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Das Geruchs- oder vielmehr das Stinkkino hat schon etliche kurzlebige Metamorphosen hinter sich. Es gab Methoden mit Parfumsprays und Ventilatoren, auch für Werbefilme, und die alle hatten das Problem, dass ein Geruch nicht so schnell verschwindet wie ein Bild, das auf der Leinwand vom nächsten abgelöst wird. Das berüchtigtste Beispiel für Stinkkino lieferte Baltimores John Waters 1981 mit Polyester. Der ohnehin als Bürgerschreck aufgezogene Film mit Divine wurde in Odorama gezeigt, dem bisher einzigen mehr oder weniger brauchbaren Verfahren für Geruchskino: In einzelnen Szenen blinkte auf der Leinwand eine Nummer auf, die mit einem Kratzfeld auf einer vorher ans Publikum verteilten Karte korrespondierte. Leichtes Kratzen am entsprechenden Feld liess der Karte den passenden Geruch entströmen. Natürlich wäre das kein John-Waters-Film gewesen, wenn der Meister seine Fans nicht vor allem mit dem Geruch von alten Socken oder Erbrochenem ergötzt hätte. Jetzt führt der Einbruch im Geschäft mit Print-Anzeigen in den USA zu einer indirekten Renaissance der Technik. Publikationen wir (R.I.P.) und Life-Style Magazine brachten in den letzten Jahren immer wieder Parfum-Werbung, die man mit leichtem Kratzen am Papier zum Duften bringen konnte (abstellen konnte man das in der Regel allerdings nicht mehr). Jetzt vermeldet die Business Sektion der New York Times, dass die Los Angeles Times demnächst ein Film-Inserat für einen neuen Familienfilm mit dem Titel Mr. Magorium's Wonder Emporium bringen werde, das nach leichtem Ankratzen den Duft von Kuchen verströmen soll. Dass ein solches Gimmick kurzfristig die Aufmerksamkeit zu erhöhen vermag, beweist neben dem NYT-Artikel auch dieser Blogeintrag. Mehr als ein Geruchsinserat pro Print-Publikation dürfte allerdings nicht drin liegen, und früher oder später werden sich die Kunden von riechenden Magazinen wohl mit Grausen abwenden.