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Die gleichnamige Hauptstadt der Provinz liegt in einer fruchtbaren, hauptsächlich mit Reis bebauten Ebene links am Ticino, der
sich hier mit dem Naviglio di Pavia vereinigt und von hier an schiffbar ist. Über den Fluß führt eine unter Galeazzo II. Visconti 1353 erbaute
gedeckte Brücke
[* 9] von sieben Marmorbogen, durch welche die Stadt mit der jenseits gelegenen Vorstadt (Sobborgo
Ticino) verbunden wird. Außerdem führt über den Fluß eine 762 m lange Eisenbahnbrücke.
Von den Straßen zeichnet sich namentlich der die ganze
Stadt von N. nach S. durchschneidende Corso Vittorio Emmanuele aus. Ein andrer wichtiger Straßenzug ist der Corso Cavour.
Unter den 18 Kirchen ist besonders der Dom bemerkenswert, ein großartiges, aber unvollendetes Bauwerk
im Renaissancestil (1488 begonnen), mit dem prachtvollen Grabmal des heiligen Augustinus von 1362, in gotischem Stil. Ein interessanter
Bau ist ferner die auf alten Fundamenten im 12. Jahrh. errichtete lombardische Basilika
[* 10] SanMichele (1863-76 restauriert) mit
reichen Skulpturen an der Fassade und an den drei Portalen, dreischiffig mit Kuppel.
Sie diente als Krönungskirche der ersten Könige von Italien
[* 11] und wurde in neuester Zeit zur Basilica reale erklärt. Andre
bemerkenswerte Kirchen sind: die KircheSanta Maria del Carmine, ein Backsteinbau von 1373, San Francesco und die schöne kleine
Kuppelkirche Santa Maria Coronata di Canepanova, 1492 nach dem EntwurfBramantes erbaut. Von den weltlichen
Gebäuden sind hervorzuheben: das geräumige, 1490 von LodovicoSforza erbaute, später erweiterte und verschönerte Universitätsgebäude,
zu welchem 1845 die imposante Aula hinzukam;
Unter den Wohlthätigkeitsanstalten von Pavia (ein Taubstummeninstitut, Waisen- und Findelhaus,
mehrere Spitäler) ist das großartige Zivilspital San Matteo mit 700 Betten hervorzuheben (1449 von den BürgernPavias errichtet).
Ihre Bedeutung verdankt die Stadt hauptsächlich der im Mittelalter zu hohem Ruf gelangten Universität. Dieselbe soll von Karl
d. Gr. gegründet worden sein; als wirkliche Universität wurde sie aber erst 1361 unter KaiserKarl IV.
durch GaleazzoVisconti errichtet. An ihr wirkte unter andern der PhysikerVolta, dem hier 1878 ein Denkmal errichtet wurde.
Zur Universität gehören noch zwei Konvikte für dürftige Studierende, das eine 1563 von dem Erzbischof von Mailand, Carlo
Borromeo, das andre 1569 von PapstPius V., dem in Pavia ein Standbild errichtet worden ist, gegründet. Andre Unterrichtsanstalten
sind: ein technisch-agronomisches Institut mit agrarischem Garten, ein Gymnasiallyceum, ein Seminar, eine Lehrer-
und Lehrerinnenbildungsanstalt, eine Schule der schönen Künste mit Zeichen- und Kupferstecherschule und bedeutender Kupferstichsammlung
und eine Malerschule. Pavia ist Sitz der Präfektur und andrer Provinzialbehörden, eines Assisenhofs und eines Bischofs. 8 km
nördlich von Pavia liegt an der Eisenbahn nach Mailand die berühmte Certosa (s. d.).
Geschichte. Pavia ist das alte Ticinum, ward später römisches Munizipium und von den Hunnen zerstört. 490 kam
die Stadt an die Ostgoten, deren König Theoderich hier einen Palast erbaute und den Ort befestigte. Damals kam auch statt des
römischen NamensTicinum der alte keltische Name der Stadt, Papia, wieder in Gebrauch. Von dem Langobardenkönig Alboin
an, welcher Pavia 572 nach dreijähriger Belagerung eroberte, war es die Hauptstadt des langobardischen Reichs und blieb auch
nach dem Sturz desselben 774 Krönungsstadt der italienischen Könige.
Otto d. Gr. ließ sich 951 mit der Eisernen Krone hier zum König von Italien kronen. 1004 wurde die Stadt durch eine Feuersbrunst
zerstört. Mit Mailand hatte sie mehrmals, namentlich 1059, heftige Kämpfe zu bestehen; später stand
sie unter eignen Herren. In den ghibellinisch-guelfischen Streitigkeiten schloß sie sich meist an die Partei der Ghibellinen
an. Im Anfang des 14. Jahrh. stritten sich hier die ghibellinische FamilieBeccaria und die guelfische Familie Langusco um die
Regierung.