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Allgemein
Brachycephale Hunderassen
Einige Hunde (Boxer und Pekinesen) sind nach der Applikation von Acepromazin in einer Dosis von 0,55 mg/kg innert 5 - 10 Minuten kollabiert. Klinisch waren Apnoe, verlangsamter Puls und völlige Bewusstlosigkeit festzustellen (Garland 1968a; White 1968a).
Aggressives Verhalten Hund
Es wird beschrieben, dass bei einigen Hunden nach Acepromazinapplikation plötzlich ein aggressives Verhalten aufgetreten ist (Waechter 1982a). Es handelt sich dabei um eine Idiosynkrasie. Die Prävalenz dieser Reaktionen ist nicht bekannt (Meyer 1997a).
Rind
Acepromazin kann die Muskulatur des Oesophagus und der Kardia relaxieren, wodurch es zu vermehrtem Regurgitieren kommt (Jones 1972a; Hall 2001g).
Durch eine Prämedikation mit Acepromazin verläuft die Aufwachphase nach der Operation unruhig, daher sollten die Tiere besser mit Xylazin prämediziert werden (Garner 1975b).
Lokale Nebenwirkungen
Dermatitis
Bei einem Hund wird eine Dermatitis mit einem Erythem und partiellem Haarausfall auf dem Kopf und auf dem Thorax nach der Applikation von Acepromazin beschrieben. Die Reaktion ist auf eine Hypersensitivität oder auf eine Photoallergie zurückzuführen(Baker 1975a).
Intramuskuläre Injektion
Eine intramuskuläre Injektion kann vorübergehend Schmerzen an der Injektionsstelle verursachen (Plumb 2002a).
Systemische Nebenwirkungen
ZNS
Ungenügende Sedation
Eine der grössten Nachteile von Acepromazin bei Pferden ist die unzuverlässige Sedation. Nur 60 - 70% der Tiere reagieren in der vorgesehenen Weise, die anderen zeigen keine Wirkung oder aber eine tiefe Sedation mit Ataxien und der Gefahr des Niederbrechens (Muir 1991c).
Hypothermie
Phenothiazine führen zu einer Entkopplung der zentralen Thermoregulation (Hall 2001b).
Meistens kommt es zu einer langanhaltenden Absenkung der Körpertemperatur (Alef 2003a; Bostrom 2003a).
Extrapyramidale Effekte
Hohe Dosen Acepromazin können extrapyramidale Symptome hervorrufen, wie Muskelzittern, leichte Steifheit und Unruhe. Verursacht wird dies dadurch, dass Acepromazin die Dopaminwirkungen in den Basalganglien beeinflusst. Diese Symptome ähneln der Parkinsonkrankheit beim Menschen, die durch einen Dopaminmangel in den Basalganglien charakterisiert ist (Muir 1991c).
Reizschwelle für Krampfanfälle
Acepromazin erniedrigt die Reizschwelle für Krampfanfälle und erhöht den intrakraniellen Druck (Short 1984b). Beim Gerbil kann Acepromazin zu tonisch-klonischen Krämpfen führen (Ness 2001a; Allen 2005a).
Uebererregbarkeit Pferd
Es wird beschrieben, dass 0,5 mg/kg Acepromazin 20 Minuten nach der Injektion bei einem Pferd zu einer starker Uebererregbarkeit mit Schwitzen, Zittern und Unruhe geführt hatte. Diese Reaktion dauerte ungefähr 40 Minuten an (MacKenzie 1977a). Rohr et al. berichten von inversen Reaktionen bei Pferden: die Tiere waren schreckhaft und überempfindlich auf Lärm und Licht (Rohr 1982a).
Bei Pferden mit einem hohen Sympatikustonus, als Folge von Angst oder Aufregung, kommt es nach Applikation von Acepromazin zu einem stärkeren Blutdruckabfall als bei einem ruhigen Pferd. Dies kommt durch die α1-adrenerge-Rezeptorblockade von Acepromazin und der β-adrenergen-Rezeptorstimulation durch die endogenen Katecholamine zustande (Thurmon 1987a).
Therapie bei Hypotension
Die meisten gesunden Tiere kompensieren den Blutdruckabfall gut, aber in hypovolämischen Tieren oder bei Schockpatienten kann es zu einem massiven Abfall des Blutdruckes kommen (Hall 2001b).
Eine Hypotension kann mit einer massiven Infusion von Elektrolytlösungen behandelt werden (Hunde und Katzen: Ringerlaktat 20 - 80 ml/kg (Bednarski 1992d)) (Hall 2001j). Auf keinen Fall sollte Adrenalin verabreicht werden, weil dies durch die Adrenalinumkehr zu einer Verschlimmerung des Zustandes führt (Muir 1991c).
Hämatokritabfall
Acepromazin führt durch die α1-adrenerge-Rezeptor-Blockade in der Milz zu einer Vasodilatation der Milzgefässe. Dies führt zu einem Abfall des Hämatokrites und zusätzlich zu einer Erniedrigung der Leukozytenzahlen bei Hunden (Lang 1979a). Auch beim Pferd bewirkt Acepromazin einen markanten Abfall des Hämatokrites (MacKenzie 1977a), der durch die Sequestrierung der Erythrozyten in der Milz zustande kommt. Die Höhe des Abfalls hängt nicht von der Menge oder der Applikationsart ab, wohingegen die Länge des Effektes von der Dosis abhängig ist (Parry 1983a). Sogar bei der peroralen Applikation sinkt der Hämatokrit ab (Miller 1987b).
Verminderte Thrombozytenaggregation
Acepromazin führt zu einer reduzierten Plättchenaggregation (Bednarski 1992d).
Respirationstrakt
Acepromazin senkt die Atemfrequenz (Muir 1979a), was durch den sedativen Wirkungseffekt zu erklären ist (Farver 1986a). Das Atemzugvolumen steigt aber, wodurch ein normales Atemvolumen erhalten bleibt (Muir 1975a). Die Blutgaswerte (Stepien 1995a), der pH und die Sauerstoffsättigung des Hämoglobins bleiben daher unverändert (Plumb 2002a).
Einige Katzen, die mit Acepromazin-Ketamin behandelt wurden, entwickelten kurz anhaltende Apnoe (Sanford 1982a). Im Jahr 2004 ist in 40% der gemeldeten unerwünschten Arzneimittelwirkungen bei der CVM (Center of Veterinary Medicine) Apnoe bei Katzen aufgetreten (CVM 1987a).
Urogenitaltrakt
Penisvorfall Pferd
Acepromazin führt beim Pferd sehr häufig zu einem Penisvorfall, der aber meistens nur vorübergehend ist (Pearson 1978a; Nie 1997a). Selten kann es zu einem Priapismus, einem dauerhaften Vorfall mit Schwellungen und Paralyse des Musculus retractor penis, kommen (Hall 2001f). Obwohl dies sehr selten vorkommt, sollte immer die kleinstmögliche Dosis Acepromazin verabreicht werden und die i.m.-Injektion ist der i.v.-Injektion vorzuziehen. Zusätzlich erhöht die Kombination Etorphin-Acepromazin die Wahrscheinlichkeit eines Priapismus (Pearson 1978a).
Zudem muss immer darauf geachtet werden, dass es während des Vorfalls zu keinen Verletzungen kommt und es sollte immer eine Nachuntersuchung stattfinden. Falls der Penisvorfall bis dann nicht zurückgegangen ist, muss mit einer Therapie begonnen werden (Pearson 1978a) die aus manueller Massage, Kompressionsverbänden und Zurückschieben des Penis mit anschliessendem Verschluss der Präputialöffnung besteht (Hall 2001f).
Galaktorrhoe
Acepromazin steigert die Prolaktinsekretion und kann so zu einer Galaktorrhoe führen (Gross 2001a).