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Geschichte
Ein kurzer Blick zurück
Entsprechend der historischen Entwicklung umfasste das Textilgewebe in Basel zuerst die Leinenweber (Leinweter), dann die Baumwollweber (Weber). Zu Beginn des 16. Jahrhunderts erblühte die Wollweberei (Grautücher). Durch die Refugianten erlebte im 16./17. Jahrhundert auch die Seidenbandweberei einen beachtlichen Aufschwung. Über die Färberei wurde in den Chroniken von 1454 erstmals berichtet.
Zunft zu Webern und Leinwetern
Mit dem Zunftbrief vom 21. August 1268 anerkannte Bischof Heinrich von Neuenburg die Zunft als öffentlich-rechtliche Korporation. Nach der alten Rangordnung der Zünfte ist die Webernzunft die 14. Zunft in Basel. Zu ihr gehören Spinner, Spuler, Bleicher, Färber, Wollweber, Leinen- und Baumwollweber, Passementer, Sammetweber, Seidenstoffweber, Seidenstreicher, Hechelmänner, Seidenmüller. Bis ins 19. Jahrhundert hielt sich der offizielle Titel der "Zunft zu Webern und Leinwetern". Seither wird nur noch die verkürzte Form "Zunft zu Webern" verwendet. Das Zunftbanner zeigt seit 1268 einen aufrecht stehenden roten Greif, der in seinen Pranken einen gelben Ellstab hält. Später gesellte sich der Igel als Symbol der Grautücher dazu, die nicht graues, sondern raues oder aufgerautes Tuch fertigten (im Gegensatz zum glatten, gewalkten Tuch). Mit dem Igel, an Stelle eines Kammes, wurden die Tücher veredelt. Ein altes Banner aus dem Jahre 1605 - die älteste erhaltene und restaurierte Zunftfahne aus Seide - wird im Historischen Museum aufbewahrt. Das heutige Banner, das der Zunft voran getragen wird, ist eine Kopie des früheren Seidenbanners aus dem Jahre 1936, das im Atelier des Vaters von Altmeister Andreas Brenner gefertigt wurde.
Zunft und Vorstadtgesellschaft zugleich
Ursprünglich hatten die Weber ihr Quartier bei St. Leonhard am untern Heuberg, der zur Zeit der Zunftgründung Webergasse hiess. Um das Jahr 1360 entstand das erste Zunfthaus in der Steinenvorstadt, das als einziges ausserhalb der eigentlichen Altstadt lag. Die gegenüber den andern Zunfthäusern abseitige Lage am Stadtrand in einer Vorstadt erklärt sich daraus, dass die Weber, Bleicher und Färber Wasserläufe (Birsig und Rümelinbach) und sonnige Hänge (Hügel zu Elisabethen) zum Bleichen der Leinwand für ihre Arbeit benötigten. Bis ins 18. Jahrhundert nahm die Webernzunft insofern eine besondere Stellung ein, als sie aufgrund ihres Domizils gleichzeitig die Aufgaben einer Vorstadtgesellschaft erfüllen musste und so die gleichen Rechte und Pflichten besass wie die andern Vorstadtgesellschaften. Sie hatte in ihrem Bezirk für die Erhaltung eines ehrbaren und friedsamen Lebens zu sorgen und übernahm spezielle Funktionen, wenn z.B. der Birsig Hochwasser führte. Unter dem Befehl des Meisters hatten die Zunftbrüder im Bereich der Steinenvorstadt Wacht- und Löschdienst zu leisten. Erst 1757 kam es zur Gründung der Vorstadtgesellschaft "zu den drei Eidgenossen", an die dann alle Rechte einer Vorstadtgesellschaft übertragen wurden. Fortan konnte sich die Zunft vermehrt den berufsspezifischen, aber auch den geselligen Belangen annehmen.
Webernbrunnen
Der Webernbrunnen steht in der Steinenvorstadt, fast genau vor dem Zunfthaus E. E. Zunft zu Webern. Er stammt aus der Spätrenaissance und wurde 1674 in Betrieb genommen.
Die Brunnenlage besteht aus einem Haupt- und einem Nebentrog in Solothurner Kalkstein. Der Brunnenstock wurde stirnseitig angebracht. Er trägt die Initialen B.H. sowie die Jahrzahl 1672 und wird dem Steinmetz Balthasar Hüglin aus Binningen zugeschrieben. Der Brunnenstock zeigt unten Masken, in der Mitte Engelköpfe und oben Frucht- und Blumenbündel, deren schwellende Bewegungen schon dem Barock entgegenlächeln. Ein korinthisches Kapitell bildet den Abschluss, auf dem ein Bannerträger mit Schwert, Schild und Fahne steht. Nach einer etwas fraglichen Überlieferung soll die Brunnenfigur Ritter Oswald von Thierstein darstellen. Ein Graf Oswald von Thierstein war Anführer des Adels im Burgunderkrieg, als Bürgerschaft und Adel gemeinsam gegen Karl den Kühnen kämpften. Die Fahne trägt auf einer Seite das Wappen der Webernzunft, einen Grief. Die Rückseite schmückt ein Baselstab. Der Igel, das Wappentier der Grautücher, die seit 1506 zur Webernzunft gehören, ist zu Füssen des Geharnischten in Stein gehauen. Auf dem Schild finden sich die vier Buchstaben SPQB (Senatus populusque Basiliensis), was besagen will, dass Rat und Volk Basels den Brunnen errichten liessen.
Das Original des Brunnenstockes mit Bannerträger wird seit 1925 im Historischen Museum aufbewahrt. Mit dem heutigen Trog aus dem Jahre 1839 wurde eine getreue Nachbildung von Bildhauer Carl Gutknecht aufgestellt.
Im Zusammenhang mit der Neugestaltung der Steinenvorstadt wurde der Brunnen 1994 von seinem Standort entfernt und umfassend restauriert. Bei der Wiederaufstellung im Jahr 1995 wurde exklusiv für die Webernzunft die Möglichkeit geschaffen, aus der Brunnenröhre Weisswein fliessen zu lassen, was sie gelegentlich für den Apéro vor dem Zunftessen nutzt. Zur indirekten Beleuchtung wurden im Trog zwei Unterwasserscheinwerfer platziert, was dem Webernbrunnen abends ein besonderes Erscheinungsbild verleiht.