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Im Kanton Bern sollen neben weiteren Insekten auch 5 Arten von Käfern speziell gefördert werden. Diese sind neben einigen Libellen, Heuschrecken und Schmetterlingen in der Liste der Arten-Förderschwerpunkte von ANF und KAWA 2016-2019 aufgeführt. Es sind durchwegs xylobionte Käfer-Arten, die auch in der Roten Liste der Prachtkäfer, Bockkäfer, Rosenkäfer und Schröter mit einer Gefährdungskategorie aufgeführt sind. Vier der 5 Spezies gehören mit mehr als 3 Zentimetern Körperlänge gleichzeitig zu den auffälligsten Schweizer Käferarten und sind auch für Laien identifizierbar.
Hirschkäfer (Lucanus cervus)
Jedes Kind kennt ihn, den bis zu 8 Zentimeter langen Hirschkäfer, Lucanus cervus. Er ist in Bezug auf sein Brutsubstrat nicht sehr wählerisch: Laubholz muss es sein, Eiche wird bevorzugt. Die Entwicklung startet als Engerling im weichen, toten Holz, dauert mehrere Jahre und endet mit der Verpuppung im Boden und dem anschliessenden Schlupf zwischen Mai und August. Es ist immer wieder ein Erlebnis, die Käfer in ihrem etwas plump wirkenden Flug in der Dämmerung zu beobachten. Der Hirschkäfer ist als verletzlich (VU) eingestuft und kommt in der Schweiz noch an diversen Standorten vor. Im Kanton Bern in der Region des Bieler- und der zwei Oberlandseen.
Alpenbock (Rosalia alpina)
Nur wenige Käfer sind so auffällig und schön blau gefärbt wie der Alpenbock. Seit dem Jahr 2000 sind in der Schweiz u.a. mittels Aufrufen in der Tagespresse und anschliessender Mitarbeit durch die Bevölkerung (Citizen Science) diverse zusätzliche Standorte gemeldet worden. Der Alpenbock gilt als verletzlich (VU) und ist in der Schweiz Waldzielart, Smaragdart und auch gemäss der „Berner Konvention“ international unter Schutz gestellt. Im Kanton Bern existieren Nachweise aus dem Oberland z.B. aus der Umgebung von Gstaad, dem Diemtigtal und der Region des Brienzersees bis nach Meiringen. Der Alpenbock benötigt für die Entwicklung stehendes, totes Buchenholz. Die Entwicklung dauert 2 bis 3 Jahre. Mit etwas Glück kann man die Käfer von Juni bis August am Brutholz antreffen.
Grosser Lindenprachtkäfer (Lamprodila rutilans)
Der Grosse Lindenprachtkäfer ist die häufigste von 3 ähnlichen, in der Schweiz heimischen Arten. Er entwickelt sich – der Deutsche Name lässt es erahnen – in Linden. Die flinken, grün-rot-blau funkelnden Käfer fliegen bei sonnigem Wetter ans Brutholz. Die Entwicklung in frisch abgestorbenem, gut besonntem Holz dauert 1-2 Jahre. Im Kanton Bern kommt der Grosse Lindenprachtkäfer noch vereinzelt im Berner Oberland und dem Jura-Südfuss vor.
Weberbock (Lamia textor)
Lamia textor bewohnt feuchte Wälder und Flussauen. Er entwickelt sich in den unteren Stammbereichen und Wurzeln von lebenden Bäumen wie Weide und Pappel. Die Käfer könnte man von Mai bis August im Freiland antreffen, die Bestände haben jedoch in der ganzen Schweiz stark abgenommen. Der Weberbock ist flugfähig, wird aber meist am Boden angetroffen. Er ist stark gefährdet (EN). Für den Kanton Bern liegt in der Datenbank seit 1990 lediglich ein Nachweis vor.
Eichenbock (Cerambyx cerdo)
Der Grosse Eichenbock – er ist vom Aussterben bedroht (CR) – entwickelt sich in der Schweiz in grossen, alten Eichen, die auch einen Anteil an totem Holz aufweisen. Befallene Eichen sind an den Frasspuren und Ausschlupflöchern gut erkennbar. Die Entwicklung des Eichenbocks dauert mehrere Jahre, die Käfer sind dämmerungs- und nachtaktiv und an den Brutbäumen oder auch an faulenden Früchten zu finden.
Gemäss aktueller Kenntnis ist Cerambyx cerdo im Kanton Bern ausgestorben. Von den total 5 beim CSCF hinterlegten Nachweisen stammt der letzte aus dem Jahr 1952.
Die 5 Käfer gelten als „Waldarten“. Für die Förderung ist das KAWA zuständig. Uns ist nicht bekannt, welche Massnahmen bereits getroffen oder für die Periode 2016-2019 noch vorgesehen sind.
Quellen / Weiterführende Informationen Arten-Förderschwerpunkte Kanton Bern 2016-2019 (LANAT) Biodiversität im Schweizer Wald: Ziele und Massnahmen (BAFU, 2015) Rote Liste der Prachtkäfer, Bockkäfer, Rosenkäfer und Schröter (BAFU-CSCF-WSL, 2016) Rote Listen: Beschreibung der Gefährdungskategorien gemäss IUCN
Beitragsbild: Weberbock (Lamia textor).
Bilder: Alpenbock: Bernhard Jost, Münsingen; weitere Bilder: Michael Gilgen, Bangerten. CC BY-SA-NC 4.0