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Autor: karin aebischer
Mit seinem Wunsch, die Opfer der Justiz des Ancien Régime moralisch, jedoch nicht rechtlich zu rehabilitieren, reagiert der Staatsrat auf eine Motion der Grossräte Jean-Pierre Dorand (CVP, Freiburg) und Daniel de Roche (MLB, Guschelmuth). Diese fordern vom Staatsrat die Rehabilitierung von Catherine Repond, genannt «Catillon», die 1731 der Hexerei bezichtigt und in Freiburg hingerichtet worden war. Dabei dient ihnen die kürzlich erfolgte Rehabilitierung von Anna Göldi, der letzten, 1782 in Glarus hingerichteten Hexe Europas, als Vorlage.
Kein geeignetes Rechtsinstrument
«Juristisch gesehen ist es nicht möglich, das Urteil zu annullieren», erklärte Justizdirektor Erwin Jutzet am Freitag auf Anfrage der FN. Der moderne Rechtsstaat habe mit dem Ancien Régime gebrochen und könne vom rechtlichen Standpunkt her dessen Entscheide nicht aufheben. Er habe nicht für die Verbrechen eines Systems einzustehen, dem er ein Ende bereitet hat. Zudem würde sich keines der heutigen Rechtsinstrumente für eine solche Rehabilitierung eignen, da diese im Strafgesetzbuch gar nicht mehr existiere.
Eine feierliche Erklärung
Der Staatsrat betont jedoch, dass die «Catillon» sowie alle anderen Opfer der damaligen Rechtsprechung wie Homosexuelle, religiöse Minderheiten wie die Wiedertäufer, politisch Verurteilte, wegen Kindsmordes hingerichtete Mütter und all jene, deren Geständnisse unter Folter abgepresst wurden, Anspruch auf die Wiederherstellung ihres guten Rufes hätten.
So möchte er all jene in einer feierlichen Erklärung in Form einer Resolution moralisch rehabilitieren. Der Staatsrat schlägt dem Grossen Rat damit die Ablehnung der Motion Dorand/de Roche vor, sofern sie eine juristische Rehabilitierung verlangt, lädt den Grossen Rat jedoch ein, die Opfer der Justiz des Ancien Régime moralisch in Form einer Resolution zu rehabilitieren.
Ein Kredit soll helfen
Die Freiburger Regierung geht sogar noch weiter und unterbreitet dem Parlament den Vorschlag, die geschichtliche Aufarbeitung der damaligen Prozesse zu unterstützen. «Mit Hilfe eines Kredits könnten junge Historiker die Geschehnisse wissenschaftlich aufarbeiten», meint Erwin Jutzet.