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In Vorausschau auf den diesjährigen Internationalen Eisbärentag am 27. Februar werfen wir einen Blick auf eine ganz besondere Folge des Klimawandels: Cappuccino-Bären, eine Kreuzung zwischen Eisbären (Ursus maritimus) und Braunbären (Ursus arctos).
Ist es ein Eisbär? Oder ein Grizzly? Nein, ein Pizzly!
Inoffiziell werden die Mischlinge „Grolar“ oder „Pizzly“ genannt — eine Zusammensetzung aus Polarbär und Grizzly. Laut Forschern paaren sich in der Arktisnähe Eis- und Grizzlybären — die amerikanische Variante des Braunbären — schon seit Jahrtausenden, denn die beiden Arten sind nahe verwandt. Laut fossilen Befunden entwickelten sich Eisbären aus denselben Vorfahren wie der Grizzly; die Arten trennten sich vor rund 5 Millionen Jahren. Dass sich die beiden Bärenarten kreuzen können, war Forschern schon seit vielen Jahren bekannt, als erste Mischlinge in Zoos in Europa und Russland auftauchten. Die Pizzlys zeigen Verhaltensweisen sowie äussere Merkmale beider Eltern. Wissenschaftler haben auch Hinweise darauf gefunden, dass die Hybridbären fortpflanzungsfähig sind. Damit unterscheiden sie sich etwa vom Maultier, der Kreuzung zwischen Pferd und Esel.
Erstmals in der Wildnis beobachtet wurde ein Grolar-Bär erst im Jahr 2006, hoch oben in den Nordwest-Territorien Kanadas. Diese jüngeren Vorkommen sind das Ergebnis von Paarungen zwischen männlichen Grizzlybären und weiblichen Eisbärinnen. Männliche Grizzlys können auf der Suche nach einer Partnerin im Frühling weite Strecken auch in den Norden des Landes zurücklegen. Weibliche Grizzlybären bleiben dagegen eher südlich; zu umgekehrten Begegnungen zwischen männlichen Polarbären und weiblichen Grizzlys kommt es deshalb kaum.
Konsequenzen des Klimawandels
Ihr neuestes Auftauchen im nördlichen Kanada hat damit zu tun, dass sich die Lebensräume von Polarbären und Grizzlys aufgrund der Erderwärmung zunehmend überschneiden: Eisbären, die auf dem immer weiter schrumpfenden arktischen Meereis leben und jagen, sind gezwungen, während der Paarungszeit im Frühjahr und Sommer an Land zu gehen. Gleichzeitig erweitern männliche Grizzlybären ihren Lebensraum, dringen in Eisbärengebiete ein und kommen im Frühling früher aus dem Winterschlaf, was die Chancen auf ein Treffen mit Eisbärinnen erhöht.
Ob sich die Vermischung der Gene negativ auf die Eisbärenpopulation auswirkt, scheint aber noch ungeklärt zu sein. Laut Forschern sind die grössten Bedrohungen für die Eisbärenpopulation der Klimawandel und der damit einhergehende Lebensraumverlust sowie menschliche Einflussfaktoren wie die Jagd, Umweltgifte und die Zersiedelung der Landschaft — nicht die paarungswilligen Grizzlys. Dennoch könnten die Hybridbären einen Einfluss haben, wenn die Eisbärenpopulationen weiter schrumpfen:
"Irgendwann ist es denkbar, dass die genetische Information beider Spezies das, was von den Eisbären übrig ist, einfach verschlingt, wenn Eisbären mit der Zeit immer seltener werden.“
Andrew Derocher, Biologe an der Universität Alberta
Derzeit sind Grolar-Bären bzw. Pizzlys noch seltene Erscheinungen in der Wildnis. Denn um erfolgreich überleben und sich fortpflanzen zu können, müssen Tiere optimal an ihre Umgebung angepasst sein. Sowohl Eisbären als auch Grizzlys sind besser an das Leben in ihren jeweiligen Habitaten angepasst als die Mischlinge. Die Forscher sind sich trotzdem in einer Sache einig: Schreitet der Klimawandel weiter so wie bisher voran, werden Hybridbären immer häufiger auftauchen.
weitere Informationen:
Internationaler Eisbärentag
Polar Bears International: Bear-Grizzly Hybrids
Preuss et al. (2009): Bärenhybriden: Verhalten und Erscheinungsbild
CBC: What do grizzly-polar hybrids mean for polar bears?