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Die Schweiz ist ein mehrsprachiges Land. Nicht dass jeder wirklich mehrere Sprachen gut spräche, aber man spürt es doch. In der Deutschschweiz gibt es mehr französische Begriffe als in Deutschland, zum Beispiel Perron (in Deutschland Bahnsteig), Trottoir (Gehweg oder Bürgersteig), Coiffeur (Friseur). Der letztere ist in Deutschland bei schicken Salons gebräuchlich, was mir Gelegenheit gab, mich rund zwölfjährig zum Gespött der Familie zu machen, als ich Coiffeur als Chauffeur aussprach.
Der französische Einfluss geht über solche Begriffe hinaus. Zumindest vermute ich in der Bedeutung von „Puff“ als Unordnung oder Chaos den französischen oder vielleicht auch italienischen Einfluss, denn in beiden Sprachen wird das Wort für Bordell (bordel, casino) mit der gleichen Nebenbedeutung verwendet. Eine Basler Freundin verweist gerne auch auf den französischen Einfluss bei der Pünktlichkeit – darf man im grenznahen Basel bei einer Essenseinladung doch locker zehn oder fünfzehn Minuten später kommen.
„Serie“ spricht man auch im Schweizer Hochdeutsch Französisch aus (Seri), während sich das „Departement“ an einer Hochschule (in Deutschland Fachbereich oder Fakultät) auf impertinent reimt. Ausser der Serie betont man in der Deutschschweiz auch französische Wörter und Namen auf der ersten Silbe – in der „Fondueoper“ von Guy Krneta und Till Löffler gibt es einen wunderbaren Streitgesang über die Frage, ob es „Fondue“ oder „Fondue“, „Caquelon“ oder „Caquelon“ heisst. Und das perfekte Hochdeutsch in einigen Deutschschweizer Radiosendern verrät allein durch die Betonung Schweizer Namen seine Herkunft: Georges Bizet oder Jean-Luc Godard lassen manche Deutsche schmunzeln.
Zumindest laufen die vielen deutschschweizer Kinder mit französischen Vornamen kaum Gefahr, von ihren Eltern „Mischelle“ (wie Welle) oder „Nöl“ genannt zu werden. Man erzählt sich, ein Bub habe in einem Kindergarten irgendwo in Deutschland voller Überzeugung gesagt, sein Name sei Pirschelbär. Wie bitte? Pirschelbär. Ein Blick auf die Liste brachte die Wahrheit ans Licht: Der Kleine hiess Pierre-Gilbert.
(c) Foto: CFalk / pixelio.deby
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