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Der spektakulärste Wechsel in der Formel 1 seit Jahren ist perfekt: Sebastian Vettel fährt ab 2015 für Ferrari. Warum verlässt er Red Bull? Und kann Vettel mit der Scuderia um den Titel mitfahren? Die wichtigsten Fakten im Überblick.
Zunächst einmal musste die Situation von Fernando Alonso geklärt werden. Zwar unterschrieb der Spanier schon vor dem Rennen in Suzuka eine Erklärung, dass er seinen Vertrag mit der Scuderia auflösen wolle. Aber seitdem mussten viele juristische Details geklärt werden, finanzielle Dinge inklusive. Erst als das alles auch schriftlich fixiert war, konnten Ferrari und Vettel ihre künftige Zusammenarbeit verkünden.
Vettel hat eine Klausel in seinem Kontrakt, die besagt: Ist er am 30. September 2014 nicht mindestens Dritter der WM-Wertung oder hat bis dahin zwei Rennen gewonnen, kann er Red Bull am Ende der Saison verlassen. Diese Option konnte Vettel Anfang Oktober vor dem Japan-Rennen ziehen, weil er zu besagtem Zeitpunkt nur WM-Fünfter war und noch kein Rennen gewonnen hatte.
Ja und nein. Wäre Red Bull in diesem Jahr ähnlich stark gewesen wie in den vier Saisons zuvor und Vettel um den WM-Titel mitgefahren, hätte er das Team wohl nicht schon nach dieser Saison verlassen. Zumal er das auch gar nicht hätte so einfach tun können, ohne vertragsbrüchig zu werden. Und so etwas wäre für Vettel, der sehr viel Wert auf Loyalität legt, kaum in Frage gekommen. Doch unabhängig von der Lage bei Red Bull hatte Vettel schon früher immer wieder betont, wie reizvoll es wäre, einmal für einen Traditionsrennstall wie Ferrari oder Mercedes zu fahren. Von daher darf davon ausgegangen werden, dass er Red Bull früher oder später sowieso verlassen hätte. Das bislang schwache Abschneiden in dieser Saison forcierte den Wechsel aber.
Vettel hat bei der Scuderia einen Vertrag über drei Jahre unterzeichnet.
Ja, seine Medien-Managerin Britta Röske folgt ihm ebenso wie höchstwahrscheinlich auch sein langjähriger Chefmechaniker Kenny Handkammer, den Red Bull nach dem Singapur-Rennen gefeuert hatte. Zudem soll Vettel Ferrari angeblich eine Liste mit Namen von Red-Bull-Angestellten vorgelegt haben, mit denen er gerne weiter zusammenarbeiten würde.
Nach jetzigem Stand bleibt Kimi Räikkönen bei den Italienern. Der Vertrag des fast 35 Jahre alten Finnen läuft aber nach der Saison 2015 aus. Derzeit ist es schwer vorstellbar, dass Ferrari den Kontrakt verlängern wird, weil Räikkönens Leistungen in der ersten Saison nach seiner Rückkehr nur mittelmässig sind. Mögliche Kandidaten, ab der Saison 2016 an der Seite von Vettel für Ferrari zu fahren, sind Williams-Pilot Valtteri Bottas, Nico Hülkenberg von Force India und Lotus-Fahrer Romain Grosjean.
Seit Jahren, denn Vettel hatte ein gutes Verhältnis zu Stefano Domenicali, dem früheren Ferrari-Teamchef. Die beiden sollen, allerdings eher lose, auch immer mal wieder über einen möglichen Wechsel Vettels zur Scuderia gesprochen haben. Als Domenicali im April gehen musste, war das für Vettel zunächst ein Schock. Dennoch blieb der Kontakt zum Rennstall bestehen, man einigte sich im September auf einen Wechsel.
Die Möglichkeit, das Team wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Die finanziellen und technischen Voraussetzungen dafür hat Ferrari, nur Red Bull und Mercedes können in dieser Hinsicht mit den Italienern mithalten. Allerdings wurde die Scuderia in den vergangenen Jahren immer wieder durch interne Streitigkeiten zurückgeworfen, die häufig auch von Alonso ausgingen. Hauspolitik spielt bei Ferrari seit jeher eine grosse Rolle. Es wird nicht zuletzt an Vettel liegen, alle auf einen gemeinsamen Kurs einzuschwören, wie es Michael Schumacher einst gelang, als er 1996 zu Ferrari kam.
Es gibt Parallelen, denn damals wie heute steht Ferrari vor einer Phase des Neuaufbaus nach längerer Erfolglosigkeit. Was es für Schumacher damals möglicherweise einfacher machte: Er brachte in Ross Brawn und Rory Byrne zwei Top-Techniker mit, mit denen er bereits bei Benetton-Renault zusammen gearbeitet hatte.
In der kommenden Saison kaum, dafür ist der Rückstand von Ferrari auf Mercedes und Red Bull derzeit zu gross. Wenn die Scuderia wie einst bei Schumacher aber die Geduld aufbringt, das eine oder andere Jahr zu opfern, um sich mehr auf die Entwicklung als auf den WM-Kampf zu konzentrieren, kann Ferrari den Rückstand aufholen. Aber es wird schwierig.