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Am 2. November 2009 durfte Pater Roman Bannwart im Kreise seiner Mitbrüder seinen 90. Geburtstag feiern. Vielen ehemaligen Schülerinnen und Schülern ist er als Dirigent der Studentenmusik in bleibender Erinnerung. Diese kann auf eine über zweihundertjährige Geschichte zurückblicken.
Zu Pater Roman - auch einfach «Bani» genannt - könnten hier verschiedene Artikel erscheinen: etwa in der Rubrik «Gemeinschaft », war er doch für die Klostergemeinschaft über ein halbes Jahrhundert weg schlicht der Choralmagister. Unter «Kaleidoskop » könnten zudem viele Ehrungen, Konzerte und Tonaufnahmen aufgeführt werden, die Pater Roman zu einem national bekannten Mönch machten. Da er aber stets betonte, es gehe ihm um die Sache und nicht um ihn, soll hier nicht «Bani» selbst, sondern eines seiner Herzensanliegen vorgestellt werden: die Studentenmusik
Erste Erwähnung vor über 200 Jahren
Für das Jahr 1808 werden in den Annalen des Klosters Einsiedeln erstmals die Bläser der «Studiosi» erwähnt. In einer «Kleinen Chronik der Internen-Harmoniemusik», welche die Jahre von 1920-1953 erfasst (es existierte daneben bis 1953 eine Externen-Musik!), heisst es dazu: «In diese Zeit (ca. 1806) fallen wohl auch die Anfänge der Blasmusik. [...] Als am 30. Mai 1808 Abt Konrad Tanner
erwählt wurde, ertönte bei seinem Einzug in die Kirche von der Galerie [...] herab ein Marsch der «türkischen Musik» der Studiosi. So sei auch gleich noch beigefügt, dass diese Feldmusik sich ganz besondere Lorbeeren holte beim Besuch der russischen Grossfürsten Nikolaus (später Zar) und Michael in Einsiedeln, im Juli 1814.» Ein weiteres Mal wird die Feldmusik im Jahresbericht von 1842
wieder erwähnt. Unter «Musik» heisst es dort: «Übungen bei der Kirchen-, Kammer- und Feld-Musik.» Weiter lesen wir im Jahresbericht 1853/54: «Wir bildeten eine Feld- und Blasmusik», im Jahre 1855/56: «Wir bildeten eine Harmonie und Feldmusik» und für das Schuljahr 1862/63 sind für die Feldmusik zum ersten Mal die Namen der Mitglieder verzeichnet.
Die Direktoren der Feldmusik
In der bereits zitierten Chronik ist unter einer Eintragung, die auf das Jahr 1864 weist, erwähnt, die Feldmusik sei vom Stiftskapellmeister dirigiert worden. Danach lag die Feldmusik (hier mit «FM» abgekürzt) offenbar 33 bis 50 Jahre lang in weltlichen Händen.
Als Direktoren werden genannt:
- 25. Oktober 1866: «unter Direktion des Musiklehrers Sauer» (Möglicherweise aber bereits seit 1849)
- Am 15. Oktober 1871 übernimmt Musikdirektor Anton Staub (er wirkte in Einsiedeln seit etwa 1850 als Musiklehrer) die Leitung der FM
- 1899 tritt der Sohn von Anton Staub, Pater Josef Staub, die Leitung der Internenmusik an
- Am 17. Februar 1919 wird Pater Damian Buck zum Nachfolger ernannt
- Am 3. November 1923 wird Pater Stephan Koller zum Direktor bestimmt
- 1924-26: Pater Benno Gut (Pater Benno wurde später Kardinal)
- «Dienstag, 20. April 1926 übergibt der Abt Pater Damian Buck die Direktion der Feldmusik,
weil Pater Benno hörleidend»
- Im Oktober 1927 wird Pater Eduard Plutschow Direktor der FM
- Mitte Oktober 1928 geht die Direktion wiederum an Pater Damian Buck
- «Am Samstag vor dem Rosenkranzsonntag teilte Pater Rektor Pater Pirmin [Vetter] mit, dass er im neuen Schuljahr die Feldmusik zu leiten habe. Dieser nahm die unerwünschte Gabe schweren Herzens entgegen.»
- 1938-1953 leitete Pater Edgar Andermatt die FM
Die Ära Pater Roman
Pater Roman Bannwart leitete die FM von 1953 bis 1997. In dieser Zeit hat sie eine grosse Umformung erfahren: Aus der kleinen FM wurde die Studentenmusik, welche von ihm während 44 Jahren geleitet wurde. Dies zeigte sich auch am Mitgliederzuwachs: In den Jahren von circa 1920 bis 1946 schwankte der Bestand zwischen 40 und 62 Mitgliedern. 1953 waren es gerade noch 17, von denen 7 im Militärdienst waren. In dieser Zeit wurde die Externenmusik aufgelöst, so dass Pater Roman deren Instrumente und Bläser übernehmen und am 4. Dezember 1953 einen Bestand von 40 Mann ausweisen konnte. Der grösste Bestand dürfte anfangs der 70er Jahre mit gegen 110 Mitgliedern erreicht worden sein.
Marcel Schuler und die heutige Studentenmusik
Von den gegen 350 Schülerinnen und Schülern spielen momentan 35 aktiv in der Studentenmusik
mit. Das Mitwirken in dieser Besetzung fördert die Kameradschaft unter den sechs Jahrgängen und füllt einen Teil der Freizeit aus. Jede Woche werden zwei Gesamtproben von je einer Stunde gehalten. Geleitet wird die Studentenmusik seit 1997 von Marcel Schuler, Musiklehrer am Gymnasium. Er spielte selber unter Pater Roman in der FM und hat am Konservatorium Zürich Klavier und anschliessend Orchesterleitung studiert. Ist die Studentenmusik auch kleiner als vor 30 Jahren, so dürfte sie heute dafür qualitativ auf einem Höhepunkt sein.
Repertoire und Konzerte
Das Repertoire des Gesamtkorps umfasst hauptsächlich unterhaltende Blasmusik: Pop-Arrangements, Filmmusik, Kompositionen mit jazz-ähnlichen Rhythmen etc.; Stücke, die trotz des regelmässigen «Aderlasses» - etwa 5 bis 10 Maturae und Maturi verlassen jährlich die Studentenmusik - immer wieder erarbeitet werden können. Konzerte im In- und Ausland machten
das lebendige Korps sehr schnell bekannt und beliebt. Das ZDF drehte 1972 einen 30-Minuten-Film; im Sender «Freies Berlin» und im Studio Lugano wurden Radiosendungen aufgenommen. Mit dem Erlös einer LP sicherte sich die Studentenmusik einen Flug nach Rom und spielte 1977 in der Römer Audienzhalle vor Papst Paul VI. und 10'000 Pilgern den ersten Boogie Woogie in der Vatikanstadt.
Das Echo erscholl weltweit. 1999 trat die Studentenmusik vor Papst Johannes Paul II. auf und konzertierte zusammen mit dem Spiel der Schweizergarde in Rom. Und im Mai 2006 fand der dritte Rombesuch statt mit einem Auftritt vor Papst Benedikt XVI.
Auch wenn es die aktuellen Musikerinnen und Musiker der FM nicht wissen: Sie profitieren noch heute davon, was Pater Roman in den über vierzig Jahren seines Schaffens für die Jugend aufgebaut hat. Mit grossem Erfolg tritt die jugendliche Formation jeweils in Schulen auf und weiss die jungen Zuhörer mitzureissen und zu begeistern. Für die Mitglieder der Studentenmusik sind die
Konzerte in den verschiedenen Schulen von Portsmouth oder die Auftritte in der École Européenne in Luxemburg unvergessliche Erinnerungen. Mögen auch für zukünftige Generationen noch viele folgen!