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«Timon, komm sofort her! Hast du Bohnen in den Ohren? Wenn du bei drei nicht da bist, kracht es! Eins, zwei, drei ... Timon! Nie hörst du zu! Es ist immer das Gleiche mit dir! Timoooon!» Die schrille, drohende Stimme einer jungen Mutter quer über den Spielplatz, die es leicht mit einem Feldwebel aufnehmen könnte, liess mich zusammenfahren. «Habe Angst!», kommentierte meine zweijährige Enkeltochter, deren Schaukel ich gerade zum Wippen brachte, die Situation.
Mir tat der kleine Junge leid, der blitzschnell vom Klettergerüst stieg, mit gesenktem Kopf zu seiner Mutter stapfte und von ihr grob an der Hand vom Spielplatz weggezogen wurde. Vielleicht hatte es die Mutter eilig oder der kleine Junge hatte wie schon öfters zuvor auf mehrmaliges Rufen nicht reagiert? Doch bei allem Verständnis für eine gestresste junge Mutter wünschte ich mir, dass dieser kleine Junge nicht so grob behandelt würde.
In Schulen, in Freizeiteinrichtungen, in Familien und anderswo: Kinder erfahren oftmals nicht die Wertschätzung, die sie verdienen. Es ist im Alltag nicht immer leicht, richtungsweisendes Ermahnen mit freundlichem, wertschätzendem Verhalten in Einklang zu bringen. Für die Entwicklung unserer Kinder zu seelisch gesunden Erwachsenen ist dies aber vonnöten.
Wertschätzung – was ist das eigentlich?
Gott sagt in seinem Wort, dass sein Volk teuer und wertvoll in seinen Augen ist, und dass er es lieb hat (Jes. 43,4).
Das Wort «Wertschätzung» setzt sich aus «Wert» und «schätzen» zusammen. In letzterem steckt das Wort «Schatz». Das kommt der Bedeutung näher. Betrachten wir unser Gegenüber im Allgemeinen, und unser Kind im Speziellen, als Schatz? Als ein wertvolles Geschenk? Der weise Salomo besingt den Wert von Kindern in Psalm 127: «Siehe, Kinder sind eine Gabe des Herrn!» Allein diese Tatsache macht Kinder wertvoll!
Wie gehen wir mit einem Schatz um? Werfen wir ihn achtlos in eine Ecke? Ist es uns egal, wo er sich befindet und ob er sicher ist? Pflegen und hegen wir ihn nicht vielmehr? Das Wort «schätzen» bedeutet «etwas einstufen» oder «einer Sache den richtigen Rang geben».
Wertschätzung bedeutet daher: einen anderen Menschen für wertvoll genug zu erachten, dass ich ihm einen Wert zumesse und er von mir gut behandelt wird. Wie sehr haben das unsere Mitmenschen, und wie viel mehr unsere Kinder, verdient!
Oft befürchten Eltern, dass Wertschätzung den Egoismus des Kindes zu sehr fördert. Wertschätzung bedeutet aber nicht, das Kind auf ein Podest zu stellen, sein Lebensumfeld kommandieren zu lassen und das familiäre Leben nur nach den Wünschen des Kindes auszurichten. Auch nicht loben um jeden Preis, was Kinder nahezu süchtig nach ständiger Beachtung macht. Und es hat auch nichts mit der vielerorts befürchteten Kuschelpädagogik zu tun, bei der «um des lieben Friedens willen» davon abgesehen wird, Kinder zu lehren, sich an Vereinbarungen zu halten.
Lesen Sie den ganzen Artikel in ethos 2/2021.