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Oberflächengestaltung. Man unterscheidet in Bezug auf Bodengestaltung drei Zonen. Am Nordrande längs der Küste des Mittelmeers [* 2] zieht sich die Zone des Kleinen Atlas [* 3] hin, das «Tell» genannt, ein bergiger Landstrich, der aus vielen kleinen, meist der Küste parallel laufenden Ketten besteht. Zwischen diesen öffnet sich eine Anzahl von terrassenförmig übereinander liegenden Thälern, aus denen die Flüsse [* 4] in tief eingeschnittenen Schluchten zum Meere durchbrechen.
Die mit 46 Leuchttürmen besetzte Küste, im ganzen wenig entwickelt, zeigt hohe felsige Ufer, die nur selten mit flachen Strichen abwechseln, springt vielfach in steilen Vorgebirgen vor und bildet zahlreiche Buchten, die aber den Schiffen nur wenig Schutz bieten. Unter den Bergmassen sind die bedeutendsten der Dschurdschura (bis 2300 m) im O. von Algier, der Babor südöstlich von Bougie (1995 m) und der Wanscherisch im S. von Orléansville (1990 m). Zwischen diesen breiten sich fruchtbare Diluvialebenen aus, unter denen die Metidscha bei Algier, die Ebenen von Oran, von Tlélat, von Cirat, von Eghris (im S. von Mascara) und das weite Thal [* 5] des Scheliff die wichtigsten sind.
Südlich dieser gebirgigen, auf ungefähr 160000 qkm geschätzten Zone erhebt sich das Land zu einem 1000–1100 m hohen Plateau, das teils mit Gebirgen besetzt ist, teils von weiten, dürren Ebenen eingenommen wird, die nur in Brunnen [* 6] süßes Wasser bieten. Diese Ebenen umfassen auch ausgedehnte Salzsümpfe (Schotts oder Sbakh), die im Sommer mit einer blendenden Salzdecke überzogen sind. Unter diesen sind namentlich der Schott el-Gharbi, Schott e'Schergi (1650 qkm, in 1000 m Höhe), Sebcha-Sahres und Sebcha el-Hodna hervorzuheben.
Diese Salzsümpfe sind auch im Kleinen Atlas und an der Küste häufig und finden sich bis zur Höhe von 1000 m. Man nennt nach ihnen die ganze steppenartige Zone (etwa 130000 qkm) die Region der Schotts. Im S. sind diese ebenen Striche durch die Kette des Großen Atlas von der dritten Zone, der Sahara, geschieden. Der Große Atlas steigt in seinem östl. Teile, dem Dschebel Aurês, dessen höchster Gipfel (Scheliah) 2328 in mißt, ansehnlich auf, sinkt aber nach W. mehr und mehr herab.
Nur der Dschebel Amur erhebt sich hier noch zu 1657 m. Der langgestreckte Bergwall wird von langen, gewundenen Defiles (Bâb oder Thore), zuweilen von steilen Felswänden gebildet, durchzogen und ist auf der nördl. Seite meist mit Wäldern von Pinus, Eichen, Hainbuchen, Eschen, Cedern und Pistazien bedeckt. In den Erhebungscentren treten Granit und Gneis zu Tage, zunächst von Glimmerschiefer überlagert. Sekundäre und tertiäre Kalksteine bilden den größten Teil des Gebirges, Basalte und Trappgesteine fehlen aber nicht.
Die Südseite fällt steil ab und zeigt nackte Felsflächen; an ihrem Fuße beginnt die Sahara, ein felsigem Plateau, dessen mittlere Höhe etwa 500 m beträgt. Zum größern Teil findet man hier weite wasserlose Strecken von Fels- oder verhärtetem Lehmboden, die ohne den Wassermangel sehr fruchtbar sein würden und Hammada heißen. Diese Gebiete werden von Dünenreihen durchzogen, deren wenn auch spärliche Vegetation von Fettpflanzen das Bereisen dieses Teils der Wüste bedeutend erleichtert.
Zahlreiche Oasengruppen liegen in diesem auf ungefähr 370000 qkm geschätzten franz. Teil der Sahara, von denen die größten von O. nach W. folgende sind: das Wadi Suf, das Wadi Righ (Tugurt), das Wadi Temassin, Wargla, el-Golea, die Oasen der Beni Msab und der Ulad Sidi Scheich. In den östl. Teil der südlich vom Atlas liegenden Gebiete reicht von Tunis [* 7] her ein Depressionsgebiet über, in dem der Schott Melrir 25 m unter dem Meere liegt und das Veranlassung zu dem jetzt wieder aufgegebenen Projekt eines Saharameers gegeben hat. – Unter den Gewässern, deren Betten aber vielfach im Sommer trocken liegen, ist der 650 km lange Scheliff das bedeutendste.
Außerdem sind noch zu nennen: der Seybouse (180 km), welcher bei Bona ins Meer fällt;
der Wad el-Kebir oder Rummel (135 km) bei Constantine;
der Fluß von Bougie, der 90 km weit ein fruchtbares Thal durchfließt;
der Harrach und der Masafran, die die Metidscha bewässern, und die lange Tafna (150 km) links mit dem Isly.
Während diese Gewässer dem Mittelmeere zufließen, wenden sich die vom Südabhange des Atlas kommenden in die Salzsümpfe oder versiegen im Sande. (Hierzu eine Karte: Algerien und Tunesien.)