Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03481.jsonl.gz/671

Der Bundesrat genehmigt zwei Abkommen mit der Europäischen Union auf dem Gebiet der thermonuklearen Fusion und der Plasmaphysik
Bern, 23. Juni 1999
Pressemitteilung
Der Bundesrat genehmigt zwei Abkommen mit der Europäischen Union auf dem
Gebiet der thermonuklearen Fusion und der Plasmaphysik
Der Bundesrat hat zwei Abkommen im Rahmen des europäischen
Fusionsforschungs-programms genehmigt. Das eine regelt den Beitritt der
Schweiz zum European Fusion Development Agreement (EFDA). Das andere
betrifft die Verlängerung des Assozia-tionsvertrags mit EURATOM bis zum 31.
Dezember 2000.
Innerhalb des 5. Rahmenprogramms für Forschung und technologische
Entwicklung der Europäischen Union wird mit dem European Fusion Development
Agreement (EFDA) ein einfacher und stabiler rechtlicher Rahmen für das
europäische Fusionsprogramm geschaffen.
Das Abkommen deckt die technologischen Aktivitäten in den Assoziationen und
in der europäischen Industrie ab. Es regelt die Benützung der JET-Anlage
(Joint European Torus) über das Jahr 1999 hinaus und bildet die Grundlage
des europäischen Beitrags zu internationalen Zusammenarbeitsvorhaben, wie
z.B. ITER. Das EFDA-Abkommen beinhaltet keine Neuerungen, sondern regelt in
einem einzigen Abkommen die laufenden technologischen Aktivitäten und den
Betrieb der bestehenden JET-Anlage.
Die JET-Anlage in Culham (England) ist der weltweit grösste Tokamak. Dieser
Versuchsreaktor ging 1983 in Betrieb und ist heute die mit Abstand
leistungsfähigste Anlage dieser Art. Unter der heutigen Rechtsform
(gemeinschaftliches Unternehmen) soll er bis Ende 1999 betrieben werden.
Darüber hinaus behält jedoch JET eine grosse Bedeutung für die Weiterführung
des europäischen Fusionsforschungsprogramms, das auf den Bau eines
operationellen Fusionsreaktors abzielt.
Das zweite Abkommen verlängert den Assoziationsvertrag zwischen der Schweiz
und EURATOM bis zum 31. Dezember 2000. Damit werden die Modalitäten der
schweizerischen Beteiligung am Fusionsforschungsprogramm der EU geregelt.
Der Vertrag wurde erstmals auf 1. Januar 1989 abgeschlossen und wird seither
regelmässig verlängert. Er ist zur Zeit noch das einzige Abkommen mit dem
unser Land völlig gleichberechtigt mit europäischen Partnern an einem
Technologieprogramm der Union teilnehmen kann.
Europa unternimmt grosse Anstrengungen zur Entwicklung der für den Bau eines
ersten thermonuklearen Reaktors nötigen Technologie. Diese Anstrengungen
könnten zur Realisierung des Projekts ITER (International Thermonuclear
Experiment Reactor) in der Variante RTO/RC (Reduced Technical
Objectives/Reduced Cost) führen. Dieses Projekt wird gemeinsam von den
grossen Fusionsprogammen der USA, Russlands, Japans und Europas getragen.
ITER RTO/RC bildet einen ersten Schritt in den Anstrengungen mit dem
längerfristigen Ziel, dereinst durch thermonukleare Fusion eine saubere und
wirtschaftliche Energiequelle zu erschliessen. Eine Entscheidung über den
Bau des experimentellen ITER-Reaktors wird nicht vor dem Ende des 5.
Rahmenprogramms in den Jahren 2001-2002 fallen.
Die Schweiz beteiligt sich seit 1979 am europäischen
Fusionsforschungsprogramm. Der JET-Rat wird seit 1995 von Prof. F. Troyon,
ehemals Leiter des Forschungszentrums für Plasmaphysik CRPP an der ETH
Lausanne, präsidiert.
Auskunft: Frau Carolle von Ins, Integrationsbüro EDA/EVD, Tel. 031/322 26 46