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So intensiv wie Konrad Mure hat sich in Zürich wohl erst wieder der Zürcher Chorherr und Kantor Felix Hemmerlin (1388–1458/61) mit dem Altertum befasst. Begeistert hat er an Mure angeknüpft und die Erinnerung an ihn wachgehalten. Seine Kenntnisse gründeten indes auch auf seinen Studien: Malleolus, wie er sich lateinisch nannte, hatte in Erfurt studiert und 1424 in Bologna doktoriert. Er stammte aus einem Zürcher Ratsgeschlecht. So konnte er sich auch eine reiche Privatbibliothek leisten.
Gegenwart und Politik interessierten ihn ausgesprochen. Gerne argumentierte er dabei mit den Beispielen aus dem Altertum, wobei die Verweise beispielsweise auf Cato und Cicero weit hinter denjenigen auf die Bibel stehen. Rund 40 lateinisch geschriebene theologische, kirchenrechtliche und politische Schriften sind von ihm erhalten. Unter ihnen finden wir einen umfangreichen De nobilitate et rusticitate Dialogus, sein eigentliches Schicksals- und Hauptwerk. Hier behandelte er die schon in der Antike häufig dargelegte und im Quattrocento neu aufgenommene Frage nach dem wahren Adel der Tugend. Hemmerlins Hauptanliegen war politisch. Gegen die Eidgenossen ergriff er für die Österreicher Partei, denn bei ihnen sah er eine Garantie für ein gutes Regiment, das seiner Auffassung des Adels bedurfte. Die Gründung der Eidgenossenschaft betrachtet er als einen Akt der Rebellion gegen die gute Ordnung. Was zu seiner Zeit nun im Alten Zürichkrieg geschah, setze dies in unheilvoller Weise fort. Hemmerlin ärgerte damit seine Zeitgenossen. Man setzte ihn gefangen. Dennoch ist sein Werk nach seinem Tode gedruckt worden.