Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03552.jsonl.gz/946

Der Irak (kurdisch Komara Îraqê) ist ein grossteils arabischer Staat in Vorderasien. Er grenzt an Kuwait, Saudi-Arabien, Jordanien, Syrien, die Türkei, den Iran (Persien) und den Persischen Golf und umfasst den grössten Teil des zwischen Euphrat und Tigris gelegenen „Zweistromlandes“ Mesopotamien, in dem die frühesten Hochkulturen Vorderasiens entstanden sind, sowie Teile der angrenzenden Wüsten- und Bergregionen. Er wird zu den Maschrek-Staaten gezählt.
Der heutige Irak entstand 1920/21 aus den drei osmanischen Provinzen Bagdad, Mossul und Basra. Seit dem Irak-Krieg 2003 befindet sich der Irak unter militärischer Besatzung durch Truppen einer von den Vereinigten Staaten geführten internationalen Koalition. 2009 verliessen die Besatzungstruppen die Städte, bis 2012 sollen sie komplett abgezogen werden.
Landschaft und Natur
Die von Euphrat und Tigris eingeschlossenen Gebiete Mesopotamiens bilden auch heute noch das Kernland Iraks. Aus dem Flugzeug sind die bewässerten Grünzonen rechts und links der beiden Flüsse und die grossen Ballungsräume gut zu erkennen: Im Norden – etwa 100 km von der syrischen und türkischen Grenze entfernt – die Stadt Mosul mit über einer halben Million Einwohner, in der Mitte des Landes die Hauptstadt Bagdad mit ihrer Viermillionen-Bevölkerung und im Süden am Shatt Al Arab die über 600’000 Bewohner zählende alte Handels- und Hafenstadt Basrah.
Da die jährliche Regenmenge im Bereich der Flüsse nur in Ausnahmefällen für die Landwirtschaft ausreicht, werden diese Gebiete seit dem Altertum bewässert. Die Palmenhaine und Zitrusgärten östlich von Bagdad waren bereits in der frühislamischen Zeit berühmt. Auf dem Wege von Bagdad zur iranischen Grenze sind in der Stadt Kut al Amara (Al Kut) noch heute die alten Wasserräder am Tigris zu besichtigen. Auch dort werden auf beiden Seiten des Flusses, wie in alten Zeiten, Obst und Gemüse angebaut. Die Bewässerung reicht jetzt tiefer in die Trockengebiete hinein, nachdem alte Kanalsysteme durch moderne Betonkanäle ersetzt und erweitert worden sind. Weizenfelder und Grossplantagen, auf denen vor allem Arbeiter aus Ägypten beschäftigt sind, können so berieselt werden.
Folgt man den Flussläufen südlich von Bagdad, werden immer mehr Gärten von den Wäldern mit Dattelpalmen abgelöst. Irak ist seit Jahrhunderten für die hohen Bäume bekannt, in deren Wipfel im Herbst die Früchte reifen. Rund 55 % aller Datteln auf dem Weltmarkt stammten vor dem Wirtschaftsembargo aus Irak.
Oft ist der Übergang in die Wüste abrupt. Manchmal beginnt das riesige Trockengebiet, das im Süden bis nach Saudi-Arabien und Kuwait und im Westen bis nach Syrien und Jordanien reicht, direkt an den Ufern des Euphrat. Fährt man auf den alten Pisten oder den in den vergangenen Jahren gebauten Autobahnen durch diese Region, trifft man nur selten auf Dörfer oder kleine Städtchen.
Tagsüber ist die Hitze in diesem Teil Iraks erbarmungslos. Im Sommer weicht an einigen Stellen der Belag der Strassen auf unter dem Druck der Reifen von Tausenden von Lastwagen, mit denen Erdöl exportiert und alle Arten von Waren importiert werden.
Aber auch diese Wüste lebt. Die geringen Niederschläge im Frühjahr lassen Blumen spriessen und vereinzelte Sträucher blühen. Abends sieht man immer wieder kleine Feuer am Horizont. Das sind nicht nur Fahrer, die neben ihren grossen Lastwagen auf offenem Feuer Tee kochen, sondern vor allem die Beduinen. Viele von ihnen ziehen noch wie vor Hunderten von Jahren von Wasserstelle zu Wasserstelle durch die Wüste. Einige von ihnen sind sogar immer noch staatenlos, da die Weidegründe ihrer Schafherden in verschiedenen Ländern liegen. Kamele tragen nur noch selten die Zelte auf dem Weg zum nächsten Lagerplatz. Die Beduinen transportieren stattdessen ihr Hab und Gut auf kleinen Lastwagen. Aber die Wanderwege der Bewohner der Wüste sind über die Jahrhunderte hinweg zumeist die gleichen geblieben. Diese Ureinwohner Arabiens durchziehen – je nach der Jahreszeit – ein Gebiet von Syrien bis Kuwait.
So heiss und trocken es in den Wüsten im Westen und Süden Iraks ist, so kalt und nass kann es in den Bergregionen im Nordosten des Landes werden. In diesen Gebieten schneit oder regnet es im Winter häufig. Die Landschaft erinnert vielfach an die Alpen. Bis tief in das Frühjahr hinein tragen Gipfel der bis über 3600 m hohen Bergketten Schnee. Ganze Täler sind im Winter oft wochenlang mit Fahrzeugen nicht mehr zu erreichen. Hier befinden sich die Zentren von seit Jahrzehnten gegen die Regierung in Bagdad kämpfenden Kurden. Jahrhundertealte Sitten und Gebräuche der kurdischen Stammesgesellschaft haben noch heute Geltung. Wasserfälle, Wälder mit Walnussbäumen und kalte Quellen verleihen diesem Gebiet im nordöstlichen Irak einen besonderen Reiz. Auf Hochebenen und an Stauseen sind in den 1970er Jahren Feriendörfer entstanden. Und die abseits gelegenen Täler, die früher nur nach tagelangen Wanderungen mit Mulikarawanen erreichbar waren, können heute problemlos mit dem Auto besucht werden.
Ein völlig anderes und wohl einmaliges Szenarium eröffnet sich im irakischen Süden. Nahe des Zusammenflusses von Euphrat und Tigris zum Shatt Al Arab erstrecken sich riesige Sumpfgebiete, die durch den Rückzug des persischen Golfs Richtung Süden entstanden sind. Wie in den Tagen vor der Zeitenwende fahren die Menschen dort mit Einbäumen von einer Siedlung zur anderen. Schilfhütten auf kleinen Erhebungen wirken wie vereinzelte Inseln in den Sümpfen, deren Wasserflächen und Schilfpflanzen sich bis zum Horizont erstrecken. Dort blühen im Frühjahr exotische Blumen und im Herbst machen Wandervögel Station.
Die Bewohner jagen Fische wie ihre Vorfahren mit einem Fünfzack oder fangen sie mit Netzen. Noch vor dreissig Jahren steuerten viele Männer unbekleidet ihre schmalen Einbäume durch das endlose Kanalsystem, das die Schilfregion durchzieht.
Aber dieses Idyll am Rande der Wüste ist in Auflösung begriffen. Dämme wurden aufgeschüttet und Strassen durchziehen bereits Teile der Wasserwildnis. Zudem fressen sich die Trockengebiete immer weiter in den Sumpf vor, da nicht mehr so viel Wasser wie in der Vergangenheit aus Euphrat und Tigris nachströmt, seitdem hoch oben im Norden immer grössere Mengen in Stauseen aufgefangen werden.
(Quelle: www.wissen.de, leicht verändert)