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Danaë und Perseus
Anlässlich einer eingehenden Beschäftigung mit „Rapunzel” bin ich wieder einmal auf die altgriechische Sage von Danaë gestossen. Die Sage von Danaë und ihrem Sohn Perseus schöpft aus noch älteren Mythen, deren Motive in vielen Märchen und Sagen des indogermanischen Kulturraums vorkommen. Sie beginnt mit einem typischen Motiv der Zeit der Ablösung der matrifokalen Kulturen durch die patriarchalischen Herrschaftsstrukturen:
Akrisios, König von Argos und Urenkel des Danaos, hatte als einziges Kind eine Tochter, Danaë. Er befragte ein Orakel, weshalb er nicht (noch) einen Sohn als Thronfolger hätte. Statt einer Antwort auf seine Frage wurde ihm prophezeit, dass er durch die Hand eines Enkels, eines Sohnes seiner einzigen Tochter Danaë sterben werde. Akrisios liess seine Tochter in einen bronzenen, hoch oben offenen Turm einschliessen und diesen von wilden Hunden bewachen.
Die schöne Jungfrau blieb aber dem Göttervater Zeus nicht verborgen. Er kam zu ihr in Form eines Goldregens und vereinigte sich so mit ihr. Sie empfing ihren Sohn Perseus.
Akrisios beschloss, Tochter und Enkel endgültig loszuwerden und liess sie in einer hölzernen Kiste auf dem Meer aussetzen.
Zeus beauftragt Poseidon, die beiden zu retten, und sie wurden ans Ufer der Insel Seriphos geschwemmt. Diktys, ein Bruder des Königs Polydektes fand beim Fischen Danaë und ihr Söhnchen und nahm sie bei sich auf. Polydektes begehrte Danaë gegen ihren Willen. Aber Diktys wehrt sich für sie. Später beschützte der heranwachsende Perseus seine Mutter, welche schliesslich in einen Tempel floh.
Um Perseus loszuwerden beauftragte ihn der hartnäckige Polydektes, das Haupt der Gorgo Medusa zu bringen. Wer das Haupt einer Gorgone erblickt, wird augenblicklich zu Stein. Ihre Haut ist mit Schuppen bedeckt, anstelle von Haaren tragen sie Schlangen auf ihren Köpfen, haben Hände aus Eisen und goldene Flügel.
In anderen Varianten der Sage willigte Danaë in die Heirat mit Polydektes ein und dieser überredete Perseus, auf Heldentaten auszuziehen und der Gorgo Medusa das Haupt abzuschlagen.
Perseus genoss weiterhin die Unterstützung der Olympier: Hermes schenkte ihm Flügelschuhe und Athene einen Tarnhelm. Perseus näherte sich den Gorgonen, indem er sie nur im Spiegel seines glänzenden Schildes betrachtete und so von ihrem versteinernden Blick verschont blieb. Es gelang ihm, sich der Medusa ungesehen zu nähern und ihr den grausigen Kopf abzuschlagen.
Einer anderen Sage zufolge, soll die Medusa im Augenblick ihres Todes das Himmelspferd Pegasos und den Riesen Chrysaoros geboren haben. Auch der Weg des Perseus zu den Gorgonen wird andernorts ausführlich und variantenreich beschrieben. Er musste sich dort listenreich und entschlossen mit allerlei Wesen herumschlagen, den Graien, Nymphen und anderen unmenschlichen Mächten (siehe Gustav Schwab).
Auf seiner Rückfahrt fand er die junge Frau Andromeda, welche vom Meeresungeheuer Ketos gefangen gehalten wurde. Auch die Andromeda hat ihre Geschichte! Perseus überwand Ketos mit Hilfe des Gorgonenhaupts, nach anderen Quellen mit seinem Schwert, und nahm Andromeda mit sich nach Argos.
Polydektes, der in der Abwesenheit von Perseus versuchte, Danaë gegen ihren Willen zu heiraten, war erstaunt, den jungen Mann wieder zu sehen und verlangte als Beweis für dessen Heldentat, das Haupt der Gorgo Medusa zu sehen. Beim Anblick des Medusenkopfs versteinerte Polydektes augenblicklich.
Perseus heiratete Andromeda, nachdem er ihren ehemaligen Verlobten eliminiert hatte. Er suchte die Aussöhnung mit seinem Grossvater Akrisios, der aber vor ihm flüchtete. Bei einem Spielturnier zu Ehren eines anderen Königs nahm Perseus am Diskuswerfen teil. Einer seiner Würfe traf unbeabsichtigt den ebenfalls anwesenden Akrisios tödlich, so dass sich der Orakelspruch schliesslich doch erfüllte.
Aus Scham über seine Unglückstat verliess Perseus Argos und zog nach Tiryns, wo er Mykene gründete.
Mehr zu “Rapunzel”: >> Rapunzel-Botanik.
Mehr zu “Danaë”: >> Etymologie.
3. July 2009 at 20:52