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4. Presse
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Natürlich kann man sagen, dass das Subjekt Auferstehung feiert, aber dieseAussage ist nur unter bestimmten Voraussetzungen gültig, weil alles, was wir sagen, nicht so sehr direkt mit der Sache, über die gesprochen wird, zu tunhat als vielmehr mit dem Diskurs selbst. Der Diskurs ist alles, was wir sagen und in seiner Komplexität und Widersprüchlichkeit ausdrücken, und er ändert sich mit seinem Fortgang. Er ist fliessend, dynamisch, und dass er sich laufend transformiert, gehört zu seinen Merkmalen.
Vor zehn Jahren war es vielleicht noch möglich, über das Subjekt als von einer abgeschlossenen Entität zu sprechen, als von etwas Bestimmtem, das identifiziert und definiert werden konnte. Das war zu der Zeit, als das Wort von der Identität und der Selbstbestimmung in aller Munde war. Es war auch eine Zeit des Aufbruchs und der Zuversicht. Heute sieht die Welt anders aus. Neue Erfahrungen, bedingt durch neue technische Modalitäten, haben tiefgreifend verändert, was sich über das Subjekt sagen lässt.
Immer noch laufen die Menschen auf der Strasse, essen, schlafen, streiten sich manchmal, aber es bedarf einer anderen Sprache, um über sie eine Aussage zu machen. Die Einheit hat sich verflüchtigt, getreten ist an deren Stelle die Zusammensetzung von Intensitäten und die Multiplikation von Verbindungen. Das Subjekt ist multipel und voller Anschlüsse, eine vorläufige, nur im jeweiligen Augenblick gültige Summe, eine wechseln- de Konstruktion, die nie abgeschlossen ist und ununterbrochen neu zusammengesetzt wird.
Wer darin einen Verlust erkennen wollte, übersähe die Chance, die sich aus den vorübergehenden Vielfalten, Verwandlungen, Steigerungen ergibt. Aber wahr ist es schon: Das Zentrum ist verschwunden. So, wie die Welt eine Möglichkeit ist, was die Philosophie der Quantenphänomene schon lange wusste, so ist auch das Subjekt eine Möglichkeit, eine Fabrik, ein Bauplatz, wo projektiert, konstruiert, kommuniziert wird.
Die technischen Mittel der Virtualität haben eine neue Bühne hervorgebracht, auf der das Subjekt einen neuen Ort eingenommen hat und sich anders bewegt. Wie schnell es gegangen ist, erfahren wir beinahe täglich von neuem.
Die Veränderungen, die sich in den letzten zehn Jahren in der Bildwelt von Beatrice Steudler ergeben haben, scheinen viel mit dem zu tun zu haben, was in den hier gemachten Überlegungen enthalten ist. Sollten sie nicht beabsichtigt gewesen sein, was zutreffen könnte, aber schwer zu entscheiden ist, dann ist doch die Gleichzeitigkeit der Entwicklung der Diskurse mit der persönlichen künstlerischen Entwicklung von Beatrice Steudler überraschend.
Mit einer kurzen Unterbrechung, während der sie verschiedene Objekte (zum Beispiel Werkzeuge und so weiter) malte, hat Beatrice Steudler stets den Menschen zu ihrem Thema gemacht. Als ob sie sagen wollte: Das ist es, woran ich mich halten kann, was ich kenne, und von dem ich infolgedessen ausgehen kann.
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