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Hunter S. Thompson (1937-2005) hatte den Finger immer hart am Drücker, bis zuletzt, als er sich am 20. Februar 2005 an seinem Schreibtisch die letzte Kugel in den Kopf schoss. «It never got weird enough for me», meinte er einmal, und dass ihm nichts abseitig genug war, liess Thompsons Witwe auch auf seinen Grabstein meisseln. Thompsons wildes Leben dokumentiert «Gonzo», ein grosszügiger Fotoband, der diverse Aktivitäten abbildet, die das Schreiben dieses Enfant terrible befeuerten: den Umgang mit Schusswaffen und Drogen, Sport, Sport, Sport, die US Air Force, das Herumhängen mit den Hell’s Angels, endlose Reisen, aber auch Stationen wie Kentucky, Big Sur, Woody Creek ... Als Augenweide aufgemacht, mit eingestreuten Zitaten aus Thompsons Werk, Farbfotos, Faksimiles und einer Einleitung von Johnny Depp ist eine authentische Hommage an den Erfinder des Gonzo-Stils gelungen.
Der Gonzo-Stil war Thompsons persönliche Abart des New Journalism; er integriert frei die subjektiven Entstehungsbedingungen einer Reportage in dieselbe, Gedankenblitze, rhetorische Ausfälle, Eskapaden, er schildert in allen Farben, mündet in boshaft verzerrtes Gelächter, ist kämpferisch, teilt blitzschnelle Seitenhiebe aus, nimmt Angriffe vorweg, schlägt frontal zu. Dem Gonzo-Stil kann man sich auch mit «Die grosse Haifischjagd», der jüngsten Sammlung von Thompsons Reportagen aus «Rolling Stone» oder «Playboy» ausliefern. Wer die Schreibe dieses im wahrsten Sinn des Wortes rasenden Reporters mag oder auch nur den Streifen «Fear and Loathing in Las Vegas» (1998) mit Johnny Depp in der Hauptrolle goutiert, kommt mit «Gonzo» auf seine Rechnung.