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Im letzten Abschnitt von Mammoth bis zum Sonora Pass hatten wir mit anderen Schwierigkeiten als in den beiden vorherigen in der Sierra Nevada zu kämpfen. Da wir nun in tieferen Lagen unterwegs waren merkten wir schnell, dass die Bäche nun mehr Wasser führten und das wurde in den letzten Tagen dieses Abschnittes dann zu unserem grossen Problem!
Nach einem gemütlichen Morgen in Mammoth gingen wir am Freitag vor einer Woche gegen Mittag wieder zurück auf den Trail. Da Eric nicht bei uns im AirBnB, sondern bei Freunden seiner Eltern übernachtete, holten sie uns ab und fuhren uns wieder zurück bis zu dem Punkt wo die Strasse gesperrt war. Von dort aus liefen wir über die inzwischen teilweise schneefreie Strasse wieder 9 Kilometer zurück zu dem Punkt wo wir den Trail Zwei Tage zuvor verlassen hatten. Anschliessend liefen wir noch 10 Kilometer weiter und stellten unsere Zelte bei Meile 910 (Km 1464) auf.
Am nächsten Tag liefen wir um 5 Uhr morgens los. Der Trail führte mehrheitlich den ganzen Tag über Schnee langsam in die Höhe und die Landschaft war nicht besonders speziell. Am späteren Nachmittag stellten wir unsere Zelte dann am Fuss des fünf Kilometer entfernten Donohue Pass bei Meile 926 (Km 1490) auf. Den Rest des Nachmittages genossen wir in der Sonne, bevor es am Sonntagmorgen erneut um 5 Uhr los ging. Gegen 6:30 Uhr waren wir bereits 400 Hm höher auf dem 3375 MüM hohen Donohue Pass. Der Aufstieg war nicht besonders schwierig, aber die Aussicht vom Pass war sehr schön. Der Donohue Pass war dann auch der letzte grössere Pass, den man auf dem PCT Richtung Norden durch die Sierras überquert. Nach vier Kilometern Abstieg auf 2750 MüM führte der Trail danach für 14 Kilometer durch ein fast schneefreies Tal bis nach Tuolumne Meadows. Dort querten wir eine Passtrasse Richtung Yosemite Valley, die für den Autoverkehr allerdings noch gesperrt war. Nur Velofahrer war es erlaubt die Strasse zu befahren und so waren ein paar Velofahrer die einzigen anderen Menschen, die wir in den letzten acht Tagen zu Gesicht bekamen. Da Eric in den letzten Tagen Mühe hatte mit uns mitzuhalten, entschied er sich für die Nacht in Tuolumne Meadows zu bleiben und ab dem nächsten Tag in seinem eigenen Tempo weiterzulaufen. Wir verbleibenden sechs der Gruppe entschieden uns noch ein paar Kilometer weiter zu laufen und da das Wetter gut aussah, campte ich in dieser Nacht bei Meile 945 (Km 1521) das erste Mal in den Sierras unter freiem Himmel.
In dieser Nacht schlief ich sehr gut und als ich einmal aufwachte konnte ich am Himmel so viele Sterne wie noch selten sehen. Da wir von Bergen umgeben waren und die nächsten grösseren Städte mehrere Hundert Kilometer entfernt sind, war die Lichtverschmutzung sehr klein. An diesem Morgen hatten wir dann das erste Mal richtig mit den immer grösser werdenden Wassermassen zu kämpfen. Bereits nach 3 Kilometer, beim Abstieg zum Glen Aulen Camp, mussten wir den Tuolumne River über eine Brücke überqueren. Der Fluss führte allerdings so viel Wasser, dass beide Brückenköpfe im Wasser standen und wir zuvor und danach mehrere Meter knietief durch das Wasser laufen mussten bis wir wieder im trockenen waren. Weiter unten, als wir den Fluss erneut überqueren mussten, bot sich das gleiche Bild. An diesem Tag mussten wir dann noch an vier weiteren Orten einen Fluss überqueren. Es wurde von mal zu mal schwieriger und es dauerte jeweils bis zu einer Stunde, ehe wir einen geeigneten Ort für die Überquerungen fanden. Als ich bei der dritten Überquerung am Spiller Creek als erster ins Wasser ging, bin ich etwa in der Hälfte des Flusses auf eine glitschige grosse Steinplatte gestanden und mein linker Fuss wurde ins tiefere Wasser gezogen. Da ich bereits hüfttief im Wasser stand bin ich ausgerutscht und komplett ins Wasser gefallen. Ich konnte mich jedoch ein paar Meter weiter unten auf der anderen Seite aus dem Fluss ziehen und mir ist glücklicherweise nichts passiert. Die anderen mussten dann einen anderen Ort finden um den Fluss zu überqueren. Nach 27 Kilometer und der Überquerung des Matterhorn Creeks, haben wir unsere Zelte dann bei Meile 962 (Km 1548) aufgestellt.
Am nächsten Tag sind wir über zwei kleinere Pässe gelaufen. Zuerst über den Benson Pass (3081 MüM) und danach über den Seavey Pass (2782 MüM). Zwischen den beiden Pässen mussten wir den Piute Creek in 5 Abschnitten oberhalb des Trails überqueren, weil es einfach zu viel Wasser hatte. Am späteren Nachmittag, kurz bevor unserem geplanten Camp, mussten wir noch den Kerrick Creek überqueren, was ebenfalls eine Herausforderung war. Gleich nach der Überquerung bei Meile 980 (Km 1577) fanden wir einen grossen schneefreien Platz und wir entschieden uns dort zu bleiben. Da das Wetter am Abend wieder sehr gut war, habe ich erneut ohne Zelt übernachtet. Gegen 8 Uhr habe ich plötzlich bemerkt wie drei Rehe um unser Camp liefen. Es schien sie nicht zu stören das wir dort waren und sie kamen bis zu fünf Meter an meinen Schlafplatz, ehe sie 10 Minuten später wieder verschwanden.
Der Tag darauf war dann der anstrengenste in diesem Abschnitt. Wir sind in 13 Stunden nur 19 Kilometer weit gekommen. Nachdem wir den ersten Hügel in etwas mehr als einer Stunde überquert hatten, brauchten wir danach über drei Stunden um auf die andere Seite des Flusses im Stubblefield Canyon zu kommen. Am Punkt wo der Trail den Fluss eigentlich durchquert, war es unmöglich auf die andere Seite zu kommen. Der Fluss war mehr als zwei Meter tief und das Wasser war eiskalt. Also überquerten den ersten Arm des Fluss ca. 500 Meter flussaufwärts, wo er bereits durch ein Hügel in zwei Teile geteilt war. In drei Abschnitten, das Wasser jeweils hüfttief, überquerten wir den Fluss. Danach mussten wir uns allerdings eine halbe Stunde an der Sonne aufwärmen, da durch das eiskalte Wasser keiner von uns die Füsse mehr richtig spüren konnte. Um den zweiten Arm des Flusses zu überqueren, mussten wir 1.5 Kilometer flussaufwärts laufen bis wir einen Baumstamm fanden der über den Fluss gefallen war. Nach einem weiteren Auf- und Abstieg in das nächste Tal mussten wir 7 Kilometer auf der anderen Seite des Falls Creek laufen, da es wiederum nicht möglich war, den Fluss an der vorgesehenen Stelle zu überqueren. Dann waren wir genug hoch um den Fluss auf einer Schneebrücke zu überqueren. Daher waren wir am Abend erst bei Meile 992 (Km 1596)
Vorgestern war das vorwärtskommen dann wieder einfacher. Wir waren wieder auf einer Höhe von 2600 bis 3200 MüM unterwegs und so waren wir genug hoch, um den reissenden Flüssen zu entkommen. Nach dem letzten Aufstieg des Tages über einen riesigen schneebedeckten Hang, waren wir auf einem Bergrücken unterwegs, der fast komplett schneefrei war. Wir entschieden uns bei Meile 1010 (Km 1626) zu übernachten, da wir dort ziemlich gut durch Büsche vor dem starken Wind geschützt waren.
Gestern Morgen mussten wir noch 11 Kilometer bis zu unserem Ziel an der Strasse über den Sonora Pass laufen. Auf dem Weg nach unten konnten wir einen der schönsten Sonnenaufgänge der letzten Wochen bestaunen und ich war bereits um 7 Uhr an der Passstrasse. Nach 15 Minuten und dem zweiten Auto hielt eine Frau an und nahm mich bis nach Bridgeport mit. Da wir uns an diesem Morgen entschieden hatten alle in unserem eigenen Tempo zu laufen und nicht aufeinander zu warten, um nicht alle gleichzeitig an der Passstrasse zu sein, war ich als erster in Bridgeport und wir verabredeten uns im dortigen Cafe um die nächsten Schritte zu planen. Wir entschieden uns nur eine Nacht hier zu bleiben, heute wieder auf den Trail zurückzukehren und dann in ein paar Tagen in South Lake Tahoe eine grössere Pause einzulegen.
Vorgestern, am Tag 74, haben wir 1000 Meilen auf dem Pacific Crest Trail erreicht. Diese Marke erreicht zu haben ist ein gutes Gefühl. Wir sind im Jahr mit der grössten Schneehöhe seit Messbeginn in etwas weniger als 4 Wochen von Kennedy Meadows durch die Sierra Nevada bis zum Sonora Pass gelaufen. Wir sind alle froh es unter diesen Umständen bis hierher geschafft zu haben. Der grösste Teil der Hiker hat sich in diesem Jahr nämlich dazu entschieden die Sierra Nevada zu überspringen und erst später in der Saison zurückzukommen um diesen Teil des PCT zu laufen. Weiter konnte ich hier in Bridgeport endlich meinen Bärenkanister und das meiste meiner Schneeausrüstung, wie die Eisaxt, lange Wanderhosen, dicke Socken und Handschuhe nach Hause schicken. Es ist ein gutes Gefühl diese Sachen nicht länger mittragen zu müssen und mein Rucksack ist nun wieder drei Kilogramm leichter. Einzig meine Microspikes werde ich noch behalten, da wir in den nächsten paar Wochen immer noch über Schnee laufen müssen.