Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03612.jsonl.gz/1419

Zu dieser Einschätzung kommt Analyst Jaret Seiberg von Cowen & Co. in Washington in einer Studie. Neue Aktiengesellschaften werden Schwierigkeiten haben, sich eine Abdeckung durch Research-Broker zu sichern - und das kann Unternehmen davon abhalten, an die Börse zu gehen, bis sie grösser geworden sind, schrieb Seiberg in dem Bericht, der das Datum vom 18. Oktober trägt. Dies steht der Priorität der Aufsichtsbehörde U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) entgegen, den Markt für inländische IPOs zu stärken.
Die überarbeitete Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID II) der Europäischen Union (EU) zwingt die Banken, Analysen und Handelsgebühren für Kunden getrennt voneinander zu halten - eine seit Jahrzehnten gelebte Praxis endet damit.
US-Vorschriften verbieten gleichzeitig jedoch den Verkauf von eigenständigen Analysen, sofern sich eine Gesellschaft nicht als Anlageberater registriert, was wiederum recht kostspielig ist. Die SEC wird voraussichtlich jenen Firmen, die betroffen sein könnten, eine Schonfrist einräumen. Das erfuhr Bloomberg News von Personen, die mit dem Plänen vertraut sind.
Weniger Small-Cap-Analysen
In diesem Jahr kommen 111 von 141 US-amerikanischen IPOs von Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von unter 1 Milliarde Dollar zum Zeitpunkt des Börsengangs, zeigen Daten von Bloomberg. Die kleineren Transaktionnen haben Investoren die grössten Erträge geliefert, mit einem Plus von durchschnittlich 18 Prozent.
Börseneinführungen von Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 1 Milliarde Dollar brachten hingegen in diesem Jahr durchschnittlich nur 5,9 Prozent ein. Der Zuwachs liegt zugleich deutlich unter dem Plus von rund 14 Prozent beim US-Leitindex S&P 500.
Die Small-Cap-Analysen dürfte nach der Einführung von MiFID II zurückgehen, weil sie traditionell durch die Abdeckung von grösseren Unternehmen quer-subventioniert wurden, schrieb Seiberg in seinem Bericht weiter.
Konsolidierung von Research und Handel?
"MiFID II könnte zu einer weiteren Konsolidierung von Research und Handel bei den grössten Finanzunternehmen führen", erklärte er. "Da Vermögensverwalter für Research und Handel gesondert bezahlen müssen, scheint es wahrscheinlich, dass sie sich auf die grössten Akteure mit der breitesten Research-Abdeckung konzentrieren werden. Das wird den kleinen Broker-Dealern und Nischen-Marktteilnehmern schaden."
Die US-Grossbank Goldman Sachs Group Inc. wird von einigen Kunden 30.000 Dollar jährlich für den Zugang von bis zu 10 Mitarbeitern zu Basis-Research über ihr Analysten-Portal verlangen, wenn die MiFID II-Vorschriften im Januar in Kraft treten. Das hatte Bloomberg in dieser Woche aus informierten Kreisen erfahren. Allerdings müssten die Kunden mehr zahlen, um mit Analysten zu sprechen. Ein Vertreter von Goldman lehnte eine Stellungnahme ab.
Seiberg erwartet, dass die SEC mit grösserem Nachdruck reagieren wird, wenn sie sieht, dass MiFID II dazu führt, dass die grössten Banken der Wall Street noch grösser werden, und auch, wenn die Vorschriften kleineren Reasearch-Anbietern schaden.
(Bloomberg)