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Story zu GN050
Dieses wunderschöne Nugget wurde auf einem „Patch“ gefunden den wir „Squeak“ (Quietschen oder Quieken) nannten. Wir ordneten den meisten Fundstellen nebst den genauen Koordinaten auch einen Namen zu der in irgend einem, zu uns bedeutsamen Zusammenhang stand. In diesem Fall war der Namensgeber ein umgestürzter „Ironbark“ (Eisenrinde Baum), der sich in einer grossen Astgabel des benachbarten Baums verfangen hatte. Bei jedem Windstoss verursachten die Bewegungen der Bäume ein durch Reibung entstehendes Quietschen. Vermutlich aber wäre der Name „Scotch Gray“ (Grosse Varietät von Moskito) für diese Lokalität mehr angebracht gewesen. Denn zu dem Zeitpunkt als wir diese Fundstelle bearbeiteten, hatten wir öfter vehemente Sommerstürme mit starken Regengüssen, die von dem im Norden herrschenden Monsun verursacht wurden. Es war sehr heiss und fast unerträglich schwül.
Um 10 Uhr morgens vermochte das Thermometer meist schon die 40°C Marke zu erreichen. Aber die riesigen Moskitos die sich im hohen Gras versteckten und uns bei jeder Störung zu hundert attackierten, waren am schlimmsten. Die Blutsauger waren so gross, dass wir uns in akuter Gefahr befanden von ihnen davon getragen zu werden. Unsere Jeans und T-Shirts präsentierten überhaupt kein Hindernis für ihre langen Rüssel, die sie wie eine glühend heisse Nadel durch unsere Haut zu bohren versuchten. Mückenschutzcreme sagen sie. Ha, dass ich nicht lache. Die chemischen Mitelchen sind ungefähr so abschreckend zu diesen Mücken wie ein kaltes Bier zu einem Australier. Sie florieren daran. Ein Schlag mit der flachen Hand auf irgend eine Körperpartie von mir, vermochte häufig mehrere dieser Ausgeburten der Hölle ins Jenseits zu befördern. Elektronischen Störungen herbeigeführt durch aufziehende Stürme, verursachten extrem viele falsche Signale in unseren Detektoren und liessen das Audiosignal sehr instabil werden. Dies wiederum führt unweigerlich dazu dass Signale schwer zu identifizieren waren oder in all dem Lärm gar untergingen und nicht gehört wurden. Dies, zusammen mit dem sehr stark mineralisierten Boden machten die Umstände sehr schwierig. Deswegen stellten wir die Arbeit meistens am Mittag ein und kehrten zu unserem Camp zurück für eine Siesta. Die ganze Natur schien unter diesen extremen Bedingungen zu leiden. Nichts rührte sich. Kein Lebewesen schien sich zu einer Bewegung aufraffen zu können. Nicht einmal „Magpie’s“, (Flötenvogel) die sich normalerweise während der heissesten Zeit des Tages ein schattiges Plätzchen suchen und stundenlang vor sich hin zwitschern waren zu hören. Die Sonne brannte unerbärmlich durch die spärliche Vegetation auf den mit Eisensteinen und Quarzfragmenten übersäten Boden. Die Hitze wurde von der staubtrockenen Erde aufgenommen, reflektiert und verwandelte die Landschaft in einen Brutofen.
Temperaturen weit über 45°C und sehr hohe Luftfeuchtigkeit gaben uns ein Gefühl als ob man die Luft abbeissen könnte. Ohne dass wir uns bewegten, lief der Schweiss in Strömen aber dies vermochte keine Erleichterung zu bringen da es absolut windstill war. Einzig das Rumpeln von weit entferntem Donner gab etwas Hoffnung auf Erlösung. Aber meist konnten die Gewitter ihre Versprechen nicht halten und entluden sich irgendwo viele Kilometer entfernt von uns. Wenn eines dieser seltenen Ereignisse dann doch über uns hereinbrach mit Sündflut artigen Regengüssen, verwandelte sich der ausgetrockneten Boden zu Schmierseife und kleine fast immer trockene Bachläufe nahmen die gestalt reissender Flüsse an. Unsere Dankbarkeit für die Erfrischung hielt sich in Grenzen, denn die Gewissheit dass so viel Feuchtigkeit im Boden die kommenden Tage nur noch unerträglicher machen würde lastete schwer. Die Sonne würde das Wasser aus der Erde saugen und die Luft mit Feuchtigkeit übersättigen. Jede noch so kleine Pfütze würde zur Kinderstube von Millionen Moskitos und „Sandflies“ (Sandfliegen) werden. Diese blutrünstigen Insekten würden uns dann in unzähligen Nummern erbarmungslos attackieren in ihrer unerschöpflichen Gier nach Blut und uns das Leben schwer machen.
Meist aber zogen die Unwetter an uns vorbei und erlaubten uns am späten Nachmittag noch ein- oder zwei Stunden zu arbeiten in der Nähe des Camps.
Der „Patch“ befand sich ca. 30 Meter entfernt vom Anfang eines „Gullys“ ( kleiner Bachlauf oder Erosionsrinne) fast ganz oben auf einem stark bewaldeten mit Felsvorsprüngen übersäten Hügelrücken. Am Ende dieses kleinen „Gullys“, wo es sich in einer mit hohem Gras bewachsenen Ebene verliert am Fusse der „Ridge“, (langgezogener Hügel) hatten wir kurz zuvor zwei kleine aber recht gute Fundstellen. Rolf fand eine davon und nannte sie „Snake“ (Schlange), aus Gründen die wir in der Story zu einem anderen Nugget beschreiben werden.
Während Rolf sich langsam an der Seite des „Gullys“ entlang den Hügel vom „Snake Patch“ hinaufarbeitete und hin und wieder ein schönes Nugget ausgrub, lief ich schon den zweiten Tag kreuz und quer über den Hügelrücken. Ich vermutete dass das Gold von der „Snake“ und Rolfs momentanen Funden ihren Ursprung irgendwo auf diesem Hügel hatten. Der Boden hatte praktisch keine Humus Schicht und bestand hauptsächlich aus scharfkantigem stark mineralisiertem dunkelbraun bis schwarzem Schiefergestein. Wie weiter hinauf ich kam umso mehr kleine Quarzbänder wurden im Fels sichtbar. Es grenzt fast an ein Wunder dass auf solchen Böden überhaupt etwas gedeihen kann. Die ersten Anzeichen dass meine Vermutung vielleicht der Realität entsprechen könnte, entdeckte ich am Rande des „Gullys“ eine kurz Distanz unterhalb von wo es entsprang. Fast nicht erkennbar unter einigen kleinen umgestürzten Bäumen und vom reichlichen Graswuchs zugedeckt glaubte ich einige kleine Dreckhaufen zu sehen. Nachdem entfernen von Fallholz und Gras, war ich mir dann fast sicher dass es sich hier um Prospektionsarbeiten von den „Oldtimers“ handelte. Ich suchte die Haufen sorgfältig mit dem Detektor ab und siehe da, mein erstes Nugget seit zwei Tagen. Nun fing es an interessant zu werden. Ich befreite den Rest der Dreckhaufen von jeglichen Hindernissen und suchte weiter. Das Resultat dieser Strapazen bestand aus drei kleinen Nuggets, wovon nur eines knapp über einem Gramm wog. Die Tatsache aber dass das Gold nur leichte Abnützungserscheinungen aufwies und die guten Funde weiter unten an diesem Hügel, gaben mir die Hoffnung dass uns noch etwas gutes bevorstand. Überall lagen umgefallene Bäume kreuz und quer übereinander die ich entfernen musste und die vielen Grasbüsche setzten beim ausreissen haufenweise Pollen und Staub frei was meine Augen und Nase zu mini Niagara Fällen umwandelte. Ganz zu schweigen von den Moskitos die, von ihren Verstecken gescheucht, ihren Missmut an mir ausliessen indem sie versuchten mich leer zu saugen. Das Aufräumen in dieser Affenhitze brachte mich fast um und ich benötigte des öfteren kurze Pausen im spärlichen Schatten eines etwas dichteren Gestrüpps in meiner Nähe. Das Wasser aus meiner Trinkflasche war heiss genug um damit Tee zu kochen. Ich bin überzeugt das kein Schluck jemals meinen Magen erreichte. Denn das Wasser schoss mir sofort wieder aus allen Poren. Die ganze Plackerei bis am Mittag belohnte mich noch mit einem 5 Gramm Nugget. Nicht gerade Weltbewegend aber trotzdem blieb es spannend. Während wir uns im Schatten eines aus Gras und Ästen erstellten Sonnenschutzes ausruhten, und ein paar Äpfel vertilgten, wurde der Entschluss gefasst nur eine kurze Mittagspause zu machen und dann sofort wieder loszulegen.
Wir hatten zwei Probleme im Moment. Erstens war klar dass wir nicht bis am Abend arbeiten konnten, denn die Gewitter fingen schon wieder an aufzubauen was unsere Detektoren mit einer Geräuschkulisse von biblischem Ausmass quittierten. Zweitens würde morgen unsere „Prospecting Permit“ (Prospektionserlaubnis) für diese Gegend auslaufen und wir konnten keine neue beantragen wegen gewissen Ansprüchen der Uhreinwohner, die zuerst vom Staat untersucht werden mussten.
Aber aller gute Wille nützte nichts. Nach der Pause konnte ich meine Suchmaschine nicht mehr guten Gehwissens benützen. Zufiele elektrische Störungen. Ich räumte noch eine grosse Fläche auf für den nächsten Tag und als ich sah dass auch Rolf aufgab, packte ich meinen Rucksack und ging ihm entgegen. Er hatte noch einen super 8.70g. Goldkristall gefunden der tief im losen bröckeligen Fels steckte. Beinahe hätte er ihn nicht erwischt weil das Signal recht leise war und in den ganzen Störungen fast untergegangen wäre.
Zurück bei unserem Basiscamp, genehmigten wir uns zuerst einmal eine wohlverdiente Dusche und einen heissen Becher Tee im Schatten unseres Toyota 4x4 Campers. Der Morgen hatte es in sich gehabt und wir waren beide völlig geschafft. Etwas später heizte Rolf unseren Backofen ein, während ich einen Brotteig vorbereitete. All die viele Jahre im Busch, stellten wir unser Brot meist selber her. Der Backofen war eigentlich nur ein rundes circa 40cm tiefes Loch im Boden in dem wir ein grosses Feuer machten. Nachdem die Flammen erloschen waren und nur noch ein Häufchen Glut übrig war, wurde diese herausgeschaufelt und der Teig in einem schweren gusseisernen Topf ins Loch gestellt. Anschliessend streuten wir die Glut über den Topf im Loch und ungefähr eine halbe Stunde später hatten wir ein köstliches Brot auf dem Tisch. Stilleben im Busch.
Sehr früh am nächsten Morgen waren wir wieder bei der Arbeit auf unserem „Patch“. Dem stück Boden dass ich am Vortag noch aufgeräumt hatte konnte ich nur noch zwei kleine Nuggets entlocken. Es war ganz offensichtlich dass ich zwar auf dem rechten Weg war, aber genau wie die „Oldtimer“ hatte ich den richtigen Platz noch nicht gefunden. Aufräumen, suchen, aufräumen, suchen der Morgen verflog in Windeseile ohne Anzeichen eines „Patches“. Ich arbeitete langsam den Hügel hinauf und von Goldnuggets waren keine Anzeichen mehr zu sehen. Die Temperatur stieg langsam wieder in einen Bereich der in einem Backofen sehr angemessen wäre. Riesige Kumuluswolken bauten sich schon seit Stunden auf und drohten mit ihren grau-schwarzen Unterseiten und aufkommendem Donnergrollen. Mir wurde langsam klar dass dieser Arbeitstag vermutlich frühzeitig zu ende gehen würde. So beschloss ich mich das aufräumen im Moment zu unterlassen und fing wieder an meinen Zickzacklauf von vorgestern fortzusetzen. Der Boden oberhalb von wo ich gearbeitet hatte fing langsam an flacher zu werden und der verwitterte, bröckelige Fels war von einer dünnen Staubschicht überzogen. Genau neben einem eher grossgewachsenen „Spotted Gum“ (Corymbia maculata. Eukalyptus der schlechte, trockene Böden bevorzugt) heulte meine Suchmaschine auf mit einer Vehemenz die meist nur eines bedeutet. Hufeisen. Ein Blick auf den Boden aber lieferte mir keine neuen Informationen. Ich kratzte mit meinem Schuh einmal hin und zurück und wischte so 2-3cm. Staub von der Oberfläche. Anstelle des erwarteten rostigen Hufeisens aber, funkelte mir etwas Goldgelbes entgegen. Es lag einfach da. Nur so. Keine Spitzhacke war nötig, kein schweisstreibendes graben, nichts. Die ganze Plackerei unter diesen höllischen, im Moment herrschenden Umständen und dann das. Einfach aus dem Staub heben. Nachdem ich das Nugget durch blasen vom Staub befreit hatte, konnte ich es kaum glauben wie sauber und wunderschön glänzend es in meiner Hand lag. Normalerweise ist ein bisschen Wasser und eine Zahnbürste schon nötig, aber nicht in diesem Fall. Einfach betörend schön. „Super, jetzt hab ich ihn“. Sagte ich zu mir selber und meinte nicht das Nugget sondern den „Patch“. In der Absenz einer hilfreichen Person, klopfte ich mir selber auf die Schulter und fing sofort wieder an systematisch zu arbeiten. Nach ungefähr einer Stunde schweisstreibender Arbeit hatte sich aber kein anderes Nugget mehr dazu gesellt und einige Zweifel kamen langsam auf. Ich war immer noch sicher dass hier etwas sein musste aber es wurde langsam klar dass ich unverrichteter Dinge abziehen musste. Trotz der grossen Hitze, waren es die immer bedrohlicher werdenden Gewitter die uns zum aufgeben zwangen. Nachdem Rolf diese Woche einen super Tag nach dem anderen hatte, schien sein „Patch“ zu Ende gekommen zu sein. Er hatte an diesem Tag nur ein kleines 1,5 gram Nugget gefunden. Aber auch er war überzeugt dass hier noch mehr zu finden sein sollte und wir entschlossen uns auszuharren, in der Hoffnung dass die Unwetter an uns vorüberziehen würden. Aber als die ersten gigantischen Tropfen anfingen die Moskitos auf unseren armen zu erschlagen und der Wind bedrohliche Ausmasse annahm, packten wir zusammen und machten uns auf den Heimweg. Als wir bei unserem Camp ankamen, schüttete es in strömen und der Wind blies den Regen quer durch unseren super Geländewagen. (Mini Moke) Es schüttete die ganze Nacht sündflutartig und zwang uns die nächsten Tage in der nähe des Camps zu arbeiten, was zu ein paar sehr guten Funden führen sollte. Aber das ist eine andere Story. Und bevor ich es vergesse. Es dauerte nahezu zwei Jahre bis wir wieder zurück zu „Squeak“ kamen. Wenn es sie interessiert, schauen sie doch hin und wieder bei uns rein die Fortsetzung folgt hoffentlich bald.