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Freeriden, das heisst mit dem Snowboard oder mit Skiern unberührte Steilhänge zu befahren und dabei eine möglichst lange Spur von frischem Pulverschnee aufzuwirbeln. War das Freeriden ursprünglich frei vom Kampf um Sekunden und Wertungspunkte, so hat sich dies seit 2008 geändert. Damals fand die erste Freeride World Tour, initiiert vom schweizerisch-englischen Doppelbürger Nicolas Hale-Woods, statt. Heute ist Freeriden ein Profi-Sport mit Rennen in Übersee und Europa, darunter etwa das Xtreme in Verbier.
Der Exot
Als Vorbereitung auf die World Tour wurde 2013 die Freeride Junior Tour gegründet. Zwischen all den Snowboardern und Skifahrern aus den Wintersport-affinen Regionen Nordamerikas und Europas sticht ein Rider aufgrund seiner Nationalität aus der Masse hervor–der Mexikaner Liam Rivera. Wohnhaft ist Rivera allerdings in Düdingen. Den Schweizer Pass besitzt er ebenfalls. «Unter der Flagge Mexikos zu starten ist besser für die Show, und den Tour-Organisatoren gefällts auch», sagt der 15-jährige Schüler, der im Alter von einem Jahr als Sohn eines Mexikaners und einer Freiburgerin in die Schweiz zog.
Vor zehn Tagen feierte Rivera seinen bisher grössten Erfolg. In Grandvalira (Andorra) wurde der Snowboarder Vize-Junioren-Weltmeister. Für die erst dritten interkontinentalen Meisterschaften hatte er sich über Events in Europa qualifizieren müssen. An den Weltmeisterschaften entscheidet dann nur ein Lauf über die Medaillen. Punkterichter werten Technik, Tricks, Schnelligkeit, Sprünge und Stil. Rivera musste sich einzig vom US-Amerikaner Dylan Zellers geschlagen geben. «Weil ich noch nie gegen Amerikaner gefahren bin, konnte ich meine Chancen nicht wirklich einschätzen. Dennoch war das Podest das Ziel.» Um dieses zu erreichen, wählte der Freiburger für seinen Run eine etwas einfachere Linie. «Ich wollte zügig fahren und habe nicht allzu viel riskiert.» Eine saubere Fahrt ergibt mehr Wertungspunkte, als wenn schwierige Tricks gezeigt werden, diese aber misslingen oder schlecht ausgeführt werden.
Hoffen auf Sponsoren
Bis zum Alter von neun Jahren fuhr Rivera noch Ski, dann wechselte er aufs Brett. Bald einmal packte ihn die Faszination Freeriden. «Dabei wird der Berg so, wie er ist, befahren, ohne präparierte Pisten. Jeder Berg ist anders», sagt der künftige Kollegiumsschüler, der zudem bei den Junioren B des FC Wünnewil-Flamatt Fussball spielt. «Ich fahre lieber schwierige Berge, weil ich die Herausforderung liebe. Wenn möglich auf noch nicht von Spuren durchzogenen Steilhängen. So macht es am meisten Spass.» Andere Snowboarddisziplinen wie beispielsweise die Halfpipe haben Rivera hingegen nie wirklich gereizt. «Tricks sind ja beim Freeriden ebenfalls möglich.» Rivera hofft, dank WM-Silber nun den einen oder anderen Sponsor zu finden. Bis anhin hat der aktuell Dritte der European Junior Tour noch keine und wird von seiner Familie finanziell unterstützt. Überhaupt spielen die Eltern eine wichtige Rolle. Wenn Rivera vorzugsweise im Val d’Anniviers trainieren geht, sind Vater, Mutter und der jüngere Bruder oftmals mit dabei.
Die Gefahr lauert
Beim Befahren von unpräparierten Pisten stellt sich unweigerlich die Frage nach der Sicherheit. Gewiss, bei Events ist jeder Freerider mit Helm, Rückenschutz, Schaufel, Sonde und Lawinensuchgerät ausgerüstet. «Auf die Sicherheit wird sehr viel Wert gelegt», betont Rivera. An der Junioren-WM wurden die Teilnehmer an diversen Meetings gebrieft, der Berg mehrfach besichtigt und das Rennen aufgrund der ungünstigen Wetterbedingungen einmal verschoben. «Ausserdem werden Lawinensprengungen vorgenommen», sagt Rivera, «und die Rider helfen sich gegenseitig bei der Vorbereitung. Schliesslich will niemand, das dem anderen etwas zustösst.» Dass all diese Massnahmen nicht für absolute Sicherheit bürgen, zeigte sich zuletzt vor zwei Wochen bei der World Tour in Kappl (Ö), als der französische Freeskier Julien Lopez von den Schneemassen erfasst wurde und mit leichten Verletzungen Glück im Unglück hatte. «Ein Restrisiko bleibt», räumt Rivera ein, der sich eine Profi-Karriere durchaus vorstellen kann.
Seinen nächsten Wettkampf bestreitet der aufstrebende Freerider am Wochenende des 28./29. März beim Xtreme Verbier. Mit einem guten Resultat ist der Rückstand von Rivera auf den führenden Schweizer Julien Pichel und den Franzosen Mateo Lugrin durchaus wettzumachen.