Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03606.jsonl.gz/2221

In weniger als einem Jahr ist Bruno Lafont, der Konzernchef von Lafarge SA, vom gefeierten Co-Architekten der weltgrössten Fusion in der Zementbranche zu einer der grössten Hürden für die Transaktion geworden.
Holcim Ltd. hatte zwar dem 40 Milliarden Dollar schweren Zusammenschluss mit Lafarge im April 2014 zugestimmt, will nun aber einen anderen Manager an der Spitze des neuen Unternehmens sehen, wie Bloomberg News aus informierten Kreisen erfuhr.
Das Schweizer Unternehmen zweifle an Lafonts Fähigkeit, Sparziele zu erreichen, weil Holcim sich seit der Ankündigung der Fusion bei allen Kennzahlen vom Umsatz bis hin zum Gewinn besser entwickelt habe als der französische Wettbewerber, sagten die Personen, die mit dem Vorgang vertraut sind, aber nicht namentlich genannt werden wollten. Lafont und Holcim-Manager seien auch bei anderen Themen aneinandergeraten, wie bei der Strategie, hiess es weiter.
Reibereien als Hürde
Der Streit um die Führung durch den 58-jährigen Franzosen verdeutlicht, wie Reibereien zwischen Persönlichkeiten zu einer Hürde für Fusionen werden können. Der Kaugummi kauende und Zigarren rauchende Lafont und der bedächtig sprechende Holcim- Chef Bernard Fontana, der sein Amt bis zum Abschluss der Fusion behalten soll, waren von Anfang an in wichtigen Punkten uneins, sagte eine der Personen.
Holcim hatte am Montag mitgeteilt, die geplante Fusion könne zu den aktuellen Konditionen nicht weiterverfolgt werden. Die Schweizer wollen, dass Lafarge Änderungen beim Management und einen geringeren Anteil als die ursprünglich vereinbarten 47 Prozent an dem zusammengeschlossenen Unternehmen akzeptiert. Die in Paris ansässige Lafarge signalisierte wiederum ihre Kompromissbereitschaft bei dem Tauschverhältnis, aber nicht bei der Führung oder anderen Konditionen. Beide Unternehmen lehnten Kommentare zu den Streitpunkten über ihre offiziellen Erklärungen hinaus ab.
Erfahrung und Erfolglosigkeit
Lafont, der 1983 zu Lafarge kam, verfügt über viel Erfahrung, doch einige seiner Akquisitionen waren nicht so erfolgreich. Im Jahr 2007 beaufsichtigte er die Übernahme des Zementgeschäfts der ägyptischen Orascom Construction Industries für 10,2 Milliarden Euro, was dem Konzern Schulden aufhalste, just als sich die Bauaktivität abkühlte.
Der Schuldenberg führte letztlich dazu, dass Lafarge die Bonitätsnote der Qualitätsstufe «Investment Grade» verlor. Der Zukauf steigerte auch das Engagement in Ländern, die jüngst von Krieg, Terrorismus und politischen Turbulenzen heimgesucht wurden - darunter Ägypten, Irak, Syrien und Nigeria. Das hat bei einigen Investoren Besorgnis über Lafonts Strategie aufkommen lassen.
Holcim zielt auf mehr Mitsprache
Das derzeitige Schachern um die Führungsposition und die Konditionen ist nach Aussage mehrerer Investoren aber wenig überraschend. Die schwächere Position von Lafarge habe die Holcim-Aktionäre ermutigt, bessere Bedingungen zu verlangen.
«Letztlich ist es eine Frage der Kontrolle, wobei Holcim auf mehr Mitsprache in dem neuen Unternehmen abzielt», sagt Analyst Robert Gardiner von Davy. «Und eine Auswechslung des vorgeschlagenen Chefs könnte auf ein paar Meinungsunterschiede über den künftigen Kurs hindeuten.»
Berater von Lafarge sind nach Aussage einer informierten Person besorgt, dass Holcim die Management-Forderungen als einen Vorwand nutzen könnte, um den Preis der Transaktion zu verringern oder die ganze Sache komplett auf Eis zu legen. Eine andere Lafarge-Führungskraft als Lafont zu finden, um das fusionierte Unternehmen zu leiten, könne sich als schwierig erweisen, fügte die Person hinzu.
Die gescheiterten Mega-Fusionen
Sollte der Zusammenschluss fehlschlagen, würde sich Holcim- Lafarge auf der Liste der Mega-Fusionen, die vor ihrem Vollzug scheiterten und bei denen europäische Firmen involviert waren, in guter Gesellschaft befinden. Im vergangenen Jahr sagten Publicis Groupe SA und Omnicom Group Inc. ihre 35 Milliarden Dollar schwere Fusion auf Augenhöhe ab, nachdem es Streit um das Management des neuen Unternehmens gegeben hatte; dabei wäre der grösste Werbekonzern der Welt entstanden. Und im Jahr 2012 sahen sich BAE Systems Plc und das heute als Airbus Group NV bekannte Unternehmen nach Einwänden von Bundeskanzlerin Angela Merkel dazu gezwungen, ihre geplante Fusion platzen zu lassen.
Vertreter von Holcim und Lafarge haben sich einem Insider zufolge Anfang der Woche getroffen und dabei ein paar Fortschritte in Richtung eines Kompromisses erzielt. Es gebe aber noch immer Unstimmigkeiten, sagte die Person.
Die beiden Unternehmen hätten ihre Differenzen früher ansprechen sollen, moniert Analyst Phil Roseberg bei Sanford C. Bernstein. «Die Gremien sind sich bei Weitem nicht so einig wie wir erwartet hatten», schreibt er in einer Kundenanalyse und fügt hinzu: Die Transaktion werde gefährdet durch «diese öffentliche Zurschaustellung von Uneinigkeit».
(bloomberg/ccr)