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Zum “Tag des Indio“ (19.) hat sich Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro einmal mehr für die Ausbeutung von Indio-Territorien ausgesprochen. Es gehe nicht an, dass “der Indio“ arm bleibe, während er auf Bodenschätzen und fruchtbarer Erde sitze, so Bolsonaro in einem von ihm via Sozialer Netzwerke ausgestrahltem Video.
In dem attackiert er ebenso vor allem internationale Nicht-Regierungsorganisationen, die sich für die indigenen Völker einsetzen. Das Reservat der Yanomamis sei reich und nur deshalb würden dort Nicht-Regierungsorganisationen die Indios verteidigen, sagte Bolsonaro, der dabei Organisationen und andere Unterstützer der Indios als “Picaretas“ bezeichnete.
“Picareta“ wird in Brasilien umgangssprachlich als Schimpfwort für Personen verwendet, die unter Vortäuschung falscher Tatsachen zum Ziel kommen wollen.
Schon während des Wahlkampfes hat sich Bolsonaro für die Ausbeutung der Indio-Territorien und vor allem der dort liegenden Bodenschätze stark gemacht. Die brasilianische Konstitution untersagt hingegen in den Indio-Gebieten Projekte mit direkten Auswirkungen, wie dies bei Bergbauunternehmen der Fall wäre.
Kritik hagelte es von Brasiliens Präsidenten ebenso für die ohnehin schon geschwächte Indio-Behörde Funai. Sollten deren Mitarbeiter nicht tun, was die Indios wollen, werde das gesamte Direktorat ausgetauscht, lautete Bolsonaros Drohung. Dabei bezog er sich auf die Forderungen einiger Indio-Vertreter, die unter anderem eine Unterstützung für eine intensive Landwirtschaft in ihrem Territorium einklagen.
Die Diskussion um die Ausbeutung von Bodenschätzen, der Verpachtung von Flächen für eine intensive Landwirtschaft und andere Nutzungsformen der Indio-Territorien durch Nicht-Indios ist nicht neu. Unter Bolsonaros Regierung nimmt sie allerdings neue Dimensionen an.
Das von Bolsonaro ausgestrahlte Video zeigt ein Treffen mit fünf Indio-Vertretern verschiedener Ethnien. Sie waren im Vorfeld von Luiz Antonio Nabhan Garcia ausgewählt worden. Nabhan Garcia ist Präsident des Landwirtschaftsverbandes União Democrática Ruralista (UDR) und von der Regierung Bolsonaros im Landwirtschaftsministerium als Sekretär für Landfragen eingesetzt worden.
Der Landwirtschaftsverband UDR ist in den vergangenen Jahren allerdings immer wieder ins Gerede gekommen. Vorwürfe gab es zur Verbreitung von Gewalt, illegaler Landnahme und Druckausübung.
Die Durchsetzung ihrer Rechte, der per Konsitution zugestandenen Indio-Territorien und ebenso das Recht auf Selbstbestimmung wird auch von den Indios eingefordert. Vertreter der indigenen Völker Brasiliens versammeln sich dazu unter anderem in der Woche des Indio in der brasilianischen Hauptstadt Brasília.
Dieses Mal (24. bis 26.) wird ihr “Acampamento Terra Livre“ von der Força Nacional de Segurança, Nationalen Sicherheitskräften des Militärs, begleitet werden. Deren Einsatz ist von Ex-Lava-Jato-Richter und dem aktuellen Justizminister Sérgio Moro als Maßnahme zur Vorbeugung von Gewalt genehmigt worden, wie es offiziell heißt.
Bolsonaro wirft den Teilnehmern vor, dass das Treffen über Steuergelder finanziert werde. Laut der Indio-Sprecherin Sonia Guajajara, Koordenatorin der Articulação dos Povos Indígenas do Brasil (Apib), wird es mit Hilfe von Spenden ermöglicht.
In einem Interview für “El País“ wirft Sonia Guajajara Bolsonaro vor, das Land der indigenen Völker der Agrolobby, den Bergbauunternehmen und der Immobilienspekulation ausliefern zu wollen. Befürchtet wird dies nicht nur von indigenen Vertretern, sondern ebenso von verschiedenen Menschenrechts-Organisationen.
Wie sich Bolsonaro die von ihm geforderte Integration der Indios vorstellt, zeigt der Umgang mit der Indio-Behörde Funai. Diese hat er kurz nach Amtsantritt auf zwei verschiedene Ministerien aufgeteilt. Der Bereich der Ausweisung von Indio-Territorien ist dabei dem Landwirtschaftsministerium zugeordnet worden. Das wird von der Ex-Präsidentin der Agrolobby des brasilianischen Kongresses geführt, Tereza Cristina.
Theoretisch ist der “Dia do Índio“ (19.) ein wichtiges Datum, weil mit ihm den sonst eher vergessenen Urvölkern Brasiliens in den Mediem mehr Platz eingeräumt wird. Dieses Jahr sind die indigenen Belange in den Medien angesichts der Osterfeiertage allerdings kaum aufgetaucht. Nur die Live-Ausstrahlung Bolsonaros via Internet, die hat angesichts der polemischen Aussagen des Präsidenten für ein kurzes Aufsehen gesorgt.