Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03193.jsonl.gz/2063

Einer in der Sportwelt höchst angesehener Anlass: die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro (Brasilien) haben begonnen. Seit Freitag und noch bis zum 21. August werden sie in verschiedenen Stadtteilen von Rio ausgetragen. Es ist die erste Olympiade in Südamerika und erst die zweite in Lateinamerika (nach Mexiko-Stadt 1968).
Der „Pferdige“ Stadtteil heisst Deodoro und liegt im Westen Rio‘s.
Das Olympic Equestrian Centre bietet 14‘000 Sitzplätze für die Dressur und Springen sowie 20‘000 für die Vielseitigkeit. Erbaut wurde die Anlage für die Panamerikanischen Spiele im Jahr 2007. Für die Olympischen Spiele wurde die Anlage nochmals modernisiert und ausgebaut.
Der Reitsport wird bei den Olympischen Spielen jeweils in den drei Disziplinen Dressur, Springen und Vielseitigkeit ausgetragen. Diese finden sowohl als Einzel- wie auch als Teamwettbewerb statt. Anders als bei anderen Sportarten treten im Reitsport Frauen, wie auch Männer traditionell gegeneinander an. Schon in der Antike war der Reitsport „olympisch“ und zwar in Form von Wagenrennen. Olympisch eingeführt wurde er in Paris 1900 mit einem Preis-, Hoch- und Weitspringen. Seit Stockholm 1912 gab es ein Programm dem das heutige sehr ähnlich war, lediglich der Dressurmannschaftwettbewerb kam erst 1928 in Amsterdam hinzu. Seitdem ist das olympische Reitprogramm fast unverändert. In Helsinki 1952 nahmen die ersten Reiterinnen teil. 1956 gab es ebenfalls eine Besonderheit, der Reitsport musste aus dem Programm auslagert werden. Infolge der zu langen Quarantäne in Melbourne fanden die Reiterspiele stattdessen in Stockholm statt.
Anpassungen zu den Olympischen Spielen 2012
Das Programm für die Olympischen Spiele 2016 bleibt im Springen und der Vielseitigkeit unverändert. Bei der Dressur wurde die Anzahl der Mannschaftsreiter wieder von drei auf vier erhöht, nachdem sie 2008 auf 2012 auf drei gesenkt wurden. Ebenfalls wird wieder der klassische Grand Prix Spécial geritten und nicht nur ein gekürzter Teil (wie vier Jahre zuvor).
Zeitplan
Vielseitigkeit
Den Anfang machte erneut die Vielseitigkeit. Die Wettbewerbe starteten hier schon einen Tag nach der Eröffnungsfeier. Am 6./7. August fand der Dressurteil der Vielseitigkeit statt. Einen Tag später folgt dann wohl der Höhepunkt der Vielseitigkeitsreiterei– die Geländeprüfung und am 9. August wird mit dem Springparcours die Vielseitigkeit abgeschlossen.
Dressur
Die Dressur findet vom 10. bis und mit 15. August statt. Am 10. und 11. August wird der „Grand Prix de Dressage“ geritten. Für die besten sechs Equipen sowie die besten acht Einzelreiter-/innen findet am 12. August die zweite Mannschaftsprüfung statt. Diese Mannschaftsprüfung gilt als Qualifikationsprüfung für die Einzelentscheidung, welche am 15. August mit den besten 18 Teilnehmern im „Grand Prix Spécial“ stattfindet.
Springreiten
Ab dem 14. August gilt es auch für die Springreiter-/ innen wieder Ernst. Hier wird die Einzelwertung mit einer Springprüfung nach Fehlern gestartet (1 Umlauf). Am 16./ 17. August finden die zwei Mannschaftsentscheidungen statt, welche ebenfalls als zweite und dritte Einzelwertung zählen. Anders als bei Nationenpreisen gibt es hier zwei unterschiedliche Durchgänge (ein Umlauf pro Tag). Bei Punktegleichheit auf den Medaillenrängen ist zudem ein Stechen erforderlich. In der zweiten und dritten Einzelqualifikation dürfen noch die 60 besten bzw. die 45 besten Einzelreiter teilnehmen.
Für den Einzelfinal am 19. August wird das Feld nochmals auf 35 minimiert und nach dem ersten Umlauf nochmals auf 20 Teilnehmer gekürzt. Hier gilt ebenfalls: bei Punktegleichheit auf den Medaillenrängen ist ein Stechen erforderlich.
1. Qualifikation Einzel: 14. August (15:00 – 21:00 Uhr)
2. Qualifikation Einzel / 1. Umgang Team: 16. August (15:00 – 21:00 Uhr)
3. Qualifikation Einzel / Finalrunde Team: 17. August (15:00 – 21:30 Uhr)
Einzelfinal: 19. August (15:00 – 18:30 Uhr)
Die Schweizer Reiter- Delegation setzt sich wie folgt zusammen:
Vielseitigkeit (Einzel)
- Ben Vogg, Radolfzell / Deutschland, mit Noe des Vatys.
- Felix Vogg Sprockhövel / Deutschland, mit Onfire
Dressur (Einzel)
- Marcela Krinke Susmelj, Ebikon (LU), mit smeyers Molberg
Springen (Einzel und Mannschaft)
- Romain Duguet, Muri b. Bern (BE), mit Quorida de Treho
- Paul Estermann, Hildisrieden (LU), mit Castlefield Eclipse
- Martin Fuchs, Bietenholz (ZH), mit Clooney 51
- Steve Guerdat, Herrliberg (ZH), mit Nino des Buissonnets
- Janika Sprunger, Hamont Achel / Belgien mit Bonne Chance CW
Springreiter Paul Estermann ist mit seinen 53 Jahren übrigens der älteste Athlet (der 109-köpfigen Schweizer Delegation). Weitere Infos findet ihr im 20min- Bericht „Vom 18-jährigen Teenie bis zum 53-jährigen Oldie“
Die Resultate werden jeweils hier hochgeladen.
Para- Equestrian ebenfalls mit Schweizer Beteiligung
Auch für die Paralympischen Spiele, welche vom 07. – 18. September 2016 auf der gleichen Anlage wie die momentanen Sommerspiele stattfinden, haben sich zwei Schweizer qualifiziert.
Nicole Geiger will mit ihrem Pferd Phal de Lafayette in Rio eine Medaille holen. Wegen einer Teillähmung des Arms reitet sie dieses mit einem speziellen Zügel.
«Unsere Disziplin ist sehr jung und braucht noch viel Aufklärungsarbeit», betont Nicole Geiger. Weshalb sie mit ihrer Teilnahme in Rio das Para-Dressurreiten bekannter machen möchte.
Aber auch Celine van Till hat nach einem schweren Unfall ihr Leidenschaft fürs Reiten nicht aufgegeben und vertritt die Schweiz mit ihrem Pferd Amanta.
Hinter den Kulissen
Wie zu Beginn schon erwähnt, konnten nicht alle Olympischen Reiterspiele wie geplant durchgeführt werden. Dies drohte auch fast den Spielen von diesem Jahr.
Im April 2015 wurde bei mindestens zwei Pferden auf der olympischen Reitsportanlage Rotz diagnostiziert, obwohl Deodoro (im Gegensatz zum restlichen Brasilien) als seuchenfrei gilt.
Nach den panamerikanischen Spielen wurde die Reitanlage ausserdem nochmals umgebaut, wobei es aufgrund einer Bauverzögerung zu einer 20-tägigen im Januar / Februar (2016) Unterbrechung kam. Anschliessend konnten die Bauarbeiten jedoch wiederaufgenommen und die Unterkünfte für die Pferdepfleger, sowie die Tierklink konnte fertiggestellt werden. Im Oktober 2015 drohte dann das endgültige Aus für die olympischen Reitwettbewerbe in Rio. Denn zwischen dem Weltpferdesportverband FEI und dem brasilianischen Landwirtschaftsministerium kam es zu Unstimmigkeiten bezüglich der Einfuhr- Bestimmungen der Pferde. Der Weltpferdesportverband forderte eine schnellere Abwicklung der Veterinäruntersuchungen, um so den Stress und die Belastung für die Pferde so gering wie möglich zu halten.
Daher erwog man, die Reitsportwettbewerbe (wie oben bereits erwähnt bei den Olympischen Sommerspielen 1956 an einen anderen Veranstaltungsort ausserhalb Brasiliens) auszulagern. Jedoch wurde gut einem Monat später nach Gesprächen zwischen der Europäischen Union und Brasilien bekanntgegeben, dass die Probleme gelöst seien.
Olympia im TV verfolgen
Leider habe ich noch immer keine Schweizer Ausstrahlungstermine auf SRF gefunden.
Jedoch seht ihr hier, wann ihr es wenigstens im Deutschen TV mitverfolgen könnt.