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Die Erdbauten der ethnischen Minderheit der Hakka waren 2008 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt worden. Beim Besuch der Region kurz darauf hat mich vor allem eines interessiert: Wie hat sich diese Auszeichnung auf das Leben der gewöhnlichen Menschen ausgewirkt, die in den berühmten Rundhäusern der Provinz Fujian leben.
Frau Huang lächelt ein bisschen und hält uns einen Stapel Postkarten unter die Nase. “Wenn ihr keine Postkarten kaufen wollt, könnt ihr auch die oberen Stockwerke des Gebäudes besuchen. Aber das kostet zehn Yuan extra”, sagt sie. Ich bin erstaunt, dass die ältere Frau mit dem faltigen Gesicht und der Zahnlücke noch einmal Geld verlangt, schließlich haben wir ein Ticket gekauft, das den Zutritt zu allen Sehenswürdigkeiten erlaubt. Frau Huang lächelt nun nicht mehr. “Das stimmt schon”, beteuert sie. “Aber das gilt nur für den unteren Stock.” Nach einer Weile stellt sich heraus, was das eigentliche Problem ist: Offenbar verlangt die lokale Regierung relativ hohe Eintrittspreise und die Bewohner der Rundbauten sind mit dem Bruchteil der Einnahmen nicht zufrieden, der ihnen zugewiesen wird.
Frau Huang ist eine der rund hundert Bewohner eines Erdhauses in der ostchinesischen Provinz Fujian. Diese besonderen Gebäude, die auf Chinesisch Tulou (Erdturm) heißen,bestehen hauptsächlich aus gestampften Lehm (der die rund drei Meter dicke Aussenwand bildet) und Holz. In den meisten dieser burgartigen Häuser, die sich jeweils um einen geräumigen gemeinschaftlichen Innenhof schmiegen, lebt jeweils eine Großfamilie mit bis zu 800 Mitgliedern. Manche Gebäude reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück, doch die meisten sind weitaus jünger. Ein kleines Tulou hat einen Durchmesser von 17 Metern, das größte Tulou misst 90 Meter. Weil viele junge Leute in die Städte abwandern, gibt es in fast allen Erdhäusern zahlreiche leere Räume. Diese werden gerne an Touristen vermietet.
Auch ich hatte mich entschlossen, in einem dieser Gebäude unterzukommen. Ich war bereits vor zwei Jahren einmal mit meiner Schwester in der Region und wollte mir die Gegend nun mit meinem Schweizer Freund Felix noch einmal genauer anschauen. Denn seither hat sich etwas verändert: Die rund 23.000 Erdhäuser in der Region waren im Juli 2008 von der Weltkulturorganisation UNESCO als Weltkulturerbe gelistet worden. Den grimmigen Aussagen Frau Huangs zum Trotz war dies ein Segen für die Bewohner der Häuser.
Die Folgen der UNESCO-Auszeichnung
“Wir haben nun etwas mehr ausländische Gäste”, meint unser Fahrer auf dem Weg zu einer benachbarten Siedlung. “In China selbst sind die Erdhäuser schon lange bekannt.” Früher hatte seine Familie ein Restaurant in Xiamen. Doch seit immer mehr Interessierte in die Gegend kommen, haben sie das Restaurant verkauft und sind in das Dorf zurückgezogen. Nun besitzt die Familie ein Hotel, verkauft Tee an Touristen und fährt diese in einem VW Passat durch die Gegend
Auch eine andere Frau Huang, welche im Dorf Tianluokeng Zuckerrohr verkauft, äußert sich wohlwollend über zunehmenden Besucherzahlen im Nordosten der Provinz. “Früher musste mein Mann immer wieder nach Fuzhou, um dort etwas Geld zu verdienen. Heute ist dies nicht mehr nötig. Wir verdienen hier genug”, erzählt die ältere Frau. Wenn das Paar nicht auf den Feldern Tee anbaut, versucht es Souvenir an die Touristen zu verkaufen. “Dadurch ist unser Leben besser geworden.” Dass nun jeden Tag Reisegruppen durch ihren Innenhof wandern, stört sie nicht. “Der öffentliche Raum ist doch für alle da.”
Etwas weiter oben hat Herr Zhang einen Grill aufgestellt, wo er etwas überteuerte Grillspießchen anbietet. Anders als die lokalen Bewohner, die hauptsächlich Hakka sind, gehört Zhang der Volksgruppe der Han an. Er ist nur für eine kurze Weile hier. Eigentlich ist der knapp 40-Jährige ein Programmierer aus Xiamen. Doch nachdem er seine letzte Stelle verlassen hat, will er sich eine Auszeit gönnen und ein paar Monate lang in der schönen Gegend Spießchen zubereiten, wie er mit seinem städtischen Akzent ausführt. Später will er allerdings wieder die Annehmlichkeiten der Stadt genießen.
Praktische Tipps
- Anreise: Die Rundbauten befinden sich im Südwesten der Provinz Fujian und lassen sich am besten mit dem Bus ab Xiamen erreichen. Es gibt verschiedene Verbindungen zu den Tulous. Am Bus-Terminal von Xiamen wird man dir das richtige Ticket verkaufen. Zeige sonst diese Zeichen: 龙岩土楼主. Die Anreise sollte nicht länger als drei Stunden dauern.
- Übernachtung: Ein besonderes Erlebnis ist, in einem der Rundbauten zu übernachten. In der Regel ist dies ohne weiteres möglich und kostet auch nicht viel. Ich bezahlte vor etwa fünf Jahren 50 Yuan für ein Doppelzimmer. Das wird auch heute nicht viel mehr sein. Falls du dich zu einer Übernachtung im Tulou entschliesst, solltest du jedoch wissen, dass die sanitären Anlagen nicht für westliche Besucher ausgelegt sind. Die Dusche befindet sich im Erdgeschoss und die Toilette ist ein Loch ohne Wasserspühlung.
- Touristische Ziele: In der Region stehen einige tausend Toulous in unterschiedlichen Grössen. Es gibt eine Rundstrasse, auf der du verschiedene Dörfer besuchen kannst. Am einfachsten ist es, wenn du dir einen Tag lang einen Fahrer mit Auto mietest (um die 400 Yuan) und diese Strasse abfährst. Wenn du alleine unterwegs bist, kannst du auch ein Motorradtaxi mieten, was deutlich günstiger sein sollte. Denke daran, dass du ausserdem für den Besuch der Region einen Eintritt für (damals) 90 Yuan bezahlen musst. Wenn du chinesisch sprichst, kannst du dem Fahrer aber etwas anbieten, damit er die Kasse auf Schleichwegen umfährt.
- Kommunikation: Die Dürfer sind ziemlich einfach und nur wenige Leute können Englisch sprechen. Davon solltest du dich aber nicht abhalten lassen. Hier gibts Tipps für Reisende, die kein Chinesisch sprechen.
- Weitere lohnenswerte Ziele: Am besten verbindest du ein Besuch der Tulou mit einem Trip nach Xiamen, von wo aus sich die Weiterfahrt in Richtung Guangdong oder Shanghai anbietet. Alternativ kannst du auch die Tulous von Meizhou in Guangdong besuchen. Darüber hat Kilian hier geschrieben.
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