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: An diesem Tag bekam der Ministerpräsident Dr. Abiy Ahmad den Friedensnobelpreis zugesprochen. Das ganze Land war aus dem Häuschen. Und mittendrin die deutsche Autorin Kerstin Hack. Für Livenet hielt sie ihre Beobachtungen in einem tagebuchartigen Bericht fest. «Yeah, yeah, yeah!» Der Jubel von Wost, einem äthiopischen Trainer für Jugendarbeit, war nicht zu überhören. Wir rannten nach draussen und hörten die freudige Nachricht: «Dr. Abiy hat den Friedensnobelpreis gewonnen.»
Die erhoffte Nachricht
Noch am Morgen hatten wir auf dem Weg zum Ausbildungszentrum, in dem ich Schulungen über Stress- und Traumabewältigung halte, darüber gesprochen. Da wir wussten, dass Dr. Abiy einer der Favoriten war, haben wir Gott den Wunsch mitgeteilt, dass er den Preis gewinnen möge – in dem Wissen, dass eine solche Anerkennung das ganze Land und die Friedensprozesse zwischen den Ethnien stärken würde.
Als dann die Nachricht kam, dass ihm der 100. Friedensnobelpreis zugesprochen wurde, waren alle aus dem Häuschen und rannten ins Büro, um auf Youtube die Ansprache des Norwegischen Nobelpreiskomitees anzuhören. Die Sprecherin erläuterte, dass er den Nobelpreis vor allem für den von ihm initiierten Friedensprozess mit dem Nachbarland Eritrea erhielt. Sie erwähnte aber auch seine anderen Leistungen: «In den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit als Premierminister hat er den Ausnahmezustand aufgehoben, Tausende von politischen Gefangenen freigelassen, Zensur der Medien aufgehoben, verbotene Oppositionsgruppen wieder zugelassen, korrupte Militärs und Zivilbeamte entlassen und den Einfluss von Frauen im politischen und gesellschaftlichen Leben erhöht und sich verpflichtet, Demokratie zu stärken und freie, faire Wahlen abzuhalten.»
Ein Brückenbauer
Dr. Abiy, wie ihn die Einheimischen nennen, ist ein aussergewöhnlicher Mann. Der Sohn einer orthodoxen Mutter und eines muslimischen Vaters gehört selbst einer Pfingstgemeinde an und ist Brückenbauer zwischen den verschiedensten Gruppen und Völkern. Er sorgte für Frieden zwischen Muslimen und Christen in seiner Heimatstadt, unterstützte die Orthodoxe Kirche dabei, ein langjähriges Schisma zu überwinden, und unterstützte Friedensprozesse in den Nachbarländern.
Sein Glaube ist dabei treibende Kraft. Als Pfingstler oder Pentey, wie man sie in Äthiopien nennt – abgekürzt für Pentecostals –, glaubt er an einen Gott, der Unmögliches möglich macht.
Zugleich ist zumindest in manchen Pfingstlichen Kreisen ein Verständnis dafür da, dass Gott mit uns kooperieren will. So beginnt zum Beispiel die Beza Gemeinde (Beza heisst Erlösung) jeden Gottesdienst mit einer Proklamation, in der es unter anderem heisst: «Von Christus und durch uns ist die Antwort auf Armut gekommen, die Antwort auf Korruption, die Antwort auf Krankheit und für jede Träne.»
«Mögest du uns noch lange leiten!»
Wir Deutschen und Schweizer waren tief beeindruckt: Die Christen hier glauben tatsächlich zutiefst, dass Gott durch sie das Land verändern will und kann. Äthiopien, als eines der ärmsten Länder der Welt mit vielen Konflikten zwischen den 80 unterschiedlichen ethnischen Gruppen, steht in grossen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen. Frieden zwischen den Ethnien nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein. Ein Mann erklärte mir: «Die Unruhen der letzten Jahre haben mir gezeigt: Ohne Frieden sind alle Bemühungen um wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung umsonst.»
Es ist klar, dass – so beeindruckend die bisherigen Leistungen von Dr. Abiy sind – noch viel zu tun bleibt, um das Land innerlich zu befrieden und zu stabilisieren. Doch er scheint dafür der richtige Mann zu sein. Auf Facebook wird eine Fotomontage des 43-Jährigen mit grauem Bart gezeigt und der Unterschrift: «Mögest du uns noch lange leiten!»
Dr. Abiys Handeln als Frucht ihrer Gebete
Die Christen sehen Dr. Abiys Handeln auch als Frucht ihrer Gebete für das Land, das jahrelang unter korrupten Politikern und zum Teil gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen gelitten hatte. Ein äthiopischer Pastor formulierte es so: «Er repräsentiert uns alle. Von daher hat nicht nur er den Friedensnobelpreis erhalten, sondern wir alle!»
Und viele Christen betrachten es als ihre Verantwortung, für den Premier zu beten. In dem Zentrum, in dem ich mitarbeitete, ist eine ganze Ecke des Gebetsraums mit Gebetsimpulsen für den Premier dekoriert. «Schutz für seine Familie», «Frieden mit Eritrea», «Weisheit». Und so war es ganz natürlich, dass nach dem Jubeln und Feiern alle Mitarbeiter in den Gebetsraum gingen und Gott von Herzen dankten.
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