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Zwischen den Ortschaften Schildwald und Gontenschwil findet sich eine Schlucht, an welcher vorbei ehemals die Strasse durch den wilden Wald nach Beromünster gegangen sein soll; sie habe dorten das Winen- und Surenthal verbunden. Noch nennt man jene Schlucht die Mördergrube, weil dort eine Mörderbande mittelst künstlich gerichteter Dräthe den Durchzug der Reisenden ausgespürt und diese dann niedergemacht haben soll. Seither will Mancher an schwülen Sommertagen ein entsetzliches Geheul, stärker als das eines Menschen oder Wildes, aus jener Gegend her vernommen haben.
Einige haben sogar das scheussliche Mörderthier, wie es beim Volke heisst, wirklich gesehen, andere nur ein schönes Weib, das geschmückt, aber unter Jammern und Stöhnen aus der Schlucht tritt, hinab zum Bächlein geht, Windeln waschend und dort verschwindet. Wer sich dann vor der schwarzen Katze nicht fürchtet, die mit einer weissen Haube auf dem Kopfe jenem Weibe vorausläuft, der sieht in der Schlucht zwei grosse Truhen offen, von Hunden gehütet; wer aber zwei schwarze Hühnlein aus einem Ei brüten und sie über die Schlucht hüpfen liesse, der hätte das Weib erlöst und den Schatz gewonnen.
Der Sigrist von Gontenschwil sah auf dieser Stelle ein Ross auf einer Kiste aus dem Boden steigen, das tellergroße Augen hatte, und ist aus Schrecken drüber gestorben.
Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite 259
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch