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Eine Studie hat untersucht, welche Kompetenzen sich junge Menschen bei ehrenamtlichen Tätigkeiten aneignen und wie sie diese für ihren Ausbildungs- und Berufsweg nutzen.
Junge Vereinsmitglieder haben einen Grossanlass organisiert. Dafür mussten sie ein Budget verwalten, einen Veranstaltungsort reservieren, Getränkelieferanten und Caterer beauftragen, die Dekoration planen und die Sicherheit während der Veranstaltung gewährleisten. Dass sie damit wichtige Kompetenzen erworben haben, ist ihnen jedoch nicht bewusst. Es sei schliesslich «keine Hexerei, einen Brunch für 200 Personen zu organisieren», meinen sie. Wie in diesem Beispiel spielen Jugendliche ihre Freiwilligeneinsätze häufig herunter und schätzen den Wert der Erfahrungen, die sie dabei sammeln, viel zu gering ein. Deshalb machen sie diese bei Bewerbungsgesprächen auch zu wenig geltend und erwähnen sie im Lebenslauf höchstens unter der Rubrik «Hobbys». Das ist eines der Ergebnisse einer Umfrage, die das Eidgenössische Hochschul-institut für Berufsbildung (EHB) im Rahmen des Ende 2016 abgeschlossenen Forschungsprojekts «Engagement junger Personen in freiwilligen Tätigkeiten und Kompetenzentwicklung» durchführte. In Interviews mit 16- bis 25-Jährigen, die Freiwilligenarbeit leisten, untersuchte man ihre Motivation sowie den Nutzen, den sie aus ihren Einsätzen ziehen. Die meisten der befragten Jugendlichen traten auf Anregung ihres näheren Umfelds in einen Verein ein. Die jungen Menschen, die sich im humanitären, ökologischen oder sozialen Bereich engagieren, äussersten häufig ein ausgeprägtes Interesse für die Ziele des Vereins und den Wunsch, etwas Sinnvolles zu machen. Befragt nach den Fähigkeiten, die sie bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit erworben haben und die ihnen bei potenziellen Arbeitgebern nützlich sein könnten, nannten die Jugendlichen in erster Linie formale Schulungen (Jugend-und-Sport-Kurse, theoretische Einführung in die Menschenrechte). Erst in zweiter Linie erkannten sie, dass sie auch wertvolle Erfahrungen gewonnen haben: Sie haben gelernt, Projekte zu leiten, sind reifer geworden, konnten ihr Selbstvertrauen stärken und sich vernetzen. Die zuständige Projektleiterin am EHB, Sandrine Cortessis, erklärt, dass sich freiwilliges Engagement und die Entwicklung von Fähigkeiten gegenseitig bestärken. «Je mehr sich die Jugendlichen anerkannt fühlen, desto grösser ist ihr Engagement für den Verein. Je interessantere und verantwortungsvollere Aufgaben ihnen übertragen werden, desto mehr wollen sie sich einbringen.» Cortessis hat auch beobachtet, dass sie dabei einen Status und Verantwortungsgrad erlangen, zu denen sie Rahmen ihrer Ausbildung noch keinen Zugang haben.
In Zusammenarbeit mit dem Landjugendverband Fédération vaudoise des jeunesses campagnardes (FVJC) haben die Forscherinnen des EHB in einem zweiten Schritt Workshops für Jugendliche durchgeführt. Das Ziel war, bei den Jugendlichen das Bewusstsein für die erworbenen Kompetenzen zu wecken und sie dazu anzuregen, diese Fähigkeiten im Lebenslauf und bei Bewerbungen zu nutzen. Die Teilnehmenden wurden aufgefordert, ihre Tätigkeiten zu reflektieren und detailliert zu beschreiben. Danach wurden die damit verbundenen Kompetenzen identifiziert: planen, organisieren, ein Team leiten, ein Budget verwalten, Selbstständigkeit und Teamgeist entwickeln, mit Menschen umgehen, ein Netzwerk aufbauen usw. Anschliessend erfassten die Jugendlichen die erworbenen Fähigkeiten und erstellten detaillierte Kompetenzkarten. Dabei wurde ihnen klar, dass diese Kompetenzen auch auf das Berufsleben übertragen werden können. Aus diesem Prozess entstand schliesslich ein kollektives Kompetenzenportfolio, das ehrenamtlich tätige Jugendliche als Grundlage für ihr persönliches Portfolio nutzen können. Mit dem Projekt konnten auch die Vereine dafür sensibilisiert werden, systematisch Bescheinigungen für Freiwilligenarbeit auszustellen. Die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände, die sich seit Langem für die Anerkennung von ehrenamtlich erworbenen Kompetenzen stark macht, hat bei der Erarbeitung eines Dossiers mitgewirkt, mit dem freiwilliges Engagement attestiert und erfasst werden kann. «Erwachsene engagieren sich häufig ehrenamtlich, um einen Ausgleich zum Beruf zu haben. Wenn Jugendliche sich freiwillig engagieren, können sie dabei neue Berufsfelder entdecken», erklärt Sandrine Cortessis. Neu erworbene Kompetenzen können neue Impulse geben und die Studien- oder Berufswahl beeinflussen: Wer sich bei Amnesty International engagiert, entdeckt vielleicht plötzlich sein Interesse für die Rechts- oder Politikwissenschaften. Wer ein Festival organisiert, findet Gefallen an einer Arbeit im Eventbereich usw. Doch Freiwilligenarbeit trägt auch zur Bildung bei. Das zeigt etwa das Beispiel einer jungen Frau, die in ihrem Ehrenamt als Präsidentin des Jugendparlaments Kompetenzen entwickelte, die ihr halfen, ihre Probleme in der Ausbildung zu überwinden. So können sich das Selbstvertrauen und die Eigenverantwortung, die bei einer freiwilligen Tätigkeit entfaltet werden, positiv auf den Bildungsweg auswirken. www.ehb.swiss
Ingrid Rollier, PANORAMA-Redaktorin