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In der Nacht auf heute ist die bisher speziellste NHL-Draft-Lottery über die Bühne gegangen. Doch die wichtigste Frage wurde noch nicht geklärt.
Das seltsamste aller Szenarien ist eingetroffen. Ein Team hat die NHL-Draft-Lottery gewonnen und weiss es selbst noch nicht einmal. Das liegt am diesjährigen Playoff-Modus mit 24 statt wie üblich 16 Teams.
Wenn die Saison weitergeht, kommt es zu einer Pre-Playoff-Runde vor dem start der eigentlichen Playoffs. 16 Teams spielen in acht Best-of-Five-Serien um den Einzug in die Conference-Viertelfinals (wo acht gesetzte Teams warten). Da man nicht weiss, welches Team wie abschliesst, hat man für die acht Verlierer dieser Pre-Playoffs in der Draft-Lottery Platzhalter eingesetzt. Und einer dieser Platzhalter ist nun – trotz tiefen Chancen – tatsächlich auf dem ersten Platz gelandet.
Das bedeutet ganz konkret, dass eines der folgenden Teams an erster Stelle draften wird:
Es wird also nach Beendigung der Pre-Playoffs noch einmal zu einer Draft-Lottery kommen. Dort haben alle acht Verlierer-Teams eine 12,5-prozentige Chance, den Nummer-1-Pick zu erhalten.
Die Teams in den Pre-Playoffs gehören also gewissermassen schon zu den Draft-Lottery-Gewinnern. Doch wer sind die Verlierer? Sicher die Detroit Red Wings. Obwohl sie eine 18,5-prozentige Chance auf den Nummer-1-Pick hatten, ziehen sie nun erst an vierter Stelle. Auch Ottawa mit zwei Picks und guten Chancen auf den ersten Pick, hatte eher Pech.
Jetzt, da wir – zumindest einigermassen – wissen, welches Team an welcher Stelle draftet, können wir uns auch endlich den Prospects dieses Draft-Jahrganges widmen. Normalerweise sind die Draft-Rankings um diese Zeit schon stark in Stein gemeisselt. Da die grosse Junioren-Ziehung aber in diesem Jahr wohl erst im Herbst stattfinden wird und bis dahin einige europäische Ligen bereits wieder laufen dürften, könnte es später noch zu Veränderungen kommen.
Wir stellen deshalb nur die wahrscheinliche Top-7 des Drafts vor, erklären dir ihre Stärken und Schwächen und sagen, welche Teams in Frage kommen, die Talente auszuwählen.
Linker Flügel, Rimouski Océanic (QMJHL), 52 Spiele, 35 Tore, 77 Assists
Es kommt nicht oft vor, dass der Nummer-1-Draft ein Flügel ist. Viel eher sind es Center oder Verteidiger. Doch es besteht kein Zweifel: Wann der NHL-Draft auch immer stattfindet, Alexis Lafrenière wird an erster Stelle gezogen werden.
Der Quebecois bringt schon jetzt das ganze Paket mit: ein herausragender Schuss, butterweiche Hände und eine unglaubliche Kreativität. Corey Pronman, Draft-Guru von «The Athletic», schreibt über den Kanadier: «Ich kann mich an Spiele erinnern, bei denen Lafrenière eigentlich neben den Schuhen wirkte und dennoch mehrere Punkte skorte.»
Neben dem Schuss hat Lafrenière auch eine hervorragende Übersicht, die es ihm erlaubt, starke Pässe zu spielen. Und er scheut sich auch nicht vor dem Körperspiel. Mit 186 Zentimetern Grösse und fast 90 Kilogramm Kampfgewicht, geht er auch dorthin, wo es weh tut.
Am ehesten kann man beim 18-Jährigen das Skating bemängeln. Er ist nichts besonders explosiv, aber immer noch schnell genug, wenn er es sein muss. Scouts glauben, dass er, was die Geschwindigkeit betrifft, ein durchschnittlicher NHL-Skater sein wird.
Pittsburgh, Carolina, Islanders, Columbus, Toronto, Florida, Rangers, Montreal, Edmonton, Nashville, Vancouver, Calgary, Winnipeg, Minnesota, Arizona, Chicago.
Center, Sudbury Wolfes (OHL), 45 Spiele, 32 Tore, 50 Assists
Was bei Byfield sofort auffällt, ist seine bullige Gestalt. Der erst 17-jährige Kanadier ist einer der jüngeren Spieler im Draft und dennoch schon 194 Zentimeter gross und beinahe 100 Kilo schwer. Er benutzt seine Physis dazu, Duelle an der Bande zu gewinnen. Byfield wird als äusserst ehrgeizig beschrieben, der alles dafür macht, zum Abschluss zu kommen.
Trotz seiner Grösse ist der Center auch ein sehr guter Skater. Er kann das Spiel seiner Linie antreiben. Sein Schuss ist eine gefährliche Waffe und auch seine Technik ist für einen Spieler von seiner Grösse sehr stark.
Scouts kritisieren bei Byfield Übersicht und auch etwas das Defensiv-Spiel. Wobei: Einig sind sich die Experten dabei nicht. Einige sehen gerade die Spielübersicht als Problem, andere finden sie zwar nicht überragend, aber bei weitem gut genug für die NHL.
Los Angeles, Ottawa, Detroit
Linker Flügel/Center, Adler Mannheim (DEL), 41 Spiele, 7 Tore, 27 Assists
Kaum ein Spieler hat in den Draft-Rankings einen derartigen Aufstieg hingelegt. Vor der Saison war Stützle eher im hinteren Teil der ersten Runde angedacht, nun ist er ein Spitzenkandidat. Der Deutsche ist unglaublich flink und hat bei Adler Mannheim schon die ganze Saison gegen Erwachsene gespielt. Er schafft es, Checks mit schnellen Kurven auszuweichen und die Gegner so abzuschütteln.
Der 18-Jährige ist extrem kreativ und hat eine hervorragende Spielübersicht. Stützle trifft auch bei hohem Tempo die richtigen Entscheidungen. Er ist eher ein Spieler, der den Pass und nicht den eigenen Schuss sucht.
Die Physis ist sicher keine Stärke Stützles. Der Deutsche ist zwar nicht extrem klein (184 cm, 85 kg), doch er zieht es vor, dem Körperspiel aus dem Weg zu gehen. Er gewinnt Zweikämpfe lieber mit seiner Übersicht und seiner Cleverness (ähnlich wie etwa Pius Suter).
Los Angeles, Ottawa, Detroit, Anaheim, New Jersey
Flügel, Frölunda Indians (SHL), 33 Spiele, 4 Tore, 6 Assists
Am Puck ist Raymond unfassbar stark. Der Schwede hat eine brillante Technik und damit lässt er Verteidiger im 1-gegen-1-Duell uralt aussehen. Er hat eine hervorragende Übersicht und ist deshalb in der Lage, überraschende Spielzüge zu führen. Auch deshalb wird er besonders im Powerplay eine grosse Waffe. Wenn es sein muss, kann er aber auch selbst einen gefährlichen Schuss auspacken.
Raymond ist eher klein gewachsen (177 cm/75 kg). Normalerweise kompensieren Spieler ihre kleinere Grösse durch Speed und Wendigkeit. Der Schwede ist aber ein eher durchschnittlicher Skater. Diese Saison kam er auf keine guten Zahlen, erhielt bei Frölunda aber auch kaum mehr als 10 Minuten Eiszeit pro Spiel. Es ist gut möglich, dass er etwas länger braucht als andere Draft-Kandidaten, bis er auf NHL-Level sein Spiel voll entfalten kann.
Ottawa, Detroit, Anaheim, New Jersey
Verteidiger, Erie Otters (OHL), 49 Spiele, 9 Tore, 38 Assists.
Der erste Verteidiger im Draft ist gleichzeitig auch einer der besten Skater des Jahrgangs. Das erlaubt es ihm, sich nicht nur in die Offensive einzuschalten, sondern auch in der Rückwärtsbewegung stets am richtigen Ort zu sein. Drysdale hat eine gute Übersicht und ist in der Lage, ein Powerplay von der blauen Linie zu lenken.
Drysdale ist für einen Verteidiger eher klein und leicht (180 cm/77 kg). Das physische Spiel ist sicher keine seiner Stärken, insbesondere wenn es Mann gegen Mann geht, ist er im Nachteil. Er schafft es dank seiner Cleverness aber doch, Duelle zu gewinnen.
Ottawa, Detroit, Anaheim, New Jersey
Center, Saginaw Spirit (OHL), 61 Spiele, 37 Tore, 74 Assists
Was Perfetti einzigartig macht, ist seine Übersicht. Scouts attestieren ihm die Fähigkeit, dass er Pässe spielt und Lücken sieht, die sonst kein anderer Spieler findet. Der Kanadier ist sehr stark am Puck und hat das Potenzial, einer der besten Passspieler der NHL zu werden.
Trotz seiner geringen Körpergrösse (177 cm/84 kg) ist Perfetti ein eher schwacher Skater. Er ist nicht besonders schnell, macht dies aber durch seine Spielübersicht wett. Auch an seinem Schuss muss der Center noch etwas arbeiten. Zudem ist er keiner, der das physische Spiel sucht.
Ottawa, Detroit, Anaheim, New Jersey, Buffalo
Center, Ottawa 67's (OHL), 56 Spiele, 39 Tore, 81 Assists
Marco Rossi hat eine lange Schweizer Vergangenheit. Im Alter von zehn Jahren wechselte er in die Schweiz, zuerst zu Rheintal, dann in die Organisation der ZSC Lions. Dann folgte der Wechsel in die kanadische Juniorenliga, wo der Center letzte Saison so richtig explodierte.
Rossi ist klein gewachsen (176 cm/81 kg), aber er ist äusserst ehrgeizig und sucht immer den Zug aufs Tor. Seine Technik und seine Spielintelligenz sind herausragend. Auch wenn er nicht viel Platz hat, kann er sich durchsetzen.
Insbesondere Scott Wheeler von «The Athletic» lobt Rossi zudem für sein Defensivspiel. Er geht gar so weit zu sagen, dass der Österreicher der beste Defensivstürmer des ganzen Drafts ist. Zu alledem verfügt er auch über einen gefährlichen Schuss.
Das klingt doch alles hervorragend, weshalb ist Rossi hier also nur an siebter Stelle klassiert? Nun, es gibt Scouts die sehr besorgt sind über Rossis Grösse und dass er deshalb Mühe haben wird, sich in der NHL durchzusetzen. Auch ist er für seinen kleinen Rahmen kein besonders schneller Skater – ein Trend, der sich in diesem Draft zu wiederholen scheint.
Ottawa, Detroit Anaheim, New Jersey, Buffalo
Alexander Holtz (RW, Djurgaardens IF), Jake Sanderson (D, US National U18 Team), Jack Quinn (RW, Ottawa 67's), Anton Lundell (C, Helsinki IFK).
Aus Schweizer Sicht muss man leider wieder mit einem mageren Draft rechnen. Der Schweiz-Kanadier Théo Rochette ist zurückgefallen. Einst als Kandidat für die erste Runde angesehen, scheint nun wahrscheinlicher, dass er Ende zweite oder Anfang dritte Runde gezogen wird. Kandidaten für spätere Runden sind Verteidiger Noah Delémont und Stürmer Simon Knak.
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