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In einer perspektivischen Abbildung schneiden sich die Bilder aller
Geraden, die im Original zu einander parallel verlaufen, in einem
gemeinsamen Fluchtpunkt.
Bei der perspektivischen Abbildung werden räumliche Objekte auf eine
ebene Fläche, die Bildebene projiziert. Das ist zum Beispiel bei der
fotografischen Aufnahme der Fall. Im Bildoriginal [1] parallele Geraden
sind unter anderem die Straßenränder, Dachfluchten und Fensterfluchten
der bebauten Straße. Sie alle laufen auf einen gemeinsamen Fluchtpunkt
zu.
Auch die senkrechten Hausecken sind parallele Geraden. Allerdings liegt
deren Fluchtpunkt weit außerhalb des Bildes.
Alle parallelen Ebenen schneiden sich in einer gemeinsamen
Fluchtgeraden. Für die waagerechten Ebenen des Bildes [1], wie zum
Beispiel die Straßenfläche und die Stockwerksdecken, ist das der
Horizont. Die Fluchtpunkte aller Parallelen in einer solchen Ebene
liegen auf dieser Fluchtgeraden.
[2] Abbildung mit zwei FluchtpunktenVor allem bei Gebäuden gibt es
zueinander senkrecht stehende Linien in drei Richtungen: Höhe, Breite,
Tiefe. Die Blickrichtung (Aufnahmerichtung der Kamera, Perspektive) für
eine Abbildung kann dabei so gewählt werden, dass ein, zwei oder drei
Fluchtpunkte entstehen. Dies wird als Fluchtpunktperspektive bezeichnet.
Die Perspektive eines Bildes führt den Blick des Betrachters auf den
Fluchtpunkt. Die Wahl der Lage und der Anzahl der Fluchtpunkte eines
Bildes sind daher eine wesentliche Aufgabe der Bildgestaltung.
Fluchtpunkte schaffen Dynamik und Raumtiefe. Sie setzen Akzente und
bringen Objekte in den Blickpunkt des Betrachters.
Geometrische Konstruktion
[3] Parallelprojektion und Zentralprojektion (Perspektive) im
VergleichDie Abbildung [3] zeigt den geometrischen Zusammenhang zwischen
der Fluchtpunktperspektive und der Parallelprojektion. Letztere wird für
ausmessbare Karten und Pläne verwendet, sie bietet dem Auge keinen Reiz.
Die Projektion aller Objektpunkte von einem Augenpunkt O auf eine
Bildfläche B sowohl für Grundriss (O', B') als auch für den Aufriss (O,
B) ergeben senkrechte und waagerechte Schnittgeraden zu den
entsprechenden Bildpunkten in der Projektion. Das Bild zeigt, dass die
Dynamik umso stärker wird, je näher der Augenpunkt an das Objekt rückt.
Die Lage des Augenpunktes entscheidet nicht nur über den Aspektwinkel,
sondern auch über die Sichtbarkeit von Objektdetails.
Ist die Bildebene parallel zu einer Objektfläche, hier der Gebäudefront,
so hat diese Fläche und alle dazu parallelen Flächen ihre Fluchtpunkte
im Unendlichen. Insbesondere werden alle parallelen Geraden, welche in
einer parallelen Ebene zur Bildebene liegen, weiterhin parallel
abgebildet. Wird die Bildebene B' (Grundriss) gedreht, so entsteht für
diese Flächen ebenfalls ein Fluchtpunkt im Endlichen. Es entsteht ein
Bild analog zu Bild [2]. Eine Kippung der Bildebene B im Aufriss führt
entweder zur Vogelperspektive oder zur Froschperspektive.