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Erstaunlich wie wandelfähig der Komponist der Lord of the Rings Trilogie und den Cronenberg-Filmen immer noch ist (Erfolg macht nicht jeden Komponisten schludrig), wenn auch nicht immer zum Genuss des Hörers (nicht schlimm!), so denn doch immer pro Film.
Jimmy P., eher nach einem europäischen Hobbyrapper klingend, ist ein in Cannes in der offiziellen Selektion gestartetes Drama des französischen Regisseurs Arnaud Desplechin (Esther Kahn, La Sentinelle) mit internationalem Cast: Benicio Del Toro, Mathieu Almaric, Gina McKee u.a. Erzählt wird die Geschichte des Blackfoot Indianers Jimmy, der im 2. Weltkrieg als G.I. dienend, aus einem Lkw geschleudert wird, eine Schädelfraktur und ein Trauma erleidet. Schliesslich kommt er, nachdem bei ihm eher hilflos Schizophrenie diagnostiziert wurde, in die Therapie des Psychoanalytikers Deveraux.
Jimmy P. beginnt in „Overture“ mit einem Klaviersolo. Gepflegt, bedrückt, still. Die Stücke 2 und 3, „Jimmy P.“ und „The Barn“ sind Shore, wie man ihn aus den 90er Jahren kennt und liebt. Verzwickt, verschlungen und doch direkt. In „Topeka, Kansas“ und „Madelaine“ ist die orchestrale Version der Klavier-Overture zu hören. Voluminöser stimmt Shore das Jimmy P. Thema aus Track 2 in „Dead Drunk“ an. Holzbläser, Streicher, Harfe und Klavier sind die Ingredenzien, die Shore in Jimmy P. Verwendet; ohne aufs Auge zu drücken und nur selten zu hören, ist ein musikalischer Hinweis auf Jimmy P.’s Herkunft eingearbeitet. Shore webt Instrumente und Fragmente zu einem Spinnennetz zusammen, das manchmal vom Tau glänzend im Wind sanft hin und her getragen wird. Und ehe der Leser nun, „Spinnt der?“ schreit: Hört man sich Stücke wie „War“ an, vielleicht funktioniert die Assoziation dann auch nach dem Lesen der Rezi bisschen besser. Und reisst es nicht, das Netz, in „Relapse“ ehe es in „Doll“ wieder langsam und ein bisschen mühsam zusammen geknüpft wird. In „Reality and Dream“, dem abschliessenden und mit knapp 7 Minuten längsten Track, lässt Shore die Musik
Hier, in Jimmy P., sind sie wieder zu hören, die kurzen Fragmente, die sich nur fein aber dennoch unterscheidenden Repetitionen, die Shore so meisterhaft zu einem Ganzen, einem musikalisch kohärenten Werk zusammen fügt.
Jimmy P. Ist die totale Abkehr des experimentellen Cosmopolis und des populären The Hobbit, eine Komposition, die Dangerous Methods und die in sich gekehrten Musiken des Kanadiers reflektiert. Und eine wirklich wunderbare CD, zweifelsohne mit das beste was ich 2013 zu einem aktuellen Film gehört habe. Mit 40 Minuten hat Jimmy P. ausserdem eine für diese Musik stimmige Länge – bei Shore läuft man ja doch gerne Gefahr, jedenfalls war das in den angesprochenen 90ern so, so ab 60 Min. in einen psychedelischen Zustand zu verfallen!
Also, ein kurz und knappes Anglizismen behaftetes „highly recommended!“