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Die EVP läuft und läuft - seit 100 Jahren
(idea/rh) - 1919 war das gesellschaftspolitische Klima in der Schweiz angespannt. Die Bevölkerung sah sich grossen Spannungen politischer, sozialer und wirtschaftlicher Natur ausgesetzt. In diesem Umfeld wurde die Evangelische Volkspartei geboren, und zwar im "Roten Haus" in Brugg AG. 30 Männer beschlossen damals, ein evangelisch-reformiertes Gegenstück zur katholischen CVP zu gründen. Ihr Motiv war es, die Gesellschaft mit christlichen, biblischen Werten zu prägen.
Anders als die CVP, die in katholischen Gebieten sehr stark wurde, blieb die EVP klein. Aber sie blieb. Die CVP hingegen ist im Sinkflug; ihre Wählerschaft ist nur noch halb so gross wie in den besten Jahren. Dass die EVP nie gross wurde, liegt unter anderem daran, dass sich die reformierte Wählerschaft von Beginn weg in unterschiedliche Parteien aufsplitterte. Aufgrund ihrer sozialen Herkunft sammelte sie sich namentlich in FDP und SP. So erklärt es zumindest der Politologe Michael Hermann im Tages-Anzeiger. Die EVP habe von Beginn an nur den "harten Kern der Protestanten" angesprochen. Und genau diese Haltung ist es, die sich im Zuge der Säkularisierung nicht aufgelöst hat.
Schmerzhafte Abspaltung
1975 kam es zu einer Spaltung unter den Frommen. Werner Scherrer gründete die Eidgenössisch-Demokratische Union EDU. Sie politisiert mehr rechts der Mitte. Die EVP, die sich ausdrücklich als Mittepartei bezeichnet, zieht es in sozialen Fragen und bei Wirtschafts- und Umweltthemen mehr nach links. Insgesamt führte diese Trennung zu einer Schwächung der christlichen Positionen. In der Basis hört man vermehrt Stimmen, die eine Wiedervereinigung für wünschenswert erachten. Doch der realpolitische Graben scheint dafür zu tief zu sein.
Die Parteiführung schätzt, dass ihre Mitglieder und die Wählerschaft sich je zur Hälfte aus Landeskirchen- und Freikirchen-Leuten zusammensetzten. Festzuhalten ist, dass der Wähleranteil der EVP seit rund 40 Jahren stabil bei rund zwei Prozent liegt. Dies gelingt keiner anderen Kleinpartei. Viele der kleinen Politgruppierungen sind in dieser Zeit gekommen und wieder gegangen. Die EVP ist "klein, aber zäh", titelte deshalb der Tagi.
Wahlkampf mit vier Kernthemen
"Damit Werte wieder zählen", mit diesem Slogan steigt die Partei ins Wahljahr. Am 19. Februar stellten sich ihre Spitzenkandidierenden den Medien. Die Kernthemen sind: Kampf gegen Menschenhandel und Ausbeutung, ethische Marktwirtschaft, Religionsfrieden und nachhaltige Generationenpolitik. Wie vor 100 Jahren würden auch heute wieder politische Pole und Klientel-Interessen wichtige Reformprojekte blockieren, kritisierte Parteipräsidentin und Nationalrätin Marianne Streiff. Politische Entscheide, Stichwort Waffenexporte, liessen jegliche Werteorientierung vermissen. Diese Werte brauche es wieder dringender denn je. Die Partei sieht sich als "lösungsorientierte Brückenbauerin zwischen den Polen".
Ziel ist ein dritter Sitz
Wahlziel der EVP ist der Gewinn eines Mandats in einem dritten Kanton neben Zürich (Nik Gugger) und Bern (Marianne Streiff). Dabei wird vor allem auf die Rückeroberung des Aargauer Sitzes gehofft. Dort kandidieren Grossrätin Lilian Studer für den Nationalrat und Grossrat, Unternehmer und Synodalpräsident Roland Frauchiger für den Ständerat.
Jubiläumsfestakt am 9. März
Am 9. März 2019 lädt die EVP Schweiz im Rahmen ihrer 100. ordentlichen Delegiertenversammlung zum Jubiläumsfestakt auf dem Gurten. Bundesrätlicher Festredner ist Ignazio Cassis (FDP).
www.evppev.ch
Charta der Religionen
Auf die Herausforderungen durch die heutige Vielfalt der Religionen und Kulturen reagiert die EVP mit einer "Charta der Religionen". Sie basiert auf Respekt, Menschenwürde, Transparenz der Strukturen und Gewissensfreiheit und wird im Laufe des Frühjahrs vorgestellt.