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31. August – 29. Oktober 2019
Die Gemälde der renommierten Sammlung von Rudolf Staechelin (1881–1946) kehren nach vier Jahren nach Basel zurück. Nach vielbeachteten Ausstellungen im Museo Nacional Reina Sofia in Madrid und der Phillips Collection in Washington (beide zusammen mit der Sammlung Im Obersteg) werden die 19 Werke des Impressionismus, Post-Impressionismus und der Klassischen Moderne ab 31. August in der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel präsentiert. Dort sind die eindrücklichen Gemälde von Paul Cézanne, Edgar Degas, Paul Gauguin, Vincent van Gogh, Ferdinand Hodler, Edouard Manet, Claude Monet, Pablo Picasso, Camille Pissarro und Auguste Renoir bis 29. Oktober in einer konzentrierten Ausstellung zu sehen. Danach werden die Bilder in die periodisch wechselnden Sammlungspräsentationen der Fondation Beyeler integriert. Damit sind die Kunstwerke wieder in Basel öffentlich zugänglich, wo ein neues Kapitel in der bewegten Geschichte der Sammlung Rudolf Staechelin beginnt.
Mit den Gemälden Arlequin au loup (1918) von Pablo Picasso, dem Stillleben Verre et Pommes (1882) von Paul Cézanne und den Landschaftsdarstellungen Temps calme, Fécamp (1881) von Claude Monet wird die Sammlung Beyeler in ihrem Kern verstärkt. Das gilt auch für die anderen Werke von Cézanne, Degas, Monet und Van Gogh. Vincent van Goghs Le Jardin de Daubigny (1890) beispielsweise bildet ein Pendant zum bereits in der Sammlung Beyeler befindlichen Gemälde Champ aux meules de blé (1890). Beide Gemälde entstanden in Auvers-sur-Oise und sind Teil einer Gruppe von 13 Bildern im stark gestreckten Format (Doppelquadrat), auf das der Maler in den letzten Monaten seines Lebens ab Mitte Juni 1890 zurückgriff. Bei Untersuchungen der Leinwandstruktur, die vom Van Gogh Museum in Amsterdam durchgeführt wurden, stellte man fest, dass der Maler sämtliche Doppelquadrate aus demselben Leinwandballen geschnitten hatte. Die Leinwand von Le jardin de Daubigny aus der Sammlung Rudolf Staechelin und diejenige von Champ aux meules de blé aus der Sammlung Beyeler werden in dieser Ausstellung nun wieder vereint.
Eng mit der Entwicklung der modernen Kunst verbunden und bereits in Ausstellungen präsentiert aber bisher nicht in der Sammlung Beyeler vertreten, sind die Künstler Édouard Manet, Paul Gauguin, Pierre-Auguste Renoir und Camille Pissarro. Sie bereichern diese durch: Tête de femme (1870) von Manet, Gabrielle (1910) von Renoir, die Landschaftsbilder Paysage au toît rouge (1885) von Paul Gauguin, sowie La Carrière, Pontoise (um 1974) und Le Sentier du village (1875) des Cézanne-Freundes Pissarro.
Ein Glanzlicht in der Sammlung Rudolf Staechelin sind die Gemälde aus dem Spätwerk von Ferdinand Hodler, dem die Fondation Beyeler 2013 eine Ausstellung widmete. Darunter befinden sich La malade (1914 und 1914/15), berührende Portraits seiner Geliebten Valentine Godé-Darel und das unter Hodler-Kennern hochgeschätze Gemälde La morte (1915) sowie drei prächtige Landschaften Paysage de Montana (1915), Le Grammont après la pluie (1917) und Le Mont-Blanc aux nuages roses (1918).
#BeyelerStaechelin
Werke
Pablo Picasso, «Arlequin au loup», 1918
Die Figur des Harlekin stammt ursprünglich aus der italienischen Commedia dell’arte und entwickelte sich im Laufe der Zeit in Frankreich zu einer populären, humoristischen, aber auch melancholischen Gestalt. Sie taucht schon sehr früh in Picassos Werk auf, insbesondere in der Rosa Periode, aber auch in der kubistischen Phase. In einem Skizzenheft von 1916 erscheinen Harlekin-Figuren in unterschiedlichsten Variationen mal als kubistisch anmutende, mal als naturalistisch erfasste Geschöpfe. Picasso beschäftigte sich in dieser Zeit intensiv mit Theater- und Ballettinszenierungen und entwarf Bühnenbilder und Kostüme für Sergei Djagilews «Ballets Russes». Das Gemälde Arlequin au loup zeigt eine erstaunlich realistisch wiedergegebene Bühnenfigur. Picasso hat sie vor einem dünnen weissen Vorhang platziert, Kopf und Hut leicht geneigt, den Mund verschlossen. Sprechend sind die Gesten der Arme und Hände. Rudolf Staechelin hat dieses Werk 1918, also im Jahr seiner Fertigstellung, erworben.
Vincent van Gogh, «Le jardin de Daubigny», Juli 1890
«Le jardin de Daubigny» entstand in Auvers-sur-Oise, wo Vincent van Gogh die letzten beiden Monate seines Lebens verbrachte. Das Gemälde ist eines von 13 Bildern im stark gestreckten Querformat (Doppelquadrat), auf das der Maler ab Mitte Juni 1890 zurückgriff. Mit seiner dynamischen, kraftvollen Pinselführung hat van Gogh seiner ganz eigenen Sicht auf den sommerlichen Garten und das dahinter gelegene Anwesen Ausdruck verliehen. Wie zum Beispiel an den sorgfältig angelegten Blumenbeeten und den die Wiese säumenden Bäumen deutlich wird, handelt es sich um einen kultivierten, abgegrenzten Rückzugsort. Van Gogh betont in seiner panoramaartigen Darstellung aber gleichermassen die Weitläufigkeit und Bewegtheit des Gartens. Bei Untersuchungen der Leinwandstruktur, die vom Van Gogh Museum in Amsterdam durchgeführt wurden, stellte man fest, dass der Maler sämtliche Doppelquadrate aus demselben Leinwandballen geschnitten hatte. Die Leinwand von «Le jardin de Daubigny» aus der Sammlung Rudolf Staechelin und diejenige von «Champ aux meules de blé» aus der Sammlung Beyeler werden in dieser Ausstellung nun wieder vereint.
Édouard Manet, «Tête de femme», 1870
Das Frauenbildnis ist eines der häufigsten und variantenreichsten Sujets im OEuvre Édouard Manets. Der Maler zeigte Frauen in ihrer gesellschaftlichen Rolle im öffentlichen Raum, in Anlehnung an antike Vorbilder, aber auch, wie im Gemälde «Tête de femme», in persönlich geprägten Individualstudien. Die Porträtierte, deren Identität nicht abschliessend geklärt ist, wird als Halbfigur, frontal und in Nahsicht wiedergegeben. Der dunkle Hintergrund und ihre Kleidung sind in lockeren Pinselstrichen angelegt. In ihrem Gesicht verdichtet sich die Farbe zu einer deckenden Malschicht, von der sich besonders die Augenpartie abhebt. Es scheint, als sei der Frau der unmittelbare Blickkontakt ob der geringen Distanz zum Maler unangenehm, als versuche sie, ihn durch leichtes Wegdrehen und Neigen des Kopfes zu vermeiden. Ihr abgewandter Blick wird zur einzigen Handlung im Bild. In dem Bereich zwischen der wegschauenden Porträtierten einerseits und Maler und Betrachter andererseits eröffnet sich ein räumliches Spannungsfeld.
Edgar Degas, «Femme à sa toilette», um 1892
In seinem Spätwerk widmete sich Edgar Degas neben dem Motiv der Tänzerin vor allem dem Frauenakt. Oft brachte er, wie in «Femme à sa toilette», intime, ganz alltägliche Szenen zur Darstellung. Degas war ein hervorragender Zeichner, der sich unablässig mit der Frage auseinandersetzte, wie denn eine einfache Geste oder gar ein komplexer Bewegungsablauf auf einer unbewegten Bildfläche wiedergegeben werden kann. In «Femme à sa toilette» durchmisst links vorne ein Waschtisch mit blauem Krug und Wasserbecken diagonal den Bildraum. Auch die Frau nimmt diese Richtung auf und durchbricht dabei dynamisch den kraftvollen Blauakkord von Vorderund Hintergrund. Sie beugt sich über das Becken, die eine Hand über dem Kopf balancierend, während sie mit der anderen einen Schwamm zur linken Achselhöhle führt. Wenn auch Gesicht und Körper nur vage skizziert sind, ist die Bewegung doch sehr genau festgehalten. Kurze Zeit nach Degas’ Tod wurde der gesamte Nachlass des Künstlers versteigert. Rudolf Staechelin konnte bei dieser Gelegenheit nicht nur «Femme à sa toilette», sondern auch Paul Cézannes Stillleben «Verre et pommes» aus Degas’ Privatsammlung erwerben.
Paul Cézanne, «Verre et pommes», 1879–1882
Dem Stillleben kommt in Paul Cézannes OEuvre eine bedeutende Rolle zu. Anhand dieser Gattung erforschte der Künstler unablässig die Gesetzmässigkeiten der Malerei, insbesondere des Bildaufbaus. Ein beliebtes Motiv waren Äpfel, die er auf Tischplatten arrangierte. Es sind kunstvoll ausbalancierte Kompositionen: Die Äpfel liegen in Dreiergruppen auf dem Tisch, dazwischen, leicht vorgerückt, ein grüner «Einzelgänger». Die Tischplatte, deren obere Kante die Leinwand in zwei Hälften teilt, betont die Flächigkeit, die Äpfel hingegen die Räumlichkeit des Bildes. Der Maler spielt mit Fläche und Raum und der Bedeutung der Farbe. Als Gegenstück zu den Äpfeln dient das transparente, ebenfalls auf dem Tisch platzierte Glas, dessen Glanzlicht sich im rechten Winkel zu Tischkante und Serviette erstreckt. Der weisse Akzent wird in der Serviette fortgeführt und dynamisiert. Cézanne hat mit den roten und grünen Äpfeln ein vermeintlich schlichtes Motiv zur Darstellung gebracht, das ihm jedoch ermöglicht, uns vor Augen zu führen, wie ein Bild und wie unsere Wahrnehmung funktionieren.