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Geschichte des Berner Münsters
Das Berner Münster, die grösste spät mittelalterliche Kirche der Schweiz, wurde im gotischen Stil erbaut und konnte erst 1893 vollendet werden.
Nach dem verheerenden Stadtbrand 1405 fasste der Grosse Rat 1420 den Entschluss, ein neues Gotteshaus zu errichten und die alte Leutkirche, die 1224 erstmals urkundlich erwähnt wurde, nach und nach abzubrechen. Als ersten Werkmeister des Berner Münsters berief man Matthäus Ensinger ins Amt. Unter dem schwäbischen Baumeister und Steinmetz begann mit der Grundsteinlegung des Berner Münsters im März 1421 die zweite Bauetappe. Die Erbauung der Kapellen und der Portalvorhallen an der Nordseite nahmen vierzehn Jahre in Anspruch. Bereits 1430 begann Matthäus Ensinger mit dem Bau des Altarhauses, mit der Südwand des Chores und 1439 mit den Chorfenstern, Stiftungen alter Adelsgeschlechter. Bei Fertigstellung dieser Arbeiten am Berner Münster 1455 waren Matthäus Ensinger und sein Sohn Vincent, der seinen Vater von 1446 bis 1448 an der Grossbaustelle "Berner Münster" vertrat, bereits durch Stefan Hurder als Münsterwerkmeister abgelöst.
Unter der Leitung von Stefan Hurder entstanden von 1453 bis 1469 die Pfeiler und Arkaden des Mittelschiffes und die Seitengewölbe. Auch wurde in dieser Zeit mit dem Westbau, dem Hauptportal und der Sakristei des Berner Münsters begonnen. Diese Arbeiten vollendete Hurders Nachfolger Niklaus Birenvogt und seine Gehilfen 1475 zu Beginn der Burgunderkriege. Das Berner Münster erfuhr unter Niklaus Birenvogt den Umbau des Südportals zur Lombachkapelle. Moritz Ensinger, der nachfolgende Münsterwerkmeister und der zweite Sohn von Matthäus Ensinger, begann 1481 mit dem Bau des unteren Turmvierecks. Mit der Amtszeit von Moritz Ensinger endete 1483 die dritte Bauetappe.
Der westfälische Baumeister Erhart Küng, der bereits seit 1460 Mitglied des Grossen Rates und mit Beginn der vierten Bauetappe Münsterwerkmeister war, vollendete 1485 das Hauptportal und 1489 das untere Turmviereck. Er schuf die Skulpturengruppe des Jüngsten Gerichts am mittleren Westportal des Berner Münsters. 1483 wurde damit begonnen, die Ostjoche des nördlichen Seitenschiffes zu wölben. Ab 1495 erbaute Küng die obere Hochwand von Chor und Schiff. Diese Arbeiten wurden 1500 zu Zeiten der Mailänder Feldzüge vollendet. Die Werkmeister Peter Pfister und Peter Kleinmann erweiterten das Berner Münster bis 1525 um das obere Turmviereck, das Chorgewölbe, die Vinzenzenteppiche, das untere Turmoktogon, das Chorgestühl und den Taufstein.
Erst 1571 wurde der Weiterbau des Berner Münsters beschlossen und damit begann die fünfte und letzte Bauetappe. Der Werkmeister Daniel Heintz liess von 1571 bis 1596 die Gewölbe des Mittelschiffs, der Turmhalle, der nördlichen Westvorhalle und des Turmoktogons erbauen. Von 1727 bis 1848 erhielt das Berner Münster unter den drei nachfolgenden Werkmeistern die drei Orgellettner. Mit der Errichtung des oberen Turmoktogons und des Turmhelms wurde das Berner Münster nach einer Bauzeit von 473 Jahren 1893 vollendet.
Das Berner Münster als heiliger Kraftort
Das Berner Münster ist 1421 auf geheiligtem Boden errichtet worden, wo sich früher die Leutkirche befand. Um jene Kirche wurde im Uhrzeigersinn das Münster erstellt, das Baumaterial wurde aus dem örtlichen Sandstein gewonnen. Die Umbauung im Uhrzeigersinn entspricht der Drehrichtung der Erdrotation. Im Übergang zur Renaissance verlor der Glaube an eine statische Erdscheibe viele Anhänger. Und das Baumaterial wurde nicht allein wegen des dort vorhandenen Vorkommens gewählt, Sandstein stabilisiert als Heilstein Emotionen und macht Fundamente mitsamt den Gebäuden zum elementaren Kraftort.
Schutz vor Dämonen
Das Münsterportal sieht nach Westen, die Himmelsrichtung, von der allabendlich Dämonen zur Erde gelangen. Zum Schutz vor den Kreaturen der Nacht haben die alten Baumeister Irrwege eingebaut. Das Berner Münster birgt seine Labyrinthe als dekorative Gotikelemente im Deckengewölbe, was die Wirkung des Kraftortes zusätzlich erhöht. Dämonen sind nur fähig, gerade Wege zu gehen, Irrgänge halten sie vom Zutritt ab.
Der Fluss Aare windet sich von Süden, Osten und Norden im Halbkreis um die Landzunge, auf dem das Berner Münster steht. Die Aareschleife ist ein weiterer Schutz vor bösen Geistern, denn diese meiden die reinigende Kraft des Wassers.
Ankündigung einer Zeitenwende
Das Portal des Berner Münsters zeigt zur Strassenseite das dreidimensionale Bildnis des Jüngsten Gerichts. In vielen Natur- und in den Weltreligionen wird von einem Endzeitalter gesprochen, in dem eine Neuordnung stattfinden wird. Unter anderem berichten der Mayakalender und die alten Pyramidentexte von dem, was das Christentum als Jüngstes Gericht bezeichnet. Nach kalendarischen Umrechnungen erfolgt dieser Tag zur Wintersonnenwende am 21. Dezember im Jahr 2012.
Alle Seelen und die geweihte Nacht
Weiterhin zeigt das Berner Münster eine Geistermesse, welche verstorbene Priester zur Erlösung sündiger Seelen abhalten. Vom 31. Oktober bis 1. November besuchen Geistwesen die Lebenden, genannt Allerheiligen. Die erwünschten und guten Geister werden am 2. November von den Lebenden willkommen geheissen, genannt Allerseelen. Zum Zeitpunkt der Wintersonnenwende müssen sämtliche Geistwesen in ihre Welt zurückkehren. Die Wintersonnenwendfeier ist die geweihte Nacht, das Weihnachtsfest, das sich im Laufe der Zeit um wenige Tage verschob. Auf dem Kraftort der Sandsteinterrasse, unter der sich einst der Kirchenfriedhof befand, werden alljährlich Weihnachtsmärkte abgehalten und schenken mit ihren bunten Lichtern den körperlosen Wesen sicheres Geleit in ihre Dimension.
Heilung durch Klang und Farbe
Das Berner Münster besitzt Spitzbogenfenster mit farbigen Bildmotiven sowie mit geometrischen Mustern. Die Farbmotive zeigen biblische Ereignisse, aber ihre Buntheit hat einen tieferen Sinn. Alte und längst vergessene Farbtherapien des vorchristlichen Europas verbergen sich darin, durch das einfliessende Sonnenlicht entstehen Farbspiele, die das Gemüt aufheitern.
Die geometrischen Muster der Fenster geben wieder, was Menschen in Trance vor Augen haben. Zeichnungen von Schamanen der Gegenwart weisen Spiralen und Rauten auf, die sie während spirituellen Zeremonien zu sehen bekamen. Ihre Vorfahren verewigten ähnliche Muster auf Höhlenwänden neben Tierdarstellungen und auf Steinen von Kraftorten.
Mit 100 Metern überragt der Turm des Berner Münsters alle anderen Gebäudetürme der Schweiz. Entsprechend befindet sich im Turm des Münsters die grösste Glocke des Landes, daneben kündigt eine kleine Profanglocke weltliche Ereignisse an. Diese Klangdualität ist ebenfalls ein vor christliches Relikt, eine vergessene Form der okzidentalischen Klangtherapien.