Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03271.jsonl.gz/858

Im Jahr 2010 haben zwanzig der hundert grössten in der Schweiz kotierten Aktiengesellschaften an ihrer Generalversammlung den Vergütungsbericht freiwillig zur Konsultativabstimmung vorgelegt. Einige Unternehmen reagierten damit auf die Say-on-Pay-Anträge von Ethos und acht grossen Schweizer Pensionskassen, andere führten die Konsultativabstimmung spontan ein. Funktioniert die Selbstregulierung allmählich?
Mit einem Fünftel lässt eine relativ geringe Zahl kotierter Unternehmen konsultativ über ihre Vergütungsberichte oder ihre Vergütungssysteme abstimmen. Noch setzt sich also der den Unternehmen so liebe Grundsatz der Selbstregulierung nur mit Mühe durch. Und: Dies ist Wasser auf die Mühlen derjenigen, die vom Gesetzgeber mehr und stärkere Aktionärsrechte fordern. Die Selbstregulierung klar befürwortend findet aber auch Ethos, dass es mit den Aktionärsrechten hierzulande schleppend vorangeht. In den meisten Ländern sind die Aktionärsrechte im Gesellschaftsrecht verankert und in den Regeln für die Börsenkotierung oder in den Verhaltenskodexen zur Best Practice festgelegt, deren Anwendung von der Börsenaufsicht kontrolliert wird.
Doppelvorschlag Economiesuisse
Das aktuelle Schweizer Gesellschaftsrecht enthält keinerlei Vorschrift über die Genehmigung der Vergütungen. Um der Volksinitiative „gegen die Abzockerei“ entgegenzuwirken, hat Economiesuisse im Jahr 2007 den Swiss Code of Best Practice for Corporate Governance mit einem Anhang über Entschädigungen ergänzt. Darin werden den Unternehmen zwei Varianten vorgeschlagen:
Die erste empfiehlt, dem Aktionariat an der Generalversammlung die Möglichkeit zur Diskussion des Vergütungsberichts zu geben, allerdings ohne darüber abzustimmen. Unzufriedene Aktionäre müssten den Jahresbericht ablehnen oder dem Verwaltungsrat die Decharge verweigern. Keine befriedigende Lösung, denn eine Debatte an der Generalversammlung ohne unmittelbare Abstimmung kann kaum eine Änderung der Vergütungspolitik bewirken. Nur ein beziffertes Abstimmungsresultat gibt dem Verwaltungsrat ein klares Signal und kann ihn gegebenenfalls veranlassen, das Vergütungssystem zu überarbeiten.
Die zweite Variante sieht vor, den Vergütungsbericht oder das Vergütungssystem alljährlich der Generalversammlung zur Konsultativabstimmung vorzulegen: ein von Ethos immer wieder empfohlenes Vorgehen. Allerdings hat sich bisher nur ein Fünftel der grössten kotierten Schweizer Unternehmen dafür entschieden.
Rundbrief Ethos
Um bei den restlichen achtzig Grossunternehmen einen Meinungsumschwung zu initiieren, hat Ethos in einem Schreiben die jeweiligen Verwaltungsratspräsidenten um die Einführung der Konsultativabstimmung an der ordentlichen Generalversammlung 2011 gebeten. Ende Januar 2011 wird Ethos sämtliche eingegangenen Antworten veröffentlichen. Ein Test in Lebensgrösse, inwieweit die Selbstregulierung in Sachen Managervergütungen funktioniert.