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Kanton Graubünden
Chantun Grischun
Cantone dei Grigioni
Ausstellungsposter «Mit der Bundesverfassung in die Moderne - auch in Graubünden» als PDF
Diese Webseite ist Bestandteil der Ausstellung «Graubünden und die Bundesverfassung» im Grossratsgebäude in Chur. Lehrreiche Visualisierungen erinnern daran, was die Einführung der Bundesverfassung für Graubünden bedeutete und wie sich der Bergkanton in den jungen Schweizer Bundesstaat integrierte. Die Ausstellung ist während der August-, Oktober- und Dezembersession 2023 des Grossen Rates jeweils von 8:30 bis 12:00 Uhr und von 14:30 bis 18:00 Uhr öffentlich zugänglich.
Die Bundesverfassung von 1848 legte den Grundstein zur heute noch bestehenden politischen Organisation der Schweiz: Gewaltenteilung, demokratische Teilhabe der Bürger, Freiheitsrechte, Föderalismus. Wenn man die Verfassung aber genauer anschaut, ist leicht zu merken, dass sie in grosser Eile erarbeitet werden musste. Pragmatische Überlegungen und Kompromisse zwischen den Kantonen spielten eine grosse Rolle. Im ersten Abschnitt werden vor allem geregelt:
Im zweiten Abschnitt werden die bekannten und heute noch bestehenden Institutionen des Schweizer Bundesstaats mit ihren Kompetenzen aufgeführt:
Der dritte und letzte Abschnitt betrifft die Revision der Bundesverfassung, eine Möglichkeit, die man bei ihrem Vorgänger, dem Bundesvertrag von 1815, schmerzlich vermisst hatte. Die Bestimmung, dass 50’000 Stimmberechtigte eine Totalrevision verlangen konnten, war der erste Schritt hin zur direkten Demokratie, die in grösserem Ausmass erst 1874 (Referendum) und 1891 (Volksinitiative) ausgebaut wurde. Bei allen Mängeln entstand mit der Bundesverfassung ein System, das dynamisch auf die Herausforderungen der Moderne reagieren konnte. Rasch entwickelten sich nun die Bundesgesetzgebung und die bundesstaatlichen Einrichtungen.
„Kein anderer Stand wurde von ihr [der Bundesverfassung] tiefer getroffen als Graubünden“, meint Peter Metz im Handbuch der Bündner Geschichte. Wie kommt Metz zu dieser Einschätzung? Es war offensichtlich, dass die geltende Bündner Verfassung von 1820 nicht kompatibel mit der Bundesverfassung war, weil hier das Mehr der Gerichtsgemeinden und nicht der Bürger galt. Für eine Revision der Verfassung war sogar ein Zweidrittelsmehr der Gerichtsgemeinden notwendig, eine fast unüberwindbare Hürde. Als Anforderung an die „Gewährleistung“ einer kantonalen Verfassung forderte der Bund aber, dass die absolute Mehrheit der Stimmberechtigten eine Revision beschliessen können müsse.
In den 1820er und 1830er Jahren war in Graubünden ein enormer Reformstau entstanden. Trotz zahlreicher Versuche waren keine Revisionen gelungen, welche die Macht der als „kleine Kantone“ funktionierenden Gemeinden eingeschränkt hätten. Es war nach 1848 klar, dass etwas zu geschehen hatte. Weiterhin verliefen die Verhandlungen über die Bündner Verfassung aber äusserst zäh. Graubünden gelangte in der Folge anfangs 1853 mit einer nur geringfügig ergänzten Verfassung an die eidgenössische Bundesversammlung, was zur Peinlichkeit führte, dass sowohl Stände- wie Nationalrat die Gewährleistung verweigerten. Nun ging es schnell: ein neuer Verfassungsentwurf wurde 1853 erarbeitet und bereits am 30. November 1853 von den Gerichtsgemeinden angenommen. Diesmal glückte die Gewährleistung durch die eidgenössische Bundesversammlung, und damit war das Primat der Gemeinden überwunden. Die Souveränität beruhte nun „auf der Gesamtheit des Volkes“ (Art. 1) und die Verfassung konnte gemäss den Anforderungen der Zeit weiterentwickelt werden.