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(Herbst, 1786)
- DE: Heideschrecke
- EN: Steppe Spiny Bush-cricket | Heath Bush-cricket
- FR: La Dectique des brandes
- Syn.: Decticus alberti Seidl, 1937 | Gampsocleis annae Shugurov, 1908 | Decticus gratiosus Millet, 1870 | Gampsocleis podolica Shugurov, 1908 | Locusta prima Schaff, 1776
Morphologie
Die Grundfarbe von Gampsocleis glabra variiert zwischen grünlich oder gelblich bis gräulich. Der Körper und die Flügel sind unregelmässig schwarz gefleckt. Die Ränder der Hinterleibssegmente sind besonders auf der Seite hell gesäumt. Die Halsschildseiten sind schmal, aber deutlich hell umrandet. Diese helle Linie ist innen oft schwarz gesäumt. Die Hinterschenkel weisen aussen fast immer eine schwarze Längslinie auf. Die Flügel überragen den Hinterleib, aber nicht die Hinterknie. Das auffälligste Merkmal ist die Legeröhre des Weibchens. Sie ist annähernd körperlang und leicht nach unten gebogen. Die Cerci der Männchen sind dreieckig und tragen an der Basis einen nach unten gerichteten Innenzahn.
Gesang
Der laute Spontangesang von Gampsocleis glabra ist ein lang anhaltendes, schepperndes Sirren. Er tönt, als ob sich die Gesänge von Bicolorana bicolor und Roeseliana roeselii überlagern. Die Männchen steigen gerne auf grössere Pflanzen, um von erhöhten Warten mit dem Kopf nach unten zu singen. Der Gesang besteht aus Silben, die bis 70 Mal pro s wiederholt werden. Die Stridulationsbewegung ist relativ kompliziert, wurde aber bisher nicht im Detail studiert. Das Frequenzspektrum zeigt ein Maximum bei 9-10 kHz.
Spontangesang von Gampsocleis glabra - AT, Niederösterreich, Ebergassing, 30 °C, sonnig.
33 Silben aus dem Spontangesang von Gampsocleis glabra - AT, Niederösterreich, Ebergassing, 30 °C, sonnig.
Verbreitung
Gampsocleis glabra ist sehr lokal von den Pyrenäen über Mitteleuropa bis in die Mongolei verbreitet. Das Zentrum der Verbreitung liegt wahrscheinlich in den Steppen Russlands. Im europäischen Verbreitungsgebiet sind die Vorkommen sehr stark fragmentiert, bzw. an einigen Standorten ausgestorben. In den Cevennen in Südfrankreich ist die Art stellenweise noch häufig. In Norddeutschland lebt sie aktuell in der Lüneburger Heide (Niedersachsen) und der Klietzer Heide (Sachsen-Anhalt). Diese Vorkommen sind sehr stark isoliert. In Niederösterreich (z. B. im Sperrgebiet Grossmittel/Steinfeld) und in der Slowakei sind weitere Vorkommen bekannt.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Tiere von Gampsocleis glabra können von Mitte Juni bis Mitte Oktober gefunden werden.
Die Eier werden an vegetationslosen Stellen in den Boden abgelegt. Selbst offene, mit Moos bewachsene Stellen werden für die Eiablage gemieden. Die Larven schlüpfen ab Mitte April und durchlaufen 6 Larvenstadien. Die Männchen steigen zum Singen oft auf höhere Gräser, ähnlich wie es auch die Männchen von Polysarcus denticauda oder Decticus verrucivorus machen. An sonnigen Tagen ertönt der auffällige Gesang ununterbrochen. Gampsocleis glabra ernährt sich von Blüten und Samen und von kleinen Insekten oder anderen Heuschrecken. Die Art ist tagaktiv.
Lebensraum
Gampsocleis glabra ist ein Steppenrelikt. Die Art bevorzugt steppenartige Lebensräumen mit einem Mindestanteil an offenem Boden. Sie lebt in Federgrassteppen, Magerwiesen, langgrasigen Trockenwiesen und in Wiesen mit sandigem Boden. In Deutschland werden Heidegebiete mit Wacholderbüschen bevorzugt. Im Süden Frankreichs werden die weitläufigen, mit Schafen und Pferden beweideten Steppen der Causses besiedelt. Grundsätzlich sind es trockenwarme Standorte. In manchen Gebieten findet man Gampsocleis glabra aber auch in feuchten Wiesen oder Strassenböschungen.
Gefährdung & Schutz
Glampsocleis glabra ist eine der fünf in Deutschland geschützten Langfühlerschrecken. Die Lebensräume von Glampsocleis glabra sind stark gefährdet. Grossräumige Trockenwiesen und Heidelandschaften werden heute mit intensiven Kulturen bewirtschaftet oder wurden aufgeforstet. In Mittel- und Nordeuropa kommt Gampsocleis glabra deshalb nur noch in Naturschutzgebieten und militärischen Sperrgebieten vor. Die Art erfordert eine extensive Landwirtschaft mit später Mahd, unregelmässig bewirtschafteten Randbereichen und Böschungen oder eine extensive Beweidung im Juli. Wiesen mit offenem Boden und hochwüchsigen Gräsern als Gesangswarten sind wichtige Lebensraumelemente. In den militärischen Sperrgebieten scheint die Art von den Aktivitäten der Armee zu profitieren. In den Heidegebieten Norddeutschlands konnten mit lokalem Abbrennen der Vegetation gute Erfolge erzielt werden. Dabei wird auch der Moosteppich soweit geschädigt, dass ausreichend offene Eiablagestellen entstehen.
- CH: Abwesend
- DE: 1 (Vom Aussterben bedroht)
- AT: EN (Stark gefährdet)
- Europa: NT (Potenziell gefährdet)
Ähnliche Arten
Gampsocleis glabra erinnert an Decticus verrucivorus. Diese ist aber deutlich kräftiger, wirkt plumper und es fehlt der schmale, helle Saum der Halsschildseiten. Zudem ist die Legeröhre des Weibchens leicht nach oben gebogen. Ähnlichkeiten bestehen auch zu den Tettigonia-Arten. Diese sind einheitlicher gefärbt und es fehlen schwarze Flecken sowie der helle Halsschild-Saum. Der Gesang von Gampsocleis glabra kann mit den Gesängen von Roeseliana roeselii und Bicolorana bicolor verwechselt werden. Bei Bicolorana bicolor sind die einzelnen Verse auch bei hohen Temperaturen als hart schlagende Elemente heraus zu hören. Ausserdem unterbricht diese die Strophen immer wieder. Der Gesang von Roeseliana roeselii ist ein reineres Schwirren und klingt weniger scheppernd. Die Spontangesänge der Singzikaden Tibicina quadrisignata, Tibicina haematodes und insbesondere Tibicina steveni erinnern sehr an den Gesang von Gampsocleis glabra. Die Verbreitungsgebiete der drei Singzikaden überschneiden sich aber bei uns nicht mit Gampsocleis glabra. Das Geräusch, das von einer Hochspannungsleitung erzeugt wird, kann aus der Nähe ebenfalls an Gampsocleis glabra erinnern.