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Der 1882 geborene und 1967 verstorbene Zoltán Kodály, neben Liszt und Bartók der be-deutendste ungarische Komponist, gilt als einer der Väter der neuen ungarischen Musik. Er war Lehrer ganzer
Komponistengenerationen Ungarns, als Musikwissenschaftler befasste er sich besonders mit Volksmusik (mit seinem Freund Bartók sammelte und ordnete er un-zählige ungarische Volkslieder), und als
Pädagoge lag sein besonderes Interesse in der För-derung des Chorgesangs. Die Beschäftigung mit dem Volkslied war von entscheidender Be-deutung für sein Musikschaffen, erneuerte er doch das
ungarische Musikleben im Sinne einer Rückkehr zu den magyarischen Wurzeln. Er schrieb unzählige Werke für gemischte, Frauen-, Männer-und Kinderchöre, und sein Einfluss auf die Musikpädagogik auch
westeu-ropäischer Länder ist kaum zu überschätzen.
Ave Maria (Les Voc-à-Lises)
Sein Ave Maria für 3-stimmigen Frauenchor entstand 1935 am Vorabend des Zweiten Welt-krieges. Kodály lässt es im Stil eines gregorianischen Gesangs beginnen. Während die Alt-stimmen den
Gebetstext vortragen, antworten die oberen Stimmen und ergänzen das har-monische Gerüst. Dabei entsteht eine Art Wechselgesang zwischen einstimmigen Passagen und mehrstimmigen, harmonisch reich
gestalteten Stellen.
Psalm 114 (Orpheus Chor und Orgel)
Dieser Psalm ist für vierstimmigen gemischten Chor mit Orgelbegleitung geschrieben. Es geht um den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten. Der Psalm ist geradlinig, im Wesentli-chen homophon und
die Orgel verleiht den Worten Ihr Berge, was hüpfet ihr wie Lämmer auf dem Feld zusätzlichen deskriptiven Glanz. Der Forte-Schluss greift das Anfangsthema wieder auf und steigert es zum
Fortissimo.
Missa brevis (Les Voc-à-Lises, Orpheus Chor und Orgel)
Die Missa Brevis geht auf seine 1942 komponierte Stille Messe für Orgelsolo zurück. Zwei Jahre später arbeitete er das Werk für Soli, gemischten Chor und Orgel um. Auf die damalige Belagerung Budapests weisen der Untertitel der Messe in tempore belli hin und ihr Ausklang Da pacem, der als Friedenswunsch der ganzen vom Krieg heimgesuchten Menschheit gedeutet wurde. Die Uraufführung fand Anfang 1945 in der zum provisorischen Konzertsaal umgewandelten Garderobe des Budapester Opernhauses statt, wo Kodály und seine Frau (der das Werk gewidmet ist) in jenen Tagen des Elends Schutz gesucht hatten.
Strukturell weist die Messe die üblichen Elemente auf: Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus, Agnus Dei, doch werden diese von einem einleitenden Introitus für Solo-Orgel und einem Nachspiel Ite, missa est eingerahmt, das als Coda dient.