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Die COVID-19-Pandemie, infektiöse Ereignisse allgemein, können ganz unterschiedlich strukturiert und erklärt werden. Eine davon ist die Perspektive von Unternehmen für die Bewältigung dieses gewaltigen Ereignisses. Aus der Perspektive von Unternehmen beginnt in der Schweiz nun die zweite von drei Phasen der COVID-19-Pandemie (JDMT 3-Phasen-Modell für die Bewältigung von Pandemien in Unternehmen).
Während die erste Phase geprägt war von der frühen Identifikation einer sich entwickelnden Gefahr, der Aktivierung des betrieblichen Pandemieplans, der Organisation der Krisenorgane mit Umsetzung von Massnahmen zur Reaktion auf die behördlichen Auflagen und der Bewältigung der pandemischen Lage im Unternehmen («Krisenphase») wird die zweite Phase den Zeitraum umfassen, während dessen nach einem ersten Peak erste behördlichen Auflagen gelockert werden, andere Einschränkungen fortbestehen und die Gefahr verbleibt, dass eine plötzliche Wiederzunahme der COVID-19 bedingten Hospitalisationen erneut zu Verschärfungen der behördlichen Begrenzungsmassnahmen führen («Pandemische Verweilphase»). Die dritte Phase schliesslich beschreibt den Zeitraum des Übergangs in den Normalzustand, inkl. Aufarbeitung der Lehren und Vorbereitungsmassnahmen auf eine neuerliche pandemische Krise («Interpandemische Phase»).
Niemand kennt die Entwicklung der COVID-19-Pandemie, nicht nur weil sie erstmalig und einzigartig ist, sondern auch weil das Verhalten der Menschen, erheblich beeinflusst durch die politischen Entscheide der Parlamente, Regierungen und Behörden, die Entwicklung von COVID-19 signifikant beeinflusst. Die aus Optik von JDMT wahrscheinliche Entwicklung wurde durch das Imperial College London graphisch beschrieben. Dabei wirkt die Auslastung der Intensivstationen als Trigger für eine Verschärfung oder Lockerung supprimierender Massnahmen: Steigt die Auslastung der Intensivstationen über einen definierten Wert, so müssen die COVID-19-Suppressionsschrauben wieder angezogen werden, sinken sie unter den definierten Wert, so dürfen die Schrauben gelockert werden.
Die erste Phase gemäss dem JDMT 3-Phasen-Modell dauerte in der Schweiz ungefähre 3.5 Monate (Anfang Januar 2020 bis Mitte April 2020). Die zweite Phase indes dürfte viermal länger dauern, nämlich gut 14 Monate (Mitte April 2020 bis Ende Juni 2021). JDMT geht dabei davon aus, dass nicht vor Frühjahr 2021 ein Impfstoff verfügbar sein wird und die Dauer der Impfung (genügende Verfügbarkeit des Impfstoffs und Durchführung der Impfungen) bis in den Herbst 2021 andauern wird, allerdings ab Mai 2021 eine Aussicht auf Beendigung der COVID-19-Pandemie für die Schweiz absehbar sein wird.
Die Herausforderungen für die Führungsebene und Krisenorgane in den Unternehmen dürften in der nun beginnenden zweiten Phase nicht kleiner sondern anders werden als in der ersten Phase. Die Planbarkeit bleibt gering, Unwägbarkeiten verbleiben in erheblichem Masse und an die Durchhaltefähigkeit der Krisenorgane werden zusätzliche Anforderungen gestellt. Und die relative Stabilität, welche sich mit den Suppressionsmassnahmen einstellte, wird einer Volatilität und Unsicherheit weichen, sobald die Schrauben gelockert werden.
Erschwerend sei zu erwähnen, dass nicht nur die Entwicklung der Pandemie von vielen Faktoren abhängig ist, sondern auch die mit der Pandemie verbundenen Massnahmen der Behörden mit Auswirkung auf Gesellschaft und Wirtschaft sind vielfältig und von vielen Faktoren abhängig. Im Unterschied zur ersten Phase, in welcher rasch eine Eskalation bis und mit Entscheid über ausserordentliche Massnahmen durch die Regierung erfolgte, besteht nun eine grosse Wahrscheinlichkeit, dass eine stop & go-Politik Einzug halten wird, welcher die unternehmenseigene Krisenorganisation gewappnet sein muss.