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Tansania, Süden November 2016
Dies war bereits unsere zweite Kaffeereise nach Tansania. Während wir vor zwei Jahren im Norden am Fusse des Kilimanjaro in der Region Arusha (Ngorongoro) nach Kaffee gesucht hatten, besuchten wir nun im Südwesten die Mbeya Region. Ziel war den „Itende Coffee Estate“ von dem wir bereits vor Jahren Kaffee bezogen und geröstet hatten.
Kurze Kaffee-Geschichte von Tansania
In 1898 pflanzten katholische Missionare die ersten Kaffeebäume in der Kilimanjaro Region. In 1919 erlaubte der Britische “District Commissioner” allen Einwohnern Tansanias den Anbau von Kaffee. Nach dem ersten Weltkrieg pflanzten die Briten im Rahmen eines Kaffeeförderungsprogrammes über 10 Millionen Kaffeebäume. 1933 wurde in Tansania die erste Kaffee-Kooperative Afrikas gegründet. Als zwischen 1980 und 1990 die Kaffeepreise fielen, gaben viele Kaffeebauern ihre Plantagen auf. 1997 startete die Regierung eine Kampagne zur Wiederbelebung der Kaffeeindustrie: Es wurden über 24 Millionen Bäume gepflanzt.
Reisebericht (Christian Forrer):
Kurt und ich besuchten zusammen mit Michael, einem Kaffeeröster aus Cape Town, den wir aus unserer Südafrika-Zeit her kannten, im Hafengebiet von Daresalam (Dar) die Büros von Kaffeehändler Tayler Winch. Die Firma gehört dem drittgrössten Kaffeehändler der Welt; Volcafe aus Winterthur. Jeremy, der Manager des Betriebes in Dar, führte uns kurz durch die Lagerhallen und erklärte uns das lokale Kaffeegeschäft. Nun sah ich den Ort, in dem unsere Blackburn Estate-Kaffeesäcke vor zwei Jahren über drei Monate festsassen, weil etwas mit den Papieren nicht gestimmt hatte!
Unser Interesse galt diesmal einer Kaffeeregion im Südwesten Tansanias: Mbeya. Netterweise wurden wir gleich auf ein Cupping von Kaffees dieser Region eingeladen. Die Kaffees tendierten zu Zitrus-Noten.
Die nächsten Tage verbrachten wir in der Umgebung von Mbeya und besuchten verschiedene Plantagen und Kooperativen. Trotz der grossen Dürre, die in dieser Gegend herrschte, waren die bewässerten Teile der Farmen bereits in Blüte. Noch nie hatte ich diese Pracht erlebt. Die Kaffeepflanzen sahen aus als wären sie frisch verschneit. Die Kaffeeblüten verströmten einen wunderbaren Duft von Jasmin.
Enttäuschend aber lehrreich war der Besuch von „Itende“, einem Projekt von dem wir vor einem Jahr hervorragenden Kaffee bezogen hatten. Die von der Armee geführte Farm hat ein gutes Programm: Ca. 2000 Jugendliche aus der Landbevölkerung durchlaufen auf der Farm einen 1-2 Jahre langen Kurs bei dem sie verschiedenste landwirtschaftliche Disziplinen kennenlernen: Kaffeeanbau, Tierhaltung, Maisanbau etc… Besonderer Wert legt die Führung auf Disziplin, Durchhaltewillen und körperliche Ertüchtigung -> eine Art Bootcamp! Als wir auf das Thema Kaffee zu sprechen kamen wurde klar, dass man bei Itende offenbar sehr opportunistisch vorgeht. Weil der Anbau von Kaffee in den letzten Jahren wegen des tiefen Kaffeepreises und der Trockenheit eher schwierig wurde, überlegte sich der Verantwortliche Armeechef sogar, seine Kaffeepflanzen auszureissen und durch einen „Cashcrop“ wie Mais zu ersetzten. Etwa wie „wenn ihr nichts zahlt dann machen wir etwas Anderes“. Diese Haltung gefiel mir nicht. Itende scheint für mich leider kein Betrieb zu sein mit dem wir unsere Vision einer langfristigen Zusammenarbeit aufbauen können. Es wäre immer ungewiss, ob im nächsten Jahr Kaffee geliefert werden könnte.
Dieser Besuch war für uns eine wertvolle Lektion: Was Zuhause auf dem Papier wie ein Vorzeigeprojekt wirkt, kann vor Ort, wenn man die Realität sieht, ganz anders daherkommen. -> Es ist sehr wichtig, die Menschen hinter dem Kaffee zu besuchen und kennenzulernen, wenn es einem am Herzen liegt wie der Kaffee den man röstet und verkauft angebaut wird.
Im Gegensatz zu Itende trafen wir in Mbeya aber auch einige sehr interessierte Farmer, mit denen eine Zusammenarbeit in unserem Sinne möglich scheint. Ich bin gespannt was die Muster hergeben.