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Als Kind habe ich diese Ausflüge gehasst. Meine Eltern schleppten mich durch die Strassen von St. Gallen, und ich drückte mir an den Schaufenstern die Nase platt. Bestimmt habe ich ein bisschen gebettelt um die Turnschuhe, die ich unbedingt haben wollte, und womöglich haben meine Eltern auch Versprechungen gemacht. War ja auch einfach. Schliesslich fanden diese Ausflüge sonntags statt, wenn die Geschäfte geschlossen waren. Selten sind Träume unschuldiger als beim Schaufensterlädele.
Hätte 50 Cent den Window Shopper nicht in einem Song zum grössten Loser erklärt, der Begriff wäre wohl längst ausgestorben. Oder wann sind Sie zuletzt nach Ladenschluss ziellos durch die Stadt gebummelt, vorbei an den Geschäften, und begnügten sich damit, die neuen Schuhe anzuschauen, anstatt sie gleich zu kaufen? Als Robert Frank in den Vierzigern die Amerikaner porträtierte, fotografierte er auch ihre Schaufenster. Und das «Frühstück bei Tiffany» geniesst Audrey Hepburn in der Eröffnungsszene des Filmklassikers beim Blick durch das Schaufenster des berühmten Juweliers. Heute hat der Bildschirm längst das Schaufenster ersetzt und Schaufensterlädele findet meist am Computer statt, wo die Geschäfte nie geschlossen sind.
Laut «Urban Dictionary» bezeichnet «Online Window Shopping» das Surfen durch die Onlineshops und das Füllen des virtuellen Warenkorbs, ohne am Ende etwas zu kaufen. Könnte fast so schön sein wie ein analoger Schaufensterbummel, würde man danach nicht von Mails und Pop-ups verfolgt. Und überhaupt, auf Tiffany.com hätten Audrey Kaffee und Gipfeli doch nur halb so gut geschmeckt.