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Die ursprüngliche Zielsetzung der Zürcher Longitudinalstudien war, die Vielfalt unter den Kindern möglichst detailliert zu erfassen und die Gesetzmässigkeiten der kindlichen Entwicklung besser zu verstehen. Die gewonnenen Erkenntnisse haben nicht nur unser Verständnis für das Wesen Kind vertieft, sondern auch dazu beigetragen, Kinder mit Entwicklungs- und Verhaltensstörungen in ihren individuellen Eigenheiten so genau zu erfassen, dass wir sie in ihrer Entwicklung besser unterstützen sowie Eltern und Fachleute kindgerechter beraten können. Um dieses ambitiöse Forschungsprojekt umzusetzen, hat ein Team von Kinderärzten, Entwicklungsspezialisten und Biostatistikern die Entwicklung bei mehr als 900 Kindern von der Geburt bis ins frühe Erwachsenenalter aufgezeichnet. Dafür haben sie zwischen 1954 und 2005 vier Longitudinalstudien in der Abteilung für Wachstum und Entwicklung am Universitäts-Kinderspital Zürich durchgeführt.
Die Erste Zürcher Longitudinalstudie mit 350 Kindern wurde von 1954 – 1974 im Rahmen der Europäischen Kollaborativen Studien durchgeführt. Die Kinder wurden im Alter von 1, 3, 6, 9, 12, 18 und 24 Monaten untersucht, danach jährlich bis zum 10. Lebensjahr und dann halbjährlich bis zum 18. Lebensjahr. Das Hauptziel dieser Studie war, die körperliche Entwicklung möglichst vollständig zu beschreiben. Diese weltweit grösste Datenbank longitudinaler Wachstumsdaten umfasst Normdaten von 22 anthropometrischen Massen sowie dem Knochenalter. Die detaillierten Daten ermöglichten uns, eine Vielzahl von wissenschaftlichen Fragen zu beantworten, etwa über die Beziehungen zwischen Wachstumsparametern wie Körpergrösse und Gewicht oder über die Dynamik der körperlichen Entwicklung wie das Auftreten der sekundären Geschlechtsmerkmale und des Wachstumsspurts in der Pubertät.
In die Generationenstudie wurden ab den 1970er Jahren die Kinder der Probanden, die an der ersten Studie teilgenommen hatten, aufgenommen. Insgesamt 330 Kinder wurden von der Geburt bis zum 18. Lebensjahr in ihrer Entwicklung begleitet. Es wurden Entwicklungsbereiche wie Kognition, Sprache und Motorik sowie das Verhalten wie Blasen- und Darmkontrolle und Schlaf erfasst. Detaillierte Angaben über die Lebensbedingungen, unter denen die Kinder aufwuchsen, haben wir in umfassenden Gesprächen von den Eltern erhalten. Die Besonderheit dieser Studie liegt daran, dass Daten über Wachstum und Entwicklung sowohl von einem Elternteil als auch von seinen Kindern erhoben wurden und miteinander verglichen werden können.
Die Zweite Zürcher Longitudinalstudie wurde aus ethischen Gründen durchgeführt. In den 1970er Jahren haben Dank eines enormen medizinischen und technologischen Fortschritts in der Perinatologie immer mehr frühgeborene Kinder überlebt. Da diese Kinder oftmals schwerwiegende Komplikationen durchgemacht hatten, fühlten wir uns verpflichtet, eine sorgfältige Nachkontrolle bei ihnen durchzuführen. Die Studie umfasste 129 frühgeborene Kinder und eine Kontrollgruppe von 110 termingeborenen Kindern, deren Entwicklung wie bei den Kindern in der Generationenstudie verfolgt wurde. Die Studie wurde mit einer Querschnittstudie ergänzt, in der 450 frühgeborene Kinder im Alter von 5 Jahren einmalig nachkontrolliert wurden.
In die Longitudinalstudie sehr frühgeborener Kinder wurden von 1985 bis 2005 226 Kinder aufgenommen, deren Geburtsgewicht weniger als 1250 Gramm betrug und die ein deutlich erhöhtes Risiko für Entwicklungsstörungen aufwiesen. Sie wurden in ihrer Entwicklung ebenfalls von der Geburt bis ins Erwachsenenalter begleitet.