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Rekrutierungsprozess: Wie werden Anstellungsentscheide gefällt? Triff die Entscheidung im Selbstversuch.
4 – Anstellungsentscheide sind auch Bauchentscheide
Stell dir vor, du bist die verantwortliche Person in einem Unternehmen, die jemanden einstellen muss. Du hast die Wahl zwischen zwei Personen:
Person 1
- Erfüllt alle Voraussetzungen für die Stelle
- Hat den Beruf gelernt, weil es gerade gepasst hat
- Verfügt über Berufserfahrung auf dem Gebiet
- Arbeitet auf dem Beruf, um Geld zu verdienen
- Zeigt wenig Motivation
Person 2
- Erfüllt nicht alle Voraussetzungen für die Stelle
- Hat einen anderen Beruf gelernt
- Verfügt über praktische Erfahrungen in dem Bereich, aber über keinen Nachweis
- Möchte auf dem Beruf arbeiten, weil die Tätigkeit als Leidenschaft wahrgenommen wird
- Brennt für die Stelle
Wen stellst Du ein?
Für Person 1 sprechen die Berufserfahrung und die Ausbildung. All die Erfahrung nützt aber wenig, wenn die Motivation nicht stimmt. Dies kann mittelfristig dazu führen, dass die Person das Unternehmen wieder verlassen wird oder die Arbeit nicht mit der nötigen Sorgfalt und Hingabe ausführt.
Für Person 2 sprechen die Motivation, die Leidenschaft und die Einsatzbereitschaft. Gehen wir davon aus, dass ein Grossteil der benötigten Fähigkeiten und Kenntnisse On the Job oder durch gezielte Aus- und Weiterbildung zeitnah erlernt werden können, stehen die Chancen deutlich besser, dass die Person längerfristig im Unternehmen bleiben wird.
In den meisten Fällen ist es bedeutend einfacher, fehlende Fachkenntnisse zu erlernen und Erfahrungen On the Job zu sammeln als fehlende Motivation zu kompensieren.
Anstellungsentscheide werden nicht nur auf Grundlage der vorliegenden Fakten und mit dem Kopf getroffen, sondern auch auf Grundlage von Emotionen und mit dem Bauch.
Lass dich also nicht durch fehlende Fachkenntnisse, Aus- oder Weiterbildungen von der Bewerbung abhalten, wenn du zeigen kannst, dass du über die Grundvoraussetzungen verfügst, bereit bist zu investieren und bestenfalls für die Stelle brennst.
5 – Black Box Bewerbungsprozess
Eine nicht unwichtige Unbekannte im Bewerbungsprozess ist die Person, welche deine Bewerbung erhält und die erste Prüfung der Unterlagen vornimmt. In den meisten Fällen ist diese Person für dich eine Blackbox. Du weisst nicht, was diese Person bewegt, was sie anspricht, auf was sie reagiert und kannst somit auch deine Bewerbung nicht danach ausrichten. Du kannst Abhilfe schaffen, indem du dein Netzwerk nutzt oder durch den persönlichen Kontakt, per Telefon, Mail, zusätzliche Informationen zur jeweiligen Person und zum Unternehmen sammelst und diese in deine Bewerbung einfliessen lässt. Nutze Social Media, um mehr über die Person zu erfahren. Unternehmen machen es auch so, wenn sie mehr über dich erfahren möchten und die Informationen nicht in deinen Unterlagen ersichtlich sind.
Bist du beispielsweise leidenschaftliche Rennradfahrerin und hast in Erfahrung gebracht, dass die Personalverantwortliche ebenfalls leidenschaftliche Rennradfahrerin ist, wäre es allenfalls sinnvoll, diese Information nicht nur unter Hobbies kurz und knapp mit «Sport» zu definieren, sondern diesen gemeinsamen Punkt prominenter und ausführlicher darzustellen.
Vergiss nicht, dass der Bewerbungsprozess auch für die Personalverantwortlichen in den Unternehmen eine Herausforderung sein kann. Sie müssen allenfalls zusätzlich zum Tagesgeschäft hunderte von Bewerbungen zeitnah prüfen und mit teilweise begrenzten Ressourcen weitreichende Entscheidungen fällen. Auch für Unternehmen gilt daher, je konkreter und transparenter die Bedürfnisse und Anforderungen kommuniziert werden, desto grösser die Chance, dass sie passende Bewerbungen erhalten.
Wir wünschen dir viel Glück und noch mehr Erfolg beim Bewerben 🚀.
Absage als Chance für den Bewerbungsprozess?
👉 In der nächsten Folge sprechen wir über den Umgang mit Absagen und was du Positives daraus ziehen kannst.