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PROGRAMM
Ludwig van Beethoven (1770–1827)
7 Variationen in Es-Dur
«Bei Männern welche Liebe fühlen»
Ludwig van Beethoven (1770–1827)
Sonata Nr. 4 in C-Dur op. 102
I. Andante – Allegro vivace
II. Adagio – Allegro vivace
Rita Strohl (1865–1941)
Sonata «Titus et Bérénice»
II. Satz
Leoš Janáček (1854–1928)
Pohádka
I. Con moto - Andante
II. Con moto - Adagio
III. Allegro
Fazil Say (*1970)
Cello Sonata «Four Cities»
I. Sivas
II. Hopa
III. Ankara
IV. Bodrum
Von dem Beethoven- und Mahlerbiographen Paul Bekker stammt die Behauptung, «das Violoncello eigne sich besser für die sachlichen Zwecke der duettierenden Kammermusik als die Violine.» Sein tenorales Timbre, der männlich ernste, dabei doch elastische und geschmeidige Charakter des Instruments ermögliche eine schlichtere, mehr auf cantablen Ausdrucksgehalt als auf zündende Effekte berechnete Anlage der Werke – im Gegensatz zu den «koketten Bravourkünste(n) der Violine». Der erste Komponist, der diese besonderen Eigenschaften des Cellos für die «duettierende Kammermusik» entdeckte, war Ludwig van Beethoven.[1]
In den Sieben Variationen über das Thema «Bei Männern, welche Liebe fühlen» aus der Oper Die Zauberflöte von Mozart, führen anstelle von Sänger*innen die Instrumente Klavier und Violoncello einen Dialog. Beethovens Handschrift ist nicht zu überhören, dennoch blitzt die Leichtigkeit und der humorvolle Schalk von Mozart bei jeder Gelegenheit hervor.
Die Sonate in C-Dur op. 102, Nr. 1 zählt zu den Werken der späten Schaffensphase Beethovens. Die Klavierstimme ist bis zur Zwei- oder Einstimmigkeit ausgedünn, und es fehlt – auch in der Cellostimme – jeder Hauch von Virtuosität. Andererseits nimmt in der Sonate der Dialog zwischen Streich- und Tasteninstrument an vielen Stellen schon die Poesie der Romantik vorweg. Das Cello gelangt hier, mehr noch als in den früheren Sonaten, zu sprechender Ausdruckskraft.
Die zweite Hälfte des Programms führt zu drei Komponist*innen, die in vielerlei Hinsicht einen Kontrast zu den Werken Beethovens darstellen: Leoš Janáček, Rita Strohl und Fazil Say. Ihre Werke haben allesamt programmmusikalische Aspekte. In Leoš Janáčeks 3-sätzigem Werk «Pohádka» (Märchen) erzählt der tschechische Komponist das russische Märchen vom Zarensohn Iwan und der Prinzessin Marja nach Vassili Schukowsky. Die beiden Protagonist*innen begegnen einander in den Stimmen der Instrumente. Prinz Iwan im Cello und Marja im Klavierpart. Es gibt keine konkreten Verbindungen zu einzelnen Handlungen des Märchens, die man in bestimmten Episoden des Werkes wiederfinden könnte. So muss man «Pohádka» als poetische Erzählung in drei Bildern verstehen.
Rita Strohls «Grande Sonate dramatique pour violoncelle» liegt die Tragödie «Titus et Bérénice» vom französischen Dramatiker Pierre Corneille zugrunde. Ihre Musik geriet nach ihrem Tod vermehrt in Vergessenheit. Erst in den letzten Jahren finden ihre Werke wieder mehr Anklang. Trotz der hohen Qualität der wiederentdeckten Musik, ist diese aktuell noch nahezu unbekannt.
Die Sonate «Four Cities» von Fazil Say führt auf eine Reise durch vier Städte seines Heimatlands Anatolien: Sivas, Hopa, Ankara und Bodrum, verbunden mit biographischen Erinerungen und Ereignissen, bildet das musikalische Sujet. Die vier Städte aus dem sich über annähernd 2000 km erstreckenden Gebiet Anatoliens unterscheiden sich deutlich durch ihre eigene, individuelle Kultur. So ist Bodrum beispielsweise als einzige der vier Städte ein bekannter touristischer Ort.