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Eric Honegger, Ex-Verwaltungsrats-Präsident der SAirGroup, wies alle Vorwürfe der Anklage zurück. Seinen Kreditentscheid an die Sabena begründete er damit, dass Belgien sonst die Bilateralen Verträge nicht unterzeichnet hätte.
150 Mio. Euro an die belgische Sabena zu überweisen sei 2001 die beste und auch die vom Bundesrat unterstützte Lösung gewesen.
Mit der Zahlung einer dreistelligen Millionensumme an die marode belgische Fluggesellschaft Sabena habe die SAirGroup einen riesigen Schaden abgewendet. Diese Ansicht vertrat Ex-Konzernchef und -Präsident Eric Honegger am Mittwoch vor Gericht.
Sonst hätte der Staat Belgien, dessen nationale Airline die Sabena war, Milliarden als Schadenersatz verlangt, erklärte Honegger in Bülach. "Wenn kein Kapitaleinschuss vorgenommen worden wäre, hätte die Sabena in den ersten drei Monaten 2001 liquidiert werden müssen. Das wollte die SAirGroup auf keinen Fall."
Weiter hätte die gemeinsame Managementgesellschaft AMP aufgelöst und die zusammengelegten Verkaufsbüros im Ausland wieder entflochten und neu aufgeteilt werden müssen, sagte der ehemalige Zürcher Regierungsrat vor Gericht.
Ein Fallenlassen der Sabena wäre eine sehr schlechte Lösung gewesen. Damit hätte die SAirGroup ihre Verträge gebrochen.
Ja zu Bilateralen als Pfand der Belgier
Auch in den Verhandlungen mit der belgischen Regierung sei immer darauf hingewiesen worden, dass Belgien mit der Unterzeichnung der bilateralen Verträge der Schweiz mit der EU noch zuwarte.
"Ich wusste genau, was das bedeutet: Da sollte Druck aufgebaut werden, damit die SAirGroup 250 Mio. Euro bezahlt", sagte Honegger. Er habe damals den Bundesrat darüber informiert. In einem Treffen hätten die Bundesräte Joseph Deiss und Moritz Leuenberger empfohlen, die SAirGroup solle sich vertragskonform verhalten.
Den Vorwurf des Steuerbetrugs wies Honegger zurück. In der separaten Anklage geht es um eine Steuererklärung für das Jahr 2001.
Die Staatsanwaltschaft wirft Honegger vor, insgesamt 146'000 Fr. nicht deklariert zu haben. Konkret soll er einen Saläranteil von 50'000 Franken, ein Firmenauto sowie ein Notebook nicht angegeben und Einkommen unkorrekt als Spesen aufgeführt haben.
Schaden nicht gemacht, sondern vermieden
Der belgische Staat hätte im Fall einer Aufgabe von Sabena enorm hohe Entschädigungsforderungen gestellt, sagte Honegger. Über deren Höhe könne er nichts sagen.
"Mit der Bezahlung an die Sabena ist kein Schaden entstanden, sondern ein riesiger Schaden abgewendet worden", sagte Honegger. Bei der Nichtbezahlung wäre aus dem Flughafen Brüssel eine Art Feindesland geworden.
"Zudem wären wir im ganzen EU-Raum als vertragsbrüchig dagestanden", sagte Honegger. Das wäre einem selbstverschuldeten Grounding gleichgekommen.
swissinfo und Agenturen
In Kürze
Der Prozess findet seit 16. Januar bis am 9. März vor dem Bezirksgericht Bülach statt.
Die Verhandlungen in der 1500 Personen fassenden Stadthalle Bülach sind öffentlich.
Die Einvernahme der 19 Angeschuldigten ist bis am 5. Februar vorgesehen.
Ab 15. Februar folgen die Anklage der Staatsanwaltschaft und die Plädoyers der Verteidigung.
Die Anklageschrift umfasst 100 Seiten. Die Akten füllen 4150 Aktenordner.
Die Zürcher Staatsanwaltschaft hat in 40'000 Arbeitsstunden mehr als 300 Personen einvernommen und 20 Haus-Durchsuchungen veranlasst.
Eine erste Version der Anklageschrift vom 30. März 2006 wies das Gericht wegen Mängeln zurück. Die überarbeitete Anklageschrift liegt seit dem 31. Dezember 2006 vor.
Die Staatsanwaltschaft bereitet eine weitere, zivilrechtliche Anklageschrift vor.
7 schwierige Ehejahre
1995 kauft Swissair 49% der belgischen Airline Sabena. Der Kauf erfolgt im Rahmen der expansiven Hunter-Strategie in Europa, nach dem EWR-Nein der Schweizer Stimmbürger 1992.
Im Jahr 2000 kommen die SAirGroup und Belgien überein, dass die Beteiligung an der Sabena auf 85% aufgestockt wird. Dies wird später annulliert.
Sabena jedoch ist überschuldet und schliesst das Geschäftsjahr mit 200 Mio. Euro Verlusten ab.
Im Januar 2001 einigen sich die SAirGroup und Belgien darauf, je 150 und 100 Mio. Euro einzuschiessen.
Trotz diesen Rekapitalisierungen und zahlreichen Restrukturierungen kommt die Airline nicht aus dem Strudel heraus und erklärt sich im November 2001 als bankrott.