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Höhe von etwa 800 m als ein auffälliges Gesimse der ganzen Ostfront des Glärnisch entlang, vom Stöckli am Vorderglärnisch bis ins Luchsingertobel verläuft und sich südwärts noch bis zur Klausenstrasse verfolgen lässt. Ueber einer zweiten Lochseitenkalkbank folgt nun die dritte Gebirgsscholle, eine lückenhafte Sedimentserie, die an den Abhängen unter Guppen mit Verrucano, der bis zu 500 m Mächtigkeit anschwillt, auf der Stöckliterrasse am Vorderglärnisch aber erst mit dem Rötidolomit beginnt.
Während sie unterhalb Guppen schon mit dem Dogger abschliesst, umfasst sie am Vorderglärnisch auch noch den gesamten Malm, der hier z. B. die über Mitlödi sich erhebende 400 m hohe senkrechte Wand aufbaut. Eine durch Reibungserscheinungen ausgezeichnete Rutschfläche schneidet diese Schichtenserie oben schief ab und bildet die Basis des vierten Schichtenpaketes, das eine Mächtigkeit von etwa 1300 m besitzt und die Hauptmasse des Glärnisch ausmacht. Es beginnt n. von der Guppenrunse und am N.-Abhang des Gebirges mit einer breiten Doggerzone, an den Abhängen unter Guppen und Oberblegi aber mit einer mächtigen Liasbildung, unter der sich s. vom Luchsingertobel auch noch Quartenschiefer und Rötidolomit einstellen.
Ihm gehört der Dogger an, in dessen leicht verwitternden Gesteinen sich die breite Terrasse ausgebildet hat, die den Oberblegisee und das Guppenseeli trägt, ferner der Malm, der über dem Klönthal u. im obern Teil des Vorderglärnisch mächtige Felswände bildet und im S. im Ruchigrat sich zu dem grossartigen Gewölbe des Faulen aufbäumt. Die Schichtenserie schliesst oben mit der untern Kreide ab und wird in der Gipfelregion des mittlern und hintern Glärnisch noch von einem fünften Stockwerke überlagert, das zunächst die untere Kreide wiederholt und auf den westlichsten Gipfeln auch noch die oberste Kreide (Gault und Seewerkalk) aufweist.
Der ganze Schichtenkomplex des Glärnisch sinkt allmählig nach W.; deshalb sind die beiden tiefern Schichtenserien auf der N.-Seite des Gebirges nicht mehr entblösst, und die dritte Etage taucht schon gegenüber dem O.-Ende des Klönthalersees unter den Thalboden. Da auf der O.- und N.-Seite die Schichten überall in mehr oder weniger flacher Lagerung bergeinwärts fallen, sind die Abhänge durchweg aus Schichtenköpfen zusammengesetzt, woraus sich ihre auffällige Steilheit erklärt. Durch die mehrfache Wiederholung der Formationsreihe und den dadurch erzeugten vielfachen Wechsel von härtern und weichern Schichten wird die reiche Bänderstruktur bedingt, welche vielleicht keine zweite Berggruppe der Alpen in gleicher Vollendung besitzt.
Am Glärnisch haben zu verschiedenen Zeiten grosse Bergstürze stattgefunden. Die aus fest verkitteten Felstrümmern bestehende Breccie, die das Stöckli am Vorderglärnisch bedeckt, ist der Ueberrest eines solchen Bergsturzes, der sich in der Eiszeit auf der N.-Seite dieses Berges loslöste. Das Sammelgebiet der Guppenrunse auf der O.-Seite von Vorderglärnisch und Vrenelisgärtli ist die Ausbruchsnische eines zweiten gewaltigen Bergsturzes, dessen Trümmermassen die Hügellandschaft bilden, die heute noch den Thalgrund zwischen Schwanden und Glarus erfüllt. An die durch diesen Bergsturz bewirkte Stauung der Linth erinnern die hinter der Trümmerbarrière bei Schwanden und Nidfurn liegenden Kiesterrassen, die bis 70 m über den heutigen Thalboden hinaufreichen.
Die Moränen, die sowohl auf dem Bergsturze als auf den Kiesterrassen liegen, beweisen, dass der Bergsturz in der letzten Interglazialzeit stattfand. Ebenfalls der Diluvialzeit gehört ein dritter grosser Bergsturz an, der von der N.-Seite von Vorderglärnisch und Vrenelisgärtli ins Klönthal stürzte und noch weit ins Linththal hinausflutete. Ueberreste seiner Ablagerung sind der s. Teil des Sackbergs im Klönthal und die zerstreuten Hügel in der Thalsohle bei Glarus, Ennetbühls und Netstal. Kleinere Felsstürze fanden am und am auf der N.-Seite des Vorderglärnisch statt und verwüsteten die Liegenschaften bei Wyden w. Glarus. - Das Glärnischgebiet ist seit langer Zeit ein beliebtes Exkursionsziel der Touristen. Am häufigsten wird der Ruche Glärnisch besucht, da er von allen Glärnischgipfeln am leichtesten bestiegen werden kann und das schönste Panorama besitzt.
Bibliographie.
Baltzer, Armin. Der Glärnisch; ein Problem alpinen Gebirgsbaues. Zürich 1873. - Rothpletz, Aug. Ueber den geologischen Bau des Glärnisch (in der Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft. 1897). - Oberholzer, Jak. Monographie einiger prähistorischer Bergstürze in den Glarneralpen (Beiträge zur geolog. Karte der Schweiz. N. F. Lief. 9). Bern 1900. - Heim, Alb. Panorama des Ruchen Glärnisch (Beilage zum Jahrbuch des S. A. C. Bd. 29).
[J. Oberholzer.]