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Stellenbeschreibungen sind seit jeher mit Kürzel versehen, die meist das für die Tätigkeit gewünschte Geschlecht angeben. Dabei wurde allerdings ausschliesslich auf zwei Kürzel gesetzt – bis jetzt. Die Kürzel „m“ (für männlich) und „w“ (für weiblich) werden je länger wie mehr um die geschlechtsneutrale Abkürzung „d“ ergänzt.
Was bedeutet das Kürzel „d“?
Das Kürzel „d“ steht in der Stellenbeschreibung für divers. Unter einer diversen Person versteht man unter anderem eine intersexuelle Person, die sich explizit weder als Mann noch als Frau liest – sozusagen zwischen den Geschlechtern steht und medizinisch, hormonell und anatomisch nicht eindeutig zugeordnet werden kann. In Deutschland allein wird die Zahl der Intersexuellen auf um die 100.000 Personen geschätzt. Seit Ende 2017 ist hier das dritte Geschlecht gesetzlich anerkannt. Das ergeht aus dem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts. Danach haben nun alle Intersexuellen die Option, sich als „divers“ im Personenstandsregister und Geburtenregister eintragen zu lassen. In der Schweiz gibt es eine solche Regelung noch nicht. Der Bundesrat setzt sich jedoch mit der Frage auseinander, ob ein drittes Geschlecht eingeführt werden soll. Zu „divers“ gezählt werden auch alle Personen, die sich nicht in das binäre Geschlechtssystem „männlich“ und „weiblich“ einordnen lassen (wollen) und deshalb auch die Bezeichnung „drittes Geschlecht“ ablehnen (z.b. genderfluid).
Um eine Diskriminierung bei der Stellenbesetzung zu umgehen, wird die Beschreibung explizit um den Begriff „divers“ erweitert – und dem Spektrum der non-Binarität und Intersexualität somit mehr Sichtbarkeit eingeräumt. Zudem wird mit der Erweiterung um „d“ beziehungsweise „i“ das Zwei-Geschlecht-Modell durchbrochen.
Bedeutung von m/w/d: Hintergründe der Kürzel
Eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts ist nicht erlaubt. In der Schweiz greift hierbei das Gleichheitsgebot und Diskriminierungsverbot (Art.8.Abs 1 und 2 BV). In Deutschland greift das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, kurz AGG, und umgangssprachlich Antidiskriminierungsgesetz genannt. Dadurch werden Stellen nun mit dem Kürzel m/w ausgeschrieben. Das Problem dabei: Was ist mit Personen, die zwischen den Geschlechtern stehen? Bisher griff das AGG für diese nicht – das ist jetzt anders.
Ist eine geschlechtsneutrale Formulierung Pflicht?
In Deutschland müssen seit dem 1. Januar 2019 Stellenanzeigen genderneutral formuliert werden. Doch auch in der Schweiz greifen mehr und mehr Arbeitgeber:innen und Personaler:innen auf diese Formulierungen zurück. Entscheidend ist dabei aber nicht nur der Zusatz m/w/d: Der Stellentext selbst muss so eindeutig und klar formuliert sein, dass sich Menschen jeglichen Geschlechts angesprochen fühlen – und signalisiert wird, dass die Stelle ganz geschlechterneutral besetzt werden kann. Damit sich niemand diskriminiert fühlt, gehen die meisten Unternehmen auf Nummer sicher und nutzen m/w/d für ihre Stellenausschreibungen.
In der E-Recruiting-Software von Refline ist es zum Beispiel als Standard möglich, alle drei Anreden aufzuführen. Zusätzlich kann die Kommunikation mit neutralen Variablen gestaltet werden um allen gerecht zu werden und keine Personen auszuschliessen.
Warum brauchen wir diese Änderung?
Die Änderung ist vor allem deswegen besonders wichtig, weil sie ein Zeichen gegen Diskriminierung anhand des Geschlechts am Arbeitsplatz ist. Unternehmen unterstehen dadurch einer besonderen Sorgfaltspflicht: Sie werden sensibilisiert für eine neutrale, inklusive Ansprache der potenziellen Bewerber:innen.
Die Divers–Erweiterung soll dabei keineswegs als „Absicherung“ gesetzlicher Bestimmungen sein. Vielmehr bietet dies eine Chance noch mehr Menschen anzusprechen und bietet sogleich die Möglichkeit alle Personen auf Augenhöhe anzusprechen.
Best Practice-Anwendungen
Sorgen Sie dafür, dass in Ihren Stellenanzeigen (und zum Beispiel auch in unternehmensinternen Mitteilungen) nicht nur die Kürzel m/w/d vorkommen, sondern auch der Text inklusiv ist.
- Berufsbezeichnungen können mit einem Gendersternchen oder Doppelpunkt versehen werden. Meist gibt es auch eine allgemeine Form – wie am Beispiel des „Kaufmanns“/ der „Kauffrau“ sichtbar wird: Hier wäre „Kaufleute“ als neutrale, inklusive Bezeichnung passend.
- Ansprachen/ Anrede offener gestalten: Statt „Liebe*r xy“ zum Beispiel „Hallo + Vornamen“ oder „Liebes Team“ verwenden. Bei der Software von Refline kann die Kommunikation beispielsweise mit neutralen Variablen gesteuert werden.
Um sich ideal vor möglichen Klagen abzusichern, raten Rechtsanwälte Personalabteilungen zu folgenden Massnahmen:
- Die Auswahlkriterien der Bewerbenden sollen so objektiv wie möglich sein.
- Der Bewerbungsprozess wird lückenlos dokumentiert – halten Sie diese Vorgänge unbedingt schriftlich fest.
- Achten Sie darauf, dass im Bewerbungsgespräch mindestens zwei Vertreter des Unternehmens anwesend sind.
- Formulieren Sie das Schreiben im Falle einer Absage so neutral wie möglich, um sich nicht angreifbar zu machen.
- Bewahren Sie alle Unterlagen mindestens drei Monate nach der Absage auf.
Legen Sie besonders viel Wert auf eine inklusive und genderneutrale Stellenausschreibung – so umgehen Sie viele damit verbundenen Probleme und Angriffsflächen und sichern sich ab.
Weitere geschlechtsneutrale Kürzel und deren Bedeutung
Inzwischen gibt es eine grosse Auswahl an geschlechtsneutralen Kürzeln. Das kann schnell zur Überforderung oder Verwirrung führen. Hier finden Sie eine Übersicht über die gängigsten Kürzel. Die Buchstaben sind dabei wie folgt definiert:
- m/w/d = männlich/weiblich/divers
- m/w/i = männlich/weiblich/intersexuell
- m/w/i/t = männlich/weiblich/intersexuell/transsexuell
- m/w/a = männlich/weiblich/anders
- m/w/x = männlich/weiblich/undefiniertes Geschlecht
- m/w/gn = männlich/weiblich/geschlechtsneutral
- m/w/* = männlich/weiblich/Asterisk oder „siehe Fussnote“
An Abkürzungen mangelt es nicht. Wählen Sie die für Sie passende Option. Wichtig dabei: Nutzen Sie das Kürzel m/w/i, könnten sich wiederum Transsexuelle diskriminiert und nicht zugehörig fühlen. Die Regelung mit m/w/d bezieht auch diese sowie eindeutig männliche und weibliche Bewerbende mit ein. Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag über das perfekte Stelleninserat. Achten Sie darauf, alle möglichen Betroffenen bei Ihrer Ansprache zu inkludieren – so gehen Sie bei jeder Bewerbung auf Nummer sicher.