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Mai 2023
Bodensee – Dampftrajekt (II)
Um den wachsenden Fährverkehr zwischen Lindau und Romanshorn zu bewältigen, bestellen im Jahr 1873 die Schweizerische Nordostbahn (NOB) und die Königlich Bayerische Staatseisenbahnen bei Escher Wyss eine weitere Dampffähre, welche im Folgejahr in Betrieb genommen wird. Auch diese Fähre hat keinen Namen und läuft unter den Bezeichnung Dampftrajekt (II).
Foto: Die Dampftrajekt (II) in Lindau. Links der Schweizer Dampfer St. Gallen (kolorierte Ansichtskarte).
Die Doppelendfähre mit Seitenradantrieb hat ein Schienendeck mit zwei Gleisen. Es finden bis zu 18 zweiachsige Güterwagen Platz. Mit einer Länge von 68.60 Meter, einer Breite von 18.00 Meter und einem Tiefgang von 1.01 Meter (leer) entspricht sie in der Grösse dem Dampftrajekt (I). Zwei voneinander unabhängige Dampfmaschinen mit je 290 PS ermöglichen der Fähre eine Geschwindigkeit von 12.00 km/h. Über den Radkasten befindet sich mittschiffs der Fahrstand mit einem liegenden Steuerrad.
Foto: In Romanshorn liegt die Dampftrajekt (II) an der Gütermole. Links der Schweizer Dampfer Bodan (Ansichtskarte mit Datum vom 19. Februar 1904).
Mit Dampfpumpen können Wassertanks geflutet und der Tiefgang verändert werden. Damit ist es dem Schiff möglich auch bei hohem Pegelstand die Trajektbrücken in den Häfen anzufahren. Die Dampftrajekt (II) kann bis zu drei antriebslose Trajektkähne in Schlepp nehmen und total bis zu 42 Waggons über den Bodensee transportieren. Als Höchstleistung erreichten 132 Wagen an einem Tag ihr Ziel. Für die 23 Kilometer lange Strecke zwischen Lindau und Romanshorn benötigt die Fähre ohne Anhang weniger als zwei Stunden, mit Schleppkähnen dauert die Fahrt ca. eine halbe Stunde länger.
Foto: Ausfahrt in Lindau (ungelaufene Ansichtskarte).
1888 werden auf insgesamt sechs Routen über 76’000 Güterwagen im Fährverkehr über den Bodensee geführt. Im Ersten Weltkrieg geht der Fährverkehr stark zurück und in der nachfolgenden Friedenszeit werden die Güter vermehrt auf dem ausgebauten Schienennetz um den Bodensee herum geführt. Das Aus für diese Eisenbahnfähre brachte der Erste Weltkrieg, weil sich der Einsatz wegen der angespannten Kriegslage ab 1915 nicht mehr lohnte. Die Dampftrajekt (II) gammelte mehr als zehn Jahre im Lindauer Werfhafen vor sich hin, bis ihn der Dampfer Nürnberg (ex DS Prinz-Regent) am 29. Juli 1927 nach Altenrhein (!) zum Abwracken schleppte.
Foto: Revision in der Romanshorner Schiffswerft (Ansichtskarte vom 2. Dezember 1914).