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Hinter dem Magen und über der linken Niere versteckt befindet sich die Milz. Dieses kleine Organ hat ein denkbar schlechtes Image. Zum einen galt es in früheren Zeiten als Sitz der schlechten Laune und der Melancholie – Das schwingt noch etwas in der Redewendung «einen Spleen haben» nach. «Spleen» ist der englische Name der Milz.
Zum anderen ist zwar kaum bekannt, was die Milz leistet. Dass ein Leben ohne dieses Organ aber möglich ist, weiss jedermann. Doch ganz so einfach ist es auch wieder nicht.
Talentiertes Mauerblümchen
Die Milz misst etwa 13 Zentimeter und hat die Form einer Kaffeebohne. Unter einer Bindegewebskapsel befindet sich das eigentliche Milzgewebe, die Pulpa. Vor der Geburt ist sie an der Blutproduktion des Fötus beteiligt, später stellt sie diese Tätigkeit ein. Das Organ fungiert dann als Blutspeicher und lagert Blutzellen ein, die bei einem grösseren Blutverlust ausgeschüttet werden können.
Die Pulpa dient allerdings nicht nur als Vorratsspeicher. Die gut durchblutete (und entsprechend gefärbte) rote Pulpa filtert das Blut: Ihre Fresszellen bauen überalterte Blutzellen und Blutplättchen, aber auch Bakterien ab. Die punktuell aus dem roten Gewebe hervorragende weisse Pulpa produziert weisse Blutkörperchen. Das Organ insgesamt reinigt und erneuert also das Blut. Dieser Prozess wird als Blutmauser bezeichnet. Indem die Milz potenzielle Krankheitserreger eliminiert, unterstützt sie ausserdem das Immunsystem.
Nicht jeder hat die gleiche Milz
Jeder fünfte Mensch besitzt neben der Milz auch eine oder mehrere Nebenmilzen. Diese sind kleiner als das eigentliche Organ und funktionieren genauso. Deutlich seltener werden Menschen ohne Milz geboren.
Bei den Bajau, einem philippinischen Volk von Seenomaden, hat sich die Milz im Laufe der Jahrhunderte vergrössert. Der entsprechend grössere Vorrat an roten Blutkörperchen ermöglicht eine bessere Versorgung mit Sauerstoff – und damit ein längeres Tauchen.
Empfindliches Organ
Verschiedene Fehlfunktionen und Krankheiten können die Milz betreffen. Beim Hypersplenismus sorgt eine übergrosse Milz dafür, dass zu viele Blutzellen abgebaut werden. Je nachdem, welche Blutbestandteile übermässig eliminiert werden, kann es infolgedessen zu einer Stoffwechselstörung, zu einer Blutungsneigung oder einer erhöhten Anfälligkeit für Infekte kommen.
Wird das Organ nicht ausreichend mit Blut versorgt, kann ein Milzinfarkt eintreten, der sich vor allem mit ausstrahlenden Schmerzen im Oberbauch bemerkbar macht. Eine Milzentzündung (Splenitis) und die Ansammlung von Eiter (Milzabszess) können verschiedene Ursachen haben. Stecken Bakterien hinter der Infektion, wird sie mit Antibiotika behandelt. Eine Drainage leitet angesammelten Eiter ab.
Milz-Operation nicht nur im Notfall
Wenn die erkrankte Milz medikamentös nicht therapiert werden kann, ist eine operative Entfernung des Organs angeraten. Das gilt vor allem, wenn die Milz von Tumoren befallen oder wenn es – beispielsweise durch eine Verletzung – zu einem Milzriss gekommen ist. Hierbei handelt es sich um einen Notfall, da er zu starken inneren Blutungen führen kann.
Ein Leben ohne Milz?
Die Milz ist kein lebenswichtiges Organ. Ihre vielfältigen Funktionen können anteilig vom Knochenmark, von der Leber, dem Dünndarm und den Lymphknoten übernommen werden. Dennoch macht sich ihr Fehlen im Immunsystem bemerkbar.
Menschen ohne Milz sind anfälliger für Blutvergiftungen und Infektionen, beispielsweise eine Lungenentzündung. Deshalb sollten sie der Vorsorge von Infektionskrankheiten besonders viel Aufmerksamkeit widmen, auf eine gesunde Lebensweise mit viel Bewegung und ausgewogener Ernährung achten und mögliche Impfungen wahrnehmen.