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Donnerstag, 23.06.2005 / 17:34
Microsoft will SenderID mit Gewalt durchsetzen
Hotmail wird ab November alle Mails, die keine Absenderkennzeichnung tragen, als Spam markieren.
"Microsoft versucht mit dem Gewicht des E-Mail-Dienstes Hotmail einen Standard durchzudrücken", sagt Andreas Reinhard vom Winterthurer Antispam-Spezialisten Apexis Cleanmail. Es geht um die gestrige Ankündigung von Microsoft, dass MSN Hotmail ab ca. November alle Mails, deren Absender keine "SenderID" tragen, speziell kennzeichnen wird (siehe Screenshot).
SenderID basiert auf dem so genannten "Sender Policy Framework" (SPF). Dabei sollen Betreiber von Mail-Domains im Rahmen von SIDF (Sender ID Framework) klar definieren, welche Server Mails aus dieser Domain (z.B. @hotmail.ch) verschicken und diese Angaben veröffentlichen. Setzt sich das System weltweit durch, so können E-Mail-Absender nicht mehr gefälscht werden, da die Empfänger-Maschinen "sehen" würden, dass Absender-Angaben und der SPF-Eintrag nicht übereinstimmen.
Heute tragen erst 30% aller Mails eine solche SenderID und nur etwa eine Million der weltweit über 70 Millionen Domains verwenden SIDF. Yahoo beispielsweise verwendet ein anderes, eigenes System namens "DomainKeys".
Experten kritisch
Der Winterthurer Anti-Spam-Spezialist Andreas Reinhard sagt, SenderID werde das Spam-Problem sicher nicht lösen. "Die ersten, die ihre Domains mit SPF-Einträgen ausrüsteten, waren die Spammer", erzählt Reinhard. "Wenn sich das System durchsetzt, wird SenderID althergebrachten Spam vielleicht stoppen. Aber das Problem der Zombie-Netzwerke und der Wegwerf-Domains wird es nicht lösen können."
Und
der US Anti-Spam-Spezialist Ray Everett-Church sagte zu CNET news.com, Microsoft versuche schon länger vergeblich, das SenderID-System in der Internet-Gemeinde durchzusetzen. Er glaube nicht an den Erfolg der Aktion, befürchte hingegegen dass völlig legitime Mails von Hotmail als Spam abqualifiziert werden.
Probleme mit Weiterleitungsdiensten und Newslettern
SenderID verursacht ein weiteres Problem. Es funktioniert nicht mit E-Mail-Weiterleitungsdiensten. Und es wird auch nicht möglich sein, einen Newsletter von einem E-Mail-Server abzusenden, aber eine andere (ebenfalls legitime) Domain als Absender anzugeben, wie wir das beispielsweise tun. Sowohl automatisch weitergeleitete Mails wie auch gewisse Newsletter werden in Zukunft von Hotmail als Spam identifiziert werden.
Microsoft macht Ernst
Teile der Internet-Community reagieren also zumindest in der "veröffentlichten" Meinung überwiegend kritisch. Doch die Initiative von Redmond könnte einen positiven Effekt haben. Das Gewicht der Millionen E-Mail-Konten bei Hotmail und AOL, könnte dazu führen, dass man mit einem weltweit anerkannten Standard für die Kennzeichnung von E-Mails vorwärts macht.
Ausserdem ist es angeblich für Betreiber von Mail-Domains nicht allzu schwierig, SPF-Einträge einzuführen. Ob dies allerdings für alle verschiedenen Mail-Server-Systeme gilt, wissen wir (noch) nicht.
Pikant: Mails von Hotmail-Servern haben erst seit wenigen Tagen einen SPF-Record, jenen Eintrag, der die Mail-Domain eindeutig identifiziert. (Christoph Hugenschmidt)