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Mitralinsuffizienz
Eine der häufigsten Herzklappenerkrankungen ist die Mitralinsuffizienz. So nennt man eine undichte Mitralklappe (Abb. 1). Die Mitralklappe hat eine Ventilfunktion zwischen der linken Herzkammer und dem linken Vorhof. Sie besteht aus zwei Segeln, welche über Sehnenfäden mit dem Herzmuskel der linken Herzkammer verbunden sind.
Bei der Mitralinsuffizienz kann die Mitralklappe die Ventilfunktion nicht mehr übernehmen und ein Teil des Blutes fliesst von der linken Herzkammer zurück in den Vorhof. Je nach Schweregrad der Undichtigkeit kann sich das Blut bis in die Lungengefässe zurückstauen, wodurch der Blutdruck in der Lunge ansteigt.
Der Patient verspürt nun eine Luftnot und ist schlechter belastbar. Im schlimmsten Fall kann es dazu kommen, dass sich ein Lungenödem („Wasser auf der Lunge“) ausbildet.
Wie stellt man die Diagnose?
Mit dem Stethoskop kann der Kardiologe typische Herzgeräusche feststellen. Wenn bereits etwas Wasser auf der Lunge vorhanden ist, so kann dies ebenfalls mit dem Stethoskop wahrgenommen werden.
Eine genauere Untersuchungstechnik ist der Herzultraschall (Echokardiografie). Hier kann die Mitralklappe und die Pumpleistung des Herzens optimal beurteilt werden. Mit besonders hoher Auflösung kann die Mitralklappe mittels transösophagealer Echokardiografie – auch „TEE“ oder „Herzultraschalluntersuchung über die Speiseröhre“ genannt - dargestellt werden. Hierbei schluckt der Patient eine dünne Ultraschallsonde. Die Speiseröhre befindet sich hinter dem linken Vorhof, sodass die Ultraschallsonde direkt hinter dem Herz platziert werden kann.
Diese TEE Untersuchung kommt bei speziellen Fragestellungen zum Einsatz, besonders bei der Erforschung der Ursache für eine Mitralinsuffizienz.
Manchmal ist auch eine Rechtsherzkatheteruntersuchung erforderlich.
Daneben gibt es noch eine Reihe weiterer Untersuchungsmöglichkeiten, die Ihr Kardiologe im Detail mit Ihnen bespricht, sofern erforderlich.
Wie behandelt man eine Mitralinsuffizienz?
Die Behandlung richtet sich vor allem nach der Ursache. Liegt eine Herzschwäche zu Grunde, welche zu einer Erweiterung der Herzkammern und der Herzklappen geführt hat, so versucht man durch eine Kräftigung der Herzmuskels durch Medikamente oder Spezial-Herzschrittmacher die Vergrösserung der Herzkammern wieder rückgängig zu machen. Dadurch kann die Mitralinsuffizienz abnehmen
Manchmal kommt es aber auch zu strukturellen Veränderungen der Mitralklappe oder zu einem Abriss des Halteapparates. Diese Probleme können nur durch einen chirurgischen Eingriff behoben werden.
Der Herzchirurg kann heute bereits über kleine Schnitte an der Brustwand zum Herzen vordringen, und geschädigte Mitralklappen wieder „reparieren“.
Vor allem wenn die Klappe schon zu sehr geschädigt ist eine solche „Mitralrekonstruktion“ nicht möglich. In diesem Fall muss ein kompletter „Herzklappenersatz“ erfolgen. Beide Verfahren sind bereits jahrelang erprobt und können sehr gute Langzeitergebnisse aufweisen. Allerdings erfordern diese herzchirurgischen Eingriffe einen Anschluss an die Herz-Lungen-Maschine und der Eingriff ist sehr komplex und von der Erfahrung des Herzchirurgen abhängig.
Ein neueres Verfahren ist der sogenannte „MitraClip“ (Abb. 2). Hier wird über einen kleinen Schnitt in der Leiste über die Blutgefässe ein „Clip“ an der Mitralklappe angeheftet, der so die undichte Herzklappe abdichtet. Der Vorteil der Methode liegt darin, dass diese Prozedur schonend ohne grosse Operation und am schlagenden Herzen durchgeführt werden kann. Die Erholungszeit ist entsprechend kurz. Die wesentlichen Nachteile sind, dass weniger Erfahrung als mit der konventionellen Operationsmethode besteht und dass die Resultate in manchen Fällen nicht so optimal sind, wie mit der offenen Herz-Operation. Der MitraClip kommt daher vor allem bei sehr alten und kranken Patienten zum Einsatz, bei denen eine offene Herz-Operation ein zu grosses Risiko birgt.
Links:
Abbildung 1. Anatomie des Herzens mit Darstellung der Herzklappen. Das Blut wird über die Lungenvenen aus der Lunge im linken Vorhof gesammelt. Von dort gelangt es über die Mitralklappe hinweg in die linke Herzkammer und von hier in die Hauptschlagader (Aorta). Zwischen linkem Vorhof und linker Kammer sowie zwischen linker Kammer und Aorta stellen die Herzklappen eine Ventilfunktion dar, damit das Blut nur in eine Richtung fliessen kann (roter Pfeil).
Abbildung 2. MitraClip der Firma Abbott®