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FC Stade-Lausanne-Ouchy - Die Nummer 100
Nach 50 Jahren Drittklassigkeit (1. Liga, dann Promotion League), 20 Jahre auf viertem Niveau (2. Liga, später 1. Liga Classic) und sogar 16 auf der fünften Stufe (3. Liga, dann 2. Liga inter), spielt der FC Stade-Lausanne-Ouchy zum ersten Mal in der Geschichte auf der zweithöchsten Ebene des Schweizer Klubfussballs, der Brack.ch Challenge League. Die Stadt Lausanne wird damit in der Saison 2019/20 die ersten Stadt-Derbys auf Profistufe erleben. Der FC Lausanne-Sport spielte insgesamt 75 Saisons im Oberhaus (National-Liga A und Super League), wurde 7 Mal Schweizer Meister, stieg aber 2018 zum dritten Mal ab.
Der FC Lausanne-Sport ist die Mannschaft von der Oberstadt. Die Pontaise liegt auf 570 Metern Höhe. SLO ist die Équipe der Unterstadt. Ouchy liegt 200 Meter tiefer an den Gestaden des Genfersees. Es werden aber nur zwei der vier Derbys auf der Lausanner Pontaise ausgetragen. Das idyllische Stadion des BCL-Aufsteigers - das Stade de Vidy, umgetauft in Stade Juan-Antonio-Samaranch, zu Ehren des früheren Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOK), dem Gebäude gleich neben dem Stadion -, ist für den Profifussball nicht geeignet.
Stade-Lausanne im Stadion von Stade Nyonnais
Es grenzt überhaupt an ein Wunder, dass Stade-Lausanne-Ouchy im Profifussball Fuss fassen konnte. Denn der Klub hat auch keinen Präsidenten. Der letzte wurde vom eigenen Komitee entlassen, weil er keine Geldgeber mehr finden konnte. So wird SLO, wie ihn seine Fans kurz und bündig nennen, seine Heimspiele 30 Kilometer entfernt im Stade de Colovray in Nyon austragen. Möglich macht es Vartan Sirmakes, Mitbegründer der Uhrenmarke Franck Muller und grosser Geldgeber und Organisator bei Stade-Lausanne-Ouchy. Der Mäzen mit armenischen Wurzeln ist auch auch der Präsident von Stade Nyonnais...
Durch die Stadionfrage liess sich der FC Stade-Lausanne-Ouchy aber auf dem grünen Rasen nicht verunsichern. Der Aufstieg wurde bereits am 27. April 2019, also drei Runden vor Schluss, perfekt gemacht. Am Ende lag der Vorsprung auf die Verfolger bei 9 Punkten. Zu verdanken ist der Aufstiegs-Coup insbesondere Trainer Andrea Binotto. Der 48-jährige Gymnasiallehrer unterrichtet in Lausanne Mathematik und führte SLO in sieben Jahren zu drei Aufstiegen. Seine Spieler – von denen Captain Geiser, Danner und Fungilo seit Beginn des Abenteuers mit von der Partie sind - nennen ihn respektvoll Professeur. Viel bekannter ist sein um ein Jahr älterer Bruder, Mattia Binotto: Dieser ist Teamchef des Ferrari-Teams in der Formel 1.
Mitbegründer des SFV vor 124 Jahren
Bekannte Namen im Aufstiegsteam von SLO gibt es nur wenige: Captain Fabian Geiser (36) absolvierte vor über 12 Jahren 75 Super-League-Spiele für YB und Schaffhausen. Michael Perrier (30/ex-Lugano, Bellinzona, Sion) kam vom FC Aarau, Ferid Matri (25) hat 19-jährig 5 Spiele als Innenverteidiger (neben Puljic) beim FC Luzern absolviert. Bester Torschütze mit 22 Toren war Yanis Lahiouel, zwar Franzose, aber der frühere Junior von Evian spielte zuvor nur bei Erstliga-Teams aus der Romandie.
Man sollte die Lausanner aber nicht unterschätzen. Unter dem Namen FC Stade-Lausanne-Ouchy gibt es ihn zwar erst seit dem Zusammenschluss mit dem FC Ouchy (1. Juli 2000). Aber seine Geschichte ist viel, viel älter. Ouchy gehörte anno 1895 zu den 11 Gründungsmitgliedern des Schweizerischen Fussball-Verbandes (SFV). Und bei Stade-Lausanne bürgen Namen wie die der ehemaligen Nationalmannschafts-Legenden Richard Dürr und Norbert Eschmann, oder jener von General Guisan (10 Jahre lang Präsident) von Tradition und Klasse.