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Ein Herz für Afrika
- Freitag, 15. März 2013, 12:15 Uhr
Der schottische Missionar und Afrikaforscher David Livingstone erkundete den Fluss Sambesi und entdeckte die Victoria-Fälle. Er durchquerte den Kontinent als erster Europäer von Ost nach West und bereiste ihn in alle Richtungen. Am 19. März jährt sich sein Geburtstag zum 200. Mal.
Entbehrungen und sich durchzubeissen war David Livingstone von klein auf gewohnt: 1813 wird er in der Nähe von Glasgow geboren und wächst in Blantyre in ärmlichen Verhältnissen auf. Schon mit zehn Jahren arbeitet der Junge in einer Baumwollspinnerei. Vom ersten Lohn aber kauft er sich eine lateinische Grammatik, denn nach der 14-stündigen Arbeit besucht er abends noch die Schule. So kann er später Latein, Griechisch, Theologie und Medizin studieren.
Als Missionar in den Süden Afrikas
1840 macht Livingstone seinen Abschluss als promovierter Arzt – und verlässt Ende des Jahres Grossbritannien. Die Londoner Missionsgesellschaft, für die er schon während seines Medizinsstudiums gearbeitet hat, schickt ihn auf Mission in den Süden Afrikas. Nach mehreren Jahren in verschiedenen Stationen beginnt er 1849 seine erste grosse Expedition und durchquert mit einem wohlhabenden englischen Kompagnon die Kalahari-Wüste.
Auf seiner Reise begegnet er immer wieder Einheimischen, die noch nie zuvor einen weissen Mann gesehen hatten. Nicht alle treten ihm friedlich gegenüber – doch 1851 freundet er sich mit Sebitoane an, dem Häuptling der Makololo, der ihn auf eine Reise in Richtung Norden nimmt. Bei Sesheke, heute eine Grenzstadt zwischen Sambia zu Namibia, steht der Schotte Livingstone als erster Europäer am Fluss Sambesi.
Ein halbes Jahr den Fluss hinauf
Nur die Mündung dieses Stroms ist zu jener Zeit bekannt: Über seinen Verlauf weiss niemand Genaueres. Livingstones Entdeckernatur erwacht: Vielleicht eignet sich der Sambesi als Handelsroute? Von einigen kleinen Stationen abgesehen, sind die Europäer noch nicht weit ins Herz des riesigen Erdteils vorgedrungen. Auch die Makololo sind an der Erforschung des Flusses interessiert. Sie wollen ihr Elfenbein zu weiter entfernten Handelsplätzen transportieren. Und so bieten sie Livingstone an, ihn bei der Erkundung des Flusses zu unterstützen.
Am 11. November 1853 startet die Entdeckungsreise. Mit Kanus fährt Livingstone den Sambesi in Richtung Westen entlang, begleitet von 120 Männern vom Makololo-Stamm. Am Ufer folgen Ochsen die Tour und tragen die Vorräte. Der Fluss ist majestätisch. Die Männer müssen Stromschnellen überwinden; an einigen Stellen tragen sie die Boote an Land vorbei. Am 31. Mai 1854 erreichen David Livingstone und seine Begleiter schliesslich Luanda, die heutige Hauptstadt Angolas.
Namensgeber der Victoria-Fälle
Doch mit dem Ergebnis der Expedition ist Livingstone nicht zufrieden: Er wollte eine günstige Verbindung zur Küste finden – doch die befahrene Route hat sich als viel zu beschwerlich erwiesen. Er macht sich auf den Rückweg, der über ein Jahr dauert. Von Linyanti im heutigen Nordosten Namibias aus fährt er erneut den Sambesi entlang.
Diesmal in Richtung Osten. Die Eingeborenen haben Livingstone von den «Mosioatunja»-Fällen erzählt, was in ihrer Sprache «donnernder Rauch» heisst. Ende 1855 bekommt Livingstone als erster Europäer die gigantischen Wassermassen zu Gesicht. Zu Ehren der britischen Queen nennt er sie Victoria-Fälle.
Bücher für die Briten – und wieder Abreise
Nach seiner Rückkehr nach Grossbritannien schreibt Livingstone seine Erfahrungen in zwei Büchern nieder, die grosse Erfolge werden. Um sich ganz auf seine Forschungsreisen konzentrieren zu können, tritt er aus der Mission aus und geht mit Unterstützung der Regierung in London auf eine zweite Expedition. Er soll neue Handelsrouten ausfindig machen und Rohstoffe finden, hat aber keinen Erfolg.
Auf seiner dritten Expedition konzentriert sich Livingstone auf seinen Forschertraum: die Suche nach den Nilquellen. Im Januar 1866 landet er in Sansibar und beginnt am 24. März in Mikindani im Süden des heutigen Tansania seine dritte Afrika-Reise. Auf zahlreichen Stationen entdeckt er Flüsse und Seen, doch mit über 50 Jahren muss der Abenteurer sich den Strapazen seiner Reisen geschlagen geben: 1868 erreicht er völlig erschöpft und fieberkrank die Arabersiedlung Ujiji – ein Zentrum des Sklavenhandels. Seine Berichte über den Schrecken dort führen zu einem neuen Bild der Lage in Europa.
Die letzte Reise – in die Heimat
Da er zu der Zeit als vermisst gilt, schickt der Verleger des «New York Herald» den Journalisten Henry Morton Stanley auf die Suche nach Livingstone. Mit den berühmten Worten «Mr. Livingstone, nehme ich an» begrüsst Stanley 1871 den Verschollenen in Ujiji im heutigen Tansania.
Später suchen die beiden Männer gemeinsam nach dem Ursprung des Nils, den sie aber nicht finden. So bleibt Livingstons Forschertraum unerfüllt: Am 1. Mai 1873 ereilt ihn in Ilala am Bangweolo-See im Nordosten Sambias der Tod. Er erliegt den Folgen einer bakteriellen Infektion – der Beginn seiner letzten Reise.
Langjährige Wegbegleiter balsamieren seinen Leichnam ein, bringen ihn mühselig zur Ostküste und schicken ihn per Schiff nach London, wo er im April 1874 in Westminster Abbey beigesetzt wird. Bis auf ein Organ: Das Herz wurde am Ort des Todes begraben – getreu einem Ausspruch Livingstones: «Mein Herz ist in Afrika».
Sambesi – Quelle des Lebens
TV-Dokumentation über den Fluss, den Livingstone erkundete – «Horizonte» am 17. März um 16:20 Uhr