Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03219.jsonl.gz/270

Fast sechs Jahre lang, bis Ende 2021, lebte Valérie Dittli in Lausanne, behielt ihren Hauptwohnsitz – und damit ihren steuerlichen Wohnsitz – aber im Kanton Zug. Dort zahlte sie auch ihre Steuern. Nun wirft diese Praxis angesichts ihres beruflichen und politischen Engagements im Kanton Waadt Fragen auf, wie «RTS» berichtet.
Valérie Dittli wurde 2016 von der Universität Lausanne als Assistentin und Doktorandin der Rechtswissenschaften angestellt und arbeitete dort vier Jahre lang. Zudem hat sie sich seit Jahren politisch an ihrem Wohnort eingebracht. So übernahm sie die Leitung der Waadtländer Sektion der Partei Le Centre (Die Mitte) und wurde deren Präsidentin. Ausserdem versuchte sie ihr Glück bei den Kommunalwahlen in Lausanne im Jahr 2021, bevor sie im vergangenen Frühjahr überraschend in die Waadtländer Regierung gewählt wurde.
Hauptwohnsitz in Oberägeri, Wohnsitz in Lausanne
Wie RTS-Recherchen zeigen, behielt sie während der ganzen Zeit ihren Hauptwohnsitz in der Zuger Gemeinde Oberägeri, wo sie aufgewachsen ist und wo ihre Familie lebt. Mit einer Ausnahme offenbar im Jahr 2021: Im Alter von 29 Jahren verlegt Valérie Dittli ihren Hauptwohnsitz vorübergehend nach Lausanne, um für die Gemeinderatswahlen zu kandidieren. Sie scheitert an der Wahlurne und verlegt fast unmittelbar danach ihren Hauptwohnsitz wieder nach Zug.
Diese steuerliche Mobilität endet im Januar 2022. Die Kandidatin des Zentrums, die für die Regierung kandidiert, verlegt ihren Hauptwohnsitz und damit auch ihren steuerlichen Wohnsitz nach Lausanne.
Bis zu 20'000 Franken gespart
Laut drei Steuerrechtsexperten, die von RTS befragt wurden, ist die Frage des Arbeitsortes im Allgemeinen ein ausschlaggebendes Kriterium für die Festlegung des Hauptwohnsitzes eines jungen, alleinstehenden Steuerzahlers. Ihrer Meinung nach hätten in diesem Fall die Steuern in Lausanne bezahlt werden müssen.
Nach Schätzungen von RTS hatte Valérie Dittli, die während ihrer vierjährigen Doktorarbeit ein durchschnittliches Gehalt von 4500 Franken pro Monat bezog, bis zu 20'000 Franken gespart, weil sie im Kanton Zug statt im Kanton Waadt besteuert wurde.
Verhalten in der Grauzone
Valérie Dittli, Schwester von Zuger Regierungsrätin Laura Dittli, nahm zu den Vorwürfen Stellung und bestritt einen Betrug. Laut Steuerrechtsexperten, die RTS befragt hatte, bewegte sich Dittli mit ihrem Verhalten in einer Grauzone.
In einer Sendung des RTS wich sie bezüglich der Jahre 2016 bis 2020 aus: «Wir sprechen über mein Leben als Studentin, Doktorandin, Praktikantin, in einem Alter, in dem man sich noch sucht, in dem alles offen ist.»
Dittli weisst Vorwürfe zurück
In Bezug auf 2021 versicherte die 30-Jährige, dass sie mit ihrem Steuerwohnsitz in Zug finanziell nichts gewonnen habe, im Gegenteil. «Da ich Anwaltspraktikantin in Bern war und 1700 Franken pro Monat verdiente, war in diesem Rahmen der Kanton Waadt vorteilhafter als der Kanton Zug.»
Die Waadtländer Regierungsrätin weist jedoch darauf hin, dass sie ihre Steuererklärung für das letzte Jahr im Kanton Waadt einreichen wird.
(red.)