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Heute Abend ist Spannung garantiert
45. Concours Eurovision de la Chanson 2000 in Stockholm
Einmal im Jahr heisst es seit 1956: «May we have your points please?». In diesem Jahr macht der Grand-Prix-Tross im hohen Norden, in Stockholm Halt. Als Schweizer Vertreterin ist Jane Bogaert dabei.
Von ROGER KOLLY
«Schuld» am Austragungsort Stockholm ist die letztjährige Gewinnerin Charlotte Nielsen, die mit ihrem Abba-Revival «Take me to your heaven» die Grand-Prix-Krone zum vierten Mal nach Schweden geholt hatte. Der Sieg am Concours Eurovision de la Chanson hat ihr aber nichts eingebracht. Sie versank wie so viele vor ihr in die Vergessenheit hinab. Andere Gewinner des Grand Prix konnten mehr Profit aus dem Sieg herausschlagen, wie zum Beispiel die Israelin Dana International, die 1998 gewann, oder die für die Schweiz startende Kanadierin Céline Dion, die 1988 triumphierte. Die erfolgreichsten Gewinner des Grand Prix waren die Griechin Vicky Leandros, die 1972 für Luxemburg siegte, oder Abba, die mit ihrem Song «Waterloo» 1974 Musikgeschichte schrieben.
Viele Favoriten
Ähnlichen Erfolg erhofft man sich auch vom Sieger, der an diesem Abend gekürt werden wird. Selten wie nie zuvor hat es so viele Favoriten für einen Gewinn des Grand Prix gegeben. Gleich acht von insgesamt 24 Staaten werden zum engeren Favoritenkreis gezählt. So zum Beispiel Holland, Österreich, Estland, Lettland, Grossbritannien, Russland, Israel und Malta. Mit grosser Verwunderung bestaunt man in diesem Jahr die hohe Qualität der früheren Ostblockstaaten. Noch nie konnte ein östliches Land den Grand Prix gewinnen. Im Jahre 2000 stehen die Chancen nicht schlecht, obwohl der Sieg wie so oft über das Englische Königreich führen wird. Die Interpretin Grossbritanniens heisst Nikki French, und sie wird mit ihrem Song «Don’t play that song again» eine eingängige Melodie vorsingen, die ganz im Stil ihrer Vorbilder – die Gruppe Abba – sein wird.
Eurovisions-Song kann für
Aufruhr sorgen
Die Israelis, die ebenfalls zu den Favoriten zählen, werden mit einem frohen Farbtupf aufwarten: Die Gruppe Ping Pong versucht es Dana International gleichzutun, um den Grand Prix zu gewinnen. Der Song «Sa’me’akh» ist aber in Israel sehr umstritten und hat sogar in der Knesset, im israelischen Parlament, für Aufruhr gesorgt. Mit ihrem Text, der sich für die Gleichberechtigung der homosexuellen Paare einsetzt, führte bereits in Jerusalem zu Demonstrationen.
Seit 25 Jahren wartet Holland auf den Sieg. 1975 gewannen die Niederländer zum letzten Mal, und dies (was für ein Zufall) in Stockholm. Heuer gehören sie durch den Techno-Song «No goodbyes» von Linda zu den Favoriten. Österreich hingegen geht mit einem Frauen-Trio auf Punktefang. Die Rounder Girls werden mit dem Lied «All to you» zwar in den Wettlisten hoch gehandelt, doch eigentlich niemand erwartet einen Sieg von Österreich, die seit 1966 wieder auf einen Gewinn hoffen. Damals holte der unvergessliche Udo Jürgens den Sieg zum ersten und bis anhin zum letzten Mal nach Österreich. Erwartet wird kein Sieg unseres östlichen Nachbarlandes, weil der Concours Eurovision leider auch ein klein wenig das Spiegelbild der aktuellen Politik des jeweiligen Landes darstellt, und da sind bekanntlich die Österreicher nicht gerade zu beneiden.
Hoffnung, den Concours Eurovision de la Chanson zum ersten Mal zu gewinnen, haben die Vertreter aus Estland, Lettland, Russland und Malta. Die beiden baltischen Staaten haben dabei wohl die grössten Siegeschancen. Sollten diese beiden Länder gewinnen, wird die Finnische Hauptstadt Helsinki den nächsten Grand Prix austragen, weil diese beiden Länder keine geeignete Halle für diesen Anlass hätten. Malta seinerseits plant bereits jetzt den Grand Prix 2001, der gemäss dem Maltesischen Fernsehen eine Open-Air-Aufführung im Valletta-Fussballstadion sein würde.
Auch «Hunde» sind dabei
Ein weiterer Farbklecks wird es bei der Aufführung des deutschen Songs geben: Stefan Raab, einer der bekanntesten Fernsehmoderatoren in Deutschland, hat es geschafft, mit dem Hundelied «Wadde Hadde Dudde Da» die Herzen des deutschen Fernsehpublikums zu begeistern. Es wird kaum angenommen, dass der gelernte Metzger auch die Ohren und die Herzen der europäischen Fernsehzuschauer erstürmen wird. Alles andere als ein 20. Rang wäre eine echte Überraschung.
Doch aufgepasst: 1998, als Guildo Horn auftrat und alle sagten, dass dieses Lied kaum unter die besten zwanzig Ränge kommen würde, versagten alle Prophezeiungen. Guildo Horn mit «Guildo hat euch lieb», ein Lied, das übrigens von Stefan Raab komponiert wurde, landete überraschend auf dem 7. Rang. Die Schweiz gab damals den Deutschen das Punktemaximum.
Miss Schweiz singt für die Eidgenossenschaft
Apropos Schweiz: Nach der katastrophalen Organisation der Schweizer Vorausscheidung hat sich alles um die Teilnahme von Jane Bogaert beruhigt. Die gebürtige Solothurnerin wird versuchen, mit ihrer eingängigen Ballade «La vita cos’é» die Kohlen für die Schweiz aus dem Feuer zu holen. Dass sie bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat, zeigt ein Blick in ihre Vergangenheit. Mit 19 wurde sie Miss Schweiz, und nachdem sie sich der Musik zuwandte, holte sich Jane auch dort goldene Lorbeeren. So durfte sie bereits schon mit Al Jarreau, David Hasselhoff und Rio Reiser zusammen singen. Und schliesslich ist sie nach der Trennung von Al Bano und Romina Power die aktuelle Partnerin von Al Bano.
Das erklärte Ziel von Bernie Staub, dem Komponisten von «La vita cos’é» ist ein Rang unter den besten zehn. Das wird wohl eine «Mission impossible», doch Wunder gibt es bekanntlich immer wieder.
Auf der aktuellen Wettliste wird die Schweizer Vertreterin zusammen mit Island und Schweden auf dem 12. Rang geführt. Doch auch ein 12. Platz wäre nach den katastrophalen Grand-Prix-Jahren der jüngsten Vergangenheit ein Jubelresultat für die Concours-Fans. 1994 zum Beispiel resultierte ein 17. Rang, 1996 ein 16., 1997 gar nur ein 23. Platz. Das absolute Fiasko wurde 1998 mit der Bernerin Gunvor erreicht, als diese mit null Punkten nach Hause kam. Positiv denken, denn es kann eigentlich nur besser werden!
Und Hoffnungen auf eine aktive Teilnahme am Grand Prix 2001 muss sich die Schweiz auch nicht machen. Denn nach den Qualifikationskriterien der Eurovision müsste die Schweiz 163 Punkte ersingen, was heissen würde, dass Jane Bogart gewinnen müsste, damit die Schweiz im Jahre 2001 wieder dabei sein könnte. Um die Qualifikation zum nächsten Grand Prix zu sichern, wird der Durchschnitt der letzten fünf Teilnahmen beigezogen. Die Schweiz ist zusammen mit Rumänien dabei das schlechteste Land in der Rangliste.
Beliebtheit des Landes entscheidet
Auch in diesem Jahr können die Fernsehzuschauer über Sieg und Niederlage entscheiden. Ob diese Art der Abstimmung gut oder schlecht ist, sei dahingestellt. Offensichtlich ist aber, dass beim «Televoting» eher die Beliebtheit eines Landes entscheidet als die Qualität eines Liedes. So zum Beispiel wird Deutschland mit hoher Wahrscheinlichkeit der Türkei wieder zwölf Punkte geben. Auch die Schweizer haben durch das «Televoting» die Liebe zum nördlichen Nachbarn bekundet. So wird es auch in diesem Jahr wohl nicht anders sein, als dass sich die Schweizer und Schweizerinnen für den deutschen Beitrag entscheiden werden. Der Vorteil einer Zuschauerabstimmung ist aber, dass eine repräsentativere Selektion gemacht werden kann, als man dies fr