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Unter dem Titel "Lill Tschudi - Die Faszination des modernen Linolschnitts" zeigt die graphische Sammlung der ETH Zürich bis am 13. März 2022 Werke der bedeutenden Glarner Künstlerin Lill Tschudi, die 2004 verstorben ist.
In der Ausstellung der graphischen Sammlung der ETH Zürich sind hauptsächlich Drucke von Lill Tschudi ausgestellt, welche mit der "Linolschnitt-Technik" zwischen 1930 und 1950 hergstellt wurden. Im Bereich des Linolschnitts gilt die Künstlerin denn auch, vor allem im angelsächsischen Raum, als Meisterin ihres Fachs. Ihre Werke sind bis heute gefragt.
Anhand weiterer Exponate, welche auch aus privaten Sammlungen aus dem Kanton Glarus stammen, und eines Dokumentarfilms, wird das Leben Lill Tschudis beleuchtet.
Lilian Susanna Ursula Tschudi wurde am 2. September 1911 in Schwanden geboren. Als Mädchen sah sie eine Ausstellung mit Linolschnitten der österreichischen Künstlerin Norbertine Bresslern Roth und beschloss, dass sie auch Grafikerin werden wollte. Tschudi studierte von 1929 bis 1930 an der Grosvenor School of Modern Art in London. Von 1931 bis 1933 lebte sie in Paris und studierte bei André Lhote, Gino Severini und Fernand Léger. Tschudi kehrte 1935 in die Schweiz zurück und lebte hauptsächlich bei der Familie ihrer Schwester.
Während ihrer Schaffenszeit produzierte die Künstlerin über 300 Linolschnitte und stellte in London mit Claude Flight und anderen Druckgrafikern aus. Auf vielen ihrer Drucke sind Sportler wie Skifahrer und Radfahrer, Transportszenen, Arbeiter und Musiker zu sehen. Im Rahmen eines Kriegsnebenprojekts mit ihrer Schwester Ida wurden 1941 Illustrationen für "Glarner Gemeindewappen" gedruckt. Ihr 1933er Druck "Ice Hockey" wurde für die Titelillustration von Margaret Timmers, Impressions of the 20th Century: Fine Art Prints from the V&A Collection (Victoria & Albert Museum Publications 2001) verwendet.
In der Zeit des zweiten Weltkrieges war Lill Tschudi für den Frauenhilfsdienst tätig, was ihr gemäss ihren eigenen Aussagen künstlerisch schadete, weshalb sie nach dem Kriegsende aus dem FHD ausschied. Diverse Bilder aus dieser Zeit sind in der Ausstellung ebenfalls zu sehen.
Lill Tschudi erlangte hierzulande eher kleine Aufmerksamkeit im Gegensatz zum englischsprachigen Raum, wo ihre Werke noch heute an Auktionen für stolze Summen angeboten werden. Dass die Glarner Künstlerin bei uns nicht zu Ruhm und Ehre kam, widerspiegelt sich auch darin, dass im Oberstufenschulhaus Schwanden ein Wandgemälde, bedauernswerterweise einfach überdeckt wurde.
Quellen: Wikipedia, Bildersammlung der ETH Zürich, Landesarchiv des Kantons Glarus
Porträt von Lill Tschudi bei SRF Schweiz aktuell, 22. Dezember 1994
Autor: Tin Jenny