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Lassen Sie mich hier anfangen: Kleine Mädchen wissen noch nicht, dass Computer angeblich nichts für sie sind. Sie sind präzise Menschen, sie können sich gut konzentrieren, sind extrem gut mit Geschichten, erzählen von sich, fragen sich, was wohl wäre, wenn, und sie – eben, sie wissen noch nicht, dass Computer angeblich nichts für sie sind. Die Eltern allerdings wissen es. Die Eltern sehen das Programmieren als eine Art esoterische Wissenschaft – voller Mysterien, für das Alltagsleben in etwa so relevant wie Kernphysik. Sie haben ja auch recht: Es gibt vieles, was man wissen müsste über Syntax, Kontrollflüsse, Datenstrukturen, Algorithmen, Protokolle, Muster oder Anwendungen.
Entsprechend hatte ich kein Interesse an Computern, als ich zur Schule ging. Stattdessen malte ich mir immer neue Phantasiewelten aus, konjugierte unregelmässige französische Verben, strickte Socken und studierte die Philosophie von Bertrand Russell. Und ich fand tatsächlich immer mehr, dass die Computerwelt einsam, langweilig und mechanisch sein musste.
Wir bauen immer kleinere Computer. Wir legen Schicht für Schicht der Abstraktion zwischen Mensch und Maschine. Kindern bringen wir Biologie bei, erklären ihnen Verbrennungsmotoren oder wie man Astronaut wird. Fragen sie jedoch: «Linda, ist das Internet ein Ort?», Oder: «Was ist ein Bubblesort-Algorithmus?», oder: «Wie weiss der Computer, was er tun muss, wenn ich bei YouTube auf ‹play› klicke?» – dann werden wir stumm. «Es muss Magie sein», sagen die einen. «Zu kompliziert», sagen andere.
Es ist aber weder noch. Es geht nur ausserordentlich schnell vor sich. Computerwissenschafter haben diese wunderschönen, erstaunlichen Maschinen für uns gebaut, aber sie haben sie auch so gebaut, dass sie uns fremd sind. Uns ist auch die Sprache fremd, die sie sprechen. Niemand erklärte mir, dass man sich mit dem Üben irregulärer französischer Verben auch in Mustererkennung schult, dass es beim Stricken darum geht, eine Sequenz symbolischer Befehle voller Löcher auszuführen, und dass Russells Suche nach einer idealen Sprache zwischen Englisch und Mathematik im Innern von Computern ihre Erlösung findet. Ich hatte das Denken einer Programmiererin. Es war mir nur nicht bewusst.
Die heutigen Kinder wischen, zoomen und tippen sich durch die Welt, aber wenn ihnen niemand beibringt, mit Computern etwas zu bauen, bleiben sie Konsumenten, statt Gestalter zu werden. Falls JavaScript die Lingua franca der nächsten Generation ist, sollten wir ihnen deren Poesie näherbringen, nicht die Grammatik unterrichten. Wenn wir es schaffen, bei Kindern eine neue Vorstellung davon zu wecken, was alles möglich ist, kann das die ganze Welt verändern. Disruption beginnt nicht mit Technologie. Sie beginnt mit Menschen, die eine Idee haben.
Stellen Sie sich einmal vor, in unseren Stories über Erfindungen kämen nicht immer nur Mittzwanziger aus dem Silicon Valley vor, sondern auch Schulmädchen aus Kenia oder norwegische Bibliothekare. Stellen Sie sich vor, es gäbe rundherum kleine Ada Lovelaces, die in einer Welt voller Nullen und Einsen leben und die genau Bescheid wissen über die Macht, die Möglichkeiten und die Grenzen von Technik. Stellen Sie sich vor, dass die Tech-Welt launisch ist, wunderbar und ein wenig seltsam. Eine Welt, wie ich sie mir als Kind erträumte: man wacht am Morgen im Mumintal auf, streicht tagsüber durch die Wüstenplaneten von «Star Wars» und geht in Narnia zu Bett. Es ist nämlich so: für jemanden, der Phantasiewelten und Geschichten liebt, ist Programmieren der perfekte Beruf. Statt Geschichten erfinde ich ganze Welten aus Computercode. Er gibt…