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Die Schweizer Diplomatie hat sich im Falle des 1977 verschwundenen chilenisch-schweizerischen Doppelbürgers Alexei Jaccard korrekt und engagiert verhalten, aber nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Zu diesem Schluss kommt ein Expertenbericht.Dieser Inhalt wurde am 04. Februar 2000 - 15:05 publiziert
Die Schweizer Diplomatie hat sich im Falle des 1977 verschwundenen chilenisch-schweizerischen Doppelbürgers Alexei Jaccard korrekt und engagiert verhalten, aber nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Zu diesem Schluss kommt ein am Freitag (04.02.) veröffentlichter unabhängiger Expertenbericht.
Der Fall Jaccard sei von der Schweizer Diplomaten - nicht zuletzt auf Druck der Öffentlichkeit - mit aussergewöhnlichem Engagement behandelt worden, heisst es in dem Bericht zum Vorgehen der Bundesverwaltung zum Zeitpunkt des Verschwindens von Alexei Jaccard im Mai 1977. Jaccard war in Argentinien verschwunden, nachdem ihn die politische Polizei Chiles am 17. Mai in einem Hotel in Buenos Aires verhaftet hatte.
Der Bericht attestiert dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA), dass es sich laufend und stark in der Angelegenheit engagiert habe. Es sei zwar möglich, dass andere Massnahmen als die ergriffenen in gewissen Fällen zu mehr Erkenntnissen hätten führen können. Das gewählte Vorgehen sei jedoch reiflich überlegt gewesen, und die Verantwortlichen hätten sich kontinuierlich engagiert.
Einer der beiden Autoren des Berichts, der Genfer Professor Antoine Fleury, sagte aber vor den Medien, dass die Schweizer Diplomaten naheliegende Möglichkeiten, in dem Fall weiterzukommen, nicht ausgeschöpft hätten. Zwar habe das EDA seit der Nachricht von Jaccards Verschwinden vom 3. Juni 1977 auf allen Ebenen interveniert. Er halte aber das Vorgegen des EDA betreffend eines anonymen Briefs über Jaccards Verblieb für fragwürdig.
Das EDA und die Schweizer Botschaft in Buenos Aires hatten den Brief, der auf eine Suchanzeige nach Jaccard einging, der argentinischen Bundespolizei übergeben, damit diese den angeblichen Aufenthaltsort überprüfen konnte. Diese erklärten dann, Jaccard nicht gefunden zu haben. Laut Fleury wollten die Schweizer Diplomaten die bilateralen Beziehungen mit Argentinien nicht gefährden und daher nicht selber nach ihm suchen. Es sei bedauerlich, dass sie nicht einen Vertrauten beauftragt hätten, nach Jaccard zu suchen.
Auch der damalige Bundesrat Pierre Aubert habe eine der wichtigsten Eingreifgelegenheiten versäumt. Aubert habe bei seinem Treffen mit dem argentinischen Präsidenten Jorge Rafael Videla vom September 1978 in Rom nicht explizit eine Untersuchung über das Schicksal Jaccards zu verlangen. Laut Fleury ist es allerdings fraglich, ob Videla überhaupt Zugang zu den nötigen Informationen gehabt hätte. In dem Bericht wurde weiter kritisiert, dass die Frage nach dem Zweck von Jaccards Reise nie untersucht worden sei.
Als Hauptgrund für die Schwierigkeiten der Schweizer Diplomatie in dem Fall nachzuforschen, wird die Zeitspanne von 18 Tagen zwischen dem Verschwinden Jaccards und der Kenntnisnahme des EDA angegeben.
Das EDA hatte den Bericht bei Fleury und dem Zürcher Völkerrechtler Dietrich Schindler in Auftrag gegeben, nachdem das Verhalten des Schweizer Botschafters in Argentinien in der Affäre
kritisiert worden war.
Der Fall Jaccard hatte im Jahre 1998 für neues Aufsehen gesorgt, weil die Genfer Justizbehörden aufgrund einer Klage der Witwe Jaccards ein Strafverfahren gegen den früheren chilenischen Diktator Augusto Pinochet wegen Entführung, Freiheitsberaubung und Mords eingeleitet hatte. Im November 1998 hatte die Schweiz ein Auslieferungsgesuch für Pinochet in Grossbritannien eingereicht.
SRI und Agenturen
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