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Klaus Zaugg hat auf Watson Nino Niederreiters Vertragssituation gut geschildert und die Vertragsoptionen von Niederreiter dargestellt.
Nino Niederreiter sitzt in der NHL-Vertragsfalle. Nach Ablauf des ersten Vertrages ist er noch nicht «Free Agent». Er kann seinen Arbeitgeber also noch nicht frei wählen. Mit einer sog. «Qualyfing Offer» (qualifizierten Offerte) hat sich Minnesota für ein weiteres Jahr die Dienste von Nino Niederreiter gesichert und musste für diese Offerte das Salär von 810 000 Dollar nur um 10 Prozent nachbessern.
Zusammengefasst hält Klaus Zaugg für Niederreiter folgende drei Optionen fest:
- Offer Sheet eines anderen Teams
- Hold-Out
- Unterschreiben der Qualifying Offer
Variante 1 ist in der NHL beinahe tot und kaum ein Team dürfte wohl für Niederreiter ein Offer Sheet erstellen bzw. gewillt sein, dies so zu strukturieren, dass die Wild dies nicht matchen würden. Option 2 macht ebenfalls wenig Sinn. Damit schafft Niederreiter schlechte Stimmung, wird in Ungnade fallen und dann wohl einen Trade seiner Rechte erzwingen. Auch Punkt 3 ist nicht das gelbe vom Ei. Hier würde Niederreiter natürlich klar unter Wert unterschreiben und nicht für seine Leistungen der letzten Saison kompensiert werden.
Eine vierte Option, welche Zaugg nicht angetastet hat: Verhandeln eines neuen Vertrags und diesen dann erfüllen. Bei vielen Spielern, die aus ihren Entry Level Contracts (ELC) raus kommen, ist es üblich, dass sie einen Bridge-Contract unterschreiben. Sie hatten teilweise schon Erfolg, die Teams sind aber noch nicht bereit, um ihnen long-term Contracts zu offerieren und sie längerfristig zu binden. Daher kommt Verträge ins Spiel, um diese Zeit zu überbrücken und den Teams zu zeigen, was sie als Spieler wirklich drauf haben, bevor sie dann wirklich abkassieren können. Wie von Zaugg richtig erläutert, nutzen die Teams in einem Fall wie bei Niederreiter natürlich auch ihre Stärke bzw Niederreiters Schwäche aus: Er darf noch nicht zur Salary Arbitration (Schiedsgericht). Deshalb ist hier Rufener als Niederreiters Agent gefordert, dass er im Bridge-Contract einen genug hohen Wert für Niederreiter erzielen kann, jedoch die Laufzeit des Vertrags tief genug hält, dass Niederreiter nach ein oder zwei guten Jahren dann einen neuen Vertrag bekommt, der ihn dann für seine Leistungen entschädigt oder ihm die Tür öffnet, als RFA (Restricted Free Agent) vors Schiedsgericht zu ziehen. Beim Schiedsgericht hat Niederreiter dann mindestens 85% seines vorherigen Gehalts garantiert.
Wie schneidet Niederreiter im Vergleich mit anderen RFAs ab?
Ich habe mich nun gefragt, wie viel Niederreiters Vertrag ungefähr wert sein könnte und machte mich auf die Suche nach RFAs, die vergleichbar sein könnten zu „El Niño“. Vor einem Schiedsgericht sind Advanced-Stats nicht zulässig und die Agenten und Teams können nur mit Arguemten wie Eiszeit, Punkte, absolvierte Spiele oder Checks auftrumpfen. In den Verhandlungen zwischen Teams und Agenten werden die Advanced Stats natürlich aber trotzdem berücksichtigt.
Nachfolgend eine Liste von Spielern, die 2012 RFA wurden und welche Verträge sie erhalten haben. Aus Eigeninteresse habe ich Corsi% sowie QoC (Quality of Competition) berücksichtigt.
In den letzten drei Spalten wird aufgezeigt, welchen Vertrag mit welchem AAV (Average Annual Value – Jährlicher Durchschnittswert) die Spieler nach diesem Jahr erhalten haben.
Niederreiter reiht sich also gleich im Mittelfeld dieser Gruppe ein. Was auffällt: 6 der insgesamt 12 Verträge gingen über 2 Jahre. 3 hatten eine Laufzeit von 1 Jahr. Nur Wilson sowie die beiden Red Wings Helm und Abdelkader hatten 3 oder 4 Jahresverträge.
Dies stützt die Theorie der Bridge-Contracts. 9 dieser 12 Spieler mussten den Teams nochmals zeigen, dass sie das Geld wirklich wert sein würden und erhielten nochmals Zeit, dies zu bestätigen.
Jamie McGinn und Colin Wilson als Vergleich
Drei Spieler stechen für mich bei Vergleichen mit Niederreiter heraus: Colin Wilson, Jamie McGinn und Jiri Tlusty. Tlusty fällt beim Corsi von den dreien jedoch recht stark ab. Zudem war er damals bereits bei seinem dritten NHL-Vertrag. Auch physisch sind sich vier drei sehr ähnlich:
Da Tlusty aber wie gesagt schon in seinem dritten Vertrag war, werde ich ihn hier weglassen. Niederreiter und McGinn haben in diesem Vergleich bereits 4 Jahre einen NHL-Vertrag (Niederreiter wurde nach 9 Spielen 2010-11 wieder in die Juniors geschickt). Wilson kam 2011-12 wie Niedereiter heute aus seinem ELC raus.
Wilsons Zahlen sind sehr ähnlich zu jenen von Niederreiter: Corsi, QoC und P/60 sind beinahe gleich. McGinn überschneidet sich bei P/G, Corsi sowie QoC ebenfalls mit Niederreiter. Diese beiden haben damals auch sehr ähnliche Verträge erhalten:
- McGinn: 2 Jahre / 1.75per
- Wilson: 3 Jahre / 2.0per
Wilson hat 1 Jahr mehr auf dem Vertrag drauf und deshalb fällt der Wert etwas höher aus, da Nashville sich damit ein weiteres Jahr von Wilson kaufen wollte.
Wie war die Entwicklung der beiden Spieler über die Jahre nach diesen Verträgen?
McGinn hatte 2012-13 deutlich schwerere Matchups als 2011-12 und 2013-14. Damit sank auch sein P/60 ein. Spannend ist hingegen, dass seine Matchups dann nochmals etwas schwerer wurden, sein Corsi sank, er aber sein P/60 gegenüber 2012-13 wieder steigern konnte. McGinn unterschrieb dann vor Kurzem wiederum einen neuen Vertrag, der ihm 5.9 Mio über 2 Jahre enibringen wird mit einem AAV von 2.95 Mio.
Wilson ist ebenfalls spannend: In seinem ersten Jahr mit dem neuen Vertrag stieg sein Corsi, er hatte stärkere Gegner und trotzdem stiegen P/G und P/60 stark an, bevor er dann 2013-14 einen Taucher einlegte. Im ersten Vertragsjahr lag Nashville mit dem 3-Jahresvertrag also vollkommen richtig. Nun mit dem dritten Jahr und einer offensiveren Ausrichtung unter Peter Laviolette kriegen Wilson und Nashville die Chance, dies zu korrigieren und dann im nächsten Vertrag im Sommer 2015 einzukassieren.
Was bedeutet das nun für Niederreiter?
Für Niederreiter wird dies heissen, dass er ziemlich sicher auch einen 2-jährigen Bridge-Contract erhalten wird, um den Wild zu zeigen, wo er sich im Depth-Chart positioniert. Ob er ein Top-9 oder doch ein Top-6 Forward sein und sich gegen Coyle oder Granlund im Kampf um Eiszeit auch durchsetzen kann. Schafft er einen Schritt nach vorne, wird er mit dem nächsten Vertrag – wie Jamie McGinn – auch eine ordentliche Vertragserhöhung erwarten dürfen.
Beim Wert ist auch davon auszugehen, dass er wohl einen AAV von 1.7 – 2.0 Mio erhalten wird und der Verrtag somit 3.4 – 4.0 Mio wert sein sollte. Einigen sich Niederreiter und sein Agent André Rufener mit den Wild auf einen 3-Jahresvertrag, wird der AAV tendentiell (wie auch bei Wilson) etwas höher ausfallen.