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Zwischen 1990 und 2008 hat der private motorisierte Strassenverkehr um 14% zugenommen, der Güterverkehr auf der Strasse um 50%. Der Bestand der Strassenmotorfahrzeuge hat seit 1990 um 40% zugenommen. 2009 kamen auf 1000 Einwohner durchschnittlich 514 Personenwagen. 61% der Waren werden auf der Strasse transportiert.
Eine starke Zunahme ist auch im Luftverkehr festzustellen: Die Anzahl der Flugbewegungen auf den drei Landesflughäfen Zürich, Genf und Basel hat sich seit 1990 um fast ein Drittel erhöht.
Neben dem Verkehr beeinflussen auch unser Energieverbrauch und Konsum, der Betrieb von industriellen und gewerblichen Anlagen sowie die Landwirtschaft den Zustand der Luft.
Natürliche Vorgänge wie mikrobielle und chemische Prozesse in Böden und Gewässern, Ausscheidungen von Pflanzen und Tieren, Erosion, Waldbrände oder Blitze wirken sich ebenfalls aus; ihr Beitrag ist jedoch für die gesamtschweizerische Luftverschmutzung relativ gering.
Luftschadstoffe werden ausgestossen aus Kaminen und Auspuffrohren, sie entstehen durch das Verdunsten von Chemikalien oder durch Abrieb und Aufwirbelung (Emissionen).
Die Schadstoffe werden von Luftströmungen transportiert und können sich während ihres Transports chemisch und physikalisch verändern. So entsteht Ozon (Sommersmog) aus den Vorläuferschadstoffen Stickoxide (NOx) und flüchtigen organischen Verbindungen (VOC). Aus Ammoniak, VOC, NOx und Schwefeldioxid können sich «sekundäre» Feinstaub-Partikel bilden.
Der Ausstoss der meisten Schadstoffe ist in den letzten Jahren zurückgegangen.
Verglichen mit ähnlich dicht besiedelten Gebieten in Westeuropa ist der Schadstoffausstoss in der Schweiz pro Kopf deutlich geringer.
Der Feinstaub ist ein Spezialfall, da der Ausstoss von Partikeln in den Abgasen (z.B. Dieselruss) während den letzten Jahren zwar zurückgegangen ist, die Gesamtmenge an Feinstaub jedoch nahezu konstant bleibt - eine Folge des Feinstaubs, der vom mechanischen Abrieb der Reifen stammt oder von den Fahrzeugen aufgewirbelt wird und vom Verkehrsaufkommen abhängt.
Bei 9 von 12 wichtigen Luftschadstoffen, für welche das Gesetz Immissionsgrenzwerte festsetzt, liegt die Belastung heute in der ganzen Schweiz unter diesen Limiten.
Dagegen werden beim Stickstoffdioxid (NO2), beim bodennahen Ozon (O3) und beim Feinstaub die festgelegten Grenzwerte weiterhin überschritten. Beim Feinstaub sind 40% der Bevölkerung einer Belastung ausgesetzt, die über dem Grenzwert liegt.
Der gegenwärtige Zustand der Luft führt in der Schweiz jedes Jahr zu 3000- 4000 frühzeitigen Todesfällen, davon 300 durch Lungenkrebs. Bei Kindern kommt es zu rund 39'000 Fällen akuter Bronchitis, bei Erwachsenen sind jedes Jahr etwa 1000 neue Fälle chronischer Bronchitis die Folge. Rund 1.7 Millionen Tage mit reduzierter Aktivität gehen Jahr für Jahr auf das Konto der Luftverschmutzung.
Die grösste Gefahr geht von übermässigen Belastungen mit Feinstaub und Ozon aus, welche zu Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen.
Hohe Stickstoffeinträge aus der Luft bewirken eine weiträumige Überdüngung der Ökosysteme. Davon betroffen sind insbesondere Wälder, artenreiche Naturwiesen und Trockenrasen, alpine Heiden, sowie Hoch- und Flachmoore. Zahlreiche Arten, die an nährstoffarme Lebensräume angepasst sind, werden dadurch gefährdet.
In der Landwirtschaft führt die Luftverschmutzung (namentlich durch Ozon) zu Ertragseinbussen von bis zu 15%.
Gebäude, Kulturdenkmäler und Materialien werden durch saure Luftschadstoffe angegriffen, ausgebleicht oder geschädigt.
Die Luftverschmutzung verursacht in der Schweiz jedes Jahr Kosten in Milliardenhöhe. Diese externen Kosten, welche nicht von den Verursachern bezahlt werden, betreffen die Gesundheit, Ernteverluste und Schäden an Materialien und Gebäuden. Die Gesundheitskosten werden auf jährlich CHF 5.1 Milliarden geschätzt.
Um Menschen, Tiere, Pflanzen und deren Lebensräume vor den schädlichen Auswirkungen der Luftverschmutzung zu schützen, muss der Schadstoffausstoss nach dem Gesetz so tief gehalten werden, wie dies ökonomisch tragbar und nach dem Stand der Technik möglich ist - selbst wenn kein unmittelbares Risiko für die Umwelt besteht (Vorsorgeprinzip). Strengere Beschränkungen treten in Kraft, wenn von schädlichen Auswirkungen ausgegangen werden muss.
Auf Bundesebene existieren Vorschriften über den Schadstoff-Ausstoss von Heizungen, industriellen Anlagen, Motorfahrzeugen sowie Baumaschinen, und solche über die Qualität von Brenn- und Heizstoffen.
Weitere Massnahmen sind die Schwerverkehrsabgabe oder die Lenkungsabgabe auf flüchtigen organischen Verbindungen (VOC).
Ausserdem soll der beste Stand der Technik bei Fahrzeugen, Industrie- und Landwirtschaftsanlagen sowie Wärmeerzeugern zur Anwendung kommen.
Die Kantone haben Massnahmenpläne zum Schutz der Luft erarbeitet, um die Belastung lokal zu reduzieren - indem sie beispielsweise den öffentlichen Verkehr fördern oder zeitlich begrenzte Verbote für Holzfeuerungen aussprechen.
Die Kantone fordern vom Bundesrat zusätzliche Massnahmen, die in seiner Kompetenz liegen - so wie im Fall des Aktionsplans gegen Feinstaub, den der Bundesrat 2006 beschlossen hat.
Zusätzlich muss die grossräumige Luftverschmutzung durch dauerhafte Massnahmen in den übrigen europäischen Ländern gesenkt werden. Deshalb sind auch auf internationaler Ebene im Rahmen des Übereinkommens über weiträumige grenzüberschreitende Luftverunreinigung weitere Anstrengungen nötig.
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