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Nach anfänglichem Chaos und Beschwichtigungen, die Empörung im Volk ausgelöst hatten, präsentierte die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua erste Ergebnisse der Ermittlungen. Sie beschrieb eine Vetternwirtschaft zwischen gut vernetzten Vertretern des “dubiosen Unternehmens” Ruihai Logistik und Aufsichtsorganen. Zudem geht es um fragwürdige Genehmigungen und Verstösse gegen Sicherheitsregeln.
Bei dem Betreiber des Lagers seien “falsche Eigentumsverhältnisse” festgestellt worden. Hinter Ruihai Logistik stünden der Sohn eines früheren Polizeichefs des Hafens, Dong Shexuan, sowie der Ex-Manager des staatlichen Chemiekonzerns Sinochem, Yu Xuewei. Über Strohmänner hätten sie Anteile am Gefahrgutlager gehalten, Dong 45 und Yu 55 Prozent.
Um die in China “Guanxi” genannten “guten Beziehungen” des Sprösslings des 2014 gestorbenen Polizeichefs auszunutzen, hätten sie 2012 die Firma gegründet. Diese Kontakte hätten ihnen geholfen, die nötigen Zertifikate von Feuerwehr und Behörden zu bekommen.
Durch seine Beziehungen zu Polizei und Feuerwehr habe das Lager auch in kritischen Fällen Genehmigungen erhalten. “Wenn eine Brandschutzinspektion anstand, traf ich mich mit Behördenvertretern bei der Hafenfeuerwehr. Ich gab ihnen Dokumente und kurz darauf erhielten wir ein positives Gutachten”, wurde Dong zitiert.
Bis zum Juni habe die Firma neun Monate ohne Lizenz operiert und Chemikalien transportiert, schrieb Xinhua weiter. “Wir haben weitergemacht, weil wir dachten, das sei kein Problem”, zitierte die Agentur Yu Xuewei.
Der Chemiekonzern Sinochem betreibt Greenpeace zufolge zwei Gefahrgutlager in der Nähe des Explosionsortes. Beide liegen demnach ebenso wie das explodierte Lager näher an Wohnhäusern, als vom Gesetz erlaubt.
Auch das explodierte Lager war zu nahe gebaut worden. Es war nur 560 Meter von Wohnblocks entfernt, obwohl 1000 Meter vorgeschrieben waren. Die Baugenehmigung sei erteilt worden, nachdem Feuerschutzdokumente “grünes Licht” gegeben hätten, schilderte Zhu Liming vom Raumnutzungsamt laut Xinhua.
Nach Angaben der Ruihai-Manager hatte ein erster Gutachter die Nähe bemängelt. Sie hätten dann ein anderes Unternehmen beauftragt, das ihnen die nötigen Papiere erstellt hat.
In der Umgebung von Chinas Hauptstadt Peking wurde nun ein Produktionsverbot für Explosions- und Giftstoffe erlassen. Wegen der Leichtathletik-Weltmeisterschaft, die am Samstag in Peking beginnt, sowie vor der Militärparade zum 70. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs in Asien am 3. September soll ein weiteres Unglück jeglicher Art vermieden werden.
Nachdem es in der Zehn-Millionen-Metropole geregnet hat, wurden im Wasser an 8 von 40 Messstationen Cyanid-Werte gefunden, die über den Sicherheitsgrenzen liegen, sagte Bao Jinling, Chefingenieur des Umweltschutzamtes von Tianjin. An 18 Stationen für Luftmessungen habe es hingegen keine erhöhten Werte gegeben.
In dem Lager waren unter anderem 700 Tonnen hochgiftiges und leicht entzündliches Natriumcyanid. Ein Spezialist der Bergungsteams widersprach nach Xinhua-Angaben Presseberichten, dass sich Nervengas bei dem Unglück entwickelt habe.
Die Bergungsarbeiten in dem Trümmergebiet um den riesigen Krater im Hafen der nordchinesischen Stadt kamen nur langsam voran. 65 Menschen wurden nach Angaben des Staatsfernsehens noch vermisst.
(SDA)