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Das Konto bei der Bank Sarasin, über das die umstrittenen Devisentransaktionen der Familie Hildebrand gelaufen sind, gehört laut der «Weltwoche» Philipp Hildebrand und nicht seiner Frau Kashya. Das teilte das Magazin in einer Vorabmeldung zu seiner am Donnerstag erscheinenden Ausgabe mit.
Die Aufträge zum Kauf und Verkauf von Devisen soll Hildebrand demnach jeweils persönlich erteilt haben. «Herr Hildebrand hat in der Zeit zwischen März und Oktober 2011 über die Devisenbörse Foreign Exchange (Forex) mehrere Dollar- und Euro-Käufe und Verkäufe abgewickelt», heisst es in der Mitteilung. «Allein im März hat er für 1,1 Millionen Franken US-Dollar erstanden.»
Am 15. August 2011, drei Wochen vor der Festsetzung der Euro-Untergrenze bei 1.20 Franken, hat Philipp Hildebrand der «Weltwoche» zufolge in zwei Tranchen für 400‘000 Franken gut 504‘000 US-Dollar gekauft, zum Kurs von 0,7929. Am 4. Oktober, gut drei Wochen nach der Kurs-Festsetzung, habe Hildebrand diese Dollar-Position zu einem Kurs von 0,9202 wieder abgestossen - mit einem Gewinn von 75‘000 Franken, heisst es. Diese Transaktionen liessen sich dank eines Kontoauszugs eindeutig belegen.
Der Mitarbeiter der Bank Sarasin - laut «Weltwoche» ein Kundenberater -, der die Informationen über das Konto weitergegeben hatte und daher entlassen wurde, hat sich laut dem Magazin selbst angezeigt, gleichzeitig aber auch Strafanzeige gegen Phillipp Hildebrand wegen Insider-Handels eingereicht.
Hildbrand will reden
Die SNB will ihren Präsidenten Philipp Hildebrand nun entlasten: Sie hat den Bericht der Revisionsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC) zu den Transaktionen veröffentlicht. Dieser zeige, dass die Transaktionen der Familie Hildebrand in einzelnen Medien zum Teil nicht korrekt dargestellt worden seien, so die die Schweizerische Nationalbank (SNB).
Die jüngsten Medienberichte enthielten keine Elemente, die den Prüfungsorganen nicht bekannt gewesen wären, hielt die SNB am Nachmittag fest. PwC kommt zu dem Schluss, man habe keine Sachverhalte gefunden, aus denen man schliessen müsste, dass das Reglement über Eigengeschäfte mit Finanzinstrumenten durch Philipp Hildebrand im Zeitraum vom 1. Januar bis 15. Dezember 2011 nicht eingehalten wurde.
Hildebrand wird gemäss Mitteilung der SNB am (morgigen) Donnerstag persönlich Stellung nehmen zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen.
PwC hatte die Transaktionen der Familie Hildebrand im Dezember im Auftrag des Bankrates unter die Lupe genommen, nachdem Gerüchte über eine unzulässige Bereicherung im Zusammenhang mit der Einführung des Euro-Mindestkurses aufgetaucht waren.
Reglement freigegeben
Zusammen mit dem Prüfungsbericht der PwC veröffentlichte die SNB zudem das bisher der Öffentlichkeit nicht zugängliche Reglement über Eigengeschäfte der Mitglieder des SNB-Direktoriums.
Gemäss diesem dürfen Direktoriumsmitglieder der SNB keine Eigengeschäfte tätigen, die «nicht öffentlich bekannte Informationen ausnutzen». Nicht erlaubt sind insbesondere Eigengeschäfte, die geld- und währungspolitische Absichten der SNB ausnutzen.
Unzulässig sind dabei auch «das vorzeitige und gleichzeitige Tätigen von Eigengeschäften in Kenntnis von geplanten oder beschlossenen Transaktionen der SNB». Konkret dürften Direktoriumsmitglieder also keine Devisengeschäfte tätigen, wenn sie wie im vergangenen Sommer währungspolitische Massnahmen ins Auge gefasst hat. Die Richtlinien sind seit dem 1. Mai 2010 in Kraft.
Kashya Hildebrand: Vom Dollar-Rekordtief profitiert
Kashya Hildebrand, Ehefrau von Philipp Hildebrand, hatte sich am Dienstagabend erstmals zum Devisengeschäft geäussert, das seit Tagen im Zentrum der Affäre steht. In einer schriftlichen Stellungnahme äusserte sich die frühere Finanzspezialistin und heutige Galeristin gegenüber der Sendung «10 vor 10» vom Schweizer Fernsehen. Sie beobachte die Märkte immer und habe vom Dollar-Rekordtief profitiert, so Hildebrand.
Das Devisengeschäft sei einen Tag später der zuständigen Stelle bei der Nationalbank gemeldet worden, «damit Transparenz herrschte, und es gab keine Einwände zu dieser Transaktion», teilte sie mit. Den Dollarkauf begründete sie damit, dass 70 bis 80 Prozent der finanziellen Transaktionen ihrer Galerie in Dollar stattfinden.
Über die Summe des Dollarkaufs machte sie keine Angaben. Laut Medien soll es sich um eine halbe Million Dollar gehandelt haben. Der Kauf fand zeitlich kurz vor der Festsetzung des Euro-Mindestkurses durch die Nationalbank statt.
Sarasin entlässt Mitarbeiter
Die Bank Sarasin, bei der die Hildebrands die erwähnten Konten haben, lüftete Deinstagabend den Schleier über Diebstahl der Kontodaten: Ein Mitarbeiter der Bank aus dem Informatik-Bereich habe der Bank den Diebstahl offengelegt und sei fristlos entlassen worden, teilte die Bank mit. Er habe sich am 1. Janaur 2012 der Kantonspolizei Zürich gestellt. Die Bank habe ihrerseits sowohl Philipp Hildebrand als auch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht informiert.
Die gestohlenen Unterlagen habe der Mitarbeiter einem der SVP nahestenden Anwalt offengelegt, heisst es weiter. Dieser habe in der Folge ein Treffen mit SVP-Nationalrat Christoph Blocher arrangiert. Dieses habe am 11. November 2011 stattgefunden. Nach Berichten der Sonntagspresse soll Blocher Mitte Dezember den Bundesrat über verdächtige Transaktionen im privaten Umfeld Hildebrands informiert haben.
(laf/tno/sda/awp)