Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03403.jsonl.gz/969

Weltweit äußerten sich Wissenschaftler schockiert über den "Tabubruch". Auch in China sind die Versuche umstritten: Die Forschung, so sagte Ba Denian von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften einer Pekinger Zeitung, "könnte die Grenze zwischen Menschen und Tier durchbrechen. Als das hörte, war ich sehr geschockt." Unausweichlich werde tierisches Material in die menschlichen Zellkerne gelangen. Wenn dies in der Medizin eingesetzt werde, wäre das "sehr gefährlich".
Rechtswidrig wäre es nach Taupitz Ansicht nur, wenn die geschaffenen Embryonen in die Gebärmutter eines Menschen oder Tieres verpflanzt würden. Außerdem beziehe sich das im Embryonenschutzgesetz verankerte Verbot der "Chimärenbildung" nur auf die Verwendung menschlicher Keimzellen, nicht aber auf Hautzellen.
Chen Xigu räumte unterdessen ein, dass seine Arbeit gegen höchste ethische Standards verstoßen könnte, hält sie aber für noch vertretbar und notwendig: "Die ganze Welt macht es, und die Patienten warten." Ethik entwickle sich mit dem sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt. "Wir können nicht einfach die Standards anderer Länder übernehmen."
Schon Ende der neunziger Jahre hatten amerikanische Forscher aus den entkernten Eizellen einer Kuh und der Haut eines erwachsenen Menschen embryonale Stammzellen gezüchtet. Aus den neu geschaffen Zellen sollten passende Organe für Transplantationen gewonnen werden. (Spiegel online, 20. September 2001)