Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03320.jsonl.gz/1058

Dettaglio
TAYLOR, Norma
* Chicago, 22.05.1930, † New York, 24.02.2000
Voce, Pianoforte
(Künstlername von Norma Lederer). Norma und Peter Lederer sind 1956 nach Bern gekommen. Norma, eine singende Pianistin, oder besser eine Klavier spielende Sängerin war vor ihrer Heirat in Chicago vor allem als Alleinunterhalterin oder in Kleinstformationen aufgetreten, kannte alle wichtigen Jazzmusiker Chicagos und fand rasch Anschluss im Zentrum der Berner Jazz Szene: Bei Saxophonisten Heinz Bigler und bei "Fats" Peter Müller, dem Klavier-Romantiker, der Dick Cary verehrte. Heinz und sein Bruder, der Trompeter Armin Bigler dominierten die damalige Old-Time Szene. Vor allem Heinz Bigler war aber an modernerem Jazz interessiert, nur fehlten ihm die Musiker, die ihm folgen konnten. Er war dankbar, dass eine Pianistin als Begleiterin auftauchte, die wusste, um was es geht. Fats, der Pianist, war logischerweise an der Sängerin Norma interessiert. Norma, mit ihrem legendären schwarzen Buch – einem umfangreichen Fakebook – das man anscheinend nur über die Musikergewerkschaft in den USA beziehen konnte, war eine Kennerin des Great American Songbooks.
1957 erscheint Norma am Zürcher Jazzfestival: Zuerst mit den Gebrüdern Bigler und den Gebrüdern Giger am Flügel (Heinz Giger am Bass – er spielte später Altsaxophon – und der damals 18-jährige Hanspeter Giger, der als Peter Giger eine grosse Karriere vor sich hatte, am Schlagzeug), drei Tage später mit Fats und seiner Oldtime- Formation als Sängerin im Zentrum des Geschehens. Sie wurde übrigens als beste Sängerin ausgezeichnet. Ein Jahr später bestreitet sie in Bern ein Programm mit dem Titel "My Dark Hands", eine Produktion des Kleintheaters "Die Rampe". Sie rezitiert Black Poetry aus USA und Afrika und singt mit den Riverboat Stompers, die Duke Ellington ins Zentrum stellen, einige Songs.
Anfangs der Sechzigerjahre ziehen die Lederers ins Niederdorf nach Zürich. Hier ist Norma selten – meist privat – als Musikerin aktiv, sie studiert wieder Klavier und beginnt auch Flöte zu spielen. Doch die Berner Szene lässt sie nicht los: 1963/64 tritt sie unter ihrem Mädchennamen Norma Taylor im Kleintheater "die Rampe" auf. Begleitet wird sie vom Pianisten Franz Biffiger im Trio mit Heinz Christen am Bass und Kurt Schaufelberger am Schlagzeug. Der Kreis schliesst sich: Es ist die neue Rhythmusgruppe von Heinz Bigler, der inzwischen aus den USA zurückgekehrt ist.
In Zürich treffen sich die Insider nach Konzerten öfters bei Normas legendären After Hour Parties, die neben der vorzüglichen Bewirtung dank der sehr kompetenten Schallplattenauswahl und dem immer spielbereiten Flügel unvergesslich bleiben. Hier hat Dollar Brand einige amerikanische Kollegen kennen gelernt.
Einige Jahre später zieht Norma nach New York. In ihrer Wohnung am Broadway, Ecke 98th street, habe ich noch etliche Partys erlebt, die bezüglich der Prominenz anwesender Musiker die Zürcher Musikfeste in den Schatten stellten. Eine grosse Überraschung war im April 1988 der Auftritt von Norma in der St. Peters Church in NYC mit u.a. Clifford Jordan und dem blinden Pianisten Chris Anderson (beide ex-Chicago). Norma hatte sich über Jahre im Stillen auf diesen Auftritt vorbereitet. Die New Yorker waren ihr dankbar: Die Kirche war voll besetzt.
[Franz Biffiger]