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Auf dieser Seite sind Antworten auf häufig gestellte Fragen rund um das Bruttoinlandprodukt zusammengestellt.
Das Bruttoinlandprodukt (BIP) ist ein Aggregat der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR), das häufig zur Messung der Wirtschaftsleistung eines Landes verwendet wird. Das BIP entspricht der Wertschöpfung einer Volkswirtschaft während eines bestimmten Zeitraums (in der Regel während eines Jahres oder eines Quartals). Unter „Wertschöpfung“ versteht man die Produktion aller Waren und Dienstleistungen, abzüglich der Vorleistungen, d.h. der im Produktionsprozess verbrauchten oder verarbeiteten Waren und Dienstleistungen.
Das Bundesamt für Statistik (BFS) ist für die Erstellung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung der Schweiz zuständig und berechnet somit das jährliche BIP. Dieses wird jeweils rund acht Monate nach dem Ende des betrachteten Jahres veröffentlicht. Für die jährliche VGR stützt sich das BFS auf zahlreiche Statistiken und administrative Daten. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) erstellt in der Schweiz die vierteljährlichen Gesamtrechnungen, die jeweils 60 Tage nach Quartalsende publiziert werden (BIP gemäss Produktions- und Verwendungsansatz). Somit sind die Daten für deren Berechnung weniger vollständig als jene für die jährliche Gesamtrechnung. Nach 70 Tagen veröffentlicht das SECO zudem die Quartalsergebnisse der BIP-Berechnung gemäss Einkommensansatz auf seiner Website.
Für die jährliche und die vierteljährliche Gesamtrechnung werden die gleichen Definitionen und Bezeichnungen verwendet, einzig die Schätzmethoden und die gewählten Indikatoren können variieren. Sobald die Jahreszahlen des BFS vorliegen, werden die Quartalswerte an die Jahreswerte angepasst. Die Summe der vier Quartalswerte eines Jahres entspricht immer dem Referenzwert auf Jahresbasis, sobald dieser bekannt ist. Solange nur die Quartalszahlen bekannt sind, spricht man von einer ersten provisorischen Jahresschätzung des BIP. Diese weicht meist etwas von der zu einem späteren Zeitpunkt publizierten Jahreszahl gemäss BFS ab.
Ja, es existieren drei Ansätze, die gewöhnlich zur Berechnung des BIP verwendet werden. Man unterscheidet zwischen dem Produktionsansatz (Summe der Wertschöpfung pro Sektor), dem Einkommensansatz (Summe der Einnahmen der Produktion) und dem Verwendungsansatz (Summe des Endkonsums der Haushalte und der öffentlichen Hand, der Investitionen und der Nettoexporte).
Die Schätzung eines Produktionskontos über mehrere Jahre zeigt die Entwicklung der Produktion (Bruttoproduktionswert) und der Vorleistungen pro Wirtschaftssektor. Für die Quartalsrechnung wird die Wertschöpfung der Sektoren direkt geschätzt, für die Jahresrechnung werden der Bruttoproduktionswert und der Wert der Vorleistungen separat geschätzt. In der Schweiz wird die vierteljährliche Wertschöpfung für rund 20 Wirtschaftssektoren berechnet. Detailliertere Informationen (für rund 50 Sektoren) werden im Rahmen der jährlichen VGR veröffentlicht.
Das BIP wird üblicherweise zu Marktpreisen angegeben. Jedoch wird die Produktion der Sektoren zu Basispreisen geschätzt. Die Gütersteuern fliessen somit nicht in diese Schätzung mit ein, dafür werden die ausbezahlten Subventionen berücksichtigt. Zur Berechnung des BIP „zu Marktpreisen“ muss also noch eine Korrektur vorgenommen werden. Man erhält den entsprechenden Wert, indem man die Gütersteuern zur Summe der Wertschöpfungen zu Basispreisen addiert und die Subventionen abzieht.
Die Verwendungsseite der VGR zeigt, wofür in einer Volkswirtschaft der geschaffene Wert (gesamte Wertschöpfung) verwendet wird. In der Regel unterscheidet man zwischen Ausgaben für den Endkonsum der Haushalte und der öffentlichen Hand, Ausrüstungsinvestitionen, Bauinvestitionen, Lagerveränderungen und Nettoexporten von Waren und Dienstleistungen (Differenz zwischen Exporten und Importen).
Die Einkommensseite der VGR zeigt, wie der durch die Produktion von Waren und Dienstleistungen geschaffene Wert in einer Volkswirtschaft verteilt wird. Das BIP kann somit in Lohneinkommen der privaten Haushalte (Arbeitnehmerentgelt) und Gewinne der Unternehmen und selbständig Erwerbstätigen (Nettobetriebsüberschüsse) zerlegt (bzw. aufgeteilt) werden. Zudem sind Wertverminderungen des Anlagevermögens zu kompensieren (Abschreibungen). Steuern und Subventionen werden auch auf der Einkommensseite berücksichtigt, um das BIP zu Marktpreisen zu berechnen. Die gemäss dem Einkommensansatz geschätzten BIP-Komponenten sind gewöhnlich nicht preisbereinigt, im Gegensatz zu den nach dem Verwendungsansatz geschätzten BIP-Komponenten und den Komponenten des Produktionskontos, die zu laufenden und konstanten Preisen berechnet und publiziert werden.
Theoretisch ja. In der Praxis ist dies wegen der Verwendung unterschiedlicher statistischer Daten, die nicht harmonisiert sind, aber eher unwahrscheinlich. Ausserdem werden viele Statistiken und administrative Daten, die in die Berechnung der VGR-Aggregate einfliessen, mehr oder weniger stark und regelmässig revidiert. Diese Revisionen erfolgen ebenfalls nicht harmonisiert und entsprechen nicht unbedingt dem Zeitplan der VGR. Für die VGR müssen die errechneten Werte daher jeweils harmonisiert werden, um ein einziges BIP zu erhalten. Die Lagerinvestitionen (Vorratsveränderungen) werden oft, mindestens im Rahmen der vierteljährliche VGR, von der Harmonisierung und möglicher Anpassung bestimmter Komponenten beeinflusst (mehr zu diesem Thema auch unter dem nächsten Punkt).
Grundsätzlich ja, doch die Qualität der Schätzung ist nicht für alle Aggregate gleich gut. So stützt sich beispielsweise die vierteljährliche Gesamtrechnung für die BIP-Berechnung im Wesentlichen auf den Produktionsansatz, was vor allem darauf zurückzuführen ist, dass keine verlässliche Schätzung der Lagerveränderungen auf der Verwendungsseite verfügbar ist. In der Schweiz (sowie in mehreren europäischen Ländern) kann die Wertschöpfung von praktisch allen Wirtschaftssektoren (circa 20 Sektoren) geschätzt werden. Dies erlaubt eine vollständige Schätzung der vierteljährlichen Gesamtrechnung.
Bei der Berechnung des BIP gemäss dem Verwendungsansatz lassen sich die Lagerinvestitionen (Vorrastveränderungen) nur schwer vierteljährlich schätzen. Er entspricht dem Wert der Vorratszugänge abzüglich des Werts der Abgänge und allfälliger Verluste bei den Vorratsbeständen. Zu den Vorräten zählen Vorleistungsgüter, unfertige Erzeugnisse und angefangene Arbeiten, Fertigerzeugnisse und Handelswaren. Für die vierteljährliche Gesamtrechnung wird diese Grösse in der Schweiz als Residuum geschätzt, wobei aufgrund von Vergleichen mit anderen Aggregaten und einigen Indikatoren die Plausibilität der so erhaltenen Lagerveränderungen beurteilt werden kann. Obwohl keine formelle Harmonisierung für die Quartalszahlen im Sinne einer Verknüpfung mit symmetrischen Input-Output-Tabellen oder Aufkommens- / Verwendungstabellen durchgeführt wird, werden verschiedene Kontrollen implementiert um eine einzelne, definitive Schätzung des BIP und dessen Komponenten zu erhalten.
Der Nettobetriebsüberschuss für die BIP-Berechnung gemäss dem Einkommensansatz lässt sich in der Schweiz vierteljährlich ebenfalls nur schwer genau schätzen. Da das BIP bekannt ist (Summe der vierteljährlichen Wertschöpfungen der Sektoren), wird auch der vierteljährliche Nettobetriebsüberschuss als Residuum geschätzt.
Das Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemeinschaft (heute EU) über die Zusammenarbeit im Bereich der Statistik wurde am 26. Oktober 2004 unterzeichnet und ist am 1. Januar 2007 in Kraft getreten. Es formalisiert die Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und der EU im Bereich der Statistik und zielt auf eine umfassende Harmonisierung der Schweizer Statistiken mit jenen der EU ab. Im Rahmen dieses Abkommens hat sich die Schweiz insbesondere dazu verpflichtet, ihre VGR noch stärker an die europäischen Standards anzupassen. Seit 2005 wurden die vierteljährlichen Gesamtrechnungen der Schweiz durch die Berechnungen der vierteljährlichen Wertschöpfungen pro Sektor ergänzt. Seit 2008 sind auch die vierteljährlichen BIP-Berechnungen gemäss dem Einkommensansatz in der vierteljährlichen Gesamtrechnung berücksichtigt. Die veröffentlichten Quartalszahlen sind folglich mit den entsprechenden Zahlen der anderen europäischen Länder problemlos vergleichbar.
Solange keine Jahresdaten der VGR gemäss BFS verfügbar sind, liefern die vierteljährlichen Gesamtrechnungen für das letzte laufende Jahr Extrapolationen auf der Basis der zur Verfügung stehenden Indikatoren. Aus der Summe der vier Quartalsschätzungen, die jedes Jahr gewöhnlich Ende Februar zur Verfügung stehen, lässt sich eine erste provisorische Schätzung des jährlichen BIP und seiner Hauptkomponenten ableiten, bis das BFS selbst eine erste offizielle Schätzung herausgibt (Ende August/Anfang September). Von Ende Februar bis Anfang September eines Jahres wird der offizielle BIP-Wert für das Vorjahr somit anhand der Summe der vier Quartalsschätzungen berechnet. Die Jahresschätzung der VGR des BFS erfährt in der Regel während der zwei darauffolgenden Jahre noch Revisionen. Da die Extrapolationen der vier Quartale auf Basis der ersten Werte der jährlichen VGR und der revidierten Jahreswerte angepasst werden, müssen auch die vierteljährlichen Gesamtrechnungen revidiert werden. Dies gilt darüber hinaus auch im Falle einer Revision der verwendeten Quartalsindikatoren, selbst wenn die Jahreswerte sich nicht ändern. Zusätzlich kann es aufgrund der Saisonbereinigung weitere Revisionen der Quartalsschätzung geben.
Die Jahreswerte der vom BFS berechneten VGR werden für die vierteljährlichen Gesamtrechnungen mithilfe von Indikatoren (Statistiken oder administrative Daten) quartalisiert (Temporale Disaggregation von Jahresergebnissen). Aufgrund der verwendeten Methoden stimmt die Summe der vier geschätzten Quartale eines Jahresexakt mit dem Jahreswert gemäss BFS überein, falls dieser bereits bekannt ist. Das gewählte Vorgehen lässt, unter Berücksichtigung der temporalen Aggregationsbedingung, die kurzfristigen Fluktuationen im Indikator in die generierte Quartalsreihe einfliessen. Die Wahl solcher Methoden ist aufgrund theoretischer (Aggregationsbedingung) und praktischer Überlegungen (wenig verfügbare Zeit zwischen Publikation der Indikatoren und Veröffentlichung der Quartalsschätzung) gerechtfertigt. Die Quartalsschätzung der Schweiz basiert somit – wie in anderen Ländern – auf eine computergestützte, formalisierte Prozedur, welche die Zuverlässigkeit, Transparenz (Replizierbarkeit) und rasche Durchführung der Quartalsschätzung sicherstellt. Solange die Jahreszahlen gemäss BFS noch nicht bekannt sind, können die selben Methoden zur Extrapolation der Quartalsreihen verwendet werden.
Für die Berechnung der vierteljährlichen Gesamtrechnungen werden zahlreiche Indikatoren verwendet, genau wie für die jährliche VGR. Gewöhnlich wird dabei zwischen „amtlichen Statistiken“ (wie Beschäftigungsdaten, Export- und Importstatistiken, Umsatz- und Produktionszahlen usw.) und „administrativen Daten“ (Haushaltsbudgets der öffentlichen Hand, AHV-Beiträge, Steuerdaten usw.) unterschieden. Ein Grossteil der für die Berechnung der vierteljährlichen VGR verwendeten Indikatoren ist im Internet frei zugänglich. Gewisse Indikatoren werden dagegen nicht oder erst zu einem späteren Zeitpunkt publiziert. Die vierteljährlichen Gesamtrechnungen können somit Daten enthalten, die nicht oder noch nicht veröffentlicht wurden.
Die (unterjährigen) Entwicklungen der Aggregate der VGR zeigen nicht nur Konjunkturveränderungen auf. Auf kurze Sicht können sich auch saisonale Einflüsse (Jahreszeiten, Verwaltungsentscheide, geänderte Präferenzen) stark auf die Aggregate auswirken (zum Beispiel auf die Bauinvestitionen oder den privaten Konsum). Dank statistischer Verfahren können solche saisonalen Schwankungen der Aggregate im Quartalsverlauf bereinigt werden, was wiederum eine konjunkturelle Interpretation der Ergebnisse erleichtert.
Grundsätzlich nicht, da auf kurze Sicht auch immer gewisse „Unregelmässigkeiten“ auftreten können, die schwierig zu interpretieren sind. Die berechneten vierteljährlichen Aggregate der VGR beinhalten somit, nach der Saisonbereinigung, gewisse stochastische Einflüsse, die nicht vergessen werden dürfen. Die um saisonale Schwankungen (und Arbeitstageeffekte) bereinigten Daten umfassen demzufolge auch Unregelmässigkeiten (Irregularitäten), die als solche nicht erkennbar sind – dies gilt vor allem für das letzte geschätzte Quartal. So ist es oft heikel, allein aufgrund einer einzigen negativen oder positiven vierteljährlichen Veränderungsrate von einer „Trendwende“ oder einem Konjunkturumschwung zu sprechen. Dank statistischer Verfahren können die saisonbereinigten vierteljährlichen Zahlen im Hinblick auf eine Bereinigung dieser „Unregelmässigkeiten“ noch stärker geglättet werden. Diese geglätteten Daten erfahren allerdings starke Revisionen, insbesondere in Bezug auf die letzten Quartalswerte, weshalb sie für laufende Konjunkturanalyse nur beschränkt einsetzbar sind. Im Rahmen der vierteljährlichen Gesamtrechnungen der Schweiz werden sowohl die Bruttodaten (nicht saisonbereinigt) als auch die um saisonale Schwankungen und Arbeitstageeffekte bereinigten Daten zur Verfügung gestellt.
Die Aggregate der VGR können zu „laufenden Preisen“ (Verkaufs- oder Kaufpreise) oder auch zu „konstanten Preisen“ geschätzt werden, falls die preisunabhängige Entwicklung betrachtet werden soll. Man spricht auch von „Volumenentwicklung“. Bereinigt man ein zu laufenden Preisen geschätztes Aggregat um den Preiseffekt, erhält man ein zu konstanten Preisen geschätztes Aggregat. Dies bezeichnet man auch als Schätzung des „Realwerts“ (als Synonym für „Volumen“). Im Rahmen der vierteljährlichen Gesamtrechnung lautet die offizielle und technische Formulierung: „zu Preisen des Vorjahres, verkettete Werte, Referenzjahr 20xx“. Das Referenzjahr kann variieren und spielt keine direkte Rolle. Als Basisjahr (für die Gewichtung) dient immer das Vorjahr.
Die im Rahmen der VGR geschätzten Aggregate umfassen häufig Rubriken oder Gliederungen (z.B. „Wohnung, Wasser, Strom, Gas und sonstige Brennstoffe“ als Gliederung des Endkonsums der Haushalte). Der Endkonsum der Haushalte wiederum ist eine Komponente des BIP. Man kann den Beitrag einer Subkomponente zur Entwicklung eines Aggregats berechnen (Beitrag von „Wohnung, Wasser, Strom, Gas und sonstige Brennstoffe“ zum Wachstum des Endkonsums der Haushalte), um deren Bedeutung zu beurteilen. Dieser Beitrag hängt einerseits mit dem relativen Gewicht dieser Subkomponente und andererseits mit ihrer Wachstumsrate zusammen. Macht beispielsweise eine erste Subkomponente eines Aggregats 10% und eine zweite 90% des Gesamtwerts aus (relatives Gewicht), müsste Erstere in einem Jahr oder Quartal ein Wachstum von 9% verzeichnen, um einen ähnlichen Wachstumsbeitrag zu leisten wie die zweite Komponente mit einer Zunahme von 1%. Für die Interpretation der Ergebnisse der VGR ist die Berechnung der Wachstumsbeiträge als Instrument fast unerlässlich, da sich mit ihrer Hilfe die Veränderungsraten der einzelnen Aggregate analysieren lassen. Die Wachstumsbeiträge werden auch mit jeder neuen Quartalspublikation zur Verfügung gestellt.
Letzte Änderung 21.05.2019