Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03572.jsonl.gz/505

Der kommende US-Präsident erbt eine positive ökonomische Ausgangsbasis. Vor der Wahl hat Standard Life Investments zunehmend Beweise dafür gefunden, dass sich das Wirtschaftswachstum global verbessert hat. Stärkeres nominales Wirtschaftswachstum bedeutet zugleich eine Rückkehr zu einem Wachstum der Unternehmensgewinne. Standard Life Investments geht davon aus, dass sich dieses in den nächsten zwölf Monaten weiter verbessert.
Wenn es darum geht, ob das erste Jahr der Trump-Präsidentschaft diese Trends weiter verstärkt oder zu einem Richtungswechsel führt, erachtet Standard Life Investments unter anderem folgende Fragen als entscheidend: Kommt es zu einer aggressiven Lockerung der Fiskalpolitik? Erfolgt ein Rückbau der nationalen Agenda von Präsident Obama? Und kommt es zu einer Neuorientierung der amerikanischen Aussen- und internationalen Handelspolitik?
Standard Life Chefökonom Jeremy Lawson erläutert die Wirkung einer Lockerung der Fiskalpolitik folgendermassen: "Die kurzfristigen Wachstumsaspekte des von Donald Trump versprochenen Politikpakets wurden von den Investoren nach der enttäuschenden Erholung der Wirtschaft von der Finanzkrise begrüsst. Die Rückkehr der republikanischen Mehrheiten im Repräsentantenhaus und im Senat sollte dazu beitragen, die politische Stagnation in Washington zu verringern. Dies betrifft insbesondere eine expansive Fiskalpolitik, bei welcher der Präsident und seine Partei am stärksten miteinander übereinstimmen.
Ein fiskalpolitischer Impuls von mehr als 1% des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2018 ist möglich. Dies könnte das Wirtschaftswachstum auf mehr als 3% anheben. Damit würde das Wachstum um fast einen ganzen Prozentpunkt über unseren Prognosen ohne Stimulus liegen. Als Reaktion würde ein stärkeres Wachstum in den USA die Importnachfrage der USA für Güter aus dem Rest der Welt erhöhen und auch dem künftigen Wachstum einen Schub vorwärts geben. Wahrscheinlich würde dies auch höhere Leitzinsen der US-Notenbank mit sich bringen."
Die Wirkung einer veränderten US-Aussen- und internationalen Handelspolitik sieht Lawson wie folgt: "Abgesehen von einer strafferen Geldpolitik und einem stärkeren Dollar liegen die grössten Makro- und Marktabwärtsrisiken einer Trump-Präsidentschaft wohl in seiner Handelspolitik, beispielsweise seinem Versprechen, sich aus der Transpazifischen Partnerschaft zurückzuziehen, China für einen Währungsmanipulator zu erklären und die Zolltarife der USA anzuheben. Eine solche neue Ära des Protektionismus wäre für die Weltwirtschaft negativ. Daher ist es wichtig, die wahren Absichten von Trump als Präsident zu identifizieren. Wir erachten als wahrscheinlichstes Szenario, dass Trump aggressive Rhetorik nutzen wird, um US-Unternehmen einen besseren Zugang zu ausländischen Märkten zu verschaffen und Anreize für die Produktion im Heimmarkt zu setzen. Allerdings zeigen die Ansichten der Trump-Kandidaten für die wichtigsten handelspolitischen Positionen in seiner Verwaltung, dass ein erhebliches Risiko besteht, dass Trump meint, was er sagt."
Letztlich sei Amerika nicht die einzige Quelle des politischen Risikos für die Weltwirtschaft. Auch Europa stehe vor einer Reihe politischer Herausforderungen. Destabilisierende Ereignisse würden wahrscheinlich die Zinsspannen in den europäischen Peripherieländern weiter vergrössern, die sich bereits in jüngster Vergangenheit im Zuge der spekulativen Zweifel an der EZB-Rückendeckung entwickelt haben. Lawson zweifelt allerdings daran, dass die Politiker nicht auf Marktbewegungen reagieren würden, welche die Politik der letzten vier Jahre und die wirtschaftliche Sanierung dieser Länder gefährden würden.