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Die grössten Gewinner einer längeren quantitativen Lockerung könnten französische und italienische Anleihen sein, zumindest wenn das jüngste Kaufmuster Bestand haben sollte. Die Anleihekäufe der EZB sollen im Einklang mit dem so genannten Kapitalschlüssel stehen, sich also an der Grösse der einzelnen Volkswirtschaften orientieren. Die Notenbank weichte jedoch ihre eigenen Richtlinie für die Anleihekäufe etwas auf, um auf grössere Mengen verfügbarer Schuldpapiere zuzugreifen.
Auf EZB-Daten basierende Berechnungen von Bloomberg zeigen, dass die Zentralbank in Frankreich und Italien - Ländern mit einem relativ hohen Umfang ausstehender Schuldpapiere - zuviel erworben hat, während die Käufe in Finnland, Irland und Portugal zu kurz griffen.
Die Aussicht auf eine Trendumkehr ist verhalten. EZB-Präsident Draghi sagte vergangene Woche, dass das Kaufprogramm eine ausreichende Flexibilität benötige. EZB-Direktoriumsmitglied Benoiît Coeuré erklärte in einem Interview am 18. Mai, dass die Notenbanker die Beschränkungen für die Anleihekäufe respektierten, "insbesondere bei den Begrenzungen je Emittent und Emission, die für den Rat sehr wichtig sind". Das signalisiert kaum Interesse an Veränderungen und legt nahe, dass die Abweichungen vom Kapitalschlüssel fortgeführt werden.
Bei dem Ratstreffen am 8. Juni hat die EZB ihre Inflationsprognosen für die nächsten drei Jahre gesenkt. Für 2019 geht die Notenbank nun von einem Anstieg der Verbraucherpreise um 1,6 Prozent aus. Solch ein Niveau steht nach Auffassung vieler Marktteilnehmern im Einklang mit geldpolitischer Lockerung.
Das weckt Zweifel an der Erwartung eines Beginns der QE-Verringerung im Jahr 2018 und lässt ein noch allmählicheres Tapering oder anhaltende Käufe wahrscheinlicher erscheinen. Solche Aussichten werden als stützend für italienische und französische Anleihen erachtet, wenn sich die jüngste Struktur der Ankäufe fortsetzt.
(Bloomberg)