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Fernen
Aug in Aug, in der Kühle,
lass uns auch solches beginnen;
gemeinsam
lass uns atmen den Schleier,
der uns voreinander verbirgt,
wenn sich der Abend anschickt zu messen
wie weit es noch ist
von jeder Gestalt, die er annimmt
zu jeder Gestalt,
die er uns beiden geliehn.
(Paul Celan, „von Schwelle zu Schwelle“ 1952 -54)
(*Celan selbst soll darauf hingewiesen haben, dass man seinen Nachnamen auf der ersten Silbe betont, nicht auf der zweiten. Mir scheint dies kein unwichtiger Hinweis, wenn man den Hintergrund eines Namens betrachtet: Paul Celan stammte aus Rumänien und lebte ab 1948 in Paris. Seine Eltern wurden 1942 deportiert, seine Mutter von einem SS-Mann erschlagen. 1952 (knapp 8 acht Jahre nach dem Genozid!) wurde er von Mitgliedern der deutschen Nachkriegs-Literatur-Gruppe 47 für sein nazi-kritisches Gedicht „Todesfuge“ offenbar ausgespottet. Im Gedicht verleiht Celan seine Stimme den vernichteten Juden. Später hat Paul Celan den Büchner-Preis bekommen, einen der renommiertesten Literaturpreise, und natürlich kann man seine Gedichte lesen/analysieren/interpretieren, ohne zu wissen, wer er war und was er erlebt hat. Bevor ich die Hintergründe zu Celans Leben las, dachte ich: jedes Gedicht schwappt irgendwie über vor Qualen und Schmerz. Nachdem ich ein bisschen gelesen habe, was er erlebte (und im Prinzip spricht er ja nicht nur für sich, sondern für eine ganze „Gruppe“ respektive er könnte sogar für eine ganze Generation ((2 Generationen?) sprechen!), verstehe ich besser, woher dieser Ton bei Celan her kommt. Genaugenommen kann ich mir nicht vorstellen, wie Celan auch nur ein einziges fröhliches Gedicht hätte schaffen können …) Und doch sind seine Gedicht im Kern so weich …. sie klirren, sie sind unversöhnlich … und sie sind weich ….