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Unter dem Decknamen «Haudegen» wurde 1944 eine Gruppe deutscher Wetterbeobachter nach Spitzbergen geschickt. Die Mission war so geheim, dass ihre Teilnehmer beinahe im Eis vergessen wurden. Erst am 4. September 1945 kapitulierte der Trupp: als letzte Wehrmachtseinheit – knapp vier Monate nach Kriegsende.
Der Deckname «Haudegen» für den Marinewettertrupp leitet sich aus dem Namen seines Leiters Wilhelm Dege ab. Haudegen war eine von mehreren Operationen, die von Marine und Luftwaffe zur Gewinnung von Wetterdaten in der Polarregion in Spitzbergen, Grönland und Kanada durchgeführt wurden. Die jeweiligen Wettertrupps wurden getrennt voneinander als Marinewettertrupp oder Luftwaffenwettertrupp in Landstationen oder auf Schiffen eingesetzt und waren jeweils für ihre Teilstreitkraft tätig.
Für die Jagd wurde Munition mit Teilmantelhohlspitz- und Teilmantelbleispitzgeschossen mitgeführt. Um bei einer eventuellen Gefangennahme nicht in den Verdacht zu geraten, mit dieser «Dum-Dum»-Munition gegen das internationale Kriegsvölkerrecht zu verstossen, wurde sie von den Teilnehmern des Wettertrupps mit der Aufschrift «Nur für Bären» versehen. Für Sprengungen und zum Bau von Behelfsminen wurden grössere Mengen Sprengstoff gelagert.
Das ursprünglich als Begleit-U-Boot vorgesehene U-354 wurde mit einem Teil der Ausrüstung bei einem Angriff auf den kanadischen Flugzeugträger «HMCS Nabob», einem Begleitschiff des alliierten Konvois «JW 59» versenkt. Diese Ausrüstung konnte behelfsmässig ersetzt werden, der Verlust hätte aber zu einem Aussetzen der Operation führen können. Von Hammerfest aus – diesmal im Geleit des U-Boots «U-307» geriet die Unternehmung in der Nähe der Bäreninsel ebenfalls in einen alliierten Geleitzug. Dennoch gelang die Landung auf Spitzbergen. Auf der Insel Nordostland wurde eine Wetterstation errichtet und bis zum September 1945 betrieben. Erst im September 1945 konnte durch die norwegische Marine die Abholung erfolgen.
Nach einem im Jahr 2004 veröffentlichten Zeitzeugenbericht des ehemaligen deutschen Funk-Obergefreiten Heinz Schneider aus Dresden habe die Wehrmacht die elf deutschen Soldaten auf der Insel vor Spitzbergen schlicht vergessen. Dennoch blieb der Trupp monatelang auf seinem Posten.
Besonders die Wetterbedingungen zehrten an den Kräften. So mussten die Soldaten Temperaturen bis weit unter –40 °C ertragen. Zudem herrschte von Ende Oktober bis Anfang Februar Polarnacht. Auch Eisbären, die bis in das Lager vordrangen, stellten eine Gefahr dar. Da es sich um eine Kriegswetterstation handelte, musste der Wettertrupp auch immer mit feindlichen Kommandos rechnen.
Am 4. September 1945 wurden die Soldaten durch das norwegische Robbenfangschiff «Blaasel» evakuiert. Retter und Gerettete begegneten sich nach späteren Aussagen der Beteiligten respektvoll. Nachdem einige Ausrüstungsgegenstände getauscht wurden, unterschrieb Expeditionsleiter Wilhelm Dege dem Kapitän des Schiffes eine gesonderte Kapitulationserklärung. Dege legte als symbolischen Akt seine Dienstpistole auf den Tisch der Wetterstation. Zuvor wurden die ausgelegten Schützenminen gesprengt und Teile des Munitionsvorrats, besonders für die MGs, verschossen. Der Wettertrupp «Haudegen» war damit die letzte Wehrmachtseinheit im Zweiten Weltkrieg, die kapitulierte.
Die Errichtung einer Wetterstation unter dem Code-Namen «Knospe» auf Nordwest-Spitzbergen im Oktober 1941 war ein weiteres Unternehmen der deutschen Kriegsmarine. Anfängliche Überlegungen, eine schwimmende Station einzurichten, wurden verworfen, als der Leiter des Wettertrupps, Hans-Robert Knoespel eine Wetterstation an Land vorschlug. Die Namen aller deutschen Wetterstationen, die im Zweiten Weltkrieg in der Arktis errichtet wurden, leiteten sich vom Namen des jeweiligen Stationsleiters ab, entsprechend bekam die erste Wetterstation auf Spitzbergen den Operationsnamen Knospe.
Die Unternehmen «Edelweiss», «Edelweiss 2» und «Zugvogel» waren nach dem Unternehmen «Bassgeiger» weitere Versuche der Wehrmacht, im Zweiten Weltkrieg auf der politisch zu Dänemark gehörenden Insel Grönland Wetterstationen zu errichten.
Heiner Kubny, PolarJournal