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Quizfrage: Was ist der grösste Unterschied zwischen den Schülern, die den Sprung ans Gymnasium schaffen, und den anderen? Es ist nicht etwa die Intelligenz oder die Neugierde, sondern Einkommen und Bildungsstand der Eltern. Sprich: Viel zu viele Kinder werden von ihren Eltern ans Gymi gepaukt. Unser Schulsystem bewirkt eher eine Erbfolge als eine Förderung nach Talent. Das verstösst massiv gegen den Grundsatz der Chancengleichheit.
Drei zentrale Elemente unseres Schulsystems bieten die Grundlage für diese Ungerechtigkeit: Hausaufgaben, Auswendiglernen und schriftliche Prüfungen. Hausaufgaben schaffen einen grossen Abstand zwischen den Kindern, deren Eltern dabei helfen können, und den anderen. Grosse Mengen an Fakten ohne klaren Zusammenhang auswendig lernen zu müssen, begünstigt die Kinder, die sich gut eine grosse Menge kurzfristig merken und dann wieder vergessen können – kluge, neugierige Kinder, die Dinge verstehen und einordnen wollen, bleiben auf der Strecke. Schriftliche Prüfungen wiederum sind meist völlig untauglich, um die Tiefe des Verständnisses zu ermitteln. Vorträge, Essays und mündliche Prüfungen zeigen dies viel klarer. In den höheren Schulen kommt als vierter Stolperstein noch das schlecht finanzierte Stipendienwesen hinzu, das die Schere zwischen Studierenden aus armen und reichen Haushalten nochmals vergrössert.
Ich träume von einem Schulsystem, das Verständnis vermittelt statt nackter Fakten. Von einem System, das auch das Verständnis prüft statt kurzfristiges Wissen, und das Prüfungsergebnisse zum Anlass nimmt, die Durchgefallenen so lange zu fördern, bis auch sie den Stoff verstehen. Ich fordere, dass der gesamte Stoff im Schulzimmer vermittelt wird und Hausaufgaben der Vergangenheit angehören. Ich möchte, dass in der Primarschule gänzlich auf Noten verzichtet wird, und dass die Aufteilung in verschiedene Stufen möglichst spät und Fach für Fach passiert. Wer ein Talent für Mathematik hat, soll nicht wegen schlechter Leistungen in anderen Fächern in eine schwache Mathe-Klasse gesteckt werden. Ich träume von einem Schulsystem, das auf Jane Loevingers Theorie der Ich-Entwicklung aufbaut und jedem jungen Menschen zeigt, wie er über Egoismus und Stammesdenken hinauswachsen kann.
Ebenso fordere ich, dass jeder Mensch in jeder Lebensphase die Gelegenheit für Aus- und Weiterbildungen haben soll. Das bedingungslose Grundeinkommen und bezahlbare Studiengebühren würden die ideale Bedingung dafür schaffen. Bis es ein bedingungsloses Grundeinkommen gibt, setze ich mich parallel dazu für eine Stärkung des Stipendienwesens und gegen eine Erhöhung der Studiengebühren ein. Denn es kann nicht sein, dass Menschen ihre Talente nicht ausschöpfen dürfen, nur weil ihre Eltern nicht gut verdienen.