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In hoch- und spätmittelalterlichen Urkunden wird der Ort «vicus Telwil» (vor 1140), «Tellewilare» (1159), «Tällewiler» (1275), «Telwile» (1336) und ähnlich genannt. Der heutige Ortsname mit inlautendem «a» ist erstmals 1331 «ze Tallwile» belegt. Die meisten aller Deutschschweizer Ortsnamen, die mit -wil gebildet sind, tragen im ersten Wortteil einen althochdeutschen Personennamen. Daher ist Thalwil mit grösster Wahrscheinlichkeit als «Hofsiedlung des Tello» zu deuten. Der in späterer Zeit nicht mehr bekannte althochdeutsche Name «Tello» wurde später zu Tal umgedeutet.
Das ehemalige Bauerndorf Thalwil umfasste einst die vier Wachten Ober- und Unterdorf, Ludretikon und die heute eigenständige Gemeinde Langnau. Die einstige Hofsiedlung war im Besitz der Grafen von Habsburg, die ihn den Freiherren von Eschenbach zu Lehen gaben. Haupterwerbszweige der Bevölkerung bildeten die Landwirtschaft, der Rebbau sowie vereinzelt die Fischerei und die Schifffahrt. Grössere Grundstücke besass das Kloster Muri mit seinem Amtshaus am See und den Lehenhöfen; ferner das Kloster Wettingen, ebenfalls mit Lehenhäusern und seinem Kollaturrecht über die Kirche. Thalwil hat die älteste Holzkorporation des Kantons Zürich, die Bannegg-Waldung, welche vor 550 Jahren dem Kloster Muri gehörte und 1483 in einer Urkunde an die zwölf Nutzniesser der Hofstätten des Klosters überging. Heute ist diese Holzkorporation im Besitze von 16 Bannegg-Genossen sowie der Gemeinde. Daneben liegen auf Gemeindegebiet auch der Landforst (früher Fraumünsterforstamt) sowie die Gemeindewaldungen.
Im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts veränderte sich Thalwils stark, da viele Textilbetriebe entstanden. Unter den Unternehmern finden sich alt eingesessene Thalwiler Namen wie Schmid, Schwarzenbach oder Kölliker. Firmen, wie die 1815 in Betrieb genommene Baumwollspinnerei Schmid in Gattikon, Heer & Co. AG, 1831 als Baumwolldruckerei gegründet, die 1831 eröffnete Färberei Weidmann am See und die 1832 gegründete Seidenfirma Schwarzenbach erlangten um die Jahrhundertwende grosse Bedeutung und hielten sich bis in die 1960er-Jahre. Die Industrialisierung brachte einen grossen Bevölkerungszuwachs und liess die einzelnen Dorfteile zusammenwachsen. Diese Entwicklung wurde durch die 1875 eröffnete linksufrige Bahnlinie noch gefördert. Mit dem Bau der Linie von Zürich nach Zug (1897) wurde das Dorf zum wichtigen Bahnknotenpunkt.
Heute ist Thalwil eine Gemeinde mit über 18 000 Einwohnerinnen und Einwohnern und mit seinen Nachbargemeinden Rüschlikon, Oberrieden und Langnau praktisch zusammengewachsen.
Christina Enderli
Aus verschiedenen Quellen:
Neujahrsblatt Thalwil, 1972; Chronik der Gemeinde Thalwil, 1995, H.J. Zwicky; Wikipedia