Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03653.jsonl.gz/202

Einmal im Jahr muss es einfach drin liegen: kein TV, keine Serien, kein Alltagstrott. Ferien. Kunst und Kultur!! Aber leider ist man ja an den wirklich schönen Orten der Welt nicht so alleine, wie vor der Flimmerkiste. Und wenn man ein Freund von Tier-Dokumentarfilmen ist, fühlt man sich in einem Kunstmuseum wie der Albertina sofort wohl. Schliesslich ist Brehm’s Tierleben auch hier problemlos anwendbar. Menschen, insbesondere Männer, sind sehr rasch katalogisierbar. Da wären beispielsweise:
Der Asket
leicht erkennbar am dunklen, noch besser schwarzen Rollkragenpulli, dem ernsten Gesicht und dem kurzen, grau mellierten Haar. Er trägt eine Brille und kann stundenlang vor einem Bild verweilen.
Der Begleiter
sieht man im Idealfall an der Seite einer jungen, sehr schlanken Blondine, einem Audrey-Hepburn-Verschnitt oder einer prä-raffaelitischen Rothaarigen. Man erkennt sofort, dass er keine Ahnung von Kunst hat, aber willig ist, zumindest Akte genauer anzuschauen. Er trägt meistens ein blaues Polohemd, einen roten Pulli über den Schultern, Jeans und eine dicke Unterhose. Seine Haare sind halblang.
Der gescheiterte Künstler
Er ist mittelgross, dünn, hat halblange blonde Haare, trägt einen schwarzen Mantel und motiviert sich hauptsächlich an den Biographien jener Maler, die genau wie er, dank Papas Geld überlebt haben und nach ihrem Tode gross wurden. Er ist alleine unterwegs.
Der Pastellfarbene
Er ist sehr gutaussehend und gutriechend, mittleren Alters und immer zu zweit unterwegs.Gut erkennbar ist er an seinem perfekten Haarschnitt, der perfektsitzenden Kleidung und dem pastellfarbenen Pullover über den Schultern. Er diskutiert und steht mit seinem Begleiter stundenlang vor Männerakten, um dann vor Frauenakten verstört weiter zu gehen.
Der Student
Er ist hochinteressiert, pickelig, setzt sich auf jeden bereitgestellten Stuhl und macht sich Notizen in sein Moleskine oder iPad. Er fällt unter den vielen anderen Geschlechtsgenossen auf wie ein Paradiesvogel, trotz seines mausgrauen Auftritts. In Wirklichkeit wartet er auf seine Märchenprinzessin, die bitte eine Mischung aus Degas‘ Ballerinas und Klimts Gorgonen sein soll.
Der Touri
Er trägt kurze, helle Hosen, Sandalen und Socken in jeder Jahreszeit. Vor seinem grossen Bauch hängt eine Spiegelreflexkamera mit langem Zoomobjektiv, in den Händen hält er den Stadtführer. Sein Gesicht ist leicht gerötet, besonders vor Akten. Warum er hier ist, weiss er nicht genau. Aber missfallen tut es ihm auch nicht.
Fortsetzung folgt.