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Wir erforschen Murgänge auf verschiedene Arten: Wir studieren ihr natürliches Verhalten mit automatischen Beobachtungsstationen, lösen experimentelle Murgänge im Labor aus und simulieren ihre Wege und Ausbreitung am Computer nach.
Wir haben automatische Murgangbeobachtungsstationen in den Schweizer Alpen aufgebaut. Sie liefern uns wichtige Datensätze für die Beschreibung des Fliessprozesses sowie die Entwicklung und Eichung von Simulationsprogrammen. An den Stationen werden verschiedene Messsysteme eingesetzt und getestet.
Derzeit ist die automatische Murgangbeobachtungsstation im Illgraben in Betrieb. Weitere Standorte waren in früheren Jahren instrumentiert und haben bedeutende Datensätze geliefert: Dorfbach, Schipfenbach, Preonzo, Riascio.
Im Illgraben gehen mehrmals im Jahr Murgänge ab. Dies macht den Ort interessant für die Forschung. Die WSL hat den Graben mit technischen Installationen instrumentiert und beobachtet das Geschehen im Detail. Zudem hatte sie dort eine Prototypanlage für ein Murgang Alarmsystem umgesetzt.
Im Grossraumlabor an der WSL kann in verkleinertem Massstab das Auslöse-, Transit- und Ablagerungsverhalten von Murgängen studiert werden. In einer Murgangrinne kann das Fliessverhalten von verschiedenen Murgangmischungen untersucht werden und Messinstrumente können getestet werden, bevor sie im Feld eingesetzt werden. Die Murgangrinne (siehe Video «Das Ding» unten, Diagonal 2/2017) erlaubt es auch, charakteristische Eigenschaften von Murgängen Besuchergruppen zu Demonstrationszwecken vorzustellen.
Mit numerischen Simulationsprogrammes können wir zuverlässige Berechnungen des Fliessverhaltens von Murgängen im Gerinne machen, sowie die kritischen Zustände für eine Überlastung des Gerinnes bestimmen und mögliche Fliesswege und gefährdete Gebiete ausserhalb des Gerinnes aufzeigen. Wir loten anhand von Anwendungsbeispielen die Grenzen und Möglichkeiten von Simulationsprogrammen auf und erarbeiten Empfehlungen und Richtlinien für deren Einsatz in der Gefahrenanalyse. Diese Arbeiten erfolgen im Rahmen des Projekts RAMMS Rapid Mass Movements.
Die Erkenntnisse durch neue Felddaten und -beobachtungen, Laborexperimente und Berechnungen mit numerischen Simulationsprogrammen erweitern die Kenntnisse über das komplexe und immer noch ungenügend bekannte Phänomen Murgang. Zudem fliessen sie in die Verbesserung von Methoden und Arbeitswerkzeugen für die Praxis bei der Gefahrenbeurteilung von Naturgefahren ein und bilden die Grundlage für die Entwicklung und Beurteilung von Schutzmassnahmen.
Kurzfilm zur Murgangforschung im Illgraben. Von Gottardo Pestalozzi, WSL
Kontakt
Projekte
Strategische Initiative der WSL: Klimawandel und alpine Massenbewegungen
Abgeschlossene Projekte:
- Tramm2: Triggering of rapid mass movements
- EU-Projekt "T.HA.R.MI.T": Torrent hazard control in the European alps, practical tools and methodologies for hazard assessment and risk mitigation
- Swiss Virtual Campus Projekt "Dealing with Natural Hazards and Risks". 3rd International Conference on Debris Flow Hazards Mitigtation Mechanics, Prediction, and Assessment 2003 in Davos, Switzerland - Proceedings