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Bez. und Tal im Neuenburger Jura (166 km2). Das V. bildet eine Querverbindung zwischen dem schweiz. Mittelland und der Freigrafschaft Burgund, woher auch sein Name kommt. Um 1150 Vallis traversis, dt. früher Traverstal. Von den Neuenburgern Le Vallon genannt. Das V. war in der Vergangenheit als Mark (Grenzland), Marktort und Transitachse von Bedeutung. Der Bezirk umfasst den gleichnamigen Hauptort, La Côte-aux-Fées und Les Verrières. 1340 2'000-3'000 Einw. (davon 57% unfrei; 1628 Abschaffung der Leibeigenschaft); 1750 7'511; 1800 9'531; 1850 11'758; 1900 17'177; 1950 13'893, 2000 12'174.
Topografisch gliedert sich das V. in zwei Teile: das Haut-Vallon (ehem. Les Montagnes) auf über 900 m Höhe, bestehend aus den Gem. Les Verrières und La Côte-aux-Fées und der ehem. Gemeinde Les Bayards, und das Bas-Vallon (ehem. La Baronnie) auf 730-770 m, welches die anderen acht ehem. Gemeinden umfasst. Das Bas-Vallon wird von der Areuse und ihren Zuflüssen entwässert und bildet eine an ihren Rändern fast geschlossene Synklinale. Auf rund 1000 m gibt es allerdings enge und steile natürl. Zugänge, nämlich im Osten La Clusette und die Areuseschlucht, im Westen die Schlucht von Noirvaux zwischen Buttes und Sainte-Croix und die Enge von Haut de la Tour zwischen Saint-Sulpice und der Ebene von Les Verrières. Da bisher keine röm. oder galloröm. Strasse belegt ist, gilt die Vy Saulnier (Salzstrasse) zwischen Buttes (Longeaigue), La Côte-aux-Fées und der Festung Joux (Franche-Comté) als älteste Strassenverbindung, die aus dem Tal führt. Die steile Rampe von Saint-Sulpice, Chemin de la Chaîne genannt, wurde erst im 13. Jh. passierbar gemacht. Ein weiterer Weg, die Vy aux Moines, verband das Priorat Saint-Pierre in Môtiers über Boveresse, Monlési und das Tal der Brévine mit der Abtei Montbenoît (Franche-Comté). Die Strasse von La Clusette wird vom 14. Jh. an erwähnt, die Poststrecke Neuenburg-Pontarlier wurde 1695 eröffnet. Im 19. Jh. wurden die drei wichtigsten Zufahrten ausgebaut: La Clusette 1818, die Strasse nach Frankreich zwischen Fleurier (Pont de la Roche) und der Ebene von Les Verrières (Haut de la Tour) 1838 und jene durch die Schlucht von Noirvaux 1843. Die Verbindungsachse zu den Montagnes neuchâteloises von Rosières ins Vallée des Ponts wurde 1829 gebaut. Das Tal ist auch über zwei Eisenbahnlinien erreichbar. Die 1860 erbaute Linie Franco-Suisse verläuft an der nördl. Talflanke, die 1883-86 errichtete Régional du Val-de-Travers im Talgrund. Seit 1961 gibt es in Môtiers einen kleinen Flugplatz.
Die ersten, in der Grotte Les Plaints (Couvet) entdeckten Spuren menschl. Besiedlung stammen aus dem Moustérien. Einige Einzelfunde lassen vermuten, dass sich Träger späterer Zivilisationen zeitweilig im V. niedergelassen oder das Tal auf dem Weg zwischen Helvetien und Gallien passiert hatten. Gemäss 1997 durchgeführten Grabungen war das V. vielleicht schon im 7.-8. Jh. bewohnt, mit Sicherheit fällt die Besiedlung jedoch mit der Gründung des Priorats Saint-Pierre de Vautravers (Môtiers) zwischen 909 und 1032 zusammen. Das Tal, das damals nicht mit dem neuenburg. Unterland verbunden war, verblieb faktisch unter der Lehensherrschaft der Gf. von Burgund. Diese waren Kastvögte des Priorats Saint-Pierre und Herrscher der Region, die das burgund. Reich gegen Osten öffnete. Ihre Macht geriet durch familieninterne Rivalitäten, die durch den Investiturstreit zwischen Päpsten und Kaisern noch verstärkt wurden, ins Wanken, sodass Papst Paschalis II. 1107 das Kloster Vautravers, auf das insbesondere das Priorat Payerne Anspruch erhob, der Abtei La Chaise-Dieu (Haute-Loire) unterstellte. Um den Absichten der Herren von Neuenburg zuvorzukommen, welche das V. unter ihre Herrschaft bringen wollten, nahm Ks. Friedrich I. Barbarossa das Priorat 1178 unter seinen Schutz. Die Vogteirechte beliess er jedoch bei den Gf. von Burgund. Diese Massnahme hinderte Ulrich II. von Neuenburg aber nicht daran, sich ab 1185 als Kastvogt des Klosters zu bezeichnen. Sein Nachfolger Ulrich III. urkundete erstmals 1202 im Namen des Priorats. Gemäss einer nicht verifizierbaren Überlieferung erlangte er 1218 durch einen Tausch mit Gérard de Vienne, dem Inhaber der benachbarten Baronie Grandson, der das V. vorher angehört haben soll, das ganze V. oder einen Teil davon. Die untere Talhälfte wurde wahrscheinlich deshalb bis Mitte des 19. Jh. Baronie genannt. Obwohl die Gf. von Neuenburg versuchten, ihre Herrschaft in westl. Richtung auszudehnen, und darauf abzielten, in den Besitz der weltl. Rechte des Priorats Môtiers zu gelangen, konnten sie sich im V. nur mit Mühe durchsetzen, denn einige Talbewohner waren bereits nach der Verleihung des Freiheitsbriefs von 1214 Bürger von Neuenburg geworden. Berchtold setzte sich ab 1229 in der Region fest, leistete aber 1237 für alle seine Lehen zwischen La Clusette und La Combette de Mijoux (heute an der franz.-schweiz. Grenze bei Les Verrières) dem Gf. von Burgund, Jean de Chalon, den Lehenseid. Als jedoch Gf. Rudolf IV. (Rollin) Amédée de Vautraves 1301 untersagte, ein Haus in Môtiers zu befestigen, das dieser vom Priorat erhalten hatte, handelte er als Alleinherrscher über das V., das nun integraler Bestandteil der Grafschaft war. Zwischen 1311 und 1344 wurde das V. zu einer Kastlanei erhoben und in Môtiers eine Burg errichtet. Eine Urkunde von 1357 bestätigt, dass mit Ausnahme eines Lehens der Herren von Joux das ganze Tal mit den zugehörigen Jurahügeln samt einem Teil des Tals von La Brévine (bis 1624) unter gräfl. Gerichtshoheit stand. Ab 1373 bildeten Les Verrières, Les Bayards und La Côte-aux-Fées zunächst eine eigene, nicht zur Kastlanei gehörende Herrschaft, dann die Mairie Les Verrières, welche bis 1848 Bestand hatte. Travers, Rosières und Noiraigue waren 1413-1827 als besonderes Lehen in der sog. Seigneurie de Travers vereint. In der 2. Hälfte des 14. Jh. schlossen sich Môtiers, Couvet, Boveresse, Fleurier, Buttes und Saint-Sulpice innerhalb der Kastlanei Vautravers zur Nutzungsgemeinschaft Six Communes zusammen, welche die Markthalle in Môtiers und die gemeinsamen Waldungen verwaltete. Das Priorat Saint-Pierre, das die meisten weltl. Rechte inzwischen verloren hatte, wurde von Papst Julius II. 1507 zum Kapitelgut der Chorherren von Neuenburg geschlagen und 1537 säkularisiert.
Vor der Reformation gab es im V. zwei Kirchgemeinden: Jene von Vautravers gehörte zum Bistum Lausanne, unterstand dem Priorat Saint-Pierre sowie der Kirche Notre-Dame von Môtiers und war mit Filialkapellen in Travers, Buttes und Saint-Sulpice ausgestattet. Jene von Les Verrières mit der Kirche Saint-Nicolas war Teil des Bistums Besançon. Nach der Reformation wurden zwischen 1672 und 1879 alle Gem. selbstständige ref. Kirchgemeinden, nur Môtiers und Boveresse blieben zusammen. 1865 erfolgte die Gründung einer kath. Kirchgemeinde. Weil die kath. Gemeinschaft aufgrund der Einwanderung ständig Zuwachs erhielt - 1865 bestand sie aus 1'703 Mitgliedern, 1990 aus 4'042 - wurde sie im 20. Jh. in zwei Pfarreien aufgeteilt.
1476 wurde das V. in die Burgunderkriege verwickelt (Enge von Saint-Sulpice), 1813-14 zogen die Alliierten durch das Tal. 1831 nahmen Bewohner an den Aufständen der liberalen Patrioten teil. Wirtschaftlich dominierten bis Mitte des 19. Jh. v.a. die Landwirtschaft, die Waldnutzung, Fuhrdienste (Strasse nach Frankreich) und das Gewerbe (u.a. Giesserei, Schlosserei, Zeugschmiede, Töpferei, Ziegelbrennerei, Mühle, Weissgerberei, Indiennes-, Spitzen- und Häkelgewebeherstellung, Strumpfweberei auf Webstühlen, Papierfabrikation, Druckerei, Uhrenindustrie, Absinthbrennerei).
Autorin/Autor: Eric-André Klauser / MF
Die 1848 erfolgte Errichtung des demokrat. und republikan. Regimes im Kt. Neuenburg, zu dem das V. entscheidend beigetragen hatte, veränderte die administrative und gerichtl. Organisation des Tals. Während das V. früher dreigeteilt gewesen war, bildete es nun einen Bezirk, dem alle Gem. angehörten. Der Hauptort Môtiers war der Sitz des Zivil- und Strafgerichts und beherbergte bis 1935 die Präfektur. Ab 1935 spielte der Bezirk nur noch eine Rolle als Gerichtsbezirk und bei der Wahl der Abgeordneten für den Gr. Rat, in dem das V. acht von 115 Sitzen besetzte (2012). Es entstanden kleinere oder grössere Fabriken und Manufakturen in unterschiedl. Bereichen (Uhren- und Maschinenindustrie, Brennerei, Asphalt-, Zement-, Wellkarton- und Faserholzproduktion, Herstellung von Strohgebinden für Flaschen, Strickmaschinen, Möbeln und Teigwaren, Wasserkraftwerk). Das V. wurde von drei Krisen erschüttert: Die erste wurde 1910 durch das Verbot der Absinthbrennerei ausgelöst, die zweite in den 1970er Jahren durch die Restrukturierung der Uhrenindustrie und jene von 1987 durch den Niedergang der Strickmaschinenfabrik Dubied. Von den 1980er Jahren an diversifizierte sich die Wirtschaft zunehmend. 2005 stellte der 2. Sektor 37% der insgesamt 4'433 Arbeitsplätze im Bezirk. Diese waren hauptsächlich in der Uhrenindustrie angesiedelt (z.B. Valfleurier, Piaget, Chopard, Vaucher, Parmigiani). Zwischen 1929 und 1989 erfolgten mehrere Güterzusammenlegungen. Seit 1862 gibt es in Fleurier eine Sekundarschule. Das Lyzeum in Fleurier wurde 1949 in ein Gymnasium umgewandelt und ist seit 1997 einer der beiden Standorte der Lycée Denis-de-Rougemont. Das 1860 errichtete Spital von Couvet gehört seit 1997 zur Neuenburger Spitalkette Hôpital neuchâtelois. Mit Ausnahme der Gem. Les Verrières und La Côte-aux-Fées stimmten 2009 alle Gem. der Gemeindefusion zu.
Autorin/Autor: Eric-André Klauser / MF