Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03107.jsonl.gz/1789

Es würde uns viel zu weit führen, alle die zahllosen Handelssorten hier zu besprechen, um so mehr, als eine wirklich charakterisirende Beschreibung unmöglich sein dürfte;
wir begnügen uns, nur die wichtigsten Sorten zu nennen.
Von den grünen sind dies hauptsächlich Haysanthee, zu diesem gehören noch Junghaysan, ferner Imperial- oder Kaiserthee, von den Engländern Gunpowder genannt, Tonkay etc. Von den schwarzen Sorten, die in Deutschland fast allein gebräuchlich sind, nennen wir Pecco (die feinste Sorte mit vielen weissen Spitzchen, Peccoblüthenthee), Souchong, Congo.
Die abgesiebten Bruchstücke der Blätter kommen als Grusthee in den Handel.
Die letzten Abfälle werden mit Blut zusammengeknetet, in Ziegel geformt und getrocknet.
Dieser sog. Ziegelthee geht sämmtlich nach Mittelasien, wo er mit Milch und Talg genossen wird.
Auch als Scheidemünze wird er dort benutzt.
Russland importirte früher über Kiachta und Nischney Nowgorod, quer durch Centralasien, bedeutende Mengen sehr feinen Thees, welcher als Karawanenthee hochgeschätzt war.
Heute importirt auch Russland die grösste Menge seines Konsums zu Wasser. Da der Thee durch langen Seetransport etwas an Güte verlieren soll, benutzte man von jeher die schnellsten Schiffe dazu, früher eigens dazu gebaute Klipper, heute fast ausschliesslich Dampfschiffe, und zwar, um den Weg zu kürzen, durch den Suezkanal.
Bestandtheile. Thein bis zu 3 %, ein Alkaloid, dem Kaffein ähnlich;
ferner ätherisches Oel bis zu 3 %, Gerbsäure.
Anwendung. Der Thee dient vor Allem als Genussmittel, er wirkt belebend, die Gehirn- und Nerventhätigkeit anregend, mild erwärmend.
Nur im Uebermaße genommen, wirkt er erschlaffend, namentlich störend auf die Magennerven.
Ebenso ist ein zu langes Ziehen zu vermeiden, da er dann noch aufregender als sonst wirkt.
Die richtigste Bereitung des Thee's möchte wohl die russische sein, bei welcher die Blätter mit wenig siedendem Wasser gebrüht, dann das so entstandene Extrakt erst im Trinkgefäss mit der nöthigen Menge siedenden Wassers verdünnt wird.
Thee ist ungemein empfindlich gegen äussere Einflüsse;
er ist vor Licht, namentlich aber vor Feuchtigkeit, durch welche er sehr leicht muffig wird, zu schützen;
auch fremde Gerüche zieht er sehr leicht an, ist deshalb für den Detailverkauf in Glas- oder Blechgefässen, oder wenigstens in mit Blei- oder Zinnfolie ausgelegten, gut schliessenden Kisten aufzubewahren.
Auch soll man ihn nicht mit stark riechenden Gegenständen in ein und demselben Schrank aufbewahren.
Verfälschungen. Der Thee soll sowohl in China, wie namentlich in England sehr vielfach mit anderen Blättern vermengt werden. Es sollen hierzu die Blätter von Weidenarten, von Epilobium roseum, ¶
Cerasus mahaleb, Prunus spinosa, verwandt werden.
Durch Aufweichen in Wasser und Ausbreiten der Blätter auf weissem Papier erkennt man diese Zumengungen in Folge ihrer von den Theeblättern abweichenden Form.
Schlimmer als diese Verfälschungen ist die in England, wie man sagt, in grossem Maßstabe betriebene Praxis, gebrauchte Theeblätter wieder frisch zu bearbeiten.
Hier können natürlich nur Geruch und Geschmack Anhaltspunkte geben.
Grüne Thees sollen auch vielfach aufgefärbt werden, indem man ihnen grüne Farbenmischungen beimengt.
Schütteln mit kaltem Wasser und Absetzenlassen der Flüssigkeit geben hier Auskunft.
Fólia tóxicodéndri oder F. rhóis tóxicodéndri. **
Giftsumachblätter.
Diese von Rhus toxicodendron und Rhus radicans abstammenden Blätter sind heute so gut wie obsolet.
Nur in der Homöopathie spielen sie noch eine Rolle.
Sie sind sehr giftig, wenigstens im frischen Zustände, wo sie selbst beim Pflücken schon Entzündungen der Haut hervorrufen.
Das eigentlich giftige Prinzip ist noch unerforscht.
Fólia trifólii fibrini oder menyántis trifoliátae.
Bitterklee, Fieberklee, Dreiblatt, Wasserklee.
Menyánthes trifoliáta.
Gentianéae. Nord- und Mitteleuropa, auf Sumpfwiesen.
Blätter langgestielt, dreilappig, Blättchen eirund, lebhaft grün, Geruch schwach, Geschmack stark bitter.
Bestandtheile. Menyanthin (Bitterstoff), ein sog. Glycosid, welches sich beim Behandeln mit Säuren in Zucker und ätherisches Oel spaltet.
Anwendung. Im Aufguss und Extrakt als magenstärkendes Mittel.
Wurde früher als Mittel gegen Wechselfieber angewandt.
Dient ferner in grossen Mengen als Zusatz zu Magenschnäpsen und, wie man sagt, auch in der Brauerei.
Fólia úvae úrsi.
Bärentraubenblätter.
Arctostóphylos oder Arbútus úvae úrsi.
Ericacéae. Alpen, Norddeutschland.
Blätter immergrün, lederartig, kurzstielig, verkehrt eirund, auf beiden Flächen netzadrig, glänzend dunkelgrün, später bräunlich werdend, mit nicht umgeschlagenem Rand.
Geruchlos, Geschmack herb, bitterlich. ¶