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Bis ins Jahr 2050 wollen wir in Kooperation mit Landwirten und der lokalen Bevölkerung 50’000 Hektar Esswälder auf Landwirtschaftsland pflanzen. Doch was genau sind Esswälder und was haben sie mit Biodiversität, Humusaufbau, regionaler Selbstversorgung, dem Klimawandel und CO2 Speicherung zu tun? Die Antworten hierzu finden sich im folgenden Artikel. Doch vorab gehen wir etwas in die Vergangenheit.
Es war einmal..
Vor 75 Jahren war die Schweiz auch ausserhalb der Wälder noch voll von Bäumen. Obst- und Nussbäume zierten die Landschaften rund um die Weiler und Dörfer.
Schauen wir uns einen für die damalige Zeit typischen Weiler etwas nördlich der Stadt Zürich an, ergibt sich ein wunderbares Bild. Unzählige Bäume säumten die Liegenschaften im Jahr 1945.
Die Industrialisierung hält Einzug in der Landwirtschaft
Doch dann, nach Kriegsende benötigte die Industrie, welche eben noch Waffen, Fahrzeuge und Bomben baute, neue Tätigkeiten und damit auch neue Märkte.
Die Industrialisierung der Landwirtschaft begann und nun setzte man auf die Herstellung von Kunstdünger. Der dazu nötige Stickstoff, welcher ursprünglich für den Bau von Bomben gebraucht wurde, war noch in Unmengen vorhanden. Und anstelle von Militärfahrzeugen baute man nun landwirtschaftliche Maschinen. Und diese Produkte mussten verkauft werden.
Die kleinbäuerlichen Strukturen mit ihren zerstückelten und kleinen Ackerflächen sowie den Bäumen auf den Feldern waren nicht unbedingt geeignet für den Absatz. Doch man wusste sich zu helfen. Und wie üblich im grossindustriellen Marketing wurde die Politik einbezogen und diese zeigte sich hilfsbereit. Sie bezahlte die Bauern für das Abholzen und legte das Direktzahlungssystem entsprechend darauf aus, dass Flächen zusammengeschlossen und immer grössere Flächen durch immer weniger Landwirte bewirtschaftet werden konnten. Mit immer grösseren Maschinen natürlich. Zudem wurde die Milchwirtschaft in einem Masse subventioniert, dass man aus finanzieller Sicht nicht lange überlegen musste um die Bäume durch Weiden und Futterbau zu ersetzen.
Und dies funktionierte. Viele Bäume wurden gefällt und das Resultat wird ersichtlich, wenn wir uns den obigen Weiler in einer aktuelleren Aufnahme anschauen.
Einzelnes Streuobst ist noch verblieben, doch musste der grösste Teil dieser Bäume in der Schweiz der Milchwirtschaft und dem maschinellen Ackerbau weichen, der gemäss den Versprechungen der Industrie viel lukrativer sein sollte. Schaut man sich jedoch die Höhe der Subventionen an, die dieses System heute am Laufen halten sowie die wirtschaftliche Situation der meisten Bauern, zeigt sich ein anderes Bild. Lukrativ ist es zwar, jedoch hauptsächlich für die Industrie. Klar, auch die Konsumenten tragen ihren Teil zum stetig sinkenden Einkommen der Bauern bei. Denn die Ausgaben für Lebensmittel finden sich meist sehr weit unten in der Prioritätenliste des durchschnittlichen Schweizer Haushaltes. Hier sind alle in der Verantwortung.
Doch nicht nur das Verschwinden vieler Bäume ist eine der Konsequenzen der Agrarindustrialisierung. Zusätzlich sehen wir uns konfrontiert mit einer starken Verdichtung und Erosion der Böden und der damit einhergehenden Probleme im Falle von sich häufenden klimatischen Extremereignissen. Starke Niederschläge führen zu Überschwemmungen da die Böden das Wasser nicht mehr aufnehmen können. Dieses fehlt dann wiederum in Dürreperioden, welche nur noch mit Bewässerung durchgestanden werden können. Das Wasser hierfür wird nun zu einem grossen Teil dem Grundwasser entnommen und die Grundwasserpegel sinken. Schliesslich verwandelt sich die Landschaft früher oder später in eine Wüste.
Im Norddeutschen Brandenburg beispielsweise, die durchschnittliche Betriebsgrösse liegt hier bei etwa 245 Hektar (vs. 20 Hektar in der Schweiz), zeigen sich diese Entwicklungen auf dramatische Weise. Vor etwa 10 Jahren waren nach einer Dürreperiode die humusarmen Böden so ausgetrocknet, dass es zu einem Sandsturm kam.
Aber nicht nur die Böden leiden, auch haben die monokulturelle Bewirtschaftung und der Einsatz von Pestiziden die Diversität und Anzahl der Pflanzen und Insekten auf ein Minimum schrumpfen lassen. Pro Tag sterben weltweit etwa 150 Arten aus. Und die Abwärtsspirale dreht immer schneller. Auf den erodierenden Böden werden die Ernten geringer und müssen durch immer stärkeren Einsatz von Dünger und Pflanzenschutz gestützt werden. Dies macht die Ausgangslage für die nächsten Jahre nicht besser.
Lösungen sind vorhanden
Doch genug der Tragik, nicht alles liegt im Argen und eine Veränderung findet statt, auch wenn vorab sehr langsam und erst im kleinem Rahmen. Inzwischen gibt es wieder Direktzahlungen für das Pflanzen und Stehenlassen von Obstbäumen und für die Förderung der Biodiversität. Der Absatz biologischer Lebensmittel steigt, Demeter hat Einzug bei den Grossverteilern gefunden und weitere neue Formen der Landwirtschaft verbreiten sich.
Im Jahr 2019, dank grossem Einsatz der Permakultur Vereine in der Schweiz (Permakultur Landwirtschaft & Permakultur Schweiz), wurde die Permakultur offiziell in die Direktzahlungsverordnung aufgenommen. Ein Meilenstein und die Befreiung der Permakultur aus der Image-Nische des Selbstversorgergartens. Gleichzeitig stellen immer mehr Landwirte auf Regenerative Landwirtschaft um (Regenerative Agrikultur in der Schweiz & Agricultura Regeneratio).
Wie auch in der Permakultur, geht es bei der Regenerativen Landwirtschaft um eine multifunktionale Landnutzung wobei der Hauptfokus im Rahmen einer ganzheitlichen Bewirtschaftung auf dem Humusaufbau liegt. Dazu gehören eine minimale Bodenbearbeitung, Dauerbegrünung, Flächenkompostierung, Direktsaat, Unterbepflanzungen, Mischkulturen, Holistisches Weidemanagement, Keyline Design etc. und schlussendlich der komplette Verzicht auf Pflug, Gift und Kunstdünger, da diese dem Bodenleben schaden.
Denn man hat gelernt, dass nur gesunde Böden gesunde Pflanzen hervorbringen können. Und je höher der Humusanteil desto fruchtbarer und gesünder ist der Boden mit seinen Mikroorganismen und Mykorrhiza und desto mehr Wasser kann zurückbehalten werden. Dies führt in Kombination mit der höheren Biodiversität zu mehr Widerstandskraft und speichert zudem noch eine ganze Menge CO2 im Boden und in den Pflanzen.
Zudem gehen solch regenerative Praktiken noch einen Schritt weiter als reine Nachhaltigkeit. Die Gestaltung und Bewirtschaftung werden darauf ausgerichtet, dass das System regenerieren kann, d.h. dass sich der Zustand von Jahr zu Jahr verbessert. Im Gegensatz dazu kann „Nachhaltigkeit“ lediglich als Bewahren des Status Quo angesehen werden. Dies macht Sinn wenn das Ökosystem vollkommen intakt ist. Doch im aktuellen Fall benötigen wir definitiv regenerative Ansätze um gesunden zu können.
Ebenfalls sind Bäume wieder ein immer stärker genutztes Element welches auf unterschiedliche Arten eingesetzt wird. Der Überbegriff lautet hier Agroforst, eine Bewirtschaftungsform welche Bäume mit Ackerland, Wiesen und Weiden kombiniert.
Auch die von Ernst Götsch entwickelte Syntropische Landwirtschaft kann der Kategorie Agroforst zugeordnet werden. Es handelt sich hierbei um Mischkulturen aus Bäumen, Sträuchern und Gemüse, welche sich gegenseitig unterstützen und folglich auf externen Dünger und Pflanzenschutz verzichtet werden kann.
Waldgärten und die Gestaltung von Ökosystemen
Nun, auch Waldgärten, im englischen Forest Gardens resp. Food Forests, auch übersetzt als Nahrungswälder oder eben Esswälder, können als Agroforst betrachtet werden. Einer der Hauptunterschiede zu den meisten Agroforstsystemen jedoch, welche zwecks Effizienz meist in Reihen gepflanzt werden, liegt darin, dass die Waldgärten grundsätzlich über keine solch straffe Geometrie mehr verfügen. Sie gleichen in ihrem Aussehen einem lichten Wald. Und es handelt sich dabei nicht etwa um Gärten in einem Wald, an was die meisten denken wenn sie zum ersten Mal etwas von Waldgärten hören, sondern einfach um von Grund auf geplante Waldsysteme. Mit dem Hauptunterschied im Vergleich zu einem herkömmlichen Wald, dass hier das Augenmerk auf Nahrungspflanzen und entsprechend unterstützende weitere Gewächse sowie Nutzpflanzen gesetzt wird.
Wie in einem natürlichen Wald, handelt es sich dabei grösstenteils um mehrjährige resp. sich selbst versamende Pflanzen. So lehnen sich auch die Prinzipien der Gestaltung an denjenigen eines natürlichen Waldes an. Denn ein solcher ist selbsterhaltend in seiner Natur, ein Kreislaufsystem, bei welchem sämtliche Bedürfnisse durch sich selbst gedeckt sind. D.h. einen natürlichen Wald muss man weder giessen noch düngen und «Unkraut jäten» ist kein Thema. Jede Pflanze erfüllt hier eine Funktion und die Vielfalt an Pflanzen liefert alle nötigen Nährstoffe, welche im Boden verfügbar gemacht werden durch ein riesiges Netz von Mykorrhiza und Milliarden von Mikroorganismen. Und der humose Boden speichert genügend Wasser um jegliche Trockenperioden durchzustehen. Man spricht in diesem Fall auch von Ökosystem Design.
Gepflanzt wird im dreidimensionalen Raum auf üblicherweise sieben Ebenen: Hohe Bäume, kleinere Bäume, Sträucher, Stauden, Bodendecker sowie Wurzelpflanzen und Ranken. Pilze können als weitere Schicht hinzugezählt werden.
Zusätzlich wird die vierte Dimension der Zeit miteinbezogen, d.h. die gleichen Plätze im Raum werden über die Zeit durch verschiedene Pflanzen genutzt, was auch als Sukzession bezeichnet wird. Hierbei wird nicht nur der Jahresverlauf geplant, sondern beinhaltet die Planung eines Waldgartensystems meist die nächsten 20 – 30 Jahre und mehr. Analog den Prozessen in der Natur, wo über Jahrzehnte ein blanker Fleck Erde zu einem Wald gedeiht, startet auch ein Esswald vielfach mit der Pflanzung von Pioniergewächsen. Diese schaffen die Bedingungen für zukünftige Produktivpflanzen, welche die Pioniere im Verlauf der Zeit ablösen.
Esswälder sind übrigens keineswegs eine neue Erfindung, so wie im Generellen auch nicht die Prinzipien der Permakultur oder diejenigen der Regenerativen Landwirtschaft. Vielmehr handelt es sich hierbei um die Wiederentdeckung von Anbausystemen, welche weltweit während Tausenden von Jahren genutzt wurden. Zusätzlich bestehen diese Konzepte vor allem auch aus Erkenntnissen über die Funktionsweise der Natur als Ökosystem, welche durch genaues Beobachten natürlicher Vorgänge gewonnen wurden.
Waldgärten in ihrer ursprünglichen Form haben grösstenteils in den Tropen überdauert. Denn die starke Sonneneinstrahlung und das konstant feuchte und warme Klime sind hierfür ideal und die nassen Böden lassen maschinellen Ackerbau nur schlecht zu.
Seit den 50er Jahren finden Waldgärten auch in Europa schrittweise wieder Einzug. Robert Hart aus England leistete hier die Pionierarbeit indem er einen Waldgarten nach dem Konzept der tropischen Food Forests pflanzte, jedoch angepasst auf das gemässigte Klima. Er schrieb darüber, machte Führungen und inspirierte unzählige Menschen, vor allem in England, solche Ökosysteme in ihren Gärten anzulegen. Etwa zur gleichen Zeit entwickelte Masanobu Fukuoka in Japan das Prinzip des „Natural Farmings“ und in den Folgejahren brachten Bill Mollison und David Holmgren aus Australien die ersten Texte zur Permakultur heraus worin das Konzept des Waldgartens zentraler Aspekt war im Modell der „Permanent Agriculture“.
Geoff Lawton, ein weiterer Begleiter Bill Mollisons, gestaltet solche Systeme nun weltweit in allen Klimazonen. Er zeigt mit seinen Projekten seit Jahren, wie effektiv diese Gestaltungsmethoden sind und sogar Wüsten wieder fruchtbar gemacht werden können. Wie beispielsweise in Jordanien, mit dem «Greening the Desert» Projekt.
Der in Europa bekannteste Food Forest ist aktuell wohl derjenige von Martin Crawford in England, welchen er inspiriert von Robert Hart vor 20 Jahren gepflanzt und inzwischen auch unzählige Bücher zum Thema verfasst hat.
Aber nicht nur in England, auch in Amerika, Australien sowie dem europäischen Festland sind Esswälder wieder im Kommen, hauptsächlich jedoch in privaten Gärten. In der Landwirtschaft ist dieses System grösstenteils noch unbekannt, denn Maschinen werden in den Food Forests wieder durch Handarbeit ersetzt und die Natur lässt sich Zeit. Denn v.a. die langlebigen Obst- und Nussbäume brauchen Jahre bis Jahrzehnte bis sie ihren produktiven Lebensabschnitt antreten.
Zudem steht für viele die Wirtschaftlichkeit noch in Frage und das benötigte Wissen für die Planung und Bewirtschaftung fehlt. Auch sind die Aufwände für das Betreiben eines Esswaldes vor allem am Anfang nicht zu unterschätzen, d.h. für eine durchdachte Planung, die Pflanzungen, die Pflege der Jungpflanzen und die schrittweise Anpassung basierend auf intensiver Beobachtung v.a. in den ersten Jahren. Doch sobald das System einmal etabliert ist, im Schnitt nach etwa 5 – 7 Jahren, reduziert sich der Aufwand stetig und besteht schlussendlich lediglich noch gelegentlichen Neupflanzungen und hauptsächlich in der Ernte der diversen Erträge. Und die werden von Jahr zu Jahr grösser.
Wouter van Eck und Pieter Jansen aus Holland haben das Potential von Esswäldern für die Landwirtschaft bereits erkannt und 2009 auf 2.4 Hektar ehemaligem Ackerland den «Food Forest Ketelbroek» gepflanzt.
Und das Modell scheint zu funktionieren, denn ihre nächsten landwirtschaftlichen Waldgartenprojekte sind lanciert. Nun pflanzen sie zwei Esswälder auf 20 resp. 30 Hektar.
Auch in Deutschland tut sich was. Als Teil des Bundesprogrammes für biologische Vielfalt untersucht der Verein STATTwerke e.V. auf insgesamt 11 Hektar, aufgeteilt in fünf Modellflächen, die Wirtschaftlichkeit verschiedener Waldgartensysteme. Das Ziel besteht darin, solche Systeme grossflächig als zukunftsweisende landwirtschaftliche Produktionssysteme zu etablieren.
Die Zeit ist reif für Esswälder in der Schweiz
Bei uns beschränken sich Esswälder nach wie vor hauptsächlich auf Privatgärten oder, sofern auf Landwirtschaftsland gepflanzt, befinden sie sich noch in einer eher frühen Phase. Und viele gibt es nicht davon. Genau dies wollen wir ändern und planen in den nächsten Jahrzehnten an die 50’000 Hektar Esswälder auf Landwirtschaftsland zu pflanzen. Ebenfalls auf öffentlichem Grund, d.h. in Städten und Gemeinden, doch dazu mehr in einem weiteren Artikel.
Weshalb genau 50’000 Hektar? Nun, in der Schweiz gibt es aktuell noch etwa 50’000 Landwirtschaftsbetriebe. Und wie der Bauerngarten und die Streuobstwiese früher einmal zu jedem Gehöft gehörten, sollte unserer Meinung nach in der heutigen Zeit ein Esswald fester Bestandteil jedes Bauernhofs sein. Im Durchschnitt wären dies dann etwa 1 Hektar pro Hof.
Die Erfahrungen aus Holland zeigen, dass mit der enormen Steigerung der Biodiversität auch die umliegenden Ackerflächen stark profitieren konnten. Denn Esswälder dieser Grösse beheimaten nicht weniger als 500 und mehr Arten an Pflanzen und bieten Habitat für unzählige Nützlinge. Dies setzt natürlich ein enormes Pflanzenwissen voraus sowie entsprechende Kenntnisse der Ökosystemgestaltung worüber die wenigsten Landwirte aktuell verfügen. Denn die landwirtschaftliche Ausbildung fokussiert sich nach wie vor grösstenteils auf den monokulturellen Anbau einjähriger Gewächse. Und die Zeit und Energie, sich umfassend in neue Gebiete einzuarbeiten fehlt den meisten, denn der Aufwand der Bewirtschaftung bringt viele schon jetzt ans Limit.
Gleichzeitig steigen die administrativen Aufgaben stetig und um wenigstens noch kostendeckend wirtschaften zu können, muss man sich zudem mit neuen Vermarktungsformen auseinandersetzen. Die Direktvermarktung über Hofläden, solidarische Landwirtschaft etc. bringen zwar den Vorteil eines höheren Erlöses, doch kommen damit natürlich auch weitere Aufwände hinzu. Nichtsdestotrotz gehen diese Ansätze in eine gute Richtung, denn Direktvermarktung heisst auch, dass nicht mehr ein Grossteil der Erträge von Zwischenhändlern abgezwackt wird und die Produkte auch wieder vermehrt lokal und regional konsumiert werden. Zudem hat diese Art der Vermarktung den positiven Nebeneffekt, dass immer mehr Menschen auch wieder in den Kontakt mit den Produzenten kommen, sehen wie ihr Essen produziert wird und teilweise auch schon aktiv mithelfen.
Genau hier möchten wir ansetzen und sogar noch einen Schritt weitergehen. Und zwar wollen wir Kooperationen schaffen zwischen der lokalen Bevölkerung und den Landwirten. Denn Esswalderträge beinhalten eine Unmenge an Erwerbsmöglichkeiten, für welche das Wissen und die Begeisterung bei vielen Menschen bereits vorhanden sind, doch ihnen die Möglichkeiten fehlen, diese auszuleben. Und wir sprechen hier nicht nur von der Obst- und Nussbaumwirtschaft, dem mehrjährigen Gemüseanbau oder der Pilzzucht. Auch die Weiterverarbeitung der Lebensmittel durch Einmachen, Brauen, Fermentieren und Dörren sind potentielle Erwerbszweige. Und Esswälder beinhalten bei weitem nicht nur Lebensmittel als Ertrag. Auch Blüten und Blumen, Jungpflanzen, Heilkräuter, Erholung, Holz, Fasern, Futter, Farbstoffe, Wissen, Schönheit usw. gehören dazu. Oben drauf kommen noch die unzähligen ökologischen Dienstleistungen sowie therapeutische Effekte welche einem solchen System inhärent sind.
Das Konzept EssWaldLand
Unsere Vision besteht aus einer Kooperation der Landwirte, welche das Land zur Verfügung stellen, und Gruppen von Menschen aus den verschiedenen Disziplinen. Zusammen pflanzen, pflegen und ernten wir die Esswälder und erwirtschaften dabei ein Auskommen. Ähnlich dem Prinzip der solidarischen Landwirtschaft, bei welcher auch heute bereits vielfach nicht mehr die Landwirte alleine das Land bewirtschaften.
EssWaldLand als Organisation hilft hierbei in der Planung der Ökosysteme, der Startfinanzierung von Pflanzungen, der Wissensvermittlung, der Vermarktung und begleitet die Gruppen vor allem auch in der Art und Weise wie sich diese organisieren. Denn die klassischen hierarchischen Organisationsformen sind grösstenteils nicht mehr adäquat in der heutigen schnelllebigen Zeit. Zudem verhindern sie meist auch die Entfaltung der Potentiale der Beteiligten. Dezentrale Selbstorganisation ist unser Ansatz. Denn diese ist, genau wie natürliche Ökosysteme und auch die Esswälder selbst, nach den Prinzipien eines lebendigen Systems gestaltet. Voraussetzung ist lediglich, dass jede beteiligte Person volle Verantwortung übernimmt. Doch ist dieser Schritt einmal getan, dann kann die kollektive Intelligenz, auch Schwarmintelligenz genannt, entstehen. Der positive Effekt dabei ist, dass die Menschen aufblühen können, analog den Pflanzen in einem funktionierenden Ökosystem. Denn regeneratives Design funktioniert auch in der Organisationsentwicklung.
Zudem agieren wir als Vernetzungsplattform für den Wissensaustausch der verschiedenen Projekte, unterstützen die Crowdfinanzierung neuer Projekte und betreiben Forschung in Zusammenarbeit mit Hochschulen im Bereich Bodenaufbau, Biodiversität, mehrjährige Mischkulturen, Ökosystemdesign, Ernährung etc. Wir wollen Wissen schaffen und zur Verfügung stellen. Und das ganze nach den Prinzipien des Open Source. Denn Wissen sollte allen frei zur Verfügung stehen, eine nach unserer Ansicht notwendige Grundlage für effektive Forschung und Entwicklung.
Nun, in der Permakultur spricht man üblicherweise davon, dass 50 Quadratmeter Land ausreichen, um eine Person ernähren zu können. Vorausgesetzt natürlich, dass gemäss den Prinzipien der Permakultur angebaut wird. Nehmen wir nun die prognostizierten 10 Millionen Einwohner der Schweiz bis ins Jahr 2040, würden wir gemäss der Permakultur wiederum die 50’000 Hektar Land benötigen. In diesem Fall um die Schweiz mit Lebensmitteln zu versorgen. Das wären übrigens gerade mal etwa 5% der aktuellen landwirtschaftlichen Nutzfläche von etwa 1 Mio Hektar.
Zu utopisch? Macht nichts, denn jede Steigerung der lokalen und regionalen Versorgung ist uns recht. Jede Person die ihre Interessen und Stärken innerhalb einer Selbständigkeit in Zusammenhang mit einem lokalen Esswald ausleben kann, macht uns glücklich. Und mit einem dezentralen Flächennetz von 50’000 Hektar neuen Ökosystemen welche eine Fülle an Nahrung liefern, über eine enorme Biodiversität verfügen und dabei auch noch Medizin, Fasern, Farbstoffe, Futter, Blumen, Blüten, Erholung, Schönheit und vieles mehr produzieren und davon jedes Jahr mehr mit stetig sinkendem Aufwand, wären wir schon sehr zufrieden. Auch wenn für die volle Selbstversorgung der Schweiz noch etwas mehr der restlichen 95% Landwirtschaftsland benötigt würden.
Nun denn, lasst uns Esswälder pflanzen!
Mach mit und
Damit pflanzt du nicht nur Bäume, sondern ganze Ökosysteme. Und Biodiversität. Und CO2 Speicherung. Und Resilienz gegenüber dem Klimawandel. Und unterstützt den Weg hin zu einer regional selbstversorgten Schweiz. Und, und, und..