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Ich wurde spontan zu einer Gebetsgemeinschaft eingeladen, die mich tief bewegte. Ich war auf dem Heimweg, etwas verträumt und emotional voll auf Gott ausgerichtet, als mich ein Inder ansprach: „Du hast aber eine intensive Aura!“ Ich wusste zwar nicht genau, was er meinte, konnte mir aber gut vorstellen, dass ich etwas Spirituelles ausstrahle, immerhin fühlte ich mich mit Gott aussergewöhnlich starch verbunden
Aber was will dieser Mann von mir? Will er wissen, wo meine Aura herkommt, soll ich ihm von Gott und seiner Gnade erzählen? Übrigens strahlte auch er etwas Spirituelles aus nur ganz anders als was ich von meinem Gott kenne.
Mir war bald klar, dass er als Lehrer oder als Guru auftrat und wenig Interesse daran hatte etwas von meinem Gott zu hören. Trotzdem fragte ich Jesus ob es OK ist mit diesem Mann zu sprechen.
Vielleicht kann ja ich etwas von ihm lernen?
In einer für mich eher seltenen Deutlichkeit sagte mir Jesus, dass ich mit ihm sprechen darf, ich aber kein Kommitment mit ihm eingehen soll.
Der Inder stellte sich als Yoga Lehrer vor und zeigte mir ein Bild von Kindern in einem Weisenheim, welches er gegründet habe. Er sehe, dass ich eine starke spirituelle Autorität habe, mir aber zwei Chakras verschlossen seien. Er könne mir Helfen diese zu lösen. Er stellte mir viele scheinbar willkürliche Fragen und machte sich ständig Notizen.
Ein Stück Papier zerknitterte er zu einem kleinen Ball und gab es mir in die Hand.
„Die Sternen stehen gut für dich“, meinte er und sagte mir eine kurze aber intensive Zeit des Glücks voraus. Danach soll grosses Pech kommen. Ich stehe in Gefahr, mein Glück zu verpassen. Aber er könne mir helfen es zu ergreifen und zu behalten.
Ich warf ihm vor, dass er mit seinem Wechselspiel von positiven und negativen Versprechen, klassische Manipulation ausübe.
Überhaupt benutzte er zahlreiche Überzeugungsstechnicken.
Er begann mit Schmeicheln. Er bat mich um einen Kugelschreiber, obwohl er selbst Schreibzeug dabei hatte. Er nutzte Bilder, um den Beschützerinstinkt in mir zu wecken und präsentierte sich gleichzeitig als hochmoralisch und spirituell überlegen. Dem gegenüber zielte er auf meine Schwächen, die ich aufgrund von meinem Moral einzugestehen habe. Er weckte Interesse durch Andeutungen und betontem Verschweigen von Geheimwissen. Fragte ständig nach meiner Meinung und betonte jeweils (noch bevor ich mich fertig ausgesprochen habe), dass er gleicher Meinung sei – verdrehte meine Worte aber gleich ins Gegenteil. Er machte übertriebene Behauptungen, die er gleich wieder relativierte mit der unausgesprochenen aber spürbaren Forderung, dass ich meine Meinung ebenfalls relativiere.
Und dann kam es: Er sagte mir, er habe mir drei Vorhersagungen aufgeschrieben, auf dem Zettelchen welches ich immer noch in der Hand hielt. Er forderte von mir ein Versprechen, dass wenn wenigstens eine davon eintreffe, ich seinem Kinderheim eine Spende überweise, soviel wie es mir wert sei, es dürfe auch nur 5 Rp. sein.
Jop! Genau davon hat Jesus gesprochen als er mich gewarnt hat kein Kommitment einzugehen.
Mir war klar, dass ich damit für Wahrsagerei bezahlt hätte.
Ich fragte nach einer Homepage, damit ich mich über das Kinderheim informieren könne und falls mich ihre Arbeit überzeugt ich es auch finanziell unterstützen kann. Machte aber deutlich, dass ich mich nicht dazu verpflichten werde, auch nicht mit 5 Rp.
Eine Homepage oder weiter Informationen über das Heim wollte er mir nicht geben. So gab ich ihm den Zettel wieder zurück ohne den Inhalt gelesen zu haben und verabschiedete mich.
Ich hab diesen Yoga Lehrer durchschaut, geistlich und psychologisch und trotzdem wirkte seine Manipulation, ich konnte nicht aufhören zu denken, dass ich irgendetwas verpasst habe.
Immerhin hat er im Geist gesehen, dass ich mit Gott verbunden bin, weshalb sollte er nicht auch noch etwas anderes gesehen haben, dass mir helfen könnte?
Ich brachte mein ganzes Gedankenchaos vor Gott und fand bei ihm wieder Ruhe. Gerade weil ich mit Gott verbunden bin, gerade weil ich mich auf keine andere Spiritualität einlassen will, muss ich keine Angst haben, etwas zu verpassen.