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Die ersten Töne von «Nothing Else Matters» erklangen, der grosse Vorhang fiel und in der Mitte der in blaues Licht getauchten Bühne standen die acht Sänger von Gregorian beisammen. Allesamt in silbrigen Mönchskutten, zwei von ihnen mit Laternen in der Hand. Als sie anfingen zu singen, bewegten sie sich langsam voneinander weg und verteilten sich. Im Hintergrund fünf Musiker, welche den Gesang unterstützten. Zur Dekoration waren auf beiden Seiten Torbögen aufgestellt, die vom Aussehen her an Grabsteine erinnerten, jedoch sicherlich «Tore zur Anderswelt» symbolisieren sollten. Während des ersten Songs hellten auf den Leinwänden innerhalb dieser Pforten Blitze auf und oben sprühte Feuer heraus. Ein vielversprechender Abend hatte begonnen.
Nach einer kurzen Begrüssung folgte der Song «Losing My Religion», bei welchem dann die Kirchenfenster, welche auf die Leinwände projiziert wurden, sehr schön zur Geltung kamen. Mit Nebel und violettem Licht wurde zudem eine speziell mystische Stimmung erzeugt, was zu diesem Lied bestens passte. Danach gaben sie Stücke von Phil Collins, New Order, U2 und HIM zum Besten, bei welchen dann auch grüne Scheinwerfer und Laser zum Einsatz kamen. Bei «Join Me» nahmen die Herren ihre Kapuzen runter und die Sängerin Amelia Brightman (alias Violet) betrat zum ersten Mal an diesem Abend die Bühne. In einem weissen, edlen Kleid stand sie erhöht vor der hinteren Leinwand, worauf Flammen projiziert wurden. Das Ganze sah dann so aus, als würde sie im Höllenfeuer stehen.
Bevor es eine 20-minütige Pause gab, sangen sie noch drei weitere Lieder, worunter sich unter anderem das von Amelia Brightman und Carsten Heusmann komponierte Stück «The Forest» und ein Coldplay Cover befanden. Bei ersterem wurde der Rhythmus ein bisschen schneller, was man schon erahnte, als man sah, dass sich die Sänger mit Trommeln ausgerüstet hatten. Bei letzterem wurden nochmals ruhigere Töne angeschlagen. In der zweiten Hälfte von «Fix you» hatten sie dann auch wieder Unterstützung von Violet, welche nicht nur wunderschön sang, sondern ihre Hände wortwörtlich glühen liess, indem sie in ihnen Feuer entfachte.
Nach der kurzen Unterbrechung ging es weiter mit dem Led Zeppelin Cover «Kashmir», bei dem die Herren wie auch die Sängerin ganz in schwarz gekleidet waren – die «Mönche» natürlich wieder in Kutten und Amelia mit einem weiten, langen, an ihren Armen befestigten Schleier, der über die Bühne flatterte. Beim ersten Ton von «Hurt» erschien ein Sänger mit einer Fackel in der Hand und schritt bis in die Mitte der Bühne. Die anderen sieben kamen nach und entzündeten ihre Fackeln an der des Herrn in der Mitte. Danach loderte auch vorne am Rand Feuer in einer Linie auf. Die orangen, wilden, kraftvollen Flammen bildeten einen wundervollen Gegensatz zu dem beruhigenden, blauen Licht und dem melancholischen Song.
Als vor dem nächsten Lied im Hintergrund ein Rabe auf der Leinwand zu erblicken war, konnte man bereits vermuten, dass «The Raven» folgen würde. Wie schon zu einem früheren Zeitpunkt erwähnt, würde nicht die ganze Show düster sein, was man dann beim Gitarrensolo sehr schön sehen konnte. Der Gitarrist Gunther Laudahn sprang mit einem breiten Grinsen im Gesicht wild auf der Bühne umher und brachte mit seiner Mimik die Leute zum Grinsen. Vor allem am Schluss beim «Zungenflatterer», der natürlich nicht fehlen durfte, lachten die Zuschauer richtig los.:)
Vor dem Sisters of Mercy Klassiker «More» wurde darauf hingewiesen, dass die Besucher Violet wohl noch nie so gesehen hätten, wie sie es gleich würden. Die einen hätten davon wohl schöne Träume – andere vielleicht auch «Albträume».;) Als die Sängerin ins Rampenlicht trat, war dann auch klar warum, denn die Dame zeigte sich ein wenig freizügiger und schritt in einem durchsichtigen Reifrock über die Bühne. Dazu trug sie ein violettes Korsett. Sehr schick und nicht nur für die Männer schön anzusehen. Bei «All I Need» hatten alle Herren einen Spiegel in der Hand, auf die weisse Scheinwerfer gerichtet waren und mit welchen das darauf strahlende Licht in den Saal «gesendet» wurde. Sehr schöne Idee, welche die Leute faszinierte. Nach Songs von Evanescence und Depeche Mode präsentierten sie das Lied «Born To Feel Alive», bei dem die Tochter von Amelia einen Gesangspart übernahm, den sie ausgezeichnet gesungen hat.
Als Gregorian sich verneigt hatten und hinter der Bühne verschwanden, klatschte das Publikum so lange, bis die Sänger wie auch die restlichen Musiker wieder hervor kamen und noch insgesamt fünf Zugaben spielten. Ich freute mich sehr, dass es auch «O Fortuna», auf ihre Setlist schaffte. Ist dieser Song doch eher ruhig, wurden die Zuschauer am Ende mit einem lauten Knall erschreckt. Jeder, der an diesem Abend stark in der Musik versank und mit seinen Gedanken in anderen Sphären schwebte, war spätestens zu diesem Zeitpunkt auch geistig wieder im Theater 11 angekommen.
Nach der zweiten Zugabe «One», bei der rote Laser durch den Saal streiften, erklangen Kirchenglocken, welche auch auf den Leinwänden zu erkennen waren. Da konnte ja nur «Hells Bells» kommen. Neben einem Geigensolo von Katharina Gerrard, konnten die Besucher nun auch mehr vom Drummer sehen, was bereits vorher schon angekündigt wurde. Der Schlagzeuger Harry Reischmann demonstrierte sein Können ebenfalls bei einem Solo – und nicht nur das, denn er trommelte mit Fackeln und spuckte zwischendurch sogar noch Feuer. Sehr heiss.
Bei «Crazy, Crazy Nights» bewiesen Gregorian wieder sehr viel Kreativität. Die Sänger waren alle mit Taschenlampen ausgestattet und richteten sie immer auf die Person, die gerade am Singen war – je nach dem also auch auf sich selber. Ein wirklich witziger Einfall. Zum Schluss gab es nochmals ein selber komponiertes Stück mit dem Namen «Moment of Peace», bei welchem am Anfang Schneeflocken herunter gerieselt kamen. So wie man Luftgitarre spielen kann, geht das auch mit «Luftglöckchen»: die Herren stupsten in der Luft eine Schneeflocke an und ein Glöckchen erklang. Klar, dass da ab und zu auch ein leises, entzücktes Lachen im Saal zu vernehmen war.:)
Nach diesem grossartigen wie auch sehr künstlerisch und einfallsreich gestalteten Auftritt und der wunderprächtigen Licht- und Lasershow war es keine Überraschung, dass es Standing Ovation gab. Man konnte dem breit gefächerten Publikum aber nicht erst dann, sondern bereits während dem zweistündigen Konzert die Begeisterung ansehen, denn die meisten sassen wie gefesselt in ihren Stühlen und verfolgten voller Spannung die beeindruckende Show. Ein musikalisches Kunstwerk, welches jeder einmal live erlebt haben sollte!
Setlist:
01. Nothing Else Matters (Metallica Cover)
02. Losing My Religion (R.E.M. Cover)
03. In The Air Tonight (Phil Collins Cover)
04. Blue Monday (New Order Cover)
05. With Or Without You (U2 Cover)
06. Join Me (HIM Cover)
07. Lady In Black (Uriah Heep Cover)
08. The Forest
09. Fix You (Coldplay Cover)
Pause
10. Kashmir (Led Zeppelin Cover)
11. Hurt (Nine Inch Nails Cover)
12. The Raven (The Alan Parsons Project Cover)
13. More (Sisters Of Mercy Cover)
14. All I Need (Within Temptation Cover)
15. Bring Me To Life (Evanescence Cover)
16. Stripped (Depeche Mode Cover)
17. Born To Feel Alive (Unheilig Cover)
Zugaben:
18. O Fortuna (Carl Orff Cover)
19. One (U2 Cover)
20. Hells Bells (AC/CD Cover)
21. Crazy, Crazy Nights (Kiss Cover)
22. Moment of Peace
Line-up:
– Sängerin: Amelia Brightman (alias Violet)
– Sänger: Jonathan Clucas, Richard Collier, Robert Fardell, Richard Naxton, Thomas Phillips, Christopher Tickner, Ashley Turnell, Lawrence White
– Violine, Keyboards & Percussion: Katharina Garrard
– Musical Director & Keyboards: Carsten Heusmann
– Gitarren: Gunther Laudahn, Maik Burkhardt
– Schlagzeug: Harry Reischmann
Geschrieben von: Jasmin Stierli