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Dass wir heute wieder wie die alten Römer mittels eines Kuchens Eintagskönige ermitteln, verdanken wir der Sehnsucht eines kleinen Berner Jungen. Entfacht wurde sie durch die Reproduktion eines dänischen Barockgemäldes, das über dem Sofa seiner Eltern hing. Das Bild von Jan Steen (1625-1679) zeigte einen «Bohnenkönig», einen Buben, der für einen Tag auf einem Thron sitzen durfte.
Verständlich, dass der kleine Max Währen - später ein bekannter Brotforscher - von der Vorstellung, König zu sein, angetan war. Als junger Mann recherchierte der einstige Versicherungsbeamte und Freizeit-Brotforscher das Thema.
Währen fand heraus, dass schon die alten Römer während der Saturnalien Ende Dezember per Los einen Eintagskönig kürten. Vermutlich gehe die Sitte sogar bis zu den Sumerern (3. Jahrtausend vor Christus) zurück, sagte der 2008 verstorbene Währen der Nachrichtenagentur Keystone-SDA einmal.
Schwierige Wiedergeburt
In der Schweiz konnte Währen den Brauch in Lausanne 1390 belegen, als die Stadt ihrem eintägigen Stadtkönig zwei Fass Wein spendierte. In Zünften wurde sogar schon 1311 mit einer in einen Kuchen eingebackenen Bohne ein Zufallskönig bestimmt.
Währen fand das eine schöne Tradition und führte sie in seiner Familie ein. Der Versuch, mit einem Artikel in der «Neuen Zürcher Zeitung» den Königskuchen allgemein zu propagieren, schlug zunächst fehl. Erst mit der Unterstützung seines Freundes Bruno Heilinger, damals Zentralsekretär des Schweizerischen Bäcker- und Konditorenmeisterverbands, gelang es.
Von den Holländern abgekupfert
Währen liess von der Luzerner Bäckerfachschule ein Rezept kreieren. Da das Gebäck für jeden erschwinglich sein sollte, war Hefeteig die Basis. Und die kugelig-blumige Form habe er von den Holländern, die eine alte Königskuchen-Tradition hatten, «abgespickt», gestand Währen.
Von Beginn an gehörte das Karitative zur Königskuchentradition. An der Pressekonferenz, an der der wiederbelebte Brauch 1952 vorgestellt wurde, liess Währen einen Kuchen für die Journalisten aufschneiden. Der «König» durfte wünschen, an welche Institution aus dem Kuchenerlös gespendet würde. Die Korrespondentin des «Berner Tagblatt» wählte den Berner Blindenverband, erinnert sich der Brotforscher.
Die Legende
Die heiligen drei Könige, denen wir heute das aus den römischen Saturnalien hervorgegangene Fest und den Kuchen widmen, hat es nie gegeben. Die Bibel spricht von einer unbestimmten Anzahl «Magoi», was entweder «Magier» oder - wahrscheinlicher - «Mager» meint, Angehörige einer babylonischen Astrologenkaste.
Dass die Besucher des Jesuskinds drei Könige mit Namen Caspar, Melchior und Balthasar waren, wurde zwischen dem 3. und 6. Jahrhundert von Kirchenvätern festgelegt, unter anderem, weil die Dreizahl heilig ist und sich gekrönte Häupter besser machen als Angehörige einer Sterndeutersekte.