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Das Gemeinschaftszentrum ARCA
Ein soziokulturelles Quartierzentrum im Armenviertel von Palmeiras:
Kinder und Jugendliche werden durch sinnvolle Aktivitäten von der Strasse geholt.
Capoeira
Capoeira, eine Mischung aus Kampfkunst und Tanz, wurde von afrikanischen Sklaven im 18. Jahrhundert im brasilianischen Bundesstaat Bahia entwickelt und hat heute im ganzen Land eine grosse Bedeutung. Gerade für Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Schichten ist Capoeira eine Art Lebensschule: es vermittelt ihnen einen respektvollen und gewaltfreien Umgang, holt sie als sinnvolle Tätigkeit weg von der Strasse und hilft ihnen, ein gutes Selbstwertgefühl und eine gesunde Identität zu entwickeln.
arca
Die freiwillige Lehrerin Juliete aus Palmeiras
Was ist ARCA?
ARCA ist ein soziokulturelles Gemeinschaftszentum in einem Armenviertel des nordbrasilianischen Städtchens Palmeiras. Das Projekt nahm 2007 unter der Initiative von Rico Wüest seinen Anfang. In einem leerstehenden Gebäude wurde zusammen mit der lokalen NGO GAP eine Capoeiraschule (siehe Box) ins Leben gerufen, um den Kindern und Jugendlichen eine sinnvolle und kreative Alternative zum Nichtstun auf der Strasse zu bieten. Es kamen bald weitere soziokulturelle Aktivitäten hinzu, wie Perkussion, Tanz und Englischunterricht. Es zeigte sich schnell, dass die Nachfrage bei den Kindern und Jugendlichen, aber auch bei den Erwachsenen riesig war. 2008 wurde das Projekt als 'Ponto de Cultura' (Kulturpunkt) ausgewählt und erhielt während drei Jahren finanzielle Unterstützung vom Kulturministerium.
2019 hat die Gemeinde von Palmeiras entschieden, dem lokalen Verein Murundu ein Grundstück mitten im wachsenden Armenviertel von Palmeiras zu schenken, um die Weiterführung von ARCA zu sichern. Dank vielen grosszügigen Spenden aus der Schweiz konnte Anfang 2020 mit dem Bau begonnen werden. Zwischen Januar 2020 und Juli 2021 wurden nebst einem Spielplatz ein grosser und ein kleiner Mehrzwecksaal, eine Gemeinschaftsküche, Sanitäranlagen, sowie ein Regenwasser-Reservoir und ein Amphitheater gebaut. Das nahezu fertiggestellte Gemeinschaftszentrum, welches allen Einwohner/innen von Palmeiras offen steht, wird Raum bieten für diverse Projekte, Aktivitäten und Kurse im kulturellen und sportlichen Bereich. Die erste Aktiviät (Capoeira) soll im August 2021 beginnen.
ARCA wird ein Ort sein, wo gerade vulnerable Gruppen Wertschätzung, gewaltfreien Umgang und Selbstwirksamkeit erleben und ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln können.
Warum ARCA?
Palmeiras ist ein Städtchen von knapp 10'000 Einwohnern und weist grosse soziale Probleme auf: Viele Familien sind von Armut, Gewalt, Arbeitslosigkeit und Alkoholismus betroffen. Insbesondere Kinder und Jugendliche verfügen oft über ein schlechtes Selbstwertgefühl und eine vulnerable Identität. Sie laufen Gefahr, in Gewalt und Drogen abzudriften und psychische Schwierigkeiten zu entwickeln. Diese Problematik ist besonders ausgeprägt im Viertel der 'casinhas', der kleinen, farbigen Reihenhäuschen, die einst im Rahmen eines staatlichen Programms den ärmsten Familien des Städtchens zur Verfügung gestellt wurden. Hier, wo ARCA steht, nimmt die Konzentration der Armut und der sozialen Probleme stetig zu, so dass das Viertel eine Art Ghetto bildet, wo Gewalt, Alkohol- und Drogenabhängigkeit bereits Teil des Alltags sind. Dass in Palmeiras - im Gegensatz zu anderen Städten der gleichen Grösse - weder unentgeltliche Freizeitangebote noch Gemeinschaftsräume oder Spielplätze existieren, verschärft die Problematik zusätzlich.
2008 organisierte ARCA einen Batizado ('Taufe') in Palmeiras
Wer ist ARCA?
Die Verantwortung für die Führung des Gemeinschaftszentrums liegt beim lokalen gemeinnützigen Verein ARCA, welcher im Juli 2021 von Rico Wüest und von seinen in Palmeiras wohnhaften Freunden gegründet wurde. ARCA besteht nebst den Mitgliedern aus einem Vorstand und einem Aufsichtsrat. Die Verantwortung für den reibungslosen Betrieb des Gemeinschaftszentrums sowie für das Fundraising innerhalb Brasiliens hat Eva Ramos de Oliveira, Bürgerin von Palmeiras, welche als Leiterin von Rico Wüest und dem Vorstand ausgewählt wurde. Für ihr Vollzeitpensum erhält sie ein faires, monatliches Salär. Sie trat ihre Stelle im April 2021 an, wobei sie von Rico Wüest eingeführt wurde.