Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03465.jsonl.gz/884

(Fortsetzung von S. 2)
Ungünstige Luftströmungsmuster können beim Betrieb von Umluftanlagen ebenso ins Auge gehen?
In der Corona-Literatur ist mittlerweile der Fall eines chinesischen Restaurants in Guangzhou bekannt, das mit Split-Kühlgeräten ausgerüstet war. Eine infizierte Person übertrug Viren zu anderen Besuchern an benachbarten Tischen, die längere Zeit im Luftzug dieses Geräts platziert waren. Die Zufuhr von Aussenluft war vernachlässigbar klein. Daraus ist u.a. zu lernen: Erhöht man die Lüftungsfrequenz an einer Maschine ohne Luftfiltration im reinen Umluftbetrieb, kann dies fatalerweise zu einer Erhöhung der Virenkonzentration im Raum und so zu mehr Ansteckungen führen.
Das Institut für Strömungsmechanik und Aerodynamik an der Universität der Bundeswehr plädiert für ein Schulunterrichtskonzept, das im Wesentlichen aus einem Raumluftreiniger in der Nähe des Lehrerpults und Plexiglas-Trennwänden zwischen benachbarten Schülern besteht. Das Gerät erreicht eine Luftwechselrate von bis zu 6 pro Stunde. Der Laborversuch zeigt offenbar auf, dass sich die Virenlast innerhalb von 10 Minuten halbieren lässt.
Bei dieser Konstellation wird der Viren-Emittent eingehaust, aber alle anderen Personen im Raum ebenso, was ich mir zwar für Rekruten oder Parlamentarier, aber beim besten Willen nicht für eine Primar- oder Sekundarschulklasse vorstellen kann. Ich habe auch meine Zweifel, dass mit dieser Versuchsanordnung eine genügende Lüftungseffizienz erreicht wird, zumal so viele Strömungshindernisse im Raum aufgebaut werden. Das Aufstellen eines Umluftgerätes garantiert noch nicht, dass durch die Raumluftströmung jede Emission konsequent aus diesen Einhausungen abgeführt und dann zum Umluftgerät geleitet wird. Aber wie gesagt: Ein hoher Luftwechsel bei guter Lüftungseffizienz ist sicher schon sehr hilfreich. Ob dann die Plexiglas-Trennwände besser sind als FFP2-Schutzmasken, würde ich in Frage stellen.
Was mich zusätzlich an diesem Konzept stört, ist der einseitige Fokus: Mit dieser Versuchsanordnung will man glaubhaft machen, einen Corona-konformen Unterricht im Schulzimmer zu ermöglichen. Andererseits weiss man, wie Kinder sich sonst verhalten. In den Pausen rennt man herum, man fasst sich an, man zieht sich um fürs Turnen. Dort wo die Kinder ganz ruhig sitzen, betreibt man den höchsten Aufwand, doch dort, wo sie am aktivsten sind, nützt dieses Konzept nichts.
Da nun öfters von Corona-Ausbrüchen in Schulzimmern berichtet wird, steigt die Nervosität bei den Bildungspolitikern. Was können wir denn tun, um Schulschliessungen zu vermeiden?
Bevor wir Schulen schliessen, ist es immer noch besser, wenn wir praktikable Massnahmen durchsetzen, welche die Fortführung des Präsenzunterrichts erlauben. Die eine Option wäre, das Tragen von FFP2-Masken als verpflichtend zu erklären, welche den Träger vor dem Einatmen von Viren schützt, aber auch die Emission eines potenziell infizierten Jugendlichen reduziert. Älteren Kindern und Jugendlichen wäre dies zuzumuten, da wir an deren Vernunft appellieren können.
Eine zweite Option wäre die Einführung eines hybriden Unterrichts. Schüler, die nur unter schlechten Bedingungen zuhause lernen können, könnten in Präsenz unterrichtet werden. Die Übrigen könnten über Videosysteme zugeschaltet werden. Ist beispielsweise nur ein Drittel der Klasse im Schulzimmer, sind grössere Abstände möglich und das Risiko einer Ansteckung wesentlich kleiner. Auch könnten so die Lüftungsintervalle auf die Lektionen angepasst werden. Wichtig scheint mir in jedem Fall, dass Schüler, Lehrer und auch Besucher instruiert werden, wie man mit Masken richtig umzugehen hat.
ENDE