Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03103.jsonl.gz/1479

Lage
Die Reinacher Heide liegt an der Birs auf Boden der Gemeinden Reinach und Arlesheim. Obwohl nur 39 Hektaren gross, beherbergt dieses Gebiet fast die Hälfte aller im Kanton vorkommenden Pflanzenarten. Damit gehört die Reinacher Heide zu den wertvollsten Naturschutzgebieten des Kantons Basel-Landschaft. 1994 wurde die Reinacher Heide vom Bund als «Naturschutzgebiet von nationaler Bedeutung» ausgezeichnet. Dass auf verhältnismässig kleiner Fläche ein fast mediterran anmutender Trockenrasen neben feucht-grünen Auenwäldern existiert, ist aussergewöhnlich.
Von wilden Auen zur Reinacher Heide
Vor den Begradigungen und Verbauungen bestand der Gewässerraum der Birs aus einer wilden Auenlandschaft von etwa 500 Metern Breite. Eine Vielzahl an Flussarmen wurde regelmässig oder sporadisch von Wasser durchströmt. Wie für Auen in verzweigten Flussabschnitten typisch, wurden regelmässig grosse Bereich der Landschaft überflutet.
Die Unberechenbarkeit des Flusslaufs mit häufigen Überschwemmungen und der Wunsch, das Land nutzen zu können, waren der Anlass für Birskorrektionen im 19. Jh. Die Eingriffe auf dem Gebiet der heutigen Reinacher Heide fanden von 1847 bis 1855 statt. Durch die Kanalisierung des Wasserlaufes veränderte sich das bisherige Erosions- und Sedimentierungs-regime komplett. Die Auswirkungen: Der eingeengte Flusslauf tiefte sich um drei bis fünf Meter ein, so dass der Grundwasserspiegel in der Umgebung sank. Auf den früheren Schotterablagerungen der Birs entstand die ausgeprägte Trockenlandschaft, die heute für die Reinacher Heide charakteristisch ist.
Nutzungen
Gewisse Nutzungen haben in der Folge die Trockenrasen beeinträchtigt. Obwohl dank des Wasserwerks «Reinach und Umgebung» Teile der Reinacher Heide ab 1932 in die Grundwasserschutzzone fielen und mit einem Bauverbot sowie ab 1935 mit einem Düngeverbot belegt wurden, gab es Schäden an der Vegetation. Die Reinacher Heide wurde als Erholungsgebiet und Campingplatz genutzt, und «wilde» Feuerstellen wurden errichtet. Ferner wurde eine Baumschule angelegt und Bauschutt abgelagert. Ein 1959 gestellter Antrag auf Schutz der Heide blieb aufgrund von Einsprachen zunächst lange Zeit hängig. Erst der Rückerwerb des Gebiets im Enteignungsverfahren durch die Gemeinde Reinach verhalf dem Projekt im Jahre 1969 zur Realisierung. Im Jahr 1974 wurde die Unterschutzstellung beschlossen. Das Grundwasser der Reinacherheide ist für die Trinkwasserversorgung im Birs- und Leimental von grosser Bedeutung.
Vegetation der Reinacher Heide
Der Lebensraum Reinacher Heide lässt sich in drei Bereiche unterteilen. Im eingetieften Flusstal bildete sich eine klassische Auenlandschaft. In den häufig überschwemmten Bereichen in unmittelbarer Flussnähe entstand eine Weichholzaue (Weiden, Pappeln) und in den seltener überschwemmten Bereichen eine Hartholzaue (Eichen, Eschen, Ulmen). Trockenrasen bilden sich in nährstoffarmen Gebieten. Botanische Perlen der Reinacher Trockenwiesen sind verschiedene Orchideenarten wie Helm-Orchis (Orchis militaris), Hummel-Ragwurz (Ophrys holosericea), Rauer Klee (Trifolium scabrum), Feld-Mannstreu
(Eryngium campestre), Feinblättriger Lein (Linum tenuifolium) oder der Gekielte Lauch (Allium carinatum).
Ständige Pflege hilft den Arten
Auch Trockenrasen müssen gezielt gepflegt werden, denn bei ungehinderter Entwicklung würde sich ein eichenreicher Laubmischwald entwickeln. Als Massnahme gegen die Verbuschung werden von Zeit zu Zeit Pionierflächen geschaffen. Daraus resultiert eine Oberfläche, die einem Schotterfeld gleicht und Lebensraum schafft für Pioniervegetation. Inmitten der Magerrasen der Reinacher Heide findet sich ein Trockenwald, der auf eine Pflanzung zurückgeht. Der Baumbestand besteht zur Hauptsache aus trockenresistenten Waldföhren.
Ranger als Naturvermittler
Das botanisch reiche Gebiet der Reinacher Heide ist Lebensraum für eine grosse Zahl seltener Vögel, Schmetterlinge und weiterer wirbelloser Tierarten. Durch die Schönheit dieser Landschaft werden viele erholungssuchende Menschen angelockt. Seit 2003 ist der Naturschutzdienst Baselland mit einer Gruppe von Rangern im Gebiet tätig. Die Heidewarte und -wartinnen der Gemeinde sind als Naturvermittler und Auskunftspersonen vor Ort und kontrollieren, ob die Schutzbestimmungen eingehalten werden. Im Gebiet besteht ein generelles Hundeverbot.