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Die Kirche des Allmächtigen Gottes oder The Church of Allmighty God ist eine umstrittene Neoffenbarer-Gemeinschaft mit Ursprung in China und macht zurzeit online massiv Werbung insbesondere in christlichen Foren. Als Student der Sinologie habe ich vor kurzem begonnen, mich mit dieser Gemeinschaft auseinanderzusetzen. Bei meiner Recherche stiess ich auf mehrere englischsprachigen Webseiten, die mir Erlösung versprachen und von der Wiederkunft Jesu Christi handelten, und ich wollte sehen, ob ich mehr herausfinden könnte. Beim Laden der Website der Gemeinschaft erschien ein Symbol in der unteren linken Ecke, das mich auf einen Chat mit einem „Freund in Christus“ einlud.
Sis Cathy und der Onlinechat
Da dies eine Gelegenheit war, die ich nutzen wollte, klickte ich den Button „akzeptieren“, und sofort wurde ich herzlichst von einem Mitglied begrüsst. Cathy (Name geändert) fragte mich nach meinem Befinden und wollte, dass ich sie „Schwester Cathy“ nenne, „Sis“ in Englisch. Sie war überaus freundlich, und wollte erfahren, wie ich denn heisse, in welchem Land ich wohne und ob ich Facebook habe. Da ich ihr nicht zu viel persönliche Daten geben wollte, erstellte ich schnell ein Facebook-Profil und gab an, aus diversen Gründen bisher auf Facebook nicht aktiv gewesen zu sein. Sie schien dies zu akzeptieren und wir kamen weiter ins Gespräch, wobei ich an ihren Ausführungen Interesse zeigte. Dieses war ja auch echt, denn ich wollte erfahren, was diese Gruppierung von anderen christlichen Gemeinschaften unterscheidet.
Sis Cathy lud mich nach kurzer Zeit in eine Facebook-Gruppe ein, mit dem Versprechen, ich würde am selben Tag noch einen Gottesdienst besuchen können – online natürlich. Ich war überrascht, zeigte aber Interesse und Sis Caathy gab mir einen Zeitpunkt an, an welchem ich online sein sollte, um den Gottesdienst nicht zu verpassen. Zugleich wurde mir etwas mulmig und fragte mich, worauf ich mich da eingelassen hatte. Wie sollte das überhaupt funktionieren? Muss ich mein Gesicht zeigen, muss ich sprechen? Kann ich die Gemeinschaft überzeugen? Doch die Zeit bis zum Gottesdienst verging wie im Fluge. Schon schaltete ich mein neues Facebook-Profil auf und Sis Cathy begrüsste mich erneut. Exakt um 16.30 sollten wir alle im Anruf sein, Mikrofon und Kamera ausgeschaltet. Das ging natürlich nicht bei jedem gleich gut und technische Probleme verzögerten den Beginn des Gottesdienstes. Dies schien geplant zu sein, denn zuerst wurden wir von einem bekannten christlichen Lied (10,000 Reasons (Bless the Lord O My Soul)) berieselt.
Der Beginn
In meinem Anruf waren jeweils zwischen 8 bis 11 Personen vertreten, aber unsere Gruppe war offensichtlich nicht die einzige, welche am Gottesdienst teilnahm. Offenbar waren viele Leute über Skype dabeiIm Chat und in der Übertragung sah ich, wer denn so alles mitmachte. Es waren Menschen mit Namen, welche die globale Verteilung dieser Übertragung zeigten, hauptsächlich meldeten sich asiatische Personen, aber ich war nicht der einzige Europäer. Auch Amerikaner waren vertreten. Esther, die das Profil einer hübschen Frau hatte, war die einzige Teilnehmerin, die das Mikrofon angeschaltet hatte, anscheinend war sie die Übertragungsperson, und nach dem Ende des Liedes stellte sich durch ihr Profil unser Prediger vor: Luke, der auf Englisch sprach, einen leichten Akzent besass und mir durch seinen Sprachgebrauch chinesisch-stämmig schien, begrüsste uns alle und bedankte sich für das zahlreiche Erscheinen. Auch bedankte er sich direkt bei mir und einigen anderen, die anscheinend ebenfalls neu mit dabei waren. Er sprach uns immer direkt an als „brother-sisters“ und erklärte kurz die „Regeln“ des Gottesdienstes: Unsere Kameras und Mikrofone sollten ausgeschaltet bleiben, während er spricht, aber er würde uns gerne zum Lesen einiger Passagen einladen, die er uns in der Chatfunktion schicken würde. Dabei sollten wir das Mikrofon einschalten und laut lesen, sobald er das Okay gibt. Zudem stelle er regelmässig Fragen, die wir im Chat beantworten sollten, damit er die Bestätigung hat, dass wir aufpassen. Sogleich kamen mir Erinnerungen an die Schulzeit auf und ich sass gerade hin, das Handy in einer Hand, um Notizen zu machen, und den Blick auf das Chatfenster gerichtet. Ich wusste immer noch nicht, was mich erwartet, denn Luke schien relativ locker, trotz der Regeln. Doch war ich auch erleichtert, dass Kamera und Mikrofon ausgeschaltet bleiben konnten.
Luke begann mit einem Gebet, bedankte sich für alle brother-sisters die jetzt die Worte Gottes empfangen werden und betete für unsere Gesundheit. Dies schien mir wegen der gegenwärtigen Pandemie angemessen und das gemeinsame „Amen“ im Chat zeigte, dass dieses Gefühl von der Gemeinschaft geteilt wurde. Nach dem Gebet begann Luke Geschichten zu erzählen, von Personen die Schmerz und Leid erfuhren, Beziehungen, die in die Brüche gehen, Eltern, die man nicht versorgen kann, da der Job kein Geld gibt, Jobverlust, etc. Die Frage „Warum?“ tauchte immer wieder auf, und Luke gab uns gleich die Antwort: Der Schmerz komme nicht von Gott, sondern von Satan. Sogleich gab er uns die erste Passage, die er aber selbst vorlas:
“Where did the pain of birth, death, illness and old age present throughout the life of man come from? Because of what did people first have these things? Man didn’t have these things when they were first created, did they? So where did these things come from? These things came after man was tempted by Satan and their flesh became degenerate, such as the pain of the flesh, the troubles and emptiness of the flesh and the extreme wretchedness of the world. Satan began to torment man after it had corrupted them. Man then became more and more degenerate, the illnesses of man were deepened, their suffering became more and more severe, and man felt more and more the emptiness, the tragedy and the inability to go on living of the world. Man felt less and less hope for the world, and these are all things that came about after Satan had corrupted man. So this suffering was brought on man by Satan, and it only came after man had been corrupted by Satan and became degenerate.” (Der Text findet sich in einer der heiligen Schriften der Kirche des Allmächtigen Gottes: Records of Christ’s Talks, Kapitel 19)
Satan also, der Verursacher alles Bösen, der Verführer der Menschheit zur Sünde sei an allem Schuld. Das schien mir soweit nachvollziehbar, denn da ich reformiert aufwuchs, ist mir Gott nie als eine sinnlos strafende Kraft vorgekommen. Auch im Chat schien Zustimmung zu herrschen, das „Amen“ mit welchem Luke die Passage abgeschlossen hatte, wurde von allen Teilnehmenden wiederholt. Esther reagierte auf all diese Amen mit einem Daumen hoch und schnell war klar, dass dieser Chat nicht nur von meiner neuen Freundin Cathy begleitet wird, sondern von einigen anderen „Aufsehern“. Luke fasste die Passage noch zweimal kurz zusammen und brachte uns alle auf den wichtigsten Punkt: Satan ist böse. Offensichtlich.
Wir Menschen und unsere Sünden – Es ist alles Satans Schuld!
Gleich darauf wurde eine zweite Passage gesendet, diesmal tauchte sie aber nicht so schnell auf. Hatte Luke keine Zeit, sich allen Chats zu widmen (er predigte ja auch noch), oder es gab kaum Kommunikation mit allfälligen Helfern? Cathy war übrigens nur die erste Stunde der insgesamt zweistündigen Predigt im Chat. Beim aktuell übermittelten Text meldete sich nach langem Zögern eine Person aus meiner Gruppe zum Lesen, doch Mikrofonstörungen liess die Stimme zur Unerkennbarkeit verzerren. Doch es fand sich ein weiterer Leser, nach einigen Aufrufen von Luke.
Zum ersten Mal handelte es sich um einen Bibeltext, um Röm. 7.17-19. Dieser spielt auf die sündhafte Natur des Menschen an. Luke ergänzte dies, indem er den Text „übersetzte“, vereinfachte. In Lukes Interpretation war wieder von Satan die Rede, wie Satan uns alle vergiftet habe und wir dadurch eine grundlegende sündhafte Natur hätten, die sich Gott widersetzt. Satan wolle nämlich, dass wir ihn verehren und nicht Gott.
Das klang alles ziemlich düster, aber Luke gab uns einen Lichtschein: Wenn wir etwas nicht erreichen können, seien nicht wir schuld, sondern unsere innere sündhafte Natur. Die können wir ja nicht steuern! Wir seien also nicht selbst schuld an der Sünde, sondern Satan sei der Verantwortliche. Was für eine Erleichterung! Sofort kam Luke aber wieder mit einem weiteren Problem: Die Sünden seien zwar nicht unsere Schuld, aber trotz allem seien sie so tief in unserem Wesen verwurzelt, dass einfaches Bekennen oder Beichten gar nicht helfen würde. Er beschrieb das Problem mit einem Baum, dem man die Blätter entfernt. Der Baum steht immer noch, die Wurzeln sind immer noch da und somit kommen im nächsten Jahr die Blätter wieder gleich heraus. Das Entfernen der Blätter sei das Bekennen, und obwohl dies die Sünden beseitige, bringe es schlussendlich nichts, weil der Mensch wieder sündigen wird.
Hier kam die erste Frage an uns: Wenn ein Kind von einer giftigen Schlange gebissen wird und dann von der Mutter nach Hause in Sicherheit gebracht wird, ist das Kind dann gerettet? Diese Frage war offensichtlich mit „Nein“ zu beantworten, da das Gift ja nicht entfernt wurde. So wurde auch der Chatverlauf mit „Neins“ gefüllt, und Luke schien zufrieden, dass wir dies richtig beantwortet hatten. Mein mulmiges Gefühl verschwand an dieser Stelle, denn wenn alle Fragen in diesem Stil kommen werden, kann ich vielleicht eine gute Note erreichen.
Die Lösung zum Problem Satan
Da nun also das Gift der Sünde immer noch in uns allen verbleibt, wie werden wir dieses los? Die Lösung sei, dass wir alle geheiligt („sanctified“) werden müssen. Nur so könnten wir gerettet werden. Gott schaue dank Jesus nicht mehr auf unsere Sünden und habe uns erlöst, aber trotzdem sündigen wir immer noch, wir sind nicht heilig. Um wahrlich heilig und somit dem Königreich Gottes wert zu sein, müssten wir die Wurzel des Gifts, Satans Einfluss, entfernen.
Auch diese Aussage wurde mit einer Bibelstelle untermauert, und gleich darauf sandte uns Luke zwei weitere Bibelstellen, die seine Worte unterstützten:
“You shall therefore be holy, for I am holy” (Lev 11:45). “Holiness, without which no man shall see the Lord” (Heb 12:14).
Wieder erklärte uns Luke ausführlich den Unterschied zwischen Erlösung und Heiligung:
“Be saved : At the time, Jesus’ work was the work to redeem all mankind. The sins of all who believed in Him were forgiven; as long as you believed in Him, He would redeem you; if you believed in Him, you were no longer a sinner, you were relieved of your sins. This is what it meant to be saved, and to be justified by faith.
Be sanctified : Satan’s poisons have been purified, no longer rebellious to God, no longer judge God, no notions about God, this is holiness. Satanic poison is the greatest corruption, the satanic disposition is cleaned, Satanic poisons are gone, and people don’t live by Satanic philosophy.”
Wie aber wird man geheiligt? Auch hier kam eine passende Bibelstelle:
Sanctify them by the truth; your word is truth. （Joh 17:17）
Gottes Wort also sei das Mittel um sich wahrlich von Sünde zu befreien. Luke folgert weiter, dass Jehova (so nennt die Kirche des Allmächtigen Gottes Gott im Alten Testament) und Jesus (nach der Kirche des Allmächtigen Gottes ist Jesus Gott im Neuen Testament) uns Anleitungen gegeben haben, das Alte und das Neue Testament.
So langsam werden bei mir die Verbindungen und das Ziel des Gottesdienstes sichtbar, denn in der Kirche des Allmächtigen Gottes wird geglaubt, dass Gott heute wiedergekommen ist, seine Worte verbreitet, und uns damit neue Anleitungen gibt. Der Gottesdienst insgesamt lief auf diese Sichtweise hinaus, ohne sie direkt zu benennen. Wäre ich nicht über die Gemeinschaft informiert gewesen, hätte vieles sich ohne Probleme mit meinem Bild des Christentums gedeckt. Die einzelnen Abweichungen hätte ich als Interpretation abbuchen können. Die Stossrichtung der Predigt war mir nun klar und ich war gespannt auf die Fortsetzung.
Gott und seine Worte
Ohne Pause wurde nämlich weitergemacht, und eine weitere Frage wurde uns gestellt: spricht Gott (oder Jehova) nun immer mehr, je mehr Sünde es gibt? Denn Gott spricht, um uns von unserer Sünde zu befreien, wenn man nun der Logik folgt, ist dies der Fall. So wurde auch im Chat gehorsam eine Flut von „Ja“-Nachrichten geschickt.
Luke fuhr zufrieden fort mit einer Frage, die er selbst beantwortete: Warum denn sprach Gott nicht schon früher so viel zu uns?
„And there are also many other things which Jesus did, the which, if they should be written every one, I suppose that even the world itself could not contain the books that should be written“ (Joh 21:25)
Die Antwort war also, dass es nicht möglich war. Die gesamte Welt könne die Worte von Jesus nicht umfassen, wie kann man sie denn in ein Buch schreiben? Ausserdem ist dieses Buch 2000 Jahre alt. Vor so langer Zeit waren die Menschen wie Babys, sie hätten es nicht verstanden, wenn Gott ihnen alles mitgeteilt hätte! Aber die Menschheit wuchs heran und heute seien wir viel reifer und offener für mehr Worte von Gott. Die Wahrheit, die uns heiligen soll, ist näher, als sie es zur Zeit von Jesus war. Sobald Gott auf die Erde zurückkehrt, und das würde er, werde er alle Geheimnisse und Rätsel auflösen und uns mit der Wahrheit beglücken.
Nun gäbe es aber immer wieder solche Christen, die der Meinung sind, dass in der Bibel alle Worte Gottes vorhanden seien und man keine weiteren Offenbarungen finden werde. Diese Christen, so meinte Luke, lägen falsch und würden gar das Wort Gottes verleugnen. Was auf diese Feststellung folgte, war die Kernpassage des Gottesdienstes, auf die Luke immer wieder zurückkam:
Offenbarung 5:1-5: And I saw in the right hand of him that sat on the throne a book written within and on the backside, sealed with seven seals. And I saw a strong angel proclaiming with a loud voice, Who is worthy to open the book, and to loose the seals thereof? And no man in heaven, nor in earth, neither under the earth, was able to open the book, neither to look thereon. And I wept much, because no man was found worthy to open and to read the book, neither to look thereon. And one of the elders said to me, Weep not: behold, the Lion of the tribe of Juda, the Root of David, has prevailed to open the book, and to loose the seven seals thereof.
Weiter erwähnte Luke zwei Stellen aus dem Daniel-Buch:
Dan 12:4 But thou, O Daniel, shut up the words, and seal the book, even to the time of the end: many shall run to and fro, and knowledge shall be increased.
Dan 12: 9-10 And he said, go your way, Daniel: for the words are closed up and sealed till the time of the end. Many shall be purified, and made white, and tried; but the wicked shall do wickedly: and none of the wicked shall understand; but the wise shall understand.
Der Löwe aus dem Stamm Juda sei Gott, was bedeute, dass nur Gott dieses geheime Buch öffnen könne. Gott würde dieses Buch auch öffnen, aber erst in den letzten Tagen. Die Bibel habe uns lediglich von den Sünden erlöst, aber dieses geheime Buch sei das Mittel, um uns alle zu heiligen.
So also werden von der Kirche des Allmächtigen Gottes ihre neu erschienenen Heiligen Schriften erklärt, wurde mir klar. Und auch Luke unterstrich diese Interpretation, denn immer wieder wurde dieses geheime Buch erwähnt. Doch ist es nicht das Buch des Lebens? Nein, findet Luke, denn das Buch des Lebens bestehe nur aus Namen. Namen alleine machten nicht heilig. Somit handle es sich um ein völlig anderes Buch.
Es folgte eine weitere Frage, deren Antwort den Teilnehmenden bereits klar vorgesagt wurde: Ist das geheime Buch die Bibel oder ein anderes Buch? Langsam kam ich mir vor, als würde ich wie ein Kind behandelt. So beantwortete ich wie die anderen Chatmitglieder auch diese Frage und dieses Mal kam sogar ein Herz von Esther, während Luke jedem persönlich dankte, der sich die Mühe machte zu antworten.
Dann folgte eine weitere Erklärung, warum Gott nun zusätzliche Worte sprechen muss, obwohl es doch schon die Bibel gibt. Wieder kam unsere „Erfahrung“ ins Spiel, die Menschheit sei gewachsen und nun bereit, mehr Wissen zu erlangen. Jesus hätte jenes Wissen weitergegeben, was in seiner Aufgabenliste stand (was mich auflachen liess, da ich mir Jesus mit einem Einkaufszettel vorstellen musste). Bei seiner Wiederkunft wird Jesus alle Rätsel und Geheimnisse, die er hinterliess, aufklären können.
Die letzten Tage = alle Geheimnisse werden gelüftet
In den letzten Tagen wird Gott seine wahren Gläubigen erkennen, denn nur diejenigen, die seiner Stimme folgen und seine Worte aufnehmen, seien wahrlich seine Schäfchen. So gebe es zwei Kategorien von Menschen, diejenigen, die verständen, und diejenigen, die nicht verständen und deshalb dem Untergang geweiht seien.
Nun kamen wir zur Sache: die Rettung vor dem ewigen Untergang wurde versprochen, und es wurde klar, was dazu nötig ist: Auf Gottes Worte hören. Das klingt ja nicht schwierig, aber Luke erklärte sofort weiter, dies sei nicht so einfach! Die Menschen müssten die wahren Worte Gottes ganz langsam aufnehmen, denn sie könnten nur allmählich gereinigt werden, bis sie vollkommen heilig seien. Gottes Wort sei also keine Sofortlösung!
Auf diese Erleuchtung kam dann eine weitere Frage:
Now we know Jesus will continue to speak the truth after he returns, and he will give the sealed book to us. If someone said “all of God’s word and work are recorded in the Bible. There’s no word and work of God outside the Bible“. Would you agree with him?
Natürlich antworteten alle mit “Nein“, und die Reaktionen von Esther im Chat waren ein “Daumen hoch“ und ein Herz. Ich fühlte mich, als hätte ich zur Belohnung einen Sticker bekommen.
Unmittelbar danach wurden wir aber wieder ermahnt. Wir dürften ja nicht verleugnen, dass es eine weitere Schrift gebe, sonst werde unser Name von der Schriftrolle der Prophezeiung genommen und wir würden niemals das Reich Gottes betreten können. Nach Gottes Wort gäbe es weitere Worte Gottes. Wenn man Menschen glaube, die das Gegenteil behaupten, wie könne man dann sagen, man glaube an Gott? Das gehe ja überhaupt nicht! Luke verglich in der folgenden Passage alle, die dies verleugnen, mit Sklaven:
What would be the result for us if we do not accept the new words? John 8:34-35 Jesus replied, “Very truly I tell you, everyone who sins is a slave to sin. Now a slave has no permanent place in the family, but a son belongs to it forever.
Nun wurde aus den neuen Offenbarungsschriften der Kirche des Allmächtigen Gottes zitiert:
“Christ of the last days brings life, and brings the enduring and everlasting way of truth. This truth is the path through which man shall gain life, and the only path by which man shall know God and be approved by God. If you do not seek the way of life provided by Christ of the last days, then you shall never gain the approval of Jesus, and shall never be qualified to enter the gate of the kingdom of heaven, for you are both a puppet and prisoner of history. ”
Erkenne Gottes Worte – aber wie?
Nun kam eine weitere Frage: Wenn man Gottes Worte hören sollte, wie erkennt man denn Gott? Auch darauf hatte Luke eine Antwort, denn Gott erkennt man gerade an seinen Worten:
My sheep hear my voice, and I know them, and they follow me (Joh 10:27). So then faith comes by hearing, and hearing by the word of God (Röm 10:17).
Weiter fragte Luke, ob wir Jesus je gesehen hätten, wenn wir doch an ihn glauben? Natürlich nicht, fuhr er fort, denn wir glauben an Jesus wegen seiner Taten und Worte und nicht, weil wir ihn gesehen haben. Somit kann man Gottes Stimme, Gottes Wahrheit fühlen, nicht sehen. Luke brachte verwies auf Joh 21, wo Jesus von seinen Jüngern nicht erkannt wurde, aber sobald er anfing zu predigen, merkten die Jünger, wer er war. Menschen bekehrten sich nicht durch die Betrachtung eines Bildes von Jesus, sondern durch die Lektüre der Bibel.
Wir sollten uns also nicht auf das Äussere beschränken, wenn wir vor Gottes Wiederkunft stehen, sondern wir sollten Gott durch die Worte erkennen. Laut der Kirche des Allmächtigen Gottes ist Gottes Wiederkunft eine Frau, die in China geboren wurde. Über sie ist nicht viel bekannt, es soll sich um die 1973 geborene Yang Xiangbin handeln, doch nicht einmal ihr Name ist bestätigt, und die Kirche des Allmächtigen Gottes selbst ist sehr verschlossen, was die wahre Identität der Wiederkunft Gottes anbelangt.
Das Ende des Gottesdienstes
Kurz nachdem Luke uns diesen Punkt darlegte, brach seine Verbindung zu unserer Gruppe ab. Anscheinend bemerkte Luke dies nicht und fuhr weiter mit seinem Gottesdienst fort, trotz unserer Texte im Chat, dass wir ihn nicht mehr hören konnten. Er liess uns mit einer Frage zurück:
If these new words are not in the bible, then how can we recognize God’s words? What are the characteristics of God’s words?
Darauf schickte er uns allen ein Google-Dokument, dass wir ausfüllen sollten. Es bestand aus den Fragen, die er uns im Verlaufe seiner Predigt gestellt hatte, und der Ermunterung, weiteren Gottesdiensten beizutreten. Ich füllte es mit einem mulmigen Gefühl aus, loggte mich aus Facebook aus, nachdem ich allen einen guten Tag gewünscht hatte, und musste erstmals das Gehörte verarbeiten.
Luke wirkte sehr überzeugend und sprach nicht so schnell, dass man nichts mitbekam, doch schnell genug, dass man ihn nicht unterbrechen konnte, und keine Zeit hatte, über seine Worte nachzudenken und sie zu hinterfragen. Nachdem ich einige seiner Passagen kopiert hatte, sah ich auch, dass die Bibelstellen zwar soweit mit dem üblichen Text übereinstimmten, aber zum Teil subtil ergänzt wurden, um die Lehre der Kirche des Allmächtigen Gottes schleichend schmackhaft zu machen.
Die Verbindung zu Cathy und Luke, die ich während und vor dem Gottesdienst aufbaute, war sehr schnell sehr nahe, ich wurde sofort ein „brother“ von allen Teilnehmenden. Meine Antworten wurden jeweils beachtet und manchmal bedankte sich Luke bei jedem persönlich, indem er unsere Namen aufsagte. Ich war wiederum froh, dass ich mich schon vorher mit dieser Gemeinschaft etwas auseinandergesetzt hatte. Dies erlaubte mir zu unterscheiden, was aus der Bibel und was von der Gemeinschaft selbst kam. Die Vermischung war subtil, aber vorhanden. Die Fragen, deren Antworten immer sofort klar waren, hatten den Effekt, dass wir Lukes Worte nachsprachen und damit verinnerlichten. Wiederholungen wurden reichlich angewandt, nicht zu viel, aber gerade so, dass man den Punkt jeweils nicht vergisst. Ich war froh, als ich den Laptop schliessen konnte, denn nach zwei Stunden Gottesdienst war ich sehr müde.
Alain Liechti, Juli 2020