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Die St.Galler Bürgerin Marie Louise Bion gehört zu den besten Porträtmalerinnen und -malern ihrer Zeit, ist heute aber weitgehend vergessen. Damit teilt sie das Schicksal von vielen Künstlerinnen, deren Werke zwar überdurchschnittliche Qualität aufweisen, denen aber die Anerkennung zu Lebzeiten und auch danach verwehrt blieb.
Das Historische und Völkerkundemuseum St.Gallen besitzt ein Gemälde der lange Zeit in Paris tätigen Malerin Marie Louise Bion (1858–1939), das beim Treppenaufgang zum Kindermuseum zu sehen ist. Dargestellt ist ein etwa zehnjähriges Mädchen mit nachdenklichen Gesichtszügen, blondgelocktem Haar und Sonnenhut, das auf der Brüstung einer von Blattwerk umrankten balkonähnlichen Loggia sitzt. Den linken Arm hat sie auf die Abschrankung gelegt, in der rechten Hand hält sie eine rote Blume. Im Hintergrund zeichnet sich die Zürcher Altstadt ab. Es scheint ein heisser Sommertag zu sein – der linke Jalousieladen ist geschlossen –, und dennoch trägt das Mädchen ein langärmeliges Kleid und darüber eine blaue Schürze mit roten Tupfen. Wer das Kind ist, wissen wir (noch) nicht, doch dürfte es sich um die Tochter einer Zürcher Familie handeln.
Marie Louise Bion war im ausgehenden 19. Jahrhundert eine gefragte Porträtistin. Ein Kritiker erwähnte in der Zürcher Freitagszeitung vom 1. Dezember 1899, dass ihre Porträts nur noch aus Reproduktionen bekannt seien, «denn die Originale zieren die Salons von Pariser Herrschaftshäusern, von französischen Landschlössern oder auch von einfacheren Zürcher Familien, die ein teures Familienglied, meist etwa die lieben Kleinen, von Fräulein Marie Bion portraitieren liessen».
Leider weiss man über Leben und Werk der Künstlerin noch sehr wenig. Ausser im Historischen und Völkerkundemuseum und im Kunstmuseum St.Gallen haben sich keine Werke in öffentlichem Besitz erhalten. Nur selten tauchen Bilder im Auktionshandel auf oder werden in Galerien gehandelt. Auch fehlt ein schriftlicher Nachlass, was Nachforschungen sehr schwierig macht. Marie Louise Bion war aber im ausgehenden 19. Jahrhundert eine wichtige Schweizer Künstlerin und gehört zu den ersten Frauen, die sich der Kunst als Broterwerb verschrieben hatten.
Eigentümer/innen von Werken werden gebeten, sich mit dem Museum in Verbindung zu setzen. Gerne werden auch mündliche Hinweise sowie Dokumente (z.B. Briefe) der Künstlerin entgegengenommen.
Daniel Studer
«Sie war die erste Frau in Rapperswil, die ein Fahrrad bestieg, zum grossen Entsetzen ängstlicher Gemüter». Dieser Satz stammt aus der Abdankungsrede an der Beerdigung von Martha Burkhardt im Jahre 1956. Er illustriert das Wesen Marthas, die immer wieder gesellschaftliche Konventionen überschritt.
Sie wurde zusammen mit ihrem Bruder Max, nach dem frühen Tod ihres Vaters, von ihrer Mutter, Grossmutter und Tante erzogen. Wie Max konnte sie eine Kunstschule besuchen, allerdings eine private in München, da die staatlichen Institute keine Frauen aufnahmen. Nach ihrer Rückkehr richtete sie sich ein Atelier ein.
Mit dem Erlös aus den Bildern ging sie reisen und lernte so ganz Europa kennen. 1911 wurde sie von einer ehemaligen Kommilitonin – Meta Kirchner – angefragt, ob sie sie zu den Krönungsfeierlichkeiten des englischen Königpaars nach Dehli begleiten würde. Der englische König liess sich zum Kaiser von Indien krönen.
Die beiden Frauen unternahmen anschliessend von 1911 bis 1914 zwei ausgedehnte Reisen durch Indien, Indonesien, Japan, Korea und China, und zwar ohne männliche Begleitung, was damals sehr ungewöhnlich war. Martha Burkhardt verarbeitete ihre Reiseerlebnisse reflektiert und durchaus kritisch gegenüber Kolonialismus und Politik. Viele ihrer heimgebrachten Skizzen wurden Vorlagen für Bilder. Ausserdem schrieb sie mehrere Bücher.
In zahlreichen Zeitschriften und Zeitungen – auch in der NZZ – stellte sie Überlegungen zu den aktuellen politischen Ereignissen in China an. Während des Ersten Weltkriegs half sie wie viele andere bürgerliche Frauen, die sozialen Entbehrungen einer grossen Mehrheit der schweizerischen Bevölkerung abzufedern: Sie nahm Einsitz in der städtischen Ernährungskommission in Rapperswil, die für die Lebensmittelrationierung zuständig war. Als die spanische Grippe um sich griff, baute sie mit anderen Frauen ein Notspital auf. Nachdem Krieg half sie, überarbeiteten Frauen Ferien zu ermöglichen.
1922 gründete sie die Adoptivkinder-Vermittlung der Schweiz, die zu ihrer Lebensaufgabe wurde.
Jolanda Schärli
Quelle: «Der Zeit voraus. Drei Frauen auf eigenen Wegen» Ausstellung im Stadtmuseum Rapperswil 2015.
Erika Dutli wuchs in der Stadt St.Gallen auf. Ihren ersten Tanzunterricht erhielt sie ab 1925 in der legendären Bentele-Tanzschule. Erika erwies sich als sehr begabte Tanzelevin und bekam Anfang der 1930er Jahre erste Engagements am St.Galler Stadttheater. Später wechselte sie ans Stadttheater Zürich, wo sie sich in klassischem Tanz bei Mario Volkart (1897–1982) und in spanischem Tanz bei der Ballettmeisterin Lolita Sonderer weiterbildete. Lolita nahm Erika 1939 mit nach Italien und machte sie dort zum Star. Unter dem Künstlernamen Nady Santander feierte sie grosse Erfolge als spanische Tänzerin mit Auftritten in Kinos, Theatern und Opernhäusern von Triest bis Neapel. Da Lolita Sonderer als politisch «verdächtig» galt, geriet auch Nady ins Scheinwerferlicht der damaligen italienischen Faschisten. Die Lage der beiden Frauen wurde derart unerträglich, dass sie zu den Partisanen in den umbrischen Bergen flohen und dort neun Monate in einem Stall ausharrten. Als die Deutschen kamen, wurde ihre Situation erneut schwierig, bis dann schliesslich die Engländer einmarschierten und Nady in die Schweiz zurückkehren konnte. Um 1950/1951 unternahm sie eine Tournee in den Libanon und nach Ägypten und wirkte sogar in arabischen Filmen mit. 1954 folgte sie ihrem späteren Ehemann Angelo Rovida-Andes (1908–1998) nach England, wo die beiden als spanisches Tanzpaar auftraten und daneben auch als Tanzpädagogen tätig waren. 1978 kehrte das Ehepaar definitiv in die Schweiz zurück und liess sich in Stäfa nieder, wo sich Nady auch als Plastikerin zu betätigen begann. Tanzen war jedoch ihre Berufung und ihre Passion, denn bis kurz vor ihrem Tode am 20. März 1999 unterrichtete sie Kinder und PrimarlehrerInnen in spanischem Tanze.
Erika Eichholzer
Quellen: Theaterlexikon der Schweiz (hrsg. von Andreas Kotte, 2000), (noch undatierter) Artikel über Nady Santander in der «Schweizer Illustrierten» aus den 1940er Jahren.
Marianne Ehrmann-Brentano war eine der ersten Publizistinnen und Journalistinnen im deutschsprachigen Raum. In Rapperswil als Marianne Brentano geboren, hatte sie eine von vielen Schicksalsschlägen belastete Kindheit. Ihre Mutter starb als Marianne erst 15jährig war, auch ihr Vater und ihre neun Geschwister starben der Reihe nach alle bis zu ihrem 23. Lebensjahr. Ihr Vater ein Geschäftsmann, ging im Jahr vor dem Tod der Mutter in Konkurs. Er verlor seine Bürgerrechte und die Familie musste aus Rapperswil wegziehen. Mit 24 Jahren als einziges Mitglied der Familie übriggeblieben, fand Marianne bei ihrem Onkel und Geistlichen Dominik von Brentano Unterschlupf. Sie versuchte sich im Beruf der Gouvernante und heiratete später einen jungen Offizier, der sich als ein Trinker und Spieler heraus stellte und sie körperlich misshandelte. Ihr Onkel verhalf ihr aus dieser Ehe mit einer Scheidung. Als Geschiedene und ohne Geld wählte Marianne Brentano die Schauspielerei und damit ein Leben am Rande der respektablen Gesellschaft. Sie gab sich den Namen Madam von Sternheim und zog mit ihrer Truppe durch halb Europa. Ihre Erlebnisse als Schauspielerin schilderte sie später im Briefroman «Amalie». 1785 beendete sie ihre Theaterkarriere, da ihre Romane Erfolg hatten. Neben sieben Romanen gab sie eigene Frauenzeitschriften heraus, die sehr beliebt waren beim Publikum, darunter «Die Einsiedlerin aus den Alpen». In ihren Artikeln wird erkennbar, dass sie sich stark für Frauenbildung einsetzte. Für sie war klar, dass die typischen weiblichen Eigenschaften nicht angeboren, sondern anerzogen waren. Durch die Schriftstellerei lernte sie auch ihren späteren Ehemann den Schriftsteller Theophil Friedrich Ehrmann (1762–1811) kennen. Das Paar zog nach Stuttgart, wo sich Ehrmann vergeblich eine Professur erhoffte. So oblag es Marianne die Mittel für den Lebensunterhalt zu verdienen. Eine nicht einfache Situation – damals wie heute – für eine Frau. Mit nur 39 Jahren starb Marianne Ehrmann-Brentano an einer Lungenentzündung.
Jolanda Schärli
Als Arbeits- und Hauswirtschaftslehrerin unterrichtete Helene Fuchs Handarbeit, Hauswirtschaft, Turnen und Kochen an der Unter-, Mittel- und Abschlussstufe und schliesslich an der Übungsschule des Arbeits- und Hauswirtschaftslehrerinnen-Seminars. Im Berufsverband der Lehrerinnen für Handarbeit fiel ihre zielbewusste Energie bald auf, sie präsidierte schon mit 30 Jahren (1945 eine absolute Seltenheit!) den städtischen, später den kantonalen Arbeitslehrerinnenverein und vertrat ihre Kolleginnen im Zentralvorstand des schweizerischen Arbeitslehrerinnenvereins. Politisch der FDP angehörend, erkämpfte Helene Fuchs die Lohngleichheit der Arbeitslehrerin mit der Primarlehrerin, setzte sich erfolgreich für die vierjährige Seminarausbildung der Arbeitslehrerinnen ein, arbeitete in Kommissionen des Erziehungsrats, in Lehrplankommissionen und in der Frauenzentrale. Dass Frau und Mann gleichwertig seien, war für sie selbstverständlich, deshalb treffen wir sie während Jahrzehnten auch als überzeugtes Vorstandsmitglied des Frauenstimmrechtsvereins St.Gallen an. Bei einem derart ausgedehnten Tätigkeitspensum stellt frau sich wohl eine sehr ernste Person vor. Weit daneben! Helene Fuchs war eine wirkliche Frohnatur, konnte kontaktfreudig auf andere Menschen zugehen und mit ihnen zusammenarbeiten. Sie lachte viel und packte ihre zahlreichen Aufgaben optimistisch und entschlossen an. Sie unternahm weite Reisen, die sie bis nach Indien oder in den Nahen Osten führten und die sie gründlich vorbereitete.
Alexa Lindner Margadant
«Der Flug ist das Leben wert»
Margaret Fusbahn kommt als Rosa Margaretha Billwiller am 14.Juli 1907 in St.Gallen zur Welt und wächst in einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie am Rosenberg auf, direkt neben dem Kinderfestplatz. Sie gehört zu einer Handvoll Flugpionierinnen, die sich in der Zwischenkriegszeit aufmachen, die Lüfte zu erobern. Kaum mehr jemand erinnert sich an diese abenteuerlustigen Frauen, die sich in den 1920er und -30er Jahren von der Aufbruchsstimmung und Flugbegeisterung in der Frühzeit der Luftfahrt anstecken liessen. Margret Fusbahn ist heute in ihrer Heimatstadt völlig unbekannt, im Gegensatz zu anderen St.Galler Flugpionieren wie Walter Mittelholzer oder dem Ballonfahrer Eduard Spelterini.
Die meisten der frühen Fliegerinnen stammen wie Margaret Fusbahn aus vermögenden Verhältnissen. Die relative ökonomische Unabhängigkeit erlaubt es ihnen, sich selbst zu verwirklichen und aus den traditionellen Geschlechterrollen auszubrechen. Meistens gibt es für die Pionierinnen ein persönliches, auslösendes Moment, sich der Fliegerei zuzuwenden; so auch bei Margaret Fusbahn. Als sie an einem Märztag des Jahres 1928 mit ihrem Auto Richtung Heidelberg unterwegs ist, überholt sie ein Flugzeug. Margaret beschliesst spontan, auf den nahegelegenen Flughafen Böblingen zu fahren. Dort befindet sich eine von insgesamt drei Flugschulen des deutschen Luftfahrtverbandes, die überhaupt Frauen aufnehmen. Kurze Zeit später beginnt sie mit dem Unterricht und erhält am 16.8.1928 ihr Pilotenzeugnis, als erste Frau auf dem Böblinger Flugplatz überhaupt. Damit ist sie nach Else Haugk die zweite Schweizer Pilotin.
Internationalen Ruhm erlangt Margaret Fusbahn, als es ihr im April 1930 gelingt, den internationalen Höhenrekord für Leichtflugzeuge in der Klasse C zu brechen. Sie erreichte eine Höhe von 4614 Metern, über 600 Meter mehr als die bestehende Bestmarke. Margaret Fusbahn ist sportlich und ehrgeizig. Sie nimmt an zahlreichen Flugwettbewerben teil, ihr Mann Heinz-Werner lässt sich von ihrer Flugleidenschaft anstecken und erwirbt ebenfalls den Flugschein. Sie werden als das «fliegende Ehepaar» bekannt. 1932 fliegen sie nach Addis Abeba in Äthiopien und zurück nach Stuttgart, insgesamt 11'000 Kilometer. 1937 reist Margaret Fusbahn mit ihrer Rorschacher Freundin Trudi Schneebeli nochmals nach Afrika. Mit dem Auto fahren sie bis nach Kamerun. Ein Jahr später lässt sich Margaret Fusbahn scheiden. Wenige Monate später heiratet sie in Angola einen Portugiesen, bekommt mit ihm eine Tochter. Ob sie jemals wieder geflogen ist, ist nicht bekannt. 2001 stirbt sie mit 93 Jahren in Portugal.
Christina Genova
Quellen: www.srf.ch/kultur/…; Evelyn Zegenhagen: Schneidige deutsche Mädel. Wallstein 2007; Frau und Flug: Die Schwestern des Ikarus. Jonas 2004; Carl Maria Holzapfel, Rudolf Stocks: Frauen fliegen. Deutsche Verlagsgesellschaft 1931.
Alle kannten Alwina Gossauer oder wenigstens ihr Geschäftshaus in Rapperswil. Alwina war eine der ersten professionellen Fotografinnen der Schweiz mit einem eigenen Geschäft. Sie lernte das Fotografieren von ihrem Mann Johann Kölla, einem gelernten Sattler, den sie mit 18 Jahren heiratete. Sie wohnten und arbeiteten erst in Zürich, dann zog die Familie – sie hatten fünf Kinder – nach Rapperswil. Bereits in Zürich war Köllla mit dem Gesetz in Konflikt geraten – er hatte «nackte Weibsbilder» fotografiert und auch in Rapperswil wurde er bei einem Delikt erwischt: Er versuchte sich im Fälschen von Banknoten. Dies brachte ihm 18 Monate Gefängnis ein und das Geschäft ging Konkurs. Doch kurze Zeit später eröffnete Alwina ihr eigenes Fotoatelier, das sie schon bald als geschiedene Frau äusserst erfolgreich betrieb. Im Rapperswiler Stadtmuseum und in verschiedenen Archiven werden noch gegen 60’000 Fotografien von Alwina Gossauer aufbewahrt. Fast jede Person in Rapperswil und Umgebung hat sich wenigstens einmal in ihrem Leben von Alwina Gossauer fotografieren lassen. Sie konnte ein eigenes Geschäftshaus an bester Lage an der Bahnhofstrasse in Rapperswil erwerben. Auf der Dachzinne stand in grossen Lettern «Photographie A. Gossauer». Ihre Leidenschaft fürs Fotografieren hat sich auch auf ihre Kinder übertragen. Zwei ihrer Söhne wurden ebenfalls Fotografen und ihre ledige Tochter arbeitete im Rapperswiler Geschäft mit. Alwina Gossauer starb 1926, nachdem sie ihr Geschäft nur wenige Jahre vorher in jüngere Hände übergeben hatte.
Jolanda Schärli
Quellen: «Der Zeit voraus, Drei Frauen auf eigenen Wegen», Ausstellung im Stadtmuseum Rapperswil 2015.
Susi Haefelin wuchs in Bremen und Berlin auf. Dort begegnete sie Rosa Luxemburg, bei einem Besuch lernte sie auch deren Katze Mimi kennen und beschreibt, wie ihr zerrissenes Kleid von Rosa Luxemburg geflickt wurde. Deren «Briefe aus dem Gefängnis» und die Ermordung haben sie stark berührt. In Weimar studierte Susi Schutz Musik und lernte den St.Galler Musiker und Komponisten Max Haefelin kennen. Als die Nationalsozialisten stärker wurden, entschloss sich das Ehepaar, mit der kleinen Tochter in die Schweiz zu ziehen, Max Haefelin fand eine Stelle als Musiklehrer an der damaligen Mädchensekundar- und Töchterschule Talhof. Wohnungssuche, Organisation des Familienalltags, Einleben in ein Land anderer Geschichte und Verstehen eines fremden Dialekts blieben allein Susi Haefelin überlassen, da ihr Mann «durch und durch Künstler und Musiker war, dem realen Leben weder gewachsen, noch sonderlich an ihm interessiert». Das Verhalten der EidgenossInnen während des Zweiten Weltkrieges sah Susi Haefelin geradezu idealistisch: «… dieser stille, schlichte, ja nüchterne Ernst, mit dem alles getan wird, weil und wenn es notwendig ist.» Einzig die Panik im Mai 1940 wurde von ihr kritisiert. Während der jahrzehntelangen Krankheit ihres Mannes und nach dessen Tod fand sie ein Gegengewicht in der Arbeit. Sie unterrichtete Musik und wurde zu einer beachteten und geachteten Musik- und Theaterkritikerin. Ihre Artikel wurden in der «Volksstimme», der «Ostschweiz», den «Basler Nachrichten » und der «NZZ» veröffentlicht.
Zitate: Susi Haefelin, Sabines Weg nach St.Gallen. Drei Stationen meines Lebens. Verlag Leo-Buchhandlung, St.Gallen. o.J.
Maya Huber vereinte in ihrem engagierten Leben Musisches mit öffentlichem und privatem Wirken. Während ihrer Ausbildung zur Telefonistin bei der damaligen PTT zwischen 1952 und 1955 und darüber hinaus bis zur Geburt des ersten von drei Kindern engagierte sich Maya Huber im Frauenhilfsdienst (FHD). Gleichzeitig war sie über viele Jahre Mitglied in verschiedenen Orchestern und musikalischen Ensembles. Später griff Maya Huber die Musik auch als Politikerin auf und machte die Institutionalisierung der Musikschule St.Gallen zu ihrem politischen Anliegen. Sie initiierte in der ersten von zwei Amtsdauern (1972–1976 bzw. Rest der Amtsdauer 1977–1980) als Mitglied des Schulrates der Stadt St.Gallen deren Gründung. Dazu arbeitete sie 1976 im Rahmen einer Motion für einen erweiterten Musikunterricht auf der Volksschule einen Antrag aus. Als ausgebildete Blockflötenlehrerin unterrichtete sie über 17 Jahre an der Musikschule St.Gallen. Auch in einem kirchlichen Gremium war Maya Huber als Mitglied des 1968 neu geschaffenen Seelsorgerates eine Frau der ersten Stunde. Mit derselben Leidenschaft, wie Maya Huber sich der Musik zuwandte, war sie engagierte Kämpferin für das Frauenstimmrecht. Sie arbeitete in der sanktgallischen Sektion der Staatsbürgerlichen Vereinigung Katholischer Schweizerinnen (STAKA) mit, die sie in den 1960er Jahren präsidierte. In dieser Zeit hatte sie ebenfalls rege Kontakte zur Arbeitsgemeinschaft der schweizerischen Frauenverbände für die politischen Rechte der Frau. Es fällt auf, dass Maya Huber als bürgerliche Frau und Vertreterin der CVP im Hinblick auf die Abstimmung zum Frauenstimmrecht 1970/71 überzeugende Voten und Vorträge an Pressekonferenzen hielt, auch oder gerade aus Sicht einer Hausfrau. Als Mutter verband sie das Private mit dem Öffentlichen und klebte 1971 ihrem Sohn, der damals ein Primarschüler war, einen Werbekleber «Ja zum Frauenstimmrecht» auf den Schultornister. Zu Beginn der 1970er Jahre beteiligte sie sich aktiv an der Umwandlung der STAKA in eine politische Frauengruppe der CVP, der heutigen kantonalen CVP-Frauen, der sie ebenfalls als deren zweite Präsidentin vorstand.
Esther Vorburger-Bossart
Emma Kunz wuchs als Tochter eines armen Handwebers in Brittnau auf. Seit ihrer Kindheit beschäftigte sie sich mit aussergewöhnlichen Erscheinungen. Mit 18 Jahren begann sie, mit dem Pendel zu arbeiten. Ihre Ratschläge und Therapien sollen oft wundersame Erfolge erzielt haben. Emma Kunz lehnte aber den Begriff Wunder strikte ab. Sie schrieb sich lediglich Fähigkeiten zu, die in jedem Menschen schlummern. 1911 folgte sie einer Jugendliebe in die USA, kehrte aber ein Jahr später zurück nach Brittnau, ohne ihre Liebsten gefunden zu haben. Sie fand Arbeit in einer Strickerei. Zwischen 1923 und 1939 wurde sie von der Familie des Kunstmalers und Kritikers Jakob Friedrich Welti während der Sommermonate als Haushälterin und Gesellschafterin engagiert. In diesem Umfeld bekam das Schöngeistige in ihrem Leben Auftrieb. 1930 veröffentlichte sie den Gedichtband «Leben». 1941 gelang ihr die «Direktmagnetisierung» von Krebszellen. 1942 entdeckte sie im Römersteinbruch von Würenlos, dem heutigen Emma-Kunz-Zentrum, das Heilgestein Aion A. Es ist bis heute für äusserliche Anwendungen erhältlich. Als Heilpraktikerin vertraute sie auf energetische und geistige Kräfte und erregte mit ihren Heilungen und Prophezeiungen Aufsehen. Sichtbares Zeugnis ihrer Forschungen über universalen Energien sind grossformatige, streng geometrische Zeichnungen auf Millimeterpapier, die sie ab 1938 in Bleistift, Farbstift und Ölkreide ausführte. Ihr Werk inspiriert Künstler bis heute. 1951 zog sie nach Waldstatt, wo sie bis zu ihrem Tode lebte und arbeitete. Dort kann man bis heute dem Emma-Kunz-Weg folgen.
Christina Genova
Am 13. Mai 1905 wurde Eugénie dem Ehepaar Hermann und Laura Perlmann-Leisorowitsch als zweite Tochter geboren. Die Eltern, beide russisch-jüdischer Herkunft, waren in den 1890er Jahren im Zuge der russischen Judenverfolgungen in die Schweiz emigriert und liessen sich 1903 in Krinau SG einbürgern. Eugénie besuchte in der Stadt St.Gallen die Schulen bis zur Matura und studierte danach an der Handelshochschule St.Gallen bis zum Diplom. Möglicherweise hat ein Gerichtsprozess, ein Ehrverletzungsprozess, den Vater Hermann im Jahr 1924 gegen einen der übelsten Antisemiten anstrengte, Eugénie nachhaltig beeindruckt. Sie entschloss sich nämlich, Jurisprudenz zu studieren, und immatrikulierte sich 1927 an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich. 1931 schloss sie ihr Studium mit dem Doktorexamen ab, mit einer Dissertation zum Thema «Die boshafte Vermögensschädigung». Mit dem Erwerb des Anwaltspatentes begann sie in der Rechtsanwaltskanzlei Sennhauser, der im genannten Prozess ihren Vater vertreten hatte, zu arbeiten. Sie wurde ebenbürtige Partnerin der beiden anderen Rechtsanwälte, und im Telefonbuch stand zu lesen: «Rechtsanwälte Dr. A. Sennhauser, Dr. A. Güntensperger und Dr. Eugénie Meyer». Ihren späteren Ehemann, Robert Meyer aus Basel, ein erfolgreicher Rechtsanwalt in Zürich, lernte sie bereits im Studium kennen, doch wollte sie nie in dessen Kanzlei arbeiten. Sie hatte ihren Lebensmittelpunkt in St.Gallen, er in Zürich. Gelebt wurde die Ehe am Wochenende, da traf man sich in Rapperswil. Viele lästerten über dieses Ehemodell, andere bewunderten es unverhohlen. Eugénie war das einzige weibliche Mitglied des St.Gallischen Anwaltsverbandes und bestand darauf, bei Rundschreiben an die Mitglieder als «liebe Kollegin» angeschrieben zu werden, und nicht nur bei «liebe Kollegen» mitgemeint zu sein. Und dies lange bevor mit der feministischen Linguistik der Ruf nach der Verwendung von weiblichen Endungen laut wurde! Eugénie war eine resolute Rechtsanwältin, die ihre Meinung ohne Wenn und Aber vertrat. So soll sie einmal im Kantonsgericht, als sie ein Plädoyer hielt, plötzlich innegehalten haben, als sie bemerkte, dass die Richter ihr nicht zuhörten und stattdessen miteinander plauderten. Die plötzliche Stille wurde vom Präsidenten bemerkt und er fragte sie, ob sie schon fertig sei. Nein, soll sie geantwortet haben, sie werde erst weiterfahren, wenn ihr die Herren Richter wieder ungeteilte Aufmerksamkeit zollten! Sie war eine zierliche, elegante Frau von jugendlicher Erscheinung, unkompliziert im Umgang. Sie interessierte sich sehr für Frauenfragen und engagierte sich auch politisch, so in der sozialdemokratischen Frauengruppe. Sie soll es verstanden haben, auch einem Laienpublikum «das Recht» nahezubringen, indem sie gelegentlich bei Versammlungen spannende Vorträge zu ausgewählten Themen hielt. Auf Grund ihrer starken Nikotinabhängigkeit erlitt sie gegen Ende der 1960er Jahre einen ersten Schlaganfall, von dem sie sich noch einigermassen erholte. Jedoch folgten weitere, sodass sie pflegebedürftig wurde. Sie zog zu ihrem Mann Robert nach Zürich, der sie liebevoll pflegte, bis sie am 19. Januar 1974 von ihrem jahrelangen Leiden erlöst wurde. Er folgte ihr ein paar Stunden später in den Tod nach, weil er ohne sie nicht mehr leben wollte.
Erika Eichholzer
Olga Rüesch, geboren 1901 in St. Margrethen, studierte Psychologie an der Columbia-Universität in den USA. Dort lernte sie ihren Mann, einen chinesischen Professor, kennen, mit dem sie 1924 nach Peking zog. In den folgenden Jahren erlebte sie die revolutionäre Aufbruchstimmung in Peking, wo sie am Fremdspracheninstitut Deutsch und Englisch lehrte. Als die Japaner 1937 Peking besetzten, reiste ihr Mann zurück in die USA, sie blieb mit ihren drei Kindern in Peking und sollte später nachkommen. Inzwischen brach der Zweite Weltkrieg aus. Ihrem Mann war es erst danach möglich zurückkehren, um sie und die Kinder in die USA zu holen. Sie entschied sich aber für das Bleiben und lebte mit ihren Kindern in einem alten Hofhaus in der Nähe der verbotenen Stadt, wo sie auch von vielen Chinareisenden besucht wurde. Olga Lee liess sich 1954 scheiden und nahm ihren Namen Olga Rüesch wieder an. In Peking unterrichtete sie an verschiedenen Instituten Deutsch und Englisch, ihr Fach Psychoanalyse betrieb sie am amerikanisch geführten Peking Union Medical College. Sie schrieb zahlreiche Artikel für Zeitschriften in Amerika aber auch der Schweiz, unter anderem für das China- Bulletin, und führte eine weitreichende Korrespondenz mit Freunden und Bekannten in der ganzen Welt. In den Anfängen der Gründung der Volksrepublik China war sie von der Revolution begeistert. Auch sie blieb nicht von der Kulturrevolution 1966-1969 verschont wie viele andere Intellektuelle auch: Sie wurde eingesperrt, tagelang verhört und geschlagen. In den letzten Jahren nahm sie zunehmend eine kritische Haltung gegenüber der chinesischen Regierung ein, was die Korruption, die steigenden Preise bei gleichem Lohn und anderes betraf. Sie starb 1990 mit 89 Jahren in Peking.
Quellen: CHINA 3/4, 1990; Dossier AFGO.044 F:RUES O im Archiv für Frauen-, Geschlechter- und Sozialgeschichte Ostschweiz.
Marguerite trat 1912 als 27-Jährige in Luzern den Dominikanerinnen des Dritten Ordens bei und wählte den geistlichen Namen Sr. M. Catherina. Unter ihrer Leitung entstand 1916 in St.Gallen die Säkulargemeinschaft der Caritasschwestern. Dadurch gelang es ihr die beiden Lebensformen Ehe und geistlichen Stand zu vereinen. Bereits ein Jahr später gründete sie mit einer kleinen Caritasschwesterngemeinschaft in Zürich ein Kinderheim für Kinder von Hotelangestellten, den späteren Werdgarten. Aufgrund von Differenzen mit dem zuständigen Pfarrer, der den Werdgarten eigenmächtig verwalten wollte, eröffnete Müller 1920 in St.Gallen ein neues Kinderheim, das Vinzentiusheim an der Flurhofstrasse 56, das sie bis in die 1940er Jahre leitete. Initiativ war sie auch auf einem anderen Gebiet: 1928 eröffnete sie dort zusätzlich eine Pflegerinnenschule, die 1943 vom Bund Schweizerischer Wochen- und Säuglingspflegerinnen anerkannt wurde. Mitte der 1940er Jahre fehlte es an Nachwuchs unter den Schwestern. Die Caritasschwestern suchten Anschluss an das grössere Säkularinstitut der St. Katharina-Schwestern in Basel, das ab 1946 zugleich das «Vinziheim» mit der Pflegerinnenschule sowie den 1930 ebenfalls von Müller gegründeten «Fernblick» in Teufen, das damalige Müttererholungsheim, übernahm. Der 1955 erstellte Neubau erhielt den neuen Namen Kinderheim Birnbäumen. 1984 ging das Heim an eine neue Trägerschaft der CP-Schule über, da es auch den St. Katharina-Schwestern an Nachwuchs fehlte. Marguerite Müller-Henrici selber verbrachte die letzten Jahrzehnte ihres Lebens aus gesundheitlichen und religiösen Gründen klausurähnlich in ihrem Ferienhaus in Teufen.
«Was ich von jeher geliebt habe, ist das Denken, sind die Werke der Kultur gewesen», schrieb Elsa Nüesch im Juli 1949 in einem kleinen Lebenslauf. Sie verfasste ihn angesichts einer schweren Operation, die ihr bevorstand. Trotz gesundheitlicher Probleme, die sie seit ihrer Kindheit begleiteten, konnte sie ihren Neigungen folgen und studieren. Elsa Nüesch sollte die erste Gymnasiallehrerin der Schweiz werden, die vollamtlich an einer Kantonsschule angestellt wurde: 1930 wurde sie Hilfslehrerin für Französisch am Untergymnasium der Kantonschule St.Gallen. Später unterrichtete sie als Lehrerin an der Oberrealschule und an der Handelsschule auch Deutsch und Latein. In ihrem Nachruf schrieb der Rektor E. Kind: «Frl. Nüesch war Lehrerin aus Überzeugung und Leidenschaft.»
Elsa Nüesch wurde am 13. November 1894 in St.Gallen geboren. Schon als Kind schrieb sie Gedichte, die von ihrer Nachbarin – einer Redakteurin des Schweizer Frauenblatts – im Beiblatt dieser Zeitung publiziert wurden. Sie besuchte die Mädchenrealschule Talhof, dann die Kantonsschule St.Gallen und studierte als Werkstudentin Romanistik in Genf, München und Neuenburg. Ihre Dissertation schrieb sie über Nietzsche und die Antike.
Elsa Nüesch war, obwohl sie in ihrem Lebenslauf ihre «natürliche Veranlagung zu Innerlichkeit und Zurückgezogenheit» beschreibt, eine engagierte und mutige Person. Die Sozialdemokratin und Frauenrechtlerin bezog in den Jahren vor und während des Zweiten Weltkriegs als Kolumnistin beim St.Galler Tagblatt dezidiert gegen Hitler-Deutschland Stellung. Häufig versteckte sie sich hinter dem Kürzel E. N., um nicht als Frau erkannt zu werden. 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, begann die junge Studentin einen Briefwechsel mit dem französischen Autor und Nobelpreisträger Romain Rolland, den sie bis 1930 fortführte. Der Pazifist wurde von Elsa Nüesch mit Informationen für sein Kriegstagebuch («Journal des Années de Guerre 1914-1919») versorgt. Es sind kritische Analysen der Zustände in der Schweiz und in Bayern im Ersten Weltkrieg. Rolland, damals fünfzigjährig, mass dem Urteil der jungen Frau eine solche Bedeutung zu, dass er ganze Seiten aus ihren Briefen zitierte. Die Originalbriefe waren lange verschollen und wurden erst vor kurzem wiederentdeckt.
1952 starb Elsa Nüesch, erst 58 Jahre alt, nicht ohne zuvor einen Abschiedsbrief an ihre Schüler verfasst zu haben. Sie blieb bis zu ihrem Tod 1952 die einzige Frau, die über längere Zeit wissenschaftliche Fächer an der Kantonschule St.Gallen unterrichtet hatte.
Christina Genova
Franziska Aloisia Ochsner wurde mitten im Kulturkampf zur Äbtissin des Klosters Magdenau gewählt. Unter ihrer Regentschaft vermehrte sich der Konvent um mehr als das Doppelte von 19 Schwestern beim Antritt ihres Amtes 1874 auf 40 Schwestern am Amtsende 1896.Ebenfalls ganz im Zeichen des katholischen Konservatismus dieses konfessionellen Zeitalters stand neben der quantitativen Erstarkung des Klosters die Besinnung auf ein strenger gehaltenes Gemeinschaftsleben. 1878 verpflichtete sich der Konvent unter Äbtissin Franziska Aloisia zur vermehrten Schweigepflicht. 1883 folgte die Einführung der unbedingten Klausur, die unter anderem den Zutritt von Verwandten in die Schwesternzellen sowie die beiden bisher den Schwestern erlaubten grösseren Spaziergänge im Frühjahr und im Herbst untersagte. Zur verschärften Klausur gehörte auch die Abschaffung des peculiums, ein kleiner bei der Klosterleitung hinterlegter Geldbetrag, welche die Schwestern noch verstärkter zum Armutsgelübde führen sollte. Unter dieser Regeländerung durften die Schwestern die sechs Dutzend Kräpfli, welche sie jeweils zum Klaustag erhielten und bei Bedarf oder Wunsch weiterverkaufen konnten, nicht mehr in einen persönlichen kleineren Geldbetrag umwandeln. Darunter fielen auch selbst gefertigte Handarbeiten. Aufgrund der Einführung der strengen Klausur wurde Franziska Aloisia vom Abt des Vaterklosters von Magdenau, Wettingen-Mehrerau, erlaubt, als Verdienst- und Gedenkzeichen ein goldenes Brustkreuz zu tragen. Im Nachruf werden insbesondere die aus heutiger Sicht rigiden Entscheidungen dieser Amtszeit gewürdigt, die aber wohl nötig und für diese Zeit richtig waren, um das Kloster Magdenau ins 20. Jahrhundert zu führen: Franziska Aloisia habe «das Kloster in geistlicher und weltlicher Beziehung zu nie dagewesener Höhe» erhoben.
Esther Vorburger-Bossart
Die Architektin Berta Rahm baute 1951 in Hallau Schaffhausen den Nägeliseehof, einen für die damalige Zeit topmodernen Bauernhof. Der Hof zeichnete sich durch sein spezielles Offenstallungssystem aus. Der Bau erregte grosses Aufsehen, so dass aus ganz Europa Besucher anreisten. Berta Rahm wurde am 4. Oktober 1910 in St.Gallen geboren. Unter dem Einfluss ihres Onkels Arnold Meyer, der in Hallau ein erfolgreiches Architekturbüro betrieb, studierte sie von 1929 bis 1934 als eine der ersten Frauen Architektur an der ETH Zürich. Nach ihrem Studium bereiste sie mehrmals Skandinavien, wo sie sich von der skandinavischen Architektur inspirieren liess. Auch das emanzipierte Leben der Frauen in den skandinavischen Ländern beeindruckte sie nachhaltig. Darüber verfasste sie ein Buch mit eigenen Zeichnungen, das 1942 in der Büchergilde Gutenberg erschien. 1934 hatte sie ihr Architekturbüro in Zürich eröffnet. Sie baute neben dem Nägeliseehof, mehrere Einfamilien und Ferienhäuser, einen der Ausstellungspavillons an der SAFFA 1959 (Schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit) und renovierte Häuser und Wohnungen. Sie beteiligte sich immer wieder erfolglos an Wettbewerben für öffentliche Gebäude. Sie litt schwer unter den ihr in den Weg gelegten Hindernissen und schloss 1966 resigniert ihr Architekturbüro. In ihrem zweiten Beruf gründete sie den ALA-Verlag und wurde Verlegerin. Berta Rahm hatte als erste die Idee, klassische, und inzwischen vergessene, feministische Texte neu herauszugeben und verlegte nach 1967 unter anderem Flora Tristan, Mary Wollstonecraft und Hedwig Dohm wie auch Bücher zur Geschichte der Frauen in Neuauflagen. Zu jedem der von ihr publizierten Bücher schrieb sie ein instruktives Vor- oder Nachwort. Im Verlag arbeitete sie bis ins hohe Alter.
Quellen: Evelyne Lang, Les premières femmes architectes de suisse, Genf 1993. Evelyne Lang Jakob, The Life and Work of Berta Rahm (1910-1998), in: IAWA Newsletter Nr. 11, 1999.
Hanni Rauh ist schwer zu beschreiben. Verheiratet mit einem überzeugten Marxisten, wandte sie sich der Father Divine's Friedensmission zu, einer amerikanischen Freikirche, die glaubt, das Reich Gottes werde noch zu unseren Lebzeiten anbrechen, und blieb bis zu ihrem Tode dabei. Zuhause trug sie Sandalen, ausser Haus sah ich sie nie ohne einen eleganten Hut. Aus einem betont christlichen, bürgerlichen Elternhaus stammend, liess sie sich an der neu gegründeten Sozialen Frauenschule in Zürich zur Erzieherin ausbilden. Sie wurde Krippenleiterin in Zürich, verkehrte im Hause von Leonhard Ragaz und begeisterte sich für Idee des religiösen Sozialismus. Um sich konkret für Menschlichkeit und Gerechtigkeit einzusetzen, arbeitete sie während sechs Jahren als ungelernte Arbeiterin in den Schuhfabriken Löw und Bally in Oberach und Schönenwerd. Ihr Fazit: «Obschon die Arbeit, nachdem man die nötige Übung und Geschicklichkeit erreicht hat, nichts mehr von unserem Verstande fordert, so muss man sein ganzes Streben daran setzen, möglicht viel Arbeit zu bewältigen, um überhaupt von dem Lohne leben zu können. Da hört das Philosophieren bald auf.» Sie trat in die Sozialistische Jugend ein, lernte dort August Rauh kennen und heiratete 1932. August war gebürtiger Deutscher und verweigerte das Aufgebot in die Wehrmacht. Im letzten Moment gelang die Einbürgerung in Romanshorn, bevor die Familie staatenlos geworden wäre. Trotz schwerer Sorgen durch Arbeitslosigkeit des Mannes, Krankheit und schliesslich Tod des zweiten Sohnes, führten Hanni und August ein offenes Haus, halfen sozialistischen und jüdischen Flüchtlingen aus Deutschland. Sie arbeiteten in der Abstinenzbewegung, bei den Kinderfreunden («Rote Falken») und waren aktive Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei. In ihrem Freundeskreis hatte es sowohl Antroposophen wie Kommunisten. Neben ihrem kämpferischen Gerechtigkeitssinn hatte Hanni eine zarte und poetische Seite. Sie spielte täglich auf einer alten Hausorgel und sang mit Freude. Sie liebte die Musik von J.S. Bach, die Werke von van Gogh und Rodin. Zwei Wochen vor ihrem Tod sagte sie: «Weisst du, je älter man wird, desto mehr freut man sich am Frühling und an den Blumen.» «Ich wünsche mir, dass wir wie Hanni Rauh aus dieser Hoffnung (auf das kommende Reich Gottes) leben lernen. (…) Wo es kein Gerangel um Plätze mehr gibt, weil jeder seinen Platz hat. Wo niemand hungrig bleibt, weil für Leib und Seele gesorgt ist. Wo – nach den Worten der Offenbarung – kein Leid noch Geschrei mehr sein wird, sondern Friede und Freude für alle.» Zitat aus einer Trauerrede.
Alexa Lindner Margadant
Das Leben der in St.Gallen geborenen und aufgewachsenen Elsie Ruth erzählt von grosser Reiselust und beherztem Engagement für Notleidende. Nach dem Besuch verschiedener Handelsschulen in der Schweiz und in England liess sie sich zur Kranken- und Operationsschwester ausbilden. Danach reiste sie in den USA, arbeitete zwei Jahre lang in einem Spital in Neapel und fuhr als Schiffskrankenschwester nach Australien und Indien. 1939, als der Krieg ausbrach, meldete sich Elsie Ruth anfangs beim Frauenhilfsdienst, wechselte aber bald zur Kinderhilfe des Schweizerischen Roten Kreuzes, da sie das Bedürfnis hatte, direkter zu helfen. Sie reiste für ihren Einsatz nach Südfrankreich, wo sie sich im Internierungslager Rivesaltes der Betreuung der Kinder und der Pflege Kranker widmete und Zusatznahrung organisierte. Sie schuf für die Internierten im Lager – soweit es die prekären Zustände erlaubten – ein geschütztes Umfeld wofür ihr viel Dankbarkeit entgegen gebracht wurde. Danach leitete Elsie Ruth ein Kinderheim in den Pyrenäen, wo 120 Kinder verschiedenen Alters temporär ein sicheres Zuhause fanden. Die HelferInnen vom Roten Kreuz bauten gemeinsam mit den Kindern Gemüse an, um die unsichere Lebensmittelversorgung zu überbrücken, und sie versteckten regelmässig jüdische und spanische Kinder und Mitarbeiter vor der französischen Polizei. Nachdem Elsie Ruth während dem Krieg in Frankreich unzähligen Menschen das Leben erträglicher und würdevoller gemacht hatte, indem sie sich ebenso mutig wie grossherzig für die Notdürftigen einsetzte, kehrte sie in die Schweiz zurück und übernahm in Gstaad ein Kinderheim für kriegsgeschädigte Kinder. Sie heiratete den Schreinermeister Ernst Lüthi und das Ehepaar sorgte bald für Lüthis Sohn aus erster Ehe, eine adoptierte Tochter und einen ungarischen Pflegesohn. Um die Patchwork-Familie kümmerte sich Elsie Ruth nach dem Tod ihres Mannes alleine. Nachdem sie noch einige Jahre lang das Inselheim in Bern geleitet hatte, liess sie sich mit 60 pensionieren und verbrachte ihre Zeit in Bern mit ihrer betagten Mutter, ihrer Tochter und später mit den fünf Enkeltöchtern, sowie den vielen internationalen Freundinnen und Freunden, zu denen sie stets regen Kontakt gepflegt hatte.
Ilona Steiger
Quelle: Margot Wicki-Schwarzschild, «Ich habe nur getan, was ich tun musste.» in: Vergessene Frauen, hrsg. Helena Kanyar Becker, Schwabe Verlag, Basel 2010.
Paula Schneider war eine leidenschaftliche Schwimmerin. Doch während Männer sich anfangs des 20. Jahrhunderts in Schwimmclubs zusammenschlossen, gab es für Frauen keine vergleichbaren Vereine. Kurzerhand gründete deshalb die junge Paula Schneider zusammen mit Milly Ittensohn 1910 den Damenschwimmclub St.Gallen und leistete damit Pionierarbeit. Es war die Zeit der Lebensreform- und Hygienebewegung. Luft, Licht, Wasser und Bewegung galten als gesund, was dem Schwimmsport Auftrieb verschaffte. Als Verein stand den Frauen nun Tür und Tor offen für die Teilnahme an Wettschwimmen und Schwimmfesten. Bereits 1911 war der Damenschwimmclub St.Gallen an drei Wettschwimmen mit dabei: am ersten Ostschweizerischen Schau- und Wettschwimmen auf Dreilinden, an einem Wettkampf in Zürich und einem in Schaffhausen. Dort siegte Paula Schneider über 70 m. Auch vom Schwimmfest in Zürich 1912 brachte sie eine Medaille mit nach Hause. Paula Schneider heiratete im Jahr 1917 Walter Bösiger, die beiden Töchter Martha und Margrit kamen 1919 und 1922 zur Welt. Paula Bösiger-Schneider widmete sich fortan ihrer Familie und zog sich aus dem Damenschwimmclub zurück, blieb aber mit ihrem Element – dem Wasser – zeitlebens verbunden. So hielt sie etwa in den 1930er-Jahren Badeaufsicht im Frauenbad auf Dreilinden, das Mittagessen nahm die Familie nach Möglichkeit im Frauen- und Familienbad ein. Die beiden Töchter lernten in der Jugendabteilung des Damenschwimmclubs St.Gallen Schwimmen. Paula Schneider-Bösiger verstarb 1976 im Alter von 86 Jahren.
Anna Schneider
Béatrice Steinmann-Galli ist ein Beispiel für die Menschen, die erst im Alter ihre eigentliche Bestimmung verwirklichen. Sie ist in St. Gallen geboren und ging hier zur Schule, studierte Volkswirtschaft, war sportlich und erreichte im Eiskunstlauf gute Ränge. Später arbeitete sie im Bundeshaus und viele Jahre als Journalistin, war Mutter zweier Töchter und eines Sohnes.
Eine Bundeshauskorrespondentin berichtet über National- und Ständerat, Bundesverwaltung und Bundesrat.
1972, mit 65!, bewarb sie sich um die Stelle als Bundeshauskorrespondentin der «Appenzeller Zeitung». Sie schreibt: «Übrigens sind die alten Bundeshauskorrespondenten bei der «Appenzeller Zeitung» durchaus Tradition, und die «Appenzeller Zeitung» war bahnbrechend für die politischen Journalistinnen. Fräulein Ilse Hohl hat in den Neunzigerjahren des letzten Jahrhunderts mit der Berichterstattung aus dem Bundeshaus für die «Appenzeller Zeitung» begonnen und hat im Jahre 1935 meine ersten Schritte auf dem schlüpfrigen Parkett des Bundeshauses geleitet.»
Dass Béatrice Steinmann bis 1986, ganze 14 Jahre lang, als Bundeshauskorrespondentin arbeiten konnte, verdankt sie der aussergewöhnlichen Qualität ihrer Berichte, die auch in anderen Zeitungen abgedruckt wurden. Sie schrieb flüssig und verständlich, war trotz konservativer Grundhaltung kritisch und suchte stets das direkte Gespräch. Sie fand, man sei nicht bereit, den Preis für den Fortschritt zu bezahlen, je mehr die Welt kaputt gehe, umso mehr sehne man sich nach Harmonie, nach Familie, nach gesunder Umwelt. Ihr Berufskollege, Frank A. Meyer, sagte von ihr: «Sie liebte das Leben auch als Folge von Geschichten, die sie wunderbar erzählte», und sie habe Sinnlichkeit und Lebensfreude ausgestrahlt.
Alexa Lindner
Quelle: Hanspeter Spörri, Béatrice Steinmann: langjährige Bundeshausredaktorin der Appenzeller Zeitung, in Appenzellische Jahrbücher 18, 2000, S. 53–60.
Anna Sutter, 1871 als Tochter von Carl Suter (Chorassistent) und Mathilde Oetiker in Wil SG geboren, war um 1900 die unbestrittene Primadonna des Königlichen Hoftheaters Stuttgart. 1892 kam sie als Gast-Opernsängerin nach Stuttgart, um bis zu ihrem gewaltsamen Tod 1910 als gefeierte Sängerin am Hoftheater zu wirken. Dank ihrer schauspielerischen Begabung, verbunden mit Bewegungstalent und Bühnenpräsenz, fand sie über Jahre hinweg die Bewunderung der Opernbesuchenden. Bereits 1908 spielte sie Schallplatten ein. Als noch züchtige Kleidung vorherrschte, tanzte sie in «Salomé» in freizügigen Kleidern den Tanz der sieben Schleier. Ihrem Charme erlagen immer wieder Dirigenten des Hoftheaters. War die Affäre vorbei, mussten sie gehen, Anna Sutter hingegen blieb. Als Aloys Obrist 1907 Dirigent an der Oper wird, gehen er und Anna Sutter eine leidenschaftliche Beziehung ein. Warum Anna Sutter sich schliesslich von ihm abwandte, bleibt offen. Aber Aloys Obrist konnte diese Zurückweisung nicht ertragen und erschoss, nachdem er nochmals eine Absage erhalten hatte, zuerst Anna und dann sich selbst.
Quellen: Günther, Georg, Carmen – Letzter Akt, Die Künstlertragödie Sutter-Obrist von 1910 und die Stuttgarter Oper um 1900, Begleitband und Katalog zur Ausstellung des Staatsarchivs Ludwigsburg und des Stadtarchivs Stuttgart, Ludwigsburg 2003. Günther, Georg, Es liegt Mord und Selbstmord vor –, Die Stuttgarter Künstlertragödie Obrist-Sutter von 1910, in: Musik in Baden-Württemberg, Jahrbuch 2000, Stuttgart 2000, S. 79–130.
Wichtig war Marguerite van Vloten die ganzheitliche Pflege von Körper und Seele. Die Seelenpflege verband die Gemeindeschwester und spätere Diakonisse mit dem Glauben. Marguerite wuchs mit fünf Geschwistern in St.Gallen auf. Ihr Vater war Holländer. Nach dem Abschluss des Gymnasiums, einem Sprachaufenthalt in England und Vorlesungsbesuchen an der philosophischen Fakultät der Universität Zürich, begann sie 1918 die Krankenschwesternausbildung an der Rotkreuzschule Lindenhof in Bern. 16 Jahre arbeitete sie als freie Schwester, unter anderem in St.Gallen als Gemeindeschwester. Bibelkurse gaben ihr Impulse für die seelsorgerische Betreuung am Krankenbett.
Im November 1934 folgte Marguerite dem «Ruf Gottes». Sie nahm das Angebot des Diakonissenhauses Riehen an, die frei gewordene Oberschwesternstelle zu übernehmen. Nach einer halbjährigen Einführung in die Arbeitsgebiete erfolgten im April 1935 die Einsegnung und gleichzeitig die Amtseinsetzung als Oberschwester. In dieser Funktion war sie Ansprechperson der intern und extern tätigen Diakonissen. Als Mitglied der Mutterhausleitung engagierte sie sich für zeitgemässe Arbeitsbedingungen der Diakonissen und die Anerkennung der dem Mutterhaus angeschlossenen Krankenpflegschule durch das Rote Kreuz. Als Vertreterin des Diakonissenhaus Riehen nahm die Oberschwester an den schweizerischen und internationalen Konferenzen der Diakonissenhäuser teil. 1972 trat Schwester Marguerite van Vloten als Oberschwester zurück und verstarb kurze Zeit später.
Regula Schär
Emmy Vetsch hat sich Zeit ihres Lebens für die Besserstellung Benachteiligter eingesetzt. Aus einer sozialdemokratischen Familie stammend, erlernte sie den Beruf einer Damenschneiderin. Sie engagierte sich früh im Verband der Bekleidungs-, Leder- und Ausrüstarbeiter und wurde in den 50er Jahren als dessen Präsidentin gewählt. Jahrzehntelang arbeitete sie im Vorstand der sozialdemokratischen Frauengruppe St.Gallen, unter anderem als Aktuarin und Vizepräsidentin. Auch als Arbeiterrichterin im Gewerbegericht setzte sie sich für die Rechte ihrer Berufskolleginnen ein. Ausserdem führte sie als Leiterin der Damenriege des SATUS (Schweizerischer Arbeiter-Turn und Sportverband) einen straffen Turnbetrieb. Ich habe Emmy Vetsch als temperamentvolle Kämpferin für das Frauenstimmrecht erlebt, die sich mit der jüngsten Genossin, nämlich mir, besonders gut verstand, waren wir doch beide gleich ungeduldig, die politischen Rechte endlich ausüben zu können. Es war für Emmy Vetsch deshalb eine gern übernommene Aufgabe, als die SP-Frauengruppe sie in die sozialdemokratische Gemeinderatsfraktion delegierte, wo sie als Beobachterin regelmässig an den Sitzungen teilnehmen und den Frauenstandpunkt einbringen konnte.
Auch ihre Schwester, Martha Richli, war in der SP aktiv; auf die beiden Schwestern konnte man sich stets verlassen. Als wir nach 1971 an den Wahlen mitbestimmen konnten, war Emmy Vetsch selbstverständlich an jeder Standaktion dabei, hat Passantinnen und Passanten angesprochen und Flugblätter verteilt.
Im Juli 1976 wurde sie nach längerer Krankheit von ihren Altersbeschwerden erlöst, und ich habe Abschied nehmen müssen von einer vertrauten Mitkämpferin und liebenswerten Freundin.
Alexa Lindner Margadant
Es war ihr vergönnt, dass sie noch vor ihrem Tod 1971, die Annahme des Frauenstimmrechts in der eidg. Abstimmung vom 7. Februar 1971 bewusst und mit grosser Genugtuung zur Kenntnis nehmen konnte. Laura Wohnlich arbeitete von 1895 bis 1933 als Lehrerin an der Mädchenschule im Blumenau-Schulhaus in St.Gallen. Besonders setzte sie sich viele Jahre für die Schülerinnen ihrer Spezial- und Förderklassen ein. Laura Wohnlich ist eine begnadete Lehrerin, eine «durch-und-durch-Lehrerin» gewesen, eine die ihren Beruf, ihre Arbeit und ihre Kinder liebte. Ausserdem kämpfte sie unermüdlich für Reformen im Schulwesen und in der Erziehung. In den 1920er Jahren trat sie beispielsweise für das Einklassensystem und für gleichen Lohn von Lehrern und Lehrerinnen ein, was ihr zahlreiche Schmähungen eintrug. Auch als langjährige Redaktorin (1913–1938) der Lehrerinnen-Zeitung nutzte sie ihre Position, um für Reformen im Schulbereich zu werben. Die Berichte zu ihren Reisen an pädagogische Kongresse in ganz Europa hatten das gleiche Ziel. Sie engagierte sich in der Union für Frauenbestrebungen und war eine zeitlang deren Präsidentin, sie war Mitglied des Aktionskomitees für das Frauenstimmrecht von 1929 und in der Vereinigung für Kinderund Frauenschutz und der Frauenzentrale. Nach ihrer Pensionierung zog sie 1937 nach Bühler/AR. Laura Wohnlich war eine überaus disziplinierte, engagierte, mutige und auch humorvolle Frau: Als die Frauenzentrale 1964 anlässlich ihrer 50-Jahr-Feier Laura Wohnlich die Ehrenmitgliedschaft vorschlug, lehnte sie erst dankbar ab mit den Worten: Eine solche Ehrenmitgliedschaft würde die Karriere der Präsidentin gefährden, wenn sie ihr, dem «enfant terrible und der früheren Stimmrechtlerin», die ein «alter Stein des Anstosses» sei, diese Ehre zuteil kommen lassen würde.