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Wenn ein Arzt eine ernste Diagnose stellt und eine invasive oder massive medikamentöse Behandlung vorschlägt, ist es der sinnvollste nächste Schritt für den Patienten, von einem anderen Experten eine Zweitmeinung einzuholen (am besten nicht aus derselben Klinik, Stadt oder sogar demselben Land, damit die neue Sicht möglichst unvoreingenommen ist). Doch woher weiss ich, ob konkret in meinem Fall eine Zweitmeinung erforderlich ist? Und woher bekomme ich eine ärztliche Zweitmeinung? Wir beantworten Ihnen diese und andere wichtige Fragen in diesem Artikel.
Wann sollte man eine Zweitmeinung einholen?
Eine Zweit- oder sogar Drittmeinung zu Ihrem Gesundheitszustand sollten Sie am besten in jedem ernsten medizinischen Fall einholen. Manchmal läuft die Zeit gegen den Patienten. Daher sollten Sie nur in wenigen Fällen, in denen dringend Handeln angesagt ist und Sie eine ärztliche Zweitmeinung aus irgendwelchen Gründen nicht schnell einholen können, für die Auswahl der Therapie und das Einholen zahlreicher anderer Arztmeinungen keine Zeit verlieren. Falls zum Beispiel die Biopsieergebnisse klar eine onkologische Erkrankung bestätigen und die Behandlung genau dieser Krebsart weltweit nach demselben Standardschema abläuft und es keine Möglichkeit gibt, einen zweiten Arzt um Rat zu fragen, treffen Sie zügig eine Entscheidung über die Therapie. Doch falls Ihr Arzt eine nicht dringende Operation, die zumindest ein paar Wochen warten kann, oder eine teure oder nebenwirkungsreiche Untersuchung vorschlägt, oder eine schwierige medikamentöse Behandlung, kann es aus jeglichem der folgenden Gründe sinnvoll sein, eine Zweitmeinung einzuholen:
- Ihnen wurde eine Operation empfohlen
- Ihre Diagnose ist unklar
- Ihnen wurde gesagt, Sie hätten eine seltene oder lebensgefährliche Krankheit
- Sie haben mehrere medizinische Probleme
- Die empfohlene Behandlung ist riskant, umstritten oder experimentell
- Sie haben die Wahl zwischen verschiedenen Therapien oder Untersuchungen, die sehr unterschiedlich viel kosten
- Sie haben die Wahl zwischen einer konservativen und einer invasiven Behandlung
- Die Behandlung verläuft in Ihrem Fall nicht so wie erwartet
- Sie haben das Vertrauen in Ihren Arzt verloren
- Ihr Krankenversicherungstarif verlangt eine Zweitmeinung
- Sie haben einfach Zweifel und möchten eine zusätzliche Bestätigung eines unabhängigen Arztes haben
Selbst wenn Ihre Zweifel minimal sind, ist das ein Grund für das Einholen einer Zweitmeinung, wenn es um eine aufwändige Behandlung geht. Schliesslich weiss kein einzelner Mediziner alles über alle Bedingungen oder alle neuen technologischen Errungenschaften in der Behandlung.
Erste Schritte
Falls Sie sich entscheiden, eine Zweitmeinung einzuholen, besteht die erste Regel darin, sie bei jemandem mit (mindestens) demselben Bildungsstand und Können wie Ihr bisheriger Arzt anzufragen. Ziehen Sie die Möglichkeit in Erwägung, einen Spezialisten im Ausland zu fragen.
Es wäre eine gute Idee, eine Zweitmeinung bei einem Arzt einzuholen, der in einer Einrichtung arbeitet, die sich auf Ihre Erkrankung spezialisiert hat, zum Beispiel in einem Onkologiezentrum oder Herzchirurgiezentrum oder auch Orthopädie- oder In-Vitro-Fertilisationszentrum. Diese Zentren sind voraussichtlich mit den neuesten Behandlungstechnologien ausgestattet und es kann gut sein, dass ein Expertenteam zur Begutachtung Ihres Falles leicht erreichbar ist. Ausserdem können Sie, wenn Sie sich mit Ihrer Agentur für Medizintourismus in Verbindung setzen, immer Ihre konkreten Wünsche zur Klinikauswahl äussern.
Was Sie Ihrem Arzt mitteilen sollten
Die meisten medizinischen Dienstleister erkennen das Recht ihrer Patienten auf eine Zweitmeinung an, daher können Sie mit Ihrem Arzt einfach ehrlich und direkt sein.
Bitten Sie Ihren behandelnden Arzt unbedingt um alle seine medizinischen Unterlagen, damit Sie sie dem Arzt zur Verfügung stellen können, der Ihnen eine Zweitmeinung gibt. Laut Gesetz kann Ihnen Ihr Arzt Ihre medizinischen Unterlagen nicht vorenthalten, doch in einigen Fällen verlangen Kliniken für das Kopieren eine Bearbeitungsgebühr.
Was Sie den Arzt, der eine Zweitmeinung abgibt, fragen sollten
Falls Sie in einer Sprechstunde eine mündliche Zweitmeinung einholen (es gibt auch ein detailliertes schriftliches Gutachten), können Sie mit folgenden Fragen beginnen:
- Wurde meine Diagnose richtig gestellt?
- Welche Behandlung kann ich auswählen, was sind die Vor- und Nachteile jeder Behandlungsmethode?
- Was passiert, wenn ich abwarte oder keine Behandlung auswähle?
- Was soll ich mit den Ergebnissen tun?
Falls der zweite medizinische Dienstleister dem ersten zustimmt, können Sie mit grösserer Zuversicht vorangehen.
Was tun mit den Informationen
Doch was tun, wenn die Zweitmeinung von der ersten abweicht?
Eine Variante besteht darin, alle Informationen Ihrem ursprünglichen behandelnden Arzt weiterzugeben, der Sie und Ihre Krankheitsgeschichte am besten kennt. Der erste Arzt kann auf Grundlage dessen, wie Sie zuvor auf die Behandlung reagiert haben, wie Sie mit den Nebenwirkungen zurechtkommen oder wie die Behandlung zu Ihrer Lebensweise passt, beurteilen, inwieweit die Behandlungsmöglichkeiten gerade auf Sie anwendbar sind.
Einige Patienten fühlen sich unwohl, wenn sie ihrem Arzt von einer unabhängigen Zweitmeinung erzählen sollen. Doch diese Praxis ist üblich – und die meisten Ärzte begrüssen sie, da mehr Blickwinkel eine genauer ausgewählte Therapie bedeuten.
Bei der Entscheidung, wessen Meinung Sie folgen möchten, können Sie sich auf Ihre persönlichen Eindrücke von der Beziehung des Arztes zu Ihnen sowie auf seine Bewertungen im Internet stützen. Wenden Sie dabei Ihren gesunden Menschenverstand an: Einige erstklassige Ärzte erhalten schlechte Bewertungen, nur weil sie einem Patienten eine unangenehme Diagnose gestellt haben – das gehört zur Arbeit jedes Experten im Gesundheitswesen.
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