Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03525.jsonl.gz/1122

- Wissen wird heute als vierter Produktionsfaktor neben
Boden, Arbeit und Kapital aufgefasst und bildet damit die Grundlage der
modernen Wissensgesellschaft. Als immatrielles Gut wird es durch den
Gebrauch weder abgenutzt noch aufgezehrt.
- Durch die Digitalisierung von Wissen und dessen globale
Verfügbarkeit auf dem Internet wird es zu einem noch spezielleren Gut:
Die Vervielfältigung von Wissen ist nun praktisch kostenlos, und auch
beim Kopieren ist kein Qualitätsverlust zu befürchten.
- Digital Divide: ein möglichst gleicher und weitreichender
Zugang zu Wissen wird parallel zur Zunahme seiner Bedeutung immer
wichtiger - innerhalb von Gesellschaften und global. Die Theorie der
digitalen Kluft besagt, dass Menschen ohne Internet nicht angemessen an
der Wissensgesellschaft teilhaben können, und dass ihnen daraus
Nachteile entstehen.
- Eine Lizenz ist eine Erlaubnis, etwas zu tun, das ohne den Erwerb einer Lizenz
nicht erlaubt ist. Im Gegensatz zu Berechtigungsscheinen, wie dem
Fahrausweis, der durch Abnahme einer Prüfung erteilt wird, können Lizenzen
monetär erworben werden. Damit erhält der Lizenznehmer zum Beispiel ein
Nutzungsrecht an gewerbsrechtlich geschützten Werten wie Patenten und
eingetragenen Marken. Je verbreiteter Lizenzierung ist, desto grösser
ist demnach die Kluft zwischen denen, die sich eine Nutzung nicht
leisten können, und denen, die es können.
- Das Urheberrecht regelt die Nutzung geistigen Eigentums.
Es wird aktuell als ein absolutes Recht auf Schutz geistigen Eigentums
verstanden und damit sehr restriktiv gehandhabt.
- Absolute Rechte verschaffen dem Berechtigten eine
ausschließliche (exklusive), rechtlich geschützte Herrschaft über einen
bestimmten Bereich, die von jedermann zu respektieren ist. Kennzeichen
eines absoluten Rechts ist, dass der Rechtsinhaber andere von der Benutzung ausschließen und das Recht alleine nutzen kann.
- Geistiges Eigentum (engl. intellectual property)
bezeichnet dementsprechend absolute Rechte an immateriellen Gütern, wie
zum Beispiel den bereits beschriebenen gewerblichen Werten oder
künstlerischen Werken. Die aktuelle Rechtssprechung in diesem, dem
Immaterialgüterbereich, sowie die Grundannahme wenn du selbst etwas
entwirfst und veröffentlichst, ist also erst einmal maximal restriktiv,
da es die Urheberschaft an Wissensgütern analog zu physischem Eigentum
behandelt und sich folglich am Sachgüterrecht orientiert. Viele Menschen
glauben, dass dies wegen dem beschriebenen öffentlichen Interesse an
möglichst freiem Wissen nicht mehr zeitgemäss ist (siehe Digitalisierung
von Wissen, weiter oben).
- Es gibt Rechte der Allgemeinheit, die diese
Eigentumsrechte ein wenig einschränken. Aus der Wissenschaft heraus hat
sich zum Beispiel das Zitatrecht für eigentlich urheberrechtlich
geschützte Werke entwickelt, um den besonderen Eigenschaften des Wissens
gerecht zu werden. Weitere Rechte der Allgemeinheit sind das
Recht zur Erstellung einer Privatkopie, das Recht, Forschung ohne
patentrechtliche Einschränkungen betreiben zu dürfen, und das Recht von
Künstlern auf Parodien.
- Digitale Nachhaltigkeit ist der bewusste Umgang mit
Ressourcen in einer Weise, dass deren heutige Erstellung und Verwendung
die Bedürfnisse kommender Generationen nicht beeinträchtigt. Es geht
also darum, sicherzustellen, dass Information, Wissen und Kulturgüter
jeglicher Art heute und auch noch in ferner Zukunft möglichst vielen
Menschen zugänglich ist. Dies betrifft technische (Open Source, Offene
Standards), wie auch rechtliche Aspekte (freie Lizenzen).
- Es gibt allerdings noch das Innovationsdilemma. Um aus
Wissen Innovation zu generieren, müssen der Zugang dazu und die
Verwendung von Inhalten möglichst frei erlaubt sein. In jedem Fall ist
die Erstellung des immatriellen Gutes jedoch zeitaufwändig und in
manchen Fällen sehr kostenintensiv. Einem „Urheber“ muss man daher in
bestimmten Fällen verwertbare Schutzrechte einräumen, damit er einen
Anreiz hat, diese Vorleistungen auf sich zu nehmen, was wiederum eine
Einschränkung des Zugangs oder der Wissensverwendung zur Folge hat.
- Patente fallen unter das Immaterialgüterrecht, und sind ein Versuch, das Innovationsdilemma zu entschärfen. Ein Patent
ist ein hoheitlich erteiltes gewerbliches Schutzrecht für eine
nützliche Erfindung mit Neuheitswert, das es dem Eigentümer erlaubt, aus
seiner Erfindung den ihm gebührenden Nutzen zu ziehen. Als Ausgleich
werden erteilte Patente aber auch veröffentlicht, so dass auf diesem Wissen aufbauend neue Innovation gedeihen kann.
- Computerprogramme sind Freie Software, wenn sie jedem
Benutzer folgende vier Freiheiten gewähren: Das Programm zu jedem Zweck
auszuführen, das Programm zu analysieren, es zu verbessern oder Teile
davon zu verändern, und es zu verbreiten. Das Pendant dazu ist proprietäre Software,
zudem gibt es aktuell eine Diskussion um die Etablierung von Patenten
auf Software. Damit die vier Freiheiten wahrgenommen werden können, muss
der Quelltext (Source Code) des Programmes einzusehen sein.
- Open Source: um im Englischen die Doppeldeutigkeit von
'free' ('gratis' bzw. 'frei') zu umgehen und klar zu machen, dass es um
Freiheit und nicht um 'gratis' geht (obwohl Freie Software dank dem
Internet auch fast immer gratis ist), benutzen manche Leute den Begriff Open Source anstelle von Free Software, oder synonym FOSS und FLOSS für Free (Libre) and Open Source Software.
- Der Linux Kernel zusammen mit dem GNU System und
weiteren Werkzeugen ist ein komplettes Betriebssystem wie Windows oder
Mac OS, welches aber aus freier Software besteht. Eine solche
Zusammenstellung wird Distribution genannt. Die momentan populärste Variante ist Ubuntu Linux.
- Offene Standards bezeichnet ein standardisiertes Format,
das offen dokumentiert ist und von allen Firmen gleichermassen in ihrem
Produkt verwendet werden kann. Ein Beispiel ist das Standard-Format des
Internets, HTML, im Gegensatz zu einem proprietären de facto-Standard
wie Microsofts Word-Format. Standardisierte Schnittstellen und
Dateiformate sind die Basis für Interoperabilität und Austauschfähigkeit
in den Informations- und Kommunikationstechnologien und bilden damit
die Grundlage für nachhaltige Systeme.
- Freier Wissenszugriff (engl. Open Access) bezeichnet den
möglichst freien sowie möglichst günstigen oder kostenlosen Zugang zu
Wissen, heute im Wesentlichen durch das Internet ermöglicht.
- Freie Inhalte (engl. Open Content) sind Inhalte jeglicher
Art, welche nicht oder frei lizenziert sind -die also von jedem frei
verwendet werden dürfen (siehe Seite 54 für einen Versuch zur
praktikablen Umsetzung).
- Digital Rights Management (DRM), auch sarkastisch als
Digital Restrictions Management bezeichnet, ist eine weiterentwickelte
Version des Prinzips des Kopierschutzes. Lieder oder Videos, aber auch
Programme, können dann je nachdem nur auf einer gewissen Anzahl Geräten,
nur in einem gewissen Zeitfenster oder nur eine beschränkte Anzahl Male
abgespielt bzw. benutzt werden. Oft verunmöglicht DRM selbst legale
Nutzungen wie das Kopieren einer gekauften DVD auf seinen Video-iPod zum
privaten Gebrauch oder das Abspielen von Songs aus Apple's iTunes-Store
auf anderen MP3-Playern als dem iPod.
- Jailbreaking ist die Ausserkraftsetzung des DRM-Systems
eines iPhones oder iPods, damit beliebige Programme auf dem Gerät
installieren werden können (nicht nur die durch Apples eigene
Vertriebskanäle verkauften). In den USA hat die Library of Congress dies
2010 zu der Liste von erlaubten Ausnahmen hinzugefügt und es damit
legalisiert. In manchen Ländern ist das Knacken verschiedener Systeme
selbst für legale Zwecke illegal.
- Das Copyright ist die angloamerikanische Bezeichnung für
das Immaterialgüterrecht an geistigen Werken und damit das Pendant zum
deutschen Urheberrecht. Eine Bemerkung zu den unterschiedlichen
inhaltlichen Auffassungen: Während das kontinentaleuropäische
Urheberrecht den Urheber als Schöpfer des Werks in den Mittelpunkt
stellt, dient das Copyright vor allem dazu, wirtschaftliche
Investitionen zu schützen. Im angloamerikanischen Rechtssystem werden
demnach die Entscheidungs- und Verwertungsrechte über ein Werk oft zum
Beispiel nicht dem Künstler zugestanden, sondern den wirtschaftlichen
Rechteverwertern, zum Beispiel dem Verlag. Der Urheber behält dann
eingeschränkte Vetorechte, die den Missbrauch des Copyrights seitens der
Rechteverwerter verhindern sollen.
- Eingetragene Marke: (engl. registered trademark)
Firmennamen, Logos oder ähnliche Erkennungszeichen können als Marke
eingetragen werden und dürfen dann von niemand anderem verwendet werden.
- Die Piratenpartei: ist eine politische Partei, welche
zuerst 2006 in Schweden gegründet wurde. Mittlerweile gibt es mehrere
nationale Piratenparteien, so auch in der Schweiz, welche einen freien
Wissensaustausch, Reform des Urheber- und Patentrechts, Schutz der
Privatsphäre und verwandte Themen vertreten.
Viele der Definitionen stammen von der deutschen Wikipedia, wo sie
unter der „Creative Commons Attribution/Share Alike“-Lizenz verfügbar
sind.
Lizenz: