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Von P. Bernward Deneke FSSP
Vom Sinn des Lebens
Wo es um den Sinn des Lebens geht, da gehen die Meinungen auseinander. Manche Katholiken alter Schule äussern sich dazu wie aus der Pistole geschossen: «Er besteht darin, einmal in den Himmel zu kommen.» Oder, in der ausführlicheren Variante: «Sinn des Lebens ist es, Gott zu erkennen, Ihn zu lieben, Ihm zu dienen und einmal bei Ihm ewig selig zu sein.» Auf der anderen Seite des Spektrums liegen Antworten wie diese: «Jeder muss selbst herausfinden, was für ihn der Sinn des Lebens ist.» Oder: «Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst.» Leider wollen die meisten Antworten nicht recht befriedigen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass unklar bleibt, was denn mit «Sinn» eigentlich gemeint ist.
In der deutschen Sprache können wir feine Unterscheidungen machen, indem wir von «Ziel», «Zweck» oder eben «Sinn» sprechen. Dadurch fällt Licht auf die Frage des Lebenssinnes. Denn die drei Begriffe «Ziel», «Zweck» und «Sinn» sagen, obwohl sie oft gleichbedeutend benutzt werden, keineswegs dasselbe aus. Das Ziel bildet das Ende eines Weges oder einer Entwicklung; es ist der Ort oder Zustand, der erreicht werden soll. Beim Zweck hingegen handelt es sich um einen Nutzen, der ausserhalb der Tätigkeit selbst liegt: Man begibt sich z. B. zu einem bestimmten Ziel, um dort etwas zu kaufen oder um dadurch für eine grössere Wanderung zu trainieren. Der Kauf oder die Verbesserung der Kondition sind hier Zweck, nicht Ziel des Weges.
Demgegenüber liegt der Sinn einer Verrichtung weder an deren Ende noch ausserhalb ihrer, sondern in ihr selbst. Wer Kranke pflegt, mag sich dabei auf eine Fachprüfung vorbereiten und sich somit das Ziel einer höheren Qualifikation setzen; er mag mit der Tätigkeit zugleich den Zweck des Gelderwerbs verbinden. Doch weder das künftige Zeugnis noch das Monatsgehalt ergibt den Sinn seines Tuns, und zwar aus dem einfachen Grund, weil dieses seinen Sinn bereits in sich selbst hat: Es ist immer sinnvoll, Bedürftigen zu helfen und Leiden zu lindern.