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| Hieronymus († 420) - Leben und Gefangenschaft des Mönches Malchus (Vita Malchi)

10.
Doch der Schrecken legte sich, und nachdem dieser Tag überstanden war, gingen wir gegen Abend heraus. Die Kamele, welche wegen ihrer Schnelligkeit Dromedare1 genannt werden, fanden wir mit dem Wiederkäuen ihrer Nahrung beschäftigt. Wir bestiegen sie, und durch den neuen Reiseproviant gestärkt gelangten wir endlich am zehnten Tage zu einer der römischen Lagerstätten, die damals auf die Wüste verteilt waren. Wir wurden dem Tribunen vorgeführt, dem wir regelrecht Bericht erstatteten; dann wurden wir dem Sabinus, dem Heerführer in Mesopotamien, übergeben, welcher uns auch den Preis für die Kamele auszahlte. Und weil mein früherer Abt bereits im Herrn entschlafen war, kehrte ich in der hiesigen Gegend zum Mönchsstand zurück. Meine Begleiterin übergab ich den Gott geweihten Jungfrauen, wie eine Schwester sie liebend, ohne jedoch mit ihr in dem Maße vertraut zu werden, wie man es einer Schwester gegenüber zu tun pflegt." Dies sind die Ereignisse, welche der greise Malchus mir, dem Jünglinge, erzählt hat. Ich habe sie euch als Greis wiederberichtet, den Keuschen habe ich eine Erzählung über die Keuschheit geboten. Die Jungfräulichen fordere ich auf, die Keuschheit zu bewahren. Ihr aber verkündet die Geschichte weiter den Nachkommen, damit sie wissen, die Keuschheit ist niemals eine Gefangene, auch nicht mitten unter Schwertern, mitten in der Wüste, mitten zwischen wilden Tieren. Der Mensch, der Christus ergeben ist, kann sterben, er kann aber niemals überwunden werden.
1: Hieronymus bringt das Wort in Beziehung zu dem griechischen Stamme δραμ, der z. B. in δρόμος [Lauf] enthalten ist.