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In der aktuellen Ausgabe
Mit dem Viermaster «Star Flyer» segelten wir von Cannes nach Barcelona und besuchten unterwegs architektonische Grossstrukturen von hoher Qualität.
Schon eine halbe Stunde später sind wir an Land, individuell unterwegs oder auf Ausflügen zum Diokletianspalast oder zur Überbauung Split 3.
Letztere entstand als Ergebnis eines Städtebauwettbewerbs von 1968-1969 (vgl. TEC21 24/2015, Jugoslawische Moderne). Anstelle eines monofunktionalen Modells sollten die geplanten 14.000 Wohneinheiten in einem polyzentrischen System angeordnet werden, um eine Reihe von Plätzen, Erschliessungsachsen und öffentlichen Nutzungen (Läden, Krankenversorgung, Cafes). Nötig geworden war die hohe Anzahl an Wohnungen, weil die Landbevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg in die Städte strömte. Das historische Split konnte die Massen nicht aufnehmen.
Das Siegerprojekt der slowenischen Architekten Vladimir Braco Music, Marjan Bezan und Nives Starc basiert auf einem Raster, das zum einen das römische Cardo/Decumanus-Prinzip aufnimmt, zum einen die Achsen des Diokletianspalast weiterführt.
Die Überbauung nutzt die Topografie. Zum Meer hin gestaffelt, nehmen die einzelnen Bauten an Höhe ab, was die Sichtachsen gewährleistet. Trotz der beeindruckenden Anzahl an Wohneinheiten funktioniert das Quartier sehr gut. Das mag ebenso an der qualitätvollen Gestaltung der Aussenräume liegen wie an der Berücksichtigung des menschlichen Massstabs - man fühlt sich zwischen den Bauten nie verloren und die Orientierung fällt dank der klaren Struktur und den Sichtbezügen leicht.
Der zweite Ausflug führte zunächst zum über dem Meer gelegenen ehemaligen Privathaus des kroatischen Bildhauers Ivan Mestroviv (1883-1962). Die von Mestrovic geplante, klassizistisch anmutende Villa beherbergt heute als öffentliche Galerie zahlreiche seiner Statuen. Bereits in frühen Kinderjahren zeichnete sich sein kreatives Talent ab, entsprechend förderten ihn Eltern und Lehrer.
Er erhielt ein Stipendium an der Akademie der bildenden Künste in Wien und stellte bereits wenige Jahre später seine Skulpturen anlässlich der Wiener Sezession aus. Der Künstler lebte einige Jahre in Paris und pflegte eine langjährige Freundschaft mit Auguste Rodin.
Auf einer späteren Etappe der Rundfahrt begegnen wir hinter dem Diokletianpalast der von Mestrovic geschaffenen überdimensionalen Skulptur des Bischofs Gregory von Nin. Sein grosser Zeh ist von den unzähligen Berührungen der vorbeigehenden Besucher blank poliert - davon sollen Wünsche in Erfüllung gehen.
Nachdem alle Passagiere wieder an Bord waren, hiess es um 13 Uhr «Leinen los!», Kurs auf Neapel. Am Nachmittag konnten sich die Passagiere mit dem Hintergrundwissen zur Reise versorgen, bei Vorträgen von Carlo Moos (Grundzüge des italienischen Faschismus), Daniela Spiegel (Neapel - eine Stadtbaugeschichte) und Judith Hopfengärtner (Aldo Rossi und die Schweiz).
Den Montag werden wir komplett auf See verbringen und den italienischen Stiefel durch die Strasse von Messina umrunden.