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Schon seit alten Zeiten war es in Korea üblich, Teile der Bewohnungen, sowie auch Gebrauchsgegenstände vor allem aus Holz anzufertigen. Da auch Tempel, Paläste und grosse Bauten aus Holz gebaut wurden, scheint es nur natürlich, dass die Möbel und andere Utensilien aus Holz gefertigt wurden. Verglichen mit Porzellan oder Metall nahm Holz und Bambus also eine bevorzugte Stelle ein.
Die Herstellung traditioneller koreanischer Holzmöbel nennt man „somok-jang“ (소목장,小木匠). Holzmöbel der Joseonzeit werden wegen ihrem grossen kreativen Gestaltungsreichtum gemeinsam mit dem weissen Porzellan als herausragende kunsthandwerkliche Leistung jener Zeit gesehen. Im Gegensatz zu chinesischen Möbeln sind koreanische Möbel weniger verziert und generell kleiner. Dabei verbinden sie das Grundprinzip der Nützlichkeit mit dem Prinzip der simplen natürlichen Schönheit. Die traditionellen koreanischen Möbel spiegeln das Lebens- und Wohnumfeld sowie die Gebräuche der alten Traditionen in Korea wieder.
Schon zur Zeit der drei Königreiche gab es den Beruf des Schreiners in Korea. Es ist belegt, dass es während der Goryeo-Dynastie eine königliche Schreinerei gab, die ausschliesslich Aufträge des Königshauses ausführte.
Dank der ausgezeichneten Qualität und des eleganten Designs sind die kunsthandwerklichen Artikel Koreas zu geschätzten Objekten geworden. Die Gegenstände aus früheren Zeiten besitzen eine grosse Anmut. Koreanische Holz- und Lackarbeiten gehören wohl zu den bekanntesten Artikeln und werden auch in der westlichen Welt sehr geschätzt.
Das Design der traditionellen Möbel ist ein Resultat der koreanischen Sitte des auf dem Boden Sitzens. Koreanische Möbel sind niedrig, so dass sie auch von einer sitzenden Person leicht erreicht werden können.
Die traditionellen Möbel wurden ohne Klebstoff oder Nägel erstellt. Verbindungen aus Holz symbolisieren seit Hunderten von Jahren die Verbindung von Mann und Frau bzw. die Gegensätze Yin und Yang. Holzverbindungen wurden vielfach mit Metallverzierungen abgedeckt.
Schubladen wurden meistens mit Bambusnägeln verbunden. Damit das Holz atmen kann, wurden die inneren Seiten der Schubladen nicht mit Farbe oder Lack behandelt.
Die am meisten gebrauchten Holzarten sind Kiefer (Pine), Ulme (Zelkova), Paulownia, und Kaki (Persimmon). Die Auswahl der Hölzer war abhängig vom Stil des jeweiligen Möbelstückes. Robuste Truhen wurden mehrheitlich aus Kiefern oder Ulmenholz gefertigt. Für die Frauengemächern wurde vielfach Ulme und Kaki, für die Herrenräume Paulownia und Ulme verwendet.
Das Klima der koreanische Halbinsel zeigt grosse Temperaturunterschiede zwischen dem Norden und Süden der Halbinsel. Die von Hügeln und Bergen geprägte Landschaft sorgt für eine grosse Vielfalt an Baumarten, wobei die klimatisch klar voneinander abgegrenzten Jahreszeiten zu einer schönen Maserung des Holzes führen. Koreanische Kunsthandwerker stellen die Eleganz der Maserung in den Mittelpunkt und verzichten dafür auf eine komplexe Gestaltung ihrer Werke. Dabei versuchen sie die Künstlichkeit aus ihrem Schaffen zu verbannen und besten Nutzen aus der Natürlichkeit der Materialien zu ziehen.
Als Überzug wurde das Holz mit Öl abgerieben oder mit Klarlack behandelt. Möbel aus Holz gehen zurück bis in die Joseon-Dynastie (1392-1910) und umfassen Medizinschränke, Kleiderschränke, Truhen, Regale, grosse und kleine Tische, Bücherschränke, Geschirrschränke und andere Gegenstände des täglichen Lebens. Die Proportionen sind klar und elegant, es ist schon sehr erstaunlich, wenn man bedenkt, dass die Möbel aus dem 18. Jahrhundert stammen. Metallverzierungen wie Scharniere und Schlösser wurden aus Messing, Bronze, Kupfer und insbesondere aus Eisen gefertigt.
Traditionelle koreanische Wohnräume sind klein und haben eine niedrige Decke. Die Türen und Wände eines traditionellen Raumes sind mit Papier bezogen. Die Möbel der Joseonzeit passten gut in eine derartige Wohnumgebung, da sie niedrig und kompakt waren und somit nicht zu viel Wohnraum beanspruchten. Koreanische Möbel waren so entworfen, dass sie harmonisch zu den Wänden, dem Bodenbelag, den Türen und weiteren Einrichtungsgegenständen passten.
In traditionellen koreanischen Häusern sind die Räumlichkeiten in einen Männer- (Sarang-Bang) und Frauenteil getrennt. Jeder Teil hatte seinen eigenen Stil bei der Möbelgestaltung. Der Männerteil war mit einfachen, stabilen Möbeln ausgestattet, in besonderem Masse galt dies für die Räume der Gelehrten. Der „mun-gap“, eine niedrige Schreibzeugkommode, der 'chaek-jang' auch Tak-Jae genannt, eine Kommode für Bücher und Manuskripte, sowie weitere Einrichtungsgegenstände gehörten zur Ausstattung des Studierzimmers. Diese war in der Regel einfach gestaltet, wobei man darauf achtete, dass jedes Möbelstück in Harmonie mit allem anderen stand. Im Gegensatz zu den einfachen und unprätentiös gehalten Möbeln des Männerteils waren die Möbel des Frauenteils komplexer, farbenfroher und reichlich mit Beschlägen versehen.
Das traditionelle koreanische Haus wurde seit tausenden von Jahren mit einem Bodenheizungssystem (ondol) gewärmt. Um zu verhindern, dass die Wärme des Bodens sich auf die Möbel überträgt, stehen die meisten typisch koreanischen Möbel auf geschwungenen Füssen.
Diese Füsse symbolisieren einen sitzenden Kranich, ein Symbol, das oft auch zur Dekoration von Celadonvasen verwendet wird. Ein gutes Beispiel für die geschwungenen Füsse sieht man bei den traditionellen koreanischen Medizinschränken und Beistellmöbeln.
Heutzutage haben sich die traditionellen Möbel wieder einen Platz im Alltagsleben erobert. Replikas von hoher Qualität sind auch in westliche Wohnungen bestens zu integrieren. Der Medizinschrank (Yakjang), den man heute noch in Apotheken in Korea findet, die fernöstliche Medizin führen, dient heutzutage als Ablage für Alltagsdinge.
Beistellmöbel (Mouri-Jang) wie auch Cheung-Jang wurden früher zur Aufbewahrung von kostbaren Feiertagsgewändern, (Han-bok und Hon-bok) und den entsprechenden Utensilien und Schmuck verwendet. Sie bestechen durch ihre abwechslungsreiche Anordnung von Schubladen und Fächern und im speziellen durch die dekorativen Messing- oder Gusseisenmotive und Beschläge. Heute können diese einzigartigen Möbelstücke auf vielfältige Art und Weise eingesetzt werden, sei es als Blickfang im Entrée oder als Ergänzung im Wohnzimmer.
Viel Symbolik steckt hinter den Messingdekorationen: Blumen-, Vogel- und Schmetterlings-Motive standen früher für ein fröhliches Leben und Glück. Möbel mit diesen Symbolen wurden hauptsächlich in den Frauengemächern während der Joseon-Dynastie verwendet.
Kompakte traditionelle Möbel nutzen effizient den Raum und wirken nicht so schwerfällig wie moderne Möbel, die einen manchmal zu erdrücken scheinen. Sie lassen sich ideal mit moderner westlicher Einrichtung kombinieren.
Dank Ihrer schlichten Einfachheit der Wohneinrichtungen schaffen sich die Japaner eine Oase der Ruhe, in der sie sich von der täglichen Hektik ablenken. Im Land der aufgehenden Sonne gibt es scheinbar unvereinbare Gegensätze: eine hoch industrialisierte Gesellschaft mit weltoffene Menschen treffen auf konservative und traditionsbewusste Japaner. Die Verbindung von Geschichte, Religion und Fortschritt sind stark miteinander verbunden. Jahrhunderte lang hat der Zen-Buddhismus jeden Bereich des japanischen Lebens beeinflusst, so dass heute als typisch japanisch empfunden wird, was seinen Ursprung in der Zen-Philosophie gründet. In einer rein funktionalen Ästhetik und einer Reduzierung auf das Minimale haben einen direkten Einfluss auf Wohneinrichtungen im japanischen Stil. Vom Haus über Garten bis hin zu den täglichen Arbeitsutensilien zeichnet sich alles durch klare, elegante Formen aus.
In japanischen Häusern und Wohnungen fallen klare Linien und Winkel auf. Mobile Gleitwände aus Reispapier und Holzrahmen ermöglichen individuelle Unterteilungen der Räume. Tatami aus gewobenem Reisstroh, eingefasst mit schwarzen oder farbigen Bordüren, werden bündig im ganzen Raum ausgelegt. Die gleichwohl wärmenden wie auch als Kälte- und Lärmschutz fungierenden Matten werden sowohl als Sitz- wie auch als Schlafunterlage (Futon) genutzt.
Die wenigen Möbelstücke in japanischen Haus sind unauffällig und oft multifunktional einsetzbar. Niedrige Schränke oder Schranktruhen sind die augenfälligsten Möbelstücke.
Diese Tansu sind oft mit kunstvoll gearbeiteten Eisenbeschlägen ausgestattet. Für die Aufbewahrung von Wertgegenständen und wichtigen Dokumenten stehen Schubladen und mehrere Fächer zur Verfügung. Traggriffe machen es möglich, dass sich die Möbel in Notfällen, wie zum Beispiel bei den oft ausbrechenden Feuern nach Erdbeben, problemlos in Sicherheit bringen lassen.
Die Tokonoma, eine Bildnische im Wohnraum ist das intimste Element. Kunstgegenstände wie Rollbilder oder ein Ikebanagesteck werden hier ausgestellt. Die ausgestellten Gegenstände werden entsprechend den Jahreszeiten ausgewechselt.
Betten, wie die bei uns so oft und fälschlicherweise als japanisch verkauften Futonbetten, sind in Japan unbekannt. Zum Schlafen wird auf der Tatami-Matte ein Futon ausgerollt und mit Decken und Kissen für die Nacht bereit gemacht. Nach Gebrauch wir der Futon tagsüber aufgerollt und weggeräumt um tagsüber den Platz nicht unnötig zu versperren.
Wenige Möbel, dafür perfekt inszeniert und bewusst platziert, ist zum innenarchitektonischen Leitsatz geworden. Klarheit und Gradlinigkeit bestimmen das Wohnen und machen das typisch japanische Wohngefühl aus.