Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03186.jsonl.gz/2563

| Justin der Märtyrer († um 165) - Erste Apologie

59. Das Alte Testament hat dem Platon als Quelle für seine Lehre von der Weltbildung gedient.
Damit ihr aber erkennt, daß von unseren Lehrern, wir meinen von dem durch die Propheten vorherverkündeten Logos, Platon den Satz überkommen hat, Gott habe durch Umwandlung gestaltlosen Stoffes die Welt geschaffen, so hört, was wörtlich von Moses gesagt worden ist, der, wie schon erwähnt wurde (c. 32), der älteste Prophet war und früher gelebt hat als alle griechischen Schriftsteller. Durch ihn hat der prophetische Geist, um kundzutun, wie und woraus Gott im Anfange die Welt bildete, also gesprochen: „Im Anfange schuf Gott den Himmel und die Erde; die Erde aber war noch unansehbar und ungeformt, es war Finsternis über dem Abgrunde und der Geist Gottes schwebte über den Wassern. Gott aber sprach: Es werde Licht, und es ward so“ 1. Daß also durch Gottes Wort aus vorliegenden, von Moses erwähnten Stoffen die ganze Welt [S. 127] entstanden sei, das haben Platon mit denen, welche das gleiche sagen, und ebenso auch wir gelernt, und auch ihr könnt davon überzeugt sein 2. Und nun wissen wir auch, daß das, was bei den Dichtern Erebos 3 heißt, zuerst von Moses genannt worden ist.
1: Gen.1,1-3.
2: Die Stelle macht den Eindruck, als kenne Justin keinen Unterschied zwischen der biblischen und der platonischen Kosmogenie; vgl. oben zu Kap. 10.
3: Nach Hesiod (Theog. v. 123) entstanden aus dem Chaos zuerst das Erebos (Finsternis) und die Nacht.