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Die Sucht eines Elternteils: ein Risikofaktor für das Kind
Die Sucht eines Elternteils kann sich von Person zu Person ganz unterschiedlich äussern und insbesondere ganz unterschiedlich schwer sein. Manchmal sind beide Eltern suchtbetroffen. Deshalb sind die Auswirkungen der Sucht auf die betroffenen Kinder und Jugendlichen ganz unterschiedlich.
Nicht alle Kinder entwickeln schwere Probleme.
Die Entwicklung der betroffenen Kinder wird durch die folgenden Faktoren beeinflusst:
- Die Qualität des familiären Umfelds: Ist es stabil, sicher und anregend genug?
- Das Verhalten der Eltern: Die Mittel, welche die Eltern für die Erziehung und Sozialisierung ihres Kindes einsetzen, die Beziehung, die sie mit ihm aufbauen, das emotionale Klima, das sie dazu schaffen.
- Das Kind: Sein Charakter, sein Alter.
- Die Reaktion des Kindes.
- Die Geschwister: ob Brüder und Schwestern vorhanden sind oder nicht.
Findet der Konsum während der Schwangerschaft statt, gestalten sich die Folgen für das Kind unterschiedlich stark. Manchmal müssen Säuglinge von der Substanz entwöhnt werden. Alkoholkonsum während der Schwangerschaft etwa kann beim Kind zu dauerhaften Folgen führen.
Das Umfeld, in dem Kinder von suchtbetroffenen Familien leben (insb. bei «Drogen») ist oft weniger stimulierend und weniger geborgen. Die Sucht eines oder beider Elternteile kann die eigene Betreuungsfähigkeit für das Kind beeinträchtigen. So können im Umfeld des Kindes Betreuungsmängel, Vernachlässigung, Misshandlung, Missbrauch und Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Eltern und Kindern vorliegen.
Die Kinder weisen häufiger auf:
- Verhaltensschwierigkeiten, Triebhaftigkeit, Hyperaktivität;
- psychische Störungen;
- Angststörungen, Depressionen, Isolation;
- kognitive Schwierigkeiten und Rückstand in der Sprachentwicklung;
- Lern- und Abstraktionsschwierigkeiten;
- frühen, exzessiven Konsum und Abhängigkeit von psychoaktiven Suchtmitteln.
Besteht ein erhöhtes Risiko für eine Suchtentwicklung?
Nicht alle Kinder suchtbetroffener Eltern haben grosse Probleme
Gewisse Faktoren gleichen die Gefährdung aus, welche die Sucht eines Elternteils auslöst. Faktoren, die beim Kind oder durch sein Umfeld gegeben sind, können also zu einer Minderung des Risikos selber Probleme zu entwickeln beitragen. Man nennt sie Schutzfaktoren.
- Schutzfaktoren des Kindes:
Gute kognitive Fähigkeiten (Aufmerksamkeit, intellektuelle Entwicklung), grosser Selbstwert, Selbstwirksamkeit, Anpassungsfähigkeit, Umgänglichkeit, Selbstbeherrschung, Selbstregulation und positive Lebenseinstellung.
- Schutzfaktoren des Umfelds:
In der leiblichen Familie: Familienrituale, Abstinenz eines Elternteils, angemessenes Elternverhalten, gute Eltern-Kind-Beziehung im Vorschulalter, Vertrauenspersonen (Grosseltern, Familienfreunde), die als Referenz dienen und Sicherheit vermitteln, auf deren Grundlage sie ihre Identität konstruieren können.
- Im sozialen Umfeld der Familie:
Qualität des Familienersatzes (Kita, Institution, Verwandtschaft, Pflegefamilie usw.) – vor allem in Bezug auf Stabilität, Sicherheit, Anregung.
Vorgeburtlicher Konsum kann zu neonatalen Entzugserscheinungen von Säuglingen führen
Ein Neugeborenes kann von bestimmten Substanzen «abhängig» sein. Die häufigsten sind: Alkohol, Kokain, Heroin, Methadon, Morphin, Marihuana, Nikotin, Amphetamine und gewisse Medikamente wie Antidepressiva.
Der Säugling kann bei der Geburt ganz unauffällig erscheinen. Die Entzugserscheinungen können erst nach 24 oder 48 Stunden einsetzen, manchmal erst nach zehn Tagen.
Generell handelt es sich um schwache Symptome, die eine bis drei Wochen anhalten.
Mögliche Hilfseingriffe sind: Hautkontakt, eng Einwickeln (Pucken), Tragen, ruhiges Umfeld, gedämpftes Licht. Oft wird hochkalorische Ergänzungsnahrung verabreicht, weil die Säuglinge nicht schnell genug zunehmen.
Wenn die Symptome schwerer sind, sich trotz Hilfseingriffen verschlimmern oder nicht bessern, werden Medikamente derselben Gruppe verabreicht wie die Substanz, unter deren Entzug das Baby leidet. Dann wird die Dosierung bis zum vollständigen Absetzen schrittweise gesenkt.
Mögliche Entzugserscheinungen sind: Schreien, Zittern, Schlafstörungen, Krämpfe, häufiges Erschrecken, Fieber, Schwitzen, rascher Atem, Schwierigkeiten beim Füttern, Erbrechen, weicher oder flüssiger Stuhlgang, starkes Augenzittern usw.
Es sind grosse Bemühungen erforderlich, um die Bindung zwischen Neugeborenem und Mutter zu fördern. Oft werden der Entzug und die Zeit nach dem Nachhause kommen von einem interdisziplinären Team begleitet, um die Sicherheit des Säuglings zu gewährleisten.
Das hat mich gar nicht gestört, ein ganz kleines Neugeborenes zu haben. Da war ja auch die etwas naive Meinung, dass sie, wenn wir sie ganz klein nehmen, weniger «Schäden» davonträgt.
Praxistipps
Erinnerungshilfe: Was ein Kind in welchem Alter erlebt und begreift.
- 0-6 Jahre
- 6-12 Jahre
- 12-18 Jahre
Das Kind konstruiert sein Sicherheitsgefühl und seine Bindungsbeziehung im Austausch mit dem Erwachsenen. Diese hängen von der Qualität der Betreuung, den angemessenen Reaktionen und ihrer Qualität auf seine Bedürfnisse und Begehren ab.
Das Kind nimmt sich selbst, seinen Körper allmählich wahr. Der Wunsch, auf andere zuzugehen, nimmt zu. Es imitiert viel. Um 4 Jahre sind die Eltern «Götter». Es integriert bestimmte Regeln. Um 6 Jahre realisiert es, dass es nicht der Nabel der Welt ist. Es kann die Welt aus seiner eigenen Sicht analysieren.
Das Kind nimmt die eigenen Stärken war und kann über die elterlichen Normen hinweggehen. Es braucht klare Grenzen.
Das Kind entwickelt ausgeprägte Fähigkeiten der Problemlösung. Es konstruiert die Umkehrbarkeit. Es sorgt sich um die anderen, vergleicht sich mit ihnen, entwickelt das Gerechtigkeitsempfinden.
Die Bindungsbeziehung kann über die Kernfamilie hinausgehen. Es begreift, dass die Eltern auch schlecht handeln können. Es braucht wohlwollende Autorität, Unterstützung von den Erwachsenen, denen es vertraut.
Die Jugendlichen leihen ihren Freunden, ihrem «Clan» und ihren Beziehungen viel Bedeutung. Sie stellen in Frage, was sie als Kind gelernt haben, die Regeln und Werte. Der Geschmack ändert sich. Sie erleben grosse körperliche, kognitive und gefühlsmässige Veränderungen.
Mit 15 bis 17 Jahren fordern sie viel mehr Unabhängigkeit ein. Diese Zeit ist geprägt von grossen, manchmal widersprüchlichen Idealen. Die Beziehungskompetenzen werden verfeinert: verhandeln, respektieren, Wünsche und Grenzen äussern. Die Eltern bleiben eine wichtige Ressource, auch wenn die Jugendlichen das Gegenteil behaupten.