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Wir treffen die Wasser-Expertin Pat Mulroy beim Bootverleih von Lake Mead. Vor 20 Jahren stand dieser Platz tief unter Wasser – 40 Meter ist der Pegel des Stausees gesunken, das hat neue Ufer und weisse Spuren an den Felsen freigelegt. Pat Mulroy leitete 20 Jahre die Wasserbehörde von Süd-Nevada, die Southern Nevada Water Authority. Das hier sei nur der Anfang einer neuen Realität, sagt sie.
«Es ist sehr ernst. Der Colorado River und Lake Mead decken den Wasserbedarf für 40 Millionen Menschen, und für sehr produktives Landwirtschaftsland im Südwesten. Wenn der Lake Mead so weit sinkt, dass kein Wasser mehr durch den Hoover Damm gelangt, dann hätte diese Region kein Wasser mehr. Wir dürfen schlicht nicht scheitern.»
Hoover Dam als Garant für Wasser
Der Hoover Dam wurde von 1931 bis 1935 als Betonstaumauer gebaut, um verlässlich Wasser zu speichern und Strom zu liefern. Er staut den Colorado-River als Grenzfluss zwischen Arizona und Nevada zum Stausee Lake Mead. Dieser war im Jahr 2000 das letzte Mal ganz gefüllt. Seither ist es in der Region zu trocken.
Der Colorado und der Stausee Lake Mead sind die Lebensader für den südlichen Westen der USA. Er versorgt nicht nur Las Vegas, sondern auch Phoenix, Los Angeles und San Diego mit Wasser und versorgt unzählige Landwirtschaftsbetriebe im Südwesten.
Doug Hendrix, Sprecher der US-Wasserbehörde Bureau of Reclamation sagt: «Wir zehren seit langem von Wasser, dass in diesem Reservoir gespeichert ist, wegen sehr trockener Winter. Es wird nun wirklich kritisch. Dies ist die trockenste Periode seit Beginn der Aufzeichnungen am Colorado River.»
Ein Abkommen unter den Bundesstaaten, die Wasser aus dem Colorado River beziehen, regelt, wer wie viel Wasser bekommt. Doch es geht es nicht mehr auf. Wegen des Tiefstandes in Lake Mead wird die US-Regierung eine Knappheit ausrufen – und Arizona und Nevada bekommen weniger Wasser. «Das Problem ist: Niemand von uns glaubt, dass diese Kürzungen ausreichen. Das heisst, dass wir bald ein neues Abkommen brauchen», sagt Pat Mulroy.
Für die Bauern in Arizona sind es bittere Aussichten. Dan Thelander, Landwirt in Pinal County, Arizona, sagt: «Wenn ich 25 Prozent weniger Wasser erhalte, kann ich 25 Prozent weniger Land bewirtschaften.»
Existentiell ist der Lake Mead auch für Las Vegas. Die Stadt bezieht 90 Prozent ihres Trinkwassers daraus. In der boomenden Partystadt ist es im Sommer so heiss, dass die Spitäler Verbrennungen behandeln, die Leute sich bei einem Sturz auf den Asphalt geholt haben.
Megadürre im Westen
Seit Mitte Juni herrschen im Westen der USA Rekordtemperaturen. Es war der heisseste Juni in den USA seit Beginn der Aufzeichnungen. Dazu kommt eine extreme Trockenheit.
Der Colorado-River, der Lake Mead füllen sollte, führt immer weniger Wasser. Die Schneedecke in den Bergen in den nördlichen Bundesstaaten ist zu dünn, die hohen Temperaturen trocknen Flüsse und Böden aus. Die Dürreperiode dauert bereits rund 20 Jahre. Forschende sagen, Dürreperioden im Westen seien zwar normal, die aktuelle aber durch die Klimaerwärmung verstärkt.
Die Wüstenstadt hat sich in den letzten 50 Jahren um weitere drei Grad erhitzt. Las Vegas, wie der ganze Westen, gehören damit zu den Spitzenreitern in den USA. Vorsorglich hat Las Vegas eine zusätzliche Wasserleitung zum Lake Mead gebaut. Und hat bereits vor 20 Jahren mit Wassersparen begonnen. So wird fast alles Wasser, was an das Abwassersystem angeschlossen ist, wieder aufbereitet. Der Kampf ums Wasser spielt sich an einem anderen Ort ab: beim Rasen. «Das ist der grosse Wasserfresser. Das Problem ist die Menge an Wasser, die für Bewässerung verwendet wird», sagt Pat Mulroy. Denn dieses Wasser verdunstet und ist verloren.
Las Vegas hat eben ein neues Gesetz verabschiedet. Rein dekorativer Rasen, der also nicht für Sport oder ähnliches genutzt wird, soll in öffentlichen Räumen entfernt werden. Damit will die Stadt ihren Wasserverbrauch um weitere 10 Prozent senken. Das Problem: Las Vegas ist mit vielen Strassen bereits jetzt eine Hitzeinsel. Noch mehr Asphaltflächen würden dies verstärken.
Die Lösung: Wüstenpflanzen, die viel weniger Wasser brauchen als Rasen. Und genügsame Bäume, die kühlend wirken. Las Vegas bezahlt bereits seit Jahren Prämien an Leute, wenn sie ihren Rasen mit solchen Wüstenpflanzen ersetzen. Ein bisschen Hoffnung, dass die Wasserstrategie des an extreme Bedingungen gewohnten Las Vegas bringt. Die Wüstenstadt ist zum Modell für andere geworden.
Und doch ist es ein Tropfen auf den heissen Stein: Der grösste Verbraucher des Wassers von Lake Mead ist die Landwirtschaft. Pat Mulroy sieht nur einen Ausweg: «Die Städte zahlen die Bauern, damit sie weniger Landwirtschaft betreiben. Die Bauern pflanzen auf einem Teil ihrer Felder nichts an. Dies macht einen riesigen Unterschied für die Städte, und sie bezahlen die Bauern dafür.» Ein drastisches Szenario. Doch es zeigt, wie einschneidend es für die Menschen im Westen der USA werden könnte, wenn das Wasser ausgeht.