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Der allumschreibende Begriff der Psyche ist das Selbst. Dieses ist die Ganzheit, umfasst die bewussten und unbewussten Anteile unserer Persönlichkeit. „Das Unbewusste“ ist dabei der Sammelbegriff für alle Ursachen, die zwar auf unser Handeln wirken, aber durch das Ich-Bewusstsein nicht erklärt werden können.
In diesem Zusammenhang muss man sich die etwas ungeschickte Wahl des Wortes „Unbewusstes“ klarmachen. Denn dieses tönt gerade so, als handle es sich im Vergleich zum Bewusstsein um etwas Niedereres, Minderwertiges. Besser wäre darum ein Begriff wie Para-Bewusstsein (also Nebenbewusstsein), da das Unbewusste in keiner Weise unter dem Ich-Bewusstsein steht, im Gegenteil! Denken Sie an den Schneeball auf dem Eisberg.
Zum persönlichen Unbewussten gehört die Summe all unserer „unerwünschten“, verdrängten individuellen Verhaltensweisen und Gefühle: der Schatten. Aber auch Vergessenes, nur unterschwellig Wahrgenommenes, abgewehrte Triebe, Fixierungen und Programmierungen, eingespielte Verhaltensabläufe, frühkindliche Prägungen und latente Begabungen sind Teil des persönlichen Unbewussten. Wenn in einem Gespräch ein bestimmtes Wort fällt, auf welches man plötzlich unangemessen emotional reagiert, so kann man in der Regel davon ausgehen, dass hier das Unbewusste reagierte; offenbar wurde durch das Wort ein „wunder Punkt“ angesprochen, der vom Ich-Bewusstsein verdrängt wird. Genauso kann man durch bestimmte Worte und Bilder aber auch einen konstruktiven Zugang zum Unbewussten eröffnen, wie dies beispielsweise mittels der Methode von Milton Erickson geschieht.
Das kollektive Unbewusste ist ein Sammelbegriff für die Gesamtheit der allgemeinen Erfahrungs-, Verhaltens-, und Entwicklungsmöglichkeiten des Menschen an sich. Strukturelemente des kollektiven Unbewussten, die allen Menschen gemeinsam sind, nennen sich Archetypen. Sie existieren, weil für die Psyche genauso eindeutige und allgemeingültige Wachstumsgesetze bestehen, wie dies im Bereich des physischen Wachstums der Fall ist.
Das Ich muss vom Selbst aus gesehen werden, dann wird es verständlich. Diese Betrachtungsweise entspricht auch der Hierarchie der geistig-seelischen Persönlichkeit. Das Selbst enthält das Ich, führt das Ich. Das Ich ist der momentane, auf das aktuelle Dasein hin gerichtete Aspekt des Selbst. Die alten indischen Philosophen betrachteten das Ich als Fahrzeug zur Erweiterung der Erfahrung des Selbst in der materiellen Dimension des Kosmos. Das Selbst wird nur dann eindeutig verständlich, wenn wir es unter seinem Ewigkeitscharakter sehen. Denn das Selbst ist die Entität, welche unsterblich ist, nicht das Ich. Das ist der grundlegende Fehler, der in den Köpfen sehr vieler Menschen vorhanden ist.
Dieser Verständnisfehler macht die Religionen mit ihren Paradoxien heute für einen „aufgeklärten“ Menschen sehr oft unverständlich und unannehmbar. Und er führte zu einer auf Ausbeutung und kurzfristiger Maximierung fixierten Zivilisation. Etwas salopp ausgedrückt, könnte man das Selbst vielleicht als „Versammlung“ aller potenziellen Ichs bezeichnen. Im jeweiligen Dasein wird eines der möglichen Ichs ausgewählt als „Delegierter“; gewissermassen um eine Forschungsreise zu machen, und so das Wissen des Selbst zu vergrössern. – Ist das verständlich? Nun, zumindest ist es doch eine schöne Metapher! − Womit wir am Ende dieses Letters wieder bei Milton Erickson und seiner Methode angelangt wären.
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