Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03264.jsonl.gz/1415

Barbara Hufft
Die Herrscherikonographie der Kuschiten – Selbst-/Fremdwahrnehmung anhand ihrer Repräsentation im Monumentalrelief (Arbeitstitel)
Ausgangslage:
Ägypten und Nubien waren über Jahrhunderte vorwiegend durch wirtschaftliche aber auch durch politische und kulturelle Beziehungen eng miteinander verbunden. Grösstenteils übte dabei Ägypten, v.a. der (natürlichen) Ressourcen wegen, eine Vormachtstellung gegenüber seinen südlichen Nachbarn aus. Unter den Königen der 25. Dynastie änderte sich dieses Machtverhältnis. Die Kuschiten etablierten von Napata am 4. Nilkatarakt ausgehend ihre Oberherrschaft in Nubien und ergriffen schliesslich ihrerseits die Macht in Ägypten.
Trotz der vergleichsweise kurzen, nur etwa 90 Jahre andauernden Herrschaft der Kuschiten im Niltal ist eine beträchtliche Anzahl v.a. von sakralen Denkmälern der Herrscher der 25. Dynastie in Ägypten sowie ihrem kuschitischen Heimatland erhalten. Diese folgen ägyptischen Darstellungsmodi, die jedoch zumindest teilweise deutlich an die politisch-kulturelle Sondersituation adaptiert wurden, dass das Kernland des Herrschaftsbereiches nicht zwischen 1. Nilkatarakt und Mittelmeer (‘Ägypten’) liegt, sondern in einem anderen sozio-kulturellen Umfeld im Bereich des 4. Katarakts. Eine Analyse und Kontextualisierung der Parallelen und Abweichungen der Darstellungen verspricht daher Aufschluss über mögliche Hintergründe für die gezielte Inszenierung von Königtum bzw. des entsprechenden Herrschers.
Zielstellung:
Die Dissertation verfolgt das Ziel der quantitativen und qualitativen Analyse der königlichen Darstellungen der 25. Dynastie wie sie sich vor allem auf den monumentalen Wandreliefs sowie verschiedenen Objekten der Kleinkunst präsentiert. Ein eingehender Vergleich der Szenen vermag nicht nur aufzuzeigen, wie ägyptische Themen und kanonische Gesetzmässigkeiten angewandt sondern auch innerhalb eines gegebenen Settings von der Eilte einer Gesellschaft mit kulturell und geographisch anders geprägter Vergangenheit adaptiert wurden.
Eine gezielte kontrastierende Analyse des Corpus an aussagekräftigem Material ermöglicht zudem –zumindest bis zu einem gewissen Grad – eine Annäherung an die Frage, inwieweit die Wahrnehmung der kuschitischen Könige als indigene oder fremde Herrscher in beiden Kernbereichen (Ägypten und Nubien) reflektiert und umgesetzt wurde. Untersucht werden sollen Ausmass und Aussagekraft der unterschiedlichen Darstellungen als Politikum im Hinblick auf Königsideologie und Traditionsbewusstsein (Stichwort Archaismus), Selbst- und Fremdwahrnehmung (hier auch in der Auseinandersetzung mit Propaganda), sowie letzten Endes die kulturelle Identität der Könige der 25. Dynastie in Abgrenzung zur ethnischen Abstammung resp. der Ägyptisierung (Stichwort Akkulturation).
Die Arbeit befasst sich neben der vordergründigen Herausstellung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden mit den fliessenden Adaptionen der kuschitischen (und ausblickend der späteren napatanischen und meroitischen) Ikonographie im Vergleich zu konventionellen ägyptischen Darstellungsmodi sowie in Abgrenzung zwischen den jeweiligen Herrschern.
Outcome:
Im Gegensatz zu überwiegend ethnographischen basierten Ansätzen im Bereich der nubischen Studien wird nicht die ethnische Identität (im engen Sinn von Abstammung, Hautfarbe etc.) der Kuschitenkönige in den Fokus gerückt, sondern der Frage nach ihrer (eigendeterminierten) kulturellen, politischen und/oder individuellen Identität nachgegangen sowie deren Ausprägungen bzw. Implikationen. Die ikonographische Quellenlage wirft dabei eine sehr grundsätzliche Fragestellung auf: ob und in welchem Umfang eine Zuordnung der Kuschitenkönige zu einer Dynastie von fremden, resp. ausländischen Charakters im Gegensatz zu einer indigenen, ägyptischen tatsächlich Realität dieser spezifischen antiken Gesellschaft sein kann oder vielleicht doch ausschliesslich ein modernes Konstrukt ist.
Eine detailliertere Analyse solcher Repräsentationen, die in einem elastischeren Forschungsansatz wie dem der Transkulturalitätsstudien eingebettet ist, ermöglicht in facettenreicheren Dimensionen aufzufächern, wie sich die Wahrnehmung der Kuschiten als einheimische oder fremdländische Herrscher in den beiden Kernbereichen darstellt und was ihre Auswirkungen auf die ägypto-kuschitische Konzeptualisierung von Identität im Hinblick auf die multikulturellen Gesellschaften im Niltal im 1. Jt.v.Chr. sind.
zurück <<