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Kraftwerk in Trbovlje wird nicht erneuert, sondern stillgelegt
Die Genfer Edelweiss Investment SA wollte in Slowenien ein altes Braunkohlekraftwerk erwerben und erneuern. Die Transaktion ist gescheitert. Das Kraftwerk, es verfügt über den höchsten Kamin in der EU, wird nun stillgelegt. Direktorin der Edelweiss-Aktiengesellschaften ist Christine Moulin Borcard, sie ist auch Vizepräsidentin der Raiffeisenbank West in Genf. Gemäss übereinstimmenden Medienberichten besitzt der russische Milliardär Oleg Burlakov die Edelweiss.
Eigentlich hätte das Schicksal des Kraftwerks in der Nähe von Trbovlje in Slowenien schon vor zwei Jahren besiegelt werden sollen. Es besteht aus einem Braunkohleblock mit rund 130 Megawatt Kapazität und zwei mit Öl befeuerten kleineren Einheiten, die nur noch als Kaltreserve dienten. Die Anlagen sollten stillgelegt oder verkauft werden. Geschäftsleute um den in Kanada lebenden russischen Milliardär Oleg Burlakov boten 11 Millionen Euro für die alten Anlagen und stellten in Aussicht, weitere 60 Millionen in die Erneuerung des Kohleblocks zu investieren. Der Weiterbetrieb des Kraftwerks hätte für die Besitzerin, die staatliche Holding Slovenske elektrarne (HSE) ein unangenehmes Problem wenigstens teilweise gelöst: die Entlassung der Belegschaft von annähernd 200 Personen. Burlakovs im Herbst 2012 bekannt gewordenes Angebot, die Kraftwerksgesellschaft TET (Termoelektrarna Trbovlje), zu übernehmen, war darum für die HSE recht verlockend gewesen.
Im Herbst 2013 wurde bekannt, dass die Regierung Sloweniens eine Bankgarantie zur Bedingung für eine Transaktion machte. Die UBS sollte die Garantie ausstellen — wodurch sich, Bankgeheimnis zum Trotz, ahnen lässt, wo mindestens ein Teil von Burlakovs Vermögen liegt. Obschon der Handel im Prinzip vereinbart war, wurden sich die Handelspartner nun doch nicht einig. Am 17. November 2014 erklärte die HSE, die über 80 Prozent der TET besitzt, das Kraftwerk werde stillgelegt.
Alter und mangelnde Rentabilität sprachen für die Stilllegung des Kraftwerks. Ausserdem ist die Trbovlje-Hrastnik Mine, aus der das Kraftwerk seinen Brennstoff bezog, erschöpft. Burlakov soll eine Konzession für die Ljesljani Braunkohlemine in Bosnien erworben haben — allerdings gibt es widersprüchliche Informationen über den Wert beziehungsweise die Gültigkeit von Mine und Konzession. Schwierigkeiten mit der Brennstoffbeschaffung aus Ljesljani oder einer anderen Mine könnten Burlakov bewogen haben, auf den Erwerb des TET-Kraftwerks zu verzichten. Noch ungelöste Schadensersatzklagen gegen TET wegen Umweltverschmutzung sollen ihren Teil zum Entscheid beigetragen haben. Gemäss Beobachtern vor Ort dürften die intransparenten Besitzverhältnisse der «Edelweiss» ein weiteres Hemmnis für den Geschäftsabschluss dargestellt haben.
Wäre der Deal nicht schliesslich geplatzt, hätte die Genfer Edelweiss Investment SA das TET-Kraftwerk übernommen. Geschäftsführerin der Edelweiss Investment ist seit Oktober 2012, also seit etwa dem Zeitpunkt als Burlakovs Interesse am alten Kraftwerk in Slowenien bekannt wurde, Christine Moulin Borcard. („Borcard“ ist der Familiennahme ihres Gatten Yves Borcard.) Sie steht sechs Firmen vor, die mit «Edelweiss» beginnen und je über ein Aktienkapital von 100’000 Franken verfügen. Über die Edelweiss-Firmengruppe hinaus leitet Christine Moulin Borcard fünf weitere Aktiengesellschaften mit vergleichbarer Struktur. Bei all diesen Gesellschaften sind entweder Patrick oder Monika Eraers einzige Verwaltungsräte und Christine Moulin ist alleinige Geschäftsleiterin. Ausserdem ist Moulin Borcard seit 2010 Verwaltungsrätin und seit August dieses Jahres Vizepräsidentin einer Genfer Branche der Bank Raiffeisen (Banque Raiffeisen Genève Ouest). Einziger Verwaltungsrat der diversen Edelweiss-Firmen ist seit ihrer Gründung im November 2010 Patrick Eraers. Gemäss databot.ch lebt er in Dubai und ist Verwaltungsrat in über 29 Firmen. Patrick Eraers ist Mitgründer und Vorstand eines Vereins für die Gründung und Entwicklung eines Genfer Kultur-Instituts in St. Petersburg („Association pour la création et le développement d’un institut genèvois de la culture à Saint-Pétersbourg“), die Stadt aus der Oleg Burlakov stammt — gemäss einem Pressebericht in Slowenisch.
Oleg Burlakov, der bei Edelweiss gemäss Handelsregister keine offizielle Funktion bekleidet, aber als Besitzer des Investitionsvehikels gilt, wurde in der Jelzin Ära im Zementgeschäft reich. Der Verkauf des Konzerns Novoroscement, dessen Mehrheitseigner Burlakov war, soll im Jahr 2007 fast eine Milliarde US Dollar eingespielt haben. Später war Burlakov Besitzer des Mineralölkonzerns Burneftegaz gewesen. Der Verkauf von Burneftegaz im März 2014 soll ebenfalls rund eine Milliarde eingespielt haben.
Warum Bulakov am alten Kraftwerk interessiert war, während die HSE es nicht weiter betreiben wollte, bleibt unklar. In Slowenien wird spekuliert, dass Burlakov nach dem Vorbild anderer russischer Oligarchen handelt, die ihre Geschäfte nach Europa ausdehnen und es wird in diesem Zusammenhang von Steueroptimierung berichtet.
Seit 1975 ist der 48-jährige Kohleblock des TET-Kraftwerks mit dem höchsten Kamin EU-Europas ausgestattet. Es sollte mit seiner Höhe von 360 Meter vermeiden, dass sich die schädlichen Abgase im engen Tal der Sava stauen.
(Die Emissionsproblematik dieses Blocks wird allerdings erst jetzt dank seiner Stilllegung gelöst. Stickoxide und Feinstaub aus Europas Kohlekraftwerken töten auch Menschen zum Beispiel in Kairo. Kohlekraftwerke in China tragen wesentlich zur Luftschadstoffkonzentration in Kalifornien bei.)
Der Klimakiller CO2, verteilt sich sogar weltweit. Im Gegensatz zu den anderen Luftschadstoffen akkumuliert es.
Kaum nehmen die traditionellen Energiekonzerne der Schweiz — BKW, AET (Tessin), RES (Solothurn) und Repower (Graubünden) — Abstand von Investitionen in Kohlekraftwerke, treten andere, in der Schweiz weniger bekannte Firmen auf den Plan. Es sind Unternehmen mit Migrationshintergrund — sozusagen. Sie verfügen über viel Geld aus zweifelhaften Geschäften und wollen im Balkan investieren. Im Fall Burlakov/Edelweiss und TET ging der Plan, mittels Kohleverstromung Kasse zu machen, nicht auf.
Die Edelweiss ist nicht das einzige Unternehmen mit Sitz in der Schweiz, das sich mit einem Kohlekraftwerk in Slowenien schwer tut. Wegen eines neuen 600 Megawatt Braunkohleblocks in Sostanj ist der Hauptlieferant Alstom, dessen Kraftwerkssparte im aargauischen Baden zu Hause ist, mit dem Vorwurf konfrontiert, sich illegale Gewinne verschafft zu haben. Der Neubau in Sostanj kostet doppelt so viel wie in Aussicht gestellt worden war. Gemäss Presseberichten in Slowenien soll sich Alstom 284 Millionen Euro „illegale Gewinne“ verschafft haben. Mehr zum potenziellen Mega-Korruptionsfall der Alstom in Slowenien gibt es in diesem Beitrag.
Bild und Video
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Termoelektrarna_Trbovlje_in_Sava_IMG_2581.jpg (http://bit.ly/tet-jpg)
https://www.youtube.com/watch?v=x1SgmFa0r04 (NASA Computer Model Provides a New Portrait of Carbon Dioxide, http://bit.ly/nasa-co2-video)
Links im Text
http://databot.ch/Patrick-Georges-Eraers-Belgien-Lully-VS-Lully-VD-P862341.html (http://bit.ly/patrick-eraers)
http://news.uci.edu/press-releases/made-in-china-for-us-air-pollution-as-well-as-exports/ (http://bit.ly/pacificpollution)
http://www.greenpeace.org/international/Global/international/publications/climate/2013/Silent-Killers.pdf (Karten auf Seite 33 und 52, http://bit.ly/silent-killers)
Im Internet direkt zugängliche Quellen
http://www.dnevnik.si/poslovni/novice/ruski-kupec-obljublja-sluzbe-in-milijone (18.7.2013, Slowenisch)
http://www.dnevnik.si/posel/novice/uradni-lastnik-tet-bo-podjetje-z-enim-zaposlenim (29.7.2013, Slowenisch)
http://www.cemnet.com/News/story/139064/russia-s-novoroscement-plants-sold.html („The sale has been reported at close to US$950m with much of the proceeds going to majority owner Oleg Burlakov, now a long-term resident of Canada, who was earlier linked as owner to the 2.5Mta Belgorad complex – but now within the Eurocement orbit.“)
http://www.hydrocarbons-technology.com/news/newsbashneft-acquires-oil-producer-burneftegaz-for-1bn-4205618 („In March 2014, Bashneft acquired a 100% stake in Russian oil firm Burneftegaz in a deal totalling more than $1 billion.“)
Weitere Quelle
Energo, 21. August 2013; «Burlakov could buy Slovenia’s Trbovlje TPP»
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