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Abstürzender Vogel, 1919,206
Als habe er den kämpfenden und abstürzenden Fliegern ein Denkmal setzen wollen, stellte Klee im Jahr nach Kriegsende in einem Bild mit dem Titel Abstürzender Vogel, 1919,206 ein einzelnes, bildbeherrschendes Vogel-Flugzeug dar.
In hellem Gelb hebt es sich von einer strahlenden Aura ab, deren gelb-goldener Farbton im oberen Bildbereich in einen warmen, tiefen Rot-Orangeton übergeht – Morgen- oder Abendröte über einer schon oder noch im Dunkel liegenden Landschaft. Die starre Haltung und die senkrecht nach unten weisende Ausrichtung des Vogels lassen keinen Zweifel daran, dass es sich hier um einen Absturz handelt. Klee zeigt den Augenblick kurz vor dem Aufschlag; der Schnabel des Vogels berührt fast schon den Boden.
Als Variante der frühen Vogel-Flugzeuge mit den charakteristischen Rechteck- und Quadratformen der Tragflächenbeplankung sowie dem vogelähnlichen Kopf und den Krähenfüssen, weist dieser ebenso schöne wie überraschende Vogel Merkmale auf, die ihn von den eher schematischen, stark vereinfachten Vogel-Flugzeugen unterscheiden: Das gilt für die unregelmässige Anordnung der Rechteck- und Quadratformen, die auf ihnen angebrachten Muster, die an Schuppen oder Gefieder denken lassen, für den Vogelschwanz, den man auch für einen Fischschwanz halten könnte, für die schablonierte schwarze 13 am Rumpfende, für die Blutspuren an den Füssen und im Bereich der Augen und Schnabel sowie für ein zweites Paar Krähenfüsse, das winzig und wie verkümmert an der Vorderseite des Körpers links und rechts vom Kopf sitzt. Wie ein riesiges Emblem steht dieses technisch-organische Vogelwesen über dem miniaturartigen dunklen Landschaftsstreifen am unteren Bildrand. Flach wie eine Spielkarte, könnte Klees Darstellung des abstürzenden Vogels an die Bezeichnungen «Flieger-As» für einen erfolgreichen Piloten erinnern, wenn dem nicht der von einem gewaltigen schwarzen Pfeil gelenkte Absturz widerspräche.