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Sea Eye berichtet am 09.05.2022: Am Freitagabend (06.05.2022) meldete die Organisation Alarm Phone einen Seenotfall in internationalen Gewässern nördlich von Benghazi. Das Containerschiff BERLIN EXPRESS von der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd war das erste Schiff am Unglücksort und fand ein kleines, überfülltes Holzboot mit 34 Menschen. Der Vorfall ereignete sich in der maltesischen Such- und Rettungszone. Die maltesische Rettungsleitstelle verletzte jedoch wiederholt ihre Koordinierungspflichten und verwies auf die Zuständigkeit des Flaggenstaates. Die BERLIN EXPRESS fährt unter deutscher Flagge und hat ihren Heimathafen in Hamburg.
Das Hamburger Containerschiff konnte aufgrund des Wetters und insbesondere wegen der Höhe des Freibords die Menschen nicht direkt retten, ohne deren Leben zusätzlich zu gefährden. Die Crew der BERLIN EXPRESS versorgte die Schutzsuchenden mit Lebensmitteln sowie Trinkwasser, ließ eine Rettungsinsel zu Wasser und blieb bis zu deren Rettung bei den 34 Menschen. Gegenüber Sea-Eye erklärte eine Mitarbeiterin von Hapag-Lloyd, dass ein Crewmitglied dabei verletzt wurde. Nach Rückkehr und Behandlung auf der BERLIN EXPRESS geht es dem Crewmitglied gut.
Die deutschen Behörden kontaktierten Sea-Eye’s Einsatzleitung am Samstagvormittag, um nach Lösungen für die schwierige Situation zu suchen. Die SEA-EYE 4 war zu diesem Zeitpunkt 40 Stunden vom Unglücksort entfernt. Am Samstagnachmittag kontaktierte die deutsche Rettungsleitstelle MRCC Bremen die SEA-EYE 4 und bat darum, der BERLIN EXPRESS Hilfe zu leisten. Die SEA-EYE 4 verließ daher ihr Einsatzgebiet östlich von Tripolis und nahm Kurs auf die Position der BERLIN EXPRESS.
Mehrere Handelsschiffe erreichten die BERLIN EXPRESS noch vor der SEA-EYE 4. Darunter auch die BSG BAHAMAS, die von der Hamburger CPO Containerschiffreederei GmbH & Co. KG gemanagt wird. Sonntagmittag gelang es der Besatzung der BSG BAHAMAS schließlich, die Rettung der 34 Menschen durchzuführen und auf die BSG BAHAMAS zu evakuieren. Zu diesem Zeitpunkt waren die Menschen bereits vier Nächte auf See. „Die von uns gemanagte BSG Bahamas wurde auf dem Weg von Alexandria nach Tanger Med westlich von Malta von MRCC Bremen aufgefordert, an der Rettung von 34 Personen teilzunehmen. Unser Schiff erreichte die Position nach Einbruch der Dunkelheit, mit 7.20m Freibord und 2m Schwell wurde die umgehende Rettung als zu gefährlich für die zu Rettenden eingestuft. Nach Sonnenaufgang entschied unser Kapitän mit voller Unterstützung seitens der Reederei und enger Kooperation mit dem MRCC Bremen, mit seiner Besatzung die Menschen an Bord zu nehmen und zu versorgen. Bis auf zwei offensichtlich seekranke Personen geht es diesen nach bisherigen Erkenntnissen soweit gut. Wir danken unserem Kapitän und seiner Besatzung für die hervorragende Seemannschaft, Voraussetzung für eine erfolgreiche Durchführung einer derartigen Rettungsaktion“, sagte Ortwin Mühr, Sprecher für die CPO Containerschiffreederei GmbH & Co. KG aus Hamburg.
Die BERLIN EXPRESS konnte ihre Fahrt daraufhin fortsetzen. „Unser Kapitän und seine Besatzung haben einen herausragenden Job gemacht und es stand von der ersten Minute an außer Frage, dass wir den Personen in Seenot so gut wir können helfen“, sagte Silke Muschitz, Head of Fleetmanagement bei Hapag-Lloyd. „Wir möchten uns ganz herzlich für die gute Unterstützung von Sea-Eye bedanken. Unsere Kapitäne waren im ständigen Austausch und die Situation hat uns einmal mehr gezeigt, wie wichtig eine gute Zusammenarbeit bei der Rettung von Personen in Seenot ist“, fügte Muschitz hinzu.
Am späten Sonntagnachmittag traf die SEA-EYE 4 auf die BSG BAHAMAS. Nachdem der Kapitän des Containerschiffes die SEA-EYE 4 um die Übernahme der Geretteten gebeten hatte, besuchte das gemeinsame medizinische Team von Sea-Eye und German Doctors die BSG BAHAMAS, um die Situation beurteilen zu können. Beide Schiffsleitungen waren sich darüber einig, dass die 34 Geretteten auf dem Rettungsschiff SEA-EYE 4 besser versorgt und medizinisch behandelt werden können, als auf einem Containerschiff. Deshalb übernahm die SEA-EYE 4 alle 34 Geretteten am frühen Sonntagabend. Die SEA-EYE 4 verfügt über ein trainiertes, medizinisches Team, ein Bordhospital, genügend Proviant und Schlafplätze für die 34 völlig erschöpften Überlebenden, die nun schon rund vier Tage auf See ausharren mussten.
„Ohne die Besatzungen der BERLIN EXPRESS und der BSG BAHAMAS hätten die Menschen keine Chance gehabt, zu überleben. Sie wären verdurstet oder ertrunken“, sagte Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e. V. „Soweit hätte es nicht kommen dürfen. Der Seenotfall ereignete sich schließlich in der maltesischen Such- und Rettungszone. Erneut lehnte Malta die Verantwortung und Koordinierung ab, sodass die deutsche Rettungsleitstelle in Bremen gezwungen war, einen Seenotfall auf dem Mittelmeer zu koordinieren.“