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B.B. Kings neues Album: eine Rückkehr zu den Wurzeln
Das Cover der neuen CD von B.B. King zeigt den «König des Blues» bei einem kleinen Seelein, der stark dem See ausserhalb Clarksdale, Mississippi gleicht. Sollte es dieser See sein, so steht B. in der Mitte zwischen Tuttweiler, dem mythischen Geburtsort des Blues, Clarksdale, dem Zentrum im Delta und Indianola, seiner eigenen Heimatstadt.
Da Produzent T Bone Burnett den King zurück zu seinen Wurzeln führen (oder eher: lotsen) wollte, wäre dies auch ein passendes Bild. Ungewöhnlich ist, dass B.B. King seine Lucille auf dem Rücken trägt, so als sei er ein Hobo. Die CD ist noch nicht publiziert, sie wird in Europa erst im Oktober zu haben sein, aber auf Amazon.com sind immerhin schon mal Clips der Stücke zu hören, die einen ersten Eindruck vermitteln können.
B.B. King One Kind Favour(2008)
1. See That My Grave Is Kept Clean
2. I Get So Weary
3. Get These Blues off Me
4. How Many More Years
5. Waiting for Your Call
6. My Love Is Down
7. World Is Gone Wrong
8. Blues Before Sunrise
9. Midnight Blues
10. Backwater Blues
11. Sitting on Top of the World
12. Tomorrow Night
Burnett brachte King mit folgenden Musikern zusammen: Dr. John am Piano, Jim Keltner am Schlagzeug und Nathan East am Bass. Die beiden letzten sind bekannte Session-Musiker, East bekannt aus seiner Zeit mit Eric Clapton, Keltner spielte mit einem beeindruckenden musikalischen Palmares, das unter anderem Eric Clapton (From the Cradle), John Lee Hooker (Mr. Lucky) John Lennon (Imagine), Ringo Starr, Joe Cocker (Mad Dogs and Englishmen), George Harrison, die Rolling Stones, Bob Dylan (Knocking on Heaven's Door & Travelling Wilburys Vol. 1 & 3), Joni Mitchell, Brian Wilson, Neil Young, Pink Floyd und Steely Dan beinhaltet. Mit B.B. spielte er bereits auf B.B. in London.
Die Tracklist zeigt unter anderem: I Get So Weary von T-Bone Walker, Howlin Wolfs Sitting on Top of the World, Big Bill Broonzys Backwater Blues, Tomorrow Night von Lonnie Johnson und den Klassiker See That My Grave Is Kept Clean von Blind Lemon Jefferson. Aus letzterem ist die Titelzeile übernommen: «There's one kind favour I ask of you, see that my grave is kept clean». Blues Before Sunrise dürfte wohl der von Albert King bekannte gemachte Titel sein, aber der im Netz zur Verfügung gestellte Clip bringt keine Klarheit.
Dies kann noch keine umfängliche Rezension der CD sein, denn sie ist ja noch nicht erhältlich, aber die Hörbeispiele machen folgendes deutlich: Wenn Burnett meinte, King so klingen zu lassen wie zu seinen Anfängen, so meinte er damit offenbar, ihn zu einer kleinen Band singen zu lassen und die Bläser, den Rhythmus-Gitarristen und weitere Elemente aus B.B. Kings normaler Show wegzulassen. Entsprechend trägt auf dieser CD das Piano Dr. Johns die Stücke wunderbar. Hoffentlich gelang es, den umtriebigen Dr. John vom Mikrophon fern zu halten, denn auch wenn ich der einzige in der Blueswelt bin, der diese Meinung hat: Der Mann sollte nicht singen.
Was nun die Anfänge angeht, so ist auch eine gute Band keine Zeitmaschine. Kings Gesang und Gitarrenspiel klingen wie von den jüngsten Alben bekannt: die Stimme wird langsam alt, Lucille singt immer süsser und lieblicher. Wer B.B. King also hören will, wie er früher klang, sollte weiterhin das Boxset The Vintage Years kaufen, immer noch die beste Zusammenstellung seines frühen Schaffens. Aber auch wenn er (natürlich) nicht klingt wie auf den frühen Aufnahmen, so ist diese CD doch eine schöne Abwechslung, denn King klingt schlichter, einfacher transparenter, und damit mehr nach Blues und weniger nach R&B Revue, sozusagen mehr T-Bone Walker, weniger Ray Charles, und das ist eine schöne Veränderung. Der Appetizer macht definitiv Appetit auf mehr.