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Banda Calypso vor zwei Jahren im Volkshaus, Banda Calcinha Preta kürzlich ebendort und nun das Trio Nordestino im "Clube Forró": der angesagte brasilianische Forró erobert Schritt für Schritt Zürich, und zwar in seinen unterschiedlichsten Formen.
Lambada diene hier den Laien als Stichwort und Eselsbrücke. Bei diesem brasilianischen Hype mit seiner sehnsüchtigen Akkordeonmelodik, die wohl noch etliche Leute im Ohr haben, handelt es sich um eine kommerzialisierte Variante des Baião, einer der fünf wichtigsten Forró-Formen. Lambada eroberte Ende der 80er-Jahre die internationalen Tanzparketts, doch obschon damals plötzlich weltweit Paare aneinander klebten und ihre Hüften gegeneinander rieben, zog sich der Trend bald wieder in seine Heimat zurück.
Der nordostbrasilianische Forró ist in ein komplexes kulturelles Umfeld samt verwandten Musiken, Tänzen, profanen und religiösen Festivitäten eingebettet und besitzt über hundertzwanzigjährige Wurzeln. Zum kulturellen Rattenschwanz gehören auch die schaurigen Erzählungen um die Taten des brutalen und hochmusikalischen Banditen Lampião (1897-1938), der zusammen mit seiner Bande den Forró im Hinterland des Nordostens verbreiten half.
Hübsch die heute allgemein akzeptierte Erklärung des Begriffes Forró: als die "Great Western of Brazil Railway & Co" im späten 19. Jahrhundert die erste Bahnstrecke durch Pernambuco einweihte, stand über dem Eingang zum Festgelände "For all", woraus "Forró" als Bezeichnung für Gaudi und Musi fürs Volk abgeleitet wurde. Das Urinstrumentarium der Forró-Trios besteht aus der Trommel Zabumba, einem Triangel und der Sanfona, einer Art Akkordeon. Der charismatische Luis Gonzaga (1912-1989) machte den Forró in ganz Brasilien bekannt, das seit fünfzig Jahren musizierende Trio Nordestino gilt aber als ebenso legendär, obschon die Urformation durch Nachkommen ersetzt worden ist. Auf "Baú do Trio Nordestino" von 2003 zaubert man zusammen mit namhaften Gastmusikern den ganzen Formenreichtum dieser Musik aus dem Sack: das gemächliche Hin- und Herwiegen des Xote, den sanft-bewegten Baião mit seinen eleganten Akkordeonmelodien und die relativ schnell hingehechelten, eigentlichen Forrós.
Wie zu dieser Musik getanzt wird, lässt sich seit genau einem Jahr jeweils Freitag- und neuerdings auch Samstagnacht im "Clube Forró e Gafieira" in Oerlikon geniessen. Die Tänze zum Forró stellen das Gegenteil zur kalten Salsa-Akrobatik dar, man ist auf Tuchfühlung und hält den Partner respektive die Partnerin im Arm. Forró wird heute in jeder erdenklichen Form zelebriert, von einfachen Trios bis zu glamourösen Unternehmen wie Banda Calypso mit der singenden Sexbombe Joelma; solche Gruppen figurieren unter der mutwilligen Bezeichnung Brega (billig, ordinär). In welcher Form auch immer: Forró bleibt stets musikalische Konsolidierung für romantische Herzen.
Trio Nordestino
Clube Forró e Gafieira, Zürich-Oerlikon, Schaffhauserstr. 439,
Fr 31. 8., 21 Uhr / So 2. 9., 19 Uhr
Infos: 077 / 400 47 82
Restaurant Mappamondo
Bern, Länggassstr. 44
Sa 1. 9., 21 Uhr
Infos: 076 / 411 13 99
[verlängerter Artikel aus Züritipp 35 / 2007]