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Wohnen auf der Kronenwiese in Zürich: «Hoffentlich nicht rücksichtslos»
Armon Semadeni Architekten gewinnen den Projektwettbewerb für die Wohnüberbauung auf der Kronenwiese in Zürich. Armon Semadeni beantwortet unsere drei Fragen.
Was ist die Erfindung am Siegerprojekt?
Armon Semadeni: Die Kronenwiese besitzt gegen Südosten einen attraktiven räumlichen Bezug zum benachbarten Schindlerpark und auf den weiteren grossräumlichen Limmatraum. Das zum Fluss hin stark abfallende dreieckige Gelände wird westlich von der stark befahrenen Kornhausstrasse und nördlich von der Nordstrasse begrenzt. Das gebaute Umfeld besteht aus einem kompakten Stadtkörper, der von strassenbegleitenden drei- bis füngeschossigen Einzelbauten, Zeilen-, und Blockrandbauten geprägt ist. Hinzu kommt, dass die Kronenwiese unmittelbar an den Abschluss der Kornhausbrücke angrenzt und eine städtebauliche Definierung des Brückenkopfes schlüssig wäre.
In diesem doch eher anspruchsvollen Kontext entwickelten eine in der Höhe abgestufte Gebäudefigur, die in ihrer Massstäblichkeit gegenüber dem Parkraum Bestand hat, die räumlichen Strukturen zwischen Stadt- und Grünraum klärt und über die Ausbildung einzelner Gebäudeteile feinere Körnigkeiten im Stadtkörper aufnehmen kann. Es entstehen klar definierte Strassen- und Platzräume mit unterschiedlichen Öffentlichkeitsgraden, die auch von den Gewerbe- und Dienstleistungsnutzungen im Erdgeschoss genutzt werden können. Durch diese Anbindung gliedert sich das Haus selbstverständlich in das gewachsene Stadtgefüge ein und wird unmittelbar Teil des urbanen Alltags der Bevölkerung.
Wie verhält sich das Projekt zur Umgebung?
Unser Projekt gliedert sich zurückhaltend höflich in die beschriebene Stadtgemeinschaft ein und versucht gleichzeitig eine interessante Konversation mit allen Seiten zu führen. Über einen Höhenversprung öffnet sich die Gebäudefigur zum benachbarten Grünraum hin, so dass alle zukünftigen Wohnungen von der Grossräumigkeit profitieren können. Entlang der Kronenstrasse schliesst ein dreigeschossiger Hausteil das Gebäude ab, so dass der öffentliche Schindlerpark räumlich nicht in Beschlag genommen wird. Im Inneren des Wohnhauses entsteht ein halböffentlicher Raum, der von der Grosszügigkeit des angrenzenden Grünraums profitiert, die Wohnatmosphäre vom Stadtpark jedoch abzugrenzen vermag. Natürlich nutzt das Gebäude seine privilegierte Lage am Schindlerpark und in der Nähe der Limmat auch für eigennützige Zwecke, aber hoffentlich nicht rücksichtslos.
Wo lagen die grössten Schwierigkeiten im Wettbewerb?
Für uns lagen die primären Herausforderungen im Umgang mit dem Schindlerpark: Wie können wir die nachbarschaftliche Qualität für das Gebäude nutzen ohne aufdringlich gegenüber dem öffentlichen Raum zu werden? Und im Umgang mit der Kornhausstrasse: Wie können wir das Gebäude vor den Lärmimmissionen schützen ohne dass sich das Haus vom öffentlichen Raum abwenden muss?
Neubau Wohnsiedlung Kronenwiese, Zürich
Projektwettbewerb im offenen Verfahren mit 91 Teilnehmern für die Stadt Zürich
– 1. Rang: Armon Semadeni Architekten, Zürich; Landschaftsarchitektur: Weber + Brönimann Planer, Bern; Visualisierung: nightnurse images, Zürich
– 2. Rang: Blättler Dafflon Architekten, Zürich
– 3. Rang: Vukoja Goldinger Architekten, Zürich
– 4. Rang: Michael Metzger, Zürich
– 5. Rang: Patric Heuberger und Michael Frey, Zürich
– 6. Rang: Simona Pribeagu Schmid und Patrick Schmid, Zürich
– 7. Rang: Zita Cotti, Zürich
– 8. Rang: Elmiger Tschuppert Architekten, Luzern / Zürich
– 9. Rang: Duplex Architekten, Zürich
Der Wettbewerb erscheint am 3. Mai 2011 in der nächsten Ausgabe von hochparterre.wettbewerbe 2/2011