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Grandes Jorasses - Speedrekord

28.12.2008
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Ueli stellt neuen Speedrekord am Grandes Jorasses auf: 2h 21Min
Ueli Steck klettert alle drei grossen Nordwände in den Alpen in Rekordzeit und solo
Mit der Speedbegehung am Grandes Jorasses hat Steck nun die dritte der drei grossen Nordwände in den Alpen mit 2 Stunden und 21 Minuten in Rekordzeit und solo begangen !
Am Sonntag, 28. Dezember 2008 klettert Ueli Steck die Nordwand des Grandes Jorasses über die Colton-McIntyre Route auf den höchsten Gipfel, die Pointe Walker (4208m), in 2 Stunden und 21 Minuten. Die Grandes Jorasses ist ein mehrgipfliger Berg im Mont-Blanc-Massiv in den Alpen, an der Grenze zwischen Frankreich und Italien.
Somit hat Steck alle drei grossen Nordwände (Eigernordwand, Matterhorn und Grandes Jorasses) in den Alpen mit einem Speedrekord geklettert. Am 13. Februar 2008 verbesserte er seinen eigenen Rekord von 2007 um mehr als 60 Minuten und klettert die klassische Heckmair Route in der Eigernordwand in 2 Stunden, 47 Minuten und 33 Sekunden. Am 14. März 2006 klettert Steck die technisch anspruchsvolle Bonatti Route am Matterhorn in 25 Stunden. Das bedeutete zwar nicht die schnellste Begehung der Matterhorn Nordwand überhaupt, ist aber ein absoluter Rekord auf dieser historischen Route. Walter Bonatti benötigte für seine Erstbegehung 1965 fünf Tage. Die Französin Catherine Destivelle kletterte 1990 die gleiche Route – ebenfalls solo – in drei Tagen.
Ueli Steck fehlte bis dato nur noch die Speedbegehung am Grandes Jorasses. Allein der Zustieg zu dieser Wand ist weit und abgelegen. Es ist eine grosse Herausforderung für einen Sologänger. Am 27. Dezember 2008 stellt Steck sein kleines Mountain Hardwear Zelt unweit vom Wandfuss auf dem Gletscher auf. Er verbringt den ganzen Nachmittag damit, die Wand zu studieren. Der Unterschied zum Eiger Rekord: er kennt die Route nicht. Für ihn ist die Route absolutes Neuland.
Die bis dahin schnellste Zeit an der Grandes Jorasses wurde über die Route „Linceule“ - die sich ganz Links in der Wand befindet - gemessen. Eine Schnee und Eisflanke. Technisch einfach. Jean Marc Bovin kletterte sie 1977 in 2 Stunden und 45 Minuten vom Bergschrund aus auf den Gipfel. Diese Route hat aber nichts mit der Grandes Jorasses Wand zu tun. Die schnellste Begehung der eigentlichen Grandes Jorasses Nordwand wurde in etwas unter 4 Stunden begangen - auch über die Colton-McIntyre Route. Diese Zeit war bis zum 28. Dezember 2008 relevant.
Die Nacht war kalt. Das Thermometer misst am Morgen Minus 16 Grad. Eigentlich nicht optimal für einen Speedrekord. Trotzdem: Steck probiert es. Es wird eine richtige und sehr kalte Winterbegehung. Nach einem ausgiebigen Frühstück geht’s los. Mit dabei: ein 50 Meter 5 mm Dyneema Seil, 2 Eisschrauben, 4 Karabiner, ein Abseilgerät und 2 Normalhaken. Minimale Ausrüstung. Zusätzlich zum Schutz gegen die extreme Kälte eine speziell isolierte Jacke: ein Mountain Hardwear Compressor Hooded Jacket. Um ganz sicher zu sein, beginnt Steck auf zwei Suunto Uhren die Zeit zu stoppen. 1100 Meter stehen ihm bevor. Die Eisverhältnisse sind perfekt: nicht zu hart. Die Eisgeräte geben guten halt. Einen Pickelschlag um den anderen steigt Steck höher. Bis in die Wandhälfte über die McIntyre Route. Dann steigt Steck über die zwei senkrecht bis überhängenden Eisseillängen von der Route Alexis. Eine schwierigere Variante. Die letzten 350 Meter sind die anspruchsvollsten. Wieder zurück auf der Originalroute, ist der Fels sehr schwer zu klettern. Es ist ein heikles Klettern mit Eispickeln im Fels. Die Temperaturen sind zu kalt, um die Handschuhe auszuziehen. Steck klettert mittels der so genannten Drytooling Technik weiter. Steil bis überhängend geht es Richtung Gipfel zu. Die Passagen in diesem Wandteil wurden bei der Erstbegehung mit Haken technikartig überwunden. Steck klettert das Ganze seilfrei und ohne jegliche Absicherung.
2 Stunden und 21 Minuten später, nach dem er das Zelt am Wandfuss verlassen hat, steht Steck auf der Gipfelwächte der Pointe Walker, der mit 4208m der höchste Punkt des mehrgipfligen Grandes Jorasses Berg im Mont-Blanc Massiv ist.
Nun hat Steck alle drei grossen Nordwände in den Alpen solo bestiegen. Und alle drei in absoluter Rekordzeit.
Photos: Jonathan Griffith