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Missa brevis Sancti Joannis de Deo („Kleine Orgelsolomesse“) in B-Dur (Hob.XXII:7; 1774)
Die erste der beiden von Haydn zwischen 1772 und 1796 komponierten Messen, die Kleine Orgelsolomesse in B-Dur—auch bekannt unter dem Namen Missa brevis Sancti Joannis de Deo –, war für die Kirche der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt bestimmt. Die Mitglieder dieses Ordens waren für ihre medizinischen Fähigkeiten bekannt, und besonders großes Vertrauen hatten die Barmherzigen Brüder in die heilsame Wirkung der Musik, die auch in ihren Gottesdiensten einen bevorzugten Platz innehatte. Das Eisenstädter Zentrum des Ordens war eng mit dem Esterházy-Hof verbunden, dessen Angestellte dort medizinisch behandelt und mit Medikamenten versorgt wurden (von Haydn wird berichtet, er habe „Brustpulver“, „Magenelixir“, Kräutertee und „Zahnpulver“ erhalten). Obwohl Haydn das Autograph nicht datierte (wie er es sonst häufig tat), entstand die Messe wahrscheinlich Mitte der 1770er Jahre und wurde am Festtag des heiligen Johannes von Gott aufgeführt, des Schutzheiligen der Barmherzigen Brüder. Die kleine Besetzung, die das Werk vorsieht—Chor, Solosopran und das typische Kirchenensemble von zwei Violinen und Continuo –, spiegelt die beschränkten finanziellen Mittel der Institution.
Die Kleine Orgelsolomesse ist für einen gewöhnlichen Gottesdienst und nicht für einen ganz bestimmten Tag im Kirchenkalender gedacht und verknüpft die üblichen standardisierten Techniken der Missa brevis mit Haydns genialer Behandlung der Gattung. Wie in der Missa brevis in F-Dur kürzt Haydn die ausgedehnten Abschnitte des Gloria und des Credo, indem er Textzeilen gleichzeitig vertont. Tatsächlich war das Gloria derart kurz, dass Haydns Bruder Michael noch eine Fassung schrieb, die „un poco più prolongato“ („ein wenig ausgedehnter“) war. In anderen Abschnitten hingegen ersetzt Haydn die übliche Praxis mit seiner ganz eigenen Komponierweise. Im Benedictus wird die rhapsodische Arie für Sopran solo genau wie in der Großen Orgelsolomesse von Streichern und obligater Orgel begleitet, woraus sich auch der Beiname Kleine Orgelsolomesse ergab. Und im Agnus Dei verzichtet der Komponist auf die traditionelle Wiederverwendung der Musik aus dem Kyrie und setzt sich überraschenderweise über den üblichen Stimmungswandel bei „Dona nobis pacem“ hinweg, um das Werk in demselben nachdenklichen Affekt enden zu lassen, in der es begann.