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Kanadische Wissenschaftler haben überprüft, ob Fischölkapseln tatsächlich wie versprochen gegen Herzinfarkt und Schlaganfall schützen.
Trotz des zum Teil schlechten Geschmacks und des unangenehmen fischigen Aufstoßens nehmen Millionen Menschen täglich Fischöl-Kapseln ein. Denn seit Jahrzehnten wird propagiert, Fischölkapseln seien wegen ihres hohen Gehalts an Omega-3-Fettsäuren gut für angegriffene Koronargefäße und schützten vor Herzinfarkt und Schlaganfall. Die Omega-3-Fettsäuren sollen dazu beitragen, dass die Blutgefäße weniger schnell verkalken und sie sollen den Cholesterinspiegel senken.
Seinen Anfang nahm der Boom mit den Fischölkapseln Anfang der 1970er-Jahre. Zwei Wissenschaftler aus Dänemark, Bang und Dyerberg untersuchten die Essgewohnheiten der grönländischen Inuit, nachdem sie erfahren hatten, dass diese Menschen selten an koronarer Herzkrankheit (KHK) und Schlaganfällen leiden sollen. Als Ursache für die tiefere Zahl der KHK-Fälle vermuteten sie die großen Mengen an Fetten tierischen Ursprungs, die hauptsächlich in Form von Robbenfleisch und Walfischspeck Bestandteil des Speiseplans der Inuit waren. Nachdem diese These durch verschiedene Veröffentlichungen unter dem Begriff «Eskimo-Diät» populär geworden war, begann der Siegeszug der Fischölkapseln mit Omega-3-Fettsäuren.
Kanadische Wissenschaftler haben nun überprüft, ob die tägliche Einnahme von Fischöl-Kapseln Risikopatienten tatsächlich vor Herzinfarkten und Schlaganfällen schützt. Sie haben in alten Studien aus den 1970er-Jahren und späteren Studien nachgeschaut und dabei entdeckt, dass der Hypothese, dass die Einwohner Grönlands, die Inuit, aufgrund ihres hohen Fischkonsums seltener an Herzkrankheiten leiden, eine solide Grundlage fehlt.
Ihre Untersuchung veröffentlichten die Forscher im «Canadian Journal of Cardiology». Die Resultate zeigen, dass in den meisten Studien, die zu diesem Thema publiziert wurden, kein Unterschied in der Häufigkeit von KHK bei den Inuit in Grönland und denen in Kanada und Alaska im Vergleich zur europäisch-stämmigen Bevölkerung festzustellen ist.
Die Auswertung der Studien zeigte unter anderem, dass die Einwohner nördlich des Polarkreises häufiger an Schlaganfällen sterben und ihre Lebenserwartung sogar um 10 Jahre unter derjenigen in Dänemark liegt. Der hohe Fettanteil der Nahrung im hohen Norden – bei gleichzeitig tiefem Konsum von Obst und Gemüse – scheint also gar nicht so gesund zu sein, wie es die Hypothese von der „Eskimo-Diät“ verspricht – zudem widerspricht diese Art von Speisen allen gängigen Ernährungsempfehlungen zur Vorbeugung von Herzinfarkten und Schlaganfällen.
Bereits im Jahr 2012 kam eine Metanalyse, die im Fachmagazin «JAMA» veröffentlicht wurde, zum Schluss, dass die meist als Nahrungsergänzungsmittel vertriebenen Fischöl-Präparate für Koronarpatienten keine messbaren Vorteile zur Infarkt-Prophylaxe bringen. Diese Resultate werden durch die nun veröffentlichten Ergebnisse der kanadischen Wissenschaftler unterstützt.
Quelle:
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=52124
http://www.onlinecjc.ca/article/S0828-282X(14)00237-2/abstract
Kommentar & Ergänzung:
Schon erstaunlich, wie lange sich Gesundheitsmythen halten, wenn sie sich einmal etabliert haben. Jedenfalls spricht immer mehr dafür, dass Fischölkapseln nicht halten, was die Werbung verspricht.
Siehe auch:
Fischöl-Kapseln unwirksam gegen Schlaganfall und Herzinfarkt (zur JAMA-Studie von 2012)
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
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