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«Warum eigentlich heisst das Bett nicht Bild?», fragte sich ein alter Mann in Peter Bichsels Kurzgeschichte «Ein Tisch ist ein Tisch». Eine zutiefst philosophische Frage, die aber auch im Arbeitskontext relevant ist. Sie bewog den alten Mann, alle Wörter umzudeuten und den Dingen andere Namen zu geben. «‚Jetzt ändert es sich’, rief er, und er sagte von nun an zu dem Bett ‚Bild’. ‚Ich bin müde, ich will ins Bild’, sagte er, und morgens blieb er oft lange im Bild liegen und überlegte, wie er nun zu dem Stuhl sagen wolle, und er nannte den Stuhl ‚Wecker’. Hie und da träumte er schon in der neuen Sprache, und dann übersetzte er die Lieder aus seiner Schulzeit in seine Sprache, und er sang sie leise vor sich hin.» Eine schräge Geschichte. Was als Befreiung vom Korsett der Alltagsprache begann, endete in totaler Vereinsamung und Verständnislosigkeit.
Aber auch das Umgekehrte kommt vor. Der gleiche Begriff hat für verschiedene Leute eine unterschiedliche Bedeutung. Es ist wichtig, dies zu verstehen. Wir sollten davon ausgehen, dass wir erst wissen, was jemand mit einem bestimmten Ausdruck meint, wenn wir nachfragen. Dadurch kann ich mir ein Bild von seiner Wirklichkeit machen und den Kontext, wie jemand den Begriff benutzt, verstehen. Erst dann kann ich überhaupt mit meiner Wirklichkeit dieses Begriffes einsteigen. Bestenfalls schaffen wir ein gemeinschaftliches Verständnis und fahren dann fort, über dieses Thema weiter zu sprechen. Folglich käme es viel seltener zu Verständigungsschwierigkeiten.
Im Alltag gehen die meisten Menschen relativ salopp mit ihrer Wortwahl um. Es spielt auch keine so grosse Rolle, ob zwei Menschen vage und mehrdeutige Vorstellungen von Begriffen haben. Im geschäftlichen Umfeld ist das jedoch anders. Entscheidungen, die auf unklaren Begriffen und mit verschiedenen Vorstellungen davon getroffen werden, sind schlussendlich nicht tragfähig. Gerade bei der interdisziplinären Arbeit, bei der die Vielfalt für den Einzelnen zunimmt, ist die sorgfältige Abklärung der Bedeutung von Begriffen von grosser Bedeutung.
Im Arbeitskontext ist der Abgleich, wie wir Begriffe und Aussagen meinen, wichtig. Wir erleben das in unserer Arbeit immer wieder. Insbesondere im Umgang mit «Buzzwörtern» wie agil, Selbstorganisation oder New Work. Kürzlich waren wir bei einem Auftragsklärungsgespräch, an dem mehrere Personen von Seiten des Kunden teilnahmen. Der Auftrag wurde vom Auftraggeber formuliert und in unseren Köpfen bildete sich eine erste Vorstellung. Beim genauen Nachfragen (um zu verstehen, was genau gemeint war) haben wir bemerkt, dass die restlichen Anwesenden immer grössere Augen bekamen. Offensichtlich gab es in dieser Gruppe kein gemeinschaftliches Verständnis über die vom Auftraggeber verwendeten Begriffe. Zum Glück haben wir dies rechtzeitig erkannt.
Und wie sieht es in Ihrem geschäftlichen Alltag aus? Wie bewusst sind Sie sich über die Missverständnisse, die es in Ihrer Organisation gibt? Wie stellen Sie sicher, dass immer alle das Gleiche unter einem bestimmten Begriff verstehen?
Machen Sie einmal den folgenden Selbstcheck: Wie oft hören Sie in Gesprächen oder Sitzungen diese Sätze?