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Die L. sind als bäuerl. Selbsthilfeorganisationen Teil der im 19. Jh. aufblühenden Genossenschaftsbewegung. Die Agrarkrise der 1880er Jahre löste eine Gründungswelle von Bezugs- und Absatzgenossenschaften aus, die bald als L. bezeichnet wurden (Konsumvereine). Der gemeinsame Bezug von Geräten und Hilfsstoffen wie Kunstdünger, Kraftfutter und Samen, der gemeinsame Absatz und z.T. die Verarbeitung von Produkten dienten in diesen schwierigen Zeiten als Selbsthilfe und zugleich als Anpassung an die zunehmende landwirtschaftl. Marktintegration, die sich in rationeller Produktion und Ausschaltung des Zwischenhandels äusserte.
Der moderne Genossenschaftsgedanke, der sich auf die Ideen von Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch stützte, konnte an die Tradition der Wald- und Alpkorporationen sowie an die Sennereigenossenschaften anknüpfen, die sich als Milch- und Käsereigenossenschaften im Lauf des 19. Jh. von den Berggebieten ins Flachland ausgedehnt hatten (Genossenschaft). Gegen Ende des 19. Jh. gab es etwa 2'000 von diesen Genossenschaften, die sich merheitlich erst zu Beginn des 20. Jh. zu Verbänden zusammenschlossen. In den 1890er Jahren entstanden auch im Bereich der Viehzucht Genossenschaften, nach der Jahrhundertwende im Kreditwesen (Raiffeisenkassen).
Die erste moderne Landwirtschaftsgenossenschaft wurde 1874 von Conrad Schenkel in Elsau ins Leben gerufen. Daraus entwickelte sich der 1886 gegr. Verband Ostschweiz. Landwirtschaftl. Genossenschaften (Volg), der als Pionier der Genossenschaftsverbände gilt. Er stärkte die lokalen Genossenschaften entscheidend. Schon nach zehn Jahren umfasste der Volg 102 Sektionen, v.a. in den Kt. Zürich und Aargau. Er stand als kämpfer., klein- und mittelbäuerl. Selbsthilfebewegung in gewissem Gegensatz zu den traditionellen Landwirtschaftlichen Vereinen und strebte - wenn auch vergeblich - die Gründung einer Bauernpartei an. Sein Einstieg ins Konsumgeschäft, in erster Linie mit Kolonialwaren, brachte den Volg nicht nur in Konflikt mit Handels- und Gewerbekreisen, sondern auch mit anderen, landwirtschaftl. Vereinen nahestehenden Genossenschaftsverbänden.
Erfolgreich etablierten sich die L. zunächst in den Mittellandkantonen der dt. Schweiz, v.a. in industrialisierten Gegenden; es folgte das französischsprachige Mittelland, während die L. in den Berggebieten keine grosse Bedeutung erlangten. Die weitaus grössten der neun Verbände waren und blieben der Volg, der sich in den Thurgau und nach Graubünden ausdehnte, und der 1889 gegr. Verband Landwirtschaftl. Genossenschaften von Bern und benachbarter Gebiete (VLG Bern). Beide zusammen stellten mehr als die Hälfte der Mitglieder aller schweiz. L. Gab es zu Beginn des 20. Jh. rund 400 lokale L. mit etwa 30'000 Mitgliedern, so stieg deren Zahl in den 1940er Jahren auf über 1'000; die Mitgliederbestände erhöhten sich bis um 1950 auf 100'000. Dass die Zahlen trotz des Rückgangs der Landwirtschaftsbetriebe erst ab 1970 zu sinken begannen, zeigt auf, dass nicht alle Mitglieder der L. in landwirtschaftl. Berufen tätig waren und sind.
1993 schlossen sich sechs der neun Verbände, darunter die grössten, zur fenaco, der sog. Unternehmensgruppe der Schweiz. Agrarwirtschaft, zusammen, die Anfang des 21. Jh. als grösster Futtermittelhersteller galt. Mit der Modernisierung des Agrarsektors übernahmen die L. neue Aufgaben. Beim Bezug von Produktionsmitteln wurden Pflanzenschutzmittel und Treibstoffe immer wichtiger. Die Übernahme und Verwertung der Erzeugnisse wurde ausgebaut; beim Brotgetreide und beim Ölraps erfüllen die L. die vom Bund aufgestellte Übernahmepflicht. Neue Dienstleistungen kamen dazu, z.B. die Trocknung und Lagerung von betriebseigenem Futtergetreide oder das Spritzen der Obstkulturen. Die Genossenschaftsverbände gründeten Zweckgesellschaften für spezielle Aufgaben wie Einkauf, Vermarktung und Finanzierung. Damit erhielt der Komplex der L. ein beträchtliches wirtschaftl. Gewicht im Agrarsektor.
Literatur
– H. Löffel, Die Entstehung, Entwicklung und Funktion der Verbände landwirtschaftl. Bezugs- und Absatzgenossenschaften in der Schweiz, 1939
– F. Schmidt, Die landwirtschaftl. Genossenschaftsbewegung der Schweiz, 1944
– I primi 40 anni di cooperazione agraria nel cantone Ticino, hg. von B. Lanini, 1945
– J. Janin, La coopérative agricole au défi, 1973
– H. Brugger, Landwirtschaftl. Vereinigungen 1910-1980, 1989
Autorin/Autor: Werner Baumann