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Die Anorexia nervosa ist – wie die Bulimie – eine Störung des Essverhaltens. Das aus der altgriechischen Sprache übernommene Wort Anorexie bedeutet Appetitlosigkeit, doch die deutsche Bezeichnung Magersucht ist treffender. Die Krankheit ist gekennzeichnet durch ausgeprägte Angst vor dem Dickwerden, ein übersteigertes Schlankheitsideal, eine verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers und in der Folge durch extremen Gewichtsverlust. Betroffen sind vornehmlich junge Frauen, jedoch zunehmend auch Männer. Magersüchtige Menschen werden von ihrer Umgebung als intelligent, verantwortungsbewusst und ordnungsliebend eingeschätzt.
Die Anorexie ist seltener als die Bulimie, sie weist jedoch im Gegensatz zu letzterer eine höhere Sterblichkeit auf (ca. 10%).
Die Ursachen sind noch nicht in allen Einzelheiten bekannt; neben psychischen spielen soziale und genetische Faktoren eine Rolle.
Hauptmerkmal ist willentliches Hungern, das zu Abmagerung führt, nicht selten von lebensbedrohendem Ausmass. Im Einzelnen sind typisch:
Die Folgen sind Mangelerscheinungen wie Wasseransammlung in den Geweben (sog. Hungerödeme) wegen des hochgradigen Eiweissmangels, Kalzium- und Eisenmangel, Herzrhythmus- und Nierenfunktionsstörungen, niedriger Blutdruck, verminderte Durchblutung, und Kältegefühl in Händen und Füssen, Osteoporose, Ausbleiben der Menstruationsblutung oder andere Zyklusstörungen, bei Männern reduziertes sexuelles Interesse und Abnahme der Potenz.
Über Todesfälle durch Verhungern wurde verschiedentlich berichtet. Im November 2006 verstarb das Model Carolina Reston im Alter von 21 Jahren an den Folgen ihrer Anorexie wegen Multiorganversagen mit Nieren- und Leberversagen, Atemnot und zahlreichen Entzündungen als Zeichen von Abwehrschwäche. Ihre Nahrung hatte fast nur aus Tomaten und Äpfeln bestanden. Sie wog bei einer Grösse von 174 cm noch 40 kg, was einem Body Mass Index von 13,2 entspricht. Wer einen BMI unter 18,5 aufweist, gilt als untergewichtig.
Angehörige und Betroffene sind auf Hilfe von aussen angewiesen. Im Verlaufe des Heilungsprozesses können Selbsthilfegruppen wertvolle Unterstützung bieten.
Das Fördern einer stabilen Persönlichkeitsstruktur und eines gesunden Selbstbewusstseins sowie das Entwickeln von verschiedenen Strategien, Probleme zu lösen, ist eine günstige Basis, solche und ähnliche Erkrankungen zu vermeiden. An Heranwachsenden selbst liegt es, Konflikte lösen und Enttäuschungen verarbeiten zu lernen. Hilfreich ist dabei die Unterstützung durch das Umfeld.
Psychologische oder ärztliche Hilfe ist vielfach dringend. Betroffene ignorieren oder bagatellisieren die Krankheit jedoch und suchen nicht von sich aus den Arzt auf. Deshalb müssen sie von Angehörigen gebracht werden.
Hochgradige Unterernährung verlangt erfahrungsgemäss eine stationäre Behandlung. Mit Infusionen werden Mineralstoffe und Nährstoffe zugeführt, um die akute Lebensbedrohung abzuwenden. Eine Schwierigkeit liegt darin, dass die Kranken ihre Therapie manchmal heimlich behindern. Rezidive (Rückfälle) sind häufig, oft verläuft die Krankheit chronisch.
Bisweilen ist das Einbeziehen der Familie in die Psychotherapie unerlässlich.