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Bei herrlichstem Wetter trafen wir uns zum zweiten Anlass in diesem Vereinsjahr in Windisch, um etwas über die Geschichte des Klosters Königsfelden zu erfahren und natürlich vor allem um einen näheren Blick auf die schönen Fenster der Kirche zu werfen.
Für einmal gab es davor kein Mittagessen, dafür aber einen reichhaltigen Apéro im Bistro Popina.
Und dazu natürlich interessante Diskussionen und Gespräche.
Am Nachmittag versammelten wir uns dann in der Kirche um von Frau Esther Duran einen Einblick in die Geschichte dieses Ortes zu erhalten und natürlich um die Bilder genauer zu betrachten.
Angefangen hat die Geschichte dieses Ortes mit einem Mord! König Albrecht I. wurde hier von seinem eigenen Neffen 1308 ermordet. Mit dem Tod von König Albrecht verloren die Habsburger nicht nur einen Grossteil des Einfluss in ihren Stammlanden sondern auch die Königswürde. Klar, dass sie versuchten, die Macht wieder zurückzugewinnen. Erster Schritt dazu: König Albrecht würdig zu gedenken. Ihm zu Ehren wurde am Platz seiner Ermordung zunächst eine Kapelle und ein Haus für zwei Franziskanermönche errichtet.
Später gründeten dann Königinwitwe Elisabeth und die verwitwete Königin Agnes von Ungarn (die gemeinsame Tochter von Albrecht und Elisabeth) das Doppelkloster Königsfelden. Auf der einen Seite der Kirche entstand das Franziskanerkloster auf der anderen eines für Klarissen. Die eine Hälfte der Kirche war für die Mönche, die andere für die Nonnen.
Elisabeth erlebte die Vollendung des Klosterbaus nicht mehr. Aber Agnes, die auch eine klevere Geschäftsfrau war, behielt das Heft in der Hand. Ihr hat das Kloster viel zu verdanken! Sie trat zwar nie in den Orden ein, aber sie erwarb weitere Güter um so das wirtschaftliche Fundament des Klosters zu stärken.
Nach dem Tod von Agnes 1364 verlor das Kloster etwas an Bedeutung, aber nie seine Strahlkraft als Memorialort der Habsburger. Die gefallenen Ritter der Schlacht von Sempach, zum Beispiel, wurden in der Kirche begraben, bei einer Renovation fand man ihre Gräber.
Was mir übrigens wieder mal so richtig bewusst wurde: in der Schule haben wir die Geschichte immer aus der Perspektive der Eidgenossen gehört. Die guten Eidgenossen, die bösen Habsburger. So ist das bei so vielen verankert… Dass man das nicht so eng sehen darf, dass die Habsburger genau so zur Schweiz gehören, und zwar auch als „Gute“, das zeigt die Geschichte dieses Ortes.
In der Reformationszeit wurde das Kloster aufgehoben, die Kirche als Lagerhaus und für anderes genutzt. Zum Glück haben die schönen Fenster zu allen Zeiten beeindruckt, sie wurden nicht zerstört. Auch heute noch sind 70% der Fenster original!
Seit 1803 diente das ehemalige Kloster als Kranken- und Irrenanstalt. Aus den Steinen des Franziskanerklosters wurde in den 1860er Jahren die neue Heil- und Pflegeanstalt Königsfelden gebaut. Auch heute noch ist die aargauer Psychiatrie auf dem Areal zu finden.
Die Kirche – eben frisch renoviert – ist hell und freundlich.
Sie hat eine flache Decke, was man doch eher selten sieht.
Und sie hat 11 wunderschöne Fenster.
Weitere Bilder findest du am Schluss dieses Beitrags, denn es gibt enorm viel zu entdecken auf diesen Fenstern. Die Bilder sind sehr detailreich und vor allem enorm lebendig. Die Figuren sind recht gross, die Apostel sogar in Lebensgrösse, so dass man gut erkennen kann, was genau dargestellt ist. Oft sind die Darstellungen auf Kirchenfenstern ja so winzig, dass man kaum erkennt, was genau da zu sehen ist. In Königsfelden ist das aber kein Problem. Es hilft auch zu wissen, dass die Geschichten auf den Fenstern immer von unten nach oben erzählt werden.
Wir haben uns alle diese Fenster angeschaut und kamen aus dem Staunen kaum heraus. Frau Duran machte uns auf liebevolle, kleine Details aufmerksam, die man auf den ersten Blick übersieht. Die Hebamme, die bei der Geburt Mariens mit einem Tuch bereit steht oder Maria Magdalena, die vor Entsetzen und Trauer unter dem Kreuz die Arme über dem Kopf zusammenschlägt:
Im Gegensatz zu den sehr statisch wirkenden Soldatenbildern (siehe oben) wirken Menschen auf den Glasfenstern wirklich äusserst lebendig.
Eine Stunde lang haben wir gebannt zugehört und geschaut. Ich glaube, wir hätten alle gern noch weiter gehört und geschaut! Und ich würde wetten, die eine oder der andere wird wieder mal nach Windisch pilgern um sich noch mehr anzuschauen. Neben der wunderbaren Kirche gibt es ja auch noch viel anderes zu sehen, zu einer Zeit lange vor den Habsburgern. Die Zeit der Römer in Vindonissa, die man auf dem Legionärspfad erkunden kann, ist garantiert auch spannend!
In der Galerie hier anschliessend findet ihr wie versprochen noch weitere Bilder. Leider habe ich „nur“ einen Fotoapparat, keine Drohne, darum sind die Fenster auch oft irgendwie schief. Liegt an der Perspektive…
Erstes Bild anklicken, dann werden die Bilder gross.
Bericht und Bilder: Barbara Fleischmann