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Künstliche Befruchtungen, Enttäuschungen
«Wie unsere Ehe am grossen Babywunsch zerbrach»
Das Paar wollte unbedingt ein Kind, gab sein ganzes Vermögen für künstliche Befruchtungen aus. Doch es wollte und wollte nicht klappen. Der Druck und die andauernden Enttäuschungen führten schliesslich dazu, dass sich die beiden mehr und mehr entfremdeten.
Es gab Dinge im Leben von Tracey Cleantis (50), von denen sie überzeugt war, dass sie bei ihr eintreffen würden. Ein Leben ohne Baby war für sie jenseits ihrer Vorstellungskraft, und sie wünschte sich dereinst sieben Kinder. Tracey war als Einzelkind aufgewachsen, ihre Mutter war bei der Geburt 42, der Vater 50. Die Eltern nahmen sich wenig Zeit für das Mädchen. Nannys kümmerten sich um sie. Die meiste Zeit jedoch widmete die Kleine ihren Puppen. Stundenlang frisierte sie diese und zog ihnen schöne Kleider an.
Mit 25 begegnete Tracey Tom (heute 50). «Mein erster Gedanke war, dass er ein guter Vater sein würde», erinnert sich die Engländerin. Schon nach wenigen Wochen eröffnete sie ihm, dass sie unbedingt ein Kind wolle. «Zum Glück hatte er die gleiche Einstellung.» Das Paar beschloss, erst zu heiraten und dann zu sparen. 1992 traten die beiden vor den Traualtar, es war ein strahlendes Fest ganz in Weiss.
1997 hatten die beiden genug Geld beisammen, und Tracey versuchte, schwanger zu werden. In den ersten Monaten geschah nichts. Der Arzt beruhigte, es könne manchmal eben länger gehen. Tracey liess nichts aus: «Ich trank sogar jede Menge Hustensaft, weil ich gelesen hatte, dass dies hilfreich sein könne.»
Als sich bis 2002 nichts tat, entschlossen sich die beiden, es mit künstlicher Befruchtung zu probieren. Ohne Erfolg. Tracey ging ins Yoga, um sich zu entspannen und unternahm alles Menschenmögliche für eine Schwangerschaft. An ihrem 37. Geburtstag erlitt sie einen Nervenzusammenbruch. «Ich wurde immer älter, und es wollte und wollte nicht klappen.» Um Geld zu sparen, strich das Paar die Ferien und ging nicht mehr auswärts essen. In den folgenden Jahren gaben Tracey und Tom über 100’000 Franken für künstliche Befruchtungen aus. Ihre Gespräche drehten sich nur noch um ein Kind. Tracey wollte der Statistik nicht glauben, dass bei 70 Prozent der Frauen, die sich künstlich befruchten lassen, die Behandlung erfolglos bleibt.
Im Dezember 2008 liess sie zum achten Mal den Eingriff durchführen. Doch als kurze Zeit später die Periode trotzdem kam, war es, als ob in Tracey ein Schalter umgelegt würde. «Ich rief im Spital an und sagte der Krankenschwester, dass ich keinen weiteren Versuch mehr unternehmen würde.» Die Schwester sagte: «Das ist okay.» Mit diesen drei Worten war die Sache erledigt. Tracey war 42 und gestand sich ein, dass sie nie Mutter werden würde.
Als ihr Ehemann an diesem Abend heimkam, nahm er sie in die Arme, weil sie bitterlich weinte. Dennoch hoffte er in den folgenden Monaten, dass seine Frau durch ein Wunder doch noch ein Baby erwarten würde. «Dieser Druck und all die Jahre der erfolglosen Versuche und Enttäuschungen führten dazu, dass wir uns als Paar voneinander entfernten», erzählt sie. Im März 2010 entschlossen sie, sich zu trennen. Nun stand Tracey da: vor den Scherben ihrer Ehe, ohne Geld und ohne Hoffnung. Sie ging zu einer Psychologin. Diese fragte sie, warum sie sich so sehr ein Kind wünsche. «Dank ihr sah ich ein, dass ich nur die liebevolle Mutter sein wollte, die ich selbst nie hatte. Wir hatten nie Velotouren unternommen, waren nie auf den Campingplatz gefahren», erzählt Tracey. Langsam wurde ihr bewusst, dass sie an einem Wunschtraum hing, der sich nie erfüllen würde. «Ich zerstörte mich selber. Den Babywunsch aufzugeben, war etwas Positives.»
Vom Druck befreit, lernte Tracey im Sommer 2012 übers Internet Keith (48) kennen. Er hat Kinder und konnte ihren Kummer verstehen. Tracey begann, ein Buch über ihre Erfahrungen zu schreiben, das sehr erfolgreich wurde. Sie erhielt viele Briefe von Leidensgenossinen. «Ich brauche kein Baby mehr, um glücklich zu sein. Ich habe mir andere Ziele gesetzt. Ich habe einen wundervollen Partner und bin jetzt Schriftstellerin», erzählt sie gelöst. Und was sagt ihr Ex Tom? «Das Leben geht oft andere Wege als die, die wir uns erhofft haben. Ich bin sehr stolz auf Tracey und wie mutig sie ihren Lebensweg geht.»