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| Pachomius († 346/7) - Leben des heiligen Pachomius (Vita Pachomii)

Kap. 35. Einrichtung des Klosters. Unterredung zwischen Theodorus und einem Philosophen.
Auch hier stellte der Heilige fromme und überaus bewundernswerte Männer auf; die Leitung über sie hatte ein gewisser Samuel, ein freundlicher und mäßiger Mann, mit Rücksicht darauf, daß das Kloster nahe bei der Stadt lag. Er selbst blieb bei ihnen, bis sie durch die Gnade des Herrn sich gefestigt hatten. Ein Philosoph der gleichen Stadt hatte von ihnen gehört und kam dahin, um sie auf die Probe zu stellen, was sie für Leute seien. Er traf mit einem der Brüder zusammen und sprach zu ihm: ,,Rufet mir euren Vater, damit er sich mit mir über wichtige Fragen besprechen kann!" Als der Heilige erfuhr, daß ein Philosoph da sei, schickte er den Kornelius und Theodorus zu ihm, denen er auftrug, die Verteidigung gegenüber seinen Behauptungen zu führen.
[S. 869] Als sie herausgekommen waren, sprach der Philosoph: "Bei uns heißt es allgemein, daß ihr weise seid und nach eurem Glauben in beschaulicher Ruhe lebt; auch, daß ihr euch Besuchern gegenüber mit Verstand verteidigt. Ich will euch nun prüfen aus den Schriften, die ihr selbst lest, nachdem ich meine Folgerungen gezogen habe." Zu ihm sprach Theodorus: "Sage, was du hast." Der Philosoph antwortete: "Führst du selbst das Gespräch mit uns und willst du den Gegenstand der Untersuchung lösen?" "Sprich", entgegnete ihm Theodorus. Der Philosoph aber fragte ihn: "Wer ist gestorben, ohne daß er erzeugt wurde; wer indes wurde gezeugt, starb aber nicht; wer endlich ist gestorben, ohne daß er in Verwesung überging?" Theodorus antwortete ihm: "Deine Frage, mein Weiser, ist nicht schwer; doch ich will dir Rede stehen: Der, welcher, wie du gesagt hast, nicht erzeugt wurde und starb, das ist Adam. Der, welcher erzeugt wurde, aber nicht starb, das ist Enoch. Wer aber starb und nicht in Verwesung überging, das ist Lots Weib, die in eine Salzsäule verwandelt wurde, zur Warnung für alle Ungehorsamen, und die dasteht bis auf den heutigen Tag. Ich rate dir aber, Philosoph, laß diese deine philosophischen Fragen und ungeeigneten Schlußfolgerungen und wende dich zu Christus, dem wir dienen, und empfange Vergebung der Sünden."
Darauf blieb der Philosoph stumm und entfernte sich, indem er den Scharfsinn in der Antwort des Mannes bewunderte, voll Schrecken.