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Auf der gegenüberliegenden Seite des Rheins stand das stattliche Schloss Eglisau. Mit einem Bergfried aus wuchtigen Tuffsteinquadern fassten die Freiherren von Tengen aus dem Hegau vermutlich im 12. Jahrhundert hier Fuss. Im 15. Jahrhundert entwickelte sich die Anlage zu beträchtlichem Umfang. Der Turm mass 40 Meter in der Höhe, vermochte um einige Meter die Rheinhalde zu überragen und bot aus einem «Guggehürli» Umblick auf die Ebene von Seglingen. Eine gedeckte Holzbrücke führte vom Städtchen über den Rhein direkt in den Schlosshof. Hier war auch die Zollstation für den Land- und Flussverkehr. Als Zürich 1496 die Herrschaft Eglisau übernahm, diente das Schloss als Sitz der jeweiligen Landvögte: Als letzter residierte darin bis 1795 der legendäre Salomon Landolt. Anlässlich des Baues der Holzbrücke und bei der Anlage bequemerer Strassen wurde das Schloss zwischen 1810 und 1845 nach und nach abgetragen.
Die Malerei im Chor
Bei der Renovation der Kirche im Jahre 1960 wurden diese Malereien entdeckt und restauriert. Wohl zu Ehren des verstorbenen Inhabers der Herrschaft Eglisau, Freiherr Bernhard Gradner (Grabplatte) gab sein Neffe 1490 diese Bilder in Auftrag. Sie zeigen Szenen aus dem Leben Marias, der einstigen Kirchenpatronin von Eglisau. Der Maler ist unbekannt. Schon 33 Jahre später zerhackte und übertünchte man im Zuge der Reformation die ganze Pracht, die vermutlich einmal den ganzen Chor bedeckte. Bei der Restaurierung besserte man die beschädigten Stellen in Strichlagen aus.
Ein Markstein in der Geschichte von Eglisau bildete die kurze Herrschaft des steyrischen herrn Bernhard Gradner. Erst Günstling des Herzogs Sigismund von Tirol, dann aber durch Schenkungen, Käufe, wie durch Heirat Bernhards mit der reichbegüterten Veronika von Starkenberg wohl zu mächtig geworden, 1456 des Landes verwiesen. Bernhard Gradner und sein Bruder suchten samt Tross und Vermögen Zuflucht bei den Eidgenossen und erwarben bald das Zürcherische Bürgerrecht. Gradner stiftete, wohl aus Rache, die Eidgenossen auf, den oesterreichischen Thurgau zu erobern. Er half auch mit einem kleinen Harst in der Schlacht von Murten. 1463 kaufte Gradner von den Zürchern die Herrschaft Eglisau, die diese am gleichen Tag von den Erben der Herren von Tengen erworben hatten. Gradner erweiterte Schloss und Herrschaft und bereicherte diese Kirche mit Schnitzaltären, die später der Reformation zum Opfer fielen. 1496 verkaufte sein Neffe und Erbe die Herrschaft samt den neuerworbenen Dörfern im Rafzerfeld wieder an die Stadt Zürich. Merkwürdigerweise zu einem geringeren Preis als sein Oheim damals bezahlt hatte. Zürich machte Eglisau zum Sitz eines Landvogts. Epitaphien in der Kirche und im Kirchhof erinnern an verstorbene Amtsinhaber und ihre Familienangehörigen. Die Grabplatte von Gradner und seiner Gattin steht an künstlerischem Rang hoch über dem Landesüblichen. Sie zeigt den Ritter in gotischem Harnisch. Die Rechte hält die ritterliche Speerfahne, die Linke das Schwert. Das beiliegende, mit Gurt umwundene Schwert, ist das Zeichen einer adeligen Verbindung.
Bibliographie