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<h2>SubmittedText<h2><p>Bei der Werbeplakat-Kampagne "Drogen, nüchtern betrachtet" des Bundesamtes für Gesundheitswesen fragt man sich, was das eigentlich soll.</p><p>Der Bundesrat wird aufgefordert, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Welches strategische Ziel verfolgt das Bundesamt für Gesundheitswesen mit dieser Kampagne, deren präventive Ausrichtung erst noch unter Beweis zu stellen ist?</p><p>2. Befürwortet der Bundesrat Slogans wie "Wer dem Alkohol verfällt, muss nicht drin bleiben. Die meisten Alkoholiker schaffen den Ausstieg" oder auch "Manche Alkoholiker sind schneller, andere brauchen etwas länger. Die meisten schaffen den Ausstieg"?</p><p>3. Wie sieht der Zeitplan für diese Kampagne aus? Wie lange werden die verschiedenen Phasen dauern und wie werden sie durchgeführt (Werbeplakate, bezahlte Inserate oder andere Aktionen)?</p><p>4. Welche Slogans wurden bisher veröffentlicht? Werden noch andere folgen? Wenn ja, wie lauten diese Slogans?</p><p>5. Welches sind die mit dieser Kampagne verbundenen externen und internen Kosten?</p><p>6. Wie erfolgt die Finanzierung und von welchen Konti stammt das Geld? Ist diese Kampagne im Voranschlag 1997 enthalten?</p><p>7. Die gewählten Slogans tragen sicherlich nicht dazu bei, Jugendliche vom Drogenkonsum fernzuhalten. Denn die Botschaft verharmlost die Drogensucht und verleitet zur Annahme, dass ein Drogenkonsument jederzeit wieder aussteigen kann. Was meint der Bundesrat dazu, dass manche Plakate in der unmittelbaren Umgebung von Schulen aushängen? Dabei sind doch diese Slogans - die für Jugendliche irreführend sind - offensichtlich dazu bestimmt, die Argumente der Befürworter der demnächst vors Volk kommenden Initiative "Jugend ohne Drogen" zu widerlegen?</p><p>8. Ist der Bundesrat bereit, sofort einzugreifen und die Kampagne so abzuändern, dass die von allen gewünschte vorbeugende Wirkung erzielt wird?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Die Drogensensibilisierungskampagne des Bundesamtes für Gesundheit hat zum Ziel, das komplexe Thema der Drogensucht zu vertiefen und das Engagement der Bevölkerung für die Prävention und Drogenhilfe zu fördern. Sensibilisierung allein ist noch keine Prävention, kann aber die Wirksamkeit von Präventionsmassnahmen fördern.</p><p></p><p>Eine repräsentative Umfrage durch Demoscope im Februar 1996 zeigte, dass nur gerade 5 Prozent der Bevölkerung glaubten, dass mehr als die Hälfte der Drogensüchtigen den Ausstieg schaffen, und dass 17 Prozent der Bevölkerung glauben, dass ein Ausstieg überhaupt möglich ist. Die dem Bundesamt für Gesundheit zur Verfügung stehenden Daten zeigen jedoch langfristig eine Ausstiegsquote von mindestens 60-70 Prozent. Die Kampagne versucht, diese hoffnungsvolle Tatsache breitenwirksam zu vermitteln und zu einer Versachlichung der Diskussion beizutragen.</p><p></p><p>Tatsächlich kann eine verzerrte Wahrnehmung der Drogensucht und der Chancen, diese zu überwinden, den Präventionsmassnahmen schaden. Prävention bedeutet nicht nur die Verhinderung des Einstieges, sondern Hilfe zum Ausstieg. Ein Ausstieg aus der Drogensucht in einem Umfeld, das an einen Erfolg kaum glaubt, ist weit schwieriger zu bestehen als in einem Umfeld, das an Erfolg glaubt und dazu ermutigt. Die diesjährige Kampagne "Drogen, nüchtern betrachtet" will die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse über den beschwerlichen, aber möglichen Weg zum Ausstieg vermitteln. Sie banalisiert die Drogen keinesfalls, denn die Botschaft "Die meisten Drogensüchtigen schaffen den Ausstieg" beinhaltet gleichzeitig die Tatsache, dass es eine Minderheit nicht schafft. Die Botschaft unterstützt jedoch all jene, die Drogensüchtigen beim Ausstieg helfen. Sie macht Mut und setzt einen Kontrapunkt zu den weit verbreiteten falschen Vorstellungen, dass ein Drogenausstieg nicht möglich sei. Indirekt fordert sie alle dazu auf, Drogensüchtige nicht als unheilbar Kranke zu betrachten, sondern dem Problem Geduld und Akzeptanz entgegenzubringen, Überlebenshilfemassnahmen zu ermöglichen und Ausstiegsversuche zu unterstützen. Damit appelliert die Kampagne nicht zuletzt an die Bereitschaft der Gesellschaft, Drogensüchtige und insbesondere ehemalige Drogensüchtige zu integrieren statt auszugrenzen.</p><p></p><p>Die Drogensensibilisierungskampagne des Bundesamtes für Gesundheit ist Teil des vom Bundesrat im Februar 1991 verabschiedeten Massnahmenpaketes zur Verminderung der Drogenprobleme. Sie läuft seit 1991 in verschiedenen Medien (Plakate, TV-Spots, Inserate, Veranstaltungen, Partnerschaften mit lokalen Institutionen). Seit 1991 wurden Themen zu zwei Botschaften verbreitet: Verhinderung des Einstieges in die Sucht (z.B. 1991: "Wer gelernt hat, Nein zu sagen, kann es leichter auch zu Drogen sagen," "Liebe Eltern, habt Ihr heute Euer Kind schon in den Arm genommen?"; 1992: "Am Anfang ist nicht ein Droge. Am Anfang ist der Wunsch, eine zu nehmen"; 1993: "Alles, ohne das man nicht sein kann, ist kein Genuss mehr ", "Gut ist nicht nur, wenn man keine Drogen nimmt. Sondern vor allem, wenn man überhaupt nicht immer alles schluckt"; 1995: "Jugendliche haben Lust am Leben, nicht auf Drogen"; 1996: "Du kannst es! - Selbstvertrauen kann Drogenprobleme verhindern"); Hilfsmöglichkeiten zum Ausstieg aus der Sucht (1992: "Wer Sorgen hat, hat auch ein Ohr"; "Alle brauchen manchmal Hilfe"; 1995: "Die meisten Drogensüchtigen schaffen den Ausstieg. Aber nur die wenigsten beim ersten Mal"; 1997: "Die meisten Drogensüchtigen schaffen den Ausstieg"). Weitere Botschaften transportieren klare Fakten: 1992: "Drogen haben Wirkungen. Aber auch Folgen"; 1993: "Gerade jene Fragen zu Drogen, die am häufigsten gestellt werden, sind nicht leicht zu beantworten".</p><p></p><p>2. Eine Untersuchung von rund 900 alkoholabhängigen Männern und Frauen, die sieben Jahre früher eine spezialisierte stationäre Behandlung in der Schweiz abgeschlossen hatten, zeigte eine vergleichbare Erfolgsrate wie bei Drogenabhängigen. Während den letzten sechs Monaten blieb knapp die Hälfte der befragten Personen rückfallfrei. Rückfallgefährdet waren besonders Personen, die vor der stationären Therapie zusätzlich auch andere Drogen konsumierten. Die Ausstiegsraten sind also vergleichbar.</p><p>Eine ähnlich formulierte Kampagne im Bereich der Sensibilisierung für die Alkoholproblematik wäre dennoch nicht sinnvoll.</p><p></p><p>Wie unter Punkt 1 aufgeführt, nimmt die Bevölkerung die Chancen rund um den Drogenausstieg jedoch verzerrt wahr (Umfrage Demoscope). Das Alkoholproblem wird in der Gesellschaft völlig anders wahrgenommen, handelt es sich doch beim Alkohol um eine legale Droge. Alkohol gehört zum Gesellschaftsleben und ist in grossen Teilen der Bevölkerung akzeptiert. Die Probleme liegen ganz anders, daher müssen auch die Botschaften entsprechend anders gestaltet werden. Eine Kampagne aus dem Drogenbereich zu übernehmen, ohne den unterschiedlichen gesellschaftlichen Hintergrund zu beachten, wäre kaum wirkungsvoll.</p><p></p><p>3. Die Kampagne startete am 27. Januar 1997 mit einer zweiwöchigen nationalen Plakatkampagne. Die gleiche Kampagne wird ab 16. Juni 1997 zwei Wochen lang wiederholt. Seit Mitte Februar 1997 ist beim Bundesamt für Gesundheit zudem eine Broschüre erhältlich, welche die Hintergründe zu den in den Kampagnen vermittelten Botschaften erklärt. Die Broschüre richtet sich an die Allgemeinbevölkerung und gelangt via Suchtberatungsstellen, Apotheken und Ärzte an die Bevölkerung. Ab Mitte Juni 1997 werden zudem Partnerorganisationen und - institutionen des Bundesamtes für Gesundheit mit den drei Sujets eigene zusätzliche Botschaften regional verbreiten. Die Aushangkosten übernehmen dabei die interessierten Partner.</p><p></p><p>4. "Manche sind schneller, andere brauchen etwas länger. Die meisten Drogensüchtigen schaffen den Ausstieg". "Wer einmal hineingerät, muss nicht drinbleiben. Die meisten Drogensüchtigen schaffen den Ausstieg". "Zwang ist meistens keine Hilfe. Aber mit Hilfe schaffen die meisten Drogensüchtigen den Ausstieg". Es sind keine weiteren Botschaften vorgesehen.</p><p></p><p>5. Das Budget der Drogensensibilisierungskampagne belief sich seit 1992 auf 2 Millionen Franken pro Jahr, dieses Budget ist praktisch unverändert geblieben. Dies im Gegensatz zu den Mitteln, die im Drogenprogramm für andere Zwecke zur Verfügung gestellt wurden (als Impuls für Präventionsprogramme, für Massnahmen zur Behandlung und zur Risikoverminderung, für wissenschaftliche Forschungsprojekte und für Weiterbildung der Fachleute); diese Mittel sind vervierfacht worden. Die exakte Kostenaufstellung der Drogensensibilisierungskampagne 1997 sieht wie folgt aus: Konzeption, Produktion, Mehrwertsteuer und andere Kosten Fr. 250'000.--, Plakataushang Fr. 1'200'000.--, Begleitmassnahmen Fr. 50'000.--, Zusammenarbeit mit den lokalen Partnern Fr. 200'000.--. Im Total belaufen sich die Kosten auf 1,7 Millionen Franken. Mit diesem Betrag werden beide Plakataushänge vom Januar und Juni 1997 gedeckt. Die Herstellungskosten der Kampagne können nicht geteilt werden. Nur die Kosten für den Plakataushang könne einzeln ermittelt werden: 55 Prozent für die erste Welle und 45 Prozent für die zweite. Die Kampagnenkosten 1997 sind um 20 Prozent tiefer als diejenigen der Kampagne 1996. Intern stehen im Bundesamt für Gesundheit 100 Stellenprozente für die Koordination der Kampagne zur Verfügung.</p><p></p><p>6. Die Drogensensibilisierungskampagne wird aus dem Kredit 316.3180.100 finanziert, welcher die Interventionsprogramme des BAG in den Bereichen Drogen, Tabak und Alkohol zusammenfasst.</p><p></p><p>7. Der Bundesrat möchte mit dieser Drogensensibilisierungskampagne die Bevölkerung aktiv motivieren und ihr zu einer nüchternen Betrachtungsweise der Drogenproblematik verhelfen. Bei der Prävention geht es eher darum, näher und vertieft in der Problematik zu arbeiten. Dies kann mit Plakaten nicht erreicht werden. Um Präventionsarbeit zu begünstigen, ist es hingegen wichtig, erwiesene Fakten bekannt zu machen und gewisse, weit verbreitete Vorurteile abzubauen. In diesem Sinne ist die Drogensensibilisierungskampagne ein wichtiges Instrument, um den oftmals emotionellen und von Polemik und Vorurteilen geprägten Diskussionen der Drogenproblematik erhärtete Tatsachen gegenüberzustellen. So kann  eine objektivere Debatte gefördert und die Akzeptanz von Präventionsmassnahmen in der Bevölkerung vergrössert werden.</p><p></p><p>Die Drogensensibilisierungskampagne begann 1991, lange bevor Volksinitiativen zu der Thematik eingereicht wurden. Seither setzte sie ihre Anstrengungen jährlich nach dem selben Konzept fort. Die Welle 1997 dieser Kampagne wurde schon 1995 geplant. Die Themen "Einstieg in die Drogensucht" (1995 und 1996) und "Ausstieg aus der Drogensucht" (1995 und 1996) wechselten sich dabei ab. Die Daten des Plakataushanges wurden so gewählt, dass sie nicht mit der Abstimmungskampagne der Initiative "Jugend ohne Drogen" in Konflikt gerät. Es handelt sich deshalb keinesfalls um eine Vorkampagne zur Volksabstimmung "Jugend ohne Drogen"</p><p></p><p>8. Der Bundesrat wird das BAG nicht dazu auffordern, diese Aktion zu korrigieren oder auf den Plakataushang seiner Kampagne im Juni 1997 zu verzichten. Neben dieser Sensibilisierungskampagne sind nach Meinung des Bundesrates zudem die Präventionsanstrengungen im Bereich Drogenabhängigkeit gemäss den gewählten Strategien weiterzuverfolgen. Insbesondere sollen Hilfsangebote für Jugendliche, welche den Risiken am stärksten ausgesetzt sind, ausgebaut werden. Die bewährten Aktionsmodelle, z. B. im Bereich Schule oder Freizeit, sollen systematisiert werden. Diese Präventionsstrategie sowie die Massnahmen zur Kommunikation und Sensibilisierung, basieren auf dem "4-Säulen-Modell" der bundesrätlichen Drogenpolitik.</p>  Antwort des Bundesrates.