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Was wäre Paris ohne Stau?
Wettbewerb!
245 Euro, 1. Klasse, Zürich-Paris retour, nicht gerade Wucher!
Wettbewerb!
150 Schweizer Franken zu gewinnen!
Wer findet den Clown von New Orleans zuerst?
(auf den Fotos auf diesem Post oder auf dem Link "Weitere Fotos von Paris" zu sehen)
Schnellste, richtige Antwort auf <email-pii> macht das Rennen!
„Vous êtes tout seul!?“schon das zweite Mal begutachtete mich die Dame mit hoch gezogener Augenbraue im Européen. Ich wollte eine Erklärung stammeln, sie zeigte mir aber schon ihren Rücken und führte mich in den hinteren, nur schwach beleuchteten Teil der Brasserie, an einen Tisch neben einer hübschen Blondine. Am Mittag des gestrigen Tages hatten sie mir nur ein wunderbares Filet Mignon vorgesetzt. Aber in der Stadt der Liebe isst man um 10 Uhr abends wohl nicht allein. Trotzdem hatte ich keine Lust, einer wildfremden Person meinen viertägigen Ego-Trip zu erklären, noch von meiner Fahrt mit dem „train à grande vitesse“ von Zürich nach Paris, vorbei an den Albino-Kühen und –Stieren auf den französischen Weiden, die mich an „nicht-nur-Vitamin-spritzende“ Bodybuilder erinnerten, zu erzählen.
Wahrscheinlich hätte es sie gar nicht interessiert, wie ich im bahnhofeigenen Hotel Mercure am Gare de Lyon, zu etwa 150 Euro die Nacht, eingecheckt habe. Sicher hätte ich ihr erzählt, dass ich in einer Stadt als erstes eine Sightseeing-Tour buche und mir die Quartiere merke, die ich später besuchen würde. Und wie ich auf dieser Tour mit einer sympathischen Türkin und ihren zwei jungen Kindern ins Gespräch gekommen bin, die nur einen Tag in Paris verbrachten und abends um sechs zwar schon ziemlich ausgelaugt und müde waren, dafür früh morgens schon auf dem Tour de Montparnasse und auf dem Eiffel-Turm standen, nach dem Besuch der Notre Dame das Quartier Latin durchstreiften, später die Tore des Grand Palais verschlossen fanden, das Louvres zwar nur von aussen gesehen, aber dafür unter dem Torbogen den Arc de Triomphe bewundert und die meisten Sehenswürdigkeiten von Paris gewürdigt hatten. Nur noch Montmartre mit der Sacré Coeur vor sich und am nächsten Tag Disneyland, 40 km ausserhalb von Paris. Ich glaube, das hätte auch einen Japaner beeindruckt.
Mit einem schweren Fotorucksack bewaffnet, die Tragtasche des Stativs im Genick und eine grosse Kamera mit fettem Objektiv in den Händen balancierend, sieht für Aussenstehende nicht nach Vergnügen aus. Das hat aber den Vorteil, dass die Souvenirverkäufer mich in Ruhe liessen und Strassenmaler mich als Gleichgesinnten behandelten. Ein Händler foppte mich sogar: „Ou sont les asiatiques?“ Tatsächlich waren etwas gar wenige unterwegs. Ich zuckte mit den Schultern, während er auf meinen im Geiste nicht vorhandenen Bauch zeigte, „tu as mangé tous!?“ Das hätte sicher auch die Blondine zum Schmunzeln gebracht.
Nicht mal der Portrait-Maler in der Gasse bei der Basilique Sacré-Coeur war mir böse, obwohl ich ihn mit einem Kellner des Irish-Pubs verwechselte und bei ihm eine Cola orderte. Er meinte nur „hey, j’suis artiste, comme tois!“ Ein anderer Künstler zählte sich zu einem Spross der fünftreichsten Familie der Welt und da ich Canon kaufte, würde ich ihn indirekt auch unterstützen. Wohl ein nicht sehr beliebter Maler, denunzierte er doch gleich noch einen Konkurrenten, den Prototypen des zeichnenden Franzosen mit Beret, Kittel, Foulard und farbiger Hose, als waschechten Albaner. Tatsächlich eine Fälschung, sogar eine wahrhaft gute. Aber käuflich war er nicht, nicht einmal für ein paar Euro wollte er sich von mir fotografieren lassen.
Nur die Geschichte mit dem Taxifahrer, dem ich am letzten Morgen am Gare de Lyon zustieg, um zur Notre Dame gefahren zu werden, hätte ich ihr noch nicht erzählen können. Ich sei sein allererster Kunde in seinem Leben als Fahrer, meinte er stolz. Das hätte mich nicht gestört, aber als er Notre Dame ungelenk in sein GPS-Gerät einzutippen begann… Leider gibt es nicht nur eine „Notre Dame“ und so poppten unzählige Notre Dames auf. Zu meinem Beschämen hatte auch ich keine Ahnung, wie die Dame auf der Insel in der Seine genau genannt wird. „de Paris“ schien mir zu leicht. Und leider stand er immer noch als Erster in der vordersten Reihe. Dank netten Zurufen seiner Kollegen (va-t‘en, idiot) und auch non-verbalen Nettigkeiten (in Paris zeigt man dafür die Faust) war ich nach über 10 Minuten auf der Fahrt zur Notre Dame de Paris. Das Hupkonzert, das er auslöste, als er mich auf viel befahrener Strasse am Quai de la Tournelle aussteigen liess, lässt mich vermuten, dass er noch viel lernen muss. Den ehemaligen Buschauffeur aus den Banlieue von Paris nahm ich ihm nicht mehr ab. Dafür die Kosten für eine Taxilizenz: 200‘000 Euro! Allerdings ist der Preis nicht fix, sondern wird wie eine Immobilie gehandelt und von Angebot und Nachfrage bestimmt. Bonne chance mon ami!
Ganz sicher hätte ich aber meiner Fast-Tischnachbarin von Paris vorgeschwärmt, von der Weite dieser Stadt, den gegensätzlichen, kleinen pittoresken Bistros und Brasserien, vom guten Essen und natürlich von den hübschen Pariserinnen in der Metro, wohl alle auf dem Weg zur nächsten Modeschau. Oder wie es Hemingway im Titel seines letzten Buches so treffend formuliert hat: „Paris – ein Fest für’s Leben“.
one click into the picture and you get a slide showVielleicht hätte aber auch nur sie erzählt: Von ihrer mühsamen Ehe, der teuren Stadt und ihrem knappen Budget… dieses Risiko wollte ich nicht eingehen und nahm im hell erleuchteten Teil der Brasserie Platz. Neben einem missmutigen Powerpoint-Freak, der dauernd seine reisserischen Titel über farbigen Diagrammen änderte und sich weder um mich, noch um meine Fotos scherte. So schliesse ich doch noch mit einem „Merde..!“
245 Euro, 1. Klasse, Zürich-Paris retour, nicht gerade Wucher!
nie und nimmer dürfen diese Kästen verschwinden!
so long guys!