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"Unsere Kirchenmusik ist von der in Italien sehr verschieden, da bei uns eine Messe auch beim feierlichsten Anlass nicht länger als dreiviertel Stunden dauern darf." Diese Worte, liebe Mitchristen, stammen nicht von unserem Dirigenten P. Lukas. Auch steht dahinter kein Vorwurf an die Adresse von Abt Martin. Beide lieben sie die Musik zu sehr, als dass unser Gottesdienst auf 45 Minuten zusammengestrichen werden müsste. Das sind Worte des frustrierten Meisters höchstpersönlich! Wolfgang Amadeus Mozart versuchte vergeblich in Paris und in Mannheit Fuss zu fassen. Wie P. Lukas zum Mozart-Autograph in unserer Musikbibliothek schreibt, zeigt ja gerade dieses, dass Mozart nicht mehr das bewunderte Wunderkind von früher war: Mozart musste den mittleren Satz der so genannten "Pariser Sinfonie" neu schreiben – unser Autograph ist ein Skizzenblatt dazu –, weil dieser Satz nicht gefiel. Noch schlimmer als nicht mehr ungeteilt verehrt zu werden, muss für Mozart gewesen sein, zu seinem verhassten Arbeitgeber zurückzugehen, dem Fürsterzbischof Colloredo von Salzburg, denn der bot nun mehr Geld, das Mozart brauchte. Es war dieser Erzbischof, der im Sinne der Aufklärung die Kirchenmusik einschränkte und keine langen Gottesdienste wollte. In dieser für Mozart eher deprimierenden Situation gelang ihm 1779 ein 25-minütiges Wunderwerk: die Messe in C-Dur, heute "Krönungsmesse" genannt, von der wir in diesem Gottesdienst bereits das Kyrie und das Gloria singen, spielen oder hören durften.
Meine Lieben, es ist wohl ein Wahn der heutigen Zeit, dass immer alles stimmen muss, alle gut drauf sein, alle gesund und ohne Sorgen sein müssen, damit etwas Grosses entsteht, damit Glück möglich ist. Ich weiss von mindestens einer Person, die unter uns im Gottesdienst ist, die bis jetzt einen schwierigen Lebensweg hatte und nun ihren Weg des Glücks und der Versöhnung sucht. Mozarts Krönungsmesse kann hier ein Hinweis sein: Mozart schrieb sie so schön, wie sie ist, obwohl die Voraussetzungen nicht stimmten. Und er schrieb sie nicht etwa in einem traurigen A-Moll, sondern in C-Dur. C-Dur ist die Tonart der Trompeten und Oboen, die Mozart zusammen mit Posaunen und Pauken in dieser Messe verwendet, C-Dur ist eine Tonart des Vertrauens und für eine Messe kann man ruhig auch sagen: des zustimmenden Glaubens. Darum strahlen in der Krönungsmesse sogar die Bitten um Erbarmen im Kyrie Zuversicht auf das väterliche Verzeihen Gottes aus.
Chers amis de langue française, une chose remarquable dans la messe de Mozart que nous écoutons aujourd’hui, c’est la structure parallèle dans la composition entre les mots du Credo «descendit de coelis» («Il est descendu des cieux») et le «Amen»; cette parallélité est unique dans l’ensemble des messes de Mozart. D’un côté le Christ descend du ciel, il devient l’un de nous pour nous être proche, et de l’autre côté avec la même mélodie le chœur va répondre en notre nom le «Amen» – ce qui signifie: ainsi soit-il, c’est la vérité, j’y crois.
J’aimerai faire une comparaison entre la messe de Mozart et notre église abbatiale: La coupole qui domine cette basilique nous montre la scène de la nativité: Dieu vient dans la nuit, il descend dans nos obscurités, dans nos angoisses. Et notre réponse? Nous nous sommes rassemblés au-dessous de cette coupole pour célébrer ensemble l’Eucharistie, afin de remercier Dieu et de laisser monter notre «Amen» vers lui.
Wenn Mozart in seiner ihn frustrierenden Lage im Credo der Messe die Aussagen "er ist vom Himmel herabgestiegen" und "Amen, das ist wahr" parallel zueinander komponiert, musste er damit ausdrücken wollen, dass Gott uns auch in schwierigen Situationen nahe ist. Dabei wird Sehnsucht in der Musik zu einer Wahrheit: "Amen – das ist wahr" durchfährt es uns da. Aber darf man heute überhaupt noch "Amen" sagen, von Wahrheit sprechen? Christus bietet ja auch der Frau im heutigen Evangelium, deren Biographie sogar für heutige Ohren ein Zuviel an Ausschweifung ist, befreiende Wahrheit an.
Es ist nicht modern, von Wahrheit zu sprechen. Wahrheit wird heute sofort mit Intoleranz in Verbindung gebracht. Davon ist christliche Wahrheit aber eigentlich weit entfernt, sowie auch vom Wahn, perfekt sein zu müssen. Wahrheit befreit eben, nicht nur in der Musik. Sehr schön drückte das meiner Meinung Papst Benedikt XVI. kürzlich in einer Predigt aus, wenn er sagt: "Kein Mensch kann sagen: Ich habe die Wahrheit. Ja richtig, niemand kann die Wahrheit haben, die Wahrheit hat uns, sie ist etwas Lebendiges! Wir sind nicht ihre Besitzer, sondern wir sind von ihr ergriffen; nur wenn wir uns von ihr führen und treiben lassen, bleiben wir in ihr; nur wenn wir mit ihr und in ihr Pilger der Wahrheit sind, dann ist sie in uns und durch uns da."
Von der lebendigen Wahrheit ergriffen werden, hat für mich etwas mit Liebe zu tun. Wo Wahrheit mit Liebe zusammenkommt, kann sie befreien und macht nicht eng. So wie wir von Mozarts Krönungsmesse ganz ergriffen werden können, so dürfen wir uns vom Geschenk der Gegenwart Gottes in unserer Welt ergreifen lassen und mit "Amen" antworten. Comme le pape Benoît XVI. nous le rappelle: Nous sommes des pèlerins de la vérité. C’est devant la sainte chapelle, ici à Einsiedeln, où nous pouvons dire notre «Amen» comme pèlerins, ensemble avec Marie. La vierge n’avait pas une vie facile. Et malgré tout elle disait son «Amen – en vérité», parce qu’elle est une personne aimante. Elle s’est laissée prendre par l’amour de Dieu. De même que la vierge Marie, nous pouvons maintenant nous laisser prendre par le Credo de la Messe du Couronnement, et laisser monter notre «Oui» vers Dieu. Amen.