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Die ersten Schweizer Fussballerinnen kamen nicht aus der Region Basel. Im Genf der 1920er-Jahre spielten Töchter gut betuchter Familien Fussball. Sie blieben aber lange die einzigen fussballspielenden Frauen, von denen man weiss. In den 1960er-Jahren kam es dann im Aargau, im Wallis und in Zürich zu ersten Gründungen von Frauenteams. Der erste offizielle Frauenfussballverein war der «Damenfussballclub Zürich», der 1968 von jungen Zürcherinnen gegründet wurde.
Training auf dem Hundespielplatz
Zwei Jahre später, 1970, wurde die «Schweizerische Damenfussball-Liga» (SDFL) ins Leben gerufen und eine Liga für alle Frauenteams der Schweiz geschaffen. Die ersten regionalen Fussballerinnen waren jene des DFC Therwil, die 1972 in die zweithöchste Liga einstiegen. Ihre ersten Trainings hätten die Therwilerinnen auf einer Wiese abgehalten, die eigentlich Hunden als Toilette diente, sagt Marianne Meier. Die Historikerin und Sportpädagogin vom Interdisziplinären Zentrum für Geschlechterforschung der Universität Bern hat sich intensiv mit der Geschichte des Schweizer Frauenfussball beschäftigt.
Die Frauen vom DFC Therwil konnten sich schnell etablieren, wurden immer besser und standen 1978 bereits im Cupfinal, den sie aber verloren. Auch andere Teams aus der Region, beispielsweise Nordstern, wagten zu Beginn der 1970er-Jahre einen Start im Frauenfussball, verschwanden aber bald wieder von der Bildfläche, sagt Marianne Meier.
Nicht nur der DFC Therwil bewies Pioniergeist in Sachen Frauenfussball, sondern auch das Ehepaar Selma und Joseph Heymann aus Binningen. Der ehemalige FIFA-Schiedsrichter und spätere SDFL-Präsident Joseph Heymann organisierte dank guter Beziehungen in die Fussballwelt 1972 das erste offizielle Länderspiel der Schweizer Frauen gegen Frankreich. Es fand vor 3'000 Zuschauerinnen und Zuschauern auf dem Rankhof in Basel statt. Selma Heymann unterstützte das Nationalteam als Donatorin und ermöglichte den Fussballerinnen in der Anfangszeit diverse Reisen zu Spielen im Ausland.
Auf Vereinsebene tat sich in den 1980er- und 1990er-Jahren einiges in der Region Basel. Diverse Teams wurden gegründet oder aber traditionelle Vereine richteten eine Frauen-Sektion ein, so auch der FC Concordia Basel. Elisabeth «Elli» Trachsel gründete 1985 zusammen mit ihrer Schwester und der späteren Schiedsrichterin Vroni Schluchter die «Congeli-Frauen». Dies sei vor allem möglich gewesen, da Schluchters Mann bei Concordia für ihr Anliegen Werbung machen konnte.
Anzügliche Bemerkungen oder dumme Sprüche wie «zurück an den Herd», mussten wir uns oft anhören.
«Es brauchte die Unterstützung der Männer, die haben wir zum Glück bekommen. Das ist bis heute nicht selbstverständlich», sagt Elli Trachsel. Andere Männer zogen es vor, sich über die fussballspielenden Frauen lustig zu machen und am Spielfeldrand Sprüche zu klopfen. «Das war nicht einfach damals, aber irgendwann habe ich die ignoriert und mein Ding durchgezogen», sagt Elli Trachsel.
Später wollten immer mehr Mädchen Fussball spielen. Ab einem gewissen Alter konnten, wollten oder durften sie nicht mehr mit den Jungs zusammen trainieren. Darum eröffneten verschieden Vereine Juniorinnenteams. Das sei ein wichtiger Schritt gewesen, betont Elli Trachsel, die heute die Juniorinnen beim FC Concordia trainiert.
Regionales Spitzenteam
Im neuen Jahrtausend sei viel passiert im regionalen Frauenfussball, findet auch SRF-Sportredaktorin Seraina Degen. Einerseits gibt es mittlerweile viele Teams auf allen Stufen, und seit der FC Basel vor gut zehn Jahren das Spitzenteam von Concordia übernommen habe, verfüge die Region über ein gutes Team in der höchsten Liga der Schweiz. Die Baslerinnen gewannen 2014 den Schweizer Cup und holten damit den ersten und bisher einzigen Titel in die Region.
Im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen beim FC Basel können die FCB-Spielerinnen vom Fussball nicht leben: Sie sind keine Profis und verdienen nicht viel Geld. Im Gegensatz zu Ländern wie Deutschland oder den USA sei die Schweiz noch weit entfernt von einer Profiliga. Auch wenn der Frauenfussball sich in den letzten fünfzig Jahren in eine gute Richtung entwickelt habe, sieht Seraina Degen noch viel Potenzial. «Das beste Mittel, um den Frauenfussball beliebter und damit attraktiver zu machen, sind gute Resultate und Erfolge, sei es vom FCB oder vom Nationalteam», sagt Seraina Degen.