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Die blaue Welle begann im Juni vor einem Jahr: Die letzte Labour-Hochburg, Wales, stimmte für den Brexit. Anfang Mai legten die Konservativen bei den Kommunalwahlen zu, wobei die Labour-Partei ihre Verluste noch begrenzen konnte. Ob ihr das bei der von Premierministerin Theresa May ausgerufenen Neuwahl des Unterhauses vom 8. Juni noch gelingen wird, ist höchst fraglich.
Im südwalisischen Städtchen Bridgend hat sie vor einem Monat bereits ihre absolute Mehrheit im Gemeinderat verloren. In der schäbig wirkenden Caroline Street ärgert sich Allan. Die Labour-Partei sollte sich um die Arbeiter kümmern, um Arbeitsplätze und Wohlstand, wie er sagt. «Aber Labour will davon nichts wissen. Da braucht man nur Bridgend anzuschauen.»
Allan ist überzeugt, dass das nicht nur für Wales, sondern für ganz Grossbritannien gilt. «Labour will alles ruinieren.» Das ist ein strenges Urteil in einem Wahlkreis, der im walisischen Parlament von Chefminister Carwyn Jones vertreten wird.
Im gedeckten Markt von Bridgend verkauft Eileen Geschenkbänder in allen Farben und Materialien. Sie prognostiziert vorsichtig, dass die Tories vom Überdruss mit Labour profitieren könnten. «Weil die Leute von Labour desillusioniert sind.»
Die eigentlichen Kandidatinnen – die Titelverteidigerin Madeleine Moon für Labour und die Konservative Karen Robson – machen sich rar. Aber der frischgebackene konservative Gemeinderat, der 26-jährige Tom Giffard, kommt zum Gespräch in eine Wohnsiedlung im Stadtteil Brackla.
Obwohl die Firma Ford hier immer noch Motoren baue, sei die Gegend post-industriell, stellt Gemeinderat Giffard fest. Früher hätten die Leute mehrheitlich in Fabriken gearbeitet. Heutzutage sei Bridgend immer mehr eine Pendlerstadt für Cardiff und Swansea.
«Die Zusammensetzung der Bevölkerung hat sich verändert», stellt Giffard fest. Und er ist überzeugt, dass die konservative Premierministerin Theresa May unter diesen Schichten mehr Resonanz als Labour und Jeremy Corbyn findet.
Doch diese Wahl sei speziell. «Es geht dabei definitiv um den Brexit. Eine Stimme für die konservative Kandidatin stärkt Mays Verhandlungsposition in Brüssel», betont Giffard.
Das ist der konservative Kehrreim dieser Wahl, und er wird durch die ständige Wiederholung nicht plausibler. Giffard meint auch – ebenso wenig überraschend – Labour habe die Bodenhaftung verloren.
Aber profitieren seine Konservativen nicht einfach vom Kollaps der fremdenfeindlichen Ukip-Partei? Der junge Gemeinderat widerspricht: «Der konservative Zuwachs besteht nicht bloss aus Ukip-Wählern, sondern auch aus direkten Überläufern von Labour.»
Das mag durchaus stimmen, doch für exakte Angaben steht Roger Scully bereit, der an der Uni Cardiff Politik unterrichtet. «Labour hat jede britische Wahl in Wales seit 1922 gewonnen.» Doch jetzt soll alles anders sein.
Gilt das auch für Bridgend? Dort haben die Tories den Sitz letztmals in Margaret Thatchers Erdrutschsieg von 1983 nach dem Falklandkrieg gewonnen, wie Scully sagt.
Er ist überzeugt, dass die Konservativen Bridgend am 8. Juni gewinnen werden, und zwar «quite comfortably», wie er sagt. Gewinnen könne Labour nur noch unter dem eigenständigen walisischen Banner, wie die jüngsten Kommunalwahlen gezeigt haben.
National sieht Scully diesen Wahlkampf aber auf die Alternative Theresa May oder Jeremy Corbyn zugespitzt. «Konfrontiert mit dieser Auswahl haben die Konservativen selbst in Wales, der alten Hochburg von Labour, die Oberhand.»
Meinungsumfragen geben den Tories mehr walisische Abgeordnete als Labour – zum ersten Mal überhaupt. Wales wird blau.