Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03380.jsonl.gz/3128

Diese Frage war in letzter Zeit häufig Gesprächsgegenstand mit meiner Frau und mit Freunden. Ich äussere in dieser Serie einige Thesen.
1. These Überbehütung: Besonders Mütter sind gefährdet, ihren Söhnen jedes Hindernis aus dem Weg zu räumen und damit ihrer Lebensuntüchtigkeit Vorschub zu leisten.
Dabei beobachte ich folgende paradoxe Reaktionsweise: Mütter wenden viel Energie auf, um ihre Söhne durch die Kinderzeit zu lotsen. Es wird kein Aufwand gescheut, um die Jünglinge mit allem zu versorgen, was diese sich wünschen. Das geht über Nahrung, Kleidung, Unterhaltung, Transporte, Taschengeld bis hin zu über-engagierter Begleitung durch die ganze Schulzeit. Was Sohnemann aus Bequemlichkeit nicht zu leisten bereit ist, wird durch die Leistung der Mutter kompensiert.
Beispiel: Bei der Vortragsübung meines Sohnes stellte ich zu meiner Verblüffung fest, dass ausser ihm nur noch ein weiterer Junge auftrat. Unvergesslich ist der Kommentar des Lehrers über seinen Panflöten-Schüler. Er verabschiete den etwa Neunjährigen mit den Worten: “Dies war Patricks (Name geändert) letztes Konzert. Ich wünsche ihm für sein weiteres Leben alles Gute.” Mir blieb die Spucke weg: Da wird einem Jungen die Möglichkeit eingestanden, sich nach einigen lauwarmen Versuchen von einem Instrument zu verabschieden. Wo bleibt da die Ausdauer? Uns mögen die Chinesen seltsam vorkommen, die ihre Kinder drillen. Aber ehrlich gesagt: Die verweichlichten Westler sind mir genau so suspekt. Ganz nach dem Motto: Wenn es dir keinen Spass mehr macht, dann bemühe dich nicht weiter.