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Adam
(hebr., d. h. der Mensch) und Eva (s. d.), nach dem I. Buch Mose das erste Menschenpaar und die Stammeltern des ganzen Menschengeschlechts. Von der Schöpfung der ersten Menschen sind uns zwei Mythen erhalten. Nach der ältern (jahwistischen) Darstellung ist der Mensch geschaffen, um den Garten [* 2] Gottes zu pflegen und in ihm ein von mühevoller Arbeit und Sorge freies Leben zu führen. Nachdem die Erde mit Bäumen und Pflanzen bewachsen war, ¶
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bildete Gott den Menschen (hebr.
adam) aus Erde (hebr.
adama) und blies ihm
lebendigen Odem ein. Hierauf schuf Gott den Garten in Eden (das Paradies) und setzte den Menschen hinein, damit er ihn bebaue.
In der Mitte dieses Gartens befanden sich zwei Bäume, der des Lebens und der der Erkenntnis des Guten
und Bösen. Von letzterm zu essen, ward dem Menschen verboten. Gott, erwägend, daß es für den Menschen nicht taugt allein
zu sein, schuf hierauf die Tiere und führte sie zu der ihnen Namen beilegte.
Aber der Mensch fand darunter für sich keinen Beistand. Da ließ Gott einen tiefen Schlaf auf
Adam fallen,
nahm eine seiner Rippen, bildete daraus das Weib, und führte sie zu der sie (nach einer Volksetymologie) Männin (hebr. ischa)
nannte, als vom Manne (hebr. isch) genommen. Das erste Menschenpaar verscherzte sich aber den Aufenthalt
im Gottesgarten. Das Weib ließ sich von der Schlange
[* 4] verführen, von dem Baume der Erkenntnis zu genießen,
und gab auch
Adam davon. Zur Strafe wurden sie aus dem Paradiese verwiesen und dies für alle Zeiten versperrt, indem der Cherub
mit flammendem Schwerte davor gestellt ward.
Dieser Mythus gehört zu denjenigen, die zur Zeit der assyr. Herrschaft infolge des Eindringens
östl. Kulte nach Palästina
[* 5] eingewandert sind. Die Schlange ist deutlich Umbildung des bösen Gottes der östl. Religionen,
der die Schöpfung des guten Gottes zu stören sucht; die Bäume des Lebens und der Erkenntnis haben dort ihre Parallelen. Palästinisch
ist die Umbildung des Dämons zur Schlange, die Beziehung der Schöpfung auf Jahwe und vielleicht der Name
Adam. - Nach der zweiten, jüngern Erzählung von der Schöpfung (Kap. 1) wird der Mensch sofort als Mann und Weib und als Gipfel
und Vollendung der gesamten Schöpfung geschaffen und ihm die Herrschaft über dieselbe gegeben. Das jüngere Alter von Kap. 1 zeigt
sich schon in der verständigen Weise, in der die Reihenfolge der Schöpfungsakte als eine vom Unvollkommenen
zum Vollkommenern aufsteigende beschrieben wird. Das in Kap. 1 sich widerspiegelnde Naturerkennen ist viel vollkommener, als
das in Kap. 2 gegebene. Auch in Kap. 1 liegt übrigens monotheistisch umgebildeter heidn. Mythus vor.
Die orient. Spekulation hat sich auch später noch mit und Eva beschäftigt. Nach einer jüd. Sage liegt
in Hebron neben den Patriarchen begraben, nach der christlichen auf Golgatha. Nach dem Koran bereitete Gott den Körper seines
Statthalters auf Erden aus trocknem Thon und den Geist aus reinem Feuer. Alle Engel bezeugten dem neuen Geschöpf
ihre Ehrfurcht, nur Iblis nicht, der deshalb aus dem Paradiese verstoßen wurde, das nun
Adam erhielt. Im Paradiese
ward Eva erschaffen.
Aus Rache verführte Iblis die Menschen, und sie wurden auf die Erde herabgestürzt. Des reuigen
Adam erbarmte sich Gott und ließ
ihn in einem Gezelte an der Stelle, wo dann der Tempel
[* 6] zu Mekka errichtet ward, durch den Erzengel Gabriel
die göttlichen Gebote lehren, die
Adam treu befolgte, worauf er auf dem Berge Arafat nach 200 Jahren die Gattin wiederfand.
Nach seinem Tode wurde er auf dem Berge Abukais bei Mekka begraben. Evas Grab wird gleichfalls an verschiedenen
Orten gezeigt. Die spätern Sagen der Juden und Mohammedaner finden sich in Eisenmengers «Entdecktes Judentum» (Frankf. 1711)
und in d'Herbelots «Bibliothèque orientale» (Par.
1667; 4 Bde., Haag
[* 7] 1777-79).
Im theol. System des Paulus (vgl.
Röm. 5,14; 1 Kor. 15,45). tritt
der erste Mensch, als Urheber der Sünde und des
Todes, in Gegensatz zu Christus, dem zweiten
Adam, dem Urheber des Lebens; daher «den alten
Adam ausziehen», d.h. die
vorchristl. Daseinsweise aufgeben, u. ähnl., nach Paulus aus Koloss. 3, 9, aus Ephes. 4, 22 u. ö. (vgl. Luthers 4. Hauptstück
des Katechismus). In dem Emanationssystem der Ophiten und Manichäer sowie in der der Mandäer wird als Adam oder
«erster Mensch», «Urmensch», einer der ersten Äonen (s. d.) bezeichnet.
In der christl. Kunst des Mittelalters fanden und Eva im Paradiese sowie der Apfelbaum als Symbol der Erbsünde häufig Anwendung, z. B. wird die Geburt der Eva aus der Rippe des Adam oder der Sündenfall, und Eva nackt, mit Feigenblättern umgürtet, neben dem Baume der Erkenntnis oder die Austreibung aus dem Paradiese dargestellt. -
Vgl. Friedrich, Bildliche Darstellung des und der Eva, in der «Wartburg», Jahrg. 6 (Münch. 1879);
Breymann, und Eva in der Kunst des christl. Altertums (Wolfenb. 1894).
In der Litteratur des Mittelalters ist die Geschichte A.s und Evas oder des Sündenfalls schon frühzeitig, wie namentlich in Frankreich, als Stoff zu Mysterien (s. d.) und andern Dichtungen benutzt worden. Die ältere christl. Litteratur kennt auch sog. Adambücher, von denen das der Äthiopier am bekanntesten ist (deutsch von Tillmann, Gött. 1853); dieses giebt eine phantasievolle Ausmalung des Lebens und der Verhältnisse der ersten Menschen unter Einflechtung dogmatischer Ansichten vom Urzustände, vom Falle und von der Erlösung, an die sich die weitere Geschichte der Menschen bis Christi Geburt anschließt. Da der Talmud ein verloren gegangenes jüd. Adambuch erwähnt und die Wurzel [* 8] der Schriftstellerei, die sich mit der Verherrlichung der religiösen Heroen der Menschheit beschäftigt, im Judentum liegt, so ist zu vermuten, daß diese christl. Adamsbücher einen ursprünglich jüd. Stoff verarbeiteten.