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Als Gruselgeschichte zum Vorlesen im Freundeskreis war Mary Shelleys «Frankenstein» entstanden. Die junge Autorin konnte nicht ahnen, dass sie damit einen literarischen Mythos geschaffen hatte, der an Wirkungsmacht bis heute seinesgleichen sucht: einen modernen Prometheus, den Prototyp des Forschers, der in seinem unersättlichen Wissensdrang ein Ungeheuer zum Leben erweckt.
Schon die Entstehung des Romans ist legendär: Im Sommer 1816 hatten sich die neunzehnjährige Mary Wollstonecraft und der englische Dichter Percy Bysshe Shelley, mit dem sie von zu Hause fortgelaufen war, in Lord Byrons Villa am Genfer See eingefunden. Gemeinsam vertrieb man sich die Zeit mit dem Vorlesen von Gespenstergeschichten. Aus der Idee eines Erzählwettstreits entstand Mary Shelleys weltberühmter Roman.
Mit dem Erscheinen des Buches in England begann 1818 eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Bühnenbearbeitungen haben die Gestalt des faustisch strebenden Forschers und des von ihm erschaffenen Monstrums schon im 19. Jahrhundert populär gemacht, im 20. Jahrhundert folgten zahlreiche Verfilmungen. Mit ihrer Allegorie auf die menschliche Hybris, mit dem Prototyp eines künstlich zum Leben erweckten Geschöpfs, das sich gegen den eigenen Schöpfer wendet, hat die Autorin einen modernen Mythos begründet.