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Frage
Seit ein paar Monaten ist unsere Hündin Stella (4) sehr schüchtern. Sie verkriecht sich dauernd unter einem Vorhang oder im Schlafzimmer unter das Bett. Auf jedes starke Geräusch reagiert sie sehr schüchtern; sie flieht, sucht Schutz. Wenn wir am Morgen raus wollen, verkriecht sie sich ebenfalls und reagiert nicht mehr auf Befehle von uns. Wir müssen an der Eingangstüre läuten, bis sie hervorkommt. Vom Spaziergang zurück, gehts sofort hinter den Vorhang. Nachts kriecht sie unters Bett und kommt nicht mehr zum
Vorschein, bis wir am Morgen an der Eingangstüre klingeln. Wir sind verzweifelt und fragen Sie: Was können wir unternehmen?
Wir geben unserer Stella viel Liebe, Zuneigung und spielen sehr viel mit ihr. Der Ball ist ihr Lieblingsspielzeug nebst vielen anderen Spielsachen. Sobald man mit Spielen aufhört, verkriecht sie sich wieder. Können Sie uns einen Ratschlag geben?
Das sagt Dr. Brigitte Bütikofer
Dr. Brigitte Bütikofer ist Tierärztin in der Tierklinik Sonnenhof in Derendingen SO. Sie absolviert zurzeit eine Ausbildung in Verhaltensmedizin.
Ihre Hündin hat ein ernst zu nehmendes Problem. Es ist schwierig zu sagen, was die genaue Ursache ist, aber es ist sicher nicht normal, dass sich eine Hündin immer verkriecht. Zuerst müssen alle möglichen körperlichen Ursachen für eine solche Verhaltensveränderung abgeklärt werden. Schmerzen, Fieber, hormonelle Erkrankungen oder Erkrankungen des Nervensystems sind nur einige der verschiedenen Probleme, die Ihre Hündin plagen könnten.
Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) kann eine psychische Komponente haben, die begleitend eine Angststörung mit Depression auslösen kann. Angststörungen können natürlich auch ohne Unterfunktion der Schilddrüse auftreten. Wie ist Stella, wenn sie sich verkriecht? Zeigt sie Anzeichen von Angst, zum Beispiel Hecheln, grosse Pupillen, viel Speichel? Sie beschreiben eine Geräuschangst. Hat Stella vielleicht auch vor anderen Dingen Angst? War sie immer schon vorsichtig oder war sie früher ganz anders? Sie schreiben, dass das komplette Zurückziehen seit einigen Monaten auftritt. Hat sich das Verhalten Ihrer Hündin plötzlich oder schleichend geändert? Kam es kurz vor dieser Zeit zu einer Veränderung in ihrem Umfeld (Besitzerwechsel, jemand ausgezogen)? Hunde können sehr sensibel auf Änderungen in ihren Lebensbedingungen oder in der Familie reagieren.
Angst wird je nach Charakter des Hundes unterschiedlich gezeigt. Oft sind unsere Hunde «stille Leider»; man merkt ihnen kaum etwas an. Angstzustände stehen aber in der Stimmungslage ganz oben und beeinflussen das Leben eines Hundes in allen Bereichen sehr intensiv. Bei einer Depression ist die Körperhaltung des Hundes meistens niedrig, er hat einen traurigen Ausdruck und die Aktivitäten sind auf ein Minimum beschränkt. Es fällt dem Besitzer schwer zu beschreiben, was sein Hund hat, «er macht ja einfach nichts». Hunde mit Depression können auf Spielaufforderungen ihrer Besitzer reagieren, sie fordern meistens aber nicht mehr selber zum Spielen auf. Gehen Sie bitte zu einem Tierarzt, Stella braucht dringend Hilfe. Falls klinisch alles in Ordnung ist, konsultieren Sie einen auf Verhaltensmedizin spezialisierten Tierarzt. Adressen finden Sie auf www.stvv.ch.
Sie haben Fragen?
Unsere Expertin S. Weilenmann antwortet!
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