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Im Jahr 1957 stellten Alick Isaacs (GB) und Jean Lindenmann (CH) fest, dass virusinfizierte Zellen ein spezifisches Zytokinin produzieren, welches andere Zellen resistent gegen diese und andere Virusinfektionen macht. Dieses Zytokinin wurde Interferon genannt und stellte die Basis für den Beginn antiviraler Immuntherapien dar (Horzinek 2004a; Bekisz 2004a).
Interferone gehören zur Klasse der Zytokine und sind potente Immunproteine mit antiviralen, immunmodulierenden und antiproliferativen Wirkungen (Hayden 2001a). Sie werden durch Leukozyten, Fibroblasten, Epithelzellen und verschiedene Immunzellen sezerniert und bestehen je nach Typ aus 143 - 174 Aminosäuren. Ihr Molekulargewicht beträgt zwischen 15 - 27 kDa.
Die Interferone werden nach dem Ort ihrer Synthese, ihrer Struktur, ihrer Grösse und der Bindung an spezifische Oberflächenrezeptoren in 2 Typen unterteilt: Typ I-Interferone, zu denen das Alpha-, Beta- und Omega-Interferon gehören, und die Typ II-Interferone mit dem bisher einzigen Vertreter Interferon-gamma(-γ) (Horzinek 2004a; Truyen 2002a).
Wie alle Zytokine interagieren Interferone mit spezifischen Oberflächenrezeptoren unterschiedlicher Zellen. Induktoren der Interferone sind Viren (Typ-I-Interferone), bestimmte Lipopolysaccharide (IFN-β), Mitogene und Antigene (Typ-II-Interferone) (Leopold-Temmler 2002a). Alle IFN erfüllen im Wesentlichen 3 Funktionen: Sie wirken antiviral, antiproliferativ, dienen als Signalüberträger bei der Interaktion von Lymphozyten und wirken als Immunmodulator. Bei den Typ I-Interferonen α, β und ω überwiegt die antivirale Wirkung, während beim IFN-γ die immunmodulierende Wirkung im Vordergrund steht. Dies erklärt sich auch aus dem Spektrum der IFN-produzierenden Zellen: Typ I-IFN werden von nahezu allen Zellen des Körpers gebildet, während IFN-γ ausschliesslich durch bestimmte Lymphozyten (T-Zellen, natürliche Killerzellen) gebildet wird (Truyen 2002a).
In der Humanmedizin nehmen Interferon-Therapien einen hohen Stellenwert ein und werden u.a. eingesetzt bei:
Versuche, humane Interferon-Präparate in der Veterinärmedizin anzuwenden, blieben ohne Erfolg. 1986 wurde erstmals felines Interferon isoliert, 1994 erfolgte in Japan die Markteinführung des ersten veterinärmedizinischen Interferons zur Therapie der Calicivirusinfektion bei Katzen. In-vitro-Studien zeigten, dass das rekombinante feline Interferon zudem antivirale Wirkungen gegenüber Rotaviren, dem FIP-Virus und dem Felinen Panleukämie Virus besitzt (Mochizuki 1994a). In Europa steht das veterinärmedizinische Interferon zur Behandlung von Virusinfektionen seit 2002 zur Verfügung (Horzinek 2004a).
Das rekombinante feline Interferon-ω (rFeIFN) ist ein aus 170 Aminosäuren bestehendes Glycoprotein. Rekombinante Proteine sind Eiweisse, die durch gentechnisch veränderte Organismen hergestellt werden. Dabei wird das Erbgut des Organismus gentechnisch so erweitert, dass es Informationen über das herzustellende Protein enthält. Dank dieser rekombinanten DNA-Technologie ist es seit 1994 möglich, felines Interferon industriell herzustellen. In einem in Japan entwickelten System wird das rFeIFN von Seidenraupen produziert, welche mit einem rekombinanten Nuclear-Polynephrosis-Virus (Baculovirus) als Vektor für das Genom des felinen IFN-ω, inokuliert sind (EMEA 2004g; Schultheiss 2004a).