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Noch vor einer Generation galt es als Berufung, Verleger zu sein. Ein Verleger war ein grosser Mann, der über Bildung und den Willen zur Führung verfügt, der in seinen Publikationen die Welt knetet wie einen Tennisball.
Ein Verleger war stolz darauf, in seinem redaktionellen Rennstall über Spitzenjournalisten zu verfügen, die ihm halfen, an Einfluss zu gewinnen. Er trank seinen Champagner aus ihren Hirnschalen, wie Paul Sethe es formulierte, den heute keiner mehr kennt.
Einer unserer talentierten Jungverleger heisst Marc Walder, ein äusserst sympathischer immer noch jugendlich wirkender Mann, dem soeben zehn Prozent der Anteile des Ringier Verlags vermacht wurden.
Was sagt Walder in einem Interview mit Matthias Ackeret, dem Verleger des Branchenmagazins „Persönlich“, das sich durch eine starke redaktionelle Abhängigkeit von seinen Partnerorganisationen auszeichnet? Walder: „…obwohl ich, abgesehen vom Wirtschafts- und Auslandteil der NZZ, praktisch keine Zeitung mehr konsumiere.“
Ein Printverleger, der stolz darauf ist, keine Zeitung mehr zu konsumieren. Es ist anzunehmen, dass der einst sich selbst als „guten Journalisten“ bezeichnende Partner von Walder, Michael Ringier, auch schon lange keine Printmedien mehr „konsumiert“.
Konsumiert man Medien eigentlich? Diesen Begriff gab es früher nie. Man kaufte sie, man liebte sie und man verzichtete eher auf ein Frühstück als auf die Lektüre des „Spiegel“ oder der „Zeit“.
Wer den Niedergang der Printmedien beklagt und den Ausverkauf einst guter Redaktionen betreibt und selber keine Printmedien mehr liest, sollte sich nicht wundern, wenn ihm auch die Kunden den Rücken kehren.
. Sagen die Metzger, sie würden keine Würste mehr essen?
. Sagen die Bäcker, sie würden keine Brote mehr kauen?
Seit tamedia die Schweiz erobert hat, musste ich hintereinander die „Berner Zeitung“ und den „Bund“ abbestellen, weil deren redaktioneller Inhalt dem „Tagi“ immer mehr angeglichen wurde.
Demnächst werde ich auch die „Zürichsee Zeitung“ und die „Basler Zeitung“ abbestellen müssen, weil deren eigenständiger Charakter schon auf Null gesenkt wurde oder vor einer solchen Nivellierung steht.
Daraus wäre zu schliessen, dieser Berufsstand, der sich Unternehmer nennt, hat sich selbst vernichtet. Durch Leistungsverweigerung.