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Und weiter ging’s gestern mit Paul Gongawares Befragung durch Jackson Anwalt Brian Panish. Scheinbar gibt es jedoch nicht viel Neues zum Fall selbst zu berichten. Wahrscheinlich hatte der Co-CEO von AEG wie bereits die ganze Woche über mit akuten Gedächtnisproblemen zu kämpfen. Zwei Themen, die von der LA Times aufgegriffen wurden vom gestrigen Prozesstag: die ominöse Geschichte betreffend die Anzahl der „This Is It“ Konzerte sowie die nicht minder ominösen äusseren Umstände betreffend Michael Jacksons Ankündigung der London Konzerte im März 2009.
Gongaware sagte, der Grund, weshalb London für die „This Is It“ Shows ausgewählt wurde, war, weil Michael dort sehr beliebt war. Während einer anderen Tour hatte er im Wembley Stadium 10 Konzerte à 75’000 Plätze ausverkauft gehabt. Ursprünglich waren 10 Shows geplant gewesen. Die Anzahl wurde dann aufgrund der riesigen Nachfrage zunächst auf 31 Shows erhöht, weil Michael Jackson Princes O2-Rekord von 21 Konzerten übertreffen wollte, und am Ende sogar auf 50 Konzerte erhöht, so Gongaware. Der Co-CEO hatte sich sogar gewünscht, dass Michael Jackson noch mehr Shows geben würde. Das ist ja nun alles nicht neu für uns. Leider wurden (noch) keine weiteren Informationen zu diesem Thema gegeben. Gerichtsprotokolle sind auch noch nicht verfügbar. Sobald wir mehr erfahren, informieren wir Euch selbstverständlich. Der Vertrag zwischen MJ und AEG insbesondere betreffend das umstrittene Thema der Anzahl der Shows wird sicherlich noch Gegenstand des Prozesses und eingehend behandelt werden. Im Moment ist uns auch nicht bekannt, ob Gongawares Befragung nächste Woche fortgesetzt wird. Ich vermute es mal.
Zurück zum Freitag. Ihr mögt Euch eventuell noch an die E-Mail von Randy Phillips an Paul Gongaware erinnern betreffend Michaels Auftritt für die Ankündigung der „This Is It“ Shows in London Anfang März 2009. Wenn nicht, hier nochmals, was CEO Randy Phillips an dem Tag an Gongaware schrieb: „MJ ist betrunken und niedergeschlagen und und hat sich in seinem Zimmer eingeschlossen. Ich versuche, ihn auszunüchtern. Ich hab ihn so laut angeschrien, dass die Wände gezittert haben. Er ist ein emotional gelähmtes Wrack, voll von Selbsthass und Zweifel, nun da es Showtime ist“. Und was hatte Gongaware dazu zu sagen, als er damit im Zeugenstand von Brian Panish konfrontiert wurde? Ja, er habe sich geärgert, als Michael zwei Stunden zu spät kam, aber er war nicht wirklich überrascht. Michael hatte solche Auftritte nicht gemocht und Pünktlichkeit sei nicht seine Stärke gewesen. Aber als Michael Gongaware vor der Pressekonferenz hinter der Bühne sah, „kam er auf mich zu und umarmte mich und sagte, ‚Stell sicher, dass der Teleprompter grosse Buchstaben hat. Ich habe meine Brille nicht dabei‘.“ Michael Jackson habe weder nach Alkohol gerochen noch erschien er betrunken. „Es ging ihm gut. Ich glaube, er war aufgeregt“, so Gongaware. Auch AEG Anwalt Marvin Putnam — der, erinnert Ihr Euch noch, ja der Meinung ist, die Jackson Anwälte hätten bis anhin keinerlei relevante Beweise für ihren Fall aufzeigen können — meinte in einem früheren Interview mit The Times dazu, dass Randy Phillips in seiner E-Mail übertrieben hatte und dass Michael Jackson einfach nur nervös war.
Für wie blöd halten diese Leute uns alle eigentlich? Oder vorsichtiger gesagt: irgend jemand sagt hier nicht die Wahrheit. Ich bin ja schon gespannt, was Randy Phillips uns dann erzählen wird. Brian Panish wird ihn sicherlich auch noch zu dieser und diversen anderen E-Mails, an die sich Gongaware gar nicht mehr oder nur sehr langsam und mühsam wieder erinnern konnte, befragen.
Marvin Putnam kündigte ja an, dass hässliche Dinge über Michael Jackson ans Licht kommen würden. Die bekannten Medien mit ihren abstrusen Berichten über Michael Jackson sind ja wieder voll im Gange. Nach meiner Einschätzung als Erfüllungsgehülfen der AEG Live. Um es mal altmodisch auszudrücken. Ich konnte keine neuen ausmachen. Es handelt sich um dieselben Lügengeschichten, die in Abständen immer wieder gleich berichtet werden. Hässliche Dinge kommen schon ans Licht. Wie AEG Live intern miteinander umgeht. Oder besser nicht umgeht. Die Aussagen des AEG Live co-CEO Paul Gongaware sind doch der Knaller. Der Mann hat auch noch Erinnerungslücken. „I don’t know“. „I don’t recall“. Wie peinlich ist das denn! Langsam komme ich zu der Schlussfolgerung, dass Gongaware nicht mehr weiss, bei welcher Firma er unter Vertrag ist. Falls er überhaupt einen hat. Einen schriftlichen! Schriftliche, präzise Verträge fehlen doch nun bereits an allen Ecken und Kanten. Payne hatte keinen. Faye auch nicht. Murray hatte auch keinen. Alle standen aber auf der Gehaltsliste. Beim zweitgrössten Konzertveranstalter der Welt. Der gerne der grösste wäre. Michael Jackson hatte auch keinen. Die Konzerte eventuell auf 31 auszuweiten. Ist keiner. Die eigenmächtige Ausweitung auf 50 ist auch keiner. Interessant ist, dass Gongaware seinen CEO-Kollegen Randy Phillips in die Ecke stellt, in die er gehört. Betreffend der Vorgänge zur Ankündigung der London-Konzerte durch Michael Jackson. The Sun hat sich dazu wieder was ausgedacht. Indem sie sich Mark Lester zur Brust genommen hat. Zitat Lester: „Michael lag ohnmächtig auf seinem Hotelbett. Sein Arzt sagte, dass er zwei Drittel einer Whiskey-Flasche ausgetrunken habe und total besoffen sei. Er wurde dann wieder nüchtern genug, um durch seine This Is It-Rede zu kommen. Er hat es gerade noch geschafft“. Ich habe es auch knapp geschafft, diesen Schwachsinn fertig zu lesen. Da taucht nun ein Arzt auf. Obwohl AEG Live damit nichts zu tun hat. Mit Ärzten. Nun, dieser Arzt hat keinen Namen. Also war auch kein Arzt vor Ort. Warum auch! Aus dieser Ecke kommen auch die sechs Flaschen Wein, die MJ jeden Tag getrunken habe („Jacko the Wino“). Der Sun-Bericht wurde gierig von anderen Medien aufgenommen und verbreitet. Durch dieses Herumstochern in dubiosen Berichten bin ich dann allerdings noch fündig geworden. Sehr erfreulich! Hier die Ausbeute: Case Study – The Caricature by Jan Carlson, Voices, education Project. (Es geht um eine Fallstudie. Michael Jackson – wie die Medien einen Ausnahmekünstler zur Karikatur machten.) Dazu: The Jam Cafe Interview with Author Jan Cooper-Carlson/29.8.2012. Beides empfehlenswert!