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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

4. Vortrag.
13.
Und hatte der Herr nötig, getauft zu werden? Ich antworte schnell auch mit einer Frage; Hatte der Herr nötig, geboren zu werden? Hatte der Herr nötig, gekreuzigt zu werden? Hatte der Herr nötig, zu sterben? Hatte der Herr nötig begraben zu werden? Wenn er also eine so große Erniedigung für uns auf sich nahm, sollte er die Taufe nicht auf sich nehmen? Und was nützte es, daß er die Taufe des Dieners empfing? Daß du dich nicht weigertest, die Taufe des Herrn zu empfangen. Eure Liebe gebe acht. Es sollte in der Kirche einige höher begnadete Katechumenen geben. Denn du kannst bisweilen einen Katechumenen wahrnehmen, der sich allen geschlechtlichen Umgangs enthält, der Welt Lebewohl sagt, auf alles Besitztum verzichtet und es an die Armen verteilt, und er ist ein Katechumenus, vielleicht in der Heilslehre mehr als viele andere Gläubige unterrichtet. Für diesen steht zu befürchten, er möchte betreffs der heiligen Taufe, durch welche die Sünden nachgelassen werden, bei sich selbst sagen: Was kann ich noch mehr empfangenm? Siehe, ich bin besser als dieser und jener Gläubige, wobei er an Gläubige denkt, die entweder verheiratet sind oder vielleicht unwissend oder noch ihre Güter im Besitz haben, die er selbst schon an die Armen verteilt hat, und sich für besser haltend als den, der bereits getauft ist, dürfte er sich weigern, zur Taufe zu kommen, indem er sagt: Ich soll das empfangen, was dieser und jener schon hat. Und er stellt sich wohl jene vor, die er verachtet, und es erscheint ihm, gleichsam unwürdig, das zu empfangen, was die Geringeren empfangen haben, weil er sich bereits besser vorkommt, und doch sind alle Sünden noch auf ihm, und wenn er nicht zur heilsamen Taufe kommt, wo die Sünden gelöst werden, so kann er trotz all seiner Vorzüge nicht in das Himmelreich eingehen. Aber damit der Herr jenen Hochstehenden zu seiner Taufe einlade, auf daß ihm die Sünden vergeben würden, kam er selbst zur Taufe seines Dieners, und obwohl er selbst nicht hatte, was ihm vergeben werden oder was an ihm abgewaschen werden sollte, so empfing er doch vom Diener die Taufe und redete den übermütigen und stolzen Sohn, der sich vielleicht weigert, mit den Unwissenden das zu empfangen, was ihm das Heil bringen kann, gleichsam mit den Worten an: Wie sehr machst du dich breit? Wie sehr erhebst du dich? Wie groß sind denn deine Vorzüge? Wie groß deine Gnade? Kann sie größer sein als die meinige? Wenn ich nun zum Diener kam, kannst du dich weigern, zum Herrn zu kommen? Wenn ich die Taufe des Dieners empfing, kannst du dich weigern, vom Herrn getauft zu werden?