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Otto Lutz – Biografisches
Kindheit
Sasso wurde am 27.1.1908 mit bürgerlichem Namen Otto Lutz in Rheineck SG geboren. Seine Eltern – Karl Otto Lutz (geboren am 25.7.1888) und Hulda Lutz-Künzler (geboren am 16.11.1886) – heirateten am 14.12.1907. Der Vater erwarb von seiner Mutter ein kleines Haus an der Poststrasse 3 in Rheineck (vgl. Foto), wo Sasso aufwuchs. Karl Otto Lutz arbeitete mehrere Jahre als Mechaniker bei der Firma Saurer in Arbon, bevor er während der Weltwirtschaftskrise im Zuge des Ersten Weltkriegs entlassen wurde. Danach gründete er kurzzeitig ein eigenes Geschäft und arbeitete später wieder bei Saurer sowie als Kirchenmessmer in Rheineck. Ab 1921 ist er als arbeitslos gemeldet.
Aus dem Scheidungsurteil ist zu entnehmen, dass Alkoholprobleme und ein "leichtsinniger Lebenswandel" die Ehe mit Hulda Lutz belasteten; die Scheidung erfolgte am 30.6.1922. Bereits einige Tage zuvor, am 26.6.1922, entzog das Waisenamt Rheineck den beiden die elterliche Gewalt über die Kinder Otto und Hulda Lutz. Sie wurden dem Waisenhaus Rheineck übergeben, der evangelischen Armenverwaltung unterstellt und erhielten mit dem Lehrer J. Schön, Rheineck, einen Vormund. Weitere Akten aus dem Waisenhaus, von den Vormundschaftsbehöriden oder der Armenverwaltung sind leider nicht mehr vorhanden.
Jugend und Lehrjahre
Mit 16 Jahren wurde Sasso "mit allen guten Vorsätzen" aus dem Waisenhaus entlassen, wie er in einem selbst verfassten Lebenslauf schreibt. Er wurde in eine Malerlehre nach Kradolf geschickt, hielt es dort aber nicht lange aus: Nach nur einem halben Jahr packte er mitten in der Nacht sein "Bündeli" und machte sich zu Fuss auf nach Thal. Dort angekommen, traf er auf den Zirkus Bauer, der eben seine Zelte aufschlug. Sasso nutzte die Gelegenheit, denn er hatte, wie er selbst schreibt, höhere Ziele: "Meine grossen Vorbilder waren Beckerelli als Zauberer und Ferry Schluep als Musical-Clown." Und so meldete er sich flugs beim Zirkusdirektor und liess sich als Pferdebursche einstellen, womit seine Zirkus-Karriere und seine eigentlichen Lehrjahre begannen: "Bis Ende der Saison konnte ich Clown-Entrées machen. So ging es weiter, jede Sommer-Saison liess ich mich bei einer andern Truppe engagieren. Nach Bauer bei Arena Heinrich Gasser, bei Dominik Gasser, Franz Nock, Wanner-Nock und Arthur Strohschneider. In all den Jahren habe ich alles gelernt, was man so auf Arenen und kleinen Zirkussen lernen kann: Luft- und Parterre-Akrobatik, Hochseil laufen, Feuerfressen und Degenschlucken, Kraftathlektik, Papierreissen, Zaubern, Dummer August und Matrosen Akrobatik am 22 m hohen schwankenden Mast."
Im Winter hielt sich Sasso mit Tanzkursen und einem selbst gebauten Kasperli-Theater, mit dem er Märkte und Schulen in St. Gallen, Thurgau und Appenzell besuchte, über Wasser. Mit Kriegsbeginn kam ein weiteres Engagement hinzu: Das Armeekommando Sektion Heer und Haus (Freizeitzentrale) verpflichtete Sasso als Truppenunterhalter. In dieser Funktion unterhielt er an unzähligen Abenden die Soldaten und trug zur "Stärkung der Moral in der Truppe" bei.
Heirat und Familie
Otto Lutz alias Sasso heiratete am 6.9.1937 in Heiden AR Bertha Klara Odermatt (geboren am 25.5.1909, verstorben am 19.10.1977). Das Bild zeigt das Paar am Tag der Hochzeit. Am 17.7.1938 wurde in Heiden unsere Mutter Ruth Bertha Lutz geboren. Am 20.1.1941 kam in Wald AR ihr Bruder Bernhard Edmund Lutz zur Welt. Er starb bereits am 8.4.1945, im Alter von nur vier Jahren, an Keuchhusten und wurde auf dem Friedhof Sihlfeld in Zürich beigesetzt.
Anfang August 1938 wurde der Artist Otto Lutz erstmals in Zürich gemeldet, kommend von seinem bisherigen Wohnort in Heiden AR. Die Familie zog mehrfach um und wohnte unter anderem an der Zähringerstrasse, am Rindermarkt, an der Gertrudstrasse und schliesslich an der Zurlindenstrasse. Sassos Frau Bertha zog 1960 aus der gemeinsamen Wohnung aus und lebte offenbar kurz in Paris, bevor sie nach Zürich zurückkehrte. Am 14.3.1967 liessen sich Otto und Bertha Lutz scheiden. Sasso zog kurz darauf aus Zürich weg und starb am 31.10.1968 in Wald ZH im 61. Lebensjahr.
Nachkommen
Unsere Mutter, Ruth Bertha Lutz, wuchs in einem von Spannungen und finanziellen Nöten geprägten Umfeld auf. Aus verschiedenen Dokumenten geht hervor, dass sie offenbar als Kind und Jugendliche während längerer Phasen nicht bei den Eltern gelebt hat. Später absolvierte sie eine Ausbildung als Psychiatriekrankenschwester, obwohl sie gemäss dem Wunsch ihres Vaters ebenfalls eine Karriere auf der Bühne einschlagen sollte. Der Traum einer Bühnenlaufbahn zerschlug sich aber nicht zuletzt deshalb, weil Ruth Lutz mit knapp 20 Jahren bereits schwanger wurde. Kindsvater war der noch nicht 19-jährige – und damals somit noch nicht volljährige – Josef (Sepp) Anton Ruhstaller, der, aus einer Grossfamilie stammend, im Alter von 16 Jahren allein aus dem Kanton Zug nach Zürich gekommen war und seinen Lebensunterhalt an einer Tankstelle verdiente. Die beiden heirateten am 25.3.1959.
Unsere Mutter Ruth besuchte mit mir häufig das Grab ihres so jung verstorbenen Bruders Bernhard(li) auf dem Friedhof Sihlfeld. Erst später habe ich realisiert, dass mich meine Mutter wegen ihm auf den Namen Bernhard getauft hatte. Verständlicherweise hat sie sich deshalb immer darüber aufgeregt, dass ich in meinem Umfeld schon früh mit "Beny" angesprochen wurde. Als ich acht Jahre alt war, schenkte mir mein Grossvater Sasso mein erstes Briefmarkenalbum; und ich fand an diesem von ihm so geliebten Hobby ebenfalls Gefallen.
Tod
Otto Lutz verstarb am 3.10.1968 nach langer Krankheit – er litt an Lungen- und Prostatakrebs – viel zu früh im Alter von erst 60 Jahren. Sasso stand bis im Juni 1967 auf der Bühne, schon sichtlich von der Krankheit gezeichnet, und liess sich auch von Zusammenbrüchen oder blutenden Wunden nicht von Auftritten vor seinem Publikum abhalten.
Als damals 9-Jähriger durfte ich nicht an der Beerdigung meines Grossvaters teilnehmen. Gemäss unserer Mutter wohnten rund 400 Menschen der Beerdigung bei, unter anderem Künstler aus der ganzen Schweiz. Nach seinem Tod wurde unsere Mutter damit belastet, dass verschiedene Künstler die Rechte an Sassos Witzen und künstlerischen Werken übernehmen wollten. Der Urheberrechtsschutz war zu dieser Zeit noch nicht wirklich gewährleistet.
Nachrufe
Nach seinem Tod wurde Sasso sogar in der NZZ mit einem kurzen Nachruf geehrt: "Wohl in der ganzen Schweiz und darüber hinaus kannten ihn Tausende unter dem Artistennamen Sasso. Er war ein vielseitiger und vielbewunderter Musicalclown, der immer wieder mit neuen lustigen Tricks aufwartete, und ein ausgezeichneter Magier."
Im Mitteilungsblatt von "Sicher wie Jold" wurde ebenfalls ein ausführlicher Nachruf abgedruckt, in dem auch Sassos Werdegang nachgezeichnet wurde: "Es musste sein sehnlichster Lebenswunsch gewesen sein, Spassmacher zu werden, als sich unser Freund Sasso entschloss, angespornt durch Erstlingserfolge im Appenzell, nach Zürich zu kommen. (…) Es folgten Jahre der Entwicklung, die ihn zum gesuchten Alleinunterhalter heranreifen liessen. Seine nicht alltägliche Vielseitigkeit, die nicht so leicht von seinen Berufskollegen erreicht wurde, wie Sandmalen, Ornamentalistik, Zauberei bis zum perfekten Musical-Clown, prägten ihn zum unwiderstehlichen Lachsalvenerzeuger. (…) So verlieren wir denn in Sasso einen vorbildlichen Kamerad, der sicher auch auf seine Art einen Lebenskampf ausfechten musste, aber immer dann vorbehaltlos zu geben vermochte, wenn die Menschen Ablenkung ihrer täglichen Probleme suchten."