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Die im Artikel nicht hinterfragte Aussage «Wenn wir nur sechs Prozent der Fläche der Weltmeere mit unseren Farmen ausstatten würden…» tut so, als würden solche Muschel- oder Algenfarmen irgendwo weit draussen auf den Ozeanen installiert. In der Regel werden solche Farmen aber – wie die Fischfarmen – vor den Küsten anzutreffen sein, weil Offshore-Farming mit weit höheren Kosten und Risiken verbunden wäre. Vor den Küsten aber ist der noch verfügbare Raum sehr begrenzt, weshalb auch grosse Muschelfarmen, von reichen Investoren finanziert, die lokalen kleinen Nutzer der Küstenregionen weiter verdrängen werden. Industrielle Logik in der Nutzung natürlicher Ressourcen (Land, Wasser, Luft, Bodenschätze) ist grundsätzlich problematisch, und je mehr industrielle, ortsfremde Investoren auf den Plan treten, desto problematischer wird es für die lokalen Lebensräume und Lebewesen, Menschen inklusive. Dies gilt selbst für eine «sehr grüne» Produktion von Muscheln und Algen.
Natürlich können Muscheln und Algen «zur Regeneration der Weltmeere beitragen». Sind Muschel- und Algenfarmen also die Lösung des Problems der Meeresverschmutzung oder gar des Klimawandels? Manche Wissenschafter, Umweltschützer und fortschrittliche Unternehmer legen das nahe – es ist dennoch falsch. Wir können menschverursachte Probleme nicht dadurch lösen, dass wir neue Probleme verursachen – und die massenhafte Muschel- und Algenzucht könnte zu einem Problem werden. Muscheln und Algen statt immer nur Fisch oder Fleisch: ja, klar, prima! Aber die Probleme im Meer müssen wir direkt angehen: indem wir die Meere ma*s*v weniger belasten durch Fischerei, Fischzucht, Tourismus, Warenverkehr, Abfall, Abwässer, et cetera.