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2001-2002: Mittelalterliches Strassentheater
Frauengeschichten zwischen Himmel und Fegefeuer
Commérages et voisinages
Wie sah das Leben der Freiburger Frauen im Mittelalter aus? Dar√ľber geben die Akten, welche im Staatsarchiv Freiburg bewahrt wurden, wertvolle Ausk√ľnfte, namentlich die Prozessakten von 1399 und 1430 gegen die Waldenser. Auf deren Grundlage haben Frauen in Freiburg und die Medi√§vistin Kathrin Utz Tremp, Spezialistin auf dem Gebiet der H√§resie- und Hexenprozesse, 2001-2002 ein mittelalterliches Strassentheater erarbeitet.
Dank der Burgerschaftsb√ľcher und der Notariatsregister war es m√∂glich, die Spur der Protagonisten des Prozesses aufzunehmen und ihre Pers√∂nlichkeiten zu rekonstruieren.
So ist aus dem Staub der Archive die Surera, Frau eines Fassmachers vom Stalden, aufgetaucht. Sie tritt auf die B√ľhne, ganz in Rot gewandet, um durch die Strassen der Unterstadt von Freiburg zu ziehen. Ihr Streifzug f√ľhrt sie zu Nachbarinnen und Bekannten, jung Verheirateten und reichen Witwen, zu Prostituierten und Beginen, welche sie gelegentlich gar als H√§retikerinnen denunziert. Das Strassentheater zeigt deren Alltag ebenso wie verschiedene Aspekte der Sozialgeschichte des 15. Jahrhunderts: H√§retikerprozesse, religi√∂ses Leben und Volksfr√∂mmigkeit, Prostitution, ehelichen Verdruss und Testamentsvollstreckung. Die abwechselnd auf Deutsch und Franz√∂sisch gespielten Szenen illustrieren auch die sprachliche Situation dieser Zeit.
Das Au-Quartier, das im Freiburg des Mittelalters das Handwerkerquartier war, bildet den Rahmen und Hintergrund f√ľr die Auff√ľhrung. Die zeitgen√∂ssischen Kost√ľme wurden anhand von ikonographischen Quellen, illustrierten Chroniken und Kunstwerken, entworfen. Die mittelalterliche Musik, welche als musikalische Zwischenst√ľcke das Ganze strukturiert, l√§dt schliesslich in der Schlusszene alle diese Figuren zu einem fr√∂hlich-makabren Tanz und Reigen ein.
Fotos: Primula Bosshard.
Die Zusammenarbeit zwischen Historikerinnen und Drehbuchautorinnen, Regisseurin, Schauspielerinnen und MusIkerinnen, Kost√ľmbildnerinnen und Kost√ľmschneiderinnen, zwischen Profis und passionierten Laien war √ľberaus fruchtbar.
Rechts, unsere Regisseurin, Christina Diaz.