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KontaktSekretariat Institut Kompetenzdiagnostik
Pädagogische Hochschule St.Gallen
Hochschulgebäude Hadwig
Notkerstrasse 27
9000 St.Gallen
Schweiz
Öffnungszeiten
Montag - Freitag
08.00 - 12.00 Uhr
13.30 - 17.00 Uhr
Der Akkuratheit von Lehrerinnen- und Lehrerurteilen bezüglich der Leistung der Schülerinnen und Schüler wird in der pädagogisch-psychologischen Forschung eine hohe Bedeutung zugeschrieben. Dem liegt die theoretische Annahme zugrunde, dass pädagogische Entscheidungen, die den Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler angemessen sind und ihren Lernerfolg positiv beeinflussen können, zutreffende Einschätzungen der Lehrpersonen benötigen.
Oft wird davon ausgegangen, dass es sich bei der Urteilsakkuratheit um eine Fähigkeit von Lehrpersonen handelt (vgl. den Begriff der „diagnostischen Kompetenz“). Dies setzt voraus, dass Lehrpersonen in unterschiedlichen Situationen konsistent akkuratere oder weniger akkurate Urteile fällen. Basierend auf dieser Annahme wurde in Studien, bei denen Lehrpersonen Leistungen von Schülerinnen und Schülern beurteilen sollten, oft die Akkuratheit bezogen auf einen einzigen Kompetenzbereich verwendet, um Aussagen über die Akkuratheit von Lehrpersonen in einem ganzen Fach zu treffen.
In einem Beitrag in Teaching and Teacher Education untersuchte Dimitra Kolovou mit Kolleginnen und Kollegen der PHSG, der Universität Zürich und vom DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, wie angemessen dieses Vorgehen ist. Konkret werden folgende Fragestellungen adressiert: (a) Wie akkurat schätzen Mathematik- und Deutschlehrpersonen die Leistungen ihrer Schülerinnen und Schüler in einzelnen Kompetenzbereichen ein? (b) Inwiefern hängt die Akkuratheit der Einschätzung zwischen den Kompetenzbereichen zusammen?
Die Analysen erfolgten mit Daten von 54 Mathematik- und 55 Deutschlehrpersonen aus der deutschsprachigen Schweiz und ihren Schülerinnen und Schülern der siebten Klassenstufe. Herangezogen wurden Testergebnisse der Schülerinnen und Schüler und zugehörige Einschätzungen der Lehrpersonen zur Testleistung in drei Kompetenzbereichen in der Mathematik („Zahl und Variable“, „Form und Raum“ und „Grössen, Funktionen, Daten und Zufall“) und in Deutsch („Lesen“, „Hören“, „Sprache(n) im Fokus“).
Die Ergebnisse zeigten, dass die Akkuratheit der Mathematik- und Deutschlehrpersonen in den einzelnen Kompetenzbereichen moderat ausfällt. Darüber hinaus wiesen die Korrelationen zwischen den Kompetenzbereichen innerhalb jedes der beiden Fächer darauf hin, dass die Akkuratheit der Lehrpersonen in den Kompetenzbereichen zwar deutlich zusammenhängt, aber dennoch als voneinander unterscheidbar betrachtet werden sollte. Entsprechend kann nur mit gewissen Einschränkungen von der Akkuratheit in einem Kompetenzbereich auf diejenige in anderen Kompetenzbereichen geschlossen werden. Basierend auf den Ergebnissen der Studie kann empfohlen werden, bereichsspezifische Masse zu verwenden, wenn differenzierte Einblicke in die Akkuratheit von Lehrpersonen bei der Beurteilung von schulischen Leistungen in einem Fach erforderlich sind.