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Er wurde im 18. Jh. in China als einer der originellsten Künstler seiner Zeit gefeiert, doch internationale Beachtung blieb ihm lange verwehrt. Die Rede ist von Luo Ping (1733-1799), einem der grossen Meister der chinesischen Kunst. Das Museum Rietberg in Zürich hat sich nun zum Ziel gesetzt, dem schillernden Künstler den verdienten Auftritt zu verschaffen. Da sich in Europa kein einziges bedeutendes Werk des Malers befindet, hat man zusammen mit dem New Yorker Metropolitan Museum of Art seine besten Werke aus chinesischen, japanischen und amerikanischen Sammlungen zusammengetragen. 39 hochkarätige Hängerollen, Querrollen und Albumblätter - unter anderem aus dem Palastmuseum in Peking und dem Schanghai Museum - gehören zu den Höhepunkten der Ausstellung. Im Herbst 2009 wird die vom Museum Rietberg konzipierte Schau in New York zu sehen sein.
Buddhist und Partygänger
Einige seiner Zeitgenossen beschrieben Luo Ping als tugendhaften Gelehrten, liebevollen Gatten, treu sorgenden Familienvater und frommen Buddhisten, während andere ihn als unkonventionellen Sonderling und charmanten Partygänger sahen. Der Facettenreichtum seiner Persönlichkeit kommt auch im vielfältigem Œuvre des Exzentrikers zum Ausdruck. 1733 in der florierenden Kultur- und Wirtschaftsmetropole Yangzhou geboren, machte er bereits früh mit seinen künstlerischen und literarischen Talenten von sich reden. Er erweckte das Interesse von Jin Nong (1687-1763), einem der führenden Vertreter der Bohème der damaligen mondänen, südlichen Metropole des Mandschu-Reiches. Jin nahm den 23jährigen als Schüler auf. Bis zu Jins Tod, sechs Jahre später, verband die beiden eine ungewöhnlich enge künstlerische Beziehung. Beide zählen zu den «Acht Exzentrikern von Yangzhou», einer losen Gruppe von Malern, die mit ihrer unkonventionellen Kunst die chinesische Malerei revolutionierten.
Luo Ping war ein sehr ergebener Schüler und begab sich nur langsam aus dem Schatten seines verehrten Meisters. Doch mit seinen unkonventionellen und grossformatigen Porträts, die auch heute noch modern wirken, begann er das Genre zu revolutionieren. Mit feiner Ironie - mehr karikierend als vorteilhaft - stellte er die Porträtierten dar und schaffte damit Bildnisse, die weit mehr sind als Charakterstudien von damals berühmten Persönlichkeiten.
Die Welt der Geister
Aufsehen erregte Luo Ping unter den Intellektuellen mit dem originellen und sehr persönlichen Werk «Geisterbelustigung». Die «Geisterrolle», wie sein mit Abstand berühmtestes Werk auch genannt wird, ist einer der Höhepunkte der Ausstellung. Luo Ping hatte angeblich die Gabe, Geister zu sehen. In acht Szenen schildert er ihre Welt so, wie er sie selbst gesehen haben will. Bis ins frühe 20. Jh. inspirierten Luo Pings Visionen die Betrachter zu Kommentaren und Interpretationen, die sie um die Bilder herum notierten. Heute weist das Werk eine Länge von über 25 m auf und trägt mehr als 160 Aufschriften. Allein schon deshalb ist es ein einmaliges Zeugnis in der Geschichte der chinesischen Kunst.
Luo Ping war sicher der vielseitigste Künstler seiner Zeit. In seiner zweiten Lebenshälfte war er oft in Peking tätig und sorgte in der dortigen reaktionären Kulturszene für Furore. Er schuf zahlreiche Werke für seine Gönner und gelangte so zu Ruhm. Anders als im mondänen Yangzhou herrschte in Peking ein konservativer Geist. Der Blick zurück in die Vergangenheit beschäftigte die intellektuelle Elite. Das blieb nicht ohne Wirkung auf Luo Ping, der in seinem Spätwerk vermehrt Bezug auf die Kulturgeschichte nahm.
Mit Pinseln und Fingern
Virtuosität und Vielfalt zeichnen Luo Pings Kunst aus. Sein Umgang mit dem Pinsel ist meisterhaft, doch er liebte es auch, hin und wieder mit den Fingern zu malen. Er begeisterte sich für Neues und experimentierte gerne, vergass darüber jedoch nie die eigene Tradition. Bunte Landschaften, charmante Insektendarstellungen, rätselhafte Porträts, zarte Pflaumenblüten - es gab kein Thema, das ihn nicht interessiert hätte. Seine bedeutenden religiösen Werke zeugen von seiner grossen Frömmigkeit. Er selber sah sich Zeit seines Lebens als genügsamen Buddhisten und signierte mit dem Namen «Der Mönch vom Blumentempel».