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Sedimente in Seen, Flüssen und Meeren verraten einiges über die Vergangenheit. Nun haben Forscher untersucht, wie sich die Sedimentation im Rhonetal und Genfersee seit den 1960ern entwickelt hat. Dabei fanden sie Spuren des Klimawandels und der Finanzkrise von 2008.
Bisher wurde wenig erforscht, wie sich der Klimawandel auf die Ablagerungen in Seen, Flüssen und Meeren auswirkt. Forscher der Universitäten Lausanne, Bern, Genf und der ETH Zürich haben die Sedimentation im Genfersee und im Rhonetal seit den 1960er-Jahren rekonstruiert, wie der Schweizerische Nationalfonds (SNF) am Dienstag mitteilte. Von ihren Ergebnissen berichten sie im Fachblatt "Scientific Reports".
Überraschend war insbesondere der Befund, dass die Sedimentationsrate im Genfersee seit den 1980er-Jahren nicht mehr abnimmt, sondern sich beschleunigt. Aufgrund zahlreicher Wasserkraftwerke in den Alpen, die den Transport von feineren bis gröberen Teilchen blockieren, waren die Forscher davon ausgegangen, dass sich die Sedimente im Genfersee immer langsamer sammeln.
Jedoch finden die Teilchen auch andere Wege in den Genfersee, entweder über Flüsse ohne Wasserkraftwerke oder dank spezieller Vorrichtungen, die die Stauvorrichtungen durchlässig für die Teilchen machen.
Mehr Sedimente durch Gletscherschmelze
Zugleich kompensiert der Klimawandel den Rückhalteeffekt der Wasserkraftwerke, genauer gesagt das Abschmelzen der Gletscher: "Gletscher sind riesige Reservoire", sagte Projektleiter Fritz Schlunegger von der Universität Bern gemäss der Mitteilung. "Nun ziehen sie sich aufgrund des Klimawandels zurück, und es gelangen mehr Sedimente in Bäche und Flüsse."
Ebenfalls überraschend war, dass die Forscher die Auswirkungen der Finanzkrise in der Sedimentrate ablesen konnten: In Folge der globalen Finanzkrise von 2008 wurde weniger gebaut. Das bedeutete auch, das Bauunternehmen im Wallis dem Rotten weniger Sand und Kies zur Herstellung von Baumaterialien wie Beton entnahmen. Dadurch erreichte mehr davon als Sediment den Genfersee, was in den Daten klar erkennbar war, sagte Stuart Lane von der Universität Lausanne gemäss der Mitteilung.
Für die Studie untersuchten die Forscher Sedimentbohrkerne vom Grund des Sees, analysierten mithilfe von Kameras und Drohnen die Sedimentfreisetzung aus Gletschern und deren Bewegung durch Flüsse und Wasserleitungen, bestimmten Erosionsraten und Herkunft der Proben und zogen auch historische Daten heran.