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Blick auf die 16 Euro-Mannschaften
Italien, Deutschland und Portugal gehören zu den Favoriten der Euro 2008. Griechenland will seinen Titel verteidigen, die Spanier möchten ihn holen. Die Schweiz und Österreich sind Aussenseiter, die von ihrem Heimvorteil profitieren könnten.
Gruppe A
Schweiz
Die Schweizer Mannschaft hat bis jetzt noch nicht gross Eindruck gemacht. Alle erinnern sich an die blamable Vorstellung beim Elfmeterschiessen im Achtelfinal an der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Seither musste die Mannschaft unter der Leitung von Köbi Kuhn vier Niederlagen einstecken und kassierte nicht weniger als 19 Tore in zehn Spielen.
Hoffnung keimte jedoch auf, als die Mannschaft am vergangenen 24. Mai gegen die Slowakei mit 2:0 und am 30. Mai gegen Liechtenstein mit 3:0 gewann. Das gesteckte Ziel der Schweiz für diese Euro ist das Erreichen der Viertelfinals. Wenn sie keine Tore zulässt, wie das 2006 der Fall war, ist alles möglich.
Portugal
Unter der strengen Führung des Brasilianers Luiz Felipe Scolari erlangte Portugal das Image eines möglichen Gewinners. Die jüngste Bilanz ist gut: Zu Hause Vize-Europameister im Jahr 2004 und ein vierter Rang an der letzten Weltmeisterschaft. Sicher, die Mannschaft verfügt nicht mehr über Spieler wie Figo, Pauletta und Maniche, doch Cristiano Ronaldo, Simão, Ricardo Quaresma und Nani im Sturm sowie Deco im Mittelfeld sind ein ebenbürtiger Ersatz.
Die Schweiz hat 19 mal gegen Portugal gespielt (8 Siege, 6 Niederlagen und 5 Unentschieden).
Tschechische Republik
Die Tschechen müssen an der Euro ohne ihren "Meister" Tomas Rosicky (verletzt) und ohne den Veteranen Pavel Nedved antreten, der nicht aufgeboten wurde. Trainer Karel Brückner hat nach der Weltmeisterschaft 2006 eine "stille Revolution" durchgeführt, aber den (zentralen) Kern der Mannschaft aufrecht erhalten. Die tschechische Republik ging als Sieger aus der Qualifikationgruppe D hervor, noch vor den starken Deutschen. Die Bilanz der Verteidigung ist beeindruckend: In 12 Spielen der Qualifikation liess sie nur 5 Tore zu.
Die Schweiz hat dreimal gegen Tschechien gespielt (1 Sieg,2 Niederlagen).
Türkei
Der "lächelnde Kaiser" Fatih Terim hat alle Krisen überwunden und qualifizierte sich mit der Türkei – 3. an der Weltmeisterschaft 2002 – zum zweiten Mal in ihrer Geschichte für die Euro. Doch er will noch mehr. "Wir dominieren die Gruppe A und wir werden weit kommen", verspricht er. Sein Optimismus basiert auf einem Mittelfeld der Sonderklasse mit Emre, Hamit Altintop, Arda und dem eingebürgerten Brasilianer Mehmet Aurélio. Die Mannschaft verfügt jedoch über keinen guten Sturm.
Die Schweiz hat 14 mal gegen die Türkei gespielt (4 Siege, 3 Unentschieden und 7 Niederlagen).
Gruppe B
Österreich
Beim Gastgeberland herrscht grosser Pessimismus. Die jüngste Niederlage gegen die Niederlande (4:3) zeigte deutlich die Mängel und die Instabilität der Mannschaft auf. Obschon sie 3:0 im Vorsprung lag, ging das Spiel verloren. Ihr fehlt das Potenzial für eine Überraschung.
Deutschland
Nachdem die deutsche Mannschaft an der Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land überraschend den dritten Platz erreichte, gilt sie nun für die Euro als Favorit. Nach dem Trainerwechsel von Jürgen Klinsmann zu Joachim Löw hat sich die Mannschaft kaum verändert. Ihre stärksten Trümpfe sind der Mittelfeldspieler Ballack und der Stürmer Klose, Torschützenkönig von 2006.
Kroatien
Kroatien, eines der grössten Reservoirs an Spielern für den europäischen Fussball, konnte den Exploit an der Weltmeisterschaft 1998 nicht mehr wiederholen. Damals überraschte die Mannschaft mit einem 3. Platz. Doch die neue Generation unter Trainer Slaven Bilic weckt grosse Erwartungen. Die meisten Spieler konnten sich in englischen, deutschen oder ukrainischen Klubs entwickeln. Zwei unter ihnen – Mladen Petric und Ivan Rakitic – haben einen Schweizer Pass. Sturmspitze Eduardo, ein eingebürgerter Brasilianer, ist verletzt und der grosse Abwesende.
Polen
Der niederländische Trainer Leo Beenhakker hat die polnische Mannschaft mit Erfolg erneuert. Eine seiner Stützen ist der eingebürgerte Brasilianer Roger Guerreiro, der sich optimistisch zeigt. "Es ist ein sehr schwieriger Wettbewerb, der die besten europäischen Mannschaften versammelt, und Polen ist eine davon." Die Mannschaft will mindestens die Vorrunde überstehen, ein Ziel, das sie bei der letzten Weltmeisterschaft nicht erreicht hat.
Gruppe C
Niederlande
Die "Oranjes" (Spieler mit dem orangen Trikot) gehören zu den besten der Welt, das stärkt das Selbstvertrauen. Die Fans (in Bern erwartet man zwischen 30'000 und 80'000) sind überzeugt: "Wir werden Europameister." 1998 wurden sie es – mit dabei der heutige Trainer Marco van Basten, der damals fünf Tore schoss. Der Final ist sein Ziel. Nach der Europameisterschaft wird er als Trainer zurücktreten.
Frankreich
In dieser "Killergruppe" will Frankreich, das in der Qualifikation grosse Schwierigkeiten hatte, an das gute Resultat von 2006 anknüpfen, als die "Bleus" Vize-Weltmeister wurden. Auch für Trainer Raymond Domenech ist Kontinuität das Losungswort. In der Mannschaft hat sich nur wenig verändert. Der Coach konnte es sich leisten, auf Cissé, Mexès, Flamini und den offensiven Mittelfeldspieler Hatem Ben Arfa zu verzichten.
Italien
Italien wird als Favorit für den Europameistertitel gehandelt und tritt praktisch in der gleichen Formation an wie an der Weltmeisterschaft 2006. Es fehlen allerdings Captain Fabio Cannavaro - Weltfussballer 2006 - , der sich wenige Tage vor Euro-Beginn eine schwere Knöchelverletzung zuzog, sowie Alessandro Nesta, Francesco Totti und Cristian Zaccardo. Trainer Roberto Donadoni setzt auf ein offensiv ausgerichtetes Spielssystem mit dem "Tridente" (3 Stürmer). Italien zeigte im letzten März bei einem Spiel gegen Portugal, dass die Mannschaft gut in Form ist. Sie gewann 3:1, mit dem gleichen Resultat am 30. Mai auch gegen Belgien.
Rumänien
Trainer Victor Piturca hat eine offensive, aber auch disziplinierte Truppe zusammengestellt. Rumänien, das in der Qualifikation die Niederlande und Bulgarien hinter sich liess, könnte in dieser Gruppe C für eine Überraschung gut sein. Die zwei Spieler, die den gegnerischen Verteidigern am meisten Angst machen könnten, sind die Stürmer Adrian Mutu und Ciprian Marica, die zusammen in der Qualifikationsphase nicht weniger als elf Tore geschossen haben.
Gruppe D
Spanien
Während den Ausscheidungsspielen spielten die Spanier unausgeglichen, doch Trainer Luis Aragones scheint eine Formel gefunden zu haben, um das Gleichgewicht wieder herzustellen. Spanien, der ewige Hoffnungsträger bei grossen internationalen Wettkämpfen, stellt an dieser Euro eine der besten Mannschaft Europas. Die Qualität der Stürmer ist bemerkenswert: Torres (24 Tore in der Premier League), David Villa (7 Tore bei den Ausscheidungsspielen) und Fabregas – mit ihnen kann Spanien sogar vom Europameistertitel träumen.
Griechenland
Der Europameister von 2006 wird versuchen, mit Trainer Otto Rehhagel seinen Titel zu verteidigen. Rund die Hälfte der Spieler, die in Portugal triumphierten, sind wieder dabei, ergänzt mit ein paar Neuzugängen. Griechenland hat während der Qualifikation nicht brilliert, und niemand rechnet damit, dass die Griechen wieder auf dem Siegerpodest stehen werden. Basinas, der Chef im Mittelfeld, und Karagounis im Sturm sind trotzdem nicht zu unterschätzen und könnten den Gegner überraschen.
Russland
Die Russen sind mitverantwortlich für die Nicht-Qualifikation der Engländer, haben aber ihre eigene Qualifikation der englischen Pleite gegen Kroatien zu verdanken. Der niederländische Trainer Guus Hiddink hat den jungen Talenten den Vorrang gegeben zu Lasten der erfahreneren Spieler, und das auf mehreren Positionen. Die Mannschaft, die an dieser Euro dabei ist, hat nicht mehr viel gemeinsam mit jener von Portugal 2004.
Schweden
Schweden hat sich zum vierten Mal für die EM qualifiziert, doch das Land hat bereits früher seine Spur an grossen internationalen Meisterschaften hinterlassen: Olympiasieger 1948 oder 3. Platz an der Weltmeisterschaft 1994 in den USA. Unter der Führung des ruhigen Lars Lagerbäck und mit mehreren Stars in den Reihen wird die Mannschaft nicht viel an der Formel ändern, die ihren Erfolg ausmachte. Einzige Überraschung ist die Rückkehr des Veteranen Henrik Larson, was Mittelstürmer Zlatan Ibrahimovic gefallen wird, denn Larson ist im Angriff sein bevorzugter Partner.
swissinfo und die Agenturen
Die vier Gruppen
Gruppe A
Portugal
Schweiz
Tschechische Republik
Türkei
Gruppe B
Deutschland
Kroatien
Österreich
Polen
Gruppe C
Frankreich
Italien
Niederlande
Rumänien
Gruppe D
Griechenland
Russland
Schweden
Spanien
Euro 2008
Die Schweiz und Österreich sind als Ko-Organisatoren automatisch für das Fussball-Ereignis vom 7. bis zum 29. Juni 2008 qualifiziert.
Die 31 Spiele werden in 4 Schweizer Städten (Basel, Bern, Genf, Zürich) und in 4 österreichischen Städten (Innsbruck, Klagenfurt, Salzburg und Wien) ausgetragen.
Eröffnet wird die Euro 2008 am 7. Juni in Basel. Der Final findet am 29. Juni in Wien statt.
Die Schweiz spielt alle ihre Qualifikations-Matches in Basel.
Die EM-Begegnungen werden in 170 Ländern am Fernsehen übertragen. Es wird geschätzt, dass die kumulierte Zuschauer-Zahl über das gesamte Turnier hinweg bei rund 8 Milliarden liegen wird.
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