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<h2>SubmittedText<h2><p>Seit 2006 ist in der Bundesverfassung die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung verankert. Die Verfassung verpflichtet Bund und Kantone dazu, sich dafür einzusetzen, dass allgemeinbildende und berufsbezogene Bildungswege eine gleichwertige gesellschaftliche Anerkennung finden.</p><p>Dieses Ziel ist bei Weitem noch nicht erreicht. Aus Sicht der Wirtschaft gehen der Berufsbildung zusehends die guten Schülerinnen und Schüler verloren. Grund ist auch die fehlende gesellschaftliche Anerkennung. Die Berufsbildung stellt in der öffentlichen Wahrnehmung oftmals nur eine Option für schulisch schwache Schülerinnen und Schüler dar. Auch an den Schulen wird eine Berufslehre nicht selten nur als "second best" vermittelt, während der Goldstandard ein Studium auf der Tertiärstufe darstellt. Vor diesem Hintergrund ist auch die gut gemeinte Kampagne lerne/werde von BerufsbildungPlus heikel, da sie unterschwellig vermittelt, dass jeder Bildungsweg letztendlich auf der Tertiärstufe enden muss, um als erfolgreich zu gelten.</p><p>Die Ursachen dieser scheinbar unaufhaltsamen Entwicklung sind vielschichtig. Ein Grund ist auch eine unausgewogene Bildungsstatistik, die Berufslehren im Vergleich zum Hochschulstudium als statistisch problematisch darstellt. </p><p>Während die Lehrabbruchsquote, die aktuell bei 20 Prozent liegt, jedes Jahr medienwirksam publiziert wird und jeden denkbaren Parameter des Lehrabbruchs beschreibt, sieht die statistische Datenlage zu den Abbrüchen und Durchfallquoten auf Hochschulebene dünn aus. Aus Sicht der Wirtschaft wird eine ausgeglichene Bildungsstatistik benötigt.</p><p>Jugendliche dürfen nicht in einen akademischen Bildungsweg gelockt werden, ohne sie über die Gefahren und Risiken dieses Weges ehrlich zu informieren. Sie müssen wissen, dass in vielen Fällen nach dem Weg an die Hochschulen, der Studienfachwechsel, der Unterbruch, das Prüfungsversagen und schliesslich der Abbruch stehen können. Und sie müssen wissen, welche psychischen Folgen es haben kann, wenn ein junger Mensch Ende 20 nach einem gescheiterten Studium ohne Abschluss dasteht.</p><p>Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung der folgenden Fragen:</p><p>1. Teilt der Bundesrat die Auffassung, dass die gleichwertige gesellschaftliche Anerkennung von allgemeinbildenden und berufsbezogenen Bildungswegen noch lange nicht erreicht ist? Und wenn ja, welche Massnahmen und Aktivitäten veranlasst er und wie viel Mittel stellt er zur Erreichung der Gleichwertigkeit zur Verfügung?</p><p>2. Warum veröffentlicht das Bundesamt für Statistik eine "Lehrabbruchsquote" und nicht - analog zu den Hochschulen - eine "Lehrerfolgsquote", die bei 80 Prozent liegt?</p><p>3. Warum gibt es keine regelmässige Analyse der Studienabbrüche an schweizerischen Hochschulen? Die letzten systematischen Analysen hierzu stammen aus den Jahren 1996 bzw. 2005? </p><p>4. Warum muss bei den Analysen des Bildungsberichts zu den Studienabbrüchen auf Kohortenstudien zurückgegriffen werden, anstatt die Daten der Immatrikulations- und Prüfungsämter der Hochschulen zu verwenden?</p><p>5. Teilt der Bundesrat die Auffassung, dass eine ausgewogene Bildungsstatistik, die transparent über Bildungserfolge und Misserfolge auf allgemeinbildenden und berufsbezogenen Bildungswegen aufklärt dazu beitragen könnte, die Attraktivität der Berufslehre zu steigern?</p><p>6. Teilt der Bundesrat die Auffassung, dass regelmässige Langzeitstudien über Bildungsverläufe, Bildungserfolge und Bildungsrenditen nötig sind?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1) Die gleichwertige gesellschaftliche Anerkennung von allgemeinbildenden und berufsbezogenen Bildungswegen ist einer der strategischen Leitsätze der gemeinsamen bildungspolitischen Ziele von Bund und Kantonen für den Bildungsraum Schweiz, die 2011 erstmals verabschiedet und seither periodisch erneuert wurden - letztmals 2019. Es ist wichtig, dass die Gleichwertigkeit der Bildungswege in der breiten Öffentlichkeit und insbesondere bei Jugendlichen und Eltern wahrgenommen und verstanden wird. Grundlage dazu ist ein funktionierendes Berufsbildungssystem mit attraktiven Bildungsangeboten, vielfältigen Karrieremöglichkeiten und einer grossen Durchlässigkeit. Die Tertiärstufe des Bildungssystems umfasst dabei nicht nur die Hochschulen, sondern auch die höhere Berufsbildung; die Berufsbildung bietet also ihrerseits vielfältige Höherqualifikationsmöglichkeiten auf Tertiärstufe. Vor diesem Hintergrund beteiligt sich der Bund mit einem Richtwert von 25 Prozent an den Kosten der öffentlichen Hand für die Berufsbildung. Über diese Grundfinanzierung hinaus unterstützt der Bund verschiedene Massnahmen zur Steigerung der Attraktivität der Berufsbildung. Dazu zählen beispielsweise Berufsmeisterschaften oder die Förderung regionaler Berufsmessen, die bei den Jugendlichen und ihren Eltern das Interesse für die Berufsbildung wecken sollen. Die vom Bund finanzierte Kampagne Berufsbildungplus.ch richtet sich 2022-2024 spezifisch an Eltern und informiert diese über die Möglichkeiten der Berufsbildung.</p><p>2) Das Bundesamt für Statistik (BFS) veröffentlicht keine "Lehrabbruchquote", sondern Daten zu Lehrvertragsauflösungen, zum Wiedereinstieg in eine berufliche Grundbildung sowie zum Zertifikationsstatus. Der Zertifikationsstatus zeigt, dass im Jahr 2020 beispielsweise von den Lernenden der Eintrittskohorte 2015 insgesamt rund 90 Prozent das Qualifikationsverfahren erfolgreich bestanden haben. Mit der Publikation der Abschlussquote in der beruflichen Grundbildung weist das BFS zudem auf den Erfolg der Lehrabsolventinnen und -absolventen hin.</p><p>3) Studienabbrüche an Hochschulen, deren Entwicklungen und Gründe werden laufend beobachtet. Die Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung hat 2013 in der Studie "Studienabbrüche an Schweizer Universitäten" (www.skbf-csre.ch &gt; Bildungsforschung &gt; Publikationen) für die Studierendenkohorte zwischen 1975 und 2008 eine vertiefte Analyse bezüglich der Studienabbrüche an Schweizer Universitäten präsentiert. Das BFS veröffentlicht Längsschnittanalysen im Bildungsbereich, in denen die Übergänge und Verläufe auf der Tertiärstufe beobachtet werden. Der Bildungsbericht, der alle vier Jahre erscheint, enthält ebenfalls eine Analyse der Studienabbrüche an schweizerischen Hochschulen. Zudem wird die Situation vom Hochschulrat beobachtet, dem höchsten hochschulpolitischen Organ der Schweiz.</p><p>4) Die Betrachtung einer Kohorte (gleicher Zeitpunkt des Studienbeginns) zeigt auf, ob nach x Jahren ein Erfolg oder Misserfolg vorliegt. Es besteht kein Widerspruch zwischen den Daten des BFS und des Bildungsberichtes einerseits und den Immatrikulationsdaten der Hochschulen anderseits, da erstere immer auf letzteren basieren. So basieren beispielsweise auch die Studien im Bildungsbericht auf den Immatrikulationsdaten der Hochschulen. Jedoch ermöglicht erst der Zusammenzug der Daten der einzelnen Hochschulen durch das BFS die Erkenntnis, ob eine Studentin oder ein Student eine Hochschule definitiv verlassen (Dropout) oder nur die Hochschule gewechselt hat. Diese Information liegt der Hochschule nicht vor, bei der die Studentin oder der Student sich exmatrikuliert hat.</p><p>5/6) Die Berufsbildungsforschung, die statistischen Erhebungen und die Längsschnittanalysen sind allesamt Instrumente, mit denen Kenntnisse im Hinblick auf die Steuerung gesammelt und Punkte mit Verbesserungspotenzial für das System ermittelt werden können. Die mit diesen Instrumenten erhobenen Daten werden systematisch ausgewertet, damit allenfalls Massnahmen getroffen und von den zuständigen Partnern umgesetzt werden können. So stellt der in der Regel alle vier Jahre erscheinende Bildungsbericht Schweiz auch eine wesentliche Grundlage für die BFI-Botschaften dar, die der Bundesrat jeweils im Vierjahresrhythmus ans Parlament verabschiedet.</p>  Antwort des Bundesrates.