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22. April 2010
liegen mir am Herzen. Ich möchte anerkannt und beliebt sein, sagte der Herr. ich möchte, dass viele Menschen meine weblogs aufsuchen und meine Beiträge anklicken, ich möchts Spuren hinterlassen, so sprach der Herr laut in einer Veranstaltung für website-desing und Erfolgsmarketing. Um möglichst hohe Quoten zu erreichen ist es gut, Meinungen zu polarisieren. Deshalb sprach sich der Herr gegen die Meinungsvielfalt aus, um nur zwei Meinungen zu zu lassen. (So auseinander geschrieben fallen die beinen “zu” sofort auf, aber Gott sei Dank nicht ins Auge.) Eine Meinung dafür, eine dagegen. Wenn keine anderen Meinungen mehr zugelassen werden, können alle Stimmen in den Polarisierungen polarisiert werden. So ergäbe sich die maximale Aufmerksamkeit und es wäre viel leichter, Besucher auf einen weblog zu ziehen (Pullmarket). Der Herr kam also zu dem Schluß, dass Meinungsvielfalt die Märkte runiniert, während polares Gegeneinander die Märkte aufleben ließe. Alles sollte polar sein und ein Drittes und Viertes und Fünftes etc.. ausgeschlossen, genau wie es Aristoteles als Wissenschaftsprinzip formuliert hatte. Dann wäre die Welt gleich wieder in Ordnung meinte der Herr und sagte seiner Frau, dass er morgen zum Vortrag noch frische Socken brauche und ein frisches Hemd. Denn Mann und Frau bilden die grundlegenden Polaritäten, so dachte der Herr, etwas Polareres gäbt es gar nicht mehr. Seine Frau war allerdings etwas anderer Meinung, zog die frischen Socken und das frische Hemd selbst an und machte einem arbeitslosen Bankkaufmann das Angebot, er solle ihr Haus auf Provisionsbasis verkaufen. Der Bankkaufmann wollte aber lieber mit ihr in Urlaub fahren und buchte sofort eine Woche auf Mallorca, genauer in Palma di Mallorca, in dem Hotel, in dem Thomas Bernhard immer abgestiegen war. Das könnte ein erneuter Aufstieg für ihn, den Bankkaufmann werden dachte er, mit dieser Frau in diesem Hotel, da wäre alles für ihn möglich.
Fortsetzung folgt.
5. April 2010
Wohin geht eigentlich das viele Geld, das täglich vernichtet wird. Ich meine jetzt nicht die kleinen Geldvernichtungen durch das Anzünden einer Zigarre mit einem 100 Euro Schein (bald in der EU nicht mehr unter Strafe) oder die künstlerische Verwendung von Münzen und Geldscheinen für Objekte. Ich meine die Differenzen im Buchgeld. Gestern notierte ein Aktien Portfolio zum Beispiel noch 240.000.– Euro, heute sind es nur noch 63.27 Euro Was ist passiert? Eine Zahl wurde verändert. Doch nicht nur eine Zahl, auch ein Zukunfts- und Sicherheitsglaube, viele Hoffnungen und Planungen. Oder, ein anderes Beispiel: In einer Stadt wird ein AKW gebaut oder ein Endlager errichtet. Sofort fallen die Immobilienpreise auf die Hälfte zurück. Ein Haus, das vorher leicht für 580 000.– Euro zu verkaufen war geht jetzt höchstens noch für 240 000.– Euro und das nur mit Glück. In welche bisher unbekannte Gegenwelt geht dieses Geld und, so frage ich mich, wie kann man dort ein Konto eröffnen?
Wer weiß was?