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Hermann W. hatte noch nie mit einer Frau geschlafen. Er hatte zwar schon oft daran gedacht, und manchmal, wenn er im Bus einmal im Viererabteil sitzen musste, sah er hin und wieder, ohne es unbedingt zu wollen, die Beine einer ihm gegenübersitzenden Frau, und er musste dann oft mit Verwunderung feststellen, dass diese ihm gefielen. Und wenn dann sein Blick wie zufällig kurz das Gesicht dieser Frau streifte, befiel ihn eine innere Unruhe, die er aber, sobald er den Bus verlassen hatte, zu seiner Erleichterung schnell wieder abschütteln konnte.
Doch mit Überraschungen ist zu rechnen. Hermann W. der Kontaktscheue mit Talent für Missgeschicke und mit einer Mutter im Altersheim, die möchte, dass er endlich heiratet: Dieser Mann entwickelt sich, er gewinnt an Selbstvertrauen. Am Ende hat man ihn so sehr ins Herz geschlossen, dass man gleich wieder von vorne anfangen möchte mit dem Buch. Übrigens: Das phänomenale Balzverhalten des Seidenlaubenvogels ist keine Erfindung des Autors.
Jona Ostfeld, in Haifa 1951 geboren, in Holland und in der Schweiz aufgewachsen, Lehrer, arbeitete am Schillertheater in Berlin als Regieassistent und Dramaturg, schrieb mehrere Theaterstücke und Erzählungen. Das Aargauer Kuratorium förderte die Arbeit am "Seidenlaubenvogel" mit einem Beitrag. Ostfeld lebt in Mellingen.
Gebundene Ausgabe
01.10.2008
Fritz Huser
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