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Kinder stottern, poltern oder stammeln zwar oft auffällig, wenn sie sprechen lernen – dies hört aber bald von selbst wieder auf. Stottert, poltert oder stammelt ein Kind jedoch weiter, hat es möglicherweise eine Sprachstörung und / oder Sprechstörung, die eine geeignete Behandlung nötig macht.
Bei Sprechstörungen sind Redefluss und Lautbildung beziehungsweise Aussprache (Artikulation) der Sprache gestört, was in der Regel bis zu einem Alter von fünf Jahren in einem gewissen Ausmass normal ist. Bei Kindern mit Sprachstörungen hingegen sind die Sprachentwicklung und das Sprachverständnis nicht altersgerecht. Stottern ist eine Sprechstörung, während Poltern und Stammeln kombinierte Sprach- und Sprechstörungen sind:
Zu Stottern, Poltern und Stammeln kann es kommen, wenn Kinder keine normale Sprachentwicklung durchlaufen. Worin genau die Ursachen der Sprachstörungen und Sprechstörungen liegen, bleibt manchmal unklar.
Allgemein können erbliche, körperliche und psychosoziale Einflüsse bei der Entstehung solcher Störungen eine Rolle spielen. Allerdings können Stottern, Poltern und Stammeln auch durch viele andere Faktoren (z.B. Zweisprachigkeit, Hörstörungen, verminderte Intelligenz) bedingt sein, weshalb eine gründliche Diagnose ratsam ist.
Stottern, Poltern und Stammeln sind verschiedene Störungen des Sprechens und / oder der Sprache:
Stottern (auch Balbuties genannt) ist eine Sprechstörung, bei welcher der Redefluss durch Verspannungen der Sprechmuskulatur und / oder schnelle Wiederholungen von Lauten, Silben oder Wörtern unterbrochen ist – es entstehen stottertypische Sprechunflüssigkeiten. Etwa 5 Prozent der 5-jährigen Jungen und 2 Prozent der 5-jährigen Mädchen sind Stotterer.
Poltern ist eine Kombination aus Sprachstörung und Sprechstörung, bei der das Sprechtempo überstürzt und unregelmässig ist und das Sprechen mit vielen Fehlern einhergeht, so dass die Verständlichkeit beeinträchtigt ist. Die Störung liegt nicht im Sprechvorgang selbst, sondern in der gedanklichen Vorbereitung. Das Poltern kommt bei etwa 1 bis 1,5 Prozent der 7-jährigen Kinder vor.
Stammeln (auch Dyslalie genannt) ist ebenfalls eine kombinierte Sprach- und Sprechstörung – wer stammelt, macht Fehler in der Lautbildung, die für das Entwicklungsalter nicht normal sind. Etwa 7 Prozent der 5-jährigen Jungen und 2 Prozent der 5-jährigen Mädchen haben eine solche deutlich ausgeprägte Lautbildungsstörung.
Sprach- und Sprechstörungen wie Stottern, Poltern und Stammeln können entstehen, wenn bei Kindern keine normale Sprachentwicklung stattfindet.
Sprache ist unser wichtigstes Mittel zur Kommunikation mit der Umwelt. Die «normale» Sprache entsteht durch ein erstaunliches Zusammenspiel von Muskeln, Knochen, Bindegewebsapparat, Zahnstellung und Form der Stimmbänder. Der Sprechvorgang ist zwar untrennbar mit unseren Gefühlen verbunden, für seine Steuerung ist trotzdem das Gehirn zuständig. Die Sprachentwicklung von Kindern läuft so ab:
Wenn ein Kleinkind sprechen lernt, sind Stottern, Poltern oder Stammeln oft auffällige Anteile der normalen Sprachentwicklung – bald lassen sie von selbst wieder nach. In manchen Fällen treten jedoch Mängel in der Sprachentwicklung auf, die zu Sprachstörungen und Sprechstörungen im Kindesalter führen: Dann ist eine geeignete Behandlung nötig.
Sprechen erscheint für den Gesunden ganz einfach – es geschieht fast wie von selbst. Jedoch sind bei einem so komplexen System viele Störungen, Behinderungen und Einflüsse möglich, die uns «die Sprache verschlagen» können. Um Störungen des Sprechens und der Sprache – wie Stottern, Poltern oder Stammeln – bei Kindern zu erkennen und zu behandeln, ist es je nach Fall wichtig, dass Fachleute verschiedener Bereiche zusammenarbeiten: Dies sind zum Beispiel Kinderärzte, Kinder- und Jugendpsychiater, Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Neurologen oder Sprachheiltherapeuten (Logopäden).
Worin Stottern, Poltern und Stammeln ihre Ursachen haben, ist aufgrund der Komplexität von Sprache und Sprechen nicht immer genau einzugrenzen.
Allgemein kommen für die Entstehung von Sprech- und Sprachstörungen erbliche, körperliche und psychosoziale Faktoren infrage. Jedoch ist es immer ratsam, andere Ursachen für das Stottern, Poltern und Stammeln durch eine umfassende Diagnostik auszuschliessen: So kann auch Folgendes für die Entstehung einer Sprech- und Sprachstörung verantwortlich sein:
Stottern (Balbuties) hat meist viele verschiedene Ursachen, bestehend aus psychischen, neurologischen und erblichen Komponenten:
Die dem Poltern zugrunde liegende Ursachen sind nicht umfassend geklärt. Da das Poltern in manchen Familien gehäuft auftritt, scheint Vererbung eine Rolle zu spielen.
Stammeln (Dyslalie) ist bis etwa zum vierten Lebensjahr ein Teil der normalen Sprachentwicklung bei Kindern. Hält das Stammeln darüber hinaus weiter an, so kommen in zehn Prozent der Fälle erbliche Ursachen infrage. Aber auch nachlässiges Sprechen, mangelnde Förderung oder Probleme mit Lippen, Zunge, Zähnen oder dem Hörvermögen können Stammeln verursachen. Gelegentlich ist auch eine tiefer gehende Störung im Gehirn Grund für diese Sprachstörung, wobei dann das Stammeln nur eins von vielen Symptomen ist.
Die Sprachstörungen und Sprechstörungen Stottern, Poltern und Stammeln äussern sich durch verschiedene Symptome. Neben den kennzeichnenden Merkmalen der Sprache oder des Sprechens zeigen sich bei etwa der Hälfte aller Sprachstörungen und Sprechstörungen begleitende psychische Auffälligkeiten wie Angst, Depressivität, Aufmerksamkeitsstörungen oder Aggressivität, die man bei der Behandlung besser nicht ausser Acht lässt.
Stottern (Balbuties) ist durch Symptome einer Sprechstörung gekennzeichnet: Stotterer wiederholen und dehnen Laute beziehungsweise Silben. Diese Unflüssigkeiten beim Sprechen betreffen mehr als drei Prozent der geäusserten Silben. Anhand der Symptome lassen sich drei verschiedene Formen des Stotterns unterscheiden:
Begleitend zum Stottern ist häufig der Körper beim Sprechen angespannt. Die Betroffenen bewegen Teile des Gesichts oder des Körpers mit und der natürliche Atemfluss kommt ins Stocken. Je nach Situation treten auch andere, vegetative Symptome auf: Stotterer erröten, schwitzen und atmen unregelmässiger.
Langjährige Stotterer vermeiden oft bestimmte Laute und Wörter. Sie versuchen, ihre Sätze so aufzubauen, dass sie stotteranfällige Passagen mehr oder weniger geschickt umgehen können. Interessant ist die Beobachtung, dass das Stottern beim Singen meist nicht auftritt – und auch beim Sprechen zu Tieren verschwinden die Symptome der Sprechstörung in der Regel. Dies kann man therapeutisch nutzen.
Anders als das Stottern zeigt sich das Poltern durch Symptome einer Kombination aus Sprachstörung und Sprechstörung. Beim Poltern ist der Redefluss gestört, was durch Symptome wie überstürztes Sprechen, Verschlucken von Lauten und eine verminderte Verständlichkeit gekennzeichnet ist. Dabei wirkt das Sprechen hastig und die Aussprache verwaschen. Im Gegensatz zum Stottern verbessert sich das Sprechen, wenn die Kinder vor fremden Personen reden oder wenn sich die Aufmerksamkeit auf sie richtet (d.h. wenn sich die Betroffenen auf den Sprechvorgang konzentrieren). Auch Wiederholungen von Lauten oder ein Zögern im Redefluss kommen beim Poltern nicht vor. In vielen Fällen ist zusätzlich die Sprachentwicklung verzögert. Die Betroffenen können impulsive Persönlichkeitszüge zeigen.
Stammeln (Dyslalie) äussert sich wie das Poltern durch kombinierte Symptome einer Sprach- und Sprechstörung. Trotz normaler sprachlicher Fähigkeiten und normaler Intelligenz treten beim Stammeln deutliche Fehler in der Sprache auf: Es fehlen einzelne Laute, welche die Betroffenen verzerren oder durch andere ersetzen («Dabel» statt «Gabel», «Neemann» statt «Schneemann»). Dadurch entsteht der Eindruck einer Babysprache. Dreijährige haben eher Probleme mit p-, b- und t-Lauten, Sechsjährige hingegen mit r-, s-, f-, z- und l-Lauten.
Abhängig von der Anzahl fehlerhaft gebildeter oder verwendeter Laute kann man beim Stammeln verschiedene Formen unterscheiden:
Abhängig vom betroffenen Laut (Phon) sind beim Stammeln folgende Lautfehlbildungen zu unterscheiden:
Bevor beim Stottern, Poltern oder Stammeln die Diagnose (meist durch einen Kinderarzt, Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder Logopäden) erfolgt, weisen häufig als Erstes die Erzieher im Kindergarten oder die Lehrer in der Schule auf die mögliche Sprachstörung beziehungsweise Sprechstörung hin.
Bei der Diagnose von Sprachstörungen und Sprechstörungen wie Stottern, Poltern und Stammeln ist es wichtig, die Sprachfähigkeit im Verhältnis zum Alter und Entwicklungsstadium der betroffenen Kinder zu beurteilen. Bei vielen Kindern zwischen dem 3. und 5. Lebensjahr ist eine holprige Sprechweise ganz normal. Auch das Stammeln ist bis zum 4. Lebensjahr des Kindes nicht besorgniserregend. Diese Durchgangsphasen klingen meist von selbst ab – besonders dann, wenn die Bezugspersonen verständnisvoll reagieren, die Sprechfreude fördern und in das natürliche Erproben der Sprache nicht korrigierend eingreifen.
Liegt eine echte Störung vor, ist bei der Diagnose zu prüfen, ob das Kind richtig sieht und hört und in anderen Bereichen altersgerecht entwickelt ist. So kann man ausschliessen, dass tiefer liegende Erkrankungen den Sprachstörungen oder Sprechstörungen wie Stottern, Poltern oder Stammeln zugrunde liegen. Da Sprache, Sprechen, Hören und Verstand miteinander verwoben sind, können zum Beispiel besonders Hörstörungen dazu führen, dass sich die Sprache nur verzögert entwickelt.
Beim Stottern, Poltern und Stammeln ist eine Therapie erforderlich, wenn die Sprachentwicklung der betroffenen Kinder Mängel aufweist. Die Behandlung von Sprachstörungen und Sprechstörungen zielt darauf ab, den betroffenen Kindern eine optimale Weiterentwicklung zu ermöglichen.
Wenn sich Stottern (Balbuties) problematisch auf die Sprachentwicklung Ihres Kindes auswirkt, ist es ratsam, eine frühzeitige Therapie der Sprechstörung anzustreben und sich umfassend beraten zu lassen. Warten Sie auf keinen Fall darauf, dass sich das Stottern von alleine wieder bessert. Geeignete Ansprechpartner sind dabei der Kinderarzt und der Logopäde.
Ist das Stottern genau diagnostiziert, folgt die anschliessende Therapie einem individuell zugeschnittenen Behandlungsplan. Gegen das Stottern kommen oft verschiedenen miteinander kombinierte Behandlungsformen zum Einsatz:
Anders als beim Stottern empfinden Menschen, die poltern, meist wenig Leidensdruck und sind sich in der Regel ihrer Störung nicht bewusst. Daher ist es gelegentlich nötig, sie erst zu einer Therapie zu motivieren. Auch hier ist es ratsam, dass sich die vom Poltern betroffenen Kinder und ihre Familien gründlich beraten lassen. Es ist wichtig, dass Eltern gute Sprachvorbilder sind und ihr betroffenes Kind zum langsamen Sprechen mit Atempausen anregen. Loben und belohnen Sie Ihr Kind, wenn es sich bemüht, deutlich zu sprechen.
Wenn das Stammeln (Dyslalie) bei Kindern eine Therapie ratsam macht, ist es wichtig, mit den Übungen so früh wie möglich zu beginnen, damit die Behandlung bis zur Einschulung abgeschlossen ist. Dabei kommt ein (durch einen Logopäden erstellten) individuelles Übungsprogramm zum Einsatz, das auf den Entwicklungstand des Kindes abgestimmt ist. Bei kleineren Kindern erfolgen die gegen das Stammeln eingesetzten Übungen oft indirekt in Form spielerischer Handlungen. Bei Jugendlichen ist unter anderem mehr darauf zu achten, dass sie die Störung bewusst wahrnehmen. Daneben kommen Tonbandaufnahmen und Spiegel zum Einsatz.
Nicht immer erfordert das Stammeln eine so intensive Behandlung. Oft reicht es vollkommen aus, dass die Eltern stammelnder Kinder eine grundlegende Beratung erhalten. Wichtig ist dabei, dass Sie erfahren, wie Sie Ihr Kind in der Sprachentwicklung fördern können und wie Sie und andere direkte Bezugspersonen am besten mit dem auffälligen Sprachverhalten Ihres Kindes umgehen.
Beim Stottern, Poltern und Stammeln hängt der weitere Verlauf von der Art der vorliegenden Sprechstörung oder Sprachstörung ab. Eine frühzeitige und konsequente Therapie kann die Sprachentwicklung der Kinder meist günstig beeinflussen.
Beim Stottern (Balbuties) hängt der Verlauf in hohem Mass davon ab, wann die Therapie einsetzt: Je jünger ein Kind bei Therapiebeginn ist und je kürzer es stottert, desto höher ist die Chance, dass die Sprechstörung wieder ganz verschwindet. Und auch bei einer späteren Behandlung ist es möglich, das Stottern zu verringern oder zumindest zu verändern, sodass die Sprechstörung die Betroffenen im täglichen Leben nicht unbedingt behindert.
4 bis 5 Prozent der Schulkinder stottern mehr oder weniger. Durch eine rechtzeitige Behandlung gelingt es bei einem Drittel von ihnen, das Stottern völlig zu heilen, bei einem weiteren Drittel hat sich die Symptomatik nach der Behandlung erheblich gebessert, das letzte Drittel bleibt jedoch unbeeinflusst.
Beim Poltern hängt der Verlauf in hohem Mass von der Motivation der Betroffenen ab, aktiv an einer Therapie teilzunehmen: Sind die vom Poltern Betroffenen ausreichend motiviert, so kann eine logopädische Behandlung die Verständlichkeit und Fähigkeit zur Kommunikation meist verbessern. Es gelingt aber eher selten, ein Poltern vollständig zu heilen.
Ein behandeltes Stammeln (Dyslalie) nimmt in der Regel einen günstigen Verlauf: Nach mehrmonatiger professioneller Therapie zeigt sich meist ein Behandlungserfolg mit normalisierter oder stark verbesserter Sprache.
Es gibt viele Massnahmen, mit denen Sie einer Sprech- beziehungsweise Sprachstörung wie dem Stottern, Poltern oder Stammeln bei Ihren Kindern vorbeugen können: So können Sie mit Ihren Kindern viel reden und Lieder singen, um die Sprache sowie das Verständnis zu schulen.
Dies kann jedoch nicht immer ein Stottern, Poltern oder Stammeln verhindern. Vor allem bei erblichen
oder entwicklungsbedingten Sprech- und Sprachstörungen benötigen die betroffenen Kinder professionelle Hilfe. Diese setzt am besten frühzeitig ein, damit sich die Störung nicht verstärken oder ausweiten kann. Wenn die Sprachentwicklung Ihrer Kinder nicht deren Alter entspricht, nehmen Sie deshalb lieber immer umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch.