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In den Nächten der heiligen Zeiten geht dasselbe von der Stadt Brugg durch die Dörfer Umiken und Villnachern und verschwindet rückkehrend in der Mitte von Umiken.
Es ist ein gewesener Ammann, der seine Gemeinde um ein halbtausend Gulden betrogen hat. Als ein sechzigjähriger Mann von diesem Betrug vernahm und es dem Gerichte zu Brugg anzeigte, ließ dieses dem Ammann durch einen Beschwörer anwünschen, er solle eben so viele hundert Jahre, als er Gulden gestohlen, ruhelos wandeln müssen.
Seit dem Tage seines Todes hat er diese Wanderung begonnen in den Gestalten von Katze, Hund, Kalb und Ochse. Zur Zeit des Vollmondes nämlich ist er so groß wie ein Ochse, im Neumond dagegen so klein wie ein junges Kätzchen, immer aber behält er seine großen feurigen Augen. Ganz getreu läuft er dann in recht stockfinstern Nächten dem Dorfwächter nach und bleibt nur so lange, bis dieser die Stunde gerufen hat, hinter ihm zurück. Es haucht und bläst diejenigen an, die sich vor ihm fürchten, sie bekommen dann einen aufgeschwollenen Kopf oder entzündete Augen; doch diejenigen, welche Flüche und Drohworte ausstoßen, kann es nicht schädigen. Es geht den Leuten in die Krautgärten, zerstampft Gemüse und Blumen und zerreißt die Zäune: beim Regen kommt es ihnen sogar bis an die Dachtraufe, verschwindet da aber. Namentlich pflegt es die Fabrikarbeiter zu verfolgen, welche spät Abends von Brugg und Windisch her aus den Spinnereien heim gehen müssen.
(Aus dem Munde einer von dort gebürtigen Dienstmagd.)
Sage aus Umiken
Band 3.1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Naturmythen, Neue Schweizer Sagen, Leipzig 1962, S. 78 - 78
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.