Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03310.jsonl.gz/1232

Die 10 meist gemachten Webdesign-Fehler des Jahres 2002
Jedes Jahr bringt neue Fehler. Im Jahre 2002 hatten mehrere der schlimmsten Fehler einen Bezug zur E-Mail Integration. Gefolgt von übermässig wortgetreuen Suchmaschinen, war der Nummer 1-Fehler jedoch das Fehlen von Preisinformationen.
by Jakob Nielsen (deutsche Übersetzung) - 23.12.2002
Während das Web wächst, fahren Websites fort, neue Wege zu finden, um ihre Anwender zu stören. Nachfolgend sind 10 Design-Fehler aufgeführt, die besonders gut darin waren, die Anwender zu bestrafen und den Inhabern der Sites im 2002 das Geschäft zu rauben.
1. Keine Preisangaben
Keine B2C E-Commerce Website würde diesen Fehler machen, aber innerhalb B2B - wo die meisten "Unternehmenslösungen" auf eine Art und Weise dargestellt sind, dass man nicht unterscheiden kann, ob sie für 100 oder 100'000 Personen gemacht sind, ist genau dieser Fehler weit verbreitet. Der Preis ist die spezifischste Information, anhand derer ein Kunde die Offerte prüfen kann. Wenn man diese Information nicht bereitstellt, fühlen sich die Leute verloren und ihr Verständnis für eine Produktelinie verringert sich. Wir verfügen über Meilen an Videoband auf dem die Anwender "sich die Haare ausreissend" fragen "wo ist der Preis?".
Sogar B2C Sites machen oft den damit zusammenhängenden Fehler, in ihren Produktlisten keine Preise aufzuführen, zum Beispiel in Kategorieseiten oder den Suchresultaten. Der Preis ist in beiden Situationen die Hauptinformationsquelle; er lässt die Anwender zwischen den Produkten unterscheiden und sie so zu den für sie relevantesten Produkten durchklicken.
2. Unflexible Suchmaschinen
Übermässig wortgetreue Suchmaschinen vermindern die Usability, da sie nicht im Stande sind, Schreibfehler, Mehrzahlbezeichnungen, Bindestriche und andere Varianten der Abfrage zu handhaben. Solche Suchmaschinen sind besonders für ältere Anwender schwierig zu nutzen, generell aber für alle ärgerlich.
Ein damit in Verbindung stehendes Problem ist, wenn die Suchmaschinen die Resultate nur auf der Basis der Anzahl Suchbegriffe priorisieren und nicht anhand der Wichtigkeit des Dokumentes. Es wäre viel besser, wenn die Suchmaschine die "best bets" am Anfang der Liste anzeigen würde - besonders für wichtige Abfragen, wie zum Beispiel die Namen ihrer Produkte.
3. Horizontales Scrolling
Die Anwender hassen es, von links nach rechts zu scrollen. Das vertikale Scrollen scheint o.k. zu sein, vielleicht auch deshalb, weil es weit verbreitet ist. Webseiten, die in einem herkömmlich grossen Fenster, zum Beispiel bei 800 x 600 Pixel ein horizontales Scrolling verlangen, sind besonders störend. Aus irgendeinem Grund scheinen viele Websites auf eine Browser- Fensterbreite von 805 Pixel optimiert zu sein und dies, obwohl diese Auflösung ziemlich selten ist und diese zusätzlichen 5 Pixel im Verhältnis zum Aufwand für das horizontale Scrolling (und der Fläche, die der horizontale Scrollbar braucht) wenig bieten.
4. Feste Schriftgrösse
Leider geben Style Sheets den Websites die Möglichkeit, die Browser-Funktion "Schriftgrad ändern" zu überschreiben und die Schriftgrösse fix festzulegen. In ungefähr 95% der Fälle ist diese feste Schriftgrösse zu klein und reduziert so die Lesbarkeit für die meisten Anwender über 40. Respektieren Sie die Vorlieben der Anwender und lassen Sie sie die Schriftgrösse selbst bestimmen. Legen Sie zudem die Schriftgrösse relativ gesehen fest - nicht als absolute Anzahl Pixel.
5. Textblöcke
Ein riesiger Textblock ist für eine interaktive Erfahrung tödlich. Einschüchternd. Langweilig. Schwer zu lesen. Schreiben Sie für den Online-Gebrauch, nicht für den Ausdruck auf Papier. Um dem Anwender die Lesbarkeit zu erleichtern und das Scannen des Textes zu ermöglichen, können Sie gut dokumentierte Tricks anwenden. Verwenden Sie:
- Überschriften
- Aufzählungszeichen
- hervorgehobene Schlüsselwörter
- kurze Absätze
- die umgekehrte Pyramide
- eine einfache Schreibweise
6. Javascript Links
Die Grundbausteine des Webs sind Links und die Fähigkeit der Anwender, diese Links zu verstehen und sie mit unterschiedlichen Browsereigenschaften richtig zu nutzen.
Links, die sich anders verhalten als erwartet untergraben das Verständnis des Anwenders bezüglich seinen Vorstellungen über das System. Ein Link sollte ein einfacher Hypertexthinweis sein, welcher die aktuelle Seite durch neuen Inhalt ersetzt. Anwender hassen unaufgeforderte Pop-up Fenster. Wenn sie den Inhalt der neuen Seite in einem neuen Fenster anzeigen lassen möchten, dann können sie das mittels Browserfunktion "In neuem Fenster öffnen" tun; vorausgesetzt natürlich, dass der Link nicht aus Programmiercode besteht, welcher das Standardverhalten des Browsers einschränkt.
Anwender verdienen es, die Kontrolle über das System zu haben. Computer, die sich konsistent verhalten, geben den Leuten mehr Macht, indem sie sie ihre eigenen Werkzeuge benutzen und diese auch anwenden lassen.
7. Wenig häufig gefragte Fragen in FAQ
Zu viele Websites zeigen FAQs mit Fragen, welche die Firmen wünschten, ihre Anwender würden sie stellen. Nicht gut. Denn FAQs haben ein stark vereinfachtes Informationsdesign, welches keine ausgeprägte Einstufung der Fragen ermöglicht. Die Rubrik FAQ muss deshalb für die häufig gestelltesten Fragen reserviert bleiben, weil dies das Einzige ist, was sie auf einer Webseite zu einer sinnvollen Eigenschaft macht. Das Abbilden von selten gestellten Fragen untergräbt das Vertrauen der Anwender in die Website und beschädigen ihr Verständnis für deren Navigation.
8. Das Sammeln von E-Mail Adressen ohne Berücksichtigung der Privatsphäre
Anwender schützen Ihre Inbox immer mehr. Jedesmal, wenn eine Website eine E-Mail Adresse abfragt, reagieren die Anwender in den Nutzertests negativ. Nehmen sie nicht einfach an, dass man einen Newsletter abonniert, nur weil er kostenlos ist. Sie müssen den Leuten sagen, was und wie oft sie Post von Ihnen erhalten werden. Sie müssen ihnen auch eine Erklärung bezüglich des Schutzes der Privatsphäre oder eine Check-Box rechts des Eingabefeldes zur Verfügung stellen. Sonst können Sie die Hoffnung begraben, andere E-Mail Adressen als <email-pii> zu erhalten.
9. URL > 75 Zeichen
Lange URLs führen zu einem Bruch der sozialen Navigation des Webs, weil sie es praktisch verunmöglichen, einem Freund eine Empfehlung zu mailen, eine bestimmte Website zu besuchen. Wenn die URL zu lange ist um sie in einer Browser-Adresszeile einzugeben, werden viele Anwender gar nicht wissen, wie sie sie anwählen können. Wenn sich die URL in der E-Mail über mehrere Zeilen erstreckt, können sie die meisten Empfänger nicht mehr zu einem Stück zusammenfügen.
Das Resultat? Kein virenähnliches Marketing, nur weil die URL zu lang ist. Eine schlechte Art und Weise, Geschäfte zu verlieren.
10. Mailto-Links an unerwarteten Orten
Was erwarten Sie, wenn sie im Web einen Link anklicken? Eine neue Seite, welche Informationen über den Link enthält, den sie gerade angeklickt haben. Was erwarten Sie nicht? Das Starten eines E-Mail Programmes, dass von Ihnen Input erwartet, anstatt Informationen anzubieten.
Mailto-Links sollen für Links verwendet werden, die ausdrücklich anzeigen, dass es sich um E-Mail Adressen handelt, entweder durch die Anzeige des Formats <email-pii> oder ihre Bezeichnung (Senden Sie eine E-Mail an den Kundendienst). Belegen Sie die Namen von Personen nicht mit Mailto-Links; das Anklicken des Namens sollte im Normalfall die Biografie der Person zeigen und nicht ein E-Mail Programm starten.
Nochmals, ein Interaktionsdesign muss den Erwartungen des Anwenders entsprechen. Je konsistenter es ist, desto mehr Anwender werden es verstehen und so die Kontrolle über das System haben. Verletzte Erwartungen verursachen ein Gefühl der Unterdrückung, in der die Technologie über die Menschen herrscht und so deren Fähigkeit verringert, die Interaktion zu steuern.
Die zunehmende Wichtigkeit der E-Mail Integration
Es ist interessant festzustellen, dass die letzten drei Fehler alle mit E-Mail in Zusammenhang stehen. Obwohl einer der ältesten Internet-Services, bleibt E-Mail einer der wichtigsten. Die E-Mail wird schliesslich auch immer besser ins Web integriert und ich erwarte, dass sich dieser Trend fortsetzt (das heisst, wenn Websites die erwähnten Fehler vermeiden können).
© Deutsche Version von Jakob Nielsens Alertbox. Institut für Software-Ergonomie und Usability AG. Alle Rechte vorbehalten.