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Anmerkung zu COVID-19: Die Befragung 2020 wurde noch vor dem ersten bestätigten Fall einer COVID-19-Erkrankung in der Schweiz durchgeführt. Die diesjährige Befragung zeigt somit, inwiefern rund ein Jahr Corona-Krise die Wahrnehmungen zum und die Forderung der Schweizer Stimmbevölkerung ans Gesundheitswesen geprägt hat.
Das aktuell alles bestimmende Gesundheitsthema – die Corona-Krise – hat auch Niederschlag in der diesjährigen Umfrage gefunden (Grafik 1). Direkt danach gefragt, gibt eine Mehrheit der Stimmberechtigten (55 %) an, dass die Krise einen negativen Einfluss auf ihre Wahrnehmung des Gesundheitswesens hatte. Demgegenüber stehen 42 Prozent, welche ihren Eindruck ins Positive verbessert haben. Es sind jedoch nur wenige, welche einen starken Meinungswandel äussern. Grundsätzlich überwiegt leicht die Veränderung ins Negative (11 %) diejenige ins Positive (5 %). Dabei zeigen sich klare sprachregionale Unterschiede: In der französischsprachigen (77 %) und der italienischsprachigen Schweiz (60 %) überwiegen die positiven Voten. Das gesamtschweizerisch eher negative Resultat kommt durch die Deutschschweiz zustande, wo 31 Prozent eine positive und 67 Prozent eine negative Wahrnehmungsverschiebung bei sich festgestellt haben.
Die höheren Einkommens- und Bildungsschichten sind eher kritischer, wobei dies nicht unbedingt mit dem Wissen über das Gesundheitswesen in Zusammenhang stehen muss. Je höher die subjektive Einschätzung zur eigenen Informiertheit über das Gesundheitswesen, desto eher verbesserte sich der Eindruck über das System. Die Beurteilung hängt auch von der politischen Orientierung ab, wobei eine Polarisierung eher entlang der Achse progressiv-konservativ und nicht entlang der Links-rechts-Achse zu erkennen ist: Anhängerschaften von Die Mitte, SVP und Parteiungebundenen geben mehrheitlich eine Verschlechterung an, während bei den Anhängerschaften von SP, Grünen und FDP mindestens relative Mehrheiten ihr Bild über das Gesundheitswesen im Pandemiekontext verbessert haben.
COVID-19 wird nicht die letzte Gesundheitskrise sein, mit der sich die Bevölkerung und das Gesundheitswesen auseinandersetzen müssen. Es gibt zwei generelle Strategien, wie man dabei vorgehen könnte: Entweder jetzt sparen, um in der Krise Reserven zu haben, oder jetzt in den Ausbau investieren, damit die Infrastruktur in der Krise bereits vorhanden ist. Die Mehrheit (59 %) tendiert zum Ausbau staatlicher Infrastrukturen, nur 38 Prozent würden sparen wollen. Solche Ausbaupläne sind sowohl auf dem Land wie auch in den Grossagglomerationen sogar von zwei Drittel der Befragten gewünscht. In kleinen und mittleren Agglomerationen ist Sparen vergleichsweise attraktiv, denn die Meinungen sind ziemlich genau zwischen diesen zwei Polen geteilt. In der französischsprachigen Schweiz wird stärker als in anderen Regionen für das Sparen (46 %) und weniger für die Investitionen (48 %) plädiert. Das überrascht, denn in der Regel sind Romandes und Romands offener für staatliche Aufwendungen. Zwar sind die Krankenkassenprämien in der französischsprachigen Schweiz teurer, aber beispielsweise ist dort auch die Spitaldichte kleiner als in der Deutschschweiz. In der deutschsprachigen Schweiz wollen dagegen 62 Prozent investieren und nur 30 Prozent sparen. Personen ohne Berufsausbildung und mit weniger verfügbarem Einkommen sind eher für das Sparen, während höhere Schichten mehrheitlich für Investitionen optieren.
Parteiungebundene und eine starke Minderheit der FDP-Anhängerschaft sind verstärkt dafür, Rücklagen zu bilden, während die Anhängerschaften von GPS, SP, Die Mitte und SVP eher investieren möchten.
Samuel Lanz
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