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Der Begriff “Verkehr” ist glücklicherweise weitläufig. Die erste Begegnung mit dem Verkehr machte ich also am Flughafen. Mit einer Verspätung von etwas mehr als 30 Minuten landete mein Flugzeug angenehm sanft am Moskauer Flughafen. Anstatt am 10 Meter nebenan liegenden Terminalschlauch anzudocken, mussten alle Passagiere das Flugzeug durch die Hecktüren verlassen. Zwei Transportbusse standen in zwei verschiedene Richtungen gewandt bereit, um uns Passagiere zur Passkontrolle sowie zu den Anschlussflügen zu bringen. Weshalb die beiden Busse in andere Richtungen standen, und welchen man besteigen sollte, ist mir bis jetzt unklar. Der von mir gewählte Bus führte mich jedenfalls nach einem Umweg, der in einem weitläufigen Kreis herumführte, zur Passkontrolle, wie es sich gehört.
Nach der Passkontrolle wartete meine Ansprechspartnerin für die Organisation in Moskau auf mich. Sie führte mich zu ihrem Auto, mit dem wir eine Stunde um halb Moskau zu meinem Studentenwohnheim fuhren. Die meiste Zeit verbrachten wir auf den grossen, fünf- bis sechsspurigen Autostrassen, die Moskau wie ein Gürtel umschliessen. Auf diesen Strassen schienen mir Verkehrsregeln unnötig, so viel freien Platz fand sich da. Und scheinbar war ich nicht alleine mit dieser Meinung: die meisten Autofahrer schienen zu fahren, wie es ihnen beliebte. Und die Motorradfahrer erst: Mit oder ohne Passagier, ihre Geschwindigkeit schien rekordverdächtig, ihre Kurven enger als beim Skislalom. Aber es war ja Platz genug da.
Nun kam ich heil in meinem neuen, temporären Daheim an. In der Nacht erfuhr ich eine nächste Begegnung mit dem Verkehr. Oder, besser gesagt, mit seinen Geräuschen. Leider steht das Studentenheim an einer weiteren, vierspurigen Autostrasse. Und aufgrund der Temperaturen ist es einfach nicht möglich, mit geschlossenen Fenstern den Schlaf zu suchen.
Den nächsten Tag verbrachte ich hauptsächlich damit, in der Umgebung herumzuwandern, auf der Suche nach einer Metrostation. Einer sicheren Quelle zufolge gibt es nur in den Metrostationen eine PrePaid-Fahrkarte für die öffentlichen Verkehrsmittel. Meinen Reiseführer hatte ich genauso wenig dabei wie eine Strassenkarte auf dem Mobiltelefon. Nach einer Weile folgte ich dem gloriosen Einfall, mal einen Blick zu werfen auf die Karten an den etlichen Busstationen, an denen ich doppelt und dreifach vorbei gelaufen bin. Obschon mich diese Idee wegen schlechten Kartenlesekenntnissen zuerst in die falsche Richtung führte, schaffte ich es doch, die Metrostation zu finden. Diese bot mir die bisher schwerste Aufgabe: die korrekte Fahrkarte zu kaufen. Ob die Aktion erfolgreich war, ist zu bezweifeln.
Die Zeit als Fussgänger brachte mir jedoch noch eine weitere Erkenntnis: dank den breiten Strassen kann man an einer beliebigen Stelle beim Überqueren anhalten, und die Autos können einen umfahren 😉
Theoretsch jedenfalls. Praktisch ist es dank genügend vielen Fussgängerstreifen gar nicht nötig. Die Ampeln an den Fussgängerstreifen bieten ein aus meiner Sicht sehr praktisches Feature: Sie zeigen die Sekunden, die es noch dauert, bis die Ampel wieder rot bzw. grün wird. So kann man kompetent entscheiden, ob man den Sprung noch wagen kann oder nicht. Das grüne Licht besteht aus einem animierten grünen Männchen, das schneller läuft, sobald die Zeit knapp wird. Und gerade in diesen modernen Zeiten hat die angezeigte Zeit die Verantwortung, dem auf sein Handy schauenden Fussgänger mitzuteilen, wie lange er sich noch auf das Wesentliche, sein Smartphone, konzentrieren kann.