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Das Übersetzen neugriechischer Literatur ins Deutsche empfinde ich als Bereicherung in meinem Leben. Wenn ich mich in den Autor oder die Autorin hineinversetze, lerne ich stets etwas Neues hinzu.
Literarisches Übersetzen ist eine enorm verantwortungsvolle Aufgabe. Einerseits darf man nicht zu nah am Original kleben, andererseits nicht zu sehr interpretieren. Bis heute profitiere ich sehr von meinem Studium der Griechischen Philologie an der Aristoteles-Universität Thessaloniki, das mir das entsprechende Handwerkszeug vermittelt hat.
Die neugriechische Literatur birgt noch viele Schätze, die geborgen werden wollen.
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Der 1963 in Athen geborene Aristide Antonas, Architekt, Philosoph, bildender Künstler und Schriftsteller, legt in seinem ersten auf Deutsch in der Edition Romiosini / CeMoG erscheinenden Text „Das Schaufenster“ eine philosophische Erzählung mit kriminalistischen Elementen vor, in der der besessene Protagonist Tarken seine eigene Befindlichkeit in Bezug zu den ihn umgebenden „Gegenständen“ beobachtet.
„Lederportemonnaies mit tausendfach befingerten schmutzigen Geldscheinen vergammeln übelriechend in meiner Tasche. Eine regelrechte Kloake, in der Notizen, Formulare und Gegenstände versinken und verwesen wie tote Mäuse. […] Ich ekele mich vor der Tasche. Manchmal ertrage ich es kaum, sie anzusehen oder nur an sie zu denken. Dann überwältigt mich Trauer, ich finde den Zustand der Tasche absolut unerträglich. Dann mache ich sie auf und spucke hinein. Ich spucke in die Tasche. […] Ich spucke hinein, um das saubere Blatt schmutzig zu machen, ich spucke auch, um mich gegen die schmutzige Tasche aufzulehnen.“
Tarken ekelt sich vor allen Gegenständen, und versucht, ihnen zu entkommen, verstrickt sich dabei aber in ein noch schlimmeres Dilemma. Auf der Flucht vor den Gegenständen entdeckt er eines Nachts einen ermordeten Mann in einem erleuchteten Schaufenster und beginnt sich vorzustellen, dass dieser inszenierte Mord eine symbolische Tragweite hat, die den Mord als solchen in den Schatten stellt. Tarken seinerseits begreift seine eigene Verbindung zu diesem Verbrechen nicht. Weitere Personen wie der „Büroleiter“, der ihn in eine Falle lockt, und der „Höhlenmann“, dem er in einem Lager in der Nähe des Fundortes der Leiche begegnet, wirken wie Spiegelbilder seiner selbst, die seinen inneren Monolog nach außen tragen. Der Leser gerät zunehmend in eine Rolle, in der er die Realität des Helden Tarken infrage stellen muss. Dadurch fordert Antonas seinen Leser zu Wachsamkeit auf und erlaubt es ihm nicht, sich auf seine Rolle als „Konsument“ der Erzählung zu beschränken. Was verbindet Tarken und die Leiche im Schaufenster? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten.
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Kürzlich erschienen:
Gastmahl eines Gelehrten von Christos Zouraris auf Deutsch in Übersetzung von Maria Zafón
Im antiken Griechenland gab es sogenannte Gastmahlgelehrte, die sich während einer Mahlzeit über essensrelevante Themen unterhielten. Von dem unter dem Titel Das Gelehrtengastmahl bekannten Werk von Athenaios sind solche Gespräche mit wertvollen Informationen über die Kultur in der Antike überliefert.
Der Titel dieses in Vergessenheit geratenen Werks dient in abgeänderter Form – Gastmahlgelehrter – einem Schriftsteller als Pseudonym, der sich mit der Rolle des Geschmacks in der griechischen aber auch in der französischen Küche beschäftigt. Der Gastmahlgelehrte protokolliert keine Gespräche, sondern er verfasst ausführliche Kommentare prinzipiellen Charakters, die nichts mit Kochrezepten oder Benimmregeln bei Tisch gemein haben. Es werden die Philosophie des guten Geschmacks, seine Ästhetik, soziologische Aspekte und kulturelle Dimensionen der griechischen Küche thematisiert. Dabei geht es um die Verfeinerung des Geschmacks als alternative Methode für ein gutes Leben.
Bestellbar bei der Edition Romiosini https://bibliothek.edition-romiosini.de/catalog/series/belletristik
ISBN: 978-3-946142-93-5
Seiten: 132
Rezension in der Griechenland Zeitung, 23. November 2022
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Bildquelle: Edition Romiosini
Kadmo von Melpo Axioti !
Kadmo (1972) ist der Schwanengesang der Melpo Axioti (1903-1973), in welchem die Agonie der ins Exil verbannten zentralen Heldin wiedergegeben wird, die Erinnerung an ihre Sprache und Heimat zu bewahren.
In diesem berührenden inneren Monolog tauchen viele der Helden aus ihren früheren Büchern wieder auf und leisten der einsamen Kadmo Gesellschaft. Während sich Kadmo an ihre früheren Schriften erinnert, kommen ihr unweigerlich auch die verschiedenen Phasen ihres Lebens in den Sinn, in denen sie diese geschrieben hatte.
Bestellbar bei der Edition Romiosini https://bibliothek.edition-romiosini.de/catalog/series/belletristik
ISBN: 9783946142379
Seiten: 116
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Bildquelle: Unionsverlag
Nikos Kavvadias
Die Schiffswache
Roman
Unionsverlag, 2012
Aus dem Griechischen von Maria Zafón
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Yannis Stiggas, Zehn Gedichte,
Poesiefestival Berlin 2010, Mittelmeer
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Michel Fais, Begrabene (lebende) Geschichte,
in: Lyrik und Prosa aus Griechenland, Oktober 2001
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Dimothenis Kourtovik, Und trotzdem, in: «Geheime Auswegeim Blau»,
Lyrik und Prosa aus Griechenland, Oktober 2001
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Petros Tatzopoulos, Barbecue, Erzählung,
in: «Die Erben des Odysseus», dtv, September 2001
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Aris Sfakianakis, Die China-Restaurant-Krankheit, Erzählung,
in: «Die Erben des Odysseus», dtv, September 2001
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Bildquelle: amazon
Kostas Murselas
Ihr rotgefärbtes Haar
Roman
Romiosini Verlag, 1997
Aus dem Griechischen von Maria Zafón (geb. Petersen) und Nina Bungarten