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Wer war eigentlich Henri Nestlé? Es gab ihn wirklich: Der 1814 in Frankfurt am Main geborene Heinrich Nestle ging nach einer Apothekerlehre in die Schweiz und legte dort den Grundstein für eine bemerkenswerte Karriere. 1867 gelang ihm mit der Erfindung seines „Kindermehls" der Durchbruch - und der Unternehmer, der sich inzwischen Henri Nestlé nannte, wurde zu einem Pionier der Lebensmittelindustrie. Seine Säuglingsnahrung rettete vielen Babys, die nicht gestillt werden konnten und andere Ersatznahrung nicht vertrugen, das Leben.
Hohe Kindersterblichkeit – lange Zeit ein unlösbares Problem
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts waren Kinder auf die Muttermilch angewiesen. Konnte die eigene Mutter nicht stillen und die Familie sich keine Amme leisten, wurden häufig Mehlbreie gefüttert. Das führte zu schweren Darmerkrankungen, die viele Säuglinge nicht überlebten. In jener Zeit starb etwa jedes fünfte Kind in Europa im ersten Lebensjahr. Dies musste auch Henri Nestlé erleben – fünf seiner dreizehn Geschwister starben im Kindesalter. Dies erklärt vielleicht sein grosses Interesse an diesem Forschungsgebiet.
Erst intensive Forschung bringt den Durchbruch
Durch die Verbesserung der hygienischen Bedingungen und die Eindämmung von Infektionskrankheiten stiegen die Überlebenschancen der Kinder. Doch erst als sich die Forschung, z. B. in Frankreich die Akademie der Medizin, dem Problem der Säuglingsernährung zuwandte, wurden entscheidende Verbesserungen erzielt..
Auch Henri Nestlé, inzwischen Apotheker, trug seinen Teil zu diesem Fortschritt bei. Seine Idee war, ein Nährmehl herzustellen, das in allen Fällen, in denen keine Muttermilch zur Verfügung stand, gefüttert werden konnte. Im September 1867 führten seine Forschungen schliesslich zum Erfolg und Nestlés Kindermehl überzeugte rasch Ärzte und Mütter – zuerst in Europa, dann in der ganzen Welt.
Henri Nestlé forschte weiter und liess seine Produkte immer wieder von anerkannten Autoritäten testen. Auf der Weltausstellung 1871 wurde „Nestlés Kindermehl“ wegen seiner Erfolge gegen die Säuglingssterblichkeit mit der ersten goldenen Medaille ausgezeichnet. Das grosse Ziel war erreicht: Die Ernährung der Kleinsten war sicherer geworden.
Henri Nestlé ganz privat
Der umtriebige Henri Nestlé blieb lange Zeit Junggeselle. Erst 1860, während eines Aufenthaltes in seiner Geburtsstadt heiratete er, inzwischen 46-jährig, die Frankfurterin Clementine Therese Ehemant. Nach ihrer Ankunft in Vevey benannte auch sie sich um und schrieb sich fortan Ehmant. Die Ehe blieb leider ohne eigene Kinder, doch nahm das Ehepaar Nestlé ein Waisenkind auf: Emma Seiler, genannt Emma Nestlé.
Mit 60 Jahren zog sich Nestlé ins Privatleben zurück. Gemeinsam mit seiner Frau bezog er das heute als ""Villa Nestle"" bekannte Haus in Glion oberhalb von Montreux.
Henri Nestlé-Ehmant starb am 7. Juli 1890 im Alter von 76 Jahren.
Wie ging es dann weiter?
Um Forschung, Produktion und Vertrieb auf die wachsende Nachfrage einstellen zu können, wurde 1875 die Firma Lactée Nestlé S.A. gegründet. Der technologische Fortschritt um die Jahrhundertwende und neue Erkenntnisse in der Mikrobiologie bildeten die Grundlage für die Entwicklung ganz neuartiger Produkte. So stellte Nestlé bereits in den zwanziger Jahren eine Heilnahrung her – eine Buttermilch in Pulverform für Kleinkinder, die an Verdauungsstörungen litten.
Die Erfolgsgeschichte moderner Babynahrung
1934 brachte Nestlé erstmals eine angesäuerte Milchnahrung auf den Markt. Die Methode des Säuerns senkte die Keimzahl in der Milch. In den Sommermonaten war das geradezu überlebenswichtig, denn Milch konnte nicht kühl genug aufbewahrt werden. In den fünfziger Jahren folgte eine weitere Revolution in der Babynahrung. Die Zusammensetzung der Muttermilch liess sich nun genau analysieren. Mit diesem Wissen konnte eine an die Muttermilch angepasste Babynahrung entwickelt werden.
Innovationen auf festen Werten
Ein weiterer grosser Schritt gelang schliesslich 1987 bei der Allergieprävention. Unter der Marke BEBA brachte Nestlé als erstes Unternehmen der Welt hypoallergene Säuglingsmilch auf den Markt. Seither wird diese Produktlinie ständig ausgebaut und weiterentwickelt, zuletzt 2006 durch den speziellen Nestlé Beba H.A.-Schutzkomplex, und leistet so einen wesentlichen Beitrag zur Reduzierung des Allergierisikos bei Kindern.
Doch so viel Positives die wissenschaftliche Forschung und die neuen Entwicklungen bei Babynahrung auch geleistet haben, schon für den Firmengründer stand eines immer fest: „Während der ersten Monate wird die Muttermilch immer die natürlichste Kindernahrung sein, und jede Mutter, die dazu in der Lage ist, sollte ihr Kind stillen.“ (Henri Nestlé, 1869)