Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03592.jsonl.gz/1812

Romantische Spionagekomödien sind schon fast ein eigenes Genre, es gibt unterdessen so viele davon. Man denke nur an «Mr. und Mrs. Smith» mit Brad Pitt und Angelina Jolie, «Knight and Day» mit Tom Cruise und Cameron Diaz oder, in jüngerer Zeit, «The Lost City» mit Channing Tatum und Sandra Bullock und «Ghosted» mit Chris Evans und Ana de Armas. All diese Filme haben alle Elemente für einen unterhaltsamen Abend, sind in der Regel aber endlos duplizierbar.
Es stellt sich heraus, dass der britische Regisseur Matthew Vaughn ein Meister der Unterhaltung ist und gerne mit Genres spielt. Mit «Layer Cake» (2004), seinem ersten Spielfilm, belebte er den Gangsterfilm neu und ebnete Daniel Craig den Weg für die Rolle des 007. Es folgte der Fantasy-Film «Stardust» (2007), bevor er 2010 «Kick-Ass» machte, eine rücksichtslose Parodie von Superheldenfilmen, die humorvolle und gewaltige Momente bietet, die zwar manchmal grotesk, aber immer genussvoll sind.
Eine Formel, die der Filmemacher als Signatur beibehalten hat, denn er wiederholte sie dreimal mit der «Kingsman»-Trilogie. Darin geht es um ein unabhängiges britisches Geheimdienstbüro, in dem die Agenten wie Gentlemen gekleidet sind.
Mit «Argylle» geht Matthew Vaughn kein allzu grosses Risiko ein, denn der Film ist so eng mit seiner vorherigen Filmreihe verwandt, dass man ihn fast schon als Crossover bezeichnen könnte. Er behält absolut alles bei, was die «Kingsman»-Saga ausmachte – einfach weniger gut. Die Story, für diejenigen, die das goldene Zeitalter von Jean-Pierre Belmondo erlebt haben, erinnert an den französischen Film «Le Magnifique – ich bin der Grösste» (1973) von Philippe de Broca. Darin erfindet ein Schriftsteller seinen literarischen Doppelgänger, den Geheimagenten Bob Saint-Clar.
Hier ist es nicht Jean-Paul Belmondo, sondern die Schauspielerin Bryce Dallas Howard (bekannt aus «Jurassic World»), die Elly Conway spielt. Elly ist eine erfolgreiche Autorin, deren Spionageromane, in denen es um einen fiktiven Geheimagenten namens Argylle geht, wahre Bestseller sind. Die sehr introvertierte Frau verlässt selten ihr Haus und ist nie ohne ihre Katze Alfie unterwegs. Eines Tages wird sie in die Aktivitäten eines finsteren kriminellen Geheimbundes verwickelt und von einem Spion namens Aiden (wird von Sam Rockwell gespielt) gerettet. Gejagt, entdeckt sie eine Welt, in der sich die Fiktion, über die sie in ihren Romanen schreibt, sich mit der Realität vermischt.
Die Handlung des Films ist mit Sequenzen aus Ellys Buch gespickt, in dem Agent Argylle von Henry Cavill gespielt wird. Dieser wird von seinem Sidekick unterstützt, der vom ehemaligen Wrestler John Cena gespielt wird. Koteletten inklusive.
Weiter ist der Cast mit Bryan Cranston und Samuel L. Jackson prominent besetzt. Auch dabei ist die Sängerin Dua Lipa, die nach ihrem Mini-Auftritt in «Barbie» hier mit einer kurzen Femme-Fatale-Sequenz ihre erste richtige Filmrolle spielt.
Das Erste, was beim Anschauen von «Argylle» auffällt, ist der selbstverständliche Kitsch (wie die Karomuster eines alten Pullovers mit Argyle-Muster, von dem der Filmtitel seine Inspiration bezieht): Angefangen bei Henry Cavills Haarschnitt, über die allgemeine Schauspielerei bis hin zu den unaussprechlichen Spezialeffekten, die einen Grossteil der Actionszenen des Films säumen. Es überrascht, im Jahr 2024 noch solche visuellen Effekte zu sehen, da man schwören könnte, dass der Film vor 20 Jahren veröffentlicht wurde. Bei einem Budget von rund 200 Millionen Dollar – soviel, wie die besten Blockbuster haben – fragt man sich, wo das ganze Geld hingeflossen ist.
Der Film ist aber nicht ganz so schlecht, denn er beinhaltet einige hübsche visuelle Effekte und rasante Actionszenen, auch wenn sie oft zum Haare raufen sind. Besonders hervorzuheben ist die Wahl der Schauspielerin Bryce Dallas Howard, deren Körperbau weit entfernt von den Idealen Hollywoods ist. Eine Frau mit Kurven bei Stunts und verrückten Actionszenen zu sehen, hat etwas wirklich Frisches und Erfreuliches. Die Chemie zwischen ihr und dem von Sam Rockwell gespielten Agenten macht das Duo zu einem perfekten Team.
Diese wenigen, angenehmen Momente retten jedoch nicht eine uninspirierte, schubladenartige Handlung, deren Twists offensichtlich sind.
«Argylle» brilliert aufgrund der Qualitäten seines Regisseurs: sei es durch seine inspirierte Besetzung oder seinen Einfallsreichtum im Action-Bereich. Dies alleine reicht aber nicht aus, um den Film zu retten.
Der von Apple – notabene ein Streamingdienst, der für seine qualitativ hochstehenden Produktionen bekannt ist – produzierte Film hätte direkt auf deren Plattform erscheinen sollen, um den Zuschauenden den Preis einer Kinokarte zu ersparen. Auf der Bewertungsplattform Rotten Tomatoes hat der Film derzeit eine Bewertung von 34 Prozent. Die Kritiker sind sich einig: «Geht nicht ins Kino, der Film ist scheisse».
«Argylle» kann seit dem 1. Februar im Kino geschaut werden. Dauer: 135 Minuten.