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Rund 90% der Oberfläche des aus Basalt bestehenden Schildvulkans wurde von Lavaströmen gestaltet, welche jünger als 1'100 Jahre alt sind. 70% der Vulkanoberfläche sind weniger als 700 Jahr alt.
Im Jahr 1983 führten lang anhaltende Eruptionen im Bereich der östlichen Riftzone zu Veränderungen im Landschaftsbild. Lavaströme bedeckten am Ende der Ausbruchsphase mehr als 100 Quadratkilometer Landfläche. Beinahe 200 Häuser wurden zerstört. Es bildete sich eine neu Küstenlinie.
Schriftliche Unterlagen berichten über 1'820 Ereignisse im Zusammenhang mit den Kilauea. Häufig wurden Flankenausbrüche mit Eruptionen und Lavaströmen beschrieben. Eruption ereigneten sich besonders häufig an den langen östlichen und südwestlichen Riftzonen, welche auf beiden Seiten des Vulkans hinunter zum Meer verlaufen. Die lange Perioden mit starken Aktivitäten des Lavasee im Krater Halemaumau endete 1924. Der Krater Halemaumau befindet sich innerhalb der Caldera. In den polynesischen Legenden nehmen die Aktivitäten des Vulkans eine wichtige Stellung ein.
Ereignisse im Jahr 2018
Am 30. April 2018 hat sich der Lavasees an der Austrittsstelle «Pu’u O’o» entleert und der Lavastrom suchte sich einen Weg in Richtung der Siedlung Leilani. Seit 1983 hat sich dieser Lavasee immer wieder gefüllt und anschliessend wieder entleert.
Seit 1983 ereigneten sich an der Öffnung «Pu’u O’o» des Vulkans Kilauea auf Hawaii immer wieder Eruptionen. Die Austrittsstelle «Pu’u O’o» liegt auf halbem Weg zwischen dem Vulkangipfel und der Siedlung Leilani.
Eine besonders gefährliche Eruption fand am 3. Mai 2018 in unmittelbarer Nähe der Siedlung Leilani statt. Als Folge dieser Eruption öffneten sich nordöstlich der Siedlung mehrere Erdspalten. Drei Wochen später verhielten sich die zuvor gebildeten Erdspalten weniger aktiv. Im gleiche Zeitraum brachen jedoch weitere Spalten in dieser Region auf. Aus den Spalten traten ausserdem weisser Wasserdampf, säurehaltige Dämpfe, Salzsäure-Gas, Kohlendioxid- und Schwefeldioxid-Gase aus.
Am 14. Mai 2018 wurden an der Spalte Nr. 17 Lavafontänen und Explosionen beobachtet, welche Lavafetzen bis in eine Höhe von 30 m trieben. Ein Strom von langsam fliessender Lava bewegte sich von dieser Stelle aus rund 1,5 km talwärts.
Am 23. Mai 2018 zählten USGS-Geologen insgesamt 23 Erdspalten. Eine der aktivsten Spalten war die Spalte Nr. 22. Aus diesem Riss floss Lava in einem Kanal in Richtung südöstliche Küste. Die Lava ergoss sich in der Nähe des MacKenzie State Park in den Pazifischen Ozean. Es ist nicht ungewöhnlich, dass in Hawaii Lavaströme in das Meer fliessen. An dieser Stelle erreicht bisher noch nie ein Lavastrom die Küstenlinie.
Der Lavastrom vom Mai 2018 gilt als der am längsten dauernde Lavaausstoss mit der grössten Menge an Lava in der 500 jährigen vulkanologischen Geschichte der östlichen Riftzone des Vulkans Kilauea.
Ein Aspekt bei vulkanischen Eruptionen ist das Ausfliessen von sehr heissen, geschmolzenen Gesteinsmassen, welche vonder Austrittsöffnungen aus an der Erdoberfläche Lavaströme bilden. Vulkane stossen auch Asche- und Gaswolken sowie kleine Partikel (Aerosole) aus. Winde können diese Ascheteilchen und Gase in andere Region verfrachten und über grosse Flächen verteilen.
Die Lavaströme bedrohen die Kulturflächen und den Lebensraum von Menschen sowie Tieren. Die Asche- und Gaswolken stellen ein Gefahr für die Gesundheit aller Lebewesen dar.
Der Terra-Satellit der NASA fotografierte mit seinem Spektroradiometer MISR die vom Vulkan ausgestossenen Wolken. Der Satellit kann Stereobilder aufnehmen und auch die Form, die Grösse und die lichtabsorbierenden Eigenschaften der Aerosole innerhalb der Wolken messen. Der Satellit misst die Eigenschaften der Gase nicht direkt. Er vermisst die Sulfat-Aerosole. Sulfat-Aerosole sind die Reaktionsprodukte, welche bei der Einwirkung von Sonnenlicht auf die Schwefeldioxid-Gase entstehen. Bei diser Reaktion bildet sich ein sichtbarer Dunstschleier. Die Schwefeldioxid- und die Sulfat-Moleküle sind schwerer als die Luft-Moleküle. Mit Schwefelteilchen angereicherte vulkanische Wolken sinken daher beim Ausbreiten in tiefere Lagen.
Am 6. Mai 2018 stiegen die Gaswolken bis in eine Höhe von 1,5 km auf. Winde verfrachteten die Wolken rund 140 km in südwestliche Richtung entlang der Küste. Auf diesem Weg verloren die Gaswolken einige hundert Meter an Höhe.
Der Lavaausfluss am Kilauea im Mai 2018 war von keinen grösseren Explosionen begleitet. Bei diesem Ereignis wurde nur wenig Asche in die Atmosphäre ausgestossen. Bei Explosionen entstehen die Aschewolken.
Am 9. Mai 2018 stieg die Explosionsgefahr, weil sich der Lavasee immer mehr leerte und sich seine obere Grenze immer mehr unter den Wasserspiegel im umliegenden Gestein absenkte. Das Magma kann dann Wasser aufnehmen. Die Gefahr von heftigen Wasserdampfexplosionen steigt, wenn der Magmapegel unter die Wasserlinie sinkt.
In der Zeit vom 23. bis zum 29. Mai 2018 fanden im Bereich der beiden Krater «Overlook» und«Halema`uma`u» (untere östliche Riftzone des Vulkans Kilauea) zahlreiche Explosionen statt. Im mittleren Teil des Spaltensystems sprudelten einige bis zu 60 m hohe Lavafontänen, welche den Lavastrom zusätzlich mit Material versorgten. Die Lavaströme durchquerten mittlerweile das Siedlungsgebiet von Leilani und die Lanipuna Gärten. Teile der Siedlung wurden zuvor evakuiert. Einige Lavaströme erreichten das Meer. Aus einigen Rissen züngelten blauen Methangas-Flammen.
Im Bereich des Kilaueagipfels ereigneten sich einige Erdbeben. Im Overlook Crater bildeten sich nach dem Rückzug des Magmas einige Aschewolken. Der Krater vergrösserte sich laufend in Richtung Westen.
Am 25. Mai 2018 betrug die Kraterfläche rund 36 Hektaren. Gleichzeit öffnete sich im Norden des Kraters «Halema`uma`u» ein Loch.
Am 26. Mai 2018 trieben drei Explosionen Wolken bis in eine Höhe von 4,1 km.
Lava, welche aus der Spalte Nr. 21 quoll, floss über das Grundstück der Geothermieanlage Puna. Später unterbrachen die Lavaströme die Zufahrtsstrasse zu dieser Anlage.
Am 28. Mai 2018 stoppten die Eruptionen in an den Austrittsöffnungen, welchen die Lavaströme nährten. Die bis 60 m hohen Lavafontänen aus der Spalte Nr. 8 blieben weiterhin aktiv.
Bis am 29. Mai 2018 zerstörten die vulkanischen Aktivitäten insgesamt 94 Bauwerke, darunter 53 Wohnhäuser.
Hawaii und seine Vulkane
Der Mauna Kea ist der höchste Vulkan im Archipel von Hawaii. Mauna Kea heisst «Weisser Berg». Auf dem Gipfel des 4'205 m hohen Mauna Kea fällt hie und da Schnee. Der Fuss des Vulkans befindet sich rund 70 km vor der Küste von Hawaii in einer Wassertiefe von 5'761 m. Die Gesamthöhe des Vulkans beträgt 9'966 m. Im Vergleich dazu beträgt die Höhendifferenz des 8'848 m hohen Mount Everest von der Basis bis zum Gipfel rund 3'000 m.
Vor rund 800'000 Jahren erreichte der Mauna Kea die Wasserobefläche. Nach zahlreichen heftigen Eruptionen legte sich Lavaschicht um Lavaschicht auf den Vulkan.Der Mauna Kea entwickelte sich zu einem Schildvulkan. Die Phase der Schildbildung wurde vor rund 130'00 Jahren beendet. Die Eruptionen formten in der Gipfelregion eine Caldera. Die letzte grössere Eruption des Vulkans Mauna Kea fand vor 4'600 Jahren statt. In der Gegenwart mach sich der Vulkan macht sich ab und zu bemerkbar.
Der Mauna Loa ist weltweit der grösste Vulkan. Mit 4'169 m Höhe ist der Mauna Loa etwas weniger hoch als der Mauna Kea. Der Mauna Loa ist hingegen wesentlich massiver gebaut als der Mauna Kea.
Der Vulkan Kohala ist erloschen. Der Vulkan Hualālai ist letztmals 1801 ausgebrochen. Der Vulkan Kilaulea ist seit 1983 ununterbrochen aktiv. Seine Lavaströme sind eine Touristenattraktion. Der Seamount Loihi wird vermutlich in rund 50'000 Jahren die Wasseroberfläche erreichen.
Das Archipel von Hawaii entstand durch einen «Hotspot». Ein «Hotspot» ist eine Magmaquelle in der Erdkruste, welche unablässig heisses Magma gegen die Erdoberfläche schiebt. Der Hotspot befindet sich gegenwärtig in rund 14 km Tiefe unter der Insel Hawaii. Gleichezeitig driftet Pazifische Erdplatte immer weiter in Richtung Nordwesten und mit ihr die Inselwelt von Hawaii. Vor der Küste von Hawaii wächst der Seamount Loihi. In einigen tausend Jahren wird vermutlich an dieser Stelle eine neue Insel entstehen. Wissenschaftler vermuten, dass der Mauna Kea und seine Schwestervulkane im Laufe der Zeit aberodieren und schliesslich in ferner Zukunft wegen ihres ungeheuren Gewichts im Meer versinken werden.