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Bereits zu Hause hatten wir beschlossen, an Jörgs Geburtstag zu einem Folkfestival zu gehen, weshalb wir einen Abstecher nach Ballyshannon unternehmen und uns unterwegs allerlei Sehenswertes anschauen. Wir folgen der N56 nach Süden und biegen dort, wo sie auf die R 261 trifft, ab und folgen der Strasse. Am Kilclooney Dolmen Center parken wir und lassen uns vom Bibliotheksmitarbeiter den Weg zu dem nicht ausgeschilderten Dolmen beschreiben. Das Visitor Center ist leider geschlossen. Von allein hätten wir den Weg nie gefunden.
Am Rand eines Hausgrundstücks klettern wir auf die Befestigungsmauer und gelangen so auf einen Weg in die Weiden. Wir sind die einzigen Menschen hier. Schon bald sieht man den Kilclooney Dolmen. Der grosse Dolmen stammt aus der Zeit um 3.500 v. Chr. Sein massiver Schlussstein wiegt wahrscheinlich mehr als 100 Tonnen und sieht aus jedem Blickwinkel anders aus. Ungewöhnlich ist, dass der Deckstein nicht direkt auf den hinteren Stein gelegt wurde, sondern auf einen zusätzlich kleinen Stein platziert wurde. Es wird vermutet, dass die Erbauer damit mehr Licht ins Grab scheinen lassen wollten.
Neben dem grossen Dolmen befindet sich ein weiterer kleiner teilweise eingestürzter Dolmen.
Als nächstes suchen wir das alte Doon Fort, ein altes Ringkastell am Doon Lough in der nähe des Küstenortes Portnoo. In der Bibliothek erfahren wir, dass das Fort zur Zeit nicht zu besichtigen ist, bekommen aber eine Wegbeschreibung, von der aus man es sehen können soll.
Unter «sehen können» hatten wir uns wohl etwas anderes vorgestellt. Egal wie wir gefahren sind und wie oft wir die Strommasten gezählt haben, wir hatten nie das Gefühl, das Fort gesehen zu haben. Als an einer Stelle eine Fahrspur in die Binsen führt, denke ich, dass dieser Weg eine gute Möglichkeit sein könnte, um einem Ausblick auf das Fort etwas näher zu kommen. Ich mache mich mit Morgaine zu Fuss auf den Weg. Am Wegesrand sind die Boote zu sehen, die man früher wohl mieten konnte, um zum Fort zu gelangen. Dies scheint aber schon eine Weile her zu sein.
Die Fahrspur endet an einem zusammengebundenen Stacheldrahtzaun, was irgendwie nach einer Einladung aussieht, weiterzulaufen. Irgendwann gehen uns die Binsen bis zum Hals und der Boden wird immer feuchter. So erklimmen wir eine kleine Anhöhe und erhaschen wenigstens einen kleinen Blick auf das Fort.
Da wir nun schon mal auf der Anhöhe sind, denken wir, dass es einfacher wäre, so zum Auto zurückzugehen, was sich als schwerer Fehler herausstellt. Wir springen von Heidebüschel zu Heidebüschel bis eine gewaltige Brombeerwand den Weg versperrt. So arbeiten wir uns zu einer dieser kleinen Steinmauern und balancieren darüber. Ein Versuch von der löchrigen Mauer abzusteigen, lässt mich einen halben Meter im Moos einsinken. Rechtzeitig bevor der Schuh durchweicht, bin ich wieder auf der Mauer. So arbeiten wir uns bis auf 5 m an das Auto heran. Dann müssen wir von der Mauer runter. Diese maximal 500 m Fussweg gehören zu den anstrengendsten im Urlaub. Der Untergrund ist hier sehr trügerisch.
Von hier aus fahren wir auf einer romantischen Strasse Richtung Slieve League. Die Strasse ist wunderschön und wird mit einem Lookout belohnt, auf dem ein Imbisswagen steht, der u.a. Kaffee und kleine Stärkungen verkauft. Wir haben Glück und bekommen noch einen Parkplatz und können so ein kleines Picknick mit toller Sicht geniessen.
Wir erreichen Slieve League. Die Klippen gehören zu den höchsten Europas. Sie sind ungefähr drei Mal höher als die berühmten Klippen von Mohar in der Grafschaft Clare. Da wundert es uns nicht, dass die Parkplätze alle belegt sind. Wir haben scheinbar Glück, denn jemand fährt direkt vor uns weg. Zu diesem Zeitpunkt ahnen wir nicht, dass man hätte weiterfahren können. Vom Parkplatz geht es steil bergauf.
Das Wandern ist der Kinder Frust, vor allem, weil alle Nase lang jemand mit dem Auto an uns vorbeifährt und uns so zeigt, dass die Kraftanstrengung vollkommen unnötig ist. Auch die Tatsache, dass an jedem interessanten Seitenabstecher ein Wald von Verbotsschildern steht, hebt die Laune nicht. Und zugegeben, auf Asphalt zu laufen macht nicht so wirklich Spass.
Dass wir uns dem Ziel nähern, ist daran zu sehen, dass nun überall Autos parken. Hier oben herrscht ein kleines Verkehrschaos aus parkenden und wendenden Autos. Am Ende der Strasse steht ein Imbiss, an dem sich die Kundschaft in einer langen Schlange anstellt.
Von der Aussichtsplattform könnte man noch weiter nach oben laufen, aber wir haben inzwischen ein kleines Zeitproblem. Wir müssen unsere Festivalkarten bis 17.00 Uhr in Ballyshannon abholen. So geniessen wir nur kurz den Ausblick und eilen dann wieder zum Auto.
Trotz aller Eile erreichen wir Ballyshannon erst nach 17.00 Uhr. Wir erfahren, dass die Tickets nun woanders abzuholen sind. Die ganze Innenstadt ist schon in Festivallaune. Die Pubs und Cafés sind voll, überall spielt Musik und jede Menge Leute sind auf den Beinen, so dass mit dem Auto kein Durchkommen ist und es nicht den allerkleinsten Parkplatz gibt. So parken wir am Rand des Ortes und versuchen es im zweiten Anlauf zu Fuss. Als stolze Ticketbesitzer können wir uns nun auf die Suche nach unserer Unterkunft begeben, was viel schwerer als gedacht ist. Wir wohnen ca. 10 km entfernt, weil in der näheren Umgebung schon alles ausgebucht war. Die Navigation nach Strassennahmen führt uns in eine Siedlung mit winzigen Einfamilienhäusern. Wir klingeln an der vermeintlichen Hausnummer, wo uns eine nette alte Dame erklärt, dass dies regelmässig passiere und sie nur wüsste, dass die Wohnung irgendwo am Meer wäre.
Mit dieser Auskunft können wir nun nicht so wahnsinnig viel anfangen. Also rufen wir die Dame an, die als Wohnungsverwalterin angegeben ist. Sie beschreibt uns den Weg nach dem Motto, immer dem Riesenrad entgegen. Nichts Gutes ahnend, nähern wir uns dem Riesenrad an. Die von Jörg gebuchte Wohnung entpuppt sich als seltene Scheusslichkeit.
Mehrere Wohnblocks sind so zusammengebaut, dass ein Innenhof entsteht, der als Parkplatz dient, aber natürlich voll ist. Alle Wohnungen sind über Aussentreppen erreichbar. Wir stehen im Innenhof und suchen verzweifelt die Nummer unseres Appartments. Es versteckt sich ganz oben. Wir haben direkte Aussicht auf den laut blinkenden, schäbigen Rummelplatz. Auch sonst hören wir alles von den Nachbarn. Jörgs Auswahlkriterium für die Wohnung war wohl die Nähe zum Festivalort. Für eine Nacht kein Problem, auch wenn die Betten eine echte Herausforderung für den Rücken sind.
Wir laden nur das Gepäck ab und machen uns wieder auf den Weg, damit wir unterwegs noch eine Kleinigkeit essen können.
Mit Festivalbeginn sind auch wir da und bekommen sogar noch Sitzplätze. Es ist das erste Festival, welches wir gemeinsam als Familie besuchen. Das Publikum ist von 50 aufwärts. Als erstes tritt ein Vorsänger mit unglaublicher Stimme auf, dann kommt ein richtig lustiger Auftritt der Dave Munnelly Band mit Geige, Miniakkordeon und Gitarre. Erstaunlich welche Töne man manchen Instrumenten entlocken kann. Als nächstes sind die Henry Girls mit ihrem Auftritt dran. Die Schwestern haben unglaubliche Stimmen. Allerdings spielt eine der Schwestern eine Harfe, die auch wenn man ihr rockige Melodien entlockt mit der Zeit aufdringlich wird.
Das Beste soll ja stets zum Schluss kommen, an diesem Abend sind es die Hothouse Flowers. Inzwischen hat sich das Zelt auch mit vielen jüngeren Zuschauern gefüllt. Wurde die Lautstärke der Musik schon bei den letzten Darbietungen der Henry Girls immer lauter, übersteigt die Musik der Hothouse Flowers, als sie endlich geruhen zu spielen, das Mass des Erträglichen. Wir fliehen, wie viele andere auch und hören uns noch 3 Titel in absolut ausreichender Lautstärke auf dem Parkplatz an, bevor wir in unser Gruselappartement fahren. Immerhin hat der Rummelplatz Feierabend gemacht, so dass es einigermassen ruhig ist.
Nach einem kargen Frühstück verlassen wir früh den Ort und fahren gemütlich zurück zum Haus nach Dunlewey. Wir verlassen die N56 und fahren Richtung Killybegs und dann immer weiter Richtung Glencolumbkille. Wir sind auf der Suche nach den Gräbern.
Hinter Largy folgen wir der Strasse zum Muckross Head. Ein Hinweisschild auf eine Töpferei erregt meine Aufmerksamkeit. Wir werden von einem Ehepaar begrüsst, das hier zu Besuch ist. Der Töpfer ist noch nicht da. Da die Töpferware, wie ein Versuch ergibt, nicht wasserfest ist, sehen wir von einem Kauf ab, bekommen aber den Hinweis, wir sollten unbedingt zu den Felsen an der Spitze von Muckross Head gehen.
Wir folgen dem Rat und geniessen die Kletterei auf den Felsen.
Aus der Ferne blicken wir noch einmal auf die Landzunge. Wir wundern uns immer noch über die Surfer, die bei dieser Kälte im Wasser sind.
Bis wir plötzlich am Ende der Welt in Glencolmcille am Folk Village stehen, haben wir nicht den kleinsten Hinweis auf die Gräber gefunden. Die Mädels sind recht angetan vom Museum, so entscheiden wir uns, kurz durchzulaufen.
Jedes Cottage ist eine genaue Nachbildung einer Behausung, die von den Einheimischen im 18. bis 20. Jahrhundert bewohnt wurden und mit den Möbeln und Utensilien der jeweiligen Zeit ausgestattet sind. Ein rekonstruiertes Schulhaus, die Hütte eines Fischers und der kleine Gemischtwarenladen in der Kneipe bieten zusätzliche Einblicke in das ländliche irische Leben in einer der abgelegensten Ecken des Landes.
Am Ende des Rundgangs stärken wir uns mit einer leckeren Suppe in der Sonne vor dem Museumseingang. Damit fehlt uns aber die Zeit, weiter nach den Gräbern zu suchen.
Jörg möchte gern ein Dudelsackkonzert in Dunlewey hören und drängt auf die Heimreise. Wie sich dann in Dunlewey herausstellt, haben die Dudelsackspieler ihren Auftritt für ein sehr wichtiges Fussball-Spiel unterbrochen. So können wir erst einmal unsere Sachen ins Haus bringen. Jörg fährt zur angegebenen Zeit wieder hin, muss sich aber erst 20 Minuten gälischen Fussball erklären lassen, bevor er in den Genuss der Musik kommt.
Alle Beiträge, die im Rahmen dieser Reiseerzählung entstanden sind, findet ihr nachfolgend als Link: