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Das kurze Einführungsbüchlein des Philosophen Thomas Nagel soll Einblicke in die verschiedenen Teilbereiche der Philosophie bieten, ohne langatmig zu sein. Das Buch ist in neun Kapitel gegliedert, die sich mit verschiedenen Teilbereichen der Philosophie auseinandersetzen. Die ersten drei Kapitel befassen sich mit Fragen zu Wissen und subjektiver Erfahrung (Erkenntnistheorie und Phänomenologie). Das vierte Kapitel befasst sich mit der Sprachphilosophie und das fünfte mit der Willensfreiheit. Zu ethischen Themen rund um Gerechtigkeit gibt es zwei Kapitel. Anschliessend wird das Buch mit zwei Kapiteln zum Tod und zur Frage nach dem Sinn des Lebens abgeschlossen. Jedes Kapitel beginnt mit anschaulichen, praktischen Beispielen, um die Lesenden in die Thematik einzuführen. Nagel scheut sich dabei nicht, sich selbst zu positionieren. Am Ende einiger Kapitel befinden sich offene Fragen, die die Lesenden zum eigenen Nachdenken anregen sollen.
Obwohl vielfach ethische Themen den leichtesten Einstieg in die Philosophie bieten, beginnt Nagel mit erkenntnistheoretischen Themen in dem Anfangskapitel «Woher wissen wir etwas?». Im Alltag nehmen wir gewöhnlich an, dass die Dinge um uns herum existieren und dass wir sie wahrnehmen können. Woher aber wissen wir etwa, dass die Menschen und Dinge um uns existieren und wir nicht in einem Traum oder einer Simulation leben? Nagel nimmt sich genügend Zeit, um den/die Leser/in mit der Thematik bekannt zu machen. Er erklärt die Position des Solipsismus, die davon ausgeht, dass das eigene Bewusstsein das einzige ist, dessen wir uns sicher sein können. Anschliessend erklärt er den Skeptizismus. Dieser besagt, dass es zwar eine Welt ausserhalb des eigenen Geistes gibt, aber dass wir kein gesichertes Wissen über die Welt haben können. Nagel betont, dass er beide Theorien ablehnt. Er schliesst das Kapitel mit drei Fragen ab, welche bewusst unbeantwortet bleiben.
Das nächste Kapitel schliesst mühelos an das vorherige an und erklärt, dass es ebenfalls skeptische Positionen gibt, die das Bewusstsein anderer Menschen hinterfragen. Diese Thematik leitet er mit einem praktischen Beispiel ein: dein Freund und du essen das gleiche Schokoladeneis. Schmeckt das Schokoladeneis für euch beide gleich oder hat dein Freund eine ganz andere Geschmackserfahrung als du? Woher kannst du sicher sein, dass dein Freund überhaupt irgendeine Geschmackserfahrung hat? Anhand dieses und weiterer Beispiele erklärt Nagel, wieso Fragen bezüglich des Bewusstseins von anderen wichtig für die Wissenschaft oder Tierethik sind. Es werden nämlich genau diesselben Fragen gestellt, wenn es darum geht herauszufinden, ob Tiere ein Bewusstsein haben.
Die ersten drei Themenkapitel des Buches sind gut miteinander verknüpft und beleuchten das Bewusstsein und die Wissensaufnahme aus verschiedenen Gesichtspunkten. Dieser relativ nahtlose Übergang fehlt bei einigen anderen Kapiteln. So steht beispielsweise das Kapitel zur Sprachphilosophie alleine da. Nichtsdestotrotz ist das Kapitel selbst zugänglich, obwohl Sprachphilosophie ein befremdliches Thema sein kann. In verschiedenen Kapiteln werden ähnliche Beispiele verwendet, welche den Einstieg in neue Themen erleichtert. Auch die Kapitel zu ethischen Fragen sind zugänglich und sprechen diverse Themen an, mit denen man bereits vertraut sein kann, wie Armut und Unfairness. Das letzte Kapitel – der Sinn des Lebens – bietet einen guten Abschluss.
Fazit:
Nagel gelingt es in verständlicher Sprache, die Lesenden in verschiedene Teilbereiche der Philosophie einzuführen. Die kurzen Kapitel lassen sich mit wenig Anstrengung lesen und können aufgrund der einzelnen Kapitel Stück für Stück gelesen werden. Es ist daher ideal für einen ersten Kontakt mit der Philosophie und eignet sich sowohl für Gymnasialschüler/innen wie auch Erwachsene, die eine unkomplizierte Einführung wünschen. Ebenfalls lohnt sich die kurze Lektüre, wenn man bereits mit einigen Thematiken der Philosophie vertraut ist, aber eine Einführung insbesondere in die Erkenntnistheorie wünscht.
Ein Kritikpunkt meinerseits ist, dass Nagel am Ende des Buches nur seine eigene weiterführende Literatur angibt. Die Kapitel sind so gestaltet, dass die Lesenden sich selbst Fragen stellen und grössere Neugierde für die Themen entwickeln. Für Philosophieanfänger*innen kann es schwierig sein, geeignete weiterführende Literatur zu finden, um sich weiter zu vertiefen bei Bedarf. Auch hat das Buch einen Fokus auf Erkenntnistheorie/ Philosophie des Geistes und hätte in anderen Bereichen ein Kapitel mehr vertragen können. Auch wäre eine Konklusion gut gewesen, da das Buch mit dem Ende des letzten Kapitels etwas abrupt endet.
Dass Nagel seine eigene Meinung in jedem Kapitel kundtut, ist aber für mich kein Kritikpunkt. Genau diese Nähe zum Autor macht die Philosophie greifbar und regt den/die Leser/in dazu an, sich selbst zu positionieren. Aufgrund der praktischen, anschaulichen Beispiele werden auch unzugängliche Bereiche greifbar gemacht. Das Büchlein ist daher zum Einstieg sehr empfehlenswert.