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Die Ausgangslage
- Die Schülerzahlen in den Gemeinden des unteren Aaretals (Schwaderloch, Leibstadt, Full-Reuenthal, Leuggern, Koblenz, Klingnau, Döttingen, Mandach, Böttstein) gehen zurück.
- Ab dem Schuljahr 2022/23 gelten neue Vorschriften des Kantons Aargau. Bezirksschulen müssen neu mindestens 6 Klassen haben mit mindestens je 18 Schülern.
- Die beiden Bezirksschulen Leuggern und Klingnau des unteren Aaretals können diese Vorgaben nicht erfüllen. Die Gemeinden und Schulpflegen wissen, dass sie handeln müssen. Nur eine Bezirksschule kann überleben.
Dezentrales Modell Oberstufe Aaretal (Osa)
- Die Gemeinderäte und ihre Schulpflegen schlagen als Lösung die Schaffung einer neuen Schule vor. Sie soll Oberstufe Aaretal (Osa) heissen.
- Die Bezirksschulen in Leuggern und Klingnau würden geschlossen.
- In Kleindöttingen (Gemeinde Böttstein) gäbe es eine neue Schule.
- In Leuggern und Klingnau gäbe es je eine Sekundar- und Realschule.
- Im Modell Osa könnten sämtliche bestehenden Schulhäuser weiter genutzt werden.
- Für kleinere Umbauten müsste man 3 Millionen Franken ausgeben.
- Die neue Schule hätte rund 500 Schülerinnen und Schüler.
- Aus Sicht der Verantwortlichen wäre die Schule gross genug, um ein attraktives Angebot von Wahlfächern anbieten zu können. Auch gemeinsame Aktionen (Lager, Teilnahme an Winzerumzug etc.) seien möglich.
- Für die neue Schule braucht es neue Satzungen. Diese sehen unter anderem vor, dass die Schulpflege nicht mehr von der Bevölkerung, sondern von den Gemeinderäten gewählt würde.
Zentrales Modell Oberstufe Unteres Aaretal (Osua)
- Diese Schule gibt es schon, sie steht in Klingnau. Dort besteht ein Oberstufenzentrum mit Bez, Real und Sekundarschule auf dem gleichen Areal.
- Die Kreisschulpflege ist der Ansicht, dass die Zukunft in der Zentralisierung von Schulen liegt, nicht in der Dezentralisierung.
- Sie schlägt vor, den Standort Klingnau zu stärken. Die Bez soll grösser werden. Dafür soll die Bezirksschule in Leuggern geschlossen werden.
- Die Osua-Befürworter sagen, finanziell fahre man mit dem zentralen Modell am besten. Die Infrastruktur (z.B. Küchen für Hauswirtschaft) müsse nur einmal vorhanden sein.
- Auch die Schulgelder, welche die Gemeinde für ihre Schülerinnen und Schüler zu bezahlen hätte, seien tiefer als beim Osa-Modell.
Wie geht es weiter?
Im November und Dezember kommt das Osa-Modell in acht Gemeinden an die Gemeindeversammlung. Sagen alle Gemeinden Ja, kann man das dezentrale Modell umsetzen. Schert eine Gemeinde aus, muss man das Projekt teilweise neu planen.
Zieht sich eine grosse Gemeinde zurück (z.B. Klingnau), müsste man praktisch von vorne beginnen. Zeitlich würde es dann sehr eng für eine Umsetzung auf das Schuljahr 2022/23. Sollte keine regionale Lösung möglich sein, müsste der Regierungsrat einen Entscheid fällen.
Urs Eichenberger: «Der Regierungsrat lässt sich nicht bestechen.»
SRF: Urs Eichenberger, Leiter Sektion Ressourcen Bildungsdepartement, im Schulgesetz des Kantons Aargau steht, dass eine Bezirksschule mindestens 6 Klassen haben muss. Warum diese Zahl?
Urs Eichenberger: Ein Bez-Standort muss eine gewisse Grösse haben, damit er funktioniert. Im Zusammenhang mit der Schulreform 6.-3. wurde diese Grösse festgelegt, vorher gab es keine Mindestgrössen.
Wir haben gemerkt, dass es durch die Reform allenfalls Standorte gibt, die nur drei Klassen führen könnten. Deshalb haben wir festgelegt, dass es mindestens sechs Klassen sein müssen.
Sie haben schon vor ein paar Jahren gesagt, dass die Frage nach den Bez-Standorten heikel werden könnte, falls sich die Gemeinden nicht darauf einigen können, wo man einen Bez-Standort führt und wo nicht. Genau das passiert jetzt im Seetal oder auch im unteren Aaretal. Haben die Gemeinden die Sache verschlafen?
Nein, es haben sich fast alle früh auf den Weg gemacht, die meisten haben eine Lösung in petto. Andere kämpfen noch für eine Lösung, aber ich bin zuversichtlich, dass wir gute Lösungen finden werden.
Im Seetal gibt es aber noch keine Lösung. Die Gemeinden konnten sich nicht darauf einigen, welchen Bez-Standort – Fahrwangen, Seon oder Seengen – sie nun schliessen wollen. Wenn nun die Kantonsregierung in dieser Frage eine Entscheidung treffen muss, welche Überlegungen spielen dabei für die Regierung eine Rolle?
Das sind strukturelle, finanzielle oder auch geografische Kriterien wie Schulweg oder ÖV-Anbindung. Es ist aber selbstverständlich auch eine Frage der schulischen Rahmenbedingungen wie Tagesstrukturen oder Schulsozialarbeit. Und natürlich spielen auch die Stellungnahmen der betroffenen Gemeinden eine Rolle.
Alle Gemeinden weibeln nun dafür, dass sie ihren Bez-Standort behalten können. Was läuft da alles im Hintergrund zwischen den Gemeinden und der Kantonsregierung ab?
Der Regierungsrat lässt sich nicht bestechen. Er wird ganz nüchtern anhand der festgelegten Kriterien entscheiden.
Wie ist es im Zurzibiet? Ist es dem Kanton lieber, dass er selbst über die Bez-Standortfrage entscheiden kann oder wäre es ihm lieber, dass die Gemeinden einen Entscheid finden?
Der Regierungsrat wünscht sich, dass in erster Linie die Region für sich eine Lösung findet.
Das Gespräch führte Stefan Ulrich.