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(Kt. Aargau).
386 m. Hauptort des Kantons Aargau
und des Bezirks Aarau. 47° 23' 31" nördl. Br.; 50° 42' 45" OL. von Paris. Auf einem
nordöstl. gegen die
Aare abfallenden Felskopfe eines südl. Ausläufers des
Jura gelegen. Aarau zählte 1908 rund 8500 Ew.
Ausserdem arbeiten in den
Aarauer Industrien 2500 Arbeiter, die in den benachbarten
Dörfern wohnen. 1798: 2271;
Die Stadt besass bis in den Anfang des 19. Jahrh. hinein ihr völlig mittelalterliches Gepräge mit
Turm
und Tor,
Mauer und
Graben. 1812 fielen Laurenzenturm und -tor, um die selbe Zeit das Aaretor, 1820 wurde der Hirschengraben
eingedeckt, man baute
Häuser an die Grabenmauer, und wo der kleine Rundturm stand, wurde ein Eingang in die Stadt gebrochen.
Um 1870 wurde auch der Pulverturm zum grossen Teil abgetragen. Allein es blieben noch Stücke der Ringmauer
an andern
Stellen. Es blieb das
Schlössli, der obere
Turm, der
TurmRore, um den das städtische Rathaus herum gebaut worden
ist, das
Obere und das Haldentor.
Auch dem Innern der Stadt blieb das altertümliche
Bild: Die vorragenden bemalten Walmdächer, der durch
die Hauptgassen fliessende offene
Stadtbach, einige wenige grosse
Brunnen, besonders der Gerechtigkeitsbrunnen. Von dem allem
hat manches den Forderungen des modernen Verkehrs weichen müssen (Umbau der Rathausgasse 1905), und mancher alte
Giebel ist
vom Feuer zerstört worden. Ueberall sind moderne Fassaden entstanden. Indem sich so das neue zwischen
das alte drängte, hat das einheitliche
Bild etwas gelitten. Immer aber ist Aarau als ein sauberes Städtchen gerühmt worden,
und auf diesen Ruhm darf es auch heute noch stolz sein. Jetzt erheben sich als zeitgemässer Schmuck Denkmäler auf öffentlichen
Plätzen: Heinrich Zschokke, Augustin Keller, Emil Welti. Andern Männern sind an passenden
Stellen ausserhalb
der Stadt Denktafeln errichtet worden: Joh.
Rud. Meyer, Franz Xaver Bronner, Karl Feer-Herzog.
Aaraus Bedeutung liegt in erster Linie darin, dass es Kantons- und Bezirkshauptort ist und die entsprechenden Institutionen
mit den nötigen Gebäuden in seinen Mauern birgt. Da ist das Regierungsgebäude (aus dem ehemaligen
Gasthof zum
Löwen erweitert), dahinter das Grossratsgebäude mit der Kantonsbibliothek, welche gegen 100000 Bände (darunter
eine grosse Anzahl Wiegendrucke, viele wertvolle Manuskripte, Karten,
Bilder) umfasst; das neue Kantonsschulgebäude (1894-96
errichtet) und daneben das kant. Gewerbemuseum, welches eine Handwerkerschule und die ihr dienenden Sammlungen, ferner die
kantonale antiquarische Sammlung mit den herrlichen Glasgemälden aus dem Kloster
Muri, einem Mosaikboden aus
Lunkhofen, der
Gemäldeausstellung
(Böcklin, Stäbli, Fröhlicher etc.) und der Münzsammlung (etwa 6000 römische Münzen, meist aus Vindonissa)
enthält.
An Schulhäusern zählt Aarau: das 1896 eröffnete neue Kantonsschulgebäude in einem prächtigen Parke;
das alte Kantonsschulhaus,
das jetzt dem Lehrerinnenseminar und Töchterinstitut dient;
das neue Bezirksschulgebäude, gegenwärtig
(1910) im Bau, das grosse städtische Schulhaus.
Den Unterrichtszwecken dient auch das sehr ansehnliche naturhistorische
Museum im ehemaligen Kasino, namentlich ausgezeichnet durch die geologische und die ornithologische Sammlung.
Da Aarau auch eidg. Waffenplatz ist, finden wir hier zwei
Kasernen, für Infanterie und Kavallerie, diese
mit den nötigen Stallungen und zwei grossen Reitbahnen; ferner das grosse eidg. und das kant.
Zeughaus mit reichhaltiger
Waffensammlung. Als Exerzierplatz dient der unmittelbar an die Stadt stossende
Schachen, der, einst sogar Artillerieschiessplatz,
nun schon seit mehr als einem Jahrzehnt auch nicht mehr von der Infanterie zum Schiessen benutzt werden
kann. Ausserhalb der Stadt steht der grosse Kantonsspital (nach Pavillonsystem eingerichtet.) Projektiert sind ein neues
eidg. Postgebäude, Erweiterung der militärischen Anstalten, ein kant. Chemiegebäude.
Die Bezirksbehörden haben ihren Sitz im Amtshaus und im städtischen Rathaus. Dieses dient vorab der
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