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Das Geschäftsmodell mit den Metalsilos zur Lagerung von Mais ist bestechend: Die Firma TBM stellt Metallsilos mit einem Fassungsvermögen von bis zu 950 kg Mais in die Bauernhaushalte im Dorf Msowero und zahlt im Rahmen der TSS-Dienstleistung einen Vorschuss für sauber und trocken eingelagerten Mais. Nach 6-8 Monaten ist der Maispreis weit höher als zum Zeitpunkt der Ernte und TBM sucht gute Käufer. TBM und Bauern teilen sich dann nach der Schlussabrechnung den Gewinn. 10% gehen an TBM und 90% an den Produzenten. Das erste Pilotjahr 2017 mit der Ernte im 2018 war erstaunlich erfolgreich: Die 20 Teilnehmer verdienten mehr als doppelt soviel wie üblich. TBM baute im 2018 das Geschäft aus und expandierte auf über 100 Silos in Msowero. Dann kam 2019 die Katastrophe: Die neue Regierung untersagte jeglichen Export von Getreide, obwohl Tansania regelmässig die umliegenden Länder mit Mais versorgt. Der Maispreis im Grosshandel brach im 2019 ein, statt wie erwartet zu steigen. Viele kleine und mittlere Händler überlebten die Turbulenzen nicht und wurden aus dem Markt geworfen.
Die Gründe der Regierung sind nicht ganz klar. Es ist zu vermuten, dass es ein Versuch war, gegen korrupte Machenschaften im Mais-Grosshandel vorzugehen. Dies wird grösstenteils gelungen sein. Die Regierung hat nun zugesichert, ein Exportstopp werde in Zukunft nicht mehr vorkommen. Es ist zu hoffen, dass sich damit der Markt normalisiert und transparentere Verhältnisse bei den strategischen Lagern des Landes entstehen.
Weder die TBM, noch die Bauern oder die mittelgrossen Händler, mit welchen TBM arbeitet, konnten irgendwie Einfluss auf diese Situation nehmen. Auch TBM hat es schwer getroffen. Im Unterschied zu vielen anderen Händlern gelang es TBM jedoch, tief in die eigenen Taschen zu greifen, um ihr Silo-Programm am Leben zu erhalten. Darin wurden sie auch von farip unterstützt, welche die Rückzahlung der Darlehen auf später verschob. Aber wichtiger noch für TBM ist die Unterstützung durch die Bauern, welche die Turbulenzen als ein vorübergehendes Problem einschätzten. Bauern, die es sich leisten konnten, haben sogar zugesichert, den Mais im 2019 ohne Anzahlung wieder neu einzulagern, um der TBM zu helfen die Verluste aufzuholen. So können wir hoffen, dass der Verkauf der jetzigen Ernte im 2020 wieder normal und mit guten Preisen laufen wird, und sowohl Bauern wie TBM zumindest einen Teil ihrer Verluste wieder wettmachen können.
Was haben wir gelernt?
- 1. Mit unterbemitteltem Staat umgehen
Man könnte der neugewählten Regierung nun einen schweren Vorwurf machen, was auch verschiedentlich erfolgte. Aber wir vermuten, es ging darum, an einem strategisch zentral wichtigen Punkt (nämlich der Maisversorgung des Landes und im Maisexport) so rasch wie möglich einen Korruptions-Sumpf auszutrocknen und dabei den Elan der Neuerung auszunutzen, wo sich die korrupten Seilschaften noch nicht anpassen konnten. Und weil der Staat in Tansania viel zu wenig Mittel und kompetente Verwalter hat, um einen massgeschneiderten “chirurgischen” Eingriff zu machen, griffen sie zur allumfassenden Keule, die unterschiedslos alle traf. Das ist ein Phänomen, das wir andernorts auch beobachten, zB. bei der Forstgesetzgebung. Der Staat hat schlicht nicht die Mittel nicht, um die Arbeit so effizient und gut zu machen, wie wir das erwarten würden, und greift eben zur groben Keule, welche auch Kollateralschäden verursacht. Damit muss man in Tanzania leben lernen, und sich vorsehen.
- 2. Grosshandel vermeiden
Folglich muss man dafür schauen, dass man so unabhängig vom Grosshandel funktioniert wie möglich, dh. den Grosshandel vermeiden, oder gar umgehen. Interessant auch die Reaktion der Bauern in dieser Krise, welche die TBM baten, doch zu erkunden, wie sie Mais selber zu Mehl verarbeiten und dann direkt an die Konsumenten in der Stadt liefern könnten. Neue Ideen entstehen oft in der Krise.
- 3. Wenn Bauern sicher sind, lohnen sich die investierten Nerven und Geduld
Die Krisenbesprechung zwischen TBM und den Bauern war erstaunlich: Die Bauern baten TBM, doch bitte am Ball zu bleiben und halfen TBM so gut sie konnten, um die Verluste in Grenzen zu halten, obwohl sie selber Verluste eingefahren hatten. Sie beurteilten die Lage als vorübergehendes Problem und hielten am Geschäftsmodell der Silos und der Vermarktung über TSS fest, das sie immer noch überzeugte.