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1975 haben sich fünf Kommunardinnen und Kommunarden in den Kopf gesetzt, in Zürich einen anarchistischen Buchladen aufzutun. Nach den Grundsätzen der Selbstverwaltung – alle machen alles, keiner ist Chef – sollte Propaganda für eine Welt ohne Herren und Knechte betrieben werden. In einer Abbruchliegenschaft in der Altstadt eröffneten sie im Februar 1975 den Paranoia City Laden.
Der Name war von engagierten Künstlern kreiert worden, die 1972 mit dem ‚Paranoia City Anzeiger‘ gegen die behördliche Schliessung des legendären Café Odeon protestierten. Zürich war die Paranoia City in den siebziger Jahren und dieser Name passte genau zum Konzept der Buchhandlung, die mit einem winzigen Sortiment an anarchistischer Literatur, Büchern zur AKW-Bewegung, zum Feminismus und zur Kultur Indigener Menschen, sowie U-Comix begann.
Schon nach drei Monaten galt es auszuziehen, der Abbruch drohte und nach zwei weiteren Umzügen, einer erzwungen durch den Hausbesitzer, dem die Schaufenstergestaltung missfiel, fand der Paranoia City Laden an der Anwandstrasse ein Lokal für die Jahre 1980 bis 1995.
Kaum eingezogen, ging 1980 die Jugend – Bewegung ab und los. Der Paranoia City Laden war einer der Treff- und Bezugspunkte der Bewegung und sorgte für die Verbreitung der unzähligen und vielfältigen Fanzines und des Fotobandes Nr.32 der Bewegig, erschienen im Verlag ohne Zukunft.
Danach war aus der Fünfer-Gruppe ein Dreieck geworden, bis 1985 aus dem selbstverwalteten Projekt ein Ein-Mann-Betrieb geworden war. Nach kurzen Versuchen, die Selbstverwaltungsidee mit neuen Leuten zum Funktionieren zu bringen, hat sich der eine Mann entschlossen, für Geld und Gedeihen der Paranoia City Buchhandlung alleine geradezustehen und zusammen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nur über die gefälligeren Seiten des Buchhandels zu konferieren: Auswahl des Sortiment, Konzepte der Veranstaltungen und Einrichtungsfragen. Aus dem Selbstverwaltungs-Projekt mit dem Anspruch der Propaganda durch die Tat war die linke Quartierbuchhandlung mit dem Fenster zur Welt geworden.
Anfang der Achtziger Jahre begann die verlegerische Tätigkeit mit der Publikation von P.M.s ‚bolo’bolo‘, siehe Verlag.
Als wir im Februar 1995 20 Jahre Paranoia City Laden Jubiläum feierten, war die Quartierbuchhandlung, was Umsatz und Rendite betraf, schon ziemlich im Abseits: Eine Standortänderung drängte sich auf und im Juni wir zogen um an die Bäckerstrasse 9, ein paar Schritte vom Stauffacher und beste Passantenlage. Grösser, schöner, besser sollte es werden und die Paranoia City Buchhandlung wurde grösser, schöner, besser. Die nötige Professionalisierung setzte ein und die Kundschaft gewann an Viefalt.
Seit 1996 bietet die Paranoia City Buchhandlung auch eine Lehrstelle für Sortimentsbuchhändler.
1998 hat die Büchergilde Gutenberg Einzug gehalten. Die Buchgemeinschaft war in den zwanziger Jahren von deutschen Buchdruckergewerkschaftern gegründet worden und während des Faschismus in der Schweiz im Exil. Die Büchergilde legt Wert auf schöne Gestaltung und gute Typographie. Die Paranoia City Buchhandlung ist Ende 2001 in der Schweiz die einzige Buchhandlung mit dem Büchergildeangebot.
Ende 2001 arbeiten Erika Rogger (seit 2000), Bernfried Eisenhart (seit 2000), Lea Jud (Lehrtochter seit 1999), Josy Meier (seit 1990) und Thomas Geiger (seit 1975) in der Paranoia city Buchhandlung, alle mehr oder weniger teilzeit.
Thomas Geiger
Dez.2001