Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03383.jsonl.gz/1697

Sie wird als Tochter des Johann Theobald Gassmann und der Apollonia Strehler am 13. August 1631 im elsässischen Thann geboren. Ihr Vater ist Wirt. Sie tritt 1646, mit 15 Jahren, ins Noviziat der Ursulinen von Freiburg in der Schweiz ein und legt 1647 Profess ab. 1659 wird sie zur ersten Superiorin der neuen Niederlassung in Luzern ernannt, wo sie mit fünf weiteren Schwestern eintrifft. 1660 beginnen die Ursulinen mit dem unentgeltlichen Lehrunterricht für Mädchen und eröffnen auch ein Pensionat für die reicheren Töchter des Luzerner Patriziats. 1661 kehrt Maria Margareta wieder ins Mutterhaus zurück und wird im gleichen Jahr nach Brig entsandt, um dort einen neuen Ursulinenkonvent zu eröffnen. 1665–1672 ist sie erneut Superiorin in Luzern. Sie kann durch geschicktes Verhandeln von den Luzerner Behörden Land auf Musegg für den Bau eines Klosters erwerben. Gleichzeitig erreicht sie die Unabhängigkeit der Luzerner Niederlassung von Freiburg. Ihre von Freiburg gewünschte Rückkehr ins Mutterkloster wird von den Luzernern unter Vermittlung des Nuntius und der Bischöfe von Konstanz und Lausanne verhindert. Sie ist nun für zwei Jahre Novizenmeisterin, ihre Nachfolgerin ist die Luzernerin Maria Ursula Studer. 1675 wählt sie der Konvent erneut als Superiorin. Inzwischen hat der Jesuitenbaumeister Br. Heinrich Mayer Pläne für den Konventneubau auf Musegg erstellt und 1676 wird der Neubau begonnen. Die Finanzierung erfolgt mit Eigenmitteln und Spenden, sogar die Regierung gewährt einen Kredit. Als 1681 Maria Ursula Studer erneut als ihre Nachfolgerin gewählt wird, ist der Neubau fertig, nur die Kirche ist noch nicht ausgestattet. Im neuen Konventflügel leben inzwischen 30 Ursulinen, viele sind Lehrerinnen. 1687 wird Maria Margareta Gassmann noch einmal zu Superiorin gewählt. 1690 tritt sie zurück. Sie stirbt am 28. März 1701 im Alter von 70 Jahren und wird in der Gruft der Kirche Maria Hilf beigesetzt.
Man darf sich die Superiorin, ähnlich dem Rektor am nahen Jesuitenkolleg, als treibende, aber nicht als mitplanende Kraft für den Klosterneubau vorstellen. Ursulinen und Jesuiten haben nicht nur die gleiche Lebensweise und eine ähnliche Regel. Die Leiter ihrer Niederlassungen, immer auf Zeit gewählt, wollen sich nicht wie Barockäbte oder Fürsten mit dem Bau verwirklichen. Sie haben dazu auch nie die finanziellen Mittel. Deshalb finden wir an ihren Bauwerken nur die Wappen, Epitaphe und Porträts ihrer Wohltäter und Förderer, nie aber diejenigen der geistlichen Leiter.
Pius Bieri 2010
Literatur:
Kottmann, Anton: Ursulinen Luzern, in: Helvetia Sacra, Abteilung VIII, Band I, Basel 1994.
|Sr. Maria Margareta Gassmann (1631–1701), Superiorin|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 17. Jahrhundert|
|13. August 1631||Thann Elsass F||Vorderösterreich (bis 1659)|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Superiorin der Ursulinen in Luzern||1659–1690 mit Unterbrüchen|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|28. März 1701||Luzern CH||Eidgenössischer Stand Luzern|
|Kurzbiografie|

Die Ursulinen von Anne de Xainctonge sind Lehrerinnen und betreiben eine Bildungsoffensive für Mädchen. Die erste Vorsteherin der seit 1659 bestehenden Niederlassung in Luzern ist die Elsässerin Sr. Maria Margaretha Gassmann. Sie ist treibende Kraft für die Überlassung des Baulandes unterhalb der Museggmauern und für den dortigen Bau der grossen Konvent- und Schulanlage. Die Schule ist seither, mit einem kurzem Unterbruch während den Revolutions- und Sonderbundswirren, wichtiges Bildungszentrum der weiblichen Luzerner Jugend und wird erst im 20. Jahrhundert auch für Knaben geöffnet. Am Anfang dieser Erfolgsgeschichte des Luzerner Bildungswesens steht der Orden der Ursulinen mit ihrer ersten Superiorin Sr. Maria Margaretha Gassmann.
|PDF (nur Text||Bildlegende|