Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03245.jsonl.gz/2087

Gut zu wissen
Allgemein
Seit Jahrhunderten wecken Sansibars Inseln Assoziationen an einen Ort voller Geheimnisse, betörender Gerüche, Piraten, Sklavenhandel und unermesslicher Schätze. Der spezielle Zauber Sansibars ist einem einmaligen Kulturen-Mix von arabischen, indischen und afrikanischen Elementen zu verdanken. Zeitweise gehörte die Insel zum Sultanat Oman und die Sultane residierten in Sansibar. Es hat deshalb einen besonderen Reiz beide Länder auf einer gemeinsamen Reise zu besuchen. Die Kontraste sind enorm.
Noch herrscht das Flair vergangener Jahrhunderte. Vor der Küste blähen die alten Holzschiffe ihre Segel, prachtvolle, jedoch verwitterte Paläste zeugen vom Reichtum jener Zeit, als Sansibar der grösste Sklavenmarkt Ostafrikas war und Gewürze in alle Welt exportierte. Sansibar gehört politisch zu Tansania, geniesst jedoch einen hohen Grad an Autonomie.
Bevölkerung
Ca. 75% der Bevölkerung sind Bantu- und Bantumischlinge, der Rest Araber und Asiaten. Das Land ist arm. Das durchschnittliche Jahreseinkommen beträgt 300 US-Dollar. 90% der Bevölkerung sind Moslems.
Klima
Es ist tropisch heiss mit Temperaturen von ca. 30 Grad. Die Regenzeiten sind von März-Juli und Oktober bis Dezember.
Sprachen
Die Landessprache ist Swahili, Amtssprache ist Englisch, in einigen Gegenden wird immer noch Arabisch gesprochen.
Geographie
Das Gebiet besteht aus den beiden Nachbarinseln Unguja und Pemba, jeweils mit vielen Nebeninseln und liegt ca. 35 Kilometer von der Küste Tansanias entfernt.
Fauna und Flora
Sansibar bestand vor einigen hundert Jahren noch vorwiegend aus tropischem Regenwald. Dieser musste dann im 19. Jahrhundert den gewaltigen Nelken- und Kokosplantagen der Araber weichen. Der Jozani-Forest und der Kichwele-Forest sind heute die einzigen verbliebenen Urwälder und stehen unter Naturschutz. Sansibar gilt als eines der weltweit besten Tauchreviere. über 2.000 Fischarten bevölkern die warmen Gewässer rund um die Inseln und zahlreiche Krabben- und Schildkrötenfamilien die Strände.
Reisen
Die wichtigsten Verbindungen sind asphaltiert oder teilasphaltiert. Die restlichen Straßen sind Schotterstraßen. Es existieren keine öffentlichen Nahverkehrsmittel in Sansibar; es verkehren jedoch private Sammeltaxen, die als Daladala bezeichnet werden. Beliebt sind Velos, die in den meisten Hotels zu mieten sind. Die flachen Strände lassen sich bei Ebbe gut damit befahren. Sansibar ist für Individualtouristen und Backpackers eine gute Destination, nicht zuletzt wegen der Möglichkeit die Insel per Velo oder Mietauto zu erkunden.
Kosten
Es gibt ein grosses Spektrum an Unterkünften in allen Preisklassen. Die oft sehr schönen 5-Stern-Hotels sind teuer haben jedoch einen überraschend hohen Standard und liegen im Allgemeinen fantastisch.
Essen
«Koch es, schäl es oder lass es» gilt im Afrika immer noch, wenn man auf Nummer Sicher gehen will.
Die, nach unserer Auffassung, interessantesten Orte sind mit einem markiert.
Individuelle Privatreise in Sansibar
Wir haben Hotelreservationen und Transfers durch Worldwide Travel organisieren lassen. Alles hat pünktlich und perfekt funktioniert. Die Menschen sind freundlich und hilfsbereit. Lokale Ausflüge haben wir spontan von den Hotels aus organisiert, auch dies ohne Probleme.
Reiseprogramm nach Tagen
1. Tag
Muscat – Zanzibar Town
Wieder bewundern wir auf dem Weg zum Flughafen die Schönheit und Grosszügigkeit dieser modernen Stadt. Breite Autobahnen, kilometerlange Parkanlagen, wunderschöne Moscheen und eine Vielfalt an prächtigen Bauten.
Unser erster Eindruck von Zanzibar Town beim Landen: Eine riesige Ebene voller Blechdächer! Wir sind etwas ernüchtert, haben wir uns dieses sagenumwobene Stown Town doch etwas prächtiger vorgestellt. Schwüle Hitze empfängt uns beim Austeigen. In Rekordzeit erhalten wir gegen 50 $ unser Visa. Die Impfzeugnisse mit der Gelbfieberimpfung will kein Mensch sehen. Wir werden abgeholt und erhalten einen ersten Eindruck der Hauptstadt auf dem Weg zu unserem Hotel. Einfach Häuser und mächtige Bäume säumen die Strassen, die Menschen sind laut und fröhlich – wir sind in Afrika angekommen.
Stone Town, die Altstadt von Zanzibar City, zählt zu den kostbarsten urbanen Sehenswürdigkeiten Ostafrikas, doch droht an allen Ecken der Verfall. Als die Paläste der reichen Araber und Inder nach der Revolution 1964 beschlagnahmt wurden, zogen die Enkel der Sklaven in die Prachtbauten der Sklavenhändler ein. 2000 wurde Stow Town von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt, doch es mangelt an Kapital und politischem Willen, die Pläne konsequent umzusetzen. Sansibar war nicht nur für die Sklavenhändler das Tor zum schwarzen Kontinent, sondern auch für viele berühmte Afrikaforscher. Männer wie Livingstone und Stanley, bereiteten sich hier auf ihre Expeditionen vor.
Unterkunft: Kisiwa House, mitten in der Altstadt. Die Strassen hier sind unglaublich eng, viele von ihnen mit dem Auto gar nicht befahrbar. Das Hotel ist eines der schönen, gut erhalten Häuser aus der Zeit vor der Revolution. Eine hübsche Dachtrasse gibt den Blick bis aufs Meer frei. Dazwischen – Blechdächer. Unter diesen hässlichen Dächern verbirgt sich jedoch eine charmante Altstadt, die wir am Nachmittag zu Fuss erkunden. Das Hotel organisiert uns spontan einen Stadtführer der ein schauderhaftes Deutsch spricht.
Eine der Besonderheiten in Stown Town sind die prächtig geschnitzten Türen aus schwerem, dunklem Tropenholz. Je nach Schnitzart kann man zwischen indischen und arabischen Häusern unterscheiden. Manchmal stehen solche Türen in halb verfallenen Häusern, als letztes kulturelles Bollwerk sozusagen. Wo heute die anglikanische Kirche steht war einst der zentrale Umschlagplatz des Sklavenhandels. Unterhalb der Klosterräume können Besucher die engen Gewölbe sehen, in denen die Sklaven vor dem Verkauf eingesperrt wurden. Wir ersparen uns diesen Besuch, zu grauenhaft ist die Vorstellung, was Menschen in der Vergangenheit hier gelitten haben.
Lieber besuchen wir den Markt. Im Jahre 1904 wurden die Gebäude um den Marktplatz herum gebaut und bis heute sieht alles noch so aus wie damals. Wir sind froh um unseren Führer, man kann sich in diesem Gewirr von Marktgassen und auch in der Altstadt rasch verirren. Es gibt kaum Touristen und man kann Stunden damit verbringen das Angebot der malerischen Marktstände kennen zu lernen. Einzig um den Fischmarkt haben wir einen grossen Bogen gemacht. Der Gestank ist bestialisch. Dieser Markt ist ein Erlebnis, auch wenn man weltweit schon viele Märkte gesehen hat. Er ist ein Stück lebendiges, unverfälschtes Afrika. Wir verabschieden unseren Führer zwei Stunden später mit Dank vor dem Hotel und gehen nun auf eigene Faust los.
Da die Altstadt recht klein ist, findet man irgendwie und auf Umwegen, immer zurück. Die Gizenga Streed und Bazar-Streed sind zwei malerische Altstadt-Gassen mit einem grossen Angebot an arabischen und afrikanischen Waren. Hier natürlich bereits stark auf Touristen ausgelegt. Am Abend geniessen wir in unserem Hotel die wunderbare Abendstimmung auf der Dachterrasse. Das Essen können wir nicht empfehlen. Wir waren die einzigen Gäste, das Essen nur bedingt frisch und Durchfall die Folge.
2. Tag
Stown Town – Gewürzplantagen
Das Frühstück, wiederum auf der schönen Terrasse, war tadellos. Auf Sansibar ist es ein Muss, die Gewürzplantagen zu besuchen. Einige liegen nahe der Hauptstadt und sind teils staatlich, teils privat. Jedes Hotel und Reisebüro bietet diesen Ausflug an. Die Fahrt durch die neueren Stadtteile und über Land gibt einen guten Einblick in die Lebensumstände der Sansibari. Wir erhaschen sogar einen Blick auf die hässlichen Plattenbauten aus der sozialistischen Zeit.
Vor Ort werden wir von einem kundigen Führer durch die waldähnlichen Plantagen geführt. Eine interessante Tour, die sich wirklich lohnt. Fast alle Gewürze, die wir kennen wachsen hier. Der Schwerpunkt sind jedoch die Gewürznelken.
Gewürznelken
Wir sehen, wie Vanille, Pfeffer, Nelken, Muskatnüsse, Vanille, Kaffee und Zimt wachsen. Der Pfeffer heisst hier Pili Pili Manga. Eigentlich stammt schwarzer, roter, weißer und grüner Pfeffer vom gleichen Gewächs. Die unterschiedlichen Farben kommen vom Reifegrad und von der Verarbeitung der Pfefferbeeren, die in langen Rispen vom Strauch hängen. Unser Guide reicht uns bei allen Pflanzen zuerst ein Blatt, an deren Geruch wir die Pflanzen erkennen sollen. Nicht immer gelingt es uns, ehe er uns die dazugehörige Frucht zeigt. Über Kurkuma (auch Gelber Ingwer genannt) geht es weiter zu Sternfrüchten (Karambole), die hier zahlreich am Baum hängen, und direkt am Stamm wachsen.
Karambole
Vom Lemongras, das besonders in der asiatischen Küche beliebt ist, kommen wir zu einem anderen, sehr interessanten Baum der die Lippenstiftfrucht trägt. Unser Guide öffnet den kastanienähnlichen Fruchtkörper und zerdrückt die kleinen roten Kugeln, Es entsteht eine rote Paste, die sich leicht auftragen lässt und auf den Lippen ein hübsches Orange ergibt. Mit den geringelten Früchten des Seifenbaumes kann man sich wirklich die Hände waschen.
Die Vanilleschoten, wie wir sie kennen, sind die getrockneten Fruchtschoten einer Orchideenart. Da die Bienen, welche sie in Südamerika bestäuben hier fehlen, müssen die Orchideen künstlich befruchtet werden. Die Rinde der Zimtsträucher, die getrocknet und gemahlen das aromatische Weihnachtsgewürz ergibt, wächst immer wieder nach.
Wir sehen Ingwer und grünen Kardamom. Beide gehören zur gleichen
Pflanzenfamilie, jedoch wird beim Ingwer die Wurzelknolle als Gewürz verwendet, beim Kardamom die Samen.
Kardamom
Wir sind schon bald zwei Stunden unterwegs. Zeit für eine Pause. Wir bekommen die frische Kokosmilch zu trinken und können das leckere Fleisch verzehren. Ganz in der Nähe steht ein Baum mit aprikosenähnlichen Früchten. Es ist ein Muskatnussbaum. Im Inneren der Frucht befindet sich die glänzendbraune Muskatnuss, die von einem roten Netz umgeben ist.
Muskatnuss
Zum Schluss der Tour werden uns verschiedene Früchte zum Naschen zubereitet und wir werden als Gewürzköniginnen gekrönt. Die Menschen hier sind äusserst geschickt im Flechten von allerlei Gegenständen aus Palmblättern. Wir erhalten Kopfschmuck und Ringe und ein Täschchen für die gesammelten Gewürze – alles aus Palmblättern. Natürlich wird erwartet, dass wir von den fein säuberlich verpackten Gewürzen kaufen. Dies zu Apothekerpreisen, die wir auf ein vernünftiges Mass hinunter handeln müssen. Dem strahlenden Lachen nach, ist der Verdienst immer noch gut.
Auf dem Rückweg erhaschen wir einen Blick in eine der Dorfschulen. Die Kinder sitzen dicht gedrängt am Boden und der Lärm ist gross.
Fürs Abendessen haben wir im Tower-Top-Restaurant des Emerson on Hurumzi reserviert. (Reservation unumgänglich, da es nur ca. 40 Plätze gibt). Es ist einer der wenigen alten Paläste, die renoviert wurden. Die Terrasse im 4 Stock, erlaubt eine tolle Aussicht auf die Stadt und das Meer. An die Blechdächer haben wir uns mittlerweile gewöhnt – irgendwie passen sie hier. Das Essen ist ganz der Suaheli-Küche verpflichtet und schmeckt prima.
Wir sind stolz, dass wir den Heimweg sogar ohne Karte und im Dunkeln finden. Es bleibt auch gar nichts anderes übrig, die Gassen sind zu eng für Taxis. Wir klettern über einen riesigen Schutthaufen, der gestern noch nicht da war. Ein eingestürztes Haus, wie uns ein Anwohner erzählt. Es hat leider auch einen Toten gegeben. Es tut richtig weh diese Stadt so dem Verfall ausgesetzt zu sehen. Nirgendswo haben wir diese spezielle Stimmung, diesen einmaligen Mix aus arabischen, indischen und afrikanischen Elementen je erlebt.
3. Tag
Jvon Stown Town nach Pemba
Den Morgen benützen wir um noch einige Sehenswürdigkeiten in der Altstadt zu besuchen. Wir beginnen mit dem Beit al Ajaib – dem Haus der Wunder. Dieser Palast zählt zu den grössten und eindrucksvollsten Gebäuden der Stadt – nur ist er leider wegen Baufälligkeit geschlossen. Seinen Namen hat er übrigen, weil er das erste Haus in Ostafrika war, welches über die neuesten technischen Errungenschaften der westlichen Welt von damals verfügte: Eine Toilette mit mechanischer Wasserspülung und einen elektrischen Fahrstuhl.
Gleich daneben steht das People’s Palace Museum. Es ist eines der drei Museen von Stown Town und leider ziemlich heruntergekommen. Man erhält zwar in dem riesigen Gebäude durchaus einen Eindruck der grandiosen, längst vergangenen Zeiten aber alles ist abgenutzt, staubig und trostlos. Daran ändert auch das Zimmer der berühmten Prinzessin Salme nichts, die mit einem deutschen Handelsreisenden nach Deutschland durchbrannte und als Emily Rüthe Berühmtheit erlangte. Bevor wir auf den Flughafen müssen geht ein heftiger, tropischer Regen nieder. Die schmalen Gassen werden geflutet und wir gelangen nur mit Mühe mit unserem Gepäck zum Taxi.
Der Flug nach Pemba dauert 35 Minuten und schon bei der Landung sehen wir die wunderbaren Küstenstrände. Die Insel ist viel grüner als die Hauptinsel. Vom Flughafen fährt uns ein Bus quer durch die Insel nach Mkoani. Das Hotelboot holt uns ab und bringt uns nach kurzer Fahrt zum Hotel.
Unterkunft: Fundu Lagoon. Die Loge liegt an der unberührten Küste der Halbinsel Wambaa an einem langen, schönen Sandstrand. Sie ist nur auf dem Wasserweg erreichbar und eine Oase der Ruhe. Die Loge ist nach wie vor ein Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit. Alle Angestellten sind aus den Dörfern in der Umgebung. Gebaut wurde ausschliesslich mit lokalen Materialien und geduscht wird mit Regenwasser.
4.– 8. Tag
Pemba Fundu Lagoon
Wir sind im Paradies. Die Lage ist einfach fantastisch. Eine Idylle aus Urwald und Meer. Wir beginnen den Tag mit Muschelsuche am langen, weissen Strand. Es ist Ebbe und das Wasser weit draussen. Frühmorgens ist es hier besonders schön. Draussen sind die Fischer mit ihren schmalen Holzbooten unterwegs, am Strand sieht man bunt gekleidete Frauengruppe auf dem Weg zu ihren Seegrasgärten oder um Schnecken und Muscheln zu sammeln. In der Dämmerung besuchen uns ein Paradiesvogel, ein paar Fledermäuse und eine Horde Affen. Am Abend ist Barbecue am Strand. Ein wunderbares Ambiente unter dem hohen Sternenhimmel.
Die Tage vergehen mit Lesen, ausruhen, schwimmen - mehr braucht es nicht.
Am dritten Tag steht ein Schnorchel-Ausflug auf dem Programm. Pemba ist eines der schönsten Taucherparadiese weltweit. An sich genügen Taucherbrille und Schnorchel um die vielen, bunten Fische zu bewundern und über diese Farb- und Formenwelt an Korallen zu stauen. Vorsicht vor Sonnenbrand! Meistens merkt man es zu spät, dass Rücken und Beide erbarmungslos verbrannt sind. Vor dem Schnorcheln gehen wir jedoch auf Delfinsuche und haben riesiges Glück. Wir treffen weit draussen auf eine grosse Delfineschule von sicher hundert Tieren! Ein fantastischer Anblick. Einige der Tiere schwenken sofort um und begleiten unser Boot. Verspielt springen sie immer wieder vor dem Bug aus dem Wasser, als wollten sie uns zum Mitspielen animieren. Schön ist, dass auch unsere zwei Bootsführer, die doch fast jeden Tag auf Delfinsuche gehen, genau so begeistert sind wie wir. Sie haben die Tiere richtig gerne, das spürt man.
Wir fahren weiter bis auf Misali Island. Die Insel mit ihren hellen Sandstränden, dichten Mangrovenwäldern, Baobab -Bäumen ist einfach paradiesisch schön. Um Misali Island erstreckt sich einer der reichsten Korallengürtel Afrikas. Einige der Riffe sind nur wenige Meter vorm Strand entfernt.
9. Tag
Pemba – Stowtown – Baraza Resort
Viel zu rasch sind diese vier paradiesischen Ruhetage vorbei. Frühmorgens ist Aufbruch nach Chake Chake zum Mini-Flughafen von Pemba. Für die Flüge sind nur 15 kg Gepäck erlaubt, Übergewicht muss extra bezahlt werden. Frühmorgens sind heftige Gewitter über dem Süden vom Pemba niedergegangen. Wir sind froh, dass sich die Wetterlage bis zum Abflug beruhigt hat. Während der Regenzeit kommt es immer wieder vor, dass Flüge und auch die Fährkurse wegen heftiger Tropengewitter ausfallen.
In Zanzibar City erwartet uns ein Minibus für den Transfer in den Südosten der Insel. Wir haben Glück mit dem Fahren. Er stammt aus Pemba und hat so viel Freude, dass wir von dort kommen, dass er Alles gibt um uns Land und Leute näher zu bringen. Er macht uns auf die eindrückliche Baumallee aus über hundertjährigen Mangobäumen aufmerksam, die in keinem Reiseführer erwähnt wird. Riesige Mangobäume säumen auf einer Länge von 3.5 km die Strasse und gewähren wohltuenden Schatten.
Wir halten sofort an und bewundern diese Baumriesen, während unser Fahrer uns die Geschichte dieser Allee erzählt. Besitzerin der riesigen Länderei war in der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert Bihole, deren Eltern, nahe Verwandte des Sultans, die Nelkenplantagen aufgebaut hatten. Ihr Vater hatte die 379 Mangobäume um 1860 pflanzen lassen. Bihole blieb unverheiratet und leistete sich hier, weitab von der königlichen Familie, ein freies Leben mit ihren Sklaven-Liebhabern. Vor ihrem Tod entschied sie, dass alle ihre Sklaven die Freiheit erhielten und der ganze Besitz ihnen und ihren Nachfahren gehören soll.
Ganz in der Nähe entdecken wir einen riesigen Baobab-Baum (afrikanischer Affenbrotbaum) und einige interessante Pflanzen, der Verwendung unser Fahrer erklärt. Doch langsam drängt er zu Eile, die berechnete Transferzeit von einer Stunde ist längst überschritten.
Die Einfahrt zu unserer nächsten Unterkunft, dem Baraza Resort & Spa , schmückt wiederum ein gewaltiger Baobabs-Baum, der wie ein gigantischer Elefantenfuss vor dem Hotel steht.
Das Hotel ist eine Pracht. Im arabisch-indischen Stil erbaut, hat es eine Perfektion, Grosszügigkeit und einen Luxus, die verzaubern. In der riesigen Park- und Strandanlage dominieren Palmen und hunderten von Bougainvillea-Büschen, die in allen Farben leuchten.
Aber wo ist das Meer? Weit draussen wie wir sehen, es herrscht Ebbe. Bei aller Begeisterung, gibt uns das einen leichten Dämpfer, denn bei Ebbe ist der Strand nun wirklich keine Augenweide. Das Meer hat sich mehrere hundert Meter zurückgezogen und einen Meeresboden aus abgeschliffenen Korallenbänken freigegeben, der etwas schlammig und deshalb nicht mehr ganz sauber wirkt. Eingeborene suchen in den verbliebenen Wasserpfützen mit Speeren nach Tintenfischen, Touristen suchen nach Muscheln. Die sportlichsten unter ihren trampen auf dem harten Sand mit Velos gegen den heftigen Gegenwind an. Es ist heiss, die Sonne brennt erbarmungslos. Gegen Abend kommt das Meer zurück und präsentiert sich nun bei Sonnenuntergang, wie auf den Reiseprospekten abgebildet, in wunderbaren Türkisfarben und mit einem blütenweissen Strand!
10.-12. Tag
Der Süden von Sansibar; Baraza Resort & Spa
Die nächsten drei Tage wollen wir wieder Aktivferien machen um möglichst viel von Sansibar zu sehen. Dazu mieten wir uns für den nächsten Morgen einen Fahrer für den ganzen Tag. Unser heutiges Ziel ist eine Rundreise im Süden der Insel, vom Jozani Forest nach Kizimkazi und zurück nach Paje, das ganz in der Nähe unseres Hotels liegt. Auf dem Weg dorthin, treffen wir bei Muungoni auf einen kleinen Zoo. Ein älterer Ranger führt uns durch die wenigen Gehege und erklärt die Absicht des Zoo’s. Es ist eine Aufzucht-Station für bedrohte Tiere wie den endemische Sansibar-Rotducker, eine Miniantilope, sowie für Schildkröten und Schlangen. Das Ganze wirkt ziemlich armselig, doch gehören ein grosses Freilandgehege, Mangrovensümpfe und auch ein Dorf zum Zoo. In einem Tagesausflug, kann man dies alles besuchen. Dafür fehlt uns allerdings die Zeit, die Tagestour ist sicher lohnend und der Ranger wirkt zwar ziemlich desillusioniert was die Ziele des Zoos betrifft, aber sehr kompetent und weiss vieles zu erzählen. Während wir den Ausführungen des Rangers (in ganz passablem Englisch) folgen, hat sich offenbar eine grosse, schwarze Kobra auf die Strasse verirrt.
Flugs wird sie eingefangen und, als wir wieder ins Auto steigen, sehen wir einige Schritte weiter noch einen kleinen Zoo. Dessen Besitzer hat sich die Schlange dekorativ um den Hals gelegt, hält sie geschickt am Kopf und wirb mit der neuen Attraktion seines Zoos für Besucher. Vermutlich ist es neben ein paar Schildkröten die einzige Attraktion und so fahren wir weiter.
Der Jazani-Forest ist das letzte Urwaldgebiet Sansibars. Hier erhält man einen Eindruck, wie Sansibar vor dem arabischen Ausverkauf von Holz ausgesehen hat. 1960 wurde die Gegend von der Regierung zum Schutzgebiet erklärt und in den Nationalpark Jozani Chwaka Bay eingegliedert, um die einzigartige Vegetation und den besonderen Wildbestand zu schützen: Den artenreichen Bestand aus Mahagonibäumen, Feigen, Öl-, Dattel- und Rafiapalmen sowie die roten Colombo-Affen. Diese, früher in ganz Tansania verbreitete Affenart, ist auf dem Kontinent praktisch ausgerottet und findet hier im Schutzgebiet Zuflucht.
Sie sind recht zutraulich und wir müssen nicht lange suchen, bis wir eine ganze Herde entdecken. Wir beobachten die Tiere mit ihren langen Schwänzen und lustigen Gesichtern. Hier ist ein Führer obligatorisch und er weiss viel zu erzählen. Es ist fantastisch durch diesen lichten Urwald aus Mahagonibäumen zu spazieren und sich all die Pflanzen erklären zu lassen. In kürzester Zeit haben wir die ganze «Hausapotheke beieinander: Verdauungsstörungen, Blutarmut, Diabetes, Periodenschmerzen, Zahnweh und Verletzungen. Für jedes Leiden gibt es ein oder mehrere Pflanzen. Wieder fällt uns auf, wie lebendig dieses Wissen hier noch ist, den die Pflanzen werden auch heute noch rege benutzt und das Wissen darüber in der Familie weitergegeben.
Zum Abschluss besuchen wir die Mangrovensümpfe. Ein Holzsteg für durch das unglaublich dichte Gestrüpp von Wurzeln in schwarzer Erde. Dazwischen öffnen sich plötzlich natürliche Wasserstrassen, die sicher befahren werden können. Die Orientierung dürfte jedoch schwierig sein, überall sieht es gleich aus. Nach der gut zweistündigen Führung haben wir Hunger und unser Fahrer zeigt uns ein kleines Restaurant auf einer Lichtung, ganz in der Nähe. Während wir geduldig aufs Essen waren, geniessen wir den Blick in den Dschungel und beobachten eine Affenherde und die bunten Schmetterlinge. Das Essen ist erstaunlich schmackhaft und billig.
Einen Kilometer weiter ist das Zanzibar Butterfly Center, von dem wir uns allerding mehr versprochen haben. Es ist wiederum eine Zuchtstation, die weniger der Arterhaltung als einem Nebenverdienst für die Einheimischen dient. Diese züchten die Schmetterlinge zu Hause und verkaufen die Puppen dem Butterfly Center. Das beschert ihnen einen Zusatzverdienst, der die Armut im Dorf Pete etwas lindert. Armut herrscht in weiten Teilen Sansibars leider noch immer. Das Center selber besteht aus einem, mit einem Netz überdeckten, grossen Gehege und einem Zuchtkäfig, in welchem einige Dutzend Puppen hängen. An «fliegenden Juwelen» haben wir vor allem den Monarch und einen, unserem Schwalbenschwanz ähnlichen Schmetterling gesehen. Der lokale Guide präsentiert das Ganze jedoch mit so viel Freude und Stolz, dass wir ihn nicht enttäuschen wollen.
Ganz im Südwesten der Insel, bei Kizimkazi wollen wir uns als Nächstes die alte Moschee anschauen. Sie wurde im 12 Jh. erbaut und enthält die ältesten arabischen Inschriften der ostafrikanischen Küste. Wie uns der Vorsteher der Moschee erklärt sind diese Inschriften in einer sehr seltenen Frühform des Arabischen geschrieben und entsprechend kostbar. Es ist ein sympathischer Mann, der keinerlei Probleme hat, seine Moschee auch Frauen zu zeigen. Ein Schal ist überflüssig nur die Schuhe müssen wir ausziehen. Die Moschee ist schlicht, ein billiger Teppich bedeckt den Boden und alle Stein-Umrandungen sind in einem kräftigen Türkisgrün gehalten.
Es sind keine hundert Meter bis ans Meer. Alte, malerische Fischerboote liegen am Strand.
Der schmutzige, wenig einladende Strand nimmt uns die Lust auf ein Bad. Zudem ist das Dorf sehr konservativ und zu 90% muslimisch. Wir hätten wohl in den Kleidern schwimmen müssen. Ganz nahe am Strand entdecken wir etwas Interessantes. In einem grossen Baum hängen viele Nester, die und an Webervögel erinnern. Es sind jedoch Fledermäuse die darin wohnen.
Uns kommt Kizimkazi ziemlich armselig und schmutzig vor, unser Fahrer findet jedoch es sei ein sehr hübsches Dorf. Vielleicht haben wir nicht alles gesehen.
Jetzt ergreift unser Fahrer die Initiative. Er kennt einen Schweizer und will uns sein Projekt zeigen. Es ist just das Gleiche, welches wir auch sehen wollten. Mit Unterstützung der Schweizer Jugendherbergen hat auf Sansibar im Dezember 2016 eine Jugendherberge eröffnet. www. youthhostel.ch/zanzibar. Zudem ist die Jugendherberge Teil eines Konzeptes, mit dem der Schweizer Verein CAAA seit 2006 den Einwohnern Sansibars dabei hilft, ihren Kindern eine Zukunft zu ermöglichen. Sie ergänzt die ebenfalls vom Verein auf Sansibar erbaute Fachhochschule für Tourismus und Gastronomie als Ausbildungsbetrieb. Uns ist mehrfach aufgefallen, wie gut die Servicekräfte hier im Land ausgebildet sind. Vielleicht ist dies ja die Folge dieser Fachhochschule – schön wäre es. Die Jugendherberge wirkt grosszügig und sehr gepflegt, die Preise sind günstig. Bereits ist augenfällig, dass die kleinen Dörfer hier gepflegter wirken, als im Landesinneren. Dort sind sie von einer Armseligkeit, die weh tut.
Wir fahren die Küste hoch Richtung Paje. Auf der ganzen Strecke reihen sich locker Hotelanlage an Hotelanlage. Von der Strasse her sind jedoch nur hohe Mauern und Eingangstore zu sehen. Dazwischen grosse Landbrachen mit ein paar Bauruinen.
Paje, ist ein kleines Fischerdorf, an diesem Küstenabschnitt der Hauptort und das touristische Zentrum. Davon ist jedoch wenig zu sehen. Eine grosse Kreuzung, die den Verkehrsknotenpunkt für den Süden darstellt und ein paar Häuserzeilen bilden das Zentrum. Am Stand gibt es einige, eng aneinander gedrängte Hotels, deren Anzahl kräftig wächst.
Paje ist das Kitesurf-Mekka des Südens.
Nach dem gestrigen, grossen Ausflug ist heute Velofahren und Schnorcheln angesagt. Die Schnorcheltour startet um 11 Uhr. Mit einem Daladala, dem gängigen Transportmittel der Insel, werden wir an einen Strand, ein paar Kilometer nördlich des Hotels gefahren. Daladalas sind lastwagenähnliche Autos mit einer typischen Holzverkleidung und einfachen Bänken auf der Ladefläche. Die sind in Sansibar omnipräsent und sehr günstig. Reisende erleben, eingeklemmt zwischen Einheimischen, hautnah das Sansibar-Feeling.
In unserem Fall werden mit dem Daladala lediglich die Gäste verschiedener Hotels eingesammelt und zum Riff gefahren. Das Riff ist enttäuschend, wenn man gerade von Pemba kommt. Trotzdem gibt es einiges zu sehen und das Schwimmen mitten in einem grossen Schwarm bunter Fische jedes Mal ein Erlebnis. Da das türkisfarbene Wasser wunderbar warm ist, hält man es eine ganze Weile beim Schnorcheln aus.
Der Ausflug mit dem Velo wird kurz. Die Sonne brennt heiss und der Gegenwind ist stark. An sich eignet sich der harte Strand bei Ebbe wirklich gut fürs Velofahren, aber man müsste frühmorgens gehen und da ist leider Flut.
Am letzten Tag vor unserer Rückreise wollen wir noch unbedingt das Seeweed-Center nördlich von Paje besuchen. Wir werden freundlich, und mit einem Seegrasdrink von etwas zweifelhaften Aussehen empfangen. Er schmeckt nicht schlecht und wir vergessen einmal mehr: Koch es, schäl es ……..wir wollen die fröhlich lächelnden Kleinunternehmer doch nicht enttäuschen.
Mit einem Führer geht es zum Strand. Wir kommen durch ein grosses Backpacker-Hotel, in welchem die Gäste gerade beim Frühstück sitzen.
Das Meer hat sich weit zurückgezogen und lässt eine grosse, helle Ebene mit einigen Tümpeln darin zurück.
Diese Wasseransammlungen sind die Voraussetzung für die Seegraszucht. In Ihnen wächst das Seegras. Wir haben einen Führer mit didaktischem Geschick – er will, dass wir alles selber machen, so wie die Seegrasfrauen auch. Das Seegras wird weiter draussen im Meer geerntet und dann an diese Plätze getragen. Dann werden kleine Büschel an einfache Plastikschnüre gebunden und das Ganze zwischen zwei Pflöcken befestigt. Nun wächst das Gras während drei Monaten hier und kann zwischendurch immer wieder geerntet werden. Die Pflanzen werden anschliessend an Land auf einfachen Gestellen getrocknet und kommen dann in die Produktion. Die Pflanzen werden zermahlen, mit verschiedenen Gewürzen und Kräutern vermischt und dann in Formen (für Seifen) oder Dosen (Meersalzpeelings) abgefüllt. Die fertigen Produkte kommen nach «Kanada». Das ist der Kühlraum, wie unser Führer schmunzelt. Die hiesigen Hotels sind die Hauptabnehmer, einiges geht aber auch in den Export. Merke: Da die Seegrasfarm nur bei Ebbe besucht werden kann, ändern die Öffnungszeiten ständig. Deshalb unbedingt vorher telefonieren (www.seeweed center.com).
12. Tag
Sanzibar City - Muscat
Leider heisst es Abschied nehmen. Wir durchfahren auf dem Rückweg nochmals die gewaltige und wunderbar schattige Allee der alten Mangobäume. Im stockenden Verkehr der Hauptstadt haben wir reichlich Zeit das bunte Treiben zu beobachten. Hier wird noch Vieles in kleinen Handwerksbetrieben hergestellt und gehandelt wird mit allem: Bettgestelle und Möbel, Kühlschränke, Baumaterialien, Kleider, Elektronik, sämtlicher Hausrat, Pflanzen. Über das ganze wölben sich schützen riesige Bäume, denen gerade die Äste gestutzt werden, damit der Verkehr ungestört zirkulieren kann.
Unser Flug startet pünktlich zurück nach Muscat. Adieu Sansibar, wir kommen wieder.