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Bei der SRG kamen über 200 Fälle rund um Belästigung, Mobbing oder unangemessenes Verhalten auf den Tisch; bei der Tamedia (TX Group) hat ein offener Brief von 78 Redaktorinnen von verschiedenen Standorten der Deutschschweiz 2021 zu viel Medienwirbel und etwas weniger Verbesserung geführt. Und bei Ringier redet man nicht darüber, meistens wird das sofort an Anwälte delegiert.
Allen gemein ist, dass die Führungsspitze, die ab und an persönlich involviert ist, Unmengen von Geldern einsetzt, um das, was nicht sein darf, auf juristischem Weg wegzudrücken.
Nun kommt über den «Spiegel» ein neuer Fall aus dem Verlagshaus Tamedia (TX Group) ans mediale Tageslicht. Unter dem Titel «Er zeichnete mir Hakenkreuze an den Rand meiner Manuskripte», schildert die Journalistin Anuschka Roshani in einem Gastbeitrag ihre Erfahrungen von der Zürcher Werdstrasse.
Roshani, die von 2002 bis 2022 für Tamedia gearbeitet hat, war als Redaktorin bei einem Magazin des Verlages tätig, wie sie in dem Beitrag schreibt.
Nun ist Anuschka Roshani keine Unbekannte. Die Deutsche schrieb für «Das Magazin» des «Tages-Anzeigers», das zu ihrer Zeit von Finn Canonica als Chefredaktor geleitet worden ist. Roshani beschreibt, wie sie von Canonica über Jahre gemobbt, herabgesetzt und belästigt worden sei.
Am 28. Juni 2022 wurde bekannt, dass Finn Canonica nach 20 Jahren beim «Magazin» geht und «eine neue berufliche Herausforderung» annehme, wie die TX Group damals ultra kurz mitteilte. Auf Anfrage des Klein Reports für ein Interview mit Finn Canonica, der «Das Magazin» über Jahre geprägt hatte, hiess es von der TX-Group-Pressestelle nur: «Herr Canonica konnte leider nicht erreicht werden».
Im «Spiegel» schreibt die Journalistin unter vielem anderem: Er habe neben ihre Manuskripte jeweils ein Hakenkreuz gesetzt, wenn sie einen Germanismus verwendet habe, was im «Spiegel»-Artikel durch einen Fotoausschnitt deutlich zu erkennen ist.
«Super Heft! Vielen Dank! Obwohl Du eine Frau bist, hast Du brilliert! Lg», schrieb er ihr, nachdem Roshani ein Sonderheft abgeschlossen hatte.
Der Film «She Said» von Maria Schrader, der im vergangenen Jahr rauskam und die Recherchen der «New York Times»-Journalistinnen Megan Twohey und Jodi Kantor über den Fall Harvey Weinstein beinhaltet, hätten ihr Kraft gegeben, ihre eigene Geschichte zu erzählen.
Auch das deutsche Nachrichtenmagazin befragte verschiedene Tamedia-Personen, die die Aussagen von Anuschka Roshani stützen, wie das Magazin schreibt.
Anuschka Roshani hat Tamedia wegen «sexistischer Diskriminierung und Mobbing» verklagt.
Der Tamedia-Verlag (TX Group) hat nach Bekanntwerden der Vorwürfe auf der Redaktion von «Das Magazin» Versäumnisse eingeräumt.
Die Aufklärung in dem Fall habe zu lange gedauert, schrieb Geschäftsleiter Andreas Schaffner in einer Stellungnahme an die Belegschaft am Sonntag. In der internen Mail wurde nun eine Zusammenfassung des Untersuchungsberichts öffentlich gemacht.
In einer Führungskultur, die man im Verlag erwarte, hätte es erst gar nicht zu einem solchen Konflikt kommen dürfen, heisst es in dem Schreiben. Unter den Vorfällen hätten die Arbeitsatmosphäre und die Unternehmenskultur gelitten. «Wir bedauern das ausdrücklich», heisst es auch in einer Stellungnahme am Sonntagnachmittag auf «Tages-Anzeiger» online.