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Der Glarner Foto-Künstler Fridolin Walcher ist seit 2018 in Forschungsprojekten in Grönland aktiv. Im Forschungsprojekt der Universität Zürich geht es um die Fliessgeschwindigkeit des Jakobshaven Gletschers in Westgrönland, der mittlerweile mit 50 m /Tag ins Meer hinausfliesst und dort abkalbt. Dies auf einer Breite von 5 km und mit einer Fronthöhe über dem Wasser von 150 m. Dafür startet er am 10. Juli Richtung Grönland.
Er begleitet ein Ausstellungsteam des Schweizerischen Alpinen Museums in Bern um im Rahmen der Klimaveränderung den wachsenden Tourismus in schwindenden Gletschergebieten zu dokumentieren und anderseits zuoberst in Nordgrönland in einem Dorf, das er kennt, Menschen zu ihrer Lebenssituation in diesem Wandel zu befragen. Bei diesem Projekt übernimmt er als Kulturschaffender eine Vermittlungsrolle. Die vorhandenen Potenziale der Ressourcen sollen mit wenig Störfaktoren eingesetzt werden können. Fridolin Walcher ist hier Türöffner und Verbindungsmann zu wichtigen einheimischen Kontakten und zur Lebensweise der einheimischen Bevölkerung.
Fridolin Walcher hat an den Forschungen in Grönland in der Rolle als Fotograf schon mehrfach teilgenommen. Er ist als Dienstleister für die Forschenden, Vermittler zwischen Land und Leuten oder als Organisator von Dienstleistungen aktiv. Er verfügt über ein profundes Wissen der Zusammenhänge in der Forschung, ohne selbst Wissenschaftler zu sein. Seine Rolle besteht darin, mit den Mitteln der Fotografie die Emotionen der Menschen anzusprechen. Es geht um die Sprache der Kultur, die vermittelt wird und die Anliegen und Ergebnisse der Forschungen unterstützt und verständlich macht.
Der Begriff «Arktis» bedeutet, abgeleitet vom Altgriechischen, «Bär». Die Gegend liegt vor allem unter dem Sternbild «Der grosse Bär». Die Arktis ist die Erdregion um den Nordpol, also eines der beiden Polargebiete. Dazu zählen die nördliche Polkappe und die nördlichen Ausläufer der Kontinente Nordamerikas, Asiens und Nordeuropas, welche grösstenteils von Eis bedeckt sind. Das Gebiet ist vor allem Lebensraum für Menschen. Dies im Unterschied zur Antarktis, wo ausschliesslich Tiere leben.
Die Nutzung der Antarktis ist in der internationale Übereinkunft von 1959 geregelt. Die unbewohnte Antarktis zwischen 60 und 90 Grad südlicher Breite soll ausschliesslich friedlicher Nutzung und besonders der wissenschaftlichen Forschung vorbehalten sein. Sieben Länder sind beteiligt. Es handelt sich um das grösste Naturschutzgebiet des Planeten. Die bereits vorhandenen, zahlreichen Forschungsstationen sind ein Zeichen der geopolitischen Machtverhältnisse . Die Realität ist, dass die Länder Gebietsansprüche haben, die letztlich auch wirtschaftlich genutzt werden wollen. China, mit der aktuellen Machtpolitk, spielt dabei eine zentrale Rolle. Die Rolle der USA ist für die geltend gemachten Gebietsansprüche zentral. Die reich vorhandenen Ressourcen wie Öl sind wirtschaftspolitisch von grosser Bedeutung. Konflikte zwischen den verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen Bedürfnissen sind vorprogrammiert. Das UNESCO-Label als Welterbe ist zu beachten.
Einige Daten zu Grönland: Seit 2009 politisch umfangreich selbstverwalteter Teil Dänemarks, rund 56 000 Einwohner auf 2 166 086 km2 Landesfläche, Hauptstadt ist Nuuk, Kalallisut ist die grönländische Sprache, die Verkehrssprache ist Dänisch.
Die Forschung beschäftigt sich seit Jahren mit dem offensichtlichen Gletscherschwund und den Treibhausgasen. Thomas Stocker, ETH-Forscher und sein Team leisten dazu Grundlagenforschung. Die Gletscherbohrungen haben dazu geführt, dass die Schichtungen und somit der CO2-Gehalt der damaligen Luft bis rund 1,2 Millionen Jahre rückverfolgt werden können.
Alles ist in Bewegung. Die Eismassen auf unserem Planeten schmelzen in allen drei Polregionen rasant dahin. Die Arktis schmilzt mindestens doppelt so schnell wie die Antarktis und wie die Inlandgebirgsgletscher, die man als dritten Pol bezeichnet. Die Erforschung der Arktis hilft uns zu verstehen, was uns in naher Zukunft erwartet.
Die Fliessgeschwindigkeit der vier schnellsten Gletscher Grönlands beträgt aktuell 50 Meter pro Tag. Sie hat sich in den letzten Jahren massiv beschleunigt. Der Jakobshaven Gletscher, auf dem Fridolin Walcher mit Forschern arbeiten wird, ist 5 Kilometer breit und ragt 150 Meter hoch aus dem Meer bei der Abkalbungsfront. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass vom vorbei schwimmenden Gletscherabbruch nur rund 1/10-tel des Gesamtvolumens zu sehen ist. Das sind Dimensionen, die wir uns hierzulande kaum vorstellen können. Beunruhigend ist, dass die kalbenden Gletschermassen Energie von mehreren Atombomben in sich tragen.
Die Schweizer Forscher sind seit 4 Jahren immer im Sommer vor Ort. Viele Daten werden gesammelt und für die spätere Analyse bereitgestellt. Sie erstellen Seismische- und Radarbilder, Satellitenbilder über dem Gletscher werden spezielle Satelliten in Auftrag gegeben für die die Weiterverarbeitung durch die Forscher.
Was ist auf der Ebene der Kultur vorgesehen?
Fridolin Walcher hält mit seinen Fotos die aktuelle Situation auf dem Jakobshaven Gletscher fest und wird die Resultate der bildgebenden Forschung zu visuell spannenden Bildern weiterverarbeiten. Mit eindrücklichen Berichten, Bildern und Videos wird die Situation des Gletscherrückgangs dokumentiert. Die Bilder sollten nicht nur in Form von Fotografien, sondern auch in bewegter Form, unterlegt mit Musik, die Aufmerksamkeit eines grossen Publikums erreichen. Die Kunst, damit die Rolle des Künstlers, wird die emotionale Seite der wissenschaftlichen Erkenntnisse transportieren.
Im September 2024 wird das Alpine Museum in Bern www.alpinesmuseum.ch eine grosse Ausstellung zum Klimawandel in Grönland realisieren. Da wird die Situation der einheimischen Bevölkerung in ihrem Bezug zum klimatischen Wandel dokumentiert sein, weil die Gefahr besteht, dass die Machtpolitik freigelegte Lebensräume zerstören könnte. Die jungen Leute möchten vor Ort leben. Das geht aber nur, wenn für diese Menschen auch Perspektiven bestehen. Die Frage: „Was bedeutet die Entwicklung der Lebensräume vor Ort und wie müssen diese Entwicklungen gestaltet werden?“ muss beantwortet werden.
Und der Tourismus…..Dieser hat in den letzten Jahren starke Ausmasse angenommen. Der Sommer ist die Zeit des Massentourismus. Zahlungskräftige Menschen aus der ganzen Welt wollen und können sich den „Luxus“ leisten, das Spektakel des Gletscherschwunds aus „nächster Nähe“ zu beobachten und zu dokumentieren. Jeder und jede will dabei sein, oder zu den Ersten gehören. Es geht um den imponierenden Status im Freundeskreis über den Gletscherschwund zu berichten. Es ist egal, ob die Helikopterfüge für die Touristen zeigen, worum es geht und was an Fehlentwicklungen dahintersteckt. Ich vermute, dass viele Menschen unbewusst das zerstören wollen, was sie lieben. Das ist irrational und losgelöst von jeglichem Verstand und Vernunft.
Fazit
Die Situation in Grönland ist dramatisch. Sie spielt sich vor unseren Augen direkt ab. Sowohl Wissenschaft als auch die Kultur ist gefordert, die Entwicklung nachvollziehbar aufzuzeigen und Alternativen anzubieten, damit die Gesellschaft beginnt, ihr Handeln anzupassen. Bewusstseinsbildung und emotionale Betroffenheit sind wesentliche Momente für nötige Veränderungen beim menschlichen Verhalten. Die Einsicht, Motivation und der Druck, dass es Änderungen braucht, sind Wegbereiter für die klimatische Situation. Es kann nicht sein, dass reiche Leute mit dem Privatjet vor Ort reisen, damit sie im Freundeskreis prahlen können, beim Gletscherschwund in der Loge dabei gewesen zu sein.
Eduard Hauser