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Gefühlt wird die Diagnose ADHS immer häufiger und schneller gestellt wird, stehen viele Eltern vor der Herausforderung, das Verhalten ihres Kindes richtig einzuordnen. Hochsensibel oder ADHS? Besonders lebhafte Kinder oder solche, die in der Schule auffallen, erhalten oft vorschnell den ADHS-Stempel. Doch nicht jedes Kind, das nicht dem Standardverhalten entspricht, hat tatsächlich ADHS. Hochsensibilität wird häufig übersehen, dabei gibt es signifikante Unterschiede zwischen beiden. Dieser Artikel zielt darauf ab, Licht ins Dunkel zu bringen und die wesentlichen Unterschiede sowie Überschneidungen zwischen diesen beiden Zuständen ausführlich zu erläutern.
Hochsensibilität und AD(H)S: Einblicke und Unterscheidungen
Seit Jahren widme ich mich aufgrund meiner familiären Erfahrungen intensiv den Themen Hochsensibilität und Aufmerksamkeitsdefizit-(Hyperaktivitäts)-Syndrom, kurz AD(H)S. Durch zahlreiche Artikel habe ich mein Wissen zusammengetragen und versucht, Licht in das oft missverstandene Feld von AD(H)S und Hochsensibilität zu bringen.
Begriffserklärung AD(H)S
AD(H)S tritt in zwei Hauptvarianten auf: ADS ohne Hyperaktivität und ADHS mit Hyperaktivität. Das “H” in ADHS steht explizit für Hyperaktivität. Kinder mit ADS wirken häufig verträumt und abwesend, da ihre Herausforderung primär in der Konzentration ohne äusserliche Unruhe liegt. Manche Thesen erwähnen, dass die Unruhe bei ADS innerlich gelagert ist. Im Gegensatz dazu zeigen Kinder mit ADHS neben Konzentrationsproblemen auch ausgeprägte Hyperaktivität, was sie in sozialen und schulischen Umgebungen auffälliger macht.
Beide Varianten teilen die Schwierigkeit, Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten, jedoch ist die Hyperaktivität ein zusätzliches Unterscheidungsmerkmal bei ADHS. Diese Kinder sind oft unruhig, impulsiv und zeigen ein hohes Mass an physischer Aktivität, das in unpassenden Momenten zum Vorschein kommt. Diese sichtbaren Verhaltensweisen machen ADHS im Vergleich zu ADS leichter erkennbar.
Begriffserklärung Hochsensibilität
Hochsensibilität, ein Zustand tiefer sensorischer Verarbeitung, kann in einigen Aspekten AD(H)S ähneln, besonders in der Überempfindlichkeit gegenüber sensorischen Stimuli. Es ist jedoch kein Verhaltenssyndrom, sondern eine angeborene Temperamentseigenschaft. Hochsensible Personen verarbeiten Eindrücke tiefer und intensiver, was zu einer raschen Überwältigung in stimulierenden Umgebungen führen kann.
Warum muss denn zwischen hochsensibel oder ADHS unterschieden werden?
Die Verwechslung von Hochsensibilität mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom) ist ein häufiges Phänomen. Eltern, Lehrkräfte und selbst medizinische Fachkräfte stehen oft vor der Herausforderung, das Verhalten von Kindern richtig einzuordnen. Während ADHS eine weit verbreitete Diagnose ist, die oft schnell gestellt wird, bleibt Hochsensibilität eine weniger bekannte und oft übersehene Eigenschaft.
Die Unterscheidung zwischen Hochsensibilität und AD(H)S ist entscheidend, um angemessene Unterstützung und Interventionen bereitzustellen. Während AD(H)S oft mit Verhaltensstrategien, pädagogischer Unterstützung und manchmal Medikamenten angegangen wird, benötigen hochsensible Personen Verständnis für ihre tiefe Verarbeitungskapazität und Strategien zur Bewältigung von Überstimulation.
ADHS vs. Hochsensibilität: Ein tieferer Blick
Die Unterscheidung zwischen ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom) und Hochsensibilität ist nicht immer offensichtlich, da sich Symptome überschneiden können. Dennoch sind die Unterschiede gravierend:
Ein Blick auf ADHS
ADHS ist eine neurobiologische Störung, die sich durch Symptome wie Impulsivität, Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsdefizite auszeichnet. Die Ursache von ADHS ist nicht ganz klar, es werden Umweltfaktoren, wie auch genetische vermutet. Kinder mit ADHS haben oft Schwierigkeiten, sich in der Schule zu konzentrieren, Aufgaben zu Ende zu bringen und ihre Impulse zu kontrollieren. Ihre hohe Energie kann zu ständiger Bewegung und Unruhe führen, was häufig als Störung in schulischen und häuslichen Umgebungen wahrgenommen wird.
Typische Merkmale von ADHS:
Ablenkbarkeit: Eine geringe Fähigkeit, Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten, besonders bei Aufgaben, die als langweilig oder repetitiv empfunden werden.
Hyperaktivität: Ein ständiges Bedürfnis sich zu bewegen, was oft in unpassenden Momenten zum Ausdruck kommt. Dies kommt bei der Form ohne Hyperaktivität nicht vor.
Impulsivität: Handlungen werden ohne vorherige Überlegung der Konsequenzen ausgeführt.
ADHS-Kinder:
- Haben einen schwachen Reizfilter und nehmen Reize intensiver wahr.
- Zeigen starke motorische Unruhe und Impulsivität.
- Ihre Ablenkbarkeit ist hoch, und die Konzentration auf eine Aufgabe fällt schwer.
- Schwierigkeiten bei der Automatisierung von Lernprozessen sind typisch.
- Oft handeln sie, ohne die Konsequenzen ihres Handelns abschätzen zu können.
Hochsensibilität: Ein tieferes Verständnis
Im Gegensatz zu ADHS ist Hochsensibilität keine Störung, sondern eine Charaktereigenschaft, die etwa 15-20% der Bevölkerung betrifft. Hochsensible Personen (HSP) zeichnen sich durch eine tiefere und intensivere Verarbeitung sensorischer Daten aus. Sie nehmen subtile Nuancen in ihrer Umgebung wahr, die von anderen leicht übersehen werden, was sowohl eine Bereicherung als auch eine Herausforderung darstellen kann.
Typische Merkmale hochsensibler Menschen:
- Tiefe Verarbeitung: Sie denken über Dinge gründlicher nach und spüren Emotionen intensiver.
- Überwältigung durch starke sensorische Reize: Lärm, helle Lichter oder chaotische Umgebungen können überwältigend sein.
- Emotionale Reaktivität und Empathie: Hochsensible Kinder fühlen sowohl eigene als auch fremde Emotionen tief.
- Feinabstimmung auf Umgebungsreize: Sie bemerken Feinheiten in ihrer Umgebung, die anderen entgehen könnten.
Hochsensible Kinder:
- Mögen zum Beispiel keinen Sand zwischen den Zehen, es kneift sie schnell die Hose oder sie mögen nicht zum Coiffeur
- Besitzen ebenfalls einen empfindlichen Reizfilter, können diesen jedoch besser steuern und Reize kognitiv verarbeiten.
- Neigen dazu, ihre Umgebung intensiv zu beobachten und zu analysieren, und sind meist sehr empathisch.
- Können sich in einem ruhigen Umfeld lange auf eine Tätigkeit konzentrieren.
- Haben die Fähigkeit, Lernprozesse zu automatisieren und können gut selbstständig arbeiten.
- Sie denken gründlich nach, bevor sie handeln, und sind in der Lage, Prioritäten zu setzen.
Die Unterscheidung: Hochsensibel oder AD(H)S
Selbst für manche Fachpersonen ist es machmal nicht leicht zu unterscheiden, ob ein Kind hochsensibel oder ADHS-betroffen ist. Doch wenn man ein Kind länger beobachtet, so fallen einem schon Unterschiede auf. Falls du also in deinem Umfeld einen Verdacht auf Hochsensibilität oder ADHS hast und mehr wissen möchtest, ist es gut die Person bisschen tiefer zu beobachten.
Während sowohl ADHS als auch hochsensible Kinder Probleme in stark stimulierenden Umgebungen haben können, liegt der Unterschied in der Art und Weise, wie sie auf diese Reize reagieren und sie verarbeiten. Kinder mit ADHS zeigen tendenziell eine grössere Unruhe und Impulsivität als Reaktion auf Überstimulation, während hochsensible Kinder eher dazu neigen, sich zurückzuziehen und überwältigt zu fühlen.
Ein weiterer signifikanter Unterschied liegt in der Konzentrationsfähigkeit. Während ADHS-Kinder sich generell schwer konzentrieren können, haben hochsensible Kinder oft eine ausgezeichnete Fähigkeit zur Konzentration, vorausgesetzt, die Umgebung entspricht ihren Bedürfnissen.
Die Bedeutung von Sensibilität und Verständnis
Die schnelle Zuschreibung von ADHS kann für hochsensible Kinder zu einer falschen Diagnose führen, die mehr schadet als hilft. Es ist daher entscheidend, dass Eltern, Lehrer und Betreuer die charakteristischen Merkmale beider Zustände erkennen und differenzieren können.
Die Anerkennung von Hochsensibilität als eigenständige Eigenschaft – keine Störung – ist der erste Schritt, um hochsensiblen Kindern gerecht zu werden. Diese Kinder brauchen ein Verständnis für ihre besonderen Bedürfnisse und eine Umgebung, die es ihnen ermöglicht, ihre Fähigkeiten voll zu entfalten
.
Hier eine Auswahl von Artikeln, die helfen Hochsensibilität verstehen zu können:
Unterstützung und Förderung
Die Unterstützung für hochsensible Kinder und solche mit ADHS unterscheidet sich deutlich. Beide profitieren davon, wenn ihr Umfeld ihre Art versteht und kurz kann man folgende Punkte stark unterscheiden:
- Für ADHS: Struktur, klare Regeln und Grenzen sowie gegebenenfalls medizinische Behandlung können hilfreich sein. Ein Kind mit AD(H)S hat grösstenteils Schwierigkeiten in der Schule mitzukommen. Vorallem in unserer modernen Lernumgebung, wo viel selbst erarbeitet werden muss, sind Kinder mit AD(H)S oft schnell ablenkbar. Deswegen empfiehlt es sich mit pädiatrischer und schulpsychologischer Unterstützung das Kind individuell fördern zu können.
- Für Hochsensibilität: Ein ruhiges, unterstützendes Umfeld, Verständnis und die Anerkennung ihrer Bedürfnisse sind essenziell. Hochsensible Kinder haben in der Regel keine medizinische Behandlung nötig. Sobald ihr Umfeld stimmt, können sie auch schulteschnisch gut mitkommen.
Abschlussgedanken
Nicht jedes Kind, das aus dem Rahmen fällt, hat ADHS. Hochsensibilität verdient Anerkennung und Verständnis. Eine sorgfältige Beobachtung und Bewertung des Verhaltens eines Kindes kann dazu beitragen, das wahre Wesen seines Charakters zu enthüllen. Dies ermöglicht es uns, jedes Kind individuell zu unterstützen und ihm zu helfen, in seiner eigenen einzigartigen Weise zu wachsen.
Sei achtsam und versuche die Zeichen richtig zu deuten und gib deinem Kind den Raum, den es benötigt, um sich zu entfalten – sei es als hochsensible Persönlichkeit oder mit ADHS. Denn jedes Kind verdient es, in seinem eigenen Licht gesehen zu werden.