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Kontext und Problemlösen – Eine Prozessanalyse
DOI:https://doi.org/10.25321/prise.2021.1051
Keywords:Kontext, Modellanwendung, Problemlösen, Aufgaben
Abstract
Hintergrund: Lernen mit Kontexten im engeren Sinne beinhaltet typischerweise problemorientierte Aufgaben, die durch die Anwendung von fachwissenschaftlichen Modellen gelöst werden müssen. Es bestehen wenig Zweifel an den positiven Effekten solcher kontextbasierten Ansätze auf affektive Variablen (z.B. Interesse). Gleichzeitig ist die beobachtete Varianz in der Leistung bislang nur unzureichend erklärt. In verschiedenen Ansätzen wurde seither versucht, diese Forschungslücke zu schließen; beispielsweise durch Untersuchung des Zusammenspiels von Aufgabenmerkmalen wie Authentizität oder Relevanz und deren Wechselwirkung mit Personenmerkmalen. Nach wie vor fehlt jedoch eine Erklärung für die heterogenen Befunde zum Einfluss von Kontext auf die Leistung im Problemlöseprozess.
Ziel: Leistungsmessung beim Problemlösen findet meist auf Ebene des gesamten Prozesses statt. Der Einfluss von Kontext kann daher auch nur in Bezug zu dieser übergreifenden Messung untersucht werden. Im Gegensatz dazu wird in der vorliegenden Studie erforscht, wie sich Kontext auf die Leistung in den einzelnen Phasen des Problemlöseprozesses auswirkt (Phase 1: Das Problem verstehen, Phase 2: Die Bedingungen/Variablen identifizieren, Phase 3: Die Auswahl begründen, Phase 4: Lösungsvorschlag formulieren, Phase 5: Eine Antwort auf das Problem geben, Phase 6: Weitere Argumente für die Richtigkeit der Lösung nennen). Dazu wird unter diesem Gesichtspunkt eine Reanalyse einer aktuellen Studie vorgenommen um die Frage zu beantworten: Welchen Einfluss hat Kontext auf die Leistung in diesen Phasen?
Stichprobe: Die Teilnehmer*innen besuchen die 10. Klassenstufe dreier Gymnasien aus Rheinland-Pfalz in Deutschland. Das Alter liegt zwischen 14 und 17 Jahren mit einem Schnitt von 15.4. Die Stichprobengröße beträgt n = 123 (63m, 60w).
Design und Methode: In dem Experiment wird der Einfluss der unabhängigen Variable Kontextualisiertheit auf die abhängige Variable Leistung im Problemlöseprozess für jede der sechs Phasen im Problemlöseprozess untersucht. Dabei werden folgende Personenmerkmale kontrolliert: Kognitive Fähigkeiten und konzeptuelles Vorwissen. Die Aufgabenmerkmale Transparenz sowie Komplexität werden ebenfalls als Kontrollvariablen in die Analyse aufgenommen. Um eine Alpha-Fehler-Inflation bei mehreren Regressionen auszuschließen, wird zunächst eine multivariate Kovarianzanalyse (MANCOVA) durchgeführt. Daran anschließend werden sechs hierarchische Regressionen vorgenommen und die Regressionsparameter angegeben. Als Maß für die Effektstärke wird Cohens f² bestimmt. Reliabilität und Validität der verwendeten Instrumente wurden in vorherigen Studien überprüft.
Ergebnis: Kontextualisiertheit hat einen signifikanten Einfluss auf die Leistung im Problemlöseprozess (Pillai’s Trace: V = 0.227, F(6, 112) = 5.483, p < .001). Die Regressionsanalysen zeigen dabei einen positiven Einfluss auf die erste und dritte Phase des Problemlöseprozesses (1. Phase: p < .023, f² = .035, β = .208, 3. Phase: p < .030, f² = .078, β = .194). Auf die zweite und vierte Phase hat Kontextualisiertheit einen negativen Einfluss (2. Phase: p < .017, f² = .042, β = -.198, 4. Phase: p < .018, f² = .040, β = -.200). Auf die fünfte und sechste Phase kann keine signifikante Wirkung beobachtet werden.
Schlussfolgerung: Die Ergebnisse zeigen, dass die Wirkung von Kontext auf die Leistung im Problemlöseprozess stark variiert. Die positiven Effekte auf die Phasen 1 und 3 sind in etwa gleich stark wie die negativen Effekte auf die Phasen 2 und 4 und heben sich daher gegenseitig auf der Ebene des gesamten Prozesses auf. Dieses Ergebnis kann dabei helfen, die bisherigen, teils widersprüchlichen Befunde in der Kontextforschung zu erklären. Darüber hinaus gibt das Ergebnis Anlass zur Forderung, in zukünftiger Kontextforschung detailliert den Prozess zu untersuchen. Für den Unterricht ergibt sich die Folgerung, Lernende insbesondere in den Phasen 2 und 4 zu unterstützen.
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