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Masern zählen zu den klassischen Kinderkrankheiten, können aber auch bei Erwachsenen auftreten. Typisch für die Erkrankung: Sie verläuft in zwei Stadien – einem grippeähnlichen Vorstadium und einem Hauptstadium, das mit Hautausschlag einhergeht. Einen wirksamen Schutz bietet die Masernimpfung.
Masern zeigen sich typischerweise durch einen dunkelroten, grossfleckigen, unregelmäßig begrenzten Hautausschlag (Exanthem). Er beginnt hinter den Ohren, breitet sich dann über Gesicht und Hals aus und bedeckt nach drei Tagen auch den Rumpf, die Arme und die Beine.
Schon bevor der Ausschlag auftritt, klagen viele Patienten über Beschwerden wie:
Zudem können weissliche Flecken an der Mundschleimhaut sichtbar sein. Im Verlauf der Infektion kommt es meist zweimal zu sehr hohem Fieber. Wer einmal eine Masernerkrankung durchgemacht hat, ist lebenslang immun gegen die Viren.
Besteht der Verdacht, dass sich eine gesunde, nicht gegen Masern geimpfte Person mit dem Erreger infiziert hat, kann durch eine rechtzeitige Masernimpfung verhindert werden, dass die Krankheit ausbricht (sog. Postexpositionsprophylaxe, PEP). Hatte eine abwehrgeschwächte oder chronisch kranke Person Kontakt zu einem Maserninfizierten, verordnen Ärzte vorbeugend humanes Immunglobulin (vom Menschen gewonnene Antikörper), die den Ausbruch der Masern verhindern können.
Im Schweizerischen Impfplan wird empfohlen, Kinder gegen Masern impfen zu lassen und, wenn nötig, sich im Alter von bis zu 50 Jahren nachimpfen zu lassen.
Das bedeutet für Kleinkinder:
für fremdbetreute Kinder (Kita, Tagesmutter):
Im Falle einer Epidemie:
Bei direktem Kontakt mit einer erkrankten Person:
Zwischen den Impfungen sollte jeweils mindestens ein Monat liegen. Vor dem 6. Altersmonat wird die Impfung noch nicht empfohlen. Kinder verfügen dann noch über mütterliche Antikörper aus der Schwangerschaft, welche den Impfschutz beeinträchtigen würden.
Für Erwachsene empfiehlt der Schweizerische Impfplan allen 1964 und später Geborenen, die nicht zweimal geimpft sind und die Masern noch nicht hatten, eine Nachholimpfung. Diese Nachholimpfung soll mit dem kombinierten Impfstoff gegen Mumps und Röteln (MMR) erfolgen. Die MMR-Impfung ist auch sinnvoll, wenn eine dieser Krankheiten bereits durchlebt wurde oder man gegen eine dieser Krankheiten geimpft ist.
Nicht gegen Masern geimpft werden sollten:
Schwangere sollen sich vorsichtshalber nicht impfen lassen. Erfolgt während der Schwangerschaft dennoch eine Impfung, so besteht kein Grund für einen Schwangerschaftsabbruch.
Masern sind eine durch das Masernvirus verursachte, weltweit verbreitete, akute Infektionskrankheit. Einem grippeähnlichen Vorstadium folgt ein «Exanthem» genannter Hautausschlag (griech. exantheo = ich blühe auf), der grosse Teile des Körpers befallen kann. Aufgrund ihrer hohen Ansteckungsfähigkeit treten Masern meist als Kinderkrankheit und regional gehäuft auf. Das Masernvirus hinterlässt eine lebenslange Immunität – das bedeutet, wer bereits einmal an Masern erkrankt war, ist gegen eine weitere Masern-Infektion geschützt. Von entscheidender Bedeutung für den Krankheitsverlauf sind die häufig auftretenden Komplikationen, zum Beispiel eine Mittelohrentzündung und Lungenentzündung.
Masern sind weltweit verbreitet und treten aufgrund ihrer hohen Ansteckungsfähigkeit meist bei Klein- und Schulkindern auf. In der Schweiz ist die Häufigkeit von Masern dank der Masern-Impfung in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen. Dennoch verursachte die Schweiz zwischen 2006 und 2009 nahezu einen Viertel der europäischen Masernfälle überhaupt.
In seltenen Fällen von Masern-Erkrankungen kommt es zu lebensbedrohlichen Komplikationen.
In Entwicklungsländern erkranken wesentlich mehr Menschen an Masern – eine Impfung ist für viele Menschen dort nicht verfügbar. Vor allem auf dem afrikanischen Kontinent sind die Masern verbreitet. Obwohl seit Jahrzehnten ein Impfstoff gegen die Krankheit erhältlich ist, gehören die Masern insbesondere in wirtschaftlich schwächeren Ländern weiterhin zu den häufigsten Todesursachen bei kleinen Kindern. Weltweit starben im Jahr 2011 158'000 Menschen an Masern, vor allem Kleinkinder unter fünf Jahren aus Entwicklungsländern in Afrika und Asien.
Impfkampagnen sollen helfen, weltweit konsequent Masern-Impfungen durchzuführen und damit die Zahl der Masern-Erkrankungen und Todesfälle zu senken. So ist die Sterblichkeitsrate dank der Impfung zwischen 2000 und 2011 weltweit um 71 Prozent gesunken.
Mehrere Länder und Kontinente haben zudem das Ziel der Elimination der Masern bereits erreicht, wie zum Beispiel Finnland, das seit 1996 nur wenige einheimische Masernfälle zu verzeichnen hatte. Nord- und Südamerika (seit 2002) und Australien (2008) gelten schon länger als masernfrei. Viele weitere Länder wie unter anderem Schweden, Dänemark, Holland, Portugal oder auch Japan und Taiwan stehen ebenfalls kurz vor der Masernelimination.
Die Ursache für Masern ist eine Infektion mit dem Masernvirus. Die Viren befallen bevorzugt Zellen des Immun- und Nervensystems. Zwischen Infektion und Ausbruch der Erkrankung (Inkubationszeit) vergehen etwa acht bis zehn Tage.
Das Masernvirus wird durch Tröpfcheninfektion übertragen, also zum Beispiel durch Husten, Niesen oder Sprechen.
Das Virus gelangt über die Schleimhäute der Atemwege und die Bindehaut des Auges in den Körper.
Masern sind hochansteckend und breiten sich sehr schnell aus. Schon ein kurzer Kontakt mit einem Erkrankten genügt, um sich anzustecken. Von 100 infizierten Personen kommt es bei 95 anschliessend auch zu Symptomen einer Masernerkrankung. Die grösste Ansteckungsgefahr besteht dabei etwa fünf Tage davor bis vier Tage danach, nachdem der Hautausschlag bei den Erkrankten auftritt.
Schwangere, die bereits einmal eine Masernerkrankung durchgemacht haben oder gegen Masern geimpft wurden, geben die entsprechenden Antikörper an das werdende Kind weiter. Dadurch ist der Säugling nach der Geburt etwa bis zum neunten Lebensmonat vor einer Masern-Infektion geschützt.
Masern zeigen sich durch typische Symptome. Das Leitsymptom ist der auffällige Hautausschlag. Im Krankheitsverlauf lassen sich zwei aufeinander folgende Stadien unterscheiden:
Weitere für Masern typische Symptome sind die beiden Fieberanstiege im Verlauf der Erkrankung (sog. zweigipfliges Fieber):
1. Zum ersten Fieberanstieg kommt es während des Vorläuferstadiums.
2. Nach Absinken der Temperatur steigt das Fieber relativ zeitgleich mit Auftreten des Hautausschlags ein zweites Mal.
Typisch für das Vorläuferstadium der Masern sind allgemeine Symptome wie Abgeschlagenheit, Müdigkeit, leichtes Fieber, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und Heiserkeit. Ausserdem ist das Gesicht der Betroffenen oft aufgedunsen. Die Erkrankten sind empfindlich gegenüber Helligkeit (lichtscheu) und haben tränende Augen aufgrund von Bindehautinfektionen des Auges (Konjunktivitis). Masern verursachen zudem Symptome wie trockenen, bellenden Husten, Schnupfen und Halsschmerzen.
Charakteristische Masern-Symptome sind weiters Veränderungen an der Mundschleimhaut. Ab dem zweiten bis dritten Tag der Erkrankung treten an der Wangenschleimhaut weissliche, kalkspritzerähnliche, fest haftende Beläge auf, die von einem geröteten Hof umgeben sind. Diese Veränderungen bezeichnet man als Koplik-Flecken. Am dritten Erkrankungstag tritt eine Rötung (Exanthem) der übrigen Mund- und Rachenschleimhaut auf. Zu diesem Zeitpunkt steigt das Fieber erstmals stark an.
Das Vorläuferstadium dauert etwa drei bis vier Tage. Am Ende dieses Stadiums der Masern sinkt die Körpertemperatur wieder auf normale Werte.
Mit einem zweiten steilen Fieberanstieg kündigt sich das Hauptstadium der Masern an. Die Symptome des Vorläuferstadiums der Kinderkrankheit verstärken sich.
Zusätzlich tritt jetzt
Nach drei Tagen bedeckt der Ausschlag auch den Rumpf sowie die Arme und Beine – Handflächen und Fusssohlen sind nicht betroffen. Zu dem Hautausschlag kommt es, weil die Masernviren Blutgefässe schädigen und durchlässiger machen.
Wenn der Masernausschlag am vierten Tag die Füsse erreicht, sinkt das Fieber in der Regel wieder. Wenn keine Komplikationen auftreten, erholt sich der an Masern Erkrankte, sobald der Hautausschlag abklingt. Die Haut schuppt, während das Exanthem (Hautausschlag) verblasst. Gleichzeitig bilden sich auch die übrigen Masern-Symptome langsam zurück. Die Phase der Erholung dauert rund zwei Wochen.
Gelegentlich treten Sonderformen der Masern auf. Dazu gehören die abgeschwächten sowie die plötzlich einsetzenden Masern:
Die abgeschwächten Masern treten auf, wenn das körpereigene Abwehrsystem die Kinderkrankheit nur unzureichend bekämpfen kann, zum Beispiel weil zu wenige Antikörper gegen das Masernvirus zur Verfügung stehen. Dies ist der Fall bei Säuglingen ab dem neunten Monat, die dann nicht mehr ausreichend durch die mütterlichen Antikörper geschützt werden.
In seltenen Fällen treten abgeschwächte Masern auch bei geimpften Kindern auf oder wenn bei einer bereits bestehenden Infektion zu spät oder zu wenig Antikörper als Medikament gegeben werden.
Typisch für die abgeschwächte Form der Masern: Nach der Infektion dauert es länger, bis die Krankheit ausbricht (verlängerte Inkubationszeit) und die Symptome fallen milder aus. Zudem geht die Erkrankung schneller vorüber.
In seltenen Fällen beginnen Masern ganz plötzlich und verlaufen sehr schwer. Mediziner bezeichnen sie dann als foudroyante Masern. Diese Form tritt vor allem bei einer geschwächten Immunabwehr auf. Die Zeit zwischen Infektion und Ausbruch der Erkrankung (Inkubationszeit) ist verkürzt und die Symptome sind besonders schwer.
Typische Anzeichen für foudroyante Masern sind:
In schweren Fällen kann diese Form der Masern tödlich enden.
Bei Masern stellt der Arzt die Diagnose anhand des charakteristischen Hautausschlags (Exanthem) und des typischen Krankheitsverlaufs mit zweimalig sehr hohem Fieber (zweigipflige Fieberkurve).
Lässt sich bei einem Masern-Patienten die Diagnose nicht eindeutig stellen, hilft eine Blutuntersuchung, um den Verdacht zu bestätigen: Das Immunsystem reagiert auf die Masern, indem es Antikörper gegen die Masernviren bildet. Masern-Antikörper lassen sich in der Regel ab Auftreten des Hautausschlags für circa sechs Wochen nachweisen.
Bei unklaren Ergebnissen können Labormediziner das Masernvirus mittels der sogenannten Polymerase-Kettenreaktion (PCR = polymerase chain reaction) auch direkt nachweisen.
Gegen Masern gibt es keine ursächliche Therapie wie etwa ein Medikament, das die Viren bekämpfen kann. Daher erfolgt eine rein symptomatische Behandlung. Das heisst, es geht darum, die Beschwerden zu bessern. Das lässt sich zum einen durch allgemeine Massnahmen wie Schonung und Bettruhe erreichen – zum anderen durch Medikamente, die Symptome wie Fieber, Schmerzen und Husten lindern. Ist Ihr Kind aufgrund einer Bindehautentzündung sehr lichtempfindlich, ist es sinnvoll, die Räume abzudunkeln.
Es ist wichtig, mögliche Komplikationen der Masern gezielt zu behandeln. Treten bei Masern beispielsweise zusätzlich bakterielle Infektionen auf, helfen Antibiotika.
Falls Sie nicht gegen Masern geimpft sind, kann Ihr Arzt den Ausbruch der Erkrankung bis zum vierten Tag nach der Ansteckung durch eine Impfung verhindern (sog. Postexpositionsprophylaxe, PEP). Es besteht ausserdem die Möglichkeit der passiven Immunisierung, bei der die Betroffenen Antikörper per Spritze bekommen – also nicht selber bilden müssen.
Tipps für Eltern
Ist Ihr Kind an Masern erkrankt, sollten Sie folgende Tipps beachten:
Bei folgenden Symptomen sollten Sie sofort den Arzt informieren:
Masern können sehr unterschiedlich verlaufen. Wie sich die Krankheit entwickelt, hängt vor allem davon ab, wie gut das Immunsystem des Betroffenen auf die Infektion reagiert und wie schnell eine zielgerichtete Behandlung beginnt.
Es gibt bei Masern verschiedene Formen von Komplikationen: Sie können durch das Virus selbst oder durch zusätzliche bakterielle Infektionen hervorgerufen werden. Manche Komplikationen sind gut behandelbar (z.B. Mittelohrentzündung). Allerdings kann es, besonders wenn das Gehirn beteiligt ist, auch zu lebensbedrohlichen Komplikationen kommen – diese sehr schweren Verläufe sind aber selten.
Von Komplikationen, welche die Masernviren direkt verursachen, können insbesondere die Atemwege und das Gehirn betroffen sein. An den Atemwegen kann es zur Ausbildung einer Bronchitis sowie einer Lungenentzündung kommen, die vor allem in Entwicklungsländern für viele Todesfälle verantwortlich ist. Dies macht deutlich, wie wichtig eine vorbeugende Impfung ist.
Eine besonders gefürchtete Komplikation ist die durch Masern ausgelöste Gehirnentzündung, die Masernenzephalitis. Von tausend Masern-Patienten kommt es bei einem zu dieser Komplikation. Sie entwickelt sich etwa vier bis sieben Tage nach Auftreten des Hautausschlags. Die Gehirnentzündung verursacht
In vielen Fällen heilt die Masernenzephalitis wieder vollständig aus. Bei 20 bis 30 von 100 Patienten mit Masernenzephalitis bleiben jedoch dauerhaft Hirnschäden zurück, die sich in Persönlichkeitsveränderungen oder Lähmungen äussern können. Bis zu 20 von 100 Erkrankten sterben an dieser Form der Hirnentzündung.Eine äusserst seltene Komplikation der Masern führt zum schrittweisen Abbau des Gehirngewebes und des Rückenmarks. Diese sogenannte subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) betrifft etwa 4 bis 11 von 100.000 Masern-Patienten und ruft erst circa sechs bis acht Jahre nach der Infektion Symptome hervor. Diese Komplikation der Masern ist bisher nicht heilbar und endet tödlich.
Eine «bakterielle Superinfektion» entsteht, wenn es neben der Infektion mit dem Masernvirus zu einer zusätzlichen Infektion mit Bakterien kommt. Typischerweise betrifft diese Komplikation
Je nach Art der Bakterien lassen sich diese Komplikationen gezielt mit Antibiotika behandeln. Für eine bakterielle Superinfektion spricht, wenn während des Hauptstadiums (Stadium des Hautausschlags) das Fieber nicht sinkt beziehungsweise das Fieber mit einem dritten Gipfel erneut steigt.
Eine Masern-Infektion schwächt vorübergehend die Immunabwehr und kann weitere Infektionen begünstigen. Neben einer zusätzlichen Infektion mit Bakterien können auch weitere Komplikationen auftreten, die insbesondere in Entwicklungsländern eine wichtige Rolle spielen: Liegt bei der Ansteckung mit dem Masernvirus bereits eine andere Erkrankung wie eine Infektion mit Parasiten oder Tuberkulose vor, können sich die Beschwerden dieser Erkrankungen verstärken.