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Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe
Ich ging im Walde
So vor mich hin,
Und nichts zu suchen,
Das war mein Sinn.
Im Schatten sah ich
Ein Blümlein stehn,
Wie Sterne blinkend,
Wie Äuglein schön.
Ich wollt es brechen,
Da sagt’ es fein:
Soll ich zum Welken
Gebrochen sein?
Mit allen Wurzeln
Hob ich es aus,
Und trugs zum Garten
Am hübschen Haus.
Ich pflanzt es wieder
Am kühlen Ort;
Nun zweigt und blüht es
Mir immer fort.
Versuch einer Interpretation
Das Gedicht “Gefunden” entstand im August 1813. Es gehört zu den am häufigsten vertonten Gedichten von Goethe.
Zusammenfassung
Der Ich-Erzähler, das lyrische Ich, geht im Wald, in der Natur spazieren. Ohne Ziel, ohne einen bestimmten Grund. In völliger Offenheit auf das, was er antreffen könnte.
In seiner Ziellosigkeit erfreut er sich umso mehr, als er “im Schatten”, also vielleicht unter Blättern oder etwas verborgen eine wunderschöne Pflanze entdeckte, deren Blüten ihn wie Äuglein anstrahlen. Im grossen Wald findet er etwas Wunderschönes, Kleines.
Unbedacht wollte er es abreissen. Nun aber beginnt die Pflanze zu sprechen. Sie bat ihn, sie weiterwachsen zu lassen. Sie will noch nicht sterben.
Daraufhin grub der Ich-Erzähler die ganze Pflanze aus und brachte es in seinen Garten.
Hier pflanzte er die Pflanze an einem schattigen Platz wieder ein. Und nun wächst blüht sie für ihn weiter und musste nicht sterben.
Die Form des Gedichtes
Es sind fünf Strophen mit je vier Versen. Ein einfacher Paarreim gibt dem Gedicht Schlichtheit. Den Rhythmus bildet ein zweihebiger Jambus mit alterierender weiblicher und gereimter männlicher Kadenz.
Stilmittel und Wortwahl
Eine ganz einfache Wortwahl lässt das Gedicht Gefunden schlicht daher kommen.
Eigentliche Interpretation – Aussage
Auf den ersten Blich ist die Aussage ganz einfach: Jemand spaziert durch den Wald. Er sieht eine kleine, wunderschöne Blume. Unüberlegt will er sie abreissen, da bittet sie ihn, sie leben zu lassen. Also gräbt er sie aus und bringt sie in seinen Garten, wo sie nun für ihn lebt und blüht.
Einfaches Fazit: Reisse Blumen nicht einfach aus. Sie sterben dadurch und können keine Samen bilden und nicht mehr fortbestehen. Gib Achtung auch den kleinen Dingen, vor allem auch den unscheinbaren Blumen (und vielleicht auch Tieren).
Das Blümelein aber spricht und hat sternengleiche Äuglein. Unverhofft wird aus ihm eine Person, ein Mensch.
Naheliegend ist, dass Goethe mit dem Blümelein seine Frau Christiane Vulpius meinte.
Goethe hat das Gedicht am 26. August 1813 auf dem Weg auf dem Weg nach Ilmenau geschrieben und seiner Frau geschickt. Rund 25 Jahre früher, am 25. Juli 1788, lernte er Christiane Vulpius in einem Weimarer Park kennen. Sie war eine junge Frau niederen Standes, die in einer nahen Blumenfabrik arbeitete. Es könnte also ein Geschenk zu ihrem 25-jährigen Jubiläum sein.