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Das musst du wissen
- Muscheln, Austern und Seetang könnten die Lebensmittel der Zukunft sein.
- Seegräser und Weichtiere regenerieren nebenbei das maritime Ökosystem: sie absorbieren Phosphor, Stickstoff und CO2.
- Neuartige Aquafarmen könnten Kernelemente einer aquatischen Landwirtschaft in den Meeren sein.
Gross angelegte Landwirtschaft zerstört immer mehr Ökosysteme und trägt mit den damit verbundenen Treibhausgas-Emissionen zum Klimawandel bei. Derweil stösst in den Meeren auch der Fischfang an seine ökologischen Grenzen. «Als Fischer habe ich es selbst erlebt, wie wir hochmoderne Technologie dazu nutzten, die immer weniger werdenden Fische immer tiefer in den Ozean zu treiben», sagt der Kanadier Bren Smith. Deshalb ist er überzeugt: die Zukunft liegt nicht in der Fischerei, sondern in Aquakulturen. Die Ozeane könnten die Landwirtschaft ersetzen.
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Als in den Neunzigerjahren die Kabeljau-Bestände im Nord-Atlantik kollabierten, erkannte Smith, dass sein Beruf in einem herkömmlichen Sinne nur noch wenig Zukunft hatte. Also versuchte sich der Seemann zunächst mit traditioneller Austernzucht, mit Käfigen am Meeresboden. Doch die Hurrikane Irene und Sandy zerstörten 2011 und 2012 bis zu 90 Prozent seiner Ernten und zeigten Smith, dass die alten Methoden überholungsbedürftig waren.
In seiner Suche nach besseren Ideen für widerstandsfähige Unterwasser-Zucht stiess Bren Smith auf die Arbeit des Meeresforschers Charles Yarish von der Universität Connecticut. Yarish betont bereits seit Jahrzehnten, dass Weichtiere wie Muscheln und Austern, aber auch Seetang nicht nur die Lebensmittel der Zukunft sein werden, sondern auch zur Regeneration der Weltmeere beitragen können.
So entstand nach und nach das Konzept des sogenannten 3D-Ocean Farming. Smith betont die Dreidimensionalität, um damit zu beschreiben, wie veraltet die herkömmliche Idee ist, Fisch und Schalentiere entweder breit angelegt an der Meeresoberfläche oder auf ähnlich fast nur zweidimensionalen Flächen am Boden zu züchten. «Wir müssen auch den Raum dazwischen nutzen», sagt er. So entwickelte Smith ein System aus horizontalen Tauen an der Oberfläche, die mit sturmfesten Bojen und Plattformen verbunden sind. Von dort führen dann vertikale Taue zu Käfigen am Meeresboden, in denen Austern und Venus-Muscheln gezüchtet werden. An den vertikalen Tauen wächst der Seetang, vor allem Kelp, zudem hängen an ihnen zusätzliche Socken, an denen Miesmuscheln Halt finden. Andere Bojen ankern vertikale Käfige für Jakobs-Muscheln.
Dieses Konstrukt kann nicht nur Hurrikanen standhalten, es nimmt wegen seiner vertikalen Ausrichtung auch wesentlich weniger Platz ein als herkömmliche Aquafarmen. Auf weniger als einem halben Hektar kann Smith nach eigenen Angaben in fünf Monaten mehr als eine Viertelmillion Schalentiere und 10 bis 30 Tonnen Kelp produzieren: «Wenn wir nur sechs Prozent der Fläche der Weltmeere mit unseren Farmen ausstatten würden, könnten wir damit die Menschheit ernähren und den gesamten Kohlenstoff-Ausstoss neutralisieren», behauptet Smith.
«Wir brauchen keinen Dünger, wir brauchen keine Antibiotika, wir brauchen keine Pestizide.» Die Farmen benötigten nur das Meer und die Sonne. Die Gräser und Weichtiere regenerieren nebenbei das maritime Ökosystem. Sie absorbieren Stickstoff und Phosphor, zwei der Hauptverursacher für das Meeressterben, ausserdem vor allem Kohlendioxid – verantwortlich für die Übersäuerung des Meereswassers und globale Erwärmung. Seetang-Gebiete können pro Hektar mehr als zehnmal soviel Kohlenstoff absorbieren wie ein ebenso grosses Gebiet eines Regenwaldes. Und auch die Muscheln und Austern sind regelrechte natürliche Kläranlagen.
Smith denkt, dass die unerschlossenen Ozeane so der Menschheit eine zweite Chance bieten, ein besseres Landwirtschafts- und Ernährungssystem zu erschaffen. In Zusammenarbeit mit der Organisation Surfrider hat er nun ein Manifest für einen New Blue Deal entwickelt. Dieser soll mehr Arbeitsplätze im maritimen Umweltschutz schaffen, umweltfreundliche Energiequellen vor der Küste erschliessen und nachhaltigen Meeres-Tourismus fördern.