Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03411.jsonl.gz/2735

http://www.badragaz.ch/de/portrait/geschichte/welcome.php?action=showinfo&info_id=6700
23.01.2020 21:14:34

vorhergehendes Ereignis | nächstes Ereignis |

Der Ragazer Golfplatz1900 - 2002
Die Geschichte der Golfanlagen von 1890 bis 2002
Schon vor Ende des 19. Jahrhunderts dürfte in Ragaz Golf gespielt worden sein. Der erste Platz soll ausserhalb des Dorfes in Richtung Mastrils, im Gebiet Fluppi gegenüber dem „Paradiesli“, gelegen haben. Dieser Platz sei vor allem von EngländOIers frequentiert worden, die auf ihrer Durchreise in Richtung Engadin in Ragaz einige Tage Halt machten, um sich an das veränderte Klima zu gewöhnen.
Auch in Davos gab es golfbegeisterte Briten. Es gab ein englisches Viertel mit den Hotels Belvedère, Buol, Victoria und Angleterre. Die Engländer spielten Lawn Tennis und Cricket und fragten sich: „Why can we get no golf here?“ Ein Christian Schmid berichtete in der „Davoser Revue“ vom Jahr 1900, dass sich die vier Hotels zusammengetan hätten, um einen Golf Course anzulegen. Schon bald hiess es, man könne einen Durchgang mit eight Holes spielen. Allerdings sind diese Holes in Davos nicht von Dauer gewesen. Auch der Platz in Ragaz musste wohl zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufgegeben worden sein.
Das Gebiet in den Heulösern
Der erste offizielle Platz entstand in den Heulösern in Richtung Sargans, zwischen der heutigen Autobahn und dem Rhein. Die Lage dieses Platzes ist bereits auf einer Promenaden- und Exkursionskarte von Ragaz und Umgebung, herausgegeben von Pfarrer Waldburger im Jahr 1910, verzeichnet. In seiner Festansprache vom 18. Mai 1958 nannte Dr. Ernst Eugster den 1. April 1905 als Eröffnungsdatum dieses 9-Loch-Platzes.
Die Gebrüder Simon, die drei männlichen Nachkommen von Bernhard Simon, erkannten die Bedeutung des Golfsportes für ihre angelsächsischen Gäste. Sie gelangten bereits im Jahr 1902 an die Ortsgemeinde Ragaz, damit diese ihnen pachtweise Land für einen Golfplatz zur Verfügung stelle.
Im Verhandlungsprotokoll des Ortsverwaltungsrates Ragaz vom 16. August 1902 lesen wir: „Auf Ansuchen der Herren Gebrüder Simon beabsichtigen solche im Heimkuh-Tratt-Heulöser die Anlage eines Golfspielplatzes in Ausführung zu bringen. Es wird beschlossen, auf Sonntag den 24. August mittags 12 Uhr im Schulhaus eine Viehbesitzer-Versammlung abzuhalten.“
Man darf davon ausgehen, dass sich an dieser Viehbesitzer-Versammlung keine allzu grosse Opposition meldete. Denn am 21. September 1902 schloss der Ortsverwaltungsrat mit den Gebrüder Simon eine Vereinbarung über die Nutzung des Gebietes Heulöser als Golfplatz. Diese Vereinbarung ist im Protokoll über die Ortsgemeindeversammlung vom 12. November 1903 im vollen Wortlaut wiedergegeben.
Golf in Ragaz ab 1904
Auf Antrag des Ortsverwaltungsrates beschliesst die Bürgerversammlung: „Es ist der jedem Bürger gedruckt zugestellte Pachtvertrag mit den Herren Gebrüder Simon über Abtretung eines Teils der Heulöser zu einem Golfspielplatz zu genehmigen. Jährlicher Zins 500 Franken, Pachtzeit 5 Jahre.“ Mit dem Bau des 9-Loch-Platzes konnte im Frühling 1904 begonnen werden. Im „Oberländer Anzeiger“ vom 3. April 1905 ist bereits von einem tadellosen Golfplatz die Rede:
„Die Fremden, zumeist Engländer, die in St. Moritz ihren Aufenthalt beendeten, haben sich zur monatlichen Nachkur wie gewohnt zahlreich im Hof Ragaz eingefunden. Sie besuchen täglich den Golfplatz in den Heulösern, der die Eigenschaften eines tadellosen Spielplatzes besitzt.“ Das Thema Golfplatz in den Heulösern wird auch im Fremdenblatt von Ragaz-Pfäfers vom 3. Juni 1905 aufgenommen: „Auch den Sportsneigungen der Fremden kommt man immer mehr entgegen. Hinter dem Neubad ist ein neuer, geräumiger Croquetplatz errichtet und unterhalb Ragaz, in der Richtung gegen Sargans, haben die Gebrüder Simon einen Golfgrund herrichten lassen, der an Grösse und Zweckdienlichkeit seinesgleichen sucht. Es darf daher nicht verwundern, dass die sonnengebräunten Engländer, die den Winter über in St. Moritz dem Wintersport oblagen, während der verflossenen Frühjahrssaison in besonderer Zahl in Ragaz anwesend waren und fast bei jedem Wetter dem Golfspiele huldigten.“
Verwendung des Pachtzinses
Der Platz selbst war ein offener Platz mit einigen Bunkern, aber ohne grösseren Baumbestand. Gemäss Ziffer 12 des Protokolls der Bürgerversammlung vom 12. November 1903 hatte der Ortsverwaltungsrat Bericht und Antrag über die Verwendung des Pachtzinses von Fr. 500.-- zu stellen. Im Jahr 1908 beschloss de Bürgerversammlung die Zuweisung in einen Fonds zur Bodenverbesserung in den Heulösern:
„Es sei der aus dem Pachtverhältnis mit den Herren Gebrüder Simon punkto Golfspielplatz in den Heulösern in die Ortskasse abfliessende Teil von Fr. 200.-- zur Gründung eines Fondes für nutzbringende, den Ertrag vermehrende Verbesserung auf den Allmeind-Heulösern abzutreten und zinstragend anzulegen, mit der Bedingung, dass die Trattgenossen ihren bis dato zugewiesenen und bezahlten Teil von Fr. 300.-- für den gleichen Zweck und in der nämlichen Weise beisteuern.“ (Dekan Oesch, Chronik von Ragaz).
Der nicht mehr vorhandene Pachtvertrag vom 21. September 1902 wurde mit späteren Verträgen mit der Ortsgemeinde bestätigt. die Verträge von 1922, 1925 und 1939 wurden mit der Aktiengesellschaft der Bad- und Kuranstalten Ragaz-Pfäfers abgeschlossen. Der jährliche Pachtzins betrug gemäss diesen drei Verträgen Fr. 1'000.--, Fr. 3'000.-- beziehungsweise Fr. 2'000.-- während der Kriegszeit.
Anbauschlacht Wahlen
Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges kam der Spielbetriet in den Heulösern zu erliegen. Der Golfplatz wurde ein Opfer der so genannten „Anbauschlacht Wahlen“. Dem „Pflanzwerk Ragaz“ hat der VHTL (Verband der Arbeitnehmer von Handel, Transport und Lebensmitteln) seine Sondernummer vom 1. Mai 1942 gewidmet. In dieser Publikation erklingen sogar klassenkämpferische Töne: „Seit drei Monaten wird auf dem Golfplatz von Ragaz und dem daneben liegenden Erlenwäldchen fieberhaft gearbeitet. Acker um Acker entsteht, und wo dereinst pfundbestickte Yankees ihrem Lieblingssport oblagen, zieht der Pflug Furche um Furche. Hügel werden abgetragen, Gräben ausgefüllt, und in ungeahntem Tempo vergrössert sicht das Gebiet, das bis zum kommenden Herbst zur Verbesserung unserer Versorgung beitragen soll. Unsere Brauereiarbeiter haben nicht enttäuscht.
Die Anregung, ein Pflanzwerk für die Schweizer Brauerei und ihrer Arbeiter zu schaffen, verdanken wir Herrn Dr. Hans Hürlimann, Zürich. Zwei Gründe waren dabei massgebend: Erstens die Notwendigkeit für die Schweiz, die landwirtschaftliche Produktion auf das Äusserste zu steigern, und zweitens der Wunsch, wenigstens für einen Teil der Arbeiter, die infolge des Absatzrückgangs in den Betrieben überzählig geworden sind, eine Arbeitsmöglichkeit zu schaffen.
Am 23 Februar 1942 begannen die geplanten Arbeiten. Es wurden zwei Baracken erstellt und das alte Golfhaus umgenutzt. Zu dieser Anbauschlacht traten 60 Männer an. Sie wurden in den Baracken von Ort untergebracht. Das Lagerleben schien ein ganz passables gewesen zu sein. „Die Lagerordnung ist ganz und gar nicht militärisch, ohne deswegen etwa weniger gute Ordnung zu sein. Man kann am Abend so viel Ausgang haben, als man will, ohne erst zu fragen. Da im Lager aber die Lasche Lagerbier fünfzehn Rappen kostet, ein Radio da ist, Zeitungen und sogar ein Zauberkünstler, besteht kein besonderer Bedarf nach Ausgang.“
Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges war das Golfspiel in Bad Ragaz bis zum Jahr 1953 kein Thema mehr. Der Kurort und insbesondere die Bad- und Kuranstalten hatten mit dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld der unmittelbaren Nachkriegszeit zu kämpfen. Die Badeanstalten machten damals einen eher nostalgischen Eindruck.
Die Zeit von 1953 bis 1958
1953 wurden die Bad- und Kuranstalten Ragaz-Pfäfers von einer neuen Trägerschaft mit Sitz in Bad Ragaz übernommen. Illustre Industrielle engagierten sich für den Thermal- und Hotelbetrieb. Sie wollten aus Bad Ragaz wieder einen Kurort erster Güte und von internationaler Bedeutung machen. Diese Unternehmer hatten die Idee und weitsichtige Vision, dass zu einem Kur- und Hotelbetrieb auch ein 18-Loch-Platz gehöre, um wiederum eine gehobene Kundschaft anzulocken. Im Zuge der Gesamterneuerung wurde daher ein englischer Golfarchitekt beauftragt, eine Golfanlage mit 18-Loch zu planen.
Im Oktober 1955 besuchte Herr Hawtree, Golf-Architekt in Addington, Surrey (GB), Bad Ragaz und erstellte einen fünf Seiten umfassenden, aber als Entscheidungsgrundlage völlig genügenden Bericht über die Eignung des Geländes für eine 18-Loch-Golfanlage. Gemäss Vorgabe der Bauherrschaft war ein etappenweises Vorgehen geplant mit der Erstellung von neun Holes in einem ersten Schritt. Gebaut werden sollte dieser 9-Loch-Platz von den Bad- und Kuranstalten. Für den Betrieb und Unterhalt sollte aber ein separater Verein zuständig sein. Aus diesem Grund wurde am 17. Januar 1956 der Golf Club Bad Ragaz gegründet. Erster Clubpräsident war Dr. Ernst Eugster, Bad Ragaz. Das erste Betriebsbudget für das Jahr 1956 rechnete mit Ausgaben von Fr. 43'500.--.
Die Bad- und Kuranstalten hatten diejenigen Landflächen, welche sie nicht selber besassen, ihrerseits von der Ortsgemeinde Bad Ragaz und der St. Gallischen Rheinkorrektion gepachtet. Der Pachtvertrag vom 6. Februar 1956 mit der Ortsgemeinde betraf eine Landfläche von 13,5 ha. Der Pachtzins betrug Fr. 200.-- pro ha und Jahr. Der Pachtvertrag lief anfangs fest auf 30 Jahre und verlängerte sich ohne Kündigung jeweils um zehn Jahre. Nachdem mit diesen rechtlichen Grundlagen das Gelände für den Golfsport gesichert war, ging es an die praktische Umsetzung des Vorhabens. Ein Windwurf vom 9. Dezember 1954 hatte im Bereich der heuten Holes 4 und 5 grosse Waldschäden angerichtet und damit den Platzbauern Teile der Rodungsarbeit abgenommen. Insgesamt bewilligte das Eidgenössische Amt für das Forstwesen die Rodung von 14'520 m2. Im Gegenzug mussten 15'270 m2 aufgefrostet werden. Die Anlage wurde im Verlauf des Jahres 1956 gebaut und am 15. Juni 1957 begann der Spielbetrieb auf den erstellten 9-Loch.
Am 18. Mai 1958 folgte die feierliche Eröffnung mit einer vorgängigen Golfdemonstration. Präsident Dr. Ernst Eugster konnte darauf hinweisen, dass der Club bereits über 160 Mitglieder zähle. Das habe zur Folge, dass man sich ernsthaft mit dem Ausbau auf 18 Löcher befassen müsse. Dieses Vorhaben wurde sehr rasch in die Tat umgesetzt. Bereits im Juli 1958 erschien ein Prospekt mit einem Finanzierungsreglement und Zeichnungsschein. Man schätzte die Ausbaukosten auf Fr. 80'000.--. In den Pachtverträgen mit der Ortsgemeinde und der Rheinkorrektion war dieser Ausbau bereits vorgesehen. So konnte nun auf insgesamt 42,1 ha eine Erweiterung auf 18 Loch entstehen (26 ha T&G, 13.5 ha Ortsgemeinde, 2.6 ha St. Gallische Rheinkorrektion). Das genauere Baubudget betrug dann allerdings Fr. 104'000.--. Die Erweiterungsarbeiten wurden bis zum Juni 1959 ausgeführt. Im Jahr 1963 wurde am heutigen Standort ein neues Clubhaus gebaut. Die Kosten betrugen rund Fr. 700'000.--. Die T&G waren berechtigt, aber nicht verpflichtet, den Restaurationsbetrieb im neuen Golfhaus zu übernehmen.
Die Zeit von 1963 bis 2000
Im Wesentlichen haben sich die bis 1963 erstellten anlagen während der letzten 39 Jahre bewährt. Der Platz Bad Ragaz geniesst in Golfkreisen ein hohes Ansehen. Im Zuge der Zeit wurden verschiedene Verbesserungen vorgenommen. Das Clubhaus wurde wiederholt umgebaut und die Driving Range mit einer allwettertauglichen und einer Indoor-Anlage ersetzt. beim Loch 10 wurde ein grosszügiges Ökonomiegebäude erstellt. Die Baukostenübersicht für diesen Neubau des Werkhofes an der Zeughausstrasse zeigt die Summe von Fr. 1'500'723.--.
Der Platz selbst erlitt bis haute nur wenige tiefgründige Umgestaltungen. Mit verschiedenen Fairway-Bunkern wurde das Spiel im Laufe der Zeit erschwert. Eine neue Bewässerungsanlage steigerte die Qualität der ohnehin sehr guten Fairways. Die Charakteristik des Platzes blieb unverändert. Die Bäume wachsen immer weiter in die Fairways hinein. So wurde in jüngster Zeit das Unterholz gesäubert und das bis auf den Boden reichende dicke Geäst gelichtet.
Wer in Bad Ragaz Golf spielt, glaubt sich mitten im Wald. Eichhörnchen bevölkern den Platz. Wer morgens seine Runden dreht, dem kann ein Fuchs begegnen. Zu Beginn der 90er Jahre gab es einen Meister Reineke, dem es das Golfspiel offensichtlich angetan hatte. Ab der Hälfte des Fairways 4 lief er seitlich am Waldrand mit den Spielern mit, und ehe man sich’s versah, hatte er einem den Ball weggeschnappt. Im Winter fanden Platzarbeiter mitten im Wald einen säuberlich aufgetürmten Haufen an Golfbällen.
Quelle
Dr. Urs Bruhin, Geschichte und Geschichten
Ortsgemeinde, Der Golf Club Bad Ragaz
Ragazetta spezial 1 / Oktober 2002
1980 und 1909 fanden in Bad Ragaz die ersten Golftourniere statt:
|zur Übersicht|