Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03352.jsonl.gz/2325

Buchprojekt von Sylvia Sasse und Regine Kühn
Das Projekt umfasst die Edition der theatertheoretischen Schrift "Theater für sich selbst" (Teatr dlja sebja) des russischen Theaterhistorikers, -theoretikers und Regisseurs Nikolaj Evreinov (1879-1953).
Seit Erving Goffmans 1959 erschienener interaktionstheoretischer Studie "The Presentation of Self in Every Day Life" ist es selbstverständlich, in Soziologie, Kommunikationswissenschaft und Kulturwissenschaft von Selbstdarstellung im Alltag zu sprechen. Dabei wird oft vergessen, dass in der Theatertheorie und -praxis, und zwar seit der Jahrhundertwende, selbst schon Theatralitätsforschung des Alltags betrieben worden ist.
Als einer der radikalsten Verfechter eines erweiterten Theaterbegriffs gilt der heute fast in Vergessenheit geratene Theatertheoretiker und Regisseur Nikolaj Evreinov, der in Petersburg zwischen 1908 und 1925 sowie anschliessend in der Pariser Emigration, bis 1956, zentrale theoretische Schriften zum Theaterbegriff veröffentlicht und den Begriff der "Theatralität" (teatral‘nost‘), wie er in der gegenwärtigen Theaterwissenschaft verwendet wird, geprägt hat.
Das Projekt hat das Ziel, Evreinov dem deutschsprachigen Publikum vorzustellen, und zwar mit einem seiner zentralen theatertheoretischen Texte. Es handelt sich dabei um die zwischen 1915 und 1917 verfasste dreibändige Studie "Theater für sich selbst". Übersetzungen der Schriften Evreinovs ins Deutsche erfolgten nur in den 1910er Jahren und zu Beginn der 1920er Jahre, wobei es sich dabei ausschliesslich um Theaterstücke handelte.
Auch in Russland sind Evreinovs Schriften erst seit Mitte der 1990er Jahre wieder verlegt worden, zur Sowjetzeit wurden sie tabuisiert. Die einzige Übersetzung seiner Schriften ins Englische erfolgte 1927 in einer Anthologie "The Theatre in Life", dieser schmale Band ist noch heute die einzige Basis für die internationale, d.h. nicht russischsprachige Forschung.
Projektleitung: Prof. Dr. Sylvia Sasse in Zusammenarbeit mit Regine Kühn (Übersetzung aus dem Russischen und Kommentar) und dem Verlag Matthes & Seitz Berlin