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Der Semmering war im frühen 20. Jahrhundert ein beliebtes Naherholungsgebiet der feinen Wiener Gesellschaft. Die in dieser Zeit entstandenen Villen wurden im dekorationsreichen, romantischen Schweizerhausstil erbaut. Neben dem Grossbürgertum verbrachten auch viele Künstler und Architekten ihre Ferien im mondänen Kurort.
1928 beauftragte Paul Khuner den Architekten Adolf Loos, welcher bereits dessen Wiener Wohnung eingerichtet hatte, mit dem Bau seines Landhauses auf dem Kreuzberg. In enger Zusammenarbeit mit seinem Mitarbeiter Heinrich Kulka hat Adolf Loos ein Haus entworfen, welches sich mit seinem Äusseren an der traditionellen Bauweise in den Bergen orientiert und innen mit den versetzten Geschossen und der offenen Halle eine gekonnte Umsetzung des Raumplanes aufzeigt. Das Haupthaus liegt oberhalb der Strasse, wo das ehemalige Gärtnergebäude mit Garage die Zufahrt betont.
Die äussere Form des Hauses wirkt sehr kompakt und passt sich perfekt ins abfallende Terrain ein. Mit dem Sockelbau aus Bruchsteinen, dem braun gebeizten Holzblockbau und dem Dach aus Zinkblech nimmt das Landhaus die gebräuchlichen Elemente der Bauernhäuser dieser fels- und holzreichen Gegend auf. Die grünen Metallfensterläden werden mit Rollen auf schmalen Eisenschienen zur Seite geschoben. Um die atemberaubende Aussicht zu betonen und die Verbindung zur umliegenden Landschaft möglichst offen zu gestalten, verfügt die zweigeschossige Halle über eine grosse Glasfront gegen die windgeschützte Terrasse, deren untere Teile nach oben geschoben werden können. So wird die Natur bei schönem Wetter zu einem Teil des Innenraumes.
Die Innenräume basieren auf den Überlegungen des Raumplans, die Grundrisse nicht zweidimensional mit Geschossebenen, sondern im dreidimensionalen Raum zu bauen. Im Erdgeschoss befinden sich Stufen bei jedem Funktionswechsel. Bei der Konzipierung der Räume bezieht sich Adolf Loos auf das Theater. «Er erkannte, dass man die Enge der Loge nicht ertragen könnte, schaute man nicht in den grossen Hauptraum, dass man also durch die Verbindung eines hohen Raumes mit einem niedrigen Annexraum sparen kann.» Die grosse, zweigeschossige Halle bildet das Zentrum des Hauses, daneben befinden sich Esszimmer und Küche. Seitlich, über einige Stufen erreichbar, liegt das Herrenzimmer mit dem Panoramafenster. Die weiteren Zimmer werden über die umlaufende Galerie erschlossen. Auch wenn die Anordnung der Räume an amerikanische Landhäuser erinnert, hat Adolf Loos im Gegensatz dazu für die Treppe keinen Platz verschwendet. Durch den gekonnten Einsatz von Spiegeln wirkt sie jedoch grösser als sie ist.
Die im Verhältnis zur Halle klein konzipierten Zimmer sind so gestaltet, dass sie den vorhandenen Raum grösstmöglichst nutzen. Durch den ökonomischen Innenausbau wie die Gestaltung eines der Betten als Alkoven erinnern sie an Schiffskabinen.
Adolf Loos hat die gesamte Innenausstattung des Hauses entworfen. Ein grosser Teil des Interieurs ist so belassen worden, auch einige Originalmöbel sind erhalten geblieben. In den sorgfältig gestalteten Details zeigt sich sein Engagement für hochstehende Handwerkskunst, für den gekonnten Umgang mit Farbe und die Faszination, jedes Objekt seiner Aufgabe zuzuordnen.
Das Haus am Kreuzberg war eines der letzten Projekte von Adolf Loos, bevor er 1933 starb. Sein Mitarbeiter fertigte die Pläne aufgrund dessen Skizzen an und leitete die Arbeiten vor Ort. Die jüdische Familie Khuner konnten das Landhaus nur kurze Zeit geniessen, bevor sie noch vor dem Anschluss Österreichs ans nazionalsozialistische Deutschland in die USA emigrierte.
Beim Umbau des Landhauses in eine Pension mit Restaurant wurden in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege sanfte Anpassungen vorgenommen - eine Metamorphose, die als gelungen bezeichnet werden kann.
Zitat: Adolf Loos «Regeln für den, der in den Bergen baut» Aufsatz 1913