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Die Diskussion um Purpose-Driven Management erfährt seit längerer Zeit grosse Aufmerksamkeit, sowohl in der unternehmerischen Praxis wie auch in der akademischen Forschung und Lehre. Unter Purpose-Driven Management ist eine wirkungsvolle, zukunftsgerichtete Unternehmensstrategie zu verstehen, die auf langfristige Wettbewerbsvorteile zielt. Diese orientieren sich nicht nur an Umsatz und Gewinn, sondern an einem umfassenderen sozialen und ökologischen Impact, den ein Unternehmen erzielen kann. Viele Studien zeigen in der Zwischenzeit, dass eine solche Strategie zu einem überdurchschnittlichen Umsatzwachstum führt. Die unternehmerische Zielsetzung einer Purpose-Driven-Geschäftstätigkeit verfolgt damit auch die Forderung nach einer sinnstiftenden Arbeit, die zum Wohlergehen der Gesellschaft beiträgt und einen Beitrag an die persönliche berufliche Entwicklung leistet.
Der folgende Blogbeitrag beruht auf der Kalaidos-Fachtagung «Purpose-Driven Management» vom 30. August 2023.
Von der Räuberökonomik zur Ökonomik des fairen Tausches
Mit seinem Jahrhundertwerk «Wohlstand der Nationen» von 1776 legte der schottische Ökonom Adam Smith einen entscheidenden Grundstein für unser bis heute gültiges Verständnis von Marktwirtschaft und Kapitalismus. Seine berühmte Metapher der unsichtbaren Hand drückt aus, dass individuelle wirtschaftliche Entscheidungen, die aus Eigennutz getroffen werden, oft unbeabsichtigt zum Wohlstand der Gesellschaft beitragen können. Leider wurde diese Metapher fälschlich missverstanden, indem Eigennutz gleichgesetzt wurde mit Egoismus und dem Recht zur Ausbeutung und persönlichen Bereicherung. Gleichwohl propagierte Adam Smith eine «Ökonomik des fairen Tausches» (Schüz, 2023), nach der Reziprozität die Grundlage eines gut funktionierenden, nach sozialen Regeln gestalteten Wirtschaftssystems bildet. Die falsch verstandene Maximierung des Eigennutzens führte dazu, dass spätestens seit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert eine «Räuberökonomik» überhandnahm, bei der Tausch mit Täuschung gleichgesetzt wurde, und damit ein auf Fairness beruhendes Wirtschafts- und Gesellschaftssystem untergraben wurde (Schüz, 2023).
In neuerer Zeit befeuerte der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Milton Friedman diese Räuberökonomik mit seiner nach ihm benannten Friedman-Doktrin, indem er argumentierte, dass Unternehmen in erster Linie der Gewinnmaximierung verpflichtet sein sollten. Er war der Ansicht, dass die Interessen der Aktionäre über allem stehen und es nicht Aufgabe eines Unternehmens ist, soziale oder gesellschaftliche Ziele zu verfolgen, die nicht direkt mit der Erzielung von Gewinnen zusammenhängen (Friedman, 1970).
Die Friedman-Doktrin wurde spätestens seit der Finanzkrise 2008/09 stark in Frage gestellt. Die Hauptkritik lautet, dass ein Unternehmen nicht nur seinen Aktionären (Shareholdern) gegenüber verpflichtet ist, sondern über die reine Gewinnerzielung hinaus immer auch eine soziale und ökologische Verantwortung trägt, und damit einer Vielzahl von Anspruchsgruppen (Stakeholdern) gerecht werden muss. Eine Unternehmung hat somit der sogenannten «Triple Bottom Line» zu genügen, woraus sich für Führungskräfte eine «Triple Corporate Responsibility» (Schüz, 2021) ableitet, bei der ökonomische, soziale und ökologische Verantwortung auf gleicher Stufe wahrgenommen und umgesetzt wird. Durch diese dreifache Unternehmensverantwortung schaffen wir den Sprung von der Räuberökonomik zurück zur Ökonomik des fairen Tausches.
Die Gegenwart von der Zukunft her denken
Es ist kein Zufall, dass die Diskussion um die Triple Bottom Line gerade jetzt laufend an Bedeutung und Intensität gewinnt. Klimawandel, Energieknappheit, Inflation und Geokonflikte sind nur einige der Ereignisse, welche eine Weichenstellung Richtung Nachhaltigkeit und nachhaltigem Management bedingen. Dass sich dies für Unternehmen auszahlt, belegt in der Zwischenzeit eine Vielzahl von Studien. So zeigte beispielsweise eine umfassende Untersuchung der Harvard Business School zu «Corporate Sustainability», dass nachhaltig operierende Unternehmen (z.B. nach ESG-Grundsätzen) eine signifikant höhere risikoadjustierte Rendite im Vergleich zu einem Marktportfolio bzw. Benchmark-Index erzielen (Mozaffar, Serafeim & Yoon, 2015). Im Durchschnitt lag diese um 6 Prozent über dem Marktportfolio, während nicht nachhaltig tätige Firmen 2,9 Prozent unter der Marktperformance lagen. Diese Resultate lassen den Schluss zu: «Sustainability is the new Profitability» (Schmidpeter, 2023). Purpose und Profit können somit als untrennbar miteinander verbunden betrachtet werden. Um nun den Schritt hin zu einem nachhaltigen Management zu schaffen, brauchen wir einen neuen Mindset, der systemisches, integriertes und transdisziplinäres Denken priorisiert. Dies gelingt uns dann, wenn wir die Gegenwart von der Zukunft her denken (Bungard & Schmidpeter, 2022).
Fazit
Immer mehr Unternehmen erkennen heute, dass langfristiger Erfolg nicht nur auf finanziellen Kennzahlen basiert, sondern auf einem umfassenderen sozialen und ökologischen Impact, den sie erzielen können. Dies steht im Gegensatz zur alten Vorstellung der «Räuberökonomik», die auf Gewinnmaximierung um jeden Preis abzielte.
Aktuelle Herausforderungen wie der Klimawandel und soziale Ungerechtigkeiten unterstreichen die Dringlichkeit des Übergangs zu einem nachhaltigen Management. Das Konzept des Purpose-Driven Managements gewinnt deshalb zunehmend an Relevanz. Studien belegen bereits, dass nachhaltige Unternehmen finanziell erfolgreicher sind.
Die Transformation zu nachhaltigem Management erfordert jedoch einen neuen Denkansatz, der systemisches, integratives und transdisziplinäres Denken betont und die Zukunft in den Mittelpunkt stellt. Indem wir die Gegenwart von der Zukunft her denken, können wir eine nachhaltigere Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung schaffen, in der Purpose und Profit Hand in Hand gehen.
Quellen und weiterführende Informationen
Bungard, P., & Schmidpeter, R. (2022). Future of work and sustainable business models: How sustainable entrepreneurship can create added value. In J. Talapatra, N. Mitra, & R. Schmidpeter (Eds.), Emerging economic models for sustainable businesses. Springer
Friedman, M. (1970). A Friedman doctrine. The Social Responsibility of Business Is to Increase Its Profits. New York Times.
Mozaffar, K., Serafeim, G. & Yoon, A. (2015). Corporate Sustainability: First Evidence on Materiality. Harvard Business School Working Paper, 15-073.
Schüz, M. (2021). Grundlagen ethischer Unternehmensverantwortung (2. Aufl.). SML Essentials.
Schüz, M. (2023). Ökonomik des fairen Tauschs.
Schmidpeter, R. (2023). Der grosse Paradigmenwechsel: Wirtschaftsstrategie trifft Nachhaltigkeit.
CAS FH in Innovative Management und Development
Certificate of Advanced Studies (CAS)
CAS FH in Corporate Governance
Certificate of Advanced Studies (CAS)
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