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TV-Serie nach Motiven der sog. Jeeves-Reihe von P. G. Wodehouse. Jede Folge ungefähr 51 Minuten lang. In den Hauptrollen: Hugh Laurie als Bertie Wooster und Stephen Fry als „Valet“ Jeeves. (Wer sich dafür interessiert, welche Jeeves & Wooster– Stories für welche Folge der TV-Serie verwendet worden sind, kann dies im Internet nachschlagen – z.B. in der englischsprachigen Wikipedia. Auch die Darsteller der übrigen Rollen können dort nachgeschlagen werden; wobei immerhin zu bemerken ist, dass offenbar ein paar Nebenrollen im Laufe der vier Jahre ihre Darsteller wechselten. Ob das allerdings ein absichtlich eingeführter Gag war oder aus Versehen oder aus noch andern Gründen so gemacht wurde, entzieht sich meiner Kenntnis.)
Die beiden Schauspieler Laurie und Fry waren Ende der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts in Grossbritannien bereits Grössen in TV und Film. Man hat sie offenbar diverse Male angefragt, ob sie die Rollen von Jeeves und Wooster in einer TV-Adaption von Wodehouse‘ Geschichten übernehmen würden. Nach anfänglichem Zögern stimmten sie dann zu, vor allem, weil sie zur Überzeugung gelangt waren, dass kein anderes Schauspieler-Duo den Rollen gerecht werden könnte. Das klingt ein bisschen überheblich und arrogant; aber nicht nur der Erfolg gibt ihnen Recht: Wer sich die Serie anschaut, muss gestehen, dass die beiden tatsächlich die ideale Inkarnation für Jeeves und Wooster waren.
Die Serie spielt in London, New York und verschiedenen englischen Landhäusern in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Wooster ist der nutzlose und nicht sehr intelligente junge Dandy, den wir aus Wodehouse‘ Geschichten kennen, und auch Jeeves ist der alles wissende und alles könnende „Valet“. Allerdings folgt die TV-Adaption nicht einfach Wodehouse‘ Originalgeschichten. Sie werden adaptiert und zum Teil anders zusammengesetzt. Dem Medium ‚Film‘ wird ebenfalls Genüge getan. Da gibt es die erste Folge aus dem vierten Jahr, in der Wooster sich in New York einer Varieté-Gruppe anschliesst. Das ist einerseits eine Hommage an die Tatsache, dass Wodehouse selber lange Zeit in den USA lebte und dort fürs Vaudeville schrieb. Andererseits ist die Art der Verfilmung, die vor allem die Szenen auf der Bühne betrifft, sehr an die Tanz- und Revuefilme des klassischen Hollywood aus den 50ern des letzten Jahrhunderts angelehnt. Zusehends, und vor allem also in der vierten Staffel, sind auch die Enden einer Episode an die alten Slapstick-Filme angelehnt, mit Verfolgungsjagden rund um eine Kirche zum Beispiel. Und ich habe nicht nachgezählt, wie viele Leute temporär handlungsunfähig gemacht werden, indem man ihnen eine Vase auf dem Kopf zerdeppert.
Hier setzt auch meine Kritik an den Adaptionen an. Bildlich gesprochen könnte man sagen, Wodehouse‘ Geschichten sind feine Stahlstich-Ziselierungen, die TV-Serie verwendet oft groben Holzschnitt. So ist zum Beispiel die Figur des Roderick Spode, später Lord Sidcup, eines Amateur-Faschisten und Möchte-Gern-Führers des englischen Volks, die bei Wodehouse eher marginal auftritt, in der TV-Serie schon fast eine Hauptfigur geworden. Ein brüllender Möchte-Gern-Führer vor seiner Gefolgschaft ist natürlich filmisch ein viel grösseres und besseres Motiv als literarisch, aber ich habe auch den Verdacht, dass man hier ein klitzekleines Bisschen auf Wodehouse selber anspielte, der sich ja im Zweiten Weltkrieg vor den Karren der Nationalsozialisten spannen liess, die ihn 1940 überreden konnten, ein paar Sendungen zum Thema „Kriegsgefangenschaft“ aufzunehmen. In Grossbritannien wurden Wodehouse‘ Sendungen sehr unfreundlich aufgenommen, man beschimpfte ihn als Kollaborateur. In Tat und Wahrheit war er wohl vor allem naiv – so naiv, wie es Wooster nicht hätte mehr sein können. Im übrigen fällt auf, um auf die TV-Adaption zurück zu kommen, dass vor allem Jeeves, der diskrete und hochintelligente „Valet“ dort oft keine andere Lösung weiss, als mit Wooster davon zu rennen oder zu fahren. Einmal springen sie gar von einem Ozeandampfer, der nach Europa zurückfährt, ins Meer. Das ist guter, alter Slapstick – mit Jeeves und Wooster im Orignal hat das nichts zu tun. Auch ist es meines Wissens (ich habe aber nicht alle Jeeves-Stories gelesen) weder dem einen noch dem andern bei Wodehouse je in den Sinn gekommen, zur Lösung eines Problems beizutragen, indem sie in Frauenkleidern auftreten.
Diese Kritik verpufft natürlich, wenn wir die TV-Serie unabhängig von Wodehouse‘ Geschichten ansehen. Und dann muss ich gestehen, dass das Klima eines London oder New York der 30er Jahre sehr gut getroffen ist. Immer in leicht bräunlichen Tönen gehalten, macht der Film den Eindruck, ein Zeitdokument zu sein. Auch die Nebendarsteller liefern eine ausgezeichnete Leistung ab, vor allem aber sind Fry und Laurie die idealen Verkörperungen von Jeeves und Wooster. Fry vermag mit dem Hochziehen einer Augenbraue mehr auszudrücken als andere mit einem halbstündigen Monolog. Und Laurie kennt alle klassischen Tricks des Zirkusclowns – vom Stolpern über oder mit Objekten bis hin zum für immer an der Hand kleben bleibenden Deckel eines Leimtopfs.
Ein Vergnügen für einen warmen Sommerabend.