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Socialismus
der Kapitalist zahlt dem Arbeiter so viel an Lohn, daß dieser leben und seine Gattung erhalten kann.
Dieses Quantum schafft aber der Arbeiter in einem Teil der täglichen Arbeitsstunden; der Kapitalist läßt aber den Arbeiter den vollen Arbeitstag arbeiten, den er so lange als möglich ausdehnt. Alles, was der Arbeiter nun über den notwendigen Lebensunterhalt hinaus schafft, ist der Mehrwert, den der Kapitalist dem Arbeiter entzieht. Wie im Altertum Sklaven und Freie, im Mittelalter Leibeigene und Feudalherren sowie Zunftmeister und Gesellen sich gegenüber standen, so stehen sich in der modernen Gesellschaft die Arbeiter und die Besitzer der Produktionsmittel, Ausgebeutete und Ausbeuter, einander gegenüber. Dieser Zwiespalt kann nicht andauern; auch das Privateigentum muß nach dem Gesetz der Weltgeschichte in sein Gegenteil umschlagen, in das Gemeineigentum; die kapitalistische Produktionsweise trügt schon den socialistischen Staat als Embryo in ihrem Schoße, aus dem er sich völlig unabhängig vom Denken, Wollen und Wünschen der Menschen losringen wird.
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dort wird die Religion als Privatsache erklärt;
jedenfalls dürfe nie aus öffentlichen Mitteln etwas für religiöse Zwecke gegeben werden. - In der Frage der Regulierung der Geschlechtsverhältnisse sind ebenfalls die Socialisten nicht einig;
es hat Socialisten gegeben, die sehr warm für die Ehe und für das Familienleben eingetreten sind, z. B. Proudhon.
Auch hier ist der moderne marxistische S. anderer Ansicht; er vertritt die radikale und vom socialistischen Standpunkt aus konsequentere Anschauung, daß das Ehe- und Familienleben nicht in die socialistische Gesellschaft passe. Solange es Privateigentum gäbe, sei auch die Monogamie und Einzelfamilie die nötige Ergänzung dazu; nach dem Fallen [* 4] des Privateigentums müsse auch diese Einrichtung verschwinden. Der S. will nicht gänzliche Beseitigung der Ehe, sondern nur die Form des geschlechtlichen Zusammenlebens, wonach die Paare wieder auseinander gehen sollen, wenn sich Abneigung herausstellt, also eine Art Wechselehe.
auch verlangt häufig die socialistische Centralbehörde eine männliche Arbeitskraft an einem bestimmten Platz, wo aber gerade für seine Frau und seine Kinder kein Raum vorhanden ist;
die ganze Einrichtung des socialistischen Staates läßt überdies für die Bethätigung des häuslichen Lebens gar keinen Spielraum;
in Centralnahrungsbereitungsanstalten soll gekocht, in Centralreinigungsanstalten die Wäsche gewaschen und getrocknet werden;
ferner existieren Centralheizungs- und andere Einrichtungen;
die Kinder sollen in Centralerziehungsanstalten untergebracht werden. - Was schließlich die Stellung des S. zum Vaterland betrifft, so ist der S. nicht durchweg international gesinnt;
es hat sehr nationale Socialisten gegeben, z. B. Karl Rodbertus und Ferdinand Lassalle, die beide mit Hilfe des preuß. Staates oder des Deutschen Reichs auf nationalem Boden die sociale Frage lösen wollten;
der moderne marxistische S. dagegen ist international. Im Kommunistischen Manifest heißt es, daß die Arbeiter kein Vaterland hätten, daß mit dem Gegensatz der Klassen im Innern auch die feindliche Stelluug der Nationen gegeneinander fortfalle, daß die moderne industrielle Arbeit, die moderne Unterjochung unter das Kapital dieselbe sei in England, in Frankreich, in Amerika, [* 5] in Deutschland; [* 6]
so müsse auch die socialistische Bewegung einen durchaus internationalen Charakter haben.
diese Schrift ist deshalb wichtig, weil sie nicht nur ein vollständiges Idealbild einer kommunistischen Gesellschaftsordnung entwirft, sondern besonders auch, weil der Verfasser zu dieser Schilderung durch die «sociale Frage» seiner Zeit gedrängt wurde, die aus der massenhaften Verdrängung der kleinen Grundbesitzer und der Latifundienbildung entsprang.
Außer dieser Utopie sind bis auf die neueste Zeit zahreiche ^[richtig: zahlreiche] ähnliche Werke erschienen. (S. Staatsromane.)