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A DOZEN THROWN FIRST STONES
JOEL VERGEAT
A DOZEN THROWN FIRST STONES
Eröffnung Samstag 25. Januar 2020, 18.00 bis 20.00
Ausstellung 25. Januar bis 21. März 2020
Die sechste Einzelausstellung des Schweizer Künstlers Joel Vergeat (*1985 in Basel) ist die erste nach einem 2016 vollzogenen Wechsel des Mediums weg von der fotografischen Umsetzung seiner Konzepte, hin zu seinen künstlerischen Anfängen, aber gleichzeitig auch zum Ausgangspunkt der vorangegangenen ersten Schaffensphase – den Arbeiten auf Papier.
Als Veranschaulichung selbstgerechten Verhaltens, hat die Redewendung „den ersten Stein werfen“ Eingang in den Sprachgebrauch vieler Kulturen gefunden. In Anlehnung an den neutestamentlichen Ursprungsvers besagter Wendung, entstand der Ausstellungstitel „A dozen thrown first stones“ als eine Art Schuldeingeständnis des Künstlers im Bezug auf Inhalte seiner früheren Arbeiten, welche mehrheitlich system- und gesellschaftskritische Gedankenansätze zum Ausdruck brachten und für Vergeat retrospektiv als metaphorische „erste Steine“ und folglich als Beispiel ungerechtfertigter, moralischer Verurteilung einzustufen seien, zumal er es nach eigener Aussage nicht vermag, sich einer teilweisen Mitverantwortung der angeklagten Missstände zu entziehen.
Vergeat beschäftigt zum einen die Frage, inwiefern er ein fehlerhaftes System eigenhändig am Leben erhält oder gar begünstigt, indem er es nur schon zulässt, sich ihm dadurch fügt und somit passiv partizipiert. Andererseits stört er sich mittlerweile am Versäumnis, wenigstens den Versuch eines Lösungsansatzes in seine damaligen Werke eingebettet zu haben, denn in der Rolle des Kritikers sähe man die Schuld- und Rechenschaftsfrage, aber auch die der Handlungspflicht bereits weitgehend im Adressaten eines Vorwurfes beantwortet und laufe so schnell Gefahr, einen möglichen eigenen Anteil am angeprangerten Missstand ausser Acht zu lassen. So müsse er sich dann rückblickend in gleichem Masse als Beteiligter einer Fingerzeig- Gesellschaft rügen, wie er sich als Feind einer solchen verstehe.
Eine Alternative zu den daraufhin verworfenen Mitteln der Kritik und Anklage sieht der Künstler in der Möglichkeit, im persönlichen Kleinen und selbstbezogenen Kleinsten den bislang vernachlässigten Lösungsansatz zu finden. Anhand einer thematisch ausstellungsübergreifenden, neuen Werkgruppe hat Vergeat selbstreflexive Übungen und Versuche am Akt der Selbstkritik vergegenständlicht, bestrebt aus dieser Herangehensweise gewonnene Einsichten verinnerlichen zu können.
Die oftmals serielle Natur der rund zwanzig Collagen und Assemblagen widerspiegeln die Annahme des Künstlers, dass der Prozess der Verinnerlichung über ein wiederholtes „sich vor Augen führen“ begünstigt werden könne und sollen einerseits als Gedankenstützen für den Urheber fungieren, aber auch als potentieller Nährboden für Dialoge mit dem Betrachter dienen.
„Kritik, unabhängig ihrer Art, kann erst berechtigt und somit Früchte tragend platziert werden, wenn sie vorweg am eigenen Leib und Leben geprüft, vergeistigt und allem voran in Demut mit Nächstenliebe beseelt wurde.“ (Joel Vergeat, Anthologie I, 2015)
Guillaume Daeppen
Galerie & Space for Zines
Müllheimerstrasse 144 – 4057 Basel