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Kaum jemand kennt den Mars besser als die Amerikanerin Jennifer Trosper. Die Nasa-Ingenieurin war an fünf Marsmissionen beteiligt. Alle waren ein Erfolg. Im Interview verrät sie ihr Erfolgsrezept.
Frau Trosper, Sie waren an fünf Marsmissionen beteiligt, beginnend mit der Pathfinder-Mission im Jahr 1997. Welche war die aufregendste?
Trosper: Jede Mission war einzigartig. Aber aus persönlicher Sicht würde ich die Pathfinder-Mission hervorheben. Es war die erste Mission, an der ich beteiligt war. Nachdem die Sonde auf dem Mars gelandet war, gab es einen Zeitungsartikel über mich und meine Arbeit. Er wurde von einer Frau in Texas gelesen, die mich fragte, ob ich ihrem Sohn das Jet Propulsion Laboratory zeigen würde, wo ich arbeitete. Er war Pilot bei der Luftwaffe, und ich sagte Ja. Und dann wurde er schliesslich mein Ehemann. Der Mars-Pathfinder hat mir also meinen Mann gefunden.
Und welche Mission zehrte am meisten an den Nerven?
Ich würde sagen, die Mars-2020-Mission mit dem Perseverance-Rover. Der hochautonome Rover ist der Höhepunkt meiner Arbeit am Jet Propulsion Laboratory. Ein grosser Teil davon stammt von mir. Einige Monate vor dem Start im Juli 2020 wurden wir von Covid überrascht. Es war eine grosse Herausforderung, den Rover mitten in einer Pandemie auf die Marsoberfläche zu bringen. Aber am Ende hat es funktioniert.
Alle Missionen, an denen Sie beteiligt waren, waren ein Erfolg. Was ist Ihr Erfolgsrezept?
Harte Arbeit gehört sicherlich dazu. Aber genauso wichtig ist es, sich einen Sinn für Bescheidenheit zu bewahren. Ich war Missionsleiterin, als wir den Kontakt zu Pathfinder verloren. Ich war Missionsleiterin, als wir Spirit retten mussten, weil sein Rechner immer wieder neu startete. Und ich war Missionsleiterin, als der Curiosity-Rover einen Teil seines Speichers verlor. Mein Ratschlag lautet also: Bleiben Sie bescheiden, und bereiten Sie sich auf die schlimmsten Dinge vor, die passieren können.
Die grosse Frage, die hinter allen Marsmissionen steht, lautet: Gab es einst primitives Leben auf dem Mars. Was haben wir gelernt?
Mit Pathfinder fanden wir Hinweise darauf, dass es in der Vergangenheit Wasser auf dem Mars gegeben hat. Aber wir waren uns nicht ganz sicher. Also haben wir Spirit und Opportunity losgeschickt, und sie haben unsere Vermutung bestätigt. Der nächste Rover war Curiosity. Mit ihm haben wir festgestellt, dass es auf dem Mars einst Umgebungen mit einer lebensfreundlichen Chemie gab. Mit dem Perseverance-Rover gehen wir nun den nächsten Schritt. Wir sammeln Proben, die wir eines Tages zur Erde zurückbringen wollen, um sie hier genau zu untersuchen. Vielleicht finden wir etwas, was ein Beweis für uraltes mikrobielles Leben sein könnte.
Wie viele Proben haben Sie bisher genommen?
Mehr als die Hälfte der geplanten 43 Proben. Darüber hinaus haben wir einige Ersatzproben gesammelt und auf der Marsoberfläche deponiert. Nur für den Fall, dass Perseverance ausfällt und die Proben nicht zum Lander bringen kann, der sie in einigen Jahren zurück zur Erde befördern soll.
Wie werden die Proben ausgewählt?
Die Wissenschafter wählen die Proben anhand verschiedener Kriterien aus. Sie sollten unterschiedlich sein und von verschiedenen Orten stammen. So haben wir Proben aus Lavaströmen und aus den Sedimenten des Sees genommen, der einst den Jezero-Krater flutete. In der Nähe des Kraters befindet sich eine Region, in der es in der Vergangenheit wahrscheinlich Geysire und hydrothermale Aktivitäten gab, ähnlich wie im Yellowstone-Nationalpark. Auch hier könnte einst Leben existiert haben. Deshalb werden wir versuchen, mit Perseverance dorthin zu gelangen und einige Proben zu nehmen.
Was wird getan, um eine Kontamination der Erde mit Mikroben vom Mars zu verhindern?
Das ist ein echtes Problem. Wir wollen die Erde nicht mit einem tödlichen Bakterienstamm kontaminieren. Eine Möglichkeit ist, die Sonden mit UV-Strahlung oder anderen Mitteln zu sterilisieren, bevor sie auf der Erde abgesetzt werden. Eine andere Idee ist, die Proben einige Zeit im Erde-Mond-System zu belassen, um dort ihr Gefahrenpotenzial abzuschätzen.
Der nächste Schritt der Mars-Sample-Return-Mission wäre ein Lander, der die Proben aufnimmt und sie in eine Marsumlaufbahn bringt. Ein in Europa gebauter Orbiter soll die Proben dort übernehmen und sie zur Erde zurückbringen. Vor einigen Wochen kam ein unabhängiges Gremium zu dem Schluss, dass das Budget und der Zeitplan für die Mission unrealistisch seien. Was nun?
In dem Bericht heisst es, dass die geschätzten Kosten für die Sample-Return-Mission höher seien als das, was die Nasa Jahr für Jahr bereitstellen könne, ohne andere Planetenmissionen zu gefährden. Eine weitere Sorge des Gremiums ist der Zeitrahmen. Um 2028 starten zu können, müssen viele Dinge auf einmal gemacht werden. Das ist nicht bezahlbar. Deshalb bieten wir der Nasa derzeit verschiedene Optionen an, um die Kosten zu senken und über einen grösseren Zeitraum zu verteilen.
Ist es noch möglich, den ursprünglichen Zeitplan einzuhalten?
Wahrscheinlich nicht. Ich erwarte, dass wir den Start des Retrieval-Lander verschieben müssen.
Was ist der schwierigste Teil der Mars-Sample-Return-Mission?
Wir haben schon früher einige Mars-Orbiter gebaut. Das sollte also nicht der schwierigste Teil sein. Die eigentliche Herausforderung ist die Rakete, die von der Marsoberfläche startet und die Proben in die Umlaufbahn bringt. Die andere Herausforderung besteht darin, die Marsproben zu sterilisieren, bevor sie zur Erde gelangen.
Jennifer Trosper
Die amerikanische Raumfahrtingenieurin arbeitet seit dreissig Jahren am Jet Propulsion Laboratory der Nasa und war an fünf Marsmissionen beteiligt. Sie hat alle Rover mitentwickelt, die jemals über den Mars gerollt sind.
Könnte die Beteiligung von Privatunternehmen eine Lösung sein? Vielleicht sollten Sie einen Wettbewerb starten, um einige der Proben zurückbringen zu lassen.
Das wäre eine Möglichkeit. Aber der erfolgversprechendere Weg besteht wahrscheinlich darin, private Unternehmen als Partner zu gewinnen. Die Rückführung von Proben vom Mars ist eine grosse Herausforderung für Privatunternehmen. Selbst wenn sie sehr innovativ sind, müssen sie eine Menge Geld ausgeben. Ich sage nicht, dass sie es nicht tun sollten. Wenn SpaceX es tun will, ist das grossartig.
Sie haben fast Ihre gesamte Karriere mit Marsmissionen verbracht. Haben Sie nie daran gedacht, etwas anderes zu machen?
Mitte der 2000er Jahre habe ich in der Nasa-Zentrale gearbeitet. Ich war an der Ausarbeitung von robotischen Missionen beteiligt, die eine Rückkehr von Menschen zum Mond vorbereiten sollen. Ich fand die Arbeit faszinierend und hätte nichts dagegen, sie fortzuführen. Im letzten Jahr begann ich für eine Asteroidenmission namens Psyche zu arbeiten. Dafür habe ich mich aus der Projektleitung von Perseverance zurückgezogen. Ich gönne mir eine kleine Auszeit, damit ich nicht jeden Tag ans Telefon gehen muss.
Das ist nicht das erste Mal, dass Sie sich eine Auszeit nehmen. Anfang der 1990er Jahre gingen Sie in die Ukraine, um als Englischlehrerin und Missionarin zu arbeiten. Sind Sie ein religiöser Mensch?
Ja, ich bin ein gläubiger Mensch. Einer der Gründe, warum ich damals in die Ukraine ging, war, dass ich anfing, meinen Glauben infrage zu stellen. Als gläubiger Mensch möchte man sich auf Gott verlassen. Gleichzeitig bin ich aber jemand, der seinen eigenen Fähigkeiten vertraut. In der Ukraine stellte ich mich einer Aufgabe, die meine Fähigkeiten überstieg. Der Englisch- und Bibelunterricht zeigte mir, dass ich mich auf Gott verlassen kann.
Auf Ihrer Website habe ich die folgende Aussage von Ihnen gefunden: «Andere Welten zu erforschen, hilft uns, mehr über Gott zu lernen.» Was sagt Ihnen der Mars über Gott?
Ich möchte betonen, dass dies meine persönliche Ansicht ist und nicht notwendigerweise die der Nasa. Das Universum ist riesig. Es ist leicht, zu denken, dass Gott viel zu klein ist, um das alles zu kontrollieren. Aber dann geht man an einen Ort auf dem Mars, an dem noch nie jemand gewesen ist. Und dieser kleine Ort ist so einzigartig und so komplex und so interessant und so faszinierend. Das hilft mir, zu verstehen, wie gross Gott ist.
Wäre es eine Bestätigung oder eine Widerlegung Ihres religiösen Glaubens, wenn auf dem Mars Leben gefunden würde?
Weder noch. Manche Menschen befürchten, dass die Wissenschaft etwas entdecken könnte, was die Notwendigkeit von Gott negiert. Das ist nicht meine Ansicht. Ich denke, die Wissenschaft kann uns helfen, Gott zu verstehen. Gott ist so gross, dass er mit allem umgehen kann, was wir über das Universum lernen.
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