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Begriffserklärungen, Definitionen (Glossar)
Seitenübersicht:
- Begriffsdefinitionen Histaminerkrankungen, schematisch
- Alkoholessig (Branntweinessig, Weingeistessig)
- Amine (biogene Amine)
- Aminosäuren
- Auslassdiät: sieheEliminationsdiät
- Biogene Amine: sieheAmine
- Branntweinessig: siehe Alkoholessig
- Diaminoxidase (DAO)
- DAO-Abbaustörung
- Eliminationsdiät, Auslassdiät
- Enterale Histaminose
- Enzym
- Gärungsessig
- Histamin-Abbaustörung
- Histamin-Freisetzungsstörung
- Histamin-Intoleranz (HIT)
- Histaminliberator: siehe Liberator
- Histaminose
- Histaminpotential
- Histaminspiegel
- Histamin-Unverträglichkeit
- Histaminvergiftung
- Histidin
- Histidin-Decarboxylase (HDC)
- Histamin-N-Methyltransferase (HNMT)
- HNMT-Abbaustörung
- Liberator (Histaminliberator)
- MAO-Abbaustörung
- Mastzelle, Mastozyt, Mastozytose, Mastzellaktivierung (MCA), Mastzellerkrankungen, systemische Mastzellaktivierungserkrankungen (MCAD), Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS)
- Monoaminoxidase (MAO)
- Weingeistessig: siehe Alkoholessig
Begriffsdefinitionen Histaminerkrankungen, schematisch
In unten stehendem Schema sehen Sie unseren Vorschlag, wie man die vielen Begriffe rund um histaminvermittelte Erkrankungen gliedern und definieren kann. Auf dieser Website orientieren wir uns an diesen Definitionen. Wenn Sie mit Ihrem Arzt oder jemand anderem sprechen, gehen Sie aber bitte nicht davon aus, dass Ihrem Gegenüber diese Definitionen bekannt sind. Versichern Sie sich durch genaues Nachfragen bzw. Erklären, dass beide Gesprächspartner unter den verwendeten Begriffen das gleiche verstehen. Sonst redet man aneinander vorbei. Von anderen Personen bzw. in anderen Texten werden oft z.B. die Begriffe Histaminose, Histamin-Unverträglichkeit, Histamin-Intoleranz, Histamin-Abbaustörung und DAO-Abbaustörung als synonym (gleichbedeutend) betrachtet.
Abbildung: Begriffsdefinitionen rund um Histaminerkrankungen, schematisch dargestellt. Klicken zum Vergrössern.
Alkoholessig (Branntweinessig, Weingeistessig)
Begriffe: Alkoholessig ist in Deutschland und Österreich eher unter der Bezeichnung Branntweinessig, Weingeistessig oder Essigessenz bekannt (engl.: white vinegar, distilled vinegar) und wird zu den Gärungsessigen gezählt.
Definition: Alkoholessig = Gärungsessig aus reinem Alkohol, der aus pflanzlichem Material gewonnen wird (Art. 434 LMV).
Herstellung: Als Ausgangsmaterial eignen sich sämtliche stärke- und zuckerhaltigen Agrarprodukte wie Zuckerrüben- oder Zuckerrohrmelasse, Getreide, Kartoffeln usw. Diese pflanzlichen Rohstoffe werden zunächst zu einer alkoholhaltigen Masse vergoren. Durch Destillation wird daraus reiner Alkohol (Ethanol) gewonnen. Der destillierte Alkohol wird mit Wasser auf ca. 13 % verdünnt und mit einer geringen Menge einer künstlichen Nährstofflösung versetzt. Diese Alkohollösung lässt man dann im Bioreaktor über ein Trägermaterial (Keramikscherben oder Holzspäne) rieseln, auf dessen Oberfläche sich Essigsäurebakterien festgesetzt haben. Die Essigsäurebakterien oxidieren den reinen Alkohol zu Essigsäure (und benötigen noch eine geringe Menge weiterer Nährstoffe, um wachsen und arbeiten zu können, daher der Nährstoffzusatz). Auf diese Weise erhält man einen viel reineren, geschmacksneutralen Essig. Er enthält viel weniger Histamin und andere "Verderbnisprodukte", als wenn man das pflanzliche Ausgangsmaterial direkt zu Essig vergären würde. Alkoholessig ist daher vergleichsweise gut verträglich.
Verwendung: Alkoholessig/Branntweinessig/Weingeistessig wird in der Lebensmittelindustrie oft zum Würzen und Ansäuern verwendet (z.B. in Senf, Essiggemüse etc.).
Weiterführende Informationen:
Amine (biogene Amine)
Als Amine bezeichnet man organische Abkömmlinge (Derivate) des Ammoniaks (NH3), bei dem ein oder mehrere Wasserstoffatome durch Alkyl- oder Arylgruppen ersetzt sind.
Biogen bedeutet, dass es sich um Amine biologischen Ursprungs handelt.
Biogene Amine sind primäre Amine (Struktur: R-NH2), die im Stoffwechsel (von Mikroorganismen, Pflanzen, Tieren und Menschen) durch enzymatische Decarboxylierung von Aminosäuren entstehen. Biogene Amine sind häufig Synthesevorstufen von Alkaloiden oder Hormonen. Sie dienen auch als Bausteine für die Synthese von Coenzymen, Vitaminen und Phospholipiden, und sind folglich allgegenwärtige und unentbehrliche Bausteine im Stoffwechsel der Lebewesen. Nebst den endogenen (=im Körper selbst hergestellten) biogenen Aminen gibt es auch die exogenen (=von aussen über die Nahrung aufgenommenen). In Nahrungsmitteln entstehen biogene Amine hauptsächlich als Abbauprodukte von Proteinen durch die Aktivität von Mikroorganismen (Verderbnisprozesse, aber auch gewollte Fermentations-, Gärungs- oder Reifungsprozesse). Deshalb kommt Histamin meistens, aber nicht notwendigerweise, zusammen mit anderen biogenen Aminen vor. Es gibt auch Nahrungsmittel, die histaminfrei und trotzdem reich an biogenen Aminen sind.
Der Abbau erfolgt über die Enzyme Diaminoxidase und Histamin-N-Methyltransferase. Wenn die über die Nahrung aufgenommene Menge an biogenen Aminen die Abbaukapazität übersteigt, können biogene Amine auf verschiedene Arten Beschwerden verursachen:
- Als konkurrierende Substrate zum Histamin lasten sie die Enzyme aus, so dass Histamin weniger schnell abgebaut wird.
- Einige freie biogene Amine entfalten selbst physiologische Wirkungen (Neurotransmitter, gefässerweiternde Wirkung).
- Cadaverin, Spermin und Spermidin wirken als Histaminliberatoren.
Beispiele biogener Amine sind: Histamin, Cadaverin, Tryptamin, Tyramin, Ethanolamin, Putrescin, Serotonin, Dopamin, Adrenalin, Noradrenalin, Phenethylamin, Octopamin.
Weiterführende Informationen:
Aminosäuren
Aminosäuren sind als eine Klasse organischer Verbindungen mit mindestens einer Carboxylgruppe (-COOH) und einer Aminogruppe (-NH2) definiert. Ihre bekannteste biologische Funktion ist die, dass sie die Bausteine der Proteine (Eiweisse, z.B. Enzyme) darstellen. Bisher sind 22 proteinogene (d.h. als Bausteine von Proteinen vorkommende) Aminosäuren bekannt, davon 20 sogenannt kanonische (d.h. durch Codons des genetischen Materials kodierte Standardaminosäuren). Darüber hinaus sind bisher rund 250 nicht-proteinogene natürlich vorkommende Aminosäuren bekannt, die biologische Funktionen haben.
Die im Menschen natürlich vorkommenden 20 proteinogenen L-Aminosäuren (ohne Berücksichtigung der Stereochemie). Quelle: Wikipedia
Weiterführende Informationen:
Diaminoxidase (DAO), ABP1
Synonyme: Diaminooxidase (Abkürzung: DAO), veraltet: Histaminase.
Englisch: diamine oxidase, amiloride-binding protein 1 (ABP1), amiloride-sensitive amine oxidase, kidney amine oxidase (KAO), amine oxidase (copper-containing).
Die Diaminoxidase (DAO) ist ein Enzym, welches spezifisch den Abbau von bestimmten biogenen Aminen katalysiert. Es wurde benannt nach seiner Substratspezifität für Diamine (z.B. Histamin, Putrescin und Cadaverin). Beim Menschen wird es hauptsächlich im Darm, den Nieren und in der Plazenta produziert.
Die nebenstehende Abbildung zeigt eine Ribbon-Darstellung der Diaminoxidase mit Kupfer-Atomen im aktiven Zentrum.
Abbildung: Oberflächenmodell der Diaminoxidase (DAO) mit den zwei aktiven Zentren (=Nischen im 'Proteinknäuel', in denen Histamin enzymatisch deaktiviert werden kann). Bereiche mit negativer Oberflächenladung sind rot dargestellt, Bereiche mit positiver Ladung blau. Quelle: Reprinted (adapted) with permission from [McGrath et al. 2009]. Copyright (2009) American Chemical Society.
Weiterführende Informationen:
DAO-Abbaustörung
Die enzymatische (Histamin-)Abbaukapazität der Diaminoxidase (DAO) ist vermindert. Dies kann auf unterschiedliche Weise geschehen (z.B. chemische Hemmung, verminderte Produktion, eine genetisch bedingt weniger aktive Enzymvariante).
Weiterführende Informationen:
Eliminationsdiät (=Auslassdiät, Weglassdiät)
Mit Eliminationsdiät ist eine Ernährungsweise gemeint, bei der eine Gruppe von Nahrungsmitteln, die aus einem bestimmten Grund zu meiden sind, konsequent weggelassen (=aus dem Speiseplan eliminiert) werden. In unserem Fall sind dies diejenigen Nahrungsmittel mit Histaminpotential.
Weiterführende Informationen:
Enterale Histaminose
Enteral bedeutet "den Darm betreffend", "über den Darm". Diejenigen Formen der Histaminose, bei denen die Aufnahme von Histamin über den Darm erfolgt, bezeichnet man als enterale Histaminose oder enteral induzierte Histaminose (engl. enteral-induced histaminosis). Dies ist der Fall bei:
- DAO-Abbaustörungen
- Fehlbesiedlung des Darms (intestinale Dysbiose)
- Übermässige Aufnahme von Histamin über die Nahrung
- Teilweise auch bei Mastzellerkrankungen (Befall des Darms mit krankhaft veränderten Mastzellen)
Der Begriff "enterale Histaminose" bezeichnet lediglich das betroffene Organsystem, bzw. den Aufnahmeweg, enthält jedoch keine Aussage über den Grund, weshalb zu viel Histamin im Darm ist.
Weiterführende Informationen:
Enzym
Enzyme (veraltet: Fermente) sind Proteine, die biochemische Reaktionen katalysieren (beschleunigen) können. Sie steuern den überwiegenden Teil biochemischer Reaktionen im Stoffwechsel aller lebenden Organismen. Enzyme zeichnen sich durch hohe Substrat- und Reaktionsspezifität aus, d.h. unter zahlreichen Stoffen wählen sie nur die passenden Substrate aus und katalysieren genau eine von vielen denkbaren Reaktionen. Die meisten biochemischen Reaktionen würden ohne Enzyme in den Lebewesen nur mit vernachlässigbarer Geschwindigkeit ablaufen. Als Biokatalysatoren beschleunigen Enzyme biochemische Reaktionen, indem sie die Aktivierungsenergie herabsetzen, die überwunden werden muss, damit es zu einer Stoffumsetzung kommt. Durch nicht-kovalente Wechselwirkungen stabilisiert es den Übergangszustand, so dass weniger Energie benötigt wird, um das Substrat in den Übergangszustand zu bringen. Einfacher ausgedrückt: Das Enzym ermöglicht durch seine blosse Anwesenheit die Umwandlung der Substrate in die Reaktionsprodukte, ohne dass es dabei verbraucht wird.
Weiterführende Informationen:
Gärungsessig
Gärungsessig ist Essig, der durch Essigsäuregärung aus alkoholhaltigen Flüssigkeiten hergestellt worden ist. Das Schweizer Lebensmittelrecht definiert folgende Gärungsessigarten (Art. 434 LMV):
- Weinessig: Gärungsessig, der ausschliesslich aus Wein hergestellt ist;
- Obstessig: Gärungsessig, der ausschliesslich aus Obstwein oder aus vergorenem Obstsaftkonzentrat hergestellt ist;
- Alkoholessig oder Essig aus reinem Alkohol: Gärungsessig aus Alkohol, der aus pflanzlichem Material gewonnen wird;
- Molkenessig: Gärungsessig aus Molke;
- Milchserumessig: Gärungsessig aus Milchserum oder Ultrafiltrat (Permeat);
- weitere Arten von Gärungsessig (z. B. Malz-, Bier-, Honigessig): Gärungsessig, der aus kohlenhydrathaltigen Lebensmitteln durch alkoholische Gärung und Essigsäuregärung hergestellt worden ist.
Nicht eindeutig sind die Sachbezeichnungen "Tafelessig" oder "Speiseessig". Hierbei kann es sich um Alkoholessig (verträglich), aber auch um Mischungen von verschiedenen (unverträglichen) Gärungsessigarten handeln (Art. 436 LMV).
Nebst dem Gärungsessig gibt es noch die Essigsäure. "Essigsäure zu Speisezwecken" ist Essigsäure, die auf chemischem Weg hergestellt und mit Trinkwasser verdünnt worden ist. Sie darf einen Säuregehalt von höchstens 14 Massenprozent aufweisen. Bezeichnungen wie "Essig" oder "Essenzessig" ohne weitere Angaben sind nicht zulässig. Aromatisierende Zusätze sind gestattet (Art. 438 LMV).
Weiterführende Informationen:
Histamin-Abbaustörung
Verlangsamung des Histaminabbaus durch körperliche Ursachen oder äussere Faktoren. Bekanntester und meistdiskutierter Vertreter ist die Histamin-Intoleranz (=enzymatische Histaminabbaustörungen). Theoretisch denkbar wären aber auch andere, nicht enzymatische Ursachen wie z.B. Funktionsstörungen der Monoamintransportkanäle.
"Histamin-Allergie"
Die Bezeichnung "Histamin-Allergie" ist ein sachlich falscher Begriff, der nicht verwendet werden sollte. Obwohl man Histamin als Abwehrstoff und Allergievermittler verständlicherweise zuerst mit Immunreaktionen in Verbindung bringt, sind Reaktionen auf Histamin nicht Antigen-Antikörper-vermittelt. Das Immunsystem ist nicht direkt in diese unspezifische Unverträglichkeitsreaktion involviert, sondern wird höchstens sekundär durch einen erhöhten Histaminspiegel beeinträchtigt. Eine echte Allergie gegen Histamin hätte wohl verheerende Folgen für den Körper, da Histamin ein lebensnotwendiger körpereigener Botenstoff ist, der an der Regulation unzähliger Stoffwechselvorgänge im Körper beteiligt ist. Wir gehen daher davon aus, dass es keine echte Histamin-Allergie geben kann, oder dass diese extrem selten sein dürfte. Bei Reaktionen auf Histamin handelt es sich grundsätzlich um eine Unverträglichkeit, nicht um eine Allergie.
Trotzdem kann es für einen Betroffenen einfacher sein, zu sagen, man habe eine "Allergie", als immer wieder lange und umständlich erklären zu müssen, weshalb man auf so viele Nahrungsmittel verzichten muss. "Allergie" ist ein umgangssprachlich geläufiger Begriff, und dass ein Allergiker den Allergenkontakt unbedingt meiden muss, ist mittlerweilen relativ breit und diskussionslos akzeptiert. Insbesondere vom Restaurantpersonal wird man eher ernst genommen, wenn man von einer Allergie statt von einer Unverträglichkeit spricht.
Histamin-Freisetzungsstörung
Übermässige unspezifische / nichtallergische / pseudoallergische Freisetzung von Histamin aus spezialisierten Zelltypen (insbesondere Mastzellen, Basophile). Zumeist werden nebst Histamin gleichzeitig auch viele andere Mediatoren freigesetzt oder neu synthetisiert. Die Auslöser sind chemische oder physikalische Reize.
Weiterführende Informationen:
Website www.mastzellaktivierung.info
Histamin-Intoleranz (HIT)
Man stösst auf unterschiedliche Auffassungen darüber, was eine Histamin-Intoleranz ist und was nicht:
A) Funktionsminderung der DAO
HIT im engsten Sinne wird definiert als eine erworbene oder angeborene Aktivitätsminderung des Enzyms Diaminoxidase (DAO), was einen verlangsamten Abbau von Histamin und anderen biogenen Aminen zur Folge hat. Die DAO wird vorwiegend im Darm gebildet, um den Körper vor histaminhaltiger Nahrung zu schützen. Bei zu wenig DAO-Aktivität toleriert der Körper die histaminhaltigen Lebensmittel nicht mehr.
B) Enzymatische Histamin-Abbaustörung
Etwas weiter gefasst kann HIT eine Störung an irgend einer Stelle der verschiedenen Abbauwege von Histamin und anderen biogenen Aminen sein [Reese et al. 2012b]. In [Reese et al. 2012] wird empfohlen, nur nachweislich enzymatisch bedingte Histaminabbaustörungen als Histamin-Intoleranz zu bezeichnen (in Anlehnung an die Laktose- und Fruktose-Intoleranz, welche ebenfalls durch Enzymmangel bzw. mangelnde Enzymaktivität bedingt sind). Bei allen anderen "Histaminproblemen" oder bei unbekannter Ursache solle man hingegen besser den Begriff Histamin-Unverträglichkeit verwenden.
C) Ungleichgewicht im Histaminstoffwechsel
Als HIT im weitesten Sinne kann jegliches zu einem erhöhten Histaminspiegel oder einer verstärkten Histaminwirkung führende Ungleichgewicht im Histaminstoffwechsel verstanden werden. Sowohl eine erhöhte Zufuhr (Nahrung, Darmflora, Freisetzung von körpereigenem Histamin), eine erhöhte Freisetzung von körpereigenem Histamin, eine Verminderung der Abbaugeschwindigkeit (Enzymhemmung, Enzymdefekt, Enzymmangel) oder auch eine Veränderung der Histaminrezeptordichte oder der Rezeptorempfindlichkeit können Ursachen einer histaminvermittelten Symptomatik sein. Diese sehr weit gefasste Definition würde jedoch auch Mastzellerkrankungen und andere eigenständige Krankheiten umfassen, die sich von enzymatischen Histamin-Abbaustörungen abgrenzen lassen. Siehe auch → Histaminose.
Wir empfehlen, grundsätzlich Definition B (enzymatisch bedingte Histamin-Abbaustörung) zu verwenden. Allerdings ist noch genauer zu klären, welches der Histamin abbauenden Enzyme bei einer Beeinträchtigung überhaupt Krankheitsrelevanz erreichen kann. Vermutlich trifft dies vor allem auf die DAO zu, so dass faktisch womöglich kein grosser Unterschied zwischen Definition A und Definition B besteht.
Weiterführende Informationen:
Seite Histaminose
Histaminose
Die Endung -ose bedeutet in der Medizin eine Zustandsänderung. Die Histaminose ist folglich irgendeine Veränderung, die das Histamin betrifft.
Definition: Als Histaminose bezeichnen wir den Zustand eines im Körper so weit vom Idealbereich abweichenden Histaminstatus (lokal oder systemisch), dass das Wohlbefinden oder körperliche / geistige Funktionen über das normale Mass hinaus beeinträchtigt werden.
Mehrere verschiedene körperliche Ursachen und Umweltfaktoren können (in Kombination oder auch alleine) zu einer Histaminose führen. Häufige Ursachen sind z.B. Freisetzungsstörungen (Mastzellerkrankungen: Mastozytose, MCAS) oder Abbaustörungen (z.B. zu wenig DAO-Enzymaktivität). Der Begriff "Histaminose" bedeutet bloss, dass zum betrachteten Zeitpunkt zu viel Histamin da ist, ohne eine Aussage über die Ursache zu machen.
Eine Histaminose kann durch eine Histamin-Unverträglichkeit, aber auch durch andere Erkrankungen (Allergien, Autoimmunerkrankungen, bestimmte Tumorerkrankungen etc.) hervorgerufen werden.
Vorsicht: Von anderen Autoren werden die Begriffe Histaminose, Histamin-Intoleranz etc. oft nicht voneinander unterschieden, sondern gleichbedeutend (synonym) verwendet!
Weiterführende Informationen:
Histaminpotential
Ein Nahrungsmittel oder ein Stoff (z.B. Lebensmittelzusatzstoff, Medikamentenwirkstoff) hat dann Histaminpotential, wenn sich nach dessen Konsumation die Menge an im Körper frei verfügbarem Histamin merklich erhöht, oder wenn eine anderweitig verursachte Erhöhung verstärkt wird. Dies kann auf vielerlei Arten geschehen, z.B. Nahrungsmittel die histaminhaltig oder reich an anderen biogenen Aminen sind, Histaminliberatoren, DAO-Hemmer. Bei DAO-Hemmern und bei anderen biogenen Aminen als Histamin erfolgt keine direkte Erhöhung des Histaminspiegels; eine solche wird aber verstärkt, wenn während der Wirkdauer gleichzeitig Histamin aufgenommen oder freigesetzt wird. Die Symptome können innert Minuten, oder aber auch erst mit einer zeitlichen Verzögerung von vielen Stunden auftreten.
Weiterführende Informationen:
Histaminspiegel
Als Histaminspiegel bezeichnet man die Histaminkonzentration in einer Körperflüssigkeit, d.h. die Menge des Stoffes Histamin in einem bestimmten Volumen dieser Flüssigkeit.
Wenn nicht genauer bezeichnet, ist meistens die Histaminkonzentration im Blut gemeint (Blutspiegel). Messtechnisch bestimmt man die Histaminkonzentration meistens nicht im Vollblut, sondern im Blutplasma (Plasmaspiegel) oder im Blutserum (Serumspiegel). Das Plasma ist der flüssige Anteil des Blutes, von dem die Blutzellen (Blutkörperchen) durch Zentrifugation abgetrennt wurden. Das Serum ist geronnenes Plasma, von dem die Gerinnungsfaktoren abgetrennt wurden.
Nebst dem Blut gibt es aber auch noch andere Körperflüssigkeiten. Der Gewebespiegel bezeichnet die Konzentration im Gewebe oder in der Gewebeflüssigkeit.
Die Histaminkonzentration ist nicht im ganzen Körper überall gleich, sondern kann lokal unterschiedlich sein. Beispielsweise können aktivierte Mastzellen im Gewebe Histamin in die Zellzwischenräume freisetzen. Dort kann es bereits Symptome im Gewebe verursachen, ohne dass es notwendigerweise bis ins Blut gelangen muss und dort durch eine Blutentnahme nachgewiesen werden könnte. Ein Teil wird schon im Gewebe enzymatisch abgebaut, bevor es in die Blutbahn gelangen kann.
Histamin-Unverträglichkeit
Dieser Begriff bezeichnet ganz allgemein eine verstärkte Neigung zu Unverträglichkeitsreaktionen nach oral aufgenommenem Histamin, ohne eine Aussage über die dahinter stehende Erkrankung oder körperliche Ursache zu machen. [Reese 2012b]
Auch bei Histaminfreisetzungsstörungen kann oral aufgenommenes Histamin zu Unverträglichkeitsreaktionen führen. Vermutlich aktiviert das aufgenommene Histamin in diesem Fall die Mastzellen (oder andere Histamin speichernde Zelltypen) über deren Histaminrezeptoren und sorgt so für die Freisetzung von grossen Mengen körpereigenen Histamins. Trifft dies zu, wäre es nicht die für Gesunde harmlose Menge oral aufgenommenes Histamin, welches die Symptome auslöst, sondern das freigesetzte körpereigene Histamin. Es ist daher fraglich, ob man die Freisetzungsstörungen auch zur Histamin-Unverträglichkeit zählen soll.
Histaminvergiftung
Verhaltensbedingtes Erreichen einer toxischen Histamindosis (auch bei gesunden Personen).
Die Aufnahme einer sehr grossen Histaminmenge, wie sie z.B. in verdorbenem Fisch vorkommen kann, führt auch bei gesunden Personen zu heftigen Symptomen einer Histaminvergiftung bzw. Lebensmittelvergiftung [Prester 2011]. Die Histaminvergiftung hat keine körperliche Ursache, sondern ist typischerweise eine durch das Konsumationsverhalten bedingte, unbeabsichtigte Aufnahme, kann aber auch absichtlich, z.B. im Rahmen eines Provokationstests, verursacht werden. Im konkreten Einzelfall lässt sich natürlich ohne genaue Untersuchungen nicht klar abgrenzen, ob nun eine auch für gesunde Personen toxische Histamindosis, eine erhöhte Histaminanfälligkeit auf Grund einer vorbestehenden Histaminerkrankung oder eine nur vorübergehene Histaminabbaustörung (z.B. wegen Einnahme eines DAO- oder MAO-hemmenden Medikaments) für die beobachtete Reaktion verantwortlich war.
Histidin
Histidin ist eine Aminosäure mit wichtigen biologischen Funktionen. Beispielsweise ist sie ein unentbehrlicher Baustein von vielen Proteinen. Beim Abbau der Aminosäure Histidin mittels Decarboxylierung (Abspaltung von CO2) entsteht Histamin. Das zum Abbau befähigte Enzym heisst dem entsprechend Histidin-Decarboxylase (HDC).
Histidin-Decarboxylase (HDC)
Die Histidin-Decarboxylase (Abkürzung: HDC) ist ein Enzym, welches die Aminosäure Histidin mittels einer Decarboxylierungsreaktion (=Abspaltug von CO2) zu Histamin abbaut. Die HDC ist im Tier- und Pflanzenreich weit verbreitet. Im Zusammenhang mit HIT ist vor allem von Bedeutung, dass auch viele Bakterienarten dieses Enzym produzieren und in histidinreichen Nahrungsmitteln wegen ihrer rasanten Vermehrung sehr rasche Histaminbildung verursachen können.
Histamin-N-Methyltransferase (HNMT)
Die Histamin-N-Methyltransferase (Abkürzung: HNMT) ist eines von zwei Enzymen, die Histamin abbauen können. Sie ist nebst der Diaminoxidase (DAO) der zweite wichtige Abbauweg für Histamin. Methyltransferasen sind Enzyme, die ihre Substrate methylieren. Wie der Name verrät, ist die HNMT demnach eine Methyltransferase, welche zur Methylierung von Histamin befähigt ist. Als Methylierung wird in der organischen Chemie der Transfer von Methylgruppen bei einer chemischen Reaktion von einem Molekül zum anderen bezeichnet. Die Methylgruppe ist eine der einfachsten Atomanordnungen in der organischen Chemie. Die Formel lautet –CH3.
English nomenclature:
Systematic name: S-adenosyl-L-methionine:histamine N-tele-methyltransferase
Recommended name: histamine N-methyltransferase
Synonyms
S-adenosylmethionine-
histamine N-methyltransferase
histamine 1-methyltransferase
histamine methyltransferase
histamine-methylating enzyme
imidazole N-methyltransferase
imidazole methyltransferase
imidazolemethyltransferase
methyltransferase, histamine
CAS registry number: 9029-80-5
Weiterführende Informationen:
Seite Diagnose (Abschnitt HNMT-Gentest)
HNMT-Abbaustörung
Die enzymatische (Histamin-)Abbaukapazität der Histamin-N-Methyltransferase (HNMT) ist vermindert. Dies kann auf unterschiedliche Weise geschehen (z.B. chemische Hemmung, verminderte Produktion, eine genetisch bedingt weniger aktive Enzymvariante).
Weiterführende Informationen:
Liberator (Histaminliberator)
Liberatoren sind Stoffe, welche die Freisetzung von Histamin und anderen körpereigenen Mediatoren aus Mastzellen, basophilen Granulozyten und anderen Zelltypen auslösen. Diese Eigenschaft besitzen insbesondere bestimmte Medikamentenwirkstoffe und Hilfsstoffe, Chemikalien, Lebensmittelzusatzstoffe, aber auch einige natürliche Lebensmittel.
Nebst chemischen Stoffen gibt es auch nichtstoffliche Auslöser (psychische Faktoren wie Stress oder Emotionen; physikalische Reize wie körperliche Anstrengung, Stösse, Schläge, Reibung, Druckschwankungen).
Weiterführende Informationen:
MAO-Abbaustörung
Die enzymatische (Histamin-)Abbaukapazität einer Monoaminoxidase (MAO-A, MAO-B) ist vermindert. Dies kann auf unterschiedliche Weise geschehen (z.B. chemische Hemmung, verminderte Produktion, eine genetisch bedingt weniger aktive Enzymvariante).
Weiterführende Informationen:
Mastzelle, Mastozyt, Mastozytose, Mastzellaktivierung (MCA), Mastzellerkrankungen, systemische Mastzellaktivierungserkrankungen (MCAD), Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS)
Die Erkrankungen der Mastzellen, die unter anderem zu übermässiger Freisetzung von körpereigenem Histamin führen können, sind auf einer separaten Website ausführlich beschrieben:
Monoaminoxidase (MAO)
Die Monoaminoxidase (andere Schreibweise: Monoaminooxidase, Abkürzung: MAO) ist ein Enzym, welches in zwei Varianten (MAO-A und MAO-B) im Körper vorkommt. Die MAO baut verschiedenste biogene Amine ab, insbesondere Tyramin im Darm und bestimmte Neurotransmitter im Gehirn.
Weiterführende Informationen:
Quellenangaben
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|McGrath et al. 2009||McGrath AP, Hilmer KM, Collyer CA, Shepard EM, Elmore BO, Brown DE, Dooley DM, Guss JM.: "Structure and inhibition of human diamine oxidase". Biochemistry. 2009 Oct 20;48(41):9810-22.|
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19764817
(Struktur und Hemmstoffe der DAO.)
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|Prester 2011||Prester L.: "Biogenic amines in fish, fish products and shellfish: a review." Food Addit Contam Part A Chem Anal Control Expo Risk Assess. 2011 Nov;28(11):1547-60. doi: 10.1080/19440049.2011.600728. Epub 2011 Aug 11.|
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21834642
(Biogene Amine in Fisch und Schalentieren. "In individuals with diminished histamine detoxification, ingestion of even a low or moderate histamine- or tyramine-containing fish may lead to food intolerance. Biogenic amines such as putrescine, tyramine and cadaverine can potentiate histamine toxicity. Furthermore, dietary polyamine intake should be minimised in some cancer patients. Spoilage pattern and biogenic amine formation are species specific.)
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|Reese et al. 2012||Imke Reese, Barbara Ballmer-Weber, Kirsten Beyer, Stephan Erdmann, Thomas Fuchs, Jörg Kleinetebbe, Ludger Klimek, Ute Lepp, Margot Henzgen, Bodo Niggemann, Joachim Saloga, Christiane Schäfer, Thomas Werfel, Torsten Zuberbier, Margitta Worm: "Vorgehen bei Verdacht auf Unverträglichkeit gegenüber oral aufgenommenem Histamin. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI), der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA) und des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA)". AWMF 2012|
http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/061-030l_S1_Histaminunverträglichkeit_2012.pdf (177 kb).
(Leitlinie zur Diagnose des oralen Histaminsyndroms. Konsensusdokument.)
|Reese et al. 2012b||Imke Reese: "[Diagnostic and therapeutic procedure for two popular but quite distinct adverse reactions to food - fructose malabsorption and histamine intolerance]". Ther Umsch. 2012 Apr;69(4):231-7. doi: 10.1024/0040-5930/a000279.|
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22477662
("the term adverse reaction to ingested histamine is preferred, because histamine intolerance implies that symptoms are caused entirely by an enzyme defect.")