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Nach der "Hauptstadt" ist Robert Menasse mit der "Erweiterung" ein weiteres Meisterwerk gelungen. Menasse, obwohl ein Befürworter der EU, zögert in seinen beiden Romanen nicht, den Finger auf wunde Punkte zu legen, wenn nationale und/oder persönliche Interessen im Spiel sind. Dabei verbindet er die Ernsthaftigkeit der Themen immer wieder mit Humor, so dass ich gelegentlich laut herauslachen musste. Ging es in der Hauptstadt um "Brüssel", seinen Verwaltungsapparat und die vielfältigen nationalen und persönlichen Interessen der Mitgliedstaaten und deren Vertreter, geht es in der "Erweiterung" um die Bewerbung Albaniens um Aufnahme in die EU. Die Zustimmung - Einstimmigkeit ist Voraussetzung - durch die bisherigen Mitglieder sieht aufgrund der kulturellen und religösen Eigenheiten Albaniens unsicher aus, und so zieht die albanische Führung alle Register, um dem Ziel näher zu kommen. Wussten Sie, dass Vivaldi eine Oper "Skanderbeg" komponiert hat? Ich habe dies in diesem Werk gelernt. Skanderbeg, die albanische Heldenfigur, spielt in dem Roman eine grosse Rolle, und sein Helm ist Objekt einer kriminellen Handlung.
Im Fokus unter den Mitglied-Nationen stehen Polen, sein Ministerpräsident und ein hoher polnischer Vertreter in der EU-Organisation, die ursprünglich eine Blutsbrüderschaft verbindet. Der berufliche Werdegang, verbunden mit der politischen Haltung der beiden, hat sie aber weit auseinander entwickelt, so dass auf der einen Seite nur noch Verachtung und auf der andern Seite nur noch Hass übrig bleiben.
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