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Antēnor,
bei Homer einer der weisesten unter den greisen Trojanern. Gastfreundlich nimmt er Menelaos [* 2] und Odysseus, die Friedensgesandten, auf; mit ihm fährt Priamos aus, zwischen beiden Völkern den Waffenstillstand zu stande zu bringen und zu vereinbaren, daß ein Zweikampf zwischen Paris [* 3] und Menelaos dem Krieg ein Ende mache, und als endlich Hektor und Aias einander im Zweikampf gegenüberstehen, schlägt er vor, durch Rückgabe der Helena Frieden zu machen. Weiter tritt er bei Homer nicht handelnd auf.
Spätere haben das freundliche Verhältnis zu den Griechen zum Verrat umgestempelt, indem sie ihn gegen große Versprechungen von seiten der griechischen Fürsten die Thore Trojas öffnen lassen. Bei der Zerstörung der Stadt ward sein Haus, mit einem Pantherfell bezeichnet, auf Agamemnons Befehl verschont. Nach Trojas Fall gründete er auf den Trümmern der alten eine neue Stadt oder ging nebst seinen Söhnen mit Menelaos unter Segel und ließ sich in Kyrene nieder. Nach andern führte er die aus Paphlagonien vertriebenen Heneter (Veneter) nach Italien [* 4] an die Mündung des Po und gründete Patavium (Padua). [* 5]
Vgl. Stiehle (im »Philologus«, Bd. 15, S. 593 ff.).