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Lieben Sie den verruchten Glamour, Divas, Psychopathen, Psychologen und B-Movies? Können Sie «The Devil Wears Prada» nicht mehr sehen und halten Sie «Sex and the City» für bodenlos albern, lieben aber den Sex und die Cities? Haben Sie sich schon immer gefragt, was die schicken New Yorker in der TV-Serie «Mad Men» vor dem Einschlafen eigentlich so lesen? Und welche Drogen sie wirklich konsumierten?
Sie haben schon alles von der Gillian Flynn, der Grossmeisterin des Düsteren, und von Jennifer Egan verschlungen und auch Donna Tartts «The Goldfinch»? Sie brauchen dringend süffigen Stoff für die Badi und den Strand? Dann sind hier die Antworten auf all diese Fragen. Ein paar wundervolle Bestseller aus den Fifties, Sixties und Seventies, die Ihnen die Sommerzeit so aufregend und stilvoll vertreiben, als wären Sie Elizabeth Taylor zu ihren besten Zeiten. Ein einziger Mann darf übrigens auch dabei sein, als Unterhaltungslieferant für Ladies, aber nur einer. Denn dieser Club ist exorbitant exklusiv.
Margaret Millar: «Beast in View», 1955. Margret Millar schreibt zum Umfallen hart. Und gut. Ihr «Beast in View» ist ein Psychothriller mit vielen vollkommen überraschenden Wendungen und gewann den Edgar Allen Poe Award als bester Mistery-Roman. 1964 fand das Biest gar als Kurzfilm den Weg in Alfred Hitchcocks TV-Programm «Alfred Hitchcock Hour». Es leidet da eine verschrobene reiche Erbin an Verfolgungswahn und sieht sich von einer schönen, aber verrückten ehemaligen Schulkollegin bedroht. Wie das alles in sich zusammenhängt, was es mit Morden zu tun hat und mit Kunst, das ergibt einen höchst raffinierten Roman noir. Margaret Millar liebt die knapp verdichtete Sprache, die dramatische Schwarz-weiss-Schraffur und die schnelle, soziologisch exakte Skizze. Eine ganz grosse Meisterin.
Englisch als E-Book und Taschenbuch. Viele Romane von Margaret Millar wurden vom Zürcher Diogenes-Verlag ins Deutsche übersetzt. Antiquarisch sind noch etliche Exemplare von «Beast in View» unter dem Titel «Liebe Mutter, es geht mir gut» erhältlich.
Grace Metalious: «Peyton Place», 1956. Eine Legende von einem Roman, fürs Kino und als TV-Soap verfilmt und schliesslich eine der Hauptinspirationen der TV-Serie «Desperate Housewives». Und Amerikas erster riesengrosser Bestseller, der in den 50ern bald die Verkaufszahlen von «Onkel Toms Hütte» und «Vom Winde verweht» hinter sich liess. Und wieso? Weil dies das erste Buch mit literarischem Anspruch (die Sprache ist grossartig) und Massenappeal durch explizite Sexszenen war. In einer äusserst kleinmütigen Kleinstadt in New Hampshire versuchen zwei sehr junge und ein paar reifere Frauen mit sich, dem Geld und den Männern zurechtzukommen, und in jedem Fall führt diese Suche über ihren Körper, inklusive Inzest und Vergewaltigung. Ein überraschend radikaler Schmöcker, bei dem man ein paar Genre-Szenen mit lustigen Besoffenen ruhig überblättern kann.
Englisch als E-Book und als Taschenbuch. Auf Deutsch in diversen Ausgaben als «Die Leute von Peyton Place» erhältlich.
Richard Mason: «The World of Suzie Wong», 1957. Ach, die Suzie! Die Suzie Wong aus Hongkong machte, dass heute weltweit unzählige China-Imbisse nach ihr benannt sind. Ein unendlich reizendes Buch über eine eigenwillige Prostituierte und ihre sperrige, aber monumentale Liebesgeschichte mit einem britischen Ex-Soldaten, der im wundervollen Asien zum Künstler wird. Natürlich voller Fifties-Exotismus und mit einer pittoresk überzeichneten Bordellwelt, überdies leicht verschwafelt, aber sobald ich das Buch aus den Händen gelegt hatte, wollte ich auch schon eine Fortsetzung lesen. Und alle, die heimlich nach Asien auswandern möchten, finden sich in ihrer Sehnsucht auf jeder Seite bestärkt.
Englisch als E-Book und Taschenbuch, deutsch unter dem Titel «Suzie Wong» im Zürcher Unionsverlag als Taschenbuch erhältlich.
Rona Jaffe: «The Best of Everything», 1958. Dieser Roman scheint blutsverwandt mit «Sex and the City»: Junge Frauen suchen ihr Glück im New Yorker Verlagswesen, sie schlafen sich hoch und runter, trinken viel, und mindestens einer bricht über der Suche nach dem einen Mann fürs Leben das Herz so gründlich, dass sie darüber sehr, sehr wahnsinnig wird. Auch dies wurde verfilmt, und das Buch selbst war zu Gast in «Mad Men», es war die Bettlektüre von Don Draper, der mal wieder verzweifelt versuchte, die moderne Frau zu verstehen. Und die Welt der Seriensüchtigen fragte sich: Was liest der bloss? Ganz abgesehen davon, dass dieses Buch ein wahrer Schleck ist, bescherte es seiner Autorin auch einen Job bei einem der Magazine, die sie im Roman so wundervoll beschreibt. Beim «Cosmopolitan» nämlich.
Englisch als E-Book und Taschenbuch, deutsch als E-Book und Taschenbuch unter dem Titel «Das Beste von allem».
Mary McCarthy: «The Group», 1963. Mary McCarthy war eine Waise, eine Atheistin, viermal verheiratet und mit Hannah Arendt befreundet. «The Group» ist denn auch vom gesellschaftskritischen Tableau her das vielschichtigste der hier vorgestellten Bücher. Eine Gruppe von College-Absolventinnen versucht sich ins New Yorker Berufs- oder Eheleben zu fügen. Die damals brennenden Themen Verhütung, Psychoanalyse, Hysterie und Sozialismus werden durch die verschiedenen Figuren abgehandelt und bald merken wir: Es hat sich leider noch verdammt wenig geändert. Oder Ms. McCarthy war ganz einfach eine hellseherische Avantgardistin. Sehr spannend und besonders in den Szenen, die im Spital oder in der Psychiatrie spielen, ziemlich drastisch.
Englisch, als E-Book und Taschenbuch. Auf Deutsch sind wenige Exemplare antiquarisch als «Die Clique» erhältlich.
Margaret Millar: «The Fiend», 1964. Sehr frei nach James Bond sagen wir: «Du liest nur zweimal.» Und deshalb folgt hier eine weitere Margaret-Millar-Empfehlung, ihr 19. Thriller nämlich, der als ihr verstörendster galt. Oder um das letzte Tabu dieser Auswahl noch zu brechen: Es geht um die Zuneigung eines 32-Jährigen zu einer 9-Jährigen. Also noch mehr «Lolita» als Nabokov. Und es geht erneut um eine ganz grundsätzliche Anfälligkeit für Perversionen im Verhältnis zwischen Eltern und Kinder. Ein Thema, das sie familienfixierten Amerikaner der Nachkriegszeit untergründig antrieb wie kein zweites. Als «The Fiend» erschien, schrieb die «New York Times»: «Selbst für Margaret Millars ungewöhnlich hohes Niveau, stellt dieser Roman etwas Besonderes dar. Ein grossartiger Thriller. Ein Meisterwerk aus jeder Perspektive.» Dem ist nun nichts mehr hinzuzufügen.
Englisch in diversen Ausgaben sowie deutsch unter dem Titel «Die Feindin» antiquarisch erhältlich.
Jacqueline Susann: «Valley of the Dolls», 1966. 30 Millionen Leserinnen und ein paar Leser haben sich in diesem Fall wirklich nicht geirrt: «Valley of the Dolls» gilt als Schlüssel-Kultroman für das drogensüchtige Hollywood von einst, die «Dolls», die Puppen, stehen für verschiedene Tabletten, und die Kinder, die sich verzweifelt an diese Puppen klammern, sind ein paar sehr schöne Frauen, die versuchen, in New York und Hollywood Karriere im Showbusiness zu machen. Natürlich geraten sie an die Falschen und in einen Strudel des Verderbens. Alles äusserst glamourös und angeblich wahren Tatsachen entsprechend, wie die Autorin, die in den 40ern selbst Schauspielerin war, nicht zu betonen müde wurde.
Englisch als E-Book und als Taschenbuch. Auf Deutsch in diversen Ausgaben als «Das Tal der Puppen» antiquarisch erhältlich.
Jacqueline Susann: «Once Is Not Enough», 1973. Und weil einmal Jacqueline Susann auch schlicht nicht genug sein kann, hier noch ein zweiter Tipp, jetzt noch, man könnte sagen, perverser. Verhältnismässig zahm verfilmt mit Kirk Douglas und Melina Mercouri. Es ist die Geschichte eines unfassbar coolen und gut aussehenden Filmproduzenten und seiner Tochter, die als Kind durch einen Unfall zuerst ein Krüppel ist. Dann jedoch zu einer derart schönen jungen Frau erblüht, dass Vater und Tochter irgendwann in einer fatalen Fügung beim besten Willen nicht mehr..., ach, lesen Sie doch selbst. Es sind auch hier viele Drogen im Spiel und enorm viel Geld, schillernder gesellschaftlicher Auf- und Abstieg ohne Ende. Ein Hochgenuss.
Englisch als E-Book und Taschenbuch. Auf Deutsch in diversen Ausgaben als «Einmal ist nicht genug» erhältlich.