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Autor: Nicole Jegerlehner
1157: Genau in diesem Jahr ist die Stadt Freiburg in die Geschichte eingetreten. Der Legende nach schlief der Herzog Berthold von Zähringen bei einem armen Köhler, zugedeckt mit Kohlen- und Mehlsäcken. Am nächsten Tag entscheidet der Herzog, dass er eine Stadt gründen will – ihr Wappen wird die Farben Schwarz und Weiss tragen, Ton in Ton mit den Flecken auf seiner Kleidung. «Das ist der Mythos», sagte gestern Hans-Joachim Schmidt vor den Medien. «Doch solche Mythen verursachen unter den Forschern ein gewisses Unbehagen.» Und so hat sich der Geschichtsprofessor der Universität Freiburg, der sich dem Mittelalter verschrieben hat, zusammen mit anderen Forschern auf die Suche nach den Ursprüngen der Stadt Freiburg gemacht.
Zweisprachiges Werk
Am Anfang stand ein wissenschaftliches Kolloquium vor drei Jahren, das im Rahmen der 850-Jahr-Feier der Stadt Freiburg abgehalten wurde. Gestern nun präsentierte Schmidt das Resultat: Das zweisprachige Buch «Stadtgründung und Stadtplanung – Freiburg im Mittelalter», das in einer Auflage von 500 Exemplaren erscheint.
Im Buch werden auch die Gründungen der Städte Romont und Murten nachgezeichnet – wobei Murten nicht gewollt gegründet wurde, sondern langsam zu einer Stadt wuchs, wie der Historiker Ivan Mariano ausführte.
Freiburg ist eine der ältesten Stadtgründungen Europas. Das Buch geht den Fragen nach, ob die Gründung eingebettet war in eine längerfristige Entwicklung – und ob es in der Frühzeit eine zielgerichtete Planung in der Anlage von Städten gab.
Rare Neugründungen
Schmidt betonte gestern, dass die Stadtgründung Freiburgs bewusst erfolgt sei: «Das war im Mittelalter ein ausserordentliches Ereignis.» Damals habe es nicht viele Städte gegeben, «und Neugründungen waren noch rarer». Grabungen der Archäologen zeigen, dass es auf Freiburger Boden keine Siedlungen gab, bevor der Herzog Berthold von Zähringen sich entschied, hier eine Stadt zu gründen.
Berthold ging bald weiter
Kunsthistoriker François Guex führte aus, dass der Herzog die Stadt zwar gründete, sie aber bereits einige Monate darauf wieder verliess. «Er liess die Stadt in den Händen einiger grosser Familien aus der Umgebung, die sich im Bereich des heutigen Burgquartiers Häuser bauten.» Der Herzog übertrug den Familien viele Privilegien, darunter auch die Macht, Recht zu sprechen.
Freiburg wuchs nicht einfach organisch, sondern wurde nach einem Plan gebaut. Quadrate von der Länge von 60 bis 100 Fuss waren für die Gebäude die Regel, und auch der Verlauf der Strassen folgte klaren Vorgaben. «Dafür gab es ein Vorbild: Freiburg im Breisgau, das rund dreissig Jahre früher gegründet worden war», sagte Schmidt.
Von Beginn weg war die Stadt zweisprachig geprägt. Freiburg bedeutet so viel wie «freie Stadt». «Im Mittelalter gab es noch keine Demokratie, aber die Bewohnerinnen und Bewohner der Städte hatten die Feudalherrschaft hinter sich gelassen und waren freie Menschen», sagte Schmidt.
Katholischer Charakter
«Die Stadt war ein Ort der Ästhetik», sagte Schmidt: Mit vielen Symbolen – auf Brunnen, an Häusern, mit Kirchen – zeigten die Erbauer die Macht, aber auch den katholischen Charakter Freiburgs.
Hans-Joachim Schmidt (Hg.): Stadtgründung und Stadtplanung – Freiburg im Mittelalter. Lit Verlag, Wien-Zürich, 2010. Erhältlich für 51.90 Fr. in Buchhandlungen oder bestellbar bei <email-pii>.