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Anlässlich des Internationalen Tags gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie hat die Redaktion von Alma&Georges mit den Podiumsteilnehmer_innen des in diesem Rahmen veranstalteten Anlasses gesprochen. Die Diskussion wird sich um die Bedeutung von Inklusion und Anti-Diskriminierung an Hochschulen drehen und wie dies erreicht werden kann.
Der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie bzw. -feindlichkeit (IDAHOBIT) ist ein jährlicher Gedenktag, der am 17. Mai begangen wird. Der Tag soll die Aufmerksamkeit auf die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen/romantischen Orientierung und Geschlechtsidentität lenken und ein Zeichen für die Gleichberechtigung und Akzeptanz setzen.
Unter dem Titel «Die Universität Freiburg: eine Institution, die alle respektiert?» diskutieren Francesca Poglia Mileti, Professorin für Soziologie, Camille Spühler und Alexi Graça Simoes vom Verein LAGO sowie Muriel Besson, Leiterin der Dienststelle Gleichstellung, Diversität und Inklusion.
Francesca Poglia Mileti, warum wird der IDAHOBIT (International Day Against Homo-, Bi- and Transphobia) heute noch gebraucht? Insbesondere in der Schweiz?
Francesca Poglia Mileti: Les mouvements pour la défense des droits des personnes LGBTQIA+ ont lutté pour une meilleure connaissance – et reconnaissance juridique – des réalités vécues par ces dernières. En Suisse, par exemple, le Code civil a légalisé le mariage entre personnes de même sexe depuis 2020, le Code pénal et militaire (2020) a été modifié afin de tenir compte de la discrimination basée sur l’orientation sexuelle et la procédure de changement à l’état civil des personnes transgenre et intersexes a été simplifiée. Les manifestations telles que l’IDAHOBIT se justifient encore en Suisse, car si la violation des droits des personnes LGBTQIA+ n’est pas comparable aux pays où l’homosexualité est punie pénalement (env. 70 pays), les limitations et discriminations restent nombreuses: inégalité de traitement sur le marché du travail, moindres droits reproductifs, inadéquation des pratiques médicales, invisibilisation de la diversité des identités de genre dans les écoles, violences verbales ou physiques dans l’espace public, catégories administratives inadaptées, marginalisation sociale, rejets familiaux, etc.
Welche institutionellen Herausforderungen sehen Sie bei der Förderung von Vielfalt und Inklusion an Hochschulen und wie können diese angegangen werden?
Francesca Poglia Mileti: Si aujourd’hui les hautes écoles reconnaissent le bien-fondé des politiques inclusives (genre, handicap, etc.), les actions concrètes sont encore très timides. La promotion de la diversité rencontre des résistances, parce que reconnaître la pluralité des identités de genre remet en question nos représentations sociales et morales, tout comme les mesures concrètes peuvent modifier nos pratiques professionnelles et bousculer des rapports de pouvoir institués. Pourtant, l’université serait le meilleur endroit pour ouvrir la réflexion sur les possibilités de leur mise en œuvre: langage inclusif, usage des pronominalisations et des titres, catégories administratives, toilettes non genrées, etc. Pour ce faire, il est impératif d’inclure activement les personnes concernées afin d’éviter que la promotion de la diversité ne se transforme en un débat idéologique stérile.
Muriel Besson, heute stehen alle Buchstaben im LGBTIQA+-Akronym im Fokus. Jedoch scheint diese Vielfalt auf dem Podium nicht repräsentiert zu sein. Werden hier nicht erneut bestimmte strukturelle Ungleichheiten reproduziert?
Muriel Besson: Für die Organisation dieser Podiumsdiskussion wollte die Dienststelle Gleichstellung, Diversität und Inklusion (GDI) eine Professorin oder einen Professor für den Austausch zum Thema anfragen. Wir haben uns für Professorin Francesca Poglia Mileti entschieden, die das Thema Vulnerabilität, einschliesslich derjenigen, die Geschlechterminderheiten und sexuelle Minderheiten betreffen, behandelt. LAGO hingegen ist ein Verein, der LGBTIQA+ Personen vertritt und zwei Vertreter_innen werden anwesend sein. Als Leiterin der Abteilung für GDI werde ich die Unifr vertreten, die ein offenes, respektvolles und wohlwollendes Studien- und Arbeitsumfeld fördert, in dem jede Person sich entfalten und ihre Fähigkeiten entwickeln kann. Ich werde kurz die Massnahmen vorstellen, die die EDI-Dienststelle durchführt, um besser bekannt zu machen, was bereits unternommen wird. So scheint es mir, dass wir versuchen, keine Ungleichheiten zu reproduzieren, sondern diese vielmehr zu diskutieren und die Möglichkeit haben, die Stimmen der betroffenen Teilnehmenden zu hören. Ich hoffe, dass es in den kommenden Jahren möglich sein wird, einen Aufruf zu formulieren, damit die Betroffenen an einer solchen Podiumsdiskussion noch besser vertreten sind, insbesondere innerhalb der verschiedenen akademischen Körperschaften.
Wie können Hochschulen sicherstellen, dass alle Studierenden und Mitarbeitenden sich sicher und unterstützt fühlen, insbesondere wenn sie sich nicht offen zu ihrer sexuellen bzw. romantischen Orientierung oder Geschlechtsidentität bekennen möchten oder können?
Muriel Besson: Den Hochschulen ist es ein Anliegen zu gewährleisten, dass alle Menschen in einem offenen, respektvollen und wohlwollenden Umfeld studieren und arbeiten können, welches frei von Diskriminierung ist. Um dieses Ziel in Bezug auf Geschlechterminderheiten und sexuelle Minderheiten zu erreichen, organisieren die Hochschulen Sensibilisierungsmassnahmen, insbesondere in Zusammenarbeit mit den entsprechenden Verbänden, an der Unifr mit dem Verein LAGO. Für das administrative und technische Personal wird ein Workshop angeboten, in dem es darum geht, angemessen auf Anliegen und Fragen von betroffenen Personen aus den Studierendenumfeld und dem Personal zu reagieren. Es ist klar, dass aufdringliche Fragen zu Intimität oder Sexualität nicht akzeptabel sind. Ein Beispiel hierfür ist die sowohl den Studierenden als auch dem Personal eingeräumte Möglichkeit, einen gebräuchlichen Vornamen für ihre E-Mail-Adresse zu verwenden, oder z.B. ihren Vornamen während des Studiums oder für offizielle Dokumente zu ändern. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Frage, wie man im Falle einer Diskriminierung vorgehen kann. Die Ombudsstelle sowie die GDI-Dienststelle bieten eine verständnisvolle und vertrauliche Anlaufstelle und eine Betreuung an. Die Unifr muss Massnahmen ergreifen, um ihre Mitglieder zu schützen. Derzeit sind wir dabei, die Verfahren sowie die gegebenenfalls vorgesehenen Sanktionen zu klären.
Welche Projekte/Massnahmen visiert die Dienststelle für Gleichstellung, Diversität und Inklusion für die nächsten zwei, drei Jahre an?
Muriel Besson: Der Aktionsplan, den die Unifr bis 2024 umsetzt, beinhaltet Sensibilisierungsmassnahmen wie diese Podiumsdiskussion. Tatsächlich arbeiten wir mit unseren Kolleg_innen an den universitären Hochschulen der Romandie am Projekt «Vers des unis arc-en-ciel» zusammen. Dieses zielt auf den Austausch unserer Best Practices ab und hat Synergien geschaffen, insbesondere bei der Organisation des Workshops «Accueillir et accompagner les personnes LGBTIQ aux études et au travail: Quelles enjeux de posture et pratiques professionnelles?». Dieser Workshop wird am 6. Juni an der Unifr für das administrative und technische Personal erneut angeboten, nachdem er im Dezember letzten Jahres zum ersten Mal stattgefunden hat. Die GDI-Dienststelle wird am Mittwoch eine kurze Umfrage starten, die sich an die Studierenden richtet. Im Jahr 2024 soll der oben genannte Workshop erneut stattfinden, da wir feststellen, dass es eine Nachfrage gibt. Am 17. Mai soll erneut eine Veranstaltung organisiert werden, wenn möglich in Zusammenarbeit mit unseren Partner_innen in der Romandie. In der Folge werden wir über weitere Aktionen für den nächsten Zeitraum 2025-2028 nachdenken, da ein neuer Aktionsplan ausgearbeitet werden soll.
Der IDAHOBIT an der Universität Freiburg
Die Universität Freiburg ist gemäss ihren Statuten in all ihren Tätigkeiten dem Grundsatz der Nichtdiskriminierung verpflichtet. Um das Bewusstsein der Gemeinschaft zu schärfen führt die Unifr jedes Jahr mehrere Aktivitäten und Kampagnen durch mit dem Ziel, ein offenes, respektvolles und wohlwollendes Studien- und Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem sich jede Person entfalten und ihre Kompetenzen entwickeln kann.
Hochschulen haben eine wichtige Rolle bei der Förderung von Vielfalt und Inklusion. Studierende und Mitarbeitende unterschiedlicher Herkunft mit unterschiedlichen Identitäten kommen zusammen, um zu lernen, zu forschen und zu arbeiten. Der IDAHOBIT ist für die Unifr deshalb eine Gelegenheit, ihre Bemühungen um eine inklusive Umgebung zu thematisieren und sichtbar zu machen. Dadurch können Studierende und Mitarbeitende ihr Wissen und Verständnis für die Belange von LGBT+-Personen erweitern. Die Unifr schliesst sich dabei der Stadt Freiburg an, die als Legislaturziel die Integration fördern und dabei Vielfalt berücksichtigen will.
- Dienststelle Gleichstellung, Diversität und Inklusion (GDI) der Unifr
- Link zum Veranstaltungskalender der Unifr: Workshop «Accueillir et accompagner les personnes LGBTIQ aux études et au travail: quels enjeux de posture et pratiques professionnelles?»
- Verein LAGO
- Aktivität der Stadt Freiburg