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Bei den nachfolgend beschriebenen Atemwegserkrankungen sollte immer auch an einen beruflichen Hintergrund gedacht und bei entsprechenden Hinweisen aus der Arbeitsanamnese weitere Abklärungen veranlasst werden.
Bei allen Arbeitnehmenden mit Asthma bronchiale sollte bei Asthmasymptomen ein Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit beurteilt werden. Bei beruflich bedingtem Asthma bronchiale unterscheidet man zwischen arbeitsplatz-bedingten (work induced) und arbeitsplatz-assoziiertem (work exacerbated) Asthma. Bei letzterem liegt ein Asthma vorbestehend vor und wird durch Faktoren am Arbeitsplatz ungünstig beeinflusst oder gar verschlechtert. Ein arbeitsplatzbedingtes Asthma wird wiederum in allergen- oder irritanzienbedingt (RADS) unterteilt.
Neben Standard-Lungenfunktion und Methacholin-Bronchoprovokationstest sind Peakflow-Messungen oder Serien-Lungenfunktionen hilfreich. Bei mehreren in Frage kommenden Stoffen sowie für die Eignungsbeurteilung gilt die spezifische Bronchoprovokation heute als Referenzstandard für die Diagnose der « Sensitizer-induced » – Form des Berufsasthmas.
Für die Krankheitsprogression ist vor allem die Zeitspanne entscheidend, in der Arbeitnehmende mit Asthmasymptomen am Arbeitsplatz exponiert bleiben. Die medikamentöse Behandlung des Berufsasthmas richtet sich nach allgemeingültigen Richtlinien (Global Initiative for Asthma (GINA)). Trotz vollständiger Allergenkarenz kommt es über die Folgejahre nur bei etwa einem Drittel der Patienten zu einer vollständigen Regredienz der Symptome und der bronchialen Hyperreagibilität.1
Die Diagnose eines RADS kann gestellt werden, wenn keine Atembeschwerden vor der Akutexposition gegenüber einem atemwegsreizenden Stoff dokumentierbar sind, die Symptome unmittelbar resp. innerhalb von 24 Stunden nach der Akutexposition auftreten und während mindestens 3 Monaten anhalten, eine einmalige hochkonzentrierte Akutexposition gegenüber irritierenden Gasen, Räuchen oder Dämpfen vorgelegen hat, eine typische Asthmasymptomatik besteht, eine obstruktive Ventilationsstörung besteht oder eine unspezifische bronchiale Hyperreagibilität vorliegt und insbesondere eine andere Lungenerkrankung ausgeschlossen ist.2
Bei der exogen-allergischen Alveolitis handelt es sich um eine allergisch bedingte Entzündung der Alveolen (Alveolitis), die durch Inhalation von Feinstaub (z.B. organische Stäube) oder chemischen Substanzen ausgelöst wird. Sie ist nicht infektiös (daher: Pneumonitis). Durch die Einatmung organischer Stäube oder chemischer Substanzen kommt es zu einer Immunreaktion. Unter dem Einfluss von zytotoxischen T-Lymphozyten kommt es dabei auch zur Ausbildung von Granulomen im Alveolarraum. Je nach Dauer und Ausmaß der Allergenexposition kann es zu einer akuten Pneumonitis oder aber auch (bei anhaltender Exposition) zu einer Lungenfibrose kommen. Isocyanate beispielsweise können sowohl zu asthmatischen Beschwerden, als auch zu einer exogen-allergischen Alveolitis oder gar Lungenfibrose führen.3
Zu einer COPD führen kann die Exposition gegenüber organischen Stäuben im Bereich der Landwirtschaft, Endotoxinen in textilen Stäuben, Schweissrauchen und – gase. Eine COPD kann auch bei fortgeschrittenen Staublungen vorliegen.
Gemäss arbeitsmedizinischer Literatur ist das Auftreten einer COPD gehäuft im Untertagbau, im Baugewerbe, in Bergwerken, in der Landwirtschaft, in Textilbetrieben, beim Schweissen und in der Kunststoffproduktion.
Die Entwicklung ist schleichend, und es gibt keine diagnostischen Verfahren, die eine Zuordnung als Berufskrankheit mit Wahrscheinlichkeit erlauben würden. Der Anteil des « Faktors Arbeitsplatz » ist schwierig zu quantifizieren. In CH-Verhältnissen dürfte ca. jede 6. COPD durch berufliche Faktoren mitbedingt sein. Für eine berufsbedingte COPD ist in der Regel eine jahre- bis jahrzehntelange « erhebliche » Exposition erforderlich.4
Pneumokoniosen sind Lungenerkrankungen, die durch anorganische, fibrogene Stäube (z. Bsp. Quarz, Asbest, Beryllium, Hartmetalle, Talkum, Aluminium) hervorgerufen werden. Organische Stäube führen zu einer exogen allergischen Alveolitis oder Hypersensitivitätspneumonitis (siehe weiter oben). Oft sehen wir sog. Mischstaubpneumokoniosen. Eine kurative Therapie gibt es nicht. Einige Pneumokoniosen sind mit einem erhöhten Karzinomrisiko (Silikose, Asbestose), einem erhöhten Infektrisiko (u.a. Siliko-Tbc) oder Erkrankungen aus dem rheumatologischen Formenkreis (rheumatoide Arthritis, Sklerodermie) sowie auch bestimmtem Nephropathien behaftet.
Es sollte unbedingt eine Rauchabstinenz angestrebt werden (überadditive Wirkung). Pneumokoniosen sind durch verbesserte arbeitshygienische Bedingungen in der Schweiz heute selten geworden.5
Seit 2012 bietet die Suva ehemals asbestexponierten Personen mit einem hohen Lungenkrebsrisiko low dose CT-Untersuchungen auf freiwilliger Basis an. Im Auswertungszeitraum von 5 Jahren konnten insgesamt 20 Bronchus-Carcinome in einem frühen, das heisst kurativen Stadium, gefunden werden.
In 30% der Fälle aus der arbeitsmedizinischen Vorsorge (Versicherte ohne asbestspezifische Veränderungen) konnten im CT Pleuraplaques gesehen werden, die im konventionellen Röntgenbild nicht erkennbar waren (auch retrospektiv nicht). Dies stellt den Stellenwert des konventionellen Röntgenbildes in der Asbestvorsorge erheblich in Frage. Auch unter dem Aspekt der neuen Strahlenschutzverordnung wird daher in Zukunft auf konventionelle Serienröntgenbilder verzichtet und der Fokus der arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchung auf die ärztliche Beratung gelegt werden. Eine konventionelle Bildgebung soll nur mehr bei entsprechender Indikation erfolgen. Hochrisikopatienten soll die Möglichkeit freiwilliger low dose CT-Untersuchungen angeboten werden. Die Indikation zu den CT-Untersuchungen wird vom regional zuständigen Arbeitsarzt der Suva gestellt.6
Beryllium findet Anwendung u.a. in der Zahntechnik, in der Herstellung von Uhren und Schmuck, in der Edelmetallbearbeitung sowie auch bei Elektro- und Elektronikartikel. Eine Berylliose kann histologisch nicht von einer Sarkoidose unterschieden werden. Bei Vorliegen einer Sarkoidose sollte daher immer eine vertiefte Arbeitsanamnese erhoben und bei Verdacht auf eine Berylliumexposition abgeklärt werden, ob eine Berufskrankheit vorliegen könnte. Bestätigt wird das Vorliegen einer Berylliose mittels Lymphozytenproliferationstest. Dieser muss unbedingt vor dem Einsatz von Steroiden in einem dafür spezialisierten Labor erfolgen.7
Bei Verdacht auf das Vorliegen einer beruflichen Ursache der Atembeschwerden sollte eine Meldung beim zuständigen Unfallversicherer (in der Regel durch den Betrieb oder behandelnden Arzt, in Absprache mit dem Patienten) erfolgen. Der zuständige Unfallversicherer ist dann verpflichtet, abzuklären, ob eine Berufskrankheit vorliegt oder nicht. Hierzu wird u.a. eine detaillierte Arbeitsanamnese erhoben, bei Bedarf weitere Abklärungen (pneumologische Untersuchung, gegebenenfalls allergologische Abklärungen, Peakflow-Messungen, Serienlungenfunktionen, ev. spezifische Bronchoprovokation) veranlasst. In der Regel erfolgt auch ein Betriebsbesuch mit Besichtigung des/der Arbeitsplätze des Patienten durch einen Arbeitsmediziner. Wenn nötig werden auch die Expositionsverhältnisse am Arbeitsplatz durch Spezialisten der Arbeitssicherheit beurteilt (Messungen vor Ort). Je nach dem ist auch noch zur Eignung Stellung zu nehmen. Eine allfällige Nichteignungsverfügung (NEV) wird in jedem Fall durch die Suva erlassen, auch wenn die Suva nicht der zuständige Unfallversicherer ist.
Eine Berufskrankheit liegt dann vor, wenn eine Erkrankung mit überwiegender (UVG Art. 9.1) oder stark überwiegender Wahrscheinlichkeit (UVG Art. 9.2) durch den Beruf oder Faktoren am Arbeitsplatz verursacht ist.