Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03128.jsonl.gz/1962

Sein Stern im Fussball ging 1958 auf, als ihn Nationaltrainer Vicente Feola im Alter von 17 Jahren zur WM nach Schweden mitnahm – sein Debüt im Nationalteam hatte er mit 16 gegeben.
Beim 5:2 im Final gegen den Gastgeber schoss er zwei Tore und trug damit massgeblich dazu bei, dass er bis heute der jüngste Weltmeister der Fussball-Geschichte ist. 1962 und 1970 gewann Pelé zwei weitere WM-Titel mit der “Seleçao”. 1962 verletzte er sich allerdings im zweiten Spiel am Oberschenkel und verpasste den Rest des Turniers.
Pelé war eine treue Seele, was ihn so populär machte und macht. Von 1956 bis 1974 spielte der Schumacherlehrling bei Santos, bevor er bis 1977 bei Cosmos New York seine Karriere ausklingen liess. Insgesamt soll er 1281 Tore in 1365 Partien erzielt haben – eine unglaubliche Bilanz. Der schönste Treffer? Pelé sagt, das 4:2 im Spiel mit Santos gegen Juventus Turin am 2. August 1959, als er im Strafraum den Ball in der Luft jongliert, nacheinander über drei Gegenspieler und dann noch über den Torwart lupft, um den Ball per Kopf im Tor unterzubringen. Davon gibt es aber leider keine Videoaufnahmen.
In Santos gibt es inzwischen sogar ein eigenes Museu Pelé. Zum 75. Geburtstag wird er mit einer Neuauflage seines Trikots aus den Jahren 1962 und 1963 geehrt, als Santos zweimal nacheinander den Weltcup gewann.
Insgesamt wird es wohl etwas ruhiger zugehen als zum 70. Geburtstag. Damals wurde ein Ligaspiel in seinem Heimstadion Vila Belmiro zur grossen Pelé-Party. Der inzwischen beim FC Barcelona tätige Neymar lief mit der Nummer 70 als Hommage an das Geburtstagskind auf. In Rios berühmtem Maracana-Stadion ist der alte Lederball ausgestellt, mit dem Pelé am 19. November 1969 gegen Vasco da Gama sein 1000. Tor für Santos erzielt hat. Sogar die Kirchenglocken haben damals zu seinen Ehren geläutet.
Der immer freundliche Pelé hat nie gross über die Stränge geschlagen. Er hat Millionen verdient, vor allem dank viel Werbung. “Aber nie für alkoholische Getränke, Politik, Religion oder Tabak”, sagte “O Rei”. Er warb auch für ein bekanntes Potenzmittel, betonte aber stets, nie selbst welche gebraucht zu haben. Sieben Kinder hat er, zwei von ihnen sind unehelich. Dazu hat er zwei gescheiterte Ehen hinter sich.
Sein Lieblingsfeind ist Diego Maradona, der sich selber als legitimen Fussballgott sieht, zumindest hat er ja schon einmal mit Gottes Hilfe den Ball bei der WM 1986 gegen England ins Tor befördert. Pelé wirft dem Argentinier vor, der Jugend ein schlechtes Beispiel zu sein, während Maradona Pelé mehrmals als einen Fall fürs Museum bezeichnet hat.
Pelés Wort hat auch heute noch viel Gewicht. Unter Staatspräsident Fernando Henrique Cardoso war er von 1995 bis 1998 sogar Sportminister. Er kritisiert die Machenschaften der FIFA, ist viel unterwegs. So mancher in Brasilien fragt sich bereits, ob sie ihm in knapp 290 Tagen noch eine der grössten Ehren zukommen lassen. Irgendwer muss ja das Feuer für die Olympischen Spiele in Rio, den ersten in Südamerika, anzünden. Es wäre die logische Hommage an einen Sportler mit einer überragenden Karriere.
(SI)