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Die stürmische Beziehung von Zeus mit Europa
Eingebettet in einer kräftigen westlichen Höhenströmung hat sich am Montag ein Sturmtief über dem nahen Atlantik gebildet. In wenigen Stunden hat sich das Tief von der Bretagne bis nach Norditalien bewegt. Die Schweiz wurde nur marginal betroffen. Die ersten Meldungen aus Frankreich weisen auf eine Spur der Verwüstung auf dem Weg des Sturmtiefs Zeus hin.
Die kräftige Westströmung hält an
Seit einigen Tagen liegt die Schweiz im Einflussbereich einer kräftigen westlichen Höhenströmung, die schubweise feuchte Atlantikluft zu den Alpen führt. Dabei ziehen abwechselnd warme, kalte oder okkludierte Fronten von Frankreich her über die Schweiz hinweg. Dazwischen schiebt sich gelegentlich ein Zwischenhoch, das für knapp einen halben Tag jeweils das Wetter beruhigt. So verlief das Wettergeschehen im Laufe des Sonntags. Nach einer kurzen Phase unter dem Einfluss eines Zwischenhochs am Sonntagvormittag zog am Nachmittag und Abend die nächste Störungszone in Form einer okkludierten Front über den Alpenraum hinweg. In der zweiten Nachthälfte folgte noch die hochreichende Kaltluft, die bis in den Morgenstunden des Montags einige kräftige Regenschauer auf der Alpennordseite verursachte. Am Ende der Nacht lag die Schneefallgrenze in der eingeflossenen Kaltluft zwischen 500 und 700 Metern. Im Laufe des Vormittags verstärkte sich die Westströmung und führte sehr rasch die nächste Warmfront zu den Alpen, was die Schneefallgrenze innerhalb etwa 6 Stunden oberhalb der Marke von 1000 Metern ansteigen liess.
Ein Sturmtief namens Zeus
Ein Sturmtief steuerte diese Warmfront. Dieses kleinräumige, aber intensive Druckgebilde hat sich in der Nacht auf Montag über dem nahen Atlantik, vor der Bretagne, fast explosionsartig gebildet und zog im Laufe des Montages über Frankreich nach Norditalien hinweg. Auf der Vorderseite der dazugehörenden Kaltfront bildeten sich anfangs Nachmittags kurzlebigen Gewitter, welche die Region Genf und das Gebiet vom Mont-Blanc Massiv überquerten. Besonders markant war die Windentwicklung in den Bergen im Vorfeld des erwähnten Sturmtief. Die Anemometer der Stationen La Dôle (1670 Meter), Jungfraujoch (3580 Meter) und Gornergrat (3130 Meter) meldeten orkanartige Böenspitzen mit 142 km/h in La Dôle und 143 km/h auf dem Jungfraujoch und dem Gornergrat. Weitere Stationen zwischen 1500 Metern und 3000 Metern registrierten Böenspitzen zwischen 122 und 135 km/h. Im Flachland frischte der Südwestwind ebenfalls auf, allerdings schwankten die Böenspitzen zwischen etwa 35 und 60 km/h. Nur in Genf wurden mit 80 km/h stärkere Böen gemessen.
Von Kanton zu Kanton fast keine Wetterunterscheide
Abgesehen vom Wind fielen die anderen Wetterparameter nicht besonders auf. Die Höchsttemperatur schwankte zwischen 5 und 10 Grad auf der Alpennordseite und erreichte mit etwa einer bescheidenen Stunde Sonnenschein knapp 12 Grad auf der Alpensüdseite. Bis zum Redaktionsschluss waren die Tagesregensummen mit 2 bis 8 mm auf der Alpennordseite auch bescheiden. Einzig im Genfersee Becken wurden mit Hilfe einiger vorbeiziehenden Gewitterzellen etwas mehr Regen, nämlich 10 bis 20 mm registriert. Auf der Alpensüdseite fiel 1 bis 5 mm Niederschlag im Nordtessin und im Engadin, im Mittel- und Südtessin blieb es dagegen trocken.
Zeus wütet in Frankreich
In Frankreich verursachte das atlantische Sturmtief Zeus deutliche stärkere Böenspitzen als in der Schweiz und vor allem verbreitet Schäden wegen entwurzelte Bäume sowie Stromunterbrüche in zahlreichen Departements zwischen der Bretagne und Korsika. Am Montagvormittag wurde eine Westwindböe von 191 km/h auf der Insel von Ouessant in der Bretagne. In der Bretagne erlahmte der Eisenbahnverkehr wegen umgestürzten Bäumen auf den Bahnen.