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Name, unter dem du publizierst:
Tom Zai
Wenn du diese Fragen beantwortest, entstehen deine Krimis oder Thriller zu Musik.
Du bist also Schriftsteller oder Schriftstellern und hast schon mindestens ein Buch veröffentlicht. Welches ist dein eigenes Lieblingsbuch?
Von mir selber geschrieben ist es „Zufallshelden“.
Von andern Autorinnen und Autoren habe ich diverse Lieblingsbücher – hier eine unvollständige Liste:
His Dark Materials von Philip Pullman (Goldener Kompass usw.)
Herr der Ringe von J.R.R. Tolien
Chaos Walking Trilogy von Patrick Ness
Die meisten Bücher von Nick Hornby
Alle Bücher von Fred Vargas
Stein und Flöte (und das ist noch nicht alles) von Hans Bemmann
The Hitchhiker’s Guide … von Douglas Adams
Der Dunkle Turm – Serie von Stephen King
Krabat von Ottfried Preussler
und viele mehr …
Zu welcher Art von Musik entstehen deine Texte? Spielst du bestimmte Stücke oder Genres? Legst du Playlisten an?
„Zufallshelden“ ist zur Musik von Steven Wilson (Porcupine Tree und viele andere Bands) entstanden.
Band 2, von dem es noch keinen offiziellen Titel gibt, ist zur Musik von Dream Theater entstanden.
Das Genre ist Progressive Metal. Ich selber bezeichne diesen Stil als Jazz für Metal-Fans.
Bei Band 3, an dem ich schreibe, bevor Band 2 herauskommt, habe ich nun einen völlig neuen Weg eingeschlagen. Weil ich Spotify entdeckt habe. Ich spiele im Moment vor allem Soundtracks von Filmen aus dem Thriller-Abenteuer-Superhelden-Bereich. Das passt perfekt zu meinem Plot. Mein aktueller Lieblingskomponist in diesem Genre ist Hans Zimmer.
Playlisten legte ich an, bevor ich Spotify entdeckt habe. Wichtig in jedem Fall ist der Zufallsmodus. Ich lasse mich von der Musik treiben. Sie provoziert Assoziationen, die für mich beim Schreiben so wichtig sind.
Wie hörst du deine Musik beim Schreiben und warum?
Wenn ich gerade niemanden störe, höre ich die Musik ab Lautsprecher. Am PC ist das ein 2.1 System. Noch besser ist natürlich die Stereoanlage im Wohnzimmer.
Meistens aber kollidiert mein Hörverhalten mit dem Familienbetrieb. Dann kommen die Kopfhörer zum Einsatz.
Ich benutze kabellose, offene Kopfhörer von Sennheiser wenn ich schreibe.
Die Musik muss laut sein – nicht die volle Dröhnung aber doch in einer dominanten Lautstärke. Meine Familienmitglieder haben es sich angewöhnt, zu stampfen, wenn sie sich mir nähern.
Sich einem Autor oder einer Autorin zu nähern, der oder die schreibt, ist eh eine gefährliche Sache – in der Regel für das Herz der Schreibenden, die vollkommen in ihrer Welt versunken nicht mit irdischen Einflüssen rechnen.
Gab es Momente in deinem Schreiben, in denen dich Musik entscheidend vorwärtsgebracht hat?
YES! Immer wieder. Letzten Sonntag zum Beispiel, als ich Band 3 zu Ende plante. Seither flutscht es förmlich – zu „Inception“, „Batman“ und so weiter. Bereits hat sich „Jack Sparrow“ in mein Manuskript geschlichen. Das hat man davon.
Welches ist dein ultimativer Hörtipp und welche Eindrücke verbindest du damit?
Das Album „The Incident“ von „Porcupine Tree“. Das ist atmosphärischer, dichter Progressive Metal. Ich habe die Platte rauf- und runtergehört.
Ich verbinde damit das Gefühl, dass es in uns drinnen Kräfte gibt, Vorgänge ablaufen, von den wir bewusst nur wenig mitbekommen. Zur Musik von Steven Wilson und seinen Leuten entstehen wie von selbst Bilder und Gefühle. Ausserdem hat sie eine Power, die ansteckend ist.
Was gibt es noch zu sagen über deine Beziehung zwischen Schreiben und Musik?
Früher las ich sehr oft zu Musik. Das führt dazu, dass ich noch heute an gewisse Bücher denke, wenn ein spezielles Musikstück läuft. Wir hatten früher nicht viel Geld übrig, um Platten zu kaufen. Selbst Kassetten, auf denen wir die Radio-Hitparade mitschnitten, waren nicht ganz billig. Also hörten wir die selben Alben oft wochenlang. Ich las zu zwei Queen-Alben (A Night At The Opera / A Day At The Races) ungefähr 300 Ausgaben von Perry Rhodan und etwa einen Meter Agatha Christie.
Ich bin jemand, der schon immer zu Musik gelernt hat – Vokabeln zum Beispiel.
Musik bildet so etwas wie den Teppich, auf dem ich mich durchs Leben bewege.
Heute brauche ich Musik als Katalysator beim Schreiben. Vielleicht ist es auch das Transportmittel, das mir hilft, die vernetzten Assoziationen aus den unzugänglichen Zonen meines Geistes in die Grosshirnrinde zu bringen.
Ich mag rhythmisch und melodiös anspruchsvolle Musik. Der Gesang soll nicht zu dominant sein; das lenkt mich ab. Ich könnte nicht zu Singer-Songwritern schreiben – das ist, also ob mir jemand ein zweites Buch vorliest, während ich an meinem eigenen schreibe. Geht nicht.
Absolut überhaupt nicht geht „Ambient“ und alles, was aus der Esoterik-Ecke kommt – also Endlosschlaufen mit wabernden Synthyklängen, die sich in nicht enden wollenden Bögen durch die Gehörgänge winden, bis sie dann im Stammhirn, verstärkt durch Naturgeräusche – Tröpfeln, Knarren, Winden, Rascheln, usw. – bei mir vor allem eines auslösen: Fluchtgedanken. Ich glaube, diese „Meditations-Stimmungs-Warteschlaufen-Wirsindalleentspanntundatmentiefdurch-Musik“ würde beim Schreiben zu einem Gemetzel führen. Weil ich keinen Horror schreibe, lasse ich es bleiben.
Das scheint im Widerspruch dazu zu stehen, was ich über meinen Hörtipp schreibe. Nun, mir hilft eben etwas brachialere Musik, meine Mitte zu finden – wo immer die sein mag ;-).