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Die Juraviper (Vipera aspis), auch Aspisviper genannt, und die nahe verwandte Kreuzotter (Vipera berus) sind die beiden einzigen in der Schweiz vorkommenden Vipernarten. Beide sind giftig und können anhand der senkrechten Pupillenschlitze der Augen und des relativ gedrungenen Baus des Körpers von den Nattern gut unterschieden werden. Die Tiere werden bis 70 Zentimeter lang und zeigen eine stark variable Färbung. In den Alpen sind, anders als im Jura, auch schwarze Exemplare («Schwärzlinge») häufig.
Die Juraviper ist eine südwesteuropäische Art mit einer nordöstlichen Verbreitungsgrenze im Bereich Jura-Südschwarzwald-Vogesen. Auf badischem Gebiet ist sie nur an wenigen Orten im Schwarzwald verbreitet. Früher kam sie direkt vor den Stadttoren Basels am Grenzacher Horn vor. Auch im Baselbiet war sie weit verbreitet. Aktuell liegen jedoch nur noch wenige Einzelnachweise aus dem Kanton Basel-Landschaft vor. Auch in den Kantonen Solothurn und Jura wird ein alarmierender Rückgang der Vorkommen verzeichnet. In der Südwest- und Südschweiz sind die Populationen weniger stark gefährdet.
Man weiss, weshalb es dieser Schlange in unserer Region nicht mehr gefällt: Durch erhebliche Änderungen der Waldbewirtschaftung kam es ab Mitte des 20. Jh. zur Verbuschung von zahlreichen Schutthalden. Offene Waldbereiche gingen zu geschlossenem Hochwald über, und es kam mancherorts zur Anpflanzung von Nadelbäumen. Dies führte zu einem Mangel an Sonnplätzen für die wärmebedürftigen trächtigen Weibchen. Auch das Entfernen von Lesesteinhaufen und Trockenmauern trug zum Lebensraumverlust bei. Als weitere Ursachen für den Rückgang gelten Herbizideinsatz, Straßenverkehr, das Wegfangen durch Sammler fürs Terrarium und das Totschlagen der Giftschlangen. In der Schweiz und in Deutschland wird die Art deshalb als vom Aussterben bedroht eingestuft.
Die Juraviper ist sehr wärmebedürftig und hat ihren natürlichen Verbreitungsschwerpunkt in tiefen Lagen. Sie besiedelt Geröllfelder, Hangschutt am Fuss von Felswänden, Lichtungen mit Felsbrocken und niederem Gebüsch und besonnte Felspartien. Stets bevorzugt sie südlich ausgerichtete, gut besonnte Lebensräume. Sie ist vorwiegend tagaktiv, zieht sich an heißen Sommertagen aber zurück und kommt erst während der Dämmerung wieder aus ihrem Versteck.
Nach mehrmonatiger Winterpause (Mitte Oktober bis Mitte April) erfolgt im Mai die Paarung. Wo die Populationsdichte gross genug ist, liefern sich die Männchen im Frühjahr Balzkämpfe, bei denen sich die Kontrahenten bedrohen oder gegenseitig umschlingen, um den anderen niederzudrücken. Juravipern sind relativ standorttreu. Trächtige Weibchen wandern aber auf der Suche nach Sonnplätzen, welche für die rasche Entwicklung ihres ungeborenen Nachwuchses möglichst ideal sind, bis 150 Meter am Tag.
Im September werden 5 bis 15 Junge geboren. Die Juraviper ist ovovivipar, das heisst die Jungtiere schlüpfen bereits im Mutterleib oder unmittelbar bei oder nach der Geburt aus der dünnen Eihülle. Die frisch geborenen Jungtiere messen 15 bis 20 Zentimeter. Die Nahrung der Juraviper besteht vor allem aus Mäusen und Eidechsen. Jedes erwachsene Tier verzehrt pro Saison etwa 120 % seines Körpergewichts, was bedeutet, dass es etwa ein Dutzend grössere Beutetiere pro Jahr verschlingt. Warmblütige Beutetiere werden mit einem schnellen Biss vergiftet. Erst nach dem Tod des Beutetiers wird es von der Schlange mit dem Kopf voran verschlungen.
Schlangen sind in der Regel sehr scheue Tiere, die vor dem Menschen flüchten. Einen herannahenden Menschen bemerken sie frühzeitig durch Bodenvibrationen. Sie werden nur gefährlich, wenn sie überrascht werden und ihnen keine Zeit zur Flucht bleibt. Die eidgenössische Statistik verzeichnet seit 1900 insgesamt 16 Todesfälle durch Vipernbisse. Seit 1961 ist nur ein Todesfall bekannt geworden, der auf einen Biss durch eine Viper zurückzuführen ist. Zum Vergleich: Allein zwischen 1960 und 1996 sind in der Schweiz 117 Personen an Insektenstichen gestorben. Der Biss einer Juraviper kann gefährlich sein, wenn er unbehandelt bleibt. Zu den allgemeinen Vergiftungserscheinungen gehören Übelkeit, Erbrechen, Krämpfe und eventuell Schwindel und Bewusstseinstrübung. In wenigen Fällen kann der Biss zu Lähmungen führen. Die Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz hat ein Merkblatt zur Vermeidung von Schlangenbissen publiziert.
Die Ringelnatter (Natrix natrix) ist die grösste Schlangenart im Jura und wird im Schnitt etwa einen Meter lang. Grosse Weibchen erreichen manchmal mehr als 1,5 Meter Länge. Ringelnattern sind anhand der runden Pupille leicht als ungiftige Schlangen zu erkennen – Giftschlangen haben senkrecht geschlitzte Pupillen. Diese Faustregel zur Beurteilung der Giftigkeit gilt allerdings nur für mitteleuropäische Schlangenarten. Am Hinterkopf der Ringelnatter befindet sich beidseits ein gelber, halbmondförmiger Fleck, an dem diese Art leicht zu erkennen ist.
Die Ringelnatter kommt in der Schweiz mit zwei Unterarten vor. Im Nordosten lebt die sogenannte Nominatform der Ringelnatter (Natrix natrix natrix). Die übrigen Schweizer Gebiete werden von der Barrenringelnatter (Natrix natrix helvetica) besiedelt. Die Ringelnattern sind hauptsächlich in Feuchtgebieten und deren Umgebung anzutreffen und kommen in den Alpen bis in Höhen von etwa 1600 m ü. M. vor. Die Hauptgefährdung der Tiere besteht in der Lebensraumzerstörung, wozu das Entwässern von Feuchtgebieten, die Regulierung von Flussläufen, der Siedlungsbau und die Intensivierung der Landwirtschaft zählen. Auch dem Strassenverkehr fallen viele Tiere zum Opfer. Da die Vorkommen in den tieferen Lagen generell abnehmen, wird die Ringelnatter in der Roten Liste der gefährdeten Arten der Schweiz als verletzlich eingestuft.
Ringelnattern sind ausgesprochen wasserliebend und können hervorragend schwimmen und tauchen. Die Ufer des Rheins und seiner Seitengewässer, die feuchten Seitentäler entlang grösserer Flüsse, Gewässer in Kiesgruben sowie Altwässer und Tümpel gehören zu ihren bevorzugten Lebensräumen. Aber auch in feuchten Wiesen und teils sogar in Siedlungsgebieten kommt die Art vor. Bisweilen werden Ringelnattern auch weitab von Gewässern an Waldrändern, auf Waldlichtungen oder in Schutthalden gefunden.
Die Hauptnahrung der Ringelnatter sind Frösche, Molche, geschwächte Fische, selten Kröten, Mäuse oder Salamander. Die Beute wird lebend und kopfvoran heruntergewürgt und niemals mit dem Körper umschlungen. Lebende Frösche werden meistens an den Beinen erwischt und können sich dem Verschlingen ernsthaft widersetzen, indem sie den Körper mit Luft vollpumpen. Junge Ringelnattern verzehren auch Kaulquappen und Regenwürmer.
Die Paarungen finden von März bis Mai statt. Für die Eiablage ist das Ringelnatterweibchen nicht ans Wasser gebunden. Es legt seine 11 bis 25 Eier in einem traubenförmigen Klumpen an einem feuchten, warmen Ort ab (zum Beispiel Humus, Sand oder Misthaufen). Oft wählen mehreren Weibchen für die Eiablage den gleichen Ort. Die Reifezeit dauert acht bis zehn Wochen und ist temperaturabhängig.
Bei Gefahr ergreift die Ringelnatter die Flucht und bleibt nicht, wie andere Schlangen, bewegungslos liegen. Daher ist sie für den Beobachter meist sehr einfach zu entdecken. Ist der Störenfried schon zu nahe, zeigen Ringelnattern ein auffälliges Drohgehabe: Abplatten des Körpers, lautes Zischen und manchmal Totstellen. Aber sie beissen nur selten und sind ungiftig.
Schwarz gefärbte Tiere, sogenannte «Schwärzlinge», kommen im ganzen Verbreitungsgebiet vor. Möglicherweise handelt es sich um eine Anpassung an klimatisch ungünstigere Verhältnisse, die es den Tieren ermöglicht, sich dank der schwarzen Körperfärbung schneller aufzuwärmen.
DK / JS