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Das Transfer-Business ist aus dem modernen Fussball nicht mehr wegzudenken. Jährlich wechseln hunderte Profis für unzählige Millionen ihren Klub. Meist sind es 0815-Transaktionen – einige Transfers haben die Fussball-Welt aber nachhaltig verändert.
Ein Name steht in den 1960er- und 1970er-Jahren für die grossen Erfolge von Ajax Amsterdam – der von Johan Cruyff. Sechsmal führt die niederländische Fussball-Legende seinen Klub zum nationalen Meistertitel, dreimal in Serie (1971 bis 1973) zum Gewinn des Europapokals der Landesmeister.
Doch im Sommer 1973 kommt es trotz der grossen Erfolge zu Unstimmigkeiten: Der als arrogant verschriene «König Johan» wird von seinen Teamkollegen als Captain abgewählt, gleichzeitig öffnet Spanien die Grenzen für ausländische Fussball-Profis. So folgt Cruyff schliesslich dem Ruf seines Ex-Trainers Rinus Michels und wechselt für die damalige Rekordsumme von umgerechnet 3,2 Millionen Franken zum FC Barcelona.
Auch in Spanien schlägt der kreative und taktisch geniale Fussball-Visionär voll ein. Gleich in seiner ersten Saison führt «El Salvador» («Der Retter») Barça zum ersten Meistertitel seit 14 Jahren und damit auch zum Triumph über das vom zentralistischen Franco-Regime unterstützte Real Madrid, das die Liga zuvor nach Belieben dominiert hat.
Michel Platini gilt im Frühling 1982 zusammen mit Diego Maradona und Zico als beste Nummer 10 der Welt. Das bleibt auch Juventus Turin nicht verborgen, Präsident Giampiero Boniperti will den Franzosen unbedingt haben, obwohl man mit dem Iren Liam Brady bereits einen Spielmacher unter Vertrag hat. Nach kurzen Verhandlungen wechselt Platini schliesslich für umgerechnet nur 450'000 Franken zur «Alten Dame», Brady wird zu Sampdoria Genua abgeschoben.
Platinis Start in Turin verläuft zunächst holprig. Im Winter will er Juventus wegen Eifersüchteleien mit den italienischen Weltmeistern von 1982 innerhalb des Teams bereits wieder verlassen, doch Giovanni Trappatoni überredet ihn zu bleiben. Der Juve-Trainer passt sein System in der Folge seinem kongenialen Duo Platini/Zbigniew Boniek an und sorgt so dafür, dass die «Bianconeri» zu einem der erfolgreichsten Teams Europas aufsteigen.
Krach mit dem Präsidenten, Massenschlägerei im Cupfinal, ausschweifendes Nachtleben – bereits in seiner zweiten Saison fällt Diego Maradona beim FC Barcelona in Ungnade, weshalb ihn die Katalanen auf die Transferliste setzen. Einziger Interessent ist die SSC Napoli, die den Argentinier schliesslich im Juli 1984 für die damalige Rekordsumme von 22 Millionen Franken verpflichtet.
75'000 Zuschauer empfangen Maradona bei seiner Vorstellung im Stadion San Paolo und die neue Nummer 10 erfüllt die Hoffnungen, die ihn in gesteckt werden, nach etwas Anlaufzeit: 1987 schiesst Maradona Napoli zum ersten Meistertitel der Klubgeschichte, zwei Jahre später zum Triumph im UEFA Cup und 1990 nochmals zur Meisterschaft. Obwohl seine Zeit in Italien tragisch endet, wird Diego in Neapel noch immer wie ein Heiliger verehrt.
1980 wird die AC Milan wegen illegaler Wettgeschäfte zwangsrelegiert. Trotz des sofortigen Wiederaufstiegs erleben die «Rossoneri» in der Folge schwierige Zeiten. Erst mit dem Einstieg von Unternehmer Silvio Berlusconi 1986 geht es wieder aufwärts: Trainer Arrigo Sacchi wird mit dem Wiederaufbau der Mannschaft beauftragt und der tätigt nach seiner ersten Saison zwei absolute Glücksgriffe.
Im Sommer 1986 holt Sacchi für Ruud Gullit (7 Millionen Franken) und Marco van Basten (2 Millionen Franken) aus Holland. Die beiden passen hervorragend zu seinem offensiven Spielstil mit Raumdeckung und Pressing. Gullit zieht im Mittelfeld die Fäden, Van Basten ist für die Tore zuständig. Ein Jahr später komplettiert mit Frank Rijkaard ein Abräumer das holländische Trio, das Milan zur besten Mannschaft der Welt macht. 1989 und 1990 gewinnen Sacchis «Immortali» zweimal hintereinander den Europapokal der Landesmeister. Ein Kunststück, das erst Real Madrid 2017 wieder gelingen wird.
Nach dem Rücktritt von Platini rutscht Juventus Mitte der 1980er-Jahre in eine sportliche Krise. Auch der 15 Millionen Frankren teure Weltrekord-Transfer von Roberto Baggio bringt nicht die erhoffte Wende, trotzdem geht der Zuzug in die Geschichte ein. Denn «Il divin codino» («Das göttliche Zöpfchen») wird gegen seinen Willen verkauft.
Baggio ist im Frühling 1990 der Liebling der Fiorentina-Fans. Dank ihrem treffsicheren Edeltechniker träumen die Anhänger der «Viola» von einer grossen Zukunft. Doch den Klub plagen Geldsorgen, Präsident Flavio Pontello sieht nur noch eine Lösung: Baggio an den verhassten Konkurrenten aus Turin zu verkaufen. «Ich wollte nicht weg, man verkaufte mich gegen meinen Willen. Mein Herz wird immer violett bleiben», erklärt Baggio später. Der Frust bei den Fiorentina-Fans ist riesig: Die Volksseele kochte und es kommt gar zu Tumulten in der Stadt. 50 Menschen werden bei den Ausschreitungen verletzt.
Weil ihm der Lohn nach einem Streit mit der Vereinsführung gekürzt wird, will Jean-Marc Bosman im Sommer 1990 vom belgischen Erstligisten RFC Lüttich zu USL Dunkerque wechseln. Zu jener Zeit ist es üblich, bei Profifussballern auch nach Ablauf des Vertrags ein Ablösesumme zu fordern, doch Lüttich will mit 800'00 Dollar zu viel, so dass sich ein Wechsel zerschlägt. Bosman verklagt seinen alten Verein in der Folge auf Schadensersatz und Verzicht auf Forderung einer Ablösesumme.
Der Fall geht bis zum Europäischen Gerichtshof, der im Dezember 1995 schliesslich das «Bosman-Urteil» verkündet: Ablösesummen können seitdem nur noch eingefordert werden, wenn der Spieler einen laufenden Vertrag besitzt. Das Urteil hat Auswirkungen bis in die heutige Zeit. Zuvor konnten Spieler noch mit überhöhten Ablöse-Forderungen von einem Wechsel abgehalten werden, nun ist der Transfermarkt plötzlich komplett offen. Fussballer können frei entscheiden, welchem Verein sie sich nach Vertragsende anschliessen wollen.
Als Nebeneffekt bestimmt das «Bosman-Urteil», dass die in einigen Ländern geltenden Regelungen, nach denen nur eine begrenzte Anzahl von Ausländern in einer Mannschaft eingesetzt werden dürfen, ungültig seien. Die Macht bei Transfers verschiebt sich extrem – von den Klubs auf die Spieler und ihre Berater. Vor allem Ablösesummen und Spielerlöhne explodieren in der Folge förmlich.
Vor der WM 1998 gilt der 20-jährige Denilson als grösstes Versprechen im Weltfussball. Im kultigen Flughafen-Werbespot der brasilianischen Nationalmannschaft erhält der Edeltechniker fast so viel Screentime wie Ronaldo. An der WM spielt Denilson nur im letzten, unbedeutenden Gruppenspiel von Beginn an, in den restlichen sechs Spielen wird er jeweils eingewechselt. Trotzdem wechselt das Supertalent nach dem Turnier für die Weltrekord-Summe von 51 Millionen Franken von Sao Paulo zu Betis Sevilla.
Auch die Laufzeit des Vertrags über 10 (!) Jahre ist rekordverdächtig. Doch nach nicht einmal einer Saison ist bereits klar, dass es sich beim Mega-Deal um ein riesiges Missverständnis handelt. Der schüchterne Denilson kommt mit dem Erwartungsdruck und der härteren Spielweise in Spanien nicht zurecht. «Ich bin geholt worden, um zu zaubern. Und das werde ich auch tun», beantwortet er die Kritik an seiner Spielweise. Obwohl er sich nie richtig durchsetzen kann, bleibt der Brasilianer fünf Jahre bei Betis. Danach macht er sich als Wandervogel einen Namen, der den Ansprüchen auch bei sieben weiteren Klubs nicht gerecht werden kann.
Im Winter 1999 wagt Monaco-Talent Thierry Henry den Sprung ins Ausland, doch bei Juventus hatte niemand auf den 22-jährigen Stürmer gewartet. Unter Carlo Ancelotti ist der junge Franzose hinter Alessandro Del Piero und Filippo Inzaghi höchstens Stürmer Nummer 3 und muss zeitweise gar als Aussenverteidiger spielen. So flüchtet er nach nur acht Monaten bereits wieder aus Italien.
Für 26 Millionen Franken holt ihn sein Landsmann Arsène Wenger als Ersatz für Nicolas Anelka zu Arsenal. Mit dem nötigen Vertrauen und der Versetzung von der Aussenbahn ins Sturmzentrum blüht Henry bald auf, in jeder Saison bei den «Gunners» schiesst er mindestens 17 Saisontore. Mit dem treffsicheren Stürmer holt Arsenal zwei Meistertitel, dreimal den FA Cup und schafft es 2006 in den Champions-League-Final. Nach Henrys Abgang 2007 zu Barcelona kann Wenger seine «Gunners» zwar trotz der schwierigen Finanzlage wegen des Stadion-Neubaus an der Premier-League-Spitze halten, doch die ganz grossen Erfolge bleiben in der Folge aus.
Die Ankündigung ist grossmundig: Im Jahr 2000 will Florentino Perez unbedingt Präsident von Real Madrid werden. Um sich bei den Fans beliebt zu machen, kündigt er an: «Wenn ich Präsident werde, wird Luis Figo Spieler von Real Madrid.» Der 27-jährige Portugiese ist damals der beste Fussballer Europas – spielt aber ausgerechnet beim grossen Erzrivalen FC Barcelona und ist bei den Fans der Katalanen überaus beliebt.
Schon vor seinem Wahlsieg fädelt Perez den für alle komplett überraschenden Deal ein. Er bietet Figo, der in seinem Vertrag eine Ausstiegsklausel über 58 Millionen Euro verfügt, alleine für die Unterschrift einen Bonus von zwei Millionen Euro an. Falls Perez nicht Präsident werden sollte, darf der Portugiese das Geld behalten und in Barcelona bleiben. Der spätere Weltfussballer schlägt ein.
Noch während der EM und knapp vor der Wahl macht Perez den Deal öffentlich, was Figo in eine verzwickte Lage bringt. Öffentlich erklärt er, dass es keine solche Abmachung gebe und er bei Barcelona bleiben wolle. Wenige Tage später ist Perez Präsident und der Weltrekord-Transfer schnell unter Dach und Fach.
Figo wird zum «First Avenger» der späteren «Galacticos». Die neue Nummer 10 gewinnt mit Real gleich den Meistertitel und wird ausserdem zum Weltfussballer des Jahres 2001 gewählt. Alles paletti also? Nicht ganz: Die Auswärtsspiele in Barcelona werden für Figo zur Tortur. Dem «Verräter» schlägt im Camp Nou blanker Hass entgegen, der 2002 in einem legendären Skandal gipfelt. Figo will im November beim Gastspiel in Barcelona eine Ecke treten, wird aber mit Münzen, Feuerzeugen und Plastikflaschen nur so eingedeckt. Am Ende fliegt gar ein abeschnittener Schweinekopf neben Figo auf den Platz.
Bereits mit 13 Jahren ist Lionel Messis Talent unverkennbar. Der junge Argentinier aus Rosario ist schnell, trickreich und kaum voll Ball zu trennen. Doch Klein-Messi leidet an einer Wachstumstörung und muss mit sich einer Hormonbehandlung unterziehen, die im Monat rund 1000 Euro kostet. Deshalb wird er von keinem argentinischen Profi-Klub unter Vertrag genommen und so wenden sich die Eltern schliesslich an den FC Barcelona.
Dort zögert man nicht lange: Messi sei der nächste Maradona, steckt ein Berater dem Technischen Direktor Charly Rexach. Der knapp 1,40 Meter grosse Junge wird im September zum Probetraining mit dem Nachwuchs – im Team sind damals auch Cesc Fabregas und Gerard Piqué – eingeflogen und kann sofort überzeugen. «Schon nach fünf Minuten war klar, was das für ein besonderer Junge ist», sagt Rexach später rückblickend. Doch nicht alle bei Barça sind wegen seiner körperlichen Schwächen von «La Pulga» überzeugt.
Messis Vater hat irgendwann genug von Barças Hinhaltetaktik und droht, sich an andere Klubs zu wenden. Rexach handelt schliesslich eigenmächtig und unterzeichnet eine Absichtserklärung. Auf einer Serviette werden die Bedingungen niedergekritzelt, die in den Wochen zuvor ausgehandelt wurden. 40'000 Pfund pro Jahr wird Messis Familie für die fussballerischen Dienste des Sohnes vorläufig erhalten, zwei Monate später wird der richtige Vertrag unterschrieben.
Das Risiko lohnt sich für Barcelona: Messi wächst unter teils grossen Schmerzen auf rund 1,68 Meter. Die vermeintlich körperlichen Nachteile machen ihn später besonders: Er ist wendig, superschnell und läuft selbst mit dem Ball am Fuss allen davon.
Exakt ein Jahr nach dem Transfer von Luis Figo leitet Real Madrid mit dem Zuzug von Zinédine Zidane endgültig das Zeitalter der «Galaktischen» ein. Real überweist die damalige Rekordsumme von rund 77 Mio. Euro (150 Milliarden italienische Lira ) an Juventus Turin, das den 29-jährigen Welt- und Europameister eigentlich gar nicht ziehen lassen wollte.
Doch am Ende sind die finanziellen Verlockungen und die Überzeugungskraft von Real-Präsident Florentino Perez zu gross. Schon im Winter trifft dieser den damals weltbesten Fussballer bei einer Gala in Monte Carlo und steckt ihm eine Serviette zu. Darauf steht geschrieben: «Willst Du für Real Madrid spielen?» Zidane wird ein Stift gereicht und er antwortet mit einem simplen «Ja». Schnell macht Perez Nägel mit Köpfen, denn dank des Verkaufs des Vereinsgeländes an die Stadt sind die Kriegskassen prall gefüllt.
Real-Legende Alfredo Di Stefano überreicht Zidane bei dessen Vorstellung das Trikot mit der Nummer 5, daneben strahlt Präsident Perez um die Wette. «Dieser Wechsel ist ein Meilenstein meiner Karriere», erklärt der scheue Zidane vor über 200 Journalisten lediglich auf französisch und verspricht: «Ich werde alles Menschenmögliche tun, um der Mannschaft zu helfen.» Zidane hält Wort: Gleich ein seiner ersten Saison führt er Real zum Gewinn der Champions League, ein Jahr später auch zum Meistertitel.
Auch für Juventus eröffnen sich durch den Rekordtransfer neue Möglichkeiten. Die Turiner investieren die Einnahmen sofort wieder und holen mit Gianluigi Buffon, Pavel Nedved und Lilian Thuram drei Spieler, welche die Alte Dame in den folgenden Jahren entscheidend prägen werden.
Bei der WM 2002 in Japan und Südkorea sticht neben Torschützenkönig Ronaldo ein weiterer Brasilianer ins Auge: Der erst 22-jährige Ronaldinho. Wenn der trickreiche Dribbelkönig mit der auffälligen Zahnstellung am Ball ist, bleibt nur das Staunen. Im Sommer 2003 ist er nach seinem zweiten europäischen Lehrjahr beim damaligen französischen Mittelfeld-Klub Paris St-Germain bereit für den ersten grossen Transfer.
Lange sieht es so aus, als würde Manchester United das Rennen um das Supertalent machen. Eigentlich ist sogar schon alles mit Berater-Bruder Roberto Assis geklärt, als United-Trainer Sir Alex Ferguson nach Paris fliegt, um Ronaldinho persönlich kennenzulernen. Doch statt den Deal schnell unter Dach und Fach zu bringen, erhält Ferguson eine Absage. Der Grund ist ein altes Versprechen: Ronaldinho hatte Sandro Rosell zugesagt, zu Barcelona zu wechseln, falls dieser zusammen mit Joan Laporta die Wahl ums Barça-Präsidium gewinnen würden.
Ronaldinho bestätigt später: «Es ging nur noch um Details mit Manchester United, als Rosell anrief und sagte, dass sie die Wahl gewinnen werden. Und ich hatte ihm versprochen, dass ich dann für Barça spiele. Es war eine schnelle Verhandlung und ich sagte den Engländern, dass ich mich für Barça entschieden habe. Es war eine Sache von 48 Stunden.»
Bei Barcelona avanciert der Brasilianer, der mit 30 Millionen Euro relativ günstig ist, schnell zum absoluten Superstar. Zweimal wird Ronaldinho spanischer Meister, 2004 und 2005 wird er zum Weltfussballer gekürt, 2006 führt er die «Blaugrana» zum Champions-League-Titel.
«Jedes Jahr einen Topstar holen» – Florentino bleibt seinem Motto auch im dritten Jahr als Real-Präsident treu. Im Sommer 2003 schnappen sich die Königlichen für 35 Millionen Euro David Beckham, der Manchester United nach 11 Jahren gegen seinen Willen verlassen muss. Es ist ein Transfer im Schnellverfahren: Die United will den «Spice Boy» eigentlich nach Barcelona transferieren, doch als Beckham Wind von der Sache kriegt, legt er sein Veto ein: «Ich sprach mit meinem Berater und machte klar, dass wenn ich gehe, dann zu Real Madrid.» Es dauert nicht lange und der Vierjahresvertrag mit einem Jahresgehalt von sechs Millionen Euro ist unterschrieben.
Sportlich macht der Transfer wenig Sinn, denn im offensiven Mittelfeld hat Real eigentlich keinen Bedarf für den Freistoss-Spezialisten. Doch fürs Geschäft ist Beckham pures Gold wert: Der 28-jährige Brite ist längst mehr Pop-Ikone als Fussballer und soll Real dabei helfen, die reichen Märkte in Asien zu erschliessen. Der Rubel rollt schnell: Innert 24 Stunden sind sämtliche Beckham-Trikots mit der Nummer 23 ausverkauft, auch danach bleiben sie vier Jahre lang ein Klassenschlager.
Mit dem ersten reinen Kommerz-Transfer der Fussball-Geschichte schlittert Real jedoch in eine kleine Krise. Weil für die Zuzüge der «Galaktischen» Teamstützen wie Claude Makélélé oder Fernando Morientes geopfert werden müssen, stimmt die Balance in der Mannschaft nicht mehr. Erst in seinem letzten Jahr krönt Beckham seine Zeit in Madrid mit der Meisterschaft und seinem einzigen Titel mit Real.
Im Sommer 2003 kauft der russische Milliardär Roman Abramowitsch für 140 Millionen Pfund den FC Chelsea und macht den Klub so quasi über Nacht zum «Big Player» im europäischen Fussball. Mit Adrian Mutu, Claude Makélélé, Juan Sebastian Veron, Damien Duff und Hernan Crespo werden gleich fünf kostspielige Verstärkungen geholt, doch der Königstransfer folgt erst ein Jahr nach der Klub-Übernahme. Und für den ist nicht Abramowitsch, sondern der neue Trainer José Mourinho zuständig.
Für 38,5 Millionen Euro holt «The Special One», wie sich Mourinho bei seiner Vorstellung selbst nennt, den damals 26-jährigen Ivorer Didier Drogba von Olympique Marseille. «Ich erinnere mich noch genau, wie Abramowitsch mich fragte: ‹Wen? Welchen Stürmer willst du holen?›», erzählt Mourinho später. «Trotz all der grossen Stürmer, die damals in Europa herumliefen, sagte ich Drogba. ‹Wer ist das? Wo spielt er?› Herr Abramowitsch, zahlen Sie und sagen Sie nichts.»
Drogba wird in der Folge zur Ikone bei den «Blues». In 254 Spielen trifft er 104 Mal und ballert Chelsea so zu drei Meistertiteln und dem Champions-League-Gewinn 2012.
Ähnlich wie bei Chelsea läuft es vier Jahre später bei Machester City ab. Der einstige englische Liftklub wird von einer Investment-Gruppe aus Abu Dhabi rund um Scheich Mansour Bin Zayed Al Nahyan übernommen und spielt auf dem Transfermarkt plötzlich im Konzert der ganz Grossen mit. Erster Coup: Der brasilianische Stürmer Robinho kommt für 43 Millionen Euro von Real Madrid.
Der designierte Nachfolger seiner Landsleute Ronaldo und Ronaldinho soll bei den «Citizens» zusammen mit weiteren prominenten Neuzugängen wie Jô, Nigel de Jong, Craig Bellamy und Wayne Bridge den schnellen Erfolg bringen. Der Brasilianer kann allerdings nie richtig Fuss in England fassen: «Manchester ist ein fantastischer Ort für Fussball, aber die Stadt ist ein furchtbarer Platz zum Leben. Die Winter, die Kälte, die dunklen Nächte – das ist sehr hart für einen jungen Brasilianer», erklärt Robinho.
So scheitert das erste Transfer-Experiment der «Citizens» auf ganzer Linie, schon nach eineinhalb Jahren zieht Robinho wieder von dannen. Ihrem Konzept bleiben die ManCity-Scheichs aber treu – und sie lernen schnell aus ihren Fehlern. Bereits 2012 feiern die «Skyblues» den ersten Meistertitel der neuen Ära.
Seit 2003 fühlt sich Kaká bei der AC Milan pudelwohl, mit den «Rossoneri» gewinnt der Brasilianer 2004 den «Scudetto» und 2007 die Champions League. Auch nach sechs Jahren in Mailand hegt der offensive Mittelfeldspieler, der 2007 Weltfussballer wird, keinerlei Wechselabsichten, doch die AC Milan steckt in einer schweren finanziellen Krise und braucht dringend Geld.
Im Februar müssen die Mailänder ein Angebot von Manchester City für Kaká in Höhe von 100 Millionen Euro ablehnen, weil ihr Superstar partout nicht auf die Insel wechseln will. Ein halbes Jahr später flattert dann ein 65-Millionen-Euro-Angebot von Real Madrid ins Haus. «Lasst mich damit in Ruhe. Ich habe mich für den AC Mailand entschieden», erklärt Kaká immer wieder. Sieben Tage später ist der Wechsel dennoch perfekt. «Ich habe mit dem Vorstand gesprochen und wir sind gemeinsam zum Schluss gekommen, dass es das für alle das Beste ist, mich zu verkaufen», verkündet der Brasilianer.
Bei Real wird Kaká nie glücklich, mit Trainer José Mourinho kommt er einfach nicht zu Recht. «Er war ein schwieriger Trainer, wir hatten eine respektvolle aber komplizierte Beziehung. Ich trainierte, ich kämpfte und ich betete viel, aber ich realisierte, dass ich mit ihm nicht zusammenarbeiten konnte.» Trotzdem bleibt Kaká vier Jahre in Madrid, 2013 wechselt er schliesslich ablösefrei zu Milan zurück.
Nur drei Tage nach dem definitiven Zuzug von Kaká vermeldet Real Madrid einen noch bombastischeren Transfer. Für die Weltrekordsumme von 94 Millionen Euro verpflichten die Königlichen Cristiano Ronaldo von Manchester United. Die lange Saga zwischen Real und Ronaldo beginnt aber bereits zwölf Monate zuvor: Immer wieder streut Berater Jorge Mendes das Gerücht, dass Ronaldo unbedingt zu den Königlichen wechseln wolle. CR7 macht nach dem Champions-League-Titel im Mai 2008 auch keinen Hehl mehr daraus: «Ich möchte zu Real Madrid wechseln.» Es sei der grösste Wunsch seiner kranken Mutter, beteuert er.
Die ständigen Abwerbungsversuche gehen ManUnited bald zu weit, beim Weltverband FIFA wird eine offizielle Beschwerbe gegen Real hinterlegt und die Stimmung zwischen den Klubs verschlechtert sich zusehends. Im Dezember meint United-Coach Sir Alex Ferguson noch hasserfüllt: «Ich würde Real Madrid nicht einmal ein Virus verkaufen.» Ein halbes Jahr später lässt die United dann trotzdem ziehen. Nach Unterzeichnung eines Sechsjahresvertrags wird Ronaldo in Madrid vor 80'000 Zuschauern mit viel Pomp vorgestellt, womit der Portugiese die bisherige Bestmarke von knapp 75'000 Fans übertrifft, die 1984 zur Präsentation von Diego Maradona bei Napoli ins Stadion kamen.
Ronaldo entwickelt sich bei Real endgültig zum absoluten Superstar. Die legendären Clásico-Duelle gegen den FC Barcelona mit Lionel Messi ziehen fortan die ganze Fussball-Welt in ihren Bann. Zweimal wird CR7 mit Real spanischer Meister, viermal gewinnt er die Champions League, viermal wird er in dieser Zeit Weltfussballer. 2018 wechselt Ronaldo zu Juventus Turin – Real Madrid ist seither nicht mehr derselbe Klub wie zuvor.
Hä, Andy Carrolls Wechsel zu Liverpool hat die Fussballwelt verändert? Vielleicht nicht sportlich, aber weltpolitisch. Für 41 Millionen Euro wechselt der 22-jährige Stürmer im Januar 2011 von Newcastle United zum FC Liverpool – so teuer war zuvor noch kein englischer Fussballer. Carroll hatte für die «Magpies» in der Saison davor zwar 13 Tore in 26 Spielen erzielt, aber 41 Millionen für einen nicht sehr talentierten Schlaks? Schon damals reiben sich viele verwundert die Augen.
Hintergrund des englischen Rekordtransfers ist der neuste TV-Vertrag für die Premier League, der den Klubs seit Saisonbeginn deutlich höhere Einnahmen bringt. Das lockt Investoren an: Bei Liverpool, das damals nur zur erweiterten Spitze in England gehört, steigt im Oktober 2010 beispielsweise die amerikanische Fenway Sports Group ein. Doch nicht nur die «Reds», auch die englischen Klubs jenseits der «Big 6» haben plötzlich deutlich mehr Geld für Transfers zur Verfügung. Das verschiebt die internationalen Transferströme endgültig in Richtung England und lässt die Ablösesummen von Durchschnittsspielern förmlich explodieren.
Der Wechsel von Carroll zu Liverpool ist im Winter 2011 der erste Auswuchs dieser neuen Entwicklung. Der Rekordmann wird bei den «Reds» allerdings nicht glücklich. Der designierte Nachfolger für den zu Chelsea abgewanderten Fernando Torres trifft in 44 Spielen für die Liverpool nur gerade sechsmal und zieht bereits im Sommer 2012 zu West Ham United weiter.
Zu Beginn der 2010er-Jahre ist Borussia Dortmund dem ewigen Liga-Krösus Bayern München ebenbürtig. 2011 und 2012 wird der BVB deutscher Meister, 2013 unterliegt man dem Erzrivalen im Champions-League-Final nur haarscharf. Mit nur einem Transfer stellen die Bayern ihre Vormachtsstellung aber wieder her und geben sie bis heute nicht mehr ab: Im Sommer 2014 wechselt Robert Lewandowski ablösefrei von Dortmund nach München.
Es ist ein Transfer mit langem Anlauf: Schon ein Jahr zuvor wollen die Bayern den treffsicheren Stürmer unbedingt holen, doch der BVB stellt sich quer und pocht auf den Vertrag des polnischen Nationalstürmers. Die Schwarz-Gelben hoffen dank einer saftigen Gehaltserhöhung auf eine Vertragsverlängerung, doch schon am 4. Januar – dem gemäss FIFA erstmöglichen Termin – verkünden die Bayern, dass der Lewandowski-Transfer perfekt ist.
«Lewy» schlägt auch bei den Bayern voll ein und verschiebt dank seiner Tore die Kräfteverhältnisse endgültig in Richtung Bayern, die dem BVB zuvor schon Mario Götz abgeworben hatten und sich 2016 aus Dortmudn auch noch Mats Hummels schnappten.
Schon im Sommer 2007 gilt Toni Kroos als «The Next Big Thing» im deutschen Fussball. Der 17-jährige Mittelfeld-Stratege glänzt mit perfekter Technik und viel Übersicht. Bei den Bayern ist die Konkurrenz aber gross und der Rostocker wird 2009 für eine Saison an Bayer Leverkusen ausgeliehen. Nach seiner Rückkehr spielt Kroos zwar öfter, für seine Ansprüche aber zu wenig.
Nach der WM 2014 bittet der frischgebackene Weltmeister um die Freigabe und erhält sie zur Überraschung aller. Besonders geschockt ist der damalige Trainer Pep Guardiola, der den Bayern-Bossen vorschlägt, besser die häufig verletzte Vereinsikone Bastian Schweinsteiger abzugeben. Doch sein Wunsch wird nicht erfüllt und Kroos wechselt für nur 25 Millionen Euro zu Real Madrid. «Das war eine sehr harte Entscheidung, vielleicht die falsche, keine Frage», sagt der ehemalige Bayern-Präsident Uli Hoeness später.
Bei Real sorgt Kroos sofort für das, was dort schon lange vermisst wird: die nötige Stabilität im Mittelfeld. Das schmerzlich vermisste, letzte Puzzle-Teil dirigiert die Angriffe und hält seinen Kollegen Luka Modric, Karim Benzema und Cristiano Ronaldo den Rücken frei. Dreimal gewinnt Kroos mit den Königlichen die Champions League, 2017 wird er zum bislang einzigen Mal spanischer Meister.
Wir schreiben das Jahr 2016: Chinas grösster Fussball-Fan, Staatspräsident Xi Jinping, entscheidet, sein Land in eine Fussball-Weltmacht zu verwandeln. Ein 50-Punkte-Plan wird dafür ausgearbeitet, doch schnell wird klar, dass es China an den nötigen Fachkräften mangelt. Auch um selbst zu lernen, holt man sich ausländische Experten ins Land.
Weil das Niveau einheimischer Spieler noch zu wünschen übrig lässt, sollen ausländische Stars die Fans in die Stadien locken und die Chinesen für den Fussball begeistern. Geld spielt dabei keine Rolle: 2016 und 2017 kaufen die chinesischen Super-League-Klubs für fast eine Milliarde Euro Stars aus Europa ein.
Die teuersten sind die damaligen brasilianischen Nationalspieler Oscar (für 60 Millionen Euro von Chelsea) und Hulk (für 55,8 Millionen Euro von Zenit St.Petersburg). Sie lassen die sportlichen Herausforderungen in Europa hinter sich und folgen den Verlockungen des Geldes. Mit teilweise über 20 Millionen Euro im Jahr kassieren sie so viel wie in Europa höchstens Cristiano Ronaldo und Lionel Messi.
Die europäischen Ligen fürchten schon den Totalausverkauf nach China, da endet der Spuk auch schon wieder. Im Sommer 2017 legt der chinesische Fussballverband fest, dass jeder Verein, der mehr Geld für Spieler ausgibt als er einnimmt, den gleichen Betrag in die Förderung des chinesischen Fussballs investieren muss. Das fast blinde Wettbieten findet so ein schnelles Ende und die Transferausgaben der chinesischen Klubs fallen auf das Niveau von vor 2016 zurück.
222 Millionen Euro! Im Sommer 2017 bezahlt Paris St-Germain die auf diese irrsinnige Summe festgesetzte Ausstiegsklausel, um sich die Dienste von Neymar zu sichern. Der Brasilianer wird so zum mit Abstand teuersten Fussballer der Welt. Die alte Bestmarke von Paul Pogba (105 Millionen Euro) übertrifft er gleich um das Doppelte. Das sorgt für grosse Kritik: «Der Fussball verfällt in Masslosigkeit. Unsere Epoche hat aus Fussballern Halbgötter gemacht. Braucht die Gesellschaft des Spektakels wirklich so viel Geld nur für die Unterhaltung der Menschen?», fragt «Le Figaro».
Mit Neymar, der in Paris endlich aus dem Schatten von Lionel Messi treten will, scheint PSG endlich den Mann gefunden zu haben, der den neureichen Scheichklub zur Erfüllung all seiner Träume ballern soll – zum Gewinn der Champions League. Doch auch mit dem neuen Rekordmann scheitern die Pariser Jahr für Jahr früh.
Bereits nach zwei Jahren hat Neymar genug von PSG und will zurück nach Barcelona wechseln. Es folgt eine wochenlange Seifenoper, an deren Ende der Brasilianer nur widerwillig das Veto seines Vereins akzeptiert. Doch bereits ist Staffel 2 in den Startlöchern. Im Sommer wird es wohl so weit sein – nur wenn PSG die wegen des Coronavirus-Ausbruchs ausgesetzte Champions-League-Kampagne endlich erfolgreich beschliessen sollte, besteht die Hoffnung, dass die Telenovela abgesetzt wird.
Im Sommer 2015 wird Jürgen Klopp Trainer beim FC Liverpool. Behutsam baut der deutsche Erfolgscoach die «Reds» in der Folge zum Spitzenteam um. Mit Roberto Firmino (2015), Sadio Mané (2016) und Mohamed Salah (2017) stellt Klopp eine äussert schlagkräftige Offensive zusammen. Doch noch hat Liverpool ein Problem: Man kassiert zu viele Gegentore.
Deshalb holt Klopp im Winter 2018 den Holländer Virgil van Dijk vom Liga-Konkurrenten FC Southampton. Mit einer Ablösesumme von 84,65 Millionen Euro wird der 1,93 Meter grosse Innenverteidiger zum teuersten Abwehrspieler aller Zeiten. Doch jeder Cent lohnt sich: Dank Abwerhchef van Dijk (und dem im Sommer 2018 verpflichteten Torhüter Allison) können die «Reds» die Anzahl der Gegentore fast auf die Hälfte reduzieren.
Auch dank der neu gewonnenen defensiven Stabilität wird Liverpool zur besten Fussball-Mannschaft der Gegenwart. 2019 gewinnen die «Reds» die Champions League und in der Saison darauf marschieren sie schier unaufhaltsam in Richtung Meisterschaft. Nur der Ausbruch der Coronavirus-Pandemie verhindert im Frühling 2020 den ersten Meistertitel seit 1990 (vorerst).