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Etrit Hasler resümiert acht Jahre Sportkolumne
Als ich vor zehn Jahren von einem damaligen Redaktionsmitglied der WOZ gefragt wurde, ob ich nicht Lust hätte, die Sportseite zu übernehmen, hatte ich keine Ahnung, dass mich dieses Thema so lange begleiten würde. Natürlich – mein erster Einstieg in den Journalismus war die Stelle als Pressechef des ebenso legendären wie dem Untergang geweihten Eishockeyklubs Vorwärts Bruggen gewesen, und in der Zwischenzeit hatte ich immer wieder zum Thema gearbeitet, zum Beispiel als Radiokommentator der Spiele der Fussballnationalmannschaft bei toxic.fm. Aber so eine richtige Stelle als Sportredaktor? Und das bei einer linken Zeitung? Das liest doch eh niemand!
Ich würde recht behalten – so gern ich die Arbeit machte, so selten wurde die Sportseite gelesen. Am populärsten waren noch ganzseitige Interviews mit Figuren wie dem ehemaligen Nationaltorhüter Jörg Stiel. Frage: «Die meisten Fussballer stehen auf grosse Autos, schöne Frauen und Playstation-Spielen – Sie sind völlig anders, oder?» Stiels Antwort: «Stimmt. Ich habe keine Playstation.» Oder mit der damals erfolgreichsten Schiedsrichterin der Welt, Nicole Petignat, die nur deswegen diese Karriere gewählt hatte, weil sie in ihrem Fussballverein die einzige heterosexuelle Frau gewesen sei. Oder Mathias Seger, Captain der Eishockeynationalmannschaft, der mir erzählte, wie er seinen Stiftzahn dauernd in Hotels vergesse.
Einmal landete ich sogar einen kleinen Primeur, als die ehemalige Bürgermeisterin von Salt Lake City gemeinsam mit den US-SkispringerInnen das Internationale Olympische Komitee verklagte, weil Frauen bei den Olympischen Winterspielen nicht für die Disziplin zugelassen wurden. Gian-Franco Kasper, der Präsident des Skiverbandes FIS, hatte als Begründung behauptet, der Sport sei für Frauen zu gefährlich, weil «beim Aufsprung die Gebärmutter platzen» könne. Die Klage wurde zwar abgewiesen, aber die Skispringerinnen wurden kurz darauf in die Winterspiele integriert – obwohl Gian-Franco Kasper immer noch im Amt ist. Ob er seine seltsamen Ideen über weibliche Anatomie noch immer hat, ist hingegen unbekannt.
Die Sportseite wurde abgeschafft, als ich die Stelle kündigte, um mich komplett auf meine Arbeit als Slampoet zu konzentrieren – irgendwie schmeichelte es mir, als letzter Sportredaktor der WOZ in die Geschichte einzugehen. Ich hatte mich ganz gut gehalten für jemanden, der immer betonte, dass er eigentlich keine Ahnung von Sport habe – was aber völlig in Ordnung sei, schliesslich hätten die meisten Sportjournalisten ja auch keine Ahnung von Journalismus.
Kurz darauf wurde die WOZ in neuem, den visuellen Gepflogenheiten der Neuzeit angemessenem Layout redesignt, und ein relativ frisch zur Zeitung gestossener junger Wahnsinniger namens Jan Jirát war felsenfest davon überzeugt, dass diese Zeitung weiterhin eine Sportberichterstattung benötige. Besser noch: Sportkolumnen. Und in seinen Augen gab es niemanden, der diesen Job machen konnte ausser einem Slampoeten aus St. Gallen und einem Mundartdichter aus Langenthal, der zuvor schon einmal im «Blick» Kolumnen geschrieben hatte.
Ich erinnere mich an eine einzige kleine Sitzung mit Pedro Lenz und Jirát – vielleicht ist meine Erinnerung etwas subjektiv, aber mein Eindruck war, dass Jirát eigentlich der einzige war, der die Idee einer Sportkolumne an einem der prominentesten Stellen in der Zeitung für eine gute Idee hielt. Ich jedenfalls war genauso wie einst bei der Sportseite überzeugt: Das liest doch niemand.
Dieses Mal täuschte ich mich. Woran es lag, weiss ich eigentlich bis heute nicht. Aber es war ein wilder Ritt bis hierher, und ich bin verdammt dankbar dafür, dass ich diese Arbeit so lange machen durfte.
Die Kolumne «Fussball und andere Randsportarten» wird auf die Sommerferien 2018 hin eingestellt. Etrit Hasler wird der WOZ als Korrespondent für Sport und andere Nerdthemen erhalten bleiben. Den zweiten Teil dieses Textes lesen Sie in zwei Wochen an dieser Stelle.