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Die Übersetzungsarbeit kann uns in die Zwickmühle bringen, unsere Prinzipien umstürzen und uns zum sprachlichen Rückzug zwingen. Alle Übersetzer sind Abenteurer, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Brücken zwischen den Sprachen und Kulturen zu schlagen: Bei ihrer täglichen Arbeit suchen sie nach Verknüpfungen, um eine Botschaft möglichst adäquat und sinngemäss in die jeweilige Zielsprache zu übertragen. Manchmal passiert es dabei jedoch, dass diese Fähigkeit, zwei Sprachen einander näher zu bringen, auf ein Hindernis stösst. Es gibt Wörter, die etwas sehr Kostbares haben – weil sie einen Schatz in sich tragen, der über das Sprachliche hinausgeht, und ihre Bedeutung aus ausserordentlichen Quellen schöpfen, wie den Sitten und Bräuchen eines Volks oder einer Nation.
Wörter mit einem unübersetzbaren Ursprung
Die Reinheit, Exaktheit und Nützlichkeit solcher Wörter faszinieren uns. Sobald man versucht, sie zu übersetzen, verlieren sie ihre Magie. Denn manchmal stösst die Übersetzung an ihre eigenen Grenzen – dahinter verbergen sich die Schönheit und Geheimnisse einer Sprache. Hier meine persönliche kleine Auswahl an solchen Beispielen:
- Saudade
- Gemütlichkeit
N., f., deutsch: Ein Begriff, der zugleich den bequemen, angenehmen und geselligen Aspekt eines Orts oder Moments beschreibt.
- die Wende
N., f., deutsch: Beschreibt den politischen und gesellschaftlichen Wandel, der 1989 in der ehemaligen DDR stattfand.
- Schadenfreude
N., f, deutsch: Ein Gefühl, das darin besteht, sich am Unglück anderer zu erfreuen.
- abracadabrantesque
Adj., französisch: Eine Wortschöpfung basierend auf dem Ausdruck «Abrakadabra», die auf den Schriftsteller Arthur Rimbaud zurückgeht. Sie wird benutzt, um etwas zu beschreiben, das unwahrscheinlich oder zusammenhanglos erscheint.
- ubuesque
Adj., französisch: Aus dem Namen «Ubu» abgeleitet. Ubu ist die Hauptfigur des gleichnamigen Werks von Alfred Jarry, Ubu roi. Bezeichnet etwas Absurdes, Albernes oder Groteskes.
N., f., portugiesisch: Ein melancholisches Gefühl, das durch die Abwesenheit einer Sache oder Person oder durch die Entfernung zu einem Ort, den man sehr liebt, hervorgerufen wird. Auch: das Bedürfnis, schöne Erinnerungen wieder aufleben zu lassen.
Mehr als nur Wörter
Der sentimentale Wert einer Sprache führt natürlich dazu, dass wir uns noch stärker mit diesen einzelnen Wörtern verbunden fühlen. Und so kann es sein, dass uns die Übersetzung einfacher Wörter absurd vorkommt – weil manches sich nun mal in keiner anderen Sprache besser ausdrücken lässt als in der Muttersprache und keine Übersetzung die Erinnerungen und Gefühle, die ein Wort in uns weckt, wiedergeben kann. Nelson Mandela hat es treffend ausgedrückt: Die Muttersprache eines Menschen ist so einmalig, dass man sie als den Weg zu seinem Herzen sehen kann.
Wie sieht es bei Ihnen aus? Kennen Sie auch unübersetzbare Wörter, die Ihnen am Herzen liegen?
Titelbild via Flickr: Accident ahead? – Kainet (CC BY 2.0)