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Seit 1974 setzt sich die Schweizer Menschenrechtsorganisation Incomindios für die Rechte der Indigenen Völker weltweit ein. Wobei ein besonderer Fokus auf Nord-, Mittel- und Südamerika gelegt wird. Seit 2003 hat Incomindios den Beraterstatus an der UNO (ECOSOC).
Die Frage, welche ethnische Gruppen als indigen bezeichnet werden können beziehungsweise sich selbst dieser Kategorie zuordnen, gibt weiterhin Anlass für Kontroversen. Letztlich enden alle Debatten immer wieder bei einer Arbeitsdefinition, die der ecuadorianische Anwalt und Diplomat José Martínez Cobo in seiner von den Vereinten Nationen in den 1970er Jahren in Auftrag gegebenen Studie zur Diskriminierung indigener Bevölkerungen formulierte.
Sie basiert auf verschiedene objektive Kriterien und einer subjektiven Selbstidentifikation. Zu den Gemeinsamkeiten indigener Gruppen zählt er die historischen Erfahrungen von Kolonialismus und Eroberung, die kulturelle Differenz von der nationalen Mehrheitsgesellschaft sowie die gegenwärtige Marginalisierung und Benachteiligung. Indigenität geht also nicht zwingendermassen mit einer bestimmten Lebensweise einher.
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Copyright: Samuel Cauper
Viele Indigene Völker sind von jahrelanger Ausbeutung und Ausgrenzung geprägt, was sich besonders in ihren Bemühungen um den Erhalt ihrer Boden- und Menschenrechte zeigt. Globale Konzerne nehmen ihnen oftmals ihren natürlichen Lebensraum weg oder verwüsten und verschmutzen ihre Lebensgebiete. Von ihrer Lebensgrundlage beraubt, werden sie mit den tragischen Folgen von Unterernährung und Hunger konfrontiert. Obwohl die Staaten die Pflicht haben, das Recht auf Nahrung der schwächsten Bevölkerungsschichten, darunter der Indigenen, zu gewährleisten und zu schützen, wird dies oft nicht umgesetzt.
Zwar ist die Nahrungsvielfalt in den Regenwäldern und den indigenen Territorien vorhanden, der Zugang wird den ansässigen Indigenen Völkern jedoch oftmals verwehrt. Laut den Ernährungsstatistiken der UNO gibt es weltweit etwa 870 Millionen Menschen, welche sich nicht ausreichend ernähren können, und mehr als zwei Millionen, welche an einem Mangel an Mikronährstoffen leiden.
Aus all diesen Gründen hat Incomindios „Indigene Ernährungsautonomie“ als Jahresthema 2014 gewählt. Die indigenen Gemeinschaften sollen bei ihrem Zugang zu Nahrungsressourcen unterstützt werden, damit sie sich selber ernähren können und nicht auf externe Märkte und Supermarktprodukte angewiesen sind. Optimal wäre der ökologische Landbau zur eigenen Nahrungssicherung. Weiterlesen
Incomindios wurde 1974 gegründet und ist heute europaweit eine der ältesten Menschenrechtsorganisationen, die sich für die Rechte der Indigenen Völker einsetzt und über ECOSOC-Beraterstatus verfügt. Da wir dieses Jahr unser 40-jähriges Bestehen feiern, haben wir unsere Vereinsgeschichte auf einer Web-Timeline festgehalten, die Sie in Kürze auf unserer Homepage abrufen können.
Das diesjährige Jubiläum nehmen wir zum Anlass, um bei den Festlichkeiten auf die noch immer weltweit desolaten Lebenssituationen der Indigenen Völker aufmerksam zu machen.
Dazu möchten wir Sie herzlich einladen, mit Ihrer Teilnahme unsere Anliegen zu unterstützen.
Wann: 6.9.2014 ab 16 Uhr
Wo: Stadiongarten Hardturm in Zürich.
Anmeldung fürs Abendessen (Buffet) bitte an: <email-pii>.
In Indien bezeichnet man Angehörige einer der 698 heute existierenden Stammesgesellschaften gewöhnlich mit dem englischen Wort tribals. Auch die indische Verfassung spricht von Scheduled Tribes (“registrierten Stämmen”), und räumt deren Angehörigen besondere Rechte zu deren Schutz ein. Gegenüber dieser deutlich paternalistischen und teils diskriminierenden Bezeichnung hat sich unter Angehörigen betreffender Volksgruppen, die zusammen immerhin 8.6% der indischen Gesamtpopulation ausmachen, die Selbstbezeichnung Adivasi durchgesetzt. Das Wort bedeutet “Ureinwohner” oder „erste Siedler“ und korrespondiert mit dem modernen Konzept der “indigenen Völker”. Es signalisiert ein Bewußtsein um eine gemeinsame Identität und eine eigene Geschichte und Kultur
Kämpfe um Land und Selbstbestimmung
Die Geschichte Indiens ist seit der Kolonialisierung durch die Arier 1500 v. Chr geprägt von der Ausbeutung der Natur und blutiger Vertreibungen von Menschen wegen Land. Allein in der vorläufig letzten Epoche des unabhängigen Nationalstaates kommen 15 Millionen Menschen zusammen, welche für die modernen Projekte Bergbau, Industrialisierung, Militär und selbst für den Naturschutz ihrer Lebensgrundlage beraubt wurden und immer noch werden. Trotz ihrer chronischen Unterlegenheit werden die Adivasi jedoch nicht müde, sich der Zerstörung ihrer Welt durch die Ausbeutungslogik zu widersetzen. Allein deshalb verdienen sie unsere Unterstützung.
Von den Adivasi lernen
Trotz ihrer teilweise vormodernen Lebensweise gibt es in der Adivasi-Kultur verschiedene Elemente, die der westlichen Konsumgesellschaft gut tun würden, denn sie ist geprägt durch eine intensive Beziehung der Menschen zu der Natur und zu dem Land, das sie bewohnen. Ihre Wirtschaftsweise ist der lokalen Umwelt angepasst und darauf angelegt, die Lebensbedürfnisse zu befriedigen und gleichzeitig die natürlichen Ressourcen zu schonen. Sie kennen Kollektiveigentum, Konsensentscheide und gemeinschaftlich organisierte Arbeit.
Im Laufe der Zeit haben sie auch gelernt, sich der modernen Kampfmethoden des Rechtstaats und des zivilen Ungehorsams zu bedienen. Im indischen Bundesstaat Jharkhand beispielsweise agitiert das Bindrai Institute for Research Study and Action gegen die derzeit grossangelegten Bergbauprojekte der Region (www.birsa.in). Die der Organisation angeschlossene Waldrechts-Kampagne Jharkhand jangal bachao andolan („Bewegung zur Rettung des Waldes“ hat jüngst bedeutende Fortschritte erreicht bei der Ausweitung der Verfügungsrechte von lokalen Gemeinschaften über die umliegenden Waldressourcen.
Anfangs August befinden sich zwei VertreterInnen dieser Basisorganisation in der Schweiz zu Besuch, um über ihren Kampf und ihre Organisation zu berichten, und sich über alternative Wirtschaftsweisen auszutauschen.
Zum Zweck eines interkulturellen Austausches und der Informationsvermittlung innerhalb des obengenannten Themenrahmens sollen in der zweiten Augustwoche zwei Veranstaltungen stattfinden:
Mittwoch, 13.8, Fondlihof Dietikon, Spreitenbacherstrasse 25
Diskussionsrunde über die Kleinbauern-Wirtschaft der Adivasi und
über Commons Bewirtschaftung
Beginn: 20:00
Freitag, 15.8 19:30, Infoladen Kasama Zürich, Militärstrasse 87a,
Vortrag und Diskussion zu Landrechten und alternativen
Wirtschaftsformen
Beginn: 19:30
Weitere Informationen
2007 hat die ecuadorianische Regierung vorgeschlagen, die Erdölförderung im Yasuní Nationalpark zu unterlassen, um die einzigartige biologische Vielfalt zu erhalten und nicht kontaktierte indigene Völker zu schützen. Als Gegenleistung verlangte die Regierung von der internationalen Gemeinschaft einen solidarischen Ausgleichsbetrag, der mindestens 50% des entgangenen Umsatzes abdecken soll. 2013 verkündete Ecuadors Präsident Rafael Correa das Scheitern der Yasuní-Initiative aufgrund fehlender internationaler Unterstützung. Der Yasuní Nationalpark wurde für Ölbohrungen freigegeben. An der Podiumsdiskussion wollen wir mit engagierten Fachpersonen diskutieren, warum es zum Scheitern der Yasuní-Initiative kam und welche Verantwortung die internationale Gemeinschaft trägt. Die Podiumsdiskussion wurde durch die Arbeitsgruppe UNO organisiert.
Wo: Corner College Zürich, Kochstrasse 1, 8004 Zürich (Haltestelle Lochergut, www.corner-college.com)
Wann: 17. September 2014, 19.00 Uhr, anschliessend Apéro
Eintritt frei
Diskussionsteilnehmende:
- Dr. Armin Heitzer, Leiter Treibstoffe und Umwelt bei der Erdöl-Vereinigung Schweiz
- Christoph Hüsser, Vize-Präsident von Pro Indígena
- Christoph Wiedmer, Geschäftsleiter GfbV
Genf, 9. Juli 2014. In seiner Resolution 20/24 hat der UN-Menschenrechtsrat den EMRIP (Expert Mechanism on the Rights of Indigenous Peoples) beauftragt, eine Studie vorzubereiten zum Thema „Promotion and protection of the rights of indigenous peoples in natural disaster risk reduction, prevention and preparedness initiatives“. Die Studie untersucht den Zusammenhang zwischen Massnahmen zur Reduktion der Risiken von Naturkatastrophen und Menschenrechten, gibt einen Überblick über die internationalen gesetzlichen Rahmenbedingungen und analysiert einige der Faktoren, die indigene Völker einem besonderen Risiko für Katastrophen aussetzen. Die Studie geht der Frage nach, wie indigene Völker zur Reduktion der Risiken von Naturkatastrophen beitragen können und schlägt Wege vor, um die Teilnahme(-rechte) von indigenen Völkern in diesem Prozess zu verbessern.
Am EMRIP wurde die Studie präsentiert und verschiedene Staaten (u.a. USA, Guatemala, Mexiko und Bolivien) nahmen die Gelegenheit wahr, ihre Schritte zum Einbezug indigener Völker bei Massnahmen zur Reduktion der Risiken von Naturkatastrophen zu schildern. Die Vertreter verschiedener NGOs (vorwiegend aus Nord- und Lateinamerika sowie Asien) machten daraufhin Vorschläge zur Ergänzung der Studie. Wiederkehrende Themen waren dabei: die besondere Betroffenheit von Indigenen von der Erderwärmung; die Berücksichtigung von indigenem Wissen im Umgang mit Naturkatastrophen (Naturbeobachtungen, die auf eine Katastrophe wie einen Tsunami hinweisen; schamanisches Wissen etc.); dass Hilfe nach Katastrophen Rücksicht auf die Kulturen von Indigenen nehmen muss, damit diese nicht beeinträchtigt werden; die Beachtung von indigenen Sichtweisen und indigener Spiritualität sowie Sprache; die tiefe Verbundenheit Indigener zu ihrem Land; dass der Begriff „Naturkatastrophen“ eigentlich falsch und vieles vom Menschen verursacht sei; die Verantwortlichkeit der Verursacher; die besondere Betroffenheit von indigenen Frauen als Bewirtschafterinnen von Land sowie last but not least die Beachtung von Selbstbestimmung und Partizipation (Stichwort „free, prior and informed consent“).
Genf, 6. Juli 2014. Im Rahmen des EMRIP (Expert Mechanism on the Rights on Indigenous Peoples) in Genf wurden an der Vorbereitungssitzung verschiedene Themen von den indigenen Vertretern aufgegriffen. Insbesondere haben mehrere Indigene auf die Stärkung des bestehenden Schutzmechanismus mit diversen Massnahmen hingewiesen. Deshalb wurde vorgetragen, dass ein Redaktionskomitee gebildet werden soll, welches alle besprochenen Ideen, Meinungen und Strategien der Vorbereitungssitzung aufnimmt und klare Schlussempfehlungen an den EMRIP und UN-Menschenrechtsrats abgibt. Vorab wurde aber lange über den Inhalt und die Zusammensetzung des Redaktionskomitees debattiert. Trotz anfänglichen Schwierigkeiten wurde ein Konsensus gefunden. Man eignete sich, dass die indigen Vertreter aus einer Region einen Delegierten wählen, welcher seine Region im Redaktionskomitee repräsentieren wird. Im Verlauf dieser Woche sollen die gewählten Vertreter bekannt gegeben werden.
Der Kurs wird von der peruanischen NGO “Comisión Andina de Juristas” durchgeführt.
- Hauptthemen: Bergbau, soziale Konflikte, Umwelt-Konflikte, indigene Völker, Extraktivismus und Regierbarkeit.
- Region: Andenregion
- Beginn: 4. August 2014
- Dauer: 7 Wochen
- Kosten: 170 USD
- Info und Anmeldung: <email-pii>
- Voraussetzungen: Sehr gute Spanischkenntnisse und das Verfassen einer Schlussarbeit zum Thema.
Brooklyn Rivera gehört der indigen Gemeinschaft Miskito an. Brooklyn ist als unabhängiger Indigen nationaler Abgeordneter in Nicaragua. Er ist auch der Hauptführer der NGO YATAMA, welche in den 70er Jahren als Hauptorganisation der Indigenen aus der atlantischen Küste, gegründet wurde. Seit dieser Zeit führt Brooklyn die Kämpfe und Aktivitäten der Indigenen an. Die Struktur von YATAMA ist eng mit den Sitten, Bräuchen und Traditionen der indigen Gemeinschaften verbunden. Während dem Interview erzählte uns Brooklyn über die mangelnde Selbstregierung, Autonomie und Konsultation der indigene Völker Nicaraguas. Er schilderte uns über die Beeinträchtigung der Biodiversität, über seinen Bruch mit der sandinistischen Partei und seinen altruistischen Kampf für die Gemeinschaftsrechte der indigene Völker. Die spanische Version des Interviews finden sie hier.