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Eine Klientin war todunglücklich. Ihr Sohn war wegen eines schweren Wirtschaftsdelikts zu einer Haftstrafe verurteilt worden.
Sie war davon überzeugt, als Mutter versagt zu haben. Seit sie sich erinnern konnte, hatte ihr Sohn besonders viel Aufmerksamkeit gebraucht. Richtig bedürftig wurde er, als sie sich von seinem Vater trennte. Sie hatte versucht, ihm alles zu geben, was er brauchte. Leider wurde es jedoch nie besser.
Als er in der Schule verhaltensauffällig war, wurde ihr Sohn durch den schulpsychologischen Dienst umfassend abgeklärt. Dabei wurde eine mögliche narzisstische Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. Danach bemühte sich die Mutter noch mehr. Sie glaubte, wenn sie ihm grenzenlose Liebe schenken würde, könnte diese Krankheit geheilt werden.
Ich erklärte ihr:
Eine narzisstische Persönlichkeitsstörung is nicht heilbar. Diese Störung entsteht aus einer Kombination von Genetik und Prägung.
Das Verhalten der Eltern haben keinen Einfluss darauf.
Nicht alle Narzissten haben narzisstische Eltern. Nicht alle narzisstischen Eltern haben narzisstische Kinder.
Wir arbeiteten an ihrer Erschöpfung, an ihrem Selbstwertgefühl und an anderen Themen, die sie über die Jahrzehnte geschwächt hatten. Mit kleinen Schritten erreichte sie ein gesundes Selbstbild und konnte die Schuldgefühle allmählich loslassen.
Was ist Narzissmus?
Ein Narzisst ist jemand, der ein übermäßiges Maß an Selbstliebe und Selbstbewunderung zeigt und oft das Bedürfnis hat, bewundert oder bewertet zu werden. Narzisstische Personen haben oft ein übertriebenes Gefühl von Wichtigkeit und eine übertriebene Vorstellung von ihren eigenen Fähigkeiten und Errungenschaften. Sie haben auch oft Schwierigkeiten, Empathie für andere zu zeigen und können arrogant und manipulativ sein. Eine narzisstische Persönlichkeitsstörung ist unheilbar.
Der Unterschied zwischen Narzissmus und einer narzisstischer Persönlichkeitsstörung
Narzissmus ist der umgangssprachliche Begriff für “Mensch mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung”. Es handelt sich also um dasselbe Phänomen.
Einzig: Narzisstische Züge sind normal. Jeder Mensch hat diese mehr oder weniger ausgeprägt.
Vier Merkmale, du einen Narzissten erkennst
Selbstbezogenheit: Narzissten sind selbstbezogen und neigen dazu, die Welt um sich herum durch ihre eigene Perspektive zu betrachten. Sie können Schwierigkeiten haben, Empathie für andere zu zeigen und neigen dazu, sich selbst als das Zentrum der Aufmerksamkeit zu sehen.
Grandiosität: Narzissten haben ein übertriebenes Gefühl von Selbstwert und glauben, dass sie besonders sind und einzigartige Fähigkeiten oder Eigenschaften besitzen. Sie können sehr darauf bedacht sein, bewundert und anerkannt zu werden, und können sich selbst als überlegen gegenüber anderen betrachten.
Mangel an Empathie: Narzissten haben Schwierigkeiten, sich in andere hineinzuversetzen oder deren Gefühle zu verstehen. Sie neigen dazu, andere als Werkzeuge oder Ressourcen zu betrachten, um ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.
Manipulatives Verhalten: Narzissten sind manipulativ. Dadurch befriedigen sie ihre eigenen Bedürfnisse oder erreichen ihre Ziele. Sie lügen, um ihre Position zu stärken, nutzen andere aus oder betrügen, um zu bekommen, was sie wollen.
Wer ist am häufigsten von Narzissmus betroffen?
Nicht nur Männer, sondern auch Frauen können Narzissten sein. Da Frauen jedoch eher verdeckte Narzissten sind, werden sie weniger durchschaut.
Wird man als Narzisst geboren?
Es wird angenommen, dass sowohl genetische als auch Umweltfaktoren eine Rolle bei der Entstehung von Narzissmus spielen. Es gibt Hinweise darauf, dass bestimmte Persönlichkeitsmerkmale wie Empathiemangel und eine hohe Selbstwertschätzung teilweise genetisch bedingt sein können. Studien haben gezeigt, dass eine genetische Veranlagung für eine hohe emotionale Stabilität und Extraversion auch mit höheren Narzissmuswerten einhergeht.
Allerdings ist es wichtig zu betonen, dass nicht jeder Mensch mit einer genetischen Veranlagung für bestimmte Persönlichkeitsmerkmale automatisch narzisstisch wird.
Die Umweltfaktoren, wie zum Beispiel Erziehung, soziales Umfeld und Lebenserfahrungen, spielen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Persönlichkeit und können die Ausprägung von Narzissmus beeinflussen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es keine klare Antwort darauf gibt, ob Narzissmus angeboren ist oder nicht. Die Entstehung von Narzissmus ist ein komplexer Prozess, der von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst wird, und es wird angenommen, dass sowohl genetische als auch Umweltfaktoren eine Rolle spielen.
Kann Narzissmus auch erworben werden?
Narzisstische Züge können jederzeit erworben werden. Insbesondere nach einschneidenden Schicksalsschlägen wie Todesfall, Trennung oder finanzieller Ruin kann sich die Persönlichkeit drastisch ändern.
Dies kann eine gesunde Reaktion auf ein traumatisches Ereignis sein. Negative Auswirkungen auf die Lebensqualität und Gesundheit durch den Vorfall können mit Hilfe von Trauma- und anderen Therapien behandelt werden.
Eine narzisstische Persönlichkeitsstörung ist jedoch angeboren und kann nicht nachträglich erworben werden.
Wie Narzissmus bei Kindern entsteht
Sigmund Freud hat nicht direkt über eine narzisstische Störung bei Kleinkindern gesprochen, da der Begriff "narzisstische Persönlichkeitsstörung" erst später von anderen Psychologen geprägt wurde.
Allerdings hat Freud darüber geschrieben, wie eine gestörte Entwicklung in der Kindheit zu einer übermäßigen Selbstzentriertheit und einem überhöhten Selbstwertgefühl führen kann, was sich später im Leben als narzisstischen Persönlichkeitsstörung zeigt.
Freud stellte fest, dass in der frühen Kindheit eine enge Bindung zwischen dem Kind und seiner Mutter oder Hauptbezugsperson besteht, die er als "primäre Objektwahl" bezeichnete.
In dieser Phase sieht das Kind die Mutter als Erweiterung seiner selbst und betrachtet die Welt durch die Perspektive der Mutter.
Wenn das Kind jedoch aufgrund von traumatischen Erfahrungen oder mangelnder emotionaler Unterstützung in der Kindheit nicht in der Lage ist, eine gesunde Identität zu entwickeln, kann dies zu einer gestörten Entwicklung der Persönlichkeit führen.
Es ist wichtig zu betonen, dass nicht jedes selbstbewusste Kind oder jedes Kind mit einem überhöhten Selbstwertgefühl eine narzisstische Persönlichkeitsstörung entwickelt.
Woran erkennt man ein narzisstisches Kind?
Hier sind fünf Merkmale, die bei Kindern mit narzisstischen Tendenzen beobachtet werden können:
Überhöhtes Selbstwertgefühl: Kinder mit narzisstischen Tendenzen haben oft ein überhöhtes Selbstwertgefühl und glauben, dass sie besser oder wichtiger sind als andere Kinder.
Egozentrisches Verhalten: Sie neigen dazu, egozentrisch zu sein und ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche über die Bedürfnisse und Wünsche anderer zu stellen.
Mangel an Empathie: Kinder mit narzisstischen Tendenzen haben Schwierigkeiten haben, Empathie und Mitgefühl für andere zu zeigen und sich stattdessen auf ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse konzentrieren.
Anspruchshaltung: Sie können eine übertriebene Erwartungshaltung haben, was ihre Bedürfnisse und Wünsche betrifft, und erwarten, dass andere ihnen diese Bedürfnisse erfüllen.
Konflikte mit Gleichaltrigen: Aufgrund ihres überhöhten Selbstwertgefühls und ihrer egozentrischen Tendenzen können Kinder mit narzisstischen Tendenzen auch Schwierigkeiten haben, mit Gleichaltrigen auszukommen, was zu Konflikten und Problemen in der Schule oder im sozialen Umfeld führen kann.
Nicht jedes selbstbewusste Kind oder jedes Kind mit einem erhöhten Selbstwertgefühl hat eine narzisstische Persönlichkeitsstörung.
Es ist normal, dass Kinder in gewissem Maße auf sich selbst bezogen sind, während sie ihre Identität entwickeln.
Eine narzisstische Persönlichkeitsstörung tritt nur auf, wenn die Störung schwerwiegend genug ist, um die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes zu beeinträchtigen.
Narzissmus bei Kindern behandeln
Es gibt keine einfache Lösung, um das Verhalten von Kindern mit narzisstischen Tendenzen zu heilen.
Es erfordert oft eine umfassende Behandlung und Betreuung durch erfahrene Therapeuten und Eltern oder Erziehungsberechtigte. Hier sind einige Schritte, die dabei helfen können:
Frühzeitige Intervention: Je früher das Kind Hilfe bekommt, desto besser sind die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung.
Therapeutische Intervention: Kinder mit narzisstischen Tendenzen können von einer Therapie profitieren, die darauf abzielt, die zugrunde liegenden Ursachen ihres Verhaltens zu behandeln und ihnen alternative Wege zu vermitteln, um ihre Bedürfnisse auszudrücken.
Aufbau von Selbstwertgefühl und Empathie: Therapeuten können mit dem Kind daran arbeiten, das Selbstwertgefühl auf gesunde Weise zu stärken und die Entwicklung von Empathie und Mitgefühl zu fördern.
Elternschaft und Familientherapie: Eltern und Erziehungsberechtigte können ebenfalls an einer Therapie teilnehmen, um zu lernen, wie sie das Verhalten ihres Kindes besser verstehen und darauf reagieren können. Sie können auch Strategien erlernen, um das Selbstwertgefühl und das Empathie-Empfinden ihres Kindes zu stärken.
Grenzen setzen: Es ist wichtig, klare Grenzen und Erwartungen für das Verhalten des Kindes zu setzen und sie konsequent durchzusetzen, um ihnen zu helfen, ihre egozentrischen Tendenzen zu überwinden.
Wie ändert sich ein Narzisst im Alter?
Ältere Narzissten werden aufgrund von Verlusten oder Veränderungen im Leben depressiver oder unsicherer. Ein Leben als Narzisst ist ein ewiger Kampf, der Spuren hinterlässt. Ältere Narzissten werden oft bösartig und toxischer als zuvor.
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