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Die meisten Hunde überstehen die ersten zwei oder drei Feuerwerksnächte ihres Lebens problemlos - zeigen also keine direkten Anzeichen von Panik oder Angst. Viele Hundehalter berichten aber, dass ihr Hund nun doch plötzlich auf die "Knallerei" reagiert. "Dies hat er früher nie gemacht!"
Damit das nicht geschieht, müssen wir den übermässigen Kontakt zu dieser Knallerei, den optischen Blitzlichtern und dem intensiven Geruchs-Wirrwarr von Rauch, Schwefelpulver etc. vermeiden. Man kann den Hund desensibilisieren, jedoch nicht, indem man ihn direkt am Geschehen teilhaben lässt. Zu Beginn sollte der Hund lediglich einem schwachen Reiz ausgesetzt werden. D.h., den Hund zu Hause lassen und allenfalls den Reiz zusätzlich vermindern, wie beispielsweise durch leise Musik, geschlossene Fensterrollos etc.
Weshalb Hunde Angst haben oder diese plötzlich entwickeln können, hat viele Gründe. Wir müssten uns intensiv mit den Entwicklungsphasen, dem Lernverhalten, den hormonellen Einflüssen, dem Reiz-Summation-Phänomen und der Genetik / Epigenetik des Hundes beschäftigen, was jedoch den Rahmen dieser Hilfestellung sprengen würde.
Wichtig zu wissen: Angst kann erlernt werden und/oder ist ein genetisches Verhaltensprogramm, welches abläuft, um das Überleben zu sichern. Jedes Lebewesen beherbergt innerhalb seiner Genetik andere Ängste und macht auch unterschiedliche Lernerfahrungen (entwickelt unterschiedliche Ängste). Genetisch bedingte Ängste werden nicht automatisch von Geburt an angezeigt, sondern entwickeln sich mit den unterschiedlichen Erfahrungen im Leben.
Wie verhält man sich jetzt aber gegenüber seinem Hund, wenn sich solche Ängste bereits entwickelt haben oder diese gezeigt werden?
Sie sollten dem Hund die Möglichkeit geben, sich bei Ihnen die nötige Sicherheit und Zufluchtsmöglichkeit abzuholen, ohne jedoch seine Ängste zu verstärken. Hektisches, nervöses Verhalten Ihrerseits - egal in welcher Intensität - hilft dem Hund überhaupt nicht. Wenn Sie selbst Angst vor Gewitter und Feuerwerk haben, sollten Sie unbedingt zuerst an sich selbst arbeiten, damit Sie die nötige Ruhe und Gelassenheit auf Ihren Hund übertragen können. Geben Sie dem Hund also positive Zuwendung, welche Ihr Hund als angenehm empfindet. Sie können den Hund massieren, aber nicht hektisch streicheln. Bitte keine Zwangsmassagen oder Zwangsberührungen. Flüchtet der Hund vor Ihnen, nehmen Sie dies nicht persönlich, sondern setzen Sie sich in der Nähe ruhig und gelassen hin, damit er eigenständig die Möglichkeit hat, zu Ihnen zu kommen und sich seine Massage oder seine Berührungen abzuholen. Es gibt Hunde, die brauchen ihren Menschen zwar in der Nähe, möchten aber weder berührt, gestreichelt noch massiert werden. Sie müssen wissen, was Ihr Hund als angenehm empfindet! Die Zuwendung durch den Menschen kann vom Hund auch als unangenehm empfunden werden, wenn er diese als bedrohlich einstuft (über ihn beugen) oder ihn körperlich so einschränkt, dass er aus der angstauslösenden Situation nicht heraus kann. Was als bedrohlich oder unangenehm empfunden wird, entscheidet dabei immer das Hundegehirn. Gutgemeinter Trost, aber falsch angewendet, wird die Angst des Hundes verschlimmern.
Wenn Sie mit Ihrem Hund in dieser Situation sprechen, sollten Sie dies mit ruhiger, klarer Stimme tun, denn über das Klangbild Ihrer Stimme vermitteln Sie ihm Ihre eigenen Empfindungen, welche Sie auf den Hund übertragen. Das Ziel ist ja, dass er bei Ihnen die nötige Sicherheit und Geborgenheit findet - was er nicht kann, wenn Sie in der falschen Emotionslage mit ihm kommunizieren. Fürsorgemelodien oder für den Hund ungewohnte Sprachklänge Ihrerseits, welcher Ihr Hund bis heute nie oder sehr selten von Ihnen gehört hat, werden den Hund genauso verwirren wie komplettes Ignorieren (alleine lassen).
Wenn Sie Ihrem Hund einen Kauartikel geben und er kaut genüsslich auf diesem herum, hat er mit grösster Wahrscheinlichkeit auch keine Angst und Sie müssen nicht befürchten, dass Sie dadurch seine Angst vergrössern.
Lernen Sie einmal mehr, Ihren Hund zu beobachten, damit Sie wissen, was ihm guttut. Was empfindet mein Hund als angenehm oder unangenehm? Wir sollten unseren Hunden Hilfestellung anbieten, indem wir ihnen Nähe, Rückzugsmöglichkeiten und Geborgenheit anbieten, aber nicht aufdrängen!
Weitere Hilfestellungen können sein:
Trost spenden ist definitiv nicht verkehrt, wenn man das “Wie” beim Trösten beachtet. Gut gemeinter Trost kann die Angst tatsächlich verstärken, wenn der Hund körperlich zu stark eingeschränkt wird - durch Umarmen, Tragen oder Festhalten, sodass der Hund sich nicht eigenständig der Situation entziehen kann. Zwingen Sie Ihren Hund niemals noch näher an das Geböller (Angstauslöser) heran, auch wenn Sie denken, Ihr Hund habe keine Probleme damit, denn das Phänomen der „Reiz-Summation“ könnte eine solche Angst plötzlich hervorrufen!

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