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- Die französische Wettbewerbsbehörde verhängt gegen Roche und Novartis eine kumulierte Geldbusse von 444 Millionen Euro.
- Als Grund nennt die Behörde missbräuchliche Praktiken der beiden Firmen im Bereich «Behandlungen für die altersbedingte Makula-Degeneration».
- Den Firmen wird konkret vorgeworfen, den Verkauf des Medikaments Lucentis auf Kosten des dreissigmal billigeren Mittels Avastin gefördert zu haben.
Die beiden Pharmagiganten hätten sich an missbräuchlichen Praktiken beteiligt, um die Marktposition des Augenmittels Lucentis gegen ein günstigeres Präparat zu verteidigen, teilte die Pariser Wettbewerbsbehörde mit. Novartis soll nun 385 Millionen Euro zahlen, Roche rund 60 Millionen.
Lucentis oder Avastin
Die beiden Basler Unternehmen teilen sich den Vertrieb von Lucentis: Novartis verkauft das Medikament in Europa, Roche in den USA.
Die Bussgelder sind die jüngste Entwicklung in einem jahrelangen Kampf zwischen den Pharmakonzernen und Ländern, in denen Ärzte statt dem teuren Lucentis das günstigere Roche-Medikament Avastin einsetzen, um Patienten mit der Augenkrankheit altersbedingte Makula-Degeneration zu behandeln.
Sowohl die Krebsarznei Avastin als auch Lucentis hemmen das Wachstum von Blutgefässen. Avastin ist aber nicht für die Behandlung der Augenkrankheit vorgesehen, die zu Erblindung führen kann.
Novartis werde zudem dafür bestraft, die Risiken von Avastin «ungerechtfertigt zu übertreiben». Der Behörde zufolge kostet Lucentis, das etwa einmal monatlich injiziert wird, 1161 Euro pro Injektion, bei Avastin sind es nur 30 bis 40 Euro pro Spritze.
Novartis will Berufung einlegen
Bei Novartis stösst das Urteil auf Unverständnis. Man sei sehr enttäuscht über den Entscheid und weise die Vorwürfe zurück, heisst es in einer Stellungnahme. «Wir sind der festen Überzeugung, dass wir angemessen und in Übereinstimmung mit allen anwendbaren Vorschriften gehandelt haben.»
Wir sind der festen Überzeugung, dass wir angemessen und in Übereinstimmung mit allen anwendbaren Vorschriften gehandelt haben.
Der Entscheid der Behörde basiere auf einer «groben Fehlinterpretation» der Fakten sowie auf einer «Verzerrung» der bisherigen Rechtsprechung. Das Unternehmen beabsichtige daher die Entscheidung an ein Berufungsgericht weiterzuziehen.
Diesbezüglich noch keinen Entscheid gefällt hat Roche. «Wir werden unsere nächsten Schritte prüfen», heisst es beim zweiten der Basler Pharmamultis. Doch auch er stellt klar: «Wir sind mit der Entscheidung der Behörde – bei allem Respekt – nicht einverstanden.»