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Die Symptome einer akuten myeloischen Leukämie (AML) zeigen sich in der Regel innerhalb weniger Wochen. Es kommt aber auch vor, dass AML-Patienten kaum Beschwerden haben und dass die Erkrankung zufällig im Rahmen einer routinemässigen Blutuntersuchung entdeckt wird.
Bei einer Leukämie werden Leukämiezellen in grosser Zahl produziert und sie verdrängen die gesunden, funktionstüchtigen Blutzellen. Diese können deshalb ihre Aufgabe im Körper nicht mehr richtig wahrnehmen. Die Symptome einer AML entstehen darum entweder aufgrund des Mangels an normalen Blutzellen oder durch den Befall von Organen mit den Leukämiezellen.
Blutarmut (Anämie):
Ein Mangel an roten Blutkörperchen (Erythrozyten) im Blut führt zu einer Blutarmut (Anämie) und damit zu einem verminderten Sauerstofftransport im Blut. Typische Anzeichen dafür sind Müdigkeit, Blässe, Abgeschlagenheit und ein Nachlassen der allgemeinen Leistungsfähigkeit. Schon bei kleinsten körperlichen Anstrengungen stellen sich Atemnot und Herzklopfen ein.
Fieber / Infektanfälligkeit:
Ein Mangel an gesunden weissen Blutkörperchen (Leukozyten) wirkt sich auf die körpereigene Abwehr aus. Krankmachende Bakterien, Viren und Pilze können weniger gut bekämpft werden. Aufgrund der verminderten Abwehr kommt es häufiger vor, dass sich Krankheitserreger im Körper stark vermehren und daraus Infektionen entstehen, die unter Umständen schwerer verlaufen und langsamer ausheilen.
Bauchschmerzen und Appetitlosigkeit:
Durch den Befall mit Leukämiezellen vergrössert sich die Milz und/oder die Leber.
Blutungen:
Ein Mangel an Blutplättchen (Thrombozyten) zeigt sich in einer erhöhten Blutungsneigung. Wunden oder Verletzungen bluten dann stärker und länger. Betroffene bemerken häufiger blaue Flecken, die ohne ersichtlichen Grund auftreten, oder Nasenbluten. Auch rote stecknadelkopfgrosse Punkte auf der Haut oder der Schleimhaut (sogenannte Petechien) können auf einen Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) hinweisen.
Lymphknotenschwellungen:
Am Hals, in den Achselhöhlen oder in der Leiste können die Lymphknoten durch den Befall mit Leukämiezellen vergrössert sein.
Gelenk- und Knochenschmerzen:
Die Leukämiezellen können sich auch in die Knochen ausbreiten und dort Schmerzen hervorrufen.
In seltenen Fällen wird auch das Hirn, das Rückenmark oder die Hirnhaut mit Leukämiezellen befallen. Dies kann zu Kopfschmerzen, Sehstörungen, Erbrechen oder Lähmungserscheinungen führen.
Alle hier beschriebenen Symptome können auch durch andere, vergleichsweise harmlose Erkrankungen hervorgerufen werden und haben in den meisten Fällen nichts mit einer Leukämie zu tun. Doch wenn die Beschwerden andauern, ist es ratsam, die genaue Ursache von einem Arzt abklären zu lassen. Denn für den Fall, dass tatsächlich eine akute myeloische Leukämie vorliegt, sollte schnellstmöglich mit einer Therapie begonnen werden.
Die genaue Charakterisierung Ihrer Leukämie ist massgebend für die Wahl Ihrer Behandlung und die Heilungschancen (Prognose). Es ist also entscheidend zu wissen, …
… ob tatsächlich eine AML vorliegt und nicht etwa eine akute lymphatische Leukämie (ALL) oder ein Myelodysplastisches Syndrom (MDS).
Denn die Behandlungsstrategien für diese drei Erkrankungen sind verschieden.
… ob die AML aus einem MDS entstanden ist (sekundäre AML) oder ob der AML-Diagnose keine verwandte Erkrankung vorangegangen war (primäre AML).
So ist die konventionelle AML-Therapie bei einer AML mit MDS-assoziierten Veränderungen beispielsweise deutlich weniger wirksam.
… ob der nun diagnostizierten AML eine andere Krebserkrankung vorausgegangen ist, die mittels Chemotherapie behandelt worden war.
Denn die früher eingesetzte Chemotherapie wird für die AML-Behandlung mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr effektiv sein.
… ob und welche genetischen Veränderungen in den Leukämiezellen vorliegen.
Im Erbgut der Leukämiezellen sind häufig strukturelle Veränderungen zu finden, so genannte chromosomale Aberrationen (siehe dazu „Kleines Glossar zur Erbinformation“). Bei AML sind mittlerweile zahlreiche solche genetischen Veränderungen beschrieben und man lernt laufend mehr darüber, welche Behandlungsansätze für welche chromosomalen Aberrationen besonders geeignet sind. Auch die Heilungsaussichten werden stark dadurch beeinflusst, welche genetischen Veränderungen die Leukämiezellen aufweisen. Mutationen in den Genen NPM1 und CEBPA führen beispielsweise sowohl bei Kindern wie auch bei erwachsenen AML-Patienten tendenziell zu einem besseren Therapieerfolg und einer geringeren Rückfallrate.
Die akute myeloische Leukämie (AML) zeigt meist einen aggressiven und schnellen Verlauf. Sie ist immer ein potenziell lebensbedrohlicher Zustand, ohne Behandlung sterben die meisten Patienten innert Tagen oder wenigen Wochen. Eine AML muss darum so rasch wie möglich in einem darauf spezialisierten Spital abgeklärt und behandelt werden.
Für die eindeutige Diagnose einer AML muss der Anteil der unreifen Blasten im Blut oder im Knochenmark mindestens 30% (gemäss der FAB-Klassifikation) bzw. mindestens 20% (gemäss der WHO-Klassifikation) ausmachen. Zudem muss es sich eindeutig um Blasten der myeloischen Zellreihe handeln.
Doch „AML“ ist nicht gleich „AML“. Genau betrachtet handelt es sich bei AML um eine komplexe Vielzahl von verschiedenen verwandten Krankheiten des blutbildenden Systems. Erst in den letzten Jahren wurde dank neuer, verbesserter Analyseverfahren die Heterogenität der AML entdeckt. Diese neuen Erkenntnisse wirken sich nicht nur auf die Diagnoseverfahren, sondern insbesondere auch auf die Behandlung und die Heilungschancen aus.
Ist die generelle Diagnose AML gestellt, muss die Erkrankung darum möglichst rasch mittels detaillierter Untersuchungen der Leukämiezellen weiter charakterisiert werden. Die Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization WHO) unterteilt die AML in 4 Hauptgruppen (Entitäten) mit insgesamt 28 Untergruppen. Die Hauptgruppen sind: