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Als Mitte der 1950er-Jahre die ersten Rockmusikplatten am Radio gespielt wurden, waren sie Gassenhauer, doch spätestens als Elvis Presley in die Armee einrücken mussten, galt Rock’n’Roll als Eintagesfliege. Die Berichte aus den 1960er-Jahren sind dann rund um die Welt die Welt gleich, ob es nun die USA, Australien, die Schweiz oder die Sowjetunion war, mit den Beatles kam die Rockmusik zurück. Im Falle der USA hatten John Lennon und Paul McCartney, aber auch Mick Jagger und Keith Richards von den Rolling Stones, hauptsächlich die Hits ihrer amerikanischen Vorbilder aus den 50er-Jahren nachgespielt und eine Handvoll eigener Songs. Als die Beatles im Februar 1964 in den USA landeten, brachten sie die amerikanische Musik nach Hause. Die gilt bis heute als British Invasion. Als die Beatles in Australien ihre Konzerte gaben, entdeckte Down Under die Rockmusik, nachzulesen in der Familiensaga der Young Brothers von AC/DC. Es sollte bis 1968 dauern, bis sich die Beatles in der Schweizer Hitparade platzieren konnten, doch schon ein paar Jahre zuvor galt Beatle als Schimpfwort für jugendlichen mit längeren Haaren.
Auch hinter dem Eisernen Vorhang hörte man von der Rockmusik und den Beatles.
Doch diese galten als Zeichen
westlicher Dekadenz und waren verboten. «Für uns war es unmöglich, in Russland zu spielen», erzählt Paul in «Red Square». Und brach sich die Rockmusik Bahn. «Die
Beatles waren die Wegbereiter der Perestrojka», verlautet Michail
Gorbatschow.
Gefängnis für Beatles-Platten
Das Leben in der Sowjetunion, einer totalitären Dikatur, war nicht lustig. Noch weniger lustig war es als Rockmusikfan. Hörte man Radio Luxemburg, konnte dies Konsequenzen bei der Arbeitstelle haben. Wurde man beim Kauf einer Beatles Platte auf dem Schwarzmarkt erwischt,
drohte einem Gefängnis kommen. Und doch
hatte das sowjetische Rockerleben auch seine romantischen Seiten: Irgendwann
in den 60er-Jahren war in der Prawda ein Artikel erschienen, worin zu lesen war, wie
man mit den Innereien eines normalen Telefons in wenigen Schritten
eine Gitarre elektrifizieren konnte. Anderntags waren in
Moskau sämtliche öffentlichen Telefone ausgeschlachtet.
Und die belichteten Plastikfolien von Röngtenbilder hatten
durch die Gammabestrahlung Resonanzeigenschaften entwickelt, womit sich
gewitzte Sowjetrocker ihre Platten selber auf einfachen Flexidiscs haben anfertigen lassen. Auf Bilder von Knochenbrüchen oder so. –
Obwohl sie verboten waren, wurden
die Beatles Ende der 60er-Jahre in Russland wie Götter verehrt. Viele Junge
verehrten ihre Fotos Ikonen gleich und liessen sich die Haare
wachsen. «Die Beatles waren ein offenes Fenster zur
Freiheit», erzählt Waldimir Putin. Anfang der 70er-Jahre wurden vielerorts so genannte
Beatlesbands gegründet, deren Mitglieder und Fans schnell
als innerliche Dissidenten bezeichnet worden waren. Physisch
hatten sie noch in der Sowjetunion gelebt, doch in ihrem Geist
waren sie für den Sozialismus gestorben.
Paul während der 04 Summer Tour in der weissen Nacht von St. Petersburg. Er dirigiert das Publikum während «Hey Jude» – Foto: paulmccartny.com
Auf die Dauer liess sich die Rockmusik auf der anderen Seite des Eisernen Vorhanges nicht unterdrücken.
Westplatten hatten zwischen fünfzig bis achtzig Rubel gekostet. Ein stolzer Preis, der einem halben
Monatslohn entsprochen hat. Dennoch kauften die Jungen die ins Land geschmuggelten Westalben.
So begann das Kulturministerium Kompilationen, meistens waren
es Best-of Alben, zu genehmigen. Bei der Sowjetversion von «Wings Greatest» fielen «Band On The Run» wegen der Fluchtgedanken und der Bondsong «Live And Let Die» der Zensur zum Opfer.
1985 wurde Michail Gorbatschow Generalsekretär der KPDSU. Als Staatchef begann er die Sowjetunion
zu reformieren. Perestrojka und Glasnost waren seine Schlagworte. «Die Musik der
Beatles brachte die Leute dazu, daran zu glauben, dass es
anderswo Freiheit gibt. Und dies unterstütze Perestrojka», so Gorbatschow. 1988 veröffentlichte McCartney exklusiv in der Sowjetunion
das Album «Choba B CCCP» (Back In The USSR) mit 13 Rockstandards.
Schnell wurde das Album im Westen ein gefragtes Sammlerstück.
die Dokumentation über das Moskauer Konzert
Im Anschluss an die 58 Konzerte in den USA, Mexiko und Asien 2002, hängte Paul 2003 die Back In The World Tour an. Im Gegensatz zur gleichnamigen Doppel CD, die auch Aufnahmen aus Mexiko und Asien verwendet hat, fanden die 33 Konzerte ausschliesslich in Europa statt. Darunter auch das Konzert in Moskau. Paul war zum ersten Mal in Russland. Im Hauptfilm auf der DVD, «In Red Square», lässt Mark Haefeli beide Seiten, also Paul McCartney und die Russen, Rockmusiker, aber auch Politiker wie Michail Gorbatschow und Wladimir Putin zu Wort kommen. Natürlich dreht sich die Dokumentation um den Einfluss, den die Beatles hatten, was etwas einseitig wirken kann, dennoch erhält man eine leise Ahnung davon, wie das Leben hinter dem Eisernen Vorhang gewesen war.
Und man erfährt auch Pauls Sicht der Dinge: «Ich bin stolz darauf, in den Beatles gewesen zu sein, ohne es zu wissen, haben wir viele Veränderungen gemacht. Wir waren nur Jungs, die Musik machten, versuchten ein Auskommen zu erzielen und Spass zu haben. Etwas kam durch die Freiheit, die begannen zu repräsentieren. Wir gaben ehrliche Antworten, wenn wir zum Vietnamkrieg oder zur Umwelt befragt wurden. (…) Wir haben nicht angeordnet, Veränderungen vorzunehmen, aber wir waren Teil der Gruppe, die Veränderungen wollte. Wir waren zur rechten Zeit am rechten Ort.»
Paul und Band während der Medienkonferenz auf dem Roten Platz, gesehen am 24. Juni 2003. Keyboarder Paul ‹Wix› Wickens, Gitarrist Rusty Anderson, Paul, Gitarrist Brian Ray und Schalgzeuger Abe Laboriel Jr.
Die Dokumentation verfolgt McCartneys Zeit in Russland, bei der Medienkonferenz vor dem Konzert, folgt ihm nach St. Petersburg, wo er die Ehrendoktorwürde des Konservatoriums erhält und ein Waisenhaus besichtigt. Er wird in Moskau von Michail Gorbatschow und vom russischen Verteidigungsminister Iwanow empfangen und erhält eine Audienz bei Präsident Putin im Kreml. Er und vor allem Heather Mills bitten ihn, dass Russland Landmienen ächtet. Putins Antwort ist politisch, dass alles, was Menschenleben rettet, die höchste Aufmerksamkeit verdiene. Danach führte Präsident Putin seine Gäste durch den Kreml. Da er nicht ans Konzert kommen konnte, revanchierte sich Paul und spielte ihm im Privaten «Let It Be». Doch während «Calico Skies» marschiert Putin, umgeben vom Sicherheitsbeamten auf den Platz ein und nimmt auf der Eherntribüne Platz. Als Encore stimmte McCartney in Sichtweite von Lenins Mausoleum ein zweites Mal «Back In The U.S.S.R» an. But Wladimir Putin didn't seem to be amused. –
Am Ende der Doku zieht Paul Bilanz und schätzt, dass die Musik der Beatles auch in der Sowjetunion gehört wurde, war die universelle Botschaft, dass alle Menschen gleich wären.
das Petersburger Konzert
Im Mai 2004 startete McCartneys «04 Summer Tour», die 14 Konzerte umfasste. Neben Orten wie Zürich, wo McCartney schon lange nicht mehr aufgetreten war, feierte er Konzertpremieren in Portugal und Tschechien. Der Höheunkt war das letzte Konzert, Pauls Auftritt beim Glastonbury Festival vor 120 000 Besuchern. Der New Music Express verlieh Paul Ende 2004 den Preis für das beste Konzert (best Event) für seinen Auftritt in Glastonbury.
Zu Beginn des St. Petersburgers Teil scherzt Paul, dass ihm jemand in Moskau gesagt hatte, dass Paul auf russisch halb bedeuten würde. Also würde sein Name halb McCartney bedeuten und er müsse nochmals kommen. Leider ist nur nicht einmal die Hälfte des Konzertes zu sehen. Mit «I’ve Got A Feeling» und «Helter Skelter» sind zwei der Höhepunkte aus dem Set auf der DVD enthalten. Beide Songs feierten auf der 04 Summer Tour ihre Premiere. Das Spezielle am Petersburger Konzert war, dass es openair war und es im Juni kaum mehr dunkel wird. Oder wie Paul es sagt: «Es war sehr speziell in St. Petersburg. Es war die Zeit der weissen Nächte, das bedeutet, dass die Sonne kaum untergeht, was etwas schwieriger ist als in der Nacht zu spielen, wenn du das Erstaunen über die Lichter im Kampf gegen die Nacht mit dir hast. Aber es war ein so spezielle Angelegenheit (vor der Ermittage), dass, obwohl es sich wie ein Konzert am Tag anfühlte, das Publikum alles wieder wett machte.»
Rezeption und Statistik
«In Red Square» war erfolgreich. So wurde die Dokumentation 2004 gleich in fünf Kategorien für Emmys nominiert. In der Sparte Outstanding Multi-Camera Picture Editing For A Miniseries, Movie Or A Special wurde die sie auch ausgezeichnet.
2005 wurde in vielen Ländern separate DVD Charts geführt. Die Klassierungen sind alle aus den DVD/Video Charts. In Australien und Kanada gab es Doppelplatin, in den USA Platin, wo «In Red Square» in den US Video Charts den 2. Platz belegte, Italien und Australien vermeldeten Rang 3. In Ungarn erreichte die DVD Rang 4, in Neuseeland Rang 5. In Dänemark schaute ein sechster Platz hinaus. In den Wallonischen Charts (Belgien) gab es Rang 9. Norwegen (Platz 10), Spanien (Platz 11) und Holland (Platz 12) schliessen die Chartnotierungen ab. In der Schweiz konnte sich die DVD nicht platzieren.
Über den Auftritt in St. Petersburg wurde von Andrei Boltenko die Doumentation «McCartney In St. Petersburg» produziert. Sie wurde 2006 in der Kategorie Outstanding Variety, Music or Comdey Special für einen Emmy nominiert, ohne aber ausgezeichnet zu werden.
Paul während der 04 Summer Tour bei seinem Konzert in Glastonbury. – Foto: PA Images

Tracklist:
In Red Square:
Getting Better
Band On The Run
Can't Buy Me Love
Two Of Us
I Saw Her Standing There
We Can Work It Out
I've Just Seen A Face
Live And Let Die
Let'em In
Fool On The Hill
Things We Said Today
Birthday
Maybe I'm Amazed
Back In The U.S.S.R
Calico Skies
Hey Jude
She's Leaving Home
Yesterday
Let It Be
Back In The U.S.S.R. (Reprise)
Tracklist:
St. Petersburg
Intro
Jet
Got To Get You Into My Life
Flaming Pie
Let Me Roll It
Drive My Car
Penny Lane
Get Back
Back In The U.S.S.R.
I've Got A Feeling
Sgt. Pepper's Loney Hearts Club Band Reprise / The End
Helter Skelter
Special Features:
Behind The Curtain
Featurette Of The History Channel: Russia And The Beatles – A Brief Journey