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Die reitsport.ch-Botschafterin Christina Liebherr ist die erfolgreichste Schweizer Amazone der vergangenen Jahre. Die 34-jährige Elitekader-Reiterin lebt und trainiert in Riaz im Kanton Freiburg. (Interview von Angelika Nido).
Christina, seit wann sitzt Du auf dem Pferd?
Als wir noch klein waren, haben meine Eltern meine Schwester, meinen Bruder und mich an den Wochenenden jeweils mit auf einen Ponyhof genommen, damit wir an die frische Luft kommen. Dort haben wir alle mit dem Reiten angefangen. Mein Bruder hörte nach einem Jahr wieder auf, aber meine Schwester und ich machten weiter. Rocky, mein erstes Pony, habe ich dann bekommen, als ich neun Jahre alt war. Mit 11 Jahren wechselte ich auf Mowgli, mein erstes Springpferd.
Gab es ein Schlüsselerlebnis, das Deine Reiterleben geprägt hat?
Ja, das gab es. Ich stand damals noch am Anfang meiner sportlichen Karriere. Mit Mowgli war ich die ganze Saison über gut in der Kategorie M unterwegs, als ich mir bei einem Hallenturnier in der Westschweiz spontan überlegte, ob ich in einem S starten soll. Am Vortag war ich erfolgreich in einem MII gestartet und das Finale war ein S. Ich habe einen erfahrenen Reiter gefragt, was er davon halte. Er riet mir ab und sagte, der Parcours in der Halle sei für ein erstes S zu schwer. Ich habe nicht auf ihn gehört, bin gestartet und prompt ausgeschieden. Das hat mich für mein weiteres Reiterleben geprägt: Ich habe daraus gelernt, dass man auf Leute mit Erfahrung hören sollte und nicht alle Fehler selber machen muss.
Was waren für Dich Deine schönsten Erfolge?
Da gab es natürlich einige… Zum Beispiel meinen ersten Schweizer Meistertitel bei den Junioren mit Rising Sun, dann die beiden Silbermedaillen bei der EM 2005 in San Patrignano mit No Mercy. Der Gewinn der Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 2008 in Hongkong war nicht sehr emotional, weil uns die Medaille erst im Nachhinein zugesprochen wurde. Trotzdem ist eine olympische Medaille natürlich absolut genial und ich sehe sie als Belohnung für meine gesamte bisherige Karriere an.
Wie viele Pferde reitest Du zurzeit?
Momentan habe ich elf Pferde im Training, No Mercy mitgezählt, der jetzt 18 Jahre alt ist und nach wie vor regelmässig geritten wird, damit er auch weiterhin fit bleibt.
Welches sind Deine Top-Pferde?
Zurzeit habe ich mit L.B. Callas Sitte Z, L.B. Eagle Eye, L.B. Con Grazia CH und L.B. Carwyn; vier Grand-Prix-Pferde im Beritt. Ausserdem habe ich einige sehr viel versprechende, talentierte Nachwuchspferde im Stall. Für die Zukunft bin ich deshalb sehr zuversichtlich und ich hoffe, dass ich bald wieder auf den grossen Turnieren vorne mitreiten kann.
Ist unter Deinen Nachwuchspferden ein zweiter No Mercy?
Einen zweiten No Mercy wird es nie geben – er ist und bleibt einmalig, sowohl als Pferdepersönlichkeit als auch als Athlet. Aber es könnte sein, dass ich seinen kleinen Bruder gefunden habe. Er steht seit Frühjahr 2013 bei mir im Stall, ist 8 Jahre alt und auch ein brauner Holländerwallach wie No Mercy. Er ist ihm auch im Wesen ähnlich, verfügt über sehr viel Kampfgeist und Ehrgeiz. Er heisst L.B. Akteur und ich denke, wir werden noch von ihm hören!
Wie hast Du Deine Pferde gefunden?
Meistens sind es Freunde, Bekannte oder Züchter, die mich auf talentierte Pferde aufmerksam machen. Ich lasse mir dann in der Regel erst einmal ein Video kommen, sehe es mir an und wenn mir das Pferd gefällt, fahre ich hin und probiere es aus.
Was sind Deine Ziele für 2014?
Ich möchte im nächsten Jahr in der Schweizer Equipe für die Weltreiterspiele 2014 in der Normandie sein. Dann verfüge ich wie gesagt über talentierte Nachwuchspferde, die ich in den nächsten Jahren bis ganz an die Spitze bringen möchte, daran werde ich auch 2014 arbeiten.
Was heisst dies für Dein Training? Trainierst Du gezielt darauf?
Ich trainiere natürlich nicht schon jetzt gezielt für die Weltreiterspiele, das wäre noch viel zu früh. Aber dieses Ziel ist nun permanent im Hinterkopf präsent und in der nächsten Saison werde ich meinen Fokus gezielter darauf richten und die Planung für die einzelnen Pferde entsprechend gestalten. Es gibt natürlich noch andere Höhepunkte und Turniere, die mir wichtig sind und die ich bestreiten möchte, wie zum Beispiel die CSI in der Schweiz, also Genf, Basel und Zürich und die ich ebenfalls in die Saisonplanung miteinbeziehe.
Wie trainierst Du? Hast Du auch externe Unterstützung?
Im Moment habe ich keinen Trainer sondern trainiere für mich alleine.
Betreust du auch Nachwuchsreiter auf La Baumetta?
Solange ich selber aktiv im Sport und nicht sehr oft nicht zu Hause bin, ist das leider nicht möglich und wäre gegenüber einem Nachwuchsreiter, der etwas lernen möchte, auch nicht fair. Mit Jöelle Brahier arbeitet allerdings eine talentierte junge Reiterin als Bereiterin bei mir. Wir trainieren oft zusammen und ich gebe ihr gelegentlich den einen oder anderen Tipp. Wenn wir gemeinsam auf einem Concours sind, gehe ich den Parcours mit ihr ab und helfe ihr einen Plan für ihren Ritt zu machen.
Wie verläuft ein normaler Tag bei Christina?
Wenn ich nicht auf einem Turnier bin, dann bin ich meist so gegen 7.30 Uhr im Stall. Ich reite drei bis vier Pferde am Vormittag und dann nach dem Mittag nochmal zwei bis drei. Den Rest des Nachmittags verbringe ich dann meistens im Büro und kümmere mich um die administrativen Angelegenheiten, wie Turniere melden, Reisen organisieren usw. usw.
Das klingt anstrengend. Wo holst Du Dir die Kraft für Training und Ausdauer?
In meiner Freizeit gehe ich gerne Mountainbiken, das ist für mich Ausgleichstraining und Erholung in einem. Allerdings geht es bei mir in Riaz gleich hinter dem Haus ziemlich steil den Berg hinauf…
Kaufst Du Dinge Online ein?
Ja, ich shoppe gelegentlich im Internet und zwar vor allem Marken, die man bei uns in der Schweiz nicht bekommt.
Auch Reitsportartikel?
Bisher nicht, aber das liegt daran, dass es bei mir in der Nähe zwei Reitsport-Geschäfte gibt, denen ich schon seit vielen Jahren treu bin und die immer alles haben, was ich benötige. Ausserdem habe ich mit Kingsland und Trust auch zwei Sponsoren, die mich mit Kleidern, Decken, Gamaschen usw. ausrüsten. Bei einem Produkt, das ich bereits kenne, könnte ich mir aber schon vorstellen, es im Internet zu bestellen.
Was reizt Dich an der Zusammenarbeit mit reitsport.ch?
Der Kontakt zu reitsport.ch ist entstanden, als ich einige Anpassungen an meiner Website vornehmen wollte. Ich habe das Team von reitsport.ch als jung, innovativ und sehr „auf Zack“ kennen gelernt, ausserdem finde ich das Projekt gut und unterstütze es daher gerne. Ich bin auch gerne auf der Website reitsport.ch, um die verschiedenen Angebote zu durchforsten!
Besten Dank fürs Inrerview!