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Editorial des Präsidenten Markus Dürrenberger
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Zum Abschluss des Jahres versuche ich immer wieder einen Schritt zurückzutreten und mir ein paar besinnliche Gedanken zu machen.
Ich hatte als Kind einmal ein Pärchen Mäuse in einem grossen Terrarium. Sie wurden sehr häuslich und gemütlich und sie fühlten sich wohl. Sie träumten davon, dass sich einmal ihr Käfig öffnen würde und sie in die weite Welt gehen könnten um viel zu erleben. Bei einer Routinekontrolle des Tierarztes sagte dieser: Die Käfigmäuse sind ein faules Pack, die müssen sich ein wenig bewegen sonst sterben sie an Herzkranzverfettung. Du musst ihnen ein Hamsterrad geben. Das tat ich auch, denn das Wohlergehen meiner Mäuse war mir wichtig. Anfangs versuchte die eine Maus in die eine Richtung zu springen, die andere wollte in die andere Richtung. Irgendwann haben sie sich zu einem Kompromiss gefunden und nun rannten sie in die gleiche Richtung. Mal war die eine fleissig und die andere hat sich um den Nachwuchs gekümmert, mal war es umgekehrt. Mit der Zeit wurde das Rad für die Mäuse immer wichtiger. Es war eine Sucht geworden. Schneller, höher, länger, weiter musste es sein. Hauptsache man war dem andern eine Nasenlänge voraus. Tagelang und Nächtelang stand das Rad nie still und man hätte viel Strom damit produzieren können.
Eines Morgens lag die eine Maus regungslos neben dem Rad. Sie atmete gerade noch. Ich erschrak und brachte sie notfallmässig zum Tierarzt. Dieser stellte fest, die Maus leidet an einer Herzgefässerweiterung und hat infolge der Überanstrengung ein Burnout erlitten. Ich habe sie mühsam gepflegt. Ich habe ihr sehr teure Medikamente gegeben. Sie wurde jedoch nie wieder richtig glücklich und verstarb schon wenige Monate später.
Die andere Maus versuchte die eine zu animieren, wieder mit ihr ins Rad zu steigen und fleissig zu rennen, damit die Mäuse im Nachbarkäfig ja nichts merken und sie zusammen wieder schneller würden als jene. Als die eine Maus dann starb, wurde die andere sehr ruhig und still. Der Tierarzt verschrieb ihr zwar noch Psychopharmaka, aber schon bald folge sie der einen Maus in den Tod.
Was hatte ich dabei gelernt? Ich habe mir geschworen, nie mehr Mäuse zu halten. Ich konnte die Verantwortung nicht tragen. Ich habe mir geschworen, ich werde fortan mein Leben nicht mehr träumen, sondern meine Träume leben. Was nützt mir Macht, Einfluss, Geld und Besitz. Diese Dinge kann man mir alle wegnehmen. Nur das, was ich mit meinen Freunden erlebt habe, das kann mir keiner mehr nehmen.