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Die Europäische Union wird von den in Europa ansässigen Stahlunternehmen zunehmend unter Druck gesetzt, den weltgrössten CO2-Emissionshandel umzugestalten. Ansonsten käme es zu einer massiven Entlassungswelle, so die Konzerne.
Europas Stahlindustrie zahlt jährlich Gehälter in Höhe von 140 Mrd Euro, beschäftigt etwa 370 000 Menschen direkt und 1 Mio indirekt bei Zulieferern und nachgelagerten Industrien wie Autoherstellern und anderen stahlverarbeitenden Unternehmen. Insgesamt schafft die Stahlindustrie nach Angaben des Branchenverbands Eurofer 22 Mio Jobs.
Emissionshandel ist gefährdet
Stahlhersteller sagen nun, dass diese Arbeitsplätze durch den Emissionshandel-Vorschlag der EU-Kommission gefährdet seien. Der Vorschlag sieht härtere Emissiongrenzen für Fabriken und Kraftwerke vor und zwingt sie, ab 2013 CO2-Emissionsrechte zu kaufen oder zu verkaufen, um den jährlichen Quoten gerecht zu werden. Stahlhersteller sind überzeugt, dass ihnen solche Vorgaben einen Wettbewerbsnachteil gegenüber Mitbewerbern in Ländern mit laxeren Standards bescheren.
Die EU will den gesamten CO2-Ausstoss bis 2020 um 20% unter den Stand von 1990 senken. Der Zielwert würde auf 30% steigen, falls es zu einer internationalen Übereinkunft kommt. Da die EU gegenüber Bereichen, die ausserhalb des Anwendungsbereichs des Programms - etwa Landwirtschaft und Transport - liegen, nachsichtiger ist, werden von der Industrie höhere Kürzungen verlangt. Die EU sagt zwar, es gebe keine Zielwerte für bestimmte Industrien, Eurofer hat jedoch errechnet, dass die Stahlkocher ihre CO2-Emissionen bis 2020 um 45% unter das Niveau von 1990 senken müssten.
Bisher hat die Kommission ihre Pläne für die Stahlindustrie noch nicht bekannt gegeben. Die Stahlkocher befürchten jedoch, dass ihnen ähnliche Regeln ins Haus stehen wie den Stromerzeugern. Diese Konzerne werden gezwungen sein, auf Auktionen alle CO2-Papiere für die Zeit von 2013 bis 2020 zu kaufen, derer sie habhaft werden können. Die freien Zuteilungen, wie sie seit Start des Programms 2005 üblich waren, werden zurückgehen. «Die Komplettversteigerung von CO2-Emissionspapieren ist eine echte Bedrohung», sagt Wolfgang Eder, Chef des österreichischen Spezialunternehmens Voestalpine. Selbst eine teilweise Versteigerung sei schon ein Problem.
Zwischen 50 und 100 Mrd Euro Kosten würden nach Schätzungen von Eurofer für die Stahlindustrie entstehen, sollte die Kommission entscheiden, dass die Industrie einen Grossteil der Emissionrechte kaufen muss. «Warum sind wir europäischen Stahlhersteller diejenigen, denen harte Emissionsgrenzen auferlegt werden, während sie andere nicht haben», fragt Lakshmi Mittal, Chef von ArcelorMittal, dem grössten Stahlhersteller der Welt. «Wenn es so weitergeht, könnte das Jobs kosten, da die europäische Industrie nicht mehr konkurrenzfähig ist.»
EU-Vorschlag stoppt Wachstum
Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, dass alle Industriezweige - unabhängig von ihrer Exponiertheit im internationalen Wettbewerb - 2013 bis zu 80% der Emissionsrechte umsonst bekommen; dieser Wert würde bis 2020 dann auf null fallen. Voestalpine überlegt derzeit, einen Teil der Produktion in die Ukraine oder Türkei zu verlagern. «Der Vorschlag wird so, wie er jetzt vorliegt, das Wachstum der Stahlindustrie in Europa stoppen», sagt Gordon Moffat, Generaldirektor von Eurofer. Seiner Meinung nach würde er zu einer Kostenerhöhung pro Tonne Stahl zwischen 10 und 20% führen.