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Wer diese Frage stellt, geht davon aus, dass ein Top-Manager für "seine" Arbeit bezahlt wird. Da jeder Mensch nur 24 Stunden am Tag Zeit hat und durchschnittlich 7 Stunden schlafen sollte, hat auch der meist arbeitende Mensch pro Woche nur rund 100 Stunden für die Arbeit zur Verfügung - was aber ungesund und über die Zeit wenig ratsam ist. Im Vergleich zum normalen Arbeiter in der Schweiz, der nach rund 42 Stunden ins Wochenende geht, ist das 2.4x mehr. Wir lernen aber schnell, dass Arbeit trotzdem unterschiedlich bezahlt wird. Wenn die Coiffeuse 42 Stunden im Salon steht, ist das weniger “Wert”, als wenn der Informatiker 42 Stunden in den Bildschirm guckt und die Krankenschwester verdient in derselben Zeit weniger als die Lehrerin.
Fragt sich, warum ist das so und warum verdient heute ein Top-Manager über 100x mehr? Die Antwort ist ernüchternd. Selten verdient der Manager sein Geld wegen seiner Leistung. Das heroische Bild des Managers, der Visionen definiert, Ziele setzt und dafür sorgt, dass alles erfolgreich umgesetzt wird, ist weit überzeichnet. Verstehen Sie mich nicht falsch, ein Manager kann grossen Einfluss auf die Geschehnisse der Firma haben. Wenn Steve Ballmer von Microsoft nicht erkennt, dass das iPhone eine Revolution ist, hat Microsoft ein Problem. Und wenn das Management bei Nokia nicht erkennt, dass zwei Kranke keinen Gesunden geben, dann hätten die Menschen aus Finnland, die Mitarbeiter sowie Aktionäre von Nokia vermutlich 100 Millionen für einen Steve Jobs ausgegeben. Nun gibt es aber nicht so viele Revolutionen, wie das iPhone. Manager managen im Allgemeinen den Alltag. Darin sind sie abhängig von der Zeit/dem Zeitgeist, den Umständen und der Struktur, in der sie arbeiten. Bezahlt werden die Manager nicht für ihre Arbeit, bezahlt wird die Position, die sie belegen.
Wie die Zeit über Erfolg und Misserfolg mitbestimmt
Werfen wir einen Blick auf einen der wohl erfolgreichsten Schweizer Unternehmer der letzten 30 Jahre, den verstorbene Nicolas Hayek. Was wäre der ehemalige Automobilbranchen Berater gewesen, wenn die Schweizer Uhrenindustrie in den 80er nicht in ihrer grössten Krise gewesen wäre? Ein erfolgreicher Geschäftsmann der Industrie-Firmen beriet. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Erst die Tatsache, dass die Schweizer Uhrenindustrie von den Japanern überrannt wurde. Dass die Banken ihr Geld abgeschrieben hatten, ermöglichte Hayek den Einstieg in die Branche. Die einst stolzen Schweizer Uhrenmacher wären bestimmt nie bereit gewesen, mit einer Plastikuhr für Furore zu sorgen. Die Uhrenfirmen mussten wohl kurz vor dem Bankrott stehen, damit mit dem Mut der Verzweiflung kluge Ingenieure die Idee von der Swatch zu Hayek brachten und er darauf setzte. Mit grossem Erfolg, wie sich herausstellte. Unterm Strich sorgte ein Immigrant zusammen mit einem grossen Team dafür, dass den Japanern der Kinnladen runterfiel und die Schweiz wieder zur Heimat der wichtigsten Uhrenindustrie der Welt aufstieg.
Keine Frage, Nicolas Hayek war ein überdurchschnittlich guter Manager. Wobei er das Wort Unternehmer vorzog. Dennoch wurde nicht alles zu Gold, was er anlangte. Seine Idee des SMART, ein kleines Elektroauto für 20’000 Franken zu bauen, war wohl genial - aber der Zeit zu weit voraus. Beim Bau des Ersten SMART war die Technik noch nicht bereit. Die Dinger waren zu schwer, viel zu teuer und hatten zu wenig Leistung. Der SMART wurde ein Benziner und dazu ein “Flop”, der nur dank Mercedes Finanzkraft am Leben gehalten wurde.
Anders sieht es heute aus. Das Elektroauto tritt soeben zu seinem unaufhaltsamen Siegeszug an. In Amerika verkaufte Tesla seine Elektro-Luxuslimousine Model S in den ersten drei Monaten dieses Jahr 4’900 Mal. Mercedes schaffte nur 3’077 Neuzulassungen mit der S-Klasse. Lexus 2’860, die 7-Serie von BMW kam auf 2’338 und der Audi A8 auf 1’462 Stück. Damit überrundete erstmals ein Elektroauto in seiner Klasse die konventionellen Anbieter. So gut, mutig und innovativ die Leute bei Tesla sind, die Zeit musste zuerst die Grundlage für diesen Erfolg schaffen. Benzin ist heute massiv teurer als vor 20 Jahren. Die Werkstoffe und Fertigungsanlagen sind heute vorhanden, die für den Leichtbau nötig sind und die Batterieentwicklung hat grosse Fortschritte gemacht. Ein Elektroauto kostet heute über die Lebenszeit gleich viel, wie ein konventionelles Auto. Und weil man Strom effizienter produzieren kann, könnte man den gesamten Strom für die Autos mit Gas oder Öl produzieren und würde immer noch nur die Hälfte an CO2 verbrauchen. Erst die Zeit ermöglichte den Traum vom Elektroauto. Selbst Hayek konnte nichts daran ändern.
Warum verdient dann ein Manager mehr als 12x mehr?
In erster Linie für die Funktion, die er oder sie besetzt. Ist ein Unternehmen in einer wohlhabenden Branche, wird sie sich teure Manager leisten. Hat ein Unternehmen keine starken Einzelaktionäre, nimmt sich das Management in der Tendenz mehr. Ist ein Unternehmen in den USA oder Europa, verdient der Manager mehr als in Japan.
Manager können sehr wohl dafür sorgen, dass Unternehmen Milliarden verdienen oder verlieren. Mit einer falschen oder einer richtigen Entscheidung können sie ganze Regionen ausbluten lassen oder reich machen. Sie können dies aber nie alleine. Sie sind eingebunden in die Machtstrukturen der eigenen Firma, sie sind abhängig vom Umfeld, vom Wettbewerb und von der Zeit. Kein Manager ist verlässlich 50 Millionen wert und dennoch kann ihm eine Firma diesen Betrag überweisen. Ist die Firma nicht so erfolgreich wie Apple, Google oder Facebook wird oft gefragt, kann ein Manager so viel mehr “Wert” sein. Die Antwort lautet schlicht nein. Aber die Firma kann ihm diesen Betrag trotzdem freiwillig bezahlen. Die Frage an die Befürworter der 1:12-Initiative müsste darum lauten, warum soll man dies den Firmen verbieten? Und warum genau im Verhältnis von 1:12? Und wenn man die Löhne vorgibt, warum soll man den Firmen nicht auch verbieten, in welche Länder sie expandieren dürfen, wie viele Marketingleute sie anstellen, welche Fusionen sie eingehen dürfen, welche Werke sie schliessen und zu öffnen haben? Das ist dann Planwirtschaft in seiner Reinform.
Das ist es, was die JUSO will. Planwirtschaft.
Ich persönlich halte die Aktionäre vieler Firmen für ziemlich blöde, wenn sie ihren Managern solche Riesengehälter auszahlen. Vor allem seit der Annahme der Minder Initiative Verfügen die Aktionäre über ein starkes Instrument, die Löhne der Manager abzuriegeln. Warum sollte der Staat jetzt nochmals eingreifen?
Ja, es gibt Menschen, die wollen alles reglementieren. Reglementieren heisst aber auch, dass man den Leuten misstraut. Dass man sie sich so zurechtbiegen will, wie es einem passt. Solche Regeln führen immer zu vielen unerwünschten Auswüchsen. Bei einer Annahme sehe ich schon, wie Manager bei schlechten Resultaten den Schuldigen gefunden haben und jammern, dass ihnen 1:12 das Leben schwer macht und sie nicht mehr die besten Köpfe bekommen. Eine Entschuldigungsmentalität öffnet dem Schlendrian Tür und Tor. Das ist etwas, was sich keine Firma leisten sollte. Oder wie Manager auf einmal anfangen, viel Energie und Zeit darauf zu verwenden, wie sie 1:12 umgehen können. Tochtergesellschaften werden gegründet, Personal verschoben und Firmen umstrukturiert. Statt sich um Produkte und Kunden zu kümmern, beschäftigt sich die Firma mit sich selbst. Ebenfalls etwas, dass eine Firma nicht machen sollte.
Die 1:12 ist eine Initiative, die wohl gut gemeint ist, aber potenziell viel Kollateralschaden anrichtet, den man erst auf den zweiten Blick sieht. Ich persönlich bin überzeugt, dass die wenigsten Befürworter aus Neid für 1:12 stimmen. Es ist vielmehr das Gefühl, dass etwas schief läuft. Und es läuft etwas schief. Mit der Minder-Initiative wurde ein erster Schritt gemacht, um dies zu ändern. Noch ist die Minder-Initiative aber nicht richtig umgesetzt und schon will man die Schraube stärker anziehen. Ist das nötig. Ist das richtig? Ich persönlich halte es für viel schlauer, zuerst die Resultate aus der Minder-Initiative abzuwarten und dann gegebenenfalls zu handeln.
Wenn die Manager und Aktionäre ihre Lektion immer noch nicht gelernt haben, kann man die Firmen über bessere Wege, zum Beispiel über Steuerregelungen versuchen zu disziplinieren. Damit überlässt man den Firmen weiterhin die Verantwortung für den Geschäftsgang und liefert keine Ausreden, warum sie das nächste Nokia sind und abserbeln.