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| Augustinus (354-430) - Ausgewählte Briefe (Erster Teil)

Zweites Buch.
Briefe von Augustins Erhebung zur Bischofswürde bis zu seiner Disputation mit den Donatisten und der Entdeckung der pelagianischen Irrlehre in Afrika (396—410).
L. (Nr. 120.) An Consentius
16.
Und wenn man auch diesen Worten des Herrn einen besseren und geeigneteren Sinn unterlegen könnte, so ist doch unbedenklich die Ansicht zu verwerfen, die da lehrt, das Wesen des Vaters sei im Himmel, insofern der Vater eine Person in der Dreifaltigkeit ist, seine Gottheit aber sei nicht nur im Himmel, sondern überall. Ist denn der Vater etwas anderes als seine Gottheit, die ihm mit dem Sohne und dem Heiligen Geiste gemeinsam ist? Dann würde ja die Dreifaltigkeit sich im körperlichen Raume befinden und selbst körperlich sein, während die eine Gottheit der drei Personen überall gegenwärtig und als allein unkörperlich überall ganz vorhanden wäre. Wäre nämlich die Gottheit eine bloße Eigenschaft dieser drei Personen — man muß sich aber vor der Annahme hüten, daß bei dem Vater, dem Sohne und dem Heiligen Geiste ein Unterschied zwischen Eigenschaft und Wesen bestehe! — oder könnte sie eine bloße Eigenschaft von ihnen sein, so könnte sie doch nur in ihrem Wesen gelegen sein. Wenn sie aber ihr Wesen ausmacht und doch etwas anderes ist als sie selbst, so ist sie nicht ihr eigenes, sondern ein anderes Wesen, was ein offenbarer Irrtum wäre.