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Am 8. Dezember New Yorker Zeit vor bald 40 Jahren wurde John Lennon vor dem Dakota Building ermordet und am 9. Oktober vor bald 80 Jahren wurde er in Liverpool geboren. Nicht zuletzt deswegen spielte die Zahl 9 eine große Rolle in seinem Leben und für seinen Tod. Darauf weist auch der Autor hin, der seine Lennon-Biographie 2020 nochmals neu überarbeitet ins Rennen schickt.
In den wenigen kreativen Jahren seines Lebens nach den Beatles produzierte John Lennon beinahe mehr Alben als zuvor mit den anderen drei Beatles zusammen. Natürlich will der Autor das Werk der anderen Beatles nicht schmälern, aber was stehe denn für die Solokarriere von Paul McCartney? Bei George Harrison sei es klar: "My Sweet Lord". Auch bei Ringo Starr: "It don’t come easy" oder "Back of Bogaloo", bei John Lennon wiederum "Imagine". Aber für Paul? Er arbeite sich nach "Flaming Pie" immer noch "durch die verstaubten Harmonien aus alten Fab-Four-Tagen, ohne den wahren Befreiungsschlag je geschafft zu haben", und den Titel "erfolgreichster lebender Songwriter der Popmusik hat er zu großen Teilen seinem Alter Ego John Lennon zu verdanken". Aber der ist ja tot. Eben.
"I’m John. I too play the guitar and sometimes I play the fool." Bardola bringt den Leser auf den aktuellen Stand, was diverse Verschwörungstheorien zu John Lennon und den Beatles betrifft. Entgegen mancher Unkenrufe sei es nämlich nicht die (alleinige) Schuld von Yoko Ono gewesen, dass sich die Fab Four getrennt hätten, sondern vielmehr der Tod des Managers Brian Epstein, des "fünften" Beatle. Überraschend ist auch, dass die Beatles unter dem Namen "Quarrymen" sogar schon seit dem Sommer 1957 (!) existierten, allerdings als Trio ohne den erst später dazugestossenen Ringo. John, der als Pflegekind bei seiner Tante Mimi aufwuchs, war also schon mit 17 Jahren der Anführer einer Gang, oder zumindest einer Band. Später sollte er sein Licht unter den Scheffel stellen und nur mehr in der Plastic Ono Band – benannt nach seiner Muse Yoko Ono – spielen.
Die vorliegende Biographie vermeidet es aber, in ein Yoko Ono Bashing einzustimmen und ist stets ausgeglichen objektiv, auch was die Unterstützung der IRA durch den selbsterklärten Friedensapostel betrifft. Spötter mögen ja behaupten, John sei schon am 9. November 1966 (wieder die verhängnisvolle "9"), der Tag an dem er Yoko Ono bei einer Bagism-Performance auf einer Vernissage kennenlernte, gestorben. Auch wie er Cynthia, seiner Ehefrau, seine Liebe zu Yoko mitteilte (pikante Details dazu im Buch) gehört nicht gerade zum Feinsten, was man von einem scheinbar politisch so korrekten Menschen erwartet. Aber hey, das waren eben die Sechziger, die Jahre der Revolution.
Bardolas Detailwissen (etwa dass das erste Post-Beatles-Album "John Lennon/Plastic Ono Band" in zwei verschiedenen Covers existiert) und seine Ausgewogenheit sowie das reiche Quellenmaterial, das er verwendet, überzeugen den Leser und lassen ihn sich seine eigene Meinung bilden. Bardola führt auch Gespräche mit Lennons erster Frau Cynthia und Klaus Voormann, einem engen Freund des Paares. Eine komplette Discographie, ein Stammbaum, ein kommentierter Lebenslauf und eine Bibliographie machen das vorliegende Werk zu einer wertvollen Quelle für Lennonologen. Und natürlich gibt es auch einige Tipps zu ausgewählten Websites sowie ein alphabetisches Namensverzeichnis. Lesenswert und unterhaltsam. Alles Gute zum 80sten, John!