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Sonnenkultus,
die Verehrung der persönlich gedachten, in die Geschicke der Menschen eingreifenden Sonne, [* 2] die man bei sehr vielen Völkern findet. Ausgebildet ist der S. besonders bei den ackerbautreibenden Stämmen und in den Gegenden, wo die Natur infolge der Sonnenferne zu gewissen Zeiten des Jahres erstarrt; so bestand er z. B. bei den alten Indern, wo die Sonne als Surya und Savitar, bei den Ägyptern, wo der Sonnengott Râ (Rē) verehrt wurde, und bei vielen Stämmen Amerikas. In Japan [* 3] bildet noch heute der S. den Mittelpunkt der Nationalreligion und der Politik, und in Indien, wo die Tempel [* 4] der Sonne zu den schönsten Bauwerken gehören, hat er, namentlich im Süden, noch zahlreiche Anhänger. Bei dieser Verehrung wird die Sonne meist als Mann aufgefaßt; oft erscheint sie im Verein mit dem Monde, indem beide als Bruder und Schwester oder als Mann und Frau gelten. Auch die Griechen pflegten den S. (s. Helios). [* 5] Ebenso verehrten nach dem Ausspruche Cäsars die alten Germanen die Sonne, wie die Skandinavier beim Wiedererscheinen der Sonne nach der Winterwende ihr größtes Fest feierten. -
Vgl. Böttger, S. der Indogermanen (Bresl. 1891).