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Die Klimafrage ist im Prinzip einfach zu verstehen. Im Treibhaus werden die Sonnenstrahlen in Wärme umgewandelt und gefangen. CO2 ist ein Treibhausgas – das heisst, es wirkt in der Atmosphäre auf die gleiche Weise wie die Glasscheiben beim Treibhaus. Wenn die Konzentration von Treibhausgasen in der Erdatmosphäre ansteigt, so erwärmt sich das Klima. Dieses Szenario ist plausibel. Die Forderung, weitere CO2-Emissionen zu stoppen, ist deshalb verständlich. Dies gilt selbst für den Fall, dass nicht mit letzter Gewissheit gesagt werden kann, wieviel an der Klimaerwärmung tatsächlich auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen ist.
Die Problematik erinnert an die Gefährdung der Ozonschicht durch FCKW-Emissionen. FCKW wurde mitunter als Treibmittel in Spraydosen eingesetzt. Dabei wird Chlor freigesetzt, das in die Stratosphäre steigt und dort mit dem Ozon reagiert. Im Protokoll von Montreal (1987) gelang es, einen Fahrplan für ein Verbot von FCKW-Emissionen zu vereinbaren. Diese Vereinbarung konnte in der Folge wirksam durchgesetzt werden. Die Gefährdung der Ozonschicht gilt heute als überwunden.
Lässt sich die Erfolgsgeschichte der Rettung der Ozonschicht auf die CO2-Problematik übertragen? FCKW-Emissionen entstanden lediglich in einem vergleichsweise kleinen Bereich der Wirtschaftsproduktion. Zudem standen Ersatztechnologien zur Verfügung. Der Umstieg auf FCKW-freie Technologien konnte deshalb relativ billig realisiert werden. Damit unterscheidet sich diese Ausgangslage grundlegend von der CO2-Problematik.
CO2 wird beim Verbrennen von Kohlenstoff freigesetzt, meist im Zuge der Energieerzeugung. Energie wird für jegliche wirtschaftliche Tätigkeit gebraucht. Deshalb ist praktisch jede wirtschaftliche Tätigkeit von CO2-Emissionen in irgendeiner Form begleitet.
Seit dem Beginn der Industrialisierung nehmen die CO2-Emissionen zu. Eine CO2-freie Energieproduktion lässt sich ausschliesslich über technische Neuerungen realisieren; Reduktionen sind deshalb mit hohen Kosten und – je nachdem – mit Wohlstandseinbussen verbunden. Bei einer Reduktion zur Stabilisierung der Klimaerwärmung geht es deshalb um ein öffentliches Gut: alle profitieren von solchen Anstrengungen, auch wenn sie sich selbst nicht daran beteiligen.
Wo eine Übereinkunft nicht quasi spontan entsteht, weil die Kosten für die beteiligten Parteien zu gross sind und der Anreiz zum Trittbrettfahren zu stark, braucht es funktionierende Institutionen. Erst mit deren Hilfe ist es möglich, kollektiven Nutzen zu maximieren. Im Falle der CO2-Emissionen müsste die Kooperation weltumspannend sein. Eine entsprechende Institution existiert allerdings nicht, zumindest nicht in einer Form, in der allgemeinverbindliche Normen gesetzt werden könnten.
Wie Institutionen entstehen, ist schwierig zu erklären. Wahrscheinlich ist, dass es für die Entstehung von Institutionen Personen mit viel Überzeugungskraft braucht, die ihre Ansicht mit missionarischem Eifer vertreten. Ein solches Sendungsbewusstsein ist notwendig, soll den zögernden Parteien glaubwürdig die Ernsthaftigkeit des Vorhabens zum Bewusstsein gebracht werden.
Es braucht irrationale Vorleistungen einer Gruppe, um die übrigen Beteiligten zur Kooperation zu bewegen. Was es in einer solchen Phase nicht braucht, ist Skepsis. Der Einwand beispielsweise, dass eine Klimaerwärmung auch andere Ursachen haben könne als den durch CO2-Emissionen hervorgerufenen Treibhauseffekt, kann den in dieser Phase fragilen Kooperationsprozess nachhaltig stören. Skepsis ist allerdings ein unerlässlicher Teil der wissenschaftlichen Vorgehensweise. Wenn sich Wissenschafter für die CO2-Reduktion engagieren, dann verlassen sie das Terrain der wissenschaftlichen Methodik.
Ein starkes Sendungsbewusstsein ist stets mit einem Gestus moralischer Überlegenheit verbunden. Wer mit einer solchen Haltung auftritt, glaubt sich im Besitz der Wahrheit. Eine solche Haltung führt bei liberal denkenden Menschen zu Unbehagen. Aber so befremdlich dieser missionarische Eifer wirken mag, er ist eine notwendige Voraussetzung und Begleiterscheinung bei der Bildung von Institutionen.
Trotzdem – wir sollten die Skepsis auch in dieser Diskussion nicht leichtfertig preisgeben. Selbst auf die Gefahr hin, als Klimaskeptiker verunglimpft zu werden. Was nottut, ist Ideenwettbewerb. Nicht politisiernde Wissenschafter auf der einen Seite und pseudowissenschaftlich argumentierende Politiker auf der anderen. Sondern ganz einfach: Wissenschafter, die Wissenschaft betreiben. Und Politiker, die Politik machen.
Benno Luthiger, geboren 1961, ist Physiker und promovierter Ökonom.