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Der Begriff Katholizismus bezeichnet die Gesamtheit der Erscheinungsformen des katholischen Christentums. Entstanden ist der Begriff im Kontext der Konfessionalisierung als Pendant zu Protestantismus. Riehen wurde 1528 refomiert, Katholiken liessen sich erst seit dem 18. Jahrhundert wieder in der Gemeinde nieder. Seit 1914 hat Riehen wieder einen katholischen Pfarrer.
Nach der Reformation 1528 lebten in Riehen keine Katholiken mehr. Erst im 18. Jahrhundert liessen sich erstmals wieder vereinzelte Katholiken im Dorf nieder. Sie gehörten bis 1850 überwiegend der Unterschicht an, waren Dienstmädchen und Knechte und nur auf Zeit in Riehen wohnhaft. Zwischen 1811 und 1900 stieg die Anzahl Katholikinnen und Katholiken in Riehen von 1,2 auf 16,8 Prozent an. Kirchenrechtlich gehörten die Riehener Katholikinnen und Katholiken der städtischen Pfarrei St. Clara an. Die Zunahme liess jedoch Ende des 19. Jahrhunderts die Frage nach einer eigenen Kirchgemeinde laut werden. Mit der Konstituierung einer privatrechtlichen Kirchenbaukommission gelang den Riehener Katholiken 1898 die Grundsteinlegung für den Aufbau einer eigenen Kirchgemeinde. Am 19. Februar 1899 fand die erste offizielle Heilige Messe in Riehen seit der Reformation statt. Sie wurde in der ehemaligen Friedhofskapelle an der Mohrhaldenstrasse 34 abgehalten.
1911 erklärte der Bischof die Riehener Katholikinnen und Katholiken kirchenrechtlich von Basel unabhängig und erhob die Gemeinde zu einer ihm direkt unterstellten Missionsstation. Mit der Eröffnung der Herz Jesu-Kapelle 1914 (1967 abgebrochen) und der Amtseinsetzung von Joseph Wenzler (1867–1939), dem ersten nachreformatorischen katholischen Pfarrer, erreichten Riehen und Bettingen die Anerkennung als eigenständige Pfarrei (Herz-Jesu-Pfarrei). Nach der Formierung als eigene Kirchgemeinde wurden in Riehen verschiedene katholische Vereinigungen gegründet, so 1904 der Katholische Männerverein Riehen, aus dem die Christlichdemokratische Volkspartei Riehen hervorging, oder 1919 der Jünglingsverein Audacia, der heutige KTV Riehen.
1948 schloss sich der Kultusverein der Römisch-Katholischen Gemeinde (RKG) Basel-Stadt an. Zwei Jahre später wurde die neue Kirche St. Franziskus im Pfaffenloh geweiht (Pfarrei St. Franziskus). Ebenfalls 1950 eröffneten die Missionsdominikanerinnen von der Heiligen Katharina von Siena im Dominikushaus an der Albert Oeri-Strasse ihr erstes Schweizer Kloster.
1974 konstituierte sich die bisher privatrechtlich organisierte RKG neu als Römisch-Katholische Kirche Basel-Stadt (RKK) mit eigener Kirchenverfassung. Damit wurde auch die Pfarrei St. Franziskus öffentlich-rechtlich anerkannt und erhielt 1975 die entsprechende Pfarreiordnung.
Die Zahl der Basler Katholikinnen und Katholiken stieg bis in die 1970er-Jahre kontinuierlich an. Danach begann ein stetiger Rückgang der Mitgliederzahlen. Die RKK reagierte auf diese Entwicklung, indem sie die Basler Pfarreien zu drei Pastoralräumen zusammenführte. Riehen und Bettingen bilden aber weiterhin eine eigene Pfarrei. Dieser steht seit 2020 die Gemeindeleiterin Dorothee Becker vor.
Autorin / Autor: Luzia Knobel | Zuletzt aktualisiert am 3.3.2023
Metzger, Hans: Der Neuanfang der katholischen Gemeinde in Riehen. In: Jahrbuch z’Rieche 1963. S. 74–80.
Pfister, Benedikt: «Schützet deshalb und behütet, liebe Basler Katholiken, Eure Einheit und Einigkeit!» Das Verhältnis der Riehener Katholiken zur katholischen Gemeinde in Basel. In: Hess, Stefan (Hg.): Basel und Riehen. Eine gemeinsame Geschichte. Basel 2021. S. 139–156.
Raith, Michael: Das kirchliche Leben seit der Reformation. In: Bruckner, Albert et al.: Riehen – Geschichte eines Dorfes. Riehen 1972. S. 165–214, hier S. 198–201.
Raith, Michael: Gemeindekunde Riehen. 2. überarbeitete und aktualisierte Aufl. Riehen 1988. S. 244–251.
Schnyder, Arlette: Kirchen im Dorf. In: Schnyder, Arlette et al.: Riehen – ein Portrait. Basel 2010. S. 327–359.
Suter, Stefan et al.: Menschen zur Gemeinschaft führen. 1899–1999. 100 Jahre katholische Kirche Riehen und Bettingen. Riehen 1999.