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|Schweizerisches Zündholzmuseum | Postfach 118 | 5012 Schönenwerd | www.zuendholzmuseum.ch|
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An der Idee, auch anderswo als in Zürich und im Bernbiet die Zündhölzchenfabrikation einzuführen, hatte es nie gefehlt; aber meist war das nur die Idee des mittellosen Handwerkers, der sich in diesem neuen Gewerbe versuchen wollte. Von fabrikmäßigen Anlagen können wir neben Frutigen und Zürich nur mit einigen Ausnahmen sprechen. Es handelte sich hier fast ausschließlich um kleinste Manufakturbetriebe oder gar um rein handwerksmäßige Herstellung, die sich der einfachsten Technik bediente. Diese Zwergbetriebe, die nicht mehr als 2, 3 oder höchstens ein halbes Dutzend Arbeiter vereinigten, waren gewöhnlich von kurzem Bestehen und gingen mit dem Ableben des Inhabers wieder ein. Ohne Kenntnisse, ohne Vorbereitung entstand hier über Nacht die neue "Fabrik".
Auch im Kanton St. Gallen soll es in den
40-ziger Jahren Versuche gegeben haben die Zündholzproduktion1.
einzuführen, aus dieser Zeit sind uns zwei Zündholzfabriken
namentlich bekannt. Leider sind die Hinweise im Landesarchiv St.
Gallen, wie auch im Bundesarchiv in Bern zu diesen Betrieben nur sehr
spärlich.
Im Kanton St. Gallen erschien bereits am
25.5.1849 die Verordnung betr. die Fabrikation von
Zündhölzchen, wozu wahrscheinlich der Bedarf bestanden hat.
In ihren Hauptpunkten stimmt sie mit der Zürcher Verordnung von
1847 überein. Sie knüpfte den Betrieb einer
Zündholzfabrik auch an die Bewilligung des Regierungsrates,
verlangte eine möglichst vollkommene Ventilation und bestimmte,
daß das Schwefeln, das Eintauchen von Hölzchen, die
Bereitung der Zündmasse und das Trocknen nicht von Personen unter
18 Jahren geschehen durfte. Sie ordnete periodische ärztliche
Kontrollen an und machte den Fabrikinhaber vor allem aus
Fahrlässigkeit entstandenen Schaden haftbar. Der Gesuchsteller
hatte über eine Befähigung, die "Zündmasse zu bereiten
und zu behandeln", eine Prüfung zu bestehen, die der Regierungsrat
anordnete. Über die Reinlichkeit und das Genießen der
Speisen in den Fabriken war allerdings leider auch hier nicht die Rede.
Obige Bedingungen mussten die damaligen Fabrikbesitzer erfüllen und den Fabrikbetrieb vorerst beantragen.
|1849 - 1870 Neudorf, Lerchenthal|

Zündholzfabrik Schoch + Waldburger J., in Tablat, zum Lerchenthal / Neudorf
Im Protokoll des Sanitätsrats. des Kanton
St. Gallen vom 2.4.1849 wird die Errichtung dieser Fabrik besprochen.
Vermutlich gleich danach erfolgte auch die Erlaubnis zu deren Betrieb.
Im Jahr 1861 wird diese Fabrik folgend
bezeichnet: Hobel, Sägen, Werkzeug und Zündholzfabrikation.
Die letzte Information zur obigen Fabrik stammt aus dem Jahr 1870, wo
als Besitzer J.J. Schoch Sohn ausgewiesen wird, es muss also ein
Generationswechsel stattgefunden haben. An anderer Stelle ist
nämlich auch die Angabe zu finden, dass Hans Jakob Schoch, verh.
mit Elisabetha Waldburger im Jahr 1866 gestorben ist. Bis wann diese
Fabrik im Betrieb war, lässt sich vorerst nicht endgültig
klären. Jedenfalls im Adressbuch aus dem Jahr 1877 ist sie nicht
mehr ausgewiesen.
|1849 - 1873 Waldkirch, Herzenwil|

Zündholzfabrik Johann, Baptist Egli in 9205 Herzenwil, Gemeinde Waldkirch
Die Betriebserlaubnis für diese
Zündholzfabrik erteilte der Kleine Rath des Kantons St. Gallen am
2.8.1849. Im Lagebuch über die Gebäudeschätzung wird die
Zündholzfabrik erst im Jahr 1869 unter Hätzenswil Nr. 186
ausgewiesen und auf 2000 Fr. geschätzt. Möglich das die
Fertigung zunächst im Schopf unter der Nummer 166 bzw. im Haus
selbst Nr. 150a erfolgt ist. Johann, Baptist Egli musste um 1873
gestorben sein, denn nun wird im Lagebuch als Eigentümerin Frau
Starkle Ehefrau von Egli ausgewiesen. Bis wann diese Fabrik im Betrieb
war, lässt sich vorerst nicht endgültig klären, auch sie
ist im Adressbuch aus dem Jahr 1877 nicht mehr ausgewiesen.
|1877 - 1912 Unterterzen|

Zündholzfabrik Johann Scherrer in 8882 Unterterzen, Gemeinde Quarten.
Der erste Erwähnung des Fabrikanten Joh.
Scherrer ist im Adressbuch aus dem Jahr 1877, wo er als
Zündholzschachtel-Fabrikant ausgewiesen wird. Wann genau hier die
Zündholzfertigung aufgenommen worden ist lässt sich vorerst
nicht genau feststellen. Auch nicht, ob er dies vor der gemeinsamen
Fabrik mit Fridolin Gätzi getan hat. Der amtlicher Eintrag dieser
Fabrik ins Handelsregister findet am 9. Juli 1894 statt, wobei unter
Geschäftslokal: "neue Fabrik im Gute Fischenzen", zu lesen ist. Wo
die alte Fabrik im Betrieb war erfahren wir hier nicht. An anderer
Stelle erfahren wir, dass in der Fabrik 10 Arbeiter bei der Fertigung
von Gelbphosphor-Zündhölzern beschäftigt waren, wobei es
hier auch einen Wasserantrieb von 5 PS gab. Dies bedeutet, dass auch
irgendwelche maschinelle Ausstattung vorhanden sein musste. Für
die in der Fabrik beschäftigten gab es eine Fabrikordnung vom
1.11.1894. Nach amtlichen Eintrag ist die Fabrik am 29.8.1904 verkauft
worden, der Fabrikinspektor bezeichnet aber den Besitzerwechsel bereits
zum 30.12.1901.
Neue Besitzer der Fabrik sind Andreas Scherrer
und Carl Scherrer beide von Quinten, wohnhaft in Unterterzen die eine
Kollektivgesellschaft unter der Firma Gebrüder Scherrer
eingegangen sind. Unter neuen Besitz werden in der Fabrik nur noch 6
Arbeiter beschäftigt. Zum 29.7.1912 wird die Kollektivgesellschaft
aufgelöst und die Fabrik liquidiert.
|1885 - 1898 Heiligkreuz|

Zündholzfabrik Frau Gasser, im Heiligkreuz, Tablat
Diese Zündholzfabrik ist im Jahr 1885
gegründet worden und beschäftigte zunächst 6 Arbeiter,
später 9 bis 10 um 1894 wieder auf 7 Arbeiter abzubauen. Es sind
hier im Handbetrieb Gelbphosphor-Zündhölzer hergestellt
worden. Irgendwelche Ausstattung muss aber vorhanden gewesen sein, den
im Jahr 1891 wird der Wert der Maschinen und Einrichtungen auf 5'408
Fr. geschätzt. Ab 1896 muss es einen Besitzerwechsel gegeben
haben, der aber amtlich nicht dokumentiert ist. Zunächst ist eine
Fabrikordnung vom 9.06.1896 vorhanden, wo als Fabrikbesitzer Jacob
Künzler bezeichnet wird. Ausserdem ist im Verzeichnis 1895, der
dem Fabrikinspektor unterstellten Fabriken der Name Gasser gestrichen
und Künzler dazugeschrieben. An obiger Stelle ist auch der
Eintrag, dass der Betrieb zum 9.4.1898 eingestellt worden ist.
|1890 - 1902 Unterterzen|

Zündholzfabrik Johann Scherrer und Fridolin Gätzi in 8882 Unterterzen, Gemeinde Quarten
Johann Scherrer nimmt zunächst mit
Fridolin Gätzi eine gemeinsame Zündholzfertigung auf.
Für die Betriebsbewilligung wird auch eine Fabrikordnung vom
28.10.1890 eingereicht und genehmigt. Die Inventarschätzung aus
dem Jahr 1891 bezeichnet den Wert der Liegenschaft auf 10'000 Fr. und
der Maschinen und Einrichtungen auf 2'610 Fr. Im Jahr 1893 verkauft
Scherrer seine Anteile an den Partner Fridolin Gätzi um danach
seine eigene Fabrik zu gründen. Die Fabrik wird nun unter der
Firma Fridolin Gätzi Zündholzfabrik geführt. Bei der
Fertigung von Gelbphosphor-Zündhölzern sind 7 Arbeiter
beschäftigt. Die Geschäfte von Fridolin Gätzi gehen wohl
nicht bestens, denn er kommt in Zahlungsschwierigkeiten und muss
Konkurs anmelden. Die Firma wird zum 6. März im Handelsregister
gestrichen.
|1930 - 1935 Bollingen - Jona|

Ziehzünderfabrik, Dr. Hans Grossmann in 8715 Bollingen- Jona
Dr. Hans Grossmann aus Zürich
gründete am 6.10.1930 in Bollingen- Jona in der Villa Sorpresa
eine Ziehzünderfabrik. Mit Blick auf die zukünftige
Produktion von Ziehzündern ist wahrscheinlich auch der Antrag auf
Erteilung einer deutschen Steuer Unterscheidungsnummer gestellt worden,
ohne der Export nach Deutschland nicht möglich gewesen wäre.
Dem Fabrikanten Dr. Hans Grossmann in Bollingen wird am 18.7.1929 die
Nummer 810 zugeteilt. Ob es überhaupt zum Export der
Ziehzünder nach Deutschland gekommen ist, ist nicht bekannt. Die
Ziehzünderfabrik besteht bis 1935, wo der Konkurs angemeldet wird.
|1933 - 1937 Bollingen - Jona|

Patentzünder Aktiengesellschaft in 8715 Bollingen-Jona, später in 8640 Rapperswil.
Die Aktiengesellschaft wird am17.8.1933
gegründet und hat ihr Geschäftslokal in den Räumen von
Dr. Grossmann in Bollingen-Jona. Die neue Gesellschaft übernimmt
von der Patentzünder + Union A.G. in Vaduz eine komplette
automatisch arbeitende Ziehzünderanlage. Der Name Dr. Grossmann
erscheint zwar im Zusammenhang mit obiger Firma nicht, doch ist die
Vermutung gross, dass er auch bei der Gründung dieser
Aktiengesellschaft beteiligt war. Bei der Gründung gibt es nur ein
einziges Mitglied des Verwaltungsrates, es ist Dr. Richard Stäger,
Rechtsanwalt, von Willmergen, in Zollikon. Was für Mengen von
Ziehzünder seitens der Aktiengesellschaft gefertigt worden sind,
auch deren Muster sind uns nicht bekannt. Im Jahr 1935 wird der Sitz
der Gesellschaft nach Rapperswil verlegt, wo auch die Bezeichnung der
Firma auf Aktiengesellschaft Patentzünder A.G. abgeändert
wird. Durch Beschluss der ausserordentlichen Generalversammlung der
Aktionäre vom 9. April 1937 wird die Gesellschaft aufgelöst.
|1935 - 1976 Unterterzen|

Zündholzfabrik Quarten A.G. in 8882 Unterterzen, Gemeinde Quarten später: Holzindustrie A.G. St. Margrethen, Abteilung Zündholzfabrik in Unterterzen.
Terza Zündholzfabrik Unterterzen, Abt. der Hiag St. Margrethen
Terza Zündholzfabrik A.G.
Die Informationen über obige
Zündholzfabriken, sowie über deren Zusammenarbeit mit der
Handelsgesellschaft Terza A.G. sind so umfangreich, dass sie einer
separaten Bearbeitung benötigen, die später
veröffentlicht wird.
|1937 - 1944 Rapperswil|

Tirette A.G. in 8640 Rapperswil
Die Aktiengesellschaft Tirette A.G wird am
6.8.1937 gegründet. Sie bezweckt: Fabrikation und Vertrieb von
Ziehzünden nach eigenen Patenten, sowie Herstellung und Vertrieb
von Reklameartikeln aller Art, ferner Beteiligung an andern
Unternehmungen, soweit diese dem Zwecke der Gesellschaft dienlich sind.
Die Gesellschaft erwirbt auf Grund des Übernahmevertrages und des
Inventarverzeichnisses vom 6. August 1937 von Hugo Nathan, in
Rapperswil, Vermögenswerte in Mobilien, Utensilien, Maschinen,
Werkzeugen, Einrichtungen, Warenvorräten und Schutzrechten zum
Preise von Fr. 60'000. Ob es sich bei obigen Immobilien und Ausstattung
um Einrichtungen der ehemaligen Patentzünder A.G. handelt ist
nicht näher bekannt. Eins ist hier aber Bemerkenswert sowohl Hugo
Nathan, wie der ehemaliger Industriedirektor der Patentzünder A.G.
waren deutsche Staatsbürger. Das Geschäftslokal der Tirette
A.G. befindet sich in Rapperswil, Obere Bahnhofstrasse.
Im Jahr 1939 die Statuten der Gesellschaft
revidiert, als Zweck der Gesellschaft wird jetzt bestimmt: Fabrikation
und Vertrieb von Ziehzündern nach eigenen Patenten, von Packungen
und Behältern in Verbindung mit solchen, Übernahme und
Vertrieb von anderen Artikeln der Zündholzbranche, ferne
Herstellung und Vertrieb von Reklameartikeln aller Art. Die
Gesellschaft ist berichtigt, sich an anderen Unternehmungen zu
beteiligen, oder solche zu übernehmen, soweit dies dem Zweck der
Gesellschaft dienlich ist. Was für Mengen an Ziehzündern und
der für sie benötigten Ständer gefertigt worden sind,
ist nicht näher bekannt.
Ziehzünder samt Ständer der Tirette A.G. sind im Besitz des schweizerischen Zündholzmuseum.
Die Geschäfte dieser Aktiengesellschaft
mussten nicht bestens verlaufen, denn bereits im Jahr 1940 wird das
Konkursverfahren eingeleitet, welches aber erst 1944 abgeschlossen wird.
|1941 - 1944 Rapperswil|

Mercuria Zündholzfabrikation und Grosshandel G.m.b.H, in 8640 Rapperswil
Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung
wird am 2.5.1941 gegründet, deren Geschäftslokal befindet
sich in der Oberen Bahnhofstrasse. Diese bezweckt die Herstellung und
Vertrieb von Ziehzündern nach eigenen Patenten, von Packungen und
Behältern in Verbindung mit Ziehzündern, Herstellung und
Vertrieb von einschlägigen Reklameartikeln sowie Handel mit
Zündhölzern aller Art. Das Stammkapital der Gesellschaft
beträgt Fr. 28'000; es ist von den beiden Gesellschaftern Max
Schärer, von Horgen, und Josef Troxler, von Willisau (Luzern),
beide in Pfäffikon ( Schwyz), wie folgt liberiert:
a. von Max Schärer mit Fr. 1000, in bar und voll eingezahlt, und
b. von Josef Troxler mit Fr. 27'000, durch
Überlassung von Maschinen, Büroeinrichtungen und
Warenvorräten im Anrechnungswert von Fr. 27'000.
Es ist für diese Gesellschaft auffallend,
dass sie gleich nach Anmeldung des Konkurs der Tirette A.G.
gegründet wird und dies sogar in der Oberen Bahnhofstrasse. Der
Zweck der Gesellschaft ist eigentlich der gleiche wie der, der vorhin
bestehenden A.G. Es werden von Josef Troxler auch Maschinen und
Warenvorräte gestellt, die wahrscheinlich auch von der Tirette
A.G. stammen. Die genauen Zusammenhänge sind mir hier leider nicht
bekannt. Die Gesellschaft besteht bis 1944, wo sie aufgelöst wird.
Über die Art und den Umfang der gefertigten Zündhölzer
sind keine näheren Angaben vorhanden.
|Quellenmaterial:

1. Walter Amstutz, Die schweizerische Zündholz-Fabrikation, Diss. Weinfelden 1928
2. Staatsarchiv St. Gallen, verschiedene Akten
3. Adressbuch der Stadt und des Kantons St. Gallen, D. Hintermeister, St. Gallen 1861
4. Schweizerisches Handels- Adressbuch für Fabrikanten, J. Frick, Zürich 1870
5. Neues vollständiges Handel und Gewerbe Adressbuch der gesamten Schweiz, Zürich 1877
6. Schweizerisches Handelsamtsblatt, verschiedene Ausgaben
7. Bundesarchiv Bern, verschiedene Akten
8. Special + Adressbuch der industriellen Etablissements der Schweiz, Hans Schwarz, Zürich 1888/89

Schweizerisches Zündholzmuseum, Dieter Weigelt Dezember 2001