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Schwieriges erstes Halbjahr 2012 – Tornos vor strukturellen Herausforderungen
Enttäuschender Auftragseingang
Im ersten Halbjahr 2012 gingen in der Gruppe Aufträge im Wert von CHF 103.3 Mio. ein. Dies bedeutet einen Rückgang von 34.2% gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Die Verlangsamung betrifft alle Regionen mit reifen Märkten. Kunden in Südeuropa verfügen zwar über Arbeitsvorräte, können aber keine neuen Investitionen ohne die Unterstützung des Finanzsektors tätigen, der indessen seiner Rolle in diesem Bereich nicht nachkommt. Diese Region ist traditionell für einen bedeutenden Teil des Gruppenumsatzes verantwortlich, sodass ihre aktuelle Schwäche, die bereits seit einem Jahr andauert und bei der sich keine Verbesserung abzeichnet, das Ergebnis für das erste Halbjahr stark belastet hat. In der Schweiz haben die Uhrenhersteller nach der Erholung im Jahr 2011 umfangreiche Investitionen vorgenommen und lasten derzeit die verfügbaren Kapazitäten aus. In Nordeuropa, insbesondere in Deutschland, verzeichnet der Automobilsektor zwar eine solide Aktivität, doch hängt die Branche stark von den Verkäufen im Premium-Segment in China ab und reagiert daher anfällig auf eine dortige Konjunkturverlangsamung. Auf alle Fälle sieht sich Tornos immer längeren Entscheidungsprozessen gegenüber, bevor Bestellungen durch die Kunden verbindlich ausgelöst werden. Die Stärke des Unternehmens in den USA basiert hauptsächlich auf der Präsenz im Medizinaltechniksektor, der im ersten Halbjahr 2012 eine Abschwächung erlebt hat. Im US-Automobilsektor herrscht weiterhin eine rege Aktivität, und Tornos kann voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte ein auf diesen Markt zugeschnittenes Produkt im mittleren Segment vorstellen. In Asien erfuhr die Gruppe nach den bedeutenden Verkäufen im Anschluss an die Überschwemmungen in Thailand auch am chinesischen Markt eine interessante Entwicklung, wo die Kunden – vor allem aus dem Automobil- und Medizinaltechniksektor – zu Grosseinkäufen bereit sind, die teilweise beträchtliche Investitionen bedeuten.
Negatives Ergebnis
Mit einem Rückgang um CHF 46.2 Mio. bzw. 32.3% im Vergleich zum ersten Halbjahr 2011 entwickelte sich der Bruttoumsatz ähnlich wie der Auftragseingang und lag bei CHF 97.0 Mio., wovon CHF 51.0 Mio. im ersten und CHF 46.0 Mio. im zweiten Quartal in Rechnung gestellt wurden.
Das erste Semester schloss mit einem operativen Ergebnis (EBIT) von CHF -2.5 Mio. gegenüber einem EBIT von CHF 10.9 Mio. im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Der Rückgang des operativen Ergebnisses resultiert hauptsächlich aus der Abnahme des Volumens und in geringerem Ausmass aus einer Verringerung der Bruttomarge von 32.8% auf 31.3%. Dies ist zum einen mit dem vergleichsweise tiefen Volumen und trotz eingeführter Kurzarbeit schwacher Kapazitätsauslastung zu erklären, zum andern mit dem Preisdruck angesichts der Stärke des Schweizer Franken und der Aggressivität der Wettbewerber. Die Betriebskosten konnten um CHF 2.7 Mio., d.h. 7.6% gesenkt werden.
Nach Berücksichtigung des Finanzergebnisses – das sich hauptsächlich ergibt aufgrund von Kosten für das Bankdarlehen von nahezu CHF 1.0 Mio. und von Wechselkursverlusten von rund CHF 0.4 Mio. – und eines Steuerertrags von CHF 0.6 Mio., beläuft sich der Nettoverlust der Gruppe auf CHF 3.4 Mio.
Der Mittelfluss aus Betriebstätigkeit beträgt CHF −7.4 Mio. und zieht per 30. Juni 2012 eine Zunahme der Nettoverschuldung der Gruppe auf insgesamt CHF 28.3 Mio. nach sich. Ein im Rahmen des Bankkreditvertrags bestehender Covenant konnte nicht eingehalten werden. Das Bankenkonsortium hat auf die Geltendmachung der Fälligkeitsklausel verzichtet, sodass die Liquidität für die kommenden Monate sichergestellt ist.
Das Eigenkapital der Gruppe lag am 30. Juni 2012 bei CHF125.4 Mio. bzw. 59.3% der Bilanzsumme, gegenüber 58.6% am 31. Dezember 2012.
Ausblick
Zusammen mit der Veröffentlichung der Ergebnisse für das erste Quartal kündigte die Gruppe an, aufgrund der sehr geringen Visibilität in den Märkten auf eine Prognose für 2012 zu verzichten. Diese Lage dauert an und aufgrund der Sommermonate, in denen die Auftragseingänge traditionell schwach ausfallen, dürfte sich die Vorhersehbarkeit kaum verbessern. Allerdings steht bereits fest, dass sich die zusammen mit den Ergebnissen für 2011 dargelegte Einschätzung, die ein in etwa gleichwertiges Geschäftsjahr 2012 vorsah, nicht bewahrheiten wird. Dessen ungeachtet, dass einige wichtige Projekte noch realisiert werden könnten, rechnet die Gruppe nicht mit einem Umsatz, der die Grössenordnung von CHF 200 Mio. übertrifft. Angesichts des Margendrucks infolge der Frankenstärke und trotz der bereits eingeführten und weiter ausgedehnten Kurzarbeit wird somit beim EBIT die Gewinnzone nicht erreicht werden.
Die Verlagerung der Märkte nach Osteuropa und Asien im Anschluss an die Wirtschaftskrise, Konjunkturzyklen in zunehmend kürzeren Abständen und mit heftigeren Ausschlägen, sowie ein wirtschaftliches Umfeld, das sich insbesondere aufgrund des CHF/EUR-Wechselkurses radikal verändert, schaffen neue strukturelle Herausforderungen. Dies erfordert eine dauerhafte Optimierung der Kostenstruktur mit Einsparungen von jährlich CHF 30 – 35 Mio., einher gehend mit einer Variabilisierung der Kosten und einer Flexibilisierung des Geschäftsmodells, um rasch auf zyklische Schwankungen in der Werkzeugmaschinenbranche reagieren zu können. Die Geschäftsleitung prüft derzeit Massnahmen, die sie diesen Herbst bekannt geben wird.
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Foto: © Tornos
(Communiqué, 14.08.2012)