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Auf steinigen Pfaden zu mehr Hoffnung – mein Besuch bei den Familien des CLM Programms
Eine Zeit lang stapfe ich schweigend hinter Steven über den steinigen Pfad, vorbei an hohem Gras, mannshohen Sträuchern und einzelnen Bäumchen und Palmen. Jetzt, am Ende der Trockenzeit mischt sich viel braun in die sonst karge, aber grüne Hügellandschaft im haitianischen «Plateau Central». Der ursprüngliche Wald ist Geschichte, verwendet als Brennholz oder zur Holzkohle-Herstellung. Ich höre die Grillen zirpen in der feuchten Hitze, bevor ich dem Feld-Experten unserer Partnerorganisation eine nächste Frage stelle.
Wir sind als kleine Gruppe unterwegs zu verschiedenen Familien, die ausgewählt worden sind für das nächste CLM-Programm. CLM (Chemen Lavi Miyò – Der Weg in ein besseres Leben) ist eines der Programme, das Opportunity in Haiti seit rund 4 Jahren unterstützen. Darin werden Familienvorstände während zwei Jahren begleitet mit dem sogenannten Graduierungsansatz, einen nachhaltigen Schritt aus extremer Armut zu machen. Oft sind es Frauen, die mit ihren Kindern am Rand eines Dorfes, ausgeschlossen von der Dorfgemeinschaft, in einer baufälligen Hütte leben, kein regelmässiges Einkommen und oft nicht mal eine richtige Mahlzeit pro Tag haben. Mit dem Graduierungsansatz müssen im Laufe des Programms bestimmte Kriterien erfüllt werden, die sicherstellen, dass die Teilnehmenden bei Projektende eine Existenzgrundlage haben, mit der sie leben können und sie in die Dorfgemeinschaft integriert sind. Mimose und ihre Familie haben mir das verdeutlicht. Nach dem Tod eines ihrer 6 Kinder musste die Familie ihr kleines Haus verkaufen, um die Beerdigungskosten bezahlen zu können. Da sie nicht bleiben konnten zogen sie herum und fanden ein kleines Stück Land, auf dem man sie duldete. Hier treffen wir sie unter einem Baum neben ihrer Hütte, die keinem Unwetter standhalten würde. Die Situation der Familie ist aktuell prekär. Mimose hat Schmerzen seit ihrer letzten Schwangerschaft. Ihr Mann findet kaum Arbeit als Tagelöhner, da er nicht aus der Gegend kommt und der Landbesitzer verlangt nun doch Geld für die Landnutzung. Gestern erhielten sie drei Tassen Maismehl. Von der letzten Tasse kochten sie heute Morgen eine Suppe. Keiner weiss, wann sie zu ihrer nächsten Mahlzeit kommen werden.
Trotz ihrer schwierigen Lage ist die Familie durch ihre Aufnahme im CLM Programm hoffnungsvoll. Vom ersten Training hat sich Mimose viele Details gemerkt, sie möchte die Chance wirklich packen. Auch ist spürbar, dass ihr Ehemann hinter ihr steht. Der Projektbegleiter und Mentor Dieumanuel ist beeindruckt. Wir dürfen mithören und beobachten, wie er sein wöchentliches Gespräch führt, heute vor allem über die Auswahl zweier einkommensschaffender Aktivitäten in der nahen Zukunft. Mimose und ihr Mann würden am liebsten zwei Ziegen und ein Schwein halten. Wir stellen auch noch einige Fragen und machen Fotos, wobei die Familie darauf besteht, vorher ihre besten Kleider anziehen zu dürfen.
Ich bin berührt von der Not, aber auch vom Mut der Frauen wie Mimose, nicht aufzugeben! Beim Abschiednehmen würde ich am liebsten sofort helfen. Schon bald, mit den nächsten Trainings zu Themen wie Trinkwasser, Hygiene, Ernährung und Familienplanung erhält Mimose ein Fördergeld von knapp 4 Franken pro Woche (für 6 Monate), das ausreicht für ihre Grundbedürfnisse. Bald erhalten sie auch die Grundlagen für die ausgewählten Einkommensaktivitäten (Nutzvieh, Saatgut oder Waren für einen kleinen Handel usw.). Die Familie wird auch Baumaterial für die Errichtung eines einfachen Hauses und einer Latrine erhalten. Im ganzen Prozess wird der Ortsvorstand einbezogen und eine lokale Spar- und Kreditgruppe eingerichtet und betreut.
Berührt, aber auch hoffnungsvoll, bin ich unterwegs zur nächsten Familie.
Tom Gerber, Geschäftsführer Opportunity Schweiz
Wer kommt mit mir auf einen Besuch zu Genia? Ihr Leben hat sich seit dem Start des CLM-Programms verändert!