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Ähnlich wie die Biografien, ermöglichen uns historische Reiseberichte eine Zeitreise. Zusätzlich lernt man aus Reiseberichten oft mehr über Länder, deren Bewohner und Sitten, als wenn man sich durch dicke Geschichtsbücher quälen würde. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gute Reise durch diese Rubrik!
Während Namen wie Francis Drake oder James Cook auch in unserer Zeit noch allgemein bekannt sind, ist George Anson hingegen den wenigsten heute noch ein Begriff. Dies dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass Kommodore Ansons Weltumseglung (1740-1744) als eine der verheerendsten Seefahrtkatastrophen in die Geschichtsbücher einging.
Eine dramatische Verkettung von Unglücksfällen und Fehlentscheiden führte dazu, dass von einem Geschwader von anfänglich sechs Schiffen nur drei die Rückkehr nach England schafften – von den anfänglich 1854 Mann Besatzung sahen nur 188 ihre Familien wieder – was war geschehen?
George Anson erhielt von der britischen Regierung einen Freibrief, um die spanischen Besitzungen im pazifischen Raum zu attackieren und wenn möglich für die englische Krone in Besitz zu nehmen – er und seine Crew waren also als Freibeuter unterwegs.
Schlechte Organisation und Bürokratismus führten zu einer starken Verzögerung der Abfahrt, was schliesslich die folgende Katastrophe einleitete. Ansons Geschwader erreichte Kap Hoorn viel zu spät und geriet in die stürmische Jahreszeit. Dies und die zu jener Zeit noch sehr schlechten Navigationsmöglichkeiten (der Längengrad konnte nur unzureichend bestimmt werden) führten dazu, dass zwei von Ansons Schiffen, die HMS Severn sowie die HMS Pearl, in schweren Stürmen die Orientierung verloren und dazu gezwungen waren, wieder nach Grossbritannien umzukehren. Der HMS Wager gelang zwar die Umrundung des Kaps, es geriet anschliessend jedoch in Seenot und zerschellte an der Küste Chiles. Viele der Matrosen fanden den Tod und nur wenige Überlebende konnten sich an die feindliche Küste retten.
Das Flagschiff HMS Centurion wurde schwer beschädigt und verlor zudem den Sichtkontakt zu den anderen Schiffen. Anson wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass lediglich drei übrig geblieben waren. Nachdem diese drei Schiffe schliesslich im Juni 1741 bei den Juan-Fernández-Inseln eintrafen, wurde das eigentliche Ausmass der Katastrophe sichtbar. Nebst den schweren Beschädigungen aller Schiffe, litt die übriggebliebene Besatzung unter schwerem Skorbut – nur ein kleiner Teil war überhaupt noch einsatzfähig.
An eine Eroberung der spanischen Besitzungen war nun freilich nicht mehr zu denken, vielmehr begann ein Katz- und Mausspiel mit den spanischen Kriegsschiffen, die auf der Suche nach Ansons Geschwader war.
Anson gelang es trotzdem, einige kleinere Handelsschiffe zu kapern, sowie die peruanische Hafenstadt Paita anzugreifen, allerdings ohne dabei erwähnenswerte Wertgegenstände zu erbeuten. Nach wochenlangem vergeblichen Warten auf die sagenumwobene Manila-Galeone *, entschloss sich Anson zur Überquerung des Pazifiks mit dem Ziel Macau. Da die Besatzung mittlerweile durch Krankheit und Erschöpfung derart geschrumpft war, wurde ein weiteres Schiff, die HMS Tryal, aufgegeben. Die zwei verbliebenen, die HMS Centurion und die HMS Gloucester, segelten weiterhin unter keinem guten Stern. Die Überquerung wurde auf Grund einer Fehleinschätzung Ansons zu einer Tortur für Mannschaft und Schiffe. Nachdem erneut Skorbut ausgebrochen war, gerieten die beiden Schiffe in einen gewaltigen Sturm, bei dem schliesslich die HMS Gloucester auf dramatische Weise sank. Die schwer beschädigte HMS Centurion mit ihrer völlig erschöpften Besatzung schaffte es mit knapper Not, die Insel Tinian zu erreichen. Im November 1742 gelang die Überfahrt in den rettenden Hafen von Macau, wo die HMS Centurion repariert und wieder seetüchtig gemacht werden konnte.
Was nun folgte, war die Rettung für die bis anhin desaströse Kaperfahrt: Es gelang, die Acapulco-Galeone, die „Prise aller Ozeane“, zu kapern! Anson gelangte so nicht nur in den Besitz eines riesigen Vermögens, sondern erbeutete unter anderem auch wertvolle Seekarten, die das Wissen über den pazifischen Raum enorm erweiterten und deshalb für die britische Marine von unschätzbarem Wert waren.
So schaffte es George Anson schliesslich doch noch, als gefeierter Held nach England zurück zu kehren, wo er am 15. Juni 1744 eintraf.
Glyn Williams ist ein herausragender Kenner der Seefahrtsgeschichte und hat mit diesem Reisebericht über Ansons-Weltumseglung ein spannendes und äusserst lehrreiches Werk vorgelegt, welches den Leser ins 18. Jahrhundert entführt und ihn die Gefahren und Schicksalsschläge der damaligen Seereisen und Kaperfahrten anschaulich und mitreissend miterleben lässt.
In mühseliger Recherche durchforstete Williams unzählige Logbücher, historische Briefwechsel, königliche Befehlsschreiben und Tagebücher. Entstanden ist nicht nur ein maritim-historisch wertvolles Werk, sondern auch eine Abenteuergeschichte, welche an Dramatik und menschlichen Schicksalen jede erfundene Geschichte weit in den Schatten stellt.
Creative Commons Attribution-Share Alike 2.5 Generic license.(link: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5/deed.en)
Originaltitel: The Prize of all the Oceanes
Originalverlag: Harper Collins, London
Erstveröffentlichung: 1999
Sprache: Englisch
Land: Grossbritannien
Meine Ausgabe
Übersetzung ins Deutsche durch: Angelus Johansen
Verlag: Argon, Berlin
Jahr: 2000
Verarbeitung: Dunkelblauer Leineneinband mit Prägung, Fadenheftung und bedrucktem Vorsatzblatt.
Einbandgestaltung: Bauer & Möhring, Berlin
Seiten: 291
Verarbeitungsqualität: 9
ISBN: 3-87024-521-2
Literarische Gattung: Sachbuch / Reisebericht
Literarischer Anspruch (1-10): 7
Reiseroute:
- Portsmouth
- Madeira, Portugal
- St. Catherine’s, Brasilien
- Kap Hoorn, Chile
- Juan Fernádez, Chile
- Paita, Peru
- Acapulco, Mexico
- Tinian, Pazifik
- Macau, Portugal
- Kanton, China
- Kapstadt, Südafrika
Thema: Kaperfahrt
Schlagwörter: Reise / Expedition / Entdeckung / Freibeuter / Korsaren / Kulturen / Handel / Eroberung / Spanier / Manila Galleone / Schiffbruch/ Meuterei / Unglück / Verlust
Im Unterschied zu allgemein bekannten Literaturgrössen wie Friedrich Schiller oder Johann Wolfgang von Goethe ist Carl Philipp Moritz heute kaum noch ein Begriff. Und wer ihn noch kennt, hat allenfalls seinen psychologischen Roman „Anton Reiser“, der zwischen 1785 und 1790 entstanden ist, gelesen.
Weniger bekannt sind seine Reisebeschreibungen. Moritz reiste gerne und dies vor allem zu Fuss. Sein erstes Reiseziel galt dem Mutterland der Aufklärung: England. Er machte sich im Mai des Jahres 1782 von Hamburg aus auf die Reise, und das Schiff erreichte am 31. Mai die Themse vor den Toren Londons. Damals waren die Londoner Docks die vielbefahrenste Hafenanlage der Welt, und man musste nicht selten eine Woche warten, bis der Ausstieg im Zielhafen möglich wurde. Um der untätigen Wartezeit zu entgehen, stieg Moritz noch auf der Themse aus und begab sich nach London.
Von seiner zentral gelegenen Unterkunft aus, begann die Entdeckungsreise durch das London des 18. Jahrhunderts. Dabei besuchte Moritz heute noch allseits bekannte Sehenswürdigkeiten wie die Westminster Abbey, die St. Paul’s Kathedrale oder das britische Museum. Am meisten angetan war er jedoch von den englischen Parlamentssitzungen, die er aus der Besucherloge interessiert verfolgte und die ihn, aus dem absolutistischen Preussen kommend, sehr beeindruckten.
Nach einigen Wochen London hatte Moritz genug und machte sich Richtung Richmond auf, um die englische Landschaft kennenzulernen. Erst jetzt bemerkte er, wie verrusst, dreckig und stinkig die Grossstadt doch gewesen war. Die wunderschöne Landschaft um Windsor bezauberte ihn regelrecht, und er wanderte von Dorf zu Dorf weiter Richtung Oxford…
Ganz so begeistert wie unser Held, waren die Engländer nicht - Reisen, war im 18. Jahrhundert noch nicht sehr verbreitet und wenn doch, dann nur bei der reichen Oberschicht, die angemessen in Kutschen unterwegs war. Dieser komische Wandervogel aus dem Ausland stiess auf viel Unverständnis und Skepsis - nur Bettler und Spitzbuben gingen damals zu Fuss. Nicht selten wurde Moritz aus diesem Grund gar ein Nachlager verwehrt.
Seine Reise führte ihn weiter durch Stratford-upon-Avon, der Geburtsstadt Shakespeares, den er sehr bewunderte, schliesslich nach Birmingham und weiter nach Norden über Matlock, Bakewell, Tideswell bis nach Castleton in Derbyshire. Hier engagierte er einen Ortskundigen, der ihn durch ein Labyrinth von Tropfsteinhöhlen führte - ein Erlebnis, das ohne Frage zum Höhepunkt seiner Reise gehörte. Danach begab sich Moritz über Nottingham und Leicester wieder zurück nach London, wo er Mitte Juli 1782 eintraf und sich auf die Heimfahrt machte.
Das Werk ist, wie in der damaligen Zeit nicht unüblich, in Briefform verfasst. In diesem Fall war der Adressat Moritz’ Freund Friederich Gedike. Dieser Reisebericht ist tatsächlich der erste in deutscher Sprache erschienene über England. Umso interessanter und faszinierender liest sich das Werk. Sehr lebendig und ehrlich, lässt uns der Wanderer an seinem Innenleben teilhaben.
Carl Philipp Moritz ist nicht sonderlich an Kultur oder Städten interessiert, sondern liebt die Landschaften und beschreibt seine zuweilen skurrilen Zusammentreffen mit der englischen Bevölkerung verschiedenster Stände. Es entsteht so vor des Lesers Augen eine farbige und mitreissende Welt, die zwar äusserst fern und gleichzeitig auch sehr vertraut wirkt.
Noch lange, nachdem man das Buch weggelegt hat, verfolgt einen der Miltons „Paradise Lost“ lesende und gemütlich drauflos wandernde Geselle, wie ein Bote aus einer längst vergangenen Zeit…
© T. S. Tubai. Unter Verwendung einer Karte von Friedrich Wilhelm Spehr von 1824
Originaltitel: Reisen eines Deutschen in England im Jahre 1782
Originalverlag: Friedrich Maurer, Berlin
Erstverffentlilchung: 1783
Sprache: Deutsch
Land: Deutschland
Meine Ausgabe
Verlag: Süddeutsche Zeitung
Edition: Bibliotheca Anna Amalia
Jahr: 2007
Verarbeitung: Himmelblauer Leineneinband mit petrolfarbenem Vorsatz, Lesebändchen und Fadenheftung in Schuber
Einbandgestalung: Eberhard Wolf
Nachwort: Willi Winkler
Seiten: 184
Verarbeitsungsqualität (1-10): 8
ISBN: 978-3-86615-411-7
Literarische Gattung: Sachbuch / Reisebericht / Briefe
Literarischer Anspruch (1-10): 6
Handlungsorte:
Reise
Im Jahre 1803 gelang es dem amerikanischen Präsidenten Thomas Jefferson, dem napoleonischen Frankreich das Louisiana-Territorium abzukaufen. Der Deal sollte als „Louisiana-Purchase“ in die Geschichtsbücher eingehen.
Mit einem Schlag hatten die USA ihre Landfläche mehr als verdoppelt. Thomas Jefferson konnte nun endlich einen schon lange gehegten Plan in die Tat umsetzen und beauftragte seinen Privatsekretär Meriwether Lewis damit, eine Expeditionsgruppe zusammenzustellen, welche das riesige Territorium westlich des Mississippi erkunden sollte. Lewis engagierte seinen ehemaligen Militärkameraden William Clark und stellte eine schlagkräftige Truppe, bestehend aus US-Soldaten, Zimmerleuten, Jägern und Dolmetschern, zusammen.
Die Reise sollte auf dem Mississippi von St. Louis bis an die Küste des pazifischen Ozeans führen. Geplant war, dem Mississippi und danach dem Missouri nach Norden zu folgen, bis zu dessen Quelle, um danach einen geeigneten Weg über die Rocky Mountains zu finden. Danach beabsichtigte Lewis dem Columbia River bis an die Küste des Pazifiks zu folgen. Unterwegs sollte kartografiert, die Flora und Fauna erfasst und Kontakt zu den eingeborenen Völkern aufgenommen werden.
Als der Trupp am 14. Mai 1804 mit einem Kielboot und zwei Piroguen aufbrach, ahnte keiner der Beteiligten, welch beschwerliche, entbehrungsreiche, lange Reise vor ihnen liegen würde. Noch nie waren Weisse auf diesem Weg über den Oberlauf des Missouris hinausgekommen. Vor ihnen lagen die Ungewissheit, die Weiten der Great Plains und die schneebedeckten Gipfeln der Rockys…
Nebst den interessanten Beobachtungen über die Tier- und Pflanzenwelt, beinhalten die Tagebücher von Lewis & Clark völkerkundliche Beschreibungen, die den Ethnologen bis heute als wertvolle Fundgruben dienen. Die Expedition begegnete Völkern wie den Arikara, Lakotas, Hidatsa, Mandan, Shoshonen, Flat Heads und Nez Percé, um nur einige zu nennen. Dass dieser, zum Teil erstmalige, Kontakt so unerwartet friedlich vonstatten ging, war nicht zuletzt Sacajawea zu verdanken. Sacajawea war eine Lemhi-Shoshonin, die von den Hidatsas als Kind entführt worden war und schliesslich bei diesen aufwuchs. Sie diente als wertvolle Dolmetscherin, als der Tross ins Land der Shoshonen vordrang. Zudem gebar sie kurz nach Expeditionsbeginn einen Sohn, was, in nicht wenigen kritischen Situationen, beruhigend auf die Ureinwohner wirkte - eine Truppe, die mit Frau und Kleinkind unterwegs war, konnte nicht in kriegerischer Absicht handeln…
Die Reise, bis zum Pazifik und wieder zurück, dauerte wesentlich länger als geplant. Bei gewissen Abschnitten hatte man vorgängig mit zwei bis drei Tagen gerechnet und war schliesslich mehr als einen Monat unterwegs. Als die Expedition schliesslich am 23. September 1806 wieder in St. Louis eintraf, hatte niemand mehr mit ihrer Rückkehr gerechnet (!).
In den USA ist diese Entdeckungsreise längst ein Teil ihres Gründungsmythos geworden und der darauf folgende Slogan „Go west!“ die logische Folge.
Editionsgeschichte
Die Editionsgeschichte der Lewis & Clark-Expeditions-Tagebücher liest sich genauso spannend, wie die Expeditionsberichte selber.
Neben den beiden Anführern wurden auch andere Teilnehmer verpflichtet Tagebuch zu führen, dies als Sicherheit, falls dem einen oder anderen Werk auf der ungewissen Reise etwas zustossen sollte. Geplant war, diese ganzen Berichte nach der Rückkehr zu veröffentlichen. Es hat schliesslich bis zum Jahre 2011 gedauert, bis dieses Unterfangen von Gary E. Moulton in 13 Bänden herausgegeben werden konnte – allerdings ist auch diese Ausgabe nicht vollständig.
Die hier vorliegende deutsche Ausgabe wurde vom Herausgeber und Übersetzer Friedhelm Rathjen veröffentlicht und umfasst lediglich eine, auf etwas über 600 Seiten, gekürzte Version. Trotz dieser massiven Kürzung, haben wir es hier mit einer ausgezeichneten Auswahl zu tun, die die Reise Tag für Tag beschreibt und alles Wesentliche beinhaltet.
Lewis, und vor allem Clark, waren wahrlich keine Literaten. Ihr Schreibstil ist gelinde gesagt haarsträubend und wie Rathjen schreibt: “…eigentlich nur von einem Legastheniker richtig zu übersetzen…“. Es ist dem deutschen Übersetzer ausgezeichnet gelungen, die zum Teil nur nach Gehör geschriebenen Originaltexte, ins Deutsche zu übertragen. Gerade diese fehlerhafte Sprache ist es denn auch, die dem Werk seinen ganz eigenen Charme verleiht und vor dem geistigen Auge des Lesers Schneestürme, Moskitoplagen und leises „Grasgewischel“ zum Leben erweckt…
Das Werk wird mit einem ausführlichen und sehr informativen Nachwort des Herausgebers, einer Bibliografie und einem Sach- und Personen-Lexikon abgeschlossen.
cc Autor: Maximilian Dörrbecker via Wikipedia
Originaltitel: The Journals of the Lewis and Clark Expedition (13 Bände)
Originalverlag: University of Nebraska Press, Nebraska, USA
Erstveröffentlichung: 2002 *
Sprache: Englisch
Land: USA
Meine Ausgabe **
Übersetzung ins Deutsche durch: Friedhelm Rathjen
Verlag: Zweitausendeins, Frankfurt a. Main
Jahr: 2003
Verarbeitung: Halbleineneinband mit grün marmoriertem Überzugspapier, versilbertem Kopfschnitt, Fadenheftung und grünem Vorsatzblatt.
Einbandgestaltung: G. Lachenmaier, Reutlingen
Nachwort: Friedhelm Rathjen
Limitierte Auflage (3’600 Expl.): Nr. 2811
Seiten: 656
Verarbeitungsqualität (1-10): 10
ISBN: 978-3-86150619-5
Literarische Gattung: Sachbuch / Tagebuch / Reisebericht
Literarischer Anspruch (1-10): 6
Handlungsorte:
Es ist ein glücklicher und zudem seltener Umstand, wenn es von einer Expedition gleich zwei Reiseberichte gibt, die die Zeiten überdauert haben. Dies ist bei der Lewis- & Clark-Expedition der Fall. Das hier vorliegende Werk wurde von Sergeant Patrick Gass verfasst.
Gass diente zuvor in der Armee und war als gelernter Zimmermann von unschätzbarem Wert für die Expedition. Er war nicht nur für den Bau der Kanus zuständig, sondern auch massgeblich an der Erstellung der beiden Winterquartiere während der Expedition beteiligt.
Dieses Werk, und das ist bemerkenswert, wurde als erstes Buch über die Lewis- & Clark-Expedition bereits 1807 in den USA veröffentlicht. Reiseberichte waren zu dieser Zeit beim Lesepublikum sehr gefragt, weshalb kurz darauf bereits die ersten Veröffentlichungen in England und eine Übersetzung ins Französische folgten. Die französische Ausgabe bildete die Übersetzungsgrundlage für die hier vorliegende und 1814 erstmals veröffentlichte deutsche Ausgabe. Das ist bei der Lektüre auch gut zu bemerken, weist sie doch viele Fehler auf, die nur aufgrund missverständlicher Übersetzung entstanden sein konnten. Warum man das Werk nicht direkt aus dem englischsprachigen Original übersetzte, entzieht sich meinem Wissen…
Wie auch immer, dieses Tagebuch bietet grundsätzlich keine grossen Abweichungen zum oben beschriebenen Reisebericht der beiden Expeditions-Führer. Dennoch ist es lesenswert, da Patrick Gass die Reise aus der Sicht eines Untergebenen beschreibt - und das hat oft seinen unbestreitbaren Reiz. Die unterschiedlichsten Notlagen, in die der Trupp immer wieder geriet, werden durch Sergeant Grass noch unmittelbarer und direkter beschrieben, als in den etwas distanzierter geführten Tagebüchern von Lewis und Clark. Allerdings wurde Gass’ Tagebuch vor der Veröffentlichung durch den Verlag stark bearbeitet, was der Grund dafür sein dürfte, dass ihm der Charme, den die Lewis-& Clark-Tagebücher verströmen, deutlich abgeht.
cc Autor: Maximilian Dörrbecker via Wikipedia
Originaltitel: A Journal of the Voyages and Travels of a Corps of Discovery
Originalverlag: Mathew Carey, Philadelphia
Erstveröffentlichung: 1807
Sprache: Englisch
Land: USA
Meine Ausgabe
Übersetzung ins Deutsche durch: Ph. Ch. Weyland (1814)
Verlag: Verlag Für Amerikanistik, Wyk auf Föhr
Jahr: 1998
Verarbeitung: Baiger Leineneinband mit Fadenheftung, gestrichenem Papier und Schutzumschlag.
Einbandgestaltung: Dietmar Kuegler
Nachwort: Dietmar Kuegler
Limitierte Auflage (300 Expl.): Nr. 83
Seiten: 199
Verarbeitungsqualität (1-10): 7
ISBN: 3-89510-054-4
Literarische Gattung: Sachbuch / Reisebericht / Tagebuch
Literarischer Anspruch (1-10): 3
Handlungsorte:
Robert Byron war ein Nachfahre des berühmten englischen Dichters Lord Byron, und machte sich einen Namen als Reiseschriftsteller und Fotograf.
Sein Interesse galt vor allem der Kunst- und Architekturgeschichte und seine Reisen führten ihn nach Griechenland, Indien, in den Tibet oder die Sowjetunion. Die Reise, die Byron bis zum heutigen Tag berühmt machen sollte, unternahm er Mitte der 1930er-Jahre, wo er auf abenteuerliche Weise nach Afghanistan gelangte. Seine Tagebucheintragungen von dieser Reise wurden schliesslich 1937 unter den Titel «The Road to Oxiana» veröffentlicht und gelten bis heute als Meilenstein der Reiseliteratur; Bruce Chatwin nannte Byrons Werk gar als Grund für seine eigenen reiseschriftstellerischen Anfänge…
In der Tat ist «Der Weg nach Oxiana» ein äusserst beeindruckendes Werk, das sich zum einen durch Robert Byrons bemerkenswertes Wissen über die kulturhistorischen Stätten und zum anderen durch die humorvolle und lockere Art, mit der er es zu vermitteln weiss, auszeichnet.
Die Reise beginnt am 20. August 1933 in Venedig, führt über Zypern, Jerusalem, Palästina, Syrien und den Irak nach Persien. In Persien wird die Reise längere Zeit unterbrochen. Zum einem ist das dem hereinbrechenden Winter geschuldet und zum anderen sind Unruhen zwischen Persien und Afghanistan im Gange. Robert Byron nutzt die Zeit, um kreuz und quer durchs persische Reich zu reisen. So lernen wir mit ihm Kermanshah, Teheran, Isfahan oder Gouhar-Schad kennen. Nicht selten musste er sich dabei als Einheimischer verkleiden, um die heiligen islamischen Stätte überhaupt besuchen zu können…
Byron versteht es nicht nur, die besuchten Moscheen eindrucksvoll zu beschreiben, sondern auch die kulturgeschichtlichen Zusammenhänge kurz und prägnant darzulegen.
Zusammen mit seinem Reisebegleiter Christopher Sykes, gelingt es Byron schliesslich im darauffolgenden Jahr nach Afghanistan einzureisen. Eine beschwerliche Reise führt sie über Herat in den Norden Afghanistans. Die afghanische Region Oxiana, benannt nach dem Grenzfluss Oxus, welcher heute Amu Darya heisst, war schon damals gefährliches Gebiet. Verschiedene Mächte kämpften um die Vorherrschaft, und so waren Byron und sein Begleiter nicht selten vom Wohlwollen lokaler Herrscher abhängig, welche ihnen eine Besichtigung einzelner historischen Stätten erlaubten oder eben verwehrten…
Die Route führte vom afghanischen Norden nach Kabul und schliesslich zur Endstation ins indische Peshawar, welches heute zu Pakistan gehört.
Nicht wenige der beschriebenen und auch fotografierten Moscheen und historischen Gebäude gehören heute zum UNESCO Weltkulturerbe – und einige davon dürften in diversen Kriegen seither unwiederbringlich zerstört worden sein. Um so wertvoller und einzigartiger sind Byrons Beschreibungen, zeigen sie doch eine schon seit langem verschwundene Welt. Gleichzeitig finden sich auch die Wurzeln vieler moderner Konflikte genau in jener Zeit, in der Byron unterwegs war. Meine Sicht auf den heutigen Iran und Afghanistan hat sich dadurch während der Lektüre verändert.
Sie müssen kein besonderes Interesse für Architektur haben oder über die Geschichte Persiens oder Afghanistans Bescheid wissen, um an diesem herausragenden Reisebericht Gefallen zu finden. Robert Byron nimmt einen an der Hand und erklärt alles verständlich, witzig und mit einer guten Portion englischem Charme versehen.
© 2004 Eichborn Verlag
Originaltitel: The Road to Oxiana
Originalverlag: Macmillan & Co. Ltd, London
Erstverffentlilchung: 1937
Sprache: Englisch
Land: Grossbritannien
Meine Ausgabe
Verlag: Eichborn Verlag, Frankfurt am Main
Edition: Die Andere Bibliothek / Band 237
Jahr: 2004
Verarbeitung: Hellbrauner Ledereinband mit bedrucktem Vorsatz, farbigem Kopfschnitt, Lesebändchen und Fadenheftung in Schuber
Einbandgestalung: Lachenmaier, Reutlingen
Vorwort: Bruce Chatwin
Limitierte Erstausgabe: Nr. 136
Seiten: 440
Verarbeitsungsqualität (1-10): 10
ISBN: 3-8218-4520-1
Literarische Gattung: Sachbuch / Reisebericht / Tagebuch
Literarischer Anspruch (1-10): 7
Handlungsorte (Auswahl):
Bei „Journey Without Maps“, so der Originaltitel, handelt es sich um einen Reisebericht des bekannten Romanciers Graham Greene, der 1935 während vier Wochen ca. 600 Kilometer durch das Landesinnere von Liberia wanderte.
Auf der Suche nach Joseph Conrads „Herz der Finsternis“ verliess er die Zivilisation und durchstreifte das liberianische Hinterland, das praktisch noch nicht kartografiert war. Es blieb Greene nichts anderes übrig, als sich auf lokale Führer und ortsansässige Ausländer zu verlassen, was zu vielen unfreiwilligen Abenteuern führte.
Mit von der Partie war Greenes Cousine Barbara Greene, die mit ihm das Schiff in Liverpool bestieg und sich auf dieses ungewisse Abenteuer einliess.
Die zwei fuhren auf der „Livingston“ bis zur Hafenstadt Freetown in Sierra Leone. Von dort ging die Reise weiter mit dem Zug bis zur liberianischen Grenze. Hier heuerte Graham Greene Träger und einen Koch an und zusammen begab man sich ohne Landkarten und ohne genauere Vorstellung, was zu erwarten wäre, über die Grenze.
Die Reise durch die weissen Stellen der Landkarten wurden anfänglich zum Zivilisationsschock. Das Zusammentreffen mit unterschiedlichsten Kulturen und Völkern barg viele Herausforderungen für Greene. Ein abwechslungsreicher und gleichzeitig eintöniger Marsch durch Dschungel und Hochebenen begann, der von beglückenden, erheiternden wie auch frustrierenden Momenten durchzogen war.
Die Gruppe traf auch auf Weisse, amerikanische und englische Missionare, einen deutschen Abenteurer sowie Goldsucher.
Am interessantesten zu lesen sind jedoch die Beschreibungen über das Zusammentreffen mit den lokalen Würdenträgern und ihren Völkern. In den meist sehr abgelegenen und primitiven Dörfern hatte man zuvor kaum Weisse zu Gesicht bekommen, und dementsprechend aufsehenerregend war das Erscheinen von Graham Greene und seiner Cousine.
Greene beschreibt in einer einfachen, guten Sprache das Gesehene und Erlebte, die sehr mangelhafte Gesundheitsversorgung beispielsweise und die daraus resultierenden unzähligen Krankheiten.
Einer der Höhepunkte der Reportage ist das Zusammentreffen mit Oberst Elwood Davis, einem ehemaligen Angehörigen der US-Streitkräfte, der von der liberianischen Regierung angeheuert worden war, um im liberianischen Hinterland die Aufstände verschiedener Volksgruppen niederzuschlagen. Davis nistete sich danach in der Region ein und beherrschte grosse Gebiete über Jahre hinweg als eine Art Warlord. Graham Greene ist sichtlich beeindruckt von dieser vordergründig sehr höflichen und zuvorkommenden Erscheinung, lässt aber zwischen den Zeilen auch in die Abgründe blicken.
Graham Greenes Werk ist ein Reisebericht mit viel Authentizität und Lakonie. Obwohl Greene ein sehr nüchterner Mensch war, ist deutlich zu spüren, wie ihn die Mystik verschiedener afrikanischer Riten und Gebräuche fasziniert und beeindruckt haben. Greene selber kam bei seiner ersten Reise ausserhalb Europas beinahe ums Leben und wurde durch das Erlebte nachhaltig geprägt - und seine Cousine, die in seinem Werk übrigens kaum Erwähnung findet, schrieb 1938 ihre eigenen Memoiren über diese Reise, mit dem alles erahnenden Titel: „Too Late to Turn Back“…
© 2015 Karte bei Liebeskind Verlag, München / Fotografie und Bearbeitung T. S. Tubai 2017
Originaltitel: Journey without maps
Originalverlag: William Heineman, London
Erstveröffentlichung: 1936
Sprache: Englisch
Land: Grossbritannien
Meine Ausgabe
Übersetzung ins Deutsche durch: Michael Kleeberg
Verlag: Liebeskind, München
Jahr: 2015
Verarbeitung: Halbleinen Einband mit Leimbindung, bordeauxrotem Vorsatz und Lesebändchen
Einbandgestaltung: Marc Müller-Bremer, München
Seiten: 367
Verarbeitungsqualität (1-10): 6
ISBN: 978-3-95438-041-1
Literarische Gattung: Sachbuch / Reisebericht / Erinnerung
Literarischer Anspruch (1-10): 6
Handlungsorte:
Freetown, Sierra Leone
Monrovia, Liberia
Liberia
Französisch Guinea
Thema: Afrikareise
Schlagwörter: Liberia / Afrika / Reise / Ungeziefer / Krankheit / Warlord / Fussmarsch / 1935 / Politik
Harold Nicolson erhält 1956 zu seinem 70. Geburtstag von 250 Freunden und Bekannten eine Schiffsreise nach Java geschenkt.
Ein Jahr später macht er sich zusammen mit seiner Frau Vita Sackville-West auf die Reise. Sie besteigen in Southampton das Kreuzfahrtschiff Willem Ruys, mit dem sie via Ostende nach Kapstadt, über Colombo und Singapur zum Zielhafen auf Java (Jakarta) fahren. Während der Reise führt Harold Nicolson gewissenhaft Tagebuch.
Nicolson beschreibt das gemächliche Leben auf See. Er liest Rousseau, Amiel, Novalis, Byron und Kafka, um das Problem der grundlosen Melancholie zu studieren.
Seine Beschreibungen und Skizzen diverser Menschen an Bord wechseln sich ab mit faszinierenden Meeres- und Landschaftsbeschreibungen, auch die politischen Geschehnisse werden von Nicolson weiter verfolgt und kommentiert.
Es handelt sich bei „Reise nach Java“ demzufolge um keinen klassischen Reisebericht. So erfährt der Leser wesentlich mehr über die politischen Verhältnisse in Grossbritannien und über das bewegte Innenleben des Verfassers, als über die Reiseregionen, die gerade durchquert werden. Die fremden Gestaden bilden gewissermassen eine exotische Kulisse, vor der die innere Reise von Harold Nicolson ausgebreitet wird. Es ist kein Buch für Geografen, sondern für Literaten oder Menschen, die sich für die Kultur und Politik der 50er-Jahre interessieren.
Ein wunderschönes, harmonisches und satirisches Buch, bei dem auch der Intellekt nicht zu kurz kommt. Harold und seine Frau Vita haben die Reise sehr genossen, was in Harolds Bordtagebuch gut zu spüren ist. Harold schrieb später über diese Schiffsfahrt: „Der Grosszügigkeit meiner Freunde verdanke ich zwei der schönsten Monate, die ich in einem Leben völlig unverdienten Glücks je genossen habe…“ - dem ist nichts hinzuzufügen.
© 2017 Reiseroute erstellt durch T. S. Tubai
Originaltitel: Journey to Java
Originalverlag: Constable & Co. Lmt., London
Erstveröffentlichung: 1957
Sprache: Englisch
Land: Grossbritannien
Meine Ausgabe
Übersetzung ins Deutsche durch: Jutta und Theodor Knust
Verlag: Langen-Müller, München
Jahr: 1958
Verarbeitung: Beiger Leineneinband mit Fadenheftung und Schutzumschlag
Einbandgestaltung: Langen-Müller Verlag
Seiten: 343
Verarbeitungsqualität (1-10): 7
ISBN: Keine
Literarische Gattung: Sachbuch / Reisetagebuch
Literarischer Anspruch (1-10): 8
Reiseroute:
Southampton, England
Gran Canaria, Spanien
Kapstadt, Südafrika
Colombo, Sri Lanka
Singapur
Java (Jakarta), Indonesien
Thema: Schiffsreise
Schlagwörter: Literatur, Meer, Menschen, Philosophie, Reisen, Entspannen, Kultur, Länder, Südostasien, Schriftsteller, Ehe
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