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Nach einem Jahr politischer Krise ist in Haiti am Sonntag die Präsidentschaftswahl nachgeholt worden. Die 6.2 Millionen Wahlberechtigten des bitterarmen Karibikstaates waren in der ersten Wahlrunde aufgerufen, zwischen 27 Kandidaten zu entscheiden.
Gleichzeitig fanden Parlamentswahlen statt. 25 der 109 Sitze in der Abgeordnetenkammer und 16 Sitze im Senat mussten neu bestimmt werden. Nach den politischen Turbulenzen und dem Hurrikan «Matthew» ruht auf dem künftigen Präsidenten die Hoffnung, dass er das Land aus der Krise führt.
Die besten Chancen unter den 27 Kandidaten der ersten Runde hatten der von Ex-Staatschef Michel Martelly ausgewählte Kandidat Jovenel Moise, der Oppositionspolitiker Jude Célestin sowie Maryse Narcisse, die die Sprecherin des früheren Präsidenten Jean-Bertrand Aristide war. Wenn keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erhält, findet am 29. Januar ein zweiter Durchgang statt.
Ursprünglich hatte die Präsidentschaftswahl im Oktober 2015 stattgefunden. Damals hatte Moise im ersten Wahlgang die meisten Stimmen geholt, Célestin wurde Zweiter. Die Abstimmung wurde aber nach massiven Protesten der Opposition und dem Bericht einer Prüfkommission über Unregelmässigkeiten annulliert, die Stichwahl wurde abgesagt.
Momentan kein Präsident
Martelly schied Anfang Februar aus dem Amt, Senatspräsident Jocelerme Privert übernahm vorübergehend seinen Posten. Zuletzt wurde ein für den 9. Oktober geplanter Wahltermin abgesagt, weil weite Teile des Landes wenige Tage zuvor vom Hurrikan «Matthew» verwüstet worden waren.
Landesweit waren am Sonntag 9400 Polizisten im Einsatz, um für einen geordneten Ablauf des Urnengangs zu sorgen. Hinzu kamen 1400 Polizisten der UNO-Mission in Haiti. Autos dürfen sich Wahllokalen nur bis zu einem Abstand von 100 Metern nähern. Die Parlamentswahl von August 2015 war von Ausschreitungen überschattet gewesen, die Ergebnisse eines Viertels der Wahlbezirke wurde annulliert.
Unklar war, wann die Ergebnisse der Abstimmung vom Sonntag verkündet werden. Wegen der schlechten Infrastruktur wird damit nicht vor dem 1. Dezember gerechnet. Das offizielle Ergebnis der ersten Runde soll nach Ablauf der Einspruchsfrist der Kandidaten am 29. Dezember bekannt gegeben werden. (sda/dpa)