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Kerzen auf dem Adventskranz der Reihe nach anzünden?
PRO
Am Anfang waren das Wort und die Zahl. Und Worte und Zahlen durcheinanderzubringen, würde einem Verstoss wider die göttliche Ordnung gleichkommen: Der Frevel, die Kerzen am Adventskranz nicht der Reihe nach anzuzünden, kann fürwahr nicht auf die leichte Schulter genommen werden.
Denn alles hat seine Zeit. Alles hat seine bestimmte Stunde, jedes Ding unter dem Himmel hat seine Zeit. Also brennt die erste Kerze im Kranz ab dem ersten Adventssonntag, die zweite ab dem zweiten Sonntag, die dritte ab dem dritten Adventssonntag und die vierte ab dem Sonntag vor dem Weihnachtsfest.
Die Zeichen der Zeit erkennt man im Unterschied,wie die Adventskerzen hinuntergebrannt sind: In ihnen ist das Vergehen der Zeit eingebrannt. An den Kerzen lässt sich das Zerrinnen der Stunden, Tage und Wochen ablesen.
Es bedeutet eine Verluderung der Sitten par excellence, wenn man aus der Adventszeit, einer Zeit der Stille und des Fastens, eine Festhütte zimmert, in die dieser unsägliche Weihnachtsmann trampelt, in der bereits Weihnachtsgeschenke im Chlaussäckli landen und Weihnachtsbäume angezündet und Krippen auf Vordermann gebracht werden, als gäbe es kein Morgen.
Wieso soll man nicht bereits am ersten Adventssonntag alle vier Kerzen anzünden und gleich noch einen Osterhasen in den Kranz setzen? Weil die Adventszeit eine Zeit der Erwartung ist, eine Zeit des Ankommens, eine Zeit der Ankunft des Herrn. Was lange währt, wird endlich gut: Wer sich die Zeit nimmt, die Kerzen auf dem Adventskranz der Reihe nach anzuzünden, erblickt das Mysterium der Zeit.
Magnus Leibundgut
Redaktor Einsiedler Anzeiger «Wer sich die Zeit nimmt, die Kerzen der Reihe nach anzuzünden, erblickt das Mysterium der Zeit.»