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In der Schweiz dürfen noch immer Tierversuche durchgeführt werden, wenn keine Alternativen zur Verfügung stehen. So wurden 2019 insgesamt 572’069 Tiere für Versuche eingesetzt. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) meldet damit einen Rückgang um 2,5% im Vergleich zum Vorjahr. Doch während die Anzahl an Versuchstieren insgesamt sinkt, steigt die Belastung für die einzelnen Tiere an.
Anzahl sinkt…
Die neueste Tierversuchsstatistik zeigt: Die Gesamtzahl der eingesetzten Versuchstiere ist in den letzten Jahren immer weiter gesunken. Laut BLV sei die Abnahme darauf zurückzuführen, dass weniger Mäuse und Fische zum Einsatz kommen. Noch immer handelt es sich aber bei 80% der eingesetzten Tiere um Nagetiere wie Mäuse und Ratten. An zweiter Stelle kommen Fische, gefolgt von Schweinen, Schafen, Ziegen, Rindern sowie Kaninchen und Primaten. Laut BLV wurden 90% der Schweine, Schafe, Ziegen und Rinder in Versuchen ohne oder mit geringer Belastung eingesetzt. Die 604 Kaninchen, die 2019 zum Einsatz kamen, seien im Zusammenhang mit Projekten zur Verbesserung der Tiergesundheit untersucht worden. An den Primaten wurden mehrheitlich Verhaltenstests und Versuche zu kognitiven Fähigkeiten durchgeführt.
Mehr als die Hälfte aller Tierversuche (60,5%) werden im Namen der Grundlagenforschung in der Medizin veranlasst, wie beispielsweise der Untersuchung für den Menschen gefährlicher Krankheiten, aber auch zur Kontrolle neuer Arzneimittel, Impfstoffe und Chemikalien (22%). 12,8% der Tests werden aus „anderen“ Gründen wie der Verhaltensforschung durchgeführt.
…Belastung steigt
Während die Gesamtzahl an Versuchstieren sinkt, steigt die durchschnittliche Belastung, der sich die Tiere ausgesetzt finden, jedoch an. Tierversuche werden in Belastungskategorien von 0 bis 3 eingeordnet. Versuche im Schweregrad 0 werden als nicht belastend beurteilt, beispielsweise ein kurzzeitiger Futterentzug. Versuche im Schweregrad 3 hingegen, zum Beispiel chirurgische Eingriffe, belasten die Tiere schwer. Die Tierversuchsstatistik der BLV zeigt: Die Versuche mit mittlerer bis schwerer Belastung für die Tiere sind angestiegen. Der Anteil an Tieren, die Versuche mit einer schweren Belastung erleiden mussten, ist zwischen 2012 und 2019 von 11’699 auf 18’290 im Jahr angestiegen. Solche schweren Tierversuche werden hauptsächlich zur Erforschung von Krankheiten, die den Menschen betreffen, durchgeführt.
Hoffnungsschimmer für Labortiere?
Der Bundesrat hat Anfang Februar ein Nationales Forschungsprogramm (NFP 17) lanciert, welches das 3R-Prinzip stärker etablieren soll. 3R steht für Replace (ersetzen), Reduce (vermindern), und Refine (verfeinern). Nach diesem Leitprinzip sind Tierversuche auf das absolute Minimum zu beschränken, und Versuchstiere sollen so wenig wie möglich belastet werden. Versuche der Kosmetikindustrie sind verboten, da es sich dabei um ein Luxussegment handelt. Trotz des Bekenntnisses zum 3R-Prinzips stagniert der Rückgang der Tierversuche seit 2014. Dem soll nun ein Ende gesetzt werden.
Mit einem Kapital von 20 Millionen Franken soll das neueste Programm «Advancing 3R – Tiere, Forschung und Gesellschaft» über die nächsten fünf Jahre die Zahl der Tierversuche in der wissenschaftlichen Forschung – und damit auch die Anzahl der benötigten Versuchstiere - nachweislich reduzieren. Auch soll die Belastung der Versuchstiere im Experiment und in der Haltung wesentlich minimiert werden. Um diese Ziele zu erreichen, werden hauptsächlich Forschungsprojekte gefördert, die neue Alternativen zu Tierversuchen entwickeln — beispielsweise künstliche Haut.
Die Wissenschaft hat bereits immense Fortschritte in der Medizin gemacht. Schon seit vielen Jahren können beispielsweise menschliche Zellkulturen im Labor angelegt werden oder Stoffwechselvorgänge mithilfe von Computersimulationen modelliert werden. Vor diesem Hintergrund ist die aktuelle Anzahl an Versuchstieren immer noch viel zu hoch.