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Information
FS Polarstern – ein schwimmendes Grosslabor
Das wichtigste Werkzeug der deutschen Polarforschung ist das Forschungs- und Versorgungsschiff Polarstern. Seit ihrer Inbetriebnahme 1982, hat die Polarstern weit über dreissig Expeditionen in Arktis und Antarktis abgeschlossen. Sie wurde eigens für die Arbeit in den Polarmeeren konzipiert und ist gegenwärtig das leistungsfähigste Polarforschungsschiff der Welt. An nahezu 320 Tagen im Jahr ist die Polarstern auf See. Gewöhnlich bereist sie zwischen November und März die Antarktis und im Nordsommer die arktischen Gewässer.
Geschichte - Expeditionen
Auf der ersten Arktisforschungsreise 1983 haben sich die Forscher der Polarstern am Marginal Ice-Zone Experiment (MIZEX) beteiligt sowie ozeonographisch-biologische Untersuchungen westlich von Spitzbergen durchgeführt und in der Grönlandsee und vor den Lofoten geologische Proben genommen.
Die Polarstern war das Forschungsschiff, welches das Winter-Weddell-Sea-Project durchführte. Dafür überwinterte die Polarstern vom 6. Mai bis zum 14. Dezember 1986 im Bereich der Weddell-Sea, ohne sich allerdings vom Treibeis einschliessen zu lassen.
Dies geschah unfreiwillig im Dezember 1990, als die Polarstern auf dem Weg zur Antarktis im Eis der Weddell-Sea stecken blieb.
Im Januar 1999 lief die Polarstern zu ihrer 16. Antarktis-Expedition aus, um neben anderen Forschungsarbeiten die damals unbemannte Filchner-Station zu bergen, die sich auf dem vom Filchner-Ronne-Schelfeis abgebrochenen Eisberg A-38 befand. Dabei wurden insgesamt ca. 120 Tonnen Stationsmaterial und ca. 50 Tonnen Geräte wie Pistenfahrzeuge und Schlitten aufgenommen.
Ende des Jahres 2000 war die Polarstern am EisenEx-Experiment beteiligt. Die Forscher untersuchten, wie sich eine Düngung des Meeres mit Eisensulfat auf das Planktonwachstum auswirkt und welche Einflüsse dieses auf den Kohlendioxid-Haushalt der Atmosphäre hat. Die Nährstoffzufuhr hatte eine Planktonblüte zur Folge, die ein vielfaches an Biomasse als in ungedüngten Vergleichsgebieten erzeugte.
Im antarktischen Frühsommer 2004/05 legte die Polarstern an einer Eisscholle an und liess sich zwei Monate mit dieser durch die Weddell-Sea treiben. Im Rahmen des ISPOL-Experimentes (Ice Station POLarstern) nutzten die Wissenschaftler die Eisscholle als riesiges Freiluftlabor und untersuchten die lokalen Einflüsse des Meeres, des Eises und der Atmosphäre auf die globalen Geschehnisse.
Im Oktober 2005 lief die Polarstern zu ihrer 23. Antarktis-Expedition aus und wird erst im Mai 2007 nach 19 Monaten Aufenthalt nach Bremerhaven zurückkehren. Dieses ist das dritte Mal, dass die Polarstern über ein Jahr lang in der Antarktis unterwegs ist.
Forschung auf See
Das Schiff ist für biologische, geologische, geophysikalische, glaziologische, chemische, ozeanographische und meteorologische Forschungsarbeiten ausgerüstet und verfügt über neun wissenschaftliche Labors. Zusätzliche Laborcontainer können auf und unter Deck verstaut werden. Kühlräume und Aquarien erlauben den Transport von Proben und lebenden Meerestieren.
Forschungsgeräte und Messinstrumente werden mit Hilfe von Kränen und Winden ausgebracht und bis in grosse Tiefen herabgelassen. Spezielle Vermessungslote, die bis in 10.000 Meter Tiefe reichen und bis 150 Meter in den Meeresboden eindringen können, stehen für wissenschaftliche Untersuchungen zur Verfügung. Das Bordrechnersystem erfasst und speichert laufend meteorologische, ozeanographische und weitere Daten nach Bedarf.
Unabhängig von den speziellen Experimenten und Forschungsfahrten dient die Polarstern auch als Wetterstation. Auf der Nordhalbkugel gibt es ein dichtes Netz von Wetterstationen auf Festland, die regelmässig Daten für die Wettermodelle liefern. Auf den Meeren sind die Meteorologen jedoch auf Daten von Schiffen angewiesen. Zu diesem Zwecke werden jeden Tag, an dem die Polarstern unterwegs ist, Wetterballons gestartet, die entsprechende Daten wie Luftdruck, Windgeschwindigkeit und Temperatur liefern.
Das Schiff hat eine Besatzung von max. 44 Personen und bietet zusätzlich Arbeitsmöglichkeiten für 50 Wissenschaftler und Techniker.
Kraftwerk und technisches Wunder
Kraftprotz und Technikwunder «Polarstern» ist ein doppelwandiger Eisbrecher, der bei Aussentemperaturen bis zu -50 °C arbeiten und gegebenenfalls im Eis der polaren Meere überwintern kann. Die «Polarstern» kann 1,5 Meter dickes Eis mit einer Geschwindigkeit von ca. 5 Knoten durchfahren. Dickeres Eis muss durch Rammen gebrochen werden.