Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03493.jsonl.gz/1147

Kann ein Windspiel unter einem schon fertiggeladenen Garbenwagen entstehen, so hebt es ihn in die Höhe und zerstreut dann die ganze Ladung nach allen Richtungen. Ein Bauer in Nesselnbach (Freiamt) sah während seines Kornschnittes plötzlichen Regen drohen. Anstatt nun sich zu beeilen, spannte er die Ochsen wieder vom Wagen, lud die übrigen Garben noch vollends auf, deckte sie nach Möglichkeit und ließ sie so auf dem Wagen draußen im Unwetter stehen. Dafür ward ihm die ganze Fuhre umgeworfen, jede Garbe zerstreut und so sehr aufgelöst, dass man sie nachher wieder neuerdings musste. Mehr als die Hälfte war verloren.
Ein andermal kam im Freiämter Dorfe Nesselnbach von einem umgebauten Acker her ein Wirbelwind auf das Kornfeld hingefahren, auf dem man eben im Kornschnitt begriffen war. Er riss dem Knechte den Hut vom Kopfe und nahm ihn so hoch in die Lüfte, dass man nichts mehr davon sah. Je ärger der Knecht nun um den verlorenen Hut jammerte, um so ärger schrie der Großvater in die Luft hinauf: Säukegel, Säukegel! (d.h. Tierlosung). Dies wiederholte er so lange, bis sich der Wind legte, dann kam auch der Hut des Knechtes wieder aus der Luft herunter, aber hoch her und bei fünf Minuten vom Felde entfernt.
E. L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 2, Aarau 1856
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.