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«Wie kann ich helfen?» fragt Philip impulsiv.
30 Minuten später sitzen sie beide bei einem Glas Wasser im nächsten Tom’s Diner. «Seltsam: Wir kennen uns gar nicht und trotzdem sagt das Gefühl was ganz anderes. Als könnte ich dir alles erzählen. Als würde uns etwas verbinden. Und du bietest einfach so deine Hilfe an? Glaubst du an Schicksal?» fragt Juliette, die inzwischen etwas gefasster wirkt.
Philip zuckt etwas unbehaglich mit den Schultern. Romantische Gespräche sind nicht gerade seine Spezialität. «Naja, wir alle sind unseres eigenes Schicksals Schmied», zitiert er einen alten Klassiker der Philosophie unverbindlich und etwas unbehaglich, weil er irgendwie genau weiss, was sie meint und das gleiche fühlt.
Juliette schaut ihn etwas nachdenklich an. «Nun, wenn dein Angebot immer noch steht. Dann nehme ich das an, aus welchen Gründen auch immer du mir helfen magst.» sagt sie schliesslich. «Ich möchte, dass du mich begleitest, wenn ich mich mit meinem Alten treffe. Und mich beschützt und notfalls tust was nötig ist um…» Ihre Stimme bricht fast, als sie weiter redet: «mir ist es lieber, wenn ich sterbe, als dass ich wieder mit ihm…»
Sie holt Luft und fährt entschlossen fort, ohne Philip zu Wort kommen zu lassen. «Folgende Möglichkeiten: Du rufst ihn an, sagst, du hast den Job erledigt und wir machen einen Treffpunkt ab. Da kann es natürlich sein, dass er mit Verstärkung auftaucht. Oder wir schleichen uns in sein Büro an der Uni, vorausgesetzt wir können die Uni-Security überlisten und seine Bodyguards. Oder wir besuchen ihn dort, wo er es nicht erwartet und garantiert alleine ist: Nachts bei ihm Zuhause. Wir müssen nur einen Weg hinein finden, ich glaube nämlich nicht, dass meine Zugangscodes noch gültig sind. Was meinst du?»
Philip und Juliette beschliessen, es bei Dr. Jones’ Zuhause zu versuchen.
Sie verlassen Tom’s Diner und schlendern schweigend zu Philips in der Nähe geparkten Autos. Es ist ein angenehmes Schweigen, findet Philip, trotz ihres Plans und der ungewissen Zukunft fühlt er sich seltsam gelöst und friedlich. Er fühlt sich stark zu Juliette hingezogen. Am liebsten hätte er ihre Hand genommen, aber sie kennen sich doch erst seit ein paar Stunden? Ob er es doch wagen soll? Immerhin scheint auch Juliette ihm zugetan zu sein. Sie geht nah an seiner Seite und ihre Schulter berührt oft seinen Oberarm.
Unfähig sich zu entscheiden, ist er sowohl erleichtert wie auch enttäuscht, als sie seinen alten klapprigen 4th-Hand-Thornton erreichen. Er geht zum Kofferraum, der sich mit einem rostigen Knirschen öffnet und entriegelt ein Metallfach unter der Bodenmatte. Er entnimmt dem Fach seine alte und zuverlässige Unity. Wie jeder, der auf den Strassen von Night City aufgewachsen ist, beherrscht er den Umgang mit Schusswaffen. Sein Handimplantat verbindet sich und sein Optikimplantat blendet Zielhilfe und Ladestand der Waffe ein. Als er die Waffe kurz auf die Wand gegenüber richtet, wird ein Fadenkreuz und die Distanz zum Ziel direkt in seine Sicht projiziert. Philip liebt das Gefühl, mit der Waffe eins zu sein und vergisst für einen Augenblick sogar Juliette. Zusammen mit 2 Reservemagazinen steckt er die Waffe ein, dann bemerkt er wie Juliette ihn fasziniert mit glitzernden Augen beobachtet.
«Ich glaube es wäre gut wenn wir nicht nackt gehen», sagt Philip. «Du hast nicht zufällig auch eine Waffe bei dir?» Als Juliette verneint, entnimmt er dem Fach seines kleine Überraschung, von ihm Stachel genannt: Eine unscheinbare Polycarbonitröhre, 15 cm lang 3 cm Durchmesser und auf Knopfdruck springt eine dünne, hässliche Klinge hervor: Ein Neurotoxin-Springmesser! Er überlegt, wie sie die Waffen aufteilen.