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Ermoupoli (Hermoupolis = Stadt des Hermes) entstand am Fusse von Ano Syros in den 1820er Jahren, nach der Befreiung Griechenlands von der 400jährigen Türkenherrschaft. Hier sammelten sich namentlich die Vertriebenen aus Kleinasien und den vorgelagerten Inseln. Sie brachten unter anderem aus Chios den für Syros berühmt gewordenen Mastix mit, heute Hauptzutat in den unverzichtbaren Delikatessen für Touristen. Die durchgehend im klassizistischen Stil gebaute Stadt wuchs, dank der Tüchtigkeit ihrer Einwohner und der einmaligen Lage ihres Hafens, sehr schnell zum Handelszentrum Griechenlands heran und verfügte nicht nur über eine breit gefächerte Industrie, sondern auch über die ersten Zeitungen und Buchverlage des Landes. Das geistige und kulturelle Leben der Insel hatte seine eigentliche Grundlage in den bedeutenden Bildungseinrichtungen, die hier in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts errichtet wurden: 1825 wurde in Ermoupoli die Volksschule eröffnet. Als Lernmethode galt, dass die älteren die jüngeren Jahrgänge unterrichteten. Entscheidend für die Geschichte der Bildung war die Gründung des ersten neugriechischen Gymnasiums durch die Bürger von Ermoupoli im Jahr 1833. Weiter folgten Privatschulen für Musik, Tanz und Theater. Man veranstaltete literarische und künstlerische Abende. Die Handelsschule wurde 1855 gegründet und zog Schüler nicht nur aus ganz Griechenland, sondern auch aus dem Osten an. Das Theater Apollon, eine "Taschenausgabe" der Scala di Milano, wurde 1864 eröffnet, mit einer Aufführung von Verdis Traviata. 1876 folgte das monumentale Rathaus mit dem Miaouli Platz, erbaut vom bekannten Architekten Ernst Ziller. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts schliesslich wurde auch eine Städtische Mädchenschule gegründet, die für die Lehrerbildung in Griechenland massgebend war. Diese geistige Kultur und die Aristokratie spiegeln sich noch heute deutlich in den Häusern und Villen von Syros, und spürbar auch im Habitus vieler älterer Bürger. Der Niedergang von Ermoupoli begann mit der Eröffnung des Kanals von Korinth, der die internationalen Handelswege von nun an über Piräus führte. Als letzter Industriebetrieb dümpelt noch die Schiffswerft Neorion im Hafen vor sich hin.