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Isabelle Aboulker
Festival frauenkomponiert 2018 – La jeune veuve; La chatte métamorphosée en femme; La cigale et la fourmi («Femmes en Fables«, d’après des fables de Jean de la Fontaine
Parallel zum Kompositions- und Klavierstudium am Pariser Konservatorium komponierte Isabelle Aboulker (*1938) für Theater-, Kino- und Fernsehproduktionen. Als Begleitpianistin und Gesangsprofessorin konzentriert sich ihr kompositorisches Schaffen ab 1981 auf die Stimme und Oper. Aboulkers Aufmerksamkeit für die Prosodie deutet auf ihre Wurzeln in der französischen Liedtradition hin.
Fabienne Ambühl
Festival frauenkomponiert 2018 – Sea Son
Fabienne Ambühl wurde in Hünenberg bei Zug geboren und absolvierte ihr Klavierstudium an der Hochschule Luzern. Sie studierte bei Hans Feigenwinter und Chris Wiesendanger und erlangte im Jahr 2010 den «Master of Arts in Music Performance Jazz». Im Nebenfach Gesang studierte sie bei Lauren Newton, Walter Meier und Bruno Amstad. 2014 erwarb sie den «Master of Arts in Music Piano Pedagogy». Im selben Jahr ging sie für vier Monate nach London, wo sie sich in Komposition und Konnakol u.a. bei Gwilym Simcock und Asaf Sirkis weiterbildete. Anfang März 2015 erschien mit ihr als Leaderin des Fabienne Ambühl Trios das Album «GLITTERWOODS» (Traumton Records Berlin).
Elfrida Andrée
Festival frauenkomponiert 2021 – Ur Drömliv I
Elfrida Andrée (1841–1929) war eine schwedische Organistin und Komponistin. Die Schülerin von Ludvig Norman und Niels Wilhelm Gade war eine Vertreterin der Frauenbewegung. Sie war eine der ersten Organistinnen im skandinavischen Raum. Ab 1861 wirkte sie in Stockholm und wurde 1867 Organistin an der Kathedrale von Göteborg. Für ihre Verdienste wurde sie zum Mitglied der Schwedischen Musikakademie gewählt.
Andrées Orgelsinfonien werden bis in die Gegenwart aufgeführt. Sie komponierte ausserdem die Oper Fritiofs saga (1899), mehrere Orchesterwerke, ein Klavierquintett (1865), ein Klavierquartett (1870) und ein Klaviertrio (1887), Violin- und Klavierstücke, eine Schwedische Messe und Lieder.
Claude Arrieu
Festival frauenkomponiert 2021 – Quintette en ut pour instruments à vent
In der französischen Hauptstadt geboren, studierte Claude Arrieu (1903–1990) am Pariser Konservatorium. 1932 erhielt sie den 1er Prix de Composition. Neben ihrer Kompositionstätigkeit unterrichtete sie und war von 1935 bis 1947 in vielfältiger Weise für den französischen Rundfunk tätig.
Arrieu schrieb Werke für nahezu alle musikalischen Gattungen, darunter auch Filmmusik und Rundfunkpartituren. Ihre Opern, meist Opéras bouffes, sind dramatisch und komisch zugleich. Ihre Kompositionen werden dem Pariser Neoklassizismus des 20. Jahrhunderts zugerechnet.
May Aufderheide
Festival frauenkomponiert 2018 – Richmond Rag (1909); Novelty Rag (1911); A Totally Different Rag (1910); Dusty Rag (1908)
May Frances Aufderheide (1888–1972) gilt heute als die bekannteste und auch bedeutendste Ragtime-Komponistin. Ihre Ragtime-Kompositionen zeichnen sich durch melodischen Einfallsreichtum, eine mitreissende rhythmische Gestaltung und Witz sowie gelegentlich auch eine melancholische Stimmung aus. Neben Ragtimes schrieb sie auch Lieder, Märsche und Walzer.
May Aufderheide wuchs in einer musikalischen Familie in Indianapolis (Indiana) auf. Bei ihrer Tante Mary Kolmer erhielt sie eine klassische Klavierausbildung, begeisterte sich aber schon bald für die populäre Musik und vor allem den Ragtime. Im Jahre 1908 wurde ihre erste Ragtime-Komposition «Dusty» veröffentlicht. Nach einer grossen Europareise heiratete sie den jungen Architekten Thomas M. Kaufmann und liess sich mit ihm in Richmond (Indiana) nieder. Die steigenden Verkaufszahlen von «Dusty» ermutigten May Aufderheide zur Komposition weiterer Stücke und ihren Vater, John Aufderheide, zur Gründung eines eigenen Musikverlages, in dem die Werke seiner Tochter und anderer Ragtime-Komponistinnen wie etwa von Julia Lee Niebergall erscheinen sollten. 1909 erschien «The Thriller», das bekannteste und erfolgreichste Werk von May Aufderheide, das schliesslich sogar zu den wenigen Ragtime-Stücken gehörte, die auch nach dem Ende der Ragtime-Ära von vielen Jazz-Bands in den verschiedensten Arrangements weitergespielt wurden. 1911 kehrten May und ihr Ehemann sowie ihre Adoptivtochter Lucy nach Indianapolis zurück. 1912 erschien das letzte Werk von May Aufderheide im Druck. Danach entstanden keine weiteren Kompostionen mehr. Die Ehe mit Thomas Kaufmann verlief äusserst konfliktreich, und unter dieser Belastung gab sie in den 30er-Jahren sogar ihr Klavierspiel auf. 1947 übersiedelte die Familie nach Kalifornien. In den letzten Jahren ihres Lebens war May Aufderheide infolge von Arthritis und mehreren Schlaganfällen an den Rollstuhl gefesselt. Sie starb 1972 in Pasadena.
Heidi Baader-Nobs
Festival frauenkomponiert 2018 – Evasion (2017)
Heidi Nobs (*1940) wurde an der Ecole Normale in Delémont zur Lehrerin ausgebildet, dabei erhielt sie ihren ersten Klavier- und Geigenunterricht. Anschliessend begann sie ein berufsbegleitendes Geigenstudium an der Musik-Akademie Basel bei Rodolfo Felicani. Wegen einer chronischen Entzündung des rechten Arms musste sie das Geigenspiel aufgeben, daher konzentrierte sie sich auf das Kompositionsstudium bei Robert Suter und Jacques Wildberger.
Nach der Heirat mit Claudius Baader und der Geburt ihrer Kinder Manon (1971), Manuel (1973) und Sébastien (1978) reduzierte sie ihre kompositorische Tätigkeit schrittweise, um sich ganz der Familie zu widmen: «Die Kinder sind meine besten Werke.»
Nach einem mehrjährigen Unterbruch gibt sie 1980 dem hartnäckigen Drängen ihrer Freunde nach und beginnt wieder zu komponieren. Mehrere Werke entstehen auf Wunsch von Interpreten. Sie distanziert sich vom seriellen System und entwickelt eine sehr persönliche Musiksprache. Ihre Werke werden vor allem durch die graphische Form bestimmt, es sind akustische Verwirklichungen graphischer Vorstellungen.
Grażyna Bacewicz
Festival frauenkomponiert 2021 – Uwertura (1943)
Grażyna Bacewicz (1909–1969) erhielt ihre erste Ausbildung in den Fächern Klavier, Violine und Komposition bei ihrem litauischstämmigen Vater. Sie trat bereits als Kind auf und komponierte ihr erstes Werk im Alter von dreizehn Jahren. 1928 begann sie an der Universität Warschau ein Philosophiestudium. An der Musikakademie Warschau studierte sie Komposition, Violine und Klavier. Seit Anfang der 1930er Jahre studierte sie in Paris Komposition bei Nadia Boulanger. Von 1936 bis 1938 sass sie als Konzertmeisterin im Orchester des Polnischen Rundfunks. Ab 1953 widmete sie sich ganz der Komposition und dem Unterrichten.
Bacewicz komponierte eine Funkoper (Przygoda Króla Artura, 1959), drei Ballette, sechs Sinfonien und weitere Orchesterwerke, mehrere Instrumentalkonzerte, zahlreiche Kammermusikwerke, eine Kantate und Lieder.
Anita Baker
Festival frauenkomponiert 2018 – Sweet Love
Anita Baker (*1958) begann ihre Laufbahn als Jazz- und Soul-Sängerin in einem Gospelchor. 1983 veröffentlichte sie ihr erstes Soloalbum, der Durchbruch gelang ihr aber erst vier Jahre später, als sie mit «Rapture» einen Grammy Award gewann. In der Folge wurde sie mehrmals mit Preisen ausgezeichnet. Der Einfluss ihrer frühen Vorbilder Ella Fitzgerald, Sarah Vaughan und Nancy Wilson ist in ihrem Gesangsstil bis heute hörbar.
Elsa Barraine
Festival frauenkomponiert 2021 – Prélude et Fugue (No. 1, 1929)
Elsa Barraine (1910–1999) belegte am traditionsreichen Conservatoire ihrer Heimatstadt Paris die Fächer Kontrapunkt, Harmonielehre, Komposition und Klavier. Mit 15 Jahren erhielt sie den Ersten Preis in Harmonielehre und mit 17 Jahren Erste Preise in Fugenkomposition und Klavierbegleitung. Mit 19 Jahren gewann sie den begehrten Ersten Preis beim «Prix de Rome» für ihre Kantate «La Vierge Guerrière» über die Nationalheldin Jeanne d’Arc. 1936–1940 wirkte sie als Pianistin, Chorleiterin und Tonmeisterin beim Rundfunk. Nachdem sie schon 1933 in ihrem Orchesterwerk «Pogromes» ein antifaschistisches Engagement gezeigt hatte, kämpfte sie während des Zweiten Weltkriegs als Gründungsmitglied des «Front National des Musiciens» im Widerstand gegen die deutsche Besatzung. 1944–1947 war sie in der Direktion des Schallplatten-Labels «Chant du Monde» tätig, 1953–1972 lehrte sie am Conservatoire als Professorin für musikalische Analyse; danach war sie Inspektorin der Musikdirektion des Kulturministeriums. Die Komponistin Elsa Barraine war bekannt und geachtet, sie wandte sich allen Bereichen des Musiklebens zu: In ihrem eminent vielgestaltigen Werk finden sich neben Sinfonien etwa auch Filmmusik, eine Oper und Kammermusik in seltenen Besetzungen. In einigen Kompositionen berührt sie gesellschaftliche Themen. Elsa Barraine hatte jüdische Vorfahren und verwendet in ihren Orgelwerken und einigen Vokalwerken Melodien aus der jüdischen Tradition – so auch in der Fuge aus «Prélude et Fugue» No. 1, einer ihrer ersten veröffentlichten Kompositionen.
Amy Beach
Festival frauenkomponiert 2018 – Symphonie für grosses Orchester e-Moll, op. 32 «Gaelic» (1896)
Streichquintett
Fantasia fugata, op. 87
Serenade (transcription of R. Strauss› Ständchen)
Barcarolle, op. 28, no. 1
From Grandmother’s Garden, op. 97
No. 3 Mignonette
No. 5 Honeysuckle
Les Rêves de Colombine, op. 65, no. 1:
La Fée de la fontaine
Scottish Legend, op. 54, no. 1
A Cradle Song of the Lonely Mother, op. 108
Three Pianoforte Pieces, op. 128
No. 1 Scherzino: A Peterborough Chipmunk
No. 2 Young Birches
No. 3 A Humming-bird
A Hermit Thrush at Eve, op. 92. No. 1
Improvisations, op. 148
No. 1 Lento, molto tranquillo
No. 2 Allegretto grazioso e capriccioso
Bal masque, op. 22
Die Pianistin und Komponistin Amy Beach (1867–1944), geb. Cheney, war die erste amerikanische Komponistin, die grossangelegte Orchesterwerke schrieb, und erlangte in ihrer Zeit in den USA und in Europa Berühmtheit. Bereits als einjähriges Kind konnte sie 40 verschiedene Melodien singen. Ein Jahr später begann sie, die zweite Stimme zu improvisieren, und brachte sich selbst mit drei Jahren das Lesen bei. Mit vier Jahren trug sie einmal ein Klavierstück aus dem Gedächtnis vor, aber einen Halbton höher, weil das Klavier verstimmt war und sie den Originalklang wollte. Trotz solcher Fähigkeiten erlaubten ihre Eltern ihr nicht, eine Karriere als professionelle Musikerin einzuschlagen.
Mit 18 Jahren heiratete sie den 25 Jahre älteren Henry Harris Aubrey Beach und akzeptierte mit etwas Widerstand, nur noch einmal im Jahr als Pianistin aufzutreten. Als Hausfrau durfte sie zwar weiter komponieren, und ihr Mann erlaubte es auch, dass sie Werke veröffentlichte – unter ihrem neuen, d.h. seinem Namen. Kompositionsunterricht durfte sie allerdings nicht nehmen, weshalb sie sich die ganze Instrumentationslehre anhand von Berlioz› Standardwerk selber beibrachte. An der Weltausstellung in Chicago im Jahr 1893 war Amy Beach die musikalische Vertreterin der USA. So wurde sie in Musikerkreisen und unter Frauenrechtlerinnen bekannt.
1910 starb ihr Mann. Amy Beach tourte danach 3 Jahre durch Europa, wo sie Konzerte mit eigenen Klavierwerken gab. Im Jahre 1914 kehrte sie in die USA zurück und verbrachte einige Zeit in Peterborough, New Hampshire, bevor sie in den 1920er-Jahren nach New York übersiedelte. Sie starb 1944.
Antonia Padoani Bembo
Festival frauenkomponiert 2018 – «Mormorate o fiumicelli», Arie aus der Oper «L’Ercole amante» für Sopran, 2 Violinen und B.c.
Antonia Padoani Bembo (1640–1720) war in zwei verschiedenen Städten und Musikkulturen verwurzelt – in Venedig als etablierte Sängerin und Schülerin von Francesco Cavalli und in Paris als von Ludwig XIV. geschätzte und durch lebenslange Pension unterstützte Sängerin und Komponistin. Dies erklärt ihre gleichermassen tiefe Vertrautheit mit dem italienischen und dem französischen Geschmack.
Hildegard von Bingen
Festival frauenkomponiert 2021 – O pastor animarum
Hildegard von Bingen gilt als eine der wichtigsten Persönlichkeiten des Hochmittelalters. Sie war in vielen Bereichen kundig und höchst geschätzt: Religion, Ethik, Mystik, Literatur, Musik und Heilkunde, und noch heute finden ihre Erkenntnisse und Kreationen Beachtung.
Mel Bonis
Festival frauenkomponiert 2018 – Preghiera; Toccata
Es scheint unverständlich, dass die Werke von Mel Bonis (1858–1937) in Vergessenheit geraten sind: sie gehören zu den wichtigsten Kammermusikkompositionen der französischen Postromantik. Gefördert durch César Franck, wurde Bonis 1877 am Pariser Conservatoire Supérieur aufgenommen und studierte dort erfolgreich, wie mehrere Preisauszeichnungen bezeugen, bis 1881. 1883 heiratete sie den Industriellen Albert Domange, brachte vier Kinder zur Welt, und erst als die Kinder herangewachsen waren, erhielt die Musik erneut Vorrang. Ihre wichtigsten Werke entstanden zwischen 1900 und 1914.
Nadja Boulanger
Festival frauenkomponiert 2021 – Les heures claires
Nadia Juliette Boulanger (1887–1979) war eine französische Komponistin, Pianistin, Dirigentin, Musiktheoretikerin und -pädagogin. Sie begann bereits im Alter von neun Jahren bei ihrem Vater Orgel und Komposition zu erlernen. Später wurde sie von Louis Vierne unterrichtet und ging ans Conservatoire de Paris. Bereits 1903 wurde Nadia Boulanger stellvertretende Organistin für Gabriel Fauré an der Orgel der Kirche La Madeleine. 1904 erhielt sie im Alter von sechzehn Jahren die ersten Preise in Orgel, Begleitung und Komposition, im Jahr 1908 den zweiten Preis des «Prix de Rome» in Komposition für ihre Kantate «La Sirène».
Der Pianist Raoul Pugno (1852–1914) setzte sich für Nadia Boulanger ein und führte unter ihrer Leitung ihre «Rhapsodie variée» für Klavier und Orchester auf. Auch komponierte er mit ihr gemeinsam eine Reihe von Werken, wie den Liederzyklus der Hellen Stunden («Heures claires»). Nach seinem Tode komponierte Nadia Boulanger weniger und widmete sich mehr der Pädagogik, Orchesterleitung und der Verbreitung des kompositorischen Werks ihrer Schwester Lili Boulanger (1893–1918). Ab 1921 unterrichtete sie an der École Normale de Musique und an dem neu gegründeten Conservatoire Américain in Fontainebleau. Sie wurde eine der berühmtesten Kompositionslehrerinnen des 20. Jahrhunderts und unterrichtete z.B. Grażyna Bacewicz, Leonard Bernstein, Aaron Copland, Peggy Glanville-Hicks, Philip Glass, Arthur Honegger, Thea Musgrave, Astor Piazzolla und Maurice Ravel.
Als sie 1938 das Boston Symphony Orchestra dirigierte, brach sie in eine traditionsgemäss männliche Domäne ein. Es war ihr erster Auftritt ausserhalb Frankreichs und das erste Mal, dass dieses Orchester unter der Stabführung einer Frau spielte. Ihr Ruf als Dirigentin wuchs besonders im Zusammenhang mit modernen Werken und Alter Musik, für die sie sich sehr einsetzte.
Lauren Buscemi
Festival frauenkomponiert 2021 – Enttäuschung (F.Wedekind; 2013)
Martha von Castelberg
Festival frauenkomponiert 2021 – Veni sanctificator; O bone Jesu; Adoro te devote; O crux ave; Bitte; Ich entblätterte dich; Ich flüchte mich; Erkenne dich Mensch; Meditation; Veni Sancte spiritus; Anima Christi; O memoriale mortis; O bone pastor; Canzun de Tgina; Du bist ein Schatten; Wandern
Martha von Castelberg (1892–1971) war musikalisch hochbegabt. Als Tochter des Zürcher Privatbankiers Paul Carl Eduard von Orelli und Beatrice geb. von Reding bekam sie früh Privatunterricht für Geige bei Joseph Ebner, der am Konservatorium Zürich unterrichtete. Doch obwohl er dem Mädchen eine grosse Begabung attestierte, war der Vater gegen ein Musikstudium. Sie bekam 1917 jedoch ein wertvolles Meister-Instrument des italienischen Geigenbauers Michele Deconet, Venedig 1775. Das Klavierspiel brachte sich Martha von Orelli autodidaktisch bei. Bei der Satztechnik für die Komposition liess sie sich von so bekannten Zürcher Musikerpersönlichkeiten wie den beiden Chorleitern Walther Reinhart und Fritz Stüssi beraten, zudem vom berühmten Dirigenten und Komponisten Erich Schmid, einem der Zwölfton-Pioniere in der Schweiz.
Martha von Orelli wuchs in einer streng katholischen Familie auf. Sie schrieb viele geistliche Lieder und Motetten, eine Art musikalisierter Gebete, vertonte aber auch melancholische Gedichte.
Maddalena Casulana
Festival frauenkomponiert 2021 – Morir non puo
Die italienische Komponistin der Spätrenaissance Maddalena Casulana Mezari (*um 1544 – † unbekannt) war zugleich Sängerin, Lautenistin und Kompositionslehrerin. Sie veröffentlichte in den Jahren 1566–1586 mehrere Bände 3–5-stimmiger Madrigale, die hauptsächlich in Venedig erschienen. Diese gelten als die frühesten Musikdrucke einer Komponistin.
Maria Domitilla Ceva
Festival frauenkomponiert 2021 – Dixit Dominus (Ps. 109; Guildhall Library, ms. G Mus 353)
Maria Domitilla Ceva (ca. 1640– ca.1720) war Benediktinerin (Santa Radegonda, Mailand), Sängerin und Komponistin.
Cécile Chaminade
Festival frauenkomponiert 2021 – La nef sacrée op. 171 – Offertoire für Orgel
Cécile Chaminade (1857–1944) begann schon als achtjähriges Kind, Stücke zu komponieren, und mit 18 Jahren konzertierte sie erstmalig. Es folgte eine erfolgreiche pianistische Karriere; häufig spielte Chaminade eigene Stücke. Sie trat besonders gerne in England auf und wurde zu einem Lieblingsgast von Königin Victoria. Um 1900 wurden Fanclubs in den USA gegründet, und 1908 spielte sie innerhalb von drei Monaten in zwölf US-Städten.
Mit 43 heiratete sie einen zwanzig Jahre älteren Musikverleger. «Es ist schwierig, das häusliche Leben mit dem künstlerischen zu vereinbaren», sagte sie. «Wenn eine begabte Frau einen Mann heiratet, der die Künstlerin in ihr achtet, kann eine solche Ehe beiden Glück bringen.» Das Glück währte nicht lange, denn Louis-Mathieu Carbonel starb 1907.
1913 wurde sie als erste Komponistin überhaupt in die Légion d’Honneur aufgenommen. Als der erste Weltkrieg ausbrach, war kein Interesse mehr für ihre Musik vorhanden, und sie starb einsam und enttäuscht in Monte Carlo mit 86 Jahren.
Caroline Charrière
Festival frauenkomponiert 2018
Die schweizerische Komponistin und Dirigentin Caroline Charrière (1960–2019) wurde in Freiburg im Üechtland geboren und studierte Querflöte, Komposition und später Dirigieren am Konservatorium von Lausanne. Im Jahre 2000 entschied sie, in ihrer Tätigkeit der Komposition den wichtigsten Platz einzuräumen.
Chiara Margarita Cozzolani
Festival frauenkomponiert 2021 – Domine ad adiuvandum (Salmi a otto voci concertati, Venice, 1650); Quid, miseri, quid faciamus (Concerti sacri …, Venice 1642); Confitebor tibi Domino (Ps. 110; Salmi a otto voci concertati, Venice, 1650); Laudate pueri à 6 (Ps. 112)
(Salmi a otto voci concertati, Venice, 1650); O praeclara dies, (Cozzolani, Scherzi di sacra melodia, op.3 Venice, 1648); Laetatus sum (Ps. 121; Salmi a otto voci concertati, Venice, 1650)
Chiara Margarita Cozzolani (1602–1678) wurde als jüngste Tochter einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie in Mailand geboren. Ihre Tanten und ihre ältere Schwester Candida Arsilia waren bereits ins Kloster eingetreten, als Margherita im August 1620 mit dem Ordensnamen Chiara im benediktinischen Stift von S. Radegonda ihre Gelübde ablegt. Über ihre Ausbildung ist nichts bekannt, allerdings wird sie diese im Konvent erfahren haben, wo die Töchter der Oberschicht nicht nur in der Haushaltsführung, sondern auch in den Künsten wie etwa Musik unterwiesen wurden.
Zwischen 1640 und 1650 publiziert Chiara Margarita Cozzolani 4 Sammlungen, wobei ihr erstes Opus heute verschollen ist:
• Primavera di ori musicali op. 1 (Mailand 1640)
• Concerti sacri op. 2 (Venedig: Vincenti 1642)
• Scherzi di sacra melodia op. 3 (Venedig: Vincenti 1648) • Salmi à otto voci concertati, motetti, dialoghi
Zudem finden sich ihre Werke in Anthologien neben Kompositionen von Monteverdi und anderen. Auch unter falschem Namen (z.B. als Domenico Zipoli, 1688–1726, Jesuit und Missionar in Südamerika) oder als anonyme Werke (z.B. bei Daniel Speer, 1636–1707) stösst man auf Kompositionen Cozzolanis.
In den 1660er Jahren wird Cozzolani zur Priorin und 1658 und 1672 zur Äbtissin von S. Radegonda gewählt. Ihre Publikationen kommen durch die vermehrten Aufgaben in der Verwaltung des Klosters zum Erliegen. Zudem muss sie die Rechte ihres Klosters gegen die Disziplinarmassnahmen des Erzbischofs Alfonso Litta (1608–1679) verteidigen, was ihr wohl keine Zeit mehr zum Komponieren lässt.
Jeanne Demessieux
Festival frauenkomponiert 2018 – Aus Twelve Choral-Preludes on Gregorian Chant Themes; Hosanna filio David. Choral Fugue; Attende Domine. Choral Paraphrase; Vexilla regis. Prélude; Ubi caritas. Ricercare; In manus tuas. Litanie
Jeanne Demessieux (1921–1968) studierte zunächst in ihrer Heimatstadt Montpellier und wurde bereits im Alter von 12 Jahren Titularorganistin der Kirche Saint-Esprit in Paris. Ihre weitere Ausbildung erhielt sie bei Marcel Dupré. Neben einer ausgedehnten Konzerttätigkeit spielte Jeanne Demessieux auch zahlreiche Schallplatten ein, u.a. das gesamte Orgelwerk von César Franck. Dafür wurde sie 1960 mit dem Grand Prix du Disque ausgezeichnet. 1962 wurde sie zur Titularorganistin an der La Madeleine in Paris ernannt. Ihr kompositorisches Schaffen umfasst neben Orgel- und Klavierwerken auch Kammermusik, Lieder und Kompositionen für Chor und Orchester.
Alma Deutscher
Festival frauenkomponiert 2018 – Violinkonzert Nr. 1 (2014/2015)
Die britische Komponistin, Pianistin und Violinistin Alma Deutscher (*2005) kannte bereits im Alter von zwei Jahren die Bedeutung der Tasten auf dem Klavier. Sie schrieb ihre erste Klaviersonate im Alter von 6 Jahren und ihre erste Oper, «The Sweeper of Dreams», mit 7 Jahren.
Ihr Violinkonzert, das sie als Solistin mit der nordspanischen Oviedo Filarmonía uraufführte, und dann auch mit dem Israel Philharmonic Orchestra spielte, komponierte sie im Alter von 9 Jahren. 2012 reichte sie ihre Oper The Sweeper of Dreams bei der English National Opera in London zu einem Wettbewerb ein, das Werk verpasste aber den Finaleinzug. Dennoch wurde es in Israel im August 2012 uraufgeführt. Die Uraufführung der zweiten Oper, Aschenputtel, fand ebenfalls in Israel im Jahre 2015 statt.
Seit 2010 ist Alma Schülerin für Partimentieren und Improvisieren von Tobias Cramm (Basel). Alma Deutschers Talent als Musikerin wurde verschiedentlich gewürdigt, unter anderem von den Dirigenten Simon Rattle und Zubin Mehta und der Geigerin Anne-Sophie Mutter. Seit 2015 betreut Martin Campbell-White als Mentor Alma Deutscher. Er hatte u.a. schon Sir Simon Rattle entdeckt und gefördert.
Violeta Dinescu
Festival frauenkomponiert 2021 – Echos III (1981)
Violeta Dinescu (*1953) lehrt seit 1996 an der Universität Oldenburg als Professorin für Angewandte Komposition. Neben ihrer universitären Tätigkeit ist sie pädagogisch aktiv in zahlreichen Kursen, Gesprächskonzerten und Vorträgen. Sie erhielt ihre Berufsausbildung von 1972 bis 1977 am Konservatorium in Bukarest, wo sie mit Diplomen in Komposition, Klavier und Pädagogik abschloss, sowie in einem einjährigen Studium bei der international bekannten Komponistin Myriam Marbe (1931–1997). In Bukarest unterrichtete sie ab 1978 an der Musikschule «George Enescu», nach ihrer Übersiedlung nach Deutschland 1982 war sie zunächst Dozentin an der Hochschule für Ev. Kirchenmusik Heidelberg, an der Musikhochschule Frankfurt am Main und an der Fachakademie (heute Hochschule) für Ev. Kirchenmusik Bayreuth. Als Studentin beteiligte sie sich an der Erforschung der Volksmusik und der orthodoxen Kirchenmusik Rumäniens – in ihren Kompositionen hat sie Einflüsse dieser beiden Traditionen verarbeitet und verbindet auf eine sensible Weise organisierte Strukturen mit intuitiven Elementen. In ihrem vielfältigen Werk finden sich Formen und Besetzungen aller Art, wobei sie meist in Hinblick auf bestimmte InterpretInnen und Aufführungssituationen schreibt. «Echos III» wurde 1981 noch in Rumänien komponiert und im Jahr darauf in Deutschland uraufgeführt. Das Stück kultiviert den Gegensatz zwischen differenzierten, aber statischen Klangflächen und freien Einwürfen, die an Improvisationen erinnern; es steht in einer Reihe mit «Echos I» für Klavier (1980) und «Echos II» für Klavier mit Schlagwerk (1981).
Susanne Doll
Festival frauenkomponiert 2018
Seit 1991 ist Susanne Doll (*1956) Titular-Organistin an St. Leonhard und der Pauluskirche sowie künstlerische Leiterin des «Orgelspiel zum Feierabend» in Basel. Ihre Schwerpunkte bilden Kompositionen für Orgel und Chor; Bearbeitungen für Orgel von Bach über Debussy bis zu Pink Floyd, Santana, Piazzolla, Gershwin, Dvorak, Grieg und Brubeck; Arbeit mit Laien; Orgelwerke von Bach, Dupré und Messiaen.
Maija Einfelde
Festival frauenkomponiert 2021 – Sanctus (Orgel)
Maija Einfelde (*1939) wurde in Valmiera, Lettland, geboren und begann ihre Musikstudien als Organistin. Sie setzte ihre Ausbildung an der Alfrēds Kalniņš Musikschule in Cēsis, an der Jāzeps Mediņš Musikhochschule in Riga fort und studierte ab 1966 am dortigen Konservatorium Komposition bei Jānis Ivanovs. Nach dem Abitur unterrichtete sie Musiktheorie und Komposition an der Alfrēds Kalniņš Musikschule in Cēsis, der Musikschule Emīls Dārziņš und der Musikhochschule Jāzeps Mediņš.
Die Komponistin schrieb, «I do not really understand my younger colleagues when they declare that they wish to extinguish any kind of Latvian roots in their music. I am happy if there are national roots in music and I am sad if they are not there. It is satisfying when you know what happens in the world, and still you remain who you are.»
Einfeldes Werke wurden international aufgeführt, unter anderem mit Auftritten des Brigham Young University Choir, des Chamber Chores in Vancouver, des Chorals von Kansas City in den USA, des Radio Chores der Niederlande und der Carnegie Hall in New York.
Jeanne-Louise Farrenc
Festival frauenkomponiert 2021 – Nonetto in Es, Op. 38
Festival frauenkomponiert 2018 – Symphonie Nr. 3 g-Moll, op. 36 (1849); Sonate für Violine und Klavier Nr.1 in c-moll, op.37; Largo – Allegro; Poco Adagio; Allegro vivace
Die gebürtige Pariserin Jeanne Louise Dumont, später Louise Farrenc (1804-1875), war Komponistin, Pianistin und Musikwissenschaftlerin. Sie hatte das Glück, mit ihrem Mann Aristide Farrenc einen informellen und unterstützenden Musikverleger an ihrer Seite zu haben. Im Alter von 38 Jahren wurde sie an das Pariser Konservatorium berufen. Ihr Oeuvre hat ein beachtliches Volumen mit Symphonien, Ouvertüren, Vokalwerken, Chormusik, Soloklaviermusik und Kammermusik.
Esther Flückiger
Festival frauenkomponiert 2018 – Guarda i lumi (Fünf migrierende Klangbilder); Uraufführung (Jiří Němeček und Ludovic van Hellemont gewidmet); Desert in Mood; Ligetissimo
Esther Flückiger (*1959) Pianistin, Improvisatorin und Komponistin auch im multimedialen Bereich, schöpft aus einem reichen Fundament, das ihre Vertrautheit sowohl mit dem klassischen Repertoire wie auch mit den Jazz-Idiomen zeigt. Konzerte in Europa, den USA, Russland, Asien, Südamerika; zahlreiche CD-, TV- und Radioaufnahmen. Sie ist Gründerin (1994) und Präsidentin von Suonodonne Italia und war 2002–2008 europäische Vertreterin im Vorstand der International Alliance of Woman in Music, USA.
Ilse Gerényi
Festival frauenkomponiert 2021 – Hommage à Béla Bartók (1975)
Ilse Gerényi (1929 – 2012) wurde in Wien geboren. Dort erhielt sie eine ungewöhnlich vielseitige Ausbildung mit Studien sowohl an der Musikhochschule (Orgel u.a. bei Anton Heiller, Improvisation, Klavier, Cembalo, Chorleitung und Kirchenmusik) als auch an der Universität (Musikwissenschaft und Philosophie bis zur Promotion). Seit 1957 lebt sie in der Schweiz. Sie war in Orgelkonzerten sowie in Schweizer Rundfunkproduktionen zu hören (u.a. mit zahlreichen Erstaufführungen); daneben wirkte sie als Lehrerin für verschiedene Tasteninstrumente und als Kirchenmusikerin. Sie veröffentlichte Texte zu musikpädagogischen und kunstphilosophischen Themen und komponierte vor allem Orgel- und Klaviermusik sowie Stücke für Orgel, Sprecher oder Sänger und Gemeinde. Ihre kurze «Hommage à Béla Bartók», trägt den Untertitel «Organistische und barbaristische Freuden an Bartóks Mikrokosmos». Die Komponistin überträgt unveränderliche energische Bewegungsmuster, wie sie auch Bartóks berühmte Sammlung kurzer Klavierstücke prägen, mit Witz und eigenständiger Klangfantasie auf die Orgel und erkundet so eine völlig unsonntägliche Seite der Königin der Instrumente.
Irene Giblin
Festival frauenkomponiert 2018 – Sleepy Lou (1906)
Irene Giblin (1888–1974) lebte den grössten Teil ihres Lebens in St. Louis. Ihr Talent für das Klavierspiel zeigte sich bereits in jungen Jahren. Schon im Alter von 14 Jahren war sie bei einer renommierten Musikalienhandlung in St. Louis beschäftigt, um den Kunden die neuesten Veröffentlichungen aus dem Katalog eines grossen Musikverlages vorzuspielen. Nachdem sie ihre Schulausbildung abgeschlossen hatte, fand sie im Alter von 17 Jahren eine feste Stelle beim «Stix, Baer & Fuller Department Store» in St. Louis. Im Rahmen dieser Beschäftigung sass sie jeden Tag mehrere Stunden am Klavier und spielte für alle Kunden die neusten Hits des Musikverlages. Schliesslich begann sie auch eigene Musik zu komponieren, hauptsächlich im Ragtime-Stil. In den folgenden Jahren wurde sie zu einer der profiliertesten Ragtime-Komponistinnen, ihre Stücke besassen einen festen Platz im Repertoire vieler Ragtime-Ensembles. Wie viele ihrer Komponistinnen-Kolleginnen gab auch sie ihre berufliche Tätigkeit als Komponistin und Pianistin nach der Eheschliessung und der Geburt ihrer zwei Kinder auf, verlor jedoch nie ihre Leidenschaft für das Klavierspiel.
Ruth Gipps
Festival frauenkomponiert 2021 – Symphony no. 2, Op. 30 (1945)
Ruth Gipps (1921–1999) war die Tochter eines britischen Geigers und einer Schweizer Klavierlehrerin und galt als Wunderkind. Ihr erstes Stück komponierte sie mit acht Jahren. Mit 15 Jahren bestand sie die Zulassungsprüfung für das Royal College of Music in London, in das sie im Januar 1937 aufgenommen wurde. Sie studierte Komposition und Klavier. Weitere Studien folgten an der University of Durham. Der kompositorische Durchbruch gelang ihr 1942 mit dem Orchesterpoem «Knight in Armour» unter Sir Henry Wood bei der Last Night of the Proms und schliesslich 1946 mit der 2. Sinfonie op. 30. Ausserdem war Ruth Gipps als Instrumentalsolistin tätig; als Pianistin, Oboistin und Englischhorn-Solistin. Aufgrund von Problemen mit dem Handgelenk beendete sie 1954 ihre solistische Karriere und betätigte sich seitdem ausschliesslich als Komponistin und Dirigentin. Sie schrieb fünf Sinfonien, die sie als ihr Hauptwerk betrachtete, weitere Orchesterwerke, Konzerte, Kammer-, Chor-, Klaviermusik und Lieder. Ihre Sinfonien zeigen Einflüsse von Ralph Vaughan Williams, Edward Elgar und Gustav Holst. Stilistisch steht sie mit weit ausholenden Melodien in der Tradition der britischen Spät- und Nachromantik.
Peggy Glanville-Hicks
Festival frauenkomponiert 2021 – Tragic Celebration (1964); Sinfonia Pacifica (1953)
Schon in jungen Jahren begann Peggy Glanville-Hicks (1912–1990) am Melba Konservatorium ihrer Geburtsstadt Melbourne ein Studium in Komposition. Mit zwanzig Jahren ging sie nach London, um ihr Musikstudium bei Ralph Vaughan Williams fortzusetzen. Von 1936–1938 setzte die Australierin ihr Studium in Wien fort. Wie viele Musikstudierende ihrer Generation landete sie schliesslich in der Talentschmiede von Nadia Boulanger in Paris. 1941 übersiedelte sie in die USA, wo sie als Musikkritikerin und von 1950–1960 als Direktorin des Composers Forum der Columbia University wirkte. 1975 kehrte sie nach Australien zurück. Glanville-Hicks komponierte fünf Opern und acht Ballette, eine Sinfonie, eine Sinfonietta, ein Flöten-, ein Bratschen- und ein Klavierkonzert. Dazu kamen zahlreiche kammermusikalische Werke, Chormusik, Lieder und Filmmusiken.
Sofia Gubaidulina
Festival frauenkomponiert 2021 – Hell und Dunkel (Orgel)
frauenkomponiert 2015 – Impromptu für Flöte, Violine und Streichorchester (1996)
Geboren in der Stadt Tschistopol der Tatarischen Autonomen Republik, verbrachte Sofia Asgatowna Gubaidulina (*1931) ihre Kindheit in Kasan. Ihr Vater war Ingenieur, ihre Mutter Lehrerin und ihr Grossvater Mullah. Nach ihrer Klavier- und Kompositionsausbildung am Konservatorium von Kasan (1949–1954) setzte Gubaidulina ihr Kompositionsstudium bei Nikolai Pejko und Wissarion Schebalin in Moskau fort, wo sie 1963 abschloss. Während dieser Lehrjahre wurde sie mit einem Stalin-Stipendium ausgezeichnet. In der sogenannten Ära der Stagnation wurden ihre Kompositionen aber als «pflichtvergessen» bezeichnet.
Einen wesentlichen Beitrag zu Gubaidulinas Bekanntheit im Westen leistete Gidon Kremer, der ihr Violinkonzert Offertorium 1981 uraufführte. Ihr zweites Violinkonzert widmete sie der deutschen Geigerin Anne-Sophie Mutter. Seit 1992 lebt Gubaidulina in Deutschland in der Nähe von Hamburg.
Sofia Gubaildulina ist seit 2015 Ehrenpräsidnetin von frauenkomponiert.
Elisabeth Claude Jacquet de la Guerre
Festival frauenkomponiert 2018 – Sonata in d-moll für Violine und B.c, Grave, Presto, Adagio-Presto-Adagio, Aria, Presto; Triosonate in D-Dur für 2 Violinen und B.c. Grave, Vivace e Presto – Adagio, Allegro, Adagio, Allegro; Aria: Affettuoso, Allegro
Elisabeth Claude Jacquet de la Guerre (1665–1729) war, als Tochter eines Cembalobauers, schon im Kindesalter als Cembalovirtuosin hoch angesehen. Im Alter von 15 Jahren wurde sie von Ludwig XIV. engagiert, der sie förderte und ihre Kompositionen zur Aufführung brachte.
Mehveş Hanım
Festival frauenkomponiert 2021
Eine der bekanntesten Kompositionen ihrer Zeit überhaupt, «Kaçsam bırakıp senden uzak» («Dich verlassend in die Ferne fliehen würde ich») schuf Mehveş Hanım (?–1976). Dieses melancholische und ergreifende Lied soll ihre letzte Komposition gewesen sein. In der Hafenstadt Izmir geboren, komponierte Mehveş Hanım – sie war Lehrerin – rund 60 Stücke. Als Komponistin verwendete sie den Namen ihrer Tante als Pseudonym (ihr eigener Name ist uns nicht bekannt); von der Tante war sie an Kindes statt grossgezogen worden.
Als junge Frau ging Mehveş Hanım nach Istanbul, um eine ihrer Kompositionen bei Columbia Records aufzunehmen. Weil es aber gegen die traditionelle Etikette verstiess, den Namen einer Muslimin als Komponistin auf einer Schallplatte zu nennen, verwendete sie einen armenischen Namen.
Fanny Hensel
Festival frauenkomponiert 2021 – Faust
Trio für Klavier, Violine und Violoncello d-moll op. 11
Nacht liegt auf den fremden Wegen
Festival frauenkomponiert 2018 – Präludium in G-Dur; Präludium in F-Dur für Orgel
Allegro molto c-moll
Das Jahr – 12 Charakterstücke für Fortepiano
- Januar – Ein Traum. Adagio quasi una Fantasia
Ahnest du, o Seele, wieder
Sanfte, süsse Frühlingslieder,
Sieh umher die falben Bäume,
Ach!, es waren holde Träume.
- Februar – Scherzo. Presto
Denkt nicht, ihr seid in deutschen Gränzen,
Von Teufels-, Narren- und Totentänzen
Ein heiter Fest erwartet euch.
- März – Praeludium und Choral «Christ ist erstanden»
Verkündiget, ihr dumpfen Glocken, schon
Des Osterfestes erste Feierstunde?
- April – Capriccioso
Der Sonnenblick betrüget
Mit mildem, falschem Schein.
- Mai – Frühlingslied
Nun blühet das fernste, tiefste Tal.
- Juni – Serenade. Allegro
Hör ich Rauschen, hör ich Lieder,
Hör ich holde Liebesklage.
- Juli – Larghetto
Die Fluren dürsten nach erquickendem Tau,
der Mensch verschmachtet.
- August – Allegro
Bunt von Farben Auf den Garben liegt der Kranz.
- September – Am Flusse. Andante con moto
Fliesse, fliesse, lieber Fluss,
Nimmer werd ich froh.
- Oktober – Allegro con spirito
Im Wald, im grünen Walde,
Da ist ein lustiger Schall.
- November – Mesto
Wie rauschen die Bäume so winterlich schon,
Es fliehen die Träume des Lebens davon,
Ein Klagelied schallt
Durch Hügel und Wald.
- Dezember – Allegro molto. Choral
Vom Himmel hoch, da komm ich her
- Nachspiel – Choral
Das alte Jahr vergangen ist Il Saltarello Romano
frauenkomponiert 2015 – «Hero und Leander»: Dramatische Szene für eine Singstimme mit Begleitung des Orchesters (1832)
Die ältere Schwester Felix Mendelssohns, Fanny Hensel geb. Mendelssohn, getauft Bartholdy (1805–1847) spielte bereits mit 13 Jahren grosse Teile des Wohltemperierten Claviers von Bach auswendig. Gemäss den Sitten jener Zeit für eine Frau ihrer Abstammung wurde Fannys Musiktätigkeit mit ca. 15 Jahren auf Kammermusik für den privaten Raum limitiert – Komposition durfte für sie nur «Zierde» sein. Sie liess sich jedoch davon nicht beirren und komponierte ihr ganzes Leben lang insgesamt um die 450 Stücke.
Maria Hofer
Festival frauenkomponiert 2021 – Toccata (1937)
Maria Hofer (1894–1977) hat (nach einer gediegenen Ausbildung an der «k.k. Akademie für Musik» ihrer Heimatstadt Wien, der heutigen Musikuniversität) grosse Beachtung als Pianistin und Organistin gefunden, was sich anhand von Auftritten im Wiener Konzerthaus und Konzertreisen belegen lässt. Sie war bereits in jener Zeit für ihre Improvisationen bekannt, ausserdem wurden frühe Kompositionen u.a. im Stephansdom aufgeführt.
Wichtig für ihre weitere Entwicklung war der Beitritt zur 1915 gegründeten «Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit», für die sie eine noch in romantischer Tradition stehende «Friedenshymne» komponierte, sowie die Arbeit als Lektorin der Wiener Universal Edition, die damals zu den wichtigsten Verlagen für neue Musik gehörte. Durch Yella Hertzka, die Frau des Verlagsleiters, wurde sie freundschaftlich gefördert. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs und angesichts der Emigration von Yella zog sie sich aus der Wiener Gesellschaft nach Kitzbühel (Tirol) zurück.
Dort wurde sie 1941 von der Gestapo verhaftet und mehrere Monate inhaftiert, wobei sie zahlreiche Manuskripte und wertvolle Dokumente verlor. Noch während des Krieges sowie in den ersten Nachkriegsjahren konnte sie an ihre Erfolge als Konzertorganistin und Komponistin anknüpfen, doch zog sie sich immer mehr nach Kitzbühel zurück, wo sie nicht nur an der Orgel, sondern auch am Glockenspiel zu hören war. Schliesslich vernichtete sie viele ihrer Kompositionen – dadurch und durch die schon während des Krieges erlittenen Verluste ist heute nur noch ein kleiner heterogener Werkbestand vorhanden, in dem sich neben einigen singulären Leistungen (v.a. Toccaten für Orgel bzw. Klavier, «Totentanz» für Orchester [1948]) auch simple Gebrauchsmusik befindet.
Jessica Horsley
Festival frauenkomponiert 2021 – Songs of Songs (2020)
s. Biographie unter «MusikerInnen»
Dorothy Howell
Festival frauenkomponiert 2021 – Koong Shee Ballet (1921)
Dorothy Gertrude Howell (1898–1982) wurde in Birmingham geboren, wuchs in Handsworth auf und erhielt eine Klosterausbildung. Granville Bantock unterrichtete sie in Komposition, bevor sie im Alter von 15 Jahren mit dem Studium an der Royal Academy of Musik begann. 1919 erregte ihre im Rahmen der Promenade Concertos von Henry Wood in der Queen’s Hall zur Uraufführung gebrachte sinfonische Dichtung «Lamia» Aufmerksamkeit, die in der gleichen Saison noch weitere vier Male gespielt wurde. 1921 erhielt sie für die «Phantasy» für Violine und Orchester den Cobbett Prize. Dorothy Howell trat auch als Pianistin in Erscheinung. Viele ihrer Werke sind dem Klavier gewidmet. Sie hat auch mehrere Jahre lang das Grab von Sir Edward Elgar gepflegt. Nach ihrem Tod 1982 wurde sie in dessen Nähe bestattet.
Dilhayat Kalfa
Festival frauenkomponiert 2021
Zu Dilhayat Kalfa (ca. 1710–ca. 1780) gibt es nur wenige Informationen. Die Bezeichnung, «Kalfa» deutet darauf hin, dass sie eine der Bediensteten am Hofe des osmanischen Sultans war. Sorgfältig ausgewählt, wurden alle Bediensteten je nach Begabung in den schönen Künsten, der Kalligraphie, der Poesie, der Musik usw. ausgebildet. An der hohen Qualität ihrer Werke ist zu erkennen, dass Dilhayat Kalfa von ausgezeichneten Musikern unterrichtet wurde, und dass sie eine sehr begabte Spielerin der Tanbur (Langhalslaute) war. Der Ort, an dem der Unterricht abgehalten wurde, wird bis heute als «Mes(h)k Hâne», das heisst als «Raum oder Ort der Lehre» bezeichnet.
Laut M. Nazmi Özalp tauchten die ersten Kompositionen im Makam (= Tonsystem) Evcârâ um das 18. Jahrhundert auf. Der Legende nach soll Sultan Selim III. im Alter von 19 Jahren diesen Makam erfunden haben, doch weist die Chronologie eher auf Dilhayat Kalfa hin. Die schönsten Kompositionen jener Zeit stammten aus ihrer Feder. Neben ihrer hervorragenden Kompositionstechnik, verstand sich Dilhayat Kalfa auch auf die Kunst der Prosodie, wie ihre Gesangskompositionen eindrücklich bezeugen.
Vítězslava Kaprálová
Festival frauenkomponiert 2018 – Streichquartett
Festival frauenkomponiert 2016 – Sbohem a šáteček (Zum Abschied winken) für Gesang und Orchester (1938)
Vítězslava Kaprálová (1915–1940) machte ihre ersten Kompositionsversuche mit neun Jahren. Mit 15 Jahren studierte sie Komposition und Dirigieren am Konservatorium ihrer Heimatstadt Brno – gegen den Willen ihres Vaters, der allerdings auch selber Komponist war. 1937 dirigierte Kaprálová ihre Militärsinfonie mit der tschechischen Philharmonie und ein Jahr später mit dem BBC Symphony Orchestra. Trotz ihres frühen Todes hinterliess sie ein bemerkenswertes kompositorisches Œuvre.
Neveser Kökdeş
Festival frauenkomponiert 2021
Neveser Kökdeş (1904–1962) zählt zu den wohl bekanntesten türkischen Komponistinnen und Musikerinnen ihrer Zeit. Ihre Hochschulreife erhielt die junge Neveser an der französischen Schule «Notre Dame de Sion» in Istanbul, für ihre erste musikalische Ausbildung sorgten ihr Vater und ihr Bruder. Sie wurde klassisch-europäisch ausgebildet und spielte sehr gut Gitarre, konzentrierte sich jedoch auf das Klavier, auf dem sie schon früh Solokonzerte gab. Die Kunst des Makam bzw. der türkischen Musik erlernte und entdeckte sie durch das Spiel der Tanbur (Langhalslaute). Im Alter von 12 Jahren begann sie ihre ersten Stücke zu komponieren. Ihr Bruder, der berühmte Operetten-Komponist und Musiker Muhlis Sabahattin Ezgi, führte neben seinen eigenen Werken auch die Kompositionen seiner Schwester auf und nahm sie auf Schellackplatten auf. Ihre europäische Bildung prägte auch Kökdeş’s Kompositionsstil. Berühmtheit erlangte sie unter anderem mit ihren Tangos, Walzern und Operetten, was ihr den Beinamen «Die Königin des Tangos», aber auch Kritik einbrachte.
Auf zahlreichen Schallplatten veröffentlichte sie ihre eigenen Werke. Sie soll 500–1000 Stücke komponiert haben. In ihrem Testament verfügte sie jedoch, dass alle nicht veröffentlichten Kompositionen verbrannt werden sollten, da sie ihren hohen Ansprüchen nicht genügten.
Sadie Koninsky
Festival frauenkomponiert 2018 – Eli Green’s Cakewalk (1896)
Sadie Koninsky (1879–1952) stammte aus einer musikalischen Familie und erhielt in ihrer Jugend eine klassische Violinausbildung. Im Alter von 17 Jahren komponierte sie «Eli Green’s Cakewalk». Das Stück wurde von dem Verlag Joseph Stern in New York veröffentlicht, bei dem sie in der folgenden Zeit als Arrangeurin beschäftigt war. Später lebte sie in Troy (New York), unterrichtete Violine und spielte als Solistin mit verschiedenen Ensembles der Region. Mit ihren Brüdern gründete sie 1904 ein Ensemble, das als «Koninsky-Orchestra» über 20 Jahre lang bestand. Zur gleichen Zeit wurde die »Koninsky Music Company», ein eigener Musikverlag der Geschwister, begründet, für den sie als Komponistin, Arrangeurin und Begleiterin wirkte. Neben Ragtime-Stücken schrieb sie auch Walzer, Märsche und Lieder. Einige ihrer Werke wurden unter den Namen Jerome Hartmann oder Julius K. Johnson veröffentlicht. In den 1920er-Jahren gründete sie mit «Goodwyn Music» in Troy einen eigenen Verlag. Ob sie jemals verheiratet war, ist nicht bekannt.
Nathalie Laesser Zweifel
Festival frauenkomponiert 2018 – Brazileira; Long ago (CH-Erstaufführung)
Nathalie Laesser Zweifel (*1982) wuchs in Aarau auf, studierte Klavier am Conservatoire de Lausanne bei Christian Favre und in der Konzertklasse von Hiroko Sakagami an der Hochschule Luzern. Sie hat sich in Lied-Begleitung bei Edward Rushton weitergebildet und studierte Jazz-Klavier und Komposition bei Thierry Lang an der Jazzschule Montreux. Wichtige musikalische Impulse erhielt sie in Rio de Janeiro beim Pianisten Leandro Braga für Bossa Nova und Samba.
Junghae Lee
Festival frauenkomponiert 2016 – poema ritmico für Klavier Solo und Streichorchester (2014)
Die Koreanerin Junghae Lee (*1964) wurde in Tokio geboren. Nach ihrem Schulabschluss in Korea studierte sie Komposition an der Seoul National University bei Byung-Dong Paik. 1991 übersiedelte sie nach Basel und studierte in der Fachklasse des Elektronischen Studios der Musikhochschule Basel Komposition mit Schwerpunkt Elektronische Musik sowie Cembalo an der Schola Cantorum Basiliensis. Sie besuchte Meisterkurse bei Isang Yun und Toru Takemitsu.
Eine Reihe im Studio produzierter Tonbandstücke widerspiegelt ihre Suche nach starken und klaren Ausdrucksmitteln, die schliesslich in einem eigenen Idiom münden. Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit der elektronischen Musik wandte sie ihr Interesse wieder dem instrumentalen Komponieren zu. Spezielle Klänge und hohe Expressivität bestimmen ihr Schaffen sowohl mit als auch ohne Elektronik.
Preise und Auszeichnungen
– 1997, für «SuNu»: «The Best Composition by a Woman» bei der «International Electroacoustic Music Competition Musica Nova» in Prag
– 2001, «Circulation» für Tonband: Anerkennungspreis im «Priz Bruynel», Amsterdam
– 2003, Djerassi Residency Artist Programm, Kalifornien
– 2004, IGNM Basel Portraitkonzert; Komponistenportrait in einer Sendung des Schweizerischen Radios DRS2006, Kompositionsauftrag von Pro Helvetia
Alma Mahler
Festival frauenkomponiert 2018 – Die stille Stadt (Dehmel); In meines Vaters Garten (Hartleben); Laue Sommernacht (Falke); Bei dir ist es traut (Rilke); Ich wandle unter Blumen (Heine)
Während ihrer künstlerisch aktiven Zeit komponierte und entwarf Alma Mahler geb. Schindler (1879–1964) mehr als hundert Lieder, verschiedene Instrumentalstücke und den Anfang einer Oper. Von ihrem Gesamtwerk sind nur 17 Lieder erhalten. Mit seinem Heiratsantrag machte Gustav Mahler klar, dass seine Ehefrau ihre Musik aufgeben müsse. Alma Mahler war eine bedeutende Persönlichkeit der Kunst-, Musik- und Literaturszene in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nach Mahlers Tod heiratete sie den Architekten Walter Gropius, dann den Dichter Franz Werfel, und wurde die Geliebte des Malers Oskar Kokoschka.
Emilie Mayer
Festival frauenkomponiert 2021 – Trio in b-moll für Pianoforte, Violine und Violoncello op. 16: Allegro di molto e con brio; Un poco Adagio; Scherzo.
Allegro assai; Finale Allegro Festival frauenkomponiert 2016 – Sinfonie Nr. 5 f-Moll (1862)
Emilie Mayer (1812–1883) erhielt früh Klavierunterricht und studierte nach der Schulzeit Komposition bei Carl Loewe in Stettin. 1847 übersiedelte sie nach Berlin, um sich intensiv mit Doppelkontrapunkt und Fuge bei Adolf Bernhard Marx auseinanderzusetzen. Ab 1850 veranstaltete sie regelmässig Konzerte vor geladenem Publikum, um ihre eigenen Werke und die anderer vorzustellen.
Zu ihrer Zeit war Emilie Mayer eine sehr bekannte Komponistin. Damals wurde sie von begeisterten Kritikern «der weibliche Beethoven» genannt. Sie widmete sich ausschliesslich dem Komponieren und schrieb u.a. 4 Ouvertüren, 6 Symphonien, ein Klavierkonzert, Kammermusik und zahlreiche Lieder. Nach ihrem Tod geriet ihr umfangreiches und vielfältiges Werk in Vergessenheit. Von den Orchesterwerken sind lediglich die 5. und 6. Symphonie veröffentlicht; die anderen Manuskripte befinden sich in Berlin.
Marita Richter schreibt:
«Eines aber ist klar: Emilie Mayer steht, und soviel ist nach dem Hören der 5. Sinfonie deutlich, in einer hervorragenden Position als Komponistin von Sinfonien in der Nachfolge von Beethoven, Schubert und Mendelssohn. Und sie ist ein Bindeglied, quasi ein «missing link», zu den Sinfonien von Schumann und Brahms.
Wer ist Emilie Mayer? – Diese Frage dürfte unter Kennern klassischer Musik nicht mehr gestellt werden. Selbstverständlich sollte ihr 125. Todestag am 10. April dieses Jahres [2012] gebührend gefeiert werden.
«Ist sie ein weiblicher Beethoven?» – Nein. Sie ist Emilie Mayer. Die gab’s nur einmal. Beethoven übrigens auch.»
Cécile Marti
Festival frauenkomponiert 2021 – Wave trip (2011 rev. 2020) UA der rev. Fassung; Wave trip (2011) für grosses Orchester
„Forming Sculpture“ für Klaviertrio (2017–2018)
Cécile Marti, geboren im Kanton Zürich, entwickelte dank ihres künstlerischen Umfelds schon früh eine grosse Leidenschaft für die Musik und begann im Alter von acht Jahren, das Geigen- und Klavierspiel zu erlernen. Mit 13 Jahren nahm sie Geigenunterricht bei Bettina Boller und wurde durch diese Begegnung früh an neue Musik herangeführt. Während ihrer Violinausbildung bei Mariann Häberli am Konservatorium Zürich wandte sie sich der Komposition zu und entschied sich anschliessend für ein Kompositionsstudium bei Dieter Ammann an der Hochschule Luzern. Es folgte von 2008 bis 2010 der Besuch des Luzerner Masterstudiengangs «Solo Performance». Privat nahm sie zusätzlich Unterricht bei Georg Friedrich Haas in Basel. Im Sommer 2010 erhielt sie den Master of Arts in Music mit Major Solo Performance. 2011/12 arbeitete sie mit Malcolm Singer, Komponist und Direktor der Menuhin School in London. Sie nahm am siebten Creative Dialogue in Finnland teil, wo sie u.a. mit Kaija Saariaho arbeitete. Marti schrieb unter der Führung von Julian Anderson eine Forschungsarbeit an der Guildhall School of Music and Drama in London und promovierte im Februar 2017.
Martis Werke wurden u.a. vom Collegium Novum Zürich, dem Symphonieorchester SOBS, der Basel Sinfonietta und vom Absolut Trio bei Festivals in Luzern, St. Petersburg, Warschau und Basel aufgeführt. 2011 wurde ihr das Werkjahr der Stadt Zürich zugesprochen. Für ihr Schaffen erhielt sie Stipendien oder Preise von Landis & Gyr, der Albert Koechlin-Stiftung, dem Schweizerischen Nationalfonds sowie der Bartels Foundation. Sie war Composer-in-Residence beim Symphonieorchester SOBS für die Saison 2015/2016, und für 2018/19 wurde ihr die «Carte Blanche» der Fondation SUISA verliehen.
Joanne Metcalf
Festival frauenkomponiert 2021 – Among dark Whirlwinds (2019)
Joanne Metcalf ist 1958 in Los Angeles, USA geboren und hat an der Duke University bei Scott Lindroth und Louis Andriessen am Royal Conserbatory of Music in Den Haag Komposition studiert. Inspiriert von der Polyphonie der Renaissance und des Mittelalters, der alten georgischen Musik und zeitgenössischen erweiterten Vokaltechniken hat Metcalf eine überzeugende musikalische Stimme geschmiedet.
Ihre Musik, von der Kritik als «Musik von großer Schönheit» gefeiert (Klassik-Heute) und «außergewöhnlich schön» (International Record Review), ist bekannt für seine evokative Lyrik, rhythmische Extravaganz, «betörende und doch subtil dissonante Sprache»(MusicWeb International) und «schöne Verwendung von Stimmfarben und Textur» (Glasgow Herald).
Meredith Monk
Festival frauenkomponiert 2018 – Ellis Island
Meredith Monk (*1942) gilt als Pionierin der vokalen Performance-Kunst und studierte klassische Musik, Theater und Modern Dance am Sarah Lawrence College in Yonkers, New York, USA. Ihr Schaffen ist multimedial geprägt, als Hauptelemente treten Stimmen, Musik, Theater, Tanz, Film und Lichteffekte in Erscheinung. Seit 1991 komponiert sie auch Instrumentalstücke, so z.B. 2004 Stringsongs für das Kronos Quartet. 2012 wurde Meredith Monk von der Zeitschrift Musical America als «Composer of the Year» ausgezeichnet.
Thea Musgrave
Festival frauenkomponiert 2021 – Space Play Concerto (for nine instruments)
Thea Musgrave (*1928) studierte an der Universität von Edinburgh zunächst Medizin, danach Musik und erwarb 1950 den Bachelor of Music. Danach nahm sie bis 1954 Klavierunterricht bei Nadia Boulanger. In den 1960er Jahren komponierte sie Kammermusik und Gesangsstücke, wandte sich aber auch grösseren Formen zu. Ihre Oper in drei Akten «Die Entscheidung» wurde 1967 uraufgeführt. 1970 war sie Gastprofessorin an der University of California in Santa Barbara, USA. 1971 heiratete sie den Violinisten und Operndirigenten Peter Mark und siedelte in die USA über. 1974 wurde sie mit dem «Koussevitzky Award» ausgezeichnet und 1979 zum Mitglied der Royal Society of Edinburgh gewählt. Ein grosser Teil ihrer Werke ist im Druck erschienen. Besonders «Rorate Coeli», das «Viola Concerto» sowie die Opern «Mary Queen of Scots» und «Simon Bolivar» fanden beim Publikum grossen Anklang.
Julia Lee Niebergall
Festival frauenkomponiert 2018 – Hoosier Rag (1907)
Julia Lee Niebergall (1886–1968) ist eine der Ragtime-Komponistinnen, denen es wirklich gelang, ihr ganzes Leben erfolgreich mit der Musik zu gestalten – als Pianistin, Begleiterin, Arrangeurin und Komponistin. Sie wuchs in Indianapolis in einer musikalischen Familie auf, ähnlich wie auch ihre Freundin May Aufderheide. Julia Lee Niebergall entwickelte sich zu einer sehr unabhängigen Frau. Nach ihrem Schulabschluss heiratete sie, liess sich aber nach kurzer Zeit scheiden und nahm wieder ihren Mädchennamen an. Ihre für diese Zeit bemerkenswerte Unabhängigkeit zeigte sich auch darin, dass sie als eine der ersten Frauen in Indianapolis ein Auto besass und dieses auch selbständig steuerte. 1907 wurde ihre erste Ragtime-Komposition mit Erfolg veröffentlicht. Zu dieser Zeit wirkte Julia Lee Niebergall auch als Arrangeurin für den Musikverlag John Aufderheide in Indianapolis. Von etwa 1910 bis in die 1920er-Jahre hinein konzentrierte sie sich als Pianistin auf ihre Tätigkeit als Begleiterin von Stummfilmen bis zu der Zeit, als der Tonfilm aufkam. Gelegentlich spielte sie auch für Ballett- und Sportklassen. In späteren Jahren unterrichtete sie Klavier und Musiktheorie.
Dora Pejačević
Festival frauenkomponiert 2021 –– 7 Lieder Op. 23
Dora Pejačević (1885 – 1923) war die erste Frau in Kroatien, deren Orchesterwerke öffentlich aufgeführt wurden. Ihre Entwicklung zur reifen Künstlerin fällt in die Blütezeit des Jugendstils. So sind auch ihre Werke davon teilweise ästhetisch geprägt. Ihre Stücke lassen sich in zwei Gruppen einteilen – einerseits komponiert sie in klassischen Formen mit dem ästhetischen Anspruch «absoluter Musik» und andererseits entstehen kleinere Werke mit Programmcharakter für Klavier, Violine und Sologesang. In diesen Werken durchbricht sie teilweise die traditionelle Musiksprache. Zu ihrem Œuvre zählen auch Lieder mit Orchesterbegleitung, einer zentralen Form des Fin de siècle.
1885 geboren in Budapest, lebte sie die meiste Zeit ihres kurzen Lebens im Familienschloss in Našice im Osten von Kroatien, aber zeitweise auch in Zagreb, Wien, Prag und München, wo sie 1923 im Alter von nur 38 Jahren nach der Geburt ihres Sohnes starb.
Florence B. Price
Festival frauenkomponiert 2021 – Ethiopia‹s Shadow in America (1932)
Florence B. Price (1887–1953) war die erste afro-amerikanische Komponistin, deren symphonische Komposition von einem grossen amerikanischen Symphonieorchester aufgeführt wurde.
Florence wurde am 9. April 1887 in Little Rock geboren. Als Kind erhielt Smith Musikunterricht von ihrer Mutter, und sie veröffentlichte Musikstücke, während sie die High School besuchte. Im Jahr 1907 schrieb sie sich am New England Conservatory of Music in Boston, Massachusetts, ein, was für eine farbige Frau zu dieser Zeit eine bemerkenswerte Leistung war. Im Jahr 1906 erhielt sie Abschlüsse als Organistin und als Klavierlehrerin.
Während ihrer Zeit in Little Rock richtete Price ein Musikstudio ein, gab Klavierunterricht und schrieb kurze Stücke für Klavier. Trotz ihrer Qualifikationen wurde ihr die Mitgliedschaft in der Arkansas State Music Teachers Association aufgrund ihrer Rasse verweigert. Die sich verschärfenden Rassenspannungen in Arkansas in den 1920er Jahren überzeugten die Prices nach Chicago, Illinois, zu ziehen. Dort hatte Price mehr berufliche Entwicklungsmöglichkeiten. Sie setzte ihre musikalischen Studien am American Conservatory of Music und am Chicago Musical College fort und etablierte sich in der Gegend von Chicago als Lehrerin, Pianistin und Organistin. 1928 akzeptierte G. Schirmer ein Werk Prices zur Veröffentlichung. 1932 gewann sie mehrere Preise in Wettbewerben, die von der Rodman Wanamaker Foundation gesponsert wurden.
Im Laufe ihres Lebens komponierte Price mehr als 300 Werke, von kleinen Lehrstücken für Klavier bis hin zu gross angelegten Kompositionen wie Sinfonien und Konzerten, sowie instrumentale Kammermusik, Vokalkompositionen und Musik für das Radio. Ihr Musikstil ist eine Mischung aus klassischer europäischer Musik und den Klängen von Spirituals, insbesondere den mit dem afrikanischen Erbe verbundenen Rhythmen.
Katarina Pustinek Rakar
Festival frauenkomponiert 2021 – Remember (2018)
Die slowenische Komponistin Katarina Pustinek Rakar (*1979) studierte Musiktheorie, Oboe, Gesang und Komposition in Ljubljana. Sie arbeitet aktiv mit den besten slowenischen Chören zusammen, ist Mitglied des Slowenischen Philharmonischen Chors und unterrichtet Solmisation und Musiktheorie am Konservatorium in Ljubljana. Ihre Kompositionen umfassen hauptsächlich Vokalmusik (Kinderlieder, Werke für Jugend-, Frauen-, Männer- und gemischte Chöre), für die sie regelmäßig Kompositionsaufträge erhält.
Karin Rehnqvist
Festival frauenkomponiert 2021 – Ljusfälten – für Chor
Karin Rehnqvist (*1957) ist eine der bekanntesten und meist gespielten Komponistinnen Schwedens. Ihr Spektrum erstreckt sich auf Kammer-, Orchester-, Bühnen- und Vokalmusik. Vor allem die Arbeit mit ungewöhnlichen, genre übergreifenden Formen und Ensembles macht ihr Spass. Ein starkes Charakteristikum ihrer Arbeit ist die Erkundung der Bereiche zwischen Kunst- und Volksmusik. Beide Elemente sind integraler Bestandteil und werden nie nur für den Effekt oder als nostalgisches Element eingesetzt. Insbesondere hat sich Rehnqvist mit der aussergewöhnlichen und dramatischen Gesangstechnik von Kulning auseinandergesetzt.
Zwischen 1976 und 1991 war Karin Rehnqvist Dirigentin und künstlerische Leiterin des Chores Stans Kör. Dies festigte ihre besondere Affinität zur Vokalmusik und befeuerte auch ihr Interesse an experimentellen Ansätzen der Konzertpräsentation. Zwischen 2000 und 2004 war Rehnqvist Composer in Residence in Zusammenarbeit mit dem Scottish Chamber Orchestra und Svenska Kammarorkestern. Karin Rehnqvist hat viele Preise für ihre Musik erhalten, u.a. 1996 den Läkerol Arts Award «für ihre Erneuerung der Beziehung zwischen Volksmusik und Kunstmusik». Im selben Jahr erhielt sie den Spelmannen-Preis der Tageszeitung Expressen und 1997 den Christ-Johnson-Preis für Solsången (Sonnenlied). Im Jahr 2001 wurde sie mit dem Kurt-Atterberg-Preis und 2005/06 mit dem Rosenberg-Preis ausgezeichnet.
Karin Rehnqvist wurde 2009 zur Professorin für Komposition an der Königlichen Hochschule für Musik in Stockholm ernannt und ist damit die erste Frau, die einen Lehrstuhl für Komposition in Schweden innehat.
Cesarina Ricci de Tingoli
Festival frauenkomponiert 2021 – Nel discostarsi il sole
Cesarina Ricci de Tingoli ist eine der ersten Frauen, die Musik unter ihrem eigenen Namen drucken liessen. Sie veröffentlichte ihre einzige erhaltene Madrigalsammlung 1597 in Venedig. Das Phänomen der starken öffentlichen Präsenz von künstlerisch tätigen Frauen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Italien wird mit dem humanistischen Bildungsideal und dem damit einhergehenden Verlust des Lehrmonopols der Kirche in Verbindung gebracht.
Leyla Saz
Festival frauenkomponiert 2021
Die Autorin, Dichterin, Schriftstellerin und Komponistin Leyla Saz/Leyla Hanım (1850–1936), lebte in der bewegten Zeit zwischen dem endgültigen Zusammenbruch des osmanischen Reiches und den Gründungsjahren der Republik Türkei. Da ihr Vater, Ismail Pascha, Hofarzt des Harems war, verbrachte Leyla Hanım die ersten elf Jahre ihres Lebens als Spielkameradin von Münire Sultan, der Tochter von Sultan Abdülmecid, im Harem. Ihr Buch, «Le Harem impérial et les Sultanes au XIXe siècle», wurde 1925 in Paris veröffentlicht. (1974 erschien das Buch in türkischer Übersetzung unter dem Titel «Haremin Içyüzü», «Das wahre Gesicht des Harems»).
Ihre erste musikalische Bildung erhielt sie ebenfalls im Harem, wo sie in klassischer türkischer Musik unterrichtet wurde. Nikoğos Ağa (Nikoğos Taşçıyan) und Medeni Aziz Efendi waren ihre Lehrer. Parallel wurde sie von diesen auch in klassisch-europäischer Musik unterrichtet. Es war Mode in jener Epoche, Klavier zu spielen, was sich auch im Harem höchster Beliebtheit erfreute. So flossen auch europäische Elemente in ihre Kompositionen ein.
Leyla Hanım schrieb Gedichte für die Frauenzeitschrift «Kadına Mahsus» («Für die Frau») und gehörte zu den ersten Frauenrechtlerinnen im osmanischen Reich. Bis zu ihrem Tod am 6. Dezember 1936 in Istanbul hatte sie weit über 200 Werke komponiert. Allerdings wurde ein grosser Teil ihrer Schriften, Memoiren, Gedichte und Kompositionen bei einem Brand ihres Wohnhauses in Istanbul vernichtet.
Clara Schumann
Festival frauenkomponiert 2021 – Op. 23 ; Gondoliera
Festival frauenkomponiert 2018 – Präludium und Fuge in D-Moll, op.16/3; Präludium und Fuge in B-Dur, op.16/2[Text Wrapping Break]Drei Romanzen für Violine und Klavier, op. 22: Andante molto; Allegretto. Mit zartem Vortrage; Leidenschaftlich schnell
Ich stand in dunklen Träumen (Heine) op .13/1; Sie liebten sich (Heine) op. 13/2; Liebeszauber (Geibel) op. 13/3; Der Mond kommt still gegangen (Geibel) op. 13/4; Ich hab in deinem Augen (Rückert) op. 13/5; Die stille Lotosblume (Geibel) op.13/6
Clara Schumann (1819–1896) wurde von ihrem Vater, Friedrich Wilhelm Wieck, von ihrem fünften Lebensjahr an systematisch zur Klaviervirtuosin ausgebildet. Schon früh begeisterte Clara Wieck durch ihre Improvisationen und eigene Kompositionen. Wenngleich sie sich in erster Linie als Pianistin verstand, bedeutete ihr das Komponieren sehr viel.
Naomi Shemer
Festival frauenkomponiert 2021 –

נועה

Noa Noa

העיר הלבנה
|Ha’ir Halevana. Die weiße Stadt|

כי סערת עליי
|Ki sa’art Alay Weil du über mich gestürmt hast|

ליל אמש
|Leyl Emesh Gestrige Nacht|

אני גיטרה
|Ani Gitarra Ich bin eine Gitarre|

שירת העשבים
|Shirat Ha’asavim Der Gesang des Unkrauts|

בשדות בית לחם
|Bisdot Beit Lechem In den Feldern von Bethlehem|

פגישה לאין קץ
|Pgisha Le’eyn Ketz Ein endloses Treffen|

ירושלים של זהב
|Yerushalayim shel Zahav Jerusalem aus Gold|
Naomi Shemer (1930–2004), Komponistin, Songwriterin und Performerin, wurde als die «erste Dame des israelischen Liedes und der Poesie» gefeiert.
Shemer wurde in Kevuzat Kinneret geboren, dort begann sie mit der Ermutigung ihrer Mutter im Alter von sechs Jahren Klavier zu spielen. Später studiert sie Musik an den Musikakademien von Tel Aviv und Jerusalem. Sie kehrte als Musiklehrerin nach Kevuzat Kinneret zurück und komponierte dort ihre ersten Lieder speziell für Kinder. 1956 zog sie nach Tel Aviv, wo sie Musik für das Theater, die Unterhaltungstruppen der Armee und für verschiedene Ensembles schrieb. Ihre Lieder, zu denen sie meist sowohl Text als auch Musik komponierte, wurden sehr populär und gelten als Teil des israelischen Liedkanons. Nachdem sie 1967 von der Israelischen Rundfunkbehörde den Auftrag erhalten hatte, ein Lied für das jährliche Liederfestival zu schreiben, schrieb sie «Jerusalem aus Gold». Das Lied wurde ursprünglich aus einer persönlichen Perspektive komponiert, wobei es sich auf Shemers eigene Erinnerungen an die Stadt konzentrierte, aber es bekam bald eine symbolische und nationale Bedeutung und erlangte einen einzigartigen Status im Repertoire der modernen hebräischen Lieder. Bis Mitte der 1980er Jahre gab es keinen israelischen Sänger oder ein Ensemble, das nicht eines von Shemers Liedern aufgeführt hatte. Mit dem Spitznamen «nationale Liedermacherin» demonstrierte sie eine einzigartige Fähigkeit, die nationale Stimmung auszudrücken.
Zu ihren Auszeichnungen gehörten der Israel-Preis für israelische Lieder (1982), der Jerusalem-Preis (1983) und die Ehrendoktorwürde der Universitäten Jerusalem (1994) und Beerscheba (1999).
Adaline Shepherd
Festival frauenkomponiert 2018 – Live Wires Rag (1910)
Adaline Shepherd (1885–1950) wurde im amerikanischen Staat Iowa geboren, wo sie vermutlich im Rahmen ihrer Schulausbildung auch Musikunterricht erhielt. Das Klavierspiel erlernte sie wahrscheinlich autodidaktisch. 1907 lebte Adaline Shepherd in Milwaukee. Dort entstand vermutlich ihr bekanntestes Werk «Pickles and Peppers». Der Verleger Joseph Flanner war von diesem Stück begeistert, sorgte für ein ordentliches Arrangement (da Adaline Shepherd nicht über die dafür nötigen Notenkenntnisse verfügte) und veröffentlichte das Werk. (Interessanterweise war diese Praxis übrigens auch bei vielen Ragtime-Stücken ihrer männlichen Kollegen üblich – viele Musiker in den Vergnügungsvierteln der Grossstädte spielten zwar genial Klavier, hatten aber nie Musikunterricht genossen, der es ihnen ermöglicht hätte, ihre Kompositionen zu notieren). «Pickles and Peppers» wurde zum wahrscheinlich grössten Hit einer Ragtime-Komponistin und erreichte bald eine Auflage von 2 Millionen verkauften Exemplaren. Doch folgten diesem grandiosen Debüt-Stück leider nur noch zwei weitere Ragtimes. 1910 heiratete Adeline Shepherd Frederick S. Olson. Als Ehefrau und Mutter von drei Kindern gab sie schliesslich ihre musikalischen Ambitionen auf. Im Jahr 1917, während des ersten Weltkrieges, erschien ein letztes Klavierstück unter dem Namen Mrs. F. S. Olson. Adaline Olson starb 1950 in Milwaukee.
Ethel Smyth
Festival frauenkomponiert 2018 – O schönes Weltgebäude (1913), Prelude on an Irish air (1936), O Traurigkeit, o Herzeleid (1913)
frauenkomponiert 2016 – Concerto für Violine, Horn und Orchester (1889)
frauenkomponiert 2015 – Serenade in D (1889)
Ethel Smyth (1858–1944) entstammte einer viktorianischen Familie. Ihr Wunsch, Musik zu studieren, wurde von ihrer Familie zunächst strikt abgelehnt, erst 1877 gelang es ihr, den Widerstand zu brechen und ein Musikstudium in Leipzig aufzunehmen. Ihr erster grosser kompositorischer Erfolg war die Messe in D, die im März 1893 in der Royal Albert Hall London uraufgeführt wurde. Ausserdem komponierte sie u.a. sechs Opern, ein Konzert für Horn, Violine und Orchester und Kammermusik, darunter mehrere Streichquartette. Bekannt geworden ist Ethel Smyth auch durch ihr Engagement für die englische Frauenbewegung, die «Suffragettes».
Stanislava Stoytcheva (*1975)
Festival frauenkomponiert 2021 – A Birthday (2021)
Stanislava Stoytcheva stammt aus Bulgarien und studierte zunächst Klavier und Jazzgesang an der Musikakademie in Sofia, wo sie mit Diplom abschloss. Seit 1999 studierte sie darüberhinaus klassischen Gesang bei Edith Wiens an der Hochschule für Musik und Theater in München und gab am Münchner Prinzregententheater ihr Debüt als Venus in Purcells King Arthur. Sie ist Preisträgerin internationaler Wettbewerbe und Mitglied in der Yehudi Menuhin Organisation «Live Music Now». Als Solistin trat sie u.a. in Bulgarien. Norwegen, Japan, Ungarn und Österreich auf. Seit 2005 ist sie Mitglied des Jungen Ensembles der Bayerischen Staatsoper. Partien hier: Blumenmädchen (Parsifal), Junges Mädchen (Medusa), Schleppträgerin (Elektra), Papagena (Die Zauberflöte), Taumännchen (Hänsel und Gretel), Sirena (Rinaldo), Adelige Waise (Der Rosenkavalier).
Barbara Strozzi
Festival frauenkomponiert 2018 – «Presso un ruscello algente» Kantate für Sopran und B.c.; Serenata «Hor che Apollo» für Sopran, 2 Violinen und B.c.
In ihren Werken erscheint Barbara Strozzi (1619–1664) als eine der grossen Komponistinnen ihrer Zeit, und sowohl ihre frühen Madrigale wie auch die späteren Kantaten sind von ausserordentlicher Expressivität und Schönheit. Sie lebte als Kurtisane in Venedig und war Mutter mehrerer Kinder von verschiedenen Männern.
Germaine Tailleferre
Festival frauenkomponiert 2018 – Jeu de plein air 1. La Tirelitentaine; 2. Cache-cache mitoula
Germaine Tailleferre (1892–1983) wurde in der Nähe von Paris als Germaine Taillefesse geboren und änderte ihren Namen als junge Frau aus Trotz gegen ihren Vater, der sich weigerte, ihre musikalische Ausbildung zu unterstützen. Ihren ersten Klavierunterricht erhielt sie von ihrer Mutter. Seit 1904 am Pariser Conservatoire, gewann sie mehrere Preise und war (als einzige Frau) Mitbegründerin und Mitglied der «Groupe des Six» (mit Georges Auric, Louis Durey, Arthur Honegger, Darius Milhaud und Francis Poulenc), die eine grosse Wirkung auf das französische Musikleben ausübte. Sie komponierte Opern, Konzerte, Klavier- und Kammermusik, daneben auch Musik für Film und Fernsehen.
Anna S. Þorvaldsdóttir
Festival frauenkomponiert 2021 – Heyr Þú Oss Himnum Á
Anna Thorvaldsdottir auch Anna S. Þorvaldsdóttir (*1977), ist eine isländische Komponistin. Sie begann früh Cello zu spielen und im Alter von 19 Jahren zu komponieren. Sie studierte Komposition an der Musikakademie in Reykjavík und an der University of California, San Diego, wo sie 2011 einen Doktortitel erwarb. Sie schrieb sowohl Werke für Sinfonie- und Kammerorchester als auch die Oper Ur_.
2011 erschien ihr Debütalbum Rhízôma mit dem Orchesterwerk Dreaming, für das sie mit dem Musikpreis des Nordischen Rates ausgezeichnet wurde. 2014 folgte das Album Aerial und 2015 In the Light of Air.
Helena Tulve – Festival frauenkomponiert 2018
Helena Tulve, geboren 1972 in Estland, studierte Komposition am Staatlichen Konservatorium in Tallinn und am Conservatoire de Paris. Sie schreibt eine fliessende, sich frei entwickelnde Musik, die aus einfachsten Impulsen entsteht und auf eine natürliche Weise experimentell klingt. Neben Komposition hat sie sich auch intensiv mit der Gregorianik und verschiedenen mündlich überlieferten Vokaltraditionen befasst.
Agnes Tyrrell (1846-1883)
Festival frauenkomponiert 2018 – Ouvertüre aus dem Oratorium «Die Könige in Israel» c-Moll (ca. 1880)
Agnes Tyrrell sollte als bedeutende europäische Komponistin betrachtet werden. Sie war Tochter des Englisch-Lehrers Henry Tyrrell, verbrachte aber ihr ganzes Leben in Brno (heute Tschechische Republik). Komposition studierte sie bei Otto Ritzler, und ist ist eine der wenigen Frauen, die vor 1900 eine Sinfonie schrieb – die Sinfonie in C-Dur. Ferner schrieb sie 39 Klavierwerke, 38 Lieder/Liederzyklen, 15 Chöre, ein Streichquartett, 2 Ouvertüren und eine Mazurka für Orchester, das Oratorium «Die Könige in Israel» und eine Oper «Bertran de Born». Nur ein paar ihrer Klavierwerke sind veröffentlicht, praktisch alle ihrer grösseren Werke warten noch auf ihre Uraufführung.
Die frauenkomponiert-Uraufführung 2018 von Tyrrells Ouvertüre aus dem Oratorium «Die Könige in Israel» anhand der von frauenkomponiert im Auftrag gegebenen Notenausgabe von Rico Zela und Jessica Horsley bildet einen Meilenstein in der Aufwertung und Anerkennung ihres Schaffens.
Ilse Weber
Festival frauenkomponiert 2021 – Wiegala (arr. C. Reinhard 2021)
Ilse Weber, geborene Herlinger (1903–1944), war jüdische Schriftstellerin und Komponistin.