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Reparieren geht doch
Vor Weihnachten war unser Milchschäumer kaputt gegangen. Ein Gerät von Jura. Ein Propeller wirbelt die Milch so lange herum, bis sie luftig und kompakt wird, wie bei einem italienischen Cappuccino. Doch irgendwann hatte der Propeller zu stocken begonnen. Und bald wirbelte er nicht mehr.
Ich verstaute das Gerät in einem Plastiksack und ging zu Jura an der Stockerstrasse. Der Laden ist gestylt, wie die Lobby eines Dreisternhotels. Es roch nach Kaffee. Ein Verkäufer in einem rotvioletten Hemd unterhielt sich mit einem Paar. Dass man am Abend keinen Kaffee trinken dürfe, erklärte der Verkäufer, sei ein Ammenmärchen. Die beiden Kunden nickten. Auf einem überlebensgrossen Karton zwinkerte uns Roger Federer zu.
Ich erklärte meinen Fall, und nach kurzer Prüfung kam der Bescheid, mein Gerät sei kaputt. Ich fragte, ob sie es reparieren könnten. «Nein, bei einem Neupreis von 95 Franken lohnt sich das nicht», hiess es, «ja, das ist heute so.»
Ich blickte zu Roger Federer. Wo bleibt die viel gepriesene Schweizer Qualität? Aber gut, so funktioniert der moderne Kapitalismus. Dass eine Schweizer Firma lieber in China einen komplett neuen Milchschäumer fabriziert, als bei uns einen alten zu reparieren.
Doch dann sagte ich: «Ich nehme einen neuen.» Als ich zu Hause ankam, hatte ich ein schlechtes Gewissen. Meine Frau ist eine grosse Wiederverwerterin, sie versucht alles, um kaputte Geräte zu retten, aber den neuen Milchschäumer nahm sie kommentarlos auf. Wir machten uns einen Cappuccino und stiessen an. Das alte Gerät deponierten wir im Gang, wo es darauf wartete, in den Keller getragen zu werden, ein Opfer des modernen Kapitalismus.
Über die Festtage kamen junge Leute auf Besuch, sie sprachen darüber, wie man ein richtiges Leben führt. «Hafermilch statt Soja», sagte jemand. «Soja kann man nicht mehr verantworten, Soja ist Monokultur, der grösste Teil der Produktion geht
in die Nahrung von Schlachttieren, ein Gebiet so gross wie Afrika. Nein, das Beste ist Hafermilch aus Deutschland.»
«Und Jahr für Jahr sterben Menschen bei Foxconn», sagte eine junge Frau.
«Was ist Foxconn?», fragte jemand in der Runde.
«Das ist eine Fabrik in China, die für Apple arbeitet.»
«Das hier ist ein Fairphone», sagte ein junger Mann und legte ein nachhaltiges Smartphone auf den Tisch. «Es geht auch anders.»
Weihnachten war vorbei, und der alte Milchschäumer staubte im Gang vor sich hin. Eines Tages sagte meine Frau: «Komm wir versuchen, die Propeller des neuen Geräts einzusetzen, vielleicht waren die alten nur abgeschliffen.»
Und tatsächlich, die alte Maschine gab wieder Lebenszeichen von sich, die neuen Propeller drehten. Wir machten uns einen Cappuccino und stiessen an. Bei Doktor Fust fanden wir Ersatzpropeller. Ein Anruf hatte gereicht.