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Ohrenentzündungen bei Hunden
Die Ohrentzündung, eine Faktorenerkrankung
Bei Ohrentzündungen werden prädisponierende (Veranlagung), primäre (Ursache) und perpetuierende (unterhaltende) Faktoren unterschieden. Prädisponierende Faktoren fördern die Entwicklung einer Otitis, können aber allein keine Otitis auslösen.
Zu den prädisponierenden Faktoren gehören die anatomischen Verhältnisse wie zum Beispiel sehr enge Ohrkanäle (Shar Pei), stark abgeknickter vertikaler Ohrkanal (Shar Pei, Englische Bulldogge), stark behaarte Ohrkanäle (Pudel, Bologneser, Schnauzer, Airdale Terrier), tief angesetzte Ohrmuscheln oder schwere Schlappohren (Bloodhound, Bassethound), eine hohe Anzahl Ceruminaldrüsen (Cocker Spaniel) sowie klimatische Faktoren wie hohe Lufttemperaturen und Feuchtigkeit bzw. Schwimmen.
Weitere prädisponierende Faktoren können durch die Manipulation des Ohres entstehen. So schädigen irritierende Ohrpräparate und Ohrreiniger die empfindliche Haut des Ohrkanals. Auch das v. a. bei West Highland White Terriern und Pudeln häufig angewendete Herauszupfen der Haare aus dem Ohrkanal kann die empfindliche Haut des Kanals schädigen und zu einer mechanischen Haarbalgentzündung im Ohrkanal führen. Auf die Verwendung von Wattestäbchen zur Reinigung des Hundeohres sollte grundsätzlich verzichtet werden, da damit nur der Ohrschmalz in die Tiefe geschoben wird oder gar der empfindliche Ohrkanal verletzt wird. (Besser ist die Verwendung von mit Ohrreiniger durchtränkter Haushaltwatte, die auf die Gehörkanalöffnung gepresst wird. Anschliessend wird der Ohrkanal sanft zwischen Daumen und Zeigefinger massiert. Die übrigbleibende Flüssigkeit und der Ohrschmalz werden zum Schluss mit trockener Watte sorgfältig entfernt.)
Die primären Faktoren sind verantwortlich für die Entstehung einer Otitis. Sie verursachen eine Otitis, ohne dass prädisponierende oder perpetuierende Faktoren vorhanden sind. Die primären Faktoren verändern das Mikroklima im Ohr und induzieren Entzündungen mit Folgeinfektionen. Aus diesem Grund kann eine Ohrentzündung nur dann erfolgreich und langfristig abheilen, wenn auch die Primärfaktoren erkannt und kontrolliert werden.
Wichtige Primärfaktoren sind in erster Linie allergische Hautprobleme wie Futtermittelallergie oder atopische Dermatitis (eine Umweltallergie mit beispielsweise Sensibilisierung auf Pollen, Hausstaubmilben oder Vorratsmilben), Ohrmilben, Fremdkörper (Grasgrannen, Zecken, Ceruminolythen, Sand, Dreck, Medikamentenresten), systemische Krankheiten (z. B. Schilddrüsenunterfunktion, Leishmaniose, Hyperadrenokortizismus), Autoimmunerkrankungen (z. B. Pemphigus-Komplex, Erythema multiforme, Medikamentenreaktion, juvenile Cellulitis), Verhornungsstörungen (Talgdrüsenentzündung, idiopathische Seborrhoe, Vitamin-A-Mangel-Dermatose, Zink-responsive Dermatose) und Tumorerkrankungen (Neoplasien, Polypen) des Ohrkanals oder des Mittelohres.
Die perpetuierenden Faktoren unterhalten die Ohrentzündung, auch dann, wenn die Primärerkrankung bereits abgeheilt oder kontrolliert ist, bzw. verschlimmern eine bereits bestehende Ohrentzündung. Zu den wichtigsten perpetuierenden Faktoren gehören Ohrinfektionen mit Hefepilzen (Malassezien) oder Bakterien, Mittelohrentzündungen und Hyperplasien des Ohrepithels (Wucherung/Verdickung der Innenauskleidung des Ohres), damit einhergehende Verengung des Ohrkanals, wie auch chronische Entzündung und damit Vermehrung und Vergrösserung der Ceruminaldrüsen oder Schwellung des Epithels durch Wassereinlagerung (Ödem). Auch Veränderungen des Trommelfelles (Entzündung, Verdickung, Vernarbung, Loch im Trommelfell) gehören zu den perpetuierenden Faktoren einer Otitis externa.
Eine Otitis externa erfolgreich zu behandeln bzw. einen Rückfall zu verhindern gelingt demnach nur, wenn alle diese Faktoren erkannt und auch kontrolliert werden.
Dieser Artikel ist erschienen im Hundemagazin 8/2008
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Autorin:
vetderm.ch
Claudia S. Nett-Mettler
Dr. med. vet., Diplomate ACVD (Dermatology)
c/o Tierärztliche Spezialistenklinik TSK
Rothusstrasse 2
CH-6331 Hünenberg
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