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Solfeggio
(ital., spr. -féddscho; frz. solfège, ein wichtiges Übungsstück für Gesang, in welchem die Töne nicht auf einen Text, sondern nur auf einzelne, der Tonerzeugung günstige Silben oder Vokale gesungen werden. Teils sind die Solfeggien Intonations- und Treffübungen, teils auch Etüden für den Vortrag aller Arten von Passagen und Koloraturen des Kunstgesangs. Solfeggien sind seit zwei Jahrhunderten in großer Zahl geschrieben, und zwar überwiegend von ital. Komponisten und Gesanglehrern. - Solfeggieren, auch Solmisieren genannt, bedeutet ursprünglich, die Töne nicht auf einem Text, sondern auf den Silben der mittelalterlichen Solmisation (s. d.) absingen. Im weitern Sinne bezeichnet es auch das Absingen der Töne auf beliebigen andern Silben, oder auf den Buchstabennamen der Töne oder den Vokalen, welches letztere Verfahren man noch insbesondere Vokalisieren oder Abcdieren nannte. Am besten dienen dazu die fünf Vokale allein oder mit den verschiedenen Konsonanten nacheinander verbunden. Die Buchstabennamen, mit denen im Deutschen die Töne bezeichnet werden, sind dazu weniger günstig, weil bei vielen Kreuztönen nur der Vokal i (fis cis gis u. s. w.) und bei B-Tönen nur der Vokal e (fes ges des u. s. w.) zur Anwendung kommt. Dies veranlaßte Graun, die sieben Silben da me ni po tu la be anstatt der Tonbuchstaben c d e f g a h vorzuschlagen (Damenisation). Jedoch ist die alte Weise des Solmisierens allgemein gebräuchlich geblieben.