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Vitamine sind organische Verbindungen, die für den tierischen Organismus lebensnotwendig sind. Sie werden mit dem Futter aufgenommen oder können durch Bakterien im Verdauungstrakt gebildet werden. Dies ist allerdings nur bei Vögeln so, da sie über gut ausgebildete Blinddärme verfügen.
Aufgrund ihrer Lösbarkeit lassen sich die Vitamine in Fett- (A, D, E und K) und wasserlösliche (B-Komplex und C) Vitamine einteilen. Jedes Vitamin hat im Organismus eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen. Das vollständige fehlen eines jeden Vitamins hat deshalb typische Ausfallerscheinungen zur Folge. Solch extreme Mangelsituationen sind aber bei normaler Fütterung äusserst selten. Unterversorgung mit einzelnen Vitaminen kommen allerdings häufiger vor.
Beobachtung von Entwicklungsstörungen, erhöhter Infektanfälligkeit und unspezifischen Tierverlusten, weist oft auf eine Unterversorgung einzelner Vitamine hin, leider sind diese Diagnostisch schwer zu erfassen.
Grundsätzlich müssen alle Vögel ausreichend mit Vitaminen versorgt werden, da sie einen intensiven Stoffwechsel haben. Die Sicherung einer optimalen Vitaminversorgung ist schwierig, weil weder über den Vitamingehalt im Futter noch über den spezifischen Bedarf aller Vögel ausreichend Informationen vorliegen. In Zeiten, in denen besondere Leistungen durch den Vogel vollbracht werden müssen, ist eine optimale Vitaminversorgung sehr wichtig. Hierbei steht das Wachstum an erster Stelle. Vitaminmangelzustände sind deshalb häufig bei jungen Tieren zu beobachten. Dabei ist zu bedenken, dass ein Vitamindefizit bereits auf die Elterntiere zurückgehen kann, da zwischen Vitamingehalt im Ei ("Reserveorgan" des heranwachsenden Kükens, dem Dottersack und der Leber) und dem Vitaminangebot im Futter ein unmittelbarer Zusammenhang besteht.
Da der Vitaminbedarf von Vögeln im engem Zusammenhang mit der Intensität des Stoffwechsels steht, benötigen Vögel, bei grösserem Stoffwechsel, auch mehr Vitamine.
In diesem Zusammenhang sind die Mauser, Brut, das Wachstum und eine Vielzahl von Faktoren zu nennen, die unter dem Begriff Stress (ungünstige Klimafaktoren, Transport, Umgewöhnung usw.) zusammengefasst werden können. Letztlich kann auch die Haltung des Vogels den Vitaminbedarf beeinflussen. So nehmen beispielsweise Wellensittiche durch Kotfressen (Koprophagie) Vitamin B 12 auf. Fehlt diese Möglichkeit, weil die Tiere auf Drahtböden gehalten werden, kann das durchaus zu entsprechenden Mangelerscheinungen führen.
Wegen der vielen Faktoren, die den Vitaminbedarf des Vogels verändern, und dem schwer einzuschätzenden Vitamingehalt der Nahrungsobjekte, ist die Sicherung einer vollwertigen Vitaminversorgung durchaus schwierig. Auch wenn Mangelsymptome ausbleiben, ist dies nicht immer gleichbedeutend mit einer optimalen Versorgung. Wichtig ist aber auch, dass die Vitamine A und D versehentlich überdosiert werden können, weil sie aufgrund ihrer Fettlöslichkeit im Körpergewebe gespeichert werden.
Doch wie wird die Vitaminversorgung des Vogels gedeckt?
Natürliche Vitaminträger sind sicher synthetisch hergestellten Produkten vorzuziehen. Junge Pflanzenteile (Knospen und Keime), Wurzeln, Beeren, Früchte und Gemüse können den Vitamingehalt ausreichend abdecken.
Neben ihrem Gehalt an Vitaminen besitzen Futtermittel pflanzlichen Ursprungs ätherische Öle, antibiotisch wirkende Substanzen, Gerb-, Bitter- und Ballaststoffe. Sie haben allesamt eine Bedeutung für die Regulation der Verdauungsvorgänge. Ein bei vielen Vogelhaltern beliebter natürlicher Vitaminträger ist das Keimfutter. Es ist für viele Körnerfresser unerlässlich, weil mit der ausschliesslichen Verfütterung trockener Sämereien die Vitaminversorgung nicht gewährleistet ist. Auch in freier Natur fressen Körnerfresser Samen im grünen, halbreifen oder bereits in leicht gekeimten Zustand.
Synthetisch hergestellte Produkte sollten nur sparsam eingesetzt werden, wenn die Vitaminversorgung mit natürlichen Lebensmitteln nicht möglich ist. (ZB. bei Krankheit, durch anraten eines vogelkundigen Tierarztes etc.). Sie werden in Pulverform, in wässriger und in öliger Lösung angeboten. Letztere belasten durch ihren Fettgehalt die Verdauungsorgane und werden deshalb vor allem von kleinen Vögeln schlecht vertragen. Synthetische Vitamine lassen sich dem Futter beimischen oder im Trinkwasser lösen. Die Verabreichung über das Futter setzt voraus, dass das Vitamin an dem Futter haftet oder sich mit diesem dauerhaft vermischen lässt. Über das Trinkwasser lassen sich alle wasserlöslichen Präparate verabreichen. Um den Vitaminzerfall durch Lichteinwirkung zu verzögern, sollten lichtundurchlässige Kunststoff- oder braun eingefärbte Glastrinkgefässe verwendet werden. Vögeln, die ihre Nahrung verschlingen, können Vitaminkapseln oder Dragees auch im Futter (zum Bespiel im Frischfutter) versteckt werden.