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Sonderausstellung „Starke Frauen um Henry Dunant“ 10.5.2016 – 22.4.2018
Initiative, ausserordentliche Frauen des 19. Jahrhunderts beeinflussten Henry Dunant (1828–1910) als Wegbereiterinnen und Weggefährtinnen massgeblich. Sie inspirierten und sie stützten und förderten seine Visionen – ideell und finanziell.
Frauen hinterliessen deutliche Spuren in Dunants Leben. Dunants Mutter Anne-Antoinette Dunant-Colladon schulte seinen Blick schon früh für arme und notleidende Menschen. Harriet Beecher-Stowe, die Autorin des Bestsellers «Onkel Toms Hütte», kämpfte für die Abschaffung von Leibeigenschaft und Sklaverei. Florence Nightingale begründete die moderne westliche Krankenpflege und reformierte das Gesundheitswesen in Grossbritannien. Diese drei Frauen übten – wie Dunant später in seinen Memoiren schrieb – «einen segensreichen Einfluss» auf ihn aus. Die österreichische Pazifistin Bertha von Suttner verhalf Henry Dunant 1901 zum ersten Friedensnobelpreis und wurde fünf Jahre später selber mit dem Preis geehrt.
Die Sonderausstellung «Starke Frauen um Henry Dunant» lässt einige einflussreiche Frauen in Text, Ton und Bild aus dem Schatten von Henry Dunant treten.
Gruppenführungen durch die Sonderausstellung auf Anfrage.
Zur Ausstellung ist ein Nachdruck «Pazifistin? Feministin?» von Renate Bräuniger über Catharina Sturzenegger erschienen. Die Publikation ist im Museumsshop erhältlich.
Die Ausstellung wird unterstützt von:
Kulturförderung Kanton AR, SRK beider Appenzell, Gemeinde Heiden, Lienhard-Stiftung, Hans und Lina Müller-Tremp-Stiftung
Die Publikation wird unterstützt von:
Gemeinde Heiden und Appenzellische Gemeinnützige Gesellschaft
Harriet Beecher Stowe (1811-1896) erlebt bei ihrer Arbeit als Lehrerin im Süden die Sklaverei aus nächster Nähe. Mit ihrem Mann, einem Professor für Bibelliteratur, bekommt sie sieben Kinder. Nachdem 1850 in Amerika ein Gesetz in Kraft tritt, bei dem mit Gefängnis und hohen Geldstrafen rechnen muss, wer flüchtenden Sklaven hilft, schreibt sie als Reaktion den spannenden Roman „Onkel Toms Hütte“. Damit macht sie klar: Sklaverei ist theologisch verwandt mit der Erbsünde. Denn sie tötet die Seele des Sklaven und ist somit antichristlich, ja atheistisch. Als das Buch 1852 erscheint, werden am 1. Tag 3000, im 1. Jahr 350’000 Exemplare verkauft.
Ihre Schriften publiziert sie in rascher Folge. Darin vergleicht sie die Lage der Ehefrau mit der des Sklaven: Sie darf keine Verträge unterzeichnen, besitzt kein Eigentum, keine eigene Stimme. Später wird sie Herausgeberin der Frauenzeitung ‚Hearth and Home’ und Mitbegründerin einer Kunstschule, die heute zur Universität Hartford gehört. Harriet Beecher Stowe war die erste Berufsschriftstellerin Amerikas – und verdiente damit den Lebensunterhalt für ihre grosse Familie
Clarissa Harlowe Barton (1821-1912) Erst 11jährig übernimmt sie für zwei Jahre die Pflege ihres kranken Bruders. Als Lehrerin gründet sie eine der ersten freien Schulen in New Jersey, die sie aber – gemäss Gesetz – als Frau nicht leiten darf. So geht sie nach Washington, wo sie im Patentamt die erste weibliche Regierungsangestellte Amerikas wird. Während des Bürgerkriegs professionalisiert sie die medizinische Versorgung, übernimmt 1864 die Leitung aller Frontspitäler. Nach Bartons hartnäckigem Kampf im Senat und Abgeordnetenhaus ratifizieren die USA 1882 endlich die Genfer Konvention.
„Der Kanone folgen“ ist ihr Motto. Und so ist sie 77jährig beim Spanisch-Amerikanischen Krieg dabei. Ihre Hilfe verbindet sie stets vorausschauend mit einem Aufbauprogramm. Dank ihren Erfahrungen bei Überflutungen, Tornados, Gelbfieber- und Typhusepidemien wird die Genfer Konvention um einen Zusatz bei Katastropheneinsätzen in Friedenszeiten erweitert.
Florence Nightingale (1820-1910) Florence Nightingale verzweifelt an der gesellschaftlichen Rolle der weiblichen Mittel-und Oberschicht im viktorianischen England. Sie lehnt mehrere Heiratsanträge ab und schreibt stattdessen „Cassandra“, wo sie die Situation der intelligenten Frau lapidar mit „nothing to do“ zusammenfasst und ihre stereotype Stellung virtuos analysierte.
Nachdem sie in eine schwere Depression verfällt, darf sie endlich – trotz des grossen Widerstands der Eltern – in Deutschland und Paris ein Praktikum als Krankenpflegerin absolvieren. Kurz darauf wird ihr die Leitung eines Pflegeheims in London übertragen. Im Krimkrieg (1853-56) überwacht sie Kriegsspitäler. Seither benutzt die mathematisch Veranlagte Statistiken, um medizinische Zusammenhänge darzulegen und reformiert das Gesundheits- und Sanitätswesen in England grundlegend. Darüber hält sie Vorträge und macht die Krankenpflege zu einem anerkannten Beruf für Frauen. 1907 wird sie als 1. Frau in den Order of Merit aufgenommen. Ebenfalls wird sie das erste weibliche Mitglied der Königlichen Statistischen Gesellschaft Grossbritanniens.
Baronin Bertha von Suttner (1843-1914) Die Journalistin und Schriftstellerin organisiert internationale Friedenskongresse und hält Vorträge in ganz Europa und Nordamerika. Neben ihrem Hauptwerk „Die Waffen nieder“ gibt sie auch eine Zeitschrift gleichen Namens heraus. Dafür gewinnt sie auch Henry Dunant als Autor. Allerdings plädiert sie als überzeugte Pazifistin dafür, die Wunden des Krieges nicht bloss zu verarzten, sondern deren Entstehung ganz zu verhindern. Sie ist Vizepräsidentin des internationalen Friedensbüros in Bern und gründet 1892 die deutsche Friedensgesellschaft. Ihr Friedensbegriff ist umfassend: Schon 1898 spricht sie sich gegen Tierversuche aus. Für Stefan Zweig war sie „die grossartige und grossmütige Kassandra unserer Zeit“. Denn bereits 1912 warnt sie vor einem internationalen Vernichtungskrieg. Nur wenige Wochen vor Ausbruch des 1. Weltkriegs stirbt sie in Wien.
Catharina Sturzenegger (1854-1929) Die in Speicherschwendi in ärmlichen Verhältnissen Geborene muss schon als 6jährige Fädlerin zum Familieneinkommen beitragen. Nach einigen Jahren im Schuldienst wird sie Posthalterin in Wolfhalden. Um alle Pferdepost-Fuhrwerke abzufertigen, hat das Büro von 5 bis 23 Uhr geöffnet. So hat sie viel Zeit, Artikel und ganze Bücher (unter dem Pseudonym C. Albertini) zu schreiben. Aber auch Anlass, für ein gerechtes Pensionsgesetz für Postbeamte zu kämpfen. Von 1899-1903 führt sie in Bern eine Buchdruckerei. Sie engagiert sich für die Friedensliga und verfasst eine pazifistisch geprägte Schweizergeschichte, die an der Landesausstellung Genf 1896 sowie 1900 an der Pariser Weltausstellung je eine Ehrenmeldung erringt.
Für ihren Rot-Kreuz-Einsatz in Japan sichert sich die 50jährige Sturzenegger von verschiedenen Zeitungen das Reisegeld und lernt während der fünfwöchigen Überfahrt Englisch. Da sie als Frau an der Front nicht zugelassen ist, organisiert sie stattdessen die Lazarette des russisch-japanischen Krieges gemäss den Genfer Konventionen. Um ihre Reisen innerhalb von Japan zu finanzieren, gründet sie in Tokio kurzerhand eine Sprachschule. Im Balkankrieg 1912-1913 arbeitet sie wieder an der Front, ebenso im 1. Weltkrieg, wo sie Serbien unterstützt.
… und weitere ausserordentliche Frauen finden Sie in der Ausstellung „Starke Frauen um Henry Dunant