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Ende der 90er kam es zu einer Reihe Deregulierungen, welche es Banken, Hedgefonds und Versicherungen ermöglichte, verstärkt im Sektor des Agrarrohstoffhandels zu spekulieren. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise, welche eng mit dem Immobilienmarkt und dort praktizierter Spekulation zusammenhing, wurde es für viele SpekulantInnen zusehends unattraktiv weiterhin Spekulation mit Immobilien zu betreiben und sie verlegten ihre Tätigkeit aufs Feld der Nahrungsmittelspekulation. Schnell sollte sich zeigen, dass dies fatale Auswirkungen hat: So kam es gemäss der Ernährungs und Landwirtschaftsorganisation der vereinten Nationen (FAO) zwischen 1990 und 2012 zu einer Preissteigerung von ca. 120% bei den 55 wichtigsten Agrarrohstoffen und Lebensmitteln. Aus dem sogenannten Food Price Index lässt sich sehr gut ersehen, wie krass eine derartige Preissteigerung ist (http://www.querschuesse.de/fao-food-price-index-im-januar-2011-auf-allzeithoch/1a-544/). Für Organisationen wie der Welthungerhilfe oder Oxfam ist klar, dass eine direkte Kausalität zwischen der Spekulation auf Agrarrohstoffe und der Lebensmittelkrise 2008 eine direkte Kausalität besteht, da der Preisanstieg seine schlimmsten Auswirkungen in Ländern hat, welche keine hohe Kaufkraft besitzen -also denen der dritten Welt (wobei angemerkt werden muss, dass durch die Spekulation auch in der Schweiz die Lebensmittelpreise steigen).
Das Lebensmittelspekulation eine Auswirkung auf die Lebensmittelpreise hat, ist volkswirtschaftlich nachvollziehbar (und auch der neoliberale Treff am WEF ist 2011 zum Schluss gekommen, dass es sinnvoll, wäre die Spekulation einzudämmen) es ist jedoch wichtig nicht jegliche Form von Spekulation in einen Topf zu werfen: Ein Bauer, der eine Abmachung mit einem Müller trifft, dass dieser für einen gewissen Fixpreis sein Getreide kauft auch wenn die Ernte schlecht ausfällt, betreibt damit streng genommen Spekulation und steigert in leichtem Ausmass auch die Preise, jedoch ist diese Form von Spekulation (allgemein auch als Futures oder Forwards bezeichnet, je nachdem ob aus der Perspektive des Bauers oder des Müllers) marktstabilisierend und sichert einem Bauer auch in schlechten Erntejahren sein Auskommen. Diese Form des Agierens auf dem Markt wird meist durch sogenannte Hedger (engl. Absicherer) betrieben welche sich auf dem Agrarrohstoffhandel gut auskennen und keine astronomischen Gewinnsummen zu erwarten haben und dies in der Regel auch nur wenn Gewinne gemacht werden. Demgegenüber steht das perverse Agieren der Hedgefonds, welche sämtliche Mechanismen des freien Marktes nutzen um selbst bei Verlustgeschäften von Bauern noch Gewinne zu machen. Im Sinne der Profitmaximierung ist es im Interesse von Hedgefonds und vielen Banken, dass die Kurse (und damit letzendlich auch die Lebensmittelpreise) immer weiter steigen.
Dieser Form des desaströsen Umgangs mit Lebensmitteln seitens des Finanzkapitals muss ein Riegel vorgeschoben werden! Es darf nicht sein, dass die SpekulantInnen nur um Gewinne einzufahren, welche keinerlei Entsprechung in der Realwirtschaft haben, den Hungertod von Millionen herbeiführen. Die Jungsozialistische Partei hat deshalb bei ihrer letzten DV am 19.5.2012 in Frauenfeld beschlossen eine Initiative für ein Verbot von Spekulation mit Nahrungsmitteln seitens Banken, Hedgefonds, Versicherung, Pensionskassen und institutioneller Anleger mit Sitz in der Schweiz (die erwähnten Absicherungen durch Hedger sind im Initiativtext explizit ausgenommen). In der Schweiz befinden sich viele Konzerne und Agrarrohstoffhändler, welche sich eine goldene Nase damit verdienen, dass sie Kurse in die Höhe treiben. Mit jedem Prozent, das die Nahrungsmittel teurer werden, leiden zusätzliche 15'000'000 Menschen an Hunger, wir müssen endlich unsere Verantwortung übernehmen und der widerlichsten Form von Spekulation einen Riegel vorschieben, deshalb: Nahrungsmittelspekulation stoppen!