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Die Episode ist reichlich bizarr. Üblicherweise gehen Medienhäuser erst dann ein rechtliches Risiko ein, wenn sie einen Artikel mit brisanten Informationen publizieren. In diesem Fall ist es umgekehrt. Das US-amerikanische Klatschorgan «National Enquirer» war im Besitz eines Artikels, der sich mit einer Sexaffäre befasste, die Trump vor seiner Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten hatte. Der «Enquirer» publizierte den Text im Vorfeld von Trumps Wahlsieg jedoch nicht. Das löste schon damals Kritik aus. Nun hat sich die Wahlkommission (Federal Election Commission) damit befasst und dem Verlag eine Busse in Höhe von 187’500 Dollar aufgebrummt, wie etliche Medien berichten. Auslöser war eine Klage der Nichtregierungsorganisation Common Cause gegen den «Enquirer».
Gemäss der Einschätzung der Wahlkommission hat der «Enquirer» mit der Nicht-Publikation gegen das Wahlkampfgesetz verstossen. Der Grund: Der Verleger der Illustrierten, David Pecker, zählt zu den Freunden von Trump. Während des Wahlkampfs im Jahr 2016 half er Trump, indem er ein Schweigegeld in Höhe von 150’00 Dollar an ein «Playboy»-Model zahlen liess, welches eine Affäre mit Trump hatte. Dies gab Pecker im Rahmen einer Abmachung mit der New Yorker Bundesanwaltschaft damals zu.
Illegale Wahlkampfspenden
Das Schweigegeld sollte dazu dienen, negative Schlagzeilen gegen Trump zu verhindern. Das Geschäft wurde über Trumps Anwalt Michael Cohen abgewickelt, der überdies ein Schweigegeld in Höhe von 130 000 Dollar an die Pornodarstellerin Stormy Daniels überwies. Diese Zahlungen wurden von der Behörde schon damals als illegale Wahlkampfspenden verstanden. Denn sie dienten dazu, durch Verhinderung von Sexgeschichten Trumps Wahlkampagne nicht zu beschädigen.
Der Verlag des «Enquirer» hatte die Exklusivrechte an der Sexgeschichte mit dem «Playboy»-Model erworben – laut den Bundesanwälten in Absprache mit Trumps Wahlkampfteam und in der Absicht, die Informationen nie zu publizieren. Der Verlag der Illustrierten erklärte zum aktuellen Fall, man habe nicht willentlich gegen das Wahlkampfgesetz verstossen.
Ziemlich korrupt
Die Praxis des Kaufs von exklusiven Informationen zwecks Verhinderung einer Publikation wird «catch and kill» genannt. Der «Enquirer» wandte sie schon früher an. 2003 schloss er einen Exklusivvertrag mit einer Frau, die eine aussereheliche Affäre mit Arnold Schwarzenegger hatte, dem damaligen Gouverneur von Kalifornien. 2015 versuchte es der Verlag erneut im Fall einer Frau, die dem ehemaligen Hollywood-Produzenten und verurteilten Sexualstraftäter Harvey Weinstein sexuelle Nötigung vorwarf. Die Frau weigerte sich, worauf der «Enquirer» sich auf die Suche nach kompromittierenden Informationen gegen sie machte – ja, so korrupt kann es im Mediengeschäft zu und her gehen.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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