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Am Samstagmorgen standen wir um 07:15 Uhr auf. Wir packten unsere kleinen Rucksäcke mit allem nötigen, was wir für die nächsten drei Tage benötigen und verstauten den Rest in unseren grossen Rucksäcken, welche wir in unserem Hotel lassen konnten. Wir waren noch am Frühstücken, als der „Easy Rider“ Mr. Quyen oder einfach Quyen (Guinn ausgesprochen) bereits 15 Minuten zu früh mit seinem Motorrad anbrauste. Für einen kurzen Moment war ich mir nicht sicher, ob er sich mehr auf die dreitägige Tour freute oder wir? ;-) Wir assen noch kurz fertig, in der Zwischenzeit kam Quyens Freund und brachte ein zweites Motorrad.
Nach nur fünf Minuten Fahrt hielten wir auch bereits das erste Mal. Quyen zeigte uns den lokalen Fischmarkt. Selbstverständlich war um kurz vor 09:00 Uhr hier nicht mehr viel los, aber der Geruch nach Fisch und Meeresfrüchten lag in der Luft. Über schmale Wege fuhren wir weiter in ein etwas entferntes Dorf. Hier besichtigten wir eine katholische Kirche, welche bereits vor der französischen Kolonialzeit gebaut wurde. Die Kirche hat eine grosse Gemeinde, jedoch sind das keine typischen Katholiken, es handelt sich mehr um eine Sekte. Wer Geld hat, gibt es ab und wer Geld braucht, bekommt welches. Vor der Kirche wurde Reis getrocknet, wie im Übrigen überall, in jeder Hofeinfahrt und vor allem am Strassenrand und auf Nebenstrassen.
Nun fuhren wir eine Stunde ins Landesinnere bis zu „My Son“. Aus dem Englischen könnte man jetzt „mein Sohn“ ableiten, was jedoch falsch ist, „My Son“ wird „mi san“ ausgesprochen. „My Son“ ist Vietnams Stätte mit den grössten „Cham-Ruinen“. Die Tempel sind leider in einem schlechten Zustand. Obwohl die Franzosen Teile davon restaurierten, zerstörten amerikanische Bomben die Tempel. Sara und ich besichtigten die alte Tempelanlage alleine, Quyen wartete solange bei den Motorrädern. Es war unglaublich heiss zwischen all den Steinen. Mittlerweile war bereits kurz nach 10:00 Uhr und die Sonne knallte vom Himmel. Trotzdem besichtigten wir die komplette Anlage. Leider hatte es ziemlich viele Leute und nach dem wir „Angkor Wat“ vor wenigen Wochen sahen, war „My Son“ kein atemberaubendes Erlebnis, aber trotzdem ein Stück Geschichte.
Durchnässt kamen wir eine Stunden später zu den Töffs zurück. Schnell aufsteigen und losfahren, damit uns der Fahrtwind etwas abkühlt. Nach einer kurzen Fahrt, bogen wir auf einen Feldweg ab und fuhren in Richtung Fluss. Am Fluss wartete bereits eine kleine Fähre, auf welche wir die Motorräder verluden. Die Überfahrt dauerte nur wenige Minuten, war aber trotzdem ein kleines Erlebnis. Solche „Fähren“ mit vielen Motorrädern haben wir bereits einige Male gesehen, jetzt waren wir selbst einmal auf einer.
Jetzt ging es endlich in Richtung zentrales Hochland. Die Fahrt am Morgen war nicht wirklich berauschend, doch nun änderte sich die Landschaft immer mehr, es wurde immer grüner und wir fuhren den ersten Pass hinauf. Hier zeigte uns Quyen riesige Ananasplantagen. Überall, wo das Auge hinreichte sahen wir Ananassträucher. Wir hielten bei einem Shop an und bestellten eine frische Ananas. Die Ananas war sehr lecker, es ist schwer zu sagen welche die Beste ist, in Zentralamerika und in Hawaii hatten wir ebenfalls extrem gute Ananasse. Gestärkt fuhren wir noch einmal zirka eine Halbestunde den Berg hinauf und stoppten für das Mittagessen. Quyen brachte uns in irgendein lokales Restaurant, wir bestellten gebratenen Reis, welcher sehr gut war. Unser Guide war erstaunt, dass wir beide mit Stäbchen essen können. Als er dann einen Löffel in die Hand nahm, musste ich mich etwas zurückhalten, um nicht erstaunt zu reagieren und zu fragen, wieso er mit Besteck essen kann :-) Beim Restaurant hatte es ein kleines Äffchen, leider schaute der kleine ziemlich traurig in die Welt, kein Wunder er war auch angekettet. Das junge Hündchen war jedoch sehr schussig. Hier, abseits von den Touristenströmen kostet das Essen so gut wie nichts, unsere anständigen Portionen waren jeweils etwas mehr als einen Dollar.
Mit vollen Bäuchen fuhren wir weiter, immer weiter ins Landesinnere. Wir fuhren über eine „Monkey Bridge“, so nannte zumindest Quyen diese einfachen Hängebrücken, zu einem kleinen Dorf. In diesem Dorf lebt ein sehr armes Volk, das bis vor etwas mehr als 20 Jahren kein vietnamesisch sprach. Heute lernen die Kinder vietnamesisch in der Schule, die ältere Generation spricht nach wie vor nur einen Dialekt, welcher sich sehr vom klassischen Vietnamesisch unterscheidet. Wir fuhren wieder auf die Strasse zurück und nach zirka 10 Minuten stoppten wir bei einem Wasserfall. Eigentlich war es mindestens zwei Wasserfälle. Einmal mehr kam Quyen nicht mit uns mit, so liefen wir alleine hinauf. Beim unseren Wasserfall spielten einige Kids, also liefen wir zum zweiten Wasserfall hinauf. Die Mühe lohnte sich, wir waren alleine und genossen das Wasser. Leider war das Wasser nicht so kalt, wie wir es uns erhofften, trotzdem konnten wir uns etwas abkühlen.
Bei der Weiterfahrt wurde die Natur immer schöner. Quyen hatte uns versprochen, dass es bis zur Rückfahrt immer noch schöner wird. Wir hielten kurz bei einem Wasserfall, welcher unmittelbar bei der Strasse hinunter kam. Quyen erklärte uns, dass wir uns auf der neuen Brücke befinden, etwas weiter unten sahen wir die alte Brücke, welche von den Franzosen gebaut wurde. In der Regensaison ist diese Brücke jedoch dauernd vom Wasserfall überflutet – haha, da haben sich die Franzosen ja sehr viel überlegt – „Rien ne vas plus“ :-) Eine Halbestunde Fahrt weiter sahen wir einen Staudamm. Quyen erklärte uns, dass seit dieser Staudamm errichtet wurde, die Leute im Tal kein Wasser mehr haben für die Landwirtschaft. Obwohl die Bauern regelmässig darum bitten, wenigstens etwas Wasser in das Flussbeet zu lassen, weigert sich die Betreiberfirma „Idico“. In Grossbuchstaben steht der Firmenname neben dem Staudamm. Der Schriftzug ist bereits etwas in die Jahre gekommen, so dass es von weitem eher wie „IDIOT“ aussieht, vermutlich ist da Name Programm.
Nur einige Fahrtminuten später trafen wir kurz vor 17:00 Uhr in „Song Dak Mi“ einem kleinen Dorf ein. Wir waren auf zirka 1‘500 Meter über Meer und die Luft war etwas frischer. Nach 140km Fahrt, parkierten wir die Motorräder in einem kleinen Innenhof und bezogen unsere Zimmer. Es war etwas speziell, das Guesthouse hatte nur zwei Zimmer, eines für Quyen und eines für uns. Später stellte sich heraus, dass die Familie das Haus erweitert und 10 weitere Zimmer bauen will. Unser Raum war in Ordnung. Wir duschten, relaxten ein wenig und trafen Quyen um 18:00 Uhr für einen Dorfrundgang mit anschliessendem Abendessen. Den Dorfrundgang hätten wir uns auch sparen können, Käffer kennen wir aus der Schweiz genug. Anschliessend gingen wir in ein Restaurant, welches „Hot Pot“ anbietet. Quyen bestellt für uns alle, was er nicht wissen konnte, da er nicht gefragt hat, dass Sara kein Fisch und keine Meeresfrüchte isst. Sara schöpfte sich etwas Suppe vom „Hot Pot“ in eine kleine Schüssel. Die eine Angestellte bereitete den „Hot Pot“ bei uns am Tisch zu, es kamen Eier, Fisch, Meeresfrüchte und Grünzeugs hinein. Kaum war das Essen bereit, zog ein Sturm auf. Es blitzte, donnerte, regnete wie aus Kübeln und der Wind war so stark, dass es immer wieder einmal rund um das Gebäude ziemlich laut knallte, weil wieder irgendetwas umgefallen ist, oder sich irgendein Blechdach gelöst hat. Es ging dann auch keine 10 Minuten mehr und es wurde dunkel. Über Stromausfällen haben wir jetzt bereits eine Weile nicht mehr berichtet, sie verfolgen uns seit Zentralamerika. Bei einem stärkeren Gewitter ist es ganz selbstverständlich, dass der Strom weg ist. Bei einem Gewitter wie diesem erwarteten wir auch keinen Strom mehr für die Nacht. Die Angestellten brachten uns Kerzen und wir assen gemütlich weiter – was sollten wir auch sonst tun, schliesslich war die Strasse überflutet und es wäre zu gefährlich gewesen das Gebäude zu verlassen. Es stürmte über eine Stunde, irgendwann liess es dann endlich nach und wir konnten zurück in unseren Zimmer. Dank dem Sturm und der höheren Lage kühlte es auf unter 20 Grad ab. Zurück im Zimmer öffneten wir die Türe und alle Fenstern und liessen die kühle Luft hinein. Wir schliefen wunderbar diese Nacht!
Am nächsten Morgen trafen wir Quyen um 07:30 Uhr. Wir schnallten unsere Rücksäcke auf die Motorräder und cruisten los. Das Wort „cruisen“ ist irgendwie nicht so passend bei den einzylinderigen 125ccm Motorräder, welche man dauernd zwischen 6‘000 und 9‘000 Umdrehungen pro Minute bewegt. Bereits nach zwei Minuten Fahrt hielten wir um zu frühstücken. Sara und ich bekamen ein Omelette und Eiskaffee. Das Omelette war eigentlich eher ein Rührei, aber dafür sehr lecker und sehr herzig in einer kleinen Pfanne serviert. Der Eiskaffee war ein Bausatz, wir erhielten einen heissen Kaffee, welcher zuerst noch durch den Kaffeesatz tropfen musste und Eis. Aber auch der Eiskaffee war super lecker!
Nach dem Frühstück fuhren wir los. Die Landschaft wurde von Kilometer zu Kilometer immer schöner. Es war so toll das geschehen am Strassenrand und uns herum zu beobachten. Wir hielten bei einem kleinen, einfachen Haus. Quyen zeigte uns wie die Leute hier in einem kleinen Schopf Reiswein herstellen. Reiswein wird in Vietnam auch „Happy Water“ genannt und schmeckt sehr gut. Viele Vietnamesen trinken Reiswein, weil er viel billiger ist als Bier. Des Weiteren zeigte er uns einen Zimtbaum. Er gab uns ein wenig Baumrinde, welche ganz stark nach Zimt schmeckte. Nach einer weiteren halbstündigen Fahrt erreichten wir eine weitere „Monkey Bridge“. Auf der anderen Seite der Brücke zeigte uns Quyen eine heisse Quelle. Er erklärte uns, dass das Wasser beim Ursprung so heiss ist, dass man Eier kochen kann. Die Weiterfahrt führte uns an Wasserfällen und wunderschönen Reisfeldern vorbei. Die Leute winkten uns wie verrückt zu, Touristen sind im Hochland sehr selten, da alle nur an der Küste entlang reisen. Wir hielten in einem kleinen Dorf, wo uns Quyen Häuser zeigte, welche aus Bambus, Stroh und Lehm bestanden. Hier lebt ein anderes Volk, welches ebenfalls bis vor wenigen Jahren kein vietnamesisch sprach. In Vietnam gibt es insgesamt über 50 dieser Völker und jedes spricht einen anderen Dialekt. Wir fuhren bis kurz nach 12:30 Uhr wo wir im vermutlich dreckigsten Restaurant essen gingen. Sara war der Appetit vergangen, ich bestelle mir Reis mit Bohnen und Schwein.
Am Nachmittag hielten wir zuerst bei einem grossen Holzhaus. Dieses Haus wird als Kirche für Hochzeiten verwendet und befindet sich auf einem grossen Platz, welcher bei einer Zeremonie für die vielen Gäste bestuhlt wird. Unmittelbar hinter dem Holzhaus befindet sich ein Kriegsmonument, welches 1972 erbaut wurde. So langsam zogen dunkle Wolken auf, wir machten uns schnell wieder auf den Weg. Quyen stoppte bei einer Plantage, zeigte uns Kautschuk-Bäume und Kaffeepflanzen. Wir hielten jedoch nur kurz, denn der Wind wurde immer stärker und das Gewitter konnte man förmlich riechen. Nach einigen Minuten fahrt, hielten wir bei einer Lagerhalle und keine 30 Sekunden später regnete es wieder wie auf Kübeln. Die Angestellte bot uns kleine Stühle an und wir warteten bis das Gewitter vorbei zog. Zwei junge Männer kamen ziemlich durchnässt ebenfalls zur Lagerhalle, die beide arbeiteten dort. Einer holte sofort einen Käfig mit Fröschen und stellte diesen in den Regen. Danach begannen die beiden ein chinesisches Brettspiel zu spielen. Die Frösche wurden etwas später in einen Plastiksack gepackt, in welchem sie kaum Luft bekamen und vermutlich erstickten.
Wir warteten etwa eine Stunde bis das Gewitter vorüber war und fuhren dann in Richtung „Kon Tum“, wo wir nach 180km auf dem Töff für die zweite Nacht in ein Hotel eincheckten. Das Hotel machte von aussen einen sehr guten Eindruck, wir freuten uns auf ein schönes Zimmer. Auch die Lobby, der Lift und die Gänge alles sah so toll aus, das Zimmer war jedoch die reinste Höhle. Zwar hatten wir im vierten Stock einen relativ guten Ausblick auf den Fluss, aber das war auch schon alles Erwähnenswertes. Nachdem wir uns etwas frisch gemacht hatten, trafen wir Quyen erneut für einen Stadtrundgang. Wir liefen zum Markt, wo man auf offener Strasse Katze- und Hundefleisch kaufen konnte. Interessiert, jedoch ziemlich angewidert beobachteten wir das Geschehen, Quyen blieb einige Meter entfernt stehen.
Er zeigte uns noch eine hölzerne Kirche, welche in drei Monaten einhundert Jahre alt wird. Er sprach etwas mit den Leuten vor Ort und übersetzte die Geschichten. Auf unseren Wunsch hin, gingen wir in ein Restaurant, in welchem wir eine Menükarte bekamen, um selbst zu bestimmen was wir Essen möchten. Das Essen war gut und günstig, leider stimmte uns Wechselgeld nicht und obwohl sich Quyen für uns einsetzte, wurde die Besitzerin nur unfreundlich und laut und wollte den Fehler nicht einsehen. Es handelte sich um 50 Rappen, es war selbst mir zu dumm mich deswegen zu streiten. Wir liefen zum Fluss, wo wir uns noch einen Kaffee bestellten. Der Kaffee hier in Vietnam ist sehr fein und es ist so toll wie man ihn serviert bekommt. Man muss einfach ein bisschen aufpassen, denn der Kaffee hier hat zwei bis dreimal so viel Koffein wie der bei uns. Die Vietnamesen haben eine Kaffeekultur, welche mit der italienischen vergleichbar ist. Wir genossen die kühle Abendstimmung und gingen dann etwas später in unser Hotel zurück.
Obwohl es im Zimmer zwei zirka 120cm grosse Betten gab, schliefen wir beide in einem, dem saubereren von beiden. Am Montagmorgen ging es etwas früher los, denn heute werden wir 340km fahren, fast so viel wie an den letzten beiden Tagen zusammen. Zum Frühstück gab es wieder ein Omelette für uns. Kaum hatten wir die Ortschaft verlassen, schlängelte sich die Strasse den Berg hinauf. Es war eine richtig tolle Motorradstrecke über einen Pass. Das einzige was mir persönlich fehlte waren zirka 150PS und starke Bremsen, aber das ist ein anderes Thema :-) Wir genossen die kurvige Fahrt und die immer wieder spektakuläre Aussicht. Oben auf dem Berg fuhren wir durch einen Wald mit vielen Tannen. Die Luft war kühl und verhältnismässig trocken, der Duft der Tannen stieg uns in die Nase. Es fühlte sich an und roch, wie irgendwo in der Schweiz, den Vereinigten Staaten oder in Kanada. Danach ging es den ganzen Berg wieder hinunter ins Tal. Wir fuhren an vielen Reisfeldern vorbei und beobachten die Bauern wie sie arbeiteten. Die Natur war einfach nur traumhaft!
Wir hielten für das Mittagessen, wieder in so einem Strassenrestaurant, diesmal war es aber deutlich sauberer. Ich bestellte mir eine „Pho“, eine vietnamesische Suppe. Die Einheimischen starrten uns an, als hätten sie noch nie einen Ausländer gesehen. Eine ganz penetrante Tante drehte sogar ihren Stuhl in unsere Richtung, um uns besser beobachten zu können :-) Wir fuhren wieder zurück in Richtung Küste, wo wir den Highway 1 hinauffuhren zurück nach „Hoi An“.
Der Highway 1 ist vergleichbar mit einer normalen Landstrasse in der Schweiz und zirka 120cm breiten Pannenstreifen auf beiden Seiten. Der Pannenstreifen ist hier jedoch ein Allzweckstreifen. Es ist schon fast die primäre Fahrspurt für alles was nicht vier Räder hat. Da sich die meisten Vietnamesen nur ein Motorrad leisten können, ist derjenige welcher sich auf vier Rädern fortbewegt der König der Strasse. Allgemein hat hier in Vietnam das grössere und stärkere Fahrzeug den Vortritt. So ist es selbstverständlich, dass sich Fahrzeuge trotzdem zweiräderigem Gegenverkehr überholen. Das überholende Fahrzeug benutzt entweder die Lichthupe oder die Warnblinker, was dann soviel wie „mach Platz“ bedeutet. Zum Teil wurde auch überholt, wenn grössere Fahrzeuge entgegen kamen, dann wichen das entgegenkommende sowie das überholende Fahrzeug auf den Allzwecksteifen aus. Fall es keinen Platz gibt, bremst in der Regel nicht das überholende Fahrzeug, sondern das Kleinste. Während Quyen die langsameren Lastwagen rechts auf dem Pannenstreifen überholte, bevorzugten wir die europäische Variante auf der Gegenfahrbahn, so kam es vor, dass einige Fahrzeuge gleichzeitig von zwei fast identischen Motorrändern links und rechts überholt wurden. Bei der Nutzung des rechten Allzwecksteifens musste man sehr vorsichtig sein, denn dieser wurde, wie bereits geschrieben von grösseren Fahrzeugen zum Ausweichen benutzte, aber ebenfalls von Fussgängern, Fahrradfahrern und entgegenkommenden Geisterfahrern verwendet. Zudem wird der Allzwecksteifen auch als Parkplatz für alles Mögliche, als Lagerhalle, um Reis oder Stroh zu trocknen und Einspurstrecke verwendet. Apropos Einspurstrecke Fahrzeuge welche von einer Seitenstrasse kommen, fahren ohne zu schauen, einfach in den Verkehr hinein. Die zirka 130 Kilometer lange Fahrt auf dem Highway 1 war einfach nur „crazy“. Unzählige Male mussten wir ausweichen und bremsen. Kurz vor Schluss konnten wir einen Unfall nur dank einer Vollbremsung vermeiden, da ein Motorradfahrer ohne nach hinten zu schauen einfach abbremste und von der rechten Fahrbahnseite quer über die Strasse zog. Glücklicherweise waren alle sehr aufmerksam, im schlimmsten Fall hätte es eine kleinere Massenkarambolage von etwa 10 Fahrzeugen geben können. Dann gibt es noch die Hupe. Die Hupe wird fast ausschliesslich verwendet um auf sich selbst aufmerksam zu machen. Wer hupt, signalisiert den Vortritt für sich zu beanspruchen. Jedoch ist die Hupe keine Garantie und es kommt auch gerne vor, dass mehrere Fahrzeuge gleichzeitig hupen.
Wir waren froh, als wir gegen 16:30 Uhr heil und unfallfrei, jedoch erschöpft und mit schmerzenden Füddlis in „Hoi An“ ankamen. Nachdem wir den restlichen Betrag für die Tour bezahlten, unser Gepäck zusammen hatten und uns von Quyen verabschiedeten, liefen wir zu unserem Hotel zurück. Dort hatten wir bereits ein Zimmer reserviert, unsere Rucksäcke hatten wir ebenfalls dort gelagert. Leider bekamen wir ein minderwertiges Zimmer als bei unserem ersten Besuch, es muffelte und auch das Bett war nicht so bequem. Wir reklamierten und erhielten zwei Dollar Rabatt. Wir waren zu müde um uns eine andere Unterkunft zu suchen.
Nach dem duschen gingen wir gleich Abendessen. „Hoi An“ ist auch für seine gute Küche bekannt. Sara bestellte sich ein vietnamesisches Gericht und ich mir eine Spezialität aus „Hoi An“. Dazu tranken wir frisches Bier. Ein gelungener Abschluss der vergangenen Tage!
Bilder: Zentrales Hochland