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noch heute, besonders in der poetischen Sprachweise, oft zur Verwendung kommt. Für den Kanton Graubünden seinerseits hat sich die alte Form Rätien in dem immer noch gebräuchlichen Ausdruck «Alt Fry Rätia» erhalten. Vergl. den Artikel Schweiz in Prof. Dr. J. J. Egli's Nomina Geographica. 2. Aufl. Leipzig 1893.
Lage, Grœsse und Gestalt.
Obwohl die Schweiz nirgends an das Meer stösst, nimmt sie doch dank ihrer zentralen Lage und ihrer Berge, die sie abschliessen und vor äussern Eingriffen schützen, eine sehr wichtige Stellung in Europa ein. Diese Lage im Herzen und an den Flanken eines seiner Höhe nach den ganzen Erdteil beherrschenden Gebirges hat den Bewohnern eine grössere Kraft, einen festeren inneren Zusammenhang und eine stärkere wirtschaftliche Macht verliehen, die ihnen trotz der räumlich kleinen Ausdehnung ihrer Heimat gestatteten, der Begehrlichkeit der Nachbarn erfolgreich zu widerstehen und sich mitten unter diesen als selbständiges Volk und Staat zu erhalten. Das Schweizerland liegt zwischen 45° 49' 2" und 47° 48' 32" NBr. und zwischen 3° 37' 12" und 8° 9' 26" OL. von Paris (oder 5° 57' 26" und 10° 29' 40" OL. von Greenwich). Die geographischen Koordinaten des politischen Landeszentrums Bern (Observatorium) sind 46° 57 6" NBr. und 5° 6' 11" OL. von Paris (oder 7° 26' 25" OL. von Greenwich), während der Schwerpunkt der Oberfläche der Schweiz in 46° 48' und 5° 57' liegt.
Die äussersten Punkte des Landes, d. h. die Tangentialpunkte der Grenzlinie zu den Meridianen und Parallelkreisen, sind:
|im Westen die Mündung des Nant de Vosogne in die Rhone unterhalb Genf;|
|im Süden der Grenzstein 75A bei Chiasso am äussersten S.-Ende des Tessin;|
|im Osten der Gipfel des Piz Chavalatsch über dem Münsterthal;|
|im Norden der Grenzstein 593 beim Weiler Oberbargen im Kanton Schaffhausen.|
Folgendes sind die rechtwinkligen Koordinaten dieser vier Punkte bezogen auf Bern:
|Abstand im Meridian Y||Abstand in der Senkrechten X|
|Westpunkt||114550 m W.||89920 m S.|
|Südpunkt||122770 m O.||124690 m S.|
|Ostpunkt||233830 m O.||32769 m S.|
|Nordpunkt||84620 m O.||95910 m N.|
Durch Addition von Y des Westpunktes zum Y des Ostpunktes, sowie von X des Südpunktes zum X des Nordpunktes erhalten wir die Länge und Breite der Schweiz längs dem Meridian bezw. dem Parallelkreis gemessen:
Länge von O. nach W. 348,4 km;
Breite von S. nach N. 220,6 km.
Das schweizerische Landgebiet kann in ein Oval eingeschrieben werden, dessen Kurve durch die vier eben genannten äussersten Punkte geht.
Flæche.
Die Fläche der Schweiz umfasst nach den neuesten Angaben des Eidgenössischen Statistischen Bureaus 41323,99 km2. Fügt man dieser Zahl die Flächen der in unserm Land eingeschlossenen kleinen fremden Enklaven, nämlich
|km2|
|Campione (Italien)||2.56|
|Büsingen (Baden)||7.61|
|Verenahof (Baden)||0.41|
|:||10.58|
bei, so erhält man als Fläche des gesamten innerhalb unserer Grenzen eingeschlossenen Landgebietes die Summe von 41334,57 km2.
Es umfasst damit die Schweiz den 12343. Teil der gesamten Erdoberfläche und den 235. Teil der Fläche von ¶
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Europa. Sie ist 13 mal kleiner als Frankreich oder das Deutsche Reich. 15 mal kleiner als Oesterreich und 7 mal kleiner als Italien. Ihrer Fläche nach kommt sie unter den europäischen Staaten dem Königreich Serbien (48303 km2) am nächsten. Kleiner als die Schweiz sind von den selbständigen europäischen Staaten blos Dänemark (33340 km2), die Niederlande (33000 km2), Belgien (29457 km2) und Montenegro (9080 km2). Von den Miniaturstaaten sehen wir dabei natürlich ab.
Die Fläche der Schweiz entspricht dem Inhalt eines Kreises von 115 km Radius, dessen Mittelpunkt dem Schwerpunkt der Landoberfläche entsprechen würde und südlich vom Sarnersee ins Kleine Melchthal zu liegen käme. Der Umfang dieses Kreises misst 720 km, während die Länge der gesamten Grenzlinie der Schweiz 1884 km beträgt. Das Verhältnis des Kreisumfanges zur Grenzentwicklung stellt sich somit auf 1:2,6.
Ein einziger Blick auf die Karte genügt, um uns die grosse Länge unserer Grenzen im Verhältnis zur Fläche der Schweiz zu zeigen. Während dieses Verhältnis z. B. für die Iberische Halbinsel, eines der massigsten Länder Europas, nur 0,5 beträgt, steigt es für die Schweiz auf 4,5 oder auf das 9 fache jener Zahl. Diese starke Grenzentwicklung, die bei einem maritimen Staat einen sehr günstigen Faktor für seinen Handel darstellen würde, sonst aber die Verteidigung eines Landes gegen feindliche Uebergriffe sehr erschwert, fällt bei der Schweiz wegen ihrer kontinentalen Lage und wegen ihrer Naturgrenzen wenig ins Gewicht.
Ausser Genf, der Ajoie (Elsgau), Basel und dem Tessin, wo wir in schon flacheren Landschaften in fremdes Gebiet hineinstossen, ist die grosse Mehrzahl der aus- oder einspringenden Winkel unseres Landes auf dessen wirtschaftliche Entwicklung deshalb ohne jeglichen Einfluss geblieben, weil ihre Seiten den Bergkämmen folgen. Deshalb verlieren z. B. die tief gelappten Grenzen Graubündens viel von ihrer Bedeutung, wie auch die im einzelnen so reich gegliederte Grenze Schaffhausens, die in einem unruhigen Bergland verläuft und welcher die steinigen und armen Hochflächen Schwabens vorgelagert sind, die gleichsam die Rolle eines Meeres gegenüber den dasselbe begrenzenden Steilufern bilden.
Hœhenverhæltnisse.
Der höchste Punkt der Schweiz erreicht in der Dufourspitze des Monte Rosamassives 4638 m, der tiefste liegt mit 197 m über Meer am Ufer des Langensees (der Boden dieses tiefsten Sees der Schweiz steigt bei Luino sogar bis 177 m unter den Meeresspiegel hinab), während der Rhein bei Basel die Schweiz in 249 m und die Rhone am Westende des Kantons Genf in 338 m Höhe verlassen. Dufourspitze und Langensee sind infolge des raschen und steilen Absinkens der Alpen gegen Süden kaum 50 km voneinander entfernt.
Die Nord- und Westflanke der Alpen ist weit länger und sanfter geböscht, sodass man, um auf dieser Seite die nämliche Meereshöhe zu erreichen, wie sie der Langensee hat, einerseits bis nach Kolmar im Elsass (220 km vom Monte Rosa entfernt) und andererseits bis oberhalb Lyon (190 km vom Monte Rosa entfernt) hinabsteigen muss. Die Höhendifferenz zwischen dem Spiegel des Langensees und dem Gipfel der Dufourspitze beträgt rund 4,4 km, von denen aber blos die untern 2 km ständige Siedelungen zeigen, indem die höchst gelegenen Dörfer der Schweiz Juf im Averserthal (2133 m), Chandolin über Siders (1936 m) und Lü im Münsterthal (1918 m) sind.
Als mittlere Höhe der Schweiz ergibt sich aus den von Dr. Messerschmidt im Auftrag der internationalen Gradmessung ausgeführten Pendelbeobachtungen die Zahl von rund 1350 m. Eine vom Ostende des Genfersees zum Ostende des Bodensees gezogene Linie, die etwa dem Fuss der Alpen folgt, den Thuner- und Vierwaldstättersee schneidet, sowie zwischen dem Zürich- und dem Walensee durchgeht, trennt die Schweiz in zwei an Fläche nahezu gleiche Teile: einen nördlichen (Jura und Mittelland) mit der überwiegenden Mehrzahl der Bevölkerung und einer mittleren Höhe von 720 m, und einen südlichen (Alpen) mit einer mittleren Höhe von etwa 1850 m.
Grenzen der Schweiz.
Die vier Eckpunkte.
Die Grenzen der Schweiz schauen nach vier Fronten, die sich mit den Grenzen der vier grossen Nachbarstaaten decken und unserem Lande daher die Gestalt eines unregelmässigen Viereckes geben, dessen Seiten nach den vier ¶