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Verbindung bitte!
Ein ausgewählter Original-Vermittlerschrank wurde mit mehreren Apparaten verkabelt und ist so zum richtig funktionierenden Telefonistinnen-Arbeitsplatz geworden, so wie er es vor hundert Jahren war.
Mehrere Apparate sind hier zusammengeschaltet. Wenn die Anrufklappe fällt, müssen sie handeln!
Sie sind jetzt Telefonistin. Was ist zu tun?
1. Ein Anrufer dreht die Kurbel an seinem Apparat
2. Der damit erzeugte Strom schaltet an ihrem Vermittlerschrank einen Summer ein und lässt die ihm zugeordnete, nummerierte Klappe fallen.
3. Sie stöpseln die Verbindung zu ihm und fragen nach seinem Begehr. Er nennt die Nummer des anzurufenden Anschlusses.
4. Sie stöpseln mit der zweiten Schnur die verlangte Verbindung und lassen durch Knopfdruck dort die Rufglocke ertönen.
5. Der Angerufene nimmt ab, sie melden sich bei ihm und schalten dann die beiden gestöpselten Anschlüsse zusammen.
Sie haben die Verbindung hergestellt und das Gespräch kann beginnen.
6. Zur Kontrolle werden sie den Gesprächsanfang mithören, sollten sich dann aber durch Umlegen des Mithörschalters ausklinken. (So war wenigstens die Vorschrift...)
7. Nach Abschluss des Telefongesprächs muss der Anrufer die Kurbel an seinem Apparat erneut drehen.
8. Dadurch fällt die sogenannte Schlussklappe am Vermittler-schrank, ein Summer ertönt und sie können jetzt durch Ziehen der beiden Stöpsel die Verbindung trennen.
Im Januar 1878 wurde in New Heaven die erste handvermittelte Umschaltstation in Betrieb genommen. Die Konstruktion erlaubte die Vermittlung von 8 Teilnehmern.
1880 wurde in der Schweiz am Rennweg in Zürich die erste Zentrale in der Schweiz von der Zürcher Telefongesellschaft in Betrieb genommen. In den Anfangszeiten wurde die Vermittlung nur zu Bürozeiten betrieben.
An der Vermittlung einer Verbindung zwischen Zürich und Winterthur waren sechs Telefonistinnen beteiligt. Für die Vermittlung wurden zwischen der Ortszentrale und der Fernzentrale Dienstleitungen eingesetzt. Die Telefonistin in der Ortszentrale machte eine Dienstverbindung zur Anmeldetelefonistin in der Fernzentrale, welche alle Angaben zur gewünschten Verbindung auf einem Formular notierte. Dieses Formular wurde dann von einer Courrière zur Telefonistin für die Vermittlung gebracht, welche mit der Telefonistin der Fernzentrale des Ortes des gewünschten Abonnenten Kontakt aufnahm. Von dort wurde dann wiederum mit der Ortszentrale Kontakt aufgenommen.
Die Telefonistinnen waren während ihrer Arbeit Gefahren ausgesetzt. So war die Vermittlung während Gewittern nicht ungefährlich. Unfälle mit schweren Verletzungen kamen leider vor. Dazu kamen
Abonnenten, welche ihrer Wut durch Abläuten während des Gesprächs mit der Telefonistin zum Ausdruck brachten, was zur Schädigung des Gehörs führen konnte.
Bei den Telefonistinnen herrschte eine hohe Fluktuation. Nebst monotoner harter Arbeit, welche nicht selten zu gesundheitlichen Schädigungen führte, mussten Telefonistinnen bei Verheiratung ihre Tätigkeit aufgeben.
Der bald 100-jährige automatische Wähler zeigt hier, was er kann.
Die Entwicklung automatisch vermittelnder Systeme wurde bereits 1879 eingeleitet. Allerdings dauerte es 20 Jahre bis es Almon Brown Strowger 1899 und seinen Mitarbeitern gelang, ein wirklich
ausgereiftes System zu patentieren.
Die Automatisierung des öffentlichen Telefonnetzes begann in der Schweiz mit dem Bau der halbautomatischen Zentrale in Zürich-Hottingen 1917 und wurde 1959 mit der Umschaltung der Zentrale Schuls abgeschlossen.
Das automatische Telefonsystem war gegenüber der Handvermittlung mit höheren Investitionskosten aber bedeutend tieferen Betriebskosten verbunden.
Da gerade sehr kleine und verkehrsarme Zentralen hohe Betriebskosten verursachten wurden diese von Beginn weg in den Automatisierungsprozess mit einbezogen. So waren von den ersten 24 automatischen Ortszentralen in der Schweiz 18 auf dem Land.
Der "Strowger"-Heb-/Drehwähler von 1924
arbeitet auch heute noch zuverlässig.
Die historischen Telefonzentralen in der Sammlung des Museum für Kommunikation (MfK)
Das heutige Museum für Kommunikation (MfK) ist seit über 120 Jahren die offizielle Sammlung der
Schweizerischen Post und Fernmeldebetriebe. Die Sammlung dokumentiert historisch relevante
Entwicklungen aus diesen Bereichen. Das Museum für Kommunikation ist eine Stiftung von Post und
Swisscom.
MfK unterhält folgende Telefonzentralen (siehe Bild links):
Das ursprüngliche Erhaltungskonzept sieht einen funktionstüchtigen Zustand vor, der einen
Demonstrationsbetrieb der Anlage bei Führungen ermöglicht. Führungen und Unterhalt verantworten
Anfangs ehemalige PTT-Mitarbeiter mit dem entsprechenden Knowhow. Die Freiwilligen gestalten in den
Zentralen kleine Ausstellungen zur Geschichte der Telefonie und betreiben so quasi Kleinmuseen. Neben
der aufwändigen Erhaltung der Funktionstüchtigkeit stellt die Sicherung des entsprechenden Fachwissens
jedoch grosse Herausforderungen dar.
Publikation zu den 4 Zentralen von Juri Jaquemet und Tim Hellstern, Museum für Kommunkiation.