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Leider werden Diskussionen über vergangene wie auch künftige Entwicklungen in unserem Fachgebiet oft allzusehr von den Einsichten des in der Tat beeindruckenden "Moor’schen Gesetzes" geprägt. Dabei wird vergessen, dass dessen Aussagen wohl für die Grundbausteine – zum Beispiel für Mikroprozessoren oder Speichermodule – gelten, aber nicht notwendigerweise für die in den Augen der Endanwendenden bedeutsamen Geräte und Anlagen sowie deren Anwendungen. Dies trifft im Besonderen für komplexe Systeme zu, d.h. Systeme mit reicher Funktionalität, weiter geografischer Ausdehnung und einer grossen Zahl von Benutzerinnen und Benutzern. In vielen Fällen lässt sich der Erfolg derartiger Systeme nicht einfach auf einen Durchbruch bei einer der Basistechnologien auf der Ebene der Grundbausteine zurückführen; vielmehr ist er in der Regel auf das Zusammentreffen von Fortschritten in den verschiedensten, auch nicht-technischen Gebieten (zum Beispiel der Schaffung neuer rechtlicher Rahmenbedingungen) zurückzuführen, und schliesslich mögen Kundinnen und Kunden vor allem dann angesprochen sein, wenn sie neue Produkte als dem Zeitgeist entsprechend wahrnehmen. Dem versucht eine strukturierte Sicht auf die Technologien im Sinne von verschiedenen, hierarchisch geordneten Schichten Rechnung zu tragen.

Die Erfahrung zeigt, dass sowohl das Entwicklungstempo neuer Technologien wie auch ihre Verbreitungsgeschwindigkeit umso eher von nicht-technischen Aspekten bestimmt werden, je näher man sich zu den eigentlichen Applikationen begibt. Dieser Umstand wird in der untenstehenden Darstellung illustriert. Im Extremfall kann die Zeitspanne einer Menschengeneration nötig sein, um die "Segnungen" einer neuen Anwendung wirklich zu "verdauen" – eine Zeitspanne, während der die unterliegenden Subsysteme und Plattformen über mehrere Hardwaregenerationen hinweg erneuert werden.

Das voraussichtlich über weitere zwei Jahrzehnte anhaltende Wachstum der Leistungskennzahlen elektronischer Basistechnologien könnte zur Ansicht verleiten, dass vor uns eine Art Abbild der Achtziger und Neunziger Jahre liegt: billiger, schneller, kleiner .... Diese Sicht verkennt nun allerdings, dass die heutigen Ingenieure und Unternehmerinnen mit einer Situation konfrontiert sind, die sich radikal von derjenigen der Sechziger und Siebziger Jahre unterscheidet, wie die untenstehende Darstellung zu zeigen versucht. Wer als Ingenieur oder Ingenieurin in diesem neuen Umfeld bestehen will, muss über die technischen Kenntnisse hinaus Wissen und Fähigkeiten besitzen, die es erlauben, sich mit den Problemen und Anforderungen von Gesellschaft, Staat und Individuum auseinanderzusetzen, und aus dieser Auseinandersetzung heraus die Beiträge der Technik konstruktiv zu gestalten.
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13.4.2005 |
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