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Evaluationen sind ein wichtiges Instrument zur Verbesserung der Lehre. Evaluationen sind aber auch Ausdruck subjektiver Wahrnehmung, und die Beurteilung widerspiegelt manchmal mehr subjektives Gefallen oder Nichtgefallen einer Lehrpersönlichkeit, als die Qualität der Wissensvermittlung. Nach meinem persönlichen Selbstverständnis als Hochschullehrer kann es nicht primär darum gehen, einen Spitzenplatz in der studentischen Beliebtheitsskala zu erobern, als vielmehr den Studenten Reibungsfläche zu bieten, sie anzuregen, sie herauszufordern, sie zu provozieren und auch zu polarisieren – mit der der Aufklärung verpflichteten Absicht, die Studenten zu selbstständigem und kritischem Denken anzuregen (studere = sich bemühen).
Es kann nicht Anliegen der Hauptvorlesung sein, blosses Faktenwissen zu vermitteln – reines Faktenwissen lernt man im Lehrbuch. Vielmehr sollen den Studierenden Lernhilfen in die Hand gegeben werden, die es ihnen erlauben, selbstständig Kausalketten zu knüpfen und nachzuvollziehen; Lernhilfen, die das Verständnis für das Fachgebiet fördern und es den Studierenden erleichtern, sich das Fachwissen selbstständig zu erarbeiten.
Aus den Jahrbüchern der Staatsexamen 2004 und 2007
Ich bin nicht so versessen, Ihnen Ratschläge für Ihr weiteres Leben erteilen zu wollen. Ich halte es lieber mit der Tradition von G.C. Lichtenberg's "Sudelbüchern".
"Ein geschäftiges Leben ist ein vergeudetes Leben." (Lebensmaxime von Francis Crick, will heissen: gönnen Sie sich die Musse, lang und gründlich über wirklich wichtige Probleme nachzudenken, statt durch die Welt zu hetzen und viele Dinge tun, aber nichts von Wert.)
Ich kann nur versuchen mit Ihnen zu teilen, was mir beschieden war und hoffen, dass Sie vor allen Dingen eines gelernt haben: der oftmals eingeforderte Respekt soll allzu häufig die eigenen Unzulänglichkeiten verbergen. Unwissenheit verbunden mit Selbsttäuschung und Eigennutz mag allgegenwärtig sein, ist aber nicht erstrebenswert. Der kategorische Imperativ von Kant - das sapere aude -, der aus dem vernünftig strukturierten Verhältnis des Menschen zu sich selbst gewonnen wird, das moralische Gesetz, das dem guten Willen unterliegt, ist weder Produkt eines Gehorsams gegenüber höheren Mächten, noch bildet es die Legalität von Rechtsnormen ab.
Ich wünsche mir,
- dass die Ungerechtigkeit der Welt Sie nicht ungerecht werden lässt,
- dass Sie Eigennutz und Scheinheiligkeit benennen, wo immer Ihnen diese begegnen.
Ihnen wünsche ich, dass Sie Ihren Glauben, Ihre Zuversicht und Ihre Hoffnung nie verlieren.
Wenn Sie aber dereinst einmal vor lauter Enttäuschungen und vergeblichen Mühen nicht weiter wissen, so denken Sie daran, dass der Mensch an seinen Niederlagen wächst - nicht an seinen Erfolgen.