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Seit 1995 wanderten einzelne Wölfe von Frankreich und Italien her in die Schweiz ein. Bis 2012 blieb die Wolfpopulation mit maximal 20 Tieren überschaubar. Dann bildete sich in der Region Calanda (GR) das erste Schweizer Wolfsrudel. Seither sind die Zahlen stark angestiegen. Heute leben in den Kantonen Graubünden, Wallis, St. Gallen, Glarus und Tessin 20 Wolfsrudel. Insgesamt streifen rund 180 Wölfe durchs Land.
Der Wolf hinterlässt Spuren
Der Wolf ist ein Raubtier und bevorzugt wildlebende Huftiere wie Rothirsche, Gämsen und Rehe. Mit der Zahl der Wölfe ist auch die Zahl der gerissenen Nutztiere stark gestiegen. Im Jahr 2021 war der Wolf verantwortlich für 852 Nutztierrisse. Dank Herdenschutzmassnahmen sinkt jedoch die Zahl gerissener Nutztiere pro Wolf.
In rund 90 Prozent der Fälle handelt es sich um Schafe, in fünf Prozent der Fälle sind es Ziegen. Esel, Rinder oder Pferde werden nur sehr selten von Wölfen getötet. Nur in rund 1% der Fälle werden Kühe gerissen. Bei den Schafen sind Grossraubtiere jedoch nur für 6% aller Todesfälle während der Sömmerung verantwortlich. Krankheit und Unfälle wie Abstürze, Steinschlag oder Blitzschlag sind die weitaus häufigeren Todesursachen.
Regulation des Wolfsbestandes
Die Berner Konvention von 1979 stellte den Wolf international unter Schutz. Für einen Abschuss gelten strenge Regeln. Ein Einzelwolf darf in der Schweiz z.B. nur abgeschossen werden, wenn er zehn geschützte Schafe oder Ziegen innerhalb von vier Monaten tötet. Für Wölfe aus Rudeln gelten strengere Kriterien. In jedem Fall muss das Bundesamt für Umwelt (BAFU) den Abschuss bewilligen.
Im September 2020 hat das Schweizer Volk an der Urne die Revision des Jagdgesetzes bachab geschickt und damit erleichterte Abschussbedingungen für den Wolf verhindert.
Die Stiftung KORA beobachtet die Wildtierpopulation in der Schweiz und versorgt Behörden und die Öffentlichkeit mit Zahlen und Informationen. Gemäss ihrer Prognose liegt die durchschnittliche Wachstumsrate der Wolfspopulation bei 30% pro Jahr. Damit würde sich der Wolfsbestand innerhalb von drei Jahren verdoppeln. Bis 2025 könnten demzufolge 350-400 Wölfe in der Schweiz leben. Dagegen regt sich nun Widerstand.
Teilrevision des Jagdgesetzes
Der Wolf soll in Zukunft präventiv abgeschossen werden können, um Schäden oder eine Gefährdung des Menschen zu verhindern. So will es die Vorlage der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie (UREK) des Ständerates. Die Regulierung von Wolfsbeständen soll überall dort zulässig sein, wo aufgrund der hohen Wolfsdichte die Landwirtschaft gefährdet ist.
Der Ständerat hat die Vorlage in der Herbstsession mit 31 zu 6 Stimmen bei 4 Enthaltungen angenommen. Nun kommt die Vorlage nächste Woche in der Wintersession in den Nationalrat.
Gäste im «Forum»:
- Sara Wehrli, Verantwortliche grosse Beutegreifer und Jagdpolitik, pro natura
- Thomas Roffler, Präsident Bündner Bauernverband, Grossrat Kanton Graubünden (SVP)