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Wer eines Beispiels bedurfte, dass die staatlich verordneten Massnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus nicht im entferntesten einen positiven Effekt auf die Anzahl Infizierten haben kann, dem sei dieses Beispiel aus Spreitenbach als Anschauungsmaterial wärmstens empfohlen.
Wohlverstanden, ich kritisiere hier keineswegs den Verein, der dieses Schreiben verfasst und an die Eltern der Teilnehmer geschickt hat. Ich hinterfrage die dem Schreiben zugrunde liegenden bzw. angeordneten Massnahmen des Kantons Aargau.
Wo alles “beginnt”
In der zweiten Woche der Herbstferien fand ein Herbstlager statt, an dem gegen 30 Kinder und etwas mehr als eine Hand voll Leiter teilnahmen. Das Lager endete am Donnerstag, 8. Oktober 2020. Offenbar befand sich unter den Leitern eine Person, welche im Anschluss an das Lager positiv auf COVID-19 getestet wurde. Nennen wir diese Person einmal ‘Hanspeter’ (Richtiger Name nicht bekannt).
Die erste Frage wäre: Welchen Teufel hat Hanspeter geritten, dass er sich testen lässt? Hat er noch nie gehört, dass der Test nicht für Diagnosen verwendet werden darf, sondern höchstens in der Forschung? Ist er sich der Konsequenzen bewusst, die er nun ausgelöst hat? Er macht sich höchstens zum “nützlichen Idioten”! Man kann nur allen raten, sich ja nie testen zu lassen!
Die zweite Frage ist, wann und wo Hanspeter das Virus “aufgelesen” hat. Das kann sowohl VOR oder WÄHREND des Herbstlagers gewesen sein. Genaueres wissen wir nicht. Im “Idealfall” war es während des Herbstlagers gewesen. Woher die Ansteckung kommt und wer sonst noch angesteckt wurde, ist ebenso nicht bekannt. Wollte man die Infektionskette wirklich unterbrechen, müsste man alle Personen, mit denen Hanspeter in den letzten Wochen (im Extremfall bis zum vorher durchgeführten, negativen PCR-Test) irgendwie Kontakt hatte, in Quarantäne stecken. Da diese Personen aber ihrerseits auch wieder Kontakt zu anderen Menschen hatten, würde alleine diese Massnahme – theoretisch! – mehrere Hundert, wenn nicht Tausend Menschen betreffen. Zur “Sicherheit” müssten diese alle auf das Virus getestet werden. Fazit: unmöglich.
Da der PCR-Test bekanntlich seine Schwächen hat, würden Menschen unnötig in Quarantäne geschickt – aber dieses Problem lassen wir lieber einmal beiseite. Wir halten einfach fest, dass die isolierte Betrachtung des Falls ohne Vorgeschichte kein Resultat liefert, mit dem eine Ausbreitung gestoppt werden kann.
“Griffige” Massnahmen
Aber lassen wir einmal die Vorgeschichte aussenvor. Jetzt, wo feststeht, dass Hanspeter das Covid-19-Virus in sich trägt, bietet sich die Chance zur Eindämmung.
Vorhang – Fanfaren – Applaus: Auftritt “Contact Tracing Center Aargau” (CTCA).
Die Verantwortlichen des Herbstlagers erhalten vom CTCA Anweisungen, was die teilnehmenden Personen (Kinder wie Lagerleitung) zu tun haben. Die Lagerleitung verfasst im Anschluss ein Schreiben an die Eltern. Dieses wollen wir uns einmal etwas genauer ansehen:
Nun fallen ein paar Dinge auf…
Absatz 1:
Das Leitungsteam hat am Dienstag, 13. Oktober 2020 intern informiert. Das waren 5 Tage nach der Entlassung der Kinder aus dem Herbstlager. In dieser Zeit hat also nicht nur Hanspeter, sondern haben auch alle anderen Teilnehmer potenziell das Virus verbreitet (2. Generation). Wurden Kontaktdaten von diesen möglicherweise infizieren Personen eingefordert? Nein. Das “Schlupfloch” bleibt.
Nehmen wir einmal ein Kind aus dieser Gruppe heraus. Nennen wir sie Claudia (Name bekannt). Seit dem Claudia nach Hause gekommen ist, hatte sie Kontakt zu den Eltern, den Verwandten, den Mitschülern (denn seit dem Montag, 12. Oktober 2020, läuft der normale Schulbetrieb weiter), den Lehrern, Freunden und allenfalls anderen, zufällig über den Weg gelaufenen Personen in öffentlichen Orten. Wollte man das Risiko wirklich verringern, müssten alle diese Personen (und die im Anschluss mit ihnen in Kontakt getretenen Personen) ebenfalls in Quarantäne.
Überschlagmässig nehmen wir einmal an, dass Claudia mit 50 weiteren Personen Kontakt hatte. Bei knapp 40 Teilnehmern im Lager macht dies 2’000 Personen, die potenziell in 3. Generation (“Gen3”) das Virus aufgelesen haben. Das stimmt aber noch nicht, denn all jene, welche das Virus aufgelesen haben, könnten es sofort wieder weitergeben.
Es kommen also weitere Personen hinzu, welche in 4., 5., 6. etc. Generation das Virus weitergegeben haben könnten. Claudia hat im Schnitt pro Tag rund 10 Personen infiziert. Damit können wir bis zum Mittwoch, 14. Oktober folgende Zahlen berechnen:
Freitag, 9. Oktober 2020: 40 Gen2 + 400 Gen3 = 440
Samstag, 10. Oktober 2020: 40 Gen2 + 400 Gen3+ 4’400 Gen4 = 4’840
Sonntag, 11. Oktober 2020: 40 Gen2 + 400 Gen3+ 4’400 Gen4 + 48’400 Gen4 = 53’240
Montag, 12. Oktober 2020: … + 532’400 = 585’640
Dienstag, 13. Oktober 2020: … + 5’856’400 = 6’442’040
Natürlich können wir nun einwerfen, dass wohl am Wochenende nicht täglich 10 Personen infiziert wurden und auch sonst, vielleicht eher ein R-Wert von 1.5 angenommen werden sollte. Dazu kommt, dass der eine oder andere bereits immun ist und so kaum etwas zur Weiterverbreitung beiträgt. Dann wären es bis und mit Mittwoch, 14. Oktober aber noch immer 9’766 Personen, die alleine wegen der Infizierung von Hanspeter nun auch infiziert wären.
Verfügung Punkt 1 + 2
Zum Glück haben wir aber das CTCA, welches nun einschreitet und dieser unkontrollierten Vermehrung wirkungsvolle Massnahmen entgegensetzt: Rückwirkend (sic!) auf dem 8. Oktober 2020 schickt es alle 40 Teilnehmer des Herbstlagers in Quarantäne. Alle anderen 9’726 Personen (= 99.6%) bleiben “auf freiem Fuss”.
Ganz abgesehen davon, dass eine rückwirkend verfügte Quarantäne eine bürokratische Nullnummer ist, zeigt die Massnahme exemplarisch, dass in den Köpfen des CTCA das “dynamische Denken” nicht existiert.
Aber rechnen wir mal durch, wie gross die Wirkung ist, welche – gestützt auf unsere Annahmen oben – die Quarantäne dieser 40 Personen bringt.
Am Donnerstag, 15. Oktober 2020 bleiben 40 Personen zuhause, während 9’726 ihrer normalen Tätigkeit nachgehen. Am Ende des Tages habe nun 24’354 Personen das Virus in sich. Ohne Massnahmen wären es 60 mehr.
Bis zum Sonntag, dem Ende der Quarantäne können dank der Massnahmen 938 Personen geschützt werden. Anstelle der 381’470 Infizierten sind nur 380’532 infiziert – das sind 0.25%.
Anschliessend wir die Quarantäne wieder aufgehoben und die Weiterverbreitung nimmt seinen normalen Verlauf.
Natürlich stimmt die Rechnung nicht ganz. In der Zwischenzeit wurden einige immun (trotz fehlender Impfung!). Wie gross der Effekt dieser Personen auf das Gesamtergebnis ist, kann jeder selbst ausrechnen. Vorteilhaft wäre natürlich eine möglichst hohe “Durchseuchung”, aber das ist ja nicht das Ziel des CTCA…
Verfügung Punkt 3
Besonders intelligent ist die Anordnung in Punkt 3: Claudia muss selbstverständlich nicht in ihrem Zimmer bleiben, sondern darf ganz normal mit ihrer Schwester Fränzi (Name bekannt) und den Eltern spielen, essen, rumtoben. Sollte Mama, Papa oder Fränzi nach dem ersten Tag das Virus noch nicht in sich tragen und mit in den Kindergarten oder an den Arbeitsplatz tragen, so wäre das spätestens anschliessend sichergestellt.
Nun ist aber die Frage: Was machen nun die Eltern mit der zuhause eingeschlossenen Claudia, wenn sie selbst ihren normalen Tätigkeiten nachgehen dürfen? Eine Tagesmutter darf nicht beigezogen werden (Kontaktverbot). Alleine lässt man das 7-jährige Kind nicht. Also bleibt nur, dass Vater oder Mutter zuhause bleibt.
Wer trägt nun die Kosten für den Erwerbsausfall? Wie sage ich es meinem Chef? Diese Fragen kümmert das CTCA nicht. Mit weitergehenden Problemen (“dynamisches Denken”!) soll man sie bitte nicht belästigen. Der Anruf beim CTCA bleibt daher ohne brauchbaren Antworten.
Verfügung Punkt 4
Dass der PCR-Test nichts taugt, zeigt sich spätestens beim Punkt vier. Selbst wenn man negativ getestet wird, muss man zuhause bleiben. Ein Opt-Out gibt es nicht. “Mitgegangen, mitgehangen” hiess es früher. Was interessieren uns Fakten, wir haben Massnahmen durchzusetzen!
Letzter Absatz
Besonders rührend: Das CTCA wird sich “in den kommenden Tagen” bei den betroffenen Personen melden. Das tönt nicht nach “Sofortmassnahmen”, “wichtig” oder “wir kümmern uns um Sie”.
Fazit:
Die vom CTCA angeordneten Massnahmen sind weder zielführend noch logisch oder auch nur im entferntesten nachvollziehbar. Würden sie effektiv durchgesetzt, müssten innerhalb weniger Tage alle Menschen in der Schweiz in den eigenen vier Wänden gefangen sein. Es sind reine Lippenbekenntnisse einer überforderten Regierung.
Das Tracking kann so gar nie funktionieren. Es ist so lückenhaft und langsam, dass Aufwand und Ertrag in keinem vernünftigen Verhältnis stehen. Man sollte die Übung sofort abbrechen.
Ich halte daher an meiner Beurteilung fest:
2020: Das Jahr, in dem Regierungen auf Basis fehlerhafter Messungen der falschen Indikatoren mit wirkungslosen oder kontraproduktiven Massnahmen auf überschätzte “Bedrohungen” reagieren. #MadWorld