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Aye, aye, captain!
von Oliver Marti (Kommentare: 0)
om - Obwohl Schach eine Einzelsportart ist, sind Mannschaftswettkämpfe sehr beliebt. Der Mannschaftsleiter – oder Captain – vertritt dabei das Team gegenüber der Turnierleitung und den anderen Mannschaften. Er hat dabei besondere Rechte und Pflichten, die in den «Richtlinien für Captains und Delegationsleiter» der FIDE (C.10) aufgeführt sind – ergänzt durch das jeweilige Turnierreglement (beispielsweise SMM/SGM-Reglement des SSB).
- Vertretung der Mannschaft bei Protesten und Anträgen
- Schnittstelle zwischen Turnierleitung und den Spielern
- Einladung der Gastmannschaft
- Mannschaftsaufstellung
- Verantwortung für die Spielbedingungen im Heimlokal
- Resultatmeldung
In der Schweiz ist es üblich, dass die beiden Mannschaftsleiter gemeinsam als Schiedsrichter vor Ort amten. Dies ist eine lokale Besonderheit und erlaubte es, weitgehend auf neutrale Schiedsrichter vor Ort zu verzichten. Sollten sich die Mannschaftsleiter nicht einig werden, so unterbrechen sie den betroffenen Match (oder den gesamten Wettkampf) und kontaktieren den Hauptschiedsrichter, der dann in Abwesenheit entscheidet – wobei sein Entscheid beim Verbandsschiedsgericht angefochten werden kann.
Wie verhält sich der Captain gegenüber seinen Spielern während des Wettkampfs (das heisst nach Rundenbeginn)? Da gab es auf Mitte dieses Jahres wichtige Änderungen.
- Der Captain darf nur in Anwesenheit des gegnerischen Captains (und des Schiedsrichters vor Ort) mit seinen Spielern sprechen – und das in einer Sprache, die auch von allen verstanden wird. Es gibt also kein Gespräch unter vier Augen.
- Der Captain darf seinen Spielern keine Empfehlungen abgeben, ob er ein Remis anbieten oder annehmen darf oder die Partie fortsetzen muss. Dies gilt als verbotene Einflussnahme.
- Der Captain darf nur hinter der eigenen Mannschaft flanieren, nicht hinter der gegnerischen Mannschaft. Dies, um nonverbale Kommunikation zu vermeiden.
Grundsätzlich ist es empfehlenswert, wenn der Captain neben einer hohen sozialen Kompetenz auch eine hohe Qualifikation bezüglich der FIDE-Regeln besitzt. Der Schweizerische Schachbund (SSB) bietet darum regelmässig Kurse für Mannschaftsleiter und Schiedsrichter an. Viele Diskussionen würden verschwinden, wenn jeder Captain ein Nationaler Schiedsrichter wäre.
Josef Nemecek
Josef Nemecek, Präsident der Schiedsrichterkommission des Schweizerischen Schachbundes, freut sich über Ihr Feedback und Ihre Fragen zu den «SSZ»-Regelecken. Sie können ihm auch eigene Themen vorschlagen: <email-pii>.
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