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Üblicherweise denken wir an die Komplexität eines Bioms unter Vorstellung seiner Fauna und Flora, aber als fundamentales Element für die gesamte Existenz dieser Biovielfalt dürfen wir das Wasser nicht vergessen. Und da auch ein Biom wie der Atlantische Regenwald erst durch das Wasser zum Leben erweckt wird, kommt seinem Waldbestand die bedeutende Rolle einer Regelung jener hydrologischen Prozesse zu, welche Qualität und Volumen der Wasserläufe garantieren. Ausserdem hängen auch die innerhalb des Bioms entwickelten humanen Aktivitäten vom Wasser ab – für die Unterhaltung der Landwirtschaft, des Fischfangs, der Industrie, des Handels, des Tourismus, der Erzeugung von Energie, der rekreativen Aktivitäten und der Sanierung.
Ein Schlüssel-Konzept zum Studium der Relation zwischen Wasser, Biodiversifikation und den humanen Aktivitäten ist das hydrografische Becken – mit anderen Worten, eine Gruppe von Bodenflächen, die von einem Hauptfluss und seinen primären und sekundären Nebenflüssen bewässert wird. In der Region des Atlantischen Regenwaldes befinden sich sieben der insgesamt neun grossen hydrografischen Becken Brasiliens, gespeist von den Flüssen São Francisco, Paraiba do Sul, Doce, Tietê, Ribeira do Iguape und Paraná. Die Wälder sorgen für das Volumen und die Qualität des Trinkwassers, welches mehr als 110 Millionen Brasilianer versorgt, die in zirka 3,4 Millionen Munizipien dieses Bioms leben.
Die Tatsache, dass 70% der brasilianischen Bevölkerung sich in Gebieten des Atlantischen Regenwaldes konzentrieren, resultiert in einem enormen Druck auf die Biodiversifikation und die Wasservorräte des Bioms – und schon macht sich in verschiedenen Regionen das Problem des Wassermangels bemerkbar, ausgelöst durch fehlenden Niederschlag, Verschwendung und falsche Wasserverwendung bis zu Verschmutzung und Abholzung.
Was das Fehlen des Wassers betrifft, so liegen die Gründe vor allem auch beim zunehmenden Verbrauch, der sich aus dem Anwachsen der Bevölkerung, der Abholzung und der Wasserverschmutzung erklärt, bedingt durch eine unkoordinierte Entwicklung der Städte und durch die rücksichtslosen wirtschaftlichen Aktivitäten – ausserdem spielen Verschwendung und das Fehlen einer Bevölkerungspolitik, die eine erhaltende Nutzung natürlicher Ressourcen anregen und die Beteiligung der Gesellschaft an einer ambientalen Erziehung fördern.
Was die Wasserverschwendung betrifft, so schätzt man, das der Wasserverlust in Brasilien an die 70% beträgt – 78% allen Wassers wird im Haushaltsbereich verbraucht. Zur Verschwendung von Wasser gehört auch die falsche Nutzung der hydrischen Ressourcen, wie zum Beispiel durch veraltete Giesstechniken in der Landwirtschaft, und die Vergeudung von Wasser in der Industrie – während die Option einer Wiederbenutzung des Abwassers bisher nur vereinzelt üblich ist.
Schliesslich kommt die Aus- oder Abholzung als gravierender Faktor der hydrischen Krise hinzu, denn die Verwüstung der Vegetation, besonders in Gebieten mit Galeriewäldern, hat eine Versandung der Wasserläufe zur Folge und sogar das Versiegen von Quellen. Und damit nicht genug – die Verschmutzung durch Abwässer, Müll und Insektenvertilgungsmittel infiziert das Leben in den Flüssen – sie können absterben und ihr Wasser wird ungeniessbar.
Mit dem Ziel, den Wasserverbrauch effektiver zu nutzen und seinen natürlichen Kreislauf zu schützen, beschäftigt man sich in Regierungskreisen seit den 70er Jahren mit dem “Konzept der hydrografischen Becken“ – und setzt es ein für die strategische Bewusstmachung, Mobilisierung und Beteiligung der Öffentlichkeit. Die zentrale Idee des Ganzen dreht sich darum, dass jede Entwicklung urbanisierter Gebiete sich nach der Disponibilität des Wassers richtet – betreffend seines Volumens und seiner Qualität. Ausserdem gehört zu dieser Überlegung auch, dass man die hydrischen Ressourcen als miteinander verflochten und von einander abhängig verstehen muss, das heisst, eine Aktion, die in einem bestimmten hydrografischen Gebiet durchgeführt wird, kann ein anderes hydrografisches Gebiet beeinträchtigen – so wie es zum Beispiel bei einer Entleerung von Abwasser in die Flüsse der Fall ist, die Verseuchung durch Insektengifte oder infrastrukturelle Projekte etc.
Der politische Prozess, ausgelöst durch diese Gesamtstudie über das Wasser hat, unter anderen Massnahmen, das Gesetz 9.433/97 hervorgebracht, das jedes hydrografische Becken als “Territoriale Einheit“ deklariert – die der nationalen Politik für die Hydrischen Ressourcen untersteht und den Aktionen des Systems Hydrischer Ressourcen. In diesem System wirkt auch ein föderatives und staatliches Netz von “Comitês de Bacias Hidrográficas“ (Komitees der Hydrografischen Becken) mit.
Die Komitees repräsentieren die Basis der anteiligen und integrierten Amtsführung für die hydrischen Ressourcen und setzen sich aus Mitgliedern des Staates, der zivilen Gesellschaft und Wasserverbrauchern zusammen. Die Komitees ermöglichen genauere Aufstellungen und die Anhäufung von Informationen über jedes Becken, sie vereinfachen eine Planung betreffs Inhalt, Versorgung, Verteilung, Verbrauch und Behandlung des Wassers, optimieren infrastrukturelle Projekte und die Verwendung öffentlicher Gelder.
Lernen Sie die Erfahrungen kennen, welche die “Fundação SOS Mata Atlântica“ mit der Erhaltung des Trinkwassers gemacht hat, indem Sie mal einen Blick aus die Arbeiten des “Núcleo União Pró-Tietê“ werfen, oder auf die “Florestas do Futuro“ oder die “Rede das Águas“