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Autor: Hubert Reidy
Düdingen «Cosí fan tutte» oder «La scuola degli amanti» ist eine Komödie der Verwirrungen, der Entfremdung, der Desillusion. Lorenzo da Ponte hat ein dämonisches Textbuch geschaffen, und Wolfgang Amadeus Mozart komponierte dazu strahlende, zärtliche, scherzhafte Musik voller Charakter und Ausdruck. Am Mittwochabend sorgte jedoch nicht bloss Mozarts Opera buffa für Verwirrung. Auch das Wetter spielte den Veranstaltern und der ganzen Operntruppe einen Streich.
Verspäteter Beginn
Das Publikum wartete in der Eingangshalle des Podiums geduldig auf die beteiligten Darstellerinnen und Darsteller, die irgendwo im dichten Schneetreiben stecken geblieben waren. Mit Getränken wurden die geduldig Wartenden betreut, es herrschte eine gelassene, friedvolle Stimmung. Dann, nach einer Stunde, begab sich das Publikum in den Saal, die Dramaturgin überbrückte zusätzliche Zeit mit einer etwas langwierigen Einführung. Das Orchester nahm die Plätze im «Orchestergraben» ein, hinter dem Vorhang emsiges Gemurmel. Der Dirigent, Franco Trinca, erschien, die Ouvertüre konnte beginnen: Schlanke Streicherklänge, klare, scharfe Klänge der Naturtrompeten und Barockposaunen.
Wenn der Intrigant fehlt
Doch was für ein Pech für die Operntruppe: Don Alfonso alias Yongfan Chen-Hauser steckte immer noch irgendwo in der Nähe von Bern fest. Hinter der Bühne stammelte ein Sänger die Rezitative Alfonsos, ein anderer Sänger versuchte mit Partitur und Notenständer auf der Bühne die orchesterbegleiteten Abschnitte zu entziffern, eine weibliche Person mit Schwert verkörperte ungelenk den Drahtzieher der Geschichte. Schade, gerade zu Beginn wäre die schalkhafte Präsenz Don Alfonsos so wichtig gewesen. Und nochmals Pech: Rosa Elvira Sierra, die Darstellerin der Fiordiligi, hatte sich verletzt und sang ihren Part sitzend und stehend am Rande der Bühne, während Li-Chin Huang, die Zweitbesetzung der Despina, stumm die Rolle Fiordiligis spielte.
Stimmige Elemente
Mit dem Erscheinen des «richtigen» Alfonso strahlte die Aufführung vermehrte Intensität aus. Das Solistenensemble wirkte homogen, überzeugte auch durch die schauspielerischen Leistungen. Wolfram Mehring konzipierte die Oper als lebendiges, manchmal etwas zu possenhaftes Kammerspiel.
Nach einem schwierigen Beginn gab es doch noch ein geglücktes Ende. Und dank einiger Kürzungen der Originalvorlage traten die Besucherinnen und Besucher ihre Heimreise doch nicht allzu spät an.