Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03277.jsonl.gz/1985

Ausgewachsene Aspisvipern ernähren sich vor allem von Kleinsäugern, besonders Feld- und Spitzmäusen. Vögel und Amphibien werden nur ausnahmsweise gefressen. Neugeborene Vipern, zu klein, um nestjunge Mäuse verschlingen zu können und Insekten verschmähend, ernähren sich bevorzugt oder gar ausschliesslich von kleinen Eidechsen.
Die bevorzugte Körpertemperatur der Viper liegt zwischen 30 und 32.5 °C. Schon mit 4 °C kann sie sich bewegen, mit 15 °C werden bereits Beutetiere verdaut. Im Winter ist die Verdauung nicht mehr möglich, und das Tier sucht Orte zum Überwintern auf, zum Beispiel Nagetiergänge oder Felsspalten. Diese müssen frostsicher und vor Überflutungen geschützt sein. Während der fünf- bis sechsmonatigen Winterruhe verliert die wechselwarme Schlange nur wenige Gramm Gewicht, und die Fettreserven bleiben bis zum kommenden Frühling praktisch erhalten.
Die Aspisviper ist lebendgebärend. Die Jungtiere kommen voll entwickelt zur Welt und können bereits ein Beutetier töten und verschlingen. Die Paarungen finden im Frühling kurz nach dem Verlassen der Winterquartiere statt, bei günstigen Wetterbedingungen auch im Herbst. Männchen, die sich während dieser Zeit in der Nähe eines Weibchens begegnen, liefern sich rituelle Balzkämpfe (Komment-kämpfe), bei denen der Stärkere den Unterlegenen unblutig in die Flucht schlägt. Die Tragzeit variiert mit den klimatischen Bedingungen, die Entwicklungsgeschwindigkeit der Embryonen ist temperaturabhängig. In der Ebene finden die Geburten oft schon im August statt, im Gebirge je nach Lokalklima erst Ende September oder gar Ende Oktober. Die Neugeborenen verbringen dann ihren ersten Winter ohne vorher gefressen zu haben, und die völlig abgemagerten Weibchen benötigen ein, zwei oder gar drei Jahre, um die für die Fortpflanzung unerlässlichen Fettreserven wieder aufzubauen.
Trächtige Weibchen sind sehr wärmebedürftig und versuchen stets, eine hohe Körpertemperatur aufrecht zu erhalten. Am frühen Morgen setzen sie sich bereits den ersten Sonnenstrahlen aus, und selbst bei bedecktem Himmel und während kurzen Regengüssen bleiben sie oft ausserhalb ihrer Schlupfwinkel. Männchen und nicht trächtige Weibchen leben verborgener und setzten sich nur zur Verdauung grosser Beutetiere oder vor der Häutung voll der Sonne aus. Während längerer Hitzeperioden bleiben die Vipern oft unsichtbar in der Vegetation oder unter Steinen verborgen.
Die Aspisviper greift niemals einen Menschen an. Sie beisst aber, wenn man sie in die Hand nimmt oder auf sie tritt. Die Giftzähne vermögen festes Schuhwerk nicht zu durchdringen. Fluchtreaktionen werden bei der Aspisvipern sehr oft visuell ausgelöst; auffällige Bewegungen veranlassen die Tiere, ihr Versteck aufzusuchen. Die Folgen eines Aspisvipernbisses können sehr unterschiedlich ausfallen, müssen aber in jedem Fall von einem Arzt beurteilt und gegebenenfalls behandelt werden (siehe Merkblatt „Schlangen - was tun?“).
Abgesehen vom Menschen sind Taggreifvögel und Krähen die Hauptfeinde der Viper. In der Schweiz hat sich kein Raubtier auf diese Beute spezialisiert. Hauskatzen, Igel, Marder und Hühner töten gelegentlich Vipern. Auch Schlingnattern können Jungvipern fressen