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«Wir wollen sauberes Trinkwasser auf nachhaltige Weise in ärmere Länder bringen»
Noch immer haben weltweit zwei Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Das Start-up-Unternehmen Openversum, Gewinner des Community Awards des Jugend- und Zukunftspreises «Together we’re better», will dies ändern: Ein lokal produzierter Trinkwasserfilter soll Betroffenen den Zugang zu sauberem Trinkwasser ermöglichen. Nun präsentierte das Team rund um Olivier Gröninger und Julián Salazar sein Projekt in New York am Finale des Hult Prizes – dem «Nobelpreis für Studierende».
In Kolumbien und Ecuador wurden bereits zwei Pilotprojekte durchgeführt – diese ermöglichten 400 Menschen den Zugang zu sauberem Trinkwasser. © Openversum
Julián Salazar, in welchem Bereich ist Openversum tätig?
Weltweit haben zwei Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, mit verheerenden Folgen: Jedes Jahr sterben 300'000 Kinder unter fünf Jahren an Krankheiten, die durch verschmutztes Wasser verursacht werden. Openversum will deshalb sauberes Trinkwasser auf nachhaltige Weise in ärmere Länder bringen: Wir bilden lokal Handwerkerinnen und Handwerker in der Herstellung von Trinkwasserfiltern aus, die diese dann nutzen und auch verkaufen können. Sie werden so selbst zu Wasserunternehmern.
Der Trinkwasserfilter ist kostengünstig, umweltfreundlich und entfernt 99.99999% der Bakterien, Schwermetalle sowie Chemikalien im Wasser. Zudem ist der Filter so konzipiert, dass eine Wiederverschmutzung des Wassers ausgeschlossen werden kann. Bisher konnte Openversum in Pilotprojekten für über 400 Menschen in Ecuador und Kolumbien kontaminiertes Wasser in Trinkwasser umwandeln. Verschiedene Partner haben Interesse bekundet, unser System an weiteren Orten in Lateinamerika und Afrika einzusetzen.
Wie entstand die Idee zum Trinkwasserfilter?
Als unser CEO Olivier in Kolumbien lebte und ländliche Gebiete in ganz Lateinamerika bereiste, war er fassungslos darüber, wie viele Menschen immer noch verunreinigtes Wasser tranken. Während seines Doktorats in Chemieingenieurwissenschaften an der ETH Zürich setzte er sich deshalb mit der Frage auseinander, wie vorhandene Wassertechnologien angepasst werden müssen, um Menschen den Zugang zu sauberem Trinkwasser zu erleichtern. Unter der Betreuung von Professor Wendelin Stark, Experte für Nanotechnologie, entwickelte Olivier einen effektiven Trinkwasserfilter.
Wie kam es zur Gründung von Openversum?
Um die Wirkung seines Projekts zu vergrössern, plante Olivier, nach seinem Abschluss ein Unternehmen zu gründen. Auf einer Konferenz traf er auf die Umweltingenieurin Laura Stocco, die umfassende Erfahrung in Wasserprojekten hat, und mich. Durch mein Netzwerk in Kolumbien, wo ich geboren bin, wollen wir die Reichweite des Projektes vergrössern. Weiter stiess Lorenzo Donadio, ein ehemaliger Studienkollege von Laura und Freund von mir, zu uns. Mit seinen Fähigkeiten in den Bereichen Umwelttechnik und Datenwissenschaft ergänzte er unser Team. Wir gründeten mit Openversum ein nachhaltiges Unternehmen, um das Leben von Millionen von Menschen zu verbessern. Unsere Liebe zu Menschen hat uns zusammengebracht, und gemeinsam haben wir unsere Vision verwirklichen können: Lokale Unternehmer zu befähigen, das Leben in ihrer Gemeinde zu verbessern. Denn es zeigte sich, dass nicht nur der Trinkwasserfilter, sondern auch das Wissen, wie der Filter gebaut und genutzt wird, lokal vermittelt werden muss. Darum befähigen wir lokale Akteure und Akteurinnen, ein Wasserunternehmen zu gründen, Trinkwasserfilter herzustellen, zu betreiben und zu verkaufen. Wir nutzen dazu das Instrument des Microfranchisings: Kleinunternehmer übernehmen das Geschäftsmodell und können in ihrem Umfeld das Geschäft aufbauen.
Wie wurden Sie und Ihr Team von der DEZA und dem SECO unterstützt?
Openversum wurde am «International Cooperation Forum Switzerland» – einem von der DEZA und ihren Partnerorganisationen organisierten Forum, das den Dialog zu lösungsorientierten Ansätzen in Entwicklungs- und Schwellenländern fördert – mit dem Community Award ausgezeichnet. Der mit 4'000 Schweizer Franken dotierte Preis wurde uns von Bundespräsident Ignazio Cassis persönlich überreicht. Zur Teilnahme an «Together we’re better» hat uns bewegt, dass nachhaltige Projekte mit starker Auswirkung gesucht wurden. Wir erhielten schliesslich nicht nur ein Preisgeld, sondern gewannen vor allem das Vertrauen der Community und eine Plattform, um unser Projekt zu präsentieren.
Kürzlich nahm Openversum am Finale des «Hult Prizes» – dem «Nobelpreis für Studierende» – teil. Was bedeutete dies für Ihr Team?
Für den «Hult Prize» 2022 bewarben sich ursprünglich 10'000 Teams. Es erfüllte uns deshalb mit Stolz, zu den sechs Finalisten zu gehören. In New York durften wir als erstes Schweizer Team unser Projekt auf einer grossen Bühne bekannter machen. Unser Ziel war es, die hochkarätig zusammengesetzte Jury und potentielle Investoren von unserem Projekt zu überzeugen, damit unsere Technologie möglichst rasch möglichst vielen Menschen zur Verfügung gestellt werden kann.
Der «Hult Prize» hat zum Ziel, die dringendsten Probleme der Welt zu lösen. Das diesjährige Thema, «Getting the World Back to Work», stellte das achte Ziel der 17 Nachhaltigkeits-Ziele der Agenda 2030 in den Mittelpunkt: Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum. Unser Projekt, welches lokal Arbeitsplätze schafft, eignete sich deshalb hervorragend zur Teilnahme am Wettbewerb. Insgesamt dauerte der Hult Prize ein Jahr. So durchliefen wir die verschiedenen Phasen vom Programm an der ETH hin zum regionalen Gipfel, wo wir die Teilnahme am Global Accelerator gewannen, bis zum Finale.
Welchen Rat würden Sie jungen Menschen geben, die auch eine gute Projektidee haben und den nächsten Schritt erwägen?
Durchhaltevermögen, mentale Flexibilität und sicher auch Freude sind essenziell. Zudem ist es wichtig, das grosse Ganze nie aus den Augen zu verlieren – also das, wofür man sich einsetzt. Wir verwenden oft Zahlen – beispielsweise die Anzahl verkaufter Filter, eingespartes CO2 oder Einnahmen. Aber hinter jeder Zahl steht schlussendlich ein Mensch oder eine Familie, die nun Zugang zu sauberem Wasser hat.
Jugend- und Zukunftspreis «Together we’re better»
Die DEZA und das SECO haben 2021/22 zum zweiten Mal den Jugend- und Zukunftspreis «Together we’re better» durchgeführt. Erneut wurden Projekte, Initiativen und Ideen von jungen Menschen unter 35 Jahren aus der Schweiz gesucht, die zur nachhaltigen Entwicklung und Armutsbekämpfung in Ländern mit kleinerem oder mittlerem Einkommen beitragen. Der Jugend- und Zukunftspreis ist eine Anerkennung des Engagements junger Menschen, die aktiv zur Erreichung der nachhaltigen Entwicklungsziele (SDG) der Agenda 2030 beitragen.
Die diesjährigen Gewinnerinnen und Gewinner sind:
- Openversum – Lokale Produktion von Trinkwasserfiltern (Kategorie: Community Prize)
- Groam – Biologisch abbaubarer Schaumstoff aus Abfall (Kategorie: Combating Climate Change)
- Sophia – Weltweit erster Chatbot zur Unterstützung von Opfern häuslicher Gewalt (Kategorie: Think global, act local)
- HERBY – Bildung für Kinder dank neuer Technologien (Kategorie: Start-up)
Die nächste Ausgabe von «Together we’re better» findet 2023/24 statt.