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Beuthen ,
im Ostteil Oberschlesiens gelegen, darf auf eine Geschichte zurueckblicken, die bis ins Mittelalter reicht. Bereits
1123 wird der Name der Stadt in einem Schriftstueck des paepstlichen Legaten, Kardinal Aegidius, erstmals
urkundlich erwaehnt. Zu dem Zeitpunkt existierten hier immerhin ein Markt und zwei Schenken. Wahrscheinlich wurde
im 11. Jh. eine Wehrburg angelegt, in der spaeter ein Burgvogt amtierte. Aus dieser Wehrsiedlung duerfte anschliessend
Beuthen hervorgegangen sein. Hier entstand auch die erste Gemeindekirche St. Margareth. Diese Wehranlage laesst sich
bis heute noch auf dem sog. Margarethenhuegel erkennen. Mitte des 13. Jh. wurde Beuthen vom Oppelner
Piastenherzog Wladislaus nach Magdeburger Stadtrecht gegruendet. Die Gruendungsurkunde traegt die Jahreszahl 1254.
Lokator und erster Vogt war ein gewisser Heinrich.
Die guenstige Lage an der Handelsstrasse von Breslau nach Krakau und die Silber- und Bleierzvorkommen liessen die
mittelalterliche Stadt schnell aufbluehen. Bis zum 14. Jahrhundert basierte ihr Reichtum auf dem Erzbergbau. Beuthen
erlebte seinen bis ins 19. Jahrhundert anhaltenden Niedergang. Zusammen mit dem gesamten Koenigreich Boehmen
kommt Beuthen 1526 an die Habsburger. 1742 wird ganz Schlesien von Friedrich dem Grossen erobert und damit
gehoert Beuthen ab diesem Zeitpunkt zu Preussen. Im 19. Jahrhundert erlebt die Stadt mit ihrer Industrialisierung und der
Ausbeute der Steinkohlen-, Zink- und Bleierzvorkommen in der Umgebung einen geradezu atemberaubenden
Aufschwung. Von nun an sollen die Grubenaufzuege und -halden, aber auch die Huettenschlote das Stadtbild bestimmen.
Die Entwicklung der Stadt wurde 1914 durch den Ausbruch des I. Weltkrieges unterbrochen. Nach dem I. Weltkrieg,
im Jahre 1918 verschaerfte sich die politische Lage, polnische Nationalbestrebungen nahmen an Staerke zu. Der
Versailler Vertrag sah die Durchfuehrung eines Plebiszits in Oberschlesien vor. In Beuthen wurde das Polnische
Plebiszitskommissariat eingerichtet, das von Wojciech Korfanty geleitet wurde. Waehrend des Plebiszits gaben 29890
Waehler in Beuthen ihre Stimme fuer Deutschland und 10101 fuer Polen ab. Die polnische Seite war mit der Absicht, die
Stadt und die Region im Deutschen Reich zu lassen, nicht einverstanden, und das bewegte sie zur Ausloesung von drei
Aufstaenden in Oberschlesien. Letzthin blieb Beuthen doch in Deutschland. Der 1939 ausgebrochene II. Weltkrieg
verursachte die Aufloesung der um die Stadt fuehrenden Grenze. Am 27. Januar 1945 marschierten die Truppen der
Roten Armee in Beuthen ein. Ein Kapitel der Stadtgeschichte wurde abgeschlossen. Die Industrie . Die in der ersten Haelfte des 19. Jh. entstandenen Industriebetriebe
schlossen sich in den 60er und 70er Jahren allmaehlich zu Grossunternehmen zusammen. 1870 wird die Steinkohlengrube "Heinitz"
(inzwischen "Rozbark"), 1872 die Karsten Cetrum Grube (heute "Centrum"), 1873 die Hohenzollerngrube ("Szombierki") gegruendet.
Ausserdem existierten noch die kleineren Zinkerzgruben "Theresia" und "Apfel" (bei der Karsten Centrum Grube), "Fortuna"
(in der Birkenheiner Strasse) "Rococo" und "Neue Victoria". Die Kirchen Beuthens - erste Margarethenkirche lag auf dem Gelaende der Vogtei und
wurde noch vor 1170 von
Boleslaus dem Kraushaarigen gestiftet. Die zweite Beuthener Kirche wurde, wie gesagt, in der frisch gegruendeten Stadt
selbst gebaut und der Jungfrau Maria geweiht. Einige Quellen nennen als ihren Baubeginn das Jahr 1231. Das Rathaus und die Amtsgebaeude Das Beuthener Rathaus duerfte Ende des 13.,
Anfang des 14. Jh. errichtet worden sein und stand von Anfang an an der Westseite des Rings. 1818-1826 wurde es umgebaut,
1848 indessen erhielt es seinen neogotischen Turm. 1877 entstand demnach an derselben Stelle das Neorenaissance-Rathaus mit
einem Uhrenturm, der jahrzentelang als Wahrzeichen der Stadt galt. Die Schulen. Als erste Schule wird in Beuthen erstmals urkundlich eine zeittypische kirchliche Pfarrschule
1428 erwaehnt. Die evangelische Schule erhielt 1842 einen Neubau. 1867 entstand auch in Beuthen das
erste klassische Gymnasium, das 1870 stolz auf sein eigenes neogotisches Schulhaus mit einer praechtigen Aula sein durfte
(inzwischen Musikschule). Kuenftige Lehrerinnen wurden im 1906 gegruendeten Lehrerinnenseminar ausgebildet (Gebaeude der heutigen
Staatlichen Schulen fuer Bauwesen, 1911-1912). 1930 wurde es zur Paedagogischen Akademie aufgewertet und damit zur einzigen Hochschule
in Beuthen und sogar im gesamten deutschen Oberschlesien. Eine musikalische Ausbildung liess sich im
beruehmten, 1910 gegruendeten Cieplik-Konservatorium in der Bahnhofstrasse 18 geniessen. Das Kulturleben. Im Jahre 1910 wurde der Beuthener Geschichts- und Museumsverein
zur Erforschung der Heimatgeschichte und Sammlung von stadtgeschichtlichen Exponaten fuer ein kuenftiges Museum gegruendet.
Nach dem II. Weltkrieg wurde der Verein in Dortmund reaktiviert. 1930 erhielt es einen stattlichen Neubau am Moltkeplatz und
durfte sich von jetzt ab auch Oberschlesisches Landesmuseum nennen. Bereits 1898 hatte sich die Beuthener Theater- und
Konzerthausgesellschaft gebildet und sich vollends dem Bau dieser so wichtigen Einrichtungen in der Stadt
verschrieben. Bereits zwei Jahre spaeter, am 29. September 1900, hob sich im Beuthener Stadttheater erstmals der
Vorhang zu Schillers "Jungfrau von Orleans". Sport Bereits 1868 entstand in der Stadt eines der ersten oberschlesischen Hallenbaeder
ueberhaupt. Es wurde im nicht mehr existierenden Gebaeude der staedtischen Wasserleitungen gegenueber dem heutigen
Stadtamtsgebaeude eingerichtet. 1881 folgte ihm ein Freibad im Stadtpark, das 1933 vergroessert und modernisiert
wurde. Seit 1906 bestand der Schwimmverein "Poseidon". 1934 wurde der Bau des neuen, damals in ganz
Oberschlesien groessten und bis heute existierenden Hallenbades abgeschlossen. Der beruehmteste Beuthener Turnverein
war der 1909 gegruendete Spiel- und Sportverein 09, dessen Fussballmannschaft sich mehrfach den oberschlesischen
Meistertitel holte. 1929 wurde in Beuthen die riesige Hindenburg-Kampfbahn, das derzeitige Stadion des SC Polonia,
erbaut.
Informationen bez. der Stadt Beuthen stammen aus verschiedenen Buecher des TMB Vereines.
Herzlichen Dank an alle Mitarbeiter des TMB, insbesondere Herrn Prof. J. Drabina.