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Im letzten Teil unserer Artikelserie über die Hanfpflanze soll zur Aufklärung über die Droge Cannabis beitragen. Denn Cannabis ist die illegale Droge, die weltweit am häufigsten konsumiert wird. Auch in der Schweiz hat ein Drittel der Bevölkerung über 15 Jahren schon einmal Erfahrungen mit dieser Droge gemacht. Befürworter der Legalisierung vergleichen das Kiffen oft mit den legalen Drogen Alkohol und Nikotin und verharmlosen unter Umständen den psychoaktiven Wirkstoff. Gegner hingegen verteufeln Cannabis als sogenannte Einstiegsdroge, die zur Sucht von harten Dogen führen kann, und warnen vor den gefährlichen Auswirkungen auf unser wichtigstes Organ: das Gehirn.
Cannabis enthält Cannabinoide
Für die Wirkung von Cannabis auf unseren Körper sind die Cannabinoide verantwortlich. Vor sechzig Jahren wurde mit der Extrahierung des THC (Tetrahydrocannabinol) aus der Hanfpflanze nicht nur dessen chemische Struktur entdeckt, sondern auch zahlreiche andere Moleküle, die alle zur Klasse der Cannabinoide zählen. Die Cannabinoide unterscheiden sich zu den anderen bekannten sekundären Pflanzenstoffen, wie z.B. Vertretern aus der Klasse der Alkaloide (hierzu gehören u.a. Morphin, Coffein, Nikotin), in ihrer Strukturformel. Die Produktion dieser Stoffe, wie beispielsweise des Nervengiftes Nikotin, ist eine Abwehrstrategie der Pflanzen gegen Fressfeinde.
Das Endocannabinoidsystem
Die Wirkungsweise von Cannabis auf den menschlichen Körper war unbekannt, bis in den 1990er Jahren auch das passende Rezeptorsystem in den Gehirnen von Ratten entdeckt wurde. Diesen Rezeptor fanden Forscher auch in anderen Tieren und dem Menschen. Kurz darauf wurden auch die körpereigenen Endocannabinoide, die an den Rezeptor andocken, extrahiert. Im Menschen spielen zwei Rezeptoren im Cannabinoidsystem eine Rolle: Der Cannabinoidrezeptor 1, der hauptsächlich im Gehirn und Rückenmark zu finden ist, und der Cannabinoidrezeptor 2, der hauptsächlich in den Zellen des Immunsystems vorkommt. Beide Rezeptoren kommen aber auch in vielen anderen Zellen in unterschiedlichen Geweben vor. Das bedeutet: Unsere körpereigenen Endocannabinoide spielen an vielen verschiedenen Orten im Körper eine Rolle und haben vielfältige Funktionen. In der Medizin kommen pflanzliche Cannabinoide bei Therapien unterschiedlicher Krankheiten zum Einsatz. Der Rausch ist hier natürlich ein unerwünschter Nebeneffekt.
Wirkung von Cannabiskonsum
Für die psychoaktive, also die bewusstseinsverändernde Wirkung ist das THC verantwortlich. Es wirkt auch entspannend, regt zum Lachen an, beeinträchtigt das Kurzzeitgedächtnis oder fördert den Appetit. Denn anders als das körpereigene Endocannabinoid dockt THC auch an die Opioid- und Serotonin-Rezeptoren an. Hinzu kommt, dass auch die vielen anderen Cannabinoide - in der Hanfpflanze lassen sich über 100 verschiedene finden – im menschlichen Körper jeweils verschiedene Reaktionen bewirken. Studien mit synthetisch hergestellten Cannabinoiden bestätigen, dass kleinste Veränderungen in der Molekülstruktur zu einem grossen Unterschied in der biologischen Wirkung führen. Das Problem beim illegalen Konsum des Naturprodukts: Keiner kennt die genaue Zusammensetzung der Wirkstoffe, und die Wirkung ist nicht vorauszusagen. In der Pharmakologie gilt Cannabis deshalb als sogenannte “Dirty Drug”. Der Begriff beschreibt einen Wirkstoff, der an viele verschiedene Rezeptoren andockt und eine breite und vielfältige körperliche Reaktion auslöst. Das macht die Wirkung des Stoffes sehr unspezifisch und begünstigt auch viele unterschiedliche Nebenwirkungen.
Wie gefährlich ist Cannabis?
Wie bei allen Stoffen macht die Dosis das tödliche Gift: Durch Kiffen allein kann der Mensch jedoch keine letale Menge an THC aufnehmen, deswegen gilt Cannabis nicht als akut giftig. In der Schweiz gab es 2011 keinen registrierten Todesfall durch Cannabis, jedoch 1600 Todesfälle durch Alkoholkonsum, und über 9000 Menschen starben an den Folgen von Nikotin. Auch wenn durch Cannabiskonsum selbst keine Todeszahlen in den Statistiken auftauchen, belastet es laut Studien dennoch das Herz-Kreislauf-System und kann so in seltenen Fällen zu einem erhöhten Herzinfarktrisiko führen. Auch ist Rauch grundsätzlich schädlich für die Lunge und erhöht die Gefahr, an Lungenkrebs zu erkranken. Es besteht ausserdem das Risiko einer chronischen Bronchitis, sowie - bei Männern – ein erhöhtes Risiko, an Hodenkrebs zu erkranken.
Langfristige Folgen des Cannabiskonsum
Vor allem die kognitiven Fähigkeiten werden durch den Langzeitkonsum beeinträchtigt. Bei wissenschaftlichen Tests zeigen Cannabiskonsumenten schlechtere Ergebnisse bei Aufgaben, bei denen das Arbeitsgedächtnis oder die Lern- und Aufnahmefähigkeit getestet werden, als ihre nüchternen Konkurrenten. Dies lässt sich damit erklären, dass durch regelmässigen Konsum die Cannabinoid-Rezeptoren im Gehirn abgebaut werden. Da die körpereigenen Endocannabinoide eine wichtige Rolle als Botenstoffe spielen, können Informationen schlechter verarbeitet werden, da weniger Rezeptoren zur Verfügung stehen. Nach einmonatiger Abstinenz verbessern sich die Werte wieder, und die Anzahl der Rezeptoren erreicht wieder das Normalniveau. Gerade bei Jugendlichen hat der Cannabiskonsum grosse Auswirkungen auf deren Gehirnentwicklung. Die Pubertät ist ein Zeitraum, in dem massive Umbauvorgänge im jugendlichen Gehirn stattfinden. Die körpereigenen Endocannabinoide sind wichtige Botenstoffe, die bei der Verknüpfung von Nervenzellen helfen. Wird ihre „Arbeit“ durch Cannabiskonsum gestört, kann das weitreichende Folgen auf die Impulskontrolle, das Gedächtnis und das logische Denkvermögen sowie möglicherweise auf die manuelle Geschicklichkeit haben. Inwiefern sich diese Störungen dann auch als Langzeitfolgen verfestigen, ist noch nicht abschliessend geklärt.
Cannabis macht nicht abhängig - oder doch?
Studien belegen, dass Cannabis sehr wohl zu eine Substanzabhängigkeit führen kann. In einer Studie wurde nach dem Erstkonsum von Cannabis, Alkohol und Nikotin untersucht, wie oft sich eine Abhängigkeit entwickelte. Demzufolge wurden 9% der Cannabiskonsumenten, 23% der Alkoholkonsumenten und 68% der Nikotinkonsumenten nach dem Erstkonsum abhängig. Die Gefahr einer Abhängigkeit nimmt generell zu, je öfter die Substanz konsumiert wird. Die Zahlen zeigen: Auch Cannabis macht süchtig, jedoch in geringerem Ausmass als Alkohol oder Nikotin.
Legalität - Ja oder Nein?
Wissenschaftlich gesehen gibt es keinen Grund, Cannabis anders einzustufen als die legalen Drogen Alkohol oder Nikotin. Mittlerweile ist es in einigen Ländern wieder erlaubt, Cannabis zu konsumieren, z.B. im US-Bundestaat Colorado. Der Umsatz von 1 Milliarden Dollar im Jahr 2015 zeigt, wie umsatzstark dieser neue Wirtschaftszweig ist. Dennoch lässt sich laut dem Amt für Gesundheit in Colorado kein Anstieg des Konsums bei Jugendlichen und Erwachsenen feststellen. Auch seien keine dramatischen Effekte auf die Gesundheit der Menschen oder auf die öffentliche Sicherheit zu verzeichnen. Die geltenden Vorschriften, wie die Deklaration des THC-Gehaltes, machen das Produkt sicherer und unterbinden den Kontakt zum Schwarzmarkt und somit zu den harten Drogen.
Auch in der Schweiz wurde 2018 einen Antrag zur Legalisierung im Bundesrat eingereicht. Dieser Antrag wurde jedoch noch nicht behandelt. Argumente für die Legalisierung sind u.a. die Generierung von Steuereinnahmen. Die Politiker sehen aber auch die Chancen einer Schaffung neuer Märkte sowie der Reduzierung der Kosten in der Strafverfolgung.
Quellen und weitere Informationen:
BAG: Zahlen und Fakten zu Sucht
SRF Einstein: Cannabis – zwischen Droge, Nutzpflanze und Medizin
DasDing: Cannabis wissenschaftlich geprüft (Mailab)
Tagesanzeiger: Initiative zur Regulation des Cannabiskonsums
Parlament: Antrag
Am. Journal of Psychiatry: A Population-Based Analysis of the Relationship Between Substance Use and Adolescent Cognitive Development