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Offener Brief der Fachärztegesellschaften
Das Bundesamt für Gesundheit hat eine Erweiterung der Limitatio der Hepatitis-C-Medikamente auf weitere Patientengruppen in Aussicht gestellt (Meldung vom 31. Oktober 2016). Heute haben Fachärztegesellschaften einen offenen Brief an das Bundesamt für Gesundheit BAG sowie die Pharmafirmen, die Hepatitis-C-Medikamente herstellen, versandt.
Hier der Wortlaut des Briefes:
Offener Brief an das Bundesamt für Gesundheit und die Vertreter der Pharmaindustrie mit Aktivität in der Behandlung der Hepatitis C
Sehr geehrter Herr Strupler, sehr geehrter Herr Peters,
Sehr geehrte Vertreter der Pharmaindustrie,
In den letzten drei Jahren wurden mehrere neue Hepatitis-C-Medikamente zugelassen. Diese Therapien sind sehr gut verträglich und heilen die Hepatitis-C-Infektion bei mehr als 90% der Behandelten. Die sehr hoch angesetzten Preise dieser Therapien verunmöglichten eine Behandlung aller Patienten und haben zu Beschränkungen (Limitationen) der Rückvergütung durch die Krankenkassen geführt. Zurzeit können in der Schweiz nur Patienten mit höhergradigem Fibrosegrad, also fortgeschrittener Krankheit, oder schweren Krankheitssymptomen behandelt werden.
Das BAG teilt am 31. Oktober 2016 mit, dass nach erneutem Austausch mit medizinischen Experten die Limitatio der Hepatitis-C-Medikamente etwas erweitert, aber nicht aufgehoben werden soll. Wir, die befragten Experten, haben am 28. Oktober 2016, im Einklang mit internationalen Behandlungsrichtlinien, für einen universellen Zugang zu diesen Medikamenten plädiert. Wir haben diese Empfehlung mündlich und schriftlich begründet.
Wir bedauern, dass es in Verhandlungen zwischen dem BAG und den Pharmafirmen bisher nicht gelungen ist, tiefere Preise festzulegen, welche einen uneingeschränkten Zugang zu diesen Medikamenten in der Schweiz ermöglichen würden. Die internationalen Behandlungsrichtlinien befürworten eine Behandlung der Hepatitis C unabhängig vom Fibrosegrad, was in Australien und wohl bald auch in Frankreich umgesetzt wird.
Eine Einschränkung der Verschreibung auf bestimmte Patientengruppen führt zu einer Diskriminierung der anderen, geht mit einem massiven administrativen Mehraufwand in den Verhandlungen mit den Krankenversicherern einher und verhindert in vielen Fällen die medizinisch beste Option. Wir können beispielsweise einem Patienten, welcher durch Blutprodukte mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert wurde, oder einer jungen Frau, welche eine Schwangerschaft plant, nicht plausibel erklären, wieso wir diese chronische Infektion nicht behandeln dürfen.
Viele Patienten, denen wegen der Limitatio die Behandlung nicht verschrieben werden kann, leiden. Die Zahl der Patienten, die selber aus Verzweiflung Generika aus Indien importieren, nimmt zu. Diese Praxis ist risikoreich und nicht mit unseren Qualitätsstandards zu vereinbaren.
Neue Verhandlungen des BAG mit den Pharmafirmen sind dringend notwendig, sodass für das Jahr 2017 Preise festgelegt werden können, welche die Behandlung für alle ermöglichen.
Mit freundlichen Grüssen
Prof. Hansjakob Furrer, Prof. Andri Rauch, Schweizerische Gesellschaft für Infektiologie
Prof. Beat Müllhaupt, Präsident Schweizerische Gesellschaft für Gastroenterologie
Prof. Andrea de Gottardi, Präsident Swiss Association for the Study of the Liver
PD Dr. Philip Bruggmann, Präsident Swiss Experts in Viral Hepatitis
PD Dr. Jan Fehr, Co-Präsident AG 1 Klinik und Therapie HIV&STI der Eidgenössischen Kommission für sexuelle Gesundheit (EKSG)