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Seit Millionen Jahren fliegen Libellen durch die Lüfte. Die flinken Gaukler faszinieren den Biologen Thomas Schwaller: «Libellen gehören zu den besten Fliegern: Sie können ihre vier Flügel unabhängig voneinander ansteuern, können schweben, schnell fliegen, abtauchen, rückwärts fliegen und grosse Distanzen überwinden.» Als Larven leben sie im Wasser. Den Wandel ins Erwachsenendasein schaffen sie in wenigen Stunden. Die Larven klettern an einem Halm aus dem Wasser, schlüpfen aus ihrer Larvenhaut, härten aus und fliegen los.
Libellen gelten als Klimazeiger, denn bei ihnen wurden früh Reaktionen auf den Klimawandel erkannt. So erinnert sich auch Thomas Schwaller gut an den Moment, als er die erste, damals noch nicht einheimische Libellenart entdeckte: «1985 war ich regelmässig auf dem Burgäschisee, kescherte nach Libellen und notierte ihre Daten. Plötzlich leuchtete mir eine knallrote Feuerlibelle (Crocothemis erythraea) entgegen.» Sofort durchforschte Schwaller frühere Erhebungen. Sie bestätigten ihm: Diese Libellenart war ein Neuankömmling. Der Biologe ist überzeugt: «Die Feuerlibelle drang wegen der Klimaerwärmung aus dem Mittelmeerraum in die Schweiz vor.» Heute hat die Feuerlibelle ihren Lebensraum gar bis an die Nordsee ausgedehnt. Umgekehrt weichen euro-sibirische Libellenarten in kühlere und höher gelegene Gebiete aus.
Diese Veränderungen kann Thomas Schwaller mit Daten aus seinen Kartierungen und Vergleichsdaten aus früheren Erhebungen (Liniger, 1884) eindeutig belegen: «1884 und 1985 sowie in den folgenden vier Jahren liessen sich am Burgäschisee total 37 Libellenarten nachweisen. Drei davon sind heute verschwunden. Sieben Arten haben sich seither neu angesiedelt.»
Dass sich durch den Klimawandel Trockenzeiten im Sommer häufen, macht Thomas Schwaller Sorgen: «Libellen brauchen Feuchtgebiete, stehende Gewässer und Tümpel. Der Klimawandel lässt diese Lebensräume schwinden.»
2018