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Sie waren an den Hinterköpfen miteinander verbunden und eine komplexe Operation war nötig, um sie voneinander zu trennen. Die Vorbereitungen für die Operation waren so intensiv, sie begannen sogar schon vor der Geburt der siamesischen Zwillinge im August letzten Jahres. Da die Mädchen zwar am Kopf miteinander verbunden waren, aber zwei separate Gehirne hatten, schätzte das Fachpersonal ihre Überlebenschancen als hoch ein.
Dennoch konnte ein einziger Fehler während der Trennungs-operation über Leben und Tod entscheiden, erzählt Dr. Isaac Lazar gegenüber der «Times of Israel». Er ist Direktor der pädriatischen Intensivstation am Soroka University Medical Center in Beerscheba, Israel, wo die Operation durchgeführt wurde. «Es war so heikel, da die Operation zwischen grossen Blutgefässen im Kopf der Babys stattfand. Wir wussten alle, dass jede Blutung katastrophale Folgen haben könnte.»
Siamesische Zwillinge sind sehr selten und können an verschiedenen Körperstellen miteinander verbunden sein. Aus diesem Grund gibt es nur wenige Forschungsergebnisse, die das Team zur Vorbereitung nutzen konnte.
Doch eine ausgefeilte israelische Technologie verschaffte Abhilfe: 3D-Modelle der Köpfe erlaubten es den Ärzten, die Operation bereits im Vorfeld zu üben. So verbrachten sie Hunderte von Stunden, um für den Ernstfall bestens vorbereitet zu sein.
«Man kann sich gar nicht vorstellen, wie kompliziert es war», so Lazar. Sogar die Babys mussten auf die Operation vorbereitet werden. Denn: An der Stelle, an der die Babys zusammengewachsen waren, gab es weder Schädelknochen noch Haut. Das heisst, die Ärzte mussten die Schädel an dieser Stelle rekonstruieren und dafür sorgen, dass sie mit Haut bedeckt werden konnten.
Aus diesem Grund wurden den Babys Silikonbeutel unter die Kopfhaut gesetzt. Alle paar Tage wurde Wasser in diese Beutel eingespritzt, um das Volumen zu vergrössern. Auf diese Weise war es möglich, die Haut langsam zu dehnen. Nach fünf bis sechs Monaten waren die Beutel fast so gross wie die Köpfe der Babys selbst.
Damit war genug Haut vorhanden, um die Stellen über den rekonstruierten Schädelteilen wieder verschliessen zu können und die Operation durchzuführen.
12 Stunden standen die Ärzte um den Operationstisch – alles verlief reibungslos. Bereits einen Tag später konnten die Mädchen wieder selber atmen und am vergangenen Sonntag sahen sie sich zum ersten Mal.
Für Lazar ein bewegender Moment: «Als das Pflegepersonal die frisch getrennten Babys zusammenbrachte, sahen sie sich an, machten Geräusche und berührten sich sanft – das war wunderschön. Man konnte sehen, wie sie miteinander kommunizierten, und das war einfach so besonders.»
Da die Babys ihre Köpfe während des ersten Lebensjahres nie bewegen konnten, haben sie noch eine körperliche Einschränkung. Lazar rechnet aber damit, dass sie diesen körperlichen und kognitiven Rückstand mit der richtigen Unterstützung aufholen können. Es bestehe eine «hohe Wahrscheinlichkeit», dass sie ein normales Leben führen werden. (saw)