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Bader,
ursprünglich die Inhaber von Badestuben. Das warme Baden [* 2] war im Mittelalter eine in Deutschland [* 3] ganz allgemein verbreitete Sitte und ward als unentbehrliches Lebensbedürfnis betrachtet; ¶
forlaufend
man benutzte, wie jetzt noch im Orient, den Besuch einer Badestube, um mancherlei körperliche Säuberungen, Abnehmen oder Stutzen des Bartes, Verschneiden der Haare [* 5] und der Nägel [* 6] u. dgl. vornehmen zu lassen. Die Badeknechte reinigten den Körper der Gäste in jeder Beziehung. Sie griffen auch in das ärztliche Gebiet ein, indem sie schröpften, Hautkrankheiten [* 7] und offene Schäden behandelten. Sodann zogen diese Badeknechte mit ins Feld, wo sie sich mit Bartscheren (daher Feldscherer) und der Pflege der Verwundeten abgaben, und diese beiden Beschäftigungen pflegten sie auch nach der Rückkehr in die friedlichen Verhältnisse zu betreiben.
Von ihnen zweigte sich die besondere Zunft der Barbiere (von barbaris, Bartscherer) ab, die mit den eigentlichen
in Bezug auf die Pflege des Bartes in Konkurrenz trat und sich das Vorrecht errang, auch außer der Barbierstube barbieren zu
dürfen, während die
Bader auf ihre Badestube beschränkt blieben. Beide Gewerbe galten lange als anrüchig, weil man die
Dienste,
[* 8] die sie für Geld am Körper anderer verrichteten, für unehrenhaft und sklavisch ansah und die wachsende Zügellosigkeit
in den Badestuben Besitzer von solchen in üblen Ruf brachte.
Schon König Wenzel suchte sie 1406 durch ein Privileg ehrlich zu machen, indessen ohne viel Erfolg, desgleichen die
Reichspolizeiordnungen von 1548 und 1577; ja noch 1731 wurden Reichstagsverordnungen gegen diese Anrüchigkeit
erlassen, die sich verlor, seit die Barbiere mehr und mehr zugleich als Chirurgen auftraten und, neben Schröpfen und Aderlassen,
auch Wunden und äußere Schäden behandelten, woneben immer noch das Barbieren eine einträgliche Seite ihres Gewerbes blieb.
In einzelnen Gegenden, namentlich in Süddeutschland, nehmen die
Bader auf dem Lande noch fast ganz die alte
Stellung ein, sind angesehen und werden vom Volke «Doktor» tituliert. Über die neuern Verhältnisse des Barbiergewerbes s.
Barbier.
Vgl. Benecke, Von unehrlichen Leuten (2. Aufl., Berl. 1889).