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Zürich, 4. Februar 2023
Das Jane Goodall Institut bedauert sehr, dass der Zoo Basel ein gesundes, vier Tage altes Orang Utan-Baby eingeschläfert hat, nachdem seine Mutter Revital unerwartet gestorben ist.
Es ist uns bewusst, dass ein gleichaltriges Orang Utan-Kind in freier Wildbahn, das seine Mutter verliert, mit grösster Wahrscheinlichkeit einen qualvollen Tod stirbt. Dagegen war das Leid des Basler Kindes kurz, und es ist höchstwahrscheinlich schmerzfrei gestorben.
Dieses Baby befand sich jedoch nicht in freier Wildbahn, sondern in menschlicher Obhut. Rechtlich gesehen ist der Fall einfach: Der Zoo darf seine Tiere einschläfern, sofern dies ohne unnötiges Leiden passiert – wir zweifeln nicht daran, dass dies so geschehen ist.
Doch Recht ist nicht der einzige Massstab, den wir anwenden dürfen. Hat der Zoo Basel auch moralisch richtig gehandelt?
Hat er dieses Baby vor grossem Leiden geschützt, das ihm später im Leben widerfahren wäre, wenn es von Menschenhand aufgezogen worden wäre? Der Zoo Basel sagt klar: ja. Menschenaffen, die von Hand aufgezogen würden, wüssten nicht, ob sie Mensch oder Menschenaffe seien. Wenn sie später in eine Menschenaffengruppe integriert würden, wäre ihr Leiden als Aussenseiter untragbar.
Dem widersprechen andere. So sagt Patti Ragan, Gründerin der US-Auffangstation Center of Great Apes, die zahlreiche von Menschen aufgezogene Orang Utans beherbergt: „Die pauschale Behauptung, dass handaufgezogene Orang Utans nicht in sozialen Paaren oder Gruppen leben können und sich nicht fortpflanzen, ist unwahr. In einer Zeit, in der so viele Menschen und Organisationen in Borneo und Sumatra sowie Zoos und Auffangstationen auf der ganzen Welt um das Leben jedes einzelnen Orang Utans kämpfen, ist diese Situation, in der ein Neugeborenes dieser vom Aussterben bedrohten Art eingeschläfert wird, herzzerreissend.“
Das Problem ist, dass niemand je wissen wird, wann das Leben eines Tieres für das Tier selber untragbar ist. Das Jane Goodall Institut stellt sich aufgrund dieser Ungewissheit auf den Standpunkt, dass das Interesse des einzelnen Tieres unbedingt geschützt werden muss und alle Entscheidungen zu seinem Wohle – und nicht zu Managementzwecken – gefällt werden müssen.
Einschläfern darf nur eine allerletzte Option sein, wenn alle Alternativen sorgfältig geprüft und keine einzige gangbar ist.
Ist das im Zoo Basel mit diesem Baby passiert? War das Einschläfern tatsächlich der allerletzte Ausweg? Wurde genug Aufwand betrieben, um Alternativen zu finden? Wurden genügend Fachleute in den Entscheid einbezogen? Wurde hartnäckig genug versucht, eine Orang-Ersatzmutter zu finden? Wurde abgeklärt, ob das Baby jetzt oder später in einer Schutzstation Unterschlupf finden könnte, wo es mit Seinesgleichen sozialisieren kann? Arbeitet der Zoo Basel ernsthaft und langfristig daran, solche Tragödien in Zukunft zu vermeiden?
Diese Art von Sorgfalt und Mitgefühl sind wir jedem einzelnen Tier in unseren Zoos schuldig.
Allen Tierpflegerinnen und Tierpflegern vom Zoo Basel sowie allen Personen, die um Revital und ihr Baby trauern, sprechen wir unser herzliches Beileid aus.