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Sammelwut. Über eine Zeitdiagnose der jungen Sexualwissenschaft und ihr «Archiv»
«Sammelwut» ist ein Effekt der «Multiplikation der Dinge» und der Massenkultur der Moderne. Die Geschichte des Begriffs reicht bis in die frühe Neuzeit zurück als er u.a. mit gelehrten Praktiken auftauchte, umgekehrt ist die Geschichte eines Zuviels an Dingen bereits für das Mittelalter nachweisbar. Im späten 19. Jahrhundert treffen diese beiden Stränge mit der Karriere des Fetischbegriffs zusammen und es bildete sich – nicht nur in Deutschland – ein Diskurs über «Sammelwut» als deviante Praxis. Am Beispiel eines Historikers und Handschriftenfetischisten, der in den 1920ern tausende Dokumente aus europäischen Staatsarchiven entwendete, geht der Aufsatz den Debatten über und den Wirkungen der «Sammelwut» nach und positioniert sie innerhalb der Geschichte der europäischen Moderne. Dabei erweist sich die «Sammelwut» als eine Spielart gelehrter Praktiken gerade in den Anfängen einer Disziplin.
Erschienen in: traverse, 2012/3, S. 67.