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Leonhard Kossuth, geboren 1923 in Kiew, lehrte am Literaturinstitut in Leipzig und war dreißig Jahre lang Cheflektor für Sowjetliteratur in Berlin. Er ist Herausgeber bzw. Übersetzer u. a. von Majakowski, Okudshawa und Jessnin; außerdem ist er als Literaturkritiker und Publizist tätig.
Leonhard Kossuth wurde am 25. Juli 1923 in Kiew als Sohn eines Österreichers und einer Ukrainerin geboren. Diese Herkunft, insbesondere die vom Vater auch später geförderte Bewahrung der russischen Sprachkenntnis, sollte die berufliche Entwicklung nach 1945 beeinflussen. 1931 übersiedelte die Familie nach Wien. Die Ingenieurschule brach Leonhard Kossuth ab, von 1942 bis 1945 nahm er als Soldat am Krieg teil.
Ab 1946 lebte er in der späteren DDR – er war auf dem Weg in die Ostzone (aus privaten Gründen) als Leutnant in sowjetischem Deportationslager gelandet, wurde aber nach »urlaubsweiser« Flucht und Rückkehr auf hinterlassenes Ehrenwort entlassen. Kurzzeitig arbeitete er als Russischlehrer, dann studierte er Slawistik und Anglistik in Halle/Saale und Berlin. 1949 heiratete er Charlotte K., eine Umsiedlerin aus Schlesien, die er an der Universität kennengelernt hatte.
Während des Studiums – und dennoch hauptamtlich – engagierte er sich für die Wissensvermittlung über die Sowjetunion, insbesondere die russische Literatur, in Zirkeln der DSF (damals: Gesellschaft zum Studium der Kultur der Sowjetunion). Zugleich verfasste er erste Nachdichtungen und Übersetzungen (M. Lermontow, A. Puschkin, N. Nekrassow, A. Tschechow). Er hielt erste Vorlesungen über Sowjetliteratur zunächst an der Universität in Halle, von 1955 bis 1957 – als Oberassistent mit Lehrauftrag – am Literaturinstitut in Leipzig. Die Arbeit an seiner Dissertation (»Majakowski in Deutschland«) brach er ab, als seine Ehefrau wegen angeblichem Staatsverrat 1957 verhaftet wurde. Sie verbrachte 20 Monate im Gefängnis, die Interventionen bis hin zu Ulbricht waren vergeblich. Dennoch sind Leonhards Forschungsergebnisse in die spätere Majakowski-Herausgabe eingeflossen.
Von 1958 bis 1989 war er zunächst stellvertretender Cheflektor, dann Cheflektor im Verlag Kultur und Fortschritt sowie leitender Lektor für Sowjetliteratur im Verlag Volk und Welt in Berlin. Seine Schwerpunkte: Nationalliteraturen der UdSSR (Titel aus 25 Literaturen, darunter 12 nationale Erzähler- und Lyrikanthologien, aktuelle Entdeckungen in der "Novitätenkassette", nationale Märchenbände); gesammelte/ausgewählte Werke wesentlicher Autoren der Sowjetliteratur (von A. Block und W. Majakowski über M. Bulgakow, A. Platonow bis zu K. Simonow und weiteren Gegenwartsautoren). In die Zeit fällt auch die Erschließung der neuesten, vor allem der kritischen Literatur (W. Tendrjakow, J.Trifonow, Tsch. Aitmatow u. a.) – all dies bei freundschaftlicher Kommunikation mit bedeutenden Autoren. Leonhard wurde Initiator vor allem der seit 1968 erscheinenden Reihe »Volk-und-Welt-Spektrum«. Die eigenen Herausgaben (mit Schwerpunkten Lyrik, konzeptionelle Verbindung von Text und Bild) sowie Übersetzungen und literaturkritischen Publikationen gingen vielfach aus diesem beruflichen Engagement hervor, wirkten ihrerseits darauf zurück.
Ein Nationalpreis (1987 in einem Kolletiv des Verlags Volk und Welt) galt vor allem der verlegerischen, der Kunstpreis der DSF (1989) unmittelbar einer herausgeberisch literarischen Leistung (Okudshawa). Seit 1964 war er Mitglied des Schriftstellerverbandes der DDR; seit 1990 im VS. Seit Frühjahr 1989 arbeitete er freischaffend an der Weiterführung herausgeberischer Projekte. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Charlotte, die viele Jahre als Lektorin beim Aufbau Verlag tätig gewesen ist, weitete er die Tätigkeit als Übersetzer aus. Am bekanntesten wurden die beiden mit ihren Übertragungen von Tschingis Aitmatow. Bis März 1998 war Kossuth Präsident des »Kuratoriums zur kulturellen Unterstützung deutscher Minderheiten im Ausland e.V.«.