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Einführung
Überlegungen, wie sich die Menschen gemeinschaftlich organisieren wollen, wurden bereits vor der griechischen Antike angestellt. Ob sich der Mensch, wie Platon dies auffasste, als „zoon politikon“, also als Lebewesen in der Staatsgemeinschaft, in der heutigen freiheitlichen Demokratie als vernünftiger Souverän verhält, sei dahin gestellt: Die liberale Ausrichtung, welche die Freiheit des Einzelnen und dessen Schutz sowie das Gebot der Gleichbehandlung aller als Kernelement besitzt, lohnt es genauer zu studieren. Wie verhält sich der Staat in seiner weltanschaulich-religiösen Neutralität, wenn gesellschaftliche Stigmata beispielsweise zum Burkaverbot führen? Geht vom Tragen von religiös konnotierter Bekleidung eine akute Gefahr für die Freiheit der anderen Bürgerinnen und Bürger aus?
Die Frage, wie der Staat auf die Besonderheiten und somit auf die Freiheiten der Bevölkerung reagieren soll, ist nicht nur eine politische, sondern auch eine philosophische Frage. Gerade in multikulturellen und pluralistischen Gesellschaften stellen sich solche mit besonderer Brisanz.
Dass die politische Philosophie aber nicht auf die Ausdeutung des Begriffes „liberal“ beschränkt ist, versteht sich sofort, wenn nach der Rechtfertigung des Staatswesens gefragt wird: Wie lässt sich die staatliche Autorität begründen? Eine Antwort hierauf bietet die Vertragstheorie, welche im Themendossier genauer vorgestellt wird.
Der politischen Philosophie kommt somit die Aufgabe zu, die Bedingungen der Politik zu reflektieren, um dabei analytisch die Strukturen politischen Handelns aufzudecken, Begriffe wie „Gerechtigkeit“ oder „Freiheit“ zu schärfen oder normativ nach dem Idealzustand des sozialen Zusammenlebens zu fragen.
Fragt man die Berner Professorin für politische Philosophie, Anna Goppel, nach den Berührungspunkten des politischen Tagesgeschäftes und der Philosophie sagt sie: „Konkrete politische Themen haben immer mehrere Dimensionen: Neben pragmatischen werfen viele Themen auch normative Fragen auf. Dies ist etwa ersichtlich am Beispiel der Migrations- und Flüchtlingspolitik: Welche Verantwortung haben die Staaten Europas, Flüchtlinge aufzunehmen? Gibt es einen Anspruch der Immigrationswilligen, in gewisse Länder einreisen zu können, oder haben Staaten das Recht, Migration nach ihrem Gutdünken zu regeln? Bei solchen Fragen ist es sinnvoll und gewinnbringend, die Perspektive der politischen Philosophie zu berücksichtigen.“
Alle Blogbeiträge
- Verantwortung, wenn alles schief geht, Dr Ulrike Heuer, Associate Professor, University of Leeds
- Dissens zur Moral des Krieges, Dr. Dr. Nadia Mazouz, ETH Zürich
- Frieden und Gerechtigkeit, Vertr.-Prof. Dr. Fabian Wendt, Universität Bielefeld
- Die Idee der Universität, Ruth Rebecca Tietjen, Universität Tübingen
- Verletzte Dinge. Gibt es Gewalt gegen Sachen?, Dr. Dr. Dietrich Schotte, Philipps-Universität Marburg
- Der quasireligiöse Glauben an die Nation, Prof. Dr. Francis Cheneval, Universität Zürich
- Politik der Wahrnehmung, Dr. Martin Huth, Universität Wien
- Von der "Stadt der Notwendigkeit" zur "gereinigten Stadt" - Die Funktion der Polis in der Platonischen Philosophie, Mag. Thorsten Holzer, Universität Wien
- Apocalypse Now? Zum Motivkern philosophischer Zukunftserwartungen zwischen technischer Utopie und menschlicher Selbstvernichtung, M.A. Nikolai Plösser, Bergische Universität Wuppertal
- Links und Rechts?, Prof. Dr. Francis Cheneval, Universität Zürich
- Wieso Meinungsäusserungsfreiheit?, lic. phil. Christoph Laszlo, Ethik-Zentrum, Universität Zürich
- Der Terror von Paris - und warum Krieg die falsche Antwort ist. Ein Plädoyer für ein neues Sicherheitsverständnis, Dr. Martin Booms, Akademie für Sozialethik und Öffentliche Kultur Bonn
- Kann politische Philosophie realistisch sein?, Prof. Dr. Urs Marti, Universität Zürich
- Theorien zur Gerechtigkeit heute. Ein Überblick, Dr. Michael G. Festl, Universität St. Gallen
- So nah und doch so fern? Was sollen wir für Fremde in Not leisten?, Dr. Rebecca Gutwald, Ludwig-Maximilians Universität München
- Wem gehört eingentlich die Welt?, Dr. Simon Weber, Universität Bonn
- "Einer für alle, alle für einen." 2.0, Sahra Styger, wiss. Mitarbeiterin Philosophie.ch
- Menschenwürde (im Sozialstaat) zwischen Anspruch und Selbstverantwortung, Michaela Müller und Prof. Peter Mösch, Hochschule Luzern
- Wir und die Anderen: Migration als ethische Frage?, Veranstaltungsankündigung
- Gibt es ein Recht auf Einwanderung?, Prof. Dr. Martino Mona, Universität Bern
- Transhumanismus und menschliche Natur, Von Ass.-Prof. Martin G. Weiß, Universität Klagenfurt
- Multikulturelle Bürgerschaft, Anja Leser, Präsidentin Philosophie.ch
- Moralischer Status menschlicher Embryonen, Von Ass.-Prof. Martin G. Weiß, Universität Klagenfurt
- Nudging | Früher aufstehen, Prof. Arnd Pollmann, Universität Hamburg
- Zum demütigenden Charakter relativer Armut, Dr. Chris Neuhäuser, Universität Bochum
- Philosophisches Themendossier "Politik & Philosophie", Anja Leser, Präsidentin Philosophie.ch
- Was ist politische Philosophie?, Anja Leser, Präsidentin Philosophie.ch
- Was heisst "Die Würde des Menschen ist unantastbar?", Ass.-Prof. Martin G. Weiß, Universität Klagenfurt
- Politische Repräsentation, Fiona Dillier, Universität Bern
- Publikationshinweis: Politische Philosophie als kritische Praxis, James Tully, Universität von Victoria, Kanada.
- Meisterdenker der Freiheitsphilosophie, NZZ Libro-Verlage
- Was ist Biopolitik?, Prof. Martin G. Weiß, Universität Klagenfurt
- Nationalität gegen Nationalismus: Ideen für ein friedliches Europa, Catherine Buchmüller, Universität Fribourg
- Der Blick von Aussen auf europäisches Denken? Interkulturalität und Andine Philosophie, Dr. Johannes M. Waldmüller, Universität New York und Universidad Andina Simón Bolívar, Quito
- Bedingungsloses Grundeinkommen als Frage des Menschenbildes, Chantal Lahnstein, Universität Koblenz-Landau
- Der Transhumanismus als politische Bewegung, Prof. Dr. Anne Siegetsleitner, Universität Innsbruck
- Über die Relevanz der Sprache in der politischen Philosophie, Kai Pege, Sprachanalytisches Forum
- Ein Argument gegen ein Argument gegen die Quote, Dr. Christine Bratu, Ludwig-Maximilians-Universität München
- Was bedeutet eigentlich "Nachhaltigkeit"?, Prof. Dr. Paul Burger & Dr. Marius Christen, Universität Basel
- Conditio Humana - So lebt der Mensch., Dr. Sophie Loidolt, Universität Wien
- Thomas Hobbes: Befreiung durch Unterjochung, Tommaso Manzin, Studium der Volkswirtschaft und Philosophie, Journalist
- Nicht jede Stimme zählt (gleich viel): ein Gewinn für die Demokratie?, Alice el-Wakil, Doktorandin, Universität Zürich
- Utilitarismus/Opportunismus: Neuigkeiten aus dem "deutschen kulturellen Raum", Prof. Dr. Michael Schefczyk, Professor für Praktische Philosophie am Karlsruher Institut für Technologie KIT
- Politik, Macht, Gewalt - Konflikttheorie versus Menschheitsutopie, Prof. Rolf Zimmermann, Universität Konstanz
- Warum ist Recht ungleich Gerechtigkeit?, Prof. Martino Mona, Universität Bern
- Ein Politikum auf zwei Rädern, Jana Bochet, Junior Assistant Lehrstuhl politische Philosophie, Universität Zürich
- Prometheia - Voraussicht als politische Tugend, Prof. Urs Marti, Universität Zürich
- Mehrsprachigkeit: Hindernis oder Chance für die Demokratie?, Catherine Buchmüller-Codoni, Universität Fribourg
- Politische Philosophie in China, Prof. Dr. Ralph Weber, Assistant Professor for European Global Studies, Universität Basel
- Umstrittene Toleranz, Dr. Michael Kühler, Universität Münster
- Migration und Politische Philosophie, Apl. Prof. Dr. Monika Kirloskar-Steinbach, Universität Konstanz
- Die Demokratie und ihre Experten, Michael Ivo Räber, Universität Zürich
Podiumsdiskussion
Wir und die Anderen - Migration als Frage der Ethik?
Welche Werte stehen hinter der Auffassung zwischen „uns“ und den „Fremden“ zu unterscheiden, wenn wir doch alle Menschen mit denselben Bedürfnissen nach Freiheit, Frieden und Sicherheit sind?
Podcast zur Podiumsdiskussion:
Podcast zur Diskussionsrunde:
Bedingt durch die gegenwärtige Flüchtlingskrise in Europa, stellen sich Fragen zur Einwanderung sowie hinsichtlich der ethischen Aspekte der Migrationpolitik mit besonderer Brisanz. In den Tageszeitungen präsentiert sich zur Zeit ein Bild von Menschen, die vor einer Kriegssituation flüchten. Die philosophische Grundsatzfrage „Gibt es ein Recht auf Einwanderung?“ wird in den Medien jedoch kaum aufgegriffen. Welche moralischen Aspekte sich in der Debatte rund um Flüchtlinge und Einwanderer niederschlagen und wie sich die Schweiz zwischen der humanitären Tradition und der aktuellen Migrationspolitik positioniert wird an der Veranstaltung „Migration als ethische Frage?“ diskutiert.
An der Podiumsdiskussion zur politischen Philosophie sind die Berner Professorin für politische Philosophie Dr. Anna Goppel, der Titularprofessor für Politikwissenschaft mit Teilgebiet politische Philosophie der Universität Zürich Dr. Urs Marti sowie Dr. Stefan Schlegel, Leiter der Gesellschaftspolitik bei Operation Libero beteiligt und beleuchten welchen Einfluss die politische Philosophie auf die Gesellschaft hat. Dabei wird, neben der heutigen Flüchtlingssituation, auch die philosophische Seite der Migrationspolitik diskutiert und nachgefragt, weshalb Fremdenhass ausgerechnet auf dem Land auf Vormarsch ist.
Diskutieren Sie mit uns:
Ist Migration eine Frage der Ethik?
Welche philosophischen Aspekte tangieren die Schweizer Migrations- und Flüchtlingspolitik?
Phänomen Fremdenhass auf dem Land: Wie kann das sein?
Weshalb kommt der politischen Philosophie eine Relevanz in der heutigen Gesellschaft zu?