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«Gott kann alles!»
– Das ist eine gängige Kurzdefinition der Allmacht Gottes. Bedeutet das also, dass sich keine Frage formulieren lässt, die mit «Kann Gott…» beginnt, auf die man mit «Nein, das kann er nicht.» antworten müsste? Mit anderen Worten:
Was genau ist in «alles» enthalten?
Die meisten Theolog:innen der Kirchengeschichte waren und sind sich darin einig, dass es Gottes Allmacht nicht einschränkt, zu sagen: Gott kann keinen eckigen Kreis zeichnen, keinen gasförmigen Festkörper produzieren und 16 nicht zur Primzahl machen. Das sind Widersprüche in sich, logische Unmöglichkeiten – sprich: Sinnlosigkeiten. Und, wie es der bekannte christliche Apologet C.S. Lewis schön sagt:
Eine Sinnlosigkeit wird nicht plötzlich sinnvoll, wenn wir die Worte «Gott kann…» voranstellen.
«Es bleibt wahr, dass alle Dinge bei Gott möglich sind; das innerlich Unmögliche ist nicht ein Ding, sondern ein Nichts. Es ist für Gott genauso wenig möglich, wie für das schwächste Seiner Geschöpfe, von zwei einander ausschließenden Alternativen beide zu verwirklichen; nicht, weil Seine Macht behindert wäre, sondern weil Unsinn eben Unsinn bleibt, selbst wenn er von Gott handelt.» (vgl. C. S. Lewis, Über den Schmerz, 23-25)
Humorvoll beschreibt auch der katholische Theologe Klaus von Stosch diesen Sachverhalt:
«Wenn Gott viereckige Kreise erschaffen kann, kann er auch gut und böse zugleich sein, die Zahl 7 mit dem Müsli seiner Großmutter vergiften und machen, dass es immer kawummelt, wenn du zuviel schawasselst» (Klaus von Stosch: Einführung in die Systematische Theologie, 49).
Mit der obigen Feststellung, Gott könnte in einer irrationalen Welt auch gut und böse zugleich sein, klingt eine weitere mögliche Rückfrage an den Inhalt von «alles» in der Behauptung «Gott kann alles» an:
Wir sollten Gottes Allmacht wohl nicht nur durch logische Überlegungen präzisieren, sondern auch durch moralische (bzw. essentielle):
Gott kann alles tun, was logisch möglich ist – und Gott kann alles tun, was mit seinem ewigen, unveränderlichen Wesen übereinstimmt.
Es schränkt Gottes Allmacht nicht ein, wenn er keinen quadratischen Kreis zeichnen kann, und es schränkt seine Allmacht auch nicht ein, wenn er nicht lügen, vergewaltigen oder betrügen kann.
Gottes Wesen ist Liebe, und seine Allmacht ist die Allmacht der Liebe.
Wer in Gottes Allmacht die Fähigkeit einschließen will, boshaft zu sein und das moralisch verwerfliche zu tun, trägt einen Widerspruch ins Wesen Gottes ein bzw. erwartet, dass Gott sich selbst negieren kann.
Übrigens spitzt Lewis seine Argumentation dann ausdrücklich auf die Frage nach der Willensfreiheit zu:
«Wenn es dir einfällt zu sagen: Gott kann einem Geschöpf einen freien Willen geben und gleichzeitig ihm den freien Willen vorenthalten, dann ist es dir einfach nicht gelungen, irgend etwas über Gott auszusagen.»
Dieser Beitrag ist einer von mehreren theologischen Exkursen, die im Büchlein «Gott hat keinen Plan für dein Leben… Aber 1’000 Möglichkeiten, mit dir ans Ziel zu kommen» eingestreut sind. Das ist keine theologische Abhandlung für Fachkreise, sondern ein kurzes, mit vielen Geschichten und reichlich Humor gespicktes Buch für jedermann/jedefrau. Es macht Mut, in einer komplexen Welt nicht an der Vielzahl von Möglichkeiten zu verzweifeln und auch nicht nach dem einen (!) Willen Gottes zu suchen, sondern zuversichtlich nach vorne zu scheitern…: Bestellbar direkt beim Verlag und überall wo’s Bücher gibt.