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Längere Regenunterbrechungen auf dem Court Central, im Entscheidungssatz abgebrochene Spiele wegen Dunkelheit oder Sicherheitsbedenken aufgrund der Stars, die durch die Menschenmenge geschleust werden müssen: All das wird in zwei Jahren am French Open Geschichte sein.
380 Millionen Euro investierte die Fédération Française de Tennis (FFT) in den 2011 gestarteten Umbau von Roland Garros, der 2021 abgeschlossen sein wird. Allein die Renovation des 15'000 Zuschauer fassenden Court Philippe-Chatrier, der zu 80 Prozent fertiggestellt ist, wird 160 Millionen kosten. Das verbaute Material wiegt die Hälfte des Eiffelturms.
Noch im letzten Jahrhundert galt das French Open zusammen mit Wimbledon als das prestigeträchtigste der vier Grand-Slam-Turniere. Während das Australian Open in Melbourne bei vielen europäischen Spielern lange keine Priorität genoss und auch das US Open in New York sowohl Standort als auch Belag wechselte, galten die beiden europäischen Major-Turniere als die Eckpfeiler des Tennis-Kalenders.
Mit der fortschreitenden Professionalisierung und Kommerzialisierung holte die Konkurrenz auf, die beiden Turniere in Übersee entwickelten sich vorzüglich, während in Paris die Zeit still zu stehen schien. Am US Open wird bereits seit 1975 unter Flutlicht gespielt, auch Melbourne hat seit Jahren Night-Sessions im Programm. Um den täglichen Spielbetrieb zu garantieren, überdachten beide Turniere ihre Hauptstadien, im auf Tradition bedachten Wimbledon fand 2009 die erste Partie Indoor statt.
Roland Garros geriet unter Zugzwang. Pessimisten befürchteten, das Turnier könnte langfristig den Grand-Slam-Status verlieren. Aufgrund der knappen Platzverhältnisse gab es Überlegungen, mit dem Turnier aus der Stadt in die Peripherie von Paris zu dislozieren. Der Beginn des Umbauprojekts verlief harzig, die Pläne der Organisatoren wurden harsch kritisiert. Vor allem Anwohner und Umweltverbände sorgten für Widerstand.
Die FFT machte aber ihre Hausaufgaben, die Kritiker sind verstummt. Die Anlage wurde von 8,5 auf Hektaren 11 Hektaren erweitert, so dass die Zuschauer – bis 50‘000 werden pro Tag zugelassen sein – nicht mehr so dichtgedrängt wie in der Vergangenheit zwischen den Stadien, den Aussenplätzen, Restaurants und Shops flanieren können. Ein Teil der Anlage wird ausserhalb des Turniers öffentlich zugänglich sein.
Mit dem Jardin des Mousquetaires wird ab 2020 den Fans eine Erholungszone geboten. Für die "grüne Lunge" der Anlage am Bois de Boulogne wird der bei Fans und Spielern sehr geschätzte Court 1 geopfert. Der Platz, der einer Stierkampfarena gleicht, bot in diesem Jahr zum letzten Mal Spektakel aus nächster Nähe.
Ein neues Bijou entstand am östlichen Rand der Anlage mit dem Court Simonne-Mathieu. Das drittgrösste Stadion wurde zu Ehren der ehemaligen französischen Spielerin benannt, die ihre ersten sechs Finals in Paris verlor, ehe sie Ende der Dreissigerjahre doch noch zweimal triumphierte. Der Platz liegt unter dem Erdboden und wird von vier Gewächshäusern umgeben, in denen Pflanzenarten aus Südamerika, Afrika, Südostasien und Australien gedeihen.
2021 werden auf dem Centre Court erstmals Night-Sessions angesetzt, die gute TV-Quoten bringen und die Möglichkeit bieten, zweimal pro Tag Tickets zu verkaufen. Auch alle anderen Plätze werden mit Lichtmasten ausgestattet, damit Partien nicht mehr vertagt werden müssen. Sowohl Belinda Bencic als auch Stan Wawrinka hatten dieses Szenario in diesem Jahr erlebt.
Spätestens 2024 wird auch der Rest der Sportwelt seinen Blick nach Roland Garros richten. Die Anlage an der Porte d’Auteuil ist Teil der Sportinfrastruktur der Olympischen Spiele 2024 in Paris. Dannzumal wird auch der Court Suzanne-Lenglen temporär überdacht. Im rund 10‘000 Zuschauer fassenden Stadion, in dem sich Wawrinka und Roger Federer am Dienstag duellierten, finden die Boxwettkämpfe statt.
(sda)