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Die kantonale Post (1803-1848)
Nach dem Zusammenbruch der Helvetik wurde das Postwesen wieder ganz den einzelnen Kantonen überlassen. Das Durcheinander der Einflussgebiete – das Zürcher Postarrondissement reichte zeitweise vom Bodensee bis in die Südschweiz – und die Vielfalt der verwendeten Tarife. Stempel und Beförderungsarten lassen uns noch heute erahnen, wie schwierig sich dazumal eine Reise gestaltete.
Wie fortschrittlich andererseits unser Kantonal-Postwesen war, zeigte sich im Jahre 1843. Am 1. März jenes Jahres wurden nämlich zur Vereinfachung und Verbilligung des Postwesens die ersten Frankomarken nach englischem Muster eingeführt. Damit war Zürich nach England, das ab 6. Mai 1840 Briefmarken besass, der erste Staat auf dem Kontinent, der die Vorausfrankierung der Briefe mit Frankomarken einführte, während bisher der Empfänger die Taxe zu bezahlen hatte. Das Versenden von einem Lokalbrief kostete 4 Rappen, ein Brief ins übrige Kantonsgebiet 6 Rappen, außerkantonale Sendungen wurden weiterhin manuell austaxiert (handschriftliche Taxangabe in blauer oder roter Schrift). Heute sind diese damals bei Orell, Füssli & Co. gedruckten Marken, die «Zürich 4» und «Zürich 6», gesuchte Raritäten.
Im Oberpostamt Zürich waren 1820 tätig:
«1 Postverwalter, 1 Postcassier, 6 Postofficianten,
1 Briefträger, 1 Amtsknecht, 2 Conducteure, total
12 Mann».
Den Zustand der Post in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts schildert Gerold Meyer von Knonau in seinem 1834 erschienenen Werk «Der Kanton Zürich» wie folgt:
« Die Briefposten sind sehr zweckmäßig angeordnet und nach den Hauptorten der Schweiz so, dass sie fast täglich wiederkehren. Durch zahlreiche, wohl eingerichtete und schnell gehende Postwagen wird das Reisen erleichtert. Eilwagen bestehen seit dem 1. Mai 1830 zwischen Zürich und Basel, seit dem 1. April 1834 zwischen Zürich und St. Gallen, die jeden Tag Reisende von einer dieser Städte zur andern bringen; Journalieren sind seit dem 1. April 1831 zwischen Zürich und Richterswil, seit dem 1. April 1834 zwischen Zürich und Rapperswil eingerichtet. Für alle Postwagen werden Reisende in unbeschränkter Zahl übernommen, insofern sie sich zwei Stunden vor Abgang des betreffenden Wagens einschreiben lassen. Briefe müssen eine halbe Stunde, einzuschreibende Stücke zwei Stunden vor Abgang der Post — und wenn der Abgang des Morgens statt findet, den Tag vorher bis Abends 6 Uhr auf die Post gegeben werden.»
Oberpostamt Zürich «zum Zentralhof»
Die zahlreichen Landgasthöfe «Zur Post» oder «Zum Rössli» erinnern heute noch an einstige Postkutschen-Stationen. Die Mahlzeiten, die hier für die Kutscher bereitstanden, nannte man noch immer die «Ordinari».
Die Inbetriebnahme des Raddampfers «Minerva» auf dem Zürichsee am 19. Juli 1835 konkurrenzierte natürlich den Personenverkehr auf den Diligencekursen der beiden Seeufer sehr. Das Dampfschiff war ein Vorbote einer Zeit, mit der die Standesläufer, Postreiter und Postkutschen nicht mehr Schritt halten konnten.
Im Jahre 1835 bestanden neben dem Oberpostamt Zürich und dem Postamt in Winterthur bereits 82 Postbüros und Postablagen. Neben einem neuen täglichen Kurs Zürich—Rapperswil—St. Gallen wurden im selben Jahr auch zwei neue Postkurse zwischen Zürich und Glarus eingelegt und damit eine tägliche Verbindung geschaffen. Eine Anzahl Glarner Geschäftsleute protestierte dagegen, denn früher habe man «doch ein paar Tage in der Woche Ruhe gehabt, jetzt sei alle Tage die gleiche Hetzerei ...»
In Zürich konnte am 31. Oktober 1838 das im «elegantesten Style» erbaute Postgebäude «Zum Zentralhof» bezogen werden. Das zwischen Paradeplatz und Fraumünsterkirche gelegene Postgebäude zählte zu den schönsten Schöpfungen der damaligen Epoche. Ein Zeitgenosse schreibt: «Schnell bewährte sich seine zweckmäßige Einrichtung, und steter Dank gebührt den Männern, welche in der für diesen Bau niedergesetzten Commission sich befanden, einem Bürgermeister Hess, Regierungsrat Bürgi, u.s.f.»
Als kantonales Oberpostamt besaß der Zentralhof einen gedeckten Torweg, wo die Reisenden auch bei Regenwetter bequem einsteigen konnten. Auf dem mächtigen Innenhof wurden die Poststücke verladen und die Pferde aus den darumliegenden Stallungen eingespannt.
1844 kann Gerold Meyer von Knonau berichten: «Die Postcurse sind beinahe alle stark benutzt, und diejenigen im Innern dem Verkehre ungemein förderlich.
In der neuesten Zeit wurden die Boteneinrichtungen stets verbessert und sämtliche Gemeinden des Kantons sowohl unter sich als mit dem Kantonshauptorte, teils durch Anschluss an bestehende Postcurse, teils durch direkte Botenlaufe in Verbindung gesetzt. Im ganzen Kanton bestehen 128 Boten, die ein- bis sechsmal wöchentlich verkehren; im Bezirk Meilen gibt es 9 Boten. Ein großer Teil sind Fußboten, die das Gepäck auf dem Rücken tragen; andere ziehen dasselbe in kleinen Wägelchen, bei welchen sich meist ein Hund befindet, der, während sein Meister die Briefe und das Gepäck in die Häuser trägt oder seinen Durst stillt, jedem Unberufenen mit fletschenden Zähnen «Halt» entgegenknurrt; noch andere fahren mit ein-, zwei- bis vierspännigen Wagen; den Zürichsee endlich benutzen ein Teil der Boten aus den Ortschaften längs desselben, die Limmat diejenigen nach Oetweil und der Stilli.»
Die «Minerva» vor Küsnacht
Die beiden Schifffahrtsgesellschaften, die «Dampfschiffgesellschaft Zürich- und Walensee» und die «Republik AG» bemühten sich um den Güter- und Personentransport auf dem Zürichsee. Die Dampfschiffgesellschaft gelangte 1842 an die kantonalen Postdirektionen von Zürich und St. Gallen, um sich für den Posttransport zwischen Zürich und Rapperswil zu offerieren.
Zürich übertrug 1847 die Postbeförderung für beide Seeufer und nach Graubünden der «Dampfschiffgesellschaft Zürich- und Walensee» und ließ die Eilwagenkurse an beiden Seeufern eingehen. Es wurde eine zweimalige tägliche Postbeförderung gegen eine Jahresentschädigung von 2400 Franken vereinbart. Ein begeisterter Zeitgenosse schrieb: «Für die Bedürfnisse und Wünsche nach Verbesserung des Postbetriebes wird in Zürich mehr getan als selbst in größeren Städten zu geschehen pflegt.»
«Von der Musekelkraft zur Dampfkraft»
Allegorie zur Entwicklung des Beförderungswesens um 1860