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Ledi Herzog, Seniorchef der Seilerei Herzog, führte das Unternehmen während 22 Jahren. Nebst der wichtigen Arbeit in der Firma engagierte er sich in vielfältigster Weise für die Gesellschaft. 2010 übergab er die Firma seinem Sohn Guido.
1957 in Willisau geboren, wuchs Ledi Herzog in der väterlichen Seilerei an der Adlermatte 23 auf. Bereits der Grossvater vatersseits war Seiler, die Kindheit war dementsprechend geprägt. Freunde kamen oft vorbei, um in der Seilerei spielen zu können (damals gab es in der Werkstatt noch wenige Maschinen: ein Eldorado für die Kinder), mittwochs half er selbst als Maschinist auf der Seilerbahn. Zum Namen «Ledi» kam er aber auf Grund eines anderen Stoffs: Er trug als Bub immer Lederhosen, damit seine Mutter nicht so viel waschen musste. Deshalb sagten ihm die Leute «de Lädrig» oder kurz: «Ledi».
Nach anfänglichen Zweifeln entschloss sich Ledi, ebenfalls Seiler zu werden und begann mit 15 Jahren eine Lehre in der Seilerei Schneider in Neuendorf. Übernachtet wurde beim Lehrmeister – Kost und Logis überstiegen den erhaltenen Lohn. Ledi hatte trotzdem eine angenehme Lehrzeit und war damals der einzige Seiler-Lehrling in der Schweiz.
Mit 21 Jahren kehrte er ins Geschäft des Vaters zurück. Ledi organisierte eine Drahtseilpresse und verkaufte als einer der ersten Makramee-Garne (für eine Knüpftechnik orientalischen Ursprungs), was entscheidend für den Aufbau eines eigenen Ladens wurde. Er führte ab diesem Zeitpunkt auch Verhandlungen mit Kunden und Lieferanten, sein Vater zog sich langsam zurück.
Nach früher Heirat wohnte er im Wohn- und Geschäftshaus. 1984 durfte er einen Abseilautomat zur Produktion von Bindestricken anschaffen, welcher heute noch im Einsatz ist. 1988 übergab der «alte» Seniorchef Alfred Herzog die Firma an Ledi, welcher die Seilerei Herzog AG gründete.
Im selben Jahr besorgte Ledi eine Flechtmaschine in Oldenburg, lernte diese zu benutzen und transportierte die benötigten Rechner mit dem Zug dorthin. Anschliessend begann man in der Seilerei Herzog mit der Produktion von geflochtenen Rettungs-Seilen für die Feuerwehr. In einem sehr guten Verkaufsjahr wurden 17 Tonnen Rohmaterial dafür verbraucht.
Ledi bildete zahlreiche Lehrlinge aus, engagierte sich im Turnverein und nahm dreimal an der Gymnestrada teil. Eine grosse Leidenschaft war zudem das Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr, unter anderem als Vereinigungs-Kommandant der damals bestehenden Feuerwehren Willisau Stadt und Willisau Land. Er war massgeblich an der Erarbeitung des neuen Ausbildungsreglements für den Seiler-Beruf in den 90er-Jahren beteiligt, war über lange Jahre Experte für Berufsbildner und Abschlussprüfungen. Die funkelnden Augen der Kinder bereiteten Ledi beim Verkauf der zu 100% aus Handarbeit gefertigten Klausgeisseln jeweils sehr grosse Freude. Als Kampfrichter beim Chlöpfe ist er heute noch aktiv, ein Unfall mit der Schulter im Sommer 2017 hält ihn selbst zurzeit vom Chlöpfe ab. Das Weitergeben von Wissen, «ein Geben und Nehmen», ist ihm wichtig.
2010 übernahm Ledis Sohn, Guido Herzog, die Seilerei. Ledi freut sich und ist auch stolz darauf, dass die Familienfirma am neuen Standort Menznauerstrasse 29 weiterbesteht und die dritte Generation mit Freude an der Arbeit ist. Er hatte Guido nie dazu gedrängt, ins Seilergewerbe einzusteigen. Dieser ging an die Kanti und beschloss dann selbständig, ein Textilingenieur-Studium an der Hochschule Niederrhein in Deutschland aufzunehmen.
Womit beschäftigt sich Ledi selbst nun im «Un-Ruhestand»? Als leidenschaftlicher Hobbyfotograf ist er mit seinem Hund Beagle Heros regelmässig in der hügeligen Landschaft im Napfgebiet unterwegs und fängt die Naturschönheiten mit der Linse ein. Seine einzigartigen Lesebilder werden immer wieder in verschiedenen Zeitungen publiziert. Seine Ehefrau Elo und er konnten sich einen Kindheitstraum erfüllen und züchten nun französische Wasserhunde der Rasse Barbet im «Seilihus» (dem früheren Standort). Eine Herzensangelegenheit. Mehr dazu auch hier: https://www.barbetvomseilihus.ch/
Ein grosser Wunsch hat Ledi: Nochmals Geisslechlöpfe.