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Sendung «Schawinski» mit Jonas Projer beanstandet I
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Mit Ihrer E-Mail vom 26. März 2018 beanstandeten Sie die Sendung «Schawinski» mit Jonas Projer (Fernsehen SRF) vom gleichen Tag.[1] Ihre Eingabe entspricht den formalen Anforderungen an eine Beanstandung. Ich kann folglich darauf eintreten.
A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:
«In der Sendung von Schawinki von heute Montag, dem 26. März 2018, hat Herr Schawinski in seiner gleichnamigen Sendung Herrn Daniele Ganser in Bezugnahme auf eine Sendung der SRF Arena, die massiv kritisiert wurde, als Verschwörungstheoretiker bezeichnet.
Meiner Ansicht ist dies zumindest diskriminierend (Beschwerde entsprechend der Grundrechte und Menschenwürde, Sachgerechtigkeits- und Transparenzgebots): Herr Schawinski stellt diese Bezeichnung als anerkannten Fakt dar. Dabei ist dies seine eigene Meinung, wie offensichtlich wird. Dass Herr Daniele Ganser in Bereichen forscht, die herrschenden Kräften widerstreben und Fragen aufwirft, die nicht allen gefallen, auch dass Daniele Ganser in Kontexten auftritt, die nicht allen gefallen mögen, ist legitim. Dass allerdings seine ganzen Forschungsleistungen und seine Fähigkeit Fragen aufzuwerfen und Dinge zu hinterfragen, mit dem Totschlagargument der Verschwörungstheorie ignoriert wird, entspricht nicht dem Service Public, wie ich in mir vorstelle.
Jonas Projer im Gegenzug lehnt die Bezeichnung von Daniele Ganser als Verschwörungstheoretiker ab: an dieser Stelle fährt Herr Schawinski fort mit der Bekräftigung dieser sei einer.
Ich bitte die Ombudsstelle die Bedingungen auszumachen, die es berechtigen, Herr Daniele Ganser im SRF als Verschwörungtheoretiker dastehen zu lassen.»
B. Die zuständige Redaktion erhielt Ihre Beanstandung zur Stellungnahme. Frau Léa Burger, Redaktorin und Produzentin von «Schawinski», schrieb:
«In der Beanstandung vom 26.03.2018 kritisiert X Moderator Roger Schawinski, dass er Daniele Ganser einen Verschwörungstheoretiker nennt und dies nicht als eigene Meinung deklariert wird. Gerne nehme ich dazu Stellung:
1. Gansers Thesen und Theorien werden in der Wissenschaft kontrovers diskutiert, oftmals auch abgelehnt; Herr Ganser stellt sich in verschiedenen Fragen in Widerspruch zum derzeitigen Wissensstand. Dies beispielsweise rund um 9/11 oder auch in Bezug auf den Terroranschlag bei ‹Charlie Hebdo›. Hinter diesem könne eine sogenannte Operation unter falscher Flagge stehen, wie Ganser in einem Interview der ‹Basellandschaftlichen Zeitung› vom 2.2.2015 als Möglichkeit aufführt. Damit stellt er eine Theorie zur Disposition, welche eine Verschwörung suggeriert. Vor diesem Hintergrund nennt Roger Schawinski den Historiker Daniele Ganser einen Verschwörungstheoretiker.
2. Während der Sendung mit Jonas Projer fragt Roger Schawinski, ob Projer wieder einen Verschwörungstheoretiker in die ‹Arena› einladen würde (ab 22’58’’). Bei dieser Frage ist Schawinski selbst keineswegs neutraler Moderator, sondern Autor: Die Sendung ‹Schawinski› ist durch die Namensgebung als Autorensendung erkennbar. Es ist klar und sogar erwünscht, Ibeanstandenden Sendung umso eher, als Roger Schawinski bei der ‹Arena› vom 24.2.2017 mit Daniele Ganser ebenfalls Gast war und sich im Nachgang intensiv mit Verschwörungstheorien auseinandergesetzt (vgl. seine jüngste Publikation ‹Verschwörung! Die fanatische Jagd nach dem Bösen in der Welt›, erschienen bei NZZ Libro, 2018).
Aus Sicht der Redaktion kann aus den genannten Gründen die Beanstandung von Herrn X zurückgewiesen werden.»
C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung der Sendung. Zunächst: ein großartiger, souveräner Jonas Projer in einer spannenden, schnellen Diskussion! Er sagt Grundsätzliches, Wichtiges, Bedenkenswertes zum Journalismus und zur Funktion der «Arena» in der direkten Demokratie. Man sollte diese «Schawinski»-Sendung in Journalistenschulen und in kommunikationswissenschaftlichen Hochschulinstituten im Unterricht einsetzen!
Dann: Die Sequenz, wo es um die Frage geht, ob Jonas Projer Daniele Ganser nochmals in die «Arena»-Sendung einladen würde, ist in der Tat heikel. Roger Schawinski nennt Daniele Ganser einen Verschwörungstheoretiker, Jonas Projer lehnt es ab, ihn so zu nennen. Beide haben ein wenig Recht. Daniele Ganser ist nicht wirklich ein Verschwörungstheoretiker, da er nicht behauptet, es habe diese oder jene Verschwörung gegeben, sondern vor allem Fragen stellt und die offizielle Doktrin (z.B. zu 9/11) anzweifelt. Da er aber die Fragen so hartnäckig stellt, gibt er den Verschwörungstheorien Auftrieb. Ist einer, der Verschwörungstheorien Publizität verschafft, ein Verschwörungstheoretiker oder einfach ein kritischer Forscher? Ich habe schon im Schlussbericht zu jener stark kritisierten «Arena»-Sendung vom 24. Februar 2017[2] die Meinung vertreten, dass Daniele Ganser sich zu wenig von extremistischen Positionen und Theorien distanziert und deshalb selber dazu beiträgt, dass man ihn in diese Ecke stellt.[3] Umgekehrt gibt es Wissenschaftler, die Ganser durchaus den Verschwörungstheoretikern zurechnen, so etwa der Tübinger Amerikanistikprofessor Michael Butter[4]. Man sollte daher Roger Schawinski die Titulierung Gansers als Verschwörungstheoretiker durchgehen lassen, zumal der Moderator der Talksendung keineswegs einfach in Stammtischmanier Behauptungen aufstellt, sondern weiß, wovon er redet, hat er sich doch für sein Buch eingehend mit Verschwörungstheorien befasst. Aus all den Gründen, und weil es im Lauf der gesamten Sendung ein eher unbedeutender Nebenpunkt ist, kann ich Ihre Beanstandung nicht unterstützen.
D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
[3] Vgl. Andreas Tobler und Pascal Blum: „Wenn alles mit allem zu tun hat“ in der «SonntagsZeitung“ vom 13. März 2018: https://archive.is/4BzpN , die Gegenposition nahm Urs Gasche am gleichen Tag im „infosperber“ ein: https://www.infosperber.ch/Artikel/Medien/Sonntags-Zeitung-geifert-faktenfrei-gegen-Daniel-Ganser
[4] Michael Butter hat das Buch veröffentlicht: „Nichts ist, wie es scheint“. Über Verschwörungstheorien. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 2018.
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