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In der Eingangshalle hängen vier Autotüren hintereinander an der Wand. In der ersten Etage steht ein Buick Grand National. Im obersten Stockwerk ein El Camino. Autos, das ist unübersehbar, spielen eine sehr grosse Rolle im Werk von Richard Prince.
Dabei sind es nicht irgendwelche Autos, sondern sogenannte Muscle-Cars, also Wagen mit viel Kraft unter der Motorhaube. Und sie sind alle schwarz. So schwarz, wie in es in amerikanischen Filmen nur die Autos von Outlaws und Rebellen sind. Von Figuren, die den amerikanischen Traum von Freiheit und Unabhängigkeit mit hemmungsloser Radikalität und zuweilen auch mit krimineller Energie ausleben. Mit seinen Auto-Objekten erzeugt Richard Prince eine dichte Abgaswolke an Vorstellungen, die mit dem Land der endlosen Highways verbunden sind.
Prince spielt mit amerikanischen Mythen
Richard Prince gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Appropriation Art, der Kunst der Aneignung. Es handelt sich dabei um eine Variante der Konzeptkunst, die sich mit vorgefundenem ästhetischen Material beschäftigt. Prince begann damit in den 1970er-Jahren, indem er Werbefotografien abfotografierte. International bekannt wurde der US-amerikanische Künstler, als er in den 1980er-Jahren die Motive der Marlboro-Kampagne abfotografierte.
Die Welt der Werbung und des Konsums inspiriert den in New York lebenden Künstler. Aber auch die Mythen der Rockmusik und der Alltagskultur zitiert Prince ausgiebig. Er greift die beliebte amerikanische Sitte auf, alte Autoreifen als Pflanzringe für Blumen zu verwenden und stellt einen LKW-Reifen aus Giessharz in leuchtendem Orange als dekorativen Blickfang auf. Er zieht ein kleines Zeitungsbild von Metal-Fans zum wandfüllenden Fotoprint auf. Die vier Autotüren am Anfang der Ausstellung benannte er nach der gleichnamigen Rockband der 1960er-Jahre: «The Doors».
Hoher Wiedererkennungswert
Es ist eine Schau voller Wiedererkennungseffekte: Autos, Rockstars, Shampooflaschen. Das scheinen leicht lesbare Zeichen zu sein, das sagt einem etwas. Eine bestimmte Lesart gibt Prince allerdings nicht vor. Zwar bezeichnet der medienscheue Künstler seine Kunst als politisch, doch die in Bregenz gezeigten Arbeiten bleiben in ihrer Aussage so offen, dass jeder sich seinen eigene Reim darauf machen kann.
Das gilt auch für die schnellen Autos, die Prince zum Teil mit barbusigen Bikergirls beklebt. Prince sieht in diesen Frauen, die sich lasziv auf Motorrädern räkeln, Sinnbilder der Selbstbestimmtheit und Unabhängigkeit. Zumal Betrachterinnen mögen das etwas anders sehen.
Rekordpreis für Marlboro-Bild
Richard-Prince-Fans werden an solchen Deutungsfragen keinen Anstoss nehmen. Prince gehört zu den höchstbezahlten Gegenwartskünstlern. 2007 wurde auf einer Auktion bei Sotheby's in New York ein Bild aus der bekannten Marlboro-Serie für den Rekordpreis von 3,4 Millionen Dollar verkauft. Und hohe Preise sind in der Kunstwelt mittlerweile Publikumsmagneten. Was so teuer ist, kann nicht schlecht sein.
Ausstellungshinweis
Richard Prince: «It’s a Free Concert»: bis 5. Oktober, Kunsthaus Bregenz