hart. Er versuchte, sich in Anonymität zu flüchten, nahm enorm an Gewicht zu und wurde von der britischen Presse dabei genüsslich torpediert. Als er als Prügelknabe nicht mehr genug spannend war, fand er wieder genug Platz, um sein Leben neu aufzugleisen und neuen Mut zu fassen.
Er eignete sich seiner Frau und Familie zuliebe wieder einen gesünderen Lebensstil an und fasste auch als Musiker wieder Fuss. Als Songwriter, Produzent und Musicalkomponist ist Barlow bis heute enorm erfolgreich. Damals wie auch heute zeigt sich Barlow kreativ verantwortlich für den Grossteil der «Take That»-Produktionen. Im TV war Gary Barlow zusätzlich zwischen 2011 und 2013 als Juror von «The X-Factor» zu sehen.
Seit der «Nobody Else»-Tour 1995 ist er mit der damaligen Tänzerin Dawn Andrews ein Paar. Sie heirateten im Jahr 2000. Gemeinsam haben sie drei Kinder.
Das vierte Kind, eine Tochter, kam 2012 tragischerweise tot zur Welt. Er versuchte, dieses traumatische Erlebnis durch die Musik zu verarbeiten, was unter anderem zum Song «Let Me Go» führte, welcher 2013 auf seinem dritten Solo-Studioalbum erschien.
Er war nach der Trennung von Take That der erste der fünf Jungs, der sich mit seinem Soloprojekt an die Öffentlichkeit wagte. Auch er profitierte zunächst natürlich vom Medienrummel um seine Person.
So stieg seine Debütsingle «Child» sogleich auch auf Rang drei der Charts ein. Das Album floppte aber in den Augen der Plattenfirma und Owens Vertrag wurde 1997 bereits wieder terminiert.
Es folgte, was folgen musste: Owen gewann die zweite Staffel der britischen Version von «Promi Big Brother». Angestachelt von der immer noch währenden Zuneigung und motiviert durch ein Cameo bei Robbie Williams' Knebworth-Konzerten, startete er einen neuerlichen Anlauf. Auch hier performte die Single ordentlich, das Album jedoch floppte und Owen stand erneut ohne Vertrag da.
Der geheime Fanliebling von damals versuchte sein Glück in regelmässigen Abständen immer wieder als Solokünstler mit eigenem Label. Doch der Erfolg bleibt bis heute aus. Auch privat durchlebte er schwierige Zeiten. Er ist zwar mit der Schauspielerin Emma Ferguson verheiratet und hat mit ihr drei Kinder, doch er gestand öffentlich, über mehrere Jahre diverse Affären geführt und an einer Alkoholsucht gelitten zu haben.
In der eingangs zitierten Dokumentation «Take That: For the Record» gestand Donald, nach der Trennung der Band Suizidgedanken gehabt zu haben. Doch er besiegte seine Depression und nahm nach dem Band-Aus ebenfalls eine Single als Solokünstler auf, veröffentlichte diese aber nie offiziell. Stattdessen versuchte er sich zwischenzeitlich als DJ ...
Insofern kam ihm die Reunion 2005 ziemlich gelegen. Auf der «Beautiful World Tour» 2007 kollabierte jedoch seine Lunge während eines Konzerts. Glücklicherweise erholte er sich vollständig von diesem Vorfall und konnte die Tour beenden. Die neu entflammte Medienpräsenz mit Take That brachte ihm zudem den Jury-Job bei der deutschen TV-Show Got to Dance ein, die er 2013 und 2014 innehatte.
Er ehelichte die Illustratorin Katie Halil, mit der er zwei Söhne hat, Anfang 2015 und hat zudem zwei Söhne aus früheren Beziehungen.
Neben offenkundigen Sympathien für den Gebrauch von Marihuana und dem Geständnis, auch schon LSD ausprobiert zu haben, ist es – verglichen mit seinen Bandkollegen – jedenfalls enorm ruhig um ihn geworden.
Gary, Mark und Howard sind der harte, bis heute bestehende Kern der Band, Robbie Williams pickt sich raus, wann und ob es ihm passt – doch was ist mit Jason Orange, dem begnadeten Tänzer (neben Howard Donald natürlich)?
Nach der Trennung der Band versuchte sich Orange vorerst als Theaterschauspieler in London. Daraufhin tauchte er jedoch grösstenteils ab, bis es 2005 zur offiziellen Reunion kam. Er blieb allerdings nur bis 2014 Bestandteil der Band, als er sich während den Arbeiten zum insgesamt siebten Studioalbum der Band offiziell zurückzog. Ihn habe die Motivation verlassen, als Berufsmusiker zu arbeiten und weiterhin auf Tourneen zu gehen.
Seither ist er beinahe gänzlich von der medialen Bildfläche verschwunden. Doch nicht nur das: Auch seine ehemaligen Bandmitglieder pflegten stets engen Kontakt zu ihm, doch zwischen 2018 und 2020 schien er spurlos verschwunden.
Der ehemalige Breakdancer hat sich erfolgreich von der Öffentlichkeit abgeschirmt, wurde zuletzt aber radelnd in London gesichtet (das Bild können wir aus urheberrechtlichen Gründen nicht zeigen, aber du kannst es hier ansehen). Wie es um sein Privatleben steht, wissen wir nicht. Womöglich, weil es uns einfach auch nichts anzugehen hat.
(jdk)