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Der Lebenszyklus einer Hornisse (Vespa crabro) Der Lebenszyklus einer Hornisse (Vespa crabro)
Sobald die Aussentemperaturen steigen und es mehr als 10 Tage über 15 Grad bleibt, beendet die Hornissen-Königin die Überwinterungsphase und wacht langsam aus der Winterstarre auf.
Sobald sie ihren geschützten Ort verlassen hat, stärkt sie sich mit nahrhaften Pflanzensäften und Blütennektar, ebenso Fliegen und Bremsen. Die eiweisshaltige Nahrung spornt die Eiproduktion an.
Nach ein paar Tagen Nahrungssuche und Stärkung sucht sich die Königin einen sicheren Platz für das zukünftige Nest – den Hornissen-Staat.
Dies kann eine Spechthöle, Vogelnistkasten, Dachboden, Storen Nische oder Rollladenkasten sein. Der Nestbau kann nach der anstrengenden Futter- und Standortsuche beginnen.
Die Marathon-Arbeit der Königin kann beginnen:
Der Nestbau
Als erstes wird eine Art Zapfen gebaut. Dieser wirkt stark und fest wie eine Säule und dient zur Aufhängung der ersten Zellen. Durch ständige Erweiterung entsteht eine erste Wabe. Etwa 5-10cm gross.
Um diese Wabe herum wird so schnell als möglich eine erste Aussenhülle gebaut, die das Nest, insbesondere die Brut, vor Temperaturschwankungen schützen soll. Der Brutraum wird dann von der Königin durch Muskelzittern erwärmt. Die Aussenhülle speichert die Wärme.
Die Bruttemperatur wird allein von der Königin so gut es geht konstant aufrechterhalten.
Je wärmer das Frühjahr, desto einfacher und weniger energiefressend kann die Königin arbeiten.
Nach wenigen Tagen der Eiablage schlüpfen die Larven und müssen gefüttert werden. An diese Aufgabe wird die Königin ständig erinnert, da die grösseren Larven mit den Kiefern an ihren Zellenwänden nach Futter kratzen.
Rund einen Monat nach Eiablage schlüpfen dann die erwachsenen Wespen oder Hornissen. Fortwährend werden Eier gelegt, Larven gefüttert, Zellen gebaut und Futter eingetragen.
Nach rund zwei Wochen verpuppen sich die Larven und verwandeln sich im Prozess der Metamorphose zum Vollinsekt.
In der ersten Zeit werden ausschliesslich Arbeiterinnen (unfruchtbare Weibchen) geboren. Diese sichern den sozialen Staatsbetrieb durch folgende Aufgabenverteilung ständig ab:
- Innendienst: Zellenbau, Brutpflege, Säuberung und Königinnenschutz
- Aussendienst: Futtersuche, Verteidigung, Materialsuche, Temperaturregelung
Ab diesem Zeitpunkt haben wir einen echten Sozialstaat. Einer kümmert sich um den Anderen, Alle leben für die gleiche Sache.
Die Königin kann sich ab jetzt voll und ganz auf das Eierlegen konzentrieren und ist nun die wahre Herrscherin im Hornissen-Staat.
Mit heranwachsender Nestgrösse wird ein höchst entwickeltes Klimaholzhaus hergestellt.
Es entsteht ein Meisterwerk der Ingenieurskunst in Sachen Stabilität und Platz- und Materialaufwand. Durch die vielen Wandschichten und Lufttaschen wird der Brutraum vor zu grosser Hitze und Kälte geschützt. Zusätzlich können jedoch die Arbeiterinnen durch das Eintragen von Wasser und dem Versprühen dessen durch Flügelschlag auf der Wabenoberfläche abkühlen oder an kalten Tagen durch Muskelzittern Wärme erzeugen, sodass im Durchschnitt im Brutraum ca 30° Grad herrschen.
- Besonderheiten
Wird ein Nest zu klein – wird eine Filiale gebaut.
Ab diesem Zeitraum werden nun grosse Zellen für die Geschlechtstiere (junge Königinnen und Männchen) gebaut. Die Königin wird gedrängt jetzt noch mehr Eier abzulegen. Nun ist eiweissreiche Kost (Fleisch) noch wichtiger für die Larven. Die Arbeiterinnen sorgen jetzt täglich für viel Insektenfleisch. Sie erbeuten bis zu 90% unterschiedlicher Fliegen, Bremsen, Heuschrecken, Käfer, Wespen und andere Insekten – befreien diese von Beinen, Kopf und Flügeln und bringen das Futterpaket zu den hungrigen Larven. Der Hornissenkönigin wird auch tierische Nahrung gereicht, denn sie braucht diese zur Eiproduktion.
Die Arbeit im Staat bedeutet auch viel Energieverbrauch, diesen decken sie durch aus der Natur gewonnen kohlenhydrahthaltigen Pflanzensaft von Blüten oder bei Hornissen bekannt das abschälen dünner Äste (sogenanntes Ringeln) und Aufnahme des Baumsaftes sowie der Honigtau der Blattläuse. Hierbei leisten sie ebenfalls passiv Bestäubungsarbeit. Auch der Mensch kann Hornissen bei der Nahrungsaufnahme unterstützen. Siehe rückblickend unsere Ablenkfütterungen.
Auf diesem Bild sehen Sie ein schönes Hornissen Nest mit Aussenhülle. Jede anders gefärbte Linie, die Sie erkennen und somit die typische Farbstruktur ergibt, stellt jeweils einen mühevollen Arbeitsgang einer Hornissenarbeiterin dar. Zu diesem Zweck fliegen sie aus und holen morsches Holz, zerkauen dieses, speicheln dieses ein und setzen den Holzbrei papierdünn an. So entsteht nach und nach das Wunderwerk.
Wird ein Neststandort zu eng, weil die Königin im Frühjahr einen für sie klimatisch perfekten aber für ein grosses Nest zu kleinen Raum gewählt hat, können Hornissen eine Filiale bauen. Das ist eine Besonderheit der Hornissen.
Ab September dreht sich alles nur noch um die geschlüpften oder schlüpfenden Geschlechtstiere. Das Volk sorgt dafür, dass die Geschlechtstiere optimal versorgt werden, sodass diese zum Hochzeitsflug das Nest verlassen können. Nach und nach wird die Altkönigin von ihren Arbeiterinnen gepiesackt. Die hat ihre Aufgabe erfüllt und wird letztlich bis Ende September den Schwächetod finden.
Eine Hornissenkönigin legt zum Höhepunkt etwa 40 Eier am Tag. Sie hat in ihrem Leben dafür Sorge getragen, dass ca. 2000-4500 Eier gelegt wurden. Nur durch ihren Lebenseinsatz kann die Art erhalten werden.
Einen herzlichen Applaus für diese Glanzleistung.
Die Larven im Nest werden nicht mehr gefüttert – sie werden aus den Zellen gezerrt und zum Teil gefressen.
Die Nester der Hornissen sind je nach örtlicher Gegebenheit (Wärme/Kälte) bis Anfang November leer. Die befruchteten Königinnen suchen sich ein geeignetes Versteck in der Natur, zum Beispiel:
- Eingegraben in der Erde
- unter der Rinde von Bäumen
- wischen gelagerten Holzscheiten oder ähnlich geschützten Stellen.
In dieser sogenannten Winterstarre ist die Hornissenkönigin völlig wehrlos. Sie kann ein natürliches Frostschutzmittel entwickeln und somit auch kalte Winter sehr gut überstehen. Durch ihre Wehrlosigkeit fällt sie jedoch diversen Fressfeinden oder anderen biologischen Gefahren (Bakterien oder Pilze) zum Opfer. Es herrscht eine hohe Mortalitätsrate. Etwa 90% der Hornissen- und Wespenköniginnen überleben den Winter nicht.
Es ist ein Irrglaube, dass warme Winter für das Folgejahr ein hohes Wespenaufkommen verspricht. Warme Winter lassen die Königinnen verhungern, da der Energieumsatz hoch bleibt und nicht herabgesenkt werden kann wie in kalten Wintern.
Mit dem Erwachen im warmen Frühjahr schliesst sich der Lebenszyklus des Hornissenstaates.
Fortan fängt das Leben und Überleben sowie die Erhaltung der Art auch von uns Menschen ab. Wir können gut mit Wepsen und Hornissen leben und dem Insektensterben entgegenwirken.