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Irre Zootiere
Entspricht eine Tieranlage nicht den Bedürfnissen eines Zootieres (Langeweile, Isolation, zu wenig Platz), so entwickelt es häufig ein gleich bleibendes, wiederholtes Verhaltensmuster, welches zwar natürlich, aber der Situation unangepasst ist.
Im Fall eines Eisbärs kann es beispielsweise sein, dass er immer denselben Pfad läuft, jeweils beim Wassergraben mit dem Kopf hin und herwippt (Weben) oder den Oberkörper herumreisst. Meist landen die Füsse dabei in jeder Runde auf dem exakt gleichen Fleck, sodass mit der Zeit der Pfad im Gehege sichtbar wird.
Kein schöner Anblick: Zwei Eisbären mit ausgeprägten Stereotypien – Eisbär Lars und sein weibliches Gspänli im Zoo Wuppertal:
Ausser dem Eisbär neigen auch Pferde, Elefanten, Kamele und Braunbären zum sogenannten Weben. Prinzipiell sind vor allem grosse Tiere betroffen, welche in der Natur grosse Strecken zurücklegen, und soziale Tiere, welche einzeln gehalten werden. Entspricht das Gehege nicht den natürlichen Bedürfnissen, versuchen die Zootiere dies mit ihrem Verhalten zu kompensieren. Anfangs testen sie verschiedene Verhaltensmuster. Wird die Auslebung arttypischer Verhaltensweisen jedoch chronisch verhindert, bedeutet dies für das Tier einen grossen Stress und so schleichen sich Stereotypien ein. Je länger die Stereotypie ausgeübt wird, desto schwieriger wird der Bruch mit ihr. Vermutlich finden auch im Gehirn Veränderungen statt.
Raubkatzen wie Leoparden neigen vorwiegend zum Kreislaufen. Pferde – vor allem Vollblüter – neigen zum Koppen (klingt wie Rülpsen) wobei meist gleichzeitig in den Futterspender oder etwas Ähnliches reingebissen wird. Zierfische schwimmen in Bahnen und Spiralen ihre wiederholten Kreise.
Auch Mast- und Haustiere zeigen bei falscher Haltung Stereotypien
Vögel reagieren mit Federrupfen auf tief(f)liegende Unzufriedenheit. Bei Edelpapageien der Gattung Unzertrennliche (Agapornis) passiert es manchmal, dass Eltern ihre Jungtiere rupfen. Bei falscher Haltung von Hühnern werden oft schwächere Tiere gepiekt und gerupft –sie können einfach nicht anders. Bei anderen Gattungen ist es häufiger, dass sich die Tiere selber malträtieren.
Schweine sind bekannt dafür, stundenlang auf Stangen zu beissen, wenn sie auf der Nahrungssuche nicht scharren und wühlen können. Seit dem 1. September 2013 müssen Schweizer Schweine deshalb dauernd Zugang zu Beschäftigungsmaterial und Wasser haben.
Auch kleine soziale Tiere wie Meerschweinchen können Stereotypien entwickeln. Seit dem 1. September 2008 ist ihre Haltung nur noch in Gruppen von mindestens zwei Tieren erlaubt. Ausserdem brauchen die Tiere ausreichend Beschäftigung in Form von Einstreu und Knabbermaterial (Weichholz) sowie vitaminreiches Gemüse und Heu à discrétion.
Eine Parlamentarische Initiative von Nationalrätin Chantal Galladé (SP) gegen die Einzelhaltung von Kaninchen wurde am 10. Mai 2012 von der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur abgelehnt. Da die Sozialstrukturen bei Kaninchen viel ausgeprägter seien als bei Meerschweinchen und manchen Vogelarten, könne man dem Tierhalter die ungleich höheren Anforderungen einer Gruppen-Haltung von Kaninchen nicht zumuten.
Lichtblick
Zum Glück werden die Haltungsvorschriften für Tiere ständig verbessert. Zoos und Tierparks weltweit setzen vermehrt auf grössere, natürlichere Gehege. Sie beschäftigen ihre Bewohner artgerecht und sorgen auch bei der Fütterung für Spiel, Spass und Spannung. Private Tierhalter müssen sich da selber auf die Finger schauen – beziehungsweise ihre Schützlinge genau beobachten.
Kinder zeigen vor, was Stereotypien sind: