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Bericht erstellt: 07.07.2019 / Update: 07.09.2019
Solange das Elektroauto nur zu Hause geladen wird, ist die Ladesituation doch sehr übersichtlich. Das Elektroauto kann dabei seine Vorteile im Kurz- und Mittelstreckensegment voll ausspielen. Dies insbesondere wenn eine heimische Ladestation vorhanden ist und diese überdies den Strom der heimischen Photovoltaikanlage ans Auto abgeben kann. Gut die Photovoltaikanlage ist natürlich nicht bei jedem möglich.
Sobald man jedoch auf eine Ladestation unterwegs angewiesen ist, kann die Angelegenheit für den Einen, oder Anderen schnell etwas komplizierter werden. Dies ist abhängig vom Fahrzeugtyp und Hersteller, aber auch von den Ladestations- und Ladenetzbetreibern mit den eingesetzten Ladestationen, usw. In diesem Bericht geht es nicht primär um das Aufzeigen der Verschiedenen Steckersysteme und der Fahrzeugtechnik, sondern vielmehr um die Erfahrungen mit einigen Ladestationen und den Ladenetzbetreibern. Dabei haben dennoch die Fahrzeugtechnik und die vorhandenen Steckersysteme einen Einfluss.
Der nachfolgende Bericht beruht auf Erfahrungen mit einem Nissan Leaf, mit 30 kWh Batterie, Baujahr 2017. Dies bedeutet, dass öffentliche Ladestationen mit nachfolgender Ausrüstung in Frage kommen. Andere Systeme existieren zwar auch, sind aber mit dem beschriebenen Fahrzeug nicht kompatibel.
|CHAdeMO

(DC)
|Typ 1

(AC)
|Typ 2

(AC)
Beim oben erwähnten Auto sind die Steckertypen "CHAdeMO" und "Typ 1" verbaut. Ebenfalls wurde das Fahrzeug mit einem Ladekabel von "Typ 2" auf "Typ 1" ausgeliefert. Das mitliefern dieses Ladekabels in Europa macht dahingehend Sinn, als dass der "Typ 1" Stecker an Öffentlichen Ladestationen in Europa sehr dünn gesäht ist. Dies ist wohl auch der Grund, wieso der Nissan Leaf ab Baujahr 2018 mit "Typ 2" ausgestattet ist.
Das Schnellladen geht in diesem Fall nur über "CHAdeMO". Die Steckertypen 1 und 2 lassen beim beschriebenen Fahrzeug nur eine einphasige Ladung zu, wovon bei "Typ 2" und einigen anderen Fahrzeugen auch eine 3-phasige Ladung möglich wäre. Dies bedeutet bei meinem Fahrzeug und leerer Batterie, ein Zeitrahmen für die Ladung von:
Die Ladezeiten:
|- Schnellladung mit CHAdeMO:
||ca. 40 - 60 Minuten, natürlich abhängig der Ladeleistung der Ladestation (z.B. Angabe max. 50kW)

|- Ladung mit Typ 1 / Typ 2:||ca. 5 - 6 Stunden, Angaben der Ladestationsbetreiber, wie z.B 22 kW Ladeleistung sind nicht relevant, da dise Ladeleistung nur bei 3-phasigem Laden erreicht werden kann. Das aktuelle Fahrzeug kann mit den Steckertypen jedoch nur 1-phasig geladen werden, was eine grosse Reduktion der Ladeleistung bedeutet.|
Bei dieser Übersicht wird schnell klar, dass bei einer Reise welche eine Batterieladung übersteigt, eine Schnellladung bevorzugt wird. Leider sind Schnellladestationen doch noch selten genug, welche meiner Meinung mit den Steckersystemen für "CCS", "CHAdeMO" und "Typ 2" ausgestattet sein sollten. Damit wäre eine Schnellladung für ein möglichst grosses Kundensegment und Elektrofahrzeuge sichergestellt.
Allgemeines zu Ladenetzbetreiber:
Es gibt nun Ladenetzbetreiber, die mehrheitlich auf Ladestationen mit "Typ 2" - Stecker setzen, was zwar eine hohe kompatibilität bietet, jedoch von den Ladegeschwinigkeiten nicht zu den Schnellladesystemen gezählt wird. Dies ist zum Beispiel beim Ladenetzbetreiber "PLUG'N ROLL" der Fall. Dieser Ladenetzbetreiber betreibt ein relativ dichtes Netz an Ladestationen im Kanton Graubünden und bietet an wenigen Standpunkten dennoch die Möglichkeit der Ladung mittels mehreren Steckersystemen an. Unabhängig des Ladenetzbetreibers ist es wünschenswert, an strategischen Orten auch Stationen mit verschiedenen Steckermöglichkeiten zu erstellen, also "Typ 2", "CCS" und "CHAdeMO", welche wirklich fahrzeugübergreifend und mit "CCS" und "CHAdeMO" eine Schnellladung zulassen.
Eine Fokusierung von Ladenetzbetreiber, nur auf einen Steckertypen (z.B. IONITY mit Steckersystem "CCS"), oder eine Einschränkung auf eine Automarke (Tesla Supercharger, wie bereits im Namen enthalten für Fahrzeuge von Tesla), sind zwar schön für Besitzer kompatibler Fahrzeuge, der Verdrängungskampf des Steckerwirrwars sollte jedoch nicht auf dem Rücken der verschiedenen Elektroautobesitzer stattfinden.
Da an einigen Orten, auch die öffentliche Hand im Ladestationendschungel mit macht und selbst Ladestationen erstellt, oder für deren Erstellung Fördergelder spricht, sollte eine Fokusierung nur auf einen Steckertypen oder von Einschränkungen der Elektrofahrzeugmarken, nicht durch die öffentliche Hand erfolgen. Damit geht immer ein Ausschluss von Kundensegmenten (Steuerzahlern) einher, welcher mit dem Einsatz öffentlicher Gelder nicht sehr schön ist.
Ladestationen befinden sich oftmals auf öffentlichen Parkplätzen, welche durchaus bewirtschafet sein können. Das Laden an einer Ladestation auf einem bewirtschafteten Parkplatz befreit jedoch selten von der Entrichtung der Parkgebührfür den Zeitraum des Ladevorgangs. Gerade bei längeren Ladezeiten kann dies zu weiteren Kosten führen die zu den Ladekosten, abhängig vom Preismodell des Anbieters für den Ladevorgang, gerechnet werden müssen. Leider sind diese Kosten für einen beweirtschafteten Parkplatz kaum in einem Ladenetzverzeichnis oder der entsprechenden App's der einzelnen Anbieter ausgewiesen.
Die Vorgängig erwähnten "Typ 2" Ladestationen, bezeichne ich tendenziell als "Destinations-Charger". Also als Ladestationen, welche beim Reiseziel durchaus Sinn machen, da es hier oftmals nicht mehr eine solch grosse Bedeutung hat, wie Lange der Ladevorgang geht. Allerdings muss ich gestehen, dass bei einer längeren Aufenthaltsdauer, wie zum Beispiel über Nacht, die Bereitschaft für das Laden an einer öffentlichen und kostenpflichtigen Ladestation mit längerer Ladedauer schnell sinkt. Ein Ausweichen auf eine 230V Steckdose unmittelbar beim Ziel ist dann für mich durchaus eine weitere Option. Dabei bleibt dann das Auto ohnehin stehen bis zum nächsten Einsatz. Dafür war in der Grundausrüstung zum Fahrzeug ein sogenanntes "Not-Ladegerät", welches ein Ad hoc-Laden des Autos auch an einer Haushaltssteckdose möglich macht. Bei dieser Variante gilt es jedoch ebenfalls einige Punkte zu berücksichtigen, auf welche ich in diesem Beitrag nicht näher eingehen werde.
Trotz mitgeliefertem "Not-Ladegerät" empfiehlt es sich dennoch am Heimatstandort des Fahrzeugs eine sogenannt Wallbox zu erstellen.
Die Preismodelle:
Bei den verschiedenen Preismodellen wird es nun jedoch wirklich unübersichtlich. So hat jeder Ladestations- und/oder Ladenetzbetreiber seine eigenen Preismodelle. Die aktuellen Preise sind jeweils über die App des Betreibers, oder des Anbieters wo ich Kunde bin ersichtlich. Diese können aus einigen der folgenden Faktoren bestehen:
- Start- / Grundgebühr für einen Ladevorgang
- Preis je kWh bezogener Strom
- Preis je Minute während des Ladevorgangs (Teilweise sogar Abrechnung bis das Fahrzeug ausgesteckt wird)
- Verschiedene Preise für die eigenen Mitglieder, oder Kunden anderer Ladenetzbetreiber (Roaming)
Es empfiehlt sich, die Preise der bevorzugten Ladestation auf den Apps, verschiedener Anbieter zu vergleichen, sind die Roaminggebühren und Preismodelle doch sehr unterschiedlich. Selbstverständlich gibt der Anbieter seinem eigenen Mitglied/ Kunden den günstigsten Tarif. Allerdings kann ich als Elektroautofahrer nich Kunde bei allen Anbietern sein.
Übrigens: Auch Kunden die Ad hoc mit Kreditkarte bezahlen wollen kommen den Preisen von Roaming-Kunden doch schon recht nahe.
Daher macht es Sinn, sich nicht nur bei einem einzigen Ladenetzbetreiber zu Registrieren. Allerdings sollte man sich bereits bei der Registration fragen, wie oft man unterwegs ein Fahrzeug laden wird. Dies hinsichtlich einer möglichen Jahersgebühr.
Da mein Fahrzeug hauptsächlich an der heimischen Ladestation geladen wird und nur sehr vereinzelt in den Genuss einer öffenlichen Ladeinfrastruktur kommt, habe ich für mich ausgeschlossen eine kostenpflichtige Mitgliedschaft ab zu schliessen. Dies bedeutet aber nicht, dass bei einem solchen Anbieter der Preis einer Ladung generell günstiger wäre, als bei einem Anbieter, der mit einem Prepayment-Modell, oder auf Monatsrechnung abrechnen wird.
Beispiele einiger Ladestationen:

Ladestation auf der Bernina-Passhöhe:
Im Blechkasten neben dem Eingang zum Restaurant "Albergo Cambrena" befindet sich ganz unauffällig eine öffentliche Ladestation, welche durch den Ladenetzbetreiber "PLUG'N ROLL" bereit gestellt wird. Sie ist ausgerüstet mit einem "Typ 2-Stecker" und bietet gemäss Anbieter eine max. Ladeleistung von 22kW. Die Benutzungszeiten sind 24/7.
Alles halb so schlimm. Da hier die Passhöhe ist, kann Richtung Poschiavo, oder Pontresina, talwärts gefahren werden. Dabei kann mit dem Elektroauto rekuperiert und dadurch die Bremsen etwas geschont werden. Das Laden ist auch im jeweiligen Tal wieder möglich.
Preisangabe des Ladenetzbetreibers (Roamingtarife können abweichen / Stand Juli 2019):

Schnellladestation in St. Moritz - Bad:
Diese Schnellladestation am "Plazza dal Rosatsch" ist mit den Steckersystemen "CCS" (max. 50kW), "CHAdeMO" (max. 50kW) und "Typ 2" (max. 22kW) ausgestattet. Die Benutzungszeiten sind 24/7. Sie ist eingebunden ins Ladenetz von Ost-mobil.ch.
Auch beim Laden des EV's gilt es zu berücksichtigen dass dieser Parkplatz kostenpflichtig ist und die Parkzeit an der zentralen Parkuhr bezahlt werden muss.
Die Bedienung ist einfach und auf der Ladestation gut beschrieben. Der Betreiber dieser Ladestation (Ost-mobil.ch) bietet die Bezahlung über RFID, App "easy4you", Kreditkarte (Ad hoc mit QR-Code), oder Roaming mit Ladekarten anderer Anbietern an. Allerdings unterscheidet sich der Preis und das Abrechnungsmodell je nach Zahlungsmittel oder Roaminganbieter.
Ich habe hier mit einem Roamingtarif für Swisscharge, von Fr. 0.415.- je Minute das Auto geladen. (Preisstand Juli 2019)
Preisangabe des Ladenetzbetreibers für AC-Ladung (Roamingtarife können abweichen / Stand Juli 2019):
Preisangabe für DC-Ladung (Roamingtarife können abweichen / Stand Juli 2019):
- Unbekannt

IONITY - Schnellladestation auf der Autobahnraststätte Heidiland (A13):
Seit November 2018 sind auf dem Parkplatz der Autobahnsraststätte Heidiland in Maienfeld, vier IONITY - Ladestationen in Betrieb. Diese sind mit den Steckersystemen "CCS" (max. 350kW) ausgestattet. Die Benutzungszeiten sind 24/7.
Die Bedienung ist auf der Ladestation gut beschrieben. Der Betreiber dieser Ladestation bietet die Bezahlung über RFID, App "IONITY", Kreditkarte (Ad hoc mit QR-Code), oder Roaming mit Ladekarten anderer Anbietern an. Allerdings unterscheidet sich der Preis und das Abrechnungsmodell je nach Zahlungsmittel oder Roaminganbieter.
Preisangabe des Ladenetzbetreibers für DC-Ladung (Roamingtarife können abweichen / Stand Juli 2019):
Fahrzeuge mit anderen Steckersystemen, wie "CHAdeMO", "Typ 2", etc. können an diesen Ladestationen nicht Laden. Selbiges gilt auch für einige Tesla-Modelle.

Schnellladestation auf der Autobahnraststätte Heidiland (A13):
Diese zwei Schnellladestationen auf dem Parkplatz der Autobahnsraststätte Heidiland in Maienfeld sind mit den Steckersystemen "CCS" (max. 50kW), "CHAdeMO" (max. 50kW) und "Typ 2" (max. 43kW) ausgestattet. Die Benutzungszeiten sind 24/7. Sie sind eingebunden ins Ladenetz von MOVE Mobility SA.
Die Bedienung ist einfach und auf der Ladestation gut beschrieben. Der Betreiber dieser Ladestation bietet die Bezahlung über RFID, App "MOVE-App", Kreditkarte (Ad hoc mit QR-Code), oder Roaming mit Ladekarten anderer Anbietern an. Allerdings unterscheidet sich der Preis und das Abrechnungsmodell je nach Abo, Zahlungsmittel oder Roaminganbieter.
Ich habe hier mit einem Roamingtarif für Swisscharge, von Fr. 0.32.- je Minute das Auto geladen. (Preisstand Juli 2019)
Die Preisangabe des Ladenetzbetreibers ist Abhängig des gewählten Modells der Mitgliedschaft (Mit, oder ohne Jahresgebühr).

Ad hoc Ladevorgang am Reiseziel:
Da es am Reiseziel oftmals eine untergeordnete Rolle spielt, ob das Auto über Nacht geladen werden muss, kann auch auf eine 230V Aufladung gesetzt werden. Diese dauert jedoch auch im Vergleich mit einer Ladung über eine Ladestation mit "Typ1" / "Typ 2" eine Ewigkeit von ca. 13 - 16 Stunden. Dennoch kann eine solche Überlegung durchaus getätigt werden.
Auf dem Bild wurde das Auto auf einem Campingplatz, mit dem mitgelieferten "Notladegerät" und einem Übergangsstecker an einem "Campingstecker" 230V mit einer Absicherung von 16 Ampere geladen. Natürlich nur mit Einwilligung des Campingplatzbetreibers und entsprechender Vereinbarung der Abgeltung. Dennoch konnte das Elektroauto für einen Bruchteil des Betrags, einer öffentlichen Ladestation geladen werden.
Ein grosser Dank gilt an dieser stelle auch dem Campinplatzbetreiber, bei welchem ich auch einige Tage Gastrecht geniessen durfte.
Fazit:
Eine Reiseplanung für grössere Strecken, mit den notwendigen Ladehalten ist unverzichtbar. Dabei sollte auch darauf geachtet werden, welche Ladestation mit welchem Steckersystem und Leistung zur Verfügung steht. Dies kann die Reisezeit enorm beeinflussen. Allenfalls sollte auch eine Alternative zur eingeplanten Ladestation herausgesucht werden, es könnte sein dass die ursprünglich ausgesuchte Ladestation aus irgend einem Grund nicht zur Verfügung steht.
Für die Preisangabe ist ein Smartphone mit den App's der Anbieter, bei denen eine Kundenbeziehung besteht, unverzichtbar. Auch hier empfiehlt es sich die Preise einer Ladestationen bei den verschiedenen Anbietern zu vergleichen.
Dabei ist es durchaus möglich, dass eine Ladestation in einer App, gelistet ist, in einer anderen jedoch nicht. In diesem Fall könnte es sein, dass der Roaminganbieter mit dem eigentlichen Ladenetzbetreiber kein Abkommen hat.
Interessant sind auch die kostenfreien Ladestationen von verschiedenen Institutionen und sogar Gemeinden. Darunter fallen durchaus auch Schnellladestationen, z.B. Lidl Schweiz (Filialabfrage über Webseite, mit Angaben der Services).