Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03522.jsonl.gz/2503

Bei Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma ist die Lebensqualität meist erheblich beeinträchtigt. Der Grund hierfür sind die ständigen Hustenanfälle, die Atemnot und die schlaflosen Nächte, die viele Tage und Nächte zur Qual machen.
nb / Quelle: IFJ / Dienstag, 24. März 2015 / 08:00 h
In manchen Fällen bringen auch die verschriebenen Medikamente keine ausreichende Verbesserung der Beschwerden. Wenn das Asthma das Atmen erschwert, kann eine Therapie Hunderte Meter unter der Erde stattfinden, denn dank der so genannten Speläotherapie sollen Betroffene in Stollen und Höhlen wieder tief durchatmen können.
Was ist die Speläotherapie?
Bei der Speläotherapie handelt es sich um eine seit mehr als 100 Jahren bekannte Sonderform der Klimatherapie, die nun wieder entdeckt wurde. Insbesondere in Osteuropa hat die Behandlung Tradition. Es bezeichnet die Behandlung von verschiedenen Erkrankungen in einer Heil- oder Klimahöhle, beispielsweise Asthma, Bronchitis, Krupphusten, ein chronischer oder allergischer Schnupfen und Nasennebenhöhlenerkrankungen, Hautkrankheiten und verschiedene Allergien sowie eine fibrosierende Alveolitis etc. Daher wird es ebenso als Höhlen- und Heilstollentherapie oder Untertage-Klimatherapie bezeichnet.
Wie wirkt die Speläotherapie?
Die therapeutische Wirkung der feuchtkalten Höhlen resultiert laut Vermutungen aus folgenden Ursachen:
Es sind dank der hohen relativen Luftfeuchtigkeit kaum Allergene und Staub vorhanden. Die vorhandenen Partikel bleiben zu einem grossen Teil am feuchten Boden und den Wänden gebunden. Die Lufttemperatur beträgt 6,8 °C, während die relative Luftfeuchtigkeit nahezu 100%ig ist. Die absolute Luftfeuchtigkeit hingegen ist sehr niedrig. Durch die Erwärmung der kalten Luft, die eingeatmet wird, sinkt die relative Luftfeuchtigkeit. Nun ist die Luft sehr trocken und entzieht zur Sättigung aus dem Körpergewebe Wasser. Bei einem 60-minütigen Aufenthalt im Stollen werden aus den Atemwegen etwa 22 ml Wasser extrahiert. Dadurch werden den geschwollenen Schleimhäuten so viel entzogen, um für den Luftstrom wieder durchgängig zu werden. Die idealen klimatischen Bedingungen wirken antiallergisch, schleim- und krampflösend sowie entzündungshemmend. Weitere Reizungen werden dadurch ausgeschaltet und die Symptome der Erkrankung gelindert.
Dank der Speläotherapie sollen Patienten mit Atemwegserkrankungen in Stollen und Höhlen wieder tief durchatmen können. /
Der Körper erhält die Möglichkeit zur Selbstheilung. So zumindest die blosse Theorie des Deutschen Heilstollenverbands
.
Studie der Ulmer Universität
Bis zum Jahr 2002 konnte die Wirksamkeit der Speläotherapie bei Asthma bronchiale nicht eindeutig belegt werden. Im gleichen Jahr erbrachte jedoch eine Studie der Ulmer Universität
anhand von 133 Kindern, die unter Asthma bronchiale leiden, den Nachweis, dass sich die Speläotherapie auf die Erkrankung positiv auswirkt, denn die Methode zeigte zumindest kurzfristig positive Effekte. Zu 100 Prozent kann die Wirksamkeit der Höhlentherapie allerdings nicht belegt werden, da es keine längere Nachbeobachtung der Patienten gab. Die Untersuchung wurde überwiegend vom Heilstollen-Verband finanziert, der das Ziel verfolgt, dass die Heilstollentherapie von der Krankenkasse erstattet wird. Teilweise ist dies mittlerweile auch möglich. Auch in Soligorsk in Weissrussland sind Kinder mit Erkrankungen der Atemwege in einem stillgelegten Teil einer Kalimine untergebracht, wo die Temperatur durchgängig bei 16 Grad Celsius liegt und auch die Luftfeuchtigkeit auf dem gleichen Niveau bleibt. Der Aufenthalt im Bergwerk soll zur Genesung beitragen. Auch in Deutschland gibt es einige dieser Heilstollen, in denen die Luft weitestgehend frei von feinem Staub, Pollen und Keimen ist.
Die Dauer des Aufenthalts
Die Aufenthaltsdauer ist vom jeweiligen Stollen abhängig. In den sehr warmen und kühleren Gängen bleiben die Erkrankten meist mehrere Wochen und eine Stunde pro Tag. Bei einer mittleren Temperatur hingegen verbleiben die Betroffenen viele Stunden bis hin zu Tagen am Stück im Stollen.
Fazit
Wissenschaftliche Studien konnten und können nicht eindeutig belegen, dass die Speläotherapie Erkrankungen der Atemwege nachhaltig positiv beeinflusst. Viele Betroffene konnten dank der idealen klimatischen Bedingungen jedoch von einer erheblichen Linderung der Beschwerden profitieren. Insbesondere für Patienten, welche bei der medikamentösen Behandlung nicht die gewünschten Ergebnisse erzielen, könne eine Speläotherapie von Interesse sein, so ein Gesundheitsexperte der Klinik meds4all.ch
.
«Uns liegen einige Informationen von Patienten vor, welche uns von durchaus positiven Ergebnissen mit entsprechenden Massnahmen berichten und zumindest als ergänzende Therapie empfehlen können. Es gibt selbstverständlich auch andere Erfahrungen in unserem Patientenkreis.»
Zumindest könne somit also bei einem Teil erreicht werden, dass die Medikamente mittel bis langfristig niedriger dosiert werden können. Bei diversen Asthmapatienten verringerte sich durch den Aufenthalt im Stollen die Anfallhäufigkeit und -schwere.