Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03239.jsonl.gz/1223

Die Abteilung Freiburg von Caritas Schweiz ist im Auftrag des Kantons Freiburg für die Integration der anerkannten und vorläufig aufgenommenen Flüchtlinge zuständig. Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sowie Berufsberatungs-Expertinnen und -Experten arbeiten Hand in Hand mit den Flüchtlingen und erzielen sehr ermutigende Ergebnisse.
Die Arbeitsintegration der Flüchtlinge ist eine übergreifende Aufgabe, der sich Bund, Kantone, Gemeinden und Sozialpartner sowie Nichtregierungsorganisationen und Ausländerverbände gemeinsam annehmen müssen (Art. 53 AuG, Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer).
Der Bund hat in enger Zusammenarbeit mit der Konferenz der Integrationsdelegierten (KID), die der Konferenz der Kantonsregierungen (KDK) und der tripartiten Agglomerationskonferenz (TAK) unterstellt ist, zwei Berichte zu diesem Thema verfasst: «Weiterentwicklung der schweizerischen Integrationspolitik, Bericht und Empfehlungen der TAK» (29.6.2009) und den «Bericht zur Entwicklung der Integrationspolitik des Bundes» (5. März 2010). Diese vom Bundesrat verabschiedeten Berichte definieren die Verantwortlichkeiten und die Zukunft der Integrationspolitik mit dem Ziel einer effizienten Koordinierung.
Zusammengefasst kann man sagen, dass die Kantone für die Umsetzung der in den Bundesgesetzen festgehaltenen Massnahmen zuständig sind, sowie gegebenenfalls für die Ausarbeitung von Gesetzen, Verordnungen und Reglementen auf kantonaler Ebene. Sie müssen eine für den Kontakt zum Bund zuständige Stelle schaffen und die Prozesse der Zusammenarbeit innerhalb des Kantons definieren. Auch obliegt es den Kantonen, ein Kompetenzzentrum «Integration» zu schaffen, die kantonalen Massnahmen zu koordinieren, in einer Situationsanalyse die Bedürfnisse zu erheben sowie zielgruppenspezifische Projekte zu entwickeln. Sie sind dem Bund Rechenschaft schuldig und verpflichtet, die Gemeinden und Partner in die Arbeiten einzubeziehen.
Kantonale Integrationsprogramme
Seit 2014 müssen die Kantone auf der Grundlage der 2013 verabschiedeten Projekte kantonale Integrationsprogramme (KIP) durchführen. Es ist Aufgabe des kantonalen Integrationsdelegierten, die in diesem Zusammenhang geplanten Massnahmen, die Partner und die Zielgruppen in einem allgemeinen Programm vorzustellen.
Die Abteilung Freiburg ist seit 2001 vom Kanton Freiburg mit der Integration der anerkannten und vorläufig aufgenommenen Flüchtlinge (Ausweise B und F) beauftragt. In Ergänzung zum Sozialdienst für Flüchtlinge werden seit 2008 zusätzliche Massnahmen zur Förderung der Integration bereitgestellt. Seit 2012 ist die Integrationsunterstützung ein eigenständiger Bereich innerhalb der Abteilung. Zusätzlich zu den sozialen Begleitmassnahmen, die von den Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern angeboten werden, steht heute allen Flüchtlingen ab dem Beginn ihrer Betreuung ein Team von vier Beraterinnen und Beratern für berufliche Integration, einem Zivildienstleistenden, einem administrativen Mitarbeiter und zwei Lehrlingen zur Verfügung. Jeder Flüchtling hat also zwei Ansprechpartner: den Sozialarbeiter und den Berater für berufliche Integration.
Das Ziel ist eine langfristige berufliche Integration
Die Unterstützung kann sich unterschiedlich gestalten. Gemeinsam mit seinem Berater für berufliche Integration setzt sich der Flüchtling ein realistisches, erreichbares Ziel und vereinbart einen Aktionsplan. Für die Organisation gezielter Massnahmen verfügt das Team über den Integrationsfonds des Staatssekretariats für Migration (SEM). So können jedem Flüchtling ausgehend von seinem angestrebten Ziel die am besten geeigneten Massnahmen wie Sprachkurse, Kurzschulungen, Integrationskurse, Praktika, Einstellungsförderung, aber auch administrative Unterstützung bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen oder Anträgen auf fachliche Anerkennung von Diplomen angeboten werden. Ziel ist die langfristige Arbeitsintegration der Flüchtlinge in der Schweiz.
80% der Flüchtlinge in der Schweiz stammen aus fünf Herkunftsländern: Eritrea, Afghanistan, Syrien, Sri Lanka und China (Tibet). 50% der Flüchtlinge sind zwischen 16 und 35 Jahren alt und haben in ihrem Herkunftsland und während der Migrationsphase eine unzureichende Schulbildung erhalten. Deshalb stehen das Vermitteln von Schulkompetenzen und die Berufsausbildung im Zentrum aller Massnahmen. Im Schuljahr 2015 – 2016 bekamen 123 Flüchtlinge ein Stipendium zugesprochen (10% der vom Unterstützungsteam begleiteten Flüchtlinge).
Der Integrationsprozess ist also auf eine langfristige Unterstützung angelegt. Die grosse Mehrheit der Flüchtlinge zeigt sich bei all diesen Massnahmen sehr engagiert. Ihre mangelnde Arbeitsmarktfähigkeit machen sie mit ihrer hohen Motivation, mit grosser Lernbereitschaft und ihrer Anpassungsfähigkeit mehr als wett. Dank der guten Zusammenarbeit zwischen der Abteilung Freiburg von Caritas Schweiz, den verschiedenen kantonalen Stellen und den Unternehmen konnten zwischen Januar 2015 und August 2016 230 Unternehmenspraktika von einem bis drei Monaten organisiert werden. Diese Praktika sind ein erster Schritt in die Arbeitswelt und ermöglichen den Flüchtlingen den direkten Kontakt mit dem Arbeitsmarkt. Oft haben die Praktika einen Katalysatoreffekt für den Integrationsprozess, in jedem Fall sind sie bereichernd.
Ende August 2016 sind von den 690 vom Team der beruflichen Integration betreuten Familien 143 Familien eigenständig und beziehen keine Sozialhilfe mehr, sprich 20,7%. Das ist eine ermutigende Zahl, zumal der Hälfte der Flüchtlingsfamilien erst vor rund zwei Jahren Asyl gewährt wurde.