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Kühe für weniger als 3'000 Franken
Der Nutzviehmarkt kam während des Jahres von drei Seiten unter Druck. Erstens war seit dem 1. Januar Schluss mit direkten Exportbeiträgen des Bundes je exportiertes Stück Nutzvieh. Zweitens sank innert Jahresfrist der Euro von 1.50 Franken auf 1.30 Franken, was Schweizer Kühe verteuerte. Und drittens wollten die inländischen Milchbauern infolge des gesunkenen Milchpreises möglichst wenig für Nutzvieh bezahlen. Bereits im Frühjahr war eine Milchkuh im Durchschnitt weniger als 3'000 Franken wert. Im Sommer stieg der Preis leicht an, um dann im Herbst sogar unter den Anfangswert zu sinken. Während 2009 mit staatlicher Unterstützung 5'779 Tiere exportiert wurden, waren es bis Ende Oktober 2010 nur 313 Stück. Die Nachfrage wäre da, der Preis ist infolge des tiefen Euro aber zu hoch. Im Inland sanken die durchschnittlichen Preise für eine Milchkuh von rund 3'200 Franken im Frühjahr auf rund 2‘800 Franken anfangs Winter.
Mangel an Schlachtkühen
Die Verarbeitung von Schlachtkühen entsprach in etwa der Vorjahresmenge und der Markt verlief mit Preisen zu Jahresbeginn von 6.60 Franken je Kilo Schlachtgewicht für Kühe der Qualitätskategorie T3 relativ stabil. Infolge der Unsicherheit auf dem Milchmarkt kamen nur sehr wenige Kühe auf die Schlachtbank. Aus Mangel an Kühen und wegen des gesunkenen Munipreises wurden vermehrt Muni geschlachtet und gewisse Fleischteile in den Verarbeitungskanal umgeleitet. Durch das kleine Angebot an Kühen und der sehr guten Nachfrage stiegen die Preise Ende Juni markant an. Importfreigaben beruhigten den Markt und der Preis stabilisierte sich wieder auf demselben Niveau wie zuvor. Erst Mitte September gab es mit den Alpabzügen Druck auf die Preise. Durch die Ausmerzung im Kuhbestand sank der Preis bis November auf 5.70 Franken je Kilo Schlachtgewicht trotz stets guter Nachfrage.
Mehr Bank- statt Verarbeitungsvieh
Der Bankviehmarkt zeichnete sich durch starke Schwankungen aus, im Schnitt entsprachen Menge und Preise aber in etwa jenen des Vorjahres. Der Verkaufserlös für die Mäster blieb beinahe unverändert. Nachdem der Markt kurz vor dem Jahres-wechsel ausgeglichen war und mit einer erfreulichen Nachfrage ins neue Jahr startete, kippte er infolge Überangebots in der zweiten Januarhälfte. Ende Februar war die Talsohle bei 7.90 Franken pro Kilo Schlachtgewicht für Muni T3 erreicht. Verkaufs-aktivitäten bewirkten vermehrt Schlachtungen und steigende Preise. Auf Ostern staute sich das Angebot erneut und die Preise sanken. Das schlechte Wetter zu Beginn des Sommers bewirkte, dass mehr Rind- statt Schweinefleisch konsumiert wurde. Zudem profitierte der Bankviehmarkt vom Mangel an Kühen. Allmählich, und verstärkt durch den Start der Alpsaison, stiegen die Preise an. Die Herbstsaison verlief mit leichten Preisschwankungen. Die Verkaufsförderungen beim Schweine- und Schaffleisch und das Wild konkurrenzierten den Bankviehmarkt. Durch ein erhöhtes Angebot sanken die Preise Ende November noch einmal. Der Markt verzeichnete besonders Zunahmen an Rindern, weshalb vor Weihnachten für Rinder T3 nur knapp einen Preis von 7.70 Franken pro Kilo Schlachtgewicht realisiert wurde. Die Importfreigaben an Nierstücken und High-Quality-Beef beliefen sich im 2010 wie im Vorjahr auf 4850 Tonnen.
Starke Preisschwankungen bei den Kälbern
Die saisonalen Schwankungen auf dem Bankkälbermarkt waren auch dieses Jahr zu spüren. Der alljährliche Preissturz zum Jahresstart fiel ausserordentlich extrem aus. Binnen sechs Wochen sank der Preis für das Bankkalb T3 infolge steigenden Angebots bei rückläufiger Nachfrage von 15.70 Franken pro Kilo Schlachtgewicht auf 13.00 Franken. Hinzu kam das zum billigen Ausserkontingentszollansatz von nur 6.38 Franken je Kilo importierte, gepfefferte Kalbfleisch für die Gastronomie. Verkaufsaktivitäten um die Osterzeit brachten eine kurze Erholung, bevor der Preis auf 11.70 Franken pro Kilo Schlachtgewicht sank. Ansonsten kam der Kälbermarkt mit einer nur geringen Einlagerungsaktion aus. Anfang August stiegen aufgrund eines kleinen Angebots die Preise und erreichten Ende September 14.50 Franken pro Kilo Schlachtgewicht. Sorge bereitete die gestiegene Menge an billigem, importiertem Würzfleisch, das die einheimische Produktion unter Druck setzte. In den Monaten September bis Dezember gab es Importfreigaben von insgesamt 425 Tonnen Kalbfleisch. Wie üblich kam im November neuer Zug in den Kälbermarkt und die Preise stiegen an. Dank einer sehr guten Nachfrage konnten in der Adventszeit Preise zum hohen Vorjahresniveau realisiert werden.
Überangebot an Schlachtschweinen
Wie im Vorjahr sanken die Schweinepreise zum Jahresbeginn, dieses Mal aber auf ein nochmals tieferes Niveau. Die Nachfrage war schwach und der Verkauf stockte. Anfang März normalisierten sich Angebot und Nachfrage. Auch die erhöhten Schlachtungen auf die Grillsaison hin halfen. Ende April wurde ein Höchstpreis von 4.30 Franken pro Kilo Schlachtgewicht bezahlt. Allerdings war dieser Preis 1 Franken tiefer als im Vorjahr. Das anhaltend kühle und nasse Wetter zu Beginn des Sommers hatte fatale Folgen für den Schweinemarkt. Die Nachfrage wollte bei hohem Angebot und hohen Lagerbeständen nicht in Schwung kommen und der Absatz harzte. Durch die Sommerferien nahm der Preisdruck zu. Trotz attraktiven Aktionen lag der Absatz deutlich unter den Erwartungen. Von Januar bis Ende Juli stieg zusätzlich die Schweineproduktion um 6,1 Prozent an gegenüber der gleichen Zeit im Vorjahr, was einer Mehrmenge von rund 8‘000 Tonnen entsprach. Die Preise fielen durch die Überproduktion bis Mitte Oktober auf 3.30 Franken pro Kilo Schlachtgewicht. Bis im Dezember war der Schweinemarkt völlig übersättigt. Nur durch dauernd günstige Verkaufsangebote und grossflächige Aktionen konnte der Schweinemarkt bis Weihnachten abgeräumt werden. Vorjahresniveau realisiert werden.
Produktionssteigerung bei den Ferkeln
Der Jagermarkt (junge Mastschweine) verlief zu Beginn des Jahres erfreulich, jedoch mit über einem Franken unter dem Preis vom Vorjahr. Saisongemäss stieg der Preis bis März an und blieb bis im April stabil bei 7.40 Franken pro Kilo Lebendgewicht. Dann drehte der Markt: Die Nachfrage nahm ab, während das Angebot grösser wurde. Bis Anfang August gab es mittlere bis grosse Überhänge und die Preise sanken kontinuierlich bis 4.00 Franken pro Kilo Lebendgewicht ab Stall. Trotz einer kurzen Marktberuhigung konnten die Überhänge nie vollständig abgebaut werden, weshalb die Preise weiter sanken. Die preisliche Talsohle wurde Ende Oktober erreicht bei einem Preis von 3.40 Franken pro Kilo Lebendgewicht. Erst mit den grösseren Umstallungen auf den Mastbetrieben war der Jagermarkt im Dezember wieder ausgeglichen.
Geringe Nachfrage nach Lämmern
Die Inlandproduktion an Schlachtlämmern sank bis Juli um 5,1 Prozent. Trotzdem lösten sie einen deutlich geringeren Preis als im Vorjahr, denn die Nachfrage ging ebenfalls zurück. Lammfleisch verschwindet immer mehr vom Menuplan: Innerhalb der letzten 10 Jahre schrumpfte der Konsum von Lammfleisch um 6,5 Prozent. Höhere Erlöse waren nur vor Ostern möglich. Anfang Juli lag der Preis bei 10.50 Franken pro Kilo Schlachtgewicht für T3-Lämmer. Bereits Mitte August und mit der Rückkehr der gealpten Tiere kamen die Preise erneut unter Druck. Die Preise für Schlachtlämmer lagen bis Ende Oktober zirka 70 Rappen unter dem Vorjahresniveau. Auf die Festtage hin stiegen die Preise wieder an und erstmals konnten zumindest die Preise vom Vorjahr erzielt werden.
Schweizer Poulets weiter gefragt
Die inländische Pouletproduktion wächst weiter. Im 2010 waren 5,5 Prozent mehr Küken eingestallt worden und die Schweizer Konsumenten assen diese Mehrproduktion schlank weg. Der Pro-Kopf-Konsum an Geflügelfleisch betrug für 2010 hochgerechnet 11 Kilo und überflügelte das erste Mal das Rindfleisch. Das Potenzial für Schweizer Geflügel ist indes noch sehr gross: Der Inlandanteil am Gesamtkonsum beträgt erst knapp 50 Prozent.
Eierproduktion legte zu
Die Schweizer Eierproduzenten lieferten im Jahr 2010 wieder mehr Inland-Eier (+5 Prozent bis November). Die zunehmende Ausrichtung auf Spitzenverbrauchsmengen (Ostern, Weihnachten) bringt aber vermehrt Überschüsse in ruhigeren „Konsumzeiten” mit sich. Erfreulich ist die Entwicklung des Pro-Kopf-Konsums bei Eiern mit hochgerechnet 188 Stück – eine Fortsetzung des Positivtrends.
Anhaltend hohe Milchproduktion
Die Branchenorganisation (BO) Milch startete mit Markus Zemp als neuem Präsidenten ins Jahr 2010. Die Situation blieb wegen einer konstant hohen Milchproduktion und steigenden Überschüssen kritisch. Die BO Milch schaffte es im Verlauf des Jahres nicht, eine funktionierende Mengenregelung durchzusetzen. Zwar senkte sie den Mengenindex für Molkereimilch offiziell um 3,6 Prozent, dies blieb jedoch ohne erkennbaren Einfluss auf die produzierte Menge. Die Milchanlieferungen stiegen gegenüber den Vorjahren im ersten Halbjahr 2010 sogar leicht an. Aufgrund leicht besserer Aussichten auf den internationalen Märkten erhöhte die BO Milch den Richtpreis für Industriemilch für das 3. Quartal 2010 von 62 auf 65 Rappen pro Kilo. Allerdings war im ersten Halbjahr der Richtpreis von 62 Rappen gemäss Milchbericht des BLW im Schnitt nicht realisiert worden. Der schwache Eurokurs akzentuierte die Probleme auf dem Schweizer Milchmarkt weiter. Nach einem guten ersten Quartal 2010 gerieten die Käseexporte ab dem zweiten Quartal unter Druck. Käseimporte aus dem Euro-Raum wurden demgegenüber immer billiger. Im Juni 2010 wurde mengenmässig sogar mehr Käse importiert als exportiert. Ende Mai befanden sich erstmals mehr als 10‘000 Tonnen Butter im Tiefkühllager.
In der Folge versuchten Produzentenvertreter über die Motion Aebi die Mengensteuerung an die Schweizer Milchproduzenten zu delegieren. Die Motion wurde – obwohl vom Bundesrat zur Ablehnung empfohlen – vom Nationalrat in der Herbstsession angenommen. Die BO Milch wandte sich in der Zwischenzeit von der Mengensteuerung ab und setzte ab September neu auf die Preissegmentierung. Ohne eine wirksame Mengensteuerung wird der Industriemilchpreis weiter in Richtung EU-Milchpreis sinken. In diesem Fall bleibt nur die Hoffnung auf eine weitere Verbesserung des internationalen Milchmarktes. Angesichts der wieder steigenden Preise für Agrarprodukte und der volatilen Perspektiven auf dem Weltmarkt scheint dieses Szenario nicht ganz unrealistisch zu sein.