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Wir erinnern uns: Mit Einsetzen der Finanzkrise nach 2007 wertete sich der Schweizer Franken vor allem gegenüber dem Euro deutlich auf - ein Trend, der sich mit der Staatsschuldenkrise 2011 in Europa noch verstärkte. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) kaufte deswegen ab 2008 für hunderte Milliarden Franken Euro und in geringerem Mass auch Dollar, um die Schweizer Währung vor einer weiteren Aufwertung zu bewahren.
Die SNB-Ökonomen Tobias Cwik und Christoph Winter beurteilen diese Interventionen nun als “effektiv und langlebig”, wie sie in einer 67-seitigen Studie festhalten, die am 28. März auf der Website der SNB ausgeschaltet wurde. Die "unkonventionellen geldpolitischen Instrumente", wie die Autoren die Marktinterventionen nennen, seien von fortgeschrittenen, kleinen und offenen Volkswirtschaften nach der grossen Finanzkrise eingesetzt worden, "um die Inflation anzukurbeln, da die Leitzinsen sehr niedrig waren", schreiben die Autoren weiter.
Sie kommen in ihren Berechnungen zum Schluss, dass Marktinterventionen in Höhe von etwa 27 Milliarden Franken nötig seien, um eine Aufwertung des Schweizer Frankens um 1,1 Prozent zu verhindern. Dieser Franken-Betrag entspricht laut SNB-Angaben rund 5 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsprodukts der Schweiz.
Der Effekt der Interventionen sei umso stärker, je länger sich die Zentralbank dazu verpflichten könne, ihren Leitzins als Reaktion auf die inflationäre Wirkung der Interventionen konstant zu halten, schreiben die SNB-Ökonomen in der Studie. "Wir stellen ausserdem fest, dass Deviseninterventionen in kleinen, offenen Volkswirtschaften erheblichen zusätzlichen Spielraum für die Geldpolitik schaffen".
Mit Deviseninterventionen kann die SNB den Frankenkurs in der Regel am direktesten beeinflussen. Ein wesentlicher Faktor dabei ist, dass die SNB mit ihrer Strategie unberechenbar bleibt. Ein anderes Mittel zur Frankenabschwächung, nämlich Zinssenkungen, hatte die SNB während der Zeit der Negativzinsen lange Zeit nur noch eingeschränkt. Marktbeobachter stuften die Deviseninterventionen der SNB denn auch als "kleineres Übel" ein als weitere Zinssenkungen oder ein "Laissez-Faire" bei der Frankenentwicklung.
Dass die SNB ihre Politik der Devisenmarktinterventionen mit einer internen Studie nun quasi rechtfertigt, hat durchaus Gründe. Denn schon lange bestehen Zweifel an der Wirksamkeit dieser geldpolitischen Massnahme. Die umfangreichen Devisenkäufe konnten zum Beispiel die Frankenaufwertung zum Euro während der Staatsschuldenkrise nicht verhindern, so dass die SNB im September 2011 zur Notmassnahme der Kursuntergrenze zum Euro greifen musste.
Zudem blähten die massiven Devisenkäufe die Bilanz der SNB dermassen auf, dass die Notenbank von der Politik, vor allem von rechtsbürgerlicher Seite, wegen der gestiegenen Risiken für die SNB zunehmend mit Kritik eingedeckt wurde. Wegen der hohen Bilanzsumme, die Ende 2023 noch rund 800 Milliarden Franken betrug, betitelten einige Spötter die SNB auch als “weltgrössten Hedgefonds”.
Nicht vergsssen darf man auch, dass die SNB wegen der Marktinterventionen von den USA für Jahre auf einer Liste von “Währungsmanipulatoren” gebrandmarkt wurden - auf einer mit einer Stufe mit Ländern wie Vietnam. SNB-Präsident Thoms Jordan hatte die Vorwürfe, welche die USA erst Ende 2023 fallen liessen, wiederholt zurückgewiesen.