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Die reformierte Kirche Herisau ist der wohl bedeutendste Sakralbau des Landes Appenzell. Sie steht auf einem Geländesporn, ist gegen Osten ausgerichtet und war einst vom Friedhof umgeben. Der Platz westlich der Kirche, den heute mehrere bedeutende Kaufmannshäuser aus dem 18. Jahrhundert säumen, ist der ursprüngliche Kern der Ortschaft. 837 ist sie mit dem Namen ‚Herinisauwa‘ erstmals urkundlich genannt. Bereits 907 wird eine erste Kirche erwähnt. Sie war dem Heiligen Erlöser geweiht. Im Mittelalter wurde St. Laurentius Schutzheiliger der Kirche. Aus dieser Zeit sind unterirdisch noch Mauerzüge nachweisbar. Der Unterteil des Kirchturms stammt wohl aus dem 14. Jahrhundert. Die heutige spätgotische Kirche wurde erbaut in den Jahren 1516 bis 1520 (Einweihung durch den Bischof von Konstanz).
1529 trat Herisau als letzte Gemeinde der äusseren Rhoden zur Reformation über und übernahm damit vom Abt des Klosters St. Gallen die volle Kirchengewalt. In der Folge wurden Kirchenschiff und Chor wesentlich verändert. 1741 wurden die heutige Glockenstube und der Turmhelm errichtet (Johannes Grubenmann).
In den Jahren 1782/83 erfolgte eine grundlegende Renovation. Rokoko-Stuckaturen wurden im spätgotischen Netzgewölbe angebracht. Ebenso wurden eine neue Kanzel und ein neuer Taufstein aus Stuckmarmor gestaltet (Andreas Moosbrugger). Eine Empore gab dem Kirchenschiff zusätzlich ein neues Gesicht.
1807 wurde aus dem aufgehobenen Kloster Salem eine 9,12 t schwere und reich verzierte Glocke (Franz Anton Grieshaber, 1756) für 8000 Gulden gekauft und im Kirchturm angebracht. Sie ist damit die zweitschwerste Glocke der Schweiz. Die alten Glocken wurden in der Folge eingeschmolzen und neu gegossen, so dass heute bei besonderen Gelegenheiten das ganze harmonische Geläut von sechs Glocken zu hören ist.
Hören Sie hier das grosse Geläute mit den Glocken 1, 2, 3, 5 und 6.
Die grösste Glocke der evang.-ref. Kirche Herisau ertönt. Einzig die Angaben zum Gewicht liegen nicht bei 5500 kg, sondern bei 9120 kg. Damit ist sie nach der grössten Glocke im Berner Münster die zweitschwerste der Schweiz.
Hier die 6 Glocken der evang.-ref. Kirche Herisau St. Laurentius:
|Schlagton||Name||Gewicht||Gussjahr||Giesser

|ges°||Herrgottsglocke||9120 kg||1756||Franz Anton Grieshaber, Waldshut

|b°||3428 kg||1871||Jakob II. Keller, Zürich-Unterstrass

|des'||2516 kg||1871||Jakob II. Keller, Zürich-Unterstrass

|f'||1757 kg||1871||Jakob II. Keller, Zürich-Unterstrass

|ges'||1059 kg||1871||Jakob II. Keller, Zürich-Unterstrass

|b'||743 kg||1871||Jakob II. Keller, Zürich-Unterstrass|
1959/60 erfolgte die letzte Gesamtrenovation von Kirche und Turm samt Einbau einer neuen Orgel auf der Empore (Orgelbau Kuhn AG, Männedorf). Seit 1961 sind die drei Spitzbogenfenster in der Mitte des Chors mit Glasgemälden von Köbi Lämmler versehen. 2000 wurde die Kirche, die sich im Eigentum der Politischen Gemeinde Herisau befindet, aussen renoviert.
Am 18. Mai 2020 startete eine umfassende Innenrenovation samt Neubau eines Nebengebäudes und Sanierung der Orgel. Diese Arbeiten konnten Anfangs 2022 abgeschlossen werden.
Ab 13. Februar 2022 fanden in der evangelisch-reformierten Kirche wieder Gottesdienste statt. Von März bis Mai wurde sie mit verschiedenen Anlässen gebührend eingeweiht. Ende März 2022 wurde das Projekt Innenrenovation, Umgestaltung und Erweiterung der Dorfkirche 60 Jahre nach der letzten Innensanierung termingerecht abgeschlossen. Während der anderthalbjährigen Bauzeit wurde die Kirche zudem um ein Nebengebäude ergänzt, mit einem barrierefreien Zugang ausgestattet sowie die unterirdischen Lagerräume und die WC-Anlage den heutigen Ansprüchen angepasst.
Als nächstes stand ab Januar mit der Sanierung der Orgel ein weiteres aufwändiges Vorhaben an, das während mehrerer Wochen den Innenraum in Anspruch nahm. Aus diesem und betrieblichen Gründen konnten bis gegen Ende März keine Anlässe in der Kirche stattfinden. Ausnahme bildeten die ordentlichen Gottesdienste der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde, welche ab dem 13. Februar 2022 ohne Orgelbegleitung wieder möglich waren.
Im Frühling wurde die in neuem Glanz erstrahlende Dorfkirche Herisau mit verschiedenen Anlässen gebührend eingeweiht. Den Anfang setzte am Samstag, 26. März ein Tag der offenen Tür, gefolgt von einem Festgottesdienst am Sonntag, 27. März. Am Sonntag, 24. April, offerierten die ortsansässigen Stiftungen, welche bereits die Sanierung grosszügig finanziell unterstützt haben, der Bevölkerung ein Sinfoniekonzert des Swiss Orchestra. Und am Samstag, 21. Mai, trat Organist Markus Kühnis mit Querflötistin Martina Jucker auf Einladung des Vereins Dorfkirche auf. An diesem Konzert wurden die Möglichkeiten der revidierten Orgel demonstriert. Das Konzert kann mit nachfolgendem Link nochmals gehört werden:
Orgelkonzert zur Einweihung der neu renovierten Orgel
mit Markus Kühnis, Orgel und Martina Jucker, Querflöte
21. Mai 2022, 19.30 Uhr
Aufzeichnung aus der evang.-ref. Kirche Herisau
Die reformierte Kirche in Herisau - ein Kulturdenkmal