Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03501.jsonl.gz/939

Am Wochenenden geht der diesjährige NHL-Entry-Draft über die Bühne. Wir verraten dir, um was es dort geht, wer die heissesten Talente sind und auf welche Schweizer du achten musst.
Der NHL-Entry-Draft ist ein Event, bei dem jährlich die aktuell 31 Teams der NHL die Rechte an den besten Eishockey-Junioren im Alter von 17 bis 20 Jahren (selten auch älter) sichern können. Wenn ein Team sich die Rechte an einem Spieler gesichert hat, darf er bei keiner anderen NHL-Organisation unterschreiben, es sei denn, die Rechte sind abgetauscht worden.
Der Draft besteht aus sieben Runden, wobei jedes Team in jeder Runde ein Draft-Recht (Draft-Pick) zur Verfügung hat und somit zumindest theoretisch sieben Picks pro Draft. Je früher ein Draft-Pick ist, desto wertvoller ist er.
Die Reihenfolge der Draft-Picks ab Runde 2 ist die umgekehrte Version der NHL-Rangliste. Das schlechtplatzierteste Team der Saison (dieses Jahr ist es Ottawa) wählt zuerst, der Stanley-Cup-Sieger (St.Louis) zuletzt. In der ersten Runde bestimmt die Draft-Lotterie, welches Team den Nummer-1-Pick erhält. Es ist ein komplizierter Modus, aber einfach gesagt: Jede der 15 Mannschaften, welche die Playoffs verpasst haben, hat eine Chance darauf. Je schlechter die Saison war, desto grösser die Chance auf einen guten Pick.
Ja. Deshalb ist die Anzahl von sieben Picks pro Draft nur theoretisch. Draft-Rechte sind ein üblicher Gegenwert bei Spieler-Trades. Dieses Jahr haben die New Jersey Devils dank Trades mit Boston und Nashville beispielsweise in der zweiten Runde gleich drei Picks.
Manchmal versuchen Teams im Vorfeld des Drafts auch noch, weiter nach oben zu klettern, in dem sie mehrere schlechtere Draft-Picks oder Spieler gegen einen guten Pick tauschen.
Gastgeber des Drafts sind in diesem Jahr sind die Vancouver Canucks. In der Rogers Arena findet am 22. Juni, ab 2 Uhr Schweizer Zeit die erste Runde des Drafts statt. 15 Stunden später folgen dann die restlichen Runden des Drafts.
Die New Jersey Devils haben die Draft-Lottery gewonnen und dürfen den Draft mit dem First-Overall-Pick eröffnen. Die Chance, dass sie auf die erste Position vorrücken würden, lag bei 11,5 Prozent – die drittbesten Chancen im gesamten Feld. An zweiter Stelle dürfen die New York Rangers draften. Danach sind die Chicago Blackhawks an der Reihe.
Das Duell um den ersten Platz im Draft verkam dieses Jahr wie schon 2016 (Auston Matthews gegen Patrik Laine) zum Kampf zwischen einem Amerikaner (Jack Hughes) und einem Finnen (Kaapo Kakko). Hughes ist Center, Kakko ist Flügel.
Hughes wurde das ganze Jahr über als Favorit angesehen. Der Stürmer pulverisierte im US-Nachwuchsprogramm diverse Punkterekorde und schien spätestens nach weiteren Rekorden an der U18-WM seinen Platz als Nummer 1 zementiert zu haben.
Doch Kakko spielte sich mit einer starken WM (7 Spiele, 6 Tore, 1 Assist) plötzlich wieder näher an Hughes heran. Insbesondere weil dieser bei seinem ersten Auftritt bei den Erwachsenen noch etwas Mühe bekundete, während der Finne bereits eine starke, volle Saison in Finnlands höchster Liga absolviert hat.
Tatsächlich scheint Kakko momentan der Spieler, der schon eher bereit ist für die NHL. Dennoch wird Hughes immer noch als Favorit auf die erste Position angesehen. Einerseits, weil sein Gesamtpotential noch immer höher eingeschätzt wird als jenes von Kakko. Andererseits, weil die Devils mit einem Center-Duo bestehend aus Hughes und Nico Hischier für die Zukunft bestens gerüstet wären. Und weil Devils-General-Manager beste Beziehungen zu Jacks Vater Jim Hughes unterhält.
Allgemein gilt 2019 als ein sehr guter Draft-Jahrgang. Auch in den hinteren Positionen gibt es noch sehr viele gute Talente, wie beispielsweise den deutschen Verteidiger Moritz Seider.
Momentan sieht es so aus, als würden nur zwei Schweizer gedraftet werden und zwar eher in den hinteren Runden. Beides sind Spieler mit Bieler Vergangenheit (oder Gegenwart): Stürmer Valentin Nussbaumer und Verteidiger Janis Moser.
Mosers Stern ging dieses Jahr so richtig auf. Er etablierte sich bei Biel als Stammspieler und durfte im Alter von 18 Jahren an die A-Weltmeisterschaft fahren. Der Schweizer Scout Dennis Schellenberg prognostiziert, dass er in der vierten oder fünften Runde gezogen wird.
Nussbaumer absolvierte 2017/18 die halbe Saison mit der ersten Mannschaft von Biel, ehe er den Sprung nach Nordamerika in die kanadische Juniorenliga wagte. Schellenberg erwartet, dass er frühestens Mitte dritte Runde, spätestens in der fünften Runde gezogen wird. Nussbaumer sagt gegenüber «Le Matin»: «Ich hoffe, gedraftet zu werden. Von welchem Klub ist mir egal.»
Neben Moser und Nussbaumer dürfen sich auch noch Yannick Brüschweiler (GCK Lions) und Nando Eggenberger (Oshawa Generals/OHL) leichte Hoffnungen machen, gedraftet zu werden.
Logischerweise gilt auch hier: Je früher ein Spieler gedraftet wird, desto grösser sind seine Chancen, sich in der NHL auch tatsächlich durchzusetzen. Der kanadische TV-Sender TSN führte 2015 eine Studie durch, um diese Frage zu beantworten. Die Macher analysierten alle Draft-Picks aus den Jahren 2000 bis 2009 und teilten sie in zwei Gruppen ein: Spieler die mindestens 50 Spiele in der NHL absolviert haben und spieler, die weniger als 50 NHL-Partien bestritten.
Die Analyse zeigte, dass 80 Prozent aller Erstrunden-Drafts tatsächlich eine NHL-Karriere hinlegten. In der zweiten Runde sind es noch 44 Prozent aller ausgewählten Spieler. Dahinter fallen die Chancen noch tiefer. Natürlich gibt es aber auch in den hinteren Draft-Runden immer wieder die eine oder andere Perle. Und letzte Saison waren sogar 112 ungedraftete Spieler in der NHL, die zehn Spiele oder mehr absolviert haben.