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<h2>SubmittedText<h2><p>Ende 2007 hat sich das Bundesamt für Statistik (BFS) beim Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) sowie beim Staatssekretariat für Bildung und Forschung (SBF) nach ihrer Meinung zu einer Teilnahme der Schweiz an der nächsten internationalen Studie zum Illetrismus (OECD Programme for the International Assessment of Adult Competencies, PIAAC) erkundigt. Beide Ämter haben eine Teilnahme aus finanziellen Gründen ausgeschlossen. Daraufhin hat das BFS der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mitgeteilt, die Schweiz nehme weder an den Vorarbeiten zur Studie noch an der Studie selbst teil, die 2011 durchgeführt werden soll.</p><p>Der Bundesrat hat jedoch beschlossen, Illetrismus aktiv zu bekämpfen, und das Bundesamt für Kultur (BAK) hat ein Netzwerk aufgebaut, mit dem diese Problematik angegangen werden soll. Verschiedene Organisationen, die Illetrismus bekämpfen, werden finanziell gefördert; vor allem weil der Bund dank den Zahlen und Statistiken solcher internationaler Studien von der tatsächlichen Situation Kenntnis nehmen konnte. So konnte der Anteil der Schweizerinnen und Schweizer, denen Lesen und Schreiben schwerfällt, auf 600 000 Personen beziffert werden. Die Kosten, die sich aus dieser Situation ergeben, belaufen sich schätzungsweise auf über eine Milliarde Franken. Die Weigerung, an dieser Studie teilzunehmen, erscheint mir daher unlogisch, denn eine Teilnahme würde es ermöglichen, die Situation regelmässig einzuschätzen und die Mittel entsprechend anzupassen. Deshalb stelle ich dem Bundesrat folgende Fragen:</p><p>1. Wurde der Bundesrat darüber informiert, dass die zwei erwähnten Ämter eine Teilnahme an dieser Studie abgelehnt haben?</p><p>2. Ist der Bundesrat nicht auch der Meinung, dass eine regelmässige Einschätzung der Situation unabdingbar ist, wenn Illetrismus so wirksam wie möglich bekämpft werden soll?</p><p>3. Alle jüngeren Forschungsarbeiten zum Illetrismus stützen sich auf die Daten der internationalen Studie zu den Kompetenzen von Erwachsenen (Adult Literacy and Life Skills Survey, ALL). Wenn die Schweiz an der Studie von 2011 nicht teilnimmt, bedeutet das, dass wir bis 2021 über keine neuen quantitativen Angaben zum Illetrismus verfügen. Wenn der Bundesrat nicht an dieser internationalen Studie teilnehmen will, hat er wenigstens eine eigene Studie vorgesehen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Es ist nicht die Aufgabe des Bundesrates, über die Teilnahme der Schweiz an einer Studie der OECD zu befinden. Die Entscheidung der beiden Ämter beruhte auf der Stellungnahme der Schweizerischen Koordinationskonferenz Bildungsforschung (Coreched), in der die wichtigsten Institutionen der Bildungsforschung wie die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren, der Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung, die Schweizerische Gesellschaft für Bildungsforschung, das BFS, das SBF und das BBT vertreten sind.</p><p>2. Die Prüfung des Projekts der OECD zur Durchführung des Programme for the International Assessment of Adult Competencies (PIAAC) hat ergeben, dass die geplante Studie keine zusätzlichen Informationen zu den Studien der IALS (International Adult Literacy Survey) aus den Jahren 1994, 1996 und 1998 und der ALL (Adult Literacy and Life Skills Survey) von 2003 liefern wird. Da sich die Bedingungen für die Lese- und Schreibfähigkeit von Erwachsenen seit 2003 nicht wesentlich verändert haben dürften, entsprechen die 2011 zu erwartenden Resultate von PIAAC wahrscheinlich den Feststellungen der entsprechenden Studien, die seit den 1990er Jahren durchgeführt wurden.</p><p>Der Illetrismus ist ein zentrales Problem unserer Gesellschaft, das zweifellos besser erfasst werden muss, indem beispielsweise jene Faktoren geprüft werden, die dazu führen, oder indem die getroffenen Massnahmen zur Bekämpfung evaluiert werden. Mit der vorgesehenen Methodik von PIAAC können solche Fragen jedoch nicht angegangen werden. Fachleute stellen zudem die Durchführbarkeit der Studie infrage. Vorgesehen ist eine repräsentative Umfrage bei Erwachsenen in Form eines 1- bis 2-stündigen Interviews. Die Resultate aus ähnlichen Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Beteiligung mit rund 40 Prozent äusserst schwach ist, sodass die Resultate nicht als repräsentativ betrachtet werden können. </p><p>Die Kosten einer Beteiligung der Schweiz an PIAAC wurden für eine erste Runde auf 5,6 Millionen Franken geschätzt. Angesichts der Vorbehalte gegenüber der Methodik der Studie und gegenüber der Frage, ob sie tatsächlich zu neuen Resultaten führen könnte, rät die Coreched zum gegenwärtigen Zeitpunkt der Schweiz von einer Beteiligung an PIAAC ab. </p><p>Ausserdem war keines der betroffenen Ämter (SBF/BBT) bereit, in diese Studie zu investieren, da mit den verfügbaren Mitteln nicht alle Gesuche finanziert werden können und andere Projekte des BFS wie die Einführung eines Identifikators für Lernende, die Befragung der Hochschulabgänger und die soziale Lage der Studierenden als vorrangig eingestuft wurden.</p><p>3. Weiter gilt es zu beachten, dass PIAAC als permanentes Programm im Sinne der Pisa-Studie konzipiert ist. Bisher haben 24 Länder ihre Teilnahme an der ersten Runde angekündigt. Bei der Lancierung der ALL war ein ähnlich ausgeprägtes Interesse zahlreicher Länder festzustellen. Letztlich haben jedoch nur gerade sieben Länder die Studie durchgeführt, darunter auch die Schweiz. Die Resultate sind aber gerade auch im Hinblick auf einen internationalen Vergleich interessant. Es ist daher wichtig, dass sich die Interessenkundgebung an PIAAC durch eine tatsächliche Teilnahme dieser Länder an der ersten Runde auch bestätigt. Sofern bei der Durchführung dieser ersten Runde die erwähnten methodischen Vorbehalte ausgeräumt werden, kann sich die Schweiz immer noch an den folgenden Runden beteiligen. Die OECD hat deren Rhythmus noch nicht festgelegt.</p>  Antwort des Bundesrates.