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Stadttauben sind verwilderte Haustiere
Von der Felsentaube abstammend, hat der Mensch sie seit Jahrhunderten gezüchtet und genutzt; als Fleisch- oder Eierlieferant, Briefbote oder Liebhaberobjekt. Während der Zuchtwahl wurde auf Maximierung der Fortpflanzungsrate selektioniert, d.h. Individuen mit erhöhter Reproduktivität wurden vom Züchter bevorzugt und die erhöhte Brutaktivität während der Domestikation genetisch manifestiert. Als Folge sind Haustauben früher geschlechtsreif und brüten ganzjährig.
Um möglichst viele Tiere auf kleinem Raum halten zu können, fand eine künstliche Selektion für wenig aggressive und wenig territoriale Tiere statt; d.h. Täuber mit grossen Territorien wurden eliminiert. Bei Stadttauben als verwilderte Nachfahren von Haustauben führt das verminderte Aggressions- und Territorialverhalten zu einer räumlich beschränkten, hohen Konzentration von Brutplätzen. Diese widernatürliche Situation an den Brutplätzen in Städten lässt natürliche Verhaltensweisen zu Fehlverhalten werden und bringt Probleme mit Parasiten und Krankheiten an den Brutplätzen mit sich. Andere Verhaltensweisen, die während der Domestikation verloren gingen, fehlen nun in der heutigen vom Menschen wieder unabhängigen Lebensweise.
Stadttauben sind durch ihre Fähigkeit einseitige Ernährungssituationen zu überdauern und Adaption zum Allesfresser an das städtische Nahrungsangebot angepasst und in der Lage die ökologische Nische des Stadtzentrums zu besetzen. Anders als Felsentauben (die Stammform der Stadttaube), können Stadttauben bei fehlendem Nahrungsangebot nicht auf natürliche Nahrungsquellen ausweichen. Sie sind vielmehr auf artgerechte Fütterung durch den Menschen angewiesen und andernfalls dazu gezwungen auf menschliche Abfälle zurückzugreifen, was einen fatalen Effekt auf die Gesundheit der Tiere hat. Die mangelhafte Ernährung von Stadttauben ist ausserdem verantwortlich für den flüssigen Kot (Hungerkot). Der Kot einer artgerecht ernährten Taube mit Körnern und Sämereien ist ziemlich klein und fest und verursacht somit deutlich weniger Verschmutzung.
Viele Massnahmen zur Begrenzung der Stadttaubenzahl sind ungeeignet
Tötungsaktionen sind weder ethisch vertretbar noch eine nachhaltige Lösung der Bestandsregulierung, da die Population innert kurzer Zeit ihre ursprüngliche Grösse annimmt. Dabei ist zusätzlich zu beachten, dass Jungtiere elendiglich in ihren Nestern verhungern, wenn ihre Eltern bei Tötungsaktionen getötet werden.
Auch Fütterungsverbote verringern die Taubenzahl nicht, da die Brutaktivität genetisch bedingt und nicht wie bei Wildtieren über das Futterangebot zu regulieren ist. Auch unterernährte Tiere pflanzen sich fort und so ist die Legeaktivität nicht vom Nahrungsangebot abhängig.
Vergrämungsmassnahmen wie Stachelmanschetten, Netze usw. führen nicht zu einer Lösung des Problems, sondern verlagern dieses lediglich. Zudem tragen die Tiere bei Kontakt mit mechanischen Abwehrmassnahmen oft sehr schmerzhafte Verletzungen davon und die Installationen stellen demnach ein tierschutzrechtliches Problem dar.
Vielversprechend hingegen ist das Konzept zur tierschutzgerechten Regulierung der Stadttaubenpopulation, welches auf gesunden Populationen mit Geburtenkontrolle in betreuten Taubenschlägen beruht.
Konzept:
- Bindung der Tauben an Taubenschläge, welche an angestammten Tauben-Standorten eingerichtet werden.
- Kontrollierte Fütterung und somit Gesunderhaltung der Tiere. Keine Fütterung ausserhalb des Schlages.
- Ersetzen der frischen Gelege durch Ei-Attrappen.
- Aufklärung und Einbezug der Bevölkerung.
Sobald die Tauben regelmässig in die Schläge kommen, kann die Fortpflanzungsrate der Tiere beeinflusst und reduziert werden. Auch die Verschmutzung in den Städten wird verringert, da sich die Tauben vorwiegend in den Schlägen aufhalten und dort bis zu 80 Prozent des Kotes ausgeschieden wird.
Das vollständige Konzept von Stadttauben Schweiz wird derzeit ausgearbeitet und folgt…
Eine art- und tierschutzgerechte Bestandeskontrolle der Stadttauben-Population hat oberste Priorität, welcher in betreuten Taubenschlägen effektiv und nachhaltig Rechnung getragen werden kann.
Ausführliche Infos im Stadttauben-Management auf der Startseite