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Die Bibel hinterfragte plötzlich die Politik
Die politischen Ereignisse in der Dritten Welt der 1960er-Jahre hatten für die Missionsgesellschaften eine lange Vorgeschichte. Kurz nach dem 2. Weltkrieg wurde klar, dass das ganze Konzept von Mission neu angegangen werden muss. Ich habe die 60er-Jahre in Ghana erlebt, der ersten selbstständigen Nation Afrikas. Dieser Umstand hatte für mich als Lehrer am Theologischen Seminar zur Folge, dass wir die Kirchengeschichte des Christentums völlig anders darbieten mussten, als wir dies in Europa gelernt hatten. Als Mitarbeiter einer selbstständig gewordenen Kirche in einem unabhängig gewordenen Staat war es meine Aufgabe, die von Teilen Westeuropas verurteilte Politik Kwame Nkrumas zu verstehen und zu akzeptieren.
Mit der Gründung der KEM Kooperation Evangelischer Kirchen und Missionen am 5. Dezember 1968 haben die Kantonalkirchen eingewilligt, nicht nur Geldgeber der Mission, sondern Teilhaber an der Mission zu sein. Die Missionsgesellschaften ihrerseits verzichteten auf einen Teil ihrer Macht und waren bereit, ihre strategischen Entscheide mit den Kirchen zu teilen. Das heisst, die Landeskirchen begannen, auf die Anliegen und Anforderungen der Kirchen in Übersee zu hören.
Das hatte Folgen: Die Verkündigung des Evangeliums bekam politische Akzente. Entwicklungspolitische Rückfragen an die Wirtschaft und an den Bundesrat wurden aktuell. Stellungnahmen zum Apartheidregime in Südafrika und dem Regime in Südkorea waren an der Tagesordnung.
Hanns Walter Huppenbauer, Pfr. Dr. theol., arbeitete für die KEM und war von 1965–70 in Ghana stationiert.
(aufgezeichent durch Toni Schürmann, 27.8.2018, Kirchenbote)