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Der halbverminderte Akkord ist ein Vierklang, genau genommen ein verminderter Dreiklang mit einer kleinen Septime. Er baut also auf einem verminderten Dreiklang auf und hat somit eine kleine Terz (wie ein Moll-Akkord) und eine verminderte Quinte. Dieser verminderte Dreiklang wird um eine kleine Septime erweitert und so resultiert ein halbverminderter Akkord.
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Die typische Schreibweise für den halbverminderten Akkord ist «Moll-Sieben-be-Fünf», sprich z.B. Dm7b5. Er wird in der Regel also nicht als mit einer Septime erweiterter (add7) verminderter Dreiklang notiert, sondern als ein Moll-Septakkord mit einer verminderten Quinte (was letztendlich das gleiche ist). Alternativ kann anstatt b5 auch -5 geschrieben werden, was dasselbe bedeutet: die Quint wird vermindert. Weil die Schreibweise etwas kompliziert ist, gibt es dafür eine etwas seltener verwendete Abkürzung, nämlich das Durchschnitts-/Durchmesser-Zeichen ø.
Kurz zusammengefasst, die folgenden vier Akkorde sind derselbe Akkord:
- Gdim(add7)
- Gm7b5
- Gm7-5
- Gø
Verwandschaft mit dem Moll-6-Akkord
Der halbverminderte Akkord hat eine gewisse Spannung und auch eine gewisse «Melancholie» im Klang versteckt. Die Spannung kommt von der verminderten Quinte (auch als «Tritonus» bekannt), dieses Intervall ist z.B. auch im Dominantseptakkord für die Spannung verantwortlich.
Der etwas traurige Touch in diesem Akkord kommt davon, dass er auch als erweiterter Moll-Akkord gedeutet werden kann. Wenn wir uns die verschiedenen Umkahrungen (d.h. die verschiedenen Arten, wie die Akkordtöne übereinander geschichtet werden können) anschauen, dann sieht man sofort, dass die erste Umkehrung wie ein Moll-Akkord aussieht, der um eine Sexte erweitert wurde – sprich, ein Moll-6-Akkord.
Du kannst dir also merken: Jeder halbverminderte Akkord kann auch als Moll-6-Akkord gedeutet werden.
Halbverminderter Akkord als Stufe zwei
Wenn wir uns die 7 Septakkorde anschauen, die natürlicherweise in einer Moll-Tonart vorkommen, dann sehen wir: Der halbverminderte Akkord kommt in einer Moll-Tonart auf zweiter Stufe vor.
In der Regel wird der halbverminderte Akkord als «Vorlage» für die fünfte Stufe genutzt, als teil der im Jazz typischen Zwei-Fünf-Eins Akkordfolge; Anders als der verminderte Dreiklang, der meist als Ersatz für einen Septakkord auf der fünften Stufe in Dur verwendet wird (Erklärung dazu hier).
Im alten Klassiker Nature Boy * zum Beispiel besteht die Strophe hauptsächlich aus den Akkorden
Dm Em7b5 A7 Dm
Das ist eine typische Jazz-Kadenz (Akkordfolge) in Moll: von der Tonart D-Moll aus gezählt ist die zweite Stufe das Em7b5 und die fünfte Stufe das A7.
* Noten siehe hier
Später im Lied kommt noch ein Gm6 vor. Interessant! Dieser Akkord, wie wir oben besprochen haben, hat dieselben Töne wie der Em7b5. Damit ist in Moll die vierte Stufe und die zweite Stufe sozusagen austauschbar. Der Unterschied liegt nur darin, welchen Bass-Ton du spielst. Wenn der tiefste Ton ein E ist, schreiben wir einen Em7b5 auf, wenn es ein G ist, dann ist es ein Gm6.
Verwendung in Dur-Tonarten als Moll4
Der halbverminderte Akkord bzw. Vierklang kann auch in Dur-Tonarten vorkommen, meistens an der zweiten Stufe oder «versteckt» als Moll-6-Akkord auf der vierten Stufe.
Natürlicherweise ist die zweite Stufe in einer Dur-Tonart ein Moll-Akkord, und die vierte Stufe ein Dur-Akkord. Hier am Beispiel von G-Dur:
Es gibt aber diesen einen Ton, der sich so unheimlich gut anhört und nicht in die Tonart passt – das ist die b6, d.h. der sechste Ton der Tonleiter um einen Halbton nach unten versetzt (vermindert). Im Beispiel von G-Dur wird also der Ton E zum Ton Es:
Dieser Ton hat die Funktion eines zusätzlichen Leittons und kann somit für noch mehr Dramatik sorgen, als normalerweise in der Tonart möglich ist. In der Regel geschieht das indem der Septakkord auf der fünften Stufe (hier D7) um eine verminderte None erweitert wird, der D7 wird also zum D7b9-Akkord.
Wie das funktioniert, kannst du im Blogartikel über die drei Levels der Dramatik nachlesen.
Wir können die Spannung, die durch den Tonartfremden Ton (hier Ton Es) entsteht aber auch ohne den komplizierten D7b9 erzeugen. Wir nehmen dazu einfach diesen magischen Ton und schauen welche anderen Akkorde damit entstehen.
Der Ton E kommt in der Tonart G-Dur in drei Akkorden vor: im E-Moll (als Grundton), im C-Dur (als Terz) und im A-Moll (als Quint):
Wenn man den Ton E zum Ton Es verändert, entstehen statt dieser drei Akkorde drei neue Akkorde: Ein übermässiger Eb+, ein C-Moll und ein A-vermindert.
Und jetzt können diese Akkorde anstelle vom D7b9 verwendet werden, um diesen spannenden Ton Es als Leitton zum Ton D im G-Dur-Akkord zu benutzen.
Und wenn man die Akkorde noch zusätzlich erweitert kommt man schnell mal auf die Idee einen Cm6 oder einen Am7b5 zu spielen. Und Simsalabim – Wir haben unseren halbverminderten Akkord Am7b5 in der Dur-Tonart G-Dur als abgeänderte zweite Stufe, der aus den gleichen Tönen besteht wie der Cm6 (die abgeänderte vierte Stufe von G aus).
Diese Art von Dramatik wird in der Pop-Musik sehr oft benutzt, zum Beispiel im Lied All I Want For Christmas Is You von Mariah Carey. Dort kommen genau die Akkorde Cm6 und G vor, an der wichtigsten Stelle des Songs.
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