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Es war Freitag der 13. Oktober 1972, als eine kleine Propeller-Maschine der uruguayischen Luftwaffe einen Bergkamm der Anden rammte. Der hintere Teil des Flugzeuges samt Flügel brachen ab. Der vordere Teil raste einen steilen Abhang hinunter, bis er sich am Ende des Tals mit voller Wucht in den Schnee bohrte.
Roberto Canessa war damals 19 Jahre alt. Der Moment nach dem Absturz hat sich für immer in sein Gedächtnis eingegraben. Die Szene sei ein einziger Albtraum gewesen, sagt er rückblickend. «Ich kam mir vor wie in einer anderen Dimension.»
16 Menschen kamen bei dem Absturz ums Leben. Die Überlebenden waren jung – zwischen 18 und 26 Jahre alt – und zählten zur uruguayischen Oberschicht. Existentielle Ängste hatte bis zu diesem Zeitpunkt nie einer von ihnen ausstehen müssen. Die uruguayische, chilenische und argentinische Luftwaffe suchten über mehrere Tage nach ihnen – erfolglos.
Kannibalen wider Willen
Unterdessen entstand am Unglücksort eine neue Gesellschaft mit eigenen Regeln – sie nannten sich die «Schnee-Gesellschaft». Es fehlte an allem: An warmen Kleidern, Trinkwasser, Lebensmitteln. Nach neun Tagen stimmen sie darüber ab, die verstorbenen Opfer als Nahrungsmittel zu verwenden.
Einen Tag später entdeckte Daniel Fernandez Strauch ein kleines Transistorradio. Als er dieses zum Laufen brachte, war das Erste, was er hörte: «Heute wurde die Suche nach dem uruguayischen Flugzeug eingestellt». Schreie und Beschimpfungen waren die Reaktion, erinnert sich Strauch.
Von diesem Zeitpunkt an ernährten sich alle Überlebenden von den verstorbenen Opfern. Doch das Unglück sollte noch grössere Ausmasse annehmen. 16 Tage nach dem verheerendem Absturz begrub mitten in der Nacht eine Lawine die Überlebenden – sechs von ihnen fanden in dieser Nacht den Tod.
Es waren schliesslich Roberto Canessa und Nando Parrado, die nach 60 Tagen auf 4000 Metern täglichem Überlebenskampf am 12. Dezember eine letzte Expedition unternahmen. Auf der Suche nach Rettung marschierten sie gemeinsam 60 Kilometer gegen Westen in Richtung Chile.
Nach zehn Tagen hatten sie die Anden hinter sich gelassen und kamen in ein grünes Tal. Dort fand sie am 22. Dezember ein Maultiertreiber. Sie waren gerettet.
Daniel Fernandez Strauch war der erste, der via Radio von der Rettung erfahren sollte. Er erinnert sich daran, als sei es gestern gewesen: «Als ich aufwachte, war ich mir sicher: Heute kommen wir hier raus.» Aber die Angst vor einer falschen Hoffnung war da.
Was als Tragödie der Anden am 13. Oktober begann, sollte als Wunder der Anden am 22. Dezember 1972 in die Geschichte eingehen. Roberto Canessa ist heute Herz-Chirurg in der uruguayischen Hauptstadt Montevideo. Immer wieder kehrt er zum Unglücksort zurück und gedenkt dort seiner Freunde.
Einer kehrt nicht mehr zurück
Daniel Fernandez Strauch ist Leiter der Stiftung «Viven» in Motevideo. Diese klärt unter anderem über die Wichtigkeit der Organspende auf. Die Stiftungsmitglieder veranstalten immer wieder Konferenzen, in denen sie über ihre Erlebnisse von vor 40 Jahren berichten.
Zum Unglücksort ist Daniel Fernandez Strauch bis heute nie wieder zurückgekehrt.