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Mit etwas mehr als 12 Kilometern ist die Hintere Frenke kein langes Gewässer. Sie entspringt einer Quelle in Reigoldswil, durchfliesst Ziefen und mündet in Bubendorf in die Vordere Frenke aus dem Waldenburgertal. Während ihrem Weg durchs Fünflibertal nimmt sie diverse Richtungsänderungen vor und gestaltet damit das Gesicht der Bachzeilendörfer wesentlich mit. Das Wasser manifestiert sich denn auch baulich in Form der sogenannten «Buuchhüsli».
Ein 34-minütiges Express-Waschprogramm bei 40°C war vor 1800 noch wesentlich arbeits-, material- und zeitaufwändiger als heute. Die Hausbesitzer schlossen sich deshalb zu Genossenschaften zusammen und betrieben ein gemeinsames Waschhaus. In einem solchen Haus befand sich ein Bauchkessel, genannt «Buchchessi». Der Name stammt von der Buchenasche, die als Waschlauge diente. Das Wasser leitete man vom angrenzenden Brunnen ins Hüsli, erwärmt wurde es mit einem gemauerten Herd.
In einem ersten Brunnenverzeichnis von 1757 finden sich acht Dorfbrunnen, die meisten in direkter Nähe zu einem Buuchhüsli. Davon gab es um 1760 ganze sieben Stück. Die Hüsli weisen eine Grundfläche von ungefähr 20 Quadratmeter auf, dasjenige an der Hauptstrasse 75 ist gemauert und verputzt mit einem Dachgeschoss aus Holz. Die traufseitigen Wände führen gemauert bis zum Satteldach aus Biberschwanzziegeln. Der Zugang erfolgt über eine Holztür. Belichtet wird der Innenraum über mehrere kleine Fenster. Die Wichtigkeit dieser Kleinarchitektur für die Gemeinschaft dürfte sich an einem Eintrag im Brandlagerbuch von 1830 zeigen. Bereits damals wurde es als «Waschhaus von Stein und Holz mit Ziegeldach» beschrieben.
Während das Gebäude Nr. 75 mit geradem Satteldach giebelseitig zu Strasse platziert wurde, steht Nr. 85 längs zur Hauptstrasse. Die Traufen weisen aufgrund von Aufschieblingen unterschiedliche Höhen auf. Ersteres befindet sich im nicht rechtsverbindlichen Bauinventar, letzteres ist denkmalpflegerisch geschützt. In einer übergeordneten Betrachtung sind es aber nicht die Gebäude an sich, die den Wert dieser Kleinarchitektur ausmachen, sondern die dezente und unaufgeregte Kombination von Bach, Strasse, Brunnen und Waschhaus. Diese sich wiederholende Anordnung in unterschiedlicher Besetzung gibt nicht nur historische Hinweise, sondern schafft auch sehr schöne städtebauliche Situationen. Dass man sich dieser Situation bewusst ist, zeigt der Wille zum Erhalt von zumindest zwei der Buuchhüsli – allerdings erst nachdem die Denkmalpflege nach Abbruch-Visionen der Gemeinde interveniert hatte. Problematisch ist die unmittelbare Nähe zur Hauptstrasse.
Ähnlich im Volumen gibt sich die «alte School», das ehemalige Notschlachthaus direkt bei der Busstation «Zentrum». In Anbetracht der Freiräume, die zu den jeweilen Gebäuden gehören, drängt sich die Frage der Umnutzung – und gleichzeitigen Bespielung und Aktivierung der Hauptstrasse auf. Solche Bauten bleiben nämlich nur solange «wertvoll» als solche, solange sie sich aktiv am Städtebau beteiligen und ihr Dasein nicht kulissenhaft bloss als schützenswerte Objekte vergangener Zeiten fristen.
Text: Simon Heiniger / Architektur Basel
Buuchhüsli Ziefen (Waschhaus)
Adresse: Hauptstrasse 75 + 85, 4417 Ziefen
Architektur: unbekannt
Baujahr: um 1760
Fotos:
– © Simon Heiniger / Architektur Basel
Karten/Luftbild:
– Bundesamt für Landestopografie swisstopo
Quellen:
– Affolter, C. im Auftrag der Denkmalpflege BL (2007), Bauinventar Kanton Basel-Landschaft BIB, Gemeinde Ziefen
– Kantonales Inventar der geschützten Kulturdenkmäler (Online-Inventar)