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Artikel auf Sikart zu Anina Schenker
- Herausgeber:in:
- SIK-ISEA
1988–1992 absolviert Anina Schenker eine Ausbildung zur Theatermalerin im Atelier Enrico Caspari in Wil (SG). 1992 gründet sie ihr eigenes Atelier, in dem sie als selbständige Bühnenbildnerin bis 1998 über vierzig Projekte für freie Theatergruppen realisiert. 1995 ist sie Gründungsmitglied des Kulturraumes Herrmann im Berneggstollen, St. Gallen, den sie bis 1997 leitet. 1999 beginnt Schenker an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich Bildende Kunst zu studieren. 2002 ist sie Gründungsmitglied des Ausstellungsraums Garage in Zürich und wird dessen Leiterin. Nach Abschluss des Studiums 2003 erhält sie ein Stipendium der Yvonne Lang-Chardonnens Stiftung, infolgedessen sie 2004–05 in New York weilt und einen Kurs in High-Speed Videography am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge (MA) besucht. Anina Schenker ist seit 1995 als freie Künstlerin tätig und an Einzel- und Gruppenausstellungen in der Schweiz, Deutschland und Russland, seit 2004 auch in den USA präsent.
Anina Schenker bedient sich seit 1998 vor allem moderner Techniken und Medien wie Video und Fotografie, führt aber auch Performances auf und widmet sich der Zeichnung. Dabei stellt sie den Körper ins Zentrum ihres künstlerischen Schaffens. Sie setzt ihn sowohl als Material und Mittel der Selbsterfahrung als auch für formale Untersuchungen ein. In den frühen Arbeiten konfrontiert sie den Betrachter mit der Darstellung physischer und psychischer Phänomene. In performativen Selbstexperimenten, die sie alleine oder in einem kleinen Team mit der Kamera festhält, untersucht sie, wie ihr Körper auf Ausnahmesituationen reagiert und wie sich die dabei gefühlten Empfindungen in der äusseren Erscheinung manifestieren. Die Aufzeichnungen haben einen rein dokumentarischen Charakter; sie sind weder in ihrer Laufzeit noch was die Tonspur anbelangt künstlerisch verfremdet. Diese frühen Produktionen stehen in der Tradition der Videoperformances der 1970er-Jahre, zeichnen sich im Unterschied zu diesen jedoch nicht durch eine aufsehenerregende Gefährlichkeit aus. Vielmehr befragt Schenker in ihnen grundlegende Körperfunktionen, die in alltäglichen Lebenserfahrungen verankert sind.
Ab 2001 dokumentiert sie einfache Bewegungsabläufe, konzentriert sich aber neu auch auf die dem Videobild und Bilderzeugungsprozess inhärenten Eigenschaften. Durch extreme Verlangsamung des Zeitablaufs macht sie einerseits auf Phänomene aufmerksam, die von blossem Auge nicht sichtbar sind, etwa auf die Wirkung von Schwer- oder Fliehkraft auf den Körper. Andererseits führt sie die Betrachtenden an eine Schwelle, wo die Grenze zwischen physisch überprüfbaren Fakten und imaginierten Trugbildern aufgelöst scheint. In den ab 2003 mittels digitaler High-Speed-Kamera erstellten Arbeiten zeichnet sie Veränderungsprozesse im Gesicht auf, die durch äussere, auf den ersten Blick nicht mehr klar eruierbare Einflüsse hervorgerufen werden. Die Bilder, die dabei entstehen, verunsichern und irritieren. Sie haben nicht nur die Tendenz, sich ins Bewusstsein zu graben, sondern berühren existentiell.
Ähnlich wie Bill Viola, Gary Hill oder Bruce Nauman verwendet Anina Schenker in den jüngeren Arbeiten Video als bildnerisches Medium zur epistemologischen Erforschung der Perzeption und zur Visualisierung anderer, innerer Wirklichkeiten unserer menschlichen Existenz. Sie vermag damit das Publikum aus seiner distanzierten Haltung herauszulocken, seine Wahrnehmung und Sensibilität zu schärfen und es zugleich emotional zu involvieren.
Werke: Sammlung der Stadt Zürich.
Nadine Franci, 2006