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Stummfilm-Krimi. F 1915
Alternativer Titel Die Vampire
Regie Louis Feuillade
Drehbuch Louis Feuillade
Kamera Manichoux
Darsteller Édouard Mathé, Musidora, Marcel Lévesque, Jean Aymé, Fernand Herrmann
Länge 339 Min.
F-Kinostart 13.11.1915
|Humor||Spannung||Action||Gefühl||Anspruch||Erotik|
|.|
© Text Marco,
molodezhnaja 21.5.09
© Bilder Artificial Eye, Screenshots molodezhnaja
STORY
Philippe Guérande, der dynamische Reporter der Pariser Zeitung "Mondial", ist auf der Jagd nach dem gefährlichen Gangstersyndikat "Die Vampire". Eine Spur führt ihn auf das Anwesen von Dr. Nox (Jean Aymé). Als die Juwelen von Mrs. Simpson (Rita Herlor) gestohlen werden und der Verdacht Guérande fällt, wird dem Reporter klar, dass er in eine Falle gelaufen ist. Und tatsächlich: Dr. Nox ist längst tot, ermordet vom "Grossen Vampir", der seine Position eingenommen hatte. Bald darauf tötet die Gang auch Philippes Verlobte, die Tänzerin Marfa Koutiloff, und nehmen den Reporter selbst gefangen. Der von den Schurken abgefallene Mazamette (Marcel Levesque) befreit ihn, worauf Philippe wieder die Spur aufnimmt. Als Anhaltspunkt dient ihm das Notizbuch des "Vampir-Inquisitors", in dem ein Code vorhanden ist. Derweil schleicht sich die wandlungsfähige Gangsterbraut Irma Vep (Musidora) als Hausmädchen im Heim von Guérande ein ...
REVIEW
Das Jahr 1915. Während die Welt im Ersten Weltkrieg steckt, schreibt in Amerika D.W. Griffith die Gesetze des epischen Kinos und der Montage neu. In Deutschland finden die späteren expressionistischen Regisseure erste Arbeit im Kinobusiness - und in Frankreich bringt Louis Feuillade (1873-1925) seinen "Les vampires" auf die Leinwände. Verglichen mit einem Birth of a Nation oder dem fünf Jahre später entstandenen "Das Kabinett des Dr. Caligari" handelt es sich dabei um ein filmisches Leichtgewicht - doch ein unterhaltsames wie wichtiges nichtsdestotrotz. Feuillade feierte zwei Jahre zuvor bereits sensationelle Erfolge mit seinem Kino-Serial Fantômas und konnte mit diesem zehnteiligen Kino-Krimi nachdoppeln.
Inszenatorisch scheint der Film auf den ersten Blick keine immense Faszination auszuüben - doch der Eindruck täuscht. Zum einen gibt es immer mehr Szenen, die überaus virtuos und dynamisch umgesetzt sind, etwa eine Kamerafahrt hinter einem Auto. Zum anderen erweist sich Feuillade als wahrer Meister der populären Erzählkunst. Seine Art, Geschichten ebenso stringent wie temporeich zu erzählen, diente unzähligen späteren Regisseuren als Vorbild. Nicht umsonst erreichte der Filmemacher in seiner Heimat grosse Popularität und wurde im Laufe der Geschichte immer wieder gerne zitiert - etwa von Georges Franju, der unter anderem Feuillades "Judex" 1963 neu verfilmte. Oder Olivier Assayas, der 1996 eine Hommage an die Hauptfigur "Irma Vep" inszenierte.
Irma Vep ist ein Anagramm für Vampire und wird gespielt von der Artistin Musidora (1889-1957). Sie erledigte ihre Stunts selbst und zwängte sich in hautenge schwarze Kleider, die heute als Fetischkluft durchgehen würden. Damit eroberte sie sich einen Platz unter den ikonographischen Leinwandfiguren Frankreichs und sie ist wahrhaftig der Star der ganzen Show. Mithalten kann nur Marcel Lévesque als herrlicher Sidekick Mazamette. Alle anderen Akteure leisten auch solide Arbeit, ansprechend ist etwa ihre Verweigerung gegenüber dem typischen Stummfilm-Schauspiel: Zwar drücken sie Emotionen übertrieben aus, um Zwischentitel einzusparen, doch nicht auf eine Weise, die komplett unnatürlich wirkt.
Feuillade bereitete das Ganze derweil temporeich auf. Alle zehn Episoden sind zwar fast sechs Stunden lang und daher durchaus anstrengend, aber öde werden sie nur selten - primär dann, wenn sie in unwichtige Nebenhandlungen abgleiten. Bedenkt man aber, dass das Kino damals erst gerade zwanzig Jahre alt war, so sind hier die Fortschritte wahrhaft bemerkenswert. Frankreich leistete in den Pionierjahren der neuen Kunst die vielleicht wichtigsten Meilensteine, von den allerersten Filmen der Brüder Lumière über die Industrialisierung des Films durch Léon Gaumont und die Pathé-Brüder bis hin zu den fantastischen Werken des Georges Méliès (La voyage dans la lune, 1902). Bald übernahmen die Amerikaner die Dominanz, nach dem ersten Weltkrieg zusätzlich die Deutschen (und kleinere Nationen wie Dänemark) mit expressionistischen Meisterwerken und die Russen, angetrieben durch Sergei Eisensteins "Panzerkreuzer Potemkin". Frankreich konnte sich jedoch stets mit Eigenproduktionen behaupten, nicht zuletzt auch wegen populären Regisseuren wie Louis Feuillade und Georges Méliès, die in ihrer Schaffenszeit während etwa zwei Jahrzehnten je über 500 Filme drehten.
Seinen Erfolg verdiente sich Feuillade mit gutem Gespür für den Massengeschmack. So drehte er etwa 90 Kurzfilme mit einem Kleinkind als Star. Und er schuf legendäre Figuren in seinen Serials - namentlich Fantômas oder eben Irma Vep in "Les vampires". Um die einzelnen Folgen etwas aufzupeppen, gestattete er sich immer wieder überraschende Deftigkeiten. So zeigt Folge eins etwa den Kopf von Inspektor Durtal in einer Schachtel. Zudem hatte er ein Auge für einfache, aber eindrucksvolle Kompositionen. Die Aussenaufnahmen etwa lassen die Architektur von Paris lebendig werden, vor allem, wenn die schwarz gekleidete Irma Vep über seine Dächer steigt. Und in den Innenaufnahmen nutzt er Tiefenschärfe geschickt aus.
Ist "Les vampires" ein Klassiker vom Range eines "Caligari", "Potemkin" oder "Nosferatu"? Auf keinen Fall, denn er ist deutlich weniger kunstvoll und dicht. Doch er bietet mehrere Stunden vorzügliche Populär-Unterhaltung auf technischem Top-Niveau und mit coolen Charakteren. Dass er in die Jahre gekommen ist, kann man ihm schwer verübeln, schliesslich stammt er von 1915, als Sergei Eisenstein oder F.W. Murnau noch nie hinter der Kamera standen. Doch als historisches Dokument ist er ebenso reizvoll wie als sehenswerter und gefälliger Spielfilm. Man kann ein paar Stunden auf jeden Fall auch dümmer totschlagen, das gilt heute ebenso wie vor 95 Jahren.
Die Episoden:
1) La tête coupée / The Severed Head - 30 Min.
2) La bague qui tue / The Killer Ring - 12 Min.
3) Le cryptogramme rouge / The Red Cypher - 38 Min.
4) Le spectre / The Ghost - 32 Min.
5) L'évassion du mort / The Escaping Dead Man - 34 Min.
6) Les yeux qui fascinent / The Hypnotic Gaze - 52 Min.
7) Satanas / Satanas - 41 Min.
8) Le maître de la foundre / The Thunder Lord - 48 Min.
9) L'homme des poisons / The Poison Man - 48 Min.
10) Les noces sanglantes / Marriage of Blood - 54 Min.
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Die englische DVD ist kürzer, wegen PAL-Speedup und kleinen Straffungen bei Anfang, Abspann und Zwischentiteln. Wirklich fehlen tut aber nichts. Dafür hat das englische Set einen Nachteil: Die Färbungen fehlen, es handelt sich um eine reine Schwarzweissfassung, während die amerikanische Box die Filme in ihrer eingefärbten Fassung zeigt. Dafür soll dort das Bild um einiges schlechter sein.
EXTERNE INFOS & REVIEWS
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SCREENSHOTS
Screenshots der DVD mit PowerDVD 8, verkleinert und leicht geschärft mit CorelPaint
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