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Nehmen Sie meine Daten, bitte! (Teil 2)
Wollen Sie, dass eine fremde Person weiss, wo Sie wohnen? Nein? Dann sollten Sie besser darauf achten, wo Sie Ihre persönlichen Daten preisgeben. Auch wenn Ihnen ein sicheres Gefühl vermittelt wird, das Internet ist alles andere als sicher!
2. Dezember 2015 - 14:560Kommentare
Fortsetzung von: Nehmen Sie meine Daten, bitte! (Teil 1)
Sofortige Befriedigung ist ein starker Reiz
Menschen können ziemlich impulsiv sein. Um es sanfter auszudrücken: wir tendieren dazu den Moment zu leben und schätzen das hier und jetzt. Hast du dich über die Datenschutzerklärung des Onlineverkäufers erkundigt, bei dem du noch vor einem Tag das Paar Schuhe gekauft hast? Höchstwahrscheinlich nicht. Deine Hauptsorge war es deine Bestellung abzuschliessen. Stelle dir vor wie dein Leben wäre, wenn du tatsächlich all diese Informationen lesen würdest. Es wurde geschätzt, dass die Gelegenheitseinbußen für U.S. Konsumenten, die sich jedes Mal die Zeit nehmen würden die Datenschutzerklärung zu lesen, $781 Milliarden betragen würden.
Wir orientieren uns am Verhalten anderer Menschen
Wenn wir dabei zusehen wie andere Leute ihre persönlichen Informationen preisgeben, dann ist es auch viel Wahrscheinlicher, dass auch wir unsere Daten angeben. In einer Online-Umfrage mit dem Titel „Teste deine Moral“, wurde den Besuchern der New York Times Webseite eine Anzahl an sensiblen Fragen bezüglich fragwürdigen Verhaltens gestellt (z.B. „Hattest du jemals Sex mit jemandem der zu betrunken war um zu wissen was gerade vor sich geht?“, „Hast du jemals etwas gestohlen das mehr als $100 Wert ist?, etc.). Nach der Beantwortung jeder dieser Fragen erhielten die Leute Antworten von anderen Umfrageteilnehmern, die manipuliert waren um entweder ein hohes oder niedriges Zugeständnis zu zeigen. Wenn den Antwortenden weisgemacht wurde, dass eine Mehrheit an anderen Leuten ein fragwürdiges Verhalten zugegeben hatten, dann waren diese Leute um 27% mehr dazu bereit bei anderen sensiblen Fragen ehrlich zu antworten. Natürlich hat das Verhalten von anderen Leuten eine starke Auswirkung auf das, was wir auf Social Media Seiten tun. Aber es gibt dort "stille Zuhörer".
Standardeinstellungen sind oft nachteilig für den Benutzer
Onlineinstanzen können den Aufbau der Wahlmöglichkeiten verändern, um die Wahrscheinlichkeit der Preisgabe von Informationen zu erhöhen. Das beste Beispiel hierfür sind vorgegebene Einstellungen – ob Leute beispielsweise verschiedenen Optionen zustimmen, die Einfluss auf Ihre Privatsphäre haben. Ein klassisches Beispiel sind Auswahlfelder über zukünftiges E-Mail-Marketing, wenn wir unsere E-Mail-Adresse angeben. Eine Studie, die verschiedene Fragestellungen (“Kontaktieren Sie mich NICHT…” vs. „Kontaktieren Sie mich…“) und vorgegebene Einstellungen (Ja / Nein ausgewählt vs. nicht ausgewählt) getestet hat, fand heraus, dass verschiedene Framings und vorgegebene Einstellungen die Chance, weiterhin in Kontakt bleiben zu wollen, verdoppelt. Auf Facebook haben sich die voreingestellten Sichtbarkeitseinstellungen zwischen 2005 und 2014 drastisch verändert. (Für die Zeit zwischen 2005 bis 2010, wirf einen Blick auf Matt McKeons aufschlussreiche Grafik.) Es ist nicht überraschend, dass historische Änderungen der Voreinstellungen auf Facebook das Teilen vieler persönlicher Informationen beeinflusst hat.
Warum ist Sicherheit auf einmal unwichtig?
Die Liste an Faktoren, die die Privatsphäre beeinflussen, ist nicht erschöpfend und könnte noch um andere Variablen, wie beispielsweise kulturelle Hintergründe, erweitert werden. Laut Acquisti et al. lautet das Fazit: Richtlinien, die darauf setzen Konsumenten zu "befähigen” oder zu informieren, sind nicht genug, da sie davon ausgehen, dass die Leute all die mentalen Werkzeuge besitzen, um sich in ihrem eigenen Interesse zu verhalten. Richtlinien können manchmal sogar fehlschlagen. Deshalb brauchen Konsumenten Hilfe dabei, sich in einer stetig komplexer werdenden technologischen Landschaft zurechtzufinden. In unserem täglichen Leben vermehren sich Verhaltensweisen, die einen persönlichen Pfad an Daten in unserem täglichen Leben hinterlassen, wie es vor allem im immer größer werdenden „Internet of Things“ sichtbar wird. Wie jedoch The Economist erst kürzlich bemerkte, ist „Sicherheit in den Augen von Leuten das unwichtigste“ in dieser neuen Domäne. Aller Voraussicht nach werden neue Herausforderungen bezüglich des Verständnisses von Online-Privatsphäre auftreten.