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Zusammenfassend lässt sich sagen, dass politische Entscheidungsträger und Unternehmen alternative Strategien zur Bewältigung des anhaltenden Arbeitskräftemangels in Betracht ziehen müssen. Folgende Vorschläge können erste Schritte sein:
1. Erwerbstätigkeit für ältere Arbeitnehmer attraktiver machen:
Empfehlungen für politische Entscheidungsträger:
Im Hinblick auf die Erwerbstätigkeit im Alter geht es zunächst um eine Flexibilisierung des Renteneintrittsalters. In einer repräsentativen Umfrage von Deloitte im Jahr 2019 gaben 40 % aller Arbeitnehmer im Alter zwischen 50 und 64 Jahren an, dass sie gerne über das offizielle Rentenalter hinaus arbeiten würden.9 Allerdings erwartete nur eine Minderheit dieser Teilnehmer, dass dies tatsächlich der Fall sein würde. Einer der Gründe dafür ist, dass das gesetzlich festgelegte Renteneintrittsalter in den Köpfen der Menschen zu Automatismen führt. Auch hier ist es finanziell nicht sinnvoll, weiter zu arbeiten: Jeder, der zusätzlich zur Rente ein Gehalt bezieht, muss zusätzliche Steuern zahlen. Ab einem bestimmten Freibetrag unterliegt der Lohn zusätzlich den AHV-Beiträgen, ohne dass eine Erhöhung der Rente des Arbeitnehmers erforderlich ist.10
Die Anfang dieses Jahres in Kraft getretene AHV-21-Reform hat einige dieser Probleme bereits behoben.11 Unter anderem erhöhte es den Freibetrag und führte das Konzept ein, die Rente nur teilweise zu beziehen oder sogar aufzuschieben. Dies ermöglicht einen flexibleren Übergang in den Ruhestand, da der Arbeitnehmer die Möglichkeit hat, sein Beschäftigungsniveau zu reduzieren und sein geringeres Einkommen durch einen Teil seiner Rente auszugleichen. Auch wenn diese Reform sicherlich in die richtige Richtung geht, bleibt abzuwarten, ob sie einen ausreichend starken Anreiz zur Weiterarbeit schafft, zumal die Möglichkeit, den Ruhestand hinauszuschieben, nicht von mehr Beschäftigung abhängig ist.12 Um dem aktuellen Arbeitskräftemangel zu begegnen, ist es wichtig, die Veränderungen zu beobachten und gegebenenfalls weitere Anpassungen in Betracht zu ziehen, wie z. B. eine Anhebung des Renteneintrittsalters oder die Schaffung spezifischerer Leistungen für diejenigen, die weiterhin arbeiten.
Empfehlungen für Unternehmen:
Ein Problem bleibt der Mangel an Beschäftigungsmöglichkeiten: Viele Unternehmen stellen keine pensionierten Mitarbeitenden ein, da ihnen durch höhere Gehälter und altersbedingte BVG-Beiträge zusätzliche Kosten entstehen. Die Anpassung von Arbeitsmodellen könnte eine Lösung sein und gleichzeitig dem Wunsch älterer Arbeitnehmer nach einer Reduzierung der Arbeitszeit im Alter gerecht werden. Bei der Besetzung solcher Positionen ist es wichtig, einen „Zero Gap“-Ansatz zu vermeiden, bei dem nur Mitarbeiter berücksichtigt werden, die genau zur Stellenbeschreibung passen.13 Stattdessen müssen Unternehmen bestehende Rollen überdenken und neu gestalten und Wege finden, Automatisierung und KI-Technologie zu nutzen. Die Aufgabe der erfahrenen Mitarbeiter wird es dann sein, sich auf die Sicherstellung der Qualitätsarbeit zu konzentrieren.
Wenn angesichts des modernen technologischen Fortschritts die Sorge besteht, dass die Fähigkeiten der Mitarbeiter nicht mehr den Anforderungen des aktuellen Arbeitsplatzes entsprechen, kann die Investition in eine Schulung am Arbeitsplatz eine wirksame Lösung sein. Dies ermöglicht es den Mitarbeitern nicht nur, sich im Gegensatz zu einem Vollzeitstudium oder externen Weiterbildungsprogrammen direkt am Arbeitsplatz weiterzubilden, ohne Einkommenseinbußen hinnehmen zu müssen. Es ist auch effizienter, da Unternehmen eine auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Schulung anbieten können, indem sie die vorhandenen Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter berücksichtigen und in den Prozess integrieren.
2. Den Wert der Vollzeitarbeit steigern:
Empfehlungen für politische Entscheidungsträger:
Angesichts der Entwicklung der Teilzeitarbeit sollte die Politik sorgfältig prüfen, ob Maßnahmen wie der weitere Ausbau von Kindertagesstätten und ähnlichen Einrichtungen tatsächlich Wirkung zeigen, zumal die damit verbundenen Kosten stets hoch sind und den Steuerzahler belasten. Die Studie zeigt, dass die Mehrheit der Bewohner auch ohne diese Zusatzleistungen die erforderliche Arbeitsbelastung bereits erreicht hat. Daher hat das Hinzufügen weiterer Einrichtungen möglicherweise nicht den gewünschten Effekt einer Steigerung des Arbeitsengagements. Es bestehen jedoch weiterhin Bedenken hinsichtlich der Qualität, Flexibilität und vor allem der hohen Kosten der Kinderbetreuung.
Im Hinblick auf die Bezahlbarkeit sollte der Staat darauf achten, die Rahmenbedingungen zu verbessern und den Anreiz zu längeren Arbeitszeiten zu erhöhen und so die finanzielle Gesamtbelastung zu verringern. Ein wichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang ist das Steuersystem. Derzeit ist das Schweizer System für alleinstehende oder verheiratete Steuerzahler mit einem alleinerziehenden Elternteil attraktiver. Im Gegensatz dazu unterliegen verheiratete Paare mit doppeltem Einkommen auf ähnlichem Einkommensniveau einer höheren Steuerlast, die zusammen mit den Kosten für die Kinderbetreuung ein erhebliches Hindernis für die Fortsetzung einer Vollzeitbeschäftigung darstellt. Eine Lösung besteht darin, individuelle Steuern zu erheben, was Schätzungen zufolge zu einer Steigerung des Beschäftigungsniveaus von etwa jeder siebten berufstätigen Frau um 20 % führen könnte.14
Eine weitere wichtige Rolle des Staates bei der Förderung der Vollzeitbeschäftigung besteht schließlich darin, ein Bewusstsein für die Auswirkungen zu schaffen, die Teilzeitarbeit auf die Altersvorsorge hat – eine Auswirkung, die vielen vielleicht nicht bewusst ist. Teilzeitarbeit führt häufig zu einem geringeren Gehalt, wodurch auch die Beiträge zur Sozialversicherung geringer ausfallen. Zudem ist es generell schwierig, die Lebenshaltungskosten im gleichen Maße wie das Einkommen zu senken, was insbesondere die Sparfähigkeit verringert. Verschärft wird die Rentenlücke durch den sogenannten Zinseszinseffekt, der dazu führt, dass Teilzeitbeschäftigten auch die Zinsen entgehen, die auf ihre Beiträge anfallen würden, sowie etwaige zukünftige Dividenden, die sich aus der Reinvestition sämtlicher Zinserträge ergeben könnten. – Dieser Effekt verstärkt sich mit zunehmendem Anlagehorizont.15 Die Reform der zweiten Säule – des BVG – hat das Potenzial, einige dieser Bedenken auszuräumen, bleibt aber insgesamt im Nachteil gegenüber Vollzeitbeschäftigten.16
Empfehlungen für Unternehmen:
Viele der aktuellen Herausforderungen, mit denen Kinderbetreuungseinrichtungen konfrontiert sind, wie etwa die Möglichkeit, längere Arbeitszeiten und flexible Abholzeiten anzubieten, stehen in direktem Zusammenhang mit dem Arbeitskräftemangel im ganzen Land.17 Auch wenn die Folgen langfristig schädlich sind, muss klar sein, dass der Staat nicht alle betroffenen Sektoren unterstützen kann. Um die Lücke zwischen staatlicher Politik und den praktischen Bedürfnissen der Arbeitskräfte zu schließen, ist es daher notwendig, dass Organisationen mit innovativen Lösungen einspringen, um Vollzeitarbeit attraktiver zu machen.
Eine Lösung könnte darin bestehen, die Kinderbetreuung direkt zu unterstützen, sei es durch Einrichtungen vor Ort oder durch Zuschüsse für externe Dienste, und so ein wichtiges Hindernis für eine Vollzeitbeschäftigung zu beseitigen. Dieser Schritt geht direkt auf Bedenken hinsichtlich der Qualität, Flexibilität und Erschwinglichkeit der Kinderbetreuung ein und zeigt das Engagement des Unternehmens für eine integrative und unterstützende Arbeitsplatzkultur. Darüber hinaus ist die Integration von Technologie zur Automatisierung von Transaktionsaufgaben, zur Schaffung alternativer Karrierewege, zur Erweiterung der Lernmöglichkeiten und zur Förderung einer florierenden Kultur von entscheidender Bedeutung. Diese Initiativen machen nicht nur Vollzeitstellen attraktiver, sondern tragen auch dazu bei, Mitarbeiter zu halten, selbst wenn sie in anspruchsvollere Rollen aufsteigen.
Hybride Arbeitsmodelle, die Remote- und Büroarbeit miteinander verbinden, sind ein integraler Bestandteil dieser Strategie. Es bietet die erforderliche Flexibilität und behält gleichzeitig die wesentlichen persönlichen Interaktionen bei, die die Unternehmenskultur stärken. Durch die Anpassung dieser Modelle an die individuellen Ziele der Organisation wird sichergestellt, dass sie einen positiven Beitrag zu den Gesamtzielen des Unternehmens leisten. Darüber hinaus fördern diese Modelle zwischenmenschliche Verbindungen, die für psychische Gesundheit, Kreativität und Innovation unerlässlich sind. Der Schwerpunkt liegt auf der strategischen Nutzung von Bürointeraktionen, um ein Gleichgewicht zu erreichen, das sowohl dem Einzelnen als auch der Organisation zugute kommt und eine Vollzeitbeschäftigung für alle Beteiligten zu einer attraktiveren Option macht.
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