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In der Kampagne, die im Juni 2009 lanciert wurde, wandte sich Amnesty International zuerst an die nigerianische Regierung und bittet nun, in einem zweiten Schritt, Shell zur Kasse. Die Organisation fordert, dass Shell sich zu einer ersten Zahlung von einer Milliarde US-Dollar verpflichtet, um mit der vollständigen Reinigung der durch Öllecks verursachten Umweltverschmutzung im Nigerdelta beginnen zu können.
2009 und 2011 hat Amnesty International die Resultate ihrer Recherchen in den zwei Berichte «Erdöl, Armut und Umweltzerstörung» sowie «The true tragedy» veröffentlicht. Die Berichte zeigen auf, dass die Ölindustrie für die weitverbreitete Umweltverschmutzung und den damit zusammenhängenden Menschenrechtsverletzungen im Nigerdelta verantwortlich ist. Hunderttausende sind von dieser Katastrophe betroffen. Wie so oft trifft es die Armen und diejenigen, deren Lebensunterhalt von der traditionellen Subsistenzwirtschaft wie der Fischerei oder Landwirtschaft abhängt, am meisten.
Die Auswirkungen von ausgelaufenem Öl, Abfallhaufen und Gasfackeln auf die Gesundheit der Bevölkerung, die Luft, den Boden und das Wasser sind heute bekannt. Öllecks entstehen aufgrund der Korrosion alter Leitungen und des mangelhaften Unterhalts der Anlagen, sowie aufgrund menschlichen Versagens, aber auch durch Sabotage und Erdöldiebstahls. Boden, Wasser und Luft wurden enorm verschmutzt. Dadurch sind zahlreiche Menschenrechte, wie das Recht auf Gesundheit, auf eine saubere Umwelt und einen angemessenen Lebensstandard in grober Weise verletzt.
Ungenügender Menschenrechtsschutz durch die Regierung
In Nigeria gibt es Gesetze und Richtlinien, die Unternehmen dazu verpflichten, die internationalen Normen betreffend «guter Unternehmensführung bei der Erdölförderung» sowie Richtlinien zum Schutze der Umwelt einzuhalten. Sie werden jedoch kaum durchgesetzt. Die nigerianische Regierung hat ihre Schutzpflicht gegenüber der eigene Bevölkerung bis anhin nicht wahrgenommen. Sie war ineffizient und in einigen Fällen in Interessenskonflikte verwickelt.
Den BewohnerInnen des Nigerdeltas wurde der Zugang zu Informationen betreffend der Auswirkungen der Ölförderung und der Erschliessung weiterer Gebiete verweigert. Die Ölunternehmen haben bis anhin von der schwachen Regulierung der Ölindustrie durch die nigerianische Regierung profitiert und keinen Grund gesehen, an ihren Geschäftspraktiken etwas zu ändern. Es wurden weder angemessene Massnahmen ergriffen, um der Umweltverschmutzung vorzubeugen, noch wurde versucht, bestehende Probleme anzugehen.
Seit der Lancierung der Kampagne 2009 fordert Amnesty Zugang zu Informationen betreffend der verschmutzten Gebiete und der Auswirkungen auf die Gesundheit für die lokale Bevölkerung. Daraufhin haben einige Ölfirmen, welche in der Region Öl fördern, namentlich Shell, ENI und Total, gewisse Informationen und Berichte öffentlich gemacht oder sich zumindest dafür eingesetzt, dass dies in näherer Zukunft geschehen wird.