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Titel
Afrika
[* 2] (hierzu
Karte). Die Aufteilung des
Erdteils unter die europäischen Mächte hat in den letzten
Jahren rasche Fortschritte
gemacht, wenngleich die Besitzergreifung großer Gebiete in den meisten
Fällen nur auf dem
Papier steht
und allein darauf gerichtet ist, die betreffenden Ländereien den interessierten
Staaten gegen
Unternehmungen von andrer Seite
zu sichern. Von diesem
Gesichtspunkt sind die
Abmachungen zwischen
England und
Frankreich zur Abgrenzung der beiderseitigen Interessensphären
im S. bis zum Tsadsee hin, so die zwischen
Deutschland
[* 3] und
England hinsichtlich der
Grenzen
[* 4] in den beiderseitigen
Besitzungen am
Golf von
Guinea und in
Ostafrika, so endlich die
Abmachungen zwischen
Portugal
[* 5] und
England nach langen Streitigkeiten
über den
Besitz dieser beiden
Staaten in Süd
afrika
[* 6] zu betrachten.
Was
Deutschland anlangt, so trat es an der Ostküste
Afrikas das
Witugebiet nebst der daran nördlich anstoßenden
Küste bis zur Südgrenze des dem
Sultan von
Sansibar
[* 7] gehörigen
Kismaju sowie einen großen Teil des von ihm in seine Interessensphäre
einbezogenen südwest
afrikanischen Gebiets an
England ab, erweiterte dagegen durch Forschungsreisen und
Anlage von
Stationen
sein
Hinterland von
Kamerun und dem Togogebiet. Das
Areal dieser beiden
Kolonien läßt sich wegen Unbestimmtheit
der
Nord- und Ostgrenze noch nicht genau bestimmen,
Deutsch-Ostafrika wird auf 964,000 qkm,
Deutsch-Südwestafrika auf 810,000
qkm berechnet.
Während
Deutschland seine Ansprüche zu gunsten
Englands sehr bedeutend beschränkte, erweiterte letzteres seine Interessensphäre
um nahezu das Vierfache. Die
Ost- und Westgrenze der Goldküstenkolonie wurden tief ins Land hinein verlängert,
das Nigergebiet weit den
Strom hinauf und bis zum Westufer des Tsadsee hin erweitert, im S. auf
Kosten
Portugals ausgedehnte
Besitzergreifungen vorgenommen, von der ost
afrikanischen
Küste aus das ganze weite Gebiet an der Nordgrenze
Deutsch-Ostafrikas
bis zum Dschubbfluß und nach W. zu über den
Victoria Nyanza
[* 8] und den Albertsee hinaus bis zur Ostgrenze
des Kongostaats als britische Interessensphäre erklärt und, um eine
Verbindung dieses großen Gebiets mit dem von
England
festgehaltenen
Ägypten
[* 9] in der Zukunft zu ermöglichen, die Ostgrenze der italienischen Interessensphäre in
Ostafrika so vereinbart,
daß die italienische Grenzlinie jetzt den größten Teil der Gallaländer sowie
Abessinien umschließt.
Aber noch gewaltiger als England hat Frankreich seinen afrikanischen Kolonialbesitz [* 10] vergrößert. Nicht nur durch erfolgreiche militärische Unternehmungen, auch durch Aussendung mehrerer Forschungsexpeditionen und infolge dessen geschehene Protektoratsabschlüsse gewann es die gesamten Hinterländer Liberias sowie die der englischen und portugiesischen Besitzungen in Nordwestafrika; es verband auch seinen Besitz am Niger mit dem an der Elfenbeinküste, dort einen bislang herrenlosen Küstenstreifen für sich reklamierend, und erweiterte seine Interessensphäre ostwärts über den Niger bis zum Tsadsee, ja es machte sogar den allerdings mißlungenen Versuch, seine Ansprüche auf die Ufer dieses Sees durch eine dorthin vom Kongo gezogene Linie zu verbinden und so eine Ausdehnung [* 11] unsers Kamerungebiets über den 15.° östl. L. v. Gr. zu verhindern.
Auch wies es die Ansprüche, welche Spanien auf die Küste zwischen Corisco und Kap Campo erhob, zurück, wiewohl Deutschland gerade auf Geltendmachung solcher Ansprüche seitens Spaniens von der Besitzergreifung dieses Küstenstrichs Abstand genommen hatte. Wie außerordentlich der europäische Kolonialbesitz in Afrika seit der internationalen Konferenz in Brüssel [* 12] 1876 durch ausgedehnte Besitzergreifungen sich erweitert hat, zeigt folgende Aufstellung. Es besaßen oder beanspruchten:
|1876||1890|
|Frankreich||733479||5956914||QKilom.|
|Großbritannien||761381||4170474||"|
|Deutsches Reich||–||2720000||"|
|König der Belgier||–||2491000||"|
|Portugal||1799364||2264945||"|
|Türkei||1000000||1000000||"|
|Italien||–||935000||"|
|Spanien||9480||519280||"|
|Zusammen:||4303704||20057613||QKilom.|
Da nun die Größe Afrikas auf 29,826,922 qkm berechnet wird, so bleiben nur noch 9,769,309 qkm übrig, wovon der bei weitem größte Teil auf die über 6 Mill. qkm große Sahara entfällt. Weiteres s. in folgenden Artikeln: Deutsch-Ostafrika, Deutsch-Südwestafrika, Kolonien und Mission. Den gegenwärtigen Stand unsrer Kenntnis von Afrika veranschaulicht beifolgende Karte.
Forschungsreisen in Afrika.
Nordafrika.
Auf Grund seiner Januar bis März 1890 ausgeführten 2500 km umfassenden Reisen in der schwer zugänglichen Dünenregion El Erg oder Areg zwischen dem Wadi Mia im W. und dem Wadi Igharghar im O. bis zum Plateau von Tademait im S., welches von einer Höhe von fast 400 m schroff abfällt, hat Foureau eine Karte konstruiert, welche wegen der sorgfältigen Berücksichtigung der Terrainverhältnisse sowie der vorhandenen Brunnen [* 13] und Wasseransammlungen von besonderm Wert für die Richtung der geplanten transsaharischen Eisenbahn ist. Der französische Archäolog Carton erforschte 1891 die alte Römerstraße von Karthago [* 14] nach Theneste und fand bei Tibursuk sehr bedeutende Überreste von Tempeln, Theatern, Aquädukten, Skulpturen und zahlreichen Inschriften.
Westafrika.
Um die Grenze zwischen der englischen Kolonie Gambia und den französischen Besitzungen auf Grund des Übereinkommens vom genau festzulegen, trat eine franzosischenglische Kommission zusammen, welche ihre Arbeiten beendete, nachdem sie das ganze, bisher wenig bekannte Gebiet längs des Süd- wie auch des Nordufers aufnahm. Die auf dieser Aufnahme beruhende Abgrenzung der beiderseitigen Gebiete zerschneidet leider in willkürlichster Weise die einem Häuptling untergebenen Landschaften, in Zukunft vielleicht die Quelle [* 15] mancher Konflikte.
Wie am Gambia, so soll eine französisch-englische Kommission auch die Grenze zwischen der französischen Kolonie Rivières du Sud und der englischen Kolonie Sierra Leone bestimmen. Diese Kommission hat ihre Arbeiten an der Mündung des Scarcies begonnen. Auch an der Goldküste soll die Grenzregelung stattfinden, wozu von französischer Seite Binger (s. d.) bestimmt ist. Die Arbeiten sollen in Rugua beginnen und dann zum Volta gehen. An die bereits im Jahressupplement 1890/91 (S. 334) genannten Expeditionen ¶
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schloß sich die von Kapitän Brosselard-Faidherbe an, welcher mit einer gröbern Abteilung das Quellgebiet des Niger und die südlichen Gebiete von Samorys Reich bis an die Grenzen von Sierva Leone und Liberia [* 17] erforschen wollte, um die hier noch bestehende große Lücke auszufüllen. Da aber die Truppen Samorys, des Herrschers von Wassala, den Durchzug verwehrten, so sah sich Brosselard gezwungen, nach Benin an der Mündung des Mellacori zurückzukehren. Doch haben die gemachten Aufnahmen nachgewiesen, daß dem Bau einer Eisenbahn hier weit geringere Schwierigkeiten entgegenstehen als längs des Senegal. Um Samory für seinen Treubruch zu züchtigen, rückte Oberst Archinard sogleich mit Truppen gegen Wassala vor, eroberte die Hauptstadt Kankan und besetzte sie mit einer Truppenabteilung.
Durch Archinard wurde bereits im Januar 1891 mit der Eroberung von Nioro dem ehedem so mächtigen Reich der Toucouleurs ein Ende gemacht, deren Sultan Ahmadu seinen Sitz hierher verlegt hatte, nachdem ihm schon 1890 der Hauptsitz seiner Macht, Segu-Sikoro, verloren gegangen war. Von hier brach Kapitän Monteil auf, um das Land innerhalb des großen Nigerbogens zu durchziehen und den Fluß bis Say zu verfolgen, dem Grenzpunkt zwischen der französischen und der englischen Interessensphäre nach dem unlängst getroffenen Abkommen.
Die gestellte Aufgabe, das Nigerbecken von W. nach O. zu durchziehen, wurde in ihrem ersten Teil glücklich gelöst. Monteil erreichte von Segu aus Wagadugu, die Hauptstadt von Mossi, und zog dann Anfang Mai 1891 weiter nach Say. Mossi wurde schon vorher von dem Marinearzt Crozat von Bammako aus besucht. Einen unglücklichen Ausgang nahm die Expedition von Quiquerez und de Seponzac auf der wenig bekannten Strecke zwischen Groß-Bassam und Liberia, indem ersterer im Flusse San Pedro ertrank, worauf der zweite unter großen Entbehrungen die Küste erreichte.
Die Reise des zu früh verstorbenen Wolf im Hinterland von Dahomé hat nach seinen jetzt veröffentlichten Tagebüchern eine weit größere Ausdehnung gehabt, als man vorher annahm. Er umging Dahomé in einem weiten Bogen [* 18] in NW. und N. und gelangte in einem zweimonatigen Marsch nach Dabari oder Ndali in der Landschaft Barbar oder Baribal, so daß er nur noch zwei Tagemärsche von Nikki, einem mit dem untern Niger in Verbindung stehenden Handelsplatz, entfernt war. Durch die Aufnahme des Mono, eines nach der bisherigen Annahme im deutschen Togogebiet entspringenden, bei Grand Popo mündenden Flusses, wollte d'Albéra, Administrator der französischen Besitzungen am Golf von Benin, nachweisen, daß der ganze untere Lauf bis zur Grenze der Schiffbarkeit des Flusses auf französischem Gebiet liegt, während man Togodo bisher zu dem deutschen rechnete.
Westäquatorialafrika.
Leutnant Morgen brach im Oktober 1890 von der Jaundestation am obern Sannaga auf, wandte sich nach Tibati, das Flegel vergeblich zu erreichen versucht hatte, und von hier über Banjo nach Ibi am Binué, wo er Anfang 1891 eintraf. Eine mit ihm zugleich ausgebrochene Handelskarawane kehrte im Gebiete des mächtigen Häuptlings Ngila um und nahm den Rückweg über den Sannaga bis zu den Idiafällen. Morgen selbst kehrte nach Anlage einer Forschungsstation im Gebiet Ngilas nach der Küste und von da nach Europa [* 19] (Berlin) [* 20] zurück.
Die von Zintgraff mit Leutnant v. Spangenberg unternommene Expedition hatte einen schweren Kampf gegen die Bafut zu bestehen, in welchem fast der dritte Teil von Zintgraffs Mannschaft, leider auch Spangenberg, fiel. Obschon die Bafut das Feld räumen mußten, konnte Zintgraff doch seinen Marsch nicht fortsetzen, sah sich vielmehr gezwungen, nach Kamerun zurückzukehren, um auf einen Ersatz für Spangenberg zu warten. Inzwischen suchte er durch Anlage von Straßen die Verbindung zwischen Barombi und Baliburg zu sichern.
Preuß begab sich nach Bwea, einem großen Negerdorf im Kamerungebirge, um dort zoologische Sammlungen zu machen. Der Bauinspektor Schran veröffentlichte 1891 seine 1885-90 gemachten Aufnahmen des Kamerunbeckens und von dessen Zuflüssen Mungo, Abo, Wuri, Lungasi, Donga, Quaqua, Malimba, von denen leider der größte Teil durch einen Schiffsunfall verloren ging. Der schwedische Händler Georg Valdau entdeckte gelegentlich seiner 1890 gemachten Handelsreisen im Kamerungebiet (in 100 m Meereshöhe) westlich vom Elefantensee ein diesem wenig nachstehendes Seebecken, welches er Sodensee benannte.
Ihm entströmt nach S. der Mokundu, der sich in den Meme ergießt. Aus den klimatologischen Beobachtungen Zenkers auf der Jaundestation geht hervor, daß dies Gebiet bereits ganz wesentlich verschiedene Regenzeiten von dem nahen Kamerun hat. In dem Übergangsgebiet zweier Regionen liegend, wird es von beiden beeinflußt. Fourneau durchwanderte das Gebiet zwischen Loge am mittlern Ogowe bis zum Gabun, indem er das Quellgebiet des Bokoue, eines der Quellflüsse des Gabun, untersuchte.
Der von de Brazza entdeckte Sangafluß, ein rechtsseitiger Nebenfluß des Kongo, war von dem Franzosen Chalet weiter untersucht worden, wobei letzterer bis 4° nördl. Br. und 15° 20' östl. L. v. Gr. gelangte. Dadurch wurde Brazzas Vermutung von der Bedeutung und Ausdehnung dieses Flußlaufes bestätigt. Wahrscheinlich nimmt derselbe die meisten der von Flegel in Adamáua erkundeten Gewässer auf und entspringt in der Nähe der Binuēquelle. Um Chalets Arbeiten fortzusetzen, brach Fourneau mit einer Schaluppe nach dem Sanga auf.
Seine Aufgabe war, möglichst nahe dem 15.° östl. L. v. Gr., welcher von französischen Kolonialpolitikern als die Ostgrenze unsrer Kolonie Kamerun angesehen wird, nach N. zu reisen, um quer durch Adamáua den Schari zu erreichen. Er verließ den französischen Militärposten Woso am Zusammenfluß des Ngoko und Masa, verfolgte anfangs den Lauf des erstern Flusses und ging dann in das Flußgebiet des Masa hinüber, das er am Flüßchen Madombe erreichte.
Längs demselben gelangte er zum Masa, wo er 9. April den Kapitän Husson und den Chef Gaillard traf, welche im Dampfer Ballay stromaufwärts bis hierher gelangt waren. Mit ihnen wurde 15. April die Mündung des Kallé in den Masa erreicht und am 18. der Zusammenfluß des Masa aus dem westlichen Massieba oder Massipa und dem nördlichen Likelle, dessen weitern Verlauf der Dampfer aufnahm. Nun setzte Fourneau den Marsch nordwärts fort, doch wurde er 1. Mai nach Überschreitung des Sodi angegriffen und durch einen nächtlichen Überfall im Dorf Nzaureh nach einem Verlust von 15 Toten und 30 Verwundeten zu schleuniger Flucht gezwungen. Am 18. Mai langte er wieder in Woso an. Diese Forschungsreise hat immerhin den Nachweis erbracht, daß das Gebiet des Sanga bis 7° nach N. sich erstreckt.
Dasselbe Ziel, den Schari und Tsadsee, steckte sich Paul Crampel, welcher 1890 den ersten größern nordseitigen Nebenfluß des Ubangi, den ¶
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Kwango, eine kurze Strecke verfolgt hatte und darauf zu Lande den Ubangibogen wieder erreichte. Nach dieser Reise war durch Crampel in Frankreich das Comité de l'Afrique française ins Leben gerufen worden, welches den Zweck verfolgt, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln den Einfluß und Handel Frankreichs in West-, Mittel- und Nordafrika zu fördern. Zunächst sollte der Einfluß Frankreichs in der Gegend des Tsadsees begründet und gesichert werden. Von der nördlichen Krümmung des Ubangi, wo sich der letzte französische Posten befindet, beabsichtigte Crampel zum Tsadsee und von da nach Kuka so schnell wie möglich vorzudringen, um durch Abschlüsse von Verträgen mit den Negerfürsten jener Gegenden es zu verhindern, daß die Deutschen von Kamerun aus, die Engländer vom Binuē aus ihr Gebiet nach Zentralafrika hin ausdehnten.
Von Kuka aus sollte dann der Versuch gemacht werden, durch die Sahara nach Algerien [* 22] zu gelangen. Crampel, der am von Brazzaville aufgebrochen war, erreichte 25. Sept. Banqui am Ubangi, den am weitesten nach N. vorgeschobenen Posten des französischen Gabungebiets. Von hier aus befuhr er den Ubangi aufwärts, die Stromschnellen glücklich überwindend, bis zur Einmündung des Kwango und dann diesen bis 5° 11' 10" nördl. Br. Er fand, daß der Ubangi viel weiter nach N. reicht, als die Karten bisher angaben, und daß er den 5.° nördl. Br. zweimal schneidet, auch entdeckte er mehrere von N. kommende ansehnliche Zuflüsse.
Zuerst von dicht herantretenden, 270-350 m hohen Höhenzügen begrenzt, fließt der Strom später durch grasreiche, von Elefanten, Antilopen etc. belebte Ebenen. Mit drei Häuptlingen wurden Schutzverträge abgeschlossen. Am untern Ubangi, in Dikua, wurde eine Station errichtet, welche als Stützpunkt für den Vormarsch dienen sollte. In einem Schreiben vom 30. Nov. sprach er die Hoffnung aus, in 3-4 Monaten Bagirmi zu erreichen. Die Expedition bestand außer ihrem Führer aus 3 Europäern, 120 bewaffneten Schwarzen und 128 Trägern.
Crampel war glücklich durch einen ungeheuern Urwald gedrungen, Verträge mit den bedeutendsten Häuptlingen waren abgeschlossen, und trotz einer starken Lichtung der Karawane schien ein glücklicher Ausgang zu erhoffen, als Mitte Juli die Nachricht eintraf, daß 9. April die Expedition von den Eingebornen niedergemacht worden sei, nur die Nachhut konnte unter Kämpfen die Station Banqui erreichen, von wo sie durch ein Kanonenboot nach Brazzaville gebracht wurde.
Eine zweite Expedition unter Ochbowski, welche das Comité de l'Afrique française zur Unterstützung Crampels aussandte, wollte nun versuchen, die zerstreuten Elemente der Expedition zu sammeln, Crampels Aufzeichnungen und die bisherigen Errungenschaften zu retten. Brazza, gegen dessen Rat die Expedition Crampels unternommen worden war, erklärte sich nun sofort bereit, an der Spitze einer großen, sorgfältig vorbereiteten Expedition die Scharte auszuwetzen und die geplanten Vereinbarungen mit den Häuptlingen und Fürsten auf der Strecke zum Tsadsee zum Abschluß zu bringen.
Die Erforschung des Ubangigebiets wurde auch durch die Expedition des Kongostaats unter van Gèle in Angriff genommen. Auch dieser Forscher stellte eine Verschiebung der großen Krümmung des Ubangi oberhalb der Fälle bei Zongo um etwa einen halben Grad nach N. fest. Außer dem Kwango entdeckte er noch als wichtigsten rechten Zufluß des Ubangi den Kotto, welchen er mit dem Kwango für den Unterlauf des Foro und Engi hält, deren obern Lauf Lupton Bey vor Jahren unter 7° nördl. Br. passierte.
Darauf erreichte van Gèle den Zusammenfluß des Uēlle mit dem Mbomu, verfolgte letztern bis Bangosso, der Hauptstadt der Nsákkara (4° 48' nördl. Br. und 23° 7' östl. L.), und bestätigte damit die von Junker eingezogenen Erkundigungen, befuhr den Makua bis zum Movungufall sowie den Mbili, des letztern Nebenfluß, in seinem untern Teil. Schließlich wurde auch die kleine noch bestehende Lücke zwischen den Monungoschnellen und der ehemaligen Station Ali-Kobbo befahren, so daß jetzt die ganze Strecke von der Mündung des Mbima bis zur Mündung in den Kongo vorliegt. Delcommune gelangte Ende Januar 1891 bis Benakemba, wo die Schiffbarkeit des Kongo aufhört, und marschierte dann nach Anwerbung der nötigen Träger [* 23] weiter zur Station des Kongostaats Riba Riba am linken Kongoufer.
Sharpe durchwanderte März bis Juni 1890 das Land zwischen dem Nyassa und dem nördl. Sambesizufluß Loangwa und füllte damit eine große Lücke auf der Karte aus, nachdem er 1889 auf einer etwas südlichern Route dieses Ziel vergebens angestrebt hatte. Von der Leopardbai am Südende des Nyassa ausgehend, gelangte er nach vierwöchigem Marsch über 1050-1400 in hohes Land bei Muliro an den Loangwa oder Arrangoa, dessen Lauf er im Boot bis kurz vor der Mündung in den Sambesi bei Sumbo verfolgte. Er fand den Unterlauf des Flusses durch Raubzüge und Menschenjagden der Mischlingsbevölkerung von Sumbo vollständig entvölkert.
Sharpes Leute besuchten inzwischen von Muliro aus den parallel mit dem Loangwa fließenden Lukusasi, welcher sich in den Lunsenfoa, einen noch wenig bekannten rechten Nebenfluß des Loangwa, ergießt. Im Herbst 1890 unternahm Sharpe eine Reise nach Garanganja, Msiris Reich, zwischen dem Lualaba und Luapula, den beiden Quellflüssen des Kongo, um sich von dem Metallreichtum von Katanga zu überzeugen. Er fand große Lager [* 24] von Gold [* 25] und Kupfer; [* 26] die Reise förderte aber auch wichtige geographische Ergebnisse.
Vom Nyassa ausgehend, durchschnitt er das Plateau zwischen diesem und dem Südende des Tanganjika und zog dann westlich und südwestlich, wobei er einen neuen Salzsee entdeckte. Am Ostufer des Moerosees hinziehend, gelangte er im Oktober zur Stadt Kasembe. Ein Versuch, nach S. vorzudringen, wurde durch Nahrungsmangel vereitelt. Sharpe kehrte daher zum Tanganjika zurück, wandte sich zum Nordende des Moero, überschritt den Luapula und erstieg den östlichen Abfall des hohen Tafellandes, das sich hier zum Moero herabsenkt, überschritt die Quellflüsse des Lufira und erreichte 8. Nov. die Hauptstadt Msiris.
Zwischen dem Tanganjika und dem Moerosee entdeckte er einen Salzsee. Seinen Rückweg nahm er in ziemlich derselben Weise. Die bisher dunkle Lomamifrage wurde fast gleichzeitig durch die belgischen Agenten, Kapitän Le [* 27] Marinel und Hodister, gelöst. Nach ihnen ist der 1874 von Cameron entdeckte Lomami identisch mit dem vom Missionar Grenfell 1884 zuerst befahrenen Lubilasch oder Boloko, welcher unterhalb der Stanleyfälle in den Kongo mündet. Dagegen ist der von Wolf 1886 befahrene Lomami, Nebenfluß des Sankuru, identisch mit dein Lubefu. Hodister befuhr den Lubilasch im August 1890 bis zur Grenze der Schiffbarkeit. Er verfolgte dann den Lauf des Lubilasch mehrere Tage weiter aufwärts bis in den Distrikt Chari, der etwa in der Breite [* 28] von Nyangwe liegt. Diesen Ort erreichte er in einem fast genau östlichen Marsch, auf ¶