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Wenn man Informationsmaterial über ein Rechenzentrum durchgeht, findet man meist auch eine Angabe dazu, dass es dem Tier-I, -II, -III oder sogar -IV entspreche. Für viele Kunden ist diese Einstufung, die ein bestimmtes Sicherheits- und Verfügbarkeitsniveau definieren soll, wichtig. Enwickelt wurden diese Einstufungen
ab den späten 90er Jahren vom Uptime Institute, das auch heute noch die entsprechenden Zertifizierungen vergibt.
Nun versucht aber Switch, ein riesiger US-Rechenzentrumsbetreiber, einen eigenen Standard namens Tier 5 zu lancieren. Dieser berücksichtige die bisherigen Kriterien sowie mehr als 30 zusätzliche Elemente. Die Verwaltung des neuen Standards soll von einer Non-Profit-Organisation, der Data Center Standards Foundation (DCSF), übernommen werden. Switch hofft, dass sich weitere Unternehmen an der Foundation, die allerdings erst Anfang nächstes Jahr gegründet werden soll, beteiligen
Switch hat bisher sehr stark auf die Zertifizierungen des Uptime Instituts gesetzt, und war nach eigenen Angaben der erste Carrier-neutrale Colocation-Anbieter, der zwei RZs nach dem Tier-IV-Gold-Standard zertifizieren liess.
Real existierende Kritikpunkte
Nun allerdings fällt Switch dem Uptime Institute in den Rücken. Zur Begründung greift der RZ-Riese Kritikpunkte auf, die man in der RZ-Szene tatsächlich oft hört. Beziehungsweise lässt sie von drei früheren Mitarbeitern des Uptime Institutes aufgreifen. Beispielsweise wird gesagt, dass die Tier-Einstufungen von manchen RZ-Betreibern missbräuchlich verwendet würden, und dass das Uptime Institute kaum etwas dagegen unternehme. Gewisse Anbieter verwenden tatsächlich in Marketingmaterialien die Tier-Bezeichnung, ohne sich je überprüfen zu lassen. Ausserdem stellt das Institut Zertifizierungen in vielen Fällen aufgrund von Bauplänen aus. Ob die RZs auch tatsächlich so gebaut werden, wird nicht unbedingt geprüft. Die DCSF, so verspricht Switch, werde sich im Gegensatz dazu "heftig" gegen Missbrauch seiner Klassifikationen wehren.
Interessenkonflikte hüben und drüben
Ausserdem, so eine weitere Kritik, seien die Tier-Kriterien teilweise veraltet und würden zu langsam weiterentwickelt. Und nicht zuletzt sei das Uptime Institute zwar Anbieterunabhängig, aber ein profitorientiertes Unternehmen, das zum Technologie-Beratungsunternehmen The 451 Group gehört. Dieses sei hinter den gleichen Kunden her, wie das Institut, was zu Interessenskonflikten führe.
Der Makel bei der Unabhängigkeit der Aussagen der Ex-Uptime-Leute: Einer von ihnen arbeitet bereits für Switch, die anderen beiden sollen künftig bei der DCSF mitarbeiten.
Zudem scheinen die Interessenskonflikte bei einem RZ-Betreiber, der einen eigenen Einstufungsstandard etablieren will, noch viel offensichtlicher. Dass einer der genannten Ex-Uptime-Mitarbeiter dann auch noch erklärt, Switch sei seiner Meinung nach bereits der weltweit erste Betreiber von Tier-5-Rechenzentren, verstärkt diesen Eindruck noch.
Genau diesen Konflikt stellt auch das Uptime Institute in einem Statement gegenüber 'DatacenterDynamics'
in den Vordergrund. Ausserdem verwende man eine über lange Zeit bewährte Methode. Die Standards seien in Hinsicht auf hohe Flexibilität konzipiert worden und müssten nicht jedes Mal neu geschrieben werden, wenn sich die RZ-Landschaft ändere. (hjm)