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Vor 500 Jahren, am 31. Oktober 1517, veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen und stiess damit die Reformation an. Das Kloster Einsiedeln mit seiner Bibliothek hat im Bezug auf Ulrich Zwingli eine Rolle gespielt.
Von 1516 bis Ende 1518 war Ulrich Zwingli als «Leutpriester » in Einsiedeln tätig. Während dieser Zeit begann Zwingli mit seiner eigenen Bibelübersetzung. «Anscheinend wurde Zwingli als Prediger geschätzt», sagt der evangelischreformierte Pfarrer Urs Jäger heute. Er habe als gelehrter Mann gegolten, und seine Predigten wurden damals in Einsiedeln nicht als anstössig interpretiert. Benediktiner Pater Justinus Pagnamenta ergänzt: «Zwingli realisierte schon damals einige Änderungen, beispielsweise bevorzugte er die lectio continua» (kontinuierliche Auslegung). Das ursprüngliche Ziel des späteren Reformators sei es wohl gewesen, «die Kirche wieder in die richtige Bahn zu bringen». Die Voraussetzungen für die Reformation waren in der Schweiz und Deutschland unterschiedlich: Luther wurde durch die politische Situation gezwungen, seine Thesen in Stellungnahmen zu aktuellen Debatten umzumünzen, also «top-down» zur Anwendung zu bringen. Zwingli entwickelte seine Theorie «bottom-up» und wurde aus der Zürcher Situation hinaus immer allgemeiner.
24 Werke ausgestellt
Die Ausstellung in der Stiftsbibliothek ist in zwei Teile gegliedert: Es gibt einerseits eine Auswahl aus dem Handschriftenbestand zu sehen.Seit gestern Montag zeigt der zweite Teil Werke zu «Einsiedeln und die Reformation»,aufgeteilt in «Kirchenväter und Humanisten », «Reformation in der Schweiz» und «Reformation und die Katholische Kirche». Entstanden ist die neue Ausstellung in Zusammenarbeit zwischen dem Kloster und den evangelischreformierten Kirchgemeinden.Die Broschüre zur Ausstellung umfasst knapp 50 Seiten. Nach einer Einleitung wird in diversen Texten genauer auf die 24 vorliegenden Bücher und deren Inhalt und Bedeutung eingegangen. Die Werke der beiden Humanisten Giovanni Pico della Mirandola und Erasmus von Rotterdam besass der belesene Zwingli selber. Für den Zürcher Leutpriester war die Stiftsbibliothek jedoch eine Goldgrube: Alle Zeichen deuten darauf hin, dass er die Handschrift «Commentarius in Esaiam » (Jesaja-Kommentar) von Hieronymus in Einsiedeln für sein Schriftstudium nutzte. Als der ehemalige Stifts-bibliothekar, Pater Odo Lang, Urs Jäger seine «Schätze der Reformation» zeigte, dachte der evangelisch-reformierte Pfarrer sofort an eine Ausstellung zum Thema. Auf Anfrage zeigte sich auch Pater Justinus positiv eingestellt. Während den Recherchen für die Ausstellung wurden einige zusätzliche Werke entdeckt. Die 24 ausgestellten Bücher befinden sich allesamt im Besitz des Klosters Einsiedeln.
Weiterentwicklung
Die ausgestellte zweite Auflage der «Zürcher Bibel» von 1536 enthält eine revidierte Fassung von Luthers Text, der unter der Leitung von Zwingli und Leo Jud mit neuen Übersetzungen ergänzt wurde. Es gab einige Themenbereiche, in denen zwischen Luther und Zwingli nur wenig Einigkeit herrschte, beispielsweise betreffend der Muttergottes. Dies zeigen «ein Sermon zur Lichtmess » von Luther und eine Predigt zur «Maria der muoter Jesu Christi», die Zwingli anlässlich der Engelweihe 1522 in Einsiedeln hielt.Luther und die Schweizer Reformatoren waren sich betreffend des Abendmahls uneinig, was in einer Spaltung in die beiden Richtungen evangelisch-reformiert und evangelisch-lutherisch gipfelte. Dieser Streit wurde erst 1973 an der Leuenberger Konkordie definitiv beigelegt.
Abt bis heute Ehrenbürger
John Fisher, Bischof von Rochester, äusserte sich zu Luthers Thesen, deren 41 von einer päpstlichen Bulle ohne Begründung verurteilt wurden. Der Text wurde als künstliches Wortgefecht verfasst. Der Autor wurde später wegen Hochverrat enthauptet. Auch zwischen Martin Luther und König Heinrich VIII entbrannte ein heftiger literarischer Streit, der später in Buchform wiedergegeben wurde. Es bleibt zu betonen, dass die Beziehung zwischen Einsiedeln und der Stadt Zürich, auch dank Ulrich Zwingli, sehr gut waren. Das Gleiche kann man von derjenigen zwischen der Innerschweiz und der Stadt Zürich nicht immer sagen. Zwingli schenkte der Stiftsbibliothek eine Ausgabe
Autor
Einsiedler Anzeiger
Kategorie
- Dies & Das
Publiziert am
Webcode
www.schwyzkultur.ch/SVfxWD