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Die Zenit-Kameras
Nachdem ich mich während längerer Zeit hauptsächlich mit den russischen Leica-Kopien mit dem Namen Zorki befasst und meine Zorki-Dokumentation online gestellt hatte, wandte ich mich den Spiegelreflexkameras mit dem Namen Zenit und einigen anderen Modellen vom gleichen Hersteller zu. Lesen Sie hier etwas über die Entwicklung dieser interessanten Kameras und deren Technik, von denen zwischen 1952 und 2005 insgesamt über 14 Millionen Exemplare bei KMZ produziert wurden.
Am Anfang war eine Zorki
In meiner Zorki-Dokumentation habe ich ausführlich beschrieben, wie ich zu meiner ersten Zorki gekommen bin, wie aus einer ein paar mehr wurden und wie mich die kleine Sammlung zu einer grösseren Dokumentationsaufgabe verführt hat.
Irgendwann im Jahr 2006 lief mir eine erste Zenit B zu, ein einfaches Modell einer mechanischen Spiegelreflexkamera, die vom selben Hersteller wie meine geliebten Zorkis stammt: Krasnogorski Mekhanicheskii Zavod (KMZ). Bei KMZ handelt es sich um den grössten russischen Kamerahersteller, der in einer Stadt mit dem Namen Krasnogorsk nördlich von Moskau beheimatet ist. Weitere Informationen zur Geschichte von KMZ sind in meiner Zorki-Dokumentation zu finden. Seit 1979 firmiert KMZ unter dem Namen "S.A. Zverev KRASNOGORSKY ZAVOD" JSC, wobei der erste Namensteil für Sergey A. Zverev steht, dem Chefentwickler von KMZ zwischen 1944-1946.
Aber auch die Geschichte der Zenit-Kameras begann mit einer Zorki, genauer geschrieben mit der Zorki 1 und der Zorki C, deren Gehäuse als Basis für die ersten beiden Zenit-Modelle, die Zenit 1 und die Zenit C dienten. Dieses Konzept darf als durchaus gewagt bezeichnet werden, schonte aber Ressourcen bei der Entwicklung und in der Produktion. Heute würde man von einer erfolgreichen Nutzung von Synergien sprechen.
Die Entwicklung der ersten Zenit begann spätestens 1950, nachdem die ersten Zorkis bereits im Markt eingeführt waren. Bis zum Erscheinen des ersten Serienmodells, der Zenit 1 im Jahr 1952, waren schon über 250000 Zorki 1 und mehr als tausend Zorki 3 produziert.
Die Zenit-Modelle
Im Laufe der Geschichte der Spiegelreflexkameras mit dem Markennamen Zenit, die nebenbei deutlich länger als die der Zorkis dauerte, wurde eine Vielzahl von Modellen vorgestellt und in mehr oder weniger grossen Stückzahlen hergestellt. Einen Überblick über diese vielfältige Modellpalette zu erhalten ist äusserst schwierig und ich gehe davon aus, dass ich die eine oder andere Variante aus diesem Grund schlicht nicht dokumentieren kann. Ich habe mich trotzdem bemüht, alle mir zugänglichen Informationen zusammenzutragen und ein möglichst vollständiges Bild der Entwicklung dieser Kameramarke zu erstellen.
Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass seit 1973 auch bei MMZ/BelOMO in Minsk (Weissrussland) Kameras unter dem Markennamen Zenit produziert wurden. Es kamen von diesem Hersteller mindestens fünf Millionen Zenit-Kameras auf den Markt, die jedoch qualitativ nicht mit denen von KMZ mithalten konnten und können. In dieser Zenit-Dokumentation soll es aber ausschliesslich um die von KMZ hergestellten Zenit-Modelle gehen.
Sie erkennen die Kameras und Objektive von KMZ am Logo, das eine stilisierte Linse mit Strahlengang darstellt. A. Schulz beschreibt das Logo als Dovesches Prisma, berichtet aber auch, dass das Zeichnen gelegentlich auch als Grabstein bezeichnet worden wäre. Auch der Begriff Sarg ist mir in diesem Zusammenhang schon zu Ohren gekommen, besonders bezüglich der frühen Variante (vor 1950), der noch der Strahlengang fehlte.
Offenbar produziert KMZ seit 2005 keine Spiegelreflexkameras mehr unter dem Markennamen Zenit; die Zenit 412LS und die Zenit KM Plus dürften die letzten Kameras mit diesem Namen gewesen sein, die dort hergestellt wurden. Gerüchte über weitere Aktivitäten in diesem Sektor tauchen immer mal wieder auf. Ein paar Worte zu den Zukunftsaussichten finden Sie weiter unten. Was allerdings als gesichert gelten darf ist, dass KMZ immerhin mit Panoramakameras der Horizon-Linie weiterhin im zivilen Kamerasektor tätig ist. Im militärischen Bereich stellt KMZ weiterhin optische Systeme her, ebenso dürfte die Produktion von Feldstechern und Nachtsichtgeräten andauern. Die Informationen darüber sind allerdings eher vage.
Viele Informationen für diese Dokumentation habe ich aus dem ausgezeichneten Buch Made in USSR - The Authentic Guide to Russian and Soviet Cameras - Second Edition von Jean Loup Princelle entnommen - Sie können es bei Bedarf direkt beim Verlag bestellen, falls Sie es noch nicht hätten -, aus dem leider vergriffenen Buch Zenit - Die Geschichte der russischen Spiegelreflex-Prismensucherkamera mit M39-Objektivanschluss von Dr. Alexander Schulz und von den Internet-Seiten des Herstellers www.zenitcamera.com und www.zenit-foto.ru. Eine Vielzahl von privaten Seiten im Internet, aber vor allem die eigene Beschäftigung mit den betreffenden Kameras, soweit sie mir zur Verfügung stehen, haben mir ebenfalls viele Impulse gegeben. Weitere Literatur und der persönliche Austausch mit Experten und Sammlern von russische Kameras haben mir zusätzlich geholfen, ein hoffentlich abgerundetes Bild von den Zenit-Kameras zu zeichnen.
Modell-Übersicht
In den folgenden Aufstellungen finden Sie die Serienmodelle von KMZ verzeichnet, die Projekte und Prototypen, Namensvarianten der KMZ-Modelle, die Zenit-Modelle von MMZ/BelOMO und schliesslich andere Kamera mit dem Namen Zenit.
Serienmodelle
In der folgenden Übersicht finden Sie die gängigsten Zenit-Modelle, die in Serie gefertigt worden sind, sowie einige wenige andere Spiegelreflexkameras für Kleinbildfilm von KMZ. Die Liste ist nach dem Erscheinungsjahr geordnet:
Alle Angaben zu den Produktionsdaten sind, sofern verfügbar, vom Hersteller übernommen, Stand 2005.
In obiger Modell-Übersicht fehlen übrigens alle S-Varianten von diversen Zenit-Modellen (ES, 12S, 122S usw.), welche spezielle Modifikationen für die Fotosniper ("Foto-Gewehre") darstellen. Davon sind bis 2005 rund 330000 Exemplare gebaut worden. Bei den betroffenen Modellen finden Sie entsprechende Angaben im Text weiter unten.
Ein Wort noch zu den Kamerabezeichnungen: KMZ übernimmt gerne - aber nicht ganz konsequent - die Buchstaben in Kamerakennungen (zB. "B" bei der "Zenit B") auch in die Bezeichnungenen der lateinisch beschrifteten Exportmodelle, obschon diese Buchstaben aus dem kyrillischen Alphabet im lateinischen Alphabet eine völlig andere Entsprechung hätten (ein kyrillisches "B" wäre beispielsweise ein lateinisches "V"). Ich halte mich strikt an diese Regel und verwende möglichst die vorgegebenen Bezeichnungen.
Zur Veranschaulichung der Dimensionen der verschiedenen Serien-Modelle und zur schnellen Ansicht steht die folgende Liste zur Verfügung:
Sie können über die obige Ansicht auch direkt zu den Beschreibungen der entsprechenden Modelle springen; es wird dann aber die ganze Seite nachgeladen, was einen Moment dauern kann, weshalb diese Methode nur eingeschränkt empfohlen werden kann.
Projekte und Prototypen
Die Entwickler bei KMZ haben über die Jahre auch verschiedene Projekte angedacht, von denen entweder funktionsfähige Prototypen entstanden sind oder solche gelegentlich auch völlig fehlen. Eine Übersicht gibt die folgende nach Jahren geordnete Tabelle, allerdings ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
Alle obigen Angaben sind natürlich mit Vorsicht zu geniessen, da sie nicht in jedem Fall auf gesicherten Informationen beruhen.
Namensvarianten
Da verschiedene Modelle nicht unter dem Namen Zenit oder mit einer abweichenden Bezeichnung vertrieben bzw. hergestellt wurden, habe ich sie in der folgenden Tabelle zusammengefasst. Die Auflistung erfolgt geordnet nach der Modellbezeichnung:
Während meinen Recherchen sind mir leider keine Unterlagen über die Produktionszahlen der oben genannten Modelle begegnet. Es scheint mir allerdings soweit klar zu sein, dass die genannten Exportmodelle in den Produktionsdaten des Herstellers enthalten sind.
Zenit-Modelle von Fremdherstellern
Ob es Zusammenarbeit oder Konkurrenz zu verdanken ist, der Name Zenit wurde keineswegs nur von KMZ verwendet, auch andere Hersteller haben ihn benutzt. Besonders MMZ/BelOMO tat sich dabei mit einer Reihe Kopien von populären Zenit-Modellen hervor:
Neuere Kameras aus dem Hause MMZ/BelOMO tragen seit der Auflösung der Sowjetunion den Herkunftsvermerk "Made in Belarus". Inzwischen ist es MMZ/BelOMO nicht mehr erlaubt, Kameras unter dem Markennamen Zenit zu produzieren.
Auch wenn MMZ/BelOMO wohl deutlich über fünf Millionen Zenits produziert hat, sind diese Kameras nicht wirklich beliebt. Qualitative Mängel haben nicht nur den Ruf der Produkte aus Weissrussland geschädigt, sondern sich auch auf den der von KMZ hergestellen Zenit-Modelle negativ ausgewirkt.
Andere Kameras mit dem Namen Zenit
Neben den oben dokumentierten Spiegelreflexkameras von KMZ und anderen Herstellern gab es auch eine Reihe Kameramodelle, die den Namen Zenit trugen, aber entweder über keinen Reflexsucher verfügten oder andere Filmformate als Kleinbild benutzten. Die folgende Tabelle fasst dieses Kameras zusammen, geordnet nach den Modellbezeichnungen:
Es gibt bestimmt noch weitere Kameras, die hier aufgeführt werden müssten. Wenn Sie weitere Informationen haben, zögern Sie nicht, sie mir zukommen zu lassen. Besten Dank im Voraus.
Anschlussfragen
Während KMZ am Schluss nur noch Kameras für das K-Bajonett (auch Pentax-K-Bajonett genannt) und das traditionelle Schraubgewinde M42 anbot, waren früher auch andere Objektivanschlüsse verbreitet. Die Bezeichnungen entsprechen der in obigen Modell-Aufstellungen verwendeten:
Die Modelle im Detail
Nach diesen Zusammenfassungen und einigen kurzen Erklärungen dazu wenden wir uns nun den einzelnen Modellen im Detail zu. Da die Entwicklung der Zorki- und Zenit-Kameras grossteils parallel verlief, verweise ich gelegentlich auch auf entsprechende Zorki-Modelle. Dies mag dem Leser helfen, die technischen Zusammenhänge besser nachzuvollziehen. Zudem möchte ich darauf hinweisen, dass die Beschreibungen in der Chronologie aufeinander aufbauen, dh. die Folgemodelle haben oft die selben Attribute, wie ihre direkten Vorgänger, soweit nichts anderes erwähnt ist. Eine Zusammenfassung aller technischen Daten ist weiter hinten zu finden.
Zenit 1 Prototypen
Die Entwicklung der ersten Spiegelreflexkamera begann bei KMZ spätestens im Jahr 1950. Es wurden dabei mindestens drei dokumentierte Evolutionen mit verschiedenen Ausformungen des oberen Gehäuseteils hergestellt.
Von den ersten Prototypen sollen sechs Exemplare entstanden sein, im Jahr 1950 etwa. Neben dem noch eckigen Prismengehäuse sticht besonders die zusammenhängende kyrillische Bezeichnung, die Seriennummer und das KMZ-Logo an der Front ins Auge (vgl. das erste Bild).
Es folgten 1951/1952 weitere Prototypen, die bereits über das auffällige KMZ-Logo in der Belederung des Prismengehäuses verfügen, jedoch noch mit eckigem Aufbau.
Erst die letzte Variante besass das typische runde, belederte Prismengehäuse (vgl. das zweite Bild), in dem an der Vorderseite das KMZ-Logo eingeprägt ist. Der Begriff "beledert" ist nicht ganz korrekt, da es sich dabei um einen Überzug aus einem griffigen Kunststoff handelt, Vulkanit genannt, der wahrscheinlich aufgepresst worden ist. Da der Schriftzug "Zenit" an der Front in kyrillischen Blockbuchstaben dargestellt und von einem Rahmen umgeben ist, wird diese Variante auch als Block-Logo ("Square Logo") bezeichnet. Dieses Modell wird oft als Vorserie bezeichnet, von der nur wenige hundert Exemplare in den Jahren 1952/1953 gebaut worden sein sollen (vgl. Princelle).
Wie Alexander Schulz in seinem Artikel für das Photographica Cabinett von 2005 belegt, dürften die Blocklogo-Typen aber wahrscheinlich parallel mit den normalen Zenit 1 - Schulz nennt diese Modelle "Standard Zenit" - produziert und vertrieben worden sein, sicher bis ins Jahr 1954, ist doch zumindest eine Blocklogo-Zenit aus diesem Jahr bekannt. Im Anschluss an diesen Artikel folgten noch interessante Leserbriefe, wo ua. von gefälschten Blocklogo-Typen berichtet wurde, die auf der Basis einer normalen Zenit 1 hergestellt worden sind. Ein sichtbares Detail, das auf so eine Fälschung hindeutet, ist ein leicht anderes Finish im Bereich des Logos, ein anders, das das Öffnen des Gehäuses erfordert, ist die etwas geringere Wanddicke im Bereich des Logos.
Wegen der mir vorliegenden Seriennummern der frühen normalen Zenit 1-Modellen und der Blocklogo-Typen gehe ich ebenfalls davon aus, dass diese Modelle zumindest während einer gewissen Zeit nebenander im Angebot waren. So gesehen dürften die Blocklogo-Typen der Zenit 1 Bestandteil der normalen Zenit 1 Produktion gewesen sein, allerdings in deutlich kleineren Stückzahlen hergestellt.
Der untere Teil des Gehäuses aller Prototypen und später auch der Serienmodelle wurde, wie weiter oben bereits angetönt, von der Zorki 1 übernommen und um ein Spiegelgehäuse mit entsprechender Mechanik erweitert. Das Gehäuseoberteil ist offensichtlich weitgehend neu konstruiert worden, wobei einige Bedienungselemente wie Auslöser, Zeitenrad und Rückspulsperre sowie deren Mechanik ebenfalls von der Zorki 1 übernommen wurde.
Zenit 1
Ein Hinweis vorab: Natürlich wird diese Kamera richtigerweise als Zenit (ohne Zusatz) bezeichnet, die Sprachregelung Zenit 1 verwende ich hier lediglich zur besseren Unterscheidung zu den anderen Zenit-Modellen und zur Vermeidung von Verwechslungen.
Von der zwischen 1952 und 1956 gebauten Zenit 1 sind insgesamt nur 39019 Einheiten produziert worden, wohl inkl. den oben bereits beschriebenen Blocklogo-Typen. Die Hauptproduktionsjahre waren 1953 und 1954 mit jeweils um die 19000 Exemplaren. Die Zenit 1 entspricht weitgehend dem letzten, oben bei den Prototypen abgebildeten Blocklogo-Typ, abgesehen vom Schriftzug und dessen Rahmen selbstverständlich. Wie oben schon dargelegt ist zu vermuten, dass die Blocklogo-Typen anfänglich - zwischen 1952 und 1954 - Bestandteil der normalen Zenit 1-Produktion waren, wenn sie auch deutlich seltener sind.
Die Zeitenskala der Zenit 1 entspricht der, die spätestens ab der Zorki 1e, also etwa ab 1954 auch verwendet wurde und nicht mehr die alte Einteilung, wie sie von der Leica II her bekannt ist: 1/25, 1/50, 1/100, 1/200 und 1/500 Sekunden konnten eingestellt werden, zusätzlich noch die Langzeitbelichtung "B" (Bulb). Auch wenn das Zeitenrad dem der Zorki 1 durchaus gleicht, ist es unten etwas verjüngt, um nicht mit dem Prisma zu kollidieren. Aus Platzgründen wurde der Aufzugsknopf ebenfalls leicht geändert: Das Bildzählwerk liegt bei der Zenit 1 oben auf dem Knopf, bei der Zorki 1 an dessen Fuss. Der Rückspulknopf konnte bei der Zenit 1 auch grösser ausfallen, was bei der Zorki 1 durch den Sucherkasten schlecht möglich ist. Ein weiterer kleiner Unterschied gegenüber den Zorkis aus dieser Zeit (1953, also die Zorki 1c und 1d) ist die Seriennummer, die bei den Zenit von Anfang an auf der Rückseite in die obere Abstandsleiste zur Belederung eingraviert war.
Da es sich bei der Zenit 1 um eine Spiegelreflexkamera handelt, im Gegensatz dazu ist die Zorki 1 ja eine Messsucherkamera, war es notwendig, zwischen Filmebene und Objektivgewinde genügend Platz für den Spiegelkasten vorzusehen. Die Lösung dafür war quasi ein Vorbau, der an dem vergleichsweise schlanken Gehäuse der Zorki 1 angebracht wurde und nach oben durch das Prisma abgeschlossen wird. Zwangsläufig veränderte diese Konstruktion auch das Auflagemass, also den Abstand zwischen Filmebene und Auflagefläche des Objektivgewindes. Bei den frühen Zenit-Modellen (bis gegen Ende der Sechzigerjahre) fand deshalb ein modifizierter M39-Anschluss (Gewinde mit 39mm) mit einem Auflagemass von 45.2mm statt dem vom Leica Thread Mount (LTM, M39) mit 28.8mm Verwendung, bekannt unter der Bezeichnung ZM39 (Zenit-M39).
Der Verschluss der Zenit 1 entspricht dem von den Leica- und Zorki-Messsucherkameras bekannten horizonal ablaufenden Schlitzverschluss, der aus zwei schwarzen Tüchern ("Vorhängen") besteht, die direkt vor der Filmebene von rechts nach links geführt werden. Der Abstand zwischen diesen beiden Vorhängen bestimmt die Belichtungszeit. Die Spiegelmechanik entsprach dem damals üblichen Standard, dh. der Spiegel sprang beim Auslösen hoch und wurde erst beim Aufziehen zusammen mit dem Filmtransport und dem Spannen des Verschlusses wieder herunter gezogen.
Die Zenit 1 verfügt über eine Mattscheibe ohne weitere Fokussierhilfe. Wegen der fehlenden Springblende dunkelt das Bild ab, wenn die Blende geschlossen wird, ein Verhalten nebenbei, das wir uns heute fast gar nicht mehr vorstellen können. Konstruktionsbedingt deckt der Reflexsucher lediglich etwa 65% des Filmformats ab.
Wie die frühen Zorkis verfügt die Zenit 1 über einen Stativanschluss rechts im Gehäuseboden. Auf der linken Seite ist ein ausklappbarer Drehverschluss zu finden, der den Boden öffnet und das Einlegen des Films ermöglicht. Dabei ist zu bedenken, dass der Film ebenso wie bei den älteren Leicas geschnitten werden muss, um einen problemlosen Transport zu ermöglichen.
Ein nettes Detail, das bei den Folgeversionen Zenit C im Verlauf der Produktion eingespart wurde, ist ein kleiner ausklappbarer Fuss unterhalb der Objektivfassung, der den Stand der Kamera gerade bei schwereren Objektiven verbessert. Als Vorlage dafür diente wohl die Contax S.
Weitere Informationen zur Zenit 1:
Zenit C
Noch während die Zenit 1 produziert wurde, brachte KMZ einen Nachfolger auf den Markt, der sich hauptsächlich durch einen Blitzanschluss von der Zenit 1 unterscheidet: Die Zenit C. Es wurden davon zwischen 1955 und 1961 insgesamt 232949 Expemplare gebaut, 1960 war mit 60000 Einheiten das Produktionsjahr mit den meisten hergestellten Kameras dieses Typs. Einen Teil der Produktion war für den Export vorgesehen und wurde mit lateinischem Logo versehen, beschriftet mit "ZENIT-S" oder "ZENITH-C".
Das kyrillische "C" entspricht dem lateinischen "S", welches in der Bezeichnung dieses Kameratyps für "Synchronisiert" steht. Deshalb wird die Zenit C gelegentlich auch als Zenit S bezeichnet.
Die Zenit C entspricht weitgehend der Zenit 1, besitzt aber einen synchronisierten Verschluss, eine an der Front angebrachte Buchse zum Anschluss eines Blitzgeräts und die Möglichkeit zur stufenlosen Veränderung des Zündzeitpunkts zwischen 0 und 25 Millisekunden, wie sie auch bei der Zorki C vorhanden ist. Wie A. Schulz bemerkt ist im Blitzbetrieb der Verschluss sofort nach der Aufnahme wieder zu spannen, um ein Dauerblitzen zu vermeiden. Der Grund dafür ist, dass der Blitzkontakt erst beim Spannen wieder geöffnet wird.
Auch das Zeitenrad der Zenit C erfuhr eine Änderung und funktioniert jetzt gleich wie bei der Zorki C oder der Zorki 2C: Im Innern des Zeitenrades ist neu der Index angebracht, an den die Zeiteinstellung angelegt wird. Beim Auslösen dreht sich das Zeitenrad wie auch bei der Zenit 1 mit, eine Eigenschaft die die Zenits noch mehr als zehn Jahre behalten sollten.
Im Laufe der Produktion, etwa 1959, wurde die von der Zenit 1 übernommene Zeitenreihe modernisiert und lautete fortan: 1/30, 1/60, 1/125, 1/250 und 1/500 Sekunde.
Wie auch bei der Zenit 1 stammt das Gehäuseunterteil und einige Bedienungselemente von der Zorki 1. Im Gegensatz zur Zenit 1 wurde bei der Zenit C auf die Belederung unterhalb des Spiegelkastens verzichtet, was sich bei der Mehrzahl von angebotenen Gebrauchtkameras dieses Typs in mehr oder weniger starkem Farbabrieb oder Beschädigungen in diesem Bereich äussert. Der kleine ausklappbare Fuss unterhalb der Objektivfassung wurde im Verlauf der Produktion ebenfalls eingespart.
Bedingt durch die Position der Blitzbuchse an der Front des Gehäusedeckels musste die Rückspulsperre weichen und wurde, wie bei der Zorki 2 beispielsweise, unter den Auslöser verlegt, der nun drehbar gestaltet ist. Mit einer Drehung um etwa 180° im Uhrzeigersinn wird die Mechanik entriegelt und das Rückspulen ist möglich. Vorsicht: Wie bei einigen Zorki-Modell kann das Entriegeln der Rückspulsperre bei gespanntem Verschluss zu einer ungewollten Auslösung führen.
Aus Gründen der Kompatibilität zu etablierten Standards wurde die Verwendung des ZM39-Anschlusses, der bei der Konstruktion der Zenit 1 aus Kostengründen verwendet worden ist, bereits früh in Frage gestellt. So sind zumindest Prototypen der Zenit C aus dem Jahr 1957 bekannt, die bereits über einen M42-Anschluss verfügten. Erst gut zehn Jahre später wurde der M42-Anschluss bei der Zenit E eingeführt und damit das ZM39-Schraubgewinde endgültig überwunden.
Weitere Informationen zur Zenit C:
Zenit "L" / Zenit "Lightmeter"
Dieser durchaus nicht unumstrittene Prototyp besitzt keinen offiziellen Namen, da er nur mit "Zenit" beschriftet ist. Das "L" ist später entstanden und soll auf den Belichtungsmesser ("Lightmeter") hinweisen. Die Entstehung der Zenit "L" wird auf irgendwann zwischen 1951 und 1957 datiert, je nach Quelle, auch spätere Daten wären allerdings möglich. Es soll davon mindestens zwei Exemplare geben, allerdings ist nicht ganz klar, unter welchen Umständen sie entstanden sind. Dokumentiert ist die Kamera auf der Seite des Herstellers und im Buch Zenit von Dr. Alexander Schulz, wobei beide Quellen mehr oder weniger Zweifel anmelden.
Das Gehäuse der Zenit "L" könnte unter dem etwas oberhalb der Mitte angebrachten Trennriemen aus Metall als ein Gehäuseunterteil einer frühen Zenit 1 oder einer Zenit C durchgehen, wobei der Boden abweichend von den üblicherweise bei KMZ verwendeten Verfahren links und rechts über einen Drehverschluss verfügt, statt nur auf einer Seite. Der abnehmbare Boden zum Filmwechsel ist ansonsten nicht weiter auffällig. Der für die Spiegelreflexkameras typische Vorbau für Spiegelkasten und Objektivanschluss scheint ebenfalls von einer Zenit zu stammen, verfügt übrigens auch über das ausklappbare Füsschen, wie wir es von der Zenit 1 und den frühen Zenit C-Modellen kennen. Alles oberhalb des Trennriemens scheint nicht viel mit Zenit zu tun zu haben, ausser dem Rückspulhebel und eventuell dem Auslöser sowie dem Aufzugsknopf, soweit ich das anhand der Bilder erkennen kann.
Technisch wäre die Zenit "L" für ihre Zeit durchaus als revolutionär zu bezeichnen, besitzt sie doch einen ungekuppelten Belichtungsmesser, wie er von der Bauart auch schon von der Kiev 3 oder der Contax E her bekannt ist. Die Kamera soll über einen sich bei der Auslösung nicht drehenden Zeitenknopf verfügen, an dem 1/20 bis 1/500 Sekunde gewählt werden kann. Ein Detail, das mich besonders erstaunt, ist die Einteilung der Empfindlichkeit auf dem Belichtungsrechner am linken oberen Knopf, die von 9 und 24 DIN reicht. Kameras dieser Generation verfügen üblicherweise über Einteilung in GOST, dem russischen Äquivalent von ISO/ASA. Dies deute darauf hin, dass die Kamera tatsächlich aus den Jahren 1951/1952 stammen könnte, wie mir Alexander Schulz dazu mitteilte.
Viele Details zu dieser Kamera sind allerdings nicht bekannt, auch konnte sie offenbar nicht zu Zwecken der Untersuchung zerlegt und studiert werden, wenn ich entsprechende Textstellen auf der Internet-Seite des Herstellers richtig interpretiere.
Start
Parallel zur Entwicklung der Zenit-Linie entstand bei KMZ eine sehr interessante, für den professionellen sowjetischen Markt vorgesehene Kamera mit dem für diesen Zweck vielleicht etwas eigenartigen Namen Start. Im Gegensatz zur weiter unten beschriebenen Kristall gehört die Start vielleicht noch weniger in diese Dokumentation, da sie mit der Zenit-Linie recht wenig gemein hat. Ich habe sie als Spiegelreflexkamera von KMZ trotzdem aufgenommen, um das Bild abzurunden.
Die Start wurde zwischen 1958 und 1964 gebaut, wobei 76503 Exemplare entstanden sind. Die Hauptproduktionsjahre waren 1961 bis 1963, in denen jeweils um die 20000 Einheiten gebaut wurden. Es sind Varianten mit kyrillisch und seltener lateinisch beschrifteten Logos bekannt. Princelle schreibt zur Start, sie wäre gebaut wie ein T-34 Panzer, was durchaus trefflich formuliert ist.
Eine wichtige Neuerung bei der Start ist die abnehmbare Rückwand, wie sie bereits 1955 für die Zorki 3C realisiert wurde. Zu diesem Zweck sind links und rechts ausklappbare Drehverschlüsse vorhanden, die die Rückwand fixieren. Der Stativanschluss ist zentral auf der Objektivachse angebracht.
Der Sucher ist mit einer Mattscheibe und horizontal geteiltem Schnittbild ausgestattet und zeigt einen Bildausschnitt von 22x33mm, also etwa 84% der Bildfläche. Das Prisma kann entfernt und durch einen kleinen Schachtsucher ersetzt werden, ähnlich dem der Zenit 4/5/6-Familie:
Die Bilder oben zeigen der Reihe nach zuerst den normalen Prismensucher, den offenen Sucherschacht, den geschlossene Schachtsucher und schliesslich den geöffnete Schachtsucher mit der ausgeklappten kleinen Sucherlupe.
Auf der Kameraoberseite findet sich links der Rückspulknopf mit einem Merker für die Filmart und die GOST (russische Variante von ASA) mit einem Einstellbereich von 11 bis 350. Gleich nebenan ist ein kleiner Schraubknopf zu sehen, der einmal gelöst ein Gestänge nach oben ausfahren lässt. Im ersten Moment staunte ich etwas über diese "Antenne", bis ich im Innern der Kamera die Funktion dieser Einrichtung nachvollziehen konnte: Es handelt sich um einen Filmschneider, der den Film gleich bei der eingelegten Filmpatrone abtrennen kann. Diese Einrichtung kann aber nur sinnvoll eingesetzt werden, wenn der Film von einer Patrone in eine zweite transportiert und nicht auf die übliche Spule aufgewickelt wird.
Rechts vom Prisma folgt das Zeitenrad, an dem wie bei der Zorki 3M Verschlusszeiten zwischen einer und 1/1000 Sekunde eingestellt werden können. Zwischen Zeitenrad und Schnellspannhebel, in dessen Oberteil das Bildzählwerk eingelassen ist, liegt die Rückspulsperre in Form eines kleinen Knopfes. Auch das Herstellerlogo ist oben zwischen Zeitenrad und Spannknopf zu finden.
An der Front findet sich links ein Selbstauslöser und rechts oben zwei Blitzanschlüsse, einmal für Elektonenblitz und einmal für Blitzbirnchen.
Eine etwas sonderbare Position nimmt der Auslöser ein, der an der Front in Form eines klobigen, mit dem Objektiv verbundenen und nach vorne gerichtetem etwas überlangen Knopfes ausgebildet ist. Neben dem vorne eingebauten Gewinde für einen Drahtauslöser besitzt dieser Auslöser noch eine weitere Funktion: Durch das Drehen desselben kann die Blende auf den eingestellten Wert geschlossen werden, was einer Schärfentiefenkontrolle an moderen Kameras entspricht. Auch beim Auslösen selber wird auf dem langen Auslöseweg zuerst die Blende geschlossen, bevor der Verschluss betätigt wird (sog. Druckblende).
Noch ein Wort zum Objektiv, das - ähnlich wie bei der Exakta - zusammen mit dem vorderen Teil des Auslösers eine Einheit bildet: Es handelt sich um ein Helios 44 58mm/2 mit einem speziell für die Start ausgelegten Bajonett, das über eine automatische Springblende verfügt und bis Blende 16 geschlossen werden kann. Obschon die Start als professionelles Kamerasystem eingeführt wurde, existieren offenbar ausser dem Helios 44 und einer angepassten Variante des Taïr 3 300mm/4.5 keine weiteren Objektive zu dieser Kamera. Vorgestellt und während der Weltausstellung in Brüssel 1958 mit einer Goldmedallie ausgezeichnet wurden zudem das Mir 1 (37mm/2.8) und das Taïr 11 (133mm/2.8) mit dem Start-Bajonett, produziert wurden diese Objektive jedoch nie. Es war aber möglich, über einen speziellen Adapter Schraubobjektive mit 39mm-Gewinde und einem Auflagemass von 45.2mm (ZM39) zu verwenden. Dieses Zubehörteil ist allerdings sehr selten.
Weitere Informationen zur Start:
Zenit 3
Als Nachfolger der Zenit C wurde 1960 die Zenit 3 vorgestellt. Bis 1962 wurden davon 81776 Einheiten produziert, im letzten Jahr immerhin 47000 Exemplare. Es sind verschiedenste Varianten des Logos in kyrillischen und lateinischen Zeichen bekannt, als Zeniflex sollen 1962 auch einige Einheiten nach Deutschland gelangt sein, selbst unbeschriftete Exemplare soll es gegeben haben. Auffällig ist vielleicht noch, dass unten rechts neben der Beschriftung das KMZ-Logo zu finden ist, allerdings nur bei den kyrillisch beschrifteten Versionen.
Eine auffällige Neuerung gegenüber der Zenit C ist der Schnellspannhebel, wie er bereits 1958 bei der Zorki 5 eingeführt wurde. Auch das Gehäuseoberteil wurde ähnlich wie bei den Zorkis dieser Generation aufgebaut, dh. die Stufen wurden ausgeglichen und damit verlor die Zenit 3 sicher etwas des Charmes der früheren Zenits. Das etwas eckige Prisma wurde erst beim Folgemodell - der Zenit 3M - wieder leicht abgerundet und dadurch in der Form etwas gefälliger.
Durch den Schnellspannhebel und dessen geringere Höhe wanderte das Bildzählwerk wieder etwas nach unten und kann in dieser Ausführung nur noch im Uhrzeigersinn verstellt werden. Neu findet sich auf dem links angeordneten Rückspulknopf ein rein informativer Merker für die Filmempfindlichkeit (in GOST, 11 bis 190).
Ebenfalls neu wurde bei der Zenit 3 ein Selbstauslöser eingebaut, der an der Front angebracht ist. Er entspricht dem, welcher ab 1956 bei der Zorki 4 verbaut worden ist.
Weitere Informationen zur Zenit 3:
Kristall
Die meiner Ansicht nach schönste Spiegelreflexkamera von KMZ ist die zwischen 1961 und 1962 in 65433 Exemplaren produzierte Kristall, die Verwandtschaft zur Zenit 3 trotz dem aussergewöhnlichen Gehäuse nicht verleugnen kann. Umso mehr bin ich erstaunt darüber, dass "die Kamera durch ihr äusseres Erscheinungsbild keine Akzeptanz bei den Amateuren fand", wie A. Schulz in seinem Buch Zenit schreibt. Dies soll aber tatsächlich der Grund für die Einstellung der Produktion nach nur zwei Jahren gewesen sein, denn an der Qualität kann es nicht gelegen haben. Anderen Gerüchten zufolge soll die Kristall von Ihrem Aussehen her zu wenig "sowjetisch" gewesen sein, so dass die Produktion "von oben" gestoppt worden sei. Ich möchte das nicht weiter kommentieren.
Das auffälligste Element der Kristall sind wohl die "Kühlrippen" auf dem Prismengehäuse und die graue Hammerschlagfarbe, die der Kamera den Charme einer Werkzeugkiste aus dieser Zeit verleiht. Es gab auch verchromte Exemplare, die allerdings eher selten angeboten werden (ich habe selber erst eines davon gesehen, mit einer späten Seriennummer). Ein Merkmal, das die Serienversionen von den Kristall 2-Prototypen in glänzendem Chrom unterscheiden, sind die mehrheitlich schwarz lackierten Zierleisten, die bei dem (ersten) Prototyp ebenfalls chromglänzend waren. Bei Princelle ist allerdings eine Serien-Kristall mit ebenfalls unlackierten Zierleisten abgebildet, was mich etwas irritiert. Möglicherweise könnte es also beide Varianten gegeben haben.
Die Kristall war die erste Spiegelreflexkamera von KMZ, deren Rückwand sich zum Filmwechsel aufklappen liess. Sie entspricht der Technik, wie sie ab 1962 auch bei der Zenit 3M weitere Verwendung fand.
Von der Zorki 5 (1958) übernommen wurde der gegenüber der Zenit 3 leicht geänderte Schnellspannhebel, sowie der Auslöser, der sich nun auf der Achse des Spannknopfes befindet und von dem Bildzählwerk umgeben ist. Von der Zorki 6 (1959) geerbt hat die Kristall zudem den Selbstauslöser, der sich an der Kamerafront findet, und die aufklappbare Rückwand, wie oben bereits erwähnt. Auch der Knopf der Rückspulsperre entspricht dem der Zorki 6. Zusammenfassend darf festgestellt werden, dass die meisten Bedienungselemente bei der Kristall, den Zorki 5- und 6-Modellen sowie der später erschienen Zenit 3M vereinheitlicht wurden.
Die Blitzsynchronisation der Kristall wird zwar immer noch über einen Mechanismus unter dem Zeitenrad geregelt, umfasst aber nur noch zwei Positionen (0 und 20 Millisekunden), im Gegensatz zur Vorgängerin Zenit 3, die eine stufenlose Verstellung zwischen 0 und 25 Millisekunden erlaubte.
Die Belederung der Kristall ist aus einem quergestreiftem Nylonbezug gefertigt und entspricht dem, wie er bei der Zorki 4b ab etwa 1967/1968 und bei den Nachfolgemodellen Zorki 5 und Zorki 6 sowie der Zorki 4K ebenfalls verwendet wurde.
Weitere Informationen zur Kristall:
Kristall 2 Prototypen
Von der Kristall gab es auch mehrere Prototypen, die technisch sehr innovativ waren und technische Neuerungen vorweg nahmen. Sie wurden als Kristall 2 bezeichnet und gemäss Seriennummer (61000559) bereits 1961 hergestellt, also auf das Jahr des Erscheinens der Kristall.
Der erste Prototyp verfügt über einen Spiegel, welcher nach dem Ende der Aufnahme wieder in seine Ursprungsposition zurückkehrt (automatischer Rückschwingspiegel; erst ab 1967 mit der Zenit E in Serie hergestellt) und ist in glänzendem Chrom ausgeführt, statt der bei späteren Kristall-Modellen verwendeten Hammmerschlagfarbe.
Der zweite Prototyp der Kristall 2 verfügt neben dem Rückschwingspiegel, wie er beim ersten Prototyp bereits realisiert worden ist, auch über einen ungekuppelten Selenbelichtungsmesser (der Belichtungsmesser ist erst ab 1964 mit der Zenit 4/5/6-Familie erstmals in Serie gegangen).
Den zweiten Prototypen datiere ich ebenfalls auf 1961, obschon darüber keine konkreten Unterlagen vorliegen. Die Seriennummer der nebenan abgebildeten Kristall 2 lautet 00003 und lässt deshalb keinen Rückschluss auf das Entstehungsjahr zu.
Weitere Informationen zu den Kristall 2 Prototypen:
Zenit 3M
Die zwischen 1962 und 1970 in 781678 Exemplaren produzierte Zenit 3M löste die 1962 ausgelaufene Zenit 3 ab. Das "M" in der Bezeichnung soll - so eine Interpretation - für den Entwickler Nikolay Mikhaylovich Marenkov (bzw. Marjenkov, wie Jean Loup Princelle in seinem Buch schreibt) stehen, wie beispielsweise auch bei der Zorki 3M. Eine andere ist die, dass das "M" schlicht für "Modernisiert" steht, was ich für deutlich plausibler halte. Im Prinzip handelt es sich bei der Zenit 3M um eine in der Form des Gehäuses veränderte Kristall.
Diese Kamera war ein grosser Erfolg und wurde auch im kapitalistischen Ausland als Revueflex (Foto-Quelle, Deutschland), Phokina (Fox, Frankreich), Global (Australien) oder Zenit (ohne Namenszusatz, England) geliefert.
Gegenüber der Zenit 3 wurden einige Modifikationen vorgenommen. Die auffälligste Veränderung erfuhr des Gehäuseoberteil, das für den Schnellspannhebel wieder eine Stufe bekam, auch wurde das Prismengehäuse runder und etwas schlanker gestaltet. Neu findet sich der Auslöser nun auf der Achse des Schnellspannhebels und wird vom Bildzählwerk umgeben. Die Rückspulsperre ist als kleiner Knopf ausgeführt und befindet sich dort, wo bei der Zenit 3 der Auslöser sitzt.
Eine weitere Neuerung ist erst auf den zweiten Blick erkennbar: Während die Zenit 3 wie ihre Vorgänger - Zenit 1 und Zenit C - ein Bodenlader war, besitzt die Zenit 3M nun eine aufklappbare Rückwand. Wegen der aufklappbaren Rückwand wanderte die Seriennummer nun auch von der Zierleiste nach oben auf die Rückseite des Gehäusedeckels, wo sich neu auch das KMZ-Logo und bei Export-Modellen der Schriftzug "Made in USSR" findet.
Eine weitere Änderung ist die Umgestaltung der Zierleisten, die nun auch rund um das Objektiv bzw. den Spiegelkasten führen und nicht mehr silbrig, wie bei der Zenit 3, sondern schwarz lackiert sind.
Zusammenfassend sind die oben beschriebene Änderungen bereits bei der Kristall umgesetzt worden, die bereits ein Jahr vor der Zenit 3M in Produktion ging und noch während einem Jahr weiter parallel hergestellt wurde.
Weitere Informationen zur Zenit 3M:
Zenit 3EM
Dieser Prototyp kann gemäss Seriennummer auf das Jahr 1964 datiert werden. Dokumentiert ist er bei A. Schulz in seinem Buch Zenit von 2003 und auf den Seiten des Herstellers. Die Anzahl der gebauten Exemplare ist nicht bekannt.
Gemäss der Beschreibung darf die Zenit 3EM als Bindeglied zwischen Zenit 3M und Zenit E gelten. Sie verfügt über einen automatischen Rückschwingspiegel (auch Rückkehrspiegel genannt), wie er bereits bei den Kristall 2 Prototypen 1960 umgesetzt wurde. Zusätzlich war die Zenit 3EM mit einem ungekuppelten Belichtungsmesser ausgerüstet, wie wir ihn von der Zenit E her kennen. Das Gehäuse und die Bedienelemente entsprechen dabei weitgehend der Zenit 3M.
Weitere Informationen zur Zenit 3EM:
Zenit 4 / Zenit 5 / Zenit 6
Mit der Zenit 4/5/6-Familie brachte KMZ 1964 eine Kameralinie auf den Markt, die sich trotz einigen interessanten Neuerungen bis zum Ende der Produktion 1968 nicht wirklich gut verkauften. Es wurden zusammen jedenfalls nur knapp 40000 Exemplare produziert. Die wichtigste Weiterentwicklung dürfte dabei sicher der eingebaute Belichtungsmesser sein. Ein Prototyp zu dieser Serie, noch ohne Belichtungsmesser, wurde unter dem Namen Zenit 11 bekannt, hat aber mit der deutlich später produzierten Zenit 11 überhaupt nichts zu tun.
Die Zenit 4, von der zwischen 1964 und 1968 gemäss KMZ 19740 Exemplare hergestellt wurden, ist deutlich höher und auch etwas breiter als ihre Zenit-Vorgänger. Bezüglich dem auswechselbaren Sucher und der Mattscheibe mit dem etwas grobschlächtigen Schnittbild erinnert sie stark an die Start. Der Hauptunterschied zu den bisherigen Spiegelreflexkameras aus dem Hause KMZ ist aber der Zentralverschluss und dem typischen, an der Vorderseite zu findenden Auslöser (vgl. auch Zorki 10 und Zorki 11, welche im gleichen Jahr vorgestellt wurden).
Ebenfalls neuartig war die Führung des Schnellspannhebels, der nicht mehr oben auf dem Gehäuse, sondern innerhalb des Gehäusedeckels geführt wird. Auch das Bildzählwerk ist innerhalb des Gehäusedeckels untergebracht und zeigt die verbleibenden Bilder auf dem Film durch ein Fenster oben im Deckel an. Das Zählwerk beginnt dabei immer bei 36 Bildern und wird durch das Öffnen der Rückwand zurückgesetzt. Zum Rückspulen des Films findet sich links an der Gehäuseseite ein Drehrad mit einer kleinen, ausklappbaren Kurbel. Die Rückspulsperre ist im Kameraboden eingelassen. Ebenfalls am Kameraboden findet sich ein Stativanschluss, der auf der Achse des Objektivs liegt.
Die Selenzelle des Belichtungsmessers an der Kamerafront bewegt eine Nadel in einem Fenster an der Gehäuseoberseite rechts vom Prisma. Durch Drehen des Rades an der linken Gehäuseoberseite wird in diesem Fenster ein kellenförmiger Nachführzeiger bewegt, und bei Übereinstimmung der zwei Zeiger ergibt sich bereits korrekte Belichtung. Die so eingestellte Zeit-Blenden-Paarung kann aber auch über eine ausgeklügelte Mechanik durch Drehen eines Ringes am kameraseitigen Bajonettanschluss ohne Schwierigkeit verändert werden, ohne daß sich dadurch an der korrekten Belichtung etwas ändert. So kann durch Drehung dieses Ringes hinter dem Objektiv beispielsweise frei unter den Möglichkeiten 1/500 Sekunde und Blende 2.8, 1/250 Sekunde und Blende 4 oder 1/125 Sekunde und Blende 5.6 usw. ausgewählt werden. Am Objektiv selbst wird lediglich die Entfernung eingestellt.
Neben dem Objektivbajonett links, hinter den Blenden-/Zeitringen, ist ein Umschalter für die Blitzsynchronisation (X und M) zu finden. Wird dieser Schalter über die X-Postition hinaus weiter nach unten bewegt, wird der mechanische Selbstauslöser aktiviert. Wie Nathan Dayton auf seinen Seiten schreibt, sind diese Selbstauslöser sehr anfällig und sollen manchmal bereits bei der Auslieferung der Kameras defekt gewesen sein. Bei nur einer meiner Kameras aus dieser Familie funktioniert der Selbstauslöser noch, die restlichen sind ebenfalls defekt.
Die Zenit 4/5/6-Familie verwendet ein Bajonett, das ähnlich dem der Voigtländer Bessamatik konstruiert ist. Die Objektive sind allerdings nicht kompatibel und können, wenn überhaupt adaptierbar, nicht auf unendlich fokussiert werden, da das Auflagemass nicht übereinstimmt. Gewisse Objektive lassen sich auch gar nicht zwischen den Systemen tauschen, da das Bajonett nicht völlig kompatibel ist. Das Objektivangebot für die Zenit 4/5/6-Familie war eher bescheiden: Neben dem Standardobjektiv Vega 3 (50mm/2.8) existierten noch das Mir 1ts (37mm/2.8), das Jupiter 25ts (85mm/2.8), das Taïr 38ts (133mm/4) und der Voigtländer Zoomar-Nachbau Rubin 1ts (37-80mm/2.8), der im Set mit der Zenit 6 geliefert wurde.
Ein hübsches und sehr nützliches Detail, das beim Vega 3-Objektiv von Voigtländer-Originalen oder auch den Objektiven der Kodak Retina Spiegelreflex-Linie übernommen wurde, ist die DOF-Anzeige (Schärfentiefenbereich, Deep of Field), welche sich je nach gewählter Blende verändert.
Ein eher seltenes Zubehörteil, das den Zenit 6 offenbar standardmässig mitgeliefert worden sein soll, ist der Schachtsucher mit seiner kleinen, ausklappbaren Lupe, der statt dem üblichen Prismensucher montiert werden kann:
Von der Zenit 5 wurden zwischen 1964 und 1968 insgesamt 11616 Einheiten gebaut. Sie entspricht in grossen Teilen der Zenit 4, hat aber eine entscheidene Neuerung eingebaut: Die Zenit 5 ist die erste sowjetische Spiegelreflexkamera mit Motor für das Spannen des Verschlusses und den Filmtransport. Die entsprechende Elektrik und ein Akku ist im Gehäuseboden untergebracht, der gegenüber dem der anderen Familienmitgliedern etwa 10mm höher ist. Ebenfalls am Gehäuseboden zu finden ist der Anschluss für das Ladegerät und ein wirklich nicht besonders einfach zu bedienender Ein-/Ausschalter. Der Stativanschluss ist konstruktionsbedingt nach rechts versetzt.
Oben rechts auf dem Gehäusedeckel ist statt dem Filmtypmerker ein Behelfsaufzugsknopf montiert, mit dem der Film transportiert und der Verschluss gespannt werden kann, selbst wenn der Akku keine Energie mehr liefert. Apropos Akkus: Oft sind die verwendeten vier leicht überdimensionalen Knopfzellen bereits ausgebaut oder sollten es sein, denn die Gefahr des Auslaufens ist nach inzwischen über vierzig Jahren sehr gross.
Die Zenit 6 wurde ebenfalls von 1964 bis 1968 hergestellt, produziert worden sind dabei 8930 Exemplare. Die Produktion kam erst 1965 mit jährlich etwas über 2000 Einheiten in Gang. Sie entspricht weitgehend der Zenit 4, wurde aber mit Rubin 1ts 37-80mm/2.8 ausgeliefert.
Das Rubin 1ts 37-80mm/2.8 ist ein Nachbau des Varioobjektivs Voigtländer Zoomar 36-82mm/2.8 und damit ein recht frühes, lichtstarkes Zoomobjektiv. Dieses stabile Objektiv bringt knapp ein Kilo auf die Waage, zusammen mit der ebenfalls nicht wirklich leichten Zenit 6 sind es 1.8 kg.
Bei meiner Inspektion konnte ich, bis auf die Beschriftung selbstverständlich, keinerlei Unterschiede zwischen der Zenit 4 und der Zenit 6 finden. Es erstaunt etwas, dass zwei verschieden bezeichnte Modelle sich nur durch das auswechselbare Objektiv unterscheiden, aber es mag ein Beispiel von russischem Marketing darstellen.
Weitere Informationen zur Zenit 4/5/6-Familie:
Zenit 66
Ein weiterer Prototyp wurde etwa 1965/1966 bei KMZ hergestellt: Die Zenit 66 ist die - gemäss Princelle - erste sowjetische Spiegelreflexkamera mit automatischem Rückschwingspiegel (was natürlich nicht ganz stimmt, war doch ein Prototyp der Kristall 2 mit dieser Technologie ausgerüstet). Die Zenit 66 stellt die historische Verbindung zwischen der Zenit 3M und der Zenit B dar. Die Zenit 66 gleicht mehr der Zenit 3, besitzt jedoch keinen Selbstauslöser und ein leicht anders ausgeformtes Prismengehäuse. Auch ein Belichtungsmesser, wie bei der Zenit E, ist nicht vorhanden. Allerdings dokumentiert A. Schulz in seinem Buch Zenit die Zenit 3EM, die ein Jahr früher entstanden sein soll und sowohl über Rückschwingspiegel als auch über einen ungekuppelten Belichtungsmesser verfügt.
Zenit E
Zwischen 1965 und 1982 wurden insgesamt 3334540 Exemplare der Zenit E gebaut, dazu kommen noch 97938 Zenit ES, die als Fotosniper FS-3 mit einem Taïr 300mm/4.5 in den Verkauf gelangten. Die stärksten Produktionsjahre waren 1974 (393657 Exemplare), 1978 (361741 Exemplare) und 1976 (359580 Exemplare). Die Zenit E gilt als erstes Modell der zweiten Generation von KMZ-Spiegelreflexkameras.
Die Bezeichnung "E" soll gemäss Angaben des Herstellers übrigens zu Ehren des KMZ-Direktors N.M. Egorov (1953-1965) gewählt worden sein. Wahrscheintlich ist diese Auslegung aber auch später entstanden und das "E" steht ganz einfach für "Exponometer" (Belichtungsmesser).
Neben den Varianten mit kyrillischer und lateinischer Beschriftung gibt es eine Vielzahl von Modellen, die für Export produziert wurden: Cambron SE (USA), Diramic RF100 (Kanada), Kalimar SR200 und Kalimar SR300 (USA), Meprozenit E (Japan), Phokina und Phokina XE (Frankreich), Prinzflex 500E, Revueflex E (Deutschland) und Spiraflex (USA).
Das Bild links zeigt einen typischen Aufdruck eines Exportmodells der Zenit E, welches für Foto-Quelle in Deutschland produziert und unter dem Namen Revueflex E vermarktet wurde.
Die Zenit E verfügt über einen ungekuppelten Selen-Belichtungsmesser, der am Prismengehäuse angebracht ist und eine Nadel in einem Fenster links neben dem Prisma im Gehäusedeckel bewegt. Über den Drehknopf links oben wird ein kleiner kellenförmiger Nachführzeiger in diesem Fenster mit der Nadel in Übereinstimmung gebracht, um die Belichtungszeit-/Blendenkombination zu ermitteln, welche dann am Zeitenrad respektive an der Blendenskala des Objektivs eingestellt wird.
Über einen Knopf zwischen Zeitenrad und Schnellspannhebel auf der Gehäuseoberseite kann die Rückspulsperre gelöst werden. Das Rückspulen des Films erfolgt über den herausziehbaren Knopf im Zentrum des linken Drehknopfs, wie das auch bei früheren Modellen üblich war.
Die Zenit E verfügt als erste in Serie hergestellte Kamera von KMZ über einen automatischen Rückschwingspiegel (auch Rückkehrspiegel genannt), wie er zuvor erst in wenigen Prototypen realisiert wurde: 1960 in einem der Kristall 2 Prototypen und 1964 in der Zenit 3EM, ebenfalls einem recht seltenen Protrotypen, der als Schritt von der Zenit 3M zur Zenit E gelten darf. Jean Loup Princelle schreibt in seinem Buch zwar, die ersten 50000 Exemplare der Zenit E wären ohne Rückschwingspiegel ausgeliefert worden. Nach intensiver Beschäftigung mit diesen Kameras kann ich das allerdings nicht bestätigen, mir ist bisher noch keine Zenit E ohne Rückschwingspiegel begegnet und auch andere Experten teilen diese Meinung.
Frühe Zenit E-Modelle verfügen teilweise über einen ZM39-Anschluss, spätere Versionen - wohl etwa ab 1967 durchgehend - nur noch Anschlüsse mit M42-Schraubgewinde. Obwohl mir keine konkreten Zahlen vorliegen, sind die Modelle mit ZM39-Anschluss doch recht selten.
Der Zubehörschuh war erst bei späteren Modellen, bei der Zenit E wohl ab 1976/1977, fest am Gehäuse montiert. Vorher verfügten neben der Zenit E auch die Zenit B, die Zenit 7 und die Zenit 4/5/6-Familie über auf den Sucherrand aufsteckbare Zubehörschuhe. Die letzte Variante besitzt etwas längere Stege, ansonsten sind sie kompatibel.
Zwischen 1973 und 1986 wurden auch bei MMZ/BelOMO um die fünf Millionen Zenit E hergestellt, die allerdings wegen ihrer mangelhaften Qualität nicht sonderlich beliebt waren.
Weitere Informationen zur Zenit E:
Zenit B
Die Zenit B (gelegentlich auch als Zenit V bezeichnet) ist eine reduzierte Zenit E ohne Belichtungsmesser. Zwischen 1968 und 1978 wurden 889617 Einheiten davon hergestellt. Das stärkste Produktionsjahr war 1972, wo 205441 Exemplare entstanden. Neben den kyrillisch und lateinisch beschrifteten Varianten gab es noch OEM-Versionen unter den Namen Cambron B (USA), Global (Australien), Meprozenit Pro (Japan), Phokina (Frankreich), Prinzflex und Prinzflex 500, Revueflex B (Foto-Quelle, Deutschland).
Die Bezeichnung "B" (kyrillisch "V") wurde zu Ehren des KMZ-Direktors L.A. Voronin gewählt, der sein Amt zwischen 1965 und 1968 bekleidete.
Von Anfang an verfügte die Zenit B über einen Rückschwingspiegel, die technischen Daten entsprechen ansonsten weitgehend denen der Zenit E, bis auf den fehlenden Belichtungsmesser natürlich.
Bereits während dem ersten Produktionsjahr (1968) wurde der Objektivanschluss von ZM39 zu M42 geändert und es darf davon ausgegangen werden, dass die Mehrheit der produzierten Zenit B über einen M42-Schraubanschluss verfügten.
Weitere Informationen zur Zenit B:
Zenit 7
In einer kleinen Serie von nur 3024 Exemplaren wurde die Zenit 7 zwischen 1968 und 1971 produziert, Prototypen und eine Vorserie wurden bereits ein, zwei Jahre früher hergestellt. Sie darf als erste Zenit der 3. Generation gelten, zeichnet sich durch eine Springblendensteuerung und einen dreifachen Objektivanschluss aus. Sie ist eng mit der Zenit D verwandt.
Die Zeiten des mechanisch gesteuerten Verschlusses der Zenit 7 lassen sich zwischen 1 bis 1/1000 Sekunde einstellen, die Blitzsynchronisationszeit liegt bei 1/125 Sekunde. Der Auslöser findet sich an der Front der Kamera und kann unten am Auslöseknopf einen Drahtauslöser aufnehmen. Über einen Selbstauslöser verfügen nur die Prototypen und zum Teil die Vorseriemodelle der Zenit 7, die Serienmodelle besitzen diese Mechanik nicht.
Aber nicht nur durch den Selbstauslöser unterscheiden sich die frühen Modelle von der Produktion ab 1969. Die ersten Prototypen verfügten über ein graues Prismengehäuse, die Vorserienmodelle, von denen es gemäss Princelle etwa 200 Exemplare gegeben haben dürfte, teilen mit den Prototypen auch die Beschriftung mit einer "7" auf einem silbrigen Schildchen vorne am schwarzen Prismengehäuse und der kyrillischen Beschriftung links vorne am Gehäusedeckel. Die späteren Modelle verfügten ebenfalls über ein schwarzes Prismengehäuse, an dem ein schwarzes Schildchen mit silbriger kyrillischer Beschriftung "Zenit 7" prangt.
Einzigartig ist der dreifache Objektivanschluss der Zenit 7 und auch der Zenit D, der folgende Anschlüsse in sich vereint:
Das tragende Element dieses dreifachen Objektanschlusses der Zenit 7 ist also der oben mehrfach erwähnte Adapterring. Das folgende Bild zeigt das Objektiv Helios 44-7, den Adapterring und die Kamera:
Mit der Zenit 7 geliefert wurde das Objektiv Helios 44-7 (oben abgebildet, nicht zu verwechseln mit dem Helios 44M-7, einer viel späteren M42-Variante des Helios 44-Standardobjektivs mit Springblende), eine spezielle Variante des bekannten Objektivs mit M42-Schraubgewinde, das wegen seiner Adaption für die Springblende an keinem anderen Gehäuse mit M42-Anschluss verwendet werden kann.
Anscheinend waren die Produktionskosten für die Zenit 7 zu hoch, so dass das Projekt nach zwei Jahren wieder eingestellt wurde.
Weitere Informationen zur Zenit 7:
Zenit D / Zenit Automat D
Entwickelt ab 1967 und zwischen 1969 und 1970 in kleiner Serie gebaute wurde die Zenit D, die wie die Zenit 7 über einen dreifachen Objektivanschluss verfügt. Von den mehreren hundert produzierten Einheiten sind nur 63 fertiggestellt worden. Ein Hauptproblem seien hochqualitative magnetische Legierungen gewesen, die in dieser Zeit fehlten. Das machte die Zenit D sehr fehleranfällig. Trotzdem wurden verschiedene Technologien dieser Kamera später bei der Zenit 19 (1979) und der Zenit 18 (1980) erfolgreich umgesetzt.
Die Zenit D entspricht von der Technik her weitgehend der Zenit 7, mit einem kleinen aber entscheidenden Unterschied: Die Zenit D verfügt über einen elektronisch gesteuerten Verschluss mit freier Einstellung der Belichtungszeit und Automatikmodus (Zeitautomatik mit Blendenvorwahl, auch Blendenpriorität genannt). An der Front, rechts neben dem Objektiv, befindet sich eine Taste zur Aktivierung des Belichtungsmessers, durch ein rotes LED im Sucher wird die korrekte Belichtung signalisiert.
Ansonsten wurden gegenüber der Zenit 7 hauptsächlich die Bedienungselemente variiert. Die langsamste Verschlusszeit von 1 Sekunde der Zenit 7 wurde bei der Zenit D auf 1/2 Sekunde verkürzt. Während die Zenit 7 teilweise über einen Selbstauslöser verfügt, scheint der der Zenit D zu fehlen.
Ein besonders neckisches Detail ist sicher die Rückspulkurbel. Sie ist oben auf der rechten Kameraseite versteckt und kann durch eine Drehung im Uhrzeigersinn gelöst und ausgefahren werden. Das dann erscheinende "Stäbchen" faltet sich federbelastet selbständig zu einer kleinen Kurbel. Auffällig ist nebenbei auch der Batteriedeckel, der sich gleich neben der ausfahrbaren Kurbel auf der Kameraoberseite findet.
Das standardmässig mitgelieferte Objektiv ist ein Helios 44-D 58mm/2 für das M42-Gewinde, welches ausschliesslich mit der Zenit D verwendet werden kann. Es verfügt über eine spezielle Mechanik, die die Blendensteuerung durch die Kamera ermöglicht (Springblende) und über einen Mitnehmer, der die gewählte Blende ins Gehäuse überträgt, um dort mittels horizontal verschieblichem Zeiger an der Oberkante des Sucherbildes den eingestellten Blendenwert anzuzeigen.
Rund zehn Jahre nach dem Erscheinen der Zenit D tauchte dasselbe Modell unbeschriftet in komplett schwarzem Gehäuse und mit einem Motor erweitert wieder als Geheimdienstkamera auf. Die Seriennummern deuten dabei auf das Baujahr 1979 hin. Diese Variante der Zenit D wurde zusammen mit einem 500-3000mm-Spiegeltelezoomobjektiv zur Fernbeobachtung unter der Bezeichnung "Negus" offenbar vom KGB entwickelt und verwendet. Die gesamte Konstruktion wiegt um die 150 kg. Es sollen davon allerdings nur vier Exemplare gefertigt worden sein, von den Nachfolgern (Negus 2) mit S-206 "Zola" als Kamera dürften es ein paar mehr gewesen sein.
Weitere Informationen zur Zenit Automat D:
Zenit BM
In einer Vorserie von 1239 Exemplaren wurde die Zenit BM (gelegentlich auch als Zenit VM bezeichnet) zwischen 1972 und 1973 hergestellt. Abgeleitet von der Zenit B verfügt die Zenit BM über keinen Belichtungsmesser, ist sonst aber ähnlich ausgestattet. Ein markanter Unterschied ist, dass die Zenit BM wie auch die Zenit EM über eine Springblendensteuerung verfügt. Zudem ist der Auslöser gegenüber der Zenit B wieder von der Achse des Schnelltransporthebels verschwunden und zusammen mit der Rückspulsperre zu einem eigenen Knopf geworden, ähnlich dem der Zenit C und ihrer Nachfolger.
Von der Zenit BM sind verschiedene Varianten der Beschriftung bekannt, auch unterscheiden sich die Montageorte der Gurtbefestigungsösen, machmal fehlen sie auch ganz. Der Prototyp der Zenit BM soll als Zenit R1 bezeichnet worden sein.
Weitere Informationen zur Zenit BM:
Zenit EM
Die Zenit EM entspricht der Zenit BM, verfügt aber wie die Zenit E über einen ungekuppelten Belichtungsmesser. Es wurden davon zwischen 1972 und 1988 insgesamt 979140 Exemplare hergestellt. 1978 war das Jahr mit der grössten Produktion dieses Modells mit 135537 Einheiten. Die Zenit EM wurde auch unter den Namen Cosmorex SE (USA) und Revueflex-EM (Foto-Quelle, Deutschland) vertrieben.
Bei der Zenit EM handelt sich um die erste in grosser Serie hergestellte Spiegelreflexkamera mit Springblendensteuerung. Ein interessantes Detail ist die integrierte Schärfentiefenvorschau, die aktiviert wird, wenn der Auslöser halb gedrückt wird; ein simples und ebenso geniales Prinzip übrigens! Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass natürlich Objektive mit Springblende verwendet werden müssen, die man am "M" am Ende der Objektivbezeichnung erkennt (zB. Helios 44M).
Diese Objektive unterscheiden sich übrigens auch in der Anordnung des Blendenrings von den nicht für den Springblendenbetrieb geeigneten Objektiven, da der Blendenring bei geeigneten Objektiven auf der Gehäuseseite angebracht ist, bei den ungeeigneten hingegen ist er in der Regel ganz vorne am Objektiv zu finden.
Weitere Informationen zur Zenit EM:
Zenit 16
Als Nachfolger der Zenit 7 darf die Zenit 16 gelten, von der zwischen 1972 und 1977 insgesamt 11124 Exemplare hergestellt wurden. Sie gehört zur 3. Generation der Zenit-Kameras. Die Produktion lief erst ab 1975 richtig an, 1976 wurden mit 5270 Einheiten die meisten Kameras dieses Typs produziert. Das wuchtig breite Prismengehäuse lässt diese Kamera grösser erscheinen, als sie in Wirklichkeit ist.
Technisch ist die Zenit 16 eine sehr innovative Kamera. Neben dem etwas gedrungen wirkenden Plastikgehäuse fällt bestimmt gleich auch die nach unten aufklappende Rückwand auf, die beim Filmwechsel sicher bequemer ist, auch als bei einer zur Seite ausklappbaren Rückwand. Aber auch die inneren Werte können sich durchaus sehen lassen: Der Verschluss ist ein vertikal laufender Tuchverschluss, der sich allerdings als eine der grössten Schwachstellen dieser Kamera erwies.
Ungewöhnlich bei der Zenit 16 ist auch der Auslöser, der sich an der Kamerarückseite befindet und mit dem Daumen bedient werden musste. Die Verschlusszeiten, die oben links um den Rückspulkurbel eingestellt werden können, sind zwischen 1/15 und 1/1000 Sekunde einstellbar. Der ergonomisch nicht sonderlich gelungene Schnellspannhebel beherbergt auf seiner Achse einen Merker, der den Filmtyp in sechs Positionen versinnbildlicht. Die Filmempfindlichkeit wird am Kameraboden über ein Rädchen eingestellt. Ebenfalls am Boden findet sich der Knopf für die Rückspulsperre.
Der Suchereinblick ist auf 22x33mm begrenzt, was etwa 84% des Blickfeldes entspricht. Der Sucher besitzt eine Mattscheibe mit einem Mikroprismenring, darunter werden zwei rote LED eingeblendet, welche bei der Betätigung der Abblendtaste an der Gehäusefront aufleuchten; bei einer drohenden Überbelichtung leuchtet die linke, bei Unterbelichtung die rechte LED, wenn beide gleichzeitig leuchten, ist die Belichtung optimal eingestellt.
Es wird von Princelle die Geschichte erzählt, dass einige unzufriedene Moskauer Fotografen ihre Zenit 16 an der Wand der KMZ-Verkaufsstelle schnellzerlegt hätten, aus lauter Frust über den schlecht funktionierenden Verschluss. Man munkelt zudem, dass KMZ viele Zenit 16 gegen unproblematischere Modelle wie die Zenit EM getauscht und die Sorgenkinder der Vernichtung zugeführt hätten.
Weitere Informationen zur Zenit 16:
Zenit BE / Zenit BE2
Bei der Zenit BE (geschrieben Zenit ВЭ, gelegentlich auch als Zenit VZ bezeichnet) handelt es sich um eine Sonderversion der Zenit B, die für den wissenschaftlichen Einsatz modifiziert ist, beispielsweise für die Adaption an ein Mikroskop oder ein Endoskop. Es sind davon zwischen 1972 und 1985 insgesamt gerade mal 1506 Exemplare produziert worden. Dieses Modell wurde in der langen Zeit immer in sehr kleinen Stückzahlen gebaut, 1979 ist mit gerade mal 201 Einheiten das Jahr mit der grössten Produktion.
Man kann annehmen, dass gerade im Bereich Endoskopie die Zenit BE als Vorgänger der Zenit MT-1 gelten darf, zumindest was die Anwendung angeht. Ihre Fortsetzung fand die Zenit BE auch in der Zenit "Labor", einer geheimnisvollen, völlig unbeschrifteten Kamera auf der Basis der Zenit TTL und der Zenit 11.
Im Gegensatz zur Zenit "Labor" verfügen die Zenit BE-Modelle über ein normales Prisma, aber einen modifizierten Sucher (Princelle spricht von einem circular viewing screen, also von einem kreisrunden Sucherbild, wie das bei Endoskopkameras üblich ist). Ansonsten scheint es sich um normale Zenit B-Modelle zu handeln.
Weitere Informationen zur Zenit BE:
Zenit MT "Surpris"
Basierend auf der Zenit 16 wurde die Zenit MT als Endoskopiekamera entwickelt und zwischen 1973 bis 1975 hergestellt. Über die produzierten Stückzahlen ist nichts bekannt, es dürften allerdings nur wenige gewesen sein, da auch dieses Modell offenbar unter denselben Verschlussproblemen litt, wie auch die Zenit 16.
Die Technik ist wie auch das Gehäuse weitgehend von der Zenit 16 übernommen, es kommen aber nur Zeiten von 1/15 bis 1/250 Sekunden zum Einsatz. Wie auch beim Nachfolger Zenit MT-1 ist die Zenit MT eine Halbformatkamera, dh. es werden auf einem normalen Kleinbildfilm für 36 Bilder 72 hochformatige Aufnahmen mit 18x24mm belichtet.
Der auffälligste optische Unterschied zwischen der Zenit 16 und der Zenit MT ist wohl die silbrige Front oberhalb des Objektivs, auf dem der Markenname "Zenit" klein rechts unterhalb der Modellbezeichnung "Surpris" prangt.
Zenit 12M
Eine Weiterentwicklung der Zenit EM und damit ein Schritt zur Zenit TTL war die Zenit 12M, deren Existenz lediglich durch eine Bedienungsanleitung beim Hersteller dokumentiert sein soll. Diese Bedienungsanleitung stammt aus dem Jahr 1976, was einen Rückschluss auf das Baujahr dieser Kamera zulässt.
Als Verantwortlicher für die Entwicklung wird mitunter N.M. Marenkov genannt. Es ist nicht ganz klar, ob die Zenit 12M tatsächlich aus seiner Hand stammt, auch wenn das "M" in der Bezeichnung durchaus darauf hindeuten könnte.
Weitere Informationen zur Zenit 12M:
Zenit TTL
Eine der neben der Zenit E meistverbreiteten russischen Spiegelreflexkameras ist die Zenit TTL mit zwischen 1977 und 1985 insgesamt 1632212 gebauten Exemplaren. Das produktionsstärkste Jahr war mit Abstand 1981, wo 408765 Einheiten hergestellt wurden.
Anfänglich war die Zenit TTL auch unter der Bezeichnung Elektro Zenit oder Elektro Zenit TTL (nicht zu verwechseln mit der Zenit Elektro, dem Prototyp der Zenit 19 von 1976) bekannt, wobei eher weniger als 1000 Exemplare mit dieser Bezeichnung existieren dürften. Der Familienname war allerdings damals schon mit "12" festgelegt, wie er schon beim direkten Vorläufer Zenit 12M verwendet wurde.
Technisch entspricht die Zenit TTL der Zenit EM, wobei neu an Stelle des Selenbelichtungsmessers (das Licht wird zur Erzeugung einer Spannung benutzt, es ist dadurch keine zusätzliche Stromquelle nötig) eine CdS-Zelle (Fotowiderstand, ein Halbleiter aus Cadmiumsulfid) zum Einsatz kommt. Die Anzeige der gemessenen Belichtung erfolgt durch eine Nadel im Sucher. Das Zeitenrad ist gegenüber der Zenit EM auch etwas gewachsen und dadurch handlicher geworden, vor allem aber dreht es sich nicht mehr beim Auslösen bzw. beim Spannen des Verschlusses, wie das bei allen Vorgängermodellen noch üblich war.
Keinen direkten Zusammenhang mit dem neu konzipierten Zeitenrad dürfte eine weitere Veränderung der Zenit TTL gegenüber ihren Vorgängern haben, obschon sie den Aufbau des Zeitenrads betrifft: Eine Veränderung der Synchronisationszeit ist bei diesem Modell nicht mehr möglich. Eine weitere Neuerung ist die ausklappbare Kurbel im Rückspulknopf.
Zwischen 1977 und 1985 wurden auch bei MMZ/BelOMO etwa eine Million Zenit TTL hergestellt, die von der Qualität her allerdings nicht an der Originale von KMZ heran reichten.
Weitere Informationen zur Zenit TTL:
Zenit 19
Zwischen 1979 und 1987 wurden 121993 Exemplare der Zenit 19 hergestellt, die als wichtiger Meilenstein der 3. Generation von Zenit-Kameras gelten darf. Erste Prototypen unter der Bezeichnung Zenit Elektro wurden bereits 1976 hergestellt, gefolgt von Vorserien 1977 bis 1978 als Zenit T1. Die Zenit 19 gilt auch als Basis für die Zenit MT-1 "Surpris" und den automatischen Nachfolger Zenit 18.
Auffällig an der Zenit 19 ist das wuchtige, eckige Prismengehäuse, das den pyramidenähnlichen Aufbau der Vorgänger (Zenit TTL beispielsweise) ablöste. In der Weiterentwicklung verschwindet dieses optische Attribut spätestens mit der Zenit Automat bald wieder, aber in der Zwischenzeit wird es noch für einige Modelle weiterverwendet, zB. bei der bereits oben erwähnten Zenit MT-1, der Zenit 18 und zum Teil bei der Zenit 20-Familie.
Zum Öffnen des Rückdeckels wird neu der Rückspulhebel im linken Knopf auf dem Gehäusedeckel herausgezogen, was den seit der Zenit 3M benutzten Verschluss an der Kameraseite ablöste. Der Rückspulknopf ist auf dem Deckel hinter dem Auslösers angeordnet und blau eingefärbt. Links auf dem Deckel findet sich ein zusätzlicher, roter Knopf, der zur Batterieprüfung dient und an der Kamerarückseite eine rote LED aufleuchten lässt, bei ausreichender Energie. Der Rückdeckel ist (zumindest bei den späteren Versionen) abnehmbar und kann durch eine Datenrückwand ersetzt werden, wie sie auch von der Zenit MT-1 her bekannt ist.
Bezüglich der Technik kam bei der Zenit 19 erstmals ein vertikal ablaufender Lamellenverschluss aus Metall zum Einsatz. Die Verschlusszeiten reichen bis 1/1000 Sekunde, die Synchronzeit wurde während der Produktion von 1/60 auf 1/125 Sekunde verkürzt.
Der Sucher der Zenit 19 verfügt über einen doppelten Prismenring, jedoch nicht über ein Schnittbild, wie die Zenit 18. Rechts im Sucherbild wird die Nadel des Belichtungsmessers angezeigt, welche über die Veränderung von Blende und Zeit in die Waagerechte gebracht werden muss, um eine korrekte Belichtung zu erreichen.
Eine kleine Zahl Zenit 19 dienten 1981 auch als Vorserie für den Foto-Snaiper FS-4M, wobei allerdings nur 20 Einheiten dieser Variante gebaut wurden. Der Hersteller weist die FS-4(M) zwar in seiner Produktionsliste aus, da dabei die Zenit 19 - im Gegensatz zu anderen Foto-Snaiper-Kameras - nicht modifiziert werden mussten, dürfte es sich um gewöhnliche Serienmodelle gehandelt haben.
Weitere Informationen zur Zenit 19:
Zenit MT-1 "Surpris"
Diese von der Zenit 19 abgeleitete Spezialkamera für die Endoskopie mit dem hübschen Beinamen Surpris ("Überraschung") wurde etwa zwischen 1979 und 1990 hergestellt. Produktionszahlen sind nicht bekannt, aber viele dürften es nicht gewesen sein, auch wenn diese Kameras nicht ganz so selten angeboten werden.
Die Zenit MT-1 ist gegenüber der Zenit 19 in verschiedener Hinsicht modifiziert. So besitzt sie teilweise ein Bajonett, das dem bei der Zenit 7 verwendete Praktina-ähnliche Bajonett entspricht, grösstenteils kam aber ein M42-Schraubgewinde zum Einsatz. Das Filmformat ist bei ersterem auf 18x24mm oder 24x24mm beschränkt, von der M42-Ausführung gibt es Varianten mit 18x24mm, 24x24mm oder 36x24mm-Vollformat, wobei das Erstere auch das Verbreitetste zu sein scheint. Die Modelle mit kleineren Bildformaten besitzen ein entsprechend angepasstes Bildzählwerk mit typischerweise 72 Bildern.
Im Gegensatz zur Zenit 19 verfügt die Zenit MT-1 über keinen Zubehörschuh, auch fehlt ein Belichtungsmesser und die Möglichkeit zur Einstellung der Filmempfindlichkeit. An der entsprechenden Stelle im Kameraboden, wo sich bei der Zenit 19 die Einstellscheibe für die Filmempfindlichkeit befindet, ist lediglich ein Merkrädchen für die Filmsorte vorhanden (Kunstlicht, Farbfilm und Schwarzweissfilm, jeweils positiv und negativ). Es gibt zwar einen Knopf zur Schärfentiefenkontrolle, der allerdings zuerst gedreht und erst dann gedrückt werden kann. Wie sinnvoll diese Einrichtung allerdings mit einem Endoskopadapter sein mag, der über gar keine Blende verfügt, erschliesst sich mir nicht ganz.
Eine weitere Abweichung zur Zenit 19 stellt die Datenrückwand dar (vgl. Bild links), welche sich an der seitlich ausklappbaren Rückwand befindet und über ein Kabel mit einer zusätzlichen Synchronisationsbuchse an der Kamerafront der Zenit MT-1 verbunden ist. Die Datenrückwand erlaubt das Einsetzen von drei Knopfbatterien und belichtet eine Zahl zwischen 1 und 30 (oder 31?) von hinten auf den Film, in der Helligkeit abhängig von der zusätzlich einstellbaren Filmempfindlichkeit. Tom Piel beschreibt, dass solche Datenrückwände auch zusammen mit der Zenit 19 und später der Zenit 18 ausgeliefert wurden. Im Gegensatz zur Zenit MT-1 verfügen diese Modelle aber über keine zusätzliche Synchronisatonsbuchse, so dass die Datenrückwand jeweils mit der Blitzbuchse verbunden wurden.
Weitere Informationen zur Zenit MT-1:
Zenit 18
Ein Prototyp der Zenit 18 wurde bereits 1977 gebaut und 1978 der Fachpresse vorgestellt. Zwischen 1980 und 1987 wurden insgesamt nur 7001 Zenit 18 hergestellt, die sich vom Aussehen her kaum von der Zenit 19 unterscheidet.
Die wichtigste Neuerung ist die "A"-Position auf dem Zeitenrad, die auf eine Zeitautomatik mit Blendenpriorität hindeutet, dh. es kann eine Blende vorgewählt werden und die Belichtungszeit wird von der Automatik gesteuert. Es handelt sich folglich um die erste automatische Spiegelreflexkamera von KMZ, die in Serie hergestellt worden ist. Sie folgt dabei der Zenit D, die es leider nie zur Serienproduktion schaffte.
Der Sucher verfügt über ein Schnittbild mit umgebendem Mikroprismenring. An der rechten Seite des Sucherbildes zeigt eine Nadel bei halbgedrücktem Auslöser die Belichtungsmessung an. Die Einteilung ist allerdings eher spartanisch, es wird eigentlich nur die Position 1/30 Sekunde ausgewiesen. Besonders im manuellen Betrieb ist deshalb eine korrekte Messung nur schlecht möglich, ausser man wählt eben 1/30 Sekunde Belichtungszeit oder tastet sich über die Blendenrasterung an die gewünschte Belichtungszeit heran.
Im Gegensatz zur Zenit 19 verfügt die Zenit 18 über keine Schärfentiefenkontrolle am Gehäuse, es kann aber die Umschaltung zwischen Automatik- und Arbeitsblende am Objektiv für denselben Zweck verwendet werden. Die Filmempfindlichkeitseinstellung findet sich auch nicht mehr am Kameraboden, sondern links oben unter dem Filmrückspulknopf. Ebenfalls verändert wurde die Position der Blitzbuchse, die von der Front links ins Prismengehäuse gewandert ist, bei der Zenit 18. Weiter fassen die beiden Batteriefächer im Boden der Zenit 18 insgesamt vier Knopfbatterien, bei der Zenit 19 waren es noch deren zwei. Die seitlich ausklappbare Rückwand ist zumindest bei späteren Modellen der Zenit 18 austauschbar, was die Möglichkeit eröffnet, eine Datenrückwand wie die der Zenit MT-1 anzuschliessen. Ein interessantes Detail ist der Mechanismus, der links neben dem Sucher über ein kleines Hebelchen betätigt wird und den Sucher mit einer innenliegenden Klappe verschliessen kann, und der später auch an der Zenit Automat Verwendung fand. Die Blitzsynchronzeit liegt bei der Zenit 18 bei 1/125 Sekunde.
Als Standardobjektiv wurde der Zenit 18 das speziell auf diese Kamera abgestimmte Zenitar ME-1 50mm/1.7 mitgeliefert. Dieses eigenartige Objektiv verfügt über eine viereckige (!) Blende, die aus zwei L-förmigen Teilen besteht, die gegeneinander verschoben werden. Zudem ist das Objektiv mit Springblende und einer einfachen Elektronik zur Offenblendenbelichtungsmessung und analogen Signalübertragung zur Kamera ausgerüstet.
Weitere Informationen zur Zenit 18:
Zenit ET
Die Zenit ET ist ein direkter Nachfahre der Zenit EM, welche allerdings auch Merkmale der Zenit TTL übernommen hat. Sie wurde nur 1981 und 1982 hergestellt, wobei insgesamt 61099 Exemplare entstanden sind.
Wie die Zenit EM verfügt die Zenit ET über einen ungekuppelten Belichtungsmesser und über eine Springblendenmechanik, wie bei der Zenit TTL kommt ein sich nicht mehr mitdrehender Zeitenknopf zum Einsatz. Darüber hinaus besitzt die Zenit ET einen Zubehörschuh mit eingebautem Mittelkontakt zur Blitzauslösung, zusätzlich zur an der Front angebrachten Blitzbuchse.
Es soll auch wenige Zenit ET ohne Springblendensteuerung geben, weitere Informationen zu dieser Abart liegen mir allerdings nicht vor.
Ab etwa 1984 wurden auch bei MMZ/BelOMO gegen drei Millionen Zenit ET hergestellt, anfänglich identisch zum Original von KMZ, später mit einem CdS-Belichtungsmesser. Zu letzteren bemerkt Princelle: This model is frequently a real disaster.
Weitere Informationen zur Zenit ET:
Zenit 20 / Zenit 21 / Zenit 22
Bei diesen Prototypen, welche zwischen 1982 und 1985 entwickelt wurden, handelt es sich wahrscheinlich um direkte Vorläufer der Zenit Automat. Es handelt sich zum Teil um halb-, zum Teil um vollautomatische Kameras mit K-Bajonett. Die Zenit 21 und die zweite Version der Zenit 22 verfügten offenbar um ein Gehäuse, das dem der Zenit 19 und deren Abarten ähnlich sieht. Möglicherweise gehört auch die Zenit 18M in diese Kamera-Familie, da deren Bodenpartie durchaus zu den mir vorliegenden Bildern einer Zenit 20 bzw. 22 passt.
Es ist zu bemerken, dass die Bezeichnungen 20, 21 und 22 jeweils für verschiedene Prototypen und Projekte verwendet wurden. Auch die Bezeichnungen Zenit MK und Zenit 23 tauchen in dieser Familie als Projekte auf. Bis auf die fünf 1984/1985 entstandenen Prototypen der Zenit 22 sind keine offiziellen Angaben darüber bekannt, von welchen Projekten tatsächlich Prototypen existierten.
Zenit 10
Die Zenit 10, gebaut 1981 und 1982 mit nur 19865 Exemplaren, ist eine Mischung zwischen Zenit TTL und Zenit ET. Ohne Springblendenmechanik, aber mit einem ungekuppelten Belichtungsmesser mit Nadelanzeige in einem Fenster, wie bei der Zenit ET, verfügt die Zenit 10 über die TTL-Messung wie die Zenit TTL. Princelle mutmasst, dass sowohl die Zenit 10 wie auch die Zenit ET gebaut wurden, um entweder Ersatzteilbestände der Zenit E abzubauen, oder aber um den Markt mit günstigeren Modellen zu beliefern. Die Zenit 10 wurde typischerweise mit Helios 44-2 Objektiven älteren Jahrgangs als die Kamera selber ausgeliefert, was für die erste Erklärung betreffend dem Grund für die Produktion der Zenit 10 sprechen dürfte.
Weitere Informationen zur Zenit 10:
Zenit 11
Weit verbreitet ist die Zenit 11, von der zwischen 1981 und 1992 insgesamt 1481022 Exemplare gebaut wurden. Das produktionsstärkste Jahr war 1983, in dem 278224 Einheiten hergestellt wurden. Die Produktion lief bereits 1990 aus, 1992 wurden nocheinmal 256 Exemplare nachgeschoben. Diese Zenit 11 hat nebenbei nichts mit dem 1964 entstandenen gleichnamigen Prototyp der Zenit 4/5/6-Familie zu tun.
Technisch entspricht die Zenit 11 weitgehend der Zenit ET und war wohl für den Massenmarkt gedacht. Eine kleine Änderung hat es beim Auslöser gegeben, der jetzt pilzförmig aufgebaut ist. Ebenfalls neu ist der Filmhalter an der Rückwand, in den zur Erinnerung ein Teil der Filmverpackung eingesteckt werden kann. Die Mattscheibe ist mit einem Mikroprismenring ausgestattet, der als Einstellhilfe dient.
Die Zenit 11 wurde ebenfalls unter der Bezeichnung Zenit SLX in England und als Delta 3 in den USA angeboten. Auch MMZ/BelOMO produzierte die Zenit 11 in den Jahren 1985 und 1986, Produktionszahlen liegen mir aber nicht vor.
Weitere Informationen zur Zenit 11:
Zenit 12 / Zenit 12SD / Zenit 12XP
Die Zenit 12-Familie (Zenit 12, Zenit 12SD und Zenit 12XP) vereint diverse Technologien der Zenit TTL und der Zenit 11 in sich. Im Prinzip ist die Zenit TTL die erste Vertreterin der Zenit 12-Familie, bzw. der Prototyp Zenit 12M. Von allen Angehörigen der Zenit 12-Familie zusammen wurden zwischen 1983 und 2000 insgesamt 2113685 Einheiten hergestellt.
Die Zenit 12, von der zwischen 1983 und 1994 94489 Exemplare gebaut wurden, verfügt über die TTL-Belichtungsmessung von der Zenit TTL, von der Zenit 11 wurde der Mittelkontakt im Zubehörschuh, der pilzförmige Auslöser und die Rückwandöffnung durch den herausziehbaren Rückspulhebel im linken Knopf auf dem Gehäusedeckel übernommen. Wie auch die Zenit TTL benötig die Zenit 12 eine Batterie zur Belichtungsmessung.
Die Zenit 12SD, von welcher zwischen 1983 und 1994 insgesamt 468956 Exemplare gebaut wurden, entspricht weitgehend der Zenit 12. Der bemerkenswerteste Unterschied ist die Belichtungsmesseranzeige, die nicht wie noch bei der Zenit 12 über einen Zeiger im Sucher funktioniert, sondern über entsprechende LEDs für Unter- oder Überbelichtung bzw. für die korrekte Belichtungseinstellung.
Bei der Zenit 12XP handelt es sich um die Export-Version der Zenit 12SD. Es wurden davon zwischen 1983 und 2000 insgesamt 1550240 Exemplare gebaut. Es handelt sich damit also um eines der meistgebauten Zenit-Modelle. Die Zenit 12XP gilt als qualitativ hochwertig und sehr gut verarbeitet. Sie ist gerade in Europa weit verbreitet.
In den letzten Jahren der Produktion der Zenit 12XP und auch der Zenit 12CD - etwa ab 1989/1990 - wurde das Design der Kamera leicht überarbeitet und namentlich der Gehäusedeckel und der Boden neu aus Kunststoff gefertigt. Das Prismengehäuse verlor dabei die spitze, dreieckige Form und wurde an das der Zenit 122 angeglichen, inklusive dem integrierten Zubehörschuh mit Mittelkontakt. Am Boden findet sich bei diesen Modellen der Text "Made in Russia" neben dem KMZ-Logo.
Während bei den Zenit 12 und den frühen Zenit 12XP bzw. 12CD verschiedene Varianten des Helios 44-Standardobjektivs zum Einsatz kamen, wurden die späten Zenit 12XP typischerweise mit einem billigen, in Plastik gefassten Zenitar M2s 50mm/2.0 Objektiv ausgeliefert.
Modelle der Zenit 12SD und der Zenit 12XP sollen zwischen 1985 und 1986 unter der Bezeichnung Zenit 15 ausgeliefert worden sein, so Princelle in einer Fussnote. Allerdings fällt dabei auf, dass genau in diesen Jahren eine Zenit 15 von MMZ/BelOMO produziert worden ist, so dass ich eine Verwechslung diesbezüglich nicht ganz ausschliesse.
Neben den regulären Modellen fanden diverse Mitglieder der Zenit 12-Familie bei verschiedenen Varianten des Foto-Snaiper FS-12 Verwendung. Insgesamt 179979 Exempare der diversen Zenit 12-Derivate wurden zwischen 1982 und 1995 als Zenit 12S oder Zenit 12XPS zusätzlich produziert. In diesen Zahlen enthalten sein dürften auch noch Varianten der Zenit Automat.
Weitere Informationen zur Zenit 12-Familie:
Zenit 12SD-M
Von der Zenit 12SD soll es Prototypen unter der Bezeichnung Zenit 12SD-M gegeben haben, die über einen eingebauten Blitz seitlich im Gehäusedeckel verfügten. Princelle gibt eine Zeitspanne von 1983 bis 1988 für diese Varianten an, der Hersteller nennt Anfang der Neunzigerjahre als Entstehungszeitraum.
Zenit 18M
Bei diesem Prototypen handelt es sich offenbar um eine modifizierte Variante der Zenit 18, welche unter anderem über nur ein einzelnes Batteriefach im Kameraboden verfügt, der zudem aus Metall ist, während er bei der Zenit 18 aus Plastik gefertigt wurde. Auch ein Schnittbildsucher ist vorhanden. Laut Seriennummer stammt diese Variante aus dem Jahr 1984, über die Anzahl der Kameras diesen Typs kann ich beim besten Willen keine Angaben machen, möglicherweise handelt es sich aber um ein Einzelstück. Lediglich in der Produktliste des Herstellers taucht diese Bezeichnung in der Zenit 19-Linie einmal auf, aber nur die Bezeichnung.
Die Abklärungen bei Dmitry Kopp von KMZ haben ergeben, dass der für die Zenit 18 zuständige Entwickler (A.Y. Padalko) Arbeiten an einem entsprechenden Projekt nicht bestätigen konnte. Er wies aber darauf hin, dass es möglich wäre, dass das Projekt auf privater Basis in Angriff genommen worden wäre oder aus einer Initiative eines Entwicklers heraus entstanden sein könne. Augenzwinkernd erinnerte Dmitry zudem daran, dass das "M" auch für N.M. Marenkov stehen könnte, da dieser in diesen Jahren inoffiziell an der Zenit 19-Linie gearbeitet hätte.
Weitere Informationen zur Zenit 18M:
Zenit Auto / Zenit Automat
Die nach der Zenit 18 zweite automatische Spiegelreflexkamera von KMZ ist die Zenit Automat, von der zwischen 1984 und 1994 insgesamt 68002 Exeplare gebaut wurden. Die Zenit Automat basiert wahrscheinlich auf dem Prototyp der Zenit 20/21/22-Familie und verwendet ebenfalls das Pentax K-Bajonett zum Anschluss von Objektiven. Die Produktion lief etwas zögerlich an, erst ab 1991 wurden Jahresproduktionen von über 10000 Einheiten erreicht.
Es handelt sich um einen klassischen Zeitautomaten (Blendenpriorität) mit TTL-Belichtungsmessung und elektronischem Verschluss. Endlich wieder aufgenommen wurde der praktische horizontale Schnittbildersucher, der zusammen mit einem Mikroprismenring die Fokussierung deutlich erleichtert. Statt den Zeiten kann an dem entsprechenden Rad der Automatikbetrieb (1-1/1000 Sekunde), Blitz (1/60 Sekunde) oder Langzeitbelichtung ("B") gewählt werden, zudem dient dieses Wahlrad auch dem Ausschalten ("L" für Lock). Das linke Rad unter der Rückspulkurbel lässt eine ISO/ASA- bzw. GOST-Einstellung zwischen 25 und 1600 zu, gleichzeitig dient dieses Rad der Belichtungskorrektur um +/- 2 Blenden. An der Front ist links das Batteriefach zugänglich, links unten am Bajonett findet sich die Schärfentiefenkontrolle und rechts neben dem Bajonett sind die Anschlüsse für den Blitz und eine elektronische Kabelfernsteuerung. Über den Mittelkontakt im Zubehörschuh kann der Blitz natürlich ebenfalls ausgelöst werden, zudem existiert im Auslöser ein Anschluss für einen Kabelauslöser. Der Mechanismus zum Verschliessen des Suchers, der von der Zenit 18 übernommen wurde, findet sich in leicht geänderter Form - der Verschluss befindet sich vor dem Sucherfenster - ebenfalls bei der Zenit Automat wieder. Der Knopf zur Betätigung der Rückspulsperre schliesslich ist im Boden der Kamera eingebaut.
Die Elektronik eines Teils der Produktion der Zenit Automat soll gemäss Angaben aus dem Handbuch zu dieser Kamera aus französischer Produktion (EFCO) stammen und auf einem amerikantischen Mikroprozessor (Motorola) basieren. Bei der Zenit Auto - die Variante für den Binnenmarkt - ist hingegen sowjetische Elektronik zum Einsatz gekommen. Es sind Modelle mit lateinischer und mit kyrillischer Beschriftung bekannt.
Zusätzlich zur oben beschriebenen Produktion der Zenit Automat soll es auch noch Varianten gegenben haben, die beim Fotosniper FS-12 verwendet worden sind. Wie diese Kameras geheissen haben, ist mir nicht ganz klar. Weitere Details dazu finden Sie bei der Beschreibung der Zenit 12.
Weitere Informationen zur Zenit Automat:
Zenit "Labor"
Bei dieser Sonderversion dürfte es sich um Abkömmlinge der Zenit TTL, Zenit 10 bzw. später der Zenit 11 handeln, über die allerdings weitergehende Angaben fehlen. Die Zenit "Labor" verfügt über keinerlei Beschriftung, weshalb ich die Bezeichnung "Labor" auch in Anführungszeichen setze. Princelle nennt diese Version auch Zenit "LAB" bzw. (in der französichen Version) Zenit "LABO", der Hersteller (aus dem Russischen übersetzt) "Laboratorium". Sollte die Zenit "Labor" die Zenit BE abgelöst haben, dürfte sie ab 1985 hergestellt worden sein, was allerdings nicht als gesichert gelten darf.
Die mir vorliegende Zenit "Labor" stamme wahrscheinlich von KMZ, so der Verkäufer, Belege dafür habe ich allerdings keine gefunden, auch wenn ich einige Teile durchaus anderen Zenit-Modellen von KMZ zuordnen kann. Nicht alle, wie beispielsweise der Schnellspannhebel, zu dem ich kein Äquivalent bei den gängigen Modellen finden konnte. Eine interessante Erkenntnis ist aber, dass innen auf der (nicht wechselbaren) Rückwand eine Seriennummer zu finden ist, im konkreten Fall "8971xxx". Das deutet auf das Produktionsjahr 1989 hin.
Das Gehäuse der Zenit "Labor" entspricht den oben schon genannten Zenit TTL, Zenit 10 oder Zenit 11, es wurden aber markante Änderungen vorgenommen. Zuerst einmal fehlt jede Möglichkeit zur Zeit- oder Filmempfindlichkeitseinstellung, auch ein Belichtungsmesser ist nicht eingebaut. Ebenso fehlt der Blitzanschluss, der Mechanismus zum Schliessen der Blende während der Aufnahme ist ebenfalls nicht vorhanden. Seltsamerweise fehlt aber auch die Möglichkeit, die Rückspulsperre auszuschalten. Dem Gehäusedeckel fehlt natürlich auch das Prisma, an dessen Stelle ist eine Sucherlupe montiert, die das Bild spiegelverkehrt und vergrössert darstellt. Die Sucherlupe lässt sich drehen und dadurch der Dioprienausgleich sehr fein einstellen.
Der Verschluss wird so lange offen gehalten, wie der Auslöser gedrückt ist, was der "B"-Einstellung auf dem Zeitenrad anderer Kameras entspricht. Dies mag darauf hindeuten, dass diese Kamera ua. für Reproduktionszwecke verwendet wurde, wo mit hochauflösenden, gering empfindlichen Filmen, diffusem Licht und Belichtungszeiten im Sekundenbereich gearbeitet werden kann. Auch beim Einsatz mit stark geschlossener Blende, wie es bei der Makro- oder Mikrofotografie angeraten ist, können derart lange Belichtungszeiten auch erforderlich sein, ebenso beim Anschluss einer solchen Kamera an Teleskope beispielsweise. Der wahrscheinlichste Verwendungszweck der Zenit "Labor" dürfte aber ganz einfach der einer Mikroskopkamera gewesen sein, die an einem Strahlenteiler eines Mikroskopes angeschlossen worden ist. Die Tatsache, dass diese Strahlenteiler oft mit einem eigenen Zentralverschluss ausgerüstet sind, erklärt auch, warum an der Kamera keine Belichtungszeiten eingestellt werden können.
Offenbar gibt es von der Zenit "Labor" auch Versionen, die nachweislich von MMZ/BelOMO stammen (sie verfügen über ein entsprechendes Logo am Kameraboden). Auffällig war bei einem so markierten Modell ein leicht abgewandelter Selbstauslöser, was aber nichts heissen muss. Der Hersteller KMZ führt dieses Modell in seiner Dokumentation jedenfalls auf, allerdings ohne weitere Angaben, besonders fehlen jegliche Informationen zu den Produktionszahlen. Da diese Modelle eher selten angeboten werden und auch der mutmassliche Vorgänger Zenit BE nur in kleinen Stückzahlen produziert worden ist liegt die Vermutung nahe, dass die Produktion bei KMZ wenige Tausend Exemplare nicht überstiegen haben dürfte.
Die Zenit "Labor" wird üblicherweise ohne Objektiv angeboten, manchmal ist allerdings auch ein Normalobjektiv angeschraubt. Wie stilecht letzteres ist, mag ich nicht zu entscheiden. Mangels M42-Gehäusedeckel - die sind deutlich schwerer zu finden, als passende Objektive! - mag das ein vertretbarer Kompromiss sein.
Weitere Informationen zur Zenit "Labor":
Zenit 14
Die Zenit 14 ist eine seltene, halbautomatische Variante der Zenit Automat. Zwischen 1987 und 1990 sind lediglich 567 Exemplare von diesem Modell entstanden, mit 429 Exemplaren am meisten im Jahr 1989.
Die Bedienungselemente der Zenit 14 entsprechen weitgehend denen der Zenit Automat, wobei deren Funktion leicht verändert wurde. Das linke Rad dient bei der Zenit 14 nicht der Belichtungskorrektur, sondern der Einstellung der Belichtungszeit zwischen 1 und 1/1000 Sekunde. Darunter liegt wie bei der Zenit Automat die Empfindlichkeitseinstellung, die mit ISO und GOST beschriftet ist.
Die nebenstehend abgebildete Zenit 14 wurde im Sommer 2007 bei eBay für knapp 500 US$ angeboten. Dem Verkäufer sei für das Zurverfügungstellen des Bildes gedankt.
Weitere Informationen zur Zenit 14:
Zenit AM / Zenit AM2 / Zenit AM3
Die Zenit AM-Familie wurde von 1988 bis 1997 produziert, wobei insgesamt 39055 Exemplare hergestellt worden sind. Die Kameras dieser Familie stammen von der Zenit Automat und von der Variante Zenit 14 ab. Es handelt sich um Zeitautomaten mit Blendenpriorität.
Von der Zenit AM wurden zwischen 1988 und 1995 11802 Exemplare hergestellt, von der Zenit AM2 zwischen 1992 und 1997 27240 Exemplare und schliesslich sind für die Zenit AM3 1994/1995 gerade mal 13 Exemplare ausgewiesen. Die Modelle unterscheiden sich untereinander kaum, lediglich die Zenit AM3 verfügt über ein leicht verändertes Gehäuse.
Gegenüber der Zenit Automat verfügt die Zenit AM über keine einschwenkbare Sucherabdeckung mehr, dafür wurden im Sucher drei statt zwei LED für die Anzeige der Belichtung eingeführt. Das neue, grüne LED zur Anzeige der korrekten Belichtung besitzt eine neue Zusatzfunktion, die als Belichtungszeitwarnung bezeichnet werden könnte und sich durch das Blinken der grünen LED manifestiert, sobald die Belichtungszeit unter einen definierten Wert fällt (1/30 Sekunde?). Neu gegenüber dem Vorgänger Zenit Automat verfügt die Zenit AM über keinen Anschluss für einen Kabelauslöser mehr, an dessen Stelle trat jedoch ein Anschluss für eine externe Stromversorgung, die mit vier AA-Batterien betrieben werden kann. Wie alle Kameras dieser Linie verfügt die Zenit AM über einen Knopf zur Schärfentiefenkontrolle.
Weitere Informationen zur Zenit AM:
Zenit 122 / Zenit 122K / Zenit 122B / Zenit 122-50
Die Zenit 122 ist weitgehend mit der Zenit 12XP identisch, abgesehen vom neuen Gehäuse, das aus sich billig anfühlendem ABS-Plastik gebaut ist. Der Charakter einer wertigen Kamera geht dadurch völlig verloren. Zwischen 1989 und 2005 wurden insgesamt 1971745 Exemplare dieses Modells gebaut, was die gelegentlich immer noch neu erhältliche Zenit 122 zur zweitmeist produzierten Zenit-Kamera macht.
Wie geschrieben entspricht die Zenit 122 von der Bedienung und den Bedienelementen her der Zenit 12XP. Die kleinen Unterschiede sind das bei der Zenit 122 im Gehäusedeckel eingebaute Bildzählwerk wie bei der Zenit Automat und der witzige Selbstauslöser, der auf der Gehäuseseite über ein eingelassenes Rad gespannt wird und seinen Fortschritt in einem Fensterchen an der Front in grün nach rot wechselnd anzeigt. Minimale Änderungen haben aber auch der Auslöser und der Schnellspannhebel erfahren. Einzig das Stativgewinde ist bei der Zenit 122 etwas optimaler auf der Achse des Objektivs montiert. Ebenfalls von der Zenit Automat geerbt hat die Zenit 122 den Schnittbildsucher.
Eine reduzierte Variante der Zenit 122 ist die Zenit 122B, die über keinen Selbstauslöser verfügt. Wie verbreitet dieses Modell war und für welche Märkte es bestimmt war, kann ich leider nicht beurteilen, gemäss den vorliegenden eBay-Angeboten dürften es aber nicht besonders viele derartige Exemplare gegeben haben.
Während die Zenit 122 und die Zenit 122B über ein M42-Schraubgewinde verfügen, ist auch eine Version unter der Bezeichnung Zenit 122K gebaut worden, welche den Anschluss von Objektiven über das K-Bajonett erlaubt. Wieviele Exemplare von den einzelnen Varianten es gegeben haben mag, ist mir nicht bekannt. Durch Marktbeobachtung kann ich aber immerhin feststellen, dass die Zenit 122K nicht allzu verbreitet scheint.
Ein besonders hübsches Sondermodell der Zenit 122 gab KMZ anlässlich ihrem 50 jährigen Jubiläum im Jahr 1992 heraus, die Zenit 122-50 "50 Jahre KMZ". Das graue Gehäuse (gelegentlich auch als Platin-Grau bezeichnet) ist mit einem goldgelben Aufdruck geschmückt. Die Seriennummern dieser Modelle beginnen übrigens mit der Zahl "50", gefolgt vom Produktionsjahr und einer vierstelligen Nummer. Von diesem Jubiläumsmodell wurden zwischen 1992 und 1994 insgesamt 6541 Exemplare hergestellt.
Ein weiteres Sondermodell der Zenit 122 wurde von KMZ im Jahr 1995 produziert, das an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 50 Jahren erinnert (vgl. Bild rechts). Auch anlässlich des 850. Geburtstags von Moskau entstanden etwa 1997 Sondermodelle auf Basis der Zenit 122K, die allerdings nicht sehr verbreitet sind.
Zwischen 1992 und 2005 entstanden zudem 51979 Exemplare der Zenit 122S für den Foto-Snaiper FS-122.
Weitere Informationen zur Zenit 122:
Zenit AP / Zenit APK / Zenit APM
Eine weitere Serie von Spiegelreflexkameras sind unter der Bezeichnung Zenit AP bekannt geworden. Davon wurden als Zenit APK mit K-Bajonett zwischen 1992-1998 gerade mal 6394 Exemplare produziert, von der Zenit APM mit M42-Schraubgewinde waren es 1994/1995 gerade mal 15 Stück. Ein bereits 1985 vorgestellter Prototyp der Zenit AP trug den verheissungsvollen Namen Zenit 2000.
Die Zenit AP, gelegentlich auch als Zenit AN bezeichnet, gehört zur Familie der Zenit Automat, woher auch die Technik stammt. Der direkte Vorgänger dürfte dabei die Zenit AM sein, das Gehäuse jedoch erinnert mehr an das der Zenit 122, besonders der Griff unterhalb des Auslösers an der linken Kameraseite (von vorne betrachtet).
Von der Technik her ist die Zenit AP wie geschrieben eng mit der Zenit AM verwandt. Ein gewichtiger Unterschied ist aber die schnellere Verschlusszeit, die mit 1/2000 Sekunde halbiert wurde. Im Gegensatz dazu fehlt der Zenit AP der Selbstauslöser, welchen die anderen Vertreter dieser Familie in elektronischer Form besitzen.
Weitere Informationen zur Zenit AP:
Zenit 212K
Die futuristisch runde Zenit 212K wurde zwischen 1994 und 2003 produziert. Insgesamt sind während diesem Zeitraum 32149 Exemplare hergestellt worden, wobei mehr als die Hälfe (18800 Einheiten) im Jahr 1996 entstanden.
Technisch entspricht die Zenit 212K weitgehend der Zenit 122 mit K-Bajonett (also eigentlich der Zenit 122K), abgesehen vom völlig neu gestaltenten, runden Gehäuse selbstverständlich. Neu ist die teilweise Verlängerung der langsamen Zeiten auf bis zu 1/8 Sekunde, aber auch das Sichtfenster in der Rückwand, das einen Blick auf den eingelegten Film und dessen Bezeichnung erlaubt.
Auch wenn das moderne ABS-Gehäuse den Eindruck besonderer Ergonomie zu vermitteln sucht, ist das mehr Schein als Sein. So gefällig die Optik auch ist, mir liegt die Kamera nicht wirklich gut in der Hand.
Weitere Informationen zur Zenit 212K:
Zenit 312M
Die Zenit 312M entspricht weitgehend der Zenit 212K, verwendet allerdings Objektive, die über das M42-Schraubgewinde an die Kamera adaptiert werden. Gebaut wurde die Zenit 312M zwischen 1999 und 2005, wobei 84004 Exemplare entstanden sind.
Das Gehäuse der Zenit 312M besitzt eine ähnlich runde Formgebung wie das der Zenit 212K, ist aber nicht ganz so hoch wie diese. Das Zeitenrad ist etwas kleiner geraten, ansonsten sind die Bedienungselemente weitgehend identisch. Die Verschlusszeiten können im Bereich von 1/30 bis 1/500 Sekunden eingestellt werden, es fehlen also die 1/15 und 1/8 Sekunden der Zenit 212K. Ebenfalls fehlt die Blitzbuchse an der Front.
Die Zenit 312M ist üblicherweise gänzlich schwarz, es gibt aber auch goldfarbene Varianten und solche, bei denen der Gehäusedeckel silbrig und das Unterteil schwarz gehalten sind. Über die Verbreitung dieser Varianten und ob sie überhaupt offiziell in den Verkauf kamen, kann ich leider nichts berichten.
Weitere Informationen zur Zenit 312M:
Zenit 412DX / Zenit 412LS / Zenit 412MS
Die Nachfolger der Zenit 312M sind die beiden Versionen Zenit 412DX und Zenit 412LS, die sich von den Daten her nicht unterscheiden. Neu erkennen diese Modelle die DX-Filmempfindlichkeitskodierung, die alle heutigen Kleinbildfilme tragen. Die Zenit 412DX wurde von 2000 bis 2003 hergestellt (insgesamt 21257 Exemplare, allein im Jahr 2002 waren es 18897), die Zenit 412LS ist zwischen 2002 und 2005 produziert worden, wobei in diesem Zeitraum 25197 Exemplare entstanden.
Das Gehäuse der Zenit 412 ist verglichen mit seinen Vorgängern noch runder und meiner Ansicht nach wohlgeformter ausgefallen, auf die Andeutung des Prismas wurde völlig verzichtet. Die Bedienelemente sind von der Zenit 312M übernommen, mit Ausnahme der Rückspulkurbel, die wegen des fehlenden Rings zur Einstellung der Filmempfindlichkeit leicht umgestaltet werden musste.
In den Jahren 2002/2003 wurde an einem Projekt für einen Nachfolger der Zenit 412LS unter der Bezeichnung Zenit 412MS gearbeitet. Dieses Modell sollte sich besonders durch die kürzeste Beleichtungszeit von 1/1000 Sekunde auszeichnen, welche dem Projekt auch den Namen ("MS" steht für "Millisekunde") gegeben hat. Es ist weder ein Prototyp bekannt, noch kam es zu einer Serienproduktion.
Zwischen 2003 und 2005 wurden nach Herstellerangaben zusätzlich 430 Exemplare einer Zenit 412-Variante für den Foto-Snaiper FS-412 hergestellt.
Weitere Informationen zur Zenit 412:
Zenit KM / Zenit KM Plus
Ein völlig neues Konzept wurde 2001 mit der Zenit KM umgesetzt, von der zwischen 2001 und 2003 insgesamt 15097 Exemplare gefertigt wurden. Zum Nachfolger, der Zenit KM Plus liegen mir allerdings keine Zahlen vor. Die nebenstehend abgebildete Zenit KM Plus stammt aus dem Jahr 2004, wurde also ein Jahr nach der Produktionseinstellung der Zenit KM gefertigt. Es ist wahrscheinlich, dass die Zenit KM Plus zu den zuletzt noch von KMZ produzierten Modellen gehört.
Die Zenit KM, konzipiert für das Pentax K-Bajonett, ist eine automatische Kamera mit Blendenpriorität. Im Automatik-Modus können Zeiten zwischen 8 bzw. 16 bis 1/2000 Sekunde eingestellt werden, manuell 1-1/2000 Sekunde. Die Blitzsynchronisation liegt bei 1/125 Sekunde, neben dem Zubehörschuh mit Mittelkontakt ist keine zusätzliche Blitzbuchse vorgesehen. Wirklich neu ist der motorisierte Filmtransport mit bis zu zwei Bildern pro Sekunde. Die Energieversorgung erfolgt über vier handelsübliche AA-Zellen à 1.5 Volt, welche unterhalb des Auslösers im Griff untergebracht werden.
Wie die Zenit AM verfügt die Zenit KM über eine Belichtungszeitwarnung, welche die mittlere grüne LED blinken lässt, sobald die gemessene bzw. eingestellte Belichtungszeit über 1/30 Sekunde steigt. Neu besitzt die Zenit KM ein elektronisches Bildzählwerk an der Gehäuseoberseite, direkt neben dem Zeitenrad. Diese zweistellige rote LED-Anzeige dient zusätzlich der Statusanzeige, so wird beispielsweise "-0" angezeigt, wenn kein Film eingelegt ist oder blinkt, wenn der elektronische Selbstauslöser aktiviert worden ist.
Das Gehäuse der Zenit KM ist nicht mehr gar so futuristisch rund geformt, wie die Serien seit der Zenit 212K, sondern gleicht nun eher modernen Spiegelreflexkameras anderer Hersteller. Das Fehlen einer Rückspulkurbel (der Film wird mit dem Motor zurückgespult) zwang die Entwickler, eine neue Lösung für den Verschluss der Rückwand zu suchen. Der kleine, im Gehäuseboden eingelassene Knopf, der die Verriegelung der Rückwand löst, erscheint mir aber keine wirklich gelungene Konstruktion zu sein, ist er doch recht exponiert und könnte versehentlich betätigt werden. Am Gehäuseboden findet sich übrigens die Seriennummer, die bei allen anderen Zenit-Modellen an der Kamerarückseite angebracht wurde. Die Zenit KM ist übrigens mit 475 Gramm (ohne Batterien) die leichteste Zenit-Kamera, die je produziert wurde.
Die Zenit KM Plus unterscheidet sich wohl nur in Details von der Zenit KM. Ein Unterschied scheint beispielsweise zu sein, dass die Automatik beim neueren Modell nicht mehr nur 8, sondern 16 Sekunden maximale Belichtungszeit zulässt. Die Filmempfindlichkeiten, die im DX-Code von den Patronen abgetastet werden, sind für die Zenit KM mit 50-5000 ISO/ASA angegeben, bei der Zenit KM Plus sind es allerdings nur 50-3200 ISO/ASA. Weitere Unterschiede sind mir beim Studium der Herstellerangaben nicht aufgefallen.
Weitere Informationen zur Zenit KM / KM Plus:
Die Zenit-Produktion
Zwischen 1952 und 2005 wurden insgeamt um die 14.5 Millionen Zenit-Kameras von KMZ produziert, ganz genau 14244802 reguläre Exemplare zuzüglich der 330558 Exemplare aus der Fotosniper-Serie, wenn man den veröffentlichten Zahlen glauben will. Der Hersteller hat alle hier aufgearbeiteten Angaben auf www.zenitcamera.com publiziert. Die Auflistung endet 2005, wobei nicht alle produzierten Kameras berücksichtigt sind; es fehlen ua. Zenit MT-1, Zenit "Labor" oder Zenit KM Plus, sowie natürlich die meisten Prototypen.
Produktion nach Modellen
Die folgenden Tabellen sind in drei Generationen aufgeteilt, welche grob durch die Ausstattung und den Entwicklungsstand gegeben sind. Besonders die Generation 1 sollte eigentlich in zwei Generationen aufgeteilt werden, zumal dabei zwei völlig unterschiedliche Verschlusssyssteme verwendet werden.
Jahresproduktion
In der folgenden Tabelle finden sich Angaben zu der Jahresproduktion und zu den im betreffenden Jahr produzierten Modellen. In Klammern sind bei den Modellen zusätzlich die Produktionszahlen für dieses Jahr angegeben.
Die folgende Grafik verdeutlich die Produktion von Zenit-Kameras bei KMZ zwischen 1952 und 2005:
Es ist interessant zu beobachten, dass die meisten Zenits nach einem steten Anstieg der Jahresproduktion zwischen 1979 und 1982 hergestellt worden sind. Besonders die Zenit TTL scheint während dieser Jahre ein guter wirtschaftlicher Erfolg gewesen zu sein. Zwischen 1988 und 1992 kurbelten vor allem die neuen Modelle wie die Zenit 12XP den Umsatz nocheinmal an. Nach 1994 sind die Produktionszahlen dann offensichtlich eingebrochen und haben in den folgenden Jahren nur noch ähnliche Grössenordnungen erreicht, wie sie in den Fünfzigerjahren üblich waren.
Bestseller
Von den etwa 14 Millionen Zenit-Kameras, die innerhalb von über 50 Jahren produziert wurden, entfallen fast 70% der Produktion auf nur fünf Modelle, von denen jeweils deutlich über eine Million Exemplare hergestellt wurden:
Es sei an dieser Stelle bemerkt, dass all diese Modelle Exportschlager waren, manche (wie die Zenit 12XP zum Beispiel) wurden gar nur für den Export gebaut. Zudem ist der Rekordhalter Zenit E unter den verschiedensten Bezeichnungen auch an Grossverteiler oder Generalimporteure geliefert worden.
Die Seriennummern
Während bei den Zorkis erst ab 1955 ein einheitliches Seriennummern-Format eingeführt wurde, scheint bei Zenit von Anfang an, also seit 1952, durchgehend das Jahr zweistellig den Seriennummern vorangestellt zu sein.
Ausnahmen von dieser Regel gibt es natürlich auch, typischerweise aber nur bei Prototypen. Eine weitere Ausnahme ist das 50-Jahre-KMZ-Jubiläumsmodell der Zenit 122, deren Seriennummer durchgehend mit "50" beginnt, gefolgt vom Baujahr und der Laufnummer.
Die Technik der Zenits
Die folgenden Aufstellungen versuchen die wichtigsten technischen Daten der Zenit-Serienmodelle zusammenzufassen. Sie können auf die Symbolbilder oder die Verknüpfung Details klicken, um die Beschreibung der Kamera weiter oben aufzurufen.
Hinweise: Das Gewicht ist jeweils ohne Batterien oder Akkus angegeben, wenn diese gewechselt werden können. Die Dimensionen gelten über alles, dh. vorstehende Teile sind (mit Ausnahme der Schnellspannhebel und der Ösen für den Kameragurt) mitgemessen, die Höhe jeweils über den Zubehörschuh, auch wenn dieser entfernt werden kann.
Es sei hier noch angemerkt, dass alle Angaben oben nicht unbedingt absolute Werte darstellen, sondern möglicherweise nur den Regelfall repräsentieren. Konkret können beispielsweise während der Produktion Attribute verändert worden sein, wie typischerweise der Sucher und seine Ausstattung oder das Gewicht, welches durch Änderungen bzw. Einsparungen in der Produktion entstanden sind. So ergeben sich zB. bei der Zenit E je nach Baujahr Gewichte zwischen 675 und über 700 Gramm.
Innovationen
Entnehmen Sie folgender Tabelle, mit welchen Prototypen und Serienmodellen technische Innovationen eingeführt wurden. Die Liste ist nach der Einführung bei den Serienmodellen geordnet.
Es werden hier ausschliesslich Prototypen aufgeführt, deren Existenz als gesichert gelten darf; so fehlen beispielsweise Verweise auf die Zenit "L". Wurde eine Technologie bei einem Modell entwickelt, welches später auch in Produktion ging, fehlen die Prototypen. Gelegentlich wird auch auf Vorläufer aus der Zorki-Familie verwiesen, da die Entwicklungen bekanntlich in weiten Bereichen parallel verliefen.
Zukunftsaussichten
KMZ hat soweit bekannt im Jahr 2005 die Produktion von Spiegelreflexkameras unter dem Markennamen Zenit eingestellt. Lediglich Panoramakameras mit dem Namen Horizon wurden seither weiter hergestellt, in wohl überschaubaren Stückzahlen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Marke Zenit damit vom Kameramarkt verschwunden sein würde, war soweit eigentlich schon besiegelt.
Doch im Juni 2007 wurde ein Beschluss von KMZ (vom 04.06.2007, in russisch) publiziert, bis Ende 2007 zwei digitale Kameras zu entwickeln, die unter dem Namen Zenit vertrieben werden könnten.
Folgende Modelle sind gemäss der erwähnten Pressemitteilung geplant:
Zenit 408DC
Dieses Projekt für eine digitale Spiegelreflexkamera stammt ursprünglich aus dem Jahr 2004 und ist beim Hersteller dokumentiert. Die Kamera soll über einen M42-Anschluss und einen Sensor mit 8 Megapixeln verfügen, ob Vollformat, APS-C (Formatfaktor 1.5) oder 4/3" (Formatfaktor 2) ist nicht ganz klar. Das auf nebenstehender Skizze abgebildete 1.5"-Display ist natürlich nicht mehr ganz zeitgemäss.
Soweit jedenfalls die frühen Pläne bzw. die Gerüchte, die sich um diese Kamera ranken. Denn ob all der Euphorie sei nicht vergessen, dass die Details dieses Plans keineswegs als bekannt hingenommen werden dürfen, genauso wenig ist die Entwicklung der vergangenen Jahre - gerade im schnelllebigen, innovativen Sektor der Digitalfotografie - sicher nicht spurlos an den frühen Projektideen vorbeigegangen.
Zenit N1
Eine Neuentwicklung soll die modular aufgebaute Zenit N1 sein, von der erst Skizzen existieren, die einige Freiheiten der Deutung zulassen. Je nach Verständnis handelt es sich dabei um eine kompakte Spiegelreflexkamera oder einer etwas gross geratenen Kompaktkamera; als Massstab für die Grösse wird gerne die Narziss von KMZ zitiert. Es scheinen Module für den Sucher (Reflexsucher, EVF?), das Rückteil (mit/ohne Display) und andere Komponenten vorgesehen zu sein. Sogar über die Möglichkeit, den Sensor (in der Werkstatt) tauschen zu lassen, wird spekuliert. Zum Einsatz kommen soll dabei ein 4/3"-Sensor (ein ursprünglich von Olympus initierter Standard mit dem Formatfaktor 2). Über den Anschluss ist bisher nicht viel bekannt, ausser dass es sich wohl um eine eigene Entwicklung handeln soll, die über ein geringes Auflagemass verfügt und damit universal den Anschluss verschiedener Objektive ermöglicht.
Für die Zenit N1 kursieren auch bereits Bezeichnungen, die an die Vergangenheit von KMZ anknüpfen, wie digitale Narziss oder digitale Zorki.
Nebenstehende Skizze der Zenit N1 habe ich in einem russischen Online-Forum (www.celler.ru) im Zusammenhang mit einer Diskussion zur oben erwähnten Pressemitteilung gefunden. Leider ist mir der Urheber der Skizze nicht bekannt, aber wenn an diesem Projekt wirklich etwas dran ist, dürfte es ja logischerweise KMZ sein.
Die gerüchteweise verbreiteten Termine - zuletzt ist der Herbst 2007 für die Vorstellung eines Prototypen genannt worden - halte ich für nicht ganz realistisch, wenn nicht bereits seit längerer Zeit an diesem Projekt gearbeitet wird.
Digitale Panoramakamera und weitere digitale Entwicklungen
Nicht zu dieser Dokumentation im engeren Sinn gehört das Projekt für eine digitale Panoramakamera, die wohl unter dem Namen Horizon vermarktet werden soll. Über dieses Projekt ist leider weiter überhaupt nichts bekannt. Genau so wenig über geplante digitale Fotosniper mit dem Namen Zenit.
Es stimmt zuversichtlich, dass KMZ sich inzwischen überlegt, die traditionsreiche russische Kameramarke Zenit wieder neu aufleben zu lassen. Es wäre schön, wenn der grösste Kamerahersteller der ehemaligen Sowjetunion den Schritt zur Digitalkamera schafft und wir in den kommenden Jahren wieder neue Produkte aus Krasnogorsk erwarten könnten.
Weiterführende Informationen
Im Netz finden sich eine Vielzahl von Seiten, die sich mit der den Zorki-Kameras befassen. Auf ein paar davon möchte ich hier verweisen:
Vorab ein paar eigene Angebote rund um das Thema Zenit und anderen russischen Kameras auf meinen Seiten:
Folgende Seiten sind auf englisch:
Und hier noch Seiten auf russisch (und teilweise englisch übersetzt):
Hier noch empfehlenswerte Foren zum Thema (englisch):
Ein paar Händler, die (derzeit) noch neue Zenit-Kameras anbieten:
Und Händler, die auch gebrauchte Zenit-Kameras anbieten:
Besonders empfehlenswert sind zudem folgende Bücher:
Gelegentlich finden sich diese Bücher auch bei eBay, beispielsweise werden dort ab und an Kopien (!) von Rushkos Russian and Soviet Cameras angeboten, auch wenn sie nicht als solche gekennzeichnet sind.
Zum Schluss
Abschliessend möchte ich mich bei allen Autoren bedanken, die im Internet oder in Buchform Informationen über KMZ und die Zenit-Kameras zur Verfügung stellen. Ganz besonders bedanken möchte ich mich für Informationen, Bildmaterial und für das Lektorat bei (in alphabethischer Reihenfolge): Alain Berry, Dmity Kopp (KMZ), Milos Mladek, Bill Parkinson, Tom Piel, Jean Loup Princelle, Hanna Runtemund, Alexander Schulz und Ulrich Witte.
Alle hier aufgeführten Informationen habe ich nach bestem Wissen und Gewissen zusammengetragen, kann aber deren Richtigkeit auch nicht garantieren. Die hier gezeigten eigenen Fotos sind in meinem Tischstudio entstanden. Bei fremden Bildern sind jeweils die Quellen ausgewiesen und selbstverständlich habe ich vor der Publikation die Erlaubnis dafür eingeholt.
Gerne nehme ich Korrekturvorschläge oder weitergehende Informationen entgegen. Treten Sie einfach mit mir in Kontakt. Vielen Dank für jedwelche Anregungen.
13.08.2007, letzter Update: 12.09.2009

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