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Petitionen, Pressetexte und der Ruf nach Partizipation: Die Schiiten des Libanon als nicht-elitäre Akteure im öffentlichen Raum (1908-1943)
|Verantwortliche||M.A. Nadja El-Shami|
|Trägerschaft||Institut für Islamwissenschaft und Neuere Orientalische Phililogie|
|Betreuung||Prof. Dr. Henning Sievert|
|Finanzierung||Schweizer Nationalfonds|
Untersuchungsgegenstand des in dem SNF-Projekt „The Roots of Citizenship? The Politics of Participation in Syria, Lebanon and Turkey Between Two Ages (1880-1940)“ eingebetteten Dissertationsvorhabens sind die verschiedenen Formen öffentlicher und politischer Partizipation in Bezug auf gesellschaftlich relevante Belange durch die Zivilbevölkerung des Libanon während des Zeitraums 1908-1943, eine Periode, die politisch durch den Übergang von osmanischer Herrschaft zu französischer Mandatsverwaltung bestimmt war. In diesem Zusammenhang sollen die verschiedenen Arten und Aspekte der formalen Gestaltung und der inhaltlichen Artikulation dieser Teilhabe näher beleuchtet werden und der Nachweis geliefert werden, dass es durchaus ein Interesse innerhalb der "einfachen" Bevölkerung gab als Teil der Öffentlichkeit zu agieren und den Staat sowie das sich wandelnde gesellschaftliche Gefüge neu mitzugestalten.
In diesem Kontext bieten sich die im Libanon lebenden Schiiten insofern als Untersuchungsgegenstand für eine vergleichende Fallstudie an, als dass sie unter der osmanischen Herrschaft eine weitestgehend marginalisierte Bevölkerungsgruppe darstellten, während sie unter dem französischen Mandat die ersten weitreichenden Schritte zur politischen Emanzipation und Selbstorganisation als öffentliche Akteure unternahmen. Zudem weist ihr damaliger gesellschaftlich marginalisierter Status und die unterentwickelte Infrastruktur in ihren Siedlungsgebieten, ein Rückstand der sich insbesondere im Bildungsbereich niederschlug, sie als nicht-elitäre Akteure aus, welche innerhalb des Gesamtprojekts den Forschungsschwerpunkt bilden sollen. Als Ausgangpunkt der Untersuchung soll vor allem die Praxis der maṭlabiyya (Einsenden von Petitionen) dienen, welche die politische Teilhabe der Schiiten im Libanon widerspiegelte. Ihre Forderungsschreiben unterscheiden sich dabei deutlich von denen der anderen großen konfessionellen Interessengruppen in Form, Sprache und Anspruch, und geben damit einerseits Zeugnis von der historisch bedingten, mangelnden Beteiligung und dem marginalisierten Charakter dieser Gruppe während der vorausgehenden Geschichtsperiode, und erlauben andererseits die Entwicklung und Ausgestaltung der citoyenneté, d.h. des staatsbürgerlichen Selbstbewusstseins, dieser nicht-elitären Akteure anhand ihrer Partizipationsbestrebungen herauszuarbeiten.