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Berner Grossrätin FDP 1974 – 1986
«Ich bin nämlich der Auffassung, dass sich die Frauen vermehrt für die Bekleidung öffentlicher Ämter zur Verfügung stellen sollten.»
Mai 1974, dr Wecker, S.15
Odette Louise Marie Bretscher-Bickel (1921 – 2008) amtet von 1974 bis 1986 als bernische Grossrätin der FDP und von 1972 bis 1989 als Amtsrichterin. Ihre Erfahrung mit sozialen Problemen beeinflusst ihre politischen Vorstösse. Odette Bretscher wird 1974 in die ständige Justizkommission gewählt, der sie später als Präsidentin vorsitzt.
1975 fordert Odette Bretscher im Grossen Rat, dass die ausländischen Arbeitskräfte im Kanton Bern trotz der Wirtschaftskrise einen sicheren Lebensunterhalt verdienen. Das damalige Bundesamt für Industrie, Gewerbe und Arbeit sowie die Fremdenpolizei erlassen restriktive Richtlinien, wie mit den ausländischen Arbeitskräften im Zusammenhang mit der Krise umgegangen werden soll. Odette Bretscher setzt sich dafür ein, dass diese Richtlinien im Kanton Bern nicht zu streng angewandt werden.
Odette Bretscher setzt sich für junge Menschen und Jugendliche ein und macht auf eine Ungerechtigkeit in Erziehungsheimen von Jugendlichen aufmerksam: Während junge Männer in Heimen zwischen 15 internen Berufsausbildungen auswählen können, haben junge Frauen keinen Zugang zu internen Ausbildungsplätzen oder nur zu Hauswirtschaftsausbildungen. Für sie fordert Odette Bretscher mehr und vielseitigere Angebote, die nicht nur den weiblichen Stereotypen entsprechen.
Als Fotografin erlangt Odette Bretscher internationale Bekanntheit. 1954 tritt sie der Photographischen Gesellschaft Bern bei. Sie ist auf internationaler Ebene bekannt und arbeitet zwischen 1969 bis 1972 als Generalsekretärin bei der Fédération Internationale de l’Art Photographique (FIAP). Von 1976 bis 1985 präsidiert sie die FIAP. Nach Odette Bretschers Tod 2008 erinnert die «Odette-Bretscher-Trophäe» an ihre fotografische Leistung: Die Trophäe wird jeweils an den FIAP-Biennalen verliehen.
Odette Bretscher ist in Genf geboren und wächst dort auf. Mit ihrem Ehemann und den drei Kindern zieht sie 1947 in den Kanton Bern nach Köniz und anschliessend nach Bremgarten. Sie ist Hausfrau und gehört der Haushaltlehrkommission Bern an. In dieser amtet sie als Expertin bei den Abschlussprüfungen für Lernende. 1971 stirbt ihr Ehemann unerwartet an einem Herzinfarkt und Odette Bretscher verwitwet.