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Die «neue Normalität» in der Arktis heisst: «die arktischen Ökosysteme verändern sich sehr rasch», wie es in der 15. «Arctic Report Card» der «National Oceanic and Athmospheric Administration» heisst. Das lag noch vor einer Generation ausserhalb dessen, was man sich vorstellen konnte.
Die Erde erwärmt sich. Die Arktis erhitzt sich, doppelt so schnell wie der Rest des Planeten. Vor 15 Jahren, bei der Publikation der ersten Arctic Report Card, hatten sich die Autorinnen und Autoren noch vorsichtig ausgedrückt. Sie sprachen von «Anzeichen einer kontinuierlichen Erwärmung», sahen aber auch «einigen wenigen Indikatoren, die eine Rückkehr zur Normalität signalisieren könnten». Doch davon kann heute keine Rede mehr sein. Selbst die «Neue Normalität», von der damals die Rede gewesen wäre, ist schon Geschichte. Jetzt gibt es vor dem Hintergrund einer beständigen Erwärmung nur noch den Wandel. 2007 markiert den Startpunkt dieses Wandels. Damals schrumpft die Eisdecke im September um 23 Prozent im Vergleich zum bisherigen Tiefstwert des Jahres 2005. Fünf Jahre später wurde dieser Rekord nochmals um 18 Prozent unterboten – gegenüber dem Jahr 2007. Er hält bis heute. Doch in keinem einzigen Jahr seit 2007 die Eisdecke nochmals das Niveau der Jahre vor 2007 erreicht. Dazu hat auch die Dicke der Eisdecke abgenommen. Vor 30 Jahren bestand rund ein Drittel der Packeisdecke aus Eis, das mindestens vier Jahre alt war. Heute ist dieser Anteil auf einen Zwanzigstel gesunken. Dieses jüngere Eis ist dünner, und es schmilzt rascher. Als das Forschungsschiff «Polarstern» im September 2019 aufbrach, um sich im Packeis einfrieren zu lassen und mit dem Eisstrom zu driften, tat sich die Besatzung schwer, Packeis zu finden, das dick und beständig genug war. Vor 15 Jahren fanden die Forscher Anzeichen eines rapiden Wandels der Eisdecke auf Grönland: die Gletscher flossen rascher zum Meer. Inzwischen schmelzen sie viermal schneller als noch vor 20 Jahren. Aktuell trägt das geschmolzene grönländische Eis mit 0,7 Millimeter jährlich am stärksten zum Anstieg des Meeresspiegels bei. Die übrigen Gletscher und das Packeis sorgen für weitere 0,4 Millimeter Anstieg. Die Schneedecke in der Arktis hat sich in den vergangenen 30 Jahren um 15,5 Prozent zurückgebildet. Vor 15 Jahren hatte man damit gerechnet, dass der Permafrost nicht vor Ende des 21. Jahrhunderts auftauen könnte. Inzwischen hat das Tauen an der Oberfläche schon begonnen, und schon in 30 bis 40 Jahren könnte der Permafrost Geschichte sein. Die Arktis von gestern sei nicht mehr jene von heute, und die Arktis von heute werde nicht jene von morgen sein.