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„Dass ich sauer auf dich bin, heisst doch noch lange nicht, dass ich dich allein im Dunkeln mit dem Rad nach Hause fahren lasse. Oder dass ich dich nicht mehr gern habe. Oder dass ich nicht verstehe, warum du so gehandelt hast. Mein Gott, Mila, du hast wirklich keine Ahnung, was es heisst, eine Familie zu sein, oder?“
Knapp 600 Buchseiten verfliegen, ein Roman, den man nicht gern zur Seite legt, bis man auf der letzten angelangt ist. Hallie, Gus und Neil sind dicke Freunde seit der kleine Gus „Waise wurde.“ Sein liebeswerter Vater hatte die Eigenschaft unter Alkohol zum Tier zu werden, schlug die Mutter, bis sie tot war. Die Mutter im Grab, der Vater im Knast, so wächst der Junge bei Tante und Onkel au, und hier beginnt 1978 die Geschichte über einen Zeitraum von circa 30 Jahren. Der Cousin von Gus nennt ihn ehrfurchtsvoll Voodoo, weil Gus alle Menschen um sich herum in Bann schlagen kann. Der gutaussehende Junge wird Footballstar der Schule, wird in der Zukunft Prister werden. Hallies Vater ist der Arzt in dieser Kleinstadt, ein warmherziger Mann mit Prinzipien, der keinem Patienten die Hilfe verweigert, auch wenn er pleite ist. Hallies Mutter ist früh gestorben, sie lebt mit ihrem Vater allein, möchte später in seine Fußstapfen treten. Neil, der Dritte im Bunde hat zwar eine intakte Familie, doch die Eltern kümmern sich wenig um ihn. Früh zeigt sich, dass er Talent zum Schauspieler besitzt. Er steht im Schatten der beiden anderen, zeigt früh Stalkingtendenzen. Alle drei sind Nachfahren von Portugiesen, wie die die Mehrheit in dem Fischernest Provincetown am Race Point in Neuengland haben.
Neil liebt Hallie und Hallie liebt Gus, aber Neil liebt auch Gus, auf andere Weise. Die drei werden langsam erwachsen und der Abschlussball nach der Highschool steht an. Er endet mit einem Drama. Obwohl sich die Wege der drei trennen, bleiben sie in Kontakt, bis sich ein neues Drama anbahnt. Gus fällt einer Intrige zum Opfer.
Ein Roman über Freundschaft, Liebe und Familie, über den Schatten der Kindheit, den man mit sich herumträgt. Eine Geschichte über Verrat und Eifersucht, über das Loslösen seiner eigenen Dämonen. Feingetaktete Charaktere, zeigen wie jeder Protagonist für sich auf seine Art mit dem Verlassensein kämpft. Warum sind Menschen wie sie sind und wie gehen sie mit ihren Belastungen um. Kann man eine große Liebe abschütteln mit einer neuen Beziehung?
Gewalttätige Männer sind in diesem Buch ein großes Thema. Was macht Gewalt mit Frauen, mit Kindern? Liebe und Gewalt stehen hier dicht nebeneinander. Frauen die lieben und wissend in die Faust rennen, Kinder die sich später damit plagen, der Mutter nicht beigestanden zu haben, beladen mit Schuldgefühlen. Atmosphärisch und dicht geschrieben führt uns Patry Francis an die Küste von Neuengland, lässt uns das Meer und den Wind riechen, fühlen, das Knistern des Lagerfeuers hören, das Lachen der Jugendlichen. Sie lässt uns aber auch tief in die Seele der Protagonisten blicken, ein Blick der berührt.
Wer anfangs glaubt, aus der Kindergeschichte entwickelt sich ein kitschieger Liebesroman, dem wird spätestens nach dem ersten Drittel die Keule gezeigt. Nicht ganz. Hallie wird später eine Jugendliche bei sich aufnehmen, was sich mir nicht ganz erschließt, aber ich will nicht zu viel verraten. Das Ende ist mir zu konstruiert. Warum muss Neil noch einmal involviert werden, ein Protagonist der verschwunden ist, ist weg … das wirkte kitschig und aus der Kiste gezogen. Auch war mir nicht klar, weshalb Gus Priester wurde. Die Charaktere waren allesamt sehr schlüssig und ausführlich ausgebreitet. Eine weitgreifende Entwicklung für sein weiteres Leben. Von daher ist es verwunderlich, dass die Autorin hierauf nicht einging. Die Anspielung zu „David Copperfield“ von Dickens, ein Buch das eine Rolle spielt, fand ich liebenswert.
Alles in allem ein lesenswertes und spannendes Buch, ein Drama um Freundschaft und Familie am Cape Code. Ich würde das Buch nicht als Schmonzette bezeichnen, dafür ist es zu gradlinig und fein gezeichnet. Zum Ende hätte ich mir weniger Zufälle und Kitsch gewünscht.
Und an den Verlag: Ich bitte um ein ordentliches Korrektorat! Es wimmelt von Tippfehlern und einmal fehlt ein halber Satz. Das nicht würdig für einen Publikumsverlag. Aber mit Lesern kann das wohl machen?
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