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Blick in die Vergangenheit
1655
Die Geschichte des Handbikes beginnt 1655 als sich Stefan Frafler der damals 22 jährige Uhrmacher aus Altdorf bei Nürnberg zwei handangetriebene Fahrzeuge konstruierte .
Einige Zeitgenossen berichten von einem Unfall den Frafler als Dreijähriger ereilte und wie er von da an mit gelähmten Beinen sein Leben meisterte. Andere beschreiben ihn als kauzigen Menschen mit verkrüppelten Beinen.
Seine erste Konstruktion war ein dreirädriges Gefährt. Mittels Handkurbeln und einem Getriebe wurde das vordere, gelenkte Rad angetrieben.
Sein zweites Gefährt war dann ein vierrädriges Modell, auch dieses Fahrzeug wurde durch Armkraft vorwärts getrieben.
Quelle: Johann Gabriel Doppelmayr: Historische Nachricht Von den Nürnbergischen Mathematicis und Künstlern, Teil 2. Monath, Nürnberg 1730
Quelle: https://didyouknow.org/bicycles/
1791
Bemerkenswert, aus Sicht der Geschichte des Handbikes, ist Tatsache, dass erst 1791, in den Gärten des französischen Palais Royale, Graf Mede de Sivrac mit seiner zweirädrigen „Célérifère“ (Schnelltragende) herumrannte. Dieses Laufgerät gilt als erster Vorläufer des zweirädrigen Fahrrades. Allerdings konnte die Célérifère nur geradeaus fahren, sie war nicht lenkbar.
1817
Erst ein viertel Jahrhundert nach der Célérifère stellte Baron Karl Friedrich Christian Ludwig Freiherr Drais von Sauerbronn, seine „Draisine“ vor. Die Draisine war, wie die Célérifère ein zweirädriges Laufrad. Das Neue Element an der Draisine war die Lenkbarkeit und somit gilt die Draisine und nicht die Célérifère als Vorläufer aller Fahrräder.
Quelle: www.fahrradblog.de
Die Entwicklung des Fahrrades verlief nach der Draisine nicht geradewegs zum heute bekannten zweirädrigen Rad. Parallel entwickelte man Fraflers Zunft- und Vevers Reisewagen, ein mit den Beinen angetriebenes vierrädriges Gerät, weiter.
Den Vorteil der dreirädrigen Fahrzeugen sah man darin, dass „[…] drei Räder weniger Hindernisse zu überwinden hätten als vier […].“
Genauso was die Lastenverteilung und Stützkraft anbelangt, sah man den Vorteil darin, dass ein dreirädriges Gefährt das zu tragende Fahrgestell genauso gut stützt, wie ein Vierrädriges, aber wesentlich kippsicherer als ein Zweirädriges sei. „[…] so lag also die Herstellung eines dreirädrigen Fahrrads nahe genug, wodurch man also den Gedanken Farflers, welchen er in seinem ersten ‚Zunftwagen‘ verwirklicht hatte, wieder aufnahm.“
Das Fahrrad und mit ihm die dreirädrigen Gefährte gerieten allerdings wieder in Vergessenheit. Die Unvollkommenheit, die die bisher entwickelten Geräte ausstrahlten, konnte beim Publikum nicht sonderlich Punkten. Eher Spott und Hohn ernteten die vielen „Erfinder“ dieser Epoche.
Dieser Dornröschenschlaf sollte fast 30 Jahre, bis in die 1860er Jahre dauern.
Damals wagten sich, neben den Engländer und Franzosen, auch die Amerikaner an die Entwicklung mehr oder weniger praktischer dreirädriger Gefährte heran und liessen den Markt aufleben.
Quelle: Fabian Zilliken, Die Evolution des Fahrrades, 2011
1860
Graaf Samuel zu Marnville baute ein handangetriebenes Dreirad. Der Antrieb wurde über mehrere bewegliche Gelenke auf das grosse Vorderrad realisiert. Die Lenkung geschah über Schnüre auf die Hinterräder.
1890 bis 1900
Die Geschichte des Handbikes schwenkte kurz vor 1900 von der des Fahrrades ab und fand in der Hilfsmittelbranche neue Verwendung als Krankenfahrstuhl, Behindertengerät, Rollstuhl aber erst viel später als Sportgerät für Rollstuhlfahrer.
Die Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts erreichte auch den Bereich der Krankenfahrstühle.
Zwischen 1890 und 1900 fanden Geräte mit Hebel-Antrieb gutbetuchte Abnehmer.
Quelle: drachman/cycle/irishmail.html
1900 bis 1960
Ab ca 1900 lassen sich auch Krankenfahrstühle mit Kurbel- und Kettenantrieb nachweisen.
Der Antrieb erfolgte mit Hebeln welche über Zug- und Schubstangen auf Kurbeln wirkten oder Kettenantriebe oder sogar kombinierte Systeme fanden in der Folge Anwendung.
Besonders in den Zeiten nach den Weltkriegen stieg die Nachfrage nach solchen Hilfmitteln rasant. So wurden solche Gefährte massenhaft produziert.
Invalid Carriage, Gendron Wheel Co (Toledo Ohio) 1898
Quelle: www.oldbike.eu
Stevens Chair 1905
Quelle: www.printerest.de
Jan Simons, NL 1941
Quelle: www.gehegenvannederland.nl
Trike mit horizontalen Hebeln, NL ca 1930
Quelle: unbekannt
Trike mit senkrechter Hebel, NL 1926
Quelle: unbekannt
Harding Rotary Tricycle, USA 1950
Quelle: www.oldbike.eu
Handbike in der Neuzeit
In den 1980er Jahren begann eine Blütezeit in der Rollstuhl- und Rollstuhlsportgeräte-Entwicklung. Sie wurden dynamischer, kompakter und wie bei Sportgeräten für Fussgänger, begannen Tüftler und Erfinder mit anderen Materialien zu experimentieren. So kamen erste Leichtbau Festrahmen-Rollstühle (nicht faltbar) mit Aluminiumrahmen auf den Markt.
Die Ansprüche stiegen, ein noch nie dagewesener Drang nach Sportgeräten für Behinderte setzte ein. In der Folge entwickelten Rollstuhlfahrer ihre eigenen Geräte, oder motivierten Tüftler und Erfinder dazu, Spezialgeräte zur Ausübung von Rollstuhlsport zu konstruieren. An Rennrollstühlen, Langlaufschlitten, Mono- und Wasserskies wurden herum probiert, Rollstühle adaptiert für Basketball, Tennis und Badminton.
Parallel, teilweise sogar vor den Rollstuhlfahrern, beschäftigte sich die HPV (Human Powered Vehicle) Bewegung mit handangetriebenen Geräten. Welche nicht zwingend für den gehbehinderten Sportler gedacht waren, sondern schlicht den Antrieb mit den Armen in den Fokus rückten.
Rückblickend könnte man das Jahr 1984 zum Geburtsjahr des modernen Handbikes erküren. Aus dem Krankenfahrstuhl wurde ein Sportgerät.
1984 / 1985
1984 baute die Firma Brike Int. Ltd. in Tualatin, Oregon ein dreirädriges, fussangetriebenes HPV-Trike mit tiefer Sitzfläche. Die Lenkung erfolgte durch Gewichtsverlagerung des Körpers, der Fahrer legte den Körper gewissermassen in die Kurve. Englisch „body lean steering“.
Bereits Ende 1984, Anfang 1985 ergänzte Tsam Lerwill, unter Lizenz von Brike dieses Bike mit einem Handantrieb. Das erste Performance Handbike war geboren. Es erhielt den Namen Freedom Ryder Handcycle. Der direkte Nachfolger Freedom Ryder LC1 wurde mehrmals überarbeitet und ist nach wie vor erhältlich.
Die Lösung dieser Konstruktion zeugt von grossem Erfindergeist.
Betrachtet man die Idee genauer, stellt man fest, dass dieses erste Performance Handbike bereits wichtige Probleme löste, an denen sich alle nachfolgenden Handbike Hersteller die Zähne ausbeissen sollten.
Die Sitz-, Kurbel und Antriebsradeinheit bildet eine Starre Verbindung, dadurch gibt es nie Konflikt mit den Kurbeln und den Beinen oder mit dem Antriebsrad und den Beinen, zudem haben die Beine keinen Einfluss auf die Lenkung. Jeder der mit Spastik kämpft weiss was das bedeuten kann.
Dann stellt sich die Frage, warum sich denn diese Konstruktion nicht wirklich durchgesetzt hat. Freedom Ryder löste zwar ein paar Probleme bevor sie entstanden sind, aber jede Medaille hat bekanntlich ihre Kehrseite.
Das „body leen steering“ funktioniert nur ab einer gewissen Geschwindigkeit zuverlässig, nämlich erst dann wenn der gyroskopischen Effekt (Fliehkraft des sich drehenden Rades) das Rad genügend stabilisiert.
Der Fahrer muss beim Kurbeln sehr darauf achten, dass er beide Kurbeln gleichmässig belastet, tut er das nicht, beginnt das Freedom Ryder heftig zu schlingern. Ich persönlich legte einen heftigen Überschlag mit einen Freedom Ryder hin, weil ich eben einhändig zog.
FreedomRyder LC1,
Quelle: www.freedomryder.com
1986
Der schwäbische Braumeister, Segelflugpilot, Rollstuhlfahrer und Tüftler Hans Olpp baute 1986 eines der ersten „neuzeitlichen“ Handbikes Europas. Sein Wissen über Leichtbau durch die Segelfliegerei half ihm, sehr brauchbare Handbikes zu kreieren. Auch ihm gelang gleich im ersten Anlauf eine technische Lösung welche noch heute Anwendung findet. Er setzte den Lenkkopf sehr tief, damit das gelenkte Rad über das Bein knickt und nicht an Ort dreht, wie das bei einem klassischen Fahrrad mit dem Lenkkopf über dem Rad der Fall ist.
Hans Olpp zeigte nicht nur im Handbike seine Fähigkeit, spannende Ideen voranzutreiben. Er war auch an der Entwicklung funktionsfähiger Monoskies für Rollstuhlfahrer beteiligt.
Quelle: Hans Olpp Privatarchiv
1988
Zwei Jahre nach Hans Olpp entfaltete der gebürtige Bulgare Georgi Georgiev, auf Gabriola Island vor Vancouver, sein Erfindergeist an einem Arm Powered Trike. Der HPV-Pionier Georgi ist bis heute dafür bekannt interessante und sehr schnelle Liegeräder für Fussgänger zu bauen. So hielt Sam Whittingham mit Georgi’s Meisterwerk dem Varna Tempest über Jahre diverse Weltrekorde. Unter anderem den Geschwindigkeitsrekord für 200 Meter mit fliegendem Start von sagenhaften 133 km/h.
Die Kreativität Gerogi Geroriev‘s ist bis heute einzigartig.
Als eine Bekannte von ihm nach einem Unfall querschnittgelähmt wurde, baute er kurzerhand ein Handbike.
Unter dem Namen Varna I oder Varna One wurde sein erstes Handbike bekannt. Dieses interessante Gefährt bediente sich der Tadpole-Trike Geometrie mit einem angetriebenen Hinterrad und zwei Vorderrädern. Gelenkt wurde durch Gewichtsverlagerung (controlled by leaning ). Wie bereits drei Jahre zuvor beim Freedom Ryder zeigte sich dass diese Art von Steuerung für Querschnittgelähmte eher unsicher und wackelig ist, während Beinamputierte damit sehr gut zurecht kamen.
Auf das Varna I folgte schnell das Varna II. Georgi drehte die Geometrie, in die noch heute mehrheitlich gewählte Delta-Trike Variante, mit einem angetriebenen Vorderrad und zwei nachlaufenden Hinterrädern um. Das Lenken erfolgte nun über einen festen Lenkkopf wie er auch bei normalen Fahrrädern angewendet wird. Georgis Kreativität half uns Handbiker definitiv weiter. Wir werden auch später in dieser Arbeit von Georgi Georgiev hören, so baute er die ersten Rennhandbikes, zweirädrige Handbikes und auch beim geländegängigen CrossCountry-Handbike mischte er mit.
Quelle: www.varnahandcycles.com
1989
Der Amerikaner Carl M. May konstruierte ein Vorspann-Handbike. Er verfügte jedoch nicht über eine Werkstatt und war auch sonst nicht eingerichtet um das Bike in Serie zu produzieren und auf den Markt zu bringen. So trat er in Kontakt mit Jim Martinson.
Jim Martinson ist ein weiterer kreativer Kopf welcher den Rollstuhlsport massgeblich beeinflusst hat. Jim verlor in Vietnam seine beiden Beine. Der Sportfanatiker wollte auch ohne Beine Sport treiben. Nach einer langen Durststrecke begann Jim Rollstuhl-Basketball zu spielen. Fuhr mit seinem Rollstuhl immer längere Strecken. In den 1970 fuhr er mit einem 27 Kilogramm schweren Rollstuhl sein erstes Rennen. Im Ziel angekommen sagte er sich: „Ich hatte so viel Spass. Ich kann wieder Rennen fahren. Diese Rennrollstühle sind phänomenal.“
Jim wollte wieder siegen und er trainierte bis er seine ersten Rennen gewann. Bald merkte er, dass die veraltete Technik und das immense Gewicht seiner Rollstühle keine Verbesserung der Zeiten zuliessen.
So tat er sich mit seinem Basketball-Kollegen Jim Hernandez zusammen und die beiden bauten die ersten sechs 11 kg Rennrollstühle, also 16 kg leichter als die der Konkurrenz. Diese sechs Rennrollstühle waren der Start zu Jim Martinsons Firma Magic in Motion, den Rollstuhl nannten sie Shadow.
Bald baute Magic in Motion Basketball- und Tennisrollstühle etwas später auch Monoskies.
Quelle: Jim Martinson Privatarchiv
1990
startete die Produktion des von Carl M. May entwickelten Handbike. Sie nannten es Shadow Cyclone. Das Cyclone wurde rasch weltweit vertrieben und mancher Handbiker, wurde mit diesem Gerät vom Handbike-Virus infiziert. Es war auch mein erstes Handbike. Ich schraubte es bald fix an einen alten Quickie GPV Basketball-Rollstuhl. Um mehr Gripp zu erhalten, verlegte ich die Achshalterung für die Hinterräder zurück, dazu schraubte ich eine Meyra Achse hinten an den Quickie Rahmen.
Das Shadow Cyclone verfügte über zwei Ketten und über drei Schaltsysteme. Die obere der beiden Ketten reichte vom Kettenblatt an der Kurbel bis ungefähr zur Mitte des Rahmens hinunter, dort stand ein 7-Gang Kettenwechsler zur Verfügung. Innen am 7-Gang Ritzelpacket befand sich ein achtes einzelnes Ritzel welches wiederum die zweite Kette Antrieb. Diese zweite Kette führte zu einem zweiten 7-Gang Kettenwechsler welcher auf einer 2-Gang Nabe im Rad montiert war. Jeder kann sich vorstellen, dass das einige Gewöhnungszeit verlangte bis man einigermassen der Reihe nach schalten konnte.
Ebenfalls 1990 brachte Magic in Motion ihre Eigenkreation Shadow Mach2 heraus. Dabei handelt es sich vom Gedanken her um dieselbe Geometrie wie beim Rollstuhl mit Vorspann-Handbike. Der Nutzer sitzt wie im Rollstuhl. Magic in Motion bauten das Gerät an einem Stück und liessen alle Anbauteile welche zum Handbiken nicht nötig waren weg.
Das Schadow Mach2 wurde über die identische Nabe mit 7-Gang Kettenwechsler und 2-Gang Nabenschaltung wie das Cyclone geschaltet. Ebenfalls interessant war damals die Rücktrittbremse.
1991
Jim Martinson vermarktete in diesem Jahr die technische Weiterentwicklung vom Mach2, das Mach3. Der Rahmen wurde zwecks einfacherem Einstieg im Beinbereich stärker abgesenkt und bekam ein 3×7 Gang Kettenschaltung verpasst. Neu wurde auch über Bremshebel auf Felgenbremsen verzögert. Diese Geräte waren übrigens sehr wendig und es gelangen trotz schlechter Aerodynamik erstaunliche Fahrleistungen.
Jim Martinson verkaufte später seine Firma an Quickie seine Geräte wurden teilweise noch weiter gebaut. Neu unter dem Namen „Quickie Cycle-One“, „Quickie Mach 2“ und „Quickie Mach 3“.
1993
Bram Moens der Holländische Spezialist für Liegeräder bringt, über seine Liegeradfirma M5-Ligfietsen sein erstes M5 Handtrike auf den Markt. Es ist ein HPV-Handbike in der Tadpole Geometrie. Das M5 Trike läuft auf zwei gelenkten 20“ Vorderrädern und einem angetriebenes 26“ Hinterrad.
Bram schweisste das M5-Handtrike aus Chrom Molybdän (Cro-Mo) Stahl zusammen. Dadurch gewann es zwar keinen Preis in der Sparte Ultraleichtbau, dafür war es sehr wendig und beweglich. Es bot eine angenehme und stabile Sitzposition.
Bram schöpfte bei der Konstruktion aus seiner grossen Erfahrung mit Liegerädern für Fussgängern und aus der Zusammenarbeit mit Kees Van Breukelen. Kees war sozusagen die Schnittstelle zwischen HPV und Rollstuhlsport. Er fuhr, obwohl Fussgänger, selbst jahrelang Rennrollstuhl.
Quelle: www.m5-ligfietsen.com/
1994
Nur ein Jahr nach dem Bram Moens sein M5 Handtrike lancierte, landete er einen Geniestreich welcher leider in der Behinderten-Handbike Szene nicht die verdiente Beachtung fand. Er konstruierte für Kees Van Breukelen das erste two wheeled HPV Arm powered Vehicle. Mit diesem 2-rädrigen Sportgerät stellte Kees 1995 denn auch einen sagenhaften Stundenweltrekord von 36.567 Kilometer auf. Wohlgemerkt in einer Zeit wo Handbike Rennen auf Strecken um die 20 Kilometern ausgetragen wurden und in der Regel mit Stundenmitteln deutlich unter 30 km/h gewonnen wurden.
Bram Moens wollte später auf dem Konzept Tadpole bleiben, während Kees Van Breukelen bald erkannte, dass die Deltatrike Versionen höhere Geschwindigkeiten erlauben. Kees wechselte dann auf die Varna Handbikes. Mit dieser Entscheidung brachte Kees die Handbike-Szene einen grossen Schritt weiter.
In der Neuzeit arbeiten die beiden Holländer Bram und Kee wieder zusammen und brachten den den Topathleten Jetze Plat an die Weltspitze. Bram baute dafür das geniale M5 Carbon Handbike und Kees betreut als Coach das Team.
Quelle: Kees Van Breukelen Privatarchiv
2000
Um die Jahrtausendwende suchte ich eine Möglichkeit ein Handbikerahmen aus Carbon zu bauen. Bald wurde mir Jürg Birkenstock empfohlen.
Mit seinen herausragenden Arbeiten, insbesondere dem Birk Comet Liegerad beweist Jürg Birkenstock seine handwerkliche Qualität. Er ist ein Meister des Leichtbaus, versteht wie kein anderer, die Kunst der Reduktion auf das Wesentlichste.
Jürg baute nach meinen geometrischen Vorgaben das Birk 08 Handbike. Es war das erste Handbike mit einem Carbonrahmen.
Drei Jahre später fertigte Jürg im Auftrag eine Studie für ein Vollcarbon Handbike. Dieses Bike wurde nie gebaut, man beachte wie ähnlich sich die heutigen Race-Handbikes der Studie aus dem Jahre 2003 sind.
Quelle: Handbike-Andi Privatarchiv
Quelle: Jürg Birkenstock Privatarchiv
Quelle: Jürg Birkenstock Privatarchiv
Quelle: Jürg Birkenstock Privatarchiv
Quelle: Jürg Birkenstock Privatarchiv
Quelle: https://www.williamsf1.com
Quelle: https://www.telegraph.co.uk
Zukunft
In die Zukunft zu schauen hat immer etwas mit Hellsehen und mit der Kunst des Kaffeesatzlesens zu tun, in beiden Sportarten kenne ich mich überhaupt nicht aus.
Trotzdem zeichnen sich Trendrichtungen ab, die uns in nächster Zukunft interessante Handbikes bringen werden.
Rennhandbike
Das heute bekannte Renn-Handbike wird sicher nicht verschwinden, die technischen Entwicklungen werden weitergehen, zwar sind die grossen Würfe gemacht, aber in den Details liegt die Würze und besonders hier werden laufend Verbesserungen die Gefährte schneller machen. Die regelmässigen Anpassungen an den UCI-Reglementen werden einige Änderungen mit sich bringen.
Ich persönlich glaube nicht, dass die Vorschrift über die Radgrössen so bestehen bleibt. Hinten 20″ ist in Ordnung und macht Sinn, vorne 26″ 571 ist eine denkbar ungünstige Wahl, weil diese Radgrösse mitsamt den dazugehörigen Reifen mangels Nachfrage vom Markt verschwinden wird und der moderne Radbau schon längst 28″ in hervorragender Steifigkeit bauen kann.
Cross Country-Handbike
Das Cross Country-Handbike mit Elektro-Unterstützung wird in Zukunft vermehrt gefragt sein. Man kann damit dem Strassenverkehr aus dem Weg gehen und Rollstuhlfahrer können aus eigener Kraft die Natur geniessen wie sie das mit dem Rollstuhl nie können.
Ich bin überzeugt, dass eine neue Generation von umgedrehten Handbikes in Tadpole Anordnung (zwei gelenkte Räder vorne, ein angetriebenes Rad hinten) auf den Markt kommen werden. Diese Anordnung verspricht viele Vorteile, denn sie verfügen über deutlich mehr Traktion, sind wendiger und können effizienter Vollgefedert ausgelegt sein, nicht zuletzt können Mittelmotoren besser platziert werden als bei “herkömmlichen” Handbikes.