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Wohnhotel, Wülflingerstrasse 15
Mit dem Wohnhotel Winterthur wurden 1931 für alleinstehende berufstätige Frauen günstige Wohnungen erstellt Während in Deutschland diese Wohnidee bereits seit einiger Zeit realisiert worden war, entstanden solche Häuser in Zürich 1927 und in Basel 1929. Es wurde aber nicht nur Wohnen angeboten. Auch weitere Dienstleistungen, wie es auch in Hotels eben so ist, konnten bezogen werden. Waschen, Flicken, Putzen und Kochen gehörte dazu.
Das Wohnhotel Winterthur wurde 1931 durch Architekt Paul Otto Walty erstellt. Dazu ist bereits 1930 eine Genossenschaft gegründet worden. Das Interesse war gross. Viele allein stehende Arbeiterfrauen suchten geeigneten und günstigen Wohnraum. Kleine günstige Wohnungen gab es in jener Zeit kaum oder sie waren für Frauen schwer erhältlich. So entstanden auf vier Stockwerken 21 Wohnungen, nämlich fünf Drei-, zehn Zwei- und sechs Einzimmerwohnungen, erschlossen durch Laubengänge. Ferner standen ein Gesellschafts- und ein Speisezimmer zur Verfügung. In der Abwartsloge verrichtete ein Portier, auch zuständig für Ent- gegennahmen von Lieferungen und den Telefondienst, seinen Dienst. Der Mietzins betrug am Anfang zwischen 930 und 970 Franken. Die Wohnungen, zweckmässig und moderner Standard, bestanden aus Wohnzimmer mit Bettnische (mit einem Vorhang abgetrennt), Küche, Balkon, Badzimmer sowie einen Keller- und Abstellplatzraum. Neu war dabei die Einbauküche (Frankfurter Küche mit Drehstuhl, beachten Sie den Wikipedia-Link), eine Novität zu jener Zeit. Das Anbieten von Hoteldienstleistungen bewährte sich nicht. Es war von den Bewohnerinnen zu wenig genutzt und wurde abgeschafft. Aus der Portierloge, dem Gesellschafts- und dem Speisezimmer entstand eine Abwartswohnung. Das Abwarts-Ehepaar war dann für die normalen Dienstleistungen eines Hauswartes zuständig.
Der Anfang stand vorerst unter einem schlechten Stern. Der Architekt hatte das Budget weit überzogen. Schliesslich konnte ein Nachlassvertrag die Situation vorerst retten, aber erst viele Jahre später konnten alle Schulden abgetragen werden. In den Genossenschaftsprotokollen wird erst ab 1966 von einer gesunde Lage gesprochen. So ist nachvollziehbar, dass die einst geplant Erweiterung um einen Wohnblock nicht realisiert werden konnte. 1993 und 2010 erfolgte je ein umfassende Renovation.
Der Architekt Paul Otto Walty (1896-1971) kam 1927 nach Winterthur. Er widmete sich in erster Linie dem Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern, teils zusammen mit dem Berufskollegen Wildermuth. 1948 zog er weiter nach Hergiswil und spezialisierte sich für den Bau- und Ausbau von Metzgereibauten. 1965 schliesslich wurde er Hausarchitekt für das Unternehmen Franz Carl Weber. In seiner Architekturarbeit war er hin und her gerissen zwischen dem Neuen Bauen und dem Traditionellen. Er war vor allem kein Freund der Flachdächer.
Noch heute ist das „Ledigenheim“ oder „Madonnenhaus“ wie das Wohnhotel früher ebenfalls genannt wurde, begehrt und immer voll belegt. Eine Mieterin wohnt seit 43 Jahren an diesem stadtnahen Domizil.