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Heute vor 1264 Jahren starb Otmar von St. Gallen auf der Insel Werd, Als Alemanne war er Opfer von politischen Auseinandersetzungen geworden, welche die neue Vorherrschaft der Franken mit sich brachte. Es muss eine äusserst herausfordernde Zeit voller Rechtsunsicherheit gewesen sein.
Vierzig Jahre zuvor wurde er zum Vorsteher der kleinen und kränkelnden Mönchskommune beim Gallusgrab berufen. Mit begeistertem Engagement widmete er sich dieser Aufgabe und legte so den Grundstein für die spätere Grösse das Klosters St. Gallen. Während seiner Zeit entstand die erste steinerne Kirche und die Gemeinschaft wuchs um 53 Mönche.
Trotz seines Erfolgs und seines wachsenden Einflusses entwickelte Otmar keine Allüren. Fast achtzig Jahre nach seinem Tod berichtet Walahfrid Strabo: «Vorzüglich begabt mit der Gnade der tiefsten Demut liebte er die freiwillige Armut so sehr, dass er irdischen Glanz auf alle Weise floh. Wenn die Notwendigkeit eine Reise zum Nutzen des Klosters erforderte, hatte er die Gewohnheit, auf dem geduldigen Rücken eines armseligen Esels zu reiten. Ausserdem besass er eine so grosse Sorgfalt für die Armen, dass er ihre Pflege lieber selbst verrichtete als durch andere ausüben liess. … Zur Aufnahme von Aussätzigen, welche in der Regel von den übrigen Menschen getrennt blieben, baute er nicht weit vom Kloster ausserhalb der Wohnungen, in denen die übrigen Armen untergebracht wurden, ein kleines Spital. Er wendete ihnen auf alle Weise seine Pflege so ernstlich zu, dass er auch in den nächtlichen Stunden oft das Kloster verliess und seine Sorge ihrer Schwachheit mit einer bewunderungswürdigen Geduld und Demut widmete.»
Otmar liess sich nicht durch seine einflussreiche Rolle verbiegen und kümmerte sich innovativ und liebevoll um Menschen am Rande. Offenbar war er ein Mann reinen Herzens. Solche CEOs und Politiker wünschte ich mir mehr in unseren Tagen.