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In aktuellen Diskussionen über den Klimawandel und in diesem Zusammenhang über die Zukunft der Kernenergie zur Erzeugung von Strom (Kernkraftwerke bzw. Atomkraftwerke) wird gerne von den unschlagbar billigen Erzeugungskosten von Atomstrom argumentiert. Dabei bezieht man sich auf die Kosten des Stromes aus heutigen Atomkraftwerken.
Da es bei diesen Diskussionen in der Regel um den Bau von neuen Kernkraftwerken geht, sollten aber bei diesen Überlegungen jeweils die Kosten für Strom aus neuen Atomkraftwerken berücksichtigt werden. Die Baukosten für neue Atomkraftwerke sind zur Zeit praktisch nicht abschätzbar, insbesondere als Folge von fehlenden nationalen bzw. internationalen Standards zur Sicherheit von solchen Anlagen. Es besteht deshalb eine grosse Planungsunsicherheit.
Als Vergleich mit anderen Technologien kann deshalb nur das einzige sich zur Zeit in Europa im Bau befindliche Kerkraftwerk in Finnland in Betracht gezogen werden.
Kosten des neuen Atomreaktors in Finnland
Mit dem Bau dieses Atomkraftwerkes nach dem EPR-Prinzip (European Pressurized Water Reactor) wurde die Firma Areva beauftragt. Bei einer geplanten Nennleistung von 1.4 GW wurde mit Kosten von 3.4 Mia. € und einer Inbetriebsetzung im Jahre 2009 gerechnet. Nach gegenwärtigem Stand der Kenntnisse (Ende 2007) wird sich die Inbetriebsetzung bis mindestens Ende 2011 verzögern und die Kosten werden um mindestens 40% höher als geplant ausfallen.
Mit einer einfachen Rechnung lassen sich die Amortisationskosten pro kWh Strom ausrechnen: Gehen wir von 8'000 Betriebsstunden pro Jahr mit 1.4 GW Leistung und einem Zinssatz von 8% aus, so ergeben sich bei Kosten von 4.8 Mia €, einer Bauzeit von 6 Jahren und einem Abschreibungszeitraum von 20 Jahren, Amortisationskosten für das Atomkraftwerk in der Grössenordung von 4 bis 5 €-Cent pro kWh. Dies sind reine Amortisationskosten für die Investitionen, dazu kommen noch die effektiven Kosten zum Betrieb der Anlage, die Brennstoffkosten, Versicherungsprämien, Kosten zur Lagerung der Abfälle sowie Rücklagen für den Rückbau der Anlage, usw.
Windstrom kann demgegenüber an guten Standorten in Europa, bzw. Deutschland, Österreich oder in der Schweiz bereits für 6 €-Cent per kWh erzeugt werden. Aufgrund der zunehmenden Verbreitung und Weiterentwicklung der Windturbinen kann hier mit einer deutlichen Verbilligung in den nächsten 10 bis 20 Jahren gerechnet werden.
Atomstrom aus neuen Atomkraftwerken ist zu teuer
Aus der einfachen wirtschaftlichen Betrachtung oben kann der Schluss gezogen werden, dass der Bau von neuen Atomkraftwerken schon aus rein ökonomischen Gründen nicht mehr sinnvoll ist. Ganz abgesehen von der ungelösten Frage der Endlagerung radioaktiver Abfälle, der stark begrenzten Verfügbarkeit von Uran als Brennstoff, dem nuklearen Risiko und dem Proliferationsrisiko, der ungenügenden Haftpflichtversicherung, sowie der fehlenden Akzeptanz in der Bevölkerung.
Das gegenwärtig intensive Lobbying für die Atomenergie ist deshalb nicht zuletzt auch aus diesem Gesichtspunkt zu verstehen: Primär soll aus der Sicht der Atomindustrie die Laufzeit der aktuellen Atommeiler verlängert werden! Da die alten Atomkraftwerke in Bezug auf Sicherheit wesentlich geringere Standards erfüllen müssen als z.B. das neue finnische AKW, sind Wünsche zur Laufzeitverlängerung natürlich sehr problematisch.