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Im US-Bundesstaat Oregon hat erstmals ein Gericht entschieden, einen Menschen rechtlich als «non-binary» (nicht-binär) anzuerkennen.
Nicht-binäre Personen empfinden weder die Bezeichnung «Frau» noch die Bezeichnung «Mann» als zutreffend für sich und definieren ihr Geschlecht ausserhalb dieser Kategorien. Das hat unter anderem auch Auswirkungen auf die Sprache und darauf, wie diese Menschen angesprochen werden möchten.
Offiziell ist damit Jamie Shupe die erste als nicht nicht-binär anerkannte Person in den Vereinigten Staaten. Jamie wird am liebsten mit Vornamen angesprochen, wie die britische Zeitung «The Guardian» schreibt. Und statt «he» oder «she» bevorzugt sie die Pluralform «they».
Vom Mann zur Frau zu nicht-binär
Jamie lebte den grössten Teil ihres Lebens als Mann. Damals diente «er» in der US-Armee, ist mit einer Frau verheiratet und hat mir ihr eine Tochter. Wie Jamie dem «Guardian» erzählte, hätte «sie» schon als Kind gespürt, dass sich die Zuteilung zum männlichen Geschlecht nicht richtig anfühlte. Aber «sie» hätte keine Möglichkeit gehabt, dies auszudrücken oder auszuleben.
Erst vor einigen Jahren, im Alter von 49, entschied sich Jamie für eine Hormonbehandlung, um vom Mann zur Frau zu werden. Jamie stellte dann aber fest, dass sich die Bezeichnung «Frau» auch nicht «richtig» anfühlte. Im letzten April folgte der Antrag bei einem Gericht im Heimatstaat Oregon, um als nicht-binär anerkannt zu werden.
Transgender-Gemeinde «hoch erfreut»
Die Reaktionen der Transgender-Community auf die erste derartige Anerkennung in den USA fielen äusserst positiv aus. Der «Guardian» zitiert etwa die in New York ansässige Organisation «Lambda Legal», die sich für die Rechte von Homosexuellen, Bisexuellen und Transgender-Menschen einsetzt: Klassische Genderbezeichnungen seien nicht für alle Menschen zutreffend. Entsprechend sei der Antrag von Jamie sehr bedeutend für Menschen, die ohne für sie zutreffende Bezeichnungen leben müssten.
In der Schweiz ist diese rechtliche Anerkennung nicht möglich. Das zieht besondere Benachteiligungen nach sich.
Das Transgender Network Switzerland (TGNS) gab nach einem Aufruf von SRF News auf Twitter ebenfalls eine Stellungnahme ab. Präsident Henry Hohmann zeigte sich «hoch erfreut» über den Entscheid aus den USA: In der Schweiz sei diese rechtliche Anerkennung nicht möglich. Dies ziehe besondere Benachteiligungen nach sich, da das Schweizer Rechtssystem und die Gesellschaft zweigeschlechtlich aufgebaut seien. Nicht-binäre Personen fielen damit oft durch das Raster. Ähnlich äusserte sich Transgender Europe.
Es gibt ganz viele Menschen auch in der Schweiz, die froh wären, eine solche Kategorie zu haben.
Lovis Cassaris, Co-Präsidentin der Lesbenorganisation Schweiz (LOS), spricht von einer «wunderbaren» Entwicklung: «Kommen wir doch ein bisschen weg von ‹nur männlich› oder ‹nur weiblich›. Es gibt ganz viele Menschen auch in der Schweiz, die froh wären, eine solche Kategorie zu haben.»