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2000: Angela Starovoytova und Konstiantyn Ploskyi - Die Masken fallen lassen24/10/2021
Um die Jahrtausendwende kamen viele junge Ukrainer nach Caux. Einige von ihnen übernahmen die Leitung von Foundations for Freedom (F4F). Dies ist ein Programm für junge Menschen, das Kurse über die Werte anbot, welche die Grundlage der Demokratie bilden. (Lesen Sie auch unsere Geschichte über Erik Andren). Zu ihnen gehörten Angela Starovoytova und Kostiantyn Ploskyi, die im Jahr 2000 zum ersten Mal nach Caux kamen.
Später wurde F4F in der Ukraine registriert, wo das Projekt "Healing the Past" (die Vergangenheit heilen) Menschen aus den gespaltenen Gemeinschaften des Landes zusammenbrachte. F4F war auch ein Katalysator für die ukrainische Initiative für eine partizipative Planung des Staatshaushaltes, bei der die Bewohner von rund 230 Städten mitbestimmen, wie das Geld ihrer Gemeinde ausgegeben wird.
Angela Starovoytova schreibt:
Als ich im Jahr 2000 zum ersten Mal nach Caux kam, war ich bereits seit einigen Jahren mit Initiativen der Veränderung (IofC) in Verbindung und organisierte Kurse der Foundations for Freedom in der Ukraine. Ich hatte gerade ein Jahr mit IofC in Grossbritannien verbracht. Überall, wo ich hinkam, erzählte man mir, wie toll Caux sei. Das weckte grosse Zweifel in mir: Wie war es möglich, dass etwas so perfekt sein konnte?
Ich kam zu Beginn des Sommers an und war eine der letzten, die am Ende abreisten. Beim Silberpolieren, bevor die Konferenz begann, freundete ich mich mit einem 60- oder 70-jährigen Franzosen an. Wir sprachen über alles - Männer, Beziehungen, Werte, ruhige Zeiten. Ich erinnere mich, dass er mir sagte, ich solle meine Lebenswerte nie herunterschrauben: Das leitet mich auch heute immer noch.
Am Ende des Sommers verliess ich Caux mit der klaren Idee, dass dieser Ort nicht so ideal war, wie es aussah. Man konnte unter all diesen Menschen einsam sein. Alle lächelten mich an, aber ich glaubte nicht, dass sie es ernst meinten. Vielleicht habe ich mir den Sommer verdorben, indem ich versuchte, mir selbst zu beweisen, dass Caux nicht so toll war, wie man mir gesagt hatte.
Ich erinnere mich, dass er mir sagte, ich solle meine Lebenswerte nie herunterschrauben: Das leitet mich auch.
Im nächsten Jahr kam ich mit einer anderen Einstellung. Ich wollte herausfinden, warum sich die Menschen in Caux so wohl fühlten, dass sie sich öffneten. Ich begann zu verstehen, warum die Leute mich anlächelten und glaubte, dass sie es ehrlich meinten. Ich wurde eine von ihnen. Ich hiess die Menschen willkommen, wo immer ich ihnen begegnete. Während ich in den verschiedenen Abteilungen des Hauses arbeitete und bei Konferenzen half, wurde ich selber zur Gastgeberin.
Über 20 Jahre hinweg war Caux ein Ort der Erneuerung und Inspiration, den ich immer mit neuer Energie und frischen Ressourcen verlassen habe. Ich arbeite jetzt als Dialog-Facilitatorin und verwende Methoden wie gewaltfreie Kommunikation und Raum für Reflexion.
Meine Erfahrungen in Caux haben mir gezeigt, dass Menschen, die einen sicheren Rahmen um sich herum haben, anfangen, offen und direkt miteinander zu sprechen. In meiner Arbeit geht es darum, eine Atmosphäre zu schaffen, in der die Menschen ihre politischen Masken ablegen und zu Menschen werden können.
Caux war ein Ort der Erneuerung und Inspiration, den ich immer mit neuer Energie und frischen Ressourcen verlassen habe.
Kostiantyn Ploskyi erinnert sich:
Mein Freund und ich kamen spät in der Nacht in Montreux an - ich glaube, es war im Jahr 2000. Wir wussten nicht, wie wir nach Caux kommen sollten, also gingen wir zum Polizeiposten und sassen dort zwei oder drei Stunden lang, bis jemand nach Caux anrief und organisierte, dass wir abgeholt wurden. Wir wollten nicht für ein Taxi bezahlen, also haben wir uns von der Polizei helfen lassen.
Das war typisch für meine Einstellung als 25-Jähriger. Meine zentrale Idee im Leben war es, zu konsumieren - von allen um mich herum zu profitieren. Meine Gründe, mich bei Foundations for Freedom (F4C) zu engagieren, waren in erster Linie egoistisch.
Die Menschen in Caux erkannten, wie ich war, aber sie akzeptierten mich trotzdem. Ich weigerte mich, einen Beitrag zu den Kosten meines Aufenthalts zu leisten, aber ich wurde immer wieder eingeladen. Schliesslich wurde ich innerlich berührt. All diese Besuche in Caux waren kleine Schritte, um mich für den Glauben zu öffnen.
Einige Jahre später gehörte ich zu dem Team, das eine Tagung über Dienst, Verantwortung und Führung organisierte. Ich musste auf der Rednerbühne sprechen und wusste nicht, was ich sagen sollte. Ich verbrachte eine Stunde unter der Dusche, um darüber nachzudenken, und mir wurde klar, dass ich mich bei den Freunden entschuldigen sollte, die ich meiner Meinung nach betrogen hatte.
Die Menschen in Caux erkannten, wie ich war, aber sie akzeptierten mich trotzdem.
Meinem Zustand ins Auge zu sehen - und in der Versammlung darüber zu sprechen - war ein grosser Wendepunkt. Ich war immer der gute Kerl gewesen, der lächelte und scherzte. Zum ersten Mal war ich offen.
Im Jahr 2006 nahm ich an einem internationalen Treffen von Initiativen der Veränderung in Malaysia teil. Zu diesem Zeitpunkt leitete ich in der Ukraine ein grosses Projekt. Ich wurde gut bezahlt, aber ich hatte keinen inneren Frieden. Eines Abends nach dem Treffen flüchtete ich mich in einen Nachtclub. Ich blieb die ganze Nacht dort, während sich meine Gastgeber Sorgen machten, was mit mir passiert war.
Auf dem langen Flug nach Hause kamen mir einige klare Botschaften darüber in den Sinn, wie ich lebte. Mir wurde klar, dass ich mein Leben wahrscheinlich gerne ändern würde.
Aber ich konnte mich nicht ändern. Von Zeit zu Zeit hatte ich morgens eine Zeit des stillen Nachdenkens, und schliesslich, nachdem ich mich lange gegen den Gedanken gewehrt hatte, beschloss ich, mich bei den Mädchen zu entschuldigen, die ich benutzt hatte, ohne an eine Beziehung zu denken. Ich begann, ein wenig echte Freiheit zu spüren.
Mir wurde klar, dass ich mein Leben wahrscheinlich gerne ändern würde.
Dann, nach einer christlichen Klausurtagung, kam mir der Gedanke, dass ich mich bei den Spenderorganisationen, die ich betrogen hatte, entschuldigen sollte. Ich brauchte Monate, um ihnen zu schreiben.
Als mich der ukrainische Vertreter einer dieser Organisationen in sein Büro einlud, rechnete ich damit, ins Gefängnis zu kommen. Aber er bedankte sich bei mir und wir sprachen zwei Stunden lang über unsere persönlichen Herausforderungen. Das war ein weiteres Stück Freiheit.
Danach begann ich, sonntags die Messe zu besuchen. Rückblickend kann ich feststellen, wie jene Rückreise von Malaysia in die Ukraine tatsächlich dazu geführt hat, dass ich zum Glauben fand. Sonst hätte ich nie akzeptiert, dass das, was ich tat, falsch war. Als meine Frau und ich heirateten, wurden wir in der Kirche getraut. Wir haben jetzt vier Kinder.
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Diese Geschichte ist Teil unserer Serie "75 Jahre der Geschichten" über Einzelpersonen, die durch Caux eine neue Richtung und Inspiration für ihr Leben gefunden haben - eine Geschichte für jedes Jahr von 1946 bis 2021. Wenn Sie eine Geschichte kennen, die sich für diese Serie eignet, leiten Sie Ihre Ideen bitte per E-Mail an John Bond oder Yara Zhgeib. weiter. Wenn Sie mehr über die Anfangsjahre von Initiativen der Veränderung und das Konferenzzentrum in Caux erfahren möchten, klicken Sie bitte hier und besuchen Sie die Plattform For A New World.
- Porträt Kostiantyn: Kostiantyn Ploskyi
- Porträt Angela: Fotograf unbekannt
- Foto Angela mit WIC-Teilnehmerinnen: Diana Topan
- Porträt Angela: Fotograf unbekannt
- Fotos F4F in der Ukraine 2019: Claude Bourdin
- Fotokreis in den Gärten von Caux: Initiativen der Veränderung
- Foto oben Angela: Anton Iemelianov
- Korrekturlesung: Maya Fiaux
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