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Die dritte Olympiateilnahme von Sabina Hafner kommt unverhofft. Eigentlich war die Baselbieterin längst im Ruhestand. Winterspiele ohne Schweizer Frau am Start wollte sie dann aber nicht zulassen.
Wenn Sabina Hafner einmal zu reden beginnt, ist sie schwer zu stoppen. Dann kann sie sehr überzeugend sein. Und wenn sich die resolute Dame aus Liestal etwas in den Kopf setzt, lässt sie nicht locker. So überzeugte sie die Leichtathletinnen Rahel und Eveline Rebsamen davon, mit dem Bobsport zu beginnen. Und mit der nötigen Power im Rücken war für sie klar, dass sie in den Eiskanal zurückkehrt.
2011 hatte Hafner mit dem Wettkampfsport aufgehört und war nur noch zum Plausch Bob gefahren. Als nach den Winterspielen 2014 in Sotschi Fabienne Meyer zurücktrat und die Gefahr bestand, dass die Schweizer Frauen in Pyeongchang nicht vertreten sein könnten, wollte Hafner dem nicht tatenlos zuschauen. Es wäre seit der Premiere der Frauen bei Olympischen Spielen 2002 das erste Mal gewesen.
Hafner, die seit einem kräftigen Zupacken beim Verladen eines (fremden) Schlittens vor 13 Jahren an einem Americas-Cup-Rennen den Übernamen "Firecracker" (Feuerwerksknaller) trägt, verfügt über enorm viel Routine. Ihre besten Resultate liegen schon eine ganze Weile zurück. Den einzigen Podestplatz im Weltcup feierte sie als 20-Jährige 2005 in St. Moritz, 2009 folgte ein 4. Platz in Park City als zweitbeste Klassierung. In dieser Saison kam Hafner aber immer besser in Fahrt. Bei den letzten drei Weltcupeinsätzen vor Olympia fuhr sie in die Ränge 7, 6 und 8.
Ein ähnliches Resultat soll es auch im Alpensia Sliding Centre werden. Die Bahn gefällt Hafner jedenfalls gut, auch wenn die Kurven mehr Eis haben als vor einem Jahr bei der Hauptprobe. "Es ist eine einfache Bahn, um runter zu kommen", stellt sie fest. "Aber es ist schwierig, schnell zu sein." Im Kampf um den Platz als Anschieberin setzte sich Rahel Rebsamen knapp gegen ihre Zwillingsschwester Eveline durch.
Elektrotechnik-Studium abgeschlossen
Hafner freut sich auch über Olympische Spiele "ohne Nebengeräusche". "Es ist schöner, wenn du nicht ausblenden musst, was im Land vor sich geht wie vor vier Jahren in Russland", sagt sie. Insofern dürfte sie nicht unglücklich gewesen sein, in Sotschi nicht dabei gewesen zu sein. Stattdessen schloss Hafner während ihres vorübergehenden Sport-Ruhestands ihr Studium der Elektrotechnik an der Fachhochschule Winterthur mit dem Bachelor ab. Nach Pyeongchang soll höchstwahrscheinlich ein Master-Abschluss dazukommen.
Zunächst aber möchte sie ihr erstes olympisches Diplom - nach den Plätzen 10 in Turin 2006 und 12 in Vancouver 2010 - erobern. Hinter den favorisierten Deutschen, Kanadierinnen und Amerikanerinnen scheint dies absolut möglich. Historisches könnte Kaillie Humphries schaffen. Als erste Bobfahrerin überhaupt könnte die Kanadierin nach 2010 und 2014 in der gleichen Bob-Disziplin zum dritten Mal in Folge triumphieren. Der Deutsche André Lange gewann 2002 und 2006 im Vierer sowie 2006 und 2010 im Zweier.
SDA-ATS