Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03149.jsonl.gz/1333

2008 sperrt sich Ephrem Lüchinger mit einem Flügel für zwei Tage im Studio ein und improvisiert. Diese Aufnahmen werden in den Folgejahren zu seinem ständigen Begleiter. Er schneidet sie in Einzelteile, legt zahllose Audio-Effekte darüber und baut alles wieder zu einer Collage zusammen. Lange Zeit hat das Projekt kein konkretes Ziel, er macht es aus Lust an der Sache. Jetzt sind die Aufnahmen auf dem Album «Are you prepared?» erschienen – Musik, wie man sie selten gehört hat.
Mit dem Synthesizer im Dunkeln
Ephrem Lüchinger kam durch seinen Vater, einen begeisterten Hobbymusiker, im Primarschulalter zum Klavier. Er besuchte den Klavierunterricht, aber mit mässigem Erfolg. Was dann fruchtete, war der Synthesizer seines Vaters. Damit tüftelten Ephrem und sein Freund Manuel Rindlisbacher in ihrem verdunkelten Bandraum und bespielten Kassette um Kassette.
Prägend für Ephrem Lüchinger war Stings Live-Platte «Bring on the Night» von 1986. Darauf waren renommierte Jazzmusiker mit dabei – etwa der Pianist Kenny Kirkland. Dessen Spiel zwischen Jazz und Pop begeisterte Lüchinger derart, dass er sich intensiver mit dem Instrument und den Jazzharmonien auseinandersetzte. Die Begeisterung mündete schliesslich in einem Studium an der Musikhochschule Luzern, wo er Jazzpiano und Komposition belegte.
Popkarriere nach dem Jazzabschluss
Trotz Jazzschule blieben Pop und elektronische Musik wichtig für Ephrem Lüchinger. Nach dem Studium machte er sich einen Namen als Keyboarder und Produzent in der Schweizer Szene und arbeitete mit Popkünstlern wie Heidi Happy, Dieter Meier, Stephan Eicher und Sophie Hunger zusammen. Seine jazzige, experimentelle und elektronische Seite lebte Lüchinger in Projekten mit Stefan Rusconi, Julian Sartorius und T.Raumschmiere aus. Zudem vertont er zahlreiche Filme.
Ephrem Lüchinger war in den letzten 15 Jahren in über 60 CD-Produktionen involviert. Was noch fehlte, war eine offizielle Veröffentlichung unter eigenem Namen.
Ein Pianoalbum mit wenig Klavierklängen
2015 ist es soweit: Ephrem Lüchinger fühlte sich bereit, seine Musik aus dem stillen Kämmerchen zu veröffentlichen. Sein Jugendfreund Manuel Rindlisbacher, der auch schon als Audio-Techniker bei den Aufnahmen 2008 dabei war, mischte die 34 Tracks.
Mit «Are you prepared?» ist ein Piano-Solo-Album auf drei CDs entstanden, das vielen Hörern die Ohren öffnen wird. Zum Teil ist das Piano kaum mehr erkennbar, so sehr wurde es klanglich verändert. Trotzdem sind alle Effekte und Modulationen sehr treffsicher gewählt, mit zahllosen Details und ganz und gar nicht aufdringlich.
Man merkt dem Album an, wie viel Arbeit dahinter steckt. Man fragt sich, wie man bei einem solchen Werk überhaupt an ein Ende kommt? Wann ist es vollkommen? Ephrem Lüchinger meint selber dazu, Aufhören sei immer das Schwierigste und brauche sehr viel Mut. Anfangen hingegen sei einfacher.