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«Die Wahrheit über die Papsttochter Lucrezia Borgia» – ein Buchtipp
Vor nun 500 Jahren starb Lucrezia Borgia, die Tochter eines Papstes und Schwester eines Söldnerführers. Legenden werden bis heute über sie erzählt und Film und Bücher beleuch(te)ten immer wieder Facetten ihrer unglaublichen Geschichte, für die Lucrezia kaum verantwortlich war, bevor sie später selbst die Zügel in die Hand nahm.
Als verführerische Frau, die vor nichts zurückschreckte, wird Lucrezia Borgia in Filmen wie «Die heissen Nächte der Lucrezia Borgia», «Unmoralische Geschichten» oder in «Spielzeug der Macht» beschrieben. Historiker auf der ganzen Welt beschäftigten sich mit der starken Frauenfigur, die im Alter von gerade mal 39 Jahren, am 24. Juni 1519 starb. Und auch Florian Neumann, der sich in seinem kürzlich erschienenen Buch «Die Wahrheit über Lucrezia Borgia» mit der sagenumwobenen Figur beschäftigt, zeigt sich sichtlich fasziniert von dieser Frau. Historiker, Schriftsteller und Drehbuchautoren bedienten sich einer Figur, auf die sie Ideen projizierten und mit der sie die damalige Geschichte verknüpften. Zum Beispiel Victor Hugo machte Lucrezia Borgia 1833 in seinem Werk zur Giftmischerin, ohne irgendwelche historischen Belege darüber zu haben und aus diesem Stoff heraus ging auch Gaetano Donizettis berühmte Oper hervor.
Als Machtmittel benutzt
Lucrezia musste indessen meist als Opfer für ihre Sippe herhalten – für die Menschen beeinflussende und ausnützerische Art ihres Vaters Rodrigo, des späteren Papstes Alexander VI, und für ihre Brüder, die mit Söldnerbanden Angst und Schrecken verbreiteten. In einer Zeit, als Rom als Schlangengrube galt und im Vatikan Zügellosigkeit herrschte war es Emporkömmlingen möglich, sich durch Kriege oder Heirat eine Machtbasis zu schaffen. So wurde die Tochter mit nur zwölf Jahren erstmals zum Heiratspfand und die Söhne mussten Kriegsdienste leisten. Der Papst liess die Ehe mit Giovanni Sforza, dem Machthaber von Mailand nach vier Jahren annulieren und der Ex-Ehemann rächte sich mit bösen Gerüchten, Lucrezia verkehre sexuell mit ihrem Bruder und Vater. Doch bald stand schon ein neuer Ehemann für Lucrezia fest: Alfonso d’Aragona, der zwei Jahre später mittels Mordanschlag in den päpstlichen Gemächern verschwand, womit Platz für Ehemann Alfonso d’Este, Erbprinz der Herzogtums von Ferrara, geschaffen wurde. Rodrigo Borgia nahm die Zahlung einer astronomisch hohen Mitgift für Lucrezia auf sich, um die Familie in diese Adelskreise einzubringen.
Selbstbestimmt und klug
Nun begann das zweite Leben der Lucrezia an einem Hof, an dem sie drei Jahre später zur Herzogin aufstieg. «Sie ist schön und gut, zu allen freundlich und liebenswert», wird sie von einem französischen Offizier beschrieben. Und weil ihr Gatte oft im Felde war, nahm Lucrezia die Regierungsgeschäfte selbstständig in die Hand, organisierte Hilfe bei Katastrophen und verfolgte eine äusserst kluge Aussenpolitik. Auch ihre glamourösen Feste waren beliebte Anziehungspunkte für bedeutsame Machtmenschen. Lucrezia agierte eigenständig, oft auch eigenwillig, verschonte (gegen den Befehl ihres Gatten) Fremde vor Folter und sie unterhielt heisse Liebesaffären und teilte gleichzeitig auch rege das Bett mit ihrem Mann, der seinerseits ebenfalls Fremdbeziehungen hatte. Doch ihre acht Schwangerschaften zehrten an Lucrezias Kräften und nach einer schweren Geburt verstarb sie denn auch.