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Der Film «Der Junge der den Wind einfing» war aus meiner Sicht einer der eindrücklichsten Filmen, den ich je gesehen habe. Der Film kommt eher still daher, löste aber trotzdem viele Emotionen aus. Es gab Kameradinnen, welche am Schluss weinten. Das lag sicher auch an den exzellenten Schauspielern. Man konnte sich jederzeit in die fürchterlichen Situationen hineinversetzen. Die Geschichte thematisiert die Themen Politik, Gesellschaft, Auswirkungen der Hungersnot, und Mechanik. Ich fand es sehr interessant, die Politik in Afrika und den Alltag von Menschen eines fernen Landes zu sehen.
Was für uns selbstverständlich ist, ist für sie ein Geschenk
Was für uns selbstverständlich ist, ist für sie ein Geschenk oder das Ergebnis harter Arbeit. Da in Malawi (so heisst das Land, in dem der Film spielt) auf eine lange Regenzeit eine noch längere Trockenzeit folgt, können die Bauern nur eine Ernte ernten. Dort leben die Bauern nur von dem, was ihre Ernte hergibt. Dies ist auch einer der Gründe, warum es in Afrika immer noch viel Armut gibt. Doch der Hauptgrund für die Armut ist die Regierung Malawis. Dieses Thema wird in der Mitte des Films drastisch gezeigt: Als der Chief des Dorfes versuchte, dem Präsidenten klarzumachen, dass sie verhungern würden, da ihre einzige Ernte aufgrund der Regenfälle kaputt gegangen ist und sie die Hilfe der Regierung benötigten, liess ihn der Präsident von seinen Leibwächtern halb totschlagen. Die Regierung will nicht auf die Probleme der Bürger eingehen und ihnen helfen. Malawi ist kein Sozialstaat, der bestrebt ist, die sozialen Gegensätze innerhalb der Gesellschaft auszugleichen und die wirtschaftliche Sicherheit seiner Bürger zu gewährleisten.
Hier ist die Schule eine Selbstverständlichkeit, dort ist sie ein Ort der Sehnsucht. Nur wer Geld hat, darf die Schule besuchen.
Am meisten beeindruckt hat mich, wie William auf die Idee gekommen ist, eine Windmühle zu bauen, mit welcher man das Wasser aus dem Brunnen mit einer Pumpe hinaufpumpen und somit dem Dorf eine zweite Ernte ermöglichen kann. Ich denke nicht, dass jede Person in seinem Alter dies geschafft hätte oder gar auf die Idee dazu gekommen wäre. Ich finde es sehr schade, dass viele Menschen wahren Genies, die wirklich etwas in der Welt bewirken und verbessern können, oft in Ländern hausen, in denen sie keine Möglichkeiten haben, ihre genialen Ideen umzusetzen, und in denen es keine gesicherte Zukunft für sie gibt. Hier ist die Schule eine Selbstverständlichkeit, dort ist sie ein Ort der Sehnsucht. Nur wer Geld hat, darf die Schule besuchen.
Der Vater bestimmt alles
Erdrückend auch die Szene, in welcher Annie, die Schwester von William, mit Herrn Kachigunda, dem Dorflehrer, von zuhause abgehauen ist. Sie hinterliess einen Brief, der ihre Mutter in Tränen ausbrechen liess: «Wie kann sie uns das antun?». Diese Reaktion zeigte, wie wichtig die Ehre einer Familie in Afrika ist. Mir ist beim Thema Familie besonders aufgefallen, dass der Mann beziehungsweise der Vater alles bestimmen kann, dass jedes Familienmitglied auf ihn hören muss und dass er entscheidet, wen seine Kinder heiraten dürfen. In unserer Kultur wird dies nicht vorgeschrieben, was ich sehr gut finde, denn jeder Mensch soll seinen eigenen Willen, sein eigenes Gedankengut haben und eigene Entscheidungen treffen dürfen. Meiner Meinung nach sollte auch nicht nur ein Elternteil das Sagen haben, sondern beide gleich viel.
Ich habe aus diesem Film gelernt, dass man sich nicht mit dem Erstbesten zufrieden geben, sondern alles in Frage stellen darf, so wie William es getan hat. Ich habe mir, nachdem wir den Film in der Schule geschaut hatten, viele Gedanken darüber gemacht, ob ich alles, was ich besitze, wirklich brauche und es mich glücklich macht. Meiner Meinung nach sollte man diesen Film allen Kindern in der Schule zeigen, denn es regt einen an, sich Gedanken über sein Leben zu machen, sich selbst zu verbessern und in der Gesellschaft zu helfen oder gar etwas zu bewirken.
Ronja Stauffer, 13 Jahre alt, Schülerin der 7. Klasse des Oberstufenzentrums Orpund