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Kunst
Western-Comic in Perfektion
Dass die Faszination für den Wilden Westen bis heute nicht abgerissen ist, zeigen die unlängst erschienen Filme "The Revenant" (Regie: Inarritu) und "The H8ful Eight" von Altmeister Tarantino, der ebenfalls dem Western-Genre zugeordnet werden kann. Cisco Kid stammt aus einer Zeit, in der nicht nur Western TV-Serien, sondern sogar noch Radiosendungen reißenden Absatz genossen, solange sie sich nur der Eroberung des unbekannten Territoriums im Westen widmeten. Als "The Caballero’s Way" wurde Cisco Kid bereits 1914(!) erstmals verfilmt, damals noch als Stummfilm. In den Vierzigern folgten die Cisco Kid Radio Shows und schließlich 1944 sein erster Auftritt als Comic.
Der Zeichner José Louis Salinas sah damals schon sein großes Vorbild in Hal Foster (Tarzan, Prinz Eisenherz), aber auch in Alex Raymonds Flash Gordon Serie, bei der er vor allem die illustrative Dynamik bewunderte. Seine Interpretation des Cisco Kids erinnerte stark an den Schauspieler Cesar Romero, so Uwe Baumann in seinem Vorwort zu vorliegendem Comic, und der Skriptschreiber Reed beschrieb den Comic als solchen mit folgenden Worten: "Cisco war dunkel, schlank und gutaussehend. Pancho war ein plumper, lustiger Zeitgenosse, die Frauen waren wunderschön, die Übeltäter und Verbrecher waren schäbiger als ein räudiger Hund, und die Pferde und Rinder waren so lebensecht, dass man ihnen eilig ausweichen wollte, wenn sie auf einen zurasten."
Cisco und die Suffragette
Der Strip erschien 17 Jahre in zweitweise mehr als 360 Zeitungen weltweit. Von den insgesamt 66 Geschichten legt der Bocola Verlag nun drei Geschichten aus dem Jahre 1951 erstmals auf Deutsch auf: Lucy, Rote Blume & Good Time Gulch. Die Bilder sind bestechend scharf, die Stories voller Humor und lustiger Anekdoten und der Held ein "richtiges Mannsbild", die Frauen dafür ebenfalls "gestandene Weiber". In der ersten Episode kämpft Lucy doch tatsächlich für das Frauen-Wahlrecht in einer Gemeinde, in der der Richter sich einen ganzen Fluss unter den Nagel reißen will, um sein Grundstück zu bewässern. Lucy weiß auch, warum Frauen das Wahlrecht verwehrt wird, weil sie nämlich den Dingen auf den Grund gehen:"weil Frauen die Ware erst prüfen, bevor sie sie kaufen", so Lucy. Als sie sich sogar die Haare schneiden lässt, um einer Gemeindeverordnung zu entsprechen, die das ausdrücklich von Frauen verlangt, die sich als Politikerinnen aufspielen, eilt Cisco Kid der Suffragette helfend zur Seite.
Cisco Kid und Pancho
Aber auch für die "Rot-Häute" oder Indianer, wie die Einwohner der USA fälschlicherweise immer noch genannt werden, hat Cisco Kid ein Herz und verhindert einen Krieg zwischen ihnen und den Weißen, denen sie ohne Waffen - "Donnerstöcke" - ohnehin unterlegen gewesen wären. Schließlich hilft er aber auch weißen Siedlern und einer schönen Frau namens Silver Belle, eine verschollene Mine wiederzufinden und so der Gerechtigkeit genüge zu tun. Stets an seiner Seite ist übrigens Pancho, dessen Figur eindeutig an Sancho Panza, den Begleiter Don Quijotes angelehnt ist, der Zeichner kommt ja schließlich aus Argentinien und kennt den spanischen - von Cervantes 1605/15 erfundenen - Mythos. Auffallend an Cisco Kid ist besonders die feine und ausbalancierte Zeichnung der Gesichter, die vielen Details im Hintergrund und das insgesamt sehr authentische Bild, in die sich Charaktere wie One-Eyed Jack, Rifle-Ralph, Giggler-Grigg, Ragtime, Silver Belle oder Laufender Donner geschmeidig einfügen.
Ein Lesegenuss nicht nur in ästhetischer Hinsicht, sondern vor allem auch bezüglich der Lachmuskeln, denn einige Szenen sind wirklich zum Schießen komisch, aber niemals lächerlich. "Cisco Kid" zeigt, dass Comics tatsächlich eine eigene Kunstform sind, die es vermag, realistische Illusionen auf ein Blatt Papier zu zaubern und so die Fantasie des Lesers zu beflügeln und emporzutragen in den Himmel der achten Kunst.