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Yannick Berner, verantwortlich für Digitalisierung und Management beim Unternehmen Urma, führt mich in eine grosse Halle. Hier stehen Maschinen, die den Eindruck von Science-Fiction-Technologie erwecken, grosse Kästen. In einem davon flitzt ein Roboterarm herum und verrichtet seine Arbeit. Ein anderes dieser maschinenähnlichen Glieder nimmt Werkzeuge auf, die an einem rotierenden Band befestigt sind, und formt damit Metall nach den Vorgaben eines anwesenden Ingenieurs. Währenddessen werden die transparenten Wände, hinter denen der Prozess abläuft, mit Öl besprüht, um das Ganze zu kühlen.
Im Fabrikationsgebäude in Rupperswil AG stellt Urma mit 100 von insgesamt 130 Mitarbeitern in erster Linie industrietaugliche Präzisionswerkzeuge her, mit denen Löcher gebohrt und äusserst genau verfeinert werden können – mit einer Präzision, die bis auf einen Mikrometer genau reicht (was sehr viel dünner ist als ein menschliches Haar).
Es ist ein wachsendes Geschäft. 1962 von Willy Berner gegründet, ist Urma bis heute ein Familienunternehmen geblieben. Berner erschuf einen patentierten Zweischneider und, noch imposanter und innovativer für die Zeit, den ersten auswuchtbaren Feinbohrkopf der Welt. Der Firmenname «Urma» ist eine Kombination der ersten zwei Anfangsbuchstaben der Vornamen seiner beiden Söhne Urs und Markus. Urs übernahm 1992, dreissig Jahre nach der Gründung, als CEO die Leitung. Wiederum dreissig Jahre später schultern heute seine drei Kinder Jessica, Yannick und Oliver Berner die Verantwortung für einige der wichtigsten Abteilungen Urmas.
Im Eingangsbereich des Gebäudes befinden sich Maschinen in der Grösse eines kleinen Autos. Ihr Inneres ist hohl und dient als Bearbeitungsoberfläche. «Es sind CNC-Werkzeugmaschinen der Firma Haas Automation, die für ihr Formel-1-Team Bekanntheit erlangte», erläutert Yannick Berner. CNC steht für «Computerized Numerical Control». Das bedeutet, dass diese Maschinen von selbst in der Lage sind, Urmas Werkzeuge bei der Bearbeitung von Metallblöcken mit der Entschlossenheit eines mechanischen Schmieds einzusetzen, ganz ohne menschliche Muskelkraft. Aufgrund dieser Kompatibilität zwischen Urmas Werkzeugen und Haas’ Werkzeugmaschinen verkauft das Unternehmen diese Maschinen in der Schweiz mit Erfolg.
Urma stellt nicht nur Werkzeuge zum Bohren, sondern auch zum Reiben, Aufbohren, Feinbohren und Fräsen her. Ein Reibwerkzeug dient dazu, die Oberfläche und Geometrie eines bereits gebohrten Lochs hochpräzise zu verfeinern. Die Flugzeugbau-, Maschinenbau- und Hydraulikindustrie machen von solchen Werkzeugen Gebrauch. Die Produkte Urmas kommen auch in der Autoindustrie zum Einsatz. Im Grunde ist ja ein Automotor ein Stück Metall, in das Zylinder hineingebohrt werden, die sehr präzise sein müssen, so dass die Motorkolben möglichst reibungslos darin hin- und zurückgleiten können. Wie gross Urmas Umsatz oder Exportwert ist, bleibt geheim, auch wenn ich versuche, das Geschäftsleitungsmitglied mit Fragen dazu zu löchern. Zumindest erfahre ich, dass 55 Prozent der Exporte in die EU und 40 Prozent in die USA und nach Asien gehen.
Ursprünglich wollte Yannick Berner, der heute mit 30 Jahren der jüngste Einwohnerrat im Aarauer Stadtparlament ist (und nun für den Nationalrat kandidiert), im Gesundheitswesen arbeiten. Doch er bereut es nicht, dass es anders gekommen ist. Er ist stolz auf seine Firma. «Es ist meinen beiden Geschwistern und mir eine Ehre, das Unternehmen unseres Grossvaters weiterzuentwickeln und mit weiteren Innovationen zu stärken.» Das Unternehmen hat unter anderem in seine Forschungs- und Entwicklungsabteilung investiert, wo neue Prototypen schnell getestet werden können. Bei diesem kreativen Unterfangen werden 3D-Drucker eingesetzt, um potentiell vermarktbare Produkte zu testen. Statt auf Lieferungen eines fabrikproduzierten Prototyps zu warten, kann ein Urma-Ingenieur seine eigenen Designs gleich vor Ort in Rupperswil drucken, ausprobieren und sogleich die nötigen Anpassungen vornehmen. Urma importiert und verkauft auch deutsche und amerikanische 3D-Drucker.
Das Unternehmen hat den uralten Techniken des Bohrens und Reibens ein modernes Kleid gegeben. Wie diese Welt wohl in zwei Generationen aussehen wird?