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Die aktuelle Situation an den Energiemärkten ist angespannt und hat in den letzten Monaten zu regelrechten Preisexzessen bei Gas, Strom und Kohle sowie in geringerem Mass auch beim Erdöl geführt (siehe Diagramme unten). Die Preise notieren teilweise auf Allzeithochs. Der Preis für Gas mit Lieferung im kommenden Winter hat sich seit Jahresanfang vervierfacht.
Eine ähnliche Entwicklung findet an den Rohstoffmärkten statt, wo die Preise von Metallen (Stahl, Kupfer, Aluminium usw.) sowie Vorprodukten für die chemische und pharmazeutische Industrie sowie Baustoffe (Holz usw.) in die Höhe geschnellt sind.
Diese Situation ist aussergewöhnlich und für die Energieversorgung sehr herausfordernd. Im Folgenden möchten wir die wesentlichen Treiber für die gestiegenen Gaspreise zusammenfassen:
- Die überraschend schnelle Erholung der globalen Wirtschaft von Corona (Nachfrage nach Industriegütern) führte zu einer Verknappung an Energie und Rohstoffen, welche durch Engpässe in den Lieferketten zusätzlich verschärft wurde. Dies führte zu global steigenden Energie- und Rohstoffpreisen. Insbesondere die hohe Nachfrage nach Energie aus China führt zu hohen Preisniveaus, ein grosser Teil des global handelbaren Flüssiggases (LNG) wird aktuell von Asien genutzt.
- Nach einem vergleichsweise kalten Winter 2020/21 und einem deutlich zu kalten Frühling 2021 waren die Gasspeicher in Europa geleert. Zusätzlich konnte deshalb die Füllperiode erst mit eineinhalb Monaten Verspätung begonnen werden. Die Nachfrage nach Gas zur Speicherung für den kommenden Winter war den ganzen Sommer durch und ist bis heute überdurchschnittlich hoch.
- Der in Europa oft bewölkte und windarme Sommer 2021 führte zu einer geringeren Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien (Sonne, Wind). Um die Stromnachfrage zu bedienen, wurde die Stromerzeugung aus Kohle und Gas weiter hochgefahren, was zu einer zusätzlichen Nachfrage nach Gas führte.
- Die Bedenken um den Zeitpunkt der Inbetriebnahme der neuen Pipeline „Nord Stream 2“ führt zu Planungsunsicherheit im europäischen Gasbeschaffungsmarkt.
- Die Entwicklungen der Energiewende bzw. die Bemühungen zur Verminderung von CO2-Emmisionen führen zu einem Ersatz von Energie aus Kohle- und Atomkraftwerken. Die entstehenden Energielücken sollen langfristig durch Zubau von erneuerbaren Energien geschlossen werden. Aktuell wird die Lücke zunehmend durch Gaskraftwerke geschlossen.
- Energiespitzen (Wärme und Strom) werden zunehmend durch Gas gedeckt.
Die ausserordentliche Lage ist dem gleichzeitigen Zusammentreffen dieser Fakten geschuldet. Die langfristigen Gasterminprodukte werden derzeit deutlich günstiger gehandelt, was darauf hindeutet, dass die hohen Beschaffungspreise für den kommenden Winter 2021/22 vorübergehend sein könnten. Zusätzliche Versorgungswege für Gas, welche in den letzten Jahren gebaut wurden oder kurz vor der Inbetriebnahme stehen (Trans Adriatic Pipeline, Nord Stream 2, LNG-Terminals) verbessern die Versorgungslage in Europa zusätzlich.