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Wirtschaftlicher Aufbau – oder Untergang
Besonders erstaunlich ist in dieser Hinsicht der Fall Ägyptens, wo das Pionierkorps der ägyptischen Armee im Stile Franklin Rossevelt täglich Berichte über die Fortschritte beim Bau des Neuen Suezkanals veröffentlicht und die Jugend des Landes aufgerufen wurde, bei dem Projekt mitzuarbeiten und die Nation aufzubauen. Das Land hat nun eine nationale Aufgabe, an der die gesamte Bevölkerung mobilisiert und beteiligt werden kann.
Auch in den Entwicklungen in Südamerika spiegelt sich dieser kämpferische Optimismus wider, beispielsweise in den entschlossenen Maßnahmen der argentinischen Regierung gegen das Finanzempire. So hat Argentinien die Vereinigten Staaten wegen der Urteile amerikanischer Gerichte zugunsten der Geierfonds vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag verklagt, aber gleichzeitig allen Haltern argentinischer Staatsanleihen angeboten, auf freiwilliger Basis ihre bisherigen Anleihen in neue Anleihen zu gleichen Bedingungen einzutauschen - nur eben zahlbar über argentinische Banken unter argentinischer Gerichtsbarkeit, anstatt wie bisher über amerikanische Banken, denen die US-Gerichte die Weiterleitung der argentinischen Zahlungen untersagt haben.
Präsidentin Fernandez betonte, daß dieser Tausch vollkommen freiwillig sei, aber sie fügte hinzu, Argentinien weigere sich, „wie sich jedes andere Land weigern würde, sich erpressen zu lassen.“ Die Entscheidungen von Richter Griesa blockiere die Zahlungen an die legitimen Anleihehalter, die sich an den Umschuldungen von 2005 und 2010 beteiligt hatten, und deshalb habe die argentinische Regierung nun beschlossen, zu handeln, um eine faire Behandlung sämtlicher Anleihehalter sicherzustellen und es ihnen zu ermöglichen, die Gelder, die das Land ihnen schulde, auch tatsächlich zu erhalten.
Die breite Unterstützung, die Argentinien für seine Haltung bekommen habe, zeige, daß es nun eine „neue globale Ordnung“ gebe, in der die Entwicklung der Wirtschaft und der Menschen Vorrang habe.
Es kann kaum einen größeren Kontrast geben zu dieser Haltung Argentiniens, als das Verhalten der europäischen Regierungen, die ihre Volkswirtschaften und das Wohl ihrer Bevölkerung opfern, um Finanzinstitute zu retten, die nicht mehr zu retten sind.
So zitierte der Kommentator des Daily Telegraph, Ambrose Evans-Pritschard, Professor Paul de Grauwe von der London School of Economics, die Versessenheit auf das Ausgleichen der öffentlichen Haushalte halte Europa in einer Wirtschaftsdepression gefangen und mache die Lage nur noch schlimmer: „Sie tun alles, um einen Aufschwung zu verhindern, und sollten daher auch nicht überrascht sein, wenn es nicht zu einem Aufschwung kommt. Es ist ein Fundamentalismus des Haushaltsausgleichs, und er hat religiöse Formen angenommen.“ Kenner der tatsächlichen Lage im Finanzsystem warnen vor dem bevorstehenden Kollaps der weltweiten Derivatblase. Thomas HOENIG, der Vizepräsident der US-Bundeseinlagenversicherung (FDIC) sagte am 13. August in einem Interview mit Reuters, der Grund dafür, daß die USFinanzdienstleistungsaufsicht Die „Patiententestamente“ (Abwicklungspläne für den Fall einer Pleite) der großen Banken zurückgewiesen habe, sei die Tatsache gewesen, daß diese Banken versuchen, die Derivatmärkte unangetastet zu lassen http://uk.reuters.com/article/2014/08/13/banksregulations-derivatives-idUKL2N0QJ2U020140813.
„Wir haben gar nichts reformiert. Wir haben mehr Hebelung und mehr Derivatrisiken denn je zuvor“, zitierte die Financial Times am 20. August einen Analysten einer auf „strukturierte Finanzprodukte“ spezialisierten Brokerfirma.
Und die FT warnt, daß sich die Wall-Street-Banken zunehmend darauf verlegen, extrem komplexe Kreditderivate herauszugeben - Wetten auf die gesamten globalen Wertpapier- und Kreditmärkte oder auf Indexe von Kreditausfallswaps, sog. „Swaptions“.
Mit solchen Papieren hat sogar das Londoner Team von JP Morgan Chase 6 Mrd.$ verloren, sie sind also selbst für Spezialisten nur sehr schwer zu durchschauen, aber die hohen Gebühren machen es interessant für die Banken, solche Papiere zu vertreiben.
Derzeit werden jede Woche für rund 60 Mrd.$ solche Swaptions gehandelt, weil man aufgrund der von den Zentralbanken künstlich niedrig gehaltenen Zinsen, der gewaltigen Liquiditätsmengen und der geringen Kursschwankungen nur mit solchen hochriskanten Papieren Profite machen kann. „Die Märkte brauchen eigentlich kein Ereignis wie Lehman oder auch nur ,Lehman light’, um eine Störung der Kreditmärkte auszulösen“, zitiert die FT einen Hedgefonds-Manager.
„Dazu müssen sich nur die Spannen vergrößern oder die Zinsen steigen.“ Tatsächlich veranstaltete die New Yorker Federal Reserve Bank am 13. August eine Konferenz über das Problem der sinkenden Liquidität auf dem 11 Billionen-Dollar-„Repomarkt“ für extrem kurzfristige Kredite zwischen den Finanzinstituten. Das Austrocknen der Liquidität auf diesem Markt hatte im September 2008 die Lehman-Brothers-Pleite ausgelöst, und ein neuerlicher Zusammenbruch der Repomärkte ließe das gesamte globale Kartenhaus der Spekulation einstürzen. Da inzwischen in der EU und den USA Bailin-Regeln (das Zypern-Modell) für den Fall großer Bankpleiten eingeführt wurden, würde dies die Volkswirtschaften der transatlantischen Welt schlagartig zum Stillstand bringen.
Genau deshalb spielt beim Vorgehen der BRICS-Gruppe die Schaffung einer Alternative zum bankrotten westlichen Finanzsystem eine zentrale Rolle. Im Vordergrund steht dabei die Absicht, die produzierende Wirtschaft möglichst vieler Länder wieder in Schwung zu bringen.
Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).
Der lesenswerte Newsletter kostet 250 € im Jahr. Er wird vom E.I.R.-Verlag herausgegeben, zu bestellen bei: Caroline Hartmann, <email-pii>
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