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| Hilarius von Poitiers († 367) - Über die Synoden oder über den Glauben der Orientalen.

Zwanzigstes Hauptstück.
Durch verworrene und durch einander geworfene Worte umgehen die Häretiker sehr häufig die Wahrheit, und nehmen die Ohren der Unvorsichtigen durch den Laut gewöhnlicher Worte ein, indem sie den Vater und Sohn bloß den Namen nach, nicht auch nach der Wahrheit der natürlichen und wirklichen Wesenheit lehren; weil sie wissen, daß man den Gott aller Geschöpfe Vater nenne, und sich erinnern, daß man alle Heiligen Kinder Gottes heiße. Nach diesem Beispiele bekennen sie den Vater und Sohn nach den im Allgemeinen gewöhnlichen Benennungen; so daß Vater und Sohn mehr genannt werden, als seyen. Denn genannt werden sie, nicht auch sind sie, wenn in ihnen eine verschiedene Natur von verschiedener Wesenheit ist; indem die Wahrheit des väterlichen Namens nur durch ein Erzeugniß seiner Natur erlangt werden kann. Der Vater kann also nicht Vater einer von sich verschiedenen und sich ungleichen Wesenheit genannt werden, weil die vollkommene Geburt keine ungleiche Verschiedenheit der ursprünglichen Wesenheit zuläßt. Demnach wird alle diese Gottlosigkeit verworfen, welche den Vater nicht den Vater des nach seiner Natur aus ihm gezeugten Sohnes nennt. Denn nicht deßwegen wird Gott Vater genannt werden, wenn er ein seiner Macht und Wirksamkeit gleiches Geschöpf hat; sondern wenn er eine Natur mit einer nicht ungleichen und von ihm nicht verschiedenen Wesenheit gezeugt hat; weil die natürliche Geburt keine Verschiedenheit der väterlichen Natur zuläßt. Und darum seyen die verflucht, welche behaupten, der Vater sey Vater einer ihm ungleichen Natur, so daß aus Gott etwas anders, als Gott, geboren worden wäre, und welche annehmen, die Wesenheit des Vaters habe in der Zeugung des Sohnes von sich ausgeartet. Denn sie vernichten, so viel bei ihnen steht, die ungeborne und unveränderliche Wesenheit des Vaters selbst, sie, welche es gewagt haben, ihm [S. 365] in der Geburt seines Eingebornen eine Ungleichheit der ausgearteten natürlichen Wesenheit beizulegen.
VIII. „Und wenn Jemand glaubt, daß der Sohn der Wesenheit nach dem gleich sey, als dessen Sohn er angesehen wird; indem er behauptet, der Sohn sey ebenderselbe, welcher der Vater ist, oder ein Theil des Vaters, oder der unkörperliche Sohn stamme durch einen Ausfluß oder irgend ein Gefühl, wie körperliche Söhne, von dem unkörperlichen Vater; so sey er verflucht.“