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Cartographica Helvetica
Zusammenfassung
Ivan Kupčík:
Karten der Pilgerstrassen im Bereich der heutigen Schweiz und des angrenzenden Auslandes vom 13. bis zum 16. Jahrhundert
Cartographica Helvetica 6 (1992) 17–28
Zusammenfassung:
Pilgerkarten mit einfachen Beschreibungen der Reiserouten entwickelten sich aus handgeschriebenen Reiseschilderungen, aus denen sich Entfernungen zusammenstellen liessen. Die ersten Pilgerkarten, auch Itinerare genannt, hatten die Form kleiner Rollen.
Die älteste erhalten gebliebene mitteleuropäische Pilgerkarte ist das so genannte «Itinerar von London in das Heilige Land», das um 1250 vom englischen Mönch Matthäus Paris gezeichnet wurde. Sie ist aus praktischen Gründen nach Süden orientiert und gegenüber den zeitgenössischen T-O-Karten wirklichkeitsgetreuer und exakter.
Nachdem im 14. Jahrhundert wieder geschriebene Reiseschilderungen in Gebrauch waren, erfuhr die Pilgerkarte Ende des 15. Jahrhunderts eine Wiederbelebung. Durch das bevorstehende Heilige Jahr herrschte eine grosse Nachfrage. Pilgerkarten wurden nun in Holz geschnitten und gedruckt. Eine dieser Karten ist die anonyme «Romweg-Karte» im Massstab ca. 1:5,3 Mio. Ihr Autor könnte der Nürnberger Erhard Etzlaub (ca. 1460–1532) gewesen sein. Das wichtigste inhaltliche Kennzeichen sind die punktiert eingetragenen Pilgerstrassen nach Rom. Die Genauigkeit ist im Gebirge relativ schlecht, im Übrigen aber von beachtlichem Niveau. Erwähnenswert ist die Verbindung nach Einsiedeln, welches hohes Ansehen genoss und oft besucht wurde. Nicht eingetragen ist der Gotthard-Pass, obschon seit langem in Gebrauch. Von Bedeutung waren aber Splügen und Grosser St. Bernhard. Vom gleichen Autor erschien 1501 eine umfangreichere Karte, die auch politische Verhältnisse zeigte.
Von den Karten Etzlaubs liessen sich weitere Autoren inspirieren, so Waldseemüller mit der Carta Itineraria Evropae von 1511, die durch verbesserte Gelände- und Gewässerzeichnung und Beschriftung auffällt. Von Sebastian Münster stammt eine farbige Manuskriptkarte Europas (nach 1515), eine Art Übersichtskarte. Seine 1525 entstandene Landkarte Teütscher Nation ist ein Ausschnitt aus der Karte von Etzlaub aus 1501. Hervorzuheben sind ebenfalls Georg Erlingers Landstrassenkarten in diversen Ausgaben. Am bekanntesten sind diejenigen im Massstab 1:3,7 Mio. von 1524 und 1530. Auch sie sind Kopien der Karten Etzlaubs. Bahnbrechend war ihre Nordorientierung. Neu war auch ein Suchnetz zum Auffinden der Orte, die mit einer zweckmässigen, von Erlinger eingeführten Signatur bezeichnet sind. Ausserdem erschienen die Itinerare als erste Karten mit deutscher Namensschreibung, was um 1500 eine Seltenheit war.
Nach der Reformation verloren die Pilgerkarten nach und nach ihren Sinn. Sie kamen mit dem Erscheinen anderer Verlagskarten ausser Gebrauch. Noch immer gelten sie als Prototyp moderner Strassenkarten.