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Der Buntspecht pfeift nicht, er trommelt seinen charakteristischen Ruf. Gerade jetzt steckt der Dendrocopos major sein Revier ab und sucht nach einem Partner. Ist ein Gefährte gefunden, beginnt der Bau oft mehrerer Höhlen in einem Baumstamm. Ohne dass ihm dabei Kopfschmerzen entstehen, bearbeitet der schwarz-weiss gefiederte Specht mit seinem Schnabel den Stamm. Sein Körperbau hat sich perfekt an das Leben am Baum spezialisiert. Der etwas längere, verknöcherte Teil des Unterschnabels leitet die Wucht der Schläge über die verstärkten Rippen auf den ganzen Körper ab. Als zusätzlicher Stossdämpfer dient eine schwammartige Knochenstruktur zwischen Schnabel und Schädelknochen. Seine Schädeldecke ist stabiler und dicker ausgebildet ist als bei anderen Vögeln. Mit verdickten Schwanzfedern stützt sich der Baumkletterer bequem und kann sich, ausgestattet mit Wendezehen (45° Bewegungsradius), in den unmöglichsten Positionen am Stamm festhalten.
Der Buntspecht verfügt über bemerkenswerte Methoden bei der Futtersuche. Sehr wahrscheinlich ist er in der Lage, Fressgeräusche von Larven im Holz zu hören, bricht dieses dort gezielt mit seinem Schnabel auf und zieht sie mit seiner langen Zunge hervor. Um an die Samen in Tannenzapfen, an Nusskerne oder hartschalige Käfer heranzukommen benutzt der Buntspecht sogenannte Spechtschmieden. Er klemmt den Fund in Spalten ein und hämmert darauf ein. Manchmal hackt der Specht auch Löcher, die er über einige Zeit benutzt, um sie als Amboss für seine Schmiede zu verwenden.
Mit seinen zahlreichen Höhlenbauten nimmt der Vogel eine ökologische Schlüsselstellung ein. Die aufgegebenen Höhlen werden unverzüglich von Nachmietern eingenommen. Verschiedene Vogelarten, Wespen und Hornissen und sogar Siebenschläfer besetzen die Stätten zur Aufzucht ihrer Brut. Mit dem Aufhacken von morschen Bäumen bei der Nahrungssuche ermöglichen die Spechte auch Pilzen, Käfern und anderen Insektenarten, das morsche Holz zu besiedeln und es somit längerfristig zu zersetzen.
Des Buntspechts Lebensraum sind die alten Bäume
In Eichen- und Buchenmischwäldern mit reichlich Alt- und Totholz fühlt sich der Specht am wohlsten. Morsche und abgestorbene Stämme ermöglichen es ihm, seine Behausungen einzurichten und leicht Nahrung zu finden.
Der schweizerische Vogelverband Birdlife kürte den Buntspecht deshalb zum Vogel des Jahres, um auf die Erhaltung und Förderung von alten Bäumen im Siedlungsraum aufmerksam zu machen. In Siedlungen verschwinden grössere und einheimische Bäume, oft werden bei Neubauten alte Bäume gefällt. Der Vogelverein appelliert an die Stadtplaner, explizit Räume für grosse, einheimische Bäume freizuhalten. Auch gibt es kaum mehr Feldbäume in Kulturlandflächen, die einer Vielzahl von Arten Lebensraum bieten. Waldbesitzer und Förster gehen teilweise vorbildlich voran und lassen alte und dicke Biotopbäume stehen, worauf nebst den Spechten auch Pilze, Flechten und Moose angewiesen sind. Daher steht die Wahl des Buntspechts zum Vogel des Jahres 2016 für den Erhalt von grossen alten Bäumen im Siedlungsraum, im Kulturland und im Wald.