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Das Thema am diesjährigen Academy of Management Meeting in Atlanta lautete ‘At the Interface’, ein Thema, das auch für das Management von Stakeholderbeziehungen von grosser Bedeutung ist. Die Wertschöpfung ist bekanntlich der Motor eines jeden erfolgreichen Unternehmens. Indessen ist sie voller Unsicherheit – wobei diese technisch, politisch, ökologisch bedingt sowie in Interaktionsprozess mit den Stakeholdern oder in den Ergebnissen dieses Prozesses selbst begründet sein kann. Wenn Führungspersonen diese Unsicherheit im Wertschöpfungsprozess zu realisieren beginnen, wird das Engagement von ökonomischen, sozialen und politischen Stakeholdern, welche diese Unsicherheit teilen, gestaltet. Die Zielsetzung eines von mir und anderen führenden Forschern im Bereich des Stakeholder Managements organisierten Symposiums war es, das Verhalten der Stakeholder im Kontext der Unsicherheit vertieft zu verstehen. Jeff Harrison (Universität Richmond) zeigte in diesem Symposium sehr eindrücklich die Vor- und Nachteile einer engen Beziehung von Unternehmungen zu den Stakeholdern im Kontext der Unsicherheit auf. Nachfolgend einige seiner Überlegungen.
Die Stakeholder, so stellte er fest, beeinflussen die Unsicherheit auf verschiedene Art und Weisen. Offensichtliche Beispiele sind unter anderen Unsicherheiten aufgrund des Einflusses der Kunden auf die Nachfrage, Lieferanten auf die Verfügbarkeit und die Preise der benötigten Güter, der Regierung auf die bestehenden Regulierungen (z. B. Gesetze) sowie das Risiko von Klagen bestimmter Interessensgruppen. Konkurrenten führen neue Produkte ein, die alte Produkte weniger attraktiv erscheinen lassen oder wählen neue Konkurrenztaktiken, die zu enormen Unsicherheiten führen können.
Eine mögliche Strategie, um Unsicherheiten in den Beziehungen zu den Stakeholdern zu reduzieren, ist das «Näherrücken» zu diesen Stakeholdern durch jeweils gegenseitig vorteilhafte Partnerschaften, Langzeitverträge oder besonders wohlwollende Behandlung. Durch dieses «Näherrücken» soll die Loyalität und die positive Motivation der Stakeholder für die unternehmerischen Anliegen erhöht und damit die Unsicherheiten reduziert werden.
Das vorangegangene Argument scheint sehr logisch und es gibt auch weitere Hinweise, welche als Beweise dafür interpretiert werden können, dass eine enge Beziehung zu den Stakeholdern die Ertragslage eines Unternehmens verbessern kann. Dennoch gibt es nur wenige empirische Belege dafür, dass eine nahe Beziehung zu den Stakeholdern die Unsicherheit im Allgemeinen reduzieren würde und es wurde bis anhin nur wenige wissenschaftlich begründete Aussagen über die potenziellen Unsicherheiten gemacht, die als Kehrseite mit engen Stakeholderbeziehungen einhergehen könnten.
Enge Beziehungen bilden sich in einer gemeinschaftlichen Austauschumgebung, die sich durch eine Abhängigkeit von impliziten oder expliziten Versprechen auszeichnet, grosszügig und freiwillig zusammen zu arbeiten. Faktoren, welche aufgrund enger Beziehungen die stakeholderbezogene Unsicherheit zu erhöhen scheinen, beziehen sich eher auf die individuelle Stakeholderebene. Viele von ihnen sind mit Opportunismus verbunden, in dem ein Mitarbeiter einer Firma, eines Lieferanten oder eines Partnerunternehmens eine gemeinsame Ressource (wie z. B. geschützte Informationen) zu seinem eigenen Vorteil nutzt. Mitunter besteht auch die Gefahr, dass ein enger Stakeholder nicht mehr viel zur Wertschöpfung beitragen kann, dass es aber die Normen der engen Beziehung dem Unternehmen verbieten, die Beziehung aufzulösen, was zu Unsicherheiten führt. Darüber hinaus bestehen bei partnerschaftlichen Problembearbeitungen immer eine gewisse Unsicherheit, dass bei engen Beziehungen einige Stakeholder nicht angemessen dazu beitragen können, eine bestimmte gemeinsame Ressource zu erhalten. Es besteht auch die Gefahr, dass ein Stakeholder erkennen kann, dass ein oder mehrere Mitarbeiter oder Führungskräfte in der Partnerunternehmung unethisch handeln, was die Beziehungen schädigen und Unsicherheiten aufkommen lassen kann.
Jeff Harrison zeigte in seinem Referat in dieser Weise, dass enge Stakeholderbeziehungen sich sowohl positiv wie negativ auf die Wertschöpfung auswirken können.