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Oberrhein (?), 1534
(unter der rechten Säule datiert)
Hinterglasmalerei
H. 31,5 cm, B. 22 cm
H. 37 cm, B. 27,5 cm (mit Rahmen)
Inv. 1870.916.
Das kleine Hinterglasgemälde war 1772 mit über hundert anderen Malereien, überwiegend auf Leinwand und Holz, wenige auf Kupfer und nur fünf auf Glas, im Museum Faesch in dem «Kunst Cabinet selbsten», d. h. im Hauptraum der Sammlung aufbewahrt (Major 1908, S. 48). Das Inventar listet Port-räts sowie Themen aus der Antike und der Heilsgeschichte auf. So auch diese Begebenheit aus dem Alten Testament (Ri 16, 4–22): Der als unbezwingbar geltende israelitische Richter Samson hatte sich in Delila aus dem Volk der Philister verliebt. Die Philister bestachen Delila, damit sie das Geheimnis der Kraft Samsons entdecke und enttarne. Delila gelang dies unter Androhung von Liebesentzug beim vierten Versuch: Samsons Haar war der Ursprung seiner Kraft. Delila selbst scherte dem Schlafenden die Haare und machte es so den Philistern möglich, ihn gefangen zu nehmen und durch Blendung unschädlich zu machen. Das auf dem kleinen Hinterglasbild dargestellte Motiv zählt zu den sogenannten Weiberlisten, deren Darstellung sich im 16. Jahrhundert grosser Beliebtheit erfreute. Samsons Bezwingung fand über die Druckgrafik Verbreitung und ist als beliebtes Motiv u. a. auf Brunnenstöcken oder Ofenplatten zu finden.
Quasi im Vorblick auf das bezweckte Ergebnis der Handlung ruht Samson, von muskulöser Gestalt, seiner Rüstung entledigt, bereits wehrlos schlafend im Schoss Delilas. Sie ist im Begriff, ihrem Opfer mit einer Schere das Haupthaar zu stutzen, ihre Aufmerksamkeit gilt dabei dem angebotenen Geldsäckel und dessen Überbringer, einem bewaffneten Krieger in Rüstung. Die Szene spielt sich unter einer mit Laub- und Blütengehängen geschmückten Kolonnade ab, die Palastbereich und Landschaft trennt und den Ausblick auf das Zeltlager und die bereitstehende, mit Langspiessen ausgerüstete Heerschaar der Philister freigibt. Ein bankartiges Schubladenmöbel, darunter ein Paar Pantoffeln auf dem gefliesten Fussboden, sind erzählfreudige häusliche Details. Delila erscheint als modisch aufgeputzte junge Frau, wie wir sie von zeitgenössischen Darstellungen von Niklaus Manuel Deutsch (1484–1513), Urs Graf (um 1485 – 1528) oder Hans Holbein d. J. (1497/98–1543) kennen. Die direkte Vorlage für das Hinterglasbild aus dem Museum Faesch konnte bisher nicht identifiziert werden.