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Teresa Vena
22. März 2024
Über der Eingangstür thront eine Fratze aus Stein, die, so scheint es, spöttisch und prüfend auf den Besucher und die Besucherin hinunterblickt. Sie ist Teil der expressionistischen Architektur des Gebäudes an der Kalkbreitestrasse in Zürich, in dem das Kino Uto noch bis Ende März dieses Jahres untergebracht ist. Knapp vor seinem 100-jährigen Jubiläum endet der Kinobetrieb, der 1926, als der erste Streifen für die mehrheitlich aus der unteren Mittelklasse stammenden Bewohnerschaft des Quartiers über die Leinwand flimmerte, begonnen hatte.
Seitdem blieb der Saal in Funktion, wechselte den Pächter einige Male, bekam 1968 eine Renovierung und seinen bis zuletzt gültigen Namen und schärfte sein Profil mit einem gemischten Programm, das auch Autorenfilme und Retrospektiven umfasste. Ab 2013 war das Uto Teil der Arthouse Commercio Movie-Gruppe, die weitere Kinosäle in Zürich betreibt, darunter auch das Alba, am Eingang des Zürcher Niederdorfs, das Ende letzten Jahres aus Rentabilitätsgründen geschlossen wurde.
Den Mietvertrag für das Uto hätte man aber gerne verlängert, wie Franziska Thomas, Geschäftsführerin von Arthouse Commercio Movie AG erklärt. «Wir standen in einem engen Austausch mit der Eigentümerin der Immobilie, und der Zuschlag für den Weiterbetrieb des Kinos schien sehr wahrscheinlich», ergänzt sie. Doch so kam es nicht. Thomas vermutet, dass die Konkursmeldung des Kosmos in Zürich zum Zeitpunkt der Verhandlungen Einfluss auf die Entscheidung der Versicherungsgesellschaft PK Rück gehabt haben könnte. Letztere, der das Gebäude seit 2016 gehört, begründete ihren Entschluss auf Anfrage wie folgt: «Ein Kinobetrieb ohne gastronomische Nutzung ist nicht mehr nachhaltig. Die für ein solches Konzept erforderlichen Baumassnahmen liessen aber die Vorgaben der Denkmalpflege nicht zu», so die Geschäftsführerin Regina Knöpfel. Daran könne auch eine Petition nichts ändern, wie sie im März 2023 für den Erhalt des Uto initiiert wurde, ergänzt sie.
Nach einer umfassenden Sanierung im Laufe der nächsten zwei Jahre, bei der der Art Déco-Charakter des Gebäudes erhalten bleiben soll, werde man das Erdgeschoss wieder an jemanden aus dem Kulturumfeld vermieten. Die Frage, ob der Kinosaal überleben wird, bleibt vorläufig unbeantwortet. «Nachhaltigkeit, soziales Engagement und ein partnerschaftlicher Umgang sind Eckpfeiler unserer Unternehmenskultur. Dazu gehört auch das Bereitstellen von bezahlbarem Wohnen oder das Schaffen eines Ortes für Kultur und Begegnung», ergänzt Knöpfel. Mit dieser eher vagen Aussage verweist PK Rück auf den Sommer, wenn man voraussichtlich den neuen Mieter kennen werde.
Teresa Vena und Adrien Kuenzy
22 März 2024