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Manchmal ist die Welt gerecht: Allen Toussaint war ein aussergewöhnlicher Musiker – und er verdiente aussergewöhnlich gut. So viele Hits lässt er in den 1960er- und 1970er-Jahren vom Stapel – als Produzent, Komponist, Arrangeur oder Pianist, dass man mit Zählen fast nicht nachkommt.
«Lady Marmalade» mit Patti LaBelle, «Working in the Coalmine» mit Lee Dorsey, «Fortune Teller» mit den Rolling Stones oder The Who, der Country-Hit «Southern Nights». Und, und, und. Alles Song-Perlen, die Allen Toussaint zu einem reichen Mann machten.
Ein reiches Leben
Der Erfolg ist Allen Toussaint zwar nie in den Kopf gestiegen. Er blieb Zeit seines Lebens sanft und bescheiden. Versteckt hat er sein Geld aber auch nicht.
Er war stets makellos gekleidet, wohnte in einer Villa, hatte ein eigenes Studio, und er besass zwei Rolls Royce: einen sandfarben metallisierten mit dem Nummernschild «Piano». Und einen blau metallisierten mit dem Nummernschild «Songs». Das Leben meinte es gut mit Allen Toussaint.
Hurrikan Katrina rüttelt sein Leben auf
Und dann kam Katrina, Ende August 2005. Allen Toussaint verlor zwar nicht sein Leben – fast alles andere aber schon. Plötzlich konnte er sich nicht mehr auf seinen wohlverdienten Lorbeeren ausruhen, sondern musste als 67-Jähriger aus seinem geliebten New Orleans wegziehen.
Über Umwege landet er in New York. Kauft sich zuerst mal einen anständigen Anzug. Und fängt dann mit seiner Qualitätsarbeit einfach wieder von vorne an. Auf dem Benefiz-Album «Our New Orleans» von Ende 2005 steht er mit seinem Song «Yes we can can» an erster Stelle. Und liefert weiter hinten auf dem Album eine umwerfende eigene Version eines der wichtigsten Stücke aus New Orleans, «Tipitina».
Allen Toussaints Version heisst «Tipitina and me» und ist nichts weiteres als die Version von «Tipitina» nicht in einem fröhlichen Dur, sondern in Moll gespielt. Einfach, aber genial, wie die meisten von Toussaints Ideen. Und ein Stück Musikgeschichte aus New Orleans, das den Anfang von Allen Toussaint bemerkenswerter Alterskarriere markiert.
Toussaint-Fakten to go
|«Lady Marmalade»: Der 1974-Smash-Hit von Patti LaBelle|
stammt nicht aus der Feder von Toussaint. Ist aber unverkennbar von ihm
produziert. Und die Zeile «Voulez-Vous couchez avec moi» bleibt unvergessen.
|«Fortune Teller», geschrieben von Allen Toussaint anfangs|
der 60er Jahre, ist von unzähligen Musikerinnen und Musikern gecovert worden. Am
bekanntesten sind die Rolling Stones oder The Who, die Version von Led
Zeppelins Robert Kraus stammt von 2007.
|«American Songs» ist das letzte Album von Allen Toussaint.|
Es erscheint posthum 2016. Und versammelt Musik aus dem grossen amerikanischen
Musikrepertoire, von Duke Ellington und Fats Waller bis – Allen Toussaint.
Zusammenarbeit mit Costello
Nur ein Jahr später kommt die kongeniale Zusammenarbeit von Allen Toussaint mit dem kantigen Sänger Elvis Costello. Sie wird zurecht für einen Grammy nominiert. Auf «Bright Mississippi» ein paar Jahre später spielt Allen Toussaint dann mit Jazz-Stars, die seine Söhne sein könnten, wie Brad Mehldau oder Joshua Redman.
Nach dieser Studio-Aufnahme ist Allen Toussaint dann so beschäftigt mit Konzert-Tourneen rund um den Globus, dass er es erst vier Jahre später wieder in ein Studio schafft, für «American Tunes».
Brillant bis ins Alter
Die fertige CD sieht er nicht mehr. Er stirbt überraschend auf Tour in Spanien. Das posthum herausgegebene Album aber beschliesst ein brillantes Alterswerk, das von einer Katastrophe ausgelöst wurde.
Und die legendäre Karriere eines genialen Musikers aus New Orleans, der mit seinen unzähligen Songs Amerika und die Welt reich beschenkt hat.