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Im alten Rom
Das Speisezimmer
Hatten die Römer ursprünglich im Atrium, dem Hauptraum und Mittelpunkt des altrömischen Hauses, ihre Mahlzeiten eingenommen, so ging man später dazu über, in einem als Triclinium bezeichneten Speisezimmer zu essen. Der griechische Begriff Triclinium deutet darauf hin, dass die Römer von den Griechen die Sitte übernommen hatten, bei Tisch zu liegen.
Die Größe und die Ausstattung des Speisezimmers hing verständlicherweise von den finanziellen Möglichkeiten seines Besitzers ab. In Familien mit normalem Einkommen war das Triclinium ein für heutige Verhältnisse eher kleiner Raum, der kaum mehr als vier Meter breit und auch nicht wesentlich länger war.
In den Häuser der Oberschicht war das Speisezimmer dagegen ein sehr gut ausgestatteter Raum, denn er diente neben der Einnahme der Mahlzeiten hauptsächlich der Präsentation des eigenen Reichtums. Das Triclinium wurde dementsprechend bei Familien aus höheren Kreisen von einem Speisezimmer zu einem regelrechten Speisesaal, der im Durchschnitt mindestens sieben Meter breit und neun Meter lang war.
Ein wirklich vornehmes Haus verfügte darüber hinaus nicht nur über einen einzigen Speisesaal, sondern leistete sich den Luxus mehrerer Speisesäle, die für die Nutzung in den verschiedenen Jahreszeiten entsprechend ausgerichtet waren. Ein Triclinium, das im Herbst oder im Frühjahr genutzt wurde, lag folgerichtig nach Osten, während die Speisesäle für den Winter nach Westen und für den Sommer nach Norden ausgerichtet waren.
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Das Speisesofa
Wenn man die altrömischen Tischsitten mit denen der Moderne vergleicht, fällt als gravierendster Unterschied die Tatsache auf, dass die Römer bei Tisch lagen. Dabei wurden über Jahrhunderte hinweg immer genau drei Speisesofas um den Tisch gruppiert, auf denen wiederum jeweils drei Personen Platz hatten. So ergab sich die aus heutiger Sicht kuriose Situation, dass über einen langen Zeitraum hinweg im alten Rom immer maximal neun Menschen bei einer solchen Einladung zum Essen anwesend sein konnten.
Anfänglich war ein solches Speisesofa ein relativ einfaches hölzernes Gestell, das nach der Außenseite niedriger war, um den Einstieg zu erleichtern, und auf der dem Tisch zugewandten Seite höher war. Die Länge des Sofas betrug etwa zwei Meter, seine Breite einen Meter und seine Höhe 50 bis 70 Zentimeter. Über das Holzgestell war ein Netz von Seilen oder ledernen Gurten gespannt. Darauf lagen die Kissen und Matratzen, die bei einfacheren Familien mit Heu oder Stroh gefüllt waren. In höheren Kreisen bestanden die Füllungen aus Federn oder Wolle.
Mit zunehmendem Luxus wurde die Gestaltung und Ausstattung der Speisesofas immer aufwendiger. So wurden die ursprünglich nur aus Holz bestehenden Liegen nun mit Bronze beschlagen oder sogar vollständig aus Metall hergestellt. Dem anspruchsvolleren Material und der eleganteren Formgebung entsprach eine wertvollere Ausstattung, die beispielsweise in kostbaren Einlegearbeiten aus Gold, Silber oder Elfenbein bestand.
Das Besteck
Neben der Tatsache, dass im alten Rom im Liegen gegessen wurde, ist eine weitere Eigenart der damaligen Tischsitten bemerkenswert. Da in diesen Zeiten die Gabel als Essgerät noch vollkommen unbekannt war und auch sonst während der Einnahme der Mahlzeiten praktisch kein anderes Besteck benutzt wurde, aßen die Römer meistens mit den Fingern.
Das Messer
Weil man sich damals beim Essen im Liegen mit dem linken Ellbogen aufstützte und mit der freien rechten Hand schwerlich mit einem Messer sinnvoll hantieren konnte, war der Gebrauch von Tischbesteck unüblich. Deshalb mussten bereits in der Küche die Speisen mit Messern zerlegt und in mundgerechte Happen geschnitten werden.
Bei Tisch fanden Messer nur dann Verwendung, wenn größere Braten in Scheiben geteilt werden mussten. Zu diesem Zweck kam ein Trancheur zum Einsatz, der vor den Augen der Gäste den Hasen oder den Keiler fachmännisch zerlegte. Diese Vorgehensweise hatte im Übrigen den Vorteil, dass tatsächlich die besten Stücke des Fleisches serviert wurden und nicht bereits zuvor in der Küche vom dort arbeitenden Personal zurückgehalten werden konnten.
Die Gabel
Der genaue Zeitpunkt, zu dem es im Rahmen der Tischsitten üblich wurde, Gabeln beim Essen zu benutzen, ist umstritten. Klar aber ist, dass Gabeln bereits in der Antike in der Küche zur Zubereitung von Speisen zum Einsatz kamen.
Eine These besagt, dass die Gabel als Essgerät bei Tisch erst im 11. Jahrhundert nach Christus erfunden wurde, während Zeugnisse aus verschiedenen europäischen Ländern darauf hinweisen, dass sie sogar erst später Verwendung fand. In Frankreich beispielsweise datiert der erste schriftliche Beleg für die Benutzung bei Tisch aus dem Jahr 1379.
Der Löffel
Während also Messer und Gabel als Tischbesteck im alten Rom praktisch keine Rolle spielten, wurden Löffel als Hilfsmittel beim Essen durchaus benutzt. Dabei verwendete man zwei sehr unterschiedliche Arten von Löffeln. Ein den uns heute bekannten Esslöffeln in etwa vergleichbares Essgerät war die so genannte Ligula. Sie diente zum Verzehr von Mehlspeisen, von Suppen und von Speisen, die in einer Brühe serviert wurden.
Daneben gab es einen zweiten Löffel, der klein und flach war, eine kreisrunde Höhlung aufwies und in einen nadelförmigen Stiel auslief. Mit diesem als Cochlear bezeichneten Löffel verzehrte man beispielsweise Eier. Er war aber noch in einer anderen Hinsicht sehr nützlich: Wenn man ihn umdrehte, konnte man mit seiner Spitze Austern oder Schnecken aufspießen. So gesehen, war dieser zweckentfremdete Löffel also – in einem Ausnahmefall – eine Art von Gabelersatz.
Die römischen Löffel waren aus den unterschiedlichsten Materialien gearbeitet, so gab es einfache Formen, die aus Holz oder Ton bestanden. Sie konnten aber durchaus auch aus Horn, Metall, Silber oder Gold hergestellt worden sein.
Das Fingerwaschen
Aber auch wenn im alten Rom die meisten Gerichte mit den Fingern gegessen wurden, darf man daraus nicht den falschen Rückschluss ziehen, es sei bei den Mahlzeiten der Römer ausgesprochen unzivilisiert zugegangen. So war es beispielsweise ein Zeichen von guten Manieren bei Tisch, dass der Gastgeber und seine Gäste vorsichtig mit den Fingerspitzen zugriffen.
Zudem wusch man sich in der Regel nach jedem Gang der Mahlzeit die Finger. Zu diesem Zweck standen Sklaven mit speziell dafür vorgesehenen kleinen Schüsseln bereit, in denen sich kaltes oder warmes Wasser befand.
Die Serviette
Für gute Tischmanieren sprechen überdies die als Mappae bezeichneten Servietten, die bei einem Essen mit Fingern praktisch unabdingbar waren. Ihr Gebrauch kann seit dem ersten Jahrhundert vor Christus als nachgewiesen gelten. Anders als heute dienten die Servietten damals aber nicht nur als Tuch zum Abwischen des Mundes beim Essen, sondern erfüllten darüber hinaus eine zweite nicht zu unterschätzende Funktion. Denn in den Mappae nahm man übrig gebliebene Speisen oder kleinere Gastgeschenke mit nach Hause.
Diese beiden Verwendungszwecke führten dazu, dass den Gästen eines Essens normalerweise zwei verschiedene Servietten zur Verfügung standen. Zum einen die, die von dem Gastgeber für die Benutzung während der Mahlzeit gestellt wurde, und darüber hinaus eine zweite, die jeder Gast – in seinem eigenen Interesse – selbst mitbrachte.
Das Speise- und das Trank-Opfer
Als ein wichtiger Bestandteil römischer Tischsitten ist schließlich das Speise- und das Trank-Opfer zu werten. Nachdem die Hauptmahlzeit beendet worden war, wurde von dem Gastgeber und seinen Gästen normalerweise eine Pause eingelegt, in der man schweigend den so genannten Laren, den Schutzgottheiten des Hauses, ein Speise- und ein Trank-Opfer darbrachte. Dieser Brauch war im alten Rom schon früh üblich und hat sich als Teil der Tischsitten auch sehr lange gehalten.
Dabei bestand das Speise-Opfer beispielsweise aus einer Spende in Form von Fleisch oder Kuchen. Beim Trank-Opfer goss man in der Regel etwas Wein auf den Fußboden. Mit beiden Ritualen hoffte man, die Schutzgötter von Haus und Familie gnädig zu stimmen.