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Inselberg Bettlachstock
Wie ein riesenhafter bemooster Baumstrunk ragt der Bettlachstock aus der ersten Jurakette. Die beiden nahe beieinander liegenden Halbklusen des Gigler- und des Brügglibaches treffen sich durch rückschreitende Erosion im Norden des Stockes und lösen ihn so inselartig aus dem Bergzug heraus. Der Eindruck eines Inselberges wird noch verstärkt durch die im Norden steil abfallende Wandfluh.
Entstehung
Der Gesteinsuntergrund des Bettlachstocks besteht aus ehemaligen Meeressedimenten aus dem Jura-Zeitalter. Kalk- und Mergelschichten des braunen Jura (Dogger) wurden vor 160 bis 177 Mio. Jahren abgelagert und vor 140 bis 160 Mio. Jahren von Kalk- und Mergelschichten des Malms (weisser Jura) überdeckt. Vor rund 12 Millionen Jahren begann die Jurafaltung. Die Gesteinsschichten sind durch Druck aus dem Süden, der durch den letzten Schub der Alpenfaltung im Zusammenhang mit der Kontinentalverschiebung verursacht wurde, zu Falten aufgestaucht worden. An der Südflanke wurde die Falte von Süden her unterfahren, sodass die Gesteinsschichten nach Süden überkippt sind.
Die Geschichte dieses speziellen Weltnaturerbes beginnt schon vor 12.000 Jahren, am Ende der letzten Eiszeit. Zu dieser Zeit waren grosse Teile Europas von einer dicken Eisschicht bedeckt. Wälder gab es nur noch in kleinen Bereichen im Süden Europas. Als es wieder wärmer wurde, begann sich die Buche in ganz Europa auszubreiten. Dieser Ausbreitungsprozess findet bis heute statt.
Das Phänomen, dass eine einzige Baumart über tausende Jahre einen ganzen Kontinent zurückerobert, ist einmalig und von besonderem universellem Wert! Diejenigen Buchenwälder in Europa, die am urtümlichsten sind und die Rückeroberung am besten bezeugen, hat die UNESCO als Weltnaturerbe anerkannt. Ein Weltnaturerbe, das mittlerweile schon 94 einzigartige Buchenwaldgebiete in 18 Staaten verbindet.
Geologisches Profil
In den vergangenen 12 Mio. Jahren hat die Erosion etwa die Hälfte der ursprünglichen Höhe des Juragebirges abgetragen. Harte Kalksteinschichten sind dabei als hervorstehende Felsgrate übriggeblieben (z.B. Malmkalke der Brüggligräte). Zwischen den Kalkrippen bilden weiche Tone und Mergel sanfte Muldentälchen. An der Südflanke sind die Gesteinsschichten vielfach mit Hangschutt überdeckt.
Am Bettlachstock sind somit verschiedenste Gesteinsschichten, vielfach in Form von lockerem Hangschutt, in unterschiedlichster Exposition bodenbildend. Zusammen mit dem akzentuierten Relief ergibt sich im Gebiet ein ausserordentlich vielfältiges Standortmosaik.
Fakten
- UNESCO-Anerkennung: 28. Juli 2021
- Schutzgebiet: Waldreservat Bettlachstock-Hasenmatt
- Buchenwaldregion: Subatlantisch-Herzynisch
- Fläche: 195,43 ha
- Anzahl Teilgebiete: 1
- Höhenstufe: submontan bis hochmontan (800 – 1.300 m ü. NN)
- Tiere: Grauspecht, Uhu, Waldohreule, Waldlaubsänger, Haselhuhn, Waldschnepfe, Feuersalamander, verschiedene Fledermausarten
- Mittelpunktkoordinaten: N 47° 13' 22'', E 7° 24’ 43’’
UNESCO-Weltnaturerbe
Das kantonale Waldreservat Bettlachstock-Hasenmatt ist mit einer Gesamtfläche von 414 ha das zweitgrösste Buchen-Naturwaldreservat der Schweiz.
Unter der Bezeichnung «Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas» umfasst die Welterbeliste der UNESCO derzeit eine repräsentative Auswahl von 94 solchen Wäldern in ganz Europa, verteilt auf 18 Staaten. Gemeinsam stellen sie einen Wert von einzigartiger, universeller Bedeutung dar. Mit der Auswahl wird eine Vertretung der besten, vom Menschen möglichst unbelasteten Buchenwälder angestrebt. In ihrer Gesamtheit dokumentieren sie die Geschichte der Verbreitung der Buche nach der letzten Eiszeit und belegen die grosse Fähigkeit dieser Baumart, sich an die unterschiedlichsten Bedingungen anzupassen.
Zu diesem seriellen Welterbe gehören auch die alten Buchenwälder des Valle di Lodano und der benachbarten Valle Busai und Soladino als Vertreter der Schweizer Alpensüdseite.
Vorgeschichte
Wie kam es dazu: 1981 wurde eine Landschaftsstudie zum Bundesinventar-Objekt der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) «Weissensteinkette» veröffentlicht. Die Studie besagte, dass der Bettlachstock aufgrund seiner isolierten Lage, seiner aussergewöhnlichen standörtlichen Vielfalt und der bisher relativ naturnahen, extensiven Nutzung als besonders schützenswert einzustufen ist. Wenig später plante die Bürgergemeinde Bettlach die Erweiterung der Erschliessung ihrer Waldungen. Mit dem Hinweis auf die in der Landschaftsstudie aufgeworfene Idee, schlug darauf der Kanton die Schaffung eines Naturreservates vor, welches nach anfänglichem Zögern und einigen Widerständen in Teilen der Bevölkerung angenommen wurde.
Seither verfolgt der Kanton das Ziel, den Bettlachstock als Lebensraum von aussergewöhnlicher Vielfalt und überregionaler Bedeutung für die Pflanzen- und Tierwelt, sowie auch als beschaulichen Erholungsraum für den Menschen, auch in Zukunft in seinem naturnahen Zustand zu erhalten. Der Wald im Reservat soll sich in den nächsten Jahrzehnten wieder seinem ursprünglichen Erscheinungsbild annähern können. Es wird weiterhin auf jegliche wirtschaftliche Nutzung verzichtet.
Der Weg zur Anerkennung
Die Welterbekonvention von 1972 ist aus dem visionären Gedanken entstanden, Natur- und Kulturgüter von aussergewöhnlichem universellem Wert unter die Obhut der gesamten Menschheit zu stellen. Jedes Land erstellt regelmässig eine nationale Liste indicative für zukünftige Kandidaturen für die Liste des Welterbes. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) betreut als federführendes Amt in enger Zusammenarbeit mit den Kantonen die Weltnaturerbe-Gebiete in der Schweiz und setzte seinerzeit die Alten Buchenwälder auf dem Bettlachstock und im Val di Lodano (TI) auf die genannte Liste. Über die Aufnahme in die Welterbeliste entschied ein internationales Expertengremium. Am 28. Juli 2021 wurde der Bettlachstock anerkannt und in die Welterbeliste aufgenommen.