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«The King of Staten Island»: Das Interview mit Hauptdarsteller Pete Davidson
In der semiautobiographischen Tragikomödie spielt der ehemalige «Saturday Night Club»-Comedian einen verhängten Mittzwanziger, der nichts auf die Reihe kriegt. Wir sprachen mit Davidson über Zoom.
Natürlich treffen wir Talente aus der Filmindustrie am liebsten persönlich. Doch in Zeiten von COVID-19 ist es äusserst schwierig, irgendwelche Leute aus den USA für Interviews in die Schweiz zu fliegen - geschweige denn davon, dass wir selbst in den Flieger stiegen. Aber zum Glück gibt es ja Tools wie Zoom, mit denen man nicht nur Meetings abhalten, sondern auch ohne Probleme Interviews führen kann. So kam es, dass wir Comedian und Schauspieler Pete Davidson auf dem Laptopschirm hatten und ihn mit unseren Fragen zu seinem Film The King of Staten Island löchern konnten.
Davidson machte sich bereits mit 16 Jahren einen Namen als Stand-up-Comedian, bevor er nur gerade vier Jahre später beim Comedy-Format «Saturday Night Life» durchstartete. Eine scheinbar traumhafte Karriere, doch sein Leben verlief alles andere als rosig. Mit acht Jahren verlor er seinen Vater, der als Feuerwehrmann bei Rettungsarbeiten nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 ums Leben kam. Als man bei Davidson im Alter von 17 Jahren Morbus Crohn festgestellt hatte, linderte er seine Schmerzen mit Marihuana und hatte in den Folgejahren immer wieder Probleme mit Drogen. Später musste er sich wegen einer Borderline-Persönlichkeitsstörung in Behandlung begeben.
Kein einfaches Leben also, welches ihn zu The King of Staten Island inspiriert hat. In dem semiautobiographischen Drehbuch hat Davidson vieles verarbeitet, was Regisseur Judd Apatow dann auf die Leinwand gebracht hat. Im Interview mit OutNow sprach Davidson unter anderem über Realität vs. Fiktion, seine starke Mutter und einen Fight Club mit Hulk-Händen.
Wie persönlich ist der Film für dich und wie viele Gemeinsamkeiten weist er mit deinem eigenen Leben auf?
Der Film ist sehr persönlich für mich und alle Probleme, mit denen sich Scott im Film herumschlagen muss, hatte ich ebenfalls. Ein Grund, warum ich diesen Film unbedingt machen wollte, war, damit ich mich mit der ganzen Trauer auseinandersetzen und dieses Thema dann für mich abschliessen konnte, um dann ein neues Kapitel in meinem Leben aufzuschlagen.
Hast du dein Ziel erreicht?
Absolut. Es fühlt sich jetzt an, wie wenn man mir eine grosse Last von den Schultern genommen hat. Wenn man Comedy aus Sachen macht, die man selbst erlebt hat - auch schlimme Sachen -, hat dies eine Art heilende Funktion. Ein Grund, weshalb wir Scott so viele Probleme gegeben haben, war, um den Leuten da draussen zu zeigen, dass sie mit ihren nicht allein sind. Viele Leute leiden an psychischen Krankheiten, Angstzuständen oder Depressionen. Manchmal fühlt man sich dann allein und man hat das Gefühl, dass man mit niemandem reden kann. Rapper Kid Cudi war meine Inspiration, denn er redete, als ich jung war, über seine Probleme und gab mir das Gefühl, dass ich nicht alleine bin und dass es ein Licht am Ende des Tunnels gibt. Das war auch unser Ziel mit The King of Staten Island.
Du hast die erste Fassung des Skripts selbst mit deinem Kumpel Dave Sirus geschrieben. Wie sehr hat sich das Drehbuch verändert, nachdem ihr es Judd Apatow anvertraut habt?
Das tolle an Judd ist, dass er die Emotionen herauskitzeln und in den Vordergrund stellen kann. Als wir das Skript Judd anvertrauten, waren es vornehmlich 90 Seiten voll mit Witzen unter der Gürtellinie. Er machte daraus eine Story voller Emotionen.
Scott kommt in einige ganz schräge Situationen während dem Film, unter anderem überfällt er mal eine Apotheke. Wie viel entsprach der Wahrheit und was war ausgedacht?
Das meiste war ausgedacht. Was es jedoch gab, war der Gras-Lieferservice, der von meinem Kumpel von dessen Keller aus betrieben wurde, wo wir jeweils abhängten. Ebenfalls echt war die Sache mit dem Feierabend-Fight-Club. Wie Scott hatte ich auch mal einen Kellnerjob und wenn zwei Mitarbeiter mal ein Problem miteinander hatten, mussten sie die Sache nach Ladenschluss mit Hulk-Händen als Box-Handschuhe ausprügeln. Ich musste das nur einmal machen und kam dabei ordentlich unter die Räder.
Hat dich denn deine Mutter auch mal rausgeschmissen?
Das hat meine Mutter nicht gemacht. Aber wenn ich keinen Erfolg als Komiker gehabt hätte, dann hätte sie mich an einem Punkt ganz bestimmt aus der Wohnung geworfen. Sie ist eine starke Frau, die sich nicht verarschen lässt. Ab einem gewissen Punkt tut sie einfach, was das Beste für die Familie ist.
The King of Staten Island läuft ab dem 30. Juli in den Schweizer Kinos.