Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03618.jsonl.gz/679

- Familie: Corduliidae – Falkenlibellen
- Gattung: Epitheca – Zweiflecke
- Art: Epitheca bimaculata (Charpentier, 1825)
-
- DE: Zweifleck, Zweifleck-Smaragdlibelle
- FR: Cordulie à deux taches, Epithèque à deux taches
- IT: Cordulia bimaculata
- EN: Eurasian Baskettail, Two-spotted Dragonfly
Wissenswertes
Obschon Epitheca bimaculata als einzige Art der Corduliidae keine metallische Färbung aufweist, verhält sie sich mit ihren ausdauernden Patrouillienflügen über dem offenen Wasser wie andere Vertreter dieser Familie. Optisch gleicht sie eher Libellula fulva oder Libellula quadrimaculata. Die dunklen Basalflecke geben ihr den deutschen Namen. Bei uns ist sie eine typische Frühjahrsart mit sehr kurzer Schlupfperiode.
MerkmaleGesamtlänge: 55-65 mm
Gross und kräftig. Grundfarbe gelblich-braun mit schwarzen Flecken (ohne Metallglanz). Thorax gelbbraun mit schwarzen Bändern, filzig braun behaart. Abdomen relativ breit und abgeflacht. Augen graublau bis grünlich. Beine lang und schwarz. Flügel, v. a. am Vorderrand, bernsteinfarben getönt, Hinterflügel mit dunklem dreieckigem Basalfleck. Männchen und Weibchen ähnlich.
Männchen
Abdomen im hinteren Teil sehr schlank und gesamthaft recht dunkel, S9-S10 komplett schwarz, S3-S8 oberseits mit breiten schwarzen Flecken, die nur an den Seiten zwei gelbliche bis braun-orange Streifen offen lassen. Hinterleibsanhänge stark V-förmig.
Weibchen
Dunkle Flecken auf der Oberseite des Abdomens schmaler, formen eher eine dunkle Mittellinie.
Jungtiere
Ähnlich den Adulten. Augen hell- bis rötlich-braun.
Belegfoto
M/W: Ganze Libelle von oben, Flügelbasen gut sichtbar.
Verbreitung
Epitheca bimaculata bewohnt vor allem den Nordosten Europas. In Mitteleuropa gibt es zahlreiche verstreute Vorkommen.
In der Schweiz ist sie aktuell nur noch im Westen des Landes nachgewiesen. Besonders bekannt ist ein Verbund von Standorten in der Ajoie (JU) und zwei kleinere, isolierte Vorkommen am Lac des Taillères (NE) und am Lac de Lussy (FR). Die Populationen befinden sich zwischen 400 und 1038 m (Lac de Taillères).
Biologie
Phänologie
Schlupfperiode: Anfang Mai bis Ende Juni (kurze Emergenz), in höheren Lagen bis Anfang Juli.
Flugzeit: Juni (Hauptflugzeit). In tieferen Lagen ab Mai und höher oben bis Juli.
Lebensraum
Epitheca bimaculata kommt an grossflächigeren Stehgewässern mit ausgedehnten offenen Wasserflächen und gut entwickelten Vegetationsgürteln vor. Bevorzugt werden Kleinseen, Weiher und Fischteiche mit gut entwickeltem Schwimm- und Tauchblattrasen, sowie waldigen Gebieten in der Umgebung.
Lebensweise Imagines
Die Reifezeit verbringt Epitheca bimaculata vermutlich im Kronenbereich von Bäumen.
Die Männchen patrouillieren in ausdauerndem, kraftvollem und schnellem Flug entlang ihrer 10-20m langen Reviere, meist weit om Ufer entfernt. Gegenüber anderen Libellen verhalten sie sich sehr aggressiv und vertreiben diese in schnellem Flug. Sehr selten sitzen sie ab, stets vertikal hängend und nicht wie Libellula spp. waagrecht sitzend.
Die Eiablage erfolgt ohne Begleitung des Männchens. Die Weibchen setzen sich zuerst in die Ufervegetation und pressen mit aufgebogenem Hinterleib einen grossen Eiklumpen mit bis zu 2000 Eiern aus. Diesen streifen sie dann aus dem Flug an flutender Unterwasservegetation ab. Dabei entrollt sich der Klumpen zur Eischnur.
Der Schlupf findet in der Regel 2-4m vom Ufer entfernt an vertikaler Vegetation statt. Manchmal entfernen sich die schlupfbereiten Larven auch mehr als 50m vom Wasser und klettern bis 12m hoch in die Bäume. Die Exuvien häufen sich meist an einzelnen Uferpartien des Gewässers.
Lebensweise Larven
Epitheca bimaculata berwintert im Larvenstadium. Die Entwicklung dauert zwei bis drei Jahre. Die Larven halten sich meist im Bodenschlamm oder nahe der Wasseroberfläche zwischen Wasserpflanzen auf und sind vorwiegend nachtaktiv. Sie ertragen vorübergehenden Sauerstoffmangel und kurzes herbstliches Trockenfallen des Gewässers. Dank den langen Beinen und den kräftigen Dornen können sie gut mit Fischen zusammenleben, solange die Fischdichte nicht zu hoch wird. Zum Schlupf entfernen sie sich manchmal relativ weit vom Wasser.
Gefährdung und Schutz
In Europa ist die Art nicht gefährdet. In der Schweiz ist sie vom Aussterben bedroht (CR).
Obschon die wenigen bekannten Entwicklungsgewässer von Epitheca bimaculata bei uns grösstenteils unter Naturschutz stehen, ist das Überleben der Art nicht gewährleistet. Trotz Schutzstatus üben Fischerei- und Erholungsbetrieb einen beträchtlichen Druck auf die letzten Standorte aus. Bei übermässigem Besatz zerstören vor allem wühlende Fische die Unterwasservegetation und somit Versteckmöglichkeiten der Larven. Einige der Standorte verlieren zudem an Qualität durch Düngereintrag.
Damit die Art langfristig bei uns überleben kann, ist sie auf konsequenten Schutz ihrer verbleibenden Entwicklungsgewässer angewiesen. Dazu gehören ein gutes Konzept zur Entflechtung von Naturschutz und Erholungsnutzung, ausreichend breite düngerfreie Pufferzonen entlang der Ufer sowie eine fachgerechte Pflege der Lebensräume, insbesondere der Mikrohabitate für Eiablage, Larvalentwicklung und Schlupf.
- Rote Liste: CR - Vom Aussterben bedroht
- Nationale Priorität: 1 - Sehr hohe Priorität
- NHV: Geschützt
Ähnliche Arten
Als einzige Cordulidae ohne metallische Färbung kann Epitheca bimaculata kaum mit anderen Vertretern der Familie verwechselt werden. Hingegen sehen ihr die Weibchen von Libellula fulva und beide Geschlechter von Libellula quadrimaculata recht ähnlich. Beide Arten verhalten sich aber komplett anders. So verteidigen die Männchen Sitzwarten am Ufer und patrouillieren niemals über der offenen Wasserfläche.
Libellula fulva – Spitzenfleck
M: Abdomen blau, unverwechselbar.
W: Deutlich kleiner. Abdomen breiter mit oranger Grundfarbe (nicht gelbbraun). Vorderflügelbasis mit feiner schwarzer Zeichnung, Flügelspitzen oft dunkel getönt.
Libellula quadrimaculata – Vierfleck
Deutlich kleiner, Abdomen kürzer und breiter. Augen stets braun. Dunkle Flecken in der Mitte der vorderen Flügelränder (an den Internodien).