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Australien ist definitiv keine Horror-Hochburg. Ausser dem stets aktuellen Öko-Schocker «Long Weekend» (1978), dem grossartigen Segeltörn-Kammerspiel «Todesstille» (1989) und der stimmigen Trauma-Parabel «Der Babadook» (2014) sucht man nachhaltig beeindruckende Genrefilme aus Down Under (wie diese hier) meist vergebens.
Was auch daran liegt, dass demgegenüber immer wieder bescheidene Exponenten stehen wie das Körperhorror-Ärgernis «Body Melt» (1993) oder der seinerzeit international erfolgreiche Telekinese-Langweiler «Patrick» (1978), der mit «Patrick lebt!» (1980) immerhin eine inoffizielle, wunderbar schmierige italienische (!) Fortsetzung erfuhr.
Als Exporteur talentierter Filmemacher nach Hollywood indes hat sich Australien längst bewährt. Besonders beeindruckende Beispiele sind James Wan und Leigh Whannell, die mit «Saw» (2004) eine veritable Horrorwelle lostraten und seitdem mit der «Insidious»- und «Conjuring»-Reihe sowie weiteren Werken wie «Der Unsichtbare» und «Malignant» das Genre immer wieder erfolgreich aufmischen.
Bühne frei für die 30-jährigen Zwillinge Danny und Michael Philippou aus dem südaustralischen Adelaide. 2013 starteten sie den Youtube-Kanal «RackaRacka», auf dem sie Kinoknüller in Sketchform parodieren. Heute zählt der Kanal fast 7 Millionen Abonnenten, ihre Clips wurden weit über eine Milliarde Mal angeklickt, und die Internet-Stars sind inzwischen nach Los Angeles übergesiedelt. Ihr Spielfilmdebüt «Talk to Me» setzten sie aber in der alten Heimat um.
Die 17-jährige Mia (Sophie Wilde), deren Mutter vor zwei Jahren unter nie ganz geklärten Umständen gestorben ist, wird auf Partyvideos aus den sozialen Medien aufmerksam, in denen Leute wie von Geistern besessen agieren. Eines Abends landet Mia mit ihren besten Freunden selbst an einer solchen Party. Im Zentrum steht eine Hand aus Keramik, durch deren Ergreifen man Geister kontaktieren kann, indem man sie auffordert: «Talk to me.» Mia hofft, so ihre Mutter noch einmal «treffen» zu können. Was als Mutprobe beginnt, wird zunächst zum abgedrehten Spass und dann zum blutigen Ernst.
Mit ihrem Erstling liefern die Philippous die x-te Variante des klassischen Séance-Horrors, in dem der Menschenzirkel bzw. das Hexenbrett durch ein bizarres Artefakt ersetzt wird und das spiritistische Medium durch durchschnittliche Teenager. Hier liegt denn auch die Stärke des Films: Die Hauptfiguren bieten besonders für das Zielpublikum lebensnahe Identifikationsfiguren, also «ganz normale» junge Leute. Zudem geizen die Zwillinge nicht mit schwarzem Humor, indem sie die Geisterbeschwörungen zunächst als Partyspiel präsentieren, um dann umso mehr Schocks zu generieren, wenn der ganze Hokuspokus ausser Kontrolle gerät.
Kurzum: «Talk to Me» erfindet das Rad nicht neu, wirkt aber frisch genug, um Grünschnäbel für das Genre zu begeistern und alten Horror-Hasen Vergnügen zu bereiten.
Horrorfilm
Mit Sophie Wilde, Joe Bird, Alexandra Jensen, Otis Dhanji, Miranda Otto, Marcus Johnson
AUS 2023, ab 27. Juli 2023 im Kino