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| Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat

4. Buch
22. Was für eine Wissenschaft von der Verehrung der Götter ist es, die Varro den Römern beigebracht zu haben sich rühmt?
Was ist also davon zu halten, wenn Varro sich rühmt, seinen Mitbürgern eine unschätzbare Wohltat dadurch erwiesen zu haben, daß er die Götter nicht bloß aufzählt, die von den Römern verehrt werden müßten, sondern auch bei jedem angibt, welches sein Wirkungskreis sei? Er sagt: Wie es nichts nützt, irgend einen Arzt dem Namen und dem Äußeren nach zu kennen, wenn man nicht weiß, daß der Mann ein Arzt ist, so nütze es auch nichts, wenn man wisse, daß Äsculap ein Gott ist, aber nicht wisse, daß er der Gesundheit aufhelfe, und also nicht wisse, wofür man ihn anrufen soll. Er führt zur Bestätigung noch ein anderes Analogen an: Nicht bloß ein angenehmes Leben, sondern zu leben überhaupt sei unmöglich, wenn man nicht wisse, wer der Schmied, der Bäcker, der Tüncher sei, bei wem man Hausgeräte haben könne, wen man zur Aushilfe, zum Führer oder zum Lehrer nehmen könne; in gleicher Weise, so versichert er, sei zweifellos die Kenntnis der Götter nur dann von Nutzen, wenn man auch wisse, in welchen Angelegenheiten die einzelnen Götter Macht, Kraft und Gewalt hätten. „Denn daraus“, sagt er, „können wir ersehen, welchen Gott wir für die einzelnen Anliegen um Hilfe zu bitten und anzurufen haben, damit wir es nicht machen wie die Mimen, die sich an Liber um Wasser und an die Wassergöttinnen um Wein wenden.“ In der Tat, ein großer Gewinn. Wer würde ihm nicht Dank wissen, wenn er die Wahrheit gewiesen und die Menschen dahin belehrt hätte, daß sie den einen wahren Gott, von dem alles Gute komme, zu verehren hätten!