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Der Name Zuchwil stammt aus dem keltischen "tug", was fruchtbar sein heisst, und "wil", der Bezeichnung für einen römischen Gutshof. Der Überlieferung nach dürfte der helvetische Sippenführer "Tucho" (Zucho) der Ortschaft den Namen gegeben haben. Da wo heute die katholische Kirche steht - es ist das dritte Gotteshaus im Laufe der Jahrhunderte - stand ein herrschaftlicher römischer Gutshof. Zahlreiche Funde aus dieser Zeit, wie Mauerreste, Münzen, Scherben von Falzziegeln, Stücke von Bodenbelägen und der Kopf einer Amphora sind Zeugen der untergegangenen römischen Kultur in den ersten vier nachchristlichen Jahrhunderten.
In den folgenden dreihundert Jahren nahmen die Alemannen von der Gegend Besitz. Sie hinterliessen zahlreiche noch heute bestehende Flurnamen wie Schachen, Grabacker und andere und liebten Einzelhofsiedlungen wie Emmenholz und Bleichenberg. Zudem errichteten sie, um vor Überfällen geschützt zu sein, befestigte Plätze, "Birchi" genannt.
Bescheidenes Bauerndörfchen
Zuchwil wird in den Stiftsakten von St. Ursen um das Jahr tausend erstmals erwähnt. Bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts blieb Zuchwil ein bescheidenes Bauerndörfchen am Rande der Stadt Solothurn. Alte, von Moos bedeckte Dreisässenhäuser mit finsterer Küche, Rauchfang und Rauchkammer, bildeten den Kern des einstigen Fleckens. 1885 fielen in einem Grossbrand auf einmal sieben der wärschaften Bauten dem Feuer zum Opfer, darunter das Haus mit dem Gemeindebackofen. Aus dieser Zeit sind heute noch im Winkel zwei alte Gebäude erhalten.
1454: Erste Brücke über die Emme
Das alte Zuchwil war mit einem Hag umgeben. Daran schlossen sich Bünden für Gemüse-, Flachs- und Kartoffelbau. Die angrenzenden Landgebiete waren in Zelgen eingeteilt und dienten der Dreifelderwirtschaft in Winterfrucht, Sommerfrucht und Brache. Waldstreifen bedeckten den Bleichenberg und die beiden Seitenmoränen Haldenrein und Dittiberg, ebenso den östlichen Gemeindebann gegen Derendingen. Dorthin führte ein Strässchen mit einem Steg über die Emme, der 1454 durch die erste Brücke ersetzt wurde (1543 eine gedeckte Holzbrücke). Östlich der 1581 erstellten St. Martins-Kirche standen zwei prächtige Linden. (Die grössere hatte in 1,50 Metern Höhe einen Umfang von 6,50 Metern) Beide wurden 1927 von einem ungewöhnlichen Gewittersturm umgerissen. Unter diesen Linden fanden Gemeindeversammlungen und Gerichtssitzungen statt.
150 Pfund für den Vogt
Die erste Gemeindeordnung von 1795 bestimmte unter anderem, wer sich in Zuchwil einbürgern wolle, müsse neben "Gschiff und Gschirr" ein Vermögen von mindestens 1000 Pfund haben. Die Einkaufstaxen für Untertanen der eigenen Vogtei betrugen 150 Pfund für den Vogt, 300 Pfund für die Gemeinde und 15 Pfund für die Pfarrkirche. Angehörige anderer Vogteien bezahlten bedeutend mehr. Neubürger hatten auf der Allmend 12 junge Eichen und 6 Kirschbäume zu setzen. Hintersässen zahlten eine jährliche Sondersteuer von 10 Pfund. Jeder hatte zwei Feuereimer anzuschaffen. Ein Haus bauen konnte nur, wer einen Viertel Rechtsame besass. Der gesamte Landbesitz war in den Händen weniger Grossbauern. Diese Familien hiessen Affolter, Hügi, Marbet, Schreier und Ziegler. Später kamen dazu die Familien Karli von Lohn und die Familien Kummer von Heinrichswil. 1840 bis 1843 fand ein bedeutender Rechtsamestreit statt. Der Prozess fiel zugunsten der Rechtlosen aus. Fortan wurden die Rütti, der Rain, der Haldenrein und das Widi zu Gemeindeeigentum ohne Privatrechte bestimmt.
Hunger vertrieb die Menschen
Während der Hungerjahre (1850) errichtete die Gemeinde eine Armenküche. 15 Personen wanderten nach Amerika aus. Die Kosten für die Überfahrt betrugen für Erwachsene 180 Franken, für Kinder unter zwölf Jahren 130 Franken. Daran leistete die Gemeinde einen erheblichen Beitrag. 1852 erstand die Gemeinde die erste Dorfspritze mit einem einzigen Schlauch (Kosten 650 Franken). Um diese Kosten zu decken, wurde eine ausserordentliche Steuer angesetzt. 1866 schaffte man die ersten Feuerwehr-Uniformen an, der Rock kostete neun Franken, der Helm einen Franken.
Gemeindesteuern
Die erste Steuerkommission wurde 1870 gewählt und die erste Steuer der Gemeinde 1871 im Betrage von 592.87 Franken eingezogen. Merkwürdig berührt ein Gemeindeversammlungsbeschluss aus dem Jahre 1838, in dem zwei Tage vor der angesetzten Trauung einem Josef Affolter, Schneider von hier, verboten wird zu heiraten, bis er sich genügend ausgewiesen habe, eine Frau und Kinder hinlänglich erhalten und ernähren zu können.