Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03642.jsonl.gz/2227

Feuchte vs. Trockene Lagerung
Ein sehr wichtiges und spannendes Thema bei gealterten Pu-Erh-Tees ist die Lagerung der Tees. Klar gibt es ein paar Momente, welche man beachten muss, damit der Pu-Erh-Tee nicht verdirbt bei der Lagerung (z.B. durch Schimmelpilz bei einer zu hohen Luftfeuchtigkeit). Als wichtige Faktoren werden Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Belüftung genannt. Jedoch streiten sich die Geister, welches denn nun die optimalen Bedingungen sind. Generell spricht man von zwei Typen von Lagerungen. Die eine ist die feuchte Lagerung (wet storage), die andere die trockene Lagerung (dry storage). Beide Typen von Lagerungen haben ihre Anhänger. Das ist schlussendlich eine reine Geschmackssache. Wir tendieren dazu, die eher trockene Lagerung zu bevorzugen. Dies hat jedoch absolut subjektive Gründe. Bei einer trockenen Lagerung sind die Luftfeuchtigkeitswerte relativ tief. Mit tief meinen wir Werte von 40% bis 65% Luftfeuchtigkeitswerte und gemässigte Temperaturen von 20°C bis 25° C. Dies hat als Konsequenz, dass die Alterung oder Fermentierung des Tees eher langsam fortschreitet im Vergleich zur feuchten Lagerung. Zur Fermentierung tragen die Oxidation und Enzyme im Pu-Erh-Tee bei, welche bei hoher Luftfeuchtigkeit die Fermentierung beschleunigen. Es kann also durchaus sein, dass ein 5 jähriger Pu-Erh-Tee schon weiter fermentiert ist als ein 10 jähriger, wenn die Luftfeuchtigkeit höher ist. Zusammenfassend kann man also sagen, dass es zwei Arten von Lagerungen gibt, die feuchte Lagerung und die trockene Lagerung. Dabei gibt es verschieden Zentren in Asien, wo Pu-Erh-Tees von Pu-Erh-Liebhabern gelagert werden. Befürworter der feuchten Lagerung altern ihre Pu-Erh-Tees in Gebieten mit hoher Luftfeuchtigkeit wie Hong Kong oder Guangdong. Befürwortder der trockenen Lagerung bevorzugen Gebiete wie Kunming. Natürlich werden Pu-Erh-Tees auch an verschiedenen Orten gelagert, z.B. zuerst 5 Jahre in Kunming und dann 10 Jahre in Hong Kong.
Pu-Erh-Tee lagern in der Schweiz
Wie sieht es denn bei uns aus mit der Lagerung? Ich würde sagen, dass die Bedingungen in der Schweiz für die Lagerung von Pu-Erh-Tees nicht ganz optimal, aber gut sind im Vergleich zu anderen europäischen Ländern. Wir haben gemässigte Winter (nicht zu trocken) und Sommer mit erhöhten Luftfeuchtigkeitswerten. Wichtig dabei ist, dass man im Winter die Pu-Erh-Tees nicht in der Nähe von Heizungen plaziert. Die Pu-Erh-Tees würden sonst auströcknen. Falls dann die Luftfeuchtigkeitswerte dennoch zu tief sind, kann man versuchen diese leicht zu erhöhen mit dem Einsatz von Luftbefeuchtern. Auch kann mann sogenannte Pumidors einsetzen wie man das für Weine macht. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten.
Auswirkungen auf den Geschmack
Generell sagt man, dass die feucht gelagerten Pu-Erh-Tees schnell ihren anfänglichen Geschmack verlieren. Vor allem die frischen, fruchtigen und grasigen Noten der frisch gepflückten Teeblätter verwandeln sich schnell in mineralische, erdige und nussige Geschmacksnoten. Bei den trocken gelagerten Pu-Erh-Tees jedoch verschwinden die anfänglichen frischen Noten erst nach sehr langer Zeit. Die Geschmacksnoten sind meiner Meinung nach bei den trocken gelagerten Pu-Erh-Tees viel komplexer als bei feucht gelagerten Pu-Erh-Tees. Wie gesagt im ersten Abschnitt ist es aber so, dass dies eine reine Geschmackssache ist, was einem besser entspricht.
Feucht gelagerter Pu-Erh-Tee im Praxistest
Da wir eher dazu tendieren, trocken gelagerte Pu-Erh-Tees zu konsumieren, wollten wir wieder mal einen feucht gelagerten Tee probieren als Vergleich. Dabei haben wir den Xiaguan Flame Tibetian Ziegel bestellt, welcher preisgünstige auf dem Markt zu haben ist. Unser Exampel stammt aus dem Jahre 2006.
An der Verpackung sieht man sofort, dass der Tee schon jahrelang gelagert wurde und es sich um eine feuchte Lagerung handelt. Dies verrät uns die dunkle Farbe der gepressten Blätter.
Es ist auch bekannt, dass dieser Tibetian Flame Ziegel für den tibetischen Markt produziert wurde. Die Tibeter verwenden diesen Tee für ihr Nationalgetränk. Sie kochen den Tee sehr lange (ca. 1/2 Tag) und rühren Yak Butter und Salz bei. Daher ist auch die Qualität der Teeblätter eher mässig. Die Erwartungen an den Tee von uns waren daher auch eher bescheiden. Der Tee hat eine sehr ausgeprägte erdige Geschmacksnote, welche typisch ist für einen feucht gelagerten Pu-Erh-Tee. Die bitteren Elemente fehlten total, was bei diesem Tee wo das Teematerial nicht wirklich gut ist, sich eher zum Vorteil entwickelte. In dem Falle gefielen uns sogar die Geschmacksveränderungen, welche durch die feuchte Lagerung vollbracht wurden. Würde es sich jedoch um hochqualitatives Teematerial handeln, würden wir eher eine trockenere Lagerung bevorziehen.
Wie ihr seht, das Thema Lagerung ist sehr komplex. Es gibt sie nicht die einzig richtige Lagerung. Das hängt stark von euren Vorlieben ab. Solltet Ihr Fragen haben zum Theme Lagerung, könnt Ihr euch gerne an uns wenden (<email-pii>)