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Sonntagsstory Blüht es zu früh, lauert der Frost
- Samstag, 15. April 2017, 18:00 Uhr
Die Vegetation beginnt immer früher im Jahr zu blühen. Kaltlufteinbrüche sind jedoch nach wie vor bis in den Mai hinein möglich. So besteht länger die Gefahr, dass Schäden auftreten.
Zwei Wochen früher Frühling
In den vergangenen 100 Jahren wurde es weltweit um 0,6 Grad wärmer. In den Alpenregionen stieg die Jahresmitteltemperatur etwa doppelt so schnell (1,2 °C).
Die Pflanzenwelt reagiert äusserst sensibel auf Veränderungen in der Atmosphäre. Wird es im Frühjahr (März bis Mai) durchschnittlich um 1 Grad wärmer, blühen Kirschbäume rund eine Woche früher.
Phänologische Untersuchungen in den letzten 50 Jahren ergaben, dass sich in mittleren und höheren geographischen Breiten viele Blätter und Blüten pro Jahrzehnt um 1,4 bis 3,1 Tage früher entwickeln.
Die globale Erwärmung ist also direkt beobachtbar. Möglicherweise beschleunigt sich die Erwärmung seit der Jahrtausendwende sogar. Die Pflanzen in Mitteleuropa spriessen jetzt bereits 14 Tage früher.
Die Obstbäume blühen nun bereits Anfang April - dies ausgerechnet im Zeitraum des grössten Frostrisikos.
Frostgefahr im April
Während sich die Luft in unseren Breiten mit der Frühlingssonne rasch erwärmt, ist es in den arktischen Gebiete noch spätwinterlich kalt. Zudem verharrt die Temperatur der Polarmeere noch längere Zeit unter dem Gefrierpunkt.
Somit hält sich im hohen Norden bis zur Jahresmitte ein umfangreiches Kaltluftreservoir. Die Atmosphäre möchte die grossen Temperaturgegensätze abbauen. Warme Luft aus dem Süden drängt nach Norden, und im Gegenzug strömt Polarluft nach Süden. Ende März und im April geschiet dies mehr oder weniger regelmässig. Im Mai stösst Polarluft seltener bis zu den Alpen vor.
Frostgefahr im Mai
Wie das Beispiel Payerne zeigt, nimmt die Bodenfrostgefahr im westlichen Mittelland zum Mai hin deutlich ab. An durchschnittlich zwei Tagen ist jedoch mit Bodenfrost zu rechnen. Der statistische Beweis, ob besonders während der «Eisheiligen» erhöhte Frostgefahr besteht, fehlt. Die Zeitreihe der Bodentemperatur ist zu kurz, um daraus einen klaren Trend ableiten zu können.
Später Frost
In Anbaugebieten zwischen 600 und 1000 Metern über Meer kann es auch noch im Juni Bodenfrost geben. In Einsiedeln ist das bisher spätestete Datum für Frost der 3. Juni. In Genf wurde an einem 23. Mai der letzte Frost registriert.
Laut Eidgenössischer Forschungsanstalt Agroscope erleiden ab minus zwei Grad Aprikosen und eventuell Kirschblüten grosse Schäden.Viele Gemüsesorten vertragen gar keinen Frost, man muss sie abdecken.
Wie soll man den Schaden abwenden?
Man versucht es teils mit Warmluftgebläse oder kleinen Feuern (Finnenkerzen). Die Lufttemperatur im Bereich der Obst - oder Weinkulturen sollte so über dem Gefrierpunkt verharren.
Künstlicher Regen
Fein versprühte Wassertröpfchen legen sich auf die Blüten, Blätter und Äste. Gefriert der Wasserfilm, wird Erstarrungswärme frei. Dadurch verharrt die Temperatur im Bereich der Blüte bei null Grad. Ist die Luft trocken und weht kaum Wind, wird allerdings der Pflanze durch die Verdunstung Energie entzogen. Sie kühlt ab und könnten trotzdem Schäden erleiden. Man benötigt so viel Wasser, denn es muss so lange beregnet werden, bis die Lufttemperatur wieder über null Grad ansteigt.
Aktuelle Prognosen sagen auch diesmal, ausgerechnet in der sensiblen Wachstumsphase vieler Planzen, einen Kaltlufteinbruch vorher.
Frostwarnungen
Phänologie
Sie dokumentiert die im Jahresablauf wiederkehrenden Entwicklungsstadien von Planzen, insbesonders den Beginn der sogenannten Phänophasen: Blattentfaltung, Blüte, Reife, Laubverfärbung und Laubfall. Das Schweizer Phänologische Netz umfasst 160 Stationen.