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Sonntagsgedanke
„Verherrlichen“
Zu Beginn des Sonntagesevangeliums kommt gleich fünf Mal ein Wort vor, das kein Mensch versteht, nämlich „verherrlichen“. „Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist in ihm verherrlicht. Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, wird auch Gott ihn in sich verherrlichen, und er wird ihn bald verherrlichen“.
Was soll das heißen? Wie soll man das z.B. auf Schweizerdeutsch übersetzen? Der Hl. Benedikt verwendet das Wort „verherrlichen“ in seiner Regel nur ein Mal. Interessanterweise nicht in einem Kapitel, wo es um Gottesdienst oder Gebet geht, sondern um Geld, genauer um den Verkauf von Klosterprodukten. Die soll man „etwas billiger hergeben als andere Leute, damit Gott in allem verherrlicht werde“ RB 57). Auf dem Markt kauft also ein Armer von einem Mönch zwei Brote zu einem günstigen Preis. Das bewegt ihn, „Gott zu verherrlichen“, ohne dass der Mönch beim Verkauf über Gott spricht. Aber bei diesem Verkauf ist Gott gleichsam anwesend, kann er wie durchscheinen, auch ohne fromme Worte. Das passt gut zum Wort des Hl. Franziskus: „Verkündet das Evangelium – wenn nötig mit Worten“. D.h. wenn es geht, lieber ohne Worte. Durch das Verhalten. Durch ein bezahlbares Brot. Durch ein freundliches Wort. Durch einen kleinen Dienst. „Wer dient, der diene aus der Kraft, die Gott verleiht, damit Gott in allem verherrlicht wird“ (1 Petr 4,11). Da also, im ersten Petrusbrief, im Zusammenhang mit dem Dienen, hat Benedikt sein schönes Wort vom „verherrlichen“ gefunden.
Silja Walter und andere benediktinische AutorInnen setzten dieses Wort („ut in omnibus glorificetur Deus“) gerne an das Ende ihrer Texte, abgekürzt als U.I.O.G.D. – in der Hoffnung, dass auch durch ihr Buch Gott verherrlicht werde.
P. Christoph