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“Wow, tolles Teil! Das hat dich sicher ein Vermögen gekostet?!” Nun ja, nur weil etwas viel kostet, ist es noch lange kein Vermögen. Nicht nur die Post-Corona-Shopping-Schlangen bei Luxusgeschäften in Zürich zeigen, dass viele den Unterschied zwischen Vermögen und Verpflichtungen nicht kennen. Wir zeigen den Unterschied und weshalb du Vermögenswerte und nicht Verpflichtungen sammeln musst, um finanziell unabhängig zu werden.
(5 Minuten Lesezeit)
Ansturm auf den Louis-Vuitton-Laden an der Zürcher Bahnhofstrasse Mitte Mai kurz nach Lockerung der Corona-Massnahmen. Vor dem Shop bildet sich eine lange Schlange. Ein junger Mann über seine Motivation «Wir müssen ein wenig Geld loswerden, mehr als 2’000 Franken.» Schuhe, Tasche, Gürtel will er kaufen. Eine andere Kundin sagt, sie sei wegen ihrer Freundin da: «Sie hat morgen Geburtstag und will sich eine Tasche kaufen. Dazu hat sie eine, die repariert werden muss.” Zwei Beispiele, die auch zeigen, dass viele den Unterschied zwischen Vermögenswerten und Verpflichtungen nicht kennen.
Sechs von zehn Schweizer Arbeitnehmern sind finanziell instabil
Eine aktuelle Studie zeigt, dass nur 40% der Schweizer Arbeitnehmenden ihre Ausgaben gut unter Kontrolle haben und dank ihren Ersparnissen nicht von Lohn- zu Lohnzahlung leben müssen (grüne Kategorie). 20% haben zwar Ersparnisse, haben aber Mühe, ihre Ausgaben zu kontrollieren (orange Kategorie). Die restlichen 40% leben von Lohn- zu Lohnzahlung und viele überziehen regelmässig ihr Budget (Kategorien violett und rot). Dazu gehören vor allem Millenials (also Menschen, die in den frühen 1980er bis in den späten 1990er Jahren geboren wurden), frisch geschiedene oder kranke Menschen. Es ist zu erwarten, dass sich die finanzielle Situation im Zuge der Folgen von Corona weiter zuspitzen wird.
Finanzielle Stabilität der Schweizer Arbeitnehmer 2020
Finanzielle Instabilität hat auch einen negativen Effekt auf andere Lebensbereiche: knapp ein Drittel berichtet davon. Im Unterschied zu finanziell stabilen Arbeitnehmern sind solche, die von Lohnzahlung zu Lohnzahlung leben und keine Ersparnise haben, in der Schweiz 8 1/2 Tage pro Jahr mehr krank, haben nur halb so viel Freude an ihrer Arbeit und haben viermal mehr Stress, Angst oder Depressionen. Time to get out of this!
Vermögenswerte und Verpflichtungen unterscheiden sich
Ein möglicher Grund für die finanzielle Instabilität ist das fehlende Verständnis für den Unterschied zwischen Vermögenswerten und Verpflichtungen, auch Verbindlichkeiten genannt.
Unterschied zwischen Vermögenswerten und Verpflichtungen
|Vermögenswerte||Verpflichtungen (Verbindlichkeiten)|
|sind Werte, die dir Geld einbringen||sind etwas, das dich Geld kostet|
|sorgen für Mittelzufluss zu dir||sorgen für Mittelabfluss von dir|
|schaffen zusätzliches Einkommen für dich||ziehen dir weiteres Einkommen aus der Tasche; und zwar nicht nur um sie zu kaufen, sondern auch danach, um sie zu erhalten|
|gewinnen im Lauf der Zeit an Wert||verlieren im Laufe der Zeit an Wert|
|z.B. Aktien, Obligationen, vermietete Immobilien||z.B. selbstgenutzte Immobilien, Autos, Konsumgüter wie Smartphones, Bekleidung, Kreditkarten und Konsumkredite,|
Der Wert von Vermögenswerten erhöht sich durch den Zinseszinseffekt im Lauf der Zeit immer mehr. Dein FU-Motor läuft immer schneller. Hingegen sinkt der Wert gekaufter Verpflichtungen über die Zeit: dein Haus verliert ohne Unterhalt, Renovation und Pflege laufend an Wert, das Auto ist ein Drittel weniger wert sobald du beim Händler vom Hof gefahren bist, das Handy ist nach 2 Jahren unverkäuflich. Autos sind entgegen landläufiger Meinung kein Vermögen, sondern Gebrauchsgegenstände mit rapide fallenden Zeitwert und von deiner Immobilie kannst du im nächsten Monat auch keine Rechnungen bezahlen.
Was dich finanziell erfolgreich macht
Praktisch jedem fliesst Monat für Monat Einkommen zu, im Regelfall als Gegenleistung für Arbeitszeit (Lohneinnahmen als Angestellter oder Selbständiger) oder als Transferzahlung (z.b. bei Arbeitslosigkeit).
Finanziell erfolgreiche Menschen setzen ihre Einnahmen zunächst für den Kauf von Vermögenswerten ein, und erst dann für notwendige Ausgaben. Im Unterschied dazu geben finanziell weniger erfolgreiche Menschen ihre Einnahmen zuerst für Sachen aus. Häufig sammeln sie dabei mit ihrem Konsum noch Schulden oder Verpflichtungen für die Zukunft. Am Beispiel der Louis Vuitton-Tasche: sie kostet nicht nur ein Vermögen und ist kein Vermögenswert, sondern verursacht mit der fälligen Reparatur auch noch Folgekosten. Und wir hoffen, dass der jungen Mann mit der 2’000 Franken-Kreditkarte zur grünen Kategorie gehört.
So entwickelt sich dein Cash-Flow auf dem Weg zur finanziellen Unabhängigkeit
Wenn du deine finanzielle Situation verbessern möchtest, wird sich dein Cash-Flow Kreislauf auf dem Weg zur finanziellen Unabhängigkeit verändern. Der Kreislauf beschreibt wie du Einnahmen erzielst, um deinen Lifesystle zu finanzieren.
In Stufe 1 lebst du aus nur vom deinem Lohneinkommen. Dies brauchst du vollständig, um deinen Konsum zu finanzieren. Ein einfacher Kreislauf: arbeiten, Geld ausgeben. Du hast keine Vermögenswerte und Verpflichtungen.
In Stufe 2 beginnst du Konsum-Wünsche zu finanzieren. Sei dies durch Überziehung des Privatkontos oder der Kreditkarte, einem Konsumkredit, einem geleastes Auto oder einer schicke Wohnung mit einer fetten Hypothek. Du brauchst dein Arbeitseinkommen, um Verpflichtungen zu bedienen, die du für Konsum eingegangen bist. Der Kreislauf besteht aus Arbeiten, Schulden machen, konsumieren. Der Kreislauf hat streng genommen noch ein kleines Loch: von den Schulden zwacken sich andere, z.B. Banken ihren Teil ab und leben davon, dass du Schulden machst.
Cash-Flow Kreislauf Stufe 1 und 2 auf dem Weg zur finanziellen Unabhängigkeit
In Stufe 3 nimmst du deine persönlichen Finanzen in die Hand. Du setzt dein Lohneinkommen erst ein, um Vermögenswerte zu erwerben. Dich motiviert der Drang, der Gleichung “Geld gegen Zeit” zu entkommen und dir ein Einkommen unabhängig von deinem Arbeitseinsatz aufzubauen. Vom Rest deines Lohns kaufst du was nötig oder dir wirklich wichtig ist. Der Kreislauf sieht dann so aus: arbeiten, investieren, konsumieren. Sobald du Vermögenswerte besitzt, bringen auch sie dir ein zusätzliches Einkommen, aus dem du deinen Lifestyle finanzieren kannst. Du setzt auf Vermögenswerte und Verpflichtungen sind Teil deiner Vergangenheit.
Cash-Flow Kreislauf Stufe 3, 4 und 5 auf dem Weg zur finanziellen Unabhängigkeit
In Stufe 4 erzielt du so viel Einnahmen aus Vermögenswerten, dass sie einen guten Teil deines Lifestyles finanzieren. Du hast jedoch noch nicht genug und kein Polster und bist deshalb noch auf zusätzliches Einkommen aus Arbeitstätigkeit angewiesen.
In Stufe 5 bist du finanziell unabhängig: deine Vermögenswerte erzielen so viel Einkommen, dass du dadurch deinen Lifestyle zu 100% finanzieren kannst. Du kannst auf Einkommen verzichten, das von deiner Arbeitszeit abhängt. Stattdessen arbeiten andere für dich:
- Staaten oder Unternehmen zahlen dir Zinsen, weil du ihnen Geld geliehen hast indem du ihre Obligationen gekauft hast. Sie haben Verpflichtungen bei dir.
- oder Arbeitnehmer in allen Unternehmen arbeiten für dich, von denen du Aktien gekauft hast und deren Gewinne du als Dividende kassierst.
- oder Mieter bezahlten dich, weil sie in Liegenschaften wohnen, die dir gehören.
Beachte dass du die Stufe 5 erst erreicht hast, wenn du aus deinem freien Vermögen wirklich genug Mittel erwirtschaftest, dass du damit die laufenden Ausgaben finanziern kannst. Gebundenes Vermögen im selbstgenutzten Haus oder Vorsorgevermögen (in AHV, Pensionskasse oder Säule 3a) ist zwar da, liefert aber noch keinen Einkommensstrom für dich um den Alltag zu finanzieren.
Zusammenfassung Vermögenswerte und Verpflichtungen
Das Zitat von Robert Kiyosaki bringt es auf den Punkt “If you want to be rich, simply spend your life buying assets. If you want to be poor or middle class, spend your life buying liabilities.” Vermögenswerte steigen im Wert und bringen dir Einkommen. Verpflichtungen sinken im Wert und nehmen dir Einkommen. Finanziell stabile Menschen wenden einen Teil ihres Einkommens dafür auf, Vermögensgegenstände zu kaufen. Menschen mit dem Ziel finanzieller Unabhängigkeit maximieren diesen Teil ihrer Einkommensverwendung.