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Im Frühjahr 1916 führten alle vier Nachbarstaaten der Schweiz die Sommerzeit ein und stellten die Uhr während der Sommermonate um eine Stunde vor. Das Ziel war es, vor dem Hintergrund der Kohleknappheit während des Ersten Weltkrieges, Energie zu sparen, wie der Historiker Jakob Messerli in einer Dissertation festhielt.
Die Schweizer Regierung wollte zunächst eingehende Abklärungen machen und führte das System im Jahr 1916 nicht ein. Somit war die Schweiz umgeben von Ländern, die dem Land in den Sommermonaten eine Stunde voraus waren. Nach einem Vernehmlassungsverfahren und einer breiten Debatte entschied sich der Bundesrat am 24. März 1917 definitiv dagegen, nachzuziehen.
Für die Ablehnung sprach einerseits der geringe Nutzen. Das zuständige Departement des Innern und der Bundesrat stuften die Einsparungen des Kohleverbrauchs in der Schweiz gar als «kläglich» ein, wie der Historiker Jakob Messerli aufzeigt. Die Elektrizität sei nicht mehr mit Gas, sondern mehrheitlich mit Strom aus der heimischen Wasserkraft erzeugt worden. Eine Umstellung des System hätte daher auch den Wassersektor benachteiligen können.
Weitere Probleme wurden in der Landwirtschaft festgemacht. So sei es schwierig, das Melken der Kühe und die Milchversorgung anzupassen. Hinzu kämen die gesundheitlichen Konsequenzen, die diese Umwälzungen im Lebensrhythmus von Bauern – und auch von Schülerinnen und Schülern – zur Folge gehabt hätten. Die Arbeitstage der Landbevölkerung seien bereits lang genug, hielt der Bundesrat fest.
Die langen und hellen Sommerabende fanden aber auch Anhänger. Einige sahen darin «einen grossen Vorteil, dass der Arbeiter in der Lage wäre, nach Feierabend noch beim Tageslicht sein Gemüseland zu bebauen, und damit zur vermehrten Inlandsproduktion der Lebensmittel beitragen könnte». In der Diskussion hatte dieses Argument allerdings wenig Gewicht, weil viele in der Verlängerung des Tages eine Gefahr für die Gesundheit des Volkes sahen.
In der Schweiz galt somit weiterhin ganzjährig die mitteleuropäische Zeit. Einzig während des Zweiten Weltkrieges beschloss der Bundesrat, die Sommerzeit während den Jahren 1941 und 1942 einzuführen – mit dem Ziel, Energie zu sparen. Weil diese Einsparungen jedoch zu unbedeutend ausfielen, habe man von der Massnahme im Jahr 1943 wieder abgesehen, hält Jakob Messerli fest.
In der Nachkriegszeit schienen mehrere Länder die Sommerzeit vorübergehend wieder abgeschafft zu haben. So kannte in den 1970er Jahren gemäss Messerli nur noch Italien die dauerhafte Sommerzeit. Frankreich führte sie 1976 wieder ein; 1980 folgten Deutschland und Österreich. Die Schweiz passte sich erst 1981 ihren Nachbarn an und führt die Sommerzeit dauerhaft ein.
Die Sommerzeit hat weiterhin Gegner. Eine 1982 von einem Zürcher SVP-Komitee lancierte Volksinitiative zur Abschaffung der Sommerzeit kam jedoch mangels genügender Unterschriften nicht zustande.
Sowohl im Jahr 2010 als auch im vergangenen Jahr reichte die Luzerner SVP-Nationalrätin Yvette Estermann eine Motion zur Abschaffung der Sommerzeit ein, die der Bundesrat ablehnte: Abschaffen würde er die Zeitumstellung nur dann, wenn die Mehrheit der umliegenden Länder diesen Schritt auch machen würde, schrieb der Bundesrat dieses Jahr in seiner Antwort auf die Motion.
Die Uhr muss jeweils am letzten Sonntag des Monats März um eine Stunde nach vorne gestellt werden. Am letzten Sonntag im Oktober wird die Uhr wieder zurückgedreht. Diese Praxis wurde im Jahr 1998 zwischen den Staaten der Europäischen Union harmonisiert.
(SDA)