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Die Koalition für Konzernverantwortung, die aus der gleichnamigen Initiative entstanden ist, hat eine Petition lanciert. Darin fordert sie die Verabschiedung eines Konzernverantwortungsgesetzes, wie es Bundesrätin Karin Keller-Sutter während des Abstimmungskampfes der Initiative versprochen hatte. Nachdem dieses Jahr auch die EU-Kommission ein solches Gesetz präsentiert hat, muss die Schweiz sich sputen, um nicht als einziges Land ohne Konzernverantwortung zurückzubleiben!
Konkret fordert die Petition (aus dem Petitionstext):
- Risikobasierte Sorgfaltsprüfungspflicht für Menschenrechte und Umweltschutz gemäss internationalen Standards (insb. UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte; OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen).
- Eine unabhängige Aufsichtsbehörde mit umfassenden Kompetenzen nach Vorbild des Entwurfs der EU-Richtlinie.
- Eine dem Schweizer Recht angepasste zivilrechtliche Haftung für menschenrechtliche oder umweltbezogene Schäden, die durch entsprechende Sorgfalt hätten verhindert werden können.
Am 21. und 22. Juni fand in Santiago de Compostela (Spanien) ein Treffen der Europäischen Koordination von La Via Campesina zum Thema: "Agroökologie oder Barbarei?" statt. Daran nahmen Organisationen teil, die sich in verschiedenen Aspekten des Projektes für eine andere Landwirtschaft engagieren, um die Welt zu ernähren, eine gerechtere Welt zu erreichen und Antworten auf Herausforderungen wie die globale Erwärmung oder den Verlust der Biodiversität zu geben. Uniterre nahm daran teil.
Die Teilnehmer/innen diskutierten über :
- Die negativen Auswirkungen der industriellen Landwirtschaft
- Die Auswirkungen auf die globale Erwärmung (negative Auswirkungen und Lösungsansätze), die Wasserressourcen, die Biodiversität und die Gesundheit.
- Das Potenzial der Agrarökologie und deren Förderung
- Die Verteidigung der Lebensbedingungen von Landarbeiter/innen und Migrant/innen,
Die Teilnehmer beschlossen, mehrere Arbeitsgruppen zu gründen, die als Netzwerk funktionieren, und ausgehend von den Themen konkrete Projekte in Angriff zu nehmen. Die Projekte konzentrieren sich zur Zeit auf Spanien. Sie können aber auf andere Länder ausgeweitet werden, mit einer globalen Vision möglicher Lösungen und Wege für die Entwicklung einer anderen Landwirtschaft zu erhalten. Die Projekte werden sowohl die lokale als auch die nationale und internationale Ebene einbeziehen.
Seit der Gründung der WTO im Jahr 1995 prangert La Via Campesina die neoliberale Politik und den Freihandel an, die die bäuerliche Landwirtschaft zerstören und die lokalen Ernährungssysteme weltweit destabilisieren. Unsere Demonstrationen von Seattle (1999), Cancun (2003) bis Buenos Aires (2017) haben es möglich gemacht, die Freihandelsverhandlungen zu blockieren. Seit unserer grossen Mobilisierung in Hongkong 2005 ist die 2001 begonnene Doha-Entwicklungsagenda in der Schwebe. Die WTO wurde jedoch auf der Grundlage des Marrakesch-Abkommens von 1994 gegründet; sie zwingt die Länder nach wie vor, ihre Märkte für multinationale Unternehmen zu öffnen, und verhindert die Umsetzung ambitionierter staatlicher Massnahmen zur Förderung der bäuerlichen Landwirtschaft.
Darüber hinaus haben sich die bilateralen und regionalen Freihandelsabkommen vervielfacht. Sie zwingen die Länder dazu, dem Export Vorrang einzuräumen und von Importen abhängig zu werden. Sie verstärken die Aneignung von Ressourcen durch multinationale Unternehmen. Sie tragen zur Verschärfung der Klimakrise bei, indem sie den Anbau von Monokulturen, die Abholzung von Wäldern, die Übernutzung von Böden und Wasser und den Rückgang unserer Artenvielfalt beschleunigen.
Der UN-Menschenrechtsrat wird ebenfalls Ende Juni in Genf tagen. Ein wichtiger Moment also um Alternativen aufzuzeigen, die auf den Rechten der Bauern und Bäuerinnen (UNDROP) beruhen muss.
Demonstration: Samstag, 11. Juni 2022, 14 Uhr Place Lise-Girardin in Genf
Treffen mit den Delegierten von La Via Campesina, Montag, 13. Juni, 18.30 Uhr, Uni Mail, Boulevard du Pont-d’Arve 40, Genève
Anwältinnen und Anwälte für das Klima ist ein Verein und wir bereiten derzeit im Auftrag von Landwirt*innen eine Klage gegen die Schweizerische Eidgenossenschaft vor. Die Bäuerinnen und Bauern sind nämlich besonders stark vom Klimawandel betroffen. In den letzten Jahren sind ihre Einkommen gesunken und die Prognosen für die Zukunft sind nicht gut.
Diese Situation ist zum Teil auf die Untätigkeit der Schweizerischen Eidgenossenschaft in Bezug auf das Klima zurückzuführen. Diese hat ein Verhalten an den Tag gelegt, das die Lebensfähigkeit der Schweizer Landwirtschaft gefährdet. Daher muss die Eidgenossenschaft für ihre Untätigkeit zur Rechenschaft gezogen werden.
Aus rechtlicher Sicht verfolgen wir mit unserer Aktion zwei Ziele:
(i) eine Entscheidung zu erwirken, die die Verantwortung des Bundes für klimabedingte Untätigkeit anerkennt, und (ii) eine symbolische Entschädigung zu erhalten. Zur Unterstützung dieser Forderungen verfügen wir über solide rechtliche Argumente. Wir werden in dieser Hinsicht von mehreren Rechtsprofessoren an Westschweizer Universitäten unterstützt.
Ziel ist es auch, die Aufmerksamkeit der Medien auf die Risiken zu lenken die der Klimawandel für die Landwirtschaft und damit für die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung mit sich bringt.
Wie kann man teilnehmen?
Mehrere Landwirte haben sich bereits unserer Aktion angeschlossen. Wir suchen jedoch noch nach weiteren Landwirten, die vom Klimawandel betroffen sind und sich der Aktion anschließen möchten;
- -Es ist keine finanzielle Beteiligung erforderlich: Die Anwalts- und Gerichtskosten werden von der Vereinigung Avocat-e-s pour le Climat übernommen.
- -In zeitlicher Hinsicht wird es vor allem darum gehen, den Anwälten :
- Eine Beschreibung der Auswirkungen des Klimawandels auf Ihre Produktion ;
- Dokumente, mit denen diese Verluste belegt werden können.
Kontakt Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an : Arnaud Nussbaumer, Rechtsanwalt, Genf: <email-pii> https://avocatclimat.ch
Die WTO hält vom 12. bis 15. Juni in Genf ihre Ministerkonferenz ab. La Via Campesina, Uniterre sowie zahlreiche Organisationen der Zivilgesellschaft rufen zu einer grossen Bauern- und Bäuerinnendemonstration und Bürger*innendemonstration am Samstag, den 11. Juni um 14 Uhr auf der Place Lise Girardin in Genf auf, um die WTO aus der Landwirtschaft zu vertreiben.
Die aktuelle Situation zeigt, dass der Freihandel nicht in der Lage ist, Ernährungssicherheit und -souveränität zu gewährleisten. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Welt weiterhin von Krisen erschüttert wird, ist sehr hoch. Es ist an der Zeit, eine entschlossene Wende zur Stärkung lokaler Märkte und einer einheimischen Versorgung einzuleiten. Dies erfordert zwangsläufig einen Zollschutz. Dieser Schutz muss zolltariflich sein, um Preisdumping zu verhindern, aber er muss auch die von jedem Land angenommenen Produktionskriterien und -standards beachten, um Sozial- oder Umweltdumping zu vermeiden. Es sind die WTO-Abkommen, auf die sich der Bundesrat ständig beruft, um jede Erhöhung der Zölle für Agrarimporte abzulehnen! Zwar ist die WTO aufgrund der zahlreichen Mobilisierungen der Bäuerinnen und Bauern blockiert, dennoch üben die bestehenden Abkommen einen sehr negativen Effekt auf die Preise unserer einheimischen Produkte aus. Der Regulierungsrahmen der WTO dient als Vorlage für alle Freihandelsabkommen. Die letzten Jahrzehnte des Freihandels haben weltweit Millionen bäuerlicher Betrieben zerstört. Mit dem Ergebnis, dass sich die Probleme der Ernährungssicherheit verschärfen, die Biodiversität und die Ökosysteme unter Druck geraten und die Klimazerstörung ausser Kontrolle gerät.
Aus diesen Gründen muss das WTO-Agrarabkommen jetzt aufgehoben werden und die WTO muss aus den Agrarmärkten aussteigen!
Dies ist die Botschaft, die Via Campesina den in Genf anwesenden Minister*innen und der Öffentlichkeit überbringen will. Unsere Regierungen müssen unter Druck gesetzt werden, damit sie diese Forderungen in den Agrarhandelsverhandlungen berücksichtigen. Bauern, Bäuerinnen und Bürger*innen werden mit einer Delegation von Bauernführer*innen aus allen Kontinenten auf die Strasse gehen. Es werden u.a. Delegierte aus Indonesien, Südkorea, Indien, Westafrika und Brasilien anwesend sein, um nur einige zu nennen, die ein besonderes Interesse an der Schweizer Landwirtschaft haben.
Diese Mobilisierung muss stark sein, damit der Bundesrat versteht, dass wir da sein werden, um ihn dazu zu bringen, seine politischen Entscheidungen anzupassen, mit dem Ziel, die lokale Wirtschaft, die Ernährungssouveränität und ein nachhaltiges Ernährungssystem zu stärken, das auf den lokal verfügbaren Ressourcen, der bäuerlichen Landwirtschaft und dem Zugang zu ausreichender und gesunder Nahrung für die gesamte Bevölkerung beruht.
Pressekontakte: Rudi Berli 078 70 77 883 (fr/dt), <email-pii>
Ausserdem findet am Montag, den 13. Juni um 18.30 Uhr an der Universität Genf, Uni-mail, Raum MR280 eine Konferenz statt: Die Zukunft der Landwirtschaft darf nicht in der WTO diskutiert werden - Strategien für den Kampf für Ernährungssouveränität der Völker (Redner/innen: Delegierte La Via Campesina, ECVC, FIAN, Uniterre).
Pressemitteilung vom 7. Juni 2022
Seit der Gründung der WTO im Jahr 1995 prangert La Via Campesina die neoliberale Politik und die Förderung des Freihandels an, die die Lebensgrundlagen der Bauernfamilien der Welt zerstören und die lokalen Nahrungsmittelsysteme destabilisieren. Seattle, Cancun, Hongkong, Buenos Aires: Die Bäuerinnen und Bauern inspirierte eine grosse Allianz der Völker gegen die Auferlegung einer neuen Handelsordnung im Dienste transnationaler Konzerne und Milliardäre. Heute rufen sie erneut dazu auf, uns gegen das Ministertreffen dieser Organisation und deren kriminelle Politik im Juni in Genf zu stellen.
Durch die Mobilisierungen von Bauern und Indigenen sind die WTO Verhandlungen blockiert: Seit 2001 und dem Doha-Abkommen konnte nie ein wichtiges neues WTO-Abkommen verabschiedet werden, insbesondere im Bereich der Landwirtschaft. Dennoch gilt das Marrakesch-Abkommen, das die Länder dazu zwingt, die Märkte für multinationale Unternehmen zu öffnen, und damit wird jede ehrgeizige öffentliche Politik zur Förderung der bäuerlichen Wirtschaft verhindert. Darüber hinaus werden immer mehr bilaterale oder regionale Freihandelsabkommen geschlossen.
Die neoliberale Politik und die Durchsetzung des Freihandels haben die Bauern und Bäuerinnen auf der ganzen Welt stark geschwächt. Länder werden dazu gedrängt, Exportkulturen zu bevorzugen und auf Importe zu zählen, um ihre Bevölkerung zu ernähren. Dieser Neoliberalismus verstärkt die Aneignung von Ressourcen durch multinationale Konzerne auf Kosten der Bauern und Bäuerinnen und der lokalen Gemeinschaften. Er trägt zur globalen Klimaerwärmung bei, indem Monokulturen, Abholzung, Übernutzung von Böden und Wasser und den Verlust der Artenvielfalt begünstigt werden. Die Gesundheit der ärmsten Haushalte wird durch den Qualitätsverlust von Lebensmitteln, die aus industriellen Prozessen und dem Export stammen, stark beeinträchtigt.
Heute ist der Befund eindeutig! Die COVID-19-Pandemie, die Extremereignisse im Zusammenhang mit der globalen Erwärmung und der Krieg in der Ukraine zeigen deutlich: Die Ernährungssicherheit der Menschen vom internationalen Handel und von multinationalen Unternehmen abhängig zu machen, ist kriminell, das muss gestoppt werden. Die WTO muss aus der Landwirtschaft aussteigen, die Ernährungssouveränität muss Grundlage für die Agrar- und Ernährungspolitik sein und die Länder müssen die Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte von Bauern und anderen in ländlichen Gebieten arbeitenden Personen (UNDROP) sowie die Richtlinien für handwerkliche Fischerei umsetzen.
Der Freihandel ist auch in anderen Bereichen kriminell. Er hat die Staaten entmachtet und den Neoliberalismus durchgesetzt: Abbau öffentlicher Dienstleistungen, Sparmassnahmen, Schulden, Standortverlagerungen und Überproduktion - dieser Niedergang der Rechte
der Staaten hat die Ungleichheiten verschärft und das Elend im Süden wie im Norden vervielfacht. Frauen sind die ersten Opfer, erzwungene Migration, Kriege und endemische Gewalt sind die Folgen. Die Deregulierung der Finanzmärkte heizt die Spekulation und eine Reihe endemischer Krisen an, während gleichzeitig totalitäre Regulierungen das "Recht" der transnationalen Konzerne auf Gewinne und ihre Patente auf Saatgut und Medikamente (sogar mitten in einer Pandemie!) stärken.
Wir fordern eine öffentliche Politik, die den Zugang zu Land und landwirtschaftlichen Ressourcen für junge Menschen sowie die Einrichtung kurzer Kreisläufe fördert.
In allen Bereichen wird die Souveränität der Völker von der WTO mit Füssen getreten.
Solidarität mit dem beispielhaften Kampf von La Via Campesina zur Verteidigung der Ernährungssouveränität der Völker!
STOPPT DIE WELTHANDELSORGANISATION WTO!
Ernährungssouveränität - Jetzt!
Bauernrechte - jetzt!
Internationale Demonstration: Samstag, 11. Juni – 14 Uhr, Place Lise Girardin, Genf (300 m vom Bahnhof)
Treffen mit den Delegierten von La Via Campesina: Montag, 13. Juni, 18.30 Uhr, Uni Mail, Boulevard du Pont-d’Arve 40, Genève
Erstunterzeichnende Organisationen: La Via Campesina, Uniterre, Confédération paysanne, ATTAC, BreakFree Collective, Cetim, SolidaritéS, MAPC, CADTM, FIAN Schweiz, Grüne Genf, SP Genf, UNIA Genf
Die Europäische Koordination Via Campesina (ECVC) hat eine neue Publikation über ihre Vision der bäuerlichen Agrarökologie veröffentlicht, die Lösungen für die großen ökologischen, sozialen, wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen unserer Zeit bieten kann.
In der Publikation werden die Konzepte der bäuerlichen Agrarökologie nach ECVC erläutert und anschließend verschiedene Fallstudien vorgestellt, die zeigen, wie bäuerliche Agrarökologie je nach lokalen Bedingungen, Kulturen, Ressourcen und Praktiken umgesetzt werden kann.
Entscheidend ist, dass die bäuerliche Agrarökologie kein präskriptives Agrarmodell ist, sondern eine lebendige Praxis, die mit der Natur und nicht gegen sie arbeitet und die Rechte der Bäuerinnen, Bauern und Gemeinschaften auf Selbstbestimmung und Autonomie anerkennt. Nach der ECVC-Vision der bäuerlichen Agrarökologie müssen die Rechte der kleinen Lebensmittelproduzenten, die international in der UN-Erklärung der Rechte der Bauern und anderer in ländlichen Gebieten arbeitender Menschen (UNDROP) anerkannt sind, eine Priorität auf der Tagesordnung sein. Darüber hinaus müssen die kleinen Lebensmittelproduzent*innen dafür respektiert werden, dass sie eine wichtige Rolle in der Wirtschaft spielen, und sie müssen für ihre Arbeit gerecht entlohnt werden.
Dies kann nur durch eine Politik und Gesetzgebung auf regionaler, nationaler und lokaler Ebene erreicht werden, die die Rechte der Bauern festschreibt und schützt und den freien Zugang und die Entscheidungsrechte über Saatgut, Produktionsmittel, Land und Gemeingüter wie Wasser, Luft, Kultur und Wissen garantiert.
In der Nähe von Genf wurde am Sonntag, den 17. April, anlässlich des internationalen Tages der bäuerlichen Kämpfe, das seit 2017 leerstehende Feld les Charrotons mit einer Kartoffel-setz-Aktion besetzt.
Der 17. April ist der Internationale Tag der bäuerliche Kämpfe, der der bäuerlichen Bewegung Via Campesina gedenkt. Er dient als Erinnerung des Massakers an 21 Bäuer·innen, welches in 1996 in Brasil stattfand. Dieser Tag wird auf der ganzer Welt zelebriert und hilft dabei auf die ununterbrochene Kriminalisierung, Verfolgung, Unterdrückung und Repression gegen die bäuerliche Gemeinschaften, Arbeiter.innen und indigenen Völker aufmerksam zu machen. Vor kurzem wurden in Kolumbien (22. Februar 2022) zwei aktive Leaders der Verteidigung von Bäuer·innen (CNA-Coordinador Nacional Agrario) vom kolumbianischen Staat ermordet.
Dieser Tag kann auch daran erinnern, dass die Via Campesina, im Rahmen einer Vision der Solidarität und Einheit zwischen allen Bäuer·innen der ganzen Welt, eine bäuerliche Landwirtschaft der Ernährungssouveränität vertritt.
In Genf wurde vor neun Jahren die Umzonung der Plaine de l’Aire Agrarland in einem kantonalen Referendum angenommen, wodurch grünes Licht für die Wohnungsbauprojekte in Plan-les-Ouates gegeben wurde. Das Referendum hat die Initiator·innen des Projekts sicherlich dazu veranlasst, statt der ursprünglich geplanten 1’500 Wohnungen, die dem jährlichen Bedarf des Kantons Genf an neuen Wohnungen entsprechen, nun 2’500 Wohnungen vorzuschlagen. Abgesehen davon: Ist es sinnvoll, dass im Kanton jährlich 60 Hektar Landwirtschaftsland deklassiert werden, um dem Bevölkerungswachstum gerecht zu werden? Es wäre gut, sich diese Frage ehrlich zu stellen und eine klare Antwort auf die Zukunft der landwirtschaftlichen Produktion in Genf und anderswo zu geben. Seit 2000 verschwinden in der Schweiz jeden Tag drei Bauernhöfe: Le Jardin des Charrotons ist einer davon. Als Ort der Gemüseproduktion in überschaubarer Größe und als Ort vieler anderer Dinge, die wir vermissen, ist die Genossenschaft 2017 ausgestorben, nachdem die nicht-landwirtschaftlichen Eigentümer des Grundstücks den landwirtschaftlichen Pachtvertrag nicht verlängert hatten. Darüber hinaus war der Staat nie bereit, die Genossenschaftsform als respektables funktionierendes Kollektiv anzuerkennen. Die Umsiedlung auf staatliches Land wurde verweigert, ohne dass ein Übergang von einer Genossenschafts- zu einer Unternehmensform stattgefunden hätte. Diese Missachtung ist uns wohl bekannt. Sie wird jedoch von einem Diskurs begleitet, der die ökologische Transformation thematisiert. Was wir in kleinbäuerlichen Strukturen tun ist gut: Wir erhalten die kultivierte Biodiversität, wir bauen verantwortungsvoll, ökologisch und sozial engagiert an. Aber wir sind nur ein pädagogisches Schaufenster in den Augen des Staates, der um nichts in der Welt ein echtes Landwirtschaftsmodell unterstützen will, das auf unseren Praktiken und Funktionsweisen beruht.
Unsere Freund·innen von l‘Atelier Paysan fordern, dass sich in den nächsten zehn Jahren eine Million Bauer·innen in Frankreich niederlassen (derzeit sind es 400.000). Wir schlossen uns ihnen an und forderten 375’000 Bauer·innen in der Schweiz im gleichen Zeitraum. Die Logik muss von nun an darin bestehen, die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe zu erhöhen, die Zahl der Bauer·innen zu vergrößern und die landwirtschaftliche Produktion so nah wie möglich an diejenigen zu bringen, die die sich davon ernähren. Wir erleben das Gegenteil und haben es satt, dass die kapitalistische Logik unsere Kämpfe vereinnahmt und unsere Räume zerstört.
Sei es in Form von Druck zum Einsatz von Biochemie und neuen Technologien, Landenteignungen, kurzfristigen und prekären Pachtverträgen, Preisdruck oder administrativer Überlastung, die Bauernschaft wird von allen Seiten angegriffen: Kein Agrarland darf mehr umgezont werden, um am Ende zubetoniert zu werden!
Les Cherpines 58 Hektar, Les communaux d’Ambilly 36 Hektar, Les Grands-Esserts12 Hektar, Bernex 120 Hektar. Seit 2010 hat der Kanton Genf mehr als 226 Hektar fruchtbares Agrarland für den Wohnungsbau umgezont Während die Absicht, Land umzuzonen, weitergeht (Pré-Du-Stand in Gd-Saconnex wurde in einem Referendum 2019 mit 9 Stimmen fast umgezont; die Umwidmung von 10,7 ha in Puplinge für das Projekt Les Dardelles wurde 2020 fast durch den Grossen Rat (Grand-Conseil) gebracht; bei La Goutte de Saint-Matthieu in Bernex - 4,4 ha – in 2021 umzoniert) hat der Kanton Genf bereits durch die Umzonung, die vom Bund festgelegte Grenze für die Nutzung von Fruchtfolgeflächen (FFF) überschritten. Der Kanton ist nun gezwungen, Flächen umzuwidmen, die nichts mit landwirtschaftlicher Fläche zu tun haben (Fußballplätze, Parks, Mülldeponien...) und untergräbt damit die langfristige Arbeit zur Erhaltung fruchtbarer, lebendiger Böden.
Das Privateigentum an landwirtschaftlichen Flächen ist für die Selbstversorgung mit Lebensmitteln unsinnig. Wenn wir dieses Ziel erreichen wollen, dürfen wir die Entscheidung über die Nutzung von Agrarland nicht in den Händen von Privateigentümern belassen. Unbestellte Felder müssen kollektiv, auf Gemeinde- und Kantonsebene verwaltet werden, um die Produktion von Nahrungsmitteln für die dort lebenden Menschen zu gewährleisten. Da der Staat nicht in der Lage ist, die natürlichen und landwirtschaftlichen Lebensräume als Gemeingut zu verteidigen, ist die kollektive Besetzung eines unserer Instrumente, um dies zu erreichen.
Wir werden uns so oft wiederholen, wie es nötig ist: Wir wollen mehr Bäuer·innen auf den Feldern und mehr Felder für die Bäuer·innen! Die "Energiewende" wird nicht durch eine immer größere Anhäufung von Agrartechnologien erreicht, die angeblich die Erträge steigern. Wir brauchen keine Traktoren, die mit Satelliten verbunden sind, sondern Hände, die sich an Hacken festhalten.
Wir werden die brachliegenden Felder und leeren Bauernhöfe besetzen. Wir werden Kartoffeln anbauen und sie in unseren VOKÜs essen. Wir werden die kapitalistische Fäulnis mit so viel Kompost bedecken, dass nicht einmal die Winde überleben wird. Wir werden Millionen sein, die das Land bebauen und die alte Welt zerstören, damit die Agrar- und Ernährungsautonomie erblüht!
Genf, das Komitee des 17. April
* * * *
Das ist nur der Anfang!
Der große kollektive Tag der Kartoffelpflanzung ist gut zu Ende gegangen!
80 Menschen sind an dieserm Sonntag gekommen, um an der Pflanzung von Kartoffeln für Gemeinschaftsküchen (VOKÜ) teilzunehmen und um die Umzonung von Agrarland sowie den schwierigen Zugang zu Land zu thematisieren.
Der Landbesitzer tritt nun in Verhandlungen ein.
Wir werden euch auf dem Laufenden halten über zukünftige kollektive Arbeitseinsätze, Baustellen und andere Fröhlichkeiten !
Vive les paysan.x.s !
Es leben die Bäuer·innen!
Vive les patates !
Es leben die Kartoffeln!
Röschtis contre les frontières !
Röschtis ohni Grenze !
* * * *
Video (auf Französisch)
Im Folgenden findest du ein kurzes Video zum Internationalen Tag des Bauernkampfes, in dem du erfährst, warum und wie das ehemalige Feld den Charottons besetzt wurde.
Mehr Land für die Bäuerinnen, mehr Bäuerinnen auf dem Land!
Uniterre freut sich, mitzuteilen, dass sich der Dialog mit Bio Suisse und zum Thema Palmöl in eine positive Richtung entwickelt: Mitgliedorganisationen der Bio Suisse hatten Anfang Februar beschlossen, einen Antrag zu Palmöl z. Hd. der Frühling-Delegiertenversammlung von Bio Suisse zu stellen. Gleichzeitig deponierte Uniterre bei Bio Suisse einen Vorschlag für die weitere Entwicklung des Dialogs zum Thema Palmöl. Bio Suisse reagierte positiv auf Anträge und Vorschlag und in der Folge entwickelte sich eine sehr offene Diskussion zwischen Bio Suisse, den antragstellenden Vereinen und Uniterre.
Diese erste Diskussion wird einen gemeinsamen Austauschprozess zu diesem Thema einleiten. Uniterre erwartet, dass die Gesprächspartner ohne Verzug zentrale Themen in Bezug auf die Nachhaltigkeit von kritischen Rohstoffen ansprechen werden. Uniterre ist zuversichtlich, dass der Dialog fruchten wird!
Im Weiteren teilt Uniterre mit, dass der (nach Bio Suisse zertifizierter) brasilianische Palmölriese Agropalma (43'000 Ha, davon 4'000 in Bio) 2020 vom Gericht vom Staat Para im Nordosten Brasiliens verurteilt wurde, weil er zwischen 1987und 2006 Eigentumstitel für Zehntausende von Hektaren gefälscht hatte . Dabei wurden zahlreiche Gemeinschaften von Einheimischen aus ihrem Territorium vertrieben. Seit einigen Wochen halten mehrere Gemeinschaften Teile von Plantagen besetzt, welche Agropalma als ihr Eigentum bezeichnet: Sie verlangen diesen Boden zurück! Agropalma hat alle Wege versperrt, ihre private Polizei umzingelt die Gemeinschaften und ihr provisorisches Lager. Aber die brasilianischen Zeitungen berichten fast täglich darüber. Uniterre geht davon aus, dass Agropalma hier verlieren wird, trotz verzweifelten Manövern, um den Landraub auf breiter Stufe zu legalisieren.
Uniterre hat Bio Suisse und ihrer Zertifizierungsstelle ICB vorgeschlagen, den Fall zu untersuchen und ohne Verzug Massnahmen zu treffen, damit das Eigentum der lokalen Gemeinschaften auf ihr ge-stohlenes Territorium anerkannt wird und die Böden unverzüglich den Gemeinschaften zurück-gegeben werden. Es freut uns, dass Bio Suisse diesen Vorschlag positiv aufgenommen und eine Untersuchung eingeleitet hat.
Uniterre freut sich auf den Austausch mit Bio Suisse. Sie dankt auch Brot für alle (Heute ein Teil von «HEKS»), «Friends of the Earth», die FIAN und «Heidi’s Mist», für ihre ständige Unterstützung in allen Recherchen zu Palmöl seit 2020: Diese Arbeit hat gefruchtet und wird weitere Früchte tragen!
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