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Das Fehlen der Frauen
Eine geschlechterreflektierte, qualitative Untersuchung zu (berufs-)biografischen Erzählungen von Sozialdienst-Leitenden im Kanton Bern
Ausgangspunkt der vorliegenden Master-Thesis ist die Tatsache, dass im Kanton Bern nur ein Drittel aller Sozialdienste von Frauen geführt werden, obwohl in den Bachelor- und Masterstudiengängen der Schweizer Fachhochschulen der Sozialen Arbeit knapp 80 Prozent der Diplomierten weiblich sind und 80 Prozent der in der Sozialen Arbeit erwerbstätigen Personen ebenfalls Frauen sind.
Deshalb wird mithilfe einer qualitativen Untersuchung der Forschungsfrage nachgegangen, was aus Sicht von Sozialdienst-Leiterinnen dazu geführt hat, dass sie ihre aktuelle Stelle übernommen haben. Dafür werden sechs narrative Interviews geführt, vier davon mit Frauen – und zur Kontrastierung zwei mit Männern. Die Interviews werden anhand der Grounded Theory analysiert.
Zentrale Erkenntnis der Untersuchung ist, dass die Gründe, weshalb Frauen und Männer eine Leitungsstelle in einem Sozialdienst übernehmen, in engem Zusammenhang mit bisherigen oder aktuellen Diskriminierungserfahrungen aufgrund des Geschlechts stehen.
Diskriminierungsphänomene, wie der gläserne Lift, werden sowohl von Frauen wie auch Männern geschildert. Die Diskriminierungen wirken auf die Männer jedoch anders als auf die Frauen: Männer sind als Leiter in einer Funktion, die von ihnen erwartet wird; die Frauen hingegen sind auffallend oft von der gläsernen Klippe betroffen: sie werden in Leitungspositionen berufen, wenn sich eine Organisation in einer Krise befindet. Dadurch ist das Risiko zu scheitern gross.
Aufgrund der Erkenntnisse aus der Untersuchung ist eine differenzierte Auseinandersetzung mit Geschlecht und Führung von Nöten. Deshalb werden Anregungen für die Praxis der Sozialen Arbeit und die Hochschullehre formuliert.