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Wenn riesige Eisberge in der Antarktis entstehen, die mehrere hundert Quadratkilometer gross sind, schauen Wissenschaftler sehr genau hin. Wenn es dann auch noch in einem Gebiet geschieht, in dem sich eben erst ein Eisschelf praktisch komplett aufgelöst hat, schrillen die Alarmglocken. Dies ist wieder der Fall in der Ostantarktis, wie Behörden aus Australien und den USA melden.
Nach Angaben von Jan Lieser vom australischen Amt für Meteorologie und der Bestätigung von Christopher Readinger vom US-amerikanischen Nationalen Eiszentrums USNIC brach am 22. April 2022 ein rund 27.7 Kilometer langer und 14.8 Kilometer breiter Eisberg vom Scott-Gletscher ab und liegt nun zurzeit vor dem Schelf. Der rund 411 Quadratkilometer grosse Eiskoloss erhielt die Bezeichnung C-39. Dies entspricht dem dritten Quadranten Antarktikas (westliches Rossmeer bis Wilkesland) und ist der 39. Eisberg, der in der Region abgebrochen und vom USNIC bestätigt worden ist.
Der Ort des Abbruchs, der Scott-Gletscher, liegt im australischen Sektor Antarktikas und ist knapp 450 Kilometer westlich der australischen Station Casey entfernt. Der Gletscher ist ein Teil des Shackleton-Eisschelfs, einem knapp 34’000 Quadratkilometer grossen Eisschelf im Wilkes Land, Ostantarktika, das zu den zehn grössten Eisschelfs des weissen Kontinents gehört. Der Abbruch von C-39 wurde auf Bildern des Sentinel-1A-Satelliten erkannt und bestätigt, wie das USNIC in einer Meldung schreibt.
Die Entstehung des riesigen Eisberges in der Region ist mittlerweile der dritte grosse Abbruch innert weniger Wochen. Die Region um das Shackleton-Eisschelf hatte erst Mitte März weltweit für Schlagzeilen gesorgt, weil hier mit der Entstehung des Eisberges C-38 und dem folgenden Zusammenbruch des Conger-Eisschelfs zum ersten Mal ein derartiges Auseinanderbrechen eines Eisschelfs in der Ostantarktis verzeichnet worden ist. Die Gründe, warum das Eisschelf auseinanderbrach, wird zurzeit noch untersucht. Experten vermuten jedoch einen Einfluss von ungewöhnlich hohen Temperaturen, die in den Wochen zuvor in der Region gemessen worden waren. Auch wärmeres Wasser aus dem Norden, dass dem Eisschelf von unten her zugesetzt haben könnte, wird als Grund vermutet.
Dr. Michael Wenger, PolarJournal