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Hanf als Medizin

Denn, wenn eine verkrampfte Seele in einem verkrampften Körper wohnt,
...wer ist nun Schuld ? ... der Körper oder die Seele ?
... ohne Körper keine Seele, ohne Seele kein Körper,
wohl dem, der seine Seele baumeln lassen kann,
denn dieser, sein Körper wird davon profitieren!
Hanfkraut und seine Harze sind seit 1951 dem schweizerischen Betäubungsmittelgesetz unterstellt. Anbau, Besitz, Handel und Konsum sind seither verboten. Beschränkte medizinische Anwendung von Hanfpräparaten in Situationen, wo alle modernen Präparate versagen ist nicht erlaubt. Erlaubt ist der Konsum bloss im Rahmen wissenschaftlicher Forschung, denn als Heilmittel in der Volksmedizin hat Hanfkraut eine Jahrtausende alte Tradition.
Hanfkraut (Cannabis sativa) wird in der Volksmedizin seit über 5'000 Jahren eingesetzt. In China wurde es bei Asthma angewandt, tibetanischen Frauen erleichterte es die Geburt, in Indien kam es bei Migräne und Krämpfen zum Einsatz. In Europa wird Cannabis seit dem 16. Jh. in Kräuterbüchern erwähnt. Geschätzt wurde Hanfkraut wegen seiner schmerzlindernden, muskelentspannenden, krampflösenden, entzündungshemmenden und betäubenden Eigenschaften. Zwischen 1850 und 1950 waren in Europa und damit grösstenteils auch in der Schweiz über 100 verschiedene Hanfmedikamente erhältlich. In den USA waren Cannabisprodukte zwischen 1850 und 1900 gar die am meisten verkauften Schmerzmittel. Dann wurden sie durch Aspirinpräparate verdrängt.
Hanf enthält über 400 Substanzen. Für das therapeutische Potenzial massgebend sind die sogenannten Cannabinoide. Mehr als 60 verschiedene Cannabinoide wurden bisher identifiziert, darunter das bekannte Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und das Cannabidiol (CBD).
Die Wirkungsweise von THC ist wissenschaftlich sehr gut untersucht. Seit 1986 wird THC in den USA auch synthetisch hergestellt und als Medikament in Kapselform unter dem Namen Marinol (Dronabinol) eingesetzt. Belegt ist die therapeutische Wirksamkeit von THC bei folgenden Indikationen:
Noch zu wenig gut belegt ist die Wirksamkeit von THC bei Migräne, bei Epilepsie, bei Glaukom und bei Asthma. Forschungsbedarf besteht auch, um die Rolle weiterer im Hanfkraut enthaltener Cannabinoide zu klären. Präparate aus natürlichem Hanf scheinen dem synthetisch hergestellten THC (Dronabinol) nämlich in ihrer Wirksamkeit überlegen zu sein. Vermutet wird, dass andere Cannabinoide, z.B. das Cannabidiol (CBD), die positiven Wirkungen von THC verstärken und die unerwünschte (berauschende) Wirkung abschwächen.
Dass Hanf noch ungenutztes Potential habe, glauben auch Vertreter der Pharmabranche. Die britische Firma GW Pharmaceuticals gewinnt aus verschiedenen Hanfsorten ein Extrakt mit den Wirkstoffen THC und Cannabidiol. In Sprayform gelangen die Substanzen direkt über die Mundschleimhaut in den Blutkreislauf. Das Medikament Sativex wurde an mehreren Tausend Personen klinisch getestet. Zur Anwendung kommen soll es u.a. bei Multipler Sklerose und Schmerzen, die bei sogenannten Neuropathien auftreten. Die Zulassung durch die britischen Behörden soll demnächst erfolgen.
1999 empfahl das United States Institute of Medicine, ein wirksame und sichere Anwendungsform zur klinischen Anwendung von Hanf zu entwickeln. Jetzt hat die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA einen Inhalator für medizinische Studien mit Hanf zugelassen. Eines dieser medizinischen High-Tech-Geräte ist auch an der Universität Bern im Labor von Professor Brenneisen im Einsatz.
Links:
Suchtpotenzial von Cannabis und anderen Drogen:
Schweizerische Studien zur therapeutische Anwendungen von Hanf:
Bücher:
Franjo Grotenhermen (Hrsg.):
Franjo Grotenhermen & Michael Karus: