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Der Wechsel zur Mitteleuropäischen Zeit in der Schweiz
Frage eines Sachbuchautors :
Bei meinen Recherchen zu einem Sachbuch über die Schweiz bin ich darauf gestossen, dass die Schweizer Städte bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts unabhängige Ortszeiten hatten. Die Lokalzeiten waren abhängig von der geographischen Lage der Orte. Können Sie herausfinden, wann die Zeitsysteme in der Schweiz vereinheitlicht wurden?
Antwort von SwissInfoDesk:
In der Nacht vom 31. Mai auf den 1. Juni 1894 wurden in der gesamten Schweiz die Uhren um 30 Minuten vorgestellt. Seitdem gilt in der Schweiz die mitteleuropäische Zeit (MEZ). Sie entspricht der mittleren Sonnenzeit auf dem 15. Längengrad östlich von Greenwich.
Insbesondere die Entwicklung von Telegrafie und Eisenbahn hatten es weltweit notwendig gemacht, die unterschiedlichen Lokalzeiten zu vereinheitlichen. Die Lokalzeit ist abhängig von der geographischen Länge des Ortes. Dadurch ergibt sich ein Zeitunterschied von ungefähr 18 Minuten zwischen dem östlichsten Punkt der Schweiz in Graubünden und dem westlichsten im Kanton Genf. In der Schweiz hatte sich seit den 1860er Jahren die Berner Lokalzeit als faktische Landeszeit durchgesetzt. Diese wurde vom Observatorium in Neuenburg täglich exakt berechnet und an die Telegrafenbüros im Land geschickt, damit die Uhren entsprechend angepasst werden konnten. Die Standardisierung ermöglichte es unter anderem, schweizweit gültige Fahrpläne für die Eisenbahn zu erstellen. Auch waren Reisende nicht gezwungen, ihre Uhren fortwährend den jeweiligen Ortszeiten anzupassen. Als die Nachbarländer der Schweiz die MEZ einführten, beschloss der Bundesrat am 11. Dezember 1893, für Eisenbahn, Post und Telegrafie in der ganzen Schweiz die MEZ einzuführen. Obwohl der Bundesrat die Kantone politisch dazu nicht zwingen konnte, wechselten die Kantone ebenfalls zur mitteleuropäischen Zeit.