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DER SCHWARZE HECHT erlangte seine Popularität in Etappen, weshalb sich die Rezeptionsgeschichte des Stücks besonders spannend liest. Noch in Berlin sich aufhaltend, suchte Paul Burkhard nach einem packenden Operettenstoff. Dabei erinnerte er sich an die Dialektkomödie DE SÄCHZGISCHT GIBURTSTAG des Zürcher Theaterautors Emil Sautter, die er als 14-jähriger zum ersten Mal gesehen hatte. Die Inszenierung erfuhr damals zwar eine wenig befriedigende Aufnahme. Trotzdem war Burkhard vor allem von jener Szene beeindruckt, in der die junge Zirkusprinzessin den älteren Herren von ihrem Vater, dem bewunderten Zirkusclown, vorschwärmt, diese aber nur Augen für die attraktive Artistin haben. Aus diesem bewusst doppeldeutig angelegten und damit auch parodistischen Spiel im Gegenüber von Künstlerleben und Establishment formte der Komponist die Idee für ein eigenes Werk. So entstand 1938 in Zusammenarbeit mit dem jungen Librettisten Jürg Amstein in kurzer Zeit die gewissermassen erste Fassung des SCHWARZEN HECHTS. Zur Uraufführung kam das Stück Anfang April 1939 im Schauspielhaus Zürich: Burkhard leitete das kleine Revueorchester und seine Schwester Lisa, eine ausgebildete Schauspielerin, übernahm die Rolle der Karline Oberholzer. Die Pressestimmen waren insgesamt lobend, sie würdigten Musik und Regie. Einzig die Dramaturgie der Handlung, konzipiert noch als Einakter mit einer Traumszene als Epilog, überzeugte nicht vollends. Das Werk verschwand vorerst in der Schublade.
Über neun Jahre dauerte es bis zu einer Wiederaufnahme am Schauspielhaus und dem Premierenabend Mitte November 1948. Nun jedoch schlug die Komödie richtig ein. "Burkhard hat das Stück recht eigentlich ‹durchkomponiert›: die zahlreichen, kabarettistisch pointierten Chansons, von denen einige wahre Bijoux der musikalischen Kleinkunst sind, stehen nicht mehr losgelöst als einzelne Nummern inmitten eines gesprochenen Dialogs, sondern auch dieser wird sozusagen durchgehend von den Darstellern gesungen", schrieb der "Tages-Anzeiger" begeistert. Burkhard und Amstein hatten den SCHWARZEN HECHT zu einem schlüssigen Dreiakter umgebaut, der Komponist die Orchesterpartitur für zwei Klavier arrangiert. Bald nahmen die Stadttheater von Basel, Luzern, Bern und St. Gallen das Stück ins Programm auf und Radio Zürich strahlte es als Hörspiel aus.
Grosses bahnte sich an, als der legendäre deutsche Revue- und Filmregisseur Erik Charell auf den SCHWARZEN HECHT aufmerksam wurde und diesen in seinem Heimatland auf die Bühne bringen wollte. Dafür wurde die Komödie erneut gründlich überarbeitet und zur Übertragung der Mundartlieder ins Deutsche der erfahrene Textdichter Robert Gilbert hinzugezogen. Ein voll besetztes Orchester sorgte für die musikalische Umsetzung und viel szenischer Aufwand für die Theaterwirkung. Auf die feinen sprachlichen und darstellerischen Nuancen der Vorlage wurde verzichtet, etwa auf die Pointe mit dem verbrannten Fisch. Stattdessen zündete Charell im Stück als Geburtstagsüberraschung für den Protagonisten ein Feuerwerk und betitelte seine Inszenierung auch gleich so: DAS FEUERWERK kam Mitte Mai 1950 im Münchner Theater am Gärtnerplatz zur Erstaufführung. Eine Fülle an Regieeinfällen und Theatergags prasselte auf das Publikum ein, was die Münchner "Abendzeitung" mit den treffenden Worten kommentierte, dass sich "der Hecht zum Walfisch" gewandelt habe, die "duftigen, musikantisch höchst reizvollen Melodien Paul Burkhards" aber geblieben seien. Dank Charell setzte sich das Stück binnen kurzem auf den deutschen Bühnen durch (inklusive der Verfilmung 1954 mit Lilli Palmer und der noch ganz jungen Romy Schneider) und mit ihm das Titellied "O mein Papa". Lys Assia gelang mit dem eigentlich innigen Chanson ein Schlagererfolg, was wiederum der Sängerin selbst zum Karrieredurchbruch verhalf. Burkhards Musik wurde international: In über vierzig Sprachen wurde "O mein Papa" übersetzt, wovon dem Komponisten vor allem die französische Adaption besonders zusagte. Der britische Trompeter Eddie Calvert schuf mit seiner Version einen Hit in England und der amerikanische Sänger Eddie Fisher machte den Schlager schliesslich sogar in den Vereinigten Staaten populär. Im Winter 1954 reiste Burkhard deshalb per Schiff nach New York und war beeindruckt vom dortigen Rummel um seine Person.
In der aktuellen Inszenierung hier in Sursee, wo DER SCHWARZE HECHT bereits 1962 und 1982 gegeben wurde, bedienen sich die Macher eines findigen dramaturgischen Kniffs: Sie übertragen die zweifellos bühnenwirksamere deutsche FEUERWERK-Fassung zurück ins Schweizerdeutsche, ergänzt mit musikalischen und inhaltlichen Einfällen aus der ursprünglichen Komposition. Damit wandelt sich DER SCHWARZE HECHT zum veritablen Operettenstück mit viel Gesang und grossem Orchester.