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Wie alles begann…
Am Anfang stand, wie immer, eine Idee. Die Idee, ein Flugzeuge zu bauen. Nur sollte es für Kuno Schaub und Isidor von Arx nicht irgendein Flugzeug sein, sondern ein Oldtimer der ganz alten und seltenen Art. Es bot sich mit der Nieuport ein Flugzeug an, das auch einen Bezug zur Schweiz und sogar zur engeren Wohnregion der Initianten hat.
Die Schweizer Fliegertruppe besass von 1917 bis 1921 fünf Maschinen des Typs Nieuport 23 C-1. Das Flugzeug mit der Nummer 604 wurde von Oberleutnant und Cheffluglehrer Oskar Bider aus Langenbruck BL geflogen und war zugleich sein Lieblingsflugzeug. Die NIEUPORT MEMORIAL FLYERS ihrerseits wohnen im Kanton Solothurn, nur wenige Kilometer von Langenbruck entfernt. Diese geografische Nähe war ebenfalls ein guter Grund, dass sich die beiden für den Bau einer Replica der Nieuport 23 entschieden.
Ein Entschluss, sich ein Flugzeug des Jahrgangs 1917 zu bauen, ist das eine. Die Grundlagen für die Realisierung des Bauvorhabens zusammen zu suchen, ist das andere. Ein schwieriges und zeitraubendes Unterfangen, wie sich herausstellen sollte. Fündig wurde das Team vorerst in der “Zeitschrift für Flugtechnik und Motorluftschifffahrt”. In den Heften 23/24 des Jahrgangs 1916 sowie 11/12 und 23/24 von 1917 fanden sich erste Pläne, die Tafeln II, XII und XIII. Dipl.Ing. Rozendaal hatte eine von der französischen Armee beschlagnahmte Nieuport 17 vermessen und die Pläne im Massstab 1:5 veröffentlicht. Da die Nieuport 17 und 23 bis auf die Position des Maschinengewehrs und die Munitionstrommel identische Flugzeuge sind, konnten die Rozendaal-Pläne als Basis für die Arbeit dienen.
Im Februar besuchten Kuno Schaub und seine Frau Adriana das Deutsche Museum in München, wo sie einen vierten Plan finden konnten. Dieser zeigt den Einbau des Maschinengewehrs sowie Details des Fahrwerks.
Eine weitere Reise führte im Winter 2000 ins “Musée Royal de l’Armée et d’Histoire Militaire” nach Brüssel. Dort konnten die beiden eine zerlegte Nieuport 23 vermessen und fotografieren. Zudem entdeckten sie eine Ersatzteilliste und Pläne von Nieuports 17 und 23, die von Aermacchi in Varese stammten, einer Lizenzherstellerin der Nieuport-Flugzeuge.
Die Nieuports 23 C-1 der Schweizer Fliegertruppe wurden von einem Motor des Typs Le Rhône 9J angetrieben. Das ist ein luftgekühlter 9-Zylinder-Rotationsmotor (oder Umlaufmotor) im Einfachsystem, der bei 1200 U/min eine Leistung von 110 PS abgibt. Die beiden Initianten wollten von Beginn weg auf ihren Replicas Originalmotoren haben, obwohl ihnen viele gut gemeinte Ratschläge von den Tücken dieser Motoren abrieten. “Die Maschinen in der Collection Jean Salis und der Shuttleworth Collection zeigen uns doch, dass auch Motoren aus der frühen Fliegerei durchaus noch zum Laufen zu bringen sind und man damit auch fliegen kann”, hält Kuno Schaub fest. So gingen sie auf die Suche, um die geeigneten Antriebe zu finden. Es war ein grosses Problem. Im April 2000 tauchte im Internet ein Le Rhône Motor mit 80 PS in Rom auf. Das Duo Schaub/von Arx fuhr in die italienische Hauptstadt und holte den Motor ab; es ist ein Typ C, Baunummer 1443, Baujahr etwa 1916. Die Ölpumpe, die Magnete und der Vergaser fehlten. Momentan steht dieser Motor in Revision.
Bei der Fachhochschule Fribourg konnte ein Le Rhône Motor gegen einen Hispano-Suiza eingetauscht werden. Recherchen durch Peter Brotschi im Archiv des Flieger- und Flab-Museums in Dübendorf brachten hervor, dass dieser Motor tatsächlich bei der Schweizer Fliegertruppe im Einsatz war: zuerst auf der Nieuport 23 C-1 Nummer 603, später auf diversen Hanriot HD-1; es ist ein Motor des Typs 9JB, Baunummer 6454. Ein weiterer Motor stammt von der Berufsschule Langenthal (Nummer 3692 B29).
Im Januar 2003 wurden weitere Motoren in Boston USA gefunden und übernommen.
Von Beginn weg war klar, dass die Maschinen in Originalgrösse und detailgetreu gebaut werden sollen. “Eigentlich machen wir einen Lizenzbau, der einfach 100 Jahre zeitlich nach hinten verschoben ist.”
Die eigentlichen Arbeiten begannen mit den Flügelteilen. Die Kenntnisse von Kuno Schaub im Holzbau (Geigen- und Gitarrenbauer) kommen bei diesem ganz aus diesem Material gebauten Flugzeug gut zum Tragen.
“Für mich ist die Nieuport der ultimative Oldtimer”, sagt Isidor von Arx. “Der geschichtliche Hintergrund ist für uns eine unglaubliche Motivation, das Projekt voranzutreiben”. Selbstverständlich haben sie sich auch schon mit dem eigentlichen Fliegen dieser Maschine auseinander gesetzt. Respekt hat der Pilot Isidor von Arx vor dem grossen Kreiseleffekt des Umlaufmotors und der daraus resultierenden Assymetrie. Landeklappen gibt es keine, ebenso fehlen die Radbremsen, sodass bei der Landung der Hecksporn eine grosse Rolle spielen wird.
Quelle Peter Brotschi, Aviatik-Journalist und Historiker