Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03409.jsonl.gz/1377

Autres vues aériennes de Mollis
Es ist mit seinen 5 Stockwerken, seinen gewaltigen Mauern und Eckquadern und seinem hohen Giebel eines der grössten Häuser des Kantons. Von der Hauptstrasse, der es sich quer in den Weg stellt, führt an der Nordseite eine steinerne Freitreppe zu der im ersten Stock gelegenen Haustüre hinauf.
Diese zeigt im Schlussstein der spätgotischen Türeinfassung die Jahrzahl 1621, die sich an der untern, südwärts gegen den Garten gehenden Haustüre im Erdgeschoss wiederholt und das Jahr der Erbauung des Hauses bezeichnet. An beiden Orten befinden sich zwischen den Ziffern unbekannte wappenähnliche Zeichen, die jedoch wahrscheinlich blosse Hauszeichen sind. Die dabei stehenden Initialenpaare CS und MZ geben die Namen der Bauherrn bekannt, nämlich Conrad Schindler (geb. 1583, kop. 1607) und Maria Katharina Zwicki, die kinderlos starben, worauf das Haus an die Familie Zwicki, welcher das Grundstück wahrscheinlich vorher schon gehört hatte, zurückfiel, um von da an mehr als zwei Jahrhunderte ununterbrochen im Besitz derselben zu verbleiben, so dass es als das Stamm- und allgemeine Familienhaus dieses später weitverzweigten, reichen und hochangesehenen Geschlechtes zu betrachten ist, das, in seiner früheren Heimat Konstanz Zwick genannt, zwischen 1560 und 70 des Glaubens wegen von dort hieher eingewandert war. -
Während der drei Jahrhunderte seines Bestandes hat sich das äusserst solid gebaute, für zwei Familien berechnete Haus keinen wesentlichen Veränderungen zu unterziehen gehabt. Selbst die sehr alten gelben Sgraffitoverzierungen im Barockstil, mit denen die Fenster an den Aussenseiten des Hauses geschmückt waren und die ihm ein fröhlich belebtes Aussehen gaben, haben bis vor kurzem standgehalten, und die 300jährigen, sehr hübschen gotischen Türklopfer und Zuschnappschlösser an den Hauseingängen verrichten heute noch ungeschwächt ihren altgewohnten Dienst. Die Treppen sind steinern und mit festem, von gedrechselten Säulchen getrageriern Holzgeländer versehen, die Gänge weit und hell, und in den Fensternischen derselben sind, wo irgend der Raum es gestattet, zu beiden Seiten zweiplätzige Sitzbänke eingebaut, gemütliche Plaudereckchen für die Familie. Einen ebenso gemütlichen Charakter tragen die Wohnzimmer. Schon durch ihre Lage. Das des ersten Stockes schaut nach Süden fiber Gärten und grünes Gelände zum breit und herrlich entfalteten Glärnisch, das des zweiten Stockes dagegen von angenehmer Höhe auf die belebte Strasse. Bei beiden aber hat der Baumeister auch durch die innere Einrichtung auf einen traulichen Verkehr der Familie Bedacht genommen, indem er bei den Fenstern der Hauptseite an Stelle der schweren Zwischenmauer eine leichte, freistehende Fenstersäule eingeschoben, diese kunstvoll ausgehauen und ornamentiert und auch hier in den Nischen links und rechts Bänke zu fröhlicher Zwiesprache angebracht hat. Im übrigen fehlt es gerade diesen Zimmern auch nicht an besonderem Schmuck.
Da sorgen die grossen, mit Aufgangstreppen versehenen Öfen durch ihre reichen, farbigen Schildereien, Phantasielandschaften, Jagd- und Schäferszenen, Reiter- und Tierfiguren, für Befriedigung der Schaulust von Alt und Jung und treibt im obern Zimmer eine kassettierte Decke mit dunkeln Rippen und hellen Einlagen ein neckisches Farbenspiel. Die Verbindungstüre vom Korridor zu diesem Zimmer, aussen durch nichts sieh auszeichnend, ist innen durch zierliche Renaissancesäulchen eingefasst und das Feld über der Türe durch malerische Schnitzereien geschmückt, während an der gegenüberliegenden Seite ein in die Wand eingelassener Tresor in der gleichen Einfassung durch geschnitzte Blumenverzierungen erfreut.
Eine Reihe hervorragender Vertreter der Familie Zwicki hat diese behaglichen Räume bewohnt, so ausser einer Anzahl Ratsherrn, Landvögte und Ärzte und dein reichen und wohltätigen Pfarrer Johann Heinrich (1716-71), dem der Hafner auf einer Ofenkachel von 1761 durch Anbringung der Initialen JHZ und ACZ und des Glückwunsches "Gott gäb Glück" im Haus eine Erinnerung stiftete, auch Oberst Balthasar (1750-1823), der in der Landesgeschichte eine Rolle gespielt hat und unter dein Namen Oberst Balz im Volksmund heute noch fortlebt. Nachdem er in holländischen Diensten Gardehauptmann gewesen, wurde ihm im April 1798 bei der französischen Invasion im Glarner Auszug ein Kommando übertragen. Als nun beim Gefecht zu Wollerau der Oberbefehlshaber Paravicini feige die Flucht ergriff und alles verloren schien, war es Oberst Balthasar Zwicki, der mutvoll das Banner ergriff, sich mit einer kleinen Schar von Getreuen dem Ansturm der Feinde siegreich entgegenstellte, sie bis Richterswil zurücktrieb und so durch seine Tapferkeit das Fridolinsbanner, das schon einst sein Ahnherr Landesfähnrich Fridolin Zwicki (um ca. 1590-1639) mit Ehren getragen, vor der Schmach einer Niederlage bewahrte. In diesem Hause hat eine Zeitlang auch jene unglückliche Magd Anna Göldi gelebt (bei Dr. Zwicki), die 1782 wegen Kindesvergiftung, nach der Volksmeinung wegen Hexerei, enthauptet wurde - die letzte Hexenhinrichtung in der Schweiz.
Bibliographie