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Wenn ein Mann seine Geliebte schwängert und diese verheiratet ist, dann hat er weder das Recht zu wissen, ob er der Vater ist, noch das Recht, das Kind zu sehen oder über sein Wohlergehen informiert zu werden. So will es das Prinzip der Ehelichkeitsvermutung im Schweizerischen Zivilgesetzbuch. «Das bedeutet, dass der Ehemann automatisch rechtlicher Vater eines Kindes ist, das innerhalb einer Ehe geboren wurde», sagt Daniel Heimann, Jurist am Rechtswissenschaftlichen Institut der Universität Zürich. Dies gilt unabhängig davon,ob er der Erzeuger ist oder nicht. Der Dritte im Bunde, in diesem Fall der Geliebte der Mutter, hat in Bezug auf das Kind keine Rechte. Jüngst wurde ein Fall aus Deutschland vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte behandelt — mit dem Resultat, dass der Kläger zwar Schmerzensgeld erhielt, aber kein Recht hat, sein mutmassliches Kind zu sehen. Einen Vaterschaftstest, der Gewissheit über den biologischen Erzeuger gäbe, darf er noch immer nicht verlangen. Nur der Ehemann hat das Recht, den Test zu veranlassen.
Bevorzugung von verheirateten Vätern ist umstritten
«Es gibt in der Schweiz vergleichsweise selten Klagen gegen die Ehelichkeitsvermutung», sagt Jurist Heimann. Die Regelung bestehe seit 1978. «Damals wurde dem Schutz der Ehe ein hoher Stellenwert beigemessen, weshalb diese auch durch den genetischen Vater eines ehelichen Kindes nicht gestört werden sollte.»
«Die Ehelichkeitsvermutung benachteiligt unverheiratete Väter gegenüber Verheirateten», sagt Markus Theunert, Präsident von Maenner.ch , dem Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisationen. Die Regelung sei ideologisch geprägt und ignoriere die heutige Vielfalt von Lebens- und Beziehungsformen. «Wir sind der Auffassung, dass jeder Vater das Recht haben sollte zu wissen, ob er der Erzeuger eines Kindes ist. Ebenso sollte jedes Kind das Recht haben, zu allen Elternteilen Kontakt zu haben.»
Autor: Yaël Debelle