Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03169.jsonl.gz/927

Bisher war die IP-Suisse-Labelprämie für Mastjager an die Labelprämie für IP-Suisse-Schlachtschweine gekoppelt. Stieg oder sank also die Schlachtschweineprämie, wurde auch die Jagerprämie entsprechend erhöht oder gesenkt. Dies führte dazu, dass die Jagerprämie in angebotsstarken Monaten hoch war und in Monaten mit kleinem Angebot eher tief. Mäster stallten demnach die Jager im Frühsommer teuer ein und mussten die Schlachtschweine im August bei einer tiefen Schlachtschweineprämie verkaufen.
Diesem Ungleichgewicht soll mit dem neuen Prämiensystem, welches seit Dezember 2021 schrittweise eingeführt wurde, entgegengewirkt werden. Weiter hat die überarbeitete Prämienverteilung zum Ziel, diejenigen Schweineproduzenten zu belohnen, welche die Produktion dem Bedarf anpassen und die Jager dann liefern, wenn die Nachfrage entsprechend vorhanden ist.
QUER gelesen
- Die Jagerprämie war bisher in angebotsstarken Monaten hoch und in Monaten mit kleinem Angebot tief.
- IP-Suisse hat nun ein neues System eingeführt, um die Labelprämie zu gestalten.
- Die neue Prämienverteilung soll fördern, dass die Jager dann geliefert werden, wenn die Nachfrage vorhanden ist.
- Trotzdem müssen die Produzenten die Produktion besser dem Bedarf ausrichten.
Saisonales Ungleichgewicht bei Angebot und Nachfrage
Das Angebot an Mastjagern unterliegt saisonalen Schwankungen. Ein Grund für diese Schwankungen sind die biologischen Leistungen der Sauen. Im Sommer, zwischen Juni und September, ist die Fruchtbarkeitsleistung von Mutterschweinen tiefer, und die Belegungen der Muttersauen sind daher weniger erfolgreich. Die Folge davon sind mehr umrauschende Sauen als in den anderen Monaten, und aus den erfolgreichen Belegungen resultieren kleinere Würfe. Folglich werden in den Wintermonaten weniger Mastjager verkauft, der Markt ist in dieser Zeit unterversorgt. Weil die umgerauschten Sauen meist noch einmal belegt werden, besteht dann im Mai und Juni ein (zu) hohes Angebot an Jagern. Da der Mastjagerpreis zu spät auf das Angebot reagiert, wird diese Problematik noch verstärkt.
Diejenigen Produzenten, welche die Produktion der Nachfrage anpassen, werden belohnt.
Die fehlenden Mastjager im Winter führen zu einem kleinen Angebot an Schlachtschweinen, wenn sie für die Grillsaison gesucht sind. Im Spätsommer, wenn die Nachfrage an Schlachtschweinen wieder abnimmt, weil die Konsumentinnen und Konsumenten in den Ferien sind, kommen die Tiere, welche im Mai und Juni eingestallt wurden, zur Schlachtung. Die saisonal bedingte tiefe Nachfrage trifft auf ein saisonal bedingtes sehr hohes Angebot. Resultat dieses Ungleichgewichtes sind tiefe Preise für die Schlachtschweine.
Fehlanreiz eliminieren
Um dem beschriebenen Ungleichgewicht entgegenzuwirken und das Angebot an Mastjagern marktgerechter zu gestalten, hat Suisseporcs vor einigen Jahren den Morenbarometer entwickelt. Der Barometer zeigt auf, wann die Belegungen der Muttersauen erwünscht sind und wann reduzierte Belegungen angezeigt sind. Die Erfahrung zeigt, dass dieses gute Instrument leider nicht die gewünschte Wirkung erreicht. Der Morenbarometer wird von den Schweinezüchtern nicht genügend berücksichtigt und im Herbst werden weiterhin zu viele Zuchtschweine belegt, obwohl die Folgen davon bekannt sind.
Zur Unterstützung des Morenbarometers wird nun auch die IP-Suisse-Prämie entsprechend aufgeteilt und der bisherige Fehlanreiz eliminiert. Die IP-Suisse-Jagerprämie wird neu von der Schlachtschweineprämie entkoppelt und pro Woche fix definiert. Die Aufteilung der Prämie wurde so vorgenommen, dass die Höhe der Prämie besser dem Bedarf an Schlachtschweinen entspricht. Damit wird erreicht, dass Schweineproduzenten belohnt werden, wenn sie die Jager saisongerecht liefern. Durchschnittlich wird die Prämie bei 14 Franken pro Jager liegen.
Trotz allen Vorteilen, welche das neue Prämiensystem hat, muss man realistisch bleiben und sich bewusst sein, dass auch die neue Aufteilung der IP-Suisse-Mastjagerprämie das bestehende Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage nicht alleine lösen kann.
Es braucht dazu die Bereitschaft von allen Produzenten, die Produktion besser nach dem Bedarf auszurichten. Ist dies der Fall, profitieren schlussendlich alle davon und können einen Mehrwert erzielen. Die Analyse, ob das neue Preissystem den gewünschten Effekt bringt, erfolgt im Herbst 2022.