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DMZ – GESUNDHEIT ¦ Monique Portner-Helfer¦
Sucht Schweiz hat im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit die soziale Situation von Menschen untersucht, die von einer Suchtproblematik betroffen sind. Generell zeigt sich in den zehn Jahren bis 2017 ein Rückgang des Anteils der Erwerbstätigen unter Menschen in Suchtbehandlung, eine Verschlechterung der Wohnsituation namentlich bei problematisch Geldspielenden, ein Anstieg des Anteils von sozial isolierten Personen und eine Zunahme jener, die unter Selbstabwertung leiden.
Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ist die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen in Suchtbehandlung auf Arbeitssuche sind, 6 Mal höher und jene, dass sie in einer instabilen Wohnsituation leben, ist 20 Mal höher. Die neue Studie von Sucht Schweiz zeigt auch, dass die soziale Situation von Personen, die wegen ihres Substanzkonsums oder Glücksspiels eine Behandlung begonnen haben, innert zehn Jahren deutlich schlechter wurde. Nun braucht es Gegensteuer, damit Betroffene sich trauen, früh Hilfe zu holen.
Die Studie basiert vorwiegend auf dem Monitoring der stationären und ambulanten Behandlungen (act-info), sowie auf der alle fünf Jahre durchgeführten Schweizerischen Gesundheitsbefragung von 2007, 2012 und 2017. Die in dieser Form erstmalige Untersuchung gibt Einblick in die Lebensumstände von Menschen, die wegen ihres Substanzkonsums (Alkohol, Tabak, Cannabis, Kokain, Opioide) bzw. Glücks- und Geldspiels eine Suchtbehandlung begonnen haben. «Drei Viertel der Fälle betreffen ambulante Behandlungen, z. B. wegen wiederholter Rauschtrinkepisoden, täglichen Rauchens oder regelmässigen Konsums anderer Drogen. Die Studie zeigt allerdings, dass dies in vielen Lebensbereichen schwerwiegende Folgen haben kann», erklärt Florian Labhart, Studienautor und Forscher von Sucht Schweiz.
Bildung und Beschäftigung unterdurchschnittlich
Obwohl der Anteil der Personen mit einem hohen Bildungsniveau in der Schweizer Wohnbevölkerung bis 2017 stark zunahm, fand dieser Anstieg bei Menschen in Suchtbehandlung nicht gleichermassen statt. Der Anteil der Personen mit höchstens obligatorischer Schulbildung ist bei ihnen bis zu vier Mal höher als in der Allgemeinbevölkerung (ausser bei Alkoholkonsumierenden).
Auch der Anteil der Erwerbstätigen ist zwischen 2007 und 2017 gesunken. Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ist die Wahrscheinlichkeit, dass Personen in Behandlung auf Arbeitssuche sind, bis 6 Mal höher; bei jenen, die wegen Opioid-Konsums in Behandlung sind, ist die Wahrscheinlichkeit, Sozialhilfe zu beziehen, 28 Mal höher.

Soziale Isolation und Selbstabwertung überdurchschnittlich
Zwischen 2007 und 2017 stieg bei den meisten Personen in Behandlung (mit Ausnahme von Tabak sowie Glücks- und Geldspiel) der Anteil jener, die sozial isoliert sind. Sie leben zwei bis drei Mal so häufig in sozialer Isolation im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung. Es fehlen ihnen regelmässige Kontakte aufgrund einer Beziehung, Arbeitsstelle, Ausbildung oder Wohnsituation. Der Anteil jener, die unter Selbstabwertung leiden, ist bei Konsumierenden von Cannabis, Kokain und Opioiden deutlicher gestiegen als in der Allgemeinbevölkerung. Bei allen Substanzen und Verhaltensweisen haben sie bis zu doppelt so häufig das Gefühl, nichts wert zu sein.
Problemen vorbeugen und rasche Hilfe ermöglichen
Die soziale Situation von Menschen die wegen ihres Substanzkonsums bzw. Glücks- und Geldspiels eine Suchtbehandlung begonnen haben, verschlechterte sich innert zehn Jahren deutlich. Korrekturmassnahmen drängen sich auf mehreren Ebenen auf.
Eine (ungünstige) Wohn- und Arbeitssituation, (tiefere) Bildung, soziale Isolation und Selbstabwertung können sowohl Ursache als auch Folge eines riskanten Konsums oder einer Suchtproblematik sein und sie können sich gegenseitig verstärken – ein Teufelskreis. Soziale Teilhabe und Integration sind für die Prävention von Suchtmittelproblemen wichtig. Sie bilden Schutzfaktoren, während Isolation und Selbstabwertung Risikofaktoren sind. Unsere Gesellschaft muss Teilhabe und Integration für alle im Blick behalten und fördern. Eine Veränderung bei riskantem Konsum bzw. ein Ausstieg aus der Sucht lässt sich begünstigen, wenn die soziale Teilhabe und Integration im Rahmen der individuellen Beratung / Behandlung gestützt werden. Hier wird auch die Rolle der sozialen Arbeit deutlich. Sie trägt dazu bei, individuelle Schutzfaktoren zu stärken und Risikofaktoren zu vermindern. Sie hat denn in der Prävention, Früherkennung sowie Behandlung von suchtbetroffenen Menschen ihren festen Platz.
Frühzeitige Hilfe ist zentral
Wichtig ist, Suchtmittelprobleme und Verlust von Arbeit zu entstigmatisieren. Wer sich schämt, wird daran gehindert, rasch Unterstützung zu suchen. «Wenn wir die Probleme öffentlich thematisieren, erleichtert dies Betroffenen, Hilfe zu holen. Wir sollten uns auch trauen, unsere Sorge auszudrücken, wenn es um eine nahestehende Person geht, die einen suchtgefährdet erscheint», betont Studienautor Labhart.
Entscheidend bleibt, den Konsumeinstieg bei jungen Menschen hinauszuzögern oder zu vermeiden. Gesundheitliche Probleme lassen sich so verhindern, Bildungschancen erhöhen. Diese zählen zu den entscheidenden Faktoren, um im Leben Fuss zu fassen.
- Sich trauen, frühzeitig Hilfe zu holen: Rat und Hilfe
- Früherkennung- und Frühintervention sowie Behandlung sind entscheidend, um Menschen mit einer Suchtproblematik zu unterstützen

Auskunft:
Monique Portner-Helfer
Mediensprecherin
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