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Geschichtliches
Name, Geschichte, Lehre und Leben des Bundes Schweizer Baptistengemeinden
Die Baptistengemeinden verstehen sich als Evangelische Freikirche, die sich mit der weltweiten Gemeinde Jesu Christi verbunden weiss.
1. Name und Geschichte
Aufgrund des Namens „Baptisten“ könnte man annehmen, dass die Taufe das wesentliche Merkmal der Baptisten sei. Mit dem gleichen Missverständnis hatten sich schon die Täufer der Reformationszeit auseinanderzusetzen. In Wirklichkeit bildet die Taufe keineswegs das Zentrum baptistischer Lehre und Praxis. Die Zürcher Täufer der Reformation sind lediglich die geistigen Vorväter jener Baptisten, die den ihnen von aussen gegebenen Namen schliesslich als Selbstbezeichnung akzeptierten.
Tatsächlich gehen die Baptisten auf die unabhängigen Puritaner der englischen Reformation zurück. Im Jahre 1609 wurde in Amsterdam die erste Baptistengemeinde gegründet, die aus englischen Emigranten, geführt vom Cambridger Theologen John Smyth, bestand. Auf englischem Boden leitete 1610 der Jurist Thomas Helwys die erste Gemeinde. Etwa 25 Jahre später gelangte die junge Bewegung durch Auswanderer nach Nordamerika; der Mitbegründer des Staates Rhode Island, Roger Williams, war auch der Begründer der ersten Baptistengemeinde in den späteren USA.
Rapides Wachstum und die Ausbreitung über die ganze Welt setzten gegen Ende des 18. Jahrhunderts ein; zu nennen ist hier William Carey, der Begründer des modernen Missionszeitalters. Der Baptismus wuchs auch besonders unter der schwarzen Bevölkerung Nordamerikas, zu deren Geistlichen in neuerer Zeit Martin Luther King gehörte.
Die Verbreitung auf dem europäischen Kontinent begann im Jahre 1834 mit der Gründung der Gemeinde Hamburg durch Johann Gerhard Oncken (gestorben 1884 in Zürich). Heute gibt es in allen Erdteilen insgesamt rund 40 Millionen Baptisten in über 150’000 selbständigen Gemeinden, die dem 1905 gegründeten Weltbund der Baptisten angehören. Die Länder in Europa mit den grössten Mitgliederzahlen sind Grossbritannien (rund 200’000), die Ukraine (rund 106’000), Deutschland (rund 88’000), Russland (rund 83’000) und Rumänien (rund 75’000).
2. Lehre und Leben
Massstab für Lehre und Leben ist das Zeugnis des Alten und Neuen Testamentes; darüber hinaus gibt es kein allgemein verpflichtendes Glaubensbekenntnis. Dennoch sind Bekenntnisse von Anfang an für die jeweilige Situation formuliert worden. Zuletzt haben die deutschsprachigen Bünde in Europa eine „Rechenschaft vom Glauben“ erarbeitet und 1977 ihren Gemeinden zum Gebrauch empfohlen. Diese „Rechenschaft vom Glauben“ als Ausdruck und Zeugnis der Übereinstimmung der Gemeinden im Glauben wird stets neu herausgegeben.
Im Zentrum von Lehre und Leben steht Jesus Christus als Herr der Gemeinde. Voraussetzung für die Mitgliedschaft in einer Baptistengemeinde sind die persönliche Antwort des Glaubenden auf das Gnadenangebot Gottes in Jesus Christus und die Bereitschaft zu christlichem Leben und Dienst.
Die Baptisten kennen keine Taufe von Säuglingen. Der zu taufende Mensch muss die Verkündigung des Evangeliums selbst hören. Darauf antwortet er in der Hingabe an Jesus Christus und seine Gemeinde in der Taufe und in einem Leben unter der Herrschaft Jesu Christi. Gottes Handeln in der Taufe ist gewiss entscheidend; dazu gehört aber auch das im Glauben antwortende Handeln des Täuflings. Die Baptisten taufen deshalb Menschen auf das Bekenntnis ihres Glaubens. Die Taufe wird in der Regel öffentlich in einem Gottesdienst durch Untertauchen vollzogen.
In einer Baptistengemeinde als Gemeinde der Glaubenden sucht man das allgemeine Priestertum der Gläubigen zu leben. Es gibt keine Hierarchie der Ämter. Alle Glieder der Gemeinde sind gleichwertig und in gleichem Masse mitverantwortlich. Wortverkündigung, Abendmahl und Taufe können von jedem Mitglied, das von der Gemeinde dazu berufen wird, ausgeführt werden. Normalerweise üben jedoch ausgebildete Theologen diese Dienste aus.
Die Ortsgemeinde ist eine rechtlich eigenständige Grösse und verwaltet ihre Angelegenheiten einschliesslich der Berufung von hauptamtlichen Mitarbeitern selbständig durch die Gemeindeversammlung und durch einen von der Gemeindeversammlung gewählten Leitungskreis.
Für grössere Aufgaben wie theologische Ausbildung, Schulung, Diakonie, Evangelisation und Mission schliessen sich die Ortsgemeinden zu nationalen Bünden zusammen, die ihrerseits wieder in der Europäischen Baptistischen Föderation (EBF)und im Baptistischen Weltbund (BWA) zusammenarbeiten. Dieses Selbstverständnis und diese Struktur lassen viel Spielraum für nationale und regionale Ausprägungen der Bünde und Gemeinden.
Im Unterschied zu den meisten Täufern der Reformationszeit übernehmen Baptisten freiwillig Verantwortung in Staat und Gesellschaft. Als Freikirche sprechen sie sich aber für eine Trennung von Kirche und Staat aus. Sie vertreten das Prinzip der freien Kirche in einem freien Staat und setzen sich in der ganzen Welt für die Freiheit des Glaubens und des Gewissens ein.
3. Der Bund Schweizer Baptistengemeinden
In der deutschsprachigen Schweiz gibt es seit 1847 Baptisten. Die Gemeinde Zürich wurde 1849 gegründet. Heute bestehen selbständige Gemeinden in Basel, Bern, Bülach, , St.Gallen, Schaffhausen, Thalwil, Wettingen und Zürich. Zum Bund gehört auch die 1956 gegründete Baptistengemeinde in Lugano. In Rüschlikon besteht eine englischsprachige Gemeinde.
Seit 1924 sind diese Gemeinden im Bund Schweizer Baptistengemeinden zusammengeschlossen. Die Gesamtzahl beträgt heute rund 100 Mitglieder. Der Bund veranstaltet Schulungstagungen und unterhält u.a. Arbeitsabteilungen für Inlandmission sowie für Kinder-, Jugendarbeit. Gemeinden und Bund wissen sich verbunden mit mehr oder weniger selbständigen Werken innerhalb des Bundes. In aussenmissionarischer Hinsicht wissen sich die Gemeinden vor allem verbunden mit der Europäischen Baptistischen Mission (EBM International) mit ihren missionarischen und sozialen Aufgaben in Afrika und Südamerika.
Die finanziellen Bedürfnisse von Gemeinden und Bund werden durch freiwillige Beiträge der Mitglieder gedeckt.
Einige Baptistengemeinden bestehen auch in der französischsprachigen Schweiz. Sie stehen nicht in einer organisatorischen Verbindung zum Bund der Baptistengemeinden in der Schweiz.
Um der Verkündigung des Evangeliums und des Dienstes in der Welt willen begrüsst der Bund die Zusammenarbeit mit anderen Kirchen. Er ist darum Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK) und des Verbandes Evangelischer Freikirchen und Gemeinden in der Schweiz (VFG).
Die Verbundenheit vieler Baptisten mit Glaubenden aus anderen Kirchen kommt auch zum Ausdruck in ihrer Verbundenheit mit der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA).