Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03323.jsonl.gz/1317

Bekanntlich fanden in den Jahren 1923 - 1933 insgesamt 6 Bergprüfungsfahrten auf der historischen Bergstrasse von Gisikon-Root nach Michaelskreuz statt (1923/24/25/26/31/33).
Es starteten vorwiegend Motorräder, aber auch Rennvelos und als besonders Aufsehen erregende Attraktion der legendäre Bugatti Typ 35 Kompressor-Rennwagen, pilotiert von Alois Muff aus Hellbühl als Vorfahrer zur Eröffnung des letzten offiziellen Rennens.
Als Muff am ominösen 9. Juli 1933 bei einem spektakulären Unfall seinen teuren Bugatti an einen Baum fuhr, wurden die Rennen nach 1933 nicht mehr offiziell durchgeführt und seither nicht wieder aufgenommen.
Muff hat den Unfall ohne grössere Verletzungen heil überlebt. Seither wird die Kurve knapp 100 m unterhalb des Zieles von Eingeweihten „Muff-Rank“ genannt. Der unter grossem Schock stehende Alois Muff soll nach dem fürchterlichen Crash spontan ausgerufen haben „S’esch fertig met em Muff!“ und die Rooter Fasnächtler machten sich einen Spott daraus: „Muff fuhr ans Rennen mit dem Bugatti und kam nach Hause mit einem Cabutti“. Der Umstand, dass zu dieser Zeit der Zweite Weltkrieg bereits seinen alles vernichtenden Lauf nahm, trug massgeblich dazu bei, dass die Rennen fortan nicht mehr durchgeführt wurden. Seither sind diese historisch bedeutenden Bergprüfungsfahrten und der verunfallte Bugatti zur Legende geworden und nach nunmehr über 70 Jahren schon fast in Vergessenheit geraten.
Nur wenige Zeitzeugen, die sich an die legendären Rennen noch erinnern, leben noch heute. Ebenso haben nur wenige Zeitdokumente überlebt und müssen mühsam aus verstaubten Archiven zusammengesucht werden. Einiges bleibt aber für immer verschollen. Vor allem der legendäre Alois Muff, der nicht nur als Rennfahrer, sondern auch als Volksmusiker und Lebemann bekannt war, nahm kurze Zeit später einige Ungereimtheiten, die um sein kurzes aber intensives Leben ranken, mit ins Grab, als er 1939 unter nie richtig geklärten Umständen an seinem letzten Wohnort, an der Voltastrasse in Luzern im blühenden Alter von erst 34 Jahren all zu früh aus dem Leben schied. Doch seine Volksmusik und der Bugatti haben überlebt.
Im Rahmen einer Oldtimerveranstaltung wurde das Michaelskreuzrennen im 2005 erstmals wieder in das Leben gerufen.
Der Erfolg des Anlasses hat das Organisationskomitee dazu bewogen, die Erinnerungsfahrten im Dreijahreszyklus zu wiederholen.