Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03515.jsonl.gz/517

Krankheitsbilder
Das Organ Schilddrüse
Die Schilddrüse sitzt im vorderen Halsbereich unterhalb des Kehlkopfes. Sie besteht aus zwei Seitenlappen, die über einen Mittellappen verbunden sind. Die Seitenlappen legen sich an die Luftröhre an und werden über den Mittellappen unterhalb des Schildknorpels miteinander verbunden.
Die Schilddrüse bildet zwei lebenswichtige Hormone (Trijodthyronin und Tetrajodthyronin). Die Schilddrüsenhormone regulieren den Stoffwechsel und so die wichtigsten Funktionen im Körper, wie die Herztätigkeit, den Kreislauf, die Magen- und Darmtätigkeit sowie die Muskeln und Nerven. Aber auch die Persönlichkeit und das seelische Befinden werden durch die Hormone beeinflusst.
Weiter gehören insgesamt vier Nebenschilddrüsen zum Organ. Diese produzieren unabhängig von der Schilddrüse selbst ein Hormon (Parathormon), welches den Kalziumspiegel im Blut erhöht.
Bei einer Autoimmunerkrankung produziert der Körper Antikörper gegen sein eigenes Organ. Die Abwehrfunktion des Immunsystems, die normalerweise körperfremde Stoffe bekämpft, greift nun ein körpereigenes Organ an. Die Ursache ist bisher noch nicht bekannt.
Durch die Antikörper, die sich gegen die Schilddrüse richten, kommt es im Organ zu Entzündungen. Es gibt zwei bekannte Auto-Antikörper gegen die Schilddrüse, welche zwei verschiedene Krankheitsbilder verursachen:
Hashimoto Erkrankung (Thyreoiditis)
Der Auto-Antikörper-Titer TPO (Thyreoidaler Peroxidase Antikörper) befindet sich im Blut. Während des Krankheitsbeginns kommt es oft zu einer leichten Schilddrüsenüberfunktion. Die meisten Betroffenen merken davon aber nichts. Erst im Verlauf der Erkrankung kommt es zu einer zunehmenden Zerstörung der gesunden Schilddrüsenzellen, wodurch die Hormonproduktion der Schilddrüse abnimmt. Es kommt dann gehäuft zu einer Schilddrüsenunterfunktion mit diversen Beschwerden.
Basedow Erkrankung
Bei dieser Autoimmunerkrankung kommt es zur Bildung von aktivierenden Schilddrüsen-Antikörpern, dem TSH-Rezeptorantikörpern (TRAK). Diese Antikörper stimulieren die Schilddrüse dazu, immer mehr Hormone zu produzieren und auszuschütten. Zudem können die Auto-Antikörper auch zu einer Entzündung der Augenmuskeln führen, was ein Hervortreten der Augäpfel verursachen kann.
Bei einer Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose)
mit zu wenig produzierten Hormonen kann es zu folgenden Beschwerden kommen:
- Erhöhte Tagesmüdigkeit, erhöhtes Schlafbedürfnis
- Ungewollte Gewichtszunahme
- Allgemeine Abgeschlagenheit mit Konzentrationsstörungen
- Haarausfall, trockene Haut
- Neigung zu Wassereinlagerungen im Gewebe (vor allem Oberlider, Finger, Knöchelregion)
- Verstopfungstendenz, Verlangsamung der Verdauung
- Verlangsamung der Herzfrequenz, Verminderung der Leistungsfähigkeit bei körperlicher Belastung
- Störungen des Menstruationszyklus bei Frauen
- Depression
- Erhöhte Kälteempfindlichkeit
Medikamente zur Behandlung der Unterfunktion
Das körpereigene Schilddrüsenhormon wird in Form von Thyroxin (T4) als Hormonersatz in Tablettenform gegeben. Die Tablette enthält das natürlich vorkommende Hormon, welches normalerweise von der Schilddrüse gebildet wird. Auf diese Weise normalisiert sich die Stoffwechsellage. Nebenwirkungen sind keine zu erwarten, da nur das fehlende Hormon ersetzt wird. Allerdings ist eine korrekte Dosierung nötig, weshalb eine regelmässige Kontrolle der Schilddrüsenwerte durch eine Ärztin, einen Arzt erfolgen sollte. Der Hormonersatz ist täglich morgens 30 Minuten vor dem Frühstück einzunehmen. Meist ist der Hormonersatz lebenslang weiterzuführen.
Die Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose)
kann zu folgenden Beschwerden führen:
- Herzrasen, allenfalls Herzrhythmusstörungen, Vorhofflimmern bei langfristiger Überfunktion
- Vermehrtes Schwitzen
- Ungewollter Gewichtsverlust
- Haarausfall
- Nervosität, innere Unruhe, Zittrigkeit
- Schlafstörung
- Augenbeschwerden (beim Morbus Basedow)
- Durchfall
Medikamente zur Behandlung der Überfunktion
Bei einer Überproduktion von Schilddrüsenhormonen werden sogenannte Thyreostatika eingesetzt, welche die Produktion in den Zellen hemmen beziehungsweise verlangsamen. Dadurch normalisiert sich die Hormonproduktion und die Beschwerden der Überfunktion bessern sich. Bei der Basedowschen Erkrankung erfolgt die Einnahme dieser Medikamente meist über 1/2 Jahre. Danach wird ein Absetzversuch gestartet bei möglicher Normalisierung der Autoimmunerkrankung nach ausreichende langer Behandlungsdauer. Nach dem Absetzen kann es allerdings zu Rückfällen kommen mit erneut notwendiger Behandlung. Die Thyreostatika können Nebenwirkungen hervorrufen, weshalb regelmässige Kontrollen der Leberfunktion und des Blutbildes notwendig sind. Sollte die Behandlung unverträglich sein, die Überfunktion mit Medikamenten nicht kontrollierbar sein oder immer wieder ein Rückfall auftreten, kann es notwendig werden, dass die Schilddrüse letztlich entfernt oder inaktiviert werden muss.
Es gibt verschiedene Arten von Schilddrüsenkrebs. Der grösste Anteil der Krebserkrankungen sind papilläre Schilddrüsentumore. Diese wachsen relativ langsam und haben bei rechtzeitiger Behandlung eine sehr gute Langzeitprognose. Follikuläre, medulläre und anaplastische Schilddrüsenkrebsarten kommen dagegen seltener vor.
Die Schilddrüse ist von aussen normalerweise nicht zu erkennen. Ist sie jedoch vergrössert, so treten einzelne Schilddrüsenknoten oder die gesamte Schilddrüse als sogenannter Kropf hervor. In der Regel handelt es sich hierbei um eine gutartige Vergrösserung der Schilddrüse (Kropf). Ursächlich sind in den meisten Fällen eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse (Hashimoto oder Basedow Erkrankung) oder ein Jodmangel.
Eine Vergrösserung der Schilddrüse kann zu den folgenden Beschwerden führen:
- Schluckstörungen
- Klossgefühl im Hals
- Kosmetische Beschwerden (Asymmetrie des Halses)
- Luftnot
- Schluckstörungen
- Hustenreiz
- eränderung der Stimmlage
- Ein Kropf kann mit normaler oder gestörter Schilddrüsenhormon-Produktion einhergehen. Meistens ist die Funktion und damit auch die Hormonproduktion ungestört.
Ein erhöhtes Risiko für eine Struma besteht bei den folgenden Faktoren:
- Weibliches Geschlecht
- Alter über 40 Jahre
- Schwangerschaft oder Menopause
- Verwandte mit Schilddrüsenerkrankungen
- Bestrahlungsbehandlung im Halsbereich in der Kindheit
- Geringe Jodzufuhr in der Ernährung
Die Diagnose einer Struma wird durch ein Abtasten des Halses gestellt. Mithilfe einer Blutanalyse werden die Hormonproduktion und der Auto-Antikörper überprüft. Zudem wird ein Ultraschall zur Ausmessung der Schilddrüse und zum Nachweis möglicher Knoten in der Schilddrüse durchgeführt.
Je nach Befund können dann weitere Abklärungen mittels einer Szintigrafie, einer Computertomografie des Halses oder einer Feinnadelpunktion durchgeführt werden.
Was ist ein heisser Knoten?
In der Szintigrafie stellen sich Knoten mit verstärkter Jodaufnahme heiss dar (rot-gelbe Farbe im Szintigramm). Diese stark Jod aufnehmenden Knoten können unkontrolliert Hormone bilden und ausschütten. Dadurch kann es zu einer Schilddrüsenüberfunktion kommen. Heisse Knoten sind stoffwechselaktiv und fast immer gutartig. Bei Beschwerden kann mit einer Radiojod-Ablation die Überfunktion gestoppt werden. Alternativ können auch Medikamente eingesetzt werden, um die Überproduktion des Hormons zu blockieren.
Was ist ein kalter Knoten?
Bei der Szintigrafie stellen sich diese Knoten als nicht aktiv dar und nehmen wenig Jod auf (grün-blaue Farbe im Szintigramm). Sie produzieren keine Schilddrüsenhormone mehr. Dies kann Ausdruck einer Gewebenarbe, einer Zyste (flüssigkeitsgefüllter Knoten) oder eines entzündlichen Prozesses sein. Die meisten kalten Knoten sind gutartig, bei 5% aller kalten Knoten kann sich aber ein bösartiger Tumor dahinter verbergen. Eine medikamentöse Therapie oder eine Radiojodbehandlung sind in diesem Fall nicht möglich. Je nach Befund ist eine Operation zu diskutieren.