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“Demain, c’est loin” von Thomas Szczepanski (CH 2011), 15 Minuten
Vincent (Antonin Schopfer) aus Bordeaux, 25-jährig, Bachelor in Mathematik, mehrere Weiterbildungen und Praktika, diplomierter Ingenieur mit Schwerpunkt erneuerbare Energien, hat ein Vorstellungsgespräch in Genf. Aber wieder nichts. “Nicht schlimm”, sagt er, “danke”. Nur der rasche Blick zum Boden spiegelt die Enttäuschung des jungen Mannes. Die Begründung für die Absage hört das Publikum nicht. Ein erster Hinweis liefert ein Plakat mit der Aufschrift “Définissez le visage de la Suisse”, mit dem das Werbeunternehmen APG für die letzten eidgenössischen Wahlen warb. Als ein Parkplatzbesitzer Vincent am Morgen wegen dessen ausländischer Herkunft beschimpft, platzt ihm der Kragen.
“Demain c’est loin” bedrückt, weil es eine alltägliche Geschichte ist, die der 1984 in Frankreich geborene Regisseur Thomas Szczepanski erzählt. Wie schon im 2011 prämierten Kurzfilm “Bam Tshak”, bei dem Szczepanski ebenfalls Kameramann war, wirken die Bilder realistisch. Gefilmt wird aus der Perspektive des Personalmanagers oder der Ecke eines Empfangsraumes, durch die Scheibe einer Telefonkabine oder aus der Sicht eines Passanten, der sich an Vincents Fersen heftet. Auch die triste Musik passt gut zur Regenwetter-Stimmung im Film “Demain c’est loin”, die jedoch ab und an durch komische Momente aufgelockert wird. Etwa als Vincent einen Mülleimer kickt und dieser hartnäckig in seiner Halterung bleibt.
“La Promotion” von Manu Joucla (FR 2012), 24 Minuten 45
Human Ressources Manager. Fünf Jahre hat Antoine (Manu Joucla) auf diesen Job hingearbeitet. Die neuen Kollegen empfangen ihn herzlich. Auch der Chef (Luc Antoni), vor dem alle warnen, scheint in Wahrheit gar kein Tyrann zu sein. Ich muss ihm nur auf Augenhöhe begegnen, denkt sich Antoine und pariert während der Sitzung die provokante Frage des Vorgesetzten (“Sind sie Nudist?”) mit einem “Immer doch”. Beim gemeinsamen Abendessen der Ehepaare stellt sich jedoch heraus, dass diese Frage einen wahreren Kern hat, als Antoine lieb ist.
“La Promotion” spielt zum grössten Teil in Antoines Wohnung – und dann in einem Swingerclub, wo der Chef Stammgast ist. Der Kurzfilm ist das Regiedebüt des 1969 in Toulouse geborenen TV-Schauspielers Manu Joucla. Tatsächlich erinnert der Aufbau an eine Soap: Antoine schüttet einer Fremden an der Bar sein Herz aus und erzählt den Abend in Rückblende. Es folgen schlagfertige Dialoge und eine überspitzte Handlung in “Chez le Ch’tis”-Manier. Im Gegensatz zu “Demain, c’est loin”, ist “La Promotion” eine Komödie in satten Farben, die das Thema Arbeit nur streift. Primär geht es um das vergnügliche Tête-à -Tête der vier Hauptdarsteller.