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Als Mitbegründerin des Berner Videokollektivs Container TV engagierte sich Katharina in der neuen Frauenbewegung. Im Video Froue – jetz längt’s kommen die Ausdruckskraft und der Elan der jungen Rebellinnen gut rüber: mit Szenen aus einem Strassentheater und Kurzporträts von feministischen Organisationen und Einrichtungen wie einer Informationsstelle von und für Frauen. Das Ganze untermalt von feministischer Musik. Im Refrain aus dem Song «Unbeschreiblich weiblich» von Nina Hagen heisst es: «Warum soll ich meine Pflicht als Frau erfüll’n? Für wen? Für die? Für dich? Für mich? Ich hab‘ keine Lust, meine Pflicht zu erfüll’n. Für dich nicht. Für mich nicht. Ich hab‘ keine Pflicht.»
In ihrem Porträt erklärt Katharina Balmer, was feministisches Videoschaffen damals für sie bedeutete: «Wir zeigten in einem unserer Videos verschiedene Bilder von Frauen. Eine intellektuell wirkende Frau mit Brille, darunter hiess es: Möchten Sie mit dieser Frau schlafen? Dann ein Bild mit einer sexy aussehenden, attraktiven Frau, darunter: Können Sie sich ein wissenschaftliches Gespräch mit dieser Frau vorstellen? Dann ein nettes Foto einer Mutter mit ihrem Baby im Arm und darunter: Können Sie sich diese Frau an einer Demonstration für gleiche Bildungschancen für Frau und Mann vorstellen? Wir untersuchten, welche Bilder was auslösen.» (vgl. Katharina Balmer Video 11.09: Das Video «Froue – jetz längt’s» hinterfragt Frauenbilder)
Und welche Rolle nahmen die Frauen in Container TV ein? Nach einer gewissen Zeit erlahmte das Interesse der Frauen aus unterschiedlichen Gründen: «Die Männer dominierten, weil sie mehr von der Videotechnik verstanden.» (vgl. Katharina Balmer Video 13.45: Die Frauen steigen aus). Wie die Männer das sahen, erfahren sie in meinem nächsten Kommentar, der ebenfalls dem Berner Videokollektiv Container TV gewidmet ist.
Ich wünsche anregende Videolektüre!
Heinz Nigg
Das unabhängige Videoschaffen und das internationale Phänomen der Jugendbewegungen in Europa befeuerten sich in den 1970er- und 1980er-Jahren gegenseitig: Die jungen Aktivisten entdeckten das Video als neues Medium, brachten Proteststimmungen zum Ausdruck und kämpften um autonome kulturelle Freiräume. Videoproduktionen entstanden partizipativ, unmittelbar und schnell; sie markieren einen wichtigen Schritt ins digitale Zeitalter.