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Therapiestrategien zur Behandlung einer psychischen Störung werden in Zusammenarbeit mit Fachgesellschaften erarbeitet und sind evidenzbasiert, das heisst sie basieren auf dem besten Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die Bewertung der Wirksamkeit einer Behandlung basiert häufig auf der Grundlage von sogenannten randomisierten klinischen Studien, dem «Goldstandard» einer Studie. Der höchste Evidenzgrad wird als «Ia» bezeichnet. Bei einem Evidenzgrad von Ia wird die Therapiewirksamkeit über verschiedene Studien hinweg bestätigt.
Die Evidenzgrade basieren lediglich auf der Wirksamkeit einer Therapieform, ohne dabei die Vor- und Nachteile der Behandlung zu berücksichtigen. Deshalb (und auch für die Verständlichkeit von Nicht-Wissenschaftlern) werden zusätzlich zu den Evidenzgraden auch Empfehlungsgrade ausgesprochen. Empfehlungsgrade beziehen zusätzliche Faktoren der klinischen Beurteilung mit ein, wie zum Beispiel die Anwendbarkeit auf die Patientenzielgruppe, die Umsetzbarkeit im Alltag und die Abwägung von erwünschten und unerwünschten Effekten. Es wird zwischen drei Empfehlungsgraden unterschieden:
- Empfehlungsgrad A: Die «Soll»-Empfehlung. Dieser ist der höchste Empfehlungsgrad (starke Empfehlung) und basiert auf dem Nachweis der Therapiewirkung durch mindestens eine randomisierte klinische Studie von guter Qualität.
- Empfehlungsgrad B: Die «Sollte»-Empfehlung basiert auf gut durchgeführten, aber nicht randomisierten Studien.
- Empfehlungsgrad 0: Die «Kann»-Empfehlung beruht vor allem auf Berichten aus Expertenkreisen oder Expertenmeinungen.
Die Empfehlungsgrade helfen dem behandelnden Fachpersonal und der betroffenen Person zur Entscheidungsfindung einer optimalen Behandlung.
Für jede Person, die sich aufgrund einer psychischen Störung behandeln lässt, wird ein individueller Behandlungsplan erstellt. Dabei werden frühere Behandlungsversuche, gegebenfalls Begleiterkrankungen, der Schweregrad der Erkrankung und die möglichen Präferenzen der Patientin / des Patienten berücksichtigt. Basierend auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen ist die effektivste Behandlung einer sozialen Phobie die Kombination einer Psychotherapie und Medikamenten. Im Folgenden werden die beiden Aspekte genauer beschrieben.
Psychotherapie
Eine besonders wirksame Behandlung der sozialen Phobie (Empfehlungsgrad A) ist die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT). In der KVT lernen die betroffenen Personen, verzerrte Denkmuster und unzweckmässige Überzeugungen zu erkennen und zu kontrollieren. Im Vordergrund steht die Veränderung der aufrechterhaltenden Bedingungen. Ein therapeutisches Grundelement der KVT ist die Konfrontation mit der angstauslösenden Situation. Die Patientin / der Patient wird angeleitet, neue Verhaltensmuster in der angstauslösenden Situation aktiv zu erproben – zunächst im therapeutischen Setting, anschliessend in Alltagsbedingungen. Das Hauptziel der Konfrontation ist die Korrektur der sozialphobischen Befürchtungen. Auch soziale Fertigkeiten wie zum Beispiel Gesprächstechniken werden trainiert.
Falls eine KVT sich als nicht wirksam erweist, nicht realisierbar ist oder diesbezüglich eine patientenseitige Präferenz besteht, kann eine Psychodynamische Psychotherapie angeboten werden (Empfehlungsgrad B).
Medikamentöse Behandlung
Eine medikamentöse Behandlung wird (in Absprache mit der betroffenen Person) dann erwogen, wenn es sich bei der Erkrankung um eine mittelschwere oder schwere Beeinträchtigung handelt und eine Psychotherapie allein nicht den gewünschten Effekt erbracht hat.
Zur medikamentösen Behandlung einer sozialen Phobie können diverse Psychopharmaka herangezogen werden. Empfehlungsgrad A und den höchsten Evidenzgrad (Ia) in randomisierten klinischen Studien zeigen die Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (abgekürzt mit SSRI) Paroxetin, Sertralin und Escitalopram. Auch die Verwendung vom Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) Venlafaxin wird empfohlen (A, Ia). Dabei ist zu beachten, dass die Wirkung dieser Medikamente erst nach zwei Wochen eintreten kann. Zu den Nebenwirkungen von SSRI und SNRI gehören Unruhe und Schlaflosigkeit in den ersten Tagen der medikamentösen Behandlung, sexuelle Dysfunktionen und Absetzphänomene wie Schwindel, grippeähnlichen Symptomen oder Übelkeit.
Benzodiazepine sind bei der Behandlung einer sozialen Phobie ebenfalls wirksam, werden aber aufgrund ihrer Abhängigkeitsentwicklung nicht als Mittel der ersten Wahl verwendet.
Die Dauer der Behandlung einer sozialen Phobie wird individuell mit der betroffenen Person vereinbart.