Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03129.jsonl.gz/665

Migräne & Kopfschmerzen
Insgesamt lassen sich heute über 200 verschiedene Kopfschmerzformen unterscheiden, die in der Klassifikation der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (IHS) definiert sind und nach festen Kriterien abgegrenzt werden. Dabei wird zwischen primären und sekundären Kopfschmerzen unterschieden.
Primäre Kopfschmerzen
Bei den primären Kopfschmerzen ist keine Ursache bekannt. Die primären Kopfschmerzen sind eine eigenständige Erkrankung. Hierzu gehören Migräne, Spannungskopfschmerzen, Clusterkopfschmerzen und Kopfschmerzen ohne strukturelle Läsionen z.B. durch Kälte, Husten oder grosse Anstrengungen hervorgerufen.
Sekundäre Kopfschmerzen
Bei den sekundären Kopfschmerzen ist stets eine Ursache bekannt. Die sekundären Kopfschmerzen treten als Folge von anderen Erkrankungen auf, wie z.B. nach Kopfverletzung, bei Hirnhautentzündung oder nach Alkoholkonsum.
Die Migräne spielt unter den Kopfschmerzerkrankungen eine besondere Rolle. Etwa 15-18% der weiblichen und 5-7% der männlichen Bevölkerung sind von Migräne betroffen. Migräne ist ein anfallsartig auftretender, nicht symptomatischer Kopfschmerz, der typischerweise mit Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit (Photophobie), Geräuschempfindlichkeit (Phonophobie) und Geruchsempfindlichkeit (Osmophobie) hergeht. Der meist sehr starke halbseitige Kopfschmerz wird als pulsierend und pochend beschrieben.
Bei etwa 20% der Migränikerinnen und Migränikern liegt eine Migräne mit Aura vor. Hierbei kommt es vor Eintreten, selten auch während der Kopfschmerzen, zu neurologischen Reiz- oder Ausfallserscheinungen. Die häufigste Form ist die visuelle Aura mit Sehstörungen, Flimmern und Gesichtsfeldausfällen. Neben diesen visuellen Symptomen können jedoch auch halbseitige Sensibilitätsstörungen, Paresen sowie Sprech-oder Sprachstörungen auftreten.
Oft kündigt sich ein Migräneanfall bereits Tage vor der eigentlichen Migräneattacke durch Vorboten, sogenannte Prodomi, an wie ein roter Kopf, Durchfall, Müdigkeit, Schwitzen, Euphorie, depressive Stimmungen oder Heisshunger.
Der Clusterkopfschmerz gehört zu den schwersten Kopfschmerzerkrankungen überhaupt und trifft häufiger Männer und Knaben im Alter von 25 bis 65 Jahren.
Der Clusterkopfschmerz tritt typischerweise nur immer in derselben Gesichtshälfte auf, im Bereich der Augen, der Stirn und der Schläfe, manchmal geht der Schmerz aber auch bis zum Hals oder dem Nacken. Es gibt kaum einen schlimmeren Schmerz. Die Schmerzen werden von mindestens einem der folgenden Symptome begleitet: rotes Auge, Tränenbildung, verstopfte Nase, Nasenlaufen, geschwollenes Augenlid oder vermehrtes Schwitzen auf dem Gesicht.
Die Schmerz-Attacken dauern zwischen 15 und 180 Minuten und treten periodisch gehäuft auf. Man spricht daher von einem Cluster. Denn Cluster bedeute auf Englisch „Häufung“. Zwischen diesen Cluster-Phasen sind viele Betroffene kopfschmerzfrei. Allerdings gibt es auch chronische Clusterpatienten mit über Monaten und Jahren andauernden Schmerzattacken.
Der Spannungskopfschmerz gehört zu den primären Kopfschmerzen, d.h. er hat keine bekannte Ursache. Der Schmerz ist nicht pulsierend und auch nicht so stark wie bei der Migräne, sondern wird viel mehr als Druck beschrieben. Auch wird er durch physische Aktivität nicht verstärkt wie die Kopfschmerzen bei der Migräne. Übelkeit und Erbrechen sind ebenfalls untypisch bei dieser Form von Kopfschmerzen. Diese charakteristischen Unterschiede erlauben es, Migräne und Spannungskopfschmerz zu unterscheiden.
Häufig – aber nicht immer – sind die Spannungskopfschmerzen mit Stress verbunden. Sie können mit Sport, Entspannungsübungen und Schmerzmedikamenten gemildert werden. Leiden die Patienten unter chronischem Spannungskopfschmerz ist es nötig, nach anderen Ursachen für die Kopfschmerzen zu suchen.
Warnzeichen sind sehr plötzlich aufgetretene schwerste Nackenschmerzen, die Ausdruck einer akuten Hirnblutung (Subarachnoidalblutung) sein können oder Nackenschmerzen bzw. Nackensteife mit Fieber und starken Krankheitsgefühl bzw. Verschlechterung des Allgemeinzustandes, die Symptome einer Hirnhautentzündung sein können.
Weitere Warnzeichen sind Schmerzen mit streifenförmiger Ausstrahlung in den Arm, insbesondere wenn sie von Sensibilitätsstörungen oder gar Lähmungen am Arm begleitet sind. Auch Nackenschmerzen mit einer Gang- oder Blasenstörung sind akute Warnzeichen. In diesem Fall ist ebenso wie bei chronischen Beschwerden über mehrere Wochen eine weitergehende ärztliche Untersuchung erforderlich.
Verglichen mit der Zahl der von Schmerzen betroffenen Patienten müssen sehr selten Operationen an der Halswirbelsäule vorgenommen werden. Oft kann durch den kurzzeitigen Einsatz von schmerz- und entzündungshemmenden oder muskelentspannenden Medikamenten, sowie Physiotherapie, physikalischen Maßnahmen (Wärme, Kälte, Strom) Linderung erfolgen. Regelmäßig richtig betriebener Sport und Vermeidung von Übergewicht können vorbeugend wirksam sein.
Schädel-Hirn-Traumen nach Kopfanprall, Schlägen oder Sturz kommen sowohl im jugendlichen, als auch im hohen Lebensalter vor. Es kann an unterschiedlichen Orten im Hirn oder um das Hirn herum zu Einblutungen kommen, die den Druck im Schädelinneren erhöhen und im schlimmsten Fall zum Tode führen können. Deshalb ist selbst nach verhältnismässig leichten Schädel-Hirn-Traumen mit einem Bewusstseinsverlust von nur wenigen Minuten (Gehirnerschütterung) eine genaue klinische Untersuchung und ggf. Überwachung erforderlich.
Während bei den meisten Patienten nach Schädel-Hirn-Trauma oder auch Schädeloperationen die anfangs üblichen Kopfschmerzen in wenigen Wochen verschwinden, kann es vorkommen, dass Kopfschmerzen auch über sehr lange Zeiträume anhalten. Zu bedenken ist auch, dass in vielen Fällen bei einem schweren Schädel-Hirn-Trauma auch Schäden an der Halswirbelsäule (HWS) auftreten können, welche in der Akutsituation sogar zunächst unbemerkt bleiben können. Deshalb werden alle bewusstlosen Patienten mit Kopfverletzungen zunächst mit einer starren Halskraue zur Immobilisierung der HWS versorgt.
Migräne oder Kopfschmerzen beunruhigen mich
Migräne oder regelmässige Kopfschmerzen behindern meinen Alltag und Beruf
Ich erhalte vom Hausarzt / von der Hausärztin nicht die gewünschte Information
Ich habe noch nie von Triptanen gehört
Verschiedene Behandlungen blieben bisher erfolglos
Ich habe trotz täglicher Medikamenteneinnahme noch Kopfschmerzen
© Jannie Heers