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«Kriminelle sind ein abergläubischer, feiger Haufen. Meine Verkleidung muss sie in Schrecken versetzen. Ich muss eine Kreatur der Nacht sein, schwarz, schrecklich...»
Mit diesen Worten entschied sich Bruce Wayne vor 80 Jahren, nachts als Fledermaus verkleidet auf Verbrecherjagd zu gehen. Der Text stammt aus einer der ersten Geschichte des «Batman».
Tausende Geschichten
Erfunden haben die Figur Bob Kane und Bill Finger. Seit seinem ersten Auftritt in der 27. Ausgabe der Comic-Reihe «Detective Comics» am 30. März 1939 sind tausende Batman-Comics erschienen, es gibt zahlreiche Kinofilme, TV-Serien und Videogames.
Lars Banhold
Autor
Der Literaturwissenschaftler Dr. Lars Banhold ist Verfasser des Buches «Batman. Re-Konstruktion eines Helden», in dem er die Geschichte Batmans nacherzählt. Das Buch ist zugleich eine Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts, die sich in der Figur Batman spiegelt.
Lars Banhold: «Batman. Re-Konstruktion eines Helden.» Christian A. Bachmann Verlag, 2017.
Die Figur wurde in den 80 Jahren laufend verändert und immer wieder neu erfunden. Dennoch haben grundlegende Merkmale der Figur immer noch bestand, sagt Batman-Kenner Lars Banhold.
Bei seinem ersten Auftritt sei Batman eine Machtfantasie gewesen, sagt Banhold: «Ein Typ, der sich eine Maske aufsetzt und mit Fäusten komplexe Probleme löst.» Das ist Batman auch heute oft noch.
Ständig anders, immer gleich
Viele bekannte Elemente seien schon im ersten Batman-Heft vorhanden gewesen, sagt Banhold: «Batman ist der Playboy Bruce Wayne, er trägt das berühmte Kostüm und ist mit Commissioner Gordon befreundet.»
Diese grundlegenden Elemente wurden über die Jahre erweitert und angepasst. «Es gibt eine Sammlung von Batman-typischen Elementen. Aber jedes dieser Elemente kann entfernt werden, und es bleibt trotzdem Batman», erklärt Banhold.
So gebe es Geschichten, in denen Batman nicht Bruce Wayne ist. Und solche, in denen Bruce Wayne nicht Batman ist. Manchmal habe er Superkräfte, oder er sei ein Schurke.
Ein Batman für jede Gelegenheit
Diese Wandelbarkeit hat viel zur Langlebigkeit von Batman beigetragen. So konnte sich die Figur immer wieder an den Zeitgeist anpassen. Der Ton der Geschichten änderte sich nach Bedarf – mal waren sie bunt und familienfreundlich, dann wieder düster und brutal.
Es geht bei diesen verschiedenen Versionen nicht nur darum, die Figur an den jeweiligen Zeitgeist anzupassen, sondern auch um die Erschliessung verschiedener Zielgruppen.
So existieren verschiedene Versionen von Batman auch gleichzeitig: «Es gibt Batman-Spielzeug für Kinder im Vorschulalter und von da an in jedem Medium – für jedes Alter und für jede Vorliebe», sagt Batman-Experte Banhold.
Ein Multimilliardär wie du und ich
Bei all diesen Unterschieden ist es schwierig auszumachen, was denn nun wirklich die Faszination der Figur ausmacht. Möglicherweise hat es damit zu tun, dass Batman keine Superkräfte hat. Er ist kein übermenschlicher Held wie zum Beispiel Superman, sondern ein normaler Mensch.
Dieser Eindruck trügt. Es gebe einen Widerspruch in der Wahrnehmung, sagt Banhold. Denn Bruce Wayne sei eigentlich gar kein normaler Mensch: «Er ist ein Multimilliardär mit dem Aussehen eines Topmodels, ein unbesiegbarer Ninja, ein Erfinder, Detektiv, Psychologe und, und, und...».
Dennoch erscheine er als Underdog, dem das Leben angeblich übel mitgespielt habe. «Das ist ein Grund für den Erfolg der Figur: Batman ist Wunscherfüllung, weil er alles ist, was man selbst sein möchte. Er ist aber auch Identifikationsfigur, weil er, zumindest scheinbar, genauso leidet und entfremdet ist wie man selbst.»
Ein Superheld, der leidet: Es sind die Widersprüche, die Batman interessant machen. Ein strahlender Held mit dunklen Seiten. Er ist immer noch, wie bei seinem ersten Auftritt vor 80 Jahren, eine Kreatur der Nacht.
Batman für Einsteiger – die besten Comics, Games und Filme
- Comic: «Year One»
Laut Batman-Experte Banhold der ideale Batman-Comic für Einsteiger. Der legendäre Comic-Autor Frank Miller verpasste Batman 1987 eine neue Entstehungsgeschichte. Mit den düsteren Zeichnungen von David Mazzuchelli wurde daraus ein Klassiker unter den Batman-Comics.
Frank Miller, David Mazzucchelli: «Batman. Das erste Jahr». Panini Verlag, 2018.
- Comic: «The Killing Joke»
Die Geschichte von Autor Alan Moore und Zeichner Brian Bolland gilt als einer der besten Batman-Comics. Die kurze, aber verstörende Story rückt Batmans Widersacher, den Joker, ins Zentrum und erzählt dessen Ursprung. Der Kampf gegen den Joker bringt Batman an seine Grenzen.
Alan Moore, Brian Bolland: «Batman: Killing Joke - Ein tödlicher Witz». Panini Verlag, 2017.
- Film: «Batman»
Regisseur Tim Burton landete 1989 mit dem ersten richtigen Batman-Kinofilm gleich einen Volltreffer. Burton trifft sowohl die ernsten als auch die schrägen Töne des Comics. Jack Nicholson geniesst die Rolle des Jokers sichtlich – das ist auch für den Zuschauer ein Vergnügen.
- Film: «The Dark Knight»
Dank Regisseur Christopher Nolan feierte Batman nach 2005 wieder grosse Erfolge im Kino. Der beste von Nolans drei Batman-Filmen dürfte wohl «The Dark Knight» sein – allein schon wegen Heath Ledgers eindringlicher Darstellung des Jokers. Dafür wurde der 2008 verstorbene Schauspieler posthum mit einem Oscar ausgezeichnet.
- Game: «Arkham Asylum»
Die Game-Serie «Arkham» vermittelt ein lebhaftes Gefühl davon, wie es wäre, selbst Batman zu sein. Als dunkler Rächer schwingt man sich von Dächern, attackiert nichtsahnende Bösewichte aus dem Dunkeln und liefert sich knüppelharte Prügeleien. Der erste Teil der Reihe spielt im Irrenhaus «Arkham», in dem der Joker untergebracht ist.