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Schon szeneninterne Diskussionen um Rap-Musik erhitzen die Gemüter von leidenschaftlichen Fans und sorgen für gespaltene Meinungen. Die Geschmäcker in diesem unglaublich diversen Genre gehen zu weit auseinander, als dass sich die meisten Fans auf nur schon eine Top 5 der besten Rap-Alben einigen können. Die Aufgabe, Fans mit einer Top 200 zufrieden zu stimmen, ist eine zum Scheitern verurteilte Mission. Dies hat besagter Rolling Stone-Artikel eindrücklich bewiesen.
Der von insgesamt 16 Autor:innen verfasste Artikel mit massivem Umfang beginnt auf Platz 200 mit der Platzierung von Travis Scott’s «ASTROWORLD». Der Text macht deutlich, dass dem Rapper aufgrund der Festival-Kontroverse nur der Trostpreis der letzten Nennung vergeben wurde. Die darauffolgenden Plätze werden unter anderem von Releases von Nipsey Hussle, Juice WRLD und Pop Smoke belegt, aber auch von älteren Klassikern von Rappern wie Cam’ron, MC Lyte und Too $hort. Relativ irritierend wirkt dabei die Platzierung des Mixtapes «Ho, Why Is You Here?» von Flo Milli auf Platz 172, welches zwar 2020 via Tiktok virale Hits hervorbrachte, aber wohl kaum in eine Liste der besten Rap-Alben aller Zeiten gehört, und noch weniger besser platziert als «Sometimes I Might Be Introvert» der britischen Rapperin Little Simz.
In den Plätzen zwischen 200 und 100 finden sich unter anderem «Sremm Life» von Rae Sremmurd, «Montero» von Lil Nas X, «Eternal Atake» von Lil Uzi Vert, «It Was Written» von Nas und weitere Alben von Eazy-E, ScHoolboy Q, Childish Gambino, LL Cool J, City Girls, Gravediggaz, Doja Cat, 2Pac, Playboi Carti, Goodie Mob, Drake und Outkast. Auch hier stellt sich die Frage, ob diese Alben überhaupt im selben Artikel verglichen werden sollten.
Die Top 100 sollte zumindest einige Hardcore Genre-Fans ein wenig ruhiger stimmen. Alben wie «Hell Hath No Fury» von Clipse, «Operation Doomsday» von MF Doom, «Black Star» von Talib Kweli und Mos Def oder «The Score» von den Fugees gehören eindeutig in eine solche Liste. Das «Fever»-Mixtape von Megan Thee Stallion auf Platz 75 hingegen erweckt eher die Vermutung, dass der oder die Autorin des Segments keine der vielen fantastisch talentierten Rapperinnen abseits vom Mainstream kennt. Während einige Platzierungen zumindest durch ihre grosse kulturelle Relevanz und nicht durch ihre grandiose Qualität zu erklären sind, lassen andere nur Fragen offen.
Die Top 50 sind voll mit Klassikern: «Straight Outta Compton», «The Chronic», «good kid, m.A.A.d city», «All Eyez On Me» «Illmatic» - alles Alben mit derart grossem Kultstatus, dass deren Interpret nicht mal genannt werden muss. Aber auch hier: Ist das neuste Tyler, The Creator-Album wirklich das 46.-beste Rap-Album aller Zeiten? Hat sich Chance the Rapper’s «Acid Rap» wirklich den 36. Platz verdient? Keines dieser Projekte ist schlecht, genauso wenig wie das hervorragende Debüt von Cardi B, «Invasion of Privacy». Aber warum um Gottes Willen befindet sich das Album auf Platz 16? War es wirklich in irgendeiner Form besser oder einflussreicher als die grössten Klassiker von 2Pac, Mobb Deep, Outkast, JAY-Z, DMX,MF Doom und Lil Kim? Oder Kanye West's «Yeezus»? Und gehört Drake’s «Take Care» wirklich auf Platz 11, vor «2001» von Dr. Dre?
Die Top 10 dürften wohl, zumindest abgesehen von der Reihenfolge nicht allzu kontrovers diskutiert werden müssen. Die zehn besten Rap-Alben laut Rolling Stone sind:
Trotz vieler guten Platzierungen auf der Liste wirft der Artikel einige Fragen auf. Machen solche Genre-Vergleiche überhaupt Sinn? Im selben Atemzug ein Album von Future («DS2», Platz 20) mit einem Jahrzehnte alten Werk wie Mobb Deep’s «The Infamous» (Platz 26) oder DMX’s «It’s Dark and Hell Is Hot» (Platz 22) zu vergleichen scheint nicht richtig. Nicht weil eines dieser Alben zwingend so viel besser ist oder nicht seinen Kultstatus verdient hätte, sondern weil sie in einer komplett unterschiedlichen HipHop-Ära entstanden sind und viel zu wenig Gemeinsamkeiten haben. Eine individuelle Liste der besten HipHop-Alben der 2010er, 2000er oder der 90er wäre da deutlich sinnvoller, wie auch eine separate Liste der einflussreichsten Alben. Das Rolling Stone Magazin übernahm diese vereinzelten Überkategorien und warf sie querbeet in eine überlange Liste, in der am Ende Cardi B 2Pac um 13 Plätze übertrumpft. Es stellt sich die Frage, ob solche Listen und die damit verbundenen Diskussionen und Vergleiche den jeweiligen Künstler:innen nicht mehr schaden, als gut tun. Schliesslich war es ja höchstwahrscheinlich das Ziel der Autor:innen, die Artists und ihre Kunst zu respektieren.