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Ulrich Ochsenbein, 1811-1890
Ochsenbein stammte aus bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen - sein Vater war Landwirt, Wirt und Pferdehändler. Nach verschiedenen Wohnortswechseln wird Nidau bei Biel die eigentliche Heimat des künftigen Bundesrats. Er studierte Jura und schlug parallel zur zivilen eine militärische Laufbahn ein. Er gehörte innerhalb der liberalen Bewegung dem militanten radikalen Flügel an, beteiligte sich an der Kampagne gegen die Jesuiten und war Anführer des zweiten Freischarenzugs (die Wochenschau hat darüber berichtet). Obwohl er Verantwortung für das Scheitern des Unternehmens trug, wählte ihn das Berner Volk in den Regierungsrat. Auf Landesebene war Ochsenbein diskreditiert, da ihm wegen der Organisation des Freischarenzugs das Offizierspatent entzogen worden war. Dennoch sollte ihm rasch ein politisches Comeback gelingen: Nachdem er zum Berner Regierungspräsidenten aufgestiegen war, präsidierte er in dieser Funktion 1847 auch die Tagsatzung. Er befürwortete die Auflösung des Sonderbunds mit Waffengewalt, doch gab die Tagsatzung bei der Wahl des Generals nicht ihm den Vorzug, sondern dem protestantisch-konservativen Dufour.
Ochsenbein war also massgeblich an der Demontage des lockeren Staatenbunds beteiligt gewesen, scheiterte jedoch später als ehemaliger «Kriegspolitiker» am Frieden. Er zerstritt sich mit seinen radikalen Gesinnungsgenossen und wandte sich den Protestantisch-Konservativen zu. Von beiden Seiten fallen gelassen, scheiterte Ochsenbein 1854 bei der Erneuerungswahl des Bundesrats. Während seiner Amtszeit hatte Ochsenbein das Militärdepartement geleitet und sich dem Aufbau der Schweizer Armee gewidmet. Nach seiner Abwahl als Bundesrat - Ruhegehälter gab es damals noch nicht - leistete er in der französischen Armee Solddienst. Ochsenbein war im Krimkrieg die Rolle eines Brigadegenerals zugedacht worden, doch kam ihm der Frieden zuvor. Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 leistete er nochmals fremde Kriegsdienste, diesmal endlich im ersehnten Generalsrang. Übrigens waren Solddienste in der Schweiz bis 1921 legal.
Ausser seiner Tätigkeit als Söldner führte Ochsenbein ein zurückgezogenes Leben als Gutsbesitzer. Nur gelegentlich wetterte er in Broschüren und Zeitungsartikeln gegen seine früheren radikalen Gesinnungsgenossen.