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Johanna Spyris Maienfeld
«‹(…) jede Nacht träumt es mir und immer gleich. Dann mein’ ich, ich sei beim Grossvater, und draussen hör’ ich’s in den Tannen sausen und denke: jetzt glitzern so schön die Sterne am Himmel, und ich laufe geschwind und mache die Tür auf an der Hütte, und da ist’s schön! Aber wenn ich erwache, bin ich immer noch in Frankfurt.› (...). Heidi konnte nicht weiter; die Erinnerung, die eben durchgemachte Aufregung, das langverhaltene Weinen überwältigten die Kräfte des Kindes; gewaltsam stürzten ihm die Tränen aus den Augen, und es brach in ein lautes, heftiges Schluchzen aus.»
Das achtjährige Waisenkind Heidi muss seine geliebte Alp und ihm vertraute Menschen, die Grossmutter, den Alpöhi und den Geissenpeter, verlassen. Sie soll ins ferne Frankfurt ziehen, um dort der gelähmten und einsamen Klara Sesemann Gesellschaft zu leisten. Im städtischen Frankfurt angekommen, vermisst die kleine Protagonistin ihr ländliches Maienfeld so sehr, dass sie im Schlaf «die roten Felsenspitzen am Falknis und das feurige Schneefeld am Chesaplana» sieht. Als sie vor Kummer «mondsüchtig» geworden und «fast zum Geripplein abgemagert» ist, fordert der Doktor nachdrücklich die Heimreise des Kindes.
Johanna Spyris (1827-1901) Heidi gehört zu den bekanntesten Figuren der Kinderliteratur überhaupt. In über 50 Sprachen übersetzt und mehrfach verfilmt, wurde das Buch zu einem weltweiten Erfolg und prägte das Bild der Schweiz wesentlich mit. 1881 lieferte Spyri mit «Heidi kann brauchen was es gelernt hat» die Fortsetzung der Geschichte. Neben diesen beiden Werken veröffentlichte die geborene Johanna Louise Heusser fast fünzig weitere Erzählungen, darunter «Ein Blatt auf Vrony’s Grab» (1871) und «Heimathlos» (1878). Die Tochter eines Arztes und einer strenggläubigen Pietistin wuchs im Hirzel, Kanton Zürich, auf. Nach der Volksschule zog sie für zwei Jahre nach Zürich und befreundete sich dort mit Betsy Meyer und deren Bruder Conrad Ferdinand Meyer, mit dem sie später in regen literarischem Briefwechsel stand. Von 1845 bis 1852 lebte sie erneut im Hirzel und erfreute sich während dieser Zeit verschiedener Sommeraufenthalte in Maienfeld. In ihrem späteren Leben wurde die Schweizer Schriftstellerin von schweren Depressionen befallen. Ihre religiös geprägte schriftstellerische Arbeit half ihr, sich davon zu befreien. (MT)
Maienfeld ist für seine Bewohner das «Städtli» – einwohnermässig (rund 2'500) ein Dorf, aber seit dem 15. Jahrhundert mit Stadtrecht ausgestattet. Davon zeugen Reste der Stadtmauer sowie Herrensitze und mehrere Schlösser. Grösster Wirtschaftszweig ist der Weinbau (die meisten deutschschweizer Wirtschaften haben Maienfelder auf der Karte), dicht gefolgt vom Tourismus. Denn Maienfeld, Schweizer Ankunftsort von Johanna Spyris Klara, ist «Heidiland», wie schon die nahegelegene Autobahnraststätte auf der A14 signalisiert. Der Ortsteil Rofels ist das «Heididörfli», 500 Höhenmeter weiter oben auf dem Ochsenberg liegt die «Heidialp». Am «Heidihaus» vorbei führt der «Heidiweg» dort hinauf.