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Wer sich mit einem korrekten wissenschaftlichen Sprachstil auseinandersetzt, wird um ein Thema nicht herumkommen: die allgemeingültige Verwendung männlicher Wortformen, um Personen jedes Geschlechts zu beschreiben, zum Beispiel «Probanden» statt «Probanden und Probandinnen». Dies wird auch als generisches Maskulinum bezeichnet und stellt in wissenschaftlichen Arbeiten eine häufige Stolperfalle dar.
Definition: Generisches Maskulinum
Der Begriff «generisches Maskulinum» bedeutet, dass ein Wort in der grammatikalisch männlichen Form verwendet wird, obwohl nicht alle beschriebenen Personen männlich sind. Besteht ein Kollegium beispielsweise aus Frauen und Männern und es wird trotzdem von «den Kollegen» gesprochen, ist das ein generisches Maskulinum.1
Wichtig zu beachten ist, dass diese Bezeichnung nur dann gilt, wenn es auch eine weibliche Sprachform gäbe. Bei einigen Worten wie «Person» oder «Mensch» gibt es keine männlichen und weiblichen Wortformen, sodass «der Mensch» auch kein generisches Maskulinum darstellt. Richtig gendern bedeutet in diesem Fall, dass das Wort «Mensch» nie angepasst wird.
Die meisten deutschen Wörter haben einen männlichen Wortstamm, aus dem die weibliche Form abgeleitet wird. Nur bei wenigen Wörtern wie beispielsweise «Hexe» oder «Witwe» ist es umgekehrt. Daraus folgt, dass die Nutzung des generischen Maskulinums als «ursprüngliche Wortform» über die Jahre zur Tradition geworden ist. Seit den Siebzigern wird dieser Usus jedoch zunehmend kritisiert und hinterfragt.2
Generisches Maskulinum: Personenbezeichnung
Personenbezeichnungen sind Nomen, die Personen anhand eines Merkmals bezeichnet. Bei Personenbezeichnungen wird häufig das generische Maskulinum verwendet, woraus folgt dass häufig nur die männliche Form der Personenbezeichnung im Sprachgebrauch genutzt wird.
Kritik am generischen Maskulinum bei Personenbezeichnungen
Worte erzeugen immer automatisch Bilder im Kopf. Bei der männlichen Sprachform, also zum Beispiel bei den Worten «Arzt» oder «Anwalt» sind das meist auch männliche Bilder. Somit kann es durch ein generisches Maskulinum zur systematischen Ausblendung anderer Geschlechtsidentitäten kommen: Sie sollen sich zwar angesprochen fühlen, doch es wird nicht an sie gedacht.1
Außerdem wird kritisiert, dass ein generisches Maskulinum nicht zeigt, ob wirklich nur männliche oder doch alle Personen gemeint sind. Das kann zu Verständnisproblemen führen: Wenn «die Politiker unfähig sind», bezieht sich das dann auf alle in der Politik Tätigen oder impliziert es, dass Frauen fähiger sind? Und wenn es «nicht genügend Erzieher» gibt, fehlen dann generell Menschen mit passender Qualifikation oder gibt es in der Branche nicht genug Männer?2
Aus diesen Gründen hat sich das Gendern, auch als gendergerechte oder gendersensible Sprache bezeichnet, als Gegenbewegung zum generischen Maskulinum entwickelt. Hierbei werden zum Beispiel völlig geschlechtsneutrale Worte benutzt oder es werden alle Geschlechtsidentitäten gleichzeitig benannt.1
Abstrakte Personenbezeichnungen beim generischen Maskulinum
Abstrakte Personenbezeichnungen treten dann auf, wenn statt von einer Einzelperson von einer Organisation oder Instanz gesprochen wird. Dann muss nicht gegendert werden. Ist das entsprechende Wort grammatikalisch männlich, wird ein generisches Maskulinum benutzt, und umgekehrt.
Pronomen und das generische Maskulinum
Manche Pronomen erfordern ein generisches Maskulinum. Das ist beispielsweise bei «jeder» oder «keiner» der Fall, aber auch beim häufig genutzten «man», für das gar keine weibliche Wortform existiert. In solchen Fällen macht es am meisten Sinn, das Problem zu umgehen, indem du den Satz einfach umschreibst.
Das generische Maskulinum bei Komposita
Als Komposita bezeichnet man alle Arten zusammengesetzter Wörter. Für das Gendern sind solche Komposita relevant, bei denen ein Wortteil ein generisches Maskulinum darstellt und der andere ein neutrales Wort. Handelt es sich um ein maskulines Erstglied und ein neutrales Zweitglied, wie beispielsweise beim «Arztbesuch», sind die Überlegungen meist hinfällig, da keine konkrete Person angesprochen wird.
Wenn es sich jedoch beim zweiten Wortglied um eine Personenbezeichnung handelt, ist das Gendern anstelle des generischen Maskulinums in vielen Fällen sinnvoll: Wird tatsächlich ein «Kindermädchen» gesucht oder eher eine Kinderbetreuung? Meinen die «Medizinstudenten» wirklich nur Männer oder könnten sie auch als Studierende der Medizin bezeichnet werden?3
Arten von Komposita
1. Fall: Personenbezogene Komposita
Beziehen sich Komposita auf eine bestimmte Person oder Personengruppe, ist ein generisches Maskulinum vor allem in wissenschaftlichen Arbeiten unangebracht. Es macht stattdessen Sinn, auf eine neutrale oder gegenderte Formulierung zurückzugreifen.
2. Fall: Nicht personenbezogene Komposita
Ein generisches Maskulinum muss bei Komposita nicht verwendet werden, die keine konkrete Person oder Personengruppe ansprechen. Einige dieser Wörter können dennoch durch eine neutrale Alternative ersetzt werden.
Generisches Maskulinum in deiner Arbeit
Das größte Problem bei der ausschließlichen Nutzung maskuliner Wortformen in wissenschaftlichen Arbeiten ist ihre Ungenauigkeit. Ein generisches Maskulinum kann sowohl alle Personen meinen als auch nur die Männer, was für den wissenschaftlichen Bereich nicht konkret genug ist. Ist beispielsweise von «100 Probanden» die Rede, ist für die Studie durchaus relevant, ob es sich um 100 Männer oder doch um 50 Männer und 50 Frauen handelt. Gendern gilt daher als wichtiger Teil eines hochwertigen wissenschaftlichen Schreibstils.
Aus diesem Grund stellen viele Universitäten den Studierenden Leitfäden für eine gendersensible Sprache zur Verfügung. Diese finden sich zumeist auf der Website der Universität und können als PDF-Datei heruntergeladen werden. Beispiele für solche Leitfäden zum Thema «Generisches Maskulinum» sind beispielsweise:
- Universität Leipzig: Genderleitfaden
- Universität Hamburg: Geschlechtergerechte Sprache an der Universität Hamburg
- Universität Stuttgart: Leitfaden der Universität Stuttgart zur geschlechtersensiblen Verwendung von Sprache
- Ludwig-Maximilians-Universität München: Gendergerechte Sprache
- Technische Universität Berlin: Geschlechtersensible Sprache – Ein Leitfaden
Bei solchen Richtlinien handelt es sich meistens nur um Empfehlungen. Trotzdem sollten sie von den Studierenden wie eine Pflicht angesehen werden, denn bei falschem Gendern kann es zu einer schlechteren Bewertung kommen.
An manchen Fakultäten ist es erlaubt, ein generisches Maskulinum zu verwenden, solange ein sogenannter Gender-Disclaimer besteht. Dieser kurze Text wird entweder am Beginn der wissenschaftlichen Arbeit oder in einer Fußnote am Ende platziert und weist darauf hin, dass die maskuline Wortform sich in dieser Arbeit auf alle Geschlechtsidentitäten bezieht. Ein solcher Disclaimer könnte beispielsweise lauten:
Wichtig: An manchen Universitäten gilt der Gender-Disclaimer als veraltet, weswegen du unbedingt nachfragen solltest, bevor du dich auf ihn verlässt. Ein generisches Maskulinum zu verwenden kann als Zeichen eines schlechten Schreibstils gelten und sogar zu Punktabzügen führen.
Alternativen zum generischen Maskulinum
Um kein generisches Maskulinum verwenden zu müssen, gibt es verschiedene Alternativen. Dazu zählen beispielsweise die folgenden:
|Alternative||Erklärung||Beispiel|
|Neutrale Formulierungen||Neutrale Formulierungen implizieren kein Geschlecht bei den bezeichneten Personen und repräsentieren somit alle Identitäten gleichzeitig.||Studierende|
|Paarform||Hier werden die maskuline und die feminine Wortform gleichzeitig erwähnt.||Studenten und Studentinnen|
|Binnen-I||Das Binnen-I weist ausdrücklich auf männliche und weibliche Personen hin, indem das I der femininen Wortendung großgeschrieben wird.||StudentInnen|
|Gendersternchen||Beim Gendern mit Gendersternchen repräsentiert das Symbol, das zwischen der maskulinen und femininen Wortform platziert wird, nichtbinäre Geschlechtsidentitäten.||Student*innen|
|Gendergap||Beim Gendern mit Gendergap repräsentiert das Symbol, das zwischen der maskulinen und femininen Wortform platziert wird, nichtbinäre Geschlechtsidentitäten.||Student_innen|
|Gendern mit Doppelpunkt||Beim Gendern mit Doppelpunkt repräsentiert das Symbol, das zwischen der maskulinen und femininen Wortform platziert wird, nichtbinäre Geschlechtsidentitäten.||Student:innen|
Häufig gestellte Fragen
Als generisches Maskulinum wird die Verwendung der grammatikalisch männlichen Wortform bezeichnet, obwohl Menschen mit anderen Geschlechtsidentitäten mitgemeint sind.
Das generische Maskulinum gilt als einfacher und leichter lesbar.
Durch das generische Maskulinum können sich Menschen mit anderen Geschlechtsidentitäten ausgeschlossen fühlen. Außerdem kann es zu Ungenauigkeiten und Missverständnissen führen.
Der Duden akzeptiert ein generisches Maskulinum seit einiger Zeit nicht mehr. Die maskuline Wortform bezeichnet offiziell nur Männer.
An vielen Universitäten gilt das generische Maskulinum als zu ungenau. Auch ein Gender-Disclaimer kann daran häufig nichts ändern.
Quellen
1 Genderleicht.de: Generisches Maskulinum, in: Genderleicht.de, o.D., [online] https://www.genderleicht.de/generisches-maskulinum/ (16.08.2022)
2 Diewald, Gabriele: Das «generische maskulinum», in: Sprache und Gendern, 30.06.2021, [online] https://www.sprache-und-gendern.de/beitraege/das-generische-maskulinum (16.08.2022)
3 Gesellschaft für deutsche Sprache e. V.: Leitlinien der GfdS zu den Möglichkeiten des Genderings, in: Gesellschaft für deutsche Sprache e. V., 08.2020, [online] https://gfds.de/standpunkt-der-gfds-zu-einer-geschlechtergerechten-sprache/ (16.08.2022)