Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03166.jsonl.gz/3210

08.09.2015 Jede dritte Person kennt jemanden mit Alkoholproblemen – und viele Nahestehende leiden mit
Belastung von Nahestehenden. Von einem problematischen Alkoholkonsum sind nicht nur die Konsumierenden selber betroffen, sondern auch die Menschen in ihrem Umfeld. Diese sehen sich oft mit vielen Fragen konfrontiert, wollen helfen, empfinden die Situation als belastend und beanspruchen teilweise selber professionelle Hilfe. Um diese Thematik zu beleuchten, wurden im Rahmen des seit 2011 bestehenden Suchtmonitorings Schweiz zwei Modulbefragungen (2012/2013) zu Alkoholproblemen in der Familie und im weiteren Umfeld durchgeführt.
Bildstrecke Jede dritte Person kennt jemanden mit Alkoholproblemen – und viele Nahestehende leiden mit
Rund 2'500 stichprobenartig ausgesuchte Personen pro Befragung wurden gefragt, ob sie jemanden mit Alkoholproblemen kennen und wenn ja, in welchem Verhältnis sie zu dieser Person stehen. Die Ergebnisse zeigen auf, dass ungefähr ein Drittel der Schweizer Gesamtbevölkerung mindestens eine Person mit Alkoholproblemen in ihrem Umfeld kennt. Werden letztgenannte in unterschiedliche Personenkreise aufgeteilt, ergibt sich folgendes Bild (siehe nebenstehendes Diagramm [Mehrfachnennungen möglich]):
Eine Differenzierung bei den Familienangehörigen zeigt, dass am häufigsten der Vater oder ein Geschwister Alkoholprobleme hat. Bei Menschen, die selber risikoreich konsumieren, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass ein Familienmitglied ebenfalls risikoreich Alkohol trinkt. Dies ist ein klarer Hinweis darauf, dass die Familiensituation ein wichtiger Faktor für das Auftreten von Alkoholproblemen ist. Befragte in der Altersgruppe 25 bis 44 Jahre und Befragte mit einem eigenen risikoreichen Konsum kennen am häufigsten eine Person mit problematischem Alkoholkonsum.
Nahestehende: hilfsbereit, hilflos, hilfsbedürftig
Ungefähr die Hälfte der Befragten, die eine oder mehrere Personen mit Alkoholproblemen im Umfeld haben, versuchen diesen ihre Hilfe anzubieten (48,8%). Mit der Person darüber zu sprechen und sie auf ihren übermässigen Alkoholkonsum hinzuweisen, ist dabei der meistgenannte Hilfeversuch (85,7%). Weitere raten der Person, eine Beratungsstelle zu kontaktieren (20,4%), empfehlen ihr eine Therapie (17,1%) oder verweisen sie auf eine Internetadresse (5,2%).
Etwa ein Fünftel (21,2%) der Befragten mit Personen mit Alkoholproblemen im Umfeld fühlt sich durch die Situation stark oder sehr stark belastet. Dies manifestiert sich vor allem als emotionale Belastung. Die höchste Belastung ergibt sich bei Personen, die Familienmitglieder, Partner oder Freunde mit Alkoholproblemen haben. Um mit der Situation besser umgehen zu können, nehmen einige der Befragten für sich selber professionelle Hilfe in Anspruch (3,9%). Diese finden die meisten bei Selbsthilfegruppen (37,3%), gefolgt von Vertrauenspersonen aus dem Umfeld (13,8%) oder bei Allgemeinärzten (11,5%).
Die zwei Befragungen zeigen also deutlich auf, dass insbesondere Nahestehende stark von Alkoholproblemen in ihrem Umfeld betroffen und auf Beratung und Unterstützung angewiesen sind. Dafür gibt es in der Schweiz ein breites Netz an Fachstellen und Selbsthilfegruppen:
– Datenbank mit Suchthilfeangeboten in den Regionen: suchtindex.ch
– Beratung für Angehörige, Bezugspersonen, Arbeitgeber und Behörden: blaueskreuz.ch
– Selbsthilfegruppen für Angehörige und Freunde von Alkoholkranken: al-anon.ch
Quelle: Marmet S., Gmel G. (2013). Suchtmonitoring Schweiz – Alkohol- und Drogenprobleme im Umfeld im Jahr 2013. Sucht Schweiz, Lausanne, Schweiz
Kontakt
Nadine Soltermann, Sektion Alkohol, <email-pii>