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Die Fledermaus Freddy gehörte zu den schnellsten Fledermäusen im ganzen Fledermaus Baum. Er gewann fast jeden Rennflug um die Mücken. Er liess sich jeweils viel länger Richtung Erde fallen als die anderen Fledermäuse und erst kurz vor dem Boden öffnete er seine Flügel, um lautlos über die Erde zu gleiten.
Ja, Freddy war schnell und furchtlos. Sobald die Abenddämmerung hereinbrach, waren die Rennen eröffnet. Er konnte es jeweils kaum erwarten und jeden Abend forderte er die Sonnenstrahlen heraus, um nicht noch langer warten zu müssen.
Eines Abends, die glühende Kugel hatte den Horizont noch nicht erreicht, sah Freddy einen der grössten Falter vorbeischweben, die er je gesehen hatte.
„Der gehört mir“, und Freddy hob ab. Lautlos segelte er durch die Luft und genoss noch die herrlichen Farben, welche die untergehende Sonne auf seine Flügel malte. Und schon hatte er den Falter erreicht.
„Das war ja schon fast langweilig!“ Und da spürte er die Krallen in seinem Genick. „Was ist das?“
Freddy wollte mit den Flügeln schlagen, doch es gelang ihm nicht. Mit jeder Bewegung gruben sich die Krallen tiefer in Freddys Fell. Und dann war da plötzlich ein weiteres paar Flügel und lautes Geschrei. Die Krallen lockerten ihren Griff für einen Moment und Freddy konnte sich befreien. Er schoss Richtung Erde und breitete im letzten Moment seine Flügel aus. Als er den Fledermaus Baum erreicht hatte, zitterte er am ganzen Körper. Nie wieder, nie wieder würde er fliegen.
Und von da an weigerte sich Freddy den Baum zu verlassen. Wenn die anderen des Nachts loszogen, vergrub er sich tief in seinen Flügeln. Sein guter Freund Willy brachte ihm meistens etwas zu essen mit, den Freddy wäre lieber verhungert, als sich noch einmal in diese schreckliche Welt hinaus zu wagen. Willy wollte ihn trösten und sprach ihm gut zu, doch es half nicht.
Eines Abends, Freddy hatte sich wieder vor der Abenddämmerung versteckt, zog ein furchtbares Gewitter auf. Ein Blitz teilte den Himmel und die Erde zitterte. Doch es war nicht nur die Erde. Der Fledermaus Baum schien zu zerbersten und fing Feuer. Freddy hing immer noch an seinem Ast, doch die Hitze zwang ihn sich fallen zu lassen. Er breitete seine Flügel aus, doch sie waren mittlerweile zu schwach, um ihn weit zu tragen. Er stürzte zu Boden und schleppte sich unter einen Felsvorsprung in der Nähe. Von dort aus sah er zu, wie sein zu Hause lichterloh brannte.
Die anderen Fledermäuse suchten sich einfach einen neuen Baum. Doch Freddy hatte genug von den Bäumen und vom Fliegen. Er verkroch sich so tief wie möglich unter dem Felsen. Ein Streifenhörnchen kam vorbei.
„Hallo. Hast du dich verlaufen? Ich weiss, wo der neue Fledermaus Baum steht. Ich kann dich hinbringen.“
„Nein danke. Ich fliege nicht mehr.“
„Bist du verletzt? Ich kann dich tragen.“
„Ich will nicht auf einen Baum. Ich fühle mich hier in meinem Loch recht wohl.“
Das Streifenhörnchen schüttelte den Kopf und ging seines Weges.
Am nächsten Tag kam eine Erdmännchen Familie vorbei.
„Was tust du hier?“
„Ich wohne hier.“
„Aber hier ist es nicht sicher, wenn der Regen kommt. Wenn du willst, kannst du bei uns wohnen. Wir haben gerade ausgebaut.“
Und so ging Freddy mit den Erdmännchen. Er erhielt sogar einen eigenen Tunnel. Doch es war unmöglich, darin die Flügel auszubreiten. Er wollte die Nüsse nicht essen und sein Loch nicht verlassen. Also baten die Erdmännchen Eule um Hilfe.
Es erforderte sämtlichen Register der Überredungskünste, damit Freddy aus dem Loch kroch um Eule zu treffen. Als er draussen war, schnappte ihn sich Eule. Sie hielt ihn sanft in ihren Krallen und flog durch die Nacht. Freddy rechnete mit seinem Ende und versuchte gar nicht erst sich zu wehren. Er genoss einfach nur das Streicheln des Windes in seinem Fell und den Geruch des Waldes. Nach einem langen Flug setzte ihn Eule in ihrem Nest ab.
„Dies ist ein besonderer Baum aus Stein und Fels. Schau dir die herrliche Welt an.“ Die Eule erhob ihre Schwingen in die Luft und glitt vom Felsen.
„Juhui, lass uns die Welt erobern!“
Und Freddy konnte sich nicht wehren. Da war eindeutig ein Lächeln auf seinem Gesicht, als er Eule bei ihrem Flug zusah.
Er war bereit zu essen, was Eule ihm mitbrachte und der Steinbaum gab ihm ein Gefühl von Sicherheit. Wenn Eule von seinen nächtlichen Touren zurückkehrte, führten die beiden lange Gespräche oft bis der Morgen dämmerte. Doch heute kam Eule früher zurück als üblich.
„Ich werde alt, mein Freund. Und die Welt ist ein gefährlicher Ort für einen alten Kauz wie mich. Aber weißt du, was uns letztendlich das Leben kosten wird?“ Freddy schüttelte den Kopf.
„Die Angst, mein Freund“, sagte Eule und schubste Freddy vom Steinbaum.
Und Freddy flog durch die Nacht. Er hatte Angst, doch er flog einfach weiter.