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Da die Zukunft des Standorts von zwei Neubauten in Bern unklar ist, entschieden sich die Verantwortlichen für Modulbauten. Die beiden Wohngebäude können jederzeit problemlos abgebaut und anderswo wiederverwendet werden.
Modulbauten bieten eine gute Lösung, wenn die Nutzungsdauer von Gebäuden ungewiss ist, trotzdem aber qualitativ hochwertiger Wohnraum erstellt werden soll. Zwei in Modulbauweise ausgeführte Ersatzneubauten am Bahnweg 69 und 89 in Bern sind ein gutes Beispiel dafür. Die beiden zweigeschossigen Flachbauten, die zuvor an derselben Stelle standen, waren Teil eines Bebauungsplans, zu dem auch drei benachbarte Wohnhochhäuser gehören. Während die zwischen 1958 und 1960 erstellten Hochhäuser sich damals an ein jüngeres Publikum richteten, waren die Einzimmerwohnungen in den beiden Flachbauten für Senioren gedacht.
Flexibel weiterverwendbar
Die Bewohnerschaft der beiden Flachbauten hat sich aber mittlerweile verändert: In den letzten Jahren nutzte die Stadt Bern die beiden Gebäude zur Unterbringung von Menschen unterschiedlichen Alters, die beim Wohnen zeitweise Unterstützung benötigen – etwa ehemalige Drogenabhängige auf dem Weg zurück in ein selbstständiges Leben. Aufgrund des schlechten Zustands der zwei in Schottenbauweise konstruierten Gebäude wurde vor sieben Jahren die Planung eines grösseren Ersatzneubaus in konventioneller Bauweise – ebenfalls für das begleitete Wohnen – an die Hand genommen. Erste Ideen dafür zeigten aber, dass ein solch voluminöses Gebäude sich städtebaulich schlecht einfügen würde. Zudem war unklar, was in zehn bis zwanzig Jahren mit den drei benachbarten Wohnhochhäusern geschehen wird – eine Sanierung ist ebenso denkbar wie ein Abriss oder eine völlige Neugestaltung des Quartiers. In dieser Situation kam schliesslich die Idee von Modulbauten ins Spiel und brachte eine optimale Lösung. Sollten die Hochhäuser in den nächsten 15 Jahren komplett durch Neubauten ersetzt werden, können die neuen Module einfach an einen anderen Standort gezügelt werden. Zudem ermöglichte die weitgehende Vorfertigung der Module im Werk eine kurze Bauzeit: Bereits neun Monate nach Abbruchbeginn konnten die neuen Wohnungen bezogen werden. Die bestehenden Kellergeschosse wurden aus wirtschaftlichen Gründen beibehalten. Dank den leichten Modulen war es ausserdem möglich, je ein zusätzliches Geschoss zu realisieren, das baurechtlich an dieser Stelle zulässig ist.
Module aus Stahl und Holz
Das Projekt für die beiden Ersatzneubauten stammt vom Berner Architekten Ernst Gerber, der im Quartier bereits andere Bauten realisiert hat, und wurde von Erne Holzbau als Totalunternehmer umgesetzt. Beide Bauten sind identisch organisiert und bestehen aus jeweils 27 Modulen. Gebaut wurden zwei Modultypen mit identischer Nutzung, aber gespiegelter Anordnung der Räume. Jedes Modul ist 3 Meter breit, 3,15 Meter hoch sowie 12 Meter lang und bietet Platz für eine Kochnische, eine Dusche, einen Wohn- sowie einen Abstellraum. Die Erschliessung erfolgt auf der Nordseite über ein offenes Treppenhaus aus Stahl sowie Laubengänge, die aus vorgefertigten Stahl- und Betonelementen bestehen. Auf der Südseite wurde in derselben Bauweise Balkone angebaut.
Die Module selbst sind eine kombinierte Stahl- und Holzkonstruktion. Das gibt ihnen die nötige Stabilität für einen späteren Umzug an einen neuen Standort. Die inneren Oberflächen bestehen grösstenteils aus hellgrau lasierten Dreischichtplatten. Diese können bei allfälligen Beschädigungen einfach ausgetauscht werden. Prägende optische Elemente des Ausbaus sind die in Blau, Grün und Rotbraun gehaltene Küchenzeile, der grau gefärbte Boden aus Anhydrit sowie die raumhohe Fensterfront zum Balkon hin.
Bilder: Damien Poffet
Pläne: Ernst Gerber
Informationen zum Projekt
Adresse: Wohnhaus Bahnstrasse 69 und 89, Bern
Auftraggeber: Fonds für Boden- und Wohnbaupolitik, p. A. Immobilien Stadt Bern
Architektur: Ernst Gerber Architekten & Planer AG, Liebefeld Bern
Totalunternehmerin/Modulbau: Erne AG Holzbau, Laufenburg
Auftragsart: TU-Ausschreibung 2018, Realisierung 2019