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französisch
LacdeBienne (Kt. Bern
u. Kt. Neuenburg).
Lage und Dimensionen. Der Bielersee ist der unterste
und östlichste der drei Juraseen und liegt genau in der nordöstlichen Verlängerung des
Neuenburgersees, wie dieser unmittelbar
am Fusse des Kettenjura. Er erfüllt das Thal zwischen der jurassischen Seekette einerseits und den Molasse-Bergrücken
Jolimont,
Schaltenrain,
Jensberg und Brüggwald andererseits. Seine Gestalt weicht aber von der eines gewöhnlichen
Thalsees dadurch erheblich ab, dass vom Südwestende aus eine lange, ganz niedrige Halbinsel bis fast in die Mitte des
Sees
zieht, wo sie sich zu der 40 m hohen
St. Petersinsel erhebt. Im übrigen zeigt
der See die Form eines nach NO. zugespitzten
Ovals von 15 km Länge und 4,2 km Maximalbreite. Er ist mit 39,40 km2,
^[Supplement] wovon 33,83 auf
den Kanton Bern
und 0,57 auf den Kanton Neuenburg
entfallen, der neuntgrösste
See derSchweiz.
Das mittlere Niveau des Bielersees ist 432,1 m ü. M., nur wenige Dezimeter tiefer als die Wasserfläche des
Neuenburgersees.
Flüsse.
Der natürliche Hauptzufluss ist die
Zihl, die zwischen dem
Neuenburger- und dem Bielersee mit ganz verschwindendem
Gefälle die Verbindung herstellt. Das Einzugsgebiet dieses Flusses (3100
km2) reicht in der
Orbe bis in den französischen
Jura und in der
Broye bis nahe an den
Genfersee. Seit 1879 ist die
Aare durch den
Hagneckkanal in den Bielersee
geleitet und die
Zihl nur noch Zufluss zweiter Ordnung. Zwischen 1870 und 1875 ward der alte Abfluss der
Zihl bei
Nidau durch
den
Nidau-Büren-Kanal ersetzt, der das
Wasser des
Sees der
Aare zuführt.
Ein dritter Zufluss von Bedeutung ist die das jurassische St. Immerthal entwässerndeSchüss. Sie bricht
mit grossem Gefälle aus der
Kluse des
Taubenlochs hervor und wird bei
Mett künstlich in drei Arme geteilt, von denen zwei
durch die Stadt
Biel fliessend den
See an seinem schmalen Ostende erreichen, während der dritte, die Madretscher-Schüss,
durch ein stehen gelassenes Stück des alten Zihlbettes beiNidau in den Aarekanal mündet. Von den kleinen
Zuflüssen ist der
Twannbach hervorzuheben, der vom
Tessenberg her die Seekette durchbricht.
Das Seebecken.
Dem ganzen Nordufer entlang fallen die Felsschichten der
Jura- und der Kreideformation der Seekette, eines typischen Antiklinalkammes,
mit bedeutender Steilheit zum Seebecken ab. Dieser Abfall setzt sich, etwas gemässigt, in den
See selbst
fort und überall nimmt daher die
Tiefe des
Sees von diesem Ufer aus rasch zu. Auch die untere Süsswassermolasse, die das
Südufer bildet, fällt zum
See ein, doch nur mit geringer Neigung. Die
Wände des Beckens sind daher hier meist von grösserer
Flachheit und der
Seeboden selbst senkt sich sehr allmählig. In dieser Synklinale liegen nun die tiefsten
Partien nahe dem Nordufer vor
Wingreis und
Tüscherz. Die Maximaltiefe beträgt 75 m. Die Verebnung der tiefsten
Stellen, das
sogenannte Schweb, ist nicht sehr ausgebildet. Penck berechnet die mittlere
Tiefe zu 28,5 m und den Kubikinhalt
des
Sees zu 1,24 km3, d. i. nicht einmal der 10. Teil des Inhalts der
Neuenburgersees.
Eigentümlich ist die Zweiteilung des westlichen Seebeckens. Jene 4,5 km lange Halbinsel (der
Heidenweg) ist eine Fortsetzung
des Bergrückens
Jolimont und ebenso jener unterseeischen Bodenschwelle, die den ganzen
Neuenburgersee der Länge nach durchzieht.
Es ist dies ein dem
Jura durchaus paralleler
Kamm, der mitten in der Synklinale der Molasse stehen geblieben
ist. In Verbindung mit der Thatsache, dass der Seekette des Nordufers an zwei
Stellen die Molasse auflagert, beweist uns dieser
Trennungsrücken, dass der grösste Teil des Seeuntergrundes aus Molasse gebildet ist.
In der Postglacialzeit bestand in der grossen Jurasenke ein einziger, von
Entreroches im Waadtland bis
Wangen a. A. reichender
See (der «Jurasee» nach
Favre). Die ganze Depression war gestaut durch die Endmoränen des
Rhonegletschers bei
Wangen. Als nun
der Abfluss das Hindernis abzutragen begann und der Wasserspiegel sank, traten die
Schwellen zwischen den tieferen Teildepressionen
hervor, und damit entstanden die heutigen
Seen. Geschiebe- und Schlammabsätze nördlich vom
Jolimont und zu beiden
Seiten des
Brüggwaldes gaben speziell dem Bielersee seine heutigen Grenzen.
Ufer.
In dem harten und jäh fallenden Gestein des
¶
mehr
Nordufers (Valangien, Portlandien) fehlt sozusagen jede natürliche Uferzone. Wo immer Ansätze zu einer solchen vorhanden
sind, hat man es mit Schutthalden zu thun, die seit alters sorgsam zu Kultur- und Bauzwecken ausgenützt sind. Ganz anders
der breite, die ganze Seelänge von Nidau bis Erlach begleitende, Strand des Südufers. Er dehnt sich oft
über 500 m breit zwischen dem Wasser und einem eigentümlichen, wie ein sehr grosses Kliff gestalteten, bald waldigen, bald
felsigen, Steilabsturz aus.
Dieser Strand, der Standort berühmter Pfahlbauten, wird jetzt nur noch bei ausserordentlichen Hochwassern vom Wasser überflutet.
An der Aussenseite zeigt er mehrere kleine Haken oder Nehrungen. Eine eigentliche Wysse ist aber dieser
weite Strand nicht, sondern der erhalten gebliebene Rest eines alten Thalbodens. Die beigegebene Karte lässt erkennen, wie
sich durch die Aarkorrektion die Uferlinien verschoben haben. Abgesehen von der Trockenlegung des Südstrandes bestand die
wichtigste Veränderung darin, dass der oben genannte Heidenweg definitiv zu sichtbarem Lande geworden
ist.
Wasserstand.
Von besonderem Interesse ist durch die Juragewässerkorrektion der Wasserhaushalt des Sees geworden. Das Einzugsgebiet der
Aare übertrifft dasjenige des früheren Bielersees um beinahe das vierfache. Wollte man also den kleinen See für die Hochwasser
der Aare aufnahmsfähig machen, so galt es einerseits, dessen Spiegel etwas zu senken, andererseits das
grosse Becken des Neuenburgersees für die Verteilung der hohen Wasserstände mit heranzuziehen. Dies ist durch die Korrektion
erreicht worden. Vor der Korrektion (vor 1870) war der mittlere Wasserstand 434,3 m, nach derselben (nach 1875) 432,4 m.
Man erreichte eine definitive Senkung von 2,2 m.
Zweimal in 11 Jahren vor der Korrektion, bei den Hochwassern von 1856 und 1867, schwoll der See zu der
Höhe von 435,73 m an, 1801 sogar auf 436,36. Nach der Korrektion ist der höchste bisher beobachtete Stand von 434,1 m um
1,63 resp. 2,26 m hinter den Beträgen von 1856, 1867 und 1801 zurückgeblieben. Aber andererseits sind
auch die Niedrigwasser tiefer gesunken, relativ um einen noch höhern Betrag als die Hochwasser. 1885 sank der Seespiegel
auf 430,7 m. Es sind die Unterschiede an den Pegeln
gewachsen, was seine natürliche Erklärung in der Wasserführung der
Aare findet. Schwankt doch diese Wasserführung nach einer bei Aarberg ausgeführten Berechnung zwischen
35,2 m3 und ca. 1550 m3 per Sekunde, mit andern Worten, der Fluss kann bei Wassergrösse 44 mal mehr Wasser bewegen,
als bei sehr tiefem Stande.
Die oben beschriebenen Strandböden des Südufers sind von einzelnen Stellen aus vorschnell in Kultur genommen worden. Der
Staat hätte sie, als sie ganz wertlos waren, ankaufen und ihrer natürlichen Bestimmung erhalten sollen.
Jedenfalls ist der Bielersee durch die Aufnahme der Aare der grosse Wohlthäter des gesamten Entsumpfungsgebietes geworden.
Das Zurückfliessen der Zihl in den Neuenburgersee bei grossen Hochwassern unterstützt ihn in dieser Rolle wesentlich.
Uebrige physikalische Verhältnisse.
Sehr beträchtlich ist im Bielersee die Sedimentation. Die ganze Bucht von Biel ist durch die Schlammführung der Schüss zu
einer Untiefe umgewandelt, in der sich grosse Kolonien von Laichkraut (Potamogeton) angesiedelt haben. Aber weitaus beträchtlicher
ist die Geschiebeführung der Aare, die in dem kurzen Zeitraum von 20 Jahren, nach Messungen des eidgenössischen
hydrometrischen Bureaus, den Seeboden zwischen dem sandigen Delta von Hagneck und der St. Petersinsel um 2 m durch Schlammabsätze
erhöht hat. Diese Erhöhung des Seebodens greift im Laufe der Zeit immer weiter um sich; die 1897/98 durch das eidg. Topograph.
Bureau ausgeführte neue Sondierung lässt dies schon heute aufs deutlichste erkennen.
Die Farbe des Wassers ist trübblau bis grünlich. An der tiefsten Stelle bestimmte de Saussure die Temperatur des Wassers
zu 6,9° in 217' Tiefe, während das Oberflächenwasser 20,7° aufwies (Sommer). Bei der geringen Tiefe ist anzunehmen, dass
die jährlichen Temperaturschwankungen der Luft sich dem Wasser aller Tiefenstufen mitteilen. Der See gefriert
in extrem kalten Wintern (z. B. 1879/80) vollständig zu. Fast in jedem Winter bilden sich grössere Partien von Eis entlang
den flachen Ufern.
Zu den lokalen klimatischen Erscheinungen des Bielersees gehört der Joran, ein ausserordentlich heftiger und jäh einsetzender
Bergwind, der von dem Juragehänge
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