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«Arbeitest du mit 007 zusammen?», werde ich oft gefragt.
Ich muss also, anders als mein Bruder, der Architekt ist, anders als meine Mitbewohnerin, die als Lehrerin arbeitet, eine Erklärung nachschieben. Doch was, wenn diese Erklärung ausbliebe? Welche Vorstellungen schwingen mit, wenn man den Begriff lediglich hört, ihn aber nicht erklärt bekommt?
Da wäre wohl erstens der filmtechnische Bezug, schliesslich gibt es wohl kaum Menschen, denen beim Wort ‹Agent› nicht Sean Connery, Pierce Brosnan oder Daniel Craig in der Rolle als 007 einfallen. Der italienische Philosoph Umberto Eco hat wohl nicht zu Unrecht festgehalten, dass rund 70% unseres Weltbildes und Weltwissens von Hollywoodfilmen stammt.
Womöglich stellen sich die Leute, beeinflusst durch die James-Bond-Filmreihe, die Arbeit als Kulturagent.in einsam, spionierend und unermüdlich vor. So wie James Bond sich für die Interessen Grossbritanniens einsetzt, so setzt sich ein.e Kulturagent.in für die Sache der Kultur ein. Dieses Bild wäre dann auch von der Sportwelt unterstützt; denn auch hier gibt es Agent.innen, die ein Interesse vertreten, nämlich jenes von Sportler.innen.
Doch wie passt das nun mit Kultur zusammen? Und überhaupt, was bedeutet ‹Kultur› im allgemeinen Verständnis? Ich könnte mir gut vorstellen, dass viele grosse Mühe hätten, Kultur zu definieren, dass sie aber dennoch zu wissen glauben, was denn Kultur sei. Und ich glaube zu wissen, dass Kultur im Allgemeinverständnis national oder ethisch verankert ist. Also etwa Aussagen wie: «In fremden Ländern gibt es andere Bräuche, andere Sitten und es herrscht eine andere Kultur vor». Somit hat Kultur, in Abgrenzung zur Natur, immer etwas mit Menschen zu tun.
Wenn diese menschliche Komponente im allgemein vorherrschenden Verständnis irgendwie mitschwingt, dann wohl auch die Unterscheidung zwischen höherer und niederer Kultur. Neben der geografischen Komponente der Kultur – im Sinne eines «die westliche Kultur ist so und so und die östliche so und so» – gibt es also eine soziale Komponente, die unsere Gesellschaft teilt. Pierre Bourdieu entwickelte hierfür das Konzept des kulturellen Kapitals und auch Didier Eribon spricht in seinem Buch «Rückkehr nach Reims» davon, wenn er meint, er sei als ein Arbeiterkind mit negativem Kulturkapital ausgestattet worden. So zieht die Kultur – nach Bourdieu – soziale Grenzen.
Die Berufserklärung bleibt angesichts der Vieldeutigkeit des Begriffes ‹Kultur› und ‹Agentin› schwammig, doch ist eines klar: wir haben die Mission die ‹Kultur› der Schule gemeinsam zu erproben, zu erforschen, zu erfinden und zu definieren.