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Im letzten Jahr habe ich einen Birnbaum gepflanzt, der, wie das beigeschlossene Bild zeigt, an ca. 40 bis 50 Blättern diese "Geschwüre" aufweist. Hoffentlich ist das kein Feuerbrand. Ich habe alle Blätter abgenommen und in die Kehrichtverbrennung geschickt. Wissen Sie, worum es sich handelt?
Ihre Birnbaumblätter sind vom Gitterrost befallen. Der Birnengitterrost gehört zu den wirtswechselnden Rostpilzen. Er lebt das ganze Jahr auf dem Wacholder. Die Stellen, wo der Rostpilz die Wacholderzweige infiziert hat, sind spindelartig verdickt und sind das ganze Jahr erkennbar. Auf diesen vom Pilz besiedelten Zweiganschwellungen werden alljährlich im April/Mai gallertartige Sporenzäpfchen mit Pilzsporen produziert. Diese Pilzsporen infizieren die frisch ausgetriebenen Blätter des Birnbaumes. Auf den Birnblättern entwickeln sich an den Infektionsstellen blattoberseits gelbe bis rötliche Flecken, wo anschliessend auf der Blattunterseite geschlitzte Zäpfchen ausgestülpt werden. In diesen geschlitzten Zäpfchen bilden sich Pilzsporen, welche ihrerseits einzig anfällige Wacholderarten befallen können (eine Liste der anfälligen Sorten können Sie mit untenstehender Verknüpfung abrufen). Birnbäume können sich nicht gegenseitig anstecken. Mit dem Blattfall im Herbst fällt auch der Rostpilz zu Boden und stirbt ab. Eine erneute Infektion der Birnbäume erfolgt erst wieder im nächsten Frühjahr, ausgehend von infizierten Wacholdersträuchern.
Zur Verhütung der Krankheit sollten keine anfälligen Wacholderarten in der Nähe von Birnbäumen gepflanzt werden. Die Sporen werden mit dem Wind bis 500 m weit getragen, unter Umständen auch weiter. Je weiter entfernt die Infektionsquelle (Wacholder) von den Birnbäumen steht, desto geringer ist das Ausmass des Befalls und umgekehrt. Die wirkungsvollste Massnahme besteht deshalb darin, befallene Wacholdersträucher in der näheren Umgebung von Birnbäumen zu roden und zu schreddern.
Falls der für den Befall verantwortliche Wacholder nicht gefunden wird, können die Blätter der Birnbäume durch vorbeugendes Behandeln mit Belrose von Maag geschützt werden. Es werden 2 Behandlungen zwischen Mitte Mai und Anfang Juni empfohlen. Wenn der Befall weniger als ein Drittel der Blätter betrifft, ist eine Behandlungen nicht unbedingt notwendig. Der Pilzbefall schwächt den Birnbau wohl etwas, ist jedoch in keinem Fall eine ernsthafte Bedrohung; eher ein ästhetisches Problem.
Übrigens: Der in der Schweiz wild wachsende Gemeine Wacholder (Juniperus communis) und der Zwergwacholder (Juniperus nana) werden nicht vom Birnengitterrost befallen. Sie können jedoch Träger von sehr ähnlichen Gymnosporangium-Arten sein, welche ihrerseits einen Wirtswechsel mit Vogelbeere, Mehlbeere oder Weissdorn vollziehen.