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Sperberauge
Massentierhaltung: Abstimmungsbüchlein beschönigt
«Der Bund rechnet das Tierwohl in der Landwirtschaft schön», titelte die NZZ am 5. September und thematisierte leicht irreführende Angaben im Abstimmungsbüchlein, das alle Stimmberechtigten als Informationsunterlage erhalten haben.
Unter dem Titel «Tierwohl in der Landwirtschaft» behauptet die Bundeskanzlei:
«78 Prozent der Nutztiere konnten [im Jahr 2020] regelmässig nach draussen.»
Nach Angaben der Initianten der Massentierhaltungsinitiative hatten aber nur 13 Prozent aller Nutztiere Auslauf ins Freie. Und diese Zahl ist korrekt, wenn man jedes Nutztier als ein Nutztier zählt.
Das tut der Bund nicht. In einer Fussnote vermerkt die Bundeskanzlei: «Die Anteile werden nicht pro Tier, sondern pro Grossvieheinheit berechnet.» Mit anderen Worten: Ein «Nutztier» ist im Abstimmungsbüchlein kein Nutztier, sondern ein mathematisches Phantasiewesen. Eine erwachsene Kuh gilt als 1 Grossvieheinheit, ein kleines Masthuhn dagegen zählt nur als 0,004 Grossvieheinheit. Die Bundeskanzlei vergleicht also 250 zusammengepferchte Masthühner, die nie ins Freie kommen, mit einer einzigen Kuh. Da neun von zehn Kühen und Rindern ab und zu ins Freie kommen, erklärt die Bundeskanzlei «78 Prozent der Nutztiere» seien regelmässig nach draussen gekommen.
Zählt man aber jedes Huhn als ein «Nutztier», was es auch ist, dann haben eben nur 13 Prozent aller Nutztiere Auslauf ins Freie.
Wie die NZZ schreibt, griff der Bund noch zu einem weiteren Trick, um die Masttierhaltung kleinzureden: Er zählte die Gesamtzahl der Hühner, Schweine und Rinder an einem bestimmten Stichtag. Weil aber Masthühner alle ein bis anderthalb Monate geschlachtet werden, füllen sich die Mastbetriebe mindestens achtmal im Jahr mit neuen Hühnern. Hätte die Bundeskanzlei alle Nutztiere gezählt, die während eines Jahres in der Schweiz leben, hätten die Hühner, von denen über 90 Prozent keinen Auslauf haben, ein noch viel stärkeres Gewicht erhalten: Noch deutlich weniger als 13 Prozent aller Nutztiere, die während eines Jahres in der Schweiz leben, haben Auslauf ins Freie.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.
5 Meinungen
Jeder Fleischesser sollte einmal bei einer Überlandfahrt die Gelegenheit nutzen, sich die Viehhaltungsmethoden der unterschiedlichen Betriebe anzusehen und sich dann zu entscheiden, ob er Fleisch, Milch oder Eier aus diesen oder jenen Betrieben noch zu sich nehmen möchte. Wir alle, die tierische Produkte konsumieren, sind für die unwürdige Massentierhaltung verantwortlich, nicht nur die Bauern, die unter extremen Kostendruck stehen und keine geborenen Sadisten sind. Jeder von uns kann sich genau informieren, wenn er nur will und ein bißchen nachdenken: wie soll eine gute Tierhaltung möglich sein, wenn ein ganzes Hendl nur wenige Euro kostet und eine ganze Sau gute €200? Diese Preise gehen nur mit industrieller Haltung und Mast; auf Kosten der Tiere, der Umwelt und der Qualität. Ein Kilo gutes Kotelett kostet im Supermarkt ca. €12. 1 Kilo guter Käse kostet das Dreifache. Da kann was nicht stimmen.5 1
Vielen Dank. U.a. wegen solchen immer wieder stattfindenden Schummeleien lese ich die Abstimmungbüchlein nicht mehr.5 0
Bei den Kühen gibt es aber auch kaum das Risiko der Vogelgrippe.1 0
Der Titel ist eigentlich zu nett. Es ist ja einfach eine glatte Lüge, die zudem wohl ganz klar nur spezifisch zur Irreführung der Bevölkerung benutzt wurde.5 0
Aber entgegen dem Märchen das wir uns teilweise erzählen, wir wissen ja eigentlich schon lange, dass die Lüge in der Politik nicht erst von Trump erfunden werden musste.
Passen wir auf, dass das Bundesamt für Statistik nicht auch noch auf den Geschmack kommt und die Berechnungsweise des Bundesamts für Landwirtschaft auf den menschlichen Bereich überträgt. Wenn ein Mastschwein über 50 kg 0,16 GVE entspricht würde ein Mensch vielleicht 0.2 GVE entsprechen, ein Kind 0.1 GVE. Schulklassen könnten dann etwa zehn mal grösser sein. Da liesse sich ordentlich sparen. Andererseits würde das Problem der Zuwanderung fast verschwinden.0 0
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