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Wie unveröffentlichte Dokumente laut den Ärzten für Umweltschutz zeigen, dürfte Lonza Visp 200 bis 250 Tonnen Quecksilber in den Grossgrundkanal geleitet haben. Damit wäre die freigesetzte Menge des Schwermetalls sieben bis neun Mal grösser als bisher angenommen.
Lonza habe in Visp jeweils ein halbes Kilo Quecksilber eingesetzt, um eine Tonne der chemischen Verbindung Acetaldehyd herzustellen. Das gehe aus einem bisher unveröffentlichten, Lonza-internen Dokument hervor, das den Ärztinnen und Ärzten für Umweltschutz (AefU) vorliegt, so diese in einer Mitteilung an die Medien.
Lonza stellte 1964 18 502 Tonnen Acetaldehyd her. Dies sei handschriftlich auf einer internen Tabelle festgehalten, die den AefU ebenfalls vorliegt.
Das Quecksilber war nur ein Hilfsmittel für die Produktion und blieb am Ende des Prozesses vollumfänglich als Abfall übrig. Somit habe Lonza alleine 1964 über neun Tonnen Quecksilber in den Grossgrundkanal geleitet.
Die Acetaldehyd-Anlage
Gemäss einer Hochrechnung der Dienststelle für Umweltschutz soll Lonza von zirka 1930 bis Mitte der 1970er Jahre gesamthaft rund 28 Tonnen Quecksilber in den Grossgrundkanal geleitet haben.
«Das war viel mehr, Lonza hatte ja alleine 1964 über neun Tonnen eingeleitet», sagt ein Chemiker, der Mitte der 1950er-Jahre in Visp angestellt war. Und weiter: «Schon damals waren diese Anlagen alt. Sie waren bereits während und nach dem Zweiten Weltkrieg voll in Betrieb. Diese Acetaldehyd-Anlage mit Quecksilber war das Herzstück von Lonza Visp. Aus dieser Substanz wurden zahlreiche weitere Produkte hergestellt.»
Es sei deshalb davon auszugehen, dass diese Anlage während mindestens 20 Jahren voll ausgelastet gewesen sei, so der Chemiker.
200 bis 250 Tonnen Quecksilber
«Im ganzen Zeitraum müssen es deshalb mindestens 200 bis 250 Tonnen Quecksilber gewesen sein, die Lonza den Kanal runter liess», schätzt der ehemalige Mitarbeiter im Gespräch mit den AefU. Er zweifelt auch daran, dass heute nur 4,5 Tonnen des Quecksilbers im Kanal beziehungsweise auf den umliegenden Böden liegen sollen. «Ich denke, das ist einiges mehr».
Lonza habe zwar spätestens 1966 eine Produktionsanlage für Acetaldehyd ohne Quecksilber in Betrieb genommen. Trotzdem betrieb sie die alte Anlage bis Mitte der 1970er-Jahre weiter.
Die AefU sehen dringenden Handlungsbedarf bei Lonza und fordern die Offenlegung aller Unterlagen über die Acetaldehyd-Produktion mit Quecksilber, die Bekanntgabe der genauen Mengen, die in die Umwelt geleitet wurden sowie alle bisher erstellten Berichte zur Quecksilberproblematik.
Zudem soll Lonza die Kosten für die vollständige Beseitigung beziehungsweise Reinigung der verseuchten Böden, die Reinigung des Grossgrundkanals und der Rhone übernehmen und unabhängige Studien zur Quecksilberbelastung der betroffenen Bevölkerung sowie der Umwelt finanzieren.
Die erwähnten Lonza-internen Dokumente finden Sie hier.