Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03624.jsonl.gz/1342

In der ersten Hälfte der 90er Jahre prägten Anpassungen der Unternehmen an den Strukturwandel sowie eine ausgeprägte gesamtwirtschaftliche Wachstumskrise die Entwicklung der Pharmaindustrie. In dieser Phase baute die Pharmaindustrie nahezu ein Drittel der Beschäftigung ab. Im Jahr 1996 waren in den Schweizer Pharmafirmen noch rund 19'300 Personen beschäftigt –1980 waren es etwa 25'000 gewesen.
Das Jahr 1996 stellte den Wendepunkt dar. Hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie Impulse von globalen Branchentrends - wie der demographischen Entwicklung, neuer Technologien und der wachsenden Mittelschicht in den Schwellenländern - führten seit 1996 zu einer stetigen Expansion der Beschäftigung, die in den vergangenen 20 Jahren auch in Zeiten internationaler Konjunkturkrisen nahezu ungebremst fortschritt. Verbesserte aussenwirtschaftliche Rahmenbedingungen (wie bspw. der Abschluss der Bilateralen Verträge mit der EU) sowie die Ansiedlung weiterer Unternehmen verliehen zusätzliche Dynamik.
Im Jahr 2018 lag die Zahl der Beschäftigten bei 46'800 Personen. Seit 1996 stieg die Zahl der Beschäftigten gesamthaft um rund 27'500 Personen an. Das entspricht einem kumulierten Wachstum von 143 Prozent. Zum Vergleich: Die gesamtwirtschaftliche Beschäftigung stieg in der Schweiz in diesem Zeitraum kumuliert um 29 Prozent an.
Vergleicht man die Entwicklung der Pharmaindustrie mit jener der restlichen Industriebranchen, erkennt man bereits den hohen Stellenwert der Pharmaindustrie für den Industriestandort Schweiz. Während die restliche Industrie 2018 unter dem Strich rund 20'700 Personen weniger beschäftigte als 1996, schafften die Pharmafirmen in diesem Zeitraum zusätzliche Stellen. Durch die Ausweitung der Kapazitäten in der Pharmaindustrie fällt die Beschäftigungsbilanz der Schweizer Industrie insgesamt seit 1996 noch leicht positiv aus (+6'800 Personen oder +1.0%).
Mittlerweile hat sich die Beschäftigungsdynamik in der Pharmaindustrie etwas verlangsamt, sie liegt aber immer noch über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. Im Zuge der Digitalisierung, die einerseits die Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle ermöglicht, andererseits aber auch hohe Investitionen erfordert, werden die Kostenstrukturen konsequent überprüft und die Prozesse optimiert.
Outsourcing von Dienstleistungen, Verlagerung von zentralen Dienstleistungszentren sowie Restrukturierungen in der Produktion sind die Folge dieser Optimierungsaktivitäten. Die Restrukturierungen in der Produktion bedeuten aber nicht, dass in der Schweiz lediglich Stellen abgebaut werden. Zwar können chemisch hergestellte, klassische Pharmaprodukte an anderen Standorten teilweise zu geringeren Kosten produziert werden. In der biotechnologischen Produktion gibt es jedoch weiterhin einen Beschäftigungsaufbau.
Qualifikationsstruktur
Die Pharmaindustrie zeichnet sich durch eine sehr hohe und deutlich überdurchschnittliche Forschungsintensität aus. Im Jahr 2017 investierten internationale Pharmaunternehmen rund 6.5 Milliarden Franken für Forschung und Entwicklung (FuE) in der Schweiz. Gegenüber 2004 bedeutet das eine Steigerung um rund 2.1 Milliarden Franken. Das FuE-Personal stieg zwischen 2004 und 2017 von rund 6'000 auf rund 9'500 (FTE). Während der Bedarf an hoch qualifizierten Fachkräften infolge der steigenden Forschungsintensität deutlich anstieg, bremsten Automatisierungs- und Auslagerungsaktivitäten im Bereich der mittel- bis weniger qualifizierten Tätigkeiten die Beschäftigungsdynamik.
Diese Entwicklungstendenzen zeigen sich in der Qualifikationsstruktur der Beschäftigung sehr deutlich. So hat in der Pharmaindustrie der Anteil der Beschäftigten mit einem tertiären Abschluss von 43 Prozent im Jahr 2010 auf 58 Prozent im Jahr 2017 zugenommen. Im gleichen Zeitraum sank der Anteil der Mitarbeitenden mit einem Abschluss unterhalb der Sekundarstufe 2 von 12 auf 9 Prozent.