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Die Schlammschlacht zwischen Colin Kaepernick und der NFL geht in die nächste Runde: Der ehemalige Quarterback der San Francisco 49ers, der seit seinem öffentlichen Protest gegen Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze nun seit drei Jahren Free-Agent ist, hat das von der NFL kurzfristig geplante Workout eine halbe Stunde vor Beginn abgesagt. Stattdessen absolvierte er eine eigene Trainingsinheit und übertrug diese live im Internet.
Als Grund für die Absage gab Kaepernick an, dass die Liga die Trainingseinheit nicht wie von ihm aus Gründen der Transparenz gewünscht öffentlich gestaltete und dass keine TV-Teams und andere Medien zum Probetraining auf dem Gelände der Atlanta Falcons zugelassen würden.
Der 32-Jährige verschob das Workout daraufhin kurzerhand an die Charles R. Drew High School in Riverdale (Georgia). Kurz nach 16 Uhr tauchte Kaepernick mit seinem Team vor dem Football-Stadion der High School mehr als 90 Kilometer südwestlich vom Trainingsgelände der Falcons auf und führte sein Können vor. Es kamen ein paar Hundert Fans und Vertreter von acht NFL-Teams. Kaepernick liess die Einheit von einem eigens engagierten Kamerateam aufzeichnen und live auf Youtube übertragen.
Der gefallene Superstar konnte beim Workout durchaus überzeugen. Rund 40 Minuten lang warf er Bälle, vor allem seine tiefen Pässe auf die ebenfalls vertragslosen Receiver Bruce Ellington, Brice Butler, Jordan Veasy und Ari Wertz stachen heraus. Auch Eric Reid, Safety bei den Carolina Panthers, unterstützte ihn zunächst, musste dann aber wegen des bevorstehenden Spiels gegen die Falcons vorzeitig gehen.
Laut NFL-Insider Adam Schefter von ESPN stufte eine Führungskraft der NFL seinen Arm als «Elite» ein und er sei noch immer so gut, wie zu der Zeit, als er aus dem College kam. Ausserdem erklärte der Experte, Kaepernick habe den Ball gut geworfen.
Aufgrund der kurzfristigen Verschiebung waren allerdings weit weniger NFL-Vertreter als angekündigt bei der Trainingseinheit anwesend. Laut Kaepernicks Agenten Jeff Nalley seien Scouts der Philadelphia Eagles, Kansas City Chiefs, New York Jets, Washington Redskins, San Francisco 49ers, Detroit Lions und Tennessee Titans vor Ort gewesen.
Die NFL reagierte mit einem Statement auf die Absage des Workouts. «Wir sind enttäuscht, dass Colin nicht zu unserer Trainingseinheit erschienen ist», hiess es dort. 25 der 32 Teams der Liga hätten sich eine Akkreditierung für den Event gesichert. Kaepernick selbst erklärte nach seiner Einheit erneut, dass er «seit drei Jahren» bereit sei. Nun warte er darauf, «dass die 32 Besitzer, die 32 Teams, NFL-Commissioner Roger Goodell, alle aufhören, vor der Wahrheit davonzulaufen».
«Wenn ihr zurück geht, sagt euren Besitzern, dass sie keine Angst haben sollen», ermutigte Kaepernick die Vertreter der anwesenden NFL-Teams, ihm eine Chance zu geben. «Wir sind hier draussen. Wir sind bereit zu spielen. Wir sind bereit, überall hin zu gehen. Mein Agent Jeff Nalley ist bereit, mit jedem Team zu sprechen. Ich kann jederzeit mit jedem Team sprechen.» (pre)