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Eine Art Olympiade musikalischer Spitzentalente
Alljährlich werden die Schweizer Musikhochschulen eingeladen, ihre begabtesten Studierenden für die Teilnahme am Solistenwettbewerb anzumelden. In Frage kommt nur, wer an einer Schweizer Musikhochschule studiert, maximal 30 Jahre alt ist und eine Schweizer Adresse hat. Beteiligt haben sich die Hochschulen der Künste/Musik von Basel, Bern, Luzern und Zürich sowie die Haute École de Musique Lausanne. Von den 18 Angemeldeten konnten 12 vor der Jury aus Marc Kissóczy (Dirigent, Professor an der Zürcher Hochschule), Dieter Ammann (Komponist, Professor an der Musikhochschule Luzern) und Oliver A. Schnyder (Pianist) spielen. Vier der Eingeladenen stammen aus der Schweiz, je zwei aus Japan und Polen sowie je einer aus Österreich, Israel, Rumänien und Russland. Am Jahreskonzert mit dem Orchester argovia philharmonic können sich die von der Jury Auserkorenen erstmals als Solisten profilieren.
Das Publikum am Vorspielkonzert durfte Mitfiebern, wer die Qualifikation zur Mitwirkung am Jahreskonzert erhält. Zuerst war Amalia Maszónska (1993, Polen) an der Reihe. Sie wählte das Violinkonzert Nr. 2 von Henryk Wieniawski. Als Violinvirtuose stattete er seine Komposition mit allen Raffinessen und Anforderungen des Violinspiels aus, was der Solistin überhaupt keine Mühe machte, ob in schnellen Läufen oder einer ganzen Partie mit Doppelgriffen.
Dem folgte eine kleine Frau mit grossem Instrument: Ayaka Sato (1992, Japan) spielte auf dem Euphonium das Fagottkonzert in F-Dur Opus 75 von Carl Maria von Weber. Sie verfügte über den langen Atem, eine erstaunliche Beweglichkeit und die weiche Tonbildung, die das Stück verlangt. Auch im Klavierkonzert in G-Dur von Joseph Haydn kam nicht das Originalinstrument, sondern das Akkordeon zum Einsatz. Inga Piwowarska (1996, Polen) gelang es, das Werk weitgehend originalgetreu abzubilden. Im Konzert für Trompete und Orchester in Es-Dur (Haydn) entfaltete Morgane Grandjean (1993, Schweiz) die ganze Klangschönheit und -fülle des Originals sowie die bezaubernde Melodik, die das Konzert bekannt und beliebt machen. Ebenso bekannt (und berühmt) ist das «Exultate Jubilate» von Wolfgang Amadeus Mozart. Er schrieb es im Alter von 16 Jahren und vertonte in allen Varianten einzig das Wort «Halleluja». Nicole Wacker (1995, Schweiz, Sopran) versah es mit allem darin enthaltenen Jubel und Glanz. Camille Quinton (1992, Schweiz) erwies sich im Querflötenkonzert in d-Moll von Carl Philipp Emanuel Bach als eine Solistin, die den Glanz und die Feierlichkeit der Barockmusik vermitteln kann.
Wunschkonzert mit klassischer Musik
Der Nachmittag begann mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 C-Dur. Die Interpretation von Fuko Ishii (1991, Japan) erhob sich zur Offenbarung im Einfühlungsvermögen. Zusammen mit ihrem Begleiter holte sie alles heraus, was darin an wunderbarer, berührender Musik steckt. Ähnliches gelang Tamás Dávid (1994, Rumänien) in Mozarts 4. Violinkonzert in D-Dur. Von Vater Leopold Mozart hat Sohn Wolfgang die Violinschule übernommen, der Reichtum an Ideen und schlichter Schönheit stammt aus der eigenen Seele.
Oganes Arustamov (1992, Russland) zog nach mit der melodischen Violin-Romanze in F-Dur von Ludwig van Beethoven und stellte dieser das virtuose «Rondo Capriccioso» von Camille Saint-Saëns gegenüber, ganz im kapriziös-virtuosen Stil. Jérémie Conus (1994, Schweiz) hatte sich schon in der Pause auf seinen Auftritt vorbereitet. Das Klavierkonzert Nr. 23 (KV 488) gehört zu den berühmtesten Werken Mozarts. Dem munter-fröhlichen «Allegro» folgt ein tiefgründiges, bewegendes «Adagio», vom Solisten sehr besinnlich und einnehmend formuliert.
Ganz andere Töne schlug Amit Dubester (1990, Israel) mit dem Saxophon im «Concertino da camera» von Jacques Ibert an. Es beginnt effektvoll mit einem sprudelnden Auftakt und virtuosen Passagen, wird dann ruhig und besänftigend und mündet in ein ausgelassenes, turbulentes Finale, was nur einem technisch souveränen Solisten gelingt. Als Letzte der zwölf Mitwirkenden stellte sich Hyazintha Andrey (1995, Österreich) mit Robert Schumanns Cellokonzert in a-Moll vor. Es ist eine Fantasie in drei Sätzen mit verschiedenen Themen, die nahtlos ineinander übergehen. Das Cello bindet sich in die Begleitung ein, leise, kraftvoll, lyrisch und ausdrucksvoll.
Die Jury entschied sich für das Jahreskonzert am 15. November für Fuko Ishii, Amelia Maszońska, Hyazintha Andrej und Amit Dubester.