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Es dauerte nicht lange, bis sich bei der rätoromanischen Tageszeitung "La Quotidiana" nach den Feiern zum 20-jährigen Bestehen vor zwei Wochen die Existenzfrage stellte. Das Medienhaus Somedia, welches neben der "Südostschweiz" unter anderem die romanische Zeitung verlegt, möchte ihre Rechnung entlasten.
In einem Schreiben an die Bündner Kantonsregierung sowie an die romanische Nachrichtenagentur ANR beantragen Somedia-CEO Andrea Masüger und der Geschäftsführer Medien, Verleger-Sohn Silvio Lebrument, 300'000 Franken pro Jahr zusätzlich aufzubringen. Angesprochen sind der Bund und der Kanton Graubünden, welche die ANR finanzieren, die ihrerseits vor allem "La Quotidiana" mit Texten beliefert.
Ob die geforderten 300'000 CHF dem jährlichen Defizit für die Produktion der "La Quotidiana" entsprechen, muss offen bleiben. Somedia-CEO Masüger erklärte auf eine Anfrage der Nachrichtenagentur sda, das Unternehmen mache zu Finanzzahlen keine Angaben. Aber er könne sagen, dass es sich um einen sechsstelligen Betrag jährlich handle.
PROBLEME SCHON FRÜHER
Ungeachtet dessen ist es nicht das erste Mal, dass über "La Quotidiana" das Damoklesschwert hängt. Bereits 2008 drohte Verleger Hanspeter Lebrument, die romanische Tageszeitung nur noch einmal wöchentlich erscheinen zulassen, falls das Blatt nicht günstiger produziert werden könne. Lebrument erreichte eine stärkere Einbindung der Nachrichtenagentur ANR in der Produktion der Zeitung, die "Quotidiana"-Redaktion wurde derweil personell ausgedünnt.
2010 wiederum drohte Lebrument im Zusammenhang mit der Vergabe einer lokalen Radiokonzession mit der Einstellung zweier Tageszeitungen. Neben dem "Bündner Tagblatt" wäre das romanische Blatt davon betroffen gewesen. Nachdem aber der Konzessionsstreit zwischen Lebrument und dem Zürcher Medienunternehmer Roger Schawinski zu Gunsten des Zeitungsverlegers in Graubünden ausgegangen war, blieb alles beim alten.
EHER KEINE ALTERNATIVE IM ENGADIN
Alternativen, die romanische Tageszeitung anderswo zu herzustellen, gibt es in Graubünden nicht wirklich. Allenfalls in Frage käme der Druck im Engadin bei der Gammeter Druck und Verlag in St. Moritz. Unternehmensleiterin Martina Gammeter sagte auf Anfrage, eine entsprechende Anfrage sei eingetroffen.
Das Unternehmen werde in nächster Zeit alle möglichen Optionen prüfen und sei bereit, die rätoromanische Medienlandschaft zu unterstützen und vorwärts zu bringen. Das gedruckte romanische Wort habe Zukunft, wobei die Produktion einer ganzen Tageszeitung eher nicht in Frage komme.
Das Engadiner Medienhaus produziert drei Mal wöchentlich zwei bis drei Seiten in rätoromanischer Sprache. Diese Texte unter dem Titel "La posta ladina" werden publiziert als integraler Bestandteil der deutschsprachigen "Engadiner Post".
EROSION BEI DEN ABOZAHLEN
Die angespannte Situation auf dem rätoromanischen Zeitungsmarkt beschäftigt auch die Lia Rumantscha, die Dachorganisation der rätoromanischen Sprach- und Kulturvereine. Mediensprecher Andreas Gabriel sagte, einen alternativen Herausgeber für "La Quotidiana" zur Somedia sehe er nicht wirklich.
Die romanische Tageszeitung zu drucken, dürfte das grosse Geschäft kaum sein. Das Blatt kämpft wie andere Zeitungen gegen den Auflageschwund und hat laut Gabriel mit noch 4000 Abonnementen mittlerweile eine kritische Grösse erreicht.
START MIT 8'000 AUFLAGE
Das Jubiläum des 10-jährigen Bestehens war noch bei einer Auflage von täglich 5'500 Exemplaren gefeiert worden. Gestartet war "La Quotidiana" mit einer Auflage von 8'000. In der Tageszeitung waren Anfang 1997 die regionalen Blätter "Gasetta Romontscha", "Fögl Ladin" und "La Casa Paterna/La Pùnt" aufgegangen und damit fast alle Produkte des rätoromanischen Blätterwaldes.
Eigenständig blieb damals das Mittelbündner Regionalblatt "La Pagina da Surmeir". Herausgegeben wird die wöchentlich erscheinende Zeitung vom regionalen Sprachverband "Uniun Rumantscha da Surmeir". Auch dieses romanische Blatt kämpft mit finanziellen Problemen.
mk
(AWP)