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Montagnachmittag im Schwimmbad Zürich Oerlikon. Michelle Heimberg ist hochkonzentriert. Die Wasserspringerin bereitet sich auf die Olympischen Spiele in Tokio vor. Diese beginnen bereits in drei Wochen. Dass sich die 21-Jährige voll und ganz auf das Wasserspringen konzentrieren kann, ist nicht selbstverständlich, denn es ist mit hohen Kosten verbunden.
Wir brauchen das Einkommen, um den Sport überhaupt auszuüben.
Ein angemessenes Einkommen sei daher von zentraler Bedeutung sagt Michelle Heimberg. «Wir brauchen das Einkommen, um überhaupt den Sport auszuüben.» Nur schon das Training und die Wettkämpfe kosteten viel. «Für das Training müssen wir zum Teil die Hallenbäder bezahlen.»
Auch der Bund hat erkannt, dass ein angemessenes Einkommen für Leistungssportlerinnen und -sportler zentral ist. In den vergangenen zehn Jahren hat er daher diverse Veränderungen in der Sportförderung vorgenommen. So wurden diverse Partner besser eingebunden oder die Struktur der olympischen Bewegung in der Schweiz modernisiert. Besonders wichtig war jedoch, dass die Finanzierung verbessert wurde. Zwischen 2010 und 2018 wurden die Unterstützungsgelder der Stiftung Schweizer Sporthilfe verdreifacht. Das wirkte sich direkt auf den Lohn der Athletinnen und Athleten aus.
Eine Studie des Bundesamtes für Sport, die in Zusammenarbeit mit Swiss Olympic entstand, untersuchte den Einfluss der diversen ergriffenen Massnahmen. Die Antworten von über tausend Athletinnen und Athleten, über fünfhundert Trainerinnen und Trainer, sowie von etwas mehr als hundert Chefinnen und Chefs flossen in die Studie ein.
Sie zeigen: Die finanzielle Situation von Leistungssportlerinnen und -sportlern hat sich in den letzten Jahren massiv verbessert. Die Auswertung ergab, dass sich der Medianlohn von Leistungssportlerinnen und -sportlern zwischen 2010 und 2018 verdoppelte.
Während Profisportlerinnen und -sportlern im Jahr 2010 ca. 23'000 CHF durch den Sport verdienten, lag der Medianlohn 2018 bereits bei 46'000 CHF. Heisst: Die Hälfte der Befragten verdiente weniger, die andere Hälfte mehr.
Mehr Geld gleich mehr Medaillen?
Hat der höhere Lohn auch einen Einfluss auf den Erfolg? Laut Sportökonom Hippolyt Kempf, dem Verfasser der Studie – und selbst einst Olympiasieger in der nordischen Kombination – sei das schwierig zu beurteilen. «Ob das am Ende des Tages zu mehr Medaillen führt oder nicht, ist eine schwierige Frage. Es ist aber eine gängige Theorie, dass es wirklich mithelfen sollte, nachhaltig bessere Leistungen erzielen zu können.»
Bei Michelle Heimberg haben sich die Erfolge eingestellt – im Mai wurde sie Vizeeuropameisterin auf dem 1-Meter-Brett. Ein sportliche Grossverdienerin ist sie allerdings nicht, ganz im Gegenteil. «Bei mir liegt das Einkommen sogar noch unter diesem Median. Ich komme nicht auf 46’000 Franken im Jahr.» Dies liege daran, dass sie eine Randsportart betreibe. «So gibt es auch nicht gross Preisgeld», sagt die 21-Jährige.
Damit die Löhne auch in Randsportarten künftig noch einmal verbessert werden können, will man die Sporthilfe, die von Spenden und Geld der Landeslotterie finanziert wird, noch einmal deutlich erhöhen. Für Michelle Heimberg sind aber auch die bereits erzielten Verbesserungen des Lohns entscheidend. Sie kann sich nun ganz auf die Vorbereitung für die olympischen Spiele in Tokio konzentrieren.