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11.04.2012 - Wird der Abstieg aus der NLA abgeschafft?
Wird der Abstieg aus der NLA abgeschafft?
Nach der Liga-Qualifikation ist die Saison für Ambri noch nicht zu Ende: Präsident Filippo Lombardi versucht, den Abstieg abzuschaffen.
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Bisher hat es seit Einführung der Playoffs (1985/86) erst eine NLA-Saison ohne Abstiegsgefahr im Modus gegeben: 1996/97. Aber es funktionierte nicht: Erstmals seit über einem Jahrzehnt stagnierte damals die Gesamtzuschauerzahl und dem NLB-Meister Herisau konnte man den Aufstieg nicht verwehren. Die Zahl der NLA-Vereine wurde mit elf ungerade. Also kehrte man nach nur einem Jahr zum Modus mit dem Absteiger zurück.
Die Idee von einer geschlossenen Liga ohne Absteiger nach NHL-Vorbild lebt seither in den Köpfen der Funktionäre weiter. Obwohl es in Europa keine wichtige Liga gibt, die keinen Auf-/Abstieg kennt: Relegation und Promotion gehören zur europäischen Hockeykultur wie Eis, Puck und Schläger.
Inzwischen haben sich die Budgets der Klubs im Vergleich zur Saison 1995/97 praktisch verdoppelt. Aus den Klubs sind Aktiengesellschaften und mittelständige Unternehmen geworden, die über 10 Millionen im Jahr umsetzen. Um den Betrieb zu finanzieren, sind moderne Stadien notwendig. In Ambri, Genf, Langnau und Biel sind Projekte für neue Stadien aufgelegt, aber nur in Langnau ist die Finanzierung gesichert und die Bagger sind aufgefahren. Das Gesamt-Investitionsvolumen für neue Hockeystadien liegt ligaweit bei rund 150 Millionen.
In Ambri wird nur mit der «Nicht-Abstiegs-Garantie» gebaut
Aber dieses Geld wird letztlich nur dann vollumfänglich investiert, wenn es eine «Nicht-Abstiegs-Garantie» gibt: Wenn sichergestellt ist, dass am Ende nicht ein überdimensioniertes Stadion für die NLB gebaut wird. Ambri, Servette, die SCL Tigers und der EHC Biel sind sportlich keineswegs unabsteigbar.
Hier kommt Ambris Präsident und Ständerat Filippo Lombardi ins Spiel. Er begründet seine politische Offensive gegen den Abstieg gegenüber 20 Minuten Online so: «Aufstieg und Abstieg gehören zum Sport, das ist mir klar. Aber wenn wir neue Stadien bauen wollen, dann geht das nur, wenn wir den Investoren die Sicherheit bieten können, in die NLA zu investieren. Wir können in zwei Jahren mit dem Bau eines neuen Stadions beginnen. Die Finanzierung ist über die öffentliche Hand und private Investoren möglich. Aber nur, wenn ich garantieren kann, dass wir in der NLA bleiben.»
Für die Abschaffung des Abstieges braucht er an der Liga-Versammlung bei 56 Stimmen einer Dreiviertelmehrheit. Die NLA-Klubs haben drei, die NLB Klubs zwei Stimmen. Will heissen: Vier NLA und zwei NLB-Klubs oder fünf NLA-Klubs können die Aufhebung des Auf/Abstiegs verhindern.
McSorley fordert Abschaffung der Liga
Ambris Vorsitzender ist ein kluger Politiker und weibelt nun für die Abschaffung des Abstieges. Er sagt, er habe bereits erste Gespräche geführt und sei an mehreren Orten – unter anderem in Langnau, Genf, aber auch in Fribourg auf reges Interesse gestossen. Servette-General Chris McSorley fordert inzwischen nach einer Krisensaison gegenüber 20 Minuten Online offen die Abschaffung der Liga. «Es kann nicht sein, dass ein sportlich verunglücktes Jahr durch einen Abstieg zum Ruin eines Unternehmens führen kann.» Gewährsleute sagen, dass nicht ausgeschlossen werden kann, dass sich neben Langnau, Ambri und Servette auch Fribourg, Zug, Davos, Lugano, Kloten, die Lakers und Biel von Lombardis Idee überzeugen lassen.
Um die heikle Sache politisch glaubwürdiger zu machen, wäre Ambris Präsident froh, wenn nicht er den Vorschlag offiziell auf die Traktandenliste heben müsste. Sondern ein Unternehmen wie beispielsweise Fribourg-Gottéron, das aktuell nicht vom sportlichen Abstieg bedroht ist.
Wenn möglich soll die entsprechende Liga-Versammlung noch in diesem Sommer einberufen werden. Filippo Lombardi ist sich bewusst, wie heikel seine politische Mission ist. «Wir bekommen nur die erforderliche Mehrheit, wenn wir den NLA-Klubs eine Alternative zur Liga-Qualifikation anbieten können.»
Zwei Ideen werden verfolgt
Das ist das ganz grosse Problem der «Abstiegs-Abschaffer»: Noch ist nicht klar, womit die Kröte versüsst werden könnte, die von den NLB-Klubs in dieser Sache geschluckt werden muss. Denn der Modus mit der Liga-Qualifikation ist für die NLB perfekt.
Zurzeit werden zwei Ideen verfolgt: Die Wiedereinführung eines Cup-Wettbewerbes für Teams aus der 1. Liga, der NLB und der NLA. Bis heute ist der Cup lediglich zehnmal zwischen 1957 und 1966 ausgetragen worden, in der Saison 1962/63 erreichte der Wettbewerb mit 60 beteiligten Clubs seine Blütezeit. Die Finals:
1957 Young Sprinters – ZSC 14:0
1958 Young Sprinters – Lausanne 11:5
1959 Servette – Young Sprinters 7:3
1960 ZSC – Visp 5:2
1961 ZSC – Visp 5:3
1961 Ambri – Villars 5:3
1963 Young Sprinters – Servette 7 :3
1964 Visp – ZSC 5 :2
1965 SC Bern – Villars 5:2
1966 GC – ZSC 6:3
Die zweite Idee: Nach der Qualifikation könnten die nicht für die Playoffs qualifizierten NLA-Teams mit den vier besten NLB-Mannschaften um einen Pokal spielen. Damit die Topteams der NLB weiterhin am Ende der Saison gegen NLA-Teams antreten können.
Eine Aufstockung der höchsten Spielklasse von 12 auf 14 Teams wird auch erwogen, ist aber kein Lockmittel für die NLB: Wer sowieso nicht aufsteigen will, wird gegen den Verlust von zwei attraktiven NLB-Teams sein. Filippo Lombardi, der designierte neue Ständeratspräsident, steht vor der heikelsten Mission seiner politischen Karriere.