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Multinationale Agrarkonzerne, die von der Regierung ins Land geholt wurden, gefährden die lokalen Bauern. Der Druck zur Legalisierung von Gentech-Saatgut steigt.
Tansania verfügt über Millionen Hektaren fruchtbares Land, die viele Begehrlichkeiten wecken. Während Kleinbäuerinnen und Kleinbauern mehrheitlich sich selbst überlassen werden und keinerlei Unterstützung erhalten, betreiben die Behörden einen enormen Aufwand, um ausländische Investoren und multinationale Konzerne aus dem Agrobusiness anzuziehen. Eines von Tansanias Vorzeigeprojekten ist der «Southern Agricultural Growth Corridor of Tansania» (SAGCOT): ein Projekt, das am Weltwirtschaftsforum in Davos ausgebrütet wurde und von der G8 unterstützt wird. Das Ziel besteht darin, auf einer mehrere Millionen Hektaren grossen Fläche eine industrielle Infrastruktur einzurichten, die ausländischen Konzernen zur Verfügung gestellt wird, um Monokulturen zur Versorgung des globalen Agrarmarkts anzubauen. «Dabei wollen die Investoren innert möglichst kurzer Zeit den grösstmöglichen Profit erzielen. Aber was wird aus der Bevölkerung, die zu 80 Prozent von der Landwirtschaft lebt?», sorgt sich Nicola Morganti, der seit Jahren im Landwirtschaftssektor in Tansania tätig ist.
Jordan Gama ist Direktor der Organisation TOAM (Tanzanian Organic Agriculture Movement), die sich für den Bio-Landbau einsetzt. Für ihn führt das Modell einer industriellen Landwirtschaft, die ausländischen Investoren anvertraut wird, in eine Sackgasse: «Was werden künftige Generationen tun, wenn sie kein Land mehr besitzen?»
Er verweist auf den Nachbarstaat Sambia: «Die dortige Landwirtschaft wird von Multis beherrscht und die Bauern sind abhängig davon, was diese ihnen bezahlen.» Ihre Lage habe sich deutlich verschlechtert. «Sie leben wie Untermenschen. Man sieht ganze Familien in Lumpen gekleidet und extrem mager am Rande grosser Plantagen stehen. Mit ihrem Land haben sie auch ihre Würde verloren.»
Nicht nur der Boden ist hart umkämpft. Gleichzeitig steigt der Druck auf die Behörden, der Verwendung von Gentech-Saatgut und der Einführung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) in Tansania zuzustimmen. «Die Druckversuche kommen von Konzernen wie Monsanto und Syngenta, aber auch von Geldgebern wie USAID, der Weltbank und der Bill & Melinda Gates Stiftung», erklärt Audax Rukonge, seines Zeichens Direktor der Organisation ANSAF (Agriculture Non State Forum). Was ihn in Rage bringt, ist die Energie, mit der die GVO-Lobby versucht, die Haftungsklausel in der geltenden Gesetzgebung ausser Kraft zu setzen. Diese macht Agrochemie-Multis für mögliche zukünftige Schäden haftbar, die durch die Einführung von GVO verursacht werden. «Warum wehren sich die Konzerne denn so vehement gegen diese Klausel? Wahrscheinlich, weil sie selbst nicht so sehr von der Sicherheit der Gentechnologie überzeugt sind, die sie uns um jeden Preis aufdrängen wollen!»
Tansania ist nicht das einzige Land Afrikas, das sich gegen Druckversuche von allen Seiten zur Wehr setzen muss. Dabei spielen die US-Botschaften oft eine aktive Rolle und schrecken wie etwa in Ghana nicht davor zurück, sich in die Ausarbeitung der Gesetze zur Biosicherheit einzumischen, damit diese möglichst günstig für GVO-Hersteller ausfallen. Die Bill & Melinda Gates Stiftung finanziert zudem in vielen afrikanischen Ländern gentechnische Forschungen. Sie tut dies über die Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika (AGRA), die seit mehreren Jahren vom ehemaligen UNO-Generalsekretär Kofi Annan präsidiert wird. Burkina Faso, das im Zentrum der Strategie von Monsanto, Syngenta und anderen Konzernen in Westafrika steht, hat sich bereits in ein riesiges Experimentierfeld für die Einführung gentechnisch veränderter Kulturen verwandelt. Südafrika baut ebenfalls GVO an, während etliche andere Länder wie etwa Ghana, wo Gentech-Gegner mehrfach demonstriert haben, weiterhin Widerstand leisten. Wie lange noch?
Bild: (c) SWISSAID