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Tschukotka liegt ganz im Osten Sibiriens, direkt an der Datumsgrenze, hier lebt das Volk der Tschuktschen. Seit mit dem Kommunismus auch der Einheitstyp des Sowjetmenschen verschwunden ist, dürfen sich die Ureinwohner wieder auf ihre Traditionen besinnen. Das autonome Gebiet der Tschuktschen, auch Tschukotka genannt, ist seit 1930 eine Verwaltungseinheit.
Aus PolarNEWS 7 - Nach Osten [363 KB]
Aus PolarNEWS 8 - Wrangel Island [415 KB]
Kurzfilm: Faszination Chukotka
Geographie
Tschukotka umfasst den äussersten Nordosten Russlands. Er wird durch die Beringstrasse von Alaska getrennt. Die Oberfläche ist vorwiegend gebirgig, sie liegt im Ostsibirischen Bergland und umfasst unter anderem den Nordteil des Korjakengebirges, das Anjuisgebirge das Anadyrgebirge bis zur Tschuktschen-Halbinsel, wo im Kap Deschnew der östlichste Punkt Russlands bzw. Asiens liegt. Das Gebiet liegt fast vollständig nördlich der Baumgrenze und wird von Tundra bedeckt. In den höheren Bergregionen geht sie in eine Frostschuttwüste über. Lediglich in den südlichsten Gebieten von Tschukotka findet man in geschützten Lagen niedrig wachsende Bäume. Die Wrangel-Insel zählt man ebenfalls zu diesem Gebiet.
Bevölkerung
Tschukotka ist abgelegen und mit 0,07 Einwohnern je km2; äusserst dünn besiedelt, zudem ist die Bevölkerung in den letzten Jahren aufgrund des Rückgangs des Goldabbaus deutlich gesunken. Die Hauptstadt Anadyr zählt etwa 11’000 Einwohner. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung sind indigene sibirische Völker, vor allem Tschuktschen, daneben Jukagiren und Tschuwanen. Die Russen bilden jedoch die Mehrheit der Bevölkerung.
Juri Rytchëu -
Bedeutender Schriftsteller der Tschuktschen
Am 14. Mai 2008 ist der russische Schriftsteller Juri Rytchëu ist 78-jährig in St. Peterburg gestorben. Von der Halbinsel Tschukotka stammend, fand er mit seinen Beschreibungen des Lebens der indigenen Völker im russischen Norden auch im Westen viele Leser. Bis zur Perestroika galt Rytchëu als regiemetreuer Autor und wurde als solcher vom sowjetischen Staat gefördert. In seinen späteren Romanen übte er dann allerdings deutliche Kritik am «stillen Genozid» der indigenen russischen Völker. Er ist der einzige Vertreter der sogenannten Nationalliteraturen der indigenen Völker des russischen Nordens, der es geschafft hat, auch international eine gewisse Bekanntheit zu erlangen, Zu seinen bekanntesten Werken gehören «Die Suche nach der letzten Zahl» oder «Die Reise der Anna Odinzowa».
Rytchëus Bücher können im Unionsverlag (www.unionsverlag.com) bezogen werden.
Klima
Das Klima ist sehr rau. Die Jahresdurchschnittstemperaturen liegen zwischen -5 und -10°C. Der Winter beginnt im September und endet erst im Mai. Wärmster Monat ist der Juli mit etwa 9°C, kältester der Januar mit -25°C, Minimaltemperaturen von unter -40°C sind möglich.
Rentierzucht, Fischfang und Jagd auf Meeressäuger
Traditionell lebten die Inland-Tschuktschen bis vor zehn Jahren in der Tundra von der Rentierzucht mit grossen Rentierherden, der Jagd und dem Fischfang. Die Rentiere dienten als Hauptnahrungsquelle und prägten ihr kulturelles Leben. Heute sind ihnen gerade noch ein Viertel der Herden verblieben, da in den letzten Jahren riesige Flächen an Weidegebieten auf der Suche nach Erdgas und Öl zum Opfer fielen. Die an der Küste des Nordpolarmeeres und der Beringstrasse lebenden Tschuktschen betreiben Jagd auf Meeressäuger wie Wale und Walrösser.
Wie ihre Vorfahren jagen die arktischen Walfänger in kleinen, offenen, gut manövrierbaren Booten aus Walrosshaut, den «Baidars», die mächtigen Meeressäuger. Neben Walen und Walrossen jagen sie auch Seehunde und Bartrobben mit einfachen Harpunen. Erreichen die ersten «Baidare» das Ufer, werden die erlegten Walrosse mit vereinten Kräften aus dem Wasser gezogen und rasch zerteilt. Innerhalb von fünfzehn Minuten verwandelt sich der riesige, anderthalb Tonnen schwere Tierkörper in handliche Haufen von «Kopalchen» Walrosshaut mit Speck und Fleisch. Jeder Haufen ist für ein Mitglied der Jägergemeinschaft bestimmt. Alle, die an den Strand gekommen sind, der eine mit einem Plastikbeutel, der andere mit einem kleinen Eimer , erhalten ihren Anteil, niemand verlässt den Strand mit leeren Händen. Teilen gehört hier zum Leben, eine notwendige Solidarität in den kleinen Lebensgemeinschaften nahe dem Polarkreis. Die Jäger von Uelen sind bekannt für ihre kunstvollen Schnitzereien. Immer schon haben sie Geschichten von ihrem täglichen Leben in das Elfenbein der Walrosszähne geschnitzt.
Wrangel Island
2004 wurde ihre einzigartige Landschaft von der UNESCO zum nördlichsten Weltnaturerbe erklärt und in die Liste des Weltkultur- und Naturerbes der Menschheit aufgenommen. Bereits seit 1976 existierte das «Naturreservat Wrangelinsel».
Die Insel - bzw. das Naturreservat - besteht aus einer etwa 7.608 km2; grossen Hauptinsel und ein paar kleinen vorgelagerten Inseln und der etwa 135 km weiter nordöstlich liegenden und nur 11 km2; grossen Insel Herald. Sie stellt die Trennstelle zwischen der westlich angrenzenden Ostsibirischen See und der östlich gelegenen Tschuktschensee. Die Insel ist etwa 150 km vom ostsibirischen Festland entfernt.
Obwohl ihre Gebirgswelt bis zu 1.096 m hoch aufragt und die Wrangelinsel im Winter völlig von Treibeisschollen eingeschlossen wird, ist das Land nicht vergletschert. Allerdings ist die Insel, die etwa 500 bis 600 km jenseits des Nördlichen Polarkreises und etwa 2.080 km vom Nordpol entfernt ist, nicht nur in der Polarnacht des Winters von einer teils dicken Schneedecke überzogen. Die sich nördlich anschliessende polare Packeisgrenze ist in dieser Gegend in der Regel nur etwa 100 bis 150 km entfernt. Daher kommt es vor, dass die Wrangelinsel selbst im Sommer zumeist nur schwer erreichbar ist, wenn sie von dicken Treibeisschollen umschlossen wird.
Die sibirische Arktis stellt für viele immer noch ein Gebiet voller Geheimnisse dar. Eine einzigartige Flora und Fauna hat hier die Zeit überstanden. Die Inseln sind von Gletschern gestaltet und mit Bergen bedeckt und eine arktische Tierwelt aus Eisbären, Rentieren und Walrossen hat hier ihren natürlichen Lebensraum. Im Gegensatz zu anderen arktischen Inseln hat sie weder eine permanente Eiskappe noch Gletscher. Jedoch machen es nahe der Grenze zum ewigen Eis Packeis-Schollen selbst im Sommer schwierig, sie auf den Seeweg zu erreichen. Baron von Wrangel vermutete im Jahr 1823 bei der Kartografierung der Tschuktschen Halbinsel die Existenz einer im Nordpolarmeer vorgelagerten Insel. Er hatte beobachtet, dass Vogelschwärme weiter auf das Meer hinausflogen. Die einheimischen Tschuktschen bestätigten dies, jedoch wurde die Insel erst 1849 gesichtet und betreten. Während des kurzen, arktischen Sommers führen zahlreiche Bäche und Flüsse das Schmelzwasser durch die Teiche und das Marschland an die Küste. Die Tundralandschaft wird von Rot– und Brauntönen bestimmt, aber auch blühende Pflanzen wie Mohngewächse, Rispenkraut und Fingerhut können wir finden. Noch bevor der Schnee geschmolzen ist, kommen auch die ersten gefiederten Sommergäste auf die Insel und beginnen, in den geschützten, grünen Tälern mit dem Nestbau. Den meisten in Sibirien nistenden Arten ist der Flug zu anstrengend, aber diejenigen, die ihn wagen – Ringelgänse, Eiderenten, Steinwälzer und Kiebitzregenpfeifer - kommen in riesigen Schwärmen. Auch ist die Wrangel-Insel der einzige Ort in der Arktis, an dem man grosse Brutkolonien der Schneegans findet. Die Tatsache, dass im Sommer das Küsteneis aufbricht, führt auch Meeressäuger auf die Insel, wo sie in den seichten, frostfreien Gewässern leichter Nahrung finden. Mit den ersten Löchern im Eis erscheinen Bart-, Eismeer-, und Ringelrobben und später kommen die Walrosse zur Aufzucht ihrer Jungen. In manchen Jahren ist die Insel von Abertausenden dieser massigen, schnurrbärtigen Tiere bevölkert. Auch der grösste Bestand von Eisbären in der Arktis ist hier zu finden. Auf der Wrangelinsel starben die letzten Mammuts erst ca. 1700 v. Chr. aus, somit erst ca. 6000 Jahre nachdem sie im restlichen Eurasien ausgestorben waren.