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Mühlen an der Eulach in der heutigen Innenstadt
Die entlang der Altstadt fliessende Eulach wurde von sechs Mühlen als Wasserkraft genutzt. Die Besitzverhältnisse um die Mühlen sind heute sehr schwierig nachzuvollziehen. Ursprünglich waren die meisten Mühlen Jahrhunderte lang im Besitz der Kyburger und wurden als Erblehen ausgegeben. Wenn nun in den Chroniken von Kauf die Rede ist, handelt es sich aber meistens um einen Wechsel des Lehenträgers.
Obermühle
Das heute noch bestehende Gebäude der Obermühle (heute Obermühlestrasse 2) stammt aus dem Jahre 1741, nachdem der Graf von Kyburg bereits 1241 eine solche erbaut hatte. Die Mühle lag am Kanal bei der Stadtfalle (Verteilung des Wassers, 1954 eingeebnet). 1419 ging sie an das Kloster Töss. 1462 wurde sie von der Stadt übernommen und verkaufte sie wieder. Im 17. Jhdt kam die Mühle wieder in städtischen Besitz und ist es heute noch. Um 1853 wurde die Mühle stillgelegt und jenseits des Kanals eine Sägerei eingerichtet. Diese wurde bis 1948 mit Wasserkraft betrieben. Das Gebäude wurde durch die Stadt Winterthur 1983 renoviert und dient heute als Wohnhaus.
2006, Obermühle heute
Vögelimühle
Die Vögelimühle (untere Mühle) stand etwas 200 Meter bachabwärts. Die Mühle wurde bereits 1280 mit Einwilligung des Grafen Rudolf von Habsburg vom Kloster Töss aufgekauft. 1492 veräusserte das Kloster die Mühle an Hans Weidenlich, der sie 1539 an Hans Vögeli weiterverkaufte. Nach ihm hatte die Mühle fortan den Namen, Vögeli-Mühle. 1561 ersetzte er die inzwischen dreihundert Jahre alte Mühle durch eine Neue. Anfangs 18. Jhdt. kam Caspar Erb, ein Oberwinterthurer, in ihren Besitz. Erb blieb in der Stadt ein nicht gern gesehener Fremdling. So sah er sich gezwungen, die Mühle und die von ihm 1716 erstellte Walke im Jahre 1736 an die Stadt zu verkaufen. 1764 baute die Stadt von Grund auf eine neue Mühle.
Nächster Besitzer war Hans Rudolf Biedermann. 1943 kam die Mühle wieder in den Besitz der Stadt. Im Zusammenhang mit der Mühlekanalaufhebung in den Jahren 1953/54 verlor die Vögelimühle nach über siebenhundertjähriger Tätigkeit endgültig ihre Funktion. Sie wurde 1966 für das neue Verwaltungsgebäude des Schulamtes abgerissen.
Vögelimühle: Kraftanlage an der Zeughausstrasse, Rechts die untere Mühle (Vögelimühle), links die Werkstatt Garage Schneider. Hinter der Bretterwand befindet sich die Brücke der Zeughausstrasse. August 1955
Steigmühle
Die dritte Mühle war die Steigmühle, so genannt, weil bei ihr der Aufstieg zum Heiligberg begann. Ob sie die älteste der Winterthurer Mühlen war, ist nicht gesichert, wird aber vermutet. 1268 verkaufte Rudolf von Habsburg –er hatte die Mühle von einem Onkel geerbt- die Steigmühle ans Kloster Töss.1520 ging sie in private Hand über und wechselte mehrmals den Besitzer. 1913/14 wurde die Mühle ein letztes Mal umgebaut und mit einer modernen Francisturbine ausgerüstet. Die Mühlekanalaufhebung zwang auch die Seifenfabrik Aspasia auf fremde elektrische Energie umzustellen. Das Wasserrad klapperte noch bis in die erste Hälfte des 19. Jhdt. Heute erinnert nur noch die „Mühle-Bar“ („’s schmale Handtuech“)an vergangene Zeiten. Das Gebäude an der Turmhaldenstrasse 1 ist noch gut erhalten.
Rietermühle
Auch die 1277 erstmals urkundlich erwähnte Rietermühle, die 1915 dem Neubau der Buchdruckerei Winterthur AG Platz machen musste, war lange Zeit im Besitz des Klosters Töss. 1476 verkaufte das Kloster Töss die Mühle an Hans Sirnacher, der sie 1525 an die Familie Rieter verkaufte. Da die Mühle mehr als 300 Jahre (1525-1858) der Familie Rieter gehörte, blieb dieser Name bis zu ihrem Abbruch bestehen. Man weiss auch noch, dass 1558 ein Neubau erfolgte. Heute ist das Gebäude der ehemaligen Druckerei an der Technikumstrasse 81 ein Verwaltungsgebäude der Stadt.
Schlangenmühle
Mit dem Abbruch der Schlangenmühle verlor Winterthur ein Wahrzeichen. 1361 war sie als Lehen der Herrschaft Kyburg erstmals genannt. Im Verzeichnis der Besitzrechte der Kyburger (Urbar) von 1215 war bereits von einer Mühle die Rede. Die erste richtige Nennung geht aber auf 1347 zurück, und zwar als „obere Spitalmühle“, „Neumühle“ oder „Siggenmühle“. 1460 wurde sie während der Belagerung durch die Eidgenossen vom Heiligberg mit Steinkugeln beschossen und schwer beschädigt. Die schweren Schäden machten währen zwei Jahrhunderten ein rentables Schaffen unmöglich und es kam zu vielen Besitzerwechsel. Seit 1632 hat sich der Name Schlangenmühle durchgesetzt. Damals hatte ein Othmar Schlang aus dem Thurgau das Mülleramt übernommen und einen besonders guten Eindruck hinterlassen. 1657 wurde die Mühle innerhalb von drei Wochen fünfmal verkauft. 1657 baute das Spital einen neuen fünfgeschossigen Giebelbau, die Spitalmühle. Zuvor hatte der damalige Müller Johann Rudolf Hirzel 1854 einen Teil des Landes für den Bau der Bahnhofanlage verkauft. 1872 verkaufte Hirzel das Wohn- und Mühlengebäude an den Tapezierer und Wirt Konrad Hüni, der den Mühlebetrieb einstellte. Das Gebäude dienste nun bis zu seinem Abbruch als Gaststätte „Zum Ochsen“. Durch den Bau des Bahnhofes in bester Lage, florierte das Riegelgebäude als Hotel Ochsen bis zu seinem Ende im Jahre 1930. Es musste dem ersten Bau der EPA (Einheitspreis AG) weichen. Dieser Flachdach-Neubau der EPA repräsentierte nicht nur architektonisch die Moderne, sondern die Eröffnung dieses Warenhauses läutete den Beginn des Konsumzeitalters in Winterthur ein. 2003 übernahm COOP Schweiz die EPA, baute um und eröffnete darin das Warenhaus COOP City.