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Weltmännertag – genital verwirrend!
Wer könnte über einen Männertag nicht besser schreiben als Dr. Marco Caimi, der eine Männerpraxis in Basel führt? Heute ist der offizielle «Weltmännertag» – wie jedes Jahr am 19. November. Toll, oder? Fragt man Caimi allerdings nach dem Sinn dieses Tages wird Mann und Frau eines Besseren belehrt.
Um es vorweg zu nehmen: Würde mich jemand fragen, was ich von einem Männertag in der Schweiz halte, wäre meine Antwort die gleiche wie von einem Frauenstreik: nichts.
Aber mich fragt ja niemand, daher riskiere ich zuerst einen Blick zurück. Zum Beispiel ins vierte Jahrhundert vor Christus, als der Denker und Philosoph Aristoteles verkündete, Mann und Frau hätten beide Samen, doch diejenigen der Frau, die «Katamenien», würden erst durch die «Hitze» des Mannes in richtige Samen umgewandelt. Die Frau, so Aristoteles, sei der rohe Felsblock, den der Mann als Bildhauer zur edlen Skulptur formen soll. Diese Zeiten und diese Denke haben wir überwunden, auch ohne Männertag und Frauenstreik. Gut so.
Hooligans sind heute «erlebnisorientierte Fussball-Fans*_Innen».
Erst Ende des 17. Jahrhunderts wurde medizinisch zwischen Ei und Samen unterschieden. Der Naturforscher Antoni van Leeuwenhoek erblickte 1674 mit einem Mikroskop in seinem Ejakulat als erster die herumschwimmenden Spermatozoen und glaubte, die Quelle des Lebens gefunden zu haben. Der Niederländer berichtete von seinen Entdeckungen der Royal Society und bat gleichzeitig die gelehrten Herren um Verzeihung, sollte sie das schockieren. Heute haben wir die Zurschaustellung des männlichen Ejakulats in Form eines Cumshot, der allzeit bereite Genitaldenker Rocco Siffredi und andere Pornodarsteller und -produzenten lassen grüssen – tempora mutantur, auf Deutsch: die Zeiten ändern sich.
Doris Stump sass für die Sozialdemokratische Partei (SP) 16 Jahre im Nationalrat. Sie bezeichnete einst die Begriffe «Mutter» und «Vater» als sexuelle Stereotypen. Frankreich hat unterdessen dafür die Begriffe Elter 1 und Elter 2 eingeführt. Sprache war einst dafür da, Klarheit zu schaffen. Männliche Chaoten im und um das Fussballstadion waren einst Hooligans, heute sind es erlebnisorientierte Fussball-Fans*_Innen. Das ist nicht einfach dumm, sondern geschlechtsübergreifend bildungsfern, was soviel heisst wie: dass die Bildung immer mehr in die Ferne rückt. Eine wichtige Erkenntnis, obschon Erkenntnis sicher schon bald «Er-kennt-nix» bedeuten könnte.
«Wir haben keine Ahnung – wer in meinem Körper heranwächst.»
Emily Rataijkowski ist wunderschön. Das finden offenbar auch 27 Millionen Follower*_Innen. Das Fotomodell erwartet nun ihr erstes Kind. Gefragt, ob Mädchen oder Junge, antwortete sie in einem in der Vogue veröffentlichten Essay: «Wir werden es wissen, wenn das Kind 18 ist.» Die Weltwoche meinte, das sei eine genial verwirrende PR-Zeile. Ich finde sie eher genital als genial. Denn auf die Nachfrage, was sie damit meinte, antwortete sie: «Es gibt Möglichkeiten, die viel komplexer sind als die Genitalien, mit denen unser Kind geboren wird. Wir haben keine Ahnung, wer in meinem Körper heranwächst.» So langsam bin ich genial genital verwirrt.
23 Chromosomenpaare, die geschlechtliche Differenz innerhalb eines einzigen Chromosoms. Der DNA-Unterschied zwischen Frau und Mann (gibt es noch!) liegt zwischen 2 und 4 Prozent. Zwischen Mensch und Schimpanse liegt er bei 1,5 Prozent. Schimpansen, insbesondere Bonobos, sind bekennende sexuelle Freizügler und polygam. Auweia... Forscher fanden offenbar heraus, dass Männer den Affen näher stehen als Frauen. Bleibt zu hoffen, dass diese Forscher nach dem heraus- wieder hinein finden...
Männertage tragen wie Frauenstreik zu nichts anderem bei, als unsere Gesellschaft weiter zu spalten.
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