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Lokale Brauereien boomen. Dennoch gibt es in der Schweiz keine grössere Mälzerei, die aus Braugetreide Malz herstellt – ein wichtiger Inhaltsstoff für Bier. Christoph Lienert vom Schweizer Brauerei-Verband sagt, das liege an der mangelnden Rentabilität und am hohen Flächenbedarf für den Getreideanbau.
Christoph Lienert
Schweizer Brauerei-Verband
Christoph Lienert ist wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Schweizer Brauerei-Verband (SBV).
SRF News: Warum gibt es kaum noch Mälzereien in der Schweiz?
Christoph Lienert: Weil sie nicht rentabel sind. Die Schweizer Brauereien hatten lange Zeit brauereieigene Mälzereien, bis zum Ersten Weltkrieg. Dann wurde weniger Getreide angebaut und es wurde mehr Viehwirtschaft betrieben. Die Brauereien hätten schliesslich das Getreide aus dem Ausland importieren und es in der Schweiz vermälzen müssen. Das war einfach nicht mehr rentabel.
Von hier ist fast nur das Wasser im Bier. Finden Sie das nicht stossend?
Nein, eigentlich nicht, weil 90 Prozent des Bieres aus Wasser besteht. Es ist der Hauptbestandteil und ist auch mitverantwortlich für den Geschmack des Bieres. Der Härtegrad des Wassers macht ein Teil des Geschmacks aus.
Es müsste eine grosse und leistungsfähige Mälzerei in der Schweiz geben, die das Getreide vermälzt.
Die Schweizer Bauern wären grundsätzlich bereit, Zutaten zu liefern, die Brauereien sind aber eher zurückhaltend. Warum?
Es ist ökologisch nicht sinnvoll, wenn man das Getreide in der Schweiz anbaut, nach Deutschland oder ins Ausland exportiert, es dort vermälzt und dann wieder in die Schweiz zurück importiert. Es müsste eine grosse und leistungsfähige Mälzerei in der Schweiz geben, die das Getreide vermälzt.
Kann das Bier überhaupt konkurrenzfähig sein, wenn die Gerste und der Hopfen aus der Schweiz zwei- bis dreimal teurer wären als jetzt?
Das ist schwierig, vor allem beim Lagerbier. Es gibt aber jetzt schon Schweizer Brauereien, die Schweizer Rohstoffe verwenden und damit ihre Spezialitäten herstellen. Diese Biere werden von den Konsumenten auch teurer bezahlt.
Es gibt ja schon Biere, die im Detailhandel sieben oder acht Franken kosten. Könnte man die hiesige Nachfrage überhaupt aus eigener Kraft decken?
Momentan wäre das sehr schwierig, da die Schweizer Brauereien rund 66'000 Tonnen Braumalz pro Jahr benötigen. Dieses müsste auf einer Fläche von 10'000 bis 12'000 Hektaren angebaut werden. Das entspricht rund 14'000 Fussballfeldern.
Das Gespräch führte Ivana Pribakovic.