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In den Fünfzigerjahren wurde von Ancel Keys aufgrund unterschiedlicher Sterblichkeitsraten an koronarer Herzkrankheit in verschiedenen europäischen Ländern und den USA die mediterrane Diät als kardioprotektive Ernährungsform erkannt. Der Begriff der «Diät» ist in diesem Zusammenhang sicher zu verlassen, da es sich um eine gesunde und genüssliche Art und Weise der Ernährung handelt.
Die Definition der mediterranen Ernährung bleibt bis heute kontrovers. Wichtige Merkmale dieser Ernährungsform sind : hoher Gehalt an Früchten und Gemüse, viel Getreideprodukte, qualitativ hochwertige pflanzliche Fette und Oele, speziell Olivenöl, wenig Fleisch (wenn Fleisch dann eher weisses Fleisch insbesondere auch Geflügel), vermehrt Fisch und geringer Weinkonsum. Zu letzterem muss einschränkend gesagt werden, dass Frauen maximal einen bis zwei und Männer maximal zwei bis drei Deziliter Wein täglich konsumieren dürfen. In mehreren Studien konnte gezeigt werden, dass Frauen die mehr konsumieren ein progressiv zunehmendes Risiko eingehen, an Brustkrebs zu erkranken. Generell steigt das Risiko an Krebs zu erkranken bei beiden Geschlechtern stark an, wenn der Konsum diese Vorgabe überschreitet. Viele Krebsarten, speziell auch die bösartigen Tumoren des Magendarmtraktes nehmen überproportional zu. Nicht-Trinkern ist deshalb die Aufnahme regelmässigen Alkoholkonsums sicher nicht zu raten und die erwähnten Angaben über den maximal zulässigen Alkoholkonsum treffen nicht für Menschen zu, welche eine Suchtgefährdung oder Krankheiten des Leber-Gallensystems aufweisen. Trotz dieser Caveats scheint Alkohol in moderater Dosierung eine protektive Wirkung zu haben, wie viele Studien an ganz verschiedenen Populationen gezeigt haben. Der Mechanismus der Wirkung dürfte vorwiegend auf die Zunahme des vaskulär-protektiven HDL-Cholesterins und wahrscheinlich der Thrombozytenaggregationshemmung zurück zu führen sein.
Die in der Vergangenheit erhobenen epidemiologischen Resultate wurden vor wenigen Jahren durch eine prospektive, kontrollierte Studie bestätigt. In der Lyon Herzstudie1 wurde gezeigt, dass eine Alphalinolensäure-reiche (eine Fettsäure aus der Reihe der Omega-3-Fettsäuren) mediterrane Ernährung nach einem ersten Herzinfarkt hoch wirksam ist und sowohl die Mortalität als auch die Herzinfarktrate massiv um über 50 Prozent reduzierte. Es wurden gesamthaft rund 600 Patienten in die Studie eingeschlossen und die Hälfte davon (neben der üblichen medizinischen Behandlung) mit mediterraner Ernährung behandelt. In der Kontrollgruppe starben 19 Patienten am Herztod und nur sechs in der mediterranen Gruppe. Nicht-tödliche Herzinfarkte traten bei 25, resp. acht Patienten auf. Die Gesamtmortalität betrug 24 in der Kontrollgruppe und 14 in der mediterranen. Alle diese Resultate waren zwischen den zwei Gruppen hoch signifikant zu Gunsten der mediterranen Gruppe verschieden.
Weitere Untersuchungen konnten diese Resultate bestätigen. So ist eine interessante Arbeit von Antonia Trichopoulou und Coautoren im New England Journal of Medicine erschienen, welche eine Reduktion der Sterblichkeit durch konsequente mediterrane Ernährung gesamthaft um 25%, an Herzinfarkt um 33 % und an Krebs um 24% zeigte.2
Wichtige Komponenten der mediterranen Ernährung sind sicher die antioxidativ wirksamen Stoffe, wie die antioxidativen Vitamine (z.B. Vitamin E, C und Betakarotin) und polyphenolische Substanzen (z.B. das Resveratrol). Interessant ist, dass die supplementale Verabreichung der antioxidativen Vitamine allein in vielen Studien keine protektive Wirkung gegen Herzkreislauferkrankungen und Krebs zeigte. Beispielhaft nenne ich hier die Heart Protection Study,3 eine breit primär und sekundär präventiv angelegte Studie, welche neben der Wirkung eines Statins diejenige der Vitamine E, C und Betakarotin im Fokus hatte. Während Simvastatin in dieser Studie sowohl die kardiovaskuläre als auch die gesamte Mortalität signifikant senken konnte, hatten die verabreichten Vitamine keinerlei Wirkung, wobei positiv ausgedrückt zu sagen ist, dass sie auch keine relevante schädigende Wirkung zeigten. Dies ist nicht selbstverständlich, denn nach wie vor werden Studienresultate veröffentlicht, welche Risiken einer Supplementierung mit antioxidativen Vitaminen aufzeigen, welche den potenziellen Benefit überwiegen. Neben dem Risiko vermehrt Krebskrankheiten durch eine hoch dosierte Vitaminsupplementierung zu erzeugen, wie z.B. die finnische ATBC-Studie4 gezeigt hat, werden immer wieder alarmierende Studienresultate veröffentlicht. So ganz aktuell im British Medical Journal :5 Vitamin E führte aufgrund dieser Meta-Analyse zu einem 22% höheren Risiko einen hämorrhagischen Schlaganfall zu erleiden und reduzierte das Risiko für einen ischämischen Schlaganfall lediglich um 10%.
Ein wichtiger Aspekt der mediterranen Ernährung darf nicht unerwähnt bleiben : Die Fette ! Die ursprüngliche mediterrane Ernährung der Kreter enthielt 50 Prozent und mehr der Energie in Form von Fetten ! Aber : 90 und mehr Prozent der Fette kamen von pflanzlichen Quellen, insbesondere natürlich vom Olivenöl. Es geht also nicht um die Quantität der Fette sondern um deren Qualität. Die Oelsäure scheint eine sehr wichtige Komponente in der mediterranen Ernährung zu sein – sie ist als einfach-ungesättigte Fettsäure chemisch recht stabil und ist resistent gegenüber Oxidation. Da lediglich oxidiertes, sog. modifiziertes Cholesterin die Entstehung der Atherosklerose fördert, ist die Stabilität gegenüber Oxidation ein wichtiger Faktor. Speziell Michel de Lorgeril ist davon überzeugt, dass die Alphalinolensäure (reichlich enthalten in Rapsöl, Portulak, grünem Gemüse, Walnüssen u.a.m.) eine sehr wichtige protektive Komponente in der mediterranen Ernährung ist. Die Alphalinolensäure hat wahrscheinlich zusätzliche anti-arrhythmische Effekte, so wurde in der mediterran, alphalinolensäurereich ernährten Patientengruppe von de Lorgeril kein Sekundenherztod registriert. Rapsöl enthält neben der Alphalinolensäure reichlich Oelsäure, sodass wir Rapsöl als ideale Ölquelle empfehlen, mit der Auflage, dieses nur für die kalte Küche zu nutzen, da die Alphalinolensäure nicht hitzestabil ist.
Im Zusammenhang mit den Fetten darf das Cholesterin nicht unerwähnt bleiben. Der alt herkömmlichen Meinung, dass das Nahrungscholesterin eine relevante Rolle spiele und dass nur durch eine Senkung des Blutcholesterins eine Atheroprotektion errreicht werden könne, muss vehement widersprochen werden. Eine Senkung des Blutcholesterins ist durch eine veränderte Nahrungsaufnahme kaum oder dann nur durch eine kasteiende «Diät», welche sicher nicht langfristig eingehalten wird, möglich. Das Serumcholesterin soll durch Lipidsenker, wie die Statine oder Fibrate, gesenkt werden. Auch ohne Senkung des Serumcholesterins können substantielle kardiovaskuläre Risikoreduktionen durch die mediterrane Ernährung erreicht werden, denn in der Lyon-Herzstudie von de Lorgeril blieben sowohl das Gesamt-, wie auch das LDL- und HDL-Cholesterin über die ganze Beobachtungszeit unverändert.
Alle erwähnten Studienresultate legen nahe, dass mediterrane Ernährung als Gesundheitsnahrung per se gelten muss. Welche Verhaltens- bzw. Ernährungsempfehlungen können wir aufgrund des Gesagten unserer Bevölkerung abschliessend geben ? Five a day, wie es seit Jahren – unter anderem durch die Krebsliga – proklamiert wird, scheint mir der richtige, wenn auch nicht genügende Ansatz zu sein. Die Empfehlung an unsere Bevölkerung muss also lauten :
Mehr
Raps- und Olivenöl
grünes Gemüse.
Obst.
Getreideprodukte.
Weniger
Fleisch (eher weisse Sorten).
Salz.
Damit wir diese Empfehlung korrekt befolgen können, braucht es mehr Wissen und professionelle Anleitung – diese erhalten wir durch gut ausgebildete diplomierte Ernährungsberaterinnen.