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Das Fragile-X-Syndrom (Martin-Bell-Syndrom) ist eine der häufigsten Ursachen für eine genetisch bedingte geistige Entwicklungsstörung und betrifft vor allem Männer. Bei Frauen ist es wesentlich milder oder gar nicht ausgeprägt.
Ursache für das Fragile-X-Syndrom ist eine Veränderung (Mutation) in einem Gen. Diese Mutation äussert sich in einer unterschiedlich starken Minderbegabung, die von Lernstörungen bis hin zu einer schweren geistigen Behinderung reichen kann. Im Kindesalter stehen eine geistige Entwicklungsstörung, Sprech- und Sprachstörungen und häufig ein hyperaktives Verhalten im Vordergrund. Im Jugend- und Erwachsenenalter können sich bestimmte körperliche Merkmale wie ein langes Gesicht, ein grosses Kinn, grosse abstehende Ohren und grosse Hoden zeigen. Die Intelligenzminderung nimmt mit dem Alter zu.
Die Diagnose des Fragilen-X-Syndroms erfolgt durch eine DNA-Analyse, wenn bestimmte Merkmale vorliegen. In der Schwangerschaft steht die DNA-Analyse im Rahmen der Pränataldiagnostik für Frauen zur Verfügung, die gesichert als Überträger des Fragilen-X-Syndroms gelten.
Das Fragile-X-Syndrom wird manchmal auch als Fra(X)-Syndrom oder Frax-Syndrom bezeichnet.
Das Fragile-X-Syndrom ist eine genetisch verursachte geistige Entwicklungsstörung. Sie tritt vor allem bei Jungen auf. Die Erkrankung ist auch unter den Bezeichnungen Martin Bell-Syndrom, Marker-X-Syndrom, Fra(X)-Syndrom oder Frax-Syndrom bekannt.
1943 wurde das Fragile-X-Syndrom erstmals durch den britischen Arzt James Purdon Martin und die britische Humangenetikerin Julia Bell beschrieben und war daher lange Zeit unter dem Namen Martin-Bell-Syndrom bekannt.
Im Jahr 1991 wurde schliesslich das Gen identifiziert, dass die Erkrankung auslöst: FMR1 (Abk. für fragile x mental retardation 1). Der Nachweis dieses veränderten Gens bei einem Patienten erleichtert seitdem die Diagnose. Davor war die einzige Möglichkeit für eine Diagnose eine recht unsichere und sehr aufwändige Chromosomenuntersuchung. Dabei lässt sich unter bestimmten Bedingungen eine Auffälligkeit am X-Chromosom (dem weiblichen Geschlechtschromosom) erzeugen. Dabei handelt es sich um eine Lücke beziehungsweise einen Bruch an einer bestimmten, zerbrechlichen (fragilen) Stelle des langen Arms des X-Chromosoms. Die Bezeichnung «Fragiles-X-Syndrom» leitet sich von dieser Besonderheit des X-Chromosoms bei den Betroffenen ab.
Beim Fragilen-X-Syndrom gibt es zwei Arten von genetischen Veränderungen (Mutationen): die Prämutation und die Vollmutation. Prämutationen haben keine Auswirkungen auf die intellektuelle Entwicklung, sind aber eine Vorstufe der Vollmutation, die mit entsprechenden Krankheitsmerkmalen einhergeht. Im Laufe mehrerer Generationen kann sich aus einer Prämutation eine Vollmutation entwickeln.
Männer mit einer Vollmutation sind schwer geistig behindert. Frauen mit einer Prämutation zeigen keine Symptome, sind mit einer Vollmutation jedoch in unterschiedlichen Ausmaßen geistig behindert.
Das Fragile-X-Syndrom ist eine der häufigsten Formen der genetisch bedingten geistigen Behinderung: Einer von 4.000 Jungen (0,025%) ist davon betroffen. Mädchen sind mit einem von 6.000 (0,017%) seltener vom Fragilen-X-Syndrom betroffen.
Ursache für das Fragile-X-Syndrom (Martin-Bell-Syndrom) ist die Veränderung eines Gens (Mutation) auf dem X-Chromosom, die dazu führt, dass ein Eiweiss, das sogenannte FMR1-Protein, nicht oder in zu geringen Mengen produziert wird.
Frauen sind generell seltener oder mit weniger starken Auswirkungen vom Fragilen-X-Syndrom betroffen, da sie über zwei X-Chromosomen (XX) als Geschlechtschromosomen verfügen und somit das jeweils nicht veränderte X-Chromosom den Defekt des anderen bis zu einem gewissen Mass ausgleichen kann. Im Gegensatz dazu besitzt der Mann als Geschlechtschromosomen nur ein X-Chromosom (neben einem Y-Chromosom, also XY).
Das Fragile-X-Syndrom (Martin-Bell-Syndrom) zeichnet sich durch unterschiedliche Symptome aus. Hauptmerkmal sind verminderte intellektuelle Fähigkeiten. Die Art der geistigen Entwicklungsstörung reicht von einem noch normalen IQ und allgemeinen Lernschwierigkeiten bis hin zu einer geistigen Behinderung. Die Intelligenzminderung prägt sich dabei mit dem Alter stärker aus, häufig kommt es zu Sprachstörungen. Das Lernen ist durch Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsstörungen beeinträchtigt, wobei die Lernprobleme beim Rechnen am stärksten ausgeprägt sind. Auch ein autistisches Verhalten und Schlafstörungen sind zu beobachten.
Ausserdem kann es beim Fragilen-X-Syndrom zu ausgeprägter Aggressivität und epileptischen Anfällen kommen. In einigen Fällen zeigt sich eine Überdehnbarkeit der Gelenke.
Bereits im Kindesalter kann sich das Fragile-X-Syndrom körperlich durch Symptome äussern wie
Obwohl das Fragile-X-Syndrom bei Männern und Frauen auftritt, zeigen Frauen in der Regel weniger bis gar keine Symptome.
Beim Fragilen-X-Syndrom (Martin-Bell-Syndrom) lässt sich eine erste Verdachtsdiagnose meist anhand der auftretenden Symptome stellen. Eine sichere Diagnose erfolgt durch eine molekulargenetische Untersuchung. Eine frühzeitige Diagnose ist mittels einer Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) oder einer Probeentnahme aus dem Mutterkuchen (Chorionzottenbiopsie) im Rahmen der frühgeburtlichen Diagnostik (Pränataldiagnostik) möglich.
Für das Fragile-X-Syndrom (Martin-Bell-Syndrom) sowie für seine Ursachen gibt es keine Therapie. Durch eine frühe Diagnose können jedoch gezielt therapeutische Massnahmen aus dem Bereich der Logopädie oder Ergotherapie eingesetzt werden, um eine optimale Integration des Kinds zu fördern.
Die körperlichen Symptome des Fragilen-X-Syndroms (Martin-Bell-Syndrom) können sich mit dem Alter verstärken. Typisch ist dabei ein langes schmales Gesicht mit einer hervorspringenden Stirn und einem hervortretenden Kinn. Die Ohren sind gross und mitunter abstehend. Ein Grossteil der Männer (etwa 80 Prozent) mit Fragilem-X-Syndrom hat ausserdem vergrösserte Hoden. Eine Bindegewebsschwäche kann sich in Form einer Gelenkschlaffheit äussern. Obwohl das Wachstum im Kindesalter häufig beschleunigt ist, wird meist eine durchschnittliche Endgrösse erreicht.
Aufgrund der genetischen Ursachen des Fragilen-X-Syndroms (Martin-Bell-Syndrom) kann man der Erkrankung nicht vorbeugen. Frauen, die Trägerinnen des mutierten X-Chromosoms sind, können durch die Inanspruchnahme der Pränataldiagnostik oder einen Verzicht auf leibliche Kinder allenfalls die Geburt eines betroffenen Kindes vermeiden. Die betroffenen Familien sollten das Angebot einer genetischen Beratung in Anspruch nehmen.