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Von Hanspeter Holzhauser, Überarbeitung Managementzentrum
Er ist der Titan unter den Gletschern, ein Gewalts-Eisbrocken: Der Grosse Aletschgletscher bildet das Herzstück des UNESCO Welterbes Jungfrau-Aletsch. John Tyndall schrieb 1860: «Der Aletschgletscher ist der grossartigste Gletscher der Alpen: wir standen über ihm, während die umliegenden Berge reichlich den gewaltigen Strom speisten.» Mit einer Fläche von 81,69 km2 und einer Länge von 22,6 km ist er der grösste und der längste Gletscher der Alpen.
So imposante Viertausender wie die Jungfrau, der Mönch und das Gross Fiescherhorn säumen ihn und begrenzen sein Nährgebiet im Norden; die Firnmulden Grosser Aletschfirn, Jungraufirn, Ewigschneefäld und Grüneggfirn (von Westen nach Osten), fliessen am Konkordiaplatz zusammen. Sie bilden an den Nahtstellen mächtige Moränen. Die elegant geschwungenen Mittelmoränen prägen das Bild des grossen Eisstromes. Was Wunder, wenn diese faszinierende Gletscherwelt weitgereiste Touristen schwer beeindruckte und zu ungewöhnlichen Assoziationen inspirierte: Der Konkordiaplatz verdankt seinen Namen dem Geistesblitz eines Engländers, J.F. Hardy, der das Kernstück des Gletschers mit der Place de la Concorde in Paris verglich...
Erste glaziologische Gehversuche gehen auf Alfred Escher von der Linth zurück. 1841 vermass er auf dem Gletscher beim Märjelensee zwischen Juni und August eine Ablation (ein Abschmelzen) von über einem Meter. 1869 hat Charles Grad vom 18. August bis zum 1. September neben Abschmelz- auch erste Geschwindigkeitsmessungen anhand von drei Profilen durchgeführt, nämlich beim Märjelensee, auf der Höhe des Mittelaletsch- und des Oberaletschgletschers. Er dokumentierte dabei eine Abnahme der Oberflächenbewegung gegen das Zungenende hin. Ab 1918 begannen auf dem Jungfraufirn im Auftrag der Gletscherkommission der Physikalischen Gesellschaft Zürich Schneemessungen. Eine englische Forschergruppe nahm um 1937 Tiefen- und Geschwindigkeitsmessungen unterhalb des Jungfraujochs vor. Diese Gruppe durchbohrte 1947 auf einer Höhe von 3350 Meter den Jungfraufirn thermisch; sie stiess in einer Tiefe von 137 Metern auf das Felsbett. Am Konkordiaplatz ermittelten Forscher der ETHZ mittels Heisswasserbohrungen eine Eismächtigkeit von rund 900 Metern.
Seit 1939 stellt die Forschungsstation Jungfraujoch umfassende und systematische glaziologische Untersuchungen an. Dank der Auswertung von historischem Bild- und Schriftquellen, dem Datieren von Bäumen, die vom Gletscher überfahren wurden, und der genauen Auswertung der Wasserleitung «Oberriederi» fügen sich die Mosaiksteinchen zu einem «Bewegungsbild» des Grossen Aletschgletschers mit seinen Vorstoss- und Rückzugsphasen. Das Ergebnis ist eine lückenlose Kurve der jeweiligen Zungenlängenveränderung seit 3500 Jahren. Auf diese Weise können mindestens sieben teils ausgeprägte Vorstossphasen dokumentiert werden. Besonders ins Auge fallen die Hochstände der Kleinen Eiszeit um 1396, 1678 und 1959/60. Es gab aber auch Zeiten, während denen der Grosse Aletschgletscher ähnliche Dimensionen aufwies wie zu unserer Zeit: So während des mittelalterlichen Klimaoptimums zwischen 800 und 950 nach Christus; bedeutend kürzer als heute war der Gletscher während der Bronzezeit zwischen 1200 und 600 vor Christus, schätzungsweise um einen ganzen Kilometer. Auch während der Eisen- und Römerzeit war der Grosse Aletschgletscher geringfügig kleiner als heute. Die noch anhaltende Schwundphase begann zwischen 1860 und 1865; seit dieser Zeit hat der Gletscher 4 Kilometer an Länge eingebüsst.

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