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Zürich, den 31. Dezember 1876.
Hochverehrtester Herr!
Bei dem großen Interesse, welches Sie von jeher für das Zustandekommen der Gotthardbahn an den Tag gelegt haben, ist es Ihnen vielleicht nicht unerwünscht, in den Besitz der wichtigsten diese Bahn betreffenden Aktenstücke zu gelangen, welche seit der bekannten vom 3. März dss. J. datirten Eingabe der Direktion der Gotthardbahn an den Schweiz. Bundesrath betreffend die Finanzlage der Gotthardbahngesellschaft1 und den Bericht des Herrn Oberingenieur Hellwag über die Ausmittlung der Bahnachse und des Längenprofiles der Gotthardbahn und die Bearbeitung eines approximativen Kostenvoranschlages 2 erlaufen sind. Ich mache mir daher ein Vergnügen daraus, sie Ihnen unter Einem als Fahrpostsendung zu übermitteln.
Die Sendung schliesst in sich:
1. Das Protokoll der von dem Schweiz. Bundesrathe für Untersuchung der Angelegenheit der Gotthardbahn niedergesetzten Expertenkommission (Plenarkommission). 3
2. Das Protokoll der von dieser Plenarkommission niedergesetzten Subkommission.4
3. I. Nachweisung der Abweichungen des «Detailprojektes» des Oberingenieurs | der Gotthardbahn, beziehungsweise des dazu gehörenden «detaillirten Kostenvoranschlages» von dem «generellen Projekte», beziehungsweise dem darauf bezüglichen «approximativen Kostenvoranschlage» desselben.5
4. II. Nachweisung zur Begründung der Ansätze, welche in dem neuesten unter Berücksichtigung der Beschlüsse der bundesräthlichen Expertenkommission angefertigten Kostenvoranschlage (Dezember 1876) enthalten sind.6
5. Zwei Programme für die finanzielle Rekonstruktion der Gotthardbahnunternehmung.7
Zu Ihrer Orientirung mit Bezug auf diese Aktenstücke erlaube ich mir noch einige Mittheilungen zu machen.
Unmittelbar nach Eingang der oben erwähnten Eingabe der Direktion der Gotthardbahn an den Schweiz. Bundesrath vom 3. März dss. setzte der letztere, dem von der Direktion geäußerten Wunsche entsprechend, eine Expertenkommission zur Untersuchung der Gotthardbahnangelegenheit in ihrem ganzen Umfange nieder. Der Schweiz. Bundesrath hatte, bevor er die Kommission ernannte, nicht unterlassen, gegenüber den andern Subventionsstaaten den Wunsch auszusprechen, daß sie sich bei dieser Untersuchung ebenfalls betheiligen möchten. Sowohl die Deutsche als auch die Italienische Regierung gingen aber auf diesen Vorschlag nicht ein, erklärend, daß sie die Vornahme der Untersuchung zutrauensvoll dem Schweiz. Bundesrathe überlassen. Die in Folge dessen von dem letztern allein ernannte Expertenkommission wählte in ihrer ersten Sitzung eine Subkommission zur Vorberathung aller in den Bereich der Untersuchung | zu ziehenden Fragen. Die Ergebnisse der Verhandlungen der Subkommission und der Plenarkommission sind in die beiden Protokolle niedergelegt, welche sich oben unter 1. und 2. angeführt befinden.
Mittlerweile hat dann, und zwar vom August bis November abhin, Herr Oberingenieur Hellwag das Detailprojekt und den detaillirten Kostenvoranschlag für die noch zu bauenden Linien des Gotthardbahnnetzes zur Vollendung gebracht. Dieses Detailprojekt konnte bei seinem außerordentlichen Unfange in der kleinen Spanne Zeit, die hiezu zur Verfügung gestanden hätte, nicht vervielfältigt werden. Das oben unter 3. aufgeführte Schriftstück enthält in übersichtlicher Form die Nachweisung der Abweichungen des Detailprojektes des Oberingenieurs der Gotthardbahn, beziehungsweise des dazu gehörenden «detaillirten Kostenvoranschlages» von dem «generellen Projekte», beziehungsweise dem darauf bezüglichen «approximativen Kostenvoranschlage» desselben.
Nachdem die bundesräthliche Expertenkommission ihre Arbeiten beendigt hatte, wurde im Laufe des gegenwärtigen Monates von dem Schweiz. Bundesrathe und der Direktion der Gotthardbahn unter Berücksichtigung des Gutachtens der Expertenkommission der definitive Kostenvoranschlag aufgestellt, welcher das erste Blatt der oben unter 4. aufgeführten Nachweisung (II) zur Begründung der Ansätze, welche in dem neuesten unter Berücksichtigung der Beschlüsse der bundesräthlichen Expertenkommission angefertigten Kostenvoranschlage (Dezember 1876) 8 enthalten sind, bildet.
Die unter 5. aufgeführten zwei Programme für die Reorga| nisation der Gotthardbahnunternehmung endlich sind von den Organen der Gotthardbahngesellschaft entworfen, mit einer Delegation des Schweiz. Bundesrathes diskutirt und dann von dem letzteren als Vorschläge der Gesellschaft der Deutschen und Italienischen Regierung übermittelt worden, um damit anzudeuten, auf welchem Wege die Beschaffung des für Vollendung des Unternehmens fehlenden Kapitales angestrebt werden könnte.9 Ich bitte Sie, die Mittheilung dieser Programme vorerst als eine ganz konfidentielle, lediglich für Ihre hochverehrte Person bestimmte behandeln zu wollen. Da die Programme zu vollständiger Orientirung über die obwaltende Situation nicht entbehrt werden können, so glaubte ich nicht unterlassen zu dürfen, sie Ihnen vorzulegen. Wissend hinwieder, wem ich sie mittheile, konnte ich über den Gebrauch, der von denselben werde gemacht werden, vollkommen beruhigt sein.
Hoffend, daß meine Zusendung Ihnen, Hochverehrter Herr! vielleicht nicht ganz unwillkommen sein möchte, bitte ich Sie, bei Anlaß des Jahreswechsels meine warmen Wünsche für Ihr Wohlergehen entgegennehmen und zugleich die erneuerte Versicherung meiner aufrichtigen Verehrung genehmigen zu wollen.
Ihr ergebene 10
Herrn Dr Otto Elben,
Abgeordnetem zu dem Reichstage,
zu der Württembergischen Zweiten Kammer
Stuttgart.