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5. März: Worauf bauen? Weltgebetstag 2021
Wort für den Tag
Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht,
der gleicht einem törichten Menschen, der sein Haus auf Sand baute.
Mt. 7, 26
Impuls
Worauf bauen, wenn alles, was bislang Halt gab, wackelig geworden ist?
Worin gründen, wenn die Fundamente, die das Leben trugen, nur behelfsmäßig am Zusammenbrechen gehindert werden?
Die sonst tragende Gemeinschaft in der Kirche, beim Kirchenkaffee oder in den Chören, Gruppen und Kreisen - ausgesetzt!
Die bereichernde Begegnung mit Freundinnen und Freunden - in zoom-Treffen verbannt.
Die erfüllende und/oder ablenkende Tätigkeit am Arbeitsplatz - ins home-office verlegt.
Die geliebten Reisen, Wochenend-Fluchten und Mini-Auszeiten - not possible.
So vieles, von dem wir dachten, es sei sicherer Fels ist in der Pandemie zu Treibsand zerbröselt. Unser Leben gleicht momentan weniger der festen Burg, als mehr dem schiefen Turm oder dem Haus, das auf Sand gebaut wurde.
In der Bibel heißt es: Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß.
Die Lufthansa, die große und stolze Fluggesellschaft, hat in der Pandemie 30.000 Arbeitsplätze "abgebaut". Der Konzern wackelt. 30.000 Menschen, die plötzlich kein Einkommen und kein Auskommen mehr haben. Die existentielle Not für die Mitarbeitenden ist groß! Der Konzern muss überlegen, wo er auf Sand gebaut hat? Auf Geschäftsreisende, die jetzt auch per zoom ihre Treffen abhalten? Auf Reisende, die mal eben für ein Wochenende nach New York zum Opernbesuch gejettet sind, und jetzt merken, dass das der Umwelt nicht so sehr zuträglich war? Kerosin, Lärm, Schadstoffe - durch einen Flug nach Teneriffa wird das Klima ähnlich stark geschädigt wie durch ein Jahr Autofahren, sagt der NABU.
Auf Vanuatu, einem Inselstaat im Südpazifik, zeigen sich die Folgen der Klimaerwärmung direkt im Anstieg des Meeresspiegels und in immer heftiger werdenden Stürmen. Der Zyklon Pam, der 2015 über den Inselstaat wütete, zerstörte 90% der Gebäude der Hauptstadt.
In diesem Jahr ist der Weltgebetstag, der am heutigen Freitag weltweit und auch in unserer Kirche gefeiert wird, von Frauen aus eben jenem Vanuatu vorbereitet worden, das so stark vom Klimawandel betroffen ist. (Den link zum Gottesdienst finden Sie unten angehängt.) Gut, einen Moment innezuhalten und unser Verhalten kritisch, selbstkritisch zu hinterfragen. Worauf bauen wir unsere Wirtschaft? Worauf bauen wir unsere persönliche Mobilität? Worauf bauen wir als Christinnen und Christen unser Leben?
Jesus sagt: Wer diese meine Rede hört und tut sie nicht,
der gleicht einem törichten Menschen, der sein Haus auf Sand baute.
Oder: Wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mensch, der sein Haus auf Fels baut.
Gut also, auf Jesu Wort zu hören - und wichtiger noch: es auch zu tun! Vielen ist die Bedeutung und Gefahr des Klimawandels deutlich - aber das persönliche Verhalten zu ändern, ist schwer, hinkt der Erkenntnis hinterher. Die Pandemie hat gezeigt, wo wir auf Sand gebaut haben. Und jetzt heißt es, wieder festen Grund zu finden - in umweltfreundlichen Technologien, in nachhaltigem Wirtschaften und auch in meinem persönlichen Verhalten. Der Glaube kann einem Orientierung geben: Gottes Schöpfung ist die Grundlage, die uns nährt, der Boden, auf dem wir leben können, die Hand, die uns nährt.
Vieles an der Pandemie ist doof. Gut an ihr ist, dass wir herausgefordert werden, ein anderes, ein nachhaltiges, verantwortliches, an der Natur und an den Schwächsten orientiertes Verhalten zu erlernen und einzuüben. Und darauf lässt sich bauen.
Einen schönen Freitag!
Ihr Marc Blessing
Als Zugabe noch ein Text, den uns Renate Spadazzi geschickt hat:
Die zwei Seiten von Zwanzigzwanzig
Zwanzigzwanzig hat mir nichts gebracht !
Du hörst mich niemals sagen,
dass wir zusammen mehr können als allein,
denn wenn ich mich umsehe, entdecke ich
Spannung und Unruhe um mich herum.
Jede Woche fühlte ich weniger
Verbindung mit Menschen, die ich gern mag.
Ich fühlte,
dass mich die Welt entfremdete,
und sage mir vor allem nicht
Es gibt etwas Schönes an jedem Tag.
Denn wie Du es auch drehst und wendest,
ich habe dieses Jahr stillgestanden.
Du wirst mich niemals sagen hören
Zwanzigzwanzig brachte viele Lichtblicke.
(Und nun lesen Sie dieses Gedicht, dass zurzeit in den sozialen Medien auf der ganzen Welt geteilt wird, doch noch einmal - aber diesmal jede Zeile von unten nach oben ! Möge es unseren Blick auf das Jahr « Zwanzigzwanzig » milder stimmen !)
Mit dem folgenden link können Sie den ökumenischen Gottesdienst zum Weltgebetstag aus der Lutherischen Kirche Genf heute Abend um 18.00 Uhr mitfeiern: