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Vogelsang, GWG-Wohnüberbauung
Nur fünf Minuten mit dem Velo von der Altstadt entfernt und nahe beim Eschenbergwald sollen ab 2021 rund 280 Erwachsene und 100 Kinder ihr neues Zuhause finden. In der neuen Siedlung Vogelsang, die an Stelle der Gründersiedlung der GWG geplant ist, werden ab 2021 in 161 Genossenschaftswohnungen voraussichtlich zweieinhalbmal so viele Menschen leben als heute.
Die Gründersiedlung der GWG an der Unteren Vogelsangstrasse wurde zwischen 1939 und 1941 erstellt. Die sechs Doppelhäuser boten insgesamt 72 Wohnungen mit drei und vier Zimmern. Wegen der damaligen grossen Wohnungsnot wurden die Wohnungen so schnell und so günstig wie möglich gebaut. Der spätere Hausarchitekt der GWG, Werner Schoch, reduzierte dazu die Stockwerkshöhe und die Breite von Haustüren und Treppenhaus, was den kantonalen Vorschriften widersprach und Ausnahmebewilligungen erforderte.
Das Resultat waren günstige Mietzinse. 1940 kostete eine Vierzimmerwohnung im Vogelsang 80 Franken pro Monat. Der städtische Durchschnitt lag 1943 bei knapp 100 Franken für eine solche Wohnung. Die Anteilscheine waren schon damals äusserst tief.
Für Ihr erstes Bauprojekt zahlte die GWG mehrfaches Lehrgeld: die bescheidene Heizung musste nachträglich repariert und schliesslich ersetzt werden. Die Fenster waren anders als auf den Bauplänen angebracht und die Wohnungen zu früh bezogen worden. Dies trug der GWG Bussen durch die Baupolizei ein.
Aufgrund der schlechten Bausubstanz und der engen Grundrisse verfolgte der Vorstand der GWG seit 2004 die Absicht, die Siedlung zu ersetzen. Die Stadt Winterthur war gewillt, einen Teil des an die Gründersiedlung grenzenden städtischen Püntenareals an die GWG zu verkaufen. Die Winterthurerinnen und Winterthurer stimmten in der Abstimmung vom 23. September 2012 einer Umzonung dieses Areals deutlich zu. Sie ermöglichten damit, an dieser stadtnahen Lage zusätzlichen Wohnraum zu schaffen.
Projektgeschichte
Im Rahmen eines Architekturwettbewerbs entschied sich die Jury 2014 für ein aussergewöhnliches Projekt: den Beitrag des Architekturbüros Knapkiewicz & Fickert. Das Büro der in Winterthur aufgewachsenen Architektin Kaschka Knapkiewicz und ihres Partners Axel Fickert hatte sich mit seinem vielseitigen und gemeinschaftsfördernden Projekt gegen anfänglich rund 90 Mitbewerberinnen und Mitbewerber durchgesetzt. 2015 konnte die GWG von der HGW Heimstätten-Genossenschaft Winterthur im Tausch gegen eine andere Liegenschaft, zwei weitere Häuser an der Unteren Vogelsangstrasse übernehmen. 2016 einigten sich die Stadt Winterthur und die GWG über den Verkauf des Nachbargrundstückes zu einem Kaufpreis von 6.12 Millionen Franken.
Das Projekt sieht vor, die heutigen Parkplätze entlang der Hauptstrasse aufzuheben und in beide Fahrtrichtungen Velostreifen einzurichten. Etwas erhöht zur Strasse können Fussgänger und Velofahrer einer grosszügigen durch Schirmplatanen und Spalierlinden gesäumten Promenade folgen. Von hier aus bilden überdachte Eingangsbereiche und Aufgänge den Zugang zu den Häusern, den Höfen und den ebenerdigen Velohallen mit Tageslicht. Hinter diesen ist die stadtauswärts erschlossene Tiefgarage geplant.
Über dem Promenadengeschoss bilden fünfzehn in zwei Reihen aneinandergebaute Häuser acht geschützte Höfe unterschiedlicher Grösse. Ein Geflecht öffentlicher Wege verbindet Promenade, Höfe und den Püntenweg miteinander. Durch die Anordnung des Projektes im Hang entstehen verschiedenartige Aussenräume: von der einladenden Promenade mit Weitblick, über die grossen, begrünten Höfe, bis hin zum naturnah gestalteten Aussenraum Richtung Eschenberg mit Spielplätzen und der Möglichkeit, eine der allenfalls freien städtischen Pünten des Vereins «Pünten im Vogelsang» zu bepflanzen.
Rund um die Höfe befinden sich grosse Wohnungen für Familien und einladende Waschküchen, die jederzeit benutzt werden können. Im ersten Obergeschoss werden WG-Wohnungen entstehen. An den beiden grössten Höfen sind eine Pergola, das Siedlungslokal und eine private Kinderkrippe geplant. Der im Architekturwettbewerb vorgesehene Kindergarten wird nicht realisiert, weil die Stadt den Bedarf nicht in der Siedlung decken möchte.
Unabhängig von der Zimmerzahl sind alle Wohnungen von mehreren Seiten belichtet und bieten Ausblick ins Grüne oder in die Weite. Zahlreiche Wohnungen verfügen über zwei private Aussenräume. Durch die fast schon organische Struktur der Siedlung entstehen vielfältige Begegnungsmöglichkeiten, die ein lebendiges Zusammenleben ermöglichen. Rund um das für die Bewohnerinnen und Bewohner ohne Reservation zugängliche Siedlungslokal wird die GWG verschiedene Angebote einrichten, die das Leben einfacher machen und eine gute Nachbarschaft fördern. Die zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner der Siedlung werden durch Abschliessen des Mietvertrages Genossenschafter und Genossenschafterinnen der GWG. Die zu zeichnenden Anteilscheine werden, wie bei der GWG üblich, im Bereich von zwei bis drei Monatsmieten liegen.
In den noch bestehenden 96 Altbauwohnungen an der Unteren Vogelsangstrasse wohnten bis 2018 rund 140 Menschen. Die Mehrheit der Genossenschafterinnen und Genossenschafter der heutigen Siedlung ist bereits in andere GWG-Wohnungen umgezogen. Die so frei gewordenen Wohnungen werden bis Herbst 2018 von Mieterinnen und Mietern mit befristeten Mietverträgen genutzt.
Bis Ende 2018 müssen alle Wohnungen leer sein. Im Januar 2019 beginnt der Abriss und die Neubauten.