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Architektur
Eine radikale Strategie zur zeitgenössischen Architekturproduktion
Als der amerikanische Architekt Robert Venturi Mitte der 1960er, gefördert durch die Chicagoer Graham Foundation, sein "behutsames Manifest: Widerspruch und Komplexität in der Architektur" schrieb, trat er, mit Verweis auf die Tradition der europäischen Architekturgeschichte, für eine Bedeutungsvielfalt in der Architektur ein. Er wandte sich gegen die Tendenz der Moderne, neutrale Räume zu bauen, welche die komplexen Abhängigkeiten des Lebens durch Simplifizierung und Schematisierung ignorierten. Im Streben nach Widerspruch und Komplexität musste seine Architektur jedoch in ihrer Gesamtheit die Vielschichtigkeiten des Lebens in sich zusammenschliessen und in dem "schwierigen Ganzen" vereinen.
Kersten Geers, Jelena Pančevac, Andrea Zanderigo, die Herausgeber der Publikation "The Difficult Whole - A reference book on Robert Venturi, John Rauch and Denise Scott Brown" sehen in Venturis Argument nicht nur eine Kritik am Funktionalismus, sondern ein erhabenes städtebauliches Werkzeug und zugleich eine radikale Strategie zur zeitgenössischen Architekturproduktion. 50 Jahre nach der Veröffentlichung und erneut gefördert durch die Chicagoer Graham Foundation nehmen sie dies zum Anlass, ausgewählte Projekte Venturis und seinen wechselnden Projektpartnern gewissermaßen durch die Brille des Manifests hindurch zu lesen und neu zu bewerten.
Die mit Titel und Projektfotografie bedruckte Einschweißfolie des Buches hüllt einen beschichteten grauen Leineneinband mit goldenen Lettern in Heißfolienprägung ein und setzt ihn gleichermaßen in Szene. Zu Beginn und zum Ende des Buches zeigen sechs Seiten farbig illustrierte, perspektivische Projektdarstellungen Venturis und drei anderer Architekten (Sakamoto, Siza, Stirling) und rufen Erinnerungen an Ed Ruschas Standard-Station und Hollywood-Studien auf. Diese Studentenarbeiten entstanden unter der Regie der Herausgeber am "Laboratory for architecture as form" an der Architekturfakultät der EPFL Lausanne. Kern des Buches sind jedoch die 28 ausgewählten Projekte Venturis, die zumeist auf vier Seiten anhand von Texten, hist. Planmaterial und Fotografien, als auch Neuzeichnungen dargestellt und dokumentiert werden. Drei Projekte, darunter das Haus für Venturis Mutter, werden durch aktuelle ganzseitige Fotografien von Bas Princen ergänzt. Der ganze Charme dieses Buches entfaltet sich unter der leicht polemischen Argumentationsfolge des Vorwortes und präsentiert Venturis bekanntes Werk durch die zeitgenössische Collagemanier in einem neuen Gewand.