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Die Diözese L.-Genf-Freiburg (diocesis Lausannensis, Genevensis et Friburgensis), die von ihren Anfängen bis 1821 Diözese L. und 1821-1925 Diözese L. und Genf hiess, gehörte spätestens vom 7. Jh. bis 1801 zur Kirchenprovinz Besançon (Erzdiözese). Dann wurde sie unmittelbar dem Hl. Stuhl unterstellt, wie die anderen Bistümer der Schweiz, die von keiner ausländ. Provinz mehr abhängig waren. Hauptpatronin der Diözese ist Maria unter dem Titel ihrer Geburt (8. September), die Nebenpatrone sind seit 1924 bzw. 1925 Nikolaus, Bf. von Myra (6. Dezember), und Franz von Sales (24. Januar). Der Bischof residierte vom Ende des 6. Jh. bis 1536 in L., ab 1663 - nach einer Periode des Exils in Savoyen, im Burgund und in der Freigrafschaft - in Freiburg. Die Bischofskirche befand sich vom Ende des 6. Jh. bis 1536 in L., seit 1924 bzw. 1925 ist ihr Standort in Freiburg.
Die Kirche hat ihre Strukturen der Organisation des Röm. Reiches und der Institution der Civitates (Civitas) nachgebildet. Die Regel, wonach aus den Hauptorten dieser Civitates Bistümer (Diözesen) entstanden sind, kennt allerdings Ausnahmen: So wurde das Territorium von Nyon der Diözese Genf zugeschlagen, und nur zwei Erwähnungen (535 und 585) bringen Avenches in Verbindung mit dem Namen eines Bischofs. Das zu Beginn des 6. Jh. als letzte Diözese der Westschweiz entstandene Bistum L. umfasste Territorien der ehem. civitas Helvetiorum. Es wurde innerhalb jener Gebiete gegründet, die sich bis anhin im Einflussbereich der Bischöfe von Genf und Sitten befunden hatten (bezeugt ab Ende des 4. Jh.). Der Amtsinhaber, der im ersten Jahrhundert nach der Gründung keinen festen Wohnsitz innerhalb seines Territoriums hatte, errichtete spätestens zwischen dem Ende des 6. und dem Beginn des 7. Jh. aus militär., handelstechn. und geogr. Gründen einen festen Bischofssitz in L. Wahrscheinlich erreichte die Diözese vor dem 12. Jh. ihre definitiven Grenzen, die bis zum Beginn des 19. Jh. unverändert blieben. Die geistl. Macht des Bischofs von L. erstreckte sich auf ein Territorium von beachtl. Grösse (8'200 km2), das auf beiden Seiten der Sprachgrenze lag und die späteren Kt. Freiburg und Neuenburg, einen erhebl. Teil der Kt. Waadt und Bern, den Stadtbezirk Solothurn und drei Ortschaften der Freigrafschaft Burgund umfasste. Das Fürstbistum L. hingegen, in dem er die weltl. Macht ausübte, war viel kleiner.
Autorin/Autor: Gilbert Coutaz / AHB
Die älteste Liste der Bischöfe von L. datiert aus dem 10. Jh. Erst gegen Ende des 15. Jh. findet sich eine weitere Liste, die quellenmässig ausdrücklich an die Chronik des Conos von Stäffis anknüpft. Sie ist im Cartulaire du chapitre de Notre-Dame de L. (Lausanner Chartular) eingefügt. Ab 1299 werden an der Seite des Bischofs Weihbischöfe erwähnt, deren Liste jedoch nicht lückenlos ist. Nach 1559 wurde dieses Amt abgeschafft. Unter den bischöfl. Beamten tritt der Kanzler hervor. Er war ab Mitte des 9. Jh. mit dem Abfassen der Schriftstücke betraut. Nach dem Verschwinden dieses Amtes 1059 wurde es Mitte des 12. Jh. zum zweiten Mal errichtet. Generalvikare, deren Funktion immer noch existiert, traten kurz vor der Mitte des 14. Jh. auf. Im MA wurde der Generalvikar vom Bischof gewählt und hatte die Aufgabe, diesen während seiner Abwesenheit in seinen geistl. und weltl. Funktionen zu vertreten. Ein Offizial wird erstmals 1245 erwähnt. Dieses Amt wurde immer wichtiger und ersetzte nach 1276 dasjenige des Kanzlers. Von der 2. Hälfte des 15. Jh. an vereinigte oftmals eine Person die beiden Ämter auf sich.
Die älteste Erwähnung des Domkapitels findet sich in einer Anordnung Ludwigs des Frommen von 814 (congrégation des frères de Notre-Dame de Lausanne); der Begriff Domherr ist 885 erstmals bezeugt. Um 1200 beschränkte ein Kapitelreglement die Zahl der Domherren auf dreissig, was anscheinend bis zur Reformation mehr oder weniger eingehalten wurde. Das Kapitel erfüllte zwei Hauptaufgaben: Es wählte die Bischöfe, wobei es diese Aufgabe nicht lange frei von Zwängen ausüben konnte, und verwaltete die Diözese bei einer Sedisvakanz. Das Domkapitel besass seine eigenen Güter (Kapitelgut), darunter als wichtigste die Kastlaneien Dommartin, Essertines-sur-Yverdon und Saint-Prex, dazu Crans-près-Céligny in der Diözese Genf. Es lag mit dem Bischof oft im Streit und verbündete sich mit der Lausanner Bevölkerung oder dem Haus Savoyen gegen ihn. Kurz nach 1536 wurde es aufgehoben.
Das erste bekannte Verzeichnis der Pfarreien datiert von 1228. Es nennt 306 Pfarreien in neun Dekanaten. 1493 bestanden noch 292 Pfarreien. Die Diözese L. wies eine aussergewöhnlich hohe Zahl an Klöstern und Chorherrenstiften auf. Vor 1536 gab es insgesamt 123 kirchl. Institutionen der verschiedenen ma. Orden, unter denen die Benediktiner, die Cluniazenser und die Zisterzienser einen besonderen Platz einnahmen. Es sind nur zwei Berichte von Kirchenvisitationen erhalten (1416-17 und 1453), was darauf hinweist, dass Visitationen vermutlich nur unregelmässig stattfanden.
Autorin/Autor: Gilbert Coutaz / AHB
Die Eroberung der Waadt 1536 markierte den Zusammenbruch der weltl. Rechtsprechung des Bischofs, die an die eidg. Orte Bern und Freiburg überging. Dadurch verlor der Bischof wichtige Einnahmequellen. Nach der Einführung der Reformation beschränkte sich seine geistl. Macht auf das Territorium des Kt. Freiburg, die Grafschaft Greyerz, die Stadt Solothurn mit einigen umliegenden Gem. (Bez. Lebern), Le Landeron, die gemeine Vogtei Orbe-Echallens sowie die freigrafschaftl. (dann franz.) Pfarreien Jougne und Les Hôpitaux. Von der 2. Hälfte des 16. Jh. bis zur Mitte des 17. Jh. lebte der Bischof im Exil in Savoyen, im Burgund und in der Freigrafschaft. Erst 1663 machte er Freiburg zu seiner definitiven Residenz. Seine Abwesenheit erklärt, warum die Bewahrung des kath. Glaubens und der kirchl. Disziplin in dieser Zeit den Obrigkeiten Freiburgs und Solothurns zukam und weshalb verschiedene, von den lokalen kirchl. Institutionen unterstützte Reformen ohne sein Wissen durchgeführt wurden; der Bischof musste diese Neuerungen hinnehmen. Am Konzil von Trient 1545-63 nahm keiner der Lausanner Bischöfe teil, und die Konzilsbeschlüsse wurden in der Diözese grösstenteils sehr spät umgesetzt. Um ein Eingreifen auswärtiger Mächte bei den Wahlen zu verhindern, wurde 1668 festgelegt, dass nur ein gebürtiger Freiburger die Bischofswürde erlangen konnte. Nachdem der Bischof auf die Rückforderung der ehem. Bistumsgebiete verzichtet hatte, war man bis zum Ende des Ancien Régime bestrebt, ihm bessere Einkünfte zu garantieren. Zur Zeit der Franz. Revolution spielte die Diözese eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung der neuen Ideen und der Aufnahme von Priestern und Bischöfen aus Frankreich, die dort den Eid verweigert hatten.
Autorin/Autor: Gilbert Coutaz / AHB
Die Reformation verkleinerte die Diözese beträchtlich. Es verblieben am Ende des 16. Jh. nur 95 kath. Pfarreien, 83 im eidg. Ort Freiburg, 5 im Stand Solothurn, 2 im Fürstentum Neuenburg, 2 in der Freigrafschaft Burgund und 3 im Waadtland. Die Gegenreformation führte allerdings zur Gründung neuer Pfarreien und zu einer grösseren Anzahl Dekanate: 1665 verzeichnete man 125 Pfarreien in 15 Dekanaten. Während des Ancien Régime wurden in der Diözese 13 neue religiöse Institutionen eröffnet, die mehrheitlich Kapuzinern und Jesuiten unterstanden.
In den katholisch gebliebenen Gebieten sollten ab 1536 die lokalen geistl. Institutionen den Fortbestand der Diözese sicherstellen. Das Kollegiatstift St. Nikolaus in Freiburg, dessen Rechte 1731 zu einem grossen Teil wieder an den Bischof übergingen, spielte dabei eine wichtige Rolle. Sein Dekan stand in geistl. Belangen an der Spitze des Standes Freiburg. Ein Generalvikar war mit der Kontrolle der freiburg. Ländereien und der Vogtei Orbe-Echallens im Waadtland beauftragt. Der solothurn. Teil lag ab 1559 im Kompetenzbereich eines bischöfl. Kommissars, zwischen 1730 bzw. 1746 und 1814 in jenem des Generalvikars. Das Amt des Kommissars existierte 1542(?)-79 für Greyerz und 1663-1801 für das Burgund. Bis ins 17. Jh. hinein gab es in Freiburg zwei geistl. Gerichte. Das Propsteigericht richtete über Disziplinarfälle des Klerus, das Dekanatsgericht über Eheangelegenheiten. Von Jean Doroz' Episkopat 1600-07 bis zum Ende des 18. Jh. organisierte jeder Bischof systematisch eine Visitation der Pfarreien und Klöster. Nach dem Diözesanseminar in Surpierre, das 1691-1709 versuchsweise betrieben worden war, wurde in Freiburg erst 1795 ein grosses Priesterseminar eröffnet, womit den Forderungen des Konzils von Trient entsprochen wurde.
|Amtsdaten||Bischof||Amtsdaten||Bischof|
|1375-1394||Guy de Prangins|
|Bischöfe von Windisch und Avenches (6. Jh.)||1394||Aymon Séchala|
|517||Bubulcus||1394-1406||Guillaume de Menthonay|
|535-549||Grammaticus||1406-1431||Guillaume de Challant|
|1431-1433||Louis de La Palud|
|Diözese von Lausanne (6. Jh.-1821)||1433-1440||Johannes von Prangins|
|574-594||Marius||1440-1461||Georges de Saluces|
|639/654||Arricus||1462-1466||Guillaume de Varax|
|um 652||Prothasius||1466-1468||Jean Michel|
|um 670||Chilmesigelus||1469-1472||Barthélemy Chueta|
|Ende 8. Jh.||Udalricus||1472-1476||Giuliano della Rovere (Julius II)|
|814-825||Fredarius||1476-1491||Benoît de Montferrand|
|827-850||David||1491-1517||Aymon de Montfalcon|
|852-878||Hartmannus||1517-1560||Sébastien de Montfalcon|
|878/879-892||Hieronimus||1560-1561||Claude-Louis Alardet|
|892-927||Boso||1565-1598||Antoine de Gorrevod|
|927-932||Libo||1600-1607||Jean Doroz (Dorotheus)|
|932-947||Bero||1609-1649||Johann von Wattenwyl|
|947-968||Magnerius||1652-1658||Jodok Knab|
|968-985||Eginolfus||1662-1684||Jean-Baptiste de Strambino|
|985-1018||Heinrich von Burgund||1688-1707||Pierre de Montenach|
|1018-1037||Hugo von Burgund||1707-1716||Jacques Duding|
|1039-1051/56||Heinrich von Lenzburg||1716-1745||Claude-Antoine Duding|
|1056-1089||Burkhard von Oltigen||1746-1758||Joseph Hubert de Boccard|
|1089-1090||Lambert von Grandson||1758-1782||Joseph-Nicolas de Montenach|
|um 1090-1103/07||Kuno von Fenis||1782-1795||Bernhard Emmanuel von Lenzburg|
|1105-1126/34||Giroldus de Faucigny||1796-1803||Jean-Baptiste d'Odet|
|1134-1143||Guy de Maligny||1803-1814||Maxime Guisolan|
|1145-1159||Amadeus|
|um 1160-1178/79||Landri de Durnes||Diözese Lausanne und Genf (1821-1925)|
|1178/79-1212||Roger de Vico Pisano||1815-1845||Pierre Tobie Yenni|
|1212-1220||Berchtold von Neuenburg||1846-1879||Etienne Marilley|
|1220-1221||Gérard de Rougemont||1879-1882||Christophore Cosandey|
|1221-1229||Wilhelm von Ecublens||1883-1891||Gaspard Mermillod|
|1231-1239||Bonifatius||1891-1911||Joseph Deruaz|
|1240-1273||Johann von Cossoney||1911-1915||André-Maurice Bovet|
|1273-1301||Guillaume de Champvent||1915-1920||Placide Colliard|
|1302-1309||Gérard de Vuippens|
|1309-1312||Othon de Champvent||Diözese Lausanne, Genf und Freiburg (seit 1925)|
|1313-1323||Peter von Oron||1920-1945||Marius Besson|
|1323-1341||Jean de Rossillon||1945-1970||François Charrière|
|1341-1342||Jean Bertrand||1970-1995||Pierre Mamie|
|1342-1347||Geoffroi de Vayrols||1995-1998||Amédée Grabb|
|1347-1354||François Prévôt||1999-||Bernard Genoud|
|1355-1375||Haimo von Cossonay|
Autorin/Autor: Gilbert Coutaz / AHB
Die Franz. Revolution hinterliess im Bistum L. dauerhafte Spuren. Grund dafür waren weniger die von den Bischöfen bekämpften Ideen, als die polit. Umwälzungen, die diese mit sich brachten. Die Diözese wurde nämlich 1801, zur Zeit des Konkordats, das wieder eine Kirche Frankreichs schuf, aus ihrer Abhängigkeit von der Erzdiözese Besançon entlassen, und der Bischof musste seine Pfarreien in der Freigrafschaft Burgund, die 1801 der Diözese Besançon zugeteilt wurden, aufgeben. Die Pfarreien des Kt. Solothurn kamen 1814 unter die Hoheit des Bistums Basel. Das Territorium des Kt. Genf, das die Stadt Genf und die früher zum Pays de Gex oder zu Savoyen gehörenden Communes réunies umfasste, wurde vom Bistum Chambéry und Genf abgetrennt und 1819 der Diözese L. angegliedert, die ab 1821 Diözese L. und Genf hiess. Die Waadtländer Ortschaften am rechten Ufer der Aubonne, die bis 1536 zur Diözese Genf gehört hatten und dann zur Reformation übergegangen waren, wurden ab 1821 in die neue Diözese eingegliedert. Mehrere Regionen des bern. Kantonsgebiets wurden etappenweise dem Bistum Basel zugeteilt: 1814 das Vallon de Saint-Imier, 1828 die Region Biel, 1864 die Stadt Bern und der Kantonsteil links der Aare.
Dank des Prinzips der Kultusfreiheit konnten sich Katholiken in den ref. Städten niederlassen, 1799 in Bern und 1810 in L. Für Genf und Neuenburg ordnete dies das franz. Regime 1803 bzw. 1806 an. Im 19. Jh. führten die Bestrebungen der Liberalen, das religiöse Leben zu kontrollieren (Badener Artikel, 1834), und später die Niederlage der konservativen Kantone (darunter Freiburg) im Sonderbundskrieg (Sonderbund) zu schweren Spannungen. Bf. Etienne Marilley war es 1848-56 untersagt, sich in seiner Diözese aufzuhalten; er führte diese von seinem Exil in Divonne (Hochsavoyen) aus. Mit der Rückkehr der Konservativen an die Macht 1856 verbesserten sich seine Beziehungen zu den Freiburger Behörden. Sie wurden zwischen 1858 und 1879 in einer Reihe von Übereinkommen geregelt, die den Grundstein zu der für Freiburg charakteristischen engen Zusammenarbeit zwischen geistl. und weltl. Autoritäten legten.
Der Kulturkampf, der infolge des im Juli 1870 vom Vatikan. Konzil verkündeten Dogmas der päpstl. Unfehlbarkeit ausbrach, wurde hauptsächlich im Kt. Genf ausgetragen. 1873 ernannte der Papst den Auxiliarbf. Gaspard Mermillod zum apostol. Vikar für den Kt. Genf. Die Genfer Behörden widersetzten sich heftig, da sie diesen Vorgang als Errichtung einer Diözese Genf interpretierten. Erst mit der Berufung Mermillods an die Spitze der Diözese L. und Genf 1883 beruhigte sich die Lage, so dass Wege zur Zusammenarbeit gefunden werden konnten. Die Stadt Freiburg profilierte sich hauptsächlich dank ihrer Universität sowohl auf nationaler wie auf internat. Ebene immer mehr als kath. Zentrum. 1924 wurde sie Bischofssitz, und das Bistum erhielt 1925 den Namen Diözese L.-Genf-Freiburg.
Autorin/Autor: Gilbert Coutaz / AHB
Alle seit 1587 unternommenen Versuche, das Domkapitel wieder zu errichten, blieben erfolglos, bis Papst Pius XI. im Okt. 1924 ein Dekret erliess, das die Stiftskirche St. Niklaus in Freiburg zur Kathedrale und das Chorherrenstift zum Domkapitel erhob. Letzteres hat keinen Einfluss bei der Wahl des Bischofs. Er übernimmt hauptsächlich die Verantwortung für die liturg. Funktionen bei besonderen Feierlichkeiten in der Kathedrale.
Schon 1817 war das Amt des Kanzlers wieder eingerichtet worden. Dieser sollte den Bischof in administrativen Angelegenheiten unterstützen. 1917 wurde der Kanzler auch mit dem Archiv betraut, 1970 mit Aufgaben in der Seelsorge, im Kontaktdienst und in der Diakonie. Die spürbare Zunahme der kath. Bevölkerung in der Diözese - sie verdoppelte sich 1945-87 von ca. 265'000 auf beinahe 570'000 Gläubige, hauptsächlich infolge der eingewanderten Arbeitskräfte aus Italien, Spanien und Portugal - veranlasste den Bischof, eine regionale Struktur festzulegen und für die Kantone Generalvikare zu ernennen (fünf nach dem 2. Vatikanum). Ausserdem wurde 1968 das Amt des Weihbischofs wieder eingerichtet. Seit 1987 gibt es zwei Weihbischöfe in der Diözese, wobei einer für Genf zuständig ist. Die Weihbischöfe und die Generalvikare unterstützen den Bischof in seinen seelsorger. Pflichten. 1968 wurde zudem ein 40-köpfiger Priesterrat ernannt. Jeder Kanton verfügt über einen Seelsorgerat, dem der Generalvikar vorsteht. Diese neuen Strukturen stützen sich auf die aktive Beteiligung der Laien. Die Kantone haben sich für unterschiedl. Modelle der Zusammenarbeit zwischen religiösen und polit. Autoritäten ausgesprochen: Genf und Neuenburg wählten 1907 bzw. 1914 die Trennung von Kirche und Staat. Im Kt. Waadt ist die röm.-kath. Kirche der ref. Kirche seit 1970 in finanziellen Belangen gleichgestellt, 2003 erhielt sie den Status einer öffentl.-rechtl. Körperschaft. Im Kt. Freiburg anerkennt der Staat seit 1982 den öffentl.-rechtl. Status sowohl der röm.-kath. als auch der evang.-ref. Kirche.
Zu Beginn des 21. Jh. umfasste die Diözese 261 Pfarreien in 32 Dekanaten. Neben den alten Orden - Franziskaner-Terziarinnen in Carouge (GE) und in Le Grand-Saconnex, Dominikanerinnen in Estavayer-le-Lac, Kartäuser in La Valsainte - beherbergt sie zahlreichen Frauenkongregationen und religiöse Institute. Die überwiegende Mehrheit dieser Gemeinschaften sind im Kt. Freiburg angesiedelt (Filles de la Charité de Saint-Vincent de Paul, Barmherzige Schwestern vom Hl. Kreuz von Ingenbohl, Ursulinerinnen von Anne de Xainctonge, Visitandinnen).
Seit dem Kulturkampf hat die Diözese keine Wirren mehr erlebt, und die Bischofsnachfolge geht im Gegensatz zur Wahl in anderen Bistümern der Schweiz ruhig vonstatten. Die einzige Frage, die manchmal die Gemüter bewegt, ist jene der Wiedererrichtung der Diözese Genf. Auf Einladung der evang.-ref. Kirche des Kt. Waadt feierte der Bischof von L. am 25.3.2006 am Fest Mariä Verkündigung zum ersten Mal seit der Reformation wieder eine Messe in der alten Kathedrale der Diözese.
Autorin/Autor: Gilbert Coutaz / AHB