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Dirk Hordorff spricht sich gegen Alexander Waske und Carsten Arriens aus. Er stärkt Schüttler und favorisiert ein bestimmtes Modell. Das Vorgehen des DTB findet er "peinlich".
Dirk Hordorff (r.) betreute unter anderem Rainer Schüttler und Janko Tipsarevic (l.) als Trainer
Köln - Er sieht bei der Suche nach einem Davis-Cup-Teamchef eine "Fülle von Kandidaten", bemängelt den Umgang des Deutschen Tennis Bundes (DTB) mit dem Fall Patrik Kühnen und favorisiert für die Zukunft das Modell Pilic:
Dirk Hordorff hat sich erstmals öffentlich zur aktuellen Situation im deutschen Herrentennis geäussert. "Es gibt in Deutschland eine Fülle von qualifizierten Kandidaten für diese Aufgabe. Es ist mir ein Rätsel, warum das überhaupt in Frage gestellt wird", sagte Hordorff.
Der 56 Jahre alte Präsident des Hessischen Tennisverbandes (HTV), einer der einflussreichsten Köpfe im nationalen und internationalen Tennis, hat sehr klare Vorstellungen davon, was der Davis-Cup-Kapitän des DTB darf und was nicht.
Waske und Arriens aus dem Rennen
"Ich persönlich bin der Überzeugung, er sollte keine Spieler auf der ATP Tour betreuen, keine Akademie betreiben, keine deutschen Spieler managen und kein Bundesliga-Team führen", sagte Hordorff.
Folgt der DTB dieser Argumentation, wären zwei der vier hochgehandelten Kandidaten aus dem Rennen. Carsten Arriens ist Teamchef des Bundesligisten Kurhaus Aachen und hat für das kommende Jahr einen Vertrag als Trainer von Tour-Profi Matthias Bachinger (München) in der Tasche.
Der frühere Davis-Cup-Spieler Alexander Waske leitet seit zwei Jahren seine eigene Tennis-Akademie auf der Offenbacher Rosenhöhe.
Hordorff stärkt Schüttler
Blieben Michael Kohlmann und Rainer Schüttler.
Über Schüttler, den er als Trainer, Berater und Manager zur Nummer fünf der Welt machte, sagt Hordorff: "Für Rainer sprechen seine Unabhängigkeit und sein problemloses Verhältnis zu Spielern und Medien."
Grundsätzlich müsse man dem DTB die Frage stellen, "warum nicht mit möglichen Kandidaten für die Kühnen-Nachfolge rechtzeitig Gespräche geführt wurden".
DTB-Vorgehen "peinlich"
Spätestens beim Power Horse World Team Cup im Mai in Düsseldorf, wo sich die Spieler gegen Kühnen als Teamchef ausgesprochen hatten, sei klar gewesen, dass "die Ära Kühnen so nicht weitergehen konnte".
Es sei ausserdem "peinlich", dass der DTB-Pressesprecher einen Tag vor Kühnens keineswegs überraschendem Rücktritt öffentlich verkündet habe, "dass man keinen Plan B hat".
Teamchef nicht den Spielern unterstellt
Die Position des Davis-Cup-Kapitäns ist laut Hordorff "definitiv keine, die nach einzelnen Wünschen von Spielern vergeben werden sollte. Der Teamchef ist im deutschen Herrentennis der wichtigste Angestellte und somit dem DTB unterstellt, nicht den Spielern."
Dem DTB müsse man allerdings vorwerfen, stets so getan zu haben, als ob alles in Ordnung sei: "Aussagen, dass ein neuer Vertrag mit Patrik Kühnen nur eine Formsache sei, haben nicht gerade geholfen, die Situation zu bereinigen."
Team statt Einzelkämpfer
Ebenso wie zuletzt Tommy Haas bringt auch Hordorff den Namen Gerald Marzenell ins Gespräch: "Ihn kenne ich noch aus seiner Zeit als Fed-Cup-Coach, da hat er wie auch in der Bundesliga in Mannheim einen hervorragenden Job gemacht."
Die Position des Davis-Cup-Teamchefs sei allerdings nichts für einen Einzelkämpfer: "Wichtig ist, ein Team zu finden, das zusammenpasst und das deutsche Herrentennis wieder nach vorne bringt. Ein wichtiger Baustein kann auch Stefan Eriksson sein, der ja den Stützpunkt Oberhaching seit vielen Jahren erfolgreich leitet."
Modell Pilic wäre "optimal"
Grundsätzlich favorisiert Hordorff das Modell Niki Pilic:
"Ein Teamchef, der so wie Niki damals die Rolle ausfüllt, dazu ehemalige Profis, die sich um die Nachwuchsarbeit kümmern und unabhängig und ohne Interessenkonflikte das deutsche Herrentennis wieder nach vorne bringen - das wäre optimal."
SPORT1