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Heute verbindet man mit dem Namen Kellog ein knuspriges Frühstück, um 1930 stand er auch für eine aussergewöhnliche Idee. Der Cornflakes-Gründer führte in seiner Fabrik in Michigan den Sechs-Stunden-Arbeitstag ein und erhöhte den Stundenlohn um 12.5 Prozent. Zu einer Zeit, in der die Welt in die erste grosse Wirtschaftskrise schlitterte.
Die neuen Strukturen machten Kellog zu einem populären Arbeitgeber. Doch nicht nur das: Die Unfallrate sank um 41 Prozent und die Mitarbeitenden wurden produktiver. Autohersteller Henry Ford, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts ebenfalls mit verkürzten Arbeitszeiten experimentierte, stellte ähnliche Effekte fest.
Der verkürzte Arbeitstag setzte sich bei Kellog trotz den positiven Effekten nicht durch. Neue Manager schlugen die Gegenrichtung ein und der Sechs-Stunden-Tag verlor seinen guten Ruf. Nach und nach wurde wieder mehr gearbeitet, 1985 wurde das Programm endgültig eingestellt.
Heute arbeiten Schweizerinnen und Schweizer im Vollzeit-Angestelltenverhältnis im Durchschnitt 42.8 Stunden pro Woche. Das heisst, gut 8.5 Stunden pro Tag. In EU-Ländern beträgt die Wochenarbeitszeit im Schnitt 41.1 Stunden.
Ebenso wichtig wie die Arbeitszeit ist der Parameter Produktivität. Wie die zwei genau zusammenhängen, darüber wird auch im 21. Jahrhundert noch diskutiert. Vollzeit beschäftigte Griechinnen und Griechen beispielsweise arbeiten mehr als der EU-Schnitt, sind aber im Vergleich weniger produktiv.
Manche Unternehmen setzen auf den Praxistest. Dazu zählt das Altersheim Svartedalen in Göteborg. Die Institution experimentierte während zwei Jahren mit einem Sechs-Stunden-Tag. Das Fazit fiel grundsätzlich positiv aus, doch unterm Strich blieb der Versuch zu teuer. Die Mehrkosten beliefen sich auf über eine Million Franken.
In der Schweiz wird das Thema «reduzierte Arbeitszeit» auch immer mal wieder diskutiert. 1988 beispielsweise forderte der Schweizer Gewerkschaftsbund eine 40-Stunden-Woche, 2002 eine 36-Stunden-Woche. Beide Initiativen wurden von der Schweizer Bevölkerung deutlich abgelehnt.