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Schon früh hat Hans Hollein sein berufliches Lebensmotto formuliert: «Alles ist Architektur» - er entwarf in der Folge nicht nur Bauwerke, sondern auch Möbel, Schmuck, Türklinken und Lampen. Hollein, der am Donnerstag im Alter von 80 Jahren gestorben ist, war einer der Stars der Gestaltung.
Ein kleiner Kerzenladen, den er futuristisch mit Aluminium, Glas und Spiegeln ausstattete, stand am Anfang seiner Weltkarriere. Hans Hollein bekam als junger Architekt 1965 dafür den mit 25'000 Dollar dotierten Reynolds-Architekturpreis.
Dem Traumstart folgten bald Aufträge in aller Welt. Den Pritzker-Preis, die wichtigste Auszeichnung der Architektur, erhielt Hollein 1985. Zeitlebens beschäftigt haben ihn Museumsentwürfe und -bauten, sei es das Teheraner Museum für Glas und Keramik (1977) oder das Vulkanmuseum im französischen Clermont-Ferrand (2002).
Nicht verwirklicht wurde Holleins spektakulärer Entwurf für ein Guggenheim-Museum im Salzburger Mönchsberg (1989). Nach den Plänen sollte das Museum tief im Berg über drei Treppen zugänglich sein.
Hollein, am 30. März 1934 in Wien geboren, hatte an der Akademie der bildenden Künste in Wien und in den USA studiert. In dieser Zeit lernte er die Pueblos der Indianer im Südwesten kennen und blieb fortan fasziniert, genauso wie von der Raumfahrt, deren sterile, glatte Materialien eine wichtige Rolle in seinem Schaffen spielten.
1964 eröffnete er sein Architekturbüro in Wien. «Architektur ist kultisch, sie ist Mal, Symbol, Zeichen, Expression. Architektur ist die Kontrolle der Körperwärme - schützende Behausung», formulierte Hollein schon 1967 seinen umfassenden Anspruch, mit dem er zu einem wichtigen Vertreter der Avantgarde wurde.
In Österreich erntete Hollein 1990 mit seinem Haas-Haus gegenüber dem Stephansdom zunächst wenig Beifall. Mit der teils verspiegelten Fassade gegenüber der gotischen Kirche ist das Gebäude ein starker Kontrast inmitten des ehrwürdigen Ensembles der Wiener Innenstadt.
Landschaft und Architektur zu verbinden, harmonisch oder als Gegensatz, war eines seiner Markenzeichen. Entwürfe wurden zu Collagen. Eine der bekanntesten Collagen zeigt einen Flugzeugträger als utopische Stadt inmitten einer Wiese.
Als Bildhauer schuf er sein «Goldenes Kalb», einen vergoldeten Eisenbahntankwaggon mit Hörnern. Hollein hat es gereizt, kleine und kleinste Räume funktional zu gestalten. «Minimal Environments» nannte er entsprechende Pläne. Als Hollein 1965 die Möglichkeit hatte, in Paris einen Ausstellungsfläche von einem Quadratmeter zu nutzen, wollte er eine echte Wiener Telefonzelle zu einem Lebensraum umgestalten.
Das Projekt scheiterte schliesslich an Geldmangel. Aber es brachte ihm dennoch Ruhm. Das nicht-existente Objekt wurde in einer Zeitung positiv besprochen. Er meinte dazu lakonisch, ein Bauwerk müsse offenkundig nicht wirklich existieren, solange es medial simuliert oder vermittelt werden könne.
(phi/sda/dpa)