Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03392.jsonl.gz/715

Gletscher: Ein halbes Grad mehr Erwärmung macht viel aus
Ob sich die Erdatmosphäre bis zum Ende des Jahrhunderts um ein, anderthalb oder um zwei Grad erwärmt, macht einen grossen Unterschied für die Alpengletscher: Gemäss Simulationen werden sie zwischen vierzig und achtzig Prozent ihres Eisvolumens verlieren.
Das Schweizer Team um den Glaziologen Loris Compagno von der ETH Zürich und der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) untersuchte, wie sich die Eismassen der rund 4000 Alpengletscher unter drei Klimaszenarien entwickeln - bei ein, bei anderthalb und bei zwei Grad Erwärmung.
Demnach wird selbst im moderatesten Szenario bis zum Ende des Jahrhunderts etwa die Hälfte des heutigen Gletschervolumens verloren gehen, wie die Forschenden im Fachmagazin «The Cryosphere» berichten. Der Aletschgletscher würde bis zu 45 Prozent seines Eisvolumens einbüssen, der Rhonegletscher 55 Prozent. Rund 2500 Gletscher verschwinden ganz.
Erwärmt sich die Erdatmosphäre um anderthalb Grad, gehen 3000 Gletscher ganz verloren, bei nochmals einem halben Grad mehr sogar fast 3300. Unter diesem Szenario von plus zwei Grad würde auch der Aletschgletscher rund achtzig Prozent seines Volumens einbüssen.
Jede Bemühung, die Erderwärmung zu begrenzen, habe deshalb wichtige Auswirkungen auf die Gletscherwelt und damit auf die alpine Umwelt, schreiben die Forschenden.
Auswirkungen auf Wasserhaushalt
Die schmelzenden Gletscher beeinflussen gemäss den Simulationen auch den Wasserhaushalt in den Bergen. Bisher fliesst am meisten Schmelzwasser im Monat August in die Bäche und Flüsse. In Zukunft könnte dieses Maximum bereits im Juli oder Juni erreicht werden.
Zudem könnten die Abflussmengen bei einer Erwärmung um ein Grad im Jahresdurchschnitt um etwa ein Viertel sinken, bei plus zwei Grad um rund ein Drittel. Insbesondere in den Sommermonaten könnte Wasser knapp werden. Solche Veränderungen wirken sich gemäss den Forschenden nicht nur auf die Ökosysteme, sondern auch beispielsweise auf die Landwirtschaft und die Wasserkraft aus.
https://tc.copernicus.org/articles/15/2593/2021/
Kommentieren
Gletscher am dritten Pol verlieren mehr Eis als sie neu bilden
Ein Team unter Leitung der WSL hat berechnet, wie sich die Eismassen von mehr als 5000 Gletschern am dritten Pol der Erde verändern. Demnach kompensieren die winterlichen Schneefälle bei der Mehrheit der Gletscher im Schnitt weniger als die Hälfte der Schmelze.
Gletschersee-Ausbrüche verschärfen Flutrisiko in Teilen Asiens
Das Risiko für Fluten, die durch den Ausbruch von Gletscherseen entstehen, könnte sich in Zukunft im Hochgebirge Asiens verdreifachen. Das berichtet ein schweizerisch-chinesisches Forschungsteam unter Leitung der Uni Genf im Fachmagazin «Nature Climate Change».
Weltklimarat warnt vor irreversiblen Folgen des Klimawandels
Mehr Hitzewellen, mehr Hunger, überschwemmte Küstenorte, Artensterben: Ein Verfehlen des 1,5-Grad-Ziels des Pariser Klimaabkommens hat nach Einschätzung des Weltklimarates IPCC «irreversible Auswirkungen auf Menschen und ökologische Systeme».
Manchmal ist mehr auch weniger
Die Gäste sind im ersten Halbjahr 2021 nach Graubünden zurückgekehrt – allerdings nicht in dem Masse wie in anderen Kantonen. Das hat seine Gründe.
Studie: Immer mehr Menschen leben in hochwassergefährdeten Gebieten
Die Zahl der Menschen in überschwemmungsgefährdeten Gebieten wächst weltweit gesehen besonders schnell. Seit der Jahrtausendwende hat der Zuwachs fast ein Viertel betragen und wird sich bis 2030 noch weiter verstärken.
Urzeit-Krokodile hatten keine Panzer, sondern Haut wie Delfine
Einige Urzeit-Krokodile hatten offenbar keinen rauen Schuppenpanzer, sondern eine sehr glatte Haut. «Diese Reptilien müssen sich in etwa wie heutige Delfine angefühlt haben, straff und dabei geschmeidig», erläuterte Studienleiter Frederik Spindler.