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21. Juni 2016
Über die Hälfte der Bevölkerung lebt in der Krise - Ernährungsunsicherheit weitet sich aus
Ein Bericht, welcher von einigen UNO-Agenturen und ihren Partnern verfasstund im Juni 2016 veröffentlicht wurde, zeigt auf, dass in 19 der 22 Provinzen (= Governorates) in Jemen eine erhebliche Ernährungsunsicherheit herrscht.
Mehr als die Hälfte der Bevölkerung "lebt von der Hand in den Mund". In einigen Provinzen kämpfen mehr als 70% der Menschen um ihr tägliches Brot. Mindestens 7 Millionen Menschen leben in Zonen, welche gemäss Bericht einem hohen Grad an Ernährungsunsicherheit zugeordnet werden müssen.
Wichtige Faktoren bei der Vergrösserung der Ernährungsunsicherheit sind der Treibstoffmangel und die Importbeschränkungen bei der Einfuhr von Gütern des täglichen Bedarfs. Jemen muss 90% der Grundnahrungsmittel importieren. Im März 2016 konnte das Land lediglich 12% des benötigten Treibstoffbedarfs importieren.70% der Waren werden über den Hafen Hodeidah importiert, welcher durch ein Bombardement schwer beschädigt wurde.
Die Menge der importieren Lebensmittel und Erdölprodukte verringert sich von Monat zu Monat. Die Preise für Weizen lagen im Mai 2016 um 12-15% höher als im Zeitraum vor dem Ausbruch der aktuellen Krise im März 2015. Die Preiserhöhungen erfolgten trotz der sinkenden Weizenpreise auf dem Weltmarkt. Viele Strassenverbindungen in Jemen sind aus Sicherheitsgründen und wegen der Infrastrukturschäden nicht benutzbar. Die Verteilung der importierten Lebensmittel wird durch diese Faktoren noch zusätzlich stark erschwert.
Der Mangel an Saatgut und Düngemitteln hat die Ernteerträge im Land stark vermindert. Rund 50% der der Arbeitsleistungen im Jemen werden in der Landwirtschaft erbracht.
Zwei tropische Wirbelstürme, die Zyklone «Megh» und «Chapala», haben im November 2015 weite Landstriche im Jemen unter Wasser gesetzt und auch Flutwellen, Erdrutsche und Schlammlawinen ausgelöst.Im April 2016 sind Wanderheuschrecken über die Feld hergefallen. Diese Ereignisse haben die landwirtschaftliche Produktivität und die Verfügbarkeit von Lebensmitteln weiter herabgesetzt. Die Einwohner versuchen, u.a. durch das Anlagen von kleinen Gemüsegärten und die Pflege einer sehr beschränkten Hühnerzucht sich selbst zu versorgen.
Der Bericht basiert auf Daten aus dem Programm «Integrated Food Security Phase Classification (IPC)». Für die IPC-Analyse sammeln die am Programm beteiligten Partnerorganisation wochenlang Information im ganzen Land. An der Analyse für die aktuelle IPC-Analysebericht haben die UN-Agenturen FAO, UNICEF, WFP, das von der Europäischen Union finanzierte Programm «Food Security Information Systems (FSIS)» sowie das «Food Security Technical Secretariat» des Ministeriums für «Ministry of Planning and International Cooperation» der jemenitischen Regierung mitgearbeitet.
Die schwierige Versorgungslage mit Grundlebensmittelführt in einigen Provinzen zu einer äusserst dramatischen Entwicklung. Der chronische, akute Nahrungsmangel bewirkt, dass immer mehr Menschen in Jemen mit lebensbedrohliche, gesundheitlichen Problemen konfrontiert sind. In der Provinz Hodeidah zeigen 21,7% und im Tiefland der Provinz Ta'izz sogar 25,1% der Menschen Symptome von schweren Mangelerkrankungen. Am stärksten betroffen von dieser traurigen Entwicklung sind vor allem die Kinder. Ungefähr 3 Million Kinder, die weniger als 5 Jahre alt sind, benötigen dringend eine Behandlung, um den Mangelerscheinungen vorzubeugen oder um sie zu beseitigen. In diese Behandlungsprogramme werden auch schwangere Frauen oder solche, welche Kleinkinder betreuen, miteingeschlossen.
Von 1. Januar 2016 bis am 30. April 2016 haben insgesamt 3,6 Millionen Menschen Lebensmittelnothilfe erhalten. Allerdings verfügt dieses Nothilfeprogramm über zu wenig Geldmittel.
25. Oktober 2016
Bedrohlich steigende Ernährungsunsicherheit im Jemen
Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen WFP ist besorgt über den zunehmenden Hunger in weiten Kreisen der Bevölkerung und die steigende Rate der unterernährten Kinder im Jemen. Die Lage gerät vor allem in den abgelegenen Regionen des Landes allmählich ausser Kontrolle.
Ein WFP-Team hat neulich in der Provinz Hajjah und der ans rote Meer stossenden Provinz Hodeidah Gebiete besucht, welche verarmt sind. Die WFP-Leute haben mit von der Armut betroffenen Familien und den lokalen Behörden gesprochen. Bewohner und Behörden zeichneten ein dramatisches Bild der Lage, wo die Menschen jeden Tag um Nahrung kämpfen müssen. Das WFP-Team besuchte Spitäler sowie Gesundheitsstationen und orientierte sich über die Verfügbarkeit von Lebensmitteln in Verteilzentren in abgelegenen Gebieten.
Ihsan, eine 26 Jahre alte Mutter, berichtete: "Ich habe mir bei Nachbarn und bei meiner eigenen Familie Geld ausgeliehen, damit ich meinen Sohn aus dem Distrikt Tuhayta ins Spital in Hodeidah bringen konnte. Obwohl ich ihn jeden Tag mit Muttermilch versorgte, wurde er apathisch und verlor jeden Tag an Gewicht. Ich habe kaum genug Nahrung für meine Kinder, sodass für mich zu wenig für eine ausreichende Ernährung übrig bleibt."
Die Notfallgrenze für die Mangelernährung liegt bei 15% der Bevölkerung. In einigen Gebieten in der Provinz Hodeidah wurden bereits bis 31% Unterernährte registriert. Jemen ist das ärmste Land im Nahen Osten. Bereitsvor dem erneuten Aufflammen der Feindseligkeiten verzeichnete das Land einer derweltweit höchsten Unterernährungsraten.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Konflikt verschlimmern die Lage täglich. Die im öffentlichen Sektor Beschäftigten erhalten keine Löhne mehr. Die Lebensmittelpreise steigen. Zahlreiche Menschen verpflegen sich nur noch mit Brot und schätzen sich glücklich, dass diese Art von Backwaren wenigsten in den urbanen Bereichen noch vorhanden ist. Die Provinzen Marib, Al-Jawf and Ta'izz haben eine besonders hohen Anteil von Menschen, welche verarmt sind.
Seit im Februar versorgt das WFP jeden Monat rund 3 Millionen Menschen mit Lebensmitteln. In den letzten Monaten musste das WFP dieselbe Lebensmittelmenge unter 6 Millionen Menschen aufteilen. Für jeden der vom Lebensmittelmangel betroffenen Menschen wird die Essensration immer kleiner.