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Höhepunkt jesuitischer Bautätigkeit in der Schweiz
Die von 1666 bis 1677 erbaute Jesuitenkirche am Ufer der Reuss gilt als Höhepunkt der Bautätigkeit der Jesuiten in der Schweiz und ist deshalb zu Recht ein Touristenmagnet. Sie nimmt ausserdem eine Sonderstellung ein, weil sie keine Pfarrkirche ist.
Geschichte der Jesuiten in Luzern
1573 Der Schultheiss von Luzern, Ludwig Pfyffer finanziert eine von den Jesuiten geleitete Schule aus seinem Privatvermögen.
1577 Die Ordensleitung denkt unter anderem wegen Raumproblemen über einen Abzug der Jesuiten aus der Schweiz nach. Schliesslich wird den Jesuiten – auf Vermittlung des Schultheissen Ludwig Pfyffer - der Rittersche Palast überlassen. Am 10. Mai 1577 wird das Luzerner Jesuitenkollegium als erste Niederlassung in der Schweiz gegründet.
1666 - 1677 Am 3. Dezember 1666 wird der Grundstein zum Bau der Jesuitenkirche gelegt. Nach einer Bauzeit von 11 Jahren wird die Kirche am 29. August 1677 durch den päpstlichen Nuntius Edoardo Cibo eingeweiht.
1773 Papst Clemens XIV. verbietet den Jesuiten-Orden.
1814 Papst Pius VII. macht die Aufhebung des Jesuitenordens wieder rückgängig.
1844 Als die Jesuiten wieder zurück nach Luzern gerufen werden, geraten sie in einen Strudel konfessioneller Spannungen. Es kommt zum Sonderbundskrieg, den die katholischen Kantone verlieren. Die Jesuiten müssen Luzern verlassen.
1848 Die Bundesverfassung verbietet die Tätigkeit des Ordens in der Schweiz.
1874 Das Verbot wird noch ausgeweitet: Allen Jesuiten ist die Tätigkeit in Staat und Kirche untersagt.
1973 Das Jesuitenverbot wird aus der Bundesverfassung gestrichen.
2006 Pater Hansruedi Kleiber übernimmt auf Bitte des Bischofs von Basel die Präfektur der Jesuitenkirche. Damit ist wieder ein Jesuit für die Liturgien und den Betrieb an der Jesuitenkirche verantwortlich.
Die Jesuitenkirche sollte ursprünglich westlich des Jesuitenkollegiums, welches im so genannten Ritterschen Palast untergebracht war, erstellt werden. Erst im März 1666 – also kurz vor Baubeginn - entschloss man sich, die Kirche östlich davon zu errichten.
Es wird heute davon ausgegangen, dass mehrere Architekten und Baumeister am Bau beteiligt waren. Darauf deutet insbesondere die Tatsache hin, dass auf der Baustelle sowohl deutschsprachige als auch italienische Handwerker beschäftigt waren. Neben einem italienischen Architekten (wahrscheinlich Tommaso Comacio) und einem Baumeister aus dem Voralberg (entweder Michael Beer oder Michel Kuen) war auch ein Mitglied des Jesuitenkollegiums für den Bau verantwortlich: Der Jesuitenpater Christoph Vogler scheint die Oberaufsicht über den Bau innegehabt zu haben, bis er 1669 Luzern verliess. Als Nachfolger holte man mit Heinrich Meyer einen Jesuitenbruder, der über Bauerfahrungen verfügte. Meyer war wesentlich für die Innengestaltung der Kirche verantwortlich. So hat er beispielsweise sämtliche Stuckdekorationen angefertigt.
Konzerte und Vorträge
Für Geistliche Konzerte und gewisse andere Veranstaltungen können die Jesuitenkirche und die Sakristei gemietet werden.
Die Kirche hat im Kirchenschiff 420 feste Plätze. Durch eine zusätzliche Bestuhlung und unter Einbezug der Emporen lässt sich die Zahl der Plätze auf maximal 950 (inkl. Chor und Orchester) steigern. In der Sakristei finden 100 Personen Platz.
Sonderstellung der Jesuitenkirche
Die ehemalige Schulkirche des Jesuitengymnasiums (bis 1773) ist heute keine Pfarrkirche, sondern gehört dem Kanton Luzern. Aus diesem Grund besteht seit 1989 ein Vertrag zwischen dem Kanton Luzern und der Katholischen Kirchgemeinde, der die Nutzung regelt: «Der Kanton Luzern stellt die Jesuitenkirche der Kirchgemeinde für Gottesdienste im Rahmen der allgemeinen Gottesdienstordnung der katholischen Pfarreien der Stadt zur Verfügung.»
Der Kirchenvorsteher (Präfekt) ist gemeinsam mit dem Collegium Xaverianum und den Professoren der Theologischen Fakultät der Universität Luzern für die Gottesdienste verantwortlich.