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Am 8. März 2014 verschwand Flug MH370 der Malaysia Airlines vom Radar. Seither fehlt jede Spur von der Boeing 777. Die Suche vor der Küste Australiens soll vorerst bis Mai weitergehen.
Martin Dolan bezeichnet sich selbst als Pessimist. Der Leiter der australischen Verkehrssicherheitsbehörde (ATSB) ist dennoch «vorsichtig optimistisch», dass die verschwundene Boeing 777 der Malaysia Airlines gefunden wird, sofern sie sich im vermuteten Absturzgebiet vor der Westküste Australiens befindet. «Wenn das Flugzeug da draussen liegt, dann finden wir es», betonte Dolan gegenüber der Nachrichtenagentur AP.
Nicht alle teilen diese Zuversicht, denn ein Jahr nach dem Verschwinden fehlt nach wie vor jede Spur von Flug MH370. Experten sprechen vom «grössten Rätsel der Luftfahrtgeschichte». Am 8. März 2014 um 0.41 Uhr war Flug MH370 der Malaysia Airlines in Kuala Lumpur Richtung Peking gestartet. Nach 40 Minuten verschwand die Maschine vom zivilen Radar, 239 Menschen waren an Bord. Die letzte Erfassung durch ein Militärradar erfolgt um 2.22 Uhr.
Nach der Auswertung von Satellitendaten gehen Experten davon aus, dass die Boeing noch rund sieben Stunden Richtung Süden flog. Rund 2000 Kilometer westlich der Stadt Perth sei sie in den Indischen Ozean gestürzt. Wie es dazu kam, ist Gegenstand von Spekulationen. Im Vordergrund steht die Vermutung, es habe einen Unfall an Bord gegeben, möglicherweise ein Feuer. Die Maschine sei danach per Autopilot weitergeflogen, bis die Tanks leer waren.
Die Suche wird von den Australiern koordiniert. Sie haben das mutmassliche Absturzgebiet auf eine «prioritäre Zone» von rund 60'000 Quadratkilometer eingegrenzt. Das entspricht etwa der eineinhalbfachen Grösse der Schweiz. Vier Schiffe mit jeweils 30-köpfiger Besatzung durchsuchen die Zone. Drei der Schiffe sind mit Sonargeräten vom Typ Towfish ausgerüstet, die sie hinter sich herziehen und die auf dem Meeresgrund Trümmer orten sollen.
Seit Anfang Februar ist das vierte Schiff namens «Fugro Supporter» im Einsatz. Es hat ein unbemanntes U-Boot an Bord, das leichter durch felsige und unebene Stellen in der Meerestiefe gesteuert werden und Regionen abtasten kann, bei denen die Sonargeräte an ihre Grenzen stossen. Die auf rund 90 Millionen Franken budgetierten Kosten der Suche werden zu gleichen Teilen von Australien und Malaysia getragen.
Bislang konnten rund 40 Prozent des Suchgebiets gescannt werden, ohne Erfolg. Die ATSB will die Suche bis Mai abschliessen, wenn der Südwinter beginnt. Bleibt die Maschine weiterhin verschwunden, stellt sich die Frage, was danach geschehen soll. Der australische Verkehrsminister Warren Truss hat in einem Interview angetönt, dass die Suche eingestellt werden könnte.
Premierminister Tony Abbott wollte am Donnerstag im Parlament in Canberra nicht so weit gehen. Er deutete jedoch an, dass die Bemühungen reduziert werden könnten: «Ich kann nicht versprechen, dass die Suche mit dieser Intensität ewig weitergehen wird, doch wir werden unser Bestes tun, um das Geheimnis zu lüften und einige Antworten zu liefern», sagte Abbott gemäss BBC an die Adresse der Familien der 239 vermissten Insassen.
Je länger das Rätsel ungelöst bleibt, umso mehr blühen die Mutmassungen zum Verschwinden von MH370. Neben abstrusen Verschwörungsfantasien gibt es auch ernsthaftere Versionen. Stark beachtet wurde zuletzt die Theorie des britischen Piloten Simon Hardy. Er kam nach einer intensiven Analyse der Daten zum Schluss, dass der 52-jährige Flugkapitän Zaharie Shah Suizid begangen und die übrigen Menschen mit sich in den Tod genommen hat.
Anhaltspunkt ist für Hardy der rätselhafte Zickzackkurs von Flug MH370 nach dem Verschwinden von den Radarschirmen, ehe die Maschine Richtung Süden flog. Hardys Erklärung: Das Manöver sei ein «letzter emotionaler Abschied» von Pilot Shah von der Insel Penang gewesen, wo er geboren wurde. Danach habe er die Maschine nach Süden gesteuert und auf dem Wasser gelandet, weshalb keine Trümmerteile gefunden worden seien, so die Theorie von Simon Hardy.
Neu ist die Selbstmordthese nicht. Zaharie Shah hätte demnach eine Sauerstoffmaske aufgesetzt und den Druck in der Kabine abgesenkt, wodurch Passagiere und Crew bewusstlos wurden. Bloss: Es gibt kein Motiv für einen Suizid. «Ich finde die Theorie eher schwach», meint Jörg Schlüter, der am Raumfahrtinstitut der Nanyang-Universität in Singapur lehrt. «Warum sollte er so weit fliegen, warum hat er die Maschine dann nicht gleich zum Absturz gebracht?»
Eine weitere, oft diskutierte Vermutung besagt, die Satellitendaten seien falsch interpretiert worden, die Maschine sei in Wirklichkeit nach Norden geflogen, etwa nach Kasachstan. Sie könnte demnach entführt worden sein. Nur: Kann eine Boeing 777 wirklich ein Jahr lang unentdeckt bleiben? Und auch in diesem Fall stellt sich die Frage nach dem Motiv.
So lange Flug MH370 verschwunden bleibt, so lange werden Mutmassungen ins Kraut schiessen. ATSB-Chef Martin Dolan ist gewillt, das «grössten Rätsel der Luftfahrtgeschichte» zu lösen, wie er gegenüber dem US-Fernsehsender CNN betonte: «Wir haben nicht aufgegeben. Ganz im Gegenteil.»
Mit Agenturmaterial