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"Sous le pavé – la plage", hieß es in den Sechzigern in einem bekannten Spontispruch. Dieser dürfte auch Pate gestanden sein für die vorliegende Essaysammlung "Strand der Städte", ein überaus inspirierender Titel unter dem Zeitungsartikel und Radioessays von Jörg Fauser zwischen 1975 und 1977 zusammengefasst werden. "Blues für Blondinen" wiederum ist das Leitmotiv für "Essays zur populären Kultur", wie es im Untertitel heißt, in denen Fauser über seine schriftstellerischen Vorbilder schreibt.
Revolte in Stupor
Als "Agent der Tristesse und Agonie" in Tanger/Marokko versteht sich Fauser in den ersten Essays, aber auch als Bewunderer Bukowskis, der auf den Spuren Marlowes durch die Stadt der Engel tigert und L.A. treffend mit den Worten beschreibt: "...endlose Meilen lang die Zonen der Deklassierten und Desperados, die Bruchbuden der verlorenen Geborenen, (...) Millionen unterwegs auf den 12-spurigen Autobahnen, wohin?" "L.A. war der Schlussstrich unter eine tote Kultur, die nach Westen kroch, weil sie sich selbst zum Hals raushing." Das Kuh-Gleichnis für die verheerenden Ismen des 20. Jahrhunderts verwendet Fauser ebenso wie seine Erinnerungen an gestern, "die Texte von heute, die Asche von morgen" oder seine Eindrücke von einer Bukowski-Lesung in der St.Mark’s Church in New York. "Jedes Bild muss alles enthalten, was zu seinem Verständnis nötig, und alles verbergen, was für sein Geheimnis unabdingbar ist", erkennt Fauser durch ein Zitat von William Burroughs, weiß aber auch um den Geruch der Armut, den er in verfallenen Gebäuden, ungewaschenen Körpern, Auspuffgasen und Erbrochenem aufspürt. Burroughs war da weitaus profaner. Als man ihm die Berliner Mauer zeigte, soll er nur gesagt haben: "Gibt ne Menge Kaninchen hier" und auf. Und davon.
"Rebellion ohne Grund"
In Band 8 der Werkausgabe des Diogenes Verlages sind erstmals Jörg Fausers zu Lebzeiten erschienene Artikel, Essays, Reportagen und Kolumnen versammelt. Fauser weiß um ein Verhältnis zwischen Eddie Constantine und der Sängerin Edith Piaf, oder von Jimmy James Deans "Rebellion ohne Grund" und der "Todessehnsucht einer Jugend, die mit der Welt, die sie vorfand, nichts anfangen konnte". Jack Kerouac, Gregory Corso oder Lawrence Ferlinghetti sind Fauser ebenso vertraut wie der letzte österreichische Monarchist und Romancier Joseph Roth. Der "katholische Trinker Roth" – wie Fauser ihn nennt – habe die Menschen geliebt und sei dennoch an ihnen verzweifelt. Aber wie sagte schon Napoleon: "Acht Monate Schnee, zwei Monate Regen, und das nennt die Bande Vaterland!" 18 Muskeln werden für’s Lächeln benötigt, nur 5 für’s traurig sein, schreibt Fauser an einer Stelle seiner unterhaltsamen Essays. Bei Jörg Fauser werden aber weit mehr Muskeln aktiviert, denn sein schriftstellerisches Repertoire beinhaltet die ganze Vielfalt des Lebens und die Liebe zu eben diesem Leben.