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Im Zentrum dieses Kapitels steht die Ausdehnung der öffentlichen und sozialen Versicherung in den Jahrzehnten nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Die Privatversicherung, die im Vergleich zu den staatlichen Institutionen zwar an Gewicht verloren hat, jedoch nach wie vor von volkswirtschaftlicher Bedeutung ist und einer historisch-statistischen Analyse auch durchaus zugänglich wäre, erfährt demgegenüber eine eher stiefmütterliche Behandlung: Neben den nach den Hauptzweigen der Branche gegliederten Gesamtübersichten findet sich im Tabellenteil dieses Kapitels lediglich noch ein Überblick über die Situation in der Lebensversicherung zwischen 1891 und 1984. Die übrigen Zweige der Privatversicherung in Form von Langzeitreihen zu erschliessen, bleibt der historischen Forschung der nächsten Jahre vorbehalten.
Eine Kommentierung der grösstenteils dem Statistischen Jahrbuch der Schweiz entnommenen Zahlen zur öffentlichen und sozialen Versicherung kann hier nicht erfolgen, wenn die Angaben im einzelnen auch mit Sicherheit interpretationsbedürftig sind. Wir belassen es bei einigen Bemerkungen zu der im Rahmen des Nationalfondsprojekts «Geldmenge und Wirtschaftswachstum in der Schweiz 1851–1913» von Beat John durchgeführten Schätzung der Wertschöpfung in der Versicherungsbranche. Über die politischen, rechtlichen und sozialen Hintergründe der dargestellten Entwicklungen orientiert die einschlägige Literatur (siehe Quellenverzeichnis).
Wertschöpfungsreihen 1850–1913
Der Schätzung von John liegt die nahezu vollständige Auswertung der Geschäftsberichte der privaten Versicherungsgesellschaften und der kantonalen Feuerversicherungen zugrunde. Von 1886 an konnte John zudem auf die Jahresberichte des Eidgenössischen Versicherungsamtes zurückgreifen. Die zur Ermittlung der Wertschöpfung notwendigen Grössen – Bruttoprämieneinnahmen, Rückversicherungsbeiträge und Kapitalerträge – konnte er direkt den Geschäftsberichten der Versicherungsgesellschaften entnehmen. Dabei galt es freilich zu berücksichtigen, dass das Auslandgeschäft der Schweizer Gesellschaften und das Schweizer Geschäft der ausländischen Gesellschaften keinen Bestandteil der Wertschöpfung bilden. Um diese Bereiche des Versicherungsgeschäftes erfassen zu können, orientierte sich John an der Höhe der Agenturprovisionen. Bei den schweizerischen Gesellschaften ermittelte er zunächst anhand der Angaben, die sich in den Geschäftsberichten der Versicherungsgesellschaften und in qualitativen Quellen fanden, den Anteil des Auslandgeschäftes an der Gesamtversicherungssumme, übertrug dann diese Prozentzahl auf die Provisionen und zählte zuletzt die Auslandkomponente von der Bruttowertschöpfung ab. Bei den ausländischen Gesellschaften verfuhr er sinngemäss in der gleichen Weise, wobei er allerdings der vor 1886 ungünstigen Datenlage wegen bei den Versicherungen für Leben und Feuer lineare Interpolationen vornehmen musste.
QUELLE: «Privat- und Sozialversicherung » in Ritzmann/Siegenthaler, Historische Statistik der Schweiz, Zürich: Chronos, 1996, 839-840