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Bis Herbst 2019 erscheinen regelmäßig zum Saisonwechsel die Sketchbooks von Robert Crumb. Insgesamt werden es sechs Bände sein, die bis zum Jahr 2011 Entwürfe des Künstlers zeigen. Zudem ist bei TASCHEN ein Band mit dem Titel "Sex Obsessions" von Robert Crumb bereits jetzt erhältlich, sowie natürlich Band 1 der Sketchbooks, der bis September 1968 reicht. Volume 3 wird im Frühjahr 2018 erscheinen. "Work is th’ curse of th’ drinking class", sagt er in einem Selbstporträt zum Thema Arbeit.
Sketchbooks eines hart arbeitenden Künstlers
"Drawing of a Holy Sink" zeigt ein gewöhnliches (amerikanisches) Waschbecken mit dem Untertitel "R.Crumb pissed here. June `69. Mira Monte Hotel Mission St. San Francisco". Mit diesem "Porträt" legt der amerikanische Comickünstler aus Philadelphie/PA die Latte ziemlich hoch, denn es ist natürlich eine Anspielung auf das Werk "Fountain" des französischen Surrealisten Marcel Duchamp, eines der ersten Readymades der amerikanischen Kunstgeschichte, das den Titel "R.Mutt 1917" trägt. Noch 2004 wurde es von 500 der einflussreichsten Kunsthändlern zum einflussreichsten Kunstwerk des 20. Jahrhunderts gewählt. Sicherlich ist aber auch das Werk von Robert Crumb in seiner Gesamtheit ein unvergleichbares Kunstwerk, das auch viele andere Künstler inspiriert hat und immer noch tut. Die Sketchbooks 1-6, die bei TASCHEN erscheinen, zeigen sowohl seine ersten Gehversuche, als auch seine weiteren Entwicklungen. So entwirft Crumb etwa eine seiner berühmtesten Figuren in Skizzen wie den hier vorliegenden und improvisiert einfach drauflos. Suckable Suzy Suzuki entsteht auf diese Weise ebenso wie 10'000 Smegma Gags oder eine Katze namens Fred, wie Fritz the Cat ursprünglich hätte heißen sollen. Immer wieder entwirft Crumb auch eigene Zeitungen und kreiert Titelblätter dafür: "Ovarian Prolapse" heißt eine oder "Hidden Anxiety Comics" eine von ihm erfundene Comicreihe. Existential Nausea Comics, wäre wohl ein ebenso genialer Titel gewesen. Voller Ironie betont er auch in Selbstporträts immer wieder, wie schwierig es sei, als Künstler zu leben, und dass es schwere Arbeit sei: "It’s no Picnic. That’s for sure. Far from it."
"Far Out, Man"
Eines seiner liebsten Zeichenobjekte war schon damals seine Frau Aline, bei der er immer die Schenkel und Hüften betont. Aber auch seine Generation porträtiert Crumb, etwa zwei Langhaarige, die sich gelangweilt in die Augen sehen und mehr rauchen wollen. "Right on, Bro’" erwidert der zweite, denn was anderes haben sie offensichtlich nicht zu tun. "Hi Folks, I’m Mr Snoid and I live in an asshole", heißt es an anderer Stelle an der Mr. Snoid auch die Vor- und Nachteile eines solchen Lebens erörtert. "Oh now I can dig it" sagt der eine Hippie zum anderen, "Far Out, Man". Die gelangweilte und dumpfe Ausdruckslosigkeit in ihren Gesichtern konterkariert die enthusiastische Sprache der jungen Generation, die sich durch Drogen- und Alkoholexzesse längst das Gehirn rausgeballert hat. "You got t’learn t’read between the lines, man", rät ein Schwarzer mit Melone, vielleicht gerade dann, wenn Crumb selbstironisch "male chauvinist reactionary ideas about women" zeichnet. Robert Crumb hat eine Vielzahl von Archetypen erfunden, Big Laig Women etwa, the female Sasquatch oder Sally Blubberbutt oder Kathy and her musical box. Bei Zeiten beschimpfen ihn seine Erfindungen auch als Sexisten, aber Crumb genießt es einfach sie zu zeichnen. Roobis Poobis and Rumpis Dumpis, Stinko the Clown und natürlich Mr. Natural & The Big Baby. Chuck, the Duck sez: "Life is mostly hard work". Vor allem natürlich für einen Künstler und Cartoonisten wie Robert Crumb, der mit ca. 3'819'475 Identitätskrisen ebenso zu kämpfen hat wie die drei Schildkröten mit ihrem Durst: "It’s a long way to the supermarket". Aber eigentlich arbeitet er ja ohnehin für "die Roten", wie er freimütig erzählt: "When I used to take a lot of acid in `67, I got this extremely heavy vibes from Red China. Now when I’m drawing, I receive exact instructions on the proper political line." Aber wenn einmal die Frauen das Ruder übernehmen, zeichnet Crumb in einer kleinen Episode, dann weiß er schon was ihn vor dem "Tribunal der Heldinnen der Frauenbewegung" erwartet.