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cash: Birgitte Olsen, Sie betreuen den 'BB Entrepreneur Switzerland Fonds'. Was versteht man genau unter 'Entrepreneur'?
Birgitte Olsen: Entrepreneurs sind hauptsächlich familiengeführte oder eigentümergeführte Unternehmen. Es existiert jedoch keine allgemeingültige Definition. Als formelle Definition für unseren Fonds verstehen wir darunter börsennotierte Unternehmen, welche von einem Unternehmer, einer Unternehmerfamilie oder einer Gruppe mit mindestens 20 Prozent der Stimmrechtsanteile kontrolliert und massgeblich beeinflusst werden.
Welche Schweizer Firmen fallen typischerweise unter die Kategorie 'Entrepreneur'?
Das Paradebeispiel, welches in der Schweiz und auch im Ausland sehr bekannt ist, ist die Swatch-Gruppe der Hayek-Familie. Ein weiteres prominentes Beispiel ist Roche, die nach wie vor aufgrund der Stimmrechtanteile der Familie eigentümergeführt ist. Aber es gibt natürlich noch viele andere, insbesondere auch kleinere eigentümergeführte Firmen. Manche werden noch von den Gründern selbst geführt, Partners Group oder VZ Holding zum Beispiel. Andere wiederum sind bereits in den Händen der fünften oder sechsten Generation. Ich denke hier zum Beispiel an Bossard oder Bobst.
Was spricht für solche eigentümergeführten Unternehmen?
Eigentümergeführte Unternehmen verkörpern Traditionen und Werte, die nicht aus der Mode kommen. Das rührt daher, dass sie eine langfristige Ausrichtung und Vision verfolgen. Sie zeichnen sich durch überdurchschnittlich starke Bilanzen und ein stringentes Kostenbewusstsein aus, was ihnen finanzielle Unabhängigkeit und auch eine hohe Risikofähigkeit verleiht. Besonders in jüngster Vergangenheit war zu beobachten, wie diese Unternehmen in der Krise antizyklisch Investitionen tätigen konnten, da sie keine finanziellen Engpässe hatten. Eigentümergeführte Unternehmen sind jetzt im Kontext eines sich erholenden Europas bestens positioniert und können überdurchschnittlich stark wachsen.
In welchen Branchen und bei welchen Einzeltiteln sehen Sie derzeit das grösste Aufwärtspotential in Ihrem Fonds?
Nach dem Schock vom 15. Januar haben wir ein sehr schönes Nachholen der Nebenwerte gesehen. Da sticht sicherlich u-blox heraus, die exzellente Zahlen gezeigt hat, aber auch die Guidance für dieses Jahr erhöhen konnte. u-blox ist in einer absoluten Wachstumsbranche tätig und besetzt Themen wie 'Internet of things" und drahtlose Kommunikation. Es gibt aber auch andere Unternehmen mit viel Potential. Zum Beispiel Compagnie Financière Tradition, kurz CFT, ein Titel mit einem Börsenwert von etwa 400 Millionen Franken, der zu 67 Prozent in den Händen des Gründers liegt.
Was zeichnet CFT aus?
Es handelt sich dabei um einen internationalen Broker-Dealer, der seit 2008 eigentlich nur gelitten hat, aber mittlerweile seine Kostenstruktur stark verschlanken konnte. Wir sehen, obwohl die Aktie in diesem Jahr schon 50 Prozent zugelegt hat, noch weiteres Aufholpotenzial im Rahmen von 20 bis 30 Prozent. CFT ist übrigens in einem Umfeld tätig, das sich mittelfristig von fünf auf zwei bis drei Player reduzieren dürfte.
Gibt es Titel im Fonds, die derzeit eher enttäuschen?
Roche ist nach der Outperformance der letzten vier bis fünf Jahre mit einer aktuellen Jahresperformance von 2,7 Prozent leicht enttäuschend. Ich denke, dies ist ein Zeichen, dass sich der Risikoappetit der Anleger erhöht hat. Der Hauptgrund hierfür ist die aktuell etwas bessere europäische Konjunktur. Defensive Titel wie Roche, aber auch Novartis und Nestlé können nicht mehr so stark zulegen.
Wie gut kennen sie eigentlich die einzelnen Firmen in ihrem Fonds?
Wir 'beschimpfen' uns ja als fundamentale Stock-Picker, haben im Schnitt 30 bis 40 Positionen im Portfolio. Wir sind sozusagen Benchmark-Agnostiker, wenn sie so wollen. Da wäre es natürlich fatal, wenn man diese Unternehmen nicht persönlich kennen würde. Um in dieser Strategie des 'Stock-Pickings' erfolgreich zu sein, muss man ein Wissen besitzen, das über das des breiten Marktes hinausgeht.
Und wie eignen Sie sich dieses Wissen an?
Wir sind ein Team von drei Personen und besuchen die Unternehmen des Portfolios drei bis viermal pro Jahr. Auch weiteren Firmen, die wir derzeit nicht im Portfolio führen, statten wir regelmässig Besuche ab. So kommen wir europaweit im Schnitt pro Jahr auf ungefähr 350 Firmentreffen. Wir legen übrigens auch grossen Wert darauf, diese Besuche ausserhalb der Quartalszahlen und der Themensetzung der Unternehmen anzusetzen. So erfahren wir nicht nur mehr über die 'Hard Facts', sondern auch über weiche Faktoren wie Kultur oder Unternehmenswerte.
Wie haben Sie die Mindestkursauflösung und die damit verbundenen Frankenstärke erlebt?
Wir haben den Moment des Frankenschocks gut gespürt, weil wir an jenem 15. Januar an einer Veranstaltung an der Schweizer Börse waren und mit vielen Unternehmern sprechen konnten. Und als auf den Bildschirmen plötzlich alles rot wurde, errötete bei manchem auch das Gesicht. Man spürte, dass einige sehr geschockt waren, während für andere wiederum klar war, dass diese Anbindung nicht für die Ewigkeit bestand haben würde. Inzwischen hat sich Situation aber ein wenig beruhigt.
Wie geht es weiter mit den Schweizer Firmen?
Schweizer Firmen sind in Europa vielfach als Nischenanbieter aktiv, und als 'Suppliers of Choice' können sie von den aktuell in Europa besseren Volumina profitieren. Bei der ganzen Diskussion sollte auch nicht vergessen werden, dass es die Frankenstärke seit nunmehr 40 Jahren gibt. Denn: Stellt man den Franken dem Dollar seit dem Ende des Bretton-Woods-Systems gegenüber, dann kennt der Kurs nur eine Richtung - nach oben. Für Schweizer Unternehmen ist es deshalb normal, in einem Umfeld einer sich stärkenden Währung zu arbeiten.
Hätte ein Ja zur Erbschaftssteuerinitiative am 14. Juni einen negativen Einfluss auf die Titel im Fonds, zumal ja besonders Familienunternehmen von der Annahme der Initiative betroffen wären?
Wenn die Erbschaftsinitiative durchkommen würde, wäre das eine starke Schwächung des Mittelstandes und ein grosser Nachteil für die Schweiz. Der Mittelstand ist in der Schweiz, wie in den meisten entwickelten Ländern der Welt, das Rückgrat der Gesellschaft. Er ist für zwei Drittel der Arbeitsplätze verantwortlich und für einen Grossteil der Wertschöpfung. Eine zusätzliche Besteuerung, denn es ist ja nicht so, dass Unternehmen aktuell keine Steuern bezahlen, würde in der Schweiz sicherlich die Innovationskraft und Arbeitsplätze gefährden. Es wäre also sehr kontraproduktiv und würde zu Dislokationen führen. Wir verfolgen die Hochrechnungen recht nahe, und im Moment sieht es so aus, als ob die Initiative nicht durchkommen würde. Aber man darf die ganze Thematik sicherlich nicht unterschätzen, eine Annahme würde für unser Portfolio Konsequenzen haben.
Im letzten Jahr lag die Performance ihres Fonds deutlich unter derjenigen des Benchmarks, dem Swiss Performance Index. Woran lag das?
Letztes Jahr war es für uns in der Tat schwierig, den Benchmark zu schlagen. In der Schweiz ist der Benchmark ja sehr speziell, weil er zu über 50 Prozent aus nur drei Titeln besteht. Nämlich Novartis, Roche und Nestlé. Das heisst der SPI ist in Zeiten, in denen Anleger risikoavers sind und defensiv agieren, ein super Markt, weil er diese drei genannten defensiven Schwergewichte hat. Und im letzten Jahr hatten wir ab dem zweiten Quartal die Russland-Ukraine-Krise, stark fallende langfristige Zinsen, Deflationsängste und einen Ölpreis, der regelrecht im Boden versank.
Wie ging es weiter?
Investoren sind dann in sogenannte 'Teddybär-Aktien' geflüchtet. Das sind Aktien, an denen man sich festhalten kann, wenn es einem schlecht geht. Diese zeichnen sich durch eine hohe Dividendenrendite aus, sind nicht zyklisch und sind sehr liquide. Seit November 2014 haben sich die Leitindikatoren in Europa wieder verbessert. Die starke Performance defensiver Titel hat sich abgeschwächt und andere Titel geben den Ton an. Investoren haben wieder mehr Vertrauen, auch in Nebenwerte. Man sucht Zyklizität. Und da ist unsere Entrepreneur-Strategie wieder gefragt.
An welche Art von Anleger richtet der 'BB Entrepreneur Switzerland Fonds'?
Prinzipiell eignet er sich für alle Anleger, die aktienaffin sind. Man beteiligt sich an Unternehmen, die eine echte Vision haben, die auch Branchenführer in ihrer Nische sind und ein attraktives Wachstumspotenzial besitzen. Gleichzeitig sind alle Firmen im Fonds auch sehr substanzreich, haben also viel Eigenkapital. Von dem her eignet sich der Fonds zur Aktienbeimischung bei langfristigen Strategien.
Im Video-Interview mit cash erklärt Birgitte Olsen ausserdem, was die Märkte derzeit bewegt, welchen Effekt eine Zinserhöhung der US-Notenbank auf die Finanzmärkte hätte und wie sich private Anleger aktuell verhalten sollen.
Birgitte Olsen startete nach Abschluss ihres Studiums an der Universität St. Gallen als Analystin bei der Bank am Bellevue. Seit 2008, nach einem Abstecher zu Vontobel und Generali Investments in Köln, arbeitet die gebürtige Norwegerin wieder bei Bellevue - als Fondsverantwortliche für Aktien kotierter eigentümergeführter Unternehmen. Mit ihren beiden Mitarbeitern betreut sie unter anderem den "BB Entrepreneur Switzerland Fonds".