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17.06.2019, 11:30 Uhr
Angesichts der angespannten Situation zwischen Mexiko und den USA steht das Schwellenland vor erheblichen Herausforderungen. Cornel Bruhin von MainFirst meint, dass sich dort von den USA relativ unabhängige...Artikel lesen
Die Anlageexperten von GAM Investments geben ihre Einschätzungen ab, welche Ereignisse 2019 eine wichtige Rolle spielen dürften und wie die zu erwartenden Entwicklungen die Märkte und das Asset Management beeinflussen werden.
"Wir halten es für wahrscheinlich, dass sich die Gewichtung von Schwellenländern (Emerging Markets, EM) in den breiteren, globalen MSCI-Indizes in 50 Jahren an die Gewichtung von Industrieländern (Developed Markets, DM) annähern und möglicherweise sogar 50 Prozent erreichen wird. Damit würde sich die historische Kluft schliessen", sagt Tim Love, Investment Director Schwellenländeranleihen bei GAM. Dies spiegle die wachsende wirtschaftliche Bedeutung der Schwellenländer wider, die zwar zusammen mehr als 50 Prozent des weltweiten BIP und 80 Prozent der Produktion stellen, deren Anteil am MSCI All Country World Index (ACWI) derzeit jedoch lediglich 11 Prozent beträgt.
Laut Love sind die Argumente, warum das so ist, vielfältig und werden stark durch ESG-Faktoren (Environment, Social and Governance) beeinflusst, da Corporate-Governance-Faktoren in einigen Schwellenländern kaum Berücksichtigung finden. "Im Grunde haben wir es mit einer jahrzehntelangen Anomalie zu tun, sozusagen einer erheblichen Verzerrung, die mit der Zeit nachlassen dürfte."
Unterschätzte und unterbewertete Emerging-Markets-Aktien
Wie der Investment Director weiter ausführt, verändert sich die Situation langsam. In der Vergangenheit bezog sich der MSCI China Index nur auf Hongkong. A-Aktien des chinesischen Festlandes sind kaum darin vertreten, obwohl sie eine höhere Marktkapitalisierung ausmachen als ganz Europa zusammen. MSCI hat nun angekündigt, den Anteil chinesischer A-Aktien im kommenden Jahr in jedem seiner Indizes zu erhöhen, nachdem sie in einer ersten Phase zu einer Gewichtung von fünf Prozent aufgenommen wurden. Dies sei ein vielversprechender Anfang, sagt Love und fährt fort: "Wir sehen in EM-Aktien grosse Chancen, da sie unterrepräsentiert, unterschätzt und unterbewertet sind. Gegenüber DM bieten sie aufgrund ihrer positiven währungsbereinigten Erträge ein günstiges relatives Risiko-Ertrags-Profil."
Seit Jahresbeginn wurden die Bewertungen von EM-Aktien erheblich herabgesetzt. Diese liegen nun sowohl aus aktueller als auch aus historischer Sicht deutlich unter der Bewertung des S&P 500 Index. Die meisten dieser EM-Länder besitzen ein Investment-Grade-Rating mit positivem beziehungsweise neutralem Ausblick. Mit Ausnahme von China haben sie ihre Schuldenprofile unter Kontrolle und verzeichnen ein steigendes Pro-Kopf-Bruttoinlandproduktes (BIP). "Das grösste Risiko im EM-Bereich ist nach unserer Einschätzung immer noch eher die Möglichkeit einer Gesundheitspandemie als eine weitere impulsive Rally des US-Dollar oder ein gravierender Handelskonflikt", so Love.
Leitzinsanhebungen der US-Notenbank: Risiko des Überschiessens
Larry Hatheway, Group Head of Investment Solutions und Chefökonom bei GAM, sieht die US-Notenbank (Fed) als entscheidender Impulsgeber für Anleger in den vergangenen drei Jahren, da sie für eine Normalisierung der Geldpolitik sorgte. Unlängst bestätigte der Fed-Vorsitzende Colin Powell, dass die Notenbank ein neutrales Zinsniveau ansteuere. "Dies liess die Anleger erleichtert aufatmen, da damit der geldpolitische Straffungskurs der Fed beendet sein dürfte", folgert Hatheway. "Nach unserer Einschätzung muss die Fed wahrscheinlich keine restriktive Geldpolitik anwenden, da die Inflation nicht Gefahr läuft, das von der Notenbank gesteckte Ziel zu überschreiten."
Andererseits könnten die Anleger die nächsten Schritte der Fed immer noch unterschätzen. Die Märkte hätten bereits eine weitere Zinserhöhung im Jahr 2019 vorweggenommen. Der Chefökonom von GAM und sein Team halten es dagegen für sehr wahrscheinlich, dass die Notenbank 2019 mehrere Zinsschritte vornehmen wird. Daher rechnen sie damit, dass die Anleger früher oder später erkennen werden, dass die Geldpolitik doch restriktiver wird als derzeit eingepreist.
Zudem bestehe ein gewisses Risiko des Überschiessens, wenn sich die Inflation dem Ziel der Fed annähere oder dieses leicht übertreffe. In einem solchen Szenario reagierten die Märkte oft mit Verunsicherung auf die Aussicht einer restriktiveren und weniger berechenbaren Notenbank. "Deshalb sind wir überzeugt, dass die Anlagebedingungen 2019 massgeblich von geldpolitischen Unsicherheiten geprägt werden", betont Hatheway.
Japan drückt nächstes Jahr eine Mehrwertsteuererhöhung durch
Reiko Mito, Fondsmanagerin japanische Aktien, wirft einen Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung im Land der aufgehenden Sonne: "Japans Premierminister Shinzo Abe bekräftigte seine Pläne für eine Erhöhung der Mehrwertsteuer von acht auf zehn Prozent im Oktober 2019. Marktbeobachter fürchten jetzt, dass die bevorstehende Mehrwertsteuererhöhung die private Konsumlaune dämpfen könnte, wie dies nach der ersten Anhebung der Steuer von fünf Prozent auf acht Prozent im Jahr 2014 der Fall war." Dieses Mal sei sie jedoch optimistischer, da die Regierung bekanntgegeben habe, dass nach der Steuererhöhung im kommenden Jahr die Stärkung der japanischen Wirtschaft auf ihrer fiskalpolitischen Agenda stehe. Geplant sind Steuererleichterungen für den Kauf von Fahrzeugen und Wohnimmobilien, geringere Steuersätze auf Lebensmittel und Rabatte für bestimmte bargeldlose Käufe. "Daher sind wir überzeugt, dass die zweite Mehrwertsteuererhöhung im Gegensatz zur ersten keinen nennenswerten Effekt auf das Verbrauchervertrauen haben wird", sagt sie.
Sie halte die Mehrwertsteuererhöhung für einen entscheidenden Schritt im Hinblick auf die Glaubwürdigkeit der japanischen Regierung im Kampf gegen die hohe Staatsverschuldung. Aus diesem Grund dürfte auch das Ende der quantitativen Lockerung für Japans Regierung im kommenden Jahr keine Priorität haben, da sie sich auf die Mehrwertsteuererhöhung konzentriert. Eine Änderung der expansiven Geldpolitik könnte dagegen die Marktdynamik stören.
EZB schlägt neue Richtung in der Geldpolitik ein
Grégoire Mivelaz, Fondsmanager Anleihen in Industrieländern bei GAM, fokussiert in seiner Betrachtung auf die allseits erwartete Ankündigung der ersten Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank, die jüngsten Angaben zufolge im September zu erwarten sei. "Steigende Zinsen wirken sich meist positiv auf die Gewinne von Finanzunternehmen aus", folgert er. "Deshalb rechnen wir damit, dass die Anleger, je mehr wir uns dem September nähern, ihre Aufmerksamkeit auf die Wahrscheinlichkeit einer stärkenden Wirkung, die ein solcher Schritt auf die Bilanzen haben kann, lenken werden." Dies betreffe insbesondere die von GAM bevorzugten nationalen Marktführer. Man strebe an, sowohl von besseren Bonitätskennzahlen als auch vom Umfeld steigender Zinssätze zu profitieren.
2018 hätten sich die Anleger vor allem auf die Risikoreduzierung konzentriert. 2019 dürften die Zentralbanken zunehmend zu einer quantitativen Straffung (Quantitative Tightening, QT) tendieren. QT tangiere jene kaum, die im Zuge der quantitativen Lockerung (Quantitative Easing, QE) keine Finanzwerte zugekauft haben und daher auch kein unmittelbarer Zwang zur Auflösung in diesem Bereich besteht.
Möglichkeit, den Brexit zu stoppen
Der Stichtag für den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union rückt näher. Die Lage hatte sich im vergangenen Dezember nicht mehr täglich, sondern minütlich geändert. Erst am Nachmittag des 10. Dezembers hatte Theresa May beschlossen, die für den 11. Dezember 2018 geplante bedeutungsschwere Abstimmung über das Brexit-Abkommen zu vertagen. Denn trotz ihres von vielen als unrühmlich bezeichneten Versuchs, Minister und konservative Abgeordnete zusammenzubringen, deutete alles auf eine Niederlage der britischen Premierministerin hin. Hintergrund der Absage war das Urteil des Europäischen Gerichtshofs, dass Grossbritannien seine Austrittserklärung nach Artikel 50 jederzeit vor Ablauf der vorgeschlagenen Frist am 29. März 2019 widerrufen kann. Damit räumte der EuGH den Briten die Möglichkeit ein, den Brexit noch zu stoppen.
Das britische Pfund ist aufgrund der stockenden Brexit-Verhandlungen abermals unter Verkaufsdruck geraten. "Die aufgeschobene Abstimmung betrachten wir lediglich als einen weiteren Schritt in Richtung eines zweiten Referendums - das zwar nicht vor dem Stichtag im März stattfinden kann, aber vielleicht innerhalb von sechs Monaten, sofern es eine Fristverlängerung gibt -, denn wir sehen für das Vereinigte Königreich keine andere Möglichkeit, diesem Fegefeuer zu entkommen, in das es sich durch sein Referendum unabsichtlich gestürzt hat", analysiert Charles Hepworth, Investment Director Managed Portfolio Services.
ILS knacken 100-Milliarden-Dollar-Marke
Nicht wegen des Brexit, aber aufgrund verschiedener zerstörerischer Naturereignisse steigt auch das Interesse an Katastrophenanleihen. "Wir sind überzeugt, dass der Markt für Katastrophenanleihen und versicherungsgebundene Wertpapiere (Insurance Linked Securities, ILS) im Jahr 2019 mit den gesamten umlaufenden Wertpapieren ein Volumen von über 100 Milliarden US-Dollar erreichen wird ein wichtiger Meilenstein für den Markt", ist John Seo, Mitgründer und Managing Director von Fermat Capital Management, LLC, überzeugt.
Das Überschreiten der Marke von 100 Milliarden US-Dollar isei insofern entscheidend, als viele Marktbeobachter vor gerade einmal 15 Jahren dem damals neu entstandenen Markt lediglich ein Volumen von fünf Milliarden US-Dollar zugetraut hätten. Das Erreichen dieses Meilensteins werde weitere Dynamik freisetzen, so Seo. Das Bewusstsein dafür, dass dieser Markt noch stärker wachsen und eines Tages ein Volumen von 300 Milliarden US-Dollar erreichen werde, sei gestiegen.