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Bakterienlast
Viele Autopsiebefunde von plötzlich verstorbenen Strahlenschildkröten weisen als Nebendiagnose oft eine diffuse und erhöhte Bakterienlast sowie Entzündungen an diversen Organen auf. Eine ungünstige und übermässige Bakterienlast schwächt das Immunsystem und begünstigt das Aufkommen von diversen Erkrankungen. Eine Bakterienlast wird durch die folgenden Faktoren in der Haltung ungünstig gefördert:
• Dichtestress: Zuviele Schildkröten leben auf zu engem Raum zusammen und kontaminieren sich gegenseitig und wiederholt mit den eigenen und den Bakterien von Artgenossen. Durch die permanente Konfrontation mit Artgenossen kommt es zu wiederholten Stresssituationen, welche das Immunsystem noch zusätzlich schwächen.
• Mangelnde Hygiene: Eine unhygienische Tierhaltung fördert immer das Aufkommen und die Verbreitung von Krankheitskeimen (Viren, Bakterien, Einzeller, Pilze, usw.). Die Gefahr einer Kontaminierung in einer schmutzigen Umgebung ist um ein Vielfaches erhöht. Strahlenschildkröten aus unhygienischen Beständen haben ein geschwächtes Immunsystem und sind oft Träger von Krankheiten und Parasiten. Ohne Quarantäne mit teuren und aufwendigen Gesundheitschecks können solche Tiere ganze Bestände mit gefährlichen Krankheitserregern kontaminieren und auslöschen.
• Vergesellschaftung mit artfremden Species: Schildkröten aus unterschiedlichen, geografischen Verbreitungsgebieten sind Träger von diversen Mikroorganismen. Einige Arten zeigen gegenüber gewissen Bakterien eine sehr hohe Toleranz, für eine andere Art können die selben Bakterien jedoch verheerende Folgen haben. Astrochelys radiata hat eine besondere Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten, artfremden Mikroorganismen (z.B. gewisse Darmbakterien von europäischen Landschildkröten und Pantherschildkröten). Werden diese im Übermass aufgenommen, kann es zur Verdrängung oder zum Absterben der eigenen Darmflora kommen. Das Immunsystem wird dadurch erheblich und nachhaltig geschwächt, und es kann zu chronischen und schleichenden Entzündungen im Magen-Darmtrakt kommen. Diese Entzündungsherde können sich aber auch im ganzen Körper ausbreiten und zu einem generalisierten Organversagen führen. Vermutlich steht die geringe Toleranz von Astrochelys radiata gegenüber artfremden Mikroorganismen im Zusammenhang mit dem isolierten, endemischen Vorkommen dieser Art und der Anpassung an eine ganz spezielles Ökosystem.