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Paris, April 1897
Susan
Von der Avenue du Bois de Boulogne, wo die ganze Familie Adams in einem Palais residierte, war es nicht weit bis ins Zentrum von Paris. Zum Arc de Triomphe und weiter in die Champs-Elysée hätte man sogar zu Fuß gehen können. Das tat man aber nicht in ihren Kreisen. Das Wetter war an diesem Mittwoch garstig, die Kutsche zur morgendlichen Rundfahrt stand bereit. Ihre Töchter Tibby und Lindsay, deren Lehrer sich krankgemeldet hatte, nahm sie mit. Eigentlich hätte sie bei Helen, der Gattin eines amerikanischen Banquiers, vorbeischauen müssen, die ihre Visitenkarte am Vortag hinterlegt hatte, als Susan indisponiert war. Dort verkehrten jene illustren Personen, die in der Rubrik Nouvelles mondaines des Figaro Erwähnung fanden. Auf Helens Gesellschaft hatte sie aber keine Lust. Also würde Susan Helen erst am folgenden Tag besuchen, da sie wusste, dass die Frau des Banquiers donnerstags nie empfing, und sie würde ihrerseits die Karte beim Concierge hinterlegen. Immerhin bezeugte dies den formellen Beleg einer noblen Absicht. Es war eine eingespielte und allgemein weit verbreitete und akzeptierte Usance, unoriginelle Personen dann zu besuchen, wenn die Chancen gut standen, dass sie nicht zugegen waren.
Die Zeiten, in denen Nat nicht in Paris war, genoss Susan besonders. Ohne ihren Gatten konnte sie ihren Tag so gestalten, wie es ihr beliebte. Da waren auch Ausflüge nach dem verruchten Montmartre möglich. Ohne Nat fühlte sie sich freier, bewegte sich ungezwungener. Und jetzt, wo ihr Gatte sich entweder in seinem Zimmer verschanzt oder in der Bois de Boulogne spazieren geht, ist es, als wäre er nicht da. Wenn er sich den Ausfahrten anschloss, waren die Visiten in der Regel äußerst langweilig. Man schaute bei Geschäfts- und Clubkollegen von Nat vorbei, vermögende Amerikaner, meist Kaufmänner, meist eingebildet und ungebildet, meist eindimensional und erfolgreich. Und die Damen interessierten sich nur für die neusten Moden und Tratsch. Gespräche über die letzten Gastauftritte von Nella Melba oder Francesco Tamagno oder über brisante Bücher von in diesen Kreisen streitbaren Autoren waren rar gesät. Besuche im Louvre, in der Oper oder im Theater überließ dieses Segment der Oberschicht den, wie man herablassend sagte, common people. Gleichwohl hingen Ölgemälde namhafter Maler an den Wänden und es standen teure Flügel und Pianos in den Salons herum. Wer diese zu spielen verstand, blieb meist im Dunkeln.
Wenn Susan ohne Begleitung auf ihre Pariser Ausfahrten ging, zog sie es vor, bei französischen Freundinnen vorbeizuschauen. Das war meist lustig und herausfordernd. Dort lernte sie interessante, manchmal auch eigenartige und eigensinnige Leute kennen. Langweilig wurde es nie. Und schließlich waren sie nicht nach Paris gezogen, um Landsleute zu sehen.
Immerhin hatte sich Nat bereit erklärt, sich zu bemühen, in ihrem Palais einen Salon zu etablieren, der den Ansprüchen Susans genügen sollte. Nat wollte ihn gar zur Nummer eins machen unter allen Salons in Paris – typisch Nat, immer der Beste sein wollen, einmal Amerikaner, immer Amerikaner. Aber hierzu hätte es bestimmten kulturellen und ästhetischen Ambitionen seitens des Gastgebers bedurft, die jedoch kaum oder nicht vorhanden waren. Dumm war Nat nicht, das war Susan klar, aber er war durch und durch Kaufmann, der sich vorderhand für seine Geschäfte und Zahlen interessierte und der sich stets bemühte, erfolgreicher als die anderen zu sein. Zudem konnte beziehungsweise wollte er seine militärischen Allüren, die er sich im Bürgerkrieg angeeignet hatte, nicht kaschieren.
Um Susan also einen Gefallen zu erweisen, versprach er ihr, einen Salon einzurichten. Einerseits schätzte Susan Nats Bemühen um kulturelle Geltung, andererseits ärgerte sie sich dann und wann über seine vermeintlich großherzige Haltung, die – in Susans Augen – einem falsch verstandenen Paternalismus entsprang. Mit dieser Ambivalenz hatte sie gut zu leben gelernt.
Alle zwei Wochen also wurde Pierre Lamoureux, ein angesehener Pianist, der gleichzeitig Tibby und Lindsay in der Kunst des Klavierspielens unterwies, sowie der Sänger Luc Pagny an die Avenue Bois de Boulogne eingeladen. Die Gäste lauschten Liedern von Schumann und Schubert, zuweilen – vor allem wenn Nat nicht zugegen war – wagte man sich an Debussy und Liszt, und anschließend war Susan bemüht, die Themen der Gespräche auf Kultur, Philosophie, Wissenschaft und Reisen zu lenken. Das gelang leidlich, war aber abhängig von der Zusammensetzung der Gästeschar. Natürlich, die poetische Ausstrahlung des Salons einer Madame de Staël zu Beginn des Jahrhunderts erreichten die Abende bei den Adams nie, die Künstlerdichte war bescheiden, interessante Denker, Literaten oder Wissenschaftler waren spärlich gestreut. Aber Susan schaffte es, mit ihrem Charme und ihrem Charisma die Anlässe auf einem ansprechenden Niveau zu halten. Sie verstand es ausgezeichnet, Amerikaner und Franzosen miteinander ins Gespräch kommen zu lassen.
Susan liebte die Oper, das Theater und vor allem die Konzerte. 1858 stand sie mitten in einer harten und entbehrungsreichen Ausbildung zur Pianistin, als ihr Vater, Tim Landis, ein ehemaliger Walfänger, der in Hawaii stationiert war und die meiste Zeit auf See verbrachte, sesshaft wurde und zu seiner Familie nach San Franzisko zurückkehrte. Das Klima an der amerikanischen Pazifikküste behagte ihm jedoch nicht. Zudem war ihm die Stadt zu groß, zu laut und ihm schien die Stimmung zu gekünstelt, zu unnatürlich zu sein. So gründete er 1860 eine Handelsfirma für Fischprodukte – in Honolulu. Unter großem Murren und Meckern zog der ganze Familientross der Landis auf die Sandwichinseln; Susan musste ihre Ausbildung abbrechen. Die Geschäfte liefen ausgezeichnet und Tim konnte sich eine große Villa mitten in der Stadt bauen. Wiederum wurde er von einem Stadtkoller erfasst. Bald darauf verkaufte er das Haus dem König, die Firma einem reichen Einheimischen und er erstand mit dem eingelösten Geld eine Zuckerrohrplantage auf Maui.
Er hatte gerade noch Glück gehabt, denn die Erträge aus dem Handel mit Produkten aus dem Walfischfang erlitten kurz nach dem Verkauf seines Geschäfts einen empfindlichen Einbruch. Zudem schwächten die aufstrebenden Länder Norwegen und Russland Hawaiis Stellung als Zentrum des Walfischfangs und die industrielle Förderung des Erdöls ließ die Nachfrage nach Waltran ohnehin drastisch zurückgehen. Zu guter Letzt verbot 1865 König Kamehameha V. den Walfang endgültig. Die Landwirtschaft trat an die Stelle des Fischfangs. Tim war zur Stelle.
Das Glück war gar doppelt, denn die Nachfrage nach Zucker explodierte wegen des Bürgerkriegs auf dem amerikanischen Festland. Der Zuckerhandel aus den Südstaaten in Richtung Norden versiegte, die Unionsstaaten mussten sich anderweitig versorgen, zum Beispiel aus Hawaii. Tim wurde in Kürze zu einem vermögenden Mann. Sein Unternehmen expandierte und er kaufte noch weitere Ländereien für den Anbau von Zuckerrohr.
An einem schwülen Sommertag im Jahre 1870 tauchte ein gewisser Nat Adams im Büro von Tim auf. Als amerikanischer Gesandter in geheimer Mission musste dieser auskundschaften, ob es besser sei, Hawaii unabhängig zu belassen und mit geeigneten Verträgen enger an Amerika zu binden oder ob man gleich den ganzen Inselstaat den Vereinigten Staaten einverleiben solle. Hierzu befragte Nat alle amerikanischen Geschäftsleute, die auf den Inseln tätig waren. Bei seinem Besuch bei den Landis fiel ihm die junge Dame auf, die sich mit ihrer Schwester im Garten vergnügte. Tim zögerte nicht lange und stellte sie dem amerikanischen Diplomaten vor. Die Weichen waren gestellt.
1873 beendete Nat seine Untersuchung und lieferte einen Bericht der amerikanischen Regierung ab. Nat war ohne Aufgabe, wollte aber nicht aufs Festland zurück. Er sprach bei Tim vor und ließ sich von ihm als Assistent anstellen. Er bewegte sich fortan im Umkreis der Familie Landis und die Banden, die er mit der Tochter Susan einst im Garten geknüpft hatte, wurden zarter. Es kam zur Heirat. Bald einmal erkrankte Tim an Lungenkrebs, an dem er ein Jahr nach der Diagnose starb. Nat und Susan erbten sämtliche Ländereien. Nat nutzte die Vorgaben aus, arbeitete gut und er stieg zum größten Zuckerrohrlieferanten auf den Sandwichinseln auf.
Für Susan war das Leben auf Maui geruhsam, aber auch eintönig, zuweilen langweilig. Nach der Geburt von Tibby im Jahre 1875 bauten sie sich eine große Farm im mexikanischen Stil. Drei Jahre später folgte Lindsay. In der ersten Zeit war Susan noch mit der Erziehung der beiden Töchter beschäftigt, im Schulalter sah sie sie aber nicht mehr allzu oft. Die Nanny und der Hauslehrer hatten die Aufgaben übernommen. Morgens ritten Nat und Susan aus, mittags und spät abends war ihr Mann im Büro oder auf den Feldern oder er traf sich mit Kunden oder Geschäftskollegen. Derweil saß Susan im Schatten, las Bücher. Ihr Leben war einschläfernd, die Hitze ermüdete sie. Am frühen Abend, nachdem der Hauslehrer gegangen war, kam etwas Leben in die Ranch, wenn sie sich mit ihren beiden Töchtern beschäftigen konnte. Ab und zu raffte sie sich auf und setzte sich ans Piano und spielte ein paar Takte Mozart oder Schubert oder Haydn. Weit und breit waren keine Musiker ausfindig zu machen, die mit ihr ein Quartett hätten bilden können, Maui war eine kulturelle Einöde, zumindest was die klassische Musik betraf. Und die beiden Mädchen waren zu unbegabt und zu uninteressiert. Wer wollte es ihnen verdenken in dieser Umgebung.
In der letzten Phase auf der Insel hatte sie die Lust am Klavierspiel verloren. Das einsam Vor-sich-Hinklimpern behagte ihr gar nicht, es brachte sie nicht voran. Immer öfter verfiel sie in Übellaunigkeit und sie fühlte sich zunehmend vereinsamt. In ihrer Ausbildung in San Franzisko schätzte sie es, von ihren Musikerkollegen und den Lehrern angetrieben zu werden. Zusammen etwas zu vollbringen, vom Gegenüber zu profitieren, mit den Mitspielern musikalisch zu kommunizieren davon schöpfte sie Kraft, die sie das Leben meistern ließ. Alleine ging das nicht, sie glaubte, sie wäre nicht dafür geschaffen, sich aus sich selbst heraus zu motivieren und ihre Entwicklung voranzubringen. Dieses aufgezwungene Entsagenmüssen der Entfaltung ihrer Anlagen bedrückte sie umso mehr.
Am Wochenende fuhren sie jeweils zu den Pferderennen, da Nat neben dem Zuckerrohr und fünftausend Rindern noch über ein Lot mit Rennpferden verfügte. Auf der Rennbahn traf sich die lokale Haute Volée. Für Susan die einzige Zeit der Geselligkeit und der Zerstreuung.
Das feuchte Klima setzte ihr immer mehr zu. Ihre Lunge wurde schwächer, körperliche Anstrengung wurde ihr zur Pein. Die morgendlichen Ausritte wurden weniger. Der Druck, an dieser unbefriedigenden Situation etwas zu ändern, nahm stetig zu. Auch Nat musste das akzeptieren. Susan sah nicht ein, weshalb es so lange dauerte, bis wirklich etwas geschah. Nat hatte doch alles erreicht, was man auf einer solch kleinen Insel überhaupt erreichen konnte. Vielmehr Geld konnten sie nicht mehr anhäufen. Sie musste seinen Ehrgeiz anstacheln, ihn aber in andere Bahnen lenken. Dafür bediente sie sich eines Kniffs, der ausgezeichnet funktionierte.
Eines Abends sprachen sie miteinander über das Werk, das er erschaffen hatte und darüber, dass es wohl nichts mehr Neues zu erfinden gebe, wie man die Gewinnung von Zuckerrohr noch steigern könne, außer man kaufe immer mehr neue Felder hinzu oder in andere Firmen ein. Aber besonders originell geschweige denn geistreich oder gar genial wäre das ja nicht, meinte sie beiläufig. Darauf reagierte er, wie von Susan erhofft, pikiert. Ob sie denn der Auffassung sei, er sei phantasielos oder einfältig, fragte er. Vorsichtig gab sie zu bedenken, es sei doch interessanter, sich mit etwas Neuem zu beschäftigen, mit einer neuen Technik etwa, oder vielleicht müsse er eine neue berufliche Tätigkeit ins Visier nehmen. Umsatteln auf ein anderes Pferd, er wähle ja morgens auch nicht immer den gleichen Gaul aus. An Startkapital mangele es fürwahr nicht, Geld sei schließlich im Überfluss vorhanden. Ja, woran sie denn denke, fragte er. Das wisse sie nicht so genau, aber es könnte etwas sein, das man von einem anderen Standort aus betreiben könnte, vielleicht in New York, vielleicht in London, vielleicht in Paris. Das hätte den zusätzlichen Vorteil, dass die Familie wieder etwas mehr Gesellschaft hätte, die Kinder nicht völlig isoliert aufwüchsen, sie eine ordentliche Bildung genießen könnten, ihnen gar etwas kosmopolitischer Geist und Kultur eingehaucht würden. Eingedenk ihres Standes wäre das eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Reich und tumb vor sich hinzudösen, könne ja nicht das Ziel sein. Bis jetzt sei Nat der Einzige der Familie, der regelmäßig unter die Leute komme und weltweite Kontakte pflege. Und dann natürlich ihre Gesundheit. Mit neuen Techniken hatte er sich auf der Plantage bereits auseinandergesetzt, meinte er. Er sei der erste und bis jetzt auch einzige gewesen, der mit Beleuchtung arbeitete und damit auch Erfolg hatte. Dass sie so abgelegen waren, wie sie eben waren, lag in der Natur der Sache des Zuckerrohranbaus. Es störe auch ihn manchmal, gab er zu, und diese Isolation erschwere das Geschäftemachen. Mit anderen in Kontakt zu kommen, sei in der Regel äußerst aufwendig. Spreckels etwa sitze fast immer in San Franzisko, sein Kollege McIrwin, an dessen Plantagen er zu fünfzig Prozent beteiligt ist, sei der nächste Nachbar. Eben, sagte Susan schnippisch. Da kam ihm die zündende Idee mit dem Kabel.
An diesem Mittwochmorgen im April also machte sich Susan mit Tibby und Lindsay auf den Weg in die Pariser Innenstadt. Natürlich war es mit den Töchtern nicht möglich, nach dem verruchten Montmartre zu fahren, wenn Nat das erführe, wäre er erbost. Also klapperten sie ein paar Geschäfte ab, probierten Kleider für den Sommer, obwohl sie nicht genau wussten, welche Art Garderobe sie in den Schweizer Alpen benötigen würden. Sie hatte gehört, dass sie in einem gediegenen Hotel wohnten, wo auch Bälle gegeben und sie vornehm essen würden. Aber in der Freizeit? Wie kalt war es auf fast zweitausend Metern über Meer? Schien da wirklich, wie behauptet wurde, immer die Sonne? Sie benötigte noch Hüte.
Wenn Nat bei den Einkaufstouren dabei war, fühlte sie sich unwohl. Er behandelte die Verkäufer sehr rüde und er setzte jeweils den militärischen Ton auf, den sie so verabscheute.
Zuerst graute ihr davor, als der Nervenarzt, Doktor Marceau, ihrem Mann und ihr mitteilte, dass ein Kuraufenthalt in den Alpen unumgänglich sei, sollte Nat wieder voll und ganz zu Kräften kommen. In die Berge zu gehen, verglich Susan mit auf Maui im Garten einer Ranch zu sitzen. Nichts als Natur, nur Natur. Das Wetter bestimmte den Tagesgang und die Garderobe, und Kultur war auf zweitausend Metern wohl vergeblich zu suchen. Marceau erzählte, dass ihn im späten Herbst ein Schweizer Arzt aus Sankt Laurenz besucht habe. Er war sehr angetan von dieser Person, er verfüge über ein breites, tiefes Wissen und habe sich auf die Behandlung von Neurasthenikern spezialisiert. Von ihm habe er etwa wissen wollen, wie die Erfahrungen mit Hypnose bei Nervenkrankheiten einzuordnen wären und wie er einschätze, wie sich Hysterie und Neurasthenie unterscheiden würden. Der Schweizer Arzt habe ihm auch geschildert, wie er seine Behandlungen durchführe, und er habe eine beeindruckende Erfolgsquote vorzuweisen. Einzig müsse man in Kauf nehmen, dass ein solcher Kuraufenthalt bei der Schwere von Nats Erkrankung mindestens drei Monate daure, eher sogar länger.
Nat war ob dieser Information natürlich entsetzt. Die Vorstellung, drei Monate herumzuliegen, Heilwasser zu trinken, sich massieren zu lassen, ab und zu Spaziergänge zu unternehmen, nicht zu rauchen und den Alkoholkonsum zu minimieren, löste fast seinerseits einen neuerlichen Nervenzusammenbruch aus. Auch wenn er aus Scheveningen schon wusste, wie sich die Prozedur gestaltete und er das schließlich überlebte. Und Susan sah sich auf der Terrasse des Hotels herumsitzen und sich langweilen. Die anderen Kurgäste wären vermutlich vergleichbar mit ihren amerikanischen Freunden in Paris, denn Doktor Marceau hatte ihnen mit einem Augenzwinkern gesagt, dass Neurasthenie unter Kollegen auch als amerikanische Krankheit bezeichnet würde, da vor allem Amerikaner aus dem Nordosten davon betroffen seien, meist Geschäftsleute, Banquiers und Unternehmer. Nat passte vortrefflich in dieses Schema.
Aber dann hatte sie sich etwas über Sankt Laurenz erkundigt. Das Publikum sei sehr international, eher gediegen und kultiviert, wurde ihr beschieden. Nicht nur Geschäftsleute, sondern auch Professoren und Künstler führen dorthin, las sie in einem Magazin. Es würden sogar Konzerte von namhaften italienischen Orchestern aufgeführt – Mailand sei nicht allzu weit entfernt – und das Amt für Fremdenverkehr sei sehr bemüht, den Gästen ein reichhaltiges Programm zu unterbreiten. Der Schrecken war etwas gewichen, aber eine Ungewissheit, was sie dort oben erwartete, blieb bestehen.
Fortsetzung folgt.
Hier geht’s zum 1. Kapitel des Romanfragments.