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Microsoft: "Wir sind extrem erfreut über breite Zustimmung..." Zweite Runde bis spätestens März 2008.
Der Dokumentenstandard ooXML (Office Open XML), der ursprünglich von Microsoft erarbeitet wurde, wird vorläufig von der ISO (International Organization for Standardization) nicht als Standard anerkannt. Microsoft, respektive die Industrievereinigung ECMA, der der Standard übergeben wurde, hatten eine rasche Anerkennung im "Fast-Track"-Verfahren angestrebt, scheiterten nun aber aber den nötigen Quoren.
51 ISO-Mitglieder, darunter die Schweizerische Normenvereinigung SNV
, und damit "nur" 74 % stimmten für die Anerkennung von ooXML. Für die Zustimmung hätten mindestens zwei Drittel der Mitglieder des IT-Komitees der ISO (JTC-1) zustimmen müssen und maximal ein Viertel hätten ablehnen dürfen. Beide Quoten wurden nicht erreicht; 56 Prozent der JTC-1-Mitglieder stimmten mit Ja und 26 % mit Nein, wie die ISO heute in einer Mitteilung schreibt.
Trotzdem feiert Microsoft - um gute PR nie verlegen - das Resultat. "Strong Global Support for Open XML" heisst der Titel einer Mitteilung von heute. Microsoft argumentiert, dass viel mehr Länder an der Abstimmung teilgenommen haben, als dies bei der Abstimmung über den Konkurrenzstandard ODF der Fall gewesen war. Zudem sei die Unterstützung mit 51 Ländern in absoluten Zahlen viel höher gewesen als bei ODF, das nur von 32 nationalen Standard-Gremien unterstützt worden war.
Anerkennungsprozess geht nun in die letzte Phase
ECMA, respektive Microsoft, wird nun die Arbeit an ooXML unter Berücksichtigung der geäusserten Kritiken sowohl der zustimmenden wie der ablehnenden Länder weiterführen. Dann wird es darum gehen, entweder weitere Gremien zu Teilnahme an der Abstimmung zu bewegen oder ablehnende zu einer Ja-Stimme zu bewegen. Die nächste Runde wird nun in einem "Ballot Resolution Meeting" der ISO in Genf im Februar 2008 abstimmen. Danach kann Microsoft ooXML immer noch auf dem normalen, viel länger dauernden, Weg als Standard vorschlagen.
Ein Politikum
Für Microsoft geht es um ungeheuer viel. Denn einige Staaten und Behörden verlangen, dass Dokumente nur noch in einem austauschbaren und anerkannten Format abgelegt werden. Bis heute sind nur ODF (Open Document Format), das beispielsweise von Open Office unterstützt wird und PDF als solche durch die ISO anerkannt. Mit ooXML, das wesentlich komplexer ist als ODF, will Microsoft einen Gegenstandard setzen und damit seine Pfründe als weltweiter Dominator des Marktes für Büro-Software schützen und gleichzeitig gegenüber den Antitrust-Behörden Wohlverhalten demonstrieren.
Kritiker sagen, ooXML sei nicht wirklich "offen", da es so kompliziert sei, dass nur Microsoft-Programme Dokumente mit allen Features von ooXML schreiben und lesen könnten.
Die Abstimmung innerhalb der ISO ist unterdessen äusserst politisiert. Microsoft-Gegner aus dem Open-Source- und IBM-Lager behaupten, die Redmonder hätten ihre Partner in die nationalen Gremien vorgeschickt. Auch in der Schweiz, die ooXML schliesslich "mit Kommentaren" zugestimmt hat, sind solche Vorwürfe laut erhoben worden.
Microsoft Schweiz hat diese Vorwürfe gegenüber inside-it.ch weit von sich gewiesen, und darauf hingewiesen, dass das entsprechende Komitee des SNV seit April überhaupt explosiv gewachsen ist. (Christoph Hugenschmidt)