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Vom "müssen" zum "wollen"
"Tue nichts, was Du nicht aus spielerischer Freude heraus tust"
M.B. Rosenberg
Worte wie „ich sollte..“, „ihr müsst…“, „du hast zu..“, „dürfen“, „ich kann nicht“, „es wird erwartet..“ usw. führen dazu, dass Wahlmöglichkeiten geleugnet werden.
Ich fühle mich dann ohnmächtig und sehe mich als Opfer der Umstände. Mein Verhalten wird von Schuld, Pflichtgefühl, Scham, Angst vor Bestrafung oder Gezwungen sein (oder auch von der Motivation, eine Belohnung zu erhalten) bestimmt und ist von meinen Bedürfnissen abgeschnitten.
Für Marshall Rosenberg war diese Art zu handeln die gesellschaftlich gefährlichste und persönlich leidvollste. Er empfahl, sich bewusst zu werden, dass wir jederzeit (!) die Wahl haben, auch wenn die Optionen keine Freiheit zu lassen scheinen. Z.B. „Ich muss zur Arbeit, obwohl es schrecklich ist“. Tatsächlich könnte ich mich entscheiden, zu reflektieren was genau schrecklich ist und diesbezüglich ein Gespräch oder Unterstützung suchen, eine andere Arbeit suchen, mich umzuschulen/weiterzubilden, mich selbstständig zu machen, zu kündigen und eine Auszeit zu nehmen, mich von einer Beratungsstelle oder einer Vertrauensperson unterstützen lassen, usw.
In der Haltung der GFK entscheide ich mich täglich, im Dienst meiner Bedürfnisse und Werte zu handeln. Ich übernehme dadurch Verantwortung für meine Entscheidungen.
Übung
Mache dir eine Liste mit Deinen „freudlosen Handlungen“, denen du dich aktuell verschrieben hast; alle Tätigkeiten die du furchtbar findest und dennoch tust, weil du glaubst, du hättest keine Wahl.
Übersetze dann „ich muss…“ in „ich wähle frei …“. Nimm anschliessend deutlich wahr, welches Bedürfnis hinter dieser Wahl steht, das du dir erfüllen möchtest. Ergänze den Satz mit „… denn ich möchte ….“ Im Fall des zur Arbeit Gehens könnte das z.B. „Sicherheit“ sein.
Der ganze Satz würde lauten: „Ich wähle frei, zur Arbeit zu gehen weil ich es schätze (finanzielle) Sicherheit zu haben“. Oder aber du stellst fest dass du die Handlung wirklich „nur“ aus Pflichtgefühl heraus machst und entscheidest dich, ab jetzt anders zu handeln. du wirst möglicherweise dadurch mehr spielerische Freude und Integrität in deinem Leben entdecken.
Ein weiteres Beispiel: Angenommen, du denkst, dass du regelmässig Zeit mit Menschen verbringen musst, mit denen du dich eigentlich unwohl fühlst. Erstelle eine Liste mit den Situationen, in denen du dich unwohl fühlst und denkst, dass du dorthin "musst". Übersetze den Gedanken "ich muss" in "ich wähle frei". Nimm dir Zeit, um zu erkennen, welches Bedürfnis hinter dieser Wahl steht, das du dir erfüllen möchtest. Ergänze den Satz mit "denn ich möchte". Zum Beispiel könnte es dabei um das Bedürfnis nach sozialer Verbundenheit, Respekt oder familiären Zusammenhalt gehen. Der ganze Satz könnte dann lauten: "Ich wähle frei, Zeit mit diesen Menschen zu verbringen, denn ich möchte soziale Verbundenheit und familiären Zusammenhalt fördern." Wenn du jedoch erkennst, dass du dich in diesen Situationen wirklich unwohl fühlst und deine Bedürfnisse nach Authentizität und Selbstfürsorge nicht erfüllt werden, könntest du alternative Handlungsoptionen in Betracht ziehen. Du könntest zum Beispiel Grenzen setzen, deine Teilnahme an solchen Veranstaltungen reduzieren oder alternative Wege finden, um deine Bedürfnisse nach sozialer Verbundenheit zu erfüllen, indem du Zeit mit Menschen verbringst, mit denen du dich wirklich wohl fühlst.
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Foto: Valentin Antonucci und Chunry via pexels.com