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Trotz Engpässen bleibt die Freiburger Wirtschaft auf Kurs
Aber die Inflation und die Lieferrückstände wirken belasten
Seit anfangs Jahr können die Freiburger Unternehmen eine solide Aktivität ausweisen, und das trotz der Unsicherheiten. Engpässe aller Art, ein starker Anstieg der Energiepreise, die Inflation ganz allgemein sowie Probleme bei der Suche nach Fachpersonal führen allerdings dazu, dass das Management der Geschäftstätigkeiten komplexer wird.
Die Mehrheit der Unternehmen, die Mitglieder des HIKF-Observatoriums der Wirtschaft sind, musste die Preise den Verteuerungen anpassen, und weitere Erhöhungen sind bereits geplant. Bei einem Teil der Unternehmen flacht sich die Rentabilität ab. Die Aussichten für die zweite Jahreshälfte bleiben zum jetzigen Zeitpunkt zwar positiv, sie könnten allerdings in den kommenden Monaten neu eingeschätzt werden. Positive Nachrichten sind von der Investitions-Front zu vermelden: Die Pläne werden durchgezogen.
Fast ein Drittel (30%) der 37 Unternehmen, die sich an der vom HIKF-Observatorium der Wirtschaft vom 10. bis 20 Juni durchgeführten Umfrage beteiligt haben, verzeichneten seit anfangs Jahr eine Verbesserung des Geschäftsgangs, 27% mussten eine Verschlechterung in Kauf nehmen und für 47% blieb er unverändert. Angesichts des starken Aufschwungs im Jahr 2021 deutet die Situation auf eine sehr solide Wirtschaftstätigkeit hin. Für 59% der an der Umfrage beteiligten Unternehmen entspricht die Entwicklung den Erwartungen, bei 16% liegt sie über und bei 24% unter den Erwartungen.
Ende Juni hatten nur 16% der Befragten ihre Erwartungen nach unten korrigiert. 49% gaben an, dass sie die Erwartungen in den kommenden Monaten womöglich anpassen werden. Ein guter Viertel (27%) hält an seinen Erwartungen fest, 8% haben ihre Erwartungen sogar höher geschraubt. Die Tatsache, dass eine steigende Anzahl von Unternehmen angeben, sie könnten ihre Erwartungen anpassen, lässt sich mit drei Problemen erklären, die sich verschärfen oder dauerhafter werden könnten: Engpässe, die Inflation und der Arbeitskräftemangel.
Engpässe: kein Ende in Sicht
Von Engpässen sind fast drei Viertel (72%) der Mitglieder des HIKF-Observatoriums der Wirtschaft betroffen. Das Observatorium umfasst Vertreter der wichtigsten Wirtschaftsbranchen im Kanton. Für die Hälfte dieser Unternehmen sind es Metalle, Holz oder Legierungen, die nicht verfügbar sind oder mit sehr grosser Verspätung eintreffen. 41% der Antwortenden bekunden Probleme bei der Lieferung von Maschinen und Apparaten, 33% fehlt es an Komponenten und 26% an Materialien, etwa im Baubereich. Die Engpässe und Verspätungen betreffen aber eine breite Palette von Produkten, von Dünger bis zu Elektrobestandteilen und WiFi-Antennen.
Die befragten Unternehmen erklären sich diese Beeinträchtigungen vor allen mit dem Krieg zwischen Russland und der Ukraine (erwähnt von 73%), mit Logistikproblemen (65%) und mit einer steigenden Nachfrage, die von den Lieferanten nicht vollständig abgedeckt werden kann (58%). 38% der Antwortenden sind der Meinung, dass die Produktionsländer verlangsamt wer-den durch Massnahmen im Zusammenhang mit dem Coronavirus, und 31% stellen fest, dass die Lieferanten die Produktion zurückgefahren haben.
Lager und Verhandlungen, um sich anzupassen
Es werden hauptsächlich zwei Massnahmen ergriffen, um sich der Situation anzupassen: 69% der Unternehmen haben ihre Lagerbestände erhöht, und 62% handeln mit ihren Kunden Fristen aus. 54% der Unternehmen geben an, sie hätten sich an andere Lieferanten gewendet, und 50% haben mit ihrer Kundschaft die Preise neu gestaltet und dabei bereits unterzeichnete Verträge verhandelt. Fast eines von fünf Unternehmen (19%) ist zudem dazu übergegangen, die fehlenden Bestandteile oder Materialien – oder Teile davon – selbst herzustellen.
Der Anteil der Unternehmen, die keine Massnahme ergriffen oder den Betrieb neu ausgerichtet oder Entlassungen vorgenommen haben, ist marginal (4% für jede der genannten Kategorien). Bei der Frage, wie sie die Aussichten auf eine Normalisierung einschätzen, gaben 54% der Befragten an, die sähen vor dem kommenden Jahr überhaupt keinen Lichtstreifen am Horizont, 33% erwarten sogar, dass die Situation noch länger andauern wird, bis 2024 und darüber hinaus.
Es zeichnet sich eine neue Welle von Preisanpassungen ab
Die Engpässe bewirken automatisch eine starke Inflation. Das Phänomen nahm bereits letztes Jahr seinen Anfang mit dem starken Preisanstieg für Gas und Öl sowie sämtliche Rohstoffe. Es erstreckt sich nun aber auch auf die Elektrizität und betrifft die grossen Konsumenten auf dem freien Markt und auch einen sehr grossen Teil der industriellen Produktion und der Baubranche.
61% der Unternehmen, die dem Observatorium zugehören, mussten ihre Preise erhöhen. Die Preiserhöhungen erfolgten je nach Gütern in einer Bandbreite zwischen 5 bis 20%, mit ausgeprägteren Erhöhungen bei speziellen Produkten und der Energie. Der Trend dürfte sich fortsetzen, geben doch 72% an, sie würden für die kommenden Monate weitere Preiserhöhungen ins Auge fassen, die Bandbreite ist dabei zu diesem Zeitpunkt etwas ausgeglichener (zwischen 3 und 10%). Zu erwähnen ist, dass ein Drittel der Unternehmen, die ihre Preise nicht angepasst haben, dies schon bald zu tun beachsichtigen.
Die Inflation wirkt sich immer nachteiliger aus
Die Inflation bleibt nicht ohne Folgen. Für einen Drittel der Unternehmen sind die Folgen «gross und finanziell nachteilig», 6% sind der Meinung, sie führe zu Verlusten und 5% verzeichnen ernste Konsequenzen. Es darf aber nicht unerwähnt bleiben, dass 44% der Meinung sind, die Verteuerung habe «zwar spür-, aber doch bewältigbare Folgen», und 11% verzeichnen keine oder nur sehr beschränkte Auswirkungen.
Arbeitskräfte: Die Situation verschärft sich weiter
Was die Arbeitskräfte anbelangt, so ist keine Entspannung in Sicht: 86% der antwortenden Unternehmen geben an, sie würden bei der Personalsuche auf Schwierigkeiten stossen. Für 44% von ihnen ist die Situation im Vergleich zu 2021 komplizierter geworden, während 50% der Meinung sind, die Situation sei mit jener von letztem Jahr vergleichbar. Ein weiterer Beleg für den Trend: Der Mangel an qualifiziertem Personal ist nicht auf bestimmten Branchen beschränkt, wie das noch vor ein paar Jahren der Fall war, sondern betrifft nun sämtliche Sektoren. Neu ist zudem, dass das Phänomen nun klar ein Konkurrenznachteil ist, mit einer wachsenden Anzahl von Unternehmen, die angeben, wegen Personalmangel auf Geschäftsgelegenheiten verzichten oder Lieferungen verschieben zu müssen.
Gute Neuigkeiten gibt es hingegen von der Investitionsfront. Obwohl das Umfeld extrem unsicher ist, haben 71% ihre Investitionspläne nicht zurückgeschraubt. Von den 29%, die dies getan haben, haben 70% ihre Vorhaben verschoben (ganz oder teilweise), und 50% haben sie redimensioniert. Nur 10% haben ihre Investitionspläne vollständig aufgegeben.