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KONZERT 1 | 2020
Dienstag 25. Februar 2020, 20 Uhr Wildt’sches Haus am Petersplatz 13, Basel
Für Vereinsmitglieder: Generalversammlung des Vereins ab 18.30 UhrV des Vereins ab 18.30 Uhr
Alessandro und Domenico Scarlatti und ihr Umfeld
Meister des Cembalos in Italien am Übergang vom 17. zum 18. Jahrhundert
Werke von
Bernardo Pasquini, Alessandro Scarlatti, Domenico Zipoli, Francesco Durante, Domenico Scarlatti
Edoardo Torbianelli – Cembalo
Eintritt frei, Kollekte
Für Vereinsmitglieder: Generalversammlung des Vereins ab 18.30 UhrV des Vereins ab 18.30 Uhr
Alessandro und Domenico Scarlatti und ihr Umfeld
Meister des Cembalos in Italien am Übergang vom 17. zum 18. Jahrhundert
Werke von
Bernardo Pasquini, Alessandro Scarlatti, Domenico Zipoli, Francesco Durante, Domenico Scarlatti
Edoardo Torbianelli – Cembalo
Eintritt frei, Kollekte

PROGRAMM
Bernardo Pasquini (1637–1710):
Alemanda con 2 variationi
Domenico Zipoli (1688–1726)
Preludio (Largo) – Corrente (Allegro) –
Sarabanda (Largo) – Giga (Allegro) g-moll
Preludio – Gavotta (Allegro) c-dur
Alessandro Scarlatti (1660–1725):
Toccata seconda, Adagio und Follia
(aus der «Toccata d’ottava stesa» )
Francesco Durante (1684–1755):
Studio primo/Divertimento primo
Domenico Scarlatti (1685–1757):
Sonata g-dur K.124
…………………………………………………………………………………
ZUM PROGRAMM
In den ästhetischen Veränderungen der Musik zur Zeit des Übergangs vom 17. zum 18. Jahrhundert erweiterte die italienische Kunst des Cembalospiels das frescobaldische Erbe (immer noch ein unverzichtbarer Bezugspunkt) anhand verschiedener Modalitäten.
Die fünf Komponisten, deren Werke heute erklingen, spielen eine wesentliche Rolle in dieser Entwicklung. Ihre persönlichen Beziehungen und gegenseitigen Einflüsse helfen dabei, das Panorama der italienischen Tastenmusik dieses historischen Moments zu beleuchten.
Es wurde überliefert, dass Domenico Zipoli und Francesco Durante direkte Schüler von Bernardo Pasquini waren. Dies stellt die neueste musikwissenschaftliche Forschung jedoch in Frage. Dennoch hat die Tradition, in welcher sich Zipoli und Durante bewegen, klar ihren Ursprung in der enormen Wertschätzung und Berühmtheit Pasquinis im musikalischen Italien jener Epoche
Die edle, schöne und harmonievolle Spielweise dieses angesehenen Musikers, der an den prestigeträchtigsten Höfen Roms (u.a. Borghese, Chigi, Colonna, Pamphili) tätig war, machte ihn zu einem Vorbild des guten Geschmacks. Nicht zuletzt deshalb kamen zahlreiche ausländische Musiker extra auf die Halbinsel, um bei ihm zu lernen und den eigenen Stil zu perfektionieren.
Bernardo Pasquini und auch Alessandro Scarlatti waren Mitglieder der Römischen Akademie von Arkadien, der auch u.a. Arcangelo Corelli angehörte. Ihre jeweiligen arkadischen Namen lauteten Protico Azeriano (Pasquini), Terpandro Azeriano (Scarlatti) und Arcomelo Erimanteo (Corelli). Durch ihre daraus resultierenden Beziehungen im akademischen Milieu, konnten sie zu einem raffinierten und avantgardistischen Musikgeschmack beitragen und für die europaweite Ausstrahlung ihres Kunstideals sorgen.
Domenico Zipoli studierte kurzzeitig als Schüler Alessandro Scarlattis in Neapel, aber es war anscheinend eine konfliktreiche Beziehung, welche bald wieder aufgelöst wurde. Danach war er während der letzten Lebensjahre Pasquinis beruflich in Rom tätig und wird sich sicherlich ein Beispiel an der edlen Kunst Pasquinis genommen haben.
Pasquinis Werke für Cembalo Solo (Kompositionen, welche uns wahrscheinlich nur eine Ahnung über seine damals berühmte extemporierende Begleitkunst geben) bestehen aus einem transparenten und expressiven Kontrapunkt, der selbst in seiner relativen Wesentlichkeit doch voller Süsse ist. Dieser Stil scheint tatsächlich einen erheblichen Einfluss auf die ausdrucksvollen Cembalokompositionen Zipolis ausgeübt zu haben.
Kurz nach der Veröffentlichung seiner «Sonate d’Intavolatura per organo e cimbalo» wurde Zipoli Jesuitenmissionar und Kapellmeister bei den Reducciones, einem jesuitischen Missionswerk in Südamerika. Dort komponierte er angeblich fast keine relevante Klavierwerke mehr. Sein Praeludium und die Gavotte in C-Dur, heute Abend neben der Suite in g-moll zu hören, zeigen uns aber klar, dass eine Kompositionsweise mit brillanten, symmetrischen und sich wiederholenden Figurationen zu dieser Zeit schon als eine mögliche stilistische Alternative zu einem feineren, rhythmisch gebrochenen und mehr cantabilen Cembalostil angesehen wurde.
Man könnte sich fragen, warum dann Alessandro Scarlatti, ein im Kontrapunkt sehr versierter Verfasser zahlreicher berührender religiöser Kompositionen und affektvoller Kammerkantaten, für seine Cembalowerke eine eher mechanische und trockene Schreibweise wählt. Eine Schreibweise, welche vor allem aus schnellen Figuren und engen Akkorden besteht, anstatt Imitationen und ausgeklügelte Stimmführung zu präsentieren. Ein didaktischer Hintergrund als Übungsstücke für die Fingerfertigkeit wird wohl kaum eine ausreichende Rechtfertigung anbieten.
Ein aufkeimender «Zeitgeist», der die Fortsetzung und Entwicklung eines mutigeren und glänzenderen Ideals begünstigt hat, wäre vielleicht eine nicht triviale Erklärung. Und die allgemeine Ausrichtung des 18. Jahrhunderts auf diese ästhetische Typologie könnte dies bestätigen. In diesem Sinne unterstreichen die Sonaten von Francesco Durante (einem Zeitgenossen von Domenico Scarlatti, der zwar neapolitanisch, aber nicht an die Schule von Alessandro Scarlatti gebunden war), die klare Richtung der Cembalokultur in Italien in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Die brillanten Figuren der Toccaten Alessandro Scarlattis werden unter anderem dazu beitragen, in den folgenden Jahrzehnten (und sogar Jahrhunderten) eines der typischsten Merkmale dieser Kompositionsgattung zu definieren: die Geschwindigkeit einer Bewegung ohne Unterbrechung der Kontinuität.
Domenico Scarlattis Cembalo-Stil, der das väterliche Erbe agiler und moderner Figuren aufgreift, weiss dieses Erbe aber mit innovativer Fantasie und überraschender Dramaturgie zu kombinieren. So macht er die «Cembalo-Übungen» zu Meisterwerken der Eloquenz und Theatralik. Darüber hinaus bietet Domenico, durch die Übernahme traditioneller iberischer Musikmodelle, eine weniger graziöse, aber trotz einem gewissen Stolz ebenso elegante und anmutige Alternative zur damalig zunehmenden «Galanterie» an.
Edoardo Torbianelli

Der italienische Pianist Edoardo Torbianelli interessierte sich schon mit 20 Jahren für historische Aufführungspraxis und erforschte anhand schriftlicher Quellen und Tondokumente die Technik und Ästhetik des barocken, klassischen und romantischen Klavierspiels.
Er tritt als Solist und Kammermusikpartner in Europa und Kolumbien auf und bespielte historische Tasteninstrumente der wichtigsten Instrumentensammlungen.
Seine zahlreichen CD-Produktionen wurden von der Presse lobend erwähnt und mit Preisen ausgezeichnet.
An der Schola Cantorum Basiliensis und an der Hochschule Bern ist er seit 1998 resp. 2008 Dozent für Hammerklavier, Kammermusik und historische Aufführungspraxis.
Daneben ist Edoardo Torbianelli Gastdozent mehrerer Institutionen in Europa und Kolumbien.
2014 wurde er an die Universität La Sorbonne in Paris (und ab 2018 am CRR Paris) für den instrumentalen Teil des neuen Masterstudium Musikologie/Fortepiano berufen.
2016–2019 war er «artist in residence» am französischen Musikzentrum Abbaye de Royaumont.
Bild: Ferdinando de’ Medicis Musikanten
Gemälde von Antonio Domenico Gabbiani (1652–1726). Palazzo Pitti, Galleria Palatina, Florenz, Italien.
Gemälde von Antonio Domenico Gabbiani (1652–1726). Palazzo Pitti, Galleria Palatina, Florenz, Italien.