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Die „Zeitschrift für Phytotherapie“ (Nr. 3 / 2011) veröffentlichte eine Studie mit einer Beinwell-Salbe (Kytta-Salbe).
Durchgeführt wurde die Studie an der Deutschen Sporthochschule Köln und 3 zusätzlichen ambulanten Zentren für Orthopädie und Sportmedizin.
Die Originalpublikation erfolgte im British Journal of Sports Medicine
(http://bjsm.bmj.com/content/44/9/637.abstract?sid=08e00813-56a0-43af-89f2-ae8be35caa24)
Hier die wichtigsten Ergebnisse dieser randomisierten, klinischen Prüfung.
Zuerst eine Zusammenfassung der bisherigen Studien mit Beinwell:
„Beinwell (Symphytum officinale L.) ist eine traditionelle Heilpflanze, die schon seit Jahrhunderten zur Behandlung von schmerzhaften Muskel- und Gelenkbeschwerden Einsatz findet. Viele klinische Studien und Anwendungsbeobachtungen bestätigen die Wirksamkeit des in dieser Studie getesteten Beinwellwurzelextrakts bei verschiedenen Muskel- und Gelenkbeschwerden. So konnte die Wirksamkeit der Beinwellwurzelsalbe gegenüber Placebo bei der Behandlung von Sprunggelenksdistorsionen und bei schmerzhafter Gonarthrose (Arthrose/ Osteoarthritis des Kniegelenks) gezeigt werden. Eine weitere Studie demonstrierte die Überlegenheit gegenüber einer 1 %igen Diclofenac-Gelzubereitung bei Patienten mit einer einseitigen Gelenksdistorsion. Dies wird auch durch die ESCOP-Monografie »Symphyti radix« bestätigt. Die European Scientific Cooperative on Phytotherapy (ESCOP) beurteilt Phytopharmaka in Europa anhand harmonisierter Bewertungskriterien.“
Und anschliessend die Zusammenfassung der aktuellen Studie:
„Die multizentrische, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie untersuchte die Überlegenheit einer Salbe mit Beinwellwurzelextrakt gegenüber Placebo. 120 Patienten litten unter akuten Kreuzschmerzen oder Schmerzen im oberen Rücken- und Nackenbereich. Dabei wandten sie über einen Zeitraum von 5 Tagen dreimal täglich jeweils 4g Verum- oder Placebosalbe an. Gegenüber Placebo waren im Verlauf alle bewerteten Wirksamkeitsvariablen der Therapie mit dem Beinwellpräparat signifikant überlegen. Der Beinwellwurzelextrakt hatte einen bemerkenswert starken und klinisch relevanten Effekt im Hinblick auf die Reduzierung akuter Rückenschmerzen. Zum ersten Mal konnte außerdem der schnelle Wirkungseintritt der Salbe (eine Stunde) nachgewiesen werden.“
Kommentar & Ergänzung:
Beinwell (Walllwurz) ist eine wichtige Heilpflanze bei stumpfen Verletzungen wie Prellung, Bluterguss (Hämatom), Verstauchung, bei Gelenkentzündung, Sehnenscheidenentzündung, Knochenhautentzündung etc.
Beinwell nicht einnehmen und nur auf intakter Haut anwenden.
Siehe auch:
Bei Wikipedia findet sich eine Erklärung für den Namen „Symphytum“:
„ Die Beinwell-Arten wurden schon in alter Zeit als Heilkraut verwendet. Ihr Name leitet sich von ihrer Anwendung bei Knochenbrüchen und bei offenen Wunden ab. Auch bei Verletzungen von Bändern und Sehnen wurde den Pflanzen Heilwirkung zugeschrieben. Sowohl der heute anerkannte Gattungsname Symphytum als auch der in früheren Werken gebräuchliche Name Consolida bedeuten übersetzt „Zusammenwachsen“ (lat.: consolidare, gr.: symphýein). Als Heilpflanze wird besonders der Echte Beinwell (Symphytum officinale) eingesetzt und auch in Kräutergärten angebaut. Äußerlich angewendet ist er wirksam bei Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen,…..Die Heilwirkung auf die Haut ist auf den Inhaltsstoff Allantoin zurückzuführen, der heute auch in der Kosmetik zahlreiche Anwendungsgebiete gefunden hat. Allantoin bewirkt die Beschleunigung des Zellaufbaus und der Zellbildung, was in der alten Heilkunde vor allem bei der Behandlung von Unterschenkelgeschwüren genutzt wurde. Bei Nicholas Culpeper ist nachzulesen: der Beinwell hat eine solche Kraft zu heilen und zusammenzufügen, daß zerteilte Fleischstücke wieder zusammenwachsen, wenn man sie mit Beinwell in einem Topf kocht.“
Die Geschichte mit dem Fleisch im Kochtopf, das wieder zusammenwächst, wird auch von anderen Wundheilpflanzen überliefert, zum Beispiel vom Sanikel (Sanicula europaea, „Heil-aller-Schäden“). Bei Knochenbrüchen erwartete man vom Beinwell früher eine Anregung der Kallus-Bildung und damit eine beschleunigte Heilung. Dazu gibt es aber keine gesicherte Erkenntnisse.
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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
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