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Subjektivität und kulturelle Ordnung Der Verbund untersucht gesellschaftliche Phänomene, die als Verhaltensmuster, Werthaltungen oder institutionalisierte Phänomene die Lebenswelt des Menschen bestimmen. Subjektivität stellt eine höchst relevante Kategorie in der gesellschaftlichen und kulturellen Wirklichkeit dar. Subjektivität generiert einerseits gesellschaftliche Institutionen von der Familie bis zum Staat, bietet aber andererseits auch Widerstand gegen eine allzu mechanisierte und berechenbare Organisation des Lebens. Mit dem Beginn der Neuzeit und dem Werden modernen Individualität treten Subjektivität und kulturelle Ordnung in ein spannungsvolles Verhältnis: Wie definiert eine Epoche den Rahmen dessen, was der/die Einzelne sein kann (wie herrscht sie über diese?), und wie entwerfen und entwickeln sich die Individuen innerhalb dieser mal universell, mal historisch argumentierenden Vorgaben? (welche Identität nehmen sie an?). Die Handlungsmöglichkeiten des modernen Subjekts auf den Feldern des Marktes, der Gesellschaft und des Staates sind insofern von Anbeginn an als Problem- und Verhandlungssituationen zu bestimmen, die sich kulturhistorisch wechselnd und häufig antagonistisch ausformen (wie z.B. in den Konzeptionen von Marx oder Freud). Gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurden etwa Kategorien wie Design, Stil und Geschmackspräferenzen zentral für die Konstitution des Subjekts ("Ästhetisierung der Existenz"). In den letzten sind zudem vermehrt politische Fragen nach der Ökonomisierung des Subjekts ("unternehmerisches Selbst", "Der flexible Mensch") sowie dem Verhältnis von Subjektivität, Kontrolle und (Selbst-)Regierung ("Gouvernementalität") diskutiert worden. Eine besondere Rolle spielen dabei die neuen Regime digital ausgeweiteter Visualität (von Videoüberwachung bis YouTube). Auch Rückkoppelungseffekte sind in Rechnung zu stellen: Wie wirkt die wahrgenommene Wirklichkeit auf das Selbstbild des Subjekts zurück? Welches epistemologische Verhältnis herrscht zwischen den Analysekategorien des Subjekts und seinen biographischen Verhaltensmustern? Und schliesslich: Welche Wechselwirkungen ergeben sich zwischen dem modernen Ich und der kulturellen Ordnung seiner Epoche und welches sind die entscheidenden Faktoren für eine Veränderung von kulturellen Sinndispositiven? Eine immer wichtigere Rolle kommt bei der Konstituierung von Subjektivität den Medien zu. Gerade die neusten Entwicklungen der sogenannten «social software» wie Facebook zeigen, wie das Ich bei der Selbstpräsentation als Designer über seine eigene Identität verfügt. Die bürgerliche Unterscheidung zwischen öffentlichem und privatem Raum wird hinfällig – das Ich muss in der paradoxen Doppelrolle der maximalen Vernetzung und der zunehmenden Vereinzelung leben. Der Forschungsverbund demonstriert die kulturelle Dynamik solcher Subjektivitätskonzeptionen im institutionellen Spannungsfeld zwischen Markt, Gesellschaft und Staat.