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Das Projekt sieht vor, für die Schulsprachen der Rätoromanen (Rumantsch Grischun (RG) und Deutsch) Basisstandards zu erarbeiten, wie dies in der Schweiz für das Deutsche, Französische und Italienische bereits durch das sog. HarmoS-L1-Konsortium gemacht worden ist. Dabei soll - wo immer sinnvoll - ein analoges Vorgehen gewählt werden.
Als Basis für die Ausarbeitung der Basisstandards soll zunächst im Rahmen einer Bedarfsanalyse die Sprachkompetenz, die für RG und Deutsch in der obligatorischen Schule angestrebt werden kann und soll, annähernd festgestellt werden. Dies geschieht unter Berücksichtigung der dafür vorgesehenen Lehrmittel und Lehrpläne sowie unter Einbezug der Lehrpersonen, die diese verwenden. Dabei ist einerseits die durch den Übergang von der idiomatischen Schriftsprache zur Standardschriftsprache RG bedingte grössere Diglossie innerhalb des Rätoromanischen zu berücksichtigen, andererseits jedoch auch die Tatsache, dass die Rätoromanen zweisprachig sind und von ihnen annähernd gleiche Deutschkenntnisse verlangt werden wie von rein deutschsprachigen Schülerinnen und Schülern. Ausgehend von diesen Überlegungen und unter Einbezug der einschlägigen Literatur soll anschliessend ein multilinguales Kompetenzmodell für SchülerInnen erarbeitet werden, die in RG unterrichtet werden. Im Unterschied zu Modellen des multiplen Spracherwerbs ist dieses spezifisch auf die Situation einer Minderheitensprachgruppe ausgerichtet. Auf der Basis dieses Modells soll dann das Testkonstrukt definiert und in Testaufgaben operationalisiert werden, so dass schliesslich die bei den SchülerInnen effektiv vorhandenen Sprachkompetenzen erhoben werden können. In diesem Prozess sind die für standardisierte Sprachtests üblichen Phasen zu durchlaufen: Planungsphase, Konzeptionsphase, Entwicklungsphase, Durchführungsphase und Kontrollphase (vgl. stellvertretend z.B. ALTE-HR Modul 2). Bei diesen Projektschritten kann an Arbeiten und wichtige methodische Erfahrungen der L1- und L2-Konsortien des HarmoS-Projekts angeschlossen werden, und diese Erfahrungen sollten auch eine gute Grundlage sein für den letzten Projektschritt: das Setzen von Standards für RG und Deutsch als begründetes Abwägen zwischen erwünschten und effektiv vorhanden Sprachkompetenzen.
Ziel des Projekts ist es, für die Schulsprachen der Rätoromanen ein soweit wie möglich validiertes Kompetenz-Beschreibungs- und -Erfassungs-Instrumentarium und darauf bezogene, theoretisch und empirisch abgestützte Basisstandards zur Verfügung zu stellen, wobei das Hauptaugenmerk auf der 6. Klasse als wichtiger schulischer Schnittstelle liegen soll. Mit diesem Instrumentarium wird eine praktische Zielsetzung in Analogie zu HarmoS verfolgt, wobei es im hier vorgeschlagenen Projekt zentral darauf ankommt, der spezifischen Mehrsprachigkeits- und Minderheitensituation der Rätoromanen gerecht zu werden. Gleichzeitig will dieses Projekt auch einen eigenständigen Forschungsbeitrag im Bereich der Erforschung mehrsprachiger Kompetenzen und deren Modellierung leisten.