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In jeder Disziplin gibt es eine „Million-Dollar“ Frage… In der Finanzwelt gibt es einige davon und manchmal sind diese Fragen wirklich etwas wert (wenn nicht Millionen, so doch zumindest etwas Geld). Eine der berühmtesten Fragen lautet: „Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Gewinnmitnahme?“
Wenn Du bereits investiert hast, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass Du Dich mindestens einmal in einer dieser beiden Situationen befunden hast:
- Du hast einen Vermögenswert gekauft, Dich an einem schönen Aufwärtstrend erfreut, ihn aber zu früh verkauft. Wenn man ein Wertpapier verkauft hat und zusieht, wie es neue Höchststände erreicht, hinterlässt dies in der Regel einen bitteren Nachgeschmack.
- Du kaufst einen Vermögenswert, weigerst Dich, ihn zu verkaufen, während Du einen ordentlichen Gewinn erzielst, siehst dann zu, wie er abstürzt, und verkaufst ihn zu spät mit einem mageren Gewinn.
Bedauern oder Reue – gibt es einen Weg, diesem Schicksal zu entgehen?
Bevor wir uns dieser Frage widmen, zunächst eine beruhigende Tatsache: Selbst Profis scheinen sich mit Verkaufsentscheidungen schwer zu tun. Eine 2019 veröffentlichte Studie, in der 4,4 Millionen Geschäfte von Investmentprofis untersucht wurden, die Fonds mit einem Volumen von mehreren Millionen verwalten, zeigt, dass diese Profis zwar beim Kauf von Wertpapieren klare Fähigkeiten zeigen, bei ihren Verkaufsentscheidungen aber deutlich schlechter abschneiden. (Affen würden da bessere Arbeit leisten!)
In Ermangelung einer Kristallkugel lohnt es sich, zumindest eine Ausstiegsstrategie zu entwickeln. Eine, die versucht, die Kosten des Bedauerns und die Kosten der Reue auszugleichen. . .
Ist dies wirklich überraschend? Schliesslich wird das präzise Einschätzen von Marktentwicklungen von den meisten Investoren als unmöglich eingestuft – es sei denn, man hat eine Kristallkugel. Dennoch könnte die Tatsache, dass wir schlechter als Affen abschneiden etwas über unsere Anlegernatur aussagen. Einige Forscher argumentieren beispielsweise, dass Kauf- und Verkaufsentscheidungen unterschiedliche Denkprozesse voraussetzen und dass unser Urteilsvermögen beim Verkaufen durch andere Faktoren beeinträchtigt sein könnte.
Was sollen wir nun damit anfangen? In Ermangelung einer Kristallkugel lohnt es sich, zumindest eine Ausstiegsstrategie zu entwickeln. Eine die versucht, die Kosten des Bedauerns und die Kosten der Reue auszugleichen.
Für den Verkauf eines Vermögenswerts werden in der Regel die folgenden Gründe aufgeführt:
Du könntest verkaufen, wenn :
- Du Dich nicht mehr wohl dabei fühlst, den Vermögenswert zu halten.
- Du Geld brauchst.
- Deine Investitionsthese sich geändert hat (d.h. die Gründe, weshalb Du die Vermögenswerte gekauft hast, sind nicht mehr gegeben).
- der Wert des Vermögensgegenstandes hoch ist oder sein Preis drastisch gestiegen ist.
- Du Dein ursprünglich gesetztes Kursziel erreicht hast.
Während diese Kriterien bei bestimmten Arten von Vermögenswerten und Geschäften, wie z. B. Buy-and-Hold-Strategien bei Blue-Chip-Aktien leichter anzuwenden sind, bieten sie in einigen Fällen nur begrenzte Anhaltspunkte. Dies gilt insbesondere für volatile, dynamisch wachsende Wertpapiere. Nehmen wir das Beispiel der „Meme“-Aktien oder bestimmter Kryptowährungen. Auf die Frage „Wann planen Sie, Gewinne mitzunehmen?“ geben viele Anleger, die mit ihren Investitionen bereits beträchtliche Gewinne erzielt haben, sehr vage Antworten. „Wenn ich reich genug bin“, ist wahrscheinlich die häufigste. Und wenn wir versuchen, die oben genannten Kriterien anzuwenden, hilft das auch nicht wirklich weiter. Das ist teilweise verständlich. Erstens investieren viele Anleger, die sich an neue Kryptowährungen wagen, kleine Beträge, die sie sich leisten können, zu verlieren. Zweitens ist es unwahrscheinlich, dass sie sich mit dem Vermögenswert unwohl fühlen oder ihre Investitionsthese revidieren, wenn der Preis des Vermögenswerts gestiegen ist (denn wenn das einzige Ziel darin bestand, reich zu werden, dann sind Sie jetzt reicher). Nicht zuletzt machen es die Schwierigkeit, diese Anlagen wirklich zu bewerten und die unverschämten Renditen, die einige in letzter Zeit erzielt haben schwer, einen realistischen Zielpreis festzulegen oder zu beurteilen, wann der Preis „dramatisch“ hoch ist.
Aber ohne einen Ausstiegsplan kann die Enttäuschung gross sein. Im schlimmsten Fall könnte das katastrophale Folgen haben. Betrachten Sie zum Beispiel den folgenden Fall:
Nehmen wir an, Du hättest am 1. Januar 2020 das Glück gehabt, eine Anlage zu wählen, die sich als die beste des Jahres herausstellen würde (mit einer erstaunlichen Rendite von 100.000%). Du hast 1.000 CHF investiert und am Ende des Jahres hast Du eine Million CHF auf Deinem Konto. Aber dann, im März 2021, lässt eine Reihe von Tweets den Preis Deines Vermögenswertes auf 0 fallen (schliesslich ist es plausibel; mehr als 2.000 Kryptoanlagen sind gescheitert). Du bist natürlich nicht sehr glücklich aber Du tröstest Dich mit dem Gedanken, dass Du bereit warst, die anfängliche Summe zu verlieren, und dass dies einfach Teil des Spiels ist. Nun, eine weitere schlechte Nachricht kommt auf Dich zu. Im März ist normalerweise die Zeit, in der Du Deine Steuererklärung ausfüllst und die Wertentwicklung Deines Vermögens im Jahr 2020 angeben musst. Und, obwohl Kapitalgewinne in der Schweiz nicht besteuert werden, wird das Vermögen besteuert und Du wärst am Ende des Jahres theoretisch um 1 Million CHF reicher…
OK, das hört sich nach einer extremen Situation an, wenn es sich allerdings bei Deiner Strategie um ein Glücksspiel handelt, kannst Du dies nicht ausschliessen und selbst wenn Du am Ende keine Steuern zahlst, hast Du dennoch 1.000 CHF verloren.
Kann man aus diesem Beispiel Schlüsse ziehen? Ja, ein paar. Wenn es Dir schwer fällt, einen Ausstiegskurs festzulegen, könntest Du versuchen, alternative Ausstiegsstrategien zu finden zum Beispiel (die Liste ist endlos):
Alles in allem ist und bleibt die Frage, wann man Gewinne mitnehmen sollte, eine Millionenfrage. Und wenn Sie darauf keine befriedigende Antwort haben, hilft Ihnen ein klarer Ausstiegsplan, die Kontrolle zu behalten.
- Wenn Du mit einer Position einen beträchtlichen Gewinn erzielt hast, warum nimmst Du nicht Deine ursprüngliche Investition als Gewinn mit und lässt den Rest investiert? Falls der Kurs des Vermögenswerts anschliessend auf 0 fällt, erleidest Du keinen Verlust. Steigt der Kurs, verzeichnest Du weiterhin neue, wenn auch geringere Gewinne (Du solltest auch mögliche Steuern einkalkulieren, nur für den Fall!)
- Wenn Du das Potenzial eines Vermögenswerts nicht einschätzen kannst, kannst Du zumindest abschätzen, was ein realistischer Gewinn für Dich bedeutet und welchen nicht-monetären Wert er hat (mit diesem Gewinn kannst Du beispielsweise ein schönes Skiwochenende geniessen oder Weihnachtsgeschenke für Deine Kinder bezahlen).
- Und schliesslich kannst Du, wenn Deine Motivation das Investieren selbst ist, den Gewinn auch zur Finanzierung anderer Investitionen verwenden.
Alles in allem ist und bleibt die Frage, wann man Gewinne mitnehmen sollte, eine Millionenfrage. Und wenn Du darauf keine befriedigende Antwort hast, hilft Dir ein klarer Ausstiegsplan, die Kontrolle zu behalten.
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