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Sein Gegenspieler fällt und er sieht Rot. Mit stoischer Ruhe und stolzem Blick läuft er vom Feld. Als jegliche Dämme gebrochen sind und sich das Publikum in Hasstiraden ergeht, bleibt er stehen, schaut zu den Rängen hoch und richtet den Kragen seines Trikots auf. Eric Cantona, Nummer 7 von Manchester United und französische Legende des englischen Fussballs. Dann attackiert Cantona mit einem Kung-Fu ähnlichen Tritt einen Zuschauer, der ihn beleidigt hat.
Cantona kann auch anders. Für ihn ist Fussball mehr als das vordergründige Geschäft. Der britische Filmregisseur Ken Loach, der 2009 das erste Mal mit Eric Cantona zusammenarbeitete (der hochgelobte Film «Looking for Eric» war das Resultat), geht diesem Gedanken Cantonas nach. In der Dokumentation «Rebellen am Ball» besucht Cantona fünf Fussballer, die ihre Prominenz zu nutzen versuchten, um die politische oder soziale Situation in ihren Heimatländern zu verbessern.
Zu Beginn sieht man Cantona nachdenklich in die Leere blicken. Er beginnt mit der Frage: «Was weiss man über Fussball?» und antwortet gleich selbst: «Man kennt die Champions League, die Transfersummen, die Piffe von den Tribünen, die Gewalt, das Geschäft.» Das alles gehöre auch zum Fussball. Cantona möchte aber vom Fusball sprechen, den er gespielt hat. Er will von wahren Werten sprechen, von Solidarität, von Brüderlichkeit, von Freiheit.
Cantona besucht Didier Drogba, der vehement für den Frieden in der vom Bürgerkrieg zerrütteten Elfenbeinküste eintrat. Die Reise geht weiter nach Chile, wo er Carlos Caszely trifft. Der Chilene verweigerte Pinochet bei einer Stippvisite als einziger der chilenischen Nationalmannschaft aus Protest den Handschlag.
Cantona fährt nach Algerien zu Rachid Mekhloufi. Mekhloufi spielte in den 1950er Jahren erfolgreich für die französische Nationalmannschaft. Während des Algerienkrieges reiste er 1958 unerkannt in sein Mutterland, gründete dort die erste algerische Nationalmannschaft und stürmte für die algerische Unabhängigkeitsbewegung.
Der vierte Fussballer im Bunde ist Predrag Pašic. Dieser blieb trotz Angeboten aus Westeuropa in den Ruinen Sarajevos und baute noch während des Bürgerkrieges eine multiethnische Fussballschule auf. Die Reise Cantonas endet in Brasilien: Sócrates kämpfte auf dem Fussballfeld gegen die Militärdiktatur und rief mit den Corinthians' Democracy eine autonome Fussballmannschaft ins Leben, die frei von politischen Zwängen und propagandistischen Machenschaften war. Sókrates starb im Dezember vergangenen Jahres.
Fünf spannende Geschichten von fünf mutigen Männern und ein Eric Cantona, der mit seinen philosophisch-melancholischen Ansagen packend durch den Film führt. Die Dokumentation «Rebellen am Ball» geht unter die Haut und ist nicht nur für Fussballbegeisterte äusserst sehenswert.
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