Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03636.jsonl.gz/1938

Depression im Alter: Alternativpräparat oder Augmentation?
Eine beträchtliche Anzahl älterer Menschen mit einer Major Depression spricht nicht ausreichend auf die Medikation an. In solchen Fällen stellt sich die Frage, ob die zusätzliche Verschreibung eines weiteren Präparats aus derselben oder einer anderen Wirkstoffklasse oder ein vollständiger Wechsel des Medikaments erfolgversprechender ist.
Laut einer US-amerikanisch-kanadischen Studie (1) steigert in diesen Fällen vor allem die Augmentation mit dem atypischen Antipsychotikum Aripiprazol den Therapieerfolg.
An der Untersuchung nahmen 619 Senioren mit einer therapieresistenten Depression teil. Etwa ein Drittel der Teilnehmer nahm über zehn Wochen zusätzlich zur bestehenden Medikation Aripiprazol ein, ein weiteres Drittel erhielt den Dopamin- und Noradrenalin-Reuptake-Hemmer Bupropion als Zusatzmedikation und das letzte Drittel wechselte vollständig auf Bupropion.
Aripiprazol trat gegen Bupropion an
Der primäre Endpunkt der Studie war die Verbesserung des psychischen Wohlbefindens, gemessen anhand der Subskalen «Positiver Affekt» und «Allgemeine Lebenszufriedenheit» der National Institutes of Health Toolbox Emotion Battery. Darin erwiesen sich die Augmentation mit Aripiprazol und mit Bupropion als ähnlich effektiv. Nur die zusätzliche Einnahme von Aripiprazol zeigte eine signifikant bessere Wirkung als der Wechsel zu Bupropion.
In der Aripiprazol-Augmentationsgruppe erreichten 28,9 Prozent der Patienten eine Remission der Depression, in der Bupropion-Augmentationsgruppe waren es 28,2 Prozent und bei einem Wechsel zu Bupropion betrug die Rate 19,3 Prozent. Unter der Ergänzung mit Aripiprazol traten ausserdem seltener Sturzereignisse auf als unter der Ergänzung mit Bupropion.
Viele Ältere mit Depression sind nicht angemessen behandelt
In einer zweiten Phase der Studie nahmen 248 Personen teil, die entweder nicht auf die Behandlung in der ersten Phase angesprochen hatten oder für die Teilnahme an der ersten Phase nicht geeignet waren. Diese Personen erhielten entweder eine Ergänzung mit Lithium oder wechselten zu Nortriptylin. Beide Strategien erwiesen sich als ähnlich wirksam und sicher.
In einem Kommentar weisen Professor Dr. Gemma Lewis und Professor Dr. Glyn Lewis vom University College London darauf hin, dass viele Menschen mit Altersdepression keine angemessene Behandlung erhalten. Bei ihnen werde die Erkrankung oft entweder nicht erkannt oder als normale Begleiterscheinung des Alterns fehlinterpretiert. Sie begrüssen es daher, dass diese normalerweise unterrepräsentierte Patientengruppe in der aktuellen Studie in den Fokus gerückt ist.
Allerdings merken sie an, dass die Teilnehmer der Studie tendenziell «jüngere Ältere» waren – das Durchschnittsalter lag bei 69 Jahren – und die meisten keine schwerwiegenden Vorerkrankungen hatten. Daher ist es aufgrund der vorliegenden Daten kaum möglich, vorherzusagen, wie insbesondere sehr alte oder multimorbide Personen auf die getesteten Behandlungen reagieren würden.