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Prof. Weddigen nimmt von Januar bis Juni 2010 ein Forschungsfreisemester wahr. Im FS10 wird die Lehre am Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Neuzeit durch Vertr.-Prof. Dr. Michael Gnehm vertreten.
Vorlesung
Manierismus in der Architektur
‹Manierismus› ist ein schillernder Begriff zur Bezeichnung künstlerischer Manifestationen vor allem des 16. Jahrhunderts, deren Ausprägungen in der Architektur sich die Vorlesung widmet. Inwiefern im Manierismus die «Krise der Renaissance» und damit der «Ursprung der modernen Kunst» begegnen mögen (Arnold Hauser), lässt sich auch an manieristischer Architektur diskutieren. Während ältere Untersuchungen sich der Frage widmeten, ob ‹Manierismus› als Epochenbezeichnung oder Stilbegriff tauge, legen neuere Reflexionen zur Begriffsgeschichte einen anderen Fokus nahe. Die Frage, inwiefern der Begriff Manierismus übertragbar, also verallgemeinerbar ist, lenkt auf das Problem, ob eine manieristische Charakteristik des Regelverstosses (licenzia) zur Regel und damit zum Vorbild zeitlich und örtlich verschiedener Architekturen werden kann. Verhältnisse von Zentrum und Peripherie oder von ‹Norden› und ‹Süden› fordern Ausdifferenzierungen, denen zufolge die Frage nach dem Mass des ‹Masslosen› je verschieden beantwortet werden muss. Abhandlungen italienischer Theoretiker des 16. und 17. Jahrhunderts unter dem Titel Idea legen manieristischen Manifestationen einen Begriff zugrunde, der zudem Architektur nicht nur mit den anderen Bildkünsten, sondern auch mit der Poesie, deren Freiheiten (licentia poetae) und gesellschaftlichen Konzeptionen in ein Verhältnis (paragone) setzt, das einerseits die Einfluss- und Wirkungsvielfalt ahnen lässt, andererseits aber auch das besondere manieristische Interesse von Architekturkritikern aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nachvollziehbar macht.
Zeit: dienstags 16:15-17:45
Lehrveranstaltungsnummer: 4077
Seminar
Die Perspektive in Bewegung
Wenn Sebastiano Serlio in seinem Perspektivtraktat (1545) sich dafür entschuldigt, dass die Abbildungen zu den von ihm beschriebenen Perspektivkonstruktionen wegen der Kleinheit des zur Verfügung stehenden Platzes nicht genau genug werden konnten, spricht er nicht nur, aber auch Probleme des Buchdrucks an. Die mit dem Buchdruck gegebenen Möglichkeiten und Einschränkungen von Illustrationen haben mit der Verbreitung der Perspektive eigene Darstellungskonventionen mit sich gebracht, deren Herausbildung und Wandel das Seminar in Bezug auf die Reproduktion von Bildern und Bauten in Büchern sowie deren Ausgreifen in die gemalte und gebaute ‹Realität› nachgeht. Behandelt werden Übergänge von Manuskripten des Mittelalters zu Drucken der Renaissance, Konstruktions- und Bedeutungsebenen der Perspektive, Vereinnahmungen vom und Abgrenzungen zum Blick in der islamischen Welt und der damit einhergehenden Sehtheorien, die vom Orientalischen sich beeindruckt zeigenden ‹nordischen› Perspektiv- und Architekturtraktate mit ihrer Freude am Arabesken und an Anamorphosen (Jamnitzer, Lencker, Stöer, Dietterlin, Vredeman de Vries). Ein besonderer Fokus wird der Rolle derartiger ‹Raumbilder› bezüglich der Strukturierung komplexer Buchkompositionen zu Kunst und Wissenschaft spielen (z.B. bei Samuel Marolois).
Das Seminar steht in Verbindung mit der vom Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Neuzeit in Kooperartion mit dem SNF-Projekt «Von der Präsentation des Wissens» (Universität Luzern) und der Stiftung Bibliothek Werner Oechslin (Einsiedeln) organisierten Tagung «Bücher-Wissen. Ein Atelier zum Buch als Bildmedium der Wissenschaft» (21.–23. Juni 2010). Tagung
Zeit: mittwochs 14:15-15:45
Lehrveranstaltungsnummer: 4078
Vorbesprechung: Donnerstag 10.12.2009, 12:15 (Ort siehe Anschlagbrett)
Seminar
From the Wanderjahre to the Grand Tour: Artists' Travels in Early Modern Europe
Early modern artists comprised a highly mobile group of individuals who travelled for diverse reasons—to undertake apprenticeships, fulfill commissions at princely courts, accompany diplomatic missions, embark upon pilgrimages, or satisfy their Wanderlust, to name just a few. Spanning the period from the late Middle Ages to the eighteenth-century, this seminar will explore the multifaceted aspects of artistic mobility as manifest in works of art and texts, with emphasis placed on biographical and autobiographic travel accounts. We will examine a range of artists and authors: Cimabue, Dürer, Vasari, Titian, Cellini, El Greco, Bernini and Vigée Le Brun. Topics to be addressed include the debates surrounding the educational worth of artists’ travels; the concept of “influence” and stylistic change; notions of patria and alterity; artistic encounters with monsters and marvels; mobile objects; the religious dimensions of physical displacement; imaginary and unreachable destinations. Discussions will be held in English and German, written work will be accepted in both languages.
Zeit: mittwochs 16:15-18:00
Lehrveranstaltungsnummer: 3895
Praxisorientierte Übung (Lehrauftrag)
Die Geschichte der Druckgraphik und ihrer Techniken von Dürer bis Goya
«[...] so gut vollendet, dass man das Glänzen der Rüstung und des Fells des schwarzen Pferdes sehen kann, das mittels des Zeichnens schwierig zu erzielen ist.» Mit diesen Worten charakterisierte Giorgio Vasari 1568 das samtene Schwarz und die Lichtkontraste auf Albrecht Dürers Kupferstich Ritter, Tod und Teufel und unterstrich damit die überlegene Brillanz der Kupferstiche des Nürnberger Künstlers. Sowohl die Kupferstiche wie die Holzschnitte Dürers setzten Massstäbe, sie wurden bewundert aber auch kopiert. Die Veranstaltung möchte ausgehend von seinen Werken eine Einführung in die vielfältigen Erscheinungsformen der Druckgraphik bis um 1800 geben. Im Mittelpunkt stehen Blätter aus der Graphischen Sammlung der ETH. Ausgehend von den Originalen werden u.a. Fragen zu Druckstöcken und –platten, zu Papier, zum Verhältnis von Kopie und Vorlage, zur Konservierung und Restaurierung, aber auch zur Geschichte des Sammelns von Druckgraphik und ihrer wissenschaftlichen Erschliessung behandelt. Neben dem Schärfen des Blicks am Original und dem Erkennen von Qualitätsmerkmalen gibt die Veranstaltung auch Einblick in verschiedene Themenbereiche einer Museumssammlung.
Zeit: donnerstags 16:15-18:00
Raum: Graphische Sammlung ETH Zürich, HG E 52
Lehrveranstaltungsnummer: 2121
Praxisorientierte Übung (Lehrauftrag)
Art Market: History. System. Actors
Considered as one of the oldest markets, the art market always sparked interest and controversy. Artworks’ trade was often opposed to artistic creativity and only a few scholars took into account the impact of this process on artists’ practices. During the last decade the art market developed dramatically. Its visibility has increased and fully revealed the significance of the market on artists’ careers and strategies. New web based tools and new art events (i.e. fairs and contemporary art international exhibitions) contributed to this change. This practical exercise is conceived as an introduction to the art market. It will first explore the history of the art market from 16th C. Venice to 20th C. New York. Serial production, reproductive prints, artist’s workshops and marketing deeds will be central themes. Students’ presentations will focus on specific subjects such as auctioneering, artwork valuation, primary market and galleries’ organization. The last two sessions will take place in an auction house and a gallery. Students will meet art market experts who will present concrete aspects of their industry such as artwork pricing and artists promoting.
The first two sessions will be held in English. Students can present in German or English.
Zeit: dienstags 14:00-18:00 (alle 14 Tage)
Lehrveranstaltungsnummer: 4101
Proseminar (Lehrauftrag)
Barocke Malerei in der Schweiz
Das Proseminar gibt einen Überblick zur Entwicklung der barocken Malerei auf dem Gebiet der heutigen Schweiz. Der zu behandelnde Zeitraum erstreckt sich vom Beginn des 17. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts. Exemplarisch werden Werke aus den verschiedenen Gattungen (Historien, Porträts, Stillleben, Landschaften, Decken- und Glasmalerei) monographisch beschrieben. Dabei sollen die verschiedenen internationalen Einflüsse wie auch die Eigenleistungen der Schweizer Malerei im Zeitalter von Gegenreformation und beginnender Aufklärung verdeutlicht werden. Es ist eine halbtägige Exkursion vorgesehen.
Zeit: freitags 14:00-15:45
Lehrveranstaltungsnummer: 2106
Proseminar (Lehrauftrag)
Einführung in das Medium der Buchmalerei im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit
Geschützt zwischen Buchdeckeln und in Bibliotheksregalen sind reiche Bestände mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Buchmalerei unversehrt erhalten geblieben. Werke der Buchmalerei bieten einen oftmals unverfälschten und unvermittelten Zugang zum künstlerischen Schaffen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Das Proseminar bietet eine objektnahe Einführung in diesen Bereich der Kunstgeschichte. Es vermittelt eine grundlegende Orientierung anhand exemplarisch betrachteter Beispiele und Phänomene. Im Kontext eines medialen Diskurses stehen Form und Funktion der Malerei im Gefüge der Kodizes, deren Texte als unterschiedliche Bildaufgaben, sowie ihre Ausrichtung auf ihre jeweiligen Auftraggeber, bzw. Rezipienten im Mittelpunkt des Interesses.
Zeit: mittwochs 14:00-15:45
Lehrveranstaltungsnummer: 2105
Proseminar (Lehrauftrag)
Chiesa, città e popolo: italienische Kunst des Spätmittelalters
Die Veranstaltung soll den Studierenden einen Überblick über die Kunst des Spätmittelalters in Italien geben. Die von den Studenten/Innen zu behandelnden Themen werden so weit wie möglich alle Medien der bildenden Künste und alle Regionen Italiens berücksichtigen. An repräsentativen Beispielen sollen die sozialen, religiösen und kulturellen Bedingungen dargestellt werden, die die grundlegenden Neuerungen des späten Duecento und des Trecento vorbereiteten und ermöglichten.
Zeit: ungefähr jeden zweiten Mittwoch, 14:00-18:00 (3., 17., und 31. März, 14. und 28. April, 19. und 26 Mai),
Lehrveranstaltungsnummer: 2104
Proseminar (Lehrauftrag)
Rembrandt und seine Zeit
Rembrandt Harmenszoon van Rijn (1606-69) gilt als einer der bedeutendsten und bekanntesten niederländischen Künstler des Barock. Sein Schaffen fiel in die Epoche des Goldenen Zeitalters, als die Niederlande eine politische, wirtschaftliche und künstlerische Blütezeit erlebten, zu deren am meisten gefeierten Künstler sich Rembrand entwickelte. Er betätigte sich als Maler, Radierer und Zeichner, führte eine große Werkstatt und bildete zahlreiche junge Künstler aus. Trotzdem litt er immer wieder unter finanziellen Problemen und ging 1656 in Konkurs. Rembrands Gesamtwerk umfaßt unter anderem Porträts, Ereignisbilder, Landschaften, sowie biblische und mythologische Historien. Immer wieder fand er Motive, die bis dahin nicht künstlerisch bearbeitet worden waren oder suchte nach neuen Darstellungsmöglichkeiten traditioneller Themen. Ausgehend von Hauptwerken seines uvres werden Rembrandts individuelle Positionen vor dem Hintergrund des künstlerischen Schaffens seiner Zeitgenossen - Rubens, Vermeer, Hals, Ruisdael - analysiert und in allgemeine Strömungen der Barockmalerei eingeordnet.
Zeit: donnerstags 14:00-15:45
Lehrveranstaltungsnummer: 2103
Exkursion
Center and periphery: the visual culture of the Terraferma
The Venetian terraferma, specifically Vicenza, Padua and Rovigo will be exam-ined as a case-study related to the concept of center and periphery as outlined in the seminal essay by Enrico Castelnuovo and Carlo Ginzburg and in light of the resurging interest in Kunstgeographie.
Those students participating in the excursion will be required to deliver a presentation on-site. The papers, which should be researched and docu-mented with references to primary and secondary literature, will be sub-mitted to the organizers two weeks before excursion for approval and commentary. There will also be the possibility for students to receive ad-ditional credit points if they decide to attend the Renaissance Society of America's fifty-sixth annual conference in Venice (8-10 April) and report on the proceedings.
The number of students allowed to participate in the excursion will be re-stricted to twelve. Those wishing to apply should send a half-page de-scription detailing their interest in the Veneto region and the issue of Kunstgeographie no later than 15 February 2010 to Dr. David Young Kim (<email-pii>).
Zeit: 3.-7. April 2010
Lehrveranstaltungsnummer: 4139