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Hemley Boum, geboren 1973 in Duala/Kamerun, studierte Sozialwissenschaften in Yaoundé und Internationalen Handel in Lille/Frankreich. Sie lebt heute mit ihrem Ehemann und zwei Kindern in Frankreich. Ihr Roman Si d’aimer … stand auf der Shortlist für den Ahmadou-Kourouma-Preis 2013. Gesang für die Verlorenen (Les Maquisards) wurde mit dem Grand Prix littéraire d’Afrique Noire 2015 ausgezeichnet.
Hemley Boum, 1973 in Duala geboren, strebt schon früh danach, die Welt zu entdecken. Die Wahl des Studienfachs Sozialwissenschaften, Option Anthropologie, ist von daher nicht zufällig und wird später ihrer schriftstellerischen Tätigkeit zugutekommen. Der an der Katholischen Universität von Zentralafrika in Jaunde erworbene Magistertitel öffnet ihr das Tor zur Université Catholique von Lille, wo sie ihr Studium fortsetzt.
Hemley tauscht die tropischen Regenfälle gegen das feuchte, kalte Grau einer Stadt im Norden Frankreichs ein, wo sie immerhin drei Studienjahre verbringt, die ihr Spaß machen. Es entwickelt sich ein bestimmter Blick auf die Welt, die Leute und das Leben, der ihr humorvolles Schreiben charakterisiert. In Si d’aimer … erweist sie den Menschen aus dem Norden, die sie geliebt hat, ihre Reverenz.
Ihr Diplom in Internationalem Handel und ein Aufbaustudium in Marketing qualifizieren sie für eine erste Anstellung in Paris, die ihr schnell ermöglicht, Kamerun auf andere Weise kennenzulernen: als Großkundenbetreuerin der kamerunischen Niederlassung einer französischen Ölgesellschaft. Sie kommt in ihr Heimatland als Entdeckerin zurück, sie lernt holzverarbeitende Betriebe, die Nahrungsmittel- und Baumwollindustrie sowie die großen Plantagenbesitzer kennen. Man kann sich vorstellen, wie sie durch die riesigen Wälder fährt, in denen plötzlich kleine traditionelle Dörfer auftauchen, dann die zahlreichen großen Schlafstädte aus der Kolonialzeit sieht, die an den Rändern der Industrieanlagen entstanden sind.
Zweifellos wird Hemleys Blick geschärft durch widersprüchliche Bilder: die Armut, die soziokulturellen Unterschiede in einem an Bodenschätzen so reichen und daher international gefragten Land, und auch eine überlieferte Tradition, die hier und da überdauert hat, wie in den aus dem Nichts auftauchenden Dörfern.
Der monumentale Regenwald mit Bäumen, die zu den höchsten der Welt zählen, hat sicher auch ihrer Seele Flügel verliehen.
Die Erfahrungen in dem in ihrem Herzen verankerten Heimatland wollen auf den ganzen Kontinent ausgeweitet werden. Daher begleitet sie ihren Mann in die Zentralafrikanische Republik, nach Bangui, danach nach Gambia, nach Banjul. Ihre Erkundungen Afrikas schließen Senegal, die Elfenbeinküste, Mali und Nigeria ein.
Zurück in Paris, ist der Schritt getan. All das Erlebte hat sie mit einem geografischen und kulturellen Schatz bereichert, der unbedingt zum Leben erweckt werden muss, an einem allen zugänglichen Ort, auf den Seiten eines Buches, einem Kind der großen Bäume.
Im Oktober 2010 wird ihr erster Roman veröffentlicht: Le clan des femmes. Ein Stil ist entstanden, der nicht urteilt, vielmehr das Leben mit einem warmherzigen, hellsichtigen, scharfsinnigen und heiteren Blick betrachtet.
Eine Vitalität, die auch Hemley Boums zweiten Roman prägt, Si d’aimer – 2012 im Verlag La Cheminante erschienen und mit dem Prix Ivoire 2013 für frankophone afrikanische Literatur ausgezeichnet –, und ebenso ihren dritten Roman Gesang für die Verlorenen. 2016 erhält er den Grand Prix d’Afrique Noire, den Prix du livre engagé sowie den Spezialpreis der Jury beim Prix Ethiophile.
Stark in ihrer Fähigkeit, das Leben einzelner Menschen mit vielfältigen gesellschaftlichen Problematiken zu verknüpfen und ihren Figuren Hoffnung und Willensstärke zu verleihen, beleuchtet sie in diesem Roman eine tabuisierte Epoche der Geschichte ihres Heimatlandes: den Kampf der Bassa für die Unabhängigkeit Kameruns. Keine Schulstunde, sondern die verwegene – und gewonnene – Wette, der Geschichte Gestalt, Fleisch, Seele und Sehnsucht einzuhauchen, am Beispiel der unglaublichen Familien- und Freundschaftssaga dieses denkwürdigen, mutigen Volkes.
»Die Ernsthaftigkeit ihres Anliegens und ihre intellektuelle Reflektiertheit heben Boum aus dem Kreis jener AutorInnen hinaus, die als weltweit anschlussfähige Stimmen einer globalen Einheitsliteratur auf den Markt geworfen werden, eines ›Global Pop‹, der Themen und Motive noch aus den verschiedenen Kulturen zieht, aber nicht mehr in ihnen verankert ist.«