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«Gwad … Grundstein … Stoffelstrasse … Schützenhaus …» Wie der Bus Nr. 122 den Zimmerberg hinauf zur KZI brummt, kündigt eine freundliche Frauenstimme die Namen der Haltestellen an. Schliesslich heisst es: «Moosacher» An der Haltestelle direkt vor dem Schulhaus an der «Steinacherstrasse 101» leert sich der Bus fast vollständig, um dann die wenigen verbliebenen Passagiere zur Endstation «Hintere Rüti» hinaufzubefördern. Was hat es mit diesen Namen auf sich? Was verraten sie über den erhabenen Sitz unserer Schule oberhalb des Zürichsees und seine Geschichte?
Zum Teil sind die Namen neueren Datums und somit einfach zu erklären: Das Schützenhaus, eine typische Institution des ausgehenden 19. Jahrhunderts, fehlt in keiner grösseren Ortschaft. Auf der Au war es ein Schiessstand, zu dem sich 1934 das Restaurant «Schützehuus Au» gesellte. Heute wird ein Pub betrieben, womit jeder shot zum Volltreffer wird. Andere Namen muten hingegen archaisch an. Ihre Bedeutung erschliesst sich erst durch eine Recherche. Diese erzählt primär eine Geschichte von Hindernissen und zeigt, dass es zuerst Wasser, Steine und Holz aus dem Weg zu schaffen galt, bevor es sich hier angenehm wohnen und produktiv wirtschaften liess.
Der Name der Gemeinde Wädenswil bezeichnet auf Althochdeutsch das Gehöft eines gewissen «Wadin». Eine ganze Reihe der Flurnamen in der Grossgemeinde Wädenswil gehen auf Häuser- und Hofnamen zurück. Diese Namen dienten früher der Orientierung, bevor es Strassennamen und Hausnummern gab, wie Peter Ziegler in einem seiner verdienstvollen Beiträge zur Lokalgeschichte zu berichten weiss.
So kommt der Name «Steinacherstrasse» vom Hof namens «Steinacher», der 1730 in der heute erhaltenen Form als stattliches Doppelhaus erbaut wurde. Der Eintrag «Uolrich Meijer am Steinaker» in den Zürcher Steuerbüchern von 1402 zeigt indessen, dass hier schon viel früher ein Hof dieses Namens stand. Doch warum, so mag man sich fragen, benennt ein Bauer sein Haus nach einem steinigen Acker? Will er damit etwa den Neid abwenden, der das prächtige Haus wecken könnte? Oder kommt hier vielmehr die echte Mühsal zum Ausdruck, welche die Bewirtschaftung des Bodens erforderte? Vielleicht ist auch an beidem etwas dran?
In ähnlicher Weise beruft sich jedenfalls auch der Name des weiter östlich gelegenen Weilers «Mugeren» auf einen mageren, ertragsarmen Boden. Weitere Flurnamen deuten ebenfalls darauf hin, dass der Hinweis auf Beschwerlichkeiten und Arbeit nicht blosse Rhetorik ist. Das Quartier «Moosacher», in dem die KZI liegt, wie auch der Name der Haltestelle «Gwad» weiter unten am Hang, bezeichnen einen feuchten, gar nassen – eben einen moosig-moorigen – Untergrund, durch den man regelrecht waten musste. Ein Riedland, das vor seiner Trockenlegung für landwirtschaftliche Nutzung gänzlich ungeeignet und lange siedlungsfeindlich war. Schliesslich heisst «Au» – ursprünglich «owe» – «Land am Wasser». Weil dieser Boden zur Nahrungsproduktion zu wenig hergab, wurde das Gebiet «Gwad» vorerst als Streuland, also zur Produktion von Streu zur Bedeckung der Stallböden genutzt. Vielleicht ist auch darum die weiter oben gelegene «Stoffelstrasse», eine Kurzform von «Christoph», nach dem Heiligen Christophorus benannt, der watend Passagiere über den Fluss transportierte?
Und dann war da neben vielen Steinen und Wasser auch viel Holz. Der Name «Zimmerberg», wie die Hügelkette zwischen Zürichsee und Sihltal genannt wird, leitet sich vom althochdeutschen Wort zimbar ab. Zimbar bedeutet «Bauholz» und ist mit dem im Englischen noch gebräuchlichen Wort timber verwandt. Der Zimmerberg bestand aus Wald, dessen Holz für Bauzwecke nützlich und willkommen war. Dies bedeutete, dass der Boden für eine landwirtschaftliche Nutzung erst gerodet werden musste. Entsprechend bezeichnet «Rüti», die Endhaltestelle der Linie 122, eine «Rodung».
War der Boden erst einmal gelichtet, das Wasser abgeleitet, die Steine aussortiert, liess es sich hier sehr trefflich leben. Mit der starken Bevölkerungszunahme im 20. Jahrhundert verdichteten sich die Wohnsiedlungen den Zimmerberg hinauf und begannen die stattlichen Höfe in die Schranken zu weisen. Der Prozess dieser Veränderungen lässt sich im Rahmen einer Landkarten-Zeitreise auf der Webseite des Bundes auf faszinierende Weise nachvollziehen.
Während des Zweiten Weltkriegs wird im Gwad eine architektonisch innovative Siedlungsgenossenschaft für Arbeiterfamilien gebaut, die heute allerdings grösseren Bauten gewichen ist. In den 1980er-Jahren entsteht weiter oben am Hang die Industriezone «Moosacher-Appital», darunter 1989 auch das markant u-förmige Gebäude der KZI. Es diente ursprünglich als Informatikzentrum und beherbergte einen einzigen Grosscomputer von – an heutigen Leistungsstandards gemessen – schwer nachvollziehbaren Dimensionen.
Das «Gehöft des Wadin» hat sich in den letzten Jahrzehnten zum Standort für ein reichhaltiges und mannigfaltiges Bildungsangebot entwickelt. Zuletzt dazugesellt hat sich unsere KZI. Statt des einen Grosscomputers beherbergt das grosse «U» heute unzählige Personal Computer und Laptops, die den Prototypen von damals leistungsmässig wohl bei Weitem übertreffen. Dazu kommen die rund 210 jungen Schülerinnen und Schüler (Stand Ende Schuljahr 21/22, Tendenz steigend!), die ihren Wissensdurst gestillt und kultiviert haben wollen. So wuchert es an der Steinacherstrasse 101 nicht mehr einfach unkontrolliert vor sich hin. Vielmehr lässt die Entsteinung, Rodung und Trockenlegung des einst steinig-sumpfig-waldigen Gebiets gleichermassen den Schulgarten erblühen und unseren Schulnachwuchs ganz prächtig gedeihen.
Quellen:
Peter Ziegler, Häuser und Höfe im Wädenswiler Berg. Geschichte und Erhaltung. Kleine Schriften zur Zürcher Denkmalpflege. Heft 2 (1999). Zum Hof «Steinacher», s. S. 71f.
Virtuelle Bildwelten verweben sich in digitalen Bildcollagen mit den Räumlichkeiten der KZI.