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Das Alpenmurmeltier
Alpenmurmeltier
(Marmota marmota)
Das Alpenmurmeltier ist das bei uns und in Europa in den Alpen lebende Murmeltier. Bei uns in den Zentralalpen, in den Westalpen und in der Tatra zwischen Polen und der Slowakei konnte sich das Alpenmurmeltier auf natürliche Art behaupten. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in Europa begonnen das Alpenmurmeltier in verschiedenen weiteren Regionen anzusiedeln. Dies geschah in den Ostalpen mit mässigem Erfolg. Die in den Pyrenäen angesiedelten Alpenmurmeltiere zählen zu den erfolgreichsten Wildtier-Aussetzungsverfahren. In den 10 Jahren zwischen 1960 und 1970 wurden in diesem Gebiet etwa 400 bis 500 Tiere ausgesetzt. Heute leben über den ganzen Pyrenäenbogen etwa 10'000 Tiere. Es gibt auf den nördlichen Halbkugel neben dem in Europa lebenden Alpenmurmeltiere 13 weitere Murmeltierarten, 6 davon in Nordamerika und 7 in Eurasien . Nicht alle dieser weiteren Murmeltierarten leben in Gebirgsregionen.
Das Alpenmurmeltier ist ein Steppenbewohner im Gebirge. Es meidet den geschlossenen Wald und durchnässte Böden. Der fortlaufende Anstieg der Waldgrenze führt dazu, dass die Tiere in immer höhere Lagen wandern. In der Schweiz sind Vorkommen in den Höhenlagen von 1200 bis 2900 m ü M nachgewiesen, die meisten Vorkommen leben zwischen 1800 und 2600 m ü M. Am Monte Rosa sind leben Murmeltiere auf einer Höhe von 2900m ü M.
Die bekannten «Murmeltierbiologen» Bibikow und Arnold beschreiben die Lebensräume von Murmeltieren wie folgt: Erstens muss die Nahrung den Bedürfnissen der Murmeltiere entsprechen. Zweitens muss die Bodeneigenschaft das Graben von Bauten zulassen. Diese Bauten dürfen in kalten Winternächten nicht gefrieren, da sonst ein Winterschlaf für die Tiere nicht möglich ist. Drittens wichtig sei, dass die Murmeltiere in ihrem Lebensraum mit Familienmitgliedern und andern Gruppen akustisch mittels Pfiffen und optisch kommunizieren können. Die natürlichen Feinde sind die Beutegreifer der Fuchs und der Steinadler. In unserer Gegend lebt das Murmeltier am Fusse des Alpsteins bis in dessen Höhen, wo die beschriebenen Lebensraumanforderungen gegeben sind.
Das Murmeltier lebt in Familien-Sippen zusammen, welche sich aus dem Elternpaar, dessen Jungen früherer Jahre und den diesjährigen Jungen zusammensetzt. Mit etwa drei Jahren wandern die überzähligen Jungen ab und suchen sich neue Partner und ein neues Territorium. Wenn sie im Alter von drei Jahren ausziehen, wird der Fortpflanzungserfolg über das gesamte Leben am höchsten sein. Dies weil die Fortpflanzungsleistung im Familienbund von rang tieferen Männchen stark eingeschränkt ist. Diejenige von untergeordneten Weibchen völlig unterdrückt wird. Falls ein untergeordnetes Weibchen trotzdem Junge zur Welt bringt, werden diese durch das Muttertier getötet. Nur wenn das dominante Muttertier im Frühling abwandert oder stirbt, hat das untergeordnetes Weibchen die Möglichkeit aufzusteigen und dominant zu werden. Wenn es allenfalls beschlagen ist, auch die Jungen erfolgreich aufzuziehen und so zum Muttertier zu werden. Im Frühjahr können oftmals Rangkämpfe zwischen den Murmeltiere beobachtet werden. Durch Abstreichen eines Sekretes, welches in den Wangendrüsen vorhanden ist, werden Steine und Pflanzenteile markiert. Damit legen die Murmeltiere die Territoriums Grenze der entsprechenden Familie fest. In diesem Territorium werden keine fremden Murmeltiere geduldet. Das Territorium wird mehrheitlich vom Vatertier verteidigt.
Bei uns in der Schweiz wird oft auch der Name «Mungg» verwendet. Die Bezeichnung Murmeltier ist aus dem lateinischen «mus montis» abgeleitet und bedeutet Bergmaus. Das Alpenmurmeltier ist die drittgrösste in Europa lebende Nagetierart. Noch grösser sind der Biber und das Stachelschwein. Ende September / Anfang Oktober begeben sich die Tiere in einen sieben Monate dauernden Winterschlaf. Den Winterschlaf halten sie als Familie gemeinsam in einem mit viel Heu gepolstertem Kessel in ihrem Bau. Diesen haben sie gut verschlossen um sich vor dem Fuchs, der Kälte und eindringendem Schnee zu schützen. Dicht aneinander gekuschelt wärmen die erwachsenen Tiere die Jungtiere. Dieses einander wärmen ist für alle Murmeltiere überlebenswichtig. Die Körpertemperatur senkt sich in dieser Zeit von 35° auf 3° Celsius ab. Das Herz schlägt im Winterschlaf noch etwa 5 mal je Minute und die Atemfrequenz beträgt noch etwa 3 Atemzüge je Minute.
Alle zwei Wochen erwachen die Murmeltiere im Familienbund durch Muskelzittern für kurze Zeit, um ihren Kreislauf und die Körpertemperatur für rund einen Tag fast auf die Sommerwerte hochzufahren. In dieser Zeit findet keine Nahrungsaufnahme statt. Jungtiere würden den Winterschlaf ohne die elterliche Fürsorge nicht überleben. Das Murmeltier verliert in dieser Zeit 50% seines Körpergewichtes, dies sind Fettreserven, welche im Sommer «angefressen» wurden. Vor dem Winterschlaf müssen sie ihren Körper von intensiver Nahrungsaufnahme auf totales Fasten umstellen. Im Sommer kann ein erwachsenes Murmeltier am Tag bis zu 1,5kg pflanzliche Nahrung aufnehmen, um so die Fettreserven für den Winter aufzubauen. Für Nagetiere typisch fressen sie auch Kot zum Beispiel Gamskot, der noch viele Kleinlebewesen enthält, welche die Darmflora anregen. Das Murmeltier ist nur tagaktiv. Da es keine Schweissdrüsen besitzt und auch nicht wie ein Hund hecheln kann, begibt es sich an heissen Sommertagen mehrmals in den Bau, um abzukühlen. Dies wiederum hindert es an unbegrenzter Nahrungsaufnahme. Wenn wir uns vorstellen als Mensch täglich 1,5 kg rein pflanzliche Nahrung aufnehmen zu müssen, ist dies für das Murmeltier mit einem Lebendgewicht von 3-6 kg eine Riesenmenge.
Ende April erwachen die Murmeltiere und beenden ihren Winterschlaf. Zuerst müssen sie ihre im Herbst verschlossenen Bauten öffnen und sich unter der oftmals noch dicken Schneedecke ausgraben. In dieser Zeit sind sie erst kurz ausserhalb des Baues anzutreffen. Jetzt nach dem Erwachen setzt die Paarungszeit ein. Nur wenn das alte Muttertier noch genug Reserven für einen neuen Wurf hat, wird es beschlagen, sonst erst im folgenden Jahr wieder. Die Paarung findet innerhalb des Baues statt. Die Paarungszeit dauert rund zwei Wochen. In diesen zwei Wochen sind Weibchen nur während eines Tages empfängnisbereit. Wie bereits beschrieben wird nur das ranghöchste Muttertier Junge haben.
Die Tragzeit beträgt 33 Tage. Im Mai / Juni kommen dann 2-3 Junge (Affen) nackt, blind und zahnlos mit einem Gewicht von zirka 30 g zur Welt. Die Muttermilch ist sehr fettreich. Dies führt dazu, dass die Jungen in der ersten drei Lebenswochen ihr Gewicht verdreifachen. Etwa 23 Tage nach der Geburt öffnen sie die Augen. Die Nagezähne beginnen nach 26 Tagen auszustossen. Den Bau verlassen die Jungtiere nach etwa 40 Tagen mit allen Sinnen vollständig ausgebildet. Da die Jungtiere zu Beginn die Warnpfiffe der erwachsenen Murmeltiere noch nicht einordnen können, werden sie oftmals am Bau vom Fuchs geholt. Wenn sie nach einer gewissen Zeit die warnenden Pfiffe mit einer Gefahr verbinden, hat es der Fuchs wesentlich schwerer. Die Jungtiere werden in dieser Zeit noch gesäugt, doch dies mehrheitlich im Bau. Im September vor dem Winterschlaf erreichen die etwa 3,5 Monate alten Jungtiere die Hälfte des Körpergewichtes eines erwachsenen Tieres. Früher war das Murmeltier für die arme Bergbevölkerung ein Fleischlieferant. Während des Alpsommers wurde ihm damals mit Drahtschlingen und andern Fallen nachgestellt. Im Winter wurden zu dieser Zeit Murmeltiere während des Winterschlafs ausgegraben. Dies wurde um 1800 in der Schweiz verboten.
Erhöhte Murmeltierbestände können zu Schäden an Wiesen und Weiden führen. Ihre Grabtätigkeit kann zur erhöhten Unfallgefahr für das Vieh werden oder es werden Fundamente von Alpgebäuden untergraben und in Leidenschaft gezogen. Das Murmeltier ist in der Schweiz jagdbar.
Es werden durchschnittlich etwa 5800 Murmeltiere schweizweit jährlich durch die Jägerschaft erlegt. Das Murmeltier wird wegen seines Fleisches und seines Fettes, welches verschiedene Steroidhormone wie Glucocorticoide enthält bejagt. Die Konzentration dieser Corticoide in Murmeltieröl ist etwa wie in Cortisonsalben die im Handel erhältlich sind. Im Murmeltieröl sind diese jedoch natürlich vorhanden. Diese Corticode hemmen Entzündungen und sind schmerzstillend. Es wird aber vom längeren Einsatz solcher Murmeltierprodukte abgeraten. Dies kann zu Knochenerweichung und Muskelschwund führen.
Felix Eberhard
Kantonaler Hegeobmann
Patentjägerverein AR
Den gesamten Bericht als PDF-Version finden Sie ab Seite 10 hier: Das Alpenmurmeltier Clubnachrichten 202303 SAC SAENTIS