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Computergestützte Informationssysteme waren Wunschmaschinen westlicher Wachstumsgesellschaften in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie versprachen, aus den kaum zu überblickenden Datenbeständen brauchbare Informationen zu generieren, die, klug rekombiniert, zum richtigen Zeitpunkt das benötigte Wissen bereitstellen würden. Dass Informationssysteme auch für öffentliche Verwaltungen, die ihre Routinen seit den 1960er Jahren mehr und mehr in den digitalen Raum verlegten, an Attraktivität gewannen, war keineswegs überraschend.
Das technikhistorische Projekt untersucht die öffentlich-rechtlichen und technologischen Problemlagen, in denen computerbasierte Informationssysteme in der Schweizerischen Bundesverwaltung im Zeitraum von 1960 bis 1990 heterogene Datenbestände in praktisches Wissen verwandeln sollten. Es ist dabei besonders an jenen Aushandlungszonen zwischen dem Digitalen und dem Staatlich-Öffentlichen interessiert, die durch die Arbeit an und mit Informationssystemen eröffnet wurden. Welche Möglichkeiten offerierten Verwaltungstätigkeiten für die Programmierung von Computern? Welche zeitlichen Muster lassen sich in den unterschiedlichen Verfahren der rechnergestützten Informationsgewinnung nachweisen? Wie haben Beamte, Juristen, Politiker, aber auch Programmierer, Systemanalytiker und andere Computerspezialisten jeweils ihre professionellen Rollen begründet und ihre Arbeitsteilungen verteidigt? Wie veränderten die neuen Zirkulationsbedingungen des Wissens die Rationalität und Repräsentationsformen politischer Machtausübung?
Nicht nur weil Informationen Zerfallsprodukte sind, die verschwinden, wenn sie aktualisiert werden, ist in der Untersuchung der Informationssysteme nicht mit Stabilität zu rechnen. Auch ihre Aufgaben veränderten sich im Untersuchungszeitraum ebenso wie die Ansprüche an die Bundesverwaltung. Waren die Informationssysteme anfangs noch ein Versprechen für die Zentralisierung der Datenverarbeitung, sollten sie in den 1980er Jahren zu einer Plattform für individuell konfigurierbare Dienstleistungen des öffentlichen Sektors werden.
Das Projekt verspricht Aufklärungen über das Verhältnis der Transformation des Digitalen zum Wandel von Staatlichkeit in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Das Vorhaben ist Teil des SNF Projekts "Aushandlungszonen. Computer und Schweizerische Bundesverwaltung, 1960-1990" und wird in Kooperation mit dem Projekt Die Fremden und der Computer. Zur Entstehung des Zentralen Ausländerregisters von Moritz Mähr sowie dem Projekt Aushandlungszone Hermes. Projektmanagement in der Bundesverwaltung, 1970-1990 von Nick Schwery durchgeführt.