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Das K. ist eine Organisationsform der gewerbl. Produktion im Zeitalter der Protoindustrialisierung. Unter dem K. traten die den weiträumigen Absatz besorgenden Händler und die einzelnen Produzenten auf Märkten miteinander in Kontakt. Die Produzenten beschafften sich die von ihnen zu verarbeitenden Rohmaterialien und Halbfabrikate selbst, besassen ihre eigenen Arbeitswerkzeuge, folgten ihrem eigenen Arbeitsrhythmus und gingen keine dauerhafte Abhängigkeitsbeziehung ein. Die Händler verfügten somit über kein eigentliches industrielles Kapital. Der Erfolg des K.s im Textilbereich beruhte auf der Kontrolle durch eine spezielle städt. Behörde, die Schau, welche die Qualität der Tücher überprüfte und sie mit Herkunfts- und Qualitätszeichen versah. Im Rahmen der Gewerbepolitik wurden auch Kauf und Verkauf auf dem Markt geregelt und die Infrastruktur für die Endverarbeitung (Walke, Bleiche, Färberei, Mange) teilweise zur Verfügung gestellt. Die Blüte des K.s fällt in die Zeit vom 14. bis ins 17. Jh. Verschiedene Faktoren bewirkten die allmähl. Verdrängung des K.s durch das Verlagssystem. So sank im 18. Jh. mit dem Übergang von Standardprodukten, die an internat. Messen vertrieben wurden, zu direkt nach kundenspezif. Vorgaben erstellten Fabrikaten die Bedeutung der komplexen und teuren obrigkeitl. Qualitätssicherung, die eine wesentl. Grundlage des K.s gewesen war.
Das bedeutendste Beispiel für das K. in der Schweiz war das St. Galler Leinwandgewerbe (Leinwand), dessen institutioneller Rahmen in der 2. Hälfte des 15. Jh. und im frühen 16. Jh. entstand. Städt. Zunfthandwerker und Landweber waren einander auf dem Markt gleichgestellt. Die Schau war eine differenzierte Behörde, die Rohleinwand nach versch. Qualitäten klassifizierte und auch die Endverarbeitung kontrollierte. Markttransparenz und Kaufabschlüsse wurden wesentlich durch Makler (sog. Feilträger) bestimmt, die aber vom Handel ausgeschlossen waren. Die Endverarbeitung fand teilweise in städt. Pachtbetrieben statt (Walke, Bleiche, Mange). Im 17. und frühen 18. Jh. bildeten sich weniger regulierte Leinwandmärkte in der weiteren Umgebung St. Gallens sowie im bern. Territorium (Oberaargau, Emmental). Auch einzelne Arbeitsgänge des Zürcher Baumwoll- und Seidengewerbes - zwei Branchen, die für die Industrialisierung wichtig werden sollten - waren noch in der 2. Hälfte des 18. Jh. im K. organisiert. Allerdings war hier die obrigkeitl. Regulierung nur schwach ausgeprägt.
Literatur
– P. Kriedte et al., Industrialisierung vor der Industrialisierung, 1977
– Proto-Industrialisierung in Europa, hg. von M. Cerman, S.C. Ogilvie, 1994
Autorin/Autor: Ulrich Pfister