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1998 verkörperte Sam Neill den Zauberer “Merlin” in einer sehr erfolgreichen Fernsehverfilmung. Zehn Jahre später gab es davon eine Neuauflage in Serie, ausgestrahlt im englischen Fernsehen mit John Hurt in einer der Hauptrollen. Passend dazu brachte das schwedische Label MovieScoreMedia die Musik zur ersten Staffel heraus. Die CD verkaufte sich anscheinend so gut, dass Mikael Carlsson es sich nicht nehmen ließ, 2009 eine weitere CD mit Musik der Serie herauszubringen. Komponiert wurde die – größtenteils vollständig orchestrale – Fernsehmusik von einem Dreierteam an Musikern: Für den Löwenanteil zeichnete Rob Lane verantwortlich, ihm zur Seite standen die beiden Komponisten Rohan Stevenson und James Gosling. Von letzterem ist jedoch lediglich ein Musikstück auf vorliegender CD enthalten.
Wie klingt moderne Fernsehmusik? Düster wabernde Synthesizerklänge wie in 24 oder kammermusikartige Töne wie in der überaus erfolgreichen Serie Lost? Nicht in diesem Fall. Rob Lane – der Einfachheit halber sei nur er hier als Komponist in der Rezension genannt – geht konsequent den Weg weiter, den sein Vorgänger Trevor Jones 1998 für die Verfilmung mit Sam Neill beschritten hatte. Zu hören sind großorchestrale Klänge, ergänzt von einem gar nicht mal so kleinen Chor und Synthesizern.
Das Ergebnis ist gelungen, einen großen Teil trägt die hervorragende Programmierung des Albums bei, so dass keine allzu großen Durststrecken für den Hörer entstehen, welche ihn langweilen. Eingestimmt wird der Hörer sehr gut mit den kurzen „Main Titles“. Lane stellt hier ein geradliniges, fanfarenartiges Thema vor, wuchtig orchestriert mit Chor, Streichern und Bläsern.
Der Chor bleibt im weiteren Verlauf recht prominent vertreten, wenn auch für derartige Stoffe vielleicht etwas arg klischeehaft eingesetzt im Singen von stakkatohaften Versen, welche die Musik noch epischer erscheinen lassen sollen. Ein gutes Beispiel hierfür ist Track sieben, „The Joust“, insgesamt durchaus komplexer als vergleichbare Stilismen aus der Fabrik „Hans Zimmer“, im Wesentlichen aber ähnlich aufgebaut mit sich aufbauenden Streicherakkorden, elektronischer Perkussion und dem unvermeidbaren Chor.
Überhaupt ist das, was an dieser Musik am meisten stört, der elektronische Anteil. Nicht unbedingt, weil Synthesizer historisch nicht zum Stoff passen, sondern aufgrund der Tatsache, dass eingesetzte Synthesizer hier arg „billig“ klingen und die Musik ins ungewollt Lächerliche ziehen, da sie hier nicht selten klingen wie ein Relikt aus den guten alten 80er und 90ern Jahren. Ein hervorragendes Beispiel hierfür ist der Track „Sigan’s Tomb“, in dem die Synthesizer vollkommen deplatziert und in ihren Mickey-Mousing Rhythmen zu albern klingen, dazu noch stark erinnernd an günstig produzierte deutsche Fernsehdokumentationen der 90er, wo kein Geld für gute Synthesizer, geschweige denn ein Orchester, vorhanden war.
Der Eine oder Andere mag es bedauern, dass Lane nicht mit Leitmotiven arbeitete, also nicht mit Melodien, die öfter im Laufe der CD auftauchen und eine Figur im Film begleiten. Darüber kann man jedoch hinweggetröstet werden, denn Lane schrieb mehrere kleine Nebenthemen, die für sich genommen sehr gelungen sind. Höhepunkte der Musik sind die sanften Melodien für Sologeige, gespielt von Janice Graham.
Sieht man über kleine Schwächen hinweg, hat MovieScoreMedia eine durchaus unterhaltsame CD produziert, sicherlich nicht anspruchsvoll oder hochkomplex, aber mit einigen schönen Themen, die gekonnt orchestriert wurden und teils aufgrund ihrer beschwingten Fröhlichkeit sogar aufmuntern. So ist für jeden Filmmusikhörer etwas dabei: Wer epische Musik mit Chor und Orchester mag, sollte auf jeden Fall reinhören, aber auch Liebhaber von „Remote Control“-Soundtracks könnten aufgrund der perkussiven Synthesizer (Drumloops und Beats werden jedoch vermieden) ihre Freude an der Musik haben.
MERLIN - SERIES TWO Rob Lane, Rohan Stevenson, James Gosling Movie Score Media MMS-09027 52 Min. / 20 Tracks