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Goldau
(Kt. und Bez. Schwyz, Gem. Arth). 520 m. Blühendes Dorf, zwischen Rigi und Rossberg und auf der Wasserscheide zwischen Zuger- und Lowerzersee, 9 km wnw. Schwyz. Knotenpunkt der Eisenbahnlinien nach Luzern, Rotkreuz, Zug, Biberbrücke und Rapperswil, nach dem Gotthard und auf den Rigi. Postbureau, Telegraph, Telephon. Zählte noch 1888 nur 22 Häuser und 160 Ew., hat heute 159 Häuser und 1607 Ew., wovon 1398 Katholiken und 208 Reformierte. Filiale der Kirchgemeinde Arth. Seidenindustrie.
Bedeutende Petroleumniederlage. Die Gegend von
Goldau hat durch den vom
Rossberg niedergegangenen grossen
Bergsturz von 1806 eine traurige Berühmtheit erlangt. Der
Bergsturz von
Goldau ist mit demjenigen von
Elm (1881), den er sowohl
an Masse der Sturztrümmer als an Grösse seiner Verheerungen um ein Beträchtliches übertrifft, die grösste in historischer
Zeit erfolgte Katastrophe dieser
Art in der
Schweiz. Beide Ereignisse sind aber verschiedener Natur, indem
dasjenige von
Elm als Felssturz, das von
Goldau als Felsschlipf aufzufassen ist.
Der
Rossberg besteht aus mächtigen
Bänken von tertiärer (miocäner) Nagelfluh, die mit weniger dicken Schichten von Mergeln
und mergeligen Sandsteinen wechsellagern. Alle diese Schichten fallen
nach S. ein und zwar im untern
Abschnitt des
Hanges mit 20-25°, weiter oben dagegen mit 30°. Hier oben nun lagerte eine dicke Masse von Nagelfluhfels ohne
Stützpunkt frei an dem gegen die
Ebene von
Goldau absteigenden Hang und wurde einzig durch natürliche Adhärenz an die unterliegenden
Schichten festgehalten. Es war dies ein Ueberbleibsel einer einst noch grösseren Felsmasse, von der
schon zu viel früheren Zeiten einzelne Teile in die
Tiefe gebrochen sein müssen, wie dies der Fall des noch 1395 zwischen
Goldau und
Steinerberg stehenden und später von einem ähnlichen Felsschlipf zerstörten Dorfes
Röthen zeigt. Seit dieser
Zeit hatte sich am ganzen Hang
Wald angesiedelt, so dass Niemand mehr an eine neue Katastrophe dachte.
Nun kam das Jahr 1806. «Durch zahlreiche senkrechte Spalten in der obersten, ca. 30 m dicken Nagelfluhschicht, wie sie auch jetzt noch im nicht losgebrochenen Teil beobachtet werden können, drang das reichliche Schnee- und Regenwasser jenes Jahres oben am Ross- (Gnippen-) Berge auf etwas darunterfolgenden mergeligen Sandstein und endlich auf ein dunkelgraues, bituminöses und hie und da Pflanzenreste enthaltendes Mergellager von 2 bis 3 m Mächtigkeit ein und durchweichte dasselbe. Man bemerkte, wie diese Spalten sich langsam erweiterten und hörte im Wald von Zeit zu Zeit ein Knallen, von den dadurch zerreissenden Baumwurzeln herrührend. Der Boden erhielt neue Risse und Aufstauungen in Form von Rasenhügeln, die sich über einander schoben; manche Tannen sanken um. Der Besitzer des obersten Hauses am Berge hatte schon einige Tage vor dem 2. September seine Wohnung abgebrochen und das Holzwerk an eine ihm sicherer scheinende Stelle gebracht. Am ganzen Vormittag und Nachmittag des 2. September fanden von Zeit zu Zeit an den Felswänden des Gnippenberges Abbrüche einzelner kleinerer Felsmassen statt, und man vernahm anhaltendes Getöse im Berge. Bald nach 4 Uhr öffnete sich hoch oben quer über den Berg eine Spalte, die mit jedem Augenblick tiefer, breiter und länger wurde». Der so abgetrennte ¶
mehr
Schichtfetzen fing an, zu Thal zu glitschen; die Bewegung wurde immer schneller, die Felsmasse zerschlug sich unterwegs in
tausende von kolossalen Blöcken und bildete einen wahren Strom von Steinen, der mit furchtbarem Getöse strahlig auseinanderschoss
und, 1000 m hoch herabkommend und eine in Horizontalprojektion 4 km lange Sturzbahn durcheilend, auf
einen Schlag das blühende Gelände von
Goldau mit einer Trümmermasse von 15 Millionen m überschüttete, Alles in eine undurchdringliche
Steinstaubwolke einhüllte, einer mächtigen Welle gleich noch weit am gegenüberliegenden Hang des Rigi hinaufbrandete und
das Becken des Lowerzersees zu einem Vierteil ausfüllte.
Das ganze derart verwüstete Gebiet heisst heute «Im Schutt». 457 Menschen verloren das Leben, 14 konnten
noch lebend wieder ausgegraben werden. Es gingen in
Goldau, Unterröthen u. Busingen 111 Wohnhäuser, 2 Kirchen, 220 Scheunen
und Ställe zu Grunde. Die Ausbruchsnische oben am Kamm des Rossbergs kann heute noch sehr deutlich gesehen werden, so dass
daraus die Grösse der abgeglittenen Felsmasse bestimmt werden konnte. Es war eine Schicht von 320 m
Breite, 32 m Dicke und 1500 m Länge, woraus sich das schon erwähnte Volumen von etwa 15 Millionen m3 ergibt. Es hat sich
seither im untern Teile des Hanges und auch in der Thalebene etwas Wald angesiedelt, der aber die leichte
Uebersicht über das ganze Zerstörungsgebiet nicht zu hindern vermag. Der Name
Goldau ist herzuleiten von Goletau; golet
= Schutt, Trümmer; es muss deshalb auch aus dem Namen auf ein früheres Ereignis dieser Art geschlossen werden. Vergl.
Zay, Dr.
Goldau und seine Gegend ... Zürich
1807. - Meyer v. Knonau, Gerold. Der Kanton Schwyz
(Gemälde der Schweiz. V).
St. Gallen
und Bern
1835. - Heim, Alb. Ueber Bergstürze (Neujahrsbl. der natur f. Gesellsch. Zürich.
1882). Zürich
1882.