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Eine Quantifizierung des Service public bzw. der gesetzlich definierten Grundversorgung in der Schweiz ist schwierig und zwangsläufig unscharf. Nicht zuletzt auch deshalb, weil sich bei vielen Unternehmen wie z.B. der Post oder in den Bereichen «Telekommunikation» und «Stromversorgung» Grundversorgungsleistungen mit wettbewerblichen Leistungen, die nicht als Service public oder Grundversorgung im Sinne des Gesetzes gelten, vermischen.
Wollte man die Wertschöpfung des Service public exakt erfassen, müssten solche Marktleistungen von den Universaldiensten getrennt und separat erfasst werden. In der Praxis ist eine solche Trennung kaum möglich. Einen Aufschluss über die ungefähre wirtschaftliche Bedeutung des Service public ermöglicht die sogenannte NOGA-Statistik. Sie erhebt Daten zur Wertschöpfung und Beschäftigung nach Branchen und erfasst auch die für den Service public relevanten Sektoren:
- Energie- und Wasserversorgung
- Landverkehr-, Schiff- und Luftfahrt
- Nachrichtenübermittlung
- Gesundheits- und Sozialwesen
- Interessenvertretungen / Kultur und Sport
Natürlich sind die aggregierten Branchen nur begrenzt deckungsgleich mit den eigentlichen Service-public-Sektoren. Aber die Zahlen gewähren zumindest einen Einblick in die Grössenverhältnisse.
Im Jahr 2008 betrug die aggregierte Wertschöpfung der Service-public-Branchen knapp 70 Mrd. Fr. (Abb.1 ). Ihr Anteil an der gesamten inländischen Wertschöpfung in der Schweiz (BIP) variierte zwischen 1997 und 2008 zwischen 13,5% und 14,5%. Die Varianz dieser Zahlen ist das Resultat der Konjunkturzyklen. So illustriert der Einbruch des Wertschöpfungsanteils ab 1998 eine relativ starke Konjunktur, während der wachsende Anteil des Service public zwischen 2000 und 2005 die Kehrseite einer gesamtwirtschaftlichen Abschwächung ist.
Zwischen 1997 und 2008 nahm die Wertschöpfung des Service public kontinuierlich zu. Ein klarer Trend in Richtung eines höheren Anteils an der gesamten Wertschöpfung ist aber wegen der konjunkturellen Einflüsse nicht feststellbar.
Die Entwicklung der Service-public-Sektoren im Vergleich zur Gesamtwirtschaft kann auch anhand der Beschäftigung eruiert werden. Zwischen 1992 und 2009 stieg die Beschäftigung in den Service-public-nahen Branchen von etwa 14% auf fast 17% der Gesamtbeschäftigung. Dieses Wachstum wurde grösstenteils durch das Gesundheits- und Sozialwesen getrieben, dessen Beschäftigungsanteil am gesamten Service-public-Sektor von 54% (1992) auf 65% (2009) kletterte. In den übrigen Bereichen war die Zahl der Erwerbstätigen sogar rückläufig.
Aus der NOGA-Statistik können zwei Schlussfolgerungen gezogen werden:
- Der Service public ist aufgrund seiner Wertschöpfung ein bedeutsamer Teil der Schweizer Wirtschaft.
- Der Vergleich des Wertschöpfungs- und Beschäftigungsanteils lässt vermuten, dass die nominelle Arbeitsproduktivität im Service public tiefer liegt als in der Gesamtwirtschaft. Allerdings lassen sich daraus nur beschrankt Rückschlusse auf die reale Produktivität ziehen, da aufgrund von Messproblemen die reale Wertschöpfung in öffentlichen Sektoren häufig inputseitig berechnet wird.
Wertschöpfung und Beschäftigung per se schaffen jedoch noch keinen relevanten Nutzen für die Volkswirtschaft. Wäre dem so, müsste ein möglichst rasches Wachstum dieser Branchen angestrebt werden. Im politischen Prozess wurden mit diesem Fehlschluss schon oft Subventionen gerechtfertigt, deren wahrer Nutzen bezweifelt werden darf.
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