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Arconciel – Ergenzach: ein ehemaliges Burgstädtchen an der Saane - Sarine südlich von Freiburg – Fribourg
Mit einer Überlegung zum Ortsnamen
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Eine kürzlich gegründete Vereinigung ARCONCIACUM hat sich zum Zweck gemacht, die Ruinen der Burg Arconciel FR zu erhalten.
Nach Meinung des Autors müsste man in einer ersten Phase vor allem die beiden Tortürme (NE und SW) von Bewuchs freilegen, das heisst die umgebenden Bäume fällen.
Auf diese Weise könnte man die beiden Türme genau untersuchen.
Planskizze von Arconciel - Ergenzach
Plan: Autor, 7/2018
1: Graben (Bereich)
2: Torturm Nord-Ost
3: Tor NE (verschwunden)
4: Felsklotz mit Bergfried
5: Torturm Süd-West
6: Tor SW (Reste eines Pfeilers)
Arconciel: Plan von Combaz, ca. 1800
aus: Heribert Reiners, 18
Der Plan ist zwar ungenau, enthält aber einige interessante Einzelheiten; etwa den rechteckigen Turm in der Mitte oben: Es ist dies der heutige Felsklotz. Darin schloss sich ein gedeckter Vorbau an, der ebenfalls eingezeichnet ist.
Arconciel: Der Zugangsweg von Nordosten
Foto: Autor, 29.6.2018
Der Weg ist hier eine Rampe, welche den ehemaligen Burggraben durchquert.
Der erste (nordöstliche) Torturm von Arconciel - Ergenzach. Ansicht von Süden.
Die gesamte Burganlage ist heute stark verwachsen und stellenweise kaum passierbar. Fotos von grösseren Mauerteilen sind kaum mehr möglich. So bekommen historische Aufnahmen einen grossen Wert.
aus: Heribert Reiners: Die Burgen und Schlösser des Kantons Freiburg, I. Teil, Basel 1937, S. 21
Arconciel: Lithographie von Johann Friedrich Wagner, um 1840
Es ist dies eine Ansicht des unteren, westlichen Ausgangs des alten Städtchens. Man erkennt links den Torturm mit Einzelheiten (z.B. dem zugemauerten Doppelfenster), die noch heute vorhanden sind. - Ebenfalls ist rechts neben dem Weg deutlich der Pfeiler des ehemaligen südwestlichen Torzugangs zu sehen.
Der Felsklotz in der Mitte des Burgareals von Arconciel - Ergenzach. Ansicht von Süden.
Wie im Text gesagt, stellt dieser behauene Felsen den Rest eines ursprünglichen Felskopfs dar. Dieser wurde zur Gewinnung von Baumaterial zu einem größeren Teil abgetragen.
Der Felskopf belegt, daß das Burgplateau ursprünglich uneben war.
Auf dem Kopf des Felsens sind Reste eines Turms, wohl des Bergfrieds zu erkennen.
Foto: Autor, 29.6.2018
NB: Der Felsen ist als ursprünglicher Zeugenberg (témoin) anzusprechen.
Arconciel - Ergenzach: Reste des Turms auf dem Felsklotz in der Mitte der Anlage
Foto: Autor, 2.6.2015
Arconciel - Ergenzach: Der Torpfeiler beim West-Turm
Den Torpfeiler erkennt man auch auf der Lithographie von Wagner.
Foto: Autor, 2.6.2015
Arconciel: Die Ostseite des Südwest-Turms mit dem portalähnlichen grossen Loch
Wie im Text gesagt, ist dieses grosse Loch eigens ausgehauen worden, um den Turm unbenutzbar zu machen.
Foto: Autor, 2.6.2015
Arconciel FR: Ansicht des Südwest-Turms von Süden
Man sieht auf dem Bild deutlich, wie im unteren Teil des Turms die Verblendsteine entfernt wurden. Diese dienten als willkommenes wieder verwendbares Baumaterial.
Foto: Autor: 3.6.2014
Arconciel - Ergenzach: Vermauertes Doppelbogen-Fenster an der Süd-Wand des Südwest-Turms
Weshalb wurde dieses Fenster bei der Aufgabe des Burgstädtchens vermauert?
Das vermauerte Fenster ist auch auf dem Bild von Wagner zu erkennen.
Photo: Autor, 15.6.2012
Arconciel - Ergenzach: Funde aus dem Burgareal
aus: A > Z, Fribourg 2005, S. 30
Lage
Die Burgstelle Arconciel (deutsch: Ergenzach) liegt 1 km südwestlich der Kirche der gleichnamigen Gemeinde, rechts der Saane, etwa 6.5 km südlich von Freiburg, in einer markanten Flußschleife.
Gleich gegenüber gibt es eine andere Flußschleife, in der sich die Burgstelle Illens - Illingen befindet.
Man könnte Arconciel und Illens fast als Doppelburgen ansprechen. Die beiden Anlagen sind aber doch verschieden.
Arconciel: ein altes Burgstädtchen
Wie bei Illens, so bot sich die rechtsufrige Flußschleife der Saane mit ihren zu beiden Schmalseiten steil abfallenden Felswänden für die Anlage einer Burg förmlich an. - Der befestigte Sporn von der Sohle des Halsgrabens im Nordosten bis zum Südwestturm hat eine Länge von etwa 300 Metern, ist aber nirgends mehr als 10 Meter breit.
Der Zugang zum befestigten Platz von Arconciel erfolgte von Osten. Dort ist der Sporn zuerst durch einen tiefen Halsgraben abgetrennt. Dieser ist heute durch Aufschüttung einer Rampe (siehe Foto) leichter zu queren.
Es folgt der mächtige Nordost-Turm, ehemals mit einem anschließenden Tor als Zugangssperre. Von dem Turm sind noch hochaufragende Reste mit einer Mauerdicke von ca. 2.2 m erhalten.
Der nordöstliche Torturm war gegen den eigentlichen Burgplatz durch einen zweiten Graben abgetrennt. Reste davon sind gegen die Südseite hin erhalten.
Auf dem Burgplateau finden sich länglich-rechteckige Gruben, besonders längs der Nordseite. Es sind dies die ehemaligen Wohnbauten des Städtchens. - Die Häuser waren wohl aus Holz.
Nicht genau in der Mitte der Anlage erhebt sich ein mächtiger, behauener Felsklotz. Dieser zeigt gegen Norden Balkenlöcher und Nischen. Auf der Kuppe des Felsens sind noch geringe Fundamentreste eines Turms zu erkennen: Es war dies sicher der zentrale Bergfried.
Der auf drei Seiten abgeschrotete Felszahn beweist, daß die Anlage von Arconciel - Ergenzach teilweise künstlich geebnet worden ist.
Die Burg wurde vor dem Geländeabfall gegen die Niederung der Saane im Westen durch einen Viereckturm mit 1.35 dicken Mauern und mit einer anschließenden Mauer geschützt.
Links des Weges nach unten, unterhalb der Stützmauer des Turms im Südwesten, hat sich der Stumpf eines Torpfeilers erhalten. Dieser war Teil einer Zugangspforte.Die eigentlichen Wehrbauten von Arconciel, also die beiden Türme, sind noch hoch aufragend erhalten, der Grundriß der Anlage einsichtig.
Arconciel muß einen kompakten Eindruck gemacht haben: ein auf einem länglichen felsigen Grat angelegtes Burgstädtchen, auf beiden Zugangsseiten und in der MItte durch Türme geschützt.
Der befohlene Abgang des Burgstädtchens
Das Burgstädtchen wurde offenbar auf Befehl verlassen und unbewohnbar gemacht: Die baugeschichtlichen Beweise sind folgende:
- Beim nordöstlichen Torturm wurde die grabenseitige nordöstliche Wand herausgerissen. - Ebenfalls wurde die anliegende Toranlage vollständig zerstört.
- Beim südwestlichen Torturm wurde auf der nordöstliche Seite ein großes Portal in die Mauer geschlagen (siehe Foto).
- Ebenfalls wurde beim südwestlichen Wehrturm das doppelbogige Fenster (siehe Foto) zugemauert.
Weshalb finden sich besonders im Kanton Freiburg etliche verlassene Burgstädtchen?
Aus dem Plan geht hervor, daß Arconciel nicht nur eine Burg, sondern ein Burgstädtchen (un bourg, une cité) war. Damit wird das Objekt in einem weiteren Zusammenhang interessant: Der Kanton Freiburg hat eine Reihe solcher abgegangener Burgstädtchen mit teilweise bedeutenden Resten.
Wie Arconciel ist das gegenüber liegende Illens (Illingen) zu beurteilen. Aber auch Pont-en-Ogoz (Winterlingen), Corbières (Korbers), Vuippens (Wippingen), Montsalvens, Bossonens, Montagny (Montenach), La Molière, auch Ober Maggenberg waren alte Kleinstädtchen, die verlassen und zerstört wurden.
Weshalb gerade Freiburg etliche solche verlassene Burgstädtchen aufweist, ist rätselhaft. - Dahinter stehen bedeutende historische Ereignisse, die man nur schwer fassen kann.
Bei dieser Gelegenheit soll darauf hingewiesen, daß wir über die Burgstelle Arconciel in alten Zeiten nichts wissen. Denn gemäß der Geschichts- und Chronologiekritik setzt die plausible Geschichte erst etwa zur Zeit der Französischen Revolution ein.
Also ist die Notiz, wonach die Eidgenossen "1475" sowohl Illens wie Arconciel zerstört hätten, als pseudohistorische Floskel zu entlarven.
Das Studium der ältesten eidgenössischen Chroniken brachte sogar eine vorherige Verdoppelung jenes Ereignisses hervor: Bereits "1324" sollen die Berner und Freiburger gemeinsam Arconciel und Illens zerstört haben (Chronologie Helvetica von Schweizer - Suicerus).
Überlegungen zum Ortsnamen
Die Burgstelle Arconciel trägt den Namen des Ortes.
In meinem Buch Die Ortsnamen der Schweiz (2016) erkläre ich den Namen wie folgt:
ERGENZ = RGNS = REGEN(S) = REGINA (Maria)
Der Name ist also gleichartig wie etwa Regensberg und Regensdorf.
Nun ist die Burgstelle Arconciel relativ weit, nämlich 1 km vom namengebenden Ort entfernt.
Doch unmittelbar nördlich vor der Burgstelle gibt es einen Hof und eine Flur mit dem sonderbaren Namen GOTALLA.
Ich meine, das Burgstädtchen hätte einen Namen getragen, der in dem eben genannten Flur- und Hofnamen enthalten war.
In Gotalla steckt das hebräische und deutsche Wort GOT drin.
Gott, Goten und gut gehen wie zahlreiche Ortsnamen zurück auf das hebräische ha'ot = das (göttliche) Zeichen.
Die Anlage könnte ursprünglich Guten-Burg geheissen haben.
1.6.2012 ff., 15.6., 8.2012, 2014, 2015, 7/2018