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Um den hochsommerlichen Temperaturen die kalte Schulter zu zeigen, hatte sich Rohrmoser gut vorbereitet. Im dritten UG hatte er sich einen fensterlosen Raum gemietet, wo es nicht nur angenehm kühl, sondern auch stockfinster war. Hierhin zog er sich zurück: Wenn die ersten Männer in kurzen Hosen und Sandalen an seinem Haus vorbeischlurften, um ihre aus mediterranen und karibischen Stereotypen zusammengeschraubte Leichtlebigkeit Richtung Zentrum zu bugsieren, schnappte er sein Klappvelo und fuhr in unauffälliger und unbedenklicher Kleidung in sein Refugium, wo er lag, wachte und schlief, bis die Luft knapp wurde oder die Saison vorbei war, was meist im Oktober geschah.
Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel») und lebt in Zürich. Soeben ist sein neuer Krimi «Mordgarten» erschienen, der in der Siedlung einer Wohnbaugenossenschaft spielt und im WOZ-Shop erhältlich ist. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. www.stpoertner.ch