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Yann Marussich
Persönlichkeit der Performance
Schweizer Preis Darstellende Künste 2022
Yann Marussich, geboren 1966 in Genf, ist eine einzigartige Persönlichkeit der Schweizer Performance-Szene. Ausgebildet als Tänzer, war er zwischen 1983 und 1988 in mehreren französischen Compagnien engagiert. Parallel dazu interessierte er sich für Kampfkünste wie den vietnamesischen Viet Vo Dao. 1989 war er bei der Gründung der Compagnie Vertical Danse von Noemi Lapzeson und des ADC (Association de la danse contemporaine) in Genf dabei und wirkte von 1993 bis 2000 als künstlerischer Leiter des Théâtre de l’Usine, wo er zeitgenössischen Tanz programmierte und nach neuen Ausdrucksformen suchte. Seit 2000 konzentriert er sich auf die Performancekunst. Daneben schreibt, graviert und zeichnet er als vielseitiger Künstler, dessen Schaffen auch in Ausstellungen gewürdigt wird. 2008 gewann er mit «Bleu Remix» den Prix Ars Electronica in der Kategorie «hybrid art». Yann Marussich wird seit 2011 von der Stadt Genf mit einer Fördervereinbarung unterstützt.
Seine erste, total immobile Performance «Bleu Provisoire» (2001), die er am Festival La Bâtie in Genf präsentierte, charakterisiert seine künstlerische Arbeit: Yann Marussich konzentriert sich auf eine Sicht in das Innere des Körpers und die Beherrschung der Bewegungslosigkeit. Für «Bleu Provisoire» fand er eine Lösung, wie seine Körperflüssigkeiten in blauer Farbe aus seinem Körper traten − die Vorbereitung hierzu dauerte 2 Tage. Oft setzt er seinen Körper Extremen und Schmerzen aus wie beispielsweise in «Glassed» (2011), wo er sich einer 25 Kilo schweren Halskrause, gefüllt mit Glasscherben, zu entledigen versucht. Mit «12 minutes et 34 secondes pour battre la brèche» begann er Ende 2017 einen neuen Performance-Zyklus «L’Homme Beton», in dem er mit Zement experimentiert, um die Grenzen des Körpers auszuloten. Dazu zählt eine Serie von Video-Performances, in denen der nackte Yann Marussich mit Beton an den Füssen in verschiedenen Landschaften zu sehen ist.
Yann Marussich ist ein lebendes Buch. Die ganze Geschichte der Performance steht auf seiner Haut geschrieben. Seit zwanzig Jahren vermittelt sein Tänzerkörper diese aus der Plastik entstandene Kunstform in der Szene der Darstellenden Künste. Die Plastikerinnen und Plastiker der 1960er-Jahre erfanden die «lebende Kunst», die rasch auch das Theater aufrüttelte. Mit «Bleu Provisoire» nimmt Yann Marussich 2001 auf Anhieb seinen Platz in der Neo-Avantgarde ein. Er erfindet die Formen neu, verknüpft Referenzen, macht die Abläufe komplexer und ist immer erschütternd… Zwischen Hommage und Parodie, Variation und Neuerschaffung fliesst Yann Marussichs Begründer-Energie immer wieder aufs Neue.
Danielle Chaperon, Präsidentin Theaterjury & Simone Toendury, Mitglied Tanzjury