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Man muss schon eine sehr aufmerksame Zeitungsleserin oder ein sehr kritischer Zeitungsleser sein, um dieses Phänomen zu bemerken: Wenn Inhalt von Text (im Artikel oder in der Legende) und Bild so weit auseinanderliegen, dass die eigentliche Nachricht nicht mehr verständlich oder konfus ist, dann spricht man von einer Text-Bild-Schere. Im schlimmsten Fall entsteht sogar ein Zusammenhang, der eigentlich nicht vorliegt. Ich mag. den Ausdruck Bild-Text-Schere. Obschon ich den Begriff bis vor kurzem nicht einmal kannte. Mir fällt da ein Zeitungsbild ein, auf dem der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz zu sehen ist und die Bildlegende «Zeit für ein neues Frauenbild» lautet. Oder ein Plakat der Hamburger FDP, auf dem Kandidatin Katja Suding, Mitglied des Deutschen Bundestags, abgebildet ist und die Legende «Unser Mann für Hamburg» lautet. Oder war gerade diese Text-Bild-Schere gewollt? „10 Tipps für Ihre Bikini-Figur“ lautete der Titel eines Zeitungstextes. Auf dem zugehörigen Foto war ein Mann mit Waschbrettbauch zu sehen. Text-Bild-Scheren wirken häufig unfreiwillig komisch. Im schlimmeren Fall meint der Leser, der Zeitungsredaktion nur bedingt vertrauen zu können.
Eingeworfen am 28.4.2020