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Spätestens seit den Kindheitstagen sind Stauseen etwas Faszinierend-Unheimliches: Da waren die oft besuchten Tujetscher Seen in Nalps und Curnera mit ihren mächtigen Betonmauern, da waren die Bilder versunkener Orte in “Tim und der Haifischsee”, da waren Dammbrüche in Katastrophenfilmen, die ich heimlich anschaute – fortan merkte ich mir das Sirenenzeichen für “Wasseralarm” auf den letzten Seiten des Telefonbuches besonders gut.
Da waren aber auch damals schon diverse verwandschaftlich bedingte Ferien in Südfrankreich, zum Beispiel im beim Lac de Ste-Croix (Gorges du Verdon), etwa gleich alt wie ich.
Als mir mein Grossvater damals auf dem Pedalo von versunkenen Dörfern im See erzählte, war mir das Schwimmen in Stauseen plötzlich unangenehm: Wird man plötzlich von einer Kirchturmspitze aufgespiesst? Tauchen Leichen vergessener Bewohner neben einem auf? Wie fühlt sich der Sog an, wenn die Staumauer plötzlich bricht?
Dass ganze Ortschaften der Stromproduktion geopfert werden, ist nichts Neues. Les-Salles-sur-Verdon heisst jenes provençalische Dörflein, dass 1974 im Lac de Ste-Croix versank und gegen den erbitterten Widerstand vieler Einheimischer am Ufer des neuen Sees wieder aufgebaut wurde.
Auf dieser (leider etwas schwer navigierbaren) Website lebt das Dorf weiter – und hier finden sich auch bizarre Aufnahmen aus den früher 1970ern, vom unschuldig da liegenden, altehrwürdigen Les Salles in einem schönen Tal bis hin zur Enteignung und finalen Sprengung des Kirchturms, kurz bevor die Fluten das inzwischen gerodete, flachgemachte Tal und die Dorftrümmer verschluckten.
Ob diese tapferen Jungs und Mädels auch an die Vertriebenen aus Les Salles denken?