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Pully
(Kt. Waadt, Bez. Lausanne). 425 m. Gem. und grosses Pfarrdorf, am S.-Fuss des Jorat und auf einer ziemlich steil zum Genfersee abfallenden Terrasse, 400 m vom Seeufer und an der Strasse und Bahnlinie Lausanne-Saint Maurice; 2,2 km sö. Lausanne. Station der Simplonbahn und der Strassenbahn Lausanne-Lutry. Dampfschiffstation Port de Pully. Postbureau, Telegraph, Telephon. Das Gebiet der Gemeinde steigt vom Seeufer steil bis zur oberen Terrasse von Lavaux (375-809 m) an und wird vom Tobel der Chandelard durchschnitten.
Der obere Abschnitt, Monts de Pully genannt, trägt verschiedene Einzelsiedelungen, während im untern Teil neben zerstreuten Siedelungen das Dorf steht. Im O. grenzt die Gemeinde an das Tobel der Paudèze. Weinberge. Gemeinde, mit den Weilern und Höfen Château Sec, Chamblandes, Port de Pully, La Paudèze, La Rosiaz und Les Monts de Pully: 311 Häuser, 2339 zur Mehrzahl reform. Ew.; Dorf: 165 Häuser, 1112 Ew. 1870 zählte die Gemeinde 1476 Ew. und 1888 deren 1768. Das ziemlich bedeutende Wachstum hat seinen Grund in der Nähe der sich rasch entwickelnden Stadt Lausanne.
Gemeinsame Pfarrei mit den Gemeinden Belmont und Paudex. Bemerkenswert das an die Pfarrkirche anstossende Gebäude einer einstigen Propstei, das heute als Schulhaus, Sitz der Gemeindebehörden und des Friedensrichters, sowie als Gasthof dient. Die hohen Aussenmauern umschliessen einen Hof, in den zwei zinnengekrönte Torbogen Zutritt gewähren. Von der Terrasse s. vor der Kirche Aussicht auf See und Alpen. Asyl für unheilbar kranke Kinder; bedeutendes katholisches Pensionnat.
Ueber die Paudèze spannen sich grosse Viadukte der Linien nach Bern und dem Simplon. Acker-, Gemüse- und Weinbau. An der Mündung der Paudèze steht rechts vom Bach eine wichtige Zementfabrik, die den sog. Paudézit herstellt, von dem sie jährlich 600000 Säcke versendet. Sie beschäftigt im Durchschnitt 150 Arbeiter. Ihre am linken Ufer der Paudèze stehenden Bauten gehören zur Gemeinde Paudex und heissen Usine de Paudex. Ebenfalls an der Paudèze finden sich zwischen der Strasse und der Bahnlinie Lausanne-Wallis mehrere Mühlen.
Pully ist eine alte Siedelung, deren schon 962 erwähnte Kirche von der Königin Bertha dem Kloster
Payerne geschenkt wurde.
Dieses errichtete hier dann eine Propstei. König Rudolf III. von Burgund trat alle seine Rechte auf
Pully (besonders auch die Gerichtshoheit) 994 an die Abtei
Saint Maurice ab, die sich die
Herren von Faucigny zum Kastvogt
wählten. Zu Ende des 13. Jahrhunderts kam die Kastvogtei an die
Grafen von
Genevois, von deren Bastardlinie
sie 1517 an den
Bischof von
Lausanne überging, der bereits früher Grundherr von
Pully geworden war.
Auch der
Graf von
Greierz besass in
Pully und den Kirchgemeinden von
Lavaux Grundeigentum. Die aus der Zeit der Burgunderkriege
stammende Feindschaft zwischen den Bewohnern des
Hinterlandes und denen des Seeufers (Untertanen des
Bischofes)
gab zu Beginn des 16. Jahrhunderts Anlass zu zahlreichen Streitigkeiten und veranlassten u. a. 1507 einen Einfall der
Greierzer
ins
Weinland, bei dem Blut floss. Als sich solche Zwischenfälle zu wiederholen drohten, legten sich Bern
und Freiburg
ins Mittel und setzten
auf einem von beiden Parteien beschickten Kongress zu Freiburg
den Händeln ein Ende.
Die Pest raffte 1629 und 1638 in
Pully 330 Personen hinweg. Pfahlbau. Fund von Hockergräbern bei
Pierra Portay und
Chamblandes
und eines Grabes aus der Steinzeit in
Verney. Bronzestatuette des gallischen
Gottes Taranis. Römische Ruinen und Fund eines
römischen Münzschatzes.
Pully ist der Hauptort eines Kreises im ö. Abschnitt der Bezirkes
Lausanne
mit den Gemeinden
Pully,
Paudex,
Belmont und
Épalinges mit zusammen 3871 Ew.
Épalinges wird von den übrigen Gemeinden durch
einen zu
Lausanne gehörenden Landstreifen getrennt. 962: Pulliacum; 1142: Puliei; 1453: Pulliez. Vergl. Schenk, A. Les tombes
de
Chamblandes.
Lausanne 1904.