Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03503.jsonl.gz/1411

Der Lotus Esprit war schon 20 Jahre alt, als er 1996 noch einen Achtzylinder eingebaut erhielt. Der Enthusiasmus der Kunden hielt sich in Grenzen.
- Gebaut von 1996 bis 2004
- Schneller als ein Porsche 911
- Heute mehr geschätzt als damals
Anfang der 70er Jahre träumte Colin Chapman vom grossen Geld. Gut, das tat er wohl Zeit seines Lebens, es sollte ihm und Lotus dies auch zum Verhängnis werden, aber das ist eine andere Geschichte. Aber Anfang der 70er Jahre sollte Lotus dorthin, wo Ferrari schon war: Chapman wollte auch mit Strassen-Fahrzeugen Geld verdienen. Nein, es soll hier nicht die ganze Entwicklungsgeschichte des Lotus Esprit erzählt werden, dafür braucht es ein Buch.
Also, ganz kurz; Chapman hatte einen Motor, als 907 bezeichnet, vier Zylinder, 2 Liter Hubraum, 150 PS. Den hatte er Jensen-Healey verschachert, bevor er fertig entwickelt war, was Jensen in den Ruin trieb – und Lotus die Möglichkeit gab, die schlimmsten Konstruktionsfehler auszumerzen. Eigentlich hätte von 907 auch ein 4-Liter-V8 entstehen sollen, doch es fehlten – wieder einmal – die Ressourcen. Das Getriebe kam von Citroën, die ultimative Keilform des neuen Lotus von Giorgetto Giugiaro – und bis alles einigermassen zusammenlief, dauerte es Jahre. 1976 kam der Lotus Esprit dann endlich auf den Markt. Und hatte kurz darauf einen Auftritt im James-Bond-Film «Der Spion, der mich liebte».
Schon 1978 kam die deutlich verbesserte 2. Serie auf die Strasse, ab 1980 gab es den Turbo, 210 PS. Mit der dritten Serie (ab 1981) war der Esprit dann endlich auf der Höhe, doch Chapman verzockte sich bei anderen Projekten (DeLorean) – und verstarb unerwartet am 16. Dezember 1982. 1986 übernahm General Motors das Zepter, der Esprit wurde weiter verbessert, als X180 wurde er über 300 PS stark und ernsthaft schnell.
Doch es ging noch mehr, dies in der ab 1993 gebauten Series 4. Es gab wieder ein Re-Styling, diesmal von Julian Thomson (der später bei Jaguar/Land Rover für das Design zuständig war). Unter der Haube blieb zu Beginn alles gleich wie im X180, endlich eine Servolenkung, ein paar PS mehr.
Doch das grosse Ding war ab 1996 wahrlich gross: im S4 kam endlich auch der V8. Diese neue Maschine basierte auf der bekannten 900er-Serie, verfügte über vier Ventile pro Zylinder, wurde von zwei Garrett-AiResearch-T25/60-Turboladern (ohne Ladeluftkühler) zusätzlich beatmet. Der Typ 918 kam auf 3,5 Liter Hubraum und 350 PS, was ihn im fantasievoll Esprit V8 getauften Modell über 280 km/h schnell machte und in 4,5 Sekunden auf 100 km/h brachte.
1999 kam dann auch noch der Lotus Esprit Sport 350, den man gut an seinem gewaltigen Heckspoiler erkannte; die AP-Rennbremsen sahen nur die Kenner. Wie viele Exemplare von dieser letzten Modell-Variante, die 2002 optisch noch einmal etwas aufgefrischt wurde, noch gebaut wurden, ist nicht ganz klar – man darf aber davon ausgehen, dass zwischen 1976 und Februar 2004 wohl 10’675 Lotus Esprit hergestellt wurden. Erst die so wunderbare Elise sollte den Esprit als erfolgreichsten Lotus aller Zeiten ablösen.
Und erst heute merkt man so langsam, welch ausgezeichnetes Fahrzeug der Esprit eigentlich war; die Preise ziehen heftig an. Und bewegen sich trotzdem noch auf einem vernünftigen Niveau, liegen tiefer als bei einem Porsche 911 mit zwei Zylindern weniger.
In der monatlich erscheinenden Klassik-Beilage der AUTOMOBIL REVUE finden Sie immer schöne Old- und Youngtimer. Abos gibt es: hier. Online entsteht ausserdem eine kleine Reihe mit begehrenswerten Youngtimern, schon erzählt haben wir die Geschichte des Citroën Xantia Activa, des Fiat Ritmo Abarth 130 TC, des Renault 25 V6 Turbo, des BMW M3 (E36), des Cadillac XLR und des BMW Z8.