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Argumentarium
Im Herbst 1516 nahm die zweisprachige (französische und deutsche) Stadt Freiburg, gelegen am westlichsten Rand der Eidgenossenschaft, die Allüre einer Hauptstadt der Diplomatie an. Hier wurden die Rechnungen zwischen dem Frankreich der Valois und den Eidgenossen, die sich eben noch auf den Schlachtfeldern des Herzogstums Mailand begegnet waren, endgültig beglichen. Der «Ewige Frieden von Freiburg», unterzeichnet am 29. November 1516, ist das Ergebnis der Verhandlungen von Gallerate, die noch vor der Schlacht von Marignano (13.-14. September 1515) aufgenommen worden waren und bei denen die westlichen Orte, Bern, Freiburg und Solothurn, die Vermittlung durch Herzog Karl III. von Savoyen tatkräftig unterstützt hatten. Der Frieden setzte einen endgültigen Schlusspunkt hinter eine militärisch und diplomatiegeschichtlich «ausserordentliche» Periode der Eidgenossenschaft und eröffnete eine Epoche anhaltenden französischen Einflusses auf die Alte Eidgenossenschaft – so dass man sogar von Protektorat gesprochen hat. Jedenfalls ruhten die französisch-schweizerischen Beziehungen fortan auf neuen Grundlagen, die in dem am 5. Mai 1521 in Luzern geschlossenen Ewigen Bündnis noch präzisiert und vervollständigt wurden; es ist kein Zufall, wenn kurz darauf eine ständige Botschaft Frankreichs in der Eidgenossenschaft, nämlich in Solothurn eröffnet wurde.
Aus Anlass des 500jährigen Jubiläums des Vertrags von 1516 soll auf die Umstände dieses «brüderlichen Bündnisses» eingegangen werden, «vielleicht der einzige Ewige Frieden der Geschichte, der diesen Namen wirklich verdient» (J. Jacquart). Für Freiburg selber bedeutet der Frieden, der in seinen eigenen Mauern unterzeichnet wurde, die Krönung der Vermittlerrolle, die es zusammen mit Bern und Solothurn in der letzten Phase des Kriegs gespielt hatte. Trotzdem geht aus den Italienkriegen ganz klar die Unfähigkeit der Eidgenossen hervor, eine gemeinsame Aussenpolitik zu verfolgen, weil die territorialen Interessen der einen denen der andern zuwider liefen.
Das internationale Kolloquium «Der Ewige Frieden von 1516: Freiburg als Hauptstadt der Diplomatie» will auf diese Schlüsselperiode der Freiburger Geschichte zurückkommen, und zwar so nahe an den Quellen wie möglich. Gleichzeitig soll das Spektrum aber auch ausgeweitet und sollen die Beziehungen Freiburgs, der andern eidgenössischen Orte und ihrer Verbündeten (Abt und Stadt St. Gallen, Graubünden, das Wallis und die Stadt Mühlhausen) zu Frankreich und Europa im allgemeinen unter die Lupe genommen werden, oder aber, unter Umkehrung der Perspektive, der «Frieden» aus der Sicht Frankreichs.
Ein anderer «Ewiger Frieden» war im Jahr 1474 zwischen den acht eidgenössischen Orten und Herzog Sigismund von Österreich unterzeichnet und mehrere Male erneuert worden, insbesondere im Jahr 1477 unter dem Namen der Erbeinigung. Dieses Ereignis kann als einer der Ausgangspunkte zu den Burgunderkriegen (1474-1477) gelten, bei denen die Eidgenossen eine wichtige Rolle spielten, nicht zuletzt auch Freiburg, das bereits 1476 den Friedenskongress in seinen Mauern beherbergte und das kurz darauf in die Eidgenossenschaft aufgenommen wurde (1481).
Das Ende des 15. und der Anfang des 16. Jahrhunderts stellen nicht nur für Freiburg, das sich auf dem Weg zum Stadtstaat befand, eine Zeitenwende dar, sondern für ganz Europa, das wichtige politische, wirtschaftliche und religiöse Veränderungen erlebte. Es gilt deshalb auch zum Ausgangspunkt der Saanestadt und ihrem lokalen Kontext auf Distanz zu gehen und die Problematik auszuweiten: gehören die neuen französisch-schweizerischen Beziehungen in einen wirtschaftlichen Zusammenhang? Haben die städtischen und bürgerlichen Eliten sich im Kontakt mit den französischen Eliten entwickelt? Kann man eine Annäherung zwischen schweizerischer und französischer Kultur feststellen? Sind die intellektuellen und literarischen Einflüsse nur uni- oder auch bilateral? Und welche Rolle kommt der entstehenden Reformation in diesem Zusammenhang zu?
Mögliche Forschungsansätze in drei Richtungen:
1. Freiburg und die Protagonisten des Friedens
2. Die Eidgenossen und der Frieden in Beziehung zu Frankreich und den anderen europäischen Mächten
3. Wirtschaft, Gesellschaft und Religion: eidgenössische und internationale Perspektiven
Bedingungen
Vorschläge für Beiträge zum Kolloquium mit einem Titel und einer Zusammenfassung von maximal einer A4-Seite, in französischer, deutscher, italienischer oder englischer Sprache, sind bis zum 31. März 2016 zu richten an: <email-pii>.
Die Beiträge sollen nicht länger als 20 Minuten dauern; sie werden vom Organisations- und vom wissenschaftlichen Komitee geprüft.
Das internationale Kolloquium findet am 30. November 2016 im Franziskanerkloster, Murtengasse 6-8, 1700 Freiburg (Schweiz) statt.
Die Akten des Kolloquiums werden publiziert.
Organisationskomitee:
David Aeby (Universität Freiburg, Société d’histoire du Canton de Fribourg)
Alexandre Dafflon (Staatsarchiv Freiburg, Société d’histoire du Canton de Fribourg)
Lionel Dorthe (Universität Lausanne, Staatsarchiv Freiburg, Schweizerische Rechtsquellenstiftung)
Claire Gantet (Universität Freiburg)
Hubertus von Gemmingen (Deutscher Geschichtsforschender Verein des Kantons Freiburg)
Kathrin Utz Tremp (Deutscher Geschichtsforschender Verein des Kantons Freiburg)
Petra Zimmer (Franziskanerkloster Freiburg)
Wissenschaftliches Komitee:
Alexandre Dafflon (Staatsarchiv Freiburg)
Lionel Dorthe (Universität Lausanne)
Claire Gantet (Universität Freiburg)
Jean-Marie Le Gall (Universität Paris I–Panthéon Sorbonne)
André Holenstein (Universität Bern)
Simon Teuscher (Universität Zürich)