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Bei der natürlichen Familienplanung handelt es sich nicht einfach um eine weitere Methode zur Empfängnisverhütung. Vielmehr ist es das Erlernen eines bewussten Umgangs mit der eigenen Fruchtbarkeit. Die Frau muss bereit sein, sich mit Ihrem Köper und dessen Signalen auseinanderzusetzen und kennenzulernen. Aus diesem Grund spricht man nicht von einer Verhütungsmethode, sondern von einer Methode zur Familienplanung oder zur Empfängnisregelung. Diese Methode muss erlernt werden und kann nicht vom ersten Zyklus an als Verhütungsmethode sicher angewendet werden.
Was natürliche Familienplanung bedeutet
1965 beschrieb der österreichische Arzt Josef Rötzer zum ersten Mal die symptothermale Methode. Sie basiert auf der Tatsache, dass sich anhand von körperlichen Symptomen (sympto) und der Körpertemperatur (thermal) die fruchtbaren Tage sehr genau bestimmen lassen.
Körpertemperatur: Diese steigt ungefähr zwei Tage nach dem Eisprung messbar an und bleibt bis zur nächsten Menstruation erhöht. Dieser Temperaturanstieg wird durch das Hormon Progesteron verursacht, welches nach dem Eisprung im Gelbkörper gebildet wird. Das Ende der fruchtbaren Phase wird angenommen, wenn die Körpertemperatur an drei Tagen in Folge um mindestens 0.2° Celsius höher liegt als an den vorangehenden sechs Tagen. Um eine aussagekräftige Temperaturkurve zu bekommen, wird jeden Morgen nach dem Aufwachen und vor dem Aufstehen die Basaltemperatur gemessen.
Zervixschleim: Dieser wird in den Drüsen des Gebärmutterhalses gebildet und dient den Spermien als Nahrungs- und Transportmittel. Abhängig vom Östrogenspiegel verändert der Zervixschleim seine Konsistenz im Verlaufe des Zyklus und liefert dadurch wichtige Hinweise über fruchtbare und unfruchtbare Phasen. Um den Eisprung herum ist er klar, durchsichtig, zwischen zwei Fingern spinnbar, glitschig und gleicht in seiner Konsistenz rohem Eiweiss.
Gebärmutterhals (Muttermund): Auch er verändert sich während des Zyklus. Nach der Menstruation ist er hart, verschlossen und reicht tief in die Scheide hinein. Vor dem Eisprung öffnet er sich. Er fühlt sich weich an und steigt etwas höher, sodass er sich möglicherweise nicht mehr so leicht ertasten lässt. Nach dem Eisprung verschliesst er sich wieder, wird hart und ragt erneut in die Scheide hinein. Die Selbstuntersuchung des Gebärmutterhalses empfiehlt sich vor allem für Frauen, bei denen wenig oder gar kein Zervixschleim vorhanden ist.
Die Verantwortung für die Verhütung teilen
Wenn Sie sich für die natürliche Empfängnisregelung entscheiden, liegt die Verantwortung für eine sichere Verhütung nicht nur bei Ihnen allein. Ihr Partner ist genau so wie Sie dafür verantwortlich, dass an den fruchtbaren Tagen kein oder nur geschützter Geschlechtsverkehr stattfindet. Viele Frauen erleben dies als einen Vorteil, vor allem, wenn der Partner mit der Zeit ein Verständnis für die verschiedenen Phasen des weiblichen Zyklus entwickelt. Bedingung ist allerdings, dass er den Entscheid voll und ganz mitträgt, damit es nicht jedes Mal zu Diskussionen kommt, wenn ungeschützter Sex nicht möglich ist.
Keine Nebenwirkungen
Der grosse Vorteil der natürlichen Empfängnisregulierung ist das Fehlen von Nebenwirkungen, wie sie bei hormonellen Verhütungsmittel häufig auftreten. Für viele Frauen ist dies ausschlaggebend, diese Methode anzuwenden. Sie empfinden es als spannend zu erleben, wie sich die verschiedenen Phasen des Zyklus anfühlen. Dazu können unter Umständen auch Menstruationsbeschwerden gehören, woran sich Frauen, die zuvor dank der Pille beschwerdefrei waren, zuerst wieder gewöhnen müssen.
Natürliche Empfängnisregulierung bei Kinderwunsch
Frauen, die bereits vor der dem Kinderwunsch die natürliche Familienplanung anwenden, kennen ihren Zyklus schon sehr genau, wenn sie schwanger werden möchten. Dies ist hilfreich, wenn man die fruchtbaren Tage voll ausschöpfen möchte. Die Dokumentation des Zyklus kann wertvolle Hinweise liefern, wenn die Erfüllung des Kinderwunsches auf sich warten lässt.
Informationen über natürliche Familienplanung
Im deutschsprachigen Raum sind es heute vor allem zwei Institutionen, die Informationsmaterial für Anwenderinnen und medizinische Fachpersonen erarbeiten, Paare in der Anwendung schulen und Beraterinnen ausbilden.
Das Institut für Natürliche Empfängnisregelung INER