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Die Eltern von Raoul Wüthrich haben am Dienstag (23.05.) im US-Bundesstaat Colorado Klage eingereicht. Sie beschuldigen die Behörden, ihren zwölfjährigen Sohn am 30. August 1999 unter dem Vorwurf des Inzests illegal festgenommen zu haben.Dieser Inhalt wurde am 24. Mai 2000 - 13:19 publiziert
Die beim erstinstanzlichen Bundesgericht eingereichte Klage richtet sich gegen Mitarbeiter der Polizei und der Staatsanwaltschaft sowie gegen die Zeitung "Denver Post" und den Radio-Talkmaster Peter Boyles. Die Klage fordert einen finanziellen Schadenersatz in unbekannter Höhe.
Falschinformationen
Die Eltern werfen den Behörden vor, Raoul Wüthrich illegal festgenommen und ihn rechtswidrig in Gewahrsam gehalten zu haben. Die "Denver Post", Boyles sowie ein Polizeisprecher hätten falsche und verleumderische Informationen verbreitet.
Ein Angestellter der Staatsanwaltschaft habe Falschinformationen an die Zeitung gegeben, wonach die Eltern von Raoul Wüthrich Geschäfte mit Pornovideos gemacht hätten. Dies sei ein typischer Fall für das Beschuldigen des Überbringers der Botschaft, reagierte ein Anwalt der Zeitung auf die Klage.
Vorwurf des Inzests
Der Junge war am 30. August in Evergreen im Bundesstaat Colorado im Haus seiner Eltern festgenommen, in Fesseln abgeführt und in ein Jugendgefängnis gebracht worden. Mitte Oktober wurde er einer Pflegefamilie zugeteilt.
Grund für die Festnahme war die Aussage einer Nachbarin, Raoul habe seine fünfjährige Halbschwester sexuell genötigt. Raoul wie auch seine Eltern stritten die Vorwürfe stets ab.
Ein Gericht in Golden hatte dann am 10. November das Inzest- Verfahren gegen den Jungen, der sowohl über die schweizerische als auch über die US-Staatsbürgerschaft verfügt, aufgrund eines Formfehlers eingestellt. Er konnte daraufhin zu Eltern und Geschwistern in die Schweiz ausreisen.
Buch geschrieben - Betreuung weiter nötig
Raouls Vater, Andreas Wüthrich, will demächst ein Buch über die Geschehnisse in den USA veröffentlichen, wie er am Mittwoch (24.05.) der Nachrichtenagentur sda sagte. Der Erlös daraus soll in eine in Gründung begriffene Stiftung fliessen, die den Zweck hat, Kindern zu helfen, die in die gleiche Lage wie Raoul geraten sind.
Raoul selber, der zusammen mit seiner Familie in Graubünden wohnt und die vierte Primarklasse besucht, gehe es relativ gut, sagte sein Vater. Das Geschehene habe er allerdings noch nicht vergessen. Er besuche wöchentlich eine Maltherapie und werde in einer zweiten Therapie behandelt, um das Erlebte zu verarbeiten.
swissinfo und Agenturen
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