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Väter kümmern sich heute ganz anders um ihre Kinder als früher. Zur Debatte steht auch ein gesetzlich verankerter Vaterschaftsurlaub. Dieser ist allerdings noch Zukunftsmusik.
Es sind sicher dreissig Jahre her, da sammelte ich aus Zeitungen und Illustrierten Bilder von Vätern mit Kindern. Im Strassenbild waren sie eine Seltenheit.
Zwei meiner gesammelten Bilder haben sich in mein Gedächtnis eingegraben. Leider habe ich die Ausschnitte so gut "abgelegt", dass ich sie nicht einfach hervornehmen und beschreiben kann. Aber ich sehe sie vor meinem inneren Auge. Das eine stellt einen Balletttänzer in Pose vor, der seine eine Hand ausstreckt und darin sein neugeborenes Kind hält. Dieser grosse, kräftige Tänzer, der sorgsam das winzige Wesen in seiner Hand birgt, machte mir Eindruck.
Das zweite Bild zeigt einen etwa vierzehnjährigen Jungen bei einer Brücke. Er wartet, wie es in der Legende heisst, "auf seinen Vater, der nach dem Abzug der Russen aus Afghanistan heimkehrt". Was auch immer ich über die Invasion der Russen in Afghanistan gedacht hatte, was auch immer die Rolle dieses Vaters gewesen war, die Situation des Wartens des Kindes auf den heimkehrenden Vater berührte mich.
Wann immer ich in jener Zeit einem Fotografen begegnete, forderte ich ihn auf, doch einmal ein Buch mit Bildern über Väter und ihre Kinder zu machen. Meines Wissens hatte ich keinen Erfolg. Sie produzierten schon Bücher. Aber lieber mit Aufnahmen von Landschaften, Gebäuden oder anderen Motiven. Wahrscheinlich erblickten auch sie zu selten Väter mit Kindern!
Ich erinnere mich auch noch gut daran, wie ich vor Jahren einem Bekannten mit seiner kleinen Tochter begegnete. "Hast Du Vatertag?" fragte ich ihn. Er bejahte. Sie hätten das so abgemacht, damit seine Frau noch ein Teilpensum in ihrem Beruf arbeiten könne. Als es dann soweit gewesen sei, habe seine Frau zwar sanft aber beharrlich auf der Abmachung bestehen müssen.
Er habe sich dann durchgerungen, sein Versprechen zu halten. Und jetzt möchte er diesen Tag mit seiner Tochter nicht mehr hergeben. Er schätze es über alle Massen, dass er so nah an ihrer Entwicklung teilnehmen könne. Seine Frau komme an diesem Tag auch nicht zum Mittagessen nach Hause. Dieser Tag gehöre nur ihm und seiner Tochter. Seine Kollegen hätten es heute noch nicht begriffen, dass er, Gewerbetreibender mit eigenem Geschäft, einen ganzen Tag für dieses kleine Wesen "opfern" könne. Aber das kümmere ihn nicht.
Heute hat sich das Bild total gewandelt. Besonders über das Wochenende meine ich oft, nur noch junge Väter mit ihren Kindern beim Einkaufen oder Spazieren anzutreffen. Die jungen Männer mit den kleinen Knirpsen, seien es Mädchen oder Buben, an ihrer Seite machen mir Eindruck. Besonders bei den kleinen Buben kann ich es mir jeweils fast nicht vorstellen, dass sie in wenigen Jahren auch wieder zu stattlichen jungen Männern, wie ihre Väter, herangewachsen sein werden.
Noch ein Ausblick in die politischen Gefilde. Gemäss Medienmitteilung vom 1. Juni 2018 empfiehlt der Bundesrat den eidgenössischen Räten die Volksinitiative "Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub – zum Nutzen der ganzen Familie", eingereicht im Juli 2017, abzulehnen. Ein Vaterschaftsurlaub soll, wie bisher, der Verantwortung der Sozialpartner überlassen bleiben.
Soll ich einen prophetischen Blick wagen? Auch die Schweiz wird früher oder später einen allgemeinen Vaterschaftsurlaub einführen. Leider wird das eher "später" als früher der Fall sein!