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Für den komplexen Vorgang der Fruchtbarkeit, aber auch für das Lustempfinden des Mannes sind beide Organe – die Hoden wie die Prostata – wichtig. Doch solange alles gut funktioniert, kümmern sich viele Männer weder um ihre Prostata noch um ihre Hoden.
Zuwenige tasten die Hoden in regelmässigen Abständen auf Schwellungen, Knötchen, Verhärtungen oder veränderte Festigkeit ab. Von der Prostata, die im Innern des Körpers liegt, wissen viele wenig bis nichts. Da geht es ihnen nicht besser als Leonardo da Vinci, der vor mehr als 600 Jahren vermutete, es handle sich bei der Vorsteherdrüse um eine «Urinfabrik». Tatsächlich konnte erst der italienische Arzt Giovanni Battista Morgagni im 18. Jahrhundert Aufbau und Aufgabe der Prostata genau beschreiben.
Die Prostata, auch Vorsteherdrüse genannt, ist ein Organ im männlichen Körper, das ringförmig um die Harnröhre angeordnet ist. Die Prostata besteht aus einer Vielzahl von Drüsenzellen, welche von einer Kapsel aus Bindegewebe umgeben und in einen Muskelkörper eingebettet sind. Diese Drüsenzellen sondern ein Sekret ab, welches beim Samenerguss über Ausführgänge in die hintere Harnröhre abgegeben wird und so die Fortbewegung der Spermien ermöglicht.
Häufiger Harndrang, der einen auch nachts auf Trab hält, zögerliches Wasserlassen (Miktion), ein schwacher Harnstrahl und unangenehmes Nachtröpfeln – was für viele Männer zum Alptraum wird, ist meist durch eine gutartige Wucherung der Prostata verursacht.
Die gutartige Prostatavergrösserung, medizinisch benigne Prostatahyperplasie (BPH), bedeutet, dass sich das weiche Innere der Prostata ausdehnt – im Extremfall von der Grösse einer Baumnuss auf den Umfang einer Orange. Das Wachstum der Zellen drückt die durch die Prostata verlaufende Harnröhre zusammen und stört den ungehinderten Transport des Urins aus der Blase.
Das (langsame) gutartige Wuchern des Gewebes beginnt meist schon im Alter von etwa 30 Jahren, bleibt aber unbemerkt, weil zunächst keine Symptome auftreten. Beschwerden machen aber nahezu jedem zweiten Mann über 50 und fast jedem 80-Jährigen zu schaffen.
Ohne männliche Geschlechtshormone keine Prostatavergrösserung; Kastraten kennen diese Erkrankung nicht. Doch weshalb sich die Prostata vergrössert, ist nach wie vor nicht genau klar. Verantwortlich gemacht werden das Alter, Geschlechtshormone und veränderte Hormonzusammensetzung sowie Wachstumsfaktoren.
Das im Blut zirkulierende männliche Hormon Testosteron wird in der Prostata durch das Enzym 5-Alpha-Reduktase in Dihydrotestosteron (DHT) umgewandelt. Bei älteren Männern wird DHT vermehrt produziert und das Prostatawachstum nimmt zu.
Als zweite mögliche Ursache der Benignen Prostata-Hyperplasie ist die altersbedingte Veränderung des Verhältnisses zwischen männlichen und weiblichen Sexualhormonen im Gespräch. Mit den Jahren nimmt beim Mann der Testosteronspiegel ab, während das Östrogen unverändert bleibt. Das Ungleichgewicht zwischen Östrogen und Testosteron soll zu einer Verminderung des natürlichen Zelltodes (Apoptose; siehe auch GN 12/2010) von Prostatazellen und somit zu einer Gewebewucherung führen.
Weiterhin beeinflussen zahlreiche Wachstumsfaktoren den Stoffwechsel in den verschiedenen Anteilen der Vorsteherdrüse, wodurch der Stoffwechsel in den Zellen selbst gestört werden kann.
Ungewohnter Harndrang mit nächtlichem Aufwachen und ein abgeschwächter Harnstrahl können erste Hinweise auf eine gutartige Prostatavergrösserung sein. Die Symptome einer Prostata-Vergrösserung muss ein Mann nicht klaglos ertragen, sondern kann etwas dagegen tun. Sorgen Sie aktiv für Ihre Gesundheit, und sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die Behandlungsmöglichkeiten. Denn vielen kann geholfen werden.
Bei milden bis mittelschweren Prostata-Beschwerden kommen Medikamente in Betracht. Hierzu gehören vor allem pflanzliche Präparate aus Sägepalmefrucht, Afrikanischem Pflaumenbaum, Roggenpollen, Kürbiskernen und Brennnesselwurzel. Phytopharmaka lindern die Beschwerden, können die Prostata jedoch nicht verkleinern.
Chemisch-synthetisch hergestellte Medikamente, die vom Arzt verschrieben werden, sind z.B. verschiedene Alphablocker oder 5-alpha-Reduktasehemmer.
Alphablocker vermindern die Muskelspannung in der Prostata und im Blasenhals, was das Harnlösen erleichtert. Die Grösse der Prostata wird auch durch diese Medikamente nicht verringert. Nebenwirkungen reichen von Schwindel und Blutdruckabfall bis zu Ejakulationsproblemen.
Die 5-alpha-Reduktasehemmer unterbinden die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) und reduzieren das Volumen der Prostata teilweise deutlich. Dies beeinflusst die Blasenentleerung günstig. Jedoch wirken derartige Enzymhemmer sehr langsam und erreichen ihre volle Wirkung erst nach sechs Monaten oder länger. Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, eine Abnahme der Libido sowie Erektionsstörungen können auftreten. Nach Absetzen des Medikaments vergrössert sich die Prostata wieder.
Die Sägepalme (lat. Serenoa repens) gedeiht in den küstennahen Südstaaten der USA, vor allem in South Carolina und Florida, sowie im tropischen Mittel- und Südamerika. Sägepalmen-Extrakt wirkt auf mehrfache Weise:
- Die Inhaltsstoffe der Sägepalmenfrüchte hemmen die Bildung von Dihydrotestosteron aus Testosteron und wirken so als moderater 5-alpha-Reduktase-Hemmer.
- Darüber hinaus blockieren sie auch die Bindung von Dihydrotestosteron und anderen Hormonen an ihre Rezeptoren.
- Neben diesem Einfluss auf den Hormonhaushalt zeigen sich Wirkungen auf die ebenfalls am Prostata-Wachstum beteiligten Entzündungsprozesse und Wachstumsfaktoren.
- Aus diesen Gründen gelten Extrakte aus getrockneten Sägepalmefrüchten als wichtige medikamentöse Behandlung bei leichten und mittleren Prostatabeschwerden infolge einer gutartigen Vergrösserung.
Sägepalme (lat. Serenoa repens / Sabal serrulata)
Wird der Schliessmuskel am Blasenausgang kraftlos und die Harnröhre sehr eng, können die zuvor vielleicht nur lästigen Beschwerden schmerzhaft werden. In einigen Fällen wird es immer schwieriger, sowohl den Harn einzuhalten als auch ihn zu entleeren. Dann besteht ein erhöhtes Risiko, dass in der Blase Urin zurückbleibt. Dieser Restharn ist ungefährlich, so lange keine Infektion vorliegt. Der Urologe stellt die Menge des verbliebenen Urins per Ultraschall von aussen fest und leitet bei Bedarf weitere Untersuchungen und Therapien ein.
Wenn beim Urinieren (Miktion) brennende Schmerzen entstehen, liegt der Verdacht auf einen Harnwegsinfekt nahe. Fühlen Sie sich zudem schlapp und fiebrig, müssen Sie den Arzt konsultieren. Die Behandlung der Harnwegsentzündung ist unerlässlich, da sonst Nierenschäden die Folge sein können.
Aufgrund eines Harnwegsinfekts oder einer Verkühlung kann ein Harnverhalt eintreten, d.h. es ist unmöglich, die Blase zu entleeren. Bei einer solchen Harnsperre muss beim Arzt sofort ein Blasenkatheter gelegt werden, um Blase und Nieren zu entlasten und sowohl eine Harnvergiftung als auch ernsthafte Nierenprobleme zu vermeiden.
Bei grossen Restharnmengen, Harnsteinen, häufigen Infekten oder Harnverhalten, ist unter Umständen eine Prostataoperation unumgänglich.
Bei der klassischen Standard-Operation (TUR-P) bleibt die Prostatakapsel erhalten, nur das innere Gewebe wird minimal-invasiv mit einer durch die Harnröhre geführten Schlinge abgehobelt und ausgespült.
Bei sehr grossen Drüsen wird nach einem Bauchschnitt und nach Öffnung der Blase das störende Gewebe entfernt (offene OP).
Je nach Verfassung des Patienten und Grösse der Prostata kommen weitere moderne (zum Teil experimentelle) Verfahren infrage: verschiedene Laserverfahren (Greenlight-Laser), Mikrowellen-Thermotherapie oder Nadelablation (Zerstörung des Gewebes durch bis über 90 °C heisse Nadeln, erhitzt mittels Hochfrequenz-Strom).
Nach einer Operation kommt es vor, dass die Zeugungsfähigkeit (nicht die Potenz!) eingeschränkt wird und nach der wochenlangen Genesungszeit mit einem Blasenkatheter die Kontinenz erst wieder «gelernt» werden muss.
Lassen Sie sich ausgiebig beraten, und scheuen Sie sich nicht, eine zweite oder gar dritte Meinung einzuholen – Sie haben dazu Zeit genug.