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Sophisten
(grch., «Weisheitslehrer»),
eine einflußreiche Klasse berufsmäßiger Lehrer der Allgemeinbildung, deren Aufkommen in das Zeitalter des Perikles und Sokrates fällt und Sokrates' und Platos Thätigkeit vorbereitete. Der tadelnde Nebensinn des ursprünglich unverfänglichen Titels beruhte darauf, daß man gewerbsmäßig, für Geld, nicht bloß mancherlei positive Kenntnisse, sondern sittliche und polit. Tüchtigkeit überhaupt beizubringen sich anheischig machte. Die S. bilden daher keine Philosophenschule, ebensowenig etwa eine besonders verruchte Klasse von Denkern und Lehrern; ihre Anschauungen standen in keinem Punkte wesentlich über oder unter ihrer Zeit, und wenn Sokrates und Plato gegen sie ihre schärfsten Angriffe richteten, so war es, weil sie dem Zeitgeist den Krieg erklärten und passendere Vertreter für denselben nicht fanden.
Bei allem läßt sich ein gewisser Zug zum Radikalismus, der aber überhaupt in der Richtung der damaligen Zeit lag, den S. nicht absprechen. Es ist richtig, daß sie den Geist einer übermütigen und leichtfertigen Kritik nähren und ihm gefährliche Waffen [* 3] in die Hand [* 4] geben konnten. Vom gesunden kritischen Raisonnement zur blinden Negation ist eben nur ein Schritt, der sehr bald gethan ist, wenn einmal das Raisonnement den höchsten wissenschaftlichen Gesichtspunkten sozusagen grundsätzlich entfremdet und den Zwecken der Praxis, ohne ernste wissenschaftliche Grundlegung, anheimgestellt wird.
Das zeigt sich in dem negativ-skeptischen Ergebnis der Wissenskritik eines Protagoras (s. d.) und Gorgias (s. d.), es zeigt sich vollends auf dem eigentlichen Felde der Sophistik, dem Felde der Praxis, wo die sophistische Unterscheidung des positiven Rechts vom Naturrecht (s. Hippias) zum Extrem der Lehre [* 5] vom Naturrecht des Stärkern, die religiöse Aufklärung zur erklärtesten Freigeisterei führte. Im übrigen hatten die S. ihre großen Verdienste auf dem Felde der Grammatik und Rhetorik wie der Rechts- und Staatslehre. (S. Griechische Philosophie.)