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Mit dem Kiel im Wasser und dem Wind in den Segeln könnten die IMOCAs – das sind 60 Fuß lange Hochseesegelboote – die fehlenden Puzzleteile bei der Zählung der CO2-Moleküle sein, die von der Atmosphäre ins Meer und umgekehrt gelangen.
Bei der letzten Ausgabe der Vendée Globe, dem legendären Segelrennen rund um die Antarktis, das in Vendée (Frankreich) startet, überquerte Boris Herrmann auf der Malizia III – Seaexplorer die Konvergenz der Strömungen um den Südpol mit einem Automaten an Bord seines IMOCA – einer Klasse von Rennseglern, die sich dem Hochseerennen widmen. Das Tool generierte Daten für die globale CO2-Verfolgung im Südsommer 2020-2021. Informationen, die zum Beispiel bei der Beantwortung von zwei Fragen helfen. In welchem Ausmaß gleicht das Südpolarmeer die Auswirkungen der globalen Erwärmung aus, indem es CO2 einfängt? Oder wie hoch ist der Anteil an natürlichem CO2, das aus den Tiefen wieder auftaucht? Peter Landschützer vom Maritimen Institut Flandern und seine Kollegen veröffentlichen am 8. Mai in The Royal Society einen Artikel, der die fehlenden CO2-Messungen mithilfe von Segelrennbooten angeht.
Die fehlende CO2-Messung in der Antarktis ist erneut ein Problem. „Generell sind die Polarregionen schwer zu beobachten und seit dem Aufkommen von Machine Learning in der Wissenschaft vor zehn Jahren konnte man diesen Informationsmangel durch Rechenmethoden ausgleichen. Heute, auch wenn andere Werkzeuge wie die künstliche Intelligenz entwickelt werden, bleibt man durch den Mangel an Beobachtungen stecken“, erklärt uns Peter Landschützer. Es gibt einige Forschungsschiffe, die von Tasmanien oder Chile in die Antarktis übersetzen, aber im Winter sind diese Schiffe weniger zahlreich“, beschreibt er.
Als Boris Herrmann die Polarfront südlich von Neuseeland überquerte, gelangte er in einen sehr aktiven Bereich des Ozeans, in dem Wasser unterschiedlicher Herkunft, tropisches und polares, zusammenfließen, ohne sich wirklich zu vermischen. „Das Gerät hat eine hohe Konzentration von CO2 gemessen, das vom Meeresboden aufsteigt, nachdem es Hunderte oder sogar Tausende von Jahren eingeschlossen war. Ein Teil dieses CO2 gelangt wieder in die Atmosphäre, dann treiben die Strömungen das Wasser nach Norden, wo es wieder atmosphärisches CO2 einfängt“, erklärt uns der Forscher. Die Herausforderung besteht darin, herauszufinden, in welchem Verhältnis diese beiden Phänomene zueinander stehen.
Es gibt Wissenschaftler, die zeigen, dass das Südpolarmeer im Winter CO2 aufnimmt, und andere sagen, dass dies nicht der Fall ist. Um diese Frage zu entscheiden, müsste das bestehende Beobachtungssystem, die Bojen, die Roboter, die an die Wasseroberfläche tauchen und wieder auftauchen, die Satelliten und die Forschungsschiffe verstärkt werden. Rennsegler, die das Gebiet passieren, könnten die Genauigkeit der anderen Geräte mit ihren eigenen Messungen überprüfen, verbessern und ergänzen. „Die Vendée Globe findet alle vier Jahre statt, aber es gibt auch das Ocean Race und mit diesen beiden Rennen können wir alle zwei Jahre Messungen haben, so dass wir die Entwicklung des Südpolarmeeres verfolgen können“, fährt er fort.
Das Projekt begann mit Boris Herrmann und Fabrice Amedeo, doch letzterer musste das Rennen am 11. Dezember 2020 vor der Umrundung der Antarktis aufgeben. Jetzt haben wir Giovanni Soldini oder das Team von 11th Hour Racing, die Gemeinschaft wächst, und ich persönlich hoffe, dass bei jedem zukünftigen Rennen jedes Schiff CO2 messen wird“, erklärt er uns begeistert. „Es gibt auch Bedarf an Sauerstoff- oder Mikroplastikmessungen. Die Skipper sind engagiert, sie wissen, dass es ein Privileg ist, an diese Orte zu kommen, und neben dem Wunsch, das Rennen zu gewinnen, wollen sie noch etwas zusätzliches beitragen.“
Camille Lin, PolarJournal
Link zur Studie: Landschützer, P., Tanhua, T., Behncke, J., Keppler, L., 2023. Sailing through the southern seas of air-sea CO2 flux uncertainty. Philosophical Transactions of the Royal Society A: Mathematical, Physical and Engineering Sciences 381, 20220064. https://doi.org/10.1098/rsta.2022.0064
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