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Die Korrektion der Thur ist in den Ueberschwemmungsgebieten mehr oder weniger vollständig durchgeführt worden und hat überall
den Zweck, dasWasser zu konzentrieren und das Flussbett möglichst geradlinig zu machen. Dadurch will
man dem Fluss seine Stosskraft erhalten, damit er im
Stande ist, sein Geschiebe bis in den
Rhein zu transportieren. Auf der
Strecke
Wil-Bischofszell sucht man diesen Zweck durch
Traversen und Leitwerke aus Faschinenpackwerk zu erreichen.
Dazu kommt in denKantonen Thurgau
und Zürich
die Verdoppelung des Querprofils: für gewöhnliche und Mittelwasser wird das
Flussbett durch Faschinenwuhre, für Hochwasser dagegen durch weiter von der Flussaxe abstehende Dämme begrenzt. So beträgt
z. B. im Kanton Zürich:
die Breite des Mittelwasserprofils 50 m (an der
Sohle) und diejenige des Hochwasserprofils 160 m (von
Dammkrone zu Dammkrone), die
Höhe der Dammkronen über der Flusssohle etwa 5,5 m. Die Gesamtausgaben des Kantons Zürich
für die Thurkorrektion
haben sich auf Fr. 2440000 belaufen.
e)IndustrielleAusnutzung:
Die Thur vermag besonders im Oberlauf der Industrie Triebkraft zu liefern. Im Kanton St. Gallen
bestehen am Hauptfluss
und seinen Zuflüssen 237 Wasserwerke mit 2185
HP und an der
Sitter weitere 29 Wasserwerke mit 1800 HP. Im Thurgau
beuten noch 8 grössere
und mehrere kleinere Anlagen die Kraft des Flusses aus, während dieser im Kanton Zürich
kein
Rad mehr treibt. Die Thur kann eben ihres
stark wechselnden Wasserstandes wegen nur da zum Betrieb verwendet werden, wo grosses Gefälle zur Ausnutzung
kommt, vermag dagegen nicht (wie z. B.
Limmat u. a. Flüsse) den Mangel an Gefälle durch beständige grosse Wassermasse zu
ersetzen.
(Kt. St. Gallen,
Bez. Wil).
545-513 m. 3,5 km langes und 1,8 km breites Inundationsgebiet, links vom Thurlauf
auf Boden der Gemeinden
Wil und
Zuzwil gelegen. Die mit Weidengebüsch und Schilfrohr bewachsene
Ebene war einst von den zahlreichen
Armen und
Serpentinen der
Thur durchzogen. Im s. Abschnitt fliesst heute der Alp- oder
Rickenbach der
Thur parallel, während
der mittlere und nördl. Abschnitt von andern kleinen
Bächen und Altwassern durchfurcht wird.
Vergl.
den Art.
Thur.
französisch Thurgovie. Kanton der schweizerischen Eidgenossenschaft; in der offiziellen Reihenfolge der
Kantone der siebenzehnte. Eintritt in den
Bund 1803.
1. Lage;Ausdehnung; Grenzen; Grösse.
Der Thurgau
liegt in der nordöstl.
Ecke der
Schweiz, südl. von
Bodensee (mit
Untersee) und
Rhein, sowie zu beiden
Seiten der
Thur, die
ihn von O. nach W. mitten durchströmt und ihm den Namen gegeben hat. Er bildet - wenn von der im äusserten O. liegenden,
nur etwa 1,5 km2 grossen Gemeinde
Horn abgesehen wird - ein einziges zusammenhängendes Stück. Genannte Gemeinde wird
durch das st. gallische Dorf
Steinach von dem Bezirk (Arbon)
und Kanton, zu dem sie gehört, getrennt und ist 1,5 km von dessen Grenze
entfernt. Der Kanton hat die Gestalt eines Dreiecks, dessen Grundlinie vom
Rhein unterhalb Diessenhofen
im NW. bis
Arbon-Horn am
Bodensee im OSO. reicht und dessen
Spitze das
Hörnli im S. bildet. Er erstreckt sich von 8° 40' 15" bis 9° 26'
20" OL. von Greenwich oder 60 km weit in der Richtung W.-O. (die Exklave
Horn inbegriffen bis 9° 28'
30" oder 63 km weit).
Der nördlichste Punkt liegt
am Rhein gegenüber dem badischen Dorfe Büsingen unter 47° 41' 45" NBr., der südlichste am
Hörnli in 47° 22' 38", was einer Breite von 35 km entspricht. Die längste gerade Linie (Paradies-Horn) misst 66 km.
Im O. und N. wird der Thurgau
von
Arbon und
Horn bis nach
Eschenz bei
Stein auf eine Strecke von 55 km Länge vom
Boden- und
Untersee, sowie von
Stein bis unterhalb
Paradies auf eine Strecke von 16 km vom
Rhein bespült. An fremden Gebietsstücken
liegen innerhalb dieser natürlichen Kantonsgrenze die badische Stadt Konstanz am Ausfluss des
Rheins
aus dem
Obersee, das nur etwa 0,7 km2 umfassende
¶
mehr
Schaffhauser Dörflein Burg mit reform. Kirche gegenüber Stein und endlich die winzige, bloss 11-12 ha messende st. gallische
Enklave Raach im Egnach bei Hegi. Weitere Naturgrenzen besitzt der Kanton sozusagen keine. Die politischen Grenzen sind: im
N. das Grossherzogtum Baden und der Kanton Schaffhausen
(dieser nur auf zwei ganz kleinen Strecken, bei Burg und wieder
bei Dörflingen);
Das Gesamtareal des Kantons beträgt 1011,6 km2, wovon aber 155,54 km2 auf Seen mit
über 10 ha Wasserfläche entfallen (der Anteil des Thurgaus am Bodensee mit Untersee beträgt 154,78 km2). Somit verbleiben
an festem Boden 856,06 km2, wovon 9,7 km2 auf unproduktiven Boden entfallen. Der Thurgau
zählt 113221
Ew. oder 112 Ew. auf 1 km2 der Gesamtfläche (131 Ew. auf 1 km2 der festen Oberfläche). Sowohl der Fläche als der
Einwohnerzahl nach nimmt er den 12. Rang unter den Schweizerkantonen ein.
2. Orographie.
Der Thurgau
gehört ausschliesslich dem schweizerischen Mittelland an, das hier bloss im Gebiet des Hörnli Voralpencharakter
zeigt, sonst aber nicht als eigentliches Bergland bezeichnet werden kann. Die Höhenlage schwankt zwischen 400 m (Seeufer
und Unterlauf der Thur) und 1000 m (Allenwinden am Hörnli). Abgesehen vom Gebiet des Hörnli besitzt er keine eigentlichen Berge.
Niedrige und sanft geformte Hügel und Höhenzüge wechseln ab mit ebenen Flächen und lang gestreckten
Thalschaften, die wohl teilweise bis 2,5 km breit sein können, aber wenig tief eingeschnitten sind und die gleichen Namen
wie die betr. Gewässer tragen.
a) Nördl. Abschnitt. Der Bezirk Arbon ist, mit Ausnahme seines südl. Teils bei Freidorf-Roggwil, eben. Dann folgt das
von Hessenreuti bis Romanshorn ziehende liebliche Aachthal. Nördl. davon beginnt bei Dozwil-Romanshorn ein leichter, beidseitig
sanft geböschter Höhenzug, der, immer ansteigend und steiler werdend, sich dem ganzen See und Rhein entlang bis an die zürcherische
Grenze bei Stammheim hinabzieht. Es ist dies der «Seerücken», der die Seegegend vom Thurthal trennt.
Diese beiden Hügelzüge schliessen das kleine, wiesenreiche Thunbachthal ein, während am Fuss der steilen S.-Seite des Immenbergs
sich das Lauchethal hinzieht. Als wichtigste Höhen in dieser mittlern Hügelreihe des Kantons sind ferner noch zu nennen:
der Gabrisstock, der Nollen (der sog. thurgauische Rigi; 737 m) zwischen Bürglen und Wil, die Braunauerhöhe,
der Bausel zwischen Frauenfeld und Gachnang mit schöner Rundschau bei Gerlikon, dann zwischen Frauenfeld und Aadorf der Hügel
«Burg» mit ebenfalls lohnender Aussicht und endlich der ziemlich isolierte
Tuttwilerberg zwischen Wängi und Eschlikon.
c) Die dritte oder südl. Gruppe bildet das Hörnli mit seinen Ketten und Ausläufern links und rechts
des obern Murgthales. Dieser sog. Hinterthurgau bildet den gebirgigsten Abschnitt des Kantons mit einem förmlichen Gewirr
von Kämmen und Kuppen, Thälchen und Tobeln, sowie vereinzelt stehenden Stöcken. Die Gegend hat schon subalpinen Charakter
und zeigt saftig-grüne, von waldigen Höhen umschlossene Wiesengründe, über welche eine Menge von
Einzel- und Dorfsiedelungen hingestreut sind.
In hydrographischer Beziehung kommt die grösste Bedeutung dem Bodensee (Ober- und Untersee) mit dem ihm
entströmenden Rhein zu, die der Landschaft einen hohen Reiz verleihen, billige und bequeme Verkehrsstrassen bilden, der Fischerei
eine schöne Ausbeute sichern und auf das Klima als regulierende Faktoren einwirken. Der ganze Kanton gehört entweder direkt
oder durch Vermittlung der Thur zum Einzugsgebiet des Rheins. Direkte, aber nur kurze Zuflüsse des Bodensees
und Rheins aus dem Thurgau
sind: die Goldachbei Horn, die Aach oder Salmsach bei Romanshorn, der Geisslibach bei Diessenhofen und die Schwarzach
bei Paradies.