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US-Präsidenten pflegten bisher eine innige Beziehung mit Popstars und den Medien. Donald Trump dagegen setzt auf einen Mormonenchor.
Als Präsident Dwight D. Eisenhower am 17. Januar 1961 vor laufenden Kameras seinen Abschied von der politischen Bühne nahm, wandte er sich in seiner letzten Rede an die Nation zuerst an die US-Medien. Er dankte den Radio- und Fernsehstationen für zahlreiche Gelegenheiten zu öffentlichen Auftritten und zur Beziehungspflege zwischen ihm und seinen Landsleuten.
Als erstem Präsidenten, der einen Medienberater und einen geschärften Sinn für die Effekte medialer Inszenierungen hatte, war Eisenhower die Möglichkeit der Manipulation und Instrumentalisierung von Verbreitungskanälen durchaus vertraut. Daher ist sein Dank zum Abschied auch eine Machtdemonstration. Indem er die Unabhängigkeit der Medien anerkennt, räumt er zugleich das Offensichtliche ein: dass Präsidenten Medien für ihre Zwecke nutzen. In diesem Widerspruch scheint sich für Eisenhower zu erfüllen, was er offenbar als Kernfunktion der Medien versteht: die Aufgabe, zwischen Regierenden und Regierten zu vermitteln.
Übermittler von Liebesbotschaften
Sein Nachfolger John F. Kennedy hat viel Energie darauf verwendet, die Idee der Vermittlung mit dem Phantasma der Unmittelbarkeit zu kombinieren. Liveübertragung und Direktheit sind die Vehikel, die Kennedy sowohl zur Erläuterung von Politik als auch zur Inszenierung seiner selbst als Celebrity nutzte. Der Anschluss an die Wählerschaft fiel mit dem Anschluss an die Populärkultur zusammen. Erziehung und Unterhaltung hielten sich die Waage und versetzten die USA auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs in Partylaune. Die Liste der Stars, die zu Kennedys Inauguration geladen waren, liest sich wie ein Who’s who der US-Kultur. Sinatra lieferte mit «You Make Me Feel So Young» das Motto für die kurze Romanze zwischen dem jüngsten Präsidenten der US-Geschichte und seinen Fellow Citizens. Kennedys Flirt mit den Celebrities hat sich schliesslich bei Barack Obama zur innigen gegenseitigen Liebesbeziehung entwickelt, in der die US-Medien gelegentlich wie die Übermittler von Liebesbotschaften wirkten.
Wenn am kommenden 20. Januar der bislang älteste Präsident der USA sein Amt antritt, wird die Show allen Anzeichen nach ohne die Aushängeschilder der Popkultur auskommen müssen. Für die Organisatoren von Donald Trumps Vereidigung scheint es unmöglich, noch den abgehalftertsten unter den Stars von einem Auftritt zu überzeugen. Ein Mormonenchor, ein minderjähriger Talentshowteilnehmer und ein Varietétanzensemble sind die magere Ausbeute wochenlanger Bemühungen. Trump hat seinerseits bereits dementiert, dass ihm an der Präsenz von Celebrities etwas liegt. Der Trump-Berater Boris Epshteyn hat den starfreien Kurs zur Strategie erhoben: «This is not Woodstock (…) it’s about the people.»
Dabei ist spätestens seit Kennedy unübersehbar, dass in den USA der Bezug der Politik zu den Leuten auch über die Nähe zu ihren medial vermittelten Entertainern verläuft. Die Vermittlung lebt ihrerseits seit Eisenhower von der Spannung zwischen Autonomie und Abhängigkeit. Trumps mediale Selbstverwaltung via Twitter bedeutet einen klaren Bruch mit dieser Tradition. Umgekehrt ist auf der Seite der US-Medien Trumps radikale Demontage weniger ein politisches Statement als eine mediale Selbstständigkeitserklärung, eine Verabschiedung aus der Koexistenz mit politischer Zweckmässigkeit und damit eine Entfremdung von der Vermittlungsaufgabe, wie Eisenhower sie verstanden hatte. Die Aufregung um Trumps voraussichtlich biedere Fete hat so gesehen eine merkwürdige Pointe: Wo keine Celebrities aufkreuzen, ist die Party verschoben, und Politik kommt bei niemandem mehr an.
Trumps einsamer Tanz auf seinem Ball
Bleibt die Frage, wovon Obama zum Abschied sprechen wird. Vielleicht wird er sich bei den Medien bedanken. Und was deren Rolle für die Sabotage der kommenden Inaugurationsfeier betrifft, könnte ich in den Dank vorbehaltlos einstimmen. Ich würde mich für die Anstachelung der Schadenfreude bedanken, die mir die letzten Stunden der 73-tägigen Tortur seit der Wahl versüsst, und für die kindische Fantasie, dass Trump auf seinem Ball ganz alleine tanzen wird.
Zugegeben, die Freude schmeckt mit der Aussicht auf die nächsten vier Jahre etwas schal. Für den Moment aber nehme ich sie als das, was sie womöglich gar nicht ist: ein kleines Stück ausgleichende Gerechtigkeit.
Aleksandra Prica (40) ist Assistenzprofessorin für Germanistik an der University of North Carolina in Chapel Hill.