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Neuromythos Nr. 6: Gehirnaktivierung und geistige Leistung
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Gehirnaktivierung und geistige Leistungen
Ein weit verbreiteter Neuromythos besteht in der Annahme, dass zwischen dem Umfang der neuronalen Aktivierung und den geistigen Leistungen ein positiver proportionaler Zusammenhang besteht. Demnach gilt: Je mehr Gehirnareale aktiviert sind, desto größer sind auch die geistigen Leistungen.
Tatsächlich sprechen aber viele neurowissenschaftliche Untersuchungen aus der Expertiseforschung dafür, dass ein solcher Zusammenhang nicht besteht. Personen, die in einem bestimmten Inhaltsbereich viele Kenntnisse sowie praktisches Handlungswissen erworben haben – und daher in Bezug auf diesen Bereich als Experten gelten – haben nämlich ihr umfangreiches Wissen in problemlösungsorientierter Weise organisiert, die es ihnen erlaubt, dieses Wissen unter Aufbietung sehr viel geringerer kognitiver und neuronaler Ressourcen zu nutzen, als dies bei Personen mit geringerem Inhaltswissen – den so genannten Novizen – der Fall ist. Dieser Zusammenhang zwischen Expertise und geringerer neuronaler Aktivierung wird in der Psychologie und der kognitiven Neurowissenschaft als neuronale Effizienz bezeichnet: Je mehr Wissen eine Person in einem Gebiet besitzt, und je intelligenter dieses Wissen organisiert ist, umso geringer ist die Aktivierung ihres Gehirns beim Ausführen von Aufgaben aus diesem Inhaltsgebiet.
Worauf es also ankommt, wenn es um geistige Leistungen geht, ist nicht das Ausmaß neuronaler Aktivierung, sondern der Umfang sowie die intelligente Organisation des Wissens. Die Gehirne von Experten sind in kognitiver sowie in neuronaler Hinsicht effizienter organisiert als die Gehirne von Novizen, die bei den gleichen Aufgaben deutlich höhere Stoffwechselaktivitäten und höheren Energieverbrauch zeigen als die Gehirne von Experten. Dieser Zusammenhang wird zum Beispiel sehr deutlich durch die Untersuchungen von Roland Grabner (ETH Zürich) und seinen Kollegen illustriert:
Literatur
- Grabner, R., Stern, E., & Neubauer, A. (2003). When intelligence loses its impact: Neural efficiency during reasoning in a highly familiar area. International Journal of Psychophysiology, 49, 89 – 98.
- Grabner, R., Neubauer, A., & Stern, E. (2006). Superior Performance and Neural Efficiency. Brain Research Bulletin, 69, 422 – 439.