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Autor: Barbara Schwaller-Aebischer
Die Geschichte des Jacob Obertin beginnt an der Grenze von Frankreich zu Deutschland in Lothringen. Der Urahn Caspar desertiert aus seinem Söldnerleben und gründet auf einem einsamen Hof eine Familie. Missernten, religiöse Unruhen und immer wieder Hunger bestimmen das Leben. Ende des 18. Jahrhunderts wandert Frederik in der Hoffnung auf ein besseres Los aus und gründet im Banat (an der Grenze von Österreich-Ungarn zu Rumänien) das Dorf Triebswetter in der Nähe des heutigen Timisoara. Die Obertins bringen es dort zu Ruhm und Ehre.
Die Weltgeschichte spielt auch in Leben des jungen Jacob Obertin eine entscheidende Rolle. Wegen seiner schwachen Konstitution wird er zwar nicht eingezogen, um im Zweiten Weltkrieg mit den deutschen Truppen zu kämpfen, aber als sogenannt Deutschstämmiger wird er danach von den Stalinisten in einen Zug nach Sibirien verfrachtet. Nach mehreren Jahren kommt er zurück in sein Dorf und findet die alte Ordnung und Hierarchie umgekrempelt: Die Eltern wohnen im Gesindehaus und arbeiten als Teil einer Arbeitskolonne in der Kolchose. Jetzt wäre es wichtig, Kommunist zu sein, denn diejenigen, die nicht die richtige Einstellung haben, werden wiederum abgeschoben… Deshalb beschliesst Jacob zu lieben.
Mit viel psychologischem Gespür erzählt uns der Autor einen wichtigen Teil der Geschichte Europas und hält den Spannungsbogen von der ersten bis zur letzten Seite. In einer wunderbaren Sprache werden Zigeunergeschichten, Dorfgeschichten, Liebesgeschichten und Tragödien erzählt.
Catalin Dorian Florescu: «Jacob beschliesst zu lieben», C.H. Beck.
Barbara Schwaller-Aebischer ist Leiterin der Bibliothek Tafers.