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Douglas W. Freshfield: Italian Alps
Unter obigem Titel hat Herr D. W. Freshfield, Redactor des Alpine Journal und Verfasser der « Travels in the Caucasus and Bashan ( London 1869 ) », vor fünf Jahren eine Reihe trefflich geschriebener Schilderungen von Bergfahrten im italienischen Sprachgebiete der Alpen veröffentlicht. So sehr dieses Werk in England gewürdigt worden ist, so wenig scheint es bisher in den alpinen Kreisen des Continentes bekannt geworden zu sein; die Redaction des Jahrbuches macht es sich deshalb zur angenehmen Pflicht, die Aufmerksamkeit des S.A.C. auf das werthvolle Buch zu lenken. Das Gebiet der « Italian Alps » erstreckt sich von der Toce im Westen bis zu den Thälern der Boita und der Piave im Osten; es umfasst also die Tessiner Alpen, die Bergeller Berge, die Gruppe östlich vom Bernina zwischen dem Engadin und dem Veltlin, die Bergamasker Berge, Val Camonica und Judicarien, die Adamello- und die Brentagruppe und östlich von der Etsch die Berge und Pässe von Val Primiero im Südtyrol und Val di Zoldo in der italienischen Provinz Belluno. Es ist also ein weites und schönes, dem S.A.C. grösstenteils noch wenig bekanntes Bergland, aus dem Herr D. W. Freshfield eine Blüthenlese darbietet, und er schildert dasselbe in einer Weise, die in gleicher Weise von der Feinheit seiner Beobachtung und der Kraft und Anschaulichkeit seiner Darstellung Zeugniss ablegt. Ueberall weht uns aus seinen Schilderungen ein Hauch warmen Naturgefühls entgegen und meisterhaft versteht er es, in wenigen, markigen Zügen die eigenthümliche Schönheit der italienischen Alpenwelt zu charakterisiren, die in so schroffem Contraste die Fels- und Eispracht des Hochgebirges mit der üppigen Vegetation und den warmen Lufttönen des Südens vereinigt. Von besonderem Interesse für den S.A.C. sind die Capitel III und IV ( die Gipfel und Pässe des Val Masino ), welche zu unserem Itinerar der Bergeller Berge eine willkommene Ergänzung bilden, indem sie den Südabhang dieser Kette und die Uebergänge von den Bagni di Masino nach dem Bergell in eingehender Weise schildern. Von ausserschweizerischen Gipfeln, welche das Buch bespricht, sind hervorzuheben der Adamello, die fresa-nella, die Cima di Brenta, Cima Tosa, Cima di Vezzana und, last not least, der jähe Felskoloss des Pelmo. Nicht immer aber bewegt sich Herr D. W. Freshfield auf Fels und Gletscher; er verschmäht es auch nicht, gemächlich im Thale zu schlendern Hier wird er von einem schönen Landschaftsbilde gefesselt; da lauscht er alten Sagen und Geschichten; dort führt er uns zu alten, mit Fresken geschmückten Kirchen des Val Rendena. Wie dem Lande, schenkt er auch den Leuten, den sesshaften wie den reisenden, den Bergbewohnern, den Bergfreunden und den Berghassern, seine Aufmerksamkeit, und wenn hiebei gelegentlich ein kleiner Seitenhieb gegen deutsche und schweizerische Bergsteiger abfällt, so wollen wir denselben ebenso harmlos annehmen, wie er gegeben worden ist; er ist jedenfalls lange nicht so schlimm, wie die acute Anglophobie, die hie und da in alpinen Schriften des Continents zu Tage kommt. Und gerade die « Italian Alps » geben uns ja den besten Beweis, dass es den englischen Bergsteigern nicht immer nur um den Sport der Gipfelstürmerei, sondern auch um die Erforschung der Alpen in jeder Richtung zu thun ist.
Zehn meist vorzüglich ausgeführte Holzschnitte, unter denen die Ansicht der Cima Tosa und die Felspartie am Pelmo die effectvollsten sind, gereichen dem Werke zur Zierde.Von Karten sind beigegeben eine Generalübersicht des besprochenen Gebietes, eine Skizze der Primierogruppe und drei der englischen Clubkarte entnommene Kärtchen der Tessiner Alpen, der Bergeller Berge und der Adamello- und Brentagruppe Ein practisches Itinerar der italienischen Alpen findet sich im Anhang.A. W.