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CONSEIL FÉDÉRAL
Procès-verbal de la séance du 30 juillet 19141
3855 a. Pikettstellung der Armee
Procès-verbal de la séance du 30 juillet 19141
Die Lage wird gekennzeichnet durch die russische Mobilisation.
Es ist nicht leicht, ganz genau zu sagen, wie weit sich die Mobilisation erstreckt, d.h. welcher Umfang in bezug auf Territorium und Truppen ihr zukommt. Wenn z.B. Warschau nicht mobilisiert wird, so richtet sich die neue Mobilisationsordre (Süden und Südwesten) gegen Österreich. Österreich allein wäre, wie nach der Bedeutung der Mobilisation immerhin zu urteilen ist, gegen die aufgebotenen russischen Truppen in Verbindung mit Serbien nicht gewachsen. Dies wird zur möglichen Folge haben, dass Deutschland und noch andere Staaten in die Bewegung hineingezogen werden. Die Mobilisation der schweizerischen Armee ist indessen immer noch nicht anzuraten, da die Beurteilung des russischen Vorgehens noch nicht in seiner gesamten Tragweite vollständig sicher steht. Eine teilweise Mobilisation ist nicht günstig; hingegen wäre eine Pikettstellung zu empfehlen. Es kann indessen nicht bei der Pikettstellung verbleiben. Es muss zum Aufgebote des Landsturms geschritten werden, zum Zwecke der Einrichtung einer beschränkten Grenzbewachung, der Bewachung der Magazine, Verkehrswege usw.
Der Antrag des Sprechenden geht dahin:
Vorbereitung des Aufgebotes durch die Pikettstellung der gesamten Armee. In Verbindung hiemit das angedeutete Aufgebot des Landsturms. Die Mobilmachung würde den Fall Vorbehalten, dass ein Nachbarstaat mobilisiert. Der Beschluss des Bundesrates würde telegraphisch sofort an die zuständigen Organe mitgeteilt und unverzüglich vollzogen werden.
Herr Bundesrat Decoppet: Die Situation ist zugleich delikat und ernst. Es wird ihm schwer, in die Auffassung des Herrn Generalstabschefs einzutreten. Er glaubt, dass immer noch genügend Zeit zum Aufgebot sein dürfte. Einmal ist man, obschon dies wahrscheinlich ist, nicht ganz im Sichern über die Mobilisation Russlands. Sodann haben Deutschland, Frankreich und Italien noch keine Massnahmen getroffen. Das Pikett würde doch grosse Unruhe verursachen, und es fragt sich, ob eine so weitgehende Massnahme nötig ist.
Herr Bundesrat Motta neigt der Auffassung des Herrn Bundesrat Decoppet zu. Bis jetzt steht von einer sich entwickelnden Mobilisation ausser in Russland nichts fest. Zwischen Pikettstellung und Mobilisation ist militärisch gewiss ein Unterschied; allein im Volksbewusstsein wird dieser Unterschied nicht erfasst werden. Es herrscht jetzt schon eine grosse Unruhe im Volk; das beweisen die Runs in verschiedenen Städten. Diese Runs haben die Metallbestände der Nationalbank vermindert, und da die Nationalbank die Mobilisation, wenn man so sagen darf, finanzieren muss, so sollte man nicht noch weitere beunruhigende Momente schaffen. Die Pikettstellung erscheint nicht durchaus notwendig; sie geht weiter als das, was unsere Nachbarstaaten tun.
Herr Bundesrat Forrer würde dem Antrage der Pikettstellung zustimmen. Die Mobilisation ist für Russland sicher; das wird die ändern Staaten nach sich ziehen. Der Unterschied zwischen Pikettstellung und Mobilisation ist doch im Volke bekannt.
Herr Bundespräsident Hoffmann: Die Mobilisationsnotiz der Havas-Note erscheint ihm nicht als unbedingt sichere Quelle. Herr Minister Lardy, der telephonisch angefragt wurde, weiss von dieser Tatsache nichts. Es scheint daher richtig, zuzuwarten, bis man eine bessere Basis hat. Es ist nicht unnütz, darauf hinzuweisen, dass auch das Aufgebot des Landsturms zu bestimmten Zwecken vorgesehen wird. Das wird sehr Aufsehen erregen. Die Pikettstellung ist ohne Frage mit unserem Milizsystem im Zusammenhange. Im Inlande wird dies unter Umständen begriffen werden, keineswegs aber im Auslande, wo sie sicher als Mobilisation beurteilt werden wird. Und so wird diese Massnahme, von einem neutralen Staate getroffen, als sehr weitgehend bezeichnet werden.
Herr Bundesrat Schulthess: Die Meinung, zurückzuhalten, scheint ihm richtig zu sein. Die Aufregung im Lande ist schon sehr gross. Wir müssen alles vermeiden, um diese nicht noch mehr zu steigern. Wäre es nicht möglich, z.B. nur zwei Armeekorps aufzubieten?
Herr Bundespräsident Hoffmann rät, an eine teilweise Mobilisation nicht zu denken. Er glaubt, dass man sofort mit der gesamten verfügbaren Macht auftreten muss.
Herr Bundesrat Calonder ist auch der Auffassung, dass die Havas-Note nicht ohne Vorsicht aufgenommen werden muss.
Herr Bundesrat Decoppet regt an, die Entscheidung bis morgen zu verschieben, da morgen ja sowieso Sitzung ist.
Herr Generalstabschef von Sprecher ist natürlich, wie er erklärt, mit der Entscheidung des Bundesrates, wie sie fallen mag, was seine Verantwortung betrifft, gedeckt. Er möchte nur noch beifügen, dass nach seiner Auffassung die Pikettstellung im Lande wohl verstanden würde; im Auslande allerdings weniger. Auch ist die Meinung wohl zu vertreten, dass die Pikettstellung beruhigend wirken würde, dies besonders im Hinblick auf Truppenbewegungen in den Nachbarstaaten.
Noch das ersucht Herr Oberstkorpskommandant von Sprecher dringend zu erwägen, dass für alle Fälle die Pikettstellung nicht umgangen werden sollte. Es wird dies durch die besonderen Verhältnisse unseres Milizheeres bedingt.
Es wird beschlossen, hier mit der Beratung abzubrechen und die Entscheidung auf später zu verschieben.