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Tyrannis,
Tyrannenherrschaft. Als
Tyrann (týrannos) bezeichneten die Griechen im Gegensatz zu ihren alten Königen
jeden Herrscher, der auf revolutionärem Wege in den
Besitz der Alleinherrschaft gelangt war. Mit dem
Namen
Tyrannis war daher zunächst nur der
Gedanke an
die
Usurpation, nicht an eine willkürliche oder grausame Art der
Verwaltung
verbunden. Im 7. und 6. Jahrh.
v. Chr. treten zuerst in
Griechenland
[* 2] Tyrannenherrschaften auf (ältere
Tyrannis). Damals gelangten
die meisten zur Herrschaft als Führer der
Bürger- und Bauergemeinden
(Demos), die mit dem Regiment des
herrschenden
Adels unzufrieden waren.
Einige, wie die
Tyrannen in den kleinasiat.
Städten, behaupteten sich durch Anlehnung an eine auswärtige Macht
(Persien).
[* 3] Bei der großen
Verbreitung der Tyrannenherrschaften in der gesamten hellenischen Welt kann man von einem Zeitalter
der
Tyrannis sprechen, für die meisten
Städte bedeutet es eine Zeit hoher
Blüte
[* 4] und mächtigen Aufschwunges.
Männer wie
Pisistratus
von
Athen,
[* 5] Theagenes von Megara, Theron von
Akragas, Gelon von
Syrakus,
[* 6] Polykrates von
Samos, wie die Geschlechter der Orthagoriden
in
Sikyon, der Kypseliden in
Korinth
[* 7] haben das Größte geleistet.
Die Fürstenhöfe wurden Mittelpunkte der Wissenschaft und Kunst; man hat sie passend mit den ital.
Fürstenhöfen der Renaissance verglichen. Doch bildeten sich nur selten Dynastien von längerer
Dauer. Das starke hellenische
Freiheitsbewußtsein vertrug die Herrschaft nicht lange,
Adel und
Demos fühlten sich bald gleichmäßig gedrückt und vertrieben
gemeinsam die Oberherren; man verstand nun unter
Tyrann, wie noch jetzt, einen Gewaltherrscher, unter
Tyrannis oder Tyrannei eine harte Willkürschaft.
Diese
Auffassung festigte sich durch die seit dem Ende des 5. Jahrh.
v. Chr. vorübergehend in vielen
Städten aufkommende sog.
jüngere
Tyrannis, eine gewöhnlich durch blutige Revolution begründete Militärdiktatur. Der für uns typische
Vertreter dieser
Tyrannis, zugleich einer ihrer größten und begabtesten, ist der ältere Dionysius von
Syrakus. Die
Dreißig Tyrannen
nennt man den
Ausschuß, der in
Athen nach dem Ende des
Peloponnesischen
Krieges (404 n. Chr.) unter
Lysanders Einfluß zum
Entwurf
einer neuen
Verfassung eingesetzt wurde, aber ein grausames Willkürregiment begann und nach achtmonatiger Gewaltherrschaft
durch
Thrasybulus (s. d.) gestürzt wurde. (S.
Griechenland, Geschichte.) In der späteren röm. Kaisergeschichte
werden die
Statthalter, die sich bei der Verwirrung des
Reichs unter
Gallienus in den verschiedenen
Provinzen 258-268 n. Chr.
zu Gegenkaisern aufwarfen, aber bald wieder beseitigt wurden, nach der Überlieferung bisweilen ebenfalls die
Dreißig Tyrannen
genannt. -
Vgl. Plaß, Die
Tyrannis bei den Griechen (2. Aufl., 2
Tle., Lpz. 1859).