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Süddeutsch (?), 16. Jahrhundert
Messing (Statuette), Bronze (Sockel)
H. 31,5 cm, H. 28,5 cm (Pferd), L. 28,5 cm,
B. 13,8 cm (Reiter)
L. 24 cm, B. 10,6 cm (Sockelplatte)
Inv. 1904.2283.
Die Reiterstatuette aus dem Museum Faesch lohnt eine eingehende Erforschung, da die Anzahl entsprechender Skulpturen in der Renaissance recht überschaubar ist. Der Reiter ist lose auf das Pferd gesetzt und bewahrt seine Position durch einen in den Pferderücken geschraubten Dorn. Die Sockelplatte von goldbraun patinierter Bronze, die Gras, Felsbrocken und einen Knochen zeigt und in der das Pferd mit den aufgesetzten Hufen versinkt, ist vermutlich sekundär. Auffallend ist der Kontrast zwischen Reiter und Pferd, da das Reittier von der Kampfbewegung des Kriegers weitgehend ungerührt zu sein scheint. Weil sich der Reiter dezidiert aus der Körperachse heraus zur Seite dreht, ist die Figurengruppe deutlich auf eine Hauptansicht hin angelegt. Das Pferd bewegt sich in einem prononcierten Trab entschieden voran. Mit dem massigen Hals kontrastiert der kleine, leicht nach rechts gewendete Pferdekopf. Obwohl die glatten Partien der Kupferlegierung – vermutlich Messing – gebürstet sind, um wie feines Fell zu erscheinen, wirkt die Haut über weite Strecken eher strukturlos, wie auch das Haar der nach rechts fallenden Mähne und des Schweifes wie kompakte Körper erscheinen.
Gemindert ist die Diskrepanz zwischen innerer Blutleere und äusserer Bewegung in der stechenden Mimik und in der energischen Gestik des Reiters. Ein Knauf unterhalb der erhobenen rechten Faust lässt auf ein heute verlorenes Schwert des Reiters schliessen. Offensichtlich hat der Reiter soeben seine Waffe gezogen, um damit nun weit auszuholen, während er das rechte Bein stärker anwinkelt und gegen den Pferdeleib presst, um in dem Schwung von links nach rechts das Gleichgewicht zu halten. Der Reiter ist auf antike Weise gerüstet, mit einer Lorica, die die Kraft des ohnehin schon muskulösen Reiters steigert, und der Pteryges, die sich in sanften Schwüngen auf den Pferdeleib legt. Er trägt keine Fussbekleidung. In antiker Manier sitzt er ohne die Unterlage eines Sattels auf dem Pferderücken.
Die erste Erwähnung im Faeschischen Inventar als Antoninus zu Pferd beruht wohl auf einer nur flüchtigen Beobachtung, denn die Ähnlichkeit mit der römischen Reiterstatue des Marc Aurel (Marcus Aurelius Antoninus) und ihren zahlreichen Repliken ist ziemlich gering. Nach Hans Reinhardt wäre die Statuette ein Abguss eines ersten tönernen Modells, das Daniele da Volterra in Vorbereitung einer Reiterstatue des französischen Königs Heinrich II. geschaffen habe. Daniele hatte diesen Auftrag von seinem Lehrer Michelangelo übernommen, und das Projekt gedieh nach dem Tode Danieles 1566 nicht über den Guss des Pferdes hinaus. Nach einer Radierung der projektierten Statue von Antonio Tempesta hätte der königliche Reiter ebenfalls seine Rechte erhoben, um damit eine abgebrochene Lanze zu halten. Abgesehen von der geringen Ähnlichkeit des Basler Reiters mit Heinrich II. ist der reitende König in der Radierung jedoch eine Ergänzung Tempestas und eignet sich nicht als Bindeglied zu der Statuette (Beuing 2010). Selbst wenn 1650 ein kleiner Bronzeabguss des Pferdes Danieles in der Villa Borghese in Rom bezeugt ist (Boström 1995, S. 817), führt diese Spur kaum weiter, um die Hintergründe der Reiterstatuette zu beleuchten.
Die Statuette lässt sich eher einer Gruppe Paduaner Kleinbronzen des frühen 16. Jahrhunderts annähern, als deren Protagonist der Schreiende Reiter von Andrea Riccio (London, Victoria and Albert Museum) zu gelten hat. Wiederholt sitzen dort antikisch gerüstete Reiter ohne Sattel und auf verschiedene Weise stark bewegt auf einem verhältnismässig grossen Ross, das seinerseits den Impetus seines Herrn nicht in gleichem Masse teilt und sich in seiner Vorwärtsbewegung nicht beirren lässt. Den meisten Figuren ist kein Objekt beigegeben, auf das sich Affekt und Pathos des Reiters richten. Mit einer andernorts mehrfach wiederholten Reiterfigur teilt der Basler Krieger die nackten Füsse (Klosterneuburg, Stiftsmuseum, Inv. KG. 504; Wien, Kunsthistorisches Museum, Inv. KK 10010; Leithe-Jasper 1986, S. 104–106, Nr. 18; Kat. Frankfurt 1985, 382–385, Nr. 78–79 [Sybille Ebert-Schifferer]; s. a. Motture 2008a, S. 72–74; Motture 2008b, S. 216–221). Die grosszügig und breit modellierte Muskulatur des Pferdes ähnelt am ehesten jener eines schreitenden Pferdes aus der Werkstatt des Severo Calzetta da Ravenna (Robert H. Smith Collection; Radcliffe/Penny 2004, S. 90–94).
Gleichzeitig erschweren viele Facetten den direkten Anschluss an das Paduaner Umfeld. Anders als die Bronzetti Riccios und seiner Nachfolge trägt der Reiter nicht das übliche fein gekräuselte Haar, wie auch die Barttracht eine Ausnahme ist. Gegenüber allen weiteren Reiterstatuetten fällt ihre Qualität wegen der dürftigen Ausführung im Detail steil ab, vor allem aber bleibt ihre Gesamterscheinung hölzern und starr. Wenn sie nicht als ein schwaches Produkt einer oberitalienischen Werkstatt in Venedig oder Padua gelten kann, so ist sie vielleicht unter deutlicher Inspiration durch italienische Vorbilder nördlich der Alpen entstanden, ohne dem äquivalente Vergleichsbeispiele hinzufügen zu können. Gleichwohl liegt es im Bereich des Möglichen, dass erst später ein der ursprünglichen Werkstatt fremder Graveur die Figur verfeinerte.