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Das Referendum gegen die zweite Gotthardröhre ist zustande gekommen. Das Nein-Komitee hatte die benötigten 50‘000 Unterschriften innert kürzester Zeit zusammen. Das Vorhaben wird dem Volk zur Abstimmung vorgelegt. Doch weshalb ist die zweite Röhre so umstritten?
Der Gotthard-Tunnel heute
Im Jahr 1980 wurde der Gotthard-Tunnel eröffnet. Er gilt bis heute als Kernstück der wichtigsten Nord-Süd-Route. Rund 6 Millionen Fahrzeuge fahren pro Jahr durch den Gotthard. Heute ist der bald 35-jährige Tunnel sanierungsbedürftig. Zudem ist ein nicht richtungsgetrennter Tunnel (eine Röhre mit Gegenverkehr) im Vergleich zu einem richtungsgetrennten Tunnel (zwei Röhren ohne Gegenverkehr) nachweisbar unsicherer.
Sanierung des Tunnels zur Erhöhung der Verkehrssicherheit
Für die Sanierung der Tunnels wurden verschiedene Varianten erarbeitet. Die Regierung entschied sich für diejenige, in welcher eine zweite Gotthard-Röhre gebaut werden soll. Sobald die zweite Röhre fertiggestellt ist, wird der Verkehr durch den neuen Tunnel geleitet, damit der alte Tunnel ohne Verkehr saniert werden kann. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten (ca. 2030) werden beide (zweispurigen) Röhren richtungsgetrennt befahrbar sein; jedoch nur einspurig. Die zweite Spur dient als Pannenstreifen. Für den Neubau und die Sanierung der alten Röhre sind insgesamt rund 2.8 Milliarden Franken nötig.
Ein zweispuriger Tunnel nur einspurig befahren?
1994 wurde mit der sogenannten Alpenschutz-Initiative einen zusätzlichen Artikel in der Verfassung aufgenommen. Jeglicher Ausbau der Transitstrassenkapazität im Alpenraum ist seither rechtswidrig. Solange der Tunnel nur einspurig befahrbar bleibt, gilt die zweite Röhre nicht als Ausbau sondern als Sanierung unter anderem für die Steigerung der Verkehrssicherheit.
Nachteile einer zweiten Tunnelröhre
Das Nein-Komitee befürchtet unter anderem, dass früher oder später der geplante Pannenstreifen in eine weitere Fahrspur umfunktioniert wird. Dies könnte gemäss dem Komitee auf Druck der EU erfolgen. Zudem würde eine zweite Tunnelröhre die neue Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT), welche infolge der Alpenschutz-Initiative gebaut wird, konkurrenzieren.
Was meint die bfu hinsichtlich der Verkehrssicherheit zum Projekt?
Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) veröffentlichte 2013 einen Bericht zur Auswirkung eines Ausbaus auf zwei Röhren auf die Verkehrssicherheit. Folgend ein Ausschnitt des Fazits:
Wissenschaftliche Analysen zeigen, dass der Ausbau eines einröhrigen Tunnels auf zwei Röhren die Anzahl Unfallopfer um 53% reduziert. Der zu erwartende Sicherheitsgewinn eines Ausbaus des Gotthard-Strassentunnels auf zwei einspurige Röhren (Szenario 1) beträgt jährlich rund 5 Verunfallte (4 Leichtverletzte, 1 Schwerverletzter und alle zwei Jahre 1 Getöteter). […] Im Vergleich zum gesamtschweizerischen Unfallgeschehen ist das Rettungspotenzial also gering.
[…]
Würden die Kapazitäten (z. B. ein doppelspuriger Betrieb, Szenario 2) im Tunnel erhöht und käme es dadurch zu Neuverkehr auf den Zufahrtsstrecken und im Tunnel, so wäre dieser ebenfalls einem Unfallrisiko ausgesetzt. Die Betrachtung der gesamten Transitstrecke (Basel-Chiasso) zeigt, dass bereits ein Mehrverkehr von 3% resp. 500 Fahrzeuge proTag im Gotthard Strassentunnel den durch die zweite Röhre erzielten Sicherheitsgewinn aufheben würde. […]
Weshalb trotzdem eine zweite Röhre?
Die prioritäre Verkehrssicherheit und Betriebssicherheit könne langfristig nur mit zwei Röhren gewährleistet werden, argumentieren die Befürworter. Es gäbe keine Rechtfertigung aufgrund finanzieller oder gar politischer Gründe den Bau der zweiten Röhre als technische Massnahme zur Reduktion der Gefährdung von Menschenleben abzulehnen. Zudem wären die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nachteile beim Verzicht auf die zweite Röhre für die Schweizer Bevölkerung, den Tourismus in der Schweiz und besonders für den Kanton Tessin nachweisbar von so erheblicher Grösse, dass sich die Investitionskosten von ca. 2.8 Milliarden Franken rechtfertigen würden. Die Verlagerungsziele vom Güterverkehr von der Strasse auf die Schiene würden mit einer zweiten Röhre weder verhindert noch in Frage gestellt.