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Was ist GIRE?
Die integrale Wasserbewirtschaftung (Gestion Intégrée des Ressources en Eau – GIRE; Integrated water resources management – IWRM) lässt sich wie folgt definieren:
„Ein Prozess, der die koordinierte Entwicklung und Bewirtschaftung von Wasser, Land und verwandten Ressourcen fördert, um das resultierende ökonomische und soziale Wohlergehen in angemessener Weise zu maximieren, ohne die Nachhaltigkeit wichtiger Ökosysteme zu gefährden“ Global Water Partnership, 2013.
Die Idee, die verschiedenen Bereiche der Wasserbewirtschaftung zu koordinieren, entstand bereits vor einigen Jahren, mit dem Ziel der Vereinfachung und der Kooperation zwischen den wassernutzenden Akteuren. Es handelt sich dabei um ein Prinzip, das im Bereich der Wasserbewirtschaftung breite Akzeptanz findet (siehe unten). Obgleich das Ziel sehr lobenswert ist, ist es in der Praxis doch schwer umsetzbar und kann als idealistisches Konzept angesehen werden Molle, 2008.
Globale Betrachtung der Wasserbewirtschaftung in der Schweiz BWG 2003
Was den VSA angeht, so besteht das Ziel zunächst darin, das GIRE im Bereich der Entwässerung umzusetzen, indem umfassend und dynamisch an den NAG-Aspekten (AbwasserNetz ARA Gewässer) gearbeitet wird. Sobald diese Schritte umgesetzt wurden, kann der Ansatz nach und nach pragmatisch auf alle in der nachfolgenden Abbildung dargestellten Bereiche erweitert werden.
In der Studie „Wenn Wasser zum neuen Öl wird“ (Kwiatkowski und Höchli, 2016) werden die verschiedenen Auswirkungen der integralen Bewirtschaftung je nach Einzugsgebiet dargelegt. Daraus geht hervor, dass dieses Prinzip nicht nur für Mensch und Natur von Vorteil ist, sondern auch mit einem beträchtlichen finanziellen Potenzial einhergeht, da allein in der Schweiz Einsparungen von mehreren hundert Millionen Schweizer Franken im Jahr möglich wären, insbesondere im Bereich der Siedlungswasserwirtschaft.
Die in unserem Konzept dargestellten Beispiele zeigen, dass wir in der Schweiz bereits über alle Elemente verfügen, um eine integrale und dynamische Wasserbewirtschaftung umsetzen zu können. Instrumente, Rechtsrahmen, Daten etc. sind vorhanden: Die Rolle des VSA besteht darin, dafür zu sorgen, dass diese verschiedenen Elemente zusammengeführt werden, indem den Akteuren der Wasserbewirtschaftung die entsprechenden Instrumente zur Verfügung gestellt werden.
GIRE ↔ IEM
Die GIRE wurde mit dem Ziel entwickelt, verschiedene Probleme in Zusammenhang mit der Wasserbewirtschaftung zu lösen, zum Beispiel Ressourcenverteilung, Probleme mit der Wasserqualität, Biodiversität etc. Molle, 2008. Die Entwicklung von Instrumenten, wie die der Entscheidungsunterstützungssysteme (auf Englisch DSS), wird weiterhin dringend empfohlen, um eine effiziente GIRE, welche die Aspekte der Umweltanalyse, der Informationssysteme, der Modellierung oder auch der sozioökonomischen Struktur und der Kommunikation berücksichtigt, zu erreichen Global Water Partnership, 2013. Ausserdem ist es für eine nachhaltige Entwicklung wichtig, alle Akteure auf der Ebene einer vorgegebenen geografischen Funktionseinheit einzubinden und die ökonomischen, sozialen und ökologischen Gesichtspunkte zu berücksichtigen, um eine gemeinsame klare Linie zu verfolgen. Zusammenarbeit sorgt für eine bessere Koordination und wird ausserdem die künftige Planung und Bewirtschaftung verbessern.
In der Schweiz wird die integrale Wasserbewirtschaftung meist durch die Abkürzung GIB, bzw. auf Deutsch IEM, dargestellt, die für Integrales Einzugsgebietsmanagement steht Dazio, 2017. Die GIREist ein Konzept, das zum Ziel hat, alle Bereiche in Zusammenhang mit Wasser zu berücksichtigen, um das ökologische, ökonomische und soziale Wohlergehen zu maximieren. Das IEM ist eine konkrete Anwendung der GIRE: Es wird ein Funktionsbereich abgegrenzt, in dem die entsprechende Problematik vorliegt (z. B. Trinkwasserversorgung und Abwasser). Das IEM umfasst somit auch die Planung von Massnahmen. Das IEM wird nachdrücklich empfohlen und stellt gemäss einer bereits 2007 durchgeführten Umfrage des BAFU (Bundesamt für Umwelt) einen wichtigen Baustein dar BAFU, 2009. In dieser Umfrage wurde der Schwerpunkt auf ein Einzugsgebietsmanagement gelegt, das auf Funktionsbereichen basiert und nicht auf politische Grenzen beschränkt ist. Die Eidgenossenschaft empfiehlt daher das IEM, unter anderem weil „das Aktionsgebiet mit dem Entscheidungsraum zusammenfällt“, aber auch um Vernetzungen und Synergieeffekte zu fördern Wasser-Agenda 21, 2011. Da die Umsetzung und Durchführung der verschiedenen Aufgaben Zeit und Personal bindet, ist sicherzustellen, dass die Koordination am Ende nicht mehr kostet als sie einbringt BAFU, 2012.
Der Begriff GIRE wird in unserem Ansatz beibehalten, da wir uns zunächst so breit wie möglich ausrichten möchten.
Auf dieser Webseite konzentrieren wir uns auf die GIRE im Bereich der Entwässerung im weitesten Sinne, die zum Beispiel zu geringeren Kosten in Zusammenhang mit der Abwasserreinigung oder zu einer Optimierung der bestehenden Strukturen zum besseren Gewässerschutz führen kann BAFU, 2013. Sie gehört auch zu den Handlungsempfehlungen, die vom Wasserforschungsinstitut Eawag (Maurer et al., 2012) im Rahmen des Berichts Abwasserentsorgung 2025 herausgegeben wurden und unter denen sich ebenfalls die Themen „Infrastrukturen in die Zukunft führen“, „Synergien nutzen“, „Gewässerqualität sichern“ und „Entwässerung der Siedlungen optimieren“ finden. Die Optimierung im städtischen Umfeld wird auf dieser Seite umfassend erläutert.