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Dort wo heute das Mehrfamilienhaus Trottenstrasse Nr. 5/7 steht, hatte einst Amalie Zimmermann, meist nur "Chatzeamali" genannt, ihren Wohnsitz in einem verschindelten Haus mit einer grossen nach Nordwesten ausgerichteten, überdachten Laube, schräg und mit einem Geländer im "Laubsägelistil".
Das "Chatzenamali" lebte dort zusammen mit seiner Mutter. Die beiden Frauen hausten still für sich, menschenscheu, weitgehend ohne Kontakt mit der Aussenwelt.
Ihre Lebensphilosophie erschöpfte sich im liebevollen Hegen und Pflegen von zahlreichen Katzen.
Auf dem Bild sieht man das "Chatzeamali" im Garten, seine Mutter guckt aus dem Fenster.
Angaben von Otto Müller
Bild-Nr.: 02002
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Otto Müller / Rainer Stöckli
Copyright: Fotoarchiv Mellingen
Scheune als Lagerraum des ehemaligen Baugeschäfts Franzetti, Nesselnbach, an der Trottenstrasse, während des Zweiten Weltkriegs.
Das Bild zeigt die Scheune, die dem Baugeschäft Franzetti ehemals als Lagerraum diente.
Heute (2017) steht anstelle dieser Scheune und des "Chatzeamalihauses" (s. Bild-Nr. 02002) das Mehrfamilienhaus Trottenstrasse 5/7.
Im Hintergrund erblickt man das Wohnhaus, das lange von der Familie Hümbelin bewohnt wurde, heute (2017) von der Familie Feller, Haus Bahnhofstrasse 14.
Während des zweiten Weltkrieges waren im Lagerraum der Firma Franzetti Militärpferde untergebracht, während in der Garage des Hauses von Geometer Martin Peterhans (Trottenstrasse 3), die gegenüber der Scheune lag, Kriegsmunition eingelagert war.
Otto Müller mag sich an folgendes Ereignis erinnern:
"Das Munitionsdepot wurde Tag und Nacht streng bewacht. Eines Abends wollte ein junger Leutnant in der Dunkelheit die Aufmerksamkeit der Wache auf die Probe stellen. Stracks näherte er sich dem Soldaten. Als er auf die dreimalige Aufforderung der Wache " Halt, wer da? Bitte Passwort bekannt geben!" nicht reagierte, schoss der Wachsoldat auf den Offizier. Er traf ihn derart unglücklich, dass er bereits auf der Fahrt ins Spital starb."
Bild-Nr.: 02003
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Otto Müller / Rainer Stöckli
Copyright: Fotoarchiv Mellingen
Der Trottenring biegt in südöstlicher Richtung von der Trottenstrasse ab und führt in einem Bogen wieder in diese zurück.
Das Haus Trottenring 3 wurde lange von der Familie Beeler bewohnt.
Heute (2017) ist das Gebäude im Besitz von Ulrich Riesen, Profilbiegerei/Metallbau.
Otto Müller erzählt: "Über Jahrzehnte wurde das Haus von der Familie Beeler bewohnt, eine geschätzte Familie, die nach ihrem Wegzug den Kontakt zu Mellingen beibehielt. So setzte sich der in Unterentfelden wohnhafte Josef Beeler auch nach seiner Pensionierung als Chef öffentlicher Verkehr beim aarg. Baudepartement dafür ein, dass eine S-Bahn von Zürich nach Aarau mit einer Haltestelle in Mellingen realisiert werde, was dann 2004 geschah."
Bild-Nr.: 02004
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Otto Müller / Rainer Stöckli
Copyright: Fotoarchiv Mellingen
Über die Bauernliegenschaft Schibli, den Schiblihoger und das "Abfackeln" des Gehöfts s. Bild-Nr. 02011.
Anstelle des Gehöfts wurde 1971 der Doppelkindergarten Trottenstrasse eröffnet.
Auf dem Gelände im Vordergrund entstanden 1967 die Sportanlagen für die Schulanlage Bahnhofstrasse.
Beim Haus ganz rechts handelt es sich um das Gebäude Trottenstrasse 12.
Bild-Nr.: 02012
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Rainer Stöckli
Copyright: Fotoarchiv Mellingen
Das alleinstehende Haus - im Volksmund auch "Radiburg" genannt - mit danebenliegender Scheune stand etwas auf einer Anhöhe mit einem Abhang gegen die Turnhalle an der Bahnhofstrasse und das Stöcklihaus (Bild-Nr. 02090) hin und hiess gemeinhin "Schiblihoger" (s. Bild-Nr. 02012).
Vater Schibli, der Besitzer der kleinbäuerlichen Liegenschaft, verkaufte in den 1960er-Jahren die recht baufälligen Gebäulichkeiten und das dazugehörige Land der Gemeinde. Auf dem Land wurden 1967 Sportplätze angelegt. Anstelle der Bauernliegenschaft entstand 1971 der Doppelkindergarten Trottenstrasse.
Otto Müller berichtet über den "Schiblihoger":
"Der 'Schiblihoger' war über Jahrzehnte der Inbegriff für ein Schlittelparadies in den schneereichen Winterzeiten, die früher fast die Regel waren. Obwohl die Ausmasse des Geländes für einen ordentlichen 'Wintersportbetrieb' recht bescheiden waren, tummelten sich auf dem 'Schiblihoger' in den Turnstunden und in der Freizeit helle Scharen von Schulkindern mit ihren Schlitten und Skiern."
Wieder lassen wir Otto Müller, der von 1961-1972 Feuerwehrkommandant war, über den Abbruch der Liegenschaft Schibli erzählen: "Haus und Scheune wurden 1967 zum Abbruch freigegeben. Eine Luftschutzeinheit wurde mit dieser Aufgabe beauftragt. Erfreulicherweise erhielt die Feuerwehr Mellingen zuvor die Gelegenheit, im Wohnhaus und in den landwirtschaftlichen Gebäuden ernstfallmässige Übungen durchzuführen. Schlussendlich wurden die hart traktierten Räume gar für eine Alarmübung zur Verfügung gestellt, in denen es einen Vollbrand zu bekämpfen galt. Um dem Feuer möglichst viel Nahrung zu verschaffen, wurde das Objekt mit viel leicht brennbarem Material angefüllt und mit Altöl bespritzt.
Nun wollte es der böse Zufall, dass die neubesetzte Alarmstelle im Hotel Hirschen ihre liebe Mühe hatte. Als schliesslich der Feuerwehrkommandant in aller Eile zum Rechten sah, stand das Übungsobjekt bereits in hellen Flammen. Für die angerückten Pikettleute kam von den Feuerwehrdevisen 'Retten, Halten, Löschen' nur noch die mittlere zum Tragen. Es galt, das Übergreifen des Feuers auf die Nachbarobjekte zu verhindern. Mit dieser Aufgabe beschäftigt, vergass man beinahe, dass die Elektroleitungen geschmolzen am Boden lagen und das Quartier stromlos geworden war. Das Nachspiel zu diesem ernsthaften Vorfall sei der Phantasie des Lesers überlassen!"
Bild-Nr.: 02011
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Otto Müller / Rainer Stöckli
Copyright: Fotoarchiv Mellingen
In den Dreissiger- und in den ersten Nachkriegsjahren wurde das Haus von einer Familie Ullmann bewohnt, die im Erdgeschoss eine Schreinerei betrieb. Das Wohnhaus und die Schreinerei wurden in der Folge von Ernst Schwab übernommen, einem einfachen, etwas wortkargen Junggesellen, den man in der Gemeinde, gerade wegen seiner unkomplizierten Art schätzte. Wenn man seine Werkstatt im Erdgeschoss betrat, war der Boden meist mit viel Sägemehl bedeckt.
Zusammen mit der damals kleinen Ortsbürgergemeinde gilt er als Spender für den neuen Ulrichsbrunnen (s. Bild-Nr. 02020) beim Kindergarten Trottenstrasse, als der alte, ehrwürdige Brunnen mit seinem quadratischen, langgezogenen Trog leider zerschlagen und entfernt wurde.
Nach dem Tode von Ernst Schwab wollte die Gemeinde das Haus als Abbruchobjekt erwerben, um die schmale, gefährliche Ein- und Ausfahrt von der Bahnhofstrasse in die Trottenstrasse zu erweitern. Einsprachen gegen dieses Vorhaben und finanzielle Erwägungen waren die Gründe, weshalb der Plan nicht verwirklicht werden konnte.
Heute (2017) wird das Haus von der Familie Kölliker bewohnt.
Anstelle dieses Gebäudes stand früher eine Scheune, die zur Liegenschaft Bahnhofstrasse 12 gehörte und in den 1920er-Jahren in ein Wohnhaus mit Schreinerei, Gebäude Trottenstrasse 1, umgebaut wurde.
Otto Müller schreibt: "Das Bild zeigt ein Wohn- und Gewerbeobjekt (Haus Trottenstrasse 1) gegenüber der Apotheke, dort, wo die Trottenstrasse von der Bahnhofstrasse abzweigt. Mit den verschindelten Fronten und einer nach Nordwesten abgestuften Laube ist das Haus ein Unikum in unserer Gemeinde, in einer Art, wie man es in der weiten Runde nicht findet. Das heute renovationsbedürftige Objekt kommt seiner Einfachheit und schlichten Bedeutung wegen ohne wesentliche geschichtliche Daten aus."
Bild-Nr.: 02001
Bild: Fotoarchiv Mellingen
Text: Otto Müller
Copyright: Fotoarchiv Mellingen
Artikel von Albert Nüssli. Der neue St-Ulrichbrunnen in: Reussbote vom 26. 8. 77:
"Beim Bau des Kindergartens St-Ulrich [richtig: Kindergarten Trottenstrasse] bildete der Ulrichsbrunnen ein Hindernis für die Bauleute. Brunnentrog und –stock mussten weichen und wurden auf der Krete der westlichen Halde deponiert. Das Kindergartengebäude wurde dann vollendet und darin nun schon seit Jahren Schule gehalten, aber der Brunnen kehrte nicht zurück. Noch mehr: seine Relikte waren auf einmal verschwunden! Die naheliegende Vermutung, nächtliche Überschusskräfte hätten einen künstlichen Felssturz improvisiert, erwies sich als irrig.
Schliesslich vernahm man, dass sich die Behörde schon längere Zeit mit diesem Problem befasse, das scheinbar im Gestrüpp der Finanzierung steckengeblieben war. Als sich dann die Ortsbürger entschlossen, die Kosten für einen Brunnen aus ihrem spärlichen Vermögensertrag zu übernehmen, und ein geeigneter Ersatz schenkungsweise in Aussicht stand, glaubte man die restlichen Kosten der Einwohnergemeinde zumuten zu dürfen, umso mehr als diesen Anlagen auch die Erteilung einer soliden, gefälligen Sitzbank eingeschlossen ist, gewiss eine willkommene Ausruhegelegenheit für heimkehrende Bergler und Spaziergänger. Der Brunnenstock zeigt denn auch über dem Wasserauslauf folgende Widmung: 'Dieser St-Ulrichs-Brunnen ist ein Geschenk von E. Schwab und der Mellinger Ortsbürger. ' Wenn es besonders ältere Leute vielleicht lieber gesehen hätten, wenn der frühere Ulrichsbrunnen wieder erstanden wäre, so ist dazu zu sagen, dass es so besser ist. Der sehr niedere Brunnentrog wäre für die kleinen Studenten von Tante Zimmermann eine eigentliche Lebensgefahr gewesen, und zumindest würde es für den Schulbetrieb störend wirken, wenn hie und da eines der Kinder tropfnass in die Schulstube gestürmt käme. Der jetzige Brunnen ist übrigens ein eigentlicher Jünger des frühern. Das kam so: Als der Arzt Dr. [Jakob] Wassmer vor 140 Jahren die Liegenschaft [Bahnhofstrasse 12] in der obern Ecke, welche die heutige Trottenstrasse bei der Abzweigung aus der Bahnhofstrasse bildet, von seinem Berufsvorgänger Dr. [Johann Alois] Minnich [1801-1885] erworben hatte, erstellte er bei seinem Hause, in dem sich jetzt das Ladengeschäft von Kaspar Zehnder [heute Haus Sieber, wie oben erwähnt Gebäude Bahnhofstrasse 12] befindet, einen Brunnen, nachdem er von der Gemeinde einen Anteil Wasser des Ulrichsbrunnen erworben hatte. Ständige Schwierigkeiten, die sich viel später in der Wasserzuleitung ergaben, veranlassten den nachmaligen Besitzer Schneider, an der inzwischen eingeführten Haus-Wasserversorgung der Gemeinde anzuschliessen und seinen Privatbrunnen eingehen zu lassen. Den ausgedienten Brunnen versorgte man an abgelegener Stelle im Garten der Scheune nebenan. Vor einem halben Jahrhundert wurde die zum Wohnhaus gehörende Scheune separat verkauft und abschliessend zu einem Geschäftshaus [Haus Trottenstrasse 1, s. Bild-Nr. 02001] umgebaut. Mehrmals wechselte der Besitzer, samt dem zumeist unbeachteten Brunnen. In Anbetracht des edlen Verwendungszweckes kam der gegenwärtige Besitzer, Schreinermeister Ernst Schwab, zu dem offensichtlich nicht leichten Entschluss, sich von dem lange nicht beachteten Schmuckstück seiner Gartenanlage zu trennen. Durch den kunstsinnigen einheimischen Bildhauer Albert Fischer [1923-2005] ist damit wieder ein Brunnen entstanden, der des Standorts und seines Vorgängers würdig ist. Nur schade, dass die Anregung, am Brunnen einen Fisch, das Attribut von St. Ulrich, im Stein einzuhauen, keine Verwirklichung fand. Der St-Ulrichsbrunnen dürfte wohl eines der ältesten Symbole auf dem Gebiete der Gemeinde Mellingen sein. Unzweifelhaft ist er gleichfalls mit der St-Ulrichs-Kapelle gebaut worden. Wir finden ihn schon in der Gerechtigkeit des Zwings zu Mellingen, die [Theodor von]Liebenau in die Zeit 1460-1470 setzt [Datierung nach heutiger Erkenntnis: 1420-1440]. Teile dieses Zwingrechts, so die Flur-Gebietsabgrenzung, führen in die Zeitperiode der Alamannen, also ins 7. oder 6. Jahrhundert zurück. So lautet der 11. Abschnitt also: „Item aber fäht (fängt) an ein vede (Grenzzaun) by dem Hollenstein, der an dem Rebberg lit und gat ob dem Rebweg inhar und ob Sant Uolrichs brunnen untz an das ester (beweglicher Gatter) [...] by Sant Uolrichs kilchen“ usw. Beim Hollenstein handelt es sich um den mächtigen Nagelfluhfelsen bei dem zur Mosterei gehörenden Wohnhaus [Haus Höhenweg 29], das ihn für die Sicht von der Bahnhofstrasse her beinahe verdeckt. Da er beim Bau des Wohnhauses ein grosses Hindernis bedeutete, war es nun dem grossen Verständnis des Bauherrn, dem Vater unseres heutigen Stadtammanns [Ernst Busslinger (1912-2002)] zu verdanken, dass der mächtige Koloss nicht gesprengt wurde. Auf dem Hollenstein „wucherte“ eine grosse Kolonie gelber Lilien, von denen Schulbuben aus der Nachbarschaft gelegentlich zu Hause einige Stöcke verpflanzten; in einem Falle blühen die Blumen immer noch jedes Jahr bis auf den heutigen Tag, d. h. seit bald 80 Jahren. Übrigens Hollenstein: im altgermanischen Sprachgebrauch – Höllenstein, Aufenthalt der Toten; lässt somit auf eine Kultstätte der Helvetier schliessen! Unzweifelhaft war der Ulrichsbrunnen der unverrückbare Nachbar der Ulrichskapelle, jenseits des Weges. Letztere stand genau an jener Stelle, wo sich heute das Chalet der Gärtnerei Zumstein befindet [stimmt nicht: die Ulrichskapelle stand in der Gabelung von Hohler Gasse und Sonnenweg, dort wo ungefähr das Haus Hohle Gasse 2 steht]. [...] Ihr einzig bekanntes Bild, aus Diebold Schillings Luzerner Bilderchronik stammend, befindet sich in der Sammlung Alt Mellingen im Zeitturm [heute (2017) im Fotoarchiv Mellingen, s. Bild-Nr. 39038]. Die Bauzeit kann möglicherweise bis in die Alamannenzeit zurückgeführt werden, weil damals das Christentum bei uns Eingang fand. Vielleicht aber kann auch der St. Galler Abt Ulrich I. , dessen Amtstätigkeit in die Zeit 984 – 990 fällt, als Bauherr in Frage kommen. [...] Die letztere Annahme würde in die Zeit fallen, als auf der gegenüberliegenden Seite der Reuss die Kirchen von Ammerswil, Niederwil und Mellingen vom Lenzburgergrafen Bero begründet wurden, nach Dr. Mittler nämlich in die zweite Hälfte des 10. Jahrhunderts. Diese Annahme bekommt auch dadurch etwas an Wahrscheinlichkeit, weil im Archiv des Klosters St. Gallen Urkunden vorhanden sind, die auf Grundbesitz des Klosters im Gebiete der Ulrichkapelle schliessen lassen. Als die dem Zerfall nahe Kapelle im Jahre 1835 nach ewigem Hin und Her – es brauchte hiefür die bischöfliche Bewilligung, sowie diejenige von Mellingen, Rohrdorf und des Spitalamtes Baden – abgebrochen wurde, hatte der Ulrichsbrunnen seine Weiterexistenz dem Umstande zu verdanken, dass in erster Linie Mellingen für die unterhalb gelegene gemeindeeigene Ziegelhütte [- dort ungefähr steht heute der Kindergarten Trottenstrasse -] das Wasser benötigte. Als der Arzt Dr. Alois Minnich im Jahre 1835 ein Haus [Bahnhofstrasse 12] gegenüber demjenigen des Metzgers Xaver Frey (heute Diebold, [Haus Bahnhofstrasse 11]) erbaute, benützte er im Garten des vom Ulrichsbrunnen stammende Wasser für ein primitives Brünnlein. Im übrigen aber bezog er sein Wasser von einem Brunnen hinter dem Schlosse Hünegg, dem heutigen „Rosengarten“ [Haus Bahnhofstrasse 9], wogegen er einen entsprechenden Anteil an den Unterhaltskosten zu tragen hatte. [... Minnichs Vater wirkte als Kunstmaler.] Auch sein Sohn, der Arzt in Mellingen, scheint an der Malerei Gefallen gefunden zu haben, malte er doch für die hiesige Schützengesellschaft eine seidene Vereinsfahne, welche gutgepflegt einen Bestandteil der Sammlung Alt Mellingen im Zeitturm [heute Ortsmuseum Mellingen] bildet. Als Dr. Minnich im Jahre 1838 als Kurarzt nach Baden berufen wurde, fand er einen Interessenten für sein Mellinger Besitztum in der Person des einheimischen Arztes und Vizeammanns Dr. Jakob Wassmer. Dieser fügte dem Anwesen einen kleinern Landwirtschaftsbetrieb an, indem er noch eine Scheune und ein weiteres Oekonomiegebäude bauen liess, und nach und nach mehrere Grundstücke erwerben konnte. Beim Wohnhaus erstellte er einen Brunnen, nachdem er sich einen Anteil vom Wasser des Ulrichsbrunnens rechtlich gesichert hatte. Es war eben dieser Brunnen, der heute beim Kindergarten St. Ulrich steht. Um sich aber den vollen Bedarf an Wasser zu sichern, behielt er das Recht am Brunnen hinter dem Hünegghause weiterhin. 1849 erwarb Dr. Wassmer auch noch die Gemeindeziegelhütte samt zugehörendem Wasseranteil des Ulrichbrunnens und fabrizierte von da weg noch Backsteine und Dachziegel. Bei diesem Verkaufe sicherte sich die Gemeinde für ihre Bewohner im Städtchen das Recht, beim Versagen der Wasserleitung aus dem Brunnen Wasser holen zu dürfen. Auch am Brunnen hinter dem Hünegghaus besass die Gemeinde das gleiche Wasserbezugsrecht. 1877, als Dr. Wassmer inzwischen verstorben war, beauftragte der Gemeinderat den Brunnenmeister Schwarz, die St-Ulrichs-Brunnenstube in gehörigen Stand zu stellen. An die Kosten hatten Dr. Wassmers Erben 1/3, die Gemeinde das übrige beizutragen. Der vorbeschiedene Sohn Dr. Wassmers sel. hatte sich vorher mit diesem Vorgehen einverstanden erklärt. In der folgenden Zeit scheint die Wasserleitung vom Ulrichsbrunnen her schlecht unterhalten zu sein, denn das aussickernde Wasser machte den Weg zur Trotte fast unbefahrbar, sodass der Abtransport des neuen Weins zur Herbstzeit stark erschwert wurde. Nach zweimaligem nutzlosen Warnens wurde die Witwe Wassmer vorgeladen und ihr vorgeschlagen, auf das Recht am Wasser des Ulrichbrunnens zu verzichten, wogegen die Gemeinde den Unterhalt der Wasserleitung und der Brunnstube allein übernehmen würde, der Wasserbezug aber weiterhin ermöglicht blieb. Die Frau lehnte dieses Anerbieten ab, versprach aber, ihrer Unterhaltsverpflichtung nachkommen zu wollen. 1891 verkaufte die Erbschaft Wassmer die Liegenschaft an Engelbert Schneider von Würenlingen, der bisher den Pestalozzihof bei Birr als Pächter bewirtschaftet hatte. Er gab seinem neuen Besitztum ebenfalls den Namen „Neuhof“. 10 Jahre später wurde dem Landwirt Johann Jakob Schibli auf der sog. Radiburg die Bewilligung erteilt, eine Wasserleitung für Wohnhaus und Stall nach vorliegendem Plan und Skizze an den Stock des Ulrichbrunnens anzuschliessen, und zwar gegen eine Konzessionsgebühr von jährlich 20 Franken. J. J. Schibli hatte, bevor er nach Mellingen kam, den Meierhof bei Baden bewirtschaftet. Drunten im Neuhof traten immer mehr empfindliche Störungen auf, sodass schliesslich der Entschluss reifte, das Wasser von der inzwischen erstellten Haus-Wasserversorgung der Gemeinde zu beziehen. Der Brunnen wurde, wie bereits erwähnt, ausser Funktion gesetzt und im Garten bei der Scheune deponiert. Nach dem Ableben von Engelbert Schneider und seiner Gattin - der einzige Sohn Dr. Oskar Schneider hatte sich in Zürich etabliert und betrieb dort ein Anwaltsbüro - wurde der Neuhof aufgelöst, indem der Badener Gambrinuswirt Notter Gebäulichkeiten und Grundstücke einzeln verkaufte. Der Käufer der solid gebauten Scheune machte daraus ein Wohnhaus mit Schreinerwerkstätte [Haus Trottenstrasse 1], wozu auch das Stück Garten samt dem ausrangierten Brunnen gehörte. Bei den rasch sich folgenden Handänderungen wechselte auch jeweilen der Brunnen achtlos seinen Besitzer, bis er nun, nach fünf Jahrzehnten unbehelligten Daseins, droben an der Stelle des Vorfahren als St-Ulrichs-Brunnen II seinen Ehrenplatz gefunden hat. Die offizielle Übernahme des neuen Brunnens findet am Montag, den 29. August 1977 um 19 Uhr statt."
Ergänzungen und Korrekturen in eckigen Klammern von Rainer Stöckli.
Bild-Nr.: 02020
Bild: Otto Müller
Text: Albert Nüssli
Copyright: Fotoarchiv Mellingen