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Wirtschaftliche Teilhabe für Frauen: Wie eine Organisation in Costa Rica Unternehmerinnen gleichberechtigten Zugang zu Mikrokrediten ermöglicht
Vertriebsleiterin Grameen Kristel Sancho im Gespräch mit Myriam Montenegro
Der Internationale Frauentag steht für uns ganz im Zeichen unserer Partnerorganisation Asociación Grameen Costa Rica. Sie hat sich dem Ziel verschrieben, die geschlechtsspezifische Kreditlücke zu schliessen.
Myriam Montenegro begann ihr Geschäft vor zehn Jahren im Alter von 48 Jahren und verkaufte Kinderpyjamas und -kleidung an Freunde und Bekannte. Sie betrieb es aus ihrem Haus in einem Vorort der Stadt Cartago in Costa Rica. Ihre Kundschaft fragte oft nach anderen Artikeln, worauf die unternehmerisch denkende Costa Ricanerin antwortete, dass sie alles liefern könne, was sie bräuchten.
«Sie haben mich um Schulsachen, T-Shirts, Socken und Dinge gebeten, die sie in Zeitschriften sehen, wie eine Creme, ein Parfum und ein Shampoo. Was auch immer meine Kundschaft von mir verlangt: Ich versuche, es zu finden. Ich versuche immer, die Kund*innen zufrieden zu stellen», sagt Myriam.
Sie erweiterte ihr Geschäft, um der Nachfrage gerecht zu werden, und arbeitete mit ihrem Mann und anderen Familienmitgliedern zusammen, um die Produkte zu beschaffen und auszuliefern.
Da ihr das Geld für die Anschaffung von Lagerartikeln fehlte, wandte sie sich an die Asociación Costa Rica Grameen, eine Oikocredit-Partnerin.
Gruppenkredite mit sozialer Wirkung
Die 2006 gegründete Asociación Grameen Costa Rica, die zur Grameen Foundation gehört, ist eine gemeinnützige soziale Mikrofinanzorganisation, die wirtschaftlich benachteiligten Frauen Mikrokredite für den Aufbau oder die Gründung eines Unternehmens gewährt. Sie nutzt ein Gruppenkreditmodell, bei dem die Gruppenmitglieder füreinander bürgen und so sicherstellen, dass die Mitglieder der Gruppe ihre Kredite zurückzahlen.
Myriam erfuhr von Grameen Costa Rica, als vor 10 Jahren eine Gruppe in ihrem Dorf gegründet wurde. Zwei Jahre später schloss sie sich einer zweiten Gruppe von Kreditnehmerinnen an.
«Ich begann bei Grameen mit der Idee, mein Geschäft zu erweitern und mehr Produkte anzubieten. Mit den Krediten finanziere ich den Kauf von Produkten, die meine Kundschaft nachfragt», sagt Myriam. Nachdem sie ihren ersten Kredit in Höhe von 100’000 Costa-Rica-Colónes (171 Schweizer Franken) erfolgreich zurückgezahlt hatte, nahm sie einen weiteren in Höhe von 675’000 Costa-Rica-Colónes (1160 Schweizer Franken) auf.
«Die Grameen-Darlehen haben mir in Zeiten, in denen die Nachfrage hoch ist, sehr geholfen, beispielsweise um den Mutter- und Vatertag herum und zu Weihnachten, und es hat gut funktioniert», sagt sie.
Jetzt möchte sie ihren eigenen Laden haben, in dem sie Produkte präsentieren und einen besseren Kund*innenservice bieten kann.
Die Asociación Grameen Costa Rica und die Grameen Foundation sind mit der Grameen-Familie, einem weltweiten Mikrofinanzierungsnetzwerk, verbunden. Ziel der Stiftung ist es, Frauen aus einkommensschwachen Gemeinden zu befähigen, sich ein Leben ohne Armut und Hunger aufzubauen.
Unterstützung von Unternehmerinnen beim Zugang zu Finanzmitteln
Nach Angaben der International Finance Corporation haben Kleinst-, Klein- und mittlere Unternehmen (KKMU), die von Frauen geführt werden, eine geschätzte Kreditlücke von 1,4 bis 1,7 Billionen US-Dollar. Nach Angaben der Weltbank haben mehr als 740 Millionen Menschen weltweit keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen.
Costa Rica erreicht auf dem Gender Gap Index des Weltwirtschaftsforums einen Wert von 0,79. Das bedeutet, dass Frauen in dem Land 21 Prozent weniger Chancen haben als Männer.
Die Förderung von Unternehmerinnen ist seit der Gründung von Oikocredit im Jahr 1975 ein zentrales Element der Arbeit. Heute richten die meisten unserer Partnerorganisationen ihre Arbeit speziell auf Frauen aus.
Dazu gehört auch die Grameen Foundation, die in 16 Schwerpunktländern und weiteren 13 Partnerländern in Afrika, Asien und Lateinamerika tätig ist.
«Grameen versucht, Unternehmerinnen aus sozialen Brennpunkten zu stärken und zu unterstützen, damit sie ihre Geschäfte vorantreiben können. Nicht nur durch Kredite, sondern auch durch Beratung und Schulung», sagt Kristel Sancho, Vertriebsleiterin bei Grameen Costa Rica.
Grameen Costa Rica bietet eine breite Palette verschiedener Mikrofinanzprodukte an. Die Laufzeiten der Darlehen liegen zwischen drei Monaten und drei Jahren; die Höchstsumme beträgt 4 Millionen Costa-Rica-Colónes (6875 Schweizer Franken).
Die gemeinnützige Organisation hat bisher 6’100 Millionen Costa-Rica-Colónes (10,5 Millionen Schweizer Franken) in costaricanische Unternehmerinnen investiert und erreicht damit 34’776 Kundinnen in 400 Zentren im ganzen Land.
Kristel sagt, dass neue Mitglieder durch Empfehlungen von bestehenden Gemeinschaftsgruppen und über soziale Medien zu der gemeinnützigen Organisation kommen. «Wir befinden uns gerade in einem Wachstumsprojekt auf nationaler Ebene», sagt sie. «Wir erweitern die Abdeckung, die wir haben, auf die Ebene von Costa Rica.»
Die Kundinnen von Grameen nutzen die Kredite, um sich eine Existenzgrundlage zu schaffen, indem sie beispielsweise kleine Unternehmen gründen oder erweitern. Mit den Einkünften aus diesen Unternehmen können sie ihre Familien ernähren, die Schulgebühren und die Gesundheitskosten bezahlen und ihre Geschäfte ausbauen, so die gemeinnützige Organisation auf ihrer Website.
Schritt für Schritt wachsen: Marías Geschichte
María de los Angeles Monjes Segura, 41, aus der Gemeinde Barrio Nuevo erfuhr von Grameen durch ihre Schwägerin. Sie gründete ihre eigene Grameen-Gruppe mit Frauen, die in der Gegend lebten, weil die Gruppe ihrer Schwägerin zu weit weg war.
María kann als Serienunternehmerin bezeichnet werden. Vor 12 Jahren machte sie sich als Coiffeuse selbstständig. Als das Geschäft wuchs, begann sie, anderen Frauen beizubringen, wie man Haare schneidet und frisiert. Parallel dazu liess sie sich zur Fusspflegerin ausbilden. Vor kurzem hat ein Nähgeschäft gegründet, von dem sie sagt, dass es ein grosser Erfolg geworden ist.
Vor 10 Jahren nahm sie zum ersten Mal einen Kredit von Grameen auf. Nach der Geburt ihres Sohnes kehrte sie zur Arbeit zurück und nahm zusätzliche Kredite auf, um ihr Geschäft auszubauen.
«Die Grameen-Kredite waren sehr hilfreich», sagt María. «Ich habe mit einem kleinen Kredit angefangen. Damit kaufte ich meine Instrumente, die Schere und das Glätteisen. Nachdem ich damit Geld verdient hatte, nahm ich einen weiteren Kredit auf, um Schönheitsprodukte zu kaufen.»
Der Erfolg ihres Geschäfts veranlasste María, ihren Laden zu vergrössern und in Schulungen zu investieren. «Die Kredite haben mir geholfen, mich weiterzubilden, zu kaufen und mich zu etablieren», sagt sie. «Bei allen Vorhaben, die ich umgesetzt habe, war Grameen eine grosse Unterstützung.»
Frauen wie María dabei zu helfen, ein besseres Leben für sich und ihre Gemeinschaften aufzubauen, ist die Grundlage von Grameens Arbeit. Und für Kristel sind es Geschichten wie diese, die sie bei ihrer Arbeit motivieren.
«Für mich ist die Arbeit bei Grameen ein Ort, der es mir ermöglicht, viele Träume wahr werden zu sehen, die Fortschritte zu sehen, die Frauen mit so wenig erreichen können, und die Veränderungen, die sie sowohl persönlich als auch für ihre Familien bewirken können. Und natürlich auch für die Gemeinschaft. Für mich ist das die grösste Befriedigung», sagt sie. «Deshalb habe ich das Gefühl, dass dies der richtige Ort ist für mich.»
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