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Waschen Idioten ihre Hände nie?
Verstehen Sie, was ich meine?» fragte mich kürzlich ein Privatmann. Ich wusste nicht, was er wollte.
Wir standen neben einander im Pissoir eines Kinos. Der Film hiess «Die fröhliche Kneippsandale». Und er sagte diesen Satz. Mir war klar, dass Privatmann auf Griechisch «idiotes» heisst und ein Idiot laut Dudens Herkunftswörterbuch ein «hochgradig Schwachsinniger» ist, aber ich kenne mich in den Verhaltensweisen solchen Leuten gegenüber nicht speziell aus. Und so sagte ich ohne gross nachzudenken: «Most!» und schloss den Reissverschluss.
Das Absurde ist ja seit jeher ein taktisches Instrument zur intellektuellen Verwirrung von Idioten. Der Privatmann sandte einen Blick zum Himmel. «Sind Sie sicher?» fragte er und schloss ebenfalls den Reissverschluss. Ich wusste, dass hochgradig Schwachsinnige dazu neigen, einem den Kugelschreiber zu rauben, das Nastuch zu entknoten oder den Wagenheber anzumalen. «Meine Glühbirne ist kaputt», wagte ich es deshalb erneut mit der Methode der paradoxen Intervention. «Lesen Sie Bukowski?» war seine Reaktion. Er richtete den Knoten seiner grünen Krawatte, die mit lauter kleinen roten Ameisenbärchen geschmückt war.
Vielleicht ist der doch nicht so blöd, dachte ich; immerhin kennt er Bukowski. «Bukowski ist tot», sagte ich. «Sie haben Recht», reagierte der Mann und lächelte. Er machte zwei Schritte zurück, drehte sich zur Ausgangstür und verliess die Räumlichkeit, allerdings... ohne sich die Hände zu waschen. Jetzt wusste ich zwar nicht mit Sicherheit, ob er ein Idiot war, aber dass er eine Sau war, das war mir klar. Verstehen Sie, was ich meine?
Kolumne im Baslerstab vom 18.06.2002