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Die Basilisken auf der alten Wettsteinbrücke
Herr S. / 08.April 2006:
Lieber Briefkastenonkel,
Ich habe eine Frage über die vier Basilisken, welche einmal die alte Wettsteinbrücke zierten. Einer ist ja wieder da, aber wo sind die anderen drei hingekommen? Ist das bekannt? Steht immer noch einer in den Langen Erlen?
Antwort von altbasel.ch:
Mit der Eröffnung der neuen Wettsteinbrücke 1995 kehrte einer der ursprünglich vier Basilisken ans Rheinufer zurück. Er stand jahrzehntelang in den Langen Erlen, weil ihn die Verbreiterung der Wettsteinbrücke 1936/39 von seinem angestammten Platz verscheucht hatte. Mit ihm mussten auch drei weitere gegossene Basilisken weichen. Im Dezember 1879 wurde beschlossen die ein halbes Jahr zuvor eröffnete Wettsteinbrücke mit Basilisken zu schmücken.
Der letzte Basilisk auf der Wettsteinbrücke
Der durch sein St.Jakobs-Denkmal bekannte Bildhauer Ferdinand Schlöth bekam den Auftrag die Basilisken zu gestalten. Sein Neffe schuf nach Vorgaben des Onkels Tonmodelle des Basler Wappenhalter. Man wählte für den Guss der Basilisken die Pforzheimer Giesserei der Firma Benckiser, die bereits diverse Gussteile beim Bau der Wettsteinbrücke geliefert hatte. Man einigte sich auf einen Preis von 16'000 Franken für alle vier Skulpturen.
Die Gussmodelle schuf der Bildhauer Hans Baur aus Konstanz. Das die gewaltigen Basilisken nicht in einem Stück gegossen werden konnten, gliederte man jeden Basilisk in zehn einzelne Teile die am Ende zusammengefügt wurden. Die Basilisken sollten auf den vier Pfeilern der Widerlagern an den beiden Brückenköpfen aufgestellt werden. Dabei wiesen die einzelnen Figuren jedes Paares diverse Unterschiede auf, wie etwa Schwanzhaltung und Ausrichtung des Baslerwappens.
Diese Details machten den ohnehin anspruchsvollen Guss noch arbeitsintensiver. Im Sommer 1880 kamen die fertigen Basilisken nach Basel um zusammengesetzt und auf ihre Plätze montiert zu werden. Wächtern gleich thronten sie mehr als fünfzig Jahre über der Wettsteinbrücke, bis diese für den wachsenden Strassenverkehr zu schmal wurde. Mit dem Umbau wurden die vier 1936 von ihrem Pfeilern geholt, wobei bei einem der Flügel abbrach, so dass man ihn reparieren musste.
Man verscherbelte die treuen Brückenhüter womit sie in alle Winde zerstreut wurden. Im Mühlegraben beim Teichturm im St.Albantal stand Ende der dreissiger Jahre eine Weile einer dieser Basilisken einsam hinter einem Bretterverschlag. Später wurde ein Basilisk in den Langen Erlen aufgestellt, während ein anderer im Hof der Liegenschaft Schützenmattstrasse 35 landete, wo man ihn noch heute vor sich hinrosten sieht, wenn man zum Probelokal der Stadtmusik will.
Ein verkaufter Basilisk fand 1936 eine neue Heimat auf der Rippertschwand bei Meggen am Vierwaldstättersee, während einer seiner Brüder in Nyon am Genfersee landete. Der Basilisk aus der Langen Erlen kam mit dem Bau der neuen Wettsteinbrücke 1992/95 wieder zu Ehren. Heute steht er anmutig am Grossbasler Brückenkopf und erinnert an jene Tage als er Teil eines Quartetts war. Der genannte Basilisk an der Schützenmattstrasse fristet indes ein weniger würdiges Dasein.
Literatur:
André Salvisberg, Die Basler Strassennamen, 1999, Christoph Merian Verlag, ISBN 3-85616-104-X, Seite 314
Hans Bühler, Basel im Wandel, Band 2, 1973, Birkhäuser Verlag, ISBN 3-7643-0700-8, Seite 37
Rolf Brönnimann, Basler Bauten 1860-1910, 1973, Verlag Helbing & Lichtenhahn, ISBN 3-7190-0624-7, Seite 154
Alfred Mutz im Basler Stadtbuch 1981, "Vom Werden der Wettsteinbrücke-Basilisken", 1982, Christoph Merian Verlag, ISBN 3 85616 013 2, Seiten 179 bis 182
Othmar Birkner/Hanspeter Rebsamen, Inventar der neueren Schweizer Architektur 1850-1920: Basel, 1986, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Seite 228
Walther P. Mosimann und Ernst Graf, Die Basler Rheinbrücken, 1962, Verlag Schiffahrt und Weltverkehr AG, Seite 53
Mit freundlicher Mithilfe von Herrn René G. Stöckli
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