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Die Amerikanerin Nellie Bly war eine Pionierin des investigativen Journalismus. Sie scheute nicht davor zurück, sich in Gefahr zu begeben, gewissermassen „undercover“ in fremde Milieus einzutauchen, um dann aus eigener Erfahrung darüber schreiben zu können. Ten Days in a Mad-House ist Nellie Blys Bericht über die Welt der Psychiatrischen Kliniken, erschienen 1887.
Nachdem Bly vom Herausgeber der World diesen Auftrag erhalten hat, bereitet sie sich sorgfältig auf ihre Rolle als Geisteskranke vor. Unter dem Namen Nellie Brown quartiert sie sich zunächst in einer New Yorker Pension für Arbeiterinnen ein – und spielt ihre Rolle offenbar so überzeugend, dass die besorgten Mitbewohnerinnen schon bald die Polizei rufen. Nach einem kurzen Intermezzo vor Gericht und einer medizinischen Untersuchung (welche die Simulantin glänzend besteht) geht die Post ab in Richtung Blackwell’s Island. Angesichts der Zustände im dortigen Asylum for the Insane stehen „Nellie Brown“ die Haare zu Berge! Das ist kein „Asyl“ für kranke Menschen, sondern ein Knast für Unschuldige (vergleiche Blog vom 28. Mai 2019)! Miserables Essen, mangelhafte Hygiene, brutale Pflegerinnen, stümpernde Ärzte… Eine Angestellte des Instituts drückt es so aus: „Well, you don’t need to expect any kindness here, for you won’t get it.“ Und wie leichtfertig Leute ins Irrenhaus abgeschoben werden, um sie los zu sein; ohne dass man sich die Mühe machen würde, ihre Situation genauer unter die Lupe zu nehmen.
Hut ab! Diese Frau hatte wirklich Courage. Ihr Urteil über die Ärzte, die sich so leicht von einer Simulantin täuschen liessen, ist ebenso negativ wie jenes über die Zustände in der Klinik.