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@SALSADÄVU: isch das uf dire Facebook-Site oscho cho? 🙂
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GESELLSCHAFT ALS ATELIER D’ÉCRITURE
Traditionelle Sicht auf die Schrift und Bachurs Kritik
Gemäss Bachur wird Schrift in der Soziologie bisher „entweder als eine untergeordnete Modalität des Symbolgebrauchs oder als Spiegel einer starren Machtstruktur […] verortet“ (Bachur, 2017, S.12). Die Schrift wird der Rede in beiden Fällen untergeordnet und ausserhalb der eigentlichen Sozialität angesiedelt. Bachur stellt der Privilegierung der Rede gegenüber der Schrift den empirischen Fakt entgegen, dass die symbolische Sprache durch die Entwicklung der äusserlich-materiellen Symbolisierung stark beeinflusst wurde und wird. (ebd. S.18) Er sieht Schrift als soziokulturelle Technik der Stabilisierung des Zeichens, als Abbildung eines dreidimensionalen Geschehens in einer zweidimensionalen Darstellung. Dabei hebt er neben den Funktionen Kommunikation und Mnemotechnik eine dritte Funktion der Schrift hervor; das dokumentarische Substrat einer kollektiven Praxis der Textproduktion und –Rezeption. (ebd. S. 24) Er geht davon aus, dass die frühesten Schreibtechniken, bspw. diejenigen der Sumerer, primär den Zweck der Dokumentation erfüllten, nämlich das Festhalten von wirtschaftlichem und politischem Geschehen (ebd. S.25).
Vom medialen Paradigma zum Dokumentationsparadigma
Er will dem medialen Paradigma der Schrift, ein dokumentarisches Paradigma entgegenstellen, in dem die Schrift als Prozess der Inskription viel mehr ist als ein reines Medium oder eine potente Technik der Informationsübermittlung. Er sieht Schrift als eine soziale Praktik, als ein „Strom der Reproduktion typisierter Praktiken […], in denen sich implizites Wissen, Sinnmuster, Wissensordnungen, kulturelle Schemata, körperliche Gewohnheiten sowie intellektuelle und gegenständliche Artefakte verquicken“ (ebd. S.27). Durch die Inskriptionen und die textuellen Verkettungen, also die stetig wiederholende Rezeption bestehender Dokumente, lassen sich Bedeutungen stabilisieren und Fakten bilden, so dass die Gesellschaft dabei kontinuierlich verdichtet wird, da sich durch die dynamische Stabilisierung von Ding-Zeichen-Bezügen und durch deren graphisch systematisierte Darstellungen der Welt immer stärkere Wahrheitswerte herausbilden, die nicht in den Objekten liegen, sondern das Ergebnis kollektiver Arbeit darstellen. (ebd. S. 253/267ff) Denn die stark strukturierten Inskriptionen führen dazu, „dass die Konstruktion von wissenschaftlichen Fakten sich selbst als Konstruktion unsichtbar macht“ und die Fakten dadurch als objektiv wahrgenommen werden (Bachur bezieht sich hier auf die Arbeit Laboratory Life von Bruno Latour). (ebd. S.257ff) Eine (Schreib-)Praktik ist nach Bachur von Beginn weg materiell bedingt, die dokumentarische Sprache ist also auf Schrift angewiesen. Entgegen anderen praxeologischen Ansätzen gewichtet er nun die Schrift gegenüber anderen Artefakten stärker und definiert Schrift dabei sehr weit, indem er auch Berechnungen und Diagramme etc. dazuzählt. (ebd. S.28)
Wie wirkt die Dokumentierung auf das Soziale ein?
Diese Sicht auf die Schrift als Schreibpraktik ermöglicht es Bachur, neben der semiotischen Qualität der Schrift, also der sprachlichen Bedeutung, und der Schrift als Medium der Überbrückung von Zeit und Raum auch die ikonische Kraft des materiellen Schriftbildes herauszuarbeiten. Bachur geht davon aus, dass die Ikonizität der Schrift eine kollektive Schreibpraktik und somit einen produktiven sozialen Operationsraum konstituiert, in dem sich Wahrnehmungen, Kognitionen und Interaktionen in strukturierter Weise aufeinander beziehen. (ebd. S.29) Denn das Vorhandensein eines zu bearbeitenden, physisch vorhandenen Dokuments verlangt von den Beteiligten Aufmerksamkeit und ein spezifisches kollektives Verhalten, was die soziale Ordnung in diesem Subsystem strukturiert (ebd. S.253). Die aus verschiedensten Gründen zu erstellenden Dokumente und deren Bearbeitung fungieren also als Trigger für bestimmte kollektive Handlungsmuster (ebd. S. 239ff). Die Dokumente sind weniger auf eine kommunikative, sondern vielmehr auf eine registrierende Funktion ausgerichtet. Sie zielen also nicht auf eine aktuelle, sondern vor allem auf eine potentielle Rezeption, auf eine mögliche zukünftige Überprüfung und auf die Schaffung einer stabilen sozialen Ordnung durch Sedimentation ab. (ebd. S. 284) Anders als in der mündlichen Kommunikation, wo die Performanz nach Austin direkt aus der kommunikativen Situation erwächst, speist sich die performative Kraft des Dokuments nach Bachur aus der notwendigen kollektiven Arbeit, die darin steckt, und die Gewissheiten erschafft, welche einer Überprüfung standhalten und welche die Kontingenz im Alltag mildern (Bsp. Zahlenspiele der Banken bei Hochrisikogeschäften). (ebd. S.286ff)
Kritik an Bachur
In dem Bachur Schrift sehr weit definiert, bspw. auch mathematische Gleichungen, Zeichnungen etc. dazuzählt, und nicht zwischen Schreiben und Schrift unterscheidet, kann er Schrift als kollektive Praktik fassen und das mediale Paradigma der Schrift scheinbar überwinden. Wenn man jedoch eine Trennung zieht zwischen dem Schreiben bzw. der Bearbeitung eines Dokuments, dem Dokument mit seiner dreidimensionalen räumlichen Extension und der zweidimensionalen Schrift darauf, deren Unterschiede in meinen Augen evident scheinen, fällt seine Analyse in sich zusammen. Denn dann kommen die performative Kraft und die kollektive Arbeit nur dem Schreiben und Rezipieren zu, aber nicht der Schrift an sich. Diese wird zum sekundären Ergebnis der sozialen Praktik oder zum Medium für diese. Beides widerspricht den Thesen Bachurs diametral. Und es wird dann auch unklar, ob die im Buch beschriebene Ikonizität nicht vielmehr dem dreidimensionalen Objekt „Dokument“ zukommt als der Schrift. Man denke bspw. an eindrückliche Aktenstapel oder die möglichen Auswirkungen, wenn sich der Sozialarbeiter während eines Beratungsgesprächs Notizen macht, ohne dass das Vis-à-vis die Schrift sieht. Er müsste sein Buch meines Erachtens deshalb eher Schreiben/Dokumentation und Gesellschaft nennen und den unklaren Schriftbegriff aussen vor lassen. Der spannenden These des Dokumentationsparadigmas und der Ikonizität von Dokumenten täte dies keinen Abbruch.
Bachur, Joao Paulo (2017). Schrift und Gesellschaft – Die Kraft der Inskriptionen in der Produktion des Sozialen. Weilerswist: Velbrück Wissenschaft Verlag
Es heisst
ein Dichter
ist einer
der Worte
zusammenfügt
Das stimmt nicht
ein Dichter
ist einer
den Worte
noch halbwegs
zusammenfügen
wenn er Glück hat
Wenn er Unglück hat
reissen die Worte
ihn auseinander
Fried, Erich (2012). Gedichte. München DTV-Verlag
Zum Verhältnis von Denken und Sprache
Nach M.-P. wird der Besitz von Sprache gemeinhin als „ das blosse tatsächliche Vorhandensein von ‚Wortbildern’ verstanden, und diese als von ausgesprochenen und gehörten Worten in uns hinterlassene Spur.“ (S.208) Die Sprache wird zur Summe seiner bedeutungsvollen Teile. Dabei ist der äusserliche Sinn der Worte entweder mit Reizen (Neurowissenschaften) oder mit Bewusstseinszuständen (Intellektualismus) strikte assoziiert (S. 208). In beiden Konzepten hat das Wort keinen ihm eigenen Sinn. Im Empirismus ist das Wort Symptom einer Konfiguration elektrischer und biochemischer Signale im Sinne der Neuromechanik. Im Intellektualismus ist das Wort nur eine Folgeerscheinung oder Hülle des kategorisierenden, des begrifflichen Denkens. (S. 210) Im ersten Fall ist das Wort primär Anzeichen von unbewussten neuronalen Prozessen und, wenn überhaupt, erst sekundär ein Mittel der Kognition zur intentionalen Benennung. Im zweiten Fall ist Sprache nur ein Instrument des Denkens, welches dem Sprachgebrauch vor geht. (S. 208)
Mit beiden Konzepten wäre gemäss M.-P. nicht erklärbar, wieso das Denken im Ausdruck seine Vollendung sucht, weshalb uns ein Gegenstand erst vertraut wird, wenn wir ihn benennen können, warum das Denken seine Gedanken nicht kennt, solange es diese nicht sprachlich formuliert hat. M.-P. stellt deshalb folgende These auf: „Die Sprache setzt nicht das Denken voraus, sondern vollbringt es.“ (S. 210) „Das Wort selbst ist [dabei] Träger des Sinnes.“ (S.211) Die Tatsache, dass wir etwas von anderen verstehen können, was über das von uns Gedachte hinausgeht, bedingt einen sprachlichen Sinn. „Es gibt […] so etwas wie die Übernahme der Gedanken eines Anderen im Durchgange durch das Wort, eine Reflexion im Anderen, ein Vermögen, dem Anderen nach-zu-denken, durch das unsere eigenen Gedanken sich bereichern. Und so muss denn hier der Sinn der Worte letzten Endes durch die Worte selbst hervorgebracht sein, oder vielmehr genauer, deren begriffliche Bedeutung sich bilden auf Grund und aus ihrer gestischen Bedeutung, die ihrerseits der Sprache selbst immanent ist.“ (S.212)
Es gibt nur ein Denken in der Sprache. Sprache und Denken sind nicht als zwei Entitäten differenzierbar, wo eines das andere verursacht. Das Sprechen ist vielmehr das Denken. „Kategoriales Verhalten und Haben der Sprache in ihrer signifikativen Bedeutung ist der Ausdruck ein und desselben Grundverhaltens.“ (S.227) „Wo der Mensch sich der Sprache bedient, um in ein lebendiges Verhältnis zu sich selbst und seinen Mitmenschen zu treten, ist die Sprache nicht mehr nur Instrument, nicht mehr nur Mittel, sondern Bekundung und Offenbarung seines innersten Seins und des seelischen Bandes, das mit der Welt und unseren Mitmenschen uns verbindet.“ (S. 232)
Das sprachliche Zeichen
Wörter sind demnach weder nur sprachliche Symptome neuronaler Prozesse noch sind sie Symbole als blosses Mittel zur Fixierung des Denkens, sondern WAHR-ZEICHEN des Denkens selbst, welches in der Sprache nach Ausdruck sucht. (S.216) Das Wort hat nach M.-P. einer jeder begrifflichen Bedeutung zugrundeliegende existentielle Bedeutungsschicht als Geste, als Stil, als affektiven Wert. Prosodie, Rhythmus und Intention schaffen ein neues Erfahrungsfeld. Dieser ästhetische Ausdruck der Sprache wird für uns als Leib zum An-sich-sein und Für-sich-sein des Ausdrucks zugleich. (S. 216) Das Wort ist damit zuallererst Gebärde, trägt den Sinn wie eine Geste bereits in sich. (S. 217) Wie jede Gebärde bringt die sprachliche Geste ihren Sinn also selbst hervor. (S.220)
Das sprachliche Zeichen ist „die STELLUNG-NAHME des Subjekts in der Welt seiner Bedeutungen“. (S. 229) „Die phonetische Geste realisiert für das sprechende Subjekt und für seinen Hörer eine gewisse Strukturierung der Erfahrung, eine gewisse Modulation der Existenz, so wie ein Verhalten meines Leibes für mich und für Andere die mich umgebenden Dinge mit einer bestimmten Bedeutung belehnt.“ (S. 229) In einem Akt der Transzendenz erschliesst sich ein Phon einem übertragenen Sinn und be-zeichnet bzw. be-deutet die Umwelt. Dabei überschreitet und überhöht der Sprecher stets sein natürliches Vermögen. „Dieses offen-endlose Vermögen des Bedeutens – ein Vermögen in eins, einen Sinn zu erfassen und zu kommunizieren -, kraft dessen der Mensch durch den Leib und die Sprache sich selbst transzendiert zu neuem Verhalten, zu Anderen hin und zum eigenen Denken, muss als ein ursprüngliches Faktum anerkannt werden.“ (S. 230) Sprache ist also durch und durch Motorik und Intelligenz gleichermassen im Inhärenzverhältnis der Sprache zum Leib.
Entstehung und Entwicklung der Sprache
Für M.-P. stellt sich die Frage, wie Worte bedeutend wurden, bevor eine kulturelle Sprachwelt bestand, welche jedem neuen Wort seinen Platz zuweist. Nach Saussure sind sprachliche Zeichen konventionell, aber Konvention als später Modus der Beziehung von Menschen setzen Sprache bereits voraus. Damit wäre die Sprache Bedingung seiner selbst und damit bestünde ein infiniter Regress. (S. 223) Was nach M.-P. ebenfalls ausgeschlossen ist, ist die direkte Herleitung von konventionellen aus natürlichen Zeichen, da es für Menschen keine natürlichen Zeichen gibt. Emotionale Ausdrücke und sprachliche Ausdrücke sind gleichermassen Weisen des menschlichen Zur-Welt-Seins und beide sind kontingent. (S.223) Eine Unterscheidung zwischen natürlichem Verhalten und geistig-kulturellem Verhalten bzw. Handeln als darübergelegte Schicht macht beim Menschen weder bei Gesten noch bei Worten Sinn. (S.224) Die Entwicklung der Sprache bleibt also undurchsichtiger als gemeinhin angenommen.
M.-P. sieht die Sprachentwicklung eingebettet in ein allgemeines, irrationales und kontingentes Vermögen des Menschen zur Bedeutungsschöpfung und – Kommunikation: Die Verhaltensweisen des Menschen „schaffen Bedeutungen, die seine anatomische Anlage transzendieren, gleichwohl aber dem Verhalten als solchem immanent bleiben – ist doch dieses erlernbar und verstehbar […]. Die Sprache ist nur ein Sonderfall dieses Vermögens. Wahr ist allein – und dies rechtfertigt auch die Ausnahmestellung, die man der Sprache einzuräumen pflegt -, dass die Sprache der einzige Ausdrucksvollzug ist, der Sedimentierung und der Konstitution intersubjektiver Erwerbe fähig ist.“ (S. 224ff) „[D]ie Sprache begründet [dabei] in uns die Idee einer Wahrheit, die einen präsumtiven Grenzbegriff all ihrer Leistung darstellt. Sie vergisst die Kontingenz ihres eigenen Faktums und verlässt sich auf sich selbst, und wir sahen, wie eben da unser Ideal eines sprachlosen Denkens seine Herkunft hat[.]“ (S. 225) Nach M.-P. ist deshalb eine analytische Unterscheidung zwischen sprechender Sprache und gesprochener Sprache zwingend, um an den Ursprung der Sprache zu gelangen. (S. 232)
Kommunikation
Die Kommunikation, das Verstehen von Gesten, gründet sich nach M.-P. „auf die wechselseitige Entsprechung meiner Intentionen und der Gebärden des Anderen, meiner Gebärden und der im Verhalten des Anderen sich bekundenden Intentionen.“ (S. 219) Dabei verstehe ich die Gebärden des Anderen nicht wegen meiner intellektuellen Interpretationen oder einem gemeinsamen Sinn der Erfahrungen beider. Vielmehr entsteht der Sinn der Geste erst durch „die Bewegung, in der ich mich einem Schauspiel hingebe und mich, es gleichsam blindlings anerkennend, ihm einfüge […].“ (S. 220). Durch meinen Leib verstehe ich den Anderen, nicht durch mein Denken.
Ich kommuniziere ursprünglich nicht mit Vorstellungen oder Gedanken eines Anderen, der diese als Sätze codiert an mich übermittelt und die ich in Gedanken decodieren muss. Ich kommuniziere vielmehr mit dem Anderen als sprechendes Subjekt, dessen Bedeutungsintentionen nicht durch Gedanken, sondern durch einen Mangel, der sich auszufüllen suchte, ausgelöst wurden, und die ich intentional erfassen kann. (S. 218) Diesem kontingenten, wirklichen Ausdruck als Geste, welche das ursprüngliche Schweigen bricht, sind wir uns aber nicht bewusst, weil er überlagert wird von den banalen Wörtern der institutionalisierten Sprache. Wir reflektieren die Sprache immer schon in einer bereits ausgesprochenen Welt, in der uns die sekundäre Bedeutung eines Wortes bereits bekannt ist und wir keine Mühe haben, die Bedeutung rein analytisch zu erfassen. Gleichwohl ergibt sich dieser sekundäre Sprachgebrauch nur aufgrund der primären sprachlichen Geste in der Kommunikation mit dem Anderen. (S. 218)
Literatur
Merleau-Ponty, Maurice. (1966). Die Phänomenologie der Wahrnehmung. Berlin: Walter de Gruyter & Co.-Verlag
Für den Metaphern-überfluteten Rezipienten stehen die Zeichen auf Sturm, ein Sturm von Symbolen, Ikonen, Indexen, der jede eindeutige Bedeutung zerstört. Zurück bleiben unzählbare Erzählungen über den Lauf der Welt, über Unmoral und über Geld. Wohl dem Sendungsbewussten, der in seinen Geschichten aufgeht, der über Selbstzweifeln und reflektierendem Bewusstsein steht und mit breiter Brust und noch breiteren Schultern durchs Leben geht.
“Wir halten es für verfehlt, das Leben in seiner Gesamtheit unter einem Begriff der Information zu subsumieren. Wir halten es ferner für naiv, von einem unkritisch angeeigneten Begriff, der Information als quantifizierbare und messbare Entität beschreibt, zu einer erschöpfenden Ontologie aller Wirklichkeit fortzuschreiten. Der Begriff der Information hat sich in Wissenschaft und Technik als nützliches Instrument erwiesen. Aber er ist weder fundamental noch zur Betrachtung sämtlicher Aspekte menschlichen Lebens geeignet.
Bestimmte Aspekte menschlichen Wahrnehmens, Denkens und Handelns mögen sich als Informationsverarbeitungsprozesse modellieren lassen. Andere nicht. Hierzu gehören emotionale Intelligenz, praktische Tugenden wie Weisheit oder Klugheit, die uns zu qualitativen ethischen Urteilen befähigen, subjektives Erleben und phänomenologische Dimensionen von Wahrnehmung, Denken, Handeln und Voraussicht usw.”
–> Die menschliche Sprache unterscheidet sich von anderen Kommunikationssystemen durch die Tatsache, dass sie Bedeutungen ausdrückt und nicht nur Informationen symbolisiert und übermittelt. Daher wird die künstliche Intelligenz die Sprache nie in ihrer Vollständigkeit verstehen und anwenden können.
🙂 “die feinen Unterschiede”
“‘Erfahrung ist immer eine Parodie auf die Idee’, steht dort an der Wand. Das ist von Goethe. In den Notizen seiner ersten Schweizer Reise. Das ist ihm gerade bei diesen Schweizer Bünzlis eingefallen. An die Weisheit des Alters glaube ich nicht. Habe ich auch nie erlebt. Und Erfahrungen machen die jungen Leute, nicht die Alten. Erfahrung ist etwas Aktives, etwas, was man macht, nicht etwas, was man hat.”
Zwischen Wand- und Widersprüchen
Machen sie es sich bequem.
Links ein Sofa, rechts ein Sofa,
In der Mitte ein Emblem.
Auf der Lippe ein paar Thesen,
Teppiche auch auf dem Klo.
Früher häufig Marx gelesen.
Aber jetzt auch so schon froh.
Denn das „Kapital“ trägt Zinsen:
Eigenes Auto. Außen rot.
Einmal in der Woche Linsen.
Dafür Sekt zum Abendbrot.
Und sich noch betroffen fühlen
Von Kritik und Ironie.
Immer eine Schippe ziehen,
Doch zur Schippe greifen nie.
Immer glauben, nur nicht denken
Und das Mäntelchen im Wind.
Wozu noch den Kopf verrenken,
Wenn wir für den Frieden sind?
Brüder, seht die rote Fahne
Hängt bei uns zur Küche raus.
Außen Sonne, innen Sahne.
Nun sieht Marx wie Moritz aus.
Vater, Heinz. (1992). Einführung in die Textlinguistik: Struktur, Thema und Referenz in Texten. München: W. Fink Verlag
“Die politische Vorstellung eines jeden wie auch seine Vorstellungen von gesellschaftlicher Organisation müssen letztlich in irgendeinem Konzept der menschlichen Natur und der menschlichen Bedürfnisse wurzeln. Nun habe ich das Gefühl, dass die wichtigste menschliche Fähigkeit die Fähigkeit zu und der Wunsch nach kreativer Selbstäusserung, nach freier Kontrolle aller Aspekte unseres Lebens und Denkens ist. Eine besonders entscheidende Verwirklichung dieser Fähigkeit ist der kreative Sprachgebrauch als freies Werkzeug des Denkens und des Ausdrucks. Wenn man so über die menschliche Natur und die menschlichen Bedürfnisse denkt, versucht man, Formen gesellschaftlicher Organisation zu konzipieren, die die freieste und vollständigste Entwicklung des einzelnen, der Möglichkeiten jedes einzelnen, in welche Richtung es auch sei, erlauben würden (…).” Aber “(n)ur in einer Kombination von Freiheit und Zwang stellt sich die Frage der Kreativität. Die Tatsachen lassen mich vermuten und mein Vertrauen lässt mich hoffen, dass es angeborene geistige Strukturen gibt. Gibt es sie nicht, sind die Menschen nur knetbare und zufällige Organismen, dann sind sie geeignete Objekte für eine Verhaltenskontrolle von aussen.” (Chomsky, Noam. (1973). Sprache und Geist. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag)
„Man kann die Dichter lesen, die Philosophen studieren, Bilder kaufen und nächteweise Gespräche führen: aber ist es Geist, was man dabei gewinnt? Angenommen, man gewönne ihn: aber besitzt man ihn dann? Dieser Geist ist so fest verbunden mit der zufälligen Gestalt seines Auftretens! Er geht durch den Menschen, der ihn aufnehmen möchte, hindurch und läßt nur ein wenig Erschütterung zurück. Was fangen wir mit all dem Geist an? Er wird auf Massen von Papier, Stein, Leinwand in geradezu astronomischen Ausmaßen immer von neuem erzeugt, wird ebenso unablässig unter riesenhaftem Verbrauch von nervöser Energie aufgenommen und genossen: Aber was geschieht dann mit ihm? Verschwindet er wie ein Trugbild? Löst er sich in Partikel auf? Entzieht er sich dem irdischen Gesetz der Erhaltung?“ (Musil, 1978, S. 152)
“Der Geist hat erfahren, dass Schönheit gut, schlecht, dumm oder bezaubernd macht. Er zerlegt ein Schaf und einen Büßer und findet in beiden Demut und Geduld. Er untersucht einen Stoff und erkennt, daß er in großen Mengen ein Gift, in kleineren ein Genußmittel sei. Er weiß, daß die Schleimhaut der Lippen mit der Schleimhaut des Darms verwandt ist, weiß aber auch, daß die Demut dieser Lippen mit der Demut alles Heiligen verwandt ist. Er bringt durcheinander, löst auf und hängt neu zusammen. Gut und bös, oben und unten sind für ihn nicht skeptisch-relative Vorstellungen, wohl aber Glieder einer Funktion, Werte, die von dem Zusammenhang abhängen, in dem sie sich befinden. Er hat es den Jahrhunderten abgelernt, daß Laster zu Tugenden und Tugenden zu Lastern werden können, und hält es im Grunde bloß für eine Ungeschicklichkeit, wenn man es noch nicht fertigbringt, in der Zeit eines Lebens aus einem Verbrecher einen nützlichen Menschen zu machen. Er anerkennt nichts Unerlaubtes und nichts Erlaubtes, denn alles kann eine Eigenschaft haben, durch die es eines Tages teil hat an einem großen, neuen Zusammenhang. Er haßt heimlich wie den Tod alles, was so tut, als stünde es ein für allemal fest, die großen Ideale und Gesetze und ihren kleinen versteinten Abdruck, den gefriedeten Charakter. Er hält kein Ding für fest, kein Ich, keine Ordnung; weil unsre Kenntnisse sich mit jedem Tag ändern können, glaubt er an keine Bindung, und alles besitzt den Wert, den es hat, nur bis zum nächsten Akt der Schöpfung, wie ein Gesicht, zu dem man spricht, während es sich mit den Worten verändert.” (Musil, 1978, S. 153ff)
“So ist der Geist der grosse Jenachdem-Macher, aber er selbst ist nirgends zu fassen, und fast könnte man glauben, daß von seiner Wirkung nichts als Zerfall übrigbleibe. Jeder Fortschritt ist ein Gewinn im Einzelnen und eine Trennung im Ganzen; es ist das ein Zuwachs an Macht, der in einen fortschreitenden Zuwachs an Ohnmacht mündet, und man kann nicht davon lassen.“ (Musil, 1978, S. 153ff)
Musil Robert. (1978). Der Mann ohne Eigenschaften. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag
Gemeinhin wird Sprache als Mittel verstanden, als Möglichkeit, Bezug zu nehmen auf eine vorsprachliche Ebene. Interessanter scheinen Fälle, in denen das Wort die eigene Referenz bestimmt oder sich von der Referenz entfernt. In beiden Fällen gewinnt die Sprache ein Eigenleben. Den ersten Fall nenne ich Machtwort, den zweiten Wortspiel.
Zum Machtwort: Ein Machtwort liegt dann vor, wenn das Wort die Sicht auf das Referenzobjekt dahingehend beeinflusst, dass eine der Sache selbst fremde Diskurs- oder Handlungslogik durchgesetzt wird, der man sich zu beugen hat, oft gebildet durch wortgewaltigen Populismus oder konsistente sozialwissenschaftliche Konzepte. Dabei wird ein eindeutiges Wort einem dem Begriff fremden oder zumindest nicht eindeutigen Gegenstand gewissermassen übergestülpt. Ein bestimmtes Sprachspiel dominiert dann die aussersprachliche Lebenswelt und verändert diese. Dies ist das Mittel der Hegemonie.
Zum Wortspiel: Ein Wortspiel birgt die Möglichkeit, Machtworte zu sabotieren, indem Mann oder Frau das Sprachspiel mitspielt, damit verständlich bleibt, ohne jedoch den Habermas’schen Geltungsansprüchen der Wahrheit, Richtigkeit und Wahrhaftigkeit zu genügen. Die Symbole entleeren sich und gewinnen ein Eigenleben. Dies ist das Mittel des sprachlichen Widerstands, um den Übergriff durch Machtworte zu verhindern. Dieser Widerstand kann dabei sehr kalkuliert, aber durchaus auch unbewusst stattfinden.
Dies soll ein Anstupser sein an b2, lieber am Stutz als im Schmutz, Schwäfu-Dävu und Magic Mike, zu diesem Konzept Stellung zu beziehen, es zu vernichten, es zu erweitern, Beispiele anzufügen oder es in den Wind zu schlagen.