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Die Polizei hat am Mittwoch ein zweites Versteck des festgenommenen Mafia-Bosses Matteo Messina Denaro entdeckt: einen Bunker, dessen Zugang sich hinter einem Kleiderschrank befindet. Der Arzt, der ihn in Palermo behandelt hatte, erklärte, der krebskranke Denaro habe eine «ungünstige Prognose». Seine Krankheit habe sich in jüngster Zeit beschleunigt.
Der 60-jährige Messina Denaro hatte sich bei seiner Verhaftung unter dem Namen Andrea Bonafede in der Privatklinik La Maddalena in Palermo befunden. Ein Polizeibeamter fragte ihn, wie er heisse: «Ich heisse Matteo Messina Denaro», erklärte er.
Denaro galt nach dem Tod von Bernardo Provenzano und Salvatore Riina als der «Boss der Bosse» der sizilianischen Cosa Nostra. Italienische Ermittler erklären, Denaro habe während seiner Verbrecher-Karriere mindestens 50 Menschen persönlich umgebracht oder umbringen lassen.
Die Besitzerin der Klinik La Maddalena erklärte laut Zeitungsberichten, dass Denaro in einer Schlange gestanden und auf seine Chemotherapie gewartet habe. Als er bemerkte, dass sich Polizeibeamte näherten, versuchte er zu fliehen, vergebens.
Teure Kleider, Viagra
Inzwischen wurde auch das Versteck von Denaro gefunden. Es befindet sich in einem anonymen gelben zweistöckigen Gebäude im Zentrum von Campobello di Mazara, ein 11’000-Einwohner-Städtchen südlich von Marsala im Westen Siziliens, 80 Kilometer von Palermo entfernt. In Campobello di Mazara soll auch sein Fahrer, Giuovanni Luppino gelebt haben. Auch er wurde festgenommen.
Auch in den letzten Monaten hat Denaro nicht auf Reichtum verzichtet. Bei seiner Verhaftung trug er eine 35’000 Euro teure Uhr. Gefunden wurden auch Designer-Kleidungsstücke, teure Parfums, Potenzpillen und Kondome.
«In vollem Bewusstsein seines Zustandes»
Neben dem Fahrer Giovanni Luppino wurde auch der siebzigjährige Arzt Alfonso Tumbarello, Denaros Hausarzt, verhaftet. Zu seinen Patienten gehörte auch Andrea Bonafede, unter dessen Namen Denaro auftrat.
Laut Dr. Vittorio Gebbia, dem Onkologen der Privatklinik La Maddalena, habe Denaro seine ungünstige Prognose «mit grosser Würde» akzeptiert. In einem Interview mit der Römer Zeitung La Repubblica sagte Gebbia, Denaro sei «in vollem Bewusstsein seines Zustandes».
«Der klassische Patient»
«Wenn man mir gesagt hätte, dass es sich bei dem Patienten um Denaro handelt, hätte ich es nicht geglaubt», erklärte der Arzt weiter. «Sein Zustand ist ernst, seine Krankheit hat sich in jüngster Zeit beschleunigt.»
Wörtlich. «Der Mann, an den ich mich erinnere, ist ein ganz normaler Mensch, der klassische Patient aus der sizilianischen Provinz, mit einem Akzent aus Trapani, wie sie zu Tausenden zu uns kommen, sicherlich wohlhabend, aber auch dort sieht man viele Menschen mit wertvollen Uhren am Handgelenk, nie arrogant, höchstens ein wenig exzentrisch in seiner Kleidung mit diesen auffälligen und teuren Hemden.»
Denaro wurde inzwischen nach Pesaro gebracht. Laut Zeitungsberichten soll er gesagt haben: «Ich bin gut behandelt worden.»
Hinter einem Kleiderschrank versteckt
Am Mittwoch entdeckte die Polizei ein zweites Versteck von Messina Denaro. Es handelt sich um eine Art Bunker, der sich unweit des am Dienstag entdeckten Verstecks im Zentrum von Campobello befindet. Das Haus gehört Andrea Bonafede, dem Mann, der Denaro seine Identität geliehen hat.
Der Zugang zum Bunker ist hinter einem grossen Schrank versteckt. In einem grossen Zimmer fand die Polizei zahlreiche Gegenstände, unter anderem eine Adresskartei und ein intimes Tagebuch. Es enthält Einträge zu seiner leiblichen Tochter, die ihn nie sehen wollte und die er nie gesehen hat. Entdeckt wurden auch die Schlüssel zu einem Alfa 164, mit dem sich Denaro in der Stadt bewegte. Auch zwei Mobiltelefone fand die Polizei.
Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft auch Ermittlungen gegen einen weiteren Onkologen aufgenommen. Filippo Zerilli hat Denaro offenbar während längerer Zeit betreut.