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Freitag, 16. Februar 2018
Der beste Kenner des Kapuzinerordens ist gestorben
Luzern, 13.2.18 (kath.ch) Der Schweizer Erforscher des Kapuzinerordens, Oktavian Schmucki, starb am 12. Februar im Alter von 90 Jahren nach kurzer Krankheit in Luzern. Er war 1947 dem Kapuzinerorden beigetreten und verbrachte seine letzten Jahre im Kloster Wesemlin in Luzern.
Arnold B. Stampfli
In der Schweiz war Schmucki ausser in seiner Heimat – er stammte aus Rieden im St. Galler Linthgebiet – und in Luzerns Umgebung nur wenigen bekannt. Sein Lebenswerk schuf er zur Hauptsache im Historischen Institut des Kapuzinerordens in Rom, wo er von 1956 bis 1997 gegen 350 grössere wissenschaftliche Arbeiten in vier verschiedenen Sprachen, auch in Latein, erarbeitete. In manchen seiner Publikationen steht als Verfasser schlicht und einfach «Octavian von Rieden».
Sein Hauptgebiet war die Franziskusforschung; schon seine Dissertation «Das Leiden Christi im Leben des heiligen
Franziskus von Assisi» hatte die Christusfrömmigkeit des heiligen Franziskus zum Thema.
Regelmässig in der Schweiz
Oktavian Schmucki wurde am 8. Januar 1927 geboren und auf den Namen Viktor getauft. Nach der 1947 in Appenzell glänzend bestandenen Matura trat er wenige Wochen später in den Kapuzinerorden ein, wo ihm der Name Oktavian gegeben wurde. Nach der Priester-weihe im Jahre 1952 folgte schon bald auf dringenden Wunsch des Ordensgenerals die Versetzung nach Rom. Mit seinen Angehörigen und dem Heimatdorf Rieden blieb Oktavian insofern verbunden, als er in all den Jahren seine Ferien ausnahmslos in Rieden verbrachte.
Oktavian blieb jedoch nicht ein Gelehrter zwischen Buchdeckeln. Während den vierzig Jahren in Rom und den letzten
zwei Jahrzehnten, die er wiederum im Kloster Wesemlin in Luzern verbrachte, stand er, solange es seine Gesundheit erlaubte, Sonntag für Sonntag in der Seelsorge. Diese Tätigkeit war ihm
mindestens gleich wichtig wie die ihm übertragene wissenschaftliche Arbeit.
Ein wertvoller Mosaikstein
Die wichtigsten Veröffentlichungen Oktavian Schmuckis, die sich vor allem mit der Spiritua-lität des Ordensgründers Franziskus und der Geschichte des Kapuzinerordens befassten, sind mit etwas Verspätung anlässlich des 81. Geburtstages des Ordenmannes in einer Festschrift zusammengefasst worden. Vorgelegt wurde ein stattlicher Band von über 525 Druckseiten. Auch ausserhalb des Kapuzinerordens hiess es damals, Oktavian Schmucki sei der bedeutendste Franziskusforscher geworden; mit seiner Arbeit habe er die Grund-lage für jede weitere Forschungsarbeit in diesem Bereich geschaffen.
Die Festschrift selber erarbeiteten der Kapuziner Leonhard Lehmann, Rom, und, sehr be-achtenswert, der evangelische Theologe Ulrich Köpf in Tübingen. Die Schrift wurde vor allem als einen wertvollen Mosaikstein sowohl für die Spiritualität von Franziskus wie für den 1525 gegründeten Kapuzinerorden gewürdigt. Dieser war kurz nach der Reformation durch Abspaltung von den Franziskanern gleichsam als Reformorden entstanden.
Die letzte ganz grosse Arbeit des Verstorbenen war die im Jahre 2004 erschienene Biografie über Fidelis von Sigmaringen. In seiner Zeit in Luzern hat Schmucki noch weitere bedeutende Arbeiten veröffentlicht.
Montag, 12. Februar 2018
Vor 45 Jahren starb "Schtäi-Sepp"
Dieses Jahr jährt sich sein dramatischer Tod zum 35. Mal. Er wurde abends auf offener Strasse in Netstal bei schlechten Sichtverhältnissen von einem Auto erfasst und starb tags darauf an den schweren Folgen des Unfalls im Kantonsspital Glarus. Der in der Bevölkerung bekannte und beliebte, ledige Mann war während des Frühjahrs bis Herbst bei der Gemeinde Näfels als Strassenarbeiter angestellt und hegte vor allem die "Rellenen" der Oberseetalstrasse, war auch Kiesrüster und half gelegentlich auch beim Durchforsten der Wälder im Forstdienst mit. Auch zum Ausbessern der Alpwege oder der Schottersträsschen nach Unwettern war er im Einsatz. In den Wintermonaten verdiente er sich ein paar Sackrappen als Hausierer von "Zundhölzern" und selten von "Zigerstöckli". In seiner Freizeit ging er "ins Holz", das heisst er sammelte Äste und Prügel und transportierte sie auf seinem "Rolli" ins Tal.
Ich selber war ihm als Klosterschüler und später als Student als "Hilfsarbeiter" unterstellt und begleitete ihn als "Sommerferien-Gehilfe". Er war ein humorvoller, auch zu Streichen aufgelegter "Kumpel", von dem ich einige "Anekdoten" zu erzählen wüsste.
Nach seinem Tod schrieb ich ihm den folgenden Nachruf
Josef Stein, Gemeindearbeiter
(geboren 7. Juli 1920, gestorben 7. Januar 1983)
Am Vorabend von Dreikönigen beim Zunachten wurde Josef Stein Opfer eines Ver-kehrsunfalls in Netstal. Er hatte, wohl bei etwas schwierigen Sichtverhältnissen, die Strasse überqueren wollen, gewahrte ein plötzlich auftauchendes Auto, das talein-wärts fuhr, und lief, offenbar ausweichen wollend, direkt in ein von der entgegenge-setzten Fahrrichtung nahendes Auto. Schwer verletzt verbrachte er den Dreikönigs-tag im Spital und verstarb tags darauf.
Von Fridolin Osterhazy
Nach Aussagen der Ärzte hätte Sepp Stein nur mit schweren Verkrüppelungen weiterleben müssen, denn der bedauerliche Unfall hatte ihm vom Becken bis zum Kopf schwerste Brüche und Verletzungen zugefügt. Er soll aber bis zu seinem Ableben bei klarem Be-wusstsein gewesen sein. Gemessen an den ausserordentlichen Schmerzen war für ihn der Tod eine Befreiung.
Seltene PersönIichkeit
Mit Josef Stein, im Volksmund «Schtäisepp» genannt, verschwindet aus dem Dorfbild von Näfels, vielmehr, noch aus dem Oberseetal, eine seltene Persönlichkeit, die schon wegen ihrer äusseren Erscheinung aufgefallen war. Jedermann kannte den «Schtäisepp», ob-schon er weder durch politische Ämter noch durch anderweitige Führungsrollen die öffent-liche Szene belebte. Man kannte ihn einfach: in seiner Einmaligkeit, die er sich bis zum Tode bewahrte. Nicht gross von Statur, leicht nach vom geneigt und den Kopf meist etwas schräg, eine unkonventionelle Frisur und äusserst schlicht gekleidet, stets zu einem hü-stelnden Lächeln bereit, aber mit grossen genagelten Schuhen bekleidet und meist die eine Hand im Hosensack – so schritt er mit seinem wippenden Gang durch die Welt. Er lebte sein eigenes Leben.
Die meisten Menschen begegneten ihm mit grosser Sympathie, andere behandelten ihn verächtlich. Sepp Stein wusste das und pfiff auf Normen und Werte der Zeit. Er repräsen-tierte zeitlebens jene Mentalität der Einfachheit und des Beharrens, die vor Generationen für viele Näfelser Familien, die nicht begütert waren, typisch war. In der Regel war das Dorf die Welt. Für den «Schtäisepp», der in Näfels geboren und aufgewachsen war, bedeutete vor allem das Oberseetal Arbeit, Freizeit und Leben.
Nach seinem Schulbesuch in Näfels sollte er fremdes Brot essen. Man fand für ihn einen Platz in Schwyz. Doch schon nach zwei, drei Wochen war Sepp derart von Heimweh ge-plagt, dass er zurückkehrte. Heim zur Mutter. Sie, die hagere, ernste Frau mit dem eigen-tümlichen, unnachahmlichen Gang, hatte jahrelang das Amt der „Ummäsägeri“ inne. Sie ging von Haus, zu Haus, um mitzuteilen, ein Näfelser oder eine Näfelserin sei gestorben, die Beerdigung sei dann und dann. Nachdem sie hochbetagt im 93. Lebensjahr verstorben war, sorgte für ihn seine Schwester, mit der Sepp gegen Ende der siebziger Jahre ins Altersheim zog.
Seine Karriere ist bald beschrieben. Zeitlebens war er Gemeindearbeiter. Seine Speziali-täten: Kies rüsten und Strassen pflegen. Mit seinem Kratzer hätschelte er die Rellenen, scharrte die Gräben zu, wo das Wetter solche in die Bergstrasse gefressen hatte. Nach Arbeitsschluss oder während seiner Ferien ging Sepp ins Holz, wie man sagt. Dieses schleppte er auf seinem Rolli zu Tal. Sepp kannte fast jeden Winkel des Oberseetals; nur den Rautispitz hat er nie erklommen. Das schien ihm etwas Unnützes zu sein.
„Schtäisepp“ gehörte zum Oberseetal wie der Brünneler, der Rauti, der Obersee und das Wetter.
In seiner Person ist fast alles zusammengefasst, was das Einstige und Bleibende dieses Hochtales ausmacht, unbekümmert der Veränderung der Zeit. In diesem begrenzten Kreis blieb er auch als Persönlichkeit anders als die anderen. Einen Kreis zog Sepp um sich, um sich vor den anderen abzuheben. Mit dieser Welt begnügte er sich und verteidigte sie.
Naturbeobachtung, Wetterkenntnis, Einzelgängertum bestimmten seinen Alltag. In solcher-lei Auffassung und im kleinen Freiraum seiner Arbeit fühlte er sich sicher. In dieser Welt ge-dieh seine ausstrahlende Zufriedenheit. Auch wenn er damit heutzutage kaum Prestige ge-wann oder Ansehen erntete, so war er in seiner Art ein Lehrmeister, indem er Gegebenhei-ten bejahte und in diesem Rahmen den Rank fand. Nach dem Motto: «Liäber ä Schtuudä, wo nuch ä Gäiss draab frisst; as ä Wättertannä, wo d Laui abäbutzt», ist seine Mentalität und seine Art im Genre seiner Sprüche eingefangen. Josef Stein fand auf dieser Welt seinen Platz, indem er an den Rand der Gesellschaft auswich. Dergestalt gefundene Frei-heit ist ebenso bleibend wie die Karriere des andern, der sich im Konkurrenzkampf des Er-werbslebens isoliert.
Der Fortschritt der Zeit störte die Welt des «Schtäisepp» und gefährdete ihn. Einige Jahre ist es her, als Sepp wegen einer Hunderternote überfallen wurde. Nur wenige dagegen sind es, dass Opfer der technisierten Welt geworden ist. An seiner Oberseestrasse gab es auch Autos. Aber man hörte sie von weitem oder des Nachts sah man ihr Licht. Der gute, liebenswürdige, einfache Mann ist an jener Zivilisation zerbrochen, die er zeitlebens ver-schmäht hat. Der Novembersturm fällte die Marazzani-Tanne am Wagner-Stutz; der Irrtum eines Augenblicks auf dämmriger Strasse wurde Sepp zum Verhängnis. Die Drei Könige, die vielleicht dem „Schtäisepp“ am nächsten gestanden haben, weil er ihre Initialen „+K + B + B+" am Türgericht der Alphütten immer wieder sah, waren denn auch seine letzte irdische Erfahrung. Am Tag nach Dreikönigen starb er.
Wir wollen Sepp ein schönes und gutes Andenken bewahren und sprechen seinen Ge-schwistern und Verwandten unser herzliches Beileid aus.
erschienen in: "Vaterland-Glarus", Nr. 9, Mittwoch, 12. Januar 1983 Seite 15.
"Schtäi-Sepp" in einem Sulzbodäliädli verewigt!
Die "Sulzbodenkinder" widmeten ihm nach seinem Tod in "Schtäiseppä-Liädli", Uraufführung an einer der legendären Erstaugustfeiern auf Sulzboden am 1. August 1983.
Untenstehend sehen Sie die Melodie der Mundartstrophe, am Ende des Textes den Refrain.
Hört sich fast an wie ein Kirchenlied. Die Kinder trugen es mit Inbrunst vor; denn für die meisten war Josef Stein bekannt von seinen Arbeiten am Sulzbodensträsschen.
Gesucht Bilder von "Schtäi-Sepp"
Ich suche weitere Aufnahmen von Josef Stein, die hier als Erinnerung festgehalten werden könnten. Für Feedbacks danke ich im Voraus sehr herzlich!
(Bildnachweis: www.wolfgang-rieck.de/de/programme/die_maus_im_fernrohr)
.., und noch ein rührendes Dokument als Andenken an Josef Stein.
Am 16. Januar 1983 schrieb mir die Schwester von Sepp Stein, die in Schwyz wohnte und später auf dem Friedhof von Näfels ihre letzte Ruhe fand.
"Obschon ich Sie nicht kenne ein ganz herzliches Vergelts' Gott für Ihre trostreichen Worte und Begegnungen von einst mit unserem lieben Bruder Josef. Es hat uns aufrichtig gefreut. Der überstürzte Tod hat uns alle drei Schwestern sehr betroffen, im Stillen hatte er grosse Werte, wenn (es) auch nach aussen nicht erkannt wurde. Wir hätten dem lieben Bruder einen leichteren Tod gewünscht als so elend am ganzen Körper zerdrückt zu werden.
Gott hat ihn nun seinen qualvollen Schmerzen erlöst, und möge der liebe Josef des Him-mels Frieden geniessen. Leider konnten wir ihn nicht mehr lebend sehen. Zwei Stunden vor unserer Ankunft in Glarus war er gestorben. Aber ein seliges Lächeln in seinen Zügen trö-stet uns. Es war scheint'S im "Vaterland" ein schöner Nekrolog. Ist er von Ihnen?
Haben Sie vielen Dank. Freundliche Grüsse. Geschwister Stein.
Frau Elisabeth Gwerder-Stein, 6438 Ibach."
In einem späteren Schreiben schrieb mir Frau Elisabeth Gwerder-Stein u.a. "Josef liebte seine Bergwelt und überhaupot Näfels. Als vor drei Jahren wegen eines Streifschlags von Schwester Ida der Umzug ins Altersheim notwendig wurde, sagten wir zu ihm, wenn es nicht anders gehe, solle er doch zu uns nach Schwyz kommen. Er sagte unter Tränen, Näfels kann ich nicht verlassen, dies wäre mein Tod.,..."
Ein kleines Zeugnis seiner Heimatliebe zum Ort, an dem er geboren wurde und in dem er sein ganzes Leben verbracht hat.
In der Genealogie ist "*Schtäi-Sepp" wie folgt eingetragen:
Gestorben 1983 Jan.7. in Glarus: STEIN Josef Johann, ledig, von Jona SG, wohnhaft gewesen in Näfels, * 1920 Juli 7. Vide Lebensgeschichte in der Presse ! (Stei-Sepp)
Die erwähnte Schwester Ida wie folgt:
Gestroben 1997 Dez.19. Stein Ida, von Jona SG, geb. 15. März 1924, wohnhaft gewesen in Näfels.
Im Totenbuch des Pfarramtes Näfels ist folgender Vermerk zu finden:
Stein Josef Johann (genannt "Stei-Sepp"),
geboren 7.7.1920, getauft am 10.7.1920, beides in Näfels;
Parentes: Stein Johann Josef, Böni Maria Elisabetha;
Locus Originis: Jona SG;
Locus Domicilii: Näfels Altersheim;
Dies Obitus: 7.1.1983 Glarus; Dies Sepulturae: 11.1.1983 Näfels;
Notae: vom Auto überfahren
Ich suche nach zwei Zeichnungen von Walter Rentsch "Schlangäfänger vum Älläbodä", der in seinem Brief vom 18. August 1983 Stein Josef erwähnte, er habe diese in seinem "Hüt-tenbuch" auf Ällenboden verewigt.
Montag, 29. Januar 2018
"De König vo Näfels"
Nicht zum ersten Mal höre ich von dieser "Verewigung" des Dorfnamens "Näfels" in einem Volksmusik-Instrumentalstück und zwar meisterhaft gespielt!
Am letzten Samstag traten die "Hujässler" in der SRF-Sendung "Potzmusig" auf und erfreu-ten mit "De König vo Näfels" die Zuschauer.
Mittlerweile ist das Stück ab dem 29. Januar 2018 auf Youtube zu hören:
Unter folgendem Link ist der Videoclip auf YouTube zu finden:
Bereits am 17.11.2017 wurde das Stück als Siegerstück vom HD Marti-Odermatt auf YouTube veröffentlicht.
Eine erste Spur fand ich mit einem Telefon bei Jerome Kuhn. Er wusste, dass das HD Marti-Odermatt am Nachwuchswettbewerb in Huttwil 2016 als Sieger hervorgingen. Olivier Marti und Siro Odermatt bildeten das Handorgelduo aus Spiez. Am Kontrabass begleitete sie Andy Schaub. Damals spielten sie erst ein Jahr zusammen, vermochten aber die Jury von ihrem hohen Talent zu überzeugen. Gewonnen haben sie mit "De König vo Näfels". Komponiert haben soll dieses Siegerlied Markus Flückiger, auch ein Tausendsassa in der Volksmusikszene.(1)
Der Volksmusik-Allrounder seit dem 6. Lebensjahr und Schwyzerörgeli-Spieler stellte sich auf eigener Homepage vor (2). Er ist auch Dozent für Schwyzerörgeli an der Musikakademie Luzern. Uraufgeführt sei "De König vo Näfels" von den Hujässler. Ich werde ihm nachstellen und ihn nach den Hintergründen des "De König vo Näfels" fragen.
Mittlerweile habe ich mitgeteilt erhalten, dass die Idee zum "König vu Näfels" an einer Ländlerweihnacht im SGU (lintharena) in Näfels aufgekommen ist und dass sich aus froher Festestimmung heraus bewegt fühlte, dieses Musikstück zu schaffen. Gewiss bringe ich noch heraus an welcher Ländlerweihnacht es gewesen ist.(4)
Nun fand ich auch das Herausgabedatum und die entsprechende CD.
www.cede.ch/de/music/?branch=1&aid=109685566&view=detail
(Cover und Inhalt siehe weiter unten)
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(1) www.srf.ch/radio-srf-musikwelle/volksmusik/folklorenachwuchs-2016-das-finale
(2)www.markusflueckiger.com/%C3%BCber-mich/
(3) www.markusflueckiger.com/projekte/hujässler/
(4) Email-Korrespondenz mit einem der Musiker.
Diese CD ist am 8. Mai 2015 erschienen,
Sie beinhaltet 19 Stücke.
Das erste Stück ist:
"De König vo Näfels"
und dauert 3'44"
Die Inhalte der CD:

1 De König vo Näfels 3:44

2. Schwedenhappen 4:02

3 Abschied 4:43

4 Freitag der 18te 2:49

5 Kari Melk Toni's Seffi 3:10

6 Ländlerei 3:16

7 Suppegmües 4:39

8 Salome 3:12

9 Dädä Gogo Bumbum 2.24

10 Ysestängele und Steiäffle 2:59

11 Chli giftig 2:22

12 Mängisch 3:46

13 Gläslein füll dich, Tischlein deck dich 3:24

14 Im Gibelwald 6:33

15 Goldseeli 5:04

16 Stärnegottgrüeziabenand 3:53

17 Blick uf e Urnersee 3:54

18 s'chunnt guet 4:38

19 Ekkehart und Erwin müssen noch nageln 6:09
Hujässler
Dani Häusler Reto Kamer Markus Flückiger Sepp Huber
Seewen SZ Galgenen SZ Schwyz Benken SG
Sonntag, 28. Januar 2018
Oswald Heer Preis geht an Amane Tajika
Kreidefossilien im Alpsteingebiet erforscht
Preisverleihung im Glarnerhof Glarus
(Samstag, 27. Januar 2018 14 Uhr)
Das Alpgebiet gilt nicht unbedingt als Eldorado für Fossiliensammler. Sowohl
in der älteren als auch in der neueren Literatur finden sich nur wenige Hin-
weise auf Fossilen oder deren Fundstellen. Einen auufsehenerregenden Bei-
trag leistet nun Amane Tajika, der bei Professor Dr. Christian Klug doktorier-
te, mit seiner intensiven Erforschung der Kreidefossilien im Säntisgebiet. Er
konnte dabei auch auf leidenschaftliche Sammler zurückgreifen.
Für seine Arbeit wurde ihm der Oswald Herr-Preis verliehen. Dieser Preis
wird seit 2016 alle zwei Jahre an junge Wissenschaftlerinnen und Wissen-
schaftler verliehen, die in der Schweiz in den Forschungsgebieten des Glar-
ner Oswald Heer (1809-1882) arbeiten. Das Preisgeld wurde vom Walters/
Wild-Fonds gestiftet.
Der Preis wurde am vergangenen Samstag im Glarnerhof in Glarus über-
geben.
Fridli Marti, Präsident der Naturforschenden Gesellschaft des Kantons
Glarus war Gastgeber (auch für den Historischen Verein des Kts. Glarus)
und leitete die schlichte Feier.
Es sprachen:
Prof. Dr. Conradin Burga, auf dessen Initiative der «Oswald-Heer Preis» in
Leben gerufen wurde,
Prof. Dr. Christian Klug, der den Preisträger vorstellte und
Dr. Amane Tajika, der seine Forschungsarbeit und -ergebnisse in Wort und
Bild vorstellte.
Ulrica Blumer-Vital, Mezzosopran und Prof. Dr. Conradin Burga, Piano,
umrahmten den Anlass musikalisch.
Noch in diesem Frühjahr wird im Appenzeller Verlag, Schwellbrunn, das
Standardwerk «Fossilien im Alpstein – Kreide und Eozän der Nordost-
schweiz» im Grossformat erscheinen, herausgegeben von Peter Kürsteiner
und Christian Klug. 24 Autoren – darunter auch der Preisträger Amane
Tajika – beschreiben auf 350 Seiten und mit 1000 Fotos alle bisher be-
kannten Fossilien im Alpstein. F. O.
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Oswald Heer-Preis
(Statuten)
1. Zweck
Zum Gedenken an den grossen Glarner Paläontologen, Botaniker und Entomologen und zur Ehrung der Gründerpersönlichkeit Oswald Heers (1809-1883) wird der Os-wald Heer-Preis zur Auszeichnung von wissenschaftlich hervorragenden Arbeiten von Schweizer Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen und solchen, die in der Schweiz tätig sind, aus den Forschungsgebieten Oswald Heers verliehen. Oswald Heer gilt als einer der Begründer der Tertiär-Paläontologie der Pflanzen und Insekten der Nordhemisphäre sowie als Pionier der Pflanzen- und Insektengeo-graphie der Schweizer Alpen.
2. Federführende Gesellschaft
Schweizerische Paläontologische Gesellschaft
3. Tragende Gesellschaften
Naturforschende Gesellschaft des Kantons Glarus
Historischer Verein des Kantons Glarus
Naturforschende Gesellschaft in Zürich
Schweizerische Botanische Gesellschaft
Schweizerische Geologische Gesellschaft
Schweizerische Akademie der Naturwissenschaften scnat
Schweizerische Gesellschaft für die Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften (SGGMN)
4. Delegierte und Preiskomitee
Jede der oben genannten Gesellschaften ist durch eine(n) Delegierte(n) vertreten; den Vorsitz führt der/die Präsident(in) bzw. ein Vorstandsmitglied der Schweizeri-schen Paläontologischen Gesellschaft. Diese Delegierten bilden das Preiskomitee, das die eingegangenen Bewerbungen für den Oswald Heer-Preis sammelt, diese nach wissenschaftlichen Kriterien von Fachleuten beurteilen lässt und den Entscheid zur Preisverleihung trifft.
5. Vergabekriterien
Der Oswald Heer-Preis wird alle 2 Jahre an eine(n) junge(n) Schweizer Wissen-schaftler(in) bzw. eine(r)(m) in der Schweiz tätigen Wissenschaftler(in), welche(r) zum Zeitpunkt der Bewerbung maximal 35 Jahre alt sein darf, für hervorragende Arbeiten, publiziert maximal zwei Jahre vor dem Jahr der Preisausschreibung, auf den unten unter „6. Auszuzeichnende Fachgebiete“ aufgeführten wissenschaftlichen Disziplinen vergeben. In Anbetracht der Herkunft Oswald Heers aus dem Kanton Glarus sind wissenschaftliche Arbeiten von Glarnern und Glarnerinnen sowie Arbei-ten über einen Forschungsgegenstand aus dem Glarnerland unter Berücksichtigung der für alle Bewerbungen gleich geltenden wissenschaftlichen Qualitätskriterien bei der Preisvergabe vorzuziehen.
6. Auszuzeichnende Fachgebiete
Paläontologie (insbes. Paläobotanik), Flora der Alpen, insbesondere der Schweiz, Evolutionsbiologie der Pflanzen und Tiere, Wissenschaftsgeschichte der oben er-wähnten Fachgebiete mit Bezug zur Schweiz.
7. Gestiftetes Preisgeld
Die Preissumme beträgt maximal CHF 2000.-- und wird jeweils vom Preiskomitee festgelegt. Das Preisgeld wird in einem Fonds aus verschiedenen Quellen geäufnet. Das entsprechende Bankkonto wird durch die Naturforschende Gesellschaft des
Kantons Glarus geführt.
8. Durchführung der Preisvergabe
Die Preisausschreibung für den Oswald Heer-Preis erfolgt alle zwei Jahre über die beteiligten Gesellschaften und an Schweizer Hochschulen in hierfür geeigneten Me-dien mit den verlangten Bewerbungsmodalitäten und dem Einreichungstermin.
Das Preiskomitee unter dem Vorsitz des Präsidenten/der Präsidentin der Schwei-zerischen Paläontologischen Gesellschaft sichtet alle Bewerbungen und nimmt eine engere Wahl vor. Anschliessend wird daraus vom gesamten Preiskomitee der/die Preisträger(in) bestimmt und dazu die entsprechende Urkunde erstellt. Der/die Preisgewinner(in) ist darüber schriftlich zu benachrichtigen.
Der Preis besteht aus (1) dem Preisgeld, (2) einer Urkunde und (3) einem Buch-exemplar zur Biografie über Oswald Heer (C.A. Burga, Hrsg. 2013: Oswald Heer 1809-1883. Paläobotaniker, Entomologe, Gründerpersönlichkeit. NZZ Verlag Zürich, ISBN 978-3-03823-747-1. Soweit erhältlich).
9. Feier zur Preisübergabe
Die federführenden Gesellschaften organisieren die Feier zur Preisübergabe, welche in der Regel im Glarnerland, ausnahmsweise auch im Rahmen einer wissenschaftli-chen Veranstaltung, wie z.B. das Swiss Geoscience Meeting der scnat, stattfinden soll. Die Vorstellung der auszuzeichnenden Person und die Laudatio zu ihrer einge-reichten Arbeit erfolgt durch ein Mitglied des Preiskomitees oder einer vom Preis-komitee bestimmten Fachperson. Über die Preisverleihung soll in einer hierfür ge-eigneten Form berichtet werden.
10. Schlussbestimmung
Im Fall der Auflösung des Oswald Heer-Preises geht der Buch-Saldo des Preisgeld-Fonds in den Besitz der Naturforschenden Gesellschaft des Kantons Glarus über.
Zürich, 24. November 2016
Für die Schweizerische Für die tragenden
Paläontologische Gesellschaft Gesellschaften
Christian Klug Conradin A. Burga
Fotos:
(lnks) Prof. Klug: www.nagra-blog.ch/2016/03/14/ammoniten-faszinierende-meeresbewohner-aus-der-vergangenheit/
(rechts) Prof. Burga: www.glarus24.ch
Oswald Heer (1809-1883)
Grosser Glarner Wissenschaftler
Seine Jugendjahre verbrachte er in Matt und ent-deckte früh seine Faszination für die Tier- und Pflanzenwelt. Obwohl studierter Theologe trat er keine Pfarrerlaufbahn an, sondern wurde für die Universität Zürich, später für die ETH Zürich, ein weltweit wirkender Wissenschaftler.
Früh wurde er Direktor des Botanischen Gartens "Zur Katz". Einige Jahre war er im Zürcher Kan-
tonsrat. Heers Vermächtnis ist gewaltig. Er korres-
pondierte mit über 600 Wissenschaftlern in aller
Welt und gab faszinierende Standardwerke her-aus. Hauptwerk: "Flora fossilis arctica - Die fossile Flora der Polarländer". Schon vorher erschienen
drei Bände "Flora tertiana Helvetiae" mit 720 Pflanzenbeschrieben der Schweiz. Heer hatte zahlreichen Briefwechsel mit Charles Darwin und machte kritische Anmerkungen zu dessen umstrittenem Buch
"The Origin of Species". Heer wurde international mehrmals ausgezeichnet u.a. mit der englischen Royal Medal. Auf Spitzbergen wurde ein Landstrich nach ihm "Heer-Land" benannt. Belesene Glarner
ken-nen sein 665-seitiges Werk "Der Kanton Glarus", das er mit J. J. Blumer herausgab.
Erinnerungbild Oswald Heer-Preis-Verleihung 27. Januar 2018 in Glarus
Preisträger Dr. Amane Tajika mit der Preisurkunde und dem Standardwerk über Oswald Heer, flankiert von Prof. Dr. Conradin Burga, links, und Prof. Dr. Christian Kurz, rechts.
Hintere Reihe v. l. n. r. : Kantonsschule-Rektor Peter Aebli, Vertreter der Waltrers/Wild-Fonds-Stiftung, Prof. Dr. René Hantke und Dr. Fridolin Marti, Präsindent der Naturforschen-den Gesellschaft Glarus (NGG). (Foto: NGG)
25. Januar 2018
In memoriam
Bertram Hauser-Schaupp (1939-2017)
Ausführliche Würdigung
Bertram und seine Grossvater waren anwesend
Als sich eine grosse Trauergemeinde eingefunden hatte und die Dixieband «Zigerhorns» mit «Just a closer walk with Thee», einem langsamen traditionellen Gospelsong, von der Empore aus den Trauergottesdienst eröffnete, hatte man den Eindruck die «Welt» erfülle die Hilariuskirche Näfels. Vorne zog Br. Gottfried, Guardian des Klosters, den Vorhang zur «Ewigkeit» auf. Dazwischen beim Taufstein stand die Urne des unvergleichlichen Bertram Hauser.
Dazu kam eine Premiere: Neben Bertrams Urne stand die geschnitzte Krippenfigur des Krätzenträgers mit Kräutern und Tee von Johann Alois Landolt (Schang Landolt), der vor 105 Jahren verstorben war. Die Näfelser Krippe ist eine Stiftung seiner Witwe Regina Lan-dolt-Landolt, Bertrams Grossmutter. Bertram Hauser hat die Krippe fotografisch für das Familienarchiv festgehalten.
Und als einem «Some of these days» von Shelton Brooks unter die Haut gingen, zog das Leben Bertrams in den Herzen und Köpfen noch einmal vorbei.
Mehrjährige Leidenszeit
Seine letzten rund sieben Jahre waren ein ständiges gesundheitliches Auf und Ab. Am einen Tag zwangen ihn Schmerzen zur Bettruhe und starken Schmerzmitteln, am anderen fuhr er im Sportwagen «Morgan» über Land.
Ich kenne kaum einen Unternehmer, der so intensiv gelebt, so vielseitig Lebenfreude und Optimismus ausgestrahlt hat und dennoch ein einfacher, sympathischer und zugänglicher Mensch geblieben ist.
Bertram Hauser, unser jüngster im Klassejahrgang, geboren am 20. November 1939, ge-storben am 18. Dezember 2017, war wohl einer der lebhaftesten, humorvollsten und ein-fallsreichsten Lausbuben unserer über 60 Mitschüler.
Aufgewachsen im Haus «Zur Wegwarte»
Er wuchs auf in der «Wegwarte», dem ganz besonderen Holzhaus an der Bahnhofstrasse, unweit des Mühlebachs, als Sohn von Eugen und Regina Hauser-Landolt.
Der Vater war eine starke und einflussreiche Persönlichkeit: Kaufmann und Mitinhaber der Firma Landolt, Hauser und Co., im Volksmund «Teegeschäft und Gewürzmühle», in der Öffentlichkeit als Kirchenvogt, Kirchenpräsident, Schatzvogt beim «Neuen Schatz», Initiant des «Glarner Volksblattes», Mitwegbereiter der Seidendruckerei Mitlödi, Mitbegründer der Pfadi «Rauti», Augenscheinrichter und Oberrichter und anderes mehr.
Die Mutter war Regina, Tochter des Teegeschäft-Gründers Jean Landolt. Sie war eine her-zensgute Frau, die Seele der Familie. Sie kümmerte sich, trotz hervorragender Ausbildung, ausschliesslich um Haus und Familie mit neun Kindern. Bertram war durch ihre gemütvolle, fantasiereiche Art geprägt und verehrte sie seiner Lebtag. Er wuchs als zweitjüngster mit Regina, Claudia, Marie-Theres, Eugen, Patricia, Andrea, Elisabeth und Lucia auf.
Schule in Näfels – Welschland – Drogist und Fotograf
Nach dem Besuch der Dorf- und der Klosterschule und zwei Jahren Collège St-Michel Fribourg, absolvierte Bertram eine vierjährige Lehre als Drogist in der Apotheke Reding, Glarus. Es war die letzte Lehre dieser Art im Kanton; denn die Ausbildung war ganzheitlich. Pillen, Salben und Tinkturen mussten im eignen Labor hergestellt werden. Er blieb in der Apotheke noch ein Jahr über seinen Lehrabschluss hinaus, nahm dann in Rupperswil eine Stelle als Drogist an. Da-neben bildete er sich zum vorzüglichen Fotografen aus, eine Fertigkeit, die er lebenslang pflegte..
Rückruf ins Famlienunternehmen - Kreativer Alleinunternehmer
Doch schon bald musste Bertram ins Familienunternehmen eintreten und war bereits 1962 – mit 23 Jahren – Alleinbesitzer. Sein innovativer Geist und seine Begeisterungsfähigkeit führten zu einer Konsolidierungsphase des Unternehmens mit dem Fabrikgebäude beim Bahnhof, der Gewürzfabrik im Schärhaufen und später mit der «Gewürzmühle» im Ober-erlen, dem Bürohaus im Haus des einstigen Zahnarztes Perl an der Molliserstrasse wie auch mit den später eingemieteten Gebäuden der ehemaligen Fensterfabrik Müller. Unter seiner Ägide wurde eine zeitgemässe Produktepalette erarbeitet und ständig Neues kreiert. Er wurde zum gefragten Fachmann für Aroma- und Gewürze. Dieses Wissen gab er in vielen Referaten im In- und Ausland weiter. Bertram Hauser übergab die Leitung des Unternehmens – nach 42 Jahren - an seine Tochter Tina anno 2004.
Eine unvergessliche Kostprobe des breiten Wissens von Bertram Hauser war sein geist-reicher, witziger und sprudelnder Auftritt mit Susi Zobrist in der DRS-Sendung «Persönlich» im Mai 2005 im Freulerpalast Näfels moderiert von Röbi Koller.
Glückliche Ehe mit «Bössli»
Familiär fand er in Lydia Schaupp schon früh seine Lebenspartnerin. Ihr Arbeitsplatz als Schneiderin und Verkäuferin war praktisch vis-à-vis der Apotheke Reding in Glarus. Ken-nengelernt hatten sie sich, als sie jeweils das Trottoir vor dem Laden wischen mussten. Damals war es noch üblich, dass sich die Anstösser für den Gehsteig vor dem Haus ver-antwortlich fühlten. Er nannte sie bis zu seinem Tod liebevoll nach ihrem Pfadinamen «Bössli» (=kleine Boss). Die beiden schienen für einander geschaffen und führten über 53 Jahre eine glückliche Ehe, aus der die Töchter Wanda Lydia und Tina Regina erwuchsen.
Façetten aus seinem Leben
Politisch gehörte Bertram Hauser, wie zahlreiche, erfolgreiche Näfelser Unternehmer der FDP-Näfels an und war viele Jahre Waisenrat.
Militärdienst leistete er bei den Pontonieren. Wegen eines Rückleidens, infolge eines Un-falls bei einer Übung, wurde er umgeteilt, übernahm aber die Sanitätskompanie 161 als verantwortlicher Kommandant.
Autos gehörten zu seiner Leidenschaft. So nahm er am Kerenzerbergrennen 1968 mit dem Opel Kadett GL 3535 teil.
In seinen frühen Zeiten frönte er mit Lydia dem Bogenschiessen.
Sein Vulgo «Rassic» bei der Pfadi «Rauti» war benannt nach dem damals beliebten Ras-sic-Brausepulver mit Himbeer-, Orange-, Citron- oder Grapefruit-Aroma.
Er war Mitglied des Rotary Clubs Glarus, des Neuen Schatzes und des Komitees unseres Klassenjahrganges.
In der Familie und unter Freunden war er ein hervorragender Koch und wusste als Fach-
mann meisterhaft zu würzen.
Gründermitglied der «Zigerhorns»
Öffentlich sehr bekannt wurde er als Banjo-Spieler bei der Dixieband «Zigerhorns», deren Gründer er mit Walter Bachmann sel. war. Seine Musikkameraden liessen es sich nicht nehmen, den Abschiedsgottesdienst zu umrahmen und ihn mit vertrauten Klängen und Rhythmen zu verabschieden.
Sonne, Wind und Wasser
Seine grosse Leidenschaft waren Sonne, Wind und Wasser. In seiner Freizeit war er ein begeisterter Segler auf dem Walensee. Davon schwärmen seine Töchter Wanda und Tina noch heute sehr. Auch sie waren ihm Sonne, sonnig ist sein Eigenheim am Sonnenweg 43. Sonne und Freiheit suchte er in seinen Aussenstationen in Saint Tropez, am Gardasee und natürlich in Betlis.
Obwohl ein heimattreuer Näfelser zog es ihn - nicht nur geschäftlich, sondern auch in sei-ner Freizeit in alle Welt. Er sprach französisch und italienisch und verständigte sich auch in Englisch vorzüglich.
«Bertram» - Heilpflanze – «Bertram», ein Mensch bei dem man sich wohlfühlte
Bertram ist – was viele nicht wissen – auch der Name eine Heilpflanze, die nicht nur im Wissensstoff von Hildegard von Bingen bekannt ist. Ihre Wirkung soll vielseitig sein und dem menschlichen Körper Wohlbefinden schenken. Diese Pflanze passt auch zum gleich-namigen Bertram, denn in seiner Gesellschaft fühlte man fühlte man sich wohl.
Leidmahl im «Schwert» - «Zigerhorns» wie zu Bertrams Zeiten!
Eine stattliche Gästeschar aus Familie, Verwandten, Freunden, Rotary-Kollegen, Ge-schäftsfreunden, Klassenkameradinnen und -kameraden, Musikkollegen, ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und Bekannten aus Nah und Fern fand sich zum Apéro und Leidmahl im «Schwert» ein. Dieser Ort erinnerte an ungezählte fröhliche Anlässe, Feste und Fasnachts- und Musikauftritte. Trotz Heimweh und Wehmut nach Bertram herrschte eine verbindende Heiterkeit ganz in seinem Sinne. Die «Zigerhorns» spielten auf wie zu Bertrams Zeiten.
Lyrischer Abschied
Seine sprachlich-kreative Seite belegt sein handschriftlich verfasster Neujahrsgruss von 2006 und charakterisiert ihn und sein Leben:
«Ziemlich viel Gutes,
Ziemlich viel Allerhand,
Ziemlich Handfestes,
Allerhand Wunderbares,
Allerhand Glückbares,
Allerhand mehr als Verstand überlebt!
Merci 2005 - 2006 wird sich ergeben
Was immer
Bertram»
Lieber Bertram, du hast dein Leben vollbracht, hast durch ein gütiges Geschick deine letz-ten leidvollen Jahre beenden können, gute Reise, mit deinen Worten: «Alles wird sich er-geben, was immer». Fridli Osterhazy
Johann Alois Landolt
(Schang Landolt)
Krippenfrigur als Krätzenträger
mit Kräutern und Gewürzen
bei der Näfelser Weihnachtskrippe
Er war der Grossvater von Bertram
27. Dezember 1871 bis 10. Juni 1912
1920 stiftete die Witwe
Barbara Landolt-Landolt
die Krippe im Betrag
von 25000 Franken
Diese Figur stand beim Abschiedsgottesdient
neben dem Bild
von Bertram
"Love ist here to stay"
(G. + I. Gershwin)
It's vers clear
Our love ist here to stay
Not for a year, but forever and a day
Zitat auf der Danksagung
unterzeichnet von
Lydia (Ehegattin),
Wand und Tina (Töchter)
Bertram mit seinem Banjo, seinem Markenzeichen
Ausschnitt aus einer früheren Gruppenaufnahme
der "Zigerhorns"
Viele Menschen halten so ihren Bertram in Erinnerung!
Eine seiner vielen Ausdrucksformen war strahlende Begeisterung,
ein Lebensgefühl, für das es keine Worte und keine Beschreibung gibt!
Freude pur,
für sich und für alle Beteiligten!
Die Fähigkeit, herzlich zu lachen,
hat Bertram zeitlebens nie verloren.
Sie lebt als "Visitenkarte" in unser aller Erinnerung weiter!
(Bild: abgedruckt auf der Danksagung,
die an Freunde und Mittrauernde
versandt wurde.)
Weitere Fundstücke im eigenen Archiv
siehe auch "Bild der Woche" Montag, 15. Januar 2018
«Unser Franz» - Antistar mit Kopf und Herz
oder
Sechzig Jahre im Dienste des Fussballs (1)
Man sagt, Fussball sei die schönste Nebensache der Welt, Im Kanton Glarus wird seit 1912 – seit 92 Jahren (2) – offiziell Fussball gepielt. Damals wurde der Fussballklub Linth-Glarus gegründet. Eine ad-hoc in Näfels zusammengestellte Elf spielte gegen den FC Linth-Glarus auf dem ersten hergerichteten Spielplatz im Tschachen östlich der Eisenbahnlinie zwischen Näfels und Netstal und verlor 0:13!
Im Dezember 1913 vereinigten sich die beiden Mannschaften zum FC Linth/Näfels. Da aber 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, hatte sich bis 1918 das Thema Fussball hinter die Sorgen und Nöte der Zeit zu stellen. Doch drei Jahre später - am 23. Februar 1921- wurde im «Rössli» am Fusse des Fahrtsplatzes der Fussballklub Näfels gegründet. Seine wech-selvolle Geschichte begann. Die Geschicke dieses Clubs sind nachzulesen in der Chronik zum 50-Jahr-Jubiläum und im 105-seitigen Buch «75 Jahre Fussball Club Näfels» (1996).
Dass eine herausragende Persönlichkeit 60 Jahre im Dienste eines Dorf-Fussballklubs ge-standen hat, ist wohl ein triftiger Grund, dies über die Dorfgrenzen hinaus zu beachten. Ein Pionier aus der zweiten Reihe, ein sportliches Vorbild und ein Paradefall eines Fussballers vor und hinter dem Netz ist Franz Hauser. Geboren am 24. September 1926 im Rautidorf im «süssen Winkel» im alten Letzhaus oder Haus «Zur Dreifaltigkeit», dort, wo 1675 die ersten beiden Kapuziner logiert hatten, ehe sie ins neue Kapuzinerkloster einziehen konn-ten. Heute steht da ein moderner Doppelkindergarten.(3)
Als Fünfjähriger verlor Franz seinen gleichnamigen Vater Landwirt Franz Hauser (1857-1931), «Mäinradäfranzi» genannt, weil er ein Sohn des Zimmermanns Josef Heinrich Hauser (1826-1879) war. Dieser Grossvater hatte mit seiner ersten Frau Maria Magdalena in nur fünfjähriger Ehe zwei Kinder; einen Sohn, der nach Amerika auswanderte und ein Töchterlein, das nur 46 Tage alt wurde. Zwei Jahre danach verlor er auch seine erst 33-jährige Frau. Der zweiten Ehe mit Maria Barbara entsprossen elf Kinder, von denen aber sieben im Kindesalter verstarben. Zwei Mädchen und zwei Knaben, darunter der Vater unseres Fussballers Franz, überlebten und gingen Ehen ein. «Unser Franz» blieb nach dem frühen Tod seines Vaters Einzelkind und war seiner Mutter Anna Magdalena, geb. Jakober, Zigarrenarbeiterin (1888-1973), zeitlebens ein rücksichtsvoller Sohn. Er schrieb in seinen Lebensaufzeichnungen: «Ich glaube mit gewissem Stolz sagen zu dürfen, dass ich mit meiner lieben Mutter stets ein ausgezeichnetes Verhältnis bis zu ihrem Ableben mit Ge-nugtuung vermelden kann.» Dieser gute Sohn Franz war gelernter Pinselmacher und blieb seinem Beruf und seiner Firma bis zu seiner Pensionierung treu. Seine ganze Freizeit wid-mete er dem Fussball.
Seit 1944 gehört er seinem Heimklub an. «Von ersten Minuten an Mithilfe am Platzherrich-ten für Spiele..», schreibt der Jubilar, der die Platzwarte eifrig unterstützte. Fünf Jahre lang spielte er in der vierten Liga. Ab 1949 gehörte er zur ersten Garnitur des FC Näfels, der da-mals in die zweite Liga aufstieg. Von 1953 bis 1962 war Franz offizieller Schiedsrichter beim Ostschweizerischen Fussballverband. Nach dem Ableben der damaligen Platzwarte wurde «unser Franz» praktisch «Mädchen für alles» und schuftete bis in die Gegenwart in den verschiedensten Funktionen: als aktiver Fussballer, als Platzwart, als Platzkassier, als Juniorenbetreuer, als Teeschlepper und -ausschenker u.a.m. Diese Funktionen führte er immer vorbildlich und unentgeltlich aus. Darüber hinaus gab er der Vereinskasse immer wieder mal einen Zustupf aus dem eigenen Sack. Strahlend erinnert er sich an all die vielen Jahre und begeistert die Zuhörer mit heiteren und ernsten Geschichten aus seinen Zeiten beim FC Näfels. Hoch verdient wurde er 1962 Ehrenmitglied.
Zu seinen Highlights gehören seine Teilnahme an der Fussball WM 1994 in Detroit (USA), wo er auch die Fordwerke besichtigte und noch einen Abstecher zu den Niagarafällen machte, und seine Teilnahme am Länderspiel Schweiz-Schottland im Berner Wankdorf-Stadion, an der Seite des Sport-Toto-Präsidenten und Regierungsrates Emil Fischli. Da-mals erhielt er ehrenhalber die wertvolle Sport-Toto-Uhr. Franz Hauser schreibt ferner: «Weitere schöne Erlebnisse mit der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft in Gastspielen in vielen Ländern liessen mein angefressenes Fussballerherz höherschlagen.
Als Knirps habe ich «unsern Franz» oft vor dem Spiel, beim Aufhängen der Goalnetze, beim Aufstellen der Corner-Flaggen und beim Nachziehen der Spielfeldlinien mit Sägemehl und vor allem beim Aufräumen und Versorgen beobachtet. Er schleppte Teekessel herbei, Zitronenschnitze und «tränkte» die durstigen Akteure in der Spielpause beim FC-Hüttchen.
Grossgewachsen von Gestalt, war er öfters auch Begleiter und Beschützer von Schieds-richtern, wenn diese von aufgebrachten Zuschauern auf dem Weg vom Fussballfeld bis in die Umkleideräume des «Bahnhöflis» oder des «Schützenhofes» mit Schirmen und Schmährufen belästigt wurden. Vor Jahren schrieb ich einen Aufsatz «Die Helden meiner Jugend. Erinnerungen eines Zehnjährigen» u.a.: «Franz Hauser, der meistens auf der lin-ken Seite im Half oder als Flügelstümer fightete, ist mir in unvergesslicher Erinnerung als Kopfballkünstler. In einem Match übernahm er ein Zuspiel mit dem Kopf und köpfelte zur Begeisterung der Zuschauer und zur Verblüffung der Gegner den Ball immer wieder einige Meter voraus und trug so den Ball bis auf die Höhe des gegnerischen Strafraumes, wo er mit einer eleganten Direktabnahme seines eigenen Kopfballs in die Mitte flankte und den Stürmern das «Abdrücken» überliess…»
Dieser «unser Franz», der wegen seiner gelassenen, kameradschaftlichen und heiteren Art sehr beliebt ist und sein Herz dem Fussball verschrieben hat, erreicht 2004 sechzig Jahre seines Dienens und Förderns des einheimischen Fussballs. Mit Kopf und Herz dabei ist er gewissermassen zum Antistar geworden, der auch heute noch für die Sache des runden Leders weibelt, wirbelt und mitreisst. Freilich kann er auch - fussballerische Ehrensache! - aufbrausen und wettern, wenn er in seinem Gerechtigkeitsempfinden verletzt wird. Er hält nicht hinter dem Berg und tritt für den Fussball und für seinen Heimklub herzhaft ein.
Franz Hauser, «unser Franz», ist in der «schönsten Nebensache der Welt» ein Pionier, ja, unser «Kaiser Franz» geworden, der seinen Brief so eröffnet: «Geschätzer Sportsfreund!» - Fast missionarisch, aber typisch für ihn, ist die Schlussbemerkung in seinen Unterlagen, die er mir zur Verfügung stellt: «N. B.: Danke dir ganz herzlich, dass du, mit meinen Angaben vereint, mit deinem Kommentar für uns alle etwas in Bewegung bringst! Mit sportlichen Grüssen, Franz.»
Na ja, auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, haben Anstoss! Hopp Schwiiz!
Bis bald, Ihr Pankraz F..
Erschienene Pressetexte:
«Blick», 5. Juli 1991: «Näfelser Franz: 50 Jahre beim gleichen Klub»
«LPZ», 24. August 1996: «Franz Hauser, ein besonderes Mitglied» (von rr.)
«Südostschweiz», 2. Juli 1998: «Goldene Verdienstnadel»
«Fridolin», 19. Februar 2004: «Unser Franz – Antistar mit Kopf und Herz…» (Von Pankraz)
«Fridolin», 12. Oktober 2006: «Euphorie der Fussball-WM nutzen»
«Südostschweiz», 23. September 2006: «Ein Leben für den Fussball» (Von Irène Hunold Straub)
«Glarner Woche», 11. Juni 2010: «Ein Leben für den Fussball» /von Walter Hauser)
«Südostschweiz» 15. Januar 2018: «Nachruf: Abschied von Franz Hauser 1926-2018» (Von hrst)
«Südostschweiz»,19. Januar 2018: «Die treue Seele des Näfelser Fussballs schaut nun
vom Himmel aus zu» (Von Paul Hösli)
(1) Überarbeitete Kolumne, erschienen im «Fridolin» vom 19. Februar 2004, Frontpage.
(2) mittlerweile ist Fussball im Glarnerland 106-jährig. (1912-2018)
(3) Das Haus wurden auch «Haus unter der Letz» genannt, um es vom «Haus Anderletz» (General
Bachmann-Haus/Idaheim) und dem «Haus Aufderletz» (Landamman Josef Müller-Landolt) zu
unterscheiden. Im Volksmund wurde es auch «Kapuzinerhaus» genannt. Die Kapuiziner zogen 1675
in Glarnerland im Zuge der Gegenreformation. Von 1831-1984 führten sie die Klosterschule als
Knabensekundarschule und progymasiale Schule. Die Kapuziner OFCap) verliessen das Kloster
Näfels im Jahre 1986 nach 311-jährigem Wirken wegen Nachwuchsmangel. Das Kloster wurde für
einen symbolischen Verkaufspreis von einem Franken an die Franziskaner Schweiz (OFM) abge-
treten.
Franz Hauser, links, 1991, Franz Hauser und Walter Ricklin, Ehrung mit der goldenen Ehrennadel des Ostschweizerischen Fussballverbandes, 1998.
(Fotos: Blick, Südostschweiz Glarus)
An Stelle des "Alten Letzhauses"
erbaute die Schulgemeinde Näfels einen modernen Doppel-Kinder-garten.
Das "Alte Letzhaus" befand sich
nördlich des Hauses "Aufderletz"
von Landammann Josef Müller-Landolt. Im Hintergrund die Plattenwand mit dem Platten-kreuz.
Auf dem obigen Bild befindet sich
im Hintergrund links das "Burger-haus" (Foto: Gemeinde Glarus-Nord)
Donnerstag, 18. Januar 2018
Kultur beginnt im eigenen Herzen
oder
Kultur hält uns zusammen (1)
Über den Begriff „Kultur“ lässt sich trefflich streiten. Ungezählte, gescheite Leute rund um den Globus haben „Kultur“ definiert. In guten Lexika breiten sich seitenweise Abhandlungen aus von „Ackerbau“ bis „Zivilisation“. Es gibt eine Kultur der Arbeit, der Freizeit, der schönen Künste, der sittlichen Ordnungen und der Weltanschauung.
Erst bei engerem Fokus bringen wir etwa zusammen, was „Glarnerische Kultur“ sein könnte. Wir unterscheiden uns durch unsere Mundart, pflegen eigenes Brauchtum, haben eine eigene Geschichte, eigene politische Kultur mit der Landsgemeinde, eigene Produkte von der „Anggäzältä“ bis zur „Zigerbruut“. Weiter: „Biräbroot“, „Öpfelbeggäli“, „Glaarner Paschteetä“, „Glaarner Chalberwüürscht“. Das Glarner Wappen selber mit Sankt Fridolin ist der unverwechselbare Code unserer historischen Herkunft.
Je länger man fragt, was denn Kultur sei, desto schwieriger wird es, „Kultur“ unter einen Nenner zu bringen. Ein Sarkast meinte, der Unterschied zwischen seiner Heimatstadt und Joghurt sei nur, dass Joghurt eine aktive, lebendige Kultur habe.
Der Kanton Glarus hat ein „Gesetz über die Förderung des kulturellen Lebens“. Beschlossen am 7. Mai 1972 im „Ring“. Seltsam, ein Jahr nach der Einführung des Frauenstimmrechts im Kanton Glarus! Wie recht da Giosué Carducci, der italienische Lyriker (1835-1907) haben könnte, wenn er sagt: „Die Zivilisation eines Landes erkennt man an den Männern, die Kultur an den Frauen.“ Dennoch ist in der „Kulturkommission“ nur eine einzige Frau. Diese Instanz präsidiert der jeweilige Bildungsdirektor. Mitglieder: der Leiter der Musikschule Glarus, ein Prorektor der Kantonsschule, ein ETH-Professor, ein Arzt, ein Fabrikant und eben eine Kulturschaffende Dame. Aktuar ist der Beauftragte für Kulturförderung. Kulturförderung heisst im Klartext Geld verteilen. Dieses kommt aus Krediten des Landrates, Erträgen der Interkantonalen Landes-Lotterie und einer Stiftung, sowie aus freiwilligen Beiträgen, Schenkungen und Vermächtnissen. (Art. 2)
Neun Verteilungsmöglichkeiten sind gesetzlich mit Art. 4 eingeräumt: 1. Der Glarner Kulturpreis „zur Auszeichnung von Personen oder Institutionen, die sich um das kulturelle Leben des Kantons verdient gemacht haben“, 2. Förderpreise, 3. Anschaffung und Erhaltung von wertvollem Kulturgut, ferner Beiträge an 4. wissenschaftliche Arbeiten, 5. glarnerisches Kunstschaffen, 6. künsterlischen Schmuck öffentlicher Gebäude, 7. kulturelle Institutionen, 8. bedeutende kulturelle Veranstaltungen und 9. Bestrebungen zur Pflege von Mundart und Brauchtum.
Der Regierungsrat entscheidet auf Antrag der Kulturkommission. Was alles unter „Kultur“ zu verstehen ist, ist allerdings nicht definiert und dem Ermessen und der Kompetenz der Kommissionsmitglieder zugetraut.
Kürzlich fand eine Kulturpreisverleihung in einer Glarner Gemeinde statt. Der Gemeinderat bestimmt in eigener Kompetenz, wem er diese Auszeichnung zusprechen will. Allerdings ist diese Vergabe nur ideell und mit keinerlei Geldbeiträgen verbunden. Eine Urkunde, eine kleine Skulptur (Bergkristall) und eine künstlerisch gestaltete Anstecknadel werden in feierlichem Rahmen übergeben.
Dabei meinte der Geehrte: „...Kultur in einem Dorf ist alles, was die Menschen freut und das Zusammenleben schöner macht. Voraussetzung dazu sind der Respekt vor dem Mitmenschen, vor der Kreatur, der Natur und allem, was unser Dorf überhaupt ausmacht. Noch besser, wenn zum Respekt auch die Liebe zu den Mitlandleuten, den Sachen und dem, was wir in unserem Dorfe sind, dazukommt.
Natürlich gilt das überall auf der Welt. Aber wir sind und leben hier an diesem Ort und im schönen Glarnerland. Es ist viel einfacher für die armen Kinder in Afrika zu jammern, zu sammeln und wohltätig zu sein, als den Nachbarn, den politischen Gegner, den geschäftlichen Konkurrenten oder einfach den, der mehr als man selber hat, zu akzeptieren und gern zu haben. Neid und Missgunst sind „Einwohner“, die nicht von sich aus aus dem Dorf wegziehen und sich schneller niederlassen als man meint.
Gewöhnlich versteht man unter „Kultur“ die schönen Künste: Musik, Malerei, Poesie, Architektur etc... Im Dorf gibt es viele „Kulturen“: Der Umgang in der eigenen Familie, wie man lebt, sich kleidet, isst, spricht... Das organisierte Gemeindeleben, das ursprünglich zentral von den Kirchen ausging wie Lesen und Schreiben, Schulen, Armenwesen, Krankenpflege, Vereine, Brauchtum. Sukzessive hat sich der Staat emanzipiert und eine um die andere Aufgabe übernommen: die Schulen, das Krankenwesen, das Brauchtum.
Die kleine Welt des Dorfes ist schon lange globalisiert worden, ehe man von Globalisierung im heutigen Sinn als weltweites Wirtschaften sprach. Die Menschen sind mobiler geworden, die Verkehrsverbindungen schneller, der Aktionsradius grösser. Printmedien und vor allem elektronische Medien haben das Dorf verschwinden lassen.
Deshalb ist die Kultur eines Dorfes schützenswert geworden. Um zu verhindern, dass wir eine tote Schlafgemeinde werden oder eine Menschenansammlung, in der sich keiner mehr etwas angeht und jeder nur für sich selber schaut, aber auf seinem Egotrip dennoch nicht zufrieden wird.
Mit dem Kulturpreis gibt der Gemeinderat Gegensteuer, weist darauf hin, was in einem Dorf wertvoll sein könnte, Freude machen kann und uns vielleicht von anderen unterscheidet. Ich beglückwünsche den Gemeinderat, der über seinen Finanzhaushalt, das Strassenwesen, die Wasser-, Strom- und Gasversorgung hinaus aufzeigt, was noch gepflegt werden müsste.
Meine Sehnsucht ist gross, dass wir erkennen könnten, dass alles was wir denken, die Gesamtheit des Dorfes beeinflusst. Was wir tun und denken ist letztlich für alle von Gutem oder von Schlechtem. Würde dieses Bewusstsein unsere Dorfgemeinschaft erfassen, verspürten wir mehr gemeinsame Verantwortung. Was einer schlecht macht, ist für alle schlecht, was einer gut macht, für alle gut. Wir haben das Bewusstsein für das Kollektiv allmählich vergessen. Kultur, in was für einer Form auch immer, bringt etwas davon zurück. Deshalb ist die Stossrichtung des Gemeinderates richtig, weil er Einzelpersonen für das ehrt, was nach seiner Meinung für die Gemeinschaft förderlich ist. Deshalb ist es auch richtig, dass es bei der Ehre bleibt und nicht mit Geld verbunden ist. Ehre ist Ausdruck der Achtung und Anerkennung. Man bringt sie jemandem entgegen, dem man persönlichen und sittlichen Wert beimisst. Der Kulturpreis ist Ausdruck einer Wertung. Er ist aber nur soviel wert, als er die Akzeptanz der Einwohnermehrheit hat. Wenn dem so ist, freuen sich die Leute, freut sich nicht nur der, der ihn bekommt.
Und wenn es – wie eben gesagt – zutrifft, dass das, was einer macht, für alle eine Auswirkung hat, so löst der Gemeinderat mit dem Kulturpreis eine Wirkung für alle aus.
Kultur in einem Dorf ist wie frische Luft, klares Wasser und Sonnenschein. Kultur macht gesünder...“
So gesehen haben beide recht: Johann Nepomuk Nestroy (1801-1862) „Kultur beginnt im Herzen jedes einzelnen.“ und der französische Moralist Joseph Joubert (1754-1824): „Kultur ist das unsichtbare Band, das die Dinge zusammenhält.“
Bis bald! Ihr Pankraz F..
(1) Die obige Kolumne ist im "Fridolin", Schwanden, im Jahr 2004 erschienen im Zusammenhang mit der Verleihung des Näfelser Kulturpreises noch durch den Gemeinderat der Gemeinde Näfels. Die politischen Verhältnisse haben sich durch die von der Landsgemeinde beschlossene Gemeindefusion verändert. Das Anliegen nach Kultur ist aber gleich geblie-ben. Die Gemeinde Glarus Nord hat eine eigene Kulturkommission gegründet und jährlich einen Kulturpreis sowie einen Kulturförderungspreis eingeführt, die demnächst wieder überreicht werden.
Dreikönigen 2018
Eine Dreikönigsgalerie aus aller Welt
Bildnachweis, soweit möglich:;
Wouter Crabeth II um 1600 / Magi Capella degli Scorvegni Padua 1305/ Gobelin Alleri 1583 / Tempera 1475/ 4. Jahrhundert/ Betet Info (2 Bilder)/ Briefmarke/ Altabasel/ Badische Zeitung/ Schrein in Köln/ Historisches Museum Uri/ Wirthausschild Andermatt/ El Greco 1568/ Evang. Bildungsserver/ Kapitelsaal Saint Lazare d'Autun/ Karl Schmidt-Rottluff 1917/ Kefermarkt Oberösterreich/ Paroisse Leblanc-Toulon/ Peter Paul Rubens 1534/ Postkarte/ Ravenna Mosaik/ Shop Weltstadt Museum/ Stiftsbibliothek Engelberg...u.a.m.
1. Januar 2018
O, kommet , ihr Hirten vom Estrich
oder
Als wir Weiihnachtskrippen bauten (1)
Haben Sie in Ihrer Stube noch eine Weihnachtskrippe? So fragte ich im Bekanntenkreis kürzlich herum. Und siehe da – die meisten sprudelten los und redeten sich in ein ganzes Feuer der Begeisterung und der Erinnerungen.
Der erste Angefragte reagierte wie eine abgefeuerte Erstaugustrakete. Herbert Leiser, der kulturpreisgekrönte Mime und Wahlfilzbacher, rief aus, als ich ihn danach fragte, ob er sich der Krippenkurse in unserer Jugend noch erinnere: „Hou ja, natüürli! Bim Koni Fischli…im Josefshäim z Näfels! Di allergrüüsigscht Chrippä uff dr ganzä Wält han-iich gmachet!!!“ Und er fuhr fort, er wisse nicht genau warum, nur dass er sich hinterher fürchterlich aufgeregt habe. Es sei überzeugt gewesen, die hässlichste, einfallsloseste und scheusslichste Weih-nachtskrippe gebastelt zu haben. Sein Vater hingegen habe eine Generation zuvor eine wunderschöne Krippe gebaut und mit technischen Details und grosser Lieblichkeit aus-gestattet. Sie sei in der grossen Familie zu Weihnachten ein erlebnisreiches Zentrum des Staunens und der Freude gewesen.
Gegenteilig antwortete mein Schulkamerad Toni G., der seit Jahrzehnten seine selbstge-bastelte Krippe an Weihnachten vom Estrich holt und in der Stube aufstellt. Auf der Rück-seite der Krippe habe er sogar noch vermerkt: „Krippenkurs 1954 in Näfels Koni Fischli Kursleiter, Teilnehmer 30 Knaben“.
Hintergrund: Im Advent wurde von der „Jünglingssodalität“, der ein Kapuziner vorstand, ein Krippenkurs ausgeschrieben. Als Krippenbau-Kursleiter wirkte Koni Fischli, Maler, Kunst-maler, später erster Kulturpreisträger der Gemeinde Näfels. Er schlug sich mit 30 halb-wüchsigen Knaben herum und ermunterte sie zu kreativen, handwerklichem Gestalten.
Lassen Sie mich an den erwähnten Krippenkurs erinnern.
Meine Krippe, ich bin der Sohn eines Zimmermanns, entsprach einem „aufgetrölten Gaden“ im Oberseetal. Geblieben ist mir das Kompliment von Koni Fischli „Ähä, ä Zimmermaas-Suh!... ä-n-uuftrööltä Gadä!". Er fand an meiner kleinen Krippe, die ganz genau in die Nische unseres Stubenbüffets passen musste, ein Wohlgefallen, weil sie wirklich einer Balkenkonstruktion entsprach, die einem Heugaden im Sulzboden abgeschaut war. Dach und Seitenwände, Rück- und Vorderwand waren aus echten verwitterten Originalschindeln. Auf dem Tryl lag richtiges Heu, auf dem Gadenboden echtes Stroh. Der kleine Gaden war in der Ansicht geöffnet und mit einem hölzernen Staketenzaun zu Hälfte geschlossen.
Der Kurs fand im Kellergeschoss des Freulerpalastes (wo heute eine Sennhütte dargestellt ist) statt. Genügend Arbeitsplätze waren bereit, da mehrere Tische in den Raum gestellt worden waren. Wie es Koni F. schaffte, uns das Gefühl zu geben, jede einzelne Krippe sei etwas Besonderes, ist mir nach wie vor ein Rätsel. Ich erinnere mich, nach einem Klapps auf die Schulter, mit Feuereifer daran gegangen zu sein, meine zu Hause mit dem grossen Hegel des Vaters geschnitzten Trämmel aufzutrölen, mit einem Balkengerüst zu verbinden. Bald war der Dachstuhl fertiggestellt, die Trämmel aufgetrölt.
Es folgte das Schindeln der Rückwand, der Seitenwände und die Gestaltung der Front. Der Gaden war offen gestaltet, nur die obere Front wurde zugeschindelt und ein Gadentor senk-recht unter dem Giebel ausgespart. In der Mitte des Gadens war ein tragender Pfosten, der als Y den Querbalken trug. Die linke Gadenöffnung friedete ich mit einem geschnitzten Staketenzaun bis zum Mittelpfosten ein. (In der verbleibenden Öffnung sollte die Heilige Familie mit dem Jesuskind in der Krippe Platz finden. Daneben noch Ochs und Rind, die mit ihrem Atem dem Kindlein warm geben sollten. Vor dem Gaden näherten sich Hirten, Engel und die Drei Könige mit ihren Kamelen.)
Als das Heugädeli Form angenommen hatte, kreuzte Koni Fischli noch mit dunkler Beize auf und hiess mich die Aussenfassade, den Zaun, Mittelpfosten und das Dach streichen. So entstand eine realistische Patina, die nach Verwitterung und echten Ställen im Ober-seetal aussah.
Als Unterlage wurde ein Boden von etwa 60 cm x 50 cm gebastelt. Dazu wurden auf zwei Leisten Brettchen auf die gewünschten Fläche aufgenagelt. Darauf kreuz und quer weitere Leisten befestigt, die späteren Bodenunebenheiten. Koni F. hatte kurz zuvor hatte einen Leimsieder aufgestellt, der bestialisch stank und brodelte. Wir sperrten Maul und Augen auf, als er ein Tuch hineintunkte, mit einem Schwung über das vorbereitete Brett stülpte und über die Leistenlandschaft so stüpfelte, dass sich das Tuch zu einer unebenen Land-schaft anpasste. Dann warf er feinen Sand auf das leimtrieffende Tuch, der sofort festklebte und erstarrte. Schliesslich sah der Unterbau aus wie eine Wüstenlandschaft. Flugs drückte er noch feine, trockene Moosresten da und dort fest, warf noch ein grünes Pulver drüber. Das Ergebnis war schöner als die schönste lebensnahe Theaterlandschaft. Nun musste nur noch der Gaden festgenagelt werden… die Krippe war fertig. Den Kick gab noch ein dürres Apfelbaum-Ästchen, dass festgenagelt aussah wie ein richtiger Baum. Nachträglich baute ich eine auf dem Heuboden versteckte Batterie und ein Taschenlampenbirnchen als stim-mungsvolle Innenbeleuchtung ein.
Der Triumph obendrauf war die öffentliche „Krippenausstellung“ im Saal der „Walhalla“, am letzten Adventssonntag. Koni Fischli hatte in uneigennütziger Arbeit und mit grosser Freude ein wahres Wunderland gestaltet, in dem sich jede Krippe vorteilhaft präsentierte und hohes Lob der Besucher bekam. Abends durften wir die Krippe stolz nach Hause tragen. Am Heili-gen Abend wurde sie, mit Krippenfiguren versehen, zum unvergesslichen Erlebnis für die ganze Familie.
Die kleinste, kolorierte Weihnachtskrippe aus Ton in weitem Umkreis hat mein Schulkollege
Bertram H. in einem Dörflein in Süditalien gekauft. Muttergottes und Kind sind 12 mm, Josef samt Stab 13 mm, Esel und Ochs je 10 mm, die ganze Gruppe ist kleiner als eine Zündholzschachtel.
Die „grösste Weihnachtskrippe der Welt“ mit „450 handgeschnitzten, orientalisch geklei-deten Figuren in der naturgetreu nachgebildeten Gegend von Bethlehem“ ist das Diorama in Einsiedeln. Kleinste Krippen der Erde wollen viele sein, eine in einer halben Nussschale und eine sogar in einem Kirschkern in Thüringen.
Nicht in Worte zu fassen ist der Zauber, der von Weihnachtskrippen ausgeht.
Bis bald! Ihr Pankraz F.
(1) überarbeitete Fassung meine Kolumne im "Fridolin" Schwanden, 2012.