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27.06.2018 Le Puy-en-Velay
Ich besichtige die Place du Breuil, bis das Touristenbüro öffnet und hole mir dann eine Anleitung zum historischen Stadtrundgang. Diese in Hand, beginne ich: Eglise Saint-Georges (noch geschlossen); Place du Martouret, Hotel de Ville (1766), Rue Courrerie, Place du Plot, Rue Chamarlenc, wo fratzenartige Skulpturen an der Fassade sind, Rue Chenebouterie, Rue Raphael, wo mir das Logis des Alix Celliers (16. Jhdt) auffällt, Place des Tables und die zur Kathedrale hinaufführende Monumentaltreppe Rue des Tables. Am linken oberen Ende befindet sich das Hotel Dieu (heute ein Museum und Kongresszentrum); die Treppe führt direkt in die Mitte der Kathedrale und vor den Altar mit der Schwarzen Madonna. Links vom Altar befindet sich in einer Kapelle der „Fieberstein“. In einer Seitenkapelle, der Reliquienkapelle ist ein Priester beim Vorbereiten eines Gottesdienstes. An der Wand ist ein prachtvolles, farbenfrohes Fresko der vier freien Künste (Grammatik, Logik, Rhetorik, Musik). Nicht fehlen darf eine St. Jakobsstatue, da Le Puy-en-Velay eine wichtige Station auf dem Jakobsweg ist. Ich besuche nun den Kreuzgang, der in meinem Museumspass nicht enthalten ist. Besonders erwähnenswert sind die Kapitelle, die Menschen und Tiere zeigen. Die Bögen im Erdgeschoss sind romanisch, mit zwei verschieden farbigen Steinen gebaut. Die oberen Stockwerke sind gotisch. Der Kapitelsaal hat ein bereits leicht gotisches Tonnengewölbe. Er diente als Grabstätte von Klerikern. Die Stirnseite ist mit einem grossen Fresko im byzantinischen Stil geschmückt. Gegenüberliegend ist das „Gebäude mit den Machikoulis (Pechnasen)“. Im oberen Stock ist der Kirchenschatz ausgestellt, der vor allem aus liturgischen Gewändern besteht. Beim Eingang, ohne die ihnen zustehende Position, stehend die beiden Statuten von Pierre Vaneau, Deux escalves representant les nations moscovite et tartare (1687). Ob der Pferdezaum von Kaiser Konstantin tatsächlich aus einem Nagel von Christi Kreuz gefertigt wurde, bleibt ungewiss. Ich laufe an der Cahpelle des Pénitents vorbei und erklimme ich den Rocher Corneille, auf dem die gusseiserne Statue der Notre Dame de France steht. Die Statue wurde von Jean-Marie Bonnassieux entworfen, aus 213 russischen Kanonen, die im Krimkrieg erbeutet wurden, gegosssen und am 12. September 1860 eingeweiht. Sie ist 16m hoch und wiegt 110 Tonnen (jeweils ohne Sockel). Die Einzelteile sind verschraubt. Was ich nicht vermutet habe: Man kann im Inneren der Statue auf einer ganz engen Wendeltreppe bis in die Brust der Statue steigen. Von hier aus führt eine Leiter in den Kopf, wo eine Plexiglashaube einen Blick über die Krone der Jungfrau ermöglicht. Nun geht es wieder zurück ins Stadtzentrum, vorbei am Tour du Chancelier (13. Jhdt) und am Hotel des Polignac (15. Jhdt) zur Place de la Platriere. Ich laufe zurück zur Unterkunft und hole meinen Scooter. Damit fahre ich erst zum Rocher Saint-Michel d'Aiguilhe. Ich stelle ihn bei der achteckigen Chapelle St. Clair (12. Jhdt) ab. Diese besuche ich vorab. Dann klettere ich auf den Rocher Saint-Michel hinauf. Die obenliegende Kirche (10. Jhdt) ist im romanischen Stil gebaut, von einem reich verzierten Portal geschmückt und innen sehr dunkel. Im Super-U hole ich mir etwas zum Essen und zum Trinken und fahre zur Festung von Polignac (11.-17. Jhdt). Dort habe ich ein Riesenglück: Die Kasse wäre eigentlich schon geschlossen, doch der Kassier tauscht mein Ticket doch noch gegen einen Token um, mit dem ich die Festung betreten kann. So esse ich erst mein Mittagessen – ein eigenartiger Wurstwecken – und besichtige dann die Festung. Die Burg wurde während der französischen Revolution verkauft und ist danach rasch zerfallen, so dass heute nur noch eine Ruine da ist. Es ist eine Sonderausstellung zum Thema Spiele im Mittelalter im Gange, so dass alle möglichen Spiele in Originalgrösse und bespielbar aufgestellt sind. Durch das Tor und die Mausefalle gelangt man in den Hof. Erhalten geblieben ist eine ehemalige Wachstube. Funde zeugen von einer ehemaligen Windmühle. Die Werkstätten und der romanische Wohntrakt sind stark zerfallen. Hinter den Fundamenten der Kapelle findet man in den Fels gehauene Gräber. Zwei Brunnen gibt es: Den Schlund, 83.5m tief und den Orakelbrunnen, der effektiv nur das Wasserloch der Zisterne ist. Der Bergfried ist noch vollständig erhalten und besteigbar. Unten sind Ueberreste aus römischer Zeit eingelagert. Die Böden der einzelnen Stockwerke fehlen völlig. Durch eine Wendeltreppe in der Wand erreicht man die Zinnen, von wo aus man eine schöne Aussicht über Polignac hat. Nach dem Besuch der Festung schaue ich mir noch kurz die Kirche an, die romanisch mit leicht gotischem Einschlag ist. Beim Zurückfahren halte hole ich noch etwas im Supermarkt und halte kurz beim Rocher Saint-Michel d'Aiguilhe. Ich stelle ihn bei der Unterkunft ab und mache noch meinen historischen Stadtrundgang fertig: Gebäude der Schwester von St. Franziskus von Assisi in der Rue Saint-Mayol. In der Rue Saint-Georges schaue ich einer Frau beim Klöppeln, dem typischen Handwerk dieser Region, zu. Ich besuche noch die grosse, einschiffige Kapelle des Couvents Sainte-Claire, den Place du Planet de la Rabe, den Marché couvert (heute ein Supermarkt und ein Traiteur), die Häuser an der Rue de l'ancienne comédie und die Statue von Lafayette. In der Nacht vom 22. auf den 23. Dezember 1943 wurde sie von Kämpfern der Resistance entfernt und versteckt, um einer Vernichtung durch die deutschen Besetzer zuvorzukommen. 1945 wurde sie wieder an ihren alten Platz montiert. Am Tour Panessac vorbei (der ursprünglich ein Zwillingsturm war, aber von dem nur eine Hälfte erhalten geblieben ist) gelange ich zum Kloster St. Laurent (14. Jhdt), dessen Kirche im schlechten Untergrund immer wieder vom Einsturz bedroht und deshalb mit heftigen Stützmauern versehen wurde. Die dreischiffige Kirche weist ein schönes Portal auf und ist innen stimmungsvoll beleuchtet. Nochmals gelange ich zum Rocher Saint-Michel d'Aiguilhe, wo ich mit einem Herrn plaudere, der den Felsen soeben mit seiner Drohne umflogen hat. Schliesslich laufe ich Richtung Unterkunft, besuche aber noch im Hotel Dieu die Ausstellung über bedrohtes Weltkulturerbe. Beim Eingang hängt ein Bild von Julien Michel Gué, Le Combat de la Porte Pannessac en 1562 (1833), das darum interessant ist, weil ich ja soeben an diesem Turm vorbeigekommen bin. Mein Fussgelenk zwingt mich nun zur Ruhe und ich ziehe mich in die Unterkunft zurück.