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Schulterschmerzen - es muss kein Riss der Sehne sein
Die häufigsten Schulterschmerzen treten auf der Vorderseite neben dem Oberarmkopf auf. Oft entsthet dieser Schmerz nach einem Unfall oder einem Sturz. Wenn keine spontane Besserung des Schulterschmerzes eintritt und der Arm nicht mehr bewegt werden kann, befürchtet der Patient eine grössere Schädigung, einen Sehnenriss. Ist trotz konservativer Therapie nach weiteren Wochen der Zustand unverändert, wird diese Vermutung von Fachleuten durch Ultraschall oder CT häufig bestätigt. Der starke, lokale Druckschmerz lässt zusätzlich an eine entzündliche Komponente denken. Es ist offensichtlich nicht einfach, eine lokale Verspannung von einer Zerrung, einer Entzündung oder gar einem Riss zu unterscheiden.
Die anatomische Situation ist nicht einfach. Vor allen Dingen bei "Lähmungserscheinungen", wenn der Arm nicht mehr richtig bewegt werden kann.
Zwei Gelenke vorne, eins hinten und eins an der Seite erlauben dem Arm die meisten Freiheitsgrade in unserem Körper. Und das Schulterblatt bewegt sich, allein gehalten von Muskeln nach jeder Seite, wie ein weiteres Gelenk auf der Rückseite der Rippen. Dabei berührt der Oberarmkopf nur mit einer kleinen Fläche die Gelenkpfanne. Fixiert und bewegt wird der Arm von einem recht komplizierten System von Muskeln. Nur so sind die mannigfachen, komplexen Bewegungen möglich. Der Nachteil besteht darin, dass die Konstruktion sehr elastisch, aber nicht sonderlich stabil ist. Zusammengehalten wird alles nur durch Muskulatur, Sehnen, Bänder und ein paar Kapseln. Damit es nicht dauernd bei Belastungen zum Ausrenken des Armes kommt, sind üblicherweise die Muskeln straff gespannt, das heisst vorgespannt. Kaum jemand, der nicht eine Massage im Schulter-Nacken-Bereich als angenehm empfindet, was zumindest auf eine latente Muskelverspannung schliessen lässt. Bei zusätzlichen Belastungen schaukeln sich die Agonisten und Antagonisten gegenseitig soweit auf, dass es zu Schmerzen kommt. Beweglich soll der Arm sein nach vorne und hinten, zur Seite nach aussen und innen, nach oben und unten und ausserdem soll er sich auch noch drehen können, einwärts und auswärts. Manchmal geht nichts mehr. Dann ist alles wie eingefroren.
Aber in überraschend vielen Fällen handelt es sich nicht um eine Verletzung oder gar einen Sehnenriss, trotz des eindrucksvollen klinischen Bildes. Eine massive Dauerverspannung, meist der kurzen Sehnen der vorderen Muskulatur lässt die Opfer selbst nachts nicht schlafen, da die Schmerzen trotz völliger Ruhe nicht abnehmen. Das kann ein Hinweis darauf sein, dass gar kein Sehnenriss vorliegt.
Wir haben die Möglichkeit, Sehnen und Bänder dieser normalerweise im Gleichgewicht befindlichen Muskeln zu entspannen. Die Beweglichkeit nimmt zu, die Schmerzen werden weniger. Deswegen, weil wir gezielt jeden einzelnen der betroffenen Muskeln separat dazu zwingen können, auf reflektorischem Weg sich zu lösen, weil wir die Sehnen durch eine Drucktherapie sehr rasch verlängern können. Immer sind hier Gegenmuskeln betroffen, die behandelt werden müssen. Besonders häufig sind die Brustmuskeln betroffen.
Ein besonders unangenehmer Schmerz, der schlecht lokalisierbar ist und einseitig die ganze Schulter betrifft, rührt vom verkrampften Muskel unterhalb des Schulterblattes (m.subscapularis) her. An Schlaf ist meist nicht zu denken, weil jede Berührung höllisch ist. Die Ursache ist klar und einfach. Immer ist es der Wurfarm und immer wurden wiederkehrende Wurfbewegungen gemacht, Handball, Basketball, Speerwerfen aber auch zum Beispiel beim Fliegenfischen. Die Aufgabe dieses Muskels ist das plötzliche Abbremsen und Zurückholen des nach vorne geschleuderten Armes. Für Muskeln ausserordentlich stressig. Innerhalb von Minuten lässt sich dieser quälende Schmerz beseitigen, einfach durch fachgerechte Entspannung.
Sollte eine Sehne abgerissen sein, so kann man das nur durch eine Operation in Ordnung bringen. Nach einer Sitzung, in der die verspannten Sehnen definiert werden, können wir klar entscheiden, ob die Dehntherapie zum Erfolg führt. Der Patient merkt das sofort.
Daher ist vor jeder geplanten Operation der Versuch der Sehnenverlängerung und Entspannung dringend zu empfehlen.