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Schweizer Finanzinstitute finanzieren globale Entwaldung
Was haben Schweizer Finanzinstitute und Waldrodungen im Amazonas oder in Südostasien miteinander zu tun? Der internationale WWF-Report «Den Wald vor lauter Bäumen sehen» deckt auf, dass Schweizer Finanzinstitute über 98 Milliarden US-Dollar in die grössten Einkäufer von Palmöl investieren, ohne sicherzustellen, dass dieses nachhaltig produziert wurde. Damit sind sie für weitreichende Umwelt- und Entwaldungsschäden mitverantwortlich.
- Schweizer Finanzinstitute investieren in hohem Mass in globale Agrargeschäfte und Lieferketten von Soja, Holz, Palmöl oder Rindfleisch. Diese Agrargeschäfte sind für eine massive Abholzung und Entwaldung – also die Umwandlung von Waldflächen hin zu anderen Landnutzungsformen - verantwortlich, welche die Klimakrise verstärken und die Artenvielfalt und die Menschen vor Ort bedrohen.
- Die Initiative «Forests and Finance» analysiert Finanzierungen von 300 Unternehmen, die ein hohes Risiko haben, an Abholzung beteiligt zu sein. Die Schweiz steht an 13. Stelle von 69 Ländern, was die Gesamtfinanzierung solcher Unternehmen angeht.
- Es fehlt in der Schweiz trotz internationaler Verpflichtungen wie dem Pariser Abkommen an verbindlichen Massnahmen von Wirtschaft und Politik die Finanzierung von Abholzung zu unterbinden, die über Selbstregulierung hinausgehen.
- Der WWF-Report zeigt, wie Natur und Finanzen gleichsam profitieren könnten.
Zitate: Regula Hess, Expertin für Sustainable Finance beim WWF Schweiz
«Obwohl zahlreiche Schweizer Finanzinstitute Klimaziele haben, gehen sie das Thema ‘Abholzung’ kaum bis gar nicht an. Es ist Zeit, Verantwortung wahrzunehmen und Abholzung und Zerstörung anderer Lebensräume bis 2025 zu stoppen.»
«Schweizer Finanzinstitute müssen zuerst analysieren, an welche Unternehmen sie Kredite vergeben, oder in welche sie investieren, die ein hohes Risiko haben, an Abholzung und Flächenumwandlung beteiligt zu sein. Mit dieser Prioritätenliste können sie weiterarbeiten.»
Es fliessen Milliarden in umweltschädigende Unternehmen
Schweizer Finanzinstitute wie Banken, Vermögensverwalter, Pensionskassen oder Versicherungen finanzieren oder versichern Unternehmen, welche direkt an der Produktion, dem Handel, der Verarbeitung und der Herstellung von Agrarprodukten wie Soja, Holz, Palmöl, Rindfleisch, etc. beteiligt sind. Deren Produktion treibt globale Abholzung und Flächenumwandlung stark voran. Die Initiative «Forests and Finance» analysiert Finanzierungen von 300 Unternehmen, die ein hohes Risiko haben, an Abholzung beteiligt zu sind. Die Schweiz steht an 13. Stelle von 69 Ländern, was die Gesamtfinanzierung solcher Unternehmen durch Schweizer Finanzinstitute angeht. Bei der Finanzierung von Rindfleisch und Palmöl liegt die Schweiz gar auf den Plätzen 7 und 10.
Eine zusätzliche Analyse von WWF ergibt, dass Schweizer Finanzinstitute 98 Mrd. US Dollar in die grössten Einkäufer von Palmöl investieren (WWF Palm Oil Buyer Scorecard). Allein die UBS und Credit Suisse zusammen tun dies mit 56 Mrd., die Schweizerische Nationalbank (SNB) mit 12.5 Mrd. US-Dollar. Zudem vergeben die UBS und Credit Suisse nochmals 32 Mrd. US- Dollar Kredite an solche Unternehmen. Nicht alle diese Unternehmen und deren Finanzierung sind problematisch. Bei den Finanzinstituten sind jedoch die Richtlinien und Kapazitäten zur Identifikation sowie dem Umgang mit kritischen Unternehmen kaum vorhanden.
Es geht beides: Finanzen und Natur stärken
Trotz ihrer Bedeutung wird die Natur immer schneller zerstört. Der Erfolg der Wirtschaft und damit auch der Finanzinstitute ist direkt mit einer intakten Natur verbunden. Finanzinstitute können ihre eigenen Risiken reduzieren und auch Finanzströme in wirtschaftliche Aktivitäten lenken, die wichtige Landschaften schützen. Das schnell wachsende Interesse an nachhaltigen Finanzanlagen bietet eine attraktive Möglichkeit, wirtschaftlich zu profitieren und gleichzeitig einen positiven Einfluss auf die Umwelt zu haben. Im WWF-Report «Den Wald vor lauter Bäumen sehen» geht der WWF auf fünf Schritte ein, was es dazu braucht:
- Analyse der materiellen Risiken für Finanzinstitute im Zusammenhang mit Abholzung und Flächenumwandlung
- Eine wirksame Strategie gegen Abholzung und Flächenumwandlung entwickeln
- Sorgfaltsprüfung umsetzen und Fortschritt messen
- Eine Engagement-Strategie für Investitionsempfänger und Kunden entwickeln
- Transparent über Analyse, Massnahmen und Fortschritte berichten
Will die Schweiz seinen Verpflichtungen aus dem Pariser Abkommen inkl. Begrenzung des Anstiegs auf einen maximalen Temperaturanstieg von 1,5 Grad, nachkommen, müssen globale Abholzung und Flächenumwandlung gestoppt werden.
Link zum WWF-Report «Den Wald vor lauter Bäumen sehen»: https://www.wwf.ch/sites/default/files/doc-2023-05/WWF_2023_Den%20Wald%20vor%20lauter%20B%C3%A4ume%20sehen_CH_Ausgabe.pdf
Bildmaterial und Grafiken: https://www.swisstransfer.com/d/99663e97-baf1-4961-9d3a-daa23a809f18
Webinar: «Massnahmen von Finanzinstituten gegen Abholzung», 30. Mai 2023, 16.00 Uhr
https://wwf.zoom.us/webinar/register/WN_r6MHvL9JTjSV1ljzNLFkHg#/registration
Weiterführender Bericht zur Finanzierung der Palmöleinkäufer von WWF International: https://palmoilscorecard.panda.org/#/financial
Kontakt: Christoph Kinsperger, Kommunikationsberater, WWF CH, <email-pii>, +41 (0)78 749 88 14