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07 Entwicklung der Gemeinde Kirchuster (1500 bis 1650)
Bis um 1300 war das heutige Kirchuster zum Mittelpunkt der Gegend geworden. Um 1470 standen auf dem Boden der Herren von Bonstetten, also fast ganz Kirchusters, etwa 20 Häuser. Eines der ersten soll das heutige Gemeindehaus Kreuz gewesen sein, damals ein mächtiges Gasthaus mit dem Namen «Weisses Kreuz». Die Siedlung war gekennzeichnet von Handwerksbetrieben jeglicher Couleur, anders als Niederuster, das agrarisch geprägt war, hauptsächlich durch Weide- und Waldwirtschaft. Oberuster wiederum, eingklemmt zwischen Höhenzügen, war ebenfalls von vielen Handwerkern bewohnt, die anfänglich in einem kleinen Haufendörfchen um den Talweg herum und an der Kreuzung von Steig- und Aathalstrasse siedelten.
Gemeindestrukturen entstehen
Im Laufe der folgenden Jahrzehnte löste sich die alte Herrschaftsordnung fast vollständig auf. An die Stelle der Herrschaften, die die Ordnung bis anhin aufrecht erhielten, traten die Gemeinden, u.a. in dem sie die Regelung der Weiderechte übernahmen. In einer solchen Angelegenheit tritt Kirchuster um 1500 erstmals als Gemeinde in den Akten auf. Das Handwerkerdorf Kirchuster verfügte in Niederuster und darüber hinaus über sog. Allmenden zur landwirtschaftlichen Versorgung. Hier wurde Korn angebaut und das Vieh geweidet bzw. zur Fütterung in den Wald getrieben.
Massnahmen gegen Einwanderung
Die Gemeinden waren schnell sehr erfolgreich und zogen aus umliegenden Gegenden Menschen an. Bald war Kirchuster bereits dicht besiedelt, sodass man sich gegen den fremden Zuzug zu wehren begann und Regelungen zur Einwanderung entsann. Die Gemeinde wollte verhindern, dass ihre begrenzte Allmend zu stark zersplitterte. Ab 1529 wurde von Zuzügern ein sog. Einzugsgeld verlangt. Weil dies allein nichts nützte, wurden weitere Einschränkungen eingeführt, zeitweise der Zuzug ganz verboten. Dennoch fanden die Leute immer Wege, sich in Uster einzuleben. Sie kauften sich in bestehende Häuser oder Ställe ein und teilten sie zu mehreren Wohnungen auf bzw. bauten diese zu Wohnungen um. So entstanden, teilweise in spekulativer Absicht, die sog. Flarzhäuser, die ganz abenteuerliche Formen annehmen konnten. Diese billigen Behausungen zogen vor allem arme Menschen an, die für ihren Unterhalt kaum aufkommen und häufig nur durch Diebstahl überleben konnten. Der Zuzug liess sich also nur schwer stoppen, selbst Epidemien führten nur kurzfristig zu Erleichterungen.
Die Pest reduziert den Siedlungsdruck auf die Gemeinden
Im Jahr 1629 sorgte ein Pestzug dafür, das in den engen, von vielen Flarzhäusern verstellten Gassen Kirchusters etwa die Hälfte der Häuser ausstarben, wesentlich mehr als in den umliegenden, offener bebauten Dörfern. Das Wegsterben der hauptsächlich armen Leute entlastete die Armenfürsorge erheblich, so dass der Landvogt in Greifensee erleichtert aufatmete, «da der liebe Gott gescheyden (entschieden) und sölich arm lüth zu synen gnaden beruft.»
Durch eine Bürgschaft von 100 Gulden, die Zuziehende zu entrichten hatten, wurden zwar die Armen ferngehalten, das Wachstum des Dorfes aber nicht gestoppt, im Gegenteil. Bald nach dem Pestzug, waren 1634 alle durch die Seuche entvölkerten Häuser wieder besetzt. Die Einwohnerzahl stieg von 258 auf 314 im Jahr 1640. Neun Jahre darauf waren es schon 345 Menschen. Das Wiederkehren der Pest im Jahr 1668 bedeutete einen Verlust von fast zwei Dritteln der Einwohner. Aber auch dieser Rückschlag bedeutete nicht das Ende der Entwicklung. Bis 1722 war Kirchuster auf 514 Einwohner angewachsen. Diese verteilten sich auf recht kleinem Raum: Während die Fläche der Gemeinde nur anderthalb mal so gross wie jene von Niederuster war, lebten hier siebenmal mehr Familien.