Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03215.jsonl.gz/650

Das Valle Arzola und seine Geschichte
Das Valle Arzola hat eine lange spannende Geschichte …
Valle Arzola
Das Tal hat seinen Namen vom Bach, welcher im Sommer eher einem Rinnsal entspricht, jedoch zur Schneeschmelze und bei intensiven Regenfällen anschwillt. Dann hört man ein stetiges Rauschen, doch das Bachbett ist tief genug, so dass die Arzola kaum je über die Ufer tritt. Im Herbst des Jahres 1994 gab es im Piemont infolge massiver Regenfälle grosse Überschwemmungen, danach wurde ein Verzeichnis der Gewässer, welche Hochwasser führen können, erstellt. Aus unerfindlichen Gründen wurde auch die Arzola in diesem Verzeichnis aufgeführt. Alle Gebäude in einer Distanz von 150 m von solchen Gewässern unterliegen bei Baubewilligungen neben der Gemeinde zusätzlich noch der Bewilligungspflicht durch den Paesaggistica (Landschaftsschutz).
Gegenüber der Liegenschaft, auf einem Hügel, umgeben von alten Eichen wird das Tal von der Kapelle San Ponzio bewacht.
Geschichte
Auf seinem Italienfeldzug 1796/97 zog Napoleon Bonaparte mit seinen Truppen ins Piemont und eroberte grosse Gebiete von den Österreichern und deren Verbündeten, dem Königreich Sardinien-Piemont. Im Umkreis von ca. 40 km um das Valle Arzola wurden Schlachten geschlagen, beispielsweise in Millesimo und Mondovì.
Nach der Verbannung auf Elba, von wo er im Februar 1815 mit etwa 1’000 Getreuen flüchtete, soll er auch durch das Piemont gezogen sein. In der Nähe von Marsaglia, sagt man, soll er von den italienischen Savoyern gestellt worden sein. Im mittelalterlichen Schloss von Marsaglia soll dann ein Friedensvertrag geschlossen worden sein. Leider kann diese Geschichte nicht übers Internet überprüft werden. Es könnte sich auch um eine Erfindung handeln, da die Landbevölkerung im Piemont sehr gerne Geschichten erzählt…
Die älteren Einheimischen wissen auch Geschichten über die Besetzung durch deutsche Truppen während des Zweiten Weltkrieges zu berichten. Interessanterweise waren die meisten Angehörigen Partisanen, kaum einer hat für die reguläre italienische Armee gekämpft während dieser Jahre. Im Tal soll es auch ein Internierungslager gegeben haben, aber auch diese Information stammt aus mündlichen Quellen…
San Ponzio
Die Kapelle San Ponzio wird in den Kirchenbüchern von Saluzzo erstmals 1592 als Kirche von Marsaglia erwähnt. Das Gebäude kann aber wesentlich älter sein, archäologische Schätzungen zufolge dürfte es um 700 gebaut worden sein. Bis in die Jahre um den Zweiten Weltkrieg fanden regelmässig am Samstag oder Sonntag Messen statt. Durch die Nähe zu den Bauernhöfen wurde nicht zuviel Zeit für den Weg verloren, so dass die Arbeit schnell wieder aufgenommen werden konnte.
Nach vielen Jahren, in welchen die Kapelle nicht mehr regelmässig genutzt wurde, sind im Jahre 1976 das Dach und Teile der Frontfassade eingebrochen. Glücklicherweise wurde die Apsis mit den mittelalterlichen Fresken von diesem Einsturz verschont. Dank einer finanziellen Zusage der Provinz Cuneo und der Vereinigung der Berggemeinden (Comunità Montana Alta Langhe) konnte der Verein San Ponzio, grossteils in Fronarbeit, die notwendigsten Arbeiten ausführen, um das Gebäude zu erhalten.
Erst im Jahre 2008 war dann genügend Geld beisammen, um eine vollständige Restauration der Kapelle und auch der Fresken in Angriff zu nehmen. Bei Grabungen am Fundament wurde ein Grabfeld mit diversen Skeletten entdeckt welche aus dem Zeitraum 1200 – 1700 stammen. Diese Funde verzögerten natürlich die ganzen Arbeiten, so dass erst im September 2011 die Kapelle im Beisein des Bischof von Mondovì feierlich neu eingesegnet wurde. Die fachgerechte Restauration der mittelalterlichen Fresken war auch sehr zeitintensiv, leider konnten wegen fehlender Teile des Verputzes nicht alle wieder hergestellt werden. Weisse Stellen in den Fresken zeugen heute vom damaligen schlechten Zustand.
Einmal im Jahr, Mitte September, findet in der Kapelle eine Messe zu Ehren von San Ponzio statt mit der anschliessenden „Festa di San Ponzio“. Bei dieser Gelegenheit kommen gut 150 Einheimische und Zugezogene zusammen, geniessen den Imbiss und ein Glas Wein, ein gesellschaftlicher Höhepunkt des Jahres untermalt von Handorgeln und Volksliedern.
Nach Absprache und Voranmeldung kann die Kapelle auch an anderen Tagen besichtigt werden.
Text Alexander Schilter