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«Die klangliche Unbestimmtheit des Tritonus einerseits, die ihn unschärfer, schillernder erscheinen läßt als alle übrigen Intervalle, andererseits sein zielbewußtes Hinstreben nach einer Auflösung, das im Augenblicke der Bewegung alle Aufmerksamkeit an sich reißt, die Vereinigung von Unklarheit und Überspitztheit in einem einzigen Intervall – das ist es, was den Tritonus absondert, was ihn immer als einen Fremdkörper, als ein Ferment im Bereiche der Intervalle erscheinen läßt.
Wenn bei einem so scheinheiligen Intervall, das undeutlich und aufdringlich zugleich ist, weder der klangliche Eindruck, noch die akustische Zusammensetzung erlauben, einen seiner Töne zum Grundton zu erklären, so müssen wir doch, um auch mit ihm umgehen zu können, wenigstens von Fall zu Fall bestimmen, welcher seiner Töne der wichtigere ist. Der Klang selbst in seiner Verschmitztheit verrät uns über diese Wichtigkeit nichts, wir müssen seine Umgebung fragen. Aus dem Klang, in den die Auflösung erfolgt, ersehen wir, zu welchem Stammton einer Reihe der Tritonus gehört.»
Paul Hindemith, Unterweisung im Tonsatz
(Theoretischer Teil), B. Schott’s Söhne, Mainz, 1937
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