Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03258.jsonl.gz/3367

Unter Patientenautonomie versteht man die Befugnis, selbst über den eigenen Körper und die eigene Gesundheit zu entscheiden. Dazu gehört die „Einwilligung“, durch die der Patient dem Arzt oder einer anderen Person einen Eingriff in seine körperliche Unversehrtheit gestattet, und auch das Recht eine Massnahme oder Therapie abzulehnen.
Das Konzept der Selbstbestimmung, bzw. einer gleichberechtigten Arzt-Patient-Beziehung geht auf die 60-er Jahre zurück und bedeutet eine Abkehr von der hippokratischen paternalistischen Fürsorgeethik (primum nil nocere) und stellt den Patientenwillen ins Zentrum. Bedingung für die Patientenautonomie ist, dass der Patient informiert ist (informed consent, informed decision). Ärztliches und pflegerisches Handeln sollen sich auch am Autonomiebedürfnis des Patienten orientieren. Es liegt jedoch in der Natur nahezu jeder Krankheit, dass die Selbstbestimmungsfähigkeit eingeschränkt ist. Die Entscheidung als praktisch Gesunder sich medizinischen Maßnahmen zu unterziehen, z.B. im Rahmen eines Screening-Programms, wird an einen viel strikteren Autonomiewunsch gebunden sein als bei einem durch Schmerzen, Hilflosigkeit und Depressionen in seiner Entscheidungsfähigkeit stark eingeschränkten Kranken in der Terminalphase seiner Krankheit. Dass der Wunsch nach autonomen Entscheidungen mit der Krankheitsschwere abnimmt, ist belegt. Die Präferenzen von kranken Laien und von kranken Ärzten unterscheiden sich dabei nicht wesentlich.
Links