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Was geschieht mit den inländischen Preisen, wenn die inländische Währung an Wert verliert? Die Antwort ist klar: Die Preise steigen. Es braucht jetzt mehr von dieser wertloseren Währung, um ein Gut zu kaufen (Inflation). Umgekehrt hat die Höherbewertung der inländischen Währung logischerweise zur Folge, dass die inländischen Preise fallen (Deflation).
Gehen wir von einer ganz einfachen Modellannahme aus: Eine Volkswirtschaft produziert lediglich ein Gut: Brot. Es gibt nur eine Währung: Goldstücke. Und es gibt nur eine ausländische Wahrung beziehungsweise Devise: US-Dollar. Angenommen ein Brot kostet ein Goldstück und ein Dollar kostet ebenfalls ein Goldstück. Folglich kostet ein Brot ebenfalls ein Dollar.
Steigt nun der Wert des Goldes um beispielsweise 10 Prozent, so kostet ein Brot nur noch 0,9 Goldstücke und ein Dollar ebenfalls nur noch 0,9 Goldstücke. Ein Brot kostet hingegen nach wie vor ein Dollar. Eine Veränderung des Geldwertes (Goldwertes) der inländischen Währung hat somit keine Auswirkung auf den Preis des inländischen Gutes in der ausländischen Währung (Dollar). Das ist auch logisch so.
Daraus folgt konsequenterweise: Eine Höherbewertung des Preises eines inländischen Gutes in einer ausländischen Währung (Devise) kann keineswegs mit einer Höherbewertung des inländischen Geldwertes begründet werden. Warum? Weil eine Veränderung des Geldwertes der inländischen Währung keinen Einfluss auf den Wert des Gutes in der ausländischen Währung besitzt – und umgekehrt.
Unsere Nationalbank behauptet nun schon seit über 2 Jahren, der Franken sei überbewertet. Sie begründet dies mit der sogenannten Kaufkraftparitäten-Theorie. Auf den Punkt gebracht hat diese Theorie die Journalistin Pam Woodall vom „Economist“ mit dem sogenannten „Big Mac Index“.
Gemäss diesem Index ist eine Währung dann überbewertet, wenn ein Big Mac in einem Land in Dollar umgerechnet teurer ist als in einem anderen. Da alle Big Macs überall auf der Welt die gleiche Qualität aufweisen, müssen sie auch gleich teuer sein – so die Theorie.
Da der Big Mac in der Schweiz in Dollar umgerechnet aber fast 60 Prozent teurer ist als in den USA, folgert der Big Mac Index, dass der Franken um fast 60 Prozent überbewertet sei – also fallen muss.
Noch im Oktober kündete die Presse einen „Mega-Gewinn“ der SNB an. Ende Jahr blieb davon aber nur noch wenig übrig, unter anderem weil der Franken in der Zwischenzeit gegenüber dem Dollar nicht fiel, wie das gemäss Big Mac Index der Fall hätte sein müssen, sondern im Gegenteil weiter zulegte.
Ist der Franken also gar nicht überbewertet, wie die SNB behauptet? Macht der Big Mac Index überhaupt Sinn?
Nehmen wir an, der Wert des Frankens steige um 10 Prozent. Dies hat zur Folge, dass der Big Mac in Franken bewertet um 10 Prozent fällt und der Dollar ebenfalls. Für einen US-Amerikaner, der in Dollar rechnet, ergibt sich damit folgende Rechnung:
Für den Schweizerfranken muss er jetzt 10 Prozent mehr bezahlen. Dafür muss er 10 Prozent weniger bezahlen für den Big Mac in Schweizerfranken. Das gleicht sich per Saldo aus.
Mit anderen Worten: Der Big Mac Index und damit die Kaufkraftparitäten-Theorie ergeben keinen Sinn. Wenn der Big Mac in der Schweiz in Dollar umgerechnet teurer ist als in den USA, so liegt die Ursache keineswegs in einer zu hohen Bewertung des Frankens.
Eine solche Überbewertung des Frankens wäre aus dem Preis eines Schweizer Big Macs in US-Dollar gar nicht ersichtlich: Eine allfällige Überbewertung des Frankens führt sowohl zu einem tieferen Preis des Big Macs in Franken und zugleich zu einer Höherbewertung des Frankens gegenüber dem Dollar. Das gleicht sich aus.
Erstaunlich ist, dass selbst eine OECD dem Denkfehler der Kaufkraftparitäten-Theorie aufgesessen ist und behauptet, der Schweizerfranken sei aufgrund dieser Theorie überbewertet.
Auch der jüngste Kursrückgang des Frankens gegenüber Dollar und Euro von wenigen Rappen in den vergangenen Wochen und Tagen vermag die Kaufkraftparitäten-Theorie nicht zu verifizieren.
Tatsache ist, dass der Dollar seit Freigabe der Wechselkurs im Jahre 1973 (vor 40 Jahren) um fast 80 Prozent gefallen ist und der Euro seit seiner Emission (vor 13 Jahren) um über 20 Prozent.
All diese Jahre war die SNB überwiegend in Dollar und Euro investiert. Sie schadete damit nicht nur der Schweizer Volkswirtschaft, indem sie hunderte von Milliarden Franken Kaufkraft ins Ausland abführte – sie verspielte auch über 100 Milliarden Franken Volksvermögen mit Devisenverlusten.
Die Entwicklung an den Devisenmärkten belegt eindrücklich, dass der Franken langfristig real an Wert gewinnt. Die Ursache liegt darin, dass unser Land politisch stabil ist und die Währung als „sicherer Hafen“ gilt.
Zudem steigen aufgrund der Knappheit die Bodenpreise und damit die Kosten beispielsweise eines McDonalds Restaurants in Zürich. Auch die höheren Löhne und Sozialausgaben der Angestellten verteuern den Big Mac in Zürich.
Ferner kommen in einer Marktwirtschaft die Preise durch Angebot und Nachfrage zustande – d.h. nicht nur durch die Produktionskosten des Anbieters, sondern ebenso durch den Nutzen der Nachfrager.
Konkret heisst das: In Zürich kann der Konsument eines Big Macs in unmittelbarer Nähe des McDonald’s Restaurant einer produktiven, hochbezahlten Arbeit nachgehen. In Athen oder Warschau ist das schwieriger.
Seine Opportunitätskosten sind somit in Zürich viel höher als in Athen oder Warschau. Deshalb ist er bereit, für einen Big Mac in Zürich mehr zu bezahlen als in Athen oder Warschau.
Der Big Mac Index beziehungsweise die Kaufkraftparitäten-Theorie ergibt somit nicht den geringsten Sinn. Sie ist das Papier nicht wert, auf der sie niedergeschrieben ist.
Tragisch ist nun, dass unsere Nationalbank hingeht und aufgrund einer solch irrigen Theorie hunderte von Milliarden Franken Staatsschulden aufnimmt und diese in sogenannte „unterbewertete“ Währungen investiert.
Die jüngste technische Abschwächung des Frankens ist ein Geschenk des Himmels für unsere Nationalbank. Aber leider ist aufgrund der Unbelehrbarkeit und „Unfehlbarkeit“ unserer Nationalbank davon auszugehen, dass sie ihre Chance nicht packt.
Aufgrund des Big Mac Indexes beziehungsweise aufgrund der Kaufkraftparitäten-Theorie meint die SNB, Dollar und Euro würden gegenüber dem Franken weiter massiv an Wert zulegen – und dann winkten fette Gewinne.
Die Kontrolle über unsere Nationalbank, sprich Bundesrat, SNB-Bankrat und Parlament, hat versagt.