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Class-aktuell: Stephan Genz, Winterreise - Verschlüsselte Botschaft
Dieser Zyklus »schauerlicher Lieder«, wie Schubert ihn selbst genannt hat, gehört zu den Prüfsteinen großer Baritone, wie auch der andere große Liederzyklus Schuberts, »Die schöne Müllerin«. Denn er stellt besondere Anforderungen an Technik un Interpretation. Die „Winterreise“ besteht aus 24 Liedern, die Schubert im Herbst 1827, also ein Jahr von seinem Tod (und im Todesjahr des Textdichters) komponierte.
Die Gesichte von Wilhelm Müller entnahm Schubert der 1822 verbotenen Literaturzeitschrift „Urania“, die er sich illegal besorgt hatte. Es scheint, dass es sich beim Inhalt der „Winterreise“ nicht nur (vordergründig) um enttäuschte Liebe, um Ziel- und Hoffnungslosigkeit handelt, sondern dass diese Texte durchaus eine zweite, verschlüsselte politische Ebene haben und als Kritik am bestehenden restaurativen System zu verstehen sind.
Verschlüsselte Botschaft
Die konnten zu Zeiten der Zensur une Repression nur in Kunst versteckt weitergegeben und kommuniziert werden, wenn man offene Konflikte mit der Staatsmacht vermeiden wollte. Auch Stephan Genz, ehemals Mitglied des Leipziger Thomanerchor Leipzigs, der bei Dietrich Fischer-Dieskau und Elisabeth Schwarzkopf studierte, hat daher diesen Zyklus nun eingesungen. Sein Debut als Liedsänger gab er 1997 in der Londoner Wigmore Hall. Seit 2012 ist er Professor für das deutsche Gesangsrepertoire am Conservatoire de Paris.