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Geschichte: Der rote Brief III

Sobald Lillias das Haus betrat, grüßte sie der Blick des Briefes. Sie blieb in der Tür stehen, noch immer außer Atem, und erwiderte ihn trotzig. Und doch konnte sie nicht verhindern, dass ihr ein Schauer über den Rücken lief. Welches Unheil würde dieses Stück gefalteten Papiers ihr noch bringen?
Ihr Blick fiel auf den Kamin. Die Asche glühte noch. Mit schnellen Schritten durchquerte sie den Raum, nahm zwei Holzscheite vom Stapel neben dem Ofen und fachte das Feuer wieder an. Eine Weile starrte sie gebückt in die Flammen, die mit warmen Fingern ihr Gesicht streichelten. Ihr Blick verlor sich in den roten und grauen Wirbeln von Feuer und Rauch. Ihre Gedanken aber schweiften durch den Raum und berührten den Brief auf dem Regalbrett.
Ihre Muskeln spannten sich.
Dann drehte sie sich um und mit einer einzigen schnellen Bewegung nahm sie den Brief und schleuderte ihn in die Flammen. Diese umschlangen ihn wie einen lange vermissten Freund und begannen dann, knisternd an ihm zu nagen. Als der rote Briefumschlag sich langsam wellte und an den Ecken zu glühen anfing, war für einen Moment das beschriebene und gefaltete Papier zwischen den Lagen sichtbar. Es war ebenfalls rot wie Blut. Doch bevor Lillias Genaueres erkennen konnte, hatte das Feuer es bereits erfasst.
Als der letzte Fetzen des roten Briefes zu schwarzem Staub zerfallen war, begann Lillias, wieder zu atmen. Erst jetzt wurde ihr bewusst, wie heftig ihr Herz gegen ihre Brust hämmerte. Das Gewicht, das auf ihren Schultern lastete, war auf einmal leichter geworden. Sie ließ sich auf den Boden sinken und blickte in die Glut, bis das Feuer heruntergebrannt war.
In dieser Nacht schlief Lillias so gut wie schon lange nicht mehr. Ihr Kopf war voll von süßen Träumen, an die sie sich später nicht mehr erinnern konnte.
Noch bevor am nächsten Morgen die Sonne über den Horizont lugte, wachte sie erfrischt auf.
Lillias ging ins Kaminzimmer und öffnete die hohen Fenster. Frische Luft strömte herein und füllte den Raum. Zum ersten Mal seit Langem war das Wetter klar. Im Osten war der Himmel bereits von gelbem Licht durchtränkt. Zögerlich betasteten die ersten Sonnenstrahlen das Feld und die Dächer der Häuser. Lillias hatte das Gefühl, endlich wieder atmen zu können.
Plötzlich spürte sie etwas. Es war nicht wie ein Nadelstich, eher wie ein sanfter Gruß und doch von brennender Hitze.
Sie spürte einen Blick in ihrem Rücken. Lillias erschauerte. Sie ballte die Hände zu Fäusten, um das unkontrollierbare Zittern zu ersticken. Langsam senkte sich ihr Blick den Himmel hinab, über die drei Schwestern, über das Feld und den Weg bis zu ihren nackten Füßen. Dann drehte sie sich um.
Auf dem Regalbrett lag der rote Brief und blickte ihr entgegen.
So. Ich habe keine Ahnung, wie es weitergehen könnte.
1 mal bearbeitet. Zuletzt am 06.12.18 18:59.
Das war eine gelungene Wendung
Yay!