Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/192517

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt, das HMG so zu ändern, dass eine Off-Label-Verschreibung von Medikamenten nur noch von zwei unabhängigen Fachleuten unter Anwendung des Vieraugenprinzips durchgeführt werden kann.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Ohne Off-Label-Anwendung würden heute sehr viele Therapiemöglichkeiten für Ärztinnen und Ärzte wegfallen, da z. B. gerade für Kinder oder ältere Menschen oft keine zugelassenen Arzneimittel zur Verfügung stehen. Grund dafür ist, dass die pharmazeutischen Firmen für ihre Medikamente aufgrund der aufwendigen Zulassungsstudien nicht für alle Zielgruppen oder Indikationen klinische Studien durchführen und eine Zulassung beantragen. Die Tatsache der fehlenden Zulassung bedeutet jedoch nicht, dass die Therapie nicht die bestmögliche ist.</p><p>Eine Off-Label-Verschreibung liegt immer in der Verantwortung des behandelnden Facharztes oder der behandelnden Fachärztin. Die Aufsicht über die ärztlichen Tätigkeiten obliegt den kantonalen Aufsichtsbehörden (Art. 40 und 41 des Medizinalberufegesetzes, MedBG; SR 811.11). Die Kantonsapotheker haben Empfehlungen zur Off-Label-Anwendung von Arzneimitteln für Ärztinnen und Ärzte sowie Apothekerinnen und Apotheker publiziert.</p><p>Eine erste Rückfrage bei den kantonalen Vollzugsbehörden hat ergeben, dass diese in der Off-Label-Verschreibung keine Probleme orten. Entsprechend ist davon auszugehen, dass die Ärztinnen und Ärzte die anerkannten Regeln der medizinischen und pharmazeutischen Wissenschaften beachten und die beruflichen Sorgfaltspflichten einhalten.</p><p>Um feststellen zu können, ob es sich bei den von der Motionärin erwähnten Beispielen betreffend die Verschreibung von Zyprexa bei ADHS oder Magersucht um "leichtfertige" oder "willkürliche" Off-Label-Verschreibungen handelt oder nicht, müssten im Einzelfall detaillierte Nachprüfungen durchgeführt werden. Gemäss der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (SGPP) und der Schweizerischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie (SGKJPP) kann es bei psychiatrischen Begleit- oder Zusatzerkrankungen zu ADHS oder Essstörungen im Einzelfall notwendig sein, Zyprexa zusätzlich einzusetzen.</p><p>Die Umsetzung des von der Motionärin vorgeschlagenen Vieraugenprinzips wäre mit einem deutlichen Mehraufwand, aber auch fraglichem Nutzen verbunden: Nicht immer ist eine zweite Ärztin oder ein zweiter Arzt verfügbar, um die Verschreibung zu validieren. Zusätzlich würde dieses Vorgehen de facto eine komplette zweite Anamnese inklusive klinischer Untersuchung bedeuten.</p><p>Off-label eingesetzte Arzneimittel werden zudem nur im Einzelfall bei einem grossen therapeutischen Nutzen und nach vorgängiger Kostengutsprache und Evaluation mit dem vertrauensärztlichen Dienst der Krankenversicherer vergütet. Dadurch ist in der Regel bereits ein formales Vieraugenprinzip gegeben.</p><p>Entsprechend sieht der Bundesrat keinen Handlungsbedarf für die Einführung eines Vieraugenprinzips bei der Off-Label-Verschreibung von Arzneimitteln.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.