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Ein Titel für Servette oder die Kloten Flyers wäre das Beste für das Schweizer Eishockey. Weil die Nati dann für die WM eine starke Nummer 1 im Tor hätte.
Der 5. März 2014 könnte sich noch als schicksalsschwerer Tag für das Schweizer Eishockey erweisen. An diesem Tag wurde Calgary-Torhüter Reto Berra nach Colorado transferiert. Wäre er bei den Flames geblieben, dann würde er für die WM (9. bis 25. Mai) zur Verfügung stehen, weil Calgary die NHL-Playoffs nicht erreicht. Colorado hingegen ist ein Spitzenteam, das in den Playoffs sehr weit kommen kann. Auch Jonas Hiller spielt für ein NHL-Spitzenteam, die Anaheim Ducks gehören zu den Stanley-Cup-Anwärtern.
Für die WM kommen NHL-Spieler in Frage, die mit ihren Teams entweder die Playoffs nicht geschafft haben oder in der ersten Playoffrunde ausgeschieden sind. Im Laufe des Turniers können Stars eingeflogen werden, die mit ihren Mannschaften in der zweiten Runde gescheitert sind.
Weil Colorado und Anaheim gute Chancen haben, zwei Playoffserien zu überstehen, ist die Gefahr gross, dass wir bei der WM ohne Reto Berra und Jonas Hiller auskommen müssen. Und auch ohne Montréals Robert Mayer. Eine heikle Situation.
Vor einem Jahr hatten Reto Berra und Martin Gerber auch statistisch für die besten Torhüterleistungen an einer WM gesorgt: Kombiniert erreichten sie eine Fangquote von 94,34 Prozent. Nur Weltmeister Schweden war noch besser.
Was, wenn uns WM-Held Reto Berra und NHL-Titan Jonas Hiller in Minsk nicht zur Verfügung stehen? Dann haben wir ein Problem. Weil dann ein Torhüter aus der NLA unsere Nummer 1 sein muss.
Wer ist der beste Torhüter der Liga? Wir haben dann bei der WM kein Torhüterproblem, wenn uns sofort ein Name einfällt. Wenn jeder über alles Klubdenken hinweg den gleichen Namen nennt. Aber das ist jetzt, Anfang April, nicht der Fall.
Wer ist die Nummer 1 der Liga? Bei jedem Namen gibt es ein «Ja, aber ...» Nicht einmal Martin Gerber ist über alle Zweifel erhaben. Rein statistisch haben mit Ausnahme von Lukas Flüeler (91,70 Prozent) alle WM-Kandidaten (Martin Gerber, Leonardo Genoni, Tobias Stephan) Fangquoten von mehr als 92 Prozent. Also kein Problem.
Aber keiner der WM-Kandidaten war bisher in den Playoffs in jeder Partie ein charismatischer, dominanter Torhüter. Keiner die unbestrittene nationale Nummer 1. Deshalb wäre ein Meistertitel für die Kloten Flyers oder Servette perfekt: Dann nämlich hätten Martin Gerber (Kloten) oder Tobias Stephan (Servette) doch noch ihre absolute Topform erreicht. Wir hätten dann zwei mögliche WM-Helden.
Vor elf Jahren hatten wir letztmals eine ähnliche Situation. Lugano holte den Titel im Finale gegen den HC Davos. Aber keiner der beiden Finalgoalies (Ronnie Rüeger, Lars Weibel) wurde bei der WM in Finnland unsere Nummer 1, sondern Marco Bührer. Der SCB-Torhüter beendete die WM mit einer Fangquote von 93,43 Prozent.
Mit einer heldenhaften Partie (1:0 gegen die USA) rettete er uns vor der drohenden Abstiegsrunde. Die Nummer 3 war damals übrigens Tobias Stephan. Wie schwierig die Goalielage ist, zeigt Sean Simpsons Aufgebot für die beiden WM-Testspiele gegen Schweden nächste Woche. Er hat Luganos Daniel Manzato und Michael Flückiger aufgeboten.
Bei allem Respekt: Marco Bührer ist kein Kandidat für die Nummer 1 in Minsk. Sean Simpson wird bei seiner letzten WM für die Schweiz wohl auf Martin Gerber und Tobias Stephan vertrauen müssen. Im Idealfall holt Tobias Stephan mit einem Meistertitel für Servette das Selbstvertrauen, um uns ins WM-Viertelfinale zu hexen. Oder Martin Gerber gewinnt mit Kloten die Meisterschaft und wird noch einmal ein WM-Held. Er ist ohnehin Sean Simpsons Lieblingsgoalie.