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Jérôme Cosandey unterstützt in einem Beitrag von Avenir Suisse die aktuelle diskutierte Flexibilisierung und den Ausbau der Säule 3a:
Die Linke steht der 3. Säule oft kritisch gegenüber, da sie angeblich vor allem Personen mit hohem Einkommen zugute komme. Doch dieser Vorwurf beruht auf einer sehr statischen Einschätzung der Gesellschaft und blendet die soziale Mobilität aus. Die angehende Ärztin, die auf ihr Staatsexamen hin büffelt, oder der Jungunternehmer, der sein Startup lanciert, stehen heute zwar am unteren Ende der Einkommensklassen, gehören aber morgen zur oberen Einkommensklasse.
Die Statistik bestätigt diese anekdotischen Beispiele: 44% der Personen im untersten Einkommensdezil sind ein Jahr später bereits ein oder gar zwei Dezile aufgestiegen, wie aus einer Studie zu den Einkommen und Lebensbedingungen (Silc 2016) hervorgeht. Dieser Anteil steigt zwei Jahre später noch weiter an.
Es drängt sich auf, den Kreis der Begünstigten zu erweitern und vor allem die Fristen für Einzahlungen in die 3. Säule flexibler zu gestalten. Dabei darf allerdings der steuerliche Aspekt nicht vernachlässigt werden. Der Topmanager oder die SP-Nationalrätin, die ihr steuerbares Vermögen dank massiver Einkäufe in die Pensionskasse auf null gesenkt hatten, ist vielen Politikerinnen und Steuerkommissären noch in unguter Erinnerung.
Auf einem Mittelweg zwischen diesen Extrembeispielen und der derzeit unbefriedigenden Situation in der 3. Säule gibt es gewiss vernünftige Lösungen, um die freiwillige Vorsorge flexibler zu gestalten, beispielsweise durch die Option von Einkäufen über zehn Jahre hinweg, ohne riesige steuerliche Schlupflöcher zu schaffen.
So würden Reformen, die nicht nur die 1. und die 2. Säule, sondern eben auch die 3. Säule betreffen, eine Vorsorge ermöglichen, mit der die unterschiedlichen beruflichen und privaten Lebensphasen der Bevölkerung in der Schweiz im 21. Jahrhundert besser abgebildet werden können.