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Langstrasse – Learning from Kurzstrasse
Die Gebäude entlang der Langstrasse stehen in einem starken Bezug zu der Strasse. Die Erdgeschosse sind mit einigen Ausnahmen öffentlich zugänglich und sind somit Teil des städtischen Lebens. Jeder Hauseingang steht für eine Möglichkeit. Diese Dichte an Hauseingängen und somit Ereignissen macht die urbane Qualität der Langstrasse aus. Ähnlich wie mit der vierten Dimension verhält es sich mit den drei räumlichen Dimensionen. Ist der Rhythmus an wechselnden Eindrücken hoch, so ist die Wahrnehmung kurz. Somit ist die Langstrasse eine der kürzesten, wenn nicht sogar die kürzeste Strasse Zürichs – die Kurzstrasse Zürichs
Die Badenerstrasse ist im Gegensatz zur Langstrasse räumlich viel länger. Sie erstreckt sich vom Stauffacher in Zürich bis nach Dietikon, fast bis zur Aargauer Kantonsgrenze. Für die Längenwahrnehmung ist jedoch die Dichte der Hauseingänge und deren Bezug zur Strasse und dem öffentlichen Raum entscheidend. An der Badenerstrasse finden wir eine Reihe von Gebäuden, die sich von der Strasse abwenden, deren Eingänge nicht zur Strasse ausgerichtet sind, oder die sich gar mit einem Zaun von der Strasse abschotten. Diese Abkehr von der Strasse führt zu einer gesichtslosen, identitätslosen Durchgangsachse ohne urbane Qualitäten und ist somit die eigentliche Langstrasse.
Die Idee ist den Gebäuden, die einerseits einen grossen Abschnitt der Badenerstrasse für sich beanspruchen, andererseits aber keinen Beitrag zur Strasse leisten, ein Gesicht auf die Strasse zu verleihen; eine Fassade, die sich zur Strasse bekennt und sie mitdefiniert, und die zumindest im Erdgeschoss eine öffentliche oder halböffentliche Nutzung beinhaltet. Durch die Erhöhung der Dichte von Hauseingängen kann die Strasse „verkürzt“ werden und an Identität gewinnen. Für urbane Qualität, muss die Vielfalt einer Stadt auf der Strasse und somit im öffentlichen Raum sichtbar und erlebbar sein. Es sollen nicht nur kommerzielle Nutzungen präsent sein an der Strasse, sondern alles mögliche. Religion, Bildung, Tiere, Wissen, Kultur, Dienstleistung, Sport, Nachtleben, Gastronomie, Haushalt, Hotellerie, Pflanzen- all das soll an die Strasse gebracht werden.
Dies kann sowohl als Kritik an einem gesichtslosen Urbanismus mit Gebäuden ohne urbane Wirkung, als auch als erster Schritt einer möglichen Strategie zur Stadtentwicklung verstanden werden. Es zeigt einerseits die Qualitäten einer Langstrasse und andererseits das Potenzial einer Badenerstrasse. Das Ziel war es den Fokus von der Langstassse auf ein Gebiet zu lenken, das Entwicklungspotential hat und nicht wie die Langstrasse an Überentwicklung Qualitäten und Vielfalt zu verlieren scheint und somit versucht Einflüsse von Aussen abzuwenden. Es scheint mir die sinnbringendere Priorisierung für Architekten.