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Jahrzehntelang dauert die Diskussion um die sogenannten «Ewigkeits-Chemikalien» PFAS schon. Einzelne PFAS (sprich: «Peh-fass») sind bereits in vielen Ländern verboten. Der US-Bundesstaat Minnesota geht nun einen mutigen Schritt weiter und verbietet die gesamte Chemikalienklasse, die aus etwa 5000 Einzelsubstanzen besteht. Es gibt nur wenige Ausnahmen.
Nach dem Gesetz HF 2310, das Ende Mai durch den Gouverneur Tim Walz bestätigt wurde, sind PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen) in 13 Produktkategorien ab 2025 nicht mehr erlaubt. Das Verbot betrifft beispielsweise Kochgeschirr, Kosmetika, Reinigungsmittel, Monatshygiene-Produkte und Zahnseide. Ab 2026 gilt eine Meldepflicht für alle PFAS-haltigen Produkte. Ab 2032 werden alle PFAS verboten sein.
Der jahrzehntelange Kampf um PFAS-Regulierung
Ausnahmen gelten für sogenannte essenzielle Anwendungen, bei denen sich PFAS bisher nicht ersetzen lassen. Darunter fallen Schutzkleidung von Feuerwehrleuten und Feuerlöschschaum an Flughäfen und in Raffinerien.
Noch ist das Gesetz nicht ausformuliert, es ermächtigt die Behörden Minnesotas aber, auch PFAS in anderen Produkten früher zu verbieten. Dazu sprach das Parlament Mittel für die Beseitigung von PFAS-Verschmutzungen im Wasser.
Minnesota hat damit die strengste PFAS-Regulierung in den USA, die sich lange nicht entschliessen konnten, die sehr langlebigen und giftigen Chemikalien zu regulieren. Der erste öffentlich bekannt gewordene Fall, in dem Tiere und Menschen zu Schaden kamen, trat in den 1990er-Jahren in der Umgebung einer Fabrik von DuPont in West Virginia auf.
Wo PFAS erfunden wurden, werden sie nun zuerst komplett verboten
Der US-Anwalt Robert Billot kämpfte jahrelang, bis DuPont die durch die Chemikalie PFOA (Perfluoroktansäure) verursachten Schäden anerkannte. Sein ursprünglicher Mandant, ein Viehzüchter namens Wilbur Tennant, war da bereits verstorben. Seine Witwe starb an Krebs.
Der US-Staat, in dem PFAS erstmals verwendet wurden, ist nun der erste, der ihre Verwendung rigoros einschränkt. Erfunden worden war PFOA Ende der 1940er-Jahre bei der Minnesota Mining and Manufacturing Company, kurz: 3M. Das Unternehmen verkaufte die Lizenz 1951 an DuPont. «Minnesota hat PFAS erfunden. Mit der Verabschiedung dieses Gesetzes wird Minnesota auch die Lösung erfinden», kommentierte die demokratische Abgeordnete Sydney Jordan aus Minneapolis.
Hinter «Amara’s Law» steht eine tragische Geschichte
Wie bei Billots Mandanten steht auch hinter dem Gesetz HF 2310 eine tragische Geschichte. Dass das Gesetzesvorhaben durchkam, ist im Wesentlichen Amara Strande und ihrer Familie zu verdanken, die sich jahrelang dafür eingesetzt hatten.
Die 21-Jährige starb im April an einer seltenen Form von Leberkrebs, den sie mit der PFAS-Verschmutzung in ihrer Heimatstadt St. Paul in Verbindung brachte. Auch an Strandes High School in der Nähe von St. Paul traten unüblich viele schwere und tödliche Krebserkrankungen auf. Das Gesetz werde ihr zu Ehren «Amara’s Law» genannt, beschlossen die Abgeordneten.
Die bisher strengsten Regeln zur Verwendung von PFAS hatte Maine, das nicht-essenzielle PFAS bis 2030 stufenweise verbietet. New York, Kalifornien, Pennsylvania und Colorado haben ähnliche Massnahmen verabschiedet. Weitere Staaten werden nach einer Analyse von Bloomberg in diesem Sommer folgen. Mehrere Staaten verbieten PFAS nur in ausgewählten Produktkategorien. In zwölf Bundesstaaten gilt beispielsweise ein PFAS-Verbot für Lebensmittelverpackungen, gibt die Organisation Safer States an.
In der Schweiz sind einige PFAS verboten
PFAS – das ist international inzwischen die vorherrschende Meinung – sollten nur verwendet werden, wenn es unumgänglich ist. Dieser Meinung ist inzwischen auch das Bundesamt für Umwelt (BAFU), obwohl nicht alle der tausenden Einzelchemikalien untersucht und klassifiziert wurden. Von einigen Vertretern ist jedoch bekannt, dass sie Krebs auslösen, das Immunsystem schädigen und die Fortpflanzung beeinträchtigen können.
In der Schweiz und der EU reguliert sind einzelne Verbindungen wie PFOS (Perfluoroktansulfonsäure), Perfluorhexansulfonsäure (PFHxS) und PFOA (Perfluoroktansäure). Diese wurden auch in das Stockholmer Übereinkommen über langlebige organische Schadstoffe aufgenommen.
Nicht mehr erlaubt sind auch einige weitere langkettige Perfluorcarbonsäuren (C9–C14-PFCA), weil diese sehr langlebig sind. Kurzkettigere PFAS, zum Beispiel in Skiwachs, sind noch zugelassen. Es gibt einzelne Ausnahmen und Phase-Out-Regelungen.
Die EU diskutiert noch über eine Verschärfung
Die Schweiz folgt in der Regel der Regulierung der EU, wo einumfassenderes Verbot von PFAS im Rahmen der EU-Chemikalienverordnung REACH in Arbeit ist. Bis zum 25. September läuft die öffentliche Konsultation. Danach folgen die Stellungnahmen der wissenschaftlichen Ausschüsse der Europäischen Chemikalienagentur ECHA.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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