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Chinesische Arzneitherapie
Die Arzneitherapie ("Phytotherapie") besteht in der Verordnung von Rezepturen aus Stoffen überwiegend pflanzlicher, seltener mineralischer oder tierischer Herkunft. Teile von Tieren, die vom Aussterben bedroht sind, werden in der seriösen TCM nicht verwendet. Die häufigste Zubereitungsform der chinesischen Arzneien ist die Abkochung, das Dekokt.
In den chinesischen Arzneibüchern werden einige tausend Mittel beschrieben. Diese zum Teil recht umfangreichen pharmakologischen Darstellungen verwenden freilich Begriffe und Anschauungen der traditionellen chinesischen Krankheitslehre, die einem Schulmediziner nicht geläufig sind. Wer also chinesische Arzneirezepturen verordnen will, muss zuvor eine Art Zweitstudium absolvieren, dessen Curriculum wesentlich umfangreicher ist als das der gängigen Ausbildungsgänge für Akupunktur.
Er muss lernen, in Gegensätzen von Yin und Yang zu denken, muss verstehen, was die Funktionskreise "Leber" oder "Milz" besagen, und muss mit dem Gedanken der Krankheitsfaktoren wie "Wind" oder "Kälte" etwas anfangen können, um nur einige Beispiele zu nennen. Schließlich soll er die diagnostischen Verfahren der TCM beherrschen und in der Lage sein, individuelle Gesundungsprozesse einzuleiten und arzneitherapeutisch zu begleiten. Dass der Phytotherapeut seine Mittel kennt, mitsamt ihren Gegenanzeigen, braucht hier nicht eigens betont zu werden.
Ohne die skizzierten Kenntnisse stochert der Therapeut im Nebel herum, der therapeutische Nutzen seiner Verordnungen ist unsicher, Gefährdungen des Patienten sind nicht ausgeschlossen.