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Monique Jacot
Von der humanistischen Reportage zum poetischen Experimentieren
Das Werk der Fotografin Monique Jacot entstand während sechzig Jahren. Sie gehört zu einer Generation, für die Fotografieren ein humanistisches Engagement bedeutet, und entwickelt seit den 1950er-Jahren eine fotografische Arbeit, die von ihrer sensiblen Handschrift geprägt ist. Sie bildete sich an der Ecole des arts et métiers in Vevey aus, wo sie den Unterricht der deutschen Fotografin Gertrude Fehr besuchte. Nach dem Abschluss 1956 entschloss sie sich, ihre Bilder der Presse anzubieten. Der Fotojournalismus war damals sehr gefragt. Die Fotografinnen und Fotografen verliessen ihre Ateliers und machten sich auf, die Welt zu entdecken. Ihre ersten Arbeiten veröffentlichte Monique Jacot in der Gazette Littéraire, dem wichtigsten Presseorgan der kulturellen Information der Romandie. Später zog sie nach Zürich, wo sie hervorragende Beziehungen zur deutschsprachigen Presse aufbaute. Während der folgenden drei Jahrzehnte arbeitete sie für Zeitungen und Zeitschriften in der Schweiz und im Ausland, darunter Die Woche, Schweizer Illustrierte, DU, Camera, Réalités, Time und Geo. In einer Zeit, in der vor allem Männer den Beruf des Fotografen ausübten, kam sie rasch zu Aufträgen, stellte aber fest, dass gewisse Redaktoren ihr lediglich Frauenthemen überliessen. Wie auch immer, sie arbeitete eng mit Magazinen zusammen, die sich an ein weibliches Publikum richteten: Annabelle und Femina in der Schweiz, Vogue und ELLE in Frankreich.
Neben ihren Auftragsarbeiten entwickelte Monique Jacot persönliche Projekte, die sie dann der Presse anbot. In den sechziger Jahren realisierte sie eine Trilogie über Mädchen: Sie reiste nach Prag für eine Reportage über Turnerinnen, nach Frankreich zu den Mädchenschulen der Légion d’Honneur und erhielt schliesslich die Erlaubnis, im Mädcheninternat Wycombe Abbey in England zu fotografieren. Sie engagierte sich stark für diese Themen und richtete ihren Blick auf das Weibliche.
Die steile Karriere der Type 600 begründete das mittlerweile über 60 Jahre alte Familienunternehmen Baltensweiler. In dem Neben ihren Auftragsarbeiten entwickelte Monique Jacot persönliche Projekte, die sie dann der Presse anbot. In den sechziger Jahren realisierte sie eine Trilogie über Mädchen: Sie reiste nach Prag für eine Reportage über Turnerinnen, nach Frankreich zu den Mädchenschulen der Légion d’Honneur und erhielt schliesslich die Erlaubnis, im Mädcheninternat Wycombe Abbey in England zu fotografieren. Sie engagierte sich stark für diese Themen und richtete ihren Blick auf das Weibliche.
Während ihrer gesamten Karriere ist Monique Jacot immer unterwegs. Sie war in den Vereinigten Staaten und in der Sowjetunion, reiste mehrmals nach China, fotografierte den Prager Frühling und Francos Begräbnis in Spanien. Viele ihrer Reisen machte sie für die Weltgesundheitsorganisation, für die sie seit 1959 tätig war. Diese Aufträge ermöglichten es ihr, in Länder in Afrika und im Nahen Osten zu reisen, vor allem in den Jemen.
Die Themen, mit denen sie sich im Laufe der Jahre befasste, stärkten ihr Interesse für den Feminismus. 1984 arbeitete sie zum Alltag der Schweizer Bäuerinnen und veröffentlichte die Bilder 1989 im Buch Femmes de la terre. Zwei weitere sollten folgen. Printemps de Femmes entstand zwischen 1991 und 1993 und ist der Bewegung der Frauenproteste in der Schweiz gewidmet. 1991 begann Monique Jacot mit Cadences. L’usine au féminin, das sie ab 1999 in Ausstellungen zeigte. Während mehr als fünfzehn Jahren befasste sich Monique Jacot mit der Situation der Frauen in der Schweiz, die bis dahin in der Fotografie noch kaum ein Thema war. Die Beobachtungen waren gewollt intim und solidarisch. In den drei Reportagen über die Frauenfigur zeigt Monique Jacot, dass die dokumentarische Fotografie ihre Wirkung nicht verloren hat. In einer Zeit, in der sich die Presse in einer Krise befand, entfernte sich Monique Jacot immer mehr vom Fotojournalismus. Sie führte ihre grossen Projekte allein und ohne Auftrag durch und vermittelte sie durch Publikationen oder Ausstellungen.
In ihren Reportagen mit gesellschaftlichem und politischem Inhalt drückte sie sich noch schwarz-weiss aus, in den Siebziger- und Achtzigerjahren entdeckte die Künstlerin dann eine Fotografie, die sich vom dokumentarischen Stil entfernt hatte. Ihre Recherchen führten sie zu neuen Bildproduktionen, in denen das visuelle Experimentieren vorherrschte. Parallel zur Arbeit mit der Leica nutzt Monique Jacot nun auch andere fotografische Mittel, vor allem Polaroid. Es entstehen Arbeiten, die sie «Transfers» nennt. Eine Technik, die sie dazu bringt, ihre Negative wieder hervorzuholen, um daraus Motive auszuwählen und diese umzuinterpretieren und neu zusammenzusetzen. Daraus entstehen einzigartige Bilder, ausgehend vom Polaroidnegativ, das sie auf ein schönes Zeichenpapier transferiert. Für die Künstlerin sind die Monotypien neue visuelle Territorien und einzigartige chromatische Entdeckungen.
Seit Beginn des 21. Jahrhunderts findet eine Veränderung in ihrer Arbeit statt. Sie stellte den Menschen in den Hintergrund und realisierte eine Serie zur Landschaft des Val d’Anniviers im Wallis. Im Jahr 2000, mit 66 Jahren, reiste Monique Jacot für eine Künstlerresidenz nach Shabramant/Kairo in Ägypten und gab die klassische Reportage definitiv auf, um sich der bildhaften Arbeit zu widmen. Sie interessiert sich für das Fotogramm und den Tiefdruck, mit dem sie beim Kupferstecher Pietro Sarto in St-Prex experimentiert. Das Stillleben tritt neu im Werk von Monique Jacot auf. Die Künstlerin lässt ihrer Vorstellungskraft freien Lauf und schafft Bilder mit einer eigenen Zeitlichkeit.
Monique Jacot hat in der Schweizer Fotografie mit ihren klassischen Schwarz-Weiss-Arbeiten einen festen Platz erhalten. Sie hat es aber auch gewagt, andere gestalterische Richtungen einzuschlagen und arbeitet seit einigen Jahren abstrakter und poetischer. Ihr Werk ist das Schaffen einer Künstlerin, die völlig frei arbeitet. Es folgt der Entwicklung des Mediums in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, zwischen Autorenfotografie und visuellen Spielen.
Nathalie Herschdorfer