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Strategie der SKF 2017-2020-plus
Definition und Begründung der strategischen Prioritäten
Ziel
Zentrales Ziel ist es Athleten hervorzubringen, die in einer ersten Phase ein nationales und dann ein internationales Leistungsniveau erreichen. Das angestrebte Endprodukt sind Medaillen an Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften. Um dieses Ziel zu erreichen ist die Fokussierung auf die Optimierung von Trainingsprozessen und der Teilnahme an Weltranglistenturnieren zu legen. Nur über ein qualitativ hochwertiges Training können die Athleten das hohe Niveau der Swiss Karate League Turniere auf nationaler und der Karate1 Turniere auf internationaler Ebene erreichen. Und nur über sorgfältig evaluierte und geeignete Punkteturniere kann gewährleistet werden, dass sie auch die für ihre Entwicklung notwendige Turnierpraxis erhalten. 2-3 Siege bringen wertvolle Punkte und ermöglichen den Athleten, sich in der Weltrangliste nach vorne zu arbeiten.
Training
Im Training bedarf es konkreter Massnahmen, welche die Schulung technischer, taktischer und konditioneller Fähigkeiten und Fertigkeiten umfassen und dabei ein optimales Verhältnis von Belastung (duale Karriere) und Erholung garantieren. Diese Anforderungen lassen sich nicht auf der Basis von 2-3 Trainingseinheiten pro Woche erreichen, sondern verlangen nach einer Mindestquantität und Trainingseinheiten, die vor allem für eine gezielte individuelle Schulung im technischen, koordinativen und athletischen Bereich genutzt werden können. Erst eine adäquate Anzahl von Trainingseinheiten ermöglicht eine inhaltliche Trainingsgestaltung, die dem Anforderungsprofil des modernen Sportkarate in technischer, taktischer und konditioneller Hinsicht Rechnung tragen kann. Eine optimale Trainingsgestaltung erfordert zudem eine individuelle Planung, d.h. auf das Eingehen auf die einzelnen Athletentypen, und Dokumentation der Trainingsinhalte für die einzelnen Athleten.
Wettkampfsysteme
Die nationalen Wettkampfsysteme sind derart zu gestalten, dass sie den Athleten eine ausreichende Turnierpraxis auf möglichst hohem Niveau garantieren. Ein wesentlicher Grund, warum in den verschiedenen Landesverbänden zu wenig Karateka den Sprung auf das nationale Leistungsniveau schaffen, liegt darin, dass die Leistungsunterschiede zwischen den Turniersystemen der einzelnen Landesverbände zu gross sind. Diese Leistungsunterschiede gilt es zu reduzieren, indem entweder neue Wettkampfsysteme entwickelt werden, die altersmässig speziell auf den Bereich der Anschlussförderung (U21) ausgerichtet sind oder indem versucht wird, durch eine Veränderung bestehender Wettkampfsysteme (Umstellung von Ippon Shobu Kriterien auf WKF-Kriterien) das Leistungsniveau zu steigern.
Fokussiert man die Förderung als Optimierung von Trainingsprozessen und Wettkampfsystemen, dann gewinnen die Abhängigkeiten der einzelnen Akteure voneinander und die Notwendigkeit ihrer Abstimmung deutlich an Gewicht. Die Förderung ist im schweizerischen Karate überwiegend dezentral organisiert, das heisst, die Karateka befinden sich die meiste Zeit in ihren Dojo und werden von diesen in die Swiss Karate League und die internationalen Turniere (Nationalkadermitglieder starten jedoch unter der Bezeichnung Nationalteam) eingebunden und nur im Rahmen von Lehrgängen und Stützpunkt- und Nationalkadertrainings durch die SKF gefördert.
Die Qualität, aber auch die Motivation der Athleten beruht damit entscheidend auf deren Ausbildung und Förderung in den Dojo durch ihre persönlichen Trainer, weshalb eine optimale Leistungssteuerung und –entwicklung auch nur dann zu erwarten ist, wenn die Fördermassnahmen in der SKF (Stützpunkte, Nationalkader) und das Training im Dojo aufeinander abgestimmt werden, was einen intensiven Austausch und gemeinsame Trainingsplanung der zuständigen Dojo-, Stützpunkt- und Nationaltrainer notwendig macht. Gleiches gilt auch für die Gestaltung der Wettkämpfe die terminlich und organisatorisch abgestimmt werden müssen.
Alle Massnahmen sind in hohem Masse von den zur Verfügung stehenden personellen, zeitlichen, finanziellen und räumlichen Ressourcen abhängig.
Punkteturniere
In der Liste der Punkteturniere werden die K1 (Premier League, Serie A) Turniere auch in Zukunft einen sehr hohen Stellenwert einnehmen. Die einsetzende Professionalisierung im Sport-Karate wird diese Turnierserie zur bekanntesten Sportmarke der WKF machen. Vor Ort, durch TV-Übertragung oder durch Live-Stream können die Emotionen live miterlebt und geteilt werden. Die WKF reagierte auf diese Entwicklung und bietet immer mehr Livesport über die Onlinekanäle an.
Insbesondere die europäischen Turniere werden das Feuer bei Athleten, Trainern und dem persönlichen Umfeld weiter entfachen. Ein Teil an den best-besetzten Turnieren der Welt zu sein, motiviert zur Weiterentwicklung und dem Willen, auf der Top-Ebene mithalten zu können. Die K1 Turniere sind das Attraktivste was der Leistungssport zu bieten hat.
Für die Nachwuchskaratekas wird weiter auf die bewährten Turniere in Deutschland, Österreich, Luxembourg, Tschechien und Kroatien gesetzt.
Insgesamt stehen den Athleten 24 Punkteturniere (2017) zur Verfügung. Die Gewichtung zeigt die folgende Tabelle.
Personell
Die personellen Ressourcen sind vor allem auf die beiden zentralen Akteure, auf die es im Trainingsprozess entscheidend ankommt, nämlich auf Athlet und Trainer zu fokussieren. Die Optimierung der Trainingsprozesse ist im hohem Masse davon abhängig, ob es gelingt, die besten Karateka (Talente) und die besten Trainer zusammenzuführen. Das setzt mit Blick auf die Talente gezielte Sichtungsmassnahmen voraus, wenn es darum geht, auf Dojo-, Sektions- und nationaler Stufe die besten Talente zu entdecken. Die Entdeckung allein reicht aber noch nicht aus. Vielmehr müssen die Talente auch denjenigen Dojo und Stützpunkten zugeführt werden, in denen sie am besten gefördert werden. Da dies jedoch in der Regel einen Dojo-Wechsel voraussetzt und kein Dojo seine besten Talente gerne ziehen lässt, müssen die Dojo, die eine spitzensportliche Förderung betreiben entsprechende Kooperationen mit Partnerdojo eingehen, im Rahmen derer solche Wechsel und damit die Konzentration von Spitzenkarateka an bestimmten Standorten möglich werden. Auch auf Trainerseite bedarf es einer Fülle spezifischer Auswahl-, Einsatz- und Qualifizierungsmassnahmen, die sicherstellen, dass Trainer über die notwendigen fachlichen und sozialen Kompetenzen verfügen, um die Athleten in ihrer Leistungsentwicklung optimal zu fördern.
Zeitlich
Die zeitlichen Ressourcen werden im Hinblick auf das tägliche Training sowie die längeren Abwesenheitszeiten, durch die Teilnahme an zentralen Nationalkadertrainings und Wettkämpfen, benötigt. Die für eine optimale Leistungsentwicklung notwendigen Zeitressourcen stehen aber nur dann zur Verfügung, wenn die Trainings- und Wettkampfverpflichtungen mit den aussersportlichen Verpflichtungen koordiniert werden können. Für die Nachwuchskarateka bis zur U16 Kategorie betrifft dies vor allem schulische Verpflichtungen. Dazu kommen, oder später, auch Verpflichtungen, die sich aus dem Einstieg in eine Berufsausbildung oder ein Hochschulstudium ergeben. Trainingseinheiten am Vormittag oder längere Abwesenheiten aufgrund von Lehrgängen (Tenero) oder Turnieren sind nur dann möglich, wenn es bestimmte Arrangements gibt, die Training und Unterricht bzw. Ausbildung zeitlich koordinieren und dafür Sorge tragen, dass durch Abwesenheit verpasste Inhalte zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden können.
Aus diesem Grund gilt es für die Dojo, die eine Leistungssportförderung betreiben, Kooperationen mit Schulen, Hochschulen und Betrieben zu etablieren, welche die notwendige zeitliche Flexibilisierung garantieren.
Ein Verzicht auf einen höheren Schulabschluss, eine Ausbildung oder ein Studium, mit dem das Zeitproblem durchaus auf einfache Weise zu lösen wäre, stellt keine Option dar. Eine Sportart wie Karate, die einem Athleten keine Verdienstmöglichkeiten gibt, ist zwingend auf den dualen Weg angewiesen. Die Rekrutierungsphase ist nur dann gewährleistet, wenn sich die spitzensportliche Karriere mit den angestrebten beruflichen Zielen in Einklang bringen lässt.
Angesichts des enormen zeitlichen Aufwandes, die eine duale Karriere durch die sportlichen und schulisch-beruflichen Verpflichtungen mit sich bringt, ist es unabdingbar, unnötige Zeitverluste zu vermeiden. Dies betrifft vor allem die Wegzeiten, die entstehen, wenn Athleten nicht direkt am Trainingsort wohnen. Da eine optimale Förderung sich aber nicht nur auf das lokal-regionale Umfeld beschränken kann, sind für ausser-regionale Athleten Wohngelegenheiten zu schaffen, die im Falle Minderjähriger auch eine pädagogische Betreuung integrieren müssen.
Finanziell
Ausreichende finanzielle Ressourcen ermöglichen eine Optimierung der Trainings- und Wettkampfmassnahmen sowie die Betreuung der Karateka und der Organisation aller notwendigen Bereiche. Dabei entstehen für die Etablierung hauptberuflicher Trainer-Strukturen hohe Personalkosten, die sich auf der Basis von Mitgliedsbeiträgen nicht finanzieren lassen. Im Karatesport gibt es in der Schweiz, wie in den meisten Ländern, keine Athletinnen und Athleten, die vom Wettkampf leben können. Auch die Trainer sichern ihr wirtschaftliches Dasein wie ein Kleinunternehmer mit verschiedenen Einkommensformen.
Räumlich
Die Optimierung der Trainingsprozesse ist schliesslich auch von räumlichen Ressourcen abhängig, die zum einen Hallenzeiten (Magglingen) für das Nationalkadertraining betreffen, zum anderen aber auch Trainingsstätten für die athletische Ausbildung umfassen müssen. Da man davon ausgehen muss, dass die wenigstens Dojo über eigene Fitnesseinrichtungen (Kraft- und Ausdauergeräte) verfügen, sind sie auf entsprechende Kooperationen mit kommerziell betriebenen Fitness-Studios und/oder sportmedizinischen Zentren angewiesen.
Normativ
Neben der operativen und konzeptionell-strategischen Ebene ist auch die normative Ebene von zentraler Bedeutung. Hier geht es darum, die Leistungssportförderung in den Sport-Reglementen, mit klarem Bekenntnis zum WKF-Sport-Karate, der Sektionen zu verankern. Die normative Ebene ist von zentraler Bedeutung, denn je mehr Sektionen, aber auch Dojo die Verbesserung der Leistungssportförderung zu ihrem Ziel erklären, desto stärker wird der Anreiz auf Andere, Gleiches zu tun, und es kommt zu Prozessen der wechselseitigen Beobachtung und Leistungssteigerung.
Letzte Aktualisierung: 1. Januar 2017