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Stütze Bonhoeffers in der Schweiz
Die lebenslange Freundschaft von Dietrich Bonhoeffer mit dem Schweizer Pfarrer Erwin Sutz (1906–1987). Von Peter Aerne
Wer sich mit der Biographie Dietrich Bonhoeffers befasst, stösst dabei auf den Namen von Erwin Sutz (1906–1987). Der spätere Pfarrer (er wirkte in Wiesendangen ZH, Rapperswil SG und Zürich-Hottingen) verbrachte 1930/1931 ein Studienjahr am Union Theological Seminary in New York, wo er den gleichaltrigen Bonhoeffer kennenlernte und Freundschaft fürs Leben schloss.
Gemeinsam in New York 1930/1931
Am 27. Oktober 1930, bald nach seiner Ankunft in New York, beschrieb Sutz seinen Kommilitonen gegenüber dem Theologen Emil Brunner als «strengen Barthianer», der bereits promoviert sowie habilitiert sei und unter den Studenten herausrage. Im Gegensatz zu Sutz, der bei Brunner in Zürich und bei Karl Barth in Münster in Westfalen studierte hatte, kannte Bonhoeffer die beiden dialektischen Theologen noch nicht persönlich. Nach seiner Rückkehr fädelte Sutz die Begegnung Bonhoeffers mit Barth (im Juli 1931) und Brunner (im August 1932) ein. Neben der Theologie verband Sutz und Bonhoeffer die Passion fürs Klavierspiel. In ihrer Freizeit unternahmen sie miteinander Reisen:im Dezember 1930 nach Kuba und im Frühling 1931 nach Chigaco und St. Louis.
Intensiver Briefwechsel
Bonhoeffer und Sutz blieben auch nach dem USA-Aufenthalt in Kontakt. Sutz wurde für Bonhoeffer eine wichtige Stütze bei den Besuchen in der Schweiz. Persönlich gesehen haben sie sich zwischen dem Jahr 1931 und der Verhaftung Bonhoeffers am 5. April 1943 noch viermal. Intensiver gestaltete sich der Briefverkehr. 21 Briefe Bonhoeffers haben sich erhalten, der letzte wurde zur Hochzeit von Sutz am 23. September 1941 geschrieben. Jene von Sutz sind verschollen.
Worum ging es in diesem Briefwechsel? Bonhoeffer erzählte etwa vom Konfirmandenunterricht im «roten Berlin», von Konferenzbesuchen, vom Seminar in Finkenwalde, und er informierte über den Kirchenkampf. Schon am 28. April 1934 meinte er seherisch gegenüber Sutz, dass die kirchliche Opposition bloss ein Durchgangsstadium sei. Die ganze Christenheit müsse darum beten, «dass das ‹Widerstehen bis aufs Blut› kommt und dass Menschen gefunden werden, die es erleiden».
Angesichts der schwierigen Zeit erstaunt die Sehnsucht nach der «stillen Bergpfarrei» – Sutz war damals Pfarrer in Wiesendangen bei Winterthur – nicht. Hin und wieder fiel eine spitze Bemerkung gegen die Theologische Fakultät in Zürich und gegen Brunner. Dennoch nähme er eine «ruhige Professur» in Zürich an, wenn ihm Sutz diese vermittelte
Doch Bonhoeffer war auch der Empfangende: Von Sutz erhielt er die erste ernsthafte Antwort auf die Habilitationsschrift «Akt und Sein», wurde auf Neuerscheinungen Brunners hingewiesen oder aufgefordert, sich mit Nationalökonomie zu befassen. Sutz sandte mitunter seine Predigten, die Bonhoeffer in hohem Masse lobte. Gerne hätte er seinen Freund einmal predigen gehört.
Der einzige Nachruf
Als Bonhoeffer am 9. April 1945 kurz vor Kriegsende brutal gehängt wurde, gelangte diese Meldung zunächst über Italien nach Genf zum Ökumenischen Rat; erst im Juni erreichte sie die Braut Maria von Wedemayer und zuletzt im Juli die Eltern. Ende Mai wurde Sutz von Karl Barth darüber informiert, worauf er im Kirchenblatt für die reformierte Schweiz, wo er seit 1936 einer der nebenamtlichen Redaktoren war, am 14. Juni 1945 einen Nachruf auf «meinen Studienkameraden » einrücken liess. Darin würdigte er Bonhoeffer als Autor der «Nachfolge» mit ihrem Protest gegen die «billige Gnade», als Vertreter der Ökumene, als engagiertes Mitglied der Bekennenden Kirche und schliesslich als einen der «Blutzeugen, deren Leiden und Sterben nie vergeblich gewesen ist». In der Deutschschweizer Presse war dies die einzige Meldung von Bonhoeffers Tod.
Wer kannte ihn damals schon? Seine Handvoll Publikationen wurden zwar auch hier in kirchlichen Zeitschriften besprochen, doch die bekannte Figur des Kirchenkampfes war Pastor Martin Niemöller. Heute ist Bonhoeffer wohl der bekannteste Christ und Theologe des 20. Jahrhunderts. Neben dem Martyrium ist dies auf den theologischen Neuansatz in den Gefangenschaftsbriefen (1951 als «Widerstand und Ergebung » publiziert) zurückzuführen.
Die «kühnen Thesen und Visionen über die Zukunft des Christentums » bezeichnete Sutz 1955 in der «Reformatio» als revolutionär. Zum zehnten Todestag erinnerte er auch in der Zeitschrift der «Jungen Kirche » an Bonhoeffer. Damit trug Sutz wesentlich zur Bekanntmachung Bonhoeffers beim kirchlichen Publikum in der Deutschschweiz bei.
Quelle: Reformierte Presse 34/06 (http://www.ref.ch/presse/)
Autor: Peter Aerne lebt in Neuenburg und arbeitet an einer Studie über Pfarrer Erwin Sutz.
Von ihm ist kürzlich im Chronos-Verlag das Buch "Religiöse Sozialisten, Jungreformierte und Feldprediger. Konfrontationen im Schweizer Protestantismus 1920 - 1950" erschienen.
Kontakt: <email-pii>