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Der politische Graben zwischen der Romandie und der Deutschschweiz hat sich in den vergangenen 20 Jahren vertieft. Dies zeigt eine Auswertung der eidgenössichen Abstimmungs-Ergebnisse aller Gemeinden.Dieser Inhalt wurde am 25. Juli 2001 - 14:48 publiziert
Erreicht die West- oder die Deutschschweiz bei einer Abstimmung mehr als 50 Prozent der Ja-Stimmen-Anteile, wird schnell einmal vom Röstigraben gesprochen. Genauso schnell ist dieser wieder vergessen, wenn die Mehrheit beider Sprachregionen übereinstimmt. Gibt es ihn nun in der politischen Landschaft der Schweiz, diesen Graben, oder ist er bloss ein vielzitierter Mythos?
Eine Studie des Geographischen Instituts der Universität Zürich zeigt: Der Graben existiert und er hat sich in den letzten 20 Jahren noch vertieft. Zu diesem Schluss kommen die Sozial-Geographen Heiri Leuthold und Michael Hermann, die die kommunalen Abstimmungs-Ergebnisse der letzten 20 Jahre ausgewertet haben.
Links-Rechts-Trend in 90er-Jahren
In den 80er-Jahren sind es vor allem ökologische Themen gewesen, die die deutsche und die französische Schweiz entzweit haben.
"In den 90er-Jahren hat dann der Graben eine andere Qualität erhalten", sagt Heiri Leuthold. "Die Westschweiz hat sich nach links entwickelt, die Deutschschweiz eher nach rechts, in Richtung wirtschafts-freundlicher, autoritäts-orientierten und eigentums-orientierten Haltung."
Deutlich gezeigt habe sich der Trend der Westschweiz nach links darin, dass sich auch die früher als konservativ geltenden Regionen der Westschweiz wie das Waadtland, das Unterwallis oder die französisch-sprachigen Teile von Freiburg nach links verschoben haben.
Zwei prägende Ereignisse
Heiri Leuthold und Michael Hermann sehen zwei Ereignisse, die das Verhältnis zwischen Deutsch- und Westschweiz in den 90er-Jahren beeinflusst haben.
Zum Einen habe die Europa-Debatte das Land sehr stark gespalten, als die Romandie in der EWR-Abstimmung 1992 von der Deutschschweiz massiv überstimmt worden war. "Das gab der Suisse Romande das Gefühl, politisch dominiert zu werden", sagt Leuthold. Zum Zweiten sei die Romandie viel stärker von der Rezession betroffen gewesen als die Deutschschweiz. Hinzu sei gekommen, dass die Romandie zunehmend wahrgenommen habe, dass viele der Westschweizer Arbeitsplätze von der Deutschschweiz aus kontrolliert würden.
Das Gefühl solcher Dominanz fördere linke und sozialstaatliche Einstellungen und führe zu politischen Spannungen. "Das kann für das Staatswesen problematisch werden", meint Leutholf. "Andererseits haben wir immer politische Differenzen gehabt in der Schweiz. Und wir haben eigentlich auch gute föderalistische Institutionen, die das meistern können."
Harmonisierung innerhalb der Sprachregionen
Innerhalb der Sprachregionen haben sich die Differenzen verkleinert. "Wir deuten das auch damit, dass die Konzentration in der Medien-Landschaft mit dazu beigetragen hat, dass die Sprachregion viel wichtiger geworden ist für die politische Orientierung als die kantonalen Eigenheiten", sagt Leuthold.
Gefälle zwischen Stadt-Land
In den Fragen der politischen Öffnung könne nicht von einem klaren Graben zwischen den Landesteilen gesprochen werden, sagen die Autoren der Studie weiter. "Hier ist es mehr der Graben zwischen einer liberalen, weltoffenen Haltung und einer konservativen Haltung, der sich dann auch im Gefälle zwischen Stadt und Land ausdrückt."
Kathrin Boss Brawand
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