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«The Bigger Picture: Design – Frauen – Gesellschaft» heisst die Ausstellungim Gewerbemuseum Winterthur, die nichts weniger zum Ziel hat, als das Schaffen von Frauendesign ab 1900 bis heute sichtbar zu machen.
Ein ganzes Stockwerk umfasst die Ausstellung, die chronologisch in vier Bereiche gegliedert ist und das kreative Schaffen sowie die Arbeitsbedingungen von Frauen im Design von der frühen Moderne bis in die Gegenwart zeigt. Dabei fehlt auch der gesellschaftlich-politische Kontext nicht, denn erst um 1900 war es für die Frauen überhaupt möglich, zu studieren oder Berufe zu erlernen. Auffallend ist, dass Frauen zu dieser Zeit meist nur in bestimmten Disziplinen wie textiles oder keramisches Gestalten tätig waren – andere waren ihnen zu jener Zeit noch verwehrt. Das änderte sich ab den 1920er- bis 1950er-Jahren, wie der zweite Ausstellungsbereich aufzeigt; Designerinnen wie Charlotte Perriand, Eileen Gray oder Clara Porset verbuchten erste internationale Erfolge mit ihren Möbelentwürfen. Andere arbeiteten eng mit ihren Lebenspartnern zusammen, wie zum Beispiel Ray Eames oder Aino Alto, oftmals im Schatten der Männer. Neuere Nachforschungen zeigen, dass ihre Arbeit meist einen grösseren Anteil an Projekten hatte oder sogar ihnen zuzuschreiben ist, als bisher angenommen.
Ab 1950 – 2000 ist erkennbar, dass sich die Möglichkeiten von Frauen im Design stetig weiterentwickelten. In diesem Zeitraum machten sich zahlreiche Frauen mit ihren unkonventionellen und teils spektakulären Objekten oder Arbeiten einen Namen, wie zum Beispiel Nanda Vigo, Cini Boeri oder Gae Aulenti oder in der Schweiz Rosmarie Baltensweiler, Doris Lehni Quarella sowie die Innenarchitektin und Wohnforscherin Verena Huber, die 2022 mit dem Schweizer Grand Prix Design ausgezeichnet wurde. Der vierte Bereich ab 2000 führt in die Gegenwart und zeigt Werke international renommierter Designerinnen wie Patricia Urquiola, Ilse Crawford, Inga Sempé und vielen mehr. Aber auch die Erforschung neuer Produktionsprozesse mit nachhaltigen Materialien wird hier präsentiert. Zum Beispiel Kunststoffe aus natürlichen Ressourcen wie Bananen- oder Nussschalen des Schweizer Start-up-Unternehmens Kuori. Oder neue, komplexe Designfelder wie Interaction und Game Design, Social und Educational Design von Frauen wie Philomena Schwab, Meret Wacker u.v.m. Die gesamte Ausstellung ist reich bestückt mit ikonischen Objekten, bislang kaum bekannten Neuentdeckungen und umfassenden Informationen. Gleichzeitig eröffnet sie mit zahlreichen Veranstaltungen ein Forum für eine zukunftsgerichtete Diskussion in Bezug auf den gesellschaftlichen Wandel und aktuelle Entwicklungen im Design. Noch bis zum 14. Mai 2023.
GEWERBEMUSEUM WINTERTHUR
Text: Ursula Bünter
aus: Raum und Wohnen, Heft Nr. 02•03/23