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Johannes Georg Ortolf
Lebensdaten
Profess: ca. 1591
Priesterweihe: 4. März 1591
Primiz: 21. April 1591?
Lebensbeschreibung[1]
Aus dem reichen Material über P. Johannes Georg ergibt sich, dass er aus dem fränkischen Ochsenfurt stammte, da er später sich dort bei seinen Geschwistern für einige Zeit aufhielt. Sein Alter ergibt sich nur indirekt durch die Dokumentation der Wahl des Abtes Melchior Rizzi. An diesem 18. Juni 1600 war er zugegen, ebenso bei der Inquisition über den Gewählten vom 26. Juli. Hier erklärte er, er sei jetzt 34 Jahre alt. So war sein Geburtsjahr 1566. Im Jahre 1591 wurde er Diakon und dem Bischof zum Empfang der Priesterweihe empfohlen.[2] Am 14. August 1592 erhielt er zudem die Admissio zur Ausübung der Seelsorge.[3] In diesem Zusammenhang fallen zwei Momente auf: Wie und durch wen kam der Schwabe in das entlegene Hochtal? Tatsächlich fällt es auf Grund der veröffentlichten Quellen, wie etwa der Professbücher, Annatregister und Visitationsrezesse auf, dass der Säkular- wie der Regularklerus im 16. Jahrhundert einen starken Anteil reichsdeutscher Geistlicher aufweist. Eine andere Beobachtung: Bei P. Johannes wie bei anderen Patres dieser Zeit, liest man vom Empfang der Weihen, selten aber vom Noviziat, sodass der Verdacht besteht, die Profess sei ohne Noviziat abgelegt worden. Dieser Missbrauch bestand z.B. in Disentis, wie P. Iso Müller feststellte.[4] Hier muss in der Biografie des P. Johannes kurz vorgegriffen werden, wo er indes in einem günstigen Licht erscheint. Nach seiner Flucht aus dem Kloster gelangt er nach langem Umherirren nach Disentis. Hier trifft er u.a. einen deutschen Landsmann, Tobias Bruggener, der selber erklärte, bei ihnen habe man gewöhnlich Profess ohne vorausgehendes Noviziat abgelegt. Er hätte es selber auch so gehalten, wenn nicht ein Pater von Engelberg, der eben damals 1612 in Disentis weilte, ihn dazu gebracht hätte, vom Abt die Erlaubnis zu erwirken, dass er vor der Profess sich im Noviziat erproben könnte. Der Name des Paters wird nicht genannt. Doch kann es um diese Zeit nur P. Johannes gewesen sein. Man könnte daraus schliessen, P. Johannes habe auch kein Noviziat bestanden und dieses vermisst, sodass er den jungen Mitbruder im erwähnten Sinne beeinflussen wollte.[5] Aber auch P. Johannes sollte noch manche Irrwege gehen, bis er seine innere Ruhe fand.
Mit 25 Jahren wurde er Diakon und vom Bischof geweiht. Dabei steht die Bemerkung, er habe die Profess abgelegt und die ersten Weihen erhalten. Am 21. April 1591 hielt er "die erste mäss" (Primiz). Von Noviziat und Theologiestudium ist nicht die Rede.[6] Dagegen wird er schon am 25. Februar 1601 von den Schirmherren als Schaffner vorgeschlagen.[7] Er scheint sich vorübergehend gebessert zu haben, denn nicht lange vorher, am 16. März 1590, hatten ihm die Schirmherren vorgeworfen, dass er sich "ungebürlich und unehrbar" verhalte und mit unzüchtigen Weibern verkehre. Man nahm mit dem Nuntius Fühlung auf, er solle ihn aus dem Kloster entfernen. Bei seiner Verantwortung vor dem geistlichen Gericht des Nuntius[8] gab er vor, er habe seinen Abt Melchior Rizzi gemahnt, er solle nicht soviel trinken und den Talleuten kein Ärgernis geben. Er habe sich auch mit der Frau des Balthasar Müller, Anna Schwendi, eingelassen. Ortolf, der einige Zeit ausserhalb des Klosters lebte, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, sei auf Wunsch des Abtes auf Weihnachten ins Kloster zurückgekehrt. Da er den Abt von neuem gemahnt habe und sehen musste, dass er für die äussere und innere Verwaltung des Klosters völlig unfähig sei, habe er sich dessen Hass zugezogen. Das sei ihm unerträglich geworden, sodass er wie bekannt, mit der Schwester Bidermann geflüchtet sei, wie P. Johannes Fischer. Sie seien dann für fünf Jahre auf die Galeeren verurteilt worden. Fischer habe die Strapazen dieser Strafe nicht ausgehalten und sei ihnen erlegen, während er auf dem Heimweg sich als Bettler durchschlagen musste. Er liess sich in Rom die Absolution von Sünde und Strafe geben, habe dort von einem Jesuiten eine alte Kutte erhalten. In der Heimat wurde er vom Nuntius für drei Jahre nach Einsiedeln geschickt, damit er nicht neues Ärgernis gebe. Die genannte Nonne, Anna Bidermann, lebte noch in Engelberg. In Einsiedeln soll er zur Hauptsache als Exorzist gewirkt haben. 1609 konnte er ins Kloster Engelberg zurückkehren, da man glaubte, er habe sich gebessert, der Abt von Einsiedeln mahnte aber zur Vorsicht. Ortolf wurde in seiner Zelle in Haft gehalten, konnte aber durch einen Sprung aus dem Fenster in den hohen Schnee in der Fasnacht 1610 entweichen. Er irrte lange umher und kam im März 1610, nachdem er zuhause noch einen Brief hinterlassen hatte, um seinen Schritt zu rechtfertigen und allen zu danken, die für ihn eingetreten waren, nach Disentis. 1611 ist er durch einen Brief der Gemeinde Disentis bezeugt, auch durch den dortigen Abt Bundi, der erklärte, er sei seit 17 Monaten im Kloster in der Seelsorge tätig und helfe auch auswärts aus. Hier gab er wohl dem jungen Tobias Bruggener den Rat, er soll vor der Profess kein Noviziat machen.
Am 22. September 1611 schrieb der Schultheiss von Ochsenfurt, seiner Heimat, Ortolf habe sechs Wochen hier bei seinem Bruder gewohnt. Am 16. März 1615 bezeugt der Abt von Schwarzach in der Diözese Strassburg, er habe drei Jahre und sieben Monate dort in der Umgebung als Pfarrer sehr gut gewirkt. Am 7. August 1615 ist er in Bursfelden und am 21. Juni 1616 im benachbarten Rütte beglaubigt. 1616 kam er wieder in die Schweiz ins zugerische Walchwil. Am 5. April 1617 legte er hier den Eid auf das Kapitel Zug ab.[9] Der Herkunftsname ist hier in "Eltorf" entstellt. Er war schon 1594 bis 1597, ebenso 1599 bis 1601 Pfarrer in Morschach gewesen, und dann wieder von 1617 bis 1626.[10] Während seines ersten Wirkens in Morschach erlebte er die Freude, dass ein Neffe, Leodegar Grüebler aus Zell am Bodensee die erste Messe feierte.[11] Geradezu romanhaft mutet die Geschichte an, wie er nach Morschach kam.[12] Ortolf kehrte in Begleitung von zwei Polizisten im "Adler" in Brunnen ein und konnte sich dort auf eine Freibank retten, wie sie in Wirtshäusern oft vorkamen, Diese galten als Asyl, von dem die Flüchtigen nicht vertrieben werden durften. Kothing nennt das ganze eine Sage. Doch deren Kern dürfte der Wahrheit entsprechen. In Morschach erhielt Ortolf am 14. April 1620 die Admissio des Bischofs von Konstanz und blieb dieser Pfarrei treu bis 1626. In diesem Jahr kehrte er unter Abt Benedikt Keller ins Kloster zurück. Er hatte noch ein kostbares Andenken dort zurückgelassen, eine Monstranz, die er für die Pfarrei anfertigen liess. Auf ihrem Fuss ist sein Name und die Jahrzahl 1626 eingraviert, ebenso die Namen der Kirchenvögte Gasser und Inderbitzin.[13] Noch am 4. September 1619 hatte ihn die Äbtekonferenz in Einsiedeln aufgefordert, er solle sich wegen seiner Vergehen verantworten. Er erschien nicht, sandte aber an den Sekretär der Kongregation ein Schreiben mit dem Inhalt, er müsse sich entschuldigen, da er wegen der bevorstehenden Feierlichkeit des Festes des heiligen Magnus (6. September) seine Pfarrei nicht verlassen könne. Er sei aber bereit bei anderer Gelegenheit sich zu verantworten [14] Zwei Jahre später, am 21. Juni 1621 beschloss die Äbtekonferenz in Rheinau auf Abt Benedikt Keller einzuwirken, dass er ihn ins Kloster zurück berufe. Diese Aufforderung wird anlässlich der Visitation in Engelberg wiederholt. Er kehrte offenbar mit Freude zurück und führte in der Abgeschiedenheit des Klosters noch ein erbauliches Büsserleben. Er bezog am 28. November 1626 vom Apotheker Medizin.[15].
Im Jahre 1913 fand man bei der Reinigung und Ausbesserung der Apostelreliquien der Sakristei Engelberg im Haupt des heiligen. Judas Thaddäus einen Pergamentzettel, auf dem der Senior Joh. G. Ortolf bezeugt, dass er, weil nach St. Benedikt der Müssigang ein Feind der Seele sei, diese Arbeit gemacht habe im Jahre 1628, im 62. Jahr seines Alters, zur Zeit der Resignation des Abtes Benedikt Keller.[16] Er starb am 6. April 1632.[17] Sein späterer Nachfolger als Pfarrer von Morschach erklärte bei der Eröffnung des Grabes von P. Johannes im Jahr 1707, man habe auf der Leiche ein eisernes Cilicium gefunden, das er seit 1626 getragen hatte und das ganz ins Fleisch eingewachsen war.[18] In Morschach lag auch noch ein Buch aus der Engelbergerzeit vor "dis buoch gehört dem Her Jörgen uf Morschach, dem mönchli"[19]
Einzelnachweise
- Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von P. Gall Heer (StiArEbg Professbucheinräge) übernommen.
- Collectanea Tanner 2 (1500-1600), StiArEbg cod. 282, S. 459.
- Admissio ad presbyteratum, StiArEbg Personaldossier P. Johannes Ortolf.
- Zeitschrift für Schweiz. Kirchengeschichte 48, S. 25.
- P. Iso Müller bezweifelt zwar, dass P. Tobias ein ganzes Noviziat ausgeharrt habe. Die Praxis in Disentis ging eben andere Wege.
- Collectanea Tanner 2 (1500-1600), StiArEbg cod. 282, S. 405.
- Eidgenössische Abschiede V, 1, 1801.
- Collectanea Tanner 2 (1500-1600), StiArEbg cod. 282, S. 76 f.
- Iten, Tugium Sacrum I, S. 185.
- Über die ganze Odyssee, siehe Straumeyer, Annales 2, StiArEbg cod. 222, S. 432 ff.
- Odermatt, Miscellanea II, S. 452.
- Kothing, Geschichtsfreund, 12, S. 152 über "Blutrache im Kanton Schwyz".
- Birchler, Kunstdenkmäler des Kantons Schwyz II, unter Morschach.
- StiArEbg cod. 310, S. 20.
- Rechnungsbuch des Abtes Plazidus Knüttel, cod. 34/31 S. 660.
- StiArEbg Hauschronik «Strählplätzli», 1911, Heft 8.
- Collectanea Tanner 3 (1600-1619), StiArEbg cod. 283, S. 318.
- Tanner 428.
- Bibl. D. 197 a.
Bibliographie
- Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 102.
- StiArEbg Professbucheintrag nach P. Gall Heer.