Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03250.jsonl.gz/1949

Wer ist Ben Howard? Vor fünf Jahren konnten wohl nur Wenige diese Frage beantworten. Die Bekanntheit des britischen Singer-Songwriters beschränkte sich damals auf die britischen Counties Cornwall und Devon, wo Ben Howard im Rahmen zwar kleiner, aber bis auf den letzten Platz ausverkauften Konzerte für Furore sorgte. Von dort aus schwappte seine Bekanntheit allmählich auf das ganze Vereinigte Königreich über. So wurde auch das Plattenlabel Island Records auf den Künstler aufmerksam, bei dem Ben Howard einen Vertrag unterzeichnete. Darauf legte er sein Journalismus Studium auf Eis und katapultierte sich mit Schwung in die Welt der Musik hinaus. Diesen Sommer spielte Ben Howard unter anderem zusammen mit „Mumford and Sons“und „The Vaccines“ auf dem Phoenix Park Festival in Dublin. Konzerte in den USA, Kanada und Australien waren innerhalb von 30 Minuten ausverkauft.1 Heute, fünf Jahre später, können wohl schon einige mehr eine zufriedenstellende Antwort auf die Frage, wer Ben Howard sei, geben. Doch trotz des Erfolges, den die beiden von Ben Howard gewonnenen BRIT Awards für British Breakthrough Act und British Solo Male Artist bezeugen, ist der Künstler ein Geheimtipp geblieben.2
Ben Howards Debütalbum „Every Kingdom“, veröffentlicht im Jahr 2011, ist eine Komposition von Klängen der verschiedensten Instrumente, die – geleitet von seiner Stimme und Gitarre – auf unterschiedlichen Ebenen eigenständig funktionieren, aneinander vorbeistreifen, sich kreuzen und schliesslich als Ganzheit in einem Feuerwerk explodieren. Die Texte seiner Lieder sind philosophisch und gesellschaftskritisch („Everything“), es sind Oden an die Trauer oder die Liebe („Gracious“ respektive „Only Love“). Gemeinsam haben alle seine Songs, dass sie sich demjenigen, der gewillt ist aufmerksam zu Lauschen, ins Gedächtnis und ins Herz brennen und dort für immer bleiben.
Während auf dem Album „Every Kingdom“ teils auch herzhaft-fröhliche Lieder wie „The Wolves“ ihren Platz finden, ist die im Jahr 2012 veröffentlichte EP „The Burgh Island“ bedeutend melancholischer und dunkler, was daran liegen mag, dass Ben Howard seine Songs mit einer elektrischen Gitarre zum Leben erweckt. Für „Every Kingdom“ nahm Ben Howard noch meist die traditionelle akustische Gitarre in die Hand. Die vier Lieder auf dieser Platte besitzen eine Intensität, die bis in die Seele eindringt. Sie nehmen einen mit auf eine Reise mit den unterschiedlichsten Zielen: „To be Alone“ führt einen in die Tiefen der Einsamkeit, „Oats in the Water“ in unbekannte Gewässer, „Burgh Island“ nach Hause und „Esmerelda“ zu verlorener Liebe. Die Songs auf dem EP „The Burgh Island“ fesseln das Ohr genauso, wie der Videoclip zu „Esmerelda“ das Auge. Kurios, beeindruckend und voller Wucht preschen die (Schall-)Wellen auf den Körper und die Klippen ein. Ein rückwärts-laufendes graphisches Meisterwerk, das Ben Howard’s Musik widerspiegelt und ins Maximum verstärkt. Diese Intensität mag von einigen nur mit Mühe zu ertragen oder zu verstehen sein. So können die oft kritischen, traurigen und düsteren Texte und Klänge als depressiv empfunden werden. Vielleicht ist dies mit ein Grund, weshalb Ben Howard noch immer eine Art von Insidertipp ist. Doch auf die Kritik, er mache depressive Musik, meinte Ben Howard an seinem Konzert in Zürich am 9. Dezember 2012 nur mit einem Lächeln: „You know, in my eyes depressing music can sometimes be quite uplifting.“
Weiteres Hören: „Every Kingdom“ (2011)
Quellen: