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Neun Zentimeter Eis
Gefäss:
Experten prognostizieren, dass der Meerespiegel bis Ende dieses Jahrhunderts um 0,9 bis 1,6 Meter ansteigt. Davon gehen 9 Zentimeter zulasten des schmelzenden Grönlandeises.
Quelle:
Christine Zenino/flickr.com
Vergängliche Pracht: Eisdecke in Grönland.
Seit dem Ende des Waldsterbens ist der Anstieg des Meeresspiegels Gegenstand von Forschungen, Hochrechnungen und oft auch von heftigen geprägten Diskussionen. Vor Kurzem hat das Artic Monitoring and Assessment Programm (AMAP) in Oslo einen Anstieg des Meeresspiegel bis für das Jahr 2100 um 0,9 bis 1,6 Meter prognostiziert. Jetzt wurde im Rahmen dieser Prognose der Anteil des abschmelzenden Grönlandeises am Anstieg des Meeresspiegels beziffert - er beträgt voraussichtlich mindestens 9 Zentimeter bis Ende dieses Jahrhunderts.
Diese Werte hat eine Gruppe von US-Forschern um Stephen Price ermittelt auf der Basis von Modellrechnungen, die in der Fachzeitschrift PNAS publiziert worden sind. Auf Grund der gegenwärtig vorherrschenden Klimadynamik bezeichnen die Forscher diese Entwicklung in den nächsten Jahrzehnten als unumkehrbar.
Meeresspiegel-Anstieg beschleunigt sich
Noch vor vier Jahren ging der UN-Klimarat noch von einem "moderateren" Anstieg von 19 bis 59 Zentimeter bis 2100 aus. Noch in den Jahren 1995 bis 2000 gingen im grönländischen Inlandeis pro Jahr 50 Milliarden Tonnen Eis verloren. Im Zeitraum 2004 bis 2009 waren es bereits 200 Milliarden Tonnen jährlich. Berechnungen des Artic Monitoring and Assessment Programms AMAP zufolge betrug der Anstieg Ende des letzten Jahrhunderts noch pro Jahr 1,8 Millimeter. Der Anteil der schmelzenden Polkappen betrug dabei etwa 30 Prozent. In den Jahren 2003 bis 2010 belief sich der Anstieg bereits auf 3,1 Millimeter pro Jahr mit einem Anteil der Polkappen-Schmelze von 75 bis 80 Prozent.
Gletscherschmelzen gab es schon früher
Die Schuld an der Klimaerwärmung und damit auch an schmelzenden Gletschern und Polkappen wird heute vor allem den Menschen angelastet. Im historischen und erdgeschichtlichen Kontext sind schmelzende und wachsende Gletscher allerdings nichts Neues. Die wohl am intensivsten erforschten Gletscher sind jene in den Alpen. Sie haben interessante Biografien: Der Grosse Aletschgletscher zum Beispiel ist mit 22,9 Kilometern der längste Gletscher der Alpen. Während der vergangenen 140 Jahre hat er sich um 2800 Meter zurückgezogen. In der Bronzezeit, vor etwa 3300 Jahren war er ungefähr 1000 Meter kürzer als heute. Und in der Römerzeit, in den Jahren 200 v. Chr. bis 50 n. Chr., hatte er etwa die gleiche Ausdehnung wie heute. (mai)