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Samstag, 23. April 2016
Viele vorchristliche Religionen zelebrierten zu dieser Zeit ein Fest, das die wiederkehrenden Naturkräfte und die warme Jahreszeit feierte. Bei den Kelten hieß dieses Fest Beltane und wurde traditionell in der ersten Vollmondnacht zwischen der Tagundnachtgleiche des Frühjahrs und der Sommersonnenwende – also meist Anfang Mai – gefeiert. Im keltischen Jahreskreis stand Beltane somit als das jahreszeitliche Gegenstück zu Samhain, dessen Überbleibsel wir heute als Halloween kennen.
Auch die Vorstellung, dass in der Hexennacht die Hexen (weibliches Prinzip) mit Teufeln (männliches Prinzip) tanzen und es auch sonst wild treiben, geht wohl auf die alten Feierlichkeiten zurück, bei welchen sich Schamanen, Druiden und PriesterInnen mit den neu erwachenden Naturkräften zusammen taten. Die Darstellung des Naturgottes Pan mit seinen Hörnern, dem Hinterleib eines Ziegenbockes und dem Schwanz, spiegelt noch heute die sprichwörtliche „Verteufelung“ der alten Gottheitsbilder im Rahmen der Christianisierung wider.
Der heutige Name selbst geht aller Wahrscheinlichkeit nach auf „Walburga“ zurück, welche im Mittelalter am 1. Mai heilig gesprochen wurde. Warum die im 8. Jahrhundert tätige Missionarin angelsächsischer Abstammung später auch als Schutzheilige für Zauberspuk und Hexenkunst benannt wurde, ist historisch kaum bekannt und umstritten.
Viele Walpurgisriten leben in bäuerlichen Maibräuchen fort. Im Volksbrauchtum schützte man seinen Hof durch nächtliches Peitschenknallen, ausgelegte Besen und Maibüsche. Der Maibaum, meist eine Birke, ist zugleich Fruchtbarkeitssymbol und Darsteller des Weltenbaums. Durch die Christianisierung wurden diese Bräuche als heidnisch verdammt und die damit verbundene matriarchalische Bedeutung ging verloren.
In der Schweiz wurden schätzungsweise 6000 Frauen zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert als Hexen verurteilt und verbrannt. Die letzte Hexe die in der Schweiz und in Europa hingerichtet wurde, war 1782 Anna Göldi in Glarus. Sie wurde 2008 rehabilitiert.
Die Walburgisnacht auf dem Hirschenhof
Traditionell feiert der Hirschenhof die Walburgisnacht um den Vollmond der Frühjahrs-Tagundnachtgleiche. Dieses Jahr ist es etwas anders, da zugleich eine Kochsendung stattfindet und eine Entourage an Filmleuten herumtänzelt. Im laufe des Tages treffen immer mehr Menschen ein. Fleissig wird alles in rot geschmückt und vorbereitet. Der Ablauf für uns Frauen (in rot gekleidet) und die Männer (in grün) wird mir erklärt und ich verstehe dass wir das Ritual wegen dem strömenden Regen ins grosse Tipi verlegen. Die Frauen flechten einen Kranz aus Weiden welcher die Vulva symbolisiert und die Männer haben ihren Birkenstamm als Phallus zum schmücken. Das Fest der Fruchtbarkeit eben und ich muss bei dem Gedanken, dass dies als Hintergrund in der Kochsendung vorkommen wird, etwas schmunzeln. Mehr darf ich dazu aber noch nicht verraten..
Immer mehr schöne Frauen in rot gekleidet treffen ein und es geht lebendig zu und her. Sie quatschen, witzeln und lachen laut. Auch ich habe etwas Rotes zum Tragen erhalten und lasse mich vom Geschehen leiten. Wir schreiben unsere Sorgen oder was wir loslassen möchten auf einen Zettel und auf einen anderen was wir uns für das kommende Jahr wünschen oder womit wir uns auseinandersetzen und „verbändeln“ möchten. Die Zettel werfen wir in einem Ritual in das Feuer. Davor werden wir mit Birkenzweigen abgeklopft und von der Zeremonienleiterin eingeräuchert. Als wir den Maibaum, also den Birkenstamm mit dem Kranz draussen aufstellen, hat sich der Regen schon lange in Schneeflocken verwandelt und alles in Weiss gehüllt. Es ist bitter kalt und wir ziehen uns zurück in die warme Stube. Zum Essen gibt es eine den Farben entsprechende Brennessel- und Tomatensuppe und „Teilete“.
In die anschliessende Spinnstube bin ich auch eingeladen und bemerke nebenbei, dass es dabei gar nicht ums Spinnen und Weben geht. Es ist symbolisch gemeint für das Austauschen von Wissen von und für Frauen. Es wird von Lilith erzählt, der ersten Frau Adams die sich ebenbürtig und gleichberechtigt empfand und sich Adam nicht unterwerfen wollte. Folglich wurde sie vertrieben und als zweiter Versuch entstand Eva, bekanntlich aus der Rippe Adams geformt. Weiter werden alte Bräuche der Frauen aus verschiedenen Kulturen erzählt und was davon bis heute noch „gebraucht“ wird.
Ich bin von den Erlebnissen und den Begegnungen der letzten zwei Tage tief berührt und spüre viel weibliche Energie in mir. Glücklich ziehe ich mich zurück und schwelge noch lange beim Feuer in der Jurte dahin.