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Die demografische Entwicklung und die Auswirkungen davon sind oftmals Ausgangspunkt, um sich Gedanken zu machen über die Zukunft. Wie leben wir, wo wohnen wir, wo arbeiten wir etc. Und vielfach sind die prognostizierten Szenarien auch Basis für die Entwicklung von Projekten und Ideen, wie mit den Konsequenzen aus diesen Entwicklungen umgegangen werden kann und soll. Aus diesem Grund widmet sich das einleitende Kapitel der demografischen Entwicklung im Generellen und dann im Speziellen in Bezug auf das Alter im Furttal.
Demografische Entwicklungen im Allgemeinen und im unteren Furttal bzw. in Otelfingen
Zur geografischen und wirtschaftlichen Einordnung des Furttals werden nachfolgend einige Fakten aufgezählt, die es dem Leser ermöglichen, sich ein Bild des oberen und unteren Furttals zu machen. Die Angaben wurden dem regionalen Raumordnungskonzept Furttal der Zürcher Planungsgruppe Furttal von Hösli und Schirmer (2011) entnommen. Das Furttal ist flächenmässig die kleinste (Planungs-)Region des Kantons und umfasst alphabetisch geordnet die sieben Gemeinden Boppelsen, Buchs, Dällikon, Dänikon, Hüttikon, Otelfingen und Regensdorf. Wenige Kilometer nördlich der Kernstadt Zürich liegt das Furttal eingebettet zwischen den beiden Hügelzügen Lägern und Altberg. Der namensgebende Furtbach verbindet die Katzenseen im Osten mit der Limmat im Westen. Das Tal bildet eine direkte Verbindung zwischen den beiden Zentren Zürich (Zürich Nord) und Baden. Während das obere Furttal (Buchs, Dällikon und Regensdorf) hauptsächlich nach Zürich ausgerichtet ist, bestehen im unteren Furttal (Boppelsen, Dänikon, Hüttikon und Otelfingen) auch traditionelle Beziehungen zum angrenzenden Kanton Aargau. Im Raumordnungskonzept wird konstatiert, dass das Furttal nicht zuletzt wegen der räumlichen Trennung durch die Katzenseen in seinem Charakter eine eigenständige Region innerhalb des Metropolitanraums Zürich mit hohen Qualitäten geblieben ist, welche das Tal als Wohn- und Betriebsstandort attraktiv machen.
Die Siedlungsgebiete von Boppelsen, Dänikon und Hüttikon sind räumlich klar getrennt und verfügen jeweils über eigene kleinere Gebiete für Gewerbe bzw. Mischnutzungen. Die Wohnnutzung steht jedoch im Vordergrund. Otelfingen, als grösste der vier Gemeinden, verfügt über ein bedeutendes Gewerbe- und Industriegebiet mit eigenem Bahnanschluss. Der eigentliche Dorfkern (Ortsbild von kantonaler Bedeutung) liegt etwas abgesetzt von der Bahnlinie. Das weite Feld dazwischen ist ebenfalls Siedlungsgebiet und füllt sich zunehmend auf.
Bucher und Hofer (2012) halten zusammenfassend fest, dass die demografische Alterung sowohl eine Folge der niedrigen Geburtenraten als auch der steigenden Lebenserwartung ist (mit dem Begriff der demografischen Alterung ist der Umstand gemeint, dass eine Gesellschaft als Ganzes altert und nicht das individuelle Älterwerden der Menschen). Dadurch altert die Bevölkerung gewissermassen doppelt, zum einen an der Basis der Alterspyramide, zum anderen auch an deren Spitze. Etwas Gegensteuer vermag die Zuwanderung in den Kanton Zürich zu geben, weil die Zuziehenden eher jung sind. Sie kann die Alterung aber nicht stoppen. Selbst dann nicht, wenn deutlich mehr Menschen zuwandern werden als erwartet.
Interessant ist der langfristige demografische Vergleich seit der Volkszählung 1888, als 38 Prozent der damals 337’000 Zürcherinnen und Zürcher jünger als 20 Jahre waren. In den folgenden Jahrzehnten verkleinerte sich der Anteil der Kinder und Jugendlichen laufend und erreichte 2010 schliesslich noch rund 20 Prozent.
Im Gegenzug verdreifachte sich der Anteil der Menschen im Rentenalter. Zwischen 2020 und 2030 dürfte er dann – so sagen es die kantonalen Bevölkerungsprognosen voraus – den Prozentsatz der Jungen erstmals in der Geschichte des Kantons Zürich übersteigen. Die grösste Altersgruppe, jene der 20- bis 64-Jährigen, machte dagegen seit 1888 stets zwischen 56 und 66 Prozent der Zürcher Bevölkerung aus.
Die klassischen Masszahlen zur Alterung operieren mit einer fixen Altersgrenze. Als alt gilt dabei jemand, der das Rentenalter erreicht hat (dies hat sich auch so eingebürgert, um nationale und internationale Vergleiche zu ermöglichen. Höpflinger (2011, S. 11) beschreibt, dass die klassische fixe Altersgrenze auch von Demografen und Gerontologen zunehmend als zu statisch kritisiert wird, da sie eine Alterung der Bevölkerung suggeriert, welche zumindest teilweise fiktiv ist. Schon in den 1970er Jahren hat der amerikanische Forscher Norman Ryder einen dynamischen Indikator der demografischen Alterung vorgeschlagen. Anstatt die Grenze bei 65 Jahren festzulegen, geht er von einer dynamischen Altersgrenze aus. Er schlägt vor, die Grenze dort zu ziehen, wo die restliche Lebenserwartung weniger als 10 Jahre beträgt. Dieser Vorschlag, welcher der modernen Vorstellungen von funktionalem Altern eher entspricht, ist in der Folge nur von wenigen Forschern übernommen worden und er blieb in öffentlichen Diskussionen nahezu unbeachtet.
Nimmt man Ryders dynamische Altersgrenze zum Massstab, so läuft die demografische Alterung weit gemässigter ab als bei herkömmlicher Betrachtung (Bucher & Hofer, 2012, S. 5):
Die Bevölkerungszahl in sämtlichen Regionen des Kantons Zürich nimmt zu, aber unterschiedlich stark. Am stärksten wachsen bis 2040 das Limmattal und das Furttal mit über 26 Prozent. Prozentual am schwächsten wachsen die Stadt Zürich und das Unterland, aber auch hier sind es rund 16 Prozent. In absoluten Zahlen legt die Stadt Zürich mit über 60‘000 Personen am stärksten zu, vor Winterthur und Umgebung, dem Glattal und dem Oberland. (Bucher, 2014).
Das verwendete Prognosemodell liefert Schätzungen zur Entwicklung von Bestand und Struktur der Bevölkerung in den Teilräumen des Kantons Zürich. Das gewählte Szenario namens „Trend ZHz“ geht davon aus, dass bis 2040 keine wirtschaftlichen, politischen und sozialen Umwälzungen stattfinden. Es schreibt die momentane demografische Entwicklung fort mit folgenden zentralen Annahmen: weiterhin niedrige Geburtenrate (durchschnittliche Kinderzahl pro Frau sinkt bis 2040 geringfügig von 1,5 auf 1,45 Kinder pro Frau). Die Zahl der Sterbefälle wird künftig zunehmen, da die geburtenstarken Jahrgänge nach und nach in die höheren Altersgruppen hineinwachsen. Da die Geburtenzahlen stabil bleiben aber gleichzeitig die Sterbefälle zunehmen, verringert sich der Geburtenüberschuss laufend. Nach der Mitte des Jahrhunderts dürfte sich der Geburtenüberschuss dann in einen Sterbeüberschuss kehren; weiter steigende Lebenserwartung (beide Geschlechter Zunahme bis 2040 um knapp 4 Jahre; Frauen auf 88 Jahre und Männer auf 84 Jahre); weiterhin Wanderungsgewinne mit dem Ausland und leicht negative Wanderungsbilanz mit der übrigen Schweiz.
Die Mehrheit der Gemeinden des Kantons verzeichnete in der Vergangenheit ein stetiges Bevölkerungswachstum. Begünstigt durch ausreichende Baulandreserven waren die Entwicklungsmöglichkeiten der Gemeinden gross. Die hohe Bautätigkeit seit Mitte der 1990er Jahre zeigt deutlich, dass von diesen Entwicklungsmöglichkeiten auch Gebrauch gemacht wurde. Das starke Wachstum der vergangenen Jahre hat dazu geführt, dass Baulandreserven nicht mehr in allen Gemeinden in gleichem Masse verfügbar sind. Für einige Gemeinden bedeutet dies, dass aufgrund der reduzierten Entwicklungsreserven sowie der Fokussierung auf die Innenentwicklung ein Bevölkerungswachstum in der Geschwindigkeit der letzten 10 bis 15 Jahre keine realistische Annahme mehr ist.
Der Altersaufbau der Bevölkerung wird sich zu Gunsten älterer Altersklassen verschieben: Während der Anteil der unter 20-Jährigen abnimmt, legt die Bevölkerung im Alter von 65 und mehr Jahren zahlen- und anteilsmässig stark zu. Wie sich die Altersstruktur verändert, zeigt die Alterspyramide, die von bis anhin üblichen 100 Altersjahren auf 110 Altersjahre erweitert worden ist. Bucher (2014) hält fest, dass die demografische Alterung, die bereits in den vergangenen Jahrzehnten ausgeprägt war, weiter voran schreitet.
So wird zum Beispiel das Durchschnittsalter der Zürcher Bevölkerung bis 2040 voraussichtlich um weitere drei auf 45 Jahre ansteigen. Es nimmt zu, da die „ältere“ Hälfte der Alterspyramide deutlich schneller wächst als die „jüngere“ Hälfte. Die Gruppe der 20- bis 40-Jährigen wächst bis 2040 hingegen nur moderat. Dies trotz der starken Nettozuwanderung aus dem Ausland, da von unten weniger stark besetzte Jahrgänge nachrücken.
Einige Kernaussagen:
- In den nächsten Jahrzehnten sinkt der Anteil der 0- bis 19-Jährigen weiter, der Anteil älterer Personen (65+-Jährige) hingegen steigt markant an.
- Obwohl die absolute Zahl der 0- bis 19-Jährigen sogar zunimmt, werden etwa ab 2025 mehr „Alte“ als „Junge“ im Kanton leben.
- Pensionierte machen einen immer grösseren Teil der Bevölkerung aus, weil die geburtenstarken Jahrgänge aus der Nachkriegszeit nun laufend ins Rentenalter kommen.
- Die Zahl der 80+-Jährigen wird sich bis 2040 gegenüber heute verdoppeln. Auch jene der 65- bis 79-Jährigen wird um etwa die Hälfte zulegen (die Zunahme der Personen im Alter ab 65 Jahren hängt auch direkt mit der steigenden Lebenserwartung zusammen).
- Heute entfallen im Kanton Zürich auf eine Person im Rentenalter vier Personen im erwerbsfähigen Alter. 2040 wird dieses Verhältnis noch bei 1 zu 2,5 liegen.
Eine weitere spannende Grafik zeigt die Bevölkerungsentwicklung 2010 bis 2060 absolut und in Prozent nach Altersgruppe basierend auf dem mittleren Szenario des Bundesamtes für Statistik. Dieses berücksichtigt (noch) den freien Personenverkehr mit
der EU und prognostiziert bis 2060 für die Gruppe der über 79-Jährigen den stärksten relativen Zuwachs, gefolgt von den 65- bis 79-Jährigen. Der Anteil steigt gemäss
Prognose-Szenario von 5% im Jahr 2010 auf 13% im Jahr 2060. (Heye & Fuchs, 2014, S. 191).
Nach einem allgemein gehaltenen Teil zu demografischen Entwicklungsszenarien folgen nun die Prognosen, welche das statistische Amt des Kantons Zürich für das Furttal (und das Zürcher Unterland) macht:
Die Bevölkerung dieser Regionen ist viel jünger als der kantonale Schnitt, sie altert in den nächsten Jahrzehnten aber markant. Das Durchschnittsalter wird sich im Furttal bis 2040 dem kantonalen Mittelwert annähern, im Unterland wird es ihn gar übertreffen. Es handelt sich um eher ländliche Regionen, in denen viele Vertreter der geburtenstarken Jahrgänge leben. Diese sind vor Jahren aufs Land gezogen, um eine Familie zu gründen, und wachsen nun ins Rentenalter hinein. Dass die demografische Alterung bei gedämpftem Bevölkerungswachstum schneller verläuft als bei dynamischem, zeigt das Unterland. (Bucher, 2014, S. 21).
Im obigen Modell wird sich die Bevölkerung 65+ von 2013 – 2040 beinahe verdoppeln und wird 2040 prozentual am Anteil der Gesamtbevölkerung im Furttal 22.7% ausmachen (Bucher, 2014, S. 38).
Zum Vergleich der Zahlen für das Furttal wurden aus der Tabelle aller Regionen die direkt angrenzenden Regionen hinzugefügt (im Norden das Unterland und im Süden das Limmattal) sowie die Zahlen für den ganzen Kanton Zürich. (Bucher, 2014, S. 20).
Die Bevölkerungszahl nimmt in sämtlichen Regionen zu, aber unterschiedlich stark. Das Furttal und das Limmattal sind gemäss dem zugrundeliegenden Szenario die beiden Regionen im Kanton Zürich mit den höchsten Wachstumsraten von 2013 – 2040 mit 26 bzw. 27 Prozent.
Quellenangaben:
Bucher, H.-P. & Hofer, T. (2012). Demografische Alterung im Kanton Zürich. statistik.info 2012/02. Abgerufen am 21.1.2017
unter: http://www.statistik.zh.ch/internet/justiz_inneres/statistik/de/themen/statistikinfo.html
Bucher, H.-P. (2014). Regionalisierte Bevölkerungsprognosen für den Kanton Zürich. Prognosemodell 2014 mit
Einwohnerkapazitäten. statistik.info 2014/06. Abgerufen am 21.1.2017 unter:
http://www.statistik.zh.ch/internet/justiz_inneres/statistik/de/themen/statistikinfo.html
Heye, C. & Fuchs, S. (2014). Demografische Alterung wird im Neuwohnungsbau kaum berücksichtigt. In F. Höpflinger & J. Van
Wezemael (Hrsg), Wohnen im höheren Lebensalter. Grundlagen und Trends. Age Report III. Zürich: Seismo.
Höpflinger, F. (2011). Demographische Alterung – Trends und Perspektiven. Abgerufen am 21.1.2017 unter:
http://www.hoepflinger.com/fhtop/Demografische-Alterung.pdf