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Scientology
Im Jahre 1950 erschien in Amerika das Buch «Dianetics – The modern Science of Mental Health». Verfasser war L. Ron Hubbard (1911–1986), der zuvor schon als Science Fiction Autor bekannt war. Er gründete im gleichen Jahr die Hubbard Dianetics Research Foundation, Los Angeles. 1952 wurde die Hubbard Association of Scientologists International gegründet, 1954 gründeten Anhänger von Hubbard die erste Scientology Kirche. L. R. Hubbard hat 1966 die Leitung der Kirche abgegeben. Heute steht ein dreiköpfiger Vorstand an der Spitze der streng hierarchisch organisierten Church of Scientology International. Etwa 1970 begann die Tätigkeit der Scientology Church in Deutschland und bald auch in der Schweiz.
«Dianetics», abgeleitet vom griechischen «dia» (durch) und «nous» (Seele), bezeichnet in der Deutung der Scientologen das, «was die Seele dem Körper via Verstand antut». «Scientology» bedeutet «Lehre vom Wissen».
Scientology versteht sich als angewandte religiöse Philosophie. Anleihen beim Buddhismus, bei anderen Religionen, bei der Psychoanalyse, bei der Psychiatrie und verschiedenen populären Philosophien sind augenfällig. Der Mensch, so wird unter Verwendung selbstgebildeter Ausdrücke gelehrt, ist ein Geistwesen, ein Thetan, das einen Verstand und einen Körper hat. Dieses, sein eigentliches Wesen ist jedoch vielfach getrübt. Die meisten Menschen befinden sich im Zustand des «Preclear» (vielleicht könnte man übersetzen: im Zustand eines «ungeklärten Wesens»). Es ist wichtig und nötig, dass sie sich von Geschehnissen, die mit Schmerz und Bewusstlosigkeit (oder mit Schmerz und reduziertem Bewusstsein) verbunden sind oder waren, von den sog. «Engrammen», befreien. Damit öffnet die Scientology nach ihren eigenen Aussagen den Weg zur Befreiung. Ziel ist zunächst der «Clear» (der gänzlich «geklärte» Mensch) bzw. auf höherer Stufe der Ope- rating Thetan (OT).
Um ihre Lehren an die Leute zu bringen, investiert die Scientology Church viel Zeit und sehr viel Geld für eine unermüdliche Werbung (Ansprechen auf der Strasse, Einladen zu einem «Persönlichkeitstest», Literaturverkauf, Inserate, Flugblätter). Das Angebot für Interessenten und Mitglieder setzt sich vor allem aus einem für Aussenstehende komplizierten System von einigen Dutzend oft recht teuren Kursen zusammen. Zum Kursbesuch gehört das sog. «Auditing», eine Art Gespräch zwischen dem «Auditor» (Lehrenden) und dem «Preclear» (Schüler). Als Hilfsgerät dient der «Hubbard-Elektro-Meter». Dieses Gerät sei dazu geeignet, so wird gesagt, beim Menschen Strömungen (elektrische Energien) geistiger Art und damit die inneren Widerstände auf dem Weg zum Ziel des «Clear» zu messen. Hat jemand durch viel Einsatz, durch Kursbesuche und «Auditing» den Stand des «Clear» erreicht, so ist er noch nicht am Ziel. Er wird zum Weiterschreiten auf «der Brücke zur völligen Freiheit», d.h. zum Besuch weiterer Kurse aufgefordert. Oberhalb des Zustandes Clear kann das Mitglied sich weitere sog. OT-Stufen erarbeiten. (OT ist «Operating Thetan»; der Thetan beginnt sich seiner wahren Fähigkeiten bewusst zu werden und sie wahrzunehmen.)
Ein «Clear» wird in der Sprache der Scientology von seinem reaktiven Mind, d.h. dem Teil des Verstandes, der Erlebnisse mit Schmerz und Bewusstlosigkeit speichert, nicht mehr negativ beeinflusst. Der OT erlangt in scientologischer Sicht seine eigene Persönlichkeit vollständig zurück. Seine Fähigkeiten werden rehabilitiert. Er wird frei vom endlosen Kreislauf von Geburt und Tod und gewinnt einen Zustand vollkommener Bewusstheit als geistiges Wesen. Kurz – OTs müssen sich, ähnlich wie die Erleuchteten im Buddhismus, nicht mehr inkarnieren. Aber sie verkörpern sich wie die Bodhisattvas freiwillig und gerne wieder in dieser Welt.
Scientology sieht sich als Kirche, aber nicht im christlichen Sinn. «Sonntagsandachten» werden – nach Angaben der Scientology – in jeder Kirche wöchentlich angeboten, spielen aber keine zentrale Rolle. Eigentliche Gottesdienste kennt Scientology nicht. In den Andachten wird Scientology erläutert, nicht Gott verehrt. Geistlicher kann jeder Auditor werden, der den mehrwöchigen Minister-Kurs absolviert hat und der bestimmte ethische Kriterien erfüllt. (In der Schweiz wirken z.Z. ca. 15 ordinierte «Geistliche».)
L. R. Hubbard hat seine geistige Technik dem Religious Technology Center vermacht, einer eigenständigen Körperschaft, die für die korrekte Anwendung seiner Lehre einsteht. Das Religious Technology Center steht «innerkirchlich» über der Church of Scientology International, sein Vorsitzender David Miscavige gilt als eigentlicher Leiter der Scientology-Organisation. Von den Mitarbeitern auf den verschiedenen Stufen wird weitreichende Ein- und Unterordnung verlangt.
Im Umfeld der Scientology Church bestehen verschiedene eigenständige Vereine und Organisationen, in deren Vorstand teilweise Scientologen mitarbeiten und die sich an die Techniken (Methoden) L. Ron Hubbards halten. Es sind vor allem folgende Vereine und Organisationen (Auswahl):
Narconon als Drogenrehabilitations-Organisation, z.Z. mit Rehabilitationsstätten in Bex bei Lausanne und Itzehoe, Deutschland, sowie einem Infozentrum in Zürich.
ZIEL = Zentrum für individuelles und effektives Lernen – zur Einführung in die Hubbard Studiermethode. Mitglieder von ZIEL führen auch eine Privatschule in Zürich.
Bürgerkommission für Menschenrechte, in Deutschland bekannt unter dem Namen Kommission für Verstösse der Psychiatrie gegen Menschenrechte.
WISE = World Institute of Scientology Enterprises mit Sitz in Los Angeles, vermittelt zahlreichen Firmen, auch in der Schweiz, in Deutschland und Österreich, Information und Beratung zum Thema Verwaltung aus der Sicht Hubbards.
Verein „Der Weg zum Glücklichsein“.
Die New Era Publications publiziert die Werke L.R. Hubbards.
Die Scientology-Organisation finanziert sich nur zu einem kleinen Teil über die Mitgliederbeiträge der einzelnen Scientologinnen und Scientologen. Wesentlich bedeutsamer sind die Kursgebühren, die für höhrere Kurse in die Tausende Franken gehen können, sowie die Spenden, zu welchen die Scientology-Anhängerschaft aufgefordert wird.
Personen, welche für Scientology arbeiten („staff“ sind), erhalten die Kurse gratis, empfangen aber für ihre Tätigkeit nur einen vergleichsweise bescheidenen Lohn. Ehemalige berichten regelmässig von immensen Arbeitspensen und einem ausgeprägten Druck bezüglich Steigerung der Arbeitsleistung.
Statistik: Die offiziellen Angaben der Scientology Church weichen wesentlich von den inoffiziellen Angaben von kritischen Beobachtern ab.
Weltweit rechnen Fachleute mit ca. 100 000 aktiven Scientologen.
In der Schweiz existieren fünf „Kirchen“ oder Orgs, d.h. selbständige Scientology-Zentren: Basel, Bern, Genf, Lausanne, Zürich. Daneben finden sich in der Schweiz zur Zeit sechs „Missionen“, kleinere Einheiten, die einer „Kirche“ resp. Org unterstellt sind: Bellinzona, Glattbrugg, Lugano, Luzern, Renens, Zug. Missionen werden nicht selten unter grosser Beteiligung der lokalen Presse eröffnet, um dann nach ein paar Monaten oder Jahren sang- und klanglos wieder geschlossen zu werden.
Scientology spricht in der Schweiz von 5’000 – 6’000 Anhängern. Aus Sicht Ehemaliger und aussenstehender Fachleute finden sich in der Schweiz zur Zeit nur 700 – 800 aktive Scientologen.
Entwicklungstendenz: Die zahlenmässige Entwicklung von Scientology in der Schweiz fand ihren Höhepunkt ums Jahr 1990 mit ca. 3’000 aktiven Scientologen. Seither hat die Zahl aktiver Scientologen in der Schweiz kontinuierlich abgenommen.
Die Scientology-Organisation gilt, mindestens im deutschen Sprachraum, als eine der umstrittensten Gemeinschaften überhaupt. Die Organisation findet sich regelmässig an der Spitze der Anfragenlisten von sog. Sektenberatungsstellen, und die Zahl kritischer Ehemaligenberichte in der Öffentlichkeit, z.T. auch von prominenten und hochrangigen Ex-Mitgliedern, ist bei keiner anderen Gemeinschaft so hoch.
Unter anderem folgende Punkte werden in der Diskussion um Scientology öfters kritisch angemahnt:
Das Menschenbild der Scientology, das von einer computer-ähnlichen Vorstellung des menschlichen Geistes mit einer unbeschränkten, fotografischen Erinnerungsfähigkeit ausgeht, entsprach zum Gründungszeitpunkt der Scientology Mitte des 20. Jahrhunderts Theorien, die damals in den Fachwissenschaften diskutiert wruden. Inzwischen ist dieses Menschenbild aber durch die neurologische und psychologische Forschung überholt und veraltet.
Die Kursgebühren der Scientology wurden für viele Mitglieder zum Problem. Zahlreiche ehemalige Scientologen berichten davon, zwecks Finanzierung der Kurse zur Aufnahme von Krediten motiviert worden zu sein.
Scientology hat in der Vergangenheit einen unzimperlichen Umgang mit Kritikern geübt, so wird von Überwachung und Einschüchterungsaktionen berichtet. Im Werk von L. Ron Hubbard finden sich Passagen, in welchen der Scientology-Gründer ein hartes Vorgehen gegenüber Kritikern rechtfertigt.
Die Vielzahl der mit Scientology verbundenen Vereinigungen erweckt den Eindruck von sog. Tarnorganisationen, welche Menschen für Scientology gewinnen sollen, ohne dass der Bezug zu Scientology unmittelbar klar würde.
Scientology verfolgt das Ziel, die ganze Welt zu „klären“, d.h. nach scientologischen Vorstellungen umzugestalten. Scientology-Projekte wie „Clear Switzerland“ haben eine Durchdringung so gut wie aller gesellschaftlichen Bereiche mit Scientology beabsichtigt.
Im Buch Dianetik, welches für Scientology immer noch eine wesentliche Grundlage bildet, werden Homosexuelle diskriminiert, indem sie als Perverse, als Kranke und als Gefahr für die Gesellschaft dargestellt werden.
Church of Scientology International
6331 Hollywood Blvd
Los Angeles, CA 90028
USA
Tel.: +1 323-960-3500
www.scientology.org
Scientology Kirche Basel
Burgfelderstrasse 215
CH-4055 Basel
Tel.: +41 (0)61 307 27 27
www.scientology-basel.org
Scientology Kirche Bern
Mühlemattstrasse 31
CH-3000 Bern 14
Tel.: +41 (0)31 372 41 40
www.scientology-bern.org
Scientology Kirche Zürich
Freilagerstr. 11
CH-8047 Zürich
Tel.: +41 (0)1 405 91 11
www.scientology-zurich.org
Kritische Websites:
Aufklärungsgemeinschaft über Scientology und Dianetik AGSD
www.agsd.ch
Tilman Hausherrs Website zu Scientology
www.home.snafu.de
Ingo Heinemann: Scientology-Kritik
www.agpf.de