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L-Arginin ist eine Aminosäure, die wir täglich mit der Nahrung zu uns nehmen. Nüsse, Fische und Soja sind besonders reich an Arginin-haltigen Proteinen. Mit der üblichen Kost nehmen wir ungefähr 4 bis 5 Gramm L-Arginine pro Tag zu uns. Gesunde Menschen können L-Arginin auch in ausreichenden Mengen selber herstellen bzw. aus dem Abbau von Körperproteinen gewinnen. In bestimmten Lebenssituationen wie z.B. frühkindlichem Wachstum, beim Auftreten von Infektionen und Entzündungen oder auch bei Störungen der Verdauungs- und der Nierenfunktion ist die körpereigene Arginin-Bildung jedoch unzureichend. Deshalb wird Arginin auch als semi-essentielle Aminosäure bezeichnet.
Vasoaktive Wirkung
L-Arginine ist im Körper an vielfältigen Stoffwechselprozessen beteiligt. Eine besonders wichtige Funktion ist sicherlich, dass L-Arginin zur Bildung von Stickstoffmonoxid (NO) genutzt wird. Die Bildung von NO kann jedoch nur erfolgen, wenn der Körper ausreichend mit Vitamin B6, Folsäure und Vitamin B12 versorgt ist. NO ist ein gasförmiges Radikal mit Signalwirkung. Über verschiedene Reaktionsschritte bewirkt es eine Weitstellung der Gefässe und führt somit zu einer Blutdrucksenkung. NO schützt aber auch das Endothel (Gefässinnenwand), indes es die Anheftung von Trhombozyten und Monozyten hemmt. Auch wird durch NO der vaskuläre oxidative Stress reduziert.
Blutdruck und Endothelfunktion
Durch eine Supplementierung mit L-Arginin kann die NO-Verfügbarkeit erhöht sowie die Endothelefunktion verbessert und der Blutdruck gesenkt werden.
Bei Dosierungen zwischen 4 und 24 g (mittlere Dosis 9 g), verabreicht über durchschnittlich 4 Wochen, senkt L-Arginin den systolischen Blutdruck um 2 bis 5 mm Hg und den diastolischen Druck um rund 3 mm Hg. Diese Arginin-Dosierungen verbessern auch die Endothelfunkion. Das zugeführte L-Arginine ist besonders dann wirksam, wenn die Personen eine niedrige Plasma-Arginin-Konzentration aufweisen bzw. einen erhöhten ADMA-Spiegel (asymmetrisches Dimethylarginin) haben. ADMA ist ein Gegenspieler von L-Arginin und hemmt die NO-Bildung. Eine neuere Studie zeigt, dass auch eine deutlich niedrigere tägliche L-Arginin-Dosierung (2.4 g) diese Wirkung haben kann, wenn L-Arginine mit B-Vitaminen (3 mg Vit B6, 400 µ Folsäure, 2 µ Vit B12) kombiniert wird. Durch die Gabe der B-Vitamine wurde auch der Homocystein-Spiegel gesenkt. Ein erhöhter Homocystein-Spiegel gilt als weiterer Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Adipositat, Insulinresistenz und Diabetes
L-Arginin hat möglicherweise auch positive Wirkungen auf die Körperzusammensetzung und die Insulinsensitivität. L-Arginine schein zwar nicht das Körpergewicht zu reduzieren, vermindert aber die Fettmasse und erhöht die Muskelmasse. Auch wurden die Insulinsensitivität verbessert und Entzündungsparameter vermindert. Bisher wurde diese Wirkung jedoch nur in wenigen Studien untersucht. Der Wirkmechanismus ist ebenfalls noch nicht geklärt. Möglicherweise spielt die gesteigerte Freisetzung von Hormonen (z.B. Wachstumshormone) eine Rolle. Auch die immunmodulierende Wirkung von L-Arginine könnte von Bedeutung sein.
Weitere Indikationen
Aufgrund der gefässerweiternden Wirkung wird L-Arginin auch als „orthomolekulares Viagra“ bezeichnet. Es gibt jedoch nur wenige Daten, die diese Wirkung von L-Arginin, meist in Kombination mit Pinienrindenextrakt verabreicht, belegen. Leistungssteigernde Effekte in Kombination mit Koffein oder Kreatin konnten bisher nicht gezeigt werden. Diskutiert wird die Gabe von Arginin ebenfalls bei Schwangeren mit Präeklampsie oder Eklampsie (Schwangerschaftsbluthochdruck). L-Arginine wird aber auch bei kritisch-kranken Patienten, insbesondere bei Trauma-Patienten, eingesetzt. Patienten mit einer stark immunsupprimierten, entzündlichen und katabolen Stoffwechsellage profitieren besonders von einer L-Arginin Supplementierung.
Empfehlungen
L-Arginine (2.5 bis 5 g pro Tag) kann die Endothelfunktion verbessern und den Blutdruck senken. Diese Wirkung ist ein den Personen zu erwarten, die niedrige Arginin-Spiegel aufweisen bzw. einen erhöhten ADMA-Spiegel haben. Die Wirksamkeit bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Adipositas, Diabetes und bei erektiler Dysfunktion ist weniger gut belegt. Die Arginin Einnahme sollte über den Tag verteilt werden. Eine begleitende Supplementierung mit B-Vitaminen scheint sinnvoll. Auch sollte man beachten, dass NO im Übermass zellschädigend sein kann und zu nitrosativem Stress führt. Eine zeitliche Befristung der Arginin-Supplementierung und eine gleichzeitige Gabe von Mischtocopherolen und Vitamin C können das Risiko von nitrosativem Stress reduzieren.
Stoffwechselprozesse, an denen L-Arginin beteiligt ist
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