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"Wer schreibt, muss zuallererst mit sich selbst fertig werden.", schreibt Jürgen Ploog im Nachwort zu dieser Textsammlung von Jörg Fauser. "Elements" umfasst sowohl Gedichte aus seiner Zeit in Tophane, als auch Prosa und Reportagen. Der Mann, der sein ganzes Leben "in der Windstille der Sucht" verbrachte, brauchte aber – in seinen eigenen Worten weder Opium noch Alkohol, "sondern die Essenz der Vergangenheit, die Kunst, im Wort zu überleben und manchmal die Frau".
"Nachmittage in der Interzone der Infernos"
Als "Agent der Tristesse und Agonie" (O-Ton) hatte Fauser seine Schriftstellerkarriere begonnen, sich aber bald zu einem der interessantesten deutschen Autoren entwickelt, der zwar von Bukowski und Burroughs (und den Noir-Autoren) beeinflusst wurde, aber dennoch einen ganz eigenständigen und unverwechselbaren Stil hatte. In "Nirwana im Norden" beschreibt er die Marxisten in der Beletage, armenische Existenzialisten und kirgisische Doppelagenten und Spione und vor allem den "einzigen Laut unser Atem". Denn als "ausgebranntes Opfer der psychodelischen Psychose" verbrachte er seine Nachmittage gerne "in der Interzone der Infernos" seiner Sucht, blieb aber dennoch produktiv und schrieb. Und zwar keineswegs "toujours le meme chose". Einer der letzten Sätze des Nirwana-Beitrags lautet denn auch: "Am besten du wirst Schriftsteller. Das ist das beste High, das es gibt."
"Kid der Koma-Zone"
Eine andere Geschichte, "All you need is Istanbul" verballhornt nicht nur das berühmte Lied der Beatles, sondern auch die anderen Auswüchse der 1960er-Jahre als dessen kritischer Sympathisant und Trittbrettfahrer Fauser ohne weiteres bezeichnet werden könnte. "Das kahle Kid der Koma-Zone", wie er einen seiner Protagonisten nennt, hätte es ohne die kulturelle Revolution von 1968 sicher nicht weit gebracht. Obwohl er damals in einem Dachboden in Istanbul saß und sich Gift in die Venen spritzte. Fauser beschreibt nicht nur die "typische Suchtpersönlichkeit", sondern gibt in einem "kurzen Junk-Vokabular" Einblicke in die Welt der Sucht. Denn sehr wohl ist ihm klar, dass sich gerade die vielversprechende Generation der 20- bis 30-jährigen das Hirn wegschießt, da gerade sie die potentielle Opposition verkörpern. Welcher Verlust also. Denn die meisten konnten sich nicht durch das Schreiben von ihrer Sucht befreien, sondern fielen - wie Soldaten in einem Krieg - dem Junk zum Opfer.
Ein Schriftsteller, den man neu entdecken sollte. Gerade jetzt, da Diogenes seine Werke aus Anlass des 75. Geburtstages neu auflegt. Jörg Fauser fiel am 17. Juli 1987 einem Autounfall zum Opfer.