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Der Kampf um Anerkennung: Ordnung als Rangordnung
Ein grundlegendes soziales Organisationsprinzip der Universität als Korporation bildeten die zahlreichen Formen der Rangordnung.
Angefangen vom Rektor an der Spitze gliederte sich die Universität über die vier Fakultäten von Theologie, Jurisprudenz, Medizin und Philosophie bis hin zu den einzelnen Ämtern der sogenannten Universitätsverwandten wie Reit-, Fecht- und Tanzlehrern, Schullehrern oder Pfarrern in streng hierarchischer Abfolge.
Die Präzedenz, dass heißt die Frage, wer vor oder neben wem ging, stand oder saß, führte dabei über Jahrhunderte immer wieder zu unzähligen Streitigkeiten.
Neben unterschiedlichen Machtfeldern und Graden war es vor allem die Hierarchie der Fakultäten, die immer wieder zum sprichwörtlichen Streit der Fakultäten führte. Eine dezidierte Kritik an dieser Hierarchie übte der Mathematiker Jakob Bernoulli in einem Memorial, das er 1691 anonym dem Rat einreichte.
Bernoulli fragte: „Ob nicht die Ungleichheit der salariorum und der Unterschied des Sitzes nach den Gradibus und Fakulteten zum Theil eine große Ursach gewesen, dass es bisher so liederlich hergegangen, angesehen das Interesse und die Ambition der Leuthen so groß, dass keine mit seiner Profession, wenn er sie schon mit Lob hat versehen können, zufrieden gewesen, sondern allzeit nach einer feißeren und höheren, dazu er nicht so tüchtig war, aspirirt; item dass ein anderer, so noch nicht Professor war, nicht erwarten hat können, biß eine ihme anstendige vacierend geworden, sondern indessen eine andere, dazu er gar nicht tauglich gewesen, angenommen, nur damit er desto leichter acceß zu den übrigen hatte. Ob derowegen, bei so gestalten sachen, es nicht sehr nutzlich wäre, daß die ungleichheit der salariorum genzlich aufgehebt, auch die Professores hinkünftig nach dem Alter, ohne Unterschied der Graduum und der Fakulteten, locirt werden, wie solches auff allen wohlbestellten Universiteten üblich“.
Bernoulli reflektierte hier das System des sogenannten ‚Aufrückens’ und dessen Auswirkungen auf das institutionelle Arbeitsklima. An einer vormodernen Universität war es nämlich üblich, bei Bedarf und Qualifikation die Karriereleiter von der untersten philosophischen bis zur obersten theologischen Fakultät nach und nach bei Freiwerden einer Position ‚aufzurücken’. Erst im Zuge einer stärkeren disziplinären Verfestigung und Ausdifferenzierung bei gleichzeitiger Formalisierung der Rangverhältnisse im 18. Jahrhundert begnügte man sich - wie etwa Immanuel Kant - damit, auch von seiner Fakultätszugehörigkeit her ein ganzes Leben Philosoph zu bleiben.