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Sowohl im Urwald als auch im bewirtschafteten Wald sterben die meisten gekeimten Bäume innerhalb weniger Jahre ab, weil der Konkurrenzdruck sehr gross ist oder weil Lichtmangel, Trockenheit, Krankheiten oder Wildverbiss das Aufwachsen verunmöglichen. Nur wenige Bäume überstehen die ersten 10 Jahre, noch weniger schaffen es in die Oberschicht, und nur ein Teil davon erreicht ein hohes Alter. Diejenigen Bäume, die ihr natürliches Alter erreichen, beeinflussen das Waldökosystem aber während Jahrhunderten.
In bewirtschafteten Wäldern werden Bäume in der Regel nach 100 bis 200 Lebensjahren gefällt, sofern sie nicht schon früher im Zuge von Durchforstungen entfernt wurden. Mit der zunehmenden Nachfrage nach Energieholz und nach Stämmen von geringem Durchmesser besteht zudem die Tendenz nach noch kürzeren Umtriebszeiten. Die Holznutzung führt im Allgemeinen zu einem schnelleren Wechsel der Baumgenerationen und zu einer veränderten Walddynamik.
Als Folge fehlt in genutzten Wäldern die Alters- und die Zerfallsphase oft gänzlich, woraus sich logischerweise ein Mangel an "überreifen", alten Bäumen ergibt. Für Tiere und Pflanzen, die auf Altholz angewiesen sind, ist es aber unabdingbar, dass ein Teil des Waldes die Möglichkeit erhält, seinen natürlichen Kreislauf ohne Holznutzung zu vollenden. Damit können die Bäume eines natürlichen Todes sterben und sich im Wald langsam zersetzen.
Im Nutzwald werden die Bäume wenn immer möglich zum wirtschaftlich optimalen Zeitpunkt gefällt. Dieser Zeitpunkt deckt sich leider in keiner Weise mit dem ökologischen Idealzustand hinsichtlich der saproxylischen Arten (Abb. 2). Mit zunehmendem Alter wird ein Baum nämlich interessanter für die Xylobionten, die dort die nötige Ressource Alt- und Totholz finden.
Wenn ein Baum stirbt, ist die Vielfalt an Holzbewohnern am höchsten, weil vielfältige Alterungsmerkmale vorhanden sind: Höhlen, Stammfäulen, Saftabsonderungen, feine Risse, Ablösung der Rinde, Aufkommen von holzabbauenden Pilzen usw.
Diese Merkmale sind besondere Dendromikrohabitate, in denen xylobionte Arten leben, sich ernähren und sich fortpflanzen. Die Erhaltung von Bäumen mit vielen Mikrohabitaten ist daher ein ganz wichtiges Element beim Artenschutz, weil damit die Kontinuität des Habitats für Alt- und Totholzbewohner gewährleistet wird.
- Branquart, E., Vandekerkhove, K. Bourland, N. & Lecomte, H. (2005). Les arbres sur-âgés et le bois mort dans les forêts de Flandre, de Wallonie et du Grand-Duché de Luxembourg. In : Vallaury et al. (coord.), Bois mort et à cavités - une clé pour des forêts vivantes. Paris : TEC & DOC.
- Bütler, R. (2006). Le bois mort et les vieux arbres: le signe d’une gestion forestière moderne et durable. La Forêt, 1: 10-13.
- Hässig, J.; Zimmermann, S.; Waldner, P.; Thees, O.; Lemm, R., 2009: Ein Modell zur Bewertung des Nährstoffentzugs durch die Holzernte - Erste Anwendung bei intensivierter Energieholznutzung im Schweizer Mittelland. In: Thees, O.; Lemm, R. (Hrsg.) Management zukunftsfähige Waldnutzung. Grundlagen, Methoden und Instrumente. Birmensdorf, Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL; Zürich, VDF. 191-223.