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(AFP) – 6.4.2012
Paris — Nach dem Austritt radioaktiven Wassers und einem Brand im Atomkraftwerk Penly in Nordwestfrankreich bleibt der Reaktorblock Zwei vorerst abgeschaltet. Zunächst müsse eine Fehlerdiagnose angestellt werden, um herauszufinden, weshalb eine Pumpe im Kühlkreislauf des Akw ausgefallen sei, sagte der Chef der Anlage Penly, Laurent Lacroix, der Nachrichtenagentur AFP.
Das Atomkraftwerk in der Normandie war am Donnerstag automatisch abgeschaltet worden. Die Feuerwehr musste anrücken, um an zwei Stellen brennende Ölpfützen im Reaktorgebäude des Blocks Zwei der Atomanlage zu löschen. Erst später teilte der Betreiber, der Stromkonzern EDF, mit, dass auch radioaktives Wasser ausgetreten sei.
In den frühen Morgenstunden des Freitags konnte das Leck nach Angaben des Unternehmens aber beseitigt werden. Das radioaktive Wasser, das an der Dichtung der Pumpe im Primärkreislauf zur Kühlung des Reaktors ausgetreten war, blieb demnach innerhalb der Anlage.
Der Stromkonzern versicherte, dass es "keine Auswirkungen auf die Umwelt" gegeben habe und die Kühlung des Reaktors durch den Vorfall nicht gestört worden sei. Die Atomaufsichtsbehörde ASN will heute die Situation vor Ort überprüfen.
Vorläufig hatte die Behörde den Vorfall als "Störung" eingestuft: Auf der weltweit gültigen Ereignisskala INES wurde er auf der zweitniedrigsten Stufe 1 eingeordnet. "Störungen" der Stufe 1 sind Zwischenfälle, die zu einer Abweichung von den zulässigen Bereichen im sicheren Betrieb der Anlage führen. Die INES-Skala umfasst acht Stufen, sie beginnt bei 0 und geht bis 7.
Industrieminister Eric Besson sprach von einem "kleineren Zwischenfall", der keine "besondere Besorgnis" auslösen müsse. Solche Vorfälle gebe es in industriellen Anlagen häufiger. Grünen-Chefin Cécile Duflot bezeichnete die Panne hingegen als einen "sehr ernsthaften Vorfall". Sie hielt Betreibern und Regierung vor, die Bevölkerung nicht ausreichend zu informieren: "Es wird immer gesagt: Das ist nicht schlimm, es ist nie schlimm."
Yannick Rousselet von der Umweltorganisation Greenpeace forderte die Kontrolle "aller Pumpen" in französischen Atomkraftwerken. Er hielt dem Stromkonzern EDF eine "Geheimhaltungspolitik" vor. EDF hatte am Donnerstag zunächst nur von einer Rauchentwicklung in dem Akw gesprochen.
Das Atomkraftwerk Penly am Ärmelkanal besteht aus zwei Reaktorblöcken, die je 1300 Megawatt Strom produzieren. Die Anlage, in der 678 Mitarbeiter beschäftigt sind, machte im vergangenen Jahr einen Anteil von 4,2 Prozent der französischen Atomenergie aus.
Neben dem Akw ist auch ein neuer EPR-Druckwasserreaktor geplant. Frankreich bezieht vier Fünftel seines Stroms aus Atomkraftwerken und hält auch nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima an der Kernkraft als Hauptenergiequelle fest.
Im Akw Saint-Laurent-des-Eaux im zentralfranzösischen Departement Loir-et-Cher kam es am Donnerstag ebenfalls zur Abschaltung eines der beiden Reaktoren. Dort war laut EDF ein Wassersensor gestört. Es handele sich um ein "kleineres Problem", der Reaktor solle am Freitag wieder hochgefahren werden.
Erst im September war in der südfranzösischen Atomanlage Marcoule ein Ofen in einer Verbrennungsanlage explodiert. Dabei war ein Arbeiter ums Leben gekommen, vier weitere wurden verletzt.
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