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Die Rückkehr der Atomenergie
Am 30. Januar 2016 wurde der Reaktor 3 des AKW Takahama in der Präfektur Fukui nach vier Jahren Stillstand wieder hochgefahren, wie die Nikkei Shimbun berichtet. Die Nukleare Regulierungsbehörde (NRA) hatte schon vor einigen Monaten die Bewilligung erteilt und das Kernkraftwerk nach Anpassungen für sicher befunden. Zuvor wurde noch ein gerichtliches Verbot des Betriebs (Asienspiegel berichtete) vom selben Bezirksgericht wieder gekippt.
Somit hat Kansai Electric Power erstmals wieder einen AKW-Reaktor am Laufen. Fast fünf Jahre nach der AKW-Katastrophe von Fukushima sind somit wieder drei von 43 Reaktoren wieder in Betrieb. Dazu gehören neben Takahama auch die Reaktoren Nummer 1 und 2 im AKW Sendai bei Kagoshima auf der Südinsel Kyushu.
Der aktuelle Stand
Zwischen September 2013 und August 2015 waren alle Reaktoren in Japan abgeschaltet. Neben dem havarierten AKW Fukushima wurden fünf weitere, veraltete Reaktoren ausgemustert (Asienspiegel berichtete).
In dieser Zeit nahm auch die neu geschaffene Nukleare Regulierungsbehörde (NRA) ihre Arbeit auf, um die AKW auf die verschärften Sicherheitsstandards zu prüfen. Die Stromproduzenten haben in den letzten Jahren Milliarden in die Aufrüstung ihrer veralteten AKW ausgegeben, in der Hoffnung diese wieder hochfahren zu können (Asienspiegel berichtete).
Zurzeit durchlaufen 25 von 43 Reaktoren die Sicherheitstests, die mehrere Monate oder sogar Jahre in Anspruch nehmen werden. Es ist damit zu rechnen, dass in diesem Jahr noch weitere folgen werden. Takahama Nummer 4 soll bereits Ende Februar hochgefahren werden. Auch der Reaktor 3 im AKW Ikata in der Präfektur Ehime auf der kleinsten Hauptinsel Shikoku könnte bald an der Reihe sein.
Die Argumente der Befürworter
Für die Regierung um Premierminister Shinzo Abe läuft alles nach Plan. Abe hatte sich stets für ein Wiederhochfahren ausgesprochen. Es war auch seine Regierungspartei, die LDP, die in den 60ern das Atomzeitalter eingeläutet und eine riesige Atomindustrie aufgebaut hatte.
Mit dem Wiederhochfahren der AKW könne die Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten reduziert, günstig und stabil Strom geliefert und ein Wirtschaftswachstum ermöglicht werden, sind die Argumente der Regierung. Ausserdem werde so der erhöhte CO2-Ausstoss wieder reduziert. In den letzten Jahren haben vor allem Wärmekraftwerke die AKW ersetzt. Die aktuelle Politik zielt auf einen Atomstromanteil von 20 Prozent bis 2030 ab. Vor Fukushima waren es 30 Prozent.
Die Argumente der Gegner
Die AKW-Gegnerschaft hat inzwischen an Einfluss verloren, auch wenn sie auf lokaler und gerichtlicher Ebene immer noch aktiv ist. Sie war es, die massgeblich zu einem zwischenzeitlichen Stopp aller AKW beigetragen hatte. Doch es gelang ihr nicht, sich auf politischer Ebene zu organisieren. Und dies trotz der Tatsache, dass eine Mehrheit der Bevölkerung gemäss wiederholten Umfragen den Atomausstieg bis heute befürwortet.
Die Kritiker lassen Abes Argumente nicht gelten. Betrachte man den immensen Schaden und die Kosten, die Fukushima ausgelöst hat, ziehe das Argument des billigeren Stroms und die Reduktion des CO2-Ausstosses nicht. Die tieferen Ölkosten haben die Stromproduzenten in den letzten Monaten ebenfalls entlastet. Stromausfälle gab es in den letzten Jahren trotz wiederholter Warnungen der Strombetreiber ebenso wenig. Es wird auch kritisiert, dass den Kunden keine Wahl gegeben wird, welchen Strom sie beziehen möchten.
Noch gibt es zu viel offene Fragen bezüglich der Sicherheit. Erst eine kleiner Teil der Gemeinden, die 30 Kilometer um ein AKW liegen, haben bis heute funktionierende Evakuierungspläne ausgearbeitet. Zudem fehlt es immer noch an einer Lösung für ein Endlager für die hochradioaktiven, gebrauchten Brennelemente. Ein Politiker der LDP verglich dies einst mit einer «Wohnung ohne Toilette» (Asienspiegel berichtete).
Die Zukunft
Es ist aber nicht so, dass sich in der Energiepolitik Japans gar nichts getan hat. So hat sich gerade bei der Wind- und Solarenergie viel bewegt (Asienspiegel berichtete). Doch vorerst sieht alles so aus, als würde sich Japan noch für viele Jahre auf seine alternden AKW verlassen.