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Mit den French Open steht das 2. Grand-Slam-Turnier des Jahres kurz bevor. Die Ausgangslage verspricht nach den jüngsten Turnieren in Madrid und Rom grosse Spannung. Für Roger Federer ist es bereits die 17. Teilnahme an der «Porte d'Auteuil», 1999 war er erstmals am Start. Erlebt hat er in dieser Zeit die gesamte Gefühlspalette. Ein Rückblick:
Die erste Schlacht in Paris
Es war ein heisser Juni-Tag, als sich Federer und Michel Kratochvil auf einem Nebenplatz einen Abnützungskampf sondergleichen lieferten. Der 18-jährige Federer, Nummer 54 des Rankings, geriet zwar mit 0:2 Sätzen ins Hintertreffen, konnte die Partie gegen seinen Landsmann aber noch drehen. Nach 4:24 Stunden durfte er sich über den bis heute «längsten» Sieg und die erstmalige Viertelfinal-Qualifikation bei einem Major freuen.
Kratochvil erinnert sich: «Nach dem Match bin ich in Ohnmacht gefallen und bekam eine Infusion. An der Pressekonferenz tauchte ich erst mit zweistündiger Verspätung auf.»
Eine Vorhand bringt die Wende
Völlig überraschend war Top-Favorit Rafael Nadal im Achtelfinal an Robin Söderling gescheitert. Federers Chance, die French Open erstmals zu gewinnen, stiegen damit um ein Vielfaches. Vielleicht war es genau diese Tatsache, die den Schweizer tags darauf lähmte.
Gegen Tommy Haas, gegen den er die letzten 9 Partien gewonnen hatte, geriet Federer mit 6:7, 5:7 ins Hintertreffen und sah sich im 3. Satz beim Stand von 3:4 einer Breakchance ausgesetzt. Federer nahm volles Risiko und setzte eine crosscourt-Vorhand direkt auf die Linie - dieser Schlag sollte die Wende in dieser Partie bringen.
Krönung einer grossen Karriere
Nach dem Federer auch im Halbfinal gegen Juan Martin del Potro über die volle Distanz gehen musste, mass er sich im Final mit Aussenseiter und Nadal-Bezwinger Söderling.
Federer, sich seiner grossen Chance bewusst, ging fokussiert ans Werk und liess nicht anbrennen. Nach nicht einmal 2 Stunden sank der Basler in die Knie und durfte anschliessend erstmals die «Coupe des Mousquetaires» in die Höhe stemmen. Überreicht bekam Federer die Trophäe von Andre Agassi. Ein Bild mit Symbolcharakter: Der US-Amerikaner hatte 1999 ebenfalls in Paris als erster Spieler der «Open Era» seinen persönlichen Grand Slam komplettiert.
Überraschungs-Coup gegen Djokovic
Die Favoritenrolle im Halbfinal zwischen Federer und Novak Djokovic war so klar verteilt wie selten zuvor. Der Serbe stieg mit einer Siegesserie von 43 Spielen im Rücken ins Duell mit dem Schweizer, hatte im ganzen Jahr noch keine Partie verloren. Federer hingegen hatte schwierige Monate hinter sich und war nicht in Topform.
Federer liess sich davon aber nicht beirren, zeigte eine Partie auf allerhöchstem Niveau und zwang den Saison-Dominator in der Abenddämmerung in vier spektakulären Sätzen in die Knie. «Ich habe ein fantastisches Spiel gezeigt», fasste Federer nach seinem Gala-Auftritt zusammen. Dies musste auch Djokovic neidlos anerkennen.
Federer macht seinem Ärger Luft
Nein, es lief überhaupt nicht nach dem Gusto Federers im Viertelfinal 2012 gegen Del Potro. Bei widrigen Bedingungen kämpfte der Schweizer auf dem zweitgrössten Court Suzanne Lenglen in erster Linie mit sich selbst - und dem Publikum. Im Tiebreak des 2. Satzes machte der Schweizer seinem Ärger Luft, als er nach einem Zwischenruf ein «Shut Up!» in Richtung eines Zuschauers schrie.
Die Aktion verfehlte ihre Wirkung nicht. Federer agierte mit dem Rücken zur Wand wesentlich befreiter und gewann am Ende in 5 Sätzen.
Sendebezug: SRF zwei, «sportpanorama», 17.5.15, 18:15 Uhr