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Das gesunde Gefässsystem
Das Kreislaufsystem dient der geregelten Versorgung der Körpergewebe mit Sauerstoff und Nährstoffen sowie dem Abtransport von Kohlendioxid und Stoffwechselabbauprodukten. Dafür sorgen 3 miteinander verbundene Systeme:
- Das arterielle System
- Das venöse System
- Das lymphatische System
Das arterielle System
Das arterielle System verteilt das Blut bedarfsgerecht an Gewebe und Organe. Die Hauptschlagader (Aorta) entspringt der linken Herzkammer. Anschliessend gehen die Herzkranzgefässe, dann die Kopf- und Armarterien ab. Es folgen die Gefässe zur Versorgung der Brustraumorgane, danach die Bauchraumorgane. Sie verzweigt sich anschliessend in die beiden Beckenarterien, die ihrerseits die Beckenorgane und die Beine versorgen. Schliesslich endet die arterielle Strombahn in den Kapillaren (Haargefässen).
Die Arterienwände sind elastisch und weiten sich bei jedem Pulsschlag des Herzens aus. Diese Elastizität ist für eine gesunde Funktion von grosser Bedeutung. Dennoch sind die Wände stark, denn sie müssen dem Druck von 120-130mmHg standhalten, der bei jedem Herzschlag entsteht. Der Druck nimmt in Richtung Gewebe immer mehr ab, ist aber auf Höhe der grossen Arterien noch praktisch unverändert. Deshalb ist der am Oberarm gemessene Blutdruck ein zuverlässiges Mass für den Druck am Herzen.
Die häufigsten Krankheitsbilder sind die Arteriosklerose (Arterienverkalkung) mit all ihren Auswirkungen sowie Aneurysmata (Erweiterungen) der arteriellen Strombahn.
Die Aufgabe der Kapillaren besteht im Stoffaustausch mit den Geweben. Ihre Wände sind für bestimmte Stoffe durchlässig. Aufgrund der Durckverhältnisse findet ein reger Austausch von Substanzen statt: Sauerstoff als Energielieferant, zahlreiche Nährstoffe und Flüssigkeit mit Eiweissanteilen gelangen in das Gewebe.
Gleichzeitig wird Kohlenmonoxyd sowie viele Abbauprodukte in die Kapillaren zurücktransportiert. Der grösste Teil der Gewebeflüssigkeit tritt wieder in die Gefässstrombahn ein. An diesem Punkt beginnt das venöse System.
Das venöse System
Das venöse System bringt das Blut wieder zurück zum Herzen. Die venöse Seite der Kapillaren vereinen sich zu immer grösser werdenden Blutleitern und schliesslich zu der oberen und unteren Hohlvene, die in den rechten Herzvorhof eintreten. Die Venen müssen nur einem geringen Druck standhalten. Sie sind viel elastischer und können dadurch ein viel grösseres Volumen fassen als die Arterien.
Hingegen müssen die Venen, besonders an den Beinen, das Blut über eine grosse Distanz gegen die Schwerkraft nach oben transportieren. Dies ist eine erhebliche Leistung, die durch mehrere Mechanismen unterstützt wird.
Der Rückfluss des Blutes wird gefördert durch Klappen, die ein Rückfliessen des Blutes in tieferliegende Abschnitte (gemäss der Schwerkraft) verhindern. Da die tiefen Venen in Armen und Beinen jeweils neben einer Arterie verlaufen, werden sie bei jedem Pulsschlag zusammengedrückt, wodurch das Blut weitertransportiert wird. Durch die sogenannte Muskelpumpe, die beim Gehen weiteren Druck auf die Venen ausübt, wird der Rücktransport weiter verstärkt. Dazu übt das Herz eine Sogwirkung aus, die bei der Einatmung zusätzlich verstärkt wird.
Diese Mechanismen sind oft Ausgangspunkt für Venenerkrankungen.
Nebst den tiefen Venen, die von Muskeln und Weichteilen umgeben sind, besteht ein weitverzweigtes oberflächliches Venensystem.
Somit bestehen verschieden Wege, über die das Blut richtung Herz weitergeleitet wird.
Das venöse Gesamtsystem eines Beins muss im Stande sein, sehr unterschiedliche Mengen an Blut zu fassen. Die Arterien bringen in Ruhe ca. 300ml Blut pro Minute in ein Bein. Bei Anstrengung kann diese Menge bis zum sechsfachen ansteigen. Dieses Blut muss wieder über die Venen abtransportiert werden. Solange alle Venen gut funktionieren, kann diese Aufgabe problemlos bewerkstelligt werden.
Die Fehlfunktionen der Venen sind im Kapitel Krampfadern (Varizen) und chronisch venöse Insuffizienz beschrieben. Wenn sich Blutgerinnsel (Thromben) in den Venen bilden, besteht eine Thrombose.
Das lymphatische System
Etwa 10% der eiweissreichen Gewebeflüssigkeit kann auf Grund der Durckverhältnisse nicht in die Kapillaren rücktransportiert werden. Für sie steht das lymphatische System bereit. Es weist im Gewebe fingerförmige Blindsäcke mit grossen Poren auf. Durch sie kann Flüssigkeit frei eintreten mit den gelösten Substanzen. Auch grössere Eiweissmoleküle treten frei ein. Die Lymphe ähnelt in ihrer Zusammensetzung dem Blutplasma, also den zellfreien Blutanteilen. Einzig der Eiweissanteil ist wesentlich grösser.
Die Lymphgefässe vereinen sich und bilden Sammelgefässe. Sie sind von einer Muskelschicht umgeben, die durch wellenförmige Bewegung den Inhalt weitertransportiert (Peristaltik). Der Rückfluss wird durch Klappen verhindert. An verschiedenen Körperstellen, besondern in Gelenksregionen (Kniekehle, Leiste, Ellbogen, Achselhöhle, auch im Becken- und Bauchbereich) sind im Lauf der Lymphgefässe Lymphknoten zwischengeschaltet. Sie dienen als Filterstationen für Krankheitserreger, Fremdkörper und Zelltrümmer. Spezielle Abwehrzellen erkennen diese und leiten eine entsprechende Reaktion ein.
Die meisten Lymphgefässe sammeln sich in Brustlymphgang (Ductus thoracicus) und münden unter dem linken Schlüsselbein in das Venensystem. Ein kleinerer Teil (nur rechter Brustkastenbereich) mündet auf der rechten Seite. Somit ist der Kreislauf geschlossen.
Die häufigste Störung des Lymphabflusses ist das Lymphödem.