Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03237.jsonl.gz/439

Die vergangenen knapp 200 Jahre des industriellen Zeitalters sind ein Klacks in der 300 000-jährigen Geschichte des Homo sapiens, auch in den 10 000 Jahren seit der Entstehung erster Agrargesellschaften und in der 4000-jährigen Epoche menschlicher Hochkulturen. Jedoch haben wir in dieser kurzen Zeit so viel Kohle, Erdöl und Gas verbrannt und Wald in Weide- und Anbauflächen verwandelt, dass die Konzentration von Kohlenstoffdioxid (CO2) in unserer Atmosphäre beispiellos gestiegen ist. Damit gefährden wir unseren eigenen Lebensraum.
CO2 ist ein Treibhausgas, das Sonnenwärme absorbiert und im Lauf der Zeit wieder abgibt. Es baut sich nur sehr langsam über einen Zeitraum von 30 bis 1000 Jahren ab und seine Konzentration in der Atmosphäre ist vergleichsweise hoch. Darum steht CO2 vor Methan (CH4) und Distickstoffoxid (N2O) im Fokus. Der CO2-Anteil in der Atmosphäre schwankte während der letzten 800 000 Jahre gemäss Eisbohrungen zwischen 170 und 300 Anteilen pro Million (ppm). Während der vergangenen 50 Jahre ist dieser Wert emporgeschnellt und liegt nun bei über 410 ppm. Die Zunahme aller Treibhausgase in der Atmosphäre hat die Temperatur im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter global bereits durchschnittlich um 1 °C steigen lassen. Dabei kann der Temperaturanstieg abhängig von geografischer Lage und saisonalen Unterschieden auch deutlich höher ausfallen: In der Arktis ist er etwa zwei- bis dreimal so hoch und allgemein über Landflächen stärker als über den Ozeanen. Der UN-Weltklimarat IPCC rechnet damit, dass aufgrund der langfristigen Wirkung von früheren und aktuellen Treibhausgasemissionen ein weiterer Anstieg um 0,5 °C bis 2040 bereits jetzt unvermeidbar ist.
Die Auswirkungen des Klimawandels und seine Gefahren sind unübersehbar. Die Erderwärmung lässt weltweit Gletscher und die polaren Eisflächen schmelzen, die Ozeane werden wärmer und saurer, der Meeresspiegel steigt. Wetterextreme wie heftige Stürme, Hitze sowie Dürren einerseits und massive Niederschläge mit Überflutungen andererseits häufen sich und verursachen Schäden an der Infrastruktur und anderen Vermögenswerten. Die Biodiversität nimmt ab, der Lebensraum von Millionen Menschen ist bedroht, die Ernährung und die Trinkwasserversorgung werden problematischer. Die stärksten Klimaveränderungen treffen Entwicklungs- und Schwellenländer, darum verschärfen sich wahrscheinlich die globalen Wohlstandsunterschiede und die Migration wird zunehmen.
Auf der Pariser Klimakonferenz von 2015 haben sich die teilnehmenden Staaten das Ziel gesetzt, die Erderwärmung auf 2 °C zu begrenzen und möglichst bei 1,5 °C zu halten. Dazu müssen wir bis 2055 (für das 2°C-Ziel) respektive bis 2040 (für das 1,5°C-Ziel) unsere CO2-Emissionen auf null senken. Mit unserem derzeitigen Emissionsverhalten hätten wir das gesetzte «CO2-Kontingent» dagegen schon in absehbarer Zeit verbraucht.
Die Herausforderung, die Pariser Klimaziele zu erreichen, ist enorm. Gemäss der internationalen Energiebehörde IEA basieren heute etwa 80% der globalen Energieversorgung auf fossilen Brennstoffen. Diese müssten überwiegend durch erneuerbare Energiequellen ersetzt werden. Emissionsintensive Anlagen wie Kohlekraftwerke könnten nicht so lange wie geplant genutzt werden und müssten abgeschrieben werden, fossile Brennstoffvorkommen würden wertlos. Eine radikale Umstellung könnte disruptive Ereignisse wie Angebots- oder Nachfrageschocks auf den physischen Märkten auslösen und Finanzkrisen verursachen.
Um die CO2-Konzentration in unserer Atmosphäre zu verringern, können wir auch das CO2 in der Atmosphäre aktiv abbauen. Dazu gibt es zum einen energie- und kostenintensive chemische Verfahren zum Abfangen und Binden von CO2. Zum andern bindet auch Wald Treibhausgase: Nach Äquivalenzrechnungen der US-Umweltbehörde bindet ein Hektar Wald in einem Jahr die Emissionen von etwa 4,3 Fass Öl. Da aber täglich weltweit rund 100 Mio. Fass Öl verbraucht werden, kann die Aufforstung von Wäldern nur ergänzend zur Reduktion der CO2-Konzentration beitragen. Denn die verfügbaren Flächen konkurrieren angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung mit der Landwirtschaft.
Bisher wurde zu wenig getan, um das Pariser Klimaziel zu erreichen. Während die Umstellung auf eine emissionsneutrale Wirtschaft sofort Kosten verursacht, dauert es länger, bis wir die Folgen und die Kosten des Klimawandels spüren. Die Politik verschleppt darum unbequeme und durchgreifende Entscheidungen, in extremen Fällen werden die beängstigenden Tatsachen sogar negiert. Politische Akteure verwerfen globale Lösungsansätze wie eine einheitliche CO2-Steuer, weil sie diese als Bedrohung für ihre nationale Wettbewerbsfähigkeit und die Arbeitsplätze sehen, und weisen darauf hin, dass ja nicht alle gleich viel zur Entstehung des Problems beigetragen haben. Daher muss die Initiative auf anderen Ebenen ergriffen werden. Jeder Einzelne kann zu einem Umdenken beitragen.
Finanzanlagen als Beteiligungen oder Kredite finanzieren wirtschaftliche Aktivitäten, die meist zum Ausstoss von Treibhausgasen führen. Finanzanlagen sollten aber auch Klimaziele berücksichtigen. Die Anlageberatung ist demzufolge mehr denn je gefordert: Banken spielen in Beratung, Aufklärung und Gestaltung von Anlageprodukten eine zentrale Rolle und können Anreize setzen, dass sich Kunden bewusst für nachhaltige Investitionen entscheiden.
Wenn sich Anleger systematisch für nachhaltige Anlagen entscheiden, sollte dies zu einer global veränderten Allokation von Kapital führen. Das müsste sich in veränderten Risikoprämien bei Zinsen und Aktien niederschlagen. Unternehmen, welche Klimaziele, soziale Fragen oder die nachhaltige Unternehmensführung ignorieren, müssten an den Kapitalmärkten zunehmend Schwierigkeiten haben, Obligationen zu platzieren, oder eine tiefere Bewertung ihrer Aktie als jener von nachhaltigeren Konkurrenten hinnehmen. Setzt sich nachhaltiges Anlegen global vermehrt durch, dann müsste sich dies in differenzierten Kapitalkosten für nachhaltige und wenig nachhaltige Unternehmen manifestieren.
Heute können wir kaum direkt messen, ob sich der Druck der Investoren auf die Risikoprämien an den Kapitalmärkten auswirkt. Emittenten von Obligationen mit gleicher Bonitätseinstufung, aber sehr unterschiedlicher Nachhaltigkeitsgüte zahlen innerhalb ihrer Branche gleich hohe Schuldzinsen. Dies auch deshalb, weil grosse US-Investmentbanken im Kapitalmarktgeschäft kaum Nachhaltigkeit fordern. So kommt es häufig vor, dass die gleiche global tätige Bank ihren Privatkunden in der Vermögensverwaltung nachhaltige Anlagen anbietet, aber für ihre Konzernkunden äusserst profitable Emissionen von Aktien oder Unternehmensanleihen in CO2-intensiven Branchen betreibt.
Nachhaltiges Anlegen ist während der vergangenen Dekade zum eigentlichen Megatrend in der Vermögensverwaltung avanciert. Eine Prognose, ob sich die Risikoprämien in den nächsten zehn Jahren verändern und zu einer Überrendite nachhaltiger Anlagen führen werden, bleibt spekulativ. Umgekehrt zeigt unsere langjährige Erfahrung mit nachhaltigen Anlageportfolios, dass nachhaltiges Anlegen nicht zulasten der Rendite ging (Abb. 1). Die Rendite unserer Anlagelösung Ausgewogen Nachhaltig ist seit ihrer Auflegung im Sommer 2017 sogar leicht besser als die der konventionellen Strategie (Abb.1). Ein ähnliches Bild ergibt sich auch über die letzten zehn Jahre für unsere individueller konfigurierten nachhaltigen Vermögensverwaltungsmandate.
Nachhaltige Strategien unterscheiden sich sehr deutlich von konventionellen Strategien bezüglich ihres CO2-Fussabdrucks. Dabei ist die Bestimmung der Treibhausgasintensität einer Finanzanlage im Detail sehr anspruchsvoll. Buchhalterische Standards wie das Greenhouse Gas Protocol der Vereinten Nationen erlauben, für einzelne Aktien, Unternehmens- und Staatsanleihen die Treibhausgasintensität zu bestimmen. Auch supranationale und private Anbieter von Daten und entsprechender Software ermöglichen es, den CO2-Fussabdruck eines Anlageportfolios zu bestimmen. So ist beispielsweise für Aktien der CO2-Fussabdruck als «Emissionen in Tonnen CO2-Äquivalent pro Million CHF Umsatz» festgelegt. Abbildung 2 zeigt, dass unsere Anlagelösung Ausgewogen Nachhaltig einen nur halb so CO2-intensiven Fussabdruck besitzt wie die entsprechende indexnahe konventionelle Anlage.
Abbildung 2 zeigt weiter auf, dass die Erreichung der Klimaziele des Pariser Abkommens zur Begrenzung der Klimaerwärmung auf unter 2 °C nur gelingen kann, wenn die CO2-Intensität der Weltwirtschaft und damit auch jene der Finanzanlagen jedes Jahr um etwa 4% sinkt – eine rasante Abnahme, die erst noch bei nachhaltigen und bei konventionellen Anlagen Jahr für Jahr stattfinden muss, um die Klimaerwärmung zu begrenzen. Falls die Dekarbonisierung der Wirtschaft nur partiell gelingt – und das ist entscheidend für das Verständnis der schwierigen Situation –, verlangsamt sich der Klimawandel zwar, aber er setzt sich weiter fort.
Durch die Wahl einer nachhaltigen Anlage wird Kapital zugunsten nachhaltig wirtschaftender Unternehmen umgelenkt und Unternehmen mit besonders hoher CO2-Intensität werden gemieden. Die Hoffnung ist, dass nachhaltiges Anlegen durch die Preisbildung an den Kapitalmärkten dazu beiträgt, den dringend notwendigen und grundlegenden Strukturwandel bei der Verbrennung fossiler Energieträger zu beschleunigen.
Wenn Sie Fragen zu unserem Anlageprozess haben, beantworten wir Sie Ihnen gern.