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Lag es am üppig wuchernden Schamhaar? «Wir hatten den Eindruck, dass es für die Sache der Ausstellung nicht zentral ist, eine nackte Frau auf diese Weise im öffentlichen Raum zu zeigen.» Mit dieser Begründung zogen die Behörden der Stadt St. Gallen vor wenigen Tagen das Plakat zur Ausstellung «Tina Modotti. Emigrantin, Fotografin, Revolutionärin» aus dem Verkehr. Es zeigte die 1896 in Italien geborene Künstlerin nackt auf dem Boden liegend.
Gemacht hat das Bild ihr damaliger Geliebter, der Fotograf Edward Weston, mit dem Modotti 1923 nach Mexiko auswanderte. Dort trat sie der kommunistischen Partei bei, bewegte sich in linken Künstlerkreisen und begann, den Kampf der RevolutionärInnen mit der Kamera zu dokumentieren, bis sie 1930 des Landes verwiesen wurde – aufgrund einer vom Regime angezettelten medialen Kampagne um just jene Aktaufnahme, die ihr jetzt in St. Gallen posthum erneut vorgehalten worden ist.
Kurz bevor die Ausstellung im Historischen und Völkerkundemuseum ihre Tore öffnet, ziert nun ein Rückenakt Modottis die Plakatwände. Ein schöner Rücken kann auch entzücken, werden sich die Hüter von Zucht und Ordnung (pardon, über Soziales und Sicherheit) wohl gesagt haben. Man könnte auch sagen: In Sachen unbeabsichtigter Ausstellungs-PR haben sie ganze Arbeit geleistet. Modotti jedenfalls hat die Aufmerksamkeit verdient.
«Tina Modotti. Emigrantin, Fotografin, Revolutionärin», Ausstellung im Historischen und Völkerkundemuseum St. Gallen, Samstag, 30. August, bis Sonntag, 4. Januar 2015. www.hmsg.ch