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52. Columban Brugger von Basel
Columban Brugger von Basel (1895 bis 1905). Die Eltern des am 17. April 1855 geborenen Johann Brugger stammten aus Degernfelden, Bezirksamt Lörrach im Großherzogtum Baden, hatten sich aber in Basel niedergelassen, wo sie 1871 das schweizerische Bürgerrecht erwarben. Der Vater hieß Johann Brugger, die Mutter Katharina Gerspach. Der talentierte Knabe besuchte zuerst die von Schulbrüdern geleitete Schule in Basel; schon früh empfing er auch Unterricht in der Musik, wofür er besondere Eignung besaß. Im Herbste 1868 kam er an die Stiftsschule. Auch hier verwandte er viel Zeit auf praktische und theoretische Musikstudien. Frühzeitig offenbarte sich bei ihm auch eine besondere Vorliebe für technische Arbeiten. Schon mit 17 Jahren meldete er sich in das Kloster und empfing im Herbst 1872 das Ordenskleid. Am 2. September 1873 legte er als Fr. Columban die hl. Profeß ab. Zunächst galt es, das Studium der Philosophie und Physik zu beenden, dann folgten die theologischen Studien. Am 27. August 1876 empfing er die Subdiakonats-, am 16. August 1877 die Diakonatsweihe. Die Priesterweihe erhielt er den 20. September 1879, worauf er am 28. September sein erstes hl. Meßopfer darbrachte. Schon als Frater hatte er sich sehr gerne mit der Orgel und den elektrischen Anlagen, besonders den Uhren abgegeben. Dies veranlaßte Abt Basilius, ihm auf dem Gebiete der Technik eine höhere Ausbildung zukommen zu lassen. Noch als Frater hatte er sich vom 12. Dezember 1878 bis 30. Januar 1879 in Karlsruhe aufgehalten, um dort in einem Privatinstitut einen Sprachfehler, den er hatte, sich abzugewöhnen. Als Pater sollte er, nachdem er von 1879/80 kurz an der Stiftsschule gewirkt hatte, am 20. Oktober 1880 nach Karlsruhe zurückkehren, um an der dortigen technischen Hochschule Physik, Mathematik und Chemie zu studieren. Im Sommer 1881 ging er noch für ein paar Monate nach der Westschweiz, um dort sich im Französischen zu vervollkommnen. Mit dem Schuljahr 1881/82 übernahm er die Lehrstelle für Mathematik am Stiftsgymnasium, die er bis 1889 inne hatte. Von 1883 bis 1894 gab er Physik und Chemie. Daneben war er seit dem 27. März 1882 bis zum 31. März 1894 Vizekapellmeister, welchen Posten er übrigens gleich nach der Primiz, vom 3. November 1879 bis zum 19. Oktober 1880 schon einmal versehen hatte. Den 27. Mai 1892 übertrug ihm Abt Basilius das Amt eines Brüderinstruktors.
Als Lehrer verfügte P. Columban über eine ausgezeichnete Mitteilungsgabe. Sein Wort suchte er durch Vorführungen und Apparate zu unterstützen. Er baute vor allem das Physikalische Kabinet wie auch das Schulzimmer aus, schaffte manche Apparate an oder fertigte selber solche an. In Abt Basilius fand er darin einen verständigen, weitherzigen Gönner. Im Physikzimmer wurde auch die erste elektrische Anlage erstellt, die bald für die Beleuchtung der Kirche dienstbar gemacht wurde. Auch für den Unterricht in der Mathematik fertigte er viele Modelle an. Darum suchte er aber auch als Lehrer sich stets fortzubilden. Er konnte die Ausstellungen in München, Frankfurt a. M. besuchen, konnte sich andere Lehranstalten ansehen, um für den eigenen Betrieb daraus Nutzen zu ziehen.- Als Choralmagister pflegte er den gregorianischen Choral in einer Zeit, da dieser noch nicht das Verständnis fand wie heute. Er schrieb das Cantarium Einsidlense, dem er eine kurze Einleitung über die Geschichte des Chorales beifügte. Er authographierte das Werklein selber. Auf sein Ersuchen schaffte aber Abt Basilius bald eine kleine Handpresse an, um deren Entwicklung sich P. Columban sehr verdient machte. Auch nach außen nahm man den gelehrten Mann in technischen Fragen, besonders bei Orgel- oder Glockenanschaffungen oft in Anspruch.
Auch als Brüderinstruktor behielt P. Columban die Lehrstelle noch bei. Als er aber am 31. März 1894 zum Nachfolger des verstorbenen hochverdienten Stiftsdekans P. Ildefons Hürlimann bestellt wurde, mußte er auf den Unterricht, so ungern er es tat, verzichten. Aber auch seine Tätigkeit als Dekan drohte nur eine kurze zu sein, denn bald nach seiner Ernennung brach ein Magenleiden aus, das ihn an den Rand des Grabes brachte. Er erholte sich zwar wieder, war aber von da an auf strengste Diät angewiesen. Dieser kränkelnde Zustand des Dekans bildete eine der letzten Sorgen des Abtes Basilius; er mochte auch den am 5. Dezember 1895 zu der Abtwahl versammelten Kapitularen einiges Bedenken einflößen. Trotzdem ging P. Columban als Gewählter aus der Urne hervor. Am 21. März, dem Feste des hl. Benedikt empfing er in Gegenwart der Bischöfe von Chur und Basel, der schweizerischen Äbte sowie der Äbte von Mehrerau und Ölenberg durch Abt Augustin Grüniger von Muri-Gries die Abtsweihe.
Schon als Professor hatte sich der neue Abt sehr viel mit dem Problem einer neuen Orgel für die Stiftskirche befaßt. Er selber hatte auf dem Gebiete des Orgelbaues wichtige Erfindungen gemacht, die es zu verwerten galt. Noch 1895 hatte er als Dekan einen Umbau der damaligen sogen. Großen Orgel nach röhrenpneumatischem System in die Wege geleitet. Unterdessen hörte er von den großangelegten Schöpfungen der Orgelbaufirma Weigle in Stuttgart. Er begab sich im Mai 1896 persönlich dorthin, von wo er hochbefriedigt heimkehrte. Alsbald wurden die Vorbereitungen für den Bau einer Orgel getroffen. Im Herbst 1896 begann deren Bau. Die Firma Weigle übernahm den Bau der Orgelteile, während der Abt für den des gemeinsamen Spieltisches und der Verbindung der drei geplanten Werke besorgt war. Erstmals sollten hier weit auseinander liegende Orgelteile auf elektrischem Wege miteinander verbunden werden. An Stelle der frühern großen Orgel, die einst 56 Register besessen hatte, seit der Revolutionszeit aber durch falsche Prospekte ersetzt worden war, sollten zwei neue Orgelteile mit 13 Hochdruckregistern treten. Bei diesen Bauten fanden die neuen Erfindungen des Abtes, vor allem seine Quecksilberpneumatik, Verwendung. Am 21. November 1898 konnte der Abt das neue Werk einsegnen, das freilich nach 30 Jahren schon einem andern weichen sollte, das aus einer ganz andern Einstellung herausgewachsen ist. Später hat Abt Columban im Stift noch zwei kleinere Orgeln gebaut, eine in der neuen Studentenkapelle und eine andere im Musiksaal zu Übungszwecken. Die Waadtländer Regierung ersuchte den Abt, die Pläne für die Orgel der Kathedrale in Lausanne anzufertigen, die s. Z. die größte Orgel der Schweiz war.
Wie der Abt für die Orgel die elektrische Kraft in Anspruch nahm, so wollte er auch das ganze Kloster mit dieser neuen Einrichtung versehen. Überall wurde die elektrische Beleuchtung eingeführt; für die Maschinen in den verschiedensten Betrieben wurden Motoren eingestellt. Um dem immer wachsenden Bedarf genügen zu können, ließ er schließlich eine große Dieselmotoranlage erstellen.
In den Schulräumlichkeiten folgten auch unter Abt Columban große bauliche Veränderungen. Zunächst wurde ein neuer großer Zellensaal angelegt, so daß die Zahl der Zellen auf 200 erhöht werden konnte. Alsdann wurde der unterste Gang, der bisher in der Mitte unterbrochen war, auf gleiches Niveau gebracht und das dortige große Stiegenhaus, das schon beim Stiftsneubau vorgesehen war, ausgebaut, so daß die Schulzimmer nun sehr bequem zu erreichen waren. Im Jahre 1902 ging man daran, die bisherige Paramentenkammer zu verlegen, um an ihrer Stelle die schöne Studentenkapelle zu schaffen, die am 18. Juli 1902 bezogen werden konnte. Durch diese Bauten war auch ein Umbau des Chores der Beichtkirche bedingt, welcher einen neuen Altar erhielt. Daran schloß sich die Tieferlegung der gesamten Beichtkirche, die unter voller Wahrung ihres bisherigen Charakters vor sich ging. Für den Winter wurde eine elektrisch betriebene Luftheizung eingerichtet. Die freigewordene alte Studentenkapelle wurde zu einem neuen Studiensaal umgestaltet. Das Studententheater wurde vergrößert und die Bühne vor allem ausgebaut und mit neuen elektrischen Apparaten versehen. In den Schullokalitäten wurde eine eigene Niederdruck-Dampfheizung eingerichtet, da die große Heizung nicht ausreichte.
Aber auch sonst wurde unter der Regierung dieses Abtes manches neu erstellt; so im Jahre 1896 ein photographisches Atelier im Klostergarten, 1898 das sogen. Mediationszimmer. In der Kirche wurde die unter Abt Basilius begonnene Restauration der Altäre vollendet durch die Renovation der Epitaphien und der Kanzel. Die Altäre St. Meinrads und St. Benedikts erhielten neue, bequemere Altartische, die der Abt am 10. Novmeber 1896 konsekrierte. Im Jahre 1897 ließ er das Kloster bei den Versicherungsgesellschaften «Union» und «Phönix» gegen Feuer versichern. Auf dem Etzel wurde 1896 die Kapelle restauriert, im Schloße Pfäffikon ein Saalbau aufgeführt. Die Klosterkirche Fahr erhielt 1896 eine gründliche Renovation.
So sehr der Abt eine Gelehrtennatur war, so vergaß er doch nicht die Sorge für die Landwirtschaft. Schon 1896 wurde die große St. Benediktsscheuer auf dem Freiherrenberg erbaut, für die damalige Zeit eine vorbildliche Leistung. Im folgenden Jahre bildete die Stiftsstatthalterei eine eigene Viehzuchtgenossenschaft. Auf der Landesausstellung in Genf hatte man 1896 ein Ehrendiplom nebst silberner Platte für die beste Kollektion Braunvieh und eine silbervergoldete Medaille für die beste Kollektion Pferde erhalten. Der schweizerische Alpwirtschaftliche Verein verlieh der Stiftsstatthalterei den 13. Dezember 1898 ein Diplom für gute Düngerwirtschaft und vorbildliche Weg- und Trinkwasseranlagen auf der Alp Sihltal.
Auf Trachslau konnte der Abt am 11. Oktober 1896 die Weihe von fünf neuen Glocken vornehmen. In Eschenz wurde 1896 die Kirche vergrößert und ein Turm an der Westfront erstellt. Am 27. September dieses Jahres konnte der Abt daselbst das neue Geläut weihen und zwei Tage später die zwei neuen Seitenaltäre. Die Pfarrkirche in Schnifis wurde um diese Zeit ebenfalls einer gründlichen Innen- und Außenrenovation unterzogen. In Ettiswil, wo das Stift die Pflicht hat, den Chor zu unterhalten, ließ man 1897 neue Fenster im Chore anbringen.
Die Wallfahrt erfreute sich nach wie vor großen Zuspruches. Unter den vornehmen Pilgern ist vor allem das Königspaar von Rumänien zu nennen, das am 10. September 1897 mit großem Gefolge kam. Der König schenkte der Gnadenkapelle einen prachtvollen Kelch und stiftete in den Großen Saal sein und seiner Gemahlin Ölporträt.
Eine große Gefahr für die Freiheit des Klosters wurde am 13. Februar 1898 glücklich abgewandt, denn an diesem Tage verwarf das Schwyzervolk mit Zweidrittel Mehrheit eine Verfassungsvorlage, die u. a. die Klöster unter die Vormundschaft des Staates stellen wollte.
Aus den Reihen des Konvents schieden am 19. September 1896 mit Bischof Martin Marty und am 15. Februar 1898 mit Abt Fintan Mundwiler zwei hochverdiente Männer aus. Die Gründung von P. Vinzenz Wehrle wurde 1901 von Devils Lacke nach Richardton verlegt und 1903 zur Abtei erhoben. Ihr Gründer wurde am 24. November 1903 zu deren ersten Abt ernannt und am 4. Mai 1904 benediziert. In Rom hatte man 1897 die Leitung des griechischen Kollegs übernommen, dessen erster Rektor P. Karl Kühne allerdings schon nach einem Jahre starb. Ihm folgte P. Heinrich von Rickenbach nach, auf den 1904 P. Raymund Netzhammer kam. Letzterer war von 1900-02 Direktor des erzbischöflichen Seminars in Bukarest gewesen und hatte 1903/04 die Stelle eines Cellerars im Ordenskolleg S. Anselmo in Rom versehen. Für die treue Fürsorge für seine Untergebenen zeugt, daß Abt Columban schon im Dezember 1895 verordnete, daß inskünftig für die verstorbenen Eltern eines Klostermitgliedes ein Requiem (Frühamt) innerhalb des Dreißigsten gehalten werden solle. Für in der Welt lebende Freunde des Ordens wurde 1896 der sogen. Oblatenverein gegründet, der in der ebenfalls damals entstandenen Zeitschrift «Mariengrüße aus Einsiedeln», an der viele Stiftsmitglieder mitarbeiteten, sein Organ erhielt. Der Konvent zählte, als das Jahrhundert schloß, 92 Priester, 14 Kleriker, 34 Brüder und 3 Novizen, insgesamt 143 Mitglieder, eine Zahl, die bis dahin noch nie erreicht worden war.
Abt Columban blieb seiner ganzen Veranlagung nach auch als Prälat stets ein großer Freund der Studien. Er selber war, soweit es ihm seine Geschäfte erlaubten, stets auf diesem Gebiete tätig und beschäftigte sich viel mit Problemen, die ins Gebiet der Orgelbaukunde, der Elektrizität und Technik einschlugen. Aber auch die wissenschaftliche Ausbildung seiner Untergebenen lag ihm sehr am Herzen. Er setzte hier die Traditionen seiner Vorgänger fort und ließ manche auf der neugegründeten katholischen Universität in Freiburg i. Ue. ausbilden. Den Wirkungskreis des Klosters erweiterte er durch Übernahme neuer Posten, wie des schon genannten griechischen Kollegs in Rom, der Katechetenstellen in Schwesterninstituten, wie Menzingen, hl. Kreuz u. a.
Die Wirksamkeit dieses Abtes sollte aber von allzu kurzer Dauer sein. Anläßlich der Installation eines Blitzableiters an der neuen galvanisch erstellten Statue des hl. Benedikt auf dem Freiherrenberg zog er sich eine Erkältung zu. Es stellte sich Blinddarmentzündung ein, wozu Komplikationen kamen, sodaß es unmöglich war, das teuere Leben zu erhalten. Gottergeben brachte der Abt, erst 51 Jahre alt, am 23. Mai 1905 das Opfer seines Lebens. Am 27. Mai fand das feierliche Leichenbegängnis statt, wobei Prälat Doebeli von Basel die Leichenrede hielt.
«In der Blüte seiner fünfzig Jahre, in der Vollkraft eines hochbegabten, durch gründliche Studien und reiche Erfahrung gereiften Geistes, entsank allzufrüh der Hirtenstab seiner sterbenden Hand.
Ein Benediktiner durch und durch, ein Mann der Wissenschaft im echten Sinne des Wortes, war Abt Columban ein lebendiger Beweis dafür, daß Religion und Wissenschaft nicht bloß keine unversöhnlichen Gegensätze sind, vielmehr innerlich verschwistert sich gegenseitig ergänzen und verklären. Der Name des Hochseligen war denn auch weithin in unserm Vaterlande und über dessen Grenzen hinaus bekannt und gefeiert . . . . .
Wie viele Hoffnungen für die Zukunft, wie viele bereits im Entwurf liegende Pläne sind mit ihm ins Grab gestiegen. Wie vieles hätte er in weitern zwanzig Jahren, welche ihm nach menschlichem Ermessen hätten beschieden sein sollen, noch ferner leisten können!
Was er dem Stifte, was er im besondern unserer Schule gewesen, zuerst als vieljähriger vorzüglicher Lehrer, später in seiner höhern Stellung als deren Förderer und Mäcen, das können nur diejenigen voll und ganz ermessen, welche mit ihm zusammengelebt, zusammengewirkt haben»1024.
Die gleiche Künstlerin, die das Bildnis von Abt Basilius geschaffen, hat auch das dieses Abtes festgehalten. Ebenso hat auch P. Rudolf das eine und andere Porträt gemalt.