Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03221.jsonl.gz/2660

Projektbeschrieb
Immer die aktuelle Strahlung im Blick: eine Beruhigungsmassnahme der japanischen Regierung.
Wer durch die Präfektur Fukushima fährt, sieht gelegentlich weisse, rundliche Kästen oder metallene Tafeln an einer Strassenecke. Wie freundliche Roboter stehen sie in der Landschaft und verkünden Tag und Nacht in roter Leuchtschrift die aktuelle Strahlenbelastung in Mikrosievert pro Stunde (μSv/h). Diese so genannten «monitoring posts» sind eine Beruhigungsmassnahme der Regierung: Der Mensch kann radioaktive Strahlung nicht wahrnehmen. Das erzeugt Ungewissheit und Angst. Strahlungswerte, die von der Norm abweichen, machen sich erst später - manchmal viele Jahre nach der Strahlenexposition – in Form von Krebskrankheiten bemerkbar.
Doch die Standorte der Überwachungsstellen wurden vor dem Aufbau der Messgeräte aufwendig gereinigt. Das gilt auch für die Geräte in der zwangsevakuierten Zone von Iitate-Mura. Sie zeigen meistens viel tiefere Werte, als in der Umgebung mit mobilen Geräten gemessen werden. Die Bevölkerung wirft der Regierung vor, den Menschen eine zu tiefe Strahlenbelastung vorzugaukeln, damit diese schneller in die belasteten Gebiete zurückkehren respektive keine Entschädigungsansprüche stellen können.
Gemeinsam mit Susan Boos reiste ich im Dezember 2012 nach Fukushima. Für die Wochenzeitung «WOZ» berichteten wir aus den verstrahlten Gebieten rund um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima Daiichi. Um die unsichtbare Gefahr fotografisch festzuhalten, entschied ich mich für eine Serie dieser Fremdkörper in der Landschaft. Die Recherche wurde von der Schweizerischen Energiestiftung (SES) finanziell unterstützt.