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Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass der Mensch erheblich auf das Klima einwirkt. Er tut dies jedoch nicht nur auf der Makro-, sondern auch auf der Mikroebene, insbesondere durch Stadtplanung. Die Lebensqualität lässt sich dadurch massgeblich beeinflussen.
Im Juli hat die Stadt Bern eine Klimaanalyse erstellen lassen, die detailliert über das Stadtklima und mögliche Massnahmen zur Verbesserung Auskunft gibt. Beauftragt mit der Erstellung wurde ein norddeutsches Umweltconsulting-Unternehmen, das ähnliche Analysen bereits für andere Städte erstellt hat. Die Analyse beinhaltet auch eine Karte, an der sich optisch diverse Klimaparameter ablesen lassen.
Einer dieser Parameter ist der sogenannte «Wärmeinseleffekt». Er beschreibt die nächtliche Übererwärmung des Stadtgebiets im Vergleich zu Frei- und Grünflächen. Gemessen wird jeweils um vier Uhr nachts, weil erst in der zweiten Nachthälfte der Luftaustausch zwischen der warmen Stadtluft mit der kühleren Landluft vollzogen ist. Ein paar Beispiele aus den Messdaten für das Jahr 2020: In der Gerechtigkeitsgasse beträgt der Wärmeinseleffekt vier bis fünf Grad Celsius. Ebenso auf dem Bundes- oder Bahnhofsplatz. Das ist recht viel.
Von besonderer Bedeutung für die Entstehung von Wärmeinseln ist die Bebauungsdichte.
In der Gerechtigkeitsgasse wurden 2020 insgesamt sechs Tropennächte gemessen, Nächte also, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad Celsius sank. 2022 waren es bereits deren elf. Etwas angenehmer fällt die Bilanz für den Grossteil des Elfenauquartiers aus. Dort liegt die nächtliche Temperatur nur ein Grad Celsius über dem Referenzwert. 2020 wurde denn auch keine einzige Tropennacht registriert, 2022 waren es immerhin zwei.
Die Stadt als gigantische Heizung
Die Intensität des Wärmeinseleffekts ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Versiegelte Flächen sind schlecht, denn sie speichern die Wärme und geben sie in der Nacht an die Umgebung ab. Auch die Farbe der Baumaterialien spielt eine Rolle: Helle Farben reflektieren die Sonnenstrahlen, anstatt die Wärme zu speichern. Der Kühleffekt von hellen Farben ist nicht zu unterschätzen: Das Bundesamt für Strassen (ASTRA) führte in Bern Tests mit hellem Asphalt durch und gelangte Anfang des Jahres zum Ergebnis, dass sich der helle Asphalt um bis zu sechs Grad weniger aufheizte als der dunkle Asphalt.
Von besonderer Bedeutung für die Entstehung von Wärmeinseln ist schliesslich die Bebauungsdichte. Sie entscheidet darüber, ob nächtliche Kaltluftströme die aufgeheizte Stadt effektiv runterkühlen können oder nicht. Ist die Bebauung dicht, können die Winde kaum beschleunigt werden und schieben die heisse Luft nur langsam aus der Stadt.
Die Studienautor*innen empfehlen diverse Massnahmen zur Verbesserung des Stadtklimas und zur Reduktion des Wärmeinseleffekts. Insgesamt handelt es sich um immerhin 19 Punkte. Einige davon, wie etwa die Begrünung von Innenhöfen, die Schaffung öffentlicher Grünräume oder die Verschattung lassen sich vergleichsweise einfach umsetzen. Wenn man sich Betonplätze wie etwa den Guisanplatz anschaut, wird klar, dass für solche Massnahmen in der Stadt Bern denn auch einiges Potenzial vorhanden ist.
Massnahmen zur Verbesserung der Durchlüftung dürften es hingegen schwieriger haben. Sie stehen im Konflikt mit dem raumplanerischen Grundsatz des verdichteten Bauens. Gerade in Zeiten der Wohnungsknappheit und der Zersiedelung fällt es nicht leicht, dem einen oder dem anderen Interesse den Vorzug zu geben. Und auch die grossflächige Entsiegelung von Boden dürfte nicht ohne weiteres möglich sein, solange der motorisierte Individualverkehr nicht aus der Stadt verbannt wird.
Pessimistische Prognose
Es ist jedoch klar, dass untätig bleiben keine Option darstellt, denn ansonsten dürfte in 40 Jahren der Wärmeinseleffekt noch deutlich ausgeprägter sein. Im Jahr 2060 soll er in der Altstadt laut Klimaanalyse mehr als fünf Grad Celsius betragen. Und auch die Bewohner*innen der Aussenquartiere werden sich wohl des Öfteren mit Tropennächten herumschlagen müssen. So soll der Wärmeinseleffekt im Elfenauquartier auf drei bis vier Grad Celsius ansteigen.
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Die Autor*innen der Analyse gehen für die Prognose vom «weiter wie bisher»-Szenario aus, wonach sich die mittlere Temperatur auf der Erde bis zum Ende des Jahrhunderts um 4,8 Grad Celsius erhöht haben wird. Dies wird unter anderem damit erklärt, dass selbst wenn die CO2-Emissionen plötzlich abrupt sinken würden (was sie derzeit nicht tun), dies auf kurze Dauer keine Veränderung bewirken würde, da das Klimasystem sehr träge sei. Das Szenario ist damit zwar pessimistisch, aber durchaus nicht unwahrscheinlich.
Quartierklima als Standortfaktor?
Von den steigenden Temperaturen sind die Menschen in den Städten also deutlich stärker betroffen als Menschen auf dem Land und jene im Stadtzentrum stärker als jene in den Aussenquartieren. Diese Diskrepanz dürfte sich in den kommenden Jahrzehnten noch verschärfen.
Für ältere oder klimasensible Menschen könnten die klimatischen Bedingungen des Quartiers zunehmend eine Rolle spielen.
Es stellt sich die Frage, ob dieser Umstand zu einer Stadtflucht führen oder das Thema «Quartierklima» bei der Wohnungssuche künftig eine erhöhte Bedeutung haben wird. Bisher habe man einen solchen Trend nicht feststellen können, schreibt Dagmar Boss, Leiterin Immobilienstab von Immobilien Stadt Bern auf Anfrage. Sie führt als Begründung die niedrige Leerwohnungsziffer in den Schweizer Städten an. «Diese Situation trägt wahrscheinlich nicht dazu bei, klimatische Bedingungen bei der Wohnungssuche in den Vordergrund zu rücken.» Für die Zukunft schliesst sie ein solches Szenario jedoch nicht aus.
Gerade für ältere oder klimasensible Menschen könnten die klimatischen Bedingungen des Quartiers zunehmend eine Rolle spielen. «Um hier jedoch eine eindeutige Prognose abgeben zu können, fehlen uns die nötigen Kenntnisse und Erfahrungen», fügt Boss an.