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Die UNESCO hat sich zur Aufgabe gemacht, die Kultur- und Naturgüter der Welt, die einen «aussergewöhnlichen universellen Wert» besitzen, zu erhalten. Das internationale Übereinkommen vom 23. November 1972 zum Schutz des Kultur- und Naturgutes der Welt (UNESCO-Konvention 72; SR 0.451.41) ist das international bedeutendste Instrument, das von der Völkergemeinschaft zum Schutz ihres kulturellen und natürlichen Erbes beschlossen wurde. Als einer der ersten Staaten hat die Schweiz diese UNESCO-Konvention im Jahr 1975 ratifiziert.
Die Signatarstaaten verpflichten sich, herausragende Kultur- und Naturobjekte, die sich auf ihrem Territorium befinden, zu erhalten und zu pflegen. Die Konvention verlangt ein System internationaler Zusammenarbeit, das die Staaten in ihren Bestrebungen unterstützen soll, und richtet dafür einen internationalen Fonds ein. Zur Definition dieser Natur- und Kulturgüter – der Welterbestätten – wird eine Liste – die Welterbeliste – erstellt. Die Welterbestätten werden in Kulturgüter, Naturgüter oder gemischte Objekte unterteilt. Zur Zeit figurieren weltweit 1052 Stätten auf der Welterbeliste. Das Entscheidorgan für das Welterbe ist das Welterbekomitee: 21 Staaten der insgesamt 192 Vertragsstaaten der Konvention werden für 6 Jahre in dieses Gremium gewählt, die meisten beschränken ihr Mandat jedoch freiwillig auf eine Dauer von 4 Jahren. Die ordentlichen Sessionen dieses Komitees finden einmal im Jahr statt, in der Regel im Juni.
Die Welterbekonvention wird in den Vertragsstaaten nicht direkt umgesetzt (non self-executing). Der Schutz des Kultur- und Naturerbes richtet sich vielmehr nach den nationalen Systemen innerstaatlicher Gesetzgebungen. Die in der Schweiz wichtigsten gesetzlichen Grundlagen, um die Vorgaben der Welterbekonvention zu erfüllen, sind das Bundesgesetz vom 1. Juli 1966 über den Natur- und Heimatschutz (NHG; SR 451) sowie die entsprechenden kantonalen und kommunalen Schutzbestimmungen im Bereich des Natur- und Heimatschutzes. Zusätzlich bestehen – namentlich im Bereich der Raumplanung – weitere Gesetze und Bestimmungen, durch die der Schutz und die Erhaltung von Welterbestätten in der Schweiz gewährleistet sind.
Einmal aufgenommene Welterbestätten, die in ihrem Bestand gefährdet sind, können vom Welterbekomitee auf eine «rote Liste», die «liste du patrimoine mondial en péril» gesetzt werden. Zur Zeit befinden sich auf dieser Liste 48 Objekte. Als letzte Sanktion steht der UNESCO schliesslich die Streichung des Objekts aus der Welterbeliste zur Verfügung.
Der Welterbefonds dient der Unterstützung von Restaurierungsvorhaben bei Welterbestätten. Er wird von den Beiträgen der Vertragsstaaten sowie von Schenkungen gespiesen. Jeder Staat zahlt jährlich ein Prozent seiner allgemeinen Beiträge an die UNESCO in den Fonds ein (für die Schweiz sind dies zur Zeit knapp 40 000 USD). Insgesamt steht dem Fonds auf diese Weise die eher bescheidene Summe von rund 4 Millionen USD pro Jahr zur Verfügung. Zahlreiche Länder beteiligen sich zusätzlich an weiteren Projekten – etwa über sogenannte «Fonds en Dépôt» – oder unterstützen die UNESCO im personellen Bereich. Auch die Schweiz engagiert sich mit freiwilligen Beiträgen in verschiedenen Projekten.
Das Welterbe ist eine Erfolgsgeschichte. Das oftmals mit einem Eintrag einer Stätte auf die Welterbeliste verbundene Prestige und dessen Bedeutung für das touristische Marketing haben die Welterbliste stark anwachsen lassen. Die UNESCO erkannte schon vor einigen Jahren, dass ein thematisches und geographisches Ungleichgewicht drohte. Um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, entwickelte sie die Strategie für eine repräsentative und glaubwürdige Welterbeliste. In diesem Zusammenhang wurde der Denkmalbegriff weiterentwickelt und die Aufnahme von Denkmalkategorien, die auf der Welterbeliste unterrepräsentiert sind – wie beispielsweise Kulturlandschaften oder Industriedenkmäler –, soll gefördert werden. Grenzüberschreitende Stätten oder solche, die aus mehreren thematisch zusammengehörenden einzelnen Elementen bestehen (sogenannte serielle Objekte) werden in letzter Zeit ebenfalls vermehrt angestrebt. Um das zu schnelle Anwachsen der Liste zu vermeiden, will die UNESCO jährlich nur noch höchstens 45 neue Objekte auf die Welterbeliste einschreiben, die aufgrund des Datums der Einreichung der Kandidatur bzw. der Kategorie des Objekts priorisiert werden. Ausserdem kann heute jedes Land nur noch zwei Kandidaturen pro Jahr anmelden. Dabei werden grenzüberschreitende Kandidaturen nur bei einem Staat – in der Regel bei dem, der das Gesamtprojekt koordiniert – angerechnet. Das Welterbekomitee diskutiert zurzeit eine Reduktion der Kandidaturen auf eine Einschreibung pro Jahr und Vertragsstaat und insgesamt höchstens 25 Kandidaturen pro Jahr.
In der Schweiz sind für das Welterbe auf nationaler Ebene die beiden Fachbehörden des Bundes zuständig: das Bundesamt für Kultur (BAK) als Fachstelle für Denkmalpflege, Archäologie und Ortsbildschutz für die Kulturobjekte, das Bundesamt für Umwelt (BAFU) als Fachstelle für Natur- und Landschaftsschutz für die Naturobjekte. Daneben berät die Schweizerische UNESCO-Kommission (SUK) den Bund in seinen Beziehungen zur UNESCO. Die Sektion UNESCO im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) und die ständige Delegation der Schweiz bei der UNESCO in Paris stellen die diplomatischen Beziehungen zu den Organen der UNESCO sicher.
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