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später verzogen sich die wolken und die sonne kam.
eine schar mittelalter esoteriker mit vollbart, grauem kurzhaarschnitt und, manche, bunten tüchern um die schultern, schwärmte gerade aus, um blumen zu pflücken. froh, nicht der einzige spinner zu sein, ließ ich mich am rand des tempels nieder und sah ihnen zu, wie sie sich wieder versammelten und einen langsamen reigen begannen, wozu sie eine anrufung, ein gebet, eine beschwörung sangen, alumne, alumne … alumne, alumneeee, und ihre ineinandergefaßten hände hoben und senkten. ich nutzte den augenblick, da sie selbst zu beschäftigt waren, um auf mich achtzugeben, erhob mich und näherte mich dem verwitterten stein und den drei gestalten. Ich öffnete die flasche und und ließ den wein dunkel über den altar fließen. die poren des steins nahmen die nässe zur gänze auf.
ein endloses wochenende und einen feiertag hatte ich durchkämpft und durchlitten. ich hielt mich selbst nicht mehr aus, meine gedanken nicht, die fragen, die im kreis schreitend zu keinem ende kamen, die wände nicht, die worte nicht, die ich für meine geschichte abwechselnd sammelte und wieder verwarf. die rotschwänze nicht, den amselgesang nicht. meine eigenen erinnerungen nicht. schließlich packte ich den rucksack, brot, käse, wein, filzschreiber, und floh in lodernder verzweiflung aus dem haus. ging in den wald, suchte und fand in einer geröllhalde einen flachen stein, spülte ihn in einer pfütze ab, ließ ihn an der luft trocknen; schrieb dann einen atemlosen hexameter darauf und wanderte eine stunde zum tempel. dort legte ich ihn ab bei den Aufanischen Göttinnen und in ihre hände das weitere,
NVMINA ADESTE IVVATE FAVETE QVOD ARDET AMORI.
später habe ich geweint.
die wolken lösten sich und die sonne kam. geändert hat sich nichts.