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Trinkwasser fliesst hierzulande in jedem Haus aus dem Wasserhahn – ein Privileg, das häufig als ein solches nicht mehr wahrgenommen wird. Doch trotz der guten Infrastruktur und des unermüdlichen Einsatzes der kommunalen Aufbereiter sind wir mit einigen Problemen konfrontiert.
Die Schweiz ist stolz auf ihr sauberes Trinkwasser, das in jedem Haushalt aus dem Wasserhahn fliesst. Doch wie gelangt das Wasser dorthin? Wasser verdunstet, kondensiert in Wolken. Währenddessen reichert es sich mit CO₂ aus der Atmosphäre an und versickert durch Niederschlag im Boden. Beim Absickern reichert sich das leicht kohlensäurehaltige Wasser mit Mineralien und anderen Fremdstoffen aus dem Boden oder Oberflächengewässern an. Schliesslich fliesst das Wasser in unterirdische Wasserspeicher oder in Oberflächengewässer, sprich Seen und Flüsse. Laut Angaben des Bundes kommen 80 Prozent des Trinkwassers aus unterirdischen Wasserspeichern, der Rest wird aus Seen und Flüssen geschöpft. Je nach Ursprung (Quelle, See oder Fluss), geografischer Lage, urbaner Dichte und bewirtschafteten Landzonen weist das Leitungswasser unterschiedliche Mengen an Mineralien und Fremdstoffen auf.
Das Wasser wird dann von der kommunalen Wasseraufbereitung behandelt und durch lange Rohrleitungen zu uns nach Hause transportiert. Nachdem wir unser Wasser verbraucht haben, wird es samt allen Verunreinigungen an die Klärwerke geleitet. Das Klärwerk bereitet das Wasser auf und leitet es wieder zurück in die Oberflächengewässer. Dort beginnt der Kreislauf wieder von vorne.
Kalkhaltiges Wasser – Was bedeutet es für den Haushalt?
Kalk ist einfach gesagt ein Verbund aus Mineralien. Durch konstanten Druck und Erhitzung können sich einzelne Mineralien im Wasser zu kristallinen Strukturen formieren. Je grösser diese Verbünde werden, desto schwerer werden sie. Sobald sie schwerer werden als Wasser, spricht man von einer Ausfällung. Die sogenannte Kalkausfällung, einfach gesagt Kalk.
80 Prozent der Schweizer Haushalte haben mittel bis sehr hartes Wasser. Ist der Kalkgehalt im Wasser sehr hoch, hat dies negative Auswirkungen auf die Hauswasserinstallation und Haushaltsgeräte. Der ausgefallene Kalk frisst sich in die Oberfläche von Rohrleitungen, Wärmetauschern, Boilern, Haushaltsgeräten und Armaturen ein und bildet Kalkstein.
Höhere Energiekosten
Bei der Erwärmung von Wasser kann sich Kalk in der Trinkwasserinstallation ablagern und Rohrwände, Heizregister sowie Wärmetauscher, aber auch Pumpen und Regelventile belegen. Druckverluste und Verengungen der Leitungsquerschnitte bis hin zum völligen Verschluss sind möglich. Unangenehme wie oft äusserst kostspielige Funktionsstörungen der Trinkwasserinstallation und technischen Anlagen können die Folge sein. Ausserdem wirken Kalkablagerungen wie ein Isolator und führen dadurch zu nachlassender Wärmeübertragung in den Heizregistern und Wärmetauschern. Die Konsequenz sind steigende Instandhaltungs- und Energiekosten.
Verkrustungen in den Rohrleitungen können unter bestimmten Voraussetzungen einen Biofilm-Aufbau begünstigen, was die Hygiene beeinträchtigt. Diese Biofilme bieten unerwünschten Mikroorganismen und Krankheitserregern (zum Beispiel Legionellen) ideale Lebensräume. Und schliesslich ist es ein ästhetisches Problem: Hartes Wasser verursacht unschöne und hartnäckige Verdunstungsrückstände an Edelstahl- und Glasoberflächen oder Fliesen, die oftmals schwer zu entfernen sind.
Zentrale Lösungen?
Jeder, der sich bereits mit diesem Thema beschäftigt hat, weiss, dass es Enthärtungsanlagen gibt. Kalk führt nicht nur in unseren Häusern zu Schäden, sondern natürlich auch im kommunalen Netz. Wieso wird das Problem denn nicht zentral gelöst? Die Antwort ist simpel. Die kommunale Aufbereitung muss allzeit enorme Mengen an Wasser in nur kürzester Zeit zur Verfügung stellen können. Dieser sogenannte Spitzendurchfluss ist abhängig von der Grösse des Leitungsnetzes. Auch bei kleinen Gemeinden von wenigen hundert Häusern übersteigt dieser Spitzendurchfluss bereist mehrere Tausend Liter pro Minute. Effiziente Enthärtungssysteme können aber nur bestimmte Mengen an Wasser in einem bestimmten Zeitrahmen aufbereiten. Je höher dieser Spitzendurchfluss wird, desto grösser und kostspieliger werden die Anlagen.
Rund 60 Prozent des aufbereiteten Wassers wird von Haushalten verbraucht. Dabei entsteht der grösste Teil des Kalks in der Warmwasseraufbereitung, was wiederum nur rund 30 Prozent des Haushaltsverbrauchs darstellt. Es ergibt daher keinen Sinn, einen solch immensen Aufwand in der Wasseraufbereitung zentral zu leisten, wenn die eigentliche Problematik nur in einem Bruchteil des beförderten Wassers entsteht. Dezentrale Lösungen sind gefragt. Wenn man von dezentralen Lösungen spricht, sind damit Wasseraufbereitungssysteme zuhause gemeint. Hierbei gibt es verschiedene Produkte.
Enthärtungsanlagen auf Salzbasis
Das bekannteste System für einen Kalkschutz ist eine Wasserenthärtungsanlage auf Basis des Ionenaustauschs, sie führt zu einer Veränderung der Trinkwasserqualität. Die Wasserhärte beziehungsweise der Kalk im Wasser besteht zum grössten Teil aus den Mineralstoffen Calcium und Magnesium. Hartes Wasser enthält besonders viele dieser Mineralien.
Eine Enthärtungsanlage tauscht diese Calcium- und Magnesium-Ionen gegen Natrium aus. Dadurch kommt es zu einem Anstieg des Natriumwertes im Wasser. Dies ist auch der Grund, dass regelmässig Salz in den Vorratsbehälter der Enthärtungsanlage nachgefüllt werden muss. Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht kann diese Entfernung von Mineralstoffen aus dem Trinkwasser unerwünscht sein.
Vorteile:
Nachteile:
Rein
physikalische Kalkbehandlung
Seit längerem haben sich auch rein physikalisch agierende Wasseraufbereitungssysteme wie Magnete, elektrophysikalische Aufbereiter und Informierungssys-teme im Markt platziert. Diese Systeme versprechen den Kalk umzuwandeln, sodass sich dieser nicht mehr so stark binden oder an Oberflächen haften kann. Hier gehen die Meinungen häufig auseinander und viele Rezensionen weisen auf eine nicht beständige Kalkschutzrate hin.
Vorteile:
Nachteile:
Biochemischer
Kalkschutz
Das Schweizer Jungunternehmen Evodrop AG hat ein Kalkschutzsystem basierend auf biochemischen Verfahren entwickelt und patentiert. Dieses verspricht dank der Aufbereitung mit lebensmittelechter und zertifizierter Apfelsäure einen Kalkschutzwert von bis zu 94.2 Prozent.
Vorteile:
Nachteile:
Keine
Selbstverständlichkeit
Die Wasserqualität in der Schweiz wird allgemein als hoch eingestuft, doch die Erhaltung des sauberen Trinkwassers ist keine Selbstverständlichkeit. Obwohl Schweizer Leitungswasser gesetzlich das wohl am strengsten kontrollierte Lebensmittel ist, werden immer wieder bedenkliche und gesundheitsschädliche Substanzen oberhalb der gesetzlichen Grenzwerte im Trinkwasser nachgewiesen.
Wasser kann Bindungen mit bis zu 50 000 Stoffen eingehen. So werden in der Landwirtschaft grosse Mengen an Pestiziden, Antibiotika und Düngemitteln eingesetzt, die die Umwelt und damit auch die Gewässer belasten. Rückstände von Medikamenten gelangen über das Abwasser und Umwege wieder in die Umwelt. Das Leitungsnetz der kommunalen Aufbereitung sowie auch in den Häusern selbst ist oft auch ein Verursacher von Verunreinigungen. Mikroplastik ist mittlerweile in den tiefsten Tiefen jedes Sees sowie auf dem höchsten Gipfel eines jeden Berges zu finden.
Die Problematik liegt nicht bei den Aufbereitern, sondern schlichtweg bei jedem Einzelnen. Durch die steigende Urbanisierung und das allgemein steigende Konsumverhalten wird der Bedarf an Wasser immer grösser. Die Natur hat einen festgelegten Wasserkreislauf. Wenn das Verhältnis des Bedarfs von uns Menschen und die Geschwindigkeit dieses Wasserkreislaufs nicht mehr im Einklang ist, steigt die Gefahr von Quellversickerungen, Fremdstoffbelastungen und vielem mehr.
Evodrop AG
Text: Joshua Fitz, Evodrop AG
aus dem Magazin: Häuser modernisieren, Zeitschrift Nr. 2/2023