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„Okay, lasst es uns ausarbeiten“, sagte der russische Präsident, nachdem er erörtert hatte, wie man mehr Fischprodukte aus dem Fernen Osten mit Hilfe des nuklearbetriebenen Containerschiffs «Sevmorput» transportieren könnte. Bei einem Treffen über Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie, das über eine Videoverbindung von außerhalb Moskaus stattfand, kam die Frage auf, wie die Fischlieferungen aus dem Fernen Osten in den europäischen Teil Russlands gesteigert werden können.
Ein Drittel des gesamtrussischen Fischfangs stammt aus Kamtschatka. Die Lieferungen auf die Märkte in den bevölkerungsreichsten, neun Zeitzonen westlich gelegen Teilen Russlands, stellen für die russischen Eisenbahnen, die über keine Kühltransporter verfügen, eine Herausforderung dar.
Der amtierende Gouverneur des Territoriums Kamtschatka, Wladimir Solodow, sagte, dass die Fischunternehmen seiner Region Fischprodukte für Lieferungen nach Moskau zuerst nach Wladiwostok liefern. Der ernsthafte Mangel an Transportkapazität zum Weitertransport verzögert und verteuert eine ordentliche Abwicklung. Besonders während der Hochsaison von Juli bis September, wenn der größte Teil des Lachses gefangen wird.
„Unserer Meinung nach könnte die Lösung darin bestehen, den Nördlichen Seeweg aktiver zu nutzen, um Fisch in die zentralen Regionen Russlands zu liefern“, sagte der Gouverneur Solodow laut den Protokollen der Video-Konferenz. Er schätzt, dass etwa 60’000 Tonnen Pazifischer Lachs über den Nördlichen Seeweg verschifft werden könnten. Auf längere Sicht könnte die Menge auf 250-300’000 Tonnen gesteigert werden.
Die Worte des Gouverneurs waren Musik in den Ohren von Wladimir Putin. Der russische Präsident hat es zur nationalen Priorität erklärt, bereits bis zum Jahr 2024 mindestens 80 Millionen Tonnen Güter jährlich über die Nord-Ostpassage zu transportieren. Im vergangenen Jahr wurden 31,5 Millionen Tonnen auf der Route verschifft.
Zweimal schneller
Fisch direkt von Petropawlowsk-Kamtschatskij über die Arktis und um Skandinavien herum nach St. Petersburg zu transportieren, sei zwei Mal schneller als nach Wladiwostok zur Umladung auf die Transsibirische Eisenbahn zu verladen, teilte Gouverneur Solodow mit.
Bei dem Treffen war auch Rosatom-Direktor Alexej Lichatschew anwesend. Rosatom ist sowohl für die Entwicklung der Infrastruktur entlang des Nördlichen Seewegs als auch für den Betrieb des weltweit einzigen nuklearbetriebenen zivilen Frachtschiffs «Sevmorput» zuständig.
„Wir unterstützen absolut, was der Gouverneur Wladimir Viktorowitsch Solodow sprach“, sagte Rosatoms Direktor. Lichatschew sagte zu Putin, dass er die Herausforderung mit den Kapazitäten des Frachters «Sevmorput» lösen könne. „Wir wären bereit, zwei bis zu vier Fahrten pro Jahr durchzuführen“, sagte er.
Was Lichatschow nicht zur Sprache brachte, war, dass die letztjährige zweite Fahrt mit Fischprodukten mit der «Sevmorput» von Petropawlowsk nach St. Petersburg abgesagt wurde, weil sie sich als weniger profitabel als erwartet herausstellte.
Letztes Jahr unprofitabel
„Nach Informationen war dies auf einen Rückgang der Exportnachfrage von Häfen in Osteuropa im Juli-August 2019 und die daraus resultierende erhebliche Senkung der Frachtmengen von St. Petersburg nach Häfen in Asien zurückzuführen. Die Frachtvolumen sei für diese Routen um 20% gesunken“, teilte Rosatom mit und betonte, dass das Geschäftsmodell der „Sevmorput“ darauf basiere, Rückfracht auf die Fahrt in Richtung Osten zu bringen.
„Auf Grund der Ergebnisse des Testtransportes bekräftigten die Fischereiunternehmen im Fernen Osten ihr Interesse und ihre Kosteneffizienz für Fischtransporte entlang der Nördlichen Seeroute weiter zu verfolgen“, erklärte Rosatom. Der Test-Transport im September letzten Jahres war das erste Mal, dass ein ziviles atomgetriebenes Schiff mit Ladung entlang der Küste Skandinaviens nach St. Petersburg fuhr.
«Sevmorput» – 30 Jahre alt
„Sevmorput“ ist 30 Jahre alt und wird von einem Reaktor des Typs KLT-40 angetrieben, ähnlich wie der Reaktor an Bord der Eisbrecher „Taymyr“ und „Vaygach“. Nach einer 2015 durchgeführten Nachrüstung und Sicherheitsbewertung wurde die Lebensdauer des Reaktors mit 150.000 Stunden verlängert, um den „Sevmorput“ bis 2024 in Betrieb zu halten.
Heiner Kubny, PolarJournal