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Otto Braun, Politiker und Schriftsteller
1872-1955, geboren in Königsberg, gestorben in Locarno
1872-1955, geboren in Königsberg, gestorben in Locarno
Sohn eines Bahnwärters. Nach kurzer Schulzeit absolvierte Braun eine Druckerlehre. Politischer Aufstieg in der SPD bis zum Mitglied des kaiserlich preussischen Abgeordnetenhauses, zum preussischen Minister und Ministerpräsidenten (1925-1932). Seine Reaktion aus den „Versailler-Vertrag“, der den Ersten Weltkrieg definitiv abschliessen sollte: „Noch nie in der Weltgeschichte ist ein so schamloser Betrug an einem Volke verübt worden wie hier. Die preussische Staatsregierung und die Reichsregierung haben sich im Einvernehmen mit der Gesamtheit der Volksvertreter auf den Standpunkt gestellt, dass dieser Vertrag dazu angetan ist, das deutsche Volk in dauernde Sklaverei zu führen, und dass er daher für uns vollständig unannehmbar ist und nicht unterzeichnet werden darf.“ Er steuerte Preussen durch die „Wirren“ der Weimarer Republik mit. Die anschliessende nationalsozialistische Zeit erlebte er bis zu seiner Emigration im Jahr 1933 mit. Braun lebte in Ascona. Aus „Monte Verità, Berg der Wahrheit“ von Bock und Tennstedt: „Anfang der zwanziger Jahre traf Raphael Friedeberg in Bad Kudowa am Heuscherergebirge in Schlesien den preussischen Ministerpräsidenten Otto Braun, der sich und seine Frau alljährlich daselbst und später in Ascona von ihm behandeln liess. Otto Braun und Raphael Friedeberg hatten eine gemeinsame Vergangenheit in der illegalen Sozialdemokratie Königsbergs und in der Krankenkassenbewegung – ansonsten aber waren sie politische Gegner geworden: Otto Braun war auf dem Weg des Parlamentarismus Ministerpräsident von Preussen, der „rote Zar von Preussen“ geworden, während Raphael Friedeberg Anarchist geworden war. Doch über alle Gegensätze in den Grundanschauungen hinweg – für Fritz Brupbacher war Otto Braun „das Symbol des Plüschsofa-Sozialisten“ – entstand eine lange Freundschaft: Raphael Friedeberg wurde Otto Brauns bester Freund und „einer der wenigen Menschen, denen Braun sich ganz anvertraute“. Das Refugium Raphael Friedeberg dürfte ausschlaggebend dafür gewesen sein, dass Otto Braun nach Ascona emigrierte. Gleichfalls von Krankheit gezeichnet und politisch resignierend, erfüllte er sich in Ascona eine alte Sehnsucht und führte ein bäuerliches, naturverbundenes Leben. – Es war Otto Brauns Wille, dass seine Asche in den Lago Maggiore gestreut wird.