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von Lea Mörsdorf
Ob im Zusammenhang mit 9/11, der Klimaerwärmung oder sonstigen grossen Ereignissen, es kommen häufig verschiedene sogenannte Verschwörungstheorien auf, um diese Ereignisse zu erklären. Das Besondere an Verschwörungstheorien ist, dass sie davon ausgehen, das Ereignis sei Teil oder Ergebnis des geheimen Plans einer mächtigen, bösartigen Gruppe, die versucht ihre Handlungen zu verschleiern. Doch warum schenken einige Menschen diesen Verschwörungstheorien Glauben? Douglas und Kollegen haben bisherige Forschungsergebnisse zusammengetragen, um mögliche psychologische Faktoren zu identifizieren. Dabei richteten sie ihr Augenmerk auf drei Arten möglicher Motive – epistemische, existenzielle und soziale. Mit epistemischen Motiven beschreiben sie den Wunsch danach, Zusammenhänge zu verstehen und korrekte Informationen zu erhalten. Kausale Erklärungen für Ereignisse zu finden wird dabei als zentraler Bestandteil angesehen, um sich ein stabiles, korrektes und konsistentes Weltverständnis aufzubauen. Beispiele epistemischer Motive können das Befriedigen von Neugier bei mangelnder Information, die Reduktion von Unsicherheit bei widersprüchlichen Informationen oder das Finden von Bedeutung und Sinn in scheinbar zufälligen Ereignissen sein. Verschwörungstheorien können diesen Bedürfnissen durch bestimmte Eigenschaften gerecht werden. Sie scheinen breite, konsistente Erklärungen zu bieten, die es den Personen erlauben, ihre Unsicherheiten zu reduzieren und einen Sinn in den Ereignissen zu sehen. Mit existenziellen Motiven bezeichnen die Autoren den Wunsch nach Kontrolle und Sicherheit in der Umwelt. Sie vermuten, dass Verschwörungstheorien helfen können, dieses Bedürfnis zu befriedigen, wenn es durch die äusseren Umstände bedroht zu sein scheint. Beispielsweise könnten Verschwörungstheorien ein Gefühl von Sicherheit vermitteln, indem sie suggerieren, dass gefährliche, nicht vertrauenswürdige Personen aufgedeckt wurden. Bisherige Studien konnten zeigen, dass Personen Verschwörungstheorien eher Glauben schenkten, wenn sie sich ängstlich, machtlos und unfähig fühlten, ihre Umwelt zu kontrollieren. Unter sozialen Motiven fassen die Autoren das Bedürfnis zusammen, ein positives Selbstbild oder Bild der eigenen Gruppe aufrechtzuerhalten. Die Autoren führen an, dass Verschwörungstheorien diesem Wunsch gerecht werden können, indem sie die Schuld für bestimmte Gegebenheiten Anderen zuschieben. Die eigene Gruppe wird als kompetent und moralisch wahrgenommen, aber als von «mächtigen Anderen» sabotiert. Bisherige Experimente deuten darauf hin, dass Ausgrenzung die Wahrscheinlichkeit erhöht, an Verschwörungstheorien zu glauben, um der Ausgrenzungserfahrung einen Sinn zu geben. Zudem wurde in Studien festgestellt, dass Gruppen, die sich in einer Opferrolle sahen, eher an Verschwörungstheorien glaubten. Insgesamt ist zu betonen, dass die bisherige Forschung kaum Schlüsse darüber zulässt, inwiefern Verschwörungstheorien diese Motive tatsächlich befriedigen können. Vorläufige Ergebnisse deuten darauf hin, dass Verschwörungstheorien die Befriedigung möglicherweise behindern könnten. Jedoch ist zu beachten, dass bisherige Studien kaum gezielt benachteiligte Gruppen untersucht haben und die Aussagekraft der Ergebnisse somit eingeschränkt ist. Eine erste experimentelle Untersuchung deutet darauf hin, dass Verschwörungstheorien unter bestimmten Umständen wahrgenommene Bedrohungen reduzieren können. Schliesslich ist zu beachten, dass Douglas und Kollegen sich in ihrer Übersicht auf drei Arten von Motiven konzentrierten, was nicht bedeutet, dass nicht auch andere Faktoren eine Rolle dabei spielen können, ob man an Verschwörungstheorien glaubt.
Literatur
Douglas, K. M., Sutton, R. M., & Cichocka, A. (2017). The Psychology of Conspiracy Theories. Current Directions in Psychological Science, 26, 538–542. https://doi.org/10.1177/0963721417718261
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