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Trotz aller Fortschritte besteht ein Hauptproblem, mit dem sich die Mitarbeiter im Bereich der Konflikttransformation konfrontiert sehen, darin, dass wir zu wenig über die äusserst schwierigen Probleme wissen, die sich uns bei der Untersuchung und Förderung der Transformation grosser, langwieriger Konflikte stellen. Prof. Louis Kriesberg
Gruppenbezogene Feindseligkeit und Gewalt sind in vielen Regionen der Welt nach wie vor ein relevantes Problem. Sie sind mit Massengewalt verbunden und beeinträchtigen grundsätzlich das Wohlergehen der betroffenen Bürger und behindern die Entwicklung der betroffenen Gesellschaften.
Besonders deutlich wird dies bei lang andauernden und gewalttätigen Konflikten zwischen Gruppen wie dem ethnonationalen israelisch-palästinensischen Dauerkonflikt. Nach aktuellen Daten der Hilfsorganisation “Save the Children” haben Intensität und Relevanz von Konflikten in den letzten Jahren deutlich zugenommen.
Jedes sechste Kind weltweit lebt heute in Konfliktgebieten, und seit 1991 ist diese Zahl um 75 % gestiegen. Die Hälfte dieser Gebiete gilt als Regionen mit unlösbaren Konflikten. Diese Trends sind für den Nahen Osten besonders relevant. Zwei von fünf Kindern im Nahen Osten leben in einem Konfliktgebiet, was weltweit die höchste Rate darstellt.
Traditionelle Ansätze aus der Politikwissenschaft und den internationalen Beziehungen haben wertvolle Einblicke in die Dynamik langwieriger Konflikte und gewaltsamer ethnonationaler Auseinandersetzungen geliefert. Allerdings haben diese Forschungsansätze möglicherweise entscheidende Faktoren übersehen, die dazu beitragen, die Hartnäckigkeit von Langzeitkonflikten und insbesondere die hohe Beteiligung von Bürgern an konfliktbezogener Gewalt zu erklären.
In den letzten Jahrzehnten haben neue theoretische und empirische Ansätze, die sich auf die Prozesse auf der Mikroebene und die sozialpsychologischen Vorläufer von langwierigen ethnonationalen Konflikten konzentrieren, ein neues Licht darauf geworfen, wie und warum langwierige Konflikte andauern. Diese Ansätze sind Teil eines grösseren Forschungstrends, der darauf abzielt, Prozesse auf der Makroebene in der internationalen und nationalen Arena durch die Untersuchung von Faktoren auf der Mikroebene zu untersuchen. Das Verständnis dieser Grundlagen kann entscheidende Erkenntnisse für unsere Bemühungen liefern, zu dauerhafter Sicherheit und Stabilität auf lokaler, regionaler und internationaler Ebene beizutragen. In den letzten Jahren sind Emotionen zunehmend in den Mittelpunkt der Konfliktforschung gerückt. Es hat sich gezeigt, dass Emotionen, insbesondere Gruppenemotionen, eine wichtige Rolle beim Verständnis von Ursache und Wirkung in langwierigen Konflikten spielen und sicherheitsrelevante Aktivitäten wesentlich beeinflussen.
Die genauen Mechanismen, wie Mikrofundamente, d.h. Emotionen, die Entscheidung nichtstaatlicher Aktivisten beeinflussen, sich an sicherheitssensiblen Aktivitäten zu beteiligen oder diese zu unterlassen (gewaltsame oder gewaltlose Aktionen), bleiben eine offene Frage. Wir haben daher einen umfassenden Forschungsansatz gewählt, um die produktive und prekäre Rolle negativer emotionaler Antezedenzien für sicherheitssensible Aktivitäten zu erforschen, wobei wir uns insbesondere auf die Mechanismen konzentrierten, durch die negative Emotionen gewalttätige Handlungen bei Gruppenmitgliedern mit geringen Kräften auslösen, sowie auf die Frage, wie Veränderungen zu gewalttätigen Aktivitäten stattfinden.
Die Projektergebnisse unterstützen das Ziel der Stiftung WeContribute, “kreative und nachhaltige Ansätze in der Verantwortung für unsere Enkelkinder zu fördern”, indem realistische Konzepte der Konflikttransformation entwickelt werden, die auf der erlebten Realität vor Ort und nicht auf normativen Idealen basieren. Die Forschung leistete nicht nur einen Beitrag zu den aktuellen Bemühungen um die Integration von politikwissenschaftlichen und sozialpsychologischen Ansätzen, sondern förderte auch ein tieferes Verständnis der kurz- und langfristigen Prozesse, die zu sicherheitssensiblen Aktivitäten in einer unbeständigen Region führen.
Über den rein wissenschaftlichen Bereich hinaus beinhaltete der Projektansatz den Wunsch, nicht nur zu forschen, um den Konflikt zu verstehen, sondern auch der palästinensischen und israelischen Realität ausgesetzt zu sein, was zu spezifischen Lebensstilentscheidungen führte. Obwohl sie in Israel direkt an der Grenze zur Westbank lebten, pendelten sie täglich in die Westbank, wo die drei Kinder zur Schule gingen und der Partner des Projektleiters arbeitete. Diese Konstellation führte zu Einblicken und sozialen Kontakten in beiden Gesellschaften, die auch über die unlösbare Konfliktrealität hinausgingen und aus Geburtstagsfeiern in der Westbank oder Schulausflügen nach Hebron, Fussballtraining in einem benachbarten israelischen Moshav oder Bar-Mitzwa-Feiern mit Freunden sowie zahlreichen anderen formellen und informellen Kontakten mit Palästinensern und Israelis bestanden.
All dies wäre ohne die grosszügige und unbürokratische Finanzierung und Partnerschaft der Stiftung WeContribute nicht möglich gewesen. Todah rabah & shukran ktir an alle Beteiligten!