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Ich leide, also bin ich
Ashley Frangipane stellte Videos von sich auf YouTube und Bilder auf Tumblr – so wurde sie zum Social-Media-Phänomen. Dann legte sie sich das Pseudonym «Halsey» zu, nahm fünf Kilo ab und schaffte 2014 den Durchbruch mit dem Song «Ghost». Nun erscheint ihr Debütalbum «Badlands». Um sich von anderen Elektropop-Girls abzuheben, versucht sie sich als Gesamtkunstwerk zu inszenieren. Sie wechselt ständig ihre Haarfarbe (zurzeit türkisblau), hat Tattoos und beschreibt sich als «biracial, bisexual and bipolar». Nach 40 Minuten «Badlands» wird leider schmerzlich bewusst, dass Ashley nicht so «bad» ist, wie der Albumtitel suggeriert. Der Opener «Castles» ist düster und erinnert an Banks – nur ohne die fesselnde Stimme, dafür mit Kirchengesang. In «Colors» unterbricht sie den aus drei sich wiederholenden Wörtern bestehenden, schallenden Chorus «Everything is Blue» nur, um weitere drei Zeilen gesprochener Poesie kundzutun.
Im nächsten Song besingt sie leere Pools und kupfert mit Lyrics wie «I’m the king and you’re the queen» bei Lorde ab. In «Coming Down» können auch die Scheibenwischergeräusche nicht von ihren textlich bedeutungslosen und musikalisch schwach produzierten Songs ablenken. Insgesamt wirkt ihr Erstling gewollt und zu früh in ihrer Karriere. Obwohl die meisten Tracks wie Füller wirken, gibt es doch Hoffnungsmomente. Denn Ashley meint es eigentlich nur gut. Sie will Tabus brechen, rebellisch wirken, also rasiert sie sich die langen Haare kurz vorm Albumrelease und redet in jedem Interview über ihre psychischen Probleme und Sexualität. Doch die Hoffnung stirbt in diesem Fall zuerst. In der Autotune-Hymne «New Americana» singt sie die vielzitierten Lyrics «High on legal marijuana / Raised on Biggie and Nirvana / We’re the new Americana». Sie ist nicht die Lena Dunham des Pop, aber sie ist das Aushängeschild für eine Generation, die Social Media dazu nutzt, zu zeigen, wie sehr sie leidet. «Cogito ergo sum» wird hier zu «patior ergo sum». Ich leide, also bin ich.