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Grundlagen klösterlicher Wirtschaft
Ohne materielle Grundlagen kann kein Kloster existieren: Eine in Klausur lebende Gemeinschaft braucht für ihre weltabgeschiedene, gottgeweihte Existenz eine umfassende Versorgung. Die Basis jeder Klostergründung war somit eine tragfähige materielle Ausstattung bestehend aus Grundbesitz und Einkünften verschiedener Art. Dieser Besitz musste umsichtig verwaltet werden; das Wohlergehen eines Klosters war somit abhängig vom Geschick der Klostervorsteher und der Vorsteher der Ökonomie.
Stifter
Klostergut ist Stiftungsgut. Für die Stifter, die materielle Werte einem Kloster übergaben, waren diese Schenkungen eine Investition in ihr Seelenheil, denn in Form von „ewigen" Seelenmessen erhielten sie von der Mönchsgemeinschaft eine Gegenleistung. Zudem wurde ihnen das Recht gewährt, sich in den Klostergebäuden bestatten zu lassen.
Eine Stiftung stand am Anfang Ittingens als Kloster: Die Letzten der Familie der Herren von Ittingen wandelten ihren Adelssitz in ein Augustiner-Chorherrenstift um und übertrugen diesem ihren gesamten Besitz. Nach der Übernahme durch die Kartäuser 1461 ermöglichten mehrere Stifter die nötigen Bauarbeiten an der Klosteranlage und die Vergrösserung der Gerichtsherrschaft.
Gerichts- und Grundherrschaft
Eine wichtige und konstante Einnahmequelle für Klöster waren die Einkünfte aus grundherrschaftlichen Rechten wie Gerichtswesen, Zehnten und Bodenzinsen. Als das Chorherrenstift Ittingen im Spätmittelalter in seinem Bestand gefährdet war, wurde als Grund dafür stets die zu geringe Grösse der Gerichtsherrschaft angegeben. Deshalb strebten die Kartäuser nach der Übernahme des Klosters 1461 eine Vergrösserung an. Dies gelang jedoch innerhalb der längst gefestigten Herrschaftsverhältnisse im Thurgau nur in begrenztem Mass.
Land- und Selbstversorgungswirtschaft
Der berühmte St. Galler Klosterplan, der im 9. Jahrhundert auf der Insel Reichenau entstanden ist, dokumentiert das Bestreben, innerhalb der Klosteranlage eine umfassende Selbstversorgungswirtschaft zu installieren. Eine eigene Landwirtschaft war für die Versorgungssicherheit und Autarkie eines Klosters unabdingbar.
Die Kartäuser in Ittingen setzten in der Frühzeit dafür auf Laienbrüder, später zunehmend auf Angestellte, die innerhalb der Klostermauern lebten, sowie auf zahlreiche externe temporäre Angestellte. Aus den überlieferten Zahlen zu den Erträgen ist zu schliessen, dass die Bedeutung der Landwirtschaft nicht weit über die Versorgung der Mönchsgemeinschaft und der Angestellten hinausging.
Kreditwesen und Weinhandel
Die Kartause Ittingen galt bis um 1600 als armes Kloster und war mit Schulden beladen. Die Wende gelang im 17. Jahrhundert durch über Generationen hinweg ausgebaute unternehmerische Aktivitäten, die Ittingen im 18. Jahrhundert zum reichsten Kloster im Thurgau werden liessen. Sie beruhten auf einer engen Symbiose zwischen Kreditwesen und Weinhandel.
Wein baute das Kloster auf den Eigengütern selber an, und zudem ging Wein in Form von Zehnten ein. Der Umfang des Weingeschäfts jedoch ging weit über diese Erträge hinaus. Der Aufstieg zum grössten Weinhändler der Region war eng mit dem Kreditwesen verknüpft: So versorgte das Kloster Weinbauern der Umgebung mit Krediten und liess sich die Zinsen in Form von Traubenernten entrichten. Im 18. Jahrhundert wurde das Weingeschäft zusätzlich erweitert, indem in wachsendem Mass Traubenernten angekauft wurden. Know-how und Infrastruktur wurden kontinuierlich gepflegt und ausgebaut.
Pater Procurator Josephus Wech
Mit Procurator Josephus Wech (1702–1761) war um die Mitte des 18. Jahrhunderts ein äusserst umtriebiger und fähiger Mönch für die Wirtschaft der Kartause Ittingen verantwortlich. Besonders das Weingeschäft wurde unter ihm erheblich ausgeweitet, und er straffte die persönliche Aufsicht über alle Ebenen der klösterlichen Wirtschaft.
Aus heutiger, historischer Sicht ist seine umfangreiche schriftliche Hinterlassenschaft von grosser Bedeutung. Die zahlreichen Texte, in denen er seine Erfahrungen in der Verwaltung den Nachfolgern weitergeben wollte, bieten reichhaltige Einblicke in die Wirtschaft der Kartause Ittingen im 18. Jahrhundert.