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Coleman verpasst erneut einen Doping-Test
Die Integritätskommission (AIU) des Leichtathletik-Weltverbandes suspendiert den 100-m-Weltmeister Christian Coleman wegen eines weiteren verpassten Dopingtests provisorisch.
Der Amerikaner beteuert seine Unschuld und erhob sogar Vorwürfe.
Der 9. Dezember 2019 könnte für Coleman mit Blick auf die Olympischen Spiele 2021 in Tokio schwerwiegende Folgen haben. Zum wiederholten Mal war er an diesem Tag für die Doping-Kontrolleure nicht auffindbar. Da es sich um den dritten «Missed Test» innerhalb von 12 Monaten handelte, verbannte die AIU den Sprinter provisorisch von den Wettkämpfen. Die Spitzensportler müssen gemäss den Anti-Doping-Richtlinien für jeden Tag ihre Aufenthaltsorte angeben, um für eine unangemeldete Kontrolle zur Verfügung zu stehen. Coleman droht eine zweijährige Sperre.
Die AIU ist eine unabhängige Organisation und wurde 2017 vom Weltverband der Leichtathleten mit dem Ziel gegründet, die Dopingproblematik in der Leichtathletik zu bekämpfen. Zu oft hatten zuvor einzelne nationale Verbände oder diverse Staaten den Anti-Dopingkampf behindert. Seit dem Bestehen der AIU ist der Druck auf Betrüger wesentlich grösser geworden.
Wenige Stunden bevor die AIU die provisorische Sperre verkündete, hatte sich Coleman ausführlich auf Twitter erklärt. Er habe zum Zeitpunkt des Tests Weihnachtseinkäufe erledigt - er könne dies mit Quittungen belegen - und wäre bereit und verfügbar gewesen, wenn er einen Telefonanruf erhalten hätte. Er könne nicht verstehen, weshalb die AIU die Kontrolleure angewiesen habe, ihn nicht wie in der Regel üblich telefonisch zu kontaktieren. Daraus schliesst der 24-jährige Coleman: «Ich denke, die Kontrolle am 9. Dezember war ein gezielter Versuch, mir einen verpassten Test anzuhängen.»
Die AIU bestätigte gegenüber Medien, dass die Kontrolleure mit wenigen Ausnahmen angewiesen würden, keine Athleten anzurufen. «Jede vorherige Benachrichtigung über Tests - in Form eines Telefonanrufs oder auf andere Weise - bietet den Athleten eine Möglichkeit, Manipulationen oder ein Umgehen oder ein anderes unpassendes Verhalten vorzunehmen, was die Wirksamkeit von Tests einschränken kann.» Die WADA-Richtlinien würden auch klarstellen, dass ein nicht gemachter Anruf keine Rechtfertigung für einen verpassten Test sei.
War der Vorfall am 9. Dezember nun die eine Übertretung zuviel? Coleman sorgte bereits vor den Weltmeisterschaften 2019 in Doha im Zusammenhang mit verpassten Kontrollen für Gesprächsstoff. Im vergangenen September entging er nur dank eines juristischen Winkelzugs einer Sperre. Damals standen die verpassten Tests vom 6. Juni 2018, 16. Januar 2019 und 26. April 2019 zur Diskussion. Seine Anwälte fochten ein Vergehen erfolgreich an. Das erste vom 6. Juni 2018 konnte auf den 1. April, den Beginn des zweiten Quartals, vorverlegt werden. Zu Colemans drittem «No-show» (26. April 2019) betrug die Zeitspanne somit mehr als zwölf Monate.
Tokio 2021 gleichwohl möglich
Ob Coleman eine Sperre von zwei Jahren erhält, wird sich weisen. Bei mildernden Umständen darf auch nur ein Jahr verhängt werden. Die AIU legte den Beginn der provisorischen Sperre auf den 14. Mai 2020 fest. Wenn die Richter Milde walten lassen, den 14. Mai und nicht den Zeitpunkt des Ende des Verfahrens als Referenz nehmen sowie nur ein Jahr aussprechen, dann wäre für Coleman die Türe nach Tokio 2021 wieder offen. Die Teilnahme an den Heim-Weltmeisterschaften 2022 in Eugene dürfte nicht betroffen sein.
Verpasste Dopingkontrollen hatten die Leichtathletik bereits Anfang Juni in ein schiefes Licht gerückt. Der 400-m-Weltmeisterin Salwa Eid Naser - einer für Bahrain startende Nigerianerin - droht wegen Verstössen gegen die Aufenthalts-Meldepflichten wie Coleman eine definitive Sperre.
Coleman erreichte die Weltspitze im Sprint blitzschnell, doch auch sein Image wurde durch den Dopingverdacht rasch beschädigt. Er war erst 21-jährig, als er 2017 an den Weltmeisterschaften in London beim Abschiedsrennen von Usain Bolt Silber gewann. Im kommenden Winter senkte der bloss 1,75 cm grosse Athlet den 20 Jahre alten Hallenweltrekord gleich um fünf Hundertstel auf 6,34 Sekunden. Vergangenen Herbst folgte dann mit dem 100-m-Gold in Doha in persönlicher Bestzeit von 9,76 Sekunden ein vorläufiger Höhepunkt.
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