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Nach einer Einführung in das Mont-Terri-Projekt durch Markus Hugi (Nagra, Chairman Mont-Terri Project) sowie weiteren Erläuterungen durch Peter Heitzmann (Landeshydrologie und -geologie) und Paul Bossart (Geotechnisches Institut) erfolgte die eigentliche Besichtigung des Felslabors. Ursprünglich im Sondierstollen des Autobahntunnels, seit 1998 in einem ca. 250 m langen Seitenstollen, werden dort verschiedene Experimente im Opalinuston durchgeführt.
Die Versuche im Felslabor, die von Projektpartnern aus der Schweiz sowie aus Frankreich, Deutschland, Spanien, Belgien und Japan durchgeführt werden, wollen die geologischen, hydrogeologischen, geochemischen und felsmechanischen Eigenschaften des Opalinustons abklären. Die daraus resultierenden Erkenntnisse sind zum Beispiel für die Beurteilung der Machbarkeit und der Sicherheit eines geologischen Lagers für radioaktive Abfälle von Bedeutung. Ein Lager für radioaktive Abfälle steht am Mont-Terri nicht zur Diskussion, da die lokalen geologischen Verhältnisse im kompliziert aufgebauten Faltenjura ungünstig sind. Dafür sind die Gesteine dank des Autobahndurchstichs gut zugänglich. Die Ergebnisse aus dem Felslabor Mont-Terri ergänzen das wissenschaftliche Untersuchungsprogramm im Opalinuston der Nordostschweiz, wo im Zürcher Weinland die Grundlagen für den vom Bundesrat geforderten Entsorgungsnachweis für hochradioaktive Abfälle mittels 3D-Seismik und Sondierbohrung erarbeitet werden.
Der Opalinuston wurde vor rund 180 Mio. Jahren auf dem Meeresboden abgelagert und präsentiert sich heute als rund 150 m mächtiges toniges Sedimentgestein. Seinen Namen hat er von Leioceras opalinum, einem oft mit der ursprünglichen, opalisierenden Schale erhaltenen fossilen Ammoniten, der ein ausgestorbener Verwandter der Tintenfische ist. Die sehr gute Erhaltung der Fossilien und auch das von Claude Degueldre (PSI) vorgestellte Vorkommen von 180 Mio. Jahre altem Meerwasser in den feinen Gesteinsporen belegen, dass der Opalinuston ausgezeichnete konservierende Eigenschaften besitzt. In weiteren Experimenten konnte beispielsweise gezeigt werden, dass Risse, wie sie durch mechanische Belastungen entstehen können, selber ausheilen. Auch zeigt der trockene Tunnelboden, dass der Opalinuston wirklich dicht ist, dies im Gegensatz zu den umliegenden Schichten.
Diese Eigenschaften bewirken, dass der Opalinuston auch sehr gut als Wirtsgestein für radioaktive Abfälle geeignet ist, wie Markus Fritschi (Nagra) ausführte. Zirkulierendes Wasser ist das einzige mögliche Transportmittel für Radionuklide aus einem Tiefenlager in die Biosphäre, und wenn dieses fehlt, können keine radioaktiven Stoffe aus dem Lager wegtransportiert werden.
Leider fiel die für den Nachmittag angesetzte Besichtigung des Opalinustons und der umliegenden Gesteine in einem grösseren Zusammenhang an der Erdoberfläche sowie der Beziehung zwischen einzelnen Gesteinsformationen und der Gestalt der Geländeform einem heftigen Gewitter zum Opfer. Eine Führung durch die Stiftskirche von St. Ursanne aus dem 12. Jahrhundert rundete den gelungenen SGK-Anlass ab.
Quelle
M.E.