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Aktualisiert: 25. Feb.
1. Der erste Grund, ein Kind mit mehr als einer Sprache zu erziehen, ist relativ simpel:
Wenn man die Möglichkeit dazu hat, warum sollte man nicht? Sprechen die Eltern bereits verschiedene Sprachen, macht es doch absolut Sinn zu den zukünftigen sprachlichen Kompetenzen des Kindes beizutragen.
2. Das Kind wird von der frühen Zwei- oder Mehrsprachigkeit profitieren. Zum einen, weil es dazu keine bewusste Anstrengung braucht, auch wenn die Sprachen später oft zu einem sehr hohen Level beherrscht werden. Tatsächlich ist die Geschicklichkeit in einer Sprache sehr stark abhängig vom Input, welches das Kind erhält. Regelmässige Anregungen sind sogar unabdingbar, damit sich das Sprachsystem entwickeln kann.
Zudem gibt es fundierte soziale, psychologische und kognitive Vorteile, die bereits mehrfach dokumentiert worden sind (Festman & Kersten, 2010). Menschen mit mehrsprachigem Hintergrund können einfacher Schwierigkeiten in der Kommunikation bewältigen können. Sie können einfacher mit Ambiguitäten umgehen, sie neigen dazu mehr kulturelle Empathie zu entwickeln und sind aufgeschlossener und toleranter (Dewaele & Li Wie, 2013; Dewaele & Stavans, 2014). Weiter hat man herausgefunden, dass Menschen mit mehrsprachigem Hintergrund einfacher nicht relevante Informationen herausfiltern können, was auf die momentan nicht genutzte Sprache(n) zurückzuführen ist (Bialystok & Poarch, 2014). Zudem neigen zwei- und mehrsprachige Menschen dazu, kreativer zu sein, wahrscheinlich weil sie die Realität durch verschiedene Linsen wahrnehmen, und weniger gebunden sind an die Werte und Einschränkungen einer einzigen Sprache und Kultur.
3. Sprachliches Kapital ist gleichzeitig auch kulturelles Kapital. Das Beherrschen einer zusätzlichen Sprache ist eine zusätzliche Anlage. Das Kind wird relativ schnell begreifen, dass sich linguistische Regeln zwischen den einzelnen Sprachen unterscheiden und auch die damit verbundenen kulturellen Werte.
4. Das Verständnis, dass sich Sprachen unterscheiden und dass sie verschiedene Kulturen reflektieren, ist wiederum wichtig für das Verständnis, wie Sprachen und Kulturen funktionieren. Das Know-How von zwei oder mehreren Sprachsystemen ermöglicht dem Kind spontan zu vergleichen, wie sich Dinge unterschiedlich ausdrücken lassen. Gewisse Dinge lassen sich einfacher in der einen Sprache, andere Ausdrücke einfacher in einer anderen Sprache ausdrücken. Die Fähigkeit schon früh zu vergleichen, macht das Kind sogar zu einem jungen Linguisten und Anthroposophen.
5. Das Erwerben mehrerer Sprachen von zu Hause aus leistet nicht nur einen Betrag zum sprachlichen und kulturellen Kapital, sondern auch zu seinem sozialen und zukünftig wirtschaftlichen Kapital. Es ist ein riesiger Vorteil, welcher das Kommunizieren mit unterschiedlichen Menschen in mehr als nur einer Sprache ermöglicht.
6. Mehrere Sprachen zu Beherrschen macht einfach auch Spass! Nur Familien mit zwei- oder mehrsprachigem Hintergrund können Wortspiele in mehreren Sprachen machen und je nach Situation einfach zu einer anderen Sprache wechseln.
7. Der frühe Erwerb verschiedener Sprachen von zu Hause aus verringert den Druck, später in der Schule weitere Sprachen zu erlernen. Denn Kinder mit mehrsprachigem Hintergrund empfinden das Erwerben von mehreren Sprachen von Geburt an als das Normalste der Welt. In anderen Worten, lassen sie sich später in der Schule bei der Aussicht eine neue Sprache zu Lernen, nicht einschüchtern. Im Gegenteil werden sie als geborene «Linguisten» sogar mit grosser Wahrscheinlichkeit einfacher neue Sprachen lernen.
8. Mehrsprachige Kinder sind die besseren Kommunikatoren. Wahrscheinlich liegt das an der Tatsache, dass sie immer auf eine andere Sprache zurückgreifen können, sollten sie etwas nicht in einer Sprache ausdrücken können.
9. Mehrsprachige Kinder können auf ihre sprachlichen und kulturellen Wurzeln zurückgreifen und dadurch mit ihren anderen Familienmitgliedern, Grosseltern oder Freunden aus dem gleichen Kulturkreis kommunizieren und somit ihr soziales Netzwerk erweitern.
10. Mehrsprachige Kinder können an verschiedenen Schulen und Universitäten studieren.
Quelle: Julia Festman, Gregory J. Poarch and Jean-Marc Dewaele, “Raising Multilingual Children” (2017)