Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03314.jsonl.gz/1604

Nationaltrainer Patrick Fischer hat heute vor dem Verband eine gute WM-Analyse abgeliefert. Er darf mit einer zweijährigen Vertragsverlängerung rechnen.
Die Schweizer haben bei der WM in Moskau das Ziel Viertelfinal nicht erreicht und schwebten zeitweise in Abstiegsgefahr. Nationaltrainer Patrick Fischer zeigte heute am Verbandssitz dem «Hockey-Gericht» mit den ihm freundlich gesinnten Verbandsgenerälen (Rindlisbacher, Kohler, Raffainer) und kritischen Liga-Vertretern (Leuenberger, Zahner) auf, warum es so herausgekommen ist.
Die interessanteste fachliche Ausführung Patrick Fischers war sicherlich seine detaillierte Statistik über die Torchancen bei fünf gegen fünf Feldspieler. Er zeigte auf, dass seine Mannschaft in allen sieben Partien mehr A-Torchancen hatte (er differenzierte zwischen A-, B- und C-Chancen) und spielerisch auf Augenhöhe mit den Grossen war. Selbst die Russen (Schlussresultat 1:5) habe man in der Schlussphase dominiert, aber während dieser besten Phase drei Kontertreffer eingefangen. Nur gegen Tschechien (4:5) sei man im Startdrittel überrannt und dominiert worden.
Er räumte ein, dass das optisch wilde System mit den stürmenden Verteidigern und dem Pressing in der gegnerischen Zone («Overload»), um dort Überzahlsituationen herbeizuführen und Verwirrung zu stiften, letztlich nicht ganz funktioniert habe. Die Zeit sei zu knapp gewesen, in Lugano habe er für das Einfuchsen dieser taktischen Variante ja auch gut drei Monate gebraucht. Für diese anspruchsvolle Offensivvariante hätten in Moskau auch die spielstarken Verteidiger gefehlt.
Es hat kritische Fragen zum Boxplay (das schwächste aller WM-Teams) und zu den Torhütern gegeben. Fischer führte aus, dass eigentlich Reto Berra für die zwei ersten Partien (Kasachstan, Norwegen) gesetzt war. Er habe dann aber aufgrund der Leistung gegen Kasachstan (2:3 n.P.) mit dem kuriosen Gegentreffer im zweiten Spiel gegen Norwegen (3:4 n.V.) Robert Mayer eingesetzt, der jedoch diese Chance nicht ganz genutzt habe.
Berra habe im Training zwar nicht überzeugt, aber gegen Dänemark (3:2 n.V.) und Lettland (5:4) den Sieg möglich gemacht und schliesslich vor der Partie gegen Russland die beste Trainingsleistung abgeliefert. Deshalb sei Robert Mayer in den letzten drei Partien (1:5 Russland, 2:3 n.P. Schweden und 4:5 Tschechien) nicht mehr eingesetzt worden. Der Nationaltrainer räumte ein, dass es wahrscheinlich besser gewesen wäre, Robert Mayer in den drei letzten Partien noch mindestens einmal einzusetzen.
Patrick Fischer legte auf eine entsprechende kritische Frage dar, das miserable Boxplay sei auch im Zusammenhang mit der bloss durchschnittlichen Goalieleistung zu sehen. Die Fangquoten beider Goalies (Berra 88,07% / Mayer 84,62%) seien ganz einfach ungenügend gewesen. Es sei jedoch in der zweiten Phase des Turniers gelungen, das Spiel in Unterzahl zu stabilisieren.
Der Nationaltrainer erläuterte seinen Zuhörern, dass es unerlässlich sei, spielerisch weiterhin auf konstruktives Hockey zu setzen. Sonst werde die Schweiz von den «mauernden Kleinen» eingeholt und der Abstand zu den Grossen werde grösser. Aber er räumte ein, dass die Taktik zu offensiv und zu anspruchsvoll war und ein gewisser defensiver Realismus notwendig sei. Optische Dominanz genüge nicht, insbesondere müsse man im schnellen, präzisen Umschalten auf die Offensive (Konter) besser werden.
Ganz liessen sich die kritisch eingestellten Liga-Vertreter Sven Leuenberger (SCB) und Peter Zahner (ZSC) nicht überzeugen. Aber sie haben resigniert festgestellt, dass die Verlängerung des Vertrages von Patrick Fischer und seinen zwei Assistenten Felix Hollenstein und Reto von Arx um zwei Jahre wohl nicht mehr zu verhindern ist und höchstens noch Retuschen im Trainerstab (evtl. mit einem Engagement von Lars Leuenberger) möglich sind. Die offizielle Vertragsverlängerung bis 2018 mit dem Nationaltrainer soll noch vor Mitte Juni erfolgen.
Zum Schluss gelobten alle Anwesenden, dass nichts von dem, was im Raum gesprochen worden ist (es haben auch die Trainer der übrigen Nationalteams referiert) an die Öffentlichkeit dringen dürfe – es sei höchstens Nationalmannschaftsdirektor Raeto Raffainer erlaubt, etwas zu erzählen.