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Sind Vermögenspreisblasen unter dem Goldstandard möglich?
Wann immer man über die Geschichte der Währungspolitik diskutiert, kommt früher oder später folgende Behauptung: Die heutige Finanzkrise wäre unter dem Goldstandard nicht möglich gewesen. Denn die Bindung des Papiergeldes an das Gold hätte eine allzu grosse Kreditausweitung verhindert.
Doch so beliebt diese Ansicht auch ist, sie stimmt mit den Fakten nicht überein. So fand zum Beispiel der grosse US-Börsenboom der 1920er-Jahre unter dem Goldstandard statt. Die USA hatten den Dollar seit 1879 ununterbrochen ans Gold gebunden. Trotzdem kam es zu einer Vermögenspreisblase und einem Börsencrash (siehe Grafik).
Die ganze Geschichte lässt sich leicht erklären. Unter dem Goldstandard ist nur das Verhältnis zwischen den Goldreserven und den Noten im Umlauf massgebend. (In den meisten Ländern mussten die Zentralbanken dafür sorgen, dass mindestens vierzig Prozent der Noten im Umlauf durch Gold gedeckt sind.) Die erweiterten Geldmengen sind hingegen irrelevant. Wenn das Bankensystem über den Geldmultiplikator bzw. Kredite die Geldmenge enorm ausdehnt, widerspricht das nicht den Regeln des Goldstandards. Genau das geschah in den 1920er-Jahren in den USA.
Dazu kommt noch ein weiteres Element. Wenn eine Zentralbank über eine ausserordentlich hohe Golddeckung verfügt, kann sie in der kurzen Frist das Volumen der Noten im Umlauf massiv erhöhen. In den 1920er-Jahren schwamm das Fed förmlich im Gold. Es war deshalb bei der Gestaltung der Geldpolitik kaum eingeschränkt durch die Golddeckungsregel.
Ganz anders sah damals die Situation der Bank of England aus. Sie hatte knappe Goldreserven und musste mit den Konsequenzen eines überbewerteten Pfunds leben. Entsprechend waren die englischen Zinsen seit der Wiedereinführung des Goldstandards 1925 immer relativ hoch. Das Fed versuchte der BoE zu helfen, indem es 1927 die Zinsen senkte. Das Ergebnis war, dass der Börsenboom in den USA erst recht ausser Rand und Band geriet. Der Goldstandard war also mit ein Grund, warum in den USA eine Vermögenspreisblase entstand.
Die Grafik zeigt die Notenbankzinsen in England und den USA. Man sieht auf den ersten Blick, dass die englischen Zinsen von 1925 bis 1929 höher waren. Bei näherem Hinsehen wird auch deutlich, dass die BoE Ende 1925 versuchte, die Zinsen zu senken, aber sofort wieder Gegensteuer geben musste, als das Fed die Zinsen erhöhte. Anfang 1927 versuchte die BoE noch einmal dasselbe. Diesmal gelang es, weil das Fed etwas später ebenfalls die Zinsen senkte.
1928–29 vollzog das Fed eine radikale Kehrtwende und erhöhte die Zinsen im Rekordtempo. Die BoE musste bald mitziehen. Im Oktober 1929 brachen die Börsenkurse ein, und der Rest ist Geschichte.
Wer also Vermögenspreisblasen verhindern will, muss primär beim Bankensystem, nicht beim Währungssystem ansetzen. Der Goldstandard schützt nicht vor Finanzkrisen.