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Die Prozedur einer Kandidatur für die Einschreibung auf die Liste des Welterbes ist in den «Orientations pour la mise en œuvre de la Convention du Patrimoine mondial», einer Art Gebrauchsanweisung für das Welterbe, präzis geregelt.
Erste Bedingung für eine Kandidatur ist der Eintrag des Objekts auf die «liste indicative» der Schweiz. Das Bundesamt für Kultur und das Bundesamt für Umwelt legen dann im Einvernehmen mit den betroffenen Kantonen und lokalen Trägerschaften den Zeitpunkt der Einreichung der Objekte fest, die auf der «liste indicative» verzeichnet sind: Jeder Vertragsstaat kann pro Jahr zwei Kandidaturen einreichen. Das Bundesamt für Kultur und das Bundesamt für Umwelt begleiten in enger Zusammenarbeit mit den Trägerschaften die Erstellung der Kandidaturdossiers und prüfen diese Dossiers auf nationaler Ebene, bevor sie über die ständige Delegation der Schweiz bei der UNESCO in Paris eingereicht werden. Die Dossiers sind anspruchsvoll: Sie müssen detailliert das Objekt beschreiben und dessen Geschichte und Entwicklung darlegen. Der rechtliche Schutz der vorgeschlagenen Stätte muss verbindlich geregelt sein, ebenso das Management im Falle einer Aufnahme: Zu diesem Zweck muss ein Managementplan erstellt werden, der Zuständigkeiten, Ziele sowie die entsprechenden Massnahmen und deren Finanzierung festlegt. Im Zusammenhang mit dem Management einer Welterbestätte werden bei den neuen Kandidaturen heute meistens Trägervereine gegründet. Letztendlich muss das Dossier beweisen, dass die Stätte authentisch und von aussergewöhnlichem universellem Wert ist: Dazu gehört auch eine Analyse, in der das Objekt mit anderen ähnlichen Gütern auf der ganzen Welt verglichen wird. Es versteht sich von selbst, dass die Erarbeitung eines solchen Kandidaturdossiers aufwendig und zeitintensiv ist.
Die Prüfung der Kandidaturen bei der UNESCO dauert rund anderthalb Jahre und folgt festen Fristen: Über Kandidaturen, die bis spätestens am 31. Januar eines Jahres eingereicht werden, entscheidet das Welterbekomitee anlässlich seiner Session im Sommer des darauffolgenden Jahres. In der dazwischenliegenden Zeit werden die Kandidaturen von den die UNESCO beratenden Organisationen ICOMOS «International Council on Monuments and Sites» (für Kulturgüter) bzw. von IUCN «International Union for the Conservation of Nature» (für Naturgüter) evaluiert. Deren Bericht dient dem Welterbekomitee als Entscheidungsgrundlage.