Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03304.jsonl.gz/1949

Vor dem Einweihungsfest am kommenden Samstag orientierte Werner Meier, der Delegierte des Regierungsrats für die Sanierung der unteren Thur, am Mittwoch die Medien über den geglückten Abschluss eines Projekts, das fast 20 Jahre dauerte.
Der eine Beginn des Projekts ist das Hochwasser vom 7./8. August 1978, als die Thur von Frauenfeld an viel Land überschwemmte. Die erste Reaktion war ein weiterer Ausbau des Hochwasserschutzes. Das erste Projekt dazu wurde 1980 zurückgezogen, ein zweites 1983. 1989 erfolgte dann eine erste Unterhaltsetappe in Adlikon und Ossikon, bis dann mit dem überwiesenen Postulat von Kantonsrat Richard Stucki 1993 das Projekt der Revitalisierung der Thurmündung wirklich begann. Der Fluss verlief in seinen letzten Kilometern eingemauert und fadengerade durch einen Wald. Ein zweites Postulat vom gleichen Kantonsrat 1997 verlangte den Schutz dieser Auenlandschaft, die ja faktisch kaum mehr eine war. Da diese Postulate mit den neuen Erkenntnissen zusammenfielen, dass natürliche Rückhaltemöglichkeiten einen besseren Hochwasserschutz als viel Beton alleine bieten können, wurde 1999 der Kredit (53,5 Millionen Franken) erteilt, der die Thur auf ihren letzten Kilometern auch in ein neues Naturparadies verwandeln sollte. Ein zweites Hochwasser, das in Ellikon den Rheinpegel deutlich höher als beim grossen Unwetter von 1978 ansteigen liess, verhalf zur Einstimmigkeit.
Der Regierungsrat wählte zudem eine Organisation, die sehr viele Interessen berücksichtigte. Zunächst übernahm die Baudirektion die alleinige Führung und setzte mit Professor Werner Meier einen Delegierten ein, der zwischen der Projektleitung und den Betroffenen koordinierte und notfalls auch vermittelte. Betroffen waren neben dem Kanton und dem Bund als Bezahler auch die Gemeinden Flaach, Marthalen, Andelfingen, Kleinandelfingen, Rüdlingen und Buchberg, weiter der Kanton Schaffhausen, das der Axpo gehörende Kraftwerk Eglisau, der Naturschutz, die Zürcher Planungsgruppe Weinland und ein Verein Pro Thur. Die zu koordinierenden Interessen waren im Wesentlichen:
• Der Hochwasserschutz. Neben den Gemeinden betraf dies vor allem die fruchtbaren Ackergebiete in der Ebene. Die Spargeln von Flaach sind berühmt. Das Gebiet von etwa 200 Hektar wurde definiert. Innerhalb dieses Gebietes durfte sich die Thur ihren Weg wieder selber suchen. Dabei wurde indes nicht von vornherein das ganze Gebiet freigegeben, sondern links und rechts der Thur eine Beurteilungslinie gezogen. Sollte der Fluss diese Linie mit seinem neuen Verlauf dereinst überschreiten, werden Massnahmen geprüft.
• Die Auenlandschaft. Der Witz eines Auenwaldes besteht darin, dass er von Zeit zu Zeit überschwemmt wird, und nicht nur alle Hochwasser einmal. Dass die Gemeinde Flaach ein grosse Stück dieses Waldes an den Kanton abtrat, erleichterte dessen Realisierung deutlich. Zu den Auenwäldern kamen Feuchtbiotope.
• Freizeit. Freizeitaktivitäten aller Art wollte man bewusst fördern und zugleich der Natur auch ihre Ruhe erhalten. Das Mittel dazu waren weniger Verbote als eine Mischung zwischen Erleichterung und Erschwerung. Gezielt wurden Flächen für verschiedene Attraktionen geschaffen, mit guter Zugänglichkeit und Informationen. Anderseits wurde für andere Gebiet der Zugang erschwert. Zu der Attraktion gehört auch das Naturzentrum Thurauen, das neben Austellungen auch ein Restaurant anbietet.
Monitorings
Die Thur fand ihren neuen Weg teilweise bereits und wird ihren Lauf in den nächsten Jahren sicher noch weiter ändern. Wobei sie in einigen Biegungen mit Steinen etwas gesteuert und an zwei Orten auch durch intensiven Hochwasserschutz beschränkt wird. Dazu wird der neue Fluss ständig überwacht, etwa beim Grundwasser. Hier lässt sich bisher sagen, dass der Regen und der Flussstand der Thur entscheidend sind. Erfreulich entwickelten sich die Pflanzen und die Tiere: Orchideen existieren viele, Biber, Eisvogel, Libellen, Uferschwalben und Fische nehmen zu, Zugvögel nehmen die neuen Ranger vermehrt wahr, und es fehlen auch die frechen Nilgänse nicht.