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erschienen bei Michael Winkler
Die kleine Nebenerwerbs-Winzerei ein Weingut zu nennen, wäre übertrieben gewesen, doch zu ihr gehörten ein geräumiges Wohnhaus, ein Weinkeller und Wirtschaftsgebäude. Mit 70 war Alfons Müller in Rente gegangen, seitdem widmete er sich seinen Weinbergen. Den größten Teil der Ernte lieferte er bei der Winzergenossenschaft Edenkoben ab, die beiden besten Lagen kelterte er selbst und verkaufte sie an Kunden, die diesen Wein schon seit Jahrzehnten bezogen.
Sein Vater hatte noch davon geträumt, daß die Pfalz eines Tages wieder zu Bayern käme, deshalb trug sein Sohn einen bayerischen Vornamen, und in seiner Kindheit hatten sie jeden Sommer einen Ausflug zum Denkmal König Ludwigs I. gemacht. Zwar gab es jetzt wieder einen Kaiser, doch Bayern war kleiner geworden, die drei fränkischen Regierungsbezirke waren zu einem eigenen Reichsland aufgewertet worden. Nach der großen Katastrophe hatte kaum jemand in Norddeutschland überlebt, folglich hatte die Reichsregierung die Länder neu geordnet. Die Rheinpfalz hatte das Saarland und Teile Nordbadens dazugewonnen, insbesondere die Stadt Mannheim.
Die Familie Müller hatte schon das Weihnachtsfest in Edenkoben zusammen gefeiert. Der ältere Sohn arbeitete im Ort bei der Firma Gillet, die nach wie vor Auspuffanlagen produzierte. Sie hielt das Patent zur Abscheidung des Silizium-Dioxids, das bei der Verbrennung der Silan-Kraftstoffe anfiel. Der Fahrer eines solchen Automobils zog beim Tanken eine Art Schaufel aus seinem Auspuff und kippte den Quarzsand in den Sammelbehälter der Tankstelle.
Der jüngere Sohn arbeitete in Mannheim bei Bopp & Reuter. Deren neuestes Produkt war eine Anlage zur Methan-Synthese. Kompostierbare Abfälle wurden in einem Bio-Reaktor vergoren und erzeugten so „Stadtgas“, das anschließend elektrisch gefiltert und aufbereitet wurde. Noch immer wollten viele Deutsche mit Gasherden kochen, obwohl diese Verbrauchsgebühren kosteten. Der elektrische Strom hingegen wurde zu einem niedrigen Festpreis je nach Wohnungsgröße geliefert. Die Vril-Reaktoren erlaubten diesen günstigen Strompreis.
Leon – Alfons hatte für seine Söhne die garantiert unbayerischen Namen Kevin und Leon gewählt, was seine Söhne ihm mittlerweile verziehen hatten – war nach Mannheim zurückgekehrt. Er hatte die Tage „zwischen den Jahren“ nicht frei bekommen, da Bopp & Reuter ostafrikanische Arbeiter beschäftigte, die der fachlichen Anleitung bedurften. Am 1. September hatte sich der unabhängige Staat Tansania auf eigenen Wunsch als Kolonie Deutsch-Ostafrika dem Reich angeschlossen. Seit Oktober wurden Woche für Woche 80 männliche Kolonialbürger mit ihren Familien ins Reich geholt, um dort eine qualifizierte Ausbildung zu durchlaufen. Michael Winkler: Das neue Reich, Band 3 weiterlesen