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Neun Monate nach dem Beginn der Pandemie sind Europa und Nordamerika nach wie vor die am stärksten betroffenen Regionen. Derweil scheint sich die Lage in Asien und Afrika zu beruhigen. Darauf weist die Analyse von Maru Mormina, Forscherin und Beraterin für globale Entwicklungsethik an der Universität Oxford, und Ifeanyi M. Nsofor, Professorin für Gesundheitsgerechtigkeit an der George Washington University.
Sogenannte Entwicklungs- oder Niedrigeinkommensländer hätten den reichen Industrienationen viel über Pandemie-Management beizubringen, so Nsofor und Mormina. Sie weisen darauf hin, dass die Diskrepanz auf eine unterschiedliche Herangehensweise bei der Erfassung der Todesfälle, das jüngere Durchschnittsalter der Einwohner und auf ein höheres Niveau potenziell schützender Antikörper zurückzuführen sein könnte.
«Als Erstes ist festzustellen, dass Covid-19 für die afrikanischen Nationen nicht ein einziges Problem darstellte, sondern einen neuen Notstand, der Teil eines bereits artikulierten und komplexen Bildes war», schreiben die Autorinnen. Aus dem wöchentlichen Bulletin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sei hervorgegangen, dass Ende September in den Ländern Subsahara-Afrikas 116 Infektionskrankheiten und zwölf humanitäre Krisen zu verzeichnen waren. Die Vertrautheit mit Notsituationen mache diese Länder wachsamer und entschlossener, knappe Ressourcen einzusetzen, um Ausbrüche zu stoppen, bevor sie sich ausbreiten. «Wenn die Ressourcen begrenzt sind, sind Eindämmung und Prävention die besten Strategien.»
Die Forscherinnen stellen einen Vergleich zwischen Grossbritannien und Mauritius, die zehntdichtest besiedelte Nation der Welt, an. «Während London zögerte, begann Port Louis zwei Monate, bevor der erste mauritische Fall entdeckt wurde, mit der Überprüfung der Ankünfte auf Flughäfen und der Quarantäne von Besuchern aus Hochrisikoländern.» Ähnliche Beobachtungen können in Nigeria, Senegal und vielen anderen afrikanischen Ländern gemacht werden.
Strategie der Zusammenarbeit
Afrikanische Führungspersönlichkeiten setzten auf die Strategie der Zusammenarbeit, die während des Ebola-Ausbruchs in Westafrika von 2013 bis 2016 praktiziert wurde: «Dieser Ausbruch machte deutlich, dass Infektionskrankheiten keine Grenzen respektieren, und veranlasste die Afrikanische Union, die Afrikanischen Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention (CDC) zu gründen. Die Afrikanische Union hat auch eine kontinentale Plattform − die African Medical Supplies Platform (AMSP) − eingerichtet, um die Kosten für medizinischen und Laborbedarf einzudämmen und Konkurrenzsituationen zu vermeiden. Derweil versuchte US-Präsident Donald Trump, den Impfstoff für die USA zu kaufen, den eine deutsche Firma entwickelt. Das AMSP will genau eine solche Situation verhindern. Die Europäische Union hatte eine ähnliche Plattform konzipiert, aber die Verzögerungen in einigen Ländern haben dazu geführt, dass sich die Staaten doch unabhängig und oft gegeneinander bewegen. Die AMSP vermied dies auch dank der Entscheidung der Afrikanischen Union, alles unter die Leitung von Strive Masiyiwa zu stellen − ein milliardenschwerer Philanthrop, der ursprünglich aus Simbabwe stammt und Telekommunikationsexperte ist. Er gehört zur Kampagne The Giving Pledge, die von Bill Gates konzipiert wurde, um die reichsten Menschen auf dem Planeten zur Philanthropie zu bewegen.
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Zu Beginn der Pandemie begann Senegal mit der Entwicklung eines schnellen und billigen Covid-19-Tests für weniger als einen Dollar, der keine aufwendige Laborausrüstung erfordert. In ähnlicher Weise entwickelten Wissenschaftler in Ruanda einen intelligenten Algorithmus, der es ihnen ermöglichte, viele Proben gleichzeitig zu testen, indem sie diese miteinander kombinierten. Dadurch konnten die Kosten und die Lieferzeiten gesenkt und auch vollständigere und konsistentere Daten über den Krankheitsverlauf gesammelt werden.
Kostengünstige Innovationen
In Ghana modifizierte ein ehemaliger Pilot, dessen Unternehmen auf das Besprühen von Nutzpflanzen spezialisiert ist, seine Drohnen und setzte sie zur Desinfektion von Märkten im Freien und in anderen öffentlichen Räumen ein. Damit wurde schnell und kostengünstig eine Arbeit erledigt, die normalerweise mehrere Stunden und ein halbes Dutzend Menschen in Anspruch genommen hätte. Und in Simbabwe bieten neu gegründete Online-Lebensmittelunternehmen den Lebensmittelverkäufern neue Möglichkeiten. Diese Beispiele veranschaulichen die Bedeutung der Fähigkeit zur Innovation unter knappen Bedingungen: die sogenannte «genügsame Innovation». Sie zeigen, dass einfache und kostengünstige Lösungen komplizierte Probleme lösen können.
Die Globalisierung hat die Länder nicht nur wirtschaftlich, sondern auch biologisch voneinander abhängig gemacht. Dennoch haben sich in den letzten Monaten isolationistische Positionen durchgesetzt. Die Länder verfolgen Do-it-yourself-Strategien bis hin zur Rücknahme der WHO-Finanzierung durch die USA. Solidarität und globale Zusammenarbeit müssten jedoch in den Mittelpunkt gestellt werden, steht für Nsofor und Mormina fest.