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Wenn man in den Süden nach Karak fährt, dann wird einem der chronische Wassermangel Jordaniens vor Augen geführt: Karges braunes Land, weit und breit – Jordanien besteht zu 92 Prozent aus Wüste. Die Nachfrage nach Wasser steigt jedoch stetig, für die Bevölkerung und die vielen syrischen Flüchtlinge reicht das vorhandene Wasser nicht mehr aus. Vor der Syrienkrise wurde noch wöchentlich Wasser an Haushalte geliefert, jetzt vielerorts nur noch alle zwei Wochen oder seltener. Das Wasserdefizit wird auf 450 Millionen Kubikmeter pro Jahr geschätzt, also etwa die doppelte Wassermenge des Hallwilersees. Dies beeinträchtigt auch die Trinkwasserversorgung, die zu einem grossen Teil auf Grundwasser basiert. Betroffen sind vor allem die armen Bevölkerungsschichten, und die Spannungen mit den Flüchtlingen steigen.
Grundwasser wird aufgebraucht
Der Jordan und Yarmouk-Fluss werden mit Israel und Syrien geteilt und nur ein kleiner Teil kommt Jordanien zugute. Aus Jordaniens Grundwasservorkommen wird darum zweimal so viel Wasser entnommen, als sich das Grundwasser erneuern kann. So ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch diese Wasserquellen versiegen. Hinzu kommt eine Verschlechterung der Wasserqualität. Auch im Za’attari Camp wird befürchtet, dass die darunter liegende Grundwasserschicht durch Abwasser verschmutzt werden könnte.
Ambitiöses Projekt mit Konfliktpotential
Mitte Juli wurde das Milliardenprojekt Disi eingeweiht. Über eine 325km lange Pipeline wird aus einem 300′000 Jahre alten Grundwasservorkommen Wasser nach Amman gepumpt. 20 bis 25 Prozent des Trinkwasserbedarfs sollen damit gedeckt werden. Eine Studie warnte jedoch vor dem hohen Radiumgehalt, der 30mal über dem WHO-Grenzwert liegt. Das Wasser soll deshalb verdünnt werden. Konflikte mit Saudi-Arabien sind ebenfalls vorprogrammiert, denn nur 10 Prozent des Aquifers liegen auf jordanischem Boden.
Flüchtlinge besonders von Wasserknappheit betroffen
Wasser wird nicht nur knapper und seltener geliefert, sondern viele, vor allem syrische Flüchtlinge ausserhalb der Lager, haben keinen Zugang: Wassertanks, –leitungen und Pumpen fehlen, sind kaputt oder verrostet. Da viele Flüchtlinge schon mit der hohen Miete zu kämpfen haben, fehlt das Geld für die nötigen Reparaturen oder Installationen. Caritas hilft aktuell 500 Familien dabei, ihre Notunterkünfte auszubessern und stellt im Rahmen dieser Aktivität auch Wasseranschlüsse bereit.
Text: Beatrice Winkler / Bild: Beatrice Winkler