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Star
(kommt von althochdeutsch
stâren, d. h. auf etwas
starren) ist die übliche Benennung
für die
Trübung der
Krystalllinse (s.
Auge),
[* 2] die, da sie sich durch eine graue oder weiße Färbung der
Pupille kenntlich macht, genauer als grauer S. (cataracta) bezeichnet wird. Das Sehvermögen ist hierbei je nach der
Ausdehnung
[* 3] und
Dichtigkeit des S. mehr oder weniger beeinträchtigt, bei totaler
Trübung der Linse
[* 4] bis auf einen geringen Rest
von Lichtempfindung völlig aufgehoben und kann nur dadurch wiederhergestellt
werden, daß die trübe
Linse durch eine
Operation
(Staroperation) aus dem Pupillargebiet entfernt wird.
Die Operationsmethoden richten sich teils nach dem Alter des Patienten, teils nach der Form des S., hauptsächlich aber nach seiner harten oder weichen Konsistenz. Beim weichen S. ist der Linsenkörper in einen grauweißen, kleisterartigen Brei umgewandelt, der sich in Kammerwasser vollständig auslöst und daher zu seiner Beseitigung nur das Einschneiden (Discisiv) der Linsenkapsel erfordert. Der weiche S. ist in vielen Fällen angeboren oder in den ersten Lebensjahren erworben.
Mitunter ist nur der mittlere
Teil der Linse in Form einer grauen Scheibe getrübt, die Randteile der
Linse aber durchsichtig
(Schichtstar). Wird die Kapsel einer gesunden Linse an irgend einer
Stelle verletzt, so daß Flüssigkeit
aus der Vorderkammer oder dem
Glaskörper in die Linsenmasse gelangen kann, so bildet sich gleichfalls ein weicher S. (Wund
star),
der aber nur bei
Menschen unter dem 30. bis 35. Lebensjahre die ganze Linse betreffen kann. Da nämlich
mit fortschreitenden Lebensjahren die innersten Schichten der Linse sich immer mehr verdichten und fester werden (verhornen),
so ist ungefähr vom 30. bis 35. Lebensjahre an die Linsensubstanz nicht mehr gleichartig, sondern besteht aus einem harten
Kern und einer weich gebliebenen Rinde.
Nur die letztere kann in einen grauweißen Brei zerfallen, während der harte
Kern diesem Zerfall widersteht.
Dasselbe gilt auch für diejenige Form des grauen S., die infolge ungenügender oder falscher
Ernährung der Linse eintritt,
teils bei innern
Augenkrankheiten
[* 5] (Netzhautablösung, Regenbogenhautentzündung), teils bei gewissen Allgemeinerkrankungen,
hauptsächlich der
Zuckerkrankheit. Nach dem Gesagten besteht der Alters
star, der sich meistens bei Leuten
jenseits des 50. Lebensjahres und zwar mit zunehmendem
Alter in wachsender Häufigkeit, scheinbar spontan, bildet, aus einem
harten
Kern und einer weichen Rinde und wird als harter S. bezeichnet.
Hier erfolgt die Abnahme des Sehvermögens durch eine gleichmäßige Trübung des harten, braungelb gefärbten Kerns und eine zunächst nur partielle, auf eine größere oder kleinere Anzahl von grauen Streifen und Zacken beschränkte Trübung der Rinde. In diesem Zustande nennt man den S. unreif; reif dagegen, wenn die gesamte Rinde in einen grauweißen Brei umgewandelt ist. Tritt später durch Flüssigkeitsabgabe eine Linsenschrumpfung ein, gewöhnlich mit gleichzeitiger Trübung der Vorderkapsel, so nennt man den S. überreif.
Der günstigste Zeitpunkt für die
Operation ist der der
Starreife, der sich dem
Befallenen dadurch anzeigt, daß das
Auge die
Anzahl der dicht vorgehaltenen Finger nicht erkennt, während eine kleine Lichtflamme auf Zimmerlänge noch als helle
Stelle
wahrgenommen wird. Für den harten S. war die älteste, bis zum Ende des 18. Jahrh.
hauptsächlich geübte, jetzt ganz verlassene Operationsmethode die Dislokation (Reklination, Depression),
[* 6] d. h.
die Versenkung des aus der
Pupille geschobenen S. in den Glaskörperraum. Seitdem Daviel 1745 den S. durch eine in der Vorderkammer
angelegte Wunde aus dem
Auge entfernte, hat sich seine Methode, die Extraktion, allmählich eingebürgert
und ist jetzt die ausschließlich herrschende geworden, allerdings mit vielfachen Modifikationen, von denen die von Graefes
die am meisten reformierende ist. Nach der
Operation ist die
¶
mehr
dioptrische Wirkung der Krystalllinse durch eine vor dem Auge zu tragende
starke Konvexlinse (Starbrille) zu ersetzen, die,
weil gleichzeitig mit der Krystalllinse das Accommodationsvermögen (s. d.) verloren geht, für den verschiedenen Abstand
der Objekte verschieden
stark sein muß. Die Nachbehandlung der Operation nimmt ungefähr 4 Wochen in Anspruch. Der Gebrauch
der Starbrillen ist in der Regel erst 6-8 Wochen nach der Operation zu gestatten. Häufig tritt nach Jahren
wieder eine Abnahme des Sehvermögens ein, wenn sich die im Auge gebliebene Linsenkapsel trübt (Nach
star, Kapselstar).
Durch eine einfache Spaltung dieser trüben Kapsel kann das frühere Sehvermögen wiederhergestellt werden. Außer dem grauen S. kennt der Volksmund noch den grünen S. (s. Glaukom), so genannt wegen des bei dieser Krankheit häufig bemerkten grünlichen Reflexes aus der Tiefe der Pupille, und den schwarzen S. (Amaurosis), bei der der völligen Erblindung eine Degeneration des innern Auges oder des nervösen Teils des Sehapparats zu Grunde liegt und die Pupille keinerlei Farbenveränderung zeigt, sondern rein schwarz erscheint.
S. kommt auch bei Haustieren vor. Die Operation des grauen S. ist bei Tieren zwar ebenso ausführbar wie beim Menschen, indessen
nicht von demselben Erfolge begleitet, weil man den Tieren keine Starbrillen auflegen kann. Die Erkennung von
Starpunkten,
die im Laufe der Zeit zu vollständiger Erblindung führen können, ist oft schwer. Sie werden am besten
durch Anwendung des Augenspiegels oder durch Besichtigung des Auges unter einer Stallthür (den Kopf des Tieres nach außen gekehrt)
festgestellt.
Bei totalem S. gehen die Pferde
[* 8] sehr vorsichtig (mit erhobenen Beinen), stoßen häufig an Hindernisse an
und zeigen ein äußerst lebhaftes Ohrenspiel. Da beim schwarzen S. die Pupille ihre Weite nicht mehr verändert, sondern
starr und weit geöffnet ist, so scheinen die Pferde große schöne Augen zu besitzen (Schönblindheit). Erkannt wird diese
Krankheit dadurch, daß die Pupille sich nicht zusammenzieht, selbst wenn man grelles Tageslicht oder Lampenlicht
auf das Auge direkt einwirken läßt. (S. auch Gewährsfristen.) -
Vgl. Peters, Der schwarze S. der Pferde (Berl. 1886).