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Als Nerz werden zwei Raubtierarten aus der Familie der Marder (Mustelidae) bezeichnet:Europäischer Nerz (Mustela lutreola) Amerikanischer Nerz oder Mink (Neovison vison).Beides sind semiaquatische (teilweise im Wasser lebende) Tiere, die durch ihr dichtes, wasserabweisendes Fell charakterisiert sind. Wegen dieses Felles wurden sie intensiv bejagt, der Amerikanische (nicht aber der Europäische) Nerz wird deswegen auch in Pelzfarmen gezüchtet. Als Gefangenschaftsflüchtling ist der Amerikanische Nerz mittlerweile auch in Europa verbreitet und hat den Europäischen Nerz weitgehend verdrängt.
Die Nerze sind keine systematische Gruppe. Der Amerikanische Nerz und der im 19. Jahrhundert ausgerottete Seenerz bilden eine eigene Gattung Neovison, während der Europäische Nerz zusammen mit den Iltissen und Wieseln in die Gattung Mustela eingeordnet wird. (Eine Art, das Feuerwiesel, wird manchmal auch als Sibirischer Nerz bezeichnet.)
Der Europäische Nerz (Mustela lutreola) ist eine Raubtierart aus der Familie der Marder (Mustelidae). Er zählt zu den bedrohtesten Säugetierarten Europas. Mit dem Amerikanischen Nerz ist er nicht sehr nahe verwandt und auch nicht kreuzbar.
Europäische Nerze sind Einzelgänger und streng territorial, sie bewohnen ein Revier von rund 26 bis 32 Hektar Größe. Sie sind in erster Linie dämmerungs- oder nachtaktiv, tagsüber ziehen sie sich in Baue zurück, die sie selbst gegraben haben oder von anderen Tieren (zum Beispiel Schermäusen) übernommen haben, manchmal verbergen sie sich auch in Felsspalten oder im Wurzelwerk der Bäume. Sie können gut schwimmen und tauchen und begeben sich auch im Wasser auf Nahrungssuche.
Der Europäische Nerz zählt heute zu den bedrohtesten Säugetierarten Europas, wofür drei Faktoren verantwortlich sind:Zum einen wurden sie intensiv wegen des Nerzfells gejagt. Auch wenn ihr Pelz als weniger wertvoll als der des Amerikanischen Nerzes gilt (der Europäische Nerz wurde auch nie in Pelztierfarmen gehalten), so wurden doch in der Sowjetunion beispielsweise in den 1920er-Jahren jährlich 50.000 Tiere gefangen. Zum anderen leiden sie an der Zerstörung ihres Lebensraumes durch Waldrodungen und Flussbegradigungen, heute stellen Kraftwerksbauten und die Gewässerverschmutzung weitere Bedrohungen dar. Ein dritter Faktor ist seit den 1950er-Jahren akut geworden: Amerikanische Nerze, die massenhaft in Pelztierfarmen in Europa gehalten wurden, brachen als Gefangenschaftsflüchtlinge aus oder wurden freigelassen. Da sich die amerikanischen Vettern als robuster und anpassungsfähiger erwiesen, haben sie die europäische Art vielfach verdrängt.In Deutschland wurde 1925 der letzte Nerz gesehen; auch in anderen Teilen Europas ist er beinahe ganz verschwunden. Nur in isolierten Regionen, in Russland, Weißrussland, dem rumänischen Donaudelta und in Südwestfrankreich und Nordspanien sowie vor allem auf den großen Inseln Estlands haben sich kleine Bestände gehalten. Die Gesamtpopulation wird auf wenige tausend Tiere geschätzt, die IUCN listet ihn als "stark gefährdet" (endangered). Der Zoo in Tallinn züchtet seit der Mitte der 1990er-Jahre erfolgreich Europäische Nerze in Gefangenschaft und wildert etliche Exemplare wieder aus.
Der Amerikanische Nerz oder Mink (Neovison vison, früher Mustela vison) ist eine Raubtierart aus der Familie der Marder (Mustelidae). Ursprünglich nur in Nordamerika verbreitet, ist er als Gefangenschaftsflüchtling aus Pelztierfarmen mittlerweile auch in Europa heimisch. Mit dem Europäischen Nerz ist er nicht sehr nahe verwandt, die Arten sind nicht kreuzbar.
Diese Tiere sind in der Regel dämmerungs- oder nachtaktiv. Tagsüber verbergen sie sich in Bauen, die sie selbst gegraben oder von anderen Tieren übernommen haben, manchmal auch unter Steinen oder in Baumwurzeln. Selbstgegrabene Baue können bis zu drei Meter lang sein und oft mehrere Eingänge haben. Minks können ausgezeichnet schwimmen und bis in Tiefen von sechs Metern tauchen. Außerhalb der Paarungszeit leben sie einzelgängerisch und reagieren auf Artgenossen äußerst aggressiv. Mit dem Sekret der Analdrüse werden die Reviergrenzen markiert, die Größe der Territorien ist variabel, die von Weibchen sind üblicherweise 8 bis 20 Hektar groß, Reviere von Männchen sind größer und können manchmal 800 Hektar umfassen.
Schon früh wurden Amerikanische Nerze ihres Felles wegen gejagt, das als besonders wertvoll gilt. Erste erfolgreiche Zuchtversuche in Pelztierfarmen wurden um 1900 in den Vereinigten Staaten begonnen. Eine Zucht des Europäischen Nerzes war hingegen nie möglich. Daher wurden amerikanische Zuchtnerze auch in Europa eingeführt. Durch menschlichen Einfluss entstanden Farbmutationen, zum Beispiel rein weiße, schwarze oder silberblaue, auch Saphir-Nerze genannte Exemplare (Näheres siehe unter →Nerzfell).
Tiere, die in Europa aus Farmen geflüchtet sind oder im Rahmen sogenannter "Befreiungsaktionen" freikamen, haben sich dort großflächig ausgebreitet und ihre europäischen Verwandten vielerorts verdrängt und an den Rand der Ausrottung getrieben. Außerdem üben sie häufig bereits starken Druck auf andere Arten, beispielsweise junge Wasservögel, aus. Es gibt heute wildlebende Populationen unter anderem in Island, Skandinavien, den Britischen Inseln, Frankreich, Spanien, Österreich, Deutschland, Polen und in großen Teilen Russlands.
Nerzfarmen stehen besonders in der Kritik von Tierschützern. Wenn man davon absieht, dass die Kritiker in der Regel jegliche Zucht für Pelzzwecke ablehnen, konzentriert sich die Kritik beim Nerz vor allem auf die Gehege- oder Käfiggröße, das Halten in Käfigen an sich, die Einzelhaltung und das Fehlen von Schwimmwasser. Die Züchter führen dagegen an, dass eine Bodenhaltung die Übertragung von Krankheiten fördert und der Nerz durch die lange Domestikationsfolge kein Schwimmwasser für sein Wohlbefinden benötigt. Die Tötung in den Pelztierfarmen erfolgt in der Regel mit Kohlenmonoxid-Gas.
Die meisten Pelztierfelle stammen aus Zuchtfarmen. Die meisten Nerze werden in Europa nach wie vor in Dänemark, Italien und den Niederlanden gezüchtet. Eine wesentliche Grundlage für die Pelztierzucht ist insbesondere in Skandinavien und Holland die Weiterverarbeitung von Fleisch- und Fischabfällen als Pelztierfutter. In Österreich, Großbritannien und der Schweiz wurde die Pelztierzucht eingeschränkt, während China in etwa einem Jahrzehnt zu einem der wichtigsten Zuchtländer auch für Nerze herangewachsen ist. In Deutschland finden sich noch wenige Dutzend Nerzfarmen mit Schwerpunkten in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen.