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Trotz des schwierigen Starts 2022 ist es jetzt an der Zeit, nach vorne zu blicken. Bald kommt es zu einem Ereignis, das regelmässig erfreulich ist: Die bevorstehenden «Midterm»-Wahlen zum amerikanischen Kongress – ein unterschätzter Antrieb für den Aktienmarkt. Indirekt profitieren die Schweizer Aktien enorm vom legislativen Stillstand, den diese mit sich bringen.
Lassen Sie mich das erklären. In den Vereinigten Staaten besteht die Legislative, wie in der Schweiz, aus einem Zwei-Kammer-System. Die 435 Sitze des Unter- oder Repräsentantenhauses stehen alle zwei Jahre zur Wiederwahl. Im Oberhaus, dem Senat, dauert die Amtszeit der beiden Senatoren jedes Staates sechs Jahre. In diesem Jahr stehen 34 Sitze zur Wahl.
Die Demokraten von Präsident Joe Biden kontrollieren gegenwärtig beide Kammern mit sehr knappem Vorsprung – das Repräsentantenhaus mit gerade einmal 10 Sitzen. Die Zwischenwahlen bedeuten, dass dieser Vorsprung im November wahrscheinlich verschwindet. Seit 1945 hat die Partei des Präsidenten nur einmal in den «Midterm» Sitze hinzugewonnen – das war im Jahr 2002.
Ken Fisher ist ein US-amerikanischer Autor und Investmentanalyst sowie Gründer und Vorsitzender von Fisher Investments, einer Vermögensverwaltungsfirma mit Niederlassungen in sechs Ländern, die rund 188 Milliarden Dollar verwaltet. Fisher zählt zu den einflussreichsten (und auch reichsten) Investment-Managern der USA.
Die Verlustspirale dreht sich, wenn die Popularität des Präsidenten im Spätsommer gering ist. Mit 41 Prozent befindet sich die Zustimmungsrate für Biden weit unter dem Durchschnitt. Unpopuläre Präsidenten haben mit durchschnittlich 38 Sitzen in Zwischenwahlen erhebliche Verluste erlitten – da könnte die Kontrolle leicht an die Republikaner gehen.
Im Senat sieht es noch düsterer aus. Da gilt schon jetzt – 50:50. Bidens Vizepräsidentin Kamala Harris hebt der Regel nach den Gleichstand auf und verschafft den Demokraten den kleinstmöglichen Vorsprung. Ein Sitz könnte die Kontrolle kippen lassen. Aber nur etwa fünf Sitze stehen in Frage, und diese neigen zu den Demokraten.
«Die Verhaltenspsychologie zeigt, dass die Menschen es doppelt so sehr hassen zu verlieren wie sie es lieben zu gewinnen.»
Trotz dünner Mehrheiten haben die Demokraten hohe Ausgaben verabschiedet und ihre regulatorischen Ziele finanziert – notdürftig. Darüber hinaus diktiert die Partei, die jede der Kammern kontrolliert, über welche Gesetze abgestimmt wird, was die Unsicherheit hoch hält. Wenn die Opposition eine der beiden Kammern übernimmt, verfällt jedoch die gesetzgebende Macht der anderen Partei. Also werden keine grossen Vorhaben verabschiedet – Stillstand. Aktien lieben ihn.
Sie geben keiner der beiden Parteien den Vorzug – aber sie mögen keine grossen Gesetze. Bei umfangreichen Änderungen gibt es immer Gewinner und Verlierer. Die Verhaltenspsychologie zeigt, dass die Menschen es doppelt so sehr hassen zu verlieren, wie sie es lieben zu gewinnen. Daher nimmt die Unsicherheit zu. Ein Stillstand beendet diese.
In dem Wissen, dass sich die Regeln nicht wesentlich ändern können, planen die Unternehmen langfristiger und setzen ihr Kapital zuversichtlicher ein. Anleger trauen sich eher, Risiken einzugehen.
Schweizer Aktien folgen den USA
Seit Beginn der guten Daten im Jahr 1925 blieb der amerikanische S&P 500 in den ersten drei Quartalen von «Midterm» im Grunde unverändert (in US-Dollar), während eine heisse Rhetorik die Stimmung aufheizt. Aber vor dem Wahltag beginnen die Aktien, das wahrscheinliche Ergebnis – Stillstand – einzupreisen.
Daher liegen die Aktiengewinne im vierten Quartal von Zwischenwahlen im Schnitt bei 6,3 Prozent, in 83,3 Prozent der Jahre steigen sie. Das Stillstands-Fest hält bis ins Folgejahr an – die Renditen liegen im Schnitt bei 6,6 Prozent im ersten und 5,5 Prozent im zweiten Quartal. In 87,5 Prozent der beiden Quartale waren die Renditen positiv. Der Zauber der «Midterm»! Das ist in Amerika.
Aber die entwickelten Märkte sind eng miteinander verflochten. SPI und S&P 500 haben eine Korrelation von 0,75 – das ist viel, da 1,0 eine vollständig gleiche und -1,0 eine gegenläufige Bewegung bedeutet. Es überrascht daher nicht, dass Schweizer Aktien in «Midterm»-Jahren ähnliche Trends zeigen. Beide Märkte bewegten sich früh gemeinsam seitwärts. Seit 1969 entwickelten sich die Schweizer Aktien in den ersten drei Quartalen von Zwischenwahlen durchschnittlich mit 1,2 Prozent, -3,6 Prozent und -5,2 Prozent.
Sie wiesen in weniger als der Hälfte der Zeit nach oben. Im vierten Quartal eines Zwischenwahljahres lag dieser Durchschnitt jedoch bei 4,0 Prozent. In den folgenden beiden Quartalen wurden durchschnittlich 6,5 Prozent bzw. 3,2 Prozent erreicht. Auch die Schweizer Aktien stiegen in 69 Prozent, 77 Prozent und 62 Prozent dieser beiden Quartale.
Was auch immer Sie von politischer Stagnation halten, denken Sie daran: Aktien lieben sie. Bringen Sie sich jetzt in Stellung für einen Rückgang der politischen Unsicherheit und die höheren Aktienkurse, die sich durch den Stillstand entwickeln.