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Marktkommentar Juli 2014
Allgemein
Die geopolitische Situation blieb auch im Juli angespannt und vor allem in der Ukraine und im Nahen Osten könnten sich die Konflikte weiter ausdehnen. Der Westen versuchte, Russland mit weiteren Sanktionen zum Einlenken zu bewegen, bisher blieb der Kreml aber relativ gelassen, die russische Oberschicht reagiert jedoch zunehmend besorgt. Die russische Zentralbank sah sich erneut gezwungen, den Leitzins anzuheben, um der Kapitalflucht Abhilfe zu leisten und die Inflation einzudämmen. Im 2014 flossen bereits USD 75 Mia. an privatem Kapital aus Russland ab. Zunehmend wirkt sich die Ukraine-Krise auf die Wirtschaft Russlands aus, für das aktuelle Quartal wird mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung gerechnet. Russland hält in diesem Sanktionspoker erst nach Beginn der Heizsaison bessere Karten in der Hand.
Der IMF senkte aufgrund des schwachen ersten Quartals die Wachstumsprognosen für das Gesamtjahr der US-Wirtschaft.
Da die jüngsten Makrodaten jedoch sehr positiv ausfielen, könnte sich dies aber als voreilig entpuppen. Das BIP-Wachstum der USA wurde für das zweite Quartal mit 4% veranschlagt. Die Kontroverse, wieviel Reservekapazität der Arbeitsmarkt noch aufweist, bevor Inflationsdruck entsteht, spitzte sich weiter zu (siehe IM FOKUS). Einerseits ist die Anzahl offener Stellen wieder so hoch wie im Boomjahr 2006, andererseits ist die breit gemessene Unterbeschäftigungsrate mit 12% nach wie vor deutlich höher als zur Spitze der Rezession im 2001/2002. Die Frage lautet nun, inwieweit die US Notenbank erhöhte Inflation zulässt, um auch unkompetitiveren Langzeitarbeitslosen den Wiedereinstieg zu ermöglichen.
In Europa gab es zaghafte Verbesserungen in Frankreich und eine erstmalig wachsende spanische Wirtschaft schaffte wieder neue Arbeitsplätze. Moody’s erhöhte das Kreditrating von Portugal um eine Stufe und würdigte damit die Fortschritte bei der Haushaltskonsolidierung. China erreichte gemessen am PMI die beste Wachstumsdynamik seit 18 Monaten.
Aktien
Die Märkte waren geprägt von steigender Volatilität, zum Monatsende hin führten die bestehenden Unsicherheiten zu deutlichen Kurskorrekturen. Die Berichterstattung der Quartalsergebnisse schritt weit voran. Mehr als zwei Drittel aller S&P 500 Unternehmen konnten sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn die Erwartungen übertreffen. Die Ergebnisse in Europa lagen hingegen mehrheitlich unter den Analystenschätzungen, im Schnitt wurden diese um rund 1% verfehlt. Dies war wohl auch der Grund für das bessere Abschneiden der US-Aktienmärkte. So verlor der S&P 500 mit -1.5% vergleichsweise wenig, während europäische Märkte wie der DAX (-4.3%) oder der CAC40 (-4%) deutlich nachgaben. Auch in der Schweiz resultierte beim SPI ein Verlust von -1.5%. Wir nutzten die Schwächephase nach Monatsmitte zum leichten Ausbau der Aktienquote.
Obligationen
Die letzten Daten weisen in den USA eher auf steigende Inflationsraten hin. Aufgrund guter Makrodaten wird dieser Trend wohl anhalten. Viele Investoren rechnen mit dem ersten Zinsschritt per Mitte 2015, wobei die Spanne der Meinungen aufgrund oben genannter Diskussion relativ breit ist. Die Märkte werden also auch weiterhin volatil auf entsprechende Äusserungen der Mitglieder des Offenmarktausschusses reagieren. In Europa führten die vielen Unsicherheitsfaktoren zu einem weiteren deutlichen Rückgang der langfristigen Zinsen, in Deutschland erreichten 10-jährige Bundesanleihen ein neues Rekordtief von 1.12%. Die Rendite entsprechender inflationsgeschützter Anleihen sank ebenfalls wieder auf -0.4%. Die Renditen 10-jähriger italienischer und spanischer Staatsanleihen sanken ebenfalls weiter und notierten zuletzt bei 2.7% und 2.5%.
Währungen
Beflügelt von guten Daten neigte der US-Dollar zu weiterer Stärke. Der Greenback verteuerte sich zum EUR und CHF um über 2%. Der Franken gab gegenüber den meisten Währungen leicht nach und notierte zum Euro stabil bei 1.217. Der russische Rubel verlor gegenüber dem Dollar fast 5%, auch hier belasten die ergriffenen Sanktionen die russische Volkswirtschaft durch teurere Importe weiter. Auch andere Emerging Markets-Währungen neigten im Juli zur Schwäche. So verlor der brasilianische Real zum US-Dollar 2.6%, die indische Rupie büsste 1.3% ein. Allgemein gehen viele Ökonomen aber nicht mehr davon aus, dass steigende US-Zinsen eine allzu starke Belastung für die Emerging Markets darstellen. Der chinesische Yuan neigte nach der Abschwächung vom Frühjahr nun wieder zu deutlicher Stärke und gewann zum US-Dollar 0.5%.
Ausblick
Über die nächsten Wochen scheint der Raum für weiter steigende Aktienmärkte beschränkt. Viele Unsicherheitsfaktoren bleiben bestehen und lasten zunehmend auf der Stimmung der Marktteilnehmer. Unterstützend bleibt aber die expansive Geldpolitik zumindest ausserhalb der USA und UK. Im relativen Vergleich mit anderen Anlageklassen bieten Aktien mittelfristig die grössten Chancen. Trotzdem stehen uns wohl etwas volatilere Aktienmärkt bevor und wir prüfen laufend eine erneute Risikoreduktion im Aktienbereich.