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Die Credit Suisse erwartet für das erste Quartal aufgrund der Affären der letzten Wochen einen Vorsteuerverlust von 900 Mio. Franken. Der Verwaltungsrat beantragt der Generalversammlung 2021 unter anderem eine Aktualisierung des Vergütungsberichts 2020 und nimmt Veränderungen in der Geschäftsleitung vor.
06.04.2021, 12:02 Uhr
Redaktion: rem
Aufgrund der jüngsten bedeutenden Entwicklungen im Zusammenhang mit dem US-Hedgefonds und den von Credit Suisse Asset Management verwalteten Supply-Chain-Finance-Fonds hat der Verwaltungsrat der Credit Suisse am Montag angepasste Anträge für die Generalversammlung 2021 bekanntgegeben. Dies beinhaltet unter anderem den Rückzug seines Antrags zur Entlastung der Mitglieder des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung. Der Verwaltungsrat sei der Ansicht, dass es im besten Interesse der Aktionäre sei, letzteren Antrag zu behandeln, wenn die internen Untersuchungen zu den jüngsten Entwicklungen abgeschlossen seien und das Ergebnis kommuniziert worden sei.
Boni werden gekürzt
Insbesondere nach der bedeutenden Hedge-Fonds-Angelegenheit in den USA passt der Verwaltungsrat auch seinen Antrag zur Dividendenausschüttung an und zieht seine Anträge zur variablen Vergütung der Geschäftsleitung zurück. Damit wird die zuvor beantragte Vergütung der Geschäftsleitung um den gesamten Betrag von knapp 41 Mio. CHF reduziert. Darüber hinaus verzichtet der Präsident des Verwaltungsrats, Urs Rohner, auf sein Honorar in Höhe von 1,5 Mio. CHF. Weiter treten Brian Chin, CEO der Investment Bank, und Lara Warner, Chief Risk and Compliance Officer, von ihren Funktionen zurück.
Grund für diese Massnahmen ist ein erwarteter Vorsteuerverlust von etwa 900 Mio. CHF. Darin enthalten ist eine Belastung in Höhe von 4,4 Mrd. CHF in Bezug auf die Nichterfüllung der Margenverpflichtungen durch den in den USA ansässigen Hedgefonds Archegos des Investors Bill Hwang. Was die Kapitalposition betreffe, erwartet die CS derzeit eine CET1-Quote von mindestens 12% für das erste Quartal 2021 sowie eine Tier-1-Verschuldungsquote von mindestens 5,4% und eine CET1-Verschuldungsquote von mindestens 3,7%.
Aktienrückkaufprogramm ausgesetzt
Nach Abschluss der Aktienrückkäufe im 1Q 2021 hat die Credit Suisse das Aktienrückkaufprogramm ausgesetzt und beabsichtigt laut der Mitteilung nicht, die Aktienkäufe wieder aufzunehmen, bevor die Zielkapitalquoten wieder erreicht werden und die Dividende wiederhergestellt sei. Der Verwaltungsrat schlägt vor, eine reduzierte ordentliche Gesamtdividende von 0,10 CHF brutto pro Namenaktie auszuschütten, je zur Hälfte aus dem Bilanzgewinn und aus den Reserven aus Kapitaleinlagen.
Die Credit Suisse sei sich darüber im Klaren, dass sowohl die Angelegenheiten des US-Hedgefonds als auch der Supply-Chain-Finance-Fonds einer weiteren gründlichen Überprüfung und Kontrolle bedürfen. In beiden Fällen seien Untersuchungen eingeleitet worden, die sich nicht nur auf die unmittelbaren Probleme konzentrieren, die sich daraus ergeben, sondern auch die weiterreichenden Konsequenzen und die daraus gezogenen Lehren berücksichtigen. Im Hinblick auf die vier Supply-Chain-Finance-Fonds, bei denen die CS weiterhin Mittelzuflüsse verzeichne, werde in den nächsten Tagen ein separates Update über weitere Rückzahlungen verteilt.
Veränderungen in der Geschäftsleitung
Darüber hinaus hat die Credit Suisse Änderungen in der Führungsspitze der Division Investment Bank sowie der Risiko- und Compliance-Organisation vorgenommen. Nach der Hedge-Fonds-Angelegenheit in den USA tritt Brian Chin, CEO der Investment Bank, per 30. April 2021 von seinem Amt in der Geschäftsleitung zurück. Lara Warner, Chief Risk and Compliance Officer, tritt mit Wirkung zum 6. April von ihrer Rolle in der Geschäftsleitung zurück. Beide werden die Bank verlassen.
Christian Meissner wird per 1. Mai 2021 zum CEO der Investment Bank und Mitglied der Geschäftsleitung ernannt. Meissner ist seit Oktober 2020 Co-Head des IWM Investment Banking Advisory und Vice Chairman des Investment Banking der Credit Suisse. Vor dieser Ernennung war er in verschiedenen leitenden Positionen bei führenden Investmentbanken tätig, unter anderem als Head of Global Corporate & Investment Banking bei Bank of America Merrill Lynch. Davor war er von 2004 bis 2008 bei Lehman Brothers, wo er als Co-Head of EMEA Investment Banking und anschliessend als Co-Chief Executive Officer EMEA tätig war.
Joachim Oechslin wird per sofort zum Chief Risk Officer ad interim und Mitglied der Geschäftsleitung ernannt. Oechslin war von Januar 2014 bis Februar 2019 Chief Risk Officer und Mitglied der Geschäftsleitung der Credit Suisse Group, nachdem er die Rolle als Senior Advisor und Stabschef des CEO der Credit Suisse Group übernommen hatte. Zuvor war Joachim seit 2007 Chief Risk Officer der Munich Re Group.
Thomas Grotzer wird ebenfalls per sofort zum Global Head of Compliance ad interim ernannt. Grotzer ist seit 2016 als General Counsel und Mitglied der Geschäftsleitung der Credit Suisse (Schweiz) tätig. Zuvor war er in verschiedenen Führungspositionen im General Counsel der Credit Suisse tätig, unter anderem als General Counsel Schweiz und Private Banking & Wealth Management. Bevor er zur Credit Suisse kam, war er General Counsel für APAC Wealth Management bei UBS mit Sitz in Hongkong.
Alle drei werden an Thomas Gottstein, den CEO der Credit Suisse Group, berichten. Gottstein sagte, der erhebliche Verlust im Prime-Services-Geschäft der Credit Suisse im Zusammenhang mit dem Ausfall eines US-Hedgefonds sei inakzeptabel. "In Kombination mit den jüngsten Problemen im Zusammenhang mit den Supply-Chain-Finance-Fonds bin ich mir bewusst, dass diese Fälle bei allen unseren Anspruchsgruppen grosse Besorgnis ausgelöst haben. Gemeinsam mit dem Board of Directors sind wir fest entschlossen, diese Situationen zu bewältigen. Daraus werden wir ernsthafte Lehren ziehen."
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