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In Zukunft musste ich mich ganz auf meine Träume zurückziehen», lautet der entscheidende Satz in der Erzählung «Reisen nach Striland», mit der 1993 der damals 41-jährige Zürcher Arzt Enrico Danieli literarisch debütierte. Zweimal ist der Ich-Erzähler auf dem Weg nach diesem Striland, das in Appenzell Ausserhoden tatsächlich existiert. Einmal wird er da von einer Frau vor dem Erschöpfungstod bewahrt, das zweite Mal findet er ihr Haus verwaist vor und sieht sich in seine eigene Vergangenheit versetzt, in der eine traumatische Kränkung durch ein Mädchen früh den zitierten Beschluss zum Rückzug in die eigenen Träume zur Folge hatte. In der Erzählung, die den Gerhard Fritsch-Preis 1993 erhielt, sind im Kern schon die Elemente vorhanden, die Danielis Werk bis heute prägen: das Unterwegssein als Grundbefindlichkeit, die dunkle Ahnung von einem drohenden Verhängnis, eine Erzählweise, die in ihrer Rätselhaftigkeit magisch anmutet. Inzwischen liegen nicht weniger als dreizehn weitere Bücher vor, darunter der von einem intensiven Todesbewusstsein geprägte Erzählband «Schatten der Nacht» von 1995, die um die Alzheimerkrankheit kreisende Novelle «Die Ruhe der Welt am Gäbris» (1997), die Erzählung «Die Rapp» (1998), in der das Schicksal eines ostjüdischen Flüchtlingsmädchens aufgerollt wird, oder «Villa Leon» (2004), wo sich die Beziehungsgeschichte von Thomas Manns «Tod in Venedig» in einem Vorfall von 1967 auf seltsame Weise wiederholt. Auch wenn ihm da oder dort ein professionellerer Lektor nicht geschadet hätte: Kritik und Literaturbetrieb sind Enrico Danielis Eigenart kaum je wirklich gerecht geworden. Er selbst aber hat wie einst Robert Walser bewusst das Abseits gewählt. 1995, als die Klagenfurter Jury seinen Text über einen Patienten, dem die eigene Geschichte abhandenkommt, als Bastelarbeit abtat und dafür angeregt diskutierte, ob ein Juror mit oder ohne Socken an der Sitzung teilnehmen solle, beschloss er, auf öffentliche Auftritte künftig zu verzichten. Mit der Folge, dass sich sein Salzburger Verlag von ihm trennte und er bei einem mit lokalen Krimis punktenden Schweizer Verlag landete, ehe ihm nur noch das selbstfinanzierte Verlegen bei Kommissionsverlagen blieb. 2005 gab Danieli, der mit seiner Frau und seinen zwei Kindern auf einer Etage seines Zürcher Elternhauses lebt, auch den Arztberuf auf. Nicht nur, weil er das Leiden und Sterben seiner Patienten als Provokation empfand, sondern auch, weil ihn jenes Burnout ereilte, das er 2006 in der Novelle «Delaval» am Beispiel eines im Puschlav zur Kur weilenden Arztes und von dessen abgründigen Visionen in eindrücklicher Weise literarisch gestalten sollte. Längst sind die Bedrohungen und Verhängnisse seiner Bücher ganz seine eigenen geworden und haben in seiner Schreibklause in Minusio 2009 unter anderem einem Buch Pate gestanden, das ohne jeden Zweifel zu den stärksten Schweizer Texten der jüngeren Zeit gehört: «Die Toten von Mergoscia», der Roman eines Mannes, der in einem Tessiner Bergdorf unversehens in eine Hölle von Verstrickungen und traumatischen Erlebnissen gerät und auf der Suche nach einer verschollenen Schülerin – deren Mörder er sein könnte – in der vom Sturm verwüsteten Landschaft letztlich mit der eigenen zerrütteten Seele konfrontiert ist.