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Mi, 21. Oktober 2020, Lioh Möller
Viele Anhänger von Freier Software haben schon lange auf die neue Version der GNU/Linux Distribution Trisquel gewartet. Das aktuelle Release 9.0 trägt den Codenamen Etiona und basiert auf Ubuntu 18.04 LTS. Im Gegensatz zu vielen anderen GNU/Linux-Derivaten enthält Trisquel keine unfreien Komponenten, wie zum Beispiel Binary Blobs, die zum Betrieb vieler WLAN-Adapter benötigt werden. Damit folgen die Entwickler den Richtlinien für freie Systemverteilungen der Free Software Foundation. Diese sind sehr restriktiv und so fällt beispielsweise Debian GNU/Linux nicht darunter, obwohl der Main-Zweig der Distribution keine unfreien Komponenten enthält. Jedoch ist es unter Debian GNU/Linux möglich, Repositories mit unfreien Komponenten zu aktivieren die auf der gleichen Infrastruktur veröffentlicht werden, wie der Main-Zweig (contrib oder non-free). Diese vermeintliche Kleinigkeit verhindert eine Aufnahme in die Riege der freien Distributionen und hat schon oftmals für Diskussionsstoff gesorgt.
Trisquel geht an vielen stellen allerdings noch weiter. So wurde der Webbrowser Firefox durch einen Fork namens Abrowser ersetzt, welcher einige AddOns enthält, die zum Beispiel das Nachladen von unfreien Java-Script Komponenten verhindern. Auch der Mozilla AddOn-Katalog wurde durch eine Variante ersetzt, die nur freie Erweiterungen enthält.
In Konsequenz enthält Trisquel den freien Kernel Linux-Libre, welcher nicht nur keine unfreien Treiber enthält, sondern auch das Nachladen eben dieser unterbindet.
Wie gewohnt wird die Distribution in verschiedenen Geschmacksrichtungen angeboten. Die Hauptausgabe beinhaltet einen angepassten MATE-Desktop, Trisquel-Mini bringt die leichtgewichtige (aber nicht mehr aktiv weiterentwickelte) Desktopumgebung LXDE mit und neuerdings dürfen sich Freunde von KDE Plasma über eine Edition mit dem Namen Triskel freuen.
Serverinstallationen sind mithilfe des Netboot-Images möglich und mit Trisquel TOAST bietet das Projekt eine Variante mit der Lernumgebung Sugar an.
Aufgrund der in die Jahre gekommenen Basis von Trisquel 9, ist ein Grossteil der enthaltenen Software, bis auf Eigenentwicklungen wie Abrowser, bereits veraltet. LiberOffice wird beispielsweise in Version 6.0.7 ausgeliefert. Mittels Flatpak, Appimage und Co lassen sich natürlich jederzeit neuere Versionen nachrüsten. Allerdings weicht man dadurch die Philosophie der Distribution auf, da die jeweiligen Repositories in den meisten Fällen auch unfreie Softwarekomponenten enthalten. Letztendlich liegt die Verantwortung über den Grad der Freiheit beim Anwender selbst.
Der Screenshot zeigt die Triskel-Variante mit KDE Plasma als Desktopumgebung.