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Die G 3/3 Nr 5 war die erste einer Serie von 3 baugleichen Loks, welche Anfangs des vergangenen Jahrhunderts von der SLM Winterthur für die Waldenburgerbahn gebaut wurden. Mit der SLM-Seriennummer 1440 wurde sie am 26. August 1902 an die WB ausgeliefert; ihr Verkaufspreis betrug dannzumal CHF 25’000.-. Sie erhielt die WB-Bezeichnung Nr 5 «Gedeon Thommen», benannt nach dem Begründer der Bahn. Bereits nach zwei Tagen nahm sie ihren Liniendienst auf und erwies sich als zuverlässige Maschine. Einzig am 19. Oktober 1933 erlitt sie einen Achsbruch. In der Folge erreichte sie leider nie mehr die Zuverlässigkeit und frühere Laufruhe, und sie neigte zum heisslaufen.
Die Lok Nr 5 wurde nach der erfolgten Elektrifizierung der Bahn Ende 1953 ausser Dienst gestellt. Bis dahin hatte sie während rund 51 Betriebsjahren im Liniendienst insgesamt 1’020’318 Kilometer zurückgelegt – auf einer rund 14 km langen Strecke sicherlich eine respektable Leistung! Nach ihrem Ausscheiden aus dem Fahrdienst blieb sie bis 1961 als operative Reserve im Depot Waldenburg remisiert, bis die Stadtgemeinde Liestal Interesse anmeldete, die Lok in ihrem Bahnhof als Freilichtdenkmal auzustellen. So wurde sie im August 1961 vis-à-vis dem Perron 2 auf einen Sockel gestellt und verblieb dort 14 Jahre lang, dem Wind, Wetter und Vandalismus ausgesetzt. Die zweite baugleiche Maschine mit der SLM-Seriennummer 2094 (am 23. Februar 1910 als WB11 «Langenbruck» ausgeliefert) wurde ebenfalls 1953 aus dem Betrieb genommen und 1954 verschrottet. Die dritte G3/3, Nr 6 «Waldenburg» mit SLM-Seriennummer 2276, (am 23. September 1912 ausgeliefert) wurde vom Eisenbahn-Modellclub in Luzern für 2’000 Franken erworben. Nach einer Aussenrevision schenkten diese die Maschine dem soeben gegründeten Verkehrshaus in Luzern, wo sie seither als kleinste Lokomotive für den konzessionierten öffentlichen Verkehr der Schweiz mit 750 mm Spurweite ausgestellt ist. Sie feierte übrigens am 23. September 2012 dank der Restaurationsarbeiten der Dampf-Arbeitsgruppe öffentlich ihren 100. Geburtstag!
Als in den 70er Jahren im Waldenburgertal die Idee aufkam, einen Dampf-Nostalgiezug zu betreiben, stand die Lok 5, «Gedeon Thommen», in Liestal betriebsunfähig und in zunehmend schlechteren Zustand auf ihrem Denkmalsockel. Ihre erneute Inbetriebssetzung kam aus Kostengründen nicht in Frage, und die Lok Nr. 6 stand in nicht betriebsfähigen Zustand im Verkehrshaus Luzern. Die Waldenburgerbahn verfügte somit über keine Lok, welche dafür hätte eingesetzt werden können. Im Herbst 1970 schloss die WB deshalb mit der Vereinigung «Eurovapor» einen Vertrag ab für den Betrieb einer solchen Dampfbahn, unter Einhaltung der relevanten Vorschriften. «Eurovapor» beschaffte die Tenderlok C1 Nr 298.14 der ÖBB (Steyrtalbahn) samt drei Anhängern. Bereits zum Anlass des 90-jährigen Jubiläums der Waldenburgerbahn am 1. November 1970 konnte dieser österreichische Zug öffentliche Fahrten durchführen. Trotzdem war dieser Dampfzug (inzwischen mit dem Übernahmen «Hotzenplotz» versehen) irgendwie ein Fremdkörper – sie passte einfach nicht ins Waldenburgertal. Auch die verwendeten drei kleinen österreichischen Anhängewagen stammten nicht aus dem Fundus der Waldenburgerbahn und hatten keinen historischen Wert.
In dieser Zeit reiften ein paar Initianten die Idee, die als Denkmal in Liestal stehende WB5 «Gedeon Thommen» wieder in betriebsfähigen Zustand zu bringen und für öffentliche Dampf- sowie private Fahrten einzusetzen. Am 30. Juni 1975 wurde sie in Liestal wieder auf die Geleise gestellt und nach Waldenburg zurück geschleppt. Eine Arbeitsgruppe von Freiwilligen – nicht WB-Angestellten! – machte sich in ihrer Freizeit an die sehr aufwändige Arbeit, die vom Zahn der Zeit stark mitgenommene Lok wieder in fahrbar zu machen. Es war das Ziel, sie möglichst in eigener Regie zurück in den Originalzustand herzustellen. Einzig mussten Kessel und Feuerbüchse in Knittelfeld (D) revidiert werden, aber alle anderen Teile wurden weitestgehend in Eigenregie aufgearbeitet. Die früher verwendete Vakuumbremse (System Hardy) wurde gegen eine Druckluft-Bremse System Knorr ersetzt, da zwischenzeitlich die ganze Bahn auf dieses System umgestellt hatte. Eine Streckenblocksicherung und eine Funkanlage war ein weiteres Zugeständnis an den modernen Fahrbetrieb.
Pünktlich zum 100-jährigen Jubiläum der Waldenburgerbahn im Juni 1980 fuhr die „neue“, alte WB5 «Gedeon Thommen» wieder unter Dampf ihre alte Stammstrecke. Auf die «Hotzenplotz», die wieder nach Österreich zurück transportiert wurde, wartete eine unserere Zukunft, und so wurde sie ende der 90-er Jahre verschrottet.
Die Wartung der «Gedeon Thommen» sowie sämtliche Reparaturen werden wie damals vollumfänglich von der ehrenamtlichen Dampf-Arbeitsgruppe durchgeführt. Diese Arbeiten sind nicht trivial; einerseits ist die Lok äusserst wartungsintensiv – in ihrem Baujahr achtete man noch nicht auf derlei Dinge – und andererseits gibts keinerlei Ersatzteile oder Baupläne mehr. Sämtliche Teile müssen deshalb eigens vermessen und in Handarbeit hergestellt werden. Die Dampfgruppe erledigt all diese Arbeiten ehrenamtlich in ihrer Freizeit.
Trotzdem präsentiert sich die Maschine heute in technischer und optischer Höchstform: vermutlich selten in ihrer regulären Dampfzeit war sie in einem so guten Zustand wie heute. Die gewissenhafte Arbeit der Dampfgruppe, die jährlichen Abnahmen des eidgenössischen Kesselinspektors, die strenge Kontrolle der Betriebsleitung der Waldenburgerbahn und nicht zuletzt die schonende, liebevolle Behandlung und Fahrweise der Dampfgruppe garantieren die technische und operative Fahrsicherheit.
Die weitere Zukunft dieses Zuges und insbesondere dieser kleinen Lok ist mehr als ungewiss. Ihre letzte Fahrt der Saison 2014 machte sie am 8. November, zu Ehren des 100. Geburtstags von Fritz Miesch, also dem Mann, dem der Dampfzug so viel zu verdanken hatte. Hoffen wir, dass der 8. November 2014 nicht auch das Ende des Dampfbetriebs im Waldenburgertal markiert!
Literaturhinweis Friedrich Gysin: Waldenburgerbahn, die Schmalspurbahn in Baselbieter Jura Verlag Dietschi AG, Waldenburg. ISBN 3-905404-14-1