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Es war einmal einmal ein kleines Mädchen. Dieses wuchs in einem kleinen Dorf, inmitten eines kleinen Landes auf. Jedes Jahr kurz vor Weihnachten besuchte das Mädchen mit seiner Patentante das Theater in der grossen Stadt. Die verschiedenen Märchen welche dort jeweils aufgeführt wurden, liessen die Kleine träumen und die Welt um sie herum vergessen.
Wir befinden uns mittlerweile in der teuersten Stadt der Welt. Der Löwenstadt (Löwe=Singha, Stadt=Pura), ein Stadtstaat mit ca. 5,5 Millionen Einwohnern. Genau wie die Schweiz verfügt Singapur über vier Amtssprachen: Chinesisch, Malaiisch, Tamil und Englisch. Als wir im Bus unterwegs sind und den verschiedenen Telefonaten lauschen, fallen uns einige englische Ausdrücke auf. Tatsächlich gesellt sich unter die vier Sprachen eine weitere hinzu. Singlish, eine Version der englischen Sprache gespickt mit Wörtern aller Amtssprachen. Der Mix der unterschiedlichen Kulturen ist also nicht bloss auf dem Teller ersichtlich. Das Leben in oder mit verschiedenen Ethnien und Religionen scheint hier wunderbar zu funktionieren. Die Rechtspolitik leistet wohl ihr Übriges, denn die Gesetze in Singapur sind äusserst streng. Trinkt oder isst man in der Metro, kann das gut und gerne mal S$500 kosten (entspricht ca. 360.-). Kann aufs Rauchen in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht verzichtet werden, kostet dies S$1000. Die Einfuhr von Kaugummi ist verboten, ausser wenn medizinisch notwendig (zum Glück hat Simon den letzten Kaugummi vor der malaiisch/singapurischen Grenze verputzt). In der Praxis scheint die Sache jedoch etwas weniger streng zu sein, als Abschreckung funktionieren die Gesetze aber allemal.
Den ersten Abend lassen wir mit der Fahrt im 2. grössten Riesenrad der Welt ausklingen. Nach einem Abendspaziergang rund um die Marina Bay und über die Helix-Brücke, deren Architektur übrigens an die menschliche DNA angelehnt ist, entscheiden wir uns spontan für eine halbstündige Auszeit im Singapore Flyer. Und es lohnt sich. Nicht nur, dass wir eine Kapsel (oder Gondel oder wie heisst das bei einem Riesenrad??) für uns alleine haben, uns liegt die Stadt förmlich zu Füssen. Die Aussicht auf die Skyline bei Nacht ist einfach sagenhaft.
In den Tagen besuchen wir unter anderem das arabische Viertel. Der Geruch der zum Verkauf stehenden Teppiche steigt uns urplötzlich in die Nase. Arabischer Pop hallt aus irgendeinem Kaffee. Shishas werden für den Abend bereitgestellt. Ein Blick zurück zeigt uns die Sultan Moschee mit der goldenen Kuppe. Einige Minuten später stehen wir vor einem Hindu Tempel. Die Frauen tragen nicht mehr Burkas, hier sind eher bunte Saris angesagt. Ebenso farbig sind die Häuser oder die Gerüche. Zimt, Nelken oder Kardamom lösen den Geruch der modrigen Teppiche ab. Singapur überrascht uns. Positiv. Es ist nicht die Grösse der Wolkenkratzer oder Parks die uns in erster Linie beeindruckt. Vielmehr, oder besser einmal mehr, sind es die Menschen. Zuvorkommend und hilfsbereit sind sie, die Singapurer. Obendrein wahnsinnig neugierig.
Pünktlich zum Sonnenuntergang besuchen wir die „Gardens by the Bay“. Ein gigantischer, auf künstlichem Land angelegter Park. Beeindruckt von der gewaltigen Grösse der Gärten und Vielfalt der Pflanzen, verpassen wir jedoch wie sich die Sonne schlafen legt. Wir sind einfach zu abgelenkt. Inmitten des Parks steht eine kleine Bühne auf der talentierte Hobbyschauspieler eine futuristische Version des Märchens Aschenputtel vorspielen. Die gute Fee wird kurzerhand durch einen weiblichen Roboter ersetzt, statt glizernde Kleider tragen die Stiefschwestern galaktische LED-Fummel am Ball. Im Anschluss an das Märchen folgt eine Lichtershow begleitet von Filmmusik. Wie eine riesengrosse Familie sitzen grosse, kleine, dicke, dünne, gesunde, kranke, reiche und arme Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern zusammen und betrachten die Show gespannt.
Und jetzt, 20 Jahre später, fühle ich mich wie ebendieses kleine Mädchen. Aufgewachsen in einem kleinen Dorf, sitze ich nun auf dem Boden einer wahnsinnig grossen Stadt. Vergesse die Welt um mich herum und träume..