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Schulterarthrose / Schulterprothese
Daneben können Durchblutungsstörungen im Oberarmkopf (Nekrosen), chronisch entzündliche Erkrankungen (z. B. rheumatoide Arthritis) oder irreparable Verletzungen von Sehnen (Rotatorenmanschettenrupturen) zur Zerstörung des Gelenks führen. Symptome sind in erster Linie Schmerzen und eine Einschränkung der Beweglichkeit.
Wer braucht eine Schulterprothese?
Der Entscheid zur Implantation einer Prothese fällt in Abhängigkeit vom individuellen Leidensdruck, also vom Ausmass der Schmerzen und der Funktionseinschränkung.
Welche Formen von Schulterprothese gibt es?
Man unterscheidet im Wesentlichen 3 Typen des Schultergelenkersatzes:
Anatomische Totalprothese
Bei der anatomischem Totalprothese wird die Gelenkfläche des Oberarmkopfs sowie der Gelenkpfanne ersetzt. Dieser Prothesentyp wird v. a. bei Arthrose oder anderweitiger Zerstörung des Gelenkknorpels und/ oder des Knochens eingesetzt. Voraussetzung ist eine intakte Muskel- und Sehnenfunktion (Rotatorenmanschette).
Hemi- oder Teilprothese
Die Hemi- oder Teilprothese dient ausschliesslich zum Ersatz des Oberarmkopfes, z. B. bei Abnutzung oder fehlverheilter
Fraktur oder wenn auf Seiten der Gelenkpfanne keine ausreichende Verankerung einer künstlichen Pfanne möglich ist. Auch für die Implantation dieser Prothese sollte die Sehnenmanschette intakt sein.
Inverse Prothese
Bei der inversen Prothese tauschen Kugel und Pfanne gleichsam die Position (invers), indem man eine Halbkugel, die sogenannte Glenosphäre, auf der Seite der ursprünglichen Gelenkpfanne montiert und die Pfanne entsprechend auf der Seite des Oberarmkopfes.
Dadurch verändert man die Hebelkräfte der schultergelenkübergreifenden Muskulatur, v.a. des Deltamuskels, und kann so den Mangel an Kraft bzw. die Verminderung der Funktion bei Verlust der Rotatorenmanschette teilweise ausgleichen. Dieser Prothesentyp kommt daher bei Abnutzung des Gelenkknorpels und gleichzeitiger irreparabler Rotatorenmanschettenläsion zum Einsatz.
Die Prothesenkomponenten werden auf der Seite des Oberarms durch einen Schaft aus einer Metalllegierung oder Titan fixiert, der im Markraum des Knochens mit oder ohne Zement verankert wird.
Auf der Seite der Gelenkpfanne wird bei der anatomischen Prothese eine Kunststoffpfanne (Polyäthylen) ebenfalls in den Knochen einzementiert, im Fall der inversen Prothese wird die Glenosphäre mit Hilfe von Schrauben verankert.
Begleiteingriffe
Eine Arthrose des Schultergelenks wird oft von Veränderungen der langen Bizepssehne begleitet. In diesem Fall kann entweder die Sehne in ihrem knöchernen Tunnel fixiert und der durchs Gelenk verlaufende veränderte Anteil entfernt werden (Bizepstenodese) oder lediglich ein Absetzen der Sehne ohne Fixation erfolgen (Bizepstenotomie).
Bei ausgedehnten Verletzungen der Rotatorenmanschette, insbesondere der Aussenrotatoren, kann zusätzlich ein Sehnentransfer zur Verbesserung des Gleichgewichts zwischen Innen- und Aussenrotatoren und zur Wiederherstellung der für Alltagsaktivitäten so wichtigen Aussenrotation im Schultergelenk notwendig werden (Latissimusdorsi-/Teres-major-Transfer).
Je nach Prothesentyp und allfälligen Begleiteingriffen dauert der Eingriff zwischen 1 und 2 Stunden.
Wie geht es nach der Operation weiter?
In der Regel wird der operierte Arm für 6 Wochen in einer Armschlinge (Mitella) bzw. einer 0°-Rotationsschiene ruhiggestellt. Meist darf die Schulter während dieser Zeit bereits passiv und/oder aktiv assistiert aus der Schlinge/Schiene bis zur Scheitelebene mobilisiert werden, entweder eigenständig oder im Rahmen einer Physiotherapie.
Dabei sollte in den ersten 6 Wochen nach dem Eingriff keine Aussenrotation über die Neutralebene (0°) erfolgen. Nach 6 Wochen fängt die aktive Phase der Therapie an, jedoch noch ohne Widerstand. Nach 3 Monaten beginnen der dosierte Kraftaufbau und der schrittweise Übergang zur Vollbelastung.
Die Hautfäden können nach 10 bis 14 Tagen im Rahmen einer Wundkontrolle von der Hausärztin oder vom Hausarzt entfernt werden. Die Arbeitsunfähigkeit kann je nach Ausmass der Operation und Art der Tätigkeit zwischen ca. 6 Wochen und 6 Monaten variieren.
Was sind die Risiken der Operation?
Zu den Operationsrisiken gehören Infektionen (< 1%), die unmittelbar nach dem Eingriff (z. B. wegen einer Störung bei der Wundheilung), aber auch noch Jahre später auftreten können. Ursache dieser späten Infektionen sind Erreger, die z. B. bei einer Zahninfektion, durch Hautläsionen oder über andere Eintrittspforten über den Blutkreislauf in das Schultergelenk gelangen. In diesem Fall wird meist ein Revisionseingriff notwendig, zum Teil mit vorübergehender Entfernung der Prothese.
Nervenläsionen, z. B. durch Zug am Arm während der Operation, im Rahmen bestimmter Anästhesieverfahren oder (seltener) durch Instrumente (< 1%), können zu in der Regel temporären Gefühlsstörungen und Schwäche führen. Dabei ist in erster Linie der Nervus axillaris in Gefahr, der am Unterrand des Schultergelenks und somit in unmittelbarer Nähe des Operationsgebiets verläuft.
Als weitere Risiken gelten Luxationen (Auskugeln des Gelenks) sowie das Auftreten von Knochenbrüchen oder Fissuren während der Implantation der Prothese oder als Folge der Implantation (sogenannte Ermüdungsfrakturen). Eine Lockerung und der Abrieb der Prothesenkomponenten können im Lauf der Jahre allenfalls eine Wechseloperation notwendig machen.
Wie sind die Erfolgsaussichten?
Je nach zugrundeliegender Schädigung des Gelenks und der Sehnen sowie abhängig vom Prothesentyp sind im Allgemeinen eine sehr gute Schmerzlinderung und eine Verbesserung der Funktion für das tägliche Leben zu erreichen. Generell ist ein künstliches Schultergelenk allerdings nicht für das Verrichten von schwerer körperlicher Arbeit konzipiert.