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Vor ihm liegen jedoch nicht weniger als 7 Äthiopier und 5 Kenianer sowie der aus Kenia eingebürgerte Türke Kaan Kigen Özbilen. Da bei Olympia nur drei Konkurrenten pro Nation startberechtigt sind, bedeutet dies, dass Abraham in der bereinigten Weltrangliste den 8. Platz einnimmt – eine grossartige Ausgangslage für ein Spitzenresultat.
Bezüglich Rangierungs-Ziel will sich Abraham allerdings nicht festlegen: “Ich werde alles geben, um meine allerbeste Leistung zu erreichen.” Der Zürcher Christian Kreienbühl (33), Abrahams Teamkollege, der die Olympia-Limite mit winzigen drei Sekunden Vorsprung geschafft hat, erklärte zu den Möglichkeiten Abrahams: “Ich hoffe und es ist mein Wunsch, dass er unter die ersten 10 läuft”, und fügte dann hinzu: “Ich möchte ihm nicht zu viel Druck machen.”
Dies deutet darauf hin, dass auch Abrahams Umfeld dem Nachfolger Viktor Röthlins (Olympia-6. in Peking 2008) als Schweizer Marathon-Weltklasseläufer sehr viel zutraut.
Offensichtlich “zu viel Druck” verspürte Abraham 2014 bei den EM in Zürich, wo er als frischgebackener Schweizer daran zerbrach. Beim WM-Marathon 2015 in Peking (19. Rang) warf ihn ein Missgeschick bei der Getränke-Übergabe zurück. “Diesmal wird die Verpflegung so perfekt wie möglich organisiert”, sagte Abraham in Rio.
Tadesse Abraham, der vor 12 Jahren als Asylant in die Schweiz kam, danach in Uster lebte, eine Schweizerin mit ebenfalls eritreischen Wurzeln (Senait) heiratete, und seit einiger Zeit mit seiner Familie (ein Sohn namens Elod) in Genf lebt, ordnete in diesem Jahr alles dem Ziel Olympia unter. Nur gerade zwei Monate verbrachte er 2016 mit seiner Familie. Seit Anfang Juni trainierte er im Raum Addis Abeba in Äthiopien auf 2400 Metern über Meer – mit kurzem Unterbruch im Juli, als er in Amsterdam EM-Doppel-Gold (Einzel und Team Halbmarathon) gewann. Seit dem 2. Juni war er nicht mehr in der Schweiz.
Am letzten Mittwoch traf er via Dubai in Rio ein – “nach ausgezeichnetem Training”, wie er feststellte. Abraham, der auf 2400 m Höhe aufgewachsen ist, braucht offenbar diese Lage, um einen Höheneffekt zu erreichen. Die 1800 m von St. Moritz sind zu wenig hoch, ausserdem habe er in Äthiopien Dutzende starke Trainingskollegen, die ihn fordern. “In St. Moritz wäre ich allein.”
Im Rennen vom Sonntag könnte es ein Zusammengehen der Kenianer geben mit dem grossen Favoriten Eliud Kipchoge (Jahres-Weltbestzeit 2:03:05), dem Sieger des London-Marathons 2016, der bereits 2003 in Paris 5000-m-Weltmeister war. Nicht als Team funktionieren werden die Äthiopier, so Abraham. “Die drei kommen alle besser mit mir als untereinander aus.” Ebenfalls am Start ist der Ugander Stephen Kiprotich, der vor vier Jahren in London überraschend siegte.
Abrahams stärkste Disziplin schien – vor allem nach dem EM-Gold – der Halbmarathon zu ein. Doch hier in Rio “ist der Marathon meine stärkste Strecke”, sagte er schmunzelnd.
(SDA)