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Doch noch während er das sagte, glitt eine helle Wolke über sie, aus der eine Stimme zu ihnen sprach:»Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich meine Freude habe. Hört auf ihn.« Mat 17:5
Adoption oder Emanzipation.
Ich möchte zuerst etwas über die ursprüngliche Bedeutung dieser beiden Worte sagen. Natürlich werden die Worte heute nicht mehr so verwendet, aber erlaube mir doch, es hier einmal zu tun.
Emanzipation kommt aus dem Lateinischen, genauso wie Adoption. Emanzipation ist zusammengesetzt aus ex, manus, capere. Mancipatio ist der Übergang einer Sache in den Besitz eines anderen und heisst wörtlich „mit der Hand nehmen, fassen, erbeuten“. Emancipatio heisst nun „aus der Hand entlassen“ und wird als Formel gebraucht, wenn ein Sohn oder Sklave aus der Autorität, aus dem Besitz eines Vaters oder Meisters entlassen wird. Im Speziellen kennzeichnet es die Entlassung des Sohns aus der väterlichen Gewalt.
Adoption wiederum ist zusammengesetzt aus ad und optare. Es bedeutet eigentlich hinzuerwählen. Natürlich ist die heutige Adoption in diesem Bedeutungsfeld durchaus ersichtlich, erwählt man doch jemanden zu seiner eigenen Familie hinzu. Dieser Vorgang wurde im Latein aber mit affiliare beschrieben, zum Sohn, zur Tochter machen. In der jüdischen und griechischen Tradition war die Adoption durchaus etwas anderes. Ein Vater erwählte seinen Sohn und fügte ihn zum Kreis der Männer in Autorität hinzu.
Ein Vater nahm seinen Sohn mit 30 mit in die Tore der Stadt und sprach vor den Ältesten die Adoptionsformel: „Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Freude habe. Hört auf ihn.“ Kommt Dir das bekannt vor?
Mit dieser Handlung stellte der Vater den Sohn auf die gleiche Autoritätsstufe, die er selber inne hatte. Das Wort des Sohnes war gleich viel wert wie das des Vaters.
Wenn wir uns jetzt den Unterschied betrachten, ist dieser ziemlich gross.
Ausgangslage einer Emanzipation ist ein Besitzverhältnis. Ich gehöre als Sohn dem Vater genauso, wie ein Sklave ihm gehört. Die Emanzipation entlässt mich nun aus diesem Verhältnis in die grosse Freiheit, die Unabhängigkeit. Meine Beziehung zum Vater wird gelöst, ich stehe ab sofort allein und muss für mich selbst aufkommen.
Auf der anderen Seite die Adoption. Sie sagt nichts über das Verhältnis zwischen Sohn und Vater aus, ausser dem, worauf wir aus der Handlung zurückschliessen können: der Vater vertraut dem Sohn seine ganzen Besitztümer an, gibt ihm das Recht, mit der gleichen Autorität darüber zu entscheiden, wie er selber. Das braucht ein Vertrauensverhältnis. Der Vater kennt auch seine Aufgabe: den Sohn dahin zu bringen, dass er entscheidungsfähig und vertrauenswürdig ist. Also in die Reife. Und nach dem Akt lässt er ihn nicht allein, sondern nimmt ihn als gleichberechtigten Partner in die Beziehung auf.
Der verlorene Sohn hat sich emanzipiert, und auf sich gestellt, schrecklich versagt. Der Vater hat ihn adoptiert, als der Sohn zurückkam, und ihm mit dem Ring das Zeichen der Autorität gegeben.
Denn in sehnsüchtigem Verlangen wartet die Schöpfung auf das Offenbarwerden der Söhne und Töchter Gottes. … Doch nicht nur dies; nein, auch wir selbst, die wir den Geist als Erstlingsgabe empfangen haben, auch wir seufzen miteinander und warten auf unsere Anerkennung (Adoption) als Söhne und Töchter, auf die Erlösung unseres Leibes. Röm 8:19.23
Viele definieren unsere Lebensübergabe als Adoption durch Gott. Doch hat er uns da nur das Recht gegeben, seine Kinder zu heissen. Und andererseits sind wir, wie das Gleichnis des verlorenen Sohnes zeigt, Kinder Gottes. Auch beim Gleichnis der hundert Schafe ist das eine, das davon läuft, dennoch eines seiner Schafe. Wir werden also nicht im heutigen Sinne adoptiert, d.h. der Familie Gottes hinzugefügt, obwohl wir nicht dazu gehören. Nein, wir sind Kinder Gottes in Rebellion, und er respektiert unseren freien Willen. Auf unsere Bitte hin nimmt er uns aber gerne wieder auf.
Aus den Versen im Römer sehen wir noch etwas anderes. Paulus spricht im zweiten Teil in der ersten Person Mehrzahl. Wir. Paulus war zu diesem Zeitpunkt Christ, das wird wohl niemand bezweifeln. Wenn er also, mit uns, noch auf diese Adoption zur Sohnschaft (huiothesia Strongs g5206) wartet, dann muss die Adoption etwas anderes sein als die Bekehrung.
Das griechische Wort huiothesia bestätigt, was ich vorher gesagt habe. Huios ist der reife, erwachsene Sohn, und tithemi heisst einsetzen. Paulus wartet mit uns auf den Zeitpunkt, da wir als Söhne in Autorität eingesetzt werden. Er bringt dies in Zusammenhang mit der Erlösung unseres Leibes.
- Wir wissen, dass wir gerettet sind – unser Geist wurde im Moment unserer Bekehrung gerettet.
- Wir wissen, dass wir ständig gerettet werden – wir erarbeiten täglich die Rettung unserer Seele und lernen, anders, göttlich zu denken, zu fühlen, zu wollen.
- Und wir wissen, dass wir in der Zukunft gerettet werden – d.h. unser Leib. Doch nicht alle werden sterben, sondern einige werden verwandelt werden beim Klang der letzten Posaune.
Die letzte Posaune. Ich sehe diese nicht als Posaunenklang bei der Entrückung, sondern vielmehr als letzte Phase meiner persönlichen Entwicklung. Genau so, wie Jesus verklärt wurde, wartet die ganze Schöpfung darauf, dass die Söhne Gottes hervorkommen. Hier auf Erden.
Was wünschst Du Dir mehr: unabhängig zu sein, oder aufgenommen und in Autorität eingesetzt zu werden? Was wählst Du: Emanzipation oder Adoption?
Für mich ist die Antwort klar. Statt im Schweinestall der Unabhängigkeit bin ich lieber mit Jesus gesetzt zur Rechten Gottes als Priester und König. Eigentlich eine einfache Entscheidung.
Ich sehe die Adoption als den Abschluss eines Prozesses.
Aus Sicht des Vater ist es so, dass er einen Sohn gezeugt hat in der vollen Absicht, ihn dereinst zu adoptieren. Sein ganzes Handeln als Vater ist auf diesen Zeitpunkt ausgelegt, und auf den Preis, den er dahinter sieht: eine Beziehung reifer Persönlichkeiten aus freiem Willen, in gegenseitigem Respekt. Daher wird der Vater viel in die Entwicklung seines Sohnes investieren, unter anderem auch den Schmerz, loszulassen, Verantwortung zu übergeben, Fehler zuzulassen. Und doch sieht er den Sohn schon als das, was er einmal sein wird.
Aus Sicht des Sohnes ist es ein Durchlaufen eines Prozesses vom Kind unter der Hand des Vaters, zum Jüngling mit Teilverantwortung für sein Leben, zum Sohn. Und der Verpflichtung, selber Vater zu werden.
So gesehen verhindert die Emanzipation eine Adoption. Sie ist eine feige Flucht aus dem vorgesehenen Prozess, entweder durch den dedizierten Sohn oder den Vater.
Eine Adoption braucht Mut.
Hast Du diesen Mut?