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von Heinrich Christoph Affolter
Das Haus im Grossgschneit beschäftigt die Forschung seit der zweiten Hälfte des 19. Jh. Nach einem längeren Unterbruch konnte nun in den Jahren 2007 bis 2010 wieder eine interdisziplinäre Untersuchung durchgeführt werden. Eine ausführliche Bauanalyse führte zu einer Neubeurteilung von Befunden am Bau, eine neue, erweiterte Interpretation von Quellen und Literatur zu präziseren Erkenntnissen über das soziale, politische und wirtschaftliche Umfeld der damaligen Besitzer. Daneben konnten auch wichtige Aussagen bestätigt werden, die bereits 1935 publiziert worden sind.
Grossgschneit gehörte zu den sieben Höfen der mittelalterlichen Herrschaft Riedburg, die zwischen Schwarzwasser, Sense und Scherlibach lag. Deren Zentrum, die gleichnamige Burg, wurde 1386 von Freiburg zerstört. Die Herrschaft selbst bestand weiter und verblieb im 15. Jh. im Besitz von benachbarten Familien. 1515 verkaufte Anthoni Brüggler die Gerichtsherrschaft an Peter von Schneit, der zwei Höfe besass. 1872 erwarb Johann Hostettler von Schwanden das herrschaftliche Bauernhaus. Zu Beginn des 21. Jh., wohnt und wirtschaftet nun die sechste Generation der Familie Hostettler in dem fünfhundertjährigen Haus.
Das um 1500 erbaute Grosshaus im Grossgschneit ist eines der bemerkenswertesten Bauernhäuser im ganzen Kanton. Es ist von einem begüterten Grossbauern erbaut worden, der aber sein Haus um1500 mit eindeutig herrschaftlichen Architekturteilen und Dekoration ausstattete. Schon aus der Ferne erkennt man den herrschaftlichen Anspruch, den das hohe Vollwalmdach und die 75 Quadratmeter grosse Mauer an der südwestlichen Schmalseite erheben. Die massive Mauer sollte die Wehrhaftigkeit und damit unmissverständlich den sozialen Status des Besitzers zum Ausdruck bringen. Ähnlich auffallend und im bäuerlichen Bereich völlig unbekannt sind weiter die allseitig vorhandenen Fenster im Obergeschoss, auch wenn diese wohl nur zu einem kleinen Teil mit Glas verschlossen und in gewissen Bereichen sogar nur Attrappe waren.
Im südlichen Teil des Hauses wurde im Obergeschoss ein Festsaal aus dem 16. Jh. entdeckt, der völlig überraschend zahlreiche Schnitzereien und symmetrisch angebrachte Wappenschilden, allerdings ohne Inhalt enthält. Bemerkenswert sind auch die vierzig mit blinden, tartschenförmigen Wappenschilden geschmückte und geschweifte Büge am Dach.
Das trotz aller Eingriffe weitgehend erhaltene Grosshaus aus der Zeit um 1500 stellt eine Rarität dar. Grossgschneit ist ein wertvoller Solitär aus jener glanzvollen Zeit.
, Heinrich Christoph : Ein spätgotisches Bauernhaus mit Festsaal: Das Haus von 1500/1505 im Grossgschneit, Köniz
Mittelalter – Moyen Age – Medioevo – Temp medieval, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 16. Jahrgang 2011, Heft 3, 100 - 109.