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[1780]
Autographes Konzept: Zürich StA, E II 345, 366r.-367r. Abschrift des Originals von unbekannter Hand: a Zürich ZB, Ms F 80, 195r.-198r., Nr. 115 Druck des Konzepts: Netoliczka, Bullingerbrief 179-190; Druck der Abschrift des Originals: b Roth, Siebenbürgen 207-214
Schreibt Honter auf Anregung von Martin Hentius über einige Punkte, über die in den eidgenössischen
Kirchen Einigkeit besteht. Die Privat- oder Ohrenbeichte betrachten sie als
nicht-apostolische menschliche Erfindung, weswegen sie vollständig abgeschafft worden ist;
aufrechterhalten wurde einzig die persönliche Beichte des Einzelnen vor Gott und das allgemeine
Sündenbekenntnis am Schluss der Predigt. Während sich Gratian in seinem Dekret nur
unbestimmt zur Ohrenbeichte äußert, betrachtet Petrus Lombardus diese als Voraussetzung für
den Eingang ins Paradies, was offensichtlich dem biblischen Zeugnis widerspricht, das nur
Christus als Mittler anerkennt; später hat Papst Innozenz III. am [IV.]Laterankonzil ein unter
Gregor IX. in die Dekretalen aufgenommenes Gesetz erlassen, das die Gläubigen mindestens
einmal jährlich zur Ohrenbeichte verpflichtete. Die Verteidiger der Ohrenbeichte verweisen
auf die Kirchenväter, doch das Sündenbekenntnis war in altkirchlicher Zeit Bestandteil der
Bußdiziplin mit anderem Charakter, wie dies Tertullian, [Eusebius], Sozomenos und [Papst]
Leo [I.]bezeugen; aus dieser nicht-apostolischen Tradition entwickelten sich die verschiedenen
[römisch-katholischen]Satisfaktionsleistungen, die geradewegs die einmalige Erlösungstat
Christi zu verdrängen drohen. Die Ohrenbeichte trägt auch nicht -gegen die Meinung der
Befürworter - zur Verbesserung der Disziplin bei, wie dies die schändlichen Auswüchse dieser
Praxis zeigen; das öffentliche gemeinsame Sündenbekenntnis und das Bekenntnis des Einzelnen
vor Gott genügt, zumal es dem Gläubigen unbenommen bleibt, in einzelnen Fällen das
Gespräch mit einem Pfarrer oder Glaubensbruder zu suchen; den [eidgenössischen Kirchen]
kann die Beseitigung der Ohrenbeichte nicht zum Vorwurf gemacht werden, bedenkt man die
Abschaffung dieser Praxis durch [den Patriarchen von Konstantinopel] Nektarios aufgrund
eines einzelnen Skandals. Auch die Privatabsolution ist eine menschliche Erfindung ohne
biblisches Vorbild, denn was ist die Absolution anderes als die Vergebung der Sünden, die
Christus allein bewirken kann? Die Verkündigung dieser Botschaft soll nach dem Beispiel der
Apostel öffentlich erfolgen und braucht keinen privaten Rahmen. Auch die Bilder haben [die
eidgenössischen Kirchen] gemäß dem Wort Gottes und dem apostolischen Brauch aus den
Kirchen entfernt, denn keine irgendwie geartete Form vermag die göttliche Majestät oder auch
nur die Heiligen angemessen abzubilden. Der Einwand, die Bibel verbiete nicht die Bilder
insgesamt, sondern nur heidnische Götzenbilder, hat kein Gewicht, denn das Urteil der Bibel
trifft auch auf unsere Bilder zu, und die Meinung, die Bilder dienten der Ermahnung und der
Erbauung, hat schon Athanasius verworfen. Wir sagen dagegen schlicht, dass der Herr sein
Volk mit seinem Wort und den von ihm eingesetzten Symbolen erbaut, nicht mit Gemälden und
anderen Bildern; weshalb hat Jesus nicht Maler, sondern Verkündiger in die Welt hinausgesandt?
Dass die Alte Kirche keine Bilder in Gebrauch hatte, bezeugen Epiphanius und Augustinus,
und auch Erasmus ist der Überzeugung, dass dies bis zur Zeit des Hieronymus nicht
der Fall war; insbesondere sind Bilder von Christus unstatthaft; über die Bilder hat Bullinger
weitläufiger im ersten Buch seines Werks "Über den Ursprung des Irrglaubens"geschrieben.
Irdische Güter sind für die Arbeit der Kirche absolut notwendig; wer dies bestreitet und die
Kirche an den Bettelstab zwingen will, ist ihr Feind. Die Verteilung von Kirchengütern muss
aber von geeigneten Personen übernommen werden, die frei von Gier, Neid und Verschwendungssucht
sind und die zur Vorbeugung von Missbrauch der Kirche und dem Rat gegenüber
zur Rechenschaft über ihr Tun verpflichtet sind. Die Kirchengüter sind in erster Linie für einen
angemessenen Unterhalt der Pfarrer, Lehrer und Schüler zu verwenden - werden die Schulen
vernachlässigt, so fehlen schon bald geeignete Pfarrer -, im Weiteren auch für kirchliche
Gebäude, Bibliotheken und Armenfürsorge; hingegen ist es ein Sakrileg, wenn sie von Priestern
und Mönchen oder von Fürsten und Räten zweckentfremdet werden; mehr über den
Gebrauch der Kirchengüter hat Bullinger in seinem Werk "Über das Amt der Bischöfe"
geschrieben. Bittet Honter, sein Werk wie bisher fortzusetzen, und bietet seine Hilfe an; Honter
soll den Inhalt des Briefes auch [Stadt-]Richter Johannes Fuchs und den übrigen Freunden
bekanntmachen. Grüße; Empfehlung für Martin Hentius.
F
aufrechterhalten wurde einzig die persönliche Beichte des Einzelnen vor Gott und das allgemeine Sündenbekenntnis am Schluss der Predigt. Während sich Gratian in seinem Dekret nur unbestimmt zur Ohrenbeichte äußert, betrachtet Petrus Lombardus diese als Voraussetzung für den Eingang ins Paradies, was offensichtlich dem biblischen Zeugnis widerspricht, das nur Christus als Mittler anerkennt; später hat Papst Innozenz III. am [IV.]Laterankonzil ein unter Gregor IX. in die Dekretalen aufgenommenes Gesetz erlassen, das die Gläubigen mindestens einmal jährlich zur Ohrenbeichte verpflichtete. Die Verteidiger der Ohrenbeichte verweisen auf die Kirchenväter, doch das Sündenbekenntnis war in altkirchlicher Zeit Bestandteil der Bußdiziplin mit anderem Charakter, wie dies Tertullian, [Eusebius], Sozomenos und [Papst] Leo [I.]bezeugen; aus dieser nicht-apostolischen Tradition entwickelten sich die verschiedenen [römisch-katholischen]Satisfaktionsleistungen, die geradewegs die einmalige Erlösungstat Christi zu verdrängen drohen. Die Ohrenbeichte trägt auch nicht -gegen die Meinung der Befürworter - zur Verbesserung der Disziplin bei, wie dies die schändlichen Auswüchse dieser Praxis zeigen; das öffentliche gemeinsame Sündenbekenntnis und das Bekenntnis des Einzelnen vor Gott genügt, zumal es dem Gläubigen unbenommen bleibt, in einzelnen Fällen das Gespräch mit einem Pfarrer oder Glaubensbruder zu suchen; den [eidgenössischen Kirchen] kann die Beseitigung der Ohrenbeichte nicht zum Vorwurf gemacht werden, bedenkt man die Abschaffung dieser Praxis durch [den Patriarchen von Konstantinopel] Nektarios aufgrund eines einzelnen Skandals. Auch die Privatabsolution ist eine menschliche Erfindung ohne biblisches Vorbild, denn was ist die Absolution anderes als die Vergebung der Sünden, die Christus allein bewirken kann? Die Verkündigung dieser Botschaft soll nach dem Beispiel der Apostel öffentlich erfolgen und braucht keinen privaten Rahmen. Auch die Bilder haben [die eidgenössischen Kirchen] gemäß dem Wort Gottes und dem apostolischen Brauch aus den Kirchen entfernt, denn keine irgendwie geartete Form vermag die göttliche Majestät oder auch nur die Heiligen angemessen abzubilden. Der Einwand, die Bibel verbiete nicht die Bilder insgesamt, sondern nur heidnische Götzenbilder, hat kein Gewicht, denn das Urteil der Bibel trifft auch auf unsere Bilder zu, und die Meinung, die Bilder dienten der Ermahnung und der Erbauung, hat schon Athanasius verworfen. Wir sagen dagegen schlicht, dass der Herr sein Volk mit seinem Wort und den von ihm eingesetzten Symbolen erbaut, nicht mit Gemälden und
anderen Bildern; weshalb hat Jesus nicht Maler, sondern Verkündiger in die Welt hinausgesandt? Dass die Alte Kirche keine Bilder in Gebrauch hatte, bezeugen Epiphanius und Augustinus, und auch Erasmus ist der Überzeugung, dass dies bis zur Zeit des Hieronymus nicht der Fall war; insbesondere sind Bilder von Christus unstatthaft; über die Bilder hat Bullinger weitläufiger im ersten Buch seines Werks "Über den Ursprung des Irrglaubens"geschrieben. Irdische Güter sind für die Arbeit der Kirche absolut notwendig; wer dies bestreitet und die Kirche an den Bettelstab zwingen will, ist ihr Feind. Die Verteilung von Kirchengütern muss aber von geeigneten Personen übernommen werden, die frei von Gier, Neid und Verschwendungssucht sind und die zur Vorbeugung von Missbrauch der Kirche und dem Rat gegenüber zur Rechenschaft über ihr Tun verpflichtet sind. Die Kirchengüter sind in erster Linie für einen angemessenen Unterhalt der Pfarrer, Lehrer und Schüler zu verwenden - werden die Schulen vernachlässigt, so fehlen schon bald geeignete Pfarrer -, im Weiteren auch für kirchliche Gebäude, Bibliotheken und Armenfürsorge; hingegen ist es ein Sakrileg, wenn sie von Priestern und Mönchen oder von Fürsten und Räten zweckentfremdet werden; mehr über den Gebrauch der Kirchengüter hat Bullinger in seinem Werk "Über das Amt der Bischöfe" geschrieben. Bittet Honter, sein Werk wie bisher fortzusetzen, und bietet seine Hilfe an; Honter soll den Inhalt des Briefes auch [Stadt-]Richter Johannes Fuchs und den übrigen Freunden bekanntmachen. Grüße; Empfehlung für Martin Hentius. F
|| 80, 195r. [Abschrift des Originals:] Gratiam et vitae innocentiam a domino Iesu Christo, servatore nostro.
Quanquam ex facie sis mihi ignotus, Honthere piissime, ex fama tamen praeclara tui nominis mihi es notissimus. Sed et dilectus frater noster d. Martinus Heintzius, qui hac aestate nobiscum conferendi et ecclesias nostras visendi gratia ad nos venit, 2 occasionem dedit has ad te scribendi. Gratissimum enim fore dicebat, si de communi religionis causa aliquid saltem ad te darem, cumque percontarer, qua de re scribere possem utilissime, enumeravit ille certa capita, de quibus non meam duntaxat sententiam dicerem, quo te docerem alioqui doctissimum, sed, quid de iis apud nos per Helvetiorum ecclesias sentiant pii omnes, exponerem. Studio ergo pietatis et singulari quodam erga te amore haec paucula ad te dare placuit; tu 3 pro tua humanitate boni consulas, oro.
De confessione auriculari c et privata, quae fit sacerdoti, sentimus omnes commentum esse humanum; ideo in universum abrogavimus. Retinuimus autem privatam, qua quilibet apud se deo peccatum suum confitetur, quoties videlicet spiritus dei bonus et poenitentia per fidem extimulat. Retinuimus et publicam, qua publice in ecclesia sub finem contionis sacrae praeeunte ministro cuncti pariter exomologesim facimus. 4 Atque has species confessionis ut necessarias et sacris litteris confirmatas urgent omnes ecclesiarum ministri. Auricularem vero ideo abrogavimus, quod nullum eius exemplum aut vestigium reperitur in literis apostolicis, sed et merum est hominum commentum impietatem insuper connexam habens.
Gratianus 5 , Decretorum author, qui vixit circa annum domini 1150, nihil certi definit aut praescribit, ubi de confessione disserit, quae fit sacerdoti, sed propositis aut enumeratis in utramque sententiam scriptoribus ecclesiasticis, et quod sacerdoti confitendum sit et quod non sit confitendum, iuditium lectori liberum permittit dicens: "Cui harum potius adhaerendum sit, lectoris iuditio reservatur; utraque enim fautores habet sapientes et religiosos viros."6 Leguntur haec prope finem distinctio. 1., De poenitentia. Cui vero verisimile videatur d Gratianum iuditium de confess[ione] arbitrio lectorum permisisse libero, si sua aetate creditum fuisset confessionem illam iuris esse divini? Caeterum Petrus Lombardus 7 lib. Sentent[iarum] et distinctio. 17. et 18. post prolixam de hac re disputationem: "Certificatum est", inquit, "quod non sufficit confiteri deo sine sacerdote et quod aliter non potest perveniri ad ingressum paradysi." 8 Pro certo et indubitato hic assumit et vendicat, quod adhuc scripturis sanctis erat probandum atque confirmandum, imo manifeste pugnat cum scriptura, quod dicit non sufficere, si quis deo et non etiam sacerdoti confiteatur. Diversum enim pronunciat propheta David Psal. 32. dicens: "Dixi: Confitebor peccata mea domino, et tu remisisti impietatem peccati mei" [Ps 32, 5 (Vulg. 31, 5)]. Diversum pronunciat et apostolus Ioannes manifeste dicens: "Si confiteamur peccata ||195v. nostra, fidelis est et iustus, ut remittat nobis peccata nostra et emundet nos ab omni iniquitate" [1Joh 1, 9]. Porro impium est, falsam, imo noxiam fiduciam hominum pectoribus ingenerat, quod adiecit aditum nobis per hanc confessionem aperiri ad paradysum. Christus enim ostium est, 9 ianua et via 10 in coelos credentibus in deum per ipsum; hic est sacerdos 11 et pontifex 12 noster,
spiritu suo nobis praesens, ut nullo nobis opus sit suffraganeo sacerdote, cui in aurem recensentes peccata nostra aditum nobis eo opere paremus in paradysum. Christus morte et resurrectione sua fidelibus coelum aperuit et latronem recta a morte ad vitam soli sibi, id est Christo, confessum transtulit, idem videlicet promittens omnibus latronis ad morem poenitentibus et confitentibus. Et quamvis Lombardus sic de confessione dicenda sacerdoti scripserit, nondum tamen praecepta erat fidelibus. Post quinquaginta demum annos a Lombardo legem tulit Innocentius III. 14 in consilio Lateranensi 15 iubens singulos semel saltem in anno peccato proprio confiteri sacerdoti. Lex verbotim 16 in Decretales relata est per Gregorium IX. 17 ac extat De poenitentiis et remissionibus lib. 5., cap. 12. "Omnis utriusque". 18 Nemo autem ignorat, qui eam legem vidit, quam absurda, stulta et temeraria sint in ea pleraque. Legitime itaque et iustas ob causas confessionem illam auricularem in totum per ecclesias nostras abrogavimus utpote literis sacris adversam, falsam fiduciam inserentem et inventam hominum complacito extra verbum dei et exemplum apostolicum.
Atqui obiiciunt vetustissimos quosque ecclesiae doctores confessionis frequentem facere mentionem, unde verisimile sit eius institutum non 19 neque adeo novum esse. Ad quod respondemus exomologesim 20 ritum fuisse veteribus certis constantem ceremoniis adeoque disciplinam. Videre hoc licet in lib. Tertulliani De poenitentia circa finem propemodum; 21 eius exemplum extat Eccles[iastica]histo[ria] lib. 5., cap. ult. 22 Isidorus 23 certe mediae aetatis
scriptor lib. Etymologiarum 6., cap. 18. Tertulliani propemodum verba refferens: "Exomologesis", inquit, "prosternendi et humiliandi hominis disciplina est, habitu atque victu, sacco et cinere incubare, corpus sordibus obscurare, animum moeroribus deiicere" etc. 24 Huc pertinet, quod in Tripartitae historiae 25 lib. 9., cap. 35. Sozomenus 26 refert dicens: "Visum est antiquis pontificibus, ut veluti in theatro sub testimonio ecclesiastici populi delicta pandantur"27 et quae sequuntur. Idem quoque author est morem sive ritum illum in Graecorum ecclesia esse mutatum. Remissum est huius aliquid et in ecclesia Romana, quemadmodum ex fragmento quodam d. Leonis episcopi 28 apud Gratianum colligere licet, De poenitent[ia] dist. 1. ca. "Quamvis", 29 item ex epistola eiusdem ||196r. ad Theodorum Foroiulienum e 30 , quae ordine est 69. 31 Utcunque vero id habeat, certum est ne illum quidem ritum apostolica traditione esse receptum. Certum est ex eo enatas esse formulas illas satisfactionum, quae recta tendunt ad detrimentum unicae satisfactionis per Christum Iesum; certum est item nundinas illas indulgentiarum ex eodem ritu tandem ab avaris istis esse depromptas. Unde, quod ne illa quidem in nostris utimur ecclesiis, nihil contra exemplum peccamus apostolicae ecclesiae, quam nobis praecipue sectandam proponimus. Interim ita de poenitentia et operibus poenitentia dignis loquimur, ut didicimus ex
libris prophetarum, sermonibus Baptistae et domini Iesu atque ex scripturis apostolorum.
Iam quod quibusdam non indoctis videtur privatam confessionem non prorsus esse abolendam, primo propter disciplinam sive erubescentiam, ob quam multi peccent minus, secundo propter privatam absolutionem et evangelii consolationem, huiusmodi est, ut reluctantem non possit convincere. Si enim privata confessio tam utilis est ecclesiae, ut isti volunt videri, qui factum est, ut re usqueadeo utili ecclesia caruerit annis mille et amplius? Qualem vero disciplinam plantavit in ecclesia domini privata confessio, probant impura flagitia et arctius nepharii. Didicerunt cum confessor tum confitens ex illa circumstantiarum discussione horrenda scelera. Causae et occasiones suppeditatae sunt adulteriis; saepius enim et castissimarum matronarum tentata est pudicitia, saepe insidiatum est integritati puellarum. At isti nolunt peccata digeri per circumstantias, nolunt enumerari omnia. Quibus nos respondemus: Sufficit ergo publica 32 , quae palam in templo praeeunte ministro fit deo ab omnibus ac singulis nobis. Aut quis, oro, praecepit vel aliqua aut certa susurrare in aurem ministri? Interea vero consilium in casibus certis petere vel a ministro verbi vel ab alio fratre voluntatis conseto nemo prohibet. Prohibemus autem leges certas et praeseriptas toti ecclesiae imponere de confitendis peccatis ministro. Et ut ratio discipline iubeat confiteri, certe bonam speciem ab initio apud veteres habuit privata confessio; qualem succedentibus temporibus nacta sit, nemo ignorat. At cum eadem sit natura idemque ingenium carnis nostrae ac tempore fere omnia fiant deteriora, metuendum est, ne etiam ex reliquiis confessionis privatae pestis aliqua invadat et posteros nostros. Proinde, si sanctissimus ille Graecus episcopus Nectanus 33 cum celebri Constantinopolitana ecclesia haereseos subterfugit iudicium, quod propter unicum stuprum matrone cuidam a confessore illatum exomologeseos ritum in totum abrogavit, 34 profecto nemo ecclesiis nostris haereseos crimen intentare potent, quod confessionis auricularis et privatae nullum volumus in ecclesiis ||196v. nostris extare vestigium. Egregie vero profectum est, si unius hominis pudore verecundiaque carnea, non timore dei syncero peccare desinimus, cum deum non verernur habere testem conscientiae nostrae, cum ad iuditium eius non expavescimus! Adde, quod relicta illa privata confessio efficiat, ut rarius deo simus confessuni; nam quoties in memoriam veniet cognitio peccatorum, sequre reiiciemus illam ad id tempus,
quod confessioni designatum est. At cum illud advenit, quotusquisque, obsecro, alacri mente ad confitendum accedit? Iudicant ex his facile omnes sapientes, qualis esse possit erubescentia, quae oritur ex confessione. Porro apostolica ecclesia coenam domini sacram celebrare volens publica illa criminum confessione contenta fuit; sufficit ergo eadem et nostrae.
Et de absolutione privata, quod isti afferunt, commentum est humanum, nullum in sacris 35 vel exemplum vel praeceptum habens. Quid vero aliud est absolutio quam iustificatio, liberatio scilicet a poena, quae propter peccata nobis debebatur, adeoque peccatorum remissio? Hanc confert ecclesiae solus Christus dominus merito passionis sue per fidem. Minister annunciat et testificatur ex verbo evangelii credentibus per Christum remissa esse peccata. At quis credat nuncium illud et hanc praedicationem efficatiorem fieri propter privatam praedicationem? "Verum ille", inquiunt, "qui adit absolutionem, intelligit eam nunc ad se pertinere."Quasi vero hoc nemo possit ex praedicatione publica intelligere. Male ergo actum est cum omnibus illis, quibus ab initio apostoli praedicarunt absolutionem. Nullibi enim privatim advocarunt singulos ac murmurarunt episcopis in aures: "Dominus Iesus remittit tibi peccatum, si credas in ipsum". Palam enim hoc et simpliciter pro publica contione annunciarunt, ut videre licet in exemplo Petri Acto. 2. cap. 36 et in exemplo Pauli Acto. 13. et 16. 37 Publica ergo absolutio et praedicatio, qua per Christum singulis fidelibus testificamur remissa esse peccata, sufficit ecclesiae, nec fit efficatior, si illam murmuremus in aures peccatorum. Et haec hactenus de confessione.
Imagines f e tempus semel omnes eiecimus nec hic spectantes aliud quam verbum domini et veteris apostolice ecclesiae ritum. Quid sentiat scriptura de imaginibus dei et creaturarum in tempus, non ignoras: Prohibet illas in universum Exodi 20., Isaiae 40., Roman. 1. cap., 1. Ioan. 5. cap. 38 Nequit enim ulla species, forma aut materia exprimere et suffigurare aeterni numinis maiestatem. Cum autem christiani non colant ullam creaturam quantumvis sanctam, nullius creaturae imaginem ponunt in templum cultus gratia, nisi id fiat ornatus causa, sicut Solomon legitur in instrumentis templi sculpsisse hoves, leones et aves, qui tamen nullas Abrahae aut Mosis posuit vel picturas ||197r. vel statuas. 39 Nam, quod in sanctis praecipuum est, mens, animus atque spiritus, nullis potest exprimi coloribus, corporis saltem caduci effingi potest imago, quamvis et illa proprie sancti exprimat speciem, non dico iam vitam vegetativam aut animalem, sed ne speciem quidem aut eam formam, quam habuit, dum viveret. Verissime ergo prophete omnis generis imagines appellarunt mendacia. 40 Nequeunt enim praestare, quod polliceri g videntur, nequeunt illos vere exprimere, quorum habent imagines.
Quod obiiciunt nonnulli scripturas non prohibere omnis generis imagines, sed dumtaxat gentilium idola, vanissimum est suffragium. Nam, quae sacrae literae dicunt adversus idola, ea competunt et in nostras imagines, nisi quis dicere velit nostras imagines os habere et loqui, aures habere et audire etc. 41 Plerique ergo huc tandem confugiunt, ut dicant non aliud esse officium idolorum in templis quam admonendi et erudiendi. Atqui hoc ipso fuco et gentiles usos esse testis est Athanasius in libro suo Contra gentes, in quo etiam novissimum illud commentum confutat. 42 Nos ex scripturis simpliciter dicimus deum voluntatem suam plene suis revelare in monte Sina et tum quidem solam esse exauditam vocem, nullam visam dei speciem, ut doceret dominus plebem suam erudiendam esse verbis ac symbolis ab ipso traditis, non picturis et imaginibus. Ea de re pluribus egit Moses Deutero. 4. cap. 43 Iam et celebris propheta Abakuk: "Vae", inquit, "qui ligno dicit: Evigila! Et lapidi effigiato: Excitare! Ipse ne doceret? En obductus est auro et argento, nec est flatus in eo. At dominus in templo sanctitatis sue" [Hab 2, 19f]. Quid, quod ipse dominus Iesus in orbem terrç non pictores, sed praedicatores emisit?
De primitiva ecclesia certum est nullas habuisse imagines in tempus; imo Epiphanius Salaminae Cypri episcopus et s. Augustinus inter haereses et haereticos numerant utentes imaginibus Iesu salvatoris, s. Pauli et deiparae virginis. 44 Sed et Erasmus in Catechismo suo catachesi 6. multa ultro citroque disputans de usu imaginum in tempus cogitur tamen veritatis evidentia victus inter alia fateri usque ad aetatem Hieronymi probatae religionis viros fuisse, qui in tempus nullam tulerint imaginem nec pictam nec scuiptam nec textam ac ne Christi quidem. 45 Cuius nos in primis nullam ferendam credimus, primo, quod verus deus est, at non debet deo ulla poni statua aut imago; secundo, quod verus homo est ac humanitatem suam non in hoc suscepit a nobis, ut archetypus fieret pictorum, sed h ut corpus in mortem traditum propter peccata nostra resuscitaret propter iustificationem nostri et arrhabonem salutis nostrae poneret in coelos. Ideo autem professus est ingenue 197v. carnalem praesentiam non profuturam ecclesiae. 46 Quod si ipsa figura nihil prodest, minus prodest figuratum, inanis videlicet pictura et statua crucifixi torpida. Tertio, quod ille nobis reliquit verbum suum, quo se nobis in cordibus sanctissime et verissime exprimit. Reliquit nobis coenam suam sanctam, fractionem panis, quo salutari symbolo totam suam passionis virtutem oculis subiicit et representat. Quid ergo facerent in ecclesiis sanctorum, in quibus praedicatur verbum Christi et exercetur coena Christi, inania et inepta Christi domini idola? "Quid convenit", inquit apostolus, "templo
dei cum simulachris?", 2. Cor. 6 [16]. Verum de imaginibus copiose scripsi in 1. libro nostro De origine errons 47 .
Facultates i terrenas, id est praedia, domos, fundos, census, vectigalia, credimus omnino ecclesiis dei necessaria esse ac de nova colligenda contributione a fidelibus postulata, ubi non sunt patrum liberalitate ac fundatione prius ordinata, omnino sentimus et credimus. Apostolicam enim ecclesiam adeoque Christum cum discipulis opes ad necessitatem pauperumque subventionem habuisse docet nos evangelicae et actuum apostolorum historiae fides, tum etiam vetustissimorum scriptorum ecclesiasticorum authoritas. Hostes enim ecclesiae et hommes nequam sunt, qui omnino ecclesiam ad mendicitatem redigere vel ecclesiam negare satagunt.
Porro dispensatio opum ecclesiae referatur ad probatae fidei homines, quales primos illos oeconomos fuisse constat ex 6. cap. Actuum apostolorum. 48 Deligantur ex sanctis seniores fideles, misericordes, qui in oeconomia exercitati sunt, alieni ab avaritia et invidentia, a luxu et hypocrisi. Deligantur e senatoribus, e doctis, e plebe, hoc est maxime idonei homines, cuiuscumque tandem conditionis atque status sint. His committatur a magistratu et pastoribus ecclesiae administratio bonorum ecclesiasticorum. Dent autem de singulis in singulos annos rationem pastoribus et magistratui rationem k , ne ulla privatorum hominum vel fraus vel malignitas admittatur.
Expendant autem oeconomi facultates ecclesie primum ministris verbi, scholae magistris ac discipulis, unicuique, quantum satis est, ubi et luxus et malignitas ex aequo cavenda sunt. Sunt enim, qui ad luxurn usque l abundant ministri; sunt alii etsi habent, quod edant, egent tamen in aliis necessariis. Adeo enim hospitales esse nequeunt, ut ne liberis quidem propriis ita ut opifices prospicere possint. Aequabilitas spectetur, praesertim cum apostolus in omnibus fere epistolis ecclesias cohortatur, ne parci et maligni sint erga ministros verbi. 49 Iam vero, nisi liberaliter scholis et scholasticis prospiciatur, interibit in ||198r. herba 50 seges ecclesiae, et intra annos pauculos vel paucissimos vel nullos habebimus verbi et ecclesiarum idoneos ministros. Et qui collegia et monasteria vetera fundarunt, non aliud quam scholas christianas instituere voluerunt, ex quibus aliquando in ministerium ecclesiasticum et pii et docti, adde et prudentes viri vocarentur. Expendant item oeconomi ecclesiastici opes ecclesie in santa tectaque m templi 51 publicaque ecclesiae aedificia, ad comparandos utiles ecclesiae et scholae libros, hoc est ad parandas bibliothecas. Expendant denique in usus pauperum ecclesiae, pupillorum, viduarum, senum, aegrotantium et peregrinorum. Quod si quid
praeterea reliquum est, reservetur ad publicas calamitates sarciendas. Sacrilegi profecto sunt sacerdotes et monachi, qui opibus ecclesiae aluntur et maxime ad luxum abutuntur; sacrilegi sunt et principes et magistratus, qui illis spoliatis bona ecclesiae in fiscum proprium convertunt atque colligunt, ecclesiam negligunt et egere sinunt. Justitiam et aequitatem probat dominus. Sed de usu bonorum ecclesiasticorum fusius scripsi in libro meo De functione episcoporum 52 .
Haec habui, Honthere clarissime, quae de capitibus illis certis ad te darem et sententiam in his ecclesiae nostrae significarem. Hortor autem tuam pietatem, ut veritatis negotium et incolumitatem ecclesiae porro curare velis diligenter, sicut fecisti hucusque. Intelligis, quid a summo deo expectes praemii; intelligis illum tibi spiritu suo et validissimo auxilio non defuturum. Servabis praeterea et tuam ipsius animam et patriam longe charissimam. Quod si quid nostra tibi potest efficere opera, pollicemur omnes auxilium et consilium.
Volo autem, ut haec communia habeas cum clarissimo viro d. Ioanne Fuchsio 53 iudice, domino meo colendissimo, ac reliquis piis et sanctis hominibus, cum quibus te in Christo recte valere optamus, quotquot ecclesiae servimus Tigurinae, Gaspar Megander, d. Pellicanus, qui, opinor, ipsus quoque scribet, 54 Rodolphus Gvaltherus, d. Theodorus Bibliander, Erasmus Fabritius 55 , Ioannes Iacobus Ammianus, Ottho Werdmüllerus, Rodolphus Collinus, d. Conradus Gessnerus et reliqui fratres. Commendamus autem vestrae fidei d. Martinum Heintzium cum omnibus fidelibus verbi ministris.
Tiguri in Helvetiis, augusti 28. anno 1543.
Tuus ex animo Heinrychus
Bullingerus, ecclesiae Tigurinae
minister.
[Ohne Adresse.]
|| E II 345, 366r. [Entwurf:] Clarissimo viro Ioanni Honthero Coronensi, domino suo colendo et fratri charissimo.
Quamquam ex facie sis mihi ignotus, Honthere piissime, ex fama tamen praeclara tui nominis mihi n es notissimus o . Sed et dilectus frater noster p d. Martinus Heintzius, qui hac aestate apud nos q , occasionem mihi dedit ad te has scribendi. Gratissimum enim fore r dicebat, si de communi religionis causa aliquid saltem ad te darem s , cumque percontarer, qua de re scribere possem utilissime, enumeravit t ille certa capita, de quibus non u meam duntaxat v sententiam dicerem, quo te w docerem alioqui doctissimum, sed, quid de iis apud nos per Helvetiorum ecclesias sentiant pii omnes, exponerem x . Studio ergo pietatis et singulari quodam erga te amore haec paucula ad te dare placuit y . Tu ea pro tua humanitate boni consulas, oro.
De confessione auri-||366v. culari et privata sentiunt plane esse commentum humanum; ideo in universum abrogarunt. Retinuerunt privatam, qua quilibet apud se deo peccatum suum confitetur, quoties spiritus dei excitat. Retinuerunt et publicam, qua sub z finem contionis sacrae praeeunte ministro omnes faciunt exhomologesim. Atque has species confessionis ut necessarias et sacris literis traditas aa urgent ministri ecclesiarum. Auricularem ideo abrogavimus, quod nullum eius exemplum reperitur in literis apostolicis, imo et in primitiva ecclesia, et quod eius institutio impia est.
Gratianus enim etc. Caeterum Lombardus etc. Hoc certe parum videtur pium, quoniam certum est veteres caruisse illa confitendi formula, denique creaturae et ordinationi hominum, quod creaturae et institutionis dei. Porro post annos 50 lex etc. Multa et impia et absurda habet is canon. Iam quod nonnullis visum est confessionem auricularem non esse in universum abrogandam propter disciplinam etc., non pluris facimus quam commentum humanum bona intentione inventum. At quid bonae nostrae intentiones extra verbum dei et exemplum apostolicae ecclesiae valeant, nemo est, qui nesciat. Certe, si usqueadeo necessaria, non tacuisset esse. Meminissent apostoli eius vel verbo. Qualem vero disciplinam etc. Et de absolutione privata. Quod obiiciunt ex veteribus.
Imagines e tempus semel omnes eiecimus, nec hic ab aliud spectantes quam verbum ac domini et veteris apostolicae ritum. Quid de imaginibus
scriptura, non nescis, Isaiae 40. 56 Quod addunt docendi, vanum est. Praedicatio docet. Deut. 4. ad57 , Abacuk 58 , sed et propheta alius Psal. 113. 59 Quod obiicitur dictum de gentilium, vanum est; quae enim ||367r. de gentilium idolis dicta, competunt et in nostros. Iam Athanasius author et Lactantius 60 etiam gentiles dixisse se non ad cultum, sed ad monumentum et eruditionem, quod uterque graviter confutat. De primitiva ecclesia non dubium, nam et Erasmus in Catechesi, ubi diu se torsisset, tandem evidentia veri victus dicere cogitur: "Non ergo aliud in tempus quam verbum, sacramenta, preces."61 Et ae quod Christi signum attinet, triplici nomine, et quia deus et quia homo et quia aliud sui signum reliquit. Quia deus, manifeste non exprimendus imagine, Acto. 17. 62 Quia homo, non suscepit. Non prodest ipse typus, minus prodest figuratum. Reliquit coenam, reliquit pauperes, reliquit verbum. Imago af . Scripsi De origine, in quo omnia haec copiosius.
De bonis ecclesiasticis ita sentimus: necessarias esse et habuisse veterem apostolicam ecclesiam sic ag . Quis usus, ut ministerio subveniatur et pauperibus. Loca scripturae. Qui administrent, Acto. 6. 63 Ita in nostris ecclesiis ah . De his in libro De functione episcoporum.
Haec ai de his ita sentimus in ecclesiis nostris. Adhortor autem tuam pietatem, ut pergas, iuves. Ideo dona tibi data. Memineris verborum domini etc. Intelligis, quantum expectes utilitatem, quam uberem fructum. Nec grave. Adent, qui dixit. Sunt exempla, quae animant; quanta pertulit Moses; quot regna peragravit Paulus; quem horrent laborem sanguinarii milites, quo imperatoribus res confectas dent in manus. Nos autem summo imperatori militamus, Christo. Ac in summo discrimine haec una ratio eluctandi. Si patriae multa debemus, maxime reformationem, per quam servabitur.
Communica cum clarissimo d. Ioanne Fuchsio et caeteris pietati faventibus. Dominus Iesus servet vos omnes!