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Spendervoraussetzungen für die Lebendlebertransplantation
Eine Lebendleberspende ist eine hochkomplexe Operation und wird nur an hochspezialisierten Zentren durchgeführt. Wie wird operiert? Wie geht es nach der Operation weiter? Bei der Lebendlebertransplantation wird beim Spender ein Teil der Leber entnommen. Es muss deshalb zuvor sichergestellt werden, dass die Leber vor und nach Resektion eine ausreichende Grösse und Funktion hat. Die zu transplantierende Lebermasse sollte etwa ein Prozent des Körpergewichtes des Empfängers betragen: ein Empfänger von 70 kg Körpergewicht benötigt demzufolge eine Lebermasse von etwa 700 g. Bei einer linksseitigen Hemihepatektomie (Segmente II-IV ohne Segment I) liegt die Lebermasse bei 300-500 g und wäre somit nur bei grossem Spenderorgan und kleinem Empfänger ausreichend (unter 60 kg). Die Mehrheit der Empfänger hat jedoch ein Gewicht von mehr als 70 kg und der linke Leberlappen ist somit nicht für die Transplantation geeignet. Eine rechte Hemihepatektomie mit einer Lebermasse von ca. 800-900 g ist deswegen in den allermeisten Fällen notwendig.
Empfängeroperation bei Lebendlebertransplantation
Zunächst werden die Leberarterie, die Lebervenen und die Portalvene isoliert und schrittweise durchtrennt. Dann kann die kranke Leber vorsichtig von der unteren Hohlvene gelöst und entfernt werden. Je nachdem, ob die rechte oder die linke Leberhälfte transplantiert wird, muss nun die rechte oder linke Lebervene des Empfängers verschlossen werden. Das Transplantat wird jetzt in der Bauchhöhle eingebracht und eine neue Verbindung (=Anastomose) der Lebervenen, Arterien und Portalvenen durchgeführt. Abschliessend wird noch der Gallengang des Spenderorgans in den Dünndarm (Jejunum) des Empfängers eingenäht. Bei Lebendleberspenden ist durch die kurze, kalte Ischämiezeit eine sehr hohe Qualität des Spenderorgans gegeben. Deshalb sind Mortalität und Morbidität trotz des geringen transplantierten Lebervolumens niedrig.
Der Spitalaufenthalt bei einer Leberspende
Während der Operation:
Es erfolgt ein ca. 20 cm querer Schnitt im Oberbauch unter dem Rippenbogen. Die Leber wird freigelegt und die Blutgefässe für die linke und rechte Leberhälfte werden isoliert. Anschliessend wird die rechte Leberhälfte entfernt einschliesslich der Blutgefässe für die rechte Teilleber. Die linke Leberhälfte verbleibt mit den Hauptblutgefässen beim Spender.
Nach der Transplantation:
Frühphase: Nach der Operation wacht der Patient auf der Intensivstation auf und wird dort durch die Ärzte mit Hilfe verschiedener medizinischer Apparate genau überwacht. Wenn es der Allgemeinzustand erlaubt, kann bereits auf der Intensivstation Besuch empfangen werden.
Spätphase: Bereits einige Tage nach der Operation können die meisten Schläuche und Kabel entfernt werden und der Patient wird auf die Transplantations-Station verlegt. Von der Inzision können in den ersten Tagen noch Schmerzen auftreten, deshalb wird jederzeit eine entsprechende Schmerzmedikation gegeben. Innerhalb von zwei bis drei Tagen ist man wieder mobil und kann normale Nahrung zu sich nehmen. Die Patienten verbleiben bei komplikationslosem Verlauf ca. sieben bis zehn Tage im Spital.
Ambulante Phase: Ambulante Kontrollen können anfangs nach Entlassung noch notwendig sein und können in der USZ-Sprechstunde oder beim Hausarzt durchgeführt werden. Auf jeden Fall werden die Patienten nach einer Leberspende nach vier Wochen in der USZ-Sprechstunde untersucht und bei problemlosem Verlauf danach jährliche Kontrollen durchgeführt.
Weltweit sehr gute Resultate bei Leberspende
Die Lebendlebertransplantation weist weltweit sehr gute Ergebnisse auf, wobei Lebendtransplantation und Lebertransplantation von hirntoten Spendern als gleichwertig anzusehen sind. Das Einjahresüberleben beträgt weltweit für beide Formen der Transplantation ca. 85-90 Prozent. Trotz dieser exzellenten Ergebnisse besteht sowohl für den Empfänger als auch den Spender ein gewisses Restrisiko, wenn auch ein sehr geringes. Die Spenderoperation, die von sehr erfahrenen Transplantationschirurgen an Transplantationszentren durchgeführt wird, ist heute als eine sehr sichere Operation anzusehen. Wie auch bei anderen Leberoperationen können jedoch auch hier Komplikationen wie Infektionen, Nachblutungen, Leberfunktionsstörungen, Thrombose und Embolie eintreten. Das Risiko eines Spenders an der Operation zu versterben beträgt weltweit 0,3 Prozent (1 von 300 Patienten). Das Risiko der Lebendlebertransplantation für den Empfänger entspricht dem der Lebertransplantation von Organen verstorbener Spender und ist deshalb nicht als gefährlicher anzusehen. Am USZ haben bisher alle Lebendspender die Spenderoperation gesund und ohne Komplikationen überstanden und führen heute ein völlig normales Leben.
Andrea Schlegel, Viszeralchirurgie USZ
Beat Müllhaupt, Hepatologie USZ
Philipp Dutkowski, Viszeralchirurgie USZ
Pierre-Alain Clavien, Viszeralchirurgie USZ