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GG 234
Demetrij Phalerei De elocutione Liber, a Stanislao Ilovio Polono Latinitate donatus, & Annotationibus illustratus. Item Dionysii Halicarnassei quaedam Opuscula, eodem interprete... Adiecimus eadem & Graece, ut conferri a studiosis possint. Basel: Johannes Oporin März 1557. 8°.
Erste lateinische Übersetzung und erste zweisprachige Ausgabe der Schrift über den literarischen Stil. 1508 war unsere Schrift Über den Stil ein erstes Mal griechisch im Druck erschienen, in der Sammlung griechischer Redner bei Aldus Manutius in Venedig; 1542 und 1552 folgten Einzelausgaben in Florenz, 1562 eine weitere mit Kommentar des Petrus Victorius. Bis ins 19. Jahrhundert galt die Schrift als Werk des einzigen bekannten antiken Autors dieses Namens, des athenischen Staatsmanns, peripatetischen Philosophen und Historikers Demetrios von Phaleron (um 350-283 v.Chr.), der dann im Exil in Alexandria König Ptolemaios I. beim Aufbau der Bibliothek des Museions beraten hat. Von seinen Schriften sind nur wenige Fragmente erhalten. Der überlieferte Verfasser Demetrios unserer Schrift dürfte im 1. Jahrhundert nach Christus gelebt haben. Seine Schrift über den sprachlichen Ausdruck im literarischen Kunstwerk fusst ebenfalls auf peripatetischen Lehren. Wertvoll ist sie auch durch die zahlreichen Zitate aus uns verlorenen Werken. Bis 1557 war keine lateinische Übersetzung der später - wie die Schrift Vom Erhabenen aus etwa der selben Zeit von einem unbekannten Autor - wirkungsträchtigen Schrift erschienen, in diesem Jahre erschienen gerade deren drei von einander unabhängig: im März die hier vorliegende des jungen polnischen Humanisten, Juristen und Historikers Stanislaw Ilowski (Ilovius, gest. 1589), mit Widmung vom 21. Mai 1556 an Fürst Mikolaj Radziwill (1515-1565), Grossmarschall und Grosskanzler von Litauen, wo er sich für die Reformation einsetzte, engen Vertrauten Sigismund II. Augusts von Polen, und einer weiteren Widmung seiner weiteren Übersetzungen aus Dionys von Halikarnass von Paris, 13. Juni 1556 an den Grafen Johannes Tencinius in Krakau, ohne Monatsangabe in Padua eine weitere Übersetzung eines Polen, die des jungen humanisten Franciszek Maslowski (um 1530 - um 1590) mit Widmung aus Padua vom 28. März 1556 an den Kanzler von Polen Jan Praerembius, mit Scholien, d.h. einem kurzen Kommentar zu den schwierigen Stellen, wie die Basler mit zahlreichen Marginalien: schliesslich ebenfalls ohne Monatsangabe eine dritte in Venedig aus der Feder des Venezianer Philologen Natale de'Conti Natalis de Comitibus, der auch in Basel hat drucken lassen, mit auch undatierter Widmung an seinen Landsmann Francesco Contarini. Der Basler Drucker hat als einziger auch den griechischen Text beigegeben, um den studiosi einen Vergleich zu ermöglichen, wie er in üblicher Weise auf dem Titel bemerkt. Ilowski hatte 1545 in Padua studiert, 1550 in Krakau und 1555 bei Celio Secondo Curione in Basel, wo er sich aber nicht an der Universität formell immatrikuliert hat; 1556 weilt er in Paris, wo er sich mit Robert Estienne befreundet. Auf dessen Ermunterung hin hat er einen weiteren Text des Dionys übersetzt und diesen dann, als zweiten Anhang, seinem ehemaligen Präzeptor Curione gewidmet.
Seine philanthrōpia - seine humanitas - habe ihn wie kein Anderer angezogen, beginnt er seine Widmung der Demetrius-Übersetzung an den hohen Adligen und Staatsmann, doch habe er sich bis dahin gescheut, ihn mit kleinen Schriften zu belästigen. Nun widme er ihm seine Übersetzung dieser seit Cicero hochgeschätzten Schrift des Demetrius von Phaleron. Auch würde sein Jugendwerk weniger die Urteile der Leute zu fürchten haben, wenn diese es von einem verdienten Manne geschützt sähen. Dieser Widmung lässt Oporin noch diejenige des Victorius aus der Ausgabe von 1552 folgen, was zeigt, welche Vorlage Oporin für den griechischen Text verwendet hat.
Aus der Widmung der Elogien älterer griechischer Schriftstteller und Dichter und der Vergleiche griechischer Historiker aus dem Geschichtswerk des Dionys von Halikarnass (ohne den griechischen Text abgedruckt) sowie einer eigenen kleinen Geschichtstheorie und der 1548 in Florenz erschienenen seines Paduaner Lehrers Francesco Robortello erfahren wir, dass er den jungen Grafen in Paris kennengelernt hat: Als jener nach Frankreich gezogen sei, um in der Obhut des Königs die französischen Einrichtungen und Sitten kennenzulernen und in der Universität die Lehre der Freien Künste. Mit unglaublich hoher Gesinnung sei er zu ihnen gelangt. Zwei Dinge trieben ihn zur Widmung: seinen Vater beglückwünsche er zu einem solchen Sohn, das Vaterland, das ihn bei seiner Rückkehr mit höchsten Ehren empfangen werde, drittens aber auch vertreibe das Schreiben seine Traurigkeit und biete ihm eine Dankesgabe. Darum sollten seine Übersetzungen der beiden Texte aus Dionys von Halikarnass unter seinem Namen veröffentlicht werden. Die dritte Partie aus Dionys, einen "Brief" an Pompeius zur Rechtfertigung des Stils Platos, hat Ilovius erst in Paris übersetzt; gewidmet hat er sie, undatiert, seinem vorangehenden Präzeptor in Basel: Nach der Übersetzung einiger kleiner Schriften des Dionys habe er die über den Stil Platos wegen ihrer Schwierigkeit und der Gewichtigkeit ihres Inhalts andern zu übersetzen gelassen gehabt; doch auf Bitten des ihm befreundeten Robert Estienne habe er sie übersetzt und lasse sie in seinem Namen erscheinen, nicht um ihn zu rühmen (er sei in allen Städten Italiens, Frankreichs und Deutschlands genügend bekannt), sondern um sich seinem Präzeptor nicht undankbar zu erweisen.
B c VII 634 Nr. 1
Bibliothekskatalog IDS
Signatur: Bc VII 634:1