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«Information Operations» ist das Zauberwort im modernen Krieg. Wie die USA den Irak informieren und damit gleichzeitig an der Heimatfront kämpfen, zeigen Enthüllungen der Los Angeles Times. Aber auch das VBS schläft nicht.
Schon länger geistern Zahlen herum, wie viel der US-Regierung die Verbesserung ihres Rufes wert ist: Verschiedene Quellen sprechen von einer Milliarde Dollar pro Jahr. Unter anderem wird dieses Geld in Propaganda-Artikel gesteckt, die von amerikanischen Truppenangehörigen geschrieben und dann gegen Bezahlung von irakischen Medien veröffentlicht werden. Meist sind dabei die Artikel nicht von «wirklichen» Nachrichten zu unterscheiden. Das Pentagon hat verschiedene US-Firmen angestellt, die als Mittler zwischen Militär und Medien fungieren sollen. Darunter sind laut Internetberichten auch eher dubiose Unternehmen, wie zum Beispiel die Lincoln Group, zu finden. Diese soll sich vor allem über zweifelhafte Referenzen Pentagon-Aufträge in Millionenhöhe ergattert haben.
Blow-Back-Effekt
Mit der Platzierung einseitig informierender Artikel in irakischen Medien erreicht das Pentagon neben der Beeinflussung der öffentlichen Meinung im Irak noch einen willkommenen Nebeneffekt: Dank der stärkeren Vernetzung der Medien über den Globus hinweg werden News aus irakischen Quellen von US-Medien aufgenommen. Diese Propagandamitteilungen landen dann als unabhängige News auf dem Frühstückstisch jedes westlichen, und was vor allem wichtig ist: amerikanischen Bürgers. So kann das Pentagon das Propagandaverbot im eigenen Land elegant umgehen.
Solche «Information Operations» sind in einer vom Pentagon 2003 erstellten Roadmap vorgezeichnet. Diese ist nun in Folge des Freedom of Information Acts bis auf ein paar geschwärzte Abschnitte frei zugänglich. Als «Information Operations» können danach fast alle Operationen im riesigen Feld der Informationsbeschaffung, -Speicherung und -Übertragung bezeichnet werden. Kernaussagen des Berichts sind:
- «We Must Fight the Net». Das Internet wird einem militärischen Gegner gleichgesetzt, den es mit entsprechenden Waffen zu bekämpfen gilt.
- «We Must Improve Network and Electo-Magnetic Attack Capability». Die US-Streitkräfte sollen das ganze elektromagnetische Spektrum dominieren. Was bedeute, notfalls auch offensiv alle auf elektro-magnetischer Basis funktionierenden Apparate attackieren zu können, und das weltweit!
- «We Must Improve PsyOps». Durch psychologische Kriegsführung soll der Gegner in seiner Entscheidungsfindung beeinflusst werden. Diese Operationen bräuchten eine lang andauernde Vorbereitung und seien also auch in Friedenszeiten aufrecht zu erhalten. Die Platzierung von Artikeln in ausländischen Medien gehört wohl in diese Kategorie. Sie ist als taktisches Werkzeug explizit in der Roadmap zu finden.
Kampf um «Herzen und Köpfe»
Auch das VBS hat eine Studie unter dem Titel «Information Operations» durchgeführt. Informationsoperationen seien «Kampf für und um Informationen», und ihre Auswirkungen können in «einem zerstörten Ruf, zerfallenen Karrieren oder sogar als militärischer oder strategischer Misserfolg sichtbar werden.», so Oberst Peter Forster in der Allgemeinen Schweizerische Militär Zeitschrift. Die Armee hat prompt eine neue Sektion für Informationsoperationen gebildet, die direkt im Führungsstab der Armee verankert ist. Inhaltliche Informationsoperationen wie zum Beispiel PsyOps werden aber von der Armee nicht als «Information Operations», sondern beschönigend als «Operationelle Informationsführung» bezeichnet.
Die Verteidigungsministerien der Welt rüsten sich für den Krieg von Morgen. Dass dabei eine gewisse Prise Paranoia mitspielt, wird klar, wenn das Internet als Feind und Information als Waffe betrachtet wird.