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Am Beispiel der Bewerbungsdossier «Davos 2010» und «Salzburg 2014» sowie «München 2018» und «St. Moritz 2022» ist bekannt, dass das IOC nicht nur seine Host City-Verträge mit den Veranstaltern erst nach der willkürlichen Vergabe der Spiele abschliesst, sondern knallhart seine Rechte sichert. Alle Wunschvorstellungen, Beteuerungen und Versprechungen werden auch im Bewerbungsdossier für «Graubünden 2026» sehr schnell zur Makulatur.
Zur Zeit existiert nicht mehr als eine – natürlich positive – Machbarkeitsstudie für 2026. Erst nach gewonnener Bündner-Abstimmung am 12. Februar 2017 wird ein Vorprojekt (Applicant City) lanciert, das dann die Hürden beim IOC nehmen muss: die Vorselektion und wenn genehm, die erlaubte Kandidatur als Candiate City. Und nach einer allfälligen Vergabe der Spiele nach Graubünden bleibt vieles für das IOC immer noch nicht verbindlich. Bei einer Kandidatur zu Olympischen Winterspielen sollte das Bewerbungsdossier für Bund, Kanton und Ausrichterorte behördenverbindlich vorliegen. Dieses Dossier müsste ebenfalls für die Veranstalter, der Swiss Olympic und dem IOC, vor und nach der Vergabe verbindlich sein. Nach bewilligten Krediten durch Bund, Kanton und Ausrichterorte, darf keine weitere öffentliche Nachfinanzierung erfolgen. Es braucht verbindliche Zusagen des IOC, dass an der Kandidatur, die dem Volk vorgelegt wird, nichts mehr verändert wird. Die gab es am 3. März 2013 nicht und die wird es bei der Abstimmung am 12. Februar 2017 und auch nicht im September 2018 geben.
Die Olympischen Winterspiele sollten gemäss der Kandidatur Vancouver 2010 zwei Milliarden Dollar kosten und 51 Millionen kanadische Dollar Gewinn bringen. Dazu sind in alter IOC-Tradition die gesamte Infrastruktur und die Kosten für Sicherheit (sie stiegen von anfangs 117 Millionen Dollar auf 712 Millionen Dollar) nicht enthalten. Die offiziellen Gesamtkosten liegen bei sieben bis acht Milliarden kanadischer Dollar (ca. 6 Milliarden €). Das Defizit beträgt nach Auskunft des Finanzministers von British Columbia 925 Millionen kanadische Dollar (rund 713 Mill. €), die die Stadt über Jahrzehnte zurückbezahlen muss – 17 Jahre Schuldendienst für 17 Feier-Tage.
Aus den Erfahrungen der vergangenen Winterolympiaden warnen wir nicht nur vor der Umweltzerstörung, sondern auch vor einem drohenden finanziellen Desaster. Die wirtschaftlichen Erwartungen sind erfahrungsgemäss im Vorfeld von Olympiaden so hoch, dass sie nicht erfüllt werden können. Dies bestätigen Untersuchungen in Lillehammer, Calgary und Albertville: Die positiven wirtschaftlichen Auswirkungen beschränken sich auf die Phase kurz vor, während, und kurz nach der Durchführung der Winterolympiade. Die langfristigen positiven Auswirkungen auf Arbeitsplatzstruktur und Gesellschaft sind in den Austragungsorten und der Region gering: siehe Studien von Stettler und Teigland.
Seit 1915 hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) seinen Sitz in Lausanne und ist ein nach Schweizer Recht eingetragener Privatverein. Das IOC verfügt über die Olympischen Spiele und ist «Eigentümer» der olympischen Symbole und der Spiele. In der Olympischen Charta sind keine grossen ethischen oder sportphilosophischen Abhandlungen zu finden, im Gegenteil: In ihr und in dem Host City Contract mit den Gastgeberorten sind die Geschäftsbedingungen für die Vergabe der Olympischen Sommer- oder Winterspiele geregelt – und zwar genauestens.
Denn es geht um Geld, und zwar um immer mehr Geld. Wie der Fussball-Weltverband FIFA im Fall der WM zwingt das IOC jeder Regierung, die Olympische Spiele ausrichten möchte, Steuerbefreiung ab. Denn dieser Privatverein nach Schweizer Recht ist de facto ein globaler Konzern, verhandelt mit Staaten und Organisationen wie den UN und besitzt fast diplomatischen Status, unbehelligt von Strafgesetzen oder internationalen Konventionen.
Die Alpen waren schon mehrmals Austragungsort für die Olympischen Winterspiele, zuletzt 2006 in Turin. In den letzten Jahren scheiterten alle Kandidaturen aus den Alpen, sei es, weil das Internationale Olympische Komitee (IOC) anderen, mächtigeren Kandidaten den Vorzug gab, sei es, weil die örtliche Bevölkerung sich dagegen aussprach.
Eine Auswertung der Erfahrungen zeigt: In Demokratien wie den Alpenländern haben Olympische
Winterspiele einen schweren Stand. Die Menschen sind nicht mehr bereit, ausufernden Gigantismus, Umweltschäden, unkalkulierbare Kosten und das Diktat des allmächtigen IOC zu akzeptieren. Die vorliegende Sammlung von Erfahrungsberichten, Argumenten und fachlichen Informationen legt dar, warum Olympische Winterspiele in ihrer derzeitigen Form in den Alpen keinen Platz mehr haben.