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Abschied von Armgard von Bardeleben und Florence Louppe
Armgard von Bardeleben * 2. März 1940 + 22. Januar 2012
Nicht wenige Schweizer Tänzer und Tänzerinnen werden Armgard von Bardeleben in lieber und dankbarer Erinnerung behalten. Lange Jahre hat sie regelmässig am Berner Studio Akar bei Annemarie Parekh Intensivkurse in Graham-Technik gegeben. Kaum vorstellbar, dass sie nie mehr zurückkehrt...
Armgard stand aber auch vielen Studierenden aus der "alten Welt" als Vertrauensperson auf fremdem Terrain mit Rat und Tat zur Seite.
Armgard von Bardeleben hatte ihre Ausbildung 1959-63 an der Folkwangschule in Essen gemacht. Mit einem Stipendium der deutschen Regierung zog sie anschliessend für zwei Jahre nach New York an die Graham-Schule, blieb dort und wurde Solistin der Martha Graham Company. Durch ihre Körpergrösse war Armgard prädestiniert für Solorollen. So tanzte sie in den Achtzigerjahren auch mit Annabelle Gamsons Dance Solos Inc. die Wigman-Rekonstruktionen „Hexentanz“ und „Seraphisches Lied“ (Gamson hatte im Einverständnis mit Mary Wigman als erste eine Anzahl ihrer Choreografien rekonstruiert) sowie die Hauptrolle in "The Brood" von Richard Kuch in einer Fakultätsproduktion von SUNY Purchase, die das Basler Ballett in den Siebzigerjahren ebenfalls getanzt hat. Unter anderem war sie Prinzipal der brasilianischen Grupo Contemporaneo.
Armgard war eine begabte und gesuchte Pädagogin. 1967-69 in Brasilien als Dozentin für Modernen Tanz an der Universidade Federal de Bahia, 1983-98 an der bekannten Profischmiede New York State University in Purchase und 1998-2005 an der Tanzabteilung der Musikhochschule Köln, wo sie u.a. einen grossartigen Event zum 80. Geburtstag von Robert Cohan auf die Beine stellte, waren die Schwerpunkte ihrer Arbeit als Dozentin an renommierten Institutionen. Drei Jahre lang war sie Direktorin der Graham Schule in New York, wo sie seit 1973 bis kurz vor ihrem Tod immer wieder lehrte. Zusätzlich gab sie rund um die Welt Gastkurse, wenn es ihre Zeit erlaubte.
Amgard inspirierte ihr Umfeld - und das tat sogar ihre Badewanne, die wie in vielen alten New Yorker Wohnungen mitten in der Küche stand. Und Susanne Linke, die eine Zeitlang als Untermieterin in der Wohnung lebte zu ihrer Choreografie "Im Bade wannen" inspirierte...
Marianne Forster
Laurence Louppe
* 1938 + 5. Februar 2012
(Le Monde_12.2.12) Laurence Louppe, Historikerin, Wissenschaftlerin und Kritikerin für den zeitgenössischen Tanz ist am 5. Februar 2012 in Frankreich verstorben. Als Dozentin für moderne Literatur unterrichtete sie an verschiedenen Kunsthochschulen, wie der l’Université du Québec in Montréal und an der PARTS in Brüssel. Als Journalistin arbeitete sie unter anderem für die Libération, für Art Press und Pour la danse. Bekannt wurde sie vor allem mit ihrem Standardwerk zum zeitgenössischen Tanz, der «Poétique de la danse contemporaine» (Contredanse 1997), dessen zweiter Band 2007 erschien. Die «Poétique de la danse contemporaine» wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und ist auf Deutsch unter dem Titel «Poetik des zeitgenössischen Tanzes» erhältlich. 2009 wurde sie mit dem «chevalier de l'Ordre des Arts et des Lettres» ausgezeichnet.
Literaturhinweis: Laurence Louppe, «Poetik des zeitgenössischen Tanzes» (aus dem Französischen von Frank Weigand), Reihe: TanzScripte, Paperback: 340 Seiten, [transcript] Juli 2009,
ISBN13: 978-3-8376-1068-0