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Gewaltiges, mächtiges Schmelzwasser
Gefäss:
Für die Entstehung von Fjorden und besonders tiefen Tälern wie dem Rhonetal ist das Gletscherschmelzwasser ausschlaggebend. Zu diesem Schluss kommen Geologen der Zürcher ETH. Sie haben ein Modell entwickelt, das erklärt, wie Gletscher das Gestein erodieren.
Quelle:
Giåm/flickr.com
Von Schmelzwasser gebildet: der Geiranger-Fjord im Südwesten Norwegens.
Schon vor über einem Jahrhundert entdeckten Forscher, dass Gletscher Alpentäler und Fjorden formen. Denn der Fels kann dem gewaltigen Abrieb mehrerer Tonnen sich bewegenden Eises nichts entgegen setzen. Dabei ist es vor allem die Geschwindigkeit ausschlaggebend, mit der das Eis herabströmt und weniger die Masse, die die Stärke der Erosion bestimmt. Darum ging man lange davon aus, dass das maximale Erosionsvermögen eines Gletschers dort liegt, wo seine höher gelegene Wachstumszone an die tiefer gelegene Abtragungszone grenzt. In der ersten Zone wächst der Gletscher wegen des Schneefalls, in der zweiten schrumpft er, weil mehr Schnee schmilzt, als neuer hinzukommt.
„Dieses Modell dient jedoch nicht als Erklärung für die übertieften Täler wie beispielsweise das Rhonetal oder die Fjorde in Norwegen“, erklärt dazu Geologe Frédéric Herman von der ETH Zürich. „Wäre das Rhonetal nach dem gängigen Modell entstanden, hätte das Becken des Genfersees keine Tiefe von 300 Metern unterhalb des Meeresspiegels erreichen können.“ Um diesen Umstand auf den Grund zu gehen, haben Frédéric Herman und ein Geologenteam ein neues Modell entwickelt, das sie kürzlich in der Zeitschrift „Earth and Planetary Science Letters“ vorstellten. „Das Schmelzwasser, das unter den Gletschern durchsickert, trägt dazu bei, dass diese sich schneller bewegen und somit das Gestein weitaus effektiver erodieren können“, so Herman. Dieses Phänomen sei dort am effektivsten, wo die Schmelze beginne, nämlich im Ablationsgebiet, nämlich dort wo das Schmelzwasser zwischen Gletscher und Gestein sozusagen eingeklemmt und dadurch sein Druck sehr hoch ist. „Bisher sind die Wasserbedingungen unter dem Gletscher von Erosionsmodellen unberücksichtigt geblieben“, sagt Herman. „Wasser aber ist ein ausschlaggebender Faktor.“ (mai/mght)