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Schaffhausen
Orte
Münster
Ursprünglich Klosterkirche der Benediktinerabtei Allerheiligen. Der Nachfolgebau der ersten Kirche von 1049 wurde 1103/04 geweiht. Der bedeutende romanische Kirchenbau der Hirsauer Schule wurde unter dem letzten Abt Michael Eggenstorfer 1524 in eine Propstei umgewandelt. Nach dem Reformationsbeschluss 1529 wurden Altäre, Bilder und weitere Kultgegenstände entfernt, darunter der weitherum bekannte «Grosse Gott von Schaffhausen», ein monumentales Holzkruzifix. Seither Gottesdienstraum der reformierten Kirche.
St. Johann
An der Stelle, an der im 10. oder 11. Jahrhundert die erste Kirche Schaffhausens gebaut wurde, entstand im 14. Jahrhundert die gotische Stadtpfarrkirche. Kurz vor der Reformation wurde sie um zwei Seitenschiffe erweitert. An ihr wirkten die Reformatoren Sebastian Hofmeister und Johann Konrad Ulmer. Die Hauptpfarrer von St. Johann, Münster und Spital leiteten die Kirche. Der St. Johann-Pfarrer war Vorsteher (Antistes) der Schaffhauser Kirche, Dekan des Pfarrkollegiums und Präsident der Synode. Die Kirche diente auch als Versammlungsraum für politische Anlässe.
Geburtshaus Sebastian Hofmeister
Der Schaffhauser Reformator Sebastian Hofmeister wurde um 1494 als Sohn eines Wagners im Haus zu den Drei Bergen in der Unterstadt 44 geboren. Hofmeister trat früh in den Franziskanerorden ein und wurde zu Studien nach Frankfurt am Main und Paris gesandt. Ab 1520 war er Lesemeister in den Franziskanerklöstern von Zürich, Konstanz und Luzern. Dort wurde er der Ketzerei angeklagt. 1522 kam Hofmeister nach Schaffhausen zurück und begann mit der Erneuerung der Kirche. Drei Jahre später wurde er aus der Stadt verbannt, weil er vom Rat in Zusammenhang mit den Rebleute-Unruhen gebracht wurde und Verbindungen zu den Täufern gehabt haben soll. Er durfte auch nach der Einführung der Reformation 1529 nicht mehr nach Schaffhausen zurückkehren und starb 1533 in Zofingen.
Hugenottenmedaillon
Als die Reformierten in Frankreich mit der Aufhebung des Toleranzediktes von Nantes 1685 stark verfolgt wurden, war Schaffhausen über zehn Jahre lang ein wichtiger Durchgangsort auf ihrer Reise in das Deutsche Reich. Im Jahr 1687 nahm die Stadt mit damals rund 5000 Einwohnern vorübergehend gar 9000 Glaubensflüchtlinge auf. Daran erinnert ein Gipsmedaillon, das einen flüchtenden Hugenotten oder Waldenser unter der schützenden Hand Gottes zeigt. Es befindet sich an einer Zimmerdecke im «Grossen Haus» am Fronwagplatz. Eine Kopie ist beim Eingang des Stadtarchivs an der Krummgasse öffentlich zugänglich.
Museum zu Allerheiligen
Zum Jubiläum «500 Jahre Reformation» präsentiert das Museum zu Allerheiligen einen thematischen Rundgang durch die kulturhistorische Sammlung, auf dem die Besuchenden Hintergründe und Auswirkungen der Reformation entdecken können. Der Stationenpfad ist aus der Sicht Hans Stockars (1490-1556) angelegt, eines Schaffhauser Ratsherrn und Kaufmanns für Wein, Pferde und Salz. Er verfasste einen Bericht über seine Wallfahrt nach Jerusalem von 1519 und eine Chronik zur Geschichte Schaffhausens von 1520 bis zur Einführung der Reformation 1529. Museumseigene Objekte und ausgewählte Leihgaben – darunter die älteste Kopie von Hans Stockars Chronik – illustrieren eindrücklich diese unruhige Zeit des Umbruchs und Wertewandels.
Stadtbibliothek
In der Stadtbibliothek befinden sich die beiden Druckschriften des ersten Schaffhauser Reformators Sebastian Hofmeister: «Ein treüwe ermanung an die Eidgnossen» und «Antwort uff die ableinung [Widerlegung] doctor Eckens». Im Bestand des kirchlichen Ministeriums sticht zudem der umfangreiche Nachlass des zweiten Reformators Johann Konrad Ulmer (1519-1600) heraus, darunter sein Katechismus, sein Gesangbuch, seine Gottesdienstordnung, mehrere theologische Werke und seelsorgerliche Schriften für ein breiteres Publikum sowie eine Sammlung von Briefen und Akten in sieben Bänden, die zurzeit digitalisiert und erschlossen werden. Die Ausstellung in der Stadtbibliothek zeigt eine Auswahl der Schaffhauser Bestände, darunter auch die berühmte sechssprachige Plantin-Bibel, die der Rat der Stadt Schaffhausen auf Anraten Ulmers 1578 erwarb.
Reblütgang/Herrenacker
Bauernunruhen gab es damals vielerorts. Als die Schaffhauser Rebleute wegen einer witterungsbedingten schlechten Ernte 1525 ihre Abgaben nicht mehr leisten konnten, kam es zu Unruhen. Unterstützt wurden sie von den Fischern. Die Aufständischen forderten nicht nur bessere Pachtverträge, höhere Löhne und die Abschaffung der Zinsen, sondern auch den Übertritt zum neuen Glauben. Am 9. August 1525 begann der Rat, die Unruhen gewaltsam niederzuschlagen. Anwesende Basler und Rottweiler vermittelten. Die Rebleute legten die Waffen nieder.
Rathaus
Nachdem die Täufer mit ihren Forderungen, darunter der Erwachsenentaufe anstelle der Kindertaufe, aus Zürich vertrieben worden waren, kamen einige von ihnen in den Klettgau. Fast ganz Hallau soll täuferisch geworden sein. Die Löhninger Landsgemeinde forderte soziale Reformen. Sebastian Hofmeister schien anfänglich mit den Täufern sympathisiert zu haben und distanzierte sich dann aber von ihnen. Der Rat bekämpfte das Täufertum mit aller Schärfe. Hofmeister wurde aus der Stadt verbannt. Ein Merishauser Pfarrer, der zu den Täufern hielt, wurde abgesetzt. In Schleitheim hielten sich die Täufer trotz eindringlichen Mahnungen und strenger Strafen noch über 150 Jahre lang. Sie wurden zur Auswanderung gezwungen und zogen nach Mähren, später nach Böhmen und in die Pfalz.
Historie
1045 wird Schaffhausen erstmals urkundlich erwähnt. König Heinrich III. verlieh Graf Eberhard von Nellenburg das Münzrecht für den Ort «Scafhusun» und damit eine der grundlegenden Privilegien mittelalterlicher Städte. 1080 schenkte Eberhards Sohn, Graf Burkhard von Nellenburg, die Stadt Schaffhausen mit allen zugehörigen Rechten dem 1049 gegründeten Benediktinerkloster Allerheiligen. Der Abt wurde zum Stadtherrn, übertrug jedoch die Ausübung der Herrschaft dem Schutzvogt. 1272 wird erstmals ein städtischer Rat erwähnt. Die politische Führung war im 13. Jahrhundert vom Kloster auf den Adel und die reichen Kaufleute übergegangen. 1372 zerstörte ein Grossbrand offenbar weite Teile der Stadt. 1501 wurde Schaffhausen als 12. Ort in den Bund der Eidgenossen aufgenommen.
1529 beschloss der Schaffhauser Rat die Einführung der Reformation und übernahm umfangreiche Güter aus klösterlichem Besitz mit Rechten und Pflichten. Die Messe wurde abgeschafft und an ihre Stelle der Predigtgottesdienst gestellt. In den folgenden Jahren wurde das ganze kirchliche Leben erneuert.
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts war die Kirche in Schaffhausen reformbedürftig. Durch die Bekanntschaft mit Schriften Martin Luthers und durch die evangelische Predigt des Franziskaners Sebastian Hofmeister, der wegen des Vorwurfes der Ketzerei aus Luzern vertrieben worden war, kamen die Hauptgedanken der Reformation nach Schaffhausen und stiessen auf reges Echo in der Bevölkerung. Hofmeister setzte Gottesdienstreformen und eine neue Almosenordnung durch und sorgte dafür, dass «allerlei Zeremonien und Zünselwerk» verschwanden. Im Frühjahr 1523 schrieb er an Zwingli: «Bei uns wird Christus mit höchstem Begehren angenommen, Gott sei Dank.» Durch die aus Zürich vertriebenen Täufer und durch den Protest der Rebleute und Fischer kam es zu sozialen Unruhen. Sebastian Hofmeister wurde der Sympathien für die Täufer und die aufmüpfigen Rebleute verdächtigt und aus der Stadt verbannt. Die Haltung des Rates der Reformation gegenüber war über mehrere Jahre schwankend. Der Kleine Rat führte auch in religiösen Angelegenheiten eine konservative Politik. Der Grosse Rat war eher proreformatorisch eingestellt, hatte aber weniger Macht als der Kleine. Am 29. September 1529, dem Michaelistag, wurde die Reformation durch Ratsbeschluss eingeführt. Politische Gründe waren massgebend; durch den Beitritt Berns und Basels zur Reformation hatten sich die kirchlichen und politischen Machtverhältnisse verändert. Es war ein Reformationsbeschluss ohne Reformator. Ein profilierter Theologe fehlte. Man schaffte die Messe ab und entfernte die Altäre und Bilder, darunter auch den «Grossen Gott von Schaffhausen», ein monumentales Holzkruzifix im Münster. Anschliessend verabschiedete der Rat eine Reformationsordnung. Das ganze kirchliche Leben wurde erneuert. Dies brauchte aber seine Zeit. Das kompetente und umsichtige Wirken des «zweiten» Reformators Johann Konrad Ulmer von 1566 bis zu seinem Tod 1600 brachte der Kirche Profil und Stabilität.
Sebastian Hofmeister
Der Schaffhauser Reformator Sebastian Hofmeister wurde um 1494 in Schaffhausen als Sohn eines Wagners im Haus zu den Drei Bergen in der Unterstadt 44 geboren. Hofmeister trat früh in den Franziskanerorden ein und wurde zu Studien nach Frankfurt am Main und Paris gesandt. Ab 1520 war er Lesemeister in den Franziskanerklöstern von Zürich, Konstanz und Luzern. Dort wurde er der Ketzerei angeklagt. 1522 kam Hofmeister nach Schaffhausen zurück und begann mit der Erneuerung der Kirche. Drei Jahre später wurde er aus der Stadt verbannt, weil er vom Rat in Zusammenhang mit den Rebleute-Unruhen gebracht wurde und Verbindungen zu den Täufern gehabt haben soll. Er durfte auch nach der Einführung der Reformation 1529 nicht mehr nach Schaffhausen zurückkehren und starb 1533 in Zofingen.
Johann Konrad Ulmer
Johann Konrad Ulmer, geboren 1519 in Schaffhausen, studierte bei Calvin in Strassburg und bei Luther und Melanchthon in Wittenberg, wo er den Magister-Titel erwarb. Anschliessend wirkte er 23 Jahre lang in Lohr am Main als Reformator der kleinen Grafschaft Rieneck. 1566 wurde er als Pfarrer an das Schaffhauser Münster berufen. Schon 1569 stieg er zum Dekan und Antistes der Schaffhauser Kirche auf. In dieser Stellung leistete er bis zu seinem Tod im Jahr 1600 entscheidende Beiträge zur Erneuerung des Kirchen- und Schulwesens seiner Heimatstadt und pflegte enge Verbindungen mit den reformierten Schwesterkirchen im In- und Ausland. Ulmer war einer der gelehrtesten Schweizer Theologen seiner Zeit und gilt zu Recht als zweiter Reformator Schaffhausens.
Zeitlinie mit den wichtigsten Daten
1529 beschloss der Schaffhauser Rat die Einführung der Reformation. Die Messe wurde abgeschafft, an ihre Stelle der Predigtgottesdienst gestellt, eine neue Kirchenordnung verabschiedet und das kirchliche Leben erneuert.
1501 Beitritt Schaffhausens zur Eidgenossenschaft.
1519 Amtsantritt Zwinglis am Grossmünster, Zürich. Beginn mit der reformatorischen Predigt mit der Auslegung des Matthäusevangeliums.
Um 1520 Schriften Luthers in Schaffhausen bekannt. Lesekreis unter der Leitung des Stadtarztes Johannes Adelphi.
1520 Der letzte Abt des Benediktinerklosters von Allerheiligen Michael Eggenstorfer schickt Mönche nach Wittenberg. Briefwechsel. Verbindungen zu Zwingli.
1522 Sebastian Hofmeister in Schaffhausen. Evangelische Predigt. Gottesdienstreformen. Die Reformation findet zunehmend Anhänger.
1523 Erste Disputation in Zürich. Ratsbeschluss: Zwingli soll mit der Predigt des Evangeliums fortfahren.
1523 Hofmeisters Schrift «Eine treue Ermahnung an die Eidgenossen» in Basel gedruckt.
1524 Teile der Schaffhauser Bevölkerung verstehen sich evangelisch. Es verschwinden «allerlei Zeremonien und Zünselwerk». Zögerliche Haltung des Rates.
1524 Das Benediktinerkloster Allerheiligen wird aufgehoben und in eine Propstei umgewandelt.
1525 Aus Zürich vertriebene Täufer kommen in die Schaffhauser Landschaft.
1525 Protest der Rebleute und Fischer in Schaffhausen.
1525 Hofmeister und sein Kollege Sebastian Meyer werden aus Schaffhausen verbannt.
1526 Disputation zu Baden. Mit Hilfe des berühmten Theologen Johannes Eck soll Zwingli widerlegt werden. Schaffhausen wird durch den Schulmeister Heinrich Linggi und Magister Ludwig Oechsli vertreten. Auch Hofmeister nimmt am Streitgespräch teil und verfasst eine Entgegnung zu Ecks Thesen.
24.2.1527 Schleitheimer Bekenntnis der Täufer, verfasst von Michael Sattler: «Brüderliche Vereinigung etlicher Kinder Gottes, sieben Artikel betreffend».
13.11.1527 Erstes Todesurteil gegen einen Täufer in Schaffhausen: Hans Rüegger (enthauptet)
1528 Reformationsbeschluss in Bern.
1528 Der Kleine Rat von Schaffhausen lehnt in zwei Abstimmungen die Einführung der Reformation ab.
14.4.1529 zweites Todesurteil gegen einen Täufer: Jakob Schuffel ab dem Schufelberg
1529 Erste Schlacht bei Kappel, Schaffhausen nimmt eine Vermittlerrolle ein. Keine Entscheidung, «Kappeler Milchsuppe».
29. September 1529 (Michaelistag) Reformationsbeschluss in Schaffhausen. Beitritt zum «Christlichen Burgrecht».
1529 Abschaffung der Messe, Entfernung der Altäre, Bilder und des «Grossen Gottes» (weit herum bekanntes Kruzifix in der Kirche von Allerheiligen).
1529 «Schaffhauser Reformationsordnung» beschlossen.
1531 Zweite Schlacht bei Kappel. Niederlage der Reformierten, Tod Zwinglis.
1532 Erstes Synodalmemorial.
1536 Die streitenden Pfarrer Burgauer (St. Johann, vertrat dezidiert lutherische Lehrmeinungen) und Ritter (Münster) werden vom Rat in Pension geschickt. Neubesetzung der Pfarrstellen.
1560 Täuferhütten in der Chälle bei Schleitheim auf Befehl des Rates geschleift.
1566 Beitritt der Schaffhauser Kirche zum Zweiten Helvetischen Bekenntnis.
1566-1600 Johann Konrad Ulmer als zweiter Reformator nach Schaffhausen berufen.
1680 Letzte Täuferin verlässt Schleitheim.