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Methodistische Gemeinde mit wachem Blick für ihre Umgebung
18. Juni 2020
«Wir bemühen uns, Brücken zwischen der Gesellschaft und der Methodistenkirche zu schlagen und Beziehungen aufzubauen. Dies erfordert Zeit und Geduld», sagt Jessica Morris Ivanova. Sie ist Pfarrerin der Methodistengemeinde in Schumen in Ostbulgarien. Die Gemeinde versorgt im Winter alte und behinderte Menschen mit Mahlzeiten. Ausserdem betreibt sie ein Zentrum, in dem Kinder beim Lernen unterstützt werden.
Die methodistische Gemeinde in Schumen, 90 km westlich der Schwarzmeerstadt Varna in Bulgarien, war während ihrer bewegten Geschichte immer darum bemüht, den Menschen in ihrer Umgebung nahe zu sein. Vor 150 Jahren wurde die Gemeinde gegründet. 25 Jahre später erfolgte der Bau der Kirche. Während der Zeit des kommunistischen Regimes war diese Gemeinde eine von drei methodistischen Gemeinden, die nicht geschlossen wurden. Stattdessen blieb sie ein Zentrum für die Verteilung von Bibeln und christlicher Literatur in ganz Bulgarien.
Neuausrichtung an den Bedürfnissen
In den 1990er-Jahren entwickelten die Methodist/innen in Schumen ein Sozialprogramm. In Kooperation mit einer Partnergemeinde in Deutschland bauten sie ein Sozialzentrum in einem separaten Gebäude auf. Darin befand sich eine stationäre Pflegeeinrichtung und ein Geschäft für gebrauchte Kleidung. Steigende medizinische Kosten, höhere Auflagen und veränderte gesellschaftliche Bedürfnisse sorgten jedoch für eine Neuausrichtung der sozialdiakonischen Arbeit. Eine Arbeit mit Kindern und Obdachlosen trat an die Stelle des medizinischen Dienstes. Auch für diese Neuausrichtung analysierten die Verantwortlichen das Umfeld mit seinen Nöten und Bedürfnissen, um darauf in hilfreicher Weise zu antworten.
Ein Kinderzentrum entsteht
Dies führte schliesslich zu einer Profilierung der sozialdiakonischen Arbeit der Gemeinde, zu der sich heute rund 70 Mitglieder und Freunde zählen. In Schumen, so zeigte sich, gab es überdurchschnittlich viele Kinder, die ihre schulische Ausbildung vorzeitig abbrechen. Zudem war es für berufstätige Eltern schwierig, während der langen Sommerferien einen guten Ort für ihre Kinder zu finden. So entstand ein Kinderzentrum. Während des Jahres bietet dieses ausserschulische Hilfe an. Während der Sommerferien wird darin eine Kindertagesstätte für Kinder von der 1. bis zur 4. Klasse betrieben.
Die Arbeit wächst schnell
Es war schwierig, die erforderlichen behördlichen Bewilligungen zu erhalten. 2018 war es dann soweit. Die Arbeit wuchs so schnell, dass im Sommer 2020 wohl eine zweite Lehrperson angestellt werden muss. Die Kinder stammen aus bulgarischen, türkischen und Roma-Familien. Einige haben Lernbehinderungen. Die Verantwortlichen arbeiten bewusst daran, eine Umgebung zu gestalten, in der sich alle angenommen und wertgeschätzt fühlen – und in der ein gemeinsames Lernen möglich ist.
Ausserdem wurde eine Winter-Suppenküche für alte Menschen und Menschen mit einer Behinderung aufgebaut. Das Ziel, 50 Personen zu versorgen, war sehr schnell übertroffen. Als mit 80 Mahlzeiten die Kapazitätsgrenze erreicht worden war, musste eine Warteliste eingerichtet werden.
Mit vereinten Kräften
Neben den angestellten Mitarbeitenden engagieren sich zahlreiche Freiwillige aus der Gemeinde. Sie leben so ihren Glauben auf ganz praktische Weise. «Pastorin zu sein war nie das, was ich mir für mein Leben vorgestellt hatte», so Jessica Morris Ivanova. «Es ist jedoch sehr erfüllend – und gleichzeitig eine riesige Herausforderung.» Sie ist seit 2016 Pfarrerin in Schumen.
In den USA geboren und aufgewachsen, wollte sie eigentlich Missionarin werden. Als solche war sie ursprünglich nach Bulgarien gekommen. Nach einer theologischen Weiterbildung, zu der sie das Land verlassen hatte, konnte sie zunächst nicht wieder nach Bulgarien zurück. Also zog Jessica Morris nach Sizilien, wo sie mehrere Jahre als Missionarin tätig war. Den Traum einer Rückkehr nach Bulgarien hatte sie schon fast begraben. Doch dann kam plötzlich eine erneute Einladung. So zog Jessica Morris 2009 wieder nach Bulgarien. Dort heirtatete sie 2016 Ivajlo Ivanov. Seit 2016 arbeitet sie auch als methodistische Pfarrerin. «Ich bin Gott dankbar für den Weg, den er mich geführt hat – und dass er weiterhin meine Kraftquelle ist. Ohne ihn bin ich nichts.»
Urs Schweizer
Beitragsbild: Jessica Morris / Ginny Whitehouse
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Jessica Morris Ivanova (45) ist gemeinsam mit ihrem Mann Ivajlo verantwortlich für die EMK-Gemeinde Schumen (Bulgarien). Ihre Tochter Stella ist 18 Monate alt.
Connexio, das Hilfswerk der Methodisten in der Schweiz, unterstützt die Arbeit der methodistischen Pastor/innen in Mittel- und Südeuropa und ihre weit in die Gesellschaft hinein reichende Arbeit.