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Die Löhne in Kambodscha sind extrem tief. Deshalb lässt die internationale Textilindustrie dort massenhaft Kleider und Schuhe fertigen. Mittlerweile arbeiten hunderttausende Menschen in diesem Bereich. Die Arbeitsbedingungen sind häufig sehr schlecht. Damit sich die Arbeitenden für ihre Rechte wehren können, schult sie Solidar Suisse in rechtlichen Fragen und Verhandlungsführung.
Akkordnähen für Modekonzerne
Kambodscha ist weltweit einer der wichtigsten Textilproduktionsstandorte. Der Druck, die Ware möglichst schnell zu produzieren, ist enorm. Den Preis zahlen die Arbeiter*innen. Ihre Löhne sind tief, die Arbeitszeiten lang und die Arbeitssicherheit selten gewährleistet. Wegen der mangelhaften Ernährung leiden viele Arbeiter*innen an Blutarmut. Unabhängige Gewerkschaften versuchen, die Arbeitenden zu unterstützen und zu organisieren. Doch das ist schwierig – die Arbeit der Organisationen wird durch den Staat behindert.
Nur wenn sich die Arbeitenden für ihre Rechte wehren können, wird sich ihre Lage verbessern. Um dies zu erreichen, arbeiten wir zusammen mit der unabhängigen Textilgewerkschaft C.CAWDU und der NGO Central. Unabhängige Organisationen sind in Kambodscha besonders wichtig. Denn nur wenn viele Arbeitende in einer unabhängigen Gewerkschaft organisiert sind, dürfen diese bei nationalen Lohnverhandlungen mitreden.
Unsere Partnerorganisationen leisten Rechtshilfe, bilden Arbeiter*innen in Arbeitsrecht weiter undbegleiten sie vor Gericht.Zudemlernen die Textilarbeitenden, wie sie Better Factories Cambodia, die Datenbank der internationalen Arbeitsorganisation ILO, bedienen können. In dieser Datenbank werdenFakten und Zahlen zu den Zuständen in den Textilfabriken gesammelt.
Dank der Schulung durch unsere Partner lernen dieArbeiterinnen und Arbeiter, wie sie die häufig miserablen Zustände in ihrer Fabrik besserdokumentieren – mit Fotos, Videos und Zeug*innenaussagen. Denn wenn sie konkret belegen können, dass der Mindestlohn nicht gezahlt wird, die Akkordlöhne zu tief sind, das Trinkwasser fehlt oder die Produktionsvorgaben unerreichbar sind, erzielen sie deutliche bessere Resultate bei den Verhandlungen mit den Arbeitgebenden.
Dieses Projekt führte zu Erkenntnissen über die Better Factories Cambodia-Datenbank und ihre Zugänglichkeiten für Arbeiter*innen (siehe Link zum Bericht über Phase 1 des Projekts). Es wurde festgestellt, dass die Daten zwar umfassend sind, die Beteiligung und der Einbezug der Arbeitnehmenden aber ungenügend ist. Ausserdem würden diese Daten die Realität der Arbeitsbedingungen nicht vollständig widerspiegeln.
Druck auf das Better Work Programm der ILO
Ein Austausch mit Gewerkschaften in Indonesien, wo es im Rahmen des Better Work-Programmes der Internationalen Arbeitsorganisation ILO ein ähnliches Datenportal gibt, zeigte, dass dort die gleichen Probleme bestehen. Daraufhin haben Gewerkschaften aus beiden Ländern ein Joint Statement on Better Work Transparency Data ausgearbeitet, das im September 2021 an Better Work mit Sitz in Genf übermittelt wurde.
In der gemeinsamen Erklärung werden vier Bereiche zur Verbesserung des Programmes aufgeführt:
Der Einbezug und die Beteiligung der Arbeitnehmenden und Gewerkschaften bei der Erarbeitung von Better Work-Daten muss angemessen sichergestellt werden.
Die in den Online-Portalen veröffentlichten Daten müssen alle Themen, die die Arbeiter*innen behandelt haben möchten, ausreichend erfassen.
Da festgestellt wurde, dass die Daten selbst manchmal ungenau sind und nicht die Erfahrungen der Arbeiter*innen in den Fabriken widerspiegeln, muss Better Work dafür sorgen, dass die Gewerkschaften um Feedback zu den Ergebnissen gebeten und dass diese auf den Portalen veröffentlicht werden.
Da der Zugang der Arbeitnehmer*innen zu den Datenbanken durch Lese- und Sprachkenntnisse und technologische Barrieren beeinträchtigt ist, müssen ihre Bedürfnisse bei der Neugestaltung der Datenportale besser berücksichtigt werden.
«Die Gewerkschaften merken, dass sie wirkungsvoller verhandeln können, wenn sie mit Fakten aus den Fabriken argumentieren. In den Trainings lernen sie, problematische Ereignisse zu dokumentieren, wenn möglich mit Fotos und Videos, und ZeugInnen beizubringen.»
Nach langen Kämpfen konnte der Mindestlohn auf 192 Dollar pro Monat erhöht und damit im Vergleich zu 2014 fast verdoppelt werden. In den letzten zwei Jahren wurden vier Gesamtarbeitsverträge unterschrieben. Und in zwei Fabriken erhalten mehr als 10'000 Arbeiter*innen neu ihren Lohn auch dann, wenn sie krank sind.
Spenden für Textilarbeiter*innen in Kambodscha
Mit Ihrer Spende unterstützen Sie die Arbeitskämpfe von Textilarbeiter*innen in Südostasien.