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Nach dem enttäuschenden Ergebnis der COP28 in Dubai, nach dem zehnten rekordheißen Monat in Folge – , habe ich mit einem neuen Blog-Beitrag gehadert. Ich suchte nach Anzeichen, dass sich die Dinge 2024 zum Besseren verändern könnten. Während die Erdtemperatur das 1,5 Grad Ziel zum ersten Mal über ein ganzes Jahr überstieg, Extremwetter rund um den Globus Verwüstung anrichtete, während die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten den Klimanotstand in den Hintergrund rücken ließ, ist das keine leichte Aufgabe.
Vor allem die Arktis stand im Mittelpunkt mehrerer alarmierender Forschungsergebnisse, die in den letzten Wochen veröffentlicht wurden.
Hitzewellen im Arktischen Ozean
Mit der monatlichen globalen Meeresoberflächentemperatur auf einem Rekordhoch im 10. Monat in Folge, die verblüffte Experten nach Erklärungen suchen läßt, fand eine Studie der Universität Hamburg in der Zeitschrift Communications Earth & Environment heraus, dass Hitzewellen im Arktischen Ozean als Ergebnis erhöhter Treibhausgasemissionen in naher Zukunft regelmäßig auftreten werden. Laut Dr. Armineh Barkhordarian und seinem Team vom Exzellenzcluster CLICCS bestätigen ihre Daten, dass sich die Bedingungen in der Arktis seit 2007 verschoben haben. „Es gibt immer weniger des dickeren, mehrjährigen Eises, während der Anteil an dünnem, saisonalem Eis stetig zunimmt.“ Das junge Eis schmilzt schneller, so dass die Sonnenstrahlung die Wasseroberfläche erwärmen kann.
Zwischen 2007 und 2021 gab es in den Randzonen des Arktischen Ozeans 11 marine Hitzewellen. Seit 2015 gibt es sie jedes Jahr. Offiziell wird eine Meereshitzewelle deklariert, wenn die Temperaturen an der Wasseroberfläche an mindestens fünf aufeinanderfolgenden Tagen höher als 95 Prozent der Werte der letzten 30 Jahre liegen.
Im Jahr 2020 setzte sich die bisher stärkste Hitzewelle im Arktischen Ozean 103 Tage lang fort mit Spitzentemperaturen, die vier Grad Celsius über dem langfristigen Durchschnitt lagen. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine solche Hitzewelle ohne den Einfluss anthropogener Treibhausgase auftritt, liegt nach Berechnungen des Klimastatistikexperten Barkhordarian und seiner Kollegen bei geringer als 1 Prozent. Sie sagen, dass dies die Anzahl der plausiblen Klimaszenarien in der Arktis reduziert. Jährliche marine Hitzewellen werden die Norm sein. Die Wissenschaftler stellen fest, dass Hitzewellen entstehen, wenn das Meereis nach dem Winter früh und schnell schmilzt. Wenn dies geschieht, kann sich erhebliche Wärmeenergie im Wasser ansammeln, wenn die maximale Sonneneinstrahlung im Juli erreicht ist.
„Nicht nur der ständige Verlust von Meereis, sondern auch wärmere Gewässer können dramatische negative Auswirkungen auf das arktische Ökosystem haben“, warnt Barkhordarian. Nahrungsketten können zusammenbrechen, die Fischbestände reduziert werden und die gesamte Artenvielfalt abnehmen.
Die Eisinsel wird grün
Laut einer im Februar von Wissenschaftlern der britischen Universität Leeds veröffentlichten Studie wird Grönland, das zum großen Teil vom größten Eisschild der nördlichen Hemisphäre bedeckt ist, immer grüner. Die Experten analysierten Satellitenaufzeichnungen und fanden heraus, dass Grönland in den letzten drei Jahrzehnten 28.707 Quadratkilometer Eis verloren hat. An diesen Stellen machen sich stattdessen Sträucher und Tundra breit. „Gleichzeitig bewegt Wasser, das aus dem schmelzenden Eis freigesetzt wird, Sediment und Schlamm, und das bildet schließlich Feuchtgebiete“, sagte Jonathan Carrivick, Mitautor der Studie. Die Feuchtgebiete wiederum sind eine Quelle von Methanemissionen, was einen Klima-Feedback-Effekt erzeugt. Die Gesamtfläche des Eisverlustes entspricht etwa 1,6 Prozent der gesamten Eis- und Gletscherbedeckung Grönlands.
Seit den 1970er Jahren erwärmt sich die Region doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Auf Grönland waren die durchschnittlichen jährlichen Lufttemperaturen zwischen 2007 und 2012 drei Grad Celsius wärmer, verglichen mit dem Durchschnitt von 1979 bis 2000. Und die Forscher warnen, dass in Zukunft mehr extreme Temperaturen wahrscheinlich sind.
Das Team, das die Veränderungen in Grönland von den 1980er Jahren bis in die 2010er Jahre verfolgt hat, schreibt, dass wärmere Lufttemperaturen den Rückzug des Eises verursachen, was wiederum Auswirkungen auf die Temperatur der Landoberfläche, die Treibhausgasemissionen und die Stabilität der Landschaft hat.
Schnee und Eis sind gute Reflektoren der Sonnenenergie, die auf die Erdoberfläche trifft, und dies hilft, die Erde kühler zu halten. Wenn sich das Eis zurückzieht, kommt das Grundgestein zum Vorschein, das mehr Sonnenenergie absorbiert und die Temperatur der Landoberfläche erhöht.
In ähnlicher Weise läßt das Schmelzen des Eises die Wasseroberfläche mehr Sonnenenergie absorbieren, was ebenfalls zu einer Temperaturerhöhung führt.
Permafrost – eine permanent gefrorene Schicht unterhalb der Erdoberfläche – wird durch die Erwärmung degradiert und in einigen Bereichen warnen die Wissenschaftler, dass dies Auswirkungen auf die Infrastruktur, die Gebäude und die Siedlungen, die darüber liegen, haben könnte.
Leitautor Michael Grimes betont, dass die Veränderungen besonders für indigene Bevölkerungsgruppen kritisch sind, deren traditionelle Lebensweisen wie Jagdpraktiken auf die Stabilität dieser empfindlichen Ökosysteme angewiesen sind.
Gleichzeitig warnt er, dass der Verlust der Eismasse in Grönland einen wesentlichen Beitrag zum globalen Meeresspiegelanstieg leistet und daher für uns alle von Bedeutung ist.
Eisverlust stärker als bisher angenommen
Eine Studie, die im Januar in der Zeitschrift Nature veröffentlicht wurde und auf fast 40 Jahre Daten basiert, ergab, dass Grönlands Gletscher mehr Eis verloren haben als bisher angenommen wurde.
Frühere Einschätzungen des Eisverlusts Grönlands berücksichtigten nur die Verluste, die durch Schmelze und Gletscherbewegungen verursacht wurden. Für diese Studie wurden nach Angaben des US-amerikanischen Forscherteams mehr als 200.000 Satellitenbilder herangezogen, die die Veränderung von Gletscherpositionen im Laufe der Zeit dokumentierten, heißt es im Spiegel. „Dabei zeigte sich, dass der Rückgang der Gletscher sich bis in die späten Neunzigerjahre in einem vergleichsweise moderaten Tempo vollzog und sich seitdem deutlich beschleunigt hat. So wurde allein für das Jahr 2000 ein Verlust von 218 Quadratkilometern Eisfläche berechnet“.
„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die aktuellen Schätzungen des Eisschildmassenverlusts aus Grönland um bis zu 20 Prozent unterschätzt haben“, so die Autoren des Papiers.
Obwohl der zusätzliche Verlust von mehr als 1.000 Gigatonnen Eis nicht ausreicht, um den Meeresspiegelanstieg weltweit zu erhöhen, stellt er einen erheblichen Zustrom von Süßwasser in den Ozean dar, schlussfolgern die Experten. Möglicherweise sei die Stabilität der sogenannten Atlantischen Meridionalen Umwälzzirkulation (AMOC) gefährdet. Der verzeichnete Masseverlust reiche durchaus aus, „um die Ozeanzirkulation und die Verteilung der Wärmeenergie rund um den Globus zu beeinflussen“, bilanziert das Team.
Dies könnte die Wettermuster weltweit beeinflussen und Ökosysteme betreffen, so die Autoren.
„The Day after Tomorrow“ – Hollywood Blockbuster doch nicht so unwahrscheinlich?
Diese Umwälzzirkulation ist Gegenstand einer weithin berichteten und besorgniserregenden Studie, die kürzlich in Science Advances veröffentlicht wurde. Der zunehmende Zustrom von Süßwasser aus der Schmelze des grönländischen Eisschildes spielt eine Schlüsselrolle bei Veränderungen der AMOC, einer der wichtigsten Klima- und Ozeankräfte des Planeten. Studien haben bereits gezeigt, dass sich die AMOC verlangsamt, aber es gibt noch viel Unsicherheit darüber, ob oder wann ein vollständiger Zusammenbruch oder Stillstand auftreten könnte.
Die Studie identifiziert frühe Warnsignale. Sie stellt fest, dass das „Alptraum“-Szenario eines abrupten Stillstands der Strömungen im Atlantischen Ozean, das „große Teile Europas in einen Tiefkühler bringen könnte“, wie es Seth Borenstein von AP ausdrückt, etwas wahrscheinlicher und näher als zuvor sein könnte. Ein „klippenartiger“ Wendepunkt, könnte sich möglicherweise in Zukunft abzeichnen. Die Forscher fanden heraus, dass die katastrophale Entwicklung innerhalb von Jahrzehnten geschehen könnte, anstatt der Jahrhunderte, die zuvor angenommen wurden. Das ist eine sehr beängstigende Aussicht.
Der Weltklimarat der Vereinten Nationen (IPCC) geht mit „mittlerem Vertrauen“ davon aus, dass es vor 2100 keinen Zusammenbruch geben werde und spielt im allgemeinen Katastrophenszenarien herunter. Studienleiter Rene van Westen, Klimawissenschaftler an der Universität Utrecht in den Niederlanden, sowie mehrere Wissenschaftler, die nicht an der Forschung beteiligt waren, und eine Studie im vergangenen Jahr, bezweifeln dagegen diese Darstellung.
„Wir rücken näher (an einen Zusammenbruch), aber wir sind uns nicht sicher, wie viel näher“, sagte Van Westen. „Wir steuern auf einen Kipppunkt zu.“
Wann diese globale Wetterkatastrophe passieren kann, beschreibt der Wissenschaftler als „die Millionen-Dollar-Frage, die wir im Moment leider nicht beantworten können“. Innerhalb eines Jahrhunderts sei wahrscheinlich – es könnte aber auch bereits zu seinen Lebzeiten passieren. (Er ist dreißig).
Da haben wir es.
Der Daily Telegraph zitierte Professor Jonathan Bamber, Direktor des Bristol Glaciology Centre, der die neue Forschung als „ganz unrealistisch selbst für das extremste Erwärmungsszenario im nächsten Jahrhundert“ bezeichnete. In Spektrum.de: Klimalounge beschreibt der Ozeanwissenschaftler Professor Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung in Deutschland die Studie dagegen als „ein wichtiger Fortschritt in der AMOC-Stabilitätsforschung“. Es handele sich um „Beobachtungsdaten aus dem Südatlantik, die darauf hindeuten, dass sich die AMOC auf Kippkurs“ befindet, so Rahmstorf.
„Insgesamt trägt die neue Studie erheblich zur wachsenden Besorgnis über einen AMOC-Zusammenbruch in nicht allzu ferner Zukunft bei. Damit verleiht es den jüngsten Berichten noch mehr Gewicht, die starke Warnungen formuliert haben, wie der OECD Climate Tipping Points Report vom Dezember 2022 und der im Dezember 2023 veröffentlichte Global Tipping Points Report. Dieses Risiko weiterhin zu ignorieren kann uns sehr teuer zu stehen kommen“, schlussfolgert Rahmstorf.
Eisbären zurück in den Schlagzeilen
Wenn es um die Kommunikation des Klimanotstands geht, gab es in den letzten Jahren viele Diskussionen über die Wirksamkeit von Eisbärenbildern. Einige Medien- und Naturschutzgruppen haben sich von der Konzentration auf die zweifellos fotogenen Eisbären mit der Begründung entfernt, dass solche Bilder in der Vergangenheit überbenutzt wurden und auch nicht geeignet waren, die große Bedrohung sowohl für die Menschheit als auch für den Planeten als Ganzes zu vermitteln.
So habe ich es noch nie gesehen. Eisbären auf schwindendem Eis sind ein wirksames Symbol. Wir sind alle betroffen. Es geht nicht nur um die Bären. Der Klimawandel bedroht die Artenvielfalt des Planeten, zu der wir gehören. Das bedeutet nicht, dass ich mich weniger um die Millionen Menschen in tief liegenden Gebieten, weit entfernt von den Polkappen, sorge. Sie tragen bereits die Hauptlast von Wetterextremen, Dürren und Überschwemmungen, Meeresspiegelanstieg und Nahrungsmittelknappheit. Die Ursachen sind die gleichen, die den Eisbären ihre Lebensgrundlage wegnehmen. Und ob man es mag oder nicht: es ist nicht zu leugnen, dass viele Menschen von Bildern von „süssen, kuscheligen“ Tieren bewegt werden, während sie von Bildern des von Katastrophen heimgesuchten menschlichen Elends abschalten.
Wie auch immer, die weißen Giganten haben es mit einer neuen Studie, die in der Zeitschrift Nature Communications veröffentlicht wurde, wieder in die Schlagzeilen gebracht, die zeigt, dass Eisbären in Kanadas Hudson Bay Hunger riskieren, da der Klimawandel Perioden ohne Meereis verlängert, selbst wenn sie versuchen, ihre Ernährungsoptionen zu erweitern. Sie verlassen sich in kälteren Monaten auf das Meereis, um ihre Hauptnahrungsquelle Robben zu jagen,.
Da sich die Arktis bis zu viermal schneller erwärmt als der Rest der Welt, wird die eisfreie Periode in Teilen der Arktis länger, was die Eisbären dazu zwingt, mehr und mehr Zeit an Land zu verbringen.
„Polarbären sind kreativ, sie werden die Landschaft nach Wegen durchsuchen, um zu überleben und Nahrungsressourcen zu finden, um ihren Energiebedarf zu kompensieren“, sagte Anthony Pango, ein Forschungsbiologe für Wildtiere beim US Geological Survey und Hauptautor der Studie, im Gespräch mit der AFP.
Die neue Forschung untersucht 20 Eisbären in der Hudson Bay und verfolgt ihre Versuche, Nahrung ohne Meereis zu finden. Die Wissenschaftler verwendeten Videokamera-GPS-Halsbänder, um die Eisbären über drei Wochen im Laufe von drei Jahren in der westlichen Hudson Bay zu verfolgen, wo die eisfreie Periode von 1979 bis 2015 um drei Wochen zugenommen hat. Das bedeutet, dass Bären in den letzten zehn Jahren etwa 130 Tage an Land waren.
Letztendlich fanden die Forscher heraus, dass die Bären an Land zu wenig Kalorien zu sich nahmen. Neunzehn der zwanzig Eisbären verloren genauso an Gewicht, wie während einer Fastenzeit. Das bedeutet: je länger Eisbären sich an Land aufhalten, desto höher ihr Hungerrisiko.
Die 25.000 Eisbären, die in freier Wildbahn verblieben sind, sind vor allem durch den Klimawandel gefährdet. Die Begrenzung der Treibhausgase und das Einhalten des Pariser 1,5 Grad Celsius-Ziels, würde die Eisbärenpopulationen wahrscheinlich erhalten, sagte Pango.
John Whiteman, leitender Forscher bei Polar Bears International, der nicht an der Studie beteiligt war, kommentierte:
„Wenn das Eis verschwindet, verschwinden die Eisbären; und es gibt keine andere Lösung, als den Eisverlust zu stoppen“, sagte er AFP.
Gibt es Grund zur Hoffnung?
Angesichts der globalen Auswirkungen dieser Veränderungen im hohen Norden sind die Aussichten für die Arktis, für diejenigen, die dort leben, aber auch für den Rest des Planeten alles andere als rosig.
Die Arktis erlebt im Vergleich zum Rest des Planeten einen überproportional höheren Temperaturanstieg, was eine Reihe von Kaskadeneffekten auslöst. Diese schnelle Erwärmung hat tiefgreifende Auswirkungen auf das globale Klimageschehen, die menschliche Bevölkerung und die Tier- und Pflanzenwelt.
Alle oben genannten Experten sind sich darüber im Klaren, was wir brauchen, um die Situation zu ändern: Schnelle und erhebliche Senkungen der Treibhausgasemissionen. Aber was braucht es, um die dafür notwendigen Veränderungen in unseren Konsummustern und Lebensstilen herbeizuführen? Ein Ergebnis, das mir ein wenig Hoffnung gegeben hat, ist eine Studie von Verhaltensforschern der Universität Bonn, des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung SAFE in Frankfurt sowie der Universität Kopenhagen. Sie zeigen zum ersten Mal, dass eine breite Mehrheit der Weltbevölkerung den Klimaschutz UNTERSTÜTZT und bereit ist, persönliche Kosten für die Bekämpfung des Klimawandels zu akzeptieren.
Nun, das ist etwas, was wir normalerweise nicht hören!
Die Ergebnisse, die in Nature Climate Change veröffentlicht wurden, basieren auf einer weltweit repräsentativen Umfrage, die in 125 Ländern durchgeführt wurde und an der etwa 130.000 Personen beteiligt waren. Laut der Studie sind 69 Prozent der Weltbevölkerung bereit, 1 Prozent ihres persönlichen Einkommens für den Kampf gegen den Klimawandel bereit zu stellen, wobei die meisten eine grünere Politik (86 Prozent) und mutigeres Handeln durch ihre Regierungen. (89 Prozent) weitgehend unterstützen.
Es scheint kaum verwunderlich, dass die Bereitschaft, den Klimawandel zu bekämpfen, in Ländern, die besonders von der globalen Erwärmung betroffen sind, deutlich höher ist. In wohlhabenderen Ländern mit einem hohen Pro-Kopf-BIP ist die Bereitschaft im Vergleich zu anderen Ländern aber geringer. Die Daily Mail greift auf, dass in Großbritannien nur 47,6 Prozent der Briten sagten, dass sie bereit wären, einen Beitrag zu leisten. Das macht GB zu einem von nur 11 Ländern, in denen die Mehrheit der Menschen nicht bereit ist, ein Prozent ihres Einkommens zu zahlen. Diese Liste umfasst die USA und Kanada. Vielleicht geht es den Menschen einfach zu gut, so daß sie nicht bereit sind, irgendeine Art von Opfer zu bringen? Oder sie werden durch ihren derzeitigen Wohlstand in ein falsches Gefühl der Sicherheit eingelullt?
Im Großen und Ganzen sieht Mitautor der Studie Armin Falk, Verhaltensökonom und Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Bonn, die Ergebnisse allerdings als „extrem ermutigend“ an.
„Das Weltklima ist ein globales öffentliches Gut, und sein Schutz erfordert die Zusammenarbeit der Weltbevölkerung. Wir haben festgestellt, dass eine breite Mehrheit der Weltbevölkerung den Klimaschutz unterstützt“, sagte Falk.
„Wir dokumentieren auch die breite Zustimmung zu klimafreundlichen gesellschaftlichen Normen in fast allen Ländern“, sagt SAFE-Ökonom Peter Andre. Laut den Umfrageergebnissen glauben 86 Prozent der Befragten, dass die Menschen in ihrem Land versuchen sollten, die globale Erwärmung zu bekämpfen. „Außerdem gibt es eine fast universelle globale Forderung, dass die nationalen Regierungen mehr tun sollten, um den Klimawandel zu bekämpfen“, fügt Andre hinzu.
Mehr Menschen wollen Klimaschutz
Doch in jedem einzelnen Land fanden die Forscher heraus, dass die Menschen die Bereitschaft anderer Menschen unterschätzen, den Klimawandel zu bekämpfen. Der tatsächliche Anteil der Mitbürger, die bereit sind, ein Prozent ihres Einkommens zum Klimaschutz (69 Prozent) beizutragen, wird weltweit um 26 Prozentpunkte unterschätzt.
„Fehlwahrnehmungen über die Bereitschaft anderer, Maßnahmen gegen den Klimawandel zu ergreifen, können ein Hindernis für den erfolgreichen Kampf gegen den Klimawandel sein. Menschen, die die öffentliche Unterstützung für den Klimaschutz systematisch unterschätzen, sind oft weniger bereit, selbst zu handeln“, sagt Falk.
Mit anderen Worten, wir bringen eher Opfer oder ändern unser Verhalten im Interesse des Klimas, wenn wir denken, dass unsere Nachbarn und andere dasselbe tun werden. Das deutet auf eine potenziell wirksame Strategie hin, um Fortschritte an der Klimafront zu erzielen.
„Anstatt die Bedenken einer lautstarken Minderheit zu wiederholen, die sich jeder Form von Klimaschutz widersetzt, müssen wir effektiv mitteilen, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen auf der ganzen Welt bereit ist, auf den Klimawandel zu reagieren und erwartet, dass ihre nationale Regierung handelt“, schreiben die Forscher.
„Der aktuelle Pessimismus entmutigt und lähmt. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass mehr Optimismus in Bezug auf den Klimaschutz eine positive Dynamik auslösen kann“, fügt Andre hinzu.
Das nehme ich mir hier zu Herzen. Eine große Mehrheit unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger ist tatsächlich besorgt und bereit, Opfer zu bringen. Keine schlechte Erkenntnis, um den arktischen Klimablues zu bekämpfen! Dieses Gefühl geteilter Sichtweisen und gemeinsamer Ziele könnte der Schlüssel sein. Es könnte das politische Handeln und den wirtschaftlichen Übergang herbeiführen, die wir brauchen, um die Emissionen zu reduzieren und das gesunde Überleben unseres Planeten und des Lebens darauf zu sichern. Und das bezieht sich auch auf uns Menschen, diejenigen, die den ganzen Schlamassel verursacht haben.
Link zum Blog von Dr. Irene Quaile-Kersken:
Aktueller Blog: https://iceblog.org
Älterer Blog: https://blogs.dw.com/ice/