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Dinosaurier.
Zu der bereits an riesenhaften und abenteuerlichen
Formen überreichen Reptilgruppe, welche den Höhepunkt
ihrer
Entwickelung am
Schluß der Kreidezeit erreichte, um dann ziemlich plötzlich den
Säugetieren das
Feld zu räumen, haben
die
Ausgrabungen der Jahre 1886-89 wieder sehr merkwürdige Beiträge geliefert und in den
Gattungen Ceratosaurus
und Ceratops wohl die seltsamsten aller bisher bekannten. Der erstere
Saurier ist dem europäischen
Megalosaurus einigermaßen
ähnlich; er trägt auf der Mittellinie des
Nasenbeins einen starken Hornzapfen, und die
Wirbel zeigen eine vordere flache
und eine tiefere hintere Aushöhlung und darin eine bisher im gesamten Reptilreich einzig dastehende
Bildung. Die
Elemente des
Beckens sind wie bei den
Vögeln ohne
Naht verschmolzen, und auch die
Verwachsung der Zwischenhandknochen
erinnert an die gleiche
Bildung bei
Vögeln, ohne daß man darin übrigens mehr als eine sogen. Konvergenzerscheinung sehen
darf. Die ältere
Annahme einer nähern
Blutsverwandtschaft dieser spezialisierten
Dinosaurierformen mit
Vögeln hat aufgegeben werden müssen.
Noch viel seltsamere Formen stellen die nach ihren »Stierhörnern« benannten Ceratopsiden dar, die in bestimmten Schichten längs des östlichen Abhanges der Felsengebirge in einer Ausdehnung [* 3] von 800 engl. Meilen so häufig vorkommen, daß man dieselben als Ceratops-Schichten bezeichnet. Nach einer Beschreibung von Marsh übertraf die Größe der Ceratopsiden diejenige aller bekannten lebenden und fossilen Landtiere; der Schädel der Triceratops-Arten (T. horridus und T. flabellatus) erreicht allein schon 1,8-2,5 m Länge und muß ein enormes Gewicht gehabt haben, da die Schädelknochen entsprechend dick sind.
Die Gattung ist nach drei Hornzapfen benannt, von denen zwei große, 0,6-0,9 m hohe gewaltige Hörner auf den Stirnbeinen trugen, während ein dritter, kleinerer auf dem Nasenbein steht, so daß der Kopf zugleich Ähnlichkeit [* 4] mit dem des Rhinozeros erlangt haben muß, obwohl er vorn in einen Schnabel auslief. Auf große Schwere deutet auch die starke Verbreiterung des Schädels nach hinten, die dort ein mächtiges, aus dem Hinterhaupt und den Scheitelbeinen bestehendes Dach [* 5] bildete, welches weit über den Nacken zurückreichte und Nackenmuskeln als Ansatzfläche diente, die eine gewaltige Entwickelung gehabt haben müssen, um den mit drei großen Hörnern bewehrten ungeheuerlichen Kopf zu regieren.
Auch der Hinterhauptskamm ist bei T. flabellatus am Seitenrand mit einer Reihe spitzer Knochen [* 6] besetzt, welche wahrscheinlich Hornstacheln trugen. Der Rachen entspricht nicht ganz dem furchtbaren Anblick dieses gehörnten Drachenschädels, denn die Kiefer trugen nur kleine Zähne, [* 7] während die Zwischenkiefer ganz zahnlos sind und ebenso wie die entsprechende Partie des Unterkiefers mit einem sonst niemals beobachteten Schnabelbein bedeckt waren, welches im Leben wahrscheinlich einer Hornbekleidung des Schnabels, derjenigen der Schildkröten [* 8] ähnlich, als Unterlage diente. Natürlich kann ein solcher Schnappschnabel, wie wir ihn bei den Riesenschildkröten sehen, gefährlich genug sein. Die Nasenbeine, welche wie beim Rhinozeros ein Mittelhorn trugen, sind kräftig entwickelt.
So baut sich in unsrer Phantasie ein Tier auf, welches an Größe und Schreckhaftigkeit alle Drachenphantasien der Maler weit übertrifft, wenn wir auch in Moloch horridus, Phrynosoma orbicularis, Metapoceros und andern ausländischen Eidechsen [* 9] lebende Miniaturbilder solcher mit Hornstacheln besetzter Großechsen besitzen. Bei Triceratops scheint der ganze übrige Körper dem schwerbewaffneten Haupt in dem Maße dienstbar geworden zu sein, daß diese Schreckenstiere an solcher Einseitigkeit zu Grunde gehen mußten.
Während das Haupt wuchs, um die Bewaffnung noch tragen zu können, wurden zuerst der Nacken, dann die Vorderglieder, zuletzt das ganze Skelett [* 10] in der einen Richtung verändert, Stützpunkte für den Schädel zu liefern. Die Intelligenz scheint dagegen, wie aus dem außerordentlich kleinen Gehirnraum zu schließen ist, nur schwach entwickelt gewesen zu sein, schwächer selbst als bei den ebenfalls mit Hornstacheln bewaffneten Stegosauriern, bei denen die im Kreuzbein belegene Strecke des Rückenmarkskanals, d. h. der Raum des Hinterteilgehirns, den Inhalt der Schädelhöhle um mehr als das Zehnfache übertrifft.