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bloße Steinschüttung. Der Zweck der ganzen Anlage war nicht eine fortifikatorische Umwallung (denn die ganze Militärmacht
der zu schützenden Provinz hätte nicht einmal zur Besetzung der Kastelle ausgereicht), sondern nur Sicherung der Grenze gegen
Räuber und Schmuggler.
die namentlich in Süddeutschland noch jetzt in ausgedehnten Resten vorhandenen Anlagen der Römer
[* 16] zum
Grenzschutz ihrer rechtsrhein. Besitzungen auf deutschem Boden. Der NamePfahlgraben oder Pfahl rührt von den neuerdings
noch in Resten aufgefundenen Palissaden auf einzelnen Strecken der röm. Grenzlinie her. Der Pfahlgraben bildete den durch die Römer
gegenüber den deutschen Völkern mit ganz besonderer Sorgfalt ausgestatteten Grenzstreifen (limes). Einen solchen Limes
legte zunächst der CäsarTiberius nach der Niederlage des Varus auf der Ostseite des röm. Untergermanien auf
der rechten Rheinseite einige Stunden östlich vom Rheinstrom an; dieser Limes zog sich von der Gegend bei Duisburg
[* 17] südlich
bis Neuwied. In ausgedehnter Weise dagegen wurde das röm. Obergermanien, zuerst unter Domitianus, der neben der Anlage am
Taunus das Neckarthal in die röm. Linien hineinzog, dann unter Hadrianus und seinen
Nachfolgern, welche die Arbeiten bis zur obern Donau führten, in solcher Art geschützt.
Diese 542 km lange künstliche Grenze, die den einspringenden Winkel
[* 18] des Oberlaufs der beiden großen röm.
Grenzströme, des Rheins und der Donau, deckte (s. die Karte: Germanien
[* 19] u.s.w., Bd. 7, S. 862), zerfällt in den obergerman.
und rhätischen Limes. Der obergermanische Limes (368 km) beginnt bei Rheinbrohl, zieht südöstlich
über Ems zum Taunus, umfaßt diesen und wendet sich südlich dem Main zu, den er bei Groß-Kotzenburg erreicht. Dann folgt
er dem Main bis Miltenberg und geht in schnurgerader südsüdöstl.
Linie bis Pfahlbronn. Hier schließt sich der rhätische Limes an (die sog.
Teufelsmauer, 174 km), der nördlich ausbiegend der Donau zustrebt und sie oberhalb Kehlheim erreicht. Die Bauweise des Limes
war, soweit nicht die Flußgrenze vorhanden war, eine verschiedene. Der
Grenzstreifen wurde nach innen durchgängig durch
eine Grenzstraße, nach außen durch eine, in einem kleinen Graben verborgen liegende Versteinung abgeschlossen.
Zwischen beiden lag entweder wie in Obergermanien ein bis 3 m hoher Erdwall mit Graben (bis 1 m tief) oder wie in Rhätien
eine Verpalissadierung, später eine Mauer, hinter oder in denen sich zahlreiche Wachthäuser oder Wachttürme befanden.
Weiter zurück lagen in wechselnden Abständen Kastelle, eine Art befestigte Kasernen, von denen auf der
ganzen Linie bisher (Sommer 1894) 60 sicher gefunden sind, 17 mit Wahrscheinlichkeit vermutet werden. Die nähere Bestimmung
des ganzen Grenzsystems und seiner allmählichen Entstehung wird erst möglich sein, wenn die seit 1892 begonnenen Ausgrabungs-
und Aufnahmearbeiten zu Ende geführt sind; der Reichstag hat dafür 1892 200000 M. bewilligt, und eine
aus Fachleuten aller beteiligten Bundesstaaten bestehende Kommission ist zusammengetreten; sie giebt das «Limesblatt» (Trier,
[* 20] seit 1893) zur Orientierung über die neuesten Forschungsresultate heraus.
Immerhin läßt sich schon jetzt mit Sicherheit sagen, daß der Limes keine Verteidigungslinie, sondern in erster Hinsicht
eine Grenzsperre gegenüber den benachbarten Barbarenvölkern darstellte. Er wurde durch ständige Posten
und Patrouillen überwacht, ein Signaldienst nach rückwärts war eingerichtet. Die Überschreitung war nur an gewissen Stellen
unter gewissen Vorsichtsmaßregeln und unter Erlegung der Grenzzölle erlaubt, bei Nacht keinem, bei Tage bewaffneten Leuten
nicht gestattet.
Der Pfahlgraben ist verfallen, seitdem in der Zeit des Gallienus das rechte Rheinufer den Römern verloren ging.