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Von den etwa tausend in den Seen und Mooren der Schweiz, Deutschlands, Frankreichs, Italiens, Österreichs und Sloweniens entdeckten Pfahlbaufundstellen wurden 111 in die Welterbeliste aufgenommen.
Die Überreste dieser Siedlungen aus dem Neolithikum und der Bronzezeit sind unter Wasser versteckt oder liegen im Boden begraben. Dennoch sind sie stark gefährdet. Die durch die Uferbetonierung und die Motorschifffahrt verursachten Erosionsprozesse, aber auch Bodenaustrocknung können dazu führen, dass diese fragilen Hinterlassenschaften, die die Natur über Jahrtausende hinweg konserviert hat, innerhalb weniger Jahrzehnte zerstört werden.
Die UNESCO-Auszeichnung verankert die Bedeutung der Pfahlbauten für das Kulturerbe und die Wissenschaft im öffentlichen Bewusstsein und garantiert ihren langfristigen Schutz.
Vom Neolithikum bis zum Ende der Bronzezeit, zwischen 4’400 und 750 v. Chr., haben zahlreiche Gruppen an den Seeufern und in Moorgebieten des gesamten Alpenraums ihre Siedlungen errichtet. Diese Dörfer von ganz unterschiedlicher Grösse bestanden aus einer oder mehreren parallelen Häuserzeilen. Auf der trocken gefallenen Strandplatte wurden die Häuser auf einer von Pfählen getragenen Unterkonstruktion gebaut und hatten aufgrund der Bodenfeuchtigkeit und der zahlreichen Überschwemmungen oft abgehobene Fussböden.
An den Ufern des Bielersees, des Murtensees und des Neuenburgersees gibt es eine bemerkenswerte Konzentration von Pfahlbausiedlungen. Seit den ersten Entdeckungen im 19. Jahrhundert wurden hier intensive archäologische Forschungen betrieben: viele der in dieser Region entdeckten Pfahlbaustationen sind heute Referenzfundstellen für die Vorgeschichte Europas.
Die im Laténium ausgestellten Sammlungen, die im Archäologiepark rekonstruierten Pfahlbauhäuser und die hier durchgeführten wissenschaftlichen Untersuchungen machen unser Museum zu einer zentralen Forschungsstätte für die Inwertsetzung dieses archäologischen Erbes von weltweiter Bedeutung.
Dank ihres reichen und vielfältigen Fundmaterials liefern diese Fundstellen wertvolle Erkenntnisse zum Alltagsleben und der sozialen Organisation dieser Gemeinschaften. Der aussergewöhnlich gute Erhaltungszustand der organischen Materialien, der Tierknochen und Pflanzenreste, ermöglicht es, die prähistorischen Ökosysteme und die Beziehungen, die unsere Vorfahren mit ihrer Umwelt unterhielten, zu rekonstruieren.
Die Pfahlbaugrabungen sind daher ein Musterbeispiel für die prähistorische Forschung: sie bereichern äusserst anspruchsvolle naturwissenschaftliche Untersuchungen, die unsere Erkenntnisse zu den Wirtschaftssystemen und den kulturellen Dynamiken der frühen Agrargesellschaften Mitteleuropas erneuern.