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von Nives Vajda
Empathie bezeichnet die Fähigkeit, emotionale und kognitive Prozesse einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen. Die Fähigkeit der Eltern, sich in ihr Kind einzufühlen, fördert die sozio-emotionale Entwicklung des Kindes. Dies hilft dem Kind, Fähigkeiten zur wirksamen emotionalen Steuerung zu entwickeln, weniger anfällig für Depression oder Aggressivität zu sein, und grössere Empathie für andere zu entwickeln. Andererseits ist aus bisherigen Studienergebnissen unklar, welche Auswirkungen Empathie bei den Eltern selbst haben kann. Empathisch zu sein mag Eltern ein gutes Gefühl vermitteln, sich als fürsorgliche Individuen und fähige, wirksame Eltern bestätigt zu sehen. Verständnis für andere zu haben heisst jedoch oft, seine eigenen Standpunkte zu überwinden und nicht sofort auf Situationen zu reagieren. Damit sich Kinder sicher und verstanden fühlen, müssen Eltern manchmal ihre eigenen Gefühle hintenanstellen. Dies können sie als Stress empfinden und werden dementsprechend anfälliger für negative körperliche Reaktionen (z.B. physiologische Reaktionen wie Entzündungen).
In einer Studie haben Manczak et al. 247 Eltern-Kind Paare (Eltern und 13 bis 16-jährige Jugendliche) untersucht. Es sollte getestet werden, ob elterliche Empathie auch zu physiologischen Einschränkungen bei den Eltern führen kann. Um chronische physiologische Entzündungsprozesse zu messen wurden von den Jugendlichen und ihren Eltern Blutproben entnommen. Die Jugendlichen mussten zwei Wochen lang Tagebuch über ihre emotionalen Erfahrungen führen (z.B., was sie frustrierte, ob sie Gefühlsschwankungen während des Tages hatten, wie schnell sie sich von negativen Erlebnisses erholt hatten). Die Eltern mussten Fragen zu ihrer Empathie, dem Sinn ihres Lebens, ihrem Selbstwertgefühl und den entgegengebrachten Emotionen ihrer Kinder beantworten.
Die Forscher untersuchten auch die Qualität der Eltern-Kind Beziehung, wie viel Stress Eltern und Jugendliche während des letzten Monats empfunden haben, die Häufigkeit depressiver Symptome bei Jugendlichen, sowie die Zeit, die Eltern und Kinder täglich zusammen verbrachten.
Die Resultate haben gezeigt, dass Jugendliche, deren Eltern empathischer waren, ihre Emotionen besser steuern konnten. Die Blutproben der Jugendlichen hatten tiefere Entzündungswerte. Diese Ergebnisse waren stabil, auch wenn andere psychosoziale Faktoren (z.B. die Qualität der Beziehung oder die zusammen verbrachte Zeit) berücksichtigt wurden. Bei den Eltern führte höhere Empathie zu höherem psychischen Wohlbefinden, jedoch auch zu erhöhten Neigungen zu Entzündungen.
Wie lassen sich die unterschiedlichen physiologischen Auswirkungen von Empathie bei Eltern und Kindern erklären? Die Autoren der Studie vermuten, dass empathische Eltern besser die Bedürfnisse und Fähigkeiten ihres Kindes einschätzen können. Diese elterliche Unterstützung verringert die negativen Einflüsse von täglichen Stresssituationen.
Obwohl dadurch das Selbstwertgefühl bei den Eltern steigt, kann das intensive und häufige emotionale Engagement bei den Eltern zu Erschöpfung und Empfindlichkeit führen. Zudem ist es auch möglich, dass besonders empathische Eltern die Bedürfnisse ihres Kindes ihren eigenen vorziehen und wichtige gesundheitliche Aspekte (z.B. körperliche Fitness, gesunde Ernährung, ausreichender Schlaf) vernachlässigen.
Literaturangaben:
Manczak, E. M., DeLongis, A., & Chen, E. (2016). Does empathy have a cost? Diverging psychological and physiological effects within families. Health Psychology, 35, 211-218.
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