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Die Mimik ist ein starkes Kommunikationsinstrument. Sie sendet Informationen aus. Sie steuert, sie manipuliert, sie illustriert, sie beschreibt, fordert, motiviert, bestätigt, lehnt ab. Die Mimik offenbart uns die echten Gefühle und ist ein wesentlicher, bedeutender Teil der zwischenmenschlichen Kommunikation und Interaktion. Hinter der Fassade, des gezeigten «öffentlichen» Ausdrucks, verbirgt sich oft die Wahrheit, die vor der «Öffentlichkeit» verborgene Emotion. Wir zeigen nicht immer das, was wir tatsächlich fühlen. In einer Verhandlungssituation z.B. verbirgt man oft aus strategischen Gründen, was man fühlt. Oder man sagt etwas Positives, lächelt scheinbar dabei, will nicht verletzen, hat aber ein vollkommen anderes Gefühl wie z.B. Ärger, Abneigung, Verachtung hinter der Fassade.
1. Ärger
Die Augenbrauen drücken nach unten und ziehen zusammen. Das obere Augenlid kann aufgerissen sein, das untere Augenlid angespannt und von aussen nach innen eingezogen. Die Nasenflügel können sich weiten oder zusammenziehen. Die Lippen pressen aneinander. Im Bereich des Mundes und des Kinns sind mehrere unterschiedliche Bewegungen je nach Grad und Ausprägung des Ärgers möglich. Zum Beispiel: Das Kiefer stösst nach vorne oder Oberlippe und Unterlippe verschieben sich. Die Zähne werden gebleckt. Zeigt eine Person ihren Ärger offen, dann ist dies für Sie ohnehin erkennbar. Will sie ihn verbergen, dann sehen Sie meist nur eine einzelne oder zwei Bewegungen aus dem gesamten Ärgerausdruck. Die Bewegungen sind dann sehr schnell und kurz. Ein kurzes Hinunterdrücken der Augenbrauen oder ein kurzes Zusammenpressen der Lippen reicht schon, um Ärger auszudrücken. Bei Menschen können Sie verborgenen Ärger möglicherweise dann sehen, wenn er sich bedrängt fühlt, weil der Verkäufer schon das fünfte Kleidungsstück bringt, welches nicht seinem Geschmack entspricht, wenn der Preis für Qualität oder Leistung zu hoch bzw. «FRECH» ist. Der Verkäufer zeigt möglicherweise Anzeichen von Ärger, wenn ein Kunde respektlos oder unfreundlich ist. Wenn Sie also eine Mikroexpression (schnelle und kurze Moves) aus den genannten oberen mimischen Bewegungen sehen, dann versucht die Person, ihren Ärger zu verbergen oder zu kontrollieren. Eine offene Frage an den Kunden bringt Information und löst den Ärger vielleicht auf. Ärger ist ein Einwand.
2. Freude
Freude ist wohl die schönste aller Emotionen! Die Ringmuskulatur um die Augen zieht sich zusammen und bildet Fältchen wie Sonnenstrahlen um das Auge. Diese sonnenstrahlenförmigen Fältchen sind das «Echtheitszertifikat» für die Grundemotion Freude, für echtes Lachen. Die Augen leuchten und lachen mit. Die Mundwinkel sind nach oben gezogen und schieben die Wange hoch! Bei stark botoxierten Augen sind genau diese Strahlenfältchen nicht mehr vorhanden. Das Lachen wirkt dann aufgesetzt und unecht! Bei einem aufgesetzten, sozialen oder Fakesmile bleiben die Augen kühl. Wenn einem Verkäufer ein kurzes Blitzlächeln übers Gesicht huscht, kann es sein, dass er sich freut, weil sie tatsächlich glauben, in diesem Kleidungsstück toll auszusehen, weil sie diesen Preis tatsächlich für ein Schnäppchen halten oder weil er sie gerade dazu überredet hat, den Dauerladenhüter zu kaufen.
3. Verachtung
Verachtung ist die einzige unilaterale, also «einseitige» Ausdrucksform der Mimik. Ein Mundwinkel wird hochgezogen. Ein Mundwinkel ist eingepresst. Oft wird das Kinn dabei gehoben, der Blick geht von oben nach unten, was der Verachtung noch Arroganz verleiht. Diesen Emotionsausdruck setzen wir ein, wenn wir jemanden belächeln oder geringschätzen. Es dient dazu, den anderen abzuwerten. Der Verkäufer wertet Sie ab, weil Sie das Produkt nicht kapieren, weil Sie schon dreimal fragen, weil er Ihnen was andreht und Sie merken es nicht, weil er Sie vielleicht grad angeschwindelt hat. Egal, auf welcher Seite des Gesichts der Mundwinkel eingepresst oder hochgezogen wird, es ist ein Zeichen für Abwertung und Geringschätzung. Macht es der Kunde, dann kann es sein, dass er die Kompetenz des Verkäufers anzweifelt. Die Verachtung kann einen Einwand anzeigen.
4. Ekel
Ekel, also Abneigung präsentiert sich immer in der zentralen Mittellinie des Gesichtes. Die Aktion der Muskulatur ist eine Rümpfbewegung. Die Nase und die Oberlippe ziehen nach oben. An der Nasenwurzel und/oder an den Seitenwänden knapp unter der Nasenwurzel werden durch die Rümpfbewegung Fältchen sichtbar. Die Nasolabialfalte vertieft oder verstärkt sich! Die Oberlippe wird hochgeschoben. Bei geöffnetem Mund wird die obere Zahnreihe freigelegt. Bei geschlossenem Mund ist nur ein Rümpfzug nach oben sichtbar. Ekel/Abneigung zeigt sich nicht nur bei Geruch und Geschmack, den wir nicht mögen, sondern es drückt eine allgemeine Form der generellen Abneigung auch gegen Personen, Inhalte, Themen oder Produkte aus. Was bedeuten kann, dass der Verkäufer Ihre Fragen nicht gerne beantwortet, dass Sie ihm auf die Nerven gehen, dass er findet, Sie sehen in dem Kleid wie eine Tonne aus, dabei lächelt und sagt, wie grossartig Ihnen das Teil steht. Eine Abneigung gegen etwas oder jemanden kann sich in dieser Form ausdrücken. Wenn der Verkäufer dieses mimische Signal beim Kunden sieht, kann ein Einwand, sprich Nichtkaufsignal vorliegen.
5. Überraschung
Bei Überraschung heben sich beide Augenbrauen, eventuell das obere Augenlid und die Kieferlade fallen bei offenem oder geschlossenem Mund nach unten. Wann ist der Kunde überrascht? Wenn der Preis passt! Dabei kann sich ganz kurz die Braue oder das obere Augenlid heben. Wann ist der Verkäufer überrascht? Wenn Sie mitbekommen haben, dass er Sie über den Tisch ziehen will.
6. Angst
Wenn Sie Augenweiss oberhalb der Pupille sehen, sprechen wir von Erschrecken oder Angst. Die Unterlippe kann dabei schnell seitlich wegziehen, was eine Unsicherheit bedeuten kann. Sehen Sie diese Lippenbewegung beim Verkäufer, der Ihnen eine wichtige Frage beantworten soll, dann hat er möglicherweise von der Antwort wenig Ahnung und zeigt Ihnen somit seine Unsicherheit oder Unwissen. Das bedeutet z.B., dass Sie sich möglichweise auf die angegebene Lieferzeit nicht verlassen können. Wenn der Kunde Angst zeigt, dann fühlt er sich vermutlich unter Druck und will möglicherweise aus dem Gespräch raus, oder es fehlen ihm noch Informationen, die ihm Sicherheit im Kauf geben.
7. Trauer
Zeigt ein Verkäufer oder Kunde tatsächlich Traueranzeichen? Ja, das kann durchaus passieren! Der Kunde zeigt ein Traueranzeichen, weil das Produkt für ihn möglicherweise nicht leistbar ist. Bei der Trauer ziehen die Innenspitzen der Augenbraue zusammen und hoch. Das sieht wie ein Giebel, wie eine Triangel oder manchmal wie ein Hufeisen zwischen den Augenbrauen aus. Die Mundwinkel gehen wie beim traurigen Smiley nach unten. Der Verkäufer unterstreicht bzw. verstärkt seine «ehrliche» Ansage mit dem Hochziehen der Innen-Augenbrauen, wie es z.B. Politiker machen. Er setzt den Dackelblick auf, um zu zeigen, dass er harmlos ist und es ehrlich meint, hat einen Zweifel am Produkt oder verzweifelt am Verkaufsgespräch. Oft kann das Hochziehen der Innen-Augenbrauenspitze ein Erbitten sein: «Glauben Sie mir, ich bin so was von ehrlich!»