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Die Kapelle von Notre-Dame de Compassion, im 17. und 18. Jahrhundert ein sehr beliebtes Wallfahrtsziel, wurde 1350 gegründet und 1688-1692 umgebaut. Von 1665 bis 2004 wurde sie von Kapuzinermönchen seelsorgerisch betreut.
Ab 1350 gibt es in Bulle ein Spital, das Kranke, Waisen, Arme und Reisende aufnimmt. Dieses Spital befand sich damals am selben Ort wie das Kloster. Am 26. und 27. August 1147 wird die Stadt vom Spital bis zur Kirche, die an demselben Ort stand wie heute, von einem Feuer verwüstet. Bis 1454 ist ein grosser Teil der Stadt neu aufgebaut, wobei ein neues Spital und eine neue Kirche entstehen.
Am 29. Juni 1665 kommen die ersten drei Kapuziner nach Bulle, ein Prior, ein Pater und ein Bruder. Sie ziehen in den Räumen des Spitals ein, das zwischen 1671 und 1679 durch ein Kloster ersetzt wird. Das Spital wird in ein anderes Gebäude verlegt, das in der Nähe der Porte d’Enhaut steht. 1679 erteilt die Freiburger Regierung den Kapuzinern die offizielle Bewilligung für ihre Niederlassung in Bulle. 1688 wird die Kapelle vergrössert. Sie wird von den Kapuzinern betreut, die auch soziale Arbeit leisten, indem sie für die Armen sorgen. Unter dem Heimatstil-Portal (1909) am Eingang ist eine wunderschöne geschnitzte Tür von 1688 zu bewundern.
1692 fertigt der Bildhauer Pierre Ardieu (1649-1735) aus Bulle mit seinen Mitarbeitern den barocken Hauptaltar mit einer von zahlreichen Statuen umgebenen Heiligen Jungfrau an. Ein Jahrhundert später verändert und ergänzt ein anderer Künstler aus der Region, Joseph Deillon (1727-1795), das Werk von Ardieu. Jahrhunderte vergehen, und die aufeinander folgenden Eigentümer (Bürgerschaft, Pfarrei und schliesslich Kapuziner) unterhalten die Kapelle, die immer wieder den Bedürfnissen entsprechend umgebaut wird. Die Fenster im Chor sind von Jean-Edward de Castella (1924) und jene im Schiff von Yoki (1965 und 1984).
Das Kloster der Kapuzinerpatres und die Kapelle von Notre-Dame de Compassion sind in der zweiten Hälfte des 17. und während des ganzen 18. Jahrhunderts ein bedeutendes Pilgerziel und tragen stark zur Entwicklung der lokalen Wirtschaft bei. Die Pilger strömen aus der ganzen Westschweiz, aus Savoyen und der Franche-Comté herbei. An manchen Festtagen mit grossen Gebetsgottesdiensten werden bis zu 1800 Pilger gezählt. Der Zustrom ist derart gross, dass ein Ordnungsdienst ins Leben gerufen wird.
Für erhörte Gebete stiften die Pilger kleine Votivtafeln, die auf den Wänden des Kirchenschiffs angebracht werden. Alle Pilger müssen essen und trinken, schlafen, Souvenirs nach Hause mitbringen, und die Kaufleute profitieren davon: Im Jahr 1722 gibt es in Bulle gegenüber der Kapelle und am Schlossgraben entlang acht Gasthöfe und Weinschenken und etwa fünfzehn kleine Läden.
Nachdem ihr Orden in Bulle mehr als drei Jahrhunderte lang tätig war, verlassen 2004 die letzten Kapuziner das Kloster wegen Nachwuchsproblemen. Da die Kapuziner nichts besitzen dürfen, ist im 20. Jahrhundert die Pfarrei von Bulle Besitzerin des Kirchenschiffs, während der Chor der Kirche und der innere Chor, der für das „private Gebet“ der Gläubigen reserviert ist, dem Heiligen Stuhl (Vatikan) und die Klosterräume dem Kanton Freiburg gehören. 2007 tritt der Kanton seinen Anteil an die Pfarrei ab. 2010 verzichtet auch der Vatikan zugunsten der Pfarrei. Die grosse Klosterbibliothek wird der Bibliothek des Kantons und der Universität einverleibt. Zahlreiche im Kloster bewahrte Objekte gehen an das Musée Gruérien.
© Musée Gruérien und Amt für Kulturgüter des Kantons Freiburg
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Die Kapelle, ihr Altar und die mit Votivtafeln bedeckten Wände.
Statue der Jungfrau, Sammlung von Votivtafeln und Buch der Wunder der Kapelle im Sektor „Eine Stadt im Aufschwung“ des Musée Gruérien.
Literatur
Ivan Andrey, Fin de chapitre, Bulle, 2004 (Einführung).
Jean Dubas, Notre-Dame de Compassion, un pèlerinage à Bulle, Bulle, 1984.
Legende der Archivphotos:
Bulle, Kapelle von Notre-Dame de Compassion, Kapuzinerkloster und Feuerwehrlokal (1972 abgerissen), gegen 1900
© Foto Charles Morel, Musée Gruérien