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Die Nagra (Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle) hat 1980 in der Nordschweiz in einem rund 1'200 km2 grossen Gebiet ein umfassendes geologisches Untersuchungsprogramm in Angriff genommen. Es soll die erdwissenschaftlichen Erkenntnisse beschaffen, welche notwendig sind, um die Eignung des Untergrundes zur Endlagerung hochradioaktiver Abfälle zu beurteilen. Die vielfältigen Untersuchungen gliedern sich in ein Tiefbohrprogramm, eine geophysikalische Erkundung der regionalen Gesteins- und Strukturverhältnisse, ein hydrogeologisches Untersuchungsprogramm zur Abklärung der Wasserfliesswege im tiefen Untergrund und ein neotektonisches Untersuchungsprogramm zur Erkennung aktiver Erdkrustenbewegungen im Untersuchungsgebiet.
Die Sondierbohrung Siblingen wurde als siebte Bohrung des Tiefbohrprogramms durchgeführt. Die Bohrstelle (Koord. 680.090/286.693; 574.35 m ü.M.) liegt auf dem Gebiet der Gemeinde Siblingen, Kanton Schaffhausen, ca. 1.5 km NW des Dorfrandes von Siblingen, auf der Siblinger Höhe. Die Bohrung weist eine Endtiefe von 1' 522 m auf.
Mit der Sondierbohrung wurden die Sedimentschichten durchteuft und dann mehr als 1'000 m des kristallinen Grundgebirges erbohrt. Im Bohrloch sowie an den Bohrkernen und Wasserproben wurde ein umfangreiches Untersuchungsprogramm durchgeführt. Mit modernen Untersuchungsmethoden wurde versucht, die geologische Beschaffenheit des Untergrundes und die Tiefengrundwasserverhältnisse detailliert zu erfassen.
Die eigentlichen Tiefbohrarbeiten begannen am 1. Sept. 1988 und dauerten, mehrfach von wissenschaftlichen Untersuchungen unterbrochen, bis am 2. 4. 1989. Während des ganzen Aprils 1989 wurden weitere Tests und Untersuchungen durchgeführt. Da aus hydraulischen Gründen (zahlreiche kommunizierende Störungen) auf den Einbau eines Mehrfachpackersystems zur Langzeitbeobachtung verzichtet wurde, konnte anfangs Juni ein zusätzliches Fluid-Logging mit einem neu entwickelten Heat-Pulse-Packer-Flowmeter gefahren werden. Eine Abschätzung des horizontalen, regionalen Gradienten anhand des Rückflusses der getracerten Bohrspülung zum Bohrloch, Untersuchungen des Gezeiteneinflusses auf die Spiegelmessungen sowie mehrere ergänzende Temperatur- und Leitfähigkeits-Logs haben das Messprogramm vervollständigt. Periodische Wasserstandsmessungen wurden seit dem 17. Mai 1989 vorgenommen und werden bis auf weiteres fortgeführt. Das geplante Untersuchungsprogramm konnte somit weitgehend vollständig und erfolgreich durchgeführt werden.
Das Bohr- und Untersuchungsprogramm wurde von Mitarbeitern der Nagra unter Beizug von Beratern geplant und geleitet. An den Untersuchungen arbeiteten über 40 Hochschulinstitute, Berater- und Servicefirmen aus der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, den Niederlanden, Kanada und den USA. Insgesamt waren über 150 Wissenschaftler und Techniker beteiligt.
Der vorliegende Bericht stellt eine Zusammenfassung der wichtigsten Resultate des Untersuchungsprogramms dar. Innerhalb der Reihe der Untersuchungsberichte (Tiefbohrungen Böttstein, Weiach, Riniken, Leuggern, Schafisheim, Kaisten und Siblingen) sind ähnliche Sachverhalte und Datensätze zu vergleichbaren Darstellungen zusammengefasst. Dadurch können leicht Quervergleiche angestellt werden. Diesbezügliche Schlussfolgerungen sollen jedoch einem abschliessenden Synthesebericht vorbehalten bleiben. Die detaillierte Berichterstattung über einzelne Untersuchungen erfolgt in der Serie der Technischen Berichte der Nagra (s. NTB-Verzeichnis am Schluss dieses Berichtes).