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Neue Zürcher Zeitung, Sonntag, 20. November 1938, 159. jg., nr. 2040, s. 6, blatt 3, fraktur (178 wörter)
Abschaffung des Schleifen-S in der Schule
-ss- Der Erziehungsrat beschloß im Jahre 1902, in den zürcherischen Schulen sei für die Rechtschreibung das orthographische Wörterbuch von Duden zur Richtschnur zu nehmen. Damit wurde in die Antiqua als neues Schriftzeichen das sogenannte Schleifen-S oder Scharf-S aufgenommen. Die Neuerung erwies sich bald als eine Erschwerung des Unterrichts, umsomehr als mit der Verbreitung der Schreibmaschine im Geschäftsleben die S-Regeln je länger desto weniger beachtet wurden. Die Vorschriften über ß und ss verloren stark an Bedeutung, nachdem der Erziehungsrat im März 1933 die Deutsche Fraktur lediglich noch als Leseschrift erklärt halte. Gegen die Beibehaltung des Schleifen-S wurde dargetan, daß die S-Regeln eine Qual für Lehrer und Schüler seien, viele Korrekturen und viel Aerger zur Folge zu hätten und daß von den Erwachsenen schließlich doch nur ein kleiner Teil wisse, wenn man das Schleifen-S anwenden müsse. Der Erziehungsrat beschloß deshalb, die Lehrkräfte aller Schulstufen anzuweisen, im Unterricht das ß oder sz durch ss zu ersetzen. Es soll indessen nicht als Fehler taxiert werden, wenn ein Schüler konsequent und korrekt die S-Regeln beachte.