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Die Überreste von 14 Krabbenfressern wurden aus den Mägen von 14 Amerikanischen Seeteufeln geborgen, die während der Winter zwischen 2007 und 2010 gefangen worden waren. Die Fische wurden mit Kiemennetzen in Tiefen zwischen 80 und 150 m in den Gewässern von Chatham, Massachusetts USA, rund 120 Kilometer von der Küste entfernt, gefangen. Die Individuen wurden von den lokalen Fischerleuten den Forschern zur Verfügung gestellt. Forscher des Northeast Fisheries Science Center (NEFSC), der Nationalen Ozean & Atmosphärenbehörde NOAA in Woods Hole und des USGS Patuxent Wildlife Research Centers in Laurel, Maryland, wollten wissen, wie die Vögel so weit von der Küste entfernt von einem Fisch gefressen wird. Der Seeteufel lebt normalerweise in tiefen Gewässern auf dem Meeresboden. Ihre Ergebnisse zeigen, dass es nur eine Frage des Timings ist.
Der amerikanische Seeteufel ist ein ausgesprochen opportunistischer Jäger. Er findet sich in weiten Gebieten des Atlantiks und entlang der amerikanischen Küste vom Golf von Maine bis runter nach Cape Hatteras in North Carolina. Er ist normalerweise im weichen Untergrund des Meeresbodens teilweise eingegraben und ist ein Lauerjäger, der seine Beute, meist Fische, mit einer Art Angelrute anlockt, die vor seinem Maul hin und her wedelt. Dabei handelt es sich um einen umgebauten Teil seiner Rückenflosse, an deren Ende ein leuchtender Köder liegt.
Dagegen sind Krabbentaucher eine kleine schwarz-weiss gefärbte Alkenart, die entlang der arktischen Küstengebiete brütet und im Winter nach Süden zieht. Es ist der kleinste Vertreter der Alkenvögel und wird rund 18 cm lang und durchschnittlich 160 g schwer. Er jagt auf dem offenen Meer nach kleinen Fischen, Krebsen und Zooplankton und taucht dabei in Tiefen von über 30 m.
Anne Richards vom NEFSC und Mitautorin der Studie sagte, dass Markierungsstudien von ihr und von Kollegen an Seeteufeln gezeigt hätten, dass die Fische beträchtliche vertikale Wanderungen vornehmen. Vor allem während des Frühlings und des Herbstes wandern sie aufgrund der Temperaturbedingungen vom Meeresgrund in die Nähe der Küste und weniger tiefe Gewässer. Seeteufel verlassen den Meeresboden, um mit den Strömungen zu wandern oder um an der Oberfläche abzulaichen. Wenn sie während dieser Zeit Beute auf ihrer vertikalen Wanderung antreffen, nutzen sie die Gunst der Stunde. Damit ist das richtige Timing der Schlüsselfaktor, um Krabbentaucher und Seeteufel zusammenzubringen. «Der Name „Seeteufel" kommt nicht von ungefähr, wenn man sich anschaut, was dieser Fisch alles frisst. Und daher ist es auch nicht überraschen, auch Vögel in ihren Mägen zu finden», erklärt Richards. «Seeteufel suchen nicht aktiv nach Krabbentauchern. Aber wenn ein solch leckerer Happen zur Verfügung steht werden sie selbstverständlich gefressen».
Eine weitere Datenquelle der Studie war die Datenbank der NOAA-NEFSC, die schon seit einigen Jahrzehnten Daten über den Mageninhalt und das Fressverhalten von Raubfischen sammelt, die während der regulären Untersuchungen mit den Forschungsschiffen gefangen werden. Obwohl sie keine genügenden Daten darüber bieten, wie viele und wie oft Vögel gefressen werden, bestätigen sie trotzdem, dass nicht nur Seeteufel, sondern auch Dornhaie, Atlantische Heringe, Köhler, Gabeldorsch und Vierfleckenflundern Vögel fressen. Matthew Perry, Wildbiologe am USGS Patuxent Wildlife Research Center und Hauptautor der Studie, erklärt, er habe angefangen, sich für die Seeteufel zu interessieren, als er von einem Muschelfischer auf Nantucket gehört habe, dass die Fischer bei Chatham Seeteufel mit Vögeln in den Mägen fangen würden. «Ich hatte Eisenten untersucht und dachte mir, dass diese Vögel, um nicht gefressen zu werden, jede Nacht zwischen 45 und 70 Kilometer zurück in den Nantucket Sund fliegen und morgens wieder aufs offene Meer ziehen. Da stellt sich die Frage, warum die Krabbentaucher nicht etwas Ähnliches machen, um den Seeteufeln zu entgehen. Meine Erklärung dafür ist, dass die Krabbentaucher es schlicht nicht schaffen, weil sie kleine Flügel haben», erklärt Perry weiter. «Wir wissen auf jeden Fall, dass Krabbentaucher nicht bis auf den Grund tauchen, wenn das Wasser 100 – 130 m tief ist. Wahrscheinlich ist, dass Seeteufel während der Nacht vom Meeresboden bis auf 3 – 6 m hoch kommen. Und da Krabbentaucher mit dem Morgenlicht nach Flohkrebsen tauchen, packen Seeteufel die Gelegenheit, und nutzen ihre Angel mit dem Fleischlappen daran als Köder, um so die Vögel anzulocken.»
Über das Ausmass dieses räuberischen Verhaltens bei Fischen an Seevögeln ist noch wenig bekannt. Perry meint, dass die meisten Fressverhaltensstudien bei Seeteufeln während des Sommers durchgeführt wurden, wenn die Krabbentaucher in der Arktis brüten. Dadurch seien sie als potentielle Beute bisher nicht aufgefallen. Perry hofft, dass weitere Telemetriedaten mit markierten Seeteufeln während des Winters gesammelt werden können, wenn die Vögel in diesem Gebiet sind und als mögliche Beute in Frage kommen. Ausserdem, fügt Richards an, werden elektronische Markierungen an den Fischen mehr über das vertikale Wanderverhalten preisgeben und vielleicht helfen, dieses Rätsel zu lösen.
Quelle: Shelley Dawicki National Oceanic & Atmosphere Administration / www.noaa.gov
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