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Im Interview mit „Kingvention“ berichten Bill Bottrell und Jean-Marie Horvat von ihrer Arbeit mit dem King of Pop.
Bill Bottrell verrät, wie er Michaels Begeisterung weckte und was geschah, als er im Jahr 2006 nach Bahrain flog. Jean-Marie Horvat arbeitete an der Seite von Teddy Riley und Rodney Jerkins. Auch die Kontroverse um die Cascio-Tracks kommt zu Wort.
Aufgrund der Corona-Krise wurde der diesjährige Kingvention-Event online auf YouTube durchgeführt. Dabei hat Pez Jax vom Kingvention-Team je ein spannendes Interviews mit Produzent und Songwriter Bill Bottrell und mit Toningenieur Jean-Marie Horvat geführt.
Als Assistent von Teddy Riley stiess Toningenieur Jean-Marie Horvat im Sommer 1991 während den Dangerous-Sessions zu Michael Jackson. (Bei Discogs.com gibt es einen Überblick über sein Schaffen.)
„Michael und Teddy hatten eine Beziehung, die man sich nicht vorstellen kann und die bis zum Tag dauerte, an dem er starb. Michael liebte Teddy. Jeder liebte Teddy. Bruce [Swedien] liebte Teddy wirklich. Weil Teddy ein Visionär war, und Michael war definitiv ein Visionär. Bruce war der Wissenschaftler, der diese Welten zusammenfügte“, sagt Jean-Marie Horvat.
Anfangs habe er einen Mix erstellt mit Teddy Rileys Beiträgen zu „Jam“, worauf er das Interesse und die Anerkennung von den Songschreibern des Songs – René Moore, Bruce Swedien und Michael Jackson – gewonnen habe.
Jean-Marie Horvat bestätigt, dass Michael Jackson damals auch eine solo-Version von „Joy“ aufgenommen habe und schwärmt von Michaels Vocals, die an seine Leistung auf „She’s Out Of My Life“ erinnern würden.
Obwohl er für das Dangerous Album auch abgemischt habe, habe es ihn nicht gekümmert, als ihm der [kürzlich verstorbene] Toningenieur Bruce Swedien erklärte, dass sie ihm dafür keine Credits geben würden. „Ich war damals erst 21, 22 Jahre alt.“
Auch Teddy Riley war damals fast so jung und voller Energie. Selbst als Riley mit seiner Band „Guy“ auf Tour war, hätten sie gleichzeitig an Tagen noch 12 bis 14 Stunden an Sachen für Michael Jackson gearbeitet, berichtet Jean-Marie Horvat.
Für HIStory sei Teddy Riley mit Michael Jackson in der Hit Factory gewesen, bestätigt Jean-Marie Horvat, obwohl Riley keinen der neuen Songs produziert hat. Erst im Jahr 1997 erschienen zwei weitere Kollaboration mit Teddy Riley: „Ghosts“ und „Blood On The Dancefloor“.
„Blood On The Dancefloor“ stamme aus den Dangerous-Sessions. Die Version von ihm und Teddy Riley habe aggressiver und mehr nach dem „Dangerous“-Stil geklungen, sagt Jean-Marie Horvat und nennt die Sounds und Vibes von „In The Closet“ als Beispiel. Die Version von „Blood On The Dancefloor“, die Michael später veröffentlichte, sei etwas ruhiger und mehr in einem „Tanz-Vibe.“
Während den Invincible-Sessions arbeitete Jean-Marie Horvat für Rodney Jerkins wie auch für Teddy Riley, der später zum Projekt stiess.
Rodney Jerkins habe 20, nein sogar 24 Demos für „Invincible“ aufgenommen. Er könne sich an einige toll klingende Outtakes erinnern, aber keine mit Namen. Und natürlich war da „Xscape“, der Song, der während Michael Jacksons Streit mit Sony-Music im Internet leakte und der posthum offiziell veröffentlicht wurde.
„Die Stimme am Anfang: ′Open up six – he’s gone!′, das bin ich“, verrät Jean-Marie Horvat.
Die Arbeiten für das posthume „Michael“ Album im Jahr 2010 seien hart gewesen, da Michael nicht mehr habe mitreden können.
Der Interviewer Pez Jax von „Kingvention“ spricht an, was viele Fans beim Album denken: Wer um alles in den Welt singt auf den Songs „Monster“, „Breaking News“ und „Keep Your Head Up“!? Es handle sich offensichtlich nicht um Michael Jackson…
Jean-Marie Horvat stimmt zuerst achselzuckend, und dann nickend zu – ja er habe sich gefragt, wer das sei – und sagt, dass auch Teddy Riley irritiert war. (Obwohl er offiziell und gemäss Mitteilung von Sony Music und dem MJ Estate die Echtheit der Vocals bestätigte.) Doch er können nicht näher darauf eingehen.
Der zweite Interviewpartner von Kingvention war Bill Bottrell, der mit Michael Songs wie „Black or White“ oder „Earth Song“ produzierte.
Bill Bottrell berichtet über seine ersten Kontakte mit der Jackson-Familie. In den frühen 1980er-Jahren sei er als Toningenieur an einem solo-Album von Jermaine beteiligt gewesen und dabei auf John Barnes getroffen. (Mit Barnes arbeitete Bottrell später an Demos für Michaels „Bad“.) Und er habe für Marlon Jackson an einem Song gearbeitet, den dieser für Janet produzierte. Er sei dann von den Jacksons für das „Victory“-Album engagiert worden.
„Ich traf Michael das erste Mal, als er mit der Demo zu State of Shock ins Studio kam“, berichtet Bill Bottrell. „Michael liebte, was ich damit machte.“ Er habe Michael eine Kassette mit seinem Mix nach Hause gegeben, worauf Michael fünf Sterne auf das Tape notiert habe und ihm mit den Worten zurückgab: „Bill, erinnere dich exakt daran, was du hier gemacht hast!“
Matt Forger, John Barnes und Bill Bottrell bei Michael zu Hause in Hayvenhurst. Foto: mjbeats.com.br
So kam es, dass Bill Bottrell nebst Matt Forger und John Barnes von Michael Jackson engagiert wurde, als MJ im Familienheim in Hayvenhurst an „Bad“-Demos zu arbeiten begann.
Bill Bottrell sagt, er habe von Anfang Oktober 1985 bis Anfang Januar 1987 im Heimstudio von Michael Jackson gearbeitet. „John Barnes, ich und Michael…. Michael war frei und hatte Zeit. An was ich mich erinnere: Er wusste wirklich, was er tat und wieso.“
Von vielen Songs habe Michael später fertig arrangierte Versionen ins Westlake Studio zu Quincy Jones gebracht.
An „Liberian Girl“ beispielsweise habe er ab Januar 1986 gearbeitet. „Der Song hat sich während des Prozesses nie wirklich geändert“, sagt Bill Bottrell.
Auf die Entstehung von „Smooth Criminal“ angesprochen, erläutert Bill Bottrell, dass er vom Song „Al Capone“ nur einen rohen Mix erstellt habe, als der Song bereits existierte. Er vermute, dass der Titel aus den Captain EO Sessions stammt, von „diesen Sessions mit John Barnes.“
(Von den Captain EO Sessions wurden „We Are Here To Change The World“ und „Another Part of Me“ veröffentlicht.)
„Smooth Criminal“ sei der erste Song während den Hayvenhurst-Sessions gewesen, an dem er seine Hände im Spiel hatte.
„John Barnes und ich hatten endlos daran gearbeitet, um diese Klänge zusammenzufügen“, erinnert sich Bill Bottrell. Sie hätten geholfen, Michaels Arrangement-Ideen umzusetzen.
Im Oktober 1986 sei „Come Together“ entstanden.
Nach einer Session habe er Michael in sein Appartement in der Nähe vom Westlake gefahren und sie hätten sich im Auto die Beatles angehört. Michael habe unbedingt einen Aufnehmen wollen – schliesslich hatte er die Rechte an den Songs erst kürzlich gekauft. „Michael war völlig auf einen Song fokussiert: Der mit diesem Refrain: You Know My Name.“
Doch er habe Michael davon abgebracht, diesen Song aufzunehmen und in stattdessen von „Come Together“ überzeugt „Vielleicht bereue ich, ihn umgestimmt haben“, denkt Bill Bottrell laut nach.
Dank Michaels Beatles-Cover habe er wieder begonnen Gitarre zu spielen, berichtet Bottrell. (Zuletzt habe er während seiner Schulzeit regelmässig Gitarre gespielt.) Michael sei zwei Wochen weg gewesen und habe ihn ohne klaren Auftrag zurück gelassen. Da habe er mit dem Song „Come Together“ begonnen und sich dafür eine Gitarre ausgeliehen, „da ich keine hatte.“ Für den Bass holte Bill Bottrell den grandiosen Bassspieler Louis Johnson hinzu.
Das „Bad“-Album wurde letztendlich komplett von Quincy Jones produziert und die teils bereits fertig arrangierten Songs neu aufgenommen.
„Michael und Frank Dileo sagten mir am Ende der Bad-Sessions: ‘Keine Sorge, du wirst beim nächsten als Produzent zurück sein’“, so Bill Bottrell.
Der Song „Streetwalker“ sei zwischen den Bad und den Dangerous-Sessions fertig gestellt worden. „Michael rief mich während der Bad-Tour an“, sagt Bill Bottrell und habe ihn instruiert. „Ich fügte dieses Harmonika-solo in der Bridge hinzu. Michael mochte das nicht… – ‘Bill, das ist Country!’“
Auf der Bad Special Edition im Jahr 2001 kam „Streetwalker“ dann als roher Mix raus, so wie ihn Bill Bottrell damals hinterlassen hatte. Er sei vom langen Intro überrascht gewesen, „Das war nicht so lange vorgesehen“, lacht Bill Bottrell. Aber niemand habe das gekürzt.
Für das Dangerous-Album wurde Bill Bottrell dann wie versprochen, als Produzent angeheuert. „Michael hatte klare Visionen“, erinnert er sich.
Zu Begin der Sessions habe er jedoch alleine, ohne Michael, gearbeitet. „Ich hatte Monkey Business und machte Overdubs.“ Dann seien sie ins „Record One“ Studio umgezogen. Michael habe ihm am ersten Tag im Record One „Black Or White“ vorgesummt.
Michael habe auch John Barnes beigezogen. „Ich glaube, das letzte Mal, dass ich John Barnes sah, war am vierten Tag oder so“, glaubt sich Bottrell zu erinnern. „Er spielte die grundlegenden Akkorde von Earth Song.“
Bill Bottrell versucht die Songs in chronologischer Reihenfolge aufzuzählen, an denen er für Dangerous arbeitete und zählt Monkey Business („Das kam von den Bad-Sessions“, so Bottrell.), Black Or White, Dangerous, Earth Song, Who Is It und Give In To Me auf.
„Who Is It und If You Don′t Love Me kamen später“, fügt er hinzu.
„Michael brachte mir Who Is It spät während den Sessions. Er hatte den kompletten Song…“, sagt Bill Bottrell, der den Song mit Michael produziert hat. Die Fans und er würden sich fragen, über wen er im Text spreche. „Er sagte es mir nie!“ Aber er liebe solche mysteriösen Dinge.
Der Interviewer spricht ihn dann auf die frühe Version von „Give In To Me“ an und möchte wissen, wer die Bridge geändert habe. „Ich weiss nicht, wer auf die Idee kam die Bridge zu ändern“, antwortet Bill Bottrell. Die rohen Emotionen in der langen Version seien grossartig.“ Nur der Text habe noch nicht so richtig Sinn ergeben. Michael habe den Text später fertig geschrieben, er selbst habe an den Lyrics nicht mitgewirkt, stellt Bottrell klar.)
„Während ich als Produzent wuchs, wurde ich süchtig nach solchen Momenten.“ Doch es sei nicht kontrollierbar, wann so etwas passiert und die Emotionen einen Song zu unverhofftem Glanz verhelfen.
Auf der Album-Version von „Give In To Me“ ist im Gegensatz zu den frühen Versionen Slash zu hören. Er sei nicht dafür gewesen, Slash beizuziehen, sagt Bill Bottrell. „Ich liebe dich Slash, aber…“
Bill Bottrell spricht auch über seinen Song mit dem Titel „Blood On The Dancefloor“. (Der aber nichts mit der Version von Teddy Riley gemein hat.)
„Meine Version von Blood On The Dancefloor war düster, teilweise jazzig.“ Michael habe den Song nicht gemocht. Jedoch habe ihn Michael zwei Jahre später wieder darauf angesprochen. „Bill, kann ich diesen Titel haben!? Ich habe einen anderen Song…“
Er sei schon enttäuscht gewesen, dass die Songs Monkey Business und Earth Song nicht auf dem Dangerous-Album waren, sagt Bottrell. Die Falsett-Adlibs „im Stil von Marvin Gaye“ habe Michael dann für History rausgenommen.
Comeback-Pläne in Bahrain 2006
Bill Bottrell bestätigt, dass er im Jahr 2006 in Bahrain an einem Comeback-Album von Michael Jackson arbeitete. (Selbes berichtet auch John Barnes – ein anderer Musiker MJs, der bereits mit Bill Bottrell während den frühen Bad-Session dabei war.)
„Prince Abdullah rief mich an. ‘Mr. Bottrell, Michael hat einen Vertrag unterschrieben für ein Album für mein Label.’“ Einige Woche später habe Michael Jackson persönlich angerufen und ihm gesagt: ‘Bill, wenn die Zeit reif ist, werden wir das grossartigste Album machen!“
Er habe in der Folge einen Vertrag unterschrieben, habe seine Sachen gepackt und sei nach Bahrain geflogen. Bill Bottrell sagt, er habe dort sechs oder sieben Songs aufgenommen, um sie Michael vorzustellen. „Es war spannend für mich und ich konnte nicht aufhören zu schreiben…“ Doch Michael sei gerade ausser Land gewesen und einfach nicht nach Bahrain zurück gekommen. „Der Prinz sagte mir, Michael wird zurückkommen – aber er kam nicht zurück.“ Später habe er erfahren, dass Michael nach Irland gezogen war.
Auf die Musikrichtung der neuen Demos angesprochen, antwortet Bill Bottrell: „Diversität!“ Es seien alles neue Sachen gewesen, er habe keine alte MJ-Demos bearbeitet.
Der Prinz von Bahrain, Sheik Abdulla bin Hamad Al Khalifa, verklagte Michael Jackson in der Folge. Der King of Pop habe einen Vertrag gebrochen, der ihn zum Aufnehmen eines neuen Albums, dem Schreiben einer Autobiografie und zum Produzieren eines Bühnenstücks verpflichtet habe. Ausserdem schulde ihm Michael Jackson 7 Millionen Dollar, machte Al Khalifa geltend.
So habe er bereits vor dem ersten Treffen mit Michael Jackson eine Million an diesen und Repräsentanten gezahlt. 350′000 habe er für Versorgungskosten (Strom, Wasser etc.) von Neverland bezahlt. 2.2 Millionen habe er für Anwaltskosten, und über 300′000 Dollar für einen „Motivations-Guru“ bezahlt und habe Michael zudem 250′000 in bar gegeben für Weihnachtsgeschenke.
Al Khalifa gab zudem an, Ende 2004 bis Anfang 2005 für Jermaine Jackson 450′000 Dollar bezahlt und ihm einen Rolls Royce gekauft zu haben. Während Michael Jacksons einjährigem Aufenthalt in Bahrain sei er für sämtliche Kosten Michael Jacksons aufgekommen und habe ihm ein Aufnahmestudio gebaut.
Im November 2008 geben die Anwälte von Prinz Al Khalifa und von Michael Jackson vor dem High Court in London bekannt, dass sie sich aussergerichtlich geeinigt haben.
Bill Bottrell gibt abschliessend seine Gefühle für Dangerous preis: „Ich denke, es ist sein Epos, sein episches Statement. Ich wünschte mir, Earth Song wäre darauf gewesen.“
Weitere Infos zu Bill Bottrell unter www.billbottrell.com
Quelle: jackson.ch, Kingvention „KV:Global“, content.time.com, div.