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| Hippolytus von Rom († um 235) - Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium)

Buch X.
27.
Noetos von Geburt ein Smyrner, ein schwatzhafter, listiger Mensch, brachte eine Häresie auf, ähnlich wie die, welche Kleomenes von einem gewissen Epigonos überkommen hatte und die sich unverändert bis heute bei seinen Nachfolgern erhielt; er sagte, es gebe einen Vater und Gott des Universums; dieser Allschöpfer sei für die existierenden Wesen verborgen gewesen, wenn er wollte; er sei in Erscheinung getreten dann, wenn er wollte; er sei unsichtbar, wenn er nicht gesehen werde, und sichtbar, wenn er gesehen werde; [S. 282] ungezeugt, wenn er nicht gezeugt werde, gezeugt, wenn er aus der Jungfrau gezeugt werde; leidensunfähig und unsterblich, wenn er nicht leide und sterbe, wenn er sich Leiden unterziehe, leide und sterbe er. Diesen Vater halten sie zugleich für den Sohn, der zeitweise je nach den Umständen bald den einen, bald den anderen Namen führe. Ihre Häresie unterstützte Kallistus, dessen Leben wir sorgfältig dargelegt haben, da er ja auch selbst zum Sektengründer ward. Er ging von ihnen aus und lehrte gleichfalls, einer sei der Vater und Gott; er sei der Bildner des Alls, und er sei auch der Sohn, so würde er dem Namen nach bezeichnet, wesenhaft gebe es nur einen Geist; der Geist, Gott, ist, wie sie sagen, nichts anderes als der Logos, oder der Logos nichts anderes als Gott. Diese Person sei eine, durch die Benennung zwar geschieden, nicht durch die Wesenheit. Er sagt nun, daß dieser Logos der eine Gott sei und behauptet, er habe Fleisch angenommen. Und der, welcher dem Fleische nach gesehen und gefangen genommen wurde, ist nach ihm Sohn, der innewohnende, Vater; so geriet er bald in die Lehre des Noetos und bald in die des Theodotos, da er nichts festhielt. So viel von Kallistus.