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Mittlerweile vermuten die Historiker ja, dass es wahrscheinlich doch nicht die Römer waren, die die heißen Quellen als Erste genutzt haben. Ist aber völlig egal: Bath verdankt seine Berühmtheit der Tatsache, dass man hier auch im tristesten britischen November herrliches heißes Thermalwasser hatte. Zwei Jahrtausende nach den Römern kann man in Bath noch immer ins Thermalbad. Um die heißen Quellen herum hat sich aber natürlich längst eine große Stadt entwickelt. Und was für eine!
Dass es hier derart viele prächtige und historische Gebäude gibt, hat tatsächlich mit den Thermalquellen zu tun. Unter der Herrschaft Elisabeth I. (das war die Tudor-Königin, unter der England sein Goldenes Zeitalter erlebte) hatte sich Bath zum Kurort des Adels entwickelt. Weil man während seines Kuraufenthaltes damals natürlich standesgemäß residieren wollte, ließen die Dukes und Earls und alle anderen dementsprechend bauen, und das ging ein paar Jahrhunderte lang so weiter. Irgendwann viel später kam dann die UNESCO, sah sich das alles an und beschloss: Wir machen Bath zum Weltkulturerbe.
Und warum sehen hier komplette Straßenzüge so aus, als seien sie im gleichen Architekturbüro entworfen worden? Liegt am Baumaterial. Alles, was ein bisschen älter ist in Bath, wurde aus Bath Stone gebaut, einem besonderen Stein mit einer Tönung, die gerne als „honigfarben“ beschrieben wird. Wenn die frühe Morgen- oder die späte Abendsonne auf ihn fällt, scheint es, als würde der Stein von innen heraus leuchten.
Jetzt muss man aber nicht befürchten, Bath sei eine langweilige, historische Stadt – von wegen! Hinter den historischen Fassaden verbergen sich sehr moderne Bars und Restaurants, man kann wunderbar shoppen und mehr Opernaufführungen und Jazzkonzerte besuchen als irgendwo sonst in diesem Teil Englands. Und die Universität sorgt dafür, dass das Durchschnittsalter der knapp 90.000 Bathonians schön jugendlich bleibt.
Die Studenten gehen in Bath übrigens eher nicht ins teure Bath – sondern schwimmen im River Avon. Auch, wenn dessen Wasser deutlich kälter ist.
Die Stadt hat rund 86.000 Einwohner und liegt im Westen Englands in der Grafschaft Somerset am Fluss Avon, etwa 20 km von Bristol entfernt. Die Flugzeit dorthin beträgt etwa eineinhalb Stunden.