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Wer den französischen Altermondialismus verstehen will, muss Theorie und Praxis der amerikanischen Altermondialisten studieren, deren fundamentale Thesen vom «International Forum on Globalization» in einem Buch mit dem Titel «Alternatives to Economic Globalisation: A better world is possible» (San Francisco: Berrett-Koehler, 2002, hier abgekürzt AEG) formuliert sind. Die radikale Variante wird entwickelt von Naomi Klein in «Fences and Windows» (New York: Picador, 2002, hier abgekürzt FW), und die reformistische von Noreena Hertz in «The Silent Takeover: Global Capitalism and the Death of Democracy», (New York: The Free Press, 2001, hier abgekürzt ST). Keine der in diesen Büchern entwickelten Thesen ist wirklich neu. Historikern wird es leicht fallen, die klassischen Argumente wiederzufinden, die seit der Antike gegen den Kapitalismus vorgebracht worden sind und gegen den Rechtsstaat, der zwingend mit ihm verknüpft ist. Dies ist von Jerry Z. Muller in seinem Buch «The Mind and the Market» (New York: Alfred A. Knopf, 2002) schlüssig nachgewiesen worden. Aber diese alten Argumente werden in einer durchaus originellen Konfiguration präsentiert (beispielsweise als «nicht-etatistischer Dirigismus»), sodass die Verteidiger der Marktwirtschaft und des Rechtsstaates gut daran tun, jene Bewegung etwas näher unter die Lupe zu nehmen, die aus den Trümmern sozialistischer und faschistischer Ideen aufblüht und uns auch in Zukunft zweifellos beschäftigen wird.
Die Altermondialisten erinnern uns mit ihrer Fundamentalkritik an Markt und Recht daran, dass es auch nach dem Fall der Berliner Mauer so etwas wie einen Revolutionären Internationalismus gibt. In den Augen der Altermondialisten gibt es zwischen Moral und Interesse einen unüberwindbaren Widerspruch, der sich etwa so charakterisieren lässt: Wir, die Altermondialisten, gehen von der Moral aus, die andern basieren auf dem individuellen Interesse. In dieser simplistischen Zweiteilung wird bestritten, dass die Marktwirtschaft in der Lage sei, ethische Ideale wie «Freiheit» und «Wohlstand für alle» zu verwirklichen. Auf der einen Seite stehen für die Altermondialisten jene, die «die menschliche Fähigkeit haben zu kooperieren, Sympathie zu bekunden, kreativ zu sein und verantwortungsbewusst zu entscheiden» (AEG 5). Auf der anderen Seite sehen sie jene, deren Moral nur die Maske des Interesses ist – eine kleine Gruppe von Egoisten, die Individuen und Völker ausbeuten und «die Vielfalt der Kulturen durch eine Kultur des Profits und des Materialismus» ersetzen.
Die altermondialistische Fundamentalkritik kommt häufig im Gewand eines ursprünglichen Liberalismus daher. Man klagt darüber, dass die Multis die selbstorganisierten lokalen Märkte durch ein zentralisiertes geplantes Wirtschaften ersetzt hätten. So kann sich der Altermondialismus als eine Strömung präsentieren, die gleichzeitig die Unsichtbare Hand des Marktes und die Sichtbare Hand des Staates ablehnt. Er wird damit als Erbe des Egalitarismus sowohl zum Nachfolger des Liberalismus als auch des Sozialismus, indem er sich der Autonomie verpflichtet fühlt, dem Grundwert der freiheitlichen Demokratie.
Allein dieses alternative System gewährleiste «die ökonomische Selbstbestimmung des Individuums, der kleinen Gemeinschaft, und der Nation, das Recht eines jeden, die eigenen ökonomischen Präferenzen zu bestimmen und die Regeln für sein wirtschaftliches Verhalten, indem jedes Individuum politisch mitbestimmen kann» (AEG 9). Man versteht, dass mit solchen Argumentationen sowohl die Anhänger der individuellen Autonomie angesprochen werden als auch jene, die der eigenständigen Nation nachtrauern.
Postuliert wird ein Projekt, das die durch das Geld definierten Beziehungen durch «demokratisch mitbestimmte, verantwortungsvollere mitmenschliche Beziehungen, beruhend auf der Selbstorganisation, der Teilung der Gewalt und einer möglichst reduzierten Zentralgewalt» (AEG 8) ersetzt. In neuer Terminologie begegnen wir nichts anderem als den totalitären Ideologien des letzten Jahrhunderts. Effizienz des ökonomischen und politischen Dirigismus, abgestützt auf Basisdemokratie, deren anthropologische Wurzeln der utopische Sozialismus und der Anarchismus sind. Solche autarken Gesellschaften würden, so wird erwartet, als friedliche Nachbarn nebeneinander leben, was erlauben würde, die Ausgaben für Verteidigung und Sicherheit auf ein Minimum zu reduzieren.
Der Marxismus stellte im Gegensatz…