Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03369.jsonl.gz/1326

Franz Waxman Kritzerland KR 20026-1 78:51 Min. 23 Tracks Limitiert auf 1000 Stk.
Anfangs der 1950er-Jahren hatte Franz Waxman einen Lauf und gewann für Sunset Boulevard und A Place In The Sun gleich zweimal hintereinander den Oscar. Etwas, das zuvor noch kein Filmkomponisten geschafft hatte und erst in jüngerer Vergangenheit Alan Menken und Gustavo Santaolalla wieder gelang.
George Stevens Edeldrama A Place In The Sun basiert auf Theodore Dreisers Roman «An American Tragedy» (unter diesem Titel bereits 1931 von Josef von Sternberg erstmals verfilmt) und ist mit Montgomery Clift, Elizabeth Taylor in ihrer ersten «Erwachsenenrolle» und Shelley Winters erlesen besetzt. Clift spielt den jungen George Eastman, der sich auf seinem Weg zum Platz an der Sonne in einem auswegslosen Liebesdreieck verfängt und daraufhin eine verhängnisvolle Entscheidung fällt.
Den grössten Identifikationsfaktor von Waxmans Score bildet das Hauptthema ‒ eine der erinnerungswürdigsten Kreationen des Komponisten ‒ das auch als Liebesthema sowie als Motiv für die von der Taylor dargestellte Angela Vickers dient und die Schönheit der damals gerade mal 17-jährigen Schauspielerin kongenial betont. Es tritt mal romantisch in den Streichern, mal sinnlich und sehnsüchtig im Saxophon, mal elegant in der Bearbeitung als Tanzmusik in Erscheinung.
Im Vergleich dazu ist das Thema für die von Shelley Winters verkörperte Alice Tripp ‒ sehr schön hervorgehoben in Loon Lake ‒ Part 2 ‒ zwar weniger glamourös, aber doch auch sehr gefühlvoll und vor allem im dramatischen Bereich stärker gewichtet. Und die Dramatik nimmt denn auch im Verlauf des Scores stetig zu. Da gibt es zum Beispiel einen perkussiven Herzschlag, der in To The Lake, The Drowning ‒ Part 1 und The Drowning ‒ Part 2 an The Creation aus The Bride Of Frankenstein erinnert, Holzbläser-Vogelstimmen in Buildup To Murder,die teilweise wie Mahnrufe wirken und natürlich die panikartige Fuge in Farewell And Frenzy, die einen wichtigen Bestandteil der brillanten Suite von Charles Gerhardt bildet, der uns mit seiner Einspielung für die «Classic Film Scores»-Reihe einen ansehlichen Appetithappen aus dieser Filmmusik offerierte, die nun in ihrer originalen Form bei Kritzerland ‒ lang hat’s gedauert ‒ endlich ihre erste offizielle Veröffentlichung erfahren hat.
Wie komplett diese Veröffentlichung letzten Endes ist, darüber lässt uns Bruce Kimmel in seinem wie üblich ziemlich dürftig getexteten Booklet aber leider im Unklaren. Zwar geht er darauf ein, dass A Place In The Sun bereits 1949 gedreht wurde, aber, um nicht mit Sunset Boulevard zu konkurrieren, erst 1951 in die Kinos kam. Das gab Stevens genügend Zeit, noch am Film herumzudoktern, was ein wenig Re-Scoring nach sich zog. Da Waxman dafür jedoch keine Zeit hatte, übernahmen Victor Young und Daniele Amfitheatrof diese Aufgabe. Aber während auf dem Cover «Composed and Conducted by Franz Waxman» prangt, sind die Tracks in den Liner-Notes zwischen den drei Komponisten/Dirigenten aufgebröselt. Ziemlich verwirrend, das Ganze, vor allem weil sich hierbei auch die Frage stellt, ob sich auf der CD denn nun nur Cues von Waxman oder auch von Young und Amfitheatrof befinden.
Zur Lösung dieses Problems hätte ich einen Vorschlag: eine Neueinspielung des kompletten Scores wie er sich im Film präsentiert, mit präzisen Angeben, welcher Komponist was beigesteuert hat. Ich wundere mich sowieso, warum das nicht längst geschehen ist, schliesslich wurde es bei Sunset Boulevard ja auch gemacht. Und dieser Score dürfte kaum populärer (oder wichtiger) sein als A Place In The Sun; wie der rasche Ausverkauf dieser CD beweist, wäre ein kaufwilliges Publikum durchaus vorhanden.
Andi, 18.9.2013