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Ich habe Xylit im November 2011 an einer Veranstaltung in München kennengelernt und war sofort davon begeistert. Ein Zucker-Ersatz, der nicht nur aussieht wie Zucker, sondern auch dieselbe Süsskraft hat und darüber hinaus den Geschmack von Speisen und Getränken nicht verändert – mal abgesehen von der erwünschten Süsse! Das passte mir sehr, da ich schon oft versuchte, Zucker durch etwas "gesünderes" zu ersetzen. Leider hatte ich bis dahin nichts gefunden, was mir in allen Belangen passte. Dies änderte sich zum Glück im Herbst 2011.
Begeisterung
Ich war wirklich sehr davon begeistert, bis ich versuchte, es irgendwo in der Schweiz zu kaufen. Dies überraschte mich sehr und ich verstand nicht, weshalb es diesen hervorragenden Zucker-Ersatzstoff nicht überall zu kaufen gab. Ich suchte in diversen Fachgeschäften, doch es war nicht so einfach, es zu finden. Schliesslich konnte ich ein Produkt in einer Drogerie in Zürich bestellen.
Nach intensiven Nachforschungen über Eigenschaften und Herstellung von Xylit, entstand die Idee, Xylit selber anzubieten. Doch unter welchem Namen und welchem Label?
Namensfindung
Xylit als Produktenamen zu nehmen wäre naheliegend gewesen, gefiel mir jedoch nicht besonders, da es "chemisch" tönt. Eine andere Möglichkeit wäre gewesen, den Produktenamen mit dem Begriff „Birkenzucker“ zu kombinieren, da ich bereits Produkte mit diesem Namen auf dem europäischen Markt fand. Der Begriff "Birkenzucker" kommt aus der Zeit des 2. Weltkrieges und entstand in Finnland. Abgeschnitten vom Welthandel mussten die Finnen innovativ sein um überleben zu können. Unter anderem war auch der Import von Zucker (damals zur Hauptsache aus mittelamerikanischen Zuckerrohrplantagen hergestellt) nicht mehr möglich. Einige Personen erinnerten sich an eine Entdeckung, welche Ende des 19. Jahrhunderts von einem Deutschen Forscher gemacht wurde, nämlich die Herstellung eines Süssstoffes aus Holz. Sie verwendeten hierzu Birkenrinde und dies führte dann zum Begriff "Birkenzucker". Somit war "Birkenzucker" ein Favorit für die Namensgebung unserer Produkte.
Xylit aus Laubbäumen
Durch meine Nachforschungen erfuhr ich, dass Xylit überwiegend aus Maisabfällen sowie auch aus Baumrinde hergestellt wurde. Die Herstellung aus Mais findet auch heute noch überwiegend in China statt, wo es grosse Monokulturen gibt. Xylit aus Baumrinde wird in Nordamerika sowie Europa hergestellt.
Ich entschied mich für Xylit aus Baumrinde, nicht weil Xylit aus Mais schlechter ist, sondern weil mir Bäume einfach sympathischer sind. Zudem müssen in Mais-Monokulturen viele Pestizide verwendet werden, was mir nicht passte. Ganz zu schweigen von der steigenden Anzahl gentechnisch veränderten Maisplfanzen. Als ich dann zu Beginn 2012 meine ersten 500kg Xylit kaufte, erfuhr ich, dass das entsprechende Xylit nicht nur aus Birken- sondern auch aus Buchenrinde hergestellt wurde.
Täsuchende Namensbezeichnungen
Da also das Xylit nicht nur aus Birken sondern auch aus Buchen hergestellt wurde, kam für mich eine Bezeichnung mit "Birkenzucker" nicht mehr in Frage, entsprach es doch nicht dem tatsächlichen Inhalt. Bei der Internetsuche fand ich heraus, dass es im deutschsprachigen Raum leider viele Anbieter gibt, welche Ihre Produkte mit "Birkenzucker" anpreisen, obwohl sie oft denselben Hersteller haben wie ich (es gibt nur einen wirklich grossen Xylithersteller aus Bäumen in Europa). Was mich noch mehr schockierte war der Umstand, dass sogar Birkenzuckerprodukte angepriesen wurden, bei welchen im Kleingedruckten stand, dass das Xylit aus Mais hergestellt sei!
Ich verstehe nicht, wie die oft sehr strengen Lebensmittelämter solche Proudktnamen nicht vom Markt nehmen lassen. Diese Namensverwendung betrachte ich persönlich als Täuschung am Konsumenten.
Korrekter Produktname
Mein Anliegen war und ist es, dass ein potentieller Kunde sofort erkennen kann, was in meinem Produkt enthalten ist, und woraus es hergestellt wurde. Der erste Name, der aus diesen Erkenntnissen entstand, war Baumzucker, welchen ich beim Amt für geistiges Eigentum als Marke anmelden liess. Im Zusammenhang mit dem kantonalen Labor Zürich für die Überprüfung der korrekten Auslobung (Bezeichnung für die gesetzlich vorgeschriebenen Informationen auf einem Produkt) wurde ich jedoch darauf hingewiesen, dass das Wort "Zucker" eine Sachbezeichnung ausschliesslich für Saccharose (Haushaltszucker) sei. Da Xylit zwar zur "Familie" der Zucker, jedoch nicht zur Saccharose-Gruppe gehört, sondern chemisch zu den sog. mehrwertigen (Zucker)Alkoholen gezählt wird, wurde ich darauf hingewiesen, das Wort Zucker nicht in meinem Produktnamen zu verwenden. Dies führe früher oder später zu rechtlichen Problemen. Zuerst widerstrebte mir der Gedanke, den Namen zu ändern, da ich diesen sehr treffend fand, war es für mich doch klar ein Ersatz für Zucker. Mit der Zeit besann ich mich jedoch anders und taufte das Produkt "Baum-Süsse".
Markenschutz
Ein passendes Logo fand ich auch sehr rasch und nach wenigen Wochen war das Label da. "Baum-Süsse" ist eine registrierte Marke.
Missverständnisse beim Namen
Was ich damals jedoch nicht wusste, war der Umstand, dass Menschen aus Deutschland mit "Baum-Süsse" nicht viel anfangen können, da sie "Baum-Süsse" schreiben würden. Meine Schreibweise (Schweizerisch) führt bei Deutschen zu einer anderen Aussprache und assoziert zu Nüssen und nicht zu Süsse. Dies führte immer wieder zu Missverständinssen.
Namensänderung
Im Zuge mit einer vollständigen Umgestaltung meiner Verpackungen im 2018/19 (weg von Plastik zu nachhaltiger Verpackung) habe ich mich auch für einen Namenswechsel entschieden. Mittlerweile ist Xylit bereits bei viel mehr Menschen ein Begriff und mich persönlich stört der "chemische" Klang nicht mehr. Da ich gleichzeitig meine Etiketten auf Deutsch und Französisch änderte, entschied ich mich für die beiden sprachlich bedingten Schreibweisen: Xylit und Xylitol, ergänzt durch den Zusatz "Zuckerersatz aus Birken und Buchen". Somit ist für einen potentiellen Kunden sofort erkennbar, was und woraus das Produkt hergestellt ist.