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Hugo Borner
hat das Kartenspiel "Wunderkarten" entwickelt.
Sonntag, 21. April 2024
Bernhard Tagwerker war bis zu seinem Tod ein aktiver Künstler. z.V.g.
Bernhard Tagwerker war ein bis zuletzt aktiver Künstler, der nach seinen ersten ironischen Werken ins Reich des Zufalls aufbrach und sich bemühte, sich als schöpferisches Subjekt möglichst aus dem Schaffensprozess fernzuhalten. Dazu war ihm der Computer schon sehr früh das geeignetste Mittel.
Nekrolog Bernhard Tagwerker wurde 1942 in Speicher geboren. Wie viele andere Künstler absolvierte Bernard Tagwerker eine Ausbildung zum Textilentwerfer in St.Gallen und war alsdann über Jahre nebenbei als Zeichenlehrer tätig. Es folgten von 1960 bis 1967 längere Aufenthalte in Paris. Zurück in der Schweiz liess er sich wieder in St.Gallen nieder. Als junger Künstler brach er ins Reich des Zufalls auf und bald erhielt er den Titel als «Meister oder Herr des Zufalls». Wie es in der «Gallusstadt» von 1976 hiess, lesen sich seine frühen Radierungen «wie Röntgenaufnahmen und wissenschaftliche Analysen». Es folgten regelmässige Ausstellungen sowie gemeinsame Projekte mit Roman Signer. Legendär ist jenes vor 50 Jahren auf dem Bodensee vor Arbon, wo die beiden experimentierfreudigen Künstler mit weissen Ballonen die Kontur des Säntis in den Himmel zeichneten. Das grosse Medienecho führte dazu, dass sich Tagwerkers Arbeiten zum Säntis zunehmender Beliebtheit erfreuten. Die geschaffene Ironie zum heimatlichen Motiv wurde vielfach übersehen. Der Künstler reagierte darauf mit einer radikalen Abwendung vom bisherigen Schaffen und übermalte in einem radikalen Akt alle noch bei ihm liegenden Arbeiten mit weisser Farbe.
Von 1976 bis 1985 wirkte er in New York, wo er sich mit dem Medium Computer auseinanderzusetzen begann. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz entstanden vom Computer und Plotter geschaffene Bilder und Werke auch für den öffentlichen Raum. So rhythmisierte er die Primarschule Botsberg in Flawil mit 200 feinen Farbnuancen. Auf weniger Akzeptanz stiess die von ihm gestaltete Fassade mit zufällig angereihten Platten in Grau und Gelb beim St.Leonhard-Baukomplex in St.Gallen. Im Foyer der Fachhochschule Ost hängen fast der gesamten Ostseite entlang seit fünf Jahren 14 sich teils überlagernde Glastafeln, in die Zeichen und Muster graviert sind. Nach 2008 wandte Tagwerker das Rapid-Prototyping-Verfahren an, bei dem aus CAD-Daten schichtweise dreidimensionale Figuren hergestellt werden. Auch vor dem Einbau eines Lasers schreckte er nicht zurück. Sein Atelier an der Rittmeyerstrasse glich mehr einem technischen Labor als einer künstlerischen Arbeitsstätte. Doch nur wenigen gewährte der Künstler Zutritt, denn für ihn war das Atelier «intimer als ein Schlafzimmer». Dass diese Werke trotz Vermeidung subjektiver Gestaltung ästhetisch geblieben sind, zeigte sich noch letztes Jahr erneut in der kleinen Retroperspektive im St.Galler Kunstraum «Auto». Es war denn auch das Anliegen des Künstlers, aufzuzeigen, dass der Zufall ebenso kreativ sein kann wie das künstlerische Genie, dies auch in seinem 2012 erschienen Buch «Bernard Tagwerker – to whom it may concern» mit 175 überdruckten Seiten.
1996 wurde er zum Zentralpräsidenten der GSMBA gewählt, ein Amt, das er bis 2007 innehatte. Er sorgte hier engagiert für Reformen und überführte den Berufsverband in die heutige «visarte». 1997 war eine Retroperspektive im Kunstmuseum St.Gallen zu sehen. 1999 erhielt er den Preis der Ausserrhodischen Kulturstiftung, 2014 den Kulturpreis der Stadt St.Gallen und 2018 der Kunstpreis der St.Galler Kulturstiftung. In der Urkunde wurde seine künstlerische Ausrichtung treffend dargestellt: «Die künstlerische Handschrift als Persönlichkeit vermeidet er durch den Einsatz von Maschinen. Dass trotz dieser radikalen Vermeidung subjektiver Gestaltung ästhetische, sinnliche Werke entstehen können, beweist der Künstler in seinem umfassenden Oeuvre.»
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Ich behalte Bernard Tagwerker in guter Erinnerung, ein Künstler durch und durch, ein interessanter Gesprächspartner, ein Mensch der leisen und bedächtigen Töne, nichts des Klamauks. Er hat das kulturelle St. Gallen mitgeprägt.Walter Lendi, ehemals Leiter Amt für Kultur Kanton St. Gallen antworten
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