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Fotos: ©Bartosz Modelski/Sail Spotting
Fans von A-Cats sind sich einig: Der schnelle, leichte Katamaran hat Suchtpotenzial. Wer einmal darauf gesegelt ist, kommt kaum noch von ihm los.
Für den A-Cat sprechen viele Argumente. Der französische Klassenverband zählt auf seiner Website eine ganze Reihe davon auf. Man segle in einer grossen Flotte, erreiche am Wind 12 und vor dem Wind 20 Knoten, könne zwischen Gleiten und Fliegen wählen und spare sich die mühsame Suche nach Teammitgliedern, heisst es dort unter anderem. Kein Wunder, gehört der A-Cat schon seit Jahren zu den weltweit beliebtesten und erfolgreichsten Katamaranklassen. Einer der berühmtesten A-Cat-Segler ist sicher Glenn Ashby. Elfmal konnte sich der America’s-Cup-Sieger in dieser Klasse schon als Weltmeister feiern lassen. An grossen internationalen Anlässen vereint die Konstruktionsklasse um die zwanzig Nationen aus aller Welt. Auch an der WM 2017 in Sopot (Polen) wurden über 125 Boote gewertet, darunter zehn aus der Schweiz. Je nach Veranstaltungsort und Jahr kommen sogar um die 200 Boote zusammen. Jacques Valente, der seit 2016 A-Cat segelt, meinte nur: „Warum habe ich nicht schon früher damit angefangen?!“
1956 rief die International Yacht Racing Union (IYRU), die Vorgängerin der ISAF, in England die A-Division als freie Konstruktionsklasse ins Leben. Länge war anfänglich keine vorgegeben. Verlangt wurde lediglich, dass es sich um einen einhandgesegelten, als Cat-Boat geriggten Katamaran handeln müsse. Aus dieser A-Division gingen mehrere One-Design-Klassen hervor. In den 1960er-Jahren wurde schliesslich beschlossen, die Länge der A-Cats auf 18 Fuss festzulegen sowie die Breite und die Segelfläche zu regeln.
Bis in den 1980er-Jahren war der A-Cat vor allem in den USA und auf der südlichen Erdhalbkugel populär, danach begann er sich allmählich auch auf dem Alten Kontinent durchzusetzen. Dank neuer Verbundstoffe und der Integration von Foils, die erst zur Entlastung der Rümpfe und später zum Fliegen dienten, wurde der A-Cat immer beliebter. Heute umfasst der europäische Regattakalender rund 15 Anlässe, vier davon finden in der Schweiz statt. Im September dieses Jahres trugen 25 Boote die hiesige Landesmeisterschaft aus.
Populär auch in der Schweiz
Sandro Caviezel, Händler und Entwickler des A-Cats Scheurer G7 und derzeit der unbestritten beste A-Cat-Segler der Schweiz, freut sich, dass junge Segler zur dazustossen. „Es findet ein Generationenwechsel statt“, sagt der WM-19. „Vor nicht so langer Zeit galt die Klasse als Auffangbecken für gute Regatteure im Vorruhestand. Mittlerweile ist die Flotte aber deutlich jünger geworden.“ Das Alter des Klassenpräsidenten ist kennzeichnend dafür – Robin Maeder ist gerade mal 20 Jahre alt. Und auch die Segler werden jünger, wie der 30-jährige Neuzugänger Nils Palmieri beweist. „Der A-Cat ist ein hervorragendes Arbeitsinstrument“, lobt er. „Egal, was man danach macht, heute muss man auf einem Multi foilen können. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass sich die Klasse ständig weiterentwickelt. Boote wie die Flying Phantom oder die Easy To Fly müssten schon jetzt optimiert werden. Die A-Class ist eine Box Rule. Sie lässt viel Spielraum, sodass man stets auf dem neusten Stand der Technik ist. Im Gegenzug ist das Boot höchst anspruchsvoll und körperlich anstrengend. Das ist aber sein einziger Nachteil. Wer sich für ein fliegendes Boot entscheidet, muss bereit sein, zu investieren, um vorwärtszukommen. Das setzt eine Menge Arbeit voraus. Sonst bleibt man lieber beim klassischen Segeln.“
Handlungsbedarf für die Zukunft
Luc du Bois, ehemaliges Teammitglied von Alinghi, ETNZ und jüngst auch BAR, gehört ebenfalls zu den charismatischen Figuren der Klasse. 2009 klassierte er sich an der WM in Australien punktgleich mit James Spithill auf dem 7. Rang. Dieses Jahr in Polen erreichte er den 37. Platz. Er schätzt den A-Cat aus den bereits genannten Gründen, sieht aber auch grosse Herausforderungen auf die Klasse zukommen: „Heute gibt es relativ einfache technische Mittel, die das Foilen unterstützen. Kurz- und mittelfristig muss entschieden werden, was erlaubt ist und was nicht. An entsprechenden Auflagen wird wohl nichts vorbeiführen. Die A-Cats sind bekannt dafür, dass sie ständig weiterentwickelt werden und technisch innovativ sind. Damit sie attraktiv bleiben und ihre Laborfunktion behalten, muss dieses Pionierdenken berücksichtigt werden.“ Dabei stellt sich natürlich die Frage nach dem Budget. Heute kostet ein vollständig ausgerüsteter A-Cat mit Segel und Mast rund 30’000 Euro. Pro Segelsaison, kommen – sofern man in Europa bleibt – rund 10’000 Euro hinzu. Klassische Modelle ohne Foils sind für weniger als 10’000 Euro zu haben und wenn man sich auf Regatten in der Schweiz und auf dem Mittelmeer beschränkt, sinkt auch das Betriebsbudget erheblich. Wie bei den meisten Open- Klassen gilt es, die goldene Mitte zwischen Hightech-Entwicklung und Erschwinglichkeit zu finden. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Sicherheit bei allen Wind- und Wetterbedingungen. Fliegende A-Cats sind deutlich schneller als klassische Modelle, vor allem nach der Luvboje bei mehr als 10 Knoten Wind. Erste Massnahmen wurden bereits getroffen. So müssen ab 40 Booten zwei Kurse ausgelegt werden. Wenn alle A-Cats zusammen segeln, werden zudem zwei unterschiedliche Ranglisten erstellt.
Klassisch oder foilend?
Das Schlimmste, was den A-Cats passieren könnte, wäre eine Abtrennung von den klassischen Modellen, deren Besitzer der Stimmung, der Unkompliziertheit und der Freude am Segeln wegen teilnehmen. Die Klassenverantwortlichen haben erkannt, was auf dem Spiel steht und eine entsprechende Entscheidung auf unbestimmte Zeit vertagt. Denn momentan scheint das bisherige Vorgehen, mit einem klassischen Modell anzufangen und erst in einen Foiler zu investieren, wenn man wirklich Feuer gefangen hat, bestens. Auch Jacques Valente hat sich für diese Lösung entschieden: „Ich habe mein Boot verkauft, denn 2018 segle ich die Route du Rhum. Nach meiner Rückkehr wechsle ich aber auf einen Foiler.“
In Sopot waren knapp ein Viertel der Boote klassische Modelle. Die nächste WM im australischen Hervey Bay wird als Trendbarometer dienen. Im November 2018 wird sich zeigen, in welche Richtung sich die Klasse entwickelt.