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Da wir für Uzbekistan nur ein 15 Tagesvisum hatten, mussten wir uns ein wenig einschränken. In Kirgistan haben wir uns die volle Dosis Natur und Outdoor gegönnt, weshalb wir uns in Uzbekistan auf die architektonischen Highlights konzentrierten.
Schon zu vorchristlichen Zeiten wurde auf dem Eurasischen Kontinent zwischen Ost und West Handel getrieben. Der Seide, einem der wertvollsten Handelsgüter dieser Zeit, verdankt die antike Seidenstrasse ihren Namen. Es wurde aber natürlich nicht nur mit Seide, sondern auch mit Glas, Edelsteinen, Gewürzen, Keramik und weiteren Gütern gehandelt. Der stetige Austausch von Wissen, Ideologien und Religionen führte aber auch dazu, dass sich auf den Routen der Seidenstrasse nicht nur ein materieller, sondern auch ein Reichtum an Ideen und Wissen ansammelte.
In drei Städten Uzbekistans lässt sich dieser einstige Reichtum noch immer erahnen, in Samarkand, Buchara und Khiva.
Samarkand
Vor gut 2750 Jahren wurde die Oasenstadt Samarkand gegründet und erlangte durch den Handel bald eine grosse Bedeutung. Im Jahr 1220 wurde Samarkand durch Dschingis Khan erobert, welcher die Stadt, nach der für ihn typischen Weise, komplett zerstörte. Angeblich war Dschingis Khan sehr stolz auf die absolute Zerstörung, welche er in allen eroberten Städten anrichtete. Einer Legende nach prahlte er sogar damit, dass er in der Nacht über die Trümmer der Stadt reiten könne, ohne dass sein Pferd auch nur einmal stolpere. Während der Herrschaft von Timur-i-Leng (im Westen besser bekannt als Tamerlan der Grosse) wurde die Stadt wieder aufgebaut und gewann bald wieder an Wichtigkeit. Schlussendlich machte Timur Samarkand sogar zur Hauptstadt seines riesigen Reiches.
Eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Samarkands ist der Registan Platz. An ihm befinden sich einige der schönsten Gebäude der Stadt. Die Architektur der Medressen (Religionsschulen) und Moscheen hat uns sehr an Iran erinnert. Das ist nicht weiter verwunderlich, da Timur Handwerker aus seinem ganzen Reich (darunter auch Teile Persiens) nach Samarkand brachte um die Stadt zu verschönern. Die Vorderseite der Sher-Dor Madrasah ist mit Zeichnungen von Tigern und Gesichtern geschmückt, was das Gebäude in der ganzen islamischen Welt wohl einzigartig machte. Da die Abbildung von Lebewesen im Islam eigentlich verboten ist, war diese Medresse von Anfang an sehr umstritten.
Speziell hat uns in Samarkand aber der Mausoleumskomplex Shah-i-Zinda gefallen. Dort wurden hauptsächlich die weiblichen Verwandten der Könige beigesetzt und einige der Gebäude sind immer noch viel besuchte Wallfahrtsort.
Buchara
Samarkand hat uns gefallen, Buchara hat uns begeistert! All die interessanten Gebäude liegen nahe beieinander, es gibt eine richtige Altstadt mit verwinkelten Gassen und alles kann gemütlich zu Fuss erkundet werden. Unser Guesthouse lag direkt in der Altstadt, in einem der alten Gebäude mit wunderbar kühlem Innenhof.
Die Blütezeit Bucharas war während des Samanidenreiches, von 819 bis 999 AD. Die Stadt galt damals als Zentrum des Wissens, der Künste und des Handels. Hier sind wir wieder Spuren von Ibn Sina (im Westen als Avicenna bekannt) begegnet, welcher in der Nähe von Buchara geboren wurde und bereits mit 18 Jahren am Hof des samanidischen Herrschers tätig war.
Bei der Eroberung durch Dschingis Khan wurde allerdings auch Buchara bis auf wenige Gebäude zerstört. Da für die mongolischen Herrscher Samarkand die wichtigere Stadt war, wurde Buchara erst unter Timurs Enkel, Ulug Beg, wieder aufgebaut. Erst während seiner Herrschaft kehrte die Stadt auch wieder zu ihrem einstigen Ruf als wichtiger Wissenschaftsstandort zurück. Trotzdem ist Buchara eine der wenigen Städte in Zentralasien, in der man noch „vor-mongolische“ Bauten bestaunen kann.
Neben dem Bewundern der antiken, überdachten Bazare, schönen Moscheen und den kunstvoll verzierten Medressen konnten wir in Buchara auch Handwerkern bei der täglichen Arbeit zuschauen. Viele Ateliers und Werkstätte sind in der Altstadt eingerichtet worden. So sahen wir zum Beispiel wie zwei Frauen von Hand einen traditionellen Seidenteppich knüpfen. Das Fertigstellen des gut 4m² grosse Stücks wird sie schlussendlich etwa 6 Monate Arbeit kosten. Auch den Kupferhandwerkern durften wir über die Schulter schauen, und sie beim Verzieren verschiedener Haushaltsgeräte mit feinen Linien beobachten.
Khiva
Khiva liegt ebenfalls an einem Arm der antiken Seidenstrasse und war deshalb früher ein wichtiger Handelsort. Eine Legende besagt, dass Noahs Sohn Sem nach der Sintflut in der Wüste umhergewandert sei und eines Nachts im Traum eine Stadt gesehen habe. Am nächsten Morgen sei er aufgewacht, habe einen Brunnen gegraben und als das Wasser süss war, die Grundmauern der Stadt errichtet. Archäologische Funde deuten jedoch darauf hin, dass die Stadt etwa vor 2000 Jahren entstanden ist.
In die Geschichte ging Khiva neben dem Handel mit kostbaren Gütern, auch wegen einem der grössten Sklavenmärkte Zentralasiens ein.
Alas! He who once enters Chive abandons all hope as surely as he who enters hell. His prison house is girdled with trackless deserts, whose sole inhabitants are the sellers of human flesh.
Capt. James Abbott, Narrative of a Journey from Heraut to Khiva (1843)
Jeder Mann von Stand konnte sich hier einen Sklaven kaufen. Die menschliche Ware wurde vor allem durch Überfälle auf Karawanen gewonnen. So wurden auch viele westliche Händler plötzlich mit der unmenschlichen Härte des Sklavenlebens konfrontiert. Persische Frauen und russische Männer waren dabei die beliebteste Ware, wobei die russischen Männer die besten Preise erzielten. Das Zarenreich hat seine Feldzüge in Zentralasien oft damit begründet, ihre Landsleute befreien zu wollen.
Die befestigte Altstadt Khivas (Itchan-Kala) wurde 1990 zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt. Die Itchan-Kala ist ein openair Museum, weshalb wir eigentlich nicht erwartet haben, dass die Stadt noch „leben“ würde. Es freute uns aber, als wir sahen, dass viele Häuser noch immer bewohnt sind. Auch der Bazar gleich ausserhalb des Tores zur Altstadt war voll von Menschen, wie jeder andere Bazar in Zentralasien den wir besucht haben.
Besonders gut gefallen hat uns die Juma Moschee (Freitagsmoschee), deren Dach von unzähligen Holzsäulen gestützt wird. Jede der Säulen war mit individuellen Schnitzereien verziert. Ein weiteres Highlight war der Ausblick in der Dämmerung vom 45 m hohen Khodja Minarett über die ganze Stadt.
Auf unserem Weg nach Westen werden wir bald Usbekistan offiziell verlassen und die halbautonome Region Karakalpakstan betreten. Dort machen wir uns auf die Suche nach den Überresten des einst riesigen Aralsees…