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Obwohl dem motorisierten Individualverkehr in den vergangenen Jahrzehnten deutlich mehr neue Fläche zur Verfügung gestellt wurde als der Eisenbahn, konnte diese ihre Verkehrsleistung wesentlich stärker steigern. Ein Plädoyer für mehr Flächeneffizienz im Verkehr.
Die Schweizerinnen und Schweizer sind über immer längere Strecken unterwegs. Zudem nimmt die Bevölkerung zu. Um den erhöhten Verkehrsbedarf zu decken, wird immer mehr Boden beansprucht. Nicht alle Verkehrsmittel sind jedoch in der Lage, die Fläche, die ihnen zur Verfügung gestellt wird, gleichermassen effizient zu nutzen. Dies belegt eine kürzlich veröffentlichte Studie des Bundesamts für Statistik zur Bodennutzung in der Schweiz.
Immer mehr Fläche für den Verkehr
Im Zeitraum von 1985 bis 2009 hat die Verkehrsfläche in der Schweiz deutlich zugenommen, und zwar in allen Kategorien: Flugplatz-, Bahn-, Parkplatz-, Strassen- und Weg- sowie Autobahnareal. In den beiden Kategorien, die (fast) ausschliesslich vom motorisierten Individualverkehr beansprucht werden, war das Wachstum eindeutig am stärksten: Die Fläche für Parkplätze hat um gute 50 Prozent zugenommen, die Autobahnfläche um knappe 50 Prozent. Das Strassenareal wuchs total um fast 20 Prozent. Die Bahn beanspruchte demgegenüber nur gerade 3 Prozent mehr Fläche als 1985. Trotz der verhältnismässig kleinen Fläche, die der Bahn im genannten Zeitraum neu zur Verfügung gestellt wurde, konnte diese ihre Verkehrsleistung (gemessen in Personenkilometern) viel stärker steigern als der motorisierte Individualverkehr: Die auf der Schiene zurückgelegten Personenkilometer haben sich nahezu verdoppelt, während die per Auto zurückgelegten lediglich um rund 20 Prozent zunahmen.
Effizientere Flächennutzung
Die Studie zeigt einmal mehr, dass ein Strassenausbau nicht die richtige Antwort auf die wachsende Mobilität sein kann. Bekanntlich werden dadurch Engpässe nur kurzfristig entschärft. Langfristig führt mehr Fläche für Autos schlicht dazu, dass mehr Autos auf den Strassen unterwegs sind, was zu neuen Engpässen führt. Wenn wir nun die Verkehrsleistung (Personenkilometer) im Verhältnis zur beanspruchten Fläche betrachten, wird deutlich, dass der Ausbau des Strassenareals zudem wenig sinnvoll ist, da der motorisierte Individualverkehr diese Fläche deutlich weniger effizient zu nutzen vermag, als die Bahn es auf ihrer Fläche – dem Schienenareal – tut. Die Stossrichtung ist also klar: Bevor noch mehr Boden dem Strassenverkehr zugesprochen wird, sollten die bestehenden Strassen effizienter genutzt werden. Im Schnitt sitzen heute 1,1 Personen in einem Auto. Wenn wirklich eine Vergrösserung der Verkehrsfläche nötig sein sollte – auch die Züge sind heute nur zu den Stosszeiten ausgelastet –, dann muss sie dem flächeneffizienten Schienenverkehr zur Verfügung gestellt werden. umverkehR will in Zukunft vermehrt auf die unterschiedlich effiziente Nutzung der Verkehrsfläche hinweisen (siehe auch Artikel auf der nächsten Seite). Es geht aber nicht nur darum, die effizienten Verkehrsmittel zu fördern, sondern auch eine möglichst vielfältige Nutzung des Bodens zu ermöglichen, was bei Verkehrsflächen normalerweise nicht der Fall ist. Hier ist ein Kulturwandel gefragt, gerade in dicht besiedelten Gebieten: weg von der Vorstellung des Strassenraums ausschliesslich als Verkehrsfläche, hin zu seiner Rückeroberung als Ort der Begegnung und des Verweilens.