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Arzneimittel. Auf den ersten Blick ein Thema, das nicht direkt mit Tieren zusammenhängt. Oder etwa doch?
Ob Medikamente mit Tierversuchen vegan sind, die häufigsten tierischen Inhaltsstoffe, die in Medikamenten zu finden sind und was es mit Supplements auf sich hat, werden in unserer Serie in drei verschiedenen Blogbeiträgen in den nächsten Wochen genauer angeschaut. Im ersten Teil geht es um Tierversuche, die Gesetzgebung in der Schweiz und warum «Alternativmethoden» mit Anführungszeichen geschrieben werden sollten.
Tierversuche in der Schweiz
Im Jahr 2021 wurden in der Schweiz 575’000 Tiere für Versuche benutzt. Dies sind 3 % mehr als im Vorjahr. Zu sogenannten «Versuchstieren» zählen unter anderem Mäuse, Primaten und Vögel.
Eine Statistik von Akademie der Naturwissenschaften aus dem Jahr 2019 zeigt auf, welche Tierarten für Tierversuche eingesetzt wurden.
Tierversuche werden für unterschiedliche Medikamente und medizinische Therapien für Mensch und Tier durchgeführt: Zum Beispiel Antibiotika, Heparin* und Impfstoffe, aber auch der Fortschritt von Organtransplantationen sind auf Tierversuche zurückzuführen.
Gesetze und Reglemente für Tierversuche
In der Schweiz ist das Bundesamt für Lebensmittel und Veterinärwesen für die Gesetzgebung von Tierversuchen zuständig. Es teilt Tierversuche in vier Schweregrade ein:
- Eingriffe und Handlungen mit Schweregrad 0 (keine Belastung):
Führen dem Tier keine Schmerzen, Leiden oder Schäden zu.
- Eingriffe und Handlungen mit Schweregrad 1 (leichte Belastung):Führen dem Tier kurzfristige leichte Schmerzen oder Schäden oder eine leichte Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens zu.
- Eingriffe und Handlungen mit Schweregrad 2 (mittlere Belastung):Führen dem Tier kurzfristige mittelgradige oder mittel- bis langfristig leichte Schmerzen, Leiden oder Schäden, eine kurzfristige mittelgradige Angst oder eine kurz- bis mittelfristige schwere Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens zu.
- Eingriffe und Handlungen mit Schweregrad 3 (schwere Belastung): Führen dem Tier mittel- bis langfristige mittelgradige Schmerzen oder schwere Schmerzen, Leiden oder Schäden, langfristige schwere Angst oder eine schwere Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens zu.
Gemäss dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, kurz BLV,können die Begrenzungen der Schweregrade auch ein Abbruchkriterium für einen Tierversuch sein. Durch eine Güterabwägung (Abwägung von Nutzen und Belastung) wird entschieden, ob die Belastung eines Tieres gerechtfertigt werden kann oder nicht.
Hier stellt sich aber die Frage: Liegt es wirklich in der Kompetenz des Menschen, zu entscheiden, welche Schmerzen, Leiden und Angstzustände die Versuchstiere über sich ergehen lassen müssen?
Auch wenn in der Schweiz die Gesetze für Tierversuche oftmals strenger sind als in anderen Ländern: An Tieren getesteten Medikamente dürfen aus Drittländern importiert werden.Somit leiden die Tiere an einem anderen Ort auf der Welt dennoch. Sind also die «strengen» Gesetze in der Schweiz nicht etwas heuchlerisch?
Gibt es «Alternativmethoden»?
Der deutsche Verein Ärzte gegen Tierversuche meint zu dem Wort «Alternativmethoden»: «Wir sprechen nicht von „Alternativmethoden“, da dieser Begriff impliziert, der Tierversuch sei eine im Prinzip sinnvolle Methode, die lediglich ersetzt zu werden braucht.»
Zum Glück gibt es länger, je mehr und vor allem bessere Methoden, um Tierversuche zu ersetzen. Dazu wurde das 3R-Prinzip entwickelt.
Das 3R-Prinzip
Das Prinzip beinhaltet folgende Massnahmen:
- Replacement: partieller oder vollständiger Austausch von Tierversuchen durch alternative Methoden.
- Reduction: Reduktion der Anzahl der verwendeten Tiere.
- Refinement: Verbesserung der Lebensbedingungen und Reduzierung von Tierleid.
Das Ziel des 3R-Prinzip ist es, die Tierversuche zu verringern und langfristig nur mit «Alternativmethoden» zu arbeiten.
Oftmals sind diese «Alternativmethoden» auf lange Sicht hin billiger, schneller und aussagekräftiger. Die genaue Verwendung dieser Methoden findest du im Beitrag «Was sind die Alternativen zu Tierversuchen?» vom Verein Ärzte gegen Tierversuche.
Falls du weitere Informationen zu Tierversuchen haben möchtest, findest du hier einen Faktencheck. Über Laborhaltungen von Mäusen findest du erschreckende Zahlen im Artikel vom Schweizer Portal für Natur- und Umweltschutz «Tierversuche: Alternativmethoden gefordert».
Fazit
Das Thema Tierversuche ist riesig und kann nicht in einem Beitrag zusammengefasst werden. Die Pro-und Kontraseiten haben harte Fronten und sind oftmals fest verankert in ihren MeinungenSo ist es auch in der heutigen Zeit für viele Veganer*innen nach wie vor schwierig, das mit dem medizinischen Bereich verbundene Tierleid gänzlich zu umgehen. Selbstverständlich empfehlen wir aber, jede notwendige Therapie durchzuführen. Schliesslich kannst du dich viel effizienter für die Tiere einsetzen, wenn du gesund bist und dich gut fühlst.
Was ist deine Meinung zu Tierversuchen? Wie würdest du damit umgehen?
*Heparin ist ein Medikament, welches die Blutgerinnung hemmt. Umgangssprachlich wird Heparin auch Blutverdünner genannt.