Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03647.jsonl.gz/1103

Die erste schriftliche Erwähnung des Gutes Holligen trägt das Datum 1257. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten Massivbauteile der heutigen Schlossanlage. Seine Entstehung auf der Terrasse am Fusse des Könizberger Waldes dürfte einerseits auf die verkehrstechnisch günstige Lage zurückzuführen sein; hier treffen die Wege von Bümpliz und Köniz herkommend vor dem schmalen Durchgang zwischen Veieli- und Engländerhubel aufeinander und verlaufen dann gemeinsam weiter noch Osten. Andererseits sind an dieser Stelle von alters her Handwerksbetriebe, insbesondere Mühlen, angesiedelt, welche die Wasserkraft der verschiedenen Bachläufe ausnutzen.
Die Architektur ist beeinflusst von der höfischen burgundischen Kunst zur Zeit der Spätgotik. Der Bau ist vom Typus eines Donjon, in Haustein ausgeführt und mit vier Ecktürmchen besetzt. Pseudoromanische Plastiken und trutzig anmutende Bossenquader an den Gebäudeecken sind typisch für die Ritter- und Burgromantik des ausgehenden Mittelalters. In den ältesten erhaltenen Darstellungen, einer Karte des Thomas Schöpf von 1577 und dem Stadtplan von 1623/24, zeigt sich das Schloss von einer Ringmauer mit Ecktürmchen umgeben. Der Dachstuhl ist ein Meisterwerk der Zimmermannskunst des 15. Jahrhunderts. Wohl gibt es in den Höchhäusern von Steffisburg, im Pfarrhaus von Münsingen oder im Schloss Burgistein ebenfalls herrliche Dachstühle. Sie sind aber alle späteren Datums. Die Arbeit in Holligen folgt in ihrer Bedeutung gleich auf den Dachstuhl des Berner Rathauses von 1405 und dürfte zwischen 1496 und 1510 entstanden sein. Aus dieser Zeit erhalten sind ebenfalls die gotischen Flachdecken im Erdgeschoss.
Aufgrund der bildlichen Überlieferung muss der Westanbau zwischen 1623 und 1667 errichtet worden sein. Dieses Annexgebäude des 17. Jahrhunderts mit seinem südseitigen Treppenturm brachte dem Schloss ein für damalige Verhältnisse weit wohnlicheren, da kleinteiligeren und bestimmt einfacher zu beheizenden Wohntrakt. Im Zuge der äusseren Veränderungen am Schlosskomplex dürfte das Interieur des Hauptbaus den Charakter eines Wohnsitzes des ausgehenden Mittelalters behalten haben.
Im 18. Jahrhundert wurde Schloss Holligen zum barocken Landsitz ausgebaut. Im Zuge dieser Umgestalung wurden am Hauptbau um 1765 die grossen Barockfenster herausgebrochen. Dadurch erhielt der Grosse Saal im 2. Obergeschoss seine heutige Gestalt. In seinen grossartigen Dimensionen von 14x12.5x5.6 Metern wird er höchstens noch vom Rittersaal im Schloss Thun übertroffen. Alle Säle im ungefähr zeitgleichen Schloss Worb sind kleiner. Dieser Raum ist architektonisch ganz schlicht, aber allein schon durch seine schönen Proportionen und den profilierten Mittelunterzug höchst bemerkenswert.
der Grosse Saal
Dachstuhl
Empire-Salon
Aus der Zeit um 1800 stammen das südseitige Peristyl und die Ausstattung des ersten Obergeschosses. Der grosse achteckige Empire-Salon ist eine der qualitätsvollsten Raumschöpfungen dieser Zeit weit über Bern hinaus. Er wurde um 1800 wohl von Joh. D. Osterrieth, dem bedeutendsten Berner Architekten jener Zeit, geschaffen. Von Osterrieth stammen die ehemaligen Zollhäuschen am Bollwerk, das Morillon in Wabern, die Kirche von Limpach, ein Gartenpavillon beim Schloss Fraubrunnen, und ein ganzer Quartierplan zur Zeit der Helvetik in Aarau, wovon die Laurenzenvorstadt ausgeführt wurde. In Holligen ist das Mausoleum und sein Gegenstück von ihm. In seiner Art ganz ausgezeichnet ist der Salon Napoléon III mit der prächtigen Samt-Flausch-Tapete und dem passenden Mobiliar. Schlichter, noch dem Charakter des 18. Jahrhunderts verpflichtet, geben sich der hellblau gestrichene
Das Schloss Holligen wurde 1991 - 1994 sehr gut renoviert.
Das Schloss gehört der "Turmstiftung Schloss Holligen"
Bibliographie