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In 1928
Zuäusserst an der Grenze gegen das Oberelsass hin erhebt sich auf einer Felskuppe eines Ausläufers des Blauenbergs ein malerischer Gebäudekomplex: Schloss Burg. "Birg" ist eine zum Eigennamen gewordene allgemeine Bezeichnung für die dortige mittelalterliche Feste, die den engen, schluchtartigen Durchgang (Klus) ins Leimental, von und nach Biederthal, beherrschte.
Auf dem stufenförmigen und unregelmässigen Felskamm sind im Laufe der Zeit verschiedene Burgen errichtet worden. Bei der "Burg" und auf dem dortigen Kamme will A. Quiquerez die Spuren von nicht weniger als sieben Burgen und ausserdem noch von zwei vorgelagerten (römischen) Militärposten mit elf zum Teil in die Felsen gehauenen Gräben festgestellt haben! - Der Aufstieg vom gleicht namigen Dörfchen her ist sehr steil und stellenweise gemildert und namentlich gegen das Ausgleiten der Pferde gesichert worden durch in den Felsen eingehauene niedere Treppenstufen. Solche finden sich auch unter dem kräftigen Bogen des äussern Tores. Der von der Klus sich den Felshang hinaufwindende Weg führt unter einem Felsentor durch, das an die Pierre Pertuis erinnert. Der Burgenhügel heisst im Volksmund "Schönenberg" und bietet in der Tat eine prächtige Sicht auf die vorgelagerte elsässische Ebene.
Diesen Namen Schönenberg aber trug einst eine starke Burg auf dem westlichen Teile jenes Felsenkammes, von der noch verschiedene Trümmer zeugen. Es muss eine recht eindrucksvolle, vielgestaltige Feste gewesen sein, mit einem Aussenwerk, zwei Vorburgen und tiefen Gräben. Die Hauptburg ist bloss mehr an der Lage und Bodengestaltung zu erkennen; das Mauerwerk ist längst schon durch baulustige Talbewohner aufgezehrt worden. Nachgrabungen aber würden sicher einen interessanten Grundriss ergeben. - Die Burg Schönenberg gehörte wohl von Anfang (ca. 1200 an den Grafen von Pfirt, die hier verschiedene Dienstadelige ansiedelten. Von diesen führte eine Familie den Namen "von Schönenberg". Ein Zweig derselben trat schon früh in den Dienst des Bischofs von Basel. Wahrscheinlich gehört ihm auch jener Jakob von Schönenberg, gen. von Tavannes, an, ein Edelknecht, der 1364 als Kastellan auf Schlossberg und 1375-1380 als Meier zu Biel erscheint. Einträglicher aber war das Truchsessenamt des Hochstifts Basel mit den vielen Lehengütern, Kirchensätzen und Zehnten bis weit ins Elsass hinunter, die der Bischof "sinen getrüwen lieben Dienern" von Schönenberg überwiesen hatte und um die z. B. Marquard von Schönenberg 1478 neuerdings Lehenstreue schwor. - Die Burg Schönenberg aber lag seit dem Erdbeben von 1356 in Trümmern.
En 2006 (photo yesuitus 2001)
Das heutige "Schloss Burg" stammt zur Hauptsache wohl aus dem 18. Jahrehundert, mit verschiedenen älteren Teilen aus dem Spätmittelalter. Die verschiedenen Gebäulichkeiten sind mit- und untereinander verbunden. Dabei sind bemerkenswert das über dem äussern Torbogen sich erhebende Torhaus mit Schiessscharten, der Glockenturm, die frühere Schlosskapelle (heute Gemeindekirche) mit einem altertümlichen, runden Eckturm, der äussere Torbogen mit der Jahrzahl 1577, der innere Schlosshof und die imposante steinerne Freitreppe, die noch unlängst mit einer Zugbrücke in Verbindung stand und die hinauf führt in den einst wehrfähigen Aufstiegturm. Von hier gelangt man zum Hauptgebäude, das in ein altes und ein neues Schloss geteilt ist.
Auf "Burg" soll schon Kaiser Lothar II. im Jahre 859 einige Tage geweilt haben. Die erste sichere Kunde aber stammt von 1168, in welchem Jahre Kaiser Friedrich (Barbarossa) den Grafen Albrecht III. von Habsburg mit "Burg" belehnte. Von den Habsburgern gelangte 1269 die kleine Herrschaft kaufweise um 260 Mark Silber an den Bischof von Basel. Dabei verblieb den Habsburgern ein Viertel, das sie 1303 den Edlen von Ratolfsdorf verpfändeten. Burg kam hierauf als bischöfliches Lehen an die Edlen von Biederthan, nach denen es fortan öfters benannt ward. Um 1400 ging es als Erblehen an die Ministerialen von Wessenberg über, die im 17. Jahrhundert in den Reichsfreiherrenstand erhoben wurden. Zwischen ihnen und dem Lehensherren ergaben sich vielfach Händel, namentlich auch, weil die Lehensträger ohne Erlaubnis die Burg an die Stadt Basel verkauft hatten. Die Basler belagerten und eroberten Burg im Jahre 1520, weil es der Bischof wieder an sich gezogen hatte; doch mussten sie schliesslich darauf verzichten. Es verblieb nach dieser Episode den Wessenberg bis ins 18. Jahrhundert.
Burg bildete eine kleine, fast unabhängige Herrschaft, jedoch ohne hohe Gerichtsbarkeit, da die Übeltäter vor das bischöfliche Gericht zu Zwingen geführt werden mussten. Doch sandte es an die Versammlungen der bischöflichen Stände einen eigenen Vertreter, der seinen Rang nach demjenigen der Vogtei Freiberge innehatte. Zur Burg gehörten Zehnten und Bodenzinse, grundherrliche Rechte, zahlreiche Leibeigene und entsprechender Grundbesitz. - 1793 kam die kleine Herrschaft an das Departement Mont Terrible, dann Haut-Rhin, und gelangte 1815 mit dem Jura an den Kanton Bern. Das Schloss kam in verschiedene Privathände. Fräulein Dr. Theyssen liess die vernachlässigten Gebäulichkeiten ums Jahr 1900 unter grossen Opfern wieder instandstellen.
photo Roland Zumbuehl
Bibliographie