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In der ersten Hälfte des Jahrhunderts lag die Missionstätigkeit der Heilsarmee vor allem in den Händen von Frauen. Missionsoffizierinnen wie Anna Hächler (Korea, Japan), Gertrud Wackernagel (Südafrika und damaliges Rhodesien) und Elisabeth Rufener (Indonesien) leisteten unermüdliche Arbeit unter meist schwierigen Bedingungen.
Knapp 25 bewegende Jahre, in die auch der Zweite Weltkrieg fällt, verbringt Elisabeth Rufener von 1934 bis 1959 in der Mission in Indonesien. Nur wenige Monate nach der Kadettenschule erhält die 26-jährige Kinderkrankenschwester ihren Marschbefehl – Indonesien ist noch unter holländischer Kontrolle und heisst Niederländisch Indien.
Die junge Frau arbeitet zuerst in einem Mütter- und Kinderheim, in dem sie vor allem mit dem Verkauf des lokalen Kriegsrufs betraut wird. 1935 folgt die Versetzung nach Surabaya, wo die Heilsarmee ein grosses Spital betreibt. Fasziniert beschreibt Rufener, wie jeden Tag 200 Patienten in das Spital kommen. Wenn die Ärzte eine schwer kranke Person im Spital behalten wollten, sei aber oft „Redetalent“ gefragt, weil die Menschen sicher seien, sie würden zu Hause wieder gesund. Oder sie könnten sich gar nicht vorstellen, längere Zeit in einem Bett zu liegen. Nicht selten lägen auf einer Station die meisten Patienten gar nicht in den Betten, sondern in Decken gewickelt auf dem Boden. Sie seien es einfach so gewohnt. Und nach drei, vier Tagen seien die meisten verschwunden, ohne etwas zu sagen. „So begegnen wir täglich vielen kleinen Dingen, die uns anfänglich unbegreiflich vorkommen, aber an die wir uns einfach gewöhnen müssen. Um mit den Javanern gut zusammenleben zu können, müssen wir lernen, so zu denken wie sie“, schreibt Rufener.
Als die Japaner in Indonesien einmarschieren, verlassen alle Offiziere aus nicht-neutralen Staaten das Land oder werden interniert. Das Spital in Surabaya leiten nun japanische Ärzte und die Pflegerinnen sind hauptsächlich aus der Region. Rufener aber bleibt zusammen mit zwei anderen Offizierinnen dort. Erst nach dem Krieg kann sie in die Schweiz zurückkehren – in der Zwischenzeit sind ihre Mutter und ihr Vater gestorben.
Für die letzten Jahre ihrer Zeit in Indonesien leitet Rufener das Spital in Surabaya. Es ist eine riesige Organisation: Pro Monat kommen Ende der 1950er Jahre 200 Neugeborene auf die Welt. Zudem bildet es über 100 Hebammen und Krankenpflegerinnen aus.
Anna Hächler, eine Damenschneiderin, war die einzige Schweizer Heilsarmee-Offizierin, die je in Korea diente. Die Anfangszeit verbringt sie auf dem Land. Dort verteilt die Heilsarmee im Winter Reis an die Armen und betreibt Heime. Nach zwei Jahren erreicht Hächler ein Marschbefehl nach Seoul. Sie soll ein neu gebautes Rettungsheim für Kinder und Frauen leiten. Als sie ankommt, ist das Gebäude noch leer. „Aber der liebe Gott liess mich nicht lange ohne Arbeit, denn schon am zweiten Tag brachte man mir eine junge Frau, die den Verstand verloren hatte, weil sie von ihrem Mann und ihrer Schwiegermutter so viel geschlagen und dann verkauft worden war, um eine Schuld der Familie zu tilgen.”
Die Zahl der Heimbewohnerinnen wächst danach rasch. Ihre Schützlinge liegen Hächler merklich am Herzen: Sie beschreibt immer wieder, wie Mädchen und Frauen im Heim zu Gott finden und rege beten. Einen Namen macht sich Hächler in der Schweiz durch ihre blumig geschriebenen Beiträge für den Weihnachtskriegsruf. Keine Missionarin schrieb mehr Texte für die Spezialnummer als sie. Sie beschreibt auch immer wieder die heidnischen Bräuche in Korea und wie sich das Evangelium im „Land der Morgenstille“ verbreitet.
Während des Zweiten Weltkrieges muss Hächler Korea verlassen. Erst 1949 kehrt sie von Indonesien, wo sie unterdessen im Einsatz gestanden hat, nach Korea zurück. Doch auch dieser Einsatz dauert nur kurz. Nachdem sie in leitender Stellung in einem Heilsarmee-Spital in Yong Dong gearbeitet hat, muss sie sich im Juli 1950 nach Japan ausschiffen. Die nordkoreanische Armee war zuvor in Korea einmarschiert.
Eine der ersten Frauen, die aus der Schweiz nach Afrika zogen, war Getrud Wackernagel. Schon vor dem Ersten Weltkrieg war sie für die Pariser Mission dort gewesen. 1925 kehrte sie als Heilsarmee-Offizierin zurück. Die hoch gebildete Frau aus einer angesehenen Basler Familie arbeitete zuerst als Lehrerin an Schulen in verschiedenen Heilsarmee-Stationen. Jede Woche leitete sie die Sonntagsschule. Die Missionare in Afrika nahmen sich dabei einen Sandkasten zu Hilfe, in dem sie mit Figuren und Bildern Geschichten aus der Bibel nachstellten. „Sandlektionen“ nannte es Wackernagel.
Mitten im Missionseinsatz liess sie sich zur Krankenschwester und Hebamme ausbilden und übernahm die Leitung der Krankenstation Mbemzwana in Süd-Rhodesien. Wackernagel war auf dem Gebiet des heutigen Südafrikas, Simbabwes und Sambias tätig. Die letzteren zwei Länder gehörten damals zusammen und hiessen Rhodesien, später wurden sie getrennt und Süd- sowie Nord-Rhodesien genannt.
Als Wackernagel dort um 1935 ankam, waren die Gebäude noch im Bau. Das nächste Spital war über 100 Kilometer entfernt – zu weit für die Menschen im Busch. Was auf der Station getan werden konnte, wurde getan. Da kamen Mütter mit ihren kranken oder verletzten Kindern. Immer wieder rückten die Salutisten aus Mbemzwemba aus, um in noch abgelegeneren Orten Versammlungen zu halten.
„In der unendlichen Einsamkeit waren jene Jahre doch ungemein wertvoll, mitten unter den Bewohnern des ‚Reservats’. Geradezu beschämend war ihr Zutrauen, ihr Entgegenkommen, ihre Freundschaft, ihr geduldiges Ratgeben in mancher Notlage. Doch die Hauptsache, das Wichtigste war und blieb das Betreuen der Hilfesuchenden. Ohne Aufhören gab es Nöte und Leiden aller Art“, erinnert sich Wackernagel in ihrer Autobiographie, die sie im September 1970 niederschrieb.
Stefan Trachsel
Indonesien war ein Land, in das, mit einer einzigen Ausnahme, nur Offizierinnen aus der Schweiz gingen. Während des Zweiten Weltkriegs erging es nicht allen Schweizerinnen so wie Rufener. Alice Screta hatte gerade erst ihren Dienst in Indonesien angetreten, als der Krieg ausbrach. Kurz vor Ende des Kriegs geriet Screta aber in Gefangenschaft. Stark geschwächt kehrte sie 1946 in die Schweiz zurück; sie musste die Heilsarmee verlassen. Nebst Rufener und Screta blieb nur noch Marie-Cécile Lehmann in Indonesien, die ein Mädchenheim leitete. Sie harrte auf ihrer Station aus.