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Spanische Sierra Nevada: alpine Berglandschaften mit Blick aufs Mittelmeer
Nur wenige Kilometer nördlich von den Traumstränden Andalusiens erhebt sich eines der mächtigsten Gebirge Europas. Die Sierra Nevada lockt im Süden Spaniens mit zerklüfteten Berglandschaften, einer faszinierenden Artenvielfalt und dem südlichsten Skigebiet Europas.
Die Sierra Nevada ist nach den Alpen das höchste Gebirge Europas. Neben dem höchsten Gipfel, dem 3479 m hohen Mulhacén, umfasst die Sierra Nevada mehr als 20 Berge mit Höhen von über 3000 m. Als Teil der Betischen Kordillere zieht sie sich nördlich der spanischen Mittelmeerküste entlang, und das so dicht, dass die sommerlichen Badegäste sich in vielen andalusischen Seebädern praktisch im Schatten der Sierra sonnen.
Strandferien und Skireise lassen im südlichen Spanien daher wie an keinem anderen Ort verbinden. Das Skigebiet der Sierra ist nur zwei Fahrtstunden vom Flughafen Malaga und 45 Minuten vom Flughafen Granada entfernt. Von einigen Küstenorten sind die Ausläufer der Sierra Nevada sogar schon in einer halben Stunde zu erreichen.
Vom Strand in die Berge
Die Sierra Nevada folgt der spanischen Mittelmeerküste in Ost-West-Richtung und reicht dabei mit ihren Steilhängen rund um die Hafenstadt Almería direkt ans Meer. Als Hochgebirge herrschen in der Sierra Nevada dennoch harsche Bedingungen, und von November bis Mai liegt in den höheren Lagen genug Schnee für Wintersport-Aktivitäten. In niedrigeren Bereichen können Trekkingfans und Radwanderer das typisch mediterrane, feuchtwarme Mittelmeerklima geniessen.
Die Sierra Nevada dient als wichtiger Wasserlieferant für eine weite Region im südlichen Spanien. Nicht nur die Küstengegenden werden durch das Schmelzwasser der Sierra versorgt; auch die Städte Almería und Granada beziehen ihr Trinkwasser aus den Bergen. In den ländlichen Regionen sind unzählige Gewächshauskulturen auf das Wasser der Sierra Nevada angewiesen. So verwundert es nicht, dass auch Spaniens bekanntestes Mineralwasser in der Sierra Nevada gewonnen wird. Das Wasser Lanjarón stammt aus einer Quelle in den Alpujarras, einer Gebirgsregion an der Südseite der Sierra Nevada.
Der Nationalpark Sierra Nevada
Im Jahr 1999 wurde das Kerngebiet der Sierra Nevada in einen Nationalpark mit über 86.000 ha Fläche verwandelt. Der Parque Nacional Sierra Nevada dient als Heimat für eine grosse Artenvielfalt, darunter rund 2100 Pflanzenarten, von denen viele endemisch sind. Auch 116 bedrohte Pflanzenarten sind im Nationalpark anzutreffen, ebenso wie eine grosse Vielfalt an Zugvögeln und einige Säugetierarten. Wanderer können mit etwas Glück auf den Iberiensteinbock treffen, eine Ziegenart, die dem Alpensteinbock ähnelt. Auch Schneemäuse, Wildkatzen und Steinadler können im Gebiet des Nationalparks beobachtet werden.
Die Vegetation des Nationalparks zeigt deutlich sichtbar die Veränderung von mediterranen Landschaftsformen bis hin zum Hochgebirge. Während in den unteren Lagen immergrüne Laubbäume und vor allem Steineichen vorherrschend sind, wachsen ab etwa 1600 m vor allem laubabwerfende Bäume. Dieser Bereich wird bereits von sehr niedrigen winterlichen Temperaturen bestimmt, bei denen die charakteristischen mediterranen Baumarten nicht mehr wachsen. Ab einer Höhe von 1800 m geht der Laubbaumbestand in Nadelhölzer über. Die Sierra Nevada gilt als südlichster Verbreitungsort der Nadelkiefer in Europa. Jenseits der Baumgrenze sind schliesslich nur noch Zwergsträucher und in höheren Lagen alpine Gräser anzutreffen, die selbst extremen klimatischen Bedingungen standhalten.
Vermächtnis der Mauren: die Bergdörfer der Alpujarras
An den südlichen Hängen der Sierra Nevada erinnert eine Landschaft aus steilen Bergtälern an die Zeiten, als die Mauren über die Iberische Halbinsel herrschten. Die Alpujarra oder Alpujarras ist eine faszinierende Region, die von traditionellen Bergdörfern im maurischen Stil charakterisiert wird. Die Alpujarras waren die letzte Region, in der sich die Mauren einst der Vertreibung durch die Christen widersetzen konnten. Erst 1570 wurden die letzten aufständischen Mauren besiegt.
Dass sich die spanischen Mauren einst in die südlichen Regionen der Sierra Nevada zurückzogen, hatte seinen Grund, denn die abgelegenen Bergdörfer der Alpujarras zeichnen sich durch ihre besonders isolierte und zugleich malerische Lage aus. Noch heute geht das Leben hier einen gemächlicheren Gang als in den nahegelegenen Badeorten. Besondere Attraktion der Alpujarras sind die „weissen Dörfer“ Pampaneira, Bubion und Capileira, die unterhalb des Berges Mulhacén in malerischer Lage mit ihren traditionellen weissgetünchten Häusern locken. Auch viele Trekking-, Mountainbike- und Pferdetouren werden von hier aus angeboten.
Ferien im südlichsten Skigebiet Europas
Die Sierra Nevada ist das südlichste Skigebiet in Europa, und auch die höchstgelegenen Skipisten des Kontinents sind hier zu finden. In Höhen bis zu 3300 m geniessen Wintersportler einen atemberaubenden Ausblick, der zum Teil bis nach Gibraltar reicht. In nur zwei Fahrtstunden Entfernung zu den andalusischen Mittelmeerstränden könnte der Kontrast kaum grösser sein. Von Dezember bis Ende April sind die Pisten geöffnet und bieten auf insgesamt 103 Pistenkilometern ideale Bedingungen für Anfänger und Profis gleichermassen.
Als Wintersportzentrum der Sierra Nevada dient der Ort Pradollano, der auch Sol y Nieve – „Sonne und Schnee“ – genannt wird. Pradollano ist ein künstlich gewachsener Wintersportort, der als Austragungsort für die alpinen Skiweltmeisterschaften von 1995 entstand. Aufgrund von Schneemangel wurden die Weltmeisterschaften zwar verlegt, aber Pradollano war seither mehrfach Austragungsort bedeutender Wintersport- und Bergsportveranstaltungen. Für die Freestyle-Skiing- und Snowboard-WM 2017 wurde im Jahr 2013 einer der grössten Snowparks Europas eingerichtet, der Super Park Sulayr.
Oberstes Bild: Blick auf die Sierra Nevada (© Antonio Morales García / Wikimedia / CC)