Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03160.jsonl.gz/2162

mehr
Reinertrag Fr. 186650. Nach Verzinsung des Dotationskapitals (Fr. 1100000) zu 5% wird der Saldo des Gewinns der Universitätskasse zugehalten.
Zur Ergänzung der nötigen Einnahmen zum Unterhalt der Universität und um die zur Verwirklichung seiner ökonomischen Politik nötige Finanzlage zu schaffen, hat der Staat 1892 die im Jahre 1867 gegründete Kasse zum Zwecke des Amortissements der Staatsschuld in eine Staats-, Handels- und Hypothekarbank umgewandelt. Diese Bank, mit einem Kapital von 21 Millionen, bezweckt die Tilgung der Staatsschuld mit 60 Prozent des Nettogewinnes, sie zahlt an die Universitätskasse eine Jahresrente von Fr. 80000;
sie verfolgt den Zweck, den politischen und Pfarrgemeinden zu einem reduzierten Prozentsatz Darlehen zu gewähren und im Allgemeinen den Prozentsatz der Hypothekardarlehen im Kanton zu vermindern. Im Jahre 1908 belief sich ihr Geschäftsumsatz auf Fr. 478370000;
sie erzielte einen Reingewinn von Fr. 1303950;
ihre Reserven belaufen sich auf Fr. 2600000;
der Fonds zur Amortisation der Staatsschuld beträgt Fr. 2116000.
Zur gleichen Zeit, als der Staat dem Lande die elektrischen Triebkräfte verschaffte, gründete er ein Technikum zur Heranbildung der zur Ausnutzung der Elektrizität befähigten Arbeiter und Praktiker. Dieses Technikum enthält eine technische Abteilung (elektromechanische Schule, Geometerschule, Bauschule und Seminar für Zeichnungslehrer), ferner eine Handwerkerschule (für Mechaniker, Steinhauer, Maurer, Kunstschreiner und für das Kunstgewerbe).
Das Technikum organisiert jedes Jahr Semesterkurse für die Heranbildung von Zeichnungslehrern und Gewerbekurse für Erwachsene. Das Industriemuseum mit 10000 Tafeln, Zeichnungen und Photographien für gewerbliche Zwecke und einer Bibliothek mit 11000 Bänden und 131 Zeitschriften ist dem Technikum angegliedert. Seit dem Jahre 1886 werden gewerbliche Lehrlingskurse organisiert; ihr Besuch während eines halben Tages in der Woche ist obligatorisch. Diese Kurse sind der Aufsicht des zentralen Lehrlingsamtes unterstellt.
Es besteht ferner eine Gewerbeschule (zwei Jahre) zur Vorbildung der künftigen Handwerkermeister; sie ist obligatorisch für die Schüler, welche die Primarschule verlassen und die Sekundar- oder Industrieschule nicht besuchen wollen.
Diese letztere trägt den Namen: Collège cantonal de St. Michel. Sie wurde 1582 für den rein klassischen Unterricht gegründet und 1850 durch einen industriellen Kurs ergänzt. Diese Schule umfasst: 1° ein französisches und deutsches Gymnasium, mit gemeinsamem Lyzeum (Philosophie und exakte Wissenschaften);
die Studien führen bis zur Litterarmaturität, oder, wenn man das Griechische durch eine moderne Sprache und durch einen Kurs in den exakten Wissenschaften ersetzt, zur Realmaturität;
2° ein Realgymnasium mit den Abteilungen: Handelsschule und Verkehrschule (Vorbereitung auf Post, Telegraph, Eisenbahn).
Eine besondere Sektion der Schule ist nach dem Muster der Lyzeen und Gymnasien in Frankreich organisiert, für die Schüler dieser Nation.
Dem landwirtschaftlichen Unterricht dient ein landwirtschaftliches Institut, es hat Winterkurse und eine theoretische Molkereischule; ausserdem besteht in Grangeneuve, auf den Boden des früheren Klosters Hauterive eine theoretische und praktische landwirtschaftliche Schule (drei Jahre).
Ferner bestehen, ausserhalb des Kantonshauptortes in fünf Bezirkshauptorten klassische und Real-Sekundarschulen und an zehn Orten Regionalschulen für den Landwirtschaftsunterricht. Die freiburgische «Mutualité scolaire» erfüllt die Rolle einer Ersparnis- und einer Versicherungskasse gegen Krankheit. Der wöchentliche Beitrag beträgt 15 Rappen, wovon 8 R. zur Versicherung und 7 R. zur Ersparnis dienen.
Das Lehrerseminar hat eine französische und eine deutsche Abteilung; es ist im Gebäude des früheren Klosters Hauterive untergebracht. An der Universität besteht ein Lehrstuhl für Pädagogik.
Für die staatliche Mädchenerziehung bestehen: obligatorische Haushaltungskurse für schulpflichtige Mädchen;
ungefähr dreissig fakultative Haushaltungsschulen für aus der Schule entlassene Mädchen, eine Töchtersekundarschule (allgemeiner, literarischer und pädagogischer Unterricht), sie bildet zum Primar- und Sekundarlehrerinexamen vor, sie hat eine berufliche und Haushaltungsabteilung (Zuschneiderei, Konfektion, Lingerie, Küche);
einzelne dieser Kurse sind für die künftigen Lehrerinnen obligatorisch;
eine Haushaltungsschule, mit einer Abteilung zur Ausbildung von weiblichen Dientsboten und als Krönung ein Institut zur Ausbildung von Haushaltungslehrerinnen;
eine Handelsschule für junge Mädchen;
endlich ein kantonales Mädchenlyzeum, das zur Maturität vorbereitet.
Der freie Unterricht für das weibliche Geschlecht ist durch zwei Institute für das Hochschulstudium der Damen vertreten (École des Hautes Études und Académie Sainte Croix), der Unterricht wird dort von Professoren der Universität erteilt; ferner bestehen verschiedene Erziehungsinstitute, sieben davon in Freiburg und einige andere in verschiedenen Orten des Kantons. Das internationale Bureau für den Zeichnungsunterricht, gegründet 1904, und das internationale Bureau für den Haushaltungsunterricht, organisiert im Jahre 1908, haben ihren Sitz in Freiburg, unter den Auspizien der Erziehungsdirektion.
Der Kanton besitzt eine Taubstummenanstalt in Greierz, eine Korrektionsanstalt für Knaben in Drognens, eine Besserungsanstalt für Mädchen in Sonnenwil bei Murten, eine Schule für Schwachsinnige in Seedorf, ein Schulasyl für junge Blinde in Freiburg, ferner neun Waisenhäuser. Freiburg ist der Sitz des bischöflichen Seminars zur Heranbildung von Priestern der Diözese von Lausanne und Genf.
Wasserkräfte.
Der Erfolg der «Entreprise des Eaux et Forêts» bestimmte den Staat, 1902 in Hauterive, am Ufer der Saane, 7,5 km oberhalb des Stauwerkes von Freiburg, ein hydroelektrisches Werk zu errichten. Ein Ableitungskanal von 9,6 km mit einer Oeffnung von 15 m2 und 60 cm Gefäll per km führt das in Thusy, 20 km flussaufwärts gefasste Wasser oberhalb des Werkes. Der Wassersturz beträgt 62 m. Das Elektrizitätswerk kann zehn Gruppen von Generatoren enthalten, die mit einem konstanten Wasserverbrauch von 18,3 m3 in der Sekunde 10000 Pferdekräfte erzeugen ¶
mehr
können. Sechs Gruppen sind eingerichtet. Sie erzeugen 7200 Pferdekräfte, die 453000 Kerzen für die Beleuchtung und 666 landwirtschaftliche und industrielle Motore mit elektrischer Kraft versehen. Das Dotationskapital beträgt 11300000 Franken, das zu 3¾, 3½ und 4% verzinst wird. Nach drei Defizitperioden (die Kapitalzinsen wurden bezahlt) hat das Unternehmen seit 1905 einen Gewinn abgeworfen, der eine Amortisation von einer halben Million erlaubte. Der Gewinn des Jahres 1908 betrug 193270 Franken.
Der Wildstromcharakter der Saane verhindert, dass das Elektrizitätswerk von Hauterive eine konstante Wassermenge von 18 m3 per Sekunde, die zu seinem normalen Gang nötig sind, erhält; deswegen wurde im Jahre 1907 in Romont ein mit Dampf betriebenes Hülfswerk errichtet, das 5000 Pferdekräfte liefern kann. Endlich, als das Werk an der Saanestauung in Freiburg dem Bedarfe nicht mehr entsprechen konnte, baute der Staat in den Jahren 1908 und 1909 das Elektrizitätswerk von Oelberg, 2 km unterhalb des vorgenannten; dieses Werk, am Fusse der Klippe von Loretto, kann drei Gruppen von Generatoren aufnehmen und 6000 Pferdekräfte liefern. Es erhält das Wasser der Saane, das beim Stauwerk Ritter durch einen Kanal von 300 m Länge und 28 m2 Oeffnung abgeleitet wird. Dieser Kanal ist durch den Molassesporn getrieben, um den sich das natürliche Bett des Flusses zieht. Der so erhaltene Wassersturz beträgt 20 m. Das Dotationskapital dieses neuen Elektrizitätswerkes beläuft sich auf 1500000 Franken. Zur Sicherung des regelmässigen Ganges dieser drei Werke hat sich der Staat mit dem Projekt der Erstellung eines Staubeckens befasst.
Verkehrswege.
Durch die Schaffung der Universität, der Staatsbank und der elektrischen Unternehmen ist der Kanton aus der Stagnation herausgetreten, die ihm verursacht worden war durch den Bau der Linie Lausanne-Freiburg-Bernergrenze und durch den Misserfolg der industriellen Bestrebungen, die dem Bau dieser Linie folgten.
Dank der Staatsbank konnten die gegenwärtig existierenden freiburgischen Regionalbahnen gebaut werden: die Normalspurbahn Freiburg-Murten (22 km), die, 1898 dem Verkehr übergeben, im Jahre 1903 bis Ins (10 km) weitergeführt werden konnte;
sie wird vom Werke in Hauterive aus mit elektrischer Kraft betrieben;
die Schmalspurbahn Châtel Saint Denis-Palézieux (6,8 km), dem Verkehr übergeben im Jahre 1901, der sich 1903 die Linie Châtel Saint Denis-Bulle-Montbovon (36,6 km) anschloss;
die elektrische Betriebskraft wird von den Werken in Châtel Saint Denis und in Montbovon geliefert.
Am hat der Grosse Rat den Regierungsrat eingeladen, die definitiven Studien von drei neuen Linien vorzunehmen: die Linie von Freiburg nach Bulle über Marly-La Roche-Thusy-Vuippens (28 km), mit Abzweigung Bulle-Broc (4 km);
die Linie von Freiburg nach Farvagny (auf dem linken Ufer der Saane), 13 km;
die Linie von Freiburg nach Plaffeien, über Tafers-Alterswil (21 km).
Die Kosten der bestehenden Linien belaufen sich auf 11,3 Millionen; die Kosten der neuen Linien werden nach den Berechnungen der Experten 10,3 Millionen betragen. Ihr Bau wird die Konstruktion einer Brücke von 330 m Länge und 85 m Höhe über die Saane, s. von Freiburg, mit sich ziehen. Das Tracéstudium der künftigen Linien auf dem Terrain selbst ist unverzüglich begonnen worden; für die Brücke hat ein im Jahre 1908 stattgefundener Wettbewerb eine reiche Zahl von Plänen geliefert. Die zur Ausführung dieser Pläne nötigen Mittel wurden 1907 durch ein Staatsanleihen von 25 Millionen zur Vollendung der elektrischen Arbeiten und den regionalen Eisenbahnnetzes geschaffen.
Das kantonale Strassennetz hat eine Ausdehnung von 533,8 km. Der Bau von neuen Strassen ist im Studium; auf diese Weise wird ein Strassennetz von insgesamt 680 km geschaffen werden. Im Jahre 1865 zählte man 270 km Kantonalstrassen; 1900 schon 499 km.
Industrie und Handel.
Ausser den schon erwähnten 12448 landwirtschaftlichen Betrieben verzeichnet die Zählung von 1905 folgende 5904 Unternehmen: Ausbeutung von Minen und Steinbrüchen 115;
Waldbau, Jagd und Fischerei 341;
Nahrungsmittel 606;
Kleidung 1656;
Bau und Möbelfabrikation 1411;
Textilindustrie 1081 (darunter 1007 Strohflechtereien als Heimarbeit), Papier- und Lederfabrikation und -verarbeitung 8, chemische Produkte 21, Metallverarbeitung, Maschinen und Werkzeuge 603, Buchdruckerei, Lithographie, Buchbinderei, Kartonnage 45, hydraulische und elektrische Unternehmen 16. Die fünf Elektrizitätswerke des Kantons erzeugen ungefähr 15000 Pferdekräfte;
wenn einmal das neue Werk von Freiburg funktionnieren kann, so wird sich diese Zahl auf 21000 erhöhen.
Die grosse metallurgische Industrie ist vertreten durch die eidgenössischen Eisenbahnwerkstätten, einer Giesserei und Maschinenfabrik in Freiburg, durch Fabriken, die speziell Stahl für die Marine herstellen, in Courtepin und Montbovon;
sie sind Filialen der grossen Werke in Albertville;
durch eine Kochherdfabrik in Freiburg; Montilier hat eine Uhrenfabrik;
Lentigny, Le Mouret und Düdingen Ziegeleien;
La Tour de Trême hat eine Parkettfabrik;
die Veveyse besitzt eine Kalk- und Zementfabrik und eine Glashütte. An Nahrungsmittel-Industrieen besitzt der Kanton eine Chokoladefabrik in Broc, eine andere in Freiburg, zwei grosse Bierbrauereien in Freiburg, zwei Fabriken für kondensierte Milch in Düdingen und Épagny bei Greierz, zwei Teigwarenfabriken in Freiburg und in Sainte Apolline bei Villars, eine grosse Mehlfabrik in Freiburg. Das Wasserverteilungsunternehmen in Freiburg gehört dem Staate, das Gaswerk der Stadt. In Marly ist eine Papierfabrik;
die früher bestehende Akkumulatorenfabrik ist ausserhalb des Kantones verlegt worden;
dagegen wurde in Freiburg eine Fabrik für elektrische Kondensatoren gegründet.
Ferner sind zu erwähnen zwei Kartonnagefabriken, eine ¶