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Im Zuge einer intensiven Südstaulage schneite es zu Beginn der Berichtsperiode im Süden intensiv, während im Norden ein Föhnsturm tobte. Die Südstaulage wurde am Samstag, 21.12. nach nur kurzem Unterbruch von einer Westlage abgelöst. In der Folge schneite es zunächst im Westen, dann am gesamten Alpennordhang und in Nordbünden teils intensiv. Erst in der Nacht auf Donnerstag, 26.12. endete der Schneefall auch im Osten. Beide Ereignisse führten in den betroffenen Gebieten zu sehr kritischen Lawinensituationen mit teils grosser Lawinengefahr (Stufe 4). Am Donnerstag, 26.12. ereigneten sich mehrere Personenunfälle.
Nachdem es bereits in den Tagen zuvor im Süden immer wieder geschneit hatte, gab es in der Nacht auf Freitag, 20.12. eine kurze Niederschlagspause. In der zweiten Nachthälfte setzte dann erneut Niederschlag ein. Es schneite vor allem im westlichsten Unterwallis, im südlichen Wallis und im Tessin, wobei im Tessin die grössten Neuschneemengen fielen. In den übrigen Regionen war es ebenfalls meist trüb und es schneite zeitweise leicht. Die Schneefallgrenze lag zwischen 1700 und 2000 m (Abbildung 1). Dabei blies der Wind stark bis stürmisch, teils sogar mit Orkanstärke aus südlichen Richtungen. In den Alpentälern war der Föhn stürmisch. Am Freitagabend erreichte aus Westen eine Kaltfront die Schweiz. Damit drehte der Wind auf Südwest, die Schneefallgrenze sank bis auf rund 1200 m und der Niederschlag verlagerte sich gegen Osten, mit dem Schwerpunkt über Südbünden. Im Osten liess die Abkühlung länger auf sich warten. Dort blieb die Schneefallgrenze bis gegen Ende des Niederschlags am Samstagnachmittag, 21.12. auf rund 1700 m. Im Westen und Süden war es am Samstag teils sonnig, im Osten endete der Schneefall gegen Mittag.
Während der knapp zweitägigen Niederschlagsperiode fielen die in Abbildung 2 dargestellten Neuschneemengen. Am meisten Schnee fiel vom Simplon übers Tessin und Moesano bis ins Bergell mit 50 bis 80 cm. Im Norden fielen verbreitet nur wenige Zentimeter Neuschnee.
Mit dem intensiven Niederschlag im Süden stieg am Freitagabend, 20.12. die Lawinengefahr im Tessin, im Moesano und am Alpenhauptkamm vom Avers bis zum Malojapass auf die Gefahrenstufe 4 (gross) an. Aus den Hauptniederschlagsgebieten wurden mehrere grosse und auch vereinzelt sehr grosse spontane Lawinenabgänge gemeldet. Die Anrisse konnten sich zum Teil sehr weit ausbreiten. So zum Beispiel die Lawine aus Abbildung 3, welche gegen Ende des Niederschlags an einem extrem steilen, felsdurchsetzten Nordhang abging. Der längste Anriss breitete sich über rund 200 m aus. In den angrenzenden Hängen gingen ebenfalls Lawinen ab.
Auch die Sprengungen verliefen am Samstagmorgen zum Teil sehr erfolgreich. So zum Beispiel bei den Sprengungen am Piz Lagrev (Sils im Engadin/Segl, GR), welche zur Sicherung der Kantonsstrasse zwischen Maloja und Sils vorgenommen wurden (Abbildung 4).
In der Nacht auf Sonntag, 22.12. setzte aus Westen Schneefall ein. Zunächst schneite es vor allem im Westen, der Schneefall breitete sich aber im Tagesverlauf auf den gesamten Alpennordhang und auf Nordbünden aus. Er war begleitet von starkem bis stürmischem Westwind. Die Schneefallgrenze sank von 1200 bis 1500 m auf rund 1000 m ab (Abbildung 1). Am Montagabend, 23.12. endete der Schneefall von Westen her vorübergehend.
Am Dienstagmorgen, 24.12. setzte im Westen im Einfluss einer Warmfront erneut Niederschlag ein. Die Schneefallgrenze stieg innerhalb weniger Stunden von 1000 m auf 1700 bis 2000 m. In den inneralpinen Tälern blieb die Schneefallgrenze zum Teil länger tief. In der Nacht auf Mittwoch, 25.12. sank sie wieder ab und erreichte im Tagesverlauf verbreitet wieder 1000 m. Im Westen war es am Mittwoch im Tagesverlauf bereits oft sonnig und meist trocken, während es im Osten noch bis am Abend weiterschneite.
Zu Beginn des Niederschlags am Sonntag, 22.12. war der Schneefall im Westen am intensivsten. Gegen Ende verlagerte er sich immer weiter gegen Osten. Insgesamt fielen innerhalb von 4 Tagen die in Abbildung 5 illustrierten Neuschneesummen. Am meisten Schnee fiel im westlichsten und nördlichen Unterwallis mit 120 bis 140 cm.
Mit den grossen Neuschneemengen wurde von Sonntagabend, 22.12 bis Dienstagabend, 24.12. im Westen gebietsweise vor grosser Lawinengefahr (Stufe 4) gewarnt. Dort gingen tatsächlich zahlreiche grosse und teils auch sehr grosse Lawinen spontan ab. Diese stiessen teilweise bis ins Grüne vor. So zum Beispiel bei Bovernier (VS) (Abbildung 6).
Das Maximum der Lawinenaktivität wurde vielerorts wohl mit der Erwärmung und dem erneuten intensiven Niederschlag am Dienstag, 24.12. erreicht. Rückblickend betrachtet wurde am Dienstag die Gefahrenstufe 4 (gross) wohl nicht nur in den prognostizierten Gebieten, sondern auch im übrigen Unterwallis, im Goms und in Samnaun erreicht. Dies demonstriert zum Beispiel der Lawinenradar von Geoprävent in Zinal, welcher zwischen Sonntag, 22.12. und Donnerstag, 25.12. 34 Lawinenereignisse aufzeichnete, von denen 19 alleine zwischen 09 und 17 Uhr am Mittwoch 24.12. registriert wurden (Abbildung 7).
Im Goms ging am Dienstag eine extrem grosse Lawine ab. Sie riss auf 3400 m am Vorderen Galmihorn in einem Südosthang mit einer Mächtigkeit von rund 3 m an und überwand dann eine Distanz von über 3.5 km und 1500 Höhenmeter (Abbildung 8).
Im Süden war es während dieser Tage trocken und zeitweise sonnig. Allerdings blies immer ein starker Nordwestwind welcher den noch lockeren Schnee stark verfrachtet. Somit blieb die Lawinengefahr im Süden auch in den Tagen nach dem Niederschlag vom 20. und 21.12. erheblich (Stufe 3). Die Gefahr ging vor allem vom frischen Triebschnee aus.
Am Donnerstag, 26.12. war der einzige Tag an dem es im ganzen Land trocken war. Am Vormittag war es überall sonnig, in der Folge zogen aus Westen aber bereits wieder Wolken auf.
Anfang Dezember hatte sich während einer Schönwetterperiode vielerorts die Schneeoberfläche aufbauend umgewandelt. Eingeschneit wirkt diese Schicht als Schwachschicht in der Schneedecke, in der bereits in der Vorberichtsperiode einige Lawinen ausgelöst wurden. Besonders schwach war der Schneedeckenaufbau in den inneralpinen Gebieten im Wallis und in Graubünden (Abbildung 9). Mit der Überlast des vielen Neuschnees, brachen zahlreiche Lawinen bodennah im Altschnee an und rissen die gesamte Schneedecke mit (Abbildung 10). Am Donnerstag, 26.12. wurden zudem einige Personenauslösungen im Altschnee gemeldet.
Gleitschneelawinen gingen auch während dieser Berichtsperiode immer wieder ab und wurden aufgrund der Schneemengen im Westen und im Süden teils auch gross. Vor allem am Donnerstag, 26.12. gingen zahlreiche Gleitschneelawinen ab.
In der Berichtsperiode ereigneten sich 4 Lawinen mit erfassten Personen. In 3 Lawinen wurden insgesamt 4 Personen erfasst , eine davon wurde ganz verschüttet. Zudem verschüttete am Oberalppass eine Lawine Teile einer Piste. Bis zum Redaktionsschluss lagen noch keine weiteren Informationen vor.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.