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Zwinglis Entwicklung zum Reformator
Uoli Zwingli war schon als noch nicht Fünfjähriger seinen Eltern als offenbar hochbegabtes Kind aufgefallen. Sie schickten ihn zum Onkel nach Weesen in die Schule, denn der war dort Pfarrer. Da blieb Zwingli bis er zehn Jahre alt war. Mehr wissen wir leider nicht. Dann schickten sie ihn nach Basel, da blieb er zwei Jahre, lernte das Trivium, nämlich Grammatik, Dialektik und Rhetorik. Auch darüber wissen wir kaum etwas.
In Bern, der nächsten Station, blieb er dann drei Jahre. Keiner seiner acht Brüder wurde je weggeschickt zur Ausbildung. Die Dominikaner wollten ihn fest an sich binden wegen seiner musikalischen Fähigkeiten und seiner schönen Stimme. Doch Vater und Onkel waren damit nicht einverstanden. Sie wollten keinen Mönch aus ihm machen. Die Musik hat ihn dann sein Leben lang beschäftigt.
Mit 15 Jahren ging er zu Fuss nach Wien, nahm an der Universität Kurse in der Kunst des Briefeschreibens, was ihm sehr nahe ging. Nach zwei Jahren immatrikulierte er sich an der Universität Basel. Hier war er mit dem philosophischen Neuen und Alten Weg konfrontiert, was ihm bei seiner grundsätzlichen Offenheit keine Schwierigkeiten bereitete. Nun las er griechische und römische Klassiker: Homer, Demokrit, Plutarch, Cicero, Livius, Seneca, Tacitus, Lukian, Horaz, Aristoteles, und ganz besonders liebte er den jungen Philosophen aus der Toscana, Pico della Mirandola, der im 15. Jahrhundert gelebt hatte. Diese Liebe ging dann nahtlos in die Bewunderung von Erasmus über. Er gab mehrfach seine Zuneigung zu den Heiden zum Besten. Auch das ein Zug von Zwingli, den Luther niemals geteilt hätte.
Er schrieb ein gewaltiges Gedicht, dessen Figuren der Papst, der Kaiser, der französische König waren. Das Poem beschäftigte sich mit europäischer Politik, mit den Mächten der damaligen Zeit und ihrer Haltung zur Eidgenossenschaft, denn der junge Zwingli, der sich als Hofhund dargestellte hatte, besass ein fundiertes Wissen über die Zusammenhänge. Und er war ein überzeugter Patriot. Das war seine nächste grosse Eigenschaft nach seiner brillanten Bildung. Er war in Marignano, dort hat er die Schlächterei gesehen. Das hat ihn sicher geprägt. Ab sofort war er ein strikter Gegner der Reisläuferei und der Pensionen für eidgenössische Herren. 1516 war seine Wende zum Evangelium. 1516 war auch das Jahr des Zwingli-Porträts von Albrecht Dürer. Und im gleichen Jahr gab Erasmus von Rotterdam seine Übersetzung des Evangeliums vom Griechischen ins Lateinische heraus. Zwingli besuchte Erasmus in Basel, was seiner grossen Bewunderung Ausdruck verlieh.
Die praktische Musik, die griechischen und römischen Klassiker, sein Patriotismus, sein Humanismus und seine Haltung und Leidenschaft für das Neue Testament haben diesen Mann zu dem gemacht, der er dann wurde: zum Reformator der deutschen Schweiz. Das hat ihn befähigt, Zürich total umzugestalten. Unwahrscheinlich, zu was die Republik Zürich, die Mehrheit der Bevölkerung, der Rat der Republik fähig waren. Alles Christliche wurde hinterfragt und an der Bibel gemessen: Die Speiseverbote, das Mönchswesen, die Klöster, das Zölibat, der Ablass, die Priesterehe. Nichts von all dem stand in der Bibel. «O du Glücklicher, dem ein solches Volk und Land beschieden ist!», schrieb der Pfarrer von Crailsheim aus Deutschland.