Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03355.jsonl.gz/1660

Die Familie Caccivio stammt ursprünglich aus Italien, genauer gesagt aus Saltrio bei Varese. Um die Jahrhundertwende (ca. 1898) war der Urgrossvater des jetzigen Inhabers, Enrico Caccivio (1879 - 1950), als Steinhauer in die Schweiz eingewandert. Er arbeitete in der Kalksteingrube in Péry–Reuchenette (Ciment Vigier, gegründet 1890) und lebte in St. Imier. Er heiratete eine Jurassierin (Marie Caccivio–Donzé) aus Tramelan und hatte 3 Kinder, 1 Tochter und 2 Söhne: Lucie, Marius und Henri.
Die Steinbildhauerei Caccivio wurde 1951 von Henri (1907-1988) sowie seinem Sohn André Caccivio (*1935) in Täuffelen gegründet. Nachfolgend ein Auszug des Berichts von André Caccivio anlässlich des Jubiläums–Betriebsausfluges im April 2011 zu den bekannten Steinbrüchen in Andeer im Bündnerland: «Um 1950 wohnte ich mit meinen Eltern in Givisiez bei Fribourg. Mein Vater Henri Caccivio war Vorarbeiter in einem grossen Grabsteingeschäft. Sicher existieren noch heute Statuen in Carrara-Marmor von ihm. Mit 16 Jahren wollte ich auch diesen wunderbaren Beruf erlernen, aber leider gab es in der Region keine Möglichkeit, eine Lehrstelle zu finden. So wuchs die Idee, selber ein Geschäft zu gründen; also Vater mit dem Sohn als Lehrling! Meine Mutter, Margrit Caccivio-Schwab war eine Seeländerin aus Siselen und vielleicht hat sogar sie die Weichen Richtung Täuffelen gestellt?
Mit finanzieller Hilfe eines Freundes aus St. Imier, dem Ort, an dem mein Vater Henri mit seinen italienischen Eltern aufgewachsen ist, wurde die Firma am 1. März 1951 eröffnet. Die Werkstatt war in einer Autogarage im Unterdorf von Täuffelen neben dem ehemaligen Restaurant Rössli eingemietet. Kein fliessendes Wasser, keine Heizung, weder elektrische Hämmer noch Druckluftwerkzeuge, kein Telefon, kein Auto…
Henri Caccivio, ca. 1948
Henri Caccivio war ein hervorragender Bildhauer, die Geschäftswelt jedoch, d. h. Büroarbeiten, der Verkauf und Einkauf, war nicht seine Welt. Zudem sprach er «nur» französisch und italienisch, Täuffelen liegt jedoch bekanntlich im deutschsprachigen Teil des Kantons Bern. Der Ball lag also bei mir, mit 15 Jahren ging ich zum ersten Mal Kunden besuchen. Es gelang mir, im ersten Jahr fünf (!) Grabsteine zu verkaufen. Der Verkauf war am Anfang sehr schwierig, die Konkurrenz übermächtig. Per Fahrrad besuchten ich und mein Vater zu dieser Zeit potentielle Kunden im Seeland- auf der Heimfahrt manchmal glücklich, manchmal deprimiert. Ein finanzieller Zustupf in dieser Zeit war übrigens die Herstellung von Gartenzwergen, in Gips gegossen und wunderbar bemalt!
Das Setzen der Grabsteine resp. abholen des Rohmaterials (am BTI-Bahnhöfli in Täuffelen) erfolgte in den ersten Jahren in Zusammenarbeit mit Paul Droz und seinem Ross mit Wagen. Danach kam die Zeit mit dem «Opel Bedford» von Otti Weber und seiner Ehefrau, inklusive grosser Unterstützung meines Onkels Gottfried Schwab. Die Firma Laubscher Décolletage unterstützte uns mit dem Stapler.
Die aktive Mitwirkung in der Musikgesellschaft Täuffelen ergab für uns viele gute Beziehungen und Freundschaften. Als ich 18–jährig war, fand der mühsame Verkauf per Velo ein Ende. 1953 machte ich den Autoführerausweis und die Anschaffung des ersten VW-Käfer‘s wurde Realität!
Das Atelier wurde im ganzen Seeland immer bekannter, es gab immer mehr Arbeit, und somit auch immer mehr Freude. Der Gedanke wurde immer stärker, ein eigenes Atelier zu bauen. Dieser Wunsch wurde 1953 an der Baumgartenstrasse 18 in Täuffelen verwirklicht, bis zum heutigen Tag die Geschäfts- und Produktionsadresse des Atelier Caccivio. 1970 erfolgte die Geschäftsübergabe von Henri an mich. Meine Ehefrau, Marianne Caccivio–Baumann war während Jahrzehnten eine grosse Stütze der Firma, war sie doch in dieser Zeit zuständig für das Sekretariat sowie die Buchhaltung.
1985 trat die 3. Generation in die Firma ein, unser Sohn Michel. Der stetigen Weiterentwicklung in verschiedenen Bereichen wurde während all dieser Jahre eine grosse Bedeutung beigemessen. Leistungsfähige Druckluft-kompressoren, professionelle Elektrowerkzeuge, EDV-Anlage etc. waren ein «Muss», um sich in dem dauernd veränderten wirtschaftlichen Umfeld behaupten zu können. Team 1973
Im Jahre 1996 erfolgte die Geschäftsübergabe an unseren Sohn Michel, der auch weiterhin auf ein bewährtes Team zurückgreifen konnte. Langjährige Mitarbeiter hielten der Firma die Treue, neue Mitarbeiter haben sich bestens ins heutige Atelier Caccivio integriert und wir Eltern sind auch heute noch fast jeden Tag im Geschäft anzutreffen!»