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Abstract
Mark Greuter (1930–2017) war zwischen 1984 und 1997 ausserordentlicher Professor für Mittelschulpädagogik mit halber Lehrverpflichtung an der Universität Zürich. Als promovierter Biologe war er der erste Naturwissenschaftler, der an der Universität Zürich einen Lehrstuhl für Mittelschulpädagogik (früher: Allgemeine Didaktik des Mittelschulunterrichts) besetzte. Während seiner Professur setzte er sich für die Förderung des Einsatzes von Computern im Schulunterricht ein und vertrat dieses Anliegen auch regelmässig in der Öffentlichkeit.
Mark Greuter wurde am 7. Juli 1930 in Hausen a/A. ZH geboren und besuchte dort die Primar- und Sekundarschule. Er absolvierte das Gymnasium Typ B an der Kantonsschule Zürich, das er mit 19 Jahren abschloss. Danach erwarb er am Kantonalen Oberseminar das Primarlehrerpatent und arbeitete von 1951 bis 1953 als Lehrer in Stäfa, bevor er 1953 an der Philosophischen Fakultät II der Universität Zürich das Sekundarlehrerstudium begann. Er arbeitete als Sekundarlehrer im Schulkreis Waidberg der Stadt Zürich und studierte nebenbei Zoologie. Für seine Arbeit über den „Vergleich der Ausbreitungsaktivitäten von Drosophila subobscura und Drosophila obscura“ bei Prof. Hans Burla erhielt er 1963 den Doktortitel zugesprochen. Dies ermöglichte ihm eine Anstellung an der Kantonsschule Zürich, wo er von 1964 bis 1966 nebst Biologie- auch Geographieunterricht erteilte, und die Wahl als Hauptlehrer für Biologie an die neue Töchterschule der Stadt Zürich, welche 1965 erfolgte. Dort wurde ihm die Verantwortung für den Fachbereich Biologie und die Position des Fachvorstandes anvertraut (UAZ E.3.1.092, 19.3.1981).
In den 1970er-Jahren bekam Mark Greuter mehrere Lehraufträge an der Universität Zürich (u.a. als Fachdidaktiker für Biologie) als auch am Kantonalen Oberseminar. Im Wintersemester 1977/78 leitete er an der ETHZ ein Projekt zum Thema „Ökologie der Luft“ und reiste für vier Monate in die USA, um Forschungsprojekte in der Didaktik der Naturwissenschaften (Science Education) kennenzulernen (UAZ E.3.1.092, 19.3.1981).
Wahl zum Extraordinarius mit halber Lehrverpflichtung
Diese Schritte ebneten ihm den Weg zu seiner Wahl zum Extraordinarius für Mittelschulpädagogik mit halber Lehrverpflichtung auf den 16. April 1984 durch den Zürcher Regierungsrat. Damit wurde er zum Nachfolger von Heinrich Keller, welcher eineinhalb Jahre zuvor zum vollamtlichen Extraordinarius befördert wurde. Die Philosophische Fakultät I der Universität Zürich schlug in ihrem Antrag zur Neubesetzung des halben Extraordinariates einen anderen Kandidaten primo loco vor. Bei der Behandlung des Antrages entschieden sich Hochschulkommission und Erziehungsrat allerdings, Mark Greuter dem Erstplatzierten vorzuziehen. Der Regierungsrat folgte bei der Wahl diesem Vorschlag. Beweggründe für das Übergehen der Fakultät werden im entsprechenden Protokoll des Regierungsrates nicht genannt (UAZ AB.6.033, 8.2.1984).
Verschiedene Quellen geben aber Hinweise darüber, wie es zu dieser Wahl kommen konnte. Zum einen wird klar, dass sich der damalige Erziehungsdirektor Alfred Gilgen persönlich mit den Kandidaturen beschäftigte, indem er Informationen bei den Arbeitgebern aller drei Kandidaten einholte. Im Gegensatz zum Erstplatzierten bekam Mark Greuter dabei allerdings keine Unterstützung seines Vorgesetzten. Dafür aber pflegte Regierungsrat Alfred Gilgen mit dem Kandidaten Greuter eine persönliche Bekanntschaft. Zweitens setzte sich die Hochschulkommission schon lange vor der eigentlichen Wahl für Mark Greuter ein. So liess sie die Philosophische Fakultät I bereits in der Vorbereitung zur Beförderung von Keller wissen, dass beim Antrag eigentlich Greuter als zweitgenannter Kandidat zu erwarten gewesen wäre. Unverhohlen legte man der Fakultät nahe, Mark Greuter bei der Nachfolge von Prof. Keller in Betracht zu ziehen (UAZ E.3.1.092, 2.9.1983; 8.10.1983; 20.4.1982).
Drittens, und vermutlich ausschlaggebend, scheint der erstplatzierte Kandidat wegen seiner wissenschaftlichen Ausrichtung bei der Wahl nicht zum Zuge gekommen zu sein. Dieser arbeitete zuvor an einem Forschungsprojekt mit Dr. Jean Piaget in Genf und war offensichtlich angetan von dessen Lehre. Sie war Teil der experimentellen Pädagogik, welche sich in Genf im 20. Jahrhundert etablieren konnte, während sie in der restlichen Schweiz, so auch in Zürich, schnell von einer «kulturphilosophischen Rückwendung» (Criblez 2013) verdrängt wurde, nachdem sie zur Jahrhundertwende kurzfristig erfolgreich war (UAZ E.3.1.092, 2.9.1983; 8.2.1984).
Einsatz für die Förderung der Informatik im Unterricht
In seiner Position als ausserordentlicher Professor engagierte sich Mark Greuter vor allem für den Einsatz von Computern an den Schulen. Dabei ging er davon aus, dass dieser nicht grundsätzlich neuen Methoden oder Formen entspricht, sondern vielmehr bekannte Instrumente positiv beeinflussen kann. Insbesondere hob er hervor, dass mit Hilfe von Computern die Individualisierung der Lernprozesse befördert werden könne. Dank Fortschritten in der Informationstechnologie sah er es als realistisch an, sowohl expositorisches als auch entdeckenlassendes Lehren unter Einsatz von Computern zu verwirklichen. Seiner Meinung nach verhielten sich die meisten Lehrpersonen diesbezüglich zu zögerlich, obwohl sie selbst davon profitieren könnten. So würden Lehrer/innen durch die Rechner entlastet und hätten mehr Zeit, sich individuell um die Schüler/innen zu kümmern (Greuter 1996).
Sein Engagement führte Prof. Mark Greuter an internationale Kongresse zu diesem Thema, darunter zu einem des Computerherstellers Apple 1989 in Amsterdam zum Thema „Where minds meet“ (UAZ AB.6.033, undatiert).
Politisches Engagement, Rücktritt und Ernennung zum Honorarprofessor
Mark Greuter war Major im Stab der Felddivision 6 und leitete die Gebirgsausbildung dieser Division. Zudem vertrat er zwischen 1978 und 1990 die FDP im Grossen Gemeinderat von Adliswil und arbeitete da in verschiedenen Kommissionen mit (UAZ E.3.1.092, 19.3.1981).
Prof. Dr. Mark Greuter trat am 15. Oktober 1997 in den Ruhestand. Der Regierungsrat des Kantons Zürich ernannte ihn auf den gleichen Termin zum Honorarprofessor. Am 1. Oktober 2017 verstarb Mark Greuter im Alter von 87 Jahren (UZH, 2017; UAZ AB.6.033, 16.7.1997).
Literatur
Archiv der Universität Zürich (UAZ)
E.3.1.092, Greuter Mark, Mittelschulpädagogik:
Lebenslauf von Mark Walter Greuter 19.3.1981.
Persönliche Akten von Herrn RR Dr. A. Gilgen 2.9.1983, zum Geschäft 5.05 der Sitzung der Hochschulkommission.
Handschriftliche Notiz von Greuter an RR Gilgen 8.10.1983.
Aktennotiz 20.4.1982, Erziehungsdirektion Abt. Universität Trutman.
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich 8.2.1984, 561. Universität, Philosophische Fakultät I (Prof. Dr. Mark Greuter, Wahl zum Extraordinarius mit halber Lehrverpflichtung).
AB.6.033, Dozierendendossier Mark Greuter:
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich 8.2.1984, 561. Universität, Philosophische Fakultät I (Prof. Dr. Mark Greuter, Wahl zum Extraordinarius mit halber Lehrverpflichtung).
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich 16.7.1997, 1524. Universität, Philosophische Fakultät I (Altersrücktritt/Honorarprofessor, Prof. Dr. Mark Greuter).
Einladung undatiert, Apple Computer European University Consortium Conference.
Fotografie.
Criblez, L. (2013). Die experimentelle ‚Avantgarde‘ der Pädagogik in der Schweiz zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In U. Mietzner (Redaktion), Jahrbuch für Historische Bildungsforschung Band 19. Avantgarden. (S. 13–34). Bad Heilbronn: Julius Klinkhardt.
Greuter, M. (1996, 20. Juni). Lernen mit dem Computer. NZZ, S. 89.
Universität Zürich. (2017). In memoriam 2017, Prof. Dr. Mark Greuter, emeritierter ausserordentlicher Professor für Mittelschulpädagogik. Zugriff am 13.4.2018 unter https://www.news.uzh.ch/de/topics/in_memoriam/2017/Greuter.html
Autorenschaft
Reto Fessler
Zeitmarke
16.4.1984