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Die Damenmannschaft
Wird eine Mannschaft genannt, entsteht vor dem volkstümlichen geistigen Auge sogleich das Bild einer Gruppe von schweisstriefenden Männern, die gemeinsam etwas unternehmen: Bergwerksarbeiter, die mit dem Aufzug nach unten (sic!) ins Untertagebergwerk fahren, Ruderer in einem Achter (nach der Physiotherapie), Fussballer im Kampf um den einzigen Ball auf dem Spielfeld, und noch viele. Handelt es sich um Hochgebirgskletterer, sind sie jedoch eine Seilschaft. Sind die Arbeiter = (Hand)Werker organisiert, sind sie eine Gewerkschaft, sind sie nicht organisiert, sind sie die Arbeiterschaft. Da sind plötzlich auch die Frauen mitgemeint, obwohl die konsequenterweise eine Arbeiterinnenschaft wären. So richtig eigenartig wird es beim Sport. Wieso sind eine Gruppe Frauen, die Fussball spielen, nicht eine Damenschaft? Besser wäre Frauschaft, denn die Frau ist das weibliche Pendant zum Mann. Sonst müsste es heissen «Herrenschaft» - die Damen sind ja auch im Plural. Und die «Herrschaft» mit den Herren im Singular bedeutet etwas anderes. Wieso sind Kinder eine Mannschaft? Kein Kind ist ein Mann, vor allem die Mädchen nicht. «Kinderschaft» wäre die richtige Bezeichnung, denn »Kindschaft» ist bereits anderweitig besetzt. Dann allerdings müssten die Würfel doch zu Gunsten «Männerschaft» und «Frauenschaft», oder etwas edler «Herrenschaft» und «Damenschaft» fallen. Angesichts solcher Dilemmata wäre zu überlegen, ob allenfalls eine Denkerschaft respektive eine Denkerinnenschaft eine Lösung finden könnte.
Christa Stahel
31. März 2010