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Wer war die Peregrina?
Anna Maria Meyer, 27.12.1802 – 2.9.1865
In den „Peregrina“-Gedichten und im Roman „Maler Nolte“ schrieb Eduard Mörike über eine Frau, die ihre letzten Lebensjahre im Wilen verbrachte und hier starb. Mörike gilt als bedeutender Dichter der deutschen Literatur. Peregrina war ein ungemein schönes und kluges Mädchen, das als 15-Jährige durch die Nordschweiz und Süddeutschland zog.
Ach, dass du einmal nur sie könntest schauen,
wenn mit gesenktem Haupt sie schmerzlich lacht!
Sähst ihren Blick mit zauberhaftem Grauen,
den goldnen Ring in ihres Auges Nacht!
Hörtest die Melodie der Sprache klingen,
die Schweizerlaute, die zum Herzen dringen!
Sähst du die Sonne, die ein Flor getrübet,
die heilge Sünderin, die ich geliebet!“
Diese Verse von Eduard Mörike galten einer Frau, die ihre letzten Lebensjahre im Wilen verbrachte und hier starb. Mörikes Arbeiten gelten als bedeutende Werke der deutschen Literatur des 19. Jahrhunderts.
Sie war ein bildhübsches Mädchen mit liederlichem Lebenswandel, hatte keinen festen Wohnsitz und zog 15-jährig als Wanderin (lateinisch: „peregrina“) durch die Nordschweiz und durch Süddeutschland. 1823 arbeitete sie als männerbetörende Kellnerin in einem Ludwigsburger Wirtshaus. Der Ruf ihrer seltenen Schönheit brachte dem Wirt viele Gäste, auch Studenten aus Tübingen. Einer von ihnen war der 19-jährige Eduard Mörike. (Anna) Maria Meyer machte auf ihn einen tiefen, unauslöschlichen Eindruck. In den Peregrina-Gedichten („An Peregrina“, 1824) und im Künstlerroman „Maler Nolte“ verarbeitete Mörike seine Liebessehnsucht zu dieser fremden, verführerischen Schönheit. „Ihr verdankt die Literatur einen ihrer grössten Dichter: Denn die unglückliche Liebe zu (Anna) Maria Meyer hat in Eduard Mörike die Flamme der Dichtkunst entzündet. … Zu keiner anderen Frau fand er je wieder ein tiefes Verhältnis – aber aus dem Liebesverhältnis mit ihr erwuchs seine Kunst“ (Hebeisen, 1975).
Ab den 1840er oder 1850er Jahren lebte Anna Maria Kohler-Meyer zusammen mit ihrem Ehemann Andreas Kohler in Wilen. Corrodi (1923) konnte noch Leute befragen, die in ihrer Jugend die Kohlers – als nächste Nachbarn – gut gekannt haben. „Was er [Corrodi] und sein Helfer Engelbert Rickenmann über Maria zu hören bekamen, ist einhellig, variant nur nach Temperament. Einer sagte: „eine noble Frau“. Ein anderer: „ein grosses, stattliches, magerlechtes (schlankes) Weibervolk, das etwas vorgestellt hat“. Und gar jener, der, nach der Frau Kohler seiner Knabenjahre befragt, spontan zur Antwort gab: „Ja, die! – Mit ihren Augen!“, ihn haben, aus dem welken Gesicht einer gealterten herzleidenden Frau, noch Peregrinas Mädchenaugen angeblickt. … Bedeutsam noch dies: „Frau Kohler wollte keine Freundschaft mit Frauen des Dorfes, und Kohler besuchte nie eine Wirtschaft. Dennoch waren sie beliebt.“ (Stadler, 1977, 70). Von ihrer bewegten und abenteuerlichen Vergangenheit hat Frau Kohler offenbar nie etwas erzählt, man wusste nur, dass sie in ihrer „ledigen Zeit“ in Deutschland gewesen ist. „Von Kohler, der wie seine Frau gross und schlank war, wird seine Geschicklichkeit als Tischler gerühmt; er habe lauter feine, teure Möbel verfertigt, darunter einen Kasten für über zweitausend Franken. Er arbeitete für sich allein, hatte keine Gesellen, nur Lehrjungen. Kinder besassen Kohlers nicht. … Auch nähere Verwandte waren nicht vorhanden; Besuch von solchen erhielten die Leutchen nie. Die letzten Jahre ihres Lebens war Maria Kohler krank; sie starb an Wassersucht, …“ (Corrodi, 1923, 57; sein Aufsatz, „Das Urbild von Mörikes Peregrina“, ist lesenswert).
Einen Überblick über Peregrinas Leben gibt der Artikel von J. Rüdisühli (Sirnach: Regional-Zeitung, 12.1.1988, 16. Jahrgang, Nr. 7.)
Eduard Mörikes Peregrina lebte und starb im Hinterthurgau – Der bekannte schwäbische Dichter (1804 – 1873) widmete ihr fünf Lieder. Erst in der zweiten Phase ihres Lebens taucht Mörikes Peregrina im Hinterthurgau auf. Sie wurde als sogenannt vaterloses Kind der missratenen Helene Meyer, Tochter des tüchtigen Metzgermeisters Johann Georg Meyer, am 27. Dezember 1802 in der Stadt Schaffhausen geboren. Die Mutter brachte noch zwei aussereheliche Kinder zur Welt; der Sohn Johann Georg Meyer starb 1834 in neapolitanischen Kriegsdiensten, während die erst 1814 geborene Tochter Anna Margaretha mit ihrem Ehemann und ihren Kindern später nach Brasilien auswanderte und seither verschollen blieb. Nach der Geburt der Anna Margaretha wurde die Mutter vom Rat der Stadt Schaffhausen für acht Tage eingesperrt und dann lebenslänglich in ein Arbeitshaus gesteckt.
Das junge bildschöne Mädchen Anna Maria war daraufhin ganz verlassen. Zunächst nahm sich die Verwandtschaft ihrer an, aber das Mädchen war bereits stark verdorben. Im Jahre 1817 erschien die berühmte, schwärmerische Wander-Predigerin Frau von Krüdener in Schaffhausen, und zwar am 12. Juli, wonach sie am 25. wieder, von einer Menge Volkes begleitet, von der Stadtbehörde aus der Stadt gewiesen wurde. Sie begab sich nach Paradies und Diessenhofen, dann ins Badische, später zurück nach Hub im Thurgau und nach Arbon. Wahrscheinlich hat sich bei ihrer Mission in Schaffhausen auch die junge, schwärmerische Maria Meyer ihr angeschlossen. Anfangs Oktober 1817 kehrte Maria Meyer wieder nach Schaffhausen zurück.
Nach der Heimkehr versorgte die Stadtbehörde das verwahrloste Mädchen in das städtische Arbeitshaus, wo die Insassen nützliche Arbeiten verrichten mussten, zum Beispiel stricken und spinnen. Nach der Konfirmation wurde sie auf Anraten des Geistlichen am 20. April 1819 entlassen. Danach aber verschwand sie sofort und tauchte in Rheinfelden auf. Hier erscheint sie in der Amtsstube des Gerichtsschreibers Münch. Sein Sohn war gerade von der Universität in Freiburg im Breisgau heimgekommen. Zu Hause wurde der junge Mann als Substitut in der Gerichtsschreiberei seines Vaters angestellt. Er verliebte sich in Maria Meyer. Sie erzählte ihm eine Art romantischer Herkunft und verschweig ihm ihre wahre Heimat. Dem jungen Münch schlug die Erlösungsstunde, als er im Spätherbst 1819 eine Professur für Geschichte in Aarau, der Kantonshauptstadt, erhielt. Mehr als ein gewisses Interesse für Maria Meyer war bei ihm nicht zurückgeblieben. Schon vor ihrem Geburtstag am 27. Dezember 1819 hatte sie Rheinfelden verlassen.
Von da an liess sie sich in der Heimat nicht blicken. Sie lebte an verschiedenen Orten und tauchte gegen Ende 1820 in Bern auf. Hier erlitt sie in einer Kirche epileptische Anfälle, wodurch sie einem Geistlichen auffiel. Weil sie sich hier der ihr gebotenen Unterstützung unwürdig erwies, wie es schien, wurde sie nach Schaffhausen abgeschoben. Ihre Verwandten machten Schwierigkeiten und wollten schliesslich nichts mehr von ihr wissen. Da sie an Gliederschmerzen leide, erhielt sie eine Badekur im Armenbad in Baden verordnet, die sie am 14. Mail 1821 antrat. Dieses Armenbad war noch sehr mittelalterlich eingerichtet. Es lag im Freien offen da. Von da an verliert sich die Spur der Maria Meyer wieder. Um Ostern 1823 taucht sie im Wirtshaus der Brauerei-Besitzers und Gastwirts Helm in Ludwigsburg als Schenkmädchen auf. Das gab für diese Wirtschaft eine starke Anziehungskraft, vor allem bei den in den Osterferien weilenden Studenten aus Tübingen. Helm hatte das Mädchen eines Tages bewusstlos auf einem Steinhaufen an der Landstrasse angetroffen. Er staunte über die fremdartige Schönheit des Mädchens. Diesmal nannte sie ihren Namen Maria Meyer, verweigerte aber die Nennung ihrer Herkunft und ihrer Heimat. Er stellte sie unmittelbar als Schenkmädchen an. Hier tauchten junge Leute, die in Tübingen studierten, jetzt aber in den Ferien weilten, mehrfach auf, zum Beispiel der junge Beamte Lohbauer und der erst neunzehnjährige Theologiestudent Eduard Mörike.
Die jungen Burchen verehrten Maria wegen ihrer fremdartigen Schönheit. Sie wurde im Hause von Lohbauers Mutter aufgenommen. Lohbauer verehrte sie wie eine himmlische Erscheinung. Mörike hingegen wurde bis in die Tiefe seiner Seele aufgewühlt durch die hinreissende Schönheit der Maria Meyer. Lohbauer war ganz wild entflammt in ihre Gestalt, und in Mörike brannte eine tiefe Leidenschaft. Nachher begann er von Tübingen aus mit ihr einen regen Briefwechsel. Aber seine Schwester Luise sah das alles von einer andern Seite. Das Ergebnis seiner tiefen Ergriffenheit waren die fünf Peregrina-Lieder jener Zeit, an denen er jahrelang herumfeilte. (Er nannte Maria Meyer Peregrina = Pilgerin). Hier das erste der fünf Lieder:
„Der Spiegel dieser treuen, braunen Augen / Ist wie von innerm Gold ein Widerschein; / Tief aus dem Busen scheint er’s anzusaugen, / Dort mag solch Gold in heil’gem Gram gedeihn. / In dieser Nacht des Blickes mich zu tauchen. / Unwissend Kind, du selber lädst mich ein – / Willst , ich soll kecklich mich und dich entzünden, / Reichst lächelnd mir den Tod im Kelch der Sünden!“
Das fünfte Lied ist ein streng nach den Regeln aufgebautes Sonett, bestehend aus zwei Vierzeilern und zwei Dreizeilern, mit den Reimsilben a b b a, a b b a, c d c, d c d.
Das vierte Lied beginnt so: „Warum, Geliebte, denk’ ich dein / auf einmal nun mit tausend Tränen, / und kann gar nicht zufrieden sein, / und will die Brust in alle Weite dehnen? / Ach, gestern in den hellen Kindersaal / usw. (total zwölf Zeilen)
Plötzlich verschwand Peregrina aus Ludwigsburg. Sie befürchtete vermutlich das Bekanntwerden ihrer wahren Herkunft. Infolgedessen könnte sie nach Hause abgeschoben werden. Unter den gleichen Umständen wie bei Ludwigsburg wurde sie am Ende des Jahres in Heidelberg aufgefunden. Aber auch hier schien ihr das Schicksal günstig gesinnt. Erkundigungen in Ludwigsburg lauteten sehr günstig für sie. Obwohl sie auch in Heidelberg Beziehungen angeknüpft hatte, schrieb sie immer noch an Mörike. Er aber antwortete ihr nicht; er war bitter enttäuscht. Von jetzt an war sie nur noch das Symbol für eine heilige Liebe; Die peregrina. Nach kurzer Zeit war der Heidelberger Maler Christian Köster schwer enttäuscht über Maria. Er schrieb an Mörike am 21. Februar 1824: „ Seinem Schöpfer gleicht es von aussen, innwendig ein Chaos!“
Im gleichen Monat, am 24. Februar 1824, verliess Maria Heidelberg. Plötzlich erschien sie eines Tages bei Ernst Münch in Freiburg im Breisgau. Er war gerade im Begriffe, sich zu verehelichen, und wies ihr ein Gasthaus an, kümmerte sich aber nicht weiter um sie. Aber die Wirtin schickte sie wegen des starken Zudrangs junger Leute fort. In den ersten Tagen des Monats Juli tauchte sie wieder in Tübingen auf. Sie war wieder im Angesicht der Stadt zusammengebrochen: bei ihr zeigte sich erneut die Eigenschaft der Somnambulen. Man hielt aber die jungen Verehrer von ihr ab: sie galt nicht mehr als Heilige, sondern als schöne Büsserin.
Man verschaffte ihr die Mittel für die Heimkehr nach Schaffhausen, nachdem man verschiedene Erkundigungen über sie eingezogen hatte. Mörike eilte schnellstens mitten im Semester nach Hause: er war krank an Leib und Seele. Erst acht Jahre später war er von der dämonischen Fremden „befreit“, als er den „Maler Nolten“ beendet hatte; so war aus der verführerischen Peregrina die Zigeunerin Elisabeth geworden.
Text: Eugen Hinder
Zum Wohnhaus der Peregrina
Seit mehreren Jahren beschäftigt sich Dudli mit dieser interessanten Frau und wurde, wie Mörike, in ihren Bann gezogen.
Marco Dudli zeigt auf eine Abbildung in Paul Corrodis Buch «Das Urbild von Mörikes Peregrina». Es zeigt das Haus an der Freudenbergstrasse 10 in Wilen zu der Zeit, als Maria Kohler-Meyer es in der Mitte des 19. Jahrhunderts zusammen mit ihrem Ehemann bewohnte. Vieles hat sich im Laufe der Jahrzehnte am und im Haus verändert, es wurde renoviert und ausgebaut, 1972 zerstörte ein Brand einen Teil davon.
«Der Vorbesitzer der Liegenschaft hat uns beim Kauf darauf aufmerksam gemacht, dass das Haus einst im Besitz von Mörikes Geliebter war, doch damals habe ich mir nicht allzu viel daraus gemacht», sagt Dudli. Zwar sei er schon immer an Literatur und Kunst interessiert gewesen, auch Werke von Mörike habe er gelesen, doch damit hatte es sich. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als die Familie das Haus renovierte.
Damals fand man hinter den Tapeten alte Zeitungen, die den Bewohnern des Hauses als Isolationsmaterial gedient hatten, auch Maria Kohler-Meyer. Die Zeitungen machten Dudli neugierig, er wollte mehr erfahren, vor allem über die Zeit, in der Maria Kohler-Meyer sein Haus bewohnte. So begann er Mörikes Werke durchzuarbeiten, und schnell fanden sich darin Spuren der schönen Vagantin. Vor allem in Mörikes Roman «Maler Nolten» aus dem Jahr 1832 spielt sie eine wichtige Rolle, Herzstück des Werkes bilden die ihr gewidmeten fünf Peregrina-Gedichte.
13 Jahre lang recherchiert
Wie Mörike geriet auch Dudli immer mehr in den Bann dieser interessanten Frau, und je mehr er forschte, desto fündiger wurde er. «Nach 13 Jahren Recherche habe ich das Gefühl, dass ich gar nicht mehr nachkomme, all das neu auftauchende Material zu bewältigen», gesteht er. Neben dem Studium der Primärquellen befasste sich Dudli auch mit der Fülle von Sekundärliteratur zum Thema und wurde so mit der Zeit vom Interessierten zum Experten.
«Was mich persönlich an der Person Maria Meyer fasziniert, ist, wie sie abseits der Gesellschaft stand, wie sie zielbewusst ihren eigenen Weg gegangen ist und dennoch einen enormen Einfluss auf ihr Umfeld hatte», erklärt Dudli (siehe Box). Hinzu kommt, dass Mörike und Meyer in einer sehr turbulenten Zeit lebten, Europa begann sich zu industrialisieren, Napoleon verbreitete die Ideen von bürgerlichen Reformen. «Peregrinas Lebensweise würde auch in unsere heutige Zeit passen, was die bis heute erschienenen künstlerischen und wissenschaftlichen Neuproduktionen belegen», betont Dudli.
Die Liebesbriefe verbrannt
Für ihn ist Peregrina-Maria eine Gestalt, die zwischen der Zeit, zwischen den Epochen lebte, hin- und hergerissen zwischen verschiedenen Strömungen. Die Zeugen ihrer Liebschaft, die Liebesbriefe, hat sie verbrannt, wahrscheinlich in Wilen. Und auch Mörike selbst hat dazu beigetragen, dass nicht allzu viel über die Romanze bekannt wurde. Laut Dudli gibt es Schriftstücke, aus denen der Dichter zu heikle Passagen herausgeschnitten und vernichtet hat. Literaturgeschichtlich ist es für Dudli deshalb vor allem interessant, wie unterschiedlich sich verschiedene Autoren über die Zeit mit dem Werk Mörikes, insbesondere der Figur der Peregrina, auseinander gesetzt haben.
Dass Dudli mit seiner Faszination für die schillernde Persönlichkeit nicht alleine ist, zeigt der rege Austausch, den er mit zahlreichen Peregrina-Interessenten, vor allem aus Deutschland, führt. Seit zwei Jahren erinnert eine Gedenktafel an seinem Haus an die rätselhafte Vagantin, die Mörikes Muse war.
Sie hatten eine kurze, aber zerstörerische Liebschaft
Vor einem Jahr hat Marco Dudli einen Kurzlebenslauf der Peregrina verfasst. Demnach wurde sie 1802 als uneheliches Kind in Schaffhausen geboren und verwahrlost im Alter von fünf Jahren in die Obhut ihrer Grossmutter gegeben. Immer wieder geriet der «Wildfang» mit dem Gesetz in Konflikt. Als junges Irrlicht zog Maria in Süddeutschland und der Schweiz umher, als Landstreicherin und Magierin. Persönlichkeiten, wie die Beraterin von Zar Alexander I. oder eben den Theologiestudenten Eduard Mörike, zog sie fast magisch an. Vor allem die Begegnung mit dem 19-jährigen Mörike 1823 erwies sich als folgenschwer. Er verarbeitete ihre kurze, aber intensive und zerstörerische Liebschaft literarisch, vernichtete das Frühwerk jedoch wieder. Dennoch beschäftigte ihn das rätselhafte Mädchen weiterhin, weshalb es in seinem Roman «Maler Nolten» als Zigeunerin Elisabeth und als Peregrina wieder auftritt.
Die junge Frau war schön, gebildet, aber auch gewieft und extrovertiert. Ihre Liebe zu Mörike muss einseitig und besitzergreifend gewesen sein, was für den sensiblen Studenten zu viel war. Um das 25. Lebensjahr erlernte sie den Beruf der Putzmacherin (Modistin). 1836 heiratete sie den Nürnberger Schreiner Andreas Kohler. Die beiden wohnten fortan in Winterthur und schliesslich in Wilen. 1865 starb sie nach längerer Krankheit kinderlos an der Wassersucht. Sie wurde auf dem heute katholischen Friedhof Sirnach beigesetzt. Marco Dudli fand den betreffenden Sterberegistereintrag in Sirnach.
Text: Martin Meier (3. Februar 2006)
Anmerkung: Marco Dudli ist im Frühjahr 2008 nach schwerer Krankheit verstorben