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Gabriel García Márquez schrieb von «Liebe in den Zeiten der Cholera»; uns beim Filmpodium beschäftigt Cinephilie in den Zeiten von Corona: Unter welchen Bedingungen dürfen Kinos noch Filme zeigen? Dürfen Filmschaffende zu Besuch kommen? Darf Live-Musik gespielt werden? Wie viel Aufwand soll oder darf man treiben, wenn höchstens 50 Personen anwesend sein dürfen – und auf die Gefahr hin, dass wegen eines plötzlichen Lockdown alles für die Katz war? Wenn unser Publikum einen Kaffee oder ein Glas Wein nur noch im Saal auf nummerierten Sitzplätzen mit Contact Tracing trinken darf, wie gastlich ist unser Kino dann noch? „Editorial: Deuxième Vague“ weiterlesen
English text below
Die Coens und der Film noir – das ist eine alte Liebesgeschichte, die 1984 mit Blood Simple begann, sich in Miller’s Crossing (1990), Fargo (1996) und The Big Lebowski (1998) fortsetzte und in The Man Who Wasn’t There einen lakonischen, kongenial schwarzweißen Höhepunkt erreichte. Bei den Gruppengesprächen zum Film in Cannes 2001 erwies sich die große Frances McDormand als diejenige, die die vernünftigsten Aussagen machte. Billy Bob Thornton schwebte damals auf Wolke sieben wegen seiner Frau Angelina Jolie, deren Blut er um den Hals trug, und die Coens waren für ihre Begriffe zwar gesprächig, aber wie immer mehrheitlich vage, aber unterhaltsam.
Frances McDormand, Billy Bob Thornton and Joel & Ethan Coen on The Man Who Wasn’t There
The Coens and film noir – that old love story began in 1984 with Blood Simple, continued in Miller’s Crossing (1990), Fargo (1996) and The Big Lebowski (1998) and reached a laconic, appropriately black-and-white climax in The Man Who Wasn’t There. At the round tables for the film at Cannes in 2001, the great Frances McDormand proved to be the source of the most sensible statements. Billy Bob Thornton was floating on cloud nine at the time because of his wife Angelina Jolie, whose blood he was wearing around his neck, and the Coens were talkative by their standards but as always mostly vague, albeit entertaining.
Bis zum 31. Juni 2018 gibt es im Filmpodium 13 lange und 4 kurze Filme der Cineastin Agnès Varda zu sehen, die am 30. Mai 90 Jahre alt wird. Pünktlich zur Feier ihres Geburtstags startet ihr neuester Streich, Visages Villages, am 31. Mai in den Zürcher Kinos.
Die 89-jährige Nouvelle-Vague-Legende und Regie-Ikone Agnès Varda hat sich für ihr neues Projekt Visages Villages mit dem 33-jährigen Fotografen und Street-Art-Künstler JR zusammengetan. Unterwegs mit ihrem Fotomobil entdecken die beiden Frankreich von der Provence bis zur Normandie. Und sie hinterlassen auch Spuren: Agnès Varda und JR treffen auf verschiedenste Menschen – einen Briefträger, einen Fabrikarbeiter oder die letzte Bewohnerin eines Strassenzugs im ehemaligen Bergbaugebiet –, und ihnen widmen sie ihre Kunst. Sie fangen Blicke und Gesichter auf überlebensgrossen Fotografien ein und integrieren sie auf bemerkenswerte Weise in die Umgebung. Entstanden ist ein poetischer Dokumentarfilm voller Herzlichkeit und Humor. «Visages villages» verschmilzt die Leidenschaft zweier aussergewöhnlicher Talente mit den abenteuerlichen Elementen eines Roadmovies. Er wurde 2018 für den Oscar in der Kategorie Bester Dokumentarfilm nominiert. (Filmcoopi Zürich)
Wer nach Visages Villages das Werk von Varda bei uns (wieder)entdecken möchte: Das British Film Institute hat eine kleine «Anleitung» publiziert, in welcher Reihenfolge man vorgehen soll: «Where to begin with Agnès Varda».
In unserem Mai/Juni-Programm kämpfen zwei gegensätzliche Filmschaffende um die Gunst des Publikums: Agnès Varda vs. William Friedkin. Der Kontrast könnte grösser kaum sein: In dieser Ecke die zierlich-feinsinnige Belgierin mit dem Topfhaarschnitt, die zu den Wegbereiterinnen des französischen Autorenfilms zählt; ihr gegenüber der sechs Fuss grosse, sonnenbebrillte Hollywood-Actionfilmer, der Film als kollaborative Kunstform auffasst und die Auteur-Theorie als «Bockmist» betitelt. Auf den ersten Blick also eine Paarung, die nicht nur unterschiedliche Segmente unseres Publikums anspricht, sondern geradezu unvereinbar scheint. „Editorial: La connexion française“ weiterlesen