Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03585.jsonl.gz/2144

Ein Bild und seine literarischen Folgen. Das Coverbild für seinen Roman „Liebesarchiv“, eine Fotografie zweier Unbekannter aus den 30er Jahren, hat nicht Autor Urs Faes ausgewählt. Es war der Verlag. Ein Leser in Hamburg war es, der die Abgebildeten erkannte. Er setzte sich mit Urs Faes in Verbindung, der der Geschichte des Paars nachging, die er in seinem Roman „Sommer in Brandenburg” nacherzählte. Herbert Sonnenfeld, ein jüdischer Fotograf in Berlin, hatte das Bild in Ahrensdorf bei Trebbin in einer jüdischen Landwirtschaftsschule für Auswanderungswillige gemacht. Dem Fotograf war es damals nur erlaubt, Fotos von Juden und jüdischen Institutionen zu machen. Knapp vor dem Krieg konnten Sonnenfeld und seine Frau Leni, auch sie Fotografin, in die USA auswandern, wo sie in New York als Fotografen arbeiten konnten. „Sommer in Brandenburg” wurde zu einem Longseller mit einer Bühnenfassung. Sonnenfelds Fotografien wurden mehrfach in Museen ausgestellt.
Eingeworfen am 12.5.2019