Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03150.jsonl.gz/1313

Themenstarter
- Beitritt
- 14.03.07
- Beiträge
- 6.312
Der Versuch zur Einführung eines Hygiene-Konzepts, aufgrund des Auftretens von Kindbettfieber in Krankenhäusern, entwickelte sich damals schon zu einer Tragödie.
Obwohl 1865 zugetragen, scheint mir diese Geschichte garnicht soweit weg von heute.
Später, leider erst nach seinem "Ableben", wurde Ignaz Semmelweiß als "Retter der Mütter" betitelt.
Falls jemand den ganzen Text nicht lesen mag, hier ein paar Ausschnitte:
Obwohl 1865 zugetragen, scheint mir diese Geschichte garnicht soweit weg von heute.
Später, leider erst nach seinem "Ableben", wurde Ignaz Semmelweiß als "Retter der Mütter" betitelt.
Falls jemand den ganzen Text nicht lesen mag, hier ein paar Ausschnitte:
Semmelweis führte das häufigere Auftreten von Kindbettfieber in öffentlichen Kliniken im Vergleich zur privaten Entbindung auf mangelnde Hygiene bei Ärzten und Krankenhauspersonal zurück und bemühte sich, Hygienevorschriften einzuführen. Später wurde er „Retter der Mütter“ genannt. Seine Studie von 1847/48 gilt heute als erster praktischer Fall von evidenzbasierter Medizin (auf empirische Belege gestützte Heilkunde) in Österreich und als Musterbeispiel für eine methodisch korrekte Überprüfung wissenschaftlicher Hypothesen.[2] Zu seinen Lebzeiten wurden seine Erkenntnisse nicht anerkannt und von Kollegen als „spekulativer Unfug“ abgelehnt. Nur wenige Ärzte unterstützten ihn, da Hygiene als Zeitverschwendung und unvereinbar mit den damals geltenden Theorien über Krankheitsursachen angesehen wurde. Semmelweis praktizierte zeitweise in Pest im heutigen Ungarn. Er starb im Alter von 47 Jahren in Wien unter nicht näher geklärten Umständen während eines 2-wöchigen Aufenthalts in der Psychiatrischen Klinik „Landesirrenanstalt Döbling“ bei Wien. Zahlreiche Widersprüche und Ungereimtheiten deuten neben dem Exhumierungsbericht aus dem Jahr 1963 und Motiven für seine Beseitigung auf willkürliche Psychiatrisierung und ein darauf folgendes Tötungsdelikt hin.
Da er immer wieder auf Ablehnung in Teilen der Ärzteschaft hinsichtlich der von ihm empfohlenen Desinfektionsmethoden stieß, ging er ab etwa 1861 dazu über, offene Briefe – zuerst an die ärgsten Widersacher, an Scanzoni, Späth und v. Siebold, dann später an alle Professoren im Bereich der Geburtshilfe – zu versenden. Hierin drohte er, die Uneinsichtigen öffentlich zu entlarven, wenn sie seine Verhaltensregeln nicht umsetzen. Dabei wählte er nicht immer diplomatisch die richtigen Worte.
Am 13. August 1865, zwei Wochen nach seiner Einweisung in Döbling, starb Ignaz Semmelweis – den damaligen Obduktionsberichten zufolge – mit 47 Jahren infolge einer kleinen Verletzung, die er sich durch eine eigene Schnittverletzung bei seinen Sektionen zugezogen habe, an einer Blutvergiftung. Eine ganz ähnliche Vermutung (gestorben „an Pyämie, wahrscheinlich in Folge einer Verwundung bei einer Operation“) wurde damals in der medizinischen Fachliteratur geäußert.[13]
Anderen Berichten zufolge sei dies stattdessen bei einem Kampf mit dem Anstaltspersonal bzw. zumindest innerhalb des Klinikaufenthalts erfolgt. So habe der Kinderarzt Janós Bókai, der 1865 einen Bericht über Semmelweis’ vorherigen Zustand verfasste, laut dem Gynäkologen und Medizinhistoriker Georg Silló-Seidl, welcher die ursprünglichen Klinikunterlagen im Archiv der Wiener Gesundheitsbehörde recherchierte, von einer vorherigen Verletzung nichts erwähnt, obwohl diese, wie behauptet, bereits zuvor entzündet gewesen sei. Laut Silló-Seidl gab es diverse weitere Ungereimtheiten. Da 1963 bei einer Exhumierung der sterblichen Überreste Semmelweis’ multiple Frakturen an Händen, Armen und am linken Brustkorb festgestellt wurden, erscheint die Aktennotiz der Klinik, in der stattdessen Gehirnlähmung als sein Sterbegrund genannt wurde, umso dubioser. Überlegungen von u. a. dem amerikanischen Semmelweis-Biografen Sherwin Nuland zufolge sollen Pfleger Semmelweis auf dem Anstaltshof geschlagen haben und auf ihm herumgetrampelt sein.[14][15][16]
Ignaz Semmelweis wurde zunächst am 15. August[17] auf dem Schmelzer Friedhof in Wien beigesetzt. Nachdem dieser aufgelassen worden war, begrub man die sterblichen Überreste im Grab seiner Eltern auf dem Budapester Kerepesi temető. 1963 überführte man sie in sein Geburtshaus, das heute das Semmelweis-Museum für Medizingeschichte ist.[18]