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Kernkraftwerke
Die HSK hat sich davon überzeugt, dass die fünf Kernkraftwerke Beznau (Block 1 und 2), Mühleberg, Gösgen und Leibstadt in einem sicherheitstechnisch guten Zustand sind und ein sicheres Betriebsverhalten aufweisen. Die Betriebsführung und Organisation in allen Werken entsprachen mit wenigen Abweichungen (wie nachfolgend erwähnt) den Vorschriften und Regelwerken.
Auf Basis ihrer Richtlinien klassierte die HSK im Jahr 2005 14 Vorkommnisse (2004: 8 und 2003:14) in den Kernkraftwerken (KKW). Auf die einzelnen Werke bezogen sind dies: 2 Vorkommnisse im KKW Beznau (beide im Block 2), 1 im KKW Mühleberg, 5 im KKW Gösgen und 6 im KKW Leibstadt. Im Paul Scherrer Institut (PSI) gab es 2 klassierte Vorkommnisse (Vorjahr: 1 und 2003: 0) zu vermelden. Mit einer Ausnahme wurden diese Vorkommnisse auf der internationalen Bewertungsskala INES (Stufen 0 bis 7*) der untersten Stufe 0 zugeordnet. Ein Ereignis im KKW Leibstadt wurde mit 1 eingestuft. Es handelt sich dabei um einen Fehler beim Einsetzen eines Brennelementes in den Reaktor während der Abstellung Ende April 2005. Unter den Vorkommnissen sind zwei Reaktorschnellabschaltungen zu verzeichnen, die sich jeweils beim Wiederanfahren nach der Jahresrevision im KKW Leibstadt am 1. September und am 10. September im Block 2 des KKW Beznau ereigneten. Das Kernkraftwerk Leibstadt (KKL) musste bekanntlich am 28. März 2005 infolge eines Generatorschadens abgestellt werden. Nach Abschluss der fast fünfmonatigen Reparatur erteilte die HSK dem KKL am 27. August 2005 die Freigabe zum Wiederanfahren. Die Sicherheit aller Anlagen sowie der Strahlenschutz des Personals und der Bevölkerung waren durch diese Vorkommnisse nicht beeinträchtigt.
Paul Scherrer Institut (PSI)
Die HSK beaufsichtigt auch die Kernanlagen des Paul Scherrer Instituts (PSI), wie z.B. den Forschungsreaktor Proteus, das Hotlabor und das Bundeszwischenlager, welche alle auf dem PSI-Ost-Areal betrieben werden. Das PSI hat diese Anlagen unter Einhaltung der in der Strahlenschutz-Gesetzgebung festgelegten Limiten betrieben. Eines der beiden klassierten Vorkommnisse am PSI ereignete sich im System der radioaktiven Abwässer und das andere bei einem Transport von radioaktiven Proben.
Zentrales Zwischenlager und Transporte
Ende 2005 standen in der Behälterlagerhalle des Zentralen Zwischenlagers der Zwilag in Würenlingen 23 Transport- und Lagerbehälter mit abgebrannten Brennelementen oder verglasten hochaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung. Die sechs Behälter mit radioaktiven Abfällen aus der Stilllegung des Versuchsatomkraftwerks Lucens sind ebenfalls in dieser Halle zwischengelagert.
In der Verbrennungs- und Schmelzanlage wurden im Berichtsjahr zwei Testkampagnen mit radioaktiven Abfällen durchgeführt. Beide Kampagnen mussten wegen betrieblichen Störungen vorzeitig abgebrochen werden. Dennoch wurden insgesamt 388 Abfallgebinde verarbeitet, d.h. mehr als der jährliche Anfall von durchschnittlich rund 300 Gebinden. Die HSK wird die weiteren Verbrennungskampagnen angesichts des immer noch nicht zufriedenstellenden Betriebsverhaltens wie bisher einzeln freigeben und aufmerksam verfolgen.
Die Transporte abgebrannter Brennelemente sowie die Anlieferungen von hochaktiven Abfällen und abgebrannten Brennelementen zum Zentralen Zwischenlager wurden ordnungsgemäss und ohne radiologische Verunreinigungen durchgeführt.
Radioaktive Abgaben
Die Abgaben von radioaktiven Stoffen an die Umwelt via Abwasser und Abluft der Kernkraftwerke, des PSI und des Zentralen Zwischenlagers lagen auch im vergangenen Jahr weit unterhalb der in den Bewilligungen festgelegten Limiten. Sie ergaben - selbst für Personen, welche in unmittelbarer Nachbarschaft der Anlage leben - eine maximale, berechnete Dosis von weniger als 1 % der natürlichen jährlichen Strahlenexposition.
Entsorgungsprogramm für radioaktive Abfälle
Die HSK hat die technische Überprüfung des von der Nagra im Dezember 2002 eingereichten Entsorgungsnachweises für abgebrannte Brennelemente sowie hochaktive und langlebige mittelaktive Abfälle abgeschlossen. Das entsprechende Gutachten wurde am 12. September 2005 anlässlich einer Informationsveranstaltung in Marthalen (ZH) veröffentlicht. Das Projekt der Nagra bezieht sich auf ein Modelllager im Opalinuston des Zürcher Weinlands. Es soll aufzeigen, dass die dauernde, sichere Entsorgung und Endlagerung dieser Kategorien von Abfällen in der Schweiz möglich ist. Die HSK kommt zum Gesamturteil, dass der gesetzlich geforderte Entsorgungsnachweis mit dem vorgelegten Projekt erbracht worden ist. Sie hat ferner auf jene Fragen hingewiesen, die im Falle einer Fortführung des Projekts im Hinblick auf die Realisierung eines Tiefenlagers eingehender untersucht werden müssten.
An das von der HSK geleitete Technische Forum Entsorgungsnachweis wurden insgesamt 82 Fragen aus der Öffentlichkeit gestellt und beantwortet. Zum Thema Entsorgungsnachweis finden sich Dokumente im Internet.
Die HSK wird in ihrem Aufsichtsbericht 2005 ausführlich Stellung zu diesen und weiteren Themen nehmen. Der Bericht wird Ende April 2006 veröffentlicht und auch auf dem Internet aufgeschaltet.
Quelle
Medienmitteilung der HSK, 9. Januar 2006