Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03354.jsonl.gz/3051

Ein Teil-Naturraum der Oberrheinischen Tiefebene
Das Markgräfler Hügelland wie auch die Vorbergzone im Elsass gehören naturräumlich zur oberrheinischen Tiefebene. Auf den Seiten des Oberrheintals erfolgt der Übergang in die Mittelgebirge Schwarzwald und Vogesen durch Hügelländer. Diese wurden während der Rheingrabensenkung nicht so tief eingesenkt. Dadurch zerbrachen sie in einzelne Bruchschollen. Zahlreiche Bruchlinien mit einem Nordwest-Südost- oder Südwest-Nordost-Verlauf durchziehen den Raum. Auf deutscher Seite ist dies das Markgräfler Hügelland und auf französischer Seite die Vorbergzone.
Das Markgräfler Hügelland geht im Norden bis etwa Staufen im Breisgau und wird durch die Freiburger Bucht begrenzt. Im Osten wird es durch die tektonische Bruchlinie der Schwarzwaldrandverwerfung Kandern–Badenweiler klar abgegrenzt. Diese Verwerfung bildet die Hauptbruchlinie des Rheingrabens und geht im Süden in die Rheintalflexur
über.
Im Westen und Süden wird die Begrenzung durch den tektonisch bedingten Abfall zur Niederterrasse
des Rheintales gebildet. Das ist dort, wo die Hangflächen der Hügel mit der Grenze der Schotterablagerungen aus der letzten Eiszeit (Niederterrasse) zusammenstossen. Der Tüllinger Hügel ist der südlichste Ausläufer des Hügellandes.
Die Oberfläche des Hügellands ist durch starke eiszeitliche Lössanwehungen abgerundet und ausgeglichen worden.
Das Gebiet zwischen Isteiner Klotz und Rheinebene im Westen und dem vorderen Kandertal im Osten ist der südlichste Teil des Markgräfler Hügellandes und wird auch als Lörracher Hügelland bezeichnet. Mit seiner weiträumigen Landschaft, seinen tiefgründigen Löss- und Lösslehm-Böden und seinem milden Klima zählt es zu den fruchtbarsten Landwirtschaftsgebieten der Region Basel. Diese naturräumlichen Grundlagen schaffen beste Voraussetzungen für den Weinbau. Der Begriff "Badische Weinstrasse" zeigt die wichtige Stellung des Weinbaus.
Landschaft im Sog der Stadt Basel
Das ursprüngliche, traditionelle Siedlungsgefüge bestand bis etwa zum Zweiten Weltkrieg und setzte sich aus Dörfern und einigen Weilern zusammen. Die Region war früher wichtig für die Versorgung der Stadt Basel mit Getreide und Wein. Im 20. Jh. wurde das südliche Hügelland durch die Wirtschafts- und Siedlungsdynamik der Stadt Basel stark tangiert.
Im 19. Jh. wurde die verbesserte Dreifelderwirtschaft mit dem zusätzlichen Anbau von Hackfrüchten eingeführt. Bis 1970 bestimmten die mit gleicher Frucht angebauten Zelgen weithin das Flurbild des Markgräfler Hügellandes. Noch im Jahr 1948 zählte man zwischen Schliengen und Haltingen 18 Gemeinden mit gebundenem Anbau (Flurzwang). Nach 1970 waren es noch 14 Gemeinden. Erst in der Folge der Flurbereinigungen ist der Flurzwang mit den drei Zelgen endgültig verschwunden.
Isteiner Klotz
Der Isteiner Klotz ist die auffälligste Erhebung am Rand des südlichen Oberrheintals. Er besteht hauptsächlich aus einer ungefähr 40 Meter mächtigen Korallenkalkschicht. Der Klotz wurde vor allem durch die Rheinkorrektion, den Bau der Bahnlinie, den Festungsbau im Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie etliche kriegsbedingte Sprengungen stark verändert. Er ist dadurch auf etwa einen Zehntel seiner ursprünglichen Grösse geschrumpft. Die Eisenbahnlinie wurde 1848–55 gebaut. Damals war der Rhein an dieser Stelle noch nicht korrigiert. Um Überschwemmungen der Geleise zu vermeiden, wurde die Eisenbahntrasse oberhalb der Hochwasserlinie gebaut.
Tüllinger Hügel – Schlipf
Der Südost-Hang des Tüllinger Berges auf Riehener Boden wird Schlipf genannt. Er besteht aus Mergel, der viel Lehm und Gips enthält. Diese saugen sich bei Regen voll und neigen dann zum Rutschen – daher der Name Schlipf. Grössere Erdrutsche nach langen Regenzeiten sind in den Jahren 1450, 1697, 1712, 1758 und 1881 nachgewiesen. Kleine «Schlipfe» kommen alle paar Jahre vor, so letztmals im Jahr 2007.
Zu Diskussionen Anlass gab der Bau der Zollfreistrasse zwischen Weil und Lörrach. Diese verläuft über Schweizer Hoheitsgebiet am Fusse des Schlipf teilweise in einem Tunnel.
Thermalquellen und Bäder
Im Jahr 1955 wurden in Bad Bellingen Erdölprobebohrungen durchgeführt. Anstelle von Erdöl wurde warmes Wasser mit einer Temperatur von 38,4 °C in einer Tiefe von etwa 600 m gefunden. Diese Thermalquelle steht im engen Zusammenhang mit der Entstehung des Rheingrabens und der zugehörigen Bruchtektonik. Regenwasser versickert in den Bruchsystemen, wird aufgeheizt und steigt unter Druck wieder an die Oberfläche zurück.
Durch die Nutzung der Thermalquelle entwickelte sich Bellingen von der bäuerlichen Agrargemeinde zum Badekurort Bad Bellingen (Namensänderung 1970). Eine ganze Reihe weiterer Bäder wie Bad Krotzingen, Badenweiler, Steinenstadt zeigen die weite Verbreitung der Thermalquellen. Ganz in diesem Zusammenhang steht auch die heutige Diskussion über die Nutzung der Geothermie zur Wärmegewinnung.
HPM