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Die Geschichte der Familie Schmitter: Von Rothrist nach Iowa
- Freitag, 9. Oktober 2015, 13:12 Uhr
Die Auswanderungswelle von armen Schweizern im 19. Jahrhundert hat auch die Geschichte der Familie Schmitter geprägt. Johan Jakob Schmitter zog als armer Mann von Rothrist nach Iowa. Vier Generationen später ist sein Ur-Ur-Enkel Philippe Schmitter ein angesehener Politologe.
Philippe Schmitter hat die Überfahrt seines Urgrossvaters Johan Jakob recherchiert. «Auf Fuhrwerken brachte man sie nach Le Havre in Nordfrankreich. Von dort ging es auf einem Schiff nach New Orleans, im Süden der USA, und dann weiter Richtung Norden auf dem Mississippi», erzählt der 79-Jährige.
Die Migranten aus Rothrist gründeten nicht eine Gemeinde, es gibt also kein Neu oder New Rothrist, sondern sie verteilten sich. Seinen Urgrossvater verschlug es nach Iowa. Philippe Schmitter hat seinen Urgrossvater nie gesehen, er starb lange vor seiner Geburt. Von ihm weiss er, dass er Erfolg hatte.
Reichtum dank Hochzeit
«Johan Jakob war am Ende seines Lebens Eigentümer einer grossen Farm», erzählt Philippe Schmitter. «In deren Besitz kam er durch eine glückliche Heirat. Die Familie seiner Frau hatte Grundbesitz und war wohlhabend.»
Doch auch wer weniger Glück hatte, hatte zumindest gute Chancen. Denn die Böden des Mittleren Westens, von Iowa, Missouri oder Illinois sind fruchtbar und zogen damals zahlreiche Auswanderer aus Deutschland und der Deutschschweiz an. Viele bauten Mais an, um damit Schweine zu mästen für die riesigen Schlachthöfe Chicagos.
Viele dieser Bauern und Viehzüchter waren Quäker. Eine religiöse Bewegung, die viel für die Bildung ihrer Mitglieder tat. «Die Quäker betrieben ein College in der Nähe der Farm meines Urgrossvaters. In der Folge waren wir gut gebildet.» Philippe Schmitters Vater lebte und studierte bereits in Chicago. Und später auch in der alten Heimat, in der Schweiz, genauer in Genf.
Ist die Situation vergleichbar zu heute?
Philippe Schmitter selber wurde ein renommierter Politologe und lehrte an verschiedenen Universitäten rund um den Globus. Heute lebt er auf einem Landgut in der Toskana. Kann man aus der Migrationserfahrung seiner Familie für das Hier-und-Jetzt etwas lernen?
«Ich zögere», sagt Schmitter. Denn heute seien die Umstände anders. Sein Urgrossvater sei in ein Land eingewandert, das kaum besiedelt war und viele Möglichkeiten bot. Das könnten heute weder Europa noch die USA von sich behaupten.
Eine Gemeinsamkeit aber sieht er: «Mich beeindruckt, wie viel Migranten für die Ausbildung ihrer Kinder tun.» Schmitter meint damit seine eigenen Vorfahren. Aber auch die Flüchtlinge und Migranten von heute, die oft alles versuchten, ihre Kinder auf gute Schulen zu schicken und ihnen so ein besseres, sicheres Leben zu ermöglichen.