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Hochwasserschutz Aare Bern: Provisorische Ufererhöhung oberhalb der Matteschwelle
Der Gemeinderat der Stadt Bern hat in seiner Sitzung vom Mittwoch, 16. Januar 2008 einen Kredit für das Projekt «Provisorischer Hochwasserschutz Tych» bewilligt. Das Projekt sieht eine provisorische Ufererhöhung oberhalb der Matteschwelle vor. So soll verhindert werden, dass die Aare, wie beim Hochwasser 2005, oberhalb der Matteschwelle über die Ufer tritt und durch das Quartier fliesst. Unterstützt wird das Projekt von der Mobiliar und der Gebäudeversicherung Bern, die sich im Rahmen ihrer Präventionsanstrengungen an der Finanzierung beteiligen.
Beim Hochwasser im August 2005 wurde das Mattequartier regelrecht von der Aare durchströmt. Diese gefährliche Situation trat ein, weil der Aarepegel innert weniger Stunden auf seine maximale Höhe anschwellte und dabei grosse Mengen von Schwemmholz mit sich brachte. Das Schwemmholz verkeilte sich in der Matteschwelle und behinderte so den Wasserabfluss. Dies führte dazu, dass die Aare – anders als bei früheren Hochwassern – oberhalb der Schwelle über die Ufer trat.
Bauliche Massnahme zur Entlastung der Feuerwehr
Heute ist diese Gefahr dank den seit 2005 umgesetzten kurz- und mittelfristigen Massnahmen erheblich kleiner geworden. Mit mobilen Massnahmen – den orangen Beaver-Sperren – kann die Feuerwehr die Ufer in den kritischen Bereichen vorübergehend erhöhen und so die Aare am Überlaufen hindern. Allerdings braucht es eine gewisse Zeit, um die mobilen Sperren in der Matte einzurichten. Durch den Ersatz der mobilen Ufererhöhungen durch provisorische bauliche Massnahmen, werden die Einsatzkräfte im Ernstfall entlastet. So wird wertvolle Zeit gewonnen, um in anderen gefährdeten Gebieten rechtzeitig intervenieren zu können.
Unterstützung durch Mobiliar und Gebäudeversicherung
Im Rahmen ihrer Präventionsanstrengungen beteiligen sich die Mobiliar und die Gebäudeversicherung Bern zu je einem Viertel an den Nettokosten, die der Stadt durch das Projekt entstehen. Die Nettokosten für die Stadt betragen nach Abzug der Subventionen von Bund und Kanton noch rund 240'000 Franken. Das Engagement der Versicherungen ist Ausdruck ihrer Geschäftsphilosophie, nicht nur für bereits entstandene Schäden aufzukommen, sondern durch geeignete Präventionsmassnahmen gar nicht erst zuzulassen, dass Schäden entstehen. Die beiden Versicherungsgesellschaften hatten deshalb bereits die Modellversuche zum Fliessverhalten der Aare im Bereich der Matteschwelle unterstützt, die letztes Jahr an der ETH Zürich durchgeführt worden waren. Die Versuche ergaben, dass eine Ufererhöhung im Bereich Aarstrasse / Tych um rund einen Meter (ca. Höhe des heutigen Geländers entlang der Aarstrasse) genügt, um zu verhindern, dass die Aare selbst bei einer Blockierung der Schwelle durch Schwemmholz über die Ufer tritt. Erst auf dieser Grundlage war es möglich, das Projekt «Provisorischer Hochwasserschutz Tych» konkret zu planen.
Kostengünstige Realisierung und diskrete Gestaltung
Im unteren Teil der Aarestrasse bis zum «Tych» ist eine Holzabdichtung des Geländers vorgesehen. Im oberen Teil der Aarestrasse wird die Ufererhöhung mit zurückversetzten Betonelementen ausgeführt, da eine Geländerabdichtung in diesem Bereich aus konstruktiven Gründen nicht möglich ist. Im Bereich des «Tychs» selbst werden die bereits bestehenden Mauern teilweise ergänzt und an einzelnen Stellen Abdichtungen mit mobilen Aluminium-Dammbalken vorgenommen. Die Gestaltung der Holzabdichtung nimmt Rücksicht auf das Stadtbild und wurde mit der städtischen Denkmalpflege abgestimmt. Es handelt sich dabei um eine kostengünstige Konstruktion, um dem provisorischen Charakter der Massnahme bis zur Umsetzung der definitiven langfristigen Hochwasserschutzmassnahmen Rechnung zu tragen.
Kosten und Termine
Die Kosten für die Realisierung des Bauprojekts betragen rund 580'000 Franken. Der Stadt verbleiben dabei nach Abzug der Subventionsbeiträge von Bund und Kanton Nettokosten im Umfang von rund 240'000 Franken. An diesem Beitrag beteiligen sich die Mobiliar und die Gebäudeversicherung Bern zu je einem Viertel, also mit je rund 60'000 Franken. Parallel zur baulichen Verbesserung des Hochwasserschutzes beschafft energie wasser bern für rund 120'000 Franken zusätzliches Schutzgerät, das im Hochwasserfall der Feuerwehr zur Verfügung steht. Es handelt sich dabei um einen zweiten hydraulischen Greifer für die Schwemmholzentnahme sowie mobile Talimexsperren für die Bereiche der Rechenreinigungsanlagen. Mit dem Bau des provisorischen Hochwasserschutzes Tych soll Ende März begonnen werden. Zurzeit läuft das Baubewilligungsverfahren. Parallel dazu findet die Submission für den Bauauftrag statt. Bei termingerechtem Baubeginn kann mit einem Abschluss der Arbeiten gegen Mitte Mai 2008 gerechnet werden: also rechtzeitig, bevor das Hochwasserrisiko saisonal bedingt – infolge der Schneeschmelze – wieder zunimmt.