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Praxistest: Eignet sich eine Workstation auch für Gaming?
Du hast dir für dein Studium eine Workstation zugelegt oder überlegst dir, eine zu kaufen, möchtest aber in deiner Freizeit auch mal damit gamen? Nun stellst du dir die Frage, ob sich (d)eine Workstation für Gaming eignet oder ob du dir lieber einen Gaming-Laptop zulegen solltest? Unser Praxistest soll dir genau diese Fragen beantworten. In diesem Artikel zeigen wir dir, was der Unterschied zwischen einer Workstation und einem Gaming-Laptop ist und wie sich unsere beiden, aktuellen Workstations von HP in verschiedenen Spielen schlagen.
Was ist der Unterschied zwischen einer Workstation und einem Gaming-Laptop?
Beim Kauf eines Laptops für grafikintensive Aufgaben hast du die Wahl zwischen einem Gerät mit einer professionellen Grafikkarte und einem Gerät mit einer Consumer-Grafikkarte. Obwohl beide Laptop-Varianten über dedizierte Grafikprozessoren (GPUs) verfügen, sind sie für unterschiedliche Benutzertypen und Arbeitslasten konzipiert.
Eine Workstation mit einer dedizierten, professionellen GPU ist für Anwender:innen gedacht, die regelmässig grafikintensive Anwendungen ausführen müssen. Diese Laptops sind in der Regel mit High-End-Komponenten wie einer leistungsstarken CPU, viel Arbeitsspeicher und einem professionellen Grafikprozessor, wie einer NVIDIA Quadro oder einer AMD Radeon Pro ausgestattet. Professionelle GPUs sind eher auf Genauigkeit und Präzision als auf reine Leistung optimiert. Sie sind darauf ausgelegt, komplexe Berechnungen wie das Rendern hochauflösender Grafiken oder das Ausführen von Simulationen mit minimalen Fehlern oder Störungen durchzuführen. Darüber hinaus verfügen Workstations häufig über spezielle Features wie ISV-Zertifizierungen, die sicherstellen, dass Hardware und Software nahtlos zusammenarbeiten.
Ein Gaming-Laptop mit einer dedizierten Consumer GPU hingegen ist für Anwender gedacht, die auch unterwegs die neuesten Spiele spielen möchten. Diese Laptops verfügen oft auch über High-End-Komponenten wie eine leistungsstarke CPU, viel Arbeitsspeicher und einen speziellen Gaming-Grafikprozessor, z.B. einen NVIDIA GeForce oder AMD Radeon. Gaming-GPUs sind auf Leistung und nicht auf Genauigkeit oder Präzision hin optimiert. Sie sind darauf ausgelegt, hohe Bildwiederholraten zu bewältigen und ein flüssiges, reaktionsschnelles Spielvergnügen zu bieten, selbst bei hohen Auflösungen. Darüber hinaus verfügen Gaming-Notebooks häufig über Funktionen wie RGB-Beleuchtung, unterstützen Bildschirme mit hoher Bildwiederholrate und fortschrittliche Kühlsysteme.
Somit gilt: Wenn du im Rahmen deines Studiums grafikintensive Anwendungen mit hoher Genauigkeit und Präzision ausführen musst, ist eine Workstation mit einer professioneller, für die besagten Anwendungen zertifizierten GPU, die richtige, bzw. deine erste Wahl. Dies ist beispielsweise in Studiengängen wie Architektur oder Maschinenbau der Fall. Wenn du aber ein:e Gaming-Enthusiast:in bist, die neuesten Spiele mit der höchstmöglichen Leistung spielen möchtest und das Gerät nicht für Studienzwecke benötigst (oder dein Studienfach keine speziellen Hardwareanforderungen stellt), ist ein Gaming-Notebook sicherlich die bessere, bzw. die richtige Wahl.
Die Vermutung liegt daher nahe, dass Workstations mit professionellen GPUs im Vergleich zu Laptops mit Consumer-GPUs beim Gamen wenig leisten. Viele moderne Workstations sind mit leistungsstarken Grafikprozessoren ausgestattet, die aber eigentlich eine solide Spielleistung liefern sollten. Ob du mit der Workstation, die du für dein Studium benötigst, vernünftig gamen kannst, haben wir mit mit einer Workstation aus dem Neptunfenster Herbst 2022 und einer Workstation aus dem Neptunfenster Frühjahr 2023 getestet.
Hardware-Spezifikationen der Testgeräte
Für unseren Praxistest haben wir das HP ZBook Power G8 mit dem neueren HP ZBook Power G9 verglichen. Das Power G8 ist mit einer Nvidia Quadro T1200 Grafikkarte ausgestattet. Das Power G9 hingegen kommt mit der aktuelleren und leistungsstärkeren Nvidia RTX A2000 GPU. Dies schlägt sich jedoch auch im höheren Preis des Gerätes nieder.
Die genauen technischen Daten der beiden Geräte haben wir in der folgenden Tabelle aufgelistet:

|Specs||HP ZBook Power G8||HP ZBook Power G9|
|CPU||

Intel Core 11th Gen
|Intel Core 12th Gen

i7-12700H (14-core)
|GPU||

Nvidia Quadro T1200 +
|Nvidia RTX A2000 +

Intel UHD Graphics
|RAM||16 GB||16 GB|
|SSD||1 TB SSD NVME||1 TB SSD NVME|
Die Werte erklärt (FPS Avg, Max, Min, 1% Low, 0.1% Low)
Beim Benchmarking der Grafikleistung gibt es mehrere Metriken, die üblicherweise zur Bewertung der Leistung eines Grafikprozessors verwendet werden. Zu diesen Metriken gehören FPS ("Frames per Second") Average, FPS Maximum, FPS Minimum, FPS 1% Low und FPS 0.1% Low. Im Deutschen wird FPS auch als Bildwiederholrate bezeichnet.
- FPS Durchschnitt (Avg): Diese Metrik stellt die durchschnittliche Anzahl von Bildern pro Sekunde dar, die von der GPU während des Benchmark-Laufs gerendert wurden. Sie ist ein guter Indikator für die Gesamtleistung des Grafikprozessors.
- FPS Maximum (Max): Dieser Wert gibt die maximale Anzahl von Bildern pro Sekunde an, die der Grafikprozessor während des Benchmark-Laufs rendern konnte. Sie ist ein Hinweis auf das maximale Leistungspotential des Grafikprozessors.
- FPS Minimum (Min): Diese Kennzahl gibt die niedrigste Anzahl von Bildern pro Sekunde an, die der Grafikprozessor während des Benchmark-Laufs rendern konnte. Sie ist ein Indikator für die (durchschnittlich) schlechteste Leistung des Grafikprozessors.
- FPS 1% Low: Diese Metrik gibt die minimale Anzahl von Bildern pro Sekunde an, die die GPU während des "schlechtesten" 1% des Benchmark-Laufs rendern konnte. Dies ist ein Hinweis auf mögliches Ruckeln, das beim Spielen auftreten kann.
- FPS 0.1% Low: Diese Metrik stellt die minimale Anzahl von Bildern pro Sekunde dar, die der Grafikprozessor während des "schlechtesten" 0.1% des Benchmark-Laufs rendern konnte. Dies ist ein Hinweis auf die Mindestleistung, die der Grafikprozessor in den anspruchsvollsten Momenten des Benchmarks erbringen kann.
Die verschiedenen Kennzahlen sind wichtig, da sie ein detaillierteres Bild der Leistung eines Grafikprozessors liefern, als sich nur am durchschnittlichen FPS-Wert zu orientieren . Die Betrachtung des FPS-Maximums, des FPS-Minimums, des FPS-1%-Tiefs und des FPS-0,1%-Tiefs ermöglicht ein besseres Verständnis des Leistungspotenzials des Grafikprozessors und seiner Leistung in tatsächlichen Spielszenarien.
Gaming-Test: Unigine Heaven, GTA V, RE3 & Elden Ring
Wir haben mit dem HP ZBook Power G8 und dem HP ZBook Power G9 drei beliebte Spiele getestet: GTA V, Resident Evil 3 und Elden Ring. Zusätzlich haben wir beide Workstations mit dem Heaven Benchmark von Unigine getestet. Wir haben uns die Bildwiederholungsrate (FPS), die Grafikeinstellungen und die Stabilität angeschaut, um zu prüfen, wie die beiden Geräte im Vergleich abschneiden.
Unigine Heaven
Der "Heaven"-Benchmark ist ein beliebtes Grafik-Benchmark-Tool, das von Unigine entwickelt wurde, um die Leistung und Stabilität von GPUs unter hoher Grafiklast zu testen. Auch wir haben ihn verwendet, um die Leistung der beiden Workstations zu beurteilen. Dazu haben wir das „Extreme Preset“ in der Standardauflösung von 1600x900 Pixeln verwendet.
Die Nvidia Quadro T1200, die im HP ZBook Power G8 verbaut ist, erreichte eine durchschnittliche Bildwiederholrate (FPS Avg) von 53 Bildern pro Sekunde. Die RTX A2000 des Power G9 war hier mit 79 FPS rund 49% schneller. Auch bei den maximal erreichten FPS hatte die RTX A2000 im Test die Nase vorn und war rund 43% schneller. Überraschend waren jedoch die niedrigen Werte. So erreichte die Quadro T1200 bei den minimalen FPS, dem 1% Low und dem 0.1% Low höhere Werte und war hier bis zu 63% besser als die leistungsstärkere RTX-Grafikkarte.
Wir vermuten, dass diese Leistungsunterschiede auf die Grafiktreiber zurückzuführen sind, konnten dies allerdings nicht verifizieren.
Resident Evil 3
Im Horror-Actionspiel Resident Evil 3 wurde derselbe ca. 3-minütige Spielabschnitt mit der Voreinstellung „Balanced" in der Auflösung 1080p getestet.
Die Quadro T1200 erreichte hier eine durchweg solide Spielleistung. So wurde eine durchschnittliche Framerate von 60 FPS erreicht, was für die meisten Nutzer ideal ist. Dank V-Sync wurden die maximalen Frameraten an den Monitor angepasst, so dass sie nie über 60 FPS lagen. Das Spielerlebnis war sehr flüssig und stabil, was sich in den Min- und Low-Werten widerspiegelt. Selbst in 0,1% der Fälle fiel das Spiel nicht unter 51 FPS.
Bei diesem Spiel waren grosse Leistungsunterschiede zu erkennen. So blieb die RTX A2000 im Durchschnitt bei über 134 FPS und keiner der Min-Werte fiel unter 70 FPS. Das Spiel läuft also in 1080p absolut flüssig. Testweise haben wir die RTX A2000 mit den gleichen Einstellungen auch in der 4K-Auflösung getestet. Hier konnte das Spiel allerdings im Schnitt nur mit 45 FPS gerendert werden. Für das absolut flüssige 60 FPS Erlebnis in 4K reichte es also nicht ganz.
GTA V
Bei Grand Theft Auto (GTA) V wurde der integrierte Benchmark mit den empfohlenen Einstellungen verwendet. Da es sich um einen älteren, weniger anspruchsvollen Titel handelt, haben wir uns entschieden, hier direkt mit einer Auflösung von 4K (2160p) zu testen.
Die Quadro T1200 im Power G8 konnte leider nur in der maximalen Einstellung flüssige 60 FPS erreichen. Wer sich aber mit 30 FPS begnügen kann, wird mit dieser GPU ein gutes Erlebnis haben. Dass die Karte hier auch mal unter 30 FPS fällt ist schade, grundsätzlich war aber kein Ruckeln wahrnehmbar.
Die RTX A2000 im Power G9 schlägt sich etwas besser, kann aber im Durchschnitt nicht die erhofften 60 FPS bieten. Immerhin fiel die GPU selbst im 0.1% Low nie unter 30 FPS, was die Grafikkarte für flüssiges 4K-Gaming empfehlen lässt, solange man keine 60 FPS erwartet.
Elden Ring
Im Rollenspiel-Hit Elden Ring wurde der gleiche Abschnitt von ca. 3 Minuten mit der Voreinstellung „Hoch“ und einer Auflösung von 1080p getestet.
Die Quadro T1200 erreichte durchschnittlich 40 FPS. Überraschenderweise war sie besser beim 1% Low und 0.1% Low als die RTX-Karte. Dies könnte damit zusammenhängen, dass kein exakt identischer Benchmark zwischen beiden Karten reproduziert werden kann. Auch Unterschiede in der Treibersoftware könnten die Ursache sein.
Die RTX A2000 erreichte im Durchschnitt 48 FPS und war damit rund 20% besser. Das Gameplay fühlte sich aber insgesamt weniger flüssig an als bei der „schlechteren“ Quadro, was etwas enttäuschend ist.
Beide GPUs schafften es leider nicht, 60 FPS in 1080p zu liefern, was schade ist. Wer dies in Elden Ring mit beiden Geräten erreichen will, muss die Grafikeinstellungen deutlich reduzieren oder zu einem Laptop mit mehr Grafikleistung greifen.
Fazit: Workstation als Gaming-Laptop?
Kann man also auch mit einer Workstation spielen? Die Antwort lautet: Ja, auf jeden Fall! Die getesteten Spiele liefen auf beiden Geräten jederzeit stabil und bis auf vereinzeltes Ruckeln in Elden Ring flüssig, mit entweder 60 oder 30 FPS. Die Annahme, dass man auf einer Workstation-GPU nicht spielen kann, konnten wir in unserem Praxistest widerlegen. Zwar bekommt man bei dedizierten Gaming-Laptops tendenziell mehr Leistung fürs Geld, aber wer sich eine Workstation fürs Studium zulegen muss, muss sich nicht vom Gamen komplett verabschieden. Viele Spiele werden auch auf Workstations mit professionellen Grafikkarten gut funktionieren. Allerdings könntest du möglicherweise nicht die gleiche Leistung und optimierte Spielerfahrung wie mit einer dedizierten Gaming-Grafikkarte erreichen.
Übrigens: Falls du für das kommende Herbstsemester eine Workstation benötigst, findest du die beiden getesteten HP-Workstations im laufenden Lagerabverkauf.