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«Das Wichtigste auf dem Weg unseres Lebens ist, dass wir dem Leben und der Liebe nicht aus dem Weg gehen.»
Ernst Ferstl
Österreichischer Lehrer und Schriftsteller
«Das Wichtigste auf dem Weg unseres Lebens ist, dass wir dem Leben und der Liebe nicht aus dem Weg gehen.»
Ernst Ferstl
Österreichischer Lehrer und Schriftsteller
Ein Wimpernschlag, und alles war vorbei. Wortwörtlich.
Als Jérôme das Licht der Welt erblickte, sah er Liebe in den Augen seiner Mutter... für den Bruchteil einer Sekunde. Dann war da nur noch Enttäuschung, als sie sich bewusst wurde, dass sie nicht eine Tochter in ihren Armen hielt. Die Veränderung in ihrem Blick brach Jérôme das Herz.
«Hast du schon für die Prüfung geübt?». Er kannte diese Frage und auch das, was gleich kommen wird. Ihm war auch der Gesichtsausdruck vertraut, den seine Mutter in diesem Augenblick aufgesetzt hatte, während sie in der Küche die Einkäufe ausräumte und in den Schränken verstaute.
Die Einkäufe. Alles hatte seinen Platz, war ordentlich eingeräumt. Frederic konnte die Gläschen mit Zuckermais, die Büchsen mit den gehackten Tomaten und die Kartonschachteln mit den Kaffeekapseln vor sich sehen. Sie alle standen in Reih und Glied, ausgerichtet wie Soldaten in einer Parade, bereit zu salutieren. Ihm schien, als würden sogar sie Frederic von oben herab betrachten und seine Säumnisse tadeln.
Wann habe ich das letzte Mal wirklich geliebt, fragte sich Jérôme. Habe ich denn jemals so richtig geliebt? Hätte er sich in diesem Moment in einem Spiegel betrachtet, dann wäre ihm die Trauer in seinen Augen aufgefallen. Anderen Menschen fiel dies immer wieder auf, und, selten zwar, doch hie und da wurde Jérôme auch darauf angesprochen. Meist antwortete er ausweichend, faselte irgendwas von Sorgen im Beruf und wenig erholsamen Schlaf. Doch sich selber konnte er nicht belügen. Er kannte sie sehr wohl, diese Trauer.
«Jeri? Das ist ein schöner Name.» Mit diesen Worten wurde sie vom Therapeuten begrüsst. Schüchtern erklärte sie, dass Jeri die Abkürzung von Geraldine sei. Sie mochte ihren Taufnamen nicht, nicht mehr. Seit ihr in der Familie die Rolle des schwarzen Schafes zugewiesen wurde, versuchte sie sich etwas abzugrenzen. Was sie nur noch einsamer machte.
Die kleine Lucy sass mit angezogenen Beinen auf ihrem Kinderbett, ihr tränenüberströmtes Gesicht in ihren Händen vergraben. Nur ihr wilder Lockenkopf war noch zu sehen. „Warum mögen die anderen Kinder mich nicht? Was ist mit mir nicht in Ordnung?“, dachte sie traurig, und ihr Herz wurde schwer.
Geschichten über Sie, über mich, über uns. Ein jeder Mensch hat seine Geschichte, und jede dieser Geschichten ist es wert, erzählt und gehört zu werden.
Jeder Beitrag ist meinen Klientinnen und Klienten gewidmet. Aus Gründen der Diskretion mögen biografische Details verändert worden sein, und oft sind die Geschichten mehrerer Personen zu einer einzigen Figur verschmolzen. Doch nichts ist einfach erfunden, sondern nachempfunden. All diese Geschichten sind Ausschnitte der Realität - der Realität jener Menschen, die sich mutig ihrer eigenen Geschichte angenommen haben.
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