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|HELVETIK|
|Helvetik|
Viele Leute meinen, dass die Schweiz seit 1291 die älteste Demokratie der Welt sei. Das entspricht allerdings nur zu einem sehr kleinen Teil der historischen Wirklichkeit:
In weiten Teilen der Eidgenossenschaft waren die Landleute von der politischen Mitbestimmung ausgeschlossen und durften auch kein Gewerbe betreiben, das die städtischen Zünfte konkurrenziert hätte. Sie galten nach wie vor als Leibeigene der gnädigen Herren, mussten Frondienste verrichten und wurden von verhassten Landvögten hochmütig behandelt und schikaniert - ziemlich genau so, wie die das die Sagen aus der Gründungszeit der Eidgenossenschaft den habsburgischen Vögten vorwerfen! Es erstaunt denn auch nicht, dass es zu Aufständen kam und dass die unterdrückte Landbevölkerung sich dabei - wie schon im Bauernkrieg von 1653 - auch auf den Freiheitshelden Wilhelm Tell berief.
Wie schon im 16. und 17. Jahrhundert war es auch im 18. Jahrhundert zu vereinzelten Aufständen des Landvolkes gegen die "gnädigen Herren" gekommen. Sie zeigen, dass man auch in der Schweiz weit herum unzufrieden mit der alten Herrschaft war - doch die meisten dieser Revolten hatten keinen Erfolg, sondern wurden blutig niedergeschlagen:

Lediglich im Toggenburg (1707, gegen den Abt des Klosters St. Gallen) und in Genf (1707 - 1738, gegen die Aristokraten der Stadt) konnten sich die Bürger einige neue Rechte erkämpfen. Aber schon 1782 erzwang eine Truppe von 11'000 französischen, bernischen und piemontesischen Soldaten die Restauration [Wiederherstellung] der alten Aristokratie [Adelsherrschaft] in Genf.
Im 18. Jahrhundert begannen mehr und mehr Persönlichkeiten aus dem Kreis der herrschenden Familien neue politische Vorstellungen zu diskutieren. Zürich wurde ein Zentrum der deutschsprachichen Aufklärungsliteratur mit Johann Jakob Bodmer und Johann Jakob Breitinger. Isaak Iselin aus Basel, Salomon Hirzel, Salomon Gessner und Johann Heinrich Schinz aus Zürich waren die Gründer der Helvetischen Gesellschaft (1761). Man traf sich jährlich in Bad Schinznach (Aargau), um gemeinsam Geschichte und Zukunft der Schweiz zu diskutieren. 1777 forderte Johann Georg Stokar aus Schaffhausen in seiner Präsidentenansprache einen zentralistischen schweizerischen Einheitsstaat und gleiche Rechte für alle Bürger der Schweiz.
Die Geschichte der Aufstände in der Schweiz vom 16. bis ins 18. Jahrhundert zeigt klar, dass die
Helvetische Revolution von 1798 nicht einfach eine von aussen gesteuerte Nachahmung der
Französischen Revolution war, sondern vielmehr die logische und unvermeidliche Folge der
Ungleichheiten im zerrütteten politischen System der Alten Eidgenossenschaft. Natürlich war die
Französische Revolution
nicht ohne Einfluss, sie hatte zwei Funktionen:
1) sie bewies, dass eine Revolution machbar ist (nach allen Misserfolgen in der Schweiz)
2) man konnte mit einer französischen Intervention [Eingreifen] drohen
Überall in der Schweiz wurde die Situation in Frankreich und zuhause intensiv diskutiert und mit einer Unzahl von Petitionen [Bittschriften an die Regierung] Veränderungen angestrebt:
«Zall nünt, du bist nünt scholdig» - so wurde 1793 mit einem in Gossau SG angeschlagenen Zettel zum Verweigerung der Abgaben an den Fürstabt des Klosters St. Gallen aufgerufen. Unmittelbar ausgelöst wurde dieser Aufruf durch eine starke Teuerung. Fürstabt Beda forderte die Unzufriedenen auf, ihre Anliegen schriftlich zu formulieren und nahm tatsächlich die «Ehrerbietige Beschwerdeschrift» entgegen, aber nur um sie nachher ebenfalls schriftlich zu widerlegen. Er sprach von «Unwahrheiten und sehr groben und stark zu Herzen tringenden Verleümdungen», von «tief eintringender Ehrabschneidung» und «Unverschamtheit». (Hollenstein Lorenz, «Es will halt alles frei sein!». Der Ablauf der Ereignisse aus der Sicht des St. Galler Klosters. In: Oberberger Blätter 1994/95. Sonderheft, Landsgemeinde in Gossau 1795, Gossau [1995], S. 9-26, hier S. 11, zit. nach Holger Böning, Der Traum von Freiheit und Gleichheit, S. 71)
Nachdem auch die Toggenburger Forderungen stellten, sah Abt Beda offensichtlich ein, dass sich die Lage durch die französische Revolution verändert hatte: «Mann muss behutsam in die Sach gehen», so beschrieb Beda seine Strategie in seinem Tagebuch, »besonders bey den jetzigen Zeiten, da ville Köpf mit Freyheit und Aufruhrgeist ganz berauschet seind.» (Hollenstein, S. 13 nach Böning, S. 71). 1795 folgten eine Petition aus Wil SG, eine Volksversammlung mit 6000 Teilnehmern und im Sommer eine erneute, inzwischen auf 61 Forderungen angewachsene Petition. Im November schliesslich gab der Fürstabt des Klosters St. Gallen gegen den Willen seiner Mönche nach und schloss mit einer Volksversammlung in Gossau (20'000 Teilnehmer) einen "Gütlichen Vertrag" ab. Viele Beobachter aus den Kantonen Zürich, Thurgau und dem Rheintal benutzten diese Gelegenheit zu revolutionärem Anschauungsunterricht.
Die Landbevölkerung des Baselbiets verlangte 1797 Freiheit und Gleichheit, unterstützt von liberalen Politikern aus der Stadt (Peter Ochs, Peter Vischer). Der Rat zögerte zunächst. Nun drohten die Revolutionäre offen mit einer französischen Intervention, steckten die Schlösser Waldenburg, Farnsburg und Homburg in Brand und zogen bewaffnet gegen Basel. Nach dem Rücktritt des konservativen Bürgermeisters Andreas Merian war der zögerliche Rat endlich bereit, die berechtigten Forderungen der Landbevölkerung ohne Blutvergiessen zu erfüllen. Man führte eine Vereinigungsfeier durch. Die Patrioten [liberale Politiker] organisierten die Wahl einer verfassungsgebenden "Nationalversammlung". Peter Ochs reiste nach Paris, um dort an einer Helvetischen Verfassung für die ganze Schweiz zu arbeiten. (Zur Trennung von Basel-Stadt und Basel-Land in zwei Halbkantone kam es übrigens erst 1832).
Auch im Thurgau war es schon 1793 in verschiedenen Gemeinden zu Auseinandersetzungen um den kleinen Zehnten gekommen, doch erst im Januar 1798 wurden in Zürich unter dem Titel «Unmaßgebliche Vorschläge eines thurgauischen Volksfreundes zur Erlangung der bürgerlichen Frei- und Gleichheit und einer Volksregierung» umfassendere Forderungen gestellt. Wie in anderen Ostschweizer Gebieten und im Aargau war der Auslöser das Ansinnen Berns, Truppen zur Verteidigung der Waadt zu rekrutieren. Am 1. Februar fand in Weinfelden eine Landsgemeinde mit 3000 Teilnehmern statt und schon am 5. Februar brachten gewählte Abgeordnete aus allen Gemeinden deren Zustimmung zur Ausrufung der Unabhängigkeit und wählten eine provisorische Regierung. In einer Denkschrift verlangten sie die Selbstständigkeit und Gleichstellung mit den Orten der Alten Eidgenossenschaft. Am 3. März wurden Befreiung und Aufnahme des Kantons Thurgau als gleichberechtigtes Mitglied der Eidgenossenschaft von den Alten Orten formell anerkannt.
Das Waadtland und sein Revolutionsführer Frédéric-César de Laharpe spielten für den Fortgang der Helvetischen Revolution eine entscheidende Rolle. Der in zwei Parteien gespaltene Rat in Bern zeigte sich ähnlich unentschlossen wie der Rat von Basel, wie auf die Forderung nach Unabhängigkeit der Waadt (seit 1536 bernisches Untertanengebiet) zu reagieren sei. Frédéric-César de Laharpe bat 1797 Frankreich öffentlich um militärische Unterstützung gegen Bern. Eine Reise des französischen Generals Napoleon Bonaparte über Genf, Bern und Basel nach Deutschland bot der Bevölkerung der Waadt Gelegenheit, ihre Überzeugungen öffentlich zu zeigen: In Nyon, Rolle, Lausanne und anderen Städten der Waadt wurde Napoleon von einer begeisterten Menge Willkommen geheissen. Die Berner Landvögte verloren die Kontrolle, ein revolutionäres Kommittee besetzte Schloss Chillon, den Amtssitze der Landvögte. Aber der Rat von Bern, wie derjenige von Zürich 1795, wollte nicht verhandeln, sondern Macht demonstrieren. Als Bern 5000 deutschsprachige Soldaten in die Waadt sandte, griffen die Waadtländer zu den Waffen und proklamierten die République Léman.
Ein Zwischenfall lieferte dem französischen General Ménard den Vorwand, um Bern den Krieg zu erklären und das Waadtland zu besetzen. Die französischen Truppen wurden begeistert als Befreier empfangen. Die Franzosen nutzten die Gelegenheit, weil die Schweiz als Durchgangsland nach Italien ohnehin interessant war und die reich gefüllte Berner Staatskasse zur Plünderung lockte. Bern wollte im Aargau Truppen rekrutieren, aber dies führte nur zum Ausbruch einer offenen Revolution in Aarau, Lenzburg, Brugg und Aarburg. Die Zentralschweizer hatten Bern schon 1579 die Unterstützung für Eroberungen in der Westschweiz verweigert und gaben auch jetzt kein Zeichen der Hilfe. Die Berner Truppen, zahlenmässig unterlegen, schlecht motiviert und noch schlechter geführt, wurden bei Fraubrunnen und am Grauholz besiegt, Bern wurde am 5. März 1798 besetzt und geplündert. Der einzige Berner Sieg bei Neuenegg konnte daran nichts mehr ändern.
Am 4. April 1798 gab es damit keine Untertanengebiete in der Schweiz mehr.
121 Abgeordnete aus den Kantonen Aargau, Basel, Bern, Fribourg, Léman (Waadt), Luzern, (Berner) Oberland, Schaffhausen, Solothurn und Zürich versammelten sich am 12. April 1798 in Aarau, um die Helvetische Republik auszurufen und ihre neue Verfassung formell zu beschliessen. Frankreich hatte Genf, Neuenburg, Biel, den Jura und Mulhouse (Elsass, bis 1798 zugewandter Ort der Alten Eidgenossenschaft) annektiert. Das Veltlin, Bormio und Chiavenna hatten sich von der Bündner Herrschaft schon im Juni 1797 losgesagt und sich der Cisalpinischen Republik angeschlossen. Die Verfassung der Helvetischen Republik war derjenigen der Französischen Republik sehr ähnlich, mit einem Parlament (zwei Kammern), einer zentralen Regierung (Direktorium) und einem obersten Gericht. Die föderalistische Struktur der Schweiz wurde völlig eliminiert. Äusseres Zeichen der Anlehnung an das französische Vorbild war die Einführung einer Trikolore [dreifarbige Flagge] in den Farben grün-rot-gold.
Die Urschweiz war bei der Gründung nicht dabei und lehnte die Helvetische Republik ab. Man wolte sich die neue Verfassung und den zentralistischen Einheitsstaat nicht von den Franzosen aufzwingen lassen. Die Revolutionäre aber versuchten die neue Ordnung mit Hilfe von französischen Truppen durchzusetzen, Uri, Glarus und Schwyz nahmen die Helvetische Verfassung vom 28. 3. 1798 erst an, als die Franzosen in grosser Überzahl anrückten und sie keine Hilfe fanden. Nidwalden wehrte sich bis zuletzt, 368 Nidwaldner, darunter 102 Frauen und 25 Kinder fanden den Tod, Stans wurde erobert und ging in Flammen auf. Viele Kinder wurden zu Waisen. Die helvetische Regierung errichtete in einem ehemaligen Kloster ein Waisenhaus unter Leitung des berühmten Erziehers Johann Heinrich Pestalozzi (1746 - 1827), der zum Vater der allgemeinen Volksschulbildung in der Schweiz wurde.
Graubünden blieb unabhängig bis 1799. Das Direktorium der Helvetischen Republik schloss mit Frankreich ein Militärbündnis ab. Man wollte die Helvetische Republik gegen reaktionäre Kräfte (vor allem Österreich-Ungarn) absichern, aber in Wirklichkeit wurde die Helvetische Republik durch das Bündnis in die Napoleonischen Kriege hinein gezogen.
Der französische General Napoleon Bonaparte hatte Italien im 1. Koalitionskrieg (1792-1797) gegen die Koalition von England, Österreich, Spanien und Deutschland erobert und 1797 die Cisalpinische Republik in Norditalien gegründet, der sich u.a. die Bündner Untertanengebiete (Veltlin, Bormio) anschlossen. 1799 putschte sich Napoleon mit einem Staatsstreich in Frankreich an die Macht. Im 2. Koalitionskrieg (1799-1802) zwischen Frankreich und den Gegnern England, Österreich, Russland wurden Süddeutschland und Norditalien und - seit Jahrhunderten nicht mehr gekannt - die Schweiz zu Hauptkriegsschauplätzen. Die Österreicher gewannen eine erste Schlacht bei Zürich, die Franzosen dagegen die zweite, während der russische General Suworow eine Armee von 25'000 Soldaten von Italien über die verschneiten Alpen heranführte, aber zu spät kam. Bei der Überquerung des Gotthardpasses, des Kinzigkulm (zwischen Uri und Muotathal SZ), des Pragel-Passes (zwischen Muotathal und Glarus) und des Panixerpasses (zwischen Glarus und Ilanz GR, Fluchtweg nach der Niederlage der Österreicher) starben 10'000 Mann. In der gegen die Helvetische Republik eingestellten Zentralschweiz wird die Erinnerung an General Suworow bis heute hoch gehalten.
Die Fortschritte der Helvetik lassen sich durchaus sehen. Nicht nur wurden die Leibeigenschaft und die politischen Untertanenverhältnisse endlich abgeschafft, es wurde auch nach dem Vorbild des französischen "code penal" ein einheitliches Strafgesetzbuch in Kraft gesetzt, das zahlreiche mittelalterliche Rechtsvorschriften ablöste und unter anderem endlich die Folter abschaffte. Die Volksschulbildung wurde stark verbessert - voll wirksam wurde dies allerdings erst über mehrere Generationen von Schülern hinweg, so dass die Voraussetzungen für eine moderne Demokratie eigentlich erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts richtig geschaffen wurden. Eingeführt wurde auch (ein erstes Mal) der Schweizer Franken, der als Einheitswährung einen grossen Münzwirrwarr ablöste.
Wie schon die Französische Revolution zuvor, konnte auch die Helvetische Republik ihre Versprechen nur zum Teil einlösen. Dafür sind verschiedene Ursachen verantwortlich:
Die französische und die helvetische Republik gewannen den zweiten Koalitionskrieg 1799, aber sie verloren den Frieden: Frankreich wurde eine Militärdiktatur des Generals Napoleon Bonaparte, die Helvetische Republik erlebte mindestens vier Staatsstreiche zwischen 1800 und 1802 und ging im inneren Chaos unter. Als Napoleon die französischen Truppen im Juli 1802 aus der Schweiz abzog, sahen die Föderalisten ihre Zeit gekommen: am 1. August 1802 versammelten sich die Landleute von Schwyz, Nidwalden und Obwalden zur althergebrachten Landsgemeinde. Appenzell, Glarus und Graubünden stellten ebenfalls ihre alten kantonalen Institutionen wieder her. Selbst die Stadt Zürich stellte sich gegen die Helvetische Regierung. Vertreter des Ancien Regime kehrten aus dem ausländischen Exil zurück und führten mit Stecken und Werkzeugen behelfsmässig bewaffnete Bauern gegen die helvetischen Truppen in einen Bürgerkrieg ("Stecklikrieg"). Sie erobertern den Aargau und Bern und kamen bis Payerne.
In diesem Moment griff Napoleon Bonaparte ein, verlangte das sofortige Ende des Bürgerkriegs
und rief Delegationen der Revolutionäre wie der Reaktionäre [Anhänger der alten Ordnung]
zu Verhandlungen nach Paris. Napoleon hatte allerdings begriffen, dass der zentralistische
Einheitsstaat in der Schweiz keine Chance hatte und verschrieb der Schweiz deshalb eine
föderalistische [die Eigenständigkeit der Kantone betonende] Verfassung. Sich selbst
sah Napoleon allerdings nicht als Diktator sondern als Mediator [Vermittler], deshalb
gab er der Verfassung den Namen Mediationsakte.
> Mehr zur Mediationszeit
Die Entwicklung der Schweiz zum modernen Rechtsstaat, in dem alle Bürgerinnen und Bürger gleiche Rechte haben, ihre persönliche Freiheit geniessen und im Bedarfsfall (im Alter, bei Krankheit oder Schicksalsschlägen) auf eine gewisse Solidarität und Unterstützung zählen können, ist keine rein schweizerische Eigenleistung. Vielmehr haben gedankliche Anstösse aus unseren europäischen Nachbarstaaten und die Besetzung unseres Landes durch eine fremde Armee (Frankreich) nicht unwesentlich dazu beigetragen. Wer diesen Tatsachen nicht ins Auge schauen will, sollte sich überlegen, wie die Schweiz aussähe, wenn es ihr gelungen wäre, sich den fremden Einflüssen bis heute zu verschliessen:
Aargauer, Thurgauer, Tessiner und Westschweizer würden sich als Untertanen ohne politische Rechte wohl ebensowenig in einer solchen Schweiz wohlfühlen wie Leute aus dem Bernbiet, Baselbiet, den Kantonen Luzern und Zürich (abgesehen von wenigen privilegierten Familien in den Hauptstädten). Das gilt es zu bedenken, wenn uns gewisse politische Kreise weismachen wollen, dass die althergebrachte Ordnung auch heute und in Zukunft und in alle Ewigkeit die bestmögliche sei. Ein kleiner Trost bliebe uns dabei: Sie könnten dann auch nicht das Referendum ergreifen (eine Errungenschaft der revidierten Bundesverfassung von 1874), wenn ihnen die Regierung wieder einmal zu schnell Veränderungen bringen will ...
Als richtig erwiesen haben sich die grundlegenden politischen Ideen der Aufklärung, denn auf ihnen beruhen die Verfassungen aller westlichen Staaten, die ihren Bürgerinnen und Bürgern Freiheit, Wohlstand und soziale Sicherheit gewähren können. Andererseits ist es in Ländern ohne westliche Verfassung oder solchen, wo diese zwar auf dem Papier besteht, aber nicht angewendet wird, fast ausnahmslos um Freiheit und soziale Wohlfahrt schlecht bestellt.
Nicht bewährt hat sich dagegen der Versuch, die neue Ordnung wie in Frankreich mit Gewalt (Revolution) einzuführen, denn daraus entstand nicht Demokratie, sondern Chaos und Diktatur. Ebenso unsinnig war der Versuch, die neue Ordnung aufzuhalten bzw. 1815 die alte Ordnung wieder herzustellen, denn auf die Dauer lässt sich der Wunsch nach Freiheit und Gleichberechtigung nicht unterdrücken.
Damit wir uns richtig verstehen: Wir Schweizer haben allen Grund, auf unser demokratisches Gemeinwesen, wie es heute ist, stolz zu sein. Dabei sollten wir aber nicht vergessen, wie sehr eben diese Schweiz und ihre Grundlage, die Bundesverfassung, auf "fremdem Mist" gewachsen bzw. damit gedüngt ist. In einer Welt, in der die Länder wirtschaftlich immer mehr von einander abhängig werden, kann auch die Schweiz nur Bestand haben, wenn sie "am Ball bleibt" und sich in friedlicher Zusammenarbeit mit ihren europäischen Nachbarn und den übrigen Staaten der Welt stetig weiterentwickelt. Die geltende Bundesverfassung regelt klar, wie eine solche Entwicklung geordnet erfolgen kann und unsere Regierung macht diesbezüglich ihre "Hausaufgaben" wohl besser als manch einer, der am Stammtisch gegen "die da oben in Bern" poltert.
Selbstverständlich ist es unser gutes Recht, einmal anders abzustimmen, als es uns Regierung und Parlament vorschlagen. Wer allerdings grundsätzlich jede Neuerung mit einem trotzigen "NEIN" auf dem Stimmzettel blockiert, der riskiert, dass unser Staat mit der Zeit mehr und mehr einem Dampfkochtopf gleicht, der zu heiss bekommt und dessen Sicherheitsventil verstopft ist: irgendwann ist dann die Explosion unausweichlich (wie 1789 in Frankreich und 1798 in der Schweiz). Sorgen wir also dafür, dass die Veränderungen auf demokratischem Weg erfolgen, nicht zu spät, aber auch nicht überstürzt (unüberlegt). Dabei ist auch zu bedenken, dass "Trittbrettfahren" und "Rosinenpicken" unfair und egoistisch sind und sich langfristig nicht auszahlen.
|Aufklärung||Mediation 1803-1815|

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