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Mannigfaltigkeit. Dazu gesellen sich ein warmes und mildes Klima, ein sehr reicher Pflanzenteppich, intensive Ausnutzung des Bodens und starke Bevölkerungsdichte. An den Gehängen stehen Weinreben, Maulbeerbäume, Pfirsichbäume und Kastanien in malerischem Durcheinander. Auf den Rücken, den Kämmen und in den Thälchen treffen wir überall Dörfer mit eng gescharten ländlichen Wohnstätten. Der Luganersee sendet seine bizarren, aber harmonisch angeordneten Arme nach allen Seiten hin aus. In diesem Wirrwarr von Seen, Bergen und steil geböschten Thälern bleibt nur wenig Platz für eigentliche Ebenen.
Immerhin sind von solchen zu erwähnen die vom Vedeggio und Cassarate aufgeschütteten kleinen Alluvialböden von Agno und Lugano; das an der Ausmündung des Malcantone gelegene Delta der Magliasina, das den Monte Caslano landfest gemacht hat und die Bucht von Ponte Tresa vom Rest des Luganersees abschnürt; ferner die mit Maulbeerbäumen bestandene Campagna Adorna zwischen Stabio und Mendrisio, die sich gegen das S.-Ende des Luganersees neigt, sowie endlich die durch den Monte Olimpino und die Höhen von Pedrinate vom Comersee und der Lombardei getrennte Ebene um Chiasso.
Den landschaftlichen Reiz des Sotto Ceneri bilden in erster Linie seine wunderbar geformten Seen mit ihren zierlichen Uferlinien und dem hinter jedem Vorsprung stets wieder wechselnden Bild. Freilich würde man hier die überraschenden Farbenwirkungen des Genfer- oder des Zugersees vergeblich suchen. Weder der Langen- noch der Luganersee erreichen, selbst beim klarst blauen Himmel und von günstigster Seite her gesehen, das tiefe und leuchtende Blau der eben genannten Seen an der N.-Flanke der Alpen.
Sie bleiben immer grün. Der Comersee spielt sogar ins Graue, namentlich in der Nähe von Como selbst, wo die Färbereien der Stadt den Seearm mit ihren Abwassern verunreinigen. Trotzdem verbleiben aber noch Schönheiten genug, um diesen Winkel der Schweiz zu einer unvergleichlichen Landschaft zu gestalten: italienischer Vegetationscharakter, zahlreiche lebhaft gefärbte Siedelungen, weisse Kirchen und Kapellen mit schlanken Campanilen, gleich Adlerhorsten hoch oben an den Bergflanken hängende Dörfchen, die an korsikanische und kalabresische Veduten erinnern. In ihrem vollen Glanz prangt diese Landschaft vorzüglich im Frühjahr, wenn sich das zarte Grün, das Hell- und Rosenrot und das Perlgrau der Bäume, Blumen, Felsen und Mauern unter dem lebhaften Sonnenlicht zu beleben beginnen und das Auge des Wanderers entzücken, der aus noch winterlich kahlen und öden Gegenden durch den Gotthard dem S. der Schweiz entgegen gefahren ist.
[Ing. Ch. Jacot Guillarmod.]
3. Geologie.
In den nördlichsten Teil des Kantons reichen noch die Gneisgranite und Gneise des Gotthardmassives hinein, von denen erstere namentlich in der Gruppe des Pizzo Rotondo entwickelt sind. Die S.-Flanke der steilstehenden Gneise des Gotthardmassives bildet längs der Linie Nufenen-Bedretto-Piora ein tiefer Muldenzug jüngerer Gesteine. Es tritt hier namentlich hochmetamorpher liasischer Bündnerschiefer auf, der durch die Gebirgsstauung aus schwarzem Tonschiefer oft zu prachtvollem Granat- und Amphibol-Glimmerschiefer ¶
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umgewandelt worden ist (Val Canaria, oberes Bedretto). Diese Bedrettomulde trennt das Gotthardmassiv von der s. folgenden, gewaltigen, ungegliederten Masse der Tessinergneise, die nun weitaus den grössten Teil des Kantons (in seiner ganzen Breite und bis in die Gegend von Bellinzona) einnimmt. Ihr Bau ist im einzelnen noch wenig untersucht und auch schwer zu entwirren, wo «Gneis das älteste und Gneis das jüngste Gebilde» darstellt. Nur im N. zeigen tief zwischen die Gneise eingreifende, liegende Muldenzüge von Trias und Bündnerschiefer, dass auch diese Gneisregionen sich in grosse, nach N. geschobene Ueberfaltungsdecken gliedern. So lässt sich im Grund des Bleniothales von Olivone über Aquila bis Dongio Bündnerschiefer verfolgen, auf dem die Adulagneise schwimmen, welche die Gräte und Gipfel des Rheinwaldhorngebirges bilden. Am N.-Rand dieser auf den Bündnerschiefer überschobenen Decke ist die liegende Gewölbestirn in den umbiegenden Gneisplatten prachtvoll erhalten (Olivone-Val Scaradra-Schwarzhorn-Vals). Die Gesteine der Tessiner Gneisregion sind vorwiegend Zweiglimmergneise und Glimmerschiefer. Erstere werden im Livinenthal stark ausgebeutet und kommen als «Osogna-Gneise» massenhaft durch den Gotthard nach der N.-Schweiz, wo die grossen Platten als Trottoirrandsteine, Treppenstufen, Quaideckplatten, Podestplatten, Sockelquader etc. Verwendung finden.
Im S. wird diese grosse Tessiner Gneismasse von Intragna über Locarno und Bellinzona abgegrenzt durch einen schmalen Zug jüngerer Gesteine: Hornblendeschiefer, Grünschiefer, sogar stellenweise Verrucano und Triasdolomit. Dann folgt das im Monte Ceneri kulminierende sog. Seengebirge, nochmals mit kristallinen Gesteinen, aber nicht mehr den schönen Zweiglimmergneisen des oberen Tessin, sondern mit wenig charakteristischen, mannigfach ineinander übergehenden Serizit- und Chloritschiefern, Hornblendegesteinen, Glimmerschiefern und Phylliten. Diese kristallinen Schiefer des Seengebirges sinken erst im südlichsten Zipfel des Kantons, in der Gegend von Lugano, unter die Sedimentdecke der S.-Seite der Alpen ein.
Die Basis dieser Sedimentdecke bilden zwar an vielen Stellen, besonders an den w. Armen des Luganersees, zunächst noch Eruptivgesteine, die altberühmten, wahrscheinlich permischen Porphyrmassen von Lugano, die, wie es scheint, diskordant den älteren kristallinen Schiefern des Seengebirges auflagern, dagegen selbst konkordant von den jüngern Sedimenten bedeckt werden. Diese Sedimente liegen hier fast durchweg in anderer Ausbildung vor als (von den Klippen abgesehen) an der N.-Flanke der Schweizeralpen, d. h. in mehr ostalpiner Fazies.
Das rote Konglomerat zwar, das wenig mächtig dem Luganeser Porphyr auflagert und Porphyrgerölle enthält, erinnert noch an den Verrucano der N.-Alpen. Dann aber folgen die Triasgesteine in ostalpiner Ausbildung; so setzen Triasdolomite den Monte San Salvatore zusammen. Das Gebirge ö. und sö. des Luganersees (Monte Generoso-Gruppe) besteht grösstenteils aus den nächstjüngeren, mächtigen grauschwarzen Gesteinen des unteren Lias mit zahllosen Hornsteinbänken.
Diese Liasschichten senken sich nach S. zur Gegend von Mendrisio und Chiasso. Hier legen sich konkordant südfallend darüber die jüngeren Stufen: der rote, ammonitenreiche «Ammonitico rosso» des oberen Lias, der Dogger, die roten, hornsteinreichen Aptychenschiefer des Malm, der schneeweisse dichte Kalk des Biancone, der vom obersten Jura zur Kreide überleitet, darüber die ganze mergelig ausgebildete Kreide (Scaglia), ein Flysch von weissglimmerigem Sandstein, mit Fukoiden und Wurmspuren wie an der N.-Flanke der Alpen, und endlich die wahrscheinlich miozäne bunte Nagelfluh des Monte Olimpino bei Chiasso. Noch ist zu erwähnen die abweichende Ausbildung des Unterlias bei Arzo, wo rote, weissgeflammte Kalke, rote Echinodermenbreccien etc. in vielen Steinbrüchen ausgebeutet werden.
In diese konkordante, aufgerichtete Schichtserie diskordant und horizontal eingelagert finden sich in der Umgebung von Chiasso, zum Teil der heutigen Breggiaschlucht folgend, mächtige Konglomerate und pflanzenführende Mergel (Pontegana) eines alten pliozänen Thallaufes. Ueber diesen pliozänen, wie über den älteren aufgerichteten Schichten liegt überall ausgestreut das Diluvium in Form von Moränen und oft sehr mächtigen fluvioglazialen Ablagerungen (Ceppo).
So treten nur am südlichsten Rand des Tessin, wo die alten kristallinen Schiefer in die Tiefe gesunken sind, Sedimente auf; im ganzen übrigen Kanton sind sie bis auf spärliche eingeklemmte Muldenreste weggespült worden durch die Erosion, die hier an der S.-Flanke der Schweizeralpen mit den grossen und akkumulativen Niederschlägen weitaus am stärksten gewirkt hat. Ihre enorme Leistung liegt auch dokumentiert in den tief eingeschnittenen, engen Thälern mit den vielen Thalstufen, in der baumförmigen Verzweigung der Thäler nach hinten, die längst keinen Zusammenhang mehr zwischen Tektonik und Thalbildung, sondern nur noch Erosionsarbeit erkennen lässt, und im Kampf um die Wasserscheiden in den obersten Thalverzweigungen, wobei stets die S.-Seite siegreich bleibt und durch das kräftigere Einschneiden ihrer Flüsse an vielen Orten ursprünglich nach N. drainierte Thalläufe nun gegen S. abgezapft hat. Vergl. auch die Art. Luganeralpen und San Salvatore (Monte).
Bibliographie. Rolle, F. Das südwestl. Graubünden und nordöstl. Tessin. (Beiträge zur geolog. Karte der Schweiz. 23, 1881). - Taramelli. Il cantone Ticino meridîonale. (Beiträge. 17, 1880). - Heim, Alb. Geologie der Hochalpen zwischen Reuss und Rhein. (Beiträge. 25, 1891). - Fritsch, K. v. Das Gotthardgebiet. (Beiträge. 15, 1873). - Schmidt, C., und G. Steinmann. Umgebung von Lugano. (Eclogae geolog. Helvetiae. II, 1890/92). - Heim, Alb. Ein Profil am Südrand der Alpen; der Pliozänfjord der Breggiaschlucht. (Vierteljahrsschr. d. Nat. Ges. in Zürich. 51, 1906). - Bistram, v. Das Dolomitgebiet der Luganeralpen. (Ber. d. nat. Ges. zu Freiburg i. Br. 14, 1904). - Livret-Guide géologique pour le congrès international à Zurich. Lausanne 1896. - Käch, Max. Das Porphyrgebiet zwischen Lago Maggiore und Val Sesia. (Eclogae geolog. Helvetiae. 8, 1903).
[Dr. Ernst Blumer]. ¶