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Die Süsskartoffel ist eine echte Weltenbummlerin. Jahrhundertelang war sie unterwegs. Die blassorange Knolle bereiste verschiedene Kontinente, schwamm über Ozeane und begleitete ehemalige Sklaven nach Hause. Und sie liess sich überall dort nieder, wo das Klima warm und der Boden fruchtbar war. Ganz ursprünglich stammt sie höchstwahrscheinlich aus Mittelamerika. Das behauptete zumindest der deutsche Forschungsreisende Alexander von Humboldt. So war die Süsskartoffel schon in vorkolumbianischer Zeit ein wichtiges Grundnahrungsmittel in Lateinamerika. Irgendwie fand sie aber ziemlich bald ihren Weg von Peru zu den Inseln im Pazifischen Ozean. Seit mindestens dem Jahr 1000 wird die Knolle nämlich auch in Polynesien angebaut.
Wie genau die Süsskartoffel von Peru nach Polynesien gekommen ist, darüber streiten sich die Wissenschaftler. Die einen sind der Meinung, dass sie den Weg über die Ozeane per Zufall gefunden hat. Das heisst, dass die Samenkapseln mit der Meeresströmung von Südamerika nach Polynesien gereist sind. Da die Samen im salzigen Meerwasser nicht überlebt hätten, gehen die Forscher davon aus, dass sie sich an Bord eines herrenlosen Bootes befanden, das von der Strömung mitgetragen wurde. Für diese Reise hätten sie mindestens vier Monate gebraucht. Andere Wissenschaftler hingegen vermuten, dass Seefahrer die Knolle von Südamerika nach Polynesien brachten. Für diese Theorie spricht, dass die Süsskartoffel in Quechua, der alten Inka-Sprache, «cumal» oder «cumar» heisst und in einer polynesischen Sprache als «kumala» bekannt ist.
Weniger schwierig nachzuvollziehen ist der Weg der «sweet potatoe» von Süd- nach Nordamerika. In den Südstaaten von Amerika werden sie seit dem 16. Jahrhundert angebaut und gehören zu den Grundnahrungsmitteln. Gerade zu Thanksgiving ist die Süsskartoffel als Beilage zum traditionellen Truthahn kaum wegzudenken. Süsskartoffeln mit Opossum sollen gar die Lieblingsspeise von Elvis Presley gewesen sein. Durch die Sklaven gelangte die Knolle später dann auch nach Afrika. In Westafrika etwa macht man aus ihr «Fufu», einen Brei aus gestampften, gekochten Wurzelknollen wie Süsskartoffeln, Maniok oder Yams. Während die meisten Süsskartoffelrezepte aus den Südstaaten mit deftiger, kalorienreicher Hausmannskost in Verbindung gebracht werden, erlebt die Süsskartoffel in anderen Teilen der Vereinigten Staaten ein Revival als «healthy food». Von gesundheitsbewussten Amerikanern wird sie mittlerweile sogar der herkömmlichen Kartoffel vorgezogen.
Nach Europa gelangte die Batate übrigens im Koffer von Christoph Kolumbus. Vor allem in Portugal und Spanien gedieh die nährstoffreiche Knolle. Und nachdem die Süsskartoffel nun die ganze Welt bereist und mit ihrem besonderen Geschmack beglückt hat, ist sie vor ein paar Jahren endlich auch in der Schweiz angekommen.