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Abstract: Die Fundstelle des Padnals liegt circa 600 Meter südlich des Dorfendes von Savognin, an der heutigen Strasse nach Tinizong, im Tal des Oberhalbsteins. Der Hügel weist eine auffällige Form auf und ist gegen die Julia mit einem ungefähr 40 Metern hohen Abhang getrennt.
Die Forschungsgeschichte des Oberhalbsteins und des Padnals beginnt bereits in den 30er und 40er Jahren des letzten Jahrhunderts.
Auf dem Padnal selbst wurden in den 50er, 70er und frühen 80er Jahren verschiedene Grabungskampagnen im bronzezeitlichen Siedlungsbereich durchgeführt. Die Grabungen des Archäologischen Dienstes Graubünden von 1971 bis 1983 erbrachten eine Fülle an Fundmaterial. Dieses wurde, zusammen mit einer Auswahl der Befunde, jährlich in einem kurzen Grabungsbericht vorgelegt. Die Bronzefundobjekte dieser Grabungen bildeten die Datengrundlage dieser Lizentiatsarbeit.
Eine gründliche Neubearbeitung des Befundes war im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich. Als praktikabel erwies sich eine Einteilung der Befunde in grosse Schichtkomplexe, von denen 3 (die oberen beiden Schichtkomplexe 5 und 4 und der unterste Schichtkomplex 1) im Bezug auf das Fundmaterial von Bedeutung sind). Diese dienten im weiteren Verlauf der Auswertung als Grundlage.
Das untersuchte Fundmaterial beinhaltete 171 Objekte aus Bronze, 101 Gussabfälle und rund 250 Schlacken, Erze oder andere Fragmente. Ausserdem gehören dem Fundmaterial 4 Gussformen aus Lavez und mehrere Gusstiegelfragmente aus Ton an.
Die Objekte, zum grössten Teil Nadeln und Nadelfragmente, wurden soweit möglich typochronologisch datiert.
Damit ergibt sich für den unteren Schichtkomplex des Padnals eine relativchronologische Datierung zwischen Bz A2 und Bz B. Im obersten Schichtkomplex finden sich Objekte mit Laufzeiten zwischen Bz A und Ha B, das Schwergewicht liegt aber in einem Laufzeitenschnittbereich zwischen Bz B1 und Bz D.
Die vorhandenen C-14 Daten wurden ebenfalls in die neu erstellten Schichtkomplexe eingefügt. Sie stützen, mit allen Vorbehalten aufgrund der Unsicherheiten bei der Datierung, im grossen und ganzen die typologische Einschätzung. Weiterführende feinchronologische Untersuchungen sind nur unter Einbezug des restlichen Fundmaterials und einer Neubearbeitung der Originaldokumentation denkbar.
Das Oberhalbstein lässt sich geographisch und geomorphologisch in zwei Abschnitte teilen. Die Geologie des oberen Talteils ist reich an Ophioliten, Basalten und Serpentiniten. Diese enthalten auch verschiedene Vererzungen. Das vorherrschende Kupfererz ist dabei Chalkopyrit, auch Kupferkies genannt.
Diese Nähe zu den Erzlagerstätten liess schon die ersten Bearbeiter vermuten, dass am Padnal Metall verarbeitet wurde. Das reiche Bronzefundmaterial und die Formen stützen diese Hypothese. An einigen Bronzeobjekten und Schlacken wurden auch Spurenelement- und Mikrostrukturanalysen durchgeführt.
Die Padnaler Analyseergebnisse zeigen einen relativ einheitlichen Spurenelementgehalt. Es zeichnen sich keine signifikanten Metallveränderungen innerhalb der Siedlungsstratigraphie ab. Die stratigraphisch älteren Objekte weisen tendenziell eine grössere Spannbreite des Zinngehaltes auf. Einige wenige Objekte aus dem jüngeren Schichtkomplex können als eigentliche Fahlerzmetalle bezeichnet werden.
Der Vergleich mit Schlackenanalysen aus dem Oberhalbstein zeigt, dass für einen Teil der Padnaler Objekte eher eine Herkunft aus anderen Erzregionen in Frage kommt.
Insgesamt passen die Analysen gut in das Spektrum derjenigen der benachbarten Alpentäler desselben Zeitraums.
Anhand des Befundes konnte kein direkter Nachweis für eine Metallverarbeitung innerhalb der Siedlung erbracht werden. Die Überlieferungswahrscheinlichkeit von Strukturen, die der Weiterverarbeitung von Bronze dienen, ist jedoch gering einzuschätzen, so dass dieser Umstand nicht verwundert. Durch das Fundmaterial ist jedoch eindeutig nachgewiesen, dass auf dem Padnal Bronze verarbeitet wurde.
Dagegen lässt sich die Verhüttung von Kupfererz innerhalb des Siedlungskontextes mit grosser Wahrscheinlichkeit ausschliessen. Dennoch ist mit einer zeitgleichen Nutzung der Kupferreviere in der Umgebung zu rechnen. Für einen Teil des Padnaler Kupfers ist die Herkunft aus den lokalen Lagerstätten plausibel.
Der Padnal befindet sich innerhalb einer vielfältigen Siedlungslandschaft. In Sichtweite befinden sich mindestens drei gleichzeitig bewohnte Siedlungen, daneben auch eine Vielzahl an Einzel- und Schlackenfundstellen.
Betrachtet man ein grösseres Siedlungsumfeld im zentralen Alpenraum, so erscheinen die bronzezeitlichen Höhensiedlungen, zu denen auch der Padnal zählt, in ein dichtes Siedlungs- und Verkehrswegenetz eingebettet.
Die Ergebnisse dieser Auswertung lassen den Schluss zu, dass Landwirtschaft, die Nutzung der Hochweiden und die Verkehrslage zu den wichtigsten Faktoren für die Besiedlung einer Region zählen. Die Nutzung anderer Ressourcen stand an untergeordneter Stelle. In diesem Zusammenhang möchten wir auch die bronzezeitliche Siedlung des Padnals sehen: eine vornehmlich agrarisch geprägte Wirtschaftsweise, ergänzt durch die mögliche Nutzung der nahen Kupferlagerstätten.
Literatur
Brun, E. (1991) Der prähistorische Kupferbergbau im Oberhalbstein, Graubünden. In: Minaria Helvetica 11a.
Fasnacht, W. (1991) Analyses de scories de l'Age du Bronze en Suisse. In: Archéologie Aujourd'hui. Actes du colloque international "Experimentation en Archéologie: Bilan et Perspectives”, tenue à l'Archéodrome de Beaune, 6.-9. avril 1988 (Paris). 156-159.
Krause, R. (2009) Mining in the Alps. In: Kienlin, T./Roberts, B. (eds) Metals and Societies. Studies in honour of B.S. Ottaway. UPA 169 (Bonn).
Primas, M. (2008) Bronzezeit zwischen Elbe und Po. Strukturwandel in Zentraleuropa 2200 – 800 v. Chr. UPA 150 (Bonn).
Rageth, J. (1986) Die wichtigsten Resultate der Ausgrabungen in der bronzezeitlichen Siedlung auf dem Padnal bei Savognin (Oberhalbstein GR). In: Jb SGUF 69, 63-103.