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von Sandro Danilo Spadini
Sie waren ein ungleiches Paar, die eloquente, lebensfrohe britische Schriftstellerin Iris Murdoch und der schüchterne, linkische Literaturdozent John Bayley. Derweil sie es genoss, Mittelpunkt des Interesses zu sein, hielt er sich, ihre Promiskuität und all ihre übrigen Demütigungen und Eskapaden still erduldend, stets im Hintergrund, gab ihr Kraft und Zuspruch und war ihr bis in ihre letzten, durch die Alzheimer-Krankheit geprägten Jahre der Fels in der Brandung. Basierend auf den Erinnerungen von John Bayley, versuchte Regisseur Richard Eyre in seinem Drama «Iris», diese ungewöhnliche und berührende Liebesgeschichte nachzuzeichnen; ein eigentliches Biopic, eine Filmbiografie, lag dabei nicht in seiner Absicht. So erfährt man denn auch nur relativ wenig über das literarische Wirken von Iris Murdoch.. Vielmehr schildert Eyre mittels einer komplex verwobenen, eher gewöhnungsbedürftigen Erzählstruktur das über vierzig Jahre währende Zusammenleben der beiden Protagonisten, wobei der zweite Teil sich mehr und mehr auch Murdochs Krankheitsgeschichte widmet.
Dankbare Aufgabe
Figuren wie die exzentrische junge und noch viel mehr die von ihrer Krankheit schwer gezeichnete alte Iris Murdoch, aber auch der unbedarfte, stotternde John Bayley sind natürlich für jeden ambitionierten Schauspieler eine willkommene Herausforderung, bieten sie ihm doch nicht nur die Gelegenheit, sein ganzes darstellerisches Können in die Waagschale zu werfen, sondern sichern ihm überdies auch die Sympathie und das Mitgefühl des Publikums. Höchst eindrucksvoll unter Beweis gestellt haben dies in jüngster Zeit Russell Crowe als schizophrener Mathematiker in «A Beautiful Mind» und Sean Penn als geistig zurückgebliebener Vater in «I Am Sam». In «Iris» gehen Kate Winslet bzw. Judi Dench als Iris Murdoch sowie Jim Broadbent auf die Jagd nach Sympathiepunkten – mit Erfolg: Für Broadbent gab es im März dieses Jahres den Oscar in der Kategorie Bester Nebendarsteller, für Winslet (Beste Nebendarstellerin) und Dench (Beste Hauptdarstellerin) immerhin eine Nominierung.
Ermüdend und angestrengt
Die Schauspieler-Leistungen in allen Ehren, kann dem Film als Ganzes dennoch nur bedingt ein zufrieden stellendes Zeugnis ausgestellt werden. So verleiht etwa die narrative Ausgestaltung mit ihrem permanenten Wechsel der Zeitebenen und ihren meist nur sehr kurzen Sequenzen der Geschichte eine unnötige und unangebrachte Hektik. Auch die häufigen Wiederholungen, die gleichsam als formales Äquivalent zu der geschilderten Krankheit gedeutet werden könnten, strapazieren die Nerven. Der gut gemeinte Versuch einer realistischen, adäquaten Darstellung der Alzheimer-Krankheit wirkt insgesamt ohnehin eher ermüdend, sodass gerade der zweite Teil doch recht langatmig geraten ist. Sehr angestrengt wirken schliesslich die als Zugeständnis an die Hauptfigur gedachten poetischen Elemente. Was Julian Schnabel in seinem Literatenporträt «Before the Night Falls» mit einer perfekten Symbiose aus Bild und Text so ausgezeichnet gelungen ist, verkommt in «Iris» bisweilen leider zu platter Symbolik.