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Loslösung vom Deutschen Reich
Frau J. / 05.November 2004:
Basel schloss den Bund mit der Eidgenossenschaft 1501. Die Loslösung vom Deutschen Reich erlangte aber erst J.R.Wettstein 1648. Was ist der Grund für diese lange Doppelgleisigkeit?
Antwort von altbasel.ch:
Genau genommen gab es keine Doppelgleisigkeit im genannten Sinne. Basel wurde als Teil des Reichs zunächst vom Bischof von Basel regiert, der als Vertreter des Königs oder Kaisers in weiten Bereichen fungierte. Mit der Zeit verlor der Bischof seine Befugnisse an Rat und Zünfte - 1488 erhielt Basel von Kaiser Friedrich III. dann die Reichsunmittelbarkeit.
Damit unterstand Basel direkt dem Oberhaupt des Deutschen Reiches. Allerdings genoss der Bischof das Recht seine alten Privilegien jederzeit zurückzukaufen, weshalb die Stadt ihr Wappen nicht unter das Adlerwappen des Reiches stellen durfte, da die Freiheit von der Herrschaft des Bischofs quasi provisorischen Charakter hatte. Dies änderte sich erst mit der Reformation.
Im Jahr 1495 wurde das oberste Reichskammergericht gegründet, welches der Verwilderung des Rechts im Reich ein Ende bereiten sollte. Dieses Gericht wurde für die Handelsstadt Basel immer wieder zu einem Ärgernis, weil seine Sprüche oft Einschränkungen bedeuteten. Die Spannungen um das Gericht sollten über 150 Jahre später Folgen für die ganze Eidgenossenschaft haben.
Zunächst kam aber 1501 der Beitritt Basels zum Bund der Eidgenössischen Orte. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass trotz der Freiheit von diversen Pflichten die Eidgenossenschaft ein Teil des Deutschen Reiches war, und sich auch als solcher verstand. Eine Nation wie die heutige Schweiz mit entsprechendem Bewusstsein gab es damals noch nicht.
Das Gefühl ein Teil des Reiches zu sein war auch in Basel präsent. Es manifestiert sich etwa in den Glasmalereien zu den einzelnen Orten der Eidgenossenschaft im Basler Rathaus von 1519/20. Dort prangt über den Wappen der Orte der Reichsadler, oft mit Kaiserkrone. Basel durfte aus bereits genannte Grund das Wappen mit dem Adler nicht präsentieren.
Erst nach der Reformation 1529 löste sich Basel fast vollkommen vom Bischof und durfte nunmehr das Wappen des Reiches zusammen mit dem eigenen zeigen wie die anderen eidgenössischen Orte. Das Reichswappen ist noch heute als ein Zeuge jener Epoche etwa auch am Käfigturm In Bern zu sehen, wo es 1643 mit zwei Berner Wappen angebracht wurde.
Beim Friedenskongress in Westfalen am Ende des 30jährigen Krieges sollte ursprünglich nur erreicht werden, dass die deutsche Stadt Basel nicht länger der Gerichtsbarkeit des Reiches unterstand, dessen Reichskammergericht immer wieder in den Handel in einer für Basel störenden Weise eingriff. Erst später drang Idee einer autonomen Eidgenossenschaft durch.
Wettsteins Mission am Friedenskongess fand wegen mangelnder Einigkeit nicht im Namen aller Orte der Eidgenossenschaft statt und wurde zunächst nur von Basel alleine finanziert. Der Basler Bürgermeister erreichte schliesslich die Loslösung der Eidgenossenschaft vom Deutschen Reich, die mit einem Dekret im September 1647 Praxis wurde.
Erst damit schied die Eidgenossenschaft formell aus dem Reich aus. Der Reichsadler wurde fortan nicht mehr auf die Basler Münzen geprägt. Etwas länger dauerte es bis das Amt des Reichsvogts verschwand, das man erst 1672 abschaffte. Rechtlich gesehen waren Basel und die Eidgenossenschaft bis 1647 Teil des Reiches, und sie waren es schon vor ihrer Vereinigung 1501.
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