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Das Leben der 1952 geborenen Irene Staub glich schon von Beginn weg einer Achterbahn. Sie erlebte häusliche Gewalt. Ihre Eltern trennten sich, als sie noch jung war. So wuchs sie grösstenteils in einem Kinderheim auf.
Bereits mit 19 Jahren schaffte sie an, verliebte sich in ihren Zuhälter, hatte mit ihm sogar einen Sohn. Irgendwann wollte sie selbstständig sein. Sie träumte von einem Leben als Sängerin, arbeitete aber immer auch als Prostituierte.
Die Faszination Shiva
Die Freigeister der 1980er würden das Niederdorf von heute wohl kaum wiedererkennen. Für sie war das Limmatufer dreckig, unüberschaubar, wild und voller besprühter Wände. Es war die Zeit der Zürcher Jugendunruhen: «Züri brännt».
Zwischen Künstlern und Aussenseitern entdeckte die Modepionierin Ursula Rodel die junge Irene Staub. Und war von ihr sofort fasziniert. Rodel holte die vorlaute Schönheit, die sich Lady Shiva nannte, vor die Kamera. Schon bald wurden auch Künstler wie HR Giger, Sigmar Polke und Achim Duchow auf die Blondine aufmerksam.
Immer noch Hure
Lady Shiva stieg in der angesagten Künstlerszene schnell auf. Als «Schweizer Marilyn Monroe» wird Irene Staub in «Glow» von ihren Bewunderern bezeichnet. Sehr gewagt dieser Vergleich mit der Filmikone, die als Sexsymbol schlechthin gilt.
Irene Staub war gerne in der High Society unterwegs und lernte sogar die Kunstlegende Andy Warhol und Rolling Stones-Frontmann Mick Jagger kennen. Letzterer soll ihr 50 Rosen geschenkt haben.
Trotzdem bot sie auch weiterhin den Freiern ihre Dienste an. «Ich bin eine Hure», habe Irene Staub immer wieder betont, erzählt eine Freundin in «Glow».
Zwischen Welten
An einem Tag liess sie sich vom Schweizer Fotografen Walter Pfeiffer ablichten, am nächsten Tag erfüllte sie die Wünsche eines Freiers. Lady Shiva suchte grenzenlose Freiheit, wollte von nichts und niemanden abhängig sein.
In Bezug auf die Drogen gelang ihr dies nicht. Der Joint wurde schon bald durch härtere Drogen ersetzt. Malern und Fotografen fiel irgendwann das ausgezehrte Gesicht auf.
Auf der Suche nach dem Glück
In Thailand versuchte Irene Staub ein letztes Mal, ihr Glück zu finden. Aber ein Motorradunfall beendete dort 1989 das Leben der damals 37-jährigen Lady Shiva.
Wilde Theorien gab es über ihren Tod. Weil jemand gesehen haben will, wie sie ihren thailändischer Freund schlug und weil der Fahrer, mit dessen Jeep sie zusammengeprallt sein soll, nie gefunden wurde, sprechen einige von Mord. Andere vermuteten Selbstmord, weil sie depressiv war und von den Drogen nicht los kam.
Lady Shiva hat alles, was es braucht, um als Gestalt der Popkultur nicht vergessen zu werden: Berühmte Bekannte, Kontakte ins Künstler- und Rotlichtmilieu, ein Drogenproblem und einen frühen Tod, um den sich düstere Gerüchte ranken.
Die Doku
Wer war die Ikone genau? Warum wurde sie so bekannt? Wo ist ihr Sohn? Die Doku «Glow» beantwortet diese Fragen nicht, zeigt grösstenteils ernüchternde Bilder. Am Schluss wird die Behauptung, Irene Staub sei ermordet worden, unkommentiert in den Raum gestellt. In «Glow» wird zu viel offengelassen, die Faszination für die Lady bleibt unverständlich.