Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03381.jsonl.gz/3522

Die Symptome der Störungen des Erwachens aus dem Schlaf (Arousal-Parasomnien) äussern sich so:
Mehr oder weniger zielgerichtete Handlungen ohne ersichtlichen Sinn (z.B. Umschichten von Kleidern, Verrücken der Möbel) kommen vor. Die Episode dauert in der Regel 1–10 Minuten. Bei Kindern und Jugendlichen sind solche Störungen meistens harmlos und verschwinden vor der Pubertät von selbst. Einige einfache Vorsichtsmassnahman sind jedoch sinnvoll:
Oft ist es sinnvoll, vorübergehend das Schlafwandeln medikamentös zu unterdrücken. Dazu soll die neue Umgebung über die Störung, wenn immer möglich, informiert werden.
Schlafwandeln im Erwachsenenalter ist weniger harmlos. In dieser Altersgruppe findet es sich immerhin noch mit einer Häufigkeit von 1,5–2,5 Prozent. Erwachsene neigen während des Schlafwandelns eher zu aggressiven Handlungen und Gewalttaten (bis zur Verletzung des Bettpartners), deren Resultate sie nach dem Erwachen dann fassungslos zur Kenntnis nehmen müssen.
Schlafwandeln, das bei Erwachsenen neu auftritt, bedarf immer einer neurologischen und einer Schlaf-Abklärung und häufig auch einer ärztlichen Behandlung, da der Störung eine Hirnerkrankung zu Grunde liegen könnte.
REM-Schlaf-assozierte Parasomnien finden in der Phase des so genannten Traumschlafs- oder REM-Schlafs statt. Zwei wichtige Charakteristiken kennzeichnen den REM-Schlaf:
1. Eine hohe Aktivität des Gehirns, die sich z.B. in Träumen oder im Einordnen von Gedächtnisinhalten äussert.
2. Eine stark verminderte Muskelspannung
Von aussen betrachtet, gleicht der Schlafende einem Schloss, in dem hinter vorgezogenen Vorhängen ein Fest gefeiert wird: Seine Augen sind zwar geschlossen, aber die Augen bewegen sich rasch (daher die Bezeichnung "REM", rapid eye movement, also rasche Augenbewegungen). Mit Ausnahme der Augen- und Atemmuskulatur sind die Muskeln des Schlafenden völlig entspannt. In diesem Zustand können folgende Symptome auftreten:
Schlaflähmungen werden häufig von angstvollen Trugwahrnehmungen (hypnagogen Halluzinationen) begleitet. Sie gehören zu den Symptomen der Narkolepsie, können aber auch bei Gesunden vorkommen und sind als isolierte Erscheinungen nicht krankhaft. Das Gefühl gelähmt zu sein ist jedoch erschreckend, besonders da durch die Schlaflähmung schwerwiegende Hirnfunktionsstörungen (z.B. ein Schlaganfall) vorgetäuscht werden können.
Zu den "anderen Parasomnien" zählen der dissoziiierte Status, Bettnässen, Stöhnen im Schlaf (Kathatrenie), das Syndrom des „explodierenden Kopfs“, Essen im Schlaf sowie Halluzinationen im Schlaf/Wachübergang.
Schlafmediziner unterscheiden zwei Formen von Bettnässen, die verschiedene Ursachen haben: Das so genannte primäre Bettnässen (das Kind war nie ganz trocken) und eine sekundäre Form (in der das Kind oder der Erwachsene nach einer trockenen Zeit von mindestens sechs Monaten wieder beginnt, das Bett zu nässen).
Primäres Bettnässen wird bei 30 Prozent der 4-jährigen, 10 Prozent der 6-jährigen, 5 Prozent der 10-jährigen und 1–2 Prozent der 18-jährigen Kinder und Jugendlichen gesehen. Buben sind davon etwas häufiger betroffen als Mädchen (Verhältnis 3:2).
Aufgrund der langen Ausatmungsphasen kann es beim Betroffenen zum Absinken der Sauerstoffsättigung im Blut kommen und eine Kathatrenie wird deswegen fälschlicherweise als Apnoe bezeichnet.
Die Erfahrungen in den Kliniken für Schlafmedizin haben gezeigt, dass eine Kathatrenie mit einer erhöhten Tagesschläfrigkeit oder Müdigkeit verbunden sein kann; auch Heiserkeit am Morgen kommt vor.
Die Störung kommt nur selten, aber in jedem Alter vor. Sie kann in Intervallen (einmal im Monat) oder bei jedem Einschlafversuch auftreten, so dass dann das Einschlafen vom Betroffenen vermieden wird. Die Ursachen sind bis heute nicht bekannt. Im Verlauf des Syndroms sind bisher nie Folgekrankheiten (wie z.B. neurologische Störungen) beschrieben worden und es konnten auch keine Verbindungen zu psychologischen oder Stress-Belastungen dokumentiert werden. Eine medikamentöse Beeinflussung des Syndroms ist in der Regel möglich. Meistens verschwindet die Symptomatik nach einigen Jahren von selbst.
Meistens nehmen die Betroffenen Bilder wahr. Seltener ist es auch das Gefühl, Stimmen oder Geräusche zu hören, berührt zu werden oder unbekannte oder bekannte Gerüche zu riechen. Die Unterscheidung, ob diese Erscheinungen ein Teil der Wach- oder der Traumwelt sind, ist meistens nicht möglich. Die Trugwahrnehmungen sind oft verbunden mit Schlaflähmung und gehören zu den Symptomen der Narkolepsie. Sie kommen aber auch nach Sehverlust und bei verschiedenen degenerativen Hirnerkrankungen vor.
Die Ursachen für Parasomnien sind sehr unterschiedlich und lassen sich nicht immer eindeutig zuordnen.
Im Kindesalter sind Parasomnien häufig an bestimmte Entwicklungsstufen gebunden und in der Regel harmlos.
Beim erwachsenen Menschen können Parasomnien Ausdruck von Krankheiten sein, welche dringend ärztlicher Behandlung bedürfen und sollten deshalb immer medizinisch abgeklärt werden.
Die Schlafmedizin gelangte bei der Ursachenforschung verschiedener Parasomnien bis heute unter anderem zu folgenden Erkenntnissen:
Schlafwandeln
Bettnässen
Als Ursache für das so genannte primäre Bettnässen (also bei Kindern/Erwachsenen, die nie ganz trocken waren) scheinen vererbte Entwicklungsmuster wichtig zu sein.
77 Prozent der Kinder von Eltern, die beide Bettnässer waren, und 44 Prozent der Kinder mit einem Elternteil, der betroffen war, sind primäre Bettnässer. Sekundäre Formen des Bettnässens (also bei Kindern oder Erwachsene nach einer trockenen Zeit von mindestens sechs Monaten) können körperlich und psychisch bedingt sein:
Stöhnen im Schlaf (Kathatrenie)
Die Geräusche entstehen durch das Ausatmen gegen geschlossene Stimmbänder. Bisher konnten in den Untersuchungen des Kehlkopfs oder der Nervenversorgung der Stimmbänder jedoch keine Ursachen für diese Schlafstörung gefunden werden.