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Das Medikament Ritalin (Wirkstoff Methylphenidat), für Gesunde ein Aufputschmittel, kann im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie zur Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störungen bei Kindern ab einem Alter von sechs Jahren eingesetzt werden, wenn sich andere therapeutische Massnahmen allein als unzureichend erwiesen haben.
Methylphenidat blockiert kurzfristig Nervenzellrezeptoren im Gehirn, wodurch der Hirnstoffwechsel reguliert wird. Dadurch wird die Dopaminkonzentration erhöht. Dies wirkt sich besonders auf die Konzentrationsfähigkeit, aber auch auf die Stimmung positiv aus.
Charakteristisch für eine Aufmerksamkeits-Defizit-Störung (ADS) ist ein ausgeprägt unaufmerksames und impulsives Verhalten, vor allem in Gruppensituationen. Bei der Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) kommen noch Unruhe und übermässiger Bewegungsdrang dazu. Sie gilt als eine der häufigsten Störungen des Kindes- und Jugendalters.
Wird Ritalin zu häufig verschrieben?
Nach Erhebungen der Krankenkasse Helsana nahmen 2008 im Kanton Zürich ca. zwei von 100 Schülern Ritalin oder ein ähnliches Präparat mit dem Wirkstoff Methylphenidat ein. Verglichen mit dem Jahr 2005 entspricht das fast einer Verdoppelung. Experten der Schweizerischen Fachgesellschaft führen die Zunahme auf ein wachsendes Bewusstsein für die Symptome zurück und schätzen, dass bei weitem noch nicht alle Betroffenen ausreichend diagnostiziert und behandelt sind.
Kritische Stimmen bemängeln, dass es zu einer Übermedikamentierung mit Psychopharmaka im Kindesalter komme, die Diagnose nicht ausreichend sicher sei und in der Regel vor dem Einsatz von Ritalin keineswegs alle Therapieoptionen wie komplementäre Methoden, spezielle Diäten oder sozialpsychologische Ansätze ausgereizt würden. Ein Schweizer Parlamentarier hat in einer Motion den Verdacht geäussert, dass Ritalin immer häufiger auch missbräuchlich eingesetzt und zunehmend auch bei Erwachsenen verschrieben würde.
Belastbare Zahlen für falschen Gebrauch sind schwierig zu erheben
Es herrscht Einigkeit darüber, dass Ritalin und vergleichbare Substanzen auch ohne eindeutige Indikation verschrieben werden. Wie häufig das geschieht, ist kaum nachvollziehbar und hängt auch davon ab, was als «Missbrauch» bezeichnet wird. Als Ersatzdroge im Rauschmittelmarkt scheint Ritalin nach Kenntnis des Instituts für Sucht- und Gesundheitsforschungeine untergeordnete Rolle zu spielen. Als Lifestyle-Stimulans für gestresste Manager oder stark geforderte Studenten dürfte der unkontrollierte Bezug über das Internet eine Rolle spielen, aber statistisch kaum erfassbar sein.