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Mannheim (ots)
- Seit 1969 vergibt die Nobelstiftung auch für
Errungenschaften auf dem Gebiet der Wirtschaft einen Preis. Der
Einfluss wissenschaftlicher Erkenntnis auf die Finanzmärkte, auf
Geld- und Fiskalpolitik ist mit der gefragten Auszeichnung enorm
gestiegen.
Milton Friedman hat ihn bekommen, den Nobelpreis für
Wirtschaftswissenschaften. 1976 wurde er für seine Arbeiten zur
Konsumanalyse, zur monetären Theorie und zur Komplexität der
Stabilisierungspolitik ausgezeichnet. Friedmans Kernthese: Staatliche
Interventionen zur Stabilität marktwirtschaftlicher Systeme sind
fragwürdig.
Friedman ist einer der bekanntesten Ökonomen und in einem Atemzug
mit John Maynard Keynes oder Börsenguru André Kostolany zu nennen. Zu
seiner Popularität hat sicherlich beigetragen, dass er neben
theoretischen Werken auch regelmässig Artikel in populären
Publikationen veröffentlichte und dabei die ganze Bandbreite von
Newsweek bis zum Playboy nutzte. Als Berater von Politikern genoss
Friedman hohes Ansehen.
Wissen auf dem Gebiet der Ökonomie ist im 20. Jahrhundert immer
wichtiger geworden. Die Komitees und Institute in der Nobelstiftung
haben sich geöffnet, um die Wirtschaftswissenschaften in den
Fächerkanon der Preisverleihung aufzunehmen.
Ein junger Nobelpreis
Die Nobelstiftung hat in der Zeit ihres Bestehens selbst erfahren,
wie schwierig es ist, Vermögenswerte zu erhalten.
Die rigiden schwedischen Steuergesetze reduzierten den Wert der
Nobelpreise zeitweise auf ein Drittel der ursprünglichen Summe.
Ausserdem hinderte die testamentarische Verfügung Alfred Nobels
eine sinnvolle Wertanlage in Zeiten sich ändernder wirtschaftlicher
Gegebenheiten. Erst mit einer Gesetzesänderung des schwedischen
Parlaments konnte die Stiftung ab den 50er-Jahren am Immobilien- und
Aktienmarkt tätig werden. Der Kapitalschwund wurde gestoppt. Die
Geschi- cke der Stiftung leiten seither Finanzexperten. Denn
steigende Preissummen sollen den besonderen Rang des Nobelpreises
sichern.
Auch in der Preisvergabe erweiterte die Stiftung ihre Aktivitäten.
Im Jahr ihres 300-jährigen Bestehens stiftete die schwedische
Reichsbank den neuen Preis: 1969 wurde erstmals ein Nobelpreis für
Wirtschaftswissenschaften vergeben. Die Auszeichnung teilten sich
damals der Norweger Ragnar Frisch und der Niederländer Jan Tinbergen.
Die beiden hatten Analysemodelle entwickelt, um mithilfe von
Wirtschaftsstatistiken theoretische Wirtschaftsabläufe zu überprüfen:
Konjunkturprognosen erstellen, Defizite in Haushalten oder etwa
Wechselkursentwicklungen vorherzusagen.
Meist stellen Universitäten und Institute in den USA die
Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften. Ein deutscher Ökonom
war bislang nur einmal unter den Laureaten zu finden: 1994 durfte
Reinhard Selten von der Universität Bonn im Herbst nach Stockholm
reisen. Zusammen mit den beiden Amerikanern John C. Harsanyi und John
F. Nash bekam er die Auszeichnung für die "Analyse des Gleichgewichts
in der Theorie nicht kooperativer Spiele". Der Kern des Ganzen: Die
mathematische Methode der Spieltheorie wurde von den
Wirtschaftswissenschaftlern zur Analyse von wirtschaftlichen
Zusammenhängen angewandt.
Wer neugierig geworden ist: Der Band "Nobelpreise", im Verlag F.
A. Brockhaus erschienen, bietet ausführliche Informationen zu allen
Nobelpreisen, die in den ersten hundert Jahren ihres Bestehens bis
heute vergeben worden sind.
Das Werk ist in jeder gut sortierten Buchhandlung erhältlich.
ots Originaltext: Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG
Internet: www.newsaktuell.ch
Kontakt:
Klaus Holoch
Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG
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