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Die Ergolz entspringt an der Geissfluh (963 m ü. M.). Die Quelle befindet sich in einem kleinen Wäldchen auf der Nordseite des Berges nahe der Kantonsgrenze Basel-Landschaft–Aargau. Im Oberlauf fliesst die Ergolz als Rinnsal durch ein Waldgebiet. Vor dem Dorf Oltingen wurde sie eingedolt und kommt erst unterhalb der Ortschaft wieder ans Tageslicht. Hier nimmt der Bach zum ersten Mal gereinigtes Abwasser aus der lokalen Kläranlage Oltingen auf.
Wenig unterhalb von Oltingen stürzt das Wasser über einen Fels. Hier hat sich die Ergolz während Jahrtausenden mehr als 100 Meter tief in den Tafeljura eingegraben und eine mehr oder weniger breite Talsohle gebildet. Ihr Einschnitt teilt den Baselbieter Tafeljura in zwei ausgedehnte Hochflächen. In der schattigen Waldschlucht wachsen neben typischen Buchenwaldarten auch Pflanzen des Hirschzungen-Ahornwaldes. An zahlreichen Stellen des Talrandes treten Quellen zutage. Hier hat bis zum Beginn des 20. Jh. noch der Fischotter gelebt.
Dort, wo die Schlucht sich öffnet, wurden 1965 die beiden Talweiher als kantonales Naturschutzgebiet angelegt. Während in den ersten Jahren alles Wasser der Ergolz durch beide Weiher durchgeleitet wurde, fliesst das Flüsschen heute in einem eigenen Gerinne. Oberhalb und unterhalb der Weiher breiten sich artenreiche Feuchtwiesen aus, die früher als Wässermatten bewirtschaftet wurden. Der Ergolzlauf wurde vermutlich bereits im 18. Jh. an den Hangfuss verlegt. Aus diesem Gerinne wurden bei Hochwasser die tiefer liegenden Wiesen in der Talsohle bewässert. Dank der nährstoffhaltigen Trübstoffe im Hochwasser konnte ein höherer Heuertrag erwirtschaftet werden. Diese historische Bewirtschaftungsform wurde mit der Unterschutzstellung wieder aufgenommen.
Auf dem Weg bis zur Mündung in den Rhein bei Augst vereinigen sich viele Seitengewässer mit der Ergolz. Durch die Einmündung der relativ grossen Bäche Eibach in Gelterkinden, Homburgerbach und Diegterbach in Sissach, Frenke, Orisbach und Röserenbach in Liestal wächst die Ergolz zu einem ansehnlichen Fluss heran. Daneben münden noch weitere Bächlein und Rinnsale in die Ergolz. Bereits in Oltingen, aber auch in den weiter unten liegenden Ortschaften, wurde die Ergolz seit dem 14. Jh. als Energielieferantin genutzt. Die Sägereien, Getreidemühlen, Papiermühlen und Textilmaschinen waren bis ins Industriezeitalter auf die Wasserkraft angewiesen. Wo Kanäle errichtet wurden, übernahm ähnlich wie bei den «Dyychen» in Basell eine Korporation den Unterhalt. Heute sind die meisten dieser Kanäle aufgefüllt.
Bereits in der Römerzeit wurde die Ergolz zur Trinkwasserversorgung genutzt. Ein unterirdischer Aquädukt brachte das Wasser von Lausen bis zur römischen Siedlung Augusta Raurica. Der 6,5 Kilometer lange Tunnel ist heute noch teilweise begehbar, zum Beispiel im Heidenloch bei Liestal. Die Leitung war rund 90 Zentimeter breit, hatte ein Gefälle von 1,5 Promille und lieferte 1000 Kubikmeter Wasser pro Stunde. Bauweise und Abdichtung gelten als Meisterleistung damaliger Ingenieurskunst. Heute sind an 14 Stellen entlang der Ergolz Grundwasserfassungen zur Produktion von Trinkwasser eingerichtet.
Mit der Nutzung der Wasserkraft rückten Siedlungen und Strassen immer näher ans Gewässer. Um Land zu gewinnen und Hochwasser einzudämmen, wurde die Ergolz kanalisiert. Mit der zunehmenden Beanspruchung des Gewässers, verschlechterte sich aber auch die Wasserqualität. Ab 1960 mussten darum Kläranlagen gebaut werden. Um die Hochwassergefahr einzudämmen und dem Fluss wieder eine grössere ökologische Funktion zurückzugeben, wurde im Bereich Schönthal ein Gewässerabschnitt von 1100 Meter revitalisiert. 2004 wurde dieser Bereich um weitere 300 Meter verlängert. Im aufgestauten Mündungsbereich der Ergolz wurden 2008 die Bootsanlegestellen verlegt und das Ufer wurde aufgewertet. Das Potenzial für Revitalisierungen ist aber noch nicht ausgeschöpft.
Die Ergolz wurde 1318 das erste Mal urkundlich erwähnt unter dem Namen «Ergenzen». Dieses Wort aus dem Keltischen bedeutet Forellenfluss. Die Ergolz bietet den typischen Pflanzen- und Tierarten der oberen und unteren Forellenregion geeignete Lebensräume. Unterhalb des Hülftenfalls sind auch Arten der Äschenregion vertreten. Trotz der früheren Verbauungen lassen sich an einigen Stellen interessante Tiere beobachten wie Eisvogel, Wasseramsel und Biber. Der Hülftenfall in Pratteln und der Kesselfall bei Liestal haben schon immer den Aufstieg des Lachses und weiterer Wanderfische verhindert. Die Bachforelle und acht weitere typische Fischarten der Forellenregion werden von den Fischern gehegt und gepflegt. Trotz dem seit vielen Jahren beobachteten Rückgang werden immer wieder kapitale Bachforellen geangelt. Somit wird die Ergolz auch heute noch ihrer ursprünglichen Bezeichnung gerecht.
DK / DS