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Die Rettungsorganisationen: der Schweizerische Samariterbund (SSB)
Der erste Samariterkurs fand am 25. Mai 1884 in Bern statt. Initiant dieses Kurses war Feldweibel Ernst Möckly: Der Gründer des Schweizerischen Militär-Sanitäts-Verbands (SMSV) hatte beschlossen, Zivilpersonen in Erster Hilfe auszubilden. Als Vorbild diente ihm Dr. Esmarch, Professor an der Universität Kiel, der den ersten Samariterverein Europas gegründet hatte. Für die Ausbildung der künftigen Samariter arbeitete Möckly mit dem Berner Arzt Robert Vogt zusammen. Nach Abschluss dieser Schulung sollten die Samariter in der Lage sein, verunfallte Personen bis zum Eintreffen eines Arztes angemessen zu versorgen oder verletzte Personen in ein Spital zu transportieren.
SRK und SSB: zwischen Konkurrenz und gegenseitiger Ergänzung
Die Samariterkurse stiessen in der ganzen Schweiz auf grossen Anklang und führten zur Gründung zahlreicher Samaritervereine. Diese hatten auch viele weibliche Mitglieder. 1887 wurde in Bern der erste Frauensamariterverein gegründet. An der Jahrhundertwende waren bereits mehr Samariterinnen als Samariter aktiv. 1888 war auf Initiative von Ernst Möckly in Aarau der Schweizerische Samariterbund (SSB) gegründet worden. Während er zunächst nur fünf Samaritervereine zählte, waren es zehn Jahre später bereits 104 Vereine. Als der SSB 1938 sein 50-jähriges Bestehen feierte, gehörten ihm über 700 Samaritervereine und knapp 78'000 Mitglieder an. Im gleichen Jahr wurde sein Zentralsekretariat in Olten eingeweiht.
Ab 1888 bestand eine natürliche Verbindung zwischen dem SSB und dem SRK, da beide ähnliche Ziele verfolgten. Die Organisationen übten ihre Tätigkeiten zwar selbstständig aus, sprachen sich jedoch bei der Aufgabenverteilung ab. Beide orientierten sich an den Idealen von Henry Dunant und stellten die Hilfe für Mitmenschen in den Mittelpunkt. Im Unterschied zum SRK, das primär auf Einsätze im Kriegsfall ausgerichtet war, stand für den SSB die Tätigkeit in Friedenszeiten im Zentrum. Von 1898 bis 1906 verfügte der SSB zusammen mit dem SMSV und dem SRK über ein gemeinsames Zentralsekretariat für den freiwilligen Sanitätsdienst. Dieses plante die Samariterkurse und übernahm die damit verbundenen Kosten. Zudem erstattete es den Sektionen und Vereinen die Ausgaben für den Materialeinkauf. 1912 wurde der SSB per Bundesbeschluss offiziell als Hilfsorganisation des SRK anerkannt. Er beteiligte sich an den Verkaufsaktionen und Spendensammlungen für das SRK und unterstützte dieses bei der Rekrutierung neuer Mitglieder. 1984 wurde der SSB Korporativmitglied des SRK.
Regionale Verankerung
Die Tätigkeit der Samaritervereine beschränkte sich nicht auf die Ausbildung von Ersthelfern. Rasch wurde das Kursangebot ausgebaut: Zu den 1891 eingeführten Ausbildungen für Samariterlehrer kamen 1894 Krankenpflegekurse und 1902 Säuglingspflege- und Hygienekurse hinzu. Später wurden weitere Dienstleistungen angeboten: unentgeltliche Krankenpflege, Haushilfen, Nachtwachen usw. Während einige Samaritervereine Betten, Zelte und Ambulanzfahrzeuge beschafften, richteten andere Gesundheitsambulatorien ein. Wieder andere, wie zum Beispiel im Tessin, übernahmen gar eine Zahnklinik, in der kostenlose Behandlungen angeboten wurden.
Aufgrund der verschiedenen Dienstleistungen, die sie für die Bevölkerung erbrachten, wurden die Samariter mit den Jahren immer beliebter. Sie stimmten ihre Unterstützung stets auf die besonderen Bedürfnisse der Bevölkerung ihrer Region ab. Für alle, die grosse öffentliche Versammlungen, Feste und Sportveranstaltungen besuchten, wurden die Samariterposten zu einer vertrauten Einrichtung. Diese Sanitätsposten werden von ausgebildeten Ersthelfern betrieben und sind mit allem Material ausgestattet, das für die Erstversorgung benötigt wird.
«Samariter ist, wer aktiv ist»
Einfallsreichtum, Know-how und Improvisationstalent gehörten während langer Zeit zu den wesentlichen Eigenschaften eines guten Samariters. Denn vor dem allgemeinen Aufkommen von professionellen Rettungsdiensten standen die Samariter in Notfallsituationen an vorderster Front. Die Techniken für den Verletztentransport und die Anfertigung von Bahren bildeten einen wichtigen Teil ihrer praktischen Tätigkeit. Seit 1964 können sie ihre Fähigkeiten jedes Jahr an den Schweizerischen Samariterwettkämpfen unter Beweis stellen.
Parallel zur Professionalisierung des Rettungswesens wurden immer spezifischere Kurse angeboten: Kurse für Betriebssanitäter (ab 1985), Notfälle bei Kleinkindern (ab 1986), Notfälle bei älteren Menschen (ab 1989) usw. Ausserdem weiteten die Samariter ihre Aktivitäten auf neue Tätigkeitsfelder aus. Abgesehen von Blutspendeaktionen und Altkleidersammlungen engagierten sich immer mehr Samaritervereine im sozialen Bereich. Ihre Aktivitäten wurden so vielfältig, dass der Besuch eines Erste-Hilfe-Kurses seit 1995 nicht mehr obligatorisch ist, um Mitglied eines Samaritervereins zu werden. Heute gilt der Grundsatz: «Samariter ist, wer aktiv ist.»