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von Dr. Martin Tomasik
Auf die Frage, wie wir unsere Ziele im Leben verfolgen sollten, bekommen wir unterschiedliche Antworten. Manche Leute sagen, dass wir uns im Alltag auf ultimative Ziele konzentrieren sollten, die wir im Leben haben. Für die Einen mag das der berufliche Erfolg sein und für Andere eine glückliche Familie oder das Leben im Einklang mit der Natur. Demnach dürften wir diese ultimativen Ziele nicht aus dem Auge verlieren, denn diese würden uns motivieren, immer neue Kraft geben und nach einem Misserfolg neu aufrichten. Das ist aber nur eine Meinung. Eine andere lautet, dass wir durch das ultimative Ziel vergessen, was für die Zielverfolgung wichtig ist. Ausserdem würden wir durch solche ultimativen Ziele unglücklich werden, weil wie sie entweder nie erreichen oder aber die täglichen Fortschritte so gering sind, dass wir ständig unzufrieden sind. Wir sollten uns deswegen, so die zweite Meinung, viele kleine Ziele setzen und gleichzeitig vermeiden uns vorzustellen, wie es wäre, wenn wir das ultimative Ziel erreicht hätten. Was von Beiden trifft eher zu? Sollten wir, um eine Metapher aus dem Leistungssport zu bemühen, unsere Augen auf die Siegerpodest richten oder eher auf das tägliche Training?
Um der Antwort auf diese Frage näher zu kommen und um die Vor- und Nachteile der einen und der anderen Strategie gegeneinander abzuwägen, führten Linda Houser-Marko (Universität von Illinois) und Kennon Sheldon (Universität von Missouri) ein Experiment durch. Sie baten Studienteilnehmer über mehrere Runden, Wörterrätsel zu lösen und gaben ihnen nach jeder Runde jeweils ein Feedback zu ihrer Leistung. Die Studienteilnehmer wussten jedoch nicht, dass das Feedback von den Versuchsleitern nach Zufall zugewiesen wurde und nicht von der tatsächlichen Leistung abhing. Eine Gruppe erhielt nach jeder Runde ein positives Feedback zu ihrer Gesamtleistung („Sie sind dabei, eine der besten Gesamtleistungen zu erzielen“) und eine andere Gruppe ein negatives Feedback zu ihrer Gesamtleistung („Sie sind dabei, eine der schlechtesten Gesamtleistungen zu erzielen“). Das Feedback zur Gesamtleistung sollte den Blick auf das ultimative Gesamtziel lenken. Daneben gab es zwei weitere Gruppen. Eine dritte Gruppe erhielt ein positives Feedback zu ihrer Leistung in der jeweiligen Runde („Sie haben in dieser Runde eine hervorragende Leistung erreicht“) und die vierte Gruppe erhielt ein negatives Feedback zu ihrer Rundenleistung („Sie haben in dieser Runde eine sehr schwache Leistung erreicht“). Das Feedback zur Rundenleistung sollte den Blick auf Zwischenziele lenken. Anschliessend wurden alle Studienteilnehmer gefragt, wie sie sich fühlten und wie sie ihre zukünftige Leistung in diesen Worträtseln einschätzen würden. Mit der letzteren Frage wollten die Forschenden feststellen, wie sehr sich Erfolg und Misserfolg unter den unterschiedlichen Bedingungen auf die zukünftige Motivation ausgewirkt hat. Am Ende des Experiments wurden alle Studienteilnehmer über die Manipulation und den Zweck der Studie aufgeklärt.
Die Ergebnisse fielen eindeutig aus. Wenn den Studienteilnehmern Erfolg zurückgemeldet wurde, dann spielte es für ihre zukünftige Motivation keine Rolle, ob ihre Aufmerksamkeit auf das Gesamtziel oder auf ein Zwischenziel gelenkt wurde. Sie waren in bester Stimmung und schätzten sich für die Zukunft als sehr kompetent ein. Wurde den Studienteilnehmern dagegen Misserfolg zurückgemeldet, dann spielte die Art der Rückmeldung eine entscheidende Rolle. Wenn die Studienteilnehmer eine Rückmeldung zu ihrer Gesamtleistung bekamen, dann fühlten sie sich besonders schlecht und schätzten sich auch für die Zukunft als wenig kompetent ein. Bekamen sie dagegen eine Rückmeldung zu ihren Teilleistungen, dann ging es ihnen besser und sie schätzten sich als kompetenter ein.
Was bedeutet das für unsere ursprüngliche Frage? Es sieht so aus, als ob es keine Rolle spielen würde, ob man sich nun auf das Gesamtziel oder Zwischenziele fokussiert – sofern man Erfolg bei der Zielverfolgung hat und keine Rückschläge erlebt. Erlebt man dagegen Rückschläge und Misserfolge, dann ist ein Fokus auf die Zwischenziele vorteilhafter. Der Misserfolg erschüttert uns dann nicht als ganze Person, sondern betrifft anscheinend nur einen kleinen Schritt auf dem Weg der Zielverfolgung. Und dieser kleine Schritt lässt sich dann gegebenenfalls besser machen, ohne dass wir unsere ultimativen Ziele revidieren müssen. Was in diesem Experiment für kurzfristige Ziele ohne grossen persönlichen Bezug gilt, scheint übrigens auch für grössere Ziele zu gelten. Studien beispielsweise zum Abnehmen oder zum Lernen für eine Klausur haben gezeigt, der Blick auf kleine Zwischenziele für unsere Motivation besser zu sein scheint – vor allem dann, wenn wir Misserfolge bei der Zielverfolgung erleben.
Quelle: Houser-Marko, L., & Sheldon, K. M. (2008). Eyes on the prize or nose to the grindstone? The effects of level of goal evaluation on mood and motivation. Personality and Social Psychology Bulletin, 34, 1556-1569.
Bitte beachten Sie, dass diese Studie nicht in unserem Labor durchgeführt wurde. Wenn Sie an einer Studie in unserem Labor teilnehmen möchten, finden Sie dazu hier weitere Informationen.
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