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Von Haus aus ist Daniel Weiss Professor für Slawische Sprachwissenschaft. Für seinen Vortrag an der kommenden «10. International Summer School on Humour and Laughter» an der Universität Zürich hat er sich etwas Spezielles vorgenommen.
Der Linguist hat untersucht, wie es Politiker – von Barack Obama über Sarah Palin, Vladimir Meciar, Lech Walesa bis hin zu Nikita Chruschtschew – mit dem Humor halten. Er hat nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten zwischen volksnahen und populistischen Politikern geforscht und sich gefragt, welche Rolle dabei der Humor spielt.
«Populisten reden dem Volk nach dem Maul, und sie werten», sagt Weiss. «Populismus heisst Reduktion von Komplexität.» Volksnah oder volkstümlich hingegen ist jemand, der «wie du und ich spricht und sich auch so verhält», wobei die Grenzen fliessend sind.
«Hu’s a communist»
Als Leitplanken für seine Einschätzungen dienen Weiss die gängigen Theorien der Humorforschung: Die «Inkongruenztheorie», die «Aggressions-» sowie die «Entspannungstheorie».
Gemäss «Inkongruenztheorie» wird Humor dadurch erzeugt, das jemand zwei Ideen oder Situationen, die üblicherweise nicht zusammenpassen, zusammenführt. Illustriert mit einem Beispiel von Sarah Palin, 2008 Kandidatin für das US-Vizepräsidentenamt:
Palin sitzt im Flugzeug und schaut ein Magazin mit Bildern von Barack Obama an, der zusammen mit dem chinesischen Staatspräsidenten Hu abgebildet ist. Ihr Sitznachbar zeigt auf eine der Fotos und sagt: «Hu’s a communist.» Palin: «I thought they were asking a question.»
Anders geartet ist der Humor, der sich durch die «Aggressionstheorie» begründen lässt. Ein Humor, den vor allem populistische Politiker pflegen. Das Lachen bei dieser Art von Humor ist ein Auslachen, ein Blossstellen. «Witzig» sind die Fehler, Versäumnisse und Missgeschicke der Anderen:
2007 machte sich Bundesrat Christoph Blocher am Zürcher Sechseläuten über seinen Kollegen Moritz Leuenberger lustig: Leuenberger will den Schweizer Zoll ohne Ausweis passieren. Er müsse erst beweisen, wer er sei, sagt der Zöllner. Roger Federer habe ein wenig Tennis gespielt, und Alex Frei ein Dribbling vorgeführt. Leuenberger sagt, er könne nichts. Der Zöllner: «Ja, dann sind Sie Leuenberger.»
Der «erste schwarze Präsident»
Die «Entspannungstheorie» geht unter anderem auf Sigmund Freud zurück. Situationen oder Sprüche sind dann komisch, wenn sie mit dem menschlichen Triebleben in Verbindung gebracht werden. Etwa wenn Barack Obama auf die Frage antwortet, ob Bill Clinton der «erste schwarze Präsident» gewesen sei: «I would have to investigate more of Bill’s dancing abilities, you know, and some of his other stuff, before I accurately judge whether he was in fact a brother.»
Für die Wahl der Humorstrategie, die am ehesten bei Wählern oder Mitpolitikern verfängt, ist laut Weiss massgebend, in welchem gesellschaftlichen Umfeld man sich bewegt. Um eine gute Stimmung zu erzeugen, würden Politiker manchmal gar eine Spur Selbstironie aufblitzen lassen.
Darüber hinaus jedoch gilt: «Humor in der Politik richtet sich immer gegen einen politischen Gegner». Und die Bandbreite dabei ist riesig, «von subtil bis primitiv».