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Über das Projekt
Koordinatensystem und Referenzpunkte
Im Jahr 2004/5 nahm ich an einem Residenzprogramm am Center for Contemporary Art Kitakyushu im Süden Japans teil. Während meines Aufenthaltes stiess ich immer wieder auf kleine Schreine, die an den unterschiedlichsten Orten aufgestellt waren. Unter Autobahnbrücken, neben Supermärkten oder tief im Wald versteckt. Die meisten Schreine wurden von der Nachbarschaft besucht und gepflegt. Es befanden sich kleine Schalen mit Reis oder Grüntee als Opfergaben davor und die Steingottheiten trugen Lätzchen und handgestrickte Mützen aus roter Wolle.
Nach Abschluss der Residenz fuhr ich mit dem Fahrrad auf die Insel Shikoku. Shikoku ist eine berühmte Pilgerinsel. Es reisen Menschen aus ganz Japan dorthin, um die achtzig Tempel zu besuchen. Dazu gibt es ein besonderes Pilgerbuch, in welchem die Stempel der Tempel gesammelt werden können, als Beweis, dass alle Tempel auch gewissenhaft besucht wurden. In einem dieser Tempel entdeckte ich eine spannende Abwandlung der sonst üblichen Schreine. Diese wurde Hibutsu genannt, was auf Japanisch verstecktes Ding bedeutet. Ein Hibutsu ist eine kunstvoll gestaltete Kapsel, die in ihrem Innern ein religiöses Kunstwerk beherbergt. Dieses Kunstwerk wird nur zu besonderen Anlässen aus der Kapsel geholt und den Tempelbesuchern zugänglich gemacht. Es wird eine Zeremonie mit anschliessendem Fest veranstaltet. Diese Zeremonie findet jahreszeitlich, jährlich, alle sieben, alle sechsundreissig oder alle sechzig Jahre statt, je nach Ort und Natur der darin verborgenen Buddhastatue.[2]