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Schwarz sind zur Zeit die düsteren Wolken über der digitalen Welt, Schwarz war auch die Farbe von Jobs‘ Markenzeichen, dem Rollkragenpullover. Ein Visionär der ersten Stunde ist von uns gegangen, jeden Kampf hat er gewonnen, nur denjenigen gegen den Krebs nicht. Im Alter von 56 Jahren ist Steve Jobs gestorben und hinterlässt eine klaffende Lücke. Von einem Mann, dessen Leben viel zu kurz war. Von einem Mann, dessen Tod weltweit so grosse Bestürzung ausgelöst hat, die man sonst nur beim Ableben von grossen Staatsmännern kennt.
Firmengründung in der Garage
Computer und Technologie bildeten einen fixen Bestandpunkt im Leben. Im Alter von 21 Jahren gründete er am 1. April 1976 gemeinsam mit Steve Wozniak und Ronald Wayne Apple Computers. Das erste Domizil war Jobs‘ Garage, das Startkapital von 1750 Dollar kriegten sie mit dem Verkauf von Jobs‘ VW-Bus und Wozniaks Taschenrechner beisammen. Jobs war als Kind zweier 23-jähriger Studenten geboren worden, die sich jedoch den Unterhalt nicht leisten konnten und ihn zur Adoption freigaben. Von seinen leiblichen Eltern und seiner leiblichen Schwester Mona Simpson erfuhr er erst 30 Jahre später. Apple brachte zwei Computer auf den Markt, Apple I und Apple II, ehe 1984 mit dem Macintosh der weltweit erste Computer mit einer grafikorientierten Benutzerfläche das Licht der Welt erblickte. Das Ziel Apples war, dass die Bedienung von Computern sehr einfach gemacht wird, Jobs setzte sich auch für Computer in den Schulzimmern ein.
Rauswurf bei Apple, Neuanfang mit NeXT und Pixar
Nur ein Jahr nach der Markteinführung des Macintosh musste Jobs nach einem internen Machtkampf das Unternehmen Apple verlassen. Er gründete die Firma NeXT, auf dessen Betriebssystem die heutigen iOS und Max OS beruhen. Auf einer NeXT-Workingstation wurde 1989 im Schweizer Kernforschungszentrum CERN die Programmiersprache HTML und somit auch das World Wide Web von seinem Schöpfer Tim Berners-Lee entwickelt.
Der Kalifornier war nicht nur im Computergeschäft erfolgreich, sondern stieg auch ins Filmgeschäft ein: 1986 kaufte Jobs das von Filmikone George Lucas gegründete Animationsfilmstudio Pixar aus dessen Lucasfilm-Imperium heraus, der erste Film, Toy Story, wurde zu einem Kassenschlager. 2006 kaufte der Walt Disney-Konzern für 74 Milliarden US-Dollar Pixar, im Gegenzug erhielt Jobs Einsitz in den Disney-Verwaltungsrat und wurde mit 6% grösster Einzelaktionär des Unterhaltungsriesen.
Rückkehr zum angebissenen Apfel
Mitte der 1996er-Jahre war Apple am Boden. Trotz der Pionierstellung hatte man gegenüber dem Rivalen Microsoft das Nachsehen. Microsoft hatte einen kometenhaften Aufstieg hinter sich, da Bill Gates die Lizenz des hauseigenen Betriebssystems MS-DOS (Windows baute zunächst auf diesem auf, ehe es sich um die Jahrtausendwende von diesem lossagte) an andere Computerhersteller veräusserte, während Apple dies verschlief und darauf bestand, dass nur eigens angefertigte Rechner mit dem Apple-OS ausgeliefert werden. 1996 kaufte Apple für 402 Millionen US-Dollar NeXT und Jobs war wieder im Boot. Zunächst als Berater, ab 1997 dann als Geschäftsführer. Die NeXT-Technik wurde übernommen und als Mac OS X auf den Markt gebracht. 1998 folgte mit dem iMac die nächste Computergeneration, und auch die iProdukte waren geboren.
Der Wandel zum Technologieriesen
Jobs wandelte den serbelnden Computerhersteller zu einem florierenden Technologiekonzern um. 2001 begann der endgültige Siegeszug von Apple und Jobs erhielt in der Computerwelt den Status einer Kultfigur, als der erste portable Musikspieler der iPod-Produktelinie mit dem Scrollrad (Click Wheel) lanciert wurde. Der iPod schlug ein, 2005 wurde der erste mit Videofunktion veröffentlicht. Kleinere Fassungen wie der iPod Nano oder der iPod Mini kamen ebenfalls in den Verkauf, dazu wurde parallel die Software iTunes veröffentlicht, dazu mit dem iTunes-Store, wo Musik, Videos, Spiele und vieles weitere für recht wenig Geld erworben werden konnte. iTunes krempelte die Musikindustrie um, die ohnehin schon schleppenden CD-Verkäufe brachen ein, viele Verlage veröffentlichen ihre Musikstücke ebenfalls auf iTunes, jedoch kam dieser Schritt oftmals zu spät. Den nächsten Meilenstein in Apples-Firmengeschichte präsentierte Steve Jobs am jährlichen Apple-Event im Jahre 2007 mit dem iPhone, auch der Mobiltelefonmarkt wurde aufgemischt, zudem wurde das Geschäft mit Apps für Smartphones lanciert. Parallel dazu wurde der iPod touch auf den Markt gebracht, der wie das iPhone mit einem Touchscreen ausgestattet ist und auch mit den Applikationen kompatibel ist. Drei Jahre später stieg Apple mit dem iPad in den Tablet-Markt ein und eroberte auch in diesem Segment wie mit dem iPod oder dem iPhone die Position als Marktleader. Die letzte Innovation Apples, iCloud, steht für einen virtuellen Speicher im Internet, ehemalige ETH-Studenten haben mit Wuala bereits vor Jahren einen solchen Service entwickelt.
Schatten in der Gesundheit
Jobs bekundete schon seit Jahren gesundheitliche Probleme. 2004 wurde ihm operativ ein Tumor aus der Bauchspeicheldrüse entfernt, 2009 setzte er als Apple-Chef ein halbes Jahr aus, später wurde bekannt, dass er eine Spenderleber erhielt. Nach der Krebsoperation wurde ihm ein Medikament verabreicht, das sein Leben um etwa sieben Jahre verlängern wird. Nachdem bereits Ende 2010 neue gesundheitliche Probleme bekannt wurden, sah sich Jobs gezwungen, Ende August 2011 die Geschicke von Apple abzugeben.
ZDF-Beitrag zum Rücktritt von Steve Jobs
Nur etwas mehr als einen Monat später, am 5. Oktober 2011 erlag Steve Jobs seinem Krebsleiden. Mit dem Pankreas-Karzinom hat er zweifelsohne die heimtückischte aller Krebsarten erwischt, nur gerade 2,5% leben noch fünf Jahre nach der Diagnose. Jobs hatte „Glück“, dass er an einer weniger aggressiven Variante litt, die ihm noch sieben Jahre ermöglicht. Erst letzten Montag wurde mit Ralph Steinman posthum ein Krebsforscher mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet, der dank einer selbstentwickelten Therapie sein Leben trotz Bauchspeicheldrüsenkrebs um Jahre verlängern konnte.
Jobs hatte viele Ideen, er kombinierte zahlreiche zuvor erfolglos zu Papier gebrachte Erfindungen und brachte sie so auf Erfolskurs. Ihm war das Geld nicht wichtig, er war interessiert an der Technologie, das beweisen auch seine Auftritte im Rollkragenpullover, zudem bezog er nur einen Dollar Jahresgage und war so der schlechtbezahlteste Geschäfstführer der USA. Mit nur 56 Jahren starb er nun viel zu früh, den Lohn und die Anerkennung für seine Arbeit konnte er gar nicht richtig geniessen. Es ist irgendwie Schicksal, dass Jobs just einen Tag nach dem alljährlichen Event am Haupsitz im kalifornischen Cupertino seine letzte Reise angetreten hatte.
Grosse Anteilnahme
Steve Jobs‘ Tod brachte grosse Anteilnahme in aller Welt mit sich. Prominente würdigten ihn und sein Schaffen, selbst Rivalen wie Bill Gates trauern. Treffend brachte es US-Präsident Barack Obama auf dem Punkt: Er twitterte, dass es wohl die grösste Würdigung von Jobs‘ Schaffen sei, dass die meisten Menschen die Nachricht seines Todes auf einem Gerät erhielt, dass er selbst erfunden hatte.
Auch ich möchte seiner Familie gegenüber (er hinterlässt eine Frau und vier Kinder) mein Beileid aussprechen und hoffe, ihm hiermit mit diesem Artikel Tribut gezollt zu haben. Apple hat ein virtuelles Kondolenzbuch aufgeschaltet, auf <email-pii> können Fans ihren Kondolenzbekundungen Ausdruck verleihen.
Der Siegeszug von Apple wird indes weitergehen, sein kreatives Genie hat sich längst auf die Firma übertragen. Ich bin sehr zufrieden mit den Produkten, meinen iPod touch möchte ich jedenfalls nicht mehr hergeben.
Beitrag der SF Tagesschau am Mittag (Quelle: SF Videoportal)
Ein grosses Aber
So visionär und beliebt Jobs in der Welt auch war, so asozial hat er sich teilweise seiner Belegschaft gegenüber verhalten. Solche, die ihm widersprechen, duldete er nicht. Er scherte sich auch kaum um Patentverletzungen, selbst erfunden hat er kaum etwas, sondern nur neu auf den Markt gebracht. Blogger gegenüber, die Kritik an Apple äusserten, bekamen seine ungemütliche Seite zu spüren. Auch habe er schon Leute entlassen, die ihm im Aufzug im Hauptsitz in Cupertino die Frage nach der aktuellen Arbeit nicht schmackhaft beschreiben konnte, auf die Strasse gesetzt. Lustig auch die Ausrede, weswegen auf iOS-Geräte Adobe Flash nicht unterstützt wird: Adobe sei ein „in sich geschlossenes System sei und Adobe über dieses kontrolliere“. Ach ja, Apple ist in dieser Hinsicht ja viel besser, oder was?