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Start der neuen Lesereise: Marthe & Mathilde
«(…) Bis an ihr Lebensende telefonierten Marthe und Mathilde täglich miteinander, um sich über die kleinen Ereignisse des Tages auszutauschen. Die Schneiderin geht nächstes Jahr in Rente, der Doktor hat neue Tabletten verschrieben, in der Rue des Clefs ist eine Baustelle, und beim Gemüsehändler sind frische Schwarzwurzeln eingetroffen. Marthe und Mathilde sehen am Ende aus wie ein Gespann zweier untrennbarer Gäule, die sich, vom Alter gebeugt, aneinander klammern, um nicht zu stolpern. (…)»
Die zwei Grossmütter der Autorin stehen im Mittelpunkt ihrer Familiengeschichte, die vor der Geburt beginnt und mit deren Tod im Jahr 2001 endet. Bemerkenswert ist, wie sich deren Lebenslauf gleicht: Beide geboren 1902, beide werden 99 Jahr alt, beide haben zwei Kinder, nur dass Marthe zwei Jungen und Mathilde zwei Mädchen zur Welt bringt. Sie unterscheiden sich in ihrer Herkunft, Marthe ist Elsässerin, Mathilde die Tochter einer deutsch-belgischen Familie, die ins Elsass kam, als es fest ins Deutsche Reich integriert war.
Gemeinsam ist ihnen auch, wie die Geschichte des Elsass ihre Lebensgeschichte beeinflusste. Vier Mal seit 1871 – immer als Folge eines verlorenen Krieges – wechselte das Elsass die Nationalität: 1871 wurde es deutsch, 1918 französisch, 1940 nationalsozialistisch-deutsch und 1945 wurde es endgültig Teil der französischen Republik.
Diese wechselhafte Geschichte hatte grossen Einfluss auf diese deutsch-französisch-belgische Familien. Pascale Hugues schildert sehr einfühlsam, umfassend und berührend die Geschichte dieser – ihrer – Familien, immer vor dem Hintergrund der gerade vorherrschenden gesellschaftlichen und politischen Situation.
Unsere Lesung konzentriert sich dabei auf das Leben der beiden Hauptprotagonisten: Marthe & Mathilde.
Alle Rechte Rowohlt Verlag Berlin
Pascale Hugues
war Korrespondentin der Tageszeitung Libération von 1986 bis 1989 in London, danach von 1989 bis 1995 in Bonn und Berlin. Seit 1995 berichtet sie für das Wochenmagazin Le Point aus Deutschland. Außerdem schreibt sie vierzehntäglich für die Berliner Tageszeitung Tagesspiegel die Kolumne Mon Berlin. In unregelmäßigen Abständen publiziert sie auch in der Tageszeitung taz und im Wochenmagazin Der Spiegel. Sie hat Filme für den deutsch-französischen Fernsehsender Arte gedreht. Für den Film «L‘est c‘est fini» über ostdeutsche Jugendliche und den Text «In den Vorgärten blüht Voltaire» in ihrer Tagesspiegel-Kolumne «Mon Berlin» wurde sie jeweils mit dem Deutsch-Französischen Journalistenpreis in den Sparten Fernsehen und Presse ausgezeichnet.
1998 erschien in Frankreich ihr erstes Buch mit Reportagen aus Deutschland unter dem Titel «Le bonheur allemand» (Deutsches Glück). 2008 veröffentlichte sie die Geschichte ihrer Großmütter Marthe und Mathilde, zweier Elsässerinnen, die fast das gesamte 20. Jahrhundert Seite an Seite in Colmar verbracht haben. 2014 erschien ihr Buch «La Robe de Hannah», worin sie die Geschichte der Schwäbischen Straße im Berliner Bayerischen Viertel von ihrer Entstehung im Jahr 1904 bis 2014 erzählt und damit über die Veränderungen, die Berlin im letzten Jahrhundert durchgemacht hat.
2015 erschien die deutsche Übersetzung unter dem Titel «Ruhige Straße» in guter Wohnlage.
Pascale Hugues lebt in Berlin, ist verheiratet und hat zwei Kinder.
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