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In dieser Geschichte geht es um Sex. Es geht um Drogen. Es geht um einen erfolgreichen Sportler. Und es geht darum, dass ihm eine abenteuerliche Story geglaubt wird und er deshalb bei Olympia starten durfte, obwohl er kurz zuvor in einer Dopingkontrolle hängen geblieben war.
Shawn Barber gehört zu den besten Stabhochspringern der Welt. In Peking wurde der Kanadier im letzten Jahr Weltmeister.
Vor der Olympia-Ausscheidung anfangs Juli ist der 22-Jährige trotzdem nervös. Also klickt er sich am Abend vor dem Wettkampf in Edmonton in ein einschlägiges Internet-Forum und fragt dort nach einem aufregenden Date an.
Im Klartext: Shawn Barber sucht raschen Sex. Nichts Verwerfliches und auch nichts, worüber berichtet werden müsste. Was Barber nicht weiss: Die Frau, mit der er wenig später in einem Hotel schläft, hatte zuvor Kokain konsumiert.
Barbers Nervosität ist am nächsten Tag wie weggeblasen. Er tritt zum Wettkampf an, gewinnt ihn und qualifiziert sich als kanadischer Meister für die Olympischen Spiele in Rio.
Doch seine Teilnahme steht plötzlich auf der Kippe, weil Barber im Anschluss an den Wettkampf eine positive Dopingprobe abliefert. Der Leichtathlet versteht die Welt nicht mehr und kann sich nur eines vorstellen: Dass das Kokain beim Geschlechtsverkehr in der Nacht zuvor in seinen Körper gelangt ist.
Gemäss seinem Anwalt waren die nachgewiesenen Spuren der Droge so gering, dass sie Barber nicht absichtlich konsumiert haben könne. Dies bestätigte ein Toxikologe vor einem unabhängigen Schiedsgericht. Die Übertragung durch den Speichelaustausch sei der wahrscheinlichste Weg gewesen, durch den das Kokain in Barbers Körper gelangen konnte.
Shawn Barber wird freigesprochen, von einer Sperre wird abgesehen. Das geschieht erst zwei Tage vor seinem Wettkampf in Rio de Janeiro und dieser Umstand erklärt vielleicht sein enttäuschendes Abschneiden. Der Weltmeister verpasst die Olympia-Medaillen klar, er scheitert schon auf der Höhe von 5,65m und wird bloss Zehnter.
«Das ist das Leben im Jahr 2016», sagte Barber gestern, als die Geschichte bekannt wurde. «So läuft das nun mal, alles wird digital.» Barber will aber vorsichtiger werden bei künftigen Dates: «Ich weiss nun, dass ich ein Risiko eingehe, wenn ich eine Frau küsse. Du hast leider keine Ahnung, was dadurch alles in deinen Körper gelangen kann.»
Ganz neu ist diese Erkenntnis indes nicht. Der französische Tennis-Spieler Richard Gasquet war 2009 positiv auf Kokain getestet worden. Gasquet hatte angegeben, in Miami mit einer Zufallsbekanntschaft geknutscht zu haben, wodurch der Stoff übertragen wurde. «Es kam zu sieben Küssen, alle zwischen fünf und sieben Sekunden lang», konnte sich der Franzose noch haargenau an die Begegnung erinnern. Man glaubte Gasquet und reduzierte die Sperre von einem Jahr auf zweieinhalb Monate.