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I am delighted to be able to give a public lecture again. This time it will be online and hosted by WWF in Basel.
The title is borrowed from Richard Feynman and I will explain why I believe it is highly relevant.
Abstract
With media’s attention almost entirely devoted to the corona crisis, it is easy to forget that climate change represents a much larger threat to humanity and that we are rapidly running out of time to fix the problem. We should therefore try to learn as much as possible from the current situation, which offers important insights into the politics of crisis management. The most important lesson is probably that “nature cannot be fooled”. Real threats cannot be countered with wishful thinking or political rhetoric.
The largest obstacle to fixing the climate crisis is in our heads. For almost 30 years, we have been arguing over minimal changes to society, hoping that these would miraculously suffice to solve the greatest challenge in human history. Political convenience was more important than solid facts. The corona crisis gives us an opportunity to change this. In my presentation, I will try to be more ambitious and present a plan to solve the climate crisis.
Quiz: Can you find the oil crisis in the plot below?
Gestern erreichte mich ein Aufruf zur Nachbarschaftshilfe, der mich sehr berührt hat. Da im Moment keine Klimastreiks oder andere Aktionen durchgeführt werden können, überlegen sich die jungen Klimastreikenden, wie sie den Alten und Schwachen der Gesellschaft helfen können. Das Besondere mit dem Coronavirus ist ja, dass es für junge gesunde Menschen praktisch keine Gefahr darstellt. Somit macht es Sinn, wenn sie z. B. die Einkäufe der Alten erledigen.
Ist dies selbstverständlich? Diejenigen, die von der Klimaerwärmung am stärksten betroffen sein werden, zeigen ihre Solidarität mit der Generation, die das Problem verursacht hat. Der Homo oeconomicus würde anders handeln und das Coronavirus als Chance sehen, sich Vorteile zu verschaffen oder die Politik zu erpressen. Die Jungen sind aber nicht zynisch genug, um dies zu tun.
Es gibt eine interessante Parallele zwischen der Klimaerwärmung und der Verbreitung des Coronavirus: Politisches Zögern ist in beiden Fällen tödlich, wie Elizabeth Sawin in einem Tweet schön gezeigt hat.
Der Grund dafür ist, dass beide Prozesse eine Eigendynamik besitzen. Bei der Verbreitung einer Grippe ist die Anzahl Neuansteckungen proportional zur Anzahl der Kranken (exponentielles Wachstum) aber der Wachstumskoeffizient ist davon abhängig, wie viele Menschen noch angesteckt werden können. Wenn eine kranke Person im Durchschnitt 1.3 andere Personen ansteckt, fangen die Fallzahlen dann an zu sinken, wenn 25% der Bevölkerung Immunität entwickelt hat, da 1.3×(1-0.25)<1. Wenn stattdessen im Durchschnitt 2.3 Personen angesteckt werden, müssen zuerst 60% der Bevölkerung krank werden, bevor die Ansteckungskurve abflacht.
Das Problem mit dem Coronavirus ist, dass es viel ansteckender und viel tödlicher ist als das normale Grippevirus. Dies führt dazu, dass mehr Menschen krank werden und viele davon sterben. Wenn zu viele Menschen gleichzeitig krank werden, nimmt die Mortalität zusätzlich zu, da die Spitäler nicht mehr in der Lage sind die Kranken zu behandeln. Dieser Zustand ist in Italien schon eingetreten und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis andere Länder so weit sind. Dies wäre dann der Kipppunkt (tipping point) der Pandemie: Endliche Ressourcen und exponentielles Wachstum vertragen sich schlecht.
Ohne drastische Massnahmen gegen das Coronavirus, werden viele alte Menschen sterben. Wenn wir nichts gegen die Klimaerwärmung unternehmen, werden noch mehr junge Menschen sterben. Worin liegt der Unterschied? Nur darin, dass die Alten mehr politisches Gewicht haben und die katastrophalen Wirkungen des Coronavirus innerhalb einer Legislaturperiode sichtbar werden.
Die Coronapandemie wird wohl in 1-2 Jahren vorbei sein. Es ist zu hoffen, dass der Begriff Solidarität etwas länger in Erinnerung bleibt.
Beim Lesen des grossartigen Buches «Selbst Denken» von Harald Welzer, bin ich wieder auf den Begriff «Kognitive Dissonanz» gestossen. Um es gleich auf den Punkt zu bringen: Die beiden Aussagen «Wir brauchen Wirtschaftswachstum» und «die Wirtschaft macht den Planeten kaputt» stellen eine typische kognitive Dissonanz dar. Kein Mensch ist fähig, mit diesen beiden Gedanken im Kopf glücklich zu leben. Denn daraus leitet sich der Zwang ab, im Interesse der Wirtschaft die Zukunft der eigenen Kinder zerstören zu müssen.
Unser Bedürfnis, diesen gefühlsmässigen Knoten zu lösen, ist stärker als die Rationalität. Einige umgehen das Problem, indem sie einfach die Klimaerwärmung leugnen. Sie nehmen kontrafaktisch an, dass die Wirtschaft der Umwelt nicht schadet. Die dafür erforderliche Ignoranz ist ein kleiner Preis für die Beruhigung des Gewissens.
Ein viel grösserer Teil der Bevölkerung setzt auf das Prinzip Hoffnung. Sie geben zwar zu, dass wir momentan ein Problem haben, sind aber zuversichtlich, dass eine Entkopplung von Wirtschaftsleistung und ökologischem Fußabdruck durch neue Technologie möglich sein wird. Deshalb ist das Diagramm unten so wichtig.
Die roten Kurven zeigen die historischen globalen CO2-Emissionen (durchgezogen) und die Entwicklung, die gemäss IPCC für weniger als 1.5°C Erwärmung erforderlich wäre (gestrichelt). Die blauen Kurven zeigen die historische globale Wirtschaftsleistung (durchgezogen) und die Erwartungen der G20-Staaten (gestrichelt). Menschen, die eine solche Entwicklung für möglich halten, hoffen offensichtlich auf ein Wunder.
Es gibt aber eine einfachere Möglichkeit, die oben erwähnte kognitive Dissonanz aufzulösen. Denn selbstverständlich brauchen wir kein Wirtschaftswachstum! Das Ziel einer Volkswirtschaft ist doch, die Bedürfnisse der Menschen zu stillen, statt Konsumsucht zu fördern. Ich kann doch nicht jedes Jahr 2-3% mehr essen und es macht keinen Sinn, mehr Schuhe zu produzieren als es Füsse gibt. Da die Menschen der Industrienationen sogar in Überfluss leben, wäre es auch kein Problem, die Wirtschaftsleistung zu senken.
Die vermeintliche Notwendigkeit des Wirtschaftswachstums kommt daher, dass Kapitaleinkommen im Verhältnis zur Arbeit immer wichtiger wird, wie Piketty eindrücklich festgehalten hat. Kapitaleinkommen fordert eine Zunahme der Geldmenge, die es nur in einer wachsenden Wirtschaft geben kann. Der britische Ökonom Jason Hickel hat es so formuliert: «Wir sind bereit alles zu riskieren – buchstäblich alles – um die Reichen reicher zu machen». Wie kann es sein, dass heute 8 Menschen mehr besitzen als die ärmste Hälfte der Weltbevölkerung? Sicher nicht durch harte Arbeit.
Der Satz «die Wirtschaft muss wachsen» ist somit keine faktenbasierte Aussage, sondern ein Befehl. Um ein Infragestellen dieses Imperativs zu verhindern, wird keine Mühe gescheut. Täglich werden wir mit Wirtschaftszahlen und Börsenkursen bombardiert, welche belegen sollen, dass uns die Finanzgötter gnädig sind, weil wir bereit waren, das nötige Opfer zu erbringen. Der unsichtbare Gott ist durch die unsichtbare Hand des Marktes ersetzt worden, aber die profitmachende Angst ist die gleiche.
Es erstaunt
mich immer wieder, dass die meisten Menschen in der heutigen Gesellschaft nicht
mal verstehen, was Geld ist. Hier ein kleiner Test, ob Sie es verstanden haben:
Nehmen wir an, dass ein Goldgräber in die Berge geht und ein grösseres Stück Gold findet. Wir sind uns vermutlich einig, dass er dadurch reich geworden ist. Nach der Rückkehr in die Heimat kann er für das Gold Champagner, Kaviar und teure Kleider kaufen. Warum? Welchen volkswirtschaftlichen Beitrag hat er geleistet, der so fürstlich entlöhnt werden muss? Schliesslich war ja der Goldklumpen vor ihm da und er hat ihn nur aufgehoben. Überlegen Sie sich. Es gibt eine einfache und eindeutige Antwort auf diese Frage am Ende des Artikels.
Aus meiner Sicht ist die Aussage «die Wirtschaft muss wachsen» nicht nur offensichtlich falsch, sondern er sollte sogar verboten werden. Denn damit werden Menschen in einen Zustand der kognitiven Dissonanz versetz, der sie sehr unglücklich macht. Sie schuften sich zu Tode, vernachlässigen die Kinder und stehen unter permanentem Leistungsdruck, damit das Bruttoinlandprodukt irgendwie ansteigt. Was wäre, wenn wir alle gleichzeitig aus dem Hamsterrad aussteigen würden? Die Aktien- und Finanzmärkte würden einbrechen, aber das ist mir ehrlich gesagt egal. Dafür kann ich etwas länger schlafen und gemütlich mit meiner Familie frühstücken.
Lösung des Rätsels: Durch das Finden des Goldklumpens, nimmt die verfügbare Goldmenge zu. Da Gold als Tauschmittel eingesetzt wird, gibt es jetzt mehr Gold, um das Gleiche zu kaufen. Dadurch werden die Goldersparnisse aller Menschen weniger wert. Der Goldgräber kann mehr kaufen, weil alle andere weniger kaufen können. Oder anders gesagt, er hat das Geld der anderen gestohlen. Dies ist ein Systemfehler, genauso wie Kryptowährungen keinen erkennbaren Nutzen haben.
It was a great pleasure to give a lecture on the climate crises at the ETH last Wednesday. The timing could not have been better (or worse), as the European parliament declared a “climate and environmental emergency” the same day. Thanks to Thomas Schmid and the IEEE for organizing the event. Thanks also to everyone who attended the lecture and especially to those who gave me feedback. I promise to respond to the e-mails as soon as possible. The presentation, a video recording, and a lot of information and sources can be found here: https://nordborg.ch/you-cant-have-your-planet-and-eat-it.
I am looking forward to my next lecture at the ETH in Zürich, organized by the Swiss Chapter of the IEEE Society on Social Implications of Technology (SSIT). It will be similar to the lecture I gave at Hilti a couple of weeks ago, with some recent updates.