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Der Schaffhauser Chemiker Dr. Karl Heinrich Fehrlin (1866–1943) durchlebte 1910 eine Krise und stellte fest, dass er «Stimmen hörte». Er wandte sich im Selbststudium aktueller psychiatrischer Literatur zu und verfasste eine Abhandlung mit dem Titel «Die Schizophrenie». Während der Niederschrift offenbarten sich ihm die «Stimmen» als jene von Geistern verstorbener Freunde, Verwandter und bekannter Schaffhauser Persönlichkeiten.
Es gelang Fehrlin, ihr vielstimmiges Diktat in Schaffhauser Dialekt niederzuschreiben. 1912 liess er seine Broschüre in 5000 Exemplaren drucken und verschickte sie an Psychiater in Deutschland und der Schweiz. Sein Text gibt Einblick in die Komplexität der Erfahrung psychischer Erkrankung und in die aktuelle psychiatrische Literatur. Er war einer der Ersten, der den Begriff «Schizophrenie», den der Zürcher Psychiater Eugen Bleuler erst 1908 eingeführt hatte, als Titel einer Abhandlung verwendete. Fehrlin zeichnet aber auch ein «Sittenbild» der Stadt Schaffhausen um 1910 und verortet seine existenzielle Katastrophe präzise zwischen zwei Diskursen, dem spiritistischen und dem naturwissenschaftlichen. Er hoffte, mit seiner Veröffentlichung das Modell einer Vereinigung beider Standpunkte durchsetzen zu können. Die kommentierte Neuausgabe würdigt den Text psychiatrie- und lokalhistorisch, psychologisch und als Mundartliteratur.