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Ein abgelegenes, zerfallendes, überwuchertes Stück der historischen Gotthardstrasse restauriert sich nicht von selbst. Es braucht dazu Menschen mit einer Vision, mit Kraft und mit Geduld. Im Fall der Piottinoschlucht in der Leventina ist es ein vor hundert Jahren in Mailand geborener Winterthurer, Rodolfo Steiner, der sich in den fünfziger Jahren aus beruflichen und gesundheitlichen Gründen in der mittleren Leventina niederliess. Vielseitig interessiert und weltoffen, fand er dort, am „Weg der Völker“, Einheimische, mit denen er sich gut verstand. Bald engagierte er sich in den zähen Auseinandersetzungen um die Linienführung der geplanten Gotthardautobahn im Raume Faido. Den positiven Ausgang nach vierzehnjähriger Anstrengung erlebte er nicht mehr, aber bei seinem Tode 1973 hinterliess er testamentarisch einen „Fonds Rodolfo Steiner Pro Media Leventina“ beim Tessiner Heimatschutz mit dem Zweck, „Handlungen zu ermutigen zum Schutz der mittleren Leventina vor schädlichen Eingriffen gegen die Natur und zur besseren Zugänglichkeit für hier Erholung suchende Personen“. Ein Bleistiftstrich auf einem Blatt der Landeskarte zeigte seine Vorstellung vom künftigen Höhenweg „Sentiero dei monti“.
Dieser neue Wanderweg von Lurengo über Molare nach Sobrio wurde vom Komitee, dem die Fondsnutzung oblag, in den folgenden Jahren zusammen mit befreundeten Tessinern und vielen freiwilligen Helfern unter Schonung des Fondsvermögens erfolgreich verwirklicht.
1993 wagte man sich als zweites Werk an die Restauration der nicht mehr begehbaren, historischen Gotthardstrasse in der Piottinoschlucht und ihre Einbindung in das kantonale Wanderwegnetz als „Strada bassa di Leventina“. Eine kurz vorher publizierte IVS-Studie[1][1] (heutiger Name: „ViaStoria“) diente als Grundlage. Da sich bald zeigte, dass der Aufwand die Eigenmittel um ein Mehrfaches übersteigen würde, musste für die Trägerschaft eine Form gefunden werden, die es ermöglicht, Subventionen zu beantragen, die Öffentlichkeit dies- und jenseits des Gotthards anzusprechen und öffentlich Rechenschaft über die eigene Tätigkeit und Finanzlage zu erstatten. Aus dem Fonds wurde der Verein „Pro Media Leventina“ mit Sitz in Faido und einem Präsidenten aus Winterthur. Der Vorstand nahm Verbindungen zu Behörden und ihren Fachstellen auf, ebenso zu anderen Institutionen, Stiftungen und Kreisen künftiger Besucher und Gönner. Spannend wurde es in der Schlucht, als endlich Steinhauer und Maurer beginnen konnten, die Stützmauern, Gewölbe und die alte Bogenbrücke in der Schlucht sorgfältig zu sichern und fachgerecht instand zu stellen und das Trassee von Schuttablagerungen zu befreien. Die Entdeckung und Freilegung des Urner Saumweges von 1560, der 180 Jahre lang unter der Fahrstrasse verborgen lag, und der festliche Abschluss der Restauration am 27. September 2003 in Anwesenheit von Behördevertretern und eines zahlreichen, froh gestimmten Publikums waren Höhepunkte des grossen Werkes, das dem Verein viel Befriedigung bereitete. Der Vorstand richtet seine Aufmerksamkeit jetzt noch auf die Konsolidierung des Fondsvermögens, um sich danach neuen Zielen zuwenden zu können.
Grosser Dank gebührt zum Schluss der Stiftung „Dazio Grande“ und ihrem Freundeskreis für das stets gute Einvernehmen während der
beiderseitigen Arbeit an den zwei benachbarten und einst wie jetzt aufeinander
bezogenen, historischen Objekten: dem Zollhaus und der Strasse durch die
Schlucht. Wir hoffen, dass sie immer mehr ein weit herum bekannter Anziehungspunkt an der Gotthardroute
werden.
[1][1] Giorgio Bellini, Le Vie storiche al Piottino, Documento di lavoro, 1990