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Aubert Joseph Parent, Basel, 1792 datiert
Lindenholz, geschnitzt
H. 40,7 cm, B. 25,3 cm
Inv. 1955.293.
Dieses Relief schuf der seit 1792 in Basel lebende, vielseitig begabte französische Künstler Aubert Parent (1753–1835). Er hatte in Paris, Florenz und Rom seine künstlerische Ausbildung erhalten und seit seiner Rückkehr nach Paris 1784 für das kunstsinnige und anspruchsvolle Umfeld des französischen Hofes gearbeitet, wo man seine verfeinerte und handwerklich perfekte Schnitzkunst, seine Möbel und Innendekorationen sehr schätzte. Doch mit der Französischen Revolution verlor er seine aristokratische Auftraggeberschaft, und er verliess Frankreich im Jahr 1792, mitten in den Umstürzen der Französischen Revolution – wohl in einer Mischung aus politischen und wirtschaftlichen Gründen. Basel, Solothurn, das damals preussische Neuenburg und Berlin waren in den folgenden Jahren seine Aufenthalts- und Arbeitsorte, wobei er sich offensichtlich vor allem vom preussischen Hof Aufträge erhoffte. In Basel fand er in dem wohlhabenden Seidenbandproduzenten Johann Rudolf Forcart-Weiss (1749– 1834) einen anspruchsvollen Auftraggeber, für den er den Garten seines Stadtpalais, des Württembergerhofes, im modernen Landschaftsstil gestaltete. Durch Aubert Parent kam eine hoch artifizielle und verfeinerte Schnitzkunst höfischer Prägung nach Basel: Acht Reliefs mit illusionistischen, stilllebenhaften Naturdarstellungen in der Sammlung des Historischen Museums Basel und weitere in Basler Privatbesitz zeugen noch heute von diesem revolutionsbedingten Zwischenspiel. Nach mehr als zwanzig Jahren des Exils kehrte Aubert Parent 1815 nach Frankreich zurück. Unter mittlerweile grundsätzlich veränderten politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen wirkte er fortan als Architekt und Akademieprofessor in Valenciennes.
In engem Zusammenhang mit den Gründen für seine Emigration steht das Relief mit Bouquet und Medaillon.
Es stammt aus dem Württembergerhof und zeigt in hohem Relief und illusionistischer Wirkung einen Strauss aus Rosen, Calendula, Tulpe und Maiglöckchen. An dem Band, das die Stiele zusammenbindet, ist ein grosses Porträtmedaillon des französischen Königs Ludwig XVI. im Profil befestigt. Es trägt die abgekürzte lateinische Umschrift LVD (ovicus). XVI D(ei). G(ratia). FRAN(ciae) REX (Ludwig XVI., von Gottes Gnaden König von Frankreich).
1792, als laut Datierung das Relief entstand, besassen die neugeprägten Münzen und Medaillen für Ludwig XVI.
aber eine andere Umschrift: Die Abkürzung «D. G.» als Hinweis auf die von Gott gegebene Königswürde wurde seit der Einführung der konstitutionellen Monarchie 1791 nicht mehr verwendet. Stattdessen hiess es auf Französisch «ROI DES FRANÇOIS» (König der Franzosen), womit auf die Legitimierung des Herrschers durch das Volk – und nicht mehr durch Gott – verwiesen wurde. Aber auch das währte nur kurze Zeit bis zur Absetzung (August 1792) und Enthauptung des Königs am 21. Januar 1793. Mit dem Bild des Königs und dem sicherlich nicht zufälligen Hinweis auf das Gottesgnadentum erhält dieses Relief einen stark royalistischen Gehalt und kann als Bekenntnis des Künstlers und des Käufers bzw. Auftraggebers zum französischen Königtum und zur Monarchie im Allgemeinen verstanden werden. Nach der Hinrichtung des Königspaares 1793 erfuhren Darstellungen des verstorbenen Königs und seiner Gattin Marie Antoinette eine grosse Blüte, und es entstand – auch ausserhalb Frankreichs – geradezu ein Bilder- und Erinnerungskult um den «unglücklichen König». Möglicherweise existierte zu diesem Relief ursprünglich ein Pendant mit einer Porträtmedaille der Marie Antoinette.