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Fixsterne
[* 2] (lat. stellae fixae, d.i. feste, unbewegliche
Sterne), im Gegensatz zu den
Planeten
[* 3] oder
Wandelsternen diejenigen
Sterne, die ihren Ort gegeneinander nicht verändern.
Fixsterne sind bei weitem die meisten uns sichtbaren
Sterne.
Ihre tägliche scheinbare
Bewegung von
Osten nach Westen, vermöge deren sie
auf- und untergehen und über dem Horizont
[* 4] am Himmel
[* 5] teils größere oder kleinere
Bogen,
[* 6] teils ganze
Kreise
[* 7] beschreiben - von denen der vom sog.
Polarstern beschriebene so klein ist, daß dieser
Stern fast ganz stillzustehen scheint -, ist die Folge der täglichen
Bewegung
der Erde um ihre
Achse.
Hätte die Erde nur diese, so würde uns der gestirnte Himmel, an demselben Orte auf der Erde beobachtet, das ganze Jahr hindurch zu gleichen Stunden der Nacht einen gleichen Anblick gewähren, was bekanntlich nicht der Fall ist. Infolge der Bewegung der Erde um die Sonne [* 8] oder des scheinbaren Fortrückens der Sonne unter den Sternen ändert sich der einer bestimmten Nachtstunde entsprechende Anblick des Himmels mit den Jahreszeiten. [* 9] Derselbe Stand der Sterne tritt an jedem Tage 4 Minuten früher als am vorhergehenden ein und trifft nach einem Jahre wieder genau auf dieselbe Nachtstunde.
Auch in den besten und größten
Fernrohren erscheinen die
Fixsterne nicht wie die großen
Planeten als kleine Scheibchen, sondern
als leuchtende Punkte oder vielmehr als Lichtknoten, die sich um so mehr einem Punkte nähern, je vollkommener
das
Fernrohr
[* 10] ist. Es rührt dies her von den ungeheuern Entfernungen, in denen sich die
Fixsterne befinden und die
zu bestimmen erst bei sehr wenigen gelungen ist. (S.
Fixsternparallaxen.) Selbst die nächsten
Sterne, deren Entfernung wir
kennen, sind noch so weit entfernt, daß das Licht
[* 11] mehrere Jahre braucht, um von ihnen zu uns zu gelangen,
obgleich es in 1 Sekunde 300000 km zurücklegt. Wir wissen daher auch nichts Sicheres über die wirklichen
Größen der
Fixsterne, haben
aber triftigen
Grund zu vermuten, daß sie im allgemeinen nicht kleiner als die
Sonne, ja zum
Teil sogar
noch weit größer als diese sind. Die
¶
mehr
Helligkeit eines Fixsterns gestattet noch keinen Schluß auf seine Entfernung, da diese gerade bei vielen der hellsten sich als besonders groß oder auch als überhaupt nicht bestimmbar erwiesen hat, während hingegen einige schwache Sterne uns verhältnismäßig nahe stehen.
Schon in den ältesten Zeiten hat man die
Fixsterne zur bessern Unterscheidung in Sternbilder (s. d.) abgeteilt.
Außerdem haben namentlich die Araber den hellsten Sternen noch besondere Namen beigelegt, von denen viele noch jetzt im Gebrauch
sind; einige Sternnamen rühren auch von den Griechen und Römern her.
Nach ihrer Helligkeit teilt man die
Fixsterne in verschiedene Größenklassen (s. d.) ein. Zur ersten Größe rechnet
man gewöhnlich folgende 19 Sterne: Sirius, Canopus, α Centauri, Arktur, Rigel, Wega, Capella, Procyon, Beteigeuze, Achernar,
Aldebaran, β Centauri, α Crucis, Atair, Spica, Antares, Regulus, Fomalhaut und Pollux, die nach ihrer Größe geordnet sind, sodaß
Sirius der hellste Stern ist. Dem bloßen Auge
[* 13] erscheinen die meisten
Fixsterne weiß, einige wenig rötlich oder
gelblich.
Entschieden weiß sind: Sirius, Spica, Wega;
rot: Aldebaran, Arktur, Antares, Beteigeuze;
gelb: Capella, Procyon und der Polarstern.
Auch bei Anwendung des Fernrohrs sind Weiß, Rot und Gelb die vorherrschenden Farben und treten zuweilen sehr ausgesprochen auf
(s. Granatstern); Blau und Grün finden sich fast nur bei Doppelsternen (s. d.). Ob im Laufe der Jahrhunderte
Veränderungen in der Farbe der
Fixsterne vorkommen, ist nicht sicher entschieden, obwohl der jetzt ausgesprochen weiße Sirius von
den Alten zu den roten Sternen gezählt wurde.
Die Zahl der an der ganzen Himmelskugel für ein unbewaffnetes normales Auge erkennbaren
Fixsterne beträgt etwa 6000 und zwar
wächst die Zahl der Sterne mit der Abnahme ihrer Helligkeit. So giebt es von der 1. Größe 19 Sterne, von der 2. Größe 65,
von der 3. Größe 200 u. s. w., und man kann annehmen, daß jede folgende Größenklasse durchschnittlich dreimal soviel Sterne
enthält als die vorhergehende. Nach ungefährer Schätzung beträgt die Zahl der in den mächtigsten
jetzt existierenden Fernrohren überhaupt sichtbaren
Fixsterne etwa 100 Millionen.
Die Verteilung der
Fixsterne am Himmel ist eine sehr verschiedene; am dichtesten stehen sie innerhalb der Milchstraße (s. d.), deren
Glanz nur von der großen Menge dicht gedrängter Sternchen herrührt. Absolut fest und unbeweglich am
Himmel, wie die
Fixsterne ihrem Namen nach eigentlich sein sollten, sind sie indessen nicht. Abgesehen von den Bahnen, welche die
zu einem wirklichen Doppelstern verbundenen
Fixsterne umeinander beschreiben, zeigen zahlreiche
Fixsterne eine, wenn auch meist
nur äußerst geringe Bewegung, die man als Eigenbewegung (s. d.) der
Fixsterne bezeichnet. Man kann wohl
als sicher annehmen, daß jeder Fixstern eine solche besitzt, wenn auch meist der Betrag derselben so klein sein wird, daß
erst nach einem sehr langen Zeitraum eine meßbare Ortsveränderung zu konstatieren ist.
Weit auffallender als diese kleinen Ortsveränderungen und häufig schon mit freiem Auge wahrnehmbar, sind Änderungen in der Helligkeit einzelner Fixsterne, die teils periodisch sind, d. h. in längern oder kürzern Zeiträumen regelmäßig wiederkehren, teils ganz unregelmäßig erfolgen. Man nennt diese blasse von Fixsterne Veränderliche Sterne (s. d.). Zu ihnen sind auch die neuen oder temporären Sterne zu rechnen, die plötzlich zum Vorschein kommen und dann entweder plötzlich wieder verschwinden oder doch rasch zu einer geringen Helligkeit wieder herabsinken, über das Funkeln s. d.
Hinsichtlich der Natur und Beschaffenheit der Fixsterne hat erst die Spektralanalyse [* 14] gewichtige Anhaltspunkte gegeben. So verschieden auch die Spektren der einzelnen Fixsterne sind, so lassen sie doch mehrere verschiedene Grundformen erkennen (s. Sterntypen und Spektralanalyse), die aber weniger auf eine Verschiedenheit der Bestandteile, d. h. der chem. Elemente hinweisen, aus denen sie zusammengesetzt sind, als vielmehr auf eine Verschiedenheit ihrer Temperatur und ihrer durch diese bedingten Dichte.
Wir können auf Grund der durch die spektralanalytischen Untersuchungen der Fixsterne gewonnenen Resultate annehmen, daß die Fixsterne ihrer Natur und Beschaffenheit nach unserer Sonne nahe stehen und wie diese glühende, von Atmosphären umgebene Massen sind. Die vorherrschenden Bestandteile der Fixsterne sind Wasserstoff, Natrium, Magnesium und Eisen; [* 15] aus einigen der untersuchten Fixsterne müssen aber auch Stoffe vorkommen, die wir auf der Erde nicht kennen. Die verschiedenen Farben der Fixsterne deuten wahrscheinlich auf verschiedene Zustände ihrer Abkühlung hin. (S. auch Sternhaufen, Sternkarten, Sternkataloge.) -
Vgl. Secchi, Die Sterne («Internationale wissenschaftliche Bibliothek», Bd. 34, Lpz. 1878);
Mädler, Der Fixsternhimmel (ebd. 1858).