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Jede Veränderung, auch zum Besseren, tut weh. Denn, ein persönlicher Wandel bedeutet das Eingeständnis, dass wir früher etwas nicht gut gemacht haben. Wir fragen uns dann, warum wir nicht schon früher Konsequenzen gezogen haben. So ist es derzeit mit dem Wandel zur Elektromobilität. Die Angst davor, etwas Gutes aber Unbekanntes zu gewinnen, ist häufig grösser, als die Angst, etwas Schlechtes aber Bekanntes zu verlieren. Deshalb glorifizieren wir das Bekannte, und suchen nach dem Negativen im Unbekannten.
„Du weisst, was Du hast. Du weisst nicht, was Du bekommst.“ (Meine Mutter)
Solche Gedanken sind eine vollkommen normale Abwehrhaltung bei Veränderungen. Dies hat aber nichts mit dem Neuen zu tun, sondern nur mit uns selber. Bei genauem Hinsehen haben wir in der Vergangenheit einfach nur unsere Augen verschlossen vor den schlechten Dingen. Beim Verbrenner waren dies sicher die ekligen Benzol-Dämpfe während eines Tankvorgangs und die stinkenden Hände danach. Auf der Arbeit war es vielleicht die schlechte Führungsperson, die man sich schön geredet hat mit Hilfe einer sehr guten monatlichen Kompensation.
Die folgende Liste relativiert viele glorifizierende Irrglauben, die gerne von Veränderungsgegnern genannt werden. Sie soll aber nicht allfällige Ungerechtigkeiten beschönigen, die unser weltweiter Hunger nach Ressourcen und billigen Produkten seit Jahrhunderten verursacht.
Kinderarbeit
- Wenn in Afrika oder in einem aufstrebenden Land Kinder unsere modische Kleidung zusammennähen, unsere Sneakers zusammenleimen, unsere Smartphones mit ihren kleinen, flinken Fingern zusammensetzen, oder für unsere Schönheit in Glimmerminen arbeiten und sterben, dann akzeptieren wir dies bereitwillig. Selbst wenn dieselben Kinder auch nur eine einzige Komponente für Elektroautos herstellen würden (was insbesondere Tesla nicht macht), dann schreien wir „Kinderarbeit“!
Kobalt-Abbau
- Wenn wir Arbeiter aller Altersgruppen in afrikanischen Minen nach dem Gold für unsere Uhren, unseren Diamanten und unserem Kupfer schürfen lassen, akzeptieren wir deren schlechten Arbeitsbedingungen bereitwillig. Wenn es sich um Kobalt handelt, das ebenfalls in diesen Minen vorkommt und teilweise nebenbei mitgewonnen wird, dann sehen wir dies plötzlich als deren Ausbeutung an.
- Wenn Kobalt für die Aushärtung von Kolben, Pleuel, Nockenwellen oder von Werkzeugen für Verbrenner-Fahrzeuge verwendet wird, dann akzeptieren wir dies bereitwillig. Wenn Kobalt in unseren geliebten Laptops, Smartphones, Tablets usw. steckt, dann akzeptieren wir dies auch bereitwillig. Wenn Kobalt für einen winzigen, und immer kleiner werdenden Anteil einer Elektroauto-Batterie verwendet wird, dann sehen wir hierin ebenso die Ausbeutung der Dritten Welt.
- Wenn dem Rohöl in der Raffinerie Kobalt als Katalysator beigemischt wird, um den enthaltenen Schwefel zu entfernen, damit bei der späteren Verbrennung kein saurer Regen entsteht und unsere Wälder nicht wieder sterben, dann interessieren wir uns nicht für den Herstellungsprozess. Wir akzeptieren durch unser Desinteresse, dass das im Benzin und Diesel verbliebene Kobalt verbrannt wird und alle Lebewesen die Rückstände einatmen müssen. Wenn Kobalt aber in einer Batterie für Elektroautos eingelagert wird und nach vielen Jahren der Nutzung zusammen mit allen anderen eingelagerten Elementen nahezu vollständig rezykliert werden kann, dann wird der Herstellungsprozess für uns plötzlich wichtig.
Seltene Erden
- Wenn 25% der jährlichen Produktion von Seltenen Erden als Katalysatoren (Mischoxide) bei der Raffination von Rohöl eingesetzt werden, eine erhöhte Kraftstoffeffizienz bei Verbrennungsmotoren erzielen und in den Katalysatoren die tödlichen Abgase weniger tödlich machen, dann haben wir nie von Seltenen Erden gehört. Wir erinnern uns auch nicht, dass das Neodym in unseren Lautsprechern und Kopfhörern zu den Seltenen Erden zählt. Wenn weitere 25% für Permanentmagnete verwendet werden, die unter Anderem in den Anlassern und Zusatzmotoren in unseren Verbrenner-Fahrzeugen verarbeitet sind, dann haben wir dies auch nicht gewusst. Wenn diese Permanentmagnete in einem Elektroauto verwendet werden, dann dichten wir dem Elektroauto einen riesigen Verbrauch aller Seltenen Erden an.
Lithium-Abbau und Wasservergeudung
- Wenn Lithium für Akkus in Smartphones, Laptops oder Akkuwerkzeugen, in der Atomphysik, bei der Kernfusion, in der Medizin oder in Form von Lithiumstearat als wichtiger Zusatz für Öle und Schmierfette in Verbrenner-Fahrzeugen eingesetzt wird, dann kümmert uns der Gewinnungsprozess von Lithium nicht. Wenn mittels des gleichen Produktionsprozesses Lithium für ein Elektroauto gewonnen wird, dann dichten wir dem Prozess einen horrenden Wasserverbrauch an.
- Wenn 15’000 Liter Trinkwasser für die Herstellung auch nur eines Kilogramms Rindfleisch benötigt werden, dann verbrauchen wir genüsslich das Fleisch. Wenn 15’000 Liter Salzwasser benötigt werden, um das Lithium für eine Batterie mit einer Kapazität von bis zu 100 kWh zu produzieren, dann reden wir von Wasserverschwendung.
- Wenn in Kanada durch das Ausspülen von Ölsand oder durch Fracking weltweit Milliarden Liter geniessbares Grundwasser verseucht und Tausende von Quadratkilometern Natur zerstört werden, dann akzeptieren wir dies bereitwillig. Es stört uns auch nicht, dass die Ölindustrie seit Hurrikan Ivan vor 15 Jahren täglich 17’000 Liter (gesamt 100’000’000 Liter) Rohöl in das fragile Salzwasser-Ökosystem des Golfs von Mexiko pumpen und damit bereits bis zu 100’000’000’000’000 Liter Wasser verseucht hat. Es stört uns noch weniger, dass das gesamte Nigerdelta verseucht ist. Ungern denken wir an die vielen Ölkatastrophen, die kaum vorstellbare Mengen an Wasser verschmutzt und Tiere getötet haben. Wenn in einem Salzsee in der Atacamawüste ungeniessbares, versalztes Grundwasser zur Lithium-Gewinnung hochgepumpt wird und das Wasser anschliessend entsalzt versickert oder verdunstet, dann sehen wir hierin die Zerstörung der Umwelt und Vergeudung von Grundwasser.
Strombedarf
- Wenn für Bereitstellung von Diesel durch die Erdölförderung, den Transport des Erdöls zu Raffinerien, den Transport des Erdöls per Pipeline, den Energieaufwand für das Raffinieren (hierfür alleine bedarf es 11 kWh) und den Transport zur Tankstelle insgesamt 42 kWh Energie aufgewendet werden müssen, damit ein Verbrenner-Fahrzeug 100 km fahren kann, halten das die Stromversorger und -netze selbstverständlich aus. Wenn ein ähnlich dimensioniertes Elektroauto nur 17 kWh für 100 km benötigt, und mit den 42 kWh 250 km weit fahren kann, dann glauben wir, dass dadurch die Stromversorgung zusammenbrechen wird, was selbstverständlich nicht passieren wird.
- Wenn der Verbrauch eines Verbrenner-Fahrzeugs trotz verbrauchsoptimierter Fahrweise das ganze Jahr 20 bis 30% höher ist, als der Hersteller beschönigend deklariert hatte, dann sehen wir das als ganz normal an und tanken halt ein wenig häufiger. Wenn ein Elektroauto nur im Winter aufgrund der Heizung und dem erhöhten Rollwiderstand einen um 25% erhöhten Verbrauch hat, dann halten wir das für inakzeptabel.
Batterie-Lebensdauer und Recycling
- Wenn ein Verbrennungsmotor nach 200’000 km einen Lagerschaden erleidet, dann hat er gute Dienste geleistet. Wenn eine heute verbaute Antriebsbatterie erst nach 800’000 km ausgetauscht werden muss, anschliessend weitere 10 Jahre als Pufferbatterie bei uns Zuhause Anwendung findet und danach zu 90% rezykliert werden kann, dann sehen wir hierin eine Entsorgungskatastrophe.
Preis
- Wenn wir jeden Tag und besonders zu Spitzenzeiten von neuen Kraftstoffpreisen überrascht werden, dann akzeptieren wir wehrlos diese Preiswillkür der Ölkonzerne. Wir haben auch bereitwillig akzeptiert, dass wir mit unserer Abhängigkeit vom Öl sowohl ferne Despoten und Diktatoren als auch Umweltzerstörung, Unterdrückung, Enteignung, Terrorismus, Krieg und Vertreibung finanzieren. Wenn wir aber den Preis für Strom und dessen Herkunft wählen und ihn lokal oder sogar selber Zuhause produzieren können, dann sehen wir dies als Nachteil.
- Wenn ein Verbrenner-Fahrzeug kurz nach der Zulassung bereits 30% – und mehr – seines Marktwertes verliert, dann akzeptieren wir dies. Wenn aber ein Elektroauto wie ein Tesla erst nach 70.000 Km 30% des Kaufbetrags verliert, dann sollen sich Elektroautos nicht rechnen?
Ladepausen
- Wenn wir am Vorabend einer Reise mit einem Verbrenner-Fahrzeug noch rasch 10 Minuten zur Tankstelle fahren, dort 15 Minuten den Tank füllen, den Ölstand kontrollieren und bezahlen, und wieder 10 Minuten nach Hause fahren, dann akzeptieren wir dies als unabdingbar. Wenn wir über Nacht das Elektroauto daheim laden und am Morgen mit voller Batterie losfahren, dann sehen wir das als unpraktisch an.
- Wenn wir während einer Fahrt mit einem Verbrenner-Fahrzeug eine 10-minütige WC-Pause oder eine 45-minütige Essens-Pause einlegen, dann akzeptieren wir den vermeintlichen Zeitverlust bereitwillig. Wenn wir während der gleichen Zeit die Batterie des stehenden Elektroautos aufladen, dann ist das für uns Zeitverschwendung.
Zu leise Autos
- Wenn wir als Fussgänger aufmerksam, unachtsam oder gar mit Kopfhörern durch die Stadt laufen, dann wünschen wir uns eine leise Umwelt und wollen am liebsten unsere laute Umwelt gar nicht wahrnehmen. Wenn wir uns über den lauten Auspuff eines Verbrenner-Fahrzeugs aufregen, dann nervt uns der Lärm. Wenn es sich aber um ein leises Elektroauto handelt, dann wollen wir dieses plötzlich hören und erzwingen künstlichen Lärm, der sich dann auch noch richtig schlecht anhört.
Winter
- Wenn wir im Winter im Stillstand den Motor eines Verbrenner-Fahrzeugs, das dann bei 2 Liter Hubraum einen Verbrauch von 1 Liter/h hat, zum Heizen des Innenraums laufen lassen und so der 50-Liter-Tank nach maximal 50 Stunden restlos leer wäre, dann nennen wir das normal. Wenn ein Elektroauto, wie der Kia e-Niro, mit einer 64 kWh-Batterie und einer Heizleistung von 0.8 KWh/h auch 50 Stunden durchhalten und mit den restlichen 24 kWh noch weitere 100 km Reichweite aufweisen würde, dann dichten wir nur dem Elektroauto an, bei Schneechaos die Autobahn zu blockieren.
Stromerzeugung mit Windräder
- Wenn unsere Millionen an Hauskatzen Milliarden Vögel nur zum Spiel töten, dann akzeptieren wir dies als „natürlich“. Wenn Windräder auch nur einen Bruchteil dieser Vögel töten, dann nennen wir sie „Vogelkiller“.
Selbstverständlich ist nicht alles rosig in der Welt der Elektromobilität, denn die Elektromobilität ist nur Klimaretter, nicht aber Weltretter.
Wenn wir das nächste Mal ablehnende Meinungen hören oder selber haben, dann wäre es sicher hilfreich zu überlegen, woher diese Ablehnung stammt. Basiert die Meinung vielleicht auf einem alten Irrglauben, an dem wir uns festkrallen und den wir nur schwer ablegen können? Gehen wir in uns und fragen uns, warum wir manchmal gerne die Augen vor Veränderungen verschliessen und bekanntes Schlechtes so bereitwillig akzeptieren, nur weil wir es kennen.
Update: Prof. Dr. Volker Quaschnig hat nach meiner Veröffentlichung einen ähnlicher Ansatz publiziert: Faktencheck: Welches Auto hat die beste Klimabilanz?
Foto von Ross Findon on Unsplash
24 Gedanken zu “Wieso wir Neues wie die Elektromobilität gerne schlecht reden”
Punkt 5 leuchtet nicht ganz ein. Mir ist bekannt, dass die Herstellung von einem LiterBenzin ca. 1,6 kWh an Strom benötigen. Vielleicht kommt da noch Transport und Lagerhaltung drauf, was aber nicht so sehr viel ausmacht.
Bei einem Verbrauch von 7 Litern Benzin auf 100 km ergäben dann 11,2 kWh. Damit würde aber ein eAuto ca. 70 km weit kommen wenn es 16 kWh auf 100 km verbrauchen würde.
Das bedeutet im Umkehrschluss: Für diese Fahrzeug brächten wir nur 4,8 kWh dazu zu erzeugen.
Damit wären unsere Netze aber auch längst nicht überfordert, denn jetzt schon erzeugen wir im Schnitt 10% mehr Energie (aus Kohle & Atom) als wir brauchen und schicken ihn ins Ausland.
Der Mehrbedarf von 4,8 kWh verschwindet aber locker in den 19%, würde man es auf gefahrene km der deutschen Autos umrechnen. Also absolut keine Gefahr für das Netz.
Evtl noch mal überprüfen.
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Danke für den Hinweis! Stimmt vollkommen. Bei dem Punkt hatte ich ein wenig „getrumpt“. Ich habe den Punkt etwas entschärft. Leider gibt es immer noch keine belastbaren Zahlen, ausser die 1.6 kWh für einen Liter Benzin / Diesel in der Raffinerie. Wir kennen auch die gesamten Zahlen einiger Pipelines. Wenn wir grob extrapolieren, dann kämen wir vermutlich auf eine annähernde 1:1-Relation.
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Hilft das hier;
https://www.springerprofessional.de/elektromobilitaet/dieselmotor/endenergiebezogene-analyse-diesel-versus-elektromobilitaet/16673694
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Klaus Müller, Sie haben in obiger Rechnung nur den zusätzlichen Energiebedarf für die Herstellung von Benzin berücksichtigt, nicht aber den Energiewert des Benzins selbst. Ohne diesen ist der Verbrenner aber noch keinen Meter gefahren. Benzin hat einen Heizwert von ca. 8,5 kWh/l. Auf 100 km macht das also 59,5 kWh Verbrauch zuzüglich des Strombedarfs von 11,2 kWh. Der Gesamtverbrauch oder nennen wir es Energiebedarf eine durchschnittlichen Benziners auf 100 km liegt somit bei 70,7 kWh oder dem Vierfachen eines Elektroautos.
In dieser Rechung unberücksichtigt bleiben die Gewinnung und der Transport von Rohöl zu den Raffinerien, sowie der Transport des Kraftstoffs zum Tankstellennetz, der nach obiger Rechnung nochmals mit 31 kWh zu Buche schlägt.
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Hallo,
ich habe zu den Punkten 10 und 11 noch eine Nachfrage.
Wie lange wird es wohl dauern bis die Infrastruktur (Ladestationen) in den Städten soweit ausgebaut ist, das die Besitzer der im allgemeinen meist auf der Straße parkenden PKW, diese Abends laden können weil es am nächsten Morgen gebraucht wird. Es gibt ja auch Vorstellungen das die Arbeitgeber auf ihren Parkplätzen, sofern sie eigene haben, Ladestationen für ihre Angestellten bauen.
Auch müssten die Parkplätze und Raststätten auf Autobahnen flächendeckend mit Ladestationen in ausreichender Menge bestückt werden.
Wenn ich mir die täglichen Stausituation in den Städten bzw auf den Autobahnen (ich wohne in Deutschland) anschaue, wird wohl dieser oder jener mal plötzlich eine Ladestation brauchen weil er sich verschätzt hat. Einen Reservekanister mit Strom gibt es nicht.
Ich bin nicht gegen E-Mobilität, halte es aber im Moment für verfrüht solch einen Hype für reine E-Autos auszulösen. Sinnvoller und vor allem machbarer halte ich erstmal den Umstieg auf die Hybridvariante und diese mit der Zeit wieder zurückzufahren.
In Deutschland gehen 2022 die letzten Atommeiler vom Netz und die Kohleverstromung wird zurückgefahren. Ich hoffe nur das Wind und die auf die Sonnenstunden begrenzte Photovoltaik das Allheilmittel sind um den weiter steigenden Energiebedarf zu decken und folgendes Szenario nicht zum Alltag wird. Siehe Link:
https://edition.faz.net/faz-edition/wirtschaft/2019-01-12/0ef138ca4a91f74600c9c37e8a8d9a2d/?GEPC=s3
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Vielen Dank für ihren hinterfragenden Kommentar.
Ihre ursprüngliche Frage bezieht sich eher auf Punkt 5: „Wo soll der ganze Strom herkommen, den wir benötigen.“ Bei dem Punkt habe ich einen Link hinterlegt, der auch auf eine Seite im Edison-Teil der FAZ verlinkt. Es wäre gar nicht so viel mehr.
Aber dennoch, ich verstehe ihre Bedenken, was den „Verlust“ der AKW und KKW angeht. Wenn wir uns überlegen, mit welchen Beträgen der deutsche Steuerzahler diese Art der Stromerzeugung über Jahrzehnte finanziert hat, dann müssten wir gleichzeitig auch überlegen, was mit den Billiarden (wenn das Wort überhaupt ausreicht) an innovativen Lösungen erschaffen hätte werden können, würde die Stromlobby ihre erpresserische Macht gegenüber der Politik, den Städten und Gemeinden nicht ausspielen. In Bayern hat es die CSU hinbekommen, Windräder faktisch zu verbieten. Dieser Auszug aus „Die Anstalt“ ist zwar nicht wissenschaftlich, regt aber zum Denken an.
Die Stromerzeugung ist eigentlich keine grosse technische Herausforderung. Nur, müssten dann die kleinen Privaten finanziert werden und nicht die Stromlobby. Harald Lesch hat das Thema „Können wir unseren Strombedarf mit regenerativ decken“ bereits beleuchtet. Im Bereich der Stromspeicherung werden wir in den nächsten Jahren viele innovative Lösungen sehen.
Der zweite Teil ihrer Frage lautet „Wie soll der Strom in das Elektroauto kommen?“
Stromleitungen gibt es überall. Jedes Haus hat sie, jede Garage hat sie und jede Strassenlaterne hat eine. Das ist dann zwar keine Schnellladung, aber die braucht es über Nacht auch nicht. Für alle anderen, die es etwas eiliger haben, wird es „Tankstellen“ geben, auf der man die Batterie innerhalb 15 oder weniger Minuten laden können wird.
Tesla, ein Start-up, dem jede Lobby der Welt den Tod wünscht, hat es geschafft, neben ihrem eigentlichen Geschäft, in sechs Jahren weltweit über 1548 Supercharger mit 13257 Ladepunkten zu erschaffen. Wenn das ein Start-up schafft, was könnten etablierte Hersteller mit ihren Milliardengewinnen dann erreichen? Was haben sie schon erreicht? Leider nichts! Tesla hat erst kürzlich vor den Toren Zürichs einen Supercharger mit 24 Ladepunkten mitten im Einkaufs- und Gewerbegebiet errichtet. Die Autos sind so schnell geladen, da kann man noch nicht einmal schnell genug einkaufen gehen.
Dass Deutschland mit Staus auf den Strassen zu kämpfen hat, ist politisch hausgemacht. Arte hat dies sehr gut und ausführlich in der Dokumentation „Wahnsinn LKW“ beschrieben. Sollte der ganze Film bei Arte nicht mehr verfügbar sein, gibt es einen Auszug bei YouTube. Leider ist den deutschen Autofahrern die Galle noch nicht genug übergelaufen, sonst würden sie sich gegen die LKW auflehnen.
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Vielen Dank für ihre Antwort. Das Video mit Harald Lesch habe ich mir angesehen. Und der Punkt der Primärenergie ist auch das Thema zudem ich einige Bedenken habe.
Wie schon geschrieben gehen 2022 die AKW’s vom Netz, die Kohleverstromung wird nach und nach heruntergefahren.
Laut Heise.de [1] gehen ab 2021 6000(!) Windkraftanlagen mit 4GW und bis 2026 nochmals 14000 mit 17GW aus der Förderung. Ob diese Anlagen weiterbetrieben oder zurückgebaut und ersetzt werden scheint noch unklar zu sein.
Wie soll der Bedarf, der durchaus mal 60GW und mehr betragen kann, durch nicht beeinflussbare Medien wie Sonne und Wind zu jeder Tages und Nachtzeit gedeckt werden?
Ich halte dies für sehr riskant. Deutschland hat jetzt schon mit drohenden Blackouts und Lastabwürfen in der Industrie zu kämpfen.
Bei der Möglichkeit der Überlastung der Stromnetze räumt sogar EON ein das dies durch zuviele E-Autos die gleichzeitig geladen werden, rein theoretisch, möglich wäre.[2]
Und da geht man von 1 Million ELV aus. bis 2030 sollen es 6 Mill sein.
Harald Lesch stellt das aus meiner Sicht schon ungeschönt und reell dar wie groß die Windparks und Photovoltaikflächen sein müssten und wie sich Deutschland verändern würde.
Seine Vision von der Stromerzeugung in der Wüste klingt wirklich gut. Wird wohl aber an der globalen politischen Situation noch lange scheitern. Amerika ist jetzt schon dagegen das wir uns von Russland mit der Gaspipeline abhängig machen. Sie wollen lieber das wir von ihrem Frackinggas, was per Schiff kommt, abhängig sind.
Zentrale Energieversorgung für Europa? Wie leicht kann man einen ganzen Kontinent erpressen und vlt sogar, im wahrsten Sinne des Wortes, ausschalten?
Dieser politisch gewollte Prozess, der sich durch die Erfolge der Grünen vermutlich noch verstärken wird, geht schon in die richtige Richtung. Ich finde es aber falsch, ohne die Möglichkeit Energie in großen Mengen zu speichern, sich von absolut nicht beeinflussbaren Dingen wie Sonne und Wind abhängig zu machen und Risiken in Kauf zu nehmen die irreparabel sind.
[1] https://www.heise.de/…/Funktionierenden-Windraedern?fbclid=IwAR3atU4aRZg_0vSwshil5c0Kwcc9vsKZxhAv4_BAIfa8IzwSpxQC2V0HtJg
[2] https://www.firmenauto.de/energieversorgung-in-deutschland-wie-viele-e-autos-vertraegt-das-netz-10492805.html
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Sie werfen die richtigen Fragen auf. Wenn doch die Herausforderungen bekannt sind, warum macht dann niemand etwas, jetzt? Vielleicht weil die aktuelle Stromlobby es bis zuletzt ausreizen will, um dann als Heilsbringer dank weiterer Milliarden ihre Dreckschleudern weiterlaufen lassen zu dürfen?
Mir hat die Dokumentation „Erdzerstörer“ auf Arte interessante Einblicke gegeben. Für mich absolute Pflichtlektüre.
https://www.arte.tv/de/videos/073938-000-A/die-erdzerstoerer/
Die E-Mobilität wird aber auch eine weitere Änderung mit sich bringen: die Batterien werden als intelligente Puffer genutzt werden und sind nicht nur Empfänger von Energie. D.h. Je mehr E-Autos am Netz hängen und überschüssige Energie aufnehmen oder abgeben können, desto stabiler wird es sein.
Politik und wirtschaftliche Vorteilnahme hat keinen Amerikaner binnen 7 Jahren zum Mond gebracht. Ich rate jedem, sich die damalige Erklärung von JFK aus 1962 anzusehen oder sie zu lesen. Wir brauchen so etwas jetzt auch. Dringend.
>“We choose to go to the moon. We choose to go to the moon in this decade and do the other things, not because they are easy, but because they are hard, because that goal will serve to organize and measure the best of our energies and skills, because that challenge is one that we are willing to accept, one we are unwilling to postpone, and one which we intend to win, and the others, too.“
https://er.jsc.nasa.gov/seh/ricetalk.htm
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Lieber Olav,
Da gerade wieder eine Welle von Artikeln über Kobald und Lithium meine Timeline bei Facebook flutet, habe ich den Artikel gerne nochmal geteilt. Nun fragt ein Freund, wo die 20 bis 30 Jahre Lebensdauer einer Batterie herkommen. Hast du da eine Quelle? Vielen Dank im Voraus, Christian
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Gute Frage. Ich habe noch einmal nachgeforscht und werde meine Aussage so bald als möglich etwas umformulieren. Die Rekonditionierung wird wohl entfallen. Aber dennoch: Neuste Nachrichten aus dem Hause Tesla deuten an, dass bereits die heutigen Batterien 800’000 km halten. Und erst danach als stationärer Speicher genutzt werden. Wired schreibt über die noch neueren Batterien mit 1.6 Millionen Kilometer Reichweite „…more than double what drivers can expect today.“ Ergo 800’000 heute. Wie lange man damit fahren kann, liegt natürlich in den gefahrenen Kilometern eines jedes Einzelnen. Aber bei 20’000 Km im Schnitt wären das bereits 40 Jahre.
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„für Bereitstellung von Diesel …. insgesamt 42 kWh Strom aufgewendet werden.“
Das ist leider falsch, es sind 42 kWh Energie!
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Stimmt. Danke.
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Super Artikel, danke!
Einen wesentlicher Aspekt sollte man noch ergänzen. Die vielen Kriege ums Öl, die Toten und Vertriebenen (aktuell Jemen, Syrien etc). Ca. 42% des weltweiten Ölverbrauchs geht auf die Kappe des Straßenverkehrs, weiter 10% für Flug.- und Schiffverkehr.
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Danke. Ich habe „Vertreibung“ aufgenommen. Neu: „Wir haben auch bereitwillig akzeptiert, dass wir mit unserer Abhängigkeit vom Öl sowohl ferne Despoten und Diktatoren als auch Umweltzerstörung, Unterdrückung, Enteignung, Terrorismus, Krieg und Vertreibung finanzieren.“ Ich sehe noch nicht, wie ich die 42% und 10% passend einbauen kann. Werde dies aber im Auge behalten. Gibt es vielleicht eine Statistik oder sonstiges Quelle zu den Daten?
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Hallo Olav,
Danke für die Rückmeldung. Sobald ich Zeit finde suche ich nach den Quellen. Da ich grad deinen genialen Artikel nicht vor mir habe, hier noch ein paar Ideen, falls Du das nicht eh schon eingebaut hast.
Lithium: Wird auch für Keramiken, Porzellan, Schmiermittel, Ceranfelder, Antidepressiva etc. verwendet. Es ist ein Nebenprodukt der Kaliumchloridgewinnung. Kaliumchlorid (Salz/Streusalz) wird also auch benötigt die alten Dieselautos im Schnee sicher durch den Verkehr zu bringen.
Kobalt: Meines Wissens nach sind die E-Auto-Akkuhersteller die Einzigen, die nachweislich und aktiv den Kobaltanteil reduzieren (siehe Tesla).
Hattest Du auch was zum Thema Feinstaub und Stickoxyde geschrieben? Darüber redet kaum einer mehr. Recycling ist auch ein entscheidender Punkt. Öl, Gas etc wird unwiederbringlich verbrannt. Akkus werden in absehbarer Zeit einen annähern 100prozentigem Kreislauf zugeführt.
Liebe Grüße aus Koblenz, Matthias
>
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Der Unterschied zwischen CO2, NOX und Feinstaub ist den meisten Kritikern gar nicht bewusst. Das verwechselt man ja gerne einmal.
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Hallo Olav, vorab möchte ich sagen, dass es sich hier um einen super Artikel handelt und ich finde es klasse, dass du auf Argumente eingehst und den Artikel damit aktuell hältst. Dafür mein Dank, denn ich werde ihn zukünftig an meine Diskussionspartner weitergeben.
Ich wollte noch ein paar Stichwörter liefern, die eventuell zu einer weiteren Ergänzung deines Artikels helfen könnten. Es soll auf keine Fall Werbung sein, nur Produkte die ich sehr interessant fand und ein Youtuber, den ich sehr gerne schaue. Wenn du keine Produktnennungen haben möchtest, dann kannst die sie gerne unkenntlich machen oder im Anschluss meinen Kommentar löschen. 😊
1. Lumenaza (https://www.lumenaza.de/de/emobil/): Sie bieten günstigen Naturstrom an und zwar in Kombination mit einem abschaltbaren Stromzähler. In Zukunft könnten also auch einfach die Wallboxen durch den Stromversorgen abgeschaltet werden. Fand ich sehr interessant.
2. Produkte wie Chargex (https://chargex.de/): Intelligente Ladelösungen, die beliebig skalierbar sind und das laden der E-Autos auf unterschiedliche Zeiten einteilen. Selbst wenn in einer Wohnsiedlung alle gleichzeitig mit Ihrem E-Auto nach Hause kommen würden und alle gleichzeitig das Laden starten würden, selbst dann würde nichts passieren. Intelligentes Laden wird zukünftig zur E-Mobilität dazu gehören.
3. Das Märchen von der Elektromobilität! – AfD-Fraktion im Bundestag (https://www.youtube.com/watch?v=s8ULTN8lsbw Beitrag von Michael Schmitt über ein AfD Propaganda Video gegen die E-Mobilität) – Vielleicht kannst du hier auch noch das eine oder andere Argument aufgreifen für deinen Artikel. Besonders interessant finde ich das Argument der AfD, dass wir nicht genügend Strom hätten, wenn 1.000.000 E-Autos gelichzeitig aufladen würden.
Leider kursieren viel zu viele Propaganda Videos und Artikel im Netz, die mit Vorsatz die E-Mobilität schlecht darstellen. Ich sehe es wie viele andere: Die E-Mobilität ist nicht die Lösung für alles und man kann an einigen Punkten noch optimieren, aber alles Neue nur schlecht reden kann nicht der richtige Weg sein.
Vielen Dank für dein Engagement und ich werde noch öfters schauen, ob du deinen Artikel noch aktualisiert hast.
Vielen Dank.
Maik
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Die Geschichte mit den 1M gleichzeitigen Ladevorgängen. Den Blödsinn hat Jean Pütz vor geraumer Zeit mal herausgelassen. Wenn gleichzeitig 1M Verbrenner tanken wollten, wäre das auch ein Problem. Das schöne bei EV ist ja, dass man nicht wie blöd neben seinem Verbrenner warten muss, sondern am nächsten Morgen eine volle Batterie vorfindet.
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Es gibt eine Darstellung des US-Dpt. für Energie: danach ist die gesamte Energieaufwnedung tatsächlich 42 kWh für 6 L Diesel.
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Die Zahl kommt nicht vom DOE, sondern ist eine Analyse, die im Springer Professional veröffentlicht wurde. Ist im Artikel verlinkt.
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Ein Argument fehlt in der ganzen Aufzählung noch auf was ich auch schon gestoßen bin:
So ein e-Auto… bzw. die Batterie kann plötzlich explodieren und dann bist sofort Tod.
Ich weis selber es ist nicht so, eher das gegenteil ist der Fall das man eher mehr zeit hat aus einem BEFZ rauszukommen als aus einer Knatterkiste, gerade bei einem Unfall.
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Toller Artikel, vielen Dank! Ich habe mir erlaubt ihn auf meinem Tesla Blog zu verlinken:
https://teslawissen.ch/fakten-und-lesenswerte-artikel-zur-elektromobilitaet/
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Danke für’s Verlinken. Mit dem neuen Bild sähe der Link noch besser aus 😉
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ändere ich gerne. 🙂
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