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und stossweise, sodass der Schiffer vom Auftreten des Joran oft überrascht wird.
2. Das rauhere Klima der Hochthäler. In diesen ist der Sommer nur mässig warm, der Winter ziemlich kalt und lang. In den hochgelegenen Thalsohlen von Les Verrières, La Brévine, La Sagne und La Chaux de Fonds tritt der Nebel weit seltener auf, als über dem Seegelände; die Luft ist trocken und der Himmel im Winter viel häufiger heiter, als über der Niederung. Dadurch wird aber auch die Ausstrahlung und damit die Erkaltung der Luft sehr gefördert. Durch besonders tiefe Temperaturen zeichnet sich die Gegend von La Brévine aus, wo die muldenförmige Gestaltung des Terrains bei ruhigem Wetter häufig eine Stagnation der Luft bedingt, während welcher sie immer mehr erkaltet. An diesem Ort sind Temperaturminima von bis zu -26,0° beobachtet worden, die sehr an diejenigen des viel höher gelegenen Engadin erinnern. Verhältnismässig wenig ausgeprägt ist dieses Hochthalklima im Val de Ruz, das allerdings weniger hoch liegt, als die meisten übrigen Thäler. Dementsprechend ist hier auch die Temperatur etwas höher. Dagegen tritt in diesem Thal die Nebelbildung häufiger ein.
3. Das Klima der Bergkämme. Obwohl diese in höhere Niveaux hinaufragen, sind hier die mittleren Wintertemperaturen weniger tief als in den Sohlen der Hochthäler, weil eine Stagnation der Luft hier nicht eintreten kann, dagegen die relativ warmen SW.- und W.-Winde einen weit ungehindertern Zutritt haben. Die Luftbewegung ist hier überhaupt viel bedeutender. Eigentliche Nebel sind selten, die Wintertage oft sonnig und mild. Als Repräsentant dieser Regionen haben wir freilich nur die Station auf dem Chaumont, die aber seit mehr als 40 Jahren ununterbrochen funktioniert.
Das nachstehende Tableau enthält die auf die einheitliche Periode 1864-1900 reduzierten Monats- und Jahresmittel der Lufttemperatur an den fünf vollständigen meteorologischen Stationen des Kantons:

Neuenburg488 m.
|Cernier 800 m.||La Chaux de Fonds 990 m.||La Brévine 1080 m.||Chaumont 1128 m.|
|Januar||-1,0 °C.||-2,1 °C.||-2,8 °C.||-3,9 °C.||-2,3 °C.|
|Februar||1.1||0.2||-0,7||-2,3||-0,9|
|März||4.1||2.3||0.9||-0,7||0.4|
|April||9.0||7.1||5.4||4.1||4.9|
|Mai||12.8||10.7||9.1||7.9||8.5|
|Juni||16.6||14.6||13.1||11.4||12.1|
|Juli||18.8||16.5||15.4||13.4||14.4|
|August||17.8||15.4||14.4||12.5||13.7|
|September||14.7||13.0||11.7||10.0||11.3|
|Oktober||8.7||6.9||6.1||4.5||5.7|
|November||4.1||2.1||1.5||0.1||1.5|
|Dezember||0.0||-1,5||-2,1||-3,2||-1,7|
|Jahr:||8.9||7.1||6.0||4.5||5.6|
Den Unterschied in der Helligkeit des Himmels in den Niederungen des Seegeländes und den Hochthälern
zeigen am besten die Registrierungen der Heliographen auf den Stationen
Neuenburg
und
La Chaux de Fonds, welche für das Jahr 1902 folgende
Monatssummen von Stunden des Sonnenscheins ergeben haben:

Neuenburg
|La Chaux de Fonds|
|Januar||48||90|
|Februar||35||65|
|März||125||129|
|April||143||124|
|Mai||107||93|
|Juni||213||204|
|Juli||274||270|
|August||187||179|
|September||148||161|
|Oktober||42||76|
|November||20||98|
|Dezember||8||55|
|Jahr:||1350||1544|
Der Unterschied zu Gunsten des Hochthals ist in den Herbst- und Wintermonaten beträchtlich.
Ueber die Niederschlagsverhältnisse des Kantons ist man erst seit den letzten Jahren etwas genauer unterrichtet.
Es ist das Verdienst des Ingenieurs Sam. de Perrot, Ende der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts eine Anzahl von speziellen Regenmessstationen
etabliert zu haben, wofür
das Haus Russ-Suchard, das schon so viel Gemeinnütziges gestiftet hat, die finanziellen Mittel
bot. Da die Beobachtungsreihe dieser neuen Stationen bis jetzt
nur eine kurze ist, so teilen wir nur
für die beiden langjährigen Stationen
Neuenburg
und
Chaumont die Monatsmittel mit, für alle übrigen aber, soweit mehrjährige regelmässige
Messungen vorliegen, nur die Jahresmittel.
Aus diesen geht hervor, dass die Niederschlagsmenge mit der
Höhe beträchtlich zunimmt, eine übrigens allgemein
bekannte Tatsache. Hiebei ist jedoch die topographische Lage der einzelnen Stationen mitbestimmend. Auffallend ist die geringe
Zunahme der Regenmenge von
Neuenburg
bis zum
Chaumont, die wohl damit zusammenhängt, dass dem
Chaumont im W. und SW. andere und sogar
höhere Bergzüge vorgelagert sind, welche die Kondensation der aus diesen Regionen zugeführten Wasserdampfmassen
bewirken.
|Niederschlagsmenge in Millimetern, Mittel 1864-1900.|

Neuenburg
|Chaumont|
|Januar||51||52|
|Februar||52||50|
|März||62||62|
|April||70||72|
|Mai||82||88|
|Juni||101||110|
|Juli||93||102|
|August||98||106|
|September||84||90|
|Oktober||103||109|
|November||74||75|
|Dezember||68||66|
|Jahr:||938||982|
Jahresmengen (Mittel aus mehrjährigen Beobachtungen).
|Meereshöhe||Niederschlagsmenge|
|Boudry||450||979|
|Chambrelien||643||1078|
|La Brévine||1080||1287|
|Les Ponts||1020||1271|
|Tête de Rang||1425||1299|
|Dombresson||740||1102|
|Cernier||800||1161|
|Valangin||655||992|
|Couvet||750||1144|
|La Chaux de F.||990||1429|
|Les Brenets||850||1331|
|Saint Sulpice||760||1461|
[Dr. R. Billwiller.]
Flora.
Auch mit Bezug auf seine floristischen Verhältnisse kann der ganz dem Juragebirge angehörende Kanton Neuenburg in die drei Abschnitte des Seegeländes (Vignoble), der Thäler (Vallées) und der Berge (Montagnes) eingeteilt werden, deren Höhenlage sich zwischen 430 m (Neuenburgersee) und 1555 m (neuenburgischer Anteil an der Chasseralkette) hält.
Der für den Botaniker interessanteste Abschnitt ist der Vignoble, der auch die grösste Anzahl von Pflanzenarten zählt. Dieser schmale Landstrich zwischen dem See und der ersten Jurakette erfreut sich eines milden Klimas (Jahresmittel 8,9 °C.) und nimmt Anteil an der starken sommerlichen Erwärmung des Sees und der nahen Kalkgehänge, sodass er eine ziemliche Anzahl von mediterranen oder überhaupt südlichen Pflanzen aufweist, die längs dem Rhonethal eingewandert sind und sich am Jurafuss bis über Biel hinaus angesiedelt haben.
Von solchen Arten sind besonders zu nennen: Helianthemum fumana, Glaucium flavum (La Tène), Saponaria ocymoides, Acer italum (auf den ersten Vorhöhen des Jura und auch in den Schluchten der Areuse), Trifolium striatum und T. scabrum, Colutea arborescens (sehr selten), Prunus mahaleb, Bupleurum falcatum, Lactuca perennis und L. virosa, Buxus sempervirens, Lilium bulbiferum subsp. croceum (Roche de Châtollion und bei Frochaux), Aceras anthropophora, Himantoglossum hircinum, Limodorum abortivum, Koeleria valesiaca (über Neuenburg); Asplenum ceterach (Cressier) und A. fontanum, Adiantum nigrum und endlich auch Adiantum capillus Veneris, das zierlichste aller schweizerischen Farnkräuter, dessen Wedel die Wände einer nahe bei Saint Aubin gelegenen Höhle bekleiden und das anderwärts in der Schweiz nur noch im Kanton Tessin und bei La Sarraz sich wiederfindet.
Leider haben sich seit der Tieferlegung der Jurarandseen die Existenzbedingungen für diese seltene Pflanze stark verschlechtert. Die Mehrzahl der eben genannten Arten findet sich zwischen Le Landeron und Neuenburg und besonders über dieser Stadt an den trockenen Hängen des Chaumont. Wir erwähnen ferner: Pulsatilla vulgaris, Alsine fasciculata, Linum tenuifolium, Geranium lucidum, Spiraea filipendula, Sedum maximum und S. reflexuni, Achillea nobilis (bei Neuenburg), Aster linosyris und A. amellus, Primula acaulis, Cyclaminus europaea, Allium pulchellum, Scilla bifolia; Ophrys muscifera, O. arachnites, O. api- ¶
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fera und O. aranifera (Cressier und Le Landeron). Einige dieser Arten sind an anderen Stellen im Jura und sogar in der ganzen Schweiz nicht wieder vertreten. Vor der Juragewässerkorrektion erfreute sich das Ufer des Neuenburgersees einer reicheren Flora als heute; verschiedene Arten sind entweder ganz verschwunden oder im Verschwinden begriffen, so Ranunculus lingua, Hottonia palustris, Utricularia vulgaris, Hydrocharis morsus ranae, Sagittaria sagittaefolia, Leucojum aestivum (einst zwischen Le Landeron und dem Bielersee häufig vorkommend).
Seitdem die Aare teilweise in das System der Jurarandseen abgelenkt ist, staut sich ihr Wasser zeitweise in den Neuenburgersee zurück, wodurch an dessen Ufer Pflanzen aus dem Mittelland gebracht worden sind: Myricaria germanica, Hippophaë rhamnoides, Inula Vaillantii (besonders am Fuss der Steilufer von Marin und auf der Landzunge von Préfargier). Besonders weit vorgedrungen ist die genannte Myricaria, deren mit einem Haarschopf versehene Samen am Strand unter Bevaix massenhaft Wurzel gefasst haben.
Interessante und seltene Pflanzen sind am Seeufer namentlich die bereits erwähnten Glaucium flavum und Adiantum capillus Veneris, dann Ranunculus flammula var. reptans, der westeuropäische Echinodorus ranunculoides (noch ziemlich häufig zwischen Auvernier und Colombier, sowie in der Umgebung von Chez le Bart und Saint Aubin; erreicht seine O.-Grenze der Verbreitung am Murtensee), Schoenoplectus pungens (Préfargier) und Scirpus maritimus, eine grosse Auswahl von Seggen (Carex) und massenhaft Ophrys arachnites, deren ausserordentlich leichte Samen vom Joran an den Strand von Marin und Cortaillod herabgeweht werden. In dem das Seeufer begleitenden Gebüsch unterhalb der Abbaye de Bevaix blüht Blackstonia perfoliata, und an mehreren Stellen haben sich zwei unserer Flora fremde Arten, die aus Nordamerika stammenden Oenothera biennis und Mimulus luteus angesiedelt.
Sumpfland findet sich im Gelände des Vignoble nur in beschränktem Umfang. Zu erwähnen sind die Moore zwischen Boudry und Bevaix mit zahlreichen Orchis palustris und mehreren Standorten von Orchis coriophora; das Moor um Le Loclat bei Saint Blaise mit Galium boreale, Crepis succisaefolia (vom Chaumont herabgestiegen), Schoenus nigricans, mehreren Seggen (Carex), Aspidium thelipteris und der aus dem N. stammenden und im ganzen Jura nur hier vorkommenden Lysimachia thyrsiflora.
Hier im Moor von Le Loclat kann man auch die in diesem Gebiet sonst selten blühenden beiden Seerosen, Nuphar luteum und Nymphaea alba, sehen. Die Wiesen- und Waldflora unterscheidet sich wenig von der der zentraleuropäischen Ebenen, so dass wir davon blos folgende Typen zu erwähnen brauchen: Primula acaulis und P. officinalis, verschiedene Veilchen (Viola), Hepatica triloba, Orobus vernus und O. niger, Platanthera bifolia und P. chlorantha, Luzula und zahlreiche Gräser.
Zum Vignoble kann man auch noch das durchschnittlich 800 m hoch gelegene kleine Plateau von Lignières rechnen, das aber wieder einige seltene Arten für sich besitzt. So in der Combe am Fussweg nach Neuenstadt Gagea lutea, Scilla bifolia, Anemone ranunculoides, Pulmonaria tuberosa und Lathraea squamaria; in den Torfmooren ö. und n. vom Dorf Prunus palus, Lonicera coerulea, Senecio spathulaefolius, Gentiana vulgaris (vom Chaumont unverändert herabgewandert) und die schöne Primula farinosa; in einem kleinen Moor w. vom Dorf gegen Neuenburg hin ein Standort von Fritillaria meleagris und nahe dabei im Gebüsch einige Exemplare von Erythronium deus canis. Diese beiden letztgenannten Arten stammen wahrscheinlich von Kulturversuchen her, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vorgenommen worden sind.
Verhältnismässig arm an Pflanzenarten sind das Val de Ruz und Val de Travers, wo wie beinahe keine der für den Vignoble charakteristischen südlichen Typen mehr finden. Die Flora der Naturwiesen und Wälder stimmt mit derjenigen des Mittellandes überein. Von seltenen Arten im Val de Ruz sind blos zu nennen Pulmonaria officinalis (zwischen Boudevilliers und Les Geneveys sur Coffrane), Vicia dumetorum und besonders Digitalis intermedia (längs der Bahnlinie zwischen Les Geneveys sur Coffrane und Les Hauts Geneveys); Hieracium humile und Saxifraga aizoon, die beide vom Chasseral bis an den Fuss der Gorges du Seyon herabgestiegen sind.
Am Weg durch die Gorges de l'Areuse ins Val de Travers treten der Reihe nach auf: Acer italum (am Gehänge hinauf bis zum Château de Rochefort), Limodorum abortivum, Coronilla coronata, Lunaria rediviva, Polygala chamaebuxus und Corydalis lutea (alle zwischen Rochefort und Brot Dessous), dann Globularia cordifolio, Potentilla caulescens und Aster alpinus (von den benachbarten Höhen stammend), Hieracium bupleuroides, Carex dioica, Adenostyles albifrons und A. alpina;
auf kalkigem Sturzschutt bei Noiraigue Iberis decipiens, die aber auch bis zur Mündung der Areuse hinunterwandert;
bei Travers Hieracium lanatum (an den Felsen der Combe Lambercier);
bei Couvet Arabis arenosa, Salvia verticillata und Narcissus incomparabilis, ein Bastard von N. radiiflorus mit N. pseudonarcissus;
in den Sümpfen von Môtiers Utricularia vulgaris var. neglecta;
zwischen Fleurier und Buttes (auch in den Schluchten des Doubs und bei Les Verrières) Polemonium coeruleum;
heim Pont de la Roche nahe Saint Sulpice Cerinthe alpina und um Les Verrières endlich Saxifraga granulata und zahlreiche Kratzdisteln (Cirsium).
Auf den nassen Wiesen in der Thalsohle zwischen Fleurier und Môtiers stehen zahlreiche Cirsien mit einer ganzen Reihe von Bastarden.
Für die Hochthäler, besonders diejenigen von Les Ponts und La Brévine, sind die seinerzeit schon von Charles Martins auf ihre Florenzusammensetzung hin untersuchten grossen Torfmoore glazialen Ursprunges charakteristisch. Hier findet man u. a. Carex filiformis, C. heleonastes und C. chordorrhiza, mehrere Vaccinien, Drosera rotundifolia und D. longifolia, dann auch die merkwürdige Betula nana aus dem N. Europas, die aber mit zunehmendem Abbau des Torfes allmählig verschwindet, wie dies auch für Alsine stricta und Saxifraga hirculus der Fall ist.
Durch eine grosse Anzahl von seltenen Typen zeichnet sich die Umgebung von La Brévine aus: Genista germanica, Cytisus decumbens, Hypericum Richeri, Ribes petraeum, Asperula tinctoria, Knautia longifolia, Serratula Vulpii (eine alpine Varietät der S. tinctoria), Daphne cneorum, Veronica austriaca und Lathyrus ensifolius (einziger schweizerischer Standort für diese beiden Arten). Auch der Lac des Taillières hat eine ihm eigene Florula mit Cicuta virosa; Potamogeton praelongus, P. zosterifolius und P. Friesii etc. Im Torfmoor von Bémont stehen einige Stämme der Betula nana × pubescens. Da das Klima von La Brévine für Klee und Esparsette zu rauh ist, sät man hier die weisse Winterblume (Chrysanthemum leucanthemum) und ein ¶
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hochstengelige und grossblumige Abart des Stiefmütterchens (die sog. Viola bella) aus, die zur Zeit ihrer Blüte der ganzen Gegend ein eigenartiges Gepräge geben. Das Gebiet zwischen der Thalsohle von La Brévine, der französischen Grenze und Les Verrières bildet ein 1100-1200 m hohes, weites Plateau mit bewaldeten Sennbergen und Naturwiesen, auf denen folgende Arten in Menge gepflückt werden können: Lathyrus heterophyllus, Hieracium monticola, Meum athamanticum, Hypochoeris maculata, Centaurea nigra, Cytisus decumbens, Streptopus amplexifolius, Mulgedium alpinum etc. 1867 hat man hier sogar Scorzonera humilis und 1899 auch Vicia orobus (einziger Standort in der Schweiz) entdeckt.
Bei sorgfältiger Untersuchung könnte man sehr wahrscheinlich noch mancherlei Neues finden. Weniger gut ausgestattet sind die Thäler von La Chaux de Fonds und Le Locle. Im erstern sind von Interesse die Pirola uniflora bei Les Éplatures, dann im Torfmoor von Pouillerel mehrere der schon bei La Brévine genannten Arten und am Ufer der Weier von Les Grandes Crosettes endlich das merkwürdige und nirgends häufig auftretende Ophioglossum vulgatum. Im Thal von Le Locle wachsen längs den Ufern des Bied die vom Doubsthal heraufgekommene Fritillaria meleagris und am Col des Roches mehrere Habichtskräuter (Hieracium), sowie schöne Polster von Thlaspi montanum und Androsace lactea.
Beim Abstieg vom Col des Roches nach Les Goudebas und Les Brenets trifft man einen schönen Bestand von Anemone ranunculoides und unzählige Fritillarien oder Schachblumen. Am Doubs selbst pflücken wir die seltenen Arabis arenosa, Linaria striata und Viola biflora (diese unterhalb Les Planchettes). Auf den bewaldeten Sennbergen und in den Tannenwaldungen zwischen Les Recrettes und Les Siméons (nahe bei Les Brenets) endlich blüht im Mai die sehr seltene Cardamine trifolia, die in der Schweiz zuerst 1874 entdeckt worden ist.
Die Gipfelregionen des Neuenburger Jura bieten in botanischer Hinsicht nicht alle das nämliche Interesse. Die reichste und abwechslungsvollste Flora haben der Creux du Van und der Chasseral. Am Boden des Creux du Van finden wir: Listera cordata, Empetrum nigrum, Cypripedilum calceolus, Pirola media und Hieracium Godeti;
Rhododendron ferrugineum hat man seit etwa 50 Jahren nicht mehr gesehen und ist ohne Zweifel ausgerottet;
auf kalkigem Sturzschutt Scrophularia Hoppei, Orobanche laserpitii, Linaria petraea, Erysimum ochroleucum, Centranthus angustifolius sowie das sehr seltene und 1903 wieder aufgefundene Erysimum strictum;
am Fuss der Roche aux Noms Galium aparine var. spurium, Anthriscus alpestris, Cynoglossum montanem und Bromus tectorum;
an den steilen Hintergehängen Poa caesia, Aster alpinus, Sedum dasyphyllum, Potentilla caulescens;
auf dem Dos d'Ane gegenüber der Ferme Robert Anthyllis montana und Stipa pennata;
am Fussweg von Les Veuillons auf den Soliat Poa hybrida;
am obern Rand des Felsenzirkus Bupleurum ranunculoides und B. longifolium, Allium fallax, Festuca pumila, Dryas octopetala, Androsace lactea, Anemone alpina und A. narcissiflora, Arnica montana und viele andere.
Soldanella alpina scheint seit einigen Jahren verschwunden zu sein. Auf der Montagne de Boudry blühen zahlreiche Cypripedilum, Pinguicula alpina, Epipogium Gmelini etc. Der Chaumont ist berühmt durch seine Rosen: Rosa spinulifolia, R. rubella, R. salaevensis, R. ferruginea, R. Godeti etc.;
nahe dem Meierhof L'Ile kann man Dryas octopetala und auf dem dortigen Sennberg Erigeron alpinus und Veronica aphylla sammeln;
an den Felsen nahe der Grenze gegen den Kanton Bern ein Standort von Sedum atratum.
Auf den Kalkschutthalden am Weg vom Val de Ruz durch die Combe Biosse auf den Chasseral treffen wir Scrophularia Hoppei, Heracleum alpinum und zahlreiche Sträucher von Daphne alpina;
höher oben Centranthus angusti folios, Orobanche flava und O. reticulata;
im Bett des zur Sommerszeit trocken liegenden Wildbaches Streptopus amplexifolius und Hieracium glabratum;
an den rechtsseitigen Gehängen Hieracium scorzonerifolium und mehrere Formen von Hieracium villosum;
schief aufwärts gegen den obersten Felskamm Allium victorialis, Anemone alpina und besonders Pedicularis jurana (eine Verwandte von P. foliosa), die am Chasseral nur auf Neuenburger Boden zu finden ist.
Nördl. unter der obersten Höhe des Chasseral liegt eine Argoviencombe mit Trifolium badium, Potentilla aurea, Polygala alpestris, Alchimilla alpina, Bartschia alpina, Aconitum napellus etc. Weit weniger reichhaltig ist die Flora der übrigen Gipfel und Kämme des Kantons Neuenburg. Wir nennen: am Grand Suvagnier (gegenüber dem Chasseron) Erinus alpinus;
an den Felsen n. über Noiraigue Crepis praemorsa, Thalictrum pubescens und Hieracium lanatum;
auf der Tourne Orobanche laserpitii, Arctostaphylos officinale, Coronilla vaginata, Rosa salaevensis, Cytisus decumbens und Narcissus radiiflorus.
Diese Narzisse, die die hochgelegenen Wiesen der Berge um das Val de Travers mit einem weissen Teppich überzieht, wird von der Tête de Rang an bis zum Chasseral durch Narcissus pseudonarcissus abgelöst. Die Tête de Rang ist arm: Alchimilla alpina, Androsace lactea und Lycopodium alpinum (dieses vor Kurzem von Ch. Meylan hier gefunden). In einem kleinen Torfmoor bei La Sagneule stehen Hieracium auricula var. alpina, Sweertia perennis, Primula furinosa. Am Abstieg über die Strasse von Les Loges nach Les Hauts Geneveys zeigt sich Heracleum alpinum, die zwischen 1000 und 1400 m fast überall im Kanton auftretende Charakterpflanze des Jura. Mit Hinsicht auf die geringe Flächenausdehnung ist die Flora des Kantons Neuenburg eine der reichhaltigsten der Schweiz.
[Prof F. Tripet.]
Landwirtschaft; Viehzucht.
Vor der Einführung der Uhrenfabrikation, der jetzigen Hauptindustrie des Kantons, beschäftigten sich die Bewohner Neuenburgs ausschliesslich mit Acker-, Wiesen-, Weinbau und Viehzucht. Die ersten Uhrenmacher teilten sich noch lange Zeit derart in die Arbeit, dass sie im Sommer den Boden bebauten und im Winter in der Werkstätte sassen. Erst im Lauf des 19. Jahrhunderts ist mit der immer rascher zunehmenden Entwicklung der beiden grossen Industrieorte Le Locle und La Chaux de Fonds diese Doppeltätigkeit allmählig verschwunden.
Der Boden ist im Kanton fast immer kalkig und tonig. Den Tongehalt liefern die auf den Hochflächen meist überall vorhandenen Mergel. Diese die rasche Infiltration des Oberflächenwassers verhindernde Tonschicht hat die Vornahme von Entwässerungsarbeiten notwendig gemacht, wie solche in den letzten Jahren beinahe im ganzen Kanton durchgeführt worden sind. Der Kalkgehalt ist je nach der Gegend sehr verschieden und kann von 0%-60% schwanken, beträgt aber im Durchschnitt 10-30%. Wie überall im Jura leidet auch hier der Boden im Sommer an zu starker Trockenheit, die einerseits auf den starken Kalkgehalt, andererseits auf das Fehlen von ausgibiger Taubildung und auf den Joran zurückzuführen ist, der im Sommer beinahe jeden Abend weht und die ¶