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Dieter Fringeli
Fingernägel. 23 Anfälle
1992
Aus: Dieter Fringeli. Fingernägel. 23 Anfälle. 1992
Ob er noch lebt oder nicht, spielt die geringste Rolle. In einer Würdigung seines Todes, der fraglos ein blitzartiger, wenn auch durchaus erwarteter gewesen wäre, in einem sogenannten Nachruf also könnte man in hilflosem Zitieren von einem unsteten Manne sprechen, dem auf Erden nicht zu helfen war. Das war er tatsächlich: ein Getriebener von sich selbst und allem durchs Leben Gestossener, ruckartig von einem Ende zum andern und umgekehrt. Er war ohne Bezug und Umgebung, wo er hinschaute, sah er nur sich, von nichts und allem zugleich bedrängt. Was er unternahm, hatte stets das böse Ziel, sich selbst ungeschehen zu machen: er liebte, soff, hasste, betete und schrie, um sich selber wegzulieben, wegzuhassen, wegzuschreien. Nichts verlief nach Plan, alles nach Angst und Schrecken ein Ablauf, rasant und unbegreiflich, der keine Geschichte aufkommen liess, keinen roten Faden hatte, nicht den dürftigsten Zusammenhang. Der Mann, der er doch sein wollte, war sozusagen nicht synchron mit seinen Gefühlen, seinem Wollen, dem Dasein, seinem Glück (das er fürchtete wie nichts auf der Welt). Er gönnte sich nichts, am wenigsten ein eigenes Schicksal...