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Neben den Werken Gütsch (3 Türme), San Carlo (2 Türme) und Foppa Grande (1 Turm) war das Turm-Artilleriewerk Fuchsegg mit seinen vier 10.5 cm Panzertürmen das stärkste Turm-Werk der
Gotthardregion. Das an der Furkapassstrasse gelegene Werk oberhalb von Realp ist alleine wegen der vielen Probleme, die es beim Bau gab (Baugrund auf Gletscher Muräne, Spionage,
Baukostenüberschreitung) ein besonderes Werk gewesen.

Standortwahl
Bereits in der Zwischenkriegszeit gab es Überlegungen, ein Festungswerk an der Furkastrasse bei Realp zu errichten. Es blieb aber bei diesen Plänen bis zum Reduit-Entschluss 1940.
Erst im Oktober dieses Jahres begann die eigentliche Planung für das Werk Fuchsegg. Aufgabe des Werkes sollte es sein, in die schusstoten Räume des Grimsel-Werks und auf den
San-Giacomo-Pass zu wirken. Das Werk sollte drei 10.5 cm Panzertürme enthalten und einer Besatzung von 285 Mann Platz bieten. Dazu kamen noch die notwendigen Nahverteidigungsanlagen.
Am 7. Dezember 1940 wurde dafür ein Kredit über 7.3 Mio CHF gesprochen.
Doch der Bau konnte nicht sofort beginnen. Verzögert wurde die Wahl des definitiven Standorts wegen geologischer Bedenken. So war der geplante Baugrund auf schlechtem Schiefergestein
in einer Gletscher-Moräne. Schliesslich gaben die schiesstechnischen Kriterien im Juli 1941 den Ausschlag für den Standort in der Fuchsegg. Doch damit begannen erst die Probleme.
Am 1. September 1941 war Baubeginn. Der ganze Bau sollte in drei Phasen erfolgen.
Phase 1: Panzertürme und Munitionsstollen
Phase 2: Nahverteidigungsstellungen und Hindernisse
Phase 3: Unterkünfte und Basisinfrastruktur
Bis Ende 1943 sollte die ganze Festung errichtet sein. Wie aber bei den meisten Festungen kamen während der Ausführung zahlreiche Änderungen hinzu. Die noch verfügbaren Panzertürme
wurden auf die in Bau befindlichen Anlagen im Reduit neu verteilt und so erhielt Fuchsegg einen zusätzlich vierten Turm. Um dem Problem der Gefahr vor Luftlandungen zu begegnen wurden
zwölf 20 mm Fliegerabwehrgeschütze dem Werk zugeteilt. Diese Massnahmen erhöhten die Belegschaft des Werks um weitere 120 Mann. Diese Änderungen sowie weitere Schwierigkeiten
verschiedenster Art verzögerten den Bau massiv. Die Türme 3 und 4 waren zwar am 10. Februar 1942 montiert, aber nicht schussbereit. Es fehlten aber noch die unterirdischen Zugänge.
Von einer vollen Gefechtsbereitschaft war das Werk noch weit entfernt. Erst im Herbst 1943 waren alle Türme schussbereit und das Anschiessen konnte erfolgen (18.9. und 11.10.43).
Mit zwei Jahren Bauverzögerung und Baukosten von 15.4 Mio CHF - was 100% Baukostenüberschreitung entsprach - konnte das Werk dem Festungswachtkorps im Herbst 1945 - also nach dem
Krieg - übergeben werden. Der schlechte Baugrund rächte sich, mussten doch alle Gänge ausbetoniert werden und die Standorte der unterirdischen Kavernen anders angelegt werden als
geplant. Der Standort rächte sich auch noch nachträglich, als ein Turm sich zu neigen begann.
Filmausschnitt: 10.5 cm Panzerturm im scharfen Schuss
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Spionage!
Berühmtheit erlangte das Werk auch noch nach dem Krieg, als Schalungspläne des Werks im Jahre 2000 im sogenannten "Canaris-Archiv" auftauchten. Admiral Canaris war Chef der deutschen
Spionage im zweiten Weltkrieg. Offenbar war es deutschen Spionen gelungen an Ursprungs-Pläne (Original Lagepläne vom 29.11.41 und 30.12.41, Schalungsplan vom 10.7.42) des Werks zu
gelangen. Ob die Pläne fotografiert oder entwendet wurden und ob dies im Büro für Befestigungsbauten oder auf dem Bauplatz geschah ist unbekannt. Ein Vergleich mit den realisierten
Plänen zeigt aber, dass spätere Projektänderungen nicht in den Plänen enthalten sind. Zum Beispiel sind Korrekturen an den Munitionsnischen - welche etwa um 30º gedreht wurden - in
den deutschen Akten nicht enthalten.
Dass es sich hierbei aber um einen schwerwiegenden Verrat gehandelt hat, ist für jedermann offensichtlich. Die Unterlagen haben die Planung für eine Kampfführung gegen das Werk
Fuchsegg trotz der gewissen Mängel zweifellos massgeblich erleichtert. Wie leicht das Werk aber hätte eingenommen werden können, musste zum Glück für alle nie unter Beweis gestellt
werden.
Fuchsegg heute
Seit dem 1. Januar 1995 ist die Anlage entklassifiziert. Obwohl die Fuchsegg eine bewegte Geschichte hat, wurde sie nicht unter Schutz gestellt. Seit Juni 2008 wird das Werk nun
vollständig leergeräumt. Zu Fuss können aber die Aussenanlagen der Fuchsegg problemlos erkundet werden. Besonders auffällig sind die Tarnmalereien an den Aussenbunkern und die
Beschädigung an Panzerturm 2. Dieser wurde offenbar einem Beschussversuch unterzogen. Die zerstörte Tarnung und der Einschuss an der Kuppel lassen diesen Schluss zu. Weitere
Details dazu sind uns unbekannt. Vielleicht kann einer unserer Besucher dazu erzählen und das Rätsel lüften?

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Panzertürme
Aussenbunker
Zugänge
Tarnung