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Antioxidantien
Antioxidantien werden umgangssprachlich auch als «Radikalfänger» bezeichnet. Dabei handelt es sich um Enzyme, die freie Radikale (instabile, energiereiche Moleküle, die die Körperzellen angreifen und schädigen, siehe unten) binden und so beispielsweise Körperzellen vor Schaden schützen. Der menschliche Organismus verfügt über eine ganze Reihe solcher Antioxidantien, er nimmt sie aber auch über die Nahrung auf wie beispielsweise Vitamin C, Vitamin E, Vitamin B12 sowie Betacarotin.
Avitaminose
Nimmt jemand ein Vitamin über einen längeren Zeitraum gar nicht zu sich, führt dies zu einer Avitaminose. Sie kann zu schweren Schäden bis zum Tod führen. Solche extremen Fälle kommen beispielsweise bei Mangel- oder Fehlernährung in Entwicklungsländern vor. Beispiele:
Anämie (Blutarmut) bei fehlendem Vitamin B12 und Folsäure.
Rachitis (Erkrankung der Knochen im Kindesalter) bei fehlendem Vitamin D3.
Nachtblindheit bei fehlendem Vitamin A.
Skorbut (Zahnausfall, Blutungen, Zahnfleischentzündung) bei fehlendem Vitamin C.
Beriberi (Muskelschwund, Nervenlähmung, Herzinsuffizienz) bei fehlendem Vitamin B1.
Umfrage
Bioverfügbarkeit
In der Nahrung enthaltene Vitamine und Mineralstoffe erreichen nicht zu 100 Prozent den Ort im Körper, wo sie benötigt werden. Der Anteil eines aufgenommenen Nährstoffes, der dort landet, wo er wirken sollte, heisst Bioverfügbarkeit. Je mehr und je schneller Nährstoffe also ans Ziel gelangen, desto höher ist die Bioverfügbarkeit. Dass nicht alle Nährstoffe verwertet werden, liegt zum Teil daran, dass sie nicht von den Darmzellen aufgenommen und sofort ausgeschieden oder dass sie nach der Aufnahme direkt verstoffwechselt werden. So behindern beispielsweise schwer verdauliche pflanzliche Zellwände das Freisetzen von Nährstoffen aus Obst, Gemüse und Getreide und vermindern damit die Bioverfügbarkeit. Dagegen helfen Kochen oder Garen.
Eisenaufnahme verbessern
Wie viel ein Lebensmittel zur Eisenversorgung beiträgt, hängt weniger vom Gehalt an Eisen, sondern von dessen Verfügbarkeit ab. So kann der Körper Eisen aus tierischen Lebensmitteln zu 20–30 Prozent aufnehmen, solches aus pflanzlichen zu 1–10 Prozent. Allerdings lässt sich diese sogenannte Absorptionsrate erhöhen. Beispielsweise durch die gleichzeitige Einnahme von Vitamin C, Fruchtsäuren und anderen organische Säuren wie Wein- oder Milchsäure. Auf der anderen Seite hemmen Inhaltstoffe pflanzlicher Nahrungsmittel wie Oxalate (v. a. in Rhabarber, Spinat, Krautstiel), Phytinsäure (z. B. in Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten), Tannine und andere Polyphenole (sekundäre Pflanzenstoffe) die Aufnahme von Eisen, genauso wie Kalzium oder Koffein.
Freie Radikale
Freie Radikale sind aggressive Sauerstoffmoleküle, die bei Stoffwechselprozessen im Körper entstehen. Es wird vermutet, dass sie im Zellkern das Erbgut angreifen. Vitamine wie A, C und E, sogenannte Antioxidantien, bekämpfen freie Radikale. Sie fördern die Gesundheit, wenn sie aus Gemüse und Früchten stammen. Anders sieht es bei Supplementen aus. Für gesunde Menschen ohne Vitaminmangel sind Supplemente nach heutigem Wissenstand nicht sinnvoll. So zeigte eine Studie mit über 35 000 Männern, dass hohe Vitamin-E-Dosen, anders als von den Wissenschaftlern erwartet, das Risiko für Krebs nicht senkten, sondern sogar erhöhten. Heute vermutet die Wissenschaft, dass freie Radikale auch nützlich sind. Es gibt Hinweise, dass sie entartete Zellen unschädlich machen und so möglicherweise verhindern, dass Krebs entsteht.
Hypervitaminose
Nimmt jemand viel mehr fettlösliche Vitamine zu sich als nötig – insbesondere durch Medikamente –, kann es zu einer sogenannten Hypervitaminose kommen, einer Überdosierung also. Wird beispielsweise zu viel Vitamin A eingenommen, kann das zu Kopfschmerzen, Müdigkeit, Übelkeit oder auch Abschälen der Haut führen. Zu viel Vitamin D kann zu Kopfschmerzen, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Nierenfunktionsstörungen und anderen, teils schwerwiegenden Störungen führen. Darum ist es besonders wichtig, sich an die Dosierungsangaben zu halten. Fragen Sie am besten in Ihrer Drogerie, wenn Sie unsicher sind.
Makro- und Mikronährstoffe
Um zu funktionieren, braucht der Körper Nährstoffe. Zum einen die sogenannten Makronährstoffe Kohlenhydrate, Proteine (Eiweisse) und Fette. Diese Stoffe benötigt der Körper in relativ grossen Mengen als Bau- und Brennstoffe. Sie liefern Energie und dienen zum Aufbau und zur Aufrechterhaltung der Körperfunktionen. Die Mikronährstoffe Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe sowie essenzielle Fettsäuren benötigt der Körper, wie der Name schon sagt, in geringeren Mengen. Sie sind für viele Stoffwechselprozesse im Organismus notwendig.
Orthomolekulare Medizin
Der Begriff «orthomolekular» setzt sich zusammen aus dem altgriechischen Wort «ortho» (richtig, gut) und dem Wort «Molekül» (Verbindung von zwei oder mehr Atomen). Die orthomolekulare Medizin wurde 1986 vom amerikanischen Biochemiker und Nobelpreisträger Linus Pauling begründet. Im Mittelpunkt stehen die Erhaltung der Gesundheit und die Behandlung von Krankheiten durch die Einnahme von im Körper vorkommenden Substanzen, insbesondere Vitaminen und Mineralstoffen.
Verborgener Hunger
Nahezu zwei Milliarden Menschen leiden weltweit am sogenannten verborgenen Hunger: Sie hungern unwissentlich, weil sie zu wenig Vitamine und Mineralstoffe zu sich nehmen, obwohl sie genügend oder sogar übermässig viele Kalorien essen. Betroffen sind auch Menschen in Schwellen- und Industrieländern.
- Quellen
Hermann Bichsel, Sandra Horlacher: «Ernährung/Erfahrungsmedizin/Salutogenese 2/2», Lehrmittel Drogistin EFZ / Drogist EFZ, Careum Verlag, 2012
Sandra Flory: «Verborgener Hunger», Deutsche Heilpraktiker-Zeitschrift 2019
Andreas Hahn, Alexander Ströhle, Maike Wolters: «Ernährung. Physiologische Grundlagen, Prävention, Therapie», Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2016
The Alpha-Tocopherol Beta Carotene Cancer Prevention Study Group: «The effect of vitamin E and beta carotene on the incidence of lung cancer and other cancers in male smokers.», 1994
Uwe Gröber: «Orthomolekulare Medizin. Ein Leitfaden für Apotheker und Ärzte», Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2002
Uwe Gröber: «Orthomolekulare Medizin. Ein Leitfaden für Apotheker und Ärzte», Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2002
Bund Deutscher Heilpraktiker e. V.
«Der Brockhaus Ernährung», F. A. Brockhaus, 2001