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Hundeseuche (Parvovirose)
Die Hundeseuche tritt heute in der Schweiz nur noch selten auf. Der Grund dafür liegt in der guten Wirkung des breit angewendeten Impfstoffes. Die Erkrankung wird durch ein Virus, das Parvovirus, verursacht. Die erkrankten Hunde zeigen Appetitlosigkeit, Erbrechen, Durchfall und Abmagerung. In schweren Fällen kommt es zur Ausbreitung des Virus im ganzen Körper, was zum Tod des Hundes führen kann. Die heute gebräuchlichen Impfstoffe bewirken einen langen und guten Schutz gegen die Erkrankung mit Parvoviren. Insbesondere wurde gezeigt, dass die Dauer des Schutzes nach einer Parvovirus-Impfung mehrere Jahre anhält und deswegen eine jährliche Wiederholungsimpfung nach einer anfänglichen Grundimmunisierung nicht notwendig ist.
In der Kleintierpraxis werden an Staupe erkrankte Hunde nur noch sehr selten vorgestellt. Wie bei der Parvovirose liegt der Grund dafür in der guten Schutzwirkung des zur Verfügung stehenden Impfstoffes. Für die Erkrankung ist das Staupevirus verantwortlich. Die erkrankten Tiere zeigen eine Dysfunktion mehrerer Organsysteme, die zum Tod führen kann. Im Vordergrund stehen zu Beginn Fieber, Apathie, verminderter Appetit, Augen- und Nasenausfluss. Später kommen Durchfall, Erbrechen und/oder Atemwegsprobleme hinzu. Viele infizierte Hunde entwickeln dann auch neurologische Symptome mit epileptischen Anfällen oder Gehstörungen. Typisch sind Schmelzdefekte der Zähne, wenn die Tiere als Welpen infiziert werden. Ähnlich wie bei der Parvovirose wurde in den letzten Jahren auch bei der Staupe vermehrt empfohlen, dass nach einer anfänglichen Grundimmunisierung die Impfintervalle verlängert werden.
Als Zwingerhusten-Komplex wird jede ansteckende Atemwegserkrankung beim Hund bezeichnet, die nicht durch das Staupevirus verursacht wird. Obwohl die meisten Hunde dagegen geimpft werden, tritt diese Infektionserkrankung regional gehäuft immer wieder auf. Eine Verletzung der Atemwege und/oder eine Infektion mit einem Virus (z. B. mit dem Parainfluenzavirus oder dem Adenovirus 1 und 2) sind die Voraussetzung dafür, dass ein Hund an Zwingerhusten erkrankt. Verschiedene andere Erreger, v. a. Bakterien, tragen sekundär ebenfalls zu den klinischen Symptomen bei. Das wichtigste Krankheitszeichen ist ein anfallsweise auftretender, trockener und würgender Husten. Obwohl der Husten bedrohlich klingt, ist das Allgemeinbefinden der Tiere meistens nicht gestört. Bei Hunden mit einem guten Immunsystem verschwindet der Husten meistens spontan nach 1–2 Wochen. Bei Hunden mit einem geschwächten Immunsystem oder solchen, die nicht geimpft sind, kann es zu Komplikationen kommen, wie z. B. zu einer Lungenentzündung.
Es kann nicht gegen alle Erreger des Zwingerhusten-Komplexes geimpft werden, aber es gibt heute gute Impfstoffe gegen die wichtigsten verantwortlichen Organismen. Eine regelmässige Impfung ist v. a. bei Hunden mit viel Kontakt zu Artgenossen wichtig. Bevor ein Hund mit vielen anderen Hunden zusammenkommt (Tierheim, Ausstellung, Zucht), kann eine intranasale Impfung für einen optimalen Schutz sorgen. Diese Impfung sollte 1–2 Wochen vor einer möglichen Ansteckungssituation gegeben werden.
Die Leptospirose gab im letzten Spätsommer und Herbst viel Anlass zu Diskussionen. Durch die grossen Regenmengen im Sommer 2005 mitbedingt, sah man eine Häufung der an Leptospirose erkrankten Hunde. Viele Patienten starben trotz intensiver tierärztlicher Pflege an der Erkrankung. Die verantwortlichen Erreger, die Leptospiren, kommen als verschiedene „Typen“, Serovare genannt, vor. Die zwei früher verbreitetsten Serovare (Leptospira canicola und icterohaemorrhagiae) werden heute bei erkrankten Hunden dank breit angelegter Impfprogramme nicht mehr häufig gesehen. Stattdessen kommen andere Serovare häufiger vor.
Nieren und Leber sind die zwei am häufigsten betroffenen Organe: In schwerwiegenden Fällen kommt es zu einem Nieren- oder Leberversagen. Die häufigsten Krankheitszeichen sind Fieber, Schwäche, Fressunlust, Erbrechen, Durchfall, Austrocknung, vermehrtes Trinken sowie Gelbsucht.
Die Impfstoffe gegen Leptospirose haben zwei negative Aspekte: Erstens dauert der Schutz nicht sehr lange an, und zweitens ist ein kompletter Schutz nur gegen diejenigen Serovare gerichtet, welche sich im Impfstoff befinden. Kommt der Hund mit einem Serovar in Kontakt, gegen den er nicht geimpft wurde, kann er erkranken. Im Moment gibt es in der Schweiz nur eine Impfung gegen die zwei Serovare canicola und icterohaemorrhagiae.
Bei der ansteckenden Leberentzündung handelt es sich um eine virale Erkrankung, die durch das Adenovirus 1 verursacht wird. Wegen der guten Impfprogramme trifft man die Erkrankung in der Schweiz sehr selten an. Die Symptome sind sehr vielfältig. Geimpft wird mit einem Impfstoff, der das Adenovirus 2 enthält (Erreger des Zwingerhusten-Komplexes), da dadurch ein guter Schutz gegen beide Erkrankungen (Leberentzündung und Zwingerhusten) aufgebaut wird und die Nebenwirkungen geringer sind, als nach einer Impfung mit dem Adenovirus 1. Der Schutz hält nach einer korrekten Grundimmunisierung sehr lange an.
Die Schweiz ist frei von Tollwut. Bei der Tollwut handelt es sich um eine Erkrankung der Säugetiere, welche durch das Tollwutvirus verursacht wird. Verhaltensstörungen, Stimmveränderungen, Schluckbeschwerden, erhöhter Speichelfluss, Muskelkrämpfe und Lähmungserscheinungen sind typische Krankheitszeichen. Die Krankheit verläuft tödlich. Hunde, die ins Ausland gehen, müssen gegen Tollwut geimpft werden. Ausserdem bestehen je nach Land auch Vorschriften über den Nachweis von neutralisierenden Antikörpern gegen Tollwutviren. Da die Vorschriften von Land zu Land unterschiedlich sind, wird empfohlen, sich genau über Aus- und Rückreisebestimmungen zu informieren, bevor man einen Hund mit auf Auslandreisen nimmt, v. a., wenn es sich um ein Land handelt, das nicht tollwutfrei ist.
Dieser Artikel ist erschienen im Hundemagazin 3/2006
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Autorin:
Dr. med. vet. Cécile Rohrer Kaiser
Dipl. ACVIM und ECVIM-CA (Innere Medizin)
Im Trichtisal 11
8053 Zürich