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Die «Königin des Boulevard» tritt ab. Rebekah Brooks gibt ihren Posten als Vorstandschefin von Rupert Murdochs Verlag News International ab. Dies teilte sie am Morgen mit. «Ich hatte gedacht, es wäre richtig und verantwortungsvoll gewesen, dass ich uns durch die Hitze dieser Krise führe», schrieb sie an ihre Mitarbeiter. Aber dann sei sie selbst in den Mittelpunkt gerückt worden. Das war offenbar zu viel.
Brooks ist tief in den Skandal um abgehörte Mobiltelefone verwickelt. Als ehemalige Chefredaktorin der inzwischen eingestellten Skadalzeitung «News of the World» soll sie von den illegalen Abhörpraktiken der Zeitung gewusst - oder diese sogar gefördert - haben. Bislang stellte sie dies kategorisch in Abrede.
Als Grossbritanniens führende Boulevard-Lady lebte sie in den vergangenen Jahren keineswegs zurückgezogen - dennoch liess sie von ihrem Privatleben wenig durchblicken. Bei ihrer Hochzeit mit dem früheren Rennpferde-Trainer Charlie Brooks sollen «mehr Kontakte als Freunde» gewesen sein, wie es ein Gast im «Observer» ausdrückte.
Mit Premierminister David Cameron, der fast ihr Nachbar ist, soll sie gerne reiten gehen. Weggefährten beschreiben die Frau als berechnend. «Sie kann jemanden ans Messer liefern und am nächsten Tag mit ihm Essen gehen», sagte der einstige «Sun»-Chefredakteur David Yelland über sie.
Die steile Karriere der Rebekah Brooks
Ihr Berufsleben gestaltete die Frau mit der markanten roten Löwenmähne äusserst effizient. Für ihren ersten Job soll sie sich im Alter von 20 Jahren praktisch selbst bei einer Zeitung eingestellt haben. Mit 32 war sie schon Chefredakteurin von «News of the World"» - die jüngste Chefredakteurin einer britischen Zeitung überhaupt.
Im Jahr 2003 wechselte sie an die Redaktionsspitze der «Sun» und gab das alte Amt an ihren Stellvertreter Andy Coulson ab. Im September 2009 machte sie ihr Mentor Rupert Murdoch zur Vorstandschefin seiner britischen Zeitungsholding News International.
In ihre Ära bei «News of the World» fiel eine Hetzkampagne gegen Sexualstraftäter. Auf öffentlichen Druck musste sie die als Aufruf zur Selbstjustiz empfundene Kampagne einstellen.
Im Jahr 2003, kurz nach Verlassen von «News of the World», deutete sie vor Parlamentsabgeordneten erstmals an, dass Journalisten Informationen von Polizisten gekauft haben könnten. Auch wenn sie den Fauxpas wenig später schriftlich zu relativieren versuchte. Er liess sie bis heute nicht mehr los.
(cms/tno/sda/awp)