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«Papa, ruft mich meine siebenjährige Tochter, schau, ich habe eine Armbanduhr aus Wien, ein Kleid aus Frankreich, Blue Jeans aus Amerika und ein T-Shirt aus Deutschland. Komme ich da noch aus Rumänien?» So endet - unter dem Zwischentitel «Happy End» - eine Geschichte des rumänischen Schriftstellers Dan Lungu. Ein richtiges Happy End ist es nicht. Denn die Tochter bleibt eine kleine Rumänin, die vom Wunderwesten ausgegrenzt bleibt, auch wenn eine EU-Zukunft winkt.
Lungus Bericht ist einer von 21 Texten, die AutorInnen aus zwölf ost- und ostmitteleuropäischen Ländern als Writers-in-Residence der österreichischen Organisation KulturKontakt Austria geschrieben haben. «Grenzverkehr» heisst der Band; er bietet eine spannende Auseinandersetzung mit dem Trauma der Grenze und seiner Entwicklung seit der sogenannten Wende. Wieder einmal bestätigt sich Wien in seiner Gastgeber- und Vermittlerrolle.
Das Besondere an diesem Buch ist der Umstand, dass jeder Beitrag zuerst in deutscher Übertragung und, im hinteren Teil, in der Originalfassung erscheint, bei einigen slawischen Sprachen also auch im Kleid des kyrillischen Alphabets. Der Reigen reicht vom Lettischen über das Russische, Ukrainische, Polnische, Ungarische bis zum Albanischen, Mazedonischen und Rumänischen. Die meisten AutorInnen sind jung, alle Texte kurz, jeder hat seinen besonderen Ton. Verdienstvoll, dass auch die ÜbersetzerInnen gebührend erwähnt werden.
Immer wieder das schmerzliche Erstaunen über das Anderssein und das Ausgegrenztwerden. Die EU-Erweiterung hat die Sache noch vertrackter gemacht; der neue Vorhang verläuft jetzt zwischen Polen und Ukraine, was den prominenten ukrainischen Schriftsteller Jurij Andruchowytsch zu einem zornigen Beitrag inspiriert.