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Angeborene Augenlidveränderungen
Ein kurzer Blick in die menschliche Anatomie zeigt uns, dass die Augen von zahlreichen Strukturen umgeben sind, die nicht nur zur Ästhetik, sondern vor allem zum Schutz und zur korrekten Funktion der Augen beitragen. Ein integraler Bestandteil dieser Strukturen sind die Augenlider. In manchen Fällen können jedoch Erkrankungen der Augenlider auftreten, die sowohl kosmetische als auch funktionelle Auswirkungen haben können.
Angeborene Augenlidveränderungen: Einleitung
Die Augenlider spielen eine entscheidende Rolle für den Schutz der Augen und die Verteilung von Tränenflüssigkeit. Manchmal können aber genetische Faktoren oder Entwicklungsstörungen im Mutterleib zu verschiedenen Veränderungen führen. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf einige dieser Veränderungen.
Dystopia Canthorum
Dieser Zustand tritt auf, wenn der innere Augenwinkel (Canthus) weiter von der Nase entfernt ist als gewöhnlich. Es ist ein charakteristisches Merkmal für das Waardenburg-Syndrom, eine genetische Störung, die auch Veränderungen in der Haut- und Haarpigmentierung verursachen kann.
Cryptophthalmos
Dies bedeutet „verborgenes Auge“ und beschreibt den Zustand, bei dem das Auge teilweise oder vollständig von Haut bedeckt ist. Das führt zu einer fehlenden Entwicklung des Auges und des Augenlids und kann ein oder beide Augen betreffen. Die Schwere kann variieren, wobei einige Fälle medizinische Operationen erfordern.
Ablepharon
Hierbei fehlt das Augenlid entweder ganz oder teilweise. Es kann isoliert auftreten oder im Zusammenhang mit anderen Syndromen, wie dem Ablepharon-Makrostomie-Syndrom, das auch andere körperliche Anomalien umfasst.
Kolobom des Augenlides
Das ist eine Lücke oder ein Spalt in einem oder beiden Augenlidern. Es tritt auf, wenn sich das Augenlid während der fetalen Entwicklung nicht vollständig schließt. Diese Lücken können die Sehkraft beeinträchtigen und kosmetische Bedenken hervorrufen.
Ankyloblepharon
Hierbei sind Teile des oberen und unteren Lids miteinander verwachsen. Dies ist oft eine vorübergehende Anomalie bei Neugeborenen und kann sich von selbst lösen oder operativ korrigiert werden.
Kongenitales Ektropium
Das ist eine seltene Erkrankung, bei der sich das Augenlid nach aussen wendet, was die innere Augenlidhaut freilegt. Dies kann zu Trockenheit und Reizung des Auges führen. Kurzfristig helfen nur Salben oder Augentropfen, während eine langfristige Korrektur eines Ektropiums nur durch einen operativen Eingriff möglich ist, selbst wenn die Auswärtsdrehung des Lids nur geringfügig ist.
Kongenitales Entropium
Hierbei dreht sich das Augenlid nach innen, wodurch Wimpern und Haut das Auge reiben und reizen können. Ohne Behandlung kann es zu dauerhaften Augenschäden führen.
Epiblepharon
Das beschreibt eine zusätzliche Hautfalte, die über den Wimpern liegt, was dazu führt, dass die Wimpern gegen das Auge reiben. Dies ist besonders häufig bei asiatischen Individuen zu beobachten und kann operativ korrigiert werden.
Kongenitales Tarsal Kink
Hierbei zeigt das Lid eine unnatürliche Biegung, die Druck auf die Augenoberfläche ausübt. Dies kann zu Schmerzen und Reizungen führen und eine operative Korrektur erfordern.
Distichiasis
Das ist der Zustand, bei dem eine zusätzliche Reihe von Wimpern aus den Meibom-Drüsen wächst. Diese zusätzlichen Wimpern können das Sehorgan reiben und reizen.
Euryblepharon
Das Augenlid ist ungewöhnlich geformt und weist eine verbreiterte horizontale Öffnung auf, wodurch der Augenlidrand nicht korrekt am Auge anliegt.
Epicanthus
Das bezieht sich auf die Hautfalte, die vom Augenlid über den inneren Augenwinkel verläuft. Es gibt verschiedene Arten, und sie sind häufig bei Menschen asiatischer Abstammung zu finden:
- Epicanthus tarsalis: Betroffen ist das obere Augenlid.
- Epicanthus palpebralis: Betroffen sind sowohl oberes als auch unteres Augenlid.
- Epicanthus supraciliaris: Die Falte beginnt über der Augenbraue.
- Epicanthus inversus: Betroffen ist das untere Augenlid.
Palpebral Fissure Slant
Das beschreibt die Neigung der Augenlidspalte, die entweder nach oben (positiver Winkel) oder unten (negativer Winkel) zeigen kann. Es kann ein Hinweis auf bestimmte genetische Zustände sein, wie z.B. das Down-Syndrom.
Kongenitale Ptosis
Die angeborene Ptosis bei Kindern bezeichnet ein Herabhängen eines oder beider Oberlider, das von Geburt an vorhanden ist. Dieser Zustand resultiert in der Regel aus einer Unterentwicklung oder Fehlfunktion, z.B. Lähmung des Muskels, der das Oberlid anhebt, bekannt als der Levator palpebrae superioris. In diesem Fall ist die Ptosis als Ptosis paralytica bekannt. Die Schwere der Ptosis kann variieren, wobei in einigen Fällen das Lid nur leicht hängend absinkt, während in anderen Fällen das Lid das Auge fast vollständig bedecken kann.
Eine kongenitale Ptose kann das Sehvermögen des betroffenen Kindes beeinträchtigen und zu Amblyopie (Schwachsichtigkeit) führen, wenn sie nicht durch einen Augenarzt behandelt wird. Die Behandlung besteht in der Regel aus einer operativen Korrektur im Kindesalter, insbesondere wenn die Sehkraft beeinträchtigt ist oder kosmetische Bedenken bestehen.
Weitere Arten der Ptosis
Weitere Arten der Ptosis können beispielsweise die Ptosis Sympathica oder das Horner-Syndrom sein.
Ursächlich liegt oft eine periphere oder zentrale Schädigung des Nervus oculomotoriusNervus oculomotorius zugrunde, die zur OkulomotoriuspareseOkulomotoriusparese führt. Auch systemische Erkrankungen wie Myasthenia gravisMyasthenia gravis können eine Ptosis verursachen, es handelt sich dann um eine erworbene Ptosis.
Im Falle eines Horner-Syndroms resultiert die Ptosis aus einer verminderten Anspannung des vom Sympathikus versorgten Musculus tarsalis superior. Dieser Zustand wird als Ptosis sympathica bezeichnet.
Blepharophimosis-Ptosis-Epicanthus-Syndrom (BPES)
Das Blepharophimosis-Ptosis-Epicanthus-Syndrom (BPES) ist eine seltene genetische Erkrankung, die durch eine Kombination von Augenlid-Anomalien charakterisiert ist. Die vier Hauptmerkmale des Syndroms sind:
- Blepharophimosis: Eine abnormale Verengung der Augenlidspalte.
- Ptosis: Hängende Augenlider (Hängelid), welche das Sehorgan teilweise oder vollständig bedecken kann.
- Epicanthus inversus: Eine Hautfalte, die vom Unterlid zum inneren Augenwinkel verläuft.
- Telecanthus: Ein vergrösserter Abstand zwischen den inneren Augenwinkeln.
Das Syndrom wird durch Mutationen im FOXL2-Gen verursacht und kann autosomal-dominant vererbt werden. Es gibt zwei Haupttypen von BPES: Typ I beeinflusst sowohl die Augen als auch die Eierstöcke, was zu vorzeitiger Menopause führen kann, während Typ II nur die Augen betrifft. Die Behandlung kann chirurgische Korrekturen und andere unterstützende Massnahmen einschliessen, je nach Schwere der Symptome.
Marcus Gunn Jaw-winking Syndrom
Das Marcus Gunn Jaw-winking Syndrom ist eine seltene neurologische Krankheit, bei der sich das Oberlid unwillkürlich hebt, wenn der Mund geöffnet wird oder während des Kauens. Diese anomale Bewegung entsteht durch eine fehlerhafte Nervenverbindung zwischen dem Trigeminusnerv, der die Kaumuskulatur versorgt, und dem Oculomotoriusnerv, der den Levator palpebrae superioris-Muskel des oberen Augenlids innerviert. Statt dass nur die Kaumuskulatur auf die Aktivität des Trigeminusnervs reagiert, zieht sich auch der Levator-Muskel des Augenlids zusammen, was zu dem charakteristischen „Winken“ der Lider führt.
Das Syndrom ist in vielen Fällen angeboren und kann isoliert auftreten oder mit anderen Augenanomalien kombiniert sein. Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt, aber es wird vermutet, dass eine Fehlverdrahtung der Nerven während der Entwicklung des Fötus eine Rolle spielt. Die Behandlung kann eine chirurgische Korrektur beinhalten, ist aber oft nur aus kosmetischen Gründen notwendig.
Fazit
Das Verständnis und die Behandlung von angeborenen Augenlidveränderungen erfordern häufig die Expertise spezialisierter Augenärzte. Die oben genannten Zustände variieren in ihrer Schwere und ihrem Potenzial, das Sehvermögen zu beeinflussen. Einige dieser Zustände sind kosmetisch, während andere das Sehvermögen und die Gesundheit des Auges erheblich beeinflussen können. Es ist wichtig, bei Bedenken einen Spezialisten zu konsultieren. Die Augenärzte des Lux-Augenzentrums beraten Sie auch zu anderen Krankheiten, wie Schlupflider, Gerstenkorn, Krankheiten und Infektionen der Hornhaut des Auges, Fehlstellungen eines oder beider Augenlider, uvm.