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War die gymnasiale Ausbildung während Jahrzehnten geprägt von 5 vorgegebenen Maturitätstypen A-E mit je eigenem, spezifischen Gepräge, so schaffte die Maturitätsreform 1995 mehr Möglichkeiten bei der Fächerwahl, mehr Autonomie für Lehrende und Lernende. Sie brachte auch neue Fächer und Fächerverbindungen und setzte einen deutlichen Akzent auf das fächerübergreifende Lehren und Lernen. Die Ausbildung nach der neuen Maturitätsanerkennungsregelung (MAR) wurde seither in allen Kantonen eingeführt.
Evaluation der Reform (EVAMAR)
Im Sommer 2001 beschlossen der Bund und die Kantone eine gesamtschweizerische Evaluation der durch das MAR 95 eingeleiteten Reform der Maturitätsbildung. Diese Evaluation wurde in zwei Phasen durchgeführt.
EVAMAR I (2002-2005)
In dieser Phase wurden im Wesentlichen folgende drei Themen bearbeitet: (1) Die Passung von Wahlfachangebot und Interessen der Schülerinnen und Schüler sowie die Auswirkungen auf den Ausbildungserfolg, insbesondere die subjektiv wahrgenommene Qualität der Vorbereitung auf ein Hochschulstudium; (2) die Umsetzung der fächerübergreifenden pädagogischen Ziele; (3) die Bewältigung der Reformen durch die Schulen. Hauptinstrumente waren Befragungen. Leistungsmessungen wurden nicht eingesetzt. Die Ergebnisse von EVAMAR I liegen seit Ende 2004 vor (vgl. Kontextspalte).
EVAMAR II (2005-2008)
Im Sommer 2005 beschlossen Bund und EDK den Beginn der zweiten Evaluationsphase. Im Projekt EVAMAR II wurden weitere Aspekte der Maturitätsbildung untersucht. Das Schwergewicht lag auf der objektivierten Erfassung des Ausbildungsstandes der Schülerinnen und Schüler am Ende des Gymnasiums. Dabei wurde u. a. untersucht werden, ob das bei Maturandinnen und Maturanden vorhandene Wissen und Können den aktuellen Anforderungen der verschiedenen Studienrichtungen an Schweizer Universitäten genügt. Es ging also um die Qualität der gymnasialen Ausbildung und der Maturität. Verantwortlich für die Durchführung von EVAMAR II war Prof. Dr. Franz Eberle vom Institut für Gymnasial- und Berufspädagogik der Universität Zürich.
Zwischen Mai und Juli 2007 absolvierten 3800 Maturandinnen und Maturanden aus der ganzen Schweiz Tests in den Fächern Erstsprache, Mathematik und Biologie absolviert. Ergänzend dazu unterzog sich ein Teil von ihnen auch einem überfachlichen Studier-Fähigkeitstest. Zusätzlich wurden schriftliche Maturitätsprüfungen und Maturaarbeiten von repräsentativen Stichproben aus dem Maturajahrgang 2006/07 analysiert und verglichen.
EVAMAR II arbeitete mit eigens für diese Untersuchung entwickelten Fachtests. Basis dafür bildete die Analyse von Lehrmaterialien sowie von ersten Zwischenprüfungen der 16 universitären Studienfächer mit den höchsten Studierendenzahlen sowie eine ergänzende Befragung der Dozierenden (rund 150 Antwortende) der Lehrveranstaltungen dieser Fächer.
EVAMAR II untersuchte einen Ausschnitt der gymnasialen Ausbildung:
- Erstsprache: Es wurden vor allem Sprachkompetenzen getestet, die für alle Studienrichtungen wichtig sind.
- Mathematik: Der Test enthielt Aufgaben zu Inhalten, die für eine breite Anzahl von Studienfächern von Bedeutung sind.
- Biologie: Es wurde vorwiegend Wissen getestet, das vor allem für ein Biologie- oder Medizinstudium wichtig ist.
- Überfachlicher Fähigkeitstest: Der Test lehnte sich an den Eignungstest für das Medizinstudium an. Er war ausgerichtet auf kognitive Fähigkeiten und setzte einen Schwerpunkt bei den Naturwissenschaften.
Der Ausbildungsstand der Maturandinnen und Maturanden wird in den untersuchten Fächern Erstsprache, Mathematik und Biologie als zufriedenstellend beurteilt. Die besten Ergebnisse wurden in der Erstsprache erzielt, vor Mathematik und Biologie. Es zeigen sich jedoch grosse Leistungsunterschiede sowohl zwischen Personen als auch zwischen ganzen Klassen. Weiter wird ein Zusammenhang zwischen den Testergebnissen und Faktoren wie Maturitätsquote, Dauer des Gymnasiums oder individuell gewähltem Schwerpunktfach aufgezeigt.
Die mit dem MAR 1995 eingeführte Maturaarbeit erhält insgesamt gute Noten und stellt aus Sicht der Forschungsgruppe eine sinnvolle und ertragreiche Lern- und Prüfungsform dar.
Daten für die politische Steuerung
Bildungspolitische Schlussfolgerungen aus EVAMAR II liegen zurzeit noch nicht vor. Eine Fachgruppe der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) erarbeitete bis Ende 2008 Empfehlungen zuhanden der politischen Behörden. Die EDK und das Eidgenössische Departement des Innern werden sich ab 2009 mit diesen auseinandersetzen und das weitere Vorgehen diskutieren.