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Im Spätherbst 2018 sickerten erste Information in die Öffentlichkeit, und an der Gemeindeversammlung vom Dezember bestätigte der Gemeinderat, dass der neue Rheinsteg auf der Kippe stehe. Die eingegangenen Angebote der Baufirmen waren weit jenseits der budgetierten und in den beiden Rheinfelden bewilligten Kredite. Jürg Keller hat die verfügbaren Informationen zur kurzen, aber bewegten Geschichte des geplanten und (noch) nicht gebauten Stegs zusammengetragen. Die Neue Fricktaler Zeitung veröffentlichte den ihr als Leserbrief zugestellten Text ohne Angabe des Grundes nicht ab.
Der erste Steg zum 1. Kraftwerk Rheinfelden wurde 1900 eröffnet. Dieser Bau erfolgte gegen den Widerstand des Gemeinderates, der einen Fährbetrieb vorgezogen hätte. Eine gründliche Renovation erfolgte mitten im 2. Weltkrieg; das erforderliche Eisen wurde mit einer Spezialbewilligung aus Deutschland geliefert. Das Todesurteil für diesen Steg wurde mit der Baubewilligung (1998) für das jetzige Kraftwerk gesprochen: Die Kantonsregierung Aargau gab ihre Einwilligung zum Neubau nur unter der Bedingung, dass Steg und altes Maschinenhaus abgerissen würden. In Rheinfelden gab es gegen diesen «Rückbau» keine Einwendungen. Erst als die Bauarbeiten am neuen Kraftwerk schon weit gediehen waren, formierte sich mit der «IG-Steg» Widerstand gegen den Abriss. Dieser gewann zusätzlich Kraft durch den Einbezug des alten Maschinenhauses. Diesem wurde als Industriedenkmal eine fundamentale Bedeutung zugeordnet. Der Widerstand beidseits des Rheins wurde schliesslich so stark, dass die Politik das Anliegen der «IG-Steg» übernahm: Am 9. Dezember 2009 stimmte die Gemeindeversammlung dem Antrag für eine Initiative zu, die den Stadtrat verpflichtete, alles ihm politisch Mögliche zu unternehmen, um die Abrissverpflichtung aus der Baubewilligung zu entfernen. Diese Initiative stiess in Bern und Stuttgart auf taube Ohren: Steg und altes Maschinenhaus wurden plangemäss im Herbst 2010 abgerissen.
2. Steg: 2001 (also zwei Jahre vor dem eigentlichen Baubeginn) liess der Bauherr (Energiedienst) den beiden Rheinfelden ein Stegprojekt in zwei Varianten (Kasten- und Schrägseiltechnik) als
Ersatz für den «Eisensteg» zukommen. Die Kosten wurden je nach Variante auf 2 bis 3 Mio. Euro berechnet. Beide Rheinfelden reagierten auf den von Ingenieuren erarbeiteten Vorschlag nicht.
Als die Arbeiten am Kraftwerk schon weit fortgeschritten waren und sich die IG-Steg formierte, trat der ED mit seinem Vorschlag nochmals an die Öffentlichkeit: Die Schrägseilbrücke wurde in der
Lokalpresse visualisiert, der Energiedienst machte auf den bevorstehenden günstigsten Zeitpunkt aufmerksam: Mit der Rheineintiefung unterhalb des neuen Maschinenhauses wäre die Errichtung der
beiden Brückenpfeiler technisch einfach und entsprechend billig geworden. Auch dieser zweite Anlauf fand kein Gehör. Der «günstige Augenblick» verstrich ungenutzt.
3. Steg: Der Bau des neuen Kraftwerks war 2011 beendet. Die beiden Rheinfelden machten sich danach an die Planung des dritten Steges: Dieser sollte ein «überdurchschnittlich gut gestaltetes Ingenieurbauwerk» sein, das «im Fokus der internationalen Baumesse 2020» zu bestehen habe. Die Jury wählte aus dem Wettbewerb das Projekt von Miebach aus. Dieses wurde im März 2016 von der Gemeindevesammlung Rheinfelden bei Bruttokosten von ca. 6 Mio. angenommen. Wenig später folgte die Einwilligung von Badisch-Rheinfelden. Weil der ausgewählte Steg die Einflugschneise für Wasservögel behinderte, musste das Projekt nach einer Einwendung des Vogelschutzes angepasst werden (2017). Dann aber ging es rasch: Die untersuchten Brückenköpfe erwiesen sich als solide, die paar Einwendungen wurden erledigt, die notwendige Verschiebung des deutschen Brückenkopfes war problemlos. Kurz: Man hätte im Herbst 2018 mit dem Bau beginnen können. Dann kam die vielleicht finale Überraschung. Von mehr als 20 interessierten Baufirmen hatten nur 2 offeriert, ungefähr zum doppelten Preis des Voranschlages. Beide Rheinfelden erklärten, bei diesen Preisen würden sie auf den Steg verzichten.
Wie weiter? Die Behörden wollen «weiterverhandeln», Gemeindeammann Mazzi nahm bei Max Weber Zuflucht («harte Bretter bohren»), die Lokalpresse titelte «Die Hoffnung stirbt zuletzt», ein türkisches Sprichwort meint: «Wenn du dich im Wald verirrst, suche einen neuen Weg, nicht den alten», der IG-Präsident sieht es in etwa auch so («es muss ja nicht dieser Steg sein»). Es ist also gut möglich, dass noch ein weiteres Kapitel geschrieben werden muss: «Der 4. Steg»!
Jürg Keller, Rheinfelden
PS: Auf das Dilemma Freiheit der Medien, Freiheit der Meinung wird in den nächsten Tagen in einem separaten Beitrag eingegangen.