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Res Marti wuchs in Oberburg in einer Lehrerfamilie auf, besuchte das Gymnasium in Burgdorf und studierte in Bern Latein und Griechisch. Er wurde Lehrer, dann Rektor am deutschsprachigen Gymnasium in Biel. Heidi, seine Frau, lernte er an der Universität kennen, Altphilologin und später Gymnasiallehrerin auch sie. Sie bekamen zwei Töchter und einen Sohn und freuten sich über zehn Enkelkinder.
Marti war gern Lehrer. Mit Freude begleitete er Heranwachsende, war ein Pädagoge, der die Anlagen der jungen Menschen sich ausbilden liess. Zum Programm gehörten Reisen mit seinen Klassen nach Athen, Olympia, Rom, den Stätten der Antike. Mit leuchtenden Augen erzählte er davon.
Aus Überzeugung – die er zuletzt in Frage stellte – wurde Res Marti Offizier, war Kompanie- und Bataillonskommandant in einem Panzerverband. Als Major im Generalstab gab er die militärische Laufbahn, die weitergegangen wäre, mit Schmerzen auf, weil sie mit dem Beruf nicht länger vereinbar war.
Er hatte aus der Schule in die Bildungsverwaltung gewechselt als Generalsekretär der kantonalen Erziehungsdirektion, mehr General als Sekretär. Ein gewisser militärischer Habitus, eine bestimmte Art der Lagebeurteilung und des Kommandierens waren ihm eigen. Und Verlässlichkeit; wenn mit dem Generalsekretär etwas vereinbart worden war, konnte man sich darauf verlassen, dass er alles unternehmen würde, es einzuhalten und umzusetzen. Neues Universitätsgesetz, Volksschulgesetz, Wechsel zum System 6/3, Schaffung regionaler Kulturkonferenzen, Lehreranstellungsgesetz, Kantonalisierung der Berufsschulen und Einbezug der Berufsbildung von der Volkswirtschafts- in die Erziehungsdirektion, Aufbau der Berner Fachhochschule, neues Denkmalpflegegesetz, neue Lehrerinnen- und Lehrerbildung – dies Stichwörter aus rund zwanzig Jahren Bildungspolitik, die Marti nicht nur verwaltet, sondern mitgestaltet hat.
Die Begabung im klaren Strukturieren und umsichtigen Führen brachte ihn an die Spitze des Umbauprojekts der Kantonsverwaltung von neun auf sieben Direktionen. Die breite Fragestellung gefiel ihm, der ganzheitliche Ansatz entsprach seiner Vorstellung des Politischen. Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit mehreren Erziehungsdirektorinnen und –direktoren – Simon Kohler, Leni Robert, Peter Schmid und Mario Annoni – trug ihm den Vorwurf ein, übermässig an den Fäden zu ziehen. Und nicht durchwegs die nötige Sensibilität aufzubringen, so als Heidi Marti Projektleiterin für die neue Lehrerbildung war und Res Marti ihr Vorgesetzter als Chef der Steuergruppe.
1997 schenkte Livia Klee-Meyer dem Kanton und der Stadt Bern ihren Teil des künstlerischen Nachlasses von Paul Klee mit der Auflage, für den Künstler bis 2006 ein Museum zu schaffen. Von da an stand dieses Projekt im Zentrum von Martis beruflicher Tätigkeit.
Am Anfang ging es um die Sicherung der Kunstwerke, um «ein Paul Klee gewidmetes Museum», um einen Standort in der Innenstadt. Mit der grosszügigen Schenkung der Familie Müller änderte vieles. Standort wurde Schöngrün. Ohne Wettbewerb erhielt Renzo Piano den Architekturauftrag direkt. Das Kunstmuseum wurde um den Zentrumsgedanken erweitert: Musik, Theater, Tanz, Literatur kamen hinzu. Ebenso die Idee des sogenannten Kindermuseums Creaviva, das als eigene Stiftung innerhalb des Zentrums betrieben wird. Immer mehr weitete sich die Idee, immer grösser wurden die Ansprüche.
Das rief KritikerInnen auf den Plan. Erst recht, als Res Marti 2001 ohne Ausschreibung und Konkurrenzverfahren zum Gründungsdirektor des Zentrums Paul Klee gewählt wurde. Viele gaben dem Beamten das Zeug zum Museumsdirektor nicht.
Die Wahl erwies sich als Glücksfall. Martis Wille, seine Robustheit und Energie, seine Führungserfahrung, sein Durchsetzungsvermögen und – ja- seine Sturheit verhalfen dem Vorhaben zum Erfolg. Dass nur eine dünne Grenze diese Eigenschaften trennten von Selbstzweifeln und Dünnhäutigkeit merkten zum Glück die meisten nicht. Allen Schwierigkeiten zum Trotz, das Kunstmuseum blieb dem neuen Zentrum in herzlicher Feindschaft verbunden, vollendeten das Team – zentral darin Ursina Barandun – und viele Freiwillige termingerecht und im Kostentrahmen das Projekt. Im Sommer 2005 wurde das Zentrum Paul Klee eröffnet.
Ende 2006, nach anderthalb erfolgreichen Jahren, wurde Res Marti pensioniert. Er blieb als Mitglied des Stiftungsrates des ZPK und von Creaviva im Dienst des Museums. Als freischaffender Berater half er mit, für das Schloss Burgdorf einen neuen Zweck und eine neue Trägerschaft zu finden. In Biel und Solothurn führte er das Theater und das Sinfonieorchester in einer Stiftung zusammen, deren erster Präsident er wurde. Und in Bern half Marti mit bei der Vorbereitung der Vereinigung von Stadttheater und Sinfonieorchester.
Eines hat er nicht erreicht – oder doch anders, als er wollte: Die Vereinigung von Kunstmuseum und Zentrum Paul Klee. Die Gründung der Dachstiftung 2015 war für ihn eine Schmalspurlösung, eine verpasste Chance. Die Enttäuschung sass tief.
Der grosse Schlag war der Tod seiner Frau Heidi. Seither war er gezeichnet. Er diskutierte bis in die letzten Wochen engagiert und temperamentvoll über bildungs- und kulturpolitische Fragen, schneidend in der Analyse, scharf im Urteil über Personen und Entscheidungen. Mehr und mehr empörte er sich über Ungerechtigkeit in der Gesellschaft, über die weitere Bereicherung der Reichen, über Populismus und ideologische Verblendung, wach und wachsam.
Am 28.Dezember 2018 ist Res Marti einem Herzschlag erlegen. Ein tatkräftiger Gestalter mit Weitblick fehlt. Die Berner Bildungs- und Kulturpolitik verdankt ihm viel. In der Familie fehlt er am meisten.