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Die letzten Vorbereitungen sind im Gang: Kursunterlagen werden gedruckt und bereits verteilt, Ausbilder und Experten wurden bereits breit geschult und Pferdesportinteressierte auf allen verschiedenen Kanälen informiert. Hier in der letzten Ausgabe vor der Einführung der neuen Ausbildungsstrukturen nochmals alles zusammengefasst und auf einen Blick.
Wie sieht die neue Ausbildung aus?
Das neue Ausbildungskonzept ist folgendermassen aufgebaut:
- Grundausbildung Pferd Reiten/Fahren: Diese Ausbildung bildet eine Basisausbildung für Reiter/Fahrer und Pferd und kann mit einer Prüfung, dem Attest (ohne Reiten) oder Diplom abgeschlossen werden. Der Reittest beinhaltet keine Sprünge.
- Brevet: Das Brevet wird von den Disziplinen des SVPS oder den Verbänden wie Dressur, Springen, Fahren, Western usw. angeboten und dient als Standortbestimmung für den Einstieg in den Wettkampfsport auf tieferem Niveau oder als Ausbildungsprüfung ohne Einstieg für den Wettkampfsport. Das Vortraben und die Theorie werden neu auf dem Niveau Brevet geprüft.
- Lizenz: Die Lizenz dient als Test für den Wettkampfsport und wird von den Disziplinen des SVPS angeboten wie die Spring-, Dressur-, Fahr- oder TREC-Lizenz. Hier gibt es keine wesentlichen Änderungen, ausser dass das Vortraben und die Theorieprüfung bei der Dressur- und Springlizenz auf der Stufe Brevet geprüft werden. Die Kontrolle der Pferdepässe mit den korrekt eingetragenen Impfungen wird beibehalten.
Was beinhaltet die neue Grundausbildung Pferd Reiten/Fahren?
Wie beim bisherigen Brevet ist die Grundausbildung Pferd Reiten/Fahren ebenfalls in zwei Teilbereiche gegliedert. Ein Teil besteht aus dem Umgang mit dem Pferd und theoretischen Kenntnissen. Der zweite Teil beinhaltet das Reiten oder Fahren.
Die Grundausbildung Pferd Reiten/Fahren ist gegliedert in:
- Attest = Umgang mit dem Pferd inkl. Bodenschule und theoretische Kenntnisse
- Diplom = Umgang mit dem Pferd inkl. Bodenschule und theoretische Kenntnisse und Reiten/Fahren.
Warum kommen diese Änderungen in der Grundausbildung? Waren die Strukturen nicht in Ordnung?
Der Wunsch, dass sich etwas ändern muss, kam aus dem Munde verschiedenster Vertreter der Pferdebranche. Er kam vom Vorstand, aus verschiedenen Disziplinen, von verschiedenen Regional- wie auch weiteren Mitgliederverbänden des Schweizerischen Verbands für Pferdesport (SVPS). Unisono haben sie verschiedenste Anliegen und Mängel an die Grundausbildungskommission des SVPS unter der Leitung von Heidi Wolf herangetragen. Diese nahm Aussagen wie «Das Brevet ist für viele eine zu grosse Hürde», «Das Niveau ist für die Wettkampfteilnahme mit dem Brevet zu tief» oder auch «Es gibt keine Weiterbildungsmöglichkeiten für Nichtwettkampfsportler» entgegen und erarbeitete einen Projektentwurf.
Was bedeutet das konkret?
Die Bedürfnisse werden per Stand heute mit dem aktuellen Brevet nicht mehr erfüllt. Einerseits wollen einige Reiter nicht springen und absolvieren darum das heutige Brevet mit den zwei Sprüngen am Ende der Prüfung nicht. Andererseits kann man mit dem Brevet an offiziellen Dressur- und Springprüfungen starten, ohne je etwas über Reglemente, Offizielle, Anmeldeverfahren usw. gehört zu haben. Daher wird, grob gesagt, das heutige Brevet ohne den Springteil am Schluss zur neuen Grundausbildung Pferd Reiten/Fahren abgeändert.
Unterschiede gegenüber dem heutigen Brevet sind:
- weiterführende Bodenschule
- kein Vortraben, nur Melden bei der Bodenschule
- kein Springen
- kann in allen Sätteln gemeinsam absolviert werden
- Reiten/Fahren im öffentlichen Raum
- kann als Diplom oder Attest absolviert werden
- keine Starterlaubnis für den Wettkampfsport
- Bedingung für Starterlaubnis an neuen Brevets
Wie geht es dann weiter? Was für Möglichkeiten habe ich, wenn ich Turniere reiten möchte?
Anschliessend an die Grundausbildung Pferd Reiten/Fahren werden mehrere unterschiedliche Brevets zur Aus- und Weiterbildung angeboten werden. Einige werden als Einstieg in den Turniersport verlangt, einige werden lediglich zu Ausbildungszwecken angeboten werden. Per 1. Januar 2019 werden erstmals das Brevet Fahren, Brevet Dressur und das Brevet Kombiniert angeboten.
Wer ab dem nächsten Jahr die Ausbildung neu machen wird, kann nach der Grundausbildung Pferd Reiten/Fahren entweder das Brevet Fahren, das Brevet Dressur oder das Brevet Kombiniert absolvieren, um zu starten. Das Brevet Fahren berechtigt zu Starts an offiziellen Prüfungen der Kategorie B (Stufen 4 und 5), das Brevet Dressur zu Starts an GA-Prüfungen Dressur und das Brevet Kombiniert zu Starts an GA-Prüfungen Dressur, B-Prüfungen Springen sowie B1-Prüfungen Concours Complet.
Wann kann ich das neue Brevet Fahren, das Brevet Dressur oder das Brevet Kombiniert machen?
Diese Prüfung kann entweder direkt an die Grundausbildung Pferd Reiten/Fahren gemacht werden oder zu einem späteren Zeitpunkt. Das kommt ganz auf den Ausbildungsstand des Fahrers/Reiters und den Organisator an. Zu sämtlichen Brevets wurden Lernunterlagen zur besseren Vorbereitung erstellt. Der SVPS gibt lediglich die Prüfung vor. Ob und wie die Vorbereitungskurse gestaltet werden, um an einer Brevetprüfung zu starten, bestimmt der Organisator (Voraussetzung ist immer das Diplom der Grundausbildung Pferd Reiten/Fahren). Diese Kurse/Prüfungen können beispielsweise auch von einem Reitverein angeboten werden.
Wird es noch weitere Brevets geben?
Ja, weitere Brevets sind vorgesehen. Neben dem Brevet «Reiten im öffentlichen Raum» wird es auch noch das Brevet Gangpferde und das Brevet Western geben. Diese sind aber erst in Bearbeitung.
Bleibt das neue Brevet «lebenslang» gültig oder muss ich es dazwischen «auffrischen»?
Wenn man das Brevet einmal gemacht hat, dann bleibt es ein Leben lang gültig. Legt man allerdings eine pferdesportliche Pause ein, muss man einfach, bevor man an offiziellen Prüfungen startet, die jährliche Brevet- oder Lizenzgebühr entrichten.
Was ist mit dem heutigen Brevet? Ist das die Starterlaubnis für Wettkampfsport in allen Disziplinen?
Die aktuellen Brevetinhaber eines Reiterbrevets Klassisch, Western oder Gangpferde werden automatisch das neue Brevet Kombiniert «erhalten» und können so an allen damit vorgesehenen Prüfungen Dressur (GA), Springen (B) und CC (B1) starten gehen. Sie müssen die neue Ausbildung nicht machen.
Muss ich als langjährige Brevetinhaberin etwas tun per 1. Januar 2019, damit mein Brevet gültig bleibt?
Nein. Eine Ausbildung wie das Brevet, der Silbertest, Goldtest oder die Lizenz bleibt ein Leben lang bestehen, selbst wenn man es 20 Jahre nicht mehr eingelöst und aktiviert hat.
Gibt es bei den Lizenzen auch Änderungen?
Nein. Die Ausbildungsstruktur wird mit den bisherigen Lizenzen abgerundet, die inhaltlich von den Disziplinen und Fachverbänden bestimmt werden.
Nicole Basieux
Bilder: SVPS/Markus Niklaus
Anerkennung der bisherigen Brevets
Heidi Wolf, Präsidentin der Grundausbildunkskommission des SVPS:
Was erhoffen Sie sich von den neuen Grundausbildungsstrukturen?
Ich hoffe, dass möglichst viele Reitbetriebe und Reitvereine die Grundausbildung anbieten werden. Es sollten möglichst viele Reiterinnen und Reiter aus den verschiedensten Reitweisen den Lehrgang der Grundausbildung Pferd durchlaufen können und mit dem Diplom oder Attest abschliessen.
Was erwarten Sie?
Dass vielen Pferdefreunden der Umgang mit dem Pferd vertrauensvoller wird und ihnen durch den Lehrgang das Wesen Pferd nähergebracht wird. Die Sicherheit im Umgang mit und auf dem Pferd sollte erhöht werden.
Es wäre schön, wenn für alle Weiterbildungsmöglichkeiten bestehen würden und die verschiedenen Verbände Brevets anbieten werden. Ein herzliches Dankeschön an alle, die aktiv mitgearbeitet haben und sich für die Ausbildung rund um das Pferd einsetzen.
Ruedi Gantenbein, Präsident der Prüfungskommission des SVPS:
Was ist ihr Fazit kurz bevor nun die neuen Strukturen der Grundausbildung eingeführt werden?
Während sieben Halbtageskursen durften wir gut 300 angehende Experten Reiten und zusätzlich an zwei Ganztageskursen rund 55 angehende Experten Fahren theoretisch und praktisch auf ihre zukünftige Tätigkeit vorbereiten. Die schweizweit einheitliche Ausbildung der Experten soll zu einer möglichst einheitlichen Bewertung auf gleichem Niveau beitragen.
Was erhoffen Sie sich?
Möglichst viele interessierte Pferdefreunde aus allen Reitweisen an den Grundprüfungen - egal, ob mit oder ohne Wettkampfambitionen.
Was erwarten Sie?
Mehr Verständnis für das Pferd und im Umgang mit ihm sowie ein stressloses Ausreiten für Pferd, Reiter und Umwelt. Die anspruchsvollen Brevet Dressur und Brevet Kombiniert sollen zu einer besseren Vorbereitung auf die ersten Wettkampfteilnahmen beitragen.
Tipp von Martin H. Richner, Präsident SHP, Ausbilder und Experte:
Reiterinnen und Reiter wie auch deren Ausbilder müssen sich bewusst sein, dass beim ‹neuen› Brevet - das ja für die Zulassung an Turnieren Pflicht ist - die Anforderungen an die Reiter und ihre Pferde oder Ponys höher sind als beim bisherigen ‹alten› Brevet. Kurz zusammengefasst würde ich es so sagen: Die Grundausbildung Pferd mit Diplom entspricht in etwa dem ‹alten› Brevet, allerdings ohne den Springteil. Das ‹neue› Brevet entspricht eher einer ‹Lizenz light› - und dient eben für den Einstieg in den Wettkampfsport.