Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/160553

<h2>SubmittedText<h2><p>Der starke Franken und die tiefen Weltmarktpreise setzen den Ölsaaten-Sektor bereits heute enorm unter Druck. Je nach Verhandlungsresultat bei Freihandelsabkommen (FHA) mit palmölproduzierenden Ländern wird das Holl-Rapsöl (high oleic, low linolenic) durch Palmöl verdrängt, und der Preisdruck wird zu einer Veränderung der Fettsäurenzusammensetzung in der Ernährung führen. </p><p>1. Kann und will der Bund gewährleisten, dass bei einem FHA mit palmölproduzierenden Ländern die Wertschöpfungskette Raps längerfristig aufrechterhalten wird und von der gemeinsam erreichten Innovation "Holl-Raps" profitieren werden kann?</p><p>2. Wie beurteilt der Bundesrat den Einfluss auf die Gesundheit der Schweizer Bevölkerung, wenn Holl-Rapsöl vollständig durch Palmöl ersetzt würde? Inwiefern gedenkt er die Entwicklung zu verfolgen und negativen Auswirkungen zu begegnen? </p><p>3. Wie soll die Versorgung von Omega-3-Fettsäuren in der Schweiz in Zukunft gewährleistet werden?</p><p>4. Aufgrund seiner schädlichen Wirkung auf Umwelt und Gesundheit wird Palmöl insbesondere dort das Rapsöl verdrängen, wo die Konsumentinnen und Konsumenten nicht wissen, welches Öl verwendet wird, wie etwa in der Gastronomie, am Take-away, in Backwaren und anderen verarbeiteten Lebensmitteln. Wie steht der Bundesrat zu dieser Täuschungsgefahr, und was gedenkt er dagegen zu tun?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. In einem von der Kommission für Technologie und Innovation (KTI) unterstützten, international ausgelegten Projekt wurde in den Jahren 2004 bis 2008 eine neue Rapssorte mit mehr Öl- und weniger Linolensäure (Holl: high oleic, low linolenic) entwickelt. Nach der erfolgreichen Positionierung von Rapsöl in der kalten Küche konnten mit Holl-Rapsöl Marktanteile in der warmen Küche hinzugewonnen werden.</p><p>Die Verhandlungen über Freihandelsabkommen verlaufen im Rahmen des vom Bundesrat erteilten Mandats, zu welchem die Aussenpolitischen Kommissionen (APK) konsultiert wurden. Der Bundesrat ist sich bewusst, dass der Wettbewerbsdruck auf Rapsöl in Abhängigkeit der Konzessionen an palmölproduzierende Handelspartner der Schweiz steigen könnte. Die möglichen Konzessionen der Schweiz tragen deshalb den allfälligen Folgen für den Binnenmarkt Rechnung und sind mit der Agrarpolitik kompatibel. In Kenntnis der unterschiedlichen Sensibilitäten legt der Bundesrat den Verhandlungen das gesamtwirtschaftliche Interesse zugrunde.</p><p>2./3. Holl-Rapsöl wird vorwiegend für die warme Küche (zum Erhitzen) empfohlen, da sein Gehalt an Omega-3-Fettsäuren, welche nicht hitzestabil sind, tiefer ist als jener in herkömmlichem Rapsöl. Für die kalte Küche empfehlen die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE) und das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) die Verwendung von kaltgepresstem oder raffiniertem Rapsöl. Neben der empfohlenen Menge von 10 bis 15 Gramm Rapsöl pro Tag sind auch der tägliche Konsum von Nüssen, vor allem Baumnüssen, sowie der regelmässige Verzehr von fettreichem Fisch nötig, um eine ausreichende Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren zu erreichen. Holl-Rapsöl spielt im Vergleich zu diesen Lebensmitteln bei der Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren eine weniger wichtige Rolle, da der Omega-3-Fettsäuregehalt geringer ist.</p><p>Solange die Konsumentinnen und Konsumenten beim Einkaufen die Wahl haben und die Empfehlungen der Schweizer Lebensmittelpyramide berücksichtigen, erwartet der Bundesrat im Fall von einem teilweisen Ersatz von Holl-Rapsöl durch Palmöl keinen negativen Einfluss auf die Gesundheit der Bevölkerung.</p><p>4. Bei der Verwendung von Pflanzenöl und -fett muss die genaue Bezeichnung der pflanzlichen Herkunft angegeben werden. Für offen angebotene Lebensmittel oder Angebote in Verpflegungsbetrieben gelten betreffend die Informationen über die Zusammensetzung dieselben Anforderungen wie an vorverpackte Lebensmittel. Diese Informationen unterliegen aber nicht zwingend einer Schriftlichkeit, sondern können auch mündlich erfolgen. Auf Nachfrage der Konsumentinnen und Konsumenten muss der Anbieter also entsprechend Auskunft geben. Der Bundesrat sieht diesbezüglich keine Täuschungsgefahr und somit auch keinen Handlungsbedarf.</p>  Antwort des Bundesrates.