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19. April 2011
Vor längerer Zeit habe ich in einem Beitrag eine Sammlung von Hörtexten mit Transkription veröffentlicht. Ich hatte damals vor, diesem Beitrag einen weiteren mit möglichen Übungsformen folgen zu lassen. Es hat etwas länger gedauert als geplant, aber endlich ist es soweit.
Niveau und Textsorten
Die Aufgabenformen sind so gedacht, dass sie im Prinzip mit jedem Hörtext mit Transkription funktionieren. Zum Teil sind sie von den Textsorten, aber nicht von den Themen abhängig. Im Prinzip kann man auch schon auf tiefen Niveaus vieles umsetzen; das Materialangebot ist allerdings deutlich kleiner.
Umsetzung
Es ist wichtig, einen Aufgabentyp mindestens einmal (bei grösserer Komplexität auch mehrmals) mit den Lernenden durchzuspielen, damit sie später selbständig mit den Texten arbeiten können. Auf diese Weise kann der Hörverstehensunterricht besser an die spezifischen Bedürnisse und Interessen der Lernenden angepasst werden. Dadurch dass sie selber ein Thema und / oder eine Aufgabe wählen und / oder ihre Resultate selbständig korrigieren und evaluieren müssen, wird auch die Lernerautonomie gefördert. Wichtig ist, dass man die Lernenden dabei nicht überfordert und vom stark gelenkten Unterricht direkt in die absolute Lernerautonomie übergeht. Letzteres ist nur dann eine gute Strategie, wenn man sich beweisen will, dass Lernerautonomie nicht funktioniert.
Als Entlastung kann man zum Beispiel
- den Hörtext vorgeben und mehrere (bekannte) Aufgabentypen zur Wahl stellen
- den Aufgabentyp vorgeben und den Lernenden einige Hörtexte einer Textsorte zur Wahl stellen
- die Lösung der Lernenden selber korrigieren / kommentieren
- kleine Gruppen an einem Hörtext arbeiten lassen, die gegenseitig Hypothesen austauschen und auch gemeinsam korrigieren.
Aufgabentypen
- Alle Formen des (lauten oder stillen) Mitlesens
- Beim Hören unbekannte Wörter zum Nachschlagen notieren. Die Rechtschreibung können sie anschliessend mit der Transkription kontrollieren.
- Notizen zu einem Hörtext erstellen und dann selber überprüfen, ob die Informationen stimmen und das Wichtigste dabei ist.
Bevor man das die Lernenden alleine machen lässt, sollte man unbeding thematisieren, wie man Notizen nimmt. Es ist auch sehr hilfreich, wenn die Lernenden zuerst Aufgrund des Titels, evtuellen Bildern oder aufgrund ihres Vorwissens ein “Hörziel” definieren. Das hilft nachher zu entscheiden, ob eine Information nun wichtig war oder nicht. Mögliche Hörziele könnten zum Beispiel sein:
- Ich will nachher jemand anderem den Hauptinhalt erklären können.
- Ich will wissen, was der Sprecher für eine Meinung zu diesem Thema hat und notiere mir seine Argumente.
- Mich interessiert Subaspekt A und möchte wissen, was dazu gesagt wird (falls überhaupt).
- …
- Diktat eines kurzen Stücks. Dabei darf so oft wie nötig gestoppt werden. Für diese Übungsform sind stark an der Schriftlichkeit orientierte Hörtexte besser geeignet als mündliche.
- Lückentexte erstellen. Entweder in Partnerarbeit gegenseitig (mit unterschiedlichem Text) oder Lückentext selber präparieren und erst einige Tage später hören. Sinnvolle Lücken zu setzen, ist nicht so trivial, wie es sich anhört. Am besten einmal im Unterricht ausprobieren (alle nehmen den gleichen Text, geben das Blatt ab und erhalten ca. eine Woche später ein anderes zum Lösen) und anschliessend thematisieren, welche Lücken sinnvoll waren etc.
- Transkription in ein Wordle umformatieren. Aufgrund des Wordles (am besten in Gruppen oder Partnerarbeit) Hypothesen zum Inhalt des Hörtextes aufstellen. Anschliessend die Hypothesen am Hörtext überprüfen. Wenn möglich zu zweit oder zu dritt darüber diskutieren. Erst am Schluss mit der Transkription vergleichen und evtl. die Lehrperson hinzuziehen.
- Für Nachrichten: W-Fragen notieren und beantworten.
- Für Texte mit vielen Zahlen (z.B. Welt in Zahlen ohne Bild): Zahlen und Kontext (z.B. Einheiten) notieren.
- Die Transkriptionen der gewählten Hörtexte zwischen Partnern tauschen. Jeder liest die Transkription seines Partners und schreibt sich eine festgelegte Anzahl wichtiger Konzepte/Aussagen heraus (Achtung: dieser Punkt ist wichtig: es soll nicht darum gehen, möglichst Skurriles aus dem Text zu holen). Diese werden auf dem Blatt durcheinander gewürfelt. Jeder hört jetzt den ursprünglich ausgewählten Text und ordnet die Konzepte wieder in der richtigen Reihenfolge. Beim zweiten Hören ergänzt jeder Punkte, die ihm wichtig scheinen. Anschliessend arbeitet das Paar wieder zusammen und vergleicht die Lösung jedes Textes mit der Transkription.
Schlussbemerkung
Mir ist wichtig festzuhalten, dass es mir fern liegt, zu behaupten, man müsse so mit Hörtexten arbeiten. Natürlich haben auch andere Formen ihre Berechtigung und ihren Platz – auch Aufgaben, die die Lehrperson (oder das Lehrwerk) im Voraus formuliert. Ganz schlecht wäre es, wenn sich das Hören immer nur auf das Mitlesen beschränken würde. Aber Transkriptionen sind – richtig eingesetzt – gute Hilfsmittel für (teil-)autonome Lernende, weil sie ihnen die Möglichkeit geben, eigene (Hör)Interessen zu verfolgen und sich selber zu kontrollieren. Wie bei schriftlichen Texten ist es aber auch beim Hören so, dass man nicht jeden Text “zu Tode verstehen” muss. Wenn am Schluss in einem schwierigen Text einzelne Konstruktionen oder Ausdrücke unverständlich bleiben, ist das in Ordnung so. Das sollte im Unterricht unbedingt immer wieder thematisiert werden.