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Die UEFA mauert gegen den FIFA-Kodex
30. Juni 2000
Die Empörung über die, von Kindern genähten Fussbälle an der EM vor vier Jahren in England war gross. Daraufhin erarbeitete der Weltfussballverband FIFA gemeinsam mit der Internationalen Arbeitsorganisation ILO und dem Internationalen Gewerkschaftsdachverband IBFG einen sozialen Verhaltenskodex. Darin werden die zentralen Arbeitsrechte festgehalten. Aufgeschreckt durch den Druck von Tausenden von Postkarten der Clean Clothes Campaign unterzeichnete auch der Europäische Fussballverband UEFA im Dezember 1999 den FIFA-Kodex. Alain Courtois, dem Direktor von Euro 2000, genügte es jedoch bisher, dass die Ausrüster und Sponsoren den Verhaltenskodex unterzeichneten.
Nicht nur die Unterschrift sondern auch eine konkrete Umsetzung des Kodex fordert die Kleiderkampagne, welche in der Schweiz von Brot für Alle, der Erklärung von Bern und dem Fastenopfer getragen wird. Denn vom offiziellen Ausrüster von Euro 2000, Adidas, und dem Sponsor der Nationalteams von Belgien und Holland, NIKE, wurden diese Normen mehrfach missachtet. NäherInnen ihrer Turnschuhe in Lahore, Pakistan, erhalten heute rund 30 Franken monatlich. Dabei würde das gesetzliche Minimum bei 60 Fr. liegen und die Lebenshaltungskosten für eine Person betragen 200 Fr. Vom Preis für einen 100-fränkigen Sportschuh betragen die Löhne gerade mal 40 Rappen.
Die genannten Zahlen stehen in krassem Widerspruch zu den Marketingausgaben und den Gewinnen der Markenfirmen. Es würde 26 Millionen Franken kosten, um die Löhne – bei einer 40 Stundenwoche – von 50'000 ArbeiterInnen in den Textilfabriken Indonesiens zu verdoppeln. Das ist die Hälfte von Nike’s Sponsoringgelder für die holländische Nationalmannschaft im letzten Jahr und weniger als 2 Prozent von Nike’s gesamten Marketingbudget. Adidas und Nike sind mächtige Grosskunden, die Einfluss nehmen könnten auf ihre Lieferanten.
Die nachlässige Haltung der UEFA gegenüber den Arbeitsbedingungen
steht im Widerspruch zu den Anstrengungen der FIFA. Eine neue Studie
von Gerard Oonk, vom Indien Komitee in Utrecht Holland, belegt die
ersten Erfolge und auch die Probleme der Umsetzung des Kodex' bei der
FIFA. Seit 1997 führt die FIFA als Ergänzung zum Kodex soziale Projekte in Pakistan und seit Januar 2000 auch in Indien durch. Die Fussballproduzenten tragen 0,25 % der Exporterlöse an diese Unterstützungsprojekte für Kinder bei. Die FIFA finanziert zudem ein externes Monitoring, um die sozialen Verhältnisse in der Fussballproduktion zu kontrollieren.
Bei verschiedenen Lizenzen für Euro 2000 Fussbälle wurde auf die Einhaltung der FIFA-Normen verzichtet. Dadurch wird das System der Zulieferer gestärkt, welche sich nicht an die sozialen Regeln halten wollen. Darin liegt ein Hauptgrund für die im Bericht belegte und unakzeptable Ausbeutung von Kindern. Das Verhalten der UEFA unterläuft daher die Bestrebungen der FIFA für einen sozialen Verhaltenskodex. Dies bestätigt Simy Gulzar, Mitarbeiterin der Organisation arbeitender Frauen in Pakistan mit ihren Worten: "Das Problem der Kinderarbeit lösen zu wollen setzt voraus, dass die Grundrechte der ArbeiterInnen respektiert werden." Die Clean Clothes Kampagne zählt daher weiterhin auf die engagierten Vorstösse der FIFA: Im Kampf für die Menschenrechte ist der letzte Penalty noch nicht gespielt.
Stefan Indermühle
Literaturangabe:
The Dark Side of Football : Child and adult labour in India's football industry and the role of FIFA; Gerard Oonk, India Committee of the Netherland, Juni 2000. (Zu beziehen über die Erklärung von Bern, Zürich).