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Chiudinelli spricht von einer eigentlichen “Mission Impossible”. Und dies, obwohl die letzten drei Duelle zwischen der Schweiz und Italien alle von den Schweizern gewonnen wurden. Die letzte Niederlage gegen die Azzurri geht ins Jahr 1980 zurück. Bei allen Siegen war jedoch Roger Federer mit von der Partie, bei den letzten zwei auch Stan Wawrinka. Ohne die beiden Top-5-Stars ändern sich die Voraussetzungen nun diametral. Dass die Italiener mit Fabio Fognini ebenfalls ihre Nummer 1 ersetzen müssen, fällt kaum ins Gewicht. Sie verfügen auch so noch über vier Spieler aus den Top 100.
Schweizer Teamleader ist in Abwesenheit von Federer und Wawrinka, die in diesem Jahr andere Prioritäten setzen, der 34-jährige Veteran Marco Chiudinelli, der vor einem Jahr die Erstrunden-Partie in Belgien nach einer Ellbogen-Verletzung nur als Assistenzcoach miterlebte. “Das ist ein zweischneidiges Schwert”, betont Chiudinelli. “Es wäre mir lieber, einer oder beide unserer Stars wären dabei.”
Vor zwölf Monaten wusste Chiudinelli noch nicht, ob seine Tenniskarriere weitergeht. “Jetzt bin ich froh, dass ich noch auf der Tour dabei bin und mir ein super Comeback gelungen ist.” Der Basler machte im letzten halben Jahr 200 Plätze gut und steht wieder auf Position 146 im ATP-Ranking. Zuletzt gewann er im polnischen Wroclaw ein Challenger-Turnier.
Chiudinellis grösstes Problem ist in der 9500 Plätze (erwartet werden höchstens 6000 Zuschauer) fassenden und sonst meist für Basketball genutzten Adriatic Arena in Pesaro die Unterlage. “Das Selbstvertrauen ist sicher da, aber Sand macht es etwas kompliziert für mich. Vier Tage reichten nicht für die Umstellung.” Er werde deshalb eher versuchen, sein gut funktionierendes Hartplatz-Tennis etwas anzupassen statt sich komplett umzustellen, zumal die Bedingungen in der Halle wie üblich etwas schneller sind als im Freien. Chiudinelli eröffnet die Begegnung am Freitag um 14 Uhr gegen den grundsoliden Paolo Lorenzi (ATP 54). Der Schweizer hat sämtliche drei bisherigen Duelle gewonnen. Allerdings fanden alle auf Hartplatz statt und liegen sechs respektive sieben Jahre zurück.
Im zweiten Einzel trifft Henri Laaksonen (ATP 174) auf Andreas Seppi (ATP 40). Der 23-jährige Bieler mit Wurzeln in Schaffhausen und Finnland fühlt sich zwar auf Sand ähnlich wohl wie auf Hartplatz, ist aber ebenso klarer Aussenseiter. Er bewies jedoch vor einem Jahr, dass er gerade im Davis Cup über sich hinauswachsen kann. In Lüttich gewann er bei der 2:3-Niederlage gegen den späteren Finalisten Belgien seine zwei Einzel in fünf Sätzen. “Die Erinnerung daran verleiht mir das nötige Selbstbewusstsein”, streicht Laaksonen heraus. “Gerade die Unterstützung durch das Team gibt mir die Extraportion Energie.”
Dass den Schweizern an der Adriaküste trotzdem kein laues Lüftchen, sondern eine steife Brise entgegenweht, ist sich Captain Severin Lüthi bewusst. “Wir sind in keinem Spiel der Favorit”, weiss der erfahrene Berner. “Je näher wir aber an den Italienern dranbleiben, umso nervöser werden sie sein. Sie haben alles zu verlieren.” Er zählt auf das Selbstvertrauen von Chiudinelli und Laaksonen nach deren zuletzt guten Resultaten.
“Im Davis Cup ist immer alles möglich”, macht sich Chiudinelli für die selbst deklarierte “Mission Impossible” Mut. Das Problem: “Es braucht drei Überraschungen in fünf Spielen. Das ist halt schon recht viel.”
(SDA)