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Klubs aus 40 verschiedenen Ländern haben bislang in der Gruppenphase der Champions League gespielt. Gestern Abend ist dank Sheriff Tiraspol, das sich in den Playoffs gegen Dinamo Zagreb souverän durchsetzte, der 41. Königsklassen-Staat hinzugekommen. Offiziell ist es die Republik Moldawien, doch das dürfte in der Heimat des Rekordmeisters des Landes niemand gerne hören.
Denn Tiraspol ist Hauptstadt von Transnistrien. Völkerrechtlich gehört der schmale Streifen zwischen dem Fluss Dnister und der Grenze zur Ukraine zwar zu Moldawien, doch de facto ist die 3567 Quadratkilometer grosse Pridnestrowische Moldauische Republik, wie sie offiziell heisst, seit 1990 unabhängig von der Zentralregierung in Chisinau. So verfügt Transnistrien beispielsweise über eine eigene Regierung, Währung, Verwaltung und Armee. Doch bislang wurde das Gebiet, das unter starkem russischen Einfluss steht, von keinem Land und keiner internationalen Organisation als souveräner Staat anerkannt.
Moldawien und Transnistrien haben sich längst mit dem Status quo arrangiert, der Konflikt gilt als eingefroren. So gilt auch nicht als aussergewöhnlich, dass Sheriff Tiraspol stets in der moldawischen Liga gespielt und diese in den letzten Jahren beinahe nach Belieben dominiert hat. Nicht weniger als 19 der letzten 21 Meistertitel gingen in die transnistrische Hauptstadt.
Der Grund für die überwältigende Dominanz ist die bekannte Wirtschaftsholding «Sheriff», die Hauptsponsor und Besitzer zugleich ist. Der Grosskonzern wurde 1993 von den ehemaligen Polizisten Ilja Kasmaly und Wiktor Guschan, der auch KGB-Agent gewesen sein soll, gegründet und war zunächst eine Security-Firma. Mittlerweile hat sich das Unternehmen zu einem riesigen Konstrukt entwickelt, das unter anderem eine Supermarktkette, eine Bank, Tankstellen, einen TV-Sender, ein Verlagshaus, einen Spirituosenhersteller sowie einen Mobilfunkbetreiber umfasst.
Im Jahr 2020 soll «Sheriff» für 60 Prozent der transnistrischen Wirtschaft verantwortlich gewesen sein, weshalb das Unternehmen in den letzten Jahren auch zunehmend Einfluss auf die Politik gewann. Es soll beispielsweise den Aufstieg der aktuellen Regierungspartei «Obnowlenje» («Erneuerung») finanziert haben, ein früheres Staatsoberhaupt war davor gar Mitarbeiter von «Sheriff». Immer wieder ist auch der Vorwurf der Geldwäsche zu hören.
Bereits 1996 wurde der FC Sheriff Tiraspol gegründet und dank grossen Investitionen an die Spitze der moldawischen Liga gepusht. Das von 2000 bis 2002 errichtete Sheriff-Stadion bietet 13'000 Zuschauern Platz und kostete 200 Millionen US-Dollar und, mehr also als das Berner Wankdorf oder der Basler St.-Jakob-Park. Gleichzeitig wurden Spieler aus der ganzen Welt zusammengekauft und so begann im Jahr 2001 die unheimliche Titelhamsterei der «Wespen», wie Sheriff wegen der schwarz-gelben Trikots auch genannt wird. Zuletzt wurde man mit 99 von 108 möglichen Punkten Meister, das Torverhältnis lautete 116:7.
Their facilities are first-class and more akin to those of a top European team than a club from Moldova's Divizia Națională.— The Sweeper (@SweeperPod) August 17, 2021
As our resident stadium expert @SimonClark8 says: "They have three stadiums. A modern arena, a second team pitch with insane floodlights & a huge dome." pic.twitter.com/8Ye3WzgZ9j
Die Champions-League-Qualifikation in den Playoffs gegen Dinamo Zagreb ist nun der grösste Erfolg der Klubgeschichte. Schon 2009 hätte es Sheriff beinahe in die Gruppenphase der Königsklasse geschafft, doch in den Playoffs scheiterte man mit dem Gesamtskore von 0:3 an Olympiakos Piräus. Zwölf Jahre und vier Europa-League-Teilnahmen später hat es nun doch noch geklappt.
Eine Sensation, denn grosse Stars finden sich in der Mannschaft des ukrainischen Trainers Jurij Wernydub nicht. Der Gesamtmarktwert des Teams beträgt lediglich 13 Millionen Euro, womit man mit Abstand das Schlusslicht aller 32 CL-Teilnehmer ist. Den bekanntesten Namen trägt der Malier Adama Traoré. Mit seinem berühmten, gleichnamigen Landsmann von den Wolverhampton Wanderers ist er aber weder verwandt noch verschwägert.
Drei Viertel der Spieler aus dem Kader sind keine Moldawier. In der Startformation der beiden Duelle mit Dinamo Zagreb stand nur gerade ein Spieler mit einem einheimischen Pass: Silva Henrique de Sousa Luvannor – der gebürtige Brasilianer wurde erst 2013 eingebürgert. Der grosse Star des Teams ist Captain Frank Castañeda. Der kolumbische Mittelstürmer erzielte in der letzten Saison in 42 Spielen 33 Tore und 16 Assists und gehörte auch bei den Überraschungen in der Champions-League-Quali gegen Roter Stern Belgrad und Zagreb zu den auffälligsten Spielern.