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Deep Purple glänzten in den Siebzigern mit ihrer Improvisationsfreude. Es lohnt sich also für Musiker und Fans, die historischen Liveaufnahmen zu geniessen. EarMUSIC liefert mit „The Official Deep Purple (Overseas) Live Series“ eine Reihe von zehn digital überarbeitete Konzerten aus der Zeit. Das hier vorgestellte erschien erst 1995 als Platte und ist, wie so oft bei Rock-Koryphäen, bereits in mehreren Versionen zu haben. Diese ist die einzig erhaltene Live-Performance der MKIV-Ära mit Bolin, Coverdale, Hughes, Lord und Paice.
Die Long Beach Arena dürfte eine der bekanntesten Konzertstätten im Rockbereich sein. Deep Purple traten am 27. Februar 1976 während der Come Taste The Band-Tour nach fünf Jahren erneut dort auf. Die Mitschnitte hätten im Rahmen der „King Biscuit Flower Hour“ des D.I.R. Radio Networks durchs Äther gehen sollen. Prompt trat Murphys-Gesetz in Kraft. Die in der Arena entstandenen Aufnahmen enthielten zum Teil ein Summen in Bolins Spuren. Das Radioteam startete ein zweiter Versuch in Springfield, bevor es mit dem Material auf Sendung ging. Die drei Bonus-Lieder sind das Ergebnis dieses „Liftings“. Laut Zeitzeugen war der Long Beach-Auftritt der beste der zwei [Quelle: Concertvault].
Nach Ritchie Blackmores Ausstieg war die Rede davon, der Name Deep Purple zugunsten eines anderen abzulegen. Das Management sah wohl die Gefahr darin, dass dieser Entscheid sich auf die Verkaufszahlen negativ ausgewirkt hätte. Es lehnte den Vorschlag ab. Die Interpretation der alten Klassiker erweckt tatsächlich den Eindruck, dass die Formation die Aura des Heavy Metal Vorreiters abgestreift hatte. Sie mochte nicht mehr in die Form der historischen MKII-Zusammensetzung passen. Insbesondere der Soulman Coverdale und der Fusion-Musiker Bolin schienen eine andere, eine eigene Umgebung zu brauchen, um aufzugehen. Sie fühlten sich bei Liedern wie „Getting Tighter“ oder „Homeward Strut“ hörbar wohler. Wir werden nie erfahren, wie es weitergegangen wäre, hätten sich Deep Purple unbenannt und quasi von vorne neu angefangen.
Das Digipak aus Pappe ist chic verarbeitet, enthält ein Booklet mit Bildern der einzelnen Musiker und einen mehrseitigen Artikel des Kerrang! Gründers Geoff Barton. Erwirbt jemand die ganze Serie und reiht sie dann sauber auf, wird er auf ihrem Rücken den Schriftzug „Deep Purple On Tour“ bestaunen können. Statt separate Fächer zu belegen, stecken die zwei Disketten etwas gewöhnungsbedürftig aufeinandergestapelt. Das verspricht Jonglierübungen beim Einlegen ins Abspielgerät.
Die Aufnahmen entstanden direkt ab Mischpult, sind ungeschnitten und behalten so den lebendigen Live-Charakter. Die Soundqualität ist angenehm und die Instrumente sind gut auseinander zu halten. Vor allem das Schlagzeug sticht hervor.
Wie bereits erwähnt, das vorgestellte Material ist weder unveröffentlicht noch neu. Wer sich mit der Phase vor der Auflösung befassen möchte, bekommt dennoch ein wertvolles Tondokument von einer der besten Live-Bands, die aus hervorragenden Musikern bestand.
Trackliste CD 1 – DEEP PURPLE – Live In Long Beach 1976
- Intro
- Burn
- Lady Luck
- Getting Tighter
- Love Child
- Smoke On The Water/Georgia On My Mind
- Lazy
- Howard Strut
Trackliste CD 2 – DEEP PURPLE – Live In Long Beach 1976
- This Time Around
- Owed To G
- Guitar Solo Tommy Bolin
- Stormbringer
- Highway Star
- Bonus (Live in Springfield 1976):
- Smoke On The Water/Georgia On My Mind
- Going Down
- Highway Star