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Zwischen dem Tale, welches das Flüsschen Frick durchströmt, und dem Hardwalde, der sich unterhalb Laufenburg eine halbe Stunde lang längs dem linken Rheinufer hinzieht, erhebt sich eine Hügelkette, die Chinzhalde genannt, die ganz mit Wald bewachsen ist, und auf deren Rücken sich eine tiefe enge Schlucht befindet.
Dieser Berg und der nahe Hardwald stehen bei den Bewohnern der Gegend in keinem guten Rufe, indem es hierum öfters nicht ganz geheuer sei. So soll z.B. bei gänzlicher Windstille der Hardwald oft so arg erschüttert werden, als wenn ihn der ärgste Sturm durchbrauste, und Leute, die nachts noch spät über Feld mussten, wollen schon oft eine hagere, schwarz gekleidete Mannsgestalt gesehen haben, die ein wie vom Hunger abgezehrtes Kind auf den Armen trug, dann dasselbe niederlegte und unter fürchterlichem Geheul und Wehrufen sich die Brust zerschlug und die Haare ausraufte.
Über die Erscheinungen und Vorfälle, die noch jetzt von vielen Bewohnern der Umgegend als wahr behauptet werden, geht folgende Sage:
Vor Zeiten herrschte in der ganzen Gegend eine solche Teuerung, dass mehrere Leute Hungers starben. Ein Vater hatte ein einziges Kind; auch ihn drückte schwer die allgemeine Not und als er endlich sah, dass er zwei Leben nicht mehr länger erhalten könne, fasste er den verzweifelten Entschluss, sein Kind heimlich wegzuschaffen. Unter dem Vorwande, auf dem Felde etwas Essbares zu holen, führte er dasselbe in der Nacht zu der bewussten Schlucht und warf es hinab. Was geschehen, blieb unentdeckt; allein auf seinem Todbette beichtete der Unglückselige einem Geistlichen seine Freveltat, worauf er dann in Verzweiflung starb.
Von diesem Vorfalle erhielt der Berg den Namen Kindshalde.
C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen., Leipzig 1854.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.