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Der Film Spagat, der unter der Leitung vom Luzerner Regisseur Christian Johannes Koch zustande gekommen ist, läuft seit dem 24. Juni 2021 in den Kinos. Zum ersten Mal sieht man die Zürcher Schauspielerin Rachel Braunschweig in einer Hauptrolle auf der Kinoleinwand. Das Drama zeigt das Doppelleben einer Lehrerin, welche Schwierigkeiten hat, eine geheime Liaison vor ihrer Familie zu verstecken.
Eine Schweizer Frau und ein Ukrainischer Mann
Die Mutter einer jugendlichen Tochter und Ehefrau Marina (Rachel Braunschweig) arbeitet in einer Schule als Lehrerin. Sie hat einen Geliebten namens Artem (Alexey Serebryakov). In ihrer Klasse unterrichtet sie Ulyana (Masha Demiri), die Tochter von Artem. Ulyana und Artem stammen aus der Ukraine und sind sans-papiers. So arbeitet Artem illegal auf einer Baustelle und muss sich schnell verstecken, wenn die Polizei zu einer Sicherheitskontrolle auftaucht. Seine Tochter Ulyana ist eine begabte Kunstturnerin. Sie möchte gerne an einem Wettbewerb teilnehmen, doch ihr Vater will das nicht, weil sie dann in einer Zeitung auf einem Foto erscheinen könnte. Sie beide müssen sich allerdings vor der Öffentlichkeit verstecken. In der Schule fühlt sich Ulyana etwas ausgeschlossen, da sie anders ist als ihre Mitschülerinnen und Mitschüler. Es gibt Kopfhörer, die sie gerne haben möchte, doch da ihr Vater nicht viel Geld hat, begeht sie einen Fehler. Ulyana wird bei einem Diebstahl erwischt und so gelangt sie zusammen mit ihrem Vater in eine Kontrolle des Sicherheitsdienstes. Da sie sich nicht ausweisen können, versuchen die beiden der Polizei zu entkommen. Werden sie es schaffen?
Marina Lang hat einige Geheimnisse, doch diese werden bald von ihrer Tochter namens Selma (Nellie Hächler) und von ihrem Ehemann Jörg (Michael Neuenschwander) aufgedeckt. Sie sorgt sich gleichzeitig um Ulyana und Artem, denn sie weiss, dass sie in Gefahr sind und wachsam bleiben müssen. Es droht ihnen die Rückkehr in die Ukraine, als einzige Fluchtmöglichkeit. Doch für wen wird sich Marina am Schluss entscheiden? Werden Ulyana und Artem von der Polizei gefasst werden?
Wie die Schauspieler ausgesucht wurden
An der Premiere von Spagat am 24. Juni 2021 in Biel waren Rachel Braunschweig und Christian Johannes Koch anwesend. Sie haben einige Fragen der Zuschauer beantwortet. Der Regisseur erklärte, dass es für die Rolle der Ulyana 300 bis 400 Bewerberinnen gab. Nach der Auswahl hat Masha Demiri vier Monate vor dem Dreh mit einem Coach das Schauspielern geübt; auch Nellie Hächler wurde zusätzlich unterrichtet.
Bei der Frage, ob Regisseur Koch Rachel Braunschweig für die Rolle der Marina im Sinn gehabt hatte, antwortet er: «Ich wusste noch gar nicht, dass es Rachel gibt.» Rachel Braunschweig war bisher nur in Nebenrollen zu sehen gewesen. Sie spielte unter anderem in Die Göttliche Ordnung und Zwingli, und auch als Staatsanwältin im Schweizer Tatort, mit. Beim Lesen des Drehbuches sprach sie die Geschichte an, denn sie hat schon die Erfahrung gemacht «verschiedene Leben gleichzeitig zu führen». Und es gefällt ihr, dass Marina in beiden Leben verharren möchte und beides so beibehalten möchte, wie es zu Beginn noch war; ein geheimes Liebesleben mit Artem und ein unbeschwertes Familienleben mit Jörg und Selma.
Dass der Schauspieler Alexey Serebryakov die Rolle des Artem spielen sollte, stand relativ schnell fest für den Regisseur. Christian Johannes Koch ist sogar extra nach Toronto, Kanada, geflogen, um ihn zu treffen. Der Familienvater wird von Michael Neuenschwander gespielt, der in der letzten Staffel von Wilder und im kürzlich erschienenen Kinofilm Von Fischen und Menschen von Stefanie Klemm zu sehen ist.
«Spagat spricht man auf Deutsch gleich aus wie auf Russisch»
Marina muss einen Spagat machen. Denn es sind zwei ganz verschiedene Welten, welche sie gleichzeitig erleben möchte. Zudem macht Ulyana beim Kunstturnen den Spagat. Der Regisseur nennt auch die Aussprache von «Spagat», welche auf Deutsch und Russisch gleich klingt. Den Ausgangspunkt der Erzählung bilden, nach den Worten des Regisseurs, zwei Gesetzesparagraphen, die sich konträr gegenüberliegen. So sollen alle Kinder das Recht haben, in die Schule zu gehen, obwohl sie vielleicht illegal eingewandert sind. Es sollen mit dem Film unter anderem die Schwierigkeiten gezeigt werden, die Immigranten in der Schweiz bewältigen müssen.
Ein spannender Bildstreifen
Spagat ist ein trauriger Film. Er zeigt aber eine Realität, die viele nicht kennen. So kann man sich vorstellen, wie schwierig es ist, in stetiger Gefahr in einem sicheren Land, unserer Schweizerischen Eidgenossenschaft, zu leben. Wir Eidgenossen denken normalerweise nicht aus Sicht der in die Schweiz Immigrierten. Der Film Spagat zeigt den Zuschauern nun aber die etwas unbekanntere Seite eines Staates. So wird unser Wissen erweitert. Spagat ist ein Film, der zum Denken anregt.