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Lieber als zuviel über den des Papstes, sollte man den der Kalmamsell lesen.
Und wenn man den 66 Jahren Warschauer Ghetto gedenken möchte, so sollte man sich weder auf den vorherigen noch auf den jetzigen Papst verlassen, sondern auf Marcel Reich-Ranicki.
Im Frühjahr 1940 erhielt der von Juden bewohnte Bezirk eine neue Bezeichnung: „Seuchensperrgebiet“. Der „Judenrat“ [MRR war dort frisch als Übersetzer angestellt, Anm. nja] hatte ihn mit einer drei Meter hohen Mauer zu umgeben, die oben noch mit einem ein Meter hohen Stacheldrahtzaun versehen werden sollte. An den Eingängen zu diesem Terrain, dessen Grenzen die Juden nicht überschreiten durften, wurden Tafeln mit einer deutschen und einer polnischen Inschrift aufgestellt: „Seuchensperrgebiet – Nur Durchfahrt gestattet.“ (…)
Am 16. November 1940 wurden die 22 Eingänge (später waren es nur noch fünfzehn) geschlossen und von da an Tag und Nacht von jeweils sechs Posten bewacht: zwei deutschen Gendarmen, zwei polnischen Polizisten und zwei Angehörigen der jüdischen Miliz, die „Jüdische Ordnungsdienst“ hiess. (…)
So war aus dem „Seuchensperrgebiet“, aus dem offiziell „der jüdische Wohnbezirk“ genannten Stadtteil ein riesiges Konzentrationslager geworden: das Warschauer Getto.
Publiziert in:
Marcel Reich-Ranicki
Mein Leben
S. 205 ff
Deutsche Verlags-Anstalt 1999