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An der 3. Antidoping-Weltkonferenz in Madrid ist am Samstag ein neuer Kodex verabschiedet worden. Eine der wichtigsten Änderungen sind die flexibleren Sanktionsregelungen.
Gemäss dem Schweizer Doping-Experten Mathias Kamber war eine Anpassung des Kodex notwendig gewesen.
"Niemand denkt, dass der heute verabschiedete Kodex das letzte Wort oder die perfekte Art und Weise ist, mit dem Doping-Missbrauch umzugehen", sagte Dick Pound, der scheidende Präsident der Weltorganisation für den Kampf gegen Doping (WADA).
"Es ist aber eine Verbesserung im Vergleich zu dem, was wir bisher hatten."
Die am Samstag nach dreitägigen Beratungen in Madrid beschlossenen Massnahmen treten am 1. Januar 2009 in Kraft.
Die Regierungen werden aufgerufen, bis zu diesem Zeitpunkt die Unesco-Konvention gegen Doping zu unterzeichnen und damit den Kodex als universell verbindlich anzuerkennen.
Der bisherige WADA-Kodex war 2004 in Kraft getreten und sollte die Regeln für Doping-Kontrollen über alle Sportarten und Ländergrenzen hinweg harmonisieren.
Flexiblere Sanktionsmassnahmen
Mit dem neuen Kodex hat die WADA namentlich flexiblere Regelungen eingeführt.
Er sieht höhere Strafen für schwere Verstösse und mildernde Umstände für Athleten vor, die den Behörden bei den Ermittlungen in Doping-Fällen helfen.
Neu besteht die Möglichkeit, bereits bei einem ersten Doping-Verstoss eine vierjährige Sperre gegen den Sportler zu verhängen. Voraussetzung seien "erschwerende Umstände", etwa die Verwicklung in ein Doping-Netzwerk oder die Einnahme mehrerer leistungssteigernder Substanzen.
Bisher waren zwei Jahre die Höchststrafe. Als Doping-Vergehen gelten künftig auch das Versäumen von drei Tests oder fehlende Informationen über den Aufenthaltsort innerhalb von 18 Monaten.
Mildernde Umstände
Als mildernde Umstände werden künftig Kooperation von Doping-Verdächtigen mit den Ermittlern gewertet. Geringere Strafen bekommt auch, wer nachweisen kann, eine verbotene Substanz versehentlich eingenommen zu haben.
Das Ergebnis von B-Proben soll schneller ermittelt werden; bei einer positiven A-Probe sollen Athleten bereits vorläufig suspendiert werden.
Cannabis als Doping
Mathias Kamber, Sachverständiger für Dopingfragen beim Bundesamt für Sport (Baspo), ist mit dem neuen Kodex zufrieden. Für ihn waren die bisherigen Sanktions-Regelungen zu wenig flexibel.
Für Sportler, die eine verbotene Substanz versehentlich eingenommen haben, seien die bisherigen Sanktionsmassnahmen zu streng gewesen. Für vorsätzliche Dopingsünder hingegen gingen die Massnahmen oft zu wenig weit.
In der Schweiz ist das Doping-Problem nicht grösser als in anderen westeuropäischen Ländern. Jüngst machte Martina Hingis, ehemalige Nummer 1 des Frauen-Tennis, Schlagzeilen: Sie wurde im Wimbledon-Turnier positiv auf Kokain getestet. In über 50% der Fälle, in denen sich Sportler mit Drogen dopen, ist jedoch Cannabis im Spiel.
Ein vernetztes System
Die WADA will künftig auch verstärkt mit staatlichen Ermittlungsbehörden zusammenarbeiten.
"Im Kampf gegen Doping braucht es ein vernetztes System", sagt Kamber. Es brauche nicht nur Kontrollen, sondern auch Information, Bildung und Forschung. Sport sei ein globales Phänomen, da sei internationales Networking wichtig.
Im Forschungsbereich würden etwa die Entwicklung von Protein-Tabellen die Kontrolle von Stoffwechsel-Veränderungen durch Doping ermöglichen. Die International Cycling Union (UCI) hat als Antidoping-Instrument bereits die Einführung eines Blut-Passes für Radfahrer vorgeschlagen.
Geld und Unabhängigkeit
All diese Massnahmen kosten jedoch Geld. Da die WADA nicht genügend Mittel hat, überlegt sie ernsthaft, ob sie in Zukunft nicht mit Sponsoren zusammen arbeiten will.
Kamber hält dies jedoch für keine gute Idee, vor allem auch weil sich Athleten häufig dopen, um mehr Sponsorengelder zu erhalten. Trotzdem glaubt er, dass im Kampf gegen Dopingsünder Möglichkeiten zur Zusammenarbeit bestehen.
"Es wird viel mehr Geld in den Sport als in den Kampf gegen Doping investiert", so Kamber. So könnten Sponsoren etwa im Forschungsbereich die Doping-Bekämpfung unterstützen - unter der Voraussetzung, dass die WADA unabhängig bleibt.
swissinfo, Scott Capper und Agenturen
(Übertragung aus dem Englischen: Corinne Buchser)
Welt-Antidoping-Agentur (WADA)
An der 3. Antidoping-Weltkonferenz wurde am Samstag nicht nur die Neufassung des WADA-Codes verabschiedet, sondern auch ein neuer Präsident gewählt.
Neuer Präsident der WADA ist der frühere australische Finanzminister John Fahey. Trotz der Versuche europäischer Regierungsvertreter die Wahl Faheys zu verhindern, wurde er schliesslich zum Nachfolger des Kanadiers Dick Pound gewählt.
Wie die kanadischen Behörden meldeten, bleibt das Zentralbüro der WADA bis mindestens 2021 in Montreal.
Als zukünftiger Sitz des Zentralbüros wurde auch Lausanne gehandelt.
Lausanne ist der Hauptsitz der WADA, weil die Agentur nach Schweizer Recht geführt wird.
"Doping bedroht Gesellschaft "
Die Olympischen Spiele in Beijing 2008 würden zum Testfall für die Zukunft des Sportes, sagte Adolf Ogi, alt Bundesrat und UNO-Sonderberater für Sport im Dienste von Entwicklung und Frieden in seiner Abschlussrede bei der 3. Antidoping-Weltkonferenz in Madrid.
Die Probleme von Korruption, Gewalt und Doping im Sport müssten gelöst werden, erklärte er. Das Doping bedrohe die Gesellschaft im Kern.
Die Ministerien für Gesundheit, Bildung, Wissenschaft und Justiz müssten mit dem Sport zusammenarbeiten, so Ogi weiter. Es gehe dabei um die Abwehr krimineller Gruppierungen, um eine Erziehung zur Leistung ohne Aufputschmittel und um die Gesundheit der Jugend.
Weiter forderte UNO-Sonderberater Adolf Ogi, dass die Doping-Kontrollen unabhängig, transparent und überprüfbar sein müssen.