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Huftiere auf der Brandfläche Il Fuorn: Verteilung gestern und heute
Hintergrund
Am Südhang des Piz Fuorn ging im Spätwinter 1951 eine Lawine nieder, die eine etwa 100 m breite Bresche im Wald verursachte. Im Frühjahr desselben Jahres entstand dort durch eine Unvorsichtigkeit bei Aufräumarbeiten ein Brand, der neben dem Fallholz auch die Teile des Föhrenwaldes, welche von der Lawine verschont blieben, in Mitleidenschaft zog. Die immer noch gut erkennbare Brandfläche befindet sich nordöstlich des Hotel Parc Naziunal Il Fuorn an einem steilen Südhang. Sie erstreckt sich von 1820 m Meereshöhe über 600 m Horizontaldistanz bis 2140 m.ü.M, knapp 100 m unter der heutigen Waldgrenze. Nach über 60 Jahren nach dem Ereignis ist auf einem Grossteil der Fläche nur mosaikartig Vegetation erkennbar und von einer Wiederbewaldung fehlt jede Spur. In einer Forschungsarbeit (Geissler & Hartmann 2000) aus dem Jahr 2000 wurde die Vegetationsdynamik auf der Brandfläche detailliert untersucht. In der daraus entstandenen Vegetationskarte zur Gefässpflanzen-Vegetation (Abbildung 1) wird ersichtlich, dass auf der Brandfläche unterschiedliche Pioniervegetationstypen dominieren. Die Vegetationsentwicklung ist auf den stabilen Hängen (D) am weitesten fortgeschritten, trotzdem erreicht der Deckungsgrad durchschnittlich kaum 20%.
Abbildung 1: Karte der Gefässpflanzen-Vegetation der Brandfläche (Geissler & Hartmann 2000)
Zur Klärung des Zusammenhangs zwischen dem Äsungsdruck der Huftiere und der ausbleibenden Wiederbewaldung wurde zwischen 1989 und 1995 ein umfangreicher Datensatz über das raumzeitliche Verbreitungsmuster der Huftiere zusammengetragen.
Methodik Huftierbeobachtungen 1989 - 1995
Die Datenaufnahme erfolgte mit einfachen Mitteln. Die Fläche wurde jeweils aus der Ferne beobachtet und Sichtungsereignisse auf einer Fotografie der Fläche eingezeichnet (Abbildung 2).
Abbildung 2: Protokoll zur Erhebung der räumlichen Verteilung der Huftiere auf der Brandfläche Il Fuorn (Hindenlang & Wirz 1992)
In den Jahresberichten über die „Huftierbeobachtungen auf der Brandfläche Il Fuorn“ wurden die Protokolle jeweils ausgewertet und verschiedene Statistiken berechnet. Dazu gehörten Häufigkeit der Tiere, jahreszeitliche Verteilung, tageszeitliche Verteilung, Verteilung der Alters-Geschlechts-Klassen und räumliche Verteilung. Im Jahresbericht von 1991 erfolgten erstmals auch Analysen mit Hilfe eines quadratischen Gitters als Zählrahmen (Abbildung 3). Bei dieser Methode wurde allerdings die räumliche Verzerrung ausser Acht gelassen. Je weiter hinten bzw. oben ein Quadrat liegt, desto grösser ist ihr Flächenanteil im Vergleich zu den Quadraten im Vordergrund (Abbildung 4).
Abbildung 3: Auswertung der räumlichen Verteilung in den 90er Jahren. Die Kreisdiagramme stehen für die Anzahl Huftierbeobachtungen innerhalb eines Rasterquadrates (Hindenlang & Wirz 1992).
Abbildung 4: Durch die besondere Abbildungsgeometrie ergeben sich durch die Rückprojektion des Quadratrasters auf das Gelände erhebliche Massstabsunterschiede. Die Zahlen beschreiben prozentuale Flächenanteile im Bezug zur kleinsten Fläche A1 (siehe Abbildung 3). (Laube 1999)
Um den enormen Datensatz von über 750 Aufnahmen und über 7000 protokollierten Positionen verschiedener Tiere trotzdem für exakte geographische Analysen nutzen zu können, wurde im Rahmen einer Diplomarbeit (Laube 1999) eine Applikation entwickelt, mit der jedem Beobachtungspunkt die genaue Koordinate zugewiesen werden konnte. Damit steht dem SNP ein interessanter Datensatz zu Verfügung, welcher mit modernen GIS-Methoden analysiert und ausgewertet werden kann.
Verbreitungsmuster
Zwischen 1989 – 1995 fanden extensive Aufnahmen statt: Ohne zeitliche Vorgaben wurde die Brandfläche wiederholt beobachtet und Huftierbeobachtungen protokolliert. Zwischen 1992 und 1994 fand zudem eine intensive Beobachtung statt. Auf die Jahreszeiten Frühling, Sommer und Herbst verteilt wurden an bestimmten Tagen ganztägig in 20-Minuten-Abständen Momentaufnahmen gemacht. Resultate zu diesen Daten, sind auf Abbildung 5 ersichtlich. Die Karten zeigen die Verbreitung der Hirsche im Herbst 1992 und Sommer 1993 im Tagesverlauf. Im Frühling 1994 wurden gemäss Datensatz auf der Brandfläche keine Hirsche gesichtet. Es wird ersichtlich, dass im Herbst ein Grossteil der Hirsche in den Morgenstunden zwischen 6 – 11 Uhr und keine Hirsche zwischen 11 – 16 Uhr gesichtet wurden. Im Sommer verhielt es sich auf diese beiden Zeiträume bezogen gleich umgekehrt. Dieses zeitliche Muster ist schwierig zu erklären. Räumlich betrachtet hielten sich die Hirsche etwa im mittleren Höhenstufendrittel auf. Die Gämsen sind im Vergleich dazu über die ganze Fläche verteilt. Im Frühling verstärkt im unteren, im Sommer im oberen Teil der Fläche. Dieser Frühling/ Sommer Vergleich zeigt damit schön die Abwanderung der Gämsen in die Sommereinstandsgebiete.
Ob mit den Huftierdaten Aussagen über das Ausbleiben der Wiederbewaldung gemacht werden können, werden weitere Analysen zeigen. Im Sommer 2012 werden erneut Huftierbeobachtungen auf der Brandfläche durchgeführt mit denen u.a. Vergleiche mit den Aufnahmen in den 90er Jahren möglich sein werden.
Abbildung 5: Verbreitungsmuster von Hirsch und Gämse im Tages- und Jahreszeitenverlauf.