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Michael Jackson Biografie
Die frühen Jahre
Artikel vom 3. August 2009
Hanspeter Künzler hat seine Biografie Black or White. Micheal Jackson. Die ganze Geschichte
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vor dem Tod des
„King of Pop“ geschrieben. Nachdem er auf einer Bank vor der Xenix Bar
in Zürich sitzend vom tragischen Ableben des Künstlers erfuhr, wurden der
Biographie nur einige Seiten zu Beginn und zum Ende einfügt.
Anders als andere Biografen, die ihre Werke grundlegend umdenken müssen,
weil sie entweder zu vernichtend oder zu hagiographisch ausgefallen sind,
hat es Hanspeter Künzler weitgehend geschafft, einen Mittelweg zu finden.
Die Gegenüberstellung von Black or White, den negativen und den
positiven Seiten zu jedem Lebensabschnitt von Michael Jackson, ist ein
lobenswertes Konzept, insbesondere weil er den vielen Märchen um den Star
nicht aufgesessen ist, die Fakten besser überprüft und wohl zumeist richtig
interpretiert hat. Das definitive Werk zu Michael Jackson ist es sicher
nicht. Viele Details werden erst jetzt bekannt bzw. überprüfbar. Auf 250
Seiten liessen sich nicht alle Facetten des schillernden Lebens ausleuchten.
Ein besserer Lektor hätte dem Buch gut getan. Doch insgesamt bietet Künzler
einen guten Einstieg ins Leben und Werk von Michael Jackson.
Michael Jackson Biografie
Michael Jackson sollte man als Gesamtkunstwerk begreifen. Musik, Tanz,
Kleidung, Aussehen und Lebensstil gehörten zusammen. Sein
Künstlerleben begann, als er noch in Kinderschuhen stand.
Michael Jackson wurde am 29. August 1958 in Gary, Indiana, geboren. Sein
Vater war Kranführer in einem Stahlwerk, der zusätzlich Arbeit auf
Kartoffelfeldern und als Schweisser annahm. Daneben versuchte er sich
erfolglos mit der mit seinem Bruder formierten R&B-Band The Falcons als
Musiker zu etablieren, kam dabei aber über lokale Bars nicht hinaus.
Michaels Mutter Katherine träumte von einer Karriere als Sängerin, sang aber
nur zuhause und arbeitete im Kaufhaus Sears, wenn das Geld mal besonders
knapp wurde.
Nur 50 km von der Musikmetropole Chicago entfernt, hatte sich auch in Gary
eine Musikszene, vor allem mit Blues-Musikern aus dem Mississippi-Delta
entwickelt. Daneben wohnte dort zum Beispiel auch die Doo-Wop-Gruppe The
Spaniels. Michael Jackson selbst nannte früh den Doo-Wop-Sänger Frankie
Lymon als eines seiner Vorbilder. Dieser stand bereits mit 13 mit Liedern im
Rampenlicht, die nicht unbedingt zu einem Kind passen. Er war auch im
schlechten ein Vorbild, der nicht mit dem Erfolg umgehen konnte, mit 25
bereits in dritter Ehe stand und 1968 an einer Überdosis Heroin starb.
Das Ehepaar Joe und Katherine Jackson verfolgte die Entwicklung der Popmusik
so gut es mit den bescheidenen Mitteln einer armen Grossfamilie mit zehn
Kindern, von denen eines am Tag nach der Geburt verstorben war, ging.
Michael war der Achtgeborene.
Die Kinder sangen oft mit ihrer Mutter vorzugsweise Volkslieder und Country&Western
Songs, wann der Vater fort war. Tito nahm verbotenerweise Vaters Gitarre aus
dem Schrank, wenn zuerst Jackie, Tito und Jermaine als Gruppe zusammen
spielten. Einmal riss eine Seite, weshalb die Kinder und die Mutter die
Sache nicht verheimlichen konnten und es für Tito vom Vater eine Tracht
Prügel setzte. Doch erkannte das Talent seiner Kinder, als die zusammen
sangen und er brachte Tito am nächsten Tag eine brandneue, feuerrote Gitarre
nach Hause. Fortan überwachte der Vater die Proben seiner Sprösslinge.
Der kleine Michael soll bereits mit 3 Jahren herzzerreissend gesungen haben.
Mit 5 durfte bei der Familiengruppe mitsingen. Im Kindergarten begeisterte
Michael bei einer Show Lehrer und Eltern. Wenig später setzte der 12jährige
Jackie durch, dass Michael anstelle von Jermaine der Leadsänger bei den
Jackson Brothers wurde. Michael wurde als bereits als Winzling als
talentiertester der Jackson-Brüder anerkannt.
Was die harte Erziehung der Kinder durch Joe Jackson in den frühen 60er
Jahren anging, so vergleicht sie Hanspeter Künzler mit jener der Beach Boys
durch ihren Vater in den 50ern. Beide Väter verwiesen auf die
Hitparaden-Bilanz, wenn ihre Methoden und Verdienste angezweifelt wurden.
Beide Väter fügten ihren Kindern bleibende Schäden zu. Michael Jackson litt
stark darunter, auch wenn er als Begabtester vom Vater weniger hart
drangenommen wurde, aber laut Künzler zum Beispiel schon einmal stundenlang
in einen Schrank gesperrt wurde.
Joe Jackson sagte 2002 dem Journalisten Louis Theroux, dem er für das
Interview $5000 abknüpfte, auf die Anschulding, Michael habe gesagt, er,
Joe, habe ihn mit Ruten und Gürteln geschlagen:
„Geschlagen habe ich ihn nie mit Rute und Gürtel! Gepeitscht
habe ich ihn damit! Schlagen tut man jemanden mit einem Stock, nicht
doch mit Rute und Gürtel!“ Zu sehen im Dokumentarfilm Louis, Martin &
Michael.
Die Disziplinierwut von Vater Joseph Joe Jackson, die Künzler neben den
Beach Boys auch bei Ike im Verhältnis mit seiner Gruppe um
Tina Turner
oder bei
James Brown diagnostiziert, gehörte zu einer untergehenden Epoche, die
im Umbruch der 60er Jahre endete.
Die Jacksons gehörten über die Mutter zu den Zeugen Jehovas, bei denen der
Vater das Oberhaupt der Familie ist. Vergnügen waren verpönt. Dazu gehörte
auch das Spielen mit Nachbarkindern.
Joe Jackson hatte ein Gefühl und offenes Ohr für die Veränderungen in der
Musik. So hörte er wie seine Söhne aufmerksam Smokey Robinson & The Miracles
bei
„Tracks of My Tears“ zu, obwohl er mit seiner Band Muddy Waters und
Howlin' Wolf pflegte.
Im Frühjar 1965 traten die Jacksons erstmals bei einer Modenschau für Kinder
öffentlich auf. Die von der Familie vorgeschlagenen Namen The Jackson Family
und The Jackson Brothers klangen den Organisatoren zu altmodisch, weshalb
sie The Jackson 5 vorschlugen. Die Jacksons folgten dem Rat und trugen
fortan den neuen Namen, mit dem sie nur wenige später den stadtweiten
Talentwettbewerb an der Roosevelt High School mit dem Temptations-Hit
„My Girl“ gewannen. Zwei Monate später siegten die Jackson 5 auch
beim jährlichen Talentfestival im Gilroy Open Air Stadium von Gary. Michael
Jackson steuerte beim Song
„Barefootin'“ von Robert Parker neben dem Gesang auch eine furiose
barfüssige Tanzeinlage bei. Von nun an fuhren die Jackson mit einem VW-Bus
regelmässig an den Wochenenden zu Talentwettbewerben, manchmal mehrere
hundert Kilometer weit. Joe steckte seine Söhne in einheitliche Anzüge und
liess sie hart erarbeitete Shows darbieten.
Im Gegensatz zu vielen Soul- und Funkgruppen jener Zeit führte der Weg der
Jackson 5 nicht über die Kirche. Im Gegenteil, wie Künzler darstellt. Sie
traten in Nachtklubs mit Strip-Shows auf, bei denen so manches Abenteuer mit
„Freundinnen“ auf die älteren Brüder und den Vater warteten, wovon der
kleine Michael überfordert war und die Mutter natürlich nichts erfuhr, denn
schliesslich gehörte sie zu den Zeugen Jehovas.
Im Herbst 1966 fand Joe Jackson seine Kinder reif für die ersten
Plattenaufnahmen. Motown Records in Detroit sandte die Demos nach drei
Monaten allerdings wieder zurück. The Jackson 5 erhielten unterdessen
Engagements in mehreren namhaften Nachtclubs in Chicago und operierten im
„Chitlin' Circuit“, einer Reihe von Clubs und Theatern im Osten und
Süden der USA, zu denen namentlich das Apollo Theatre in Harlem, NYC,
gehörte. Die Jackson 5 gewann drei Mal hintereinander den wöchentlichen
Talentwettbewerb im Regal Theatre in Chicago. Als Belohnung wirkte ein
Auftritt im Vorprogramm eines Stars gegen Bezahlung. The Jackson 5 durften
so vor Gladys Night and the Pips auftreten, die nun zu Motown gehörten. Joe
Jackson schaffte es zwar nicht, James Brown sowie Sam & Dave zu überzeugen,
seine Söhne in ihrem Vorprogramm auftreten zu lassen, doch sorgte Dave
Prater von Sam & Dave dafür, dass die Jackson 5 im Apollo Theatre in Harlem
einen Auftritt erhielten. Am 13. August 1966 konnten sie sich dort an der
Amateur Night vor kritischem Publikum durchsetzen.
Diese brachte den Jackson 5 bessere Auftritte in Vorprogrammen. Michael
Jackson studierte dabei aufmerksam seine Vorbilder.
Michael Jackson, James Brown und der Moonwalk
James Brown brauchte laut Künzler eines Abends in der Garderobe bei, wie
man ein Mikrofon loslassen und wieder auffangen konnte, ehe es auf den Boden
krachte. Im Internet lässt sich ein auch Video finden, wie Michael Jackson
mit 5 oder 6 (?) James Brown perfekt imitiert. Ebenfalls im Web zu finden
ist ein Video das Michael
als erwachsenen Gast bei einem James Brown-Konzert zeigt, bei dem er auf
die Bühne kommt, Brown imitiert und dabei einen Moonwalk im
Stil von Brown hinlegt. Damit wäre geklärt, dass der Moonwalk nicht von
Michael Jackson erfunden wurde. Der Moonwalk entstand aber sogar noch
früher. Im Internet lässt sich
zum Beispiel einer des Stepptänzers Bill Bailey (1912-1978) von zirka 1955
finden. Doch andere Stepptänzer bzw. Tänzer dürften ihn noch früher gezeigt
haben. Wie auch immer,
Michael Jackson beherrschte den Moonwalk wie kaum jemand vor und nach ihm. Vor allem
war er der Mann, der ihn weltweit populär machte.
Laut Künzler war es für Michael Jackson wegweisend, dass er die Texte der
Songs oft nicht verstand, weshalb er sich umso mehr an den Tanz und die
Bühnenpräsentation klammerte, wodurch er zum herausragenden Allrounder
wurde. Dabei half im die Orientierung an James Brown, der - laut Künzler als
erster - so gut tanzte wie er sang. Michael Jackson
wollte die Zuhörer und Zuseher als Performer mitreissen, was ihm auf Grund
seiner Bühnenpräsenz gelang.
Bei Motown unter Vertrag
Im Herbst 1967 brachte Vater Joseph Jackson neue Demo-Aufnahmen von Songs
nach Hause, die von Gordon Keith, einem Stahlarbeiter wie er, komponiert
waren. Keith hoffte sich als Produzent und Songschreiber nach dem Vorbild
von Motowns Berry Gordy zu etablieren. Die erste Single der Jackson 5 hiess
„Big Boy“ und erschien im Januar 1968 auf Keiths Label Steeltown. Der
Produzent schloss mit der Plattenfirma Atco einen Vertrag zum landesweiten
Vertrieb ab. Laut Künzler tat die Aufnahme Michaels Stimme keinen Gefallen,
doch dank eines knackigen Bass-Riffs von Jermaine Jackson wurde die Single
ein Lokalhit.
Im Juli 1968 traten The Jackson 5 im Vorprogramm von Bobby Taylor & The
Vancouvers in Chicago auf. Die gemischtrassige kanadische Truppe war bei
Motown unter Vertrag. Taylor war von den Jackson 5 so begeistert, dass er
sie dem Direktor Ralph Seltzer von Motowns Kreativabteilung zum Vorsingen
empfahl. Noch vor dem Vorsingen wurde die Familiengruppe von David Frost in
seine TV-Show in New York eingeladen.
Am 23. Juli 1968 erschienen die Jacksons zur Vorspielprobe bei Motown
Records in Detroit. Die Motown angestellten applaudierten nach den Songs
nicht. Seltzer sagte nur, er werde sich in zwei Tagen melden. So war die
Stimmung der Jackson bei der Heimfahrt gedrückt. Berry Gordy sah sich die
gefilmten Aufnahmen an und entschied, die Band sei sofort unter Vertrag zu
nehmen. Am 27. September hatten sie bereits ihren ersten Auftritt als Motown
Künstler bei einem Benefiz-Konzert für den Kandidaten für das
Bürgermeisteramt in Gary, Indiana. Der Legende nach soll Diana Ross die Band
dabei entdeckt haben, doch Künzler verweist darauf, dass dies nur ein
PR-Trick von Berry Gordy war und sich Diana Ross damals in Los Angeles
befand.
Berry Gordy war mit Motown einer der ersten Schwarzen, der sich in den
weissen Charts durchsetzen konnte. Er war
„farbenblind“, unterschied nicht zwischen schwarzer und weisser Musik.
Da sah sich später auch der Solokünstler Michael Jackson.
Im Herbst 1968 nahmen The Jackson 5 die ersten Songs für Motown auf. Ihr
Entdecker Bobby Taylor agierte als Produzent. In einer Woche im Dezember
1968 dominierte Motown die Hitparade fast vollständig. Fünf Songs standen in
den Top 10, wobei Marvin Gaye, Stevie Wonder und Diana Ross & The Supremes
die ersten drei Plätze belegten.
Künzler legt dar, dass Berry Gordy als Geschäftsmann rücksichtslos war und
vor miesen Tricks nicht zurückschreckte. So erhielten The Jackson 5 nur 6%
von 90% des Grosshandelspreises abzüglich Steuern und Verpackung. Pro Nase
blieben so den fünf Bandmitgliedern pro verkauftem Album nur je zwei Cents.
Die Entscheidung über die einzuspielenden Songs lag bei Motown. Die Rechte
am Namen Jackson 5 und Jackson Five trat die Familienband an Motown ab.
Sollte einer die Band verlassen, durfte er in keinem PR-Text die frühere
Bandzugehörigkeit erwähnen. Nach dem Verlassen von Motown durfte die Band
fünf Jahre warten, ehe sie neue Platten bei einem anderen Label
veröffentlichen durfte. Joseph Jackson hatte einen schlechten Vertrag
unterschrieben. Zudem hatte er
„vergessen“, Gordy darauf hinzuweisen, dass seine Kinder bei Steeltown
Records unter Vertrag standen. Zudem zog Gordy im August 1968 nach Los
Angeles, wo er seiner Geliebten Diana Ross im Filmbusiness zum Durchbruch
verhelfen wollte. In Detroit blieb eine Rumpforganisation zurück.
Noch im August 1969 war Berry Gordy vom Potential der Jackson 5 nicht
überzeugt, hingegen schon, dass er mit Michael ein herausragendes Talent an
Land gezogen hatte. Die Jacksons reisten nach Kalifornien. Gordys kreative
Assistentin Suzanne de Passe bereitete die Stars auf ihre Motown-Zukunft
vor. Sie lernte die Jungs Manieren und korrektes Reden. Lektion zum
Medienumgang gehörten ebenso dazu wie Imageberatung.
Diana Ross führte The Jackson 5 im exklusiven Nachtklub Daisy's Disco einem
handverlesenen Publikum von 300 VIPs vor, natürlich als ihre Entdeckung.
Berry Gordy wusste, wie man einen
„Hype“ ankurbelte, notiert Künzler dazu. Der Songschreiber Deke Richards
schrieb das für Gladys Night and the Pips komponierte
„I Want To Be Free“ für die Jacksons um in
„I Want You Back.“ Es gab Schwierigkeiten bei der Aufnahme der
Single, für die mehr Zeit beansprucht wurde als für den ganzen Rest des
Albums. Die Single wurde auch nicht sofort zum Hit.
Gordy machte klar, dass The Jackson 5 nicht mit kleinen Gagen anfangen
würden, sondern unter $25,000 nicht zu haben seien. Michael Jackson wohnte
damals bei Diana Ross. In seiner Autobiografie Moonwalk zeigte sich
Michael dankbar und enthusiastisch über jene Zeit bei Diana Ross. Das
Debüt-Album der Jackson 5 erschien am 18. Dezember 1969 und schlug ein. Die
Single
„I Want You Back“ erreichte am 31. Januar 1970 die Spitze der Charts.
Es war Passe gewesen, die Gordy darauf hinwies, dass der Wind gedreht hatte,
„Farbenblindheit“ nicht mehr gefragt war, sondern Afro-Frisuren und
Fragen der rassischen Identität auf dem Programm standen. Michael Jacksons
war während seiner Solokarriere hingegen wie erwähnt farbenblind. Sein Lieblingssong war
übrigens Smile von Charlie Chaplin. [2.3.2015: Und dies ist nur der
Beginn des Buches].
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Michael Jackson. Photos © SonyBMG 2007.

Michael Jackson King of Pop. Photo © SonyBMG Sam Emerson.
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Michael Jackson. Photo © SonyBMG 2007. Ein Stillphoto aus Thriller.
Michael Jackson. Photos © SonyBMG 2008.
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Michael Jackson King of Pop. Foto © SonyBMG Neal Preston.