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Das Wallis wurde 1815 der 20. Kanton der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Nach 1798 war es unter starken französischen Einfluss geraten, der 1810 darin gipfelte, dass es als Department Simplon in das französische Kaiserreich integriert wurde. Es ist daher nur natürlich, dass das Militärwesen des neuen Kantons bis zu einem gewissen Grad von französischen Einflüssen durchdrungen war. Dies war auch den Uniformen anzusehen.
Die beiden Korporale der Füsiliere auf der Illustration lassen in ihren Uniformen viele französische Elemente erkennen. Der Tschako ist nahezu identisch mit dem zeitgenössischen Modell der königlich-französischen Armee. Die Pompons sind bei den Füsilieren oben rot und unten weiss. Unter der Metallganse ist die Blechkokarde in den Walliser Standesfarben angebracht – im Zentrum Rot und aussen Weiss. Der Zierschild aus Weissblech sieht zunächst aus wie jener eines französischen Füsiliers, doch bei genauerem Hinsehen entdeckt man, dass im Wappen anstelle der Bourbonenlilien die Walliser Sterne prangen. Die mit Schuppenbändern versehenen Kinnriemen dienen dem Schutz des Kopfes gegen seitliche Säbelhiebe, Die Metallrosetten welche die Bänder am Tschako fixieren, zeigen die Füsiliersterne.
Unsere beiden Unteroffiziere tragen den dunkelblauen Frack nach französischem Schnitt. Seine scharlachroten Schossumschläge sind mit den weissen Sternen der Füsiliere benäht. Die Vorstösse sind überall ebenfalls in Scharlachrot gehalten, während der Kragen und die Ärmelaufschläge so wie die Hosen von hellblauer Farbe waren – ein Unikum in der damaligen Eidgenossenschaft. An den Ärmeln sind die beiden breiten, weissen Balken zu sehen, welche diese Wehrmänner als Korporale ausweisen. Als solche tragen sie zusätzlich zum Bajonett an den weissledernen Bandeliers einen Säbel nach napoleonischem Vorbild. Auf der Gegenseite hängt die Munitionstasche. Unter den hellblauen Hosen werden hier die dunklen Tuchgamaschen getragen. Auf den Felltornistern, ebenfalls ein französisches Modell, ruht zusammengerollt der graue Kaput. Ob er damals allerdings mit soviel Hingabe wie 100 Jahre später gerollt wurde, darf bezweifelt werden. Ihre Musketen entsprechen dem abgeänderten französischen Modell 1777.
Roger Rebmann, Basel
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehörte die Uniform der Kavallerie zum Prachtvollsten, was die Armee einem Wehrmann bieten konnte. Mitten in der momentanen Debatte zur drastischen Reduktion der Gesamtstärke der Streitkräfte mutet es sonderbar an, dass es in unserer Armee einst eine Waffengattung gab, die einen Helm nach populärem ausländischen Vorbild einführte, in der Hoffnung, mehr Rekruten anzulocken.
Der neue Tschako der Kavallerie wurde 1883 rechtzeitig zur Landesausstellung in Zürich an Rekruten ausgegeben. Visuell war diese neue Kopfbedeckung den damaligen preussischen Gardejäger-Tschakos bemerkenswert ähnlich, die Garnitur konnte ihre Paten nicht verleugnen. Mit dem Nachahmen populärer Vorbilder erhoffte man sich etwas mehr Zulauf für diese stets an Mannschaftsmangel leidende Waffengattung. Unser Dragonerkorporal der Solothurner Auszugs-Schwadron 14 um 1906 trägt diesen Tschako der Ordonnanz 1883/84, welcher bis in die 20er-Jahre in der Armee anzutreffen war. Der Pinsel obenauf ist schwarz, im Gegensatz zum Pinsel der Guiden, welcher weiss war. Das eidgenössische Kreuz im Stern zeigt die Schwadronnummer, während die Kantonskokarde auf der linken Seite, hier nicht zu sehen, unter der seitlichen Metallspange fixiert ist. Der Tschako besitzt zwar einen ledernen Kinnriemen, dennoch sieht man hier als Teil der Garnitur eine Ringkette, welche ebenfalls diese Funktion ausüben kann, jedoch überwiegend dekorativen Charakter hat.
Der Waffenrock in Dragonergrün hat einen karmesinroten Kragen und Vorstösse in derselben Farbe. Auf den Schultern sind silberfarbene Metallepauletten befestigt, am Vorderarm ist hier der weisse Doppelbalken als Gradabzeichen eines Korporals zu sehen. Die blaugrauen Reithosen weisen einen roten Vorstoss entlang der Seitennaht auf und sind an der Innenseite der Schenkel verstärkt. Die hohen Reitstiefel ergänzen die Uniform.
Der Lederbandulier, welcher mit dem Ceinturon verbunden ist, nimmt in zwei mal drei Taschen die Munition für den Kavalleriekarabiner der Ordonnanz 1905 auf. Wir sehen diese Waffe hier im seitlichen Sattelholster untergebracht. Dieser Karabiner mit Geradezugverschluss löste den Mannlicher-Kavalleriekarabiner der Ordonnanz 1893 ab. Hinten am Sattel ist der gerollte Kaput befestigt, während der Rest der Packung in den beiden Ledersacochen vor dem Reiter untergebracht ist.
Die geschulterte Blankwaffe unseres wackeren Solothurner Dragonerkorporals ist der Säbel der berittenen Mannschaft Ordonnanz 1896. Den Säbel führte die Kavallerie bis in die Jahre des Aktivdienstes, Ab 1943 mussten die stolzen Reiter ihn jedoch abgeben, von da an führten sie nur noch das vergleichsweise kümmerliche, aber zeitgemässere Bajonett für ihren Karabiner am Ceinturon.
Roger Rebmann – Rost und Grünspan
Bereits im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts wurde deutlich, dass die alte bunte Uniform immer weniger den Anforderungen der modernen Kriegsführung gerecht wurde. Nach zahlreichen Versuchen beschleunigte der Ausbruch des Ersten Weltkriegs den Entscheidungsprozess. Gemäss Bundesratsbeschluss vom 28, Oktober 1914 sollte nun jegliche Männerbekleidung aus feldgrauem Stoff gefertigt werden. Die neue Uniform wies zunächst noch an den Vorstössen sowie an den Kragen- und Ärmelpatten die jeweilige Waffenfarbe auf. Allerdings stellte man rasch fest, wie aufwändig es war, Uniformen für alle Waffengattungen mit jeweils verschiedenfarbigen Vorstössen an den Nähten herzustellen. Ab Sommer 1917 sollten die Vorstösse überall nur noch schwarz sein, lediglich die Patten bleiben bunt. Der Schnitt der neuen Uniform war stark von österreichischen Vorbildern geprägt.
Unser Füsilier des Zürcher Bataillons 66 trägt noch den Tschako der Ordonnanz 1898. Sein Gewehr Modell 1889 hinkt ebenfalls etwas hinter der Zeit her, die Armee wird es demnächst gegen ein Gewehr Modell 1911 austauschen. Anders jedoch seine feldgraue Uniform der Ordonnanz 1914/15. Sie sollte das Bild des Schweizer Soldaten für die nächsten drei Jahrzehnte prägen, Am Kragen und am Vorderarm sieht man die aufgenähten Patten in Grün, der Waffenfarbe der Infanterie. Charakteristisch für die neue Uniform sind die Brust- und die Schosstaschen des Waffenrockes der Ordonnanz 1915, dessen besondere Eigenheit die Stoffpatte war, welche die sechs Metallknöpfe verdeckte. Dies diente dazu, den verräterischen Metallglanz der Knöpfe zu verbergen.
Die alten bunten Uniformen der Ordonnanz 1898 verschwanden mit der neuen Ordonnanz nicht einfach von der Bildfläche. Noch Jahrzehnte lang konnte man die ausgedienten blauen Tenüs, ob prachtvolle Waffenröcke oder Feldblusen als Exerzieruniformen allenthalben in den Rekrutenschulen sehen. Die Schweizer Armee trennte sich nur ungern von Textilien, die sich noch irgendwie verwenden liessen.
Roger Rebmann, Basel
Unruhen in den äusseren Bezirken des Kantons Schwyz führten 1832/33 beinahe zur Kantonstrennung. Die Besetzung des aufständischen Bezirks Küsnacht durch Schwyzer Truppen am 31. Juli 1833 bewog die eidgenössische Tagsatzung dazu, Militär in den Kanton zu entsenden. Auch Appenzell-Ausserrhoden stellte ein Teil dieses Kontingents. Mit dem Grenzübergang an der Linthbrücke bei Schloss Grynau wurde den Appenzellern ein geschichtsträchtiger Ort zur Bewachung anvertraut. Dort traf 1799 General Massena auf die Österreicher. Die Brücke wurde damals wiederholt zerstört, und an der Linthlinie standen sich die Truppen Frankreichs und Österreichs gegenüber. Nun wachten die Appenzeller als „Friedenstruppe“ über die Brücke an der überschwemmten Linthwiese.
Unser Bild zeigt Appenzeller Füsiliere beim Üben des Salvenschiessens. Dabei feuerte das zweite Glied seine Salve durch die schmalen Zwischenräume des ersten Gliedes hindurch ab, wenn dieses seinerseits seine Salve abgeschossen hatte. Die Männer des ersten Gliedes kamen den Laufmündungen der Schützen hinter ihnen gefährlich nahe, weshalb dieses Manöver besonders gut geübt sein wollte.
Die Uniform der Wehrmänner von Appenzell-Ausserrhoden entsprach 1833 noch jener der napoleonischen Epoche, sie ging weitgehend auf die appenzellische Militärorganisation von 1808 zurück. Daher ähnelt der getragene hellgraue Kaput seinem französischen Paten. Eine Appenzeller Eigenheit sind der Kragen und die Ärmelaufschläge in Dunkelblau. Hier nicht sichtbar die eidgenössische Armbinde am linken Oberarm, denn die Appenzeller kamen im Auftrag der Tagsatzung nach Schwyz. Die dunkelblauen Hosen haben an der Aussennaht einen roten Vorstoss. Ober den Schuhen werden dunkle Tuchgamaschen getragen. Als Kopfbedeckung dient ein Tschako, den man wegen seines grossen Deckels auch „Tanzbödeler“ nannte. Die Garnitur zeigt unter der Kantonskokarde einen rautenförmigen Schild aus Messing mit den Buchstaben A U.R. (Appenzell Usser Rhoden). Auf den Tornister ist die gerollte Wolldecke aufgeschnallt. Beim Gewehr handelt es sich um eine Steinschlossmuskete kantonaler Ordonnanz. An weissen Lederbandoliers hängen einerseits die Munitionstasche mit Bajonett, andererseits der Säbel. Bei den Appenzellern trugen selbst gemeine Füsiliere den Säbel, der in anderen Kantonen Elitekompanien und Unteroffizieren vorbehalten war. Der Kanton begründete dies 1824 damit, dass das Tragen des Säbels in engem Zusammenhang mit altem Brauchtum und dem traditionellen Ehrgefühl stehe.
Roger Rebmann, Basel
Neuenburg, seit 1815 vollberechtigter Kanton wie auch preussisches Fürstentum, nahm unter den Ständen der Schweiz dank dieser eigentümlichen Zustände eine besondere Stellung ein. Erst mit der Märzrevolution 1848 wurde Neuenburg zu einer demokratischen Republik. Wie alle anderen Kantone, hatte Neuenburg gemäss den Bestimmungen von 1817 der Eidgenosschaft ein Bundeskontingent zur Landesverteidigung zu stellen. Die vereinfachte Militärorganisation von 1835 legte fest, dass dem Bundeskontingent Männer im Alter zwischen 20 und 30 Jahren angehörten. Sie bildeten sowohl Auszug als auch Reserve, wobei Wehrmänner mit geradem Geburtsjahrgang die eine Kategorie und jene mit ungeradem Jahrgang die andere bildeten. Sie wechselten sich regeImässig in ihren Kategorien ab.
Neuenburger Tambour 1844 weiterlesen
Im ungetellten Kanton Basel des 18. Jahrhunderts ruhte die kantonale Militärmacht hauptsächlich auf den Schultern der Landbevölkerung. Im Gegensatz zu den Bürgern der Stadt forderte die Wehrpflicht von den Untertanen auf dem Land regelmässigen Militärdienst. Landleute leisteten vom 16. bis zum 60. Altersjahr Dienst in einem der beiden Regimenter der Landmiliz. Exerziert wurde jeweils an bestimmten Sonntagen nach dem Gottesdienst. Der Geistlichkeit war die Entweihung des Sonntags ein Dorn im Auge, aber die Obrigkeit wer der Ansicht, dass die Untertanen auf dem Lande sich besser an ihrem freiem Tage mit den Waffen übe, als die Zeit mit Kegeln, Trinken, Tänzen oder noch Schlimmerem zu vertun. Das Exerzieren musste jedoch rechtzeitig beginnen, denn man hielt auch fest, dass es nach 3 Uhr nachmittags unmöglich sei, einen Landmann auf den Exerzierplatz zu bekommen.
Unsere beiden Landmannen tragen die Uniform der Ordonnanz 1776. Links mit Federbusch auf dem schwarzen Dreispitz steht ein Grenadier, rechts neben ihm ein Füsilier, dessen Dreispitz eine weisse Borte hat. Der dunkelblaue Frack hat Auf- und Überschläge in Scharlachrot. Die Knöpfe bestehen aus Weissmetall. Darunter wird eine Weste in der Farbe des Frackes getragen. Die Hosen sind ebenfalls dunkelblau, die Hosenbeine stecken in hohen weissen Gamaschen. Die Patronentasche hängt an einem Bandulier über der linken Schulter. Beim Grenadier sieht man auf dem weissledernen Bandulierriemen als besonderes Zeichen seines Elitestatus eine Luntenbüchse aus Messing. Bajonett und Säbel tragen die Männer am Ledergurt, eine Basler Eigenheit damals.
Die Steinschlossgewehre kantonaler Ordonnanz, Uniform und Montur mussten die Wehrpflichtigen selber anschaffen. Zur Durchsetzung der Wehrpflicht wurde angeordnet, dass sich jeder Heiratswillige mit Gewehr und Blankwaffen beim Vogt ausweisen müsse, man forderte auch, dass der Bräutigam in Uniform mit Seitengewehr vor den Altar trete. Es wird auch von jungen Landmannen berichtet, welche sich ordonnanzwidrig gut sitzende Uniformen schneidern liessen, denn oft war die Musterung von weiblichem Publikum besucht. Da wurde auch festgestellt, dass diese Damen bei den Baselbietern mehr bewirkten, als die strengsten Drillmeister, denn ein jeder bemühte sich, unter den Augen der Damen nicht durch ungeschicktes Exerzieren aufzufallen und so zum Gespött im Dorfe zu werden.
Roger Rebmann, Basel
Der Beginn des landesweiten Generalstreiks am Montag, 11, November 1918, weckte ernste Befürchtungen eines revolutionären Umsturzes, wie er etwa in Berlin stattfand. Bereits vor dern Streik waren durch den Bundesrat Truppen aufgeboten worden, und am 10. November war die Bundeshauptstadt durch die Gruppe Bern unter Korpskommandant Wildbolz militärisch besetzt. Unsere Illustration zeigt zwei Dragoner-Korporale einer Brigade, die in Bern aufmarschiert ist.
Der Korporal links trägt die feldgraue Uniform der Ordonnanz 1917, bei der die Vorstösse entlang gewisser Nähte in Schwarz gehalten wurden. Diese Uniform entsprach weitgehend derjenigen von 1926, die bis in den Aktivdienst 1939-1945 getragen wurde. Auch die Policemütze mit den beiden Metallknöpfen sollte nahezu unverändert noch während Jahrzehnten in der Armee verwendet werden. Ober seiner feIdgrauen Uniform trägt der Unteroffizier noch den alten blauen Reitermantel der Ordonnanz 1898 mit Kragenspiegeln. Auf den Unterarmen kann man die beiden breiten weissen Balken als Gradabzeichen erkennen. Vielfach wurde zur feldgrauen Uniform noch der blaue Kaput getragen. Anstelle der Reiterstiefel trägt er normale Marschschuhe.
Vor einem Einsatz gegen eine unbewilligte Versammlung auf dem Berner Münsterplatz am Morgen des 10. November erhielten die ersten Ordnungstruppen aus psychologischen Gründen den Stahlhelm ausgegeben. Dieser Dragoner hier trägt einen solchen Heim, dessen Oberfläche glatt und Graugrün war. Die Uniform des Korporals entspricht der frühen feldgrauen Ordonnanz 1914, denn die Vorstösse entlang der Nähte wie auch die Kragen- und Ärmelpatten sind noch in der Farbe Scharlachrot gehalten- Erst mit den Änderungen vom März 1915 erhielt die Kavallerie die Farbe Zitronengelb. Der Kavallerietypische Patronenbandulier entspricht wie der Reiterstiefel der alten Ordonnanz. Seine Waffe ist der abgeänderte Karabiner 1905/1911.
Roger Rebmann, Basel
Die Eptinger waren einst im Gebiet des heutigen Kantons Basel-Landschaft eines der einflussreichsten Adelsgeschlechter. Einer ihrer Stämme hatte seinen Sitz zu Pratteln, wovon heute noch das Schloss als Wahrzeichen des Dorfes kündet. Nebst dern Schloss im Dorf gab es bis zum Erdbeben von 1356 auf dem nahen Adlerberg auch die Burg Madlen, welche ebenfalls ein Sitz des Rittergeschlechts war, Die Burg wird erstmals 1288 erwähnt, als ein Gottfridus de Eptingen dictus de Madlen senjor in einer Urkunde als Zeuge auftritt. In den Ruinen dieser Burg wurden bei Ausgrabungen durch die Armee 1939/40 zwei der in der Schweiz sehr seltenen Topfhelme gefunden.
Unser Ritter trägt auf dem Arm einen der Topfhelme, versehen mit Helmaufsatz (Zimier), welcher das Horn der Eptinger von Madlen zeigt, Auf dem Kopf trägt er eine Beckenhaube versehen mit einer Kettenhaube sowie einem herunterklappbaren Nasenschutz. Darauf konnte zusätzlich der Topfhelm aufgesetzt werden. Über seinem Kettenhemd trägt er den Waffenrock, welcher vorne auf dem Schoss den Adler der Eptinger zeigt. Der darüber getragene Brustpanzer bietet zusätzlichen Schutz. Die Rüstung des Ritters wird ergänzt durch Ellbogenpanzer, Panzerhandschuhe und Seinschienen mit Schnabelschuhen.
Dass die Topfhelme der Ritter von Madlen auch im Kampf getragen wurden, lässt sich daraus folgern, dass der ältere der beiden Helme eine Beschädigung von einer Turnierlanze aufweist und der jüngere auf der linken Wangenseite provisorisch repariert wurde. Diese Art Helm verschwand im 14. Jahrhundert allmählich zugunsten von Modellen, die mehr Sichtfeld boten.
Roger Rebmann, Basel
Diese beiden nonchalanten Herren, die im Manöver um 1912 ihre Zigaretten rauchend das nahe Treiben der Infanterie beobachten, sind Fouriere. Die Aufgaben ihres Grads waren vielfältig. Für die Soldaten einer Kompanie waren wohl die wichtigsten Punkte, um die sich der Fourier zu kümmern hatte, das Rechnungswesen mit der Soldauszahlung sowie der Verpflegungsdienst. Im Jahr 1912 musste ein zum Fourier vorgeschlagener Unteroffizier eine 30-tägige Fourierschule absolvieren, um danach den Grad in einer Rekrutenschule abzuverdienen.
Das weisse Band um den Tschako der Ordonnanz 1898 ist eine gut sichtbare Parteimarkierung für Manöverübungen. Man erkennt von der Tschakogarnitur lediglich noch die unterschiedlichen Pomponfarben der entsprechenden Kompanien. Die Fouriere tragen die schlichte dunkelblaue Feldbluse mit den Gradabzeichen auf den Ärmeln. Auf ihrer linken Seite sind zwei Knöpfe in diagonaler Linie angebracht, wo bei gewehrtragenden Mannschaften ein Patronenband mit Extramunition angebracht werden konnte.
Zur dunkelblauen Ordonnanzhose mit dem Vorstoss in der Waffenfarbe entlang der Seitennaht werden hier hohe Wickelgamaschen getragen. Ihre ledernen Schriftentaschen tragen die Fouriere über die Schulter gehängt.
Die persönliche Waffe ist hier beim Fourier links die Parabellum-Pistole der Ordonnanz 1900 oder 1906, was aus dem getragenen Holster zu schliessen ist. Der Fourier rechts trägt noch das Futteral zum Ordonnanzrevolver 1882. In den kommenden Jahren sollten allmählich die Revolver zu Gunsten der Pistolen verschwinden. Nur teilweise sichtbar ist beim Mann links der Säbel für höhere Unteroffiziere der Ordonnanz 1885.
Roger Rebmann, Basel
Während seiner Zeit in den USA trat der spätere Bundesrat Emil Frey aus Arlesheim/BL in die Unionsarmee ein, als der Bürgerkrieg ausbrach. Er liess sich im Juni 1861 für das 24. Illinois-Regiment des einstigen deutschen Revolutionärs Friedrich Hecker anwerben, aus dem er genau ein Jahr später in Tennessee, wohl von der Malaria befallen, seinen Abschied nahm. Wenig später stellte Friedrich Hecker in Camp Butter in Springfield/Illinois ein neues Regiment auf, das 82nd Illinois Volunteer Infantry Regiment. Kurzentschlossen trat Frey ein und führte als Offizier die H-Kompanie, welche überwiegend aus Schweizer Auswanderern bestand, bis zu seiner Gefangennahme in der Schlacht von Gettysburg am 1. Juli 1863. Unser Korporal der H-Company des 82nd Illinois trägt die dunkelblaue Feldjacke, genannt Sack-Coat, die von schlichtem Schnitt war und nur vier Knöpfe hatte. Die meisten Soldaten des Regiments trugen State-Jackets – kurze Uniformjacken des Staatsarsenals – aber auch der Sack-Coat ist belegt. Das Käppi mit dem Kompaniebuchstaben in Messing auf dem Deckel ist dunkelblau und wurde in dieser Version „Bummer Cap“ genannt. Die hellblaue Mannschaftshose entspricht dern Einheitsmodell der US-Bundesarmee und war auch ein
beliebtes Beuteobjekt beim Gegner. Die M-1855-Munitionstasche aus schwarzem Leder wird über die linke Schulter getragen. Auf ihrem Deckel ist ein ovales Messingschild befestigt, welches die Buchstaben „US“ trägt und das mit seinem Gewicht den Taschendeckel geschlossen hält. Zur Munitionstasche trägt der Mann, hier nicht sichtbar, eine Zündhütchentasche am Gurt. Der Gurt selber besteht aus schwarzem Leder, seine ovale Messingschliesse zeigt ebenfalls die Buchstaben „US“. Dem Regiment kamen in der verlorenen Schlacht von Chancellorsville im Mai 1863 zahlreiche Tornister abhanden. Dieser Korporal hat den verlorenen Tornister nach „Rebellenart“ durch eine gerollte Wolldecke ersetzt, die im Inneren alle Habseligkeiten aufnimmt. Über die rechte Schulter trägt er den Brotsack aus geteertem Segeltuch und die Feldflasche, Die Waffe ist die P-1853 Enfield 3-Band-Muskete – ein damals beliebter englischer Exportartikel.
Vom 14. Dezember 2002 bis zum 19. Januar 2003 kann man im Museum im Bürgerhaus in Pratteln/BL übrigens eine Ausstellung sehen, welche sich mit den Auswanderern aus der Nordwestschweiz in der Unionsarmee 1861 bis 1865 befasst.
Roger Rebmann, Basel