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San Marino, die älteste Republik der Welt und der Staat ohne Staatsverschuldung bei Rimini, hat als treuer Freund Russlands mit dem Kreml gebrochen.
von Anton Ladner
In San Marino ist die Neutralität seit Jahrhunderten heilig. Doch das ist seit dem russischen Überfall auf die Ukraine Vergangenheit. Die Freundschaft mit Russland, die auf die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg zurückgeht, wurde aufgekündigt. Damals wurde San Marino von einer kommunistischen Allianz regiert, was Moskau erfreute. Die 61 Quadratkilometer waren von feindlichem Gebiet umgeben, San Marino war eine rote Insel mitten im christdemokratischen Italien. Kommunistenführer Giancarlo Pajetta stachelte zum Widerstand gegen Rom an und Italien schickte gepanzerte Carabinieri-Einheiten an die Grenzen der ältesten Republik der Welt. Deshalb weigerten sich die USA, San Marino in den Marshallplan aufzunehmen, und Italien blockierte die Zufahrtsstrassen nach San Marino. 1957 kapitulierten die Linken von San Marino, für viele war es in der Tat ein Staatsstreich. San Marino wurde zunächst das Recht auf ein staatliches Fernsehen zurückgegeben, dann folgte der Aufstieg zu einem Steuerparadies mit wenigen Kontrollen.
Der Staat mit den 33 000 Einwohnern, der nicht Mitglied der Europäischen Union ist, landete auf schwarzen Listen, was ihn zu Reformen im Finanzsektor zwang. Da war die Gelegenheit willkommen, die Beziehungen zu Moskau wieder zu festigen. Möglich machte das Wladimir Lissin, Honorarkonsul von San Marino in Russland und als Stahlkönig einer der reichsten Männer im Putin-Reich. Der russische Aussenminister Sergei Lawrow kam in der Folge 2019 nach San Marino, um sich dafür zu bedanken, dass San Marino die nach der Besetzung der Krim verhängten Sanktionen nicht mittrug. Lawrow bekam den Sant’Agata-Orden, die wichtigste Auszeichnungen San Marinos. Im Gegenzug wurde eine Vereinbarung für Zusammenarbeit in den Bereichen Handel, Wirtschaft, Gesundheit und Politik unterschrieben. Danach feierte Lawrow in Rimini seinen Geburtstag. Dann kam die Pandemie und im Februar 2021 kaufte San Marino die ersten 37 000 Dosen des russischen Impfstoffs Sputnik. San Marino hatte so innert drei Monaten die Herdenimmunität erreicht, ein Riesenerfolg mitten im arg gebeutelten Italien.
Heute jedoch figuriert San Marino auf der Liste der feindlichen Staaten Russlands. Denn San Marino hat sich nach dem Ukraine-Krieg entschieden, aktiv neutral zu werden. Der Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten Luca Beccari, der vor einigen Monaten nach Moskau flog, um ein gegenseitiges Abkommen zur Abschaffung der Visumspflicht auszuhandeln, erklärt: «Neutral zu sein bedeutet heute, nicht auf dem militärischen Feld zu agieren und sich nicht an Koalitionen von Ländern gegen andere zu beteiligen. Das bedeutet aber nicht, dass wir ignorieren, was in unserer Nähe geschieht. Sanktionen waren unvermeidlich.» Vor der Pandemie war die Altstadt von San Marino voll von russischen Touristen und kyrillischer Schrift. In diesem Sommer werden keine 300 000 Russen auf dem Flughafen Federico Fellini in Rimini landen. Die Zeiten, als in San Marino Moskau näher schien als Rom, sind vorbei.