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Fritillaria-Arten der Peloponnes-Halbinsel
Bilder griechischer Schachblumen (Fritillaria), die wir auf unserer letzten Griechenlandreise auf der Peloponnes-Halbinsel gefunden haben. Fritillaria davisii, Fritillaria graeca und zwei weitere, unbestimmte Schachblumenarten.
Anmerkung: Die Bestimmung von Fritillaria-Arten ist aufgrund der grossen Variabilität innerhalb der einzelnen Arten, die sogar an einem Standort sehr stark variieren können, oftmals sehr problematisch. Erschwerend kommt hinzu, dass mir nur wenig Literatur über Fritillarien vorliegt und die Beschreibung der einzelnen Arten oftmals unzureichend, manchmal sogar widersprüchlich ist. Hilfreiche Hinweise zu den beiden von mir unbestimmten Schachblumen-Arten sind hier jederzeit willkommen!
Die Gattung Fritillaria - Beschreibung
- Erscheinungsbild und Blätter: Ausdauernde, krautige Pflanzen. Zwiebel besteht aus zwei bis drei fleischigen, stärkehaltigen Zwiebelschuppen die durch eine dünne Aussenhaut geschützt werden. Vegetatives Wachstum durch Bildung von Tochterzwiebeln. Je Zwiebel bildet sich ein einzelner, unverzweigter Stängel. Wirtel mit gegen- oder wechselständig angeordneten, linealischen bis eiförmigen Laubblättern, am Stängelgrund gestielt und am Stängel sitzend.
- Blütenstände und Blüten: Blüten meist nickend, je nach Art einzeln oder mehrere bis viele, doldig oder in lockeren Trauben stehend. Tragblätter laubblattähnlich. Die sechs Perigonblätter der zwittrigen Blüten sind in zwei dreizähligen Kreisen angeordnet und bilden zusammen eine glocken- bis becherförmige Blüte. Sie sind oft schachbrettartig gemustert und weisen meist einen helleren Mittelstreifen auf. Am Grund der Perigonblätter finden sich bei manchen Arten Nektardrüsen. Die Staubblätter stehen zu je drei in zwei Kreisen und überragen die Perigonblätter nicht. Die Staubbeutel sind auf halber Höhe der Staubfäden verwachsen. Drei Fruchtblätter sind zu einem mehr oder weniger sitzenden, oberständigen, dreikammerigen Fruchtknoten verwachsen. Der Griffel ist ungeteilt oder dreispaltig und endet in linealischen oder sehr kurzen Narben.
- Früchte und Samen: Aufrecht stehende, dünnwandige, dreifächrige Kapselfrüchte mit sechs, oft geflügelten Längskanten, die sich der Länge nach öffnen. Die vielen flachen, gelblichen bis bräunlichen Samen sind in zwei Reihen je Fruchtfach angeordnet.
- Systematik und Verbreitung: Die Gattung Fritillaria ist nah verwandt mit den Lilien (Lilium) und Nomocharis. Sie gehören zum Tribus Lilieae in der Unterfamilie Lilioideae innerhalb der Familie Liliaceae. Die 100 bis (je nach Auffassung) 180 Arten sind alle in den gemässgten Gebieten der Nordhalbkugel verbreitet.
Systematik
- Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida) Monokotyledonen
- Ordnung: Lilienartige (Liliales)
- Familie: Liliengewächse (Liliaceae)
- Unterfamilie: Lilioideae
- Gattung: Fritillaria
Fritillaria davisii - besuch bei einer alten Bekannten auf der Halbinsel Mani
Fritillaria davisii - Mani
Frisch aufgeblühte Fritillaria davisii an ihrem Naturstandort auf der Halbinsel Mani in Griechenland.
Meine Faszination für die Pflanzengattung Fritillaria ist eine alte und reicht bis in meine Kindheit zurück. Als ich 13 Jahre alt war, wurden in den grossen Gartenbaumärkten erstmals Zwiebeln der Fritillaria meleagris– der einzigen Fritillaria Art, die auch in Mitteleuropa in der freien Natur vorkommt – angeboten. Fasziniert vom Schachbrettmuster auf den Blüten, kaufte ich mir sofort eine Pflanze und setzte sie in mein kleines Gärtchen. Dort wuchs sie durch vegetative Vermehrung im Laufe der Jahre zu einer riesigen Pflanze heran, die mich jeden Frühling mit zahllosen Blütenständen erfreute.
Später entdeckte ich im Kosmosbuch der Zwiebel- und Knollenpflanzen, in dem viele Naturformen vorwiegend monokotyler Zwiebelpflanzen vorgestellt werden, dass in Mediterranen Gebieten viele weitere interessante Fritillaria Arten vorkommen und das hat mich nie ganz losgelassen.
So hielt ich denn bei unserer ersten Reise auf der Peloponnes Halbinsel bei der Orchideensuche immer auch Ausschau nach Fritillaria-Arten und wurde schliesslich auf der Halbinsel Mani auch fündig.
Einzelblüte der Fritillaria davisii
Sample Text
Meine Freude war natürlich gross, als wir nach einer sehr mühsamen Wanderung, die uns lange Zeit durch dorniges Macchiagestrüpp geführt hatte und die sehr zermürbend gewesen war, auf die seltene, auf der Halbinsel Mani endemische Fritillaria davisii stiessen. Die Freude war umso grösser, weil meine Suche nach Fritillarien in potentiellen Fundgebieten in der Türkei, in Griechenland in Italien und in Frankreich bisher immer erfolglos geblieben war.
Der Standort befindet sich im Südwesten der Halbinsel Mani auf sporadisch und spärlich beweidetem Grasland das mit wenigen Sträuchern bewachsen ist. Aufgrund des schlecht markierten „Wanderweges“ der uns mehrfach in die Irre geführt hatte, blieb mir damals nur wenig Zeit, die Pflanzen zu fotografieren und den Standort noch weiter abzusuchen.
So war es mir bei unserer zweiten Peloponnes Reise im April 2015 ein grosses Anliegen, den Standort noch einmal aufzusuchen um mir einen besseren Eindruck über die Pflanzen verschaffen zu können.
Leider war das Wetter nicht besonders gut und der Weg befand sich in einem noch schlechteren Zustand als beim letzten Besuch. Auf der Höhe des Standortes machten uns Nebelbänke zu schaffen, die die Orientierung im Gelände zusätzlich erschwerten, so dass wir grosse Mühe hatten den Standort zu finden.
Als meine Frau schon aufgeben und umzukehren wollte, stiessen wir in einer Senke, in der sich der Nebel festgesetzt hatte, plötzlich auf zwei Exemplare der Fritillaria davisii. Es gab sie also noch! Glücklicherweise lichtete sich der Nebel jetzt ein wenig, so dass wir uns wieder besser orientieren konnten und so fanden wir mit Hilfe unserer Erinnerung doch noch unseren alten Fundort.
Die erste Schachblume in der nebligen Senke
In der Nähe des alten Standortes treffen wir auf die erste Davis-Schachblume.
Die Davis Schachblume stand hier in voller Blüte und wir konnten mehrere Dutzend Individuen finden, die auch die Formenvielfalt dieser Pflanze widerspiegelten. Die Pflanzen waren zwischen 10-25cm hoch, meist ein- selten zweiblütig, mit ihrem typischen, an der Aussenseite schwachen und im Blüteninneren stärkeren Schachbrettmuster. Auch einige wenige Orchideen standen hier: Besonders Orchis quadripunctata und Ophrys lutea, aber auch Ophrys ferrum-equinum und Ophrys tenthredinifera. Der Standort der Fritillaria davisii ist humos und der Boden tiefgründig und nicht allzu trocken. Ich vermute, dass die spezielle, nach Westen ausgerichtete Lage am Hang oberhalb einer Senke am Morgen oftmals durch Nebelbänke begünstigt ist, die hier längere Zeit verbleiben bis sie sich auflösen. Wahrscheinlich ist diese Feuchtigkeit für Fritillaria davisii essentiell. Diese besonderen Ansprüche an das Mikroklima, verbunden mit der Einschränkung auf tiefere Lagen bis maximal 400m.ü.M könnten auch erklären, weshalb diese seltene Spezies in der Natur offenbar ausschliesslich auf Mani zwischen Areopolis und Gerolimenas zu finden ist.
Innenansicht der Blüte von Fritillaria davisii
Das Schachbrettmuster ist im Blüteninneren der Fritillaria davisii besser sichtbar.
Davis-Schachblume an ihrem Standort
Auch Fritillaria davisii ist in ihrem Erscheinungsbild vielgestaltig.
Zu unserer Freude fanden wir dieses Mal auch noch eine weitere Schachblumen-Art an diesem Standort: Mit ihren ca. 6 Zentimeter langen Perigonblättern und ihrer grösseren Wuchshöhe hob sie sich deutlich von den restlichen Pflanzen ab. Eine sichere Bestimmung ist mir leider aufgrund der spärlichen Literatur nicht möglich, aber es könnte sich um Fritillaria messanensis, Fritillaria mutabilis oder Fritillaria graeca subsp. thessala handeln. Wer bei der Bestimmung dieser Art behilflich sein kann, ist jederzeit herzlich dazu eingeladen, im Kommentarteil dieser Seite dazu Stellung zu nehmen oder mich per E-Mail zu kontaktieren.
Fritillaria species
Am Standort der Davis Schachblume erregt eine weitere Fritillaria-Art unsere Aufmerksamkeit. Leider konnte ich sie nicht sicher bestimmen.
Gerne hätte ich die Umgebung noch nach weiteren Pflanzen abgesucht, aber die Zeit wurde auch dieses Mal wieder knapp, so dass wir uns auf den dornigen Rückweg begeben mussten.
Schachblumenfund in der Argolis bei Didyma
Fritillaria graeca
Die sehr seltene Fritillaria graeca subsp. graeca ist in Griechenland endemisch.
Auch in der Peloponnesischen Argolis, nahe der Dolinen von Didyma, war es uns dieses Mal vergönnt, seltene Fritillaria-Arten zu finden. Die grosse Doline von Didyma ist eine der grössten Einsturzdolinen Griechenlands und deshalb eine eindrückliche geologische Attraktion. Sie bildet ein riesiges Loch in der Karstlandschaft und in ihrem Innern kann man einer grossen Falkenpopulation beim Jagen zuschauen. Auf der Anfahrt nach Didyma hatten wir dieses Mal einen kleinen Umweg gemacht, damit wir einen Blick von einem gegenüberliegenden Hügel auf die Doline werfen konnten. Plötzlich erblickten wir am Strassenrand einige Orchideen die unser Interesse weckten und so hielten wir an, um diese genauer zu inspizieren. Es handelte sich um die Hufeisen-Ragwurz und eine Serapias-Art und weil wir in der Macchia auf der gegenüberliegenden Strassenseite auch noch einige Schmetterlings-Knabenkräuter erspähten, kletterten wir empor um diese Stelle etwas genauer zu erkunden. Auf einmal erblickten wir ein paar schirmförmige Blüten mit dem typischen Schachbrettmuster! Schachblumen – aber welche? Fritillaria graeca? Schwer zu sagen, besonders weil wir in unmittelbarer Nähe noch weitere Fritillarien fanden bei denen es sich eindeutig um Fritillaria graeca handelte, deren Blüten sich jedoch in ihrer Form wesentlich von der ersten unterschieden. Auch nachträglich komme ich bei der Bestimmung der Pflanze zu keinem schlüssigen Ergebnis… und auch hier gilt, wenn sich ein Leser dieses Beitrags mit Fritillarien gut auskennt bin ich froh um jeden Hinweis!
Fritillaria species
Die „Unbekannte“ aus Didyma. Schwer zu sagen ob es sich hier auch um Fritillaria graeca handelt…
Unbestimmte Schachblumen-Art
Gleiche Pflanze wie auf dem oberen Bild.
Typische Fritillaria graeca
Fritilllaria graeca mit den typischen hellen Streifen in der Mitte der Perigonblätter.
Fritillaria graeca mit Heuschrecke
Beim fotografieren entdeckt: Eine winzige und beinahe transparente Heuschrecke die auf der Blüte von Fritillaria graeca ruht.