Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03440.jsonl.gz/938

Das Buch begint mit Aurora und Modesta und einem anonymen Brief, der das Gleichgewicht des Ehepaars auseinanderfallen lässt. Der Brief, der auf ein Ereignis in der Vergangenheit verweist, bringt Modesto aus der Ruhe und lässt ihn seine Vergangenheit wieder aufsuchen. Ist er wirklich dieser Partisane, der Aurora am Bahnhof in Florenz angesprochen hat, gleich nach dem Krieg? Szenen aus seiner Vergangenheit werfen ein anderes Licht auf Modesto.
Ruska Jorjoliani geht in eindringlicher Sprache und mit aussergewöhnlichen Bildern der Frage nach, wie sich die Loyalitäten während des Zweiten Weltkrieges in der Nachkriegszeit fortsetzen, neubilden, auflösen. Aber auch darauf, wie die Familie auf Entscheide Einfluss nehmen kann. cnKlappentext:
Es ist der 10. März 1946, die italienischen Frauen gehen zum ersten Mal wählen, als sich am Bahnhof von Florenz zwei junge Menschen begegnen. "Ich war bei den Partisanen", sagt er zu ihr, "und ich habe niemanden mehr."
Ende der fünfziger Jahre sind Aurora und Modesto ein kinderloses Lehrerehepaar; dem ermatteten Alltag entfliehen beide mit einer Liebschaft. Eines Tages erhält Modesto einen anonymen Brief, der einen "alten Fehler" heraufbeschwört, und ist sichtlich aus der Fassung gebracht. Erst verbarrikadiert er sich im Klassenzimmer, als man ihn nach Hause schickt, kauft er sich ein Paar Lederstiefel und tritt eine Reise in die Vergangenheit an, bei der ein Geräteschuppen in den Abruzzen, ein dressiertes Äffchen, ein Onkel im schwarzen Hemd, ein müder Gaul im Schnee, eine schallende Ohrfeige und ein anderes Paar Stiefel, das in einer Hütte auf offener Steppe den Besitzer wechselt, eine Rolle spielen.
Ruska Jorjoliani, italienische Autorin mit georgischen Wurzeln, legt in ihrem so vielschichtigen wie ironisch-scharfsinnigen Familienroman Spuren in die bewegte Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts, Spuren, die sich kreuzen, umkreisen, manchmal auch verfehlen, aber nach und nach den Boden der Gegenwart untergraben.Über die Autorin / über den Autor:
Ruska Jorjoliani wurde 1985 in Mestia, Georgien, im Grossen Kaukasus geboren. Anfang der neunziger Jahre flüchtete die Familie vor ethnischen Säuberungen nach Tiflis, wo Ruska Jorjoliani, nach regelmässigen Aufenthalten bei einer Gastfamilie in Palermo, das italienische Gymnasium besuchte. Seit 2007 lebt sie in Palermo und hat dort ein Philosophiestudium abgeschlossen. Als sie mit italienisch verfassten Gedichten einen Literaturwettbewerb gewinnt, entscheidet sie sich, auf Italienisch zu schreiben. Drei Lebende, drei Tote ist nach Du bist in einer Luft mit mir (Preis der Hotlist 2016) ihr zweiter Roman und hat in Italien für Aufsehen gesorgt.
Barbara Sauser, 1974 in Bern geboren, lebt im Tessin. Seit 2009 ist sie freiberufliche Lektorin und Übersetzerin aus dem Italienischen, Russischen, Französischen und Polnischen.Preis: CHF 28.00