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Die keltische Siedlung auf dem Basler Münsterhügel

Dort wo heute der St.Johanns-Hafen-Weg am Rhein verläuft, befand sich ab etwa 150 vor Christus eine unbefestigte Siedlung der keltischen Rauriker. Auf offenem Gelände in der Nähe des Rheinufers gelegen, hatte sie mit Häuser, Ställen und Gärten alles was man brauchte. Dann wurde sie um 80 vor Christus verlassen, denn ihre Bewohner zogen auf den heutigen Münsterhügel.
Wieso gibt man eine blühende und vorteilhaft liegende Siedlung auf, um sich in der Enge eines wasserlosen Hügelkammes niederzulassen, und macht sich dann auch noch die Mühe, diesen mit einem mächtigen Wall zu befestigen? Die Antwort auf diese Frage ist ziemlich sicher in den umwälzenden kriegerischen Ereignissen am Oberrhein des ersten Jahrhunderts vor Christus zu finden.
Der Archäologische Park zum Murus Gallicus an der Rittergasse 4, mit seinen drei Erdfenstern (Nachts beleuchtetet), ermöglicht Einblick in die Spuren des keltischen Walles, der an der Rittergasse die Siedlung auf dem Münsterhügel schützte.
Kriegsgeschehen am Oberrhein und in Gallien
Die Basler Rauriker waren dem gallischen Stamm der Sequaner angeschlossen. Dieser stand im Krieg mit den ebenfalls gallischen Haeduern. Um sich den Sieg zu sichern, baten die Sequaner im Jahr 72 vor Christus Ariovist (gestorben ca 54 v.Chr.), den Heerführer der germanische Sueben um Hilfe. Dieser folgte der Einladung breitwillig, und überschritt den Rhein mit einem Heer.
Als Lohn für ihre Kriegsdienste nahmen sich die Germanen Land von den Sequanern (und den Raurikern), um dort eigene Stämme anzusiedeln. Bald erwies sich der herbeigerufene Verbündete für die Sequaner als eben so grosse Plage wie der gallische Kriegsgegner. Auch die feindlichen Haeduer waren besorgt, und holten sich ihrerseits Hilfe bei den verbündeten Römern.
Dies rief Gaius Julius Caesar (100-44 v.Chr) auf den Plan, Provinzstatthalter des von den Römern kontrollierten südlichen Galliens. Die sich ausbreitenden Germanen bedrängten die Rauriker (die eventuell sogar eine Weile unter germanischer Herrschaft lebten) und ihre Nachbarn. Darunter waren die Helvetier, die 58 vor Christus Anstalten machen abzuwandern, weg von den Germanen.
Caesar verweigerten den Helvetiern und ihrem Gefolge den Marsch durch seine gallische Provinz, und verfolgte sie, als sie durch das Land der Sequaner in jenes der Haeduer gelangten. Bei deren Hauptstadt Bibracte besiegte Caesar im Juni 58 vor Christus die Helvetier und ihre Verbündeten, und befahl sie zurück in deren Heimat, damit diese nicht an die Germanen fiele.
Nun wandte sich der ehrgeizige Römer den Germanen zu, und ging gegen sie vor. Caesar kam, sah und siegte kurz nach Bibracte im Elsass über Ariovist. Als er die Germanen bezwungen hatte, begann er mit der Eroberung des übrigen Gallien, die er im Spätsommer 52 vor Christus mit dem Sieg bei Alesia vollendete. Damit gelangten auch die Basler Rauriker unter römische Herrschaft.
Nicht die erste Befestigung auf dem Münsterhügel
Der flüchtige Rückblick auf die kriegerischen Zeiten am Oberrhein dürfte erklären, wieso die vorausschauenden Rauriker schon früh ihre unbefestigte Siedlung am Rheinufer verliessen, um sich auf dem sichereren Münsterhügel einzurichten. Es war keine zufällige Wahl, denn schon in der späten Bronzezeit gab es dort um 900 vor Christus einmal eine befestigte Siedlung.
Diese lag mit etwa einem Dutzend Gebäuden auf dem Martinskirchsporn, und war durch einen drei Meter tiefen Graben an der heutigen Martinsgasse gesichert. Auch den Raurikern stachen viel später die strategischen Vorteile des Münsterhügels ins Auge. Seine Hänge fielen an drei Seiten zum Rhein und zum Birsig hin steil ab, und stellten dadurch eine natürliche Wehranlage dar.
Die Basler Rauriker sicherten die Hangkante ihres neuen Oppidums (Wehrsiedlung) mit einem Wall. Die Südostflanke (heute im Bereich Bäumleingasse), wo der Hügelkamm leichter zugänglich war, wurde mit einem über 20 Meter breiten und rund sieben Meter tiefen Graben und einem verstärkten Wall mit Tor an der Zugangsstrasse (heute Rittergasse) versehen.
Die Siedlung auf dem Münsterhügel lag an einer Fernstrasse, die dem Birsig an seinem Fuss folgte, und zu einer bedeutenden Handelsroute gehörte. Die nahe Burgundische Pforte verband Handelswege vom Mittelmeer der Rhone entlang, mit dem Rheintal, welches in den Norden führte. An diese belebte Route schloss die Hauptstrasse des raurakischen Oppidums an.
Rekonstruktion des mit Holzbalken armierten keltischen Walls im Archäologischen Park an der Rittergasse. Der Wall war zur Feldseite hin durch eine Mauer verblendet, vor der sich ein mehr als 20 Meter breiter Graben erstreckte.
Eine kleine Stadt mit Strassen und Quartieren
Die planmässig angelegte Siedlung bot das Bild einer kleinen Stadt, und war der Kern des späteren Basel. Entlang einer breiten Hauptstrasse standen eingeschossige Holzhäuser mit gestampften Lehmböden, oft von Zäunen umgeben. Im Kern der Siedlung wuchs die Strasse vermutlich zu einem Platz aus, und an anderer Stelle gabelte sie sich in zwei einzelne Strassenzüge.
Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass die Siedlung in Quartiere aufgeteilt war, in denen verschiedene Bevölkerungsgruppen lebten. Archäologische Funde (Objekte, Speisereste) lassen die Theorie zu, dass beim grossen Wall an der Rittergasse möglicherweise der lokale Adel einen Wohnbereich hatte. Eine weitere Bevölkerungsgruppe waren nachweislich die Handwerker.
Auf dem Münsterhügel wurde Buntmetall verarbeitet, etwa zu Fibeln. Ebenfalls belegbar ist die Eisenverarbeitung, wobei an Reparaturen und die Herstellung schlichter Geräte zu denken ist. Hinweise gibt es ferner auf die handwerkliche Verarbeitung von Tierknochen und Geweih. Wo Knochen sind, gab es auch Tiere, und davon hielten die Bewohner der Siedlung eine ganze Reihe.
Als Haustiere sind hauptsächlich nachgewiesen Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen, was Ställe voraussetzt. Auch Pferde, Hühner und Hunde gab es auf dem Münsterhügel. Ihren Überresten begegnete man in Latrinen (Abfallgruben). Die Archäologen stiessen auf viele keltische Gruben auf dem Münsterhügel. Unter anderem dienten sie zum Aufbewahren von Vorräten.
Besonders wichtig dürften jene mit Lehm ausgekleideten Gruben gewesen sein, die als Wasserzisternen dienten. Man muss bedenken, dass Sodbrunnen auf dem Münsterhügel erst in römischer Zeit aufkamen. Es gab keine Quellen, bloss den Rhein und den Birsig. Eine weitere und grössere Grube in einem speziellen Gebäude könnte einen interessanten Hintergrund haben.
Eventuell Basels erstes öffentliches Gebäude
Dort wo heute das Münster steht, gabelte sich die keltische Strasse in zwei Arme. An dieser Stelle befand sich ein Pfostengebäude mit Zwischenwänden aus Flechtwerk und einem quadratischen Mittelpfosten. In diesem Gebäude wurde eine stattliche Grube gefunden, in der man unter anderem auf Reste eines Rinderschädels, Stabwürfel und spezielle Gefässe aus Keramik stiess.
Sollte die Theorie zutreffen, dass es sich um eine Opfergrube mit Gaben handelte, dann wäre das aussergewöhnliche Gebäude an zentraler Lage der Siedlung ein keltischer Tempel gewesen. In diesem Fall also das erste, und für lange Zeit einzige nachweisbare öffentliche Gebäude von Basel. Diese reizvolle Vermutung ist indes noch nicht endgültig bewiesen.
Informationstafel der Archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt an der Rittergasse 4, auf der Einzelheiten über die aktuellen Erkenntnisse zur keltischen Siedlung auf dem Münsterhügel erläutert werden.
Keltisch wird römisch
Die rastlosen Jahre des Einfalls von Ariovists Germanenheer haben die neue Siedlung der Rauriker offenbar verschont. Konkrete Änderungen, wenn auch zaghaft, traten erst mit Beginn der römischen Herrschaft nach der erwähnten Schlacht von Alesia 52 vor Christus auf. Wie es scheint, fügten sich die Basler Rauriker bald den neuen Herren, die langsam Einfluss nahmen.
Die römische Präsenz in Basel lässt sich an archäologischen Funden ablesen. So kamen beim Neubau der Keltenstrasse um ca 50 vor Christus Techniken wie der Kalkguss zum Einsatz, die aus dem Mittelmeerraum stammte. Es mag ein Hinweis auf Unterstützung durch römische Legionäre beim Strassenbau im unterworfenen Gebiet sein. Das keltische Basel wurde allmählich römisch.
Zusammenfassung
Im Vorfeld zunehmender Konflikte zwischen Kelten und Germanen verliessen die Rauriker eine seit ca 150 vor Christus bestehende Siedlung im heutigen Quartier St.Johann. Diese lag offen und unbefestigt am Rheinufer, und bot wenig Schutz in unruhigen Zeiten. Stattdessen liessen sich die Bewohner der um etwa 80 vor Christus aufgegebenen Siedlung auf dem heutigen Münsterhügel nieder.
Der Hügelkamm war mit drei steil abfallenden Seiten leichter zu verteidigen. Folglich errichteten die Rauriker eine befestigte Siedlung, ein sogenanntes Oppidum, mit einem mächtigen Wall (Murus Gallicus) an der leicht zugänglichen Flanke bei der heutigen Bäumleingasse. Eine Hauptstasse mit Anschluss an die nahe keltische Handelsroute zog sich durch die Siedlung.
In der Mitte der Siedlung weitete sich die Strasse wohl zu einem Platz auf, auf dem möglicherweise ein Tempel stand (im Bereich des heutigen Münsters). Entlang der Strasse und ihren Seitengassen wurden verschiedene Quartiere angelegt, in denen offenbar die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen lebten. Zwei von Ihnen dürften der Adel und die Handwerker gewesen sein.
Auf dem keltischen Münsterhügel wurde Buntmetall wie auch Eisen verarbeitet, was entsprechende Werkstätten voraussetzt. Auch Ställe muss es gegeben haben, denn als Haustiere sind Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen, Pferde und Hühner belegt. Mit der 52 vor Christus abgeschlossenen Eroberung Galliens durch Caesar, begann langsam die Romanisierung auch auf dem Münsterhügel.
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Beitrag erstellt 21.10.17
Quellen:
Eckhard Deschler-Erb / Barbara Stopp, Der Basler Münsterhügel am Übergang von spätkeltischer zu römischer Zeit - Materialhefte zur Archäologie in Basel, Heft 22a, herausgegeben von der Archäologischen Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt, Basel, 2011, ISBN 978-3-3905098-52-5, ISSN 1424-7798, speziell Seiten 223 bis 226 und 231 bis 237
Eckhard Deschler-Erb, Beitrag "Eisenzeit 800-52 v. Chr.", publiziert in Unter uns - Archäologie in Basel, herausgegeben von der Archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt und dem Historischen Museum Basel, Christoph Merian Verlag, Basel, 2008, ISBN 978-3-85616-384-6, Seiten 130 bis 133 (Keltische Siedlung Gasfabrik / St.Johanns-Hafen-Weg) und 137 bis 145 (Keltische Siedlung auf dem Münsterhügel)
Eckhard Deschler-Erb, Beitrag "Römerzeit 52 v. Chr - 476 n. Chr.", publiziert in Unter uns - Archäologie in Basel, herausgegeben von der Archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt und dem Historischen Museum Basel, Christoph Merian Verlag, Basel, 2008, ISBN 978-3-85616-384-6, Seiten 177 bis 179 (Siedlung auf dem Münsterhügel in der Zeit früher römischer Herrschaft)
Andres Furger, Beitrag "Romanisierung im 1. Jahrhundert", publiziert in Die Schweiz zur Zeit der Römer, Verlag NZZ, Zürich, 2001, ISBN 3 85823 809 0, Seiten 55 bis 62
Andrea Hagendorn / Eckhard Dreschler-Erb, Auf dem Basler Münsterhügel - die ersten Jahrtausende, Archäologische Denkmäler in Basel, Band 5, Christoph Merian Verlag, Basel, 2007, ISBN 978-3-85616-343-7, Seite 13 bis 25 (Siedlungen auf dem Münsterhügel bis zur Römerzeit)
Guido Lassau, Beitrag "Bronzezeit 2200-800 v. Chr.", publiziert in Unter uns - Archäologie in Basel, herausgegeben von der Archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt und dem Historischen Museum Basel, Christoph Merian Verlag, Basel, 2008, ISBN 978-3-85616-384-6, Seiten 95 bis 98 (Siedlung der späten Bronzezeit auf dem Martinskirchsporn)