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Eine kleine Zusammenstellung:
Als Sie mit 21 von Vevey zu GC wechselten, sassen Sie dem grossen Präsidenten Karl Oberholzer ganz allein gegenüber.
Claudio Sulser: Ja, genau. Ich diskutierte und machte Fehler. Was ich im Fussball erlebt habe, ist eine Lehre fürs Leben gewesen. Du musst für deine Sachen kämpfen, und wenn du etwas erreicht hast, musst du dich sofort wieder bestätigen. Das ist noch schwieriger.
Aber noch einmal: Wie war das mit Oberholzer?
Ich kam rein und sagte . . . (bricht ab) Es war auch komisch, wie ich überhaupt zu GC kam. Helmuth Johannsen als Trainer und Fritz Jucker als Coach fuhren zu einem Spiel nach Grenchen. Da wurden sie gefragt: «Beobachtet ihr einen Spieler? Ja? Dann müsst ihr aber nach Vevey gehen.» Mein Name wurde genannt. Sie hatten immerhin die Demut, zu sagen: «Den kennen wir nicht.» Dabei lag ich als Torschütze ganz vorn. Aber sie hatten die Nationalliga B gar nicht beobachtet. Ich hatte auch ein Angebot von Basel.
1976?
Um diese Zeit, ja. Rational hätte ich zu Basel gehen müssen, Basel lag mit dem FCZ an der Spitze. Trainer Helmut Benthaus rief mich an: «Haben Sie Interesse?» Ich sagte: «Ich kann nicht, ich habe im Oktober Maturaprüfungen.» Ein Jahr später fragte Benthaus nochmals: «Was ist?» Und ich sagte: «Ich muss ins Militär.» Wegen Maturaprüfungen kann man nicht alles infrage stellen. Aber wegen des Militärs? Wenn ich das heute selbst höre . . . (lacht) Sechs Monate nach dem Militär: Wer kommt? GC. Und ich sagte zu, obschon es nur Siebter oder Achter war.
Wie viel verdienten Sie mit Ihrem ersten Vertrag bei GC?
Einen Monatslohn von 6000 Franken plus Prämien.
Das ist aber gut.
Ich rechnete aus, was ich brauche, und sagte: Das, das und das muss ich haben.
Johannsen war Ihr Trainer. Wäre einer mit seiner Feldherrenart noch denkbar?
Nein, die Zeiten haben sich geändert. Heute ist die Dimension ganz anders. Wir erziehen unsere Kinder ja auch anders, als wir selbst noch erzogen worden sind.
Später arbeiteten Sie unter dem legendären Hennes Weisweiler. Der hatte offenbar etwas gegen Ihr Studium.
Er sagte immer: «Sie könnten einer der besten Stürmer Europas sein, doch Sie studieren.» Wir hatten ohnehin ein etwas konfrontatives Verhältnis. Er sagte mir auch: «Sie sind ein Wehleidiger.» Das war nach einem Training, ich war umgeknickt und hatte wirklich grosse Schmerzen im Fuss. Ein Band war gerissen. Ich fragte den Arzt: «Was machen wir?» Er sagte: «Einbinden oder operieren.» Ich: «Also operieren wir.» Weisweiler informierte ich nicht darüber. Das war eine reine Trotzreaktion.
Wenn eine Koryphäe wie Weisweiler Ihnen sagt, ohne Studium könnten Sie einer der Besten Europas sein, bringt einen das nicht zum Denken, etwas zu ändern?
Nein. Ich war zufrieden mit dem Leben. Ich brauchte einen Ausgleich, und mein Ausgleich war das Studium. Ich konnte doch Fussballer sein und trotzdem auch Student, ich ging ja nicht jassen oder machte weiss Gott was.
Bereuen Sie nicht, einmal bei einem Grossclub in Europa gespielt zu haben?
Ich hatte ein Angebot von Inter Mailand, ich war Fan von Inter, und darum gefiel mir das auch. 1982 kamen bei mir aber verschiedene Sachen zusammen: Das Studium war noch nicht zu Ende, ich heiratete, GC wollte unbedingt, dass ich bleibe, und mir gefiel es in Zürich. Sollte ich das alles aufgeben? Ich war zufrieden. Darum war der Entscheid, nicht zu Inter zu gehen, richtig für mein Leben.
Und was können Sie vom Zusammenleben berichten? Wie schafften es die Spieler, einander nicht auf den Wecker zu gehen? Sie konnten sich sozusagen ja noch nicht ins Handy flüchten.
Viele jassten. Ich spielte Backgammon und las viel, Bücher – ab und zu Bundesgerichtsentscheide.
Ein Fussballer, der ein Buch liest, gilt als Exot.
Jeder ist frei, zu machen, was er möchte. Schon damals lasen nicht viele. Musik hörten wir. Wir hatten noch Walkman mit Kassetten, wir trainierten noch mit denen und rannten stundenlang mit denen auf dem Förrlibuck herum. Wenn ich gerade vom Förrlibuck rede: Den gibt es auch nicht mehr so, wie er einmal war. Ab und zu gehe ich trotzdem dorthin.
Warum das?
Ich gehe gern an Orte, wo ich als Fussballer oder als Privatperson etwas erlebt habe.
Was ist das? Wehmut?
Nein, das nicht. Erinnerungen kommen hoch, vor allem gute Erinnerungen. Ich habe Zürich gern gehabt.
Izidor Kürschner (1885-1941), ungarisch-jüdischer Fussballlehrer, GCZ-Meister- (1927, 1928 & 1931) und Cupmacher (1926, 1927, 1932 & 1934).