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Naturmuseum Winterthur
Museumstrasse 52
8400 Winterthur
Vor über 350 Jahren beginnt die Geschichte des Naturmuseums. Im Kuriositätenkabinett, einem Teil der neu gegründeten Stadtbibliothek, wurden „Wunderwerke der neuen und alten Welt“ aufbewahrt. Durch Souvenirs weitgereister Winterthurer, aber auch durch das Sammeln lokaler Funde, wuchs daraus ein Naturalienkabinett. Es entwickelte sich dank der systematischen Sammeltätigkeit zu einer selbständigen städtischen Sammlung und diente als „Stätte der Volksbelehrung“.
Im Jahr 1593 wurde die erste Anregung zur Errichtung einer Bibliothek in Winterthur öffentlich ausgedrückt. Die Idee blieb vorerst eine solche, bis im Jahre 1660 die Stadtbibliothek, damals als Bürgerbibliothek, gegründet wurde. Diese Anfänge fanden im Hinwilerhaus statt. (Hinwilerhaus = Eckhaus Stadthausstrasse/unterer Graben, heute Rathaus-Apotheke/Migros Bank). Anschliessend war die Bibliothek lange Jahre im Rathaus untergebracht. Unter „Kunst-und Wunderwerke der neuen und alten Welt" wurden nicht nur Bücher verstanden, sondern es fanden auch naturwissenschaftliche und numismatische Themen ihren Niederschlag. Auch Gemälde wurden aufgenommen. Es entstand in der Folge ein Kuriositätenkabinett.
Im Rathaus an der Marktgasse waren die Sammlungen noch während längerer Zeit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts untergebracht; im Hauptsaal und in den Kabinetten waren die Bücher den Wänden entlang aufgestapelt, nach dem Prinzip des Gewichtes und Raumes geordnet. In Glasschränken waren die Naturalien und Kuriositäten untergebracht. Noch heute befindet sich ein naturwissenschaftliches Objekt aus der Anfangszeit prominent in der der Ausstellung des Naturmuseums Winterthur wieder: Es ist dies das 1664 von Bartholomäus Schobinger (St. Gallen) geschenkte „Krokodil, 11 Schuh lang“. Im ersten Bericht an die Mitglieder der Museumgesellschaft von 1916 sind weitere Objekte des Kuriositätenkabinetts erwähnt: Kristalle, Korallen, Tier- und Menschenskelette und Versteinerungen.
Die Geberfreude hielt manche Jahrzehnte an, sodass dieser Teil der Bibliotheksammlung kontinuierlich anwuchs. Sie profitierte dabei von den weitgereisten Winterthurer Handelsleuten, die vielfach aus den besuchten fernen Ländern Sammlungsstücke mit nach Hause brachten. Die Namen der Schenker und Donatoren ist ein „Who is who“ von Winterthur, so z.B. Ziegler-Pellis, B. Rieter, S. Volkart, Täuber-Thellung, Ziegler-Ernst, A. Ernst, J.M. Ziegler zum Palmengarten usw. Die Platznot liess es nicht zu, die mannigfaltigen Sammlungsstücke thematisch zu ordnen und zu präsentieren. Das änderte sich als man dann 1842 vom Rathaus ins Knabenschulhaus ziehen konnte. In den neuen Räumlichkeiten schaffte man auch neue Sammlungen und Sammlungsteile an, so zum Beispiel die Challandesche Sammlung (Tiere der Alpenwelt) als erster Sammlungszweig der Lokalfauna, ab 1870 die ersten Insektensammlungen von Dr. Troll und Henri Ernst, vor allem erweiterte man die paläontologische Sammlung, die durch Schenkungen von Oswald Heer, A. Biedermann-Imhoof, Imhoof-Hotze, Imhoof-Blumer, Stadtpräsident Sulzer und weiteren an Bedeutung gewann. Der erste Konservator der naturwissenschaftlichen Sammlungen war ab 1886 Dr. Robert Keller. Hauptberuflich war er Lehrer im gleichen Haus an der Knabenschule, nebenamtlich leitete er die naturwissenschaftlichen Sammlungen und bereicherte sie als begnadeter Botaniker mit einem grossen Lokalherbar.
Dass die Räumlichkeiten der naturwissenschaftlichen Sammlung zusammen mit der Bibliothek in alten Knabenschuhaus an der Stadthausstrasse bald aus allen Nähten platzten, ist kaum verwunderlich. Und man kann es sich heute kaum vorstellen, was und wie dort ausgestellt war. Das wurde alles anders als am 2. Januar 1916 das neue Museumsgebäude hinter dem Altstadt-Schulhaus an der Museumsstrasse eröffnet werden konnte. Die vier Kultureinrichtungen Kunstmuseum, Bibliothek, Münzkabinett mit Antikensammlung und Naturmuseum zogen in eigene, grosse neue Räume ein. Der Umzug der naturwissenschaftlichen Sammlung ins Museumsgebäude verhalf diesem Museumsteil zu einem neuen grossen Aufschwung. Wenn auch noch nicht alle Sammlungsteile gezügelt waren, noch einigermassen sortiert und angeschrieben, nahm die Besucherzahl stark zu. Der Konservator Dr. Robert Keller wurde gefordert, stellte sich dieser Herausforderung aber gerne. Das neue Haus inspirierte auch die Gönnerschaft, die zahlreiche Sammlungsgegenstände dem neuen Haus vermachten. Neu kamen dazu vor allem zoologische Präparate der Lokalfauna (geschenkt durch die Museumsgesellschaft) und die Korallensammlung von Carl Weber.
Die Weiterentwicklung des Naturmuseums in den neuen Räumen im neuen Hause blieb in den Jahrzehnten danach etwas stecken. Man beschränkte sich darauf, das Museum gut zu unterhalten. Das belegen auch die Besucherzahlen, die sich beharrlich zurück entwickelten. Das änderte sich als 1973 Kurt Madliger, er wechselte als Stadtforstmeister in die Museumsleitung, neuen Schwung ins Ausstellungskonzept brachte. Er konzipierte und organisierte erste Sonderausstellungen mit den Themen „Kolibris“, „Erdbeben“, „Das Bild der Alpen“ und „Das Winterthurer Kartografische Gewerbe 1842-1924“. So richtig in Schwung kam das Naturmuseum Winterthur ab den Jahren 1982, als Hans-Konrad Schmutz die Museumsdirektion übernahm. Er erkannte, dass ein Museum, das auf ein regionales Publikum ausgerichtet ist, mit Wechselausstellungen immer wieder neue Anreize zum Museumsbesuch schaffen muss. Zirka 100 Wechselausstellungen hat Schmutz in seiner Amtszeit von 1982 bis 2016 in Zusammenarbeit mit weiteren Naturmuseen der deutschsprachigen Schweiz präsentiert. Davon waren zwanzig Eigenproduktionen. Sein Wirken und die weltweite Anerkennung seines Schaffens wurden auch in Winterthur selbst anerkannt und geschätzt. Sein Projekt die Räume im Museumsgebäude neu zu gestalten wurde ab 2001 umgesetzt. Der nötige Kredit von rund 5 Mio. Franken, wurde durch die Stadt, Sponsoren und Gönnern zusammengetragen.
Am Samstag, 26. November 2005, öffnete das neue Naturmuseum Winterthur seine Pforten. Nach dreijährigen Umbauarbeiten löst es- gründlich entrümpelt und baulich neu gestaltet- die bisherigen Naturwissenschaftlichen Sammlungen ab. Sie haben sich zum modernen, familienfreundlichen Naturmuseum gewandelt. Ein Naturmuseum soll Kindern und Erwachsenen die Natur nahe bringen. Das Winterthurer Naturmuseum hat dazu ein wegweisendes Konzept entwickelt, das auf Erfahrungen aus über fünfzig Wechselausstellungen beruht. Die alten Objekte erzählen neue Geschichten und die unterschiedlichsten Aspekte der Landschaft werden zu überraschenden Bildern vernetzt. In den neu gestalteten Sälen der ehemaligen Naturwissenschaftlichen Sammlungen werden sieben Themenkreise auf zwei Etagen familienfreundlich präsentiert. Ziel ist es, den Ausstellungsbesuch für Gross und Klein zum Erlebnis zu machen.
Im ehemaligen grossen Zoologiesaal entdecken die Besucherinnen und Besucher die spannende Welt der heimischen Lebensräume vom Fliessgewässer bis zur Schutthalde, vom dicht überbauten Siedlungsraum bis zur Waldfläche. Im Wohnhaus offenbaren sich die unterschiedlichsten Lebensbereiche der heimlichen Untermieter -von den Milben im Teppichdschungel bis zum Siebenschläfer im Estrich. Eine Pflanzenuhr zeigt kaum bekannte Aspekte des Gartens. Ein Jahrtausend alter Wurzelstock und andere Exponate illustrieren, dass die heutige Landschaft das Ergebnis einer langen Geschichte ist. Sie wird anhand ausgewählter Schlüsselobjekte im ehemaligen kleinen Zoologiesaal rückwärts aufgerollt: vom heutigen Siedlungsbild hin zu den ersten Siedlungsspuren bis zum nacheiszeitlichen Dättnauer Wald, von der Eiszeit zurück zum «subtropischen» Winterthur vor Jahrmillionen.
Im Untergeschoss taucht das Publikum hinab ins Reich der Fischsaurier und Seelilien. Es folgt dem Weg eines versteinerten Fischsauriers von der Bergung über die Präparation bis zu seiner rekonstruierten Lebenswelt vor hundertachtzig Millionen Jahren. Der Weg führt vom Fossiliensteinbruch in den Innenraum eines angedeuteten Unterseeboots auf Schleichfahrt durch das Posidonienmeer (mit tierischem Besatz bewachsene Holzreste aus dem schwäbischen Posidonienmeer). Daneben stehen tausend funkelnde Objekte für die Welt der Mineralien und Gesteine; sie erzählen Winterthurer Baugeschichten. Dreidimensionale Modelle der bekanntesten Schweizer Berge bieten einen Einblick in die faszinierende Alpenwelt. Illustriert mit den wichtigsten Alpentieren, dokumentieren sie den alpinen Lebensraum vom Säntis bis zum Matterhorn. Kulturhistorisch wichtige Bild- und Tondokumente zeigen den Mythos vom Schweizer Alpenland in seiner Doppelbödigkeit. Das nachgebaute Zwischendeck des Winterthurer Klippers «Ida Ziegler» bildet mit seinen schwankenden Planken die ideale Kulisse für die völkerkundliche Sammlung. Die Objekte belegen Reisen und Handelskontakte von Winterthurer Bürgern und Bürgerinnen in den letzten dreihundert Jahren rund um den Erdball.
Seit mehr als 100 Jahren ist das Naturmuseum Winterthur nun auf zwei Geschossen im Museumsgebäude vorhanden. Die Bodenfläche ist unverändert, aber die Ausstellungspräsentation ist mit der Zeit gegangen. Auch ein eigenes Kindermuseum wurde eingerichtet. Die naturwissenschaftlichen Sammlungen zeigen sich direkt und besucherfreundlich, entstanden ist ein familienfreundliches und pfiffiges Naturmuseum. Seine Ausstellungen ermöglichen ein spielerisches und lehrreiches Eindringen ins faszinierende Reich der Natur. In der Dauerausstellung wird die Natur vor unserer Haustür für Gross und Klein begreifbar. Daneben setzen Wechselausstellungen zusätzliche Schwerpunkte. Da geht es um heimische Tiere und Pflanzen, um ihre Eigenheiten und ihre Geschichte.
|Naturmuseum Winterthur
||Konservatoren|
|1886-1935
||Robert Keller
||1864-1939|
|1935-1955||Gottlieb Geilinger||1881-1955|
|1955-1958||Armin Walkmeister||1922-1999|
|1958-1967||verwaist|
|1967-1972||Ursula Hofmann||1941-2004|
|1973-1982||Kurt Madliger||1918-1992|
|1982-2016||Hans-Konrad Schmutz||geb. 1951|
|seit 2016||Daniela Zingg||geb. 1969|