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Schon länger mache ich die Beobachtung, dass Kinder, die visuell-räumlich sehr interessiert und begabt sind, oft auch mathematisch, im Speziellen im wahrnehmungsgebundenen logischen Denken, ausserordentliche Stärken zeigen.Da gab es die Beobachtungen im persönlichen Umfeld von einem äusserst guten räumlichen Orientierungssinn, und das schon mit 4 Jahren. Gespielt wurde vor allem aus der Fantasie und mit sehr komplexen dreidimensionalen Gebilden mit Lego und Kappla; in der Schule zeigten sich mit fortgeschrittenem Alter ausserordentlich gute Leistungen in der Mathematik.
Oder ein anderes Kind, bei dem sich schon mit 9 Jahren visuell-räumliche Abbildungen mit einer Parallelperspektive beobachten liessen, die sich bei einer «normalen Zeichenentwicklung» sonst eher bei 12-Jährigen zeigen. Bei einer Abklärung mit dem Hawik 5 wurde ein sehr hoher Wert im wahrnehmungsgebundenen logischen Denken gemessen. Kinder mit einem hohen Messwert in diesem Bereich fallen oft durch besondere Fähigkeiten im mathematischen Denken auf. Dieses Denken muss nicht unbedingt mit guten Leistungen und Interesse am Einmaleins, an Subtraktion oder Addition in Verbindung stehen. Diese mathematischen Basics können Kinder manchmal auch langweilen, weil sie zu eintönig unnd mit zu vielen Repetitionen verbunden sind. Bisher konnte ich diese Verbindung von visuell-räumlicher Begabung und mathematischem Denken eher in einer persönlichen Einschätzung herstellen, eine wissenschaftlich belegte Verbindung der beiden Bereiche im Folgenden:
Vor Kurzem las ich den Artikel «So lernen Kinder besser rechnen» im Tagesanzeiger. Darin wurde eine Verbindung der Bereiche visuell-räumliche Begabung, insbesondere des Gedächtnisses, und mathematisches Denken aufgezeigt. Begründet wird diese Begabung vom Studienleiter Klingenberg, Professor für Neurowissenschaft (The impact of digital media on children’s intelligence while controlling for genetic differences in cognition and socioeconomic background ), neurologisch. In demselben Bereich des Gehirns, in dem das mathematische Denken erfolgt und Zahlen verarbeitet werden, liegt auch die Zuständigkeit für das visuell-räumliche Vorstellungsvermögen. Diese Verbindung wurde sich innerhalb der Studie, an der 17 000 Kinder teilnahmen, zunutze gemacht. Die Studie zeigt, wie Mathe-Apps Kinder dabei unterstützen, ihre mathematischen Fähigkeiten zu trainieren. Interessanterweise liegt der Schwerpunkt der empfohlenen Apps nicht auf mathematischen Fertigkeiten, sondern vielmehr auf Bereichen, die sich dem visuell-räumlichen Denken zuordnen lassen. Dabei zeigt sich, dass Mathematik mit Üben zu verbessern nur teilweise zu stimmen scheint. Viel effektiver seien Apps, die die visuell-räumlichen Fertigkeiten betreffen. Die schwedische Studie belegt, dass vor allem bei jüngeren Kindern durch Aufgaben, die das visuell-räumliche Arbeitsgedächtnis ansprechen, auch das logisch-mathematische Denken geschult wird. Diese Art von Aufgaben lassen sich im App-Vektor finden. Aber auch für die Apps ist Training erforderlich, die Kinder arbeiteten täglich 20 bis 30 Minuten im Verlauf von 7 Wochen.Im Tagesanzeiger-Artikel werden unter anderem Fingu, Fingerzahlen-Fingermengen, Klötzchen, Vektor (die schwedische Studie wurde mit dieser App durchgeführt) und weitere erwähnt.
Sicher kommt diese Trainingssituation dem spielerischen Vorgehen und der Neugierde der Kinder gegenüber digitalen Medien entgegen. Eltern führt diese digitale Vorgehensweise aber auch etwas in ein Dilemma. Auf der einen Seite ist man insbesondere bei kleineren Kindern noch um einen gemässigten Medienkonsum bemüht, auf der anderen Seite erscheint es wissenschaftlich erwiesen, dass sich die Auseindersetzung mit diesen Apps positiv auf die rechnerischen Fähigkeiten auswirkt. Laut der Studie hätten sich diese Fähigkeiten bei allen teilnehmenden Kindern verbessert. Der Blick der Förderung bezieht sich aber offenbar vor allem auf die Verbesserung der mathematischen Fähigkeiten von Kindern, bei denen diese noch nicht so ausgeprägt sind. Wie es sich bei besonders begabten Kindern und ihrem visuell-räumlichen Arbeitsgedächtnis verhält, bleibt offen.
Visuell-räumliche Begabungen und Interessen sinnlich und kreativ fördern
Sicher fällt Ihnen bei Ihrem Kind auf, dass es stundenlang mit visuell-räumlichen Spielsachen, wie Lego oder auch Kappla, spielen kann. Ein faszinierender Aspekt dieser Spielmaterialien sind die vorgegebenen Elemente, die sich immer neu zusammenstellen lassen. Kreatives Denken, neue Ideen, Originalität, Flexibilität sind bei diesen Materialien möglich. Materialien wie Ton, Speckstein oder Gips fördern das kreative Denken stärker, erfordern aber oft ein technisches Know-how. Materialien für dreidimensionales Gestalten sind in der Regel teuer und hinterlassen nach der Tätigkeit Rückstände, die weggeräumt werden müssen, beides Umstände, die nicht wirklich für das dreidimensionale Gestalten der Kinder zu Hause, vor allem ohne Aufsicht, sprechen.
Es geht aber auch einfacher und günstiger.
Seit über 15 Jahren begleite ich Kinder und Jugendliche in Mentoraten mit Schwerpunkt Kunst und visuell-räumlichen Projekten. Dabei haben sich einige Materialien als sehr beständige Basics herausgestellt, die sich auch gut zu Hause nutzen lassen. Dazu gehören für jüngere Kinder Karton, Schere, Malerklebeband und Niedrigtemperatur-Heissleim von Uhu. Für ältere Kinder und Jugendliche darf es anspruchsvoller sein, da kommen ein Teppichmesser, Metallmassstab, Heissleim, auch mit höheren Temperaturen, und Architekturkarton hinzu. Projekte mit diesem etwas teureren Material sind ideal für eine Planungsphase von Skizzen zu exakten Plänen mit Massen und einer exakten Umsetzung, bei der sich z. B. Hausteile gut zusammenfügen lassen. Haushaltsmaterialien wie Trinkhalme, Rührstäbe oder eine Art Bastelstäbchen sind ebenfalls spannende Materialien, die in Kombination mit Heissleim sehr kreative, experimentierende Projekte zulassen. Mit all diesen Materialien werden Kinder auf ihrem individuellen Lernweg angeregt und können sich und ihr kreatives Denken ohne vorgegebene Produkte erproben.
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