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20.02.2021
Spannend, romantisch und historisch hervorragend recherchiert! Sehr empfehlenswert!
Das Buch „Der Kampf ums Glück“ von dem Autor Gilbert Morris ist der sechste Band in der Reihe „Die Wakefield-Saga“, in deren Mittelpunkt die englische Familie Wakefield steht. Das Buch kann auch unabhängig von den ersten Bänden gelesen werden, doch ist es für das Gesamtverständnis besser alle Bände zu kennen, da auf die Vorgeschichte Bezug genommen wird.
Die Geschichte beginnt im Jahr 1753, die Familie von Andrew Wakefield lebt in einer kleinen Gemeinde in Cornwall, wo Andrew als Pastor angestellt ist. Seine Zwillinge Paul und David gehen inzwischen zur Schule. Als Andrew infolge eines schweren Unfalls drei Jahre später stirbt, nimmt sein Bruder George Wakefield, jetziger Herr von Wakefield, Andrews Familie bei sich auf. Da George selbst kinderlos ist, wird David als der ältere der Zwillinge nach dessen Tod Georges Nachfolger und Erbe von Wakefield. Paul, der sich nicht damit abfinden kann, dass er beim Erbe leer ausgeht, verlässt daraufhin England und zieht in den Krieg zwischen den Briten und Franzosen auf dem amerikanischen Kontinent. Aber auch das wird ihm bald über und er verlässt die Armee, um als Trapper in die Wälder zu ziehen. Wird es jemals ein friedliches Wiedersehen der Brüder geben?
In diesem neuen Band steht weniger ein christlicher Prediger oder eine Glaubenslehre im Vordergrund als vielmehr der Zwist zwischen den Zwillingen Paul und David, der im weitesten Sinne an das Gleichnis des verlorenen Sohnes angelehnt ist. John Wesley und seine Lehre werden lediglich am Rande erwähnt. Wie auch schon in den Vorbänden brilliert das Buch von der hervorragenden historischen Genauigkeit des Autors. Ich bin immer wieder begeistert mit welcher liebevollen Aufmerksamkeit auch vermeintliche Kleinigkeiten wie die Details eines Kleides, Zimmers oder Essens beschrieben werden. Im Gegensatz zu den anderen Bänden empfinde ich es, dass die Frauengestalten Bethany und Marielle hier weniger stark dargestellt sind, als man es bisher kannte. Gerade weil die beiden als sehr gläubig bezeichnet werden, habe ich deutlichere Aussagen zu ihrem Glauben etwas vermisst. Es ändert nichts an der herausragenden Geschichte, es ist nur einer der wenigen Unterschiede, die ich hier verdeutlichen möchte. Es fällt in diesem Buch vielleicht mehr auf, da der Bruderstreit so sehr in den Vordergrund gerückt wird und die Erzählung auch weniger Anteile einer christlichen Glaubenslehre enthält. Die Gegensätzlichkeit der Brüder und der Erbstreit werden dafür umso spannender erzählt. Pauls Charakter ist eindeutig mehr weltlich, fern vom Glauben und sein Ziel ist der Titel und der Reichtum, hierfür sind ihm alle Mittel recht. David entgegen wird für mich fast schon zu gut dargestellt, eher schüchtern, zurückhaltend und mit dem zufrieden, was ihm seiner Ansicht nach von Gott gegeben ist. In ihm findet sich keine Auflehnung. Ein Idealbild, wenn seine Kinder in der Folge seines Handelns nicht so zu leiden hätten. Das Buch war ein pures Lesevergnügen, das viel zu schnell endete, aber es gibt zum Glück bald noch einen weiteren Band, auf den ich mich jetzt schon freue. Bis dahin empfehle ich diesen sowie die gesamte Wakefield Saga gerne weiter.