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Keine Klarheit durch Metaanalyse zur erweiterten Antikoagulation nach Klinikaufenthalt
Gleiches Thromboserisiko aber mehr Blutungen
Hospitalisierte Krebspatienten haben ein erhöhtes Risiko für venöse Thromboembolien, sind aber auch anfälliger für Blutungen. Eine verlängerte Antikoagulation über einen Zeitraum von mehr als vier Wochen schützt sie nicht vor thromboembolischen Ereignissen, sondern begünstigt Hämorrhagien, wie eine aktuelle Metaanalyse darlegt.
Trotz der routinemässigen Prophylaxe während des stationären Aufenthalts erleiden viele Patienten nach der Klinikentlassung venöse Thromboembolien. Eine verlängerte Antikoagulation beugt diesen zwar vor, allerdings steigt gleichzeitig das Blutungsrisiko, berichten Dr. Soravis Osataphanvom Mount Auburn Hospital in Cambridge und Kollegen. Krebspatienten sind aufgrund ihrer malignen Grunderkrankung besonders anfällig für beide Komplikationen.
Ob sie bei einer Hospitalisation von einer verlängerten Thromboseprophylaxe profitieren oder ob diese ihnen sogar eher schadet, untersuchten die Forscher nun mithilfe einer Metaanalyse (s. Kasten). Die Endpunkte: symptomatische Thromboembolie, asymptomatische proximale tiefe Venenthrombose sowie Major- und klinisch relevante Nicht-Major-Blutungsereignisse.
Wie die gepoolte Datenanalyse ergab, unterscheiden sich bezüglich der Häufigkeit venöser Thromboembolien die Standard- und erweiterte Prophylaxe nicht (Odds Ratio [OR] 0,85; 95%-KI 0,61–1,18). Allerdings kam es unter der verlängerten Behandlung mit Antikoagulanzien zu signifikant mehr Major- und klinisch relevanten Nicht-Major-Blutungen (OR 2,11; 95%-KI 1,33–3,35). Die beiden einzelnen Blutungsendpunkte traten jedoch in beiden Studiengruppen ähnlich häufig auf.
Verlängerte vs. Standardprophylaxe
In die Metaanalyse flossen Daten aus vier relevanten randomisiert kontrollierten Studien ein. Unter den Teilnehmenden waren 3655 stationär behandlungsbedürftige Erwachsene mit aktiver oder vorangegangener Krebserkrankung. Gemäss Randomisierung waren 1832 Personen mindestens 28 Tage mit Enoxaparin, Rivaroxaban oder Betrixaban behandelt worden. Die übrigen 1853 Patienten hatten über einen Zeitraum von bis zu 14 Tagen die Standardprophylaxe mit Enoxaparin erhalten.
Die Wissenschaftler beleuchteten abschliessend Nutzen und Risiken der erweiterten Prophylaxe unter den Patienten ohne onkologische Vorerkrankung. Es zeigte sich zwar ein klarer Vorteil der verlängerten Antikoagulation im Hinblick auf das Verhindern von Thromboembolien (OR 0,72; 95%-KI 0,61–0,84), das Blutungsrisiko stieg aber ebenfalls signifikant (OR 2,09; 95%-KI 1,69–2,58). Die Entscheidung, wie lange hospitalisierte Tumorpatienten antikoaguliert werden sollten, fällt angesichts der komplexen Risikokonstellationen nicht leicht, so das Fazit.
Belastbare Aussage
dennoch nicht möglich
In Kenntnis der vorliegenden Ergebnisse sehen die Autoren zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinen eindeutigen Nutzen der erweiterten Thromboseprophylaxe. Sie geben allerdings zu bedenken, dass sich die Metaanalyse auf eine relativ kleine Studien- und Teilnehmerzahl stützt und dass in den einzelnen Untersuchungen eine «aktive Krebserkrankung» nicht einheitlich definiert wurde. Belastbare Aussagen zu Benefit bzw. Risiken der verlängerten Antikoagulation in diesem besonderen Subkollektiv seien daher nicht möglich.
Osataphan S et al. Blood Adv 2021; 5: 2055-2062; doi: 10.1182/bloodadvances.2020004118