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Bündner Kraftwerk Madulain
Auf Initiative von Ständerat Romedi wurde im Jahre 1903 das Kraftwerk Madulain von den Bündner Kraftwerken erstellt. Es nutzt das Wasser der Ova d'Es-cha auf dem Gebiet der Gemeinde Madulain über ein Gefälle von rund 400 m. Der im Jahre 1978 unterzeichnete Wasserrechts-Leihvertrag mit einer Dauer von 80 Jahren bis ins Jahr 2060 sieht eine Ausbauwassermenge von 0.5 m³/s vor. Bei Ablauf der Konzession ist die Gemeinde Madulain berechtigt, entweder die Anlage zum damaligen Verkehrswert zurückzukaufen oder eine neue Konzession mit neuen Bedingungen zu erteilen.
Geschichte
Beim Bau des Kraftwerkes Madulain im Jahre 1903 wurden 4 Wasserturbinen von 200 PS Leistung aufgestellt, die je einen Generator von 150 kVA antrieben. Bis 1930 wurden die Turbinenleistungen wie auch die Generatorenleistungen schrittweise erhöht.
Seit Beginn der dauernden Stromabgabe aus dem neuen Kraftwerk Madulain an das Netz verpflichten sich die Bündner Kraftwerke der Gemeinde elektrische Energie in Form von Gratisenergie (jährlich 18'000 kWh) und Vorzugsenergie (jährlich 27'000 kWh) je verliehene Brutto Pferdestärke abzugeben. Die Preise für die Vorzugsenergie beträgt in der Sommerperiode 3.6 Rp./kWh und in der Winterperiode 6.0 Rp./kWh.
Bedeutung
Das recht modern konzipierte Hochdruckwerk konnte gewisse Koordinations- und Führungsaufgaben in der Elektrizitätsversorgung des Oberengadins übernehmen. Bis 1905 wurden die Gemeinden der Plaiv mit Strom versorgt. Anschliessend konnte praktisch das ganze Oberengadin bis Sils von der Versorgung durch das Kraftwerks Madulain profitieren. Die Drahtseilbahn Muottas Muragl, Hotels und Gewerbe konnten ihre Einrichtungen von Gas auf elektrischen Strom umstellen, was zu jener Zeit sehr fortschrittlich war.
Energienutzung
Die initiativen Madulainer wollten damals schon die überschüssige Sommerenergie besser nutzen. Es wurden zwei Chemiker der chemischen Werke in Basel angestellt, die in einem Schuppen, dem "Nitritgebäude", neben dem Kraftwerk Stickstoffdünger erzeugten. Ein weiteres Projekt war die Fabrikation von Kalziumkarbid. Leider erwiesen sich die beiden Projekte als ungeeignet wegen der teuren Frachten und weil die Chemiker grösseres Interessee an geselligen Anlässen im Chastè da Guardaval hegten als an ihren Forschungspflichten.
Liberalisierung des Strommarktes
Die Strombranche steht vor wichtigen Veränderungen. Bisherige Monopolisten werden Kunden verlieren, langfristige Verträge werden durch kurzfristige ersetzt, neue Teilnehmer werden auf den Markt drängen. Der Strom wird zu einem wichtigen Börsengeschäft. In wenigen Jahren wird der Schweizer Strommarkt nach dem neuen Elektrizitätsmarktgesetz geöffnet sein. Dann kann ein Konsument frei wählen, von wem er seinen Strom beziehen will. Werden unsere lokalen Elektrizitätswerke nach der Liberalisierung noch überlebensfähig sein?