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Persönlichkeiten aus der Geschichte des Alpinismus: Josef Knubel, 1881-1961
Das Verzeichnis seiner Touren zeigt, dass Josef Knubel einer der drei oder vier bedeutendsten Bergführer in der Geschichte des schweizerischen Alpinismus war. Seine erstaunlichste Fähigkeit war aber, dass er die tragischen Unglücksfälle verkraftete, die im Lauf der Zeit einen grossen Teil seiner Familie dahinrafften.
Schwierige familiäre Voraussetzungen Sein Vater, der Bergführer Peter Knubel, hatte fünf jüngere Brüder: Franz-Josef, Josef, Niklaus, Johann und Peter-Josef. Die letzten drei waren alle Bergführer; sie kamen am 6. September 1877 durch einen Wächtenbruch am Liskamm ums Leben. Später verlor er seine zwei verbleibenden Brüder. Der eine davon, Franz-Josef, verunfallte beim Holzen.
Peter Knubel hatte vier Söhne: Salomon, Cäsar, Rudolf und Josef. Seine Frau starb 1896, und das Schicksal setzte dem schwergeprüften Mann weiter hart zu: Am 16. August 1902 wurde Salomon, sein ältester Sohn, am Wetterhorn durch einen Schneerutsch verschüttet. Auch er galt als ausgezeichneter Bergführer. Dann war die Reihe an Cäsar, ebenfalls Bergführer, der an einer Blutung verschied. Der dritte, Rudolf, brach nach San Francisco auf und starb dort. Das Unglück verschonte auch die Verwandtschaft nicht: Peter Knubels Schwager, der Bergführer Johann Petrus, kam 1882 an der Aiguille Blanche de Peuterey ums Leben. Am 6. April 1919 verschied schliesslich Peter Knubel selbst, erschöpft von so grossem Leiden.
Als einziger Überlebender der fast vollständig ausgelöschten Familie überwand Josef Knubel die Schwierigkeiten der Jugend und baute sich Zuversicht auf, um der Zukunft wenn nicht optimistisch, so doch mit einer ausreichenden Portion Selbstsicherheit entgegenzublicken. Die besonderen Umstände machten Josef Knubel zu einem eher introvertierten jungen Mann, der jeglichen opportunisti-schen Ehrgeiz ablehnte. Diese Haltung verstärkte sich mit zunehmen- dem Alter und betonte seine selbstlose Seite. Josef Knubel war das Gegenteil von jenen, die in dieser irdischen Welt nach öffentlicher Anerkennung und Ehrentiteln trachten.
Trotz seines zurückhaltenden Charakters konnte der junge Knubel seine unglaublichen bergsteigerischen Talente nicht lange verbergen. Die meistverwendete Bezeichnung, die die englischen Alpinisten für ihn brauchten, lautete « wonderful rock climber » - und sehr schnell wurde der Name des grossartigen kleinen Mannes über die Grenzen hinaus bekannt.
Josef Knubel im Jahre 1961 G. W. Young: « die Vorsehung » Zu jener Zeit hing das Schicksal eines Bergführers in erster Linie von der Bedeutung seines wichtigsten Gastes ab. Geoffrey Winthrop Young war zwar nicht der brillanteste Bergsteiger, doch er glich seine alpinistischen Mängel durch seine Vitalität und sein unstillbares Verlangen nach dem Vordringen in unberührtes Gelände aus. Er lernte die Alpen zuerst in der Tarentaise, dann im Val d' Anniviers kennen. Später spielte sich seine ganze alpinistische Karriere an den Bergen rund um Zermatt ab -zwar ist sein Name auch mit einigen grossen Routen im Montblanc-Massiv Alpine Geschichte, Kultur, Erzählungen verbunden, doch die französischen Alpen zogen seine Aufmerksamkeit m nur hin und wieder auf sich. Schon als ai ^ junger Bergsteiger wusste er den c alten Bergführern, die ihn begleite-J. ten, seine Leidenschaft für das Neue * zu vermitteln.
5 Mit Clemenz Ruppen, zuvor Träger ^m von Tyndall, erkundete er verschie-35 dene unbestiegene Grate im Baltschiedertal. Sein erster grosser Gipfel war das Aletschhorn. Dann waren die Viertausender rund um Zermatt an der Reihe: Zinal Rothorn, Dent Blanche, Obergabelhorn, Matterhorn. Ein Alleingang auf den Grand Cornier und ein « führerloser » Erfolg an der Jungfrau gingen seiner Begegnung mit Louis und Benoît Theytaz voraus, seinen ersten wirklich fähigen Bergführern. Mit ihnen gelang ihm die Begehung des Vieresels-Grates an der Dent Blanche, einer damals aussergewöhnlichen Tour, und die Erstbegehung des Weisshorns über den Westgrat des Grossen Gendarmen, der heute Young-Grat genannt wird. Das Team trennte sich bald nach diesem Erfolg: W. Young war unwiderstehlich von den Führern aus dem Mattertal angezogen.
Die Bergführer, die er dort kennenlernte, beeindruckten ihn durch ihre offene Haltung und ihre gute Bildung. Der Stand ihres Wissens war unvergleichlich höher als jener der Führer, die er früher angetroffen hatte. In W. Young keimte sogleich grosse Zuneigung zu diesen Leuten, die sich dank ihrer auf Reisen erworbenen Bildung als angenehme Unterhalter erwiesen. Nach einem dieser Abende, die er beim fröhlichen Zusammensein mit Vertretern der Familien Imboden, Pollinger, Rupert, Lochmatter und Clemenz verbracht hatte, traf Young den Mann, den das Schicksal für ihn vorgesehen hatte: « Als wir am zweiten Abend durch die morastige Rinne einer Dorfgasse zu unserer Unterkunft zurückkehrten, unsere Köpfe voller Geschichten, die wir aus erster Hand über bereits in die Alpinliteratur eingegangene Glanztaten erfahren hatten, trat ein linkischer, scheu anmutender Junge mit leicht gebeugter Haltung auf mich zu. Er hatte unbeachtet unter dem gedeckten Balkon unseres kleinen Chalets Holz gespalten. Zögernd drückte er mir ein Notizbuch in die Hand. Ich versprach ihm, es anzuschauen. Man konnte darin den Namen Josef Knubel lesen, was mir damals nichts sagte - in St. Niklaus gab es so viele Leute mit dem gleichen Namen.»1 Josef Knubel war damals noch zu jung, um schon Bergführer zu sein, doch er konnte bereits eine sehr schöne Tourenliste vorzeigen. Trotz seiner Erfolge war seine Geste gegenüber G. W. Young kühn gewesen, denn sie passte eigentlich gar nicht zum Charakter des jungen Mannes: « Er war reserviert und zurückhaltend wie ein Indianer aus dem Wald, sein Kopf war von urtümlicher Form, er besass dünnes, gebleichtes Haar und die Augen eines Träumers. Das unbestimmte Verlangen, sein Leben mit der Jagd auf Gemsen oder mit ihrer Nachahmung in den Bergen zu verbringen, schien das einzige Merkmal dieses Menschen zu sein, der schlecht in die fürstliche Gilde der Abenteurer passte.»2 Etwas später suchte W. Young einen zweiten Bergführer für die Begleitung einer grossen Gruppe auf die Aiguille d' Argentière. Er erinnerte sich an den Jungen, der in St. Niklaus Holz gespaltet hatte, und stellte ihn an. Der Zufall wollte, dass der Haupt-Bergführer entlassen werden musste, da er seine Pflichten während eines Gewitters sträflich vernachlässigt hatte: « Josef schlüpfte in seine Bergschuhe und behielt sie an, geschickter als jenes andere Aschenbrödel. Nachdem er zu seinem eigenen Meister in den Bergen geworden war, verwandelte er sich auf einen Schlag in ein anderes Wesen, eifrig, auf seine Aufgabe konzentriert und fröhlich. Es brauchte keine Fee, um uns seine bemerkenswerten Fähigkeiten als Kletterer zu enthüllen.»3 So entstand bald der legendäre Übername für Josef Knubel: Young nannte ihn « Little J. » ( Klein J. ) im Gegensatz zu « Gross J. » für Josef Lochmatter. Dank der Verbindung Young-Knubel - parallel zu jener von Hauptmann Ryan mit Franz Lochmatter - erlebte das Bergsteigen einen Aufschwung, der bis in die dreissiger Jahre unerreicht blieb.
1 Young, Geoffrey Winthrop: On high hills. Memories of the Alps, London 1927. Einzelne Kapitel dieses Buchs wurden in der deutschen Ausgabe Meine Wege in den Alpen, Bern 1955, aufgenommen.
2Op. cit.
3 Op. cit.
Der Bergführer Peter Knubel, Vater von Josef Ein aussergewöhnlicher Mann Dass W. Young die Dienste von Knubel und nicht jene von Franz Lochmatter, der ebenfalls zu seinen Freunden zählte, in Anspruch nahm, ist wahrscheinlich auf die ausgeprägte Persönlichkeit des letzteren zurückzuführen: Lochmatter war gewohnt, alles zu entscheiden, und hätte den Engländer mit Sicherheit in zu enger Abhängigkeit gehalten.
Young war das Gegenteil von E. Ryan, der sich eine Ehrensache daraus machte, nichts von den bevorstehenden Touren zu wissen und es sogar ablehnte, einen Pickel zu tragen! Josef Knubel und sein Gast waren durch ihre Einigkeit verbunden: Ihre Entscheide wurden nicht einmal in den heikelsten Situationen durch zögerndes Verhalten beeinflusst. Die Seilschaft, die sich durch ihr aussergewöhnliches Marschtempo auszeichnete, beeindruckte die ganze alpine Szene der damaligen Epoche. Man kann wirklich sagen, dass keines der bergsteigerischen Ziele, die Anfang des Jahrhunderts im Vordergrund standen, unerreicht blieb, wenn die Seilschaft von Josef Knubel sich mit der befreundeten von Franz Lochmatter verband.
« Klein J. » kannte in den Bergen keine anderen Grenzen als jene seiner Gäste. Als klassischer Berufs-Bergfüh-rer unternahm er nie Touren für sich allein; wenn es doch einmal geschah, dann brach er mit einem Bergsteiger seiner Klasse auf. Er hätte zweifellos die Fähigkeiten gehabt, um einige der « letzten grossen Probleme der Alpen » zu lösen, derer sich seine Zeitgenossen rühmten. Die Erstbegehung der Nordostwand des Eigers in Begleitung von Lauper, Zürcher und Graven Josef Knubel ( stehend ) und W. Young am Tag nach der Erstbegehung des Grépon über die Ostwand ( 2O. August 1911 ) Der Grépon ( Ostwand über der Mer de Glace ) am 2O. August 1932 ist ein starkes Zeugnis seines Könnens.
Das schönste Denkmal seiner Kunst hinterliess Josef Knubel unter dem Gipfel des Grépon auf der der Mer de Glace zugewandten Seite. An jenem Tag, dem 19. August 1911, überwand er dort den berühmten Riss, der heute nach ihm benannt wird. Dabei war die Absicherung reine Illusion. Er hatte weder Haken noch Kletterfinken zur Verfügung und erkletterte den abdrängenden, enorm ausgesetzten Riss, der heute noch mit 5 c bewertet wird! Diese Leistung ging in die Annalen des Alpinismus ein, denn sie übertraf bei weitem alles, was zuvor gemacht worden war. Mehrmals verklemmte er seinen Pickel, verwünschte die mangelnde Haftung seiner Nagelschuhe und hisste sich mit verzweifelter Kraft, geleitet von instinktiven Bewegungen, über die Stelle hoch! Eine Legende war geboren.
Der Erste Weltkrieg beraubte Josef Knubel seines wertvollsten Kunden. Doch obwohl W. Young danach ernsthaft behindert war, bestieg er ein paar Jahre später wieder eine schöne Reihe von Viertausendern -mit einer Prothese. In diesem Zusammenhang gibt es eine Anekdote, die « Klein J. » gerne erzählte: Eines Tages zerbrach Youngs Prothese in der Nähe der Dent du Requin. Er bat Josef, so schnell wie möglich nach Chamonix abzusteigen und um Hilfe anzufragen. Überstürzt eilte Knubel nach Chamonix und suchte das Bergführerbüro auf; die anwesenden Bergführer gaben ihm mit tiefem Mitgefühl die Namen der Ärzte an, die ihm behilflich sein könnten. Doch Josef Knubel unterbrach sie und erklärte in seiner urchigen Mundart: « Nein, es ist ein Holzbein! Einen Schreiner brauche ich !» Die grossen Touren Die vollständige Liste der Touren und Erstbegehungen von Josef Knubel ist eindrücklich; es hat keinen Sinn, hier das ganze Verzeichnis aufzuführen. Nachstehend erwähnen wir nur seine wichtigsten Unternehmungen:
Überschreitung Charmoz-Grépon-Blaitière, Rückkehr zum Tee nach Montenvers. Dent d' Hérens über die NW-Flanke in sieben Stunden hin und zurück von Schönbiel. Erstbegehung des Weisshorns über die NE-Flanke. Erstbegehung der Dom-SW-Flanke. Erstbegehung des Breithorns über den Chli-Triftji-Grat ( Young-Grat ).
Erstbegehung des Zinal Rothorns über die E-Flanke. Erstbegehung des Rimpfischhorns über die E-Flanke. Erstbegehung des Täschhorns über die SW-Wand ( mit der Seilschaft von Franz Lochmatter ). Erstbegehung des Brouillard-Grates am Montblanc. Erstbegehung des Hirondelles-Grates an den Grandes Jorasses im Abstieg. Erste Überschreitung der Isolée an den Dames Anglaises. Vierte Winterbesteigung des Matterhorns. Überschreitung der Meije in sechseinhalb Stunden ( wahrscheinlich die schnellste Begehung seiner Epoche ). Erstbegehung der Eiger-NE-Flanke ( mit H. Lauper, A. Zürcher, A. Graven ).
Zu diesem Palmarès sind die meisten klassischen Routen der Alpen hinzuzufügen sowie einige Besteigungen, die zuvor nie in einem Tag gemacht worden waren. Dazu gehört beispielsweise die Aneinanderreihung von Aiguille du Midi ( damals gab es noch keine Seilbahn ), Pèlerins, Aiguille du Plan und Dent du Requin.
Wie bereits erwähnt, nahm ihm der Grosse Krieg seine englischen Kunden und machte W. Young zu einem behinderten Mann. Letzterer war für Josef Knubel unersetzlich; doch in A. Zürcher, E. Thomas und Graham Brown traf er auf ausgezeichnete Alpinisten und unermüdliche Gänger, die es ihm erlaubten, seine Bergführer-Karriere weiterzuführen. Er beging mit ihnen einige der Routen, die er Anfang des Jahrhunderts unternommen hatte, und zeigte ihnen die grossen Grate am Montblanc. Ein Veteran des G.H.M. ( Groupe Haute Montagne ) sagte von Knubel, er sei auf jenen Graten herumspaziert wie andere im Wald von Fontainebleau!
Erwähnt sei zu guter Letzt, dass Josef Knubel während seiner ganzen langen und erfolgreichen Karriere nicht mehr als drei Haken setzte: einen an den Grandes Jorasses, um beim Abstieg über den Hirondelles-Grat abzuseilen, einen in der Nordwand des Wetterhorns und einen letzten, um seinen Kunden beim Abstieg über den Young-Grat am Breithorn zu sichern! Nur jene, die diesen Grat am Breithorn kennen, können ermessen, was es heisst, eine solche Route im Abstieg, mit einem Gast und den damaligen, höchst unzuverlässigen Sicherungsmitteln zu unternehmen.
Dominique Roulin, Veyrier GE ( üm e a.
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Sicherheit, Medizin, tettungswesen
Sicurezza, medicina, soccorso in montagna
»écurité, médecine, luvetage
können, so dass der Athlet nur etwas unsanft am Boden ankam. Passiert beim World-Cup im vergangenen Jahr in Frankfurt am Main. Wie ist das möglich?
Man glaubte zunächst an einen Material- oder Fertigungsfehler und sandte den Karabiner ( vgl. Abb. 1 ) an den Sicherheitskreis. Wir konnten anhand der Bruchstücke leicht feststellen, was passiert war. Der Karabiner hing im Augenblick der Sturzbelastung nicht senkrecht im Haken, sondern hatte sich trotz fixierter Expressschlinge verkantet und hing leicht quer. Beim Sturz wurde er folglich annähernd quer belastet, und das konnte der Karabiner nicht aushalten. Karabiner sind nur in Längsrichtung jeder Belastung - auch der durch den grösstmöglichen Sturz - gewachsen, nicht so in Querrichtung und nicht so bei offenem Schnapper.
Auch an der Bischofsmütze Eine Extremkletterin, die locker den VI. Grad beherrschte, stürzte vor Jahren unerwartet im Jahnweg an der Bischofsmütze im Dachsteingebiet. Der letzte Haken befand sich sechs Meter unter ihr. Der Haken hielt. Doch nicht der Karabiner. Der brach. Sie stürzte daraufhin über 40 m und konnte nur noch tot geborgen werden. Der Sicherheitskreis erhielt den Karabiner zur Untersuchung, weil man zunächst auch glaubte, es handle sich um einen Material- oder Fertigungsfehler.
Untersuchungsergebnis: Keine Fehler, sondern reine Querbelastung