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Sogar Microsofts Busenfreund findet keine guten Gründe, um auf Vista zu migrieren.
"Es geht hier nicht darum, Microsoft in irgendeiner Form herabzusetzen. Aber die IT-Abteilung von Intel hat einfach keine zwingenden Gründe dafür gefunden, auf Vista zu wechseln." Wenn ein Unternehmen heutzutage zu diesem Schluss kommt, ist das eigentlich keine Überraschung mehr. Wenn es allerdings Intel ist, der langjährige Busenpartner Microsofts und das "tel" im "Wintel-Imperium", dann ist das schon ein empfindlicher Stich für die Redmonder. Insbesondere, da Intel selbst ein Interesse daran hat, den Einsatz von Vista zu fördern - schliesslich ist damit auch meist ein Hardware-Upgrade verbunden.
Der Eingangssatz stammt von einem Insider, der von Intel über die Situation unterrichtet wurde und mit der 'New York Times' redete. Aufgrund der "sensitiven" Beziehung zwischen Microsoft und Intel bestand er allerdings auf Anonymität. Die Entscheidung, die PCs der rund 80'000 Intel-Angestellten nicht auf Vista zu migrieren, sei nach einer sehr langen Analyse getroffen worden, so der Insider weiter. Ein offizieller Intel-Sprecher erklärte der 'NYT', dass man Vista in einzelnen Abteilungen teste und einsetze, aber zumindest momentan keinen generellen Rollout durchführe.
Der Informant der NYT liess offen, ob sich Intel vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt doch noch zu einem Wechsel auf Vista entschliessen könnte. Die Times findet es recht wahrscheinlich, dass Microsofts Chef, der "energische und überzeugungskräftige Verkäufer" Steve Ballmer den Intel-Chef Paul Otellini, den er regelmässig trifft, doch noch dazu überreden könnte.
Der 'Inquirer' allerdings, der Anfang dieser Woche aufgrund eines ihm zugespielten internen Memos als erster von Intels Vista-Verweigerung berichtete, glaubt, dass Intel Vista ganz auslassen wird. Am wahrscheinlichsten sei ein Wechsel direkt von XP auf "Windows 7", den für 2010 geplanten Nachfolger von Vista.
Als Vista vor rund anderthalb Jahren auf den Markt kam, erklärte Microsoft noch, dass sich das neue Betriebssystem in den Unternehmen doppelt so schnell verbreiten werde, wie damals XP. Heute reden die Redmonder lieber davon, dass Unternehmen halt allgemein lange warten, bevor sie auf ein neues OS wechseln.
Migrationen haben Seltenheitswert
Gegenwärtig scheint es wahrscheinlich, dass sich Vista in Unternehmen sogar langsamer verbreitet, als damals XP. In Zahlen ist das schwer nachzuweisen, da Microsoft von Kunden vorgenommene "XP-Downgrades" als Vista-Verkäufe zählt, auch wenn gar nie die Absicht bestand, Vista zu installieren. (Bei Volumenlizenzen von Vista sowie bei den Versionen Vista Business und Ultimate ist ein "Downgraderecht" enthalten.) Analysten des Marktforschungs- und Beratungsinstituts Gartner erklärten der 'NYT', dass sie nun, nach 18 Monaten, normalerweise eine signifikante Vermehrung der Migrationen auf das neue Betriebssystem erwarten würden. Gartner könne aber keine Beschleunigung feststellen. Bisher hätten zudem jeweils rund 30 Prozent der Unternehmen frühere Windows-Versionen übersprungen. Bei Vista werde dieser Anteil nach den bisherigen Feststellungen Gartners höher sein.
Und übrigens: Wie der Chef eines der grössten "Value-added-Reseller" im Schweizer KMU-Geschäft im Gespräch mit inside-channels.ch erklärte laufen unter seinen vielen Kunden momentan nicht etwa nur sehr wenige Vista-Migratonsprojekte - sondern schlicht kein einziges. (Hans Jörg Maron)