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Und plötzlich war er Regierungschef
- Freitag, 28. Februar 2014, 3:35 Uhr
Vom unscheinbaren Banker über einen gehörten Oppositionsführer zum Interims-Regierungschef: Arseni Jazenjuk galt lange als blass und ohne Rückhalt in der Bevölkerung. Das änderte sich mit den jüngsten Unruhen im Land. Nun warten grosse Aufgaben auf ihn. Ein Kurzporträt.
Auf den ukrainischen Übergangsregierungschef¨Arseni Jazenjuk kommt eine schwierige Aufgabe zu: Zum einen muss der 39-Jährige das wirtschaftlich marode Land vor dem Staatsbankrott bewahren. Zum anderen muss er die nach den blutigen Protesten tief gespaltene Bevölkerung Ende Mai zu Neuwahlen führen.
Als erfahrener Ökonom ist er gut gerüstet, um die Verhandlungen über internationale Finanzhilfen zu führen. Ob er aber auch den nötigen Rückhalt hat, um das Land aus der politischen Krise zu führen, ist offen.
Geboren am 22. Mai 1974 als Sohn einer Professorenfamilie im Czernowitz im äussersten Westen der Ukraine, begann der frühere Anwalt und Banker Jazenjuk seine politische Karriere 2001 als Wirtschaftsminister der autonomen Halbinsel Krim.
Im Schatten von Timoschenko
Nach der Orangenen Revolution 2004 wurde er zum Vertrauten von Ministerpräsidentin Julia Timoschenko und diente ihr als Aussenminister. Auch wenn ihr Verhältnis nicht konfliktfrei war, blieb er Timoschenko treu, als sie 2010 wegen angeblichen Amtsmissbrauchs inhaftiert wurde, und übernahm in ihrer Abwesenheit die Führung ihrer Vaterlandspartei.
Lange galt der schmale Mann mit der schwarzen Brille als Intellektueller ohne grossen Rückhalt in der Bevölkerung. Als Vize-Gouverneur der Zentralbank, Wirtschaftsminister und Parlamentspräsident konnte er zwar reichlich politische Erfahrung vorweisen und wiederholt seine wirtschaftliche Kompetenz unter Beweis stellen.
Doch er galt stets als eher blass. Bei der Präsidentenwahl 2010 erhielt Jazenjuk nur sieben Prozent der Stimmen und landete weit hinter dem Gewinner Viktor Janukowitsch und Timoschenko auf dem vierten Platz.
Plötzlich eine Führungsfigur auf dem Maidan
Als Ende November Janukowitsch aber mit dem überraschenden Stopp des über Jahre ausgehandelten EU-Assoziierungsabkommens massive Proteste auslöste, fand sich Jazenjuk in der Rolle des Oppositionsführers wieder.
Zusammen mit Profiboxer Vitali Klitschko und dem Rechtsnationalist Oleg Tiagnibok bildete er das Führungstrio, das über Monate immer wieder mit dem Präsidenten verhandelte. Mit seinen kämpferischen Auftritten auf dem Maidan und seiner standhaften Haltung konnte er dabei deutlich an Profil gewinnen.
In einer Rede, die sich als bittere Realität erweisen sollte, warnte er Janukowitsch, die Demonstranten wären bereit, «eine Kugel im Kopf» zu akzeptieren, wenn es dies bedürfe, um den Präsidenten zu stürzen.
Vergangenen Freitag unterzeichnete er dann aber nach stundenlangen Verhandlungen unter Vermittlung der Aussenminister aus Berlin, Warschau und Paris eine Vereinbarung, um das Blutvergiessen zu beenden. Da das Abkommen Janukowitsch erlaubte, bis zu Neuwahlen im Dezember im Amt zu bleiben, hielt es aber nur wenige Stunden.
Nach der Flucht und dem Sturz des Staatschefs am Samstag drang Jazenjuk darauf, ihn wegen des brutalen Vorgehens der Polizei vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zu bringen.
Für EU und gegen Korruption
Der verheiratete Vater von zwei Töchtern befürwortet weiter eine Annäherung an die Europäische Union, zudem will der als sparsam geltende Politiker, der als Minister oft normale Linienflüge nahm, den Kampf gegen die Korruption zur Priorität machen.
Welchen Rückhalt Jazenjuk aber etwa bei dem rechtsradikalen Pravy Sector hat, der in der Protestbewegung über grossen Einfluss verfügt, muss sich in den kommenden Monaten erst noch zeigen.
Sendungsbeiträge zu diesem Artikel
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Der neue Mann in der Ukraine sorgt sich um Lage auf der Krim
Aus Tagesschau vom 27.2.2014
Das ukrainische Parlament hat Arseni Jazenjuk erwartungsgemäss zum neuen Regierungschef gewählt. Der Gefolgsmann von Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko äusserte sich besorgt über die neusten Entwicklungen auf der autonomen Halbinsel Krim. Dort haben vergangene Nacht Bewaffnete die Gebäude von Parlament und Regionalregierung besetzt. Einschätzungen von Russland-Korrespondent Peter Gysling
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Neuer Regierungschef in der Ukraine
Aus 10vor10 vom 26.2.2014
Arsenij Jazenjuk ist aber morgen wohl der neue Regierungschef der Ukraine. Nominiert wurde der 39-jährige vom Rat der Demonstranten auf dem Maidan-Platz in Kiew. Seine Absegnung im Parlament ist wohl nur noch Formsache. Jazenjuk war bereits einmal Aussenminister der Ukraine. Doch ob er es schafft, das Land zu einen, muss bezweifelt werden.
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