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Bei Botulismus handelt es sich um eine schwere, lebensbedrohliche Lebensmittelvergiftung. Schlecht konservierte Lebensmittel, die Botulinumtoxin enthalten, lösen diesen Zustand aus.
Botulinumtoxin ist ein Gift, welches das Bakterium Clostridium botulinum bildet. Das Gift hemmt die Signalübertragung zwischen Nerven und Muskeln, wodurch eine Lähmung der betroffenen Muskelgruppen auftritt. Bei der Behandlung des Botulismus ist es wichtig, das Botulinumtoxin aus dem Körper zu beseitigen, ein Gegengift zu verabreichen sowie die auftretenden Beschwerden zu lindern.
Botulismus vorbeugen können Sie besonders, indem Sie keine Konserven verzehren, die aufgetrieben sind (sog. Bombagen). Gleiches gilt für den Inhalt von Gläsern, deren Deckel undicht sind. Hier ist vor allem bei selbst eingemachten Speisen Vorsicht geboten. Das Botulinumtoxin kann durch 15-minütiges Kochen bei 100°C zerstört werden.
Botulismus ist eine lebensbedrohliche Lebensmittelvergiftung. Diese wird durch ein Gift «das Botulinumtoxin» verursacht. Die Bezeichnung Botulismus ist vom lateinischen Wort botulus abgeleitet, was so viel wie Wurst oder Darm bedeutet. Ein Toxin ist ein Giftstoff, der von Mikroorganismen, wie beispielsweise Bakterien, aber auch von Pflanzen oder Tieren gebildet wird und nach einer bestimmten Inkubationszeit (Zeit bis Symptome auftreten) im Körper eine spezifische Wirkung zeigt.
Das Botulinumtoxin ist ein Nervengift, welches die neuromuskuläre Übertragung, also die Übertragung eines Nervensignals auf eine Muskelzelle, blockiert. Die Folge ist eine schlaffe Lähmung des betroffenen Muskels. Das Botulinumtoxin ist das stärkste natürliche Gift. Bereits kleinste Mengen sind für den Menschen tödlich.
Botulismus wurde erstmals 1820 von Justinus Kerner anlässlich einer Epidemie beschrieben, die durch den Verzehr von verunreinigter Wurst verursacht worden war. Erst 1897 gelang van Ermengen die Isolation des Botulinumtoxins.
Der Verdacht auf Botulismus, die Erkrankung und der Tod durch Botulismus ist meldepflichtig.
Botulismus kommt weltweit vor und tritt meist in kleinen Epidemien von drei bis fünf Fällen oder in Einzelfällen auf. In den westlichen Industrienationen sind Vergiftungen mit Botulinumtoxin mittlerweile sehr selten geworden. In der Schweiz werden pro Jahr durchschnittlich 2 Fälle von Lebensmittelbotulismus und 2 Fälle von Wundbotulismus gemeldet.
Botulismus-Ursachen sind das Eindringen und die Einwirkung des Botulinumtoxins auf den menschlichen Organismus. Botulinumtoxin wird von dem Bakterium Clostridium botulinum gebildet. Bei diesem handelt es sich um ein grampositives, sporenbildendes, stäbchenförmiges Bakterium, das zur Familie der Bacillaceae gehört. Andere Vertreter dieser Familie, die durch Toxinbildung lebensgefährliche Erkrankungen auslösen können, sind beispielsweise:
Die Sporen von Clostridium botulinum kommen weltweit vor. Sporen dienen der Erhaltung, Verbreitung und Vermehrung der Clostridien.
Es gibt rund 15 verschiedene Typen von Clostridium botulinum. Für den Menschen gefährlich sind die Toxine der Typen A, B, E und F. Clostridium botulinum ist ein obligat anaerobes Bakterium. Dies bedeutet, dass es nur bei Abwesenheit von Sauerstoff lebensfähig ist und Toxine bilden kann.
Da das Toxin der Krankheitsauslöser des Botulismus ist und keine Infektion mit dem Bakterium stattfindet, handelt es sich um eine Vergiftung und nicht um eine ansteckende Erkrankung, die direkt übertragen werden kann. Das Toxin wird überwiegend mit der Nahrung aufgenommen, es handelt sich daher um eine Lebensmittelvergiftung. Eine besondere Gefährdung geht dabei von eiweissreichen Lebensmittelkonserven, die beispielsweise Fleisch, Fisch oder Hülsenfrüchte enthalten, aus. Diese können mit dem Bakterium Clostridium botulinum verunreinigt sein. Unter Luftabschluss können sich die Bakterien vermehren und Toxine bilden. Bei industriell hergestellten Konserven ist die Gefahr verhältnismässig klein, selbst gemachte Konserven bergen ein höheres Risiko. In einem Grossteil aller Botulismusfälle waren selbst gemachte Konserven die Toxinquelle.
Verdächtig auf Botulismus sind alle Konserven, die durch eine Gasentwicklung aufgetrieben sind beziehungsweise Gläser, deren Deckel nicht fest auf der Gummidichtung haften. Eine erhöhte Gefahr geht auch von geräuchertem Fleisch und Fisch aus. Im Allgemeinen haben die mit Botulinumtoxin verunreinigten Lebensmittel den Geschmack und Geruch von Buttersäure, da die Clostridien Eiweiss spaltende Enzyme freisetzen. Lediglich beim Typ E erscheinen die Nahrungsmittel völlig normal. Der Typ E kommt vorwiegend bei Fischkonserven beziehungsweise geräuchertem Fisch vor.
Entscheidend für die Verbreitung des Toxins ist die Fähigkeit von Clostridium botulinum, Sporen zu bilden. Durch das Erhitzen der Lebensmittel auf etwa 100 Grad Celsius über eine Zeit von 15 Minuten werden zwar die Clostridien abgetötet, die Sporen sind jedoch hitzestabil und können ein Erhitzen auf 100 Grad Celsius über mehrere Stunden überleben. Unter Ausschluss von Sauerstoff können aus den Sporen dann neue Clostridien auskeimen und Toxine bilden. Sporen können allerdings innerhalb von 30 Minuten in 120 Grad Celsius heissem Dampf abgetötet werden. Das Botulinumtoxin selbst ist hitzelabil: Es wird durch Kochen der entsprechenden Lebensmittel zerstört.
Eine besondere Form des Botulismus betrifft Säuglinge in den ersten Lebensmonaten, man spricht dann von Neugeborenenbotulismus. Diese Form des Botulismus wurde 1976 erstmals beschrieben. Entscheidend ist hierbei nicht die Aufnahme des Botulinumtoxins, sondern die Aufnahme von Sporen, die besonders häufig in Honig vorkommen. Der kindliche Darm gestattet die Vermehrung der anaeroben Bakterien unter Sauerstoffausschluss und ermöglicht so die Toxinbildung. Trotz der Ausscheidung von Clostridien, Sporen und Toxinen mit dem Stuhl, sind Übertragungen von Botulismus zwischen einzelnen Menschen bisher nicht bekannt.
Das Botulismus auslösende Toxin kann prinzipiell auch eingeatmet und über die Lunge aufgenommen werden. Dies ist aber sehr selten der Fall. Eine weitere eher seltene Form der Aufnahme des Botulinumtoxin erfolgt über Wunden, die mit Clostridium botulinum infiziert sind. Über diese Form des Botulismus wurde erstmals 1951 berichtet.
Die Inkubationszeit, das heisst die Zeit zwischen Aufnahme des Gifts und ersten Krankheitszeichen, beträgt beim Botulismus in der Regel 12 bis 36 Stunden. Je kürzer die Inkubationszeit, desto schwerer ist die Vergiftung und dementsprechend höher die Sterblichkeitsrate. Bei geringen Giftmengen kann die Inkubationszeit auch bis zu zehn Tagen dauern.
Nimmt der an Botulismus Erkrankte die Sporen auf und erfolgt die Vermehrung der Clostridien mit der Toxinbildung erst in seinem Darm, sind Rückschlüsse auf die Inkubationszeit im Allgemeinen nicht möglich.
Bei Botulismus sind die ersten Symptome Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, da der Körper versucht, sich vom Gift zu befreien. In der Folge kommt es aufgrund der blockierten Signalübertragung zwischen Nerven und Muskeln zu Lähmungen der entsprechenden Muskeln.
Treten bei Botulismus als Symptome Muskellähmungen auf, sind meist zuerst die Augenmuskeln betroffen. Die Erkrankten sehen verschwommen, sind lichtscheu, klagen über Doppelbilder und können die Augen nur schwer offen halten. Im weiteren Krankheitsverlauf treten Zeichen der Bulbärparalyse auf. Darunter versteht man Lähmungserscheinungen der Lippen-, Zungen-, Gaumen- und Kehlkopfmuskulatur. Dies führt zu Sprachstörungen und vor allem zu schweren Schluckstörungen mit der Gefahr der Aspiration, also des Verschluckens von Speisen, Getränken oder Speichel in die Atemwege. Die Schluckstörungen werden durch eine ausgeprägte Mundtrockenheit zusätzlich verstärkt.
Greift die Lähmung auf die Muskulatur der inneren Organe über, kommt es zu Verstopfung und krampfartigen Bauchschmerzen. Die Lähmungen breiten sich vom Kopf absteigend auf alle Muskeln aus. Besonders gefährlich ist eine Lähmung der Atemmuskulatur, die unbehandelt zum Erstickungstod führt. Während des gesamten Krankheitsverlaufs sind die Betroffenen bei vollem Bewusstsein.
Säuglinge mit Botulismus fallen durch eine allgemeine Ruhelosigkeit sowie die Verweigerung der Nahrungsaufnahme auf. Schluckstörungen sowie die Unfähigkeit, die Augenlider zu öffnen, sind ernstzunehmende Symptome. Es ist durchaus möglich, dass einige Fälle des sogenannten plötzlichen Kindstods durch einen Säuglingsbotulismus verursacht sind.
Bei Botulismus kann der Arzt eine erste Diagnose aufgrund der typischen neurologischen Beschwerden der Erkrankten nach Verzehr von Eingemachtem beziehungsweise Geräuchertem stellen. Häufig sind gleichzeitig mehrere Personen betroffen. Um die Diagnose zu sichern, kann ein Labor Botulinumtoxin im Serum und Stuhl der Betroffenen nachgewiesen, was jedoch nur bei jedem Zweiten gelingt. Daher wird nicht abgewartet, bis das Ergebnis vorliegt, sondern schon bei hinreichendem Verdacht behandelt.
Bei Verdacht auf Botulismus muss umgehend eine intensivmedizinische Therapie begonnen werden. Die Behandlung umfasst die Giftelimination, also die Beseitigung des Botulinumtoxins aus dem Körper. Gleichzeitig verabreicht der Arzt ein Gegengift (Antitoxin). Ausserdem erfolgt eine symptomatische Therapie, also die Behandlung der Beschwerden.
Da das Botulinumtoxin mit den verdorbenen Speisen aufgenommen wird, steht an erster Stelle der Botulismus-Therapie der Versuch, das Toxin sowohl aus dem Magen als auch aus dem Darm zu beseitigen. Das Ziel besteht darin, eine weitere Aufnahme des Gifts aus dem Magen-Darm-Trakt in das Blut zu verhindern. Möglich ist dies durch eine Magenspülung, Einläufe und Abführmittel.
Die eigentliche Behandlung des Botulismus besteht in der Gabe eines Gegengifts (Antitoxin). Dazu dient ein Antitoxin, das gegen die Botulinumtoxin-Typen A, B und E wirksam ist. Ist der Typ des Botulinumtoxins bekannt beziehungsweise bereits bestimmt worden, kann auch ein spezielles Antitoxin gegeben werden. Das Antitoxin stammt vom Pferd und kann seinerseits allergische Reaktionen, wie beispielsweise die Serumkrankheit, aber auch einen anaphylaktischen Schock, auslösen. Bevor das Antitoxin verabreicht wird, führt der Arzt zunächst einen Verträglichkeitstest durch, beispielsweise durch die Gabe einer kleinen Menge des Antitoxins unmittelbar unter die Haut. Kommt es zu keinerlei allergischer Reaktion, verabreicht er das Antitoxin direkt in die Vene.
Da das Antitoxin nur im Blut befindliches und nicht schon an Gewebestrukturen gebundenes Botulinumtoxin unschädlich machen kann, muss das Antitoxin so rasch wie möglich nach Diagnosestellung verabreicht werden. Sind mehr als 24 Stunden nach Aufnahme des Botulinumtoxin vergangen, wirkt das Antitoxin nicht mehr.
Neben der Gabe des Antitoxins ist eine an den Beschwerden orientierte Therapie bei Botulismus notwendig. Dazu gehört insbesondere bei einer Lähmung der Atemmuskulatur die Beatmung. Bei Schluckstörungen ist häufig eine künstliche Ernährung nötig.
Durch Medikamente, welche die Erregungsübertragung zwischen Nerven und Muskeln begünstigen, können ebenfalls die Beschwerden gelindert werden. Prostigmin kann beispielsweise die Lähmung der Darmmuskulatur günstig beeinflussen und Cholinergika wiederum bessern das Sehvermögen.
Säuglinge mit Botulismus werden rein symptomatisch behandelt. In schweren Fällen kann eine Blutaustauschtransfusion erwogen werden. Auf die Gabe des Antitoxins wird möglichst verzichtet.
Sind infizierte Wunden der Ausgangspunkt des Botulismus, ist meist eine operative Wundversorgung nötig. Zusätzlich setzt der Arzt meist ein Antibiotikum ein, das gegen Clostridium botulinum wirksam ist, wie beispielsweise Penizillin.
Die am meisten gefürchteten Botulismus-Komplikationen im Verlauf der Vergiftung, sind eine Lähmung der Atemmuskulatur, die unbehandelt zum Tod führt, sowie ein Herzstillstand. Bei Botulismus handelt es sich um eine schwere, lebensbedrohliche Erkrankung. Die Erholung nach überstandener Erkrankung dauert Monate, denn die Lähmungserscheinungen bilden sich nur sehr langsam zurück.
Wird durch Lebensmittel verursachter Botulismus nicht medizinisch behandelt, ist der Verlauf der Erkrankung oft tödlich. Bei intensiver Therapie ist die Sterblichkeit der Patienten aber gering.
Botulismus können Sie erfolgreich vorbeugen, indem Sie einige wichtige Punkte beachten. Verzichten Sie vor allem auf den Verzehr von Lebensmitteln aus aufgetriebenen Konserven beziehungsweise undicht verschlossenen Gläsern. Da das Botulinumtoxin durch Hitze zerstört werden kann, sollten Sie Lebensmittel in Zweifelsfällen mindestens 15 Minuten bei 100°C kochen.