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Zwar macht die grosse Coverstory, welche die amerikanische Vogue im Hinblick auf ihre Vereidigung als erste Vizepräsidentin der USA am 20. Januar Kamala Harris widmet, gerade aus einem anderen Grund Schlagzeilen: Das umstrittene Coverbild führte zu einem regelrechten Shitstorm.
Schade, denn die Geschichte selbst gibt einen tollen Einblick in das Leben und die Karriere der feministischen Ikone, die Kamala Harris als erste Frau im Vizepräsidium der USA wird. Und: Sie zeigt auf, wie sehr das Vorbild ihrer starken Mutter Kamalas Karriere beeinflusst hat.
Mit dem Baby im Buggy an die Demo
Shyamala Gopalan, die 2009 im Alter von 71 Jahren an Krebs gestorben ist, war in Jugendjahren mit ihrer Familie von Indien in die USA eingewandert, wo sie später Medizin studierte und eine bedeutende Brustkrebsforscherin wurde. Noch während ihrer Studienjahre in den 1960er Jahren hatte sie den aus Jamaika eingewanderten Wirtschaftsstudenten Donald J. Harris, 82, kennengelernt, heute emeritierter Professor an der Stanford University – und zwar bei Bürgerrechtsdemonstrationen.
Lieber aufmüpfig als lieb und brav
An solchen Demonstrationen nahmen sie auch teil, als sie bereits Eltern waren – und Kamala erlebte so schon im Kinderwagen mit, wie sich ihre Mutter für gleiche Rechte für alle einsetzte. So ein Vorbild ist ganz im Sinne von Erziehungswissenschafterin Magrit Stamm, die im Interview mit www.schweizer-illustrierte.ch/family kritisiert, dass risikobereite, forsche Mädchen schnell als vorlaut und unangepasst gelten: «Wenn die Tochter aufmüpfig ist, umemuulet, sollte man dies als Eltern nicht als schlecht abtun, sondern die Herausforderung annehmen und mit ihr diskutieren», sagt Stamm. Das sei zwar anstrengender, als wenn die Tochter lieb und brav sei. «Aber es gibt ihr das Rüstzeug, unabhängig und stark zu werden.»
Eben so wie Kamala Harris, die in ihrem Berufsleben oft die erste Frau und Schwarze in ihrem jeweiligen Amt war, sei es etwa als Bezirksstaatsanwältin von San Francisco, Generalstaatsanwältin von Kalifornien oder als Senatorin von Kalifornien. Ihre jüngere Schwester Maya (im nachfolgenden Bild sieht man die beiden als kleine Mädchen), die selbst Anwältin ist und sie als Wahlkampfleiterin unterstützte, sieht hier den grossen Einfluss ihrer Mutter auf die Art von Anführerin, zu der Kamala geworden ist: «Schon unsere Mutter hat Barrieren durchbrochen und andere Menschen mitgerissen.»
Freude am Job vorleben
Harris' Mutter war zudem eine leidenschaftliche Wissenschaftlerin: Sie nahm ihre Töchter abends oder an den Wochenende gerne mit ins Labor. Und auch das entspricht ganz den Vorstellungen von Margrit Stamm, die betont, wie wichtig es ist, dass Mütter ihren Töchtern die Freude am Job vorleben. «Und dass sie in der Familie auch mal das Auto lenken, die Rechnung im Restaurant bezahlen, das Velo pumpen.»
Und dann, liebe Mütter und Väter, freuen wir uns auf den 20. Januar, wenn Kamala Harris vereidigt wird – und als wunderbares Vorbild für uns und unsere Töchter in die Geschichte eingeht.