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In einem langen Leben wiederholen sich manche Ereignisse, das gilt für Menschen genauso wie für Organisationen. Der EVB mit seiner über 160-jährigen, gut dokumentierten Geschichte war nicht nur «Zeitgenosse» von Kriegen und Katastrophen, sondern auch einer Pandemie. Der aktuelle Corona-Seuchenzug mit seinen starken Auswirkungen auch auf das Vereinsleben der letzten knapp zwei Jahre veranlasste zu einem kleinen Rückblick, ob die Spanische Grippe von 1918/19 Konsequenzen für die EVB-Aktivitäten hatte.
Spanische Grippe in der Schweiz
Die Spanische Grippe erreichte die Schweiz im Juli 1918 im Jura, von wo aus sie von Soldaten zunächst vor allem in der Westschweiz verbreitet wurde. Im Juli und August starben jeweils knapp 2’300 Personen daran. Zur Bekämpfung der Seuche führte der Kanton Bern im Sommer 2018 rasch Massnahmen zur Verhinderung grosser Menschenansammlungen ein, hob diese jedoch zu früh wieder auf. Im September halbierte sich die Zahl der Todesopfer, doch von Oktober bis Dezember brach eine zweite Welle mit voller Wucht über die Schweiz herein und forderte in diesem Zeitraum über 15’000 Tote.
Der Landesstreik und die militärischen Truppenverschiebungen zusammen mit der Aufhebung der Massnahmen boten den Nährboden für die heftige zweite Welle der Pandemie. Anschliessend schwächte sich die Krankheit rasch ab und lief bis September 1919 langsam aus. Insgesamt kostete die Grippe knapp 25’000 Menschenleben in der Schweiz, mehr als doppelt so viel wie die aktuelle Corona-Pandemie (Quellen: Swissinfo, Universität Zürich).
Es ist überraschend, dass dieses verheerende Ereignis – gemäss «Geschichte der Schweiz» immerhin die «grösste demographische Katastrophe des Jahrhunderts» in der kollektiven Erinnerung kaum präsent ist, was sicher auf die parallel stattfindenden epochalen politischen und wirtschaftlichen Umbrüche (Erster Weltkrieg, Landesstreik) zurückzuführen ist. Zudem waren tödlich verlaufende Infektionskrankheiten vor der Entwicklung moderner Medikamente und effektiver Impfungen trauriger Alltag im damaligen Europa.
Keine Erwähnung der Grippe in EVB Protokollen
Wie ein Blick in die Protokolle des EVB vom Herbst 1918 zeigt, wurde die tobende zweite Welle der Grippe-Pandemie dort mit keinem Wort erwähnt. Es gab nach der Sommerpause Sitzungen am 7. und 23. Oktober, am 13. und 27. November sowie am 11. Dezember. Diese fanden in gewohnter Weise im Café «Zytglogge» statt, welches offenbar normal geöffnet hatte.
Die Protokolle listen nur die gewohnten geschäftlichen und entomologischen Aktivitäten auf. Sekretär war damals Friedrich Albert Hess, am 13. November vertrat ihn Emil Leist. Der EVB litt damals unter erheblichem Mitgliederschwund, zu den Sitzungen kamen in der Regel nur noch 5-10 Personen, welche es sich aber nicht nehmen liessen, die Geselligkeit in den Informationsaustausch im Verein zu pflegen.
Nur im Protokoll vom 13. November findet sich dann doch ein kurzer Hinweis auf die besonderen Umstände dieses Treffens: Der Waffenstillstand im Ersten Weltkrieg wird erwähnt und auch der Landesstreik, welcher sich negativ auf die Besucherzahl der Sitzung («Kriegssitzung») auswirkte. Aber kein Wort zur Grippe!
Todesfälle durch die Grippe waren unter den Vereinsmitgliedern erfreulicherweise nicht zu beklagen.
Beitragsbild: Auszug aus dem EVB Sitzungsprotokoll vom 13. November 2018. CC BY-SA 4.0 Martin Albrecht, Schüpfen.