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Mainland ist die Hauptinsel der Shetlands, die 200 Kilometer nordöstlich von Schottland liegen. Der Besitzer eines kleinen indischen Restaurants in dem kleinen Hafenort Brae denkt an Umzug. „Wir müssen weg, es gibt nichts mehr zu tun. Vor ein paar Jahren war hier noch viel los, aber damit ist es vorbei.“ Seine Familie kam 1984 nach Mainland und eröffnete zwei Restaurants: In Brae, unweit des riesigen Öl- und Gasterminals von Sullom Voe, und in Lerwick, der Hauptstadt der Inselgruppe.
Damals herrschte Aufbruchstimmung, das Geld floss in Strömen. Anfang der 1970er Jahre waren in der Nordsee große Ölvorkommen entdeckt worden. Shell und BP machten riesige Gewinne, aber auch die Inselkommunen hatten Anteil am Kuchen: Für jedes verschiffte Barrel Erdöl ist eine Abgabe fällig, die über den Shetland Charitable Trust an das Shetland Islands Council fließt. Die Stiftung beruht auf einer für Großbritannien einmaligen Vereinbarung, die den Ölkonzernen aufgedrückt wurde, als Ausgleich für die Umweltbelastungen.
Insgesamt flossen in 40 Jahren fast 320 Millionen Pfund an die Inseln, auf denen nur 23 000 Menschen leben. Damit konnte man Kulturvereine finanzieren, Pflegekräfte für Alte und Behinderte bezahlen und acht Schwimmbäder bauen. Und ein hochmodernes Kulturzentrum, das auch in einem Londoner Szeneviertel stehen könnte. „Früher konnte man sich die Sahne auf dem Kuchen leisten“, sagt die Besitzerin einer Pension in Lerwick, „eben etwas, was man nicht unbedingt brauchte.“
Als 2014 der Ölpreis abstürzte, ging das Goldene Zeitalter für die Shetlands zu Ende. Die Ölkonzerne entließen mehrere hundert ihrer Angestellten.1 Als sich die lokale Ölindustrie gerade wieder zu erholen begann, kam 2020 die Coronapandemie und mit ihr eine erneute Entlassungswelle. Vor 8 Jahren arbeiteten auf den Inseln noch rund 3000 Menschen für die Branche, heute sind es nur noch 1000. Auch die Erdölreserven schrumpften. Ende der 1980er Jahre wurden täglich noch fast 1 Million Barrel (159 Millionen Liter) aus dem Meeresboden gepumpt, heute nur noch 100 000. Die Straßen von Lerwick sind leer. Die indische Familie wird eines ihrer Lokale schließen.
In Aberdeen, der Hafenstadt an der schottischen Ostküste, hört man es ähnlich: „Vor 10 Jahren war es noch unmöglich, hier eine Wohnung zu finden, alles an die Öl- und Gasarbeiter vermietet, überall war Hochbetrieb“, erzählt eine ehemalige Angestellte aus der Branche. In den 1970er Jahren wurde Aberdeen, bis dahin nur als Universitätsstadt bekannt, zur britischen Ölmetropole. Die Einkommen waren hoch, die Straßen voller Angeberautos. In der grauen, in Granit gebauten Stadt herrschte permanent Partystimmung.
Bis zum Jahr 2014. „Viele Menschen, die sich für imposante Häuser oder Luxuskarossen massiv verschuldet hatten, waren plötzlich ohne Job. Manchmal sah man Männer mit dicken Audis bei den Tafeln für Bedürftige vorfahren“, erzählt Guy Ingerson von den Aberdeener Grünen. Die Pandemie gab der Stadt den Rest. 2014 gab es in der britischen Öl- und Gasindustrie noch knapp 463 000 Arbeitsplätze, 2019 waren es noch 260 000 und 2021 gerade mal 195 000. Und der Aderlass wird nicht zu stoppen sein.
Ölmetropole Aberdeen
Als die wirtschaftliche Erholung nach der Pandemie und der Ukrainekrieg die Öl- und Gaspreise wieder in die Höhe trieben, schöpfte die Branche neue Hoffnung. „Auf einmal wurden wir wieder interessant“, erzählt grinsend ein Erdölingenieur in Aberdeen. Seit der russischen Invasion zeigte sich die britische Regierung entschlossen, die Förderung fossiler Brennstoffe in der Nordsee wieder hochzufahren. Im Mai 2022 erklärte Premierminister Boris Johnson, damit könne man sowohl die Energieversorgung des Landes sichern als auch Präsident Putin in die Schranken weisen.
Dennoch weiß man auf den Shetlandinseln wie in Aberdeen, dass das Öl nicht mehr lange fließen wird. „In der Nordsee werden zwar noch Konzessionen für die Exploration und Förderung vergeben, aber das dortige Ölfeld wird bald erschöpft sein“, meint der Grüne Ingerson. Außerdem mache sich der Klimawandel auch hier immer deutlicher bemerkbar. In Schottland gab es im letzten Winter nicht weniger als sechs Orkane, die schwere Schäden verursachten. Die Internationale Energieagentur (IEA) erklärte 2021 zum ersten Mal, dass, wenn man die schlimmsten Folgen der Klimakatastrophe noch abwenden wolle, keine neuen Ölfelder mehr erschlossen werden dürften.
Das Auslaufen der Produktion stellt für die Region jedoch eine riesige Herausforderung dar. Obwohl die Öl- und Gasproduktion rückläufig ist, macht sie noch fast 5 Prozent des schottischen Bruttoinlandprodukts aus.2 Und was die Beschäftigung betrifft, so sichert die Branche derzeit noch – direkt oder indirekt – den Lebensunterhalt von 71 500 Menschen. Auch ist die schottische Wirtschaft nach wie vor sehr stark von fossilen Energien abhängig.
Aber das ändert sich. In den letzten 10 Jahren hat die Windkraft in Schottland ein explosionsartiges Wachstum erlebt. 2021 wurde schon mehr als die Hälfte des verbrauchten Stroms von Wind- und Wasserkraftwerken erzeugt. Mit diesen Zahlen macht die Regierung von Nicola Sturgeon regelmäßig Reklame. Dabei lässt sie allerdings gerne unerwähnt, dass fast 80 Prozent der gesamten Energiemenge, die insbesondere für Transport und Heizung verbraucht wird, immer noch aus Öl und Gas gewonnen werden. Was also tun?
Die Antwort scheint einfach: mehr erneuerbare Energie produzieren. Schottland ist ein sehr dem Wind ausgesetztes Land mit hunderten Kilometern Küste, ideal also für die Entwicklung von Windkraftanlagen auf See und an Land. In Lerwick auf den Shetlandinseln müssen die Deckel der Mülltonnen zugebunden werden, damit sie nicht wegfliegen.
Schon 2011 hatte der frühere schottische Regierungschef Alex Salmond frohlockt, sein Land könne zum „Saudi-Arabien der erneuerbaren Energien“ werden. Und versprach sich von der Produktion alternativer Energien nahezu 40 000 neue Arbeitsplätze. Allerdings haben all die neuen Windkraftprojekte dem Arbeitsmarkt nicht den Aufschwung gebracht, den die Regierung vorausgesagt hatte. Im Jahr 2019 arbeiteten nur 22 000 Menschen direkt oder indirekt im Bereich der erneuerbaren Energien, davon etwa die Hälfte bei Windkraftanlagen.3
Dies hat mehrere Gründe. Der wichtigste ist, dass diese Anlagen nur wenige Arbeitskräfte benötigen. Die Wartung wird zum großen Teil von computergesteuerten Drohnen übernommen.
Keine Turbinen made in Scotland
Ein Beispiel: Auf den Shetlandinseln entsteht derzeit eine der größten Windfarmen der Welt mit einer geplanten Kapazität von 443 Megawatt, die würde den jährlichen Stromverbrauch von 500 000 Haushalten abdecken. Als Erstes wurden die betonierten Trassen angelegt, die sich in Mainland die Hügel hinaufziehen. Sie führen zu den Standorten, an denen 400 Menschen damit beschäftigt sind, 133 Windräder zu montieren. Doch wenn diese 155 Meter hohen Riesen einmal Strom produzieren, sind für die Wartung nur noch 35 Arbeitsplätze vorgesehen. Zum Vergleich: Auf einer Ölplattform sind es je nach Größe 50 bis 100.
In Schottland schafft der Umstieg auf erneuerbare Energien auch deshalb weniger Arbeitsplätze, weil die Infrastruktur fehlt, die für den Abbau alter Ölplattformen wie für die Errichtung neuer Windfarmen notwendig wäre. Insbesondere die Entwicklung der Anlagen findet in besser ausgestatteten europäischen Ländern und insbesondere in Skandinavien statt. Der schottische Gewerkschaftsverband Scottish Trades Union Council (STUC) fordert daher massive Investitionen der öffentlichen Hand, um eine lokale Industrie aufzubauen: „Wir haben mindestens vier bestens ausgestattete Häfen“, meint Generalsekretär Dave Moxham. „Jetzt müssen wir auch unsere Produktionsstätten modernisieren.“
Heute werden die meisten von ausländischen Multis entwickelten Windkraftanlagen im Nahen Osten oder in Asien produziert, wo die Arbeitskosten wesentlich niedriger sind. Vor sechs Monaten entging den lokalen Unternehmen ein riesiger Auftrag für eine Offshore-Farm vor der Küste von Aberdeen. „Die Windturbinen werden jetzt im Hafen von Sharba in den Vereinigten Arabischen Emiraten gebaut, wo Gewerkschaften verboten sind und so was wie Arbeitsrecht schlicht nicht existiert“, schimpft Jake Molloy von der Gewerkschaft Rail, Maritime and Transport Workers (RMT), der den Offshore-Sektor in Aberdeen betreut. Und er warnt: „Wenn nichts getan wird, um einen sozial gerechten Übergang zu organisieren, werden auch hier Gelbwesten demonstrieren.“
Der Gewerkschaftsbund STUC fordert, staatliche Zuschüsse für Projekte im Bereich erneuerbare Energien an die Schaffung von Arbeitsplätzen in Schottland zu knüpfen. Die Regierung in London will das auch durchsetzen. Doch die EU sieht darin eine unrechtmäßige Begünstigung der britischen Wirtschaft und leitete ein Verfahren bei der Welthandelsorganisation (WTO) ein.5
„In solchen Fällen dauert es Jahre, bis das Gericht entscheidet“, sagt Francis Stuart, der beim STUC für Arbeitsmarktpolitik zuständig ist, „das gibt den beklagten Ländern genügend Zeit, eine Politik zugunsten ihrer eigenen Wirtschaft voranzutreiben.“ Länder wie China, Taiwan und Dänemark seien entschlossen, ihre eigenen Unternehmen zu unterstützen, die mit der Entwicklung erneuerbarer Energien erfolgreich waren: „Das wollen wir auch für Schottland – dass eben nicht mehr nur die Marktkräfte entscheiden.“
Die Gewerkschaften fordern nicht nur, die Vergabe von Subventionen mit Auflagen zu verbinden, sie wollen ganz generell, dass multinationale Unternehmen, die den Zuschlag für die Offshore-Windkraftanlagen erhalten, Gegenleistungen erbringen müssen. Im Januar hat die schottische Regierung mehrere Parzellen in der Nordsee, wo der größte Offshore-Windpark der Welt entstehen soll, per Auktion vergeben. Insgesamt wurden knapp 7000 Quadratkilometer Meeresboden für 800 Millionen Euro an multinationale Konzerne veräußert. „Im Gegenzug haben wir es geschafft, diesen Unternehmen die Zusage abzuringen, dass 25 Prozent der Produktion in Schottland laufen soll“, berichtet STUC-Generalsekretär Moxham. „Aber nichts ist wirklich verpflichtend“, setzt er resigniert hinzu.
Kritik an der Auktion äußern die Friends of the Earth Scotland: Die großen Gewinner seien die Öl- und Gasgiganten wie BP, Shell und Total. „Damit können sie ihre Bilanz grüner färben, während sie weiterhin massiv und noch viel stärker in Öl und Gas investieren“, erklärt Ryan Morrison, der Energieexperte der Umweltorganisation.
Die Lieblingsidee der schottischen Gewerkschaften ist der Aufbau eines staatlichen Energieunternehmens. Aber auch das stößt auf zahlreiche Schwierigkeiten. Schottland müsste die nötigen Gelder mittels Anleihen auf den internationalen Finanzmärkten beschaffen. „Da wir kein unabhängiger Staat sind, ist das aber nicht möglich“, erläutert Ingerson, der Grüne aus Aberdeen: „Die schottische Nation verfügt nicht über die volle Steuerhoheit, die das Vertrauen der Investoren sichern könnte.“ Auch deshalb sind die Grünen für den Austritt aus dem Vereinigten Königreich.
Für den Fall, dass ein staatliches Energieunternehmen zustande kommt, rechnet der STUC innerhalb von 15 Jahren mit 95 000 neuen Arbeitsplätzen allein im Bereich erneuerbare Energien.5 Erforderlich wäre allerdings auch die Umschulung von Beschäftigten im Ölsektor. Von denen wollen laut einer Studie von Friends of the Earth Scotland 80 Prozent die Branche wechseln.
Doch eine Stelle bei einem Windkraftprojekt ist nicht leicht zu bekommen. Schulungen sind sehr teuer und werden vom Arbeitgeber nicht bezahlt. Manchmal seien sie auch völlig unnötig, meint Moxham: „Auf Ölplattformen müssen Arbeiter auch Inspektionsarbeiten unter Wasser durchführen, was zu einem Kollaps oder einem Dekompressionsunfall führen kann. Die Leute werden dann von Kollegen betreut, die medizinisch sehr gut ausgebildet sind. Und die sollen dann nachweisen, dass sie an den Standorten von Offshore-Windkraftanlagen einen Kurs über grundlegende Sicherheitsmaßnahmen gemacht haben. Und der kostet 1200 Pfund.“
Das Beschäftigungsproblem ist nicht das einzige Hindernis für eine grüne Energiewende. Auch das schottische Stromnetz ist immer noch unterentwickelt. Ein Beispiel: Auf den südlich der Shetlands gelegenen Orkney-Inseln, auf denen nur 22 000 Menschen leben, stehen fast 800 Windkraftanlagen – die höchste Konzentration in ganz Großbritannien. Damit erzeugt die Inselgruppe viel mehr Strom, als sie verbraucht. Doch der Überschuss kann nicht exportiert werden, da das Unterseekabel, das die Orkneys mit dem Festland verbindet, nicht die nötige Kapazität hat. Und die britische Strom- und Gasregulierungsbehörde Ofgem will aus Kostengründen kein neues Kabel verlegen.
Doch auch mit einem ausgebauten Netz wäre der Wind immer noch eine unstete Energie. Alex Armitage von den Grünen auf den Shetlands betont deshalb: „Es gibt ja auch noch die Energie des Meeres.“ Auf den Inseln arbeiten mehrere Unternehmen daran, die vom Wetter unabhängige Energie der Gezeiten in Strom umzuwandeln.
Vor den Orkneys hat das schottische Unternehmen Orbital Marine Power 2021 eine 74 Meter lange Gezeitenturbine installiert, die Strom für 2000 britische Haushalte erzeugen kann.6,„Wir wissen, dass es funktioniert, aber die Regierung in London will diese Technologien nicht fördern“, schimpft Ingerson. „Sie erkennt das Potenzial nicht. Dabei ist es wichtig, dass wir jetzt investieren, bevor die Franzosen und Kanadier uns überholen.“
Die Gewerkschaften setzen auf Wasserstoff
Molloy ist ebenfalls für Gezeitenkraftwerke, plädiert aber auch für die Nutzung von Wasserstoff: Dieses speicherbare Gas kann direkt als Kraftstoff wie auch zur Stromproduktion genutzt werden. Das Problem ist, dass die Herstellung von Wasserstoff durch die Elektrolyse von Wasser wiederum viel Strom benötigt. Der wird bislang hauptsächlich mit Erdgas erzeugt, was einen hohen Ausstoß von Treibhausgasen zur Folge hat. Zwar werden Techniken zum Auffangen des Kohlendioxids entwickelt, doch die sind sehr teuer, stecken noch im Versuchsstadium und bleiben umstritten.
„Ich kenne die Argumente der Umweltschützer, wonach diese Technologie von der Öl- und Gasindustrie unterstützt wird, die so ihre Geschäfte weiterführen will“, sagt Gewerkschafter Molloy, „aber angesichts der Dringlichkeit ist das alles sinnvoll.“ Durch massive Investitionen in Offshore-Windkraftanlagen und Gezeitenkraftwerke könnte Schottland große Mengen an Strom für die Produktion von „grünem“ Wasserstoff bereitstellen. Der Gewerkschaftsdachverband erwartet, dass in den kommenden Jahren zwischen 2000 und 13 000 Arbeitsplätze in diesem Bereich entstehen könnten.
Ingerson fordert zudem, dass die Energiewende nicht beim Ausbau erneuerbarer Energien stehenbleibt: „Wir müssen beispielsweise den Schienenverkehr ausbauen; Ingenieure aus der Ölindustrie könnten für den öffentlichen Bausektor umgeschult werden, Bauingenieure werden dringend gebraucht.“ Und auch die Landwirtschaft sollte stärker auf den lokalen Markt ausgerichtet werden, findet Jonathan Wills, ehemaliges Mitglied des Shetland-Council: „Wenn Sie hier in den Supermarkt gehen, finden Sie Lammfleisch aus Neuseeland, das ist absurd.“
Der Gewerkschafter Moxham sieht ein weiteres Potenzial für neue Arbeitsplätze: Investitionen in die bessere Isolierung von Wohngebäuden: „Wir könnten ganze Heerscharen junger Leute gebrauchen, die sich um jedes schottische Haus kümmern.“ In seiner Studie über zukünftige grüne Arbeitsplätze untersucht der STUC auch das Beschäftigungspotenzial, das der Ausbau von Abfallrecycling und die Wiederaufforstung von Flächen bietet. In all diesen Bereichen könnten fast 367 000 neue Arbeitsplätze entstehen.
Kirsten Jerkins, Energieforscherin an der Universität Edinburgh, fordert Initiativen auf nationaler Ebene, um Gaskessel durch Wärmepumpen zu ersetzen, intelligente Stromzähler zu installieren und Ladestationen für Elektroautos auszubauen. „Energiesysteme sind wie sehr schwere Schiffe, es braucht Zeit, um sie auf einen neuen Kurs zu bringen. Wahrscheinlich werden wir noch 15 bis 20 Jahre Öl und Gas brauchen.“
So sieht es auch Bert Morrison, der seit 30 Jahren als Sicherheitsingenieur für Ölplattformen arbeitet und ein luxuriöses Haus im Süden der Shetlands bewohnt. Seinen Job sieht er nicht in Gefahr. „Ich mache mir keine großen Zukunftssorgen. Und meinen Kindern werde ich nicht von einem Job im Öl- und Gassektor abraten. In den nächsten 5 Jahren wird sich noch nichts ändern, und später können sie immer noch auf erneuerbare Energien umsatteln, vor allem auf Wasserstoff. Es ist nicht das gleiche Gas, aber im Grunde nutzen wir die gleichen Technologien.“
Tatsächlich zieht der fossile Energiesektor weiterhin junge Leute an. Eine Technikerin am Ölterminal auf der Orkney-Insel Flotta erzählt: „Es kommen ständig neue Auszubildende zu uns. Es ist wegen des Geldes: Ich bekomme 3700 Pfund im Monat. Wer mit 16 von einer technischen Oberschule kommt und auf die Bohrinseln geht, kann relativ bald 5700 Pfund im Monat verdienen.“ Vergleichbare Gehälter bieten die erneuerbaren Energien noch nicht.
1 Scottish Energy Statistics Hub; aus dieser Quelle stammen, sofern nicht anders angegeben, die zitierten statistischen Zahlen.
2 „Annual energy statement 2020“ der schottischen Regierung.
3 James Black, „The Economic Impact of Scotland’s Renewable Energy Sector“, Fraser of Allander Institute, 2021.
5 „Green Jobs in Scotland“, STUC, April 2021.
6 Siehe „Wichtiger Meilenstein: Orbital Marine Power schließt Gezeitenturbine ans Stromnetz an“, cleanthinking.de, 3. August 2021.
Aus dem Französischen von Nicola Liebert
Lou-Eve Popper ist Journalistin.