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Im Blogeintrag vom 28. April 2020 haben wir etwas über die Führungsausbildung und einschlägige Schulungsunterlagen der Schweizer Armee erfahren. Als einfacher Soldat kam ich damit nicht in Kontakt. Affin zu fernöstlichen Kulturen habe ich jedoch irgendwann das chinesische Pendant entdeckt.
Das Dokument ist gut 2’000 Jahre älter und hat auch einen weniger förmlichen Namen als die Schweizer Version. Es ist weltweit bekannt und längst ein Klassiker: «Die Kunst des Krieges», in Pinyin «Sunzi bingfa».
Es ist ein dünnes Büchlein mit einer Sammlung von Axiomen und Maximen. Langatmige Texte und Ausführungen sucht man darin vergebens. Vielmehr muss die Leserschaft interpretieren, wobei diejenigen grosse Vorteile haben, die sich bereits mit dem «Daodejing» befasst haben. Es ist eng verknüpft mit der Philosophie und der Weltanschauung des Daoismus. Trotz des eindeutigen Bezuges zu kriegerischen Handlungen lassen sich die Lehren daraus auf jede Art von Konflikt und Wettbewerb oder Alltagssituationen übertragen. In der Knappheit seiner Aussagen, in der Reduktion auf deren pure Essenz, entfaltet sich die schier unerschöpfliche Anwendbarkeit des Sunzi.
In Sunzi’s Philosophie besteht die höchste Wirksamkeit von Wissen und Strategie darin, einen Konflikt gänzlich unnötig zu machen. Die beste Form der Kriegsführung ist die Vermeidung der Kriegsführung. Eine alte chinesische Geschichte bringt dieses Prinzip gut auf den Punkt:
Ein Fürst des frühen China fragte einmal seinen Arzt, der aus einer Heilerfamilie stammte, welcher von ihnen in der Heilkunst am meisten bewandert wäre. Der Arzt, dessen Ruf so gut war, dass sein Name gleichbedeutend mit der Heilkunst in China war, antwortete: «Mein ältester Bruder sieht den Geist der Krankheit und entfernt ihn, bevor er Gestalt annimmt, daher dringt sein Name nicht über das Haus hinaus. Mein älterer Bruder heilt Krankheiten, wenn sie noch kaum in Erscheinung treten, daher dringt sein Name nicht über die Nachbarschaft hinaus. Was mich betrifft, so punktiere ich Venen, verschreibe Arzneien und rasiere die Haut, daher dringt mein Name manchmal bis in die Ferne und an die Ohren der Herrscher».
Dazu zwei Zitate von «Meister Sun»:
In alten Zeiten waren diejenigen als geschickte Krieger bekannt, die siegten, solange der Sieg leicht zu erringen war.
…
Daher bringen den vortrefflichen Kriegern ihre Siege weder Ruhm für ihre Klugheit noch Verdienste für ihren Mut ein. Daher sind ihre Siege in der Schlacht kein Zufall, weil sie dort Stellung beziehen, wo sie mit Sicherheit siegen werden. So gewinnen sie Oberhand über jene, die bereits verloren haben.
Siehe auch den Blogbeitrag Taktische Führung
(Markus Krütli)