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Die Festung von Rietberg gehört zu denjenigen, die das Mittelalter überlebt haben und in moderne Landsitze umgewandelt worden sind. Bis zur heutigen Zeit wurde sie bewohnt. Gewaltige Renovationen haben dem Schloss Rietberg den grössten Teil seiner mittelalterlichen Substanz weggenommen. Es steht auf einer Felsenspore, die über einen tiefen Graben liegt. Das Schloss war an der Bergseite durch einen Graben eingekreist, der den Nordostsektor der Grundfläche des Schlosses abgedeckt haben muss. Erdaufschüttungen und Planierungsarbeiten neuen Datums liessen jede Spur dieses Grabens verschwinden.
Der massive Wachtturm im Zentrum des Schlosses hat die meisten mittelalterlichen Elemente beibehalten, obwohl sein Inneres wie auch er selbst im Laufe der Zeiten renoviert wurden ist. Die unteren Stockwerke des Wachtturmes sind im 17. Jahrhundert erneuert worden. Und mit ihnen, so scheint es, wurde das gesamte mittelalterliche Schloss in einen Patriziersitz, ähnlich denen zu Beginn der modernen Zeiten, umgewandelt. Die innere Einrichtung des Behausungskörpers mit Gewölbe, Wappen und einen Schornstein in Stuck, datiert aus dem 17. Jahrhundert. Der Rittersaal mit seinem barocken Stil wurde gegen 1700 erbaut. Die Holztäfelung, reich an Skulpturen, die den Westteil der Behausung schmückt, stammt aus demselben Zeitalter.
Mit seinen dekorierten Schiessscharten, die keinerlei Verteidigungsqualitäten aufweisen, kreist die aktuelle Umfriedungsmauer den Hof des Schlosses ein. Sie datiert zurück ins 17. Jahrhundert. Das ursprüngliche Ausmass der damaligen Ringmauer bleibt bis heute verborgen.
Die Anfänge des Schlosses von Rietberg bleiben im Dunkeln. Der Turm, die älteste Konstruktion des derzeitigen Schlosses, wurde vermutlich um das Jahr 1200 errichtet. Auch die Ursprünge der Familie, die gemäss Dokumenten aus dem 13. und 14. Jahrhundert den Namen von Rietberg trug, bleibt somit offen. Die Barone von Rietberg waren von den Ministeriellen Herrschaften von Sax-Misox und von den Bischöfen von Chur abhängig. Ausser der kleinen Herrschaft von Rietberg besassen sie Ländereien und Rechte in Schams, in Chur und in Oberhalbstein. Schliesslich übten sie die bischöfliche Rechte in Oberhalbstein und in Oberengadin aus.
Als die männliche Linie der Familie gegen 1340 auszusterben drohte, versuchte Jean de Rietberg, der letzte männliche Nachkomme, durch einen Vertrag nicht nur seine Hinterlassenschaft, sondern auch die Frage der Wartung, seiner Ehefrau und ihrem unehelichen Sohn zu übergeben. Kurz vor seinem Tod hinterliess er dem Kapitel von Chur sein Pferd und seine Waffen, um die jährliche Messefeier zu gewährleisten.
Er starb in 1349. Trotz aller Vorsichtsmassnahmen, die er ergriffen hatte, verursachte seine Hinterlassenschaft einen Konflikt, der vermutlich mehr als zehn Jahre dauerte. Dem Bischof gelang es, die testamentarische Übertragung des Schlosses von Rietberg an den Onkeln von Jean, den Landenbergern zu durchkreuzen, indem er diese dazu brachte in 1353 eine Verzichtserklärung zu unterschreiben. Andere Erben erhielten lange noch ihre Forderungen aufrecht; schliesslich wurden sie vom Bischof entschädigt.
Sobald das Schloss Rietberg zum Bischof gelangte, wurde es im Komplex der Bischofsgüter von Domleschg eingeschlossen. Ein Vogt residierte dort zeitweilig. Aber die bereits vor 1400 begonnene lange Reihe von Verpfändungen liess dem Bischof die Herrschaft kosten.
Sicherlich versuchten die Bischöfe anfangs noch ihre Rechte auf das Schloss beizubehalten, indem sie die Inhaber des Pfandes zwangen, auf die gute Wartung des Schlosses zu achten, das ihnen immer zugänglich bleiben musste. Aber, da die Verpfändungssumme immer mehr zunahm, wandelte sich das Pfand mit der Zeit in Eigentum um.
Nach den verschiedenen Besitzerwechseln, die Ende des Mittelalters stattfanden, wurde Rietberg in 1530 zum Eigentum von Antoine von Travers. In 1554 verkauften dessen Kinder das Schloss und die Herrschaft an Herkules von Salis, ein Graubündner Kapitän in Valteline. Das Eigentum wurde in 1617 zwischen den Salis und Pompée von Planta, dem Schwager des Sohnes von Herkules von Salis, geteilt. Vier Jahre später während der Unruhen in Graubünden, wurde Pompée von Planta durch Jurg Jenatsch und seinen Mittätern getötet.
Die Eigentumsrechte von Rietberg wurden zwischen den zwei Patrizierfamilien Buol und von Plante bis in 1758 übertragen, ein Datum, an dem die Buol den Teil von Plante erwarben und so die ursprüngliche Einheit ihrer Güter wiederherstellten. Heute noch gehört das Schloss von Rietberg Privatpersonen.
Bibliographie