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Die Ferrovie Nord Milano FNM welche in der Lombardei ein ausgedehntes Normalspurnetz betreibt, erstellte zwischen 1904 und 1915 die Strecke Castellanza - Malnate - Valmorea. Die Fortsetzung der Strecke ab Valmorea, welches dicht an der italienisch / schweizerischen Grenze liegt, war seit Jahren im Gespräch. Allerdings konnte dann erst 1926 die schweizerische Gesellschaft Ferrovia Mendrisio - Stabio FMS die Reststrecke bis Mendrisio mit Anschluss an die Gotthardbahn erstellen. Die FMS war nur für die Infrastruktur der schweizerischen Teilstrecke zuständig. Der Betrieb wurde jedoch durchgehend bis Mendrisio von der italienischen FNM ausgeführt, die auch das Rollmaterial stellte. Das Betriebsergebnis dieser grenzüberschreitenden Strecke war von Anfang an derart schlecht dass der Italienische Staat nicht mehr bereit war die Zollstation bei Valmorea offen zu halten. Der Bahnverkehr zwischen Mendrisio und Valmorea wurde daher nach einer Betriebszeit von nur gerade zwei Jahren 1928 bereits wieder eingestellt.
Während die Strecke auf italienischem Gebiet zum Teil abgebaut wurde mutierte die Strecke Mendrisio - Stabio zur gut frequentierten Industrie-Anschlussbahn unter der Obhut der SBB. Eine Dampf-Museumsbahn begann auf der Strecke bis zur Grenze an einigen Wochenenden Züge zu führen und einer italienischen Partnergruppe gelang es sogar das abgebaute Gleis auf ihrem Gebiet wieder zu erstellen, so dass nun wieder grenzüberschreitende Dampfzüge verkehren können. ( Siehe "Club San Gottardo")
In den letzten Jahren, mit dem anwachsenden Pendlerstrom und der Inbetriebnahme des Flughafens Malpensa, tauchte die Idee einer Bahnverbindung zwischen Mendrisio und Varese wieder auf. Die Schweiz und Italien konnten sich einigen zwischen Stabio und Arcisate eine neue, grenzüberschreitende Verbindung herzustellen um den Tessin direkt mir Varese zu verbinden. Die Bauarbeiten haben 2009 begonnen. Es ist zu hoffen dass der neuen Verbindung etwas mehr Erfolg zukommt.
2014 war die neue doppelspurige S-Bahnstrecke von der Grenze über Stabio nach Mendrisio fertiggestellt. Auf den Fahrplanwechsel 2014 kam die SBB Strecke Stabio - Mendrisio in Betrieb. Vom alten FMS Flair der Güterstrecke blieb nichts mehr erhalten - moderne Doppelspur, gestreckte Kurven, neue Brücken und moderne Stationsanlagen.
Tristesse auf der italienischen Seite. Halbfertige Brücken und Tunnel, rostende Baumaschinen - der Unglückstern der alten intenationalen Verbindung scheint auch hier wieder am Himmel zu stehen.
Ab der SBB Station Mendrisio führt die Strecke der FMS in südöstliche Richtung leicht ansteigend zum Dorf Stabio wo eine Station mit Kreuzungsgleis erstellt wurde. Danach wendet sich das Trassee südwärts und erreicht sehr bald die ehemalige Grenzstation Confine. Abgesehen von einem grössern Viadukt sind keine nennenswerten Kunstbauten vorhanden.
Das auf schweizer Gebiet liegende Teilstück der FMS blieb vollständig erhalten. Verschiedene Industrien und Tanklager siedelten sich entlang der Strecke an und wurden ans Bahnnetz angeschlossen. Auch das Stationsgebäude von Stabio blieb bestehen.
Die Bahn besass kein eigenes Rollmaterial, dieses wurde von den FNM gestellt.
|Wir beginnen die Reise auf der FMS an der italienisch / schweizerischen|
Landesgrenze. Dem Grenzverlauf entlang steht ein hoher Maschendraht-
Zaun; über das Gleis ein Metalltor. Hier sehen wir den Torverschluss mit
der zusätzlichen Plombe des italienischen Staates. Neben dem Tor eine
Lücke im Zaun mit Wegweiser.......
|Und hier das Grenztor aus Italien gesehen.|
|Dasselbe Tor wegen der Einmaligkeit auch noch von der Schweizer Seite.|
|Hier sehen wir das schön hergerichtete Gleis auf der italienischen Seite, während auf schweizer Gebiet das Gras üppig wächst. Des Rätsels Lösung: dieses Gleis ist erst wenige Jahre alt und wurde vom Museumsverein auf dem alten Trassee wieder aufgebaut.|
|Nun nehmen wir also die Strecke Richtung Mendrisio unter die Räder oder besser gesagt unter die Füsse. Ein Mähbalken an der Lok wäre hier sehr dienlich.|
|Bereits lässt sich erahnen dass wir auf einem Gleis stehen, das sogar noch einige Male im Jahr durch Dampfzüge befahren wird.|
|Nun sehen wir den ersten oder besser gesagt letzten Anschliesser dieser Strecke. Bis hierhin kommen Kesselwagen eines Oelkonzernes zur Entladung.|
|Die Strecke wendet sich nun gegen Osten.|
|Die ersten Häuser von Stabio sind erreicht.|
|Vor uns eine weitere Abzweigung zu einer Fabrik. Im Hintegrund liegt das Stationsgebiet von Stabio.|
|Der gut erhaltene Güterschuppen der nun als Lagerhaus dient.|
|Das schön renovierte Stationsgebäude von Stabio, heute ein Wohnhaus.|
|Das Stationsgebäude von der Strassenseite.|
|Die herrliche Eingangspartie mit der Türe welche einst zu Billetschalter|
und Wartsaal führte.
|Das Stationsgebiet von Stabio im Rückblick mit der Einfahrweiche.|
|Die nun folgende enge Strassenunterführung wurde noch durch die FMS erstellt.|
|Weiter geht es durch die Wiese.|
|Wieder kommen wir zu einer Industrieabzweigung.|
|Der Oberbau könnte gegensätzlicher nicht sein. Einmal ein Grasteppich im Gleis, dann makelloser Schotter ohne jeden Bewuchs.|
|Eine weitere Strassenunterführung kommt in Sicht.|
|Es ist anzunehmen dass dieses Bauwerk zur FMS Zeit noch nicht existierte.|
|Die nächste Unterführung lässt nicht lange auf sich warten.|
|Auch dieses Bauwerk scheint noch keine 80 Jahre auf dem Buckel zu haben. Die Strasse führt ins Dorf Ligornetto. Hier irgendwo muss die Haltestelle mit demselben Namen gelegen haben.|
|Wir sind nun auf einem höhern Damm, das Gleis wieder pestizidfrei.|
|Und schon haben wir den einzigen Viadukt dieser Strecke vor uns.|
|Eine kleine Strasse und ein Bach werden überquert.|
|Dasselbe Bauwerk von der Gegenseite.|
|Durch die Blumenwiese geht es nun bereits Mendrisio entgegen.|
|Eine Lokalstrasse und die Autobahn überspannen die im Einschnitt liegende Bahnstrecke. Anscheinend gab man der Bahn beim Brückenbau doch noch etwas Kredit, warum sonst wäre das Profil für eine Doppelspur vorgesehen. Für eine Anschlussstrecke wäre das sicher nicht nötig gewesen.|
|Und welch eine Ueberraschung, da kommt doch eine SBB Cargo-Lok um in irgend einem Anschlussgleis einige Wagen abzuholen.|
|Nach der Autobahnunterquerung sehen wir bereits die Strecke Chiasso - Lugano -(Gotthard) vor uns. |
|Ein S-Bahnzug auf der Fahrt nach Bellinzona erreicht nächstens die Station Mendrisio. Links das in diesem Bereich neu verlegte ex FMS Gleis.|
|Die Station Mendrisio, einst Ausgangspunkt der Züge nach Stabio - Malnate.|
|Alle Fotos: J. Ehrbar Mai 2009|