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Abstract: Die Fundstelle Chollerpark befindet sich im verlandeten Hinterland des nördlichen Zugersees, heute etwa 800 m vom aktuellen Ufer und ungefähr 600 m vom spätbronzezeitlichen Siedlungsplatz Zug-Sumpf entfernt. Im Winterhalbjahr 1999/2000 führte die Kantonsarchäologie Zug auf einer Fläche von etwas über 2500 m2 eine Rettungsgrabung unter misslichen Witterungsbedingungen durch.
Unter sterilen Deckschichten folgten wechselweise Ablagerungen von Torfen und Auenlehmen der Lorze. In diesen Schichten waren grosse Mengen an Schwemmgut eingelagert. Es handelte sich dabei um Tausende von bearbeiteten und unbearbeiteten Hölzern: Rund belassene Stämme, allseits bearbeitete Kanthölzer, Spaltprodukte wie Bohlen Bretter und Schindeln, kleine Holzabfälle ebenso wie grosse trapezförmige, aus mehreren langen Hölzern zusammengesteckte Rahmen. Alle diese Funde verteilten sich auf zwei Schichtpakete (US = Mittelbronzezeit und OS = Spätbronzezeit). Am selben Fundplatz wurden später verschiedentlich Pfähle in den weichen Grund getrieben (Hallstattzeit, Frühmittelalter).
Die besondere Bedeutung der Fundstelle liegt darin, dass sie sich ausserhalb der damaligen Dorfareale (Seerandsiedlungen) befindet und teilweise auch ausserhalb der normalerweise damit verknüpften Zeitfenster. Die vorliegende Arbeit setzte sich mit verschiedenen Aspekten dieser aussergewöhnlichen Situation auseinander.
Dank zahlreichen dendrochronologischer Analysen gelang es, die Datenbasis, also die Belegungsdichte insbesondere für die Mittelbronzezeit entscheidend zu verbessern. Dank genügend C14-Proben gelang es überdies, einige der schwimmenden Kurven absolutchronologisch zu datieren und dadurch auch andere Zeitphasen im Chollerpark zu erkennen, die bei einer Beschränkung auf die Jahrringanalysen nicht erkannt worden wären. Das wegen Abbeilung und leichter Oberflächenerosion meist splintarme Probenmaterial führte dazu, die Splintholzstatistik – also die Berechnung der wahrscheinlichsten Anzahl Splintjahre bis zur Waldkante bei Eichenproben mit unvollständigem Splint – neu aufzubereiten.
Die eindrucksvollen, bis zu 16 m langen mittelbronzezeitlichen Trapeze (mobile, schwimmende Fischfachen, saisonal genutzte Transport-Flosse?), aber auch die verschiedenen Pfahlsetzungen jüngerer Zeitstellung, entsprechen in keiner Art und Weise den Befunden, wie man sie üblicherweise aus Seeufersiedlungen kennt. Die Fundstelle Chollerpark repräsentiert vielmehr ausserdörfliche Aktivitäten ("off-site") in unbewohnten Flachwasser- und Uferzonen.
Die detaillierte Beschreibung und bildliche Präsentation der bearbeiteten Holzfunde führt die hohe Qualität bronzezeitlicher Zimmermannskunst vor Augen, und damit die beinahe unbegrenzten Möglichkeiten bei der Bearbeitung von Holz und dessen Verwendung.
Die archäobotanischen, aber insbesondere auch die typologischen und chronologischen Übereinstimmungen zwischen den Hölzern aus dem oberen Schichtpaket vom Chollerpark und jenen vom nahe gelegenen Dorf Zug-Sumpf waren bemerkenswert. Die ausserordentlich hohe Korrelationsgüte der Messwerte von Hölzern aus den beiden Fundplätzen lassen zwei Möglichkeiten zu: Dass es sich nämlich beim Chollerpark-Fundmaterial effektiv um sekundär abgelagertes Holz von Zug-Sumpf handelt. Oder dass es zumindest aus dessen unmittelbarer Nähe handelt, vielleicht eine noch nicht entdeckte gleichberechtige Siedlung oder ein Aussenposten.
Schliesslich werden, unter Einbezug weiterer noch unpublizierter Bauteile aus anderen Fundstellen der Zentral- und Ostschweiz, die angeblich regionaltypischen Bauweisen hinterfragt. Der Zusammenzug aller bisher bekannten Bauteile und Konstruktionsweisen legt vielmehr nahe, dass es eine Vielzahl von Baulösungen gegeben hat – und damit eine sehr heterogene spätbronzezeitliche Haus- und Siedlungslandschaft.
Publikation(en): Eberschweiler, B. (2004)