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Renaissance-Uhren in der Schweiz
Die Höfe Europas schmückten ihre Räumlichkeiten vom 16. bis ins 17. Jahrhundert mit Tisch- und Türmchenuhren. Diese wurden vorwiegend in Uhrenzentren wie Augsburg, Nürnberg, Paris und Blois, aber auch in Italien gefertigt. Die Schweizer Uhrmacher beschäftigten sich erst etwas später mit Renaissance- Uhren. Im 17. und 18. Jahrhundert stellten sie diese im alten Stil her, fügten aber auch neue, barocke Elemente hinzu. Verglichen mit den Uhren der europäischen Zentren wirken die Schweizer Uhren etwas rustikaler. Sie wurden als Einzelstücke in verschiedenen Regionen der Schweiz angefertigt.
Jean Herzog und Melchior Zingg
Alle drei gezeigten Uhren stammen aus der Nähe des Klosters St. Urban, Region Langenthal. Sie wurden von bislang wenig bekannten Schweizer Uhrmachern gefertigt. Zwei Uhren sind von Jean Herzog aus Steckholz. Die 1697 datierte Uhr ist signiert, die andere Uhr ist ihm zugeschrieben. Vielleicht handelt es sich bei ihm um einen Sohn des Uhrmachers Jakob Herzog aus Basel.
Die dritte Uhr ist von einem Melchior Zingg signiert. 1674–1736 lebte in der Nähe von Steckholz ein Mann dieses Namens, doch mit unbekanntem Beruf, weshalb man nicht weiss, ob es sich um diesen Uhrmacher handelt. Ebenfalls unbekannt ist, ob es sich beim signierenden Melchior Zingg um einen Verwandten oder Nachkommen von Michael Zingg handelt, dem berühmten Pfarrer, Astronomen und Uhrmacher aus Zürich. Michael Zinggs Sohn Hans Konrad war Uhrmacher und Schlosser. Änderte dieser vielleicht seinen Vornamen, um als Melchior für das Kloster St. Urban zu arbeiten?
Dem zeitgenössischen Uhrmacher Albert Kägi in Bülach sind seit Kurzem sieben ähnliche Uhren aus dem Zeitraum 1697–1723 bekannt. Neben den hier präsentierten Recherchen ist ihm die aufwendige Restauration der Uhr von Melchior Zingg zu verdanken. Kägi hat die Uhr um fehlende, aber früher vorhandene astronomische Anzeigen ergänzt und das unvollständige Werk fertiggestellt.
Die Uhren im Vergleich
Die astronomische Tischuhr von Melchior Zingg dürfte für einen anspruchsvollen und vermögenden Besitzer angefertigt worden sein. Dies zeigt nicht zuletzt das aufwändig bearbeitete Gehäuse mit aufgesetzten und vergoldeten Zierelementen. Für einen «ländlichen» Uhrmacher wie Melchior Zingg ist die Herstellung dieser anspruchsvollen Uhr eine beeindruckende Leistung.
Am Hauptzifferblatt befinden sich Anzeigen für die Monate, für die Tageslänge und für Kalendertage im bäuerlichen Jahresverlauf. Im Aufsatz der Uhr sind Anzeigen für die Mondphasen, für Sonne und Mond im Tierkreis und für die Mondscheindauer untergebracht. Das Werk verfügt über einen Stundenund Viertelstundenschlag, nach welchem jeweils die aktuelle Stunde schlägt.
Bei den Uhren von Jean Herzog lässt sich eine Verwandtschaft zur Uhr von Melchior Zingg erkennen. Alle drei Uhren sind ähnlich gestaltet und verfügen über Gravuren mit barocken Blumen und Ranken. Inspirationen waren vermutlich Augsburgeruhren dieser Zeit.
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