Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03274.jsonl.gz/89

Der Kalender für das Jahr 2019 bietet ein Potpourri, eine gemischte Sammlung von visuellen Bildern und — hoffentlich — passenden verbalen Entsprechungen dazu.
Oft war es die visuelle Form, die die verbalen Form anregte. Dies war natürlich immer vorteilhafter als das Suchen oder Konstruieren einer visuellen Form zur Illustration einer verbalen Form. Oft ergab sich eine spontane Übereinstimmung zwischen der visuellen und der verbalen Form. Manches war prädestiniert, es ergab sich wie von selbst.
Nehmen wir als Beispiel das dritte Bild der Serie, eine Shisha Bar namens Samsara ist an und für sich schon ein ausserordentliches Foto-Sujet, aber dann noch eine Ugly American langgestreckte, zerfallende Lincoln Limousine in schreiendem Pink davor zu finden, war einfach wunderbar. Wir hatten das Glück, von diesem visuellen «Reality Check» vor den Kopf geschlagen zu werden, wann immer wir daran vorbei gingen.
Samsara bliebt (bunte Mischung 😸)
Es war sehr amüsant zu sehen, wie grosse Teile der Hot-pink-Farbe wahllos von dieser vierrädrigen Monstrosität abfielen und den bereits rostigen Stahl darunter freilegten. Die Bar selbst war nie ein Erfolg. Es gibt bereits drei andere ähnliche Räucherkammern in der Nachbarschaft, die sich kaum über Wasser halten können. Aber der Gedanke, dass der hässliche Lincoln möglicherweise Leuten gehörte, die aus Nordafrika stammten, deren Familien und Freunde vielleicht von Amerikanern und ihren Verbündeten hingemetzelt worden waren, fügte bloss mehr Ratlosigkeit zur bereits bestehenden Ratlosigkeit, die wir in Bezug auf die Menschheit ohnehin schon empfanden. Heute ist der hässliche Lincoln nicht mehr dort, die Shisha Bar existiert nicht mehr, die «Hookah rauchende Raupe», die ab und zu die Shisha Bar besuchte, hat sich in einen Schmetterling verwandelt, nur Samsara bleibt.
Das Bild für den Monat Februar ist ein Beispiel dafür, wie die verbale Form nach einem visuellen Ausdruck verlangte. Im Shurangama Sutra erklärt der Buddha den Zuhörern die «Acht Bewusstseinsarten», die uns gegeben sind und deren Beziehung zueinander. Buddhas Worte haben mich wochenlang in ihren Bann gezogen. Viele stille Stunden wurden damit zugebracht, sie und die Kommentare von C. Luk in dessen Version des Shurangama Sutra zu kauen, bis sich allmählich eine bildhafte Ausdrucksform dafür einstellte. Das war eine wunderbare Zeit.
Einige der Bilder wurden entsprechend dem «eigenen Bild» in ein anderes Licht gerückt, neu positioniert, neu arrangiert, neu geschaffen. Man kann selber entscheiden, was real ist und was nicht.
Wir hoffen, der Kalender kann einen Beitrag leisten zum eigenen Bestreben, das Wunder des Daseins in diesem Spiel von Licht und Schatten zu ergründen.
Wir wünschen allen ein angenehme Lebensreise in den kommenden Monaten.
robert and agetsu