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Ab dem 12. Jh. schlossen sich immer mehr Frauen im urchristlichen Geist zusammen und zogen – ausgehend von Belgien, sich über das Rheinland, Nord- und Südfrankreich ausbreitend – predigend und bettelnd herum. Viele Frauen wollten eine eigenständige religiöse Lebensform schaffen. Oft waren sie hochgebildet; lesen und schreiben galten als “pfäffisch” und “weibisch”. 1216 wurden die Beginen vom Papst als religiöse Laienwohngemeinschaft anerkannt. Sie durften auch ihre Geistlichen und Beichtväter selbst wählen, was die Ortsgeistlichkeit aufbrachte.
1233 sind
die ersten deutschen Beginen nachgewiesen, und zwar in Köln. Die grössten
Anwesen gab es in Belgien und Holland, diese waren meist durch eine Mauer oder
zusätzlich einen Wassergraben geschützt. Einer der grössten und ältesten
Beginenhöfe war der in Kortrijk in Belgien mit 136 Frauen, der heute noch
besichtigt werden kann. Auch in Basel gab es Gemeinschaften.
Die Beginenbewegung verbreitete sich rasch, und dementsprechend liess die Duldung des Papstes auch rasch nach. Schon 1259 wurde das „auffällige und halsstarrige Wesen der Beginen“ kritisiert und besonders ihr Auftreten als Predigerinnen scharf verurteilt. Der englische Geschichtsschreiber Mattäus Paris wunderte sich im 13. Jahrhundert darüber, dass sich „die Anzahl gewisser Frauen, die das Volk ´Beginen´ nennt … zu Tausenden und Abertausenden in unglaublicher Weise mehrte.“
Es gab grosse Konvente mit bis zu 60 Frauen und kleine mit 5 Frauen. Es gab auch Frauen, die allein lebten. Die meisten Beginen bauten, kauften oder mieteten ein Haus, mit eigenem Geld oder Geldern aus Stiftungen adliger Frauen, die die Beginen unterstützten oder selbst beitraten. Es war durchaus üblich, dass Frauen ihr Vermögen anderen Frauen, den Beginen, vermachten. Die Beginen kamen aber aus allen sozialen Schichten, von reich bis arm war alles vertreten.
Die Beginenkonvente finanzierten sich schliesslich aus der Arbeit ihrer Mitglieder: Sie arbeiteten als Hebammen, Lehrerinnen, Seidenweberinnen, Spinnerinnen, Wäscherinnen. In der Tuchmacher- und Wappenstickerei erwarben sie sich mit der Qualität ihrer Arbeit hohes Ansehen und erzielten beträchtliche finanzielle Erfolge. Sie bestellten Gemüsegärten und backten Brot. Auch das Gewerbe des Bierbrauens lag vorwiegend in ihrer Hand. Ebenso unterhielten sie Mädchenschulen.
Die
Erlöse flossen in die Gemeinschaft, in die Armenversorgung und Krankenpflege
oder wurden in neue Wohn- und Werkstätten investiert. Die vermögenden Konvente
verliehen sogar Geld an die Stadträte und sicherten sich damit die
Unterstützung der Kommunen.
Im Laufe der Zeit aber wurden nicht nur die Geistlichkeit, sondern auch die Honoratioren der Städte ihre Feinde. Und – wegen ihrer gewerblichen Tätigkeit – auch die Zünfte, die diese Konkurrenz nicht brauchen konnten.