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Mit der Rietersiedlung liess Unternehmer Heinrich Rieter erstellte ab 1865 am Rande seiner Spinnerei Niedertöss das erste eigentliche Arbeiterdorf Winterthurs erstellen. Eine Doppelreihe freistehender Wohnhäuser wurden am Fabrikweg zur Spinnerei angelegt. Rieter wollte die Arbeiter, welche nicht gerade als sesshaft galten, enger an die Fabrik binden, indem er ihnen ein Heim für ihre Familien bot. Wichtig war dabei, dass keine kasernenartigen Mietshäuser entstanden, in denen das enge Zusammenleben zu Zänkereien unter den Familien führten. Verdeckt blieb dabei, wie stark auch in der nach damaligem Verständnis höchst fortschrittlichen Wohnform die Hauptlast der Arbeit auf den Frauen ruhte. In der Spinnerei Niedertöss der Firma Rieter waren von den zur Entstehungszeit der Rietersiedlung ca. 240 Arbeitskräften mehr als die Hälfte Frauen. Zusammen mit den Kindern waren sie die Billigstarbeiter der Fabrik. Sie waren es die nach durchschnittlich 14 Stunden Arbeit pro Tag zuhause auch noch in die Rolle der sorgenden und dienenden Hausfrau und Mutter schlüpfen mussten. Eine erhöhte Sterblichkeit der Frauen war die Folge. Das eidgenössische Fabrikgesetz 1877 sollte der Doppel- und Dreifachbelastung der Frauen entgegenwirken, indem es Frauen verbot, acht Wochen oder mit Arztzeugnis sechs Wochen nach der Geburt zu arbeiten. Da die Unternehmen während dieser Zeit auch keinen Lohn zu zahlen hatten, stellte eine solche Regelung die Familien vor existenzielle Probleme.
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