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Ich mache seit gut zwei Jahren kein Geheimnis mehr draus, dass (und was) ich schreibe. Wir Fantasy-Autoren werden ja oft belächelt und ich kenne viele, die selbst ihren Freunden oder ihrer Familie gegenüber niemals erwähnen würden, dass sie Fantasy schreiben. Aber warum ist das so? Warum verheimlichen Fantasy-Autoren ihre Arbeit, wenn Autoren von Krimis oder Thriller es mit stolz geschwollener Brust heraus posaunen dürfen?
Über dieses Thema wurde schon viel diskutiert, auch in meinem Lieblingsforum. Fantasy scheint, jedenfalls meiner Erfahrung nach, immer noch ein Genre zu sein, das als minder und trivial gilt. Da helfen selbst die Grossen wie Tolkien, Rowling und Martin nicht viel, wenn die Verlage Fantasy ablehnen, weil es dafür angeblich keinen Markt gibt. Als Fantasy-Leser nervt es mich gewaltig, dass ich in einer Buchhandlung dann seit Jahren die immer gleichen Buchrücken/Autoren/Titel im Regal vor mir sehe, während drüben bei den Krimis, den historischen Romanen, [you name it] wöchentlich die Auslage wechselt. Ausweichen auf den britischen oder den amerikanischen Markt ist für mich die beste Lösung - also wundert euch nicht, ihr deutschen Grossverlage, dass ihr nichts verkauft, wenn ihr seit Jahren die wortwörtlich gleichen Bücher anbietet und uns dann englische Übersetzungen vor die Nase setzt, die wir bereits vor zwei Jahren im Original gelesen haben!
Und was macht man nun als kleiner, unbekannter Fantasy-Autor? Man wendet sich an die Kleinverlage. Und bekommt da vielleicht eine Chance, sein Buch zu veröffentlichen.
Aber das ist ein Thema, das einen eigenen Blogpost verdient.
Eine der Fragen, die ich wirklich jedes Mal (ja, wirklich, jedes Mal) gestellt bekomme, wenn ich erzähle, dass ich schreibe, ist: "Über was schreibst du?"
Also, zum einen ist diese Frage falsch gestellt. Würde ich über etwas schreiben, wäre ich ganz gern zu National Geographic gegangen. Dann würde ich journalistische Artikel und Aufsätze über Schnabeltiere oder das Bienensterben schreiben. Zum anderen kann natürlich auch ein Fantasy-Autor sagen, sein Buch sei eine Geschichte über Freundschaft, über Homosexualität in einer fiktiven Welt, oder über die Kunst, wie man Drachen züchtet.
Aber Fantasy ist so viel vielschichtiger, dass sich das schlecht in 1-2 Sätzen beantworten lässt. Ich antworte meist: "Ich schreibe Steampunk und Dieselpunk. Fantasy eben." Und kriege fragende Blicke. Dann beginnt das Erklären. Mag ich die Person und erkenne ehrliches Interesse an meiner Arbeit, erkläre ich etwas genauer, was das denn ist. Wenn nicht, verweise ich auf Google.
Mittlerweile habe ich das Problem, dass ich mein Buch in 2-3 Sätzen zusammenfassen soll, und zwar so, dass mein Gegenüber versteht, dass es a) Fantasy, b) Steampunk = alternative Historie/Realität und c) völlig abgefahren ist. Meist hinterlasse ich mehr Verwirrung als vorher. Aber damit musste ich rechnen. Ich habe eine verrückte, abgedrehte Geschichte in einem hierzulande weitgehend unbekannten Untergenre der Fantasy geschrieben. :D
Seit ich offen sage, dass ich schreibe, habe ich unglaublich viel positive Resonanz bekommen. Sogar von Menschen, die mit Büchern nicht viel am Hut und vielleicht in ihrem ganzen Leben nur drei Bücher gelesen haben. Anfangs brauchte es unglaublich viel Mut, hin zu stehen und zu sagen, ja, ich schreibe Fantasy. Deal with it.
Natürlich gibt es verhaltene Reaktionen. Nicht jeder, der sagt "Cool, sag Bescheid, wenn das Buch draussen ist." wird es auch wirklich lesen (ich vermute eher nicht). Vorgetäuschtes Interesse ist sehr oft einfach nur höflicher Small Talk. Aber ich habe gelernt, damit umzugehen und nicht viel auf solche Aussagen zu geben. Da rein, da raus, könnte man sagen. Trotzdem freue ich mich immer sehr, wenn ehrliches Interesse zu erkennen ist.
Ich vermute, mein Umfeld muss erst noch lernen, dass ich nun Autorin bin und man in ein paar Wochen ein Buch von mir kaufen kann, mit meinem Namen drauf. Ich steh bereits mit stolz geschwollener Brust da und posaune es heraus: Ja, ich schreibe Fantasy. Deal with it.