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In der kenianischen Savanne hat eine invasive Ameisenart über eine ökologische Kettenreaktion das Beuteschema von Löwen verändert. Ein winziger Eindringling habe die Raubtier-Beute-Dynamik zwischen ikonischen Arten neu konfiguriert.
Das schreibt ein Forschungsteam im Fachmagazin «Science». Statt wie bisher am liebsten Zebras jagen die Löwen demnach nun häufiger Kaffernbüffel, die aber weitaus schwerer zu überwältigen sind.
Die Kettenreaktion begann den Forschern um Douglas Kamaru von der University of Wyoming zufolge so: Gebietsfremde Grossköpfige Ameisen (Pheidole megacephala) vertrieben heimische Crematogaster-Ameisen. Diese leben in den Dornen von Flötenakazien (Vachellia drepanolobium) und verhalten sich wie Bodyguards: Wagt es ein Pflanzenfresser, an «ihrem» Baum knabbern zu wollen, stürzen sie sich binnen Sekunden auf ihn und beissen schmerzhaft zu. Selbst Afrikanische Elefanten (Loxodonta africana) werden davon abgeschreckt.
«Zu unserer grossen Überraschung stellten wir fest, dass diese kleinen Ameisen unglaublich starke Verteidiger sind und den Baumbestand in diesen Landschaften im Wesentlichen stabilisierten, so dass die Akazienbäume an einem Ort mit so vielen grossen pflanzenfressenden Säugetieren überleben konnten», erklärte Ko-Autor Todd Palmer von der University of Florida. Grossköpfige Ameisen, die nach gängiger Vermutung von einer Insel im Indischen Ozean stammen, verteidigen die Bäume hingegen nicht.
Flötenakazien stellen in der Region mehr als 70 bis nahezu 100 Prozent aller verholzten Stämme, wie es in der Studie weiter heisst. Ohne die schützenden Ameisen fressen und zerbrechen Elefanten demnach fünf- bis siebenmal mehr der Bäume. Damit kommen die Löwen ins Spiel: Sie nutzen den Sichtschutz der Akazien, um sich an ihre Lieblingsbeute - Steppenzebras (Equus quagga) – anzupirschen. Die einfache Gleichung: Weniger Bäume bedeuten weniger Jagderfolg. Mit der Verbreitung der Grossköpfigen Ameisen sei die Zahl von Löwen getöteter Zebras merklich gesunken, so das Forschungsteam.
«Wir stellen oft fest, dass es die kleinen Dinge sind, die die Welt regieren», sagte Palmer.
Die Löwenpopulation habe bislang zwar nicht abgenommen, berichten die Studienautoren. Vermutlich, weil sie ihre Ernährung von viel Zebra auf mehr Kaffernbüffel (Syncerus caffer) umstellten. Diese sind allerdings grösser und schwerer zu erbeuten. «Die Natur ist klug, und Tiere wie Löwen neigen dazu, Lösungen für Probleme zu finden, mit denen sie konfrontiert sind», so Palmer. «Aber wir wissen noch nicht, was aus dieser tiefgreifenden Änderung der Jagdstrategie der Löwen resultieren könnte.» Es werde sehr interessant sein, die Geschichte weiterzuverfolgen. (saw/sda/dpa)
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