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Spinnen nennt man den gesamten Arbeitsbereich, welcher vom gekardeten Vlies bis zum fertigen Faden alle Arbeitsschritte umfasst.
Das Spinnen ist wohl eine der urtümlichsten, aber auch hervorragendsten geistigen Leistungen des Menschen. Es geht um die Entwicklung eines sogenannten Zwischenproduktes, das in vielfältiger Weise als Schnur, Faden oder Zwirn weiter eingesetzt werden kann.
Ein Faden entsteht durch das langsame Ausziehen einer kleinen Menge Wolle aus dem Vlies. Diese wird durch die Drehbewegung und das Gewicht der Handspindel zu einem Faden. Je nach Zahl der Umdrehungen und des Zuggewichtes einer Spindel kann ein dicker bis sehr feiner Faden gesponnen werden.
Der Spinn-Arbeitsgang gliedert sich in:
a) Drallbewegung der Spindel,
b) Ausziehen der Fasern aus dem Vlies,
c) dem Aufwickeln des Fadens auf die Spindel.
Das ab 1300 weitverbreitete Hand-Spinnrad war wohl ein gutes Hilfsmittel verlangte aber immer noch alle drei unterbrochenen Arbeitsgänge.
Erst das um 1480 entwickelte Flügelspinnrad vereint die drei abgesetzten Arbeitsgänge des Handspinnens zu einem. Je nach Tritt-Drehzahl und Zugabe respektive Zug des Wollvlieses entsteht der Faden und wird er gleichzeitig auf die Spule aufgedreht. Für feines Garn wurde aber noch lange die Handspindel verwendet.
Oftmals wurde vor dem eigentlichen Spinnvorgang das Vlies bereits zu einer länglichen Wurst, dem sogenannten Vorgarn, vorbereitet, dies vereinfacht den eigentlichen Spinnvorgang wesentlich.
Besteht nun ein Faden, so kann dieser zur Verstärkung mit einem zweiten «verzwirnt», nochmals verdreht werden. Dadurch erhält der neu entstandene Faden, der sogenannte Zwirn, eine wesentlich grössere Zugfestigkeit.