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Heutzutage ist für die meisten Menschen eine schnelle und zuverlässige Internetverbindung eine Selbstverständlichkeit, um mit dem Rest der Welt in Kontakt bleiben zu können. Doch die Kommunikation in die Antarktis ist aufgrund der Abgeschiedenheit und der Distanz des Kontinents schwierig. In den meisten Fällen verläuft sie via Satellitenverbindung, die trotz technischer Fortschritte, zahlreiche Limitierungen aufweist, vor allem in Sachen Geschwindigkeit und Datenmengen. Chile, das neben Argentinien das am nächsten liegende Land zur Antarktis ist, will dies ändern. Dazu treibt die chilenische Regierung ein Glasfaserkabelprojekt in die Antarktis voran.
Wie die chilenische Regierung in einer Mitteilung bekanntgab, soll im Rahmen eines rund US$ 800 Millionen schweren Investitionspakets auch die Machbarkeit einer Glasfaserleitung in die Antarktis untersucht werden. Das erklärte der chilenische Wissenschaftsminister Andrés Couve in der Mitteilung. Dazu wurde eine Vereinbarung zwischen den regionalen Regierungen von Magallanes und Aysén mit den verschiedenen nationalen Ministerien getroffen. Das Investitionspaket wurde zur Förderung der wissenschaftlichen und technologischen Entwicklung der südlichen Regionen Chiles beschlossen. Minister Couve erklärte: «Die Vereinbarung stellt einen neuen Meilenstein dar, um die südliche Makrozone zu einem Pol der wissenschaftlichen und technologischen Entwicklung zu machen.»
Die von Minister Couve genannte Makrozone umfasst die südlichen Regionen bis in die Antarktis und macht rund ein Drittel der Fläche Chiles aus. Da die subantarktischen und antarktischen Regionen eine immer grössere Rolle spielen, nicht zuletzt aufgrund des Klimawandels, will die Regierung nun mit dem geplanten Investitionspaket dieser Wichtigkeit Rechnung tragen. Die Regierung erklärt in ihrer Mitteilung, dass die fehlende digitale Verbindung «die integrale und strategische Entwicklung in diesem Gebiet verlangsamt und so Chancen für Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit, Entwicklung, Nutzung von Supercomputern, Übertragung von Klimadaten und wissenschaftlichen Aktivitäten im Allgemeinen verloren gingen.» Dies will die Regierung nun ändern. Dazu meint die Ministerin für Transport und Kommunikation Gloria Hutt: «Damit zu beginnen, die Bedingungen für das erste unterseeische Glasfaserkabel zu untersuchen, bestätigt Chile’s Führung auf dem Kontinent und unsere Anstrengungen, ihn zum Herzstück der Kommunikation im Interesse der Wissenschaft und der ganzen Menschheit zu machen.»
Chile ist mit seinen Plänen einer Digitalisierung der Kommunikationslinien nach Antarktika nicht allein. Im Juli dieses Jahr verkündete Australien, dass ein Glasfaserkabel die Zentrale der Australian Antarctic Division mit den vier Antarktisstationen verbinden soll. Besonders die australische Wetterbehörde will damit schnellere und bessere Informationen über die meteorologischen Bedingungen in der Antarktis erhalten und so ihre Wetter- und Klimamodelle verbessern. Bei beiden Projekten, sowohl dem australischen wie auch dem chilenischen, sind jedoch noch zahlreiche Fragen und Probleme offen. Besonders Eisberge auf dem antarktischen Schelf und auch die tektonischen Bedingungen auf dem Meeresboden stellen grosse Hindernisse dar. Gerade für Chile könnte die Region zwischen den Südshetlandinseln, wo drei der antarktischen Stationen Chiles liegen, und dem antarktischen Festland eine riesige Hürde darstellen. Denn die Bransfieldstrasse ist eine tektonisch sehr aktive Zone, in der Erdbeben und sogar vulkanische Aktivitäten verzeichnet werden. Ob also in der Zukunft die Stationen in der Antarktis tatsächlich via Glasfaserkabel schnell mit dem Rest der Welt verbunden sein werden, hängt sehr stark von den Gegebenheiten der letzten grossen Wildnis selber ab.
Dr. Michael Wenger, PolarJournal