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Über Therese Johaugs Sieg gibt es nie auch nur den Hauch eines Zweifels. Bereits nach drei Kilometern verabschiedet sich das Leichtgewicht (46 kg bei einer Grösse von 162 cm) von all seinen Konkurrentinnen - und wird erst im Ziel wieder gesehen. Dieses erreicht sie - ohne auf der letzten Runde zu forcieren - mit mehr als zweieinhalb Minuten Vorsprung auf ihre Teamkollegin Heidi Weng.
Bronze holt die Schwedin Frida Karlsson, obwohl sie nach einem Sturz in der vierten von fünf Runden kaum noch Gefühl im Arm hat und nach dem Rennen direkt ins Spital gebracht wird. Vom Quintett, das um die Medaillen hinter Johaug sprintet, gehen die zweite Schwedin Ebba Andersson und die Österreicherin Teresa Stadlober leer aus.
Damit spiegelt das Podest ziemlich akkurat den Stand des Frauen-Langlaufs bei dieser WM wider. In den «Distanzrennen» gehen alle drei Goldmedaillen an Johaug, die weiteren Medaillen allesamt an Norwegen und Schweden. In den Sprints triumphiert zweimal Schweden, dahinter gibt es immerhin auch noch Medaillen für Slowenien (zweimal Bronze) und natürlich im Team-Sprint Silber für Nadine Fähndrich und Laurien van der Graaff. Ihr viertes Gold holt Johaug vor Russland und Finnland mit der norwegischen Staffel. Das 32-jährige «Landei» aus der ostnorwegischen Provinz Hedland kommt nun auf 14 WM-Titel und liegt damit nur noch hinter ihrer 2018 zurückgetretenen Landsfrau Marit Björgen (18).
Johaug gelingt zum zweiten Mal in Folge nach Seefeld 2019 der «Sweep» mit Siegen in allen Einzelrennen mit Ausnahme der Sprints. Sie ist unbestritten die derzeit beste Langläuferin, wegen ihrer Dopingvergangenheit aber nicht ganz unverdächtig. Im September 2016 wurde sie positiv auf das anabole Steroid Clostebol getestet, angeblich wegen der Verwendung einer Lippencrème. Sie musste deshalb eine Sperre von 18 Monaten absitzen und verpasste die Olympischen Spiele 2018. Eine olympische Goldmedaille in einem Einzelrennen ist denn auch das einzige, was Johaug in ihrer beeindruckenden Karriere noch fehlt. Nach der Sperre kehrte sie so stark wie zuvor zurück.
Fähndrich mit Atemproblemen
Die für kürzere Distanzen prädestinierte Nadine Fähndrich muss zum Abschluss der Titelkämpfe im Allgäu leiden. Die Luzernerin beendet das Rennen als 38. mit knapp 12 Minuten Rückstand. Zwischendurch geht ihr durch den Kopf, «ich könnte ja ein Buch schreiben», erzählt sie bereits wieder lachend. Titel: «Was kann alles schief gehen in einem Rennen.»
Fähndrich hat von Anfang an Mühe. «Es passte nichts, ich kam nicht vorwärts», sagt sie. Sie habe Mühe gehabt mit dem Atmen, wie ihr das ab und zu bei trockener Luft passiere. «Aber für mich war klar, dass ich nie ein Rennen aufgebe, wenn das nicht wegen gesundheitlicher Probleme sein muss.» So beisst sie sich durch und stürzt zu allem Unglück noch auf der letzten Abfahrt.
Lange ärgern muss sich Fähndrich aber nicht. Dank der Silbermedaille ist die WM schon seit letztem Sonntag ein voller Erfolg für sie und die Schweiz. Nicht zuletzt ist dieses Edelmetall ein willkommener Farbtupfer im Frauen-Langlauf, das durch die Grossmächte Norwegen und Schweden derzeit fast nach Belieben dominiert wird.