Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03581.jsonl.gz/1664

Beurteilung der Besamungstauglichkeit
Bevor Du eine Kuh oder ein Rind besamst, ist es sehr nützlich, einige zielgerichtete Fragen zu stellen, sofern der Besitzer da ist und Auskunft geben kann.
Ziel muss sein, dass Du folgendes beurteilen kannst:
Ist das zu besamenden Tier:
- Besamungstauglich
- bedingt besamungstauglich
- nicht besamungstauglich
Für diese Beurteilung solltest Du das Tier immer nach demselben Muster ansehen, damit Du nichts vergisst.
Zudem helfen Dir 2-3 konkrete Fragen:
Wie verlief die letzte Abkalbung? Gab es irgendwelche Komplikationen? Diese können negative Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit haben.
Was hat der Besitzer bei der aktuellen Brunst beobachtet?
Hat das Tier einen regelmässigen Zyklus und wurde es evtl. schon besamt?
Je nach erhaltenen Informationen beurteilst Du das Tier als:
- besamungstauglich und besamst es
- Bedingt besamungstauglich, z.B. bei unklaren Brunstsymptomen, rauchigem Ausfluss oder unregelmässigem Brunstintervall und besprichst das weitere Vorgehen mit dem Besitzer. Oft machst Du in diesem Fall vor einer Besamung zuerst eine gynäkologische Untersuchung rektal und evtl. auch vaginal. Damit erhältst Du mehr und oft wertvolle Informationen über den gynäkologischen Zustand der Kuh.
- Nicht besamungstauglich, z.B. wenn die Kuh trächtig ist, eitrigen Ausfluss hat oder offensichtlich krank ist.
Denn nicht jede brünstige Kuh sollte auch automatisch besamt werden - Ihre Geschlechtsorgane müssen gesund und ihr Stoffwechsel stabil sein. Nur besamungstaugliche Kühe sollten auch wirklich zugelassen werden.
Im Beratungsartikel "Sollen wir heute besamen oder warten wir noch ?" (Toro 03/2019) können LandwirtInnen nachlesen, wie die Kühe kategorisiert werden und welche konkreten Informationen für den Besamer/die Besamerin hilfreich sind.
Wenn Du möchtest, kannst Du Dir die "Checkliste Besamungstauglichkeit" auch als pdf herunterladen.
Betrachtung (Adspektion) von aussen
Zur spezifischen Betrachtung von aussen vor einer Besamung gehören:
- die Schamlippen, deren Zustand, Lage und Verschluss
- die Aftergrube und die Umgebung der Scham und des Afters
- die Beckenbänder
Für eine Besamung:
- sind die Schamlippen etwas geschwollen und geschlossen unter dem Einfluss des Brunsthormons Oestrogen
- stehen die Schamlippen senkrecht und die Aftergrube ist nicht eingefallen (beides Anzeichen für Senkscheide)
- ist die Umgebung der Scham sauber und die Beckenbänder sind nicht eingefallen (Verdacht auf Zysten).
Bei der manuellen Untersuchung durch den Mastdarm - der rektalen Untersuchung - achtest Du auf:
- den Gebärmutterhals: dessen Länge, Durchmesser und Form
- die Gebärmutter: deren Grösse, Symmetrie, Tonus (Muskelspannung) und allfälligen Inhalt (Konsistenz)
besamungstauglich ist:
Der Gebärmutterhals (Cervix uteri)
- mit einen dem Alter des Tieres angemessenen Durchmesser (mit jeder Geburt nimmt der Durchmesser zu) und
- einer regelmässigen, zylindrischen Form.
Die Gebärmutter
- lässt sich unter der Hand oder im Becken versammeln,
- hat symmetrische Hörner
- ist stark eingerollt (die Muskulatur ist unter dem Einfluss des Brunsthormons Oestrogen deutlich gespannt.)
- gibt keine Hinweise für einen Inhalt (Flüssigkeit, Dünnwandigkeit).
Beratung in der Genetikwahl
Ist das Tier besamungstauglich, musst Du den Besitzer oft bezüglich Stierenauswahl beraten. Dabei berücksichtigst Du sowohl das Tier (Rasse, Verwendung, Alter, Grösse, Vorgeschichte, etc), als auch die Wünsche des Besitzers. Stierenkataloge mit detaillierten Informationen zu jedem einzelnen Stier mit seinen Vererbungsanlagen sind da eine grosse Hilfe.
Über die Samenauswahl lässt sich auch der Besamungserfolg steuern.
Ist das untersuchte Tier nicht besamungstauglich, handelt es sich oft um eines dieser häufigen Probleme in der Fruchtbarkeit des Rindes oder es ist trächtig.