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von Hans Baer
Schenkenberg gehört zu den imposantesten Ruinen des Kantons Aargau. Die Burg ist eine Gründung der Habsburger, wahrscheinlich aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts. Sie wird 1243 erstmals in einer Urkunde erwähnt. Schenkenberg war ein wichtiges Glied in der Burgenkette, die das Kerngebiet der habsburgischen Besitzungen um Brugg herum schützen mussten. Wie schon der Name sagt, war der feste Sitz für eine Dienstmannenfamilie des engeren Hofes der Habsburger bestimmt. Eine Zeitlang wohnte hier Albrecht von Schenkenberg, ein ausserehelicher Sohn Rudolfs von Habsburg. Nach ihm sitzen wieder Schenken von Schenkenberg hier, dann Ritter Rudolf der ältere von Schönau, genannt Hürus, der 1386 bei Sempach fiel. Graf Rüdegar wurde Schuitheiss von Brugg. Andere Edle zogen ein, zuletzt zwei Ritter von Baldegg, hitzige habsburgische Parteigänger, so dass die Berner, die 1415 an der Schenkenberg vorbeigezogen waren, 1460 die Burg eroberten, brandschatzten, wiederherstellten und trotz jahrzehntelangen Protesten der Baldegger einen Vogt darauf setzten.
Die umfangreiche Anlage, aus dem an Ort und Stelle gewonnenen, nicht sehr widerstandsfähigen Jurakalk errichtet, verschlang grosse Summen für den Unterhalt. Ein schwieriges Problem bildete die Beschaffung von Trinkwasser. Oft stürzten Mauern ein und mussten neu aufgeführt werden. Im 17. Jahrhundert häufen sich eine Unmenge Abrechnungen über in Schenkenberg verbaute Gelder. Als im kalten Winter von 1706 das für die Zisterne bestimmte Regenwasser in den Kupferrohren gefror und sich dann, als es diese gesprengt hatte, bei Tauwetter über den Estrich in die Wohnräume ergoss, verzichteten die Berner auf den weiteren kostspieligen Unterhalt und liessen die grosse Anlage verlottern. Nach der Aussage des dort residierenden Landvogtes Luternau war Schenkenberg "von oben aben biss unden auss, von aussen und innen, von hinden und fornen, eine einzige Maur ausgenommen, nichts nutz"! Deshalb beschloss der Rat von Bern 1720, den Sitz des Landvogtes nach Wildenstein zu verlegen. Schenkenberg diente vorübergehend dem Wächter auf der Hochwacht als Wohnung und dann den Bauern der Umgebung als Steinbruch. (Wieviele Bauernhäuser in Thalheim sind wohl mit Steinen des einst mächtigen Ritterschlosses gebaut worden?) Jahr für Jahr rollten Mauertrümmer in den rings herandrängenden Wald hinunter. Um die dem völligen Zerfall preisgegebene Ruine zu retten, erwarb sie 1918 der Aargauische Heimatschutz und führte daselbst in den Jahren 1919, 1931, 1938 und 1970 umfassende Sicherungsarbeiten durch.
Der wichtigste Teil der Anlage war der auf dem Jurakamm errichtete zinnengekrönte Bergfried (10 x 8 Meter) mit dem nach Westen anschliessenden Pallas. Wesentlich jüngeren Datums ist der an den Bergfried angebaute Treppenturm. Weiter im Westen und am Südhang lagen verschiedene Oekonomiegebäude (Küche, Vorratsräume, Speicher, Ställe) und ein grosser, terrassenförmiger Garten, von einer gezinnten Ringmauer umgeben. Die exponierten Partien der Burg waren durch Ringtürme geschützt, deren einer noch jetzt eine Höhe von 18 Metern erreicht. Sie gehören einer zweiten Bauetappe an. - Erst nach Wegräumung der enormen Schuttmassen gelang es, das verschüttete Tor am Nordhang aufzufinden. Von ihm aus gelangte man in einen Zwinger. An den Ringmauern zogen sich Wehrgänge hin.
Der künstlich ausgehobene Burggraben im Osten lieferte das Baumaterial. Bemerkenswert ist noch die dem Bergfried gegenüberliegende eigenartige Befestigung Einem kleinen, am Burggrabenrand stehenden Türmchen schliessen sich zwei 110 Meter lange Parallelmauern an, die als eine Art Gratsicherung zu dienen hatten.
Zum Autor:
Hans Baer war bis 1984 Lehrer an der Gemeindeschule von Thalheim.