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Aufgewachsen im ländlichen Malawi, war es für Nelson Kamoyo normal, hungrig zur Schule zu gehen und nur eine Mahlzeit am Tag zu bekommen. Als jüngstes Kind in einer großen Familie, musste er oft die Schule schwänzen, um seine Familie zu unterstützen. Doch trotz alledem waren seine älteren Geschwister beruflich erfolgreich, was ihn inspirierte, hart zu arbeiten und zu lernen, um irgendwann einmal die Ketten der Armut sprengen zu können.
Heute steht die Ernährung der Schulkinder bei Nelson an oberster Priorität. Doch seine Zielgruppe sind nicht die Eltern, es handelt sich um die Kinder selbst. Um Armut und Mangelernährung zu bekämpfen, widmet er sich mit seiner Kinderküche Thanzi-265 der Förderung der Kinder in den Bereichen Nahrung und nachhaltigem Gartenbau. (Weiter unten im Text erfahren Sie die Bedeutung von Thanzi-265).
Aus der Armut zur Kinderküche
“Ding-ding-ding-ding” – die Mittagsglocke läutet in meiner Grundschule. Ich schaue nach links und rechts und sehe, wie alle ihre Essensboxen öffnen und ich rieche den süßen Duft verschiedener Speisen, die die Luft erfüllen. Meine kleine selbstgebastelte Plastikbox ist nur da zum Schein. sie enthält nichts als ein paar zerrissener Schreibhefte und zwei kaputte Bleistifte. Die Mittagspause war eine tägliche Tortur und ich weiß noch, wie unglücklich ich war.
Ich wurde in einem kleinen abgelegenen Dorf in Malawi geboren, in einer Familie mit sieben Kindern. Ich bin der jüngste Nachkömmling. Der Altersunterschied von 22 Jahren zwischen mir und dem Erstgeborenen meiner Familie fühlte sich an, als wäre ich ein überflüssiges Puzzelstückchen, dass nicht wirklich dazugehört. Meine alten Eltern waren sehr arm und hatten Schwierigkeiten, sieben Kinder zu ernähren. Damit waren sie aber nicht allein. Über 80% der Bevölkerung Malawis lebt in ländlichen Gebieten und mehr als zwei Drittel lebt in extremer Armut. Meine Familie, die Landwirtschaft betrieb, gehörten zu diesen zwei Drittel. Oft gab es nur eine Mahlzeit am Tag und manchmal mussten meine Eltern ihre eigene Mahlzeit auslassen, damit wir ein wenig gestärkt wurden. Meist bestand unsere Mahlzeit nur aus Nsima, Maismehl mit einer Prise Salz, weil es kein Gemüse dazu gab. Nachts knurrte mein Magen, während ich einschlief und von köstlichem Essen träumte.
Durch Bildung zu neuen Perspektiven: Mein Weg aus der Armut
Zur Schule zu gehen war zunächst ein kalter Traum für mich, weil meine Eltern sich die Schulgebühren nicht leisten konnten. Als es mir dann doch ermöglicht wurde, war ich immer hungrig, was es mir schwer machte, mich auf das Lernen zu konzentrieren, denn besonders die Pausen erinnerten mich an meinen leeren Magen. Häufig schwänzte ich die Schule, um auf dem Markt Holzkohle und Feuerholz zu verkaufen. So konnte ich meiner Familie ein wenig helfen.
Als ich sah, wie meine Geschwister nach der Schule mittels ihres Wissens Geld verdienten und sich in jeder Hinsicht entwickelten, ging mir ein Licht auf. Ich lernte so, dass auch ich die Ketten der Armut durchbrechen konnte, wenn ich nur zur Schule ging und hart arbeitete.
Beruflicher Aufstieg: Vom Kameramann zum sozialen Fotografen
Dass meine Geschwister direkt nach der Schule einen Beruf ergreifen konnten, war für meine Eltern eine große Erleichterung. Meine Eltern baten einen meiner Brüder, mich unter seine Fittiche zu nehmen und sicherzustellen, dass ich die Schule beendete. Nach meiner Ausbildung wurde ich Kameramann und ich hatte die Gelegenheit, mit verschiedenen Organisationen als Fotograf zu arbeiten.
Ich dokumentierte traurige Geschichten über frühe Kinderehen, Kinderarmut und über junge Schulabbrecher. Auch ich war damals in meiner Kindheit nah daran, die Schule abzubrechen und daher erstaunte es mich, dass sich die Situation kaum verändert hatte. Es muss etwas getan werden!
Kinder und Ernährung: Die Vision einer nachhaltigen Zukunft
Viel dreht sich um das Thema Mangelernährung, falsche Ernährung und Kinderarmut. Doch die meisten Projekte versuchen die Eltern zu erreichen. Ich glaube, es ist sinnvoll, auch die Kinder in ihre Ernährung miteinzubeziehen. Sie sollen lernen, was gesunde Nahrung ist und wie sie sich selbst beim Gemüseanbau einbringen können. So möchte ich dazu beitragen, dass eine Generation von Malawier entsteht, die sich für gesunde Nahrung und eine nachhaltige Landwirtschaft entscheiden.
Ich stelle mir eine Welt vor, in der Kinder die Kompetenz haben, zu wissen was gut für sie und gut für die Umwelt ist. Sie sollen wissen, woher ihre Nahrung stammt und wie sie zur eigenen Gesundheit selbst wirksam beitragen können. Und sie sollen in der Lage sein, ihr Wissen weiterzugeben.
Thanzi-265: Gesundheit, Bildung und Nachhaltigkeit in einem
Darum habe ich die Initiative Thanzi-265 ins Leben gerufen.
“Thanzi” bedeutet “Gesundheit”. Bei der Nummer 265 handelt es sich sowohl um die Vorwahl für Malawi, aber es steht noch mehr hinter der Zahl:
Die 2 steht für roh und gekocht.
Die 6 für die wichtigsten Nährstoffe, die für eine gesunde Ernährung wichtig sind: Wasser, Kohlenhydrate, Fette, Proteine, Vitamine und Mineralstoffe.
Die Zahl 5 steht für die fünf Geschmacksrichtungen – sauer, süß, umami, bitter, salzig.
Thanzi-265 besteht aus einem kleinen Modell-Gemüsegarten, den Kinder unter Anweisung bestellen können und es wird sogar eine mobile Kinderküche geben. Ein Bus, der von Schule zu Schule reist und mit Kindern Kochen lernt.