Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03185.jsonl.gz/2063

Die Woche begann gut, die Neuen waren sehr nett und was ich bei der Planung vergessen oder unterlassen hatte (es ist immer etwas!) nicht weiter schlimm.
Es ging auch gut weiter, nur bereute ich, im Voraus Termine vereinbart zu haben. In der ersten Schulwoche ist es nämlich so, dass so viele neue Termine ganz von allein auf mich zukommen, dass ich es kaum noch bewältigen kann, wenn schon welche da sind. Ich träume dann davon und weiss morgens kaum noch, welcher Tag gerade ist, geschweige denn, wer mich was gefragt hat. Note to myself: Agenda in der ersten Schulwoche leer lassen. (Ausser Unterricht natürlich.)
Auch das Kind hat gut angefangen, es ist mit Klasse und Lehrern sehr zufrieden und endlos erleichtert, dass es den Mathematiklehrer versteht und der Geschichtslehrer wirklich und wahrhaftlich Geschichte und nicht (wie der vorherige Geschichtslehrer) vorwiegend Physik lehrt. „Kann man ohne Geschichtsunterricht leben?“, habe er rhetorisch gefragt und sich die Frage auch gleich mit „Ja.“ beantwortet. „Kann man ohne Geschichte leben?“ habe er danach gefragt und auch diese Frage gleich selbst beantwortet, aber mit „Nein. Jeder möchte seinen Geburtstag kennen, jeder will wissen, wer seine Eltern sind.“
A propos Geschichte. Ich musste diese Woche häufig an Shalom Auslander denken, den Autoren von „Eine Vorhaut klagt an“. (Habe ich schon gesagt, dass dieses Buch unbedingt gelesen werden sollte? Dass es Balsam für die verlorenen Seelen sämtlicher nicht religiöser Menschen sei? Falls nicht, tue ich es hiermit. Gebunden und als Hörbuch(Download) erhältlich und das Taschenbuch erscheint nächsten März.)
Eben, an Auslander habe ich mich erinnert, weil er sich von seiner frommen New Yorker Familie nach Woodstock abgesetzt hat. Zitat aus Eine Vorhaut klagt an, S. 294:
Woodstock ist ein blühendes Touristenstädtchen, das auf der ganzen Welt für etwas bekannt ist, das dort eigentlich gar nicht stattgefunden hat; das berühmte Musikfestival war in Bethel, einem nichtblühenden Städtchen, das für etwas, das dort stattgefunden hat, nirgendwo berühmt ist.
Die Bilder geben nicht den tatsächlichen Inhalt wieder.
[Hier zitiert der Autor, was er als Junge auf den Pornovideos gelesen hatte, sic.]
Obwohl mich das Thema Woodstock als Event nur bedingt interessiert – den Film habe ich einmal gesehen, die Musik gehört aber zu meinem Leben – habe ich heute im Feuilleton meiner Tageszeitung gelesen, dass es ein neues Museum gebe, welches der von Auslander erwähnten Tatsache Rechnung trage: Das BethelWoodsCenter. (Ich freue mich aber sehr auf den Film von Ang Lee „Taking Woodstock“. Wenn jemand, dann hat Lee das Zeug dazu, aus dem Mythos eine brauchbare Geschichte zu machen.)