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Die Schneiderin Anna Z. oder wie man aus der Not zur Autorin wird
Eine schöne Frau namens Anna Z. (1885-1938) erlernte den Beruf der Schneiderin und war wirklich gut. Leider geriet sie aus der Bahn, wie man sagt, und lebte über zehn Jahre in der psychiatrischen Pflegeanstalt Rheinau. Hier verfasste sie ein Buch, das 2013 veröffentlicht wurde. Sprache und Nähmaschine wurden ihre besten Freunde: wie findet man solche und wie erhält man sie sich?
Anna Z. (1867-1938) war das elfte von sechzehn Geschwistern. Ihre Mutter starb, als sie klein war, und von da an sorgte die älteste Schwester Berta für die Geschwisterschar. In der Schule fiel Anna Z. durch ihre Wildheit auf und wurde deshalb für vier Jahre in ein Erziehungsheim gesteckt. Sie absolvierte eine Schneiderinnenlehre und heiratete jung einen wohlhabenden Bauern. In der neuen Umgebung fiel sie auf, weil sie oft allein mit Pferd und Wagen unterwegs war. Wegen eines Scheckbetrugs wurde Anna Z. verhaftet; danach fühlte sie sich verändert,...
Die Kunsthistorikerin Katrin Luchsinger lehrt an der Zürcher Hochschule der Künste und forscht über Kunst und Psychologie um 1900. Sie leitete das Projekt «Bewahren besonderer Kulturgüter» des Schweizerischen Nationalfonds und erstellte ein Inventar der Werke in psychiatrischen Kliniken der Schweiz von 1850–1930. Als Kuratorin der Sammlung der ehemaligen Pflegeanstalt Rheinau ist Katrin Luchsinger das Wachsheft von Anna Z. (1867–1938) als besonderes Zeitzeugnis aufgefallen. 1916 verfasste die Schneiderin in der Pflegeanstalt Rheinau, in der sie über zehn Jahre verbringen musste, eine packende Lebensbeschreibung, die Luchsinger beim Chronos Verlag publizierte.