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Die sozialen Netzwerke und der Sprachgebrauch der «cervelli in fuga»
Die Schweiz ist nach dem zweiten Weltkrieg von einer entscheidenden Einwanderungswelle gekennzeichnet worden. Zwischen Anfangs 60er und bis Ende der 70er Jahre stammten diese Migranten hauptsächlich aus dem südlichen Italien. Die italienischen Migranten trugen zum wirtschaftlichen Boom der Schweiz bei in dem Sie als Arbeitskräfte in der Industrie, auf dem Bau und in der Gastronomie tätig waren. Dieses Phänomen und dessen linguistische Konsequenzen wurde bereits in verschiedenen Studien beschrieben (aus linguistischer Sicht kann man beispielsweise auf Rovere 1977 oder Berruto 1991 und 1993 verweisen). Ab Mitte 70er Jahre ging die Migration zurück und die Anzahl der Remigrationen nach Italien nahm zu. Mit der italienischen Wirtschaftskrise der 90er Jahre und mit dem Beginn des neuen Jahrtausends hat sich die Lage erneut gedreht. Diese neue Welle betrifft jedoch auch eine andere Gruppe von Migranten, welche sich vor allem in ihrem sozio-ökonomischen Status unterscheiden, welcher insbesondere im Bereich der Bildung zum Ausdruck kommt. Es handelt sich somit bei den «neuen Migranten» zunehmend auch um ausgebildete Fachkräfte, die in Italien als «cervelli in fuga», also «flüchtende Gehirne» von den Medien umschrieben werden. Diese sind ausserdem nicht nur hoch qualifiziert sondern weisen auch ein, im Vergleich zu ihren Vorgängern, breiteres Sprachenportfolio, welches z.B. Kompetenzen in Englisch, Französisch, Spanisch oder sogar Deutsch beinhaltet. Man könnte also von einer erleichterten Integrationsvoraussetzung ausgehen. Während der Sprachgebrauch, die sozialen Netzwerke und die Integration in die schweizerische Gesellschaft von Seiten der ersten Gruppe bereits mehrfach untersucht wurden, erweisen sich eben diese Phänomene für die Gruppe der «cervelli in fuga» noch weitgehen als unerforscht.
Unsere Studie beschäftigt sich mit der Analyse der sozialen Netzwerke dieser «cervelli in fuga», welche wir Anhand der Daten die wir durch Interviews und Fragebögen erheben, durchführen. Weiter werden wir den Zusammenhang zwischen der Struktur der Netzwerke und der Motivation Deutsch, beziehungsweise Schweizerdeutsch zu lernen, erforschen.
Es stehen somit folgende Fragen im Vordergrund:
- Wie gestalten sich die sozialen Netzwerke der «cervelli in fuga» in der Schweiz und wie stark sind die Kontakte zur lokalen Bevölkerung?
- Welches sind die Einstellungen gegenüber dem Deutsch- bzw. Schweizerdeutscherwerb?
- Welche Sprachen werden im Alltag verwendet?
Bibliografie:
Berruto, G. (1991). «Note sul repertorio linguistico degli emigrati italiani in Svizzera tedesca.» Linguistica 31: 61-79.
Berruto, G., K. Bluntschli, et al. (1993). «Rete sociale e selezione delle varietà in ambiente emigratorio svizzero. Questioni di metodo.» Bulletin CILA 58: 145-168.
Rovere, Giovanni (1977): Testi di italiano popolare: autobiografie di lavoratori e figli di lavoratori emigrati: analisi sociolinguistica. Roma: Centro studi emigrazione.
Beteiligte Personen:
PD Dr. Silvia Natale (<email-pii>)
Dr. Etna Rosa Krakenberger (<email-pii>)
Dr. Francesco Bianco, Universität Olomouc (<email-pii>, http://www.francescobianco.net)