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Ende der 50er-Jahre gewann man die Erkenntnis, dass der Schweizer Soldat eine neue Feldbekleidung benötigt, welche dem Zeitalter des Sturmgewehrs angepasst ist. 1958 fiel die Wahl auf jenen Kampfanzug, der dann drei Jahrzehnte lang das Bild des Wehrmannes mitprägen sollte. Im August 1959 defilierte die Artillerie-RS Sidon im neuen „Kämpfer“ (vulgo „Vierfruchtpyjama“), der somit erstmals einem grösseren Publikum vorgeführt wurde. Mit diversen kleineren Modifikationen blieb der zuletzt als „Kafaz 70“ bekannte Anzug bis in die 80er-Jahre im Dienst. Er dürfte mit den unverwechselbaren Farben wohl einzigartig in der Welt sein, und auch die zahlreichen Taschen erstaunten manchen Rekruten beim Kleiderfassen.
Eben diese Taschen machten es möglich, dass der Wehrmann nahezu den gesamten „Hausrat“ am Körper mitführen musste. Es ist nicht immer vorteilhaft, wenn von der Gamelle bis zum Sturmgewehrmagazin alles in den Taschen des Wehrkleides rumrasselt.
Wenn je ein Schweizer Wehrmann auf dem Schlachtfeld verwundet worden wäre, dann hätte man rasch herausgefunden, dass man ihn förmlich bis auf die Unterhose ausziehen musste, um ihn von seiner kunstvoll durch Schlaufen und Klammern und Karabinerhaken verbundenen Ausrüstung zu trennen.
Heute begegnet man dem Kafaz zuweilen in den Liq-Shops; und auch der Schreibende hat sich aus Nostalgie einen gekauft, auch wenn er ihn vor zwölf Jahren ganz furchtbar verabscheut hat.
Unser Mitrailleur hat gerade an einem Kiesweg in einem Vorgarten sein MG51 in Stellung gebracht. Er trägt den neuen Stahlhelm 71 mit Tarnbezug, wobei das weisse Kunststoffband ihn in diesem Manöver als den „böFei“, den Angreifer, bezeichnet. Zum Kampfanzug trägt er den kleinen Rucksack, welcher mit zwei Metallklammern und einer Stoffschlaufe an der Jacke fixiert wurde. An diesem Rucksack wurde auch der Schanzspaten befestigt. Unter der Jacke trägt er einen „Gnägi-Pullover“ und ziemlich sicher einen blauen Faserpelz eines skandinavischen Herstellers. In den Jackentaschen brachte man nebst Feldflasche und Gamelle auch diverses weiteres Material unter, sodass die Taschen immer zum Bersten voll waren.
Die Hosenbeine steckten in Ledergamaschen die mit drei Schnallen zu schliessen waren. Die Hosenträger der Beinkleider neigten dazu zu verrutschen oder aufzugehen, wenn man sie nicht kraftvoll und ordonnanzwidrig zu verknoten wusste. In den Knietaschen fanden im Gefecht häufig die Stielhandgranaten Platz, auf dem Marsch wurde dort die Feldmütze 49, genannt „der Mutz“ verstaut, aber nur wenn dies obrigkeitlicherweise angeordnet war…
Roger Rebmann, Basel
Schweizer Soldat 7-8/2001