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Geschichte
Letzte historische Schriftquellen in Buchform?
Nachdem im Jahr 2006 der erste von drei geplanten Teilbänden der Regesten zu den Urkundenbeständen des Deutschordenszentralarchivs der Öffentlichkeit vorgelegt werden konnte, ist es Udo Arnold als Herausgeber gelungen, die beiden abschließenden Bände bereits ein Jahr später folgen zu lassen. Allein die erfolgreiche Bewältigung dieses monumental anmutenden Unterfangens verdient höchsten Respekt und Anerkennung.
Insgesamt beinhalten die drei Teilbände 4.903 Regesten auf 1406 Druckseiten, denen sich die im ersten, bereits an anderer Stelle besprochenen Teil vorgesetzte Einleitung seitens des Herausgebers (S. IX-XXXIV), ein Verzeichnis der hauptamtlichen Archivare des Deutschordenszentralarchivs (S. XXXV) sowie das Verzeichnis der abgekürzt zitierten Drucknachweise (S. XL-LXXVIII) beigesellen. Dieses Opus wiederum stellt - so Udo Arnold in seiner Einleitung - lediglich die I. Abteilung der Gesamtedition dar, dem in einer II. die bereits elektronisch erfassten Regesten der Jahre 1527 bis 1938 folgen sollen. Von den gut 4.900 Nummern der ersten drei Teilbände sind 30%, also mehr als 3.400, unbekannt. Die Eingrenzungen des bearbeiteten Zeitraums ergaben sich einerseits für den Beginn aus den im Archiv vorhandenen Schriftstücken seit 1122, von denen neun noch aus der Zeit vor Gründung des Ordens vor 1197 datieren, andererseits aus der Amtsniederlegung des Deutschmeisters Dietrich von Cleen am 24. Dezember 1526 und damit kurze Zeit nach der Säkularisierung des Deutschordenslandes Preußen und des Übertritts des Hochmeisters Albrecht von Brandenburg-Ansbach zum lutherischen Glauben 1525.
Die Bearbeitungsform des ersten Teilbandes wurde richtigerweise stringent beibehalten, zeigt aber damit auch dieselben Problemfelder: Die (Kurz-)Regesten sind üblicherweise sehr knapp gehalten, so dass der Informationsgehalt sich fast ausschließlich auf den in einem Satz zusammengefassten Rechtsinhalt des jeweiligen Schriftstücks beschränkt. Wo vorhanden, wurden Zeugen und/oder Siegelzeugen berücksichtigt, diese jedoch stets in transkribierter - und leider nicht immer richtiger - Form beigefügt. Ebenfalls mehrfach unvollständig (so wurde z.B. nicht benutzt: Die Balduineen. Aufbau, Entstehung und Inhalt der Urkundensammlung des Erzbischofs Balduin von Trier [Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland Pfalz, Bd. 33], bearb. v. Johannes MÖTSCH, Koblenz 1980, und Regesten der Grafen von Katzenelnbogen 1060-1486 [Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau 11], bearb. v. Karl E. DEMANDT, 3 Bde. u. Reg., Wiesbaden 1953-57) und unrichtig sind die Angaben früherer Voll- und Teildrucke sowie älterer Regesteneditionen (so z.B. bei Nr. 1437, S. 455. Hier wurde das Regest in: Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter [Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde, 21], 12 Bde., bearb. v. Richard KNIPPING, Wilhelm KISKY u.a., Bonn/Köln/Düsseldorf 1901 2001, hier Bd. 4, Nr. 1151, S. 259, nicht angegeben, obwohl diese Regesten laut Quellenverzeichnis benutzt wurden), was mit Blick auf den zur Verfügung stehenden Platz immerhin noch verschmerzbar erscheint. Fataler ist jedoch die zahlreich misslungene Übertragung der Zeugennamen in modernes Deutsch, wo sich die Bearbeiter nicht zu einer stringenten Vorgehensweise entschließen konnten. Während die bekannteren Persönlichkeiten und Lokalitäten durchgehend richtig modernisiert wurden, finden sich bei den scheinbar minderrangigen Personen und Orten oftmals falsche Ausdeutungen - sei es aus Unkenntnis der richtigen Namen, sei es wegen des durchaus untauglichen Versuchs, schlicht die ursprünglichen Buchstaben zu transkribieren. Als Beispiele: "Poderbach" ist tatsächlich "Puderbach" im Westerwald (Nr. 1446, S. 457f.), "Johann v. Gulz" hingegen in "Johann von Güls" (Nr. 1464, S. 463), "Wilhelm von Kirwilr" in "Wilhelm von Kirrweiler (Nr. 1928, S. 600), "Nedernborge" in "(Koblenz-)Niederberg (Nr. 2072, S. 645), "Cuncze v. Sachsenflur, Vogt zu Schipffe" in "Cunz/Konrad von Sachsenflur, Vogt zu Schüpf" (Nr. 2207, S. 684), "Roylman, Herr zu Arendal" in "Rolyman/Rulmann, Herr zu Ahrenthal" (Nr. 2248, S. 694) aufzulösen etc.
Die vorgenannten Schwierigkeiten können jedoch noch im angestrebten Register gelöst werden, das offensichtlich entgegen der ursprünglichen Absicht des Herausgebers (vgl. dessen Hinweis auf ein am Ende der I. Abteilung vorgesehenes Initienverzeichnis in seiner Einleitung, S. XXXIII) nun erst nach Vollendung der II. Abteilung mit den regestierten Schriftquellen bis zum Jahr 1938 erscheinen soll. Bis dahin hat der Benutzer somit leider keinerlei Möglichkeit zu einem effektiven Zugriff, sondern muss sich gleichsam durch den - zweifellos ertragreichen - Gesamtfundus wühlen.
Verlag und Herausgeber sind also gut beraten, dem eingeschlagenen Publikationsweg auch weiterhin zu folgen, obgleich man an der Durchführbarkeit Zweifel hegen mag: Seit einiger Zeit werden auch Urkunden des Deutschordenszentralarchivs Wien im Rahmen des Virtuellen Urkundenarchivs Europas (monasterium.net) digitalisiert, wobei dort sogar die Originalschriftstücke als Bild einsehbar und die dazugehörigen, wörtlich übernommenen Regestentexte frei recherchierbar sind. Angesichts dessen steht zu befürchten, dass ein Register zur Buchpublikation nicht zuletzt aus finanziellen Gründen scheitern könnte - es bleibt zu hoffen, dass dem nicht so ist und die nicht nur für das Verständnis der deutschen Geschichte so wichtigen Regesten der Urkunden des Deutschordenszentralarchivs zu Wien zukünftig nicht allein online, sondern auch in Buchform recherchierbar sind.