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Diesen Sonntag heisst es in Deutschland: Urnen auf für die Bundestagswahlen 2017. Böse Zungen behaupten, es sei das grösste Ereignis ohne einen Funken Spannung. Wir wagen das zu bezweifeln. Vor allem wegen der Frage der Koalitionsbildung. Jetzt aber alles schön der Reihe nach ...
Nein – indirekt aber schon. Bei den Bundestagswahlen 2017 wählen die deutschen Stimmbürger die mindestens 598 Abgeordneten des Deutschen Bundestags. Diese wiederum wählen dann den oder die BundeskanzlerIn.
Die Anzahl Abgeordnete variiert aufgrund sogenannter Überhangmandate. Im Moment wird der Bundestag von 630 Abgeordneten besetzt.
Ja.
Stimmbürger in Deutschland haben bei den Bundestagswahlen zwei Stimmen. Eine Erst- und eine Zweitstimme: Mit der Erststimme wird der oder die Abgeordnete aus dem eigenen Wahlkreis gewählt (es gibt 299 Wahlkreise in Deutschland).
Mit der Zweitstimme wird die prozentuale Sitzverteilung der Parteien im Bundestag bestimmt. Nur Parteien, welche die 5-Prozent-Hürde schaffen oder 3 Wahlkreise gewinnen, erhalten Einzug in den Bundestag.
Parteien, welche es nicht schaffen, auf Bundesebene fünf Prozent aller Zweit-Wählerstimmen auf sich zu vereinen, gehen leer aus. Ihre Stimmen verfallen komplett. Es sei denn, sie holen drei Direktmandate mit der Erststimme.
Es sieht ganz danach aus. Die Union (CDU & CSU) lag mit 36% Wähleranteil in allen Umfragen weit vor der stärksten Gegenpartei, der SPD (ungefähr 22%). Laut Umfragen drittstärkste Kraft könnte mit 11 Prozent die AfD werden.
Jup.
Sie holt Stimmbürger am rechten Rand des Spektrums ab, während «die Linke» (prognostizierte 10%) das Gegenextrem beackert.
Das ist gut möglich. Die Umfrageinstitute haben aber aus dem Trump-Debakel gelernt. In verschiedenen Umfragen wird dieser Verzerreffekt bereits mit einberechnet.
Noch Fragen?
Tatsächlich kann Frau Merkel mit 36 Prozent nicht siegessicher sein. Erst durch eine Koalition – einem Vertrag. der die Zusammenarbeit mit einer oder mehreren anderen Parteien regelt – wird sie die nötigen Stimmen im Bundestag erzielen. In der Regel stellt aber die Partei den Kanzler oder die Kanzlerin, welche die meisten Stimmen erhält.
Das wäre theoretisch möglich – ist aber mehr als unwahrscheinlich. SPD, Grüne, FDP, die Linke und die AfD teilen sehr unterschiedliche Grundwerte, welche in einer Koalition nur schwer vereinbar wären. Von einem Koalitionspartner AfD haben sich bereits im Vorfeld diverse Parteien distanziert.
Das ist die spannendste Frage dieser Wahlen. In den letzten Jahren wurde Deutschland von einer sogenannt grossen Koalition der Union (CDU & CSU) und der SPD regiert. Viele Experten halten eine Neuauflage dieser Koalition für sehr wahrscheinlich – auch wenn SPD-Chef Schulz sich im Wahlkampf verschiedentlich davon zu distanzieren bemühte.
Schaffen sowohl FDP wie auch die Union sehr gute Resultate, ist auch eine schwarz-gelbe Koalition (Union = Schwarz, FDP = gelb) denkbar. Ebenfalls im Bereich des Möglichen ist die sogenannte Jamaika-Koalition. Eine Ampel-Koalition kann aufgrund der Umfragewerte ausgeschlossen werden.
Jeder Partei in Deutschland wird eine Farbe zugeordnet.
Unter einer Jamaika-Koalition versteht man die Zusammenarbeit von Union (schwarz), FDP (gelb) und den Grünen (grün) – die Farben der Nationalflagge von Jamaica. Die Ampelkoalition besteht selbstredend aus Rot (SPD), Gelb (FDP) und Grün (Bündnis 90/die Grünen).
Die Parteiprogramme der Grünen und der FDP sind in verschiedenen Bereichen (z.B. Umweltschutz) diametral entgegengesetzt. Eine Zusammenarbeit wurde von beiden Spitzenkandidaten (Özdemir & Lindner) als sehr unwahrscheinlich bezeichnet.
Die Urnen schliessen am Sonntag um 18 Uhr. Gleich danach wird es erste Trendmeldungen geben und wenige Minuten später folgen die ziemlich genauen Hochrechnungen. 2013 stand Merkels Sieg bereits um 18.15 Uhr fest. Von watson erhältst du dann natürlich einen Push. Zuvor werden wir mit einem Ticker dafür sorgen, dass du nichts verpasst an diesem Tag.