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(spr. kangbóng), Joseph, Mitglied des franz. Nationalkonvents, geb. 17. Juni 1754 zu Montpellier, war Inhaber eines
Fabrikgeschäfts, als er von seinen Mitbürgern zum Deputierten in die Gesetzgebende Versammlung und sodann
in den Konvent gewählt ward. Er beschäftigte sich hier vorzugsweise mit dem Finanzwesen und veranlaßte die Veröffentlichung
der Staatsschulden sowie die Vermehrung der Assignaten. Er bekämpfte die Ausschweifungen der Pariser Gemeinde und Marats und Robespierres
Umtriebe und ward insbesondere der Schrecken der betrügerischen Zahlmeister und Armeekommissare.
Wiewohl er für die Hinrichtung des Königs ohne Appellation an das Volk stimmte, so widersetzte er sich
doch der Errichtung des Revolutionstribunals. Seit April 1793 Mitglied des Wohlfahrtsausschusses, trat er hier den Exzessen
der Pariser Sektionen mit Entschiedenheit entgegen, verteidigte 19. April die Girondisten mit eigner Aufopferung, erstattete im
Juli einen Bericht über die Lage des Staats und die Thätigkeit des Wohlfahrtsausschusses und im März 1794 einen
andern über den Zustand und die Verwaltung der Finanzen, wobei er das Raubsystem der Terroristen und die Verschleuderung der
öffentlichen Gelder durch die Kommissare schonungslos aufdeckte.
Auch legte er 24. Aug. 1793 das große Buch der öffentlichen Schuld an. Robespierre mißfällig und von ihm 8. Thermidor 1794 heftig
angegriffen, hatte er eine große Zahl Gleichgesinnter auf seiner Seite, deren Verbindung den Sturz Robespierres zur Folge hatte.
Dagegen warf er sich als Verteidiger der angeklagten Mitglieder der Ausschüsse, Billaud-Varennes, Collot, d'Herbois u. a.,
auf und ward deshalb von Tallien als Mitschuldiger derselben angeklagt. Er entging der Verhaftung, indem
er sich verbarg, und lebte seitdem zurückgezogen auf einem Landgut bei
Montpellier. 1815 in die Kammer gewählt, ward er nach
der zweiten Restauration als Königsmörder verbannt. Er starb 15. Febr. 1820 in St.-Josse en Node bei Brüssel.
(spr. kangbóng), Pierre Paul, franz. Diplomat, geb. 1840 zu Paris, studierte daselbst die Rechte und wurde Advokat.
J. ^[Jules] Ferry ernannte ihn, als er im November 1870 Präfekt der Seine wurde, zu seinem Kabinettschef. 1871-72 war er Generalsekretär
mehrerer Präfekturen und wurde 1872 Präfekt der Aube, aber als Republikaner 1873 abgesetzt. 1876 wurde
er Präfekt des Doubs und nach mehrmonatiger Unthätigkeit während des Reaktionsministeriums (Mai bis November 1877) Präfekt
in Lille, 1882 Ministerresident in Tunis und 1886 Botschafter in Madrid. - Sein jüngerer Bruder, Jules Martin Cambon, geb. 1846, wurde 1882 Präfekt
des Departements Nord, 1887 des Rhônedepartements.
(spr. kangbóng), Joseph, franz. Politiker, geb. 17. Juni 1754 zu Montpellier,
stand daselbst dem väterlichen Handelsgeschäfte vor, als die Revolution ausbrach. Mit Leidenschaft
gab er sich der Bewegung hin und proklamierte schon im Febr. 1791 in seiner Stadt die Republik. Im September in die Gesetzgebende
Versammlung gewählt, wendete er seine Thätigkeit besonders den Finanzen zu; 9. Febr. 1792 setzte er das Dekret durch, nach dem
die Güter der Emigranten vom Staate sequestriert wurden.
Als Präsident der Versammlung legte er alle Aktenstücke vor, welche die Schuld des Königs darthun konnten. Im Konvent wandte
er sich zwar gegen die Ausschreitungen der Pariser Commune, widersetzte sich ebenso der Errichtung des Revolutionstribunals,
stimmte aber doch auch für den Tod des Königs, ohne Aufschub und Appellation. Im April 1793 trat er in
den Wohlfahrtsausschuß, wo er in der Sitzung vom 19. Mai die Girondisten verteidigte. Im März 1791 legte er der Versammlung
einen Bericht über den Zustand und die Verwaltung der Finanzen, indem er sich kühn gegen
mehr
die Verschleuderung der Kommissare und das Raubsystem der Schreckensmänner erklärte. Von Robespierre heftig angegriffen,
verband sich Cambon mit einigen Gleichgesinnten im Konvent zu dessen Sturz; als er aber Billaud, Collot und andere Mitglieder der
Ausschüsse verteidigte, zog er sich den Haß der Partei Talliens zu, die in ihm einen der Urheber des Aufstandes
vom 12. Germinal verfolgte und ihn aus dem Finanzausschuß vertrieb. In contumaciam zur Deportation verurteilt, durfte er
erst nach der Amnestie vom 26. Okt. 1795 sich auf sein Landgut bei Montpellier zurückziehen. Die Ämter, die ihm Napoleon 1805 antrug,
wies er zurück. Während der Hundert Tage nahm er ein Mandat für die Kammer an, wo er gegen die Rückkehr
der Bourbonen protestierte. 1816 mußte Cambon als «Königsmörder»
nach Brüssel flüchten, wo er 15. Febr. 1820 starb.