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Nach dem heutigen Stand der modernen Wissenschaft ist die Biochemie von Dr. Schüssler eine sehr umstrittene Angelegenheit, denn der Schulmediziner kann begreiflicherweise die feinstoffliche Wirkung der Mineralsalze nicht verstehen, weil er die massiven Dosen als richtig und zweckentsprechend erachtet. Auch er gebraucht zwar Mineralsalze, wie beispielsweise Natrium sulfuricum, das bekannte Glaubersalz, aber er verordnet es nur in massiver Form. Das Feinstoffliche ist ihm unerklärlich, weshalb er es entschieden ablehnt.
Schüssler Salze für die Seele: die 12 Basissalze nach Dr. Schüssler (Schüssler Salz) und ihre Anwendung in der Übersicht
Auch der homöopathisch geschulte Arzt befasst sich in der Regel nicht mit Biochemie, obwohl drei Schüssler Salze einen guten, bleibenden Platz in der Homöopathie gefunden haben. Es handelt sich dabei um Calcium phosphoricum, um Ferrum phosphoricum sowie um Kalium phosphoricum. Auch Natrium muriaticum war einige Zeit unter den Homöopathen in Gebrauch, doch hat dieses Mittel später anderen Medikamenten, die nach Ansicht führender Homöopathen zuverlässiger wirken, Platz machen müssen.
"Jeder aufgeklärte Laie", so Alfred Vogel in seinem Artikel von 1970, "doch auch weitsichtige, erfahrene Ärzte, die biologisch eingestellt sind, werden (...) jede natürliche Heilmethode da anwenden, wo sie am meisten Erfolg verspricht."
Die althergebrachte Meinung, man könne mit den 12 biochemischen Mitteln von Dr. Schüssler alles heilen, wird heute kein Biochemiker mehr vertreten können. Sowohl die Biochemie als auch die Homöopathie nebst überhaupt jeder anderen Naturheilmethode ist ein Instrument, das man beherrschen muss, um es erfolgreich spielen zu können; aber ein einzelnes Instrument macht noch kein Orchester aus. Wir können daher mit einem solchen Orchester die gesamte Naturheilmethode vergleichen, denn wir werden schwerlich bei den verschiedenen Krankheiten mit einer einzigen dieser Naturheilarten auskommen können. Wir sollten wohl jede von ihnen gründlich beherrschen lernen, um sie im gegebenen Falle einsetzen zu können, wenn irgendeine andere Methode nicht hält, was sie zu versprechen schien. Wenn wir uns daher auch auf die Biochemie nicht einseitig einstellen, wird sie uns auch kaum enttäuschen, denn im Notfall werden wir beweglich genug sein, um auf andere, erfolgreiche Naturheilmethoden überzugreifen. Es enspricht dies keiner Untreue anerkannten Feststellungen gegenüber, sondern nur einer vernünftigen Einstellung.
Wir können noch eine andere Veranschaulichung heranziehen, um besser begreifen zu können, weshalb man von 12 Mitteln nicht erwarten kann, dass sie alles zu heilen vermögen. Dies wäre ebenso verkehrt, wollte man behaupten, dass man mit Licht, Luft, Wasser und Fasern alle Krankheiten beheben könnte. Vergleichen wir also einmal die verschiedenen Naturheilmittel und die entsprechenden Methoden mit Mosaiksteinen. Jeder Methode geben wir eine bestimmte Farbe. Eine einzelne Farbe ergibt verständlicherweise kein Bild, verwenden wir jedoch alle, dann können wir jedes beliebige Mosaikbild zusammenstellen. Jeder aufgeklärte Laie, doch auch weitsichtige, erfahrene Ärzte, die biologisch eingestellt sind, werden daher jede natürliche Heilmethode da anwenden, wo sie am meisten Erfolg verspricht. Diese Möglichkeit richtet sich jeweils nach dem Naturell und der Sensibilität des Patienten und gleichzeitig auch nach der Lage des Falles. Die Beurteilung der Verhältnisse erfordert Geschicklichkeit und Feingefühl und ein Berücksichtigen persönlicher Umstände. Wer so vorgeht, wird ohne weiteres erfahren, dass er weder mit biochemischen noch mit homöopathischen Mitteln allen Krankheiten wird beikommen können.
In diesem Zusammenhang erhebt sich eine weitere Frage, nämlich ob sich die biochemischen Mittel für alle Arten von Menschen eignen mögen. In meiner 40-jährigen Praxis konnte ich auf diesem Gebiet verschiedene Erfahrungen sammeln. Ich stellte einwandfrei fest, dass biochemische Mittel vor allem in der Kinderpraxis angebracht sind. Auch sehr sensible Menschen, die medikamentempfindlich sind, sprechen auf biochemische Mittel günstig an. Dies ist beispielsweise jedoch bei starken Rauchern nicht der Fall.
Auch jene Menschen, die regelmässig kräftige Gewürze einnehmen und dem Alkohol, insbesondere Likören frönen, sollten sich den phytotherapeutischen Mitteln zuwenden. Wer jedoch auf Medikamente richtiggehend allergisch anspricht, wird durch biochemische Mittel eine rasche Wirkung zum Guten erfahren. Nicht nur Kindern, selbst Säuglingen werden biochemische Mittel als grosse Hilfe dienlich sein. Sie sind einfach in der Anwendung, auch muss man durch sie keine Nebenwirkungen noch unangenehme Reaktionen befürchten. Kinderärzte, die mit biochemischen Mitteln arbeiten, ersparen sich und den Eltern der Kinder viele Sorgen und vermehrte Beschwerden, auch werden den Kindern dadurch schlaflose Nächte erspart werden können.
Oft heilt eine Krankheit, bevor man die angewandten Mittel völlig aufgebraucht hat. Es erhebt sich nun die Frage, wie lange solche Restbestände biochemischer Mittel wirksam bleiben mögen. Wenn flüssige Heilmittel in einem feuchten Raum wie dem Badezimmer oder der Küche Aufbewahrung finden, werden sie dadurch keinen Nachteilen ausgesetzt sein, vorausgesetzt allerdings, dass sie gut verschlossen sind.
Anders verhält es sich jedoch mit biochemischen Mitteln in Pulver- oder Tablettenform. Diese müssen unbedingt trocken aufbewahrt werden, denn bei langandauernder Feuchtigkeit werden sie leiden und können deshalb den Wirkungseffekt verlieren. Biochemische Mittel sollten nie älter als 1 1/2 bis zwei Jahre sein. Kann man sie jedoch an völlig trockenem Ort lagern, können sie ihre Wirksamkeit noch bedeutend länger beibehalten. Will man jedoch bei der kleinen Zahl von 12 biochemischen Mitteln sicher gehen, dann ist es vorteilhafter, unverbrauchte Mittel alle zwei Jahre zu erneuern.
Bedient man sich biochemischer Mittel, dann sollte man sich nach den Einnahmevorschriften richten. Ist ein Fall akut und schmerzhaft, womöglich mit starken Krämpfen, mit Schwächezuständen oder heftigem Fieber verbunden, dann nimmt man alle 10 Minuten 1 Tablette von 0,1 g. Kann man feststellen, dass ein akuter Fall weniger schwer ist, dann genügt es, alle 1 – 2 Stunden 1 Tablette einzunehmen.
Wer unter chronischen Krankheitszuständen leidet, sollte 3 – 4 Mal täglich 1 Tablette in einem Esslöffel voller Wasser einnehmen. Eine noch bessere Wirkung lässt sich erzielen, wenn man die Tablette ganz auf der Zunge zergehen lässt. Da die Mund- und Zungenschleimhäute den grössten Teil heilwirkender Stoffe aufnehmen können, sollte man die biochemischen Mittel nicht einfach nur schlucken, weil dadurch die Magensäure die Wirkungsmöglichkeit verhindern könnte. Wie bereits erwähnt, ist es daher vorteilhaft, biochemische Mittel möglichst langsam auf der Zunge zergehen zu lassen, weil dies zu günstigem Einspeicheln verhilft. Nie sollte man zu gleicher Zeit zwei biochemische Mittel einnehmen, denn die Wirkung des einen Mittels könnte unter Umständen jene des zweiten Mittels vermindern oder womöglich sogar aufheben. Wurden indes zwei Mittel verschrieben, dann erfolgt die Einnahme des einen vor und die des anderen nach dem Essen, wenn man nicht vorzieht, die Mittel in täglichem Wechsel einzunehmen, also eines am ersten und das andere am zweiten Tag, und zwar auf diese Weise Tag für Tag wechselnd.
Es ist empfehlenswert, die Schüssler Salze entweder 1/2 Stunde vor, oder aber erst 1 – 2 Stunden nach dem Essen einzunehmen. – Sie wirken wie alle anderen Naturmittel am vorteilhaftesten während des Fastens. Säuglingen zerdrückt man 1 Tablette in einem Löffel zu Pulver, das man ihm nach und nach auf die Zunge gibt. Man kann auch den Gummilutscher in das Pulver tauchen, was das Eingeben vereinfacht.
Die meisten Menschen neigen zum Glauben, viel helfe viel. Solche haben schwer, zu begreifen, dass es bei einem Mittel nicht auf das Quantum, sondern viel mehr auf die richtige Wahl ankommt. Der Erfolg wirkt sich keineswegs besser aus, ob man von einem biochemischen Mittel nur 1 oder 5 Tabletten einnimmt. Wenn nachts eine Lampe genügend hell gibt, hat es keinen Sinn, deren fünfe anzuzünden. Ebenso verhält es sich bei einem biochemischen Mittel. Wenn die Mittelwahl richtig ist und das Mittel dieserhalb entsprechend einsetzt, dann ist es zwecklos, das Quantum zu vergrössern. Wichtiger ist es, die nötige Geduld zu regelmässiger Einnahme aufzubringen, da die Wirkung von Schüssler Salzen nicht immer so spontan einsetzt, wie man dies erwarten mag, was besonders zutreffen kann, wenn es sich um chronische Leiden handelt.