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World Bicycle Relief ist eine internationale, gemeinnützige Organisation mit Sitz in Chicago, die darauf spezialisiert ist, mittels kostenlos zur Verfügung gestellten Fahrrädern in Entwicklungsländern die Armutsminderung voranzutreiben. Der Präsident der von Sram ins Leben gerufenen Organisation schildert, wie Fahrräder das Leben verändern.
F. K. Day, der Präsident von World Bicycle Relief, spricht über die Details seiner widerstandsfähigen Buffalo-Fahrräder und erklärt, wie sie Menschen in einigen der ärmsten Regionen der Welt helfen können. World Bicycle Relief hat seit 2005 Katastrophenopfer, Gesundheitsmitarbeiter, Schüler und Kleinstunternehmer in Asien und Afrika mit über 100.000 speziell entworfenen, vor Ort montierten, widerstandsfähigen Fahrrädern versorgt.Wie unterstützt World Bicycle Relief Menschen mit seinen Fahrrädern?
Es geht dabei um die bessere Beförderung und die höhere Produktivität, die man beobachtet, wenn man einem Fußgänger ein Fahrrad gibt. Es wirkt wie eine Revolution – eine Revolution der Produktivität, eine Revolution im Transport.Die Produktentwicklung, die Disziplin und die Vorgänge, die notwendig sind, um einen Fahrer zur Tour de France zu schicken oder auf das Podium in Kona zu stellen, sind genau die gleichen, wie eine Handvoll Menschen auf der ganzen Welt mit einem guten Fahrrad zu versorgen. Niemand entwickelt Fahrräder oder Produkte für den unteren Bereich des Fahrradmarkts. Stattdessen werden einfach Highend-Komponenten vereinfacht, aber das funktioniert unter den Bedingungen in Afrika oder Asien nicht. Die Anforderungen auf der ganzen Welt unterscheiden sich grundlegend von unseren Vorstellungen in der Radsportgemeinschaft. Unter von Armut geprägten oder widrigen Bedingungen macht sich niemand Gedanken um das Gewicht. Dort fragt man sich vielmehr: Wie viel kann ich tragen und wie weit komme ich? Kann das Fahrrad repariert werden? Ist es zuverlässig? Gibt es dafür Ersatzteile? Was unterscheidet die Buffalo-Fahrräder von World Bicycle Relief im Wesentlichen von anderen Fahrrädern?
Alle unsere Fahrräder haben nur ein Kettenblatt und bestehen ausschließlich aus Stahlteilen. Stahl ist für diese Umgebung gut geeignet und außerdem reparierbar. Es besteht die Möglichkeit, Felgen aus Aluminium zu verwenden, das wäre aber keine langfristige Lösung, da rissige Aluminiumfelgen entsorgt werden müssten. Doch ein Riss in einer Stahlfelge lässt sich vor Ort reparieren. Diese Fahrräder so zu gestalten, dass sie mit den in diesen Regionen vorhandenen Mitteln repariert werden können – das ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Schaffens. Ich erinnere mich, dass ich einmal mit dem Fahrrad durch ein ländliches Gebiet in Sambia fuhr. Ich war mit einer Redakteurin unterwegs. Die Kurbel an ihrem Fahrrad wackelte und sie wusste nicht, ob sie sie wieder reparieren konnte. Alles, was ich brauchte, war ein Stein und ein Schraubenschlüssel und so konnte ich das Ganze direkt vor Ort reparieren. Genau das muss bei unseren Fahrrädern möglich sein.Wie kann World Bicycle Relief das Leben der Menschen in einem Land wie Kenia oder Südafrika am effizientesten beeinflussen?
Bei Themen wie Bildung, Gesundheitsfürsorge und wirtschaftliche Entwicklung gibt es in den ärmsten Regionen der Welt enorme Probleme. Daher testen wir zunächst, welche Auswirkungen unsere Fahrräder – und die daraus resultierenden Transportmöglichkeiten – auf diese Entwicklungsgebiete haben.Wenn sie beispielsweise versuchen, in einem ländlichen Gebiet AIDS-Fürsorge und Medikamente anzubieten, wie kann ein Fahrrad da helfen? Diese Produkte werden aus den USA und Europa eingeflogen und vom Flughafen in die wichtigsten Städte transportiert. Aber es ist schwierig, sie in die ländlichen Gebiete zu bringen. Schafft man das nicht, hat man Zeit und Geld verschwendet. Deshalb sind Fahrräder ein wichtiges Element beim Transport von Waren und Dienstleistungen.Bildung ist ein weiteres wichtiges Thema. Erklären sie, wie ein Fahrrad dazu beitragen kann, dass ein Kind, ganz besonders ein Mädchen, nicht die Schule abbricht.
Die langen Strecken zur Schule sind ein wirklich großes Problem. Aufgrund der langen Zeit, die die Schüler benötigen, um viele Kilometer zur Schule zu laufen, haben sie weniger Zeit, um ihren Familien zu helfen, zu lernen, auf den Feldern zu arbeiten oder die Ernte auf den Markt zu bringen. Wenn ein Mädchen stattdessen mit dem Fahrrad zur Schule fahren kann, hat es mehr Zeit, all die anderen Dinge für seine Familie zu erledigen, was die Familie wiederum darin bestärkt, ihr Kind weiter zur Schule gehen zu lassen. Wie können Menschen World Bicycle Relief und seine Mission unterstützen?
Durch Spenden! Es kostet rund 107 €, um einer Schülerin ein Fahrrad zur Verfügung zu stellen. Das beinhaltet die Kosten für das Fahrrad, den Versand, die Montage, die Anlieferung vor Ort und die Schulung der Mechaniker - bei einem Verhältnis von einem Mechaniker pro 50 Fahrräder. Zweitens geht es darum, ein Bewusstsein zu schaffen. Viele Einzelpersonen und Organisationen setzen sich intensiv für WBR ein, entweder im Marketingbereich oder durch das Sammeln von Spenden. Wir haben eine unglaubliche Spendenbasis und ein beeindruckendes Programm, um das Bewusstsein zu fördern. Jeder kann daran teilnehmen, von Grundschulgruppen bis hin zu professionellen Triathleten.
Und wer sich noch stärker beteiligen möchte, der kann die Menschen vor Ort unterstützen. Dabei fliegt eine Gruppe eine Woche lang nach Sambia, verschafft sich am ersten Tag einen Überblick über unsere Programme vor Ort und baut ihr eigenes World Bicycle Relief-Fahrrad. An den folgenden Tagen besuchen sie mit dem Fahrrad viele unserer Standorte und sehen selbst, welchen Einfluss unsere Arbeit auf das Leben der Menschen hat. Gleichzeitig lernen sie die wunderschönen Orte und die Kultur Sambias kennen.
Es ist eine unglaublich bereichernde Erfahrung, wenn man Mädchen trifft, die jeden Tag acht bis zehn Kilometer zur Schule laufen. Man sieht die mit Stroh bedeckten Lehmhütten, die Ziegen, die Hühner oder das Land, das sie bestellen. Dann begreift man, mit welchen Herausforderungen diese Mädchen zu kämpfen haben und dass Bildung buchstäblich der einzige Ausweg aus diesem traurigen Dasein ist.Erst dann wird einem klar, welche Bedeutung ein Fahrrad haben kann. Man denkt sich: „Ich fahre mit meinem Fahrrad gerne richtig schnell durch Chicago.“ Schön und gut, aber mit World Bicycle Relief kann man so viel mehr erreichen. Wenn man einem Mädchen in einem Entwicklungsland ein Fahrrad gibt, kann man seine Zukunft neu schreiben.
World Bicycle Relief ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Chicago und wurde im Jahr 2005 von Sram gegründet.www.worldbicyclerelief.org