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Felix Mendelssohn
Nach dem Ende der klassischen Periode um 1800 herrschte eine grundsätzliche Ungewissheit, welche Richtung die Musik einschlagen werde, auf welche Quellen und Vorbilder sie sich dabei stützen könne und wie beispielsweise eine zeitgemässe Kirchenmusik zu gestalten sei.
Felix Mendelssohn stand daher vor der Aufgabe, einen Ausgleich zwi-schen der aufkeimenden romantischen Zeitströmung und seiner eige-nen, eher klassizistisch ausgerichteten Prägung und Erziehung zu fin-den.
Im Bereich der Sakralmusik sah sich Mendelssohn stark regressiven Bestrebungen gegenüber, die darauf abzielten, die Bedeutung der Musik im Gottesdienst zu beschränken und sie strenger denn je dem liturgischen Rahmen zu unterwerfen. Dies war die Antwort auf die zunehmende Emanzipation religiös motivierter Musik, einer Loslösung vom kirchlichen Raum wie von der Kirche selbst, wie sie bei Beethoven aber auch schon bei den späten Messen Haydns zum Ausdruck kam. Im protestantischen Raum besann man sich vornehmlich auf die Tradition des Luther-Chorals. Mendelssohn verfolgte die Bestrebungen mit Interesse aber auch mit kritischer Distanz.
Prägend für sein Werk wurde die intensive Auseinandersetzung mit den Kompositionen Bachs.
In seinen späten Psalmvertonungen gelang ihm auf stimmige Weise der Ausgleich zwischen der barocken Tradition und der für Mendels-sohn typischen Spannweite und Kantabilität der Melodik, die ihrerseits unverkennbar dem Geist der Romantik entspringt.
Dass er als getaufter Jude den protestantischen Glauben ernster nahm als mancher seiner christlichen Zeitgenossen, ist durch zahlreiche Schilderungen belegt, wird aber durch die antisemitischen Verzerrun-gen im Verlauf der Rezeptionsgeschichte noch immer zu wenig beach-tet. Themen und Textwahl entsprangen seinen Überzeugungen und legen Zeugnis ab von seiner umfassenden Bildung in Fragen der Reli-gion und des biblischen Schrifttums.
Mendelssohn war seit Bachs Tod der erste Komponist von internatio-nalem Rang, der sich wieder ernsthaft mit der Orgel auseinandersetzte. Diese Neigung entsprang einem Bach-Kult, der in der Mendels-sohn-Familie ebenso intensiv gepflegt wurde wie die Verehrung für Goethe. Schon als Zehnjähriger beginnt er für die Orgel zu komponie-ren. Aus dieser Zeit stammt die Fuge in g-Moll. 1837 veröffentlichte er in London die Drei Präludien und Fugen op.37, die er Thomas Attwood widmete, dem Organisten der Pauluskathedrale. Dieser hatte in Wien bei Mozart studiert.
1840 nahm Mendelssohn den aus England erteilten Auftrag zur Komp-osition einer Verse Anthem für Solostimme, Chor und Orgelbegleitung zu einer metrischen Paraphrase des 13. Psalms an, die der Amateur-musiker Charles Bayles Broadley verfasst hatte. Mendelssohn legte seine Vertonung in drei Sätzen mit sich steigerndem Tempo an (An-dante, Non lento und Allegro). In Anlehnung an die englische Anthem-Tradition beginnt jeder Satz mit der Solostimme, der der Chor antwor-tet. Doch es finden sich auch einige eindeutig deutsche Charakteristika, darunter der zweite Satz, in dem Mendelssohn die Gelegenheit zur Komposition eines freien Chorals nutzte.
Die dreisätzige Version erschien in England als Anthem und in Deutschland als Drei geistliche Lieder op. 96.