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Fruchtsäfte können die Aufnahme bestimmter Medikamente beeinflussen.
Patienten sollten ihre Medikamente mit Wasser, jedoch niemals mit Fruchtsäften einnehmen, weil diese die Aufnahme der Wirkstoffe im Darm deutlich vermindern können, warnte ein Pharmakologe auf der Jahrestagung 2008 der American Chemical Society in Philadelphia. Vor Jahren konnte David Bailey von der University of Western Ontario, in London/Ontario, schon zeigen, dass Grapefruitsaft die Bioverfügbarkeit des Kalziumantagonisten Felodipin deutlich steigert (Lancet 1991; 337: 268-9). Dies konnte später auf die Blockade des Enzyms CYP3A4 in der Leber zurückgeführt werden, mit dem Felodipin und eine Reihe anderer Medikamente abgebaut werden. Als Folge kann es zu einer Überdosierung des Medikaments kommen.
Bei anderen Medikamenten kann die Einnahme zusammen mit Grapefruitsaft dagegen zu Unterdosierungen führen. Das konnte Bailey zunächst für das Antihistaminikum Fexofenadin zeigen. Seine Wirkstoffkonzentration kann – je nach konsumierter Saftmenge – um die Hälfte bis zwei Drittel sinken (Clin Pharmacol Ther. 2005; 77: 170-7). Inzwischen hat Bailey den Grund dieser Wechselwirkung herausgefunden. Das Flavonoid Naringin – es ist für den bitteren Geschmack der Grapefruit verantwortlich – blockiert im Darm das Transportermolekül OATP1A2, mit dem eine Reihe von Wirkstoffen im Dünndarm resorbiert werden (Clin Pharmacol Ther. 2007; 81: 495-502). Betroffen davon sind laut Bailey das Zytostatikum Etoposid, bestimmte Betablocker (Atenolol, Celiprolol, Talinolol), das Immunsuppressivum Cyclosporin und gewisse Antibiotika (Ciprofloxacin, Levofloxacin, Itraconazol). Diese Liste sei aber nicht vollständig, weil erst wenige Medikamente untersucht wurden.
Neben Grapefruitsaft können auch Orangensaft und Apfelsaft die Aufnahme von Medikamenten vermindern. Bei Orangensaft ist hierfür das Flavonon Hesperidin verantwortlich, welches auch in anderen Zitrusfrüchten vorhanden ist. Der verantwortliche Inhaltsstoff im Apfelsaft wurde laut Bailey noch nicht gefunden.
Quelle: www.aerzteblatt.de
Kommentar:
Grapefruitsaft ist nur eines der bekanntesten Beispiele für Wechselwirkungen (Interaktionen) von Naturstoffen mit Medikamenten.
Auch Heilpflanzen können Wechselwirkungen mit Medikamenten zeigen. So reduzieren beispielsweise schleimhaltige Heilpflanzen wie Leinsamen oder Flohsamen die Aufnahme von Medikamenten aus dem Darm. Bekannt sind auch die möglichen Interaktionen von Johanniskraut (Hypericum perforatum) mit verschiedenen Medikamenten-Gruppen wie Immunsuppressiva, Östrogenen (Anti-Baby-Pille), Herzmedikamenten auf der Basis von Digitalisglykosiden (Digoxin, Digitoxin), gewissen HIV-Medikamenten und Zytostatika sowie Blutverdünnern (Vitamin-K-Antagonisten).
Diese Beispiele zeigen die Wichtigkeit von fundiertem Fachwissen, wenn es um die Anwendung von Heilpflanzen im Bereich von Phytotherapie / Pflanzenheilkunde geht. Wie in anderen Gebieten der Naturheilkunde / Komplementärmedizin auch, mangelt es hier weitgehend an Qualitätskontrolle. Man kann auch ohne jegliches Fachwissen ein Heilkräuter-Buch schreiben, Pflanzenheilkunde-Kurse anbieten oder gar eine Phytotherapie-Ausbildung veranstalten. Dementsprechend entspringen wohl manche Heilpflanzen-Bücher ausschliesslich der blühenden Phantasie des Autors oder der Autorin. Damit soll nichts gegen Phantasie gesagt sein, aber wenn es um Gesundheit und Krankheit geht, wäre eine Portion Fachwissen schon sehr zu empfehlen.
Hier finden Sie Kriterien zur Beurteilung der Qualität von Heilpflanzen-Büchern und Kursen im Bereich Phytotherapie / Pflanzenheilkunde:
http://www.heilpflanzen-info.ch/cms/2008/12/20/phytotherapie-ausbildung-gedanken-zur-qualitaetssicherung.html
Wenn Sie sich selber Phytotherapie-Fachwissen aneignen wollen, finden Sie dazu Angebote auf www.phytotherapie-seminare.ch
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
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