Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03657.jsonl.gz/541

Das Schicksal der Flüsse Zentraleuropas ist eng verbunden mit jenem der Alpengletscher: Sie werden auch weit über den Alpenraum hinaus künftig immer weniger Wasser führen, da die Gletscher ständig schrumpfen. Das berichtet der Geowissenschaftler Matthias Huss von der Universität Freiburg in der Zeitschrift „Water Resources Research“. Folgen hat das für den Schiffsverkehr, die Trinkwasserversorgung sowie auch für Flusskraftwerke.
Huss untersuchte mit Feldmessungen und Computermodellen 50 Schweizer Gletscher und verglich die Daten mit Abflussmessungen von Rhein, Rhone, Donau und Po, den vier grössten Strömen Zentraleuropas. Jeder vierte Liter der Rohne, der bei Arles im Sommer ins Mittelmeer fliesst, ist Gletscherwasser, stellte sich heraus. Beim Po ist es jeder fünfte Liter, beim Rhein immerhin noch sieben und bei der Donau knapp drei Prozent der Abflussmenge, gemessen jeweils bei der holländischen bzw. rumänischen Mündung.
Brisant sind diese Daten, da die Gletscher zunehmend verschwinden. In 90 Jahren besitzen die Alpengletscher nur mehr zehn Prozent des heutigen Eisvolumens, so der heutige Stand der Forschung. Eine Entwicklung, die auch die Flüsse verändern wird. „Nennenswerte Beiträge zum Abfluss der Flüsse werden die Gletscher nur noch bis Mitte des Jahrhunderts liefern“, so Huss. Drastische Folgen sind vor allem bei Hitzewellen zu erwarten, zeigt der Rekordsommer 2003. Der Gletscherwasser-Anteil der Rhone kletterte damals kurzfristig auf 40 Prozent.
Was genau zur Gletscherschmelze führt, hat Huss schon im Vorjahr dargelegt. Natur und Mensch gehören dabei gleichermaßen zu den Verursachern: Der Mensch aufgrund seines Anteils an der Erderwärmung, die Natur aufgrund zyklisch wiederkehrenden Temperaturschwankungen, die etwa mit der Oberflächentemperatur des Atlantiks verbunden sind. Somit schrumpften die Gletscher in den 1910er- und 1970er-Jahren nur langsam, in den 1940er-Jahren wie auch heute jedoch besonders schnell.
Bild: Bernd Gehrmann (Wikimedia Commons)