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Rubrik: Tagesberichte
Vortrag von MIT-Professor Rodney Brooks
Roboter als Pflegehelfer

Published: 26.01.2007 06:00
Modified: 25.01.2007 18:38

Die Leute werden immer älter, die jüngere Generation wird im Jahr 2050 selbst alt und der Nachwuchs fehlt. Wer pflegt all die Altersheiminsassen? Roboter, sagte an der AI-Spezialist Rodney Brooks an einem Vortrag an der ETH.

Peter Rüegg (mailto:<email-pii>)
Menschen nutzen Tiere als Werkzeuge. Wie etwa der Schafhirte, der seinem Hirtenhund einen Befehl gibt, den das Tier ausführt. Mensch denkt, Tier lenkt. „Solche einfachen Aufgaben können auch humanoide Roboter ausführen“, sagte Rodney Brooks, Leiter der Gruppe Humanoid Robotics am Institute of Computer Science and Artificial Intelligence am MIT, in Analogie zum Hirten-Hund-Beispiel. Brooks hielt am Dienstag an der ETH einen Vortrag über Roboter. In seinem Vortrag gab der MIT-Professor einen unterhaltsamen Überblick über die Entwicklung von künstlicher Intelligenz und verhaltensbasierten, an biologischen Vorbildern orientierten Robotern, die immer menschenähnlicher und sozial verträglich werden.Lichtempfindliche Schildkröte
Erste Versuche mit dem schildkrötenähnlichen Roboter „Tortoise“ gehen zurück auf die frühen 50er Jahre des 20. Jahrhunderts. Tortoise war verhältnismässig einfach aufgebaut. Er orientierte sich an einer Lichtquelle und hatte Sensoren, welche ihn vor Hindernissen warnten. 1972 begann Brooks, seinen ersten Roboter zu bauen. Der Australier war fasziniert von der Art, wie Tiere und Menschen untereinander agieren, wie zum Beispiel Zebras in einer Herde. Roboter, so Brooks Ansatz, sollten auch zu sozialer Interaktion fähig sein.
Polly war ein Versuch, einen sozial agierenden Roboter zu bauen. Polly wurde 1993 in Brooks’ Gruppe entwickelt und als Touristenführer eingesetzt. Er wanderte umher und stoppte, sobald er zufällig einen Menschen antraf, der vor ihm stand. Dann forderte der Roboter die Person auf, mit einer Bewegung des Fusses das Interesse an einem Rundgang anzuzeigen. Sobald die Maschine das positive Signal registriert hatte, begann sie mit der Labortour.
Polly konnte zum Beispiel Hindernisse erkennen und einen bestimmten Parcours absolvieren, schob da und dort ein paar Bemerkungen über das Labor ein, wie „on the left, we have a coffee room“. Nur: Polly war nicht sozial veranlagt und spulte ein vorgegebenes Programm ab.Kismet zeigt Trauer
Mittlerweile sind die Forscher von Brooks Gruppe viel weiter. Mit Kismet(1) kreierte die Doktorandin Cynthia Breazel Ende der 90er Jahre einen Roboter(kopf), der mit Menschen in Verbindung treten konnte und auf visuelle Reize reagierte. Kismet beherrschte einige Gesichtsausdrücke und war in der Lage Emotionen zu zeigen. Sein Niveau war in etwas das eines Babys. Auch das visuelle System des Roboters mit zwei Kameraugen erreichte die Stufe eines Säuglings. Kismet liess sich durch soziale Interaktionen stimulieren, auf Überstimulation aber reagierte er mit Angst oder Ärger. Noch eine Stufe weiter geht „Domo“(2) . „Dies ist der schönste Roboter“, sagte Brooks begeistert.Sensibler Humanoid
Domo ist eigentlich nur ein Torso. Dieser kann einfache Wörter lernen und gewisse Arbeiten ausführen, die ihm ein Mensch aufträgt. So kann Domo verschiedene Gegenstände visuell erkennen. Er kann sie von einem Tisch aufheben und auf Befehl auf eine Ablage stellen, er kann auch einen Tee in einer Tasse umrühren oder hilft beim Putzen. Merkt Domo, dass er mit einer Hand die Ablage nicht erreicht, kann er den Gegenstand von der einen in die andere Hand nehmen. Dieser Roboter sei wie der Schäferhund für den Hirten, sagte Brooks. Domo verfügt zudem über ein komplexes visuelles System, mit dem er eigene und fremde Bewegungen erfassen kann. „Der Umgang mit Menschen ist sicher“, so Brooks, denn Domo hat dank entsprechenden Sensoren ein Bewusstsein für Kraft.Domo und Co. als Haushaltshelfer der Zukunft?
Für Brooks ist klar, dass die Entwicklung der Roboter weitergehen muss. Die Bevölkerungen in den Industrienationen altern, der Nachwuchs fehlt, der dereinst die alten Menschen pflegen soll. Roboter, so die Vorstellung des MIT-Professors, könnten die Lücke füllen, welche die aussterbende Babyboom-Generation in der westlichen Welt hinterlässt. Mit Blick auf die Demografie von Industrieländern wie Japan, wo im Jahr 2050 ein massives Manko an jungen Menschen erwartet wird, glaubt Rodney daran, dass die Bedeutung von Robotern zum Beispiel als Haushaltshelfer oder im Pflegebereich wachsen wird. Bereits heute sind gemäss Brooks 2,5 Millionen Haushaltsroboter im Einsatz.Footnotes: