Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03199.jsonl.gz/1966

Schwerpunkt Steuern
Welchen Einfluss hat die Geburt eines Kindes auf das Erwerbseinkommen, welches die Mutter zum gemeinsamen Einkommen eines Paares mit Kindern beiträgt? Eine Regressionsanalyse auf Basis der Daten der Steuerstatistik Basel-Stadt kann Antworten liefern.
Veränderte Lebenssituation durch die Geburt eines Kindes
Wenn ein Kind auf die Welt kommt, bedeutet dies oft, dass die Mutter des Kindes ihr Arbeitspensum – zumindest vorübergehend – verringert. Wenn der Vater sein Arbeitspensum nicht oder in einem geringeren Masse als die Mutter reduziert, so sinkt der Anteil, den die Frau zum Familieneinkommen beiträgt.
Welchen Einfluss aber hat die Geburt eines Kindes auf den Anteil der Mutter am gesamten Erwerbseinkommen genau und wie verhält sich der Anteil im Zeitablauf? Eine Regressionsanalyse auf Basis von Steuerdaten für verheiratete Eltern mit Kindern zeigt, dass der Erwerbsanteil der Ehefrau im Durchschnitt um bis zu 8,4 Prozentpunkte zurückgeht, nachdem ein Kind geboren wurde. Dieser Effekt nimmt mit zunehmenden Alter des Kindes ab.
Ergebnisse der Regressionsanalyse
Die Regressionsanalyse ist ein statistisches Verfahren. Mit ihrer Hilfe werden Beziehungen zwischen unterschiedlichen Variablen modelliert. Zusammenhänge in Daten können damit beschrieben und analysiert werden.
Die Regressionsanalyse zeigt folgende Ergebnisse:
- Kommt ein Kind zur Welt, sinkt der Erwerbseinkommensanteil der Ehefrau in diesem Jahr um durchschnittlich 4,1 Prozentpunkte.
- Der grösste Rückgang im Vergleich zur Situation ohne Kinder liegt mit 8,4 Prozentpunkten vor, wenn das Kind im zweiten Lebensjahr ist.
- Die Aufteilung des Erwerbseinkommens der Eheleute kehrt mit Ende der obligatorischen Schulzeit im Durchschnitt wieder fast auf das Ausgangsniveau zurück.
Zur Einordung dieser Ergebnisse sei auf ein fiktives Zahlenbeispiel verwiesen. Bei Ehepaaren ohne minderjährige Kinder beträgt der Erwerbsanteil der Ehefrau durchschnittlich ca. 38%. Geht man von einem Ehepaar aus, welches vor Geburt zusammen 100 000 Franken Erwerbseinkommen erzielt hat, so beträgt das Erwerbseinkommen des Mannes durchschnittich 62 000 Franken und das der Frau durchschnittlich 38 000 Franken. Sofern der Ehemann nach Geburt unverändert verdient, geht das Erwerbseinkommen der Ehefrau im Durchschnitt auf bis zu ca. 26 500 Franken zurück. Das bedeutet, dass in diesem Zahlenbeispiel der Rückgang des Erwerbsanteils der Ehefrau von 8 Prozentpunkten einem Frankenbetrag von 11 500 bzw. einem prozentualen Rückgang von etwa 30% entspricht.
Mittelwert des Einkommens beträgt 2016 rund 136 700 Franken
- Der Mittelwert des Erwerbseinkommens der untersuchten Familien beträgt 2016 rund 136 700 Franken. Dieser Wert ist seit dem Jahr 2005 stetig steigend. Zum Vergleich: Der Mittelwert der Erwerbseinkommen aller Verheirateten (ob mit oder ohne Kinder) beträgt im Steuerjahr 2016 rund 125 600 Franken.
- Die blauen und roten Balken zeigen den Beitrag von Ehemann und Ehefrau zum Erwerbseinkommen. Das Einkommen der Frauen ist dabei etwas mehr gestiegen als das der Männer.
Erwerbsanteil der Frauen hängt von der Anzahl Kinder ab
- Der Erwerbsanteil der Ehefrau am Gesamterwerbseinkommen ist innerhalb der untersuchten Familien mit durchschnittlich ca. 38% bei Ehepaaren ohne minderjährige Kinder am höchsten.
- Der Erwerbsanteil der Ehefrau am Gesamterwerbseinkommen nimmt mit der Anzahl Kinder ab.
Erläuterungen zur Methodik
Aus welchen Daten können Rückschlüsse bezüglich des Erwerbseinkommens der Eltern gezogen werden?
Um die Entwicklung der Erwerbseinkommen von Eltern zu untersuchen, wurden die Daten der Steuerstatistik Basel-Stadt herangezogen. Dort sind allerdings nur die Daten erfasst, die für steuerliche Belange wichtig sind. Angaben über das Arbeitspensum sind dort zum Beispiel nicht enthalten.
Um die Fragestellung mit den vorhandenen Informationen genauer untersuchen zu können, wurden die gemeinsamen Veranlagungen von Ehepartnern mit minderjährigen Kindern herangezogen. Im Steuerjahr 2016 sind dies 11 145 Veranlagungen. Diese gemeinsamen Veranlagungen werden soweit wie möglich zurückverfolgt und eine Kohorte gebildet. Diese Kohortenbildung stellt sicher, dass nur die Erwerbseinkommensentwicklung von Ehepaaren verglichen wird, welche im Untersuchungszeitraum (2016 und früher) überhaupt Kinder bekommen haben.
Weiterhin ermöglicht dieses Vorgehen, die Entwicklung der Erwerbseinkommen über die Zeit zu untersuchen und insbesondere auch das Erwerbseinkommen derselben Familien vor und nach der Geburt einer oder mehrerer Kinder zu vergleichen.
Welche Familien werden in die Analyse einbezogen?
Ausgangspunkt der Analyse ist das Jahr 2016. Alle Ehepaare, welche in 2016 ordentlich veranlagt wurden und mindestens ein minderjähriges Kind hatten, sind in die Analyse einbezogen.
Diese ausgewählten Familien werden bis zum Jahr 2005 zurückverfolgt. Da jedoch nicht alle Familien in den Vorjahren bereits in Basel gewohnt haben oder noch nicht verheiratet waren, nimmt die Zahl von 11 145 im Jahr 2016 auf 4 208 im Jahr 2005 ab.