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Szenen aus „Der Herr der Ringe“ zeigte ein Musiktheater unter meiner Regie vor ein paar Jahren. Schon damals recherchierte ich zusammen mit jungen Leuten aus der école culture générale in Siders zu J.R.R. Tolkien und zu dessen Inspirationen, die er sich anlässlich einer Reise im Jahr 1911 durchs Oberwallis geholt hatte. Die Ergebnisse unserer damaligen Recherchen habe ich in meinem Buch Ein Leuchtturm in der Finsternis zusammengefasst. (Kurt Schnidrig: Mit dem Hobbit im Aletschwald. In: Ein Leuchtturm in der Finsternis, S. 194f.)
Der promovierte Jurist Martin Monsch aus Zürich hat nun die Inspirationsquellen zu J.R.R. Tolkiens Weltbestseller genauer untersucht und sie auf seinen Wanderungen im Oberwallis auch auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Entstanden ist das Buch „Die Schweiz in Tolkiens Mittelerde“ (Taschenbuch im Selbstverlag, 295 Seiten). Im Jahr 1911 begab sich der Fantasy-Autor J.R.R. Tolkien auf eine Reise durchs Berner Oberland und anschliessend durchstreifte er auch das Wallis. Schwer bepackt hatte er damals die Alpenpässe überquert. Ein halbes Jahrhundert später teilte Tolkiens Sohn Michael mit, dass die Erlebnisse während der Reise von Bilbo in „Der Herr der Ringe“ tatsächlich in vielem dem entsprechen sollen, was sein Vater, der Fantasy-Autor J.R.R. Tolkien, vor fünfzig Jahren erlebt hatte.
Das Oberwallis war eine wichtige Inspirationsquelle für Tolkien. Nicht nur die Figuren, wie etwa der Hobbit oder Gandalf, sollen ihre Vorlage in der Aletsch-Arena haben. Auch das sagenumwobene „Nebelgebirge“ soll mit unseren Oberwalliser Alpen identisch sein. „Mittelerde“ läge demzufolge nicht in Neuseeland, wie uns das der Film von Peter Jackson weismachen möchte, sondern im Oberwallis. Als Quelle für diese Annahme dienen Briefe, die Vater Tolkien an seinen Sohn Michael geschrieben hatte. Aus diesen Briefen geht hervor, dass J.R.R. Tolkien von Interlaken her die Alpen überquert hat. Dabei sollen ihn die Berner und die Walliser Alpen zum „Nebelgebirge“ inspiriert haben. Das „Silberhorn“, das der Jungfrau vorgelagert ist, entspricht bei Tolkien dem „Berg Celebdil“, an dessen Flanke der Kampf zwischen Gandalf und dem Feuerdämon Balrog stattgefunden hat, mit dem besseren Ende für Gandalf. Interessant in diesem Zusammenhang ist die etymologische Herleitung von „Silberhorn“ oder „Silberspitze“: Bei Tolkien heisst dieser Berg „Sindarin“, was ebenfalls „Silberspitze“ heisst, und „Khuzdul“ oder „Zirak-zigil“ bei Tolkien bedeutet übersetzt Silberhöhe oder Silbergipfel.
Tolkiens Wanderungen entlang dem Aletschgletscher erwiesen sich als hoch spannend. Hoch über dem Aletschgletscher sollen sich plötzlich schaurige Stein- und Eislawinen gelöst haben. Als diese zu Tale donnerten, soll sich eine Begleiterin aus Tolkiens Entourage, eine ältere Lehrerin, nur knapp mit einem Sprung seitwärts vor einem mächtigen Felsblock in Sicherheit gebracht haben. Das Felssturz-Erlebnis am Aletschgletscher hat Tolkien in seinen Fantasy-Roman einfliessen lassen. Bei der Überquerung des Nebelgebirges geraten die Hobbits in ein Unwetter. Während des Unwetters donnert ein Felssturz zu Tale und bedroht die Hobbits. Der Aletschwald erscheint in „Der Herr der Ringe“ als der Düsterwald. Die knorrigen und gewundenen Arven im Aletschwald sehen aus wie Fabelwesen aus Tolkiens Fantasy-Romanen. Wie heisst die schöne Halbelbin im Buch „Der Herr der Ringe“? Richtig! Sie heisst Arwen! Ihr Name führt uns auf die Spur der aussergewöhnlichen Arven in der Aletsch Arena, die bis auf 2400 Meter Höhe anzutreffen sind. Vielleicht sind sogar auch einige der damaligen Oberwalliser Helden in Tolkiens Fantasy-Romanen verewigt. Wie sein Sohn Michael berichtet, soll Tolkien eine Postkarte gekauft haben, die einen alten Mann mit weissem Bart zeigt, eingewickelt in einen langen Mantel und mit einem runden Hut mit breiter Krempe auf dem Kopf. Auf die Postkarte hatte Tolkien geschrieben: „Origin of Gandalf“.
Text, Bild und Radiosendung: Kurt Schnidrig