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Werden das relative Alter (RA) und das biologische Alter (BA) kombiniert, lassen sich präzisere Schlüsse für die Talentselektion folgern.
Relatives Alter (RA, Abbildung 4) und biologisches Alter (BA, Abbildung 6) erklären die Unterschiede im Verlauf der Entwicklung von Nachwuchssportlern innerhalb einer Jahreskategorie. Kombiniert man beide Aspekte miteinander, kann man das gesamte Ausmass der unterschiedlichen physischen und psychischen Voraussetzungen relativ zum CA darstellen.
Ausserdem lässt sich erkennen wie hoch die Anteile von RA und BA in der jeweiligen Jahreskategorie sind (Abbildung 7).
Dadurch, dass die grössten Abweichungen im biologischen Entwicklungsstand in der Phase der Pubertät auftreten, lassen sich physische und psychische Vorteile gewisser Nachwuchsathleten bis zum achten Lebensjahr hauptsächlich dem unterschiedlichen RA zuschreiben. Ab dem achten Lebensjahr nimmt der Einfluss des BA stetig zu. Gleichzeitig verringert sich der Einfluss des RA kontinuierlich. Schätzungsweise übernehmen somit ab dem elften Lebensjahr (bei jungen Männern) Unterschiede im BA den grösseren Anteil an den unterschiedlichen Voraussetzungen.
Dieser grössere Anteil bleibt bis zum 18. Lebensjahr und dem Ausklingen des Wachstumsschubs bestehen. Es wird klar, dass es entscheidend ist, in welcher Alterskategorie selektioniert wird. Vor dem achten Lebensjahr gibt es geringe Unterschiede im BA, sodass es sinnvoll ist das Augenmerk auf das RA zu richten, wobei Selektionen in jungen Jahren allgemein nicht wünschenswert sind. Im weiteren Altersverlauf scheint es dann notwendig den Fokus zusätzlich und stärker auf das BA zu setzen, sodass Unterschiede zwischen den Nachwuchsathleten in der Selektion berücksichtigt werden.
Die Kombination in der Praxis
Inwiefern kommt die Kombination der beiden Einflussfaktoren RA und BA in der praktischen Selektion von Nachwuchsathleten vor? Eine aktuelle Studie aus Österreich zeigt, dass selektionierte Nachwuchsathleten aus Fussball und Ski Alpin aus dem vierten Quartal verhältnismässig überproportional als körperlich früh entwickelt eingestuft werden. Umgekehrt sind körperlich spät entwickelt eingeschätzte Junioren nur in den ersten beiden Quartalen vertreten (Müller et al., 2017).
Mit anderen Worten scheinen Nachteile durch RA und BA «zu viel des Schlechten» für einen Nachwuchsathleten zu sein, um selektioniert zu werden. Entweder macht man Nachteile des RA mittels fortgeschrittenem BA wett oder umgekehrt wird ein zurückliegender Entwicklungsstand durch Vorteile im RA kaschiert.
Eine Auswertung zeigt das Muster der selektionierten Spieler auf Stufe U15 der letzten drei Jahre (Tabelle 2).
Spieler aus dem Q4 sind weniger oft spät entwickelt als in den anderen Quartalen. Das Bild ist jedoch nicht so extrem, wie in der zuvor erwähnten Studie. Es gibt einen Anteil von 1.0% Spätentwickler, die im Q4 geboren wurden, respektive 4.4% im Q3. Die Spätentwickler sind also nicht durchgehend in der ersten Jahreshälfte geboren. Im Selektionsverfahren des Schweizer Fussballs werden Spätentwickler somit nicht komplett ausgeschlossen.
Dennoch sind die Chancen selektioniert zu werden als spätentwickelter Q4-Spieler immer noch sehr gering (Zwei Spieler aus insgesamt 206). Gegensteuer zu dieser Tendenz soll in der Schweiz das im Jahr 2009 eingeführte Instrument PISTE (Prognostisch, integrative, systematische Trainer-Einschätzung) sein, welches unter anderem RA und BA in der Einschätzung des Potentials eines Spielers berücksichtigt.

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