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Meinen aktuellen Newsletter widme ich einer bedeutenden Frau der Renaissance. Gracia Nasi (1510-1569), auf den christlichen Namen Beatrice de Luna Miques getauft, teilweise auch Gracia Mendes (nach dem Familiennamen ihres Mannes) oder Hannah Nasi genannt. Bereits die Frage, wie wir diese Frau benennen, ist eine eigene Studie über kulturelle Identität wert. So wird Gracia als eine hispanisierte Form ihres hebräischen Vornamens Hannah gedeutet. Auch ihren Zeitgenossen und Zeitgenossinnen im damaligen Konstantinopel ging es ähnlich. Sie nannten Gracia Nasi der Einfachheit halber «La Señora», die Herrin, was uns einen ersten Eindruck ihrer Macht und ihrer sefardischen Herkunft verrät.
In meinem Newsletter führe ich in einige gute Quellen zum ereignisreichen Leben der Kauffrau, deren Lebensweg als Kind aragonesischer «Conversos» in Lissabon beginnt, dann nach Antwerpen, Venedig, Ferrara und schliesslich nach Istanbul führt, ein. Gracia Nasis Leben ist nicht nur auf einer biografischen Ebene superspannend, sondern vermittelt uns einen Einblick in das Schicksal der sefardischen Juden, die nach der Vertreibung von der Iberischen Halbinsel Zuflucht in mehreren europäischen Handelsstädten suchten, letztlich aber nur im Ottomanischen Reich vor der Inquisition sicher sein konnten.
Der Newsletter ist unter dem Titel „A polyglot by faith“ für alle kostenlos auf Substack zu lesen.
In meinem aktuellen Newsletter geht es um dunkle und traurige Themen.
Zunächst stelle ich meine Eindrücke aus Mariana Enríquez‘ Thriller Nuestra parte de noche (2019, Unser Teil der Nacht) vor. Ich nehme es vorweg: Das Buch ist sehr düster und ein echter Schocker. Danach habe ich einmal wieder eine Podcast-Empfehlung für Euch: El hilo berichtet in einer Episode über die Gentrifizierung wichtiger Stadtviertel in Puerto Rico und was das für die Anwohnerschaft bedeutet. Wie überall, nichts Gutes. Zum Schluss habe ich noch einen Nachruf auf Moris Albahari, einen der letzten Ladino-Sprecher Bosniens.
Als Zugabe gibt es einen sozialen Protestsong aus Kolumbien. Während wir überlegen, wo wir das Übermass an Konsum diesen Winter etwas einschränken könnten, haben die Menschen an der kolumbianischen Pazifikküste noch nicht einmal die Grundversorgung an Wasser und Strom gesichert.
In meinem letzten Newsletter stelle ich den spanischen Renaissance-Komponisten und Organisten Antonio de Cabezón vor. Ab dem Jahr 1526 hat er am spanischen Königshof gearbeitet und ist später mit Felipe II durch ganz Europa gereist. Heute ist seine Musik kaum mehr einem grösseren Kreis bekannt. Was ich hiermit gerne ändern möchte.
Gustavo Petro wurde am 7. August 2022 auf der Plaza Bolívar in Kolumbiens Hauptstadt ins Amt des Präsidenten eingeführt. Er ist der 34. Präsident der Republik Kolumbien. An seiner Seite amtet die Umweltaktivistin Francia Márquez als Vizepräsidentin.
Die Feier symbolisiert auf vielfache Weise die Hoffnung, aber auch die Ängste, die die kolumbianische Bevölkerung mit dieser Amtseinführung verbinden. Die Böll-Stiftung hat eine sehr gute Zusammenfassung des umfassenden Programms der neuen Regierung publiziert. Ich habe in meinem letzten Newsletter drei kulturelle Details aus dieser Zeremonie herausgepickt, die zum einen den Optimismus, aber auch die politischen Widerstände gegenüber der neuen Regierungspolitik symbolisieren:
der Streit um eines der Schwerter Simón Bolívars bei der Amtseinführung
die Performance der afrokolumbianischen Pianistin Teresita Gómez aus Medellín
der Erfolg des jungen afrokolumbianischen Modedesigners Esteban Sinisterra, der für die Outfits der Vizepräsidentin verantwortlich zeichnet.
In meinem aktuellen Newsletter auf Substack empfehle ich drei Podcast-Episoden aus der spanischsprachigen Kulturwelt. Hier sind die Empfehlungen auf Deutsch:
Asunción Gómez-Pérez, neues Mitglied der RAE
Das Thema Künstliche Intelligenz nimmt zum ersten Mal Platz im Plenum der Königlichen Spanischen Akademie (Real Academia Española, RAE). Asunción Gómez-Pérez, promovierte Informatikerin, wurde als neues Mitglied der RAE gewählt. Sie übernimmt den vakanten Sitz q (silla q).
Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Semantic Web und Ontologie-Engineering. Sie ist damit die zwölfte Frau, die Einsitz im Plenum nimmt. Sie bringt ein völlig neues Profil mit, das der Institution viele neue Anstösse geben könnte. So zum Beispiel, wenn es um die Weiterentwicklung von Wörterbüchern oder automatische Übersetzungen geht. Auch die RAE durchläuft zur Zeit einen Prozess der digitalen Transformation. Das ist für eine altehrwürdige und geisteswissenschaftlich geprägte Institution sicherlich nicht immer ganz leicht.
RNE unterhielt sich mit Gómez-Pérez an der Polytechnischen Universität Madrid, wo sie als ordentliche Professorin arbeitet. Mit ihrer pragmatischen Sichtweise in Bezug auf Anglizismen und ihrem technischen Hintergrund könnte Gómez-Pérez eine erfrischende Ergänzung für das Plenum sein. Ich bin gespannt, wie sich ihr Einfluss entwickeln wird. Hier ist das Interview mit ihr
El Ponte – Kulturbrücken bauen
El Ponte ist ein ganz neuer Podcast, der Geschichten, Verbindungen und Kulturen des Ladino, der Sprache der sephardischen Juden in der Diaspora, beschäftigt. Obwohl die Sprache derzeit eine Randerscheinung ist, lebt Ladino von den Überschneidungen seiner vielen Einzelelemente, wie Spanisch, Portugiesisch, Hebräisch, Türkisch, Griechisch, Italienisch, Französisch, Arabisch und mehr fort. Als Gastgeber diskutieren Max Daniel und Ivy Jane aus Los Angeles über Themen wie Ort, Heimat, Diaspora, sprachliche und kulturelle Weitergabe und Gemeinschaft. In jeder Folge interviewen sie Gäste aus der ganzen Welt über ihre Beziehungen zum Ladino. Wenn Sie sich für Sprachen allgemein, die spanischsprachige Welt, die jüdische Kultur oder eben die vielen Überschneidungen zwischen diesen Themen interessieren, überqueren Sie diese „Brücke“, indem Sie in die Einstiegsfolge des Podcasts reinhören. Ich finde es sehr interessant, dass zwei junge Menschen den Podcast starten. Ladino ist inzwischen viel mehr als ein nostalgisches Gefühl für ältere Menschen oder eine Nische für Hispanisten oder Hispanistinnen. Soweit ich weiß, ist es auch der erste englischsprachige Podcast über Ladino, und ich hoffe, dass er das Interesse derjenigen wecken wird, die mehr über diesen Teil der spanischen Sprachgeschichte erfahren wollen. Hier ist der Link zu ihrer ersten Folge.
Ich wünsche den beiden alles Gute und eine aufmerksame Zuhörerschaft.
Luisa Etxenike, Cruzar el agua
Susana Santaolalla, die Moderatorin der klassischen Radiosendung Libros de arena, ist immer sehr enthusiastisch, wenn sie über Literatur spricht; aber es war faszinierend, ihrem lebhaften Gespräch mit der spanischen Schriftstellerin Luisa Etxenike über ihr neues Buch Cruzar el agua (Das Wasser überqueren) zu folgen.
In dem Buch geht es um das Thema Einwanderung, das aus einem anderen Blickwinkel betrachtet wird. Manuela hat Kolumbien mit ihrem Sohn verlassen, der seit einem Jahr nicht mehr spricht. Sie arbeitet nun im Haus von Irene, die durch einen Unfall erblindet ist. Irene versucht, jeden Tag allein im Meer zu schwimmen, obwohl das Risiko besteht, dass sie die Wellen nicht früh genug sieht und sie ihr Leben gefährdet. Als die beiden Frauen beginnen, miteinander zu sprechen, kommen nach und nach die Ereignisse ans Licht, die das Leben der drei verändert haben – mit unerwarteten Folgen.
Ich habe dieses Gespräch mit seiner positiven Ausstrahlung sehr genossen und freue mich darauf, das Buch zu lesen. Extenike ist eine humanistische Autorin und mir gefällt der zentrale Gedanke des Romans, dass die Entwurzelung durch Vertreibung oder Emigration auch eine Befreiung sein kann.
Die Via de la Plata ist der längste der spanischen Caminos, die nach Santiago de Compostela führen. Mein Mann und ich haben die Osterpause genutzt, um mehrere Etappen dieses Pilgerwegs zwischen Sevilla und Mérida zu meistern. Damit die Erholung nicht zu kurz kommt und auch eine erneute Infektion mit dem Coronavirus verhindert wird, haben wir uns in sehr netten Hotels einquartiert. Generell aber ist es so, dass es auf dieser Strecke kaum öffentliche Herbergen gibt. Wir haben es sehr gut gehabt. Die täglichen Wanderetappen waren zwischen 16 und 26 km lang.
Im aktuellen Tertulia-Newletter stelle ich drei Themen der argentinischen Kultur vor.
Im ersten Thema bespreche ich Mariana Enríquez‘ Biografie der argentinischen Schriftstellerin Silvina Ocampo (1903-1933). Die Biografie lädt dazu ein, sich mit dem Werk Ocampos und ihrer spannenden Gedankenwelt intensiver auseinanderzusetzen.
Im zweiten Thema, das ich vorstelle, geht es um ein dunkles Kapitel der argentinisch-jüdischen Sozialgeschichte: Der Historiker Mir Yarfitz hat den mafiösen Menschenhandel im schnell wachsenden Buenos Aires zu Beginn des letzten Jahrhunderts aufgearbeitet. Ob die Zeitgenossin Silvina Ocampo von diesem ganzen anderen Buenos Aires wusste?
Zu guter Letzt empfehle ich Euch einen Film aus der aktuellen Gegenwart: Fever Dreams basiert auf dem Roman Distancia de rescate der Autorin Samanta Schweblin. Sie selbst hat auch am Drehbuch mitgewirkt. Empfehlenswert!