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Die tragische Liebesgeschichte von Romeo und Julia kennt vermutlich, zumindest dem Titel nach, jeder. Als William Shakespeare es 1597 als Theaterstück in gedruckter Form erstmals veröffentlichte, war er sich sicher nicht bewusst, dass er damit einen Grundstein für tausende von späteren Werken legte. Adaptionen in Romanen, Theaterstücken und später in Filmen, in denen der Stoff direkt oder auch indirekt verarbeitet wurden, können ohne Übertreibung als stil- und kulturprägend bezeichnet werden.
Dabei war Shakespeare mitnichten der Erfinder dieser Geschichte. Er selber entlieh sich den Stoff vom englischen Autor Arthur Brookes, welcher 1562 ein Werk mit dem Titel «The Tragicall Historye of Romeus and Juliet» veröffentlicht hatte. Wobei auch Brooke auf noch frühere Veröffentlichungen zurückgriff, welche aus Frankreich und Italien stammten. Der italienische Autor Luigi da Porto schuf bereits 1530 eine Novelle mit dem Titel: «Historia novellamente ritrovata di due nobili amanti», in welcher einige von Shakespeare später verwendeten Charakteren bereits angelegt sind. Luigi da Porto seinerseits bediente sich bei seinem italienischen Landsmann Masuccio Salernitano, welcher bereits ein Jahrhundert zuvor eine tragische Liebesgeschichte geschrieben hatte – und ab hier verliert sich der Ursprung von Romeo und Julia im Dunkeln der Geschichte…
William Shakespeares Theaterstück ist an Dramatik und Tragik kaum zu überbieten und handelt nach dem Grundsatz, dass eine Geschichte erst zu Ende erzählt ist, wenn diese die schlimmstmögliche Wendung genommen hat. Die straffe Erzählweise, die Handlung umfasst lediglich fünf Tage, steigert die Dramatik gekonnt und lässt kaum Spielraum für einen Ausweg aus dem erzählerischen Mahlstrom. Dabei spielt das Stück gekonnt mit dem Mitwissen der Zuschauer, welchem die Ahnungslosigkeit der beiden Eltern gegenübergestellt wird und macht dadurch den Zuschauer gefühlt zum Mittäter.
Shakespeare hat viele gute und interessante, übrigens auch urkomische, Theaterstücke verfasst, Romeo und Julia gehört jedoch unbestreitbar zu meinen Favoriten aus der Feder des Meisters…
William Shakespeares Tragödie »Romeo und Julia« wurde im Jahr 1597 in London uraufgeführt.
Die beiden einflussreichen Veroneser Familien Montague und Capulet sind miteinander verfeindet. Wo sich die einzelnen Familienangehörigen und Bediensteten treffen, kommt es zu Streit und Reibereien.
Als sich der junge Romeo, Sohn der Familie Montague, maskiert und heimlich an einem Fest der Capulets teilnimmt, lernt er ihre Tochter Julia kennen und verliebt sich auf der Stelle in das hübsche Mädchen. Die Liebe bleibt nicht unerwidert, muss aber aufgrund der Feindschaft zwischen den beiden Familien geheim gehalten werden.
Romeo und Julia entschliessen sich zu heiraten und können den Franziskanermönch Lorenzo dazu überreden die geheime Trauung vorzunehmen.
Als Romeo später auf Tybalt Capulet trifft und mit diesem in Streit gerät, tötet er ihn und wird zur Strafe durch Prinz Escalus aus Verona verbannt.
Julias Eltern planen derweil, ihre Tochter mit dem Edelmann Paris zu vermählen. Darauf eilt Julia in ihrer Verzweiflung zu Lorenzo und bittet diesen um Hilfe. Lorenzo händigt ihr einen Trank aus, mit dem ein Scheintod herbeigeführt werden kann. Julia nimmt ihn ein und wird am nächsten Morgen von ihrer Familie gefunden und für tot gehalten. Sie überführen den vermeintlichen Leichnam in die Familiengruft.
Währenddessen sendet Lorenzo einen Kurier zu Romeo, der diesen über die Sachlage informieren soll. Die Botschaft erreicht Romeo aber nicht rechtzeitig, und der verzweifelte Jüngling nimmt sich am Grab seiner geliebten Ehefrau das Leben. Kurz danach erwacht Julia aus ihrem Tiefschlaf, sieht ihren toten Romeo und nimmt sich nur ihrerseits das Leben…
Die beiden Familien Montague und Capulet treffen am Grab ihrer Kinder auf Lorenzo und erfahren nun durch den Franziskaner die tragische Geschichte…
Originaltitel: The Most Excellent and Lamentable Tragedy of Romeo and Juliet
Originalverlag: Unbekannt
Erstveröffentlichung: 1597
Sprache: Englisch
Land: England
Meine Ausgabe
Ins deutsche übertragen durch: August Wilhelm Schlegel (und L.L. Schücking)
Verlag: Galiani, Berlin
Jahr: 2016
Verarbeitung: Roter Pappeinband mit Prägung, farbigem Rundumschnitt und Fadenheftung
Illustrationen: Kat Menschik
Einbandgestaltung: Kat Menschik
Seiten: 140
Verarbeitungsqualität (1-10): 8
ISBN: 978-3-86971-142-3
Literarischer Anspruch (1-10): 9
Literarische Gattung: Theaterstück / Tragödie
Handlungsort: Verona, Italien
Thema: Unerfüllte Liebe
Schlagwörter: Liebe / Streit / Tod / Italien / Verona / Heirat / Verzweiflung / Eltern / Kinder
26. April 1564 in Stratford-upon-Avon, England (Taufdatum)
23. April 1616 in Stratford-upon-Avon, England
William Shakespeare war ein englischer Dramatiker und Schauspieler.
Shakespeare entstammte einer wohlhabenden Bürgerfamilie und arbeitete zu Beginn als Lehrer, bevor er sich in London als Theaterschauspieler und Stückeschreiber betätigte.
William Shakespeare gilt heute als einer der bedeutendsten Dramatiker überhaupt. Die meisten seiner 37 Theaterstücke werden auch heute noch regelmässig aufgeführt. Sowohl seine Komödien wie auch seine Tragödien hatten und haben einen immensen Einfluss auf das kulturelle Schaffen und sind stilprägend, sowohl im Theater wie auch in der Literatur oder im Film. Unzählige seiner Werke wurden adaptiert und weiterentwickelt.
Public Domain: William Shakespeare – Gemälde von John Taylor von 1610
Wer kennt ihn nicht, den «Ritter von der traurigen Gestalt», der mit seinem klapperdürren Gaul Rosinante und dem getreuen, wenn auch etwas einfältigen, Diener Sancho Panza über die Weiten der Mancha zieht und allerhand abstruse Abenteuer besteht – oder besser überlebt.
Kaum zu glauben, dass dieses wunderbare Werk vor über 400 Jahren verfasst wurde, erscheinen uns doch die Schicksale, der ironische Humor und die einfallsreichen Wendungen irgendwie vertraut und gegenwärtig. Dies liegt möglicherweise daran, dass die Figur Don Quijote längst zum gesamteuropäischen Kulturgut geworden ist und somit durch unzählige literarische Nachahmungen und Adaptionen, zum Beispiel durch Christoph Martin Wieland, eine Brücke zur Gegenwart geschlagen hat. Auch Theaterinszenierungen oder Opern gibt es mit Don Quijote und nicht zuletzt mindestens fünfzig Filme, die sich direkt, und unzählige Verfilmungen, die sich indirekt der Motive aus Cervantes Fundus bedienen. Und falls Sie sich schon darüber geärgert haben sollten, dass Sie gegen «Windmühlen» kämpfen mussten, verdanken Sie auch diese Redewendung dem humorvollen Einfall Cervantes.
Miguel de Cervantes hatte selber ein sehr bewegtes Leben als Soldat und war mit seinem Theologiestudium und diversen Gefängnisaufenthalten bestens dafür gerüstet, der Welt den Spiegel vorzuhalten. Dabei ist sein Opus Magnum nur vordergründig eine Ritterroman-Parodie, denn mit dem subtilen, und manchmal auch brachialen, Spiel von Wirklichkeit und Fantasie, oder der Frage, ob die Welt, wie sie uns erscheint, real oder vielleicht doch nur eine kollektiver Traum sei, betreten wir hochphilosophisches Terrain.
Ebenso vertreten ist die Kritik an der Obrigkeit – wenn auch filigran in eine vordergründig simple Handlung gebettet.
Cervantes Epos sollte nach dem Erscheinen des zweiten Teiles 1615 eine noch nie dagewesene Popularität eines literarischen Werkes erreichen und Kunstschaffende in allen Disziplinen beeinflussen und inspirieren – ein Phänomen, welches bis zum heutigen Tage anhält – und ich würde sagen, auch wenn ich mit Superlativen vorsichtig bin, dass wir es bei «Don Quijote» mit einem der wichtigsten Werke der Weltliteratur zu tun haben.
Erster Teil (1605)
Irgendwo in der Mancha in Spanien lebt der adelige Alonso Quijano. Um seine müssige Zeit zu vertun, liest er mit viel Begeisterung Ritterromane. Dies tut er derart exzessiv, dass er irgendwann Realität und Fantasie durcheinander bringt – und sämtliche gelesene Abenteuer für wahr hält.
Es kommt, wie’s kommen muss, und Alonso beschliesst, selber ein fahrender Ritter zu werden. Er möchte Abenteuer bestehen, den Geknechteten zu Hilfe eilen sowie Ruhm und Ehre erlangen.
Quijano ändert seinen Namen in Don Quijote und seinem dürren Pferd gibt er den Namen Rosinante. Zu einem echter Ritter gehört auch eine angebetete Edeldame, für die er all die tapferen Taten bestehen will. So erinnert sich Don Quijote an ein Bauernmädchen, welches er in seiner Jugend einst angebetet, seither jedoch nie mehr gesehen hat – kurz entschlossen benennt er sie mit dem schönen Namen Dulcinea von Toboso und macht sie zu seiner Herzensdame.
Da Don Quijote der einzige ist, der noch in der Ritterzeit lebt, geraten seine Abenteuer dementsprechend haarsträubend. Sein Realitätsverlust führt dazu, dass er in einfachen Herbergen Burgen zu erkennen glaubt und einfache Dirnen mit Burgfräuleins verwechselt. Jedes Abenteuer endet damit, dass Don Quijote derbe Prügel bezieht.
Zu seinem Schutz ernennt Don Quijote den einfachen Bauern Sancho Panza zu seinem Stallmeister. Zusammen bestehen sie die verrücktesten Abenteuer, wie den Kampf gegen die Riesen (Windmühlen) oder den Angriff auf ein riesiges Heer (eine Schafherde)…
Der erste Teil der Geschichte endet damit, dass der Dorfpfarrer von Don Quijotes Heimatdorf den «Ritter» überlistet und ihn zurück in seine Heimat bringt.
Zweiter Teil (1615)
Der unbeirrbare Don Quijote und sein treuer Diener Sancho Panza ziehen erneut aus, um Abenteuer zu bestehen, wobei die Abenteuer nun zuweilen glimpflicher verlaufen, da unsere beiden Helden auf Leute treffen, die den ersten Teil gelesen haben und somit wissen, mit wem sie es zu tun haben. Diese Tatsache ändert jedoch nichts an den verwirrten Vorstellungen Don Quijotes und den ebenso hilflosen Versuchen Sanchos, seinen Herrn vor Ungemach zu bewahren.
Nachdem Don Quijote bei einem Turnier vom Ritter vom silbernen Mond geschlagen wird, verpflichtet er sich, in seine Heimat zurückzukehren – nicht ahnend, dass er erneut einem Winkelzug seines Dorfpfarrers zum Opfer gefallen ist.
Kaum zu Hause angekommen, wird Don Quijote krank und beginnt zu erkennen, in was für einer Traumwelt er bis anhin gelebt hat…
Originaltitel: El ingenioso hidalgo Don Quixote de la Mancha
Originalverlag: Juan de la Cuesta, Madrid
Erstveröffentlichung: 1. Teil 1605 / 2. Teil 1615
Sprache: Spanisch
Land: Spanien
Meine Ausgabe
Übersetzung ins Deutsche durch: Ludwig Braunfels
Verlag: Artemis & Winkler Verlag, München
Jahr: 1993
Nachwort: Fritz Martini
Verarbeitung: Caramelbrauner Ledereinband mit Goldschnitt, Fadenheftung und Frontispiz.
Einbandgestalung: Artemis & Winkler Verlag
Seiten: 1’170
Verarbeitungsqualität (1-10): 9
ISBN: 3-538-05523-8
Literarische Gattung: Roman / Ritterroman / Abenteuerroman
Literarischer Anspruch (1-10): 8
Handlungsort: Spanien
Thema: Selbstfindung / Wahrheit & Einbildung
Schlagwörter: Ritter / Abenteuer / Irrtum / Wahrheit / Einbildung / Religion / Glauben / Herr und Diener / Weltliteratur
29. September 1547 in Alcalá de Henares, Spanien
22. April 1616 in Madrid, Spanien
Miguel de Cervantes Saavedra war ein spanischer Schriftsteller und gilt heute als Spaniens Nationaldichter – vergleichbar mit Shakespeare in England.
Cervantes stammte aus einer verarmten Adelsfamilie – sein Vater Rodrigo arbeitete als Wanderchirurg.
Nach dem Studium der Theologie begab sich Cervantes 1569 nach Rom, wo er als Kammerdiener tätig war. Später trat er in den Dienst der in Neapel stationierten spanischen «Infanteria de Marina» und nahm 1571 an der Schlacht von Lepanto teil. Cervantes erlitt dabei diverse Schusswunden, seine linke Hand blieb zeitlebens gelähmt.
1575 wurde das Schiff, auf dem sich Cervantes befand, von algerischen Korsaren überfallen, Cervantes gefangengenommen und als Sklave nach Algier verschleppt. Nach langen fünf Jahren gelang es ihm, wieder nach Spanien zurückzukehren.
Bis 1582 nahm Cervantes als spanischer Soldat an diversen Kriegszügen in Portugal und auf den Azoren teil. In den 1580er-Jahren wurde Cervantes erstmals schriftstellerisch tätig. Er verfasste Theaterstücke, die aber nur wenig Beachtung fanden. Aus finanzieller Not heraus arbeitete er als Steuereintreiber. Nebenbei schrieb er Novellen, Romane und schliesslich sein bis heute berühmtestes Werk «El Ingenioso Hidalgo Don Quijote de la Mancha», dessen erster Teil 1605 erschien und ihm zu Weltruhm verhalf.
Das Gemälde wurde ca. 1600 durch Juan Martinez de Jáuregui y Aguilar erstellt und soll Muguel de Cervantes zeigen – die Authentizität ist jedoch nicht gesichert.
Die Abenteuergeschichte des Don Sylvio von Rosalva ist mein absoluter Lieblingsroman von Christoph Martin Wieland.
Wir haben es hier mit einer Art Persiflage und gleichzeitiger Huldigung Cervantes’ Don Quijote zu tun. Der Roman nimmt in vielen Szenen auch direkt Bezug auf das berühmte Werk. Während Don Quijote zu viele Ritterromane las, und dadurch die Realität aus den Augen verlor, sind dies bei unserem Helden Don Sylvio die Feenmärchen, die ihn unversehens in eine Traumwelt versetzen, in der alles und jedes Unscheinbare eine märchenhafte Umdeutung erfährt. Müssig zu erwähnen, dass aus diesem Realitätsverlust unzählige phantasievolle Einlagen erwachsen. Wieland schöpft aus dem Vollen, und es ist beim Lesen stets zu bemerken, wie viel Spass der Autor selber bei der Niederschrift dieses aberwitzigen und zuweilen auch zynischen Werkes gehabt haben muss.
Wieland, einer der angesehenen Aufklärer seiner Zeit, macht es sichtlich Spass aufzuzeigen, wohin man gerät, wenn die Realität zugunsten von weltfremden Glaubenssätzen über Bord geworfen wird - gleichzeitig scheint er mit fortschreitender Handlung zunehmend Anteil am Leid seines Helden genommen zu haben und hat dem an sich sehr zynischen Roman ein versöhnliches Ende zugestanden.
Don Sylvios Geschichte ist nicht nur eine Abenteuergeschichte im heutigen Sinne, sondern gleichzeitig auch eine sehr anrührende (doppelte) Liebesgeschichte - und einer der besten, amüsantesten deutschen Romane des 18. Jahrhunderts!
Im Zentrum der Geschichte steht Don Sylvio, der nach dem Tod seiner Eltern von seiner Tante grossgezogen wird. Angeregt durch seine Tante, liest er mit Vorliebe Feenmärchen und entrückt sich, bedingt durch seine Lektüre, immer weiter von der tatsächlichen Welt. Hinter jeder noch so alltäglichen Begebenheit, steckt für ihn ein Universum von verzauberten Wesen und übersinnlichen Wahrnehmungen.
Als Don Sylvio eines Tages während eines Waldspaziergangs auf ein Medaillon mit dem Bildnis einer wunderschönen Frau stösst, ist für ihn klar, dass es sich nur um ein Zeichen einer Fee handeln kann. Als ihn seine Tante dann auch noch mit einer sehr unattraktiven Dame verkuppeln will, flieht er zusammen mit seinem Bediensteten Pedrillo.
Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach der vermeintlichen Fee. Auch Pedrillo wird von den Flausen seines Herren angesteckt, und so dauert es nicht lange, bis sie alle beide in höchste Bedrängnis geraten und in haarsträubende Abenteuer verwickelt werden, in denen gute wie böse Feen, verzauberte Schmetterlinge und verwunschene Nymphen noch das Harmloseste ist, mit dem sie konfrontiert werden…
Originaltitel: Der Sieg der Natur über die Schwärmerey, oder die Abentheuer des Don Sylvio von Rosalva, Eine Geschichte worinn alles Wunderbare natürlich zuget.
Originalverlag: Albrecht Friederich Bartholomäi, Ulm
Erstveröffentlichung: 1764
Sprache: Deutsch
Land: Deutschland
Meine Ausgabe
Verlag: Haffmans Verlag, Zürich
Jahr: 1997
Verarbeitung: Halbleineneinband mit weiss marmoriertem Pappüberzug, Fadenheftung und Schutzumschlag.
Herausgeber: Jan Philipp Reemtsma / Hans und Johanna Radspieler
Einbandgestaltung: Urs Jakob
Seiten: 453
Verarbeitungsqualität (1-10): 7
ISBN: 3-251-20201-4
Literarische Gattung: Roman
Literarischer Anspruch (1-10): 8
Handlungsorte: Valencia, Spanien
Thema: Liebe
Schlagwörter: Suche / Beziehungen / Abenteuer / Feen / Schwärmerei / Übersinnliches / Realität / Adel
05. September 1733 in Oberholzheim, Deutschland
20. Januar 1813 in Weimar, Deutschland
Christoph Martin Wieland war einer der bedeutendsten Schriftsteller zur Zeit der Aufklärung.
Wieland war der Sohn eines Pfarrers und verfasste schon als jugendlicher Lyrik in verschiedenen Sprachen. Nach seiner Internatszeit in einem Kloster bei Magdeburg, begann er 1750 ein Jurastudium in Erfurt.
Nach seinem Studium begab sich Wieland auf Reisen und arbeitete als Hauslehrer. 1765 heiratete er und lebte mit seiner Frau in Erfurt, wo er unter anderem als Herausgeber der Zeitschrift „Der Teutsche Merkur“ tätig war.
Wieland war einer der Mitbegründer des deutschen Bildungsromans, ein begnadeter Übersetzer und stilistisch bis heute prägender Lyriker.
Gemälde von Ferdinand Wagemann (1780-1820) von Christoph Martin Wieland 1805
Tobias Smollett hat in seinem kurzen Leben – er wurde lediglich fünfzig Jahre alt – einige bemerkenswerte Romane verfasst. 1771, nur wenige Monate vor seinem Tod, beendete er mit «Humphry Clinkers Reise» sein reifstes und ausgewogenstes Werk.
«Humphry Clinkers Reise» ist ein Briefroman, in welchem die Geschichte durch die Briefe der sechs Hauptfiguren erzählt wird – witzigerweise ist die Titelfigur Humphry Clinker keine dieser schreibenden Figuren, so dass wir also nur indirekt und erst noch aus völlig unterschiedlichen Perspektiven von seinen Taten und Abenteuern erfahren.
Genau diese unterschiedlichen Schilderungen der selben Ereignisse, machen den Reiz dieser humorvollen und intelligenten Geschichte aus. So erfahren wir von Matthew Bramble vieles über die damaligen hygienischen Missstände Englands, sowie die schon damals akute Lärmbelästigung und Umweltverschmutzung in den Grossstädten. Während in den Briefen seiner Nichte Lydia, welche die genau gleichen Begebenheiten schildert, der Charme und die Vitalität derselben Städte gelobt wird.
Smollett wurde stark durch Cervantes, Jonathan Swift und den französischen Romancier Alain-René Lesage beeinflusst und war seinerseits ein Vorbild für Charles Dickens. Gerade Smolletts grandioses Gespür für die menschlichen Schwächen und die pointierte, schalkhafte Beschreibung verschiedenster Charaktere, sind knapp hundert Jahre später auch in Dickens Werken immer wieder anzutreffen.
Smollett beschreibt jedoch durch seine Protagonisten nicht nur Menschen, sondern vor allem auch die sozialen und politischen Verhältnisse in England und Schottland im 18. Jahrhundert: Was er dabei über die damaligen High-Society-Städte wie zum Beispiel Bath zu sagen hatte, ist alles andere als schmeichelhaft ausgefallen und wurde nach Erscheinen des Romans auch von seinen Zeitgenossen kontrovers diskutiert.
Smollett war Schotte, und so war auch das im 18. Jahrhundert schwierige Verhältnis zwischen Schottland und England ein interessantes Feld, welchem der Autor in seinem Roman ausgiebig Raum gewährt.
In kaum einem Werk kann so viel über die englischen Sitten, Manieren und Verhaltensmuster erfahren werden, wie im vorliegenden – und dies in einer schonungslosen, zuweilen deftigen Sprache, derart offen und unverfroren satirisch, dass es kaum verwunderlich ist, dass Tobias Smolletts Romane im biederen viktorianischen Zeitalter als unpassend empfunden und kaum noch gelesen wurden.
Tobias Smolletts Schreibstil ist erfrischend modern, und auch seine Grundthemen sind kaum weniger aktuell als vor 250 Jahren – was faszinierend und erstaunlich zugleich ist…
Der Waliser Gutsbesitzer Matthew Bramble ist zusammen mit seiner Schwester Tabitha, seiner Nichte Lydia und seinem Neffen Jeremy Melford auf einer Reise quer durch Grossbritannien. Begleitet werden sie von Tabithas Dienstmagd Winifred Jenkins und weiteren Bediensteten. Die Reiseroute beginnt bei ihrem Anwesen Brambleton Hall im Südwesten Englands und führt über Gloucester, Bath, London, Harrogate, Scarborough und Edinburgh bis in die schottischen Highlands.
Das eigentliche Ziel der Reise ist es, die Gesundheit des gichtkranken Matthew Bramble wieder herzustellen. Auf dem Weg nach London trifft die Gruppe auf den quirligen Stallburschen Humphry Clinker, den Matthew Bramble kurzerhand in seine Dienste nimmt.
Nach und nach lernt der Leser die kleine Gruppe näher kennen: Matthew Bramble, ein kritischer Geist mit Hang zur Hypochondrie, steht in regem Briefkontakt mit seinem Hausarzt Dr. Lewis, dem er seine Erlebnisse und Meinungen übermittelt.
Matthews Schwester Tabitha ist eine gehässige und zänkische Jungfer, die die Reise als Vorwand für die Suche nach einem Ehemann nutzt. Mit ihrer egoistischen und unbarmherzigen Art gerät sie immer wieder mit dem gutmütigen Matthew in Streit. Tabithas Dienerin Winifred ist zwar ungebildet, hat jedoch, im Gegensatz zu ihrer Herrin, das Herz auf dem rechten Fleck und verliebt sich schon bald in Humphry Clinker.
Lydia Melford war von einem Schauspieler namens Wilson in ein romantisches Abenteuer verstrickt worden und ist nun zwischen ihren Gefühle gegenüber Wilson und den Verpflichtung gegenüber ihrer Familie hin und hergerissen.
Währenddessen hält ihr Bruder Jeremy ein schützendes Auge auf seine Schwester und beobachtet die muntere Reisegruppe, um die erlebten Abenteuer seinem Freund Watkin Phillips in Oxford zu rapportieren.
Es wird geflucht und geliebt, gestritten und gebetet – und derweil so manch haarsträubendes Abenteuer erlebt – und bevor die kleine Reisegesellschaft wieder in Brambleton Hall eintrifft, müssen noch drei Hochzeiten gefeiert werden…
Originaltitel: The Expedition of Humphry Clinker
Originalverlag: W. Johnson & B. Collins, London
Erstveröffentlichung: 1771
Sprache: Englisch
Land: England
Meine Ausgabe
Übersetzung ins Deutsche durch: Peter Staengle
Verlag: Manesse Verlag, Zürich
Jahr: 1996
Verarbeitung: Brauner Leineneinband mit Rückenprägung, Lesebändchen und Fadenheftung.
Einbandgestaltung: Manesse Verlag; unter Verwendung eines kolorierten Stiches von Thomas Rowlandson
Seiten: 720
Verarbeitungsqualität (1-10): 8
ISBN: 3-7175-1896-8
Literarische Gattung: Roman / Briefroman / Klassiker
Literarischer Anspruch (1-10): 8
Handlungsorte:
- Gloucester, England
- Bath, England
- London, England
- Harrogate, England
- Scarborough, England
- Edinburgh, Schottland
Thema: Reisen / Gesellschaftskritik
Schlagwörter: England / 18. Jahrhundert / Reisen / Beschreibungen / Abenteuer / London / Bath / Schottland / Wales / Missstände / Humor
19. März 1721 in Cardross, Schottland (Taufdatum!)
17. September 1771 in Livorno, Italien
Tobias George Smollett war ein schottischer Arzt und Schriftsteller.
Smollett studierte Medizin in Glasgow, verliess die Universität jedoch ohne Abschluss. Danach arbeitete er als medizinischer Assistent, bevor er 1740 sein Glück als Schiffsarzt auf der H.M.S. Chichester suchte. Nach einem mehrjährigen Aufenthalt auf Jamaika, kehrte Smollett 1747 zurück nach London, wo er als Arzt praktizierte.
Smolletts schriftstellerische Karriere startete mit seinem ersten Roman «Die Abenteuer des Roderick Random» 1748 gleich richtig durch, so gehörte er innerhalb weniger Jahre neben Oliver Goldsmith, Samuel Johnson und Laurence Sterne zu den bedeutendsten britischen Literaten.
Im Unterschied zu seinen schreibenden Kollegen, zeichnete sich Smollett durch eine sehr bissige Satire aus, zudem beschönigte er wenig und verlieh seinen Figuren eine passende, realistische Sprache, welche auch mal derb und grob ausfallen konnte.
Wenige Monate nach dem Abschluss seines letzten Werkes «Humphry Clinkers Reise», verstarb Tobias Smollett in Livorno, Italien, wo er sich aus Krankheitsgründen schon seit einigen Jahren aufhielt.
Porträt von Tobias Smollett (Gemälde von Nathaniel Dance-Holland ca. 1764
Dem französischen Philosophen Denis Diderot ist mit diesem wunderbaren Roman ein Glanzstück der Reise- und Abenteuerliteratur gelungen. Die Handlung beinhaltet unzählige Anspielungen an andere grosse Werke der Literaturgeschichte – die beiden Protagonisten erinnern verdächtig an Cervantes’ «Don Quijote und Sancho Panza», wie sie so durch die Gegend ziehen und von einem Missgeschick ins nächste stolpern. Gleichzeitig haben wir es hier auch mit einem Schelmenroman zu tun, denn Jacques’ Erzählung über seine Liebeshändel sind stellenweise schon sehr handfest ausgeführt.
Als originell empfand ich die Tatsache, dass der Autor selber immer wieder ins Geschehen eingreift und sich direkt an den Leser wendet, um diesem klarzumachen, dass der Roman – und somit die Weiterführung der Geschichte – voll und ganz in seiner Hand liege, und er jederzeit die Handlungsrichtung nach Gutdünken verändern könne. Dieses Spiel mit dem Leser ist äusserst witzig und pointiert und verschafft dem Roman eine zusätzliche Ebene, die viel Schalk sowie Ironie freisetzt.
Die Selbstbestimmung des Menschen und dem gegenübergestellt die Abhängigkeit von einem übergeordneten Schöpfer, war eines der grossen philosophischen Themen Diderots, welches er in diesem Meisterwerk ad absurdum führt. Wobei der Diener Jacques die Rolle des Fatalisten einnimmt, der davon ausgeht, dass alles „da oben“ festgeschrieben sei, während sein Herr den Part des kritischen Geistes im Sinne der Aufklärung (und Diderots) einnimmt – wobei Diderot als Autor fortwährend beide Seiten in Frage stellt und es somit dem Leser überlässt, seine eigenen Schlüsse aus dem grandiosen Verwirrspiel zu ziehen.
Denis Diderot war in seiner Heimat nicht all zu hoch angesehen, sondern musste sich vielmehr ständig vor einer Verhaftung fürchten, da seine aufklärerischen Ansichten im monarchistischen Frankreich nicht auf Anklang stiessen. Aus diesem Grund erschien dieses wunderbare Werk nicht zu Diderots Lebzeiten – und als es 1792, acht Jahre nach Diderots Tod, endlich das Licht der Welt erblickte, geschah dies in der deutschen Übersetzung von Wilhelm Christhelf Sigmund Mylius in einem Berliner Verlag.
Kurz und knapp, ein vergnügliches, literarisch reizvolles Ränkespiel, das in seiner raffinierten Anlage und seiner humorvollen Ausarbeitung in der Literaturgeschichte einzigartig dasteht.
Der Diener Jacques reist zusammen mit seinem adeligen Herrn quer durch Frankreich. Um sich die Zeit zu vertreiben, bittet der Herr seinen Diener, ihm die Geschichte seiner ersten Liebesaffäre zu erzählen. Doch so einfach ist das nicht, denn Jacques ist zwar äusserst mitteilsam, treibt seinen Herrn jedoch durch viele Abschweifungen und seine fatalistische Weltanschauung – «… denn es steht alles dort oben geschrieben…» – immer wieder zur Verzweiflung. Zudem wird die Erzählung fortwährend durch unvorhergesehene Abenteuer und Ereignisse unterbrochen, was dann zu neuen Abschweifungen Jacques’ führt.
So diskutieren die beiden über philosophische Themen wie Willensfreiheit und Vorherbestimmung, während sie auf allerlei interessante Zeitgenossen treffen…
Als wäre dies nicht schon verwirrend genug, greift auch der Autor selber immer wieder aktiv ins Geschehen ein, indem er sich direkt an den Leser wendet…
Originaltitel: Jacques le fataliste et son maître
Originalverlag: Buisson, Paris
Erstveröffentlichung: 1796
Sprache: Französisch
Land: Frankreich
Meine Ausgabe
Übersetzung ins Deutsche durch: Hinrich Schmidt-Henkel
Verlag: Matthes & Seitz, Berlin
Jahr: 2013
Nachwort: Hans Magnus Enzensberger
Verarbeitung: Auberginfarbener Pappeinband mit Fadenheftung und Schutzumschlag.
Einbandgestalung: Matthes & Seitz
Seiten: 428
Verarbeitungsqualität (1-10): 8
ISBN: 978-3-88221-058-3
Literarische Gattung: Roman
Literarischer Anspruch (1-10): 8
Handlungsort: Frankreich
Thema: Willensfreiheit / Determinismus
Schlagwörter: Aufklärung / Philosophie / Reise / Liebe / Ästhetik / Moral / Humor / Religion
05. Oktober 1713 in Langres, Frankreich
31. Juli 1784 in Paris, Frankreich
Denis Diderot war ein französischer Schriftsteller, Dramatiker, Essayist, Kunst- und Literaturkritiker, Übersetzer, Philosoph und Enzyklopädist – oder um es kurz zu machen: ein Universalgenie!
Diderot war massgeblich am Jahrhundertwerk «Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers » beteiligt, für welche er allein über 6000 Artikel verfasste. Ferner legte er den Grundstein für das bürgerliche Drama im französischen Theater. In der Philosophie waren die menschliche Selbstbestimmung, sowie die vernunftgeprägte Suche nach Erkenntnissen, ohne dabei den Menschen aus den Augen zu verlieren, zwei seiner vorrangigsten Themen.
Zu Lebzeiten war Denis Diderot seinen Landsleuten kaum bekannt, da viele seiner grossen Werke erst nach seinem Tod veröffentlicht wurden. Bis er endlich die verdiente Anerkennung als Universalgenie und wichtiger Philosoph der Aufklärung erlangte, sollte es bis zum Ende des 19. Jahrhunderts dauern…
Porträt von Denis Diderot von 1767 – Maler: Louis-Michel van Loo (1707-1771)
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