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von Dr. phil. René Roca, Historiker
Entscheidend, um das «Projekt Volksherrschaft» darzustellen, ist meines Erachtens das Menschenbild. Geht man nicht von einer personalen Auffassung des Menschen aus und setzt im Sinne eines würdigen, demokratischen Zusammenlebens seine Sozialnatur voraus, verliert man sich schnell in nebulöser Metaphysik und landet im Schoss von falschen Theorien oder eben «politischer Mythologie».
Jean Bodin, nicht der bloss auf den Absolutismus reduzierte Staatstheoretiker, sondern der verkannte Frühaufklärer, definierte die (staatliche) Souveränität klar und unumstösslich. Parallel zu Bodin, der ein christliches Menschenbild vertrat, entwickelte die spanische «Schule von Salamanca» aus der christlichen Naturrechtslehre das moderne Naturrecht, was bereits eine erste Sicht auf die «Volkssouveränität» freigab. Die Westschweizer Naturrechtsschule («École romande du droit naturel») und Jean-Jacques Rousseau verschafften einerseits den Schweizer Aufklärern erste Grundlagen zu einer demokratischen Theorie. Andererseits verhalfen in der Schweiz die spezielle Art der Christianisierung (urchristliche Märtyrer, irische Mission) sowie die freiheitliche genossenschaftliche Tradition auch katholisch-konservativen Kreisen den Zugang zur Moderne, ja zur Forderung nach mehr direkter Demokratie während der Regeneration und der Frühphase des Bundesstaates. Mit dem so entwickelten personalen Menschenbild – fern des Gottesgnadentums – war es auch möglich, dass die Menschenrechte in die ersten Verfassungen Eingang fanden.
Das «Projekt Volksherrschaft» in der Schweiz nährte sich, wie gezeigt, von verschiedenen Wurzeln und trug die Früchte der direkten Demokratie, des Referendums und der Initiative. Dieses «Projekt» ist für die Schweiz historisch noch viel zuwenig erforscht und würde für jeden Kanton wertvolles Anschauungsmaterial liefern, wie sich die Menschen gegen die herrschende Machtpolitik die Demokratie erkämpften und diese ständig verbesserten. •
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