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Die meisten grösseren Medien berichteten dieser Tage, dass eine ehemalige Bundesrätin in ihrem Ferienhaus bedroht worden sei. Die Nachricht hätte allenfalls legitim sein können, wenn es dabei um eine politisch motivierte Tat gegen eine einstige Magistratin gegangen wäre. Später war jedoch zu lesen, dass deren Mann übergriffig geworden war und in Haft genommen wurde. Erneut nannten die Berichte den Namen der alt Bundesrätin. Die «Weltwoche» publizierte gar den angeblichen Alkoholwert im Blut des Manns. «pilatustoday.ch» zog das Thema nach einschlägigem Schema weiter und berichtete über Reaktionen im Netz. Die Website zitierte auch idiotische Mutmassungen von zwei Kommentarschreibern.
Das geht zu weit. Die alt Bundesrätin sitzt zwar noch in Verwaltungsräten und ist Präsidentin einer Initiative zur Förderung der digitalen Wirtschaft. Damit ist sie aber nur noch in geringem Ausmass eine öffentliche Person. Selbst wenn sie immer noch in der Landesregierung sitzen würde, wäre es nicht berechtigt, sie namentlich zu nennen, wenn ihr Mann in eine allfällige Untat verwickelt wäre und solange diese Tat in keinem Zusammenhang mit der Ausübung ihrer öffentlichen Tätigkeit stünde. Eine Frau trägt nicht die Verantwortung für die Handlungen ihres Mannes. Der Schutz der Privatsphäre gilt umso mehr für eine ehemalige Bundesrätin. Für die Verbreitung von ein bisschen Klatsch haben die berichtenden Medien diese medienethische Norm missachtet.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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