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«I was born in the West End / in the Summer of 48 / above a small café / some people liked to come there and call it night / but for me it was all day»
Dies sind die ersten Zeilen des Stücks «Editing Floor Blues» des neuen Albums von Yusuf. Yusuf? War das nicht ...? Doch. Geboren als Steven Demetre Georgiou oberhalb jenes Cafés in London, eroberte Yusuf unter dem Pseudonym Cat Stevens bereits im Alter von 18 Jahren die britischen Charts. Danach zog er sich ein erstes Mal zurück – nur um zu Beginn der 1970er-Jahre umso grösser und bekannter zu werden.
Seine Lieder sang man im Schweizer Musikunterricht
Die meisten seiner bekanntesten Songs stammen aus jener Zeit seines ersten Comebacks: «Peace Train», Link öffnet in einem neuen Fenster, «Moon Shadow», Link öffnet in einem neuen Fenster, «The First Cut Is The Deepest», Link öffnet in einem neuen Fenster und natürlich «Morning Has Broken», Link öffnet in einem neuen Fenster, ein von Stevens bearbeitetes gälisches Volkslied, das in den 1980er-Jahren sogar ins Schweizer Unterrichtsmedium «Musik auf der Oberstufe» aufgenommen wurde.
1977 verabschiedete sich Cat Stevens mit seinem elften Studioalbum von seinen Fans – und konvertierte zum Islam. Stevens nannte sich fortan Yusuf (arabisch für Joseph) Islam, ging eine arrangierte Ehe ein, der fünf Kinder entsprangen. Er gründete mehrere Schulen im Norden Londons sowie eine karitative Organisation, die Projekte im Balkan und in Afrika unterstützt.
Das Comeback nach Jahren der Stille
Mit der Musik, wie sie im Westen gespielt und geschätzt wird, schien Yusuf abgeschlossen zu haben. Doch dies änderte sich: 1997 trat er an einer Benefizveranstaltung in Sarajevo auf, weitere Auftritte, unter anderem in New York, folgten. Laut eigener Aussage brachte ihn schliesslich sein Sohn dazu, wieder zur Gitarre zu greifen, obwohl Yusuf das Instrument als unislamisch betrachtete.
«Tell ’Em I’m Gone» ist nun bereits das dritte Album, das der Musiker unter dem Namen Yusuf veröffentlicht. Es klingt, als ob er nach dem Verrichten seines körperlich anstrengenden Tagwerks mit hochgekrempelten Ärmeln durch Baumwollfelder nach Hause streift. In der linken Hand die Gitarre und in der rechten – nein, keine Motorsäge – sondern eher eine Sense. Denn «Tell ’Em I’m Gone» klingt handgemacht, zeitlos und reduziert.
Von Babylon zurück nach London
Das dürfte Rick Rubins Handschrift geschuldet sein, der einige Songs produzierte, darunter Coverversionen von Klassikern wie «Big Boss Man» und «The Devil Came From Kansas». Fazit: Ein Lied ist misslungen, eines überflüssig, eines klingt wie der frühe Cat Stevens, und zwei sind grossartig, darunter das mit den Musikern von Tinariwen und dem Gitarristen Richard Thompson eingespielte «I Was Raised In Babylon».
Wollten wir Yusuf unterstellen, dass das Lied «I Was Raised In Babylon» autobiografisch ist, könnte es auch «A British Life» heissen. Ein in London geborener Sohn einer Schwedin und eines Griechen hat früh Erfolg, gibt die Musik auf, konvertiert zum Islam, findet zurück zur Musik, wechselt insgesamt drei Mal die Identität und bleibt trotzdem, was er schon immer war: ein beneidenswert guter Singer-Songwriter aus London.
«I was raised in Babylon / our priests told us how to worship the sun / but where did we go wrong / they used to call us civilised / but those days are gone»
Sendung: Kulturnachrichten, 16.09.2014, 6.06 Uhr, SRF 2 Kultur.
CD-Hinweis
Yusuf: «Tell ’Em I’m Gone». Sony, 2014.