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www.cheops-pyramide.ch Copyright 2006 Franz Löhner und Teresa Zuberbühler
Techniken zur präzisen Vermessung und Berechnung der Cheops-Pyramide
Die Ägypter verwendeten Königsellen, Handbreit (Handflächen) und Finger als Masseinheiten. Dabei war eine Königselle in 7 Handbreit eingeteilt und ein Handbreit in 4 Finger also ergaben 28 Finger eine Königselle.
Die alten Ägypter rechneten mit Königsellen, wobei eine Königselle
0.524m ist. Dadurch ergeben für uns unlogische Masse wie die Höhe
von 146.59m plötzlich Sinn, denn dies sind exakt 280 Königsellen
[5].
Als Vergleich:
Die Grundfläche der Cheops-Pyramide bildet ein vollkommenes Quadrat - die Abweichung vom 90°-Winkel ist maximal eine Minute - wie wurden die rechten Winkel so perfekt bestimmt?
Die erste Möglichkeit, um einen rechten Winkel zu bestimmen ist mit einem Zirkelschlag die Mittelsenkrechte zu bestimmen. Die Ägypter benutzten zwei Pfosten an denen je ein Seil der gleichen Länge befestigt wurde (die Seile mussten etwas länger als die Hälfte der Strecke messen). Nun konnte ein Halbkreis gezogen werden. An den zwei Punkten, wo sich die Seile schnitten wurde eine Senkrechte gezogen. Diese bildete zur Verbindungslinie einen rechten Winkel und teilte die Strecke in zwei gleiche Teile.
Man kann davon ausgehen, dass die Ägypter zwar nicht die Theorie hinter dem Satz des Pythagoras (a² + b² = c²) kannten, aber die praktische Anwendung für die Vermessung von Bauwerken und Land durchaus beherrschten. Die Ägypter kannten die so genannten pythagoreische Tripel, das sind Gruppen von drei natürlichen Zahlen, die als Längen der Seiten eines rechtwinkligen Dreiecks vorkommen können. Die Zahlen 5-4-3 sind ein pythagoreisches Tripel, wobei 5²=4²+3² (25=16+9).
So weiss man, dass Landvermesser, die so genannten Harpedonapten (übersetzt "ich binde" oder "ich spanne") mit Hilfe von Zwölfknotenschnüren genaue rechte Winkel vermessen konnten. Das dabei verwendete Seil wurde durch Knoten (oder mit Farbmarkierungen) in 12 gleiche Teile unterteilt. Mit dieser Schnur bildeten sie ein rechtwinkliges Dreieck mit den Seiten 3:4:5. Das ist wohl, welches das bekannteste pythagoräischen Tripel (von 3² + 4² = 5²). Diese Methode wandten die Seilspanner vor allem an, wenn die Schlammfelder nach dem Rückgang der Nilfluten neu abzumessen waren.
Für
die Bestimmung der rechten Winkel der Pyramidengrundfläche konnte
dieses System ebenfalls verwendet werden [13].
Zur Kontrolle der gesamten Pyramidengrundfläche mussten jedoch sehr
grosse Distanzen (230m) abgemessen werden, ausserdem verhinderte der Felskern
in der Mitte die Ausmessung der Diagonale. Bei diesen grossen Distanzen
muss angenommen werden, dass Seile dieser Länge zu sperrig (für
ein 3-4-5 Dreieck mit den Massen von 75-100-125 Ellen ergäbe das
eine Länge von 156m) und auch zu wenig genau wären. Für
das Messen der Distanzen wurden deshalb wahrscheinlich Stäbe einer
gewissen Länge verwendet, so dass genauere Ergebnisse erziehlt werden
konnten. Vorgeschlagen werden Stäbe von 4 oder 8 Ellen (2 bis 4m).
Interessante mathematische Beziehungen ergeben sich auch, wenn man die
Masse der Königskammer der Cheops-Pyramide hinsichtlich des Lehrsatzes
von Pythagoras anschaut.
Es ist sehr wichtig, dass der Neigungswinkel einer Pyramide über
den ganzen Pyramidengrat gleich bleibt und dass alle Seitenflächen
den gleichen Neigungswinkel haben. Fehler bei der Einhaltung des Neigungswinkels
hatte starke Auswirkungen auf die Form der Pyramide.
Es
ist äusserst wichtig, dass die äusseren Steine bereits während
des Zurichtens im Steinbruch von Tura auf die richtige Schräge bearbeitet
und geglättet werden und nicht erst auf der Pyramide. Nach
Franz Löhner wird dieser Winkel schon im Steinbruch aufs Genauste
eingemessen und dann wird nochmals jeder äussere Tura-Stein in der
Bauhütte auf Pyramidenebene kontrolliert und mit Hilfe von speziellen
Lehren nachgemessen. Nachdem die Steine auf die gewünschte Höhe
gezogen worden sind, werden die äusseren Steine aufeinandergelegt
und hier nochmals der genaue Winkel kontrolliert. Ausserdem kann man durch
Auflegen einer geraden Planke kontrollieren, ob die Seitenfläche
auch flach und ohne Wölbung ist. Ebenso wird bei den wichtigen Ecksteinen
durch das Spannen einer Schnur (oder dem Auflegen einer Holzlatte) kontrolliert,
ob der Pyramidengrat gerade verläuft. Nach Vollendung jeder Steinschicht
kann die Oberfläche des Pyramidenkegels genaustens ausgemessen werden
und so kann kontrolliert werden, ob die Ecken wirklich rechtwinklig und
die Seitenlängen gleich gross sind. Werden Fehler festgestellt so
können sie jetzt noch behoben werden, etwa indem ein Stein falls
nötig ausgetauscht oder falls noch möglich präziser zugehauen
wird.
Die Ägypter kannten keine Einteilung der Winkel in 360°. Aus dem mathematischen Rhind Papyrus wissen wir, dass die Ägypter mit so genannten seked (seqt, seqed oder sqd) rechneten. Dabei wird nicht der Winkel der Neigung gemessen, sondern der Rücksprung (horizontale Versetzung) der Mauer. Das heisst es wird gemessen, um wieviele Handbreit und Finger die obere Kante der Mauer zur unteren Kante zurückversetzt ist, und zwar bei einer Höhe von einer Elle.
Bei der Cheops-Pyramide wurde um den bestehenden Felskern der Grund eingeebnet
und durch ein präzise verlegtes Fundament eine Ebene hergestellt,
die einen maximalen Höhenuntersschied von nur 2.1 cm aufweist [11].
In der Mitte der Grundfläche wurde der Felsen noch stehengelassen.
Dies ist eine bemerkenswerte Leistung, wenn man bedenkt, dass es wegen
des Felskerns nicht möglich war, die Diagonale des Pyramidenquadrats
zu messen.
Die alten Ägypter kannten die Setzwaage, das ist ein gleichschenkliges rechtwinkliges Holzdreieck, dass sie als Nivellierinstrument verwendten. Dieser A-förmige Holzrahmen sieht ähnlich wie ein Geometriedreieck oder eine Winkellehre aus. Ein Senklot hängt genau in der Mitte hinunter. Wenn sich das von der Winkelspitze des "A" hängende Senkblei mit der Markierung in der Mitte des Querbalkens deckt, ist die Oberfläche, auf der die Schenkel stehen, eben. Wird das Dreieck direkt auf einen Stein daraufgesetzt, so kann auf einfache Weise der Stein nivelliert werden.
Gleichschenkliges Holzdreieck mit Senklot und Senkblei, dass auf die Markierung auf dem Querbalken zeigt.
Zur Nivellierung von grösseren Distanzen kann dieses Holzdreieck auf Balken gelegt werden. Nach dem Ausrichten des Dreiecks kann durch Anvisieren über den Querbalken bestimmt werden, ob in der Distanz eine Messlatte die gewünschte Höhe anzeigt. Versuche ergaben, dass auf einer Distanz von 45m bis auf einen Zentimeter genau gemessen werden konnte [8]. Grössere Distanzen gehen nicht, da dann das menschliche Auge zu wenig genau sieht. Da man von einer solchen Messeinrichtungen aus auf beide Seiten messen kann, sollte es möglich gewesen sein, Distanzen von bis zu 90 Metern exakt zu nivellieren. Man kennt drei Funde solcher Holzdreiecke, etwa aus dem Grab von Sennedjem in Deir el-Medineh.
Ein weiterer Vorschlag von einigen Ägyptologen beinhaltet, dass niedrige Gruben um das zu nivellierende Gelände gegraben und mit Wasser gefüllt werden. Indem der Wasserspiegel an mehreren Stellen markiert wird, und diese Punkte verbunden werden, ist eine Referenzlinie für die Nivellierung geschaffen. Dieser Vorschlag ist jedoch nicht sehr leicht umsetzbar, erstens da der Nil und der Nilkanal rund 44m tiefer unten verlaufen und zweitens, da das Wasser entweder in den Gruben versickern oder verdunsten würde, schliesslich wurden die Pyramiden in der Wüste gebaut.
Die Pyramiden sind exakt nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet.
Zwischen den Haupt-Pyramiden (inkl. Königinnen-Pyramiden) lassen
sich Fluchtlinien ziehen, die die östlichen Ecken der Pyramiden untereinander
verbinden [3].
Karte der Giza (Giseh) Ebene mit Höhenlinien nach GPMP [12]. 100m = 191 Königsellen. Blau = Fluchtlinien
Diese exakte Ausmessung konnte nur durch genaue Messtechniken
und einer präzisen Berechnung erreicht werden. Fehler bei der Vermessung
hatten oft grosse Auswirkungen auf die Form der Pyramide.
Die Ausrichtung der Cheops-Pyramide nach Norden ist erstaunlich präzise (Abweichung nur 2' 28''). Um diese Genauigkeit der Ausrichtung zu erreichen gibt es verschiedene Vorschläge. Der wohl einleuchtenste Vorschlag ist derjenige von Otto Neugebauer [6]. Diese simple Technik geht folgendermassen:
Ein präzise gearbeitetes kleines Pyramidion (z.B. aus Holz oder Stein) wird auf ungefährer Nord-Süd-Lage auf den ebenen Bauuntergrund gelegt. Zwei der Kanten werden auf der Schattenseite als Linien verlängert eingezeichnet. Während eines Tages wird genau beobachtet, an welchen Punkten der Schatten des Pyramidions diese beiden Linien schneidet. Das Pyramidion ist präzise in Nord-Süd Richtung ausgerichtet, wenn beide Abschnitte (Strecke Schnittpunkt - Pyramidenecke) absolut gleich gross sind. Um das zu erreichen experimentiert man über mehrere Tage mit dem Pyramididon, bis dies eintrifft. Zur Kontrolle verschiebt man das Pyramidion auf dem Pyramidenplateau und wiederholt die Messungen an verschiedenen Messpunkten. Sogar noch während des Baus können die Messungen oben auf dem wachsenden Pyramidenstumpf wiederholt werden, falls eine flache Oberfläche zur Verfügung steht.
Diese Messungen müssen durchgeführt werden, wenn die Sonne nicht höher als 52° im Himmel steht, da ein 52°-Pyramididon nur dann einen Schatten wirft (alleinfalls muss man ein steileres Pyramidion wählen). Dies ist in den Wintermonaten leichter, da dann die Sonne tiefer steht. Genaue Zahlen.
Ausserdem wird vorgeschlagen, dass zur weiteren Justierung
nun eine der kleinen Nebenpyramide errichtet wird (südlich der Cheops-Pyramide
liegt die kleine Pyramide G1d, die 23 x 23m =44 Ellen, was einem Zehntel
der Seitenlänge der Cheops-Pyramide von 440 Ellen entspricht) gross
ist und einen 52° Neigungswinkel hat [5]. Indem
weitere Messungen in der gleichen Weise durchgeführt werden kann
die Nord-Süd-Ausrichtung mit noch höherer Präzision bestimmt
werden. Eine weitere Kontrolle durch die Königinnen-Pyramiden, die
ebenfalls einen Neigungswinkel von 51°-52° haben [5]
wäre ebenfalls möglich gewesen. Auch Ägyptologen geht davon
aus, dass die abgesteckte Nordsüdrichtung gleich der Ostkante der
Pyramide war und nicht die Mittellinie durch die Spitze, da letztere wegen
des Felsenkerns nicht auszumessen gewesen wäre [4].
Ein weiterer, etwas komplizierterer Vorschlag stammt von I.E.S. Edwards [7]. Gemäss seiner Theorie bauten die Ägypter eine kreisfömige und oben absolut waagrechte Mauer, die einen künstlichen Horizont bildete. Mit Hilfe eines Visierinstrumentes konnte nun der Auf- und Untergang eines horizontnahen Sterns gemessen werden und auf dem künstlichen Horizont markiert werden. Daraus ergaben sich dann drei Messpunkte, der Mittelpunkt, der Sternaufgangspunkt (A), und Sternuntergangspunkt (B). Diese wurden dann per Senklot zum Mauerfuss verlängert und mit der Kreismitte verbunden. Norden lag genau in der Mitte des Winkels, den diese beiden Linien einschlossen. Abbildung
[1] M. Clagett Ancient
Egyptian Science - Volume 3 Ancient Egyptians Mathemathics
Begriffe:
Im unter [1] aufgelistetem Buch sind verschiedene
mathematische Papyri abgebildet und auf englisch erklärt (Rhind,
Moskauer, Kahun, Reisner, Berlin, British Museum). Ausserdem hat es Abbildungen
von mehreren Ellen-Stäben (Cubit-rods).
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