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Die Aktivitäten auf dem Markt für Firmenübernahmen gehen in Krisenzeiten, gemessen am Gesamtwert der getätigten Firmentransaktionen, traditionell stark zurück. Im Moment erleben wir einen ähnlich starken Rückgang wie nach dem Zusammenbruch der Internet-Markteuphorie in den Jahren 2002/03. So lag das globale Transaktionsvolumen im 1. Quartal 2009 rund 65% tiefer als im letzten Quartal vor dem Ausbruch der Probleme im amerikanischen Immobilienmarkt (Q2 2007). Im Vergleich zur Anzahl der globalen M&A-Transaktionen ist dieser Rückgang allerdings weit weniger gravierend, haben diese doch im selben Zeitraum lediglich um 25% abgenommen.
Zurück aufs Niveau von 2003
Der M&A-Markt ist also nach wie vor aktiv, nur werden viele Transaktionen zu tieferen Preisen abgeschlossen und die Zahl der milliardenschweren Megadeals hat abgenommen. Die Gründe hierfür liegen einerseits darin, dass parallel zur Krise die Unternehmensbewertungen gesunken sind und diese sich momentan in Europa wieder auf dem Niveau der Jahre 2003 und 2004 bewegen. Andererseits ist der Zugang zu substanziellen Akquisitionsfinanzierungen durch die verschärfte Kreditpolitik im internationalen Bankenmarkt und durch massiv gestiegene Finanzierungskosten erheblich erschwert worden.
Dies ist nicht nur ein Grund für die Reduktion bei den Grosstransaktionen, sondern hat auch einen Einfluss auf die Private-Equity-Industrie, deren Renditeüberlegungen entscheidend von der Akquisitionsfinanzierung beeinflusst werden. In Zukunft wird die finanzielle Strukturierung als Quelle der Wertgenerierung wohl weiter und gar vermehrt durch operative Verbesserungen abgelöst werden.
Vorteile für strategische Käufer
In Bezug auf die Wertgenerierung durch operative Verbesserungen sind strategische Käufer in der Regel besser positioniert als Finanzinvestoren, wodurch Letztere in Zukunft etwas weniger prominent als bisher auftreten dürften. Zusammen mit der erschwerten Beschaffung von Akquisitionskapital hat dies zu einem Rückgang bei der Nachfrage nach Übernahmezielen geführt. Mit anderen Worten, der M&A-Markt ist zu einem Käufermarkt geworden. Dies manifestiert sich unter anderem in den zunehmend käuferfreundlichen Strukturen von Transaktionen, welche gegenwärtig regelmässig Earn-outs, Anbieterfinanzierungen, Kaufpreisanpassungsmechanismen oder ausgeprägte Gewährleistungen oder Garantien in Kaufverträgen beinhalten.
Strategische Investoren in der Schweiz sind in diesem Käufermarkt gut positioniert, da sie in der Regel solide finanziert sind und über ihre Bilanz einfachen Zugang zu Fremdkapital haben. Zudem ist die Finanzierungsliquidität im Schweizer Bankenmarkt weit weniger angespannt und die Kreditkonditionen sind rund 30% günstiger als im internationalen Umfeld.
Vorteil für Schweizer Firmen
Auf der anderen Seite bieten sich Schweizer Unternehmen vor allem im Ausland eine Vielzahl von interessanten Übernahmezielen zu attraktiven Preisen. Im Gegensatz zur Schweiz sind nämlich hohe Verschuldungsgrade im Ausland stärker verbreitet. Darum zwingt die Kombination aus hohem Fremdfinanzierungsgrad und starkem Kurszerfall nicht wenige Firmen dazu, einzelne Teile oder gar ganze Unternehmen zu verkaufen.
Viele dieser Kaufobjekte arbeiten nach wie vor profitabel und sind strategisch gut positioniert. Ihr Problem liegt oft ausschliesslich in der inadäquaten Kapitalstruktur. Zudem werden einige Finanzinvestoren mit dem Problem konfrontiert, dass ihre Investoren gebundenes Kapital abziehen wollen und sie sich dadurch von Portfoliofirmen trennen müssen. Zudem steht in der Schweiz schätzungsweise in einem Fünftel der rund 300000 KMU eine Nachfolgeregelung unmittelbar bevor, die sich auch angesichts der Krise nicht endlos aufschieben lässt.
Kritische Erfolgsfaktoren
Wer auf dem M&A-Markt aktiv werden möchte, sollte neben den nötigen finanziellen Mitteln eine klare Vorstellung und Strategie haben, aus welchen Gründen er ein bestimmtes Unternehmen kaufen möchte. Neben frühzeitigen Überlegungen zu Integration und Synergien ist die sorgfältige Durchführung einer Due Diligence unabdingbar, um das Kaufobjekt genau zu evaluieren und den An- sprüchen der finanzierenden Bank zu genügen. Denn während Banken vor der Krise mit günstigen Konditionen um die Beteiligung an einer Transaktion feilschten, legen sie nun ein verstärkt restriktives Finanzierungsverhalten an den Tag.
Generell liegt in Krisenzeiten das Augenmerk auf Liquidität und Kostenreduktion. Häufig wird dabei vorübergehende Sicherheit auf Kosten von zukünftigem Wachstum erkauft, was in der Zeit nach der Krise entsprechend negative Auswirkungen haben kann. Dies widerspiegelt sich auch in der Tatsache, dass in den Jahren nach einer Krise die Zahl der Firmenkonkurse jeweils am stärksten ansteigt. Bei der Umsetzung einer Krisenstrategie kann deshalb M&A eine wichtige Funktion einnehmen.
Während in finanzielle Schieflage geratene Unternehmen ihr Überleben durch den Notverkauf von Firmenteilen zu sichern versuchen, kann in anderen Fällen durch den Verkauf nicht essenzieller Aktiva eine Konzentration auf das eigentliche Kerngeschäft stattfinden. Darüber hinaus bietet sich für solide finanzierte Unternehmen jetzt auch die Möglichkeit, durch gezielte Käufe in künftiges Wachstum zu investieren, um für die Zeit nach der Krise optimal positioniert zu sein.