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Die Minarett-Initiative war eine Zäsur. Sie brachte die Religion zurück in die nationale Politik und lancierte die Frage, ob hier die Mehrheit eine religiöse Minderheit diskriminiert. Schweizer Musliminnen und Muslime empfanden dies so. Wie haben sie reagiert und was hat sich in den zehn Jahren getan?
Die Minarett-Initiative hatte ihren Ursprung in Wil (SG). Dort plante die muslimische Gemeinschaft eine Moschee mit Minarett. «Ich war nie gegen eine Moschee, sondern nur gegen ein Minarett», sagt Lukas Reimann (SVP). Vor einem Jahr wurde in Wil die neue Moschee – ohne Minarett – eingeweiht. Hier in der Moschee ist es schon schöner als zuvor im Industriequartier, ist sein Fazit zur Moschee.
Ich war nie gegen eine Moschee, sondern nur gegen ein Minarett.
Bekim Alimi ist Imam in Wil. Er ist überzeugt, dass das Minarett-Verbot nichts verändert habe. «Es war ein Verbot für ein Stück Gebäude und nichts mehr». Die Themen wie zum Beispiel die Gefahr durch den Islam seien nach wie vor politische Themen in der Schweiz.
Es war ein Verbot für ein Stück Gebäude und nichts mehr.
Reimann und Alimi sind sich einig: Die Auswirkung der Initiative war, dass sie keine Auswirkung hatte. Es habe aber eine Debatte zum Islam ausgelöst, sagt Lukas Reimann. Und diese sei noch nicht vorbei. Und beide sind der Meinung: Trotz Minarett-Verbot ist die muslimische Gemeinschaft in Wil gut integriert.
«Ich sehe keine positive Auswirkung»
Das Minarett-Verbot hat für den SP-Politiker Dario Sulzer keine positive Auswirkung gehabt. Ein Verbot helfe nicht, gegenseitiges Verständnis aufzubauen.
Dario Sulzer (SP) ist Wiler Stadtparlamentarier. Er ist der Ansicht, dass die Integration durch das Verbot nicht begünstigt wurde. «Wenn man Politik macht, dann geht es darum, die Gesellschaft weiterzubringen», sagt Sulzer. Das habe in diesem Fall nicht stattgefunden. Aber – auch für ihn ist die muslimische Gemeinschaft in Wil gut integriert.
Und die Muslime?
Hisham Ademi ist seit 1979 in der Schweiz. Er besucht regelmässig die Moschee in Wil. Ademi sagt: «Eine Moschee ohne Minarett ist nicht wie normal, aber auch nicht schlecht». Er akzeptiert den Volksentscheid ohne wenn und aber. Die Genugtuung über die neue Moschee überwiegt.
Abstimmung vor 10 Jahren
Am 29. November 2009 hat die Schweiz ein Minarett-Verbot an der Urne angenommen.
57.5 Prozent der Stimmbevölkerung hatten Ja gesagt zur Minarett-Initiative. Ein Resultat, mit dem niemand gerechnet hatte.
Es war die erste Abstimmung aus SVP-Kreisen, die an der Urne Erfolg hatte.
Die Abstimmung brachte die Religion zurück aufs politische Parkett. Zuvor waren religiöse Konflikte jahrzehntelang an den Gerichten ausgefochten worden.