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Virus vs. Fussball - Wie vor hundert Jahren
«Wenn auch die Clubs diese Saison weniger mit den durch Mobilisation und Demobilisation - im Gegensatz zur Saison 1917/18 - hervorgerufenen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, so stellten sich doch solche Hindernisse dem Sportbetrieb in den Weg, dass mehr als einmal die Saison 1918/19 vor dem Zusammenbruch stand.»
Mit diesen unheilschwangeren Zeilen beginnt der Jahresbericht für die Saison 1918/19 des Central-Comités des Schweizerischen Fussball- und Athletikverbandes (SAFV), wie der Schweizerische Fussballverband damals hiess.
Grippe hatte Schweiz fest im Griff
In der Tat war zu dieser Zeit die Schlussphase des Ersten Weltkriegs nicht das grösste Problem für den Spielbetrieb in der höchsten Schweizer Fussballliga. «(...) weit ernsterer Natur waren die nicht vorauszusehende Grippewelle und die Einstellung des Eisenbahnverkehrs an den Sonntagen.» Die «Spanische Grippe» rollte zweimal durch die Schweiz. Zuerst im Sommer und dann noch heftiger im Herbst 1918. Den Höhepunkt erreichte die Epidemie in der Zeit vom 20. Oktober bis Mitte November. Während dieser Zeit ruhte der Spielbetrieb beinahe vollständig. Von 55 Partien in der damaligen Serie A (Vorgängerin der Nationalliga A) konnten nur 15 Spiele durchgeführt werden.
Ohne Kohle keine Spiele
Obwohl die Grippewelle Ende November abflachte, sah sich der Verband mit weiteren Problemen konfrontiert, die den Spielbetrieb gefährdeten. Ab 2. Dezember 1918 stellten die SBB den Eisenbahnverkehr an Sonntagen, dem Fussball-Spieltag schlechthin, ein. Grund dafür war die kriegsbedingte Kohleknappheit in der Schweiz. Kohle war damals für den Betrieb der Dampflokomotiven essenziell.
Die Klubs versuchten dennoch krampfhaft, so viele Spiele wie möglich durchzuführen. Und sie zeigten bei der Transportmittelbeschaffung viel Kreativität und Opferbereitschaft:
«Lastwagen, Taxameter, Fahrräder, Fuhrwerke dienten zum Transport der Spieler. Clubs der unteren Serien legten den Weg zu Fuss, über vier Stunden Marschzeit, zurück!»
Anbauschlacht auch auf Fussballplätzen
Zu den Transportproblemen und zur Grippewelle gesellten sich infrastrukturelle Herausforderungen. Die vom Bund während des Krieges beschlossene Pflicht zur Selbstversorgung sorgte dafür, dass auch Fussballfelder als Anbauflächen genutzt wurden. Der Mangel an bespielbaren Terrains sorgte ebenfalls dafür, dass etliche Spiele nicht durchgeführt werden konnten, weil die Klubs schlichtweg über kein Spielfeld verfügten.
Trotz der vielen Unwägbarkeiten fanden die Verantwortlichen Mittel und Wege, die Saison doch noch zu retten. Der Jahresbericht schliesst mit folgenden Worten:
«Dieses Jahr dauerte die Saison lang, viel zu lang. Sie ist auch im Momente der Berichterstattung noch nicht ganz beendet.»
Es bleibt zu hoffen, dass sich die Zeilen im Jahresbericht 2019/20 nicht wiederholen.