Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03106.jsonl.gz/1589

Simon Stocker bewirtschaftet zusammen mit seiner Familie einen 13 Hektaren grossen Bio-Landwirtschaftsbetrieb im Sennhus in Wädenswil. Zur Familie gehören seine Frau Sonja und die Kinder Raphael (6), die Zwillinge Nadine und Oliver (4), Lorenz (2), sowie seine Eltern Walter und Berti. Eine Besonderheit des Betriebes ist, dass Simon Stocker bei der Heuernte für gewisse Arbeiten zwei Freibergerpferde einsetzt.
Text & Bild: Ernst Brändli
Im Sennhus hat in den letzten 60 Jahren wie auf fast allen Landwirtschaftsbetrieben die Mechanisierung die Arbeit mit den Pferden verdrängt. Simon Stocker kannte den Umgang mit den Pferden überhaupt nicht. Als Simon vor der Entscheidung stand, bei welchen Truppen er sich für die Rekrutenschule einteilen lassen soll, riet ihm ein Berufskollege zur Train-RS. Diese absolvierte er schliesslich in Schönbüel im Kanton Bern. Dort hielt er zum ersten Mal ein Pferd am Zügel. Während dieser Zeit hat es ihn richtig gepackt und er bekam Freude an den Pferden. Er befasste sich mit dem Arbeitseinsatz von Pferden in der Landwirtschaft und stellte fest, dass dies einige weitere Landwirte in der Schweiz auch tun. Am meisten werden die Pferde im Forstbereich eingesetzt. Beim Holzrücken sind sie der Mechanisierung in vielen Teilen ebenbürtig.
Ausbildung der «Bündler»
«Bündler» werden die Freibergerpferde und Maultiere genannt, die im Train im Einsatz sind – die Train-Bundespferde. Jedes Frühjahr werden 15 bis 20 Freiberger Wallache und einige Maultiere im Alter von 4 bis 7 Jahren als Bundespferde selektioniert. Nach einer zweimonatigen Ausbildung im Nationalen Pferdezentrum Bern im Reiten, Fahren und Säumen besuchen die Jungpferde ihre erste Rekrutenschule. Nach der RS haben die Rekruten die Möglichkeit, einen «Bündler» für sich zu erwerben. Die restlichen Pferde werden an die sogenannten Pferdelieferanten der Armee verkauft. Alle «Bündler» müssen danach regelmässig ihren Militärdienst ablegen. Simon Stocker machte von diesem Kaufrecht keinen Gebrauch, da er zu diesem Zeitpunkt noch nicht bereit dazu war.
Die zwei Freibergerpferde Lanzelot, 16-jährig, und George, 13-jährig, sind auch Militärpferde.
Lanzelot hat Simon Stocker mittlerweile gekauft. Er muss nicht mehr in den Militäreinsatz. George hingegen steht noch immer im Bundesdienst. Die zwei Pferde werden auf dem Betrieb vor allem bei der Heuernte eingesetzt. Dafür hat der Landwirt extra einen Vorderwagen mit Bodenantrieb angeschafft. Beim Zetten des Futters wird der Kreiselheuer ohne fremde Energie nur mit Hilfe der Räder, eines Getriebes und einer Gelenkwelle angetrieben. Das gleiche Prinzip wird auch bei der Zubereitung der Maden zum Heueinführen angewendet. Lanzelot und George werden auch für Waldarbeiten und gewisse Transporte eingesetzt.
Simon Stocker steuert sein Gespann mit einer grossen Sicherheit und Ruhe über die Wiesen. Man sieht ihm die Freude und den Stolz richtiggehend an. Laut seinen Aussagen braucht er sicher mehr Zeit für die Arbeiten. Es ist jeweils sehr befriedigend für ihn und die Pferde, miteinander zu arbeiten und harmonieren. Die Pferde zeigen viel Freude an dieser Beschäftigung. Die Zusammenarbeit ist auch sehr beruhigend. Es stört auch nicht, wenn eines der Pferde einen kurzen Marschhalt fordert, um etwas Heu vom Boden zu fressen.
Eigene Metzgerei
Simon Stocker hat ursprünglich Metzger gelernt und in der Zweitausbildung Landwirt. Auf dem Betrieb wurden im 2018 ein kleines Schlachthaus und ein Verarbeitungsraum erstellt.
40 bis 50 Prozent seiner Arbeitszeit verbringt Simon Stocker seither mit der Schlachtung und der Verarbeitung von Tieren von Bauern aus der Region. Er bietet seinen Berufskollegen eine Möglichkeit an, dass sie ihre Tiere mit sehr kurzen Transportwegen anliefern können. Somit haben die Landwirte eine gute Möglichkeit, ihr Fleisch selbst zu vermarkten. Die eigenen Schlachttiere aus der Mutterkuhhaltung verkauft und vermarktet die Familie Stocker zum Teil direkt vom Hof.
Die Familie Stocker ist rundum zufrieden mit dem gewählten Weg und der breit abgestützten Betriebsstrategie.
www.sennhus.ch