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Auswirkungen von Covid-19 auf das Herzkreislaufsystem
Das Forschungsteam um Yvonne Döring trägt in einer Publikation den aktuellen Wissensstand zu kurz- und langfristigen Auswirkungen von SARS-CoV-2 auf das Herzkreislaufsystem zusammen.
Schon zu Beginn der Pandemie wurde deutlich, dass sich SARS-CoV-2 nicht nur auf die Infektion der Atemwege beschränkt, sondern auch in anderen Geweben, einschliesslich dem Gefässsystem gefunden werden kann. Ausserdem zeigte sich, dass Personen mit bereits bestehenden Vorerkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck anfälliger für schwere Covid-19 Verläufe waren und ein erhöhtes Sterberisiko hatten. Darüber hinaus weisen Covid-19-Patientinnen und Patienten mit kritischen Verläufen klinische Symptome wie Hyperkoagulation, Kardiomyopathie, Herzrhythmusstörungen und endotheliale Dysfunktion auf, welche auf eine Beteiligung des Gefässsystems an der Covid-19-Pathologie hindeuten.
Das Forschungsteam um Yvonne Döring, Britta Engelhardt, Nadia Mercader und Robert Rieben von der Universität und dem Inselspital Bern haben nun in einem Übersichtsartikel in der Fachzeitschrift «Frontiers in Cell and Development Biology» zusammengestellt, was aus wissenschaftlicher Sicht über die Auswirkungen von SARS-CoV-2 auf das Herzkreislaufsystem bekannt ist.
Kardiovaskuläre Vorerkrankungen wie Bluthochdruck und erhöhte Cholesterinwerte sind Risikofaktoren für einen schweren Krankheitsverlauf. Zudem liegt bei etwa einem Drittel aller Covid-19 bedingten Todesfälle eine Vorerkrankung des Herzkreislaufsystems vor. Grund hierfür könnte der Rezeptor ACE2 sein, welcher die wichtigste Eingangspforte für SARS-CoV-2 darstellt. ACE2 kommt nicht nur in der Lunge vor, sondern konnte auch in Geweben des Darms, der Nase und des Herzgefässsystems nachgewiesen werden. Herzmuskelzellen besitzen im Vergleich zwar eher weniger ACE2 Rezeptoren, jedoch ist auch hier bei einer fortgeschrittenen Kardiomyopathie beinahe eine Verdopplung der ACE2 Expression festzustellen. Es wurde zudem beobachtet, dass der ACE2 Rezeptor in Diabetikern vermehrt exprimiert ist.
Zellkulturexperimente und Versuche im Tiermodell zeigten ausserdem, dass Herzmuskelzellen tatsächlich direkt infiziert werden können. Inwiefern dies auch auf menschliche ausgereifte Herzmuskelzellen zutrifft, muss noch genauer erforscht werden. Ob auch Endothelzellen der Blutgefässe direkt infiziert werden können oder aber hauptsächlich durch die SARS-CoV-2-induzierte Immunantwort und die darauffolgende Entzündungsreaktion geschädigt werden, ist ebenfalls noch nicht hinreichend untersucht.
Neben akuten Symptomen und der Frage welcher Zelltyp ausser Lungenepithelzellen direkt durch SARS-CoV-2 infiziert werden kann, rücken auch Konsequenzen einer Long-COVID Erkrankung immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Bei Long-COVID werden neben Erschöpfung auch oft Beeinträchtigungen des Herzkreislaufsystems beobachtet. Beispielsweise berichteten zwei bis sechs Monate nach einer Covid-19 Erkrankung 5-21% aller Patientinnen und Patienten von Schmerzen im Brustkorb. Auch über Unregelmässigkeiten des Herzschlags und Herzklopfen wurde vermehrt geschrieben, allerdings gibt es hierzu zu wenige Studien, insbesondere fehlen Daten über eine längere Zeitspanne und mit einer hohen Zahl an Teilnehmenden.
Der Artikel bietet insgesamt einen detaillierten Überblick über die aktuellen Erkenntnisse zu Covid-19 und dessen Einfluss auf das Herzkreislaufsystem. Er zeigt auf, dass es gemeinsame Anstrengungen braucht, um die direkten und indirekten kardiovaskulären Auswirkungen einer SARS-CoV-2-Infektion und auch deren längerfristige Folgen zu verstehen und dadurch den Weg für neue Behandlungsstrategien zu ebnen.