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Ausgangslage
Am 7. Juli 2014 fand im Bildungsrat eine Aussprache zum Ergänzungsfach statt. Der Bildungsrat beauftragte das Mittelschul- und Berufsbildungsamt (MBA), eine systematische Übersicht über das Angebot des Ergänzungsfachs an den Zürcher Mittelschulen zu erstellen.
Erwägungen
Die eidgenössischen Grundlagen zum Ergänzungsfach enthalten keine eindeutigen Vorgaben zur Ausgestaltung der Ergänzungsfächer. Weder im Maturitätsanerkennungsreglement vom 16. Januar / 15. Februar 1995 (Fassung vom 14. Juni 2007) noch im Rahmenlehrplan vom 9. Juni 1994 wird das Ergänzungsfach im Allgemeinen definiert. Keine weiteren Hinweise enthalten auch die Zürcher Kantonalen Vorgaben zur Maturität vom 4. Juni 1996.
Ein Vergleich auf kantonaler Ebene zeigt, dass zumeist auf eine detaillierte Definition des Ergänzungsfachs verzichtet wird. In der Regel wird lediglich festgehalten, dass durch das Ergänzungsfach der Grundlagenbereich in exemplarischer Weise vertieft werden und ein individueller Schwerpunkt gesetzt werden können soll (z.B. Kantone Aargau, Bern).
Im Sommer 2014 wurde durch das MBA zwecks Erstellung der Ergänzungsfächer-Übersicht an allen Zürcher Mittelschulen eine Erhebung zu ihrem Angebot durchgeführt.
Die erhobenen Daten werden in den Übersichtstabellen «A) Durchführung der Ergänzungsfächer» und «B) Charakter der einzelnen Ergänzungsfächer» dargestellt. Da die Kurse jedes Jahr von anderen Lehrpersonen erteilt werden und die Inhalte deshalb variieren, sind die Angaben in der Tabelle «B) Charakter der einzelnen Ergänzungsfächer» als Momentaufnahme einzustufen.
Aus der Übersicht geht hervor, dass das Angebot im Ergänzungsfach über alle Mittelschulen hinweg sehr stark variiert. Die Schulangaben zu den angebotenen Ergänzungsfächern lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Durchführung der Ergänzungsfächer
- Anzahl Kurse im Angebot:
Im Durchschnitt werden pro Mittelschule elf Ergänzungsfächer angeboten. Drei Mittelschulen bieten vergleichsweise wenige Ergänzungsfächer an.
- Verbundangebote:
Es gibt drei Verbünde zu jeweils zwei bzw. drei Mittelschulen. Diese ermöglichen den beteiligten Mittelschulen, Ergänzungsfächer gemeinsam anzubieten und somit Kurse durchzuführen, die ansonsten nicht zustande kämen.
- Wahlsystem:
Sieben Mittelschulen bieten im letzten Schuljahr zusätzliche Wahlmöglichkeiten, nebst dem Ergänzungsfach. Dadurch erhöht sich die Möglichkeit einer Profilierung im Hinblick auf ein späteres Studium.
- Fächerabfolge:
Ob ein Ergänzungsfach im letzten Schuljahr zusätzlich auch noch als Grundlagenfach geführt wird, hängt vom pädagogischen Gesamtkonzept der Mittelschule (Stundentafel) ab.
- Ausschreibung:
Vier Mittelschulen stellen die zur Wahl stehenden Ergänzungsfächer den Schülerinnen und Schülern lediglich mündlich vor. Im Übrigen werden die Fächer auch schriftlich ausgeschrieben.
- Durchführung:
Mathematisch-naturwissenschaftliche Ergänzungsfächer sowie vier weitere Fächer – Musik, Philosophie, Religion, Wirtschaft und Recht – können mangels Nachfrage nicht immer durchgeführt werden. Das jüngste Ergänzungsfach Informatik wird hingegen(soweit angeboten) immer durchgeführt.
Zehn der vierzehn Ergänzungsfächer sind an einzelnen Mittelschulen so beliebt, dass sie in mehrfachen Kursen durchgeführt werden können.
- Prozentuale Verteilung der Ergänzungsfächer:
Es zeichnet sich keine besondere Beliebtheit eines einzelnen Faches ab. Die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer (ausser Biologie) werden jedoch seltener gewählt.
Charakter der einzelnen Ergänzungsfächer
- Vertiefung
In durchschnittlich vier Fächern pro Mittelschule werden jeweils maximal vier Themen im Ergänzungsfachjahr behandelt und wird das Fach damit vertieft.
- Erweiterung:
Die Ergänzungsfächer stellen grundsätzlich eine inhaltliche Erweiterung zum Angebot der Grundlagenfächer dar.
- Wissenschaftspropädeutik:
Rund die Hälfte der Ergänzungsfächer hat wissenschaftspropädeutischen Charakter.
- Mitbestimmung der Schülerinnen und Schüler:
Zum Teil haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, das Programm des Ergänzungsfachs mitzubestimmen.
- Spezialgebiet der Lehrperson:
In vereinzelten Fällen bieten Lehrpersonen im Ergänzungsfach ihr «Expertengebiet» an.
- Praktischer Charakter:
Die meisten Mittelschulen bieten praktische Arbeit (Labor, wissenschaftliches Forschen etc.) in denjenigen Ergänzungsfächern an, die sich inhaltlich dafür eignen.
- Ergänzungsfächer in der Immersionssprache:
Sechs Mittelschulen bieten auch Ergänzungsfächer in einer Immersionssprache an. Im Gesamtangebot sämtlicher Mittelschulen sind alle drei Immersionssprachen (Englisch, Französisch, Italienisch) vertreten.
Der Auswertungsprozess mit den Schulen machte deutlich, dass alle Mittelschulen ein qualitativ hochstehendes Angebot für die Ergänzungsfächer bieten. Es empfiehlt sich jedoch, gemeinsame qualitative Ansprüche in Ergänzungsfächern, insbesondere im Hinblick auf die Wissenschaftspropädeutik zu entwickeln.
Das Mittelschul- und Berufsbildungsamt wird beauftragt, gemeinsam mit der Schulleiterkonferenz sowie unter Einbezug von HSGYM (Schnittstelle Hochschulen – Gymnasium), die gemeinsamen qualitativen Ansprüche zu entwickeln und sie dem Bildungsrat bis Frühjahr 2016 vorzulegen.
Antrag
Auf Antrag der Bildungsdirektion beschliesst der Bildungsrat:
- Das Mittelschul- und Berufsbildungsamt wird beauftragt, in Zusammenarbeit mit der Schulleiterkonferenz sowie unter Einbezug von HSGYM gemeinsame qualitative Ansprüche in Ergänzungsfächern, insbesondere im Hinblick auf die Wissenschaftspropädeutik zu entwickeln.
- Die gemeinsamen qualitativen Ansprüche sollen dem Bildungsrat bis Frühjahr 2016 vorgelegt werden.
- Publikation dieses Beschlusses in geeigneter Form im Schulblatt und im Internet.
- Mitteilung an den Präsidenten der Präsidentenkonferenz Schulkommissionen Mittelschulen, Herrn Eric Huggenberger; den Präsidenten der Schulleiterkonferenz Mittelschulen, Herrn Cornel Jacquemart; den Präsidenten der Lehrpersonenkonferenz Mittelschulen, Herrn Marcel Meyer; den Mittelschullehrerverband Zürich (MVZ) sowie das Mittelschul- und Berufsbildungsamt.