Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03482.jsonl.gz/977

Autor: Regula Saner
«Der Bau einer Tramlinie mit eigenem Trassee zwischen dem Bahnhof Freiburg und Marly ist technisch möglich. Die potentiellen Passagierzahlen von etwa 7000 bis 8000 Personen pro Werktag scheinen jedoch deutlich unter den Zahlen zu liegen, die die Einführung eines Trams rechtfertigen würden.»
Zu diesem Schluss kommt der Staatsrat in seinem Bericht zum Postulat von Nicolas Bürgisser und Jean-Pierre Dorand, welche die Prüfung des Baus einer Tramlinie verlangten. Gemäss ihren Vorstellungen sollte die Linie über die ehemalige Güterbahnstrecke zwischen dem Bahnhof Freiburg und der Perolles-Ebene, dann weiter über die Perolles-Brücke, anschliessend durch Marly hindurch bis zum P+R Corbaroche verlaufen.
Immer mehr Verkehr im Perolles
Der Staatsrat stellt in seiner Antwort zunächst fest, dass die Verkehrsnachfrage besonders zwischen Bahnhof und Perolles-Ebene sehr hoch ist und wegen verschiedener städtebaulicher Projekte noch ansteigen wird. Er stellt aber auch fest, dass öffentliche Verkehrsmittel bereits einen ausgedehnten Service bieten.
Dies äussere sich in einer guten allgemeinen Erschliessung des Gebietes, einer hohen Kursdichte, in ausreichenden Kapazitäten und zufriedenstellenden Durchschnittsgeschwindigkeiten der Busse.
Der Staatsrat räumt gleichwohl ein, dass die Hochschuleinrichtungen auf der Perolles-Ebene über kurze Zeiträume grosse Passagierflüsse verursachten, «was zeitweise trotz Zusatzbussen zur Sättigung des öffentlichen Verkehrsangebots führt».
Die Realisierung einer Tramlinie zwischen dem Bahnhof Freiburg und dem P+R Corbaroche in Marly würde laut Staatsrat indes hohe Kosten verursachen: Die geschätzte Investitionssumme betrüge zwischen 110 bis 180 Millionen Franken.
Zum Vergleich: Während der Bau einer modernen Tramlinie laut Staatsrat in der Regel zwischen 30 und 40 Millionen Franken pro Kilometer kostet, betragen die Kosten für die Einrichtung einer separaten Fahrspur für ein öffentliches Strassenverkehrsmittel zwischen zwei und maximal 15 Millionen Franken pro Kilometer.
Hinzu kämen die Kosten für die Aufrüstung einer Linie zum Betrieb mit Trolleybussen von etwa zwei Millionen Franken pro Kilometer. Dagegen fallen die Betriebskosten einer Tramlinie im Grossen und Ganzen ähnlich aus wie diejenigen für Trolleybusse.
Zu geringe Nachfrage
Die Investitionskosten wären gemäss Staatsrat aber nur gerechtfertigt, wenn auch eine genügend grosse Nachfrage bestünde. «Ein Tram ist dann vollkommen angebracht, wenn die Nachfrage sehr hoch ist, namentlich bei einer hohen Bevölkerungsdichte oder zahlreichen Zubringerlinien von öffentlichen Verkehrsmitteln auf die fragliche Linie. Im vorliegenden Fall sind diese Voraussetzungen nicht gegeben.»
Auch bei einer Nachfragesteigerung von 20 Prozent – um dem «Image-Faktor» des Trams Rechnung zu tragen – würde die potentielle Benutzung deutlich unter der Beförderungskapazität einer Tramlinie liegen.