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Dieses Tiermodell ist eines von insgesamt sieben, welches die Sammlung wissenschaftlicher Instrumente und Lehrmittel aus dem ehemaligen Institut für Tierzucht übernehmen konnte.
Modelle in Lehre & Forschung
Solche Tierplastiken wurden in der Lehre in landwirtschaftlichen oder tierärztlichen Instituten eingesetzt. Als Vorlage der Tierplastiken dienten echte Tiere. Es kamen aber nur prämierte Rassetiere in Frage: im vorliegenden Fall ein Zuchtstier eines Herrn Calabresi aus Palidoro (Rom). Ausgewählt wurden diese Tiere jeweils vom deutschen Ministerium für Landwirtschaft und landwirtschaftliche Lehranstalten.1
Die Modelle geben das Tier entweder im Verhältnis von 1/4 oder 1/6 seiner natürlichen Grösse wieder. Das hier gezeigte Modell trägt die Gravur “1/6 nat. Groesse”.
Max Landsberg und die Firma SOMSO
Dieser Stier wurde 1889 von Max Landsberg (1850-1906) aus Gips mit Eisenstabeinlagen modelliert, anschliessend wurde er von Hand bemalt. Landsberg war ein deutscher Bildhauer, der hauptsächlich Tiermodelle aber auch Porträtbüsten schuf. Ab 1936 übernahm die Firma SOMSO das Programm an Rassetierstatuen von Max Landsberg und stellte seine Tiermodelle seriell her.
Die Firma SOMSO ist bis heute bekannt für Modelle für die Lehre und Forschung in den Bereichen Zoologie, Botanik und Anatomie. Sie wurde 1876 von Marcus Sommer in Sonneberg gegründet (daher auch der Name SOMSO). Mit einer breiten Produktpalette, die von anatomischen Modellen des Menschen und der Tiere über botanische Modelle bis hin zu Tierplastiken reichte, erlangte das Unternehmen in den 1920er Jahren grossen wirtschaftlichen Erfolg. Die ersten Modelle wurden aus Wachs und Papiermaché hergestellt, später kamen Gips und bereits ab den 1930er Jahren Kunststoff hinzu.2
Restaurierung
Gipsmodelle sind sehr anfällig für Bruchbeschädigungen. Je nach Lagerungsbedingungen befinden sich die Objekte, die in die Sammlung wissenschaftlicher Instrumente und Lehrmittel übernommen wurden und werden, in unterschiedlichem Zustand. Die übernommenen Tiermodelle standen lange auf einem Dachboden der ETH, wo es warm und staubig war. Dort oder auch beim Einsatz in der Lehre wurden sie beschädigt. Beim Stiermodell zum Beispiel waren die Hörner abgebrochen, ausserdem war er sehr schmutzig.
Die beiden folgenden Bilder zeigen den Zustand des Modells, als es in die Sammlung kam. Das rechte Horn ist bis auf die Spitze fast vollständig abgebrochen, beim zweiten fehlt der Hornansatz. Gut sichtbar ist auch die eigentlich unter dem Gips liegende Eisenstabanlage, welche das Grundgerüst des Tiermodells bildet.
Der auf Gips spezialisierte Restaurator Urs Lang, der mit der Restaurierung des Stiers und anderer Tiermodelle beauftragt wurde, konnte feststellen, dass die Hörner schon einmal grob mit Papiermaché ergänzt und retuschiert worden waren. Vermutlich waren sie schon früher einmal abgebrochen. Der Restaurator entfernte das alte, nachträglich angefügte Papiermaché und modellierte die Hörner in mehreren Schritten mit Ergänzungsmasse auf (Bild unten links). Nach dieser schrittweisen Ergänzung erfolgte die Retusche mit Farbe (Bild unten rechts). Im 3D-Modell ist der Übergang zwischen Original und Retusche noch zu zu erkennen.
Bei Sammlungsobjekten stellt sich immer die Frage, inwieweit etwas Zerstörtes ergänzt und retuschiert werden soll. In vielen Fällen entscheidet man sich gegen eine Retusche und belässt das Objekt in dem Zustand, indem es in die Sammlung gelangt ist. Denn Gebrauchsspuren und -schäden können auch wertvolle Hinweise auf den Gebrauch eines Objektes geben. Zudem entspricht eine Retusche nicht mehr dem Original. Trotzdem haben wir uns in diesem Fall für diesen Schritt entschieden, allerdings haben wir den Eingriff auf das Minimum beschränkt. Hätte man den Stier in dem Zustand gelassen, indem er in die Sammlung kam, wären die noch originalen Bestandteile der Hörner ziemlich bald auch abgebrochen, da diese schon sehr fragil waren. Auch der Hornansatz wäre weiter zerstört worden. Durch die Aufmodellierung mit Ergänzungsmaterial konnten die Originalteile erhalten werden.3
3-D Digitalisierung
Objektauswahl
Obwohl Tiermodelle für den naturwissenschaftlichen Unterricht schon lange eine wichtige Rolle spielen, sind viele Besucher:innen erstaunt, wenn sie solche Modelle in unserer Sammlung finden. Die Tiermodelle sind nicht nur ein gutes Beispiel für die Heterogenität der Sammlung wissenschaftlicher Instrumente und Lehrmittel, sondern auch für die Vielfalt der wissenschaftlichen Lehre und Forschung an der ETH. Dies war einer der Gründe für die Auswahl des Modells. Das Modell steht auch stellvertretend für die restauratorische und konservatorische Arbeit an unseren Objekten.
Als statisches Objekt muss das Tiermodell nicht animiert werden. Inschriften und Gravuren, die für die Forschung wichtig sind, lassen sich sehr gut anhand der Bilder in unserem Online-Katalog bestimmen. Bei einer Führung kann das Original gut gezeigt werden. Aus diesen Gründen würden wir solche Modelle in Zukunft eher nicht mehr 3D-digitalisieren lassen, sondern die Ressourcen in ein Instrument investieren, bei dem die 3D-Digitalisierung mit Animation einen Mehrwert bietet, um die Funktionen zu verstehen. Aber vielleicht gibt es auch andere Verwendungsmöglichkeiten? Vielleicht findet es seinen Weg in ein Computerspiel? Wir sind gespannt und freuen uns, davon zu hören: <email-pii>.
Photogrammetrie und Modellierung
Das Modell des Stiers besteht aus mattem, bemaltem Gips. Dieses Material lässt sich photogrammetrisch gut erfassen und erforderte nur wenige manuelle Ergänzungen.