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Arianer
und Arianischer Streit. Der erste tiefgreifende Lehrstreit in der christl. Kirche ist der arianische. Seit dem Ausgange des 2. Jahrh. entstanden verschiedene Richtungen, die im Interesse eines entschiedenen Monotheïsmus gegen die Erhebung Christi zu einer zweiten göttlichen Person Protest erhoben. An diese Bewegungen knüpfte Arius, aus Libyen gebürtig, seit 313 Presbyter in Alexandria, ein sittenstrenger, dialektisch wohl geschulter Mann von mehr verständig kritischer als spekulativer oder mystischer Richtung, an, indem er lehrte: Gott allein ist ungezeugt, hat das Sein aus sich selbst;
er allein ist ewig und kein anderer ist ihm gleich.
Auch der Sohn ist dem Wesen nach ihm ungleich, ist nicht wahrer Gott, nicht ewig wie der Vater; entstand er auch nicht in der Zeit (die erst mit der Schöpfung beginnt), so war doch ein Moment, wo er noch nicht war. Er ist auch ein Geschöpf, freilich das erste und vollkommenste und selbst Princip der Weltschöpfung, aber doch gleich allen andern Geschöpfen durch den Willen Gottes aus nichts hervorgegangen; er ist auch beschränkt, sowohl intellektuell, sofern er den Vater nicht vollkommen erkennt, als auch sittlich, sofern er von Natur des Bösen fähig und nur durch die freie Entscheidung seines Willens unwandelbar gut ist; weil er aber diese sittliche Beharrlichkeit im irdischen Wandel bewährt hat, erwies ihm Gott immer reichere Gnaden und ließ ihn an seiner eigenen Weisheit und Vernunft teilnehmen, so daß er durch dies Teilhaben selbst Gott ward und aus diesem Grunde Logos, Sohn Gottes, ja Gott genannt werden kann.
Wegen dieser Ansichten ward Arius 318 auf einer Synode zu Alexandria durch Bischof Alexander abgesetzt und exkommuniziert. Er fand jedoch durch seine lebhafte Thätigkeit, sowie durch seine Schriften (die wichtigste, «Thalia», ist nur noch in wenig Fragmenten erhalten) beim Volk und bei vielen Bischöfen, wie z. B. Eusebius von Nikomedien, solchen Anklang, daß sich bald der ganze Orient teils für, teils wider ihn entschied. Um den Streit zu schlichten, berief Kaiser Konstantin das erste große ökumenische Konzil nach Nicäa, 325, welches, namentlich unter dem Einfluß des Athanasius (s. d.), den Arius verdammte und die volle Wesensgleichheit des Sohnes mit dem Vater (Homousie, daher die Anhänger Homousiasten) ¶
forlaufend
als kirchliche Rechtgläubigkeit sanktionierte. Obgleich selbst die Freunde des Arius, von ihrem polit. Parteiführer Eusebius auch Eusebianer genannt, diese Formel unterschrieben, bildete dies Konzil doch nur den Anfang eines jahrzehntelangen Kampfes.
Als Kaiser Konstantin sah, wie widerwillig das Morgenland aus Furcht vor Sabellianismus (s. d.) die neue Formel aufnahm, wandte
er seine Gunst den
Arianern zu. Arius ward 328 aus der Verbannung zurückberufen und sollte 336 in die
Kirchengemeinschaft aufgenommen werden, als er plötzlich starb. Athanasius ward von einer Synode zu Tyrus abgesetzt und 336 nach
Trier
[* 3] verbannt; die Eusebianer stellten auf der Kirchweihsynode zu Antiochien 341 vier Einigungsformeln auf, in
denen der entscheidende Ausdruck «Homousie», Wesensgleichheit, ausgelassen ward; ja, auf der
Synode zu Antiochien, 344, ward statt derselben die bloße Wesensähnlichkeit (Homöusie, daher Homöusiasten) behauptet. Das
Abendland erklärte sich zwar auf den Synoden zu
Rom 341. und zu Sardica 343 mit Entschiedenheit für die Wesensgleichheit,
aber das Morgenland beharrte auf der Gegensynode zu Philippopolis 343 und der ersten zu Sirmium 351 bei
der Wesensähnlichkeit und Kaiser Constantius II. zwang das Abendland, auf zwei Synoden, zu Arles 353 und zu Mailand
[* 4] 355, der
Verurteilung des Athanasius beizutreten und die vermittelnde Formel der Eusebianer anzunehmen.
Jetzt aber zerfielen die bisher vereinigten Gegner der Wesensgleichheit in drei Parteien. Die strengen
Arianer, geführt von Aetius aus Cölesyrien (350 Diakon zu Antiochien, gest. 370) und Eunomius aus Kappadocien (360 Bischof
in Cyzikus, gest. nach 392), behaupteten jetzt offen die Wesensunähnlichkeit, Anomöusie (daher Anomöer), Heterousie (daher
Heterousiasten) des Sohnes. Die Eusebianer zerfielen in die beiden Parteien der Homöusiasten und der
Homöer.
Jene, seit 358 Semi
arianer genannt, blieben bei der in den Antiochenischen Formeln (341, 344) behaupteten Wesensähnlichkeit
des Sohnes, die auf der dritten Synode zu Sirmium allgemein anerkannt ward. Diese begnügten sich mit der Formel: der Sohn ist
dem Vater ähnlich. Durch ihren Einfluß bei Hofe wußten sie es durchzusetzen, daß 359 sowohl die nicänisch
gesinnte Synode des Abendlandes zu Ariminum als die semiarianisch gesinnte des Morgenlandes zu Seleucia ihre Formel annahm.
Als Julianus (s. d.) Apostata 361-363 allen Parteien «zu
gegenseitiger Zerfleischung» Raum gab, standen sich bald wieder nur zwei Parteien gegenüber, Nicäner und
Arianer.
Aber immer mehr siegten die Anhänger der zu Nicäa festgestellten Wesensgleichheit des Sohnes, durch Festigkeit
[* 5] und Wissenschaftlichkeit ihrer Führer ebenso gestützt wie durch das Bedürfnis der gläubigen Christenheit. Unter Theodosius
d. Gr. (379-395) kam dieser Sieg zum Ausdruck, indem das zweite ökumenische Konzil zu Konstantinopel
[* 6] 381 in seinem Symbolum Nicaeno-Constantinopolitanum
die Wesensgleichheit des Sohnes endgültig feststellte.
Der Arianismus verschwand dann im Römerreiche schnell, seitdem auch im Occident Valentinian II. (375-92) aus polit. Gründen gegen ihn thätig war, erhielt sich dagegen noch lange unter den Germanen. Erst das allmähliche Überhandnehmen röm. Kultur, in Verbindung mit der steigenden Macht der röm. Bischöfe, drängte einen german. Stamm nach dem andern zum «katholischen» Glauben hinüber (s. Goten, Burgund, Vandalen). Am längsten widerstanden die Langobarden (s. d.), welche bis 662 wenigstens offiziell-kirchlich den Arianismus bewahrten. Der allgemeine Sieg des Katholicismus wurde durch das siegreiche Vordringen der Franken entschieden, deren König Chlodwig (s. d.) sich zum kath. Glauben bekehrt hatte. -
Vgl. Böhringer, Athanasius und Arius (Stuttg. 1874);
Kölling, Geschichte der arian.
Häresie (Gütersl. 1874); Gwatkin, Studies of Arianism (Cambridge 1832); ders., Arian controversy (Lond. 1889).