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Offizielle behördliche Empfehlungen sind rechtlich betrachtet «illegal»
Wenn es um die Sättigungseigenschaften und andere gesundheitliche Vorteile von Eiweiss geht, bewegen sich offizielle Empfehlungen von Schweizer Gesundheitsbehörden am Rande der Legalität.
Im April 2011 wurde vom Eidgenössischen Bundesamt für Gesundheit, Abteilung Verbraucherschutz, ein Faktenblatt Proteine publiziert, welches u.a. über die Vorteile eines erhöhten Eiweissanteils (1.5 g statt 0.8 g pro kg Körpergewicht) in der täglichen Ernährung bei Übergewicht und Adipositas informiert.
Darin lässt sich unter anderem lesen: «Für übergewichtige oder fettleibige Menschen werden bis zu 1.5 g/kg Körpergewicht pro Tag empfohlen, wenn keine Beeinträchtigung der Nierenfunktion besteht. Nahrungsproteine beeinflussen das Köpergewicht, indem sie auf das Sättigungsgefühl und die Körperzusammensetzung wirken. Die Einnahme von Nahrungsproteinen führt zu einer höheren Sättigung als gleiche Energiemengen von Kohlenhydraten oder Fett. Proteinreiche Diäten zur Gewichtsreduktion bei Übergewicht führen zu einem grösseren Gewichtsverlust als Diäten mit einem geringen Proteinverzehr. Zudem bleibt der Knochenmineralgehalt konstant (Vorbeugung von Osteoporose) und die fettfreie Körpermasse (Muskelmasse) bleibt erhalten bei gleichzeitiger Abnahme des Körperfettes.»
Diese Aussagen sind zwar zutreffend, mitunter aber stärker formuliert als jede lebensmittelrechtlich erlaubte gesundheitsbezogene Anpreisung zu Eiweiss, insbesondere im Zusammenhang mit Körpergewichtsmanagement. Zu Sättigung gibt es überhaupt keine erlaubten Aussagen zu irgendeinem Nährstoff. Die einzige für Eiweiss autorisierte Anpreisung wurde von der EU übernommen und lautet: «Proteine tragen zu einer Zunahme und zur Erhaltung von Muskelmasse bei». Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, um nicht zu sagen Schizophrenie, dass dieselbe obige Behörde sowohl für die Gesetzgebung als auch besagtes Faktenblatt Proteine zuständig ist. Irgendwie absurd, nicht wahr?!
Eine staatliche Behörde, welche sich per definitionem um die Gesundheit der Bevölkerung zu kümmern hat, orientiert sich auftragsgemäss an wissenschaftlichen und epidemiologischen Fakten , um entsprechend Massnahmen zur Förderung der Volksgesundheit zu treffen. Da gerade Übergewicht auch in der Schweiz als grosses und weiter zunehmendes Gesundheitsrisiko benannt ist und auch Gesundheitskampagnen in diesem Zusammenhang durchgeführt werden und wurden, so scheint es naheliegend und zielführend, die behördlich abgesegneten, gesundheitlich positiven Effekte von Eiweiss gesetzlich zu autorisieren. Warum dies nicht passiert, hängt vermutlich mit CO2-Emissionen, Nachhaltigkeit der Ressourcen und globaler Versorgungssicherheit zusammen. Denn de facto ist es heutzutage politisch, ethisch und ökologisch unkorrekt, eine erhöhte Proteineinnahme zu empfehlen!
Fotos: Timo Klostermeier (Bild Nr. 1); Gänseblümchen (Bild Nr. 2) /www.pixelio.de