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Der 14. Juli 1979 ist ein Datum, das man beim Rennstall Williams nie mehr vergisst. In Silverstone (GB) hatte Clay Regazzoni für das aufstrebende Team den ersten Formel-1-Grand-Prix gewonnen. Nach der Podiumszeremonie und ersten Interviews trottete der Tessiner Richtung Motorhome, wo Teamchef Frank Williams und Technikdirektor Patrick Head warteten. Die Briten waren trotz des Erfolges bedrückt. Ja, Regazzoni hatte gewonnen, aber die Enttäuschung über den Ausfall von Alan Jones, die Nummer eins des Teams, wog mehr.
Das war typisch für Williams. Er war ein freundlicher Mann, der die Menschen liebte. Aber bei seinen Fahrern machte er durchaus Unterschiede. Er hatte Achtung vor den rücksichtslosen Siegfahrern, solchen wie Alan Jones. Im Gegensatz dazu galt Regazzoni als Romantiker im Rennzirkus. Zwei Jahre später erging es Carlos Reutemann ähnlich. Der Argentinier verlor in Las Vegas (USA) den Titelkampf, weil Williams seinen Liebling Jones, mittlerweile Weltmeister, gewähren und letztlich gewinnen liess. Neuer Weltmeister war damit Nelson Piquet vom Team Brabham. Fünf Jahre später kam der Brasilianer als zweifacher Champion zu Williams, wo er sich ein Stallduell mit dem Briten Nigel Mansell lieferte. 1986, im Jahr, als sich Frank Williams bei einem Autounfall eine Querschnittlähmung zuzog, profitierte McLaren-Pilot Alain Prost, Piquet holte seinen dritten Titel erst im Jahr darauf. Es waren zwei verlorene Titel aufgrund der sehr persönlichen Umgangsweise von Frank Williams mit seinen Fahrern.
«Es war ein Spiel für ihn»
Ein anderer Schweizer Rennfahrer, Alain Menu, lebte etwas später im Schatten von Williams. Als Fahrer von Renault UK war der Genfer der König in der hoch umkämpften British Touring Car Championship, der englischen Tourenwagen-Meisterschaft. Als Renault Motorenpartner von Williams war, sass manchmal auch der Genfer im Cockpit des F1-Monoposto. «Ich war schon seit zwei Jahren bei Renault UK (1993 bis 1994 – Red.), als Renault zu Williams stiess. Ich wollte wissen, wie es mit mir weitergehen sollte. Man sagte mir, dass die Entscheidung bei Williams liege. So habe ich Frank Williams zum ersten Mal getroffen. Wir diskutierten über die Vertragsklauseln für die Jahre 1995 und 1996. Er fragte mich, wie viel ich haben wollte, ich nannte eine Zahl – auf der Grundlage meines Vertrags mit Renault –, und da fing er an zu lachen! ‹Das ist viel zu viel, das geht nicht. Ich kann dir so viel bieten und lasse dir fünf bis zehn Minuten Bedenkzeit.› Ich wollte nicht nachgeben, er auch nicht. Dann fanden wir einen Kompromiss, er akzeptierte für das erste Jahr, ich für das zweite. Zwei Jahre später wiederholte sich das Ganze wieder für den Vertrag für 1997/98. Aber damals dauerte es bis zu drei Monate, ehe wir übereinkamen. Sein Rechtsanwalt hatte mir geraten: ‹Schau einfach, dass er nicht sein Gesicht verliert.› Eine Woche später sagte mir Frank: ‹O. k., we have a deal!› Ich glaube, es war ein Spiel für ihn.»
Da Frank Williams 1969, beim Einstieg in die Formel 1, mit einem privaten Brabham, den Piers Courage lenkte, während zehn langer Jahre nur über knappe Mittel verfügte, warf er das Geld nicht zum Fenster hinaus. So verlor er mehrere seiner Weltmeister an andere Teams, da er die von den Fahrern für ihren Titel geforderten Gehaltserhöhungen nicht gewährte. Anstatt die damals zusätzlichen ein bis zwei Millionen zu bezahlen, steckte er das Geld lieber in sein Unternehmen. Er war der Ansicht, dass «der Rennstall dem Fahrer zum Sieg verhilft – und nicht umgekehrt».
Alain Menu sass 1995 auch im Cockpit des Williams-Monoposto FW16. Der Genfer erinnert sich noch an das Telefongespräch zuvor: «Es tönte: ‹Hallo Alain. Hier spricht Frank. Wir machen einen Test in Silverstone, und weil Damon Hill, David Coulthard und Jean-Christophe Boullion nicht verfügbar sind, möchten wir dich fahren lassen. Bist du interessiert?› Ich antwortete ihm: ‹Wie viel ist es dir wert?› Seine Antwort: ‹Nichts!› Ich hielt dagegen und erklärte ihm, dass ich als Profi nicht umsonst fahren würde. Dann bot er mir 250 Pfund an. Das waren damals Peanuts, aber er wusste sehr genau, dass ich auch umsonst gefahren wäre! Er kannte seine Leute sehr genau.» Menu erledigte seine Aufgabe so gut, dass er für Tests noch weitere Male am Lenkrad eines Williams-F1 sass.
Bereits zu Lebzeiten eine Legende
«Es war eine schöne Zeit, es waren die besten Jahre meiner Karriere», sagt Alain Menu heute. «Das klingt abgedroschen, aber es war eine Ehre, für ihn zu fahren. Denn Frank Williams war bereits eine Legende. Er wirkte kühl, einschüchternd. Ich glaube, er nutzte das auch ein wenig aus. Ich fühlte mich ihm gegenüber immer unsicher, auch nach vier Jahren, vielleicht auch wegen seiner Behinderung. Ich lernte ihn näher kennen, blieb jedoch immer etwas auf Distanz. Aber es war Respekt meinerseits: Ich fuhr für ihn, er war der Papst.»
Sir Frank Williams starb am Sonntag, 28. November, im Alter von 79 Jahren.