Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03201.jsonl.gz/2800

Liebe Kafi, Darf man in einem Knastladen einkaufen? Auf der einen Seite werden die Gefangenen schlecht bezahlt & müssen arbeiten. Auf der anderen Seite soll diese Arbeit der Resozialisation dienen. Außerdem stelle mir vor, die Arbeit ist angenehmer, wenn etwas sinnvolles hergestellt wird und die Gefangenen nicht nur Behördenzimmer schreinern müssen. Was meinen Sie? Danke für die Antwort! Rico, 29
Lieber Rico
Wenn ich die internationale Presse etwas verfolge, dann bekomme ich je länger je mehr das Gefühl, dass alles, was wir kaufen, letztendlich in Gefangenenwerkstätten produziert wird. Da verbrennen über 100 Näherinnen in einer Werkstatt in Bangladesh, weil man sie einschliesst und die Notausgänge verriegelt. Da lässt die Tengelmann Gruppe für ihre unsägliche Kik-Textildiskont Kette Kleider von Kindern nähen und Nordkorea vermietet Gefängnisinsassen an chinesische Fabriken.
Wann immer Waren aus Fernost oder aus Bangladesh stammen, hat man als Konsument keinerlei Gewissheit, unter welchen Bedingungen sie hergestellt wurden. Da ist die Produktion in einem Schweizer oder einem deutschen Gefägnis im Vergleich geradezu "fairtrade", und die Arbeitsbedingungen sind mit Sicherheit anständig.
Ob Sie es persönlich vertreten können, etwas zu kaufen dass von einem Knacki hergestellt wurde, ist wiederum eine andere Frage. Ich bin ja der romantischen Meinung, dass auch Dinge in der Lage sind, eine Energie aufzunehmen und daher kaufe ich lieber einen Gegenstand oder ein Kleidungsstück von einer verstorbenen älteren Dame im Brockenhaus, als ein eventuell von Kindern produziertes Teil im Zara. Und in diesem Sinn könnte ich persönlich auch mit einem Produkt aus dem Gefängnis gut leben, weil ich genau wie Sie davon überzeugt bin, dass es auch für einen Häftling wichtig ist, eine Aufgabe zu haben.
Mit bestem Dank für Ihre spannende Frage und herzlichem Gruss. Ihre Kafi