Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03147.jsonl.gz/234

Philippinen – Warum kommt einem hier manches «spanisch» vor?
Das Erbe der Kolonialzeit wirkt auf den Philippinen bis heute nach. Spuren der spanischen Ära finden sich in der Architektur, in der Sprache und nicht zuletzt in der tiefen Religiosität.
Das Erbe der Kolonialzeit wirkt auf den Philippinen bis heute nach. Spuren der spanischen Ära finden sich in der Architektur, in der Sprache und nicht zuletzt in der tiefen Religiosität.
Dichter sind zuweilen die besten Anlaufstellen, wenn man eine neue Kultur kennenlernen will. Und Dichter haben die Philippinen einige hervorgebracht. José Rizal (1861 bis 1896), zum Beispiel. Der weitgereiste Arzt, Schriftsteller und Maler, der 1896 wegen seiner vermeintlichen Verbindung zu anti-spanischen Widerstandskämpfern hingerichtet worden war, schrieb einst über seine Landsleute: „Die göttliche Flamme, die jeder Filipino in sich trägt, wird weiterflackern, was auch immer kommen mag“.
Und gekommen ist einiges. 1521 landete der portugiesische Seefahrer Ferdinand Magellan (1480 – 1521), der für die spanische Krone segelte, auf den Inseln und bekehrte die lokale Bevölkerung mit Gewalt zum Christentum. Die blutige Christianisierung unter spanischer Flagge gab den weit über 100 verschiedenen Volksstämmen, die bis dahin friedlich nebeneinander existierten, zum ersten Mal in ihrer Geschichte eine gemeinsame Identität. Spanien schickte weitere Eroberer an die Küsten des Inselstaates und König Philipp II (1527–1598) liess den unterworfenen Archipel zu seinen eigenen Ehren umbenennen.
„Die göttliche Flamme, die jeder Filipino in sich trägt, wird weiterflackern, was auch immer kommen mag.“
Erst Ende des 19. Jahrhunderts gelang es den Filipinos, die Spanier abzuschütteln. Mit dem Schlachtruf «Mabuhay ang Pilipinas!» (Lange leben die Philippinen!) zogen Zehntausende gegen die Spanier ins Feld und vertrieben die Eroberer. Das spanische Erbe aber wirkt bis heute nach. 85 Prozent der Filipinos sind Katholiken. In vielen Häusern finden sich kleine Altäre zu Ehren der Heiligen Jungfrau Maria, wie man sie auch in Spanien überall findet. Zudem haben die Filipinos gewisse Festtage wie den Feiertag am dritten Sonntag im Januar zu Ehren des «Santo Niño» (des heiligen Gottessohnes) übernommen.
Das spanische Erbe zeigt sich auch in wesentlich manifesterer Form. Fast über den ganzen Archipel verteilt, stehen wunderschöne Steinkirchen, welche die Spanier während ihrer Herrschaft errichten liessen – mit kreativem Zutun lokaler Handwerkskünstler. Den Stil der gedrungenen, oft massiv gebauten Kirchen bezeichnen die Locals als «Erdbebenbarock». Einige der alten Kirchen stehen auf der Liste der Unesco-Weltkulturerbestätten (siehe Box).
Die Spanier haben auf den Philippinen aber nicht nur Kirchen gebaut, sondern ganze Städte errichtet. Am besten erhalten ist die Weltkulturerbe-Stadt Vigan ganz im Norden an der Westküste der Hauptinsel Luzon. Sie ist eine der ältesten noch stehenden spanischen Kolonialstädte der Welt. Wer sich hier von einer «calesa» (traditionelle Pferdekutsche) über die Kopfsteinpflastergassen des historischen Mestizo-Quartiers chauffieren lässt, vergisst zuweilen, dass die Spanier längst weg und die Kolonialepochen passé sind.
«Calesa» (spanisch für Kutsche) ist eines von zahlreichen Wörtern, das die Filipinos von ihren einstigen Kolonialherren übernommen haben. Zwar ist Spanisch seit 1987 nicht mehr offizielle Landessprache und die Anzahl der spanischen Muttersprachler wird auf nur noch knapp drei Millionen geschätzt. Dies entspricht etwa 2,5 Prozent der Bevölkerung. Überlebt haben dafür spanische Orts- und Provinznamen wie Las Piñas, Sierra Bullones oder Nueva Vizcaya. Auf den Philippinen gibt es auch ein Madrid, ein Santander und ein Valencia. Zudem sind einzelne spanische Phrasen nicht mehr aus dem philippinischen Alltag wegzudenken. «Mesa» (Tisch) oder «Adobo» (mariniertes Essen), zum Beispiel.
Apropos: Ferdinand Magellan und seine Mitstreiter hinterliessen natürlich auch in der lokalen Küche ihre Spuren. Empanadas, Pan de Sal und Galletas gibt es bis heute vielerorts zu kaufen. Und an Festtagen kochen die Filipinos gerne eine feine «Bringhe», eine Art Paella, wie sie die Spanier an festlichen Anlässen auftischen. Die Volkstänze, die zu solchen Festtagen aufgeführt werden, sind den Tanztraditionen Spaniens verblüffend ähnlich. Gerade hier aber ist es schwierig zu sagen, wer wen beeinflusst hat. Gut möglich, dass es die spanischen Eroberer waren, die den flinken Filipinos den einen oder anderen Tanzschritt abgeschaut haben. Denn die Filipinos wussten, wie man feiert, und zwar schon lange bevor die Spanier in ihren einstmals friedlichen Alltag platzten.
Neben der Kolonialstadt Vigan hat die Unesco auch mehrere Kirchenbauten aus der Zeit der spanischen Herrscher auf die Liste der Weltkulturerbestätten aufgenommen, darunter die Kirche San Agustín in Manila, die 1571 errichtet wurde. Auf der gleichen Liste stehen auch die Barock-Kirchen Nuestra Señora de la Asuncion in Santa Maria (1765), die Kirche des heiligen Augustin in Paoay (1710) und die Kirche Santo Tomas von Villanova (1797) in Iloilo. Das mit Abstand bekannteste Weltkulturerbe auf den Philippinen sind jedoch die einzigartigen Reisterrassen von Banaue, auch «gigantische Treppe zum Himmel» genannt. Diese wurde vor über 2000 Jahren vom Volk der Ifugao erstellt. Die rund 10 Quadratkilometer grossen Terrassen gelten als das älteste Bauwerk auf den Philippinen.
Zu Weltnaturerbe-Stätten hat die Unesco den Naturpark im Tubbataha-Riff, den teilweise unterirdischen Puerto-Princesa-Subterranian River Nationalpark auf der Insel Palawan und das Mount Hamiguitan Range Wildtier Schutzgebiet am gleichnamigen Berg Hamiguitan erklärt. 19 weitere Landschaften und Stätten stehen auf der Kandidatenliste der Unesco.
Wie komme ich hin Ab Zürich mit einem Stopp nach Manila oder Cebu im Süden ist zum Beispiel mit Cathay Pacific, Singapore Airlines und Oman Air möglich.
Einreisebestimmungen Schweizer Staatsbürger können ohne Visum in die Philippinen einreisen und maximal 30 Tage bleiben, vorausgesetzt, sie sind Inhaber eines Reisepasses, der mindestens sechs weitere Monate nach ihrem Aufenthalt auf den Philippinen gültig ist und sie sind in Besitz eines Tickets zur Rück- oder Weiterreise in ihr Herkunftsland oder ein anderes Reiseland.
Impfungen Die Philippinen sind glücklicherweise frei von Epidemien. Bei einem Dschungel-Trekking ist eine Malaria Prophylaxe empfehlenswert. Vorgeschrieben sind keine Impfungen. Wer aus einer Gegend einreist, in der Gelbfieber gemeldet wurde, benötigt ein Impfzeugnis.
Weitere Informationen: morefunphilippines