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Das Schweizer Vorsorgesystem ist einzigartig. Gleichzeitig geben die Sozialversicherungen Ihnen als Arbeitgeber eine Menge Pflichten auf. Wir zeigen Ihnen, wie Sie diesen gewissenhaft nachkommen.
Das Drei-Säulen-Konzept
Das Schweizer Vorsorgesystem für die Risiken Alter, Tod und Invalidität ist auf drei Säulen aufgebaut.
Eine arbeitslose Person erleidet einen Unfall - wer bezahlt: die Arbeitslosenversicherung oder die Unfallversicherung?
Im Spital erkrankt diese Person zudem - wer bezahlt jetzt?
Mit der Einführung des Allgemeinen Teils des Sozialversicherungsrechts (ATSG) per 01.01.2003 wollte man die einzelnen Sozialversicherungsgesetzgebungen untereinander koordinieren, so dass möglichst viele Fragestellungen beantwortet werden können.
Der Allgemeine Teil definiert Grundsätze und Begriffe, regelt das Verfahren und die Rechtspflege sowie die Institute des Sozialversicherungsrechts. Ausserdem regelt dieser, welcher Sozialversicherungszweig bei Unklarheiten vorleistungspflichtig wird, welche Leistungen wie gekürzt werden dürfen wenn verschiedene Leistungsansprüche aufeinandertreffen und in wieweit auf Dritte Regress genommen werden darf.
Die einzelnen Sozialversicherungszweige - mit Ausnahme der beruflichen Vorsorge - richten sich grundsätzlich an den Bestimmungen des ATSG aus. In einzelnen Bestimmungen können jedoch Ausnahmen vorkommen, die ausdrücklich im jeweiligen Sozialversicherungsrecht erwähnt werden müssen. Der Zusatz «in Abweichung zu Art. xyz, ATSG» dürfte dem häufigen Anwender wohl bekannt sein.
Das ATSG finden Sie unter folgendem Link.
Die AHV ist die obligatorische Rentenversicherung der Schweiz. Zusammen mit der Invalidenversicherung und den Ergänzungsleistungen bildet sie die erste, staatliche Vorsorgesäule und dient einer angemessenen Existenzsicherung. Damit hat sie den Charakter eines Solidaritätswerks.
Altersrenten erhalten Frauen ab dem 64. Altersjahr und Männer ab dem 65. Altersjahr. Es besteht die Möglichkeit, bereits früher AHV-Renten zu beziehen, jedoch nur unter bestimmten Auflagen und mit einer Rentenkürzung. Der Bezug der AHV-Rente kann bis zu fünf Jahre aufgeschoben werden. Abhängig von der Dauer des Aufschubs wird ein Zuschlag auf die Rente gewährt. Hinterlassenenrenten erhalten Witwen und Witwer, sofern unmündige Kinder oder solche in Ausbildung in ihrem Haushalt leben.
Die AHV stellt Ihr Unternehmen vor diverse Herausforderungen, unter anderem in folgenden Bereichen:
Die Wegleitung über die Versicherungspflicht in der AHV/IV des Bundesamtes für Sozialversicherungen finden Sie unter diesem Link.
Weitere Grundlagen zur AHV finden Sie hier.
Die IV ist eine staatliche und obligatorische Sozialversicherung und Teil der ersten Säule. Mit Massnahmen zur Eingliederung in den Arbeitsmarkt oder finanziellen Leistungen will die IV Versicherten die Existenzgrundlage sichern, wenn eine Invalidität eintrifft. Die gesetzlichen Grundlagen dafür legt das Bundesgesetz über die Invalidenversicherung (IVG) fest, das sich auf die Artikel 111 und 112 der Bundesverfassung stützt.
Sie als Arbeitgeber haben mit der IV in diesem Zusammenhang zu tun:
Detaillierte Informationen zur IV erhalten Sie über diesen Link.
Die EO kompensiert den Verdienstausfall von Personen, die Militär-, Zivilschutz- oder Zivildienst leisten. Diese Versicherung wurde während des Zweiten Weltkriegs eingeführt, damals unter dem Namen «Wehrmannsschutz». Die ausbezahlten Beträge richten sich nach dem Einkommen. Seit dem 1. Januar 2015 zahlt die EO nur noch bis zum AHV-Rentenalter. Seit dem 1. Juli 2005 wurde die EO um den Erwerbsersatz berufstätiger Frauen beim Mutterschaftsurlaub (MSE) ergänzt.
Im Rahmen der EO und MSE müssen Sie diesen Arbeitgeberpflichten nachkommen:
Weiterführende Erläuterungen zur EO lesen Sie hier.
Die EL ergänzen AHV und IV und helfen dort, wo die Renten und das Einkommen die minimalen Lebenskosten nicht decken. Als Bedarfsleistungen stellen die EL einen rechtlichen Anspruch und keine Fürsorge oder Sozialhilfe dar. Zusammen mit der AHV und der IV gehören sie zum sozialen Fundament der Schweizer Vorsorge.
Mehr über die EL erfahren Sie hier.
Die berufliche Vorsorge entspricht der zweiten Säule des Schweizer Sozialvorsorgesystems. Sie soll den Versicherten nach der Pensionierung erlauben, ihr Leben in angemessener Weise fortzusetzen. BVG-Versicherte erhalten als Richtwert aus der ersten und zweiten Säule ein Renteneinkommen von rund 60 Prozent des letzten Lohns bis zu einem Einkommen von ca. CHF 85‘000. Zudem versichert das BVG die Risiken Tod und Invalidität.
Ihnen als Arbeitgeber gibt die berufliche Vorsorge diese Schlüsselaufgaben auf:
Beim Thema BVG helfen Ihnen diese Ausführungen des Bundesamts für Sozialversicherungen weiter.
Durch die oft über dem BVG-Obligatorium liegenden Pensionskassenlösungen in den Unternehmen finden sich verschiedenste Lösungen, die es individuell korrekt umzusetzen gilt.
Werden Personen ganz oder teilweise arbeitslos, haben sie Anspruch auf ein Arbeitslosentaggeld. ALV-anspruchsberechtigt sind sowohl versicherte Arbeitnehmer als auch neu in den Arbeitsmarkt eintretende Personen. Sie müssen die obligatorische Schulzeit abgeschlossen haben und dürfen weder das Rentenalter der AHV erreicht haben noch eine AHV-Rente beziehen.
Selbstständigerwerbende und nicht Erwerbstätige sind nicht ALV-versichert. Auch unselbstständig erwerbende Personen, die als Gesellschafter einer Aktiengesellschaft oder einer GmbH die Entscheidungen einer solchen Firma wesentlich beeinflussen können, haben keinen Anspruch auf ALV-Entschädigung.
Als Arbeitgeber können im Rahmen der ALV diese Aufgaben auf Sie zukommen:
Das Bundesgesetz über die Familienzulagen (FamZG) gibt seit dem 01.01.2009 den nationalen Rahmen für die Gesetzgebung der Kantone vor. Die FamZ sollen jene Kosten teilweise ausgleichen, die den Eltern durch den Unterhalt ihrer Kinder entstehen. Sie umfassen die Kinder- und Ausbildungszulagen sowie die Geburts- und Adoptionszulagen einzelner Kantone. Für Familien in der Landwirtschaft bleibt das Bundesgesetz über die Familienzulagen in der Landwirtschaft (FLG) als Spezialgesetz weiter bestehen.
Als Arbeitgeber kommt das FamZG bei diesen Massnahmen zum Tragen:
Hier geht es zum Bundesgesetz über die FamZ.
Alle in der Schweiz beschäftigten Personen sind obligatorisch gegen Unfälle und Berufskrankheiten versichert. Das UVG schützt vor wirtschaftlichen Folgen bei Berufsunfällen, Berufskrankheiten und Freizeitunfällen; dies mit Leistungen für medizinische Behandlungen und finanzieller Unterstützung. Für Freizeitunfälle und den Arbeitsweg versichert sind Mitarbeitende, die mindestens acht Stunden pro Woche beim selben Arbeitgeber tätig sind. Die Prämien für die Versicherung der Berufsunfälle und -krankheiten (BU) trägt der Arbeitgeber. Diejenigen für Nichtberufsunfälle (NBU) gehen gemäss Gesetz zu Lasten des Arbeitnehmers, wobei in der Praxis die Finanzierung in gewissen Branchen oft durch den Arbeitgeber erfolgt. Der Arbeitgeber schuldet den gesamten UVG-Prämienbetrag, wobei er den Anteil des Arbeitnehmers von dessen Lohn abzieht. Die Prämien richten sich nach dem Einkommen des Versicherten und nach der Art des Betriebs.
Beim Thema UVG helfen Ihnen diese Ausführungen des Bundesamtes für Gesundheit weiter.
Die Krankenversicherung gewährt allen in der Schweiz lebenden Personen den Zugang zu einer guten medizinischen Versorgung und deckt die finanziellen Mehrkosten infolge Krankheit, Unfall und Mutterschaft. Die Versicherten können eine Krankenkassenzusatzversicherung für weiterführende Leistungen abschliessen. Arbeitstätige Personen können den Zusatz für die Unfalldeckung bei ihrer Krankenkasse ausschliessen, da sie bereits über den Arbeitgeber für Leistungen im Unfallbereich versichert sind.
Sozialversicherungsrechtlich ins Ausland entsandte Mitarbeitende und ihre Angehörigen bleiben während maximal sechs Jahren krankenversichert. Allerdings kann im Entsendungsland trotzdem eine Versicherungspflicht bestehen, wenn das Entsendungsland die Versicherungsleistung nicht als gleichwertig erachtet.
Sie als Arbeitgeber betrifft die Krankenversicherung in dieser Hinsicht:
Mehr zur Krankenversicherungspflicht finden Sie hier.
Für die Implementierung und die Aufsicht über die Arbeitssicherheit (Präventionsmassnahmen) in den Betrieben ist die Suva als selbstständiges Unternehmen des öffentlichen Rechts beauftragt. Die Gründung der Suva wurde von den privaten Versicherungsgesellschaften zu Beginn stark bekämpft. Heute ist klar geregelt, wer sich bei der Suva versichern muss (Art. 66 UVG), so zum Beispiel Unternehmen aus den Bereichen Bau, maschinelle Einrichtungen oder Transport.
Firmen, die nicht unter diesen Artikel fallen, können ihre Versicherungsgesellschaft frei wählen. Da die Auswahl sehr gross ist, empfehlen wir eine ganzheitliche Betrachtung des Leistungsangebots. Nur so können Sie als Arbeitgeber Ihren Mitarbeitenden einen angemessenen Schutz bieten.
Bei der Unfallversicherung sind Sie in diesen Bereichen gefordert:
Hier finden Sie einige aufschlussreiche Auskünfte:
Die Krankentaggeldversicherung ist freiwillig. Sie sorgt dafür, dass der Arbeitnehmer bei längerer Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer Krankheit bis zu seiner Genesung oder bis zum Anspruch auf eine Invaliditätsrente seinen Lohn erhält. Mit dem Abschluss einer KTG-Versicherung wird der Arbeitgeber davon befreit, den vollen Lohn bis zum Ablauf der gesetzlichen Frist zu bezahlen. Dies, sofern die versicherten Leistungen mindestens gleichwertig sind. Die Prämien variieren je nach Wartefrist. Einzelne Gesamtarbeitsverträge sehen sehr kurze Wartefristen vor.
Sie als Arbeitgeber stehen im Zusammenhang mit dem KTG vor diesen Herausforderungen:
Wissenswertes und Nützliches zu diesem Thema finden Sie hier.
Die Militärversicherung wird seit 01.07.2005 in der Suva geführt. Die Finanzierung erfolgt über die öffentliche Hand, das heisst es gibt keine lohnsummenabhängigen Beiträge. Die Militärversicherung ist für Dienstleistende in der Armee, im Zivilschutz und im Zivildienst vorgesehen.
Weitere Informationen finden Sie unter diesem Link.
Die dritte Säule des Drei-Säulen-Prinzips ist die Grundlage für die individuelle Vorsorge. Die Säule 3a (gebundene Vorsorge) bietet neben der AHV und der Pensionskasse die Möglichkeit, einen gewissen Betrag steuerfrei zu sparen. Steuerfrei bedeutet hier, dass der Beitrag beim Einkommen abzugsfähig ist und weder das Guthaben noch die daraus resultierenden Erträge in der Steuererklärung deklariert werden müssen. Die Kriterien für einen Barbezug des Guthabens sind ähnlich wie bei der Pensionskasse.
Die Säule 3b bietet im Rahmen der freien Vorsorge das flexiblere Sparpotential, da grundsätzlich jederzeit über das Guthaben verfügt werden kann (die Vertragsbedingungen mit dem jeweiligen Finanzinstitut sind zu beachten).
Weitere Informationen finden Sie unter diesem Link.
Für Mitarbeitende, die für Ihr Unternehmen vorübergehend in einem anderen Land tätig sind, gelten während dieser Zeit die Sozialversicherungsgesetze der Schweiz. Dazu müssen gewisse Voraussetzungen erfüllt sein.
Sie als Arbeitgeber sollten bei Auslandseinsätzen diese Aspekte prüfen:
Wir unterstützen Sie gerne mit unserem Fachwissen, speziell bei internationalen Arbeitsbeziehungen. Die Komplexität der Abrechnungspflichten und beim Versicherungsschutz ist nicht zu unterschätzen.
Diese weiterführenden Informationen und Hilfsmittel unterstützen Sie bei der korrekten Abwicklung von internationalen Einsätzen: