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Auferstanden aus den Ruinen des Finanzministeriums wird das Hôtel Continental zu einem der grössten und luxuriösesten Häuser seiner Zeit. Die Pariser schwärmen von dem Wintergarten im maurischen Stil. Als Stammgast darf das Hôtel Contiental die Ex-Kaiserin Eugénie begrüssen. Die drei Salons im Louis XIV-Stil stehen heute unter Denkmalschutz und dürfen als architektonische Kleinode aus der Zeit der Hotel-Eröffnung 1878 bezeichnet werden. Seit dem Jahr 2005 gehört das Continental zur Starwood-Gruppe und nennt sich The Westin Paris.
Die Bar Tuileries kann man sowohl vom Hoteleingang wie auch von einem eigenen Nebeneingang her betreten. Die Bar ist in warmen Farbtönen gehalten und hat dank der relativ tiefen Decke einen intimen Charakter. Trotzdem ist sie ziemlich weitläufig, kann doch hier auch gegessen oder Tee getrunken werden. Wir fliehen nachmittags vor einem Herbststurm, der den Sand von den Tulerien bis fast zum Place Vendôme wirbelt, in diese Bar.
Die zwei bestellten Kir Cassis werden mit Nüsschen serviert. Der freundliche Bartender klärt uns darüber auf, dass auch abends kein Pianist spielt, obwohl sich die Bar Pianobar nennt. Gleich neben der Bar liegt die erfolgreiche Brasserie Le First Boudoir Restaurant (Foto unten), die auch einen Eingang von der Rue de Rivoli aus hat.
1817 baut François-Hippolyte Destailleur (1787-1852) das Gebäude an der Rue de Castiglione, Ecke Rue de Rivoli, das als Finanzministerium genutzt wird. Destailleur gestaltet 1846 auch die Passage Jouffroy, in der sich heute das Musée Grévin und das Hotel Chopin befinden. Während der Pariser Kommune im Jahre 1871 wird das Finanzministerium angezündet und durch Feuer zerstört.
Danach erstellt die Stadt einen Bebauungsplan, der anstelle des Finanzministeriums ein Hotel vorsieht. Unter dem Architekten Paul Blondel (1832-97), einem Schwiegersohn von Charles Garnier, dem Architekten der Pariser Oper, beginnen die Bauarbeiten zum Hotel 1876 und werden im Juni 1878, rechtzeitig zur Weltausstellung, abgeschlossen.
Das mit 600 Zimmern dritte Grosshotel von Paris nennt sich zu Beginn Hôtel Continental. Für die Fassade hält sich Paul Blondel an die nüchternen Gebäude an der Rue de Rivoli und Rue de Castiglione, lässt aber doch ein paar barocke Elemente einfliessen. Das Haus wird um einen grossen Innenhof konzipiert, der in den Anfangsjahren als Cours d’Honneur dient. Ab dem Jahr 1900 wird der Eingang des Hotels von zwei prächtigen Leuchtern aus Bronze bewacht, die aus einem Palais in St.Petersburg stammen.
Für die drei Säle des Hauses, die unter Denkmalschutz stehen, kann Paul Blondel auf einige der besten französischen Künstler und Handwerker zurückgreifen. Der grösste heisst Le Salon Impérial (29 x 13 m), ist im Louis XIV-Stil gehalten und verfügt über eine Kassettendecke. Die kannelierten und vergoldeten Säulen im korinthischen Stil auf beiden Längsseiten geben den Rahmen ab für die hohen Fenster, die oben mit Fresken, welche mythologische Themen und florale Kompositionen beinhalten, abgeschlossen werden. Das dreiteilige Deckenrelief wird von vergoldeten Zierleisten unterteilt. Die Fresken malte der Künstler P.F.Laugée ein Jahr nach der offiziellen Eröffnung des Hotels. Für die vier Seitenwände wählt P.F.Laugée das Thema „Quatre Saisons“, während er für die zentralen Deckengemälde in den Themen aus dem Vollen schöpft: „Le Triomphe de l’Amour“, „L’Aurore“ und „La Nuit“.
Der Salon Impérial wird noch ergänzt durch einen schönen Kamin, der von zwei bronzenen Karyatiden, geschaffen von Eugène Delaplanche, flankiert wird. Den Marmor-Kamin ziert ein Wappenschild und Kränze aus Bronze. Vor dem Spiegel auf dem Kamin steht eine merkwürdige Uhr in Urnenform, die von den bronzenen Figuren Neptun und Minerva getragen wird. Uebrigens feierte Victor Hugo 1883 seinen 81.Geburtstag im Le Salon Impérial mit einem Bankett.
Angrenzend an den Salon Impérial folgt der kleinere Salon Aiglon, der im gleichen Stil praktvoll dekoriert ist. Der Kunstmaler Faustin Besson malt für das Deckenrelief allegorische Ehe-Szenen. Ueber dem monumentalen Kamin in dunklem Marmor thront ein Hochrelief in weisem Marmor, das die Entführung der Göttin der Fruchtbarkeit Proserpina durch den Herrscher der Unterwelt Pluto darstellt.
Der Le Salon Napoléon steht ziemlich genau in der Mitte des Hauses und ist von der überdachten Galerie des Wintergartens zu erreichen. Die Deckenfresken stammen von Alexis-Joseph Mazerolle und zeigen eine allegorische Szene der römischen Götter Jupiter und Merkur.
Das Dekor im Rokoko-Stil umfasst einen goldigen Dachhimmel, korinthische Säulen und einen Kamin aus weissem Marmor.
Im Jardin d’Hiver stand den Gästen mit dem Salon Mauresque einer der schönsten orientalischen Orte von Paris zur Verfügung. Die damaligen Zeitungen sprachen von einem „Stück Alhambra, das eine Fee namens Paul Blondel mit ihrem Zauberstab nach Paris getragen hat“.
Der Raum war mit orientalischen Sofas, Stühlen und Tischen möbliert, die Wände, Bogenformen und Kuppeln reich verziert. Der Salon Mauresque verfügte auch über eine Terrasse. Durch die späteren Renovationen gehört der Salon Mauresque leider schon lange der Vergangenheit an.
Eine Gedenktafel beim Eingang des Hotels erinnert daran, dass die Ex-Kaiserin Eugénie de Montijo, die Ehefrau von Napoleon III, für mehr als zwanzig Jahre das Hôtel Continental als ihre Sommerresidenz wählte. Im zweiten Stock mietete sie jeweils eine Suite mit zwei Salons und Schlafzimmer mit Blick auf den Tuilerien-Garten. Ihr letzter Besuch fand im Dezember 1919 statt. Ein Jahr später stirbt Eugénie de Montijo im Alter von 94 Jahren in Madrid.
Während des zweiten Weltkriegs wird das Hôtel Continental vom französischen Staat requiriert und dort die Propaganda- und Zensurabteilung installiert, die der Schriftsteller und Diplomat Jean Giraudoux leitet. Als die Deutschen Paris besetzen, beschlagnahmen sie auch das Hôtel Continental. Am Tag der Befreiung hängen sie als Ausdruck ihrer Kapitulation weisse Leintücher aus den Fenstern (Foto rechts).
Der Familie Achille-Fould gehört das Hotel bis 1963. In jenem Jahr wird es von einer niederländischen Finanzgruppe gekauft. 1965 beginnt ein grosses Umbauprojekt. Es werden eine neue Empfangshalle und noch weitere Salons gebaut. Bei seiner Wiedereröffnung am 10.August 1968 nennt sich das Haus Hôtel Inter-Continental und gehört zu einer Tochtergesellschaft der Pan Am. Das Hotel verfügt nun über 500 renovierte Zimmer.
Danach wird es von der japanischen Gruppe Seibu-Saison übernommen. Dieses japanische Finanzkonglomerat erleidet einen grandiosen Untergang. So ist der Weg für das Hôtel Inter-Continental frei, um im Herbst 2005 endlich in den ruhigen Hafen der Starwood-Gruppe einzulaufen. Es wird unter dem Namen The Westin Paris geführt. Damit findet der historische Name Hôtel Continental endgültig Platz in den Geschichtsbüchern. Somit sind auch die Verwechslungen mit dem InterContinental Le Grand bei der Opéra Garnier nicht mehr möglich.
Restaurants: Le First - Boudoir Restaurant, Tuileries Bar; Zimmer: 440 Zimmer & Suiten; Adresse: The Westin Paris, 3 rue de Castiglione, F-75001 Paris / http://www.thewestinparis.com/