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In der Geschichtsschreibung zeigt sich, dass Frauen oft nur am Rande oder gar nicht erwähnt werden. Und wenn, dann lediglich als Witwe, Tochter oder Frau eines Mannes. Dennoch haben es einige Zugerinnen in die Geschichtsbücher geschafft. Beispiele sind Adelheid von Hünenberg oder Waldburga Maria Anna Kolin, welche die Burg Zug als Hochzeitsgeschenk erhalten hatte. Oder in jüngerer Zeit Adelheid Page sowie Veronika Hürlimann, die das erste Zuger Kino eröffnet hat.
In diesem Jahr feiern wir das 50-Jahre-Jubiläum der Einführung des Stimm- und Wahlrechts für Frauen. Der Weg dahin war lang und steinig. Erst 1971 wurde die Vorlage in Zug mit knapp 66 Prozent angenommen (zentralplus berichtete).
Diesem Sieg ging ein jahrzehntelanger Kampf voraus. Bereits 1832 wurde in der Stadt Zug der erste «Frauenhülfsverein» gegründet. Der Schweizer Arbeiterinnenverband forderte 1893 erstmals offiziell das Stimm- und Wahlrecht für Frauen und die SP verlangte als erste politische Partei bereits 1904 das Frauenstimmrecht.
Ein Blick ganz weit zurück
Den ersten Hinweis auf historisch bekannte Frauen entdecken wir bereits im Mittelalter um das Jahr 1370. Dabei handelt es sich um Adelheid von Hünenberg, die namentlich in den Akten erwähnt wurde – was in der damaligen Zeit eine Seltenheit war. Sie war die Tochter von Gottfried IV. von Hünenberg und die Gattin von Peter V. von Hünenberg (1363–1389), genannt «Storch». Dieser war der erste nachweisbare Besitzer der Burg Zug. Auf dem Siegelstempel von Peter von Hünenberg, der im ersten Stock des Museums Burg Zug ausgestellt ist, ist zweimal das Wappen der Hünenberger zu sehen.
Diese zwei Hünenberger Wappen sind ein sogenanntes Allianzwappen und stehen für die Verbindung zweier Hünenberger-Linien durch die Ehe zwischen Peter V. und Adelheid. Nach Peters Tod im Jahre 1389 wurde Adelheid persönlich in Dokumenten erwähnt, denn als Witwe eines Ritters konnte sie in eigenem Namen Verträge abschliessen und Klage erheben. So klagte sie beispielsweise gegen ihren Schwager Gottfried V., der ihre Geldtruhe ausgeraubt haben soll, während ihr Mann im Sterben lag.
Die Burg Zug in Frauenhand
Im Hediger-Zimmer – einem Raum, der nach der letzten Besitzerfamilie der Burg Zug benannt ist – findet sich die nächste Spur von Frauen. Die geschnitzten Wappen über den Türen und Fenstern zeigen eine interessante Begebenheit. Die Burg Zug wurde im 19. Jahrhundert nämlich auch über die weibliche Linie vererbt. Waldburga Maria Anna Kolin (gestorben 1839) erhielt die Burg Zug von ihrem Vater als Hochzeitsgeschenk, als sie Wilhelm Martin Josef Roos (1767–1842) heiratete.
Gemeinsam hatten die beiden sieben Kinder. Vier der fünf Söhne starben allerdings bereits im Kindesalter und der fünfte Sohn starb mit nur 24 Jahren als unverheirateter Leutnant in Versailles. Die Burg ging somit nach Roos’ Tod an seine Töchter. Zuerst war Anna Helena Letter-Roos (1798–1866) Burgbesitzerin und nach ihrem Tod im Jahr 1866 erbte ihre Schwester Antonia Karolina Hediger-Roos (1801–1890) das Zuger Wahrzeichen. So gelangte die Burg in den Besitz der Familie Hediger, die das Gebäude bis ins Jahr 1945 als Sommerresidenz nutzte und sie dann an die Stadt Zug verkaufte.
Unternehmerinnen durch die Jahrhunderte
Immer wieder führten Frauen tatkräftig Unternehmen, lange bevor die Gleichstellung überhaupt ein Thema war. Im 17. und 18. Jahrhundert haben Frauen oft in familieneigenen Soldunternehmen mitgearbeitet oder waren gar Alleinbesitzerinnen von Kompanien. So führte Maria Jakobea Zurlauben (1658–1716) jahrelang die Zuger Solddienstgeschäfte des Familienunternehmens.
Ihre Brüder lebten derweil in Frankreich und belieferten den französischen König Ludwig XIV. (1638–1715) mit Schweizer Söldnern, die Maria Jakobea in Zug und der weiteren Umgebung anwarb. 1701 schrieb der 37-jährige Beat Heinrich Josef Zurlauben (1663–1706) einen Brief an seine Schwester Maria Jakobea mit der Forderung «Beschaffe mir schöne Männer» – denn nur die «Schönen» wurden in die äussere Leibgarde des Monarchen aufgenommen.
Oft wurden diese Söldner in Gasthäusern angeworben, wo sie mit üppigen Mahlzeiten und ausreichend Wein «motiviert» wurden, sich in fremde Dienste zu begeben. So hing auch im ehemaligen Gasthaus Hirschen in der Zeughausgasse in Zug eine solche Söldnerwerbetafel.
Eine weitere Zuger Unternehmerin, deren Name heute noch nachklingt, war Adelheid Page geb. Schwerzmann (1853–1925). Nach ihrer Hochzeit mit dem amerikanischen Unternehmer George Ham Page (1836–1899) arbeitete sie unter anderem in der Geschäftsleitung der «Anglo-Swiss Condensed Milk Company» mit. Die 1866 gegründete Firma hatte ihren Sitz wie auch die Produktionsstätte in Cham. Nach dem Tod ihres Mannes führte sie das Weltunternehmen gemeinsam mit ihrem Sohn zur Fusion mit Nestlé. Sie engagierte sich aber auch für karitative Projekte. Ihren Namen finden wir heute noch in der Klinik Adelheid in Unterägeri, die Adelheid Page von 1910 bis 1912 als Lungensanatorium erbauen liess.
Aber auch im 20. Jahrhundert gab es Zugerinnen, welche die gängigen Konventionen sprengten, sich über alle Hürden hinwegsetzten und so zu Vorreiterinnen der Emanzipation wurden. So zum Beispiel Veronika Hürlimann (1891–1975), die 1922 das erste Zuger Kino – das Kino Gotthard – eröffnete und zeitlebens tagtäglich im Unternehmen arbeitete. Bis heute heisst das Unternehmen Kino Hürlimann AG. Oder Helen Keiser (1926–2013), die bereits in jungen Jahren als erste Frau alleine den Orient bereiste und mit ihren Büchern, Fotografien und Bildern viel zur Völkerverständigung beitrug. Für ihr Lebenswerk wurde sie mit dem kantonalen Anerkennungspreis gewürdigt.
Im Museum Burg Zug finden zum 50-Jahre-Jubiläum des Stimm- und Wahlrechts für Frauen Themenführungen, ein Referat und eine Lesung statt. Frisch und frech ist auch das neue Jasskartenset, das die junge Zuger Illustratorin Lea Büchl gestaltet hat (zentralplus berichtete). Und der Schweizer Schlössertag am 3. Oktober 2021 steht ebenfalls unter dem Motto «Frauen in den Schlössern». Die geplanten Veranstaltungen sind im Veranstaltungskalender von zentralplus zu finden.