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US-Präsident Donald Trump hält den Vertrag, der 1994 eine nordamerikanische Freihandelszone zwischen den USA, Kanada und Mexiko schuf, für eine Katastrophe. Trump droht mit dem Ausstieg, sollten seinem Land keine besseren Konditionen zugestanden werden. Die Kanadier befürchten massive wirtschaftliche Verwerfungen und den Verlust Tausender Arbeitsplätze.
Jeden Tag überqueren gut 400.000 Menschen die Grenze zwischen den beiden Nachbarn. Das tägliche Handelsvolumen beträgt nach Angaben der Regierung in Ottawa 1,8 Milliarden US-Dollar. Unter Hochdruck versucht sie deshalb, die Amerikaner von den Vorzügen des Handelspakts zu überzeugen, und so in Washington doch noch ein Umdenken zu erwirken.
Bereits 160 Mal reisten kanadische Politiker und Behördenvertreter seit Trumps Amtseinführung vor fünf Monaten in die USA. Sie trafen 14 Kabinettsmitglieder, fast 200 Abgeordnete und Dutzende Gouverneure. Außenministerin Chrystia Freeland merkte vor kurzem scherzhaft an, es sei derzeit schwierig, an einem Kanadier vorbeizukommen, wenn man ein US-Abgeordneter sei. "Wir müssen das einbläuen, einbläuen, einbläuen - und wenn wir erschöpft sind, müssen wir es wieder einbläuen", sagt einer der Kanadier, der an der Nafta-Werbetour der Regierung beteiligt ist, der Nachrichtenagentur Reuters.
Kürzlich machte sich Handelsminister Francois-Philippe Champagne auf den Weg nach Ohio. Die Botschaft, die er für den US-Bundesstaat im Gepäck hatte, war denkbar einfach: "Wir sind Euer größter Kunde." Mehr als 300.000 Jobs hängen nach seinen Angaben in Ohio vom Handel mit Kanada ab.
Beibehaltung des Freihandels
Champagnes Tag beginnt mit einem Frühstück im exklusiven Queen City Club in der Großstadt Cincinnati. "Lassen Sie uns sicherstellen, dass wir nicht Dinge in Kraft setzen, die die Versorgungsketten unterbrechen würden", sagt er vor einem Dutzend lokaler Entscheidungsträger. Anschließend betont er auf einem Wirtschaftsforum mit rund 150 Teilnehmern, dass ein Fünftel der Exporte aus dem Großraum Cincinnati nach Kanada gingen. Diplomaten verteilen Broschüren, die die engen Handelsbeziehungen hervorheben. "Die kennen viele der Zahlen nicht", sagt Champagne wenig später im Auto auf dem Weg zum nächsten Termin.
William Seitz, der für die Republikaner im Abgeordnetenhaus von Ohio sitzt, räumt das auf einem gemeinsamen Mittagessen mit dem Minister ein. "Die Leute verstehen nicht so gut, wie sie sollten, dass wir die Preise für die heimischen Verbraucher erhöhen, wenn wir im Handel mit anderen Ländern Barrieren hochziehen." Am Nachmittag steht Champagne im Baseball-Stadion der Cincinnati Reds. Er überreicht dem kanadischen Star des Teams, Joey Votto, eine Ehrenurkunde. "Du bist unser bester Export", lobt der Minister den Spitzensportler. Gegen Abend, auf dem Weg zu einem weiteren Termin, gibt sich Champagne zufrieden: "Das war ein toller Tag. Wir haben ein bisschen was bewegt."
Die Kanadier konzentrieren sich vorerst auf elf Bundesstaaten, die sie als politisch und wirtschaftlich besonders wichtig einstuften. Dazu zählt auch Indiana. Von dort kommt Vizepräsident Mike Pence. Man "spreche mit Leuten, die mit Pence sprechen", sagt einer der Kanadier aus Champagnes Tross. Aus Sicht der Regierung in Ottawa zählt vor allem, dass die neuen Verbündeten auch in Washington für die Beibehaltung des Freihandels trommeln. Viele aus Trumps Partei, den Republikanern, hätten bereits im Weißen Haus angerufen und erklärt, eine Aufkündigung von Nafta sei verrückt. Kanadas US-Botschafter David MacNaughton betont, die Kampagne für Nafta sei keinesfalls als Drohung zu verstehen. Er fügt aber hinzu: "Wenn sie weiterhin Dinge tun, die kanadischen Firmen schaden, muss man kein Raketenwissenschaftler sein, um zu verstehen, dass es für uns schwierig wird, nicht das Gleiche zu tun."
Ein paar Tage nach Champagnes Reise besucht Kanadas Minister für Öffentliche Sicherheit, Ralph Goodale, Minneapolis im US-Staat Minnesota. Er räumt ein, dass es für die Kontaktoffensive der Kanadier keine Erfolgsgarantie gebe. "Doch je energischer und aufgeschlossener wir sind, umso besser werden unser Handel und unsere Beziehungen sein." Als er Joc O'Rourke, den Chef des Düngerherstellers Mosaic trifft, sagt dieser, dass die meisten Unternehmen durchaus einen freieren und faireren Handel wünschten. Auf die Frage, ob sie sich auch für Kanada einsetzen würden, sagt der Konzernlenker jedoch entschieden: "Sie werden sich natürlich für das starkmachen, was in ihrem besten Interesse ist."
(Reuters)