Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03575.jsonl.gz/3088

Nasser Sommer
Der Sommer 2021 war nördlich der Alpen im Mittel der fünftnasseste seit Messbeginn. In den Zentralalpen war es lokal der deutlich nasseste Sommer in den über 100-jährigen Aufzeichnungen. Der Sommer brachte in der Schweiz gebietsweise den nassesten Juni und den nassesten Juli seit Messbeginn. Die anhaltend grossen Regenmengen liessen gegen Julimitte nördlich der Alpen mehrere Flüsse und Seen über die Ufer treten.
Für den Sommer 2021 ist im landesweiten Mittel eine Temperatur von 13,9 °C zu erwarten. Das liegt 0,6 °C über der Norm 1981‒2010 und im Bereich des Durchschnitts der letzten 30 Jahre. Zur Sommerwärme hat vor allem der schweizweit viertwärmste Juni beigetragen. Die Juli- und Augusttemperatur blieben unter der Norm 1981‒2010.
Obwohl der Sommer 2021 nicht zu den heissen zählt, setzt er die Serie der warmen Sommer der letzten drei Jahrzehnte fort. Vor der kräftigen Sommererwärmung ab den 1990er Jahren gab es nur wenige Schweizer Sommer im Bereich von 14 °C oder höher im landesweiten Mittel. Seit der vorindustriellen Periode 1871‒1900 ist die Sommertemperatur in der Schweiz um etwas mehr als 2 °C angestiegen.
Lokal wenige Hitzetage
Die Zahl der Hitzetage mit Tageshöchstwerten von 30 °C und mehr blieb in der Schweiz im Sommer 2021 verbreitet unter 10. In Genf gab es in den drei Sommermonaten Juni bis August 8 Hitzetage bei einer Norm von 15. Neuchâtel registrierte nur gerade einen Hitzetag, die Norm 1981‒2010 liegt bei 7. Auf der Alpensüdseite waren es meist zwischen 10 und 15, in Biasca knapp 20 Hitzetage. Die Norm 1981‒2010 liegt hier zwischen 8 und 11 Hitzetagen.
Die sehr warmen Sommer 2015, 2017, 2018 und 2019 lieferten in einigen Gebieten der Schweiz zwischen 20 und über 30 Hitzetage. Vereinzelt waren es sogar um 40 Hitzetage. Ganz extrem war der Sommer 2003 mit 50 bis knapp 70 Hitzetagen auf der Alpensüdseite sowie gebietsweise 40 bis 50 Hitzetagen auf der Alpennordseite und im Wallis.
Nasser Sommer mit Überschwemmungen
Nördlich der Alpen war der Sommer 2021 mit einer mittleren Regensumme von knapp 140 % der Norm 1981‒2010 der fünftnasseste seit Messbeginn 1864. Bern registrierte mit 162 % der Norm den drittnassesten Sommer seit Messbeginn 1864. In Hallau (Kt. SH) fielen 169 %, in Buchs-Aarau 174 % der Norm, beides Sommerrekorde in der homogenen Messperiode ab 1959. Aus den Alpen meldete Göschenen mit rund 190 % der Norm den deutlich nassesten Sommer seit Messbeginn 1883. Letztmals ähnlich nass war hier der Unwettersommer 1987 mit rund 180 % der Norm.
Auf der Alpennordseite brachte der Sommer nach einem regenreichen Mai gebietsweise den nassesten Juni und den nassesten Juli seit Messbeginn. Die anhaltend grossen Regenmengen führten gegen Julimitte nördlich der Alpen an mehreren Flüssen und Seen zu Hochwasser und Überschwemmungen. Die Augustniederschläge blieben nördlich der Alpen und in den Alpen verbreitet unter der Norm 1981‒2010.
Im Süden nass ab Juli
Auf der Alpensüdseite erreichten die sommerlichen Niederschlagssummen vor allem im nordwestlichen Tessin hohe Werte. Airolo registrierte rund 170 % der Norm, Rang 8 in der Messreihe ab 1884. In den übrigen Gebieten blieben die Niederschlagsmengen mit 110 bis 140 % der Norm 1981‒2010 eher moderat. Deutlich grössere Sommersummen sind auch in diesen Gebieten keine Seltenheit.
Der Juni brachte im Süden gebietsweise nur 30 bis 40 mm, lokal sogar nur 20 bis 30 mm Regen. Im Juli fielen mehrmals heftige Gewitterniederschläge mit lokalen Überschwemmungen. Regional war es wie im Norden der nasseste Juli seit Messbeginn, so zum Beispiel in Airolo seit 1884 oder in Coldrerio seit 1918.
Im ersten Augustdrittel fielen auf der Alpensüdseite erneut kräftige Gewitterniederschläge. Dann wurde es ruhiger und die August-Niederschlagssummen erreichten im Süden schliesslich zwischen 80 und 120 % der Norm 1981‒2010.
Massive Hagelschläge
Nördlich der Alpen war insbesondere die Juniwitterung geprägt von vielen aufeinanderfolgenden Gewitterfronten mit vielerorts verheerendem Hagel. Die Korngrössen erreichten gebietsweise 6 bis 7 cm oder mehr, was sehr selten ist. Der Hagel hinterliess zerschlagene Glashäuser, Dachziegel, Ernten und Gärten. Zudem trugen durch Hagel und heruntergeschlagenes Blattwerk verstopfte Abflüsse zu Überschwemmungen bei.
Auf der Alpensüdseite richtete der Hagel vor allem im Juli grosse Schäden in der Landwirtschaft an. Regional gab es bei den Reben und beim Gemüse Totalverluste. Die Hagelkörner waren 4 bis 5 cm gross. Solche Korngrössen treten hier im Durchschnitt nur alle 10 bis 20 Jahre auf.
Über die ganze Schweiz betrachtet wurden im Juni 2021 insgesamt 13 Hageltage gezählt. In der 20-jährigen Messreihe gab es nur in den Jahren 2003, 2006, 2008 und 2017 Monate mit mehr Hageltagen. Im Juli wurden nochmals 10, im August 4 Hageltage registriert. Im ganzen Sommer waren es insgesamt 27 Hageltage. Der Sommer-Durchschnitt der verfügbaren 20 Messjahre liegt bei 26 Hageltagen.
Dämpfer bei der Sonnenscheindauer
Die sommerliche Sonnenscheindauer erreichte in vielen Gebieten beidseits der Alpen Werte im Bereich der Norm 1981‒2010 oder leicht darunter. Dies nach einer mehrjährigen sonnigen Sommersaison: In vielen Gebieten der Schweiz haben die letzten vier bis sechs Sommer eine überdurchschnittliche Sonnenscheindauer gebracht.
Der definitive Bericht zum Sommer 2021 ist ab dem 10. September 2021 in der Rubrik Klimaberichte verfügbar.