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Der Australier Steve Killelea baut auf Fakten und Zahlen. Einen Namen machte er sich als erfolgreicher IT-Unternehmer. Killelea findet, es bringe auch bei einem Thema wie Krieg und Frieden wenig, bloss in vager Form darüber zu reden. Erst konkrete Daten erlaubten es, auch konkrete Massnahmen zu ergreifen.
Kernaussage der Ausgabe für 2019: Die Welt ist ein kleines bisschen friedlicher geworden. Erstmals seit fünf Jahren. Vor allem deshalb, weil sich die Konfliktlage in Syrien oder der Ostukraine etwas beruhigt hat und die Zahl der Terroropfer sank. Im laufenden Jahr könnte sich die Lage noch einmal geringfügig verbessern, sofern es nicht zu einem Krieg am Persischen Golf kommt.
Doch wie lässt sich Friedlichkeit überhaupt messen? Die Zahl der Konflikte, die Opfer, die sie fordern, sind natürlich ein Massstab, aber bloss einer unter vielen. Andere sind Flüchtlingsbewegungen oder Terrorattacken.
Auch die Militarisierung, also Auf- oder Abrüstung, oder Waffenexporte werden berücksichtigt. Ebenso die innere Sicherheit, Gewaltkriminalität, gewalttätige Demonstrationen oder die Prozentzahl der Häftlinge in einem Land. Sogar die Anstrengungen, die Länder zur Friedensförderung unternehmen. Insgesamt werden 23 Indikatoren erhoben. Sie erlauben am Ende eine Länder-Rangliste.
Keine moralische Wertung
Killelea legt Wert darauf, dass sich mit den Daten keine moralische Wertung verbindet: Ein Land in einer Spannungsregion habe notgedrungen höhere Militärausgaben oder mehr Flüchtlinge. Und in einem bitterarmen Staat lägen die Korruptions- oder Kriminalitätswerte fast zwangsläufig höher.
Der Globale Friedensindex beziffert auch die Kosten der militärischen, politischen oder kriminellen Gewalt: Es sind 14.1 Billionen Franken jährlich, also mehr als 11 Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts. In einem Konfliktland wie Syrien fressen Krieg und Gewalt gar zwei Drittel der wirtschaftlichen Wertschöpfung auf.
Die friedlichste Region der Welt ist erwartungsgemäss Europa, die am wenigsten friedliche der Nahe Osten und Nordafrika. Das friedlichste Land ist Island, gefolgt von Neuseeland und Portugal. Am Ende der Rangliste figurieren der Südsudan, Syrien und Afghanistan.
Grosse europäische Länder wie Grossbritannien oder Frankreich befinden sich im oberen Mittelfeld, die USA recht weit abgeschlagen im unteren, nach China, aber deutlich vor Russland. Die Schweiz liegt auf Platz 11 und damit nicht bei den allerbesten. Für Killelea ist das immer noch ein sehr guter Wert und die Schweiz ein «sehr friedliches Land.»
Die Schweiz ist immer noch ein sehr friedliches Land.
Was aber brachte der Schweiz einen Punkteabzug? In erster Linie die hohen Rüstungsexporte pro Kopf. Dann die beträchtlichen Militärausgaben. Eine kleine Rolle spielte die sogenannte Kriminalitätswahrnehmung: Schweizerinnen und Schweizer fühlen sich unsicherer als es aufgrund der tatsächlich existierenden Kriminalität gerechtfertigt wäre.
Gefahren: Klimawandel und Bevölkerungswachstum
Was die Zukunft betrifft, sieht Steve Killelea vor allem zwei bedrohliche Entwicklungen, welche die Welt noch gewalttätiger und konfliktreicher machen dürften: Erstens der Klimawandel mit all seinen Folgen bis hin zu Trinkwasserknappheit. Zweitens das noch immer nicht gestoppte starke Bevölkerungswachstum weltweit, das Verteilungskämpfe verschärfe und das Pro-Kopf-Wachstum einer Wirtschaft hemme.