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«Der in Schwaben berühmteste Orgelbauer»[1]
Johann Nepomuk Holzhey wird am 26. Februar 1741 in Rappen bei Ottobeuren geboren. Sein Vater Joseph ist Bauer und Ortsvorsteher. Er schreibt sich noch Holzhay, erst später wechselt sein Sohn die Schreibweise. Sein Onkel Alexander Holzhay ist Orgelbauer. Ob er bei ihm in die Lehre gegangen ist, kann nur vermutet werden. 1766 heiratet er Cäcilia Zettler, die Tochter eines Orgelbauers von Ottobeuren. Er übernimmt das Geschäft des Schwiegervaters. Beim grossen Orgelbauer Karl Joseph Riepp (1710–1775)[2] arbeitet er als Geselle. Vermutlich ist er bereits am Bau der beiden Chororgeln in Ottobeuren beteiligt, die von Riepp bis 1766 gefertigt werden. Sicher arbeitet er an der grossen Orgel von Salem mit. Bei Riepp kann der junge Handwerker Holzhey die Grundlagen der Orgelbaukunst vervollkommnen und lernt den französischen Orgelbau kennen. Durch die Heirat mit Cäcilia Zettler hat er sich neben der Werkstatt auch den Titel eines «Stiftsorgelbauers» erworben. Bereits 1770 stirbt seine Ehefrau. Er heiratet erneut und wird 1788 wieder Witwer. Im Alter von 63 Jahren heiratet er nochmals. Von den 12 Kindern der drei Ehen haben ihn nur vier Kinder überlebt. Erst 1986 ist der letzte männliche Nachkomme, inzwischen mit Namen Holzheu, in Ottobeuren gestorben.
Johann Nepomuk Holzhey stirbt am 17. September 1809 an einer falsch behandelten Daumenverletzung im Alter von 68 Jahren in Ottobeuren.
Sein Lebenswerk umfasst wohl mehr als 40 Instrumente, die er von 1770 bis zur Säkularisation von 1803 baut. Die wichtigsten dieser Orgel sind bis heute erhalten und zeugen von der überragenden Qualität seiner Orgelwerke in Klöstern und Kirchen. Mit der Säkularisation endet das Orgelbauerhandwerk in Süddeutschland in seiner Hochblüte. Holzhay und die anderen Orgelbauer verlieren ihre Auftraggeber, denn die neuen Herren wissen mit dem kulturellen Erbe nichts anzufangen. Die letzten Jahre seines Lebens fristet der berühmte Orgelbauer als Reparaturschreiner.
Seine berühmtesten noch erhaltenen Werke stehen in Ursberg, Obermarchtal, Weissenau, Rot an der Rot und in Neresheim. Sie sind heute zum grösseren Teil auf Grund von Originalbefunden rekonstruiert, da das 19. Jahrhundert mit den Werken übel umgegangen ist. Einzig das 36 Register umfassende Orgelwerk von Rot an der Rot hat die Zeiten im Originalzustand ohne Eingriffe[3] überdauert. Die Orgelprospekte, kunstvollste Bildhauer-, Schreiner- und Fassmalerarbeiten des späten Barock und des frühen Klassizismus sind aber bei allen erhaltenen Orgeln nie verändert worden.
Alle grossen Orgeln von Holzhey haben freistehender Spieltische, um die freie Sicht des Organisten in den Chorraum und zu den Sängern, dem Orchester und dem Dirigenten zu ermöglichen. Die damit verbundene komplizierte Mechanik ist für den Orgelbauer Holzhey ebenso wenig ein Problem wie die Überbrückungen der Westfenster mit klingenden Registern.
Die neue Wertschätzung der süddeutschen Barockorgel aus den Werkstätten der Gabler, Aichgasser und Holzhey ist noch jung, und erst mit den Restaurierungen und Rekonstruktionen der Werke von 1969–1999 erklingen die Instrumente wieder wie zu Zeiten der Besteller und Erbauer. Sie sind allerdings undenkbar ohne die grosse Wertschätzung der Musik in den Barockabteien der süddeutschen Bistümer.
Pius Bieri, 2009
Quellen:
Höflacher, Ulrich: Johann Nepomuk Holzhay. Aus dem Leben und Schaffen eines schwäbischen Orgelbauers. In: Weissenau in Geschichte und Gegenwart, Sigmaringen 1983.
Höflacher, Ulrich: Nur noch Reparaturen und Umsetzungen. In Alte Klöster – Neue Herren, Band 2.2., Ostfildern 2003.
Anmerkungen:
[1] Bezeichnung anlässlich des Orgelbaus in Neresheim.
[2] Der in Dijon (Burgund) ansässige Riepp stammt aus Eldern bei Ottobeuren.
[3] Mit Ausnahme dieser Orgel sind die Dispositionen der anderen Holzhey-Orgeln im 19. Jahrhundert manchmal bis zur Unkenntlichkeit zugunsten eines neuen romantisch-schwerblütigen Klangbildes verändert worden. Auch sind die Zinnpfeifen im Ersten Weltkrieg als Kriegsmaterial entfernt und durch klanglich minderwertige Zinkpfeifen ersetzt worden.
|1774–1775||Oberelchingen, Benediktiner-Abteikirche, Chororgel, 13/I+P.|
|1775–1777||Ursberg, Prämonstratenser-Abteikirche, Hauptorgel, 26/II+P.|
|1782–1784||Obermarchtal, Prämonstratenser-Abteikirche, Hauptorgel, 41/III+P.|
|1784–1787||Weissenau, Prämonstratenser-Abteikirche, Hauptorgel, 41/III+P.|
|1792–1793||Rot an der Rot, Prämonstratenser-Abteikirche, Hauptorgel, 36/III+P.|
|1794–1797||Neresheim, Benediktiner-Abteikirche, Hauptorgel, 41/III+P.|
|1797–1798||Schiessen, Wallfahrtskirche, Hauptorgel, 16/II+P.|
|Johann Nepomuk Holzhey (1741–1809)|
|Biografische Daten|
|Geburtsdatum (Taufe)||Geburtsort||Land|
|26. Februar 1741||Rappen bei Ottobeuren||Unterallgäu Bayern D|
|Land 18.Jh.||Bistum 18.Jh.|
|Reichsabtei Ottobeuren||Augsburg|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land|
|17. September 1809||Ottobeuren||Unterallgäu Bayern D|
|Land 18. Jh.||Bistum 18. Jh.|
|Reichsabtei Ottobeuren||Augsburg|
|Kurzbiografie|
|Johann Nepomuk Holzhey muss als einziger der grossen Orgelbauer Schwabens die Säkularisation der Klöster und das Ende einer gepflegten Musikkultur miterleben. Seine Orgelwerke, auch wenn er sie nach 1784 in klassizistischen, meist weiss gefassten Gehäusen erstellt, sind in der Tradition der Barockorgel gebaut, wie die nebenstehende Orgel von Rot an der Rot. Auch seine letzte grosse Orgel, die er in Neresheim 1792–1797 baut, stellt eine grossartige Einfühlung in die Architektur Balthasar Neumanns dar und ist gleichzeitig Schluss- und Höhepunkt einer langen glanzvollen Periode des Orgelbaus. Die neuen Herren in Süddeutschland benötigen keine solchen Instrumente mehr.|