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Es gab in antiken Griechenland die Vorstellung, dass beim Betrachten der Welt nicht - wie bei einer Kamera - die Welt wahllos Einzug durch die Augen hält, wobei im Geiste ein Bild davon entsteht, um das Gesehene wiederzuerkennen als das, wovon man mal gelernt hat, was es sei, sondern dass die Augen eher wie Scheinwerfer seien, mit denen der Mensch das geistige Licht der Erkenntnis selektiv nur auf diejenigen Dinge richtet, für die er sich interessiert, sodass diese sich von den unbeleuchteten unterscheiden, und damit besser als solche (wieder-)erkannt werden können.
Im letzteren Falle wird allerdings vorausgesetzt, dass der Mensch diese Dinge bereits kennt, sodass ein vorbehaltloses Betrachten, wie es die Kinder tun, die Etwas vorher noch nie gesehen haben, beim vorgebildeten Erwachsenen aufgrund seines vorhandenen Erfahrungswissens selbst durch Erzeugung von Gedankenstille gar nicht mehr möglich ist.
Mit dem Begriff der BESTIMMTHEIT, wodurch eine spezielle Sache bezeichnet wird, um die es sich gerade handelt, wird darauf hingewiesen, dass es einen BESTIMMER gibt, der ein Interesse daran hat, dass es ausschließlich darum geht, und um nichts Anderes. Diese Bestimmung richtet sich immer nach den Bedürfnissen des Bestimmers oder des Beleuchters einer Sache, wobei die Gefahr der Projektion besteht, indem er die Wunschvorstellung davon, wie es sein möge, mit dem verwechselt, was WIRKLICH bzw. TATSÄCHLICH der Fall IST.
Auch hier bezeichnet man mit dem Begriff der WIRKLICHKEIT den Umstand der Bewirktheit durch eine menschliche Tat, wodurch sie zur TATSACHE wird, und nicht das Entstandensein einer Sache, OHNE von einem Bewirkenden als dessen WERK bewirkt worden zu sein.
Bei der aktiven Produktion von Vorstellungen, welche Bilder von dem darstellen, was man passiv durch seine Sinnesorgane aufgenommen hat, handelt es sich mitunter also auch um die Vertauschung des „WUNSCHBILDES von einer Sache“ mit dem „Bild, was durch das unmittelbare Betrachten und Wiedererkennens entsteht, um zu sehen, worum es sich dabei handelt“, was man dann die Täuschung (Illusion) nennt.
Eine Wunschvorstellung ist eine Idealvorstellung für die Zukunft, die dann in Erfüllung gegangen ist, wenn sie identisch mit dem Bilde ist, welches beim absichtslosen Betrachten entsteht. Ist sie jedoch verschieden davon, ist sie eine falsche Vorstellung (Illusion), weil sie Nichts mit dem, was man zB Stofflichkeit (re-alität) nennt, zu tun hat, und damit ein reines „Hirngespinst“ darstellt.
Hierbei spinnt sich jedoch nicht das Gehirn was zurecht, sondern der Mensch, der dieses mit Hilfe seines Gehirnes tut, von dem er meint, es sei der Sitz eines autonomen Geistes, der das – womöglich sogar gegen den eigenen Willen des Menschen – so bestimmt hat, sodass der Betreffende selber an dieser Illusion nicht mehr ursächlich beteiligt ist, und dementsprechend auch nicht zur Verantwortung gezogen werden kann.
Die Mystiker meinen, man wisse bereits schon Alles von Geburt an, sodass man sich nur noch intuitiv daran erinnern müsse, wobei man die Welt lediglich dazu braucht, um sich sein Wissen als richtig bestätigen zu lassen, indem man seine Scheinwerfer jeweils auf die Stelle richtet, die so beschaffen ist, wie man sich das wünscht, und alles Andere dabei absichtlich im Dunkeln lässt, dh ignoriert.
Mit dieser Täuschung (Vertauschung von Wunschvorstellung und Realität) lässt man sich quasi von der Welt selber das Gewünschte als bereits vorhanden bestätigen, ohne sich davon irritieren lassen zu müssen, dass es doch ganz anders ist, als wie es zu sein scheint, und was Einem – wenn man diese Erkenntnis zuließe - die ganze gute Laune und vor Allem auch die weitere Bereitschaft zur Hoffnung auf Besserung zerstören würde.
Diesen Vorgang nennen die Magier auch „Imagination“ (Einbildung) und die Mystiker „Glauben“, was impliziert, dass ein Glaubwürdiger ihnen vorher verkündet hat, dass Etwas genau so sei, und nicht anders, sodass sie sich auch nicht mehr umständlich vergewissern müssen, ob es mit der Realität übereinstimmt, oder nicht.
Was im buddhistischen Idealbild von der Welt als „rechtes Denken“ bezeichnet wird, gilt auch in anderen Idealbildern von der Welt, wie dem christlichen, als erstrebenswert, wobei die Lüge aus Barmherzigkeit moralisch als vertretbar gilt, sofern sie dem Leidenden insofern nutzt, dass er psychosomatisch bedingte, negative Folgen für seine körperliche Gesundheit damit vermeiden kann, indem er sich NICHT so sehr auf eine Sache, wie zB sein schönes, aber falsches Selbstbild konzentriert, bis sich seine Gedanken nur noch im Kreise drehen, und er sich auch körperlich dabei total verkrampft.
Das hier vielgelobte, "rechte Meditieren" im Kloster bedeutet also eher "eine positive Einstellung pflegen", die man sich vorher der Welt und auch seinen Mitmenschen gegenüber zugelegt hat, mit Hilfe derer man automatisch rücksichtsvoll mit denen umgeht, die man liebt, und auch mit denen, die man nicht liebt, anstatt ständig eine selbstreferenzielle Selbstbetrachtung durch Projektion eines Wunschbildes von sich auf eine leere Fläche zu betreiben, bis man meint, man sei tatsächlich so großartig, wie man es sich schon immer gewünscht hat.
Daher lautet eine der wichtigsten Meditationsregeln: „Den Spiegel der zwanghaften Selbstbetrachtung zerbrechen", um zu erkennen, dass es auch noch andere Menschen auf der Welt gibt, die ebenfalls der achtsamen (sanskr. ahimsa) oder sogar hingebungsvollen (sanskr. bakthi) Aufmerksamkeit bedürfen, damit man mit ihnen ein für Alle erträgliches Auskommen hat. Dann kann man auch besser den Sinn der (Kloster-)Regeln verstehen, die es dabei zu beachten gilt, auch wenn damit dem Einzelnen in seinem unendlichen, geistigen Freiheitsstreben eine gewisse Grenze gesetzt wird, die den sozialen Freiraum kennzeichnet, wo er das auch körperlich tun darf, was ihm geistig gefällt.