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Gleich vorab: ich würde mich über deinen Kommentar-Beitrag ganz unten sehr freuen :).
Kennst du deine Begabungen?
Lebst du sie?
Nutzt du sie? Das, was du aus dem Herzen heraus tust und dir entsprechend leicht fällt?
Welches sind die Talente deines Hundes?
Was liebt er?
Was könnte er stundenlang tun, ohne dein Zutun, ohne wöchentliches Training?
Dein Hund tut es einfach, ohne Applaus, ohne Belohnung. Was ist es? Worin könntest du sein Potential/seine Stärken noch mehr fördern?
Was ist sein absolut GRÖSSTES was er tun würde, wenn er es einfach dürfte?
Irgendeines Morgens erwachte ich und wusste: ich möchte Klavier spielen lernen. Damals in der 3. Klasse, begleitete mich Musik in Form vom Flötenunterricht und der Sing- und Musikstunden. Ich war eine etwas „auffällige“ Flötenspielerin, da ich stundenlang auf meiner Blockflöte spielte. Ich konnte fast nicht aufhören damit. Niemals benötigte es eine Ermunterung der Eltern, dass ich üben sollte, im Gegenteil eher „mach mal Pause Janine“. Sogar als unsere Hündin Olivia das Mundstück meiner ersten Blockflöte als Kauartikel benutzte, spielte ich darauf weiter, ich hatte nun schliesslich ein Unikat mit Zahnabdrücken. Eine Schulkollegin meinte, dass sie ihre Blockflöte wohl auch ihrem Hund zum Kauen geben müsse, dies helfe ihr vielleicht um noch besser Flöte zu spielen :).
Meine Eltern kauften mir tatsächlich ein Klavier. Dies auch, weil mein Lehrer in einem Schulbericht von meiner Fingerfertigkeit und meinem musikalischem Gehör schrieb, welches angeblich aussergewöhnlich sei. Ich fand, dass das Klavier ja eigentlich nur ein Instrument mit mehr Tönen ist. Ich klimperte während 7 Jahren intensiv und war vermutlich begabter als andere Klavier-Schüler. Mir fiel dies nicht besonders auf. Ich spielte aus Freude. Ich übte natürlich auch. Mal weniger mal mehr. Mit und ohne Disziplin des Übens, erreichte ich dennoch viele Menschen welche mit Wow und Oooh reagierten. Man klatschte hier und dort an Vortragsübungen oder kleinen Konzerten wo ich spielte. Ich gewann den jährlichen Etuden-Wettbewerb und durfte 2x mit meiner Klavierlehrerin ins Stadttheater Bern um Fidelio und die Zauberflöte anzuhören/gucken. Oh wow! Opernhäuser, schon nur dieser Duft…und ich befand mich sofort in einer anderen Welt, die mir so vertraut war.
Klavierlehrerin zu werden war lange mein Traumberuf. Zweifelsohne hätte ich die Aufnahmeprüfung fürs Musikkonservatorium auch geschafft. Dieses Vorhaben zerschlug sich aber, da zu dieser Zeit nur ein aufwendiger Ausbildungsweg via Primarlehrerseminar möglich gewesen wäre. Insgesamt 9 Jahre Ausbildung, oh Graus! Ich ging nicht so gerne zur Schule. Die Vorstellung, dass ich zuerst das Primarlehrerseminar machen müsste, bevor ich meiner wirklichen Passion dem Klavierspielen, bzw. dem Beruf zur Klavierlehrerin näher kam, löste grössten Widerstand in mir aus. Ich eröffnete meiner Klavierlehrerin ein halbes Jahr vor der Aufnahmeprüfung fürs Konsi, dass ich mich für eine kaufmännische Lehre bei einem Rechtsanwalt umentschieden habe. Sie viel fast vom Stuhl und sagte: „Kind Gottes – das ist sehr, sehr, sehr schade!“
Nach dieser schwerwiegenden Entscheidung dachte ich mir: Wenn das Konsi nichts wird, dann mache ich eben mein eigenes Konsi! Ich heuerte meine Eltern an, dass ich auch die Grand Dame der Tasteninstrumente lernen möchte: Die Kirchenorgel! Mich faszinierte dieses Instrument, nicht aus religiösen Gründen, sondern wegen der Vielfalt in den Tönen, die Kombinationen der Register, der Akustik, usw. Mit Händen und Füssen zu klimpern erschien mir im Vorfeld nun wirklich etwas schwierig. Auch deshalb wollte ich es ausprobieren. So spielte ich während 3 Jahren bei meinem Orgellehrer Bruno Vergès, (langjährigen Stadtkirchen-Organist von Thun), welcher eine bescheidene Anzahl Schüler unterrichtete. Es lief auch da sehr gut und ich liebte es! Es war eine tolle Zeit. Mit dem Schlüssel zur Kirche und zur Orgelempore, soundete ich in der Mittagspause meiner KV-Lehre, über das hinaus was Bach & Co. von sich gab. Ich entstaubte das Instrument auch etwas von seiner kirchlichen Traurigkeit. Es war genial! Nicht gerade so exzentrisch wie Cameron Carpenter es tut, aber nur damit klar ist was ich meine 🙂 :
Kirchenorgeln faszinieren mich übrigens immer noch.
Was ist mir bis heute von all den musikalischen Tasten-Jahren ohne „Training“ geblieben? Die Fingerfertigkeit. Das Gefühl. Das Gespür. Das komplette Eintauchen in Spannung/Entspannung/Dissonanzen/Harmonien. Die taktile Ausgeglichenheit zwischen rechts und links. Ich kann Abläufe seitenverkehrt rasch erfassen, das läuft ziemlich von alleine.
Und jetzt zu dir:
Kennst du deine Begabungen? Lebst du sie? Nutzt du sie? Das, was du aus dem Herzen heraus tust und dir entsprechend leicht fällt?
Talente können im künstlerischen oder technischen Bereich, im geistigen oder körperlichen oder im persönlichen oder sozialen Bereich liegen. Du kannst ein introvertierter oder extrovertierter, talentierter Mensch sein. Deine Talente müssen nicht einträglich, nützlich oder konventionell sein. Sie sind aber immer deine eigenen Talente. Ein Teil von dir, der dich zu dem macht, was du bist. Wenn du es mit Kreativität angehst, kannst du deine natürlichen Begabungen erkunden und deine angeborenen Talente finden. Wenn nicht jetzt – wann dann?
Welches sind die Talente deines Hundes? Was liebt er? Was könnte er stundenlang tun, OHNE dein Zutun, OHNE wöchentliches Training? Dein Hund tut es einfach, ohne Applaus, ohne Belohnung. Was ist es? Was ist sein absolut GRÖSSTES was er tun würde, wenn er es einfach dürfte?
Nun bist du dran! Und dein Hund! Oder dein Pferd, deine Katze. Welches sind eure Begabungen? Ich würde mich sehr freuen, wenn du es unten im Kommentar mit mir teilst.
Herzlichst Janine