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Wo stehen wir heute?
Während der Finanzkrise 2008 hat das IASB entschieden, den Rechnungslegungsstandard für Finanzinstrumente zu überarbeiten. Hauptziel war es, die Rechnungslegung für Finanzinstrumente zu vereinfachen.
Fünf Jahre nachdem im Herbst 2009 ein erster „finaler“ Standard zu Klassierung und Bewertung von Finanzinstrumenten (die sog. Phase I) veröffentlicht wurde, zeichnet sich nun ab, dass ein vollständiger Standard für sämtliche Phasen I bis III (Klassierung und Bewertung, Wertminderungen und Hedge Accounting) in diesem Jahr veröffentlicht werden soll. Im Februar Meeting hat das IASB entschieden, dass der Standard am 1. Januar 2018 in Kraft tritt. Dieses Datum wurde mit der Absicht gewählt, die Einführung von den Rechnungslegungsstandards für Finanzinstrumente und Versicherungskontrakte parallel zu ermöglichen. Sollte sich die Einführung des Standards für Versicherungskontrakte zeitlich verschieben, so wird zu gegebenem Zeitpunkt eine separate Lösung gesucht.
Erwartete Auswirkungen auf ein Versicherungsunternehmen
Klassierung und Bewertung
Die Klassierung und Bewertung von Finanzinstrumenten wird im IFRS 9 an das Geschäftsmodell gekoppelt. Die Versicherungsunternehmen konnten sich beim IASB dahingehend durchsetzen, dass eine dritte Kategorie zur Klassierung der Finanzaktiven im Standard aufgenommen wurde. Neben den im 2009 eingeführten Kategorien: „Held to collect“ sowie „fair value through profit or loss“ wurde eine Dritte Kategorie „fair value through OCI“ eingeführt. Mit dieser Kategorie soll der Anwender die Ziele seines Geschäftsmodells (Liquiditätsmanagement, Zinssatzmanagement, Ertragsmanagement (yield management) sowie Duration (Mismatch management) erreichen können. Im Gegensatz zur „held to collect“ Kategorie besteht keine anzahl- oder mengenmässige Begrenzung für Verkäufe aus der FVtOCI-Kategorie. Diese Kategorie entspricht in der Bewertung sowie in der Erfassung der Marktwertänderung der heutigen Kategorie „available for sale“, die heute von Versicherungsunternehmen am häufigsten verwendete Kategorie.
Eine Vielzahl weiterer Verbesserungen und Klärungen insbesondere bezüglich der Kategorie „held to collect“ wurden durch das IASB verabschiedet und werden in dem im 2014 zu veröffentlichenden Standard einfliessen.
Wertminderungen
Das Hauptanliegen des IASB war es, durch eine Verbesserung des Standards Unternehmen dazu anzuhalten, Wertminderungen frühzeitig zu erfassen. Im 2008 wurde eine Verstärkung der Krise durch die späte Erfassung der Wertminderung festgestellt. Das IASB ist deshalb vom bisher bekannten „incurred loss modell“ auf ein „expected loss modell“ übergegangen.
Beim „expected loss modell“ werden deshalb Versicherungsunternehmen bereits beim Kauf von Obligationen oder beim Abschluss von Hypothekardarlehen Gedanken über die Ausfallwahrscheinlichkeit in den nächsten 12 Monaten machen und entsprechend eine Wertberichtigung bereits bei der Ersterfassung berechnen und buchhalterisch erfassen. Bei einer signifikanten Verschlechterung des Ausfallrisikos muss die Wertberichtigung auf die Höhe des erwarteten Verlusts für die gesamte Laufzeit („lifeteime expected credit loss“) erhöht werden.
Das IASB plant eine operationelle Vereinfachung im Standard aufzunehmen. Diese Vereinfachung würde es Versicherungsunternehmen erlauben, anzunehmen, dass bei „investment grade“ Finanzanlagen es zu keiner signifikanten Verschlechterung des Ausfallrisikos gekommen ist, solange diese weiterhin als „investment grade“ eingestuft werden und deshalb kein „lifetime expected credit loss“ angesetzt werden muss. Der Standard verlangt kein externes Rating, sondern das Unternehmen kann auch interne Ratings anwenden, die den entsprechenden externen Ratingdefinition entsprechen.
Die geplanten Regelungen zur Ermittlung von Wertminderungen setzen einen umfassenden Datenhaushalt und eine Verknüpfung von Risikomanagement- mit Rechnungswesen-Informationen voraus. Das heißt: IT-Systeme und Prozesse müssen geändert und optimal aufgesetzt werden. Versicherungsunternehmen sollten ihre Finanzanlagen im Detail analysieren und die entsprechenden Auswirkungen des „expected loss modell“ ermitteln. Generell wird erwartet, dass trotz den oben genannten Vereinfachungen, für Finanzinstitute eine Vielzahl von Auswirkungen auf Systeme und Prozesse bestehen.
Hedging
Das auch für Versicherungsunternehmen attraktive Marco Hedging für Zinsrisiken auf Portfolioebene wird im IFRS 9 ausgeschlossen. Es ist die erklärte Absicht des IASB ein Hedge Accounting Framework zu entwickeln, welches mehr dem finanziellen Risk Management der Unternehmen entspricht. Leider kann kein Zeitpunkt angegeben werden, wann ein endgültiger Standard für Macro Hedging erwartet werden kann.
Im Teil des generellen Hedging wurden aber bereits bedeutende Erleichterungen (qualitative Beurteilung der Wirksamkeit des Hedges, Rebalancing usw.) mitberücksichtigt, welche Hedge Accounting für Unternehmen attraktiver und vor allem auch einfacher und weniger aufwendig machen werden.
Ausblick
In den nächsten Monaten sollte klar werden, wie der finale Standard ausgestalten sein wird. Insbesondere auch hinsichtlich der derzeitigen Diskussionen rund um den Entwurf für die Rechnungslegung für Versicherungskontrakte, sollten Versicherungsunternehmen beginnen die Auswirkungen der neuen Regelungen für Finanzinstrumente zu analysieren und ihre Auswirkungen auf die Unternehmung bzw. Wechselwirkungen mit den Regelungen zu Versicherungskontrakten zu beurteilen. Eine gemeinsame Einführung beider Standards wäre zwar wünschenswert, jedoch aus heutiger Sicht nicht mit abschliessender Sicherheit gegeben.