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Lumbalgie ist eine weitverbreitete Erkrankung, die verschiedenste Schmerzen im Rückenbereich umfasst. In der Regel sind diese Rückenschmerzen meistens nicht schwerwiegend und verschwinden rasch wieder. Dennoch treiben die Ausgaben für die öffentliche Gesundheit im Zusammenhang mit diesem Problem die Gesundheitskosten in die Höhe. Durch die Mitarbeit an einem vom Institut für Hausarztmedizin des Universitätsspitals Zürich durchgeführten Projekt hat sich die Groupe Mutuel in dieser Thematik engagiert. Ziel der Studie unter der Leitung von Professor Rosemann war es, die Behandlung von Lumbalgien, diagnostiziert durch medizinische Bildgebung, und die dadurch verursachten Kosten zu analysieren.
Hintergrund
Bei der Lumbalgie handelt es sich um eine Erkrankung des Bewegungsapparats, von der mindestens 80 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal im Leben betroffen sind.
Sie äussert sich durch Schmerzen im unteren Rücken (im Bereich der Lendenwirbelsäule), was alltägliche Bewegungen erschwert. Die Ursachen lassen sich nicht immer ermitteln und können von anderen, nicht unbedingt naheliegenden Störungen herrühren (z. B. Angstzustände und Depressionen).
Merkmale und Kosten der bildgebenden Diagnostik
Die medizinische Bildgebung kommt für das Stellen oder Bestätigen von Diagnosen zum Einsatz. Es gibt verschiedene bildgebende Verfahren für die Abbildung des unteren Rückens, die unterschiedlich Anklang finden:
- herkömmliche Röntgenaufnahmen – 32,5 Prozent der Patienten
- MRI – 44,3 Prozent der Patienten
- CT-Scans – 11,5 Prozent der Patienten
Die Autoren halten in ihren Studien fest, dass MRI und Röntgenaufnahmen die am häufigsten angewendeten bildgebenden Verfahren sind und diese deshalb die höchsten Gesundheitskosten verursachen.
Unabhängig vom angewendeten bildgebenden Verfahren belaufen sich die jährlichen Gesundheitskosten pro Patient auf CHF 8722.– (Bruttokosten OKP). Dabei handelt es sich um einen über den Beobachtungszeitraum von vier Jahren ermittelten Durchschnitt, und zwar aus dem Jahr vor der Durchführung der Bildgebung, aus dem Jahr der Durchführung und aus den zwei Folgejahren. Patienten, die nur Röntgenaufnahmen in Anspruch genommen haben, verursachten die niedrigsten Kosten, während Patienten, die sowohl Röntgenaufnahmen als auch einen CT-Scan in Anspruch genommen haben, die höchsten Kosten verursachten.
Die Kosten für medizinische Dienstleistungen sind bei Versicherten mit CT-Scans am höchsten und bei Versicherten mit Röntgenaufnahmen am tiefsten. Dies lässt sich vermutlich dadurch erklären, dass unter den untersuchten Patienten diejenigen, bei denen ein CT-Scan durchgeführt worden ist, am häufigsten weitere relevante Erkrankungen vorliegen. Die niedrigsten Kosten für medizinische Dienstleistungen wurden für Personen ermittelt, die ausserhalb der Westschweiz wohnen und ein alternatives Versicherungsmodell nutzen.
Allein die individuellen Kosten für Schmerzmittel im Jahr der Durchführung der Bildgebung reichen von CHF 105.10 (Patienten, die eine Röntgenaufnahme gemacht haben) bis CHF 193.67 (Patienten, die eine Röntgenaufnahme und einen CT-Scan gemacht haben).
Insgesamt (unabhängig der Altersklasse) verursachen Patienten, die an einer Lumbalgie leiden und die einer bildgebenden Diagnostik unterzogen wurden, 72 Prozent höhere Kosten als Patienten ohne Rückenschmerzen. Es lässt sich ein Zusammenhang zwischen bestimmten Faktoren und einem Anstieg respektive einer Verringerung der Kosten feststellen.
- Das Grundversicherungsmodell und tiefe Franchisen sind mit höheren Kosten verbunden.
- Integrierte Versorgungsmodelle scheinen am kostengünstigsten zu sein.
- Begleiterkrankungen beeinflussen die Kosten auf unterschiedliche Weise, und es wären weitere Studien erforderlich, um bei Patienten mit Lumbalgie den komplexen Zusammenhang zwischen diesen Krankheiten und den Gesundheitskosten zu untersuchen.
Behandlungsmethoden bei Lumbalgie
Lumbalgien werden durch medikamentöse (nicht steroidale Antirheumatika, Paracetamol, Opioide) und paramedizinische (Physiotherapie, Chiropraktik) Therapien behandelt, die regelmässig kombiniert werden. Die paramedizinischen Behandlungen scheinen aber in erster Linie eher eine Ergänzung und keine Alternative zu den Medikamenten zu sein.
Laut der Studie erhielten 85,3 Prozent der Patienten mindestens eine pharmakologische Schmerztherapie (nicht steroidale Antirheumatika, Paracetamol, oder Opioide) während des Beobachtungszeitraums und 9,3 Prozent der Patienten während der ganzen vierjährigen Beobachtungszeit, das heisst bereits vor und auch nach der Durchführung der bildgebenden Verfahren. Pharmakologische Schmerztherapien wurden häufiger bei Patienten durchgeführt, die mehreren bildgebenden Verfahren unterzogen wurden, als bei Patienten, die nur einem bildgebenden Verfahren unterzogen wurden. Die nachstehende Tabelle veranschaulicht diese Tendenzen: Die Studie zeigt auch, dass die Häufigkeit pharmakologischer Behandlungen nach einer Untersuchung mit bildgebender Diagnostik zunimmt (gilt für alle Behandlungsarten).
Tabelle: Anteile der auf eine Schmerzbehandlung zurückgreifenden Patienten, je nach der Anzahl Bildgebungen.
Es ist wichtig anzumerken, dass Behandlungen mit Opioiden (davon ein grosser Teil starke Opioide) häufig auch bei akuten Lumbalgien verschrieben werden, obwohl ihre Wirksamkeit nicht überzeugend nachgewiesen werden konnte und sie schädliche Nebenwirkungen verursachen können – insbesondere hinsichtlich ihres Suchtpotenzials. Die medizinische Bildgebung scheint also einen Einfluss auf den Konsum pharmakologischer Mittel zu haben.
Und weiter?
Die hier vorgestellte Studie ermöglichte eine bessere Einschätzung der Folgen von Rückenschmerzen für die Patienten sowie der Kosten für die Krankenversicherung. Sie zeigt, dass Rückenschmerzen sowohl bei der Diagnose als auch bei der Behandlung zahlreiche medizinische Eingriffe nach sich ziehen und dass sich die durch Lumbalgien verursachten Kosten stark auf die allgemeinen Gesundheitskosten niederschlagen.
Diese Ergebnisse unterstreichen also die Wichtigkeit von Präventionsmassnahmen und Initiativen zur Förderung der Versorgungsqualität, insbesondere um eine unangemessene Versorgung zur vermeiden (siehe beispielsweise die Empfehlungen der Kampagne Smarter Medecine).
Ziele und Methodik
Ziel der Studie ist es, die Merkmale von Patienten mit Lumbalgien, die eine bildgebende Diagnostik erhalten haben, sowie die Gesundheitskosten dieser Patienten zu ermitteln.
- Ebenfalls analysiert wurden: die Kosten für Schmerzmittel und Co-Medikation im Zusammenhang mit Lumbalgien sowie für medizinische Dienstleistungen.
- Die Forschenden wählten Patienten aus, bei denen 2016 oder 2017 eine medizinische Bildgebung des unteren Rückens durchgeführt wurde (etwa 10 Prozent der Versicherten) und bei denen man davon ausgeht, dass eine Lumbalgie diagnostiziert wurde.
- Im Anschluss analysierten sie die Leistungen und Kosten im Zusammenhang mit der Lumbalgie ein Jahr vor und zwei Jahre nach der Diagnosestellung (bzw. der Durchführung der medizinischen Bildgebung). Die Gesundheitskosten dieser Gruppe wurden verglichen mit denen jener Versicherten, die an keiner Lumbalgie leiden.
- Der Untersuchungszeitraum umfasst die Jahre 2015 bis 2019, das heisst, er begann ein Jahr vor der medizinischen Bildgebung und endete zwei Jahre danach.