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Sehen — Orten — Fliegen
Fledermäuse sehen, - es ist keineswegs so, dass Fledermäuse blind wären. Dies, obwohl sie für ihre Orientierung ihr Echopeilsystem, ihr phänomenales Raumgedächtnis sowie ihren Gehör- und Geruchssinn einsetzen.
Ihr ausgeklügeltes Echopeilsystem funktioniert auf hochfrequenten, über Mund und teilweise Nase ausgesendete Peillaute, die als Echo (Rückschlag) über das Ohr aufgefangen und in Bruchteilen von Sekunden ausgewertet und zu einem virtuellen Bild zusammengesetzt werden. Wie sich ihre „dreidimensionale Welt“ darstellt, entzieht sich unseren Vorstellungen. Wir können nur anhand ihres Verhaltens, ihrer akrobatischen Flugmanöver und ihrer Beutefangmethoden feststellen, dass sie über ein hervorragendes räumliches Vorstellungsvermögen verfügen. Dies sei an einem Beispiel illustriert: Insektenfressende Arten schnappen im Vorbeiflug ruhende, auf Blättern sitzende Insekten (Nachtfalter, Grillen, ja selbst kleine Blattläuse).
Orten:
Unsere Fledermäuse verfügen über ein grundsätzlich identisches Peilsystem. Am freien Himmel fliegende Arten benutzen tieffrequente, weittragende Schallimpulse, die zwar ein eher rudimentäres Raumbild ergeben, aber dies über weite Distanz. Nahe an der Vegetation jagende Arten benutzen hochfrequente, oftmals stark frequenzmodulierte Schall-impulse, welche ein hochauflösendes Echo erzeugen. Jedoch sind diese durch die zunehmende atmosphärische Abschwächung nur auf wenige Meter Entfernung brauchbar. Unmittelbar vor dem Zuschnappen rufen freifliegende und strukturgebunden jagende Arten jedoch gleich: kurz, häufig, hochfrequent und leise - damit erreichen sie für die letzten Millimeter und Sekundenbruchteile eine optimale Echoinformation!
Nachweislich vermögen verschiedene Fledermausarten ihre Beute auch durch die von ihnen verursachten Geräusche (fressen, laufen, fliegen) zu orten. Einige Fledermausarten vermögen einzelne fliegende Insektenarten auf Grund ihrer unterschiedlichen Flügelschlagfrequenz-Geräusche nicht nur zu orten, sondern gar artspezifisch zu unterscheiden.
Fliegen:
Grob lassen sich zwei Fledermausflugtypen unterscheiden: schmal-flüglige - Schnellflieger und breitflüglige - Langsamflieger. Dank ihrer langen Fingerknochen und der „verstellbaren“ Flughaut können sie im Gegensatz zu den Vögeln die aerodynamischen Flugeigenschaften ihres Flügels den extremsten Anforderungen situationsgerecht anpassen.
Fliegen mit vollem Mund:
Hat eine Fledermaus nun ein Insekt geschnappt sieht sie sich einem Dilemma gegenüber. Frisst sie es gleich, so hat sie den Mund voll und kann keine Echoortung vornehmen. Oftmals fliegen daher fressende Fledermäuse stereotyp im engen Kreis (Park-Flugbahn) oder hängen sich kurzerhand an der nächsten sich bietenden Gelegenheit an den Hinterbeinen auf, um ungestört fressen zu können.