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Bereits in mythologischen Quellen finden sich Hinweise auf Transplantationen. In der frühen Neuzeit wurden erste medizinische Versuche durchgeführt. Nach der Entdeckung eines Mittels gegen die Abstossung wurden gewisse Transplantationen zur Standardtherapie.
Die Transplantation von Körperteilen übt seit Jahrhunderten eine Faszination auf den Menschen aus. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass die Idee von Transplantationen die Entwicklung der modernen Medizin begleitet hat. Diverse Versuche haben die technischen Schwierigkeiten und die grundlegenden biologischen Beschränkungen von Transplantationen offen gelegt. Die Geschichte der Transplantation ist daher auch die Geschichte der Entdeckung und Überwindung dieser Schranken.
Mythen und Legenden
Transplantationen haben schon in der Frühzeit eine starke Faszination auf den Menschen ausgeübt. Davon zeugen diverse Berichte über Transplantationen in mythologischen Quellen. Eines der ältesten Dokumente stammt aus der hinduistischen Mythologie des 12. Jahrhunderts vor Christus. Darin wird vom hinduistischen Gott Ganesha berichtet, dem der Kopf eines Elefanten transplantiert wurde.
Die Legende der heiligen Zwillinge St. Cosmas und St. Damian berichtet vom «Wunder des schwarzen Beins», das im 3. Jahrhundert nach Christus stattgefunden haben soll. Die Zwillinge sollen einem weissen Mann das Bein eines verstorbenen Schwarzen transplantiert haben.
Spätmittelalter: Erste Experimente
Seit dem 15. Jahrhundert sind Berichte von Transplantationen bekannt, die Knochen und Haut betreffen. Während der italienischen Renaissance entwickelte der Arzt Gaspare Tagliacozzi aus Bologna eine Methode der Nasenrekonstruktion aus eigenem Gewebe. Er erkannte bereits damals ein wesentliches Problem der Transplantationsmedizin: die Abstossungsreaktion.
Erste Berichte über Knochentransplantationen datieren von Mitte des 17. Jahrhunderts. Der Holländer Job van Meekeren beschreibt einen Fall, bei dem ein Defekt im Schädelknochen eines Adligen mit einem Transplantat aus einem Hundeschädel kuriert worden sei.
Um 1900: Anerkennung der Transplantationsmedizin
Ende des 19. Jahrhunderts wurden mehrere Fälle gelungener Knochentransplantationen bekannt. Auch in der Hauttransplantation und bei der Augenhornhaut erreichten Mediziner Fortschritte.
Gleichzeitig wurde die Organtransplantation ein ernsthaftes Thema der Medizin. Pionierarbeit leistete dabei der Schweizer Chirurg Theodor Kocher. Ihm gelang 1883 eine der ersten modernen Transplantationen. Er hatte Patienten nach der Operation des Kropfs Schilddrüsengewebe implantiert. Seine Forschungsarbeiten führten um 1900 zur Anerkennung der Transplantation als ein grundsätzlich brauchbares medizinisches Konzept. Er erhielt für seine Arbeit 1909 den Nobelpreis für Medizin.
1900–1950: Erfolge und Misserfolge
Nachdem um 1900 die Transplantation als grundsätzlich sinnvolles medizinisches Konzept erkannt worden war, wurden in den folgenden Jahrzehnten verschiedene Versuche durchgeführt. So gelang 1902 die erste Transplantation einer Niere bei einem Hund.
Die erste Nierentransplantation bei einem Menschen wurde im Jahr 1933 durchgeführt. Die Empfängerin überlebte lediglich 4 Tage. Auch weitere Versuche blieben erfolglos. Ursache der Misserfolge war das fehlende Verständnis der Abstossungsreaktion.
1970er: Mittel gegen Abstossung
In den 1960 Jahren konnten Chirurgen einige spektakuläre Erfolge in der Transplantationsmedizin vorweisen, Als grosse Sensation ging 1967 die Nachricht der ersten Herzverpflanzung durch Christiaan Barnard in Südafrika um die Welt. Doch das Problem der Abstossung blieb bestehen.
Erst die Entdeckung des Wirkstoffs Ciclosporin durch Forschende des Schweizer Unternehmens Sandoz im Jahr 1970 führte zum Durchbruch. Es konnte gezeigt werden, dass der Wirkstoff die Abstossungsreaktion vermindert, indem er das Abwehrsystem des Körpers unterdrückt. In der Schweiz leistete Felix Largiadèr Pionierarbeit bei der Transplantation der Bauchspeicheldrüse (Pankreas). Im Jahr 1973 führte er die erste kombinierte Nieren-Pankreastransplantation in Europa durch.
Anfang der 1980er Jahre wurde das erste Medikament mit dem Wirkstoff Ciclosporin zugelassen. Das neue Mittel führte zu einer starken Zunahme der Transplantationen.
Ab 1980: Transplantation als Standarttherapie
Transplantationen wurden von nun an standardmässig durchgeführt. Im Jahr 1989 erfolgte die weltweit 100'000ste Nierentransplantation. Elf Jahre später zur Jahrtausendwende wurden auf der ganzen Welt bereits rund 470'000 Nieren, 74'000 Lebern, 54'000 Herzen und etwa 10'000 Lungen transplantiert.
Aktuell: Suche nach Alternativen
Die zeitgenössische Transplantationsmedizin ist gewissermassen ein «Opfer» ihres Erfolges geworden: In immer mehr Fällen ist eine Organtransplantation möglich und sinnvoll, aber es gibt nicht genügend Spenderorgane. Daher werden verschiedene Alternativen gesucht und neue, experimentelle Verfahren getestet.
Beispielsweise wird untersucht, inwieweit sich tierische Organe und Gewebe für Transplantationen eignen (Xenotransplantation). Mittels Stammzellen versucht man auch Gewebe und vielleicht sogar einmal Organe zu züchten. Weitere Informationen auf der folgenden Seite:
Letzte Änderung 17.08.2018