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Aussehen
Wölfe kommen nahezu auf der ganzen Nordhalbkugel vor. Der Wolf hat sich im Laufe der Zeit an die verschiedenen Lebensräumen angepasst. So sehen heute nicht alle Wölfe gleich aus. Die Biologen haben sie in verschiedene Unterarten eingeteilt.
Der Wolf war einst das weltweit am weitesten verbreitete Säugetier. Nördlich des 15. Breitengrades war er auf der ganzen Nordhalbkugel anzutreffen. Heute ist er aus weiten Teilen seines ursprünglichen Verbreitungsgebietes verschwunden - vor allem in Europa und den USA. Dies in erster Linie wegen der Verfolgung durch den Menschen.
In seinem grossen Verbreitungsgebiet hat sich der Wolf unterschiedlich angepasst. Dadurch sind Unterarten entstanden. Die Einteilung ist bei den Fachleuten jedoch umstritten. Ganz im Norden von Kanada leben die weissen, hochbeinigen Polarwölfe. Im Nordwesten von Amerika kommen die Arktischen Wölfe vor. Sie sind weiss oder grau oder schwarz. In den Nadelwäldern Nordamerikas leben die Timberwölfe.
In Europa werden alle Wölfe als Grauwölfe bezeichnet. Es gibt aber beträchtliche Unterschiede: In Italien und Spanien zum Beispiel sind die Wölfe kleiner und rötlicher und vor allem viel scheuer als die weiter nördlich lebenden Tiere.
In Asien leben im Norden der Tundrawolf und in den weiten Steppen Innerasiens der rötlich graue Steppenwolf. In Arabien lebt der kleine Arabische Wolf und in Indien der Pallipeswolf.
Der Wolf ist 1 bis 1.5 m lang und der Schwanz misst nochmals 30 bis 50 cm. Die Schulterhöhe beträgt 60 bis 80 cm, sie kann auch noch etwas höher sein. Im Vergleich dazu hat ein Deutscher Schäferhund eine Schulterhöhe von 55 bis 65 cm.
Die Farbe des Wolfsfelles ist sehr unterschiedlich. Es gibt weisse, schwarze, graue und bunte Wölfe. Die Färbung kann nicht nur zwischen den Unterarten sondern auch zwischen Einzeltieren sehr stark variieren. So kommt es vor, dass es in einem Wurf weisse, schwarze und graue Welpen gibt. Das Fell der Wölfe in Italien und Frankreich hat meist eine Mischfärbung aus beige, grau, schwarz und gelbbraun.
Verwandtschaft
Der Wolf gehört zusammen mit Katzen, Mardern und Bären zu den Raubtieren. Mit dem Fuchs, dem afrikanischen Wildhund, dem Schakal und weiteren Arten wird der Wolf zu den Caniden gezählt. Sein wissenschaftlicher Name ist Canis lupus.
Heute werden die Wölfe in etwa 15 Unterarten (siehe oben) eingeteilt. Die Unterteilung ist jedoch bei den Fachleuten umstritten.
Der Wolf ist der alleinige Stammvater aller Hunde! Eigentlich ist der Hund eine Unterart des Wolfes. Die ältesten Nachweise von Hunden sind ca. 15'000 Jahre alt. Heute gibt es über 300 Hunderassen mit einer enormen Vielfalt an Grössen und Formen. Aus dem Wolf sind so unterschiedliche Hunderassen gezüchtet worden wie der Rehpinscher oder die Bulldogge.
Ernährung
Der Wolf ist ein Fleisch- und Aasfresser. Das Beutespektrum reicht von der Maus bis zum Elch. Der Speisezettel des Wolfes hängt vor allem von den Beutetieren ab, die zur Verfügung stehen. In Europa jagt er meist Hirsche, Rehe, Gemsen, Mufflon und junge Wildschweine. Von den Nutztieren reisst der Wolf vor allem Schafe und Ziegen. Gelegentlich fressen Wölfe auch Vögel, Reptilien, Lurche, Insekten und Früchte. Wenn die Nahrung knapp wird, suchen sie ihr Fressen gelegentlich auch auf Abfallhalden.
Ein Wolf braucht im Durchschnitt etwa 4 kg Fleisch pro Tag. Im Jahr entspricht das ungefähr 25 Hirschen.
Wenn Wolfsrudel jagen, sind sie nicht immer erfolgreich. Bei einer Untersuchung in Amerika waren Wölfe bei 131 Begegnungen mit Beutetieren nur sechsmal erfolgreich.
Lebensraum
Der Wolf kommt in sehr unterschiedlichen Lebensräumen vor. Wichtig ist ein genügend grosses Nahrungsangebot. Ist die Nahrung vorhanden, können Wölfe auch in unmittelbarer Nähe von Menschen leben. Berühmt geworden sind die sogenannten «Spaghetti-Wölfe», die auf den Müllhalden in den Vororten von Rom Nudelreste frassen.
Ein guter Lebensraum für den Wolf weist auch einige ungestörte Rückzugsgebiete auf, in denen sich die Tiere erholen können.
Ein Wolfsrudel lebt in einem sogenannten Revier, das sehr verschieden gross sein kann. In Amerika wurden Reviergrössen von 50 km2 bis 1'800 km2 gemessen (zum Vergleich: Kanton Wallis 5'224 km2). In den Abruzzen (Italien) haben die Wolfsrudel Reviere von 120 bis 200 km2, in Mercantour (Frankreich) solche von 200 km2. Einzelgängerische Wölfe leben in Gebieten zwischen den Revieren.
Verhalten
Wölfe leben in kleinen Gruppen mit einer klar geregelten Sozialstruktur. Das bringt ihnen Vorteile: Sie können ihr Revier besser verteidigen, die vorhandene Nahrung besser nutzen und vor allem die Jungen unter sicheren Bedingungen aufziehen.
Im Wolfsrudel herrscht eine klare Hierarchie. Das Alpha-Paar steht zuoberst, gefolgt vom Beta-Männchen. Darunter reihen sich die jüngeren Wölfe und Wölfinnen ein. Die unterste Stufe bilden die einjährigen Tiere und die Welpen.
Das Alpha-Paar bestimmt die wichtigsten Aktivitäten des Rudels wie die Jagd, die Verteidigung des Reviers oder die örtliche Verschiebung. Die wichtigste Aufgabe jedoch ist die Regulation der Fortpflanzung. Das Alpha-Weibchen hindert die anderen Weibchen im Rudel sich fortzupflanzen. Nur das Alpha-Weibchen bringt Junge zur Welt. Die anderen Weibchen beteiligen sich jedoch oft an der Aufzucht der Jungen
Damit das Zusammenleben im Rudel funktioniert, brauchen die Wölfe eine ausgeklügelte «Sprache».
Mit Gesichtsausdruck, Blicken, Körperhaltung, Heulen, Winseln, Knurren und Düften verständigen sich die Tiere untereinander.
Wölfe jagen oft in Gruppen. Sie versuchen sich möglichst nahe an ein Beutetier heranzuschleichen, ohne dass dieses flieht. Sobald ein Tier flieht, beginnt eine schnelle Verfolgungsjagd. Die ersten Momente sind jetzt entscheidend. Ist das Beutetier schneller als die Wölfe, geben diese normalerweise auf. Sind die Wölfe aber schneller, verfolgen sie die Beute meist über mehrere hundert Meter, bis ein Wolf die Beute erreicht.