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«Ich glaube fest daran, dass du meine Seelenverwandte bist, und würde dich gern kennenlernen»: Diese Nachricht landete in Anita Meiers* elektronischem Postfach. Die 56-Jährige wunderte sich zwar, woher der Mann namens Allen Paul ihre Mailadresse hatte, antwortete ihm aber dennoch. Fast täglich schickte ihr Allen von da an verliebte Nachrichten: «Die ganze Nacht habe ich an dich gedacht», «Du bist das Beste, was mir seit Jahren passiert ist». Meier fühlte sich geschmeichelt: «Ich hab mich über die lieben Nachrichten gefreut, ich fühlte bald eine grosse Vertrautheit.»
«Es ging mir viel zu schnell»
Zugleich wurde die Thunerin skeptisch: «Es ging mir alles viel zu schnell.» Sie gab den Namen «Allen Paul» bei Google ein und stiess dabei auf den Beobachter-Artikel «Vertrau mir, Sweetheart», in dem eine Frau schildert, wie sie von einem Allen Paul kontaktiert, umgarnt und dann um ihre ganzen Ersparnisse gebracht wurde. Denn Allen ist nicht ein gut aussehender, gläubiger, verwitweter Architekt aus den USA, sondern ein raffinierter Krimineller, der allein im beschriebenen Fall 120'000 Franken ergaunert hat.
Dieselbe Masche
Anita Meier stockte der Atem. «Allen schickte mir die fast gleichen Nachrichten wie dieser Frau im Artikel. Auch die Informationen zu Beruf, Familie und Zukunftswünschen stimmten überein.» Doch es ging noch weiter: «Wie im Artikel kündigte er an, nun nach Istanbul zu verreisen, bevor er endlich zu mir kommen könne.» Ob der ominöse Allen Paul auch ihr bald erzählen wird, dass er in Istanbul von einer Räuberbande überfallen worden und deswegen nun dringend auf Geld angewiesen sei, war bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt.
*Name geändert