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Der 51-jährige Niederländer Dijsselbloem hatte den prestigeträchtigen Posten im Januar 2013 vom heutigen EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker übernommen. Anfangs gab es durchaus Zweifel an seiner Eignung. Denn der Sozialdemokrat war zum Zeitpunkt seiner Ernennung erst seit elf Wochen Finanzminister und hatte keinerlei Erfahrung in diesem Bereich.
Dass Dijsselbloem dennoch schnurstracks Eurogruppen-Chef wurde, hatte er vor allem seiner Nationalität zu verdanken. Die Niederlande gehörten damals zu den wenigen Euro-Staaten, deren Finanzlage in der Krise noch mit der Spitzennote "AAA" bewertet wurde. Das Land erschien aber zugleich nicht so dominant wie Deutschland.
"Ich werde ganz bestimmt versuchen, Brücken zwischen dem Norden und dem Süden zu bauen", versprach Dijsselbloem zum Amtsantritt und setzte sich im März 2013 postwendend bei der Zypern-Rettung in die Nesseln. Nach der Einigung auf einen Hilfsplan für das Krisenland deutete er an, dass dieser Vorbild für weitere Rettungsaktionen sein könnte.
Seine Zypern-Rettung liess Banken zittern
Problem: Die damalige Zypern-Rettung sah eine massive Beteiligung von Bankanlegern vor und die Abwicklung einer Bank. Europas Börsen reagierten mit starken Kursverlusten, auch der Euro geriet unter Druck. Ein Finanzanalyst verglich Dijsselbloem damals mit einem "wandelnden Pulverfass".
Obgleich er spätestens dann wusste, dass seine Worte als Eurogruppen-Chef auf die Goldwaage gelegt werden, überwand der Fan der britischen Komiker-Truppe Monthy Python seine Neigung zu flotten Sprüchen nie so ganz: Für Aufruhr sorgte im März eine Aussage zu angeblicher Geldverschwendung in Südeuropa. "Ich kann nicht mein ganzes Geld für Schnaps und Frauen ausgeben und anschliessend Sie um Ihre Unterstützung bitten", sagte Dijsselbloem. Aus Italien und Portugal kamen postwendend Rücktrittsforderungen.
Durch die Dauerkrise um das vom Staatsbankrott bedrohte Griechenland steuerte Dijsselbloem aber weitgehend unbeschadet. Denn in der Sache gilt er als ruhige Hand, der die widerstreitenden Interessen im Club der Euro-Finanzminister auf einen Nenner bringen konnte.
In der Griechenland-Krise sei Dijsselbloems Rolle "manchmal entscheidend" gewesen, sagt der ehemalige französische Finanzminister Michel Sapin. "Für Frankreich, das entschlossen war, den Platz Griechenlands in der Eurozone zu verteidigen, war er ein unverzichtbarer Partner." Dabei sei ihm der Spagat gelungen, "respektvoll gegenüber den Griechen" zu sein und gleichzeitig "auf die Deutschen einzugehen".
Verlust der Ministeramts
Als Fan des Sozialdemokraten zeigte sich schliesslich auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), der vor Dijsselbloems Wahl für eine zweite Amtszeit 2015 anfangs noch den Spanier Luis de Guindos unterstützt hatte. Die Zusammenarbeit mit dem Niederländer bezeichnete Schäuble dann vor einigen Monaten als "sehr gut".
Im März erlebten Dijsselbloems Sozialdemokraten in den Niederlanden ein Wahldebakel und flogen aus der Regierung. Es begann eine Debatte darüber, ob der Eurogruppen-Chef seine zweite Amtszeit auch ohne Ministeramt bis Mitte Januar 2018 zu Ende bringen darf - denn die Eurogruppe führte bisher traditionell immer ein amtierender Finanzminister.
Als Dijsselbloem nach 200 Tagen Regierungsbildung in seiner Heimat dann tatsächlich im Oktober sein Ressort abgeben musste, war dies allerdings kein Thema mehr. Da der Eurogruppen-Chef noch nicht einmal ein eigenes Büro hat, wurde auch die Frage seiner Arbeitsmöglichkeiten pragmatisch geklärt: Der Euro-Rettungsfonds ESM ernannte Dijsselbloem zum "strategischen Berater" bis zum Ende seines Mandats.
(AWP)