Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03338.jsonl.gz/2271

Ein Fahrtspiel im Laufsport zeichnet sich durch wechselnde Tempi bzw. Intensitäten aus. Doch welche Abschnitte werden zur Einschätzung der Belastung und Regenerationszeit herangezogen – die schnellen Phasen oder das Tempo, das gesamthaft dominiert?
Der Finne Lauri Pihkala gilt mit dem Terrassentraining, welches er mit seinem legendären Athleten Paavo Nurmi durchgeführt hatte, als Erfinder des Fahrtspiels. Gösta Holmér aus Schweden entwickelte daraus 1937 das Geländefahrtspiel (schwedisches Fahrtspiel). Diese Trainingsform während des Dauerlaufes ist eine Art «Spiel» mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Distanzen. Man bestimmt selbst das Tempo, Distanz, Profil sowie Erholung. Einfach gesagt bedeutet das, zwischendurch kurze Strecken in höherem Tempo zu absolvieren, z. B. von Haus zu Haus, Baum zu Baum oder Tafel zu Tafel, bis zum Ende der Steigung usw. Man orientiert sich dabei am eigenen Belastungsempfinden und man lernt dadurch, auf die wechselnden Belastungsintensitäten reagieren zu können und sich anzupassen.
Für wirklich intensive Trainingseinheiten eignet sich besser das programmierte Fahrtspiel, welches polnisches oder teilweise auch kanadisches Fahrtspiel genannt wird. Beim programmierten Fahrtspiel wird nicht das Gelände als Orientierungshilfe genommen, sondern fix bestimmte Zeitabschnitte. Diese müssen nicht unbedingt gleich lang sein. Bei beiden Varianten ist für die Einschätzung der Belastung und Regenerationszeit die Gesamtdistanz entscheidend. Es liegt daher auf der Hand, dass sich das programmierte Fahrspiel besser vergleichen lässt. Und dieses wird daher häufiger von Spitzenathleten absolviert.
Bei meinen Trainingsaufenthalten in Afrika lernte ich die kenianische Variante, das «Kenyan-Fartlek» kennen. Dieses wurde in meiner Trainingsgruppe von Marathonläufern regelmässig absolviert. Dabei liefen wir entweder 20–30 mal 1 Minute mittel und 1 Minute schnell oder 15–20 mal 1 Minute mittel und 2 Minuten schnell. Für die Auswertung solcher Trainings war immer die Gesamtdistanz bzw. die Durchschnittsgeschwindigkeit entscheidend. Kam ich auf 3:20 Minuten pro Kilometer, war es ein sehr gutes Training! In der Gruppe machte dieses Training immer ganz speziell Spass, auch wenn es ab und zu weh tat. Zum Vergleich: Meine schnellsten Marathons lief ich durchschnittlich in 3:00–3:05 Minuten pro Kilometer.