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Die Fotogrammetrie revolutionierte in den 1920er-Jahren die Arbeit der Schweizer Landestopografen, indem sie das Gelände ins Büro brachte und dessen Vermessung im Bild ermöglichte. Aber auf welchen wissenschaftlichen Erkenntnissen baut diese neuartige Technologie überhaupt auf? Im Laufe des 18. Jahrhunderts begannen Wissenschaftler und Ärzte, den Aufbau des Auges und die Vorgänge des Sehens zu erforschen. Man verstand, dass jedes Auge nur Flächen erfassen kann und «räumliches Sehen» erst im Gehirn entsteht. Dort kommt es aufgrund der präzisen Überlagerung der beiden Einzelbilder zum räumlichen Eindruck. Die ausgestellten Stereoskope führen den BesucherInnen das Prinzip vor und ermöglichen das Abtauchen in frühere Welten, in 3D!
Prospekt für Stereokleinbildkamera von Kern, 1932. Foto: Stadtmuseum Aarau, Sammlung Kern
Stereoskop zur Betrachtung der Doppelbilder. Das Motiv erscheint dem Betrachter dreidimensional, um 1900. Foto: Stadtmuseum Aarau.
Impulse aus der Luft
Bereits 1858 proklamierte der französische Fotograf, Wissenschaftler und Ballonfahrer Nadar: «Jede kleinere oder grössere Erdfläche kann aus der Luft genauer aufgenommen und vermessen werden, als es mittels Triangulation, Graphometer und Messkette am Boden geschieht.» Vor allem die Weiterentwicklung der Flugzeuge, motiviert durch den Ersten Weltkrieg, führte dann zu einer Etablierung der Aerofotogrammetrie, also der Fotogrammetrie aus der Luft. Sie löste die bereits bestehende terrestrische Fotogrammetrie, also die Bildmessung im Gelände ab.
Handhabung der Fliegerkamera Wild, 1930, DH5 Doppeldecker 1929 – 35. Technische Aufnahme 4396g, Original: Glasplattennegativ, 13x18cm Foto: © swisstopo, Bildsammlung.
Während die Konkurrenz Wild in Heerbrugg den Markt mit Auswertegeräten und Kameras für Luftbildaufnahmen dominierte, verpasste Kern anfänglich die Chance, bei diesem wichtigen technologischen Schritt mitzuwirken. Der Einstieg ins Geschäft gelang der Aarauer Firma dann in den 1960er-Jahren, mit dem Auswertegerät PG2. Bis 1988 wurden davon weltweit rund 1000 Geräte abgesetzt. Mit einer Reihe von Zusatzprodukten wie Punktiergeräten, Zeichentischen oder Orthoprojektoren konnte sich Kern im Segment etablieren. Für die Wartung und Instruktion der Geräte reisten die Kernmitarbeiter um die ganze Welt.
Werbeprospekt für das Auswertesystem PG2, 1972. Foto: Stadtmuseum Aarau, Sammlung Kern.
Ende der 1970er Jahre beteiligte sich Kern schliesslich an der Entwicklung analytischer Auswertegeräte, die z.B. an einen Plotter angehängt werden konnten. Mit dem DSP1, dem weltweit ersten «Digitalen Stereo Fotogrammetriesystem» präsentierte Kern 1988 in Kyoto einen wichtigen Prototypen.
Analytisches Auswertegerät DSR15. Foto: Stadtmuseum Aarau, Sammlung Kern.
In Zusammenarbeit mit der engagierten Freiwilligengruppe von ehemaligen Mitarbeitenden (Arbeitsgruppe Kern) holt das Stadtmuseum verschiedene Stereobetrachter und ein fotogrammetrisches Auswertesystem aus dem Depot ins Foyer.
Aufbau des fotogrammetrischen Auswertegeräts PG2 im Stadtmuseums Aarau.
Aktionsnachmittage jeweils am Sonntag und Mittwoch 14 – 16 Uhr
Im Foyer können Sie mit dem fotogrammetrischen Auswertegerät PG2 selbst Karten zeichnen. Schauen Sie durch die Binokulare des Grossgerätes und erleben Sie, wie die darin abgebildete Landschaft dreidimensional erscheint. Mit etwas Geschick und unter fachkundiger Anleitung von ehemaligen Mitarbeitern von Kern wissen Sie schon bald, wie Sie das Handrad drehen müssen, damit die Karte gelingt.