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Achtgliedrigen Pfad nach Rudolf Steiner:
„Das ist die Ursache des Leidens in der Welt – sagte Buddha -, daß aus den früheren Inkarnationen etwas zurückgeblieben ist, über das der Mensch nichts weiß. Was er aus den früheren Inkarnationen hat, das ist die Ursache, weshalb sich bei ihm Nichtwissen über die Welt ausbreitet; das ist die Ursache beim Menschen für Leid und Schmerz, für Kümmernis und Sorge. Aber wenn er sich bewußt wird, was in seinem astralischen Leibe für Kräfte liegen, in die er hineindringen kann, dann kann er sich, wenn er will, ein Wissen aneignen, das unabhängig geblieben ist von allem Früheren, ein eigenes Wissen.
Dieses Wissen wollte der große Buddha den Menschen übermitteln. Und er übermittelte es ihnen in dem sogenannten achtgliedrigen Pfad. Darin will er diejenigen Kräfte angeben, welche der Mensch ausbilden soll, damit er im gegenwärtigen Menschheitszyklus zu einem solchen Wissen kommt, das unbeeinflußt ist von den immer wiederkehrenden Wiedergeburten. So hat der Buddha selbst durch die Kraft, die er erlangt hat, seine Seele erhoben zu dem, was man durch die intensivsten Kräfte des astralischen Leibes erlangen kann; und er wollte in dem achtgliedrigen Pfad der Menschheit den Weg vorzeichnen, wie sie zu einem von dem Samskara unbeeinflußten Wissen kommen kann. Er definierte es so:
Der Mensch kommt zu einem solchen Wissen über die Welt, wenn er sich eine richtige Meinung über die Dinge aneignet, eine Meinung, die nichts zu tun hat mit Sympathie oder Antipathie oder damit, daß er für sie eingenommen ist, sondern indem er versucht – rein nach dem, was sich ihm außen darbietet -, nach Kräften über ein jedes Ding die richtige Meinung zu gewinnen. Das ist das erste, die «richtige Meinung» über eine Sache.
Als zweites ist notwendig, daß man unabhängig werde von dem, was aus den früheren Inkarnationen zurückgeblieben ist, daß wir uns bestreben, nach unserer richtigen Meinung auch zu urteilen, nicht nach irgendwelchen anderen Einflüssen, sondern nur nach dem, was unsere richtige Meinung von einer Sache ist. Also das «richtige Urteilen» ist das zweite, um was es sich handelt.
Das dritte ist, daß wir uns bestreben, wenn wir uns der Welt mitteilen, das auch richtig auszudrücken, was wir mitteilen wollen, was wir richtig meinen und richtig geurteilt haben, daß wir in unsere Worte nichts anderes hineinlegen, als was unsere Meinung ist, und zwar nicht nur in unsere Worte, sondern in alle Äußerungen der menschlichen Wesenheit. Das ist das «richtige Wort» im Sinne Buddhas.
Als viertes ist notwendig, daß wir uns bestreben, nicht nach unseren Sympathien und Antipathien, nicht nach dem, was dunkel in uns wühlt als Samskara, unsere Taten auszuführen, sondern daß wir dasjenige zur Tat werden lassen, was wir als unsere richtige Meinung, als unser richtiges Urteilen und als richtiges Wort erfaßt haben. Das ist also die richtige Tat, die «richtige Handlungsweise».
Das fünfte, was der Mensch braucht, um sich frei zu machen von dem, was in ihm lebt, das ist, den richtigen Stand, die richtige Lage in der Welt zu gewinnen. Was Buddha damit meinte, können wir uns am besten klarmachen, wenn wir uns sagen: Es gibt so viele Menschen, die mit ihrer Aufgabe in der Welt unzufrieden sind, die meinen, sie könnten besser an diesem oder jenem Platze stehen. Aber der Mensch sollte die Möglichkeit gewinnen, aus der Lage, in die er hineingeboren ist oder in die ihn das Schicksal hineingebracht hat, das Beste herauszuholen, was er herausholen kann, also den besten Standort gewinnen. Wer nicht Befriedigung fühlt in seiner Lage, in der er ist, der wird auch nicht aus dieser Lage die Kraft herausziehen können, die ihn zum richtigen Wirken in der Welt bringt. Das nennt Buddha den «richtigen Standort» gewinnen.
Das sechste ist, daß wir immer mehr und mehr dafür sorgen, daß dasjenige, was wir uns so aneignen durch richtige Meinung, richtiges Urteilen und so weiter, in uns zur Gewohnheit werde. Werden wir in die Welt hineingeboren, so haben wir gewisse Gewohnheiten. Das Kind zeigt diese oder jene Neigung oder Gewohnheit. Der Mensch aber sollte sich bestreben, nicht die Gewohnheiten zu behalten, die aus Samskara ihm kommen, sondern sich jene Gewohnheiten anzueignen, die aus der richtigen Meinung, dem richtigen Urteil, dem richtigen Wort und so weiter ihm nach und nach ganz zu eigen werden. Das sind die «richtigen Gewohnheiten», die wir uns aneignen sollen.
Das siebente ist, daß wir dadurch Ordnung in unser Leben bringen, daß wir nicht immer das Gestern vergessen, wenn wir heute handeln sollen. Wenn wir jedesmal alle unsere Geschicklichkeiten neu lernen müßten, dann würden wir nie etwas zustande bringen. Der Mensch muß versuchen, über alle Dinge seines Daseins ein Gedenken, ein Gedächtnis zu entwickeln. Er muß immer das verwerten, was er schon gelernt hat, muß die Gegenwart an die Vergangenheit anknüpfen. Also das «richtige Gedächtnis» – so ist es im buddhistischen Sinne gesprochen – hat sich der Mensch auf dem achtgliedrigen Pfade anzueignen.
Und das achte ist das, was der Mensch dadurch gewinnt, daß er ohne Vorliebe für diese oder jene Meinung, ohne daß er mitsprechen läßt, was ihm von früheren Inkarnationen geblieben ist, sich rein den Dingen hingibt, sich in sie versenkt und nur die Dinge zu sich sprechen läßt. Das ist die «richtige Beschaulichkeit».“
(Lit.:GA 114, S. 66 )