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von Hans Speck
Ich kann mich noch an die Überschwemmung unseres Dorfes im Jahre 1953 erinnern, als wäre es gestern gewesen. Drei Tage vor meinem 4. Geburtstag schüttete es über dem Glarnerland und der Nachbarschaft wie aus Kübeln. In der Nacht vom 25. auf den 26. Juni lösten starke Regefälle ein gewaltiges Unwetter aus, das nicht nur im Glarnerland, in der March, im Gaster sowie in der Innerschweiz enorme Hochwasserschäden hinterliess. Die Messstation in Glarus registrierte in dieser fraglichen Nacht eine Niederschlagsmenge von 186 Millimetern. Schon morgens um acht Uhr läuteten die Glocken der beiden Pfarrkirchen Sturm. Die Linth, dazu die Blänggli-, Butzi-, Altiger-, Brand- und Mettlenrunse waren vielerorts über die Ufer getreten. Vor allem die Butzirunse führte viel Geschiebe, Geröll und Schlamm mit. Die Lage verschärfte sich von Stunde zu Stunde. Beim Sammler oberhalb des Grünhags lief in der Zwischenzeit die Butzirunse über ihr Ufer und überflutete die Landstrasse und die Nebensträsschen mit einer braunen Kloake. Die Feuerwehr hatte alle Hände voll zu tun und musste die entfesselten Wasser durch die Risi in die Landstrasse ableiten, sehr zum Gaudi der Kinder, die barfuss durch die verlängerte Butzirunse wateten.
Auf dem Bild erkennt man die Metzgerei Weber (Metzger Weber mit Frau) an der Landstrasse. In der gleichen Häuserreihe befindet sich die Apotheke Landolt.
Die Butzirunse ergiesst sich über den Platz der reformierten Kirche und mündet in die Hauptstrasse.
Anderntags, am 27. Juni 1953, schrieb die Redaktion der Glarner Nachrichten: Von der Kalkfabrik her wurde in Säcken Sand und Split mit Lastwagen, Jeeps und einem Muldenkipper in der Gemeinde verteilt. Um die zehnte Morgenstunde stiegen die Linthwasser über die Ufer und verhinderten die Zufahrt zur Kalkfabrik auf der Langgüetlistrasse. Glücklicherweise konnte mit dem SBB-Traktor ein Zufuhrdienst zur Station hergestellt werden, sodass die Lieferung von Sandsäcken keinen Unterbruch erfuhr. Die Linth überstieg das Ufer zuerst unterhalb des Betriebsleiter-Wohnhauses unterhalb der Kalkfabrik, ebenfalls unterhalb der Bahnbrücke nach rechts gegen die Kantine und gleichzeitig links über das Rollengut. Um die elfte Stunde kam noch ein Hilferuf von der SBB, als oberhalb Leuzingen gegenüber der Kalkfabrik die Strömung das Schotterbett des Geleises erreichte. Schnellstens wurden bahnwagenweise Steine aus dem Kalkfabrik-Steinbruch hinüber transportiert. Züge passierten jeweils erst, wenn im Wasser abgetastet war, dass der Damm noch da war. Der Dorfbach trat im Fabrikareal der Textilveredlungs AG über die Ufer, überschwemmte den Fabrikhof und Wasser drang ins Kesselhaus ein. Dort konnte zum Glück eine Explosion der beiden unter Dampf stehenden Kessel vermieden werden. Soweit die dramatischen Zeilen der Südostschweiz vom 27. Juni 1953! Die nachfolgenden Aufräumarbeiten dauerten unter Mithilfe der Armee einige Wochen. Der grosse Dank von Bund, Kanton und Gemeinde ging damals an die Einsatzkräfte der Feuerwehr Netstal und die zahlreichen freiwilligen Helferinnen und Helfer.