Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03560.jsonl.gz/1513

In den vergangenen Tagen haben sich in Kingston, Jamaika, die Mitglieder der Internationalen Meeresbodenbehörde ISA getroffen. Greenpeace war vor Ort.
Die Plünderung der Ozeane kennt keine Grenzen. Für die Gewinnung von Rohstoffen wie Mangan, Nickel und Kobalt soll sogar der Boden der Tiefsee durchpflügt werden. Das ist eine Katastrophe für den Schutz der Meere.
Vor wenigen Wochen haben sich Grossbritannien und Monaco für ein Moratorium für den Tiefseebergbau ausgesprochen. Die Schweiz hat das bereits vor Monaten getan. Insgesamt unterstützen 23 Staaten ein Moratorium oder eine vorsorgliche Pause. Das heisst, sie wollen nicht, dass der Tiefseebergbau startet.
«Jede neue Ankündigung für ein Moratorium ist ein Hoffnungsschimmer für die Tiefsee und die Ozeane», sagt François Chartier. Er leitet die Delegation von Greenpeace, die diese Woche dem Treffen der Internationalen Meeresbodenbehörde ISA (siehe Kasten) in Jamaika beiwohnte.
Statt über ein Moratorium zu verhandeln, hat die ISA in den vergangenen Tagen jedoch über Regeln für den Abbau diskutiert, den so genannten «Mining Code». «Die Ozeane brauchen ein Moratorium, keine Regeln für den zerstörerischen Tiefseebergbau», sagt Chartier.
Und Iris Menn, Meeresbiologin und Geschäftsleiterin von Greenpeace Schweiz, sagt: «Der Tiefseebergbau ist keine Lösung für die Klimakrise. Für die Energiewende braucht es keine Metalle aus der Tiefsee.»
Der Tiefseebergbau würde einen irreversiblen Verlust an biologischer Vielfalt in den Weltmeeren verursachen. Die Meer sind bereits jetzt durch den Klimawandel, die Verschmutzung und weitere Auswirkungen menschlicher Aktivitäten wie der industriellen Fischerei stark belastet.
Fordere die führenden Politiker:innen dazu auf, neue Meeresschutzgebiete zu schaffen und unseren blauen Planeten zu schützen.
Sieben Fakten zum Tiefseebergbau
- Wachsende Unterstützung für Moratorium: 23 ISA-Mitgliedstaaten unterstützen ein Moratorium für den Tiefseebergbau. Pazifikstaaten wie Fidschi und Papua-Neuguinea sind Teil der Melanesian Spearhead Group. Sie wollen in ihrem Hoheitsgebiet keinen Tiefseebergbau zulassen.
- Riesige Schäden: Der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte, Volker Türk, warnt vor irreversiblen Umweltschäden durch den Tiefseebergbau.
- Indigene Völker bedroht: Das Leben vieler indigene Völker hängt vom Meer ab. Viele wehren sich gegen den Tiefseebergbau. Sie haben ihre Einwände bei der ISA eingebracht.
- Namhafte Firmen gegen Tiefseebergbau: Der schwedische Batterieentwickler Northvolt und Unternehmen wie Google, BMW, Volvo, Renault und Samsung fordern ein Moratorium. Sie wollen keine Mineralien aus der Tiefsee in ihren Lieferketten.
- Zurückhaltende Banken: 37 Finanzinstitute wollen mehr wissen über die Risiken des Tiefseebergbaus und alternative Lösungen erkunden lassen. Zu den Finanzinstituten gehört auch die Genfer Pictet Gruppe.
- Für die Energiewende unnötig: Der wissenschaftliche Beirat der Europäischen Akademien sagt, es sei irreführend zu behaupten, der Tiefseebergbau sei für die Energiewende unerlässlich. Das besagt auch eine Studie der Nichtregierungsorganisation Blue Climate Initiative.
- Wissenschaft warnt: Über 780 Wissenschaftler:innen aus über 40 Ländern sind für ein Tiefseebergbau-Moratorium.
Die ISA ist keine unabhängig Behörde
Die Internationale Meeresbodenbehörde (International Seabed Authority, ISA) wurde 1994 durch das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen gegründet. Ihre Aufgabe: In internationalen Gewässern die Aktivitäten auf dem Meeresboden «als gemeinsames Erbe der Menschheit» zu regeln. Die ISA hat ihren Sitz in Kingston, Jamaika. Sie zählt, inklusive der Schweiz, 167 Mitglieder plus die EU.
Jedes Mal, wenn ein Tiefseebergbau-Unternehmen einen Antrag auf Erkundung des Meeresbodens für den Bergbau stellt, erhält die ISA 500’000 US-Dollar. Sie hat noch nie einen Antrag abgelehnt und verfügt über enge Kontakte zu den Bergbauunternehmen, die sie regulieren sollte.
Die nächste ISA-Versammlung findet im Juli 2024 in Kingston, Jamaika, statt. Greenpeace und andere Umweltorganisationen fordern von der ISA ein Moratorium für den Tiefseebergbau.