Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/137670

<h2>SubmittedText<h2><p>Im Jahr 2012 sind in der Schweiz 13 Prozent mehr Kinder zur Welt gekommen als vor zehn Jahren. Die kantonalen Unterschiede bei den Geburtenraten sind allerdings gross. Während z. B. im Kanton Zürich ein Anstieg von 23 Prozent zu verzeichnen ist, hat im Jura die Geburtenrate in den letzten zehn Jahren um 10 Prozent abgenommen.</p><p>Die steigende Geburtenrate ist sehr erfreulich. Die Geburtenrate von heute hat aber immer eine direkte Auswirkung auf das Bildungswesen in fünf Jahren. Dann kommen die heute geborenen Kinder in den Kindergarten, zwei Jahre später in die Primarschulen. Ein Anstieg oder eine Abnahme von 10 bis 20 Prozent bei den Geburtenraten hat eine direkte Auswirkung auf die Infrastruktur und den Bedarf an Lehrpersonen, Heilpädagogen usw.</p><p>Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p>1. Ist der Bundesrat der Ansicht, dass die Kantone auf den Anstieg der Schülerzahlen vorbereitet sind?</p><p>2. Wird beispielsweise die zu erwartende Nachfrage nach Fachpersonen und Schulräumlichkeiten gedeckt werden können?</p><p>3. Wie wird sich das Verhältnis zwischen der Anzahl der Schüler und der Anzahl der Lehrkräfte entwickeln?</p><p>4. Wird dabei den anstehenden Pensionierungen von Lehrkräften Rechnung getragen?</p><p>5. Wie könnte der Bundesrat die Kantone dabei unterstützen, die Bildungsqualität in der Schweiz auf dem heutigen Niveau zu halten?</p><p>6. Zieht der Bundesrat ein nationales Monitoring der Geburtenrate und von deren Auswirkungen auf das Bildungssystem in Betracht?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat ist sich des Anstiegs der Geburtenrate in der Schweiz, wie er sich für das Jahr 2012 feststellen lässt, sehr wohl bewusst. Dabei sind je nach Kanton sowohl Zuwächse als auch Rückgänge zu verzeichnen. Der Feststellung der Interpellantin, dass sich daraus Auswirkungen auf den zukünftigen Bedarf an Lehrkräften und auf die Erfordernisse der Infrastruktur im Schulwesen ergeben, stimmt die Landesregierung zu.</p><p>Vor diesem Hintergrund beantwortet der Bundesrat die Fragen wie folgt:</p><p>1.-4. Generell ist zunächst festzuhalten, dass der Kindergarten und die obligatorische Schule in die Zuständigkeit von Kantonen und Gemeinden fallen. Ihnen obliegt es somit auch, sich auf die Folgen vorzubereiten, die sich aus den Entwicklungen der entsprechenden Schülerzahlen personell und infrastrukturell für sie ergeben.</p><p>Zudem ist darauf hinzuweisen, dass gemäss Angaben der EDK Kantone und Gemeinden über ein Instrumentarium verfügen, welches die Anzahl Schülerinnen und Schüler für die verschiedenen Schulstufen und Schulhäuser prognostiziert. Dabei werden in der Regel die jeweils aktuelle Anzahl Schülerinnen und Schüler, die erwartete Anzahl Geburten und der Wanderungssaldo, die voraussehbare Bautätigkeit sowie allenfalls sich verändernde Vorgaben wie beispielsweise die maximale Anzahl Schülerinnen und Schüler pro Klasse berücksichtigt. Damit wird bezweckt, die nötige Schulinfrastruktur langfristig zu planen und sicherzustellen.</p><p>Aufgrund der vom Bundesamt für Statistik (BFS) veröffentlichten Szenarien für das Bildungssystem (siehe Frage 6) ist schliesslich auch die Entwicklung der Pensionierungen von Lehrkräften weitgehend bekannt. Dabei geht das BFS davon aus, dass die Zahl der Pensionierungen auf der Primarstufe 2017 ihren Höhepunkt erreichen wird und dass für die Jahre 2013 bis 2017 landesweit mit einer Zunahme der notwendigen Rekrutierungen von Lehrpersonen zu rechnen ist. Die Kantone sind sich dieser Problematik bewusst. Sie haben denn auch bereits entsprechende Massnahmen ergriffen oder geplant. So hat die EDK, die für die gesamtschweizerische Anerkennung der Diplome von Lehrpersonen zuständig ist, 2012 Regelungen für die Aufnahme von berufserfahrenen Personen (Quereinsteigende) in die Lehrerausbildung festgelegt. Was die einzelnen Kantone anbetrifft, so ist auf gezielte Vorkehrungen ihrerseits beispielsweise bei der Lohnentwicklung der Lehrkräfte, auf die Schaffung von Anreizen zur Erhöhung des Pensums von teilzeitlich beschäftigten Lehrpersonen oder auf Wiedereinstiegsangebote hinzuweisen. Als erfreulich zu werten ist die Tatsache, dass die Anzahl Studierender an den pädagogischen Hochschulen zwischen 2008 und 2012 um über 40 Prozent zugenommen hat.</p><p>5./6. Bezüglich der Bildungsqualität und der Auswirkungen der Geburtenrate auf das Bildungssystem als Ganzes ist auf das nationale Bildungsmonitoring zu verweisen, das von Bund und Kantonen gemeinsam getragen wird. Der daraus hervorgehende nationale Bildungsbericht, der alle vier Jahre publiziert wird, gibt detailliert Auskunft über das Bildungswesen in der Schweiz. Der nächste Bildungsbericht wird voraussichtlich in den ersten Monaten des kommenden Jahres erscheinen.</p><p>Zu erwähnen sind auch hier die vom BFS herausgegebenen Szenarien (siehe Fragen 1-4) für das Bildungssystem. Sie behandeln für einen Zeitraum von jeweils zehn Jahren die Entwicklung der Bestände der Lernenden, der Studierenden, der Abschlüsse und der Lehrkräfte für den grössten Teil des Schweizer Bildungssystems. Die dabei berücksichtigten Entwicklungsfaktoren sind die Demografie, Trends bei der Wahl der Ausbildungen sowie die Wirtschaftslage. Aktuell liegen die Szenarien 2013-2022 vor. Sie bieten eine solide Planungsgrundlage.</p>  Antwort des Bundesrates.