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wahrscheinlich an; die bestimmten Angaben über die Natur dieser kleinsten Pilze, [* 2] welche Klebs und Tomassi Crudeli gegeben haben, bedürfen noch der Bestätigung. Bei den übrigen ansteckenden Krankheiten werden in derselben Richtung täglich neue Fortschritte in der Kenntnis der pflanzlichen Krankheitserreger zur Debatte gestellt, einige beweisend, andre mit mehr oder weniger großer Wahrscheinlichkeit die allgemeine Voraussetzung stützend. Die große Gefahr, welche das hohe oder lange Zeit andauernde Fieber mit sich bringt, ist denn auch hauptsächlich in denjenigen sogen. parenchymatösen Erkrankungen des Herzens, der Nieren und der Leber zu suchen, welche teils durch den Lebensprozeß der kleinen Pilze, teils durch die enorm gesteigerte Körperwärme selbst hervorgerufen werden.
Dies ist auch der Punkt, wo die Behandlung des Fiebers einzusetzen hat. Die nächste und wichtigste Aufgabe des Arztes gegenüber dem Fieber besteht darin, die abnorm hohen Bluttemperaturen herabzusetzen und zur Norm zurückzuführen. Das souveränste Mittel zu diesem Zweck ist das kalte oder kühle Bad von [* 3] 16-18° R., in welchem der Kranke 5-10 Minuten verbleibt. Die Bäder sind häufig zu wiederholen, und bei etwa eintretenden plötzlichen Anfällen von Schwäche oder Ohnmacht muß man dem Kranken Reizmittel geben, starken Wein oder Kaffee, Chinin u. dgl., und wenn man Grund hat, einen Kollaps zu erwarten, so gibt man den Wein, bevor der Kranke in das Bad kommt.
Einer konsequent fortgesetzten Kaltwasserbehandlung widersteht das Fieber nur in seltenen Fällen, für welche es dann überhaupt kein erfolgreiches Heilmittel gibt. Jeder Fieberkranke muß, abgesehen von dem Froststadium, wo er sich selbst durch warme Kleider und Betten zu schützen sucht, in einem kühlen Zimmer von höchstens 15° R. gehalten und nur leicht zugedeckt werden. Man sorge für gute Luft und für regelmäßige Erneuerung derselben durch ausgiebige Fensterventilation.
Dieses Verfahren ist bei nervösen Fiebern doppelt geboten. Ein weiteres Mittel, die Bluttemperatur herabzusetzen und exzessive Höhen derselben zu verhüten, ist das Chinin. Dasselbe findet besonders bei den intermittierenden und stark remittierenden Fiebern seine Anwendung und wird am zweckmäßigsten kurz vor der Zeit gegeben, wo man nach dem bisherigen Verlauf des Fiebers ein schnelles Ansteigen der Temperatur auf exzessive Höhen zu gewärtigen hat. Der Fieberanfall oder die drohende Steigerung der Temperatur kann dadurch gemildert und selbst ganz unterdrückt werden. Es ist jedoch in diesem Fall nötig, große Dosen von Chinin auf einmal (1 g, selbst darüber) zu geben, denn kleine Dosen, die man nach und nach gibt, haben nicht den gleichen Erfolg.
Bei dem sogen. rheumatischen Fieber, namentlich dem Gelenkrheumatismus, ist das von Stricker empfohlene Mittel, die reine Salicylsäure, von beinahe absoluter Wirksamkeit. Die neuesten Fiebermittel sind: Kairin, Antipyrin, Hydrochinon, Resorcin, Thallin (bei Typhus), Karbolsäure etc., welche natürlich nur auf ärztliche Verordnung angewandt werden dürfen, da fast jedes Mittel schädliche Nebenwirkungen äußert. Blutentziehungen dürfen beim an sich niemals vorgenommen werden, wie man überhaupt die Stoffverluste des fiebernden Organismus möglichst einzuschränken suchen muß.
Der Fiebernde muß nicht absolut hungern, vielmehr soll er diejenige leichtverdauliche Nahrung zu sich nehmen, nach welcher er etwa Verlangen trägt, und welche er zu verdauen vermag, vorausgesetzt jedoch, daß durch die Nahrungsaufnahme keine erhebliche Temperatursteigerung hervorgerufen wird, was allerdings häufig geschieht. Milch, weiche Eier, [* 4] eine Wasser- oder dünne Fleischbrühsuppe, eine vorsichtig gereichte kleine Gabe von gutem, gebratenem Fleisch mögen dem Kranken versuchsweise auf sein Verlangen gereicht werden, um so eher, je mehr seine Kräfte zu schwinden drohen. Gegen den Durst dient kühles Wasser, dem man säuerliche Fruchtsäfte oder einige Tropfen Salz- oder Schwefelsäure [* 5] zufügen kann. Es muß mit Sorgfalt auf regelmäßige Stuhlentleerung geachtet und dieselbe unter Umständen durch ein Klystier, [* 6] Glauber- oder Bittersalz etc. herbeigeführt werden, wie denn überhaupt die einzelnen Fiebersymptome je nach ihrer Art zu bekämpfen sind, wenn sie in störenderer Weise hervortreten. - Von der Theorie des Fiebers steht nur so viel fest, daß die Steigerung der Eigenwärme auf erhöhtem Stoffverbrauch, namentlich Zerfall von Eiweiß in den Geweben, beruht, ein Vorgang, der wahrscheinlich von einem im verlängerten Rückenmark liegenden wärmeregulierenden Nervenzentrum beeinflußt wird.
Wie dieses Zentrum aber wirkt, mit welchen Mitteln es arbeitet, und wie es auf den Stoffumsatz und die Wärmeproduktion einwirkt, darüber sind die Meinungen der Physiologen und Ärzte noch sehr geteilt.
Vgl. Liebermeister, Über Wärmeregulierung und Fieber (Leipz. 1871);
Derselbe, Über die Behandlung des Fiebers (das. 1872);
Derselbe, Handbuch der Pathologie und Therapie des Fiebers (das. 1875);
Senator, Untersuchungen über den fieberhaften Prozeß und seine Behandlung (Berl. 1873);
Buß, über Wesen und Behandlung des Fiebers (Stuttg. 1878).
Das Fieber bei den Haustieren.
Die Haustiere sind den fieberhaften Krankheiten in gleichem Grad wie die Menschen unterworfen. Erst in der neuern Zeit ist es gelungen, von den meisten fieberhaften Krankheiten der Tiere die Eigenartigkeit nachzuweisen, und demgemäß wird auch in der Tierarzneikunde die Essentialität der Fieber nicht mehr anerkannt. Das Fieber bildet nur ein Symptom oder einen Bestandteil der betreffenden Krankheit. Demnach richtet sich der Verlauf desselben nach dem Charakter des Grundleidens. Am meisten beobachtet man bei den Krankheiten der Haustiere einen anhaltenden Verlauf des Fiebers, wobei aber zeitweise Remissionen und Exacerbationen in der krankhaft erhöhten Bluttemperatur nicht ausgeschlossen sind. Ob intermittierende fieberhafte Krankheiten (Wechselfieber) bei den Haustieren vorkommen, ist bis jetzt noch nicht endgültig ausgemacht.
Nach den thatsächlichen Erfahrungen der letzten Jahrzehnte ist in Deutschland [* 7] das Wechselfieber bei den Haustieren nicht aufgetreten. Einzelne Krankheiten (die ansteckende Lungenentzündung oder Brustseuche des Pferdes, die Pferdestaupe, die Rinderpest, die Pockenseuche der Schafe) [* 8] charakterisieren sich durch einen typischen Verlauf der fieberhaften Gesamtstörung. Bei den meisten Krankheiten aber nimmt das Fieber durch die kürzere oder längere Dauer der Lokalprozesse einen verschiedenen Verlauf.
Wenn es gelingt, die Lokalprozesse zu heilen oder auch nur von den produzierten Sekreten vollständig zu befreien, so vermindert sich das und im günstigen Fall verschwindet dasselbe vollständig. Für die Feststellung des fieberhaften Charakters einer Krankheit ist auch bei den Haustieren der Temperaturgrad des Bluts und der innern Organe des Körpers maßgebend. Es ist üblich, die Temperatur im Mastdarm festzustellen und das Celsiussche Thermometer [* 9] zu benutzen. Im gesunden Zustand beträgt die Mastdarmtemperatur bei Pferden 37,5-38,5,° bei Rindern 37,5-39,5, bei Schafen ¶
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38-41, bei Schweinen 38,5-40,0, bei Hunden 37,5-39,5°. Das Ansteigen der Temperatur bei fieberhaften Krankheiten erfolgt in verschiedenem Grad. Irrtümlich wurde früher geglaubt, daß die Steigerung so bedeutend sein könne, daß die Funktion der Organe schließlich unmöglich werde. In Wirklichkeit steigt die Temperatur der Regel nach nicht über 42°. In den meisten Fällen verbleibt sie für die ganze Dauer der Krankheit unter 41°. Eine Ausnahme macht nur der Starrkrampf, bei welchem infolge der bedeutenden Steigerung des Stoffwechsels in der Skelettmuskulatur die Temperatur kurz vor dem Tod zuweilen 43° und darüber erreicht.
Für die Behandlung des Fiebers ist der Grundsatz maßgebend, daß die Tiere in den betreffenden Krankheitsfällen sorgfältig gepflegt werden, damit sie im stande sind, die nachteilige Rückwirkung der fieberhaften Prozesse auf die gesamte Konstitution auszuhalten, ohne eine erhebliche Schädigung derselben zu erleiden. Die Heilmittel, mit welchen die Herabsetzung der Körpertemperatur angestrebt werden kann, haben sich im allgemeinen bei den Krankheiten der Haustiere nicht bewährt.
Empfohlen wurde die anhaltende Begießung der Tiere mit kaltem Wasser oder die Bedeckung des Körpers mit nassen Tüchern. Außerdem sind Chinin, Karbolsäure, Salicylsäure, Chinolin und dessen Derivate, auch jodsaures Natron benutzt worden. Der Erfolg entspricht in der Regel den Erwartungen nicht. Besonders gewährt es keinen Vorteil, die Fiebertemperatur vorübergehend um 1° herabzusetzen. Mindestens ist an dem Verlauf der Krankheit nicht zu erkennen, daß derselbe hierdurch abgekürzt oder für das Tier auch nur erleichtert werden könnte. Wenn es gelingt, durch zweckmäßige Behandlung der fieberhaften Krankheiten die Lokalprozesse graduell herabzusetzen und namentlich die Funktion der Verdauungsorgane so weit zu fördern, daß die kranken Tiere in mäßiger Quantität Futter aufnehmen können, so wird das Fieber ohne Nachteil ertragen.