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Wenn man ins vielleicht schönste Pub von Dublin will, geht man ins «James Joyce». Und das befindet sich in – Zürich. Das war nicht immer so, klar; «Jury´s Antique Bar» befand sich ursprünglich in der irischen Hauptstadt. Doch die Bar wurde geschlossen, verkauft (an einen Schweizer) und dann abgebaut, Mosaikstein für Mosaikstein des Fussbodens et cetera eingepackt, verschifft und endlich in Zürich wieder ausgepackt und aufgebaut.
Das ist im Grunde Grund genug hinzugehen. Und dabei habe ich noch gar nicht vom Speisenangebot geschrieben. Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, aber ich vermute, dass es in Dublin kein Pub gibt, in dem man ähnlich fein isst (ich war Grossbritannienkorrespondent in London, was nicht Dublin ist, zugegeben, aber ich denke, ich habe ausreichend Pubfood-Erfahrung). Wer zweifelt, was man immer darf, dem empfehle ich, den James Joyce Burger (aus gemischtem Hackfleisch vom Kalb, Rind und Schwein) zu probieren, oder, fast noch besser, das mit frischem Meerrettich belegte und mit Holländischer Sauce überbackene Rindsentrecôte; letzteres, nebenbei, ist leichter, als es sich anhört. Ich würde staunen, wenn ein Leser ein besseres Angebot in einem vergleichbaren Pub in Dublin oder irgendwo, for that matter, mitteilt.
Die Weinkarte ist fast so dick wie James Joyces «Ulysses»
Das Beste zum Schluss, sagt man in Grossbritannien und Irland: Das ist möglicherweise die Weinkarte. Und das hat mit Markus Segmüller, Gault-Millau-Sommelier des Jahres und Mitglied der Carlton-Besitzerfamilie, die auch das JJ betreibt, zu tun. Weil man in meinen Augen Wein trinken, nicht beschreiben soll, nur soviel: Die Weinkarte ist fast so dick wie James Joyces «Ulysses». (Das war eine Übertreibung, ich weiss; aber Sie wissen, was ich meine.) Und für die, die überlegen «Pub, Weinkarte … Was stimmt hier nicht?»: Es gibt, logisch, auch zwölf verschiedene Biere und noch mehr Whiskeys.
Noch etwas Gutes, ganz zum Schluss: Im Sommer sitzt man draussen. Zwar nicht auf Möbeln, die früher in «Jury´s Antique Bar» standen, aber auf hübschen Holzbänken immerhin. Und das dort, wo es sonst eigentlich nur Beton, Strassen und Banken gibt – darunter die heutige UBS, die seinerzeit das Pub-Interieur kaufte und also rettete.