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Seilbahnen – ein Schweizer Kulturgut
Seilbahnen sind für den Tourismus in der Schweiz überlebenswichtig. Vor allem die Bergregionen sind auf diese Transportmittel angewiesen.
Neben topmodernen Anlagen verkehren in den Alpen noch immer kleine, historische Bahnen, von denen jedoch leider immer mehr stillgelegt werden. Könnten sie reden, was für Geschichten würden sie uns wohl erzählen.
Seit wann gibt es Seilbahnen?
Bevor wir uns der Schweizer Seilbahngeschichte widmen, werfen wir einen Blick in die internationale Geschichte. Dabei müssen wir sehr weit zurückschauen: Bereits vor rund 2400 Jahren soll es in China und Japan Seilbahnen gegeben haben. Diese sahen allerdings den heute bekannten Bahnen so gar nicht ähnlich.
Auf uralten Zeichnungen sind Seilzüge abgebildet, welche in Körben Steine und anderes Material über Flüsse beförderten. Befestigt waren diese an Stricken und Seilen. Mittels Kraft von Mensch und Tier wurden auf diese Weise auch Personen über Schluchten gezogen. Bambusstämme dienten als Stützen.
Ebenfalls von Hand betrieben wurde eine Seilbahn im 16. Jahrhundert in Kolumbien. Mit ihrer Hilfe überwanden Goldgräber eine unwegsame Schlucht. Im Mittelalter kamen Seilbahnen vor allem beim Burgenbau zum Einsatz. Sie wurden aber auch vom Militär genutzt.
Eine erste Umlaufbahn entstand Mitte des 17. Jahrhunderts in Danzig. Mit dieser wurde das Material für den Bau einer Burg transportiert. Es handelte sich um eine Konstruktion mit einem umlaufenden Seil, an welchem Eimer befestigt waren. Pferde trieben diese Materialseilbahn an.
Nachdem Wilhelm Albert in der deutschen Stadt Clausthal 1834 das Drahtseil erfunden hatte, waren die nötigen Voraussetzungen geschaffen, Seilbahnen weitverbreitet nutzen zu können. In Wien nahm eine Fabrik 1837 eine Maschine in Betrieb, mit der sie Drahtseile produzieren konnte. Damit war der Grundstein gelegt für Seilbahnen, die über weitere Distanzen grössere Lasten befördern konnten.
Nachdem ab Ende des 19. Jahrhunderts der Elektromotor zur Verfügung stand, waren endlich die technischen Voraussetzungen geschaffen, Seilbahnen auch in steilem oder unwegsamem Gelände als zuverlässiges Transportmittel einzusetzen.
Schweizer Seilbahnen-Geschichte
Weltweit wurden ca. ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Möglichkeiten gesucht, Personen sicher mittels Seilbahnen zu befördern. Verschiedene Entwürfe brachten unterschiedliche Ergebnisse. 1861 nahm man in der Schweiz die erste Seilschwebebahn in Betrieb. Sie wurde mit einer Handwinde betrieben und konnte jeweils zwei Personen über den Rheinfall bei Schaffhausen bringen. Dabei ging es aber nicht darum, eine touristische Attraktion zu schaffen. Die erste Seilbahn der Schweiz hatte praktische Gründe. Mit ihr gelangten die Turbinenwächter an ihren Arbeitsplatz.
Nachdem vor allem englische Touristen die Schweiz als Eldorado für Bergsteiger entdeckt hatten, wurden die Bergtäler vermehrt mit Eisenbahnen erschlossen. Bedeutende Eisenbahnlinien brachten immer mehr Gäste, sodass Ingenieure gefragt waren. Es mussten Alternativen zu Eseln und Sänftenträgern her, wollte man den Feriengästen ermöglichen, bequem die Berge zu erklimmen. Und nicht nur das: Mit Zunahme des Tourismus, entstanden vermehrt Berggasthäuser, die beliefert werden mussten.
1879 war eine Schweizer Standseilbahn weltweit die erste Seilbahn, die rein aus dem Grund, Touristen zu befördern, gebaut wurde. Sie verband die Station am Brienzersee mit dem Hotel Giessbach. Es handelte sich um eine Pendelbahn, die mit Wasserballast angetrieben wurde und über eine Zahnradbremse verfügte. Ein technischer Punkt wird bis heute genutzt, nämlich die Ausweichen, die für den Pendelbetrieb notwendig sind. Von den ehemals 15 Wasserübergewichtsbahnen in der Schweiz, ist heute noch eine mit dem ursprünglichen Merkmalen unterwegs: Die Standseilbahn Freiburg-Neuveville. Zwar ist auch die Gissbachbahn nach wie vor in Betrieb, jedoch hat man sie 1948 umgerüstet. Seitdem fährt sie mit elektrischem Antrieb.
Die erste Standseilbahn in der Schweiz, die elektrisch angetrieben wurde, war die Bürgenstock Bahn, die 1888 erbaut wurde.
Die ersten Luftseilbahnen in der Schweiz
Der ehemalige Kölner Regierungsbaumeister Wilhelm Feldmann legte 1904 den Entwurf für eine Schwebeseilbahn vor. Ziel war es, damit den Gipfel des Wetterhorns zu erreichen. Im gleichen Jahr begannen bereits die Bauarbeiten. 1907 konnten erste Testfahrten und Bremsproben vorgenommen werden. Und nur ein Jahr später, nämlich 1908, war die Luftseilbahn parat, Touristen zu befördern. Der Erste Weltkrieg stoppte jedoch das ehrgeizige Projekt. Da kaum Fahrgäste kamen, wurde die Bahn 1915 stillgelegt und nie wieder in Betrieb genommen.
Die alte Bergstation wurde vor einiger Zeit renoviert. Die Zwischenstation zählt heute zum erweiterten Ortsbild von Grindelwald und kann auf einer Wanderung zur Glecksteinhütte besucht werden. Eine der historischen Kabinen hat einen würdigen Platz im Verkehrshaus Luzern gefunden.
In den 20er und 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts entstanden in der Schweiz weitere Luftseilbahnen:
1927 nahm beispielsweise die Luftseilbahn Gerschnialp – Trübsee ihren Betrieb auf. Die ehemalige Anlage wurde mehrfach umgebaut und verkehrt seit 1984 als 6er-Gondelbahn. Ebenfalls in der Zentralschweiz erbaute man 1933 die Pendelbahn, die Beckenried mit der Klewenalp verbindet. Sie gilt als eine der ältesten Pendelbahnen. Nur wenig später nahm die Säntisbahn ihren Betrieb auf und war zu jener Zeit mit ihrer Bergstation auf 2474 m die höchste Bergstation der Schweiz.
Seilbahnboom dank Skisport
In St. Moritz konnte 1928 die Corviglia Bahn den Betrieb aufnehmen. Sie wurde eigens für den Skisport erbaut. Um 1930 entdeckten die Skisportler die Schweizer Alpen. Zu jener Zeit wurde die Parsennbahn fertiggestellt und erfreute sich grösster Beliebtheit. So musste schon bald die Kapazität deutlich erhöht werden. Eine Standseilbahn stand ab 1934 für Wintersportler im Toggenburg zur Verfügung: Die Iltiois-Unterwasserbahn. In Davos beförderte im Dezember 1934 der erste Skilift in der Schweiz Skifahrer.
10 Jahre später, im Sommer 1944 fuhr der erste Sessellift am Jochpass auch ausserhalb der Wintersaison. Die Betreiber der Bahn in Engelberg hatten erkannt, dass die Sesselbahn auch im Sommer gute Dienste leisten konnte.
Ein bisschen Seilbahnnostalgie
Noch immer sind einige kleine, historische Seilbahnen in der Schweiz in Betrieb. Sie sind einerseits Zeitzeugen für die Entwicklung des Tourismus in den Alpen, anderseits der technischen Entwicklung in unserem Land. Leider verschwinden diese so nach und nach: Längst nicht alle Betreiber können die immer anspruchsvolleren Sicherheitsbestimmungen erfüllen, Betriebsbewilligungen laufen aus und zudem müssen die Kosten gedeckt werden.
Aber noch gibt es sie, die kleinen, abenteuerlich aussehenden Bahnen, in welche mutige Wanderer abseits der Touristenströme steigen. Auch manch eine Bergbauernfamilie besitzt eine kleine, offene Seilbahn. Damit pendeln sogar die Kinder zur Schule.
Sie möchten selbst einmal mit einer kleinen, geschichtsträchtigen Seilbahn abheben? Das können Sie beispielsweise mit der Seilbahn Selun im Toggenburg tun, diese wurde 1911 für den Warentransport erbaut und steht heute auch mutigen Wanderern zur Verfügung. Oder steigen Sie ein, in die Open-Air-Seilbahn Silenen – Chilcherberge.
Nostalgische Seilbahngeschichte für jedermann zugänglich
Werden Bahnanlagen abgebrochen oder Gondeln und Kabinen ersetzt, sind diese bei Sammlern und Seilbahnfans beliebt. Doch nicht nur Privatpersonen setzen sich dafür ein, dass dieses Schweizer Kulturgut erhalten bleibt. In Kandersteg entsteht ein Seilbahnmuseum, welches Bau und Entwicklung der Seilbahnen in der Schweiz dokumentieren möchte. Schon jetzt kann das Museum mit Einschränkungen besucht werden. Geführt wird es vom Verein «Seilbahn Museum Schweiz».
Weiterführende Informationen:
Postadresse
Seilbahn Museum Schweiz
Aeussere Dorfstrasse 146
3718 Kandersteg
<email-pii>
Titelbild: Sabine Itting
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