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Um 1900 entstanden im Ägerital zahlreiche Kurhäuser, welche das heilkräftigen Klima ausnützten. Allerdings blieb Oberägeris Ausstrahlung als Kurort gegenüber Unterägeri noch schwach, bis 1904 Minna Popken
, eine reformierte, geschiedene Frau aus Deutschland, ins ländliche Ägerital kam und innerhalb einer katholisch-konservativen, patriarchalischen Gesellschaft ein streng evangelisch ausgerichtetes Kurhaus mit fundamentalistischem Charakter gründete. Trotz dieses Gegensatzes scheint sie von der Bevölkerung freundlich, wenn auch wohl etwas skeptisch aufgenommen worden zu sein.
Da ihr Kurhaus mit seinem Konzept des leiblich-geistlichen Heilens durch Bäder und Gebete Erfolg hatte, plante Popken den Bau einer grösseren Kuranstalt. 1911 wurde am Seeufer nahe Oberägeri das Kurhaus "Ländli" unter der ärztlichen, wirtschaftlichen und geistlichen Leitung von Minna Popken
eröffnet.
Schon im ersten Sommer war das Haus mit meist weiblichen, nervenleidenden Gästen voll besetzt. Auch für die Gemeinde erwies sich das Kurhaus als Gewinn. Bau und Betrieb verschafften Arbeit und Verdienst. Schon 1913 war die Anstalt die nach der Korporation grösste Steuerzahlerin der Gemeinde.
Der 1921 als neue Trägerschaft gegründete "Christliche Verein Ländli" sollte die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Kriegs- und Nachkriegszeit überwinden, kam aber nicht aus den Problemen heraus. Das Kurhaus gelangte 1925 an den reformierten Diakonieverband Wartburg, den schweizerischen Ableger des deutschen Diakonieverbandes Marburg, der das Ländli zu seinem neuen Zentrum machte und sich seit 1934 "Diakonieverband Ländli in Oberägeri" nannte. Die neue Trägerschaft baute die Anlage erheblich aus, was dem lokalen Gewerbe in der Krisenzeit der 1930er Jahre sehr gelegen kam.
Heute ist das "Ländli" ein modernes Kurzentrum mit einem breiten Therapie- und Bildungsangebot. Bild:
Das Kurhaus Ländli vor dem Ausbau in den 1930er Jahren.