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Das alte Rom war eine krude Mischung aus Aristokratie
und Demokratie, genau das System, auf das unsere Gesellschaft im 21.
Jahrhundert zusteuert.
Nicht nur bei den Asterix-Fans sind die Römer hoch im Kurs. Sie haben die Menschen fasziniert, seit ihr Reich untergegangen ist. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts schrieb der Engländer Edward Gibbon ein Buch über den Aufstieg und Zerfall des römischen Reiches, das bis heute als epochal gilt. Es hat unzählige Nachfolger gefunden.
Das jüngste Geschichtsbuch über die Römer stammt von der Cambridge-Historikerin Mary Beard und heisst «SPQR». Die Abkürzung steht für «Senatus PopulusQue Romanus» oder «Der Senat und das römische Volk».
In der Regel wird die Geschichte Roms als Warnung vor der drohenden Dekadenz missbraucht. Söhne ermorden ihre Väter und begehen Inzest mit ihren Müttern; Nero hat Rom niedergebrannt und Caligula wollte ein Pferd zum Konsul machen, etc. Nun, die Römer waren keine Hippies, aber die Horrorgeschichten sind gemäss Beard übertrieben. Auch in Rom wurde die Geschichte von den Siegern geschrieben, die ein Interesse daran hatten, die Verlierer schlecht aussehen zu lassen.
Im Zeitalter von Donald Trump & Co. und dem Entstehen eines neuen Geldadels ist ohnehin eine ältere Epoche der Römer viel interessanter, die Zeit zwischen 200 vor Christus und den 14 Imperatoren, die mit Augustus begann. Aber der Reihe nach:
Rom war ursprünglich ein Königreich. Nachdem der Königssohn Tarquin die unschuldige Lukretia vergewaltigt hatte, kam es zu Aufstand. Rom wurde eine Art Republik und der Ausdruck König zum Schimpfwort.
Damit begann auch der unaufhaltsame Aufstieg der Römer, der nicht – wie gemeinhin vermutet – mit besonderen militärischen Fähigkeiten zusammenhing, sondern damit, dass sie es meisterhaft verstanden, ihre besiegten Nachbarn für ihre Zwecken einzuspannen. «Es gab nur eine Pflicht, welche die Römer denjenigen, die unter ihre Kontrolle kamen, auferlegten», schreibt Beard. «Nämlich, Truppen für die römischen Armeen zu liefern.»
Mit der Ausdehnung des Reiches stellte sich bald einmal die Frage: Wer ist überhaupt römischer Bürger? Bisher war dieses Privileg den Einwohnern der Ewigen Stadt vorbehalten, allmählich wurde es auf alle römischen Kolonien ausgedehnt.
«Das richtete die Bühne für eine Art von Bürgertum und Zugehörigkeit, das einen gewaltigen Einfluss auf die römischen Vorstellungen von Regierung, politischen Rechten, Ethnizität und Nationalität hatte», schreibt Beard.
Die Römer kannten keine Verfassung und sie waren auch nie eine Demokratie im Sinne von Athen. Demokratie war eine griechische Idee, die den Römer stets fremd blieb. Was sich entwickelte, war eine Mischung aus Monarchie, Aristokratie und Demokratie. Es war gemäss Beard eine «delikate Beziehung von ‹checks and balances› zwischen den Konsuln, dem Senat und dem Volk, und zwar so, dass weder die Monarchie, noch die Aristokratie, noch die Demokratie sich vollständig durchsetzen konnte».
Chancen, an die Schalthebel der Macht zu gelangen, hatte jedoch nur eine kleine Elite. «Die erste Voraussetzung, die für ein politisches Amt qualifizierte, war Reichtum, und zwar auf einer substanziellen Ebene», schreibt Beard.
Ob Konsul oder Senator, sie mussten gewählt werden. «Die Stimmen der Armen waren wichtig und wurden eifrig umworben», stellt Beard fest. «Auch die Reichen waren selten einig, und die Wahlen waren sehr kompetitiv.»
Das Resultat war etwas, das uns heute sehr bekannt vorkommt: Ein permanenter Wahlkampf mit einem riesigen Aufwand an Geld. Beard erzählt die Geschichte des syrischen Königs Antiochus IV: Er lebte als junger Mann lange in Rom und nahm die Sitten der Römer an. Als er in seine Heimat zurückkehrte, benahm er sich für das Empfinden seiner Bürger äusserst seltsam: Er begab sich auf den Marktplatz, schüttelte wildfremden Menschen die Hände und bat um ihre Stimme. Kein Wunder erhielt er das Attribut «durchgeknallt» angehängt.
Nicht die Dekadenz der römischen Imperatoren ist es, vor denen wir derzeit gewarnt werden müssen. Vielmehr ist es die Pseudo-Demokratie, die 200 Jahre vor Christus entstand.
Die Armen konnten niemals an die Spitze der römischen Politik aufsteigen; und es war axiomatisch:
Tatsächlich: Donald Trump, aber auch Hillary Clinton hätten sich im alten Rom wie zuhause gefühlt. Kein besonders tröstlicher Gedanke, wenn man daran denkt, wie dieser Film geendet hat.
(Gestaltung: Anna Rothenfluh)