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Frauenarbeitsschule. Ausserdem besitzt das Museum eine Bibliothek, eine Vorbildersammlung, einen Zeichensaal, ein Auskunftsbureau und veranstaltet in Aarau und im Kanton herum Kurse und Vorträge der verschiedensten Art auf gewerblichem Gebiete. Landwirtschaftliche Winterschule in Brugg. In Diskussion steht die Errichtung eines Technikums oder einer Werkmeisterschule.
Es gibt (1907/08) 33 Bezirksschulen (mit 4 Jahresklassen), wovon 6 für Mädchen allein, die andern für Knaben und Mädchen. Sie haben auch Unterricht im Griechischen (4. Jahr) und Lateinischen (2.-4. Jahr). In 271 Schulorten bestehen 631 Gemeindeschulen, für welche 26 Inspektorate errichtet sind. Die Primar- oder Gemeindeschule zählt, der Schulpflichtigkeit entsprechend, 8 Jahresklassen. Aus der 5. Klasse kann man in die Bezirksschule oder in die dreiklassige Fortbildungsschule übertreten, wo auch französisch gelehrt wird; es gibt 42 Fortbildungsschulen. Die aus der Schulpflicht entlassenen Jünglinge haben während drei Wintern die Bürgerschule zu besuchen, wenn sie sich nicht an einer kantonalen Anstalt befinden; solcher Schulen sind 298. Für die Mädchen bestehen 302 Arbeitsschulen.
In 8 Städten gibt es kaufmännische Fortbildungsschulen. Unter der staatlichen Aufsicht stehen noch folgende Schul- und Erziehungsanstalten: Rettungsanstalten zu Olsberg (Pestalozzistiftung) und Effingen, Sennhof;
Armenerziehungsanstalten in Kasteln, St. Johann in Klingnau, Erziehungsanstalten in Muri, Friedberg bei Seengen, Maria Krönung in Baden;
die Taubstummenanstalten Aarau und Baden;
die Anstalten für Schwachsinnige in Biberstein und Bremgarten;
die Strafhausschule in Lenzburg und die Zwangsarbeitsschule in Aarburg;
ausserdem 3 Privat-Erziehungsinstitute in Aarburg, Schinznach und Oftringen.
Die Lehrerschaft aller öffentlichen Schulen des Kantons versammelt sich jährlich einmal zur Besprechung von Schulangelegenheiten und zur Anhörung von Vorträgen; ebenso finden sich alle Vierteljahre die Lehrer eines jeden Bezirks zur Bezirkskonferenz zusammen. - Das Minimum der Lehrerbesoldung beträgt Fr. 1400. Dazu kommen Alterszulagen von Fr. 300. Die Amtsdauer der Lehrer beträgt 6 Jahre. Es besteht ein kantonaler Lehrerpensionsfond, der zum Teil durch den Staat, zum Teil durch die Lehrerschaft geäufnet wird. Ihm ist ein Teil des Klostervermögens zugewiesen worden; ferner gibt es eine Lehrerwitwen- und -waisenkasse.
Im Jahre 1906 gaben die Gemeinden für das Schulwesen aus 2123000 Fr., der Staat 1009000 Fr., zus. 3132000 Fr.
16. Kultus.
Nach der Verfassung von 1885 ordnen die Konfessionen ihre Angelegenheiten unter der Aufsicht des Staates selbst. Die Kirchgemeinden wählen ihre Kirchenpflegen und ihre Geistlichen; sie dürfen Kirchensteuern erheben; sie wählen die Mitglieder der Synoden (Geistliche und Laien), denen die Aufsicht über Seelsorge, Kultus, religiösen Unterricht, Amtsführung der Geistlichen obliegt. Es gibt eine reformierte, eine römisch-katholische und eine christkatholische Synode.
Bei der Gründung des Kantons (1803) lagen die Pfrund- und Kirchengüter in den Händen teils der Gemeinden, teils der Kollatoren, teils des Staates, der sich eine Anzahl Kollaturen noch hinzuerwarb. Die Verfassung von 1885, welche den Gemeinden weitergehende Autonomie zugestand, verlangte auch die Ausscheidung der Kirchengüter aus dem Staatsgute und Zuteilung an die Kirchgemeinden. Dies ist in den Jahren 1906 und 1907 geschehen, und zwar nicht durch ein Gesetz, sondern durch Verträge, welche der Staat mit den Kirchgemeinden abschloss und welche durch den Grossen Rat und durch die Kirchgemeindeversammlungen zu genehmigen waren. Damit ist ein wichtiger Schritt für die Trennung von Kirche und Staat geschehen. Ausser der allgemeinen Aufsicht über die Kirche beteiligt sich der Staat noch an der Wahlfähigkeitsprüfung für theologische Kandidaten; für die Prüfung der reformierten Kandidaten besteht ein Konkordat mit schweizerischen Universitäten.
Die katholische Bevölkerung des Kantons Aargau gehört zur Diözese Basel (Residenz in Solothurn); es bestehen die Kapitel Siss- und Frickgau, Mellingen, Bremgarten, Regensberg. Von den einst zahlreichen Klöstern und Stiftern (22) existiert heute nur noch eines: das Benediktinerinnenkloster Fahr an der Limmat (Enklave im Kanton Zürich). Die andern sind aufgehoben worden zur Reformationszeit, durch Josef II. (Frickthal), in der Mediationszeit, infolge der aargauischen Klosterwirren 1841 und seither durch die Grossratsbeschlüsse.
Die Israeliten haben ihre ursprünglichen Wohnsitze in Endingen und Lengnau in der alten Grafschaft Baden, wo ihnen seit der 2. Hälfte der 17. Jahrh. alleinige freie Niederlassung (allerdings ohne Eigentum an Häusern, Grund und Boden) zustand. Hier war ihnen auch die Ausübung ihrer Religion gestattet, und hier hatten sie ihren Friedhof. Während der Helvetik wurde die Frage des Bürgerrechts der Israeliten zwar aufgeworfen, doch kam sie nicht mehr zur Beantwortung; jedenfalls aber genossen sie die allgemeine Kultusfreiheit.
Der neugegründete Kanton regelte ihre Stellung durch ein Gesetz (1809), erkannte ihnen aber keineswegs das Ortsbürgerrecht zu. Davon wurden sie auch fern gehalten, als ihnen nach und nach andere Rechte zugestanden wurden. Das Gesetz von 1862 (veranlasst durch einen Bundesbeschluss von 1856) wollte ihnen auch dieses Recht gewähren, allein das Volk berief den Grossen Rat ab und verlangte mit grossem Mehr die Abänderung des Gesetzes. Das neue Gesetz (1863), das jenes frühere widerrief, fand die Missbilligung der Bundesbehörden; ein drittes Gesetz (1863) stellte der Sache nach ihre politischen Rechte wieder her.
Doch erst 1877 wurden die Judenkorporationen Lengnau und Endingen zu Ortsbürgergemeinden erhoben und mit den christlichen Ortsbürgergemeinden zu politischen Gemeinden vereinigt. Damit war die Judenemanzipation durchgeführt. Inzwischen war durch das Kirchgemeindegesetz von 1868 auch für die Juden die Kirchgemeinde und die Kirchenpflege geschaffen worden, in welcher der Rabbiner (oder ein Verweser) und weltliche Mitglieder sassen. Daneben bestanden besondere Vorschriften über Beschneiden und Schächten (das 1893 durch die revidierte Bundesverfassung untersagt wurde). Ausser den beiden israelitischen Kirchgemeinden bestehen Kultusvereine in Baden und Bremgarten. (Vergl. E. Haller: Die rechtliche Stellung der Juden im Kanton Aargau. 1900).
17. Gesundheitspflege.
Nach der Verfassung steht die öffentliche Krankenpflege unter der Obsorge des Staates, der die Errichtung von Bezirks- und Kreisspitälern finanziell unterstützt. Die entsprechende Behörde ist die Sanitätskommission; in den Bezirken ist je ein Bezirksarzt ¶
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bestellt, wie auch ein Bezirkstierarzt. Der Kanton hatte 1907: 110 Aerzte, 20 Zahnärzte, 14 ärztliche Gehilfen, 35 Tierärzte, 269 Hebammen;
es bestanden 31 öffentliche und 54 Privat-Apotheken (von Aerzten und Tierärzten gehalten).
Wirtschaftsgesetz (1903) und Lebensmittelkontrolle sind wirksam für die Verbesserung der Lebensmittelverhältnisse. Ein Impfzwang existiert nicht; von den in Betracht kommenden Kindern werden durchschnittlich höchstens 20% geimpft. An öffentlichen Spitälern, Krankenhäusern und Pflegeanstalten sind zu nennen: die kantonale Krankenanstalt in Aarau (seit 1887 in Betrieb) mit der chirurgischen, medizinischen, ophthalmologischen Abteilung und der Gebäranstalt und Hebammenschule.
Pavillonsystem. Die Heil- und Pflegeanstalt Königsfelden (Neubau von 1872) zur Aufnahme Geistesgestörter. Vom Staate unterstützt werden: die Bezirksspitäler in Baden, Zofingen, Leuggern, das Krankenasyl Oberwinen- und Seethal in Menziken, das Krankenhaus Laufenburg, der Urech’sche Kinderspital in Brugg, der Kreisspital für das Freiamt in Muri, die Pflegeanstalt in Gnadenthal. Unter der staatlichen Aufsicht stehen auch die drei Armenbäder in Baden, Rheinfelden und Schinznach. 1909 ist in dem ehemaligen Kloster Muri eine kantonale Pflegeanstalt errichtet worden; ein hiezu gegründeter Verein hat mit Hilfe der Gemeinden die nötigen Mittel gesammelt. Seit 1895 ist eine Sammlung im Gange für ein kantonales Lungensanatorium, die bis jetzt ca. 350000 Fr. abgeworfen hat. Da die Mittel des Staates für die Kranken- und Armenunterstützung nicht ausreichten, hat das Volk 1904 für vier Jahre eine besondere Viertelsteuer beschlossen (was für die vier Jahre eine Summe von 740000 Fr. ausmachte), aber nach Ablauf dieses Termines leider nicht erneuert.
18. Soziales.
Für die Beurteilung der sozialen Verhältnisse ist die Tatsache wichtig, dass der Aargau bei einer Seelenzahl von über 200000 kein grosses Bevölkerungszentrum besitzt; keine Ortschaft erreicht die Einwohnerzahl 10000. Für die Grossindustrie kommt nur Baden in Betracht. Die Auswanderung spielt kaum eine Rolle; Durchschnitt der letzten 20 Jahre 231. Die Armenpflege ist Sache der Heimatgemeinde. Dem Staat steht die Oberaufsicht zu; zudem hat er diejenigen Gemeinden zu unterstützen, bei denen der Bezug von 1½ Steuern nicht ausreicht.
Für die Bestreitung der Armenbedürfnisse sind das Armengut, allfällige besondere Stiftungsgüter, das allgemeine Ortsbürgergut und die Steuerkraft der Ortsbürger in Anspruch zu nehmen. Es bestanden 1907 99 Armenhäuser mit 814 Insassen. Die Zahl der Armen betrug 10309. Der Kantonsarmenfonds betrug Ende 1907 916539 Fr. Aus der Viertelsmehrsteuer für die Jahre 1904-1907 wurden an das Armenwesen 447238 Fr. entrichtet. Ein kantonaler Blindenfonds belief sich 1907 auf 55403 Fr. Die Unterstützungen der Gemeinden beliefen sich (1906) auf 1315058 Fr. Die Armengüter der Gemeinden betrugen 1906: 11326369 Fr. (reines Vermögen);
dazu kamen an besondern Fonds und Stiftungen 3166033 Fr. Die freiwillige Armenpflege ist sehr reich entwickelt: Die 11 Bezirksarmenvereine sorgten (1907) für 1055 arme Kinder;
ihr Vermögen stand auf 346348 Fr. Sie gaben aus 242949 Fr. und nahmen 258046 Fr. ein;
davon sind Beitrag des Staates 28346 Fr.
Ausserdem bestehen in den Gemeinden 118 Armen-, Kranken- und Frauenarbeitsvereine, welche 11568 Personen unterstützten. Ihr Vermögen beläuft sich auf Fr. 424735. Sie gaben aus Fr. 127302 und nahmen ein Fr. 139477. Der Staat leistete daran Fr. 9877.
Die Naturalverpflegung wurde 1907 von 4932 Gästen in Anspruch genommen, was 11598 Fr. Aufwand beanspruchte. Es besteht ein kantonales Arbeitsvermittlungsamt; der Kanton ist auch dem Konkordat über die Stellenvermittlung für Dienstboten im Inlande beigetreten. 1907 gab es 7 Koch- und Haushaltungsschulen, 2 Haushaltungs- und Dienstbotenschulen des schweiz. gemeinnützigen Frauenvereins, 21 weibliche Fortbildungsschulen, 14 von den Kulturgesellschaften veranstaltete Koch- und Haushaltungskurse. Sie alle erhielten staatliche Subvention. 1903 erliess der Kanton ein Gesetz zum Schutz der Arbeiterinnen. Der Kanton Aargau besitzt seit 1864 eine nach modernen Grundsätzen eingerichtete und geleitete Strafanstalt in Lenzburg, mit der eine Zwangsarbeitsanstalt verbunden wurde. Eine ähnliche Anstalt wurde 1893 auf der Festung Aarburg für jugendliche Verirrte eingerichtet.
Versicherungswesen.
Schon der neugegründete Kanton hatte 1805 ein Brandassekuranzgesetz errichtet, durch das jedermann gezwungen wurde, bei der durch die Gesamtheit der Häuserbesitzer dargestellten Vereinigung seine Gebäude zu versichern. Das gegenwärtige Versicherungswesen beruht auf dem Gesetz von 1897, welches auch die Mobiliarversicherung obligatorisch gemacht hat. Während aber die Gebäude lediglich durch den Staat versichert werden, beteiligen sich an der Mobiliarversicherung neun Versicherungsgesellschaften (1907). Der Versicherungsstand der Gebäudeversicherung betrug Ende 1907: 470536426 Fr., wovon 153065424 Fr. rückversichert waren;
die Prämie für die Rückversicherung belief sich auf 137412 Fr. Ein im Jahr vorher kreierter Rückversicherungsfond stand auf 215380 Fr. Das Reinvermögen der Anstalt betrug 1853673 Fr., der Reservefonds 1502222 Fr. Die Prämieneinnahme erreichte die Höhe von 537679 Fr. brutto, 388858 Fr. netto.
Für 136 Brandfälle wurden 340154 Fr. bezahlt, wovon die Rückversicherung 136707 Fr. deckte, die Anstalt 203446 Fr. zu tragen hatte. An den Löschfonds wurden 60000 Fr. entrichtet; an Strohdachprämien 58904 Fr. An Mobiliarschäden hatten die neun Gesellschaften 221880 Fr. zu vergüten. Das Staatsmobiliar war für 9282846 Fr. mit 6626 Fr. Prämien versichert. Für die Landwirtschaft bestehen ausserdem die Hagel- und die Viehversicherung.
Vereine.
Wie allerorten, so gedeiht auch im Kanton Aargau das Vereinsleben aufs beste. Jeder Ort hat seine Vereinigung von Schützen, Turnern, Sängern, von Fach- und Berufsgenossen aller Art, von Leuten, die sich in irgend einer Bestrebung einig wissen und gemeinsam ihre Zwecke fördern. Gleichartige Vereine schliessen sich zu Thalschafts-, Bezirks- oder kantonalen Organisationen zusammen oder stehen mit Vereinen andrer Kantone in eidgenössischem Verband. Sie alle, auch nur im Ueberblick zu nennen, ist durchaus unmöglich. Es soll hier nur an die Gesellschaft für vaterländische Kultur im Kanton Aargau erinnert werden, welche 1811 von Heinrich Zschokke (und vier Mitgründern: Nepomuk v. ¶