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Ein einzigartiges Naturwunder in der Nähe von Bern
Der "Elefant" von Geristein
Über die merkwürdige Felsformation, genannt der "Elefant", bei der Burgruine Geristein (Gemeinde Bolligen, Kanton Bern)
Startseite: www.dillum.ch
Vergleiche auch die Seite über die Burgruine Geristein
Der "Elefant" und der Felszahn von Geristein von Süden her gesehen
Aufnahme um 1910
aus: Oskar Weber: Die Ruine Geristein und ihre geologischen und historischen Merkwürdigkeiten; Bern 1912
Einleitung
Im Herbst 2006 habe ich die Dichtungen von Johann Rudolf Wyss: Der Abend zu Geristein (1825) und Der Ritter von Ägerten (1814) mit einem Kommentar und Bildern versehen neu herauszugeben.
Die Arbeit gab mir Anstoß, mich mit den Merkwürdigkeiten der Burgstelle Geristein und ihrer Umgebung zu befassen. - Dabei ergaben sich einige sehr interessante neue Erkenntnisse.
Geristein ist zuerst eine Burgstelle mit einem mächtigen Rundturm. Dann steht der Name für eine Örtlichkeit nördlich des Bantigers, in der Nähe der Strasse zwischen Bern und Burgdorf. Und Geristein zeigt nicht nur bauliche, sondern auch natürliche Eigentümlichkeiten. Eine davon soll im Folgenden besprochen werden.
Der Grat von Geristein und der "Elefant"
Die Burgstelle von Geristein befindet sich in der spitzen östlichen Gehrung eines spitzwinklig geformten Sandsteingrates, welcher einen nördlichen Ausläufer des Bantigers krönt. Der Burgplatz ist gegen Osten wie gegen Süden durch einen rechteckig in den Felsen gehauenen Abschnittsgraben getrennt. Während der nach SW schauende Grat also von der Burg durch einen Einschnitt getrennt ist, so fällt der Platz gegen den westlichen Grat über eine steile Stufe hinab und erübrigte somit eine künstliche Trennung.
Doch hat der zuletzt erwähnte westliche Sandsteingrat in einiger Entfernung von der Burgstelle einen künstlichen Einschnitt. Von diesem weiß man allerdings nicht, ob er mit der Wehranlage in Verbindung steht oder nachträglich zur Steingewinnung geschaffen wurde.
Der von der Burg nach SW schauende Felsgrat besitzt gegen das westliche Ende einen hoch aufragenden Zahn und als Abschluß eine auffällige, von einer grossen Öffnung durchbrochenen Felsnase, die wegen ihrer eigenartigen Form "Elefant" genannt wird. Die Bäume verdecken heute die Sicht aus der Ferne. Doch glücklicherweise haben sich von Anfang des 20. Jahrhunderts Aufnahmen erhalten, welche wegen des damals niedrigen Bewuchses den "Elefanten" und den Felszahn sehr schön zeigen (Abbildung).
Der Felszahn bildet den höchsten Punkt des ganzen Gratwinkels, und der Felsbogen sieht von Osten her ebenfalls schmal aus. Man möchte meinen, es seien zwei ineinander verschränkte Spitzen (vgl. das Foto).
Der Felszahn (vorne) und der Felsbogen (hinten) des "Elefanten" von -Geristein
Aufnahme des Verfassers vom 30.3.2004
Der Felsgrat von Geristein muß wie die ganze hügelige Gegend nördlich des Bantigers das Ergebnis einer abrupten Erosion sein. - Man wisse in diesem Zusammenhang auch, daß das untere Geristein-Tal früher tief eingeschnitten war. Doch in den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde der Einschnitt zwischen Harnischhut und der Lutzeren mit Schutt aufgefüllt (vgl. den Plan).
Plan der Gegend von Geristein
aus: Karl Ludwig Schmalz: Bolligen. Geschichte, Gemeindeentwicklung, Heimatkunde; Bern 1982, Seite 376
Auf dem Plan sind in rot und blau die Auffüllungen der natürlichen Gräben in den 1950er und 1960er Jahren eingetragen. - Die Topographie der Landschaft um Geristein wurde dadurch stark verändert.
Detailplan von Geristen
Ausschnitt aus dem Vermessungsplan 1:10'000
Bearbeitung: Autor
Die natürliche Erosion erklärt aber nicht das sonderbare Aussehen des südwestlichen Grat-Endes von Geristein.
Vor allem fehlt jede plausible Erklärung für den Torbogen. Eine erodierende Kraft, sei dies nun Wasser, Sand oder Wind, hätte das ganze schmale Ende des Felsgrates weggeschliffen, nicht einen Bogen hineingebohrt.
Und es gibt nicht nur einen großen Torbogen, sondern gleich daneben noch einen kleinen Tordurchgang. - Auch dieser ist kaum natürlich entstanden.
Je länger man sich die Form des südwestlichen Gratabschlusses von Geristein ansieht, desto deutlicher sieht man darin einen Elefanten: Die gerundete Nase des Grat-Endes formt den Kopf, der Torbogen den Rüssel. Dieser endet an der Basis des Felszahns.
Der Fels-Torbogen im südwestlichen Grat von Geristein, von Süden gesehen
Aufnahme des Verfassers vom 30.3.2004
Die Ähnlichkeit dieses eigenartigen Felsbogens mit dem Kopf und dem Rüssel eines Elefanten ist auch unter diesem Blickwinkel frappant. - Auch die Augen scheinen deutlich aus dem Gestein geschnitten. - Ein zweiter, kleiner Torbogen unten links deutet den Mund des Tieres an - oder modelliert einen Vorderfuß.
Deutlich ist zu erkennen, daß der Rüssel des Elefanten nicht einen fließenden Ansatz an dem Felszahn hat. Er ist im Gegenteil markant ausgeschnitten. Das ist der beste Beweis, daß hier menschliche Steinhauer-Arbeit nachgeholfen hat.
Wir müssen also annehmen, daß der Torbogen künstlich aus dem Grat ausgehauen worden ist. Das gleiche gilt von dem zweiten kleinen Durchgang, der den Mund eines Elefanten andeutet (vgl. die Abbildung).
Und der grosse Felszahn sieht von Süden her aus wie ein aufgerichteter Stosszahn.
An eine natürliche Entstehung dieser Formen mag niemand glauben.
Unterdessen gibt es eine Menge Vergleichsmaterial aus Europa und der ganzen Welt, das beweist, dass die an vielen felsigen Orten vorkommenden Felsentore oder Felsenbogen künstlich geschaffen wurden.
In der Schweiz sei als Beispiel für eine künstlich geschaffene Felsöffnung das Martinsloch bei Elm genannt.
Und als bedeutenden Felstorbogen kennt man im Berner Jura die bekannte Pierre Pertuis, südlich von Tavannes (vgl. die Abbildung). Darüber lese man auch meinen Artikel Die Pierre Pertuis bei Tavannes BE - ein menschengestaltetes Naturwunder
Die Pierre Pertuis
"Römischer" Strassendurchstich bei Tavannes, BE
Photo: Internet
Ein Werk der Vorzeit oder eine Arbeit der Steinmetze der Burg?
Die künstliche Bearbeitung des südwestlichen Felsgrates von Geristein scheint eindeutig. Daran schließt sich die Frage, wer denn ein solches zoomorphes Vexierbild in den Sandstein gemeißelt hat.
Nun kann man die Frage ganz einfach beantworten: Das wissen wir nicht, weil nichts Genaues über die Vorzeit wissen. - Und diese beginnt schon hinter dem 17. Jahrhundert nach Christus.
Doch gibt es eine andere Erklärung, welche eine junge Entstehung begründet.
Der Rundturm der Burg Geristein kann aus baugeschichtlichen Erwägungen erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts erbaut worden sein (vergleiche hierzu: Bern und die alten Eidgenossen). Er ist aus Sandsteinquadern ausgeführt. Diese wurden an Ort und Stelle durch die Ausmeißelung der beiden Halsgräben gewonnen, welche das Burgplateau vom Grat abtrennen.
Sandstein jedoch wurde erst im Zeitalter der Gotik als Baumaterial benützt. Die "Römer" und die Romanik brauchten diesen Stein wegen seiner Weichheit nicht.
In Geristein waren also Steinmetzen am Werk. Diese haben auch ihre typischen Zeichen an den Quadern des Rundturms hinterlassen.
Ließe sich nicht vorstellen, daß die besagten Steinmetzen neben ihrer ordentlichen Steinhauerarbeit nebenbei auch noch das Ende des südwestlichen Grates bearbeiteten? Wer Übung in einem Handwerk hat, beginnt bekanntlich bald zu spielen und seine Künste an anderen möglichen Objekten auszuprobieren.
Der Elefant von Geristein und der hohe Felszahn wurden sicher künstlich geschaffen. Und nicht die Kultur einer grauen Vorzeit haben diese bizarren Felsformen geschaffen, sondern die gleichen Handwerker, welche den Turm errichteten.
Ein weiteres Detail könnte die gleiche Entstehungszeit des Burgturmes und des Elefanten von Geristein begründen. An der Innenseite des südlichen Halsgrabens der Wehranlage ist im oberen Teil eine rundbogig abgeschlossene und nach hinten gerundete Nische eingehauen (vgl. die Abbildung).
Nische an der Innenwand des südlichen Halsgrabens von Geristein
Der Boden der in der Ansicht und im Grundriß halbrunden Nische liegt drei Meter über der Grabensohle.
Bild: Autor, 1.5.2004
Die Nische im Burggraben macht nur Sinn als ehemaliger Standort eines Heiligenbildes. - Bern war zur Entstehungszeit dieser Höhlung also noch katholisch oder altchristlich. - Und Geristein war nicht nur eine Wehranlage, sondern auch ein religiös geweihter Ort.
Eine ähnliche Kult-Nische findet sich in der Klus von Rondchâtel im Berner Jura, nordöstlich von Biel bei Frinvilliers. Über das dortige Martinsklafter (toise de Saint-Martin) lese man den Artikel in dieser Homepage.
Bei dieser Gelegenheit soll auch der Ortsname analysiert werden. Schon ältere Schriftsteller haben den Namen richtig von der Form des Grates abgeleitet, die auffällig einer Speerspitze gleicht (vgl. den Plan). - Und Speer heißt im alten Deutsch GER(EN).
Aber viel eher kommt GEREN aus dem Hebräischen: ger, MZ: gerim bedeutet Pilger. Die religiöse Bezug ist offenkundig.
Vgl. darüber mein Ortsnamen-Lexikon der Schweiz: Der Vesuv ist überall (auch als Buch erhältlich).
Der Umweg über die Geschichts- und Chronologiekritik
Seit Jahren beschäftige ich mich mit Geschichts- und Chronologiekritik. Der Anlaß dazu ist die Erkenntnis, daß die schriftlich fixierte, inhaltlich und zeitlich plausible Geschichte unserer Kultur viel jünger ist als die konventionelle Geschichte behauptet. Erst im 18. Jahrhundert wurde das Geschichtsbild geschaffen, welches in den Büchern steht und das in Schulen und auf Hochschulen gelehrt wird. - Was vorher für Geschichte behauptet wird, das "Altertum" und das "Mittelalter" und sogar noch die frühe Neuzeit, sind alles Geschichten, die in der Renaissance und im Barock niedergeschrieben wurden. - In dieser Zeit entstand auch die heute gültige Chronologie.
Die wenigen Anhaltspunkte für die Jahrzehnte vor der Geschichtszeit gewinnen wir aus der Beobachtung von echten Artefakten und aus der Baugeschichte.
Doch gerade im Falle von Geristein liefern uns einige Beobachtungen plausible und teilweise sogar verblüffende neue Erkenntnisse.
Der Elefant - ein bedeutendes religiöses Symbol im Altchristentum
Unser heutiges Paradigma fußte auf der altchristlichen Religion.
Aber die älteren Formen der neuen Religion hatten noch sehr viel Heidnisches in sich. Und die Vorformen besaßen Eigenschaften und Charakteristika, welche nachher von der Kirche verworfen wurden. Die abgespaltenen Elemente aber sind nicht einfach verschwunden. Sie haben sich auf Artefakten aus Holz, Stein und Metall teilweise erhalten. Und andere Religionen, die ebenfalls vom Christentum beeinflußt wurden - das Judentum, der Islam und der Buddhismus - haben gewisse altchristliche Elemente behalten.
Der Elefant war ein bedeutendes Symbol im ursprünglichen Christentum. Beispiele lassen sich genug finden:
Auf Münzen von Julius Caesar findet sich auf der Rückseite häufig ein Elefant (vgl. die Abbildung).
Denar des Julius Caesar. Rückseite mit dem Bild eines schreitenden Elefanten.
Quelle: Internet
Auf den Caesar-Teppichen im Historischen Museum Bern zieht Caesar in einer Kutsche in Rom ein, die von Elefanten mit Pferdefüssen gezogen werden (vgl. die Abbildung)!
Einzug Julius Caesar in Rom auf einer Kutsche, die von vier Elefanten mit Pferdefüssen gezogen werden
Vierter Caesar-Teppich (Burgundische Tapisserie), Historisches Museum Bern (Ausschnitt)
In der erfundenen Geschichte ist Alexander der Grosse eine Parallelität zu Julius Caesar. - Wenn also Caesar in Rom mit Elefanten einzieht, so auch Alexander in Babylon (vgl. die Abbildung).
Einzug Alexanders des Grossen in Babylon auf einem Streitwagen, der von zwei Elefanten gezogen wird
Gemälde von Francesco Fontebasso, 1762 (Bourg-en-Bresse, Musée de l'Ain)
aus:
Michael Pfrommer: Alexander der Grosse. Auf den Spuren eines Mythos, Mainz 2001, S. 104
Der karthagische Feldherr Hannibal soll einen Feldzug gegen Rom unternommen und dabei von Spanien aus Elefanten herangeführt haben. Der Name HANNIBAL (H/NPL = LPN = LFN = ELEPHANTEM) bedeutet selbst schon Elefant.
Heute ist der Elefant nur noch im Buddhismus als religiöses Symbol zu finden. - Doch jene Religion stammt genauso aus dem Altchristentum wie das Judentum oder der Islam.
Der Elefant von Geristein verrät die Entstehungszeit der Burg
Man darf annehmen, daß der "Elefant" zur selben Zeit aus dem Grat der Wehranlage heraus modelliert wurde.
Die Burg Geristein hatte vielleicht einen Zusammenhang mit dem Sodbrunnen der Burg Liebefels, wenig östlich, oberhalb von Hueb bei Krauchthal.
Der Elefant im Grat der Burg Geristein stellt nicht nur ein kulturhistorisches Kuriosum, sondern eine einzigartige Geschichtsquelle dar. Er verrät etwas über die religiösen Vorstellungen in einer Zeit kurz vor dem Beginn der nachweisbaren Geschichte.
Und last but not least bedeutet der Elefant von Geristein ein Naturwunder ersten Ranges im Bernbiet.
Ein anderes Naturwunder etwas östlich von Geristein ist der Felspfeiler Fluhbabi.
14.6.2004/2011