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..verkauft eine Apotheke in St. Gallen.
Angepriesen wird das Wundermittel so:
„Bei übermässigem Hungergefühl. Wirken leicht appetithemmend und hungerstillend. Enthalten Tinkturen von Topinambur, Mate, Petersilienkraut, Faulbaum und in homöopathischer Form Blasentang (Fucus).“
Kommentar:
Topinambur:
Topinambur (Helianthus tuberosus) soll durch seinen Gehalt an Inulin den Appetit hemmen. Inulin als Reservepolysaccharid auf Fructose-Basis wird aus dem Verdauungstrakt kaum aufgenommen und steigert dadurch nach einer Mahlzeit den Blutzucker nicht, soll aber als Ballaststoff einen gewissen Sättigungseffekt haben.
Das könnte bei der Verwendung von Topinambur-Knollen als Nahrungsmittel noch Sinn machen, ist in einer Pflanzentinktur aber höchst fragwürdig, weil Ballaststoffe darin nicht enthalten sind. Inulin ist zudem in einem Alkohol-Wassergemisch (also in einer Pflanzentinktur) sehr schlecht löslich!
Mate:
Im „Lehrbuch der Lebensmittelchemie“ von Belitz, Grosch, Schieberle (2001, S. 946) steht: „Mate regt den Appetit an…..“
Aber lassen wir das mal so stehen: Mate enthält Koffein, ein Wirkstoff der glykogenolytisch und lipogenolytisch wirkt.
Glykogenolytisch heisst, dass aus dem Reservepolysaccharid Glykogen Glukose (Traubenzucker) freigesetzt wird. Das soll ein Absinken des Blutzuckerspiegels verhindern und dadurch vor einem Hungeranfall schützen. Nur: Das müsste mit Kaffee, Grüntee, Schwarztee oder Matetee sehr viel stärker spürbar sein. Die Zufuhr von Wirkstoffen ist via Pflanzentinktur in der Regel sehr viel geringer als via Kräutertee. Jedenfalls bei wasserlöslichen Wirkstoffen.
Das selbe gilt für die lipolytische Wirkung von Koffein. Lipolytisch heisst fettspaltend – das tönt jedenfalls gut für Schlankheitstropfen, ist aber für diese Pflanzentinktur-Mischung mit allergrösster Wahrscheinlichkeit völlig irrelevant.
Petersilienkraut
Petersilie fördert die Wasserausscheidung über die Nieren. Dadurch wird aber niemand schlank und niemand wird Fett abbauen. Die Dosierung dürfte allerdings so tief sein, dass auch eine wassertreibende Wirkung nicht zu erwarten ist.
Faulbaum
Faulbaumrinde wirkt abführend. Dadurch wird aber niemand schlank und niemand wird Fett abbauen.
Blasentang (homöopathisch)
Blasentang ist eine Alge mit hohem Gehalt an Jod, welches den Grundumsatz steigert. Der dadurch vorgenommene Eingriff in die Schilddrüsenfunktion könnte aber unter Umständen auch heikel werden.
Da hier der Blasentang in homöopathischer Verdünnung vorliegt, dürfte Jod allerdings nur (wenn überhaupt) in Spuren vorliegen, so dass Nebenwirkungen nicht zu befürchten sind (Wirkungen allerdings auch nicht).
Fazit: Der Markt und die Nachfrage nach Schlankheitsmitteln ist beinahe unbegrenzt. Offenbar kaufen viele Leute jedes Produkt, das mit schönen Versprechungen angepriesen wird. Solche Hausspezialitäten dürfen von Apotheken und Drogerien verkauft werden, ohne dass ihre Wirksamkeit belegt oder auch nur plausibel gemacht werden muss. Sie können wirksam sein, aber auch total unwirksam.
Bei diesen Schlankheitstropfen weist jedenfalls nichts in der Zusammensetzung auf einen sinnvollen Effekt zur Gewichtsabnahme hin. Konsumentinnen und Konsumenten werden hier ganz einfach abgezockt. Von einer Apotheke würde man ja eigentlich mehr Seriosität erwarten. Das ist aber eine Täuschung. Viele Apotheken und Drogerien verkaufen gerade im Bereich Komplementärmedizin fast jeden „Schrott“. Bös auf’s Korn genommen hat diese Krämerhaltung Jörg Wipplinger auf seinem Blog „Die Wahrheit“.
Quelle für das Rezept:
http://www.hausmann.ch/apotheke/tinkturen.html
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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
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