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Frauen lieben Handtaschen und betrachten sie als sehr privat. Die Ausstellung «Bags: Inside Out» im Londoner Victoria and Albert Museum erforscht die Gründe und wirft einen Blick in die Welt der Fabriken und Ateliers.
von Anton Ladner
Die Handtaschen sind heute viel mehr als nur Stauraum zum Mitnehmen. Sie sind ein Statement für Status, Lebensstil und Lebenshaltung. Sie dienen deshalb als eine Art Auskunfts-Plattform. Wer eine Kelly von Hermès trägt, hat einen Haufen Geld oder gibt einfach an, weil man auch zum erlauchten Kreis gehören will, dem man gar nicht angehören kann. Oder es handelt sich um eine Fälschung. Die bedeutenden Marken wurden früher genau aus diesen Imagegründen systematisch gefälscht, was durch verschiedene Strafnormen inzwischen massiv eingeschränkt wurde. Handtaschen sind ein Statement nach aussen und verbergen gleichzeitig sehr Privates. Anhand von rund 300 Objekten, die von winzigen Geldbörsen bis hin zu luxuriösen Reisekoffern reichen, erforscht die Ausstellung im Victoria and Albert Museum in London die Funktion, den Status und die Handwerkskunst dieser begehrten Objekte. Sie ist bis zum 21. September zu sehen.
Der erste Teil der Ausstellung thematisiert die Taschen als praktisches Objekt, das dazu bestimmt ist, Habseligkeiten aufzubewahren. Die können sehr unterschiedlicher Art sein, wie historische Taschen bezeugen. Zum Beispiel die grosse bestickte Tasche von Elizabeth I. von England, eine Gasmaskentasche, die Queen Mary während des Zweiten Weltkriegs benutzte.
Der zweite Teil der Ausstellung mit dem Titel «Status und Identität» befasst sich mit der heute zentralen Rolle der Tasche in der Celebrity-Kultur. Zu sehen sind eine Hermès–Kelly, die zu Ehren von Grace Kelly so benannt wurde, eine Lady Dior-Handtasche, die für Prinzessin Diana bestimmt war, oder die Baguette-Tasche von Fendi, die von Sarah Jessica Parker in einer der berühmtesten Szenen von «Sex and the City» getragen wurde. Die allererste hergestellte Hermès–Birkin–Tasche, die Jane Birkin gehörte, ist ebenfalls zu sehen. Die Schauspielerin und Sängerin und der ehemalige Präsident von Hermès, Jean-Louis Dumas, trafen sich zufällig auf einem Flug von Paris nach London. Birkin klagte ihm, keine geeignete Tasche finden zu können, die den Bedürfnissen einer jungen Mutter entspreche. Noch im Flugzeug entwarf Dumas eine grosse Tasche, die er nach Birkin benannte. Sie wurde ein Welterfolg und ist heute nach fast 40 Jahren immer noch im Angebot als Symbol von Luxus. Aber Taschen wurden auch zur Projektionsfläche von politischen Botschaften, um einen Glauben oder eine Überzeugung zu teilen. Zum Beispiel die Anti-Sklaverei-Netz-Tasche aus dem Jahr 1825 oder die «I am NOT a Plastic Bag»-Tasche von Anya Hindmarch.
Der dritte Teil der Ausstellung befasst sich mit dem Design- und Herstellungsprozess von der Skizze bis zum Muster, vom Nähen bis zum Verkauf. Die Besucher können den Prozess der Taschenherstellung und die verwendeten Materialien aus nächster Nähe betrachten. Schon immer flossen dabei besonders kreative Ideen ein, weil Handtaschen im Gegensatz zu Schuhen oder Kleidung alle Experimente zulassen. Heute liegt die Herausforderung beim Design in der Verwendung von innovativen und ökologisch nachhaltigen Materialien. Die Designerin Stella McCartney arbeitet zum Beispiel mit recyceltem Plastikmüll. Andere Entwürfe entstanden aus ausgemusterten Feuerwehrschläuchen.
Die Ausstellung zeigt – abgesehen von Ausnahmen wie Churchills Aktentasche −, dass Handtaschen eine Frauensache bleiben. Natürlich tragen heute Männer Computertaschen oder Sporttaschen, aber die Handtasche ist im besten Fall bei jungen Männern eine Gurttasche. Fast wie damals im 15. und 16. Jahrhundert, als Männer noch einen kleinen Beutel an ihren Gürteln hängen hatten. Bei den Frauen war er unter dem Rock verborgen und wurde später sogar eingenäht – die Handtasche im Kleid, die Ridicule. Die heutige Handtasche entstand jedoch erst, als das Bürgertum im späten 19. Jahrhundert zu reisen begann. Seiher hat sich die Doppelfunktion der Handtasche gehalten – Statussymbol und Stauraum für ganz Privates.