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Der Kreis Konstanz liegt westlich des Bodensees und grenzt im Westen an den Kanton Schaffhausen und im Süden an den Kanton Thurgau. Als Teil mehrerer klassischer Altsiedellandschaften war er auch zur Römerzeit besiedelt.
Während von den meisten der über 30 Fundorte mit Ausnahme von Büsslingen und Eigeltingen nur wenige Funde oder Befunde bekannt sind, stellt das römerzeitliche Material aus Orsingen mit einer hohen Anzahl an Terra sigillata‐Gefässfragmenten und einer noch grösseren Anzahl an weiteren Keramikarten den grössten Fundkomplex dar.
Eine besondere Situation entsteht dadurch, dass vermutlich mitten durch den Kreis die Grenze zwischen den Provinzen Germania superior und Rätien verlief. Bemerkenswert ist zudem, dass südlich des Bodensees eine Vielzahl grösserer antiker Siedlungen nachgewiesen ist (Eschenz, Konstanz, Arbon und Bregenz), während vom Nordufer des Sees bislang keine gesicherten vici vorliegen.
Nach einer gründlichen Fund‐ und Befundaufnahme stehen bei der Analyse der römerzeitlichen Besiedlung des Kreises Konstanz fünf Ziele im Vordergrund: Zunächst werden alle römerzeitlichen Siedlungsstellen erfasst und nach Siedlungstyp typisiert werden, wobei Kennzeichen und Nachweis dörflicher Siedlungen (vici) besondere Bedeutung zukommt. Neben chronologischen Fragen, wie Beginn, Intensität und Dauer der Nutzung einzelner Siedlungsstellen stehen topographische Gesichtspunkte, wie Standortwahl, Bodengüte und Lage innerhalb des antiken Siedlungsgefüges im Vordergrund, wobei als topographische Sonderform auch Höhlen eine Rolle spielen.
Als zweites wird das Fundmaterial ‐ insbesondere die Keramik ‐ einer genauen typologischen und chronologischen Ordnung unterzogen. Hierbei wird die von K. Heiligmann‐Batsch und V. Jauch in Ansätzen schon vollzogene Definierung eines für den Bodenseeraum spezifischen Keramikspektrums weiter verfeinert. Mit Hilfe der spezifischen Bodenseekeramik werden als nächstes durch Kartierungen die Grenzen dieser Formengruppen nach Westen untersucht. Durch Analyse der Kartierung verschiedener Sachaltertümer werden Erklärungsmodelle für asymetrische Verbreitungen herausgearbeitet. In diesem Zusammenhang wird besonders die Rolle der vermutlich in diesem Abschnitt verlaufenden Provinzgrenze gewichtet und falls nötig und möglich eine neue These zu deren Verlauf erarbeitet. Zusätzlich wird auch anhand Herkunft und Verbreitung lokaler Töpferwaren (Varianten an Typen und Verzierungen) ein kleiner Einblick in die dahinterstehenden Warenströme auf und um den Bodensee versucht. Eine besondere Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang der Töpfersiedlung von Eschenz (Kanton Thurgau) zu, von der aus vermutlich ein Teil des Hegaus mit Keramik beliefert wurde.
Während sich der überwiegende Teil der Arbeit mit der frühen und mittleren Kaiserzeit beschäftigt, wird in einem Abschlusskapitel Bedeutung spätantiker Funde des Kreises bezüglich Kontinuität römischer Bevölkerung und frühalamannischer Besiedlung gewichtet.