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sie nur im Sinne des Rankenwerkes um, indem die geschwungenen Schneckenlinien an Stelle der geraden und regelmäßigen Kreislinien traten. Man nennt diese eigen-deutsche Form «Beschläge-Ornament», weil es wie aus Metall herausgeschnitten und aufgeheftet erscheint. Dieses ursprünglich rein flächenhafte Zierwerk wurde dann weiter dahin ausgebildet, daß die Enden der geschwungenen Linien aus der Fläche herausgehoben und aufgerollt wurden (Rollwerk). Man verband nun nicht selten Ranken- und Rollwerk miteinander, woraus sich mannigfache Mischformen ergaben. Entbehrt nun auch dieses Zierwerk der Einheitlichkeit und des innerlich gesetzmäßigen Zusammenhanges, so ist es dafür in höchstem Grade wirkungsvoll und erfreut das Auge durch das Wechselnde, die Einbildungskraft anregende Spiel der Linien.
Kirchenbau. Wie ich bereits oben erwähnte, kamen für die Bauthätigkeit in der neuen Richtung die Kirchen fast gar nicht in Betracht. Auch die religiöse Bewegung der Reformation blieb zunächst ohne Einfluß, da man in den protestantischen Gegenden einfach die bestehenden Kirchen benutzte. Der Gottesdienst des neuen Bekenntnisses stellte allerdings andere Anforderungen an den Kirchenbau als der katholische, da in demselben die Predigt die Hauptsache war und somit die Kanzel gewissermaßen den Mittelpunkt eines breiträumigen Inneren zu bilden hatte. Da aber gerade im Norden einerseits viele romanische Kirchen bestanden, andererseits die gotischen meist die Hallenform besaßen, so war diesem Erfordernis der Weiträumigkeit vorläufig genügt. Erst später entwickelte sich ein protestantischer Kirchenstil, welcher auf Anlage großer Hallen oder Saalbauten ausging.
Wenn man jedoch zu Neubauten schritt, so begnügte man sich meist damit, gotische Grundformen mit solchen der Renaissance zu vereinigen, was eine oft recht anziehende Mischung ergab. Ein Beispiel hierfür ist die St. Kilianskirche in Heilbronn, welche um 1510-29 erbaut wurde (Fig. 470).
Rathäuser. Die neue Bauweise konnte sich somit nur in weltlichen, bürgerlichen und fürstlichen Bauten kundgeben. Zur Errichtung von Rathäusern bestand in den großen deutschen Städten vorerst auch noch wenig Anlaß, höchstens daß man den bestehenden gotischen
^[Abb.: Fig. 473. Otto Heinrichsbau in Heidelberg.] ¶
Bauten neue Teile anfügte, in welchen Renaissanceformen verwendet wurden, so beispielsweise in Köln (Fig. 471), wo eine prächtige Vorhalle an das gotische Rathaus angebaut wurde, und in Lübeck, wo man ein neues Treppenhaus und eine Bogenhalle errichtete. Dagegen war in den kleineren Städten, die erst jetzt allmählich emporgekommen waren, die Bauthätigkeit in dieser Hinsicht größer; in solchen finden sich daher die Rathäuser im deutschen Renaissancestil, die meist in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstanden sind. Eines der frühesten ist jenes in Görlitz (1537), aus der Mitte des Jahrhunderts stammt das in Mülhausen (Elsaß); dann folgten Altenburg, Schweinfurt, Rothenburg, Emden u. a. Unter diesen Bauten ist wohl das schönste das Rathaus von Rothenburg ob der Tauber, welches mit seiner mächtigen Vorhalle und Freitreppe einen großartigen Eindruck macht (Fig. 472). Beachtenswert ist ferner der 1556 errichtete Turm des Rathauses in Danzig (Fig. 473).
Bürgerhäuser. Weit zahlreicher und auch bemerkenswerter als die öffentlichen Gebäude sind die Bürgerhäuser, die in jener Zeit errichtet wurden. Auch dies findet eine natürliche Erklärung darin, daß damals der allgemeine Wohlstand des Bürgertums einen Höhepunkt erreicht hatte, und die reichen Kaufherren in der Lage waren, auch ihre Häuser prächtig zu gestalten.
Die ganze Anlage der Städte bedingte es, daß die Wohnhäuser meistens nur ihre Schmalseite der Straße zuwandten, dafür aber sich weit zurück in die Tiefe erstreckten; die Straßenseite ist daher in der Regel mit einem Giebel bekrönt. Erker sind häufig, bisweilen findet sich auch ein Treppenturm; den schmalen Höfen entlang laufen in den Stockwerken offene Gänge mit Bogenstellungen. Was jedoch besonders hervorgehoben werden muß, das ist die geschickte Anpassung der einzelnen Bauten an die ganze Umgebung, so daß stets ein schönes Zusammenstimmen erzielt wird, welches den großen Reiz dieser Plätze und Straßen bedingt.
Bemerkenswert ist auch der namentlich in den niederdeutschen Gauen, teilweise auch am Rhein und in Schwaben übliche Fachwerkbau mit vorkragenden Stockwerken (das obere tritt über dem unteren nach der Straße zu hervor); bei dieser Art steht das Schmuckwerk im engen Zusammenhang mit der baulichen Fügung und dieser Einklang ist ein bedeutsamer
^[Abb.: Fig. 476. Hof des alten Schlosses in Stuttgart.] ¶