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Nid eso, nei nei, nid eso hani gseit nid eso, nei luegit, nid eso, nei nei, nid eso hani gseit stelle u nid lege (...) u när znüni näh, znüni näh.
Gewinnerin: Nicole Fasel, Alterswil
Hier nun der Klassiker - Znüni näh zum Anhören:
Bevor ich mich ans Schreiben des Romans machte, las ich drei Texte über Christina Aeby, die in verschiedenen heimatkundlichen Blättern publiziert worden waren.
Die Texte stammten aus der Feder von Erwin Mülhauser, Meinrad Schaller und Joseph Birbaum. Was bei der Lektüre sofort auffiel, war die Tatsache, dass die Texte nicht miteinander in Einklang standen. Die Geschichte und ihre Protagonisten wurden unterschiedlich dargestellt, sogar die Namen stimmten nicht überein.
Mir schien, dass Joseph Birbaum bei seiner Darstellung der Tat am wissenschaftlichsten vorgegangen war. Ausserdem war er der einzige der drei Publizisten, der noch lebte. Ich betrachtete ihn also als den weltweit führenden Experten auf dem Gebiet des Mordfalls Christina Aeby. Ich bat ihn in einem Brief, ihn besuchen zu dürfen, und erhielt umgehend eine mit Schreibmaschine geschriebene Einladung.
Joseph Birbaum war ein ehemaliger Pfarrer, der in Alterswil wohnte. Mehr wusste ich nicht über ihn. Doch seinen Text, den er über den Mord verfasst hatte, kannte ich fast auswendig. Ich hatte mich gut auf meinen Besuch vorbereitet. Ich hatte mir haufenweise Fragen notiert, auf die ich mir Antworten erhoffte.
In einer Blockwohnung neben der Kirche empfing mich ein kleiner Mann. Zur Begrüssung segnete er mich. Wir setzten uns ins Wohnzimmer, wo ich meine Unterlagen hervornahm, über die ich sprechen wollte. Ich fragte ihn, worauf sich seine These stütze, der Mordverdächtige Peter Roschi habe an jenem 3. Mai 1820 ein gelbgestreiftes Gilet getragen.
«Damals», begann er, «wurde in Rechthalten eine Frau getötet. Beim Farnerawald.»
Ich wartete, doch er schwieg wieder. Dann dämmerte es mir. Joseph Birbaum hatte seinen Text vor fast sechs Jahrzehnten geschrieben, vor Elvis, vor der Erstbesteigung des Everests, vor dem Wunder von Bern und dem Sputnik. Wie hatte ich nur erwarten können, er würde mir nun detailreich darüber berichten?
Plötzlich stand er auf, ging zur Kommode und nahm zwei Fotografien aus einer Schublade. Sie zeigten frühere Denkmäler, die einst an Christina Aeby erinnert hatten. Ich war begeistert. Er schenkte mir die Fotos, segnete mich wiederum und wünschte mir alles Gute.
Knapp ein Jahr nach meinem Besuch sah ich in den Freiburger Nachrichten die Todesanzeige von Joseph Birbaum. Er wurde achtundneunzig Jahre alt.
Text: David Bielmann
Mitmachen: Stichwort "Im Schatten der Linde" an <email-pii> oder per SMS/WhatsApp auf die Nummer 079 950 15 71. Name, Vorname und Wohnort wie immer nicht vergessen.
Zum ersten Mal hörte ich von Christina Aeby, als ich ein kleiner Junge war: Eine Frau soll einst ermordet worden sein, in Rechthalten, in meinem Dorf, gar nicht weit vom Haus entfernt, in dem ich wohnte.
Das besorgte mich. Bis dahin hatte ich geglaubt, dass Morde nur anderswo geschehen, nur in Filmen und in Zeitungen, nur draussen in der weiten Welt, nicht bei uns, auf dem friedlichen Land. Ich beruhigte mich damit, dass der Mord an Christina Aeby schon unendlich lange zurücklag und ich nun in einer Zeit lebte, in der es bei uns keine Gewaltverbrechen mehr gab.
Ich erinnere mich an einen Jubla-Anlass, an dem wir uns nach Sonnenuntergang zum Tatort begaben. An diesem unheilvollen Ort erzählte einer der Leiter im Kerzenlicht die schreckliche Geschichte, bestrebt, uns Kindern so viel Angst wie möglich einzujagen. Es gelang. Wie erleichtert ich war, als wir danach alle heil wieder im Dorf ankamen und einen beruhigenden Becher Tee erhielten.
Einige Jahre später spielte ich an einem Unihockey-Turnier in Giffers. Ich war inzwischen ein Mann geworden, jedenfalls auf dem Papier, und ich hatte Getränke für mich entdeckt, die eine noch viel beruhigendere Wirkung erzielten als Tee. Überschwänglich feierten wir unsere Siege – oder waren es die Niederlagen, die wir ertränkten? Morgens um drei Uhr, als ich sämtliche Mitfahrmöglichkeiten ausgeschlagen hatte, fasste ich einen tollkühnen Entschluss: Ich wollte von Giffers nach Rechthalten marschieren, und zwar nicht der Strasse entlang, sondern durch jene finstere Gegend, die damals Christina Aeby in ihrer letzten Stunde durchstreift hatte. Furchtlos zog ich los, der Hockeystock in meinen Händen verlieh mir eine gewisse Sicherheit. Aber schon kurz nach dem Pistolenstand von Giffers, wo es keine Lichter mehr gab, verirrte ich mich. Ich hatte den Fussweg verlassen, stapfte über die dunklen Wiesen, stach hinein in den Wald, fand wieder heraus.
Endlich erreichte ich den Weg, den Christina Aeby genommen hatte und der nach Rechthalten führte. Das Dorf schlief, alles war still und dunkel. Als ich zum Gedenkstein am Tatort kam, bemühte ich mich, eine Weile stehenzubleiben. Ich hielt mich nachts allein an der Stätte des Grauens auf! Es hätte unheimlich sein können, doch nichts geschah. Ich hatte weder Herzklopfen noch Gänsehaut. Christina Aeby war tot, und alles, was an sie erinnerte, war ein kalter Stein im Gras.
Melancholisch wurde ich erst, nachdem ich den Stein hinter mir gelassen hatte und auf das Dorf zuschritt. Und in einem Anflug von Übermut wünschte ich mir, ein grosser Schriftsteller zu sein, um Christina Aeby zurückzuholen, deren Leben mit einundzwanzig Jahren ein tragisches Ende fand.