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Für die überwiegende Mehrheit der Schweizer Bevölkerung ist der Klimawandel nicht nur eine Tatsache, er stellt gefühlt sogar die grösste Bedrohung überhaupt dar – noch vor dem Zusammenbruch der Altersversorgung, einer Wirtschafts- oder Finanzkrise, Arbeitslosigkeit, Terrorismus oder dem Ausbruch von Epidemien.
Eine repräsentative Bevölkerungsumfrageexterner Link zum Klimawandel im Auftrag der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft SRG zeigt, dass die Befürchtungen der Bevölkerung in erster Linie lokal und durch Themen wie Gletscherschwund und Bergstürze geprägt sind.
Für 85 Prozent der Befragten ist der Klimawandel eine Tatsache; 14 Prozent sind sich nicht sicher, dass es ihn gibt. Rund ein Drittel ist sehr besorgt über die Aussage, dass es in der Schweiz bis Ende des Jahrhunderts bis zu 3 Grad wärmer sein könnte.
Dies deckt sich mit der Aussage eines Drittels der Befragten, die bei der Beurteilung des Klimawandels auf persönliche Beobachtungen setzen. Die gelten mehr als Informationen in den Medien, aber nicht ganz so viel wie Aussagen von Wissenschaftlern. Die Glaubwürdigkeit der sozialen Medien als Informationsquelle wird als tief eingestuft – selbst bei Jüngeren, die sie tendenziell häufiger nutzen.
Die Verantwortung für den Klimawandel sehen die allermeisten Befragten beim Menschen, etwas weniger häufig bei der Natur. Das Tempo des Wandels schätzt die Mehrheit als schnell bis sehr schnell ein. Entsprechend präsent sind für viele die Auswirkungen: Die Hälfte erlebt sie als deutlich spürbar.
Das Schmelzen der Gletscher wird am häufigsten als Auswirkung des Klimawandels erwähnt. Sorgen bereiten auch extreme Wetterphänomene und der Schwund des Permafrosts.
Sieben von zehn Personen sind der Ansicht, dass der Klimawandel für sie persönlich mehr Nachteile als Vorteile bringt. Nur eine Person von zehn empfindet ihn als vorteilhaft - am ehesten wegen sauberer Luft, da vermehrt auf Brennstoffe verzichtet werden kann, wegen des ÖV-Ausbaus, oder weil sich neue Chancen für die biologische Landwirtschaft ergeben.
Wenig Vertrauen in die Politik
Handlungsbedarf sehen die Schweizer in erster Linie auf internationaler Ebene, danach beim persönlichen Verhalten und erst an dritter Stelle auf nationaler Ebene.
Das Vertrauen in die Politik und ihre Massnahmen gegen den Klimawandel ist gering: Nur zwei von zehn Befragten trauen Schweizer Politikern wirksame Lösungen zu. Die grundsätzliche Einstellung bewegt sich darüber hinaus im erwartbaren Bereich.
Linksorientierte sind zuversichtlicher, was die Wirksamkeit von Lenkungsabgaben oder Subventionen angeht. Sie billigen den Grünen und Grünliberalen die grösste Kompetenz für Lösungen zum Klimawandel zu.
Rechtsorientierte empfinden den Zusammenbruch der Altersversorgung als grössere Bedrohung als den Klimawandel und geben den Parteien allgemein wenig Kredit. Die grösste Problemlösungskraft wird der SVP zugetraut.
Das Meinungsforschungsinstituts Link externer Linkhat im Auftrag der SRG 2095 Personen im Alter von 15 bis 79 Jahren in allen Landesteilen befragt. Die Umfrage fand im vergangenen September online statt.
Einschränkungen ja ...
Geht es um den persönlichen Beitrag zum Klimaschutz, haben Schweizer und Schweizerinnen klare Vorstellungen: Mehr auf ÖV/Velo setzen, Strom sparen und weniger Autofahren sind die drei meistgenannten Massnahmen.
Vier von fünf Schweizer sind auch bereit, für lokale/saisonale Produkte etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Und drei Viertel können sich vorstellen, weniger zu fliegen oder auf Klimaanlagen zu verzichten.
... aber
Die Opferbereitschaft hat aber klare Grenzen: Einschränkungen ja, aber nur solange sich dies relativ einfach mit dem eigenen Lebensstil vereinbaren lässt. Das zeigt sich beispielhaft am Vergleich der Generationen: Unter 30-Jährige sind weniger bereit, die Nutzung von Klimaanlagen oder Heizungen zu reduzieren oder weniger zu fliegen als ältere Personen. Dafür ist bei ihnen die Bereitschaft am höchsten, aufs Auto zu verzichten – das als Statussymbol ohnehin ausgedient hat.
swissinfo.ch/ka und SRF News