Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03435.jsonl.gz/2234

Der FC Lausanne-Sport absolviert eine Spielzeit zum Vergessen. Hier der Saisonverlauf im Schnelldurchlauf:
- Der 1. Sieg gelingt am 10. Spieltag (3:1 gegen GC).
- Der 2. Sieg erfolgt am 14. Spieltag (1:0 in St. Gallen), danach folgt eine weitere Serie von 13 Spielen ohne Vollerfolg, unter anderem resultiert eine 1:2-Niederlage gegen das andere Kellerkind Luzern am 23. Spieltag.
- Zwar gelingt am 28. Spieltag beim 4:1-Sieg gegen Genf endlich wieder einmal ein Sieg, doch der Rückstand auf den Barrage-Platz beträgt immer noch 7 Punkte, der Abstieg ist schon zu diesem Zeitpunkt so gut wie besiegelt.
- Am 33. Spieltag ist der Abstieg trotz einer Nullnummer gegen Basel Tatsache.
Lausanne weist zum aktuellen Zeitpunkt einen Punkteschnitt von 0,64 Zählern pro Spiel auf. Schlechter war seit der Einführung der Super League 2003 nur ein Absteiger (ausgenommen die Zwangsabstiege von Servette 2005 und Xamax 2012 sowie der Punktabzug von Sion 2012): Vaduz kam 2009 auf ein Total von 22 Punkten nach 36 Spielen, was einen Schnitt von 0,61 Punkten pro Partie ergibt. Nicht ausgeschlossen, dass Lausanne (aktuell 21 Punkte) diesen Wert bis Saisonende gar noch unterbietet.
Wo liegen die Gründe für den beispiellosen Absturz des Aufsteigers von 2020, der die vergangene Saison im gesicherten Mittelfeld auf Platz 6 abgeschlossen hat, mit dem Ineos-Konzern im Rücken über einen potenten Geldgeber verfügt, mit Ligue-1-Klub Nizza eine enge Partnerschaft unterhält und gerade in ein neues Stadion eingezogen ist, kurz: eigentlich über ausgezeichnete Perspektiven verfügt?
Die Trainer
Aufstiegstrainer Giorgio Contini wurde durch Lausannes U21-Trainer Ilija Borenovic ersetzt. «Eine interessante Wahl», meint Journalist André Boschetti, der für 24 heures regelmässig über Lausanne-Sport schreibt, rückblickend. «Unglücklicherweise konnte er nicht mehr aus dem Team herausholen.» Borenovic wirkte bald einmal überfordert. «Es war zu schnell zu viel für ihn», befand etwa die NZZ.
Ersetzt wurde Borenovic durch Alain Casanova. Dieser könne zwar auf eine langjährige Trainerkarriere in der Ligue 1 zurückblicken, «kannte aber weder den Schweizer Fussball noch dessen Spieler», so Boschetti. Casanova sei der Wunschkandidat von Nizza-Sportdirektor Julien Fournier gewesen, der auch Lausannes Sportchef Souleymane Cissé eingesetzt habe. Cissé sei nur Fourniers Statthalter, schreibt die NZZ.
Die Spieler
Rund 40 Transfers wurden in den letzten anderthalb Jahren getätigt. Dabei habe Ineos in den letzten drei Jahren keinen Franken in Neuzugänge investiert, sagt Boschetti. Alle Spieler seien gratis gekommen, mit einer Ausnahme: Zeki Amdouni. Der Nachwuchs-Internationale war dann auch so etwas wie der einzige Lichtblick in der Rückrunde der Waadtländer.
Doch die vielen Wechsel haben Spuren hinterlassen, nie war die Mannschaft eingespielt. Die Balance fehlte, Kontinuität gab es auch nicht. Eine Handschrift sei bei den Transfers auch nicht zu erkennen gewesen, meint Boschetti: «Das Team wurde schlecht zusammengestellt.»
Die Führung
Offenbar erlag man bei Ineos dem Irrglauben, dass sich das Team auch aus der Ferne steuern lasse. Klubpräsident Bob Ratcliffe, der seinen Posten räumen muss, sei kaum einmal in Lausanne gewesen. «Die Besitzer dachten sich wohl den kleinen FC in der kleinen Schweiz als Spielzeug, das locker mit einem Finger zu führen sei. Wenn es sein muss, von einer Kommandozentrale in Südfrankreich aus», so die NZZ.
Nun kommt es zum Neustart
Die Arroganz, Ignoranz und der Irrglaube kommen Lausanne mit der Relegation nun teuer zu stehen. Wobei Boschetti das nicht einmal als grosses Problem einschätzt. «Der Abstieg ist nicht so schlimm. Lausanne fusst auf einem soliden Fundament.» Viel wichtiger sei: «Der Klub muss aus seinen Fehlern lernen.»