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Es war einmal ein Hühnerfarmer, der durch den Verkauf seiner Hühner und Eier ein gesichertes Auskommen hatte. Eines Morgens, als er gerade seine Herde füttern wollte, entdeckte er fünf tote Hühner. Bestürzt, wie er war, wusste er zunächst keinen Rat. Er beschloss aber, die Hühner intensiver zu beobachten. Nun stand er auch nachts auf, schlich zum Stall und weckte – obwohl er sich sehr vorsichtig bewegte – jedes Mal die Hühner aus ihrem Schlaf. Dadurch wurden diese immer nervöser, aber das nahm der Hühnerfarmer in Kauf. Hauptsache, alle blieben am Leben und lieferten ihre Eier pünktlich ab.
Eine Zeitlang ging das gut, aber dann, eines Morgens, fand der Farmer plötzlich zehn tote Hühner. Nun war er mit seinem Latein am Ende und fand, dass er ohne fremde Hilfe nicht mehr auskommen könne. Er hatte davon gehört, dass hoch in den Bergen ein Weiser lebe, der auf alle Fragen eine Antwort wisse. Der Hühnerfarmer nahm den beschwerlichen Weg auf sich, fand den Weisen vor seiner Höhle sitzend und klagte ihm sein Leid: «Erst waren fünf Hühner tot, jetzt sind es schon zehn. Ich weiss nicht mehr ein noch aus. Was soll ich bloss tun?» – «Wie fütterst du die Hühner?», fragte der Weise. «Mit Weizen», antwortete der Farmer. «Das ist das Problem», sagte der Weise, «ich habe die Methoden der besten Hühnerfarmer weltweit untersucht. Danach gibt es nur ein wirksames Futter: Mais. Gehe hin und verfüttere Mais.» Der Farmer zahlte ihm eine nicht unbeträchtliche Summe, lief nach Hause und stellte das Hühnerfutter auf Mais um. Er intensivierte auch die Beobachtung der Hühner. Wie war das Fressverhalten der Tiere? Nahmen sie den Mais begeisterter an als den Weizen? Zudem stand er mehrmals in der Nacht auf, schlich zum Stall, kontrollierte die Zahl der Hühner, weckte sie dabei jedes Mal auf. Die Hühner verhielten sich dadurch zwar immer unnatürlicher, aber einen Monat lang lief alles bestens.
Eines Morgens jedoch lagen wieder Hühner tot auf der Erde: diesmal sogar zwanzig. Nachdem der Farmer sich von dem Schreck erholt hatte, machte er sich abermals auf den Weg zu dem Weisen. «Oh Weiser!», rief er ihm schon von weitem entgegen, «jetzt sind plötzlich zwanzig Tiere tot. Es muss doch eine Lösung für mein Problem geben!» – «Weltweit haben viele Hühnerfarmer dasselbe Problem», antwortete der Weise ungerührt, «lass mich eine Frage stellen: Wie gibst du ihnen Wasser?» «In Holztrögen», antwortete der Farmer. «Das ist das Problem», sagte der Weise, «wenn man die Praktiken der erfolgreichsten Hühnerfarmer vergleicht, dann ist klar: Du musst Metallleitungen bauen! Metallleitungen machen den Unterschied.» Der Farmer bezahlte seinen Obolus, lief nach Hause, machte sich an die Arbeit, baute Leitungen aus Metall und entschied zusätzlich, direkt neben dem Hühnerstall zu schlafen. So konnte er die Hühner auch nachts stets beobachten. Zwar litt der Hühnerfarmer nun selbst unter Schlafentzug und auch die Hühner wurden immer neurotischer, aber zwei Monate lang gab es keine Vorfälle. Dann waren eines Morgens dreissig Hühner tot. Der Farmer war fassungslos. Er kratzte sein letztes Geld zusammen und machte sich wieder auf, um den Rat des Weisen einzuholen. «Wo schlafen die Hühner?», fragte der Weise, kühl bis in die Haarspitzen. «In einem Holzschuppen.» – «Und wo schläfst du?» – «Neben dem Holzschuppen.» – «Das ist das Problem», sagte der Weise, «die Tiere brauchen deine Nähe und deshalb musst du mitten unter ihnen im Stall schlafen. So jedenfalls haben es viele wissenschaftliche Vergleichsstudien bewiesen.» – «Wenn das die Lösung ist, kein Problem», sagte der Farmer, zahlte das Geld und machte sich auf den Heimweg.
Nun war Ruhe. Sechs Monate lang. Eines Morgens lagen sämtliche Hühner tot auf dem Boden. In wilder Verzweiflung rannte…