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Pantachrom
Year
1938 – 1939
Principle
Subtractive 3 color: Bi-pack and lenticular film recording, duplitized film with toning and silver dye-bleach
Invented by
John Eggert and Gerd Heymer (Agfa)
Description
“In October, Eggert of the Agfa Research Department, read a paper at the Berlin meeting of the Deutsche Gesellschaft für photographische Forschung, on the Pantochrom subtractive lenticular bipack tricolor process. (Fig. 1.) The green and blue separation positive images are formed in a lenticular emulsion (nearest the lens) and the red separation image is formed in a single layer coating in contact with the emulsion side of the lenticularfilm. Positives are printed on double coated stock carrying on one side an ordinary silver bromide emulsion, and on the other a double coated emulsion having a purple pigment in the upper layer and a yellow pigment in the lower layer. Printing is effected by contact simultaneously from both camera films, the front one, which has gone through a reversal process, being printed on the double emulsioned side of the positive and the other camera film on the single emulsion side. The single emulsion of the projection print (carrying the sound-track) is processed by a catalytic bleach method to form a blue-green image, whereas the double emulsion side is processed similarly to yield the remaining two-color subtractive positive.”
(Color Committee (1939): Progress in the Motion Picture Industry. Report of the Progress Committee for the Year 1938. In: Journal of the Society of Motion Picture Engineers, vol. 33, August 1939, pp. 123-125, on pp. 124-125.)
Original Technical Papers and Primary Sources
Eggert, John; Heymer, Gerd (1939): Das Agfa-Pantachrom-Verfahren. In: Veröffentlichungen des wissenschaftlichen Zentral-Laboratoriums der photographischen Abteilung Agfa, 6, 1939, pp. 46-64. (in German)
Secondary Sources
Alt, Dirk (2011): “Der Farbfilm marschiert!” Frühe Farbfilmverfahren und NS-Propaganda 1933-1945. München: belleville Verlag Michael Farin, on pp. 53-54, on p. 93 , on p. 115 , on pp. 115-116 , on p. 126 , on p. 142 , on p. 151 , on pp. 160-161 , on pp. 162-163 , on pp. 164-165 and on p. 345 . (in German)
Anonymous (1938), In: Kinematograph Weekly, 261 (Nov. 3, 1938), p. 29.
Anonymous (1939): Progress in the Motion Picture Industry. Report of the Progress Committee for the Year 1938. In: Journal of the Society of Motion Picture Engineers, 33, August 1939, pp. 123-125.
Beyer, Friedemann; Koshofer, Gert; Krüger, Michael (2010): UFA in Farbe. Technik, Politik und Starkult zwischen 1936 und 1945. München: Collection Rolf Heyne, on p. 50and on p. 51. (in German)
Finger, Ehrhard (1998): Die Pioniere des Wolfener Farbfilms. In: Industrie- und Filmmuseum Wolfen e. V. (ed.): Die Filmfabrik Wolfen. Aus der Geschichte, Heft 2, pp. 16-17. (in German)
Koshofer, Gert (1966): Fünfundzwanzig Jahre deutscher Farbenspielfilm. In: Film – Kino – Technik, 20,10, 1966, pp. 259-262, on pp. 259-260. (in German)
Meyer, Kurt (1940): Die farbenfotografischen subtraktiven Mehrschichten-Verfahren. In: Ergebnisse der angewandten physikalischen Chemie, 6,2. Leipzig: Akademische Verlagsgesellschaft, on pp. 368-370and pp. 427-430. (In German)
Schmidt, Richard; Kochs, Adolf (1943): Farbfilmtechnik. Eine Einführung für Filmschaffende. Berlin: Hesse, pp. 54-72. (Schriftenreihe der Reichsfilmkammer, 10.) (in German)
Schultze, Werner (1953): Farbenphotographie und Farbenfilm. Wissenschaftliche Grundlagen und technische Gestaltung. Berlin/Göttingen/Heidelberg: Springer, p. 97. (in German)
“Die Agfa brachte kurz vor dem zweiten Weltkrieg das Pantachromverfahren heraus [s. EGGERT und HEYMER (91)].
Zur Aufnahme diente ein Linsenraster-Zweipack, als Kopierfilm der Agfa- Tripofilm, der zunächst genau so aufgebaut war wie der schon früher für das Gasparcolor- Verfahren von der Agfa hergestellte Film, später aber nur auf der einen Seite zwei Silberfarbbleichschichten enthielt, auf der anderen Seite eine normale photographische Schicht, die im Laufe der Verarbeitung zu einem Eisenblaubild verarbeitet wurde (Abb. 38). In diesem Fall mußte der Linsenraster-Zweipack- Frontfilm einer Umkehrentwicklung, der ungerasterte Rückfilm einer Negativentwicklung unterworfen werden. Auf die beiden Silberfarbbleichschichten wurde vom Linsenrasterfilm, auf die Eisenblauschicht vom Rückfilm kopiert. Es handelte sich bei diesem Prozeß um ein subtraktives kombiniertes Spreiz-Sieb-Verfahren. Mit dem Pantachrom-Verfahren konnten normale Szenen aufgenommen werden, außer verschiedenen Trickfilmen wurden auch einige Kulturfilme gedreht. Die Ergebnisse waren recht befriedigend, das Verfahren wurde aber von der Agfa naeli kurzer Zeit zugunsten des inzwischen fertiggestellten Agfacolor-Negativ-Positiv- Prozosses (s. früher) zurückgezogen, der in der Herstellung und Verarbeitung wesentlich einfacher ist.”
(Schultze, Werner (1953): Farbenphotographie und Farbenfilm. Wissenschaftliche Grundlagen und technische Gestaltung. Berlin/Göttingen /Heidelberg: Springer, p. 97. (in German)
“In October, Eggert of the Agfa Research Department, read a paper at the Berlin meeting of the Deutsche Gesellschaft für photographische Forschung, on the Pantochrom subtractive lenticular bipack tricolor process. (Fig. 1.)
The green and blue separation positive images are formed in a lenticular emulsion (nearest the lens) and the red separation image is formed in a single layer coating in contact with the emulsion side of the lenticularfilm. Positives are printed on double coated stock carrying on one side an ordinary silver bromide emulsion, and on the other a double coated emulsion having a purple pigment in the upper layer and a yellow pigment in the lower layer. Printing is effected by contact simultaneously from both camera films, the front one, which has gone through a reversal process, being printed on the double emulsioned side of the positive and the other camera film on the single emulsion side. The single emulsion of the projection print (carrying the sound-track) is processed by a catalytic bleach method to form a blue-green image, whereas the double emulsion side is processed similarly to yield the remaining two-color subtractive positive.7
Reference
7 Kinemat. Weekly, 261 (Nov 3, 1983, p. 29.”
(Color Committee (1939): Progress in the Motion Picture Industry. Report of the Progress Committee for the Year 1938. In: Journal of the Society of Motion Picture Engineers, vol. 33, August 1939, pp. 123-125, on pp. 124-125.)
“Ehrhard Finger
Die Pioniere des Wolfener Farbfilms
Wenn vom Farbfilm und der Filmfabrik Wolfen die Rede ist, dann vor allem von dem unter Leitung von Dr. Gustav Wilmanns und Dr. Wilhelm Schneider ausgearbeiteten, am 17.10.1936 vorgestellten Agfacolor Neu-Verfahren, das dem farbigen Bild endgültig zum Durchbruch verhalf. Die weitgehende Einschränkung der herausragenden wissenschaftlichen Leistungen des einstmals bedeutendsten europäischen Rohfilmherstellers, auf dieses auch heute noch im Prinzip angewendeten Verfahrens, wird jedoch dem Anspruch einer ausgewogenen Bewertung des Beitrages der Filmfabrik Wolfen bei der Entwicklung des Farbfilms nicht gerecht. Es war zwar der Höhepunkt einer seit rund 30 Jahren von der Agfa in Berlin und Wolfen betriebenen Forschung auf dem Gebiet der Farbfoto- und Farbkinematografie, aber nicht der einzige herausragende wissenschaftliche Beitrag der Wolfener Forschungsstätte auf dem Weg zum modernen Farbfilm. So wurden zwischen 1909 und 1938 verschiedene Verfahren zur Herstellung farbiger Bilder forschungsseitig bearbeitet, mit einigen in die Produktion überführten Erzeugnissen das Qualitätsniveau der Branche mitbestimmt und 1934 mit dem ersten Farb-Kleinbildfilm der Fotogeschichte ein erster Meilenstein gesetzt. So war der 1937 auf der Pariser Weltausstellung mit einem Grand Prix ausgezeichnete Agfacolor-Neu-Film keineswegs der erste Farbfilm aus den Wolfener Labors und Produktionsanlagen.
Bereits 1916 stellte die Actien-Gesellschaft für Anilin-Fabrikation (Agfa) nach siebenjährigen Forschungsarbeiten in Berlin ihr erstes Farbmaterial, die Kornrasterplatte vor. Nach der Verlagerung der Produktion Ende 1932 nach Wolfen ergänzte man das Plattensortiment mit einem entsprechenden Film und entwickelte das Verfahren qualitativ weiter. Farbdiapositive von den Olympischen Spielen 1936 in Berlin und Garmisch Partenkrichen, angefertigt auf den Kornraster-Ultraplatten- und -filmen, sind Zeugnisse der Leistungsfähigkeit der damals höchstempfindlichen Kornrastermaterialien des Marktes.
Ebenfalls 1932 hatte man auf Basis des Linsenrasterverfahrens einen Farbschmalfilm auf den Markt gebracht und damit das Sortiment der Farbmaterialien erweitert. Zwei Jahre später folgte die Einführung des ersten marktfähigen Farb-Kleinbildfilms nach diesem Verfahren. Es läutete die Ära der farbigen Kleinbildfotografie ein. Bereits ein Jahr vor der Produktionsaufnahme der Kornrasterplatte und des Linsenrasterschmalfilms in Wolfen hatte man in Zusammenarbeit mit der Ufa ein Zweifarbenfilm (Bipackfilm) eingeführt und damit die Herstellung von Farbmaterialien in der Filmfabrik Wolfen begonnen. Die damit produzierten Zweifarben-Kulturfilme kamen unter dem Namen Ufacolor in die Kinos. Der am 10.12.1931 aufgeführte Film Bunte Tierwelt mit Aufnahmen aus Hagenbecks Tierpark wurde als “erster deutscher Farbenfilm” der Kinogeschichte gefeiert.
Im Oktober 1938, also zwei Jahre nach der Einführung des Agfacolor Neu als Foto- und Schmalfilm, stellte Professor John Eggert in Berlin das Pantachromverfahren zur Herstellung von Farbkinofilmen vor. Es verband die von den Zweifarbenfilmen bekannte Zweistreifentechnik (Ufacolor) mit dem Linsenrasterverfahren. Ein Dutzend Trick- und Kulturfilme erinnern an dieses in dieser Ausführung einzigartige Farbverfahren.
Die brillanten Farben der auf Agfa Tripofilm III gefertigten Kopien führten in der Werbebranche zu euphorischen Reaktionen und Überlegungen, es auch zur Herstellung von Spielfilmen zu nutzen. Erst nach umfassenden vergleichenden Prüfungen wurde Anfang 1939 endgültig entschieden, den Agfacolor Neu und nicht das Pantachromverfahren als das kinematografische Farbverfahren der Zukunft gemeinsam mit der Kinoindustrie auch für Spielfilmproduktionen einzuführen. Mit den genannten in der Wissenschaftlichen Abteilung unter Leitung von Professor Eggert ausgearbeiteten Farbmaterialien wurden nicht nur Erzeugnisse mit einem zu diesem Zeitpunkt hohen technischen Stand entwickelt, sondern im Rahmen der Forschungsarbeiten auch Strukturen geschaffen und Erfahrungen gesammelt, die bei der Ausarbeitung des Agafacolor Neu in den von Dr. Gustav Wilmanns geleiteten Technisch- Wissenschaftlichen Laboratorien von Nutzen waren. Damit wurden wesentliche Voraussetzungen geschaffen, die u. a. die Ausarbeitung des Agfacolor Neu-Verfahrens in nur 18 Monaten vom ersten Patent im April 1935 bis zur Einführung im Oktober 1936 erleichterte. Gründe genug, an die Leistungen der Pioniere des Wolfener Farbfilms, wie Professor J. Eggert, Dr. Gerd Heymer, Dr. Kurt v. Holleben, Dr. Arpad v. Biehler, Dr. August Tanzen und Dr. Hans Arens, um nur einige zu nennen, zu erinnern.”
(Finger, Ehrhard (1998): Die Pioniere des Wolfener Farbfilms. In: Industrie- und Filmmuseum Wolfen e. V. (ed.), Die Filmfabrik Wolfen. Aus der Geschichte, Heft 2, pp. 16-17. (in German)
“Zweiter Hauptteil
Die Farbfilmverfahren
Im ersten Hauptteil dieses Buches haben wir uns mit der Physik des Lichtes und der Psychologie des Farbsehens beschäftigt. Nunmehr gehen wir einen Schritt weiter und wenden uns den Verfahren zu, auf denen die Photographie in natürlichen Farben und somit auch der Farbfilm beruht. Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte ist eine schier unübersehbare Fülle von Vorschlägen ausgearbeitet und wieder verworfen worden, die auch nur dem Namen nach lückenlos aufzuzeichnen ein mühseliges und dabei unnützes Unternehmen wäre. Wir ziehen vor, nach Klarstellung der farbenphotographischen Grundlagen zunächst in die Unzahl der Vorschläge eine systematische Ordnung zu bringen, bevor wir uns der Besprechung der hauptsächlichen Verfahren zuwenden.
I. Grundlagen der Farbenphotographie
Wenn wir uns vor die Aufgabe gestellt denken, wir müssten erstmalig die Farbenphotographie erfinden, so würden uns der Erste Hauptteil dieses Buches den Fingerzeig für die beiden möglichen Methoden geben: dort ist einmal ausgeführt, daß man durch Übereinanderprojizieren roten, grünen und blauen Lichtes auf einem Schirm jede beliebige Lichtfarbe erhält, wenn man die Stärke der Farblichter entsprechend im Verhältnis zueinander regelt (Abb. 39). Wir erweitern dies nun dahingehend (Abb. 40), daß wir die Regelung der Stärke der Farblichter durch geeignete photographische Silberbilder vornehmen, über deren Herstellung wir später hören werden. Wir erfinden aber auch gleich noch die andere mögliche Methode, zu Farbbildern zu gelangen (Abb. 41): Wenn es uns gelingt, ein geeignetes purpurfarbenes, gelbes und blaugrünes Farbstoffbild herzustellen, brauchen wir diese nur hintereinander zu schalten und auf die Leinwand zu projizieren.
Die erste – additive – und die zweite – subtraktive – Methode ist in den Abbildungen an einem einfachen Beispiel, einem gelben Kreuz auf bläulichem Grund, erläutert.
Ohne daß uns damit die praktische Arbeitsweise der Farbenphotographie bereits bekannt wäre, haben wir doch induktiv abgeleitet, daß die Voraussetzung jedes naturfarbig projizierten Bildes das Vorhandensein von drei Teilbildern ist, die bei additiver Wiedergabe schwarzweiße Silberbilder, bei subtraktiver Wiedergabe aber Farbstoffbilder sein müssen.
Jedes Farbverfahren zerfällt in die drei Hauptteile:
1. den Aufnahmevorgang, der primär zur Herstellung der drei Farbauszüge führt,
2. die Maßnahmen zur Verarbeitung der Farbauszüge und
3. die Wiedergabemaßnahmen, durch die das farbige Projektionsbild erhalten wird.
Man muß sich ganz klar machen, daß Aufnahme und Wiedergabe durchaus selbständige und voneinander unabhängige Prozesse sind, und daß es sehr wohl möglich ist und sogar vorteilhaft sein kann, den Aufnahmeprozeß des Verfahrens A mit dem Wiedergabeprozeß der Verfahren B, C oder D zu kombinieren. Hiernach richtet sich dann die Gestaltung des Verarbeitungsprozesses.
2. Systematik der Farbenphotographie
a) Aufnahmeverfahren
Machen wir eine normale photographische Schwarzweißaufnahme, so entwirft das Objektiv unserer Kamera zu jedem Zeitpunkt nur ein einziges Bild auf dem Film. Bei Farbaufnahmen müssen wir indessen gleichzeitig drei Aufnahmen erhalten. Diese Aufnahmen müssen in allen Teilen untereinander identisch sein, bis auf die verschiedene photographische Umsetzung der Farbwerte der Objekte. Diese Farbauszüge lassen sich entweder nach der Methode der Farbspaltung (Abb. 42), der Farbsiebung (Abb. 43) oder nach verschiedenartigen Kombinationen aus Farbspaltung und -siebung erhalten (Abb. 44). Von Farbspaltung sprechen wir, wenn durch besondere optische Zusatzeinrichtungen hinter dem Aufnahmeobjektiv die Farbauszüge nebeneinander auf drei oder auf zwei Filmen oder auf einem einzigen Film entworfen werden. Bei Farbsiebung sind die drei Aufnahmeschichten hintereinander angeordnet, und zwar entweder auf drei oder zwei oder einem einzigen Film.
Unter diesen Gesichtspunkten läßt sich eine aufschlußreiche Systematik aller Möglichkeiten der Farbaufnahme entwickeln (Abb. 45). Man erkennt so den Zusammenhang der historisch oder gegenwärtig wichtigen Farbverfahren untereinander und bemerkt auch, daß nicht alle theoretisch möglichen Kombinationen bisher praktisch ausgeführt wurden.
Die Unterteilung in die Spalten 3 Filme, 2 Filme und 1 Film, die in der Kamera laufen, ergibt unmittelbar wichtige Rückschlüsse auf die Handhabung des Aufnahmeverfahrens. Nur die in der Spalte “1 Film” aufgeführten Verfahren können die vom Schwarzweißfilm her vorhandenen Aufnahmeapparate verwenden, während alle andern Verfahren Spezialkameratypen benötigen.
Die in der rechten oberen Ecke der Tabelle Abb. 45 aufgeführten Verfahren haben zwar das gemeinsame systematische Merkmal dreimaliger Farbspaltung bei Verwendung eines einzigen Films in der Kamera, indessen sind sie so heterogener Natur, daß es zweckmäßig ist, die hier bestehenden technischen Abarten im folgenden noch einmal besonders zu betrachten.
Es bestehen grundsätzlich drei Möglichkeiten der dreimaligen Farbspaltung bei Verwendung eines einzigen Films, und zwar die Zerlegung
1. in ganze Bilder (Abb. 46),
2. in Streifenraster (Abb. 47),
3. in Kreuz- oder Punktraster (Abb. 48)
Methode 1 ist verhältnismäßig trivial, sie verlangt die Verwendung eines Strahlenteilungsobjektivs bei der Aufnahme; meistens werden drei Bildchen etwa von Schmalfilmgröße auf dem Normalfilmbildfeld neben- und untereinander angeordnet. Methode 2 und 3 schachteln die Farbauszüge mikroskopisch fein streifen- bzw. punktweise ineinander; mit welchen Mitteln dies geschieht, werden wir noch erfahren.
b) Wiedergabeverfahren
Auch die Wiedergabeverfahren lassen sich durch eine systematische Betrachtungsweise übersichtlicher machen. Während bei der Aufnahme ein bis drei Filme gleichzeitig laufen, dient zur Wiedergabe immer nur ein einziger Film; anders wäre eine Vorführung praktisch schwierig durchzuführen. Der Wiedergabefilm trägt die drei Farbauszüge, und zwar entweder hintereinander oder nebeneinander (Tabelle Abb. 49).
Man vermag leicht einzusehen, daß die Nebeneinanderordnung der Farbauszüge die Umkehrung der Farbspaltung bei der Aufnahme ist, und daß man das farbige Projektionsbild in diesem Falle durch die additive Farblichtmischung erhält. Sind die Farbauszüge hintereinander auf dem Wiedergabefilm angeordnet, derart also, daß das Projektionslicht nacheinander die drei Farbauszüge durchsetzt, so bedeutet das subtraktive Farbbilderzeugung. Als äußerliches Unterscheidungsmerkmal kann dabei noch bewertet werden, ob die drei Farbauszüge alle auf der gleichen Seite des Films untergebracht sind, oder ob z. B. die eine Seite zwei, die andere einen Farbauszug trägt.
Die Tabelle Abb. 49 gibt ferner an, woraus das Bild besteht: aus Silber oder aus photographisch erzeugten Farbstoffen oder aus photochemisch gedruckten Farbstoffen. Der erstgenannte Fall beschränkt sich auf die additive Wiedergabe, die beiden anderen bedeuten subtraktive Wiedergabe.
c) Kopplung von Aufnahme- und Wiedergabeverfahren; die Verarbeitung der Farbauszüge
Das Ziel des Aufnahmeprozesses ist, die drei Farbauszüge herzustellen; das Ziel des Wiedergabeprozesses ist, die drei Farbauszüge wieder zu einem naturgetreuen projizierten Farbbild zu verschmelzen. Die Aufnahme-Farbauszüge erfahren nun verschiedene umfangreiche und umständliche photographische und photochemische Umwandlungen bis sie als Wiedergabe-Farbauszüge für die Projektion geeignet sind; d. h., daß sich zwischen Aufnahme und Wiedergabe ein von der Kopieranstalt zu leistender Verarbeitungsprozeß einschiebt, von dessen technischer Gestaltung und sorgfältigen Durchführung der Erfolg eines Farbverfahrens im hohen Maße abhängt.
Üblicherweise ist in unserer Vorstellung der Aufnahme- und Wiedergabeprozeß bei jedem Farbfilmverfahren eine zusammengehörende Einheit. Indessen ist dies nicht berechtigt; wir können jedes Aufnahmeverfahren aus Tabelle Abb. 45 mit jedem Wiedergabeverfahren aus Tabelle Abb. 49 kombinieren, indem wir den Verarbeitungsprozeß entsprechend leiten. Selbstverständlich ist nicht jede Kombination empfehlenswert und technisch vertretbar, dennoch zeigt diese Betrachtungsweise besonders deutlich die engen Zusammenhänge der Farbfilmverfahren untereinander. Wir werden an diesen Gedankengang eine vergleichende Betrachtung der wichtigsten Farbfilmverfahren anschließen, sobald wir sie im nächsten Abschnitt in ihren Grundzügen kennengelernt haben.
3. Kurze Beschreibung einiger typischer Farbfilm verfahren
a) Francita
Die Aufnahme ist in Abb. 50 schematisch dargestellt. Die Wiedergabe ist einfach die Umkehrung des Aufnahmestrahlenganges (Abb. 40). Es handelt sich also um ein Aufnahmeverfahren mit dreifacher Farbspaltung und um additive Wiedergabe. Negativfilm für die Aufnahme und Positivfilm für die Wiedergabe sind ganz gewöhnliche Schwarzweißfilmsorten. Ebenso unterscheidet sich der Verarbeitungsprozeß nicht von dem bei Schwarzweißaufnahmen. Das Francita-Verfahren, ebenso wie das im Prinzip gleiche Verfahren von Roux, Spektralcolor u. v. a., scheint das Kolumbusei unter den Farbverfahren zu sein: Rohfilme, Aufnahmekamera, Verarbeitung und Wiedergabeprojektor sind die gleichen wie bei Schwarzweißfilm, die einzige Veränderung ist je ein Spezialobjektiv für Aufnahme und Wiedergabegeräte. Die Gründe, die trotz ihrer Einfachheit und trotz vieljähriger Bemühungen diese Verfahren bisher scheitern ließen, sind:
1. geringe Helligkeit bei der Wiedergabe,
2. geringe Schärfe und Auflösung, d. h. mangelnder Detailreichtum der Bilder infolge des allzu kleinen Formats der Einzelbilder,
3. Deckungsfehler, d. h. farbige Konturen, besonders an den Bildrändern, teils wegen optischer Fehler der Teilbildlinsen, teils wegen der ungleichmäßigen Schrumpfung der Filme, durch die die relative Lage der Teilbildchen zueinander in wechselndem Maße geändert wird.
Eine überschlägig durchgeführte kurze Rechnung soll uns zeigen, warum wir von diesem Verfahren keine Bilder erwarten dürfen, die zuverlässig von Deckungsfehlern frei sind. Wir nehmen an, daß wir ein auf eine 8 Meter breite Leinwand aus 40 Meter Abstand projiziertes Bild aus 20 Meter Entfernung betrachten. Das Auflösungsvermögen des Auges wollen wir nur mit zwei Bogenminuten ansetzen (tatsächlich ist es noch größer); das bedeutet hier, daß zwei Bildkonturen, die etwa 1,2 cm auseinander liegen, noch getrennt wahrgenommen werden. Unter den vorausgesetzten Projektionsverhältnissen genügt bereits eine relative gegenseitige Versetzung der Teilbildchen um 0,015 mm um einen in der Projektion erkennbaren Deckungsfehler erkennen zu lassen. Die Filmschrumpfung allein bewirkt jedoch bereits relative Versetzungen von 0,04 mm, wenn Schrumpfungen bis zu 0,4% angenommen werden. Dazu kommen noch Bildfeldwölbungen in den Bildfenstern von Aufnahmeapparat und Wiedergabeprojektor, optische Linsenfehler sowie Dejustierungen der Teilbildlinsen bei Aufnahme und Wiedergabe, wodurch die Fehler in der Konturendeckung vervielfacht werden.
Bemerkenswert ist auch die überaus geringe Bildwandhelligkeit der Farbverfahren vom Francita-Typ. Sie ist einmal auf die früher bereits angeführten physikalischen Gründe zurückzuführen, die aber hier durch das winzige Format der Farbauszugbilder noch verschärft werden. An Stelle einer exakten optischen Ableitung der auftretenden Lichtverluste sei nur darauf hingewiesen, daß niemand von der Projektion eines Schmalfilms auf die riesige Wand eines großen Filmtheaters ein gleich helles und auch sonst mit einer Normalfilmprojektion gleichwertiges Bild erwarten wird. Die Filmbildgröße der Farbverfahren vom Francita-Typ entspricht aber der des Schmalfilms, so daß die entsprechenden Qualitätseinbußen unvermeidlich sind.
Es schien uns notwendig, auf diesen Typ von Farbfilmverfahren etwas genauer einzugehen. Das bestechende Moment der Einfachheit verführt immer wieder Erfinder dazu, auf diese Karte zu setzen; die prompt eintretenden oben erläuterten Fehler werden dann als leicht überwindbare Anfangsschwierigkeiten angesehen, während doch eine sorgfältige Durchrechnung der zulässigen Toleranzen für Linsenfehler, Justagefehler und Filmschrumpfung sowie eine Berechnung der erzielbaren Bildwandhelligkeit über die Grenzen des Verfahrens sofort Aufschluß geben würde.
b) Siemens-Berthon-Linsenrasterverfahren
Auch dieses Verfahren verwendet dreifache Farbspaltung für die Aufnahme und additive Wiedergabe. In Abb. 51 ist es schematisch dargestellt. Von den Verfahren vom Typ Francita unterscheidet es sich dadurch, daß die drei Farbauszüge nicht als vollständige kleine Bildchen getrennt nebeneinander angeordnet sind; hier wird jeder Farbauszug vielmehr in mikroskopisch feine Streifen aufgeteilt und mit den andern ebenso aufgeteilten Farbauszügen ineinandergeschachtelt. Es folgen also ständig fortlaufend je ein Streifchen Farbauszug Rot, Grün, Blau, Rot, Grün, Blau, Rot usw. Jedes Streifchen ist nur etwa 0,010 mm breit. Die technischen Mittel, mit denen diese erstaunliche Leistung erzielt wird, sind optischer Art. Die Zerlegung des Bildes in die 0,010 mm breiten Farbauszugstreifen bewirkt das auf dem Film selbst angebrachte Linsenraster im Verein mit einem im Objektiv angeordneten Dreizonenfarbfilter. Die Wiedergabe ist die genaue Umkehrung des Aufnahmestrahlenganges. Das heißt, daß auch der Positivfilm ein Linsenraster tragen muß, und daß in das Projektionsobjektiv ebenfalls ein Dreizonenfarbfilter einzusetzen ist. Der Vorteil dieser streifenweisen Anordnung der Farbauszüge ist, daß Deckungsfehler nicht mehr auftreten können; dafür entstehen allerdings Farbsäume, wenn die Bildkonturen zufällig parallel den dem Film aufgeprägten Zylinderlinsen verlaufen. Durch besondere optische Maßnahmen ist dieser Fehler vermeidbar.
Auf die Einzelheiten des Siemens-Verfahrens, das praktisch nicht mehr ausgeübt wird, wollen wir nicht näher eingehen; es genügt uns in diesem Zusammenhang, die Grundzüge herauszustellen. Die mit dem Siemens-Verfahren erzielte Farbgüte war bemerkenswert hoch. Dennoch gelangte es nicht zur praktischen Einführung, und zwar mit Rücksicht auf die allzu geringe Bildhelligkeit in der Projektion, die nur etwa den zehnten Teil einer unter gleichen Verhältnissen durchgeführten Schwarzweißprojektion erreichte. Trotzdem bleibt die wissenschaftliche und technische Leistung der Siemens-Laboratorien, in denen dieses Farbfilmverfahren aufs sorgfältigste und umfassend durchgearbeitet wurden, bewundernswert. Insofern ist das Siemens-Rasterverfahren ein Schulbeispiel in der Geschichte der Farbfilmtechnik: Man griff auf eine jahrzehntealte Grundidee zurück (die Grundzüge des Verfahrens waren bereits vor dem Weltkriege von Berthon und Keller-Dorian in Frankreich angegeben worden) und erwartete von einer wissenschaftlichen und technischen Ausschöpfung aller Möglichkeiten die Überwindung der im Anfangsstadium aufgetretenen Mängel. Dies gelang auch in einem bemerkenswerten Maß, wobei für das gesamte Farbfilmgebiet wesentliche Erkenntnisse gewonnen wurden. Nur die zu geringe Bildwandhelligkeit ließ sich mit den derzeitigen technischen Mitteln nicht verbessern, und daran mußte schließlich die Einführung des Verfahrens überhaupt scheitern.
c) Dufaycolor
Die Arbeitsweise dieses Verfahrens geht aus Abb. 48 hervor. Bevor bei der Aufnahme die Lichtstrahlen hinter dem Objektiv die photographische Schicht erreichen, wo sie das Bild des aufzunehmenden Objektes entwerfen, durchsetzen sie ein Farbraster, das unmittelbar im Kontakt mit der lichtempfindlichen Schicht steht. Die Belichtung und spätere Schwärzung der Schicht erfolgt also für jeden Punkt nach Maßgabe der dort wirksam gewesenen Lichtfarbe und der Farbe des Filterfeldchens. Würde z. B. gleichmäßig rotes Licht auftreffen, so wird dieses von den roten Filterstreifen durchgelassen, von den grünen und blauen Filterstückchen dagegen verschluckt werden. Nach der Entwicklung, in diesem Fall einer Umkehrentwicklung, die statt zum Negativ zum Positiv führt, erhält man unter den roten Streifen keine Silberschwärzung, unter den blauen und grünen Filtern dagegen hohe Schwärzungen. Der Film sieht also in der Durchsicht betrachtet gleichmäßig rot aus, da nur die roten Filterstreifen sichtbar sind, während die grünen und blauen Filterstreifen durch die Silberausscheidung verhüllt werden. Zu einem gleichartigen Aussehen des Bildes führt im Endresultat auch der Dufaycolor-Negativ-Positiv-Prozeß.
Obwohl es sich bei Dufaycolor um ein echtes Farbspaltungs-Aufnahmeverfahren und ein echtes additives Wiedergabeverfahren handelt, erhält man unmittelbar farbige Negative und Positive, was sonst nur bei subtraktiven Verfahren der Fall ist. Der Grund besteht darin, daß bei Dufaycolor die Farbfilter, die immer das Kennzeichen additiver Wiedergabe sind, unmittelbar und unlösbar auf dem Film selbst angebracht sind. Dieser scheinbare Vorteil ist aber auch gleichzeitig die Schwäche des Verfahrens: Die Feinheit des Farbrasters bestimmt die Auflösung und Schärfe des Bildes sowie die Farbgüte. Obwohl die Fabrikation eines derartigen Rasterfilms schwierig genug sein mag, genügt die Feinheit der Striche bei weitem noch nicht.
Das Dufaycolor-Verfahren, zu dem der Film seit Jahren von der englischen Filmfabrik Ilford hergestellt wird, ist bis jetzt noch nicht in bedeutende Anwendung gekommen; es ist auch für die Zukunft keine Aussicht dazu.
Bei der Wiedergabe besteht, wie bei allen additiven Verfahren, die Schwierigkeit, ausreichende Bildhelligkeit zu erhalten. Davon abgesehen kann der Film wie jeder subtraktive Farbfilm ohne Projektoränderung laufen, da er – wie gesagt – sein Farbfilter gleich mit sich führt.
d) Technicolor
Dem Technicolor-Verfahren kommt von den bisher genannten Farbfilmverfahren allein praktische Bedeutung zu. Die Aufnahme geschieht mit einer Strahlenteilungskamera, in der drei Normalfilme gleichzeitig laufen, und zwar der Grünauszug für sich, der Rot- und Blauauszug im Kontakt als sogenannte Bipackfilme. Es handelt sich also um ein Aufnahmeverfahren mit teilweiser Farbspaltung und -siebung. Die Anordnung entspricht Abb. 44.
Nach der Entwicklung werden von den Negativen sogenannte Matrizenfilme hergestellt, das sind Filme, die das Bild in Form eines Gelatinequellreliefs tragen. Die Matrizenfilme können bestimmte Farbstoffe aufnehmen, wobei die Menge des an jeder Stelle aufgenommenen Farbstoffes von dem Quellungszustand der Gelatine abhängt. Der so eingefärbte Matrizenfilm wird auf einen blanken Gelatinefilm umgedruckt: Werden der eingefärbte Matrizenfilm und der Gelatineblankfilm unter bestimmten Voraussetzungen in Kontakt miteinander gebracht, so zieht nach kurzer Zeit der Farbstoff vollständig in den Gelatinefilm ein, es entsteht in ihm also ein Farbstoffbild, das dem Bild auf dem Matrizenfilm aufs genaueste gleicht. Die dem Rot-, Grün- und Blauauszug entsprechenden Matrizenfilme werden nun beim Technicolor-Verfahren nacheinander jeweils mit den zugehörigen Farbstoffen eingefärbt und auf den Gelatineblankfilm umgedruckt, so daß dieser zuletzt in einer Schicht übereinander die drei Farbstoffbilder enthält. Damit ist im Prinzip die Technicolor-Kopie vorführfertig. Praktisch ist die Herstellung komplizierter; so verwendet man z. B. als Film, auf den die Farbstoffbilder umgedruckt werden, keinen Gelatineblankfilm, sondern eine Art von Positivfilm, in dem man zunächst eine sehr kontrastreiche Schwarzweißkopie aus allen drei Teilnegativen erzeugt. Durch dieses Schwarzbild, auch Schlüsselbild genannt, erhöht man die scheinbare Schärfe der nachträglich eingedruckten Farbstoffbilder; außerdem verringert man durch den Schwarzgehalt unliebsame Farbstichigkeiten. Besondere Vorkehrungen sind zu treffen, damit die drei bzw. vier Teilbilder registerhaltig werden, d. h. daß sie keine Farbsäume infolge von Deckungsfehlern aufweisen. Für die Kopienherstellung im großen wurden von Technicolor umfangreiche technische Anlagen in Amerika und England geschaffen. Während einer Reihe von Jahren war Technicolor überhaupt das einzige Verfahren, nach dem große Spielfilme hergestellt werden konnten. Neuerdings ist aber in dem deutschen Agfacolor-Verfahren ein ernsthafter Wettbewerber um den ersten Platz in der Farbfilmtechnik entstanden.
Die Wiedergabe bereitet bei Technicolor-Filmen keine Schwierigkeiten. Da der Film selbst ein Farbstoffbild trägt, also farbig ist, braucht an der Vorführmaschine keine Änderung vorgenommen zu werden: Auch die Helligkeit des Projektionsbildes entspricht etwa der des Schwarzweißbildes.
e) Pantachrom-Verfahren
Dieses interessante, vor Jahren von der Agfa entwickelte und beim erfolgreichen Durchsetzen des Agfacolor-Verfahrens wieder verlassene Farbfilmverfahren arbeitet folgendermaßen: Die Aufnahme erfolgt unter zweimaliger Farbspaltung und einmaliger Farbsiebung auf Bipackfilm, von dem der Frontfilm ein Linsenrasterfilm ist. Dieser nimmt den Grün- und Blauauszug auf, der ungerasterte Rückfilm dagegen den Rotauszug. Dementsprechend ist im Aufnahmeobjektiv ein Zonenfarbfilter mit den Farben Purpur (Blau- + Rotdurchlässigkeit) und Gelb (Grün- + Rotdurchlässigkeit) angeordnet. Kopiert wird auf einen Film, der auf der einen Seite zwei übereinandergegossene farbstoffhaltige Bromsilberschichten besitzt, und zwar eine Schicht mit Gelb-, die andere mit Purpurfarbstoff. Der Rotauszug wird auf die einfach begossene Seite kopiert und nach dem Entwickeln in bekannter Weise in ein Eisenblaubild umgewandelt. Der Linsenrasterfilm wird in einer Kontaktkopiermaschine in die Doppelschicht kopiert, und zwar der Blauauszug in die Gelbschicht, der Grünauszug in die Purpurschicht. Im Laufe des Entwicklungsprozesses werden diese Farbstoffe nach Maßgabe des entwickelten Silbers ausgebleicht.
Das Verfahren liefert also Kopien für subtraktive Wiedergabe, und zwar von hoher Farbsättigung. Der Nachteil besteht in der Gefahr von Deckungsfehlern beim Kopieren sowie in den Beschränkungen in der Aufnahmeoptik infolge der Verwendung eines Linsenrasterfilms. Obwohl das Verfahren wieder fallen gelassen wurde, ist es für unsere vergleichende Betrachtungsweise von großem Interesse, weil es ein schönes Beispiel dafür ist, wie Aufnahme- und Wiedergabemethoden beliebig koppelbar sind. Hier ist durch eine geschickte Anordnung erreicht worden, daß das Linsenrasterverfahren, das zunächst für die additive Wiedergabe prädestiniert erscheint, dennoch eine subtraktive Farbkopie liefert. Dadurch umging man die Schwierigkeit der zu geringen Bildwandhelligkeit und der Optikänderung des Projektors; angesichts dieser Vorzüge konnte man die Gefahr der Deckungsfehler beim Herstellen der Kopien in Kauf nehmen.
f) Agfacolor-Verfahren
Von diesem Verfahren wollen wir an dieser Stelle nur die Grundzüge insoweit bringen, als sie notwendig sind, um Agfacolor in die vergleichende Betrachtung der Farbfilmverfahren einreihen zu können. Im dritten Teil dieses Buches werden wir dann ausführlich auf die Eigenschaften des Verfahrens eingehen. Wir behandeln hier Agfacolor nur als Negativ-Positiv-Verfahren, während wir den Umkehrprozeß, dessen Anwendung auf den Amateurfilm beschränkt ist, übergehen.1
Einen Überblick über den gesamten Agfacolor-Prozeß gibt Abb. 53. Die Aufnahme erfolgt auf einem Film, der übereinander die drei Farbauszugsschichten trägt; Agfacolor ist also in der Aufnahme ein reines Farbsiebverfahren. Bei der Entwicklung entstehen primär Silberbilder, aber zugleich auch Farbstoffbilder; die Silberbilder werden entfernt, nur die Farbstoffbilder werden weiter verwendet. In der oberen Schicht ist das Bild aus gelben Farbstoffen aufgebaut, in der mittleren aus purpurfarbenen, in der unteren aus blaugrünen. Zum Kopieren wird ein ebensolcher Dreischichtenfilm verwendet, dementsprechend übertragen sich die Negativfarbauszüge in die ihnen nach Farbempfindlichkeit zugeordneten Schichten des Positivfilms, der nach der Entwicklung ebenfalls unmittelbar ein farbiges Bild liefert. Wir legen an dieser Stelle weniger Wert darauf, daß der Leser diese Vorgänge schon im einzelnen versteht (das werden wir im Dritten Hauptteil nachholen), als darauf, daß er das charakteristische Merkmal des Agfacolor-Verfahrens erfaßt: der Agfacolor-Negativfilm liefert bei der Entwicklung unmittelbar ein farbiges Bild, von dem ohne weiteres auf Agfacolor-Positivfilm eine farbige Kopie hergestellt wird, die für subtraktive Farbwiedergabe geeignet ist. Insoweit hat das Agfacolor-Verfahren eine scheinbare Ähnlichkeit mit dem Dufaycolor-Verfahren, das ebenfalls unmittelbar farbige Negative und ohne weiteres projektionsfähige Positive liefert. Während aber Dufaycolor sich für die Aufnahme der Farbspaltung bedient, verwendet Agfacolor die Farbsiebung, und während bei Dufaycolor die Wiedergabe additiv erfolgt, geschieht dies bei Agfacolor subtraktiv.
4. Vergleichende Gegenüberstellung der hauptsächlichen Farbfilmverfahren
Bevor wir diesen Teil des Buches abschließen und uns der speziellen Betrachtung des Agfacolor-Verfahrens zuwenden, wollen wir durch eine kurze vergleichende Betrachtung der hauptsächlichen Farbfilmverfahren eine Nutzanwendung zu ziehen versuchen. Die große praktische Bedeutung einer solchen vergleichenden Gegenüberstellung der hauptsächlichen Farbfilmverfahren besteht darin, daß nur sie die Grundlage für eine objektive Wertung und Abwägung der Aussichten zur Verwirklichung jedes Farbfilm Verfahrens gibt. Insofern ist dieses Kapitel nicht nur für den Techniker, sondern auch für den Geldgeber von neu auszuarbeitenden Farbfilmverfahren bestimmt.
Im Vergleich zum Schwarzweißfilm verlangt jedes Farbfilmverfahren unweigerlich einen höheren technischen Aufwand. Setzen wir einmal in erster Annäherung den technischen Aufwand bei jedem Farbfilmverfahren in seiner Gesamtheit als gleich groß voraus, wobei wir unter “technischem Aufwand” alle technischen Maßnahmen von der Rohfilmherstellung bis zum Projizieren des farbigen Bildes auf die Theaterleinwand verstehen. Wir unterteilen den gesamten technischen Aufwand weiterhin auf die Untergruppen:
a) Rohfilmherstellung für die Aufnahme
b) Aufnahmeeinrichtungen
c) Bearbeitung in der Kopieranstalt
d) Rohfilmherstellung für die Wiedergabe
e) Wiedergabeeinrichtungen im Theater
und veranschaulichen in Abb. 54, linke Hälfte, für die hauptsächlichen Farbfilmverfahren, wie es mit dem technischen Aufwand in diesen Untergruppen im Vergleich zum Schwarzweißfilm steht. Je höher sich die Fläche über die Grundlinie erhebt, desto größer ist der technische Aufwand einzuschätzen. Es ist klar, daß es sich dabei um eine subjektive Schätzung handelt, die nur eine Vorstellung von der Verteilung der technischen Schwierigkeiten liefern soll. Wir erkennen, daß es alle Variationsmöglichkeiten gibt: Der technische Aufwand kann auf zwei, drei, vier oder alle fünf Untergruppen verteilt sein. Für die Praxis am unangenehmsten ist es, wenn die Wiedergabeeinrichtungen besondere Aufwendungen erfordern, da es sich hier um eine sehr große Zahl von Apparaten, die zu ändern sind, handelt. Die Verfahren, die in Spalte e höheren Aufwand als Schwarzweißfilm verursachen, gehen also von vornherein mit einem Nachteil ins Rennen. Unbeliebt sind auch Änderungen an den Aufnahmeeinrichtungen (Spalte b), weil jede vom Schwarzweißfilm abweichende Konstruktion und Bedienung der Aufnahmekamera eine Erschwerung und Verteuerung des Atelierbetriebs mit sich bringt. Verfahren ohne besondere Ansprüche in dieser Spalte werden sich daher leichter praktisch einführen lassen als die andern. Besondere Maßnahmen in der Kopieranstalt (Spalte c) können dagegen leichter in Kauf genommen werden.
Die Kopieranstalt ist ohnehin als technischer Betrieb anzusehen, dem ein erhöhter Aufwand für den Farbfilm schon zugemutet werden kann. Allerdings bedeutet großer Aufwand an dieser Stelle in der Regel auch größeren Zeitbedarf für die Farbfilmherstellung. Dies kann insbesondere den Produktionsablauf eines Farbfilms empfindlich stören, wenn etwa die Musterkopien nicht innerhalb 24 Stunden geliefert werden können. Schließlich bleibt noch übrig, daß die Schwierigkeiten hauptsächlich auf die Rohfilmherstellung verlagert werden (Spalte a und d). Es leuchtet nach dem vorher Gesagten ein, daß dies eine vorzügliche Lösung sein muß; die Untergruppen b und e bleiben gänzlich unbetroffen, die Untergruppe c wird nur mäßig berührt. Vom Standpunkt des anwendenden Filmtechnikers, dessen Aufgabengebiet von der Aufnahme im Atelier bis zur Wiedergabe im Theater reicht, ist es geradezu die Lösung, denn sie verlagert den Hauptteil der Farbfilmschwierigkeiten sozusagen außer Haus. Dies ist auch ökonomisch eine ausgezeichnete Lösung: Jeder Ateliertag kostet Zehntausende von Mark; die paar hundert täglich gedrehten Meter Film stellen also eine äußerst wertvolle Investition dar. Je schwieriger ein Verarbeitungsprozeß ist, desto mehr Fehlerquellen hat er. Muß man also mit dem die Aufnahmen bereits tragenden Film umständlich manipulieren, um zum farbigen Bild zu kommen, so setzt man damit die wertvollen Aufnahmen allen diesen Verarbeitungsfehlerquellen aus. Sind dagegen die technischen Schwierigkeiten der Farbfilmherstellung im wesentlichen bereits bei der Fabrikation des Rohfilms, also noch bevor der Film bebildert wurde, überwunden worden, so verringern sich damit die Fehlerquellen, denen der Film nach der Belichtung ausgesetzt werden muß. Dabei ist vorausgesetzt, daß die bei der Rohfilmherstellung auftretenden Fabrikationsfehler durch eine sorgfältige Kontrolle entdeckt werden können, so daß also ein völlig einwandfreies Filmmaterial zur Aufnahme verwendet wird. Man kann demnach erwarten, daß Farbfilmverfahren, die auf vielen oder sogar allen Teilgebieten der Filmherstellung zusätzliche Schwierigkeiten machen, es schwerer haben werden, sich praktisch durchzusetzen, als solche, die nur wenige Teilgebiete beanspruchen.
Diese vergleichende Betrachtung würde unvollständig sein, wenn nicht außer den Schwierigkeiten auch die Ergebnisse der verschiedenen typischen Verfahren untereinander verglichen würden. Für die Bewertung der Ergebnisse haben wir in Abb. 54, rechte Hälfte, drei photographisch besonders wichtige Größen zugrunde gelegt, nämlich die Schärfenzeichnung des projizierten Bildes (Spalte a), das mögliche Auftreten von Deckungsfehlern und Farbsäumen (Spalte b) und die Helligkeit des Projektionsbildes (Spalte c). Die Bewertung dieser drei Größen ist auch hier im Verhältnis zum Schwarzweißfilm angegeben. Das heißt also z. B., daß bei Technicolor die Schärfenzeichnung etwas schlechter ist als beim Schwarzweißfilm, daß ferner die Gefahr der Deckungsfehler vorhanden ist, während die Projektionshelligkeit der vom Schwarzweißfilm gleicht. Dagegen ist z. B. das Francitaverfahren in allen drei Punkten dem Schwarzweißfilm stark unterlegen, wie aus den großen roten Flächen hervorgeht. Das Agfacolorverfahren indessen erreicht in allen drei Bewertungspunkten den Schwarzweißfilm; es zeichnet sich dadurch vor allen anderen Verfahren aus.
Abb. 54 stellt eine Art von technischer Bilanz der typischen Farbfilmverfahren dar, wobei die linke Hälfte die Sollseite, nämlich den technischen Aufwand, und die rechte Hälfte die Habenseite, nämlich das technische Ergebnis, bedeutet, und zwar beide im Vergleich zum normalen Schwarzweißverfahren dargestellt. Die Habenseite der Bilanz weist allerdings “rote Zahlen” auf, das heißt, sie ist negativ, sobald die Beurteilungsgrößen von den entsprechenden Schwarzweißwerten überhaupt abweichen. Das ist darin begründet, daß selbstverständlich kein Farbfilm etwa ein helleres Bild oder weniger Deckungsfehler liefern kann als der als Vergleichsbasis dienende Schwarzweißfilm. Aus dieser Bilanz kann man allerlei herauslesen, z. B. daß ein großer Aufwand ein besseres Ergebnis liefert als ein kleiner Aufwand, wie z. B. der Vergleich Agfacolor – Francita zeigt. Dies ist zwar eine Trivialität, dennoch hat sie sich auf dem Farbfilmgebiet hoch nicht allgemein durchgesetzt. Ferner, daß ein großer Aufwand allein noch keinen Erfolg verbürgt, er muß auch an den richtigen Teilgebieten eingesetzt sein (vergleiche Agfacolor – Dufaycolor); ferner, daß die additiven Wiedergabeverfahren (Siemens, Dufay, Francita) sämtlich eine schlechtere Bilanz aufweisen als die subtraktiven Verfahren (Agfacolor, Technicolor, Pantachrom); ferner, daß das Agfacolor-Verfahren unter allen Wettbewerbern weitaus an der Spitze liegt. Es ist selbstverständlich, daß für diese Gegenüberstellung die Bewertung verschiedenartiger Vor- und Nachteile nur qualitativ erfolgen kann. Trotzdem genügt die Genauigkeit der Angaben, um die wesentlichen Unterschiede deutlich aufzuzeigen.
Der Leser vermißt vielleicht in Abb. 54 eine Spalte “Güte der Farbwiedergabe”, denn schließlich scheint es das erste Kriterium eines Farbfilmverfahrens zu sein, “wie die Farben kommen”. Tatsächlich jedoch ist dies das unwichtigste Merkmal für eine strenge und objektive Abwägung der Aussichten der verschiedenen Farbverfahren. Mit etwas paradoxer Übertreibung läßt sich behaupten, daß die Farbgüte bei allen Verfahren gleich groß werden kann, wenn nur die für jedes Verfahren spezifischen Arbeitsbedingungen genügend streng gehandhabt werden. Bei einzelnen Verfahren würde dabei allerdings ein in der Praxis undurchführbar hoher technischer Aufwand getrieben werden müssen. Gerade unter der – theoretischen – Voraussetzung gleichwertiger Farbergebnisse bei allen Verfahren erweist sich unsere technische Bilanz als stichhaltig.
Tatsächlich hat auch die Praxis gezeigt, daß keine noch so bestechende Farbgüte ein Verfahren durchzusetzen vermag, dessen photographische Habenseite, gemäß Abb. 54, rechte Hälfte, nicht in Ordnung ist, während selbst eine im Anfang wirklich bescheidene Farbtreue dennoch die sofortige praktische Einführung eines Verfahrens nicht verhindert, dessen Habenseite in der technischen Bilanz günstig ist. Gute Schärfenzeichnung, Freiheit von Deckungsfehlern und große Helligkeit des projizierten Bildes sind vom Ergebnis her gesehen die wirklich ausschlaggebenden Faktoren auch beim Farbfilm.”
(Schmidt, Richard / Kochs, Adolf (1943): Farbfilmtechnik. Eine Einführung für Filmschaffende. Berlin: Hesse, pp. 54-72. (Schriftenreihe der Reichsfilmkammer, 10.) (in German)
“Das Agfa-Pantachromverfahren.1
Von John Eggert und Gerd Heymer.
Das Agfa-Pantachromverfahren dient der Herstellung von farbigen Normalfilmen für die Zwecke des Kinotheaters. Die Aufnahme erfolgt mit dem Linsenraster-Zweipack; kopiert wird im Kontakt auf Agfa-Tripofilm; der entstehende subtraktive Dreifarbenfilm ist ohne Zusatzgeräte auf jedem normalen Theaterprojektor vorführbar.
Über einige Vorstufen zum Pantachromverfahren ist in diesen Bänden in anderem Zusammenhange bereits früher berichtet worden.1, 2 Da jedoch inzwischen weitere Erfahrungen gesammelt, wesentliche Verbesserungen angebracht und mancherlei Kennzeichen geändert wurden, erscheint es nötig, das Verfahren als ganzes nochmals zu beschreiben.
Das Pantachromverfahren ist ein typisches Kombinationsverfahren. Aufnahmetechnisch betrachtet ist es weder den reinen Rasterverfahren noch den reinen Mehrpackverfahren zuzuordnen, sondern es stellt eine Kombination dieser beiden Verfahren dar. Ähnlich verhält es sich mit dem Kopierfilm, der nach einem kombinierten Silberfarbbleich- und Tonungsverfahren verarbeitet wird. Die prinzipielle Bedeutung Solcher Kombinationen3 liegt darin, daß sie bei geeigneter Auswahl der Bestandteile zu einem Verfahren führen können, in dem nur die Vorteile der Ausgangsverfahren zur Geltung kommen.
I. Das Aufnahmeverfahren.
a) Allgemeines.
Für das Aufnahmeverfahren wird der sogenannte Linsenraster-Zweipack2 verwendet (Abb. 1). Von den beiden, Schicht gegen Schicht die Kamera durchlaufenden Filmen ist der Frontfilm, der außer für blaues auch für grünes Licht empfindlich ist, als Linsenrasterfilm ausgebildet. Der Rückfilm ist durch Verwendung eines speziellen Sensibilisators mit starker Grünlücke vorwiegend für rotes Licht empfindlich; er nimmt also den Rotauszug auf.
Der Linsenrasterfilm arbeitet in bekannter Weise so, daß ein vor dem Objektiv angebrachtes Streifenfilter durch die dem Objektiv zugekehrten Zylinderlinsen des Films in Form farbiger Streifen in der lichtempfindlichen Schicht abgebildet wird.
Das Filter für den Linsenraster-Frontfilm müßte im vorliegenden Falle aus einem grünen und blauen Streifen bestehen, da im Frontfilm die Farbauszüge dieser Farben aufgezeichnet werden sollen. Da aber der Rückfilm mit rotem Licht belichtet werden soll, müssen die Filterstreifen auch beide für rotes Licht durchlässig sein; diese Rotdurchlässigkeit ist auf den Frontfilm ohne Wirkung, da dieser für Rot nicht empfindlich ist. Dementsprechend tritt an die Stelle des Blaufilters ein solches, das außer Blau auch Rot durchlässt, d. h. purpurfarben erscheint. Das zweite Filter, welches das Grün für den Frontfilm und das Rot für den Rückfilm durchlassen soll, ist entsprechend rot- und gründurchlässig, d. h. gelb gefärbt. Das Filter besteht also aus purpurnen und gelben Streifen, die beide das Rot für den Rückfilm durchlassen, jedoch vom grün- und blauempfindlichen Frontfilm nur als “Blau-Grünfilter” gesehen werden.
b) Technische Einzelheiten.
1. Filter. Außer in der Farbe weicht das Filter auch in der Form von den üblichen Linsenrasterfiltern ab. Obwohl durch das Linsenraster des Frontfilms nur eine Trennung in zwei Farben vorgenommen wird, besteht das Filter doch aus drei Streifen, und zwar ist das Purpurfilter für den Blauauszug in der Mitte angeordnet. Das Gelbfilter für den Grünauszug ist in doppelter Ausfertigung auf beiden Seiten des Purpurfilters angebracht (Abb. 2). Trotzdem findet die Aufzeichnung der Filterstreifen unter den Rasterlinsen nur in der Form statt, daß abwechselnd nur ein gelber und ein purpurner Streifen von jeweils der gleichen Breite entsteht. Wie das zustande kommt, ist in Abb. 3 näher erläutert (siehe auch Veröff. Agfa Bd. V, S. 41).
Die Erfahrung hat gezeigt, daß eine derartige Filteranordnung ganz besonders unempfindlich gegen gewisse optische Mängel der Rasterlinsen ist. Des weiteren rechnet es zu den Vorteilen dieser Methode, daß eine ungünstige Verteilung der spektralen Empfindlichkeit dadurch ausgeglichen werden kann, daß der doppelt vorhandene Filterstreifen derjenigen Teilfarbe zugeordnet wird, die bei der betreffenden Lichtfarbe benachteiligt ist; denn da das Licht, das durch die doppelt vorhandenen Filterstreifen fällt, auf dem Film dem gleichen Emulsionsstreifen zugeleitet wird, erhält dieser auch die doppelte Lichtmenge im Vergleich zu dem nur einmal vorhandenen Mittelstreifen.
Für Aufnahmen bei Tages- und Bogenlicht, in dem das Blau stärker vertreten ist, wählt man daher die schon beschriebene Anordnung mit doppelter Belichtung des Grünauszuges, während für Nitralicht die umgekehrte Anordnung in Frage kommt, bei der ein Gelbstreifen in der Mitte zwischen zwei Purpurstreifen liegt. Schließlich sind noch zwei Vorteile zu nennen, die sich besonders gegenüber dem gewöhnlichen Linsenrasterfilm mit Rot-Grün-Blaufilter geltend machen: Durch die symmetrische Anordnung des Filters wird erstens der Einfluss der Objektiv-Vignettierung verringert und zweitens die farbige Tiefenunschärfe unauffälliger gemacht. Als Vereinfachung gegenüber dem gewöhnlichen Bipackverfahren kommt ferner hinzu, daß die sonst stets zwischen Front- und Rückfilm angeordnete Filterschicht fehlen kann. Beim Linsenraster-Zweipack ist sie nicht mehr nötig, denn das aus dem Filter austretende Strahlengemisch enthält Blau und Rot nur noch im Verhältnis 1 : 3, so daß die Absorption des noch vorhandenen Blau durch die Emulsionsschicht des Frontfilms bereits hinreicht, um es für den Rückfilm unschädlich zu machen.
2. Der Frontfilm. Der Frontfilm trägt ein Raster aus Zylinderlinsen, die in der Längsrichtung des Films verlaufen. Die einzelne Rasterlinse besitzt zur Zeit eine Breite von ungefähr 43μ. Bei dem früheren Agfacolor-Schmalfilm4, 5 nach dem Linsenrasterverfahren war bekanntlich eine Rasterbreite von nur 28μ gewählt worden, so daß von einer Rasterstruktur im projizierten Bilde praktisch nichts zu sehen war. Mit der um nur 54% größeren Rasterbreite von 43μ lassen sich daher beim Normalfilm, dessen Bild linear rund doppelt so groß ist wie das Schmalfilmbild, erst recht genügend scharfe Aufnahmen erzielen. Die größere Rasterbreite kommt dem Auflösungsvermögen der Emulsion zu gute und damit dem Farbtrennungsvermögen, von dem die Farbsättigung des Bildes abhängt.
Das Linsenraster wird nach dem Abgießverfahren hergestellt (Abb. 4), d. h. es wird zunächst eine mit sehr dünnem Draht bewickelte Walze auf einer plastischen Unterlage abgeprägt und von dieser Unterlage dann der gerasterte Schichtträger abgegossen. Dieses Verfahren hat gegenüber dem sonst vielfach angewendeten Verfahren der nachträglichen Prägung des fertigen Films den Vorteil, daß Linsen von sehr glatter Oberfläche entstehen, und daß die Qualität des Rasters an einem Probeabguß vorher genau festgestellt und danach fortlaufend reproduziert werden kann.
Der Frontfilm trägt ferner eine graue Anfärbung von der Transparenz 0,66, d. h. es werden etwa 34% des Lichtes absorbiert. Diese Anfärbung ist nötig, um den Lichthof zu vermeiden.6 Da man den Frontfilm durch den Schichtträger hindurch belichtet, wird von den beleuchteten Stellen der Schicht ein Teil des Lichtes (etwa 50%) gegen den Schichtträger und von dort in verschiedener Weise auf die Schicht zurückgeworfen. Diejenigen Strahlen nun, die nahezu parallel dem einfallenden Strahl zurücklaufen, treten zum größten Teil wieder aus dem Schichtträger in die Luft aus, sind also unschädlich. Solche Strahlen jedoch, die unter dem Winkel der Totalreflexion (und flacher) zurücklaufen, werden wieder auf die Emulsionsschicht geworfen und erzeugen hier einen Lichthof. Rings um den Punkt, an dem der primär einfallende Strahl die Schicht trifft, gibt es also ein Gebiet, in dem es praktisch keinen Lichthof gibt (Abb. 5).
Dann setzt mit einer scharfen Grenze der durch Totalreflexion bedingte Lichthof ein, der nach außen hin langsam wieder abnimmt. Der dem Grenzwinkel der Totalreflexion entsprechende Strahl trifft wieder auf die Schicht an einer Stelle, die bei einem Brechungsindex des Filmmaterials von ungefähr n = 1,5 μm etwa die Filmdicke vom Eintrittspunkt des Lichtstrahls entfernt ist. Es ist besonders darauf hinzuweisen, daß die durch das Raster entstehende Unsymmetrie des Lichthofes nur unbedeutend ist, da die Linsen nur sehr flach sind. Die genannte leichte Anfärbung des Schichtträgers hat nun die Wirkung, daß die stark seitwärts reflektierten Strahlen wegen ihres längeren Weges durch den angefärbten Teil hindurch erheblich stärker geschwächt werden als die direkt einfallenden Strahlen. Ist d die Dicke der Schicht und n der Brechungsindex des Schichtträgers, so hat die Länge des Weges, den der Lichtstrahl vom ersten Auftreffen auf die Schicht bis zum Wiederauftreffen nach der Reflexion zurückzulegen hat, den Wert W = 2 n-d; für n = 1,5 ist W = 3 d. Abb. 6 zeigt die Abhängigkeit der Intensität des Lichthofes von der Stärke der Anfärbung, die durch die Schwächung des direkt einfallenden Lichtes bis zum ersten Auftreffen auf die Schicht gegeben ist. Es geht daraus hervor, daß eine Anfärbung, die 66% des primär einfallenden Lichtes durchläßt, den Lichthof an der Grenze der Totalreflexion auf 29% der ohne Lichthofschutz vorhandenen Stärke herabdrückt.
Die Emulsion des Frontfilms ist derjenigen des früheren Agfa Color-Schmalfilms mit Linsenraster ähnlich, aber auf den neuesten Stand der Emulsionstechnik gebracht. Es sind zwei Gründe, die dazu geführt haben, diese Emulsion als Umkehremulsion auszubilden. Einerseits verlangt, wie später noch dargelegt wird, das Kopierverfahren eine zum Positiv entwickelte Vorlage, so daß es vorteilhaft ist, die Aufnahmen durch Umkehrentwicklung sofort zum Positiv umzuwandeln; andererseits bringt die Umkehrentwicklung mit den bei Farbrasteraufnahmen seit je gern verwendeten ammoniakhaltigen Entwicklern eine Erhöhung der Kontraste unter den Rasterlinien mit sich, durch die solche Farbverluste etwas kompensiert werden, die durch Lichtstreuung in der Emulsionsschicht bedingt sind. Diese auf dem Nachbareffekt7 beruhende Erhöhung des Kontrastes wirkt sich nur bei sehr nahe beieinander liegenden Schichtstellen aus, so daß tatsächlich nur die Kontraste der unmittelbar nebeneinander liegenden Rasterlinien verstärkt werden, nicht dagegen der normale Bildkontrast zwischen weiter auseinander liegenden Stellen des Bildes. Den Verlauf der Schwärzungskurve des Linsenraster-Frontfilms zeigt Abb. 7.
3. Der Rückfilm wird im Gegensatz zum Frontfilm nur zum Negativ entwickelt. Die Schwärzungskurve des Materials zeigt die Abb. 7. Der Schichtträger ist ebenfalls mit einer Anfärbung versehen, die als Lichthofschutz für das die Schicht durchdringende Licht dient. Die Empfindlichkeiten des Front- und Rückfilms sind so aufeinander abgestimmt, daß sie bei Kohlebogenlicht und auch noch bei dem nicht erheblich davon abweichenden Tageslicht hinreichend zueinander passen. Die noch vorhandenen Differenzen lassen sich im Kopierprozeß ohne Schwierigkeiten ausgleichen.
4. Die Empfindlichkeit. Bei allen Farbenverfahren ist die Frage der Empfindlichkeit von vordringlicher Wichtigkeit, da diese grundsätzlich geringer ist als die der besten Schwarz-Weiß-Filme. Das ist jedoch nicht zu ändern, denn in der Schwarz-Weiß-Photographie werden ja alle drei Spektralgebiete zusammen zum Aufbau eines einzigen Bildes ausgenutzt. Bei der Farbenaufnahme dagegen muß jedes dieser Spektralgebiete gesondert aufgezeichnet werden, so daß die Empfindlichkeit günstigsten Falles, von allen sonstigen Eigenarten des betreffenden Verfahrens abgesehen, etwa ein Drittel derjenigen des höchstempfindlichen panchromatischen Aufnahmefilms betragen kann. Alle Anordnungen aber, die zur Gewinnung der drei Teilfarbenaufzeichnungen erforderlich sind, bedingen weitere Empfindlichkeitsverluste, sei es durch Strahlenteilung mittels teilweise durchlässiger Spiegel, sei es durch davorliegende Emulsionsschichten, oder schließlich durch Filter, wie auch bei dem vorliegenden Verfahren. Immer wird es dabei auch eine Schicht geben, die besonders benachteiligt ist, so daß die Gesamtempfindlichkeit des Systems geringer ist, als der höchstempfindlichen Teilschicht entsprechen würde. Im vorliegenden Falle ist die Empfindlichkeit durch den Frontfilm gegeben, der als Linsenrasterfilm ein besonders gutes Auflösungsvermögen erfordert, was bisher nur bei Einhaltung einer bestimmten Körnigkeit zu erzielen ist, so daß sich die Empfindlichkeit nicht mit den sonst üblichen Mitteln beliebig steigern ließ.
Die Empfindlichkeit in DIN-Graden anzugeben ist natürlich nicht möglich. Um trotzdem eine angenäherte Vorstellung von der praktischen Aufnahmeempfindlichkeit des vorliegenden Farbverfahrens zu geben, möge die Angabe dienen, daß mit den zur Zeit benutzten Emulsionen ohne besondere Übersensibilisierung mit einem Objektiv von der Öffnung f : 2 bei einer Beleuchtungsstärke von etwa 6-7000 Lux bei Kohlebogen- oder Tageslicht aufgenommen werden kann. Um einen Anhaltspunkt zu geben, sei erwähnt, daß Sonnenlicht etwa einer Beleuchtungsstärke von 90000 Lux entspricht.
5. Aufnahmegerät. Für die Aufnahme des Linsenrasterzweipacks ist die Verwendung einer für Bipackfilm eingerichteten Kamera erforderlich. Hierfür stehen mehrere Apparatetypen zur Verfügung. Schon bei Versuchen mit gewöhnlichem Bipackfilm für zweifarbige Wiedergabe hat es sich allerdings gezeigt, daß nicht alle Geräte in dieser Beziehung gleichwertig sind. Der Vorgang der Ausrichtung der beiden übereinanderliegenden Filme ist recht komplexer Art; es ist nicht einfach damit getan, daß der zur Ausrichtung der beiden Filme dienende Justiergreifer genügend stark ist, um zwei nicht genau übereinanderliegende Filme soweit zu verschieben, bis sie sich decken. Die für den Ausrichtvorgang zur Verfügung stehende Zeit ist nämlich nur sehr kurz, und das Filmmaterial gegen Verformung nur begrenzt widerstandsfähig. Aus diesem Grunde ist es wichtig, daß die Filme in dem Augenblick, in dem der Justiergreifer in Funktion treten soll, bereits im wesentlichen ausgerichtet sind, so daß der Justiergreifer nur noch geringfügige Verschiebungen auszugleichen hat. Es hat sich gezeigt, daß hierfür besonders diejenigen Geräte geeignet zu sein scheinen, bei denen der Filmlauf ohne jede seitliche Verschränkung oder Versetzung erfolgt.
Von großer Wichtigkeit für die Erzielung einer ausreichenden Schärfe auf dem Rückfilm ist naturgemäß der Druck, mit dem die Schichten des Front- und Rückfilms aufeinandergepresst werden. Wird der Andruck zu stark gewählt, so besteht die Gefahr, daß die Justiergreifer nicht mehr in der Lage sind, die Reibung der Filme gegeneinander zu überwinden, so daß Fehler in der Deckung der Konturen auftreten. Bei zu losem Andruck arbeiten die Justiergreifer zwar besser, die Schärfe des Rückfilms sinkt aber dementsprechend ab, so daß man darauf angewiesen ist, ein Optimum herauszusuchen, das am besten durch besondere Versuche ermittelt wird, da die mechanischen Verhältnisse von Kamera zu Kamera sehr verschieden sind.
Die Verwendung des Bipackfilms setzt Spezialkassetten voraus, für die es eine Reihe von Konstruktionen gibt. In diesem Zusammenhang sei eine Spezialkonstruktion erwähnt, die sich infolge ihrer gedrungenen Form unter manchen Verhältnissen besser eignet als die bisweilen etwas sperrigen Doppelkassetten. Sie ist in Abb. 8 wiedergegeben.
Front- und Rückfilm werden hier Schicht gegen Schicht von vornherein übereinander gewickelt, so daß sich auf der Ablaufseite nur eine einzige Rolle befindet, wie auch auf der Aufwickelseite beide Filme wieder zusammen aufgewickelt werden. Ohne besondere Vorsichtsmaßregeln würde nun aber der außenliegende Film mit der Zeit eine Schleife bilden, die zu Störungen Anlaß geben kann, und auch auf der anderen Seite würde mit steigender Bewicklung der Aufwickelrolle der innenliegende Film wieder eine Schleife mit gleicher Wirkung bilden. Läßt man jedoch die Filme an zwei einander gegenüberliegenden Stellen ablaufen, so sind sie bei genau gleicher Filmdicke vollkommen gleichberechtigt, d. h., es gibt keinen außenliegenden und keinen innenliegenden Film. Infolgedessen kann auch keiner der beiden Filme eine Schleife bilden. Sind die Filmdicken einander nicht gleich, so müssen die Ablaufstellen entsprechend von der Durchmesserlage abweichen und gegeneinander versetzt sein, oder aber es wird durch einen gefederten Spannhebel dafür gesorgt, daß die noch vorhandenen Unterschiede ausgeglichen werden. Abb. 8 zeigt eine solche Kassette in der geschilderten Form. Es verdient vielleicht hervorgehoben zu werden, daß eine derartige Konstruktion den Doppelkassetten gegenüber den Vorteil geringeren Störgeräusches besitzt, da ein Teil der sonst erforderlichen Antriebsmechanismen fortfällt.
6. Aufnahmetechnik. Für die Abstimmung auf die verschiedenen in Frage kommenden Lichtarten (Kohlebogen-, Tages-, Nitralicht) besteht entweder die übliche Möglichkeit der Vorsatzfilter oder aber diejenige der Veränderung der Streifenlänge der Streifenfilter; welche Abstimmungsart gewählt wird, hängt von den Umständen ab und ist bis zu einem gewissen Grade in das Belieben des Kameramannes gestellt.
Die Art der verwendeten Kohlen ist ebenfalls nicht streng vorgeschrieben. Für die zur Zeit bestehende Sensibilisierung werden mit Vorteil Reinkohlen (Siemens-Plania Vollgrün SS-Kohlen) benutzt. Diese Kohlensorte dürfte sich schon aus dem Grunde empfehlen, weil sie dem Tageslicht am nächsten kommt. Die Beurteilung der Farben wird durch Änderung der Lichtfarbe bekanntlich erheblich erschwert. Möglichst genaue Anpassung an das Tageslicht wird nicht nur jede unnötige Schwierigkeit in dieser Beziehung vermeiden, sondern auch die Schminktechnik vereinfachen, weil sie für Kunstlicht und Tageslicht in gleicher Weise durchgeführt werden kann. Allgemein gilt, daß man die heute übliche Schminktechnik für Schwarz- Weiß-Filme ganz aufgeben muß. Als die beste Schminkart hat sich diejenige erwiesen, bei der die Farben bei Tageslicht möglichst natürlich oder höchstens im ganzen etwas vertieft erscheinen, ohne daß irgendeine Farbe vorherrscht.
Die Beleuchtung der aufzunehmenden Szene muß im allgemeinen weicher als beim bisherigen Schwarz-Weiß-Film sein, bei dem ein gewisser durch die Beleuchtung geschaffener Kontrast das wesentlichste Mittel zur Erzielung der erforderlichen Plastik ist. Diese wird aber beim Farbfilm in viel stärkerem Maße durch die Farbe (besonders vielleicht durch die farbigen Schatten) erzielt, so daß man unter Umständen bei ganz weicher Beleuchtung nur durch die Farbe allein starke Plastik des Bildes erzielen kann. Im ganzen genommen empfiehlt es sich jedoch nicht, hier allzu viele Regeln anzugeben, da sich freie Praxis und künstlerischer Wille erfahrungsgemäß bald genug von ihnen lösen.
7. Entwicklung. Wie schon erwähnt, wird der Frontfilm einer Umkehrentwicklung unterworfen, während der Rückfilm zum Negativ entwickelt wird. Der Gammawert, bis zu dem entwickelt wird, richtet sich einerseits nach dem Kopiermaterial, andererseits ist er bis zu einem gewissen Grade durch die angestrebte Wirkung bedingt. Es sei erwähnt, daß für den derzeit in Gebrauch befindlichen Kopierfilm der Frontfilm zu einem Gamma von 0,9, der Rückfilm zu einem solchen von 1,4 entwickelt wird.
II. Die Herstellung der Kopie.
a) Allgemeines.
Wie bereits erwähnt, ist auch der Kopierfilm nicht nach einem einheitlichen Verfahren aufgebaut, sondern aus zwei verschiedenen Verfahren in besonders geeigneter Weise zusammengestellt. Der Film ist auf beiden Seiten begossen und trägt auf der dem Rückfilm entsprechenden Seite eine mit einem auswaschbaren gelben Schirmfarbstoff begossene, nicht sensibilisierte Emulsion. Diese Schicht wird in der üblichen Weise unter dem Rückfilmnegativ im Kontakt kopiert, entwickelt, fixiert, gewässert und in der für den zweifarbigen Agfa-Dipofilm8, 9 bekannten Weise durch Schwimmenlassen in langen Kufen der üblichen Eisenblautonung unterworfen. Das hierdurch entstehende Bild hat den für ein Dreifarbenbild erforderlichen etwas grünlichen Blauton. Die Emulsion zeigt gegenüber derjenigen des früheren Dipofilms bessere Feinkörnigkeit. Damit ist gleichzeitig ein Problem gelöst, das beim Farbenfilm häufig nur schwer oder auf komplizierte Weise zu lösen ist: Die Aufbringung des Tonstreifens. Die meisten unserer organischen Farbstoffe sind im Infrarot, dem Hauptempfindlichkeitsgebiet der Photozellen, ganz oder teilweise durchlässig,10 so daß der Aufbau der Tonspur aus den Farbstoffen des eigentlichen Farbbildes auf Schwierigkeiten stößt. Meistens ist man dann gezwungen, eine Tonspur aus Silber zu verwenden, was aber stets besondere Maßnahmen erfordert und den Prozeß der Fertigstellung umständlicher macht. Im vorliegenden Falle dagegen wird die Tonspur in der üblichen Weise auf die für den Rückfilm bestimmte Schicht des Kopierfilms kopiert und mit diesem zusammen blaugetont. Das entstehende Eisenblaubild ist für Abtastung mit infrarotem Licht gut geeignet; die Herstellung der Tonspur erfordert also nicht die geringste zusätzliche Maßnahme.
Obwohl die Kopiervorlage für die andere Seite des Kopierfilms, die die gelbe und purpurne Schicht trägt, ein Linsenrasterfilm ist, wird dieser ebenfalls im Kontakt kopiert. Dadurch entfallen alle beim Linsenrasterfilm sonst gefürchteten Kopierschwierigkeiten, und es ist lediglich darauf zu achten, daß das Kopierlicht unter bestimmten Winkeln auf das Kopierfenster auffällt, eine Bedingung, deren Erfüllung keine besonderen Schwierigkeiten mit sich bringt.
b) Technische Einzelheiten.
1. Der Kopierfilm. Die doppelt begossene Seite des Kopierfilms, auf die der Linsenrasterfilm kopiert wird, arbeitet nach dem Silberfarbbleichverfahren.2 Dieses von SCHWEITZER 191411 erstmalig beschriebene Verfahren, das in der Öffentlichkeit hauptsächlich durch die weiterführenden Arbeiten GASPARS12 bekannt geworden ist, verwendet einen Film, der die zum Aufbau des Bildes erforderlichen Farbstoffe bereits enthält. Jeder Farbstoff ist einer besonderen Schicht zugesetzt. “Um Störungen durch unerwünschtes Wandern der Farbstoffe zu verhindern, werden die Farbstoffe mit solchen Mitteln behandelt, die in wässriger Lösung die Farbstoffe ausfällen. Dadurch, daß das Fällmittel in Gegenwart der als Schutzkolloid wirkenden Gelatine zugesetzt wird, wird erreicht, daß die Größe der entstehenden Teilchen unterhalb der Sichtbarkeitsgrenze bleibt, jedoch ausreicht, um ein Wandern durch die Poren der Gelatine nach dem Erstarren zu verhindern.13 Nach Belichtung, Entwickeln und Fixieren der außerdem noch in der Schicht enthaltenen Bromsilberemulsion wird das in den Farbschichten entstandene Silberbild in ein Bleichbad gebracht, das den Farbstoff an den silberhaltigen Stellen und nur an diesen zerstört. Dabei wird ein Teil des Silbers verbraucht, der noch verbleibende Rest wird nachträglich entfernt. Aus dem Gang des Bleichprozesses ergibt sich, daß im Kopierfilm ein Silbernegativ erzeugt werden muß, wenn die Kopie ein Positiv ergeben soll. Daraus folgt die oben erwähnte Notwendigkeit, den Frontfilm durch Umkehrentwicklung zum Positiv zu entwickeln, was jedoch ohnehin bei Rasterfilmen infolge des damit verbundenen höheren Auflösungsvermögens nur von Vorteil sein kann.
Eine Besonderheit des Films ist die Art der Sensibilisierung (Veröff. Agfa Bd. IV, S. 181). Um ein vollständiges Durchbleichen der Schichten, wie man es für reine Weißen benötigt, zu erzielen, ist es erforderlich, daß das Silberbild bis zum Grunde der Schicht hinabreicht. Die in den Schichten vorhandenen Farbstoffe, deren Dichte erheblich sein muß, wenn ein ausreichendes Schwarz erzielt werden soll, stehen dieser Forderung entgegen, wenn die Kopierlichtfarbe komplementär der Schichtfarbe gewählt wird, wie das zunächst naheliegen könnte. Ist man es doch von vielen Farbenverfahren her gewohnt, daß etwa dem Gelbbild blaues, dem Purpurbild grünes Licht zugeordnet ist. Dieses Licht wird aber gerade von dem Schichtfarbstoff absorbiert, so daß es nur ganz oberflächlich in die Schicht eindringen kann. Um dem zu begegnen, muß man die Schichtempfindlichkeit in ein Spektralgebiet legen, in dem der Schichtfarbstoff lichtdurchlässig ist. Die Gelbschicht kann demgemäß im Rot oder Grün, die Purpurschicht im Rot oder Blau empfindlich sein. Natürlich muß das Empfindlichkeitsgebiet für die zuunterst liegende Schicht außerdem so gewählt werden, daß die darüberliegende Schicht dieses Licht auch durchläßt. Aus diesem Grunde ist für die Anordnung der beiden Schichten in diesem Falle eine solche gewählt, bei der die gelbgefärbte, untenliegende Schicht für rotes Licht empfindlich ist, das auch von der darüber liegenden, nur blauempfindlichen Purpurschicht, wie es das Schema zeigt, durchgelassen wird.
Aus dieser Verteilung der Empfindlichkeitsgebiete geht hervor, daß die Farbe des Kopierlichtes dem angepaßt werden muß, d. h., es muß der Blauauszug, der für die rotempfindliche Gelbschicht bestimmt ist, mit rotem Licht kopiert werden, während der für die blauempfindliche Purpurschicht bestimmte Grünauszug mit blauem Licht zu kopieren ist. Die Kopierlichtfarbe ist also gegenüber der Aufnahmelichtfarbe abgeändert.
2. Der Kopiervorgang.
Wenn die Teilfarbenauszüge einzeln vorliegen, ist die Vertauschung der Filter natürlich ohne Schwierigkeiten vorzunehmen. Es zeigt sich aber, daß auch der Linsenraster-Frontfilm, der zwei Teilauszüge enthält, diese Anforderung ohne jede Schwierigkeit erfüllt. In Abb. 9a ist das Schema der Aufnahme des Linsenraster-Frontfilms gezeigt. Die auf den Film auffallenden Strahlenbündel sind vollständig durch den Abstand vom Film und durch die Größe des virtuellen Bildes des Aufnahmefilters definiert. Die Bilder der einzelnen Filterteile finden sich in den Aufzeichnungen unter jeder einzelnen Rasterlinse wieder; blendet man daher z. B. die seitlichen Filterstreifen ab, so wird der Mittelteil des Filters unter allen Umständen den Blauauszug durchleuchten, wenn der Film nach der Entwicklung wieder in die gleiche Lage gebracht wird, in der er sich bei der Aufnahme befand. Das gleiche ist auch dann noch der Fall, wenn nicht mehr das Aufnahmeobjektiv zur Beleuchtung des Films verwendet wird, sondern eine einfache Lochblende, deren Öffnungen nur nach Abstand vom Film und nach Größe genau den entsprechenden Werten des virtuellen Filterbildes bei der Aufnahme gleichen müssen (Abb. 9b). Bei dieser rein geometrischoptischen Zuordnung, bei der die Farbe keinerlei Bestimmungsstück mehr darstellt, ist es daher auch ganz gleichgültig, ob die Durchleuchtung des Blauauszuges mit blauem Licht wie bei der Aufnahme erfolgt oder mit rotem Licht, wie es gemäß der Rotempfindlichkeit der Gelbschicht sein muß. Der Blauauszug wird auf jeden Fall durchleuchtet, wenn nur die oben geschilderten Lage- und Breitebeziehungen stimmen. Entsprechendes gilt für den Grünauszug. Das Kopieren erfolgt ohne die in Abb. 9b gezeigte Blende durch alle drei Filterflächen gleichzeitig.
3. Die Kopiermaschine. Aus den angegebenen Prinzipien ergibt sich der Aufbau der Kopiermaschine. Diese ist grundsätzlich eine Kontaktkopiermaschine, und es ist nur eine Sache der Arbeitsgeschwindigkeit, ob man eine der vom Zweifarbenfilm her bekannten doppelseitigen Kopiermaschinen verwenden (Abb. 10) oder sich mit einer gewöhnlichen Kontakt-Kopiermaschine begnügen will, bei der dann allerdings Frontfilm und Rückfilm nacheinander kopiert werden müssen.
Das setzt dann die Möglichkeit voraus, den Justiergreifer beim Übergang von der einen Seite zur anderen so umzusetzen, daß der voll ausfüllende Justierstift jedes Mal in das gleiche Perforationsloch des Kopierfilms eingreift. Die Anordnung der Lichtquelle für den Rückfilm kann von den bisherigen Einrichtungen übernommen werden, ebenso auch die Mittel zu ihrer Steuerung. Schwieriger steht es mit der Lichtsteuerung für den Frontfilm, da die in diesem enthaltenen beiden Teilauszüge getrennte Steuerungen verlangen. Das auf den Frontfilm auffallende Kopierlicht muß ja nach den früheren Darlegungen durch eine Blende geleitet werden, die in der Mitte einen Streifen mit einem Rotfilter für die Belichtung der rotempfindlichen Gelbschicht enthält und auf jeder Seite eine Öffnung, die mit einem Blaufilter für die Belichtung der blauempfindlichen Purpurschicht ausgefüllt ist. Diese Blende, die um den Abstand des virtuellen Filterbildes bei der Aufnahme von dem Film entfernt sein muß, wird gewöhnlich in der Nähe des hei den Kopiermaschinen gebräuchlichen Kondensors stehen. Die Änderung des Kopierlichtes durch Abstandsänderung ist bei dieser Anordnung nicht möglich. Soll mit Widerstandsänderung gearbeitet werden, so muß unmittelbar hinter jeder Blendenöffnung eine gesonderte Lichtquelle stehen, doch empfiehlt sich auch die Widerstandsänderung nicht so sehr, weil sich hierdurch die Farbe der Lampe und damit ihre Wirksamkeit für die verschiedenen Teilfarben in verschiedener Weise ändert. Am übersichtlichsten sind die Verhältnisse, wenn man die in Abb. 11 veranschaulichte Anordnung wählt.
Hierbei sind die Blendenöffnungen mit einem Gitter versehen, das aus gleichbreiten, undurchsichtigen Blechen mit gleichbreiten durchsichtigen Zwischenräumen besteht. Über diesem feststehenden Gitter liegt ein verschiebbares Gitter von genau den gleichen Maßen. Die Lichtdurchlässigkeit kann auf diese Weise durch geringfügige mechanische Verschiebungen des beweglichen Gitters in beträchtlichem Umfange geändert werden. Die dabei zu bewegenden Massen sind so gering, daß diese Einstellung durch den Film selbst vorgenommen werden könnte. Besser noch bewährte sich jedoch ein gesonderter Steuerstreifen, der von den bisher üblichen abweicht.14 Während sonst für die Stärke des Lichtes der Abstand der Marke von der Kante des Steuerstreifens maßgebend ist, ändert sich hier (Abb. 12) der Abstand vom Rand für eine Teilfarbe überhaupt nicht, sondern es ist für jede Teilfarbe eine Längsreihe G n, R n, B n, vorgesehen, und die Stärke des Lichtes wird durch den Abstand der Marken G n, R n, B n, von einer Linie A n gegeben, die quer über den als Steuerstreifen verwendeten Film verläuft. Diese Linie A n ist dadurch gegeben, daß ein Greifer den Steuerstreifen jedes Mal um einen konstanten Betrag transportiert, der der Höhe zweier Filmbilder entspricht. Dieses System erlaubt es im übrigen, noch eine Reihe weiterer Größen zu steuern, wie z. B. das Einschalten von Vorsatzlinsen für andere Filterabstände und dergleichen.
Um die beiden Teilfilme konturenrichtig genau übereinander zu bringen, ist es wichtig, daß der Justiergreifer in ähnlicher Weise arbeitet, wie das für die Aufnahme beschrieben wurde. Der Idealzustand wäre wohl derjenige, bei dem der Justiergreifer in ein Loch greifen würde, das in der Höhe der Mitte des aufzunehmenden Bildes liegen würde. Das ist jedoch bei den gebräuchlichen Kameras nicht üblich, sondern dort befindet sich das Sperrgreiferloch gewöhnlich unter dem Bildfenster. Es ist dann am besten, wenn auch bei der Kopiermaschine die gleiche Stelle gewählt wird. Einen größeren Abstand vom Bildfenster zu wählen, ist nicht zu empfehlen, da sonst bereits Schrumpfungsbeträge, die weit innerhalb der nach den Normen zugelassenen Toleranzen liegen, zu Verschiebungen in der Konturendeckung führen können.
4. Die Festlegung der Kopierbedingungen. Bei der Herstellung von Farbenfilmen ist die vorangehende Anfertigung von Probebelichtungen von besonderer Wichtigkeit, denn hier kommt es ja nicht nur darauf an, die richtige Belichtung für ein Teilbild zu gewinnen, sondern es müssen drei Teilbilder auf neutrales Grau abgestimmt werden, und außerdem muß noch die richtige Dichte dieses Grauwertes gefunden werden. Da die Gesamtzahl der anzufertigenden Probestufen gleich der dritten Potenz der für ein Teilbild gewählten Stufenzahl sein müßte, wenn man wirklich alle möglichen Kombinationen tatsächlich herstellen wollte, würde man zu unbequem hohen Zahlen von Abstimmungsstufen gelangen. Um das zu vermeiden, kann man zwei verschiedene Wege einschlagen. Der erste gründet sich auf die Erfahrungstatsache, daß für die Gesamtdichte das Blaugrünbild einen recht guten Anhaltspunkt gibt, insbesondere bei Betrachtung des Bildes durch ein komplementäres Rotfilter. Man kann daher zunächst einen kurzen Probestreifen anfertigen, der nur Stufenbelichtungen auf der Blaugrünseite enthält, und hiernach ein Bild aussuchen, das in der Dichte ungefähr richtig ist. Der zweite Probestreifen wird dann mit einer durchgehenden Belichtung des Blaugrünbildes nach dieser Probe durchgeführt, und hierzu werden dann nun nur noch die Purpurschicht und die Gelbschicht gestuft, wodurch sich Arbeit und Materialverbrauch bereits erheblich vermindern.
Die andere Möglichkeit beruht darauf, die Dichte einer gleichzeitig mit aufgenommenen Grauskala oder auch nur einer einzelnen Graufläche in den drei Teilbildern auszumessen und hiernach und nach den empirisch für die richtige Belichtung der Grauskala gefundenen Daten das wahrscheinliche Kopierlicht zu bestimmen. Für die ersten Musterkopien reicht diese Belichtung unter Umständen schon aus. Für die Feinabstimmung ist aber auf jeden Fall das Gebiet der richtigen Belichtung bereits erheblich eingeengt, so daß man dann mit einer nur noch geringen Zahl von Probebelichtungen auskommt.
Für die Ausmessung selbst ist zu bedenken, daß im Frontfilm zwei verschiedene Teilfarben eingeschachtelt sind, die unter Umständen bei leichten Änderungen der Lichtfarbe bei der Aufnahme oder nicht völlig gelungener Abstimmung verschiedene Dichten haben können. Um sie getrennt messen zu können, empfiehlt es sich, den Linsenrasterfilm vergrößert zu projizieren; gemäß den in den Veröff. Agfa Bd. IV, S. 165, Abb. 12b und S. 171, Abb. 17b gezeichneten Prinzipien wird dabei an derjenigen Stelle, die der Lage des Filters bei der Aufnahme entspricht, eine Blende angeordnet, die jeweils nur eine Teilfarbe durchläßt. Das so vergrößerte Teilbild wird dann mit der Photozelle ausgemessen.
5. Die Fertigstellung der Kopien. Die Fertigstellung der Kopien nach dem Durchgang durch die Kopiermaschine verläuft in zwei Abschnitten: Zuerst wird durch Entwickeln, Fixieren und Wässern in beiden Schichten das Silberbild hergestellt. In diesem Stadium zeigt der Film ein schwarzes Bild auf rotem Grunde. Die Einzelschicht ist noch ungefärbt, der gelbe und purpurne Farbstoff der anderen Seite noch nicht ausgebleicht. Dann kann der Film getrocknet und aufgerollt werden, um später der Weiterverarbeitung zugeführt zu werden; sie kann auf einer getrennten Maschine im gedämpften gelben Licht (wegen der Lichtempfindlichkeit des Blautonungsbades) erfolgen. Die Weiterverarbeitung, die die Umwandlung der 3 Silberbilder in die 3 Farbstoffbilder liefert, kann aber auch ohne Zwischentrocknung unmittelbar anschließend vorgenommen werden, muß dann allerdings, wenn sie im gleichen Raume erfolgt, bei dem für die Entwicklung des Kopierfilms erforderlichen grünen Licht durchgeführt werden.
Es bereitet keine besondere Schwierigkeit, eine der vorhandenen Entwicklungsmaschinen für die Fertigstellung des Kopierfilms herzurichten, falls keine Maschinen für die Verarbeitung des doppelseitig begossenen Dipofilms vorhanden sind. Diese Änderung betrifft die Einfügung der Kufen, in denen der Film einseitig blaugetont wird, in den Verarbeitungsgang. Dies kann in einfacher Weise so geschehen, daß nach dem Fixieren und Wässern der Film in eine Kufe geführt wird, die aus einer einfachen, innen lackierten Eisenschiene besteht und der Länge nach über der Entwicklungsmaschine angebracht ist. Vorteilhafterweise wird der Einlauf in die Kufe in solcher Entfernung angebracht, daß der Film auf dem Wege bis dorthin Zeit hat, beim Durchlaufen eines Trockenrohres mit Warmluft soweit anzutrocknen, daß die schichtfreien Kanten der Perforationslöcher gerade von Feuchtigkeit befreit sind. Diese Vorsichtsmaßregel ist erforderlich, wenn der Film durch die Oberflächenspannung einwandfrei auf der Blautonungslösung schwimmen soll.9 Für die Durchführung der Tonung steht die ganze Länge der Entwicklungsmaschine und auch noch der Rückweg vom Ende der Maschine bis zur ersten Austrittsstelle des fixierten und noch nicht getonten Films aus der Maschine zur Verfügung. Der Film wird dann an der gleichen Stelle wieder in die Maschine eingeführt, an der er sie zum Tonen nach oben verlassen hatte. Nach einer Zwischenwässerung und nochmaligem Fixieren ist die eigentliche Blautonung beendet, und der Film tritt nun in das Bleichbad, durch das der Farbstoff auf der doppelt begossenen Seite des Films nach Maßgabe des Silberbildes ausgebleicht wird. Dabei wird jedoch das Silber, das diesen Prozeß einleitet, nicht vollständig verbraucht, sondern es bleibt ein Rest übrig, der noch beseitigt werden muß. Für die Wahl des Silberlösungsmittels, dessen man sich zu diesem Zwecke bedient, war die Erscheinung maßgebend, daß infolge der reduzierenden Eigenschaften des Bleichbades die Tiefe der bereits fertiggestellten Blautonung eine Abschwächung erfährt, die sich jedoch als reversibel erwies. Wird nämlich das noch vorhandene Silber durch Chromsäure entfernt, so wird die Aufhellung des Eisenblaubildes vollständig rückgängig gemacht.15 Es wird dann vorsichtshalber noch ein Fixierbad eingeschaltet, wodurch sich das Bild noch etwas klärt, und damit ist nach einer abschließenden Wässerung das Bild bereits fertiggestellt. Für die Auswahl der Bildfarbstoffe für die doppelt beschichtete Seite kommen natürlich nur solche Farbstoffe in Frage, die gegen Bichromat beständig sind.
Damit liegt also ein Film vor, der ohne besondere Einrichtungen in jedem Normalfilmprojektor vorgeführt werden kann. Die doppelseitige Beschichtung des Films hat sich bisher nicht als grundsätzlicher Nachteil herausgestellt; die Befürchtung, daß eine Verkratzung des Films sich besonders auffällig zeigen könnte, weil dieser Kratzerwegen des Durchscheinens der nicht beschädigten Gegenseite rot oder blau aussehen müsste, hat sich in der Praxis nicht bewahrheitet. Dagegen konnte festgestellt werden, daß der doppelseitige Beguß eine gewisse erhöhte Feuersicherheit des Films bedeutet.
Es war das Hauptziel unserer Arbeiten, unter Ausnutzung der vorhandenen Einrichtungen solche Verfahren, für die bereits eine gewisse Betriebserfahrung vorliegt, in geeigneter Weise so zu kombinieren, daß man zu einer dreifarbigen Wiedergabe gelangt. Für die Aufnahme kombinierten wir das Linsenrasterverfahren mit dem Bipackprinzip, für das Kopierverfahren das Silberfarbbleichverfahren mit dem Dipoprinzip; für den Rotauszug bzw. die Blautonungsseite, die auch zugleich den Tonstreifen trägt, wie es beim Zweifarbenfilm bereits üblich war, hat sich eigentlich überhaupt kaum etwas geändert. Die für das Silberfarbbleichverfahren sonst üblichen Zwischenpositive fallen durch die Anwendung der Umkehrentwicklung für den Linsenrasterfrontfilm weg, und da zudem in diesem Film gleich zwei Teilauszüge vereinigt sind, wird eine erhebliche Fehlerquelle, nämlich die Gefahr des Nichtdeckens der Teilauszüge, in starkem Maße vermindert, so daß die Schärfe der Bilder trotz der Verwendung des Bipackprinzips bei der Aufnahme sich als merklich besser erweist als bei Verwendung von einzelnen Teilnegativen und Zwischenpositiven.
Die Anwendungen in der Praxis, die, vom kurzen Werbefilm ausgehend, über den Kulturfilm dem Spielfilm zustreben, lassen erkennen, daß die Hoffnungen, die auf das Verfahren gesetzt wurden, nicht unberechtigt waren. Die am Schluß des Bandes angefügten Bildproben sind nach dem Pantachromverfahren hergestellt worden.
An den Versuchen, die zum Pantachromverfahren geführt haben, waren u.a. die Herren Dr. W. Schultze, Dipl.-Ing. E. FESS und Dr. H. BERGER beteiligt.
Zusammenfassung.
Es werden Einzelheiten über das Pantachromverfahren, ein neues Dreifarbenverfahren der Agfa, mitgeteilt. Für die Aufnahme wird der Linsenraster- Zweipack verwendet, der als Kombination des gewöhnlichen Bipacks für Zweifarbenaufnahmen mit einem Linsenraster-Frontfilm aufzufassen ist. Als Kopierfilm dient ein doppelseitig begossener Film, der auf der einen Seite die vom gewöhnlichen Dipofilm her bekannte Blautonungsschicht für das Blaugrünbild und den Tonstreifen trägt, während die zweite Seite übereinander eine rotempfindliche Gelbschicht und eine blauempfindliche Purpurschicht enthält, auf die der Linsenrasterfrontfilm Schicht gegen Schicht im Kontakt kopiert wird. Dabei ist lediglich darauf zu achten, daß das Kopierlicht unter bestimmten Richtungen auf den Frontfilm auffällt. Das Verfahren kann sich im wesentlichen der vorhandenen Maschinen für das Zweifarben Bipackverfahren bedienen und führt zu einem farbigen Film, der ohne besondere Vorrichtungen in jedem beliebigen Projektor vorgeführt werden kann.
1 Ein zusammenfassendes Referat über das Verfahren mit Vorführung eines Probefilms wurde auf der 8. Tagung der Deutschen Gesellschaft für photographische Forschung am 20. Oktober 1938 gegeben.
Kurzreferate hierüber finden sich in der Tages- und Fachpresse, z. B. Phot. Ind. XXXI. Jahrgang, Nr. 43, Seite 1162, 1938. Etwas ausführlicher: Forschungen und Fortschritte 1939 Nr. 4, S. 49. Vgl. auch den Aufsatz: “Das Agfa-Pantachromverfahren” unserer Mitarbeiter Dr. WERNER SCHULTZE und Dr. HEINZ BERGER in den Kinetechnischen Mitteilungen der Agfa, Dezember 1938, Nr. 3/4. S. 3.
Schrifttum.
1 Heymer, G., Veröff. Agfa Bd. V. Leipzig 1937. S. 37.
2 Heymer,, G., Veröff. Agfa Bd. IV. Leipzig 1935. S. 177.
3 Eggert, J., und Heymer, G., Veröff. Agfa Bd. V. Leipzig 1937. S. 24.
4 Heymer, G., Veröff. Agfa Bd. IV. Leipzig 1935. S. 151.
5 Heymer, G., Photogr. Ind. 30 (1932), Heft 48, S. 1199.
6 Hess, DRP. 247923 (1911).
7 Stenger, E. und Staude, H., Fortschr. d. Photogr., Leipzig 1938, S. 153.
8 von Biehler, A., Veröff. Agfa Bd. III. Leipzig 1933. S. 221.
9 Pohlmann, G., Kinotechn. Bd. 19 (1937), S. 125.
10 Fröhlich, A., Illustrierte Textilztg. 41/42 (14. 10. 1933).
11 Schweitzer, F. P. 476213 (1914) F. P. 607638 (1926).
12 Gaspar, B., Z. wiss. Photogr. 34 (1935) S. 119.
13 DRP. 557149 (1930).
14 D. Anm. I 56649.
15 D. Anm. I 60210.”
(Eggert, John; Heymer, Gerd (1939): Das Agfa-Pantachrom-Verfahren. In: Veröffentlichungen des wissenschaftlichen Zentral-Laboratoriums der photographischen Abteilung Agfa, 6, 1939, pp. 46-64. (in German)
“Einer Konkurrenz mit Siemens und Perutz auf dem Linsenrastergebiet ging die Agfa aus dem Weg, indem sie ihr Verfahren auf die Anwendung im Amateurbereich beschränkte. Die Bemühungen zur Einführung in die Kinoindustrie waren frühzeitig gegenüber einem Kombinationsverfahren in den Hintergrund getreten, das zwar mit Linsenraster arbeitete, im Vergleich aber für aussichtsreicher gehalten wurde, da es subtraktive Kopien lieferte: das Agfa-Pantachrom-Verfahren. Die bei der Agfa immer wieder durchgeführten Atelier und Freilicht-Probeaufnahmen116 nach dem Linsenrasterverfahren dienten in erster Linie der Verbesserung des Linsenrasters als Bestandteil des Pantachrom-Verfahrens, das im Folgenden geschildert werden soll.
Brillante Farben dank Silberfarbbleichverfahren: Agfa-Pantachrom
Seit 1930 verfolgte die Wissenschaftliche Abteilung der Agfa (Eggert/Heymer) das Kombinationsverfahren Pantachrom, das Linsenraster mit einem Bipack und dem von Gasparcolor bekannten Silberfarbbleichverfahren zusammenführte und zwischen 1935 und 1939 in enger Zusammenarbeit mit der Ufa erprobt wurde.
Der Aufnahmevorgang kombinierte das Linsenraster- mit dem Bipackverfahren: Als Frontfilm wurde ein orthochromatisch sensibilisierter (d.h. für blaues und grünes Licht empfindlicher) Linsenrasterfilm mit einer Rasterbreite von 43 µ117 verwendet, als Rückfilm ein panchromatisch sensibilisierter (d.h. für das gesamte sichtbare Farbenspektrum empfindlicher) Schwarz-Weiß-Film. Dementsprechend erfolgte die Aufzeichnung der Farbauszüge Blau und Grün auf den Linsenraster-Frontfilm und die Aufzeichnung des Rotauszuges auf den Rückfilm.118 Für die Aufnahme bei Tages- und Bogenlicht wurde ein Gelb-Purpur-Gelb-Streifenfilter vor dem Kameraobjektiv verwendet, für Nitralicht kam ein Purpur-Gelb-Purpur-Filter zum Einsatz.119 Entgegen des üblicherweise für Linsenrasterfilme verwendeten Blau-Grün-Rot-Filters ermöglichte die Farbenzusammenstellung des Pantachrom-Aufnahmefilters, dass der rote Lichtanteil auf den Rückfilm durchfallen und als Teilbild aufgenommen werden konnte.
Als Kopiermaterial für die Farbauszüge wurde der nach dem Silberfarbbleichverfahren bearbeitete Tripofilm verwendet (siehe S. 49). Arbeiten am Silberfarbbleichverfahren, das sich aus dem Farbstoff aus bleich verfahren ableitete, waren seit 1927 in Wolfen durchgeführt worden.120 Dieser Prozess und der Schichtaufbau des Kopierfilms waren Gegenstand eines Patentstreits mit Dr. Gaspars Gasparcolor Naturwahre Farbenfilme GmbH, zu der die Agfa gleichzeitig Geschäfts- und Arbeitsbeziehungen unterhielt.121 Beim Pantachrom-Verfahren wurden der Grün- und Blau-Auszug des Frontfilms auf die doppelseitig beschichtete Seite (Purpur- und Gelb-Schicht) des Tripofilms kopiert und der Rotauszug des Aufnahme-Rückfilms auf die mit einer Blau-Grün-Schicht versehene andere Seite.122 Die Anfertigung der Kopie wurde bei gleichzeitiger Führung der beiden Aufnahmefilme mit dem Kopierfilm in der Kopiermaschine vorgenommen. Dem Silberfarbbleichverfahren verdankten die Pantachrom-Kopien eine mit Gasparcolor vergleichbare Farbstabilität und Leuchtkraft. Die Bildschärfe, die trotz Bipack erzielt wurde, war der des Zweifarbenfilms überlegen.123
Nach einer über zweijährigen Erprobungsphase durch die Ufa hatte es zwischen Herbst 1938 und Frühjahr 1939 den Anschein, als stünde der Durchbruch des Verfahrens und eine Auswertung in großem Maßstab bevor. Dass dies dann doch nicht der Fall war, sondern die Farbfilmarbeiten von Ufa und Afifa im Frühsommer 1939 abrupt auf Agfacolor umgestellt wurden, entsprach der Empfehlung der Agfa, die nicht dem komplizierten Pantachrom-, sondern dem Agfacolor-Negativ-Positiv-Verfahren die günstigeren Marktchancen einräumte. Vorausgegangen war ein langwieriger Agfa-interner Streit zwischen der Wissenschaftlichen Abteilung unter John Eggert, die das Pantachrom-Verfahren verfolgte, und der Technisch-Wissenschaftlichen Abteilung unter Dr. Gustav Wilmanns, die für Agfacolor verantwortlich zeichnete.
Anmerkungen
116 Linsenraster-35-mm-Atelieraufnahmen fanden etwa im Februar und März 1936 im Berliner Agfa-Atelier statt (IFM Wolfen, A 11442, Monatsbericht der Wissenschaftlichen Abteilung Nr. III vom 01. bis 31.03.1936, S. 5), Außenaufnahmen mit verschiedenen Linsenrasteremulsionen im September 1937 (A 11443, Monatsbericht der Wissenschaftlichen Abteilung Nr. IX vom 01. bis 30.09.1937, S. 3).
117 Vgl. John Eggert/Gerd Heymer: Das Agfa-Pantachromverfahren. In: Veröffentlichungen des Wissenschaftlichen Zentral-Laboratoriums der Photographischen Abteilung – Agfa – Band VI. Hrsg. von der I.G. Farbenindustrie Aktiengesellschaft. Leipzig: S. Hirzel 1939, S. 49.
118 Vgl. Gerd Heymer: Farbenfilm nach dem Silberfarbbleichverfahren. In: Veröffentlichungen des Wissenschaftlichen Zentral-Laboratoriums der Photographischen Abteilung – Agfa – Band IV. Hrsg. von der I.G. Farbenindustrie Aktiengesellschaft. Leipzig: S. Hirzel 1935, S. 184.
119 Vgl. Eggert/Heymer: Das Agfa-Pantachromverfahren. In: Veröffentlichungen des Wissenschaftlichen Zentral-Laboratoriums Band VI, S.48.
120 Vgl. Heymer: Farbenfilm nach dem Silberfarbbleichverfahren. In: Veröffentlichungen des Wissenschaftlichen Zentral-Laboratoriums Band IV, S. 177.
121 Vgl. Finger: Die Filmfabrik Wolfen – Aus der Geschichte, Heft 11, S. 41 f.
122 Vgl. Heymer: Farbenfilm nach dem Silberfarbbleichverfahren. In: Veröffentlichungen des Wissenschaftlichen Zentral-Laboratoriums Band IV, S. 184 f.
123 Vgl. Eggert/Heymer: Das Agfa-Pantachromverfahren. In: Veröffentlichungen des Wissenschaftlichen Zentral-Laboratoriums Band VI, S. 63.
Literatur: Fachaufsätze nach 1945, Monographien und Nachschlagewerke
Veröffentlichungen des Wissenschaftlichen Zentral-Laboratoriums der Photographischen Abteilung – Agfa – Band III., IV., V, VI. Hrsg. von der I.G. Farbenindustrie Aktiengesellschaft. Leipzig: S. Hirzel, 1933,1935,1937, 1939.”
(Alt, Dirk (2011): “Der Farbfilm marschiert!” Frühe Farbfilmverfahren und NS-Propaganda 1933-1945. München: belleville Verlag Michael Farin, on pp. 53-54.) (in German)
“Nach 1934 lässt sich keine Regietätigkeit Waschnecks mehr nachweisen; in der zweiten Hälfte der 30er rüstete er seinen Kopierbetrieb gemeinsam mit Richard Schmidt für die Umstellung auf das Agfa-Pantachrom-Verfahren und setzte sich später für die Aufnahme der Agfacolor-Produktion ein.283
Anmerkungen
283 Siehe hierzu die Ufa-Vorstandsprotokolle Nr. 1369 vom 01.06.1939, Punkt 23, und Nr. 1370 vom 08.06.1939, Punkt 2. (BArch, R 109 I, 1033 c.)”
(Alt, Dirk (2011): “Der Farbfilm marschiert!” Frühe Farbfilmverfahren und NS-Propaganda 1933-1945. München: belleville Verlag Michael Farin, on p. 93.) (in German)
“Der Beschluss der Reichsfilmkammer ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Zum einen erstaunt die einseitige Parteinahme für die additiven Verfahren, die sich mit der einige Monate später in Erscheinung tretenden, aggressiv gegen die subtraktiven Verfahren gerichteten Kampagne von Siemens deckt. Die Einnahme dieses Standpunktes durch die Reichsfilmkammer erscheint keineswegs selbstverständlich, war doch noch auf dem vierten Studienabend der Reichsfilmkammer nicht einmal zwei Monate zuvor vom Vorsitzenden der DKG Walter Rahts der gegenteilige Standpunkt von der wirtschaftlichen Überlegenheit der subtraktiven Verfahren vertreten worden.387 Zum zweiten fällt auf, dass andere inländische Verfahren – das Kombinationsverfahren Agfa-Pantachrom oder Gasparcolor, das seine prinzipielle Brauchbarkeit für Realaufnahmen inzwischen unter Beweis gestellt hatte – als denkbare Alternativen zu Siemens-Berthon völlig außer Acht gelassen wurden.
Anmerkungen
387 “In einer überaus instruktiven Weise beleuchtete sodann Dr. Raths [i.O.] […] die wirtschaftliche und technische Seite des Farbfilms, indem er nachwies, daß das sogenannte Dreischichtenverfahren […] sich als das wirtschaftlichste erwiesen habe, da es den großen Vorteil in sich trage, die höheren Lichtmengen der anderen Verfahren zu sparen, und […] den normalen Vorführungsapparat für die Wiedergabe weiterhin benutzen zu können, eine Tatsache, die ja sicherlich von seiten der Theaterbesitzer aus sehr lebhaft begrüßt werden dürfte.” (Der gegenwärtige Stand des Farbfilms. In: Völkischer Beobachter Nr. 33 vom 02.02.1936, S. 8.)”
(Alt, Dirk (2011): “Der Farbfilm marschiert!” Frühe Farbfilmverfahren und NS-Propaganda 1933-1945. München: belleville Verlag Michael Farin, on p. 115.) (in German)
“Die Vertreter der Filmindustrie wurden durch die Entscheidung der Reichsfilmkammer vor weitgehend vollendete Tatsachen gestellt. Zwar sollte eine für den 23. Juni einberufene Farbfilmsitzung, zu der Richard Schmidt als Farbfilmspezialist der Afifa geladen war, die Möglichkeit zur Aussprache und gutachtlichen Stellungnahme zu den verschiedenen in Deutschland verfügbaren Verfahren geben, doch war zu diesem Zeitpunkt bereits “der Wunsch des Propaganda-Ministeriums” bekannt geworden, “den Siemens-Film als deutschen Farb-Film während der Olympiade zu zeigen.”389 Infolgedessen schmolz die Zeit für wirksame Gegenmaßnahmen auf wenige Wochen zusammen; erschwerend kam hinzu, dass das von der Ufa erprobte Agfa-Pantachrom-Verfahren noch nicht so weit ausgereift war, um als einsatzbereite Alternative ins Feld geführt zu werden. Die Vorführung eines Demonstrationsfilmes vor Lehnich musste verworfen werden, da “nur aneinandergereihte Probenaufnahmen” vorlagen, während Siemens mit DAS SCHÖNHEITSFLECKCHEN “ein fertiges Filmwerk zeigt, dem die Agfa-Probestücke keinesfalls gewachsen sind.”390
Anmerkungen
389 BArch, R 1091,1031 b, Nr. 1168 vom 23.06.1936, Punkt 2.
390 BArch, R 1091,1031 b, Nr. 1169 vom 30.06.1936, Punkt 3 a.”
(Alt, Dirk (2011): “Der Farbfilm marschiert!” Frühe Farbfilmverfahren und NS-Propaganda 1933-1945. München: belleville Verlag Michael Farin, on pp. 115-116.) (in German)
“Der Richtungsstreit additiv/subtraktiv, den der Schlagabtausch Gretener/Eggert dem versammelten Fachpublikum vor Augen geführt hatte, bildete die Ausgangsstellung für das Jahr 1937, und war doch nur ein Teilaspekt der sich nun verschärfenden Konkurrenz auf dem Farbfilmgebiet, in dessen Zentrum auch ein zweites Agfa-Verfahren, das von der Ufa praktisch erprobte Pantachrom, und das mittels Strahlenteilungskamera zu Realaufnahmen befähigte Gasparcolor vorstießen, während sich an der Peripherie die große Zahl nachgeordneter Verfahren wie Leydechrom, das Kämpfer-Schattmann-Verfahren oder die diversen Zweifarbenfilme drängten.”
(Alt, Dirk (2011): “Der Farbfilm marschiert!” Frühe Farbfilmverfahren und NS-Propaganda 1933-1945. München: belleville Verlag Michael Farin, on p. 126.) (in German)
“Die Ufa hatte sich nun zwar auf die Herstellung eines Siemens-Berthon-Spielfilms verpflichtet, die langfristige Disposition ermöglichte ihr aber, in der Zwischenzeit ihre Versuche mit dem Agfa-Pantachrom-Verfahren fortzusetzen und dieses im Erfolgsfall gegen Siemens-Berthon ins Feld zu führen.”
(Alt, Dirk (2011): “Der Farbfilm marschiert!” Frühe Farbfilmverfahren und NS-Propaganda 1933-1945. München: belleville Verlag Michael Farin, on p. 142.) (in German)
“Agfacolor kontra Siemens-Berthon
Vorstoß der Agfa
Die erneuten Anstrengungen von Siemens im Verbund mit dem RMVP mussten von Seiten der Agfa Gegenmaßnahmen dringend geboten erscheinen lassen. Die allgemein unbefriedigenden Zwischenresultate bei der Erprobung des Pantachrom-Verfahrens durch die Ufa machten es erforderlich, auf die Vorzüge und die absehbare Verfügbarkeit des Agfacolor-Verfahrens auch für die Kinoindustrie hinzuweisen, zumal Agfacolor intern bereits als geheimer Favorit gehandelt wurde.
Aufgrund der mangelnden Praxisreife des Negativ-Positiv-Verfahrens musste auf Umkehrfilm zurückgegriffen werden, der, da nicht kopierfähig, die kommerzielle Auswertung von vornherein ausschloss. Am 28. August 1937 wurde der Kameramann Alexander von Lagorio verpflichtet, auf eigens zu diesem Zweck im 35-mm-Kinoformat konfektionierten Agfacolor-Umkehrfilm einen Kurzfilm mit Spielhandlung nach eigenem Drehbuch herzustellen.584 Lagorio, nach Auffassung der Zeitschrift Der Deutsche Film unter den Kameramännern der “Verbindungsoffizier zur technischen Industrie”,585 schien hinsichtlich seiner fachlichen wie künstlerischen Qualifikationen – Obmann der Fachgruppe Kameraleute der DKG, Kunstmaler und Schüler der Farbenlehre Wilhelm Ostwalds – befähigt, einen formal und farblich überzeugenden Demonstrationsfilm zu schaffen. Nachdem er sich in der ersten Hälfte der 30er mit der tonwertrichtigen Aufzeichnung von Farben auf Schwarz-Weiß-Emulsionen beschäftigt hatte (Lagorio-Farbtafel),586 war er im Februar/März 1937 mit zwei öffentlichen Vorträgen auf dem Gebiet der Farbfilmtheorie in Erscheinung getreten.587 Lagorio sollte in den kommenden Jahren als einer der wichtigsten Farbkameramänner Deutschlands sowohl nach dem Agfacolor- wie auch nach dem Pantachrom-Verfahren arbeiten und schließlich zum Leiter der Farbfilmabteilung der Ufa aufsteigen, wobei sein Wirken im Detail bislang unerforscht ist.
Anmerkungen
584 BArch, R 8128, 17130, Schreiben der I.G. Farben AG (Dr. Teitge) an Lagorio vom 31.08.1937.
585 An der Kamera: Alexander v. Lagorio. Ein Vorkämpfer des deutschen Farbfilms. In: Der Deutsche Film Nr. 10/April 1939, S.292.
586 Siehe hierzu Lagorios Vortrag vor dem Klub für Kameratechnik “Was muß der Kameramann von den Farben wissen?” im Mai 1934 (vgl. Der Altmeister der deutschen Kamerakunst [gemeint ist hier nicht Lagorio, sondern Guido Seeber; Anmerkung D.A.] spricht über technische Filmfragen. In: Licht-Bild-Bühne Nr. 120 vom 26.05.1934).
587 Ende Februar mit dem Vortrag “Farbenkreise” auf einem Studienabend der Fachschaft Film in der Reichsfilmkammer (vgl. Georg Otto Stindt: 7. Studienabend im Zeichen der Farbe. In: Licht-Bild-Bühne Nr. 50 vom 01.03.1937) und am 18. März 1937 mit dem Vortrag “Die technisch-künstlerischen Probleme des Farbfilms in der Praxis” im Haus der Technik vor der DKG (vgl. Themen der DKG: Farbenüberblendung und Stromrichter. In: Licht-Bild-Bühne Nr. 67 vom 20.03.1937).”
(Alt, Dirk (2011): “Der Farbfilm marschiert!” Frühe Farbfilmverfahren und NS-Propaganda 1933-1945. München: belleville Verlag Michael Farin, on p. 151.) (in German)
“In der Zielgeraden gestoppt:
Agfa-Pantachrom
Das Pantachrom-Verfahren der Agfa war Gasparcolor dahingehend verwandt, dass beide Verfahren das gleiche Kopiermaterial verwendeten, den nach dem Silberfarbbleichverfahren zu entwickelnden Tripofilm. In den Jahren 1934/35, bevor sich die Geschäftsbeziehungen durch einen Patentstreit zwischen Agfa und Bela Gaspar eintrübten, waren die Gasparcolor-Gesellschaften daher die ersten gewesen, die die Agfa zur praktischen Erprobung des noch experimentellen Pantachrom-Verfahrens hinzugezogen hatte. Aufnahmen, die im April 1935 durch Gasparcolor und die Ufa-Werbefilmabteilung durchgeführt worden waren, wurden sogar versuchsweise durch die Gasparcolor Ltd. in London kopiert.649 Da die Gasparcolor-Gesellschaften dann jedoch – zumindest unter Jürgen Clausen – ein Aufnahmeverfahren über den Weg der Strahlenteilung anstrebten, begann die Agfa 1935/36 mit der Ufa eine enge, wenn auch nicht spannungsfreie Zusammenarbeit auf dem Farbfilmgebiet.
Am 21. August 1935 hätte sich Kurt Waschneck im Auftrag von Ufa-Generaldirektor Klitzsch mit der Phototechnischen Zentrale der Agfa in Verbindung gesetzt, um sich über den Stand der Agfa-Farbfilmarbeiten zu informieren, und war von Walter Rahts auf das Pantachrom-Verfahren verwiesen worden.650 Die Ergebnisse der Versuchsaufnahmen im Ufa-Atelier Tempelhof im Januar 1936, die den Beginn der gemeinschaftlichen Erprobungsphase markieren, wurden von der Afifa (Waschneck, Richard Schmidt, Gotthardt Wolf) positiv beurteilt.651 Da das Verfahren aber in der Praxis aufgrund seiner Komplexität sehr fehleranfällig war, zeigten die Resultate starke Schwankungen; darüber hinaus wurden die Versuche durch die Knappheit brauchbarer Bipack-Kameras und deren schwierige Beschaffung aus dem Ausland behindert.652
Während in der ersten Jahreshälfte 1936 die Dringlichkeit, Siemens einen Konkurrenzfilm entgegenzusetzen, anspornend auf die Versuche gewirkt hatte, erlahmte der Einsatz der Agfa in der zweiten Jahreshälfte spürbar, da, wie es in einem Monatsbericht der Wissenschaftlichen Abteilung heißt, “der Misserfolg des Siemensfilms unmittelbare Gegenmaßnahmen nicht mehr so dringend erscheinen lässt.”653 Zudem war Pantachrom mit Agfacolor in der Zwischenzeit ein innerbetrieblicher Konkurrent erstanden, der einen sich zuspitzenden internen Richtungsstreit unter der Überschrift “Farbentwicklung oder Pantachrom?” auslöste.654 Die Ufa, die für die Pantachrom-Erprobung ein eigenes Farbfilmgebäude in Neubabelsberg hatte errichten lassen,655 zeigte sich über das Ausbleiben erkennbarer Fortschritte der Agfa ungehalten: In einem Brief an Agfa-Direktor Otto vom 9. Februar 1937 drückte Ludwig Klitzsch seine Enttäuschung darüber aus, dass die Agfa “ihren Anteil an der Gemeinschaftsarbeit nicht mit der gleichen Intensität betrieben” habe und daher “jetzt ein sehr bedeutendes, propagandistisch, künstlerisch, technisch und finanziell in gleichem Maße bedauerliches Vakuum eingetreten” sei.656 Ufa-Direktor Gustav Kemna warf der Agfa dilatorische Behandlung des Pantachrom-Verfahrens und Risikoscheue vor.657 Verstärkt wurde das Misstrauen gegenüber der Agfa noch durch die öffentliche Vorstellung des Agfacolor-Verfahrens im Oktober 1936, über dessen Existenz die Ufa bis dahin nicht orientiert gewesen war.658 Bei einem Treffen auf oberster Ebene am 1. September 1937, an dem Ufa-Generaldirektor Klitzsch, Dr. Schmidt von der Afifa und Agfa-seitig die Direktoren Otto, Gajewski, Strehle und Abteilungsleiter Eggert teilnahmen, räumte Gajewski mit Blick auf Agfacolor zwar ein, die I.G. Farben sei “des festen Glaubens, dass dieses Verfahren auf lange Sicht das aussichtsreichste Subtraktiv-Verfahren ist, wenngleich ausdrücklich betont werden muss, dass es noch gründlicher Durcharbeitung […] bedarf.” Agfa und Ufa bekräftigen dennoch ihre Absicht, “zunächst das Pantachrom-Verfahren, als das voraussichtlich schneller zum Ziel führende, gemeinsam mit allen Kräften weiter zu verfolgen.”659
Unterdessen hatten sich die Aufnahmen zu einem ersten bescheidenen Versuchsfilm mit Spielhandlung (Es weihnachtet sehr, abgedreht am 26.-27. Juli in Neubabelsberg) als unbrauchbar herausgestellt.660 Der Ufa-Vorstand gelangte bei einer Vorführung am 26. Oktober 1937 zu dem Eindruck, dass “ein Fortschritt […] gegenüber dem Stand vor 2 Jahren nicht festgestellt werden” könne.661 Dies änderte sich in der ersten Jahreshälfte 1938, als erstmalig eine Probeaufnahme als “völlig theaterreif” bewertet wurde.662 Nachdem die Afifa ihre auf Dipofilm-/Zweifarbenfilm-Entwicklung eingerichteten Maschinen auf das Pantachrom-Verfahren umgestellt hatte, war die laufende Herstellung von Farbkopien auf Tripofilm gewährleistet.663 Mit Blick auf das Ablaufen ihres Vertrages mit der Gasparcolor zum 1. Juli 1938 veranlasste der Ufa-Vorstand Mitte Mai die Aufnahme praktischer Arbeiten nach Pantachrom durch ihre Werbe- und Kulturfilmabteilung.664 Im Mai wurde ein Atelier am Dönhoffplatz gemietet und exklusiv für Pantachrom-Aufnahmen bereitgestellt.665
Anmerkungen
649 BArch, R 8128,17238, Bericht (Dr. Bincer) über meinen Besuch bei den Geyerwerken und der Gasparcolorgesellschäft am 13. und 14. Juni in Berlin, S. 2. Es handelte sich um Aufnahmen für einen Werbefilm für 4711 Kölnisch Wasser. (Ebd., Bericht (Dr. Heymer) vom 05.04.1935 über Versuchs-Aufnahmen mit LR-Zweipack durch die Ufa-Werbefilm-Abteilung für Gasparcolor – 4711 Köln.)
650 IFM Wolfen, A 1429, Notiz über ein Telefongespräch Waschneck mit Rahts vom 21.08.1935.
651 BArch, R 8128,16571, Akten 6 und 8. (Bericht über die Vorführung bei der Afifa am 28.02.1936, S. 1 und 3.)
652 Zum Erwerb einer französischen Debrie-Aufnahmekamera durch die Ufa siehe: BArch, R 109 I, 1031 b, Nr. 1157 vom 24.04.1936, Punkt 5 und 1032 a, Nr. 1210 vom 26.01.1937, Punkt 8; zum Kauf einer Mitchell-Kamera siehe: 1033 a, Nr. 1307 vom 06.05.1937, Punkt 16. Zu Verhandlungen der Agfa mit der Firma Askania zwecks Herstellung einer Bipack-Kamera siehe entsprechenden Bericht vom 07.04.1936. (BArch, R 8128, 16571, Akten 12-13.)
653 IFM Wolfen, A 11442, Monatsbericht der Wissenschaftlichen Abteilung Nr. VH-Vm/1936, 01.08.-15.09.1936, S. 6.
654 In einer Aktennotiz vom 16.05.1938 hatte Harald Mediger die Konzentration aller Kräfte auf die Ausarbeitung von Agfacolor gefordert und demgegenüber Pantachrom wegen mangelnden Patentschutzes des Silberfarbbleich-Verfahrens verworfen. (IFM Wolfen, A 11352, Aktennotiz zur Frage Farbentwicklung oder Pantachrom.) Gerd Heymer und John Eggert von der Wissenschaftlichen Abteilung wehrten sich dagegen, dass ihr Verfahren fallengelassen wurde, ehe nicht dessen Unterlegenheit gegenüber Agfacolor nachgewiesen worden sei. (IFM Wolfen, A 5134, Bemerkungen Heymers und Eggerts vom 31.05. zur Aktennotiz von Dr. Mediger vom 16.05.1938.)
655 Den Beschluss hierzu fällte der Ufa-Vorstand am 27.07.1936. (BArch, R 109 1,1031 b, Nr. 1173, Punkt 15.) Im Januar 1937 konnten die Bauarbeiten abgeschlossen werden. (Vgl. Wertvolle UFA-Arbeit für den Kultur- und Lehrfilm. Auch auf diesem Gebiete verstärkt die Ufa Einsatz und Leistung. In: Der Film Nr. 02 vom 09.01.1937, 2. Beilage.) Im Frühjahr 1937 hatten Ufa und Afifa rund 200.000 Reichsmark in das Verfahren investiert. (IFM Wolfen, A 6134, Schreiben Klitzsch an Otto vom 09.02.1937, S. 1.)
656 IFM Wolfen, A 6134, Schreiben Klitzsch an Otto vom 09.02.1937, S. 2.
657 Dies geht aus einer vertraulichen Agfa-Notiz vom 18.08.1937 hervor. (BArch, R 8128,16571, Akten 137-139.)
658 Siehe hierzu das Protokoll der Ufa-Vorstandssitzung Nr. 1190 vom 20.10.1936, Punkt 12, (BArch, R 109 I, 1031 b) und die Aktennotiz (IFM Wolfen, A 5633) über einen Besuch der Pantachrom-Spezialisten Eggert und Heymer von der Wissenschaftlichen Abteilung der Agfa in Neubabelsberg am 13.01.1937, bei dem die durch die Agfacolor-Vorstellung ausgelösten Verstimmungen zwischen Ufa und Agfa zur Sprache kamen. Der Eindruck, die Agfa vernachlässige die Förderung des Pantachrom- zugunsten des Agfacolor-Verfahrens, war sicherlich nicht ganz unbegründet, findet Pantachrom doch in den Monatsberichten der Phototechnischen Zentrale – in auffälligem Gegensatz zu Agfacolor – wenn überhaupt, dann nur beiläufig Erwähnung. (BArch, R 8128, 20464 und 20566.)
659 IFM Wolfen, A 1808, Besprechung betreffend Pantachrom-Verfahren am 01.09.1937 im Ufahaus, S. 1.
660 Zu Es weihnachtet sehr siehe: IFM Wolfen, A 11443, Monatsbericht VII-Vni/1937, 01.07.-31.08.1937, S. 5, Monatsbericht Nr. IX/1937, 01.-30.09.1937, S. 3-4. Stoffe für einen Kurzfilm mit Spielhandlung (Ersatz-Tenor, Das Quartett, später: Kunterbunt) hatte die Ufa bereits im Sommer 1936 durch die Herstellungsgruppe Dr. Brauer vorbereiten lassen. (BArch, R 109 1,1031 b, Nr. 1148 vom 17.03.1936, Punkt 19 b, Nr. 1157 vom 24.04.1936, Punkt 5, Nr. 1166 vom 12.06.1936, Punkt 7 b, Nr. 1172 vom 22.07.1936, Punkt 26, sowie R 109 1,1032 a, Nr. 1207 vom 15.01.1937, Punkt 2 b.)
661 BArch, R 1091,1032 b, Nr. 1267 vom 26.10.1937, Punkt 2.
662 IFM Wolfen, A 5633, Gerd Heymer: Bericht über den Stand der Arbeiten am Pantachromverfahren bei der Ufa vom 03.05.1938, S. 2. Das Lob galt den Varietészenen mit Rahmenhandlung, die, teilweise mit Ton, am 18.03.1938 im Werbefilmatelier der Ufa gedreht worden waren. (IFM Wolfen, A 11443, Monatsbericht III/1938 vom 1. bis 31.03.1938.) Einige Einstellungen (Artisten, Feuerspucker) des im Bundesarchiv überlieferten Querschnittfilms AUSSCHNITTE VERSCHIEDENER SUBTRAKTTVER UND ADDITIVER FARBFILMVERFAHREN stammen aus diesem Material.
663 IFM Wolfen, A 5633, Gerd Heymer: Bericht über den Stand der Arbeiten am Pantachromverfahren bei der Ufa vom 03.05.1938, S. 2.
664 BArch, R 109 1,1033 a, Nr. 1295 vom 18.03.1938, Punkt 11.
665 BArch, R 109 1,1033 b, Nr. 1308 vom 10.05.1938, Punkt 6.”
(Alt, Dirk (2011): “Der Farbfilm marschiert!” Frühe Farbfilmverfahren und NS-Propaganda 1933-1945. München: belleville Verlag Michael Farin, on pp. 160-161.) (in German)
“Zum einen kann für BAUERNGYMNASTIK keine Zensur nachgewiesen werden, zum anderen nahmen Hans von Passavant und Rudolf Walter zwischen dem 2. und 5. Juli 1939 erneut Material für den Film auf,672 und noch am 18. August beantragte die Ufa-Kulturfilmabteilung bei der Reichsfachschaft Film eine Sondergenehmigung für Schulleiter Rudolf Bode, der den Film mit einer O-Ton-Aufnahme einleiten sollte.673 Es ist anzunehmen, dass diese Neuaufnahmen nicht mehr nach dem Pantachrom-Verfahren, sondern bereits auf Agfacolor-Negativfilm ausgeführt wurden, und dass von BAUERNGYMNASTIK somit eine Pantachrom-Fassung wahrscheinlich fertiggestellt und eine Agfacolor-Fassung zumindest begonnen wurde. Dass der für den Reichsnährstand propagandistisch wertvolle Film nicht zur Auswertung gelangte, dürfte auf den Kriegsbeginn zurückzuführen sein, der die umgehende Schließung der Reichssportschule zur Folge hatte.674
Im Herbst 1938, während sich die Pantachrom-Fassung im Schnitt befand, brachte die Agfa ihr Verfahren, das bislang nur der Leserschaft der Veröffentlichungen des Wissenschaftlichen Zentral-Laboratoriums (Band V/1937)675 bekannt gewesen war, mit zwei Vorträgen Presse und Öffentlichkeit zur Kenntnis: Auf der Jahrestagung der Deutschen Kinotechnischen Gesellschaft am 20. Oktober 1938 sprach John Eggert, auf der 161. öffentlichen Vortragssitzung der DKG am 15. Dezember Gerd Heymer über die technischen Grundlagen des Pantachrom-Verfahrens; beide Vorträge wurden von Filmausschnitten begleitet. Trotz allgemeiner Zustimmung zu den gezeigten Proben fiel das publizistische Echo verhalten aus: Der Leitartikel des Film-Kurier etwa bezeichnete das Verfahren nur als “Überbrückungsmethode bis zur idealen Lösung des Farbfilmproblems”, welche, wie am Schluss des Artikels unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, im Agfacolor-Verfahren gesehen wurde.676
Agfacolor kontra Pantachrom
Obwohl die Ufa bereits nach der öffentlichen Vorstellung der noch nicht kopierbaren Agfacolor-Umkehrmaterialien größtes Interesse an diesem Verfahren geäußert hatte und ihren Kameramännern bis zur Verfügbarkeit des Negativ-Positiv-Verfahrens nötigenfalls durch die Benutzung von Schmalfilm Praxiserfahrung verordnen wollte,677 behielt die Agfa sich die Erprobung von Agfacolor selbst vor, da die Konzernleitung kein Interesse daran hatte, in dieser Phase einen externen Partner an technischem Know-how und wirtschaftlichen Entscheidungen teilhaben zu lassen.
Anmerkungen
672 BArch, RK J 166, Personalakten Rudolf Walter, Schreiben des Reichsnährstandes (Verwaltungsamt) an Walter (September 1939) betr. Film “Bauerngymnastik“.
673 BArch, RK K 5, Sondererlaubnisse (Rudolf Bode), Schreiben der Ufa vom 18.08.1939 betr. Kulturfilm “Bauerngymnastik“.
674 Dieser Hinweis wird Bernd Riemann, Wolfsburg, verdankt.
675 Gerd Heymer: Der Linsenraster-Zweipack. In: Veröffentlichungen des Wissenschaftlichen Zentral-Laboratoriums Band V, S. 37-47.
676 Jahrestagung der DKG. Prof. Eggert sprach über Dreifarbenfilm mit Bipack. Eine Überbrückungsmethode bis zur idealen Lösung des Farbfilm-Problems. In: Film-Kurier Nr. 248 vom 22.10.1938.
677 BArch, R 109 I, 1031 b, Nr. 1190 vom 20.10.1936, Punkt 12.
Literatur: Fachaufsätze nach 1945, Monographien und Nachschlagewerke
Veröffentlichungen des Wissenschaftlichen Zentral-Laboratoriums der Photographischen Abteilung – Agfa – Band III., IV., V, VI. Hrsg. von der I.G. Farbenindustrie Aktiengesellschaft. Leipzig: S. Hirzel, 1933, 1935, 1937, 1939.”
(Alt, Dirk (2011): “Der Farbfilm marschiert!” Frühe Farbfilmverfahren und NS-Propaganda 1933-1945. München: belleville Verlag Michael Farin, on pp. 162-163.) (in German)
“Seit Ende 1936 hatte die Ufa die Aktivitäten der Agfa mit Argwohn verfolgt, hatten doch deren Vertreter wiederholt öffentlich auf die bald bevorstehende Verfügbarkeit des Negativ-Positiv-Verfahrens hingewiesen,687 der Vorstand sich jedoch gegen eine Zusammenarbeit mit der Ufa gesperrt. Hinsichtlich der Pantachrom-Arbeiten musste die Ufa demnach fürchten, Ressourcen in ein bereits oder baldigst überholtes Farbfilmverfahren zu investieren, um dann unversehens von der Agfa mit einem praxisreifen Agfacolor-Negativ-Positiv-Verfahren vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Nachdem genau diese Situation im April 1939 eingetreten war, stand für die Ufa-Direktion fest, dass “nicht genügend Atelierraum zur Verführung” stünde, “um Probeaufnahmen nach beiden Farbfilm-Systemen, dem Pantachrom- und dem Agfa-Color-Verfahren gleichzeitig vorzunehmen”;688 es musste also umgehend eine Entscheidung zwischen beiden Verfahren getroffen werden.
Dabei hatten die praktischen Arbeiten nach Pantachrom im Frühjahr 1939 einen weiteren Aufschwung genommen: Kopien der ersten Pantachrom-Werbefilme, die inzwischen im Einsatz waren,689 wurden als so gut betrachtet, dass die Ufa-Werbefilmabteilung der Afifa riet, “sich auf einen erhöhten Bedarf einzurichten.”690 Im Dezember 1938 hatte die Ufa einen weiteren Farbkulturfilm angekündigt, der eine Alfelder Cyklamenzüchterei zum Inhalt haben sollte.691 Im Frühjahr 1939 fanden Probeaufnahmen (Skilauf) zu einem geplanten Landschaftsfilm über Thüringen statt.692 Für März wurde ein Verbrauch der Ufa an Aufnahmematerial von 5.000 bis 10.000 Meter und ein Verbrauch an Tripofilm (Kopiermaterial) von 40.000 Meter erwartet.693 Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Empfindlichkeit des Aufnähmematerials Beleuchtungsstärken von 20.000 Lux erfordert; das Material, das ab März zum Einsatz kam, erlaubte erstmals Aufnahmen bei einer Lichtmenge von nur 4.000 bis 7.000 Lux.694 Am 7. März ließ Richard Schmidt (Afifa) gegenüber Dr. Heymer (Agfa) verlauten, der Ufa-Vorstand habe vor dem Hintergrund der bisherigen Resultate “die sofortige Inangriffnahme des Spielfilmproblems angeregt”.695 Dies lässt sich auf Grundlage der Protokolle der Ufa-Vorstandssitzungen soweit bestätigen, dass drei Tage zuvor beschlossen worden war, “baldmöglichst einen Kurzfilm mit packender Spielhandlung nach Art des Cucaracha-Farbfilms” herzustellen.696
Obwohl sich also die praktische Einführung des Pantachrom-Verfahrens greifbar abzuzeichnen schien, ließ die Ufa es fallen, sobald der Wechsel zum Agfacolor-Negativ-Positiv-Verfahren möglich geworden war. Pro forma wurden am 4. Mai Vergleichsaufnahmen zwischen beiden Verfahren gedreht; die in Wolfen gezogenen Agfacolor-Kopien wurden am 17. Mai in der Afifa vorgeführt und lösten allgemeine Zustimmung aus, konnten mit den zugehörigen Pantachrom-Aufnahmen aber noch nicht verglichen werden, da hiervon noch keine Kopien vorlagen.697 Dr. Miller (Agfa) hatte bereits im Vorfeld deutlich gemacht, dass die Agfa “unbeschadet des Ausgangs der Versuche […] auf dem Standpunkt stehe, dass das Agfacolor-Verfahren das aussichtsreichere sei, da es sowohl in der Herstellung des Materials in der Filmfabrik, als auch in der Verarbeitung beim Kunden einfacher sei.”698
Dieses Argument, und nicht etwa die Farbqualität, gab auch für die Ufa den Ausschlag, vom Pantachrom-Verfahren auf Agfacolor umzuschwenken. Hinzu kam, dass noch Ende Oktober 1938, als die Pantachrom-Arbeiten bereits einen größeren Umfang angenommen hatten, hierfür nur vier Aufnahmekameras verfügbar waren.699 Hätte man im großen Maßstab nach dem Verfahren drehen wollen, so wäre der Ankauf kostspieliger Bipack-Kameras im Ausland oder die Fabrikation einer deutschen Bipack-Kamera erforderlich geworden, wohingegen Agfacolor-Negativfilm in jeder 35-mm-Kamera belichtet werden konnte.
Anmerkungen
687 Beispielsweise Dr. Lummerzheim bei einem Agfacolor-Vortrag in der Hamburger Volkshochschule im November 1938. (Vgl. Dr. Lummerzheim über Farbfilm. In: Film-Kurier Nr. 270 vom 18.11.1938.)
688 BArch, R 109 1,1033 c, Nr. 1363 vom 18.04.1939, Punkt 4 a.
689 Laut Pantachrombericht Nr. 16 vom 03.10.1938 sollten Kopien eines Werbefilms für 4711 Kölnisch Wasser im Oktober 1938 ausgeliefert werden. (BArch, R 8128, 16571, Akte 233.) Dem Pantachrombericht Nr. 18 vom 06.03.1939 zufolge waren bis Anfang März 50 Kopien des Realwerbefilms WÄHLEN SIE! ausgeliefert worden (BArch, R 8128, 16571, Akte 253), dem zwei gezeichnete Zigarettentrickfilme, darunter einer von Fischerkösen, bis Mitte März nachfolgten. (IFM Wolfen, A 5633, Pantachrombericht Nr. 19 vom 16.03.1939.)
690 Laut Pantachrombericht Nr. 15 vom 03.10.1938. (BArch, R 8128, 16571, Akte 233.)
691 Vgl. Schnell noch lesen. In: Film-Kurier Nr. 286 vom 07.12.1938. Das Projekt wurde vermutlich von der biologischen Kulturfilmabteilung unter Ulrich K. T. Schulz verfolgt, der noch Ende Juni 1939 im Film-Kurier “die ersten farbigen Tier- und Pflanzenfilme nach dem neuen Pantachrom-Verfahren der Ufa” ankündigte. (Vgl. Dr. Ulrich K.T. Schulz: Aus der Geschichte des biologischen Kulturfilms. In: Film-Kurier Nr. 147 vom 28.06.1939.)
692 Laut Pantachrom-Bericht Nr. 18 vom 06.03.1939. (BArch, R 8128, 16571, Akte 253.)
693 Ebd.
694 IFM Wolfen, A 5633, Gerd Heymer: Pantachrom-Bericht Nr. 19 vom 16.03.1939, S. 2.
695 Ebd.
696 BArch, R 1091,1033 b, Nr. 1357 vom 04.03.1939, Punkt 1.
697 IFM Wolfen, A 5633, Aktennotiz vom 20.05.1939 betr. Vorführung einer Versuchsaufnahme bei der Afifa-Berlin am 17.05.1939.
698 IFM Wolfen, A 5633, Notiz vom 03.05.1939 über den Besuch von Waschneck und Schmidt (Afifa) in Wolfen am 29.04.1939.
699 Zwei sollen bei der Afifa und je eine bei den Abteilungen Werbefilm und Kulturfilm im Einsatz gewesen sein. (BArch, R 1091,1033 b, Nr. 1338 vom 27.10.1938, Punkt 6.)”
(Alt, Dirk (2011): “Der Farbfilm marschiert!” Frühe Farbfilmverfahren und NS-Propaganda 1933-1945. München: belleville Verlag Michael Farin, on pp. 164-165.) (in German)
“Von Front in Farbe zu Panorama.
Die Entstehung einer Farbmonatsschau für das Ausland
Der Wunsch nach einer farbigen Aktualitätenberichterstattung, der sich in Deutschland bis weit vor 1933 zurückverfolgen lässt, erfuhr in der zweiten Hälfte der 30er Jahre einen Schub, als die ersten, zum Teil beachtlichen Versuche der Briten, Franzosen und Italiener auf diesem Gebiet bekannt wurden (siehe S. 145). Im Juni 1938 beschäftigte sich der Ufa-Vorstand erstmals mit der Möglichkeit, Aufnahmen nach dem Pantachrom-Verfahren in ihrer Wochenschau einzusetzen.1667
Anmerkungen
1667 BArch, R 109 I, 1033 a, Nr. 1317 vom 21.06.1938, Punkt 2.”
(Alt, Dirk (2011): “Der Farbfilm marschiert!” Frühe Farbfilmverfahren und NS-Propaganda 1933-1945. München: belleville Verlag Michael Farin, on p. 345.) (in German)
“Auf der Jahrestagung der Deutschen Kinotechnischen Gesellschaft am 20. Oktober 1938 sprach John Eggert, auf der 161. öffentlichen Vortragssitzung der DKG am 15. Dezember Gerd Heymer über die technischen Grundlagen des Pantachrom-Verfahrens; beide Vorträge wurden von Filmausschnitten begleitet. Trotz allgemeiner Zustimmung zu den gezeigten Proben fiel das publizistische Echo verhalten aus: Der Leitartikel des Film-Kurier etwa bezeichnete das Verfahren nur als “Überbrückungsmethode bis zur idealen Lösung des Farbfilmproblems”, welche, wie am Schluss des Artikels unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, im Agfacolor-Verfahren gesehen wurde.676
Anmerkungen
676 Jahrestagung der DKG. Prof. Eggert sprach über Dreifarbenfilm mit Bipack. Eine Überbrückungsmethode bis zur idealen Lösung des Farbfilm-Problems. In: Film-Kurier Nr. 248 vom 22.10.1938.”
(Alt, Dirk (2011): “Der Farbfilm marschiert!” Frühe Farbfilmverfahren und NS-Propaganda 1933-1945. München: belleville Verlag Michael Farin, on p. 163.) (in German)
“DER STAND DER FARBENPHOTOGRAPHIE IN DEUTSCHLAND
Kurt Meyer
In Deutschland gehört der farbige Spielfilm in den Kinotheatern noch zu den Seltenheiten. Dagegen hat in Amerika und in England der Farbenfilm in den Lichtspielhäusern den Schwarzweißfilm schon zu einem recht beträchtlichem Prozentsatz verdrängt. Das dabei ausgeübte Verfahren ist das Technicolorverfahren.1 Mittels einer Strahlenteilungskamera2 werden Farbauszüge aufgenommen, von denen aus im Druckverfahren die farbige Kopie hergestellt wird. Ein ähnliches Verfahren wird in Deutschland nicht ausgeübt, nicht zuletzt darum, weil eine entsprechende deutsche Strahlenteilungskamera nicht existiert. Mittels des BERTHON-SIEMENS-Linsenrasterfilmes ist 1936 versucht worden, eine deutsche Farbenfilmproduktion aufzuziehen. Trotz recht guter Leistungen und des völlig gelösten Kopierproblems3 ist es ein Versuch geblieben, offenbar deshalb, weil der erhöhte Lichtbedarf bei der Wiedergabe den Theatern nicht tragbare Bedingungen auferlegt.4 Damit hat es den Anschein, als ob die Streitfrage “additiv oder subtraktiv” endgültig zu Ungunsten der rein additiven Verfahren entschieden ist.5 Das Fehlschlagen der Hoffnungen, die auf das BERTHON-SlEMENS-Verfahren gesetzt wurden, hat aber die Bemühungen zur Gestaltung eines deutschen Farbenfilmes keineswegs erlahmen lassen, und es erscheint nach den neueren Presse- und Rundfunkmeldungen, als ob das Pantachromverfahren der Agfa in die Bresche springen könnte.
Im Gegensatz zu dem farbigen Spielfilm, der in Deutschland nach den obigen Ausführungen sich noch völlig im Versuchsstadium befindet, sind farbige Werbefilme im Vorprogramm der Lichtspieltheater schon seit Jahren häufig anzutreffen. Diese Filme sind subtraktiver Natur und entweder nach dem zweifarbigen Ufacolor6 oder nach dem dreifarbigen Gasparcolorverfahren7 hergestellt. Entsprechend seiner Natur als subtraktives Zweifarbenverfahren hat das Ufacolorverfahren gegenüber dem Gasparcolorverfahren den Mangel, vor allem Grün nur stark verfälscht wiederzugeben. Für ein Werbefilmverfahren ist dies aber infolge der Freiheit in der Wahl der wiederzugebenden Farben kein schwerwiegender Nachteil, so daß in Anbetracht der Einfachheit in der Durchführung das Ufacolorverfahren sich für diesen beschränkten Zweck erfolgreich behauptet hat. Das Gasparcolorverfahren dagegen könnte als Dreifarbenverfahren über den Rahmen des Werbefilmes hinaus an Bedeutung gewinnen. Dies scheint tatsächlich der Fall zu sein, da das neue Pantachromverfahren der Agfa in seinem zweiten Teil, im Kopiervorgang, praktisch mit dem Gasparcolorverfahren übereinstimmt. Deshalb ist eine ausführlichere Würdigung des Gasparcolorverfahrens berechtigt.
Die bisher genannten Verfahren zur Herstellung von farbigen Kinefilmen sind für die Zwecke des Amateurs nicht geeignet. Dafür sind aber in den letzten Jahren zwei Farbenfilmmaterialien zur Herstellung farbiger subtraktiver Diapositive auf den Markt gekommen, die wie jeder normale Negativfilm in jeder Kleinbildkamera verarbeitet werden können. Diese beiden Farbenfilmmaterialien, der Kodachromfilm und der in Deutschland praktisch zu gleicher Zeit in den Handel gekommene (Oktober 1936) Agfacolor-Neu-Film, haben infolge ihrer ausgezeichneten Ergebnisse solchen Anklang gefunden, daß beide Verfahren wohl dem dauernden Besitz der Phototechnik zuzuzählen sind. Vor allem das Agfacolorverfahren, ein wirklich rein deutsches Farbenfilmverfahren, erscheint dazu berufen, bei weiterer Vervollkommnung noch andere Anwendungsgebiete, vielleicht gar als Kinefilm, zu gewinnen.8
Die eben erwähnten Amateurverfahren liefern einmalige Diapositive. Das Problem des ebenso einfach herzustellenden farbigen Papierbildes ist noch ungelöst. Für den interessierten Photoliebhaber bietet sich aber immerhin die Möglichkeit, über Farbauszüge nach dem Duxochromverfahren von HERZOG9 Aufsichtsvergrößerungen von mitunter verblüffender Schönheit zu erhalten.
So zeigt also dieser kurze Überblick, daß auf dem Gebiete der Farbenphotographie in Deutschland einige Probleme noch der Lösung harren, daß noch vieles im Fluß ist, daß aber auch manches Wertvolle erreicht und dauernder Besitz geworden ist.
DIE SUBTRAKTIVEN MEHRSCHICHTENVERFAHREN
Bei chronologischer Anordnung der zu besprechenden Farbenfilmverfahren müßte die Reihenfolge lauten:
1. Gasparcolorverfahren
2. Kodachromverfahren
3. Agfacolor-Neu-Verfahren
4. Pantachromverfahren.
Aus Gründen des Zusammenhanges der einzelnen Verfahren miteinander und der Übersichtlichkeit der Darstellung sollen die Verfahren aber in folgender Anordnung aufgeführt werden:
1. Agfacolor-Neu-Verfahren
2. Kodachromverfahren
3. Gasparcolorverfahren
4. Pantachromverfahren.
Soweit als möglich ist die mit den einzelnen Verfahren direkt oder indirekt zusammenhängende Patentliteratur berücksichtigt worden. Um nicht den zur Verfügung stehenden Raum zu überschreiten, konnten viele Patentschriften nicht erschöpfend referiert werden. Es ist aber versucht worden. dann wenigstens stichwortartig die wesentlichsten Merkmale anzugeben.”
(Meyer, Kurt (1940): Die farbenfotografischen subtraktiven Mehrschichten-Verfahren. In: Ergebnisse der angewandten physikalischen Chemie, Vol. 6, No. 2. Leipzig: Akademische Verlagsgesellschaft, on pp. 368-370.) (In German)
“IV. DAS PANTACHROMVERFAHREN
Sowohl die additiven als auch die subtraktiven farbenphotographischen Verfahren weisen Vorteile und Nachteile auf. Unbestritten ist aber die Tatsache, daß ein subtraktiver Farbenfilm bei der Wiedergabe in den Lichtspieltheatern jedem additivem Verfahren den Rang abläuft.10 Ein besonders leicht herstellbares und zu verarbeitendes subtraktives Kopiermaterial kann, wie das GASPARcolorverfahren beweist, auf Grund des Silberfarbbleichverfahrens aufgebaut werden. Das Kopieren auf solches Material geschieht mit Farbauszügen, die grundsätzlich nach jedem beliebigen Aufnahmeverfahren gewonnen werden können.11
In den Laboratorien der Agfa ist auf Grund von Arbeiten, die schon mehrere Jahre zurückliegen, ein Verfahren entwickelt worden, das in besonders einfacher Weise die Herstellung und das Kopieren solcher Farbauszüge auf subtraktives Mehrschichtenmaterial gestattet und der Öffentlichkeit unter dem Namen “Pantachromverfahren” mitgeteilt worden ist.12 Es ist bei diesem Verfahren versucht worden, die Vorteile der additiven und subtraktiven Methoden beizubehalten und die Nachteile möglichst auszuschalten.
1. DAS AUFNAHMEVERFAHREN
a) DAS MATERIAL
Zur Aufnahme dient ein Linsenrasterbipackfilm. Dieser ist entstanden durch Ausbau des bekannten Agfabipacks, eines Materials für Zweifarbenaufnahmen.13 Der Linsenrasterbipack besteht aus einem Frontfilm, einem Linsenrasterfilm für Aufzeichnung des Blau- und Grünauszuges, und einem Rückfilm für Aufnahme des Rotauszuges (vgl. Fig. 20). Da vom Linsenrasterfilm nur zwei, statt wie üblich drei Farben aufgezeichnet werden, ist der sonst beim Linsenrasterfilm auftretende Nachteil der farbigen Tiefenunschärfe praktisch völlig abgestellt. Die Emulsionsschicht des Linsenrasterfilms ist für Grün sensibilisiert, und zwar so, daß die Empfindlichkeit von etwa 560 mu an nach den längeren Wellen zu steil abfällt. Die Schicht muß weiterhin gutes Auflösungsvermögen zeigen und zur Umkehrentwicklung geeignet sein. Die Emulsionsschicht des Rückfilms ist ausschließlich für Rot sensibilisiert mit ausgeprägter Grünlücke. Als Sensibilisatoren könnten z. B. die im Franz.Pat. 824 324 der I.G. Farbenindustrie genannten Verwendung finden. Da Front- und Rückfilm getrennt verarbeitet werden, und dadurch nachträgliche Korrekturen möglich sind, brauchen die Eigenschaften der Emulsionsschichten nicht so sorgfältig aufeinander abgestimmt sein, wie dies bei den subtraktiven Mehrschichtenfilmen (Agfacolor-Neu, Kodachrom) notwendig ist.
Die Erfindung des Linsenrasterbipacks ist niedergelegt im D.R.P. 583 747 der I.G. Farbenindustrie (Erfinder G. HEYMER) vom 3.5.1931. Der Hauptanspruch der Patentschrift lautet:
Photographisches Dreifarbenverfahren, dadurch gekennzeichnet, daß hinter einem einzigen Objektiv zwei hintereinander angeordnete lichtempfindliche Schichten belichtet werden, von denen die vordere mit einem Linsenraster verbunden ist, während vor, in oder hinter dem Objektiv ein Zweifarbenfilter angeordnet ist, dessen Flächen je eine Hälfte des Spektrums absorbieren, wobei die Emulsion des Linsenrasterfilms nur für die von beiden Filterhälften absorbierten Spektralbereiche, die Emulsion des nicht gerasterten Films für das von beiden Filtern gemeinsam durchgelassene Spektralgebiet sensibilisiert ist.
b) DIE VORGÄNGE BEI DER AUFNAHME
Der Linsenrasterfrontfilm hat die Aufgabe, das grüne und blaue Teilbild aufzuzeichnen. Da der Rückfilm den Rotauszug aufnehmen soll, muß vom optischen System des Linsenrasterfilms Rot unbeeinflußt durchgelassen werden. Die Verwendung von Grün- und Blaufiltern ist demnach infolge ihrer Absorptionseigenschaften gegenüber Rot nicht möglich, und es muß ein Purpur- und ein Gelbfilter verwendet werden. Das Purpurfilter liefert auf dem Frontfilm den Blauauszug, das Gelbfilter den Grünauszug. Beide Filter lassen Rot passieren. Die Anordnung der Filter ist keineswegs gleichgültig. Die Grünempfindlichkeit auch der höchst sensibilisierten Emulsionen ist immer noch geringer als die Blauempfindlichkeit. Bei Anordnung der Filter derart, daß Gelb- und Purpurstreifen nebeneinander liegen, würde die Transparenz des Blaufilters zu dämpfen sein. Bei der Anordnung der Filter beim Pantachromverfahren ist nun der Ausweg getroffen werden, die Gelbfilterfläche zu verdoppeln, und zwar derart, daß die durch das Raster entworfenen reellen Bilder dieser farbgleichen Streifen in der Schicht übereinanderfallen. Dadurch werden die das Grünbild ergebenden Rasterstreifen mit der doppelten Intensität belichtet. Durch diese symmetrische Anordnung der Filterstreifen wird nun außer der Vermeidung der Dominantenfehler erreicht, daß die Durchlässigkeiten der Anordnung für die drei Teilfarben Rot : Grün : Blau sich wie 3 : 2 :1 verhalten.14 Nur der dritte Teil des auffallenden blauen Lichtes trifft die Emulsionsschicht des Frontfilms. Die starke weitere Schwächung, die die blauen Strahlen dort infolge Absorption durch das Bromsilber erfahren, führt nun dazu, daß die Emulsionsschicht des Rückfilms kaum noch durch diese Strahlen berührt wird. Nach dem D.R.P. 674 248 der I.G. Farbenindustrie (Erfinder: J. EGGERT, A. v. BIEHLER und G. HEYMER) ist es dann nötig, daß die Emulsionsschichten silberreich und feinkörnig sind. Deshalb ist eine besondere Filterschicht zwischen Front- und Rückfilm, wie sie bei normalem Bipackmaterial erforderlich ist, überflüssig geworden. Eine Steigerung der Bildschärfe des Rückfilms infolge Wegfalles der streuenden Wirkung der Filterschicht ist die Folge.
Nach der Belichtung wird normal schwarzweiß entwickelt, und zwar der Frontfilm nach dem Umkehrverfahren, der Rückfilm dagegen als Negativ.
2. DAS KOPIERVERFAHREN
a) DAS MATERIAL
Als Kopiermaterial findet ein Tripofilm Anwendung, wie er für das GASPARcolorverfahren beschrieben ist.15 Der einzige Unterschied besteht darin, daß die rückseitige Emulsionsschicht keinen blaugrünen Farbstoff enthält, sondern eine reine ungefärbte Bromsilberschicht darstellt, die erst nachträglich gefärbt wird.
[…]
b) DAS KOPIEREN
Der Frontfilm wird auf die Vorderseite des Tripofilms kopiert und gleichzeitig der Rückfilm auf die Rückseite. Als Kopierfilter des Linsenrasterfilms dienen Blaurotfilter, und zwar steht das Blaufilter an Stelle des Grünfilters, das Rotfilter an Stelle des Blaufilters der Aufnahme. Dadurch wird erreicht, daß in der rotempfindlichen, gelbgefärbten Schicht des Tripofilms der Blauauszug, in der blauempfindlichen, purpurgefärbten Schicht der Grünauszug aufgezeichnet werden. Der Rückfilm und gegebenenfalls auch die Tonaufzeichnung werden mit blauem Licht auf die rückseitige ungefärbte Schicht des Tripofilms kopiert.
c) DIE VERARBEITUNG
Der Tripofilm wird normal entwickelt. Die Farbbilder der beiden oberen Emulsionsschichten werden nach dem Silberfarbbleichverfahren durch Farbzerstörung an den silberhaltigen Stellen hergestellt. Das positive Silberbild der rückseitigen ungefärbten Emulsionsschicht wird durch Eisenblautonung in das blaugrüne Teilbild umgewandelt. Ohne weiteres wäre natürlich auch der beim GASPARcolorverfahren verwendete Tripofilm mit der blaugrüngefärbten rückseitigen Emulsionsschicht verwendbar, und die Verarbeitung erscheint sogar einfacher, weil die getrennte Behandlung der Rückschicht wegfällt. Die durch die Blautonung bedingte Verlängerung des Verarbeitungsprozesses wird aber nach G. HEYMER (a.a.O.) durch die vereinfachte Entwicklung des Rückfilms (keine Umkehrung bzw. keine Zwischenpositive) und die höhere Güte der Kopien wettgemacht.
FUßNOTEN
1 KLEIN, A. B., Colour Photogr., 1936, S. 14ff.; Kinotechn. 19 (1937) 59.
2 Photographische Ind. 34 (1936) 513.
3 GRETNER, E., J. Soc. Mot. Pict. Eng. 28 (1937) 447; Kinotechn. 18 (1936) 907.
4 RÄNTSCH, K., in STENGER-STAUDE: Fortschritte der Photographie (Akad. Verl. Leipzig 1938) S. 334.
5 Die Firma Siemens hat ebenso wie die Keller-Dorian-Gesellschaft in USA. ihre Farbfilmlaboratorien geschlossen – Sci. Ind. photogr. (2) 10 (1939) 64.
6 POHLMANN, G., Kinotechn. 19 (1937) 125.
7 IGNATOW, G., Kinotechn. 19 (1937) 126.
8 Vgl. SCHNEIDER, W. u. WILMANNS, G., Veröff. wiss. Zentrallabor. Agfa 5 (1937) 35. Anmerkung bei der Korrektur: Diese Arbeiten sind inzwischen schon weit fortgeschritten und haben zu sehr guten Ergebnissen geführt, wie aus einem Vortrag von J. EGGERT anläßlich der 9. Tagung der Gesellschaft für Photographische Forschung hervorgeht. Photographische Ind. 37 (1939) 702.
9 D.R.P. 626 682. Vergleiche auch die Ausführungen von FALTA, W. in STENGER-STAUDE, Fortschritte der Photographie (Akad. Verl. Leipzig 1938) S. 286ff.
10 RÄNTSCH, K. in STENGER-STAUDE, Fortschritte der Photographie (Akad. Verl., Leipzig 1938) S. 334.
11 HEYMER, G., Veröff. wiss. Zentrallabor. Agfa 5 (1937) 37.
12 EGGERT, J. u. HEYMER, G., Agfa-Pantachromverfahren, Vortrag auf der 8. Tagung der Deutschen Ges. f. photograph. Forschung am 20. Oktober 1938 in Berlin, Kinotechn. 20 (1938) 323. Anm. bei der Korrektur: Inzwischen ist von J. EGGERT u. G. HEYMER eine ausführliche Beschreibung des Pantachromverfahrens veröffentlicht worden (Veröff. wiss. Zentrallabor. Agfa 6 (1939) 46), auf die Interessenten, die sich näher mit dem Verfahren befassen wollen, hingewiesen seien.
13 VON BIEHLER, A., Veröff. wiss. Zentrallabor. Agfa 3 (1933) 221.
14 Nach HEYMER, G., Veröff. wiss. Zentrallabor. Agfa 5 (1937) 37ff. Dort sind diese Verhältnisse so ausführlich beschrieben, daß auf eine eingehendere Darstellung hier verzichtet werden kann.
15 Dies ist aus neueren Mitteilungen zu entnehmen. Früher (HEYMER, G. a. a. O.) war die Schichtanordnung des Tripofilms eine andere – oberste Schicht gelb gefärbt, grün sensibilisiert, mittlere Schicht purpur gefärbt, rot sensibilisiert. Die neue Anordnung wie beim GASPARcolorverfahren hat zweifellos Vorteile, sowohl bezüglich Vereinfachung der Herstellung als auch der Verarbeitung des Films.”
(Meyer, Kurt (1940): Die farbenfotografischen subtraktiven Mehrschichten-Verfahren. In: Ergebnisse der angewandten physikalischen Chemie, Vol. 6, No. 2. Leipzig: Akademische Verlagsgesellschaft, on pp. 427-430.) (In German)
“Die Agfa selbst entwickelte unter Benutzung der Silberfarbbleichmethode ihr heute in Vergessenheit geratenes Pantachrom-Verfahren, kombinierte aber darin auch andere Farbprozesse, mit denen sie schon Erfahrungen hatte sammeln können. So diente als Aufnahmematerial der 1931 von Dr. G. Heymer erfundene Linsenraster-Zweipack, bestehend aus einem Linsenraster-Frontfilm (Umkehr) für die Blau- und Grünauszüge und einem rotsensibilisierten normalen Negativ-Rückfilm.6 Ein reines Linsenrasterverfahren hatte die Agfa schon seit 1932 erfolgreich für ihre Agfacolor-Amateurschmalfilme 16 mm angewandt. Beim Linsenrasterverfahren wurden durch Vorschalten von drei Streifenfiltern in den Farben Rot, Grün und Blau und Einprägung eines Riffelrasters feiner Linsen vor der Filmemulsion auf dem Schwarz-Weiß-Film eine Farbauszugswirkung ähnlich der des Linienrasterverfahrens erzielt.7 Zu diesem komplizierten Prozeß hatte die Agfa greifen müssen, da ihr seit 1916 benutztes Kornrasterverfahren nicht für die Laufbildprojektion geeignet war. Ähnliche Verfahren existieren auch im Ausland, jedoch war der Agfacolor-Linsenrasterfilm an Rasterfeinheit allen Konkurrenten überlegen. Noch besser waren Auflösungsvermögen und Farbsättigung beim Pantachrom-Film 35 mm mit seiner Rasterbreite von nur 0,043 mm. Die ausgezeichnete Farbwiedergabe der Kopien wurde durch Kombination des Silberfarbbleichverfahrens (gelb und purpur) mit dem von Ufacolor her bekannten Tonungsverfahren (blaugrün) erreicht. Pantachrom benutzte dabei auch einen Dreischichtenfilm, allerdings mit doppelseitiger Beschichtung.8
Neben Dr. Heymer, dem hoffnungsvollen Agfa-Mitarbeiter und späteren Leiter der Afifa-Kopieranstalt, der 1945 spurlos verschwand, waren an der Schaffung der Grundlagen für Pantachrom der Leiter des Wissenschaftlichen Zentrallaboratoriums der Agfa, Prof. Dr. J. Eggert sowie Dr. W. Schultze, Dr. H. Berger und Dipl.-Ing. H. Fess beteiligt. Am 20. Oktober 1938 wurde auf der 8. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Photographische Forschung in Berlin erstmals öffentlich ein Film gezeigt,9 Bis 1939, als das Verfahren zugunsten der neuen Agfacolor-Filme zurückgezogen wurde, folgten rund ein Dutzend Werbefilme; auch für Pantachrom-Spielfllme hatten Pläne bestanden.
Der große Nachteil des Linsenrasterprinzips war der erforderliche technische Aufwand, weil bei der Projektion ein Filtervorsatz notwendig war und der Lichtstrom, hoch sein mußte; auch erforderte das Verfahren einen Spezialbildschirm und war äußerst schwierig zu kopieren. Trotzdem hatten in Deutschland die Firmen Siemens & Halske und Perutz viel Arbeit in das Opticolor-Verfahren nach Patenten von L. Berthon investiert.
Schrifttum
6 Heymer, G.: Der Linsenraster-Zweipack. Veröffentlichungen des wissenschaftlichen Zentrallaboratoriums Agfa, Bd. V, S. 37. Leipzig 1937, Hirzel
7 Heymer, G.: Die neuere Entwicklung der Farbenphotographie, Ergänzungsband (Michel u.a.) zu Hay: Handbuch der Photographie, S. 397 ff. Wien 1943, Springer
8 Eggert, J., u. Heymer, G.: Das Agfa-Pantachrom- Verfahren. Veröffentlichungen des wissenschaftlichen Zentrallaboratoriums Agfa, Bd. VI, S. 46 ff. Leipzig 1939, Hirzel
9 Heymer, G.: Die neuere Entwicklung der Farbenphotographie, Ergänzungsband (Michel u.a.) zu Hay: Handbuch der Photographie, S. 439. Wien 1943, Springer.”
(Koshofer, Gert (1966): Fünfundzwanzig Jahre deutscher Farbenspielfilm. In: Film – Kino – Technik, Vol. 20, No. 10, 1966, pp. 259-262, on pp. 259-260.) (in German)
“1938 bot Agfa der Ufa noch ein einzigartiges dreifarbiges Verfahren namens Pantachrom an, bei dem zwei Aufnahmeprinzipien und zwei Kopierverfahren miteinander kombiniert waren. Aufnahmeseitig hatten der Linsenrasterfilm in Verbindung mit Ufacolor Pate gestanden, das Kopiermaterial entsprach wiederum in zwei Schichten Gasparcolor und in einer Ufacolor.21
Nach einem Dutzend Kurzfilmen mit Pantachrom verschwand dieses in der Versenkung, denn das einfachere neue Agfacolor hielt Mitte 1939 seinen Einzug bei der Ufa. Die Ufa war schon im Oktober 1936 darauf aufmerksam geworden; man bedauerte, dass es noch nicht möglich sei, die für den Kinoeinsatz erforderlichen Kopien zu ziehen. Der Ufa-Vorstand forderte, mit der Agfa eine Vereinbarung zu treffen, damit man das Verfahren näher kennenlernen könne.
LITERATUR- UND QUELLENANGABEN
21 Ehrhard Finger: Der Linsenraster Bipack – das Agfa Pantachromverfahren, in: Die Filmfabrik Wolfen, Aus der Geschichte, Heft 11, Hrsg.: Industrie- und Filmmuseum Wolfen e.V. 2001, S. 40ff.”
(Beyer, Friedemann; Koshofer, Gert; Krüger, Michael (2010): UFA in Farbe. Technik, Politik und Starkult zwischen 1936 und 1945. München: Collection Rolf Heyne, on p. 50.) (in German)
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“Agfa-Direktor Dr. Alfred Miller befand das Agfacolor Negativ/Positiv-Verfahren in einer Besprechung am 29. April 1939 für “nunmehr fabrikationsreif”. Die Zeit der Versuche sei vorüber, nun müsse man an den Verkauf und den Export der Ware denken. Die Ufa hielt aber vorsichtshalber noch an Pantachrom fest. Erst im Mai 1939 hatte die Ufa ihr bereits 1937 in Potsdam-Babelsberg eingerichtetes “Farbhaus” auf Agfacolor umgestellt und mit Studioversuchen in ihrem Farbfilmatelier am Dönhoffplatz in Berlin begonnen. Zunächst bekamen deutsche Kinobesucher nur Werbe- und Kulturfilme in Agfacolor zu sehen. Der erste von der Ufa in Agfacolor produzierte Werbefilm kam ab 15. September 1939 in Berlin, Wien, München, Stuttgart und anderen deutschen Großstädten zum Einsatz.
Das Thema war farbfilmgerecht: Der Schauspieler Hubert von Meyerinck tönte einer Dame das Haar in verschiedenen Farben. Weitere Werbefilme folgten für Markenartikel wie Fewa Waschmittel, Maggi Suppenwürze, 4711 und Uralt-Lavendel Parfüms.22 Zugleich liefen in den Kinos auch noch Werbefilme in Ufacolor, Gasparcolor und Pantachrom, erst nach 1940 setzte sich Agfacolor völlig durch.
LITERATUR- UND QUELLENANGABEN
22 Gert Koshofer: Die Agfacolor Story, in: Weltwunder der Kinematographie, 5. Ausgabe, Potsdam 1999, S. 21″
(Beyer, Friedemann; Koshofer, Gert; Krüger, Michael (2010): UFA in Farbe. Technik, Politik und Starkult zwischen 1936 und 1945. München: Collection Rolf Heyne, on p. 51.) (in German)
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Contemporary Reception
Alt, Dirk (2011): “Der Farbfilm marschiert!” Frühe Farbfilmverfahren und NS-Propaganda 1933-1945. München: belleville Verlag Michael Farin, on p. 163. (in German)