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Moritz Leuenberger, Steffen Schmidt
Protokoll einer Stunde über das Alter
Mit Fotografien von Doris Fanconi
64 Seiten, Klappenbroschur, // Nur noch letzte RESTEXEMPLARE aus dem Verlagsarchiv, bitte wenden Sie sich an den Verlag.
Dezember 2001
vergriffen
978-3-85791-377-8
Dezember 2001
vergriffen
978-3-85791-377-8
Das hier vorgelegte Gespräch von Bundespräsident Moritz Leuenberger mit der Schriftstellerin Laure Wyss fand am 30. September 2001 im Theater an der Winkelwiese in Zürich statt. An Stelle der üblichen präsidialen Fernsehansprache zum «Internationalen Tag der älteren Menschen» der Uno sollte in diesem Jahr eine Vertreterin der alten Menschen zu Wort kommen, während der Repräsentant der Schweizerischen Eidgenossenschaft zum Fragenden wurde. Inmitten sich überstürzender Ereignisse – die Attentate in den USA und in Zug, die Swissair-Krise – ergab sich für eine Stunde eine «Oase des Dialogs» über das Leben im Alter.
Der Text ist eine nur leicht redigierte Abschrift des 50-minütigen Gesprächs
Der Text ist eine nur leicht redigierte Abschrift des 50-minütigen Gesprächs
© Urs Bucher (EQ Images)
Moritz LeuenbergerMoritz Leuenberger, geboren 1946. Bundesrat, Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (uvek). 2001 und 2006 Bundespräsident. Rücktritt aus dem Bundesrat am 31. Oktober 2010
GesprächseinleitungMoritz Leuenberger Guten Morgen, meine Damen und Herren. Ich begrüsse Sie herzlich zu dieser Matinée zusammen mit Laure Wyss. Ich darf Ihnen vielleicht einleitend sagen, wie es dazu gekommen ist: Morgen ist der Tag des Alters, er wird zum Teil etwas anders genannt, Tag der Älteren oder ähnlich. Wir können über diese merkwürdige Sprachgebung dann nachher noch sprechen.
Es gibt im Jahr mehrere solche Tage. Es gibt den Tag der Kranken, es gibt den Tag Europas, es gibt den Tag der Eidgenossen, das ist der 1. August. An diesen Tagen pflegt der Bundespräsident eine kurze Fernsehansprache zu halten, die dann jeweils vor der Tagesschau eingeblendet wird: Das geht etwa drei bis vier Minuten. Das Schweizer Fernsehen liebt diese Ansprachen nicht sehr, weil in dieser Zeit bedeutende Werbeeinnahmen nicht hereinkommen.
Das war aber nicht der Grund, warum ich mich entschieden habe, es diesmal etwas anders zu machen. Sondern: Krank bin ich auch schon mal gewesen, sehr, und konnte deswegen am Tag der Kranken etwas Verbindliches sagen; ein Eidgenosse, finde ich, sei ich eigentlich auch, da wusste ich auch etwas zu sagen; beim Europatag auch. Aber Alter? Diese Erfahrung geht mir ab. Ich dachte, statt irgendwelche balsamigen Worte zu sprechen, möchte ich eine Vertreterin des Alters selber zur Sprache kommen lassen. Als solche ist Laure Wyss da, als eine Vertreterin, als eine Anwältin des Alters. Sie ist eine bekennende Alte, während es andere gibt, die, wie ich meine, das Altsein eher verdrängen.
Wir haben uns natürlich etwas vorbereitet, das wollen wir gestehen, und wir sind zum Schluss gekommen, erstens, dass wir Hochdeutsch reden, das haben Sie schon gemerkt. Wir haben uns gesagt: Wenn wir das Publikum fragten: Wer versteht kein Schweizerdeutsch?, dann gäbe es immer zwei, drei, aber die getrauen sich nicht, es zu sagen. Es geht ja heute auch um eine eidgenössische Sache, wir üben uns, wenn wir Hochdeutsch sprechen, also grad auch noch in unserer Solidarität mit der Romandie.
Wir sagen einander zweitens «Sie», obwohl wir Duzis sind. Im Bundesrat ist das übrigens auch so, wir sagen uns «Sie» in den offiziellen Sitzungen, wenn es um etwas geht. Nachher in der Kaffeepause duzen wir uns wieder. Wir wollen so unsere Funktionen unterstreichen: Laure Wyss als Vertreterin des Alters, und ich als Bundespräsident, der ihr gerne zuhören möchte. Wir sprechen vielleicht etwa 40, 45 Minuten, nachher widmen wir uns alle gemeinsam einem Apéro.
Natürlich haben wir uns auch die Frage gestellt, ob wir nach den Ereignissen in Zug eine solche Veranstaltung machen sollen. Aber das Leben geht weiter. In einem solchen Rahmen diskutieren wir vielleicht grad so gut wie all diese Experten an den intensiven Redeorgien im Fernsehen … Darum möchte ich gerne von Laure Wyss wissen: Mit deinem langen Leben, während dessen ja auch schon eine Welle des Terrorismus durch Deutschland ging, Weltkriege tobten, reagierst du abgebrühter … (Zwischenrufe aus dem Publikum: «Sie!») … Sie? Ja, die Intimität ist schon zu gross geworden, Entschuldigung. Reagieren Sie abgebrühter als früher auf solche Ereignisse? Denken Sie, das ist alles schon mal da gewesen? Reagieren Sie sensibler, als Sie früher darauf reagierten? Was war Ihre Reaktion?
Laure Wyss Das finde ich eine fundamentale Frage, und ich antworte gern darauf. Es sind eigentlich alle Fragen des Alters in dieser Frage enthalten. Aber ich möchte eine Vorbemerkung machen: Ich finde es sehr charmant, muss ich sagen, dass der Vorsteher des Eidgenössischen Departementes für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation an diesem Tag als Bundespräsident in die Rolle des Fragenden schlüpft. Ich bedanke mich sehr, ich ?nde das ausserordentlich. Und ich werde mich bemühen, nicht nur in meinem persönlichen Namen, sondern im Namen vieler zu reagieren.
...
«Der Bundespräsident bewies einmal mehr, dass ihm magistrale Allüren fern liegen, und setzte sich selbst in die Rolle des Fragenden, des Schülers, der seinem prominenten Gast Respekt zollte.
Und wohl nur den wenigsten ist es vergönnt, mit bald 90 Jahren noch so wach zu sein, so zu arbeiten, so angeregt zu diskutieren und so viele interessierte Zuhörer zu finden wie Laure Wyss.» Neue Zürcher Zeitung
Und wohl nur den wenigsten ist es vergönnt, mit bald 90 Jahren noch so wach zu sein, so zu arbeiten, so angeregt zu diskutieren und so viele interessierte Zuhörer zu finden wie Laure Wyss.» Neue Zürcher Zeitung