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Der Werdegang des neuen Näfelser Trainers Honza Václavík
Biogas Volley Näfels‘ neuer Trainer Jan ‘Honza‘ Václavík war als Spieler erfolgreicher Libero und hat den Sprung zum Erfolgscoach Coach innert kurzer Zeit geschafft. Mit Näfels soll er den Anschluss an die Spitze wieder schaffen.
Der neue Trainer von Biogas Volley Näfels kommt aus Tschechien. Es ist Jan Václavík, besser bekannt mit seinem Rufnamen Honza. Die ersten Erfolge feierte der heute 36-Jährige im Beachvolleyball. Verantwortlich dafür war sein Vater, welcher im Jahr 1988 die Beachvolleyballszene in Tschechien ins Leben rief. Papa Václavík fragte sich damals, weshalb die US-Amerikaner im Sand derart erfolgreich waren. Die Antwort fand er in einem Artikel eines amerikanischen Coaches, welcher sagte, dass die US-Boys im Sommer im Sand spielen und nicht wie der grosse Rest der Hallen-Volleyballer pausiert. Und so begann er in Tschechien die Beach-Szene zu beleben. Während Jahren baute er die nötigen Anlagen und wurde dabei von seinem Sohn unterstützt. Dieser entwickelte sich gleichzeitig auch zu einem guten Beacher. Im Alter von 17 Jahren holte er sich an der U19-WM den 5. Rang, spielte jedoch im Winter auch in der Halle, zuerst als Zuspieler, später als Libero. 2004 wurde er Profi in seiner Heimatstadt Brünn und in seiner ersten Saison als bester Libero ausgezeichnet.
Die Treue zu Ostrava
Nach vier Jahren im Süden wechselte Václavík nach Ostrava. Zuerst war er zehn Jahre Spieler, holte dabei einen Meistertitel und vier Cup-Siege. Danach war er ein Jahr Assistent, dann Head Coach. Vor zwei Jahren gewann er die Bronze-Medaille und wurde als Coach des Jahres ausgezeichnet. Die Treue zu seinem Herzensverein unterbrach er in 14 Jahren nur, um sich in den USA auszubilden und für ein weiteres Jahr, als sich der Wechsel vom Spieler zum Coach anbahnte.
Die Loyalität Václavíks gegenüber Ostrava war auch in den Gesprächen mit Näfels ein Thema. Man einigte sich vorerst auf einen zwei Jahre dauernden Vertrag. Doch die Glarner hoffen, dass der neue Trainer für viele Jahre der richtige Mann in Näfels sein wird. Seine eigenen Stärken beschreibt Václavík mit Teamwork, Kommunikation, Problemlösung, Organisation und Flexibilität. Das sind gefragte Eigenschaften im Umfeld von Näfels, wo innovative Lösungen gefragt sind, um trotz der knappen Ressourcen erfolgreich zu sein.
Während seiner Zeit als Profi schloss Václavík ein Masterstudium als Sportlehrer ab. Seine Masterarbeit befasste sich mit dem Thema des mentalen Trainings im Volleyball bei Jugendlichen. Auf die Frage, wie wichtig der mentale Faktor im Sport sei, antworte er: „Bei allem auf dieser Welt, egal worum es geht, ist der Kopf ein Schlüsselfaktor. Im Sport ist dies aber noch wichtiger, da der Druck grösser ist. Die mentale Einstellung ist sehr, sehr wichtig, der Umgang damit jedoch schwierig und das Handhaben eine Herausforderung.“
Beim Kader gibt’s noch viele Fragen
Václavík war Näfels‘ Wunschtrainer. Er erklärt, weshalb er bei Näfels anheuerte: „Im Gespräch mit Ivan Bedrac wurde mir rasch klar, dass wir in wichtigen Punkten dieselben Ansichten haben. Er sagte mir, dass Näfels wieder zu den Top-Teams der Liga gehören will. Ich freue mich auf diese herausfordernde Aufgabe.“ Um dieses Ziel zu erreichen laufen Gespräche und Verhandlungen mit bisherigen und neuen Spielern. Fest steht bereits, dass der Captain der Schweizer Nationalmannschaft, Samuel Ehrat, ins Glarnerland zurückkehren wird. Daneben stösst mit Ilya Goldrin ein israelischer Nationalspieler zu den Näfelsern. Der war in der abgelaufenen Saison der statistisch beste Spieler in der israelischen Liga und Stand mit Israel bei der EM-Qualifikation im Einsatz. Ende Juni sollten dann alle Bewilligungen vorhanden und die Verträge unterzeichnet sein.
Beliebte Schweizerliga
Über den Volleyballsport in der Schweiz weiss der neue Trainer noch nicht sehr viel. Doch dank des ehemaligen Näfelsers und heutigen Luzerners Dominik Fořt, welcher einer seiner besten Freunde ist und der sein Trauzeuge bei der geplanten Hochzeit sein wird, weiss er, dass sich Volleyball in den letzten Jahren hierzulande stark entwickelt und verbessert hat. Damit bestätigt er die Aussage seines Vorgängers, welcher sagte, dass die Liga wie ein Zug sei, der immer mehr Fahrt aufnehme. Dies scheint sich rumgesprochen zu haben, wie Václavík erklärt: „Ich habe von den Volleyballagenten erfahren, dass es immer beliebter wird, in der Schweiz zu spielen. Das ist sehr gut und hilft der Liga, das Niveau zu steigern.“
Gespannt auf die Schweiz
Der Umzug in die Schweiz ist im Juli geplant. Im August startet das Mannschaftstraining. Für Václavík und seine künftige Frau wird es nicht die erste Begegnung mit der Schweiz sein. Vor sechs Jahren machten sie hier Ferien und bestaunten die schönen Landschaften und die Berge. Zu den Menschen sagt er: „Ich habe damals erfahren, dass die Schweizer stolz darauf sind, Schweizer zu sein. Sie nehmen ihr Leben in die eigenen Hände, sind verantwortungsbewusst. Ich bin ich sehr gespannt, wie es ist in diesem Land zu leben.“
Volleyball nimmt bei Honza Václavíks viel Zeit und Raum in Anspruch. Seine Hobbys wie das Wandern in den Bergen, Fotografieren und das Schreinern von Möbeln kommen deshalb oft zu kurz. im Gespräch zeigt er sich als positiver, lebensfroher Mensch, der sich an vielen kleinen und auch einfachen Sachen erfreut. Er erzählt: „Ein gutes Essen macht mich glücklich. In dieser Hinsicht bin ich verwöhnt, denn meine Partnerin kocht gerne und sehr gut. Aber auch das Zusammensein mit Leuten, Sport ganz allgemein und meine Hobbys machen mich glücklich.“ Und kennzeichnend für den volleyballbegeisterten Tschechen ist auch seine Passion eine gute Quelle zur Glückseligkeit: „Im Volleyball das zu machen, was man auf dem Plan hatte und auf jenem Level zu spielen, wozu man überhaupt fähig ist, macht glücklich.“