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The River Wild (1994) zeigt eine überraschend fite Meryl Streep (in einem Actionthriller notabene) als am Ruder sichere Mutter, die mit ihrer Familie (Sohn, Mann, Hund) auf Raftingtour geht. Klar, dass bald die Ruhe gestört wird, von üblen und geflüchteten Schergen, angeführt von Kevin Bacon, die mit Hilfe der kundigen Gail ihre Flucht ins Trockene bringen wollen. Curtis Hansons Film, vor seinem von Publikum und Kritik gelobten L.A. Confidential (1997) und nach dem Überraschungshit The Hand that Rocks the Cradle, war der erste einer kurzen Zusammenarbeitsperiode zwischen Regisseur und Komponist. Jerry Goldsmith sprang bei River Wild ein um den von Maurice Jarre gefertigten und bereits eingespielten Score zu ersetzen. Intrada bietet nun die immer wieder spannende Gelegenheite beide Werke auf 2 CDs zu vergleichen und verlängert die arg kurze Auskopplung von 1994 um rund 24 Minuten.
1994 war nach einer kurzen Phase von weniger seiner sonstigen Genrewerke (Rudy, Angie) ein wiederum aufregenderes Jahr hinsichtlich der Filme mit Titeln wie The Shadow, Bad Girls und eben The River Wild.
Sein Score ist geprägt von wie von ihm gerne verwendeten charakteristischen Thriller- und Actionelementen: „ungerade“ Takte (7/8, 5/4), viel Perkussion – auffallend sind hier vor allem die Toms – und elektronische Bestandteilen. Ein Thema das sich Goldsmith mit Jarre teilt ist mt dem Song „The Water is Wide“ verbunden, wobei Goldsmith sich deutlich mehr dem Traditional widmet als sein französischer Kollege, bei dem es bis auf die Schlusstitel keine Rolle spielte. Und so verwendet Goldsmit das Thema für Meryl Streeps Charakter. Ebenfalls setzt Goldsmith auf Wiedererkennungseffekt und verleiht beispielsweise dem Fluss einen kurzen tonalen Effekt, versteht es aber auch die Entwicklung von Gails Ehemann Tom, der zuerst zögerlich ängstlich schliesslich zum Retter in der Not wird, musikalisch zu begleichen. Goldsmiths Musik ist gegenüber der von Maurice Jarre klarer strukturiert, transparenter und schneller ins Ohr gehend.
Jarres Score ist ebenfalls grossteils orchestraler Natur, wie bei ihm zu jener Zeit nach einer üppig elektronischen Phase in den 80ern mit Witness, The Mosquito Coast, No Way Out und so manch anderen wieder vermehrt gebraucht (Shadow of the Wolf, A Walk in the Clouds, Sunshine).
Der Score basiert u.a. auf einem 5 Noten Thema, das er für sich stehen lässt oder wie in „The Bridge“ weitermoduliert. Etwas Americana ist gar in „We all Go“ zu hören. In dramatischen Momenten wie in „Wade Overboard“ geht Jarre in die Vollen, Timpani, Pauke, Blech, aber auch Synthesizer werden wuchtig in Szene gesetzt. Für den Spannungsbereich verwendet Jarre einen Flöteneffekt (Shakuhachi?), Streicher und Schlaghölzer, baut dann langsam aus bis zu einem seiner gerne verwendeten tutti Ausbrüche („The Stakes Just Got Higher“). Gegen Ende lässt Jarre fast zu viel des Guten auf den Hörer los, das dramatische Finale wirkt wie eine Wand voller Noten und Klänge, die auf einen reinprasselt. Der Score ist, vielleicht kann man sagen impressionistischer, als Goldsmiths traditionellerer Ansatz. Wirklich gelungen ist der etwas andere Touch den beide Komponisten dem Schlusssong „The Water is Wide“ verleihen.
Nein, es ist beileibe kein schlechter Score – und umso schöner, dass eine weitere Musik aus Jarres später Schaffensphase veröffentlicht werden konnte. Sicher ist Goldsmiths Arbeit präsenter und wahrscheinlich hat sie das erreicht, was die Studioherren bei Jarres Musik vermissten; jedoch musste auch Goldsmith diverse Änderungen vornehmen. Zweifellos trägt seine Komposition zum Gelingen des Films bei, definitiv etwas was bei Goldsmith fast immer zu sehen und hören war.
Jarre beklagte sich später darüber, dass ihm keine Chance gegeben wurde, seine Musik zu überarbeiten. Während den Aufnahmen, des Abmischens und für die geplante CD erhielt er stets positive Zeichen. Doch das Studio bestand nach einem Testscreening mit schwachem Resultat darauf, einen anderen Komponisten zu engagieren, zog die (musikalische) Handbremse und griff schliesslich, keine Unkosten sparend, auf Goldsmith zurück.
In Fred Karlins Dokumentarfilm Film Music Masters: Jerry Goldsmith (leider der einzigen Produktion einer geplanten Serie) sind einige Ausschnitte der Aufnahmesession zu sehen.
Der Klang der vorliegenden Scheibe ist hervorragend, wobei ich keinen direkten Vergleich mit der alten Goldsmith River Wild CD gezogen habe. Zu beiden Scores gibt es übrigens noch diverse Bonustracks, meist Versionen vorhandener oder nicht verwendete Stücke.
Für den Goldsmith gibts 3.5 und für den Jarre 3 Sternli.
THE RIVER WILD Jerry Goldsmith, Maurice Jarre Intrada Special Collection ISC301 CD1: 78:52/35 Tracks CD2: 76:06/39 Tracks