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Umweltverschmutzung gehört weltweit zu den grössten Bedrohungen für unsere Gewässer. In welchem Ausmass auch verlorene Köder und Fischereimaterial, etwa durch Hänger oder Abriss, Gewässer verschmutzen können wurde bisher aber kaum untersucht. Eine Studie eines Teams der Technischen Universität München um Jürgen Geist nutzte die Entleerung eines Stausees, um den Einfluss von im Gewässer zurückgebliebenem Fischereimaterial auf die Umwelt zu untersuchen.
Der Eixendorfer Stausee ist ein 6.5km langer und maximal 13m tiefer Stausee im Osten von Bayern. Im See, der vom Fischereiverein Neunburg e.V. mit ungefähr 500 Mitgliedern bewirtschaftet wird, kommen viele fischereilich spannende Arten wie Egli, Zander, Hecht, Karpfen und Wels vor. Dementsprechend viele Fischer sind am See unterwegs. Der See wird für Wartungsarbeiten regelmässig entleert. Die Entleerung des Sees im Jahre 2021 wurde genutzt, um auf dem Seegrund verlorenes Fischereimaterial zu suchen, systematisch zu erfassen und mögliche Folgen für die Umwelt abzuschätzen.
Abbildung aus Pander et al. (2022): Verschiedene Köder und Fischereimaterial, das während der Studie im See gefunden wurde. Das Material wurde in 15 Kategorien (A-O) eingeteilt.
Bei abgelassenem Wasser wurden im Stausee insgesamt 5544 Gegenstände mit total 65kg Gewicht gefunden, zum Beispiel alte Gummifische, Wobbler, Posen oder Futterkörbe. Über den ganzen See entspricht dies einem Gegenstand pro 100m2. So wurden mehr als 5km Angelschnur in verschiedenen Durchmessern geborgen, der grösste Anteil an den 65kg gefundenen Materials hatte aber Blei mit 45kg. Auch in der Schweiz stammt ein beträchtlicher Teil des Bleieintrags in die Gewässer aus der Fischerei, siehe dazu das von der Jagd- und Fischereiverwaltungskonferenz erstellte Merkblatt «Hände weg vom Blei». Ein wenig mehr als die Hälfte des im Eixendorfer Stausee gefundenen Materials stammte von aktiven Fischereimethoden wie Spinnfischen (53.4%), passive Methoden wie Grund- oder Posenfischen hatten einen Anteil von 45.1% am Gesamtgewicht. Verlorenes Fischereimaterial birgt verschiedene Gefahren: Vögel, Säugetiere und andere Wasserlebewesen können sich in alter Schnur verfangen, zurückgebliebene Köder und insbesondere Haken können direkte Verletzungen verursachen. Dazu kommt die Wasserverschmutzung durch das Austreten von giftigen Verbindungen, Weichmachern, Abbauprodukten und Mikroplastik.
Die Resultate der Studie zeigen auf, dass sich in fischereilich genutzten Gewässern eine grosse Menge altes Fischereimaterial ansammeln kann. Dies kann eine Bedrohung für gesunde Gewässer darstellen. Umweltverschmutzungen durch Fischereimaterial sollte deshalb unbedingt mehr Aufmerksamkeit zukommen. Der Einfluss von verlorenen Ködern, Schnur und Gewichten sollte wenn möglich in die Bewirtschaftung von Gewässern miteinbezogen werden, zum Beispiel durch den Verzicht auf besonders problematische Gegenstände oder Materialien wie Blei. Die erfordert allerdings ein Umdenken in vielen traditionell angewandten Fischereimethoden. Es ist deshalb zu hoffen, dass der Markt zunehmend alternative Köder und Zubehör anbietet, das für die Umwelt weniger schädlich ist, wie zum Beispiel Gewichte aus Tungsten, Stein oder ungiftige Gummiköder. Wir Fischerinnen & Fischer müssen als gute Beispiele und Botschafter des Naturschutzes vorangehen.
Literatur:
Pander, J.; Dobler, A.H.; Hoos, P.; Geist, J. Environmental Pollution by Lost Fishing Tackle: A Systematic Assessment in Lake Eixendorf. Environments 2022, doi:10.3390/ environments9110144