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Die Sprache ist unser aller Werkzeug, welches wir täglich in verschiedenen Situationen mit mehr oder weniger Erfolg einsetzen um unseren ganz normalen Alltag zu bewältigen. In der eigenen Muttersprache sprechen kann jeder, doch weshalb gibt es Menschen unter uns, die mit ihrer Sprache erfolgreicher sind als andere? Eine erste Antwort darauf könnte sein: Die Studierten sind halt gewandter im Sprechen. Doch ist eine erfolgreiche Sprache wirklich nur gebildeten Menschen zugänglich? Ich denke, eine positive Sprache zu sprechen ist grundsätzlich allen Menschen möglich, die sich achtsam mit dem eigenen Sprechverhalten auseinandersetzen wollen. Denn eher als von Intelligenz und Bildung, sehe ich das Sprachverhalten als Teil unserer Sozialisation. Diese Verhaltensmuster sind tief in uns verankert. Es ist jedoch allen Menschen möglich, daran zu arbeiten und etwas daran zu bewegen. Doch, weshalb sollte jemand das eigene Sprachmuster verändern wollen? Ganz einfach, weil Sprache Wirkung hat, die über den Inhalt hinausgeht und diese Wirkung oft unterschätzt wird. Die Voraussetzung dafür besteht darin, die Verhaltensmuster bewusst wahrzunehmen. Doch sicher kennen Sie einige Beispiele, die Ihnen am Sprechverhalten von Mitmenschen auffallen. Zum Beispiel: «Ja, aber…» oder das viel zu oft eingesetzte Wort «eigentlich» oder doppelte Verneinungen wie «Nicht schlecht».
Nun einmal der Reihe nach. Unter positiver Kommunikation verstehe ich Formulierungen, die sich darauf beziehen, was oder wie etwas sein soll, also Wünsche oder Ziele. Nicht was ich nicht will, sondern was ich will, soll geäussert werden. Ähnlich wie bei einem Fotonegativ, das umgewandelt wird in ein Bild. Weshalb ist das so wichtig? Es gibt zwei wesentliche Gründe: Zum einen benötigen Vermeidungsziele, in welchen oft Verneinungen vorkommen, viel Energie zur Verarbeitung im Gehirn. Zum anderen sagen Vermeidungsziele nur etwas darüber aus, was nicht gewünscht wird oder eben vermieden werden soll. Es bleibt offen, was der Wunsch oder das Annährungsziel des Sprechers ist und dies führt zu Missverständnissen und Enttäuschungen.
Was können Sie konkret tun, um ihre Sprache erfolgreich einzusetzen?
- Äussern Sie, was Sie möchten und nicht, was vermieden werden soll. Zum Beispiel: Bleib auf dem Trottoir. Anstatt: Geh nicht auf die Strasse. Oder: Diese Papiere gehören in den Schredder. Anstatt: Diese Papiere gehören nicht ins Altpapier.
- Vermeiden Sie doppelte Verneinungen, das schafft Klarheit auf beiden Seiten der Kommunikation. Zum Beispiel: Wie geht es Ihnen? Nicht schlecht. Das sagt überhaupt nichts zu ihrem Wohlbefinden aus und lässt vermuten, dass etwas nicht im Lot ist. Oder: Ihre Leistung ist nicht von schlechten Eltern! Wieso sagen sie nicht: Ihre Leistung ist ausgezeichnet!
- Schmälern Sie Ihre Aussage nicht mit Worten wie eigentlich oder vielleicht. Diese beiden in der Alltagssprache sehr oft verwendeten Wörtchen helfen uns, uns zu verstecken, nicht ganz ans Licht zu treten. Zum Beispiel: Ich bin eigentlich zufrieden. Das lässt vieles offen! Statt: Ich bin zufrieden mit der bisherigen Leistung und habe das nächste Ziel im Visier. Das bedeutet, im Moment bin ich zufrieden, ich will mich zukünftig noch verbessern.
- Vermeiden Sie Sätze mit der Form: Ja, aber… . Das Wort aber verleiht dem darauffolgenden Satzteil mehr Gewicht als dem vorangegangenen. Zum Bespiel: Die Geschichte in deinem Aufsatz ist gut aufgebaut und interessant zu lesen, aber du hast sehr viele Schreibfehler gemacht. Im Gedächtnis hängen bleiben werden die vielen Schreibfehler und das wird dem Aufsatz nicht gerecht. Wie kann das Wörtchen aber entmachtet werden?
- Die Satzstellung ändern, in dem die positive Aussage nach das aber gestellt wird.
- aber mit und
- aber einfach weglassen.
- Möglichkeitsformen hemmen uns in unserem Tun! Sprechen Sie eine aktive Sprache und sagen Sie was Sie tun. Zum Beispiel: Ich möchte mich bewerben. Ich bewerbe mich. Oder: Ich würde gerne auf das Angebot zurückkommen. Ich komme auf das Angebot zurück. Oder: Ich versuche XY zu erreichen. Ich kontaktiere XY. (Sonst bleibt es beim Versuch.)
- Und noch etwas für unsere so schnelle, dynamische Welt: Nicht jeder Gedanke muss sofort vertont werden. Manchmal ist es besser, nochmals darüber zu schlafen, bevor eine Reaktion erfolgt.
Das sind ein paar Aspekte, die bei einer positiven Kommunikation eine Rolle spielen. Habe ich Ihr Interesse an einer positiven Sprache geweckt? Falls ja, denken Sie daran, Verhaltensveränderungen brauchen Zeit und Geduld. Eines nach dem anderen anzugehen ist empfehlenswert. Beginnen Sie also da, wo Sie finden, das spricht mich am meisten an. Oder Sie haben bereits ein Sprachmuster an sich entdeckt, das Sie verändern wollen. Beginnen Sie mit einer wohlwollenden Selbstbeobachtung und ziehen nach einer Woche Resümee.
Am wichtigsten scheint mir, sich der eigenen Sprache und dem Sprachverhalten bewusst zu sein. Nur so kann Sprache gezielt und erfolgreich eingesetzt werden.
Nun wünsche ich Ihnen viel Spass bei der Umsetzung der positiven Sprache und deren Wirkung. Ich bin sicher, Sie werden begeistert sein.
Über eine Reaktion oder Kontaktaufnahme Ihrerseits freue ich mich jeder Zeit!
Literatur
- Krebs & J. Schaffer-Suchomel (2006). Du bist, was du sagst. München: mvg.
- Schottelius (2017). Frauen. Auf dem Weg nach vorn. Positive Sprache. Verfügbar unter: https://www.youtube.com/watch?v=OgrDQCpxlhM abgerufen am [16.10.2018].