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Titel
Destillation
[* 1] (hierzu Tafel »
Destillationsapparate«),
[* 2]
chemische oder chemisch-technische
Operation, bei welcher flüchtige
Flüssigkeiten von nicht oder schwer flüchtigen
Substanzen durch Einwirkung der
Wärme
[* 3] getrennt werden
sollen. Der
Destillationsapparat, in welchem die
Destillation ausgeführt wird, besteht aus einem
Gefäß,
[* 4] in welchem das der
Destillation zu
unterwerfende Gemisch so stark erhitzt wird, daß sich die flüchtigen
Bestandteile in
Dampf
[* 5] verwandeln.
Letzterer, welcher
einen sehr viel größern
Raum einnimmt als die
Flüssigkeit, aus der er entstanden ist, entweicht durch
ein
Rohr aus dem
Gefäß und gelangt in einen andern Teil des
Apparats, in welchem er durch Abkühlung wieder in den flüssigen
Zustand übergeführt wird.
Die so gewonnene destillierte
Flüssigkeit (welche im
Strahl abfließt oder in einzelnen
Tropfen herabfällt, destillat, daher
der
Name) heißt Destillat, der in dem Kochgefäß bleibende, nicht oder weniger flüchtige
Bestandteil
des Gemisches
Destillationsrückstand. Von einer destillierenden
Flüssigkeit sagt man, sie »destilliere über, gehe über,
werde gebrannt, abgezogen«. So wird
Wasser über aromatische Pflanzenteile abgezogen, damit es deren
Geruch und teilweise auch
deren
Geschmack annehme.
In der
Regel wird die
Destillation des Destillats halber ausgeführt, und der
Destillationsrückstand
ist wertlos oder wird höchstens als Nebenprodukt verwertet. Häufig aber handelt es sich umgekehrt um Gewinnung des Rückstandes,
wenn nämlich eine
Lösung bei
Abschluß der
Luft verdampft werden soll (um die Einwirkung des
Sauerstoffs auf den gelösten
Körper zu vermeiden), oder wenn man ein wertvolles Lösungsmittel, wie
Alkohol und
Äther, wiedergewinnen
will.
Destillationsapparate.
Die
Destillationsapparate sind von verschiedener
Beschaffenheit, je nach dem beabsichtigten
Zweck, dem nötigen Temperaturgrad,
der
Natur und
Menge der zu behandelnden
Substanzen. Der einfachste
Destillationsapparat besteht aus
Retorte a und
Kolben b
[* 1]
(Fig.
1). Die gewöhnliche Glasretorte ist ein
[* 1] ^[Abb.: Fig. 1. Retorte und Kolben.
Fig. 2. Füllen der Retorte.
Fig. 3. Tubulierte Retorte.] ¶
mehr
nahezu kugel- oder eiförmiges Gefäß mit abwärts gebogenem, etwas konischem Halse; sie ist im Bauch [* 7] sehr dünnwandig und kann deshalb, ohne zu springen, über freiem Feuer erhitzt werden. Beim Füllen der Retorten darf der Hals derselben nicht verunreinigt werden, weil sonst kleine Mengen der rohen Flüssigkeit in das Destillat gelangen würden. Man bedient sich deshalb zweier Rohre, steckt das weitere, wie in [* 6] Fig. 2 angegeben, in den aufrecht stehenden Hals der Retorte, führt dann das längere, enge Trichterrohr ein und zieht dieses nach dem Füllen der Retorte zuerst wieder heraus.
Bequemer sind die tubulierten Retorten
[* 6]
(Fig. 3), welche in der obern Wandung eine Öffnung haben, die
mit einem Pfropfen
[* 8] oder einem Glasstöpsel verschlossen werden kann. Die Öffnung, der Tubulus, nimmt einen durchbohrten Kork
[* 9] mit Glasrohr auf, wenn während der
Destillation Flüssigkeit nachfließen, ein Gasstrom in die Retorte geführt werden soll. Dies geschieht
häufig bei leicht sich zersetzenden Flüssigkeiten, wo die gebildeten Dämpfe schnell fortgeführt werden
müssen, dann auch bei manchen chemischen Operationen, welche die Bildung irgend eines flüchtigen Körpers bezwecken, der sogleich,
wie er sich bildet, Dampfgestalt annimmt und überdestilliert.
Leitet man z. B. auf Phosphor, der in einer Retorte erwärmt wird, Chlorgas, so bildet sich Phosphorchlorür, und dieses destilliert
über. Häufig destilliert man auch aus Kolben oder Kochflaschen, die mit einem durchbohrten Kork verschlossen
werden. Ein weites Glasrohr führt die Dämpfe fort. Wenn die zu destillierende Flüssigkeit Glas
[* 10] angreift, muß man Retorten
aus Blei,
[* 11] Platin oder anderm Material benutzen, und auch in der Technik werden die zerbrechlichen Glasretorten, wenn irgend
möglich, durch metallene oder irdene Gefäße von verschiedener Form ersetzt. Am häufigsten benutzt man kupferne, oft innen
verzinnte, kesselförmige
Destillationsgefäße (Blasen) B
[* 6]
(Fig. 4), auf deren kurzen, mit einer Flantsche versehenen Hals ein
zinnerner Helm A gesetzt wird, welcher in ein seitwärts und abwärts gebogenes konisches Rohr C ausläuft.
Man befestigt den Helm, welcher ebenfalls eine Flantsche besitzt, auf
der Blase mit Schrauben,
[* 12] welche beide
Flantschen und einen zwischen ihnen liegenden Kautschukring fest zusammenpressen. Ganz allgemein wird die Blase und bisweilen
auch der Helm mit einer Tubulatur versehen. Auch größere Glasretorten werden bisweilen, wie bei der Schwefelsäurefabrikation,
aus Ballon
[* 13] und Helm zusammengesetzt, und für manche Zwecke gibt man
Destillationsgefäßen die Form von
Dampfkesseln und mauert sie wie diese ein. Wo große Hitze notwendig ist, wird als Retorte oft ein eisernes oder thönernes
Rohr angewandt; zur Destillation des Quecksilbers werden eiserne Flaschen benutzt, und das Zink destilliert man aus einem Apparat,
wie ihn
[* 6]
Fig. 5 zeigt.
In den Hauptkörper, die Muffel, welche die Retorte vertritt, bringt man das Zinkerz mit Kohle und stellt den Apparat in einen Ofen, in welchem zu gleicher Zeit viele solche Apparate erhitzt werden. Das abgeschiedene Zink verflüchtigt sich bei hoher Temperatur und nimmt den Weg, wie er in [* 6] Fig. 5 deutlich angegeben ist. Das senkrecht abgehende Rohr mündet weiter unten in eine Vorlage, in welcher sich das Zink sammelt. Nach beendeter Operation wird die Muffel durch kleine Thürchen geleert und von neuem beschickt.
Eine bei der Darstellung des Zinks früher sehr gebräuchliche Destillationsvorrichtung besteht aus einem unten durchbohrten Tiegel, in welchem ein eisernes vertikales Rohr befestigt ist. Dies Rohr wird innerhalb des Tiegels mit einem Stöpsel aus Holz [* 14] verschlossen, der Tiegel mit Erz und Kohle beschickt, der Deckel gut auflutiert und unter das Rohr ein passendes Gefäß gestellt. Feuert man nun, so verkohlt der Holzstöpsel, und die poröse Kohle gestattet den Zinkdämpfen den Abzug (abwärts gehende Destillation, destillatio per descensum, [* 6] Fig. 6). Sind die zu destillierenden Flüssigkeiten nicht sehr flüchtig, so daß ihre Dämpfe sich leicht kondensieren lassen, so genügt es oft, den Retortenhals, wie in [* 6] Fig. 1, in den Kolben (Vorlage) zu stecken oder das aus der Kochflasche die Dämpfe ableitende Rohr in eine Flasche [* 15] zu führen. Man legt oder stellt die Vorlage in ein Gefäß mit kaltem Was-
[* 6] ^[Abb.: Fig. 4. Destillierblase.]
[* 6] ^[Abb.: Fig. 5. Muffel zur Destillation von Zink.]
[* 6] ^[Abb.: Fig. 6. Abwärts gehende Destillation.]
[* 6] ^[Abb.: Fig. 7. Destillationsapparat mit einfacher Kühlung.] ¶
mehr
ser und kühlt durch beständigen Zufluß von kaltem Wasser [* 16] (Fig. 7). Bei der Destillation flüchtigerer Flüssigkeiten sind energischer wirkende Kühlvorrichtungen erforderlich. Am gebräuchlichsten ist der Liebigsche Gegenstromapparat. Derselbe besteht aus einem weiten Glas- oder Blechrohr, welches an beiden Enden mit zwei doppelt durchbohrten Pfropfen versehen ist. Durch dies Rohr geht [* 16] (Fig. 8) ein weites Glasrohr; ferner steckt in dem einen durchbohrten Kork ein aufwärts gehendes, oben zu einem Trichter erweitertes Rohr, durch welches kaltes Wasser zugeleitet wird, und in dem andern ein knieförmig gebogenes Abflußrohr für das erwärmte Wasser.
Der ganze Apparat wird in geneigter Lage festgestellt und zwar so, daß das Trichterrohr an dem tiefsten Punkt einmündet, während das Abflußrohr die höchste Stellung einnimmt. Hier treten die heißen Dämpfe aus der Retorte ein und werden, da sie immer kälterm Wasser entgegenströmen, sehr vollständig abgekühlt und verdichtet. Ist das Destillat so flüchtig, daß es nur bei Anwendung großer Kälte flüssig erhalten werden kann, so verbindet man mit der Retorte und zwar vorteilhaft unter Einschaltung des Liebigschen Kühlapparats ein U-förmig gebogenes Rohr, welches in einem passenden Gefäß mit einer Kältemischung umgeben werden kann [* 16] (Fig. 9). Bei den großen Destillierblasen benutzt man als Kühlapparat ein Faß, [* 17] in welchem ein spiralförmig gewundenes Zinnrohr, die Kühlschlange D [* 16] (Fig. 4), steckt.
Diese wird vermittelst einer Flantsche oder Schraube mit dem Helm verbunden, während das untere Ende O außerhalb des Fasses mündet. Kaltes Wasser wird am Boden des Fasses zugeleitet, während das erwärmte durch ein Rohr nahe dem obern Rande des Fasses abfließt. Oft stellt man noch in die Schlange [* 18] ein dünnwandiges Metallgefäß, welches das Schlangenrohr berührt und durch besondere Wasserzuleitung gekühlt wird. Man benutzt als Kühlapparat auch zwei ineinander geschachtelte dünnwandige Metallgefäße und läßt die zu kühlenden Dämpfe in den Raum zwischen beiden Gefäßen treten, während in das innere Gefäß und in das Faß, in welchem der ganze Apparat steht, beständig kaltes Wasser fließt. Bei manchen Operationen dienen als Kühlapparate [* 19] auch Röhrensysteme, die lediglich durch Luft oder durch auffließendes Wasser gekühlt werden, oder man verbindet eine Reihe dreihalsiger Steinzeugflaschen (Bombonnes) miteinander, welche von den Dämpfen durchströmt werden.
Glasretorten erhitzt man über freiem Feuer (Spiritus, [* 20] Gas, Holzkohlen), sicherer im Wasser- oder Sandbad. Letzteres besteht aus einer Blechschale, auf deren Boden man 1 cm hoch trocknen gesiebten Sand streut. Auf diesen setzt man dann die Retorte und füllt die Schale wenigstens so hoch mit Sand, wie die Flüssigkeit in der Retorte steht. Manchmal muß die Retorte bis an den Hals in Sand vergraben werden. [* 16] Fig. 10 zeigt ein solches Sandbad, eine Kapelle, für größere Retorten und zum Einsetzen in einen Windofen bestimmt.
[* 16] Fig. 11 zeigt eine eingemauerte Kapelle. Diese Vorrichtungen gewähren größere Sicherheit, weil die Retorte vor Zug und Stößen gesichert ist; man kann jedes beliebige Brennmaterial benutzen, und die Erhitzung ist eine viel gleichmäßigere, weil die größere oder geringere Lebhaftigkeit des Feuers nicht gleich durch die Sandschicht hindurch sich bemerkbar macht. Die Destillation verläuft darum viel regelmäßiger und kann bei guter Einrichtung mehr sich selbst überlassen bleiben.
Mehrere derartige Kapellen, nebeneinander eingemauert und durch eine gemeinsame Feuerung erhitzt, bilden den Galeerenofen. Zum Schutz der Retorte benutzt man auch die sogen. Beschläge, Massen aus Thon und Kalk mit geeigneten Bindemitteln, mit denen man den Bauch der Retorte überzieht. Sie schützen die Retorten vor dem Zerspringen und gestatten bessere Regulierung der Temperatur als die Kapellen, ohne so großen Aufwand an Brennmaterial wie diese zu erfordern.
Blasen werden ebenfalls mit direktem Feuer geheizt, sehr oft versieht man sie aber auch mit doppeltem Boden oder legt ein Schlangenrohr hinein, um sie mit Dampf zu heizen. In manchen Fällen kann letzterer direkt in die Blase geleitet werden. Man füllt z. B. einen aus siebartig gelochtem Blech oder aus Drahtgewebe angefertigten Korb, welcher denselben Durchmesser besitzt wie die Öffnung der Blase, mit aromatischen Kräutern, stellt den Korb in die Blase, verschließt diese mit dem Helm und leitet durch den Tubulus der Blase direkt Dampf ein. Dieser findet nun keinen andern Ausweg als durch
[* 16] ^[Abb.: Fig. 8. Liebigs Kühlapparat.]
[* 16] ^[Abb.: Fig. 9. Vorlage für sehr flüchtige Destillate.]
[* 16] ^[Abb.: Fig. 10. Sandbad.]
[* 16] ^[Abb.: Fig. 11. Eingemauerte Kapelle.] ¶
Im Brockhaus` Konversationslexikon, 1902-1910
Titel
Destillation,
Abdestillieren, eine im chem. Laboratorium, [* 21] wie in der Technik vielfach vorgenommene Operation, die darin besteht, daß man unzersetzt flüchtige Körper in geeigneten Apparaten in Dampf verwandelt und die Dämpfe an andern Stellen wieder verdichtet. Man unterscheidet zwischen einfacher D.und fraktionierter Destillation. Erstere wird ausgeführt, wenn es sich um die Trennung flüchtiger Stoffe von nicht verdampfbaren handelt; z. B. bei der Darstellung der reinen Essigsäure bringt man essigsaures Natrium und eine äquivalente Menge Schwefelsäure [* 22] in eine Retorte, mischt und destilliert; es entsteht dabei freie Essigsäure und saures schwefelsaures Natrium, von denen die erstere abdestilliert (übergeht), während das letztere in der Retorte zurückbleibt. Im gewöhnlichen Brunnenwasser sind Erden, Salze, organische Stoffe gelöst, wodurch es für manche Zwecke unbrauchbar wird. Um das Wasser von diesen Bestandteilen zu befreien, unterwirft man es der Destillation, wobei jene Beimengungen als Rückstand im Destillationsgefäß verbleiben.
Würde man hierbei die Destillation so lange fortsetzen, bis alles Wasser verdampft wäre, so würden die organischen Bestandteile durch die größere Wärme zersetzt werden, die Zersetzungsprodukte würden sich dem Destillat beimengen und dieses wieder verunreinigen, Um dies zu vermeiden, unterbricht man in diesem und in ähnlichen Fällen die Destillation, ehe alle verdampfbare Flüssigkeit übergegangen ist, destilliert nicht «bis zur Trockne». Die fraktionierte Destillation dient dazu, bei einem Gemisch von flüchtigen Körpern verschiedener Siedepunkte diese Körper voneinander zu trennen.
Hat man z.B. ein Gemisch zweier Flüssigkeiten, von denen die eine bei 80°, die andere bei 150° C. siedet, so kann man beim Erhitzen beobachten, wie ein in die Flüssigkeit getauchtes Thermometer [* 23] längere Zeit zwischen 80 und 90° zeigt; alsdann beginnt ein plötzliches Steigen, bis zwischen etwa 140 und 150° wieder ein Stillstand des Quecksilberfadens eintritt. Wechselt man die Vorlage, sobald man ein plötzliches Steigen des Quecksilbers im Thermometer beobachtet, so ist das Gemisch in eine Fraktion von niederm und eine von höherm Siedepunkt getrennt. Auf gleiche Weise werden dann beide Fraktionen für sich wieder behandelt, wodurch es gelingt, die beiden Bestandteile ¶
mehr
voneinander zu trennen und beide chemisch rein darzustellen. Untenstehende [* 24] Fig. 1 zeigt einen Destillationsapparat, wie er im chem. Laboratorium zur fraktionierten Destillation gebraucht wird. Die zur Aufnahme der zu destillierenden Flüssigkeit bestimmte Retorte a ruht auf einem Sandbade, das mittels einer Heizvorrichtung erwärmt wird. Der Retortenhals ist aufwärts gerichtet, um die sich schon hier verdichtenden Dämpfe zurückfließen zu lassen, was für die fraktionierte Destillation wesentlich ist. b ist der Liebigsche Kühler, ein von einem Blechmantel umhülltes Glasrohr, in dessen oberes Ende der in der Retorte gebildete Dampf eintritt; dieser wird dadurch abgekühlt, daß aus dem Behälter c mittels des Trichterrohres e kaltes Wasser durch den Blechmantel geleitet wird.
In dem Gefäß d, der Vorlage, sammelt sich die kondensierte Flüssigkeit (Destillat). Der in [* 24] Fig. 2 dargestellte Apparat dient zur Destillation im größern Maßstab, [* 25] z. B. zur Darstellung der Salpetersäure aus einem Gemisch von Salpeter und Schwefelsäure. Die Retorte ist hier in einen eisernen, zur Aufnahme des Halses mit einem Ausschnitt versehenen Kessel (Sandkapelle) versenkt, der über einer Feuerung eingemauert ist. Der Retortenhals ist abwärts gerichtet, um die kondensierte Flüssigkeit direkt in die Vorlage abfließen zu lassen. Aus Blech hergestellte Destillationsgefäße, z. B. der Spiritusfabrikation, [* 26] heißen Blasen.
Die mehrmalige Destillation einer Flüssigkeit bezeichnet man als Rektifikation. Hiervon macht man in umfangreichstem Maße in der Spiritusfabrikation (s. d.) Gebrauch, um den in der vergorenen Maische enthaltenen Alkohol von dem Wasser und seinen sonstigen Begleitern zu trennen und konstruiert die dazu bestimmten Apparate so, daß innerhalb derselben sogleich eine wiederholte Destillation stattfindet. Die hierbei zur Geltung kommenden Grundsätze sind folgende: der in den Maischen enthaltene Alkohol siedet bei 78° C., also wesentlich niedriger als Wasser.
Beim Erwärmen eines Gemisches von Alkohol und Wasser (Maische, Rohbranntwein, Wein) ist es aber nicht möglich, den Alkohol vom Wasser vollständig zu trennen, sondern es bilden die übergehenden und wieder verdichteten Dämpfe nachher wieder ein Gemisch von Alkohol und Wasser, in welchem jedoch der Alkoholgehalt höher ist als in der ursprünglichen Flüssigkeit. Zwischen dem Alkoholgehalt verschiedener Gemische von Alkohol und Wasser und demjenigen des daraus entwickelten Dampfes besteht ein bestimmtes, durch Groening zuerst in folgender Tabelle aufgestelltes Verhältnis:
|Alkoholgehalt in 100 Maßteilen der kochenden Flüssigkeit||Siedetemperatur (Temperatur des Dampfes) ° C.||Alkoholgehalt in 100 Maßteilen des kondensierten Dampfes||Alkoholgehalt in 100 Maßteilen der kochenden Flüssigkeit||Siedetemperatur (Temperatur des Dampfes) ° C.||Alkoholgehalt in 100 Maßteilen des kondensierten Dampfes|
|90||78,8||92||15||90||66|
|80||79,4||90,5||12||91,3||61|
|70||80||89||10||92,5||55|
|60||81,3||87||7||93,8||50|
|50||82,5||85||5||95||42|
|40||83,8||82||3||96,3||36|
|30||85||78||2||97,5||28|
|20||87,5||71||1||98,8||13|
|18||88,8||68||0||100||0|
Aus dieser Tabelle ist ersichtlich, daß der Siedepunkt von Alkoholwassermischungen von dem Mischungsverhältnis abhängig ist und zwar so, daß der Siedepunkt mit zunehmendem Alkoholgehalt fällt. Wenn man z. B. eine Mischung von 10 Proz. Alkoholgehalt erwärmt, so wird nach obiger Tabelle bei 92,5° C. ein Dampf entwickelt werden, der 55 Proz. Alkohol enthält. Hierdurch wird aber sofort das Mischungsverhältnis der kochenden Flüssigkeit geändert und zwar dadurch, daß mehr Alkohol als Wasser entweicht, in dem Sinne, daß die kochende Mischung immer alkoholärmer wird; es wird daher der Siedepunkt beständig steigen und der Alkoholgehalt der Dämpfe dem Alkoholgehalte der Flüssigkeit entsprechend immer abnehmen. Es ergeben sich hieraus folgende beiden Sätze:
1) Die Siedetemperatur ist abhängig von dem Mengenverhältnis der Mischung; ändert sich das letztere durch die Destillation, so geschieht es stets in der Richtung, daß damit ein Steigen der Siedetemperatur eintritt, bis entweder eine unveränderliche Mischung oder ein isolierter Bestandteil erreicht ist.
2) Das Mengenverhältnis im Dampfgemisch ist abhängig vom Mengenverhältnis der flüssigen Mischung; wo beide gleich sind, bleibt auch die Siede-
[* 24] ^[Abb. Fig. 1]
[* 24] ^[Abb. Fig. 2] ¶
mehr
temperatur unverändert; sind sie ungleich, so ist stets derjenige Bestandteil im Dampfe stärker als in der Flüssigkeit vertreten, dessen Abnahme in der flüssigen Mischung die Siedetemperatur derselben erhöht. Dem Umstande, daß die Zusammensetzung der aus einer alkoholhaltigen Flüssigkeit entweichenden Dämpfe beständig alkoholärmer wird, ist es zuzuschreiben, daß bei einer einfachen Destillation alkoholhaltiger Flüssigkeiten, bei welcher man aus einem Gefäß überdestilliert, der Alkoholgehalt des Destillats nicht der obigen Tabelle entspricht, sondern wesentlich niedriger ist. Um das gewonnene Destillat zu verstärken, leitet man die aus einer Blase entwickelten Alkoholdämpfe sofort in eine zweite mit Maische (oder Wein, oder verdünntem Branntwein) gefüllte Blase; hierdurch wird zunächst, solange der Inhalt der zweiten Blase noch kalt ist, der aus der ersten Blase übertretende Alkoholwasserdampf kondensiert unter gleichzeitiger Erwärmung des Blaseninhalts; dieser wird alkoholreicher und entwickelt, wenn seine Temperatur bis zum Siedepunkt des nunmehr stärkern Alkoholgemisches gestiegen ist, einen Dampf, der wesentlich alkoholreicher ist, als der aus der ersten Blase entwickelte Dampf. Dieses zuerst von Pistorius angewandte Princip, welches den Vorzug großer Kostenersparnis hat, ist dann bei den neuern Apparaten wesentlich verbessert worden.
Eine erhebliche Unterstützung findet die Destillation durch die Dephlegmation. Darunter versteht man die Verflüssigung eines Teils der Alkoholdämpfe durch Berührung der letztern mit kältern Körpern. Während man früher annahm, daß, wenn gemischter Dampf von Alkohol und Wasser mit einer kältern Oberfläche in Berührung kommt, sich zunächst die Wasserdämpfe und etwaige hochsiedende Beimengungen (Fuselöl) verdichten, sodaß ein alkoholreicherer Dampf übrig bleibt, wird neuerdings die Ansicht vertreten, daß nur dann eine Verstärkung [* 28] der alkoholischen Dämpfe durch Abkühlung erfolge, wenn nach dem Verdichten wiederholtes Wiederverdampfen stattfindet.
Der thatsächliche Erfolg ist unbeschadet der theoretischen Anschauung derselbe, da durch die fortwährend den Dephlegmatoren zuströmenden neuen Alkoholdämpfe ein Aufkochen der in den Dephlegmatoren niedergeschlagenen Flüssigkeit stattfindet. – Manche Stoffe haben die Eigenschaft, bei Gegenwart anderer Dämpfe (z. B. Wasserdämpfe) weit unter ihrem Siedepunkt überzugehen. Dies benutzt man in der Fabrikation der ätherischen Öle [* 29] derart, daß man die zu verarbeitende Pflanzensubstanz in zerkleinertem Zustande in den Destillierapparat bringt und nun Wasserdampf durch das Material strömen läßt; das in der Pflanzensubstanz enthaltene Öl dunstet dabei in dem Wasserdampf ab und wird mit diesem zugleich verdichtet.
Von der gewöhnlichen unterscheidet man die Trockne Destillation (s. d.). Irrtümlich wird das Wort Destillieren im gewöhnlichen Leben bisweilen für die Bereitung gewisser Extrakte angewandt: Man «destilliert» gewisse Kräuter mit Branntwein in einer verschlossenen Flasche eine Woche lang an der Sonne. [* 30] Der richtige Kunstausdruck dafür ist Macerieren oder Maceration (s. d.). Die Destillation der Körper, die aus dem dampfförmigen Zustand unmittelbar in den festen krystallinischen übergehen, bezeichnet man als Sublimation (s. d.).
Destillation ist auch eine ziemlich gebräuchliche Bezeichnung für Spirituosenhandlung, sowie Destillateur für Liqueurfabrikant.