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Unter Seeablagerungen versteht man Sedimente, aber auch Schüttungen, welche einen ehemaligen See zum Verschwinden gebracht haben, indem sie ihn auffüllten. Unter Schüttungen versteht man in diesem Falle das in den See transportierte Geschiebe durch Bäche, während Sedimente die Ablagerung der sich im Wasser befindlichen Schwebeteilchen bedeutet. In Seebach findet man sowohl nach- wie auch zwischeneiszeitliche Ablagerungen in ehemaligen Seen. Die Beschreibung beschränkt sich hier gänzlich auf Seebach, beschreibt aber dennoch auch alle jene Ablagerungen, welche über die Seebacher Grenzen hinaus den heutigen Untergrund bilden. Die Seebacher Seen können unterteilt werden in Gletscherstirnstauseen und Auenweiher. Die Seeablagerungen der Gletscherstirnstauseen sind, soweit sie rein oberflächlich vorliegen, in der geologischen Karte 1091 erkennbar. Alle Gewässerbezeichnungen sind rein lokale Bezeichnungen der OGS, da diese offiziell keine Namen tragen.
Gletscherstirnstauseen
Seebachersee: Der Seebachersee war im Prinzip ein Katzensee vom Stapferbühl bis fast zur heutigen Schaffhauserstrasse in Seebach. Es war neben dem Binzmühlesee 1 ein weiterer Gletscherstirnstausee hinter dem Furttallappen des Linth-Rheingletschers. Er bildete sich ungefähr vor 20Â?500 Jahren, als der Gletscher nach einem etwa 500 Jahre dauernden Zwischenhalt am heutigen Katzensee (Schlieren-Stadium) wieder zurückzuweichen begann. Da er in dieser Gegend die kaum bemerkbare Wasserscheide überschritt, konnte das Schmelz- und Regenwasser nicht abfliessen. Der hier aufwärts fliessende Gletscher stand dem Abfluss seines eigenen Schmelzwassers im Wege.
So bildete sich hinter der Gletscherstirn ein Stausee, der mit dem weiteren Zurückschmelzen des Gletschers immer länger, grösser und tiefer wurde. Der Seebachersee erreichte eine Länge von rund 5.5 km, eine Breite von durchschnittlich 400 m und eine Tiefe von max. 7 m. Als beim Zurückweichen die Gletscherstirn etwa das heutige Seebacher Freibad erreichte, fand das Wasser des Sees über die Sperletwies einen Abfluss, der mit dem weiteren Zurückweichen der Gletscherstirn immer breiter wurde. Bis dahin stieg der Wasserspiegel des Seebachersees solange an, bis das Wasser ins Furttal entwässern konnte. Nun tat sich mit der Sperletwies-Senke eine Schleuse auf, die es dem Wasser des Seebachersees erlaubte, seitlich abzulaufen.
Buchwiesensee: Unter dem Buchwiesensee kann sich jeder etwas vorstellen. Vor bald 20'000 Jahren bildete sich beim Rückzug des Linth-Rheingletschers aus Seebach der Seebachersee, welcher nach wenigen Jahrzehnten grösstenteils abfloss, nachdem sich der Katzenbachtallappen des Linth-Rheingletschers bis zur heutigen Schaffhauserstrasse zurückgezogen hatte. So vermochte sich der zurückgestaute Seebachersee, im Prinzip ein Ur-Katzensee und zugleich ein Gletscherstirnsee, über das Gebiet Sack und Sandacker in Richtung Cher nach Glattbrugg zu entwässern, was aber ganz allmählich geschah und nicht etwa als gewaltiges Spektakel.
Eigentlich hätte sich das Katzenbachtal völlig entwässern können, wäre da nicht im Bereich der heutigen Hertensteinbrücke ein über 3 Meter hoher Stauriegel aus Gletscherschutt mit einem zähen Untergrund aus Kalkmergel vorhanden gewesen. Darauf werden wir noch einige Male zurückkommen, denn er spielte in wasserkundlicher Hinsicht in Seebach eine ganz wichtige Rolle. Dieser Stauriegel trägt die Bezeichnung Katzenbachdurchbruch, was ebenfalls als geologischer Lokalbegriff zu verstehen ist. Der Name kommt vom damaligen Restaurant Falken und steht in zeitlicher Hinsicht damit nicht im Zusammenhang.
In geologischer Hinsicht ist das insofern von Interesse, als hier der Kalkmergel vor 20'000 Jahren noch offen zu Tage trat und den Unterbau eines kleinen Endmoränenwalls bildete. Beide zusammen übten die Funktion als Stauriegel aus. Der Kalkmergelbogen in dieser Gegend ist eine Fortsetzung des Käshalden-Höhenzuges, der sich nicht nur über das Eichrain in Richtung Glattbrugg fortsetzt, sondern auch den Untergrund der Binz und des Buchholzrains sowie des Ausserdorfs bildet. Während auf den Höhen der Käshalden oberflächlich viel Sandstein vorkommt, ist diese halbinselförmig nach Süden gerichtete Geländeerhöhung weitgehend aus hartem Mergelkalkstein aufgebaut.
Oberhausersee: Dieser See entstand ebenfalls vor etwa 20'000 Jahren, als sich die Gletscherzungen von Rümlang und Seebach ins Oberhauser Ried zurückzogen. Einerseits als Folge des auslaufenden Wasserschwalls des Seebachersees und andererseits durch die Stauung des Schmelzwassers bei Oberhausen. Hier befand sich ein Tal querender Buckel, der etwa 10 m über die damalige Ebene des Oberhauser Riedes ragte und frühwürmzeitlicher Herkunft war, ebenso wie die Abhänge bei Opfikon oder die Buhn. Sie bestanden aus Aathalschotter. Bevor das Wasser hier durchkam, musste es sich erst einmal durch diesen verbackenen Schotter fressen, was wohl weit über tausend Jahre gedauert hat.
Solange staute sich hier der Oberhausersee, der es auf eine Maximalausdehnung von 5.3 km², einen Wasserinhalt von 53 Mio. m³ und um eine Wassertiefe von bis zu 54 m brachte, im Mittel aber nur eine Tiefe von etwa 10 m hatte. Die tiefste Stelle lag leicht nördlich der Unterführung der Tramlinie 17 an der Autobahn auf Walliseller Boden und es ist gut möglich, dass die tiefste Stelle des Sees aus einer früheren Eiszeitperiode stammt. Der westliche Rand des Oberhausersees ragte sogar auf Seebacher Boden. Der Katzenbach mündete bei den heutigen Bahngleisen im Schärenmoos in den See. Dieser reichte bis gegen Dübendorf. Im Laufe der vielen Jahre seiner Existenz bildete sich auf seinem Untergrund eine dicke Sedimentschicht aus Seebodenlehm, die beim Bau des Fernsehstudios zu Tage trat und im Buch «Unser Seebach» auf Seite 205 beschrieben ist. Teile davon konnte man 2006 bei Bau des Glattparksees und 2008 beim Aushub einer Baugrube neben der Migrol-Tankstelle beobachten. Auch beim Bau des Airgate Centers an der Kreuzung Thurgauer- / Hagenbholzstrasse stiess man auf diesen hellbraun-gelblichen Seebodenlehm.
Natürlich ist es nicht möglich, dass der Oberhausersee in so kurzer Zeit diese Lehmschicht sedimentiert hat. Die tieferen Schichten stammen wahrscheinlich aus der Zeit nach der Rissvereisung, als das Furttal-Greifensee-Tiefenbecken ausgefüllt wurde. Zwischen diesen beiden Schichten liegt noch eine Schicht Grundmoräne. Interessant ist noch ein Detail, welches auch in der Fachliteratur gerne verkannt wird. Dieser See wird immer wieder mit einer Insel dargestellt, die mit der hügeligen Landschaft bei Aubrugg zu tun hat. Da dieser See aber etwa vor 19'900 Â? 18'500 oder noch etwas vorher bestand, die Hügel bei der Aubrugg aber die Stirnmoränen des Neuvorstosses des Gletschers um 17'300 v. h. darstellen, sind sie erst entstanden, nachdem sich die Glatt bei Oberhausen durch den Schotter gefressen hatte und der verbliebene Flachsee bereits abgelaufen war. Sie bildeten also keine Inseln in einem See, sehr wohl aber Inseln in einem sumpfigen Gebiet.
Binzmühlesee 1: Kurzfristiger Gletscherstirnsee vor 20'000 Jahren. Da auch der eben entstandene Binzmühlebach aus dem gleichen Grunde wie der Katzenbach entgegen der üblichen Fliessrichtung floss, bildete sich hinter der Gletscherstirn ein Stausee. Dieser füllte sich solange, bis er sich mit dem Seebachersee verband. Diese Verbindung erfolgte entlang dem Eisrand um die Ostflanke der Buhn herum. Die Entwässerung des Binzmühlesees erfolgte somit über den Seebachersee und im Bereich des heutigen Katzensees zur Furt hin. Als sich die Gletscherstirn weiter zurückzog, lief der Binzmühlesee langsam aus.
Neben dem Schmelzwasser des Gletschereises führten auch zahlreiche Seitenbäche Wasser in den See. Es waren dies neben dem Schürbach auch noch der Leutschenbach, der Riedgraben und der Bocklerbach, welche an die Seitenflanke des Gletschers entwässerten. So bildete sich anfänglich ein recht beachtlicher Wasserstom entlang dem Gletscher, der sich vor allem in den Ã?bergangszeiten Frühling und Herbst bis zur Gletscherzunge bewegte und mithalf, den See zu füllen. In der warmen Jahreszeit, frass sich das Wasser einen Weg seitlich unter dem Gletscher, floss aber letztlich ebenfalls in den Gletscherrandstausee, vergleichbar mit dem Märjelensee am Aletschgletscher, um einen anschaulichen Vergleich zu machen.
Das Wasser des Gletscherstirnsees staute sich so lange, bis es sich zwischen Gletscherrand und Buhnflanke Ost in den Seebachersee entleeren konnte. Der Seebachersee war ein Pendant zum Binzmühlesee 1. Als sich die Gletscherzungen weiter zurückbildeten, entwässerten beide Stauseen in das Gebiet Oberhausen und bildeten dort einen neuen See, den Oberhausersee. Im Gebiet des abgelaufenen Binzmühlesees blieb eine mehrere Meter dicke lehmige Sedimentschicht zurück, in der sich der Binzmühlebach vom Affoltemer Zelgli her einen Bachlauf bildete. Damit war der Weg für den Schürbach nun frei und er floss in den Binzmühlebach, wobei er weiterhin fleissig Gletscherschutt und Hanglehm erodierte und von Ã?rlikon bis zum Felsenrain einen immer grösseren Schuttfächer bildete. Irgendwann erreichte dieser Schwemmfächer den Binzmühlebach und begann diesen mit seinem Geschiebe zu stauen. So entstand nach wenigen Tausend Jahren erneut ein Binzmühlesee, den die OGS zur besseren Unterscheidung Binzmühlesee 2 nennt. Siehe dort!
Binzmühlesee 2: Der zweite Binzmühlesee entstand erst tausende von Jahren später, als der Schürbach von Ã?rlikon her sich einen Schuttfächer aufbaute, welcher das ganze Binzmühlebachtal abriegelte und so den Binzmühlebach zu einem See aufstaute. Nachdem dann der Schuttfächer so flach war, dass die Kraft des Baches nicht mehr reichte, um seine eigene Mündung zu erreichen suchte er einen seitlichen Ablauf und ergoss sich fortan weiter westlich in den Binzmühlesee. Dadurch grub sich der Binzmühlebach wieder einen Durchgang durch das Schürbachdelte und der Binzmühlesee II lief nach und nach wieder ab, hinterliess jedoch eine supfige Talung mit etlichen Weihern. Siehe dazu Schürbachdelta.
Ã?brige Auenseen
Dieser Begriff ist heute in Seebach weitgehend unbekannt. Die langjährige Beobachtung und das Forschen in den Fachgebieten Eiszeitalter, Geologie, Geografie und Gewässerkunde führten bei der OGS zur Erkenntnis, dass Seebach erst vor etwa 10'000 Jahren begann, ein Sumpf- und Waldgebiet zu werden. Nachdem sich die Gletscher vor 15'000 Jahren endgültig aus den tieferen Lagen zurückgezogen hatten, war Seebach ein klassisches Gletscherrückzugsgebiet mit allen seinen typischen Erscheinungen, die wir auch im oberen und unteren Glatttal, im Stammertal, im Säuliamt und anderswo in ähnlicher Ausprägung antreffen.
Besonderes Kennzeichen ist neben den Moränenwällen, Moränenhügeln und den Findlingen auch der häufig mit Lehm durchzogene Untergrund im Bereich der ehemaligen Grundmoräne. Der Bodenlehm ist ein Produkt des Gletschers als Folge seiner Schleifarbeit auf dem Untergrund und darf nicht mit dem Seebodenlehm verwechselt werden. Die vom Gletscher gebildete sanfte Hügellandschaft hinterliess zwischen den Hügeln und entlang von Bächen zahlreiche Mulden, wo das Regen- und Ã?berschwemmungswasser wegen der Lehmschicht nicht versickern konnte, sodass nur ein oberflächlicher Abfluss in Frage kam. Man nennt einen solchen Untergrund einen Stauhorizont. Mulden füllten sich demzufolge mit Wasser und bildeten zahlreiche kleine Weiher, Seelein und Lachen, eben die Auenweiher.
Die Auenweiher lagen alle an irgendeinem Bächlein oder zumindest in dessen Nähe. Das war etwa vor 14'000 Jahren, als die Vegetation erst gerade im Begriffe war, sich ihr Terrain wieder zurück zu erobern. Die Landschaft war also noch ziemlich kahl und es gab noch keine grösseren Bäume. Die Auenweiher waren anfänglich Auenseen, welche ihre Existenz ausschliesslich dem Umstand zu verdanken hatten, dass sie in einer Mulde zwischen sanften Hügeln lagen, welche einen Untergrund aufwiesen, der aus Grundmoräne des Gletschers bestand und einen sogenannten Stauhorizont bildeten. Da das Wasser nicht versickern konnte, füllten sich die Mulden solange mit Regenwasser, bis ihr Ablauf zu einem niedriger liegenden Gelände möglich wurde. So bildeten sich neue Bachläufe, welche die Ã?bergänge von Mulde zu Mulde auswuschen und die Seen sich nach und nach verkleinerten und nivellierten und sich letztendlich zu Auenweihern oder Auenmoorweihern reduzierten. Diese Weiher hatten dann noch lange Bestand, teilweise bis in die kurz zurück liegende Vergangenheit.
Die obige Beschreibung zeigt, dass das Gebiet von Seebach vor 15'000 Jahren einer Seenplatte glich, welche viel Ã?hnlichkeit mit der Pommer'schen Seenplatte aufwies, wenn auch mit anderem Untergrund. Ã?usserlich hatte sie auch viel Ã?hnlichkeit mit der Finnischen Seenplatte, doch liegt die finnische Seenplatte direkt auf Felsmaterial, während sowohl die Pommer'sche wie die Seebacher Seenplatte auf Geschiebe aufliegt. Wer also erahnen möche, wie es hier ursprünglich ausgesehen hat, der gehe nach Pommern. Es geht allerdings auch einfacher, indem man sich die Gegend um die Katzenseen oder um die Hausemer anschaue.
Die letzten alten Auenweiher entlang der Abflüsse überlebten noch bis in 20. Jahrhundert. Der letzte war der Buchholzweiher, der zweitletzte der Buchwiesenweiher, der drittletzte vermutlich der Schwandenwiesenweiher (auch Schiffliwiesensee), der viertletzte der Riedbachweiher und der fünftletzte der Zelglisee, welcher aber bereits zu 90% auf Affoltemer Gebiet lag. Alle anderen Seen waren im Prinzip mehr oder weniger stark vermoorte und entlang dem Katzen-, dem Binzmühle- und dem Erlenbrunnenbach gelegene Auenweiher. Der Zeitpunkt ihrer Verlandung kann nur noch geschätzt werden.