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Die Frauen von Corgémontvon Helen Lagger Die Europäischen Tage des Denkmals öffnen vielerorts die Türen. Im Berner Jura laden sie zu einem Rundgang mit App. Dort prägten eine Architektin, eine Literatin und eine Frauenrechtlerin das Dorf Corgémont.
Wenn die Konstruktion solide ist und die Proportionen elegant sind, dann ist ein Gebäude gelungen. Das befand die Architektin Jeanne Bueche (1912–2000), die Erbauerin der Kirche Saint-Nicolas de Flüe in Corgémont. An der 29. Ausgabe der Europäischen Tage des Denkmals kann man nun mehr über die umtriebige Architektin, die sich auf religiöse Architektur spezialisierte, erfahren.
Geistige Enge und Geldprobleme
Die Denkmalpflege des Kantons Bern stellt dazu mit «Drei Frauen» eine App bereit, die es erlaubt, die Gemeinde Corgémont im Berner Jura neu zu entdecken. Man folgt den Spuren dreier Frauen, die den Ort geprägt haben, macht halt an wichtigen Standorten, wobei Bild- und Audiomaterial einiges über deren Leben und Wirken vermittelt. So lernt man etwa die Literatin Isabelle Morel-de Gélieu (1779-1834) kennen, die Tochter eines Pfarrers, die durch ihre Heirat mit dem Pastor Charles-Ferdinand Morel nach Corgémont kam. Die Intellektuelle verfasste hier 1803 ihren ersten und einzigen Roman, «Louise et Albert». Ihre Schreibtätigkeit konnte sie als Ehefrau und Mutter fortan kaum mehr weiterverfolgen. Entsprechend litt sie unter der geistigen Enge, unter der Bourgeoisie und unter dem Patriarchat. Geldprobleme und Meinungsverschiedenheiten in ihrer Ehe machten ihr das Leben zusätzlich schwer. Erst um 1820 konnte sie die Übersetzung zahlreicher deutschsprachiger Autoren ins Französische in Angriff nehmen – unter anderem auch ein Werk von Pestalozzi.
Ihre Mühe mit patriarchalen Strukturen hatte auch Julie Ryff-Kromer (1831-1908). Die gebürtige Baslerin kam ebenfalls durch eine Heirat nach Corgémont. Früh verwitwet, musste sie sich gegen viele Widerstände durchsetzen, um das Geschäft ihres verstorbenen Mannes weiterführen zu können. Die App erklärt, wie sich Ryff-Kromer für Frauenrechte stark machte.
Restaurierung mit Auszeichnung
Die wichtigste Station des ungefähr einstündigen Rundgangs ist die von Jeanne Bueche entworfene Kirche, die 1959 eingeweiht wurde. Die Restaurierung des Innenraumes durch die Architektin Christine Rais El Mimouni erhielt 2022 den Spezialpreis der Fachkommission für Denkmalpflege des Kantons Bern. Barbara Frutiger von der Berner Denkmalpflege ist überzeugt: «Auch Jeanne Bueche hätte diese sanfte Renovation und die Neugestaltung des Chors gefallen.»
Europäische Tage des Denkmals: diverse Orte
Sa., 10., und So., 11.9.
«Drei Frauen»: Chemin du Docteur-Eguet 7, Corgémont
www.hereinspaziert.ch