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Überraschung: Hewlett-Packard ernennt den ehemaligen SAP-Chef Léo Apotheker zum CEO und Verwaltungsrat.
Als Frankreich 2003 den Kriegsbeginn gegen Irak kritisierte, taufte man in den patriotischen USA von Präsident Bush dem Jüngeren ein beliebtes Nahrungsmittel um: Aus "French Fries" wurden "Freedom Fries" gemacht. Tatsächlich ist Frankreich als Reiseziel in den USA sehr beliebt, von der französischen Politik und Wirtschaft hält man aber nicht allzu viel. Umso erstaunlicher, dass mit Léo Apotheker (Foto) ein Deutscher mit Wohnsitz in Paris zum neuen Chef des weltweit grössten IT-Konzerns mit Hauptsitz in Kalifornien gemacht worden ist. Apotheker wurde, so eine Pressemitteilung von HP heute Abend, zum CEO und President ernannt.
Der 57-jährige Apotheker ging 1988 zum deutschen ERP-Riesen SAP, wo er zuerst die Leitung der Landesgesellschaft Frankreich und Belgien übernommen hatte. 1992 gründete er eine Risikokapitalgesellschaft, kehrte aber 1995 zu SAP zurück, wo er 2008 Co-Geschäftsführer (neben Henning Kagermann) und 2009 Vorstandsvorsitzender wurde. Im Februar 2010 trat er überraschend als SAP-Chef zurück
, der unter anderem Vertrauensverlust seitens Mitarbeitenden und Kunden kritisiert hatte.
Apotheker sei eine treibene Kraft bei der Entwicklung von SAP zur grössten Business-Software-Firma der Welt gewesen, und er habe geholfen, die signifikantesten Veränderungen von SAP zu entwickeln und umzusetzen, schreibt HP heute. Offenbar setzt man im HP-Verwaltungsrat nach der eher seltsamen und umstrittenen Entlassung des Top-Sanierers Mark Hurd
auf einen Mann, der versteht, wie das Software-Business funktioniert und der HP in den wichtigen "emerging markets" (China, Brasilien, Vietnam) vorwärts bringen kann.
Ex-Oracle-Manager im Verwaltungsrat
Ausserdem hat HP Ray Lane von der Investment-Firma Kleiner, perkins Caufield & Byers in den Verwaltungsrat geholt. Ray Lane gilt als ehemaliger "Kronprinz" von Oracle-Chef Larry Ellison, in dessen Firma er als COO gearbeitet hatte. Lane war zuvor bei Booz Hamilton und beim Outsourcer EDS (heute HP).
Nach der Gewinnoptimierung der Umbau
Die Wahl von Léo Apotheker zum CEO von HP überrascht Analysten und Journalisten weltweit, genauso wie dies schon beim Rauswurf des finanziell sehr erfolgreichen Vorgängers Hurd gewesen ist.
Doch die Überlegungen des HP-Verwaltungsrats sind nachvollziehbar: Mark Hurd war ein Sanierer und Prozess-Optimierungs-Spezialist, dem das Kunststück gelang, das PC-Geschäft im Kampf gegen den Direkverkäufer Dell und gegen die chinesischen Riesen Acer und Lenovo zur Goldgrube zu machen. Unter Hurds Ägide wurde der Outsourcer EDS übernommen und sehr hemdsärmelig (manche sagen "brutal") saniert
nicht gelungen ist der Umbau von HP zu einer (auch-)Softwarefirma. Offenbar traut man Apotheker zu, den von Hurd extrem "schlank-getrimmten" Konzern nun nach dem Vorbild von IBM oder EMC zu einem hochprofitablen Hardware-Software-Service-Konglomerat umzubauen.
Ob Apotheker aber eine Chance hat, wird auch davon abhängen, ob die US-Investoren dem Europäer zutrauen, die Ur-kalifornische Firma zu leiten und weiterhin umzubauen. (Christoph Hugenschmidt)