Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03206.jsonl.gz/1642

| Athanasius (295-373) - Vertheidigung der Lehre des heiligen Dionysius von Alexandrien. (De sententia Dionysii)

6.
Was für eine Aehnlichkeit haben also des Arius Ketzerei und des Dionysius Meinung? Oder warum wird Dionysius als Arius aufgeführt, da zwischen beiden ein großer Unterschied ist? Denn jener ist ein Lehrer der katholischen Kirche, dieser aber ist der Erfinder einer neuen Ketzerei. Arius hat, um seine eigene gottlose Lehre vorzutragen, die Thalia in weichlichen und lächerlichen Rhythmen geschrieben nach Art des Aegypters Sotades. Dionysius hingegen hat nicht nur andere Briefe, sondern auch eine Vertheidigung hinsichtlich desjenigen verfaßt, wegen dessen er in Verdacht gerathen war, und gezeigt, daß er richtig denke. Wenn nun dieser in seinen Schriften sich widerspricht, so sollen sie ihn nicht auf ihre Partei ziehen, denn hierin wird er keinen Glauben verdienen. Hat er aber, nachdem er durch seinen Brief an Ammonius in Verdacht gekommen war, sich, [S. 262] um denselben zu entfernen, gerechtfertiget, und nach seiner Vertheidigung seine Gesinnung nicht verändert, so ist es einleuchtend, daß er auch das, was verdächtig war, zur Erreichung eines guten Zweckes geschrieben habe; Schriften und Handlungen aber, welche einen guten Zweck haben, dürfen nicht bösartig ausgelegt, oder von einem Jeden nach seinem Gutdünken verdreht werden. Denn auch der Arzt wendet oft solche Mittel, welche Manchen nicht geeignet scheinen, bei vorhandenen Wunden an, wie er es für gut findet, indem er auf nichts anders, als auf die Heilung sein Augenmerk richtet. Eben so ist es die Sache eines klugen Lehrers, nach der Fassungskraft der Schüler sich zu richten und zu lehren, bis er dieselben auf den Weg der Vollkommenheit geführt hat.