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Heute geht es um Drachen, Greife und Luftspiegelungen. Nein, wir unternehmen keine Exkursion in die Mythologie und wir sprechen weder von furchterregenden Monstern, die meistens in Gestalt von riesengrossen geflügelten Reptilien auftreten, die Feuer und Flammen spucken, noch von Fabeltieren mit Raubtierkopf und dem Körper eines Flügel tragenden Vierfüsslers. Auch nicht behandelt werden optischen Phänomene der Atmosphäre, die möglicherweise den phantastischen und aussergewöhnlichen Erscheinungen dieser mythologischen Wesen zugrunde liegen. Natürlich spielen wir hier auf die Namen von Kampfflugzeugen an, die in den letzten fünfzig Jahren über die politische Szene der Schweiz geschwirrt sind. Über den Kauf oder Nicht-Kauf des nächsten geflügelten Geschöpfs, genauer des «Gripen», hat sich das Schweizervolk am Sonntag, dem 18. Mai 2014 ausgesprochen. Vor 55 Jahren, im Jahr 1964, ist der Skandal um die «Mirage» ausgebrochen: Das vom Parlament bewilligte Budget für den Erwerb des neuen französischen Kampfflugzeugs wurde weit überschritten. Die enorme Kostenüberschreitung von 576 Millionen Franken weckte grosses Erstaunen in der öffentlichen Meinung. Eine wenig transparente Planung, die Schweizer Produktion in Lizenz von Teilen der Mirage und die zahlreichen Anpassungen des Flugzeugkörpers, die das Militär verlangte, liessen die Kosten explodieren (dodis.ch/32049). Die beiden Bundeskammern lehnten das Gesuch um einen Zusatzkredit ab und setzten eine Parlamentarische Untersuchungskommission ein, deren Ergebnisse so ernüchternd ausfielen, dass die Köpfe der Verantwortlichen des Militärdepartements und schliesslich auch derjenige von Bundesrat Paul Chaudet rollen mussten. Vielleicht ist aber nicht allen bekannt, dass die ersten Unstimmigkeiten bereits im Laufe des Evaluierungsverfahrens der verschiedenen Flugzeugtypen aufgekommen waren. Aus technisch-militärischen Gründen hatte das Militärdepartement den französischen Dassault «Mirage III» dem schwedischen Saab «Draken» vorgezogen. Den Kauf des «Draken» hätte sich aus politisch-ökonomischen Gründen besonders die Schweizer Diplomatie gewünscht (dodis.ch/15498), da Schweden der Europäischen Freihandelszone (EFTA) beigetreten war, der die Schweiz als Gründungsmitglied angehörte (dodis.ch/15497). Bundespräsident Max Petitpierre bemerkte damals, «von unserer Neutralitätspolitik aus gesehen, wäre es allerdings besser gewesen, wenn man in Schweden hätte kaufen können als in Frankreich, doch werde man uns das nicht als eine Annäherung an die NATO auslegen können» (dodis.ch/15500). Trotz dem darauf folgenden Skandal war es in den 1960er Jahre Frankreich, das den Schweden den Rang ablief. Obschon sich diesmal Schweden mit dem Gripen in der Evaluation gegen die französische Rafale und den Eurofighter durchsetzte, entschied die Schweizer Stimmbevölkerung schliesslich, keine neue Kampfjets zu beschaffen.
Diese und andere spannende Geschichten findet man in den Dokumenten der Online-Datenbank Dodis der Diplomatischen Dokumente der Schweiz.
[Datum der Erstausstrahlung: Radiotelevisione Svizzera RSI, Rete Due, 13. Mai 2014, 07:05 Uhr]