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Ein früher Förderer der STH Basel ist heimgegangen.
Jan P. Lettinga, Professor der Semitistik, Kampen NL, ist am 26. August 2021 etwas über hundertjährig „in seinem Herrn und Heiland“ entschlafen. So die Meldung, die vor wenigen Tagen eintraf. J. P. Lettinga, 1921 in Haarlem NL geboren, studierte bei führenden Spezialisten (Thierry und Böhl) Hebraistik, Aramaistik, Assyriologie und Kulturgeschichte des Alten Orients an der Universität Leiden, wo es zu persönlichem Kontakt und wissenschaftlicher Zusammenarbeit mit einer ganzen Reihe von einflussreichen Forschern (u. a. Hallo, van Dijk und Römer) kam.
Wissenschaft auf höchstem Niveau
Mit seiner wissenschaftlichen Tätigkeit auf höchstem Niveau paarte sich sein kompromissloses Engagement als reformierter Christ. Mit dieser vorbildhaften Kombination von wissenschaftlicher Exzellenz und authentischem Christsein verfügte Lettinga über die ideale Voraussetzung, nach seinem Studienabschluss (1951) an der Theologischen Universität der Reformierten Kirchen in den Niederlanden (befreit; Broederweg) zu forschen und zu lehren: Bis zu seiner Emeritierung (1987) war er dort zunächst als Dozent, ab 1969 als Professor für altsemitische Sprachen und Kulturgeschichte des Alten Orients tätig. Wie der Kampener Alttestamentler Gert Kwakkel in seiner Pressemitteilung berichtet, erwies er sich als engagierter Hochschullehrer, der es verstand, Studierende beim „stressigen“ Lernen des Hebräischen zu ermutigen und andere mit besonderem Interesse an altorientalischen Sprachen und Kulturen zu motivieren (einer von ihnen, Klaas Veenhof, studierte daraufhin in Leiden und wurde dort Professor der Assyriologie).
Hebräisch Grammatik
Bis vor kurzem zeigte Lettinga lebhaftes Interesse an seinem Spezialgebiet und wurde zum Ansporn für Generationen von jungen Forschern. Am bekanntesten wurde Lettinga durch seine Hebräisch-Grammatik, die an den meisten niederländischen und belgischen Hochschulen zum Standardlehrmittel für das Hebräische wurde (die zwölfte, von Baasten und van Peursen überarbeitete Auflage ist 2012 bei Brill erschienen). Neben einer französischen (1980 bei Brill) erschien 1992 beim Immanuel-Verlag der STH Basel eine erste deutsche Übersetzung und 2016 bei Brunnen und Immanuel eine zweite, (vom Unterzeichneten) überarbeitete und erweiterte Fassung. 2018 wurde das vielseitige Wirken Lettingas durch ein Dutzend Schüler und Fachkollegen in einer zweihundertseitigen Festschrift „Biblical Hebrew in context: essays in Semitics and Old Testament texts in honour of Professor Jan P. Lettinga“ (Brill) gewürdigt.
Lettinga und die STH Basel
Die bei Immanuel verlegte „Grammatik des biblischen Hebräisch“ mit dem dazugehörenden „Hilfsbuch“ begleitete nicht nur Generationen von Studierenden unserer Hochschule beim Hebräisch lernen. Sie ist auch ein wichtiger Beleg für die Rolle, die Lettinga bei der Entstehung dieser Hochschule innehatte. Ihr Gründer und bis 2003 ihr Rektor, Professor Dr. Samuel R. Külling, lernte bei Lettinga Akkadisch und verwandte Fächer, als ihn sein Doktoratsstudium u. a. in die Niederlande führte (die Promotion erfolgte 1964 an der Freien Universität Amsterdam). Zwischen den beiden (die Ehefrauen eingeschlossen) kam es zu einer innigen Freundschaft, da beiden das Herz für eine Verbindung von wissenschaftlicher Gründlichkeit und bibelfundierter Theologie schlug. Lettinga wurde zu einem unersetzlichen Ansprechpartner und Ratgeber. Besonders als Külling die Gründung der Hochschule vorbereitete und in den ersten Jahren danach beriet er sich in unzähligen Situationen mit dem in Hochschulfragen so erfahrenen Lettinga. Regelmäßig war dieser mit seiner Ehefrau zu Gast am Mühlestiegrain, wo die beiden über Jahre hinweg ihre Sommerferien verbrachten, was Külling immer wieder den direkten Austausch mit seinem Lehrer und Freund ermöglichte. Die unschätzbar zielführenden Ratschläge Lettingas haben zweifellos Entscheidendes zum akademischen und organisatorischen Profil der STH Basel beigetragen.
Vorbild und Motivator
Auch mir persönlich hat Professor Lettinga Entscheidendes mitgegeben: durch sein Vorbild als herzlicher biblisch-theologisch motivierter Philologe und besonders durch die wertvollen Ratschläge, die er mir während meines Postgraduierten-Studiums und in den Jahren meiner Lehr- und Publikationstätigkeit – bei manchen privaten Treffen – auf ebenso klare wie ermutigende Weise gab. Beeindruckt hat mich nicht zuletzt, dass er mir die Überarbeitung seiner Hebräisch-Grammatik vorbehaltlos anvertraute und – obwohl bereits fünfundneunzigjährig – beim Korrekturlesen fleissig mithalf.
Der Hinschied von J. P. Lettinga hat mich persönlich, wie auch als Lehrender der STH Basel sehr bewegt. Gott sei Dank für ihn und all die Segensspuren, die er hinterlassen hat.
Prof. em. Dr. Heinrich von Siebenthal
Gastprofessor für Biblische Sprachen an der STH Basel