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McLaren – allein der Klang dieses Namens lässt die Herzen von Sportwagen-Fans höherschlagen. Kein Wunder, denn näher als in einem McLaren kommt ein «Zivilist» dem Gefühl, selbst Teil des elitären Rennzirkus zu sein, kaum.
Anlässlich der Ankündigung des neuen McLaren 720S GT3 für 2019 – gebaut auf der Basis des 2016 weltweit erfolgreichsten GT3-Rennwagens 650S GT3 – konnten wir an einer exklusiven Werksführung durch die «Heiligen Hallen» am McLaren-Hauptsitz in Woking (GB) teilnehmen.
Bruce McLarens Vermächtnis
Angefangen hat die McLaren-Erfolgsstory 1963, als das aus Auckland (NZ) stammende Renntalent die Firma Bruce McLaren Motor Racing ins Leben rief. Bereits seit seinem 15. Lebensjahr war Bruce zuerst in Australien und Neuseeland, ab 1958 dann im Vereinigten Königreich ein erfolgreicher Autorennfahrer bis hinauf in die Formel 1 (1960 Vizeweltmeister im Team von Charles Cooper). 1964 baute er seinen ersten Rennwagen M1A und mit dem ersten selbst konstruierten Formel-1-Wagen M2B debütierte er 1965 am Grand Prix von Monaco. Der ikonische Bruce McLaren kam, kaum 33-jährig, am 2. Juni 1970 bei einem tragischen Unfall in seinem Can-Am-McLaren in Goodwood (GB) ums Leben. Das Rennteam wurde danach von seiner Ehefrau Patty und Teammanager Teddy Mayer weitergeführt.
1980 schloss sich die Firma mit Ron Dennis‘ Project 4 Racing Team zusammen, woraus 1985 McLaren Cars entsprang. Nach einer kurzen Kollaboration mit Mercedes-Benz für den SLR McLaren entstand schliesslich 2010 der eigenständige Hersteller McLaren Automotive mit dem Spin-off McLaren Racing.
Der McLaren-Campus
Das südwestlich von London (GB) gelegene McLaren-Firmengelände ist nicht einfach eine Autofabrik mit unattraktiven Funktionsgebäuden. Nein, es handelt sich vielmehr um einen minutiös durchgestylten Campus, für welchen das Londoner Architekturbüro Foster + Partner verantwortlich zeichnet, das auch den ringförmigen Apple Park mit dem futuristischen Steve Jobs Theater in Cupertino CA (USA) realisiert hat.
Rigorose Landschaftsschutzvorgaben der Gemeinde Woking beeinflussten den Bau des McLaren-Campus massgeblich, so durfte bspw. kein Gebäude höher als elf Meter (Baumwipfelhöhe) sein. Die Grundfläche des McLaren Technology Centre (MTC) umfasst mit 22 000 m2 exakt die Grösse der vorher darauf situierten Farm. Samt See formt es übrigens das Yin-Yang-Zeichen, ein Symbol für einander entgegengesetzte, aber aufeinander bezogene Kräfte/Prinzipien. Die lichtdurchfluteten Glasfassaden sowie die aerodynamischen Linien und Kurven des Gebäudes sollen die Ingenieurs- und Design-Expertise der Firma repräsentieren. Das zweite grosse Gebäude auf dem Campus, das McLaren Production Centre (MPC), musste zu einem grossen Teil in die Erde hineingebaut werden, um die Höhenvorgaben einzuhalten. Als Letztes entstand der ebenfalls tief unterirdisch erweiterte Besucher-, Vortrags- und Ausstellungszylinder McLaren Thought Leadership Centre (TLC).
«The Boulevard»
Der Rundgang durch die «Herzen» von McLaren Automotive startet im MTC, genauer gesagt in der eindrücklichen Eingangshalle – genannt «The Boulevard» – mit der «Ahnengalerie» aller für McLaren relevanten Autos, beginnend beim Austin Ulster, mit welchem Bruce McLaren als Junge erste Rennen bestritt, über die F1-Boliden bis hin zu den exquisitesten strassentauglichen Supersportlern.
«Alle Modelle mit allen Optionen
ergeben über 3 Mio. Kombinationen.»
Bruces Tochter Amanda McLaren führt mit viel Witz, Charme und profundem Wissen zu Geschichte und Aktivitäten der britischen Supersportwagenmarke durch das Unternehmen. Zu jedem Ausstellungsstück und dessen Einsätzen sowie Fahrern kann die quirlige Lady Anekdoten zum Besten geben. «Die Besten schaffen den kompletten Radwechsel übrigens in unter zwei Sekunden», kommentierte die letzte noch lebende McLaren stolz das Treiben der Crew im Boxenstopp-Simulator in der Nebenhalle.
Minutiöse Handarbeit
Das MPC – dort nimmt der «Mythos McLaren» reale Form an – betritt der Besucher durch den unterirdischen Verbindungsgang vom MTC her. «Fotografieren ist hier drin verboten», betont Mrs. McLaren unmissverständlich.
Was sofort ins Ohr springt – oder eben nicht –, ist die unglaubliche Ruhe, welche in dieser klinisch sauberen Montagehalle herrscht. «2016 wurden hier an fünf Tagen pro Woche à zwei Schichten 3500 Autos gebaut (Anm. d. Red.: 2017 waren es 3340 und seit 2010, der Gründung von McLaren Automotive, waren es deren 13 000). Die maximale Kapazität des MPC liegt bei 5000 Fahrzeugen», fährt Amanda auf der Besucherterrasse fort. «Ausser dem Roboter zur Vermessung der bis zu 450 Kontrollpunkte an den Karosserien gibt es hier keine Automaten. Alles wird von unseren Spezialisten fein säuberlich von Hand zusammengebaut. Um die hohe Qualität sicherzustellen, bilden wir sogar eigene Lehrlinge aus.»
Die Liebe zum Detail bei McLaren zeigt sich bspw. darin, dass die vormontierten Karosserieteile jedes Autos aus einem eigens dafür angemischten Lackeimer gespritzt werden, sodass sich auch nicht der geringste Farbunterschied ergeben kann. Jedes Teil eines McLaren ist zudem nummeriert und kann so an keinem anderen Wagen verbaut werden.
Ein feines Zischen lenkt die Aufmerksamkeit auf die «Monsoon»-Kabine, in welcher gerade ein fertig montierter McLaren 12C Spider mittels 1200 l entionisiertem Wasser auf Dichtigkeit geprüft wird.
Karbon – McLarens Expertise
Unter Designer John Barnard, welcher 1980 beim Zusammenschluss mit dem Project 4 Racing Team (zurück) zu McLaren kam, wurde mit dem Einsatz von Karbon für den Bau von Rennwagen-Monocoques experimentiert, einer damals der Luft- und Raumfahrt vorbehaltenen Technologie, bei welcher das Unternehmen heute eine Vorreiterrolle innehat. Seit dem F1-McLaren MP4/1 hat kein McLaren ohne Karbonzelle die Firma verlassen.
McLaren heute
Aktuell umfasst das McLaren-Automotive-Portfolio die vier Produktefamilien Sports Series (540C, 570S, 570GT), Super Series (650S, 675LT, 720S), Ultimate Series (Senna, P1) und Legacy (12C). Und bei McLaren Racing werden laufend neue F1-Rennwagen entwickelt und im 145 m langen Windkanal des MTC optimiert.