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Glasnostiger Gruss aus Moskau
Vor ziemlich genau dreissig Jahren wurde ich vom sowjetischen Botschafter der Schweiz nach Moskau eingeladen an die internationale Jahreskonferenz des Sowjetischen Frauenkomitees. Man schrieb das Jahr 1989, ich war damals am Ende meines Geschichtsstudiums und amtete nebenher Präsidentin der Grünen. Es war eine Zeit des Aufbruchs und des Umbruchs. Der Reaktor in Tschernobyl war einige Jahre vorher explodiert und auch die politische Landschaft erschien plötzlich erschüttert, wenn auch keiner daran glaubte, dass der Staatskommunismus damals tatsächlich in Gefahr war.
Ich habe mich damals weniger gewundert über die Einladung nach Moskau als der Schweizerische Staatsschutz, der das Telegramm der Botschaft an mich abgefangen hatte und eine Kopie davon in meine Fiche gelegt hatte.
Damals verkehrte ich in linken Kreisen, ich schrieb für die Zürcher StudentIn (zs), die Redaktion bestand aus Trotzkisten, Sandinisten und Leninisten, dies schärfte meinen Sinn für die ideologischen Unterschiede, kümmerte mich jedoch sonst wenig.
Offenbar habe ich damals über die Reise an die letzte internationale Konferenz des Sowjetischen Frauenkomitees einen Artikel verfasst in der HistorikerInnenzeitschrift etü. Dank einer Doktorandin, die auf Twitter!!! den etü-Artikel von damals fand, erinnere ich mich an die Zeit, die ich damals so überhaupt nicht verstand.
In meiner Erinnerung bestand Moskau damals aus gesichtlosen weissgrauen riesigen Gebäuden oft in Plattenbauoptik. Wir logierten im Hotel Urkainia, einem stalinistischen Wahnsinnsbau, der mit wohltuend sandfarbenen Platten verkleidet war. Damals gab es abends ab 19 Uhr keinen Alkohol mehr, weil der Staat fand, dass seine Bürger sonst zu viel tranken. Das Hotel gehört heute zur Radisson Gruppe und es steht wie man auf obigem Bild sieht mitten in einem modernen Grossstadtumfeld.
Mein Text von damals ist literarisch uninteressant, aber als Historikerin, die sich durch den Artikel zum ersten Mal als Zeitzeugin fühlt, möchte ich den Artikel trotzdem hier aufführen.