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«Der Bedeutung des grössten Prozesses in der Geschichte Frankreichs gerecht zu werden.» Mit diesen Worten fasst Jean-Michel Hayat, der erste Vorsitzende des Pariser Appellationsgerichts, die Herausforderung der kommenden Tage im Gerichtssaal «Grands Procès» perfekt zusammen. Es ist der Ort, wo ab dem 8. September über die Anschläge vom 13. November 2015 verhandelt wird – jenen Anschlägen, die 131 Menschen in Paris das Leben kosteten.
Es werden mehr als 2000 Personen erwartet. Sie werden in den kommenden Tagen in einem eigens dafür eingerichteten Holzprovisorium Platz finden. Der Gerichtssaal wurde im Zentrum von Paris aufgebaut und misst rund 700 Quadratmeter. Er ist derart gross, dass für die hinteren Reihen Bildschirme eingerichtet wurden, auf denen Geschehen im vorderen Teil des Raums übertragen wird.
Die Kosten des Holzprovisoriums werden auf über 8 Millionen Franken geschätzt. Insgesamt werden dort 550 Personen, darunter fast 300 Juristinnen und Juristenen, darin Platz nehmen können. Für die Bevölkerung, Medien und weitere Verhandlungsparteien wurden zudem vierzehn Vorräume geschaffen.
Zuvor wurde darüber diskutiert, ob etwa ein Theatersaal für den gigantischen Prozess gewählt werden solle. Gerichtspräsident Jean-Michel Hayat erinnert sich im Interview mit «FranceInfo»: «Ich wurde von einem Kollegen angesprochen, der den ebenfalls sehr grossen Mont-Blanc-Tunnel-Prozess leitete. Durchgeführt wurde dieser in einem Raum, der für diesen Fall geeignet war. Es war aber kein Ort der Gerechtigkeit. Man hatte nicht den Eindruck, in einem Gerichtssaal zu sein.»
Die Justiz musste sich nicht nur mit der Raum-Frage beschäftigen. Bei der Planung des Bataclan-Prozesses musste etwa auch berücksichtigt werden, dass während der achtmonatigen Verhandlungsdauer nicht das ganze Justizwesen von einem Fall gelähmt wird. Die Lösung ermögliche, so Hayat, dass die Justiz während dieser ganzen Dauer «zu hundert Prozent weiterhin funktioniert».
Ein weiterer Vorteil des eigens dafür eingerichteten Gerichtssaals: Die Zugänge zum Gebäude können so gestaltet werden, dass sie der Tragödie und möglicher weiterer Gefahr gerecht wird. So gibt es verschiedene Eingänge, die unterschiedlich gut gesichert sind. Zudem schafft es Raum für Betreuerinnen und Betreuer, die während der Verhandlung die Anschlagspfer und ihre Angehörige unterstützen können.
Au coeur du palais de justice de Paris, découvrez le chantier de la salle d’audience grand procès piloté par l’APIJ. Elle accueillera en septembre 2021 le procès des attentats du 13/11/15. CP, DP & photos (Crédit MM architects designers and planners)➡️ https://t.co/I0RLZvyYIK pic.twitter.com/ouCQ8FDXcj— Porte-parole du ministère de la justice (@Porte_parole_MJ) January 19, 2021
Ewigs wird dieser Komplex nicht stehen. Geplant ist jedoch, dass das Provisorium wenigstens bis und mit 2023 bleibt, um weitere Anschlagsfälle wie jene von Nizza oder «Charlie Hebdo» – sowie allfällige Berufungsverhandlungen – am gleichen Ort beraten zu können.