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Der kleine Weiler Altreu in der Gemeinde Selzach am Jura-Südfuss wurde 2008 als 10. Europäisches Storchendorf ausgezeichnet. Diese Auszeichnung wird von der Stiftung EURONATUR jeweils einem Dorf pro Land in Europa verliehen und honoriert damit die von Behörden und Bevölkerung getragenen Anstrengungen zum Schutz des Storchs.
Die Geschichte
Der Bestand des früher in der Schweiz grossflächig als Brutvogel beheimateten Weissstorchs ist im Laufe der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts drastisch zurückgegangen. Um 1950 ist auch der letzte noch in der Schweiz verbliebene Storchenhorst leer geblieben. Bereits 1948 begann Max Blösch, bekannt als "Storchenvater" von Altreu, aufgrund des katastrophalen Rückgangs der Storchenpopulation in der Schweiz mit Wiederansiedlungsversuchen. Nach anfänglichen Misserfolgen mit zu kleinen Storchenpopulationen verschiedener Herkunft gelangen erste Bruterfolge erst mit einer grösseren Anzahl von etwa 300 Jungstörchen, die in den Jahren 1955 und 1959 bis 1961 aus Algerien eingeführt worden sind. Damit erhielt die "Storchenkolonie" in Altreu die notwendige Grösse. Aufgrund der hohen Verluste auf ihrem ersten Vogelzug nach Süden wurden die beringten Versuchsstörche fortan während der ersten drei Lebensjahre in Gehegen gehalten und ihre Flügel wurden gestutzt, damit sie nicht wegfliegen konnten. Sie wurden täglich mit Schlachtabfällen, Mäusen und Fischen gefüttert. Die im Gehege heranwachsenden Jungstörche wurden erst nach Erlangen der Brutreife im vierten Frühjahr verpaart freigelassen.
Seit Mitte der Neunzigerjahre des letzten Jahrhunderts werden keine Zucht- und Auswilderungsprojekte mehr betrieben und die Zufütterung der Störche wurde sukzessive eingestellt. Trotz Beendigung der Zufütterung ist der Bestand des Weissstorchs in der Schweiz mittlerweile auf rund 500 Horstpaare angestiegen.
Über die letzten 20 Jahre bestand die besondere Leistung Altreus darin, dass die ursprünglich in Gehegen gehaltenen Störche heute in freier Wildbahn, und zwar in einer intensiv genutzten Kulturlandschaft, überleben können. Die Initiative des Storchenpioniers Max Blösch wurde über Jahrzehnte vom Verein "Storch Schweiz" und später vom Verein "Für Üsi Witi" weiterentwickelt und zum heutigen Infozentrum Witi ausgebaut. Die Störche habens gedankt und besiedeln die Region rund um Altreu heute wieder in einem Bestand von 40-50 Brutpaaren das sind rund 10 % des gesamten Storchenbestandes der Schweiz.
Das Informationszentrum "Witi"
Rund um das Informationszentrum "Witi" in Altreu finden sich auf Bäumen und Hausdächern Dutzende von Storchenhorsten, welche regelmässig im Frühjahr von neuem von einem Storchenpaar besetzt werden. Jedes Jahr im März, wenn die Tage wieder wärmer werden, kündigt das Geklapper der Störche den Frühling an, eine optisch und akustisch eindrücksvolle Szenerie.
Das Informationszentrum "Witi", welches vom Verein "Für Üsi Witi" geführt wird, unterhält eine permanente Ausstellung zum Thema Störche und zeigt auch periodisch eine zeitlich befristete Sonderausstellung zu verschiedenen Natur- und Umweltthemen. Zudem bietet das Informationszentrum gegen Voranmeldung auch Führungen zu den Themen Storch und Biber sowie geführte Exkursionen in den Lebensraum "Witi" an.