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Wo heute uralte Fabrikgebäude stehen und sich unterschiedlichste Unternehmen angesiedelt haben, soll in Zukunft ein modernes Quartier aus Wohnblöcken, Gewerbegebäuden und Grünflächen entstehen. Das sieht zumindest das Projekt «Le Parc des Falaises» zweier belgischer Architekten für das ehemalige Winckler-Areal in Marly vor. Am Architekturwettbewerb Europan 12, an dem junge Architekten aus ganz Europa teilgenommen haben, setzten sie sich gegen 30 andere Teams durch.
Seit 30 Jahren kein Konzept
1979 ging die Firma Winckler Konkurs. Das Gelände, auf dem Winckler über 50 Jahre lang angesiedelt war und das sich nach der Perollesbrücke links in Marly befindet, wurde versteigert. Seither gab es kein ganzheitliches Konzept für das Areal, verschiedene Projekte scheiterten (siehe auch Kasten zur Geschichte). «Die Eigentümer kamen mehrmals mit Vorschlägen, aber ich musste bei allen abwinken», sagt Gemeinderat Jean-Marc Boéchat, seit 2001 zuständig für die Raumplanung. Die Vorschläge seien entweder nicht zonenkonform gewesen oder hätten nicht den Vorstellungen von Gemeinde und Agglomeration Freiburg entsprochen. «Die Gemeinde musste aktiv werden.» Grossen Spielraum hat sie jedoch nicht, denn sie besitzt auf dem ehemaligen Winckler-Areal kein Land. Im Oktober 2012 sprach der Generalrat jedoch den Kredit von rund 150 000 Franken für die Ausschreibung mittels Architekturwettbewerb.
Areal in vier Teile gliedern
Das Siegerprojekt sieht nun vor, das Gelände in vier Teile zu gliedern. Im Gebiet in Richtung Perollesbrücke sollen Wohnblöcke entstehen. Anschliessend soll eine Grünfläche folgen. Dann ist ein Abschnitt geplant, in dem Wohnungen und Gewerbe Platz finden. Und der vierte Teil des Geländes befindet sich in einer sogenannten Zone von allgemeinem Interesse. Dort sollte ein Gebäude der Gemeinde oder des Kantons entstehen.
«Diese Struktur ist eigentlich schon so vorhanden, wir haben lediglich die Grünfläche hinzugefügt», sagte Mircea-Calin Munteanu, der das Projekt zusammen mit seinem Kollegen Cristian Panaite entworfen hat.
«Wir stellen uns vor, dass das Projekt in etwa so realisiert werden könnte», sagt Jean-Marc Boéchat. Von den anderen prämierten Projekten könnten allenfalls zusätzliche Ideen einfliessen. Boéchat hielt gestern kategorisch fest: «Es ist Zeit, das Areal Winckler zu beerdigen und Platz für Neues zu schaffen.»
Details noch sehr unklar
Vieles ist aber noch unklar. Die Fläche des Areals beträgt 450 000 Quadratmeter, in die Planung miteinbezogen wurde ebenfalls das Gebiet Saint-Sacrement, das 170 000 Quadratmeter gross ist und auf dem sich eine Kirche und Wohnungen für Ordensleute befinden.
Wie gross die geplanten Wohnblöcke werden sollen und wie viele Wohnungen in welcher Grösse darin Platz finden, ist noch unklar. Genauso steht noch nicht fest, wie gross die Gewerbefläche werden soll. Dies müssen die Investoren bestimmen, indem sie einen Detailbebauungsplan erarbeiten. Gemäss Boéchat seien die Landeigentümer–oder zumindest einige von ihnen–bereit zu investieren. Möglicherweise würden auch die Haupteigentümer die restlichen Landteile kaufen. Vorgesehen ist, dass alles neu gestaltet wird und nur die Gebäude Saint-Sacrement sowie ein Ausbildungszentrum für Logistik, das seit 2001 auf dem Gelände steht, bleibt.
Steht der Detailbebauungsplan einmal, müssen Gemeinde und Kanton diesen bewilligen. Im Rahmen der Agglo-Projekte soll die Ortsdurchfahrt von Marly 2015 saniert werden und so auch die Zufahrt ins ehemalige Winckler-Areal verlegt werden. Danach könne es mit der Planung für die Überbauung des Areals weitergehen, erläuterte Gemeinderat Boéchat.
Planung zonenkonform
Das Winckler-Areal befindet sich momentan noch in einer Arbeitszone. Die Gemeinde hat in diesem Jahr begonnen, die Ortsplanung zu revidieren; diese sieht vor, das Gebiet in die Mischzone aufzunehmen. Das entspricht auch dem Richtplan der Agglomeration, welchen der Kanton bereits bewilligt hat. «Es ist noch zu früh, mit Kanton und Agglo zu verhandeln, unsere Pläne sind aber konform und sollten deshalb kein Problem darstellen.»
Diebesten Projektesind heute Samstag ausgestellt in der Turnhalle Grand-Pré, Route des Ecoles 36, Marly, 10 bis 16 Uhr.
Gemeinderat: «Eintrittspforte in die Gemeinde»
D er Gemeinderat von Marly hofft, dass sich das Winckler-Areal möglichst schnell entwickelt, da die Gemeinde auf zusätzliche Arbeitsplätze und neuen Wohnraum angewiesen ist. Mit der Ausschreibung des Geländes am Architekturwettbewerb Europan 12 soll ein Neustart erfolgen.
Jean-Marc Boéchat, weshalb hat sich die Teilnahme am Architekturwettbewerb Europan 12 gelohnt?
Der Gemeinderat hatte zwei Ziele: Einerseits wollten wir neue Ideen für das ehemalige Winckler-Areal erhalten. Andererseits sollten diese Ideen unabhängig von der Geschichte des Areals entstehen. Die Zone hat einen schlechten Ruf in der Region, weil sie sich so lange nicht entwickelt hat. Wir wollten von dieser Einstellung wegkommen.
Befürchten Sie nicht, dass es wieder an den Landeigentümern scheitern könnte, wie es beispielsweise der Fall war, als die Lehrwerkstätten angesiedelt werden sollten?
Nein. Meine Hoffnungen sind gross, dass es diesmal klappen wird. Wir hatten schon mehrere Gespräche mit den Landeigentümern. Die allermeisten von ihnen und insbesondere die Haupteigentümer sind begeistert vom Siegerprojekt. Es ist auch in ihrem Interesse, dass endlich etwas geht.
Welche Bedeutung hat das Areal denn für die Gemeinde?
Die Zone Winckler ist die Eintrittspforte zur Gemeinde. Sie ist also von grosser Bedeutung, weil sie das Gesamtbild von Marly prägt. Natürlich ist sie auch wichtig, was die zukünftige Entwicklung der Gemeinde betrifft. In Marly gibt es momentan zu wenig Arbeitsplätze, deshalb ist es wichtig, dass sich neue Betriebe ansiedeln können. Und wir wollen mehr Einwohner anziehen können.
Vor kurzem musste die Firma Ilford Konkurs anmelden. Befürchten Sie, dass es auf diesem Areal eine ähnliche Entwicklung geben wird, wie beim Winckler-Areal?
Nein. Als die Firma Winckler Konkurs ging, gab es niemanden, der eine ganzheitliche Idee hatte, um das Areal zu gestalten. Deshalb verzettelte sich das so, und deshalb wird das Areal heute auch nicht gut genutzt. Beim Ilford-Gelände stehen Personen dahinter, die eine Zukunft da- für sehen. mir
Geschichte
Für die Lehrwerkstätten vorgesehen
Im Februar1922zerstörte ein Brand die Ateliers der Firma Winckler in Freiburg. Daraufhin suchte sich die Firma einen neuen Standort–und fand diesen auf einer grünen Wiese in der Gemeinde Marly. Die Gemeinde wurde durch die Perollesbrücke, welche damals in Bau war, generell interessant für Gewerbetreibende. Die Firma Winckler war auf den Bau von Chalets und Wohnbauhäuser spezialisiert und leistete Pionierarbeit bei der Vorfabrikation von Häusern. Nach dem Zweiten Weltkrieg1945kam die Zeit der grossen Expansion; die Firma beschäftigte über 300 Arbeiterinnen und Arbeiter. Sie prägte die Region bis zum Ende der1950er-Jahre, dann geriet die Firma immer stärker in Schwierigkeiten und ging1976ein erstes Mal in Konkurs. Nach mehreren vergeblichen Rettungsversuchen stellte sie1981schliesslich die letzten Aktivitäten in Marly ein. Nach dem Konkurs wurde das Land versteigert; verschiedene Gewerbetreibende siedelten sich an. Seit2001hat die Schweizerische Vereinigung für die Berufsbildung in der Logistik ein Ausbildungszentrum auf dem Gelände. Die Gemeinde schlug das Winckler-Areal2004als möglichen Standort für die Lehrwerkstätten vor. Der Kanton entschied sich damals aber dagegen: Er konnte sich mit den zehn Landeigentümern nicht einigen. Diese hatten gefordert, dass der Staat das gesamte Areal kaufe, obwohl für den Bau der Lehrwerkstätten nur etwa die Hälfte des Landes nötig gewesen wäre. Die Gemeinde kritisierte hingegen, der Kanton habe zu wenig Wille gezeigt.mir