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Gründungsdatum: Januar 1961
Fläche: 132.000 Hektar
Ökosystem: Cerrado
cRelief: Leicht gewellt – vorherrschend flache Ebenen
Aktivitäten: Wanderungen, Beobachten von Vögeln, fotografisches Trekking und Umwelterziehung.
Ort: Bundesstaat Goiás – Dorf Mineiros
Es befindet sich im Südwesten des Bundesstaates Goiás, zwischen den Minizipien Mineiros und Chapada do Céu, an der Grenze zwischen Mato Grosso und Mato Grosso do Sul, wo es auch einen Teil des Munizips von Costa Rica vereinnahmt – auf den Höhen der Quellen des Rio Araguaia – Gesamtfläche 132.000 Hektar. Die Nordgrenze bildet der Rio Jacuba und die im Süden der Rio Formoso – ein exhuberantes Naturparadies, aber gleichzeitig auch überaus empfindlich.
Vor zirka 10.000 Jahren hinterliessen Völker von Jägern und Sammlern des Zentralplateaus Beweise ihrer Existenz in Form von Felszeichnungen und Artefakten aus Stein und Keramik in den Höhlen, die sie bewohnten, um sich vor dem damals kalten und rauhen Ambiente zu schützen. Später begünstigte ein der heutigen Zeit ähnliches, wärmeres Klima die Ausbreitung der menschlichen Besetzung auf die fruchtbaren Täler des Hochplateaus, und die Region wurde über Jahrhunderte von den Caiapó- und Bororo-Indianern bewohnt, die eine Landwirtschaft zum Eigenbedarf betrieben. Ab der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts erlitt der Cerrado bedeutende Veränderungen durch die Ausbreitung industrialisierter Landwirtschaft und Viehzucht – der Naturlandschaft wurde eine neue Charakteristik aufgezwungen – vor allem durch die Implantierung der Hauptstadt Brasília, die den zentralen Westen Brasiliens in einen Einwanderungspol verwandelte und damit dem natürlichen Ambiente einen grossen Schock versetzte. Ein Farmer dieser Region, besorgt um die Natur und aufgescheucht von einer unkontrollierten Jagd auf den Tierbestand der Gegend, brachte einen Senator von Goiás auf die Idee der Gründung eines Nationalparks, um auf diese Weise besonders den südamerikanischen Strauss, die “Ema“ zu schützen, die vom Aussterben bedroht war.
Sie ähnelt der afrikanischen Savanne, eine Arenith-Formation, und präsentiert eine ziemlich ebene Topografie auf einer mittleren Höhe von 900 Metern – durchsetzt mit verkrüppelten Bäumen, die eine extrem dicke Rinde besitzen – dem Klima und dem Boden des Cerrado perfekt angepasst – der Boden trägt eine weitflächige Decke von Capim-flecha (Tristachya leiostachya) auf offenen “Campos“. In den tiefer gelegenen Zonen finden sich Täler mit den so genannten “Campos úmidos“ (feuchten Campos), auf denen sich auch die “Veredas“ (Buriti-Palmengruppen) entwickeln. Der Park beschützt die Wassserscheide von drei bedeutenden hydrografischen Becken: dem Amazoniens, dem des Plata und dem des Pantanal. Sein bedeutendster Wasserlauf, der Rio Formoso, ist von kristallblauem Wasser, so sauber, dass man die Steine und die subaquatische Vegetation sehen kann – selbst an den Stellen, wo das Wasser eine Tiefe von 4 Metern erreicht!
Der “Cerrado“ ist das zweitgrösste Biodiversität Brasiliens, allerdings liegt er auch auf dem zweiten Platz hinsichtlich der Zerstörung seines Lebensraumes. Es gibt viel zu wenig Schutzgebiete innerhalb seinem Ambiente, und der “Parque Nacional das Emas“ ist eine der bedeutendsten. Er setzt sich zusammen aus einem Mosaik unterschiedlicher Fito-Physiognomien – denen der “Campos“, der Savannen und des Tropenwaldes. Hier findet man die “Cerrados – Cerradões – die Campos sujos – Campos limpos – Campos úmidos – Campos rupestres“ – die Galerie-Wälder und die “Veredas“ mit grosser Präsenz der Burití-Palmen an den Oberläufen der Flüsse und Bäche. Die “Campos gramináceos“ (Grasflächen), mit bis zu 3m Höhe, besetzen 60% der Parkfläche. An den Stellen mit typischem Cerrado erreichen die grössten Bäume nur etwa 4 bis 5 Meter Höhe.
Ein reizendes Schauspiel bieten die kleinen bunten Blumen, die sich auf den so genannten “Aceiros“ entwickeln, besonders gegen Einsetzen der Regenperiode. “Aceiros“ nennt man breite Schneisen, auf denen die Vegetation abgebrannt wird, um damit eine Schutzgrenze gegen die Ausbreitung von Flächenbränden zu unterhalten, die in der Trockenperiode eine besondere Gefahr für den Park darstellen. Im Cerrado genügt nur ein bisschen Regen, um die Pflanzen wieder knospen und blühen zu lassen, und sie geben der Landschaft dann einen ganz besonderen Reiz.
Die Zahl der in diesem Park vorhandenen Tierarten ist verblüffend – er stellt eins der letzten ökologischen Refugien für Tierarten dar, die aus anderen Gebieten abgewandert sind. Auf einem Streifzug durch den Park trifft man mühelos auf ganze Gruppen von Porcos-do-mato (Wildschweine), Capyvaras (Wasserschweine), Veados-campeiros (Hirsche) und natürlich den Emas (Strausse), die von der einen Seite zur anderen rennen. Tiere, die man in kleineren Stückzahlen antrifft, sind die Tamanduás-bandeira (Grosser Ameisenbär), Raposas (Füchse), Cachorros-do-mato (Wildhunde), Antas (Tapire), Tatus (Gürteltiere), Jaguatiricas (Ozelots) und sogar Sucuris (Anakondas). Einige Arten, die vom Aussterben bedroht sind, kann man ebenfalls in diesem Park zu Gesicht bekommen, zum Beispiel den Lobo-guará (Mähnenwolf), den Cachorro-do-mato-vinagre (den essigfarbenen Wildhund), den Tamanduá-mirim (Kleiner Ameisenbär) und das kuriose Tatu-canastra (Riesengürteltier).
Unter den Vögeln gibt es Schwärme von Araras (Aras), Corujas (Eulen), Curicacas (Weisshalsibis), Gaviões (Falken), Gralhas-do-campo (Elstern), Maitacas (Maximilian-Papageien), Periquitos (Sittiche), Papagaios (Papageien), Pica-paus (Spechte), Seriemas (Rotfussseriema), Tucanos (Tukane), Urubus-de-cabeça-vermelha (Rotkopf-Geier). Hier leben etwa 400 verschiedene Arten von Vögeln, inklusive 19 endemische und 14 vom Aussterben bedrohte Spezies. Der Park ist ausserdem Heimat für zwei äusserst seltene endemische Arten, wie der “Bacurau-de-rabo-branco“ (Eleothreptus candicans) und der “Caboclinho-de-papo-branco“ (Sporophila palustris), die man dort regelmässig beobachten kann, jedoch ihr Vorkommen ist einzig und allein auf den Parque das Emas beschränkt!
Diese einzigartige biologische Vielfalt ist ernstlich gefährdet durch die extensive landwirtschaftliche Front rund um sein geschütztes Areal, die den Park zu einer Art Insel macht. An jedem Tag, der vergeht, breiten sich die immensen Soja-, Mais- und Baumwollpflanzungen in dieser Region weiter aus. Die Emas zum Beispiel, die die Grenzen des Parks überschreiten, invadieren die benachbarten Farmen und fressen die Körner zusammen mit den von Pestiziden vergifteten Pflanzenschädlingen.
Um diese Situation umzukehren, befürwortet der gegenwärtige Direktor des Parks, Rogério de Souza, sämtliche Forschungsprojekte, welche dieses Schutzgebiet betreffen. Damit will er erreichen, dass der Park als Zentrum für die Reproduktion und Verteilung von Wildtieren fungiert, zu einem Habitat grosser Säugetiere wird – besonders der Onça-parda (Puma concolor) und der Onça-pintada (Panthera onca) – Populationen seltener Spezies beschützt und sich zu einer Quelle der Wiederbevölkerung der endemischen Spezies entwickelt. Ausserdem wird es zunehmend von Bedeutung, die Quellen der Flüsse Araguaia, Formoso und Jacuba zu schützen, die sich ausserhalb der Parkgrenzen befinden.
Eine Untersuchung, die vom Veterinär Sady Valdes durchgeführt wurde betrifft die “Kontaminierung von Wildtieren durch landwirtschaftlich angewendete Pestizide“. Alle zwei Monate begehen sie für diese Untersuchung die Wege des Parks bei Nacht, um Tiere für ihre Studien einzufangen. Ausgehend von der Tatsache, dass Vögel dafür besonders brauchbare Indikatoren sind, wegen ihrer grösseren Sensibilität im Vergleich zu anderen Tierklassen, haben sie den nachtaktiven “Bacurau-do-rabo-branco“, aus der Familie der Caprimulgidae, für die Studie ausgesucht. Diese Spezies ernährt sich von Insekten, deshalb ist sie besonders bedroht durch kontaminierte Beutetiere, welche von den umliegenden Pflanzungen stammen.
Das Klima
Charakteristisch ist eine akzentuierte Trockenperiode – zwischen Mai und September – mit starkem Wassermangel und gelegentlichen Frosteinbrüchen in dieser “Winterzeit“. Frühling und Sommer sind dagegen sehr heiss – mit Temperaturen zwischen 22 und 35°C. Zu Beginn der Regenfälle sind Blitze häufig, die oft Flächenbrände in dieser Region verursachen. Die jährlichen Niederschläge liegen zwischen 1.500 und 1.750mm.
Es gibt verschiedene Wege, um dem Besucher die Beobachtung der Flora und Fauna zu erleichtern. Je nach Jahreszeit kann der eine oder andere Weg allerdings für Besucher gesperrt sein.
Termitenhügel
Sie sind eine Attraktion am Rande – man schätzt, dass in diesem Park zirka 2,5 Millionen dieser Bauten zu finden sind – die grösste Konzentration pro Quadratmeter der Welt – und einige erreichen eine Höhe von 2,1 Metern! Verschiedene Vögel und kleinere Tiere bauen ihre Nester in diesen Hügeln, und ihre Erbauer, die Termiten, dienen den Ameisenbären als Nahrung. Zu Beginn der Regenzeit präsentieren die Termitenhügel das vielbewunderte Phänomen der Biolumineszens – ein blaugrünes phosphoreszierendes Licht geht von ihnen aus, welches von kleinen Leuchtkäferlarven (Pyreanneus termitilumens) produziert wird, die auf den Hügeln zusammentreffen um dort nach Nahrung zu suchen – ein faszinierendes Schauspiel, das gegen Einbruch der Nacht stattfindet, besonders nach vorausgehenden kurzen Regengüssen während eines heissen Tages.
Circuito da Lagoa das Capivaras
Das Gebiet um diese Lagune präsentiert viele endemische Spezies von Wald, ausserdem Buriti-Palmen und Galeriewald am Ufer des Rio Formoso. Hier kann man herrlich baden – ein idealer Platz zum Ausruhen. Anfahrt am besten per Fahrzeug!
Circuito da Glória
Das Gebiet liegt im Südwesten des Parks und präsentiert eine dichte Cerrado-Vegetation am Anfang des Pfades und “Campos sujos“ gegen Ende. Eine ideale Gegend um verschiedene Tiere beobachten zu können, darunter den Grossen Ameisenbär, Hirsche und eventuell den seltenen “Bacurau-do-rabo-branco“. Anfahrt am besten per Fahrzeug!
Circuito do Avoador
Liegt innerhalb eines etwas höheren Abschnitts des Parks, von dem aus man die unterschiedlichen Physionomien des Cerrado gut erkennen kann. Im tiefer gelegenen Teil des Tals entwickelt sich eine schöne “Vereda“ (Halbfeuchte, mit Burití-Palmen bestandene Fläche), eine der grössten des Parks. Ein idealer Ort für denjenigen, der die verschiedenen Vogelgesänge hören möchte und die Natur bewundern.
Ponte do Rio Formoso
Eine Holzbrücke, die dem Besucher einen herrlichen Blick auf den “Varjão do Formoso“ und den “Corrego do Burití“ bietet. Ein beliebter Platz, um einen fantastischen Sonnenuntergang innerhalb des Parks zu erleben. Gegen Ende des Nachmittags sieht man in der Regel Schwärme von Aras, Periquitos und anderen Vögeln, die zu ihren Nestern zurückkehren und eine Pause im Schutz der Burití-Palmen einlegen.
Trilha de Jacuba
Dieser Pfad beginnt in der Nähe des Eingangs von Mineiros – ein historischer Pfad von 1 Kilometer Länge, mit grossen Bäumen – einige mehrere Jahrhunderte alt. Mit ein bisschen Glück kann man hier Brüll- und Kapuzineraffen, Nasenbären und diverse Vogelarten entdecken. Dies ist ein schattiger Pfad, der besonders an sehr heissen Tagen vorzuziehen ist.
Trilha de Formoso
Eine der besten Wanderungen in diesem Park. Seine 2,5 Kilometer sind angenehm zu begehen – man erlebt unterwegs den Übergang zwischen dem Wald des Cerrado und den “Campos úmidos“ (feuchten Campos) und trifft auf verschiedene endemische Blumen und Blüten. Am Ende des Weges kann man sich im klaren Wasser des Rio Formoso erfrischen.
Safari fotográfico
Der Park ist ein privilegierter Ort für Fotoamateure und Profis geworden, weil man dort sehr viel Tiere in freier Wildbahn zu Gesicht bekommt. Am besten nimmt man sich eine Woche Zeit, um die verschiedenen Szenarien registrieren zu können. Empfehlenswert ist die Begleitung eines lokalen Guide, der sich gut auskennt.
Pedra aparada
Eine sehr interessante Arenith-Formation in dieser Region, mit verschiedenen Höhlen und Grotten, liegt 62km vom Örtchen Mineiros entfernt. Die Kuppen der steilen Felswände haben verschiedene Löcher, die von Aras und Curicacas als Nisthöhlen benutzt werden. Um dorthin zu kommen, wandert man einen halben Kilometer auf einem Pfad, an dessen Ende man eine gut gepflegte “Vereda“ überquert.
Serranópolis
80km von Chapadão do Céu entfernt – beschützt eine der grössten archäologischen Fundstätten Brasiliens, mit Felszeichnungen, die zwischen 9.000 und 11.000 Jahre alt sind. Ihre grösste Konzentration findet sich im “Sítio das Araras“ – hier gibt es ausserdem sehenswerte Arenith-Formationen.
- Vor der Organisation Ihres Besuchs ist es notwendig, kurz die Administration des Parks zu kontaktieren!
- Unumgänglich ist die Begleitung eines Guide, der bei der IBAMA registriert ist.
- Empfehlenswert sind Schaftstiefel oder anschnallbare Lederschäfte, um Schlangenbisse zu vermeiden.
- Werfen Sie keine Zigarettenkippen auf den Boden oder ins Gras, um keine Brände zu verursachen!
- Werfen Sie keinerlei Abfall innerhalb des Parks weg!
- Sammeln Sie keinerlei Blumen, Früchte oder Pflanzen!
- Belästigen Sie die Tiere nicht – sie sind die Schönheiten dieses Parks!
- Fahren Sie nie schneller als höchstens 30km/Std!
- Halten Sie sich nur auf den Strassen, Wegen und Pfaden!
- Befolgen Sie die Anweisungen der Guides!
- Verlassen Sie den Park so, wie Sie ihn vorgefunden haben, damit nachfolgende Besucher ebenfalls in den Genuss kommen, ihn so zu bewundern, wie Sie ihn sahen!