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Sexuelle Funktionsstörungen des Mannes (nach DSM-5, IC-10/11)
Unter sexueller Funktionsstörung (sexuelle Dysfunktion) versteht man Schwierigkeiten beim Geschlechtsverkehr. Die sexuelle Funktionsstörung umfasst eine Vielzahl an Problemen, die sich auswirken auf
Sexualtrieb (Libido)
- Die Fähigkeit, eine Erektion zu bekommen und aufrechtzuerhalten (erektile Dysfunktion oder Impotenz)
- Die Fähigkeit zur Ejakulation
- Die Fähigkeit, eine Erektion ohne Deformität des Penis zu erreichen
- Die Orgasmusfähigkeit
Gelegentliche sexuelle Dysfunktionen sind normal
Jeder Mann hat gelegentlich Probleme mit sexuellen Funktionen, seien es Erektionsstörungen, Orgasmus Störungen oder verminderte Libido. Die Einteilung in normale, akzeptable sexuelle Funktionen und Störungen der sexuellen Funktionen hängt stark von der Einstellung des Betroffenen und seines Partners ab. Manche Betroffene oder deren Partner stören sich nicht an den beschriebenen Problemen mit der sexuellen Funktion. Bei einigen Paaren leidet nur der Partner aber nicht der Betroffene darunter.
Inadäquate Interpretation als Versagen, Schwäche, Ausdruck persönlicher Labilität oder eines geringen Selbstwertgefühls als Mann beschäftigen noch viele Männer. Auch solche Gefühle sind durchaus normal. Das hängt auch damit zusammen, dass beim Mann die Funktionsstörungen offensichtlich zu Tage treten – im Unterschied zu sexuellen Problemen bei der Frau. Entscheidend ist denn auch die Reaktion der Partnerin auf diese Störungen der Funktion, was den Betroffenen entsprechend beruhigen oder beunruhigen kann. Problematisch kann es werden, wenn die Frau das Versagen sexueller Funktionen beim Mann persönlich nimmt, z. B. denkt es sei ein Zeichen, dass er sie nicht mehr attraktiv findet, er an eine andere denkt oder sie nicht mehr Liebe usw.
Die Versagensangst kann zu einem Teufelskreis von Angst, Selbstbeobachtung, Bestätigung der Angst durch die Funktionsstörung führen, was dann zu einer andauernden Funktionsstörung im Sinne von DSM-5 oder ICD-10/11führen.
Bei allen Funktionsstörungen DSM-5 und ICD-10/11 gelten folgende gemeinsame Kriterien (Ergänzungen zu den einzelnen Störungen finden Sie bei dem jeweiligen Kapitel):
Eine Störung der Funktion wird nur diagnostiziert wenn ein Leidensdruck beim Betroffenen besteht. Die Symptome dauern mindestens 6 Monate an. Die sexuellen Funktionsstörungen kommen nicht durch ernste Paarprobleme, Stress, medizinische Krankheiten oder Alkohol- oder Drogenmissbrauch zu Stande. Sie können lebenslang auftreten. Manche sind auch erworben und treten erst nach einem Zeitraum relativ normalen sexuellen Funktionierens auf. Dem Betroffenen soll weder vom Partner noch von einem Arzt eine Behandlung aufgedrängt werden. Die Begriffe und Definitionen „sexuelle Funktionsstörungen“ sind zwar wie oben erwähnt problematisch. Jedoch ist die Diagnosestellung für einige Betroffene auch eine Unterstützung. Sie geben Anlass, sich Hilfe zu holen und das Leiden zu verringern.
Ursachen von sexuellen Funktionsstörungen:
- Ein niedriger Testosteronspiegel, wenig oder viel sexuelle Begierde können zur körperlichen Konstitution gehören, sei es vererbt oder erworben.
- Psychische Faktoren wie ängstliche Persönlichkeit, Stress.
- Psychiatrische Krankheiten wie Depressionen, Angststörungen, Missbrauch von Alkohol und Drogen.
- Beziehungsprobleme spielen sehr häufig als Ursache oder Verstärker eine wichtige Rolle.
- Einige Medikamente (Antidepressiva können und.
- Falsche Informationen z. B. sexuelle Dysfunktionen seien Zeichen einer labilen Persönlichkeit oder schwachen Selbstwertgefühls usw.
April 2019/Ap
1. Verzögerter Samenerguss und Orgasmus
Bei fast allen sexuellen Aktivitäten (75-100%) ist eine deutliche Verzögerung des Samenergusses vorhanden oder er bleibt ganz aus.
Auch beim Mann gibt es keine Definition, ab wann ein Orgasmus zu spät erfolgt. Es hängt also ganz von der Beurteilung der beiden Partner ab, ob ein Orgasmus verzögert ist oder nicht. Sowohl beim verzögerten wie auch beim ausbleibenden Orgasmus ist für die Diagnose einer sexuellen Dysfunktion wiederum entscheidend, ob der eine oder beide Partner einen Leidensdruck verspüren. Vorurteile, z. B. ein befriedigendes Sexualleben hänge von der Erlangung eines Orgasmus können Grunde für einen Leidensdruck sein.
Viele betroffene Männer und der Partner stören sich in keiner Art und Weise an der mangelnden Orgasmus Fähigkeit. Derjenige Partner, der früher zum Orgasmus kommt, hat ja keinen grossen Nachteil. Es gibt aber die Situation, wo der Geschlechtsverkehr dem Partner zu lange dauert. Zum Beispiel, weil er keinen Spass am Geschlechtsverkehr hat oder wenn die Erregung zurückgeht. Manchmal versucht ein Paar krampfhaft, den Orgasmus zu erzwingen, was über eine Stunde dauern und schmerzhaft sein kann.
Ursachen: Ein verzögerter oder ausbleibender Orgasmus kann durch eine individuell unterschiedliche Orgasmus- oder Erregungsschwelle bedingt sein. Dieses Phänomen ist meist auf biologische und nicht auf psychische Faktoren zurückzuführen und ist keine Störung. Zudem können niedrige Testosteronwerte eine bedeutende Rolle spielen. Psychische Probleme wie Angststörungen, Depressionen, Schizophrenie oder Missbrauch von Alkohol und Drogen oder Medikamente wie Psychopharmaka können auch zu einem verzögerten oder ausbleibenden Orgasmus führen.
Häufigkeit: Bei 9-21% der Männer besteht die Unfähigkeit einen Orgasmus zu erreichen.
Unfähigkeit zur Ejakulation
Die Unfähigkeit zur Ejakulation (Anejakulation) wird in der Regel durch die Unfähigkeit, einen Orgasmus zu erlangen, verursacht (Anorgasmie).
Die häufigste Ursache ist eine Prostataoperation bei Prostatakrebs, da bei dieser Operation häufig Nerven geschädigt werden, die für die sexuellen Funktionen notwendig sind.
Behandlung
Psychotherapie, Paartherapie. Bleiben Behandlungen ohne Erfolg lernen mit und trotz dem leichten Handicap Sexualität und Intimität zu geniessen.
2. Vorzeitiger Samenerguss und Orgasmus
Es handelt sich dabei um die Unfähigkeit, die Ejakulation ausreichend zu kontrollieren. Der Samenerguss kann vor dem Eindringen des Penis oder kurz danach stattfinden. Der Geschlechtsverkehr kann dadurch für bei Partner unbefriedigend sein.
Die Definition ist ungenau, da nicht definiert werden kann, wie lange ein normaler Geschlechtsverkehr dauern soll. Einige Autoren definieren eine Intravaginalzeit von unter 30 Sekunden als zu schnell. Im Durchschnitt soll ein Geschlechtsverkehr etwa 5 Minuten dauern.
Ursache Die häufigste Ursache sind Versagensängste oder andere psychische Faktoren. Die Konstitution und eine sehr empfindliche Penishaut werden auch als Ursache diskutiert. Selten kommen Schilddrüsenüberfunktion oder eine Erkrankung des Nervensystems in Frage.
Häufigkeit Mit 12 bis 30% gehört er zu den häufigen sexuellen Problemen bei Männern. Verzögern des Samenergusses durch verhaltenstherapeutische Massnahmen.
Behandlung
Psychotherapie, Sexualtherapie. Medikamente aus der Gruppe Antidepressiva (SSRI und Dapoxetine (Priligy®) können eine leichte Wirkum haben. Bleiben Behandlungen ohne Erfolg lernen mit und trotz dem leichten Handicap Sexualität und Intimität zu geniessen.
4. Erektionsstörungen, erektile Dysfunktion (ED)
Hauptproblem ist die Schwierigkeit, für einen Geschlechtsverkehr die notwendige Erektion zu erlangen oder aufrechtzuerhalten.
Für eine Erektion müssen verschieden Faktoren erfüllt sein: Genügend Libido, genügend Testosteron, sexuelle Erregung, ausreichender Blutzufluss und Verhinderung des Blutausfluss in und aus dem Penis, Intakte Versorgung des Penis mit Nerven.
Eine Erektionsstörung liegt vor, wenn
- es zu keiner Erektion kommt
- nur vorübergehend eine Erektion auftritt, deren Dauer für einen Geschlechtsverkehr nicht ausreicht
- eine Erektion nur sehr unzuverlässig erreicht wird (weniger als 25%)
Ursachen:
Bei der erektilen Dysfunktion handelt es sich meist um ein sogenanntes biopsychosoziales Geschehen. Das heisst verschiedene Ursachen müssen in Betracht gezogen werden. Eine biologische Ursache ist praktisch ausgeschlossen, wenn die Erektion bei der Masturbation oder mit einem anderen Partner funktioniert sowie gelegentlich eine morgendliche Erektion auftritt. Bleiben diese normalen Erektionen aus, ist eine urologische und internistische Abklärung angezeigt.
Die Behandlung wird entsprechend den Ursachen vom Arzt individuelle festgelegt:
Die häufigsten Ursachen und deren Behandlung einer ED:
Ursachen
Behandlung
Psychologische Faktoren, insbesondere Versagensangst (Angststörung)
Stress
Psychotherapie
PDE-5-Hemmer
Paarkonflikte
Paartherapie
Arterienverkalkung
Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
Behandlung der Risikofaktoren: Bluthochdruck, Diabetes mellitus Übergewicht. PDE-5-Hemmer
Komplikationen einer Prostataoperation (grosse Prostataoperation bei Krebs, selten kleine Operation nach gutartiger Vergrösserung)
Ev. PDE-5-Hemmer
Medikamente: Blutdruckmedikamente, Antidepressiva
Änderung der Medikamente
Drogen- und Alkoholkonsum
Sex ohne Alkohol oder Drogen
Niedriger Testosteronspiegel
Hormongabe
Psychische Störungen wie Depressionen, Angsterkrankungen, Schizophrenie, Posttraumatische Störungen, sexueller Missbrauch
Psychotherapie
Psychopharmaka
PDE-5-Hemmer
Medikamente
PDE-5-Hemmer: Zu dieser gruppe gehören Sildenafil (Viagra), Vardenafil (Levitra), Avanafil (Spedra) oder Tadalafil (Cialis, Adcirca). Sie verursachen eine Erweiterung der Blutgefässe, die den Penis mit Blut füllen. Dadurch entsteht eine bessere Steifigkeit des Penis. PDE-5-Hemmer wirken praktisch bei allen Erektionsstöungen recht gut.
Weitere Therapieoptionen
Penisring
Ein Penisring aus elastischem Plastik kann an den Schaft des Penis gerollt werden, so dass der Blutausfluss aus dem Penis verringert wird. Wicht: richtige Grösse verwenden, sonst kann es zu Komplikationen führen.
Medikamentenjektion in den Penis
As Medikament Aprostadil (Caverject®, Muse®, Prostin®) kann ev. in Kombination mit Papaverin direkt in den Penisgespritzt werden. Gute Wirksamkeit.
Häufigkeit: bei den engen Kriterien der Manuale leiden 7-18% der Betroffenen. In den USA sind 50 Prozent der Männer zwischen 40 und 70 Jahren in irgendeiner Form betroffen und der Anteil nimmt mit fortschreitendem wegen allgemeiner Arterienverkalkung zu Alter zu. ED ist jedoch keine normale Alterserscheinung und kann in jedem Alter erfolgreich behandelt werden.
Warnsignal: Eine ED kann das erste Symptom einer Arterienverkalkung sein, weshalb eine ärztliche Untersuchung notwendig wird.
5. Störung mit verminderter sexueller Appetenz – Libidostörung
Unter einer Minderung der Libido oder sexuellen Appetenz versteht man die Abnahme der sexuellen Bedürfnisse und Aktivitäten.
Definition des DSM-5 und ICD10/11: Mangel oder Fehlen des Verlang’s nach Sexualität der von sexuellen Gedanken oder Fantasien.
Das sexuelle Verlangen oder Appetenz ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Oft ist das sexuelle Verlangen und Bedürfnisse gerade bei jungen Männern stärker ausgeprägt. Aber auch beim Mann können Libido Störungen auftreten, deutlich weniger als bei der Frau, allerdings sollen laut Umfragen auch nicht selten. Es ist ein Vorurteil, dass alle Männer immer allzeit bereit sind und Sex häufiger wollen als Frauen. In Partnerschaften kommt diese Konstellation nicht selten vor.
So haben nur wenige Partner gleiches Verlangen. So ist bei den meisten Paaren eine Kompromissfähigkeit bezüglich sexuellen Wünschen und Häufigkeit der sexuellen Aktivität des Paares notwendig für eine befriedigende Sexualität. Praktisch kein Paar kommt darum herum, sich gemeinsam zu entwickeln, wobei Gespräche über sexuelle Fragen von besonderer Bedeutung sind.
Häufigkeit: 15% bis 25% der Männer sollen je nach Studie.
Behandlung: Sexual- und/oder Psychotherapie, Paartherapie. Ursachen beseitigen: z. B. Medikamentenwechsel, Testosterontherapie
Weitere Informationen
Vorsorgeuntersuchung beim Mann