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Der Tod von Soul-Diva Amy Winehouse hat international Bestürzung ausgelöst. Sonntagszeitungen aus aller Welt heben vor allem das grosses Gesangstalent der Sängerin hervor. Aber auch moralinsaure "Das musste ja so enden"-Kommentare sind verbreitet.
"Innerhalb von Sekunden nach Beginn ihres Gigs in Dubai im letzten Februar war klar, dass Amy Winehouse ein Wrack ist. (...) Wir wussten, dass wir eines Tages die Neuigkeit hören würden, dass man dich in einer dreckigen Wohnung in Camden tot aufgefunden hat", schreibt etwa "The National" in Abu Dhabi.
Noch gnadenloser formuliert es die Moskauer "Gaseta": "Der Hype um die selbstzerstörenden Heldentaten der Amy Winehouse war stets lauter als ihre Lieder. Sie war die Drogensüchtige mit einer unglaublichen Stimme, die nur auf CD zur Geltung kommt, da die Sängerin während der Konzerte oft zu betrunken war."
Mitgefühl und Medienschelte
Einfühlungsvermögen bringt dagegen der Londoner "The Independent on Sunday" auf: "Ein Teil ihres Naturells war rotzfrech, und trotzdem war sie so übertrieben bescheiden, dass sie sich nie über ein Kompliment freuen konnte oder sich hätte zurücklehnen und sagen können: "Das habe ich ziemlich gut gemacht." (...) Sie konzentrierte sich auf das Negative, auf alles, womit sie sich selbst verletzen konnte."
Dass die Medien nicht unschuldig waren an dem Druck, der auf Winehouse lastete, mutmasst der Berliner "Tagesspiegel": "Die Jahre seit dem Erscheinen von "Back to Black", also seit 2006, scheinen eine einzige Abfolge von persönlichen Abstürzen und beruflichen Rückschlägen gewesen zu sein, wobei man nicht selten als Aussenstehender den Eindruck hatte, die voyeuristische Berichterstattung der Medien würde zumindest die Wahrscheinlichkeit der sich anbahnenden Katastrophe erhöhen."
Interessante Mischung
Im Allgemeinen herrscht echte Trauer über einen grossen Verlust: "Amy Winehouse hatte alle Voraussetzungen, ein grosser Popstar zu werden, in Zeiten, in denen es durchaus einen Mangel gibt an massentauglichen Sängern: eine voluminöse, etwas verruchte, sehr jazzige Stimme, eine aufregende Erscheinung, sexy und fotogen, kein Blondchen, eine interessante Mischung aus rüder Sängerin und eleganter Künstlerin", schreibt "Welt am Sonntag".
Die "NZZ am Sonntag" schreibt: "Alles ging bei Amy Winehouse immer ein bisschen zu schnell - rascher Ruhm, kurze Karriere, rasanter Abstieg. Und nun der Tod mit 27. Fünf Grammys erhielt sie 2008 völlig zu Recht für ihr zwei Jahre zuvor veröffentlichtes grandioses Album "Back to Black". Doch da hatte der Abstieg längst begonnen, und jetzt wird "Back to Black", wiewohl erst die zweite Platte der Sängerin, ein Vermächtnis bleiben."