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Identität und Architektur in Flüchtlingslagern. Zur Darstellung von Segregation in Reportagecomics.
Flüchtlingslager sind Inbegriff eines liminalen Zustands, der andauert; manche Geflüchtete verharren monatelang in den als Provisorien konzipierten Lagern, was sie in eine sozioökonomische Randlage drängt. Comicreportagen, so lautet eine Leitthese der Dissertation, verdichten diese Marginalisierung im permanent werdenden Übergangsmoment durch ihre Intermedialität: Das Erzählen in Panels macht Comics selbst zu architektonischen Kompositionen, die sowohl Lagerarchitekturen als auch fragmentarische Fluchtidentitäten narratologisch wie ästhetisch abbilden. Eine Schlüsselrolle kommt dem Rinnstein zu, der mal als isolierte Peripherie, mal als potenziell unendlicher Übergangsraum, mal als unverständliche Lücke erscheint. Diese Unverständlichkeit trägt letztlich nicht nur der Flüchtlings-, sondern auch der Darstellungsproblematik Rechnung.
Ziel des Projekts ist es, den marginalisierenden Effekten von Segregation und Liminalität anhand folgender Fragen nachzuspüren: Wie werden Geflüchtete und Flüchtlingslager in Comicreportagen inszeniert? Wie stehen Identität und Architektur zueinander? Welche medienspezifischen Strategien führen dies vor? Untersuchungsgegenstand bilden Ali Fitzgeralds Drawn to Berlin (2018), Kate Evans Threads from the Refugee Crisis (2017) und Olivier Kuglers Escaping Wars and Waves (2018). Zugang gewähren Theorien zu Flucht-/Identität, Segregation und Liminalität (Victor Turner, Hannah Arendt), Inter-/Medialität, Dokumentarismus und Realismus (Alexander Kluge).
Profil: Von 2009 bis 2017 studierte ich in Zürich Deutsche Literaturwissenschaften und Populäre Kulturen. Danach ging ich reisen und arbeitete ausserhalb der Uni. Nach einem Jahr aber zeigten sich erste Entzugserscheinungen. So beschloss ich 2019, zu doktorieren und meine Masterarbeit zu Comicinszenierungen fortzuführen; aus der Berliner Mauer wurden Flüchtlingslager, aus der Deutschen Literaturwissenschaft die AVL.
Seither habe ich publiziert und referiert: zu Zeitzeugnissen aus dem Appenzellerland, zu jüdischen Geflüchteten in Venedig, zur Berliner Mauer in Comics, zu Doppelidentitäten und Materialitäten im Film.
Meine Forschungsinteressen umfassen u.a. räumliche Narrative der Begrenzung, des Übergangs und der Identitätskrisen (Migration, Coming-of-Age, Doppelgänger, Avatare) in populären Literaturen und Medien.
Neben meiner Tätigkeit als Doktorandin bin ich Buchhändlerin. Meine Freizeit verbringe ich – natürlich – lesend und Filme schauend, aber auch gärtnernd, kochend oder laufend.