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Vor drei Jahren ist auf der Baustelle der Poyabrücke ein Arbeiter tödlich verunglückt: Er war in eine Bohrmaschine geraten, an welcher zwei Teamchefs eine Sicherheitsvorkehrung neutralisiert hatten. Gestern ging der Prozess vor dem Bezirksgericht Saane mit der Befragung der Angeklagten weiter.
Der Gerichtspräsident Alain Gautschi fragte, ob es üblich sei, dass ein Maschinenführer sein Pult verlasse–wie es der angeklagte 63-jährige Spanier getan hatte. Genau in diesem Moment passierte der Unfall (FN von gestern). Dies sei nicht üblich, sagte der Mann. «Ich mache das nur ab und zu, und dabei schaue ich immer auf die Maschine.» Dass er der Maschine den Rücken kehre, so wie beim Unfall, sei selten.
Sein mitangeklagter Kollege sagte, dass er nie die laufende Bohrmaschine verlasse. «Das ist zu gefährlich.» Im Gegensatz zu seinem Kollegen arbeite er auch nie im Modus «automatisch», sondern steuere die Maschine immer von Hand.
Eine Expertise
Alexis Overney, der Verteidiger des Spaniers, verlangte ein Gutachten. Die Angeklagten hatten ein defektes Sicherheitskabel an der Bohrmaschine kurzgeschlossen, damit die Maschine trotz fehlender Sicherheitsvorrichtung lief. «Wir möchten prüfen lassen, ob der Arbeiter nicht gestorben wäre, wenn dieses Sicherheitskabel funktioniert hätte», sagte Overney. Solange ein Zweifel da sei, solle alles getan werden, um diesen zu beseitigen. Staatsanwältin Catherine Python Werro sprach sich dagegen aus: «Wir wissen, dass die Maschine nicht mehr hätte laufen sollen. Der Unfall hat sich ereignet, weil die Maschine trotz allem gelaufen ist.»
Das fünfköpfige Gericht jedoch entschied, das Gutachten in Auftrag zu geben. Das Verfahren wird deshalb erst im März fortgeführt.
Die beiden Töchter des Verstorbenen treten im Prozess als Zivilklägerinnen auf. Sie fordern je 25 000 Franken als Wiedergutmachung. Die ältere, heute 19-jährige Tochter erzählte dem Gericht, wie sich ihr Alltag seit dem Tod ihres Vaters verändert hat: Sie kümmere sich nun um ihre Mutter, «der es nicht so gut geht», und um ihre kleinere Schwester. Sie mache die Zahlungen und organisiere Arzttermine. «Ich trage mehr Verantwortung als vorher.» Es sei sehr schwierig. «Wenn ich etwas brauche, kann ich nicht mehr meinen Vater anrufen.» Gautschi musste ihre Befragung unterbrechen, weil sie weinte.
«Ich hasse diese Brücke»
Die jüngere Tochter war zwölfjährig, als der Unfall passierte. «Ich bin nicht mehr das kleine, fröhliche Mädchen, das ich vorher war.» Sie habe sehr viel Zeit mit ihrem Vater verbracht, auch wenn die Eltern geschieden waren. «Er war mein Held, der mich beschützte.» Sie sei stolz darauf gewesen, dass ihr Vater bei einem so wichtigen Projekt wie dem Bau der Poyabrücke mitgearbeitet habe. «Jetzt hasse ich diese Brücke.» Der Friedhof liege gleich neben der Poya-Baustelle, «das ist schwierig». Die heute 15-Jährige berichtete von mehreren Suizidversuchen. Sie sei noch immer in psychologischer Behandlung.