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Was bedeutet Entschlacken, Entgiften oder eine Darmreinigung?
In der Alternativmedizin gilt es, durch einen sogenannten Entgiftungsprozess Schlacken und Giftstoffe aus dem Körper zu transportieren, deshalb auch Entschlackung genannt.
In der Schulmedizin spricht man von Entgiftung vor allem im Zusammenhang von Alkohol- und Drogenentzug, aber auch von der Dialyse, da es aus schulmedizinischer, wissenschaftlicher Sicht keine Schlackenansammlung im Körper gibt.
Kleine Einführung in die Physiologie des Verdauungsapparates
Der Magen ist im Verhältnis zur Grösse des Pferdes relativ klein und hat bei einem etwa 500 kg schweren Pferd ein Fassungs-vermögen von ca. 12 bis 18 Liter.
Wird hauptsächlich Rauhfutter verfüttert, verweilt dies bis zu 5 Stunden im Magen, bis der Nahrungsbrei an den Dünndarm übergeben wird. Der durch Heu oder Stroh entstandene, ideale, sehr saure pH-Wert des Magensaftes ist für die Abtötung unerwünschter Keime verantwortlich. Die unverdauten Fasern gelangen nach der Passage des Dünndarms in den Dickdarm, wo sie in einem gesunden Darmmilieu von Mikroorganismen aufgeschlossen werden.
Grössere Mengen Getreide verweilen deutlich länger im Magen als Rauhfutter.
-- Das ist doch sensationell! --
Könnte man sich denken und füttert dem Pferd, damit es länger satt bleibt, gleich noch ein kleines Schmankerl mehr in den Trog.
Das macht Ihr Pferd nicht glücklicher.
Im drüsenlosen Teil des Magens kommt es nach grösseren Mengen Kraftfutter bereits zur Vergärung der Stärke durch Milchsäure bildenden Bakterien. Dies kann bei magenempfindlichen Pferden Magengeschwüre begünstigen.
Nicht nur das. Der zu schwach desinfizierte Nahrungsbrei durch den weniger sauren pH-Wert wird mitsamt allen unerwünschten Bakterien vom Magen in den Dünndarm weiter transportiert. Dies kann Kotwasser, Blähungen bis hin zu undefinierbaren Lahmheiten oder auch Gangbildstörungen und Kolik nach sich ziehen.
Medikamente
Auch eine Behandlung mit Antibiotika kann kurzfristig für den Darm eine Belastung sein und das komplexe, dynamische bakterielle Ökosystem stören.

Was wird wo
verdaut:
Magen:
Dünndarm:
Dickdarm:
Darmsanierung
Wird ein Pferd von eher leichteren Problemen wie Blähungen bis hin zu massiven Stoffwechselstörungen geplagt, wird häufig eine Darmreinigung, Entschlackung oder auch Entgiftung genannt, empfohlen.
Der körpereigene Kaminfeger
Oft wird der Darm mit einem Ofenrohr verglichen, das zwischendurch gereinigt werden muss. Dies mag auf den ersten Eindruck plausibel klingen, jedoch weist ein Darm keinerlei Parallelen mit einem steifen, unbeweglichen Ofenrohr auf.
Muskeln halten den Darm mitsamt seinem Inhalt permanent in Bewegung. Spezialisierte Zellen sondern stetig Schleim ab, damit der Nahrungsbrei den Darm passieren kann.
Und damit sich wirklich keine Schlacken ansetzen können, wird der Darm durch eine ständige, schnelle Erneuerung der Zellen in gutem Zustand erhalten. Der Grossteil der Darmschleimhaut wird innerhalb einer Woche ersetzt.

Fleissige Geschäftsleute - Wussten Sie, dass ...
der amerikanische Arzt John Harvey Kellogg einer der frühen Verfechter der Darmreinigung war? Zu seiner Behandlung gehörten bestimmte Nahrungsmittel, allen voran die Cornflakes, die noch heute satte Umsätze erzielen.
"SoBe V-Water Detox", der grosse Renner seit einigen Jahren in England und lässt mit all seinen Heilanpreisungen das grosse Geld in die Kasse des Pepsi-Konzerns fliessen.
Mir wurde eine Darmsanierung verkauft, hat man mich auf den Arm genommen?
Nein, nur schon der grundlegende Gedanke und die Planung zur Durchführung einer Darmsanierung oder Entschlackungskur bringt uns ein grosses Stück weiter.
Denn dies zieht meist eine Änderung des Menü-/ Futterplans, im besten Fall sogar eine Optimierung nach sich. Somit wird für die Gesundheit und das Wohlbefinden ein Meilenstein geworfen.
Kräutermischungen sind eine wertvolle Stütze für einen starken Organismus
Nehmen wir als Beispiel Kräuter mit Bitterstoffen. Diese verbessern die Aufnahme von Nährstoffen aus dem Darm. Die Darmmotorik wird lebhafter, Magen, Darm, Leber und die Bauchspeicheldrüse produzieren mehr Verdauungssäfte.
Bitterstoffe wirken bei Appetitlosigkeit, Blähungen, Verstopfung, und vieles mehr. Darüber hinaus entfalten Bittermittel eine anregende, kräftigende Wirkung auf den ganzen Organismus und machen fit und munter.
Unser Tip
Stellen Sie Ihrem Pferd viel Rauhfasern zur Verfügung. Erhält Ihr Liebling Getreide, mischen Sie dies nach Möglichkeit direkt ins Heu, damit die Fresszeit verlängert wird. So kann der pH-Wert im Magen optimal gehalten werden.
Und denken Sie daran... Pferde sind Kräuterliebhaber