Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03171.jsonl.gz/2171

Pflanzen und Salz
Auch für andere Lebewesen wie Pflanzen und Tieren ist Salz wichtig. Es gibt zum Beispiel so genannte Salzpflanzen (Halophyten), die unter hohen Salzkonzentrationen überleben. Bei den Tieren haben sich verschiedene Arten entwickelt, um den Salzhaushalt zu regulieren.
Salzpflanzen
Salz und seine Welt haben viel Überraschendes zu bieten, manchmal aber erst auf den zweiten Blick. So bei den Salzpflanzen oder Halophyten. Sie besiedeln Meeresküsten, Salinengebiet, Marschland, Salzwüsten oder salzhaltige Quellen. Es sind Überlebenskünstler, die dank verschiedener physiologischer Strategien bei Salzkonzentrationen von mehr als 0,5 Prozent noch gut gedeihen. Salzausscheidende Drüsen, extreme Wasserspeicherung (Sukkulenz) und Filtration in den Wurzeln sind typische Beispiele für die Anpassung. Auch die opportunistische Lebensweise kann erfolgreich sein. Solche Pflanzen beenden Lebenszyklus und Samenbildung, noch bevor die Salzkonzentration im Gewebe den tödlichen Wert erreicht.
Die starke Sonnenstrahlung, grosse Temperaturschwankungen und Trockenheit schaffen für die Pflanzen an der Küste harte Lebensbedingungen, ähnlich wie im Hochgebirge, in Wüsten und Polargebieten. So sind viele Salzpflanzen zwergwüchsig oder sie wachsen in Polstern und die Blätter sind klein, lederig, fleischig oder behaart.
Die folgenden Beispiele sollen Ihnen die Vielfalt der Salzpflanzen etwas näher bringen. Jede der Pflanzen ist dabei auf ihre spezielle Weise repräsentativ.
Strandstern (Asteriscus maritimus L.)
Der ausdauernde Strandstern (Asteriscus maritimus L.) macht während der Blütezeit im Frühjahr auf sich aufmerksam, wenn seine kräftigen gelben Blüten die Küstenfelsen am Mittelmeer überziehen. Sonst ist diese Pflanze aus der Familie der Korbblütler eher unscheinbar. Der Zwergstrauch ist unten verholzt, im oberen Teil schmalblättrig und rau behaart. Darum trotzt er Wind, Hitze, Strahlung und Trockenheit.
Binse (Juncus acutus)
Gräser, Seggen und Binsen gehören zur typischen Flora von Stränden, Sümpfen und küstennahen Flachgebieten. Sie werden oft als Pionierpflanzen für die Landgewinnung, als Futter oder Einstreu in der Landwirtschaft oder wie das Schilf als Baumaterial genutzt. Aus der Distanz sehen sie einander ähnlich. Gräser, Seggen und Binsen sind aber miteinander nicht verwandt. Wir haben für die Illustration die stechende Binse (Juncus acutus) ausgewählt. Sie besiedelt, wie die sehr ähnliche J. maritimus, die Küsten am Mittelmeer.
Meertraube (Coccoloba uvifera)
Die Meertraube (Coccoloba uvifera) aus der Familie der Knöterichgewächse ist oft der einzige Schattenspender an einsamen Sandstränden in Mittel- und Südamerika und in der Karibik. Sie wächst als immergrüner, mehrstämmiger Baum und kann bis 8 Meter hoch werden. Die wind- und salzresistente Meertraube ist Nutz- und Zierpflanze. Sie liefert essbare und verwertbare Früchte, Brennholz und Farbstoff. Die Wurzel wird in der Volksmedizin gegen Durchfall und die Baumrinde gegen Halsentzündungen eingesetzt.
Dickblättriger Wegerich (Plantago coronopus)
Der dickblättrige Wegerich (Plantago coronopus) siedelt gerne an sandigen und felsigen Stellen der mitteleuropäischen Küsten. Seine Erscheinung und sein Vorkommen kennzeichnen ihn als salztolerante Pflanze. Und doch erkennt auch der Laie die Verwandtschaft zum heimischen Spitz- und Breitwegerich.
Mangrovenwälder (Rhizophora mangle)
Mangrovenwälder (Rhizophora mangle) verleihen tropischen Küsten und Flussmündungen eine besondere Faszination, einerseits als einzigartiger Lebensraum und andererseits als abenteuerliche Film- und Reisekulisse. Mangroven gedeihen im Salz- und Brackwasser und ertragen Gezeitenwechsel problemlos. Mit R. mangle haben wir die am weitesten verbreitete und wichtigste Art gewählt. Sie liefert rötliches Holz zur Gewinnung von Gerbstoffen und zur Herstellung von Holzkohle. Die Samen verbreiten sich auf ganz originelle Art. Sie keimen auf der Mutterpflanze aus, fallen ins Wasser und bleiben im Schlick wie ein Setzholz stecken.
Ausdauernder Queller (Salicornia perenne)
Der ausdauernde Queller (Salicornia perenne) ist als Salatpflanze bekannt. Dieses populäre Gänsefussgewächs ist mit unserem Spinat verwandt. Der Queller ist eine fleischige, an Spargel erinnernde, salztolerante Pflanze, die häufig an Küsten, im Watt und in den Salzmarschen Europas heimisch ist. Sie wird auch zur Landgewinnung angepflanzt.
Salz-Spärkling (Spergularia salina)
Die Salzschuppenmiere oder der Salz-Spärkling (Spergularia salina) gehört zu den Nelkengewächsen. Diese unscheinbare, niedrig wachsende Pflanze gedeiht an Meeresküsten und auf salzhaltigen Böden in Europa, Nordafrika und in Vorderasien. Sie blüht weiss oder blassrosa von April bis September.
Tamariske (T. africana Poir.)
Die Gattung der Tamarisken zählt rund 80 Arten tief wurzelnder, Laub werfender Bäume und Sträucher, die vom Mittelmeergebiet bis nach China heimisch sind und häufig in Wüstengebieten vorkommen. Sie werden als Windschutz an Küsten angepflanzt. Einige sind Medizinalpflanzen oder liefern Farbstoff. Wüstenvölker schätzen seit biblischen Zeiten das Manna (Tamarix mannifera). Die Illustration zeigt die Afrikanische Tamariske (T. africana Poir.), die an Flussläufen, an flachen Küsten und in Sanddünen des Mittelmeergebietes, Nordafrikas und der Kanaren gedeiht. Sie wird auch als Zierpflanze und Alleebaum kultiviert.
Strandwinde (Calystegia soldanella L.)
Die Strandwinde (Calystegia soldanella L.) ist eine Verwandte unserer Ackerwinde. Sie hat sich warme Küstenregionen rund um die Welt als Lebensraum ausgesucht. Sie kriecht über Sand, Fels und Dünen. Ihr kräftiges, immergrünes und fleischiges Blattwerk und die hellen rosa und weiss gestreiften Blütentrichter ziehen die Blicke der Strandwanderer auf sich.