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Müller Horn, Christine
Im 19. Jahrhundert waren Weltausstellungen Orte der Belehrung, Wirtschaftsförderung und Unterhaltung, aber vor allem Bühnen für den Wettbewerb zwischen den Nationen. Die Schweiz präsentierte ihre technischen Errungenschaften und neueste Kunst in den mit geschnitztem Holz, Schweizerkreuzen und Kantonswappen dekorierten Ausstellungsabteilungen. Beliebt waren auch frei stehende Chalets als Vertreter des „Style Suisse“ oder das „Village Suisse“ als Epitom der ländlichen Volkskultur. Dadurch grenzte sie sich von anderen Nationen ab und bot Identifikationsmöglichkeiten für die heimische Bevölkerung.
Im 20. Jahrhundert wandelten sich die Weltausstellungen mit effekthascherischen Pavillons wie dem Lichterbaum 1970 in Osaka zu einem unterhaltsamen Disneyland. Im Zuge der Postmoderne wird die Volkskultur nun ironisch-distanziert betrachtet.
Ziel der Arbeit ist es, herauszufinden, wie die Konstruktion nationaler Identität an den Weltausstellungen erfolgte und welche Entwicklungsstufen sich anhand ausgewählter Beispiele ausmachen lassen. Untersucht werden die grossen Ausstellungen Erster Klasse von der „Great Exhibition of All Nations“ 1851 in London zur geplanten Expo 2010 in Shanghai. Der Fokus liegt nicht nur auf der ephemeren Ausstellungs-Architektur, sondern auch auf dem Ausstellungsinhalt, dem Essen im Restaurant, der Personalbekleidung oder der gespielten Musik, weil alle diese Elemente Nationalidentität ausdrücken können.
Basis der mehrschichtigen kultursoziologischen Analyse ist erstens die Annahme, dass Architektur ein Kommunikationssystem und zweitens, dass die Schweiz ist eine „imaginierte Gemeinschaft“ ist, die sich weder geographisch, sprachlich noch geschichtlich abgrenzen lässt. Symbole, Rituale und Mythen kreieren die nationale Identität und konstruieren die Vergangenheit.