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Es ist eines der Schlüsselwerke in Dmitri Schostakowitschs Gesamtwerk. Die «Lady Macbeth von Mzensk» hatte weitreichende Auswirkungen auf sein Leben und Schaffen. Schon bei der Uraufführung im Jahr 1934 wurde sie umjubelt und eroberte bedeutende Opernbühnen in der damaligen Sowjetunion und auch im Westen.
Zu unzüchtig für Stalin
Doch Diktator Josef Stalin hörte in diesem Werk nur «Chaos statt Musik», wie er 1936 in einer gleichnamigen Kritik in der Propaganda-Zeitung Prawda ausführte.
Nicht nur die derb-brutale Krimihandlung inklusive Karikatur von Obrigkeiten und Staatsgewalt war ihm ein Dorn im Auge. Sondern auch die explizite Darstellung menschlicher Triebhaftigkeit. Sowohl im Text als auch in der Musik dieser Oper wird diesbezüglich kein Blatt vor den Mund genommen.
Musikalisierter Sex
Arbeiter reissen sich zum Beispiel um die «herrlichen Euter» einer Köchin. Die Protagonistin Katerina sinniert über Tiere, die sich paaren und wünscht sich jemanden, der ihr «lustvoll die Brüste liebkost» und sie liebt, «bis sie vor Erschöpfung nicht mehr kann».
Auf diese zünftigen Texte folgt dann auch eine entsprechend eindeutige und illustrative Musik, ein genüsslich musikalisierter Sexakt.
Die Oper wurde aus diesen Gründen streng verboten, eine Wiederaufnahme in Stalins Sowjetunion war absolut unmöglich. Dennoch wollte Schostakowitsch nicht von ihr lassen: Nach Stalins Tod und während der Tauwetter-Periode träumte er von einem Revival der «Lady Macbeth».
Täubchen statt Tiere
Der Komponist brauchte dafür eine offizielle Bewilligung des Kultusministeriums. Er musste daher am 12. März 1956 eine kleine Kommission rund um den Komponisten Dmitri Kabalewski bei sich zuhause empfangen. Diesen Musikern und Musikwissenschaftlern spielte und sang er die gesamte Oper am Klavier vor.
Einige einschlägige Stellen hatte er vorsichtshalber bereits entschärft: Nun war nicht mehr von «Eutern», «Hengsten und Stuten» oder von «Liebe bis zur Erschöpfung» die Rede – sondern von Täubchen, die glücklich in ihrem Nest sitzen, gurren und gemeinsam in den Himmel fliegen.
Die Kommission schmetterte den Antrag jedoch trotzdem ab. Kabalewski verkündete dem auf seinem eigenen Sofa sitzenden Schostakowitsch, dass die Oper auf keinen Fall aufgeführt werden dürfe – sie würde der sowjetischen Musik grossen Schaden zufügen.
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«Für solch ein Leben geboren?»
Schostakowitsch hielt jedoch an seinem Vorhaben fest und nahm weitere Retuschen an seinem Werk vor. Er entfernte unter anderem die naturalistische Sexszene im dritten Bild und ersetzte im ersten und dritten Akt jeweils ein Zwischenspiel durch ein Neues, Konformeres.
Insgesamt lockerte er den Orchesterklang an einigen Stellen auf und nahm ihnen so ihre Drastik. Und er fügte im finalen Gefangenenchor den vieldeutigen Satz «Wird denn der Mensch für solch ein Leben geboren?!» ein. Die Handlung an sich und deren implizite Gesellschaftskritik blieben jedoch bestehen.
Neuer Titel, alter Mut
Dank der Unterstützung von einflussreichen Freunden wie dem Dirigenten Artur Rodziński konnte die Oper im Jahr 1963 zum zweiten Mal uraufgeführt werden – unter dem neuen Titel «Katerina Ismailowa». Auch in abgemilderter Form wurde die Oper erneut zum Grosserfolg. Eine späte Genugtuung für Schostakowitsch.
Heute wird meist wieder die ursprüngliche Fassung gespielt, und sie erstaunt nach wie vor das Opernpublikum weltweit. Denn die fast 100-jährige Oper wirkt sogar in unserem gesellschaftlichen Kontext mutiger als so manches heutiges Kunstwerk.