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Kurz vor den Wahlen im November galt Donald Trump als erledigt. Die meisten Experten waren überzeugt, dass Hillary Clinton gewinnen wird. Einer der wenigen, die sich diesem Mainstream verweigerten, war der Historiker Allan Lichtman von der American University in Washington.
Selbst nach der Veröffentlichung des verheerenden Videos, das Trump als Frauenbelästiger entlarvte, blieb Lichtman bei seiner Prognose: «Donald Trump wird am 8. November die Präsidentenwahl gewinnen», sagte er der «Schweiz am Sonntag». Mit Recht, wie sich zeigen sollte.
Allan Lichtman ist nicht irgendwer. Der 69-Jährige kann eine phänomenale Trefferquote bei Präsidentschaftswahlen vorweisen. Seit 1984 hat er stets den Wahlsieger vorhergesagt, selbst bei der umstrittenen Wahl 2000 zwischen Al Gore und George W. Bush. Grundlage seines Erfolgs ist ein 13-Punkte-System mit dem Namen «Schlüssel zum Weissen Haus», für das er alle Wahlen von 1860 bis 1980 analysierte.
Nun wagt Lichtman eine neue Prognose: Donald Trump wird seine Amtszeit politisch nicht überleben, sondern durch ein Impeachment des Amtes enthoben. Erstmals in diese Richtung geäussert hatte er sich bereits im September im Gespräch mit der «Washington Post». Die Republikaner «wollen Trump nicht als Präsidenten, weil sie ihn nicht kontrollieren können», meinte Lichtman. Sie würden den «bodenständigen» Vizepräsidenten Mike Pence bevorzugen.
Wenige Tage nach Trumps Wahlsieg legte der Professor im Interview mit CNN nach. Es gebe eine «sehr grosse Wahrscheinlichkeit», dass Trump abgesetzt werden könnte. Die Prognose basiere auf seinem Bauchgefühl, räumte Lichtman ein. Nun hat er sich intensiv mit dem Thema befasst und ein Buch mit dem Titel «The Case for Impeachment» (Die Gründe für eine Amtsenthebung) geschrieben.
Die Frage sei nicht, «ob Präsident Trump abgesetzt wird, sondern wann», teilte der Verlag HarperCollins am Dienstag mit. Als Gründe für ein Impeachment werden Trumps mögliche Kontakte mit Russland und Interessenkonflikte in Zusammenhang mit seinen Geschäften genannt. Genaueres wird man am 18. April erfahren, wenn Lichtmans Buch erscheint. Die Trump-Hasser dürften es kaum erwarten. (pbl)