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Tim Burton muss man als Film-Maniac bezeichnen. Was dieser Regisseur an Inszenierungen bisher geliefert hat, ist ein Panorama der Möglichkeiten, sich mit Kino auseinanderzusetzen. Da fühlt sich einer nicht an ästhetische Konventionen gebunden, und die Emotionen sind ihm auch nicht fremd. Erinnert sei nur an Regiearbeiten wie Batman (1989), Edward Scissorhands (1990), Ed Wood (1994) oder Alice in Wonderland (2010). Ausserdem arbeitet er als Drehbuchautor, als Schauspieler und als Produzent. Der 1958 in Burbank / Kalifornien geborene Burton verkörpert eine so selbstbewusste Künstlerpersönlichkeit, wie sie sich eigentlich nur in den USA entwickeln konnte.
Und doch hat Burton gerade mit diesem Film, der ein «Frankensteinchen» zu Kinoehren gelangen lassen will, auch viel Trouble gehabt. Schon 1984 war diese Geschichte als Stop-Motion-Film geplant, aber die Finanzen reichten nur für eine kurze Version mit realen Schauspielern. Und die gefiel den Disney-Leuten wegen des toten Hundes gar nicht, was für einige Zeit zur Trennung von der Disney-Kirche führte. Aber 2012 ist nicht 1984, und die Kinder scheinen nicht mehr die Streichelwesen, die mit Bilderverboten erzogen werden sollen – dafür haben sie heute viel zu viele Möglichkeiten, alles zu sehen, was sie wollen.
Genug der pädagogischen Einlassungen, die, so scheint es, amerikanische Kritiker besonders beschäftigt: Es geht um die Geschichte des genial veranlagten Jungen Victor, den eine tiefe Liebe mit seinem Hund Sparky, einem Pitbull-Terrier, verbindet, sodass er auch seine Super-8-Filme mit ihm gestaltet. Das würde schon bald ein trauriges Ende nehmen, wenn nicht … Doch der Reihe nach: Wie gesagt, Victor ist ein Herz und eine Seele mit Sparky. Auch wenn der Nachbar Mr. Burgemeister, der der Stadt New Holland als Bürgermeister vorsteht, den Hund gar nicht leiden kann. Nun geschieht das Unglück, dass Victor als Batter beim Baseballspiel den Ball so schlägt, dass der verspielte Sparky glaubt, den Ball fangen zu müssen, und ein Auto ihn totfährt und Victor ihn begraben muss. Doch der wissenschaftliche Unterricht in der Schule hat auch lebensdienende Werte. Mr. Rzykruski, der Physiklehrer, lässt einen toten Frosch mit Stromstössen seine Beine bewegen, und Victor setzt das phantasievoll schon im Schulheft zeichnerisch um, wie das dem toten Sparky helfen könnte. Seiner guten Mutter darf der junge Wissenschaftler alle Küchengeräte entwenden, um sie zu einer Wiederbelebungsmaschine umzubauen, die die Energie der Gewitterblitze nutzt. Sparky wird ausgegraben und mit diesen Kräften zum Leben befördert, zwar durch Narben lädiert, aber wieder in voller Verbundenheit mit Victor. Obwohl dies ein Geheimnis bleiben soll, erfahren seine gar nicht aufrichtigen Freunde das Rezept für die Reanimation und bringen selbst ungeheure Monster zur Welt, die aber, Gott sei dank!, wieder ins Nichts befördert werden können.
Stop-Motion-Verfahren, Schwarzweissfilm und das wieder entdeckte 3-D-Verfahren – wenn das nicht eine Hommage an das alte Kino ist, dem doch auch Victor mit seiner Super-8-Kamera frönt, unterstützt von der genial einfachen Filmmusik Danny Elfmans, der seine Untermalung von Burtons Verbeugung vor dem Horror-Genre selbst als eine Mischung von Simplizität und Nettigkeit beschreibt. Die Puppen für die Handlung – darunter 18 Victors und 15 Sparkys – sind von einer so eindringlichen Qualität, dass selbst Disproportionen uns verzaubern. Burtons Liebe zum Sujet ist zu spüren, wenn er erklärt: «Ich wollte Frankenweenie einfach deshalb machen, weil ich mit Horrorfilmen aufgewachsen bin und sie liebte. Und zugleich war da auch die besondere Beziehung zu einem Hund, den ich hatte.»