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Buchbesprechung
Für alle Freunde von Verschwörungstheorien und Realitätsabgleichen ist die "Datenmafia" wie geschaffen. Obwohl das Buch dank populärwissenschaftlicher Formulierungen (siehe Titel) auch für normale Menschen verständlich ist, erweitert es auch das Hackerhirn um eine Dimension.
Die Hintergründe geheimdienstlicher Tätigkeit, Verstrickungen mit Firmen und Softwarehäusern wird hier im Detail anhand des Beispiels "Promis" erläutert.
Anfang der 80er Jahre brachte die amerikanische Firma "Inslaw" eine Software namens PROMIS für Vax/VMS Systeme auf den Markt. PROMIS (Prosecutors Management Information System) erlaubte es Staatsanwaltschaften, Richtern, Polizei und Ermittlungsbehördern etc. nicht nur verschiedene Datenbanken zu verwalten, sondern vor allem diese miteinander abzugleichen und so aus verschiedenen (ungeklärten) Fällen die Gemeinsamkeiten zu ermitteln.
Soweit, so schlecht - die Firma wurde durch dubiose Vorfälle letztlich von amerikanischen Regierungsstellen in den Ruin getrieben, die Software mit einer Hintertür versehen und fortan über Geheimdienstkanäle an Regierungen in aller Weit verkauft. Die Dimension lässt auch ein stückweit die Hack's der 80 Jahre im Umfeld des CCC und die Folgen in einem deutlicherem Licht sehen.
Die Geschichte von Promis hat u.a. durch einige umgebrachte recherchierende Journalisten und schließlich einem Ausschuss des amerikanischen Senats für einigen Wirbel gesorgt, ein technisches Detail nicht so sehr.
In dem Filmbeitrag "Hacker mit Geheimauftrag" den Egmont Koch vor einigen Wochen im ZDF zeigte kommt eine technische Delikatesse zur Sprache.
Michael Riconosciuto, der Mann, der die Hintertür in Promis für die NSA einbaute, wurde - kurz nachdem er Aussagen vor eben diesem Kongressausschuß gemacht hatte - wegen Drogenhandels verhaftet und für satte 30 Jahre eingeknastet. Er berichtete schließlich, daß die NSA eines Tages die Grenzen der Promis-Hintertür erkannte. Denn die wirklich geheimen Informationen in Computern fremder Länder waren nicht vernetzt, sondern in standalone-Rechnern weggebunkert.
Um dennoch an die Datenbestände zu gelangen wurde ein Verfahren namens "Spreizbandstrahlung" ausgenutzt- Durch Erzeugung einer Abstrahlung auf den Adress/Datenbussen der Grossrechner (keine Hardwaremanipulation! Reines Wackeln von Strömen) wurde es anhand einer bestimmten Modulationsfrequenz möglich, die Daten wieder zu empfangen. Promis erhielt den Auftrag, den gesamten Datenbestand zyklisch auszusenden.
Zivile Nutzungsmöglichkeiten dieser Technologie (z.B. zur drahtlosen Vernetzung), die übrigens bereits Anfang der 70er Jahre entwickelt wurde, gibt es bisher eher nicht. Aber das ändert sich hoffentlich bald.
Egmont R. Koch und Jochen Sperber: "Die Datenmafia" bei Rowohlt, ISBN 3-498-06304-9
Infos irn Web:
Verkauf von Promis.http://www.copi.com/articles/inslaw-a.htm
Top Censored News Stories of 1991: http://censored.sonoma.edu/ProjectCensored