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Die höchste Ehre der Architektur
In übergeordneter Funktion
Die Balance zwischen Stärke und Zartheit und die Ehrfurcht vor dem ortsspezifischen Kontext, den akademischen, bürgerlichen und kulturellen Institutionen sowie den Wohnanlagen führen zu modernen und wirkungsvollen Werken, die sich nie wiederholen oder imitieren, sondern entschieden ihre eigene architektonische Stimme haben. Ihre Gebäude bleiben bescheiden, gehen aber auf die lokalen Bedürfnisse ein und dienen der Nachhaltigkeit. Für den Universitätscampus der peruanischen und 2015 fertiggestellten Utec Lima mussten die Architektinnen die schwierigen Gegebenheiten des Standortes meistern. Der in einer Schlucht versenkten Autobahn liegt ein Wohngebiet gegenüber. In Form eines vertikalen und kaskadenförmigen Gebäudes, das den örtlichen und den klimatischen Bedürfnissen entspricht, fanden die Architektinnen eine eindrückliche Lösung. Die offenen Räume wurden so gestaltet, dass sie bewusst die kühlende Brise des Ozeans nutzen und den Energiebedarf für die Klimaanlagen minimieren.
Dialog zwischen dem Inneren und dem Äusseren
Die Architektinnen sind sich des ständigen Dialogs zwischen dem Inneren und dem Äusseren bewusst, was sich in der Vermischung von öffentlichen und privaten Räumen und der sinnvollen Auswahl und Integrität der Materialien zeigt. «Wir versuchen, uns in unserer Arbeit der verschiedenen Ebenen der Bürgerschaft bewusst zu sein und eine Architektur zu finden, die mit Überschneidungen umgeht, die ihre Beziehung zueinander erhöht», veranschaulicht Farrell. Die 2008 fertiggestellte Universita Luigi Bocconi in Mailand fördert beispielsweise die Gemeinschaft zwischen ihren Bewohnenden und der lebendigen Stadt, die sich weit über den vertikalen Campus hinaus erstreckt. Der sich im Erdgeschoss befindende und sich im Inneren fortführende öffentliche Raum forciert eine Durchmischung von Passanten und Studierenden.
Zu ihren neuesten Bauten zählt unter anderem die 2019 fertiggestellte Université Toulouse 1 Capitole, School of Economics. Sie verfügt über gemauerte Strebepfeiler, Rampen und Höfe, die als Metaphern für die Stadt mit ihren Brücken, Mauern, Promenaden und Steintürmen stehen.
Architektur als Leidenschaft
Yvonne Farrell und Shelley McNamara gründeten 1978 Grafton Architects in Dublin, wo sie weiterhin praktizieren und wohnen. In etwas mehr als vierzig Jahren haben sie fast ebenso viele Projekte in Irland, dem Vereinigten Königreich, Frankreich, Italien und Peru realisiert. Dass architektonisches Schaffen für beide eine erfüllende Leidenschaft ist, die auch gesellschaftlich bedeutend ist, lässt sich in ihren Ausführungen schnell erkennen. So beschreibt McNamara: «Innerhalb des Ethos einer Praxis wie der unseren haben wir so oft darum gekämpft, Raum für die Umsetzung von Werten wie Humanismus, Handwerk, Grosszügigkeit und kulturelle Verbindung mit jedem Ort und Kontext, in dem wir arbeiten, zu finden. Es ist deshalb äusserst erfreulich, dass diese Anerkennung uns und unserer Praxis sowie dem Werk, das wir über viele Jahre hinweg geschaffen haben, zuteilwird.» Farrell ergänzt diesbezüglich: «Im Mittelpunkt unserer Praxis steht die Überzeugung, dass Architektur wirklich wichtig ist. Sie ist ein kulturelles Raumphänomen, das Menschen erfinden.»
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