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Marmor
(frz. marbre, engl. marble); so nennt man im allgemeinen
alle politurfähigen, zu Bildhauerarbeiten und andern mechanischen Bearbeitungen geeigneten Kalksteine und es läßt sich
hierbei zwischen M. und gemeinen Kalksteinen eine scharfe Grenze nicht ziehen. Von dem erstem verlangt man bekanntlich außer
dem feinen Gefüge auch wohlgefällige Färbungen oder Zeichnungen, und hiernach herrscht unter den
Marmorvarietäten
die größte Verschiedenheit.
Die Mineralogie sondert dieselben in zwei Klassen von ganz ungleicher Art der Entstehung, erstlich den körnigen Kalk, Urkalk oder eigentlichen M. Von dieser Masse, welche sich meistens als Ausfüllung von Klüften andern Gesteins findet, nimmt man an, daß sie einmal in feurigem Flusse gewesen, und zwar unter solcher Bedeckung, daß die Kohlensäure des Kalks nicht entweichen konnte. Bei der Wiedererstarrung nahm sie dann die feinkörnige kristallinische Struktur an, die sie auf Bruchflächen dem Zucker ähnlich erscheinen läßt.
Die Annahme wird durch die Thatsache unterstützt, daß gewöhnlicher Kalkstein wenn er unter Luftabschluß,
etwa in einem verstopften Flintenlaufe, geglüht wird, unter Behaltung seiner Kohlensäure schmilzt und sich in körnigen
Kalk umwandelt. Solcher M. ist daher immer einfarbig, weiß oder mit leichtem Stich in andre Farben, hat auch keine Einschlüsse
außer an Berührungsstellen mit andern Gesteinen, und auch dann noch sind solche keine Reste organischen
Ursprungs, keine Versteinerungen. Der rein weiße M. dieser Gruppe bildet den eigentlichen Statuen
marmor. Die zweite Gruppe,
der sog. Architektur
marmor, ist dichter, aus Wasser als Schlamm abgesetzter und dann erhärteter
Kalkstein, mit den mannigfachsten Färbungen, Flecken, Adern etc., erzeugt durch das Hinzukommen
fremder Bestandteile wie Metalloxyde, Mineralien, Erdharze u. dgl.
Manche Arten halten in Menge versteinerte Muschelschalen, Schneckenhäuser und Reste von
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Krustentieren eingeschlossen, deren Zeichnungen auf der geschliffenen Fläche oft sehr schön hervortreten. Sie heißen daher
Muschel
marmor. Breccienmarmor dagegen sind solche Sorten, die aus mehr oder minder eckigen Bruchstücken bestehen, welche
in einer allgemeinen Kalkmasse eingebettet liegen oder durch sie zu einem Ganzen verkittet sind. -
Die Bezeichnungen der
Marmorsorten im Verkehr sind entweder von ihren Ursprungsorten oder von ihren Färbungen
und Zeichnungen, oder von beiden zugleich hergenommen. Der weiße Statuen
marmor ist derjenige, welcher als Handelsware die
meiste Bedeutung hat und am weitesten versendet wird, denn er findet sich für Zwecke der Bildhauerei geeignet nur in Italien
und Griechenland und es sind auf diese Bezugsquellen alle Künstler angewiesen. Die bekannteste Ware
ist der carrarische M., der an mehreren Stellen um die Stadt Karrara im ehemals modenesischen Bezirk Massa gebrochen wird
und über den benachbarten Hafenort Lavenza seine Ausfuhr hat. Es kommt auch in dieser Gegend, aus der schon die alten
Römer M. bezogen, nicht lauter gutes, sondern auch geringes Material vor. Die besten Sorten werden in
Crestola und Poggio-Silvestro gebrochen; von den um Serravezza, liegenden Gruben kommt der geschätzte M. von Falcovia, der
feinste Italiens, Saccharides genannt.
In Griechenland ist Paros, eine Insel der Cycladen, der Fundort des besten weißen M. (Parischer M.). Seit dem Verfall der antiken Kunst lag dieser im Altertum berühmteste Stoff unbenutzt und fast vergessen. Erst in neurer Zeit sind die Brüche wieder in Betrieb gesetzt worden, und dasselbe gilt von den Brüchen des Pentelikongebirges in Griechenland, deren Masse in Qualität gleich neben der von Paros rangiert und diese an Weiße noch übertrifft. Geringere Arten weißen M. finden sich auf mehreren griechischen Inseln; so namentlich auf Tinos, wo man sehr schönen, weißen, schwarzen und gestreiften M. bricht, der in großen Quantitäten in die Türkei ausgeführt wird.
In Deutschland liegen nur an einzelnen Punkten weiße M. von unreiner Färbung, nicht zu Bildhauerarbeiten, sondern nur zu Tischplatten u. dgl. benutzt; so an einigen Punkten des Erzgebirges, Fichtelgebirges, Harzes und Odenwaldes. Im Erzgebirge gibt es wohl einen Bruch, wo der Stein so weiß ist wie der von Karrara, aber es gibt keine Blöcke, sondern nur kleine Stücke, die man zu Beeteinfassungen verwendet. -
Farbige und bunte M. finden sich häufiger als weiße und nach den verschiednen Fundorten in größter Mannigfaltigkeit der Färbungen und Zeichnungen, die schönsten aber ebenfalls in den Südländern. In Italien, wo es deren nicht wenige gibt und wohin außerdem noch von den alten Römern so manches Fremde bezogen und zu Luxusbauten verwendet wurde, hat man eine vielzählige Nomenklatur für die verschiednen Arten; doch nimmt man es hierbei nicht so genau und bezeichnet zuweilen auch Gesteine als M., die gar nicht aus kohlensaurem Kalk bestehen.
Manche Namen führen den Beisatz antico, was besagt, daß diese Spezies von unbekannter Herkunft sei oder aus schon im Altertum erschöpften Brüchen stamme. Solcher M. kann daher nur noch aus altrömischen Ruinen entnommen werden, ist also selten und wird nur in dünne Platten zersägt verwendet. Indes ist es neuerdings geglückt, die eine und andre natürliche Lagerstätte solcher anticos wieder aufzufinden. Eine solche ist namentlich die Maina in Griechenland, welche die prachtvoll grünen und roten, schwarz geäderten Varietäten den Künstlern des Altertums geliefert hat und nun wieder liefert.
Nach den Hauptfarben hat man schwarze, grüne, gelbe, rote (nero, verde, giallo, rosso). Schwarzer, durch Kohlenteilchen gefärbt, kommt bei Bergamo (der sog. Paragon) in den Apenninen, mit gelben Adern, bei Karrara neben weißem, sehr gut und viel verwendet auch in der Gegend von Lüttich vor. Schwarzer sächsischer hat gelbe und Glimmerschieferadern. Grüner M. kommt in verschiednen Varietäten im Genuesischen vor. Der in Griechenland wieder aufgefundene verde antico ist eine Breccie von schwarzgrünem Serpentin mit weißem Kalkstein als Bindemittel.
Einfarbig gelber (giallo antico) von unbekannter Herkunft ist selten und wird nur im kleinen zu Einlagen verwendet. Rote
Marmore kommen von Verona, Lugezzana und Narbonne. Der rosso antico aus Griechenland ist durchzogen von weißen und schwarzen
Adern und mit schwarzen Punkten übersät. Je satter das Rot ist und je weniger Adern vorhanden sind,
desto höher wird er geschätzt. In der Nähe von Karrara bricht man auch einen dunkelblauen oder blaugrauen M. mit weißen
Adern, welcher Bardiglio genannt wird.
Der sog. Zwiebel
marmor (Cipollino) ist eine Abart des weißen pentelischen und zeigt auf weißem
Grunde grüne Ringel, die an Durchschnitte von Zwiebeln erinnern. Die Breccien
marmore sind nach Art ihrer
Bestandteile und Färbungen sehr verschieden. Zu ihnen gehört der Florentiner Ruinen
marmor, welcher auf hellerm Grunde dunkelbraune
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Figuren zeigt, die Ähnlichkeit mit zerfallenen Bauwerken haben. Die M., welche Tierreste wie Muscheln, Schnecken u. dgl. einschließen,
tragen den Gesamtnamen Muschel
marmor (Lumachello).
Sie haben als Urkunden einer vorweltlichen organischen Schöpfung ein besonderes Interesse; sie werden
gern zu Tischplatten, Säulen u. dgl. verarbeitet.
Auch hierbei gibt es manche Verschiedenheiten in Färbung und Zeichnung. Es finden sich solche Gesteine öfter, so in Italien,
in Belgien, wo der sog. St. Annen
marmor eine sehr ausgedehnte Verwendung findet, in
Thüringen, im Harz, bei Altdorf in Bayern, bei Ischl etc. Der schönste hierher gehörige M. ist der Lumachell
von Bleiberg in Kärnten, der reich an Muscheln ist und dazu in den schönsten Regenbogenfarben schimmert. -
Als reich an schönen
Marmorarten sind noch zu nennen: Portugal, es besitzt feinen, weißen und schwarzen
M., Savoyen, welches besonders grauen M. in Menge besitzt, die Inseln Sardinien und Corsika, dann Algerien, wo man alte Römerbrüche
wieder aufgefunden hat und wo es rein weißen, rötlichen, gelblichen und schön schwarzen, weiß geäderten M. gibt. Von
Spanien weiß man nur im allgemeinen, daß
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es reich an schönen
Marmorsteinen ist; die Gewinnung scheint jedoch unbedeutend zu sein. Frankreich hat in den Pyrenäen
und Vogesen viele
Marmorbrüche in bunten Sorten, ebenso gibt es in Belgien und auf den britischen Inseln Fundorte hübscher
Sorten. Belgien ist eines der an M. reichsten Länder und besitzt besonders Brüche von sehr schönen
schwarzen M., vorzüglich in der Gegend von Namur und Gent. In Anglesea bricht man unter andern verde di Corsica, so genannt
weil die Musterung genau mit der eines corsischen M. übereinstimmt. Sie zeigt die Farben grün, schwarz, weiß und dunkelpurpurrot
in unregelmäßiger Anordnung.
Die in Deutschland vorkommenden M. entbehren meist die lebhaften Farben und bilden ihre Adern und andern
Zeichnungen aus schwarz, weiß, grau, braun u. dgl.,
haben aber doch zuweilen ein sehr hübsches Aussehen. Man fertigt daraus Grabsteine, Inschriftplatten und andre Steinhauerarbeiten,
zum Teil auch kleinere gedrehte und geschnittene Sachen. Aus Thüringen gehen
marmorne Kinderspielkugeln, die
sog. Schusser, weite Handelswege. Seit lange sind besonders die Blankenburger Brüche am Harz bekannt und im Betriebe; es
werden hier viele Platten gesägt, geschliffen und poliert. Verschiedne bunte
Marmorsorten werden ferner in Schlesien (bei
Habelschwerdt), in Böhmen und Bayern (bei Baireuth), im Salzburgschen (der rötliche M. von Untersberg), bei Recklingshausen
in Westfalen gefunden. Reich an verschiednen bunten M. ist endlich das Nassauische; es werden solche dort in der Strafanstalt
Dietz zu den mannigfaltigsten Gegenständen verarbeitet. -
Aus feinen bunten Marmoren werden besonders in Italien Kunstwaren wie Urnen u. dgl. gefertigt und kommen solche auch zu den Leipziger Messen. Es ist aber zu bemerken, daß man dabei nicht selten der Natur durch künstliche Färbungen verschönernd nachhilft. Der M. saugt die dazu dienlichen Beizen gewöhnlich sehr leicht und tief ein. Man erhält z. B. dunkelrot durch salpetersaure Silberlösung, Purpur mit Goldauflösung, Hellgrün mit Grünspan. Außerdem sind auch Stoffe wie Drachenblut und Gummigutt dienlich. Feiner M. wird häufig nur als eine Art Furnierung verwendet, indem man denselben in dünne Tafeln zersägt und geschickt auf Gegenstände kittet, die aus einem geringern Material bestehen. Solchergestalt erzeugt man scheinbar marmorne Wände, Säulen, Tischplatten und andre Mobilien.
Der Absatz von karrarischem M. gewährt bedeutende Revenüen, da der Stoff sehr kostbar ist und bei größern Blöcken der Kubikmeter fehlerfreien Steins mit 2-3000 Frcs. verrechnet wird. Die Preise steigen überdies in viel stärkerer Progression wie die Größen. Die Masse kommt in sehr verschiednen Graden der Reinheit und Härte vor. Die härtesten Steine bei sonst guter Beschaffenheit sind die besten, weil sie der Verwitterung am längsten widerstehen. Die karrarischen Brüche ergeben im allgemeinen in neurer Zeit nicht mehr so reine Massen wie früher, daher die Künstler jetzt schon häufig pentelischen M. aus Griechenland verarbeiten. -
Unrein weiße, auch schlecht gefärbte Sorten, wenn sie nicht viel fremde Mineralien einschließen, bilden immer noch gutes und gern benutztes Material zum Kalkbrennen. - Zoll: Marmorblöcke, rohe oder nur an den Kanten mit Säge oder Meißel etc. bearbeitete sind zollfrei. Platten, Säulen, grobe Steinmetzarbeiten sowie alle andern Waren aus M. auch in Verbindung mit unpoliertem unlackiertem Holz oder Eisen Nr. 33 d 1; in Verbindung mit andern Materialien Nr. 33 d 2.