Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03394.jsonl.gz/2402

Die Anfänge der Spritbrennerei reichen bis Stefan Gschwind zurück. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts erhielt Gschwind aus den Brauereien der Umgebung Hefe und Restbestände, doch musste er jahrelang auf Erlaubnis und Zuteilungsquote der eidgenössischen Alkoholverwaltung warten. 1895 erhielt er ein sogenanntes Brennlos für ein Jahresquantum von 250 hl zugeteilt. Die Birsecksche Produktions- und Konsumgenossenschaft baute ein kleines Gebäude am Birsig, in der Nähe des Bahngeleises, und begann ihre genossenschaftliche Produktion mit einer Brennerei. Anfänglich harzte der Betrieb, die Einrichtung der Brennerei verursachte viel Arbeit. Die Spritbrennerei wurde 1901 zur Genossenschaftsbrennerei Oberwil und der Bund gewährte die Brennerlaubnis für insgesamt 700 hl.
Die Gebäude der Spritbrennerei bestanden aus mehreren Wohnhäusern und Gewerbebauten, im Volksmund kurz Spriti genannt. Bis anfangs 1950er Jahre betrieb Josef Röver-Stury in den Räumlichkeiten eine Küferei. Nicht nur Fässer und Bottiche, sondern auch wasserbetriebene Waschmaschinen wurden hergestellt. Josef Röver zog mit seiner Familie, die Deutsche Staatsangehörige waren, 1927 von Chur nach Basel. Unbedingt wollten sie Schweizer Bürger werden, doch die Gemeinde Oberwil lehnte mehrmals die Einbürgerungsgesuche ab. Pflichtgetreu leisteten die beiden Söhne Heinz und Rolf Röver dem Brief des Deutschen Konsulats zur militärischen Musterung Folge und rückten am 1. November 1941 in den Kriegsdienst nach Deutschland ein. Rolf Röver fiel bei einem Fliegerangriff am 8. Juli 1943 bei Masslowo in Russland. Zu Ehren des gefallenen Soldaten, der „als solcher ein eifriges Mitglied der katholischen Jungmannschaft Oberwils“ war, läuteten um 09.00 Uhr die Glocken der katholischen Kirche Oberwil. So verlor Oberwil einen seiner Einwohner an der Front in Russland.
1984 kaufte die Einwohnergemeinde das Areal „Spriti“ von der Firma Willi Gschwind Schreinerei. 1985 zündete die Feuerwehr die Liegenschaft an und veranstaltete eine grosse Löschübung. Das Land wurde der Wohnbaugenossenschaft Langegasse im Baurecht abgegeben. Ein erstes Bauvorhaben wies die Gemeindeversammlung 1996 zurück, heute stehen dort zwei Mehrfamilienhäuser.
Der Tod meines Bruders
„Es war wieder einmal mein obligatorischer, grosser Urlaub fällig, den ich wiederum in Ottbergen verbringen durfte. Dies meldete ich schriftlich nach Hause, damit mich, wenn möglich, ein Familienmitglied mit einem Besuch beehren konnte. Von meinem Bruder hatte ich schon längere Zeit keine Nachricht mehr bekommen, aber dies ängstigte mich nicht besonders. So fuhr ich ahnungslos nach Ottbergen in den Urlaub. Im Bahnhof Hildesheim erwartete mich mein Onkel Konrad mit Mama und Toni. Schwerwiegende Ahnungen durchkreuzten sofort mein Gehirn, denn Mama stand da in schwarzer Kleidung. Ich musste nicht fragen, ich wusste was geschehen war, ich brachte nur ein Wort hervor, „Rolf“, Mama nickte und fing an zu weinen (…). Nun ist es allen guten Hoffnungen zum Trotz doch geschehen, Rolf ist gefallen, für wen und für was?“
Heinz Röver, in: Blüten im Sumpf. Schicksalsjahre 1939-1947