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Technical Report NTB 93-23
Kristall in-IResults in Perspective
Bei integrierten Sicherheitsanalysen von geplanten Endlagern für radioaktive Abfälle werden mögliche zukünftige Entwicklungen des Endlagersystems identifiziert. Die Konsequenzen dieser möglichen Entwicklungsszenarien werden mit deterministischen oder probabilistischen Modellrechnungen quantifiziert. Die Resultate solcher Studien werden in Form von Konsequenzprofilen (z. B. Dosis an eine ausgewählte Bevölkerungsgruppe) als Funktion der Zeit bis in die ferne Zukunft dargestellt. Die einzelnen Komponenten der Modellketten können zwar getestet werden; es ist aber viel schwieriger die gesamte Analyse zu validieren und die Resultate derart zu präsentieren, dass Vertrauen auf ihre Anwendbarkeit aufgebaut werden kann.
In diesem Bericht wird die Kristallin-I Sicherheitsanalyse eines HAA-Endlagers im kristallinen Grundgebirge der Nordschweiz mit anderen gleichartigen HAA-Studien sowie mit drei Analysen von direkter Endlagerung abgebrannter Brennelemente verglichen, um die «Vernünftigkeit» der Kristallin-I-Resultate nachzuweisen.
Die Ähnlichkeit der betrachteten Endlagerkonzepte ermöglicht es, einen quantitativen Vergleich zwischen dem Kristallin-I-Projekt, seinem Vorgänger Projekt Gewähr und der japanischen Analyse PNC H-3 durchzuführen. Damit kann gezeigt werden, dass Unterschiede im Nahfeld- und Geosphärenverhalten auf drei wichtige Faktoren zurückzuführen sind, die sich ihrerseits aus unterschiedlichen Schwerpunkten in diesen drei Analysen und insbesondere aus dem relativ fortgeschrittenen Zustand des geologischen Untersuchungsprogramms für Kristallin-I ergeben.
Eine angehende Untersuchung der Konsequenzen der verschiedenen Endlagerkonzepte und Modelle, die in Kristallin-I und in den drei Analysen von abgebrannten Brennelementen (SKB 91, TVO 92, AECL 94) benutzt werden, führt zur Identifizierung von einigen wichtigen Faktoren, welche einen Einfluss auf die Resultate der Sicherheitsanalyse ausüben. Die relative Bedeutung dieser Faktoren variiert zwischen den verschiedenen Analysen.
Insgesamt wurden durch die oben erwähnten Vergleiche keine offensichtlichen Fehler oder Mängel in der Kristallin-I-Analyse aufgeworfen. Im Hinblick auf die langfristigen Konsequenzen stimmen die Resultate mit denen anderer Analysen gut überein.
Um Vertrauen in die Resultate der Kristallin-I-Analyse aufzubauen, wird mit Hilfe von Naturanaloga die Vernünftigkeit der Prognosen für wichtige Prozesse im Endlagersystem aufgezeigt. Die Dosen und assoziierten Risiken, die durch das HAA-Endlager entstehen, werden mit Dosen und Gesundheitsrisiken aus anderen Strahlungsarten (z. B. terrestrische, kosmische, künstliche Strahlung) sowie mit Risiken aus schädlichen Substanzen (z. B. Rauchen), gewöhnlichen Krankheiten und alltäglichen «gefährlichen» Aktivitäten (z. B. Fliegen, Autofahren) verglichen. Mit solchen Vergleichen wird ein breiter Rahmen für die Darstellung der Kristallin-I-Resultate geschafft, was für den Nichtfachmann oder sogar technische Gruppen ausserhalb des Gebiets der Abfallentsorgung besser verständlich ist.