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| Augustinus (354-430) - Bekenntnisse (Confessiones)

Zwölftes Buch
32. In den wahren Sinn der Heiligen Schrift führt nur der Heilige Geist ein.
Schließlich, o Herr, der du Gott bist und nicht Fleisch und Blut, wenn der Mensch nur beschränkte Einsicht hat, konnte denn auch deinem guten Geiste, der "mich auf rechtem Wege führen wird"1, verborgen sein, was du selbst in diesen Worten künftigen Lesern offenbaren wolltest, wenn selbst der, durch den du sie aufzeichnen ließest, von den vielen wahren Auffassungen vielleicht nur eine im Sinne gehabt bat? Wenn das der Fall ist, so ist sicher die, an die er gedacht hat, allen anderen vorzuziehen. Du aber, o Herr, zeigst dann uns [S. 335] diese oder eine andere wahre, die dir gefällt, damit du uns weidest und kein Irrtum uns täusche, magst du uns nun die gleiche Wahrheit wie deinem Getreuen oder eine andere auf Grund derselben Worte offenbaren. Sieh, o Herr mein Gott, wie vieles habe ich doch über diese wenigen Worte geschrieben, wie vieles Wie könnten auf diese Weise unsere Kräfte, wie unsere Zeit für all deine Schriften ausreichen? Nimm also über diese ein kurzes Bekenntnis von mir entgegen; laß mich nur einen Gegenstand herausgreifen, den du mir eingegeben, einen wahren, einen gewissen und einen guten, auch wenn sich mir viele aufdrängen, wo so viele mir entgegentreten können. Laß mein Bekenntnis so treu sein, daß, wenn ich etwa das sage, was dein Diener gemeint hat, ich dies richtig und so gut wie möglich ausdrücke; denn darauf muß mein Streben gerichtet sein. Sollte mir dies aber nicht gelingen, so will ich doch das sagen, was deine Wahrheit durch seine Worte mir sagen wollte, die auch ihm gesagt hat, was sie gewollt. [S. 336]
1: Ps. 142,10.