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«Auf dem Rücken der Pferde liegt das Glück der Erde», dachte sich Barbara Lüthi als erfahrene Reiterin wohl, als der Plantagenbesitzer Mr. Banerjee uns auf seinem Pferd «Mani» begrüsste.
Für Barbara war sofort klar, sie wollte mit Mr. Banerjee durch dessen Teefelder reiten. Während ein zweites Pferd für Barbara Lüthi organisiert wurde, versuchte sie sich schon mal an Pferd «Mani».
Als sie verkehrt in die Reitstiefel steigen wollte, ahnte Kameramann Laurent Stoop wohl schon, dass es vielleicht nicht die beste Idee auf dieser Reise war. Aber Abenteurerin Barbara Lüthi lässt sich nichts ausreden, und so stieg sie mutig auf das sehr nervöse, ehemalige Rennpferd. Der Sturz war ein riesiger Schreck für alle. Aber «Mani» und Barbara Lüthi hatten grosses Glück. Mr. Banerjee schmierte frisch zerriebene Teeblätter auf Barbaras Wunden und der anschliessende Arztbesuch bestätigte: nichts gebrochen.
Der Kampf gegen Menschenhandel
Darjeeling ist eine Grenzregion zu Nepal. Viele Menschen kommen hierher mit der Hoffnung, Arbeit zu finden. Skrupellose Menschenhändler nutzen das aus. Nirnay John Chettri leitet die Nichtregierungsorganisation MARG, die sich gegen die Verschleppung von Kindern und Menschenhandel einsetzt.
Er weiss, dass vor allem Teenager durch falsche Versprechungen auf schnelles Geld oder eine Heirat angelockt werden. Chettri ist es ein wichtiges Anliegen, solche Verbrechen aufzudecken und zu verhindern. Darum kündigte er seinen gutbezahlten Job in Delhi und kehrte zurück in seinen Heimatort Darjeeling. Hier gründete er MARG. Er will aber nicht nur Menschenhändler überführen, sondern sich auch präventiv einsetzen. In den Teebergen versucht er mit seiner Organisation, die schlecht bezahlten Pflückerinnen zu sensibilisieren und sie vor falschen Versprechungen zu schützen.
Yoga in Kolkata</h1>
Es ist ein Trend in Europa, in der Schweiz, in den USA, eigentlich überall. Und alle denken, Yoga kommt aus Indien. Aber in Indien ist Yoga nicht zwangsläufig das gleiche wie bei uns in der Schweiz. Die innere Mitte zu finden, dafür gibt es verschiedene Wege. Das hat Barbara Lüthi auf ihrer Reise von Kunming nach Kolkata auch gelernt. Und ruhiger hat sie das Yoga nicht wirklich gemacht!
Wallfahrtsort für Fruchtbarkeit
Der Kamakhya Tempel ist ein berühmter Wallfahrtsort in Guwahati. Die Mythologie sagt, dass Daksha, der Vater Satis, deren Ehemann Shiva beleidigte. Sati nahm sich daraufhin mit einem Sprung ins Feuer das Leben. Als Shiva erfuhr, dass seine geliebte Frau Selbstmord begangen hatte, drehte er durch vor Wut. Er legte Satis Leiche auf die Schultern und tanzte den Tanz der Zerstörung. Vishnu zerschnitt die Leiche mit seinem Chakra. Die 108 Stellen, an denen die Körperteile von Sati auf die Erde fielen, werden Shakti peeths genannt. Der Kamakhya Tempel ist etwas Besonderes, weil Satis Vagina hier auf die Erde fiel. Viele Frauen mit Fruchtbarkeitsproblemen kommen in diesen Tempel zum Beten. Darüber zu reden, ist in Indien ein Tabu. Aber eine Frau aus Kolkata hat sich getraut, Barbara Lüthi ein wenig von ihrer Not zu erzählen.
Ausserdem versucht man die Götter hier mit lebenden Tieropfern zu beeinflussen Das ist uns allen sehr fremd.
Insel der Ruhe in der Hektik der Stadt
Wer das Vergnügen hat, von «der edlen Dame von Kalkutta» beherbergt zu werden, der gehört zu den glücklichen Menschen in Indien. Die Rede ist vom Hotel «The Oberoi Grand» in Kolkata, dem früheren Kalkutta. Wer im Oberoi ein Zimmer buchen kann, gehört für indische Verhältnisse zu einer Minderheit. Für uns ist es ein Luxushotel zum Preis eines Mittelklassehotels in der Schweiz. «The Oberoi Grand» ist ein Traditionshaus, 1894 als Theater gebaut, öffnete es nach einem Brand 1938 seine Türen als Hotel. Wenn man in der lauten, unübersichtlichen, hektischen und oft sehr anstrengenden 14 Millionen-Stadt Kolkata arbeitet, dann ist schon das Ausruhen in der Hotellobby ein Genuss. Wir fallen an jenem Abend total erschöpft ins Bett und sind uns gleichzeitig sehr bewusst, dass abends die Menschen vor dem Hotel ihre Wellpappe-Nachtlager auf der dreckigen Strasse ausbreiten müssen. Sie haben nichts anderes. Eine Ungerechtigkeit, die manchmal schwer auszuhalten ist.
In Indien zu filmen, heisst viel Gepäck und Hilfe vor Ort
Nicht immer konnten wir mit Bus und Elefant reisen, ab und zu auch mit kleinen Flugzeugen. Lange warten und viel schwitzen. Teamarbeit hiess auch, dass uns immer neue, sogenannte Local Manager, helfen wollten. Aber oft waren wir zu schnell, auch in der Hitze Kolkatas.
Nupoor Kajbaje hingegen, von der Firma Curry Western, , Link öffnet in einem neuen Fensterunsere Begleiterin durch ganz Assam über Darjeeling bis nach Kolkata, war eine riesige Hilfe. Sie machte alles möglich, auch wenn sie nicht immer verstanden hat, wie wir Schweizerinnen und Schweizer ticken. Sie fand es sehr befremdend, dass wir immer alles am liebsten schon gestern erledigt gehabt hätten, und dass wir ständig vergassen zu essen.
Zur Produzentin
Andrea Pfalzgraf begleitete die Dreharbeiten in Indien. Sie hat zusammen mit Editorin Hedi Bäbler diese Serie geschnitten.