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Nr. 1212
Der Heustall von Vals, der einer Meliorationsstrasse weichen musste, stand nahe der 1692 erbauten Wallfahrtskapelle Sta. Maria im Weiler Camp am Eingang des Valser Tales.
Das dazugehörige Wohnhaus stand laut Auskunft der Eigentümerfamilie auf der anderen Seite des Baches. Nach dessen Zerstörung durch einen vermuteten Lawinenniedergang sind nur noch die Spuren der Grundmauern sichtbar. Stall und das davon getrennte Wohnhaus bildeten bis um 1950 die klassische Hofgruppe der Valser Bauern. Seit Menschengedenken gehört die Liegenschaft der ortsansässigen Familie Illien.
Der Erbauer des Gebäudes aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts oder gar früher ist nicht überliefert. Ställe wurden damals im Gemeinschaftswerk nach oft modernen oder zumindest modischen Vorstellungen gebaut und entstanden meist an der Stelle des Vorgängerbaues. In diesem Fall wurde in den 1780-er Jahren (Holzaltersbestimmung) ein damals zeitgemässer Eckpfeilerstall aufgerichtet. Seine gemauerten Pfeiler sind mächtiger als jene der zahlreichen Ställe der Generation zwischen 1860 und 1930 mit stehenden Brettern zwischen den schlanken Pfeilern: die Wahrzeichen der Valser Hänge.
Das Stallgebäude gehört zu einem typischen Viehzuchtbetrieb. Das Stallgeschoss ist rundum gemauert und wie die Ecken des Heuraums innen und aussen rauflächig verputzt. Die liegenden Balken der Heuraumausfachung sind beidseits mit der Axt behauen und in seitliche Ständer genutet. Die zweiflüglige Stalltüre mit kleinem Lüftungsfenster auf der rechten Seite ist im oberen Drittel horizontal geteilt. Das Tor zum Heuraum ist ebenfalls zweiflüglig, jedoch vertikal geteilt. Das Steinplattendach auf halbierten Latten über den im First genuteten und genagelten Rafen ruht auf runden Pfetten. Die unregelmässigen Platten aus unterschiedlichem Gestein dürften in der Nähe gebrochen worden sein.
Der Bau ist für eine zeitlich begrenzte Epoche im Valsertal durchaus repräsentativ. Ähnliche Eckpfeilerställe stehen im Rheinwald, im Avers und, mit leicht abgewandeltem Ausdruck, in Südbünden, wo die Bauart mit den Eckpfeilern herkommt. Seine bauliche Ursprünglichkeit ist weitgehend intakt.
In der für Graubünden reservierten Landschaftskammer auf dem Ballenberg ist der Valser Stall der erste Vertreter der Agrararchitektur Bündens. Die Alp Champatsch aus Valchava wurde im Freilichtmuseum in der Baugruppe der Alp- und Temporärsiedlungen und nicht in der Kammer Graubünden eingerichtet. Neben dem Stall ist ein Heustadel vorgesehen und später ein Wohnhaus der Holzbautradition.