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Wer denkt, der Vorwurf «Werbung für Homosexualität» sei eine russische Erfindung oder Homophobie ein rein islamistisches Phänomen, soll sich den neuen Dokumentarfilm über den 1989 an Aids verstorbenen, schwulen US-Fotografen Robert Mapplethorpe anschauen. Erst knapp dreissig Jahre ist es her, dass der republikanische US-Senator Jesse Helms einen Kulturkrieg anzettelte. Er wedelte im Parlament mit Mapplethorpes Fotografien und dem Vorwurf, diese Bilder seien obszön, propagierten Homosexualität und der unmoralische Fotograf selbst sei kein Künstler, sondern «a jerk».
Heute erzielen Mapplethorpes hochstilisierte Bilder von Gesichtern, Blumen und Männerkörpern in Sadomaso- und anderen Posen auf Auktionen Millionenbeträge, und zwei der einflussreichsten Kunstinstitutionen von Los Angeles zeigten diesen Sommer eine riesige Retrospektive. In diese grosse Klammer des politisch verleumdeten und von der Kunstwelt gefeierten Fotografen packen die beiden Filmemacher Fenton Bailey und Randy Barbato Mapplethorpes Werdegang. Familienmitglieder, Weggefährtinnen und Liebhaber zeichnen das Bild eines auffälligen Aussenseiters, der schon als Kind nie ganz in die spiessige Vorortfamilie passte und eigenartige Dinge malte.
Er wuchs zum Untergrundkünstler, der unbedingt reich und berühmt werden wollte und dieser Ambition alles unterordnete. Seine Muse war jahrelang die Rocksängerin Patti Smith. In New Yorker SM-Clubs fand er nicht nur sein Paradies schwuler sexueller Fantasien, sondern auch viele seiner Sujets: Männerkörper, die er zu spektakulären fotografischen Skulpturen formte und deren Muskeln und Geschlechtsteile er wie in glatten Stein gemeisselte Trophäen inszenierte. Als der Künstlerruhm dann endlich kam, war er bereits so krank, dass er an der Vernissage der Ausstellung, die ihm den Durchbruch brachte, nur noch im Rollstuhl teilnehmen konnte. All das wird in «Mapplethorpe. Look at the Pictures» kundig aufgefächert. Das Einzige, was man dem sorgfältig gemachten Film vorwerfen kann: dass der Exzentriker etwas gar ausgewogen und abgerundet porträtiert wird.
Ab 13. November 2016 im Kino.