Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03449.jsonl.gz/2009

Bei ihm lesen wir in Kapitel 2,14: «Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion!» Wer aber ist diese «Tochter Zion»? Die Antwort ist vielgestaltig. Ursprünglich war Zion nur der Name für die kleine «Stadt Davids», aus der später Jerusalem wurde. Als sein Sohn Salomo dann auf dem nahegelegenen Berg Morija den Tempel baute, wurde fortan der ganze Tempelberg «Zion» genannt. Der Prophet Sacharja verstand unter der «Tochter Zion» schon die ganze Stadt Jerusalem. Und schliesslich wurde «Zion» zum Sammelbegriff für die Einwohner Jerusalems, später auch für alle Israeliten darüber hinaus. So zum Beispiel in Jeremia 8,21–22: «Jeremia sprach: Mich jammert von Herzen, dass die Tochter meines Volks so zerschlagen ist. Ist denn keine Salbe in Gilead oder ist kein Arzt da?» Die Beifügung «Tochter» wurde aber auch für andere Städte- und sogar Ländernamen verwendet. Da ist in den Psalmen von der «Tochter Tyrus» oder von der «Tochter Babylon» die Rede. Und der Prophet Jeremia spricht von der «Tochter Ägypten». Wenn wir jedoch singen: «Tochter Zion, freue Dich ...», dann stimmen wir ein in die Weihnachtsbotschaft des Engels an die Hirten: «Siehe, ich verkündige euch grosse Freude für alles Volk.» Erschütternd klingen dagegen die Worte von Jesus, wenn er kurz vor Karfreitag über Jerusalem weint und klagt: «Der Friede war dir so nahe, warum nur wolltest du ihn nicht haben?» (Luk. 19,42). Auch im sonstigen Neuen Testament finden wir nichts mehr von einer ehemaligen Jerusalem-Begeisterung, und Jesus weist sie bei seinen Jüngern sogar zurück (Mark. 13,2). Die Johannes-Offenbarung lenkt stattdessen unsere Aufmerksamkeit auf die Himmelsstadt als Inbegriff der neuen Schöpfung, die bei der Wiederkunft Christi von Gott herabkommen wird. Aus der Hoffnung auf diese neue Welt können wir persönlich und als christliche Gemeinde Gottes Lebenskraft für heute schöpfen. Im Hebräerbrief lesen wir: «Sondern ihr seid gekommen zu dem Berg Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, und zu den vielen tausend Engeln und zur Festversammlung und zu der Gemeinde der Erstgeborenen, die im Himmel aufgeschrieben sind, und zu Gott, dem Richter über alle, und zu den Geistern der vollendeten Gerechten und zu dem Mittler des neuen Bundes, Jesus ...» (Hebr. 12,22). Freuen dürfen sich alle, die schon jetzt durch Jesus zu diesem neuen Bund gehören. Er wartet auf die Zögernden und Unentschlossenen. Noch ist Gnadenzeit. Dann wartet auf uns die «Krone der Gerechtigkeit» – die Corona der Freude (2. Tim. 4,8).
Aus factum 06/2022