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Wie wäre es mit einem Winterschlaf? Menschen und Tiere gehen unterschiedlich mit der kalten Jahreszeit um. Beide haben Taktiken entwickelt, um den Winter möglichst ohne viel Energieverlust zu überstehen.
In einer Woche haben wir schon wieder das Ende des ersten Monats im neuen Jahr 2022 erreicht. Astronomisch gesehen befinden wir uns aber mitten im Winter und ganz präzise im sogenannten Hochwinter oder Mittwinter. Das ist definitionsgemäss die Zeit von Mitte Januar bis Mitte Februar.
Genau nach Plan
In dieser Periode erwarten wir die tiefsten Temperaturen des Jahres, und es scheint auch, als würden diese Erwartungen erfüllt. Der astronomische Winter dauert vom 21. Dezember, dem Tag der Wintersonnenwende, bis zum 20. März. Der 20. März wird auch Äquinoktialtag genannt, Tag und Nacht sind gleich lang, und an diesem Datum beginnt der astronomische Frühling als Jahreszeit.
Schwache Sonne
Im Beitrag vom Monat Dezember 2021 konnten Sie lesen, dass sich die Natur in einer Ruhephase befindet. Die Sonnenstunden in den Wintermonaten sind spärlich, und die flach einfallenden Sonnenstrahlen haben nicht die Kraft, um genügend Wärme zu spenden, daher die Kälte in dieser Jahreszeit.
Wir Menschen können uns mit entsprechender Kleidung vor der Kälte schützen, ja, wir könnten uns sogar längerfristig an die Kälte gewöhnen. Forschungsergebnisse zeigen nämlich, dass der Mensch generell Kälte viel besser erträgt als Hitze.
Bis minus 67,8 Grad
Bezüglich Kälte gibt es beeindruckende Beispiele, wie man sich an sie gewöhnen kann. Die Stadt Werchojansk im Nordosten von Sibirien, circa 100 Kilometer nördlich vom Polarkreis, zählt etwa 2000 Einwohner. Sie gilt als die kälteste Stadt der Welt. Die durchschnittlichen Tagestemperaturen liegen bei minus 30 Grad Celsius. Die tiefste dort je gemessene Temperatur betrug minus 67,8 Grad. Die Bewohner von Werchojansk sind sich also an Temperaturen von minus 30 Grad gewöhnt. Für sie wäre minus 10 Grad schon frühlingshaft warm. Es ist bekannt, dass die Kinder dieser Stadt erst bei Temperaturen ab minus 45 Grad nicht mehr in die Schule gehen müssen…!
Kein Spass an der Wärme
Eine Geschichte, vielleicht auch eine Legende, erzählt, dass Einheimische von Werchojansk in einem Wettbewerb einen Urlaub auf der Halbinsel Krim im Schwarzen Meer gewannen. Dort herrschen in den Sommermonaten durchschnittliche Temperaturen von 25 bis 30 Grad Celsius. Die Bewohner von Werchojansk konnten diese für sie heissen Urlaubstage nicht aushalten und baten um eine frühzeitige Rückreise.
Möglichst sparsam
Nun stellt sich die Frage, wie denn unsere wild lebenden Tiere mit der jahreszeitlichen Kälte umgehen. Da gilt als oberstes Prinzip: Energiehaushalt herunterfahren und sich nur noch wenig bewegen. Der Igel und der Hamster machen uns das auf beeindruckende Art und Weise vor. Sie gehören zu den Winterschläfern.
Bevor diese Tiere zum Winterschlaf ansetzen, senken sie ihre Körpertemperatur auf ein tieferes Niveau und verlangsamen gleichzeitig ihre Atem- und Pulsfrequenz. Auch die anderen Stoffwechselaktivitäten werden auf ein Minimum reduziert. Die Winterschläfer nehmen in dieser Zeit keine Nahrung zu sich. Die Energie, die sie aber trotzdem noch brauchen, um ihr Leben aufrechtzuerhalten, nehmen sie von den im Sommer angefressenen Fettdepots. So atmet zum Beispiel der Igel nur noch einmal pro Minute und nicht mehr vierzigmal, wie das im Wachzustand der Fall ist.
Der Hamster reduziert seine 250 Herzschläge auf einen Herzschlag pro Minute. Auch das Murmeltier ist ein Winterschläfer. Es senkt seine Körpertemperatur von 39 Grad Celsius auf circa 32 Grad Celsius ab, und sein Herz schlägt nur noch zwei- bis dreimal, anstatt 100-mal pro Minute.
Gegenseitig wärmen
Bei den Murmeltieren spricht man von einem «sozialen Winterschlaf», weil die Eltern- und die Jungtiere eingerollt eng aneinander liegen und sich so gegenseitig noch Restwärme spenden.
Alle Winterschläfer können bei Gefahr rasch aufwachen und wieder in einen vorübergehenden Normalzustand wechseln. Das ist aber für ihr Wohlbefinden nicht gut. Bei einem ruppigen Aufwachen wird viel Energie verbraucht. Die Fettdepots werden zu schnell abgebaut und fehlen dann für die eigentliche Aufwachphase im Frühling.
Tiere wie der Dachs, das Eichhörnchen und der Braunbär machen keinen Winterschlaf, sondern eine Winterruhe. Die Herzschlag-Frequenz bei diesen Tieren wird abgesenkt, nicht aber ihre Körpertemperatur. Ihre Atmung bleibt unverändert. Die Tiere erwachen immer mal wieder und bedienen sich dann bei den angelegten Nahrungsvorräten.
Bitte nicht stören
Generell sollte man Wildtiere, die einen Winterschlaf oder eine Winterruhe machen, nicht in ihrem Zustand stören. Jede Störung verursacht einen unvorhergesehenen Energieverbrauch, der im Endeffekt der Gesundheit der Tiere schadet. Es braucht unsererseits Zurückhaltung, Verständnis und Respekt beim Winterwandern, beim Schneeschuhlaufen und auch beim Skifahren und so weiter.
Steif in der Erde
Es gibt noch eine dritte Möglichkeit für unsere Tiere, den Winter zu überstehen, die sogenannte Winterstarre. Eindrücklich zeigen uns das zum Beispiel Fische, Frösche und Schildkröten. Die Tiere im Wasser fallen bei winterlichen Aussentemperaturen in eine Starre. Die Schildkröten verkriechen sich in die Erde, wo sie auch steif werden. Sie erwachen erst, wenn die Temperaturen wieder ansteigen.
Das sind kleinste, wetterabhängige Kreisläufe in der Natur, die uns jedes Jahr von Neuem zum Staunen bringen.
Ganz zum Schluss noch eine Quizfrage: Wie überleben denn «Wetterfrösche» den Winter, erst Recht, wenn das Leiterli vereist ist…?