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Nigeria stellt als politisches und wirtschaftliches Schwergewicht ein zentraler Partner der Schweiz in Subsahara-Afrika dar. Die engen Beziehungen werden von hochrangigen politischen Treffen sowie institutionalisierten Dialogen getragen und drehen sich um die Achsen Wirtschaft und Handel, Migration, humanitäre Hilfe sowie Menschenrechte und Friedensförderung.
Bilaterale Beziehungen Schweiz–Nigeria
Schwerpunkte der diplomatischen Beziehungen
Die bilateralen Beziehungen zwischen der Schweiz und Nigeria sind intensiv und vielfältig. Sie konzentrieren sich auf die wirtschaftliche Zusammenarbeit, Migrationsfragen, humanitäre Hilfe, Menschenrechte und Friedensförderung.
Diese Themen werden anlässlich regelmässiger hochrangiger bilateraler Treffen vertieft. Zuletzt besuchten Bundesrat Didier Burkhalter 2016 sowie Bundesrat Johann Schneider-Ammann 2018 Nigeria. Einmal jährlich finden politische Konsultationen, ein Migrations- sowie ein Menschenrechtsdialog statt.
Im Rahmen der Subsahara-Afrika Strategie 2021-2024 sollen die Beziehungen zu Nigeria weiter diversifiziert und vertieft werden.
Wirtschaftliche Zusammenarbeit
Nigeria ist ein wichtiger Handelspartner der Schweiz in Afrika. Exportiert Nigeria vor allem Rohöl, so führt die Schweiz überwiegend pharmazeutische Produkte und Maschinen nach Nigeria aus. Die Handelsbilanz der Schweiz ist wegen der Ölimporte stark negativ. Über 50 Schweizer Firmen sind in Nigeria ansässig, hauptsächlich im Süden des Landes. Sie haben Direktinvestitionen von etwa 550 Mio. USD getätigt und beschäftigen mehr als 7000 Personen.
Die Schweiz und Nigeria schlossen 1980 ein Luftverkehrsabkommen und 2000 ein Abkommen zum gegenseitigen Schutz und zur Förderung von Investitionen ab. Zudem wurden seit den 1980er Jahren mehrere Umschuldungsabkommen zu Gunsten Nigerias umgesetzt.
Rechtliche Angelegenheiten
Zur Stärkung der Zusammenarbeit im Bereich der Rechtshilfe in Strafsachen wurde 2016 eine Absichtserklärung unterzeichnet. Diese bietet die Möglichkeit für direkte Kontakte und den Austausch zwischen den zentralen Behörden beider Länder.
Die Schweiz und Nigeria kooperieren auch in der Rückführung unrechtmässig erworbener Vermögenswerte. Als erstes Land erstattete die Schweiz bis 2005 700 Mio. USD unrechtmässig erworbene Vermögenswerte des früheren Diktators Abacha an Nigeria zurück. In einem zweiten Restitutionsprozess führt die Schweiz seit 2017 weitere 321 Mio. USD nach Nigeria zurück. Die Gelder fliessen in Projekte zur Stärkung der sozialen Absicherung der ärmsten Bevölkerungsschichten.
Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation
Forschende und Kulturschaffende aus Nigeria können sich beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) um Bundes-Exzellenz-Stipendien bewerben.
Die Migrationspartnerschaft fördert Projekte, die es Nigerianerinnen und Nigerianer ermöglicht, sich für bestimmte Berufe in der Schweiz ausbilden zu lassen.
Migration
Die 2011 geschlossene Migrationspartnerschaft ist ein Kernstück der bilateralen Beziehungen. Die Partnerschaft befasst sich mit den Herausforderungen sowie Vorteilen der Migration und stärkt die kooperative, umfassende und kohärente Zusammenarbeit in migrationsrelevanten Bereichen. Dabei werden die Interessen beider Länder sowie der Migrantinnen und Migranten berücksichtigt.
Der jährliche Migrationsdialog fördert den Austausch, wobei auch die Rückkehr weggewiesener Asylsuchender behandelt wird. Zudem werden gemeinsame Projekte umgesetzt, z.B. bezüglich Bekämpfung von Menschenhandel, Migrationsmanagement oder Rückkehr und Reintegration von zurückkehrenden nigerianischen Staatsbürgern.
Friedensförderung und menschliche Sicherheit
Seit 2011 verfügen die Schweiz und Nigeria über einen jährlichen Menschenrechtsdialog. Dieser bilaterale Austausch wird von konkreten Projekten in Bereichen wie Menschenrechte und Polizeiarbeit oder Zugang zur Justiz begleitet, welche gemeinsam mit nigerianischen Behörden sowie zivilgesellschaftlichen Organisationen umgesetzt werden.
Das friedenspolitische Engagement der Schweiz in Nigeria fokussiert hauptsächlich auf den Nordosten des Landes. Es umfasst die Bereitstellung Guter Dienste, Unterstützung bei der Vergangenheitsbewältigung sowie präventive Bemühungen, etwa im Bereich des ideologisch motivierten gewalttätigen Extremismus oder im Umfeld von Wahlen.
Humanitäre Hilfe
Seit 2014 engagiert sich die Schweiz mit ihrer humanitären Hilfe zugunsten der vom bewaffneten Konflikt in der Tschadsee-Region betroffenen Bevölkerung. Sie leistet finanzielle Unterstützung für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), die Vereinten Nationen und internationalen Nichtregierungsorganisationen. Im Fokus stehen dabei speziell die Ernährungssicherheit, der Schutz sowie Bildung in Notsituationen.
Kulturaustausch
Der kulturelle Austausch zwischen der Schweiz und Nigeria ist gering. Die Schweiz beteiligt sich an der Woche für italienische Sprache sowie an den Frankophoniewochen, die jährlich in Abuja durchgeführt werden.
Schweizerinnen und Schweizer in Nigeria
Ende 2019 lebten 222 Schweizer Staatsangehörige in Nigeria.
Geschichte der bilateralen Beziehungen
Die Schweiz anerkannte die Bundesrepublik Nigeria am 1.10.1960, dem Tag der Unabhängigkeit von Grossbritannien. Kurz danach nahmen die beiden Länder diplomatische Beziehungen auf, und die Schweiz eröffnete ein Jahr später eine Botschaft in Lagos.
2001 verlegte die Schweiz ihre Botschaft in die neue Hauptstadt Abuja.
2016 eröffnete die Schweiz zudem ein Generalkonsulat in Lagos.