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Eines der einfachsten Mittel, um Unterrichtsstörungen abzubauen und es Kindern mit ADS und ADHS leichter zu machen, sich zu konzentrieren, besteht darin, die Sitzplätze richtig zuzuweisen.
Viele Lehrpersonen lassen Kinder selbst bestimmen, wo sie sitzen möchten. In manchen Fällen tut man den Schülern damit jedoch nichts Gutes...
Sie können darauf wetten: Wenn Sie Schüler in der Klasse haben, die während dem Unterricht gerne schwatzen, Radiergummi herumwerfen und kaspern, werden sich diese mit fast 100%iger Wahrscheinlichkeit:
- dorthin setzen, wo Sie sie am schlechtesten sehen
- nebeneinander setzen
Es kommt vor, dass Lehrer/innen zu störenden Schülern sagen: "Tim, setz dich nach vorne!" - nur um Tim am nächsten Tag wieder hinten sitzen zu lassen, um ihn nach vier bis fünf Ermahnungen nach vorne zu setzen. Dieses Spiel kostet nicht nur die Lehrpersonen unnötig Nerven - es führt auch dazu, dass sich nicht nur Tim, sondern die ganze Klasse weniger auf den Unterricht konzentrieren kann.
Wie wir in der Einführung geschrieben haben, fällt es Kindern mit ADS/ADHS unheimlich schwer, Reize auszublenden. Sie können sich deutlich schlechter selbst steuern und daran hindern, auf spannende, aber irrelevante Reize zu reagieren. Helfen Sie diesen Kindern, indem Sie sie so setzen, dass sie nicht ständig abgelenkt werden.
Nähe zur Lehrperson
Kinder mit ADHS und ADS können sich deutlich besser konzentrieren und stören den Unterricht weniger, wenn sie möglichst nah an der Lehrperson sitzen. Achten Sie einmal darauf, wo Sie sich bevorzugt im Klassenzimmer aufhalten. Viele Lehrkräfte haben eine Lieblingsecke, in der sie sich gerne aufhalten - zum Beispiel vorne links. Sitzt ein unaufmerksames Kind in dieser Ecke, kann es sich besser auf Sie und Ihren Unterricht konzentrieren. Wenn Sie merken, dass es aufstehen will, das Buch nicht aufschlägt oder nicht aufpasst, müssen Sie nicht über die Pulte hinweg rufen, sondern können einfach einen oder zwei Schritte auf das Kind zu machen. Störendes Verhalten wird dadurch vielfach bereits in den Anfängen unterbunden, ohne dass eine Ermahnung nötig ist. Falls das Kind abgelenkt war, können Sie einfach den Finger auf die Aufgabe legen und das Kind auf diese Weise sanft auf die Aufgabe hin orientieren.
Kinder mit ADS/ADHS benötigen viele und rasche Rückmeldungen: Sie müssen sofort darauf hingewiesen werden, was in Ordnung ist und was nicht oder was als nächtes zu tun ist. Sitzt das Kind in der Nähe der Lehrperson, kann früh und nonverbal reagiert werden. Diese Rückmeldungen belasten die Beziehung zwischen Kind und Lehrer/in nicht. Sitzt das Kind hingegen weit hinten, kommt es oft vor, dass man als Lehrkraft zu lange wartet, bis man reagiert (man will ja nicht ständig das ganze Klassenzimmer durchqueren oder über die Bänke hinweg rufen). Reagiert man schliesslich, ist man meist schon so wütend, dass die Reaktion unverhältnismässig harsch ausfällt. Die Beziehung - und damit die wichtigste Basis für eine gute Zusammenarbeit - beginnt zu leiden.
Der richtige Pultnachbar
Wie bereits erwähnt, wählen sich Kinder mit ADS/ADHS selten den fleissigen, konzentrierten Pultnachbarn aus, der ihnen dabei helfen würde, die Aufmerksamkeit auf den Unterricht zu richten. Stattdessen setzen sie sich gerne neben ein Kind, das ähnliche Schwierigkeiten aufweist. Oft werden dadurch die Probleme beider Kinder noch verstärkt. Lassen Sie dies - Ihnen und dem Kind zuliebe - nicht zu. Setzen Sie dieses Kind neben ein Kind, das auf Ablenkungsversuche entweder gar nicht oder mit einem "sei ruhig!" reagiert.
Kinder mit ADHS, die nicht nur unaufmerksam sind, sondern auch hyperaktiv und impulsiv, stören andere Kinder teilweise so sehr, dass ein Einzelpult die richtige Entscheidung ist. Es gibt durchaus Kinder mit ADHS, die froh sind, an einem Einzelpult sitzen zu dürfen - sofern sie ganz klar wahrnehmen, dass damit keine Strafe sondern eine Hilfestellung verbunden ist.
Achten Sie darauf, dass das Umsetzen nicht als Strafe empfunden wird
Kinder und Jugendliche können ziemlich gut einschätzen, wie etwas gemeint ist. Sie mögen Lehrpersonen, die klar und direkt sind und auf die Einhaltung von Regeln bestehen, solange diese sich fair verhalten, den Schülern zeigen, dass sie sie mögen und es ihnen darum geht, dass jeder möglichst viel vom Unterricht profitieren kann.
Wenn Sie das "Tim, komm nach vorne!"-Spiel spielen und das Vorne-Sitzen als Strafe verwenden, wird Tim kaum mehr bereit sein, sich dauerhaft nach vorne zu setzen.
Machen Sie einem Kind deutlich, dass Sie möchten, dass die Regeln eingehalten werden, es Ihnen aber noch wichtiger ist, dass es gut lernen kann.
Sie könnten das Kind zu einem Gespräch einladen: "Du Tim, ich habe das Gefühl, dass es sehr schwer für dich ist, im Unterricht aufzupassen. Ich möchte aber, dass dir das leichter fällt. Was könnten wir da machen?" Im Rahmen dieses Gesprächs könnten Sie Tim den Vorschlag machen, nach vorne zu kommen oder sich an ein Einzelpult zu setzen. Vielleicht stellen Sie überrascht fest, dass sogar Tim selbst diesen Vorschlag macht.
Falls Sie die Eltern am Gespräch teilhaben lassen, werden auch diese besser auf eine solche Massnahme reagieren, wenn es darum geht, dass sich ihr Kind "besser konzentrieren" kann und nicht darum, dass es "weniger stört".
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Für Eltern: Erfolgreich lernen mit AD(HS)
Für Lehrpersonen: Weiterbildungstag "Schüler/innen mit ADS / ADHS erfolgreich unterrichten"