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24. Februar 2022 – Sebastiaan Vadasz besitzt mit seiner Frau Mia die Kleiderläden «Pelikamo» und «Miaki» in Zürich. Aus einem scheuen Buben ist ein erfolgreicher Geschäftsmann geworden, stellt sein ehemaliger Lehrer Adrian Michael fest.
Sebi, wie er damals genannt wurde, kam im Sommer 1990 in meine 4. Klasse im Schulhaus Oescher. Da er sich in seiner bisherigen Klasse allein fühlte und sehr unter den strengen, fast militärischen Unterrichtsmethoden des Lehrers gelitten hatte, wurde er in meine Klasse versetzt.
Ich kann mich noch gut an unsere erste Begegnung in meinem Schulzimmer erinnern: Sebastiaan, eher klein und zierlich, wirkte eingeschüchtert, blickte ständig zu Boden und antwortete nur leise. Er lebte aber bald auf, fügte sich gut in die grosse Klasse mit 27 Kindern ein, war akzeptiert und wurde zu einem etwas zurückhaltenden, aber fröhlichen Jungen, der sich gut mit den anderen verstand. Ab und zu setzte er sich ans Klavier und spielte mit beachtlichem Können ein Stück, das er in der Klavierstunde gelernt hatte.
Sebastiaan – die Schreibweise mit zwei a geht auf seine holländische Mutter zurück – war ein sehr guter Schüler, interessiert, belesen, musikalisch. Was er einmal werden würde, war schwierig zu sagen. Rückblickend hätte ich ihn auch als Jurist gesehen oder in einem medizinischen Beruf – vielleicht Psychiater wie sein ungarischer Vater? Aber dass er einmal zusammen mit seiner Frau eine Firma für gediegene Herren- und Damenbekleidung besitzen und führen würde, hatte ich definitiv nicht auf meiner Liste.
Gut 30 Jahre später. Ich treffe Sebastiaan in seinem Hauptgeschäft, dem «Pelikamo» in der Nähe der Bahnhofstrasse, wo früher die Numismatikabteilung der UBS untergebracht war. Auch wenn ich ihm nicht kürzlich in Zollikon zufälligerweise begegnet wäre, hätte ich ihn sofort wiedererkannt: Er ist äusserlich noch derselbe – einfach älter, und trägt selbstverständlich Kleider aus seinem Geschäft.
Nach der Begrüssung erklärt er mir entspannt das Konzept seiner Läden, dem «Pelikamo» für Herren und dem «Miaki» für Damen ein paar Schritte weiter. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass dort keine Markenkleider gekauft werden können, was sich auch im Slogan «Wir machen Kleidung, nicht Mode» niederschlägt.
Neben hochwertigen Bekleidungsstücken bietet das Pelikamo auch Accessoires wie Gürtel, Taschen, Portemonnaies oder Foulards an. Sämtliche Kleidungsstücke sowie die zahlreichen Gadgets wie ein Pingpongtisch mit Schlägern und geräuschlos zu spielenden Bällen, einem Stuhl zum Zusammenschrauben, Spirituosen oder James Bond-Spielkarten werden von ihm und seinem Team entworfen und ausschliesslich in Europa produziert.
Sebastiaan und Mia beschäftigen in ihren zwei Zürcher Läden und dem Geschäft in Basel und der Verwaltung rund 20 Angestellte, die meistens über Mund-zu-Mund-Propaganda zu ihnen finden.
«Was möchte ich nicht?»
Später erzählt er mir in seinem Büro in der Nähe des Paradeplatzes, wie er in die Bekleidungsbranche gekommen ist. Nach der Matura am Realgymasium in Zürich ging Sebastiaan nach dem Ausschlussverfahren vor: «Was möchte ich nicht?» Übrig blieb Wirtschaft. So studierte er an der HSG St. Gallen. Zu seiner Ausbildung gehörten Aufenthalte an Universitäten in London, Stockholm, Tokyo und Singapur. Anschliessend arbeitete er bei der Unternehmensberatungsfirma McKinsey. Er löse gerne Probleme, sagt er.
Aber je länger je mehr fehlte ihm bei seiner Arbeit der kreative Aspekt. So gründete er zusammen mit seiner Frau – er hatte sie mit 18 an einem Geburtstagsfest in der Turatzburg kennengelernt – den Concept Store «Townhouse» an der Weiten Gasse beim Theater am Hechtplatz. Ich erinnere mich gut, dass er die Nachricht seiner bevorstehenden Hochzeit mit Mia auf Facebook nur mit den drei Wörtern «She said yes» ankündigte. Die Idee des Concept Stores – ein hochwertiger Mix aus Kleidung und allen möglichen Dingen – findet sich ansatzweise auch beim «Pelikamo» wieder.
Weitere Expansion geplant
Während die beiden noch das «Townhouse» führten, eröffneten sie im Dezember 2011 den ersten «Pelikamo»; der Name bezieht sich auf den Pelikanplatz in unmittelbarer Nähe. Da ihnen die Doppelbelastung mit der Zeit zu viel wurde, schlossen sie 2020 das «Townhouse» und widmeten sich fortan ganz dem «Pelikamo» und «Miaki». Der Name setzt sich aus dem Namen Mia und ihrem zweiten Namen Christina zusammen.
Sebastiaan scheint glücklich zu sein. Die vielseitigen Aufgaben erfüllen ihn und die Zusammenarbeit mit seiner Frau klappt gut. Auf die Frage nach weiteren Zielen sagt er, sie würden gerne noch in weitere Schweizer Städte expandieren, in fernerer Zukunft wären auch Niederlassungen im Ausland denkbar.
Sebastiaan und Mia wohnen in Zollikon und haben zwei kleine Kinder. Für mich war es eine spannende, bereichernde Begegnung – ich freue mich auf weitere!