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Ripple ist eines der am kontroversesten diskutierten Projekte in der Welt der Kryptowährungen. Einige halten es für ein stark zentralisiertes Projekt, das niemals mit einer offenen und erlaubnisfreien Blockchain wie Bitcoin und Ethereum verglichen werden sollte. Andere sind der Meinung, dass Ripple das einzige Projekt ist, das sich in der traditionellen Finanzwelt jemals durchsetzen wird. Wieder andere, die XRP-Armee, wirbt unermüdlich für den digitalen Vermögenswert.
Aber was ist Ripple? Ripple ist ein Projekt, das ein Netzwerk von unabhängigen Banken und Zahlungsanbietern mit einem standardisierten Protokoll zusammenbringt. Dieses Protokoll ermöglicht die gemeinsame Kommunikation und den Versand von kostengünstigen, sofortigen Zahlungen rund um den Globus. Es gibt auch XRP, eine Kryptowährung, die eng mit Ripple verbunden ist.
WIE LANGE GIBT ES RIPPLE SCHON?
Die Gründungsgeschichte von Ripple reicht weit in die Vergangenheit zurück. Man könnte sagen, dass die ursprüngliche Idee noch vor dem Aufkommen von Bitcoin entstand. Tatsächlich hat der kanadische Entwickler Ryan Fugger Ripple im Jahr 2004 zum ersten Mal konzipiert. Seine erste Version hieß RipplePay, ein Projekt, das sichere Zahlungslösungen für ein globales Finanznetzwerk bieten sollte. Als Bitcoin 2009 eingeführt wurde, entwickelten sich auch die Ripple-Projekte weiter. Neue Technologen wie Arthur Britto, Jed McCaleb, David Schwartz und Chris Larsen (der erste CEO von Ripple) brachten das Projekt 2012 auf eine neue Ebene. Sie wandelten RipplePay in ein Technologieunternehmen mit Sitz in den USA namens OpenCoin um. Damit war das Blockchain-basierte Zahlungssystem namens XRP geboren. Nach dieser Umwandlung konzentrierte sich Ripple auf Zahlungslösungen für Banken und andere Finanzinstitute. Ein Jahr später wurde OpenCoin in Ripple Labs umbenannt. Wiederum zwei Jahre später erhielt das Projekt seinen eigentlichen Namen, Ripple, den es bis heute trägt.
WAS IST DAS ZIEL VON RIPPLE?
Heute besteht das Hauptziel von Ripple darin, traditionelle Zahlungen zu erleichtern und zu optimieren – vor allem grenzüberschreitende Zahlungen. Der Großteil der Finanztransaktionen wird heute noch über isolierte Datenbanken abgewickelt, die von verschiedenen Finanzunternehmen kontrolliert werden. Dies führt zu endlosen Reibungen, die Ripple durch die Bereitstellung einer offeneren Zahlungsinfrastruktur beseitigen will.
Verschiedenen Quellen zufolge haben sich bereits mehrere Banken und Finanzinstitute auf der ganzen Welt mit Ripple zusammengeschlossen. Darunter sind Institutionen wie die Santander Bank, American Express und MoneyGram. Auch Ägyptens größte Bank, die National Bank of Egypt (NBE), soll sich dem Netzwerk von Ripple angeschlossen haben.
Selbst wenn noch unklar ist, wie häufig diese Partner die Dienste von Ripple nutzen, ist das Unternehmen zuversichtlich, dass seine Lösungen eine verlockende Alternative für währungsübergreifende und internationale Zahlungen darstellen. Schließlich gibt es Spekulationen, dass XRP Ledger ein geeigneter Kandidat für eine verteilte Alternative zum heutigen SWIFT-System (eine Plattform für Finanznachrichten, die von Banken für Geldtransfers genutzt wird) sein könnte. Während einige Ripple als eine bessere Version von SWIFT ansehen, vertreten Personen, die für Ripple gearbeitet haben, die Ansicht, dass das Projekt kein Konkurrent, sondern ein ergänzendes System zu SWIFT ist.
WIE FUNKTIONIERT DAS RIPPLE-SYSTEM?
Das Herzstück der Infrastruktur von Ripple ist der XRP Ledger (XRPL), die Blockchain von Ripple. XRPL ist ein Open-Source Distributed Ledger, der Finanztransaktionen in Echtzeit ermöglicht. XRPL funktioniert zwar wie das Bitcoin-Ledger, ist aber keine einfache Kopie der Bitcoin (BTC)-Blockchain, sondern greift nur auf einige Aspekte von Bitcoin zurück. Genau wie bei Bitcoin kann der XRP Ledger zum Senden und Empfangen von Kryptowährungen verwendet werden. Wenn Token zwischen Adressen auf der XRPL verschickt werden, sind digitale Signaturen erforderlich. Ein Aspekt, der beim XRP Ledger ausgelassen wurde, ist der Proof-of-Work-Mechanismus von Bitcoin. Der XRP Ledger verlässt sich stattdessen auf einen föderierten Konsensalgorithmus. Deswegen wirbt Ripple damit, umweltfreundlicher zu sein als Bitcoin.
Der XRP Ledger gehört nicht Ripple und wird nicht von Ripple betrieben und kontrolliert. Die Entwicklung von XRPL liegt in den Händen der Community und wird von Organisationen wie RippleX, XRPL.org oder der XRPL Foundation geleitet. Über XRPL können verschiedene Fiat-Währungen abgewickelt werden. Auch dezentrale Börsen können auf XRPL aufgebaut werden. Weiterhin können NFTs ausgegeben werden. Im Moment gibt es nicht fungible Token im NFT-Devnet, einem Testnetz. In Zukunft sollen Tokenisierungsprojekte und -funktionen für Metaversen, Spiele, Kunst und andere Bereiche auf XRPL aufgesetzt werden können.
Das Unternehmen Ripple hat RippleNet entwickelt, eine proprietäre Geschäftslösung, die Verbindungen zu Hunderten von Finanzinstituten bietet. Angeblich unterstützt der Dienst mehr als 55 Länder und 120 Währungspaare. RippleNet funktioniert als Zahlungs- und Abwicklungsnetzwerk, das von Ripple bereitgestellt wird und aus xCurrent und xVia hervorgegangen ist. Als solches ist RippleNet ein Austausch- und Abwicklungssystem für verschiedene Bank-Ledger. Über dieses Protokoll können Ripple-Kunden mit RippleNet Transaktionen in Dollar, Euro oder anderen Fiat-Währungen sowie in Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ether durchführen. Der XRP-Token kann ebenfalls gehandelt werden, ist aber keineswegs die einzige Möglichkeit, mit der das System Transaktionen durchführt.
Das Gleiche gilt für die „On-Demand-Liquidität“ (ODL), die früher xRapid hieß und jetzt ebenfalls Teil von RippleNet ist. Diese Säule fungiert als Liquiditätslösung innerhalb von RippleNet. Sie hilft den Nutzern, zwischen verschiedenen Vermögenswerten zu tauschen, um sich durch RippleNet zu bewegen. Auch hier werden alle verschiedenen Arten von Kryptowährungen unterstützt, obwohl XRP als der beliebteste Token vermarktet wird. Das Unternehmen Ripple bietet „On-Demand“-Liquidität in XRP an, d. h. es fungiert als Liquiditätsanbieter für Nutzer, die schnell Vermögenswerte in und aus XRP tauschen möchten.
DIE BEZIEHUNG ZWISCHEN RIPPLE UND SEINEM TOKEN, XRP
Aufgrund des vielschichtigen Systems von Ripple, das aus mehreren Säulen besteht, ist die Verbindung zwischen XRP und Ripple nicht ganz klar. Zuallererst ist XRP die native Kryptowährung des XRP Ledger. Als solche ist XRP untrennbar mit diesem Ledger verbunden. Bei Ripple und seiner eigenen Geschäftslösung, RippleNet, gibt es nicht unbedingt eine Verbindung. Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, dass Ripple erfolgreich mit Banken zusammengearbeitet hat, ohne dass XRP wirklich verwendet wurde. Und wenn XRP verwendet wird, dann nur als Transaktionsmedium und nicht als Mittel zur Wertaufbewahrung.
XRP UND SEINE TOKENOMICS
Entgegen der landläufigen Meinung ist der verteilte Ledger von Ripple (XRP Ledger) offen und erlaubnisfrei. Er ist auch quelloffen und Außenstehende sind aufgefordert, Lösungen zu entwickeln. Der Grund, warum viele Menschen vermuten, dass es sich bei Ripple um eine genehmigungspflichtige Blockchain handelt, ist die „UNL“, die von Ripple standardmäßig vorgeschlagen wird. Die UNL ist eine Liste von Validatoren, die von Ripple empfohlen werden. Die Liste wird veröffentlicht, damit XRP Ledger-Validierer wissen, mit welchen anderen Validieren sie in Kontakt treten können.
Aus technischer Sicht unterscheidet sich die Blockchain von Ripple von anderen öffentlichen Blockchain-Netzwerken wie Bitcoin oder Ethereum. Es gibt keinen Proof-of-Work-Algorithmus, was bedeutet, dass es bei XRP Ledger auch kein Mining gibt. Als XRP Ledger 2012 auf den Markt kam, wurden die gesamten 100 Milliarden XRP-Tokens zunächst vorgemined. Nachdem alle Token erzeugt worden waren, behielten die Gründer/innen einen Teil (etwa 20 Milliarden), während 80 Milliarden an das Unternehmen Ripple gingen, das die Token im Laufe der Zeit verteilen sollte.
Im Mai 2022 befanden sich etwas mehr als 48 Milliarden Token im Umlauf. Der Rest wird hauptsächlich auf einem Treuhandkonto verwahrt, über das Ripple die Vollmacht hat. Monat für Monat werden Tranchen der treuhänderisch verwahrten Token freigegeben und Ripple nutzt sie, um den Markt für XRP zu machen. Auf diese Weise werden die verbleibenden XRP auf dem Treuhandkonto mit der Zeit an die Öffentlichkeit verteilt.
Interessanterweise ist in XRP eine Art Token-Burning-Mechanismus eingebaut. Bei jeder XRP-Transaktion wird ein kleiner Betrag vom Absender eingezahlt und dabei vernichtet, wodurch sich der Gesamtvorrat verringert. Auch wenn ein Token-Burning als eine Art Verknappungsmechanismus fungiert, würde es im Fall von XRP mindestens 70.000 Jahre dauern, alle XRP zu verbrennen.
IST XRP EIN WERTPAPIER?
Im Jahr 2020 beschuldigte die amerikanische Börsenaufsicht SEC das Unternehmen Ripple, ein unregistriertes Wertpapierangebot in Höhe von 1,3 Milliarden US-Dollar durchgeführt zu haben. Da XRP nicht durch Proof-of-Work-Mining ausgegeben wurde, sondern von Ripple vorgemined wurde, argumentierten die SEC-Beamten, dass XRP ein nicht registriertes Wertpapier darstellt, was gegen das US-Gesetz verstößt. Befürworter/innen von Ripple wiesen darauf hin, dass XRP lediglich ein Utility-Token für Zahlungen ist.
Im Jahr 2018 erklärte der ehemalige Direktor der SEC-Abteilung für Unternehmensfinanzierung, William Hinman, dass weder Bitcoin noch Ether als Wertpapiere angesehen werden sollten. Die Befürworter/innen von Ripple sind sehr daran interessiert, dieses Material – sobald es veröffentlicht ist – zu ihren Gunsten zu nutzen.
Eine Entscheidung könnte erst im Jahr 2023 getroffen werden. Wie auch immer der Fall SEC gegen Ripple ausgehen wird, für die Kryptowelt insgesamt steht viel auf dem Spiel.