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Einschätzung des Herz-Kreislauferkrankungsrisikos: Auch möglich mit Selbstangaben, wenn Angaben zu klinischen Risikofaktoren fehlen?
Traditionell wird das globale Risiko einer Person, einen Herzinfarkt oder einen Hirnschlag zu erleiden, mit Hilfe von sogenannt klinischen Herz-Kreislauf-Risikofaktoren ermittelt. Dazu gehören der Blutdruck und die Cholesterinwerte. Diese Angaben setzen aber eine Untersuchung mit einem Messgerät und eine Blutentnahme mit Labormessung voraus. Der Nachteil dieser Methode ist, dass viele Menschen nicht in den Genuss einer Risikoeinschätzung kommen, weil diese Werte bei ihnen nicht bekannt sind. Damit geht Präventionspotential verloren, weil eine solche Standortbestimmung dazu motivieren kann, den eigenen Lebensstil zu verbessern.
Diese Studie untersucht, wie gut Faktoren, die nur mittels Befragung erfasst wurden, im Vergleich zu traditionellen, klinisch erhobenen Risikofaktoren abschneiden. Ziel ist es Faktoren zu ermitteln und zu testen, die, in Kombination angewendet, eine ähnlich gute Voraussage eines Herz-Kreislauf-Ereignisses erlauben wie die traditionelle Risikofaktoren. Kandidaten für solche Faktoren sind beispielsweise selbst angegebene Grösse und Gewicht, die die Berechnung des Body-Mass-Index ermöglichen.
Grundlage für diese Studie bietet die Swiss National Cohort, die Sterbedaten mit Daten der Volkszählungen verbindet und damit Informationen zu soziodemografischen Einflussfaktoren liefert. Diese Daten werden anonym über demografische Variablen (Geschlecht, Geburtsdatum, Wohnort etc.) mit den Daten aus fünf Studien aus den 1970er, 1980er und 1990er Jahren verknüpft, die eine Vielzahl von gesundheitsrelevanten Mess- und Befragungsdaten enthalten. Die lange Beobachtungszeit und die grosse Zahl an Teilnehmern und Sterbefällen erlaubt nicht nur Berechnungen der Überlebenszeit und der Sterberisiken unter Schweizer Gegebenheiten, sondern auch Evaluation und Anpassung von bestehenden Herz-Kreislauf-Risikoschätzern.
In der Schweiz fehlt für solche Analysen eine national repräsentative prospektive Studie aus der Allgemeinbevölkerung. Diese Studie bietet einen kosteneffizienten Teilersatz dafür und erlaubt damit neue Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Herz-Kreislauf-Risiken und der Sterblichkeit in der Schweiz. Der innovative Ansatz von Risikoermittlung mittels Selbstangaben dürfte auch international Beachtung finden. Die erwarteten Resultate dürften nicht nur für die Allgemeinbevölkerung von Bedeutung sein, sondern auch ÄrztInnen eine nützliches Werkzeug bieten für die Beurteilung ihrer PatientInnen bzw. für deren Motivation zu einer Verbesserung ihres Lebensstils.