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Nordwestalpen III Projekt 2012-2015
Die Luchspopulation in den Nordwestalpen ist die grösste und wichtigste im gesamten Alpenbogen. Sie ist jedoch Faktoren ausgesetzt, die ihr langfristiges Überleben gefährden: 1) Es besteht nach wie vor eine Kontroverse mit der Jägerschaft um den Einfluss des Luchses auf Wildbestände 2) Die Population ist klein und isoliert, ihre genetische Diversität ist gering.
Unser drittes Forschungsprojekt über den Luchs in den Nordwestalpen untersucht den genetischen und veterinärmedizinischen Zustand der Population. Gleichzeitig arbeiten wir mit dem Rehprojekt der Universität Zürich zusammen, das im Untersuchungsgebiet Rehe sendermarkiert hat, um den Einfluss des Luchses auf seine Beutetiere zu erforschen. Ein Kooperationsprojekt mit der Universität Basel (SMEL) bringt zusätzliche Erkenntnisse über das Sozialverhalten des Luchses.
NW Alpen III
Grundlagen für die Erhaltung und das Management der Luchspopulation in den Nordwest-Alpen
Hintergrund
Die Luchspopulation in den Nordwestalpen hat sich nach den Wiederansiedlungen von Luchsen aus den slowakischen Karpaten in den Kantonen Obwalden und Waadt in den frühen 1970er Jahren entwickelt. Bis heute beheimaten das Berner Oberland und die angrenzenden Voralpen der Kantone Freiburg und Waadt das wichtigste Luchsvorkommen in den ganzen Alpen. Der gesetzlich geschützte Luchs ist aber nach wie vor Gegenstand einer Kontroverse, die den Aufbau einer gesamtalpinen Population behindern. Ausserdem haben neue Untersuchungen ergeben, dass die Luchspopulation in den Nordwestalpen weder gross noch genetisch divers genug ist, um langfristig überleben zu können. Die genetische Basis der vor 40 Jahren mit wenigen Tieren begründeten NW Alpen-Population ist schmal. Bei einer Zahl von ca. 50 residenten Tieren im Kompartiment VI Nordwestalpen wird aufgrund des hohen Inzuchtkoeffizienten die effektive genetische Populationsgrösse nur auf 20 Tiere geschätzt.
Bisher fehlen Hinweise auf eine tatsächliche Inzucht-Depression, aber die Datengrundlage seit der letzten Felduntersuchung vor zehn Jahren ist schwach. Sobald sich zudem ein – aus biologischen Gründen erwünschter – Populationsanstieg abzeichnet, bricht wieder der Konflikt namentlich mit den Jägern um die tolerierbare Zahl von Luchsen aus. In dieser Situation wollen wir zum dritten Mal (nach den Projektphasen1983–1986 und 1998–2001) den Status der Luchspopulation in den Nordwestalpen in einem Feldprojekt untersuchen, mit neuen Techniken und Methoden und in Zusammenarbeit mit einem im Herbst 2011 begonnenen Rehprojekt der Universität Zürich und dem Projekt der Universität Basel welche die olfaktorische Kommunikation beim Eurasischen Luchs in den Schweizer Nordwestalpen (SMEL) untersucht.
Unser Projekt soll zur Erhaltung der Population beitragen, indem es mit neuesten Methoden folgende Aspekte beleuchtet.
- Demographische, genetische und veterinärmedizinische Situation
- Einfluss des Luchses auf die Rehpopulation
- Zeitlich-räumliche Aufteilung des Lebensraums mittels Duftmarken
- Verständigung verschiedener Interessenvertreter (z.B. Naturschützer, Jäger) untereinander.
Methoden
Wir benutzen einen interdisziplinären Ansatz und verwenden moderne Feld- und Labortechniken: Mittels GPS-GSM Telemetrie, Foto- und Videofallen ermitteln wir die räumliche Verteilung der Luchse und ihr Verhalten. Genetischen Proben werden gesammelt um die Abstammung und Verwandtschaft der Luchse zueinander zu eruieren als auch ihren allgemeinen Gesundheitszustand und den Inzuchtfaktor der Population zu bestimmen.
Erste Resultate
Mehrere Fakten zeigen uns, dass eine genaue Beobachtung der Luchspopulation in den Nordwestalpen von grösster Wichtigkeit bleibt:
1) Im Jahr 2012 gab es einen hohen Turn-Over in der Luchspopulation, mehrere residente Tiere starben oder verschwanden auf ungeklärte Weise und viele neue Tiere erschienen im Studiengebiet. Die Reproduktion der bisher sendermarkierten Tiere scheint unterdurchschnittlich.
2) Bei den bisherigen Fängen konnte eine hohe Prävalenz an anomalen Herzgeräuschen bei den gefangenen Luchsen beobachtet werden. Es ist bisher unklar, ob diese Befunde mit Inzucht zusammenhängen. Vorläufige Auswertungen zeigen aber, dass die Tiere in den Alpen untereinander näher verwandt sind als die im Jura, und dass der Grad der Verwandtschaft und die Inzucht zugenommen hat.
3) Die Überarbeitung des Management-Konzepts für den Luchs in der Schweiz steht bevor. Es ist gerade in dieser Zeit der politischen Entscheidungen wichtig, genug wissenschaftliche Basis-Informationen zum Zustand und der Gesundheit der wichtigsten Alpen-Population zur Verfügung zu haben um zukünftige Management- Eingriffe planen zu können. Hier können die im Rahmen des Projekts in den Nordwest-Alpen gewonnenen Erkenntnisse einen wichtigen Beitrag leisten.
Projekt Information
Sponsoren:
- Haldimann-Stiftung
- Stotzer-Kästli Stiftung
- Zürcher Tierschutz
- Temperatio-Stiftung
- Karl Mayer Stiftung
- Stiftung Ormella
Kontakt KORA: Andreas Ryser