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© 1992 Markus Kappeler
Südkorea
(erschienen in der «Flags of the Nations» Stamp Collection)
Stets Berge im Blickfeld
Seit dem Waffenstillstand von Panmunjom, der 1953 den Koreakrieg beendete, ist die Koreanische Halbinsel, die in ihrer ganzen Geschichte eine politische Einheit gebildet hatte, geteilt. Nördlich der in Höhe des 38. Breitengrads verlaufenden Waffenstillstandslinie liegt die Demokratische Volksrepublik Korea («Nordkorea»), südlich davon die Republik Korea («Südkorea»), welche die Tradition des alten koreanischen Reichs fortführt und von der hier die Rede sein soll.
Südkorea ist ein bergiges Land. Es wird von einer sogenannten «Pultscholle» gebildet, welche von der flachen Küste am Gelben Meer gegen Osten allmählich ansteigt und dann steil zum Japanischen Meer, auch Ostmeer genannt, abfällt. Den Scheitel der Pultscholle bildet die Taebaek-Kette, welche Erhebungen von bis über 1700 Meter aufweist. Von der Taebaek-Kette zweigen nach Westen und Südwesten verschiedene Gebirgszüge und davon wiederum seitliche Ausläufer ab. Sie sorgen dafür, dass man fast nirgendwo im Land die Berge aus den Augen verliert. Ausgerechnet der höchste Gipfel Südkoreas befindet sich jedoch nicht auf der Halbinsel selbst, sondern auf der 90 Kilometer vor der Südküste gelegenen Insel Cheju, der einzigen Inselprovinz Südkoreas, und heisst Halla-san (1950 m).
Südkorea liegt im Bereich der ostasiatischen Monsunwinde, welche starke Unterschiede zwischen den Jahreszeiten bewirken. Im Winter blasen frostige Nordwestwinde vom Kontinent her und bescheren dem Land mitunter eine dicke Schneedecke. Im Sommer wehen dagegen laue Südostwinde vom Meer her. Sie bringen Südkorea viel warme Feuchtigkeit, die in Form heftiger Regenfälle besonders auf den Süden des Lands nieder geht und zu subtropischen Verhältnissen führt. In günstigen Regionen können dadurch zwei Reisernten im Jahr eingebracht werden. Eine besonders schöne Jahreszeit ist in Südkorea der Frühling, der reich an wohlduftenden Blüten ist. Eine breite Palette unterschiedlichster Pflanzenarten verwandelt dann das Land in ein buntes Gemälde: im buchtenreichen Süden blühen Kamelien und Magnolien, im tiefliegenden Westen Chrysanthemen und Forsythien und in den Bergen des Ostens Thuja und Ginko.
Herr Kim aus Pusan
Über 50 Prozent aller Südkoreaner tragen einen der vier Familiennamen Kim, Li, Pak oder Choi. Rund 30 Prozent der Bevölkerung kommen mit weiteren 15 Namen aus, darunter Chung, Han, Kang, Cho und Lim. Und landesweit gibt es nur ungefähr 250 verschiedene Familiennamen in Südkorea. Diese Namensarmut rührt daher, dass es im alten Korea nur der Oberschicht vergönnt gewesen war, einen Namen zu tragen. Der Besitz eines Namens galt als hohe Auszeichnung und wurde nur wenigen Familien zuteil.
Natürlich besitzt jeder Südkoreaner und jede Südkoreanerin auch einen persönlichen Namen, eine Art «Vornamen», der jedoch stets dem Familiennamen hintangestellt wird. Diese Reihenfolge macht deutlich, dass - ganz im Sinn des Konfuzianismus - nicht das einzelne Individuum zählt, sondern die Familie. Koreanischer Überlieferung gemäss bestimmt der (gewöhnlich zweiteilige) persönliche Name das Schicksal seines Trägers, und in diesem Glauben geben die Eltern ihren Söhnen und Töchtern gerne Namen, die Erfolg oder Tugendhaftigkeit verheissen. Typische Beispiele sind «Strahlender Held» für einen Knaben und «Kristallklare Wahrheit» für ein Mädchen.
So schön die Vornamen der Südkoreaner aber klingen: Verwendet werden sie im Alltag kaum je. Die europäisch-amerikanische Sitte, einander beim Vornamen zu rufen, gilt in Südkorea nämlich als barbarisch. Sogar innerhalb der Familie vermeidet man nach Möglichkeit die Nennung der persönlichen Namen, und in aller Öffentlichkeit sind sie sowie so tabu. Die Jüngeren weichen gegenüber Älteren auf Bezeichnungen aus, welche ehrenvoll klingen, so zum Beispiel «Meister» oder «Lehrerin». Und die Älteren reden die Jüngeren etwa mit «Kind» oder «Tochter» bzw. «Sohn» an. Auf diese Weise wird - wiederum im Sinn des Konfuzianismus - stets die Rangordnung innerhalb der Gemeinschaft hervorgehoben.
Machen sich zwei Koreaner miteinander bekannt, so nennen sie zuerst ihren Familiennamen und dann - nein, nicht den Vornamen, sondern ihren Geburtsort. Da heisst es dann beispielsweise: «Ich bin Herr Kang aus Taegu» und «Ich bin Frau Kang aus Sokcho». Die beiden gehören trotz gleichen Familiennamens verschiedenen Sippen an, das ist jedem Koreaner klar. Ebenso gewiss ist, dass im Fall von «Ich bin Herr Kim aus Pusan» und «Ich bin Frau Kim aus Pusan» von verwandtschaftlichen Banden auszugehen ist - selbst wenn in der Dreieinhalbmillionenstadt Pusan mehrere hunderttausend Kim wohnen... Dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit unter Namensvettern mit gleichem Ursprungsort ist - erneut im Sinn des Konfuzianis mus - Ausdruck der traditionellen Sippentreue.
Für den Einzelnen kann dies zuweilen seine Schattenseiten haben: Innerhalb der Sippe besteht nämlich ein Heiratsverbot, und dies macht auch in der heutigen Zeit immer wieder eingehende Abklärungen notwendig, wenn sich zwei junge Menschen gleichen Familiennamens und gleicher Herkunft das Ja-Wort geben wollen. Selbst wenn die Sippe riesenhaft gross ist, müssen sie strenge medizinische Untersuchungen über sich ergehen lassen. Und gibt es den kleinsten Hinweis auf eine Blutsverwandtschaft, so wird die Heirat abgesagt. Der Konfuzianismus verlangt vom Einzelnen strenge Disziplin und Einhaltung der Moralgesetze.
Klassendenken
Die Ehrerbietung des Jüngeren gegen über dem Älteren, die Loyalität des Einzelnen gegenüber der Familie, die strikte Befolgung der gesellschaftlichen Normen, die Verehrung der Ahnen: In der Handhabung der Namen durch die Südkoreaner treten die grundlegenden Tugenden des Konfuzianismus deutlich zu Tage - jenes philosophischen Gedankenguts, das etwa zu Beginn unserer Zeitrechnung von China nach Korea gelangt war und die südkoreanische Gesellschaft bis auf den heutigen Tag prägt wie sonst nichts.
Der Konfuzianismus geht auf den chinesischen Meister Kong Fu-zi zurück, der von 551 bis 479 v.Chr. lebte. Zwar hat er selbst kein geschriebenes Wort hinterlassen. Seine Ideen wurden jedoch von seinen Schülern in den vier Werken «Die grosse Lehre», «Die Lehre von der Mitte», «Gespräche des Konfuzius» und «Menzius» festgehalten. Von den koreanischen Machthabern wurde das konfuzianische Gedankengut stets massiv gefördert, denn ein Beamtenapparat, in welchem jeder Untergebene seinem Vorgesetzten widerspruchslos dient, kann die bestehenden Machtstrukturen nur festigen. So war unter dem Einfluss des Konfuzianismus schon früh ein ausgeprägtes Klassensystem entstanden. Unter der herrschenden Königsfarnilie hatte sich eine breite Adelsschicht herausgebildet, die sich aus den die nationale Sicherheit gewährleistenden Offizieren und den das Land verwaltenden höheren Beamten zusammensetzte. Ihnen standen praktisch alle anderen Bürger, die «gewöhnlichen» Leute, gegenüber. Unter diesen bildeten sich später noch die Schicht der Rechtlosen und die der Sklaven heraus, und zwischen dem einfachen Volk und dem Adel entstand mit der Zeit noch die Mittelschicht.
Diese streng hierarchische Gesellschaftsstruktur wurde zwar im Rahmen allgemeiner Reformbestrebungen nach 1894 abgeschafft. Allerdings nur auf dem Papier; in den Köpfen der Südkoreaner existiert sie bis heute weiter und bildet ein Grundprinzip ihrer Gesellschaft. Auch wenn heute die «Oberschicht» und die «Mittelschicht» rechtlich gesehen gegenüber der «Unterschicht» keinerlei Privilegien mehr geniessen, so sind sie aufgrund des Klassendenkens dennoch in vielerlei Hinsicht bevorteilt.
Die Mittelschicht, zu der etwa Akademiker, Kaufleute und Facharbeiter zählen, wächst heute unverhältnismässig stark an, denn immer mehr Vertreter der Unterschicht schaffen, was früher kaum möglich war: den begehrten Sprung in die nächsthöhere Klasse. Voraussetzung zum Aufstieg sind eine gute Ausbildung und die richtigen Beziehungen. Alle südkoreanischen Eltern sind deshalb darauf bedacht, ihre Sprösslinge möglichst in den «richtigen» Kindergarten, in die «richtige» Schule und an die «richtige» Universität zu schicken. Die Aufnahmeprüfungen an diesen Instituten sind jedoch hart, und nur die Allerbesten sind letztlich erfolgreich in ihren Bestrebungen. Während der Ausbildung am «richtigen» Ort können dann die «richtigen» Kontakte geknüpft werden, welche später die berufliche und gesellschaftliche Karriere ermöglichen. Eine gute Bildung und hochkarätige Beziehungen - und vielleicht noch die Wahl des richtigen Ehepartners - sind das A und O für einen Platz an der südkoreanischen Sonne.
Von Allzweckzimmern und Fussbodenheizungen
Das im Konfuzianismus begründete Klassendenken erstreckt sich nicht nur auf die Gesellschaft im allgemeinen, sondern durchdringt auch jede einzelne Familie. So hat das Familienoberhaupt Anspruch auf den Gehorsam aller Familienmitglieder. Andererseits ist es seine Pflicht, für den Unterhalt der ganzen Familie, die oft mehrere Generationen umfasst, aufzukommen.
Das Familienoberhaupt vertritt die Familie nach aussen, während seine Gattin für ein geordnetes Leben im Haus zuständig ist. Weibliche Bereiche («Yin») und männliche Zuständigkeiten («Yang») sind verschieden und müssen getrennt sein. Aber nur zusammen, so sagt die konfuzianische Philosophie, ergeben sie ein harmonisches Ganzes. Eine Konsequenz hieraus ist, dass in jedem der bungalowähnlichen südkoreanischen Häuser die Räume für die Männer von denen für die Frauen getrennt sind. Rund um den Hauptraum des Hauses, der als Empfangshalle dient, sind verschiedene Nebenräume angeordnet, in denen auf der einen Seite die Männer und auf der anderen Seite die Frauen leben und arbeiten. Kein Mann würde jemals uneingeladen den Frauenbereich betreten, und keine Frau würde es wagen, in den Bereich der Männer vorzudringen. So wenig wie es die Öffentlichkeit etwas angeht, was innerhalb eines Privathauses geschieht, so wenig geht es das einzelne Familienmitglied etwas an, was in den anderen Zimmern des Hauses vor sich geht. Die Privatsphäre ist den Südkoreanern heilig.
Keiner der Nebenräume ist übrigens einem speziellen Zweck vorbehalten. Es kann in jedem Raum gegessen, gearbeitet und geschlafen werden. Die Einrichtung ist gewöhnlich sparsam und wird je nach aktueller Verwendung des Zimmers variiert. Möbelstücke, die gerade unnötig oder hinderlich sind, werden an die Wand geschoben oder ausserhalb des Hauses deponiert. Niemals werden im übrigen die Zimmer mit Schuhen betreten. Dass es im Winter dennoch keine kalten Füsse gibt, dafür sorgt «Ondol»: eine Fussbodenheizung, die schon vor 1300 Jahren aus China übernommen worden war und bei der von einer zentralen Feuerstelle her heisse Luft durch ein Kanalsystem aus Backsteinen unter dem Fussboden strömt.
Schamanen beschwören Geister
Neben dem Konfuzianismus gibt es in Südkorea durchaus noch andere philosophisch-religiöse Glaubensrichtungen: Besonders auf dem Land sind überlieferte schamanische Vorstellungen weitverbreitet. Schon vor über 3000 Jahren scheinen in den religiösen Vorstellungen des koreanischen Volks Geister, Totemtiere und Legenden aller Art eine bestimmende Rolle gespielt zu haben. Der Furcht vor den bedrohlichen Kräften der Natur setzte es den Glauben in die vermittelnden Kräfte seiner männlichen und weiblichen «Mudang» (Schamanen, Priester) entgegen. Diese hatten die Aufgabe, Kontakt aufzunehmen mit den Geistern der Winde und des Regens, dem für ein Dorf «zuständigen» Berggeist, den vielen Hausgeistern und den Seelen der Verstorbenen, um so die Dorfgemeinschaft vor Krankheit, Hunger und anderem Ungemach zu bewahren. Schamanistische Zeremonien werden noch heute dann und wann abgehalten, was zeigt, dass dieses sehr alte Gedankengut in der südkoreanischen Gesellschaft noch immer lebendig ist. Sichtbare Zeichen von Schamanismus sind die an den Dorfeingängen postierten «Chang-gun»-Pfähle, welche die Dorfbewohner vor bösen Geistern schützen sollen, sowie die kleinen Steinhaufen, welche von den Wanderern zur Besänftigung der Weg- und Berggeister hier und dort aufgehäuft werden.
Ab dem 4. Jahrhundert unserer Zeitrechnung fasste der Buddhismus in Korea Fuss. Er war aus Indien über China nach Korea gelangt und erlebte hier vom 10. bis zum 14. Jahrhundert eine Blütezeit. Der wiederholte Missbrauch des Buddhismus zur Ausübung weltlicher Macht brachte den Glauben später jedoch in Verruf und schmälerte seine Bedeutung. Noch immer bilden die Buddhisten aber mit über ll Millionen bekennenden Mitgliedern die zahlenmässig grösste Religionsgemeinschaft in Südkorea. Sie alle streben danach, den Kreislauf der Wiedergeburt zu durchbrechen und ins «Nirwana», den Zustand absoluter Wunschlosigkeit, einzugehen.
Das Christentum hatte es lange Zeit sehr schwer, sich in Südkorea anzusiedeln, denn erst im ausgehenden 19. Jahrhundert wurden seine Verkünder auf der Halbinsel zugelassen. Im Sog der Neuorientierung der Südkoreaner nach Westen wuchs die christliche Gemeinde aber nach dem Zweiten Weltkrieg rasant an und gehört heute mit etwa 9 Millionen bekennenden Christen (7,5 Millionen Protestanten, 1,5 Millionen Katholiken) zu den wichtigsten Religionen des fernöstlichen Landes.
Computer neben Ginseng
Südkorea hat sich in den vergangenen Jahrzehnten rasant zu einem hochindustrialisierten und wohlhabenden Staat entwickelt, der auf der Weltrangliste der Länder mit dem grössten Bruttosozialprodukt Rang 16 einnimmt, gleich hinter der Schweiz. Die traditionell hochgehaltenen Werte Fleiss und Disziplin sowie das Streben nach guter Bildung und beruflicher Karriere haben entscheidend zu dieser Entwicklung beigetragen. Textilien, Elektroartikel und Fahrzeuge stehen heute dank niedriger Löhne der Arbeitnehmer auf dem internationalen Markt fast konkurrenzlos da. Und Industriezentren schiessen in Südkorea weiterhin wie Pilze aus dem Boden.
Wichtige Weichen hat Südkorea für die Zukunft bereits gestellt: Enorme Summen werden in die wissenschaftlich-technische Forschung investiert. Denn ob im Computerbau, in der Automatisierung oder in der Feinmechanik: Südkorea will die Nase vorn haben. Angesichts der Tugendhaftigkeit des südkoreanischen Volks bestehen keine Zweifel, dass es seine hochgesteckten Ziele auch errei hen wird.
Dass die Südkoreaner dabei niemals ihre traditionellen Werte aus den Augen verlieren, zeigt sich am Beispiel der Medizin sehr schön: Zwar ist die westliche, auf Forschung und Analyse beruhende Medizin in Südkorea heute sehr hoch entwickelt. Aber sie ist nur ein Teil des medizinischen Angebots. Traditionelle Heilverfahren wie die Akupunktur und die Moxibustion, welche durch Stechen bzw. durch Erwärmen bestimmter Körperpunkte eine Wirkung auf die zu behandelnden Körperteile haben, werden noch immer allgemein angewendet. Im weiteren spielen Heilpflanzen, darunter besonders die Ginseng-Wurzel, eine wichtige Rolle. Bei all diesen althergebrachten Heilmethoden geht man davon aus, dass die dualistischen Kräfte Yin und Yang, die das Universum steuern, auch im Menschen drin wirken, und dass Krankheiten lediglich der Ausdruck einer Disharmonie dieser beiden Kräfte im Körper sind. Wenn wir an die vielen hitzigen Diskussionen bei uns im Westen über die «ganzheitlichen« Heilverfahren denken, so können wir das südkoreanische Volk ob seines Reichtums an Heilmethoden und seiner Fähigkeit, Alt und Neu in Einklang zu bringen, nur beneiden.
Kasten: Yin und Yang auf der Flagge
Die Flagge Südkoreas symbolisiert einen zentralen Gedanken der fernöstlichen Philosophie: Auf weissem Grund als Sinnbild des Friedens ist ein Kreis dargestellt, der durch eine S-förmige Linie in zwei gleiche Hälften geteilt wird. Der obere, rote Teil stellt «Yang» dar, der untere, blaue Teil «Yin». Die beiden Begriffe stehen für den allgegenwärtigen Dualismus im Universum: Tag und Nacht, männlich und weiblich, plus und minus, Aufbau und Zerstörung. Das Yin-Yang-Zeichen ist ein sehr altes, ursprünglich aus China stammendes Symbol, welches veranschaulichen will, dass trotz ständiger Bewegung (Wellenform) und starken Gegensätzen (rot und blau) allüberall Ausgewogenheit und Harmonie (Kreis) herrschen.
Die jeweils drei Balken in den vier Ecken der Flagge sind alte Schriftzeichen und symbolisieren ebenfalls die Idee der widerstreitenden, in ihrer Gesamtheit aber ausgewogenen Kräfte: Die drei ungebrochenen Balken (oben links) stehen für den Himmel, die drei gegenüberliegenden, gebrochenen Balken stellen die Erde dar. Das Feuer versinnbildlichen die zwei ganzen Balken mit einem gebrochenen in der Mitte (unten links); ihnen gegenüber liegt das Symbol für Wasser, das aus einem ungebrochenen zwischen zwei gebrochenen Balken besteht.
Bildlegenden
Ebenso rasant, wie sich Südkorea in den letzten drei Jahrzehnten in ein asiatisches Wirtschaftswunderland verwandelt hat, ist seine Hauptstadt Seoul angewachsen. Längst hat sie ihren mittelalterlichen Mauergürtel gesprengt und sich ins «Hinterland» ausgeweitet, um Arbeits- und Wohnraum für die mittlerweile zehn Millionen Einwohner bereitstellen zu können. Allzuviel Altes blieb dabei nicht erhalten. Manches wurde dem Fortschritt geopfert, vieles aber auch im Koreakrieg verwüstet.
Pusan, an Südkoreas buchtenreicher Südküste gelegen, ist mit 3,5 Millionen Einwohnern die zweitgrösste Stadt des Lands und sein wichtigster Hafen. Vom Aussichtsrestaurant des 120 Meter hohen, im zentralen Yongdusan-Park aufragenden Fernsehturms bietet sich ein eindrucksvoller Panoramablick über ganz Pusan und die vorgelagerte Halbinsel- und lnselwelt.
Bulguksa - 535 erbaut und 751 erweitert - ist die älteste und mit ihren zu Nationalschätzen erklärten Pagoden auch bedeutendste buddhistische Tempelanlage Südkoreas. Sie befindet sich etwa fünfzehn Kilometer von Kyongyu entfernt am südlichen Abhang des Toham-Bergs Die zauberhaft gestaltete, weitläufige Parklandschaft und die natürliche Ruhe, die über allem schwebt, machen Bulguksa zu einem der beliebtesten Ausflugsziele der Südkoreaner.
Der Buddhismus ist die zahlenmässig wichtigste Religion Südkoreas Neben rund 15 000 Mönchen bekennen sich über 11 Millionen Südkoreaner und Südkoreanerinnen zu diesem Glauben. Landesweit stehen ihnen 2397 Tempel und Schreine zur inneren Einkehr zur Verfügung. Das Bild zeigt einen Mönch auf dem Weg zum Gebet im Tongdo-Tempel in der Nähe von Pusan.
Die koreanische Sprache gehört - wie das Ungarische und Finnische - zur ural-altaischen Sprachfamilie und ist mit dem Chinesischen oder Japanischen nicht verwandt. Trotzdem schrieben die Koreaner ihre Sprache ursprünglich mit chinesischen Schriftzeichen, was nicht nur sehr kompliziert war, sondern der Phonetik des Koreanischen auch nicht gerecht wurde. Auf Initiative von König Sejong wurde deshalb im 15. Jahrhundert von einer Gelehrtengruppe ein eigenes Alphabet, das «Hangul», entwickelt, das sich bis heute bewährt hat. Mit lediglich 24 Buchstaben - 14 Konsonanten und 10 Vokalen - gilt es als eine der einfachsten Schriften der Welt und seine Erfindung als eine der bedeutendsten Kulturtaten Koreas.
«Die beste Aussicht hat keinen Reiz, wenn der Tisch leer ist», besagt ein koreanisches Sprichwort. Die Südkoreaner essen in der Tat gern und gut und mit Genuss - und am liebsten in Gesellschaft. Die koreanische Küche ist entsprechend vielseitig und schmackhaft. Gegessen wird gewöhnlich mit Stäbchen oder Löffel an niedrigen Tischen mit untergeschlagenen Beinen. Dazu trinkt man zumeist einen dünnen Reistee, manchmal auch einen Tee aus Ginseng, Ingwer, Zimt oder anderen Kräutern.
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