Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03201.jsonl.gz/1663

Trotz guter Chancen gegen Peru reichte es Argentinien in der WM-Qualifikation wieder nicht zu einem Sieg. Was lange undenkbar schien, könnte bald Tatsache werden: Eine WM ohne Argentinien und Superstar Lionel Messi im kommenden Sommer.
Messi faltete die Hände und betete zum Himmel. Aber der Fussballgott hatte kein Erbarmen, der Ball wollte einfach nicht rein. Einmal scheiterte der fünffache Weltfussballer am Pfosten (46.), dann vereitelte Perus Goalie Pedro Gallese mit einer Reihe von Glanzparaden das erhoffte Tor der «Gauchos».
Denn die «Albiceleste» wäre als Sechster – Stand jetzt – nicht dabei. Peru, das mit jungen, talentierten Spielern das Überraschungsteam in der WM-Qualifikation ist, hat das bessere Torverhältnis und kann sich erstmals seit 1982 wieder für eine WM-Endrunde qualifizieren.
Schon in der Qualifikation für die WM 2010 zitterte Argentinien sehr lange und kam am Ende nur durch einen Treffer in der 93. Minute noch nach Südafrika.
Zu allem argentinischen Ärger zog auch noch Dauerrivale Chile durch einen 2:1-Erfolg gegen Ecuador vorbei. «Die Mannschaft ist wütend, aber wenn wir in Ecuador gewinnen, fahren wir zur Weltmeisterschaft», sagte Argentiniens Nationaltrainer Jorge Sampaoli trotzig. «Wir haben heute einen kämpferischen Messi gesehen, mit einem Gesicht, das Argentinien braucht.»
Ein ganzes Land hatte dem Spiel gegen Peru entgegengefiebert. Auf Wunsch des neuen Nationaltrainers Sampaoli, im Mai für rund 1,5 Millionen Euro vom FC Sevilla losgeeist, war das Spiel in die berüchtigte «Bombonera» («Pralinenschachtel») verlegt worden. Das Stadion der Boca Juniors erzeugt durch seine Enge und die steilen Ränge eine besondere Atmosphäre. Eigentlich sollte das Spiel im weitläufigen Stadion von River Plate («El Monumental»), dem Spielort des WM-Finals 1978, stattfinden.
An der Atmosphäre vor rund 50'000 Zuschauern lag es jedenfalls nicht. Die Fans rollten eine riesige Fahne aus, um Messi zu huldigen. Darauf stand: «Homenaje al mejor jugador del siglo» – eine «Hommage an den besten Spieler des Jahrhunderts». Peru hatte vergeblich gegen die Verlegung in die «Bombonera» protestiert – die Mannschaft brachte sogar eigenes Wasser mit nach Buenos Aires.
Als Glücksbringer dabei war auch Oswaldo «Cachito» Ramirez, der 1969 in der «Bombonera» beim 2:2 in der damaligen WM-Qualifikation beide Treffer für Peru geschossen hatte. Damals verpasste Argentinien die WM-Endrunde 1970 in Mexiko. Nun könnte sich die Geschichte knapp 50 Jahre später wiederholen und Messis womöglich letzte Chance auf den Gewinn des WM-Titels schon in der Qualifikation scheitern. Er ist immerhin schon 30 Jahre alt.
Rauf und runter wird seit Tagen in Argentinien diskutiert, ob es nicht zu wenig sei, sich immer nur auf Messi zu verlassen. Die letzten drei Spiele mit ihm brachten drei Unentschieden – darunter ebenfalls zuhause ein peinliches 1:1 gegen den Tabellenletzten Venezuela. (fox/sda/dpa)