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Ich möchte gern zu den Gesundheitskosten etwas sagen, die keineswegs unkontrolliert steigen oder gar explodieren. Hier im Artikel werden Ausgaben von 1960 (31.— Fr.) mit denjenigen von heute (804.— Fr.) verglichen. Schaut man sich aber die Entwicklung des BIP an, z.B. hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste…s_pro_Kopf
,
so kann man feststellen, dass sich dieses in der gleichen Zeit von 1787.— pro Kopf im Jahr 1960 auf 87367.— Fr. pro Person 2020 gesteigert hat. Die Gesundheitskosten sind heute 25 mal höher als 1960, das BIP pro Person ist fast 49 mal höher.
Ich ärgere mich, wenn uns ein schlechtes Gewissen gemacht wird mit angeblich horrenden Kosten für unsere Gesundheit. Erstens hat Gesundheit ihren Preis, zweitens ist der nicht zu hoch, drittens explodieren die Kosten nicht. Viertens und endlich besteht das Problem darin, dass wir Kopfprämien bezahlen, die tatsächlich für manche unerträglich hoch werden, ja, explodieren. Darum sind Kostendämpfungsmassnahmen aus meiner Sicht weitgehend Unfug. Eine bessere Verteilung der Finanzierung der Gesundheitskosten allerdings wäre ein grosser Fortschritt.
Sie haben die Rechnung ohne das Bevölkerungswachstum gemacht ...
Zum Glück müssen wir das aber gar nicht selber berechnen. Folgen wir nämlich dem Quellennachweis der Republik auf die Seite des Bundesamts für Statistik, finden wir dort eine Excel-Datei, und darin auch eine Spalte "in % des BIP". Hier sind die Werte:
1960: 4.5%
1970: 5.0%
1980: 6.7%
1990: 7.3%
2000: 9.1%
2010: 9.9%
2020: 11.8%
Und wenn wir in dieser Excel-Datei zur Tabelle "Finanzierung seit 1995" wechseln, finden wir eine prozentuale Auschlüsselung der Kostenträger. Vergleichen wir dort 1995 mit 2020 sehen wir:
Staat: 14.6 -> 21.8
OKP: 28.4 -> 37.9
Andere Sozialversicherungen, andere öffentliche Finanzierung: 12.3 -> 10.0
Privatversicherungen, andere private Finanzierung: 12.9 -> 8.7
Selbstzahlungen (inkl. Kostenbeteiligung): 31.8 -> 21.6
Wenn wir die Kategorien etwas zusammenfassen erhalten wir:
Krankenversicherungen, andere private Finanzierung: 41.3% -> 46.6%
Andere Sozialversicherungen, öffentliche Finanzierung: 26.9% -> 31.8%
Selbstzahlungen: 31.8% -> 21.6%
Wir sehen also ein sehr starkes Wachstum der Gesundheitsausgaben, verschärft durch eine Kostenverschiebung von den Erkrankten zu Krankenversicherungen und Staat.
Lieber A. M.
Vielen Dank für Ihren Verweis auf die Seite des BFS, der mir weiterhilft und mir vielleicht hilft, mich verständlicher zu machen.
@ W. D.: Das Bundesamt für Statistik vergleicht die Gesundheitskosten mit dem BIP, wie untauglich diese Grösse auch sein mag.
Seit 1996 sind die Gesundheitskosten von 9% des BIP auf heute 11, x% gestiegen, mit Auf und Ab in den Jahren dazwischen. Das ist eine Steigerung, die auf die Fortschritte in der Medizin und auf die verbesserte Gesundheitsversorgung zurückzuführen ist. Eine Steigerung ist für mich keine Explosion.
Bei Ausgaben PRO KOPF, wie sie im ursprünglichen Beitrag der Republik standen (und in der Excel-Tabelle, die Sie verlinkt haben), und BIP PRO KOPF, wie in meinem Link, kommt es nicht auf das Bevölkerungswachstum an. Jeder Mensch hat seinen Kopf, ob wir zu zweit sind oder 10 Millionen. Deswegen gilt auch hier: Steigerung ja, Explosion nein.
Die Zahlen des BFS (unten) zeigen, dass der Teil der Finanzierung, der durch die OKP (also durch uns), die Privatversicherungen (also durch uns) und durch Selbstzahlung (also durch uns) bezahlt wird, gestiegen ist. Das stimmt mit dem Druckgefühl überein, das wir spüren, ist aber auch keine Explosion, sondern eine kontinuierliche Kostenüberwälzung auf uns, die einzelnen Versicherten. Weil die OKP als KOPFprämie bezahlt wird, belastet sie tiefe und mittlere Einkommen zusehends.
Kurz, ich wollte eigentlich nur sagen: Wir haben ein tolles Gesundheitssystem. Ich möchte nicht zurück zur Medizin von 1960 oder 1995. Diese fortschrittliche Medizin hat einen Preis, der nicht explodiert ist, sondern gestiegen mit dem Fortschritt. Es gibt sicher da und dort Sparpotential, aber grundsätzlich müsste nur die Finanzierung solidarischer sein, statt dass man uns ein schlechtes Gewissen (!) macht, weil wir zu viel Gesundheitsleistungen konsumieren.
Einen schönen Sonntag, und bleiben Sie gesund!
Das BIP (ob pro Kopf oder absolut) gibt 'nur' den Wert aller produzierten Waren und Dienstleistungen an und taugt deshalb in keiner Weise zu einem Vergleich mit Krankenkassenprämien oder den Gesundheitskosten.
Wenn Sie davon ausgehen, dass diese Prämien (abzüglich Werbung, Verwaltungskosten Löhnen und Gewinn der Kassen) die Gesundheitskosten abbilden, so sind diese im von Ihnen genannten Zeitraum um 2493% gewachsen, während die Löhne gleichzeitig um 291% zunahmen.
Es geht also in der Diskussion nicht um Ihr Gewissen, sondern darum, dass immer größere Teile der Bevölkerung ihre eigenen Prämien nicht mehr bezahlen können. Ob man das Missverhältnis zwischen Lohn- und Prämienentwicklung explosiv oder bloss exorbitant nennt, ist nur noch eine akademische Frage.
"In der Schweiz leben rund 1.8 Millionen Menschen mit Behinderung". Diese Zahl kann bei rund 8.7 Millionen Einwohner:innen so nicht stimmen.
Wird generell unterschätzt. Mit den altersbedingten Behinderungen hört sich das für mich realistisch an.
Ja, wenn "nicht mehr bei voller Gesundheit sein" als Behinderung kategorisiert wird, kommt das bestimmt hin.
Nicht falsch verstehen, aber wenn in fast jedem Haushalt jemand als Mensch mit Behinderung gilt, dann wäre die Inklusion schon zu weiten Teilen vollzogen, was sie eben nicht ist.
Danke für den Hinweis. Ich denke hier zeigt sich das grosse Problem der Definition. 1.7 Millionen ist die gesamte Zahl der Menschen mit einer Behinderung. Die Zahl der Menschen mit starker Beeinträchtigung beträgt laut BFS 591 000. Ich vermute dies führt zu der Annahme, die hohen Zahlen können so nicht stimmen.
Vielen Dank für Ihre eindrückliche Demonstration des Problems. Eine einminütige Websuche führt zu BFS-Statistiken, welche diese Zahlen belegen.
Edit: Hier die vom BFS angewandte Definition eines Menschen mit Behinderung:
Das BFS definiert «Menschen mit Behinderungen gemäss Gleichstellungsgesetz» als Personen, die ein dauerhaftes Gesundheitsproblem haben und die bei Tätigkeiten des normalen Alltagslebens (stark oder etwas) eingeschränkt sind.
Gemäss Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) handelt es sich bei einer Behinderung um Einschränkungen bei der Teilhabe am sozialen Leben aufgrund einer Schädigung oder eines dauerhaften Gesundheitsproblems. Diese Definition beruht auf einem sozialen Ver-ständnis der Behinderung (ich kann mich nicht F. bewegen), das sich vom individuel-len/medizinischen Modell unterscheidet (ich bin querschnittgelähmt).
Es ist spannend, dass nach wie vor die Möglichkeit der Entschwendung des Energieverbrauchs um 30% keine Partei thematisiert. Auch nicht aufgefallen ist, dass Bundesrat Rösti von der reinen Klimadebatte nun zur Debatte Versorgungssicherheit wechselt. Wobei Versorgungssicherheit nicht zu erreichen ist ohne die Reduktion des fossilen Energiebedarfs. Bei drr er fossilen Energie sind wir zu 100% von Ausland abhängig.