Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03350.jsonl.gz/883

Auer Margrit: Fluchten im zweiten Weltkrieg
Margrit Auer-Ibach, *1939 hat drei Kinder und fünf Enkelkinder. Sie lebt mit ihrem Ehemann Eugen Auer seit 1971 in Speicher. 1944 flüchtete sie mit ihrer Mutter und drei Geschwistern von Wuppertal auf ein Adelsgut bei Königsberg in Ostpreussen und 1945 nach einer Odyssee ins Algäu.
Am 30. August 1939, wenige Stunden vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, ist Margrit Auer-Ibach in Wuppertal zur Welt gekommen. Ihre Schwester war damals zwei Jahre alt, der Bruder ein Jahr. Ein Jahr später kam ein zweiter Bruder dazu. Der Vater führte eine bedeutende Unternehmung, die Klaviere und Flügel herstellte. Er wurde zu Beginn des Krieges als einfacher Soldat eingezogen. Der Mutter oblag plötzlich die Leitung des Betriebes und die Sorge für die vier kleinen Kinder. Wuppertal war eine Industriestadt und wurde durch Bombardierungen in den Jahren 1943 und 1944 weitgehend zerstört. Die Firma, in der inzwischen Waffenkisten hergestellt werden mussten, wurde auch weitgehend zerstört und das Wohnhaus brannte aus. Dank einer Beziehung der Hausangestellten konnte die Mutter mit ihren Kindern auf einem Gut in Ostpreussen in der Nähe von Königsberg Unterschlupf finden. Im Januar 1945 startete die russische Armee die Weichsel-Oder-Operation und stiess schon bald gegen Königsberg vor. Die deutsche Bevölkerung Ostpreussens war nicht vorbereitet und machte sich auf die Flucht, die völlig chaotisch verlief. Glücklicherweise schaffte die Mutter die Flucht mit den Kindern wieder zurück bis in das inzwischen fast ganz zerstörte Wuppertal. Da die Familie dort nicht bleiben konnte, floh die Mutter mit den Kindern ins Allgäu. Die Grosseltern hatten dort vor Jahren im kleinen Dorf Hinterstein ein Bauerhaus erworben, welches ihnen als Feriendomizil diente. Die Familie verbrachte in dieser lieblichen Gegend eine schöne Zeit. Gegen Ende des Krieges wurde es eng im Haus, da noch marokkanische Soldaten einquartiert wurden.
Den Krieg hatte Vater Ibach nur überlebt, weil er in einer der Abwehrschlachten, in welcher fast seine ganze Kompagnie aufgerieben wurde, früh von einem Granatsplitter getroffen und ins Lazarett gebracht worden war. Allerdings war er von den Ereignissen traumatisiert. Wieder in Wuppertal konnte er in der Firma, die von seiner Frau wieder aufgebaut wurde, erst nach längeren Aufenthalten in Nervenheilanstalten mitarbeiten.
Wie ging es mit Margrit Auer weiter?
Quelle: E. Auer: Fluchten im zweiten Weltkrieg (Jahrbuch der AGG 2021)
Text: Heinz Naef 2021
Video: Heinz Naef 2021