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Fantasyfilm. GB 1940
Alternative Titel Der Dieb von Bagdad; The Thief of Bagdad: An Arabian Fantasy in Technicolor
Regie Michael Powell, Ludwig Berger, Tim
Whelan, Alexander Korda, Zoltan Korda, William Cameron Menzies
Drehbuch Miles Malleson, Lajos Biro
Produktion Alexander Korda
Musik Miklos Rozsa
Kamera George Perinal
Ausstattung Zoltan Korda, William Cameron Menzies
Darsteller Sabu, Conrad Veidt, June Duprez, John Justin, Rex Ingram, Miles Malleson, Morton Selten
Länge 106 Min.
GB-Kinostart 25.12.1940
|Humor||Spannung||Action||Gefühl||Anspruch||Erotik|
|..|
©
Text Marco, molodezhnaja 14.6.08
© Bilder Criterion, Screenshots molodezhnaja
STORY
Bagdad im 9. Jahrhundert: Wegen seiner brutalen Herrschaft ist König Ahmad (John Justin) im Volk unbeliebt. Er selbst wäre jedoch ein netter Mensch, es ist vielmehr sein Grossvesir Jaffar (Conrad Veidt), der ihn kontrolliert und mit Gewalt die Justiz des Landes führt. Um selbst zu erfahren, was seine Untertanen denken, mischt sich Ahmad unters Volk - worauf Jaffar ihn verhaften lässt, um die Macht zu übernehmen. In der Zelle trifft der gestürzte König auf den jungen Dieb Abu (Sabu). Die beiden flüchten und reisen nach Basra, wo Ahmad der Prinzessin (June Duprez) verfällt, die Tochter des Sultans (Miles Malleson). Sie erwidert seine Gefühle, doch Jaffar hat es bereits auf sie abgesehen und ihren Vater umgarnt. Um seinen Nebenbuhler auszuschalten, lässt Jaffar Ahmad erblinden und verwandelt Abu in einen Hund! Der Fluch wird nur gebrochen, falls die Prinzessin sich freiwillig in den Grossvesir verliebt.
REVIEW
Ganz ohne Zweifel einer der schönsten Filme aller Zeiten. Der aus Ungarn stammende Produzent Alexander Korda ordnete nach dem Erfolg seiner aufwendigen Kreationen wie "Things to Come", "Elephant Boy" oder "The Four Feathers" an, dass der Film in Sachen Ausstattung alles bisher Dagewesene übertreffen soll und die Sets eine Hauptrolle spielen sollen. Sein Bruder Zoltan Korda und "Things to Come"-Regisseur William Cameron Menzies schufen davon angespornt einige der atemberaubendsten Dekors, Miniaturen und Sets dieser Ära. "The Thief of Bagdad" war geboren, Englands Antwort auf "The Wizard of Oz", vielleicht nie so berühmt oder ganz so gut, aber ähnlich zeitlos in seinem ungeheuren Charme.
Doch die Geburt war keine einfache. Korda sicherte sich die Rechte von Hollywood-Star Douglas Fairbanks, der 1924 als Produzent und Schauspieler eine Stummfilmversion herausbrachte, der auf Elementen der Märchen aus 1001 Nacht aufbaute. Korda war ein Freund von Fairbanks und an der von ihm mitbegründeten United Artists beteiligt, weshalb der Deal schnell über die Bühne ging. Das Drehbuch für den teuren Film wurde danach mehrfach neu verfasst und verworfen, worauf Korda den Dreh begann, noch bevor ein vollständiges Skript vorlag. Um mit der Fülle an Szenen zurecht zu kommen, griff er auf eine ganze Reihe von Regisseuren zurück: Den bald wieder gefeuerten Deutschen Ludwig Berger, den später zum Meisterregisseur avancierten Michael Powell, Kordas Bruder Zoltan sowie William Cameron Menzies, die letzten beiden agierten jedoch im Vorspann ungenannt. Als bei Beginn des Zweiten Weltkriegs die Produktion nach Hollywood verlegt wurde, trat auch noch der Amerikaner Tim Whelan an.
Doch die Fäden zog stets Alexander Korda, der etliche Szenen selbst drehte und einige von Bergers Shots neu arrangierte. Ähnlich wie sein amerikanischer Kollege David O. Selznick ("Gone with the Wind") fungierte er als treibende Kraft und sorgte für künstlerische Kontinuität. So ist es zu erklären, dass oft nicht auszumachen ist, welcher Regisseur welche Sequenz drehte. Der Nachteil ist jedoch, dass die Story nicht linear erzählt ist und die Dramaturgie ab und zu etwas holpert. Vollends im Takt ist sie erst in der zweiten Hälfte. In der ersten drosseln ein paar Songs, darunter der beliebte "I Want to Be a Sailor", das Tempo.
Was "The Thief of Bagdad" aber auf brillante Weise schafft, ist die Fusion aus Fantasy, Romantik, Witz und jugendlichem Abenteuer. Kordas Clou war es, den Helden der 1924er-Version aufzuspalten: Als romantischer Held dient der etwas blasse Debütant John Justin, der June Duprez umgarnen darf - und sie auch schon beim ersten Date küsst. So prüde waren diese Zeiten wohl doch nicht. Die andere Hälfte, die des jugendlichen Abenteurers, übernimmt Kordas Entdeckung Sabu ("The Jungle Book"). Er bringt so viel Energie und Unschuld in den Film, dass die Aufteilung der Hauptrolle, die dramaturgisch nicht so schlau scheint, wieder Sinn macht.
Neben Sabu, der im Verlauf des Drehs deutlich älter und kräftiger wurde, darf nur ein weiterer Schauspieler so grossartig aufspielen: der Deutsche Conrad Veidt. Er gibt seinen Bösewicht inspiriert vom Stummfilm mit wenig Dialogen und dafür diabolisch bösem Blick. Veidt gehört zu dem grossen Trümpfen von "The Thief of Bagdad" - neben Sabu, der gloriosen Technicolor-Farbgebung, den Sets sowie den Spezialeffekten. Die Tricks aus dem Film sind wahrhaft legendär. Korda und seine Truppe schaffen es, die Story relativ bodenständig zu beginnen und langsam Fantasy-Elemente hinein zu bringen. Blue-Screen etwa im Palast des Sultans, als der alte Mann (gespielt von Drehbuchautor Miles Malleson) mit seinem Spielzeugpferd durch die Lüfte reitet. In der zweiten Hälfte ist dadurch die Grundlage errichtet für einen stärkeren Einsatz fantastischer Elemente.
Das augenfälligste ist der riesige Djinn, gespielt vom afroamerikanischen Star Rex Ingram. Sein lautes Lachen ist Kult, sein Erscheinen eine technische Meisterleistung. Die Tricks sind natürlich heute als solche erkennbar, doch 1940 war alles, was gezeigt wurde, bahnbrechend. Korda schafft es, jede Sequenz wunderbar zu takten und zu montieren, so dass die Effekte Teil der Erzählung werden. In "The Thief of Bagdad" ist aber nichts subtil, nichts wird versteckt oder angedeutet, sondern alles gezeigt - und darum passt alles bestens zusammen. Der Film sieht sich als familientaugliches Abenteuer im ganz grossen Stil, ob Schauspieler oder Design, alles ist wuchtig angelegt. Selbst die Musik von Erfolgskomponist Miklos Rozsa mit ihren Leitmotiven posaunt ungehindert und schamlos drauf los, wodurch beinahe eine Fantasy-Symphonie besteht.
Und gerade weil "The Thief of Bagdad" sich nicht zurücknimmt, ist er besser als das ebenfalls geglückte Original. Er gehört auch zu den besten Fantasyfilmen überhaupt. Ein Juwel voller unvergesslicher Bilder, gleichermassen inspiriert von der Effizienz und visuellen Sprache des Stummfilms wie von der Opulenz Hollywood'scher Spektakel. Dialoge sind dünn gesät, aber prägnant ("It's always Jaffar"). Sabu, Veidt und Ingram erschufen Charaktere für die Kinogeschichte und Technicolor scheint für Werke wie dieses erst erfunden worden zu sein. Es hat seine Probleme, etwa die leicht holprige Story, die sich durch die Drehbuchänderungen ergab, dazu die (gewollte) Künstlichkeit, die in der ersten Hälfte etwas distanziert. Und eine romantische Story, die wegen des schwächelnden Helden nie vollends entflammt. Doch das sind Spitzfindigkeiten: "The Thief of Bagdad" ist ein Klassiker. Und Alexander Kordas beachtlichste Leistung seiner Karriere. Wer den Film einmal gesehen hat, vergisst ihn so schnell nicht wieder.
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(Criterion)
USA, Code 1, NTSC
Bild: 4:3
Ton: Englisch mono mit englischen Untertiteln.
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Für einmal etwas mehr und etwas grösser ... muss einfach sein bei dem Film.
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