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Noch ein Film über Vincent van Gogh – ist man versucht zu sagen. Das Künstlerleben des niederländischen Malers wurde bereits über 30 Mal verfilmt.
Aber Kritiker sind sich einig: «At Eternity’s Gate» ist einer der Besten. Die «Variety» lobt: «Ein Film wie eine blühende Sonnenblume.»
Der Film wird zu Recht gelobt. Die Stärke des Künstlerporträts ist der Fokus auf die letzten zwei Lebensjahre von Vincent van Gogh (1888-1890). «At Eternity’s Gate» zeigt einen Maler, der mit mentalen Problemen kämpft. Es geht aber auch um die Frage, was es heisst, Künstler zu sein.
Das Drama zeigt van Gogh als Besessenen: 80 Gemälde in 70 Tagen produziert er in seinen letzten Tagen. Vor allem die Landschaft Südfrankreichs faszinierte ihn.
«Wenn ich die Natur betrachte, dann sehe ich das Band, das uns alle vereint, vielleicht klarer. Die vibrierende Energie, aus der Gottes Stimme spricht. Manchmal ist sie so stark, dass ich das Bewusstsein verliere», sagt Vincent van Gogh im Film.
Das stärkste Zitat
Nachdem sich Vincent van Gogh das Ohr abgeschnitten hatte, wurde er in die Nervenheilanstalt Saint-Rémy eingewiesen. Dort hat er ein Gespräch mit einem Priester (Mads Mikkelsen):
Priester: «Kauft irgendjemand Ihre Gemälde?»
Vincent van Gogh: «Nein.»
Priester: «Dann sind Sie arm.»
Vincent van Gogh: «Ziemlich arm.»
Priester: «Sie glauben also, dass Gott Ihnen diese Gabe verliehen hat, um Sie in Armut zu belassen?»
Vincent van Gogh: «So habe ich es bisher noch nie betrachtet.»
Priester: «Und wie betrachten Sie es?
Vincent van Gogh: «Vielleicht hat er die falsche Zeit gewählt.»
Priester: «Und was meinen Sie damit?»
Vincent van Gogh: «Vielleicht hat Gott mich zu einem Maler für Menschen gemacht, die noch nicht geboren sind.»
Priester: «Mag wohl sein.»
Der Schauspieler
Willem Dafoe ist ein Schauspieler, der alles spielen kann. Vom düsteren Schurken in «Spider-Man» bis zum italienischen Dichter und Filmregisseur in «Pasolini».
Der US-Amerikaner mit dem kantigen Gesicht schafft den Spagat zwischen Blockbuster-Kino und Arthouse-Filmen scheinbar mühelos.
Regisseur Wim Wenders überreichte 2018 Dafoe an der Berlinale den Goldenen Bären für sein Lebenswerk. Er würdigte den Prämierten mit dem Satz: «Jeder Schauspieler ist einzigartig, aber Willem Dafoe ist es noch mehr.»
Fakten, die man wissen sollte
Im Film sieht man viele Gemälde von van Gogh. Das sind natürlich keine Originale. Regisseur Julian Schnabel, der auch ein bekannter Maler ist, hat bei einigen Werken gleich selber Hand angelegt. Unter anderem das Selbstbildnis mit Pfeife hat der 67-Jährige selbst gemalt.
Grund: Das Gesicht musste Darsteller Willem Dafoe gleichen. In einem Interview verriet Schnabel, dass er für die Kopien zwanzig Minuten bis eine Stunde gebraucht hat: «Den schwierigsten Teil hat ja schon van Gogh erledigt.»
Das Urteil
«At Eternity’s Gate» zeigt ein intimes Porträt über einen heute weltberühmten Künstler. Regisseur Julian Schnabel gelingt dies, weil er einen anderen Blickwinkel auf den Künstler wagt. Er zeigt van Gogh als einsamen und zerbrechlichen Menschen, der immer wieder von seinen inneren Dämonen verfolgt wird.
Die Rolle des niederländischen Malers füllt der US-amerikanische Schauspieler Willem Dafoe perfekt aus. «At Eternity’s Gate» feierte letztes Jahr in Venedig am Filmfestival Premiere. Willem Dafoe wurde als bester Schauspieler ausgezeichnet. Ausserdem war er für den Oscar nominiert.
Kinostart: 18.04.2019