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Selbst bei einem sofortigen und vollständigen Stopp der Treibhausgasemissionen würde das Eisvolumen in den europäischen Alpen bis 2050 um 34 Prozent abnehmen. Setzt sich der Trend der letzten 20 Jahre jedoch unverändert fort, wird fast die Hälfte des Eisvolumens verloren gehen, wie eine neue internationale Studie zeigt, an der Wissenschaftler:innen des GIUZ beteiligt waren.
Bis 2050, also in 26 Jahren, werden wir mindestens 34% des Eisvolumens in den europäischen Alpen verloren haben, selbst wenn die Klimaerwärmung sofort und vollständig gestoppt würde. Dies sagt ein neues Computermodell voraus, das von Wissenschaftler:innen der Fakultät für Geowissenschaften und Umwelt der Universität Lausanne (UNIL) in Zusammenarbeit mit der Universität Zürich, der ETHZ und der Universität Grenoble entwickelt wurde. Dieses Szenario, das mit Hilfe von Algorithmen des maschinellen Lernens und Klimadaten entwickelt wurde, geht davon aus, dass die Erwärmung im Jahr 2022 zum Stillstand gekommen wäre. Die Gletscher werden jedoch aufgrund der Trägheit des Klimasystems weiter zurückgehen. Diese optimistischste aller Vorhersagen ist jedoch weit von einem realistischen Zukunftsszenario entfernt, da die Treibhausgasemissionen weltweit weiter ansteigen.
Eine andere, realistischere Prognose der Studie zeigt, dass ohne drastische Veränderungen oder Massnahmen fast die Hälfte (46%) des Eisvolumens der Alpen bis 2050 verschwunden sein wird, wenn der Schmelztrend der letzten 20 Jahre anhält. Dieser Wert könnte sogar auf 65% ansteigen, wenn die Daten der letzten 10 Jahre extrapoliert werden.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Modellen, die Schätzungen für das Ende des Jahrhunderts vornehmen, betrachtet die neue Studie, die in der Fachzeitschrift Geophysical Research Letters veröffentlicht wurde, einen kürzeren Zeitraum. Das macht es leichter, die Relevanz für unsere eigene Lebenszeit zu erkennen und somit zum Handeln anzuregen. Wie alt werden unsere Kinder 2050 sein? Wird es 2038 noch Schnee geben, wenn die Schweiz die Olympischen Spiele ausrichten darf? Diese Schätzungen sind umso wichtiger, als das Verschwinden kilometerlanger Eisflächen weitreichende Folgen für die Bevölkerung, die Infrastruktur und die Wasserreserven haben wird.
"Die Daten, die wir für die Erstellung der Szenarien verwendet haben, reichen bis ins Jahr 2022, das von einem aussergewöhnlich heissen Sommer geprägt war. Es ist also wahrscheinlich, dass die Situation noch schlimmer sein wird, als wir sie darstellen", erklärt Samuel Cook, Forscher an der UNIL. "Und tatsächlich haben die Alpengletscher im hydrologischen Jahr 2023 ein rekordhohes Eisvolumen verloren", ergänzt Inés Dussaillant vom World Glacier Monitoring Service der UZH.
Die Simulationen wurden mit Algorithmen der künstlichen Intelligenz durchgeführt. Die Wissenschaftler:innen setzten Deep-Learning-Methoden ein, um ihr Modell auf das Verständnis physikalischer Konzepte zu trainieren und fütterten es mit realen Klima- und Gletscherdaten. "Maschinelles Lernen revolutioniert die Integration komplexer Daten in unsere Modelle. Dieser wichtige Schritt, der bisher als kompliziert und rechenintensiv galt, wird nun präziser und effizienter", erklärt Guillaume Jouvet, Mitautor der Studie und ehemaliger Forscher am GIUZ.
S. J. Cook, G. Jouvet, R. Millan, A. Rabatel, H. Zekollari, I. Dussaillant, Committed Ice Loss in the European Alps Until 2050 Using a Deep-Learning-Aided 3D Ice-Flow Model With Data Assimilation, Geophysical Research Letters https://doi.org/10.1029/2023GL105029
Bild: Der Aletschgletscher im Jahr 2009 (Guillaume Jouvet)
Pressemitteilung, UNIL – Faculty of Geosciences and Environment