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Was ist Polio?
Polio, kurz für Poliomyelitis, ist eine hochgradig ansteckende Krankheit, die durch ein Virus verursacht wird. Bevor breit angelegte Impfkampagnen durchgeführt wurden, waren vor allem Kinder unter 5 Jahren von der Krankheit betroffen. Das Virus wird in der Regel durch verunreinigtes Wasser verbreitet. Wird jemand infiziert, ist oft das Nervensystem betroffen und das kann zu Lähmungen führen.
Die erste vermutete Darstellung der Kinderlähmung stammt aus der Zeit von 1580 bis 1350 v. Chr. Eine ägyptische Stele zeigt einen Priester mit einem verkrüppelten Bein, was ein Hiweis darauf darstellt, dass die Kinderlähmung bereits vor Tausenden von Jahren auftrat. Es dauerte jedoch bis 1789, bis Dr. Michael Underwood versuchte, die erste bekannte klinische Beschreibung von Polio zu definieren.
Im Jahr 1931 wurden mehrere Typen des Polio-Virus entdeckt, die als Typ 1, 2 und 3 bezeichnet wurden.
1952 kam es zu einem massiven Polioausbruch, bei dem viele infizierte Kinder Wochen oder Jahrzehnte in "eisernen Lungen" verbrachten, um zu überleben. Die "eiserne Lunge", auch bekannt als "Panzeratemgerät", ist ein 1927 entwickeltes Gerät, das die Atmung ermöglicht, indem es den Druck in einem rechteckigen Metallkasten veränderte und so Luft in die Lunge hinein- und herauszog.
Etwas mehr als 20 Jahre nach der Identifizierung des für die Kinderlähmung verantwortlichen Virus wurde 1955 der erste Polio-Impfstoff von Dr. Jonas Salk entwickelt. Er verwendete dafür ein inaktiviertes Poliovirus. Im Jahr 1961 wurde ein oraler Lebendimpfstoff entwickelt, der in den meisten Ländern der Welt schnell zum Impfstoff der Wahl wurde.
Daraufhin wurde die Impfung international gefördert, was 1988 zu einem Rückgang der Poliofälle um 99 % führte.
Symptome von Polio
Die meisten Personen, die sich mit Polio infizieren, haben keine sichtbaren Symptome.
Bei etwa einem von vier Erkrankten treten grippeähnliche Symptome auf, wie zum Beispiel:
- Fieber
- Halsweh
- Übelkeit
- Müdigkeit
- Magenschmerzen
- Kopfschmerzen
In der Regel dauern diese Symptome 2-5 Tage an, bevor sie von selbst wieder verschwinden.
Eine kleinere Gruppe enwickelt schwerere Symptome, die das Gehirn und das Rückenmark betreffen. Eine Meningitis, sprich eine Infektion der Haut die das Rückenmark und Gehirn umgibt, kann je nach Virustyp bei 1-5 von 100 Polio-Infizierten auftreten.
Eine seltenere Komplikation der Polio-Infektion ist die Lähmung, die in 1 von 200-2.000 Fällen auftreten kann. Dabei handelt es sich in der Regel um eine Lähmung oder Schwäche der Arme und/oder Beine, die zu dauerhafter Behinderung oder sogar zum Tod führen kann.
Warum kehrt die Kinderlähmung zurück?
Obwohl die Anzahl Poliofälle im Vergleich zu früher deutlich zurückgegangen ist, besteht für jede ungeimpfte Person nach wie vor die Gefahr einer Ansteckung. Je schlechter die Durchimpfungsrate gegen Polio ist, desto höher ist das Risiko, sich mit Polio zu infizieren.
Dies sorgte für internationale Schlagzeilen, als im August 2022 im US-Bundesstaat New York der erste Fall von Polio seit 2013 auftrat. Aufsehenerregend dabei: Es handelte sich nicht um ein Kind sondern um einen jungen Erwachsenen, der mit der Krankheit infiziert und teilweise gelähmt war.
Polio taucht auch in anderen Industrieländern wieder auf. So entdeckten Wissenschaftler in London vor kurzem bei einer Routineuntersuchung Polioviren in Abwässern. Die frühzeitige Entdeckung trug dazu bei, dass die öffentlichen Gesundheitsorgane schnell reagierten und beispielsweise Auffrischungsimpfungen für Kinder im Alter von 1 bis 9 Jahren anbot. Allerdings wird nicht in allen Ländern aktiv nach Polioviren gesucht, so dass die Krankheit oft unentdeckt bleibt, bis erste Fälle mit Lähmungen auftreten.
Da es derzeit keine Heilung für Polio gibt, ist eine Impfung zum Schutz unerlässlich. Eltern, die keine Angst vor der Kinderlähmung haben, entscheiden sich jedoch manchmal gegen eine Impfung ihrer Kinder. Polio ist jedoch immer ein Risiko, selbst in derzeit poliofreien Ländern, wie das jüngste Auftreten in den Vereinigten Staaten zeigt.
Im Jahr 2021 meldete die Weltgesundheitsorganisation, dass 80 % der Kleinkinder weltweit alle drei Dosen des Polio-Impfstoffs erhalten haben. Damit sind aber immer noch 20 % der Kinder gefährdet, sich mit dem gefährlichen Virus anzustecken und diese Zahl steigt weiter an.
Schutz vor Polio auf Reisen
Vor einer Reise sollte abgeklärt werden, ob bei der Reisedestination ein Polio-Risiko besteht. Wenn dies der Fall ist und Sie oder Ihre Kinder nicht ausreichend geimpft sind, sollten Sie eine Impfung erhalten. Die Impfung wird auch bei Erwachsenen empfohlen, falls die letzte Dosis schon mehrere Jahre her ist. Falls Sie noch nie eine Impfung gegen Polio erhalten haben, sind mehrere Impfdosen vor Abreise nötig.
Auf der Reise sollte zusätzlich auf eine gute Hygiene beim Essen und Trinken geachtet werden, nicht nur wegen Polio, sondern auch wegen anderen Erkrankungen. Dazu gehört, dass man nur desinfiziertes, abgekochtes oder in handelsüblichen versiegelten Flaschen gekauftes Wasser trinkt. Ausserdem sollten Sie nur gut gekochte und heiss servierte Speisen zu sich nehmen.
Eine gute Händehygiene ist ebenfalls wichtig. Waschen Sie sich also häufig die Hände mit Seife und fliessendem Wasser oder einem alkoholhaltigen Händedesinfektionsmittel.
Ihre Rolle im Kampf gegen Polio
Polio ist eine hochansteckende Krankheit, die Länder seit Jahrhunderten in Angst und Schrecken versetzt. Die Polio-Impfung ist der beste Weg, um sich, ihre Kinder und Freunde vor dieser Krankheit zu schützen. Sie ist insbesondere wichtig für alle, die in ein Land mit Poliorisiko reisen. Zum Schutz aller wird die Polio-Impfung allen Personen empfohlen, die diese noch nie erhalten haben.
Referenzen
- Poliomyelitis. (2022). https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/poliomyelitis
- Die Eiserne Lunge und andere Ausrüstung. (2021). https://americanhistory.si.edu/polio/how-polio-changed-us/iron-lung-equipment
- GPEI-Geschichte der Polio. (2022). https://polioeradication.org/polio-today/history-of-polio/
- Impfschutz. (2022). https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/immunization-coverage