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Was lange währte, wurde endlich gut. Portugal gewann im Stade de France in Saint-Denis endlich seinen ersten Titel und reihte sich als zehnte Nation in die Siegerliste von Europameisterschaften ein. Und dies, obwohl Galionsfigur Cristiano Ronaldo im Final früh ausschied.
Der Triumph Portugals mag auf den ersten Blick erstaunen – das Team gehörte im Vorfeld für einmal nicht zum erweiterten Favoritenkreis –, ist aufgrund des Turnierverlaufs und der Geschichte des am südwestlichen Zipfel des Kontinents gelegenen Landes mit seinen 10,8 Millionen Einwohnern aber keine Überraschung.
Die EM-Bilanz Portugals der letzten zwei Jahrzehnte ist eindrücklich, hatte sich die «Seleção» doch als einzige Nation seit 1996 stets für die K.o.-Runde qualifiziert. Mit Ausnahme des Turniers 2008 erreichten die Portugiesen seit der Jahrtausendwende immer die Halbfinals, 2000 scheiterten sie erst in der Verlängerung am späteren Sieger Frankreich, 2004 im Final an Griechenland, 2012 im Penaltyschiessen an Spanien.
Der Triumph der «Federação Portuguesa de Futebol» im Norden von Paris ist natürlich auch der Triumph von Cristiano Ronaldo, des bestbezahlten Sportlers der Welt. Seine Reise durch die EM in Frankreich war aber kein Triumphzug, sondern vielmehr ein Drama mit versöhnlichem Ausgang. Im ersten Spiel hatte sich Ronaldo unbeliebt gemacht, die Isländer warfen ihm Arroganz auf dem Platz vor. Gegen Österreich verschoss er einen Penalty, doch dann nahm Portugal vor allem dank ihm die Hürden Ungarn, Kroatien, Polen und Wales.
Ronaldos Fahrplan in Richtung Final stimmte, aber dann war das Endspiel für ihn nach 22 Minuten und nach einer rüden Attacke von Gegenspieler Dimitri Payet bereits zu Ende. Wieder weinte Ronaldo bittere Tränen, als er auf der Bahre mit schmerzendem Knie weggetragen wurde. Tränen wie damals 2004, als er als Teenager den EM-Final im eigenen Land gegen Griechenland verlor.
Doch diesmal waren die Tränen schnell getrocknet. Das Knie schmerzte spät am Abend zwar noch immer, aber das Herz lachte. Nichts hatte sich der dreifache Champions-League-Sieger und dreifache Weltfussballer des Jahres sehnlicher gewünscht als einen Titel mit seinem Heimatland. Auch wegen ihm, der an Endrunden zu selten sein Rendement erreichte, scheiterte Portugal seit der verlorenen Heim-EM immer und immer wieder auf der Zielgeraden.
Mit dem Triumph in Frankreich stösst der 31-Jährige von der Insel Madeira in neue Sphären vor. Er reiht sich in die Liste der grössten Fussballer der Geschichte wie Diego Maradona oder Zinédine Zidane ein, die als Captain ihr Land zu einem grossen Titel führten. Mit dem Gewinn des Coupe Henri-Delauney übertrifft Ronaldo auch Lionel Messi, seinen ewigen Rivalen, dem ein Titel mit der Nationalmannschaft noch fehlt.
Portugals Triumph alleine auf seine Nummer 7 zu reduzieren, wäre allerdings zu simpel. Der Europameister gewann den Titel aufgrund des starken Kollektivs, seiner spielerisch nach wie vor vorhandenen Klasse und der Fähigkeit, sich im Lauf eines Turniers zu steigern und sich den Gegebenheiten der einzelnen Partien und Gegner anpassen zu können. Trainer Fernando Santos verstand es, die Bausteine immer wieder neu zu ordnen und taktisch gekonnt zu variieren.
Im Schatten Ronaldos spielten sich in den Wochen in Frankreich Spieler wie Raphäel Guerreiro, William Carvalho oder João Mario, die 2015 den Final der U21-EM erreicht hatten, zusammen mit Renato Sanches, dem nächsten designierten portugiesischen Superstar, in den Vordergrund. Für diese Generation dürfte der Triumph im Stade de France erst der Anfang gewesen sein. Portugals Zukunft ist rosig, im Mai gewann die U17 den EM-Titel, an der beginnenden U19-EM gehören die Portugiesen zu den Titelanwärtern. (sda/drd)