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Die Gemeinde Mergoscia ist, vom restlichen Verzasca-Tal durch den Lago di Vogorno getrennt, nur über eine schmale Strasse von Tenero-Contra her zu erreichen. Die Bewohnerinnen und Bewohner des Bergdorfes lebten früher grösstenteils von der Landwirtschaft. Diese profitierte von der klimatisch günstigen Lage an einem Südhang, die beispielsweise die Kultivierung von Weinreben auf bis zu 800 Meter Höhe erlaubte. Wie so oft im Tessin ist das Gelände jedoch ausgesprochen steil und steinig, so dass es über die Jahrhunderte in mühsamer Kleinarbeit terassiert und urbar gemacht werden musste. Die resultierende Kulturlandschaft mit ihren Trockenmauern und den lichten Wäldern ähnelnden Kastanienselven bot Lebensraum für eine grosse Zahl seltener Tier- und Pflanzenarten.
Die industrielle Revolution brachte ab dem 19. Jahrhundert zahlreiche Arbeitsplätze im Industrie- und Dienstleistungssektor ins Tessin. Vor allem in den Berggebieten gaben viele Leute die mühsame und unrentable Landwirtschaft auf und zogen in die stetig wachsenden Ballungsgebiete. In Mergoscia sank im Zuge dieser Entwicklung die Bevölkerung von fast 600 Personen um 1850 auf heute noch etwas mehr als 200. Die Nutzung der meisten Landwirtschaftsflächen wurde aufgegeben, der Wald hat sie sich einverleibt und reicht heute wieder bis an die Grenzen des Siedlungsgebiets.
Zum Schutz und zur Förderung der verbleibenden einzigartigen Kulturlandschaft der Gemeinde wurde 2003 der Verein Pro Mergoscia gegründet. Dieser realisierte seither zahlreiche Projekte, wie den Bau eines Kultur- und Naturwegs, die Restaurierung von Trockenmauern oder die Rekultivierung und Pflege von Kastanienselven. In Zusammenarbeit mit dem Verein Hotspots nahm man im Herbst 2015 und Frühjahr 2016 die Aufwertung eines Waldstücks beim Feuchtgebiet Perbioi in Angriff.
Die Fläche wurde früher als Kastanien-Niederwald genutzt. Bei dieser Bewirtschaftungsform wurden die Kastanien regelmässig gefällt und als Brennholz genutzt, worauf aus den Wurzelstöcken wieder neue Stockausschläge wuchsen. Es resultierte ein lichter Bestand an strauchartig wachsenden Kastanien, zwischen denen eine magere Wiese wuchs, die als Tierfutter genutzt werden konnte. Ein wertvoller Lebensraum für seltene Schmetterlinge wie den Gelbringfalter und den Perlgrasfalter, sowie seltene Pflanzen wie dem Lungen-Enzian. Durch die Nutzungsaufgabe wuchsen die Kastanien jedoch zu richtigen Bäumen und zahlreiche Espen und Birken kamen auf, die seltenen Arten drohten zu verschwinden.
Zusammen mit Forstwart Urs Nüesch machten sich die Zivis deshalb daran, die unerwünschten Gehölze zu fällen und die Kastanien auf den Stock zu setzen. Die anfallenden Stämme schnitten sie auf 1.5 Meter zurecht und schichteten sie zu Beigen. Das Holz wurde unter den Haushalten des Dorfes aufgeteilt, die immer noch grösstenteils mit Brennholz heizen. Mit den Ästen erstellten die Zivis Haufen, die wertvolle Kleinstrukturen für Schlangen, Eidechsen und Kleinsäuger darstellen und die Lebensgrundlage für holzzersetzende Käfer bilden.
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