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Bringt Cisco im März Blade-Server auf den Markt und begibt sich damit auf Kollisionskurs mit HP, IBM, Dell und Co.? Oder plant Cisco doch etwas anderes? Haufenweise Spekulationen.
Die 'New York Times' berichtete gestern in einem grossen Artikel, dass Cisco einen "Big Push" in den Servermarkt plane. Der Artikel fusst auf einem Gespräch, das Ciscos Chief Technology Officer Padmasree Warrior (Foto) mit der Times führte. Cisco, so die 'Times', werde vielleicht schon im März einen "Server mit hochentwickelter Virtualisierungssoftware" auf den Markt bringen. Dies sei ein "mutiger aber riskanter" Schritt, der den über viele Jahre erarbeiteten Burgfrieden mit grossen Partnern/Konkurrenten wie HP, IBM und Dell gefährden könne.
Wenn Cisco wirklich Server auf den Markt bringt – dabei würde es sich wahrscheinlich um Blade-Server handeln – könnten sowohl im Server- wie auch im Netzwerkbereich Preiskämpfe ausbrechen.
Unklare Aussagen
Padmasree Warrior ist seit dem letzten Juni bei Cisco. Die Cheftechnologin mit dem kriegerischen Namen ist unter anderem dafür zuständig, darüber nachzudenken, welche Technologiebereiche Cisco in Zukunft zusätzlich erobern sollte, um sich neue Wachstumschancen zu eröffnen. Damit wäre sie auch die richtige Frau, um einen solchen schwerwiegenden Schritt anzukündigen. Oder hat die 'Times' ihre Aussagen überinterpretiert, was Cisco im Hinblick auf die weltweite Publizität ganz recht kommt? Cisco hat bisher nicht auf Fragen anderer US-Medien zum 'Times'-Artikel reagiert.
Die New Yorker Zeitschrift zitiert einen Hardwareexperten, Brent Bracelin von Pacific Crest Securities, um Pfeffer in den Artikel zu bringen: "Das wird das wichtigste und meistdiskutierte Produkt des Jahres sein. Es wird massive Reaktionen von HP und IBM hervorrufen und wir erwarten dadurch eine neue Konsolidierungswelle in der IT-Industrie." Warriors eigene Aussagen sind wesentlich milder: "Wir sehen dies nicht als den Eintritt in einen neuen Markt, sondern als eine Marktveränderung. Wenn sich ein Markt stark verändert, führt dies immer dazu, dass sich grosse Unternehmen in einigen Bereichen konkurrenzieren."
Die Aussagen Warriors lassen auch viel Spielraum in Hinsicht auf das geplante Produkt beziehungsweise die Produkte: "Unsere Vision dreht sich darum, wie man ein ganzes Datenzentrum virtualisieren kann. Es geht nicht um ein einzelnes Produkt. Wir werden eine ganze Reihe von Produkten herausbringen, die dies ermöglichen." Damit könnten mit vorinstallierter Virtualisierungssoftware ausgestattete Blade-Server und dafür konzipierte Netzwerkkomponenten gemeint sein. Die Beschreibung könnte aber auch auf reine Virtualisierungsappliances oder "smarte" Blades mit Virtualisierungs-Management-Software für die klassischen Switch-Chassis von Cisco zutreffen.
Fragile Kooperationen
Schon seit Cisco im letzten April einige seiner Router für Fremdapplikationen öffnete
häuften sich die Gerüchte, dass der Netzwerkriese irgendwann auch "richtige" Blade-Server auf den Markt bringen würde. Marie Hatter, eine weitere Cisco-Spitzenmanagerin, fachte die Gerüchteküche schon im letzten Dezember an einer Analystenkonferenz weiter an: "Wenn wir uns auf dem Blade-Server-Markt differenzieren und ein überzeugendes Produkt auf den Markt bringen könnten…..dann sollten wir dies in Betracht ziehen."
Der Netzwerkriese Cisco ist immer auf der Suche nach neuen Märkten, um weiter wachsen zu können, und hat auch schon mehrere solche Märkte erobert. Bisher handelte es sich aber eher um Technologiebereiche, die vor dem Eintritt Ciscos von kleineren oder "IT-fremden" Unternehmen dominiert wurden – Paradebeispiele sind VoIP, Security und Speichernetzwerke. Von den umkämpften Tummelfeldern der anderen IT-Riesen, wo typischerweise auch die Margen tiefer sind als im Netzwerkgeschäft, hielt sich Cisco eher fern – und kann dafür in vielen Fällen als Netzwerk-Partner der Serverhersteller agieren. Wenn Cisco am Status Quo rüttelt, könnten diese versucht sein, sich enger mit Cisco-Konkurrenten zusammenzutun.
Andererseits agiert HP mit seinen "ProCurve"-Switches schon seit langem im Revier von Cisco. Unter Carly Fiorina, so die 'Times', seien die HP-Verkäufer noch angewiesen worden, den Kunden eher die Cisco-Produkte als die eigenen Switches zu empfehlen. Seit Mark Hurd CEO wurde, habe sich dies aber geändert. (Hans Jörg Maron)
(Foto: Cisco)