Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03472.jsonl.gz/1479

Kieferknacken
Wenn Sie beim Kauen ein Knacken oder Knirschen wahrnehmen, dann ist die Ursache meistens in den Kiefergelenken zu finden. Durch die Nähe der Kiefergelenke zu den Ohren kann sich für die Betroffenen das Knacken im Kiefergelenk ziemlich laut und unangenehm anhören. Aber nicht nur die Lautstärke kann ein Problem darstellen – es können auch langfristig gesundheitliche Folgen auftreten.
In diesem Artikel erhalten Sie wichtige Informationen zu den Ursachen, Folgen und Therapiemöglichkeiten von Kieferknacken.
Was versteht man unter Kieferknacken?
Der weit verbreitete Begriff “Kieferknacken” ist eigentlich nicht ganz zutreffend, weil das Knacken nicht vom Kiefer, sondern von den Kiefergelenken kommt. Folglich handelt es sich um ein Kiefergelenkknacken.
Das Knacken im Kiefergelenk beschreibt ein Symptom, das während der Mundbewegung als Knack- oder Knirschgeräusch feststellbar ist. Das klassische Knacken entsteht durch eine krankhafte Struktur der Kiefergelenke, bei der es zu einer abrupten Verlagerung der, in den Kiefergelenken befindlichen, Knorpelscheibe (Discus articularis) während der Kaubewegung kommt. Diese Diskusverlagerung wird als ausgeprägtes Kieferknacken wahrgenommen.
Neben dem Knacken kann auch ein Knirschen im Kiefergelenk, ähnlich wie reibender Sand, wahrgenommen werden. Dieses Phänomen entsteht durch eine mechanische Reibung, was ebenfalls auf eine pathologische Strukturveränderung in den Kiefergelenken zurückzuführen ist.
Knacken im Kiefer beim Kauen
Viele Betroffene beobachten besonders beim Kauen bzw. Essen ein Knacken im Kiefer, was an der zentralen Stellung der Kiefergelenke im Kausystem liegt: Für das Zermahlen der Nahrung werden die Zähne des Unterkiefers mit den Zähnen des Oberkiefers in Kontakt gebracht, wodurch die Speise zerkleinert wird. Für diesen Vorgang bedarf es einer kontrollierten Bewegung des Unterkiefers, wobei die Kiefergelenke die Scharniere für die Unterkiefer-Bewegung bilden. Wenn der Biss nicht stimmt, werden die Kiefergelenke falsch belastet. Durch eine solche dauerhaft falsche Beanspruchung kommt es beim Kauen bzw. Essen zu einer Fehlbelastung, die die Struktur der Kiefergelenke zerstört.
Je nach Art der Überlastung und der dadurch bedingten Zerstörung in den Kiefergelenken kann das Knacken einseitig oder in beiden Kiefergelenken auftreten.
Die hohe Anpassungs- und Kompensationsfähigkeit der Kiefergelenke sorgt dafür, dass Kieferknacken meistens ohne Schmerzen abläuft. Jedoch können, besonders bei ausgeprägten Problemen in den Kiefergelenken, Knacken und Schmerzen gemeinsam auftreten.
Entstehung und Ursachen von Kieferknacken
Ein anatomisch gesundes Kiefergelenk zeigt keine Knack- und Reibegeräusche. Insbesondere laute Geräusche in den Kiefergelenken deuten auf eine dauerhafte mechanische Belastung mit einer Schädigung der inneren Struktur hin.
Im Folgenden gehen wir auf die mögliche Entstehung und Ursachen von Kieferknacken ein. Dabei sollte unterschieden werden, ob es sich um eine natürliche oder krankhafte (pathologische) Entstehung handelt.
Natürliche Ursache
Auch in den Kiefergelenken gibt es das Phänomen der Tribonukleation (engl. tribonucleation). Dabei handelt es sich um eine natürliche Erscheinung, wie man sie auch vom Fingerknacken kennt: Durch Dehnung der Fingergrundgelenke kommt es zu einem Unterdruck in der Gelenkflüssigkeit im Gelenkspalt, wodurch schlagartig gelöste Gase aus der Flüssigkeit entweichen. Dieser Prozess wird als Knack-Geräusch wahrgenommen. Im Kiefergelenk kommen solche Dehnungen, besonders bei weiter Mundöffnung, selten vor, wodurch ein Knacken hörbar wird.
Pathologische Ursachen
In den meisten Fällen ist das Kiefergelenkknacken eines von vielen Symptomen einer Craniomandibulären Dysfunktion (CMD), einer weit verbreiteten Störung des Kausystems, mit langfristigen Folgen für die körperliche Gesundheit. Durch den, einer CMD zugrundeliegenden, falschen Biss kommt es zu strukturellen Veränderungen im gesamten Kauapparat, wodurch auch die Kiefergelenke eine Schädigung erleiden und nicht mehr “reibungslos” funktionieren.
Im Folgenden werden die krankhaften Veränderungen der Kiefergelenke beschrieben, die ein Knacken und Reiben im Kiefer erklären können.
Diskusverlagerung
Das Kiefergelenk wird aus dem Unterkiefer und der Schädelbasis gebildet. Zwischen den knöchernen Strukturen mit ihrem Knorpelüberzug befindet sich eine bewegliche, knorpelige Gelenkscheibe (Discus articularis), welche als Schutzkissen dient und die Kraftverteilung in den Kiefergelenken verbessert. Beim Öffnen des Mundes kann der Diskus aus seiner korrekten Lage herausgepresst werden (Knackgeräusch beim Mundöffnen) und beim Mundschliessen wieder zurück in seine ursprüngliche Position springen (Knackgeräusch beim Mundschliessen).
Durch die krankhafte Kraftverteilung in den Kiefergelenken kann eine Diskusverlagerung, sofern sie nicht behandelt wird, zu einer dauerhaften Zerstörung der Kiefergelenke führen. Es ist wichtig, dass der Diskus von einem erfahrenen CMD-Spezialisten repositioniert und stabilisiert wird.
Degeneration
Ein Kiefergelenk besteht aus abgerundeten und gut gleitenden Strukturen, wodurch die Reibung bei der Mundbewegung auf ein Minimum reduziert wird.
Bei einer schleichenden Zerstörung der knöchernen und knorpeligen Strukturen, kommt es zu einer degenerativen Veränderungen im Kiefergelenk, wodurch jede Bewegung des Unterkiefers mehr Reibung und Widerstand verursacht. Diese Reibung wird dann als Krepitation (Knistern oder Reiben) wahrnehmbar.
Eine Degeneration des Kiefergelenks wird als Kiefergelenksarthrose bezeichnet und sollte unbedingt von einem erfahrenen CMD-Therapeuten behandelt werden.
Entzündung in den Kiefergelenken
Eine Entzündung in den Kiefergelenken ist nicht nur schmerzhaft, sondern kann dauerhaft zu einer massiven Zerstörung der Gelenk-Anatomie führen. Entzündungen in den Kiefergelenken werden als Kiefergelenksarthritis bezeichnet und können starke Schmerzen in den Kiefergelenken verursachen. Da sich Entzündungen im Körper gegenseitig verstärken, können weitere Kieferentzündungen, FDOK / NICO und Rantes, den Verlauf zusätzlich ungünstig beeinflussen.
Therapie von Kieferknacken
Viele stellen sich die Frage, was bei Kieferknacken zu tun ist und wie sie es loswerden können. Dabei gilt es erstmal herauszufinden, was die tatsächliche Ursache ist und ob es sich um ein therapiebedürftiges Problem handelt. Dafür ist ein auf Biss-Probleme spezialisierter Zahnarzt die erste Anlaufstelle.
Handelt es sich um eine pathologische Situation, die einer Behandlung bedarf, so sollte die Ursache des falschen Bisses (meistens im Kontext einer CMD) ursächlich behandelt und langfristig stabilisiert werden. Symptomatische Therapien hingegen können eine kurze Linderung bringen, sind aber dauerhaft nicht zielführend.
Therapie der CMD
Die Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD), welche in den meisten Fällen von einem falschen Biss hervorgerufen wird, kann nur beseitigt werden, wenn sie ursächlich therapiert wird. Da der anatomisch und funktionell falsche Biss eine strukturelle Veränderung in den Kiefergelenken verursacht, sollte genau an dieser Stelle therapeutisch angesetzt werden. Eine vollständige Regeneration der Kiefergelenke mit einer speziellen CMD-Schiene und die anschliessende Korrektur der Biss-Situation, ist die einzige dauerhaft erfolgversprechende Lösung.
Lesen Sie hierzu mehr in dem Artikel CMD.
Operation der Kiefergelenke
Eine Operation der Kiefergelenke ist mit einem hohen Risiko und Komplikationen verbunden. Zustände, die eine solche Operation rechtfertigen, sind ausschliesslich extreme Zerstörungen der Kiefergelenke durch Tumoren, Unfälle oder andere schwere Erkrankungen. Auch „minimalinvasive“ operative Eingriffe an den Kiefergelenken können wir bei Kieferknacken nicht empfehlen. Ein behutsames Begleiten der Regeneration der Kiefergelenke mit anschliessender Anpassung der Zahn-Anatomie, ist hingegen eine angemessene, ursächliche, schonende und zugleich effektive Therapie der Krankheitsursache, was immer bevorzugt werden sollte. Die Durchführung einer solchen ursächlichen Therapie muss durch einen speziell ausgebildeten und auf diesem Gebiet erfahrenen Zahnarzt durchgeführt werden.
Übungen zu Hause
Übungen, die Sie zu Hause selbst durchführen können, basieren auf Dehnungen und Entspannungen der Muskeln, Sehnen und Bänder. Solche Methoden können eine gewisse symptomatische Linderung von CMD-Symptomen verschaffen. Übungen setzen aber nicht an der Ursache an, wodurch das Problem nicht dauerhaft behoben werden kann.
Dr. Markus Spalek
Beim Kieferknacken können erhöhte mechanische Kräfte auf die Kiefergelenke wirken, wodurch sich ein dauerhafter Schaden ausbilden kann. Mit Hilfe unserer CMD-Therapie können wir die Kiefergelenke regenerieren und dauerhaft gesund erhalten.
Häufige Fragen zu Kieferknacken
Kieferknacken ruft bei den Betroffenen häufig eine Menge Unsicherheit hervor, wobei viele Fragen auftauchen. Im Folgenden gehen wir auf häufige Fragen zu dem Thema Kieferknacken ein.
Häufig geht Kieferknacken nicht mit Schmerzen einher. Ob die Kiefergelenke jedoch bereits einen dauerhaften Schaden erlitten haben, kann von einem erfahrenen Spezialisten für CMD mithilfe der CMD-Diagnostik ermittelt werden. Ein Termin bei einem Experten ist empfehlenswert.
Ja. Mit einer CMD-Schiene kann die Ursache von Kieferknacken behandelt werden. Die Behandlung mit einer CMD-Schiene ist ein Prozess, wobei die Schiene, entsprechend der fortschreitenden Regeneration der Kiefergelenke, immer wieder angepasst wird.
Bei vielen Patienten tritt das Kieferknacken einseitig auf. Das spricht dafür, dass das knackende Kiefergelenk einen stärkeren strukturellen Schaden aufweist als das andere. Die Ursache dafür kann ein asymmetrisch verschobener Biss sein.
Kieferknacken ist meistens selbst ein Symptom einer Funktionsstörung des Kausystems (CMD), kann aber mit weiteren Symptomen in Verbindung stehen. So können durch die dauerhafte Reibung der Kiefergelenke auch Kieferschmerzen, Kopfschmerzen bis hin zu Migräne, Nacken-und Rückenschmerzen und weitere Symptome einer CMD begünstigt werden.
Um diese Frage zu beantworten, muss die Ursache des Kieferknackens herausgefunden werden. Ist eine CMD die Ursache, so ist eine vollständige Remission ohne eine ursächliche Behandlung unwahrscheinlich. Durch eine korrekte CMD-Therapie jedoch kann das Kieferknacken vollständig beseitigt werden.
Bei Kieferknacken sollte ein Termin beim Zahnarzt vereinbart werden. Wichtig ist, dass der Zahnarzt speziell ausgebildet ist und viel Erfahrung in der Behandlung von CMD besitzt.
Ein Kieferknacken beim Gähnen kann unterschiedliche Gründe haben. So kann durch die Dehnung im Kiefergelenk schlagartig Gas aus der Gelenkflüssigkeit entweichen und ein Knacken verursachen. In dem Fall hört man nur ein Knacken beim Öffnen.
Hört man hingegen auch ein Knacken beim Schliessen, handelt es sich häufig um eine Diskusverlagerung. Wenn auch beim normalen Kauen ein Knacken oder Reiben der Kiefergelenke zu hören ist, sollten Sie die Ursache abklären lassen.
Nach einer Weisheitszahn-OP kann es zu einem Kieferknacken kommen, das mit einem dauerhaften Offenhalten des Mundes während der OP zusammenhängen kann. In unseren Praxen legen wir grossen Wert darauf, dass die Behandlung zeitlich nicht zu sehr ausgedehnt wird und Sie zwischendurch den Mund schliessen und sich entspannen können, wodurch ein Kieferknacken nach Weisheitszahn OP vermieden werden kann.
Wenn der Unterkiefer nach der Weisheitszahn-OP übermässig geschwächt wurde, kann es sehr selten zu einem schmerzhaften Kieferbruch kommen – ein einmaliges Knacken mit Schmerzen und Schwellung sind die Folge. Glücklicherweise sind wir in unserer Praxis bislang von dem Eintritt dieses Risikos verschont geblieben.
Mit Hilfe einer Zahnspange werden Zähne verschoben und der Biss verändert. Durch die neue Biss-Situation kann es zu mehr Belastung in den Kiefergelenken kommen, wodurch ein Kieferknacken entstehen kann. Sofern es sich dauerhaft nicht bessert, sollten Sie Ihren Zahnarzt oder Kieferorthopäden kontaktieren. Wenn diese die Ursache nicht beseitigen können, sollten Sie einen speziell hierfür ausgebildeten und auf diesem Gebiet erfahrenen Zahnarzt aufsuchen
Es ist möglich, dass Sie sich den Kiefer ausgerenkt haben. In einem solchen Fall passen die Zähne nicht mehr so gut aufeinander und der Mund lässt sich ggf. nicht vollständig schliessen. Es kann sich aber auch um eine Diskusverlagerung handeln.
Wenn sich die Schmerzen anhalten und sich der Biss verschoben anfühlt, sollten Sie einen speziell auf die Therapie von Fehlfunktionen (CMD) ausgebildeten und auf diesem Gebiet erfahrenen Zahnarzt aufsuchen.
Wir raten davon ab, den Kiefer selber wieder einzurenken. Ein falsches Vorgehen kann zu dauerhaften Schäden an den Kiefergelenken führen.
Diese Frage kann man nicht so einfach beantworten, weil es verschiedene Gründe für ein plötzliches Kieferknacken geben kann. Fragen Sie Ihren Zahnarzt oder suchen Sie einen speziell auf die Therapie von Fehlfunktionen (CMD) ausgebildeten und auf diesem Gebiet erfahrenen Zahnarzt auf.
Eine vorübergehende Selbsthilfe kann darin bestehen, unterschiedliche Übungen anzuwenden, welche die Strukturen des Kauapparates dehnen und entspannen können.
Sofern das Kiefergelenk knackt, reibt oder knirscht, kann es wegen der direkten Nähe zum Ohr laut hörbar sein. Bei einem Spezialisten für CMD sollte die Ursache der Kiefergeräusche herausgefunden werden.
Nein, Verspannungen der Kaumuskeln kommen nicht von einem Kieferknacken. Muskelverspannungen deuten auf eine anatomisch fehlerhafte Biss-Situation hin.
Ein Spezialist für CMD kann Ihnen weiterhelfen.