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Bereits im 5. Jahrhundert vor Christus wurden die Symptome von Hepatitis erstmals beschrieben. Allerdings wusste damals niemand, wo die Hepatitis herkommt und wie man sie behandelt. Heute bieten wirksame Impfungen Schutz gegen Hepatitis A und B. Gegen Hepatitis C gibt es zwar noch keine Impfung, die Heilungschancen liegen jedoch dank moderner Therapien bei über 95%.1
Über Jahrhunderte unerkannt
Berichte über Ausbrüche von epidemischer Gelbsucht, einer häufigen Folge von Hepatitis, gab es bereits im Altertum. Die Erkenntnis, dass Hepatitis meist durch Viren ausgelöst wird, erfolgte jedoch erst Mitte des 20. Jahrhunderts. 1947 unterschied der britische Arzt F.O. McCallum erstmals zwischen den Hepatitis-Viren A und B. Ende der 1980er-Jahre entdeckten Forschende schliesslich das Hepatitis-C-Virus, welches häufig chronisch verläuft und daher als gefährlichstes Hepatitis-Virus gilt. Weltweit sind schätzungsweise 400 Millionen Menschen mit einer der Virus-Varianten infiziert, jährlich sterben über 1.3 Millionen Personen an der Erkrankung.2
Hepatitis ist tückisch, weil viele Symptome schleichend auftreten. So kann es oft Jahre dauern, bis Betroffene eine Ansteckung bemerken – mit schwerwiegenden Folgen für die Leber.
Impfungen gegen Hepatitis als Durchbruch
Die Impfung ist die wirksamste Prävention gegen Hepatitis A und B (auch als Kombinationsimpfung). Die ersten Hepatitis-A-Impfstoffe wurden in Europa 1991 zugelassen. Mittlerweile befinden sich diese auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation (WHO), da sie mit einer Wirksamkeit von 95-99% Schutz vor einer der häufigsten Infektions-Krankheiten in Risikoregionen wie Afrika, Asien, Mittel- und Südamerika bieten. Die Impfung wird daher allen Reisenden empfohlen, die ein Land mit hoher Hepatitis-A-Durchseuchung besuchen.3
Die Impfung gegen Hepatitis-B-Viren wird seit 1984 angewendet. Sie gehört in der Schweiz zu den Basis-Impfungen und bietet Geimpften eine 10-jährige Immunität – nach einer Auffrischung im Erwachsenenalter hält diese sogar über Jahrzehnte an.4 Die Impfempfehlung für Jugendliche, welche das Bundesamt für Gesundheit (BAG) in der Schweiz 1998 eingeführt hat,5 hat massgeblich dazu beigetragen, dass die Anzahl der Neuinfektionen mit Hepatitis-B in der Schweiz kontinuierlich rückläufig ist:
Dank der hohen Durchimpfungsrate konnte die weltweit geschätzte Prävalenz in den letzten 40 Jahren bei den unter 5-jährigen Kindern von 4,7% auf unter 1% gesenkt werden. Studien zeigen für Geimpfte zudem eine dreifach niedrigere Inzidenz einer durch diese Virusvariante erzeugten Leberkrebs-Variante. Somit kann die Hepatitis-B Impfung gar als Impfung gegen Krebs bezeichnet werden.4
Therapeutische Fortschritte dank gezielter Forschung
Wenn eine Ansteckung mit einem Hepatitis-Virus erfolgt und chronisch wird, kann dies mit schwerwiegenden Folgen verbunden sein und sogar zu Leberzirrhose oder Leberkrebs führen. Während Hepatitis A nie chronisch verläuft, kann dies sowohl bei Hepatitis B als auch bei Hepatitis C geschehen. Dank neuer Entwicklungen in der medizinischen Forschung können chronische Verläufe heute jedoch gut behandelt werden.
Im Falle einer Infektion mit Hepatitis-B werden antivirale Wirkstoffe verwendet, welche die Virenmenge im Blut reduzieren und so schwere Komplikationen verhindern. Zudem wird es dank neuer virologischer Diagnostik-Methoden zunehmend leichter, die beste Therapieoption zu bestimmen.
Die Therapie von Hepatitis C hat seit der Entdeckung des Virus’ im Jahr 1989 enorme Fortschritte gemacht. Zu Beginn wurden die Erkrankten während sechs bis zwölf Monaten mit Interferon behandelt. Die Heilungsrate lag anfänglich unter 20%, verbunden mit beträchtlichen Nebenwirkungen für die Patientinnen und Patienten. Im zweiten Jahrzehnt konnte die Heilungsrate unter anderem durch die Kombination mit Ribavirin schrittweise auf 45% erhöht werden. Entscheidende Fortschritte wurden schliesslich in den letzten beiden Jahrzehnten erzielt; die Identifikation der Proteinstruktur ermöglichte die Entwicklung hochpotenter antiviraler Medikamente mit einem hervorragenden Sicherheitsprofil. Mit der interferonfreien Therapie gelang schliesslich im Jahr 2015 der Durchbruch in Bezug auf Heilungsrate und Nebenwirkungen.6 Während die chronische Hepatitis C bis vor kurzem noch die häufigste Ursache für eine Lebertransplantation in der Schweiz war, können mittlerweile 98% aller Erkrankungen geheilt werden. Im Schnitt wird heute bereits nach 8-12 Wochen eine Virusfreiheit erreicht. Seit 2022 können alle Medikamente zur Behandlung von Hepatitis C ohne Einschränkung ärztlich verschrieben werden.7 Die durch die Leistungsfähigkeit der biomedizinischen Forschung entstandenen Therapien ermöglichen nun erstmals eine lang undenkbare Perspektive: die weltweite Elimination von Hepatitis C und damit verbunden die Rettung von Millionen von Menschenleben.
Die WHO hat sich demnach zum Ziel gesetzt, Hepatitis B und C bis zum Jahr 2030 weltweit einzudämmen. Dies soll durch eine Kombination verschiedener Massnahmen erfolgen: Die Impfungen sind dabei der Schlüssel zum Erfolg. Es ist zu erwarten, dass die enorm schnell erzielten Fortschritte bei der Entwicklung von Covid-19-Impfstoffen auch der Entwicklung einer Impfung gegen Hepatitis C Auftrieb verleihen werden.8 Weiter wird intensiv an noch wirksameren Therapieoptionen für Hepatitis B geforscht. Zudem spielt der Ausbau der Diagnostik weiterhin eine wichtige Rolle beim weltweiten Kampf gegen Hepatitis.
1 Deutsches Bundesministerium für Bildung und Forschung (2019): Hepatitis – Eine unterschätzte Krankheit. https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/hepatitis-eine-unterschatzte-krankheit-mit-hoher-dunkelziffer-9689.php
2 Hepatitis Schweiz (2022): Was ist Hepatitis? https://hepatitis-schweiz.ch/formen/was-ist-hepatitis
3 Robert Koch Institut (2019): Hepatitis A. https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_HepatitisA.html
4 Gerlich, Wolfram H. (2022): Hepatitis-B-Impfstoffe – Geschichte, Erfolge, Herausforderungen und Perspektiven. Bundesgesundheitsblatt 65: 170–182.
5 Bundesamt für Gesundheit (2020): Impfungen – Zahlen und Fakten. https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/strategie-und-politik/nationale-gesundheitsstrategien/nationale-strategie-impfungen-nsi/zahlen-fakten.html#:~:text=Schweizweit%20sind%2070%20Prozent%20der,von%2012%20bis%2089%20Prozent
6 Grätzel, Philipp (2019): Die Interferontherapie ist Geschichte. 13th Expert Summit on Viral Hepatitis, 10./11. Februar 2017, Berlin (Veranstalter: MSD). https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s15006-017-9415-x.pdf?pdf=button
7 Hepatitis Schweiz (2022): Neu können Hepatitis-C-Medikamente auch von Hausärzt:innen verschrieben werden. https://hepatitis-schweiz.ch/news/neu-koennen-hepatitis-c-medikamente-auch-von-hausaerztinnen-verschrieben-werden
8 Swiss Medical Forum (2022): Hepatitis C ist heilbar: eine Erfolgsgeschichte der biomedizinischen Forschung. https://medicalforum.ch/de/detail/doi/smf.2022.09003
Hepatitis
Bei Hepatitis handelt es sich um eine Entzündung der Leber. Auslöser ist immer eine Schädigung bzw. Zerstörung von Leberzellen. Verantwortlich dafür sind meist Infektionen mit bestimmten Viren, seltener auch Giftstoffe, Alkohol oder Autoimmunerkrankungen. Die Krankheit tritt akut oder chronisch auf; im ersten Fall heilt die Krankheit innerhalb von 6 Monaten aus.
Bekannt sind mehrere virale Formen von Hepatitis, die sich durch die Schwere und Dauer unterscheiden. Als wichtigste, auch in der Schweiz auftretende Formen gelten Hepatitis A, B und C, ferner auch Hepatitis D (Auftreten immer in Zusammenhang mit Typ B) und E.
Hepatitis A tritt niemals chronisch auf, heilt meistens vollständig aus und zieht eine lebenslange Immunität nach sich. Sie wird durch verunreinigtes Trinkwasser, kontaminierte Lebensmittel oder über Schmierinfektionen übertragen und ist auch als «Reisehepatitis» bekannt.
Hepatitis B ist die weltweit am häufigsten auftretende Lebererkrankung, die vor allem durch ungeschützten Geschlechtsverkehr oder Blut übertragen wird und meist akut verläuft. Hepatitis C dagegen erfolgt in ca. 80% der Fälle chronisch, die häufigsten Übertragungsformen sind Injektionsnadeln beim Drogenkonsum oder schlechte Hygiene bei medizinischen Eingriffen.