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Jared Kushner hat in der Coronavirus-Bekämpfung eine führende Rolle übernommen. Dabei meint er, alles besser zu wissen als alle anderen.
Das ist Jared Kushner, Donald Trumps Schwiegersohn:
Seit 2009 ist er mit Ivanka Trump verheiratet. Zusammen haben sie drei Kinder. Kushners Job: Leitender Berater des Präsidenten.
Der 39-Jährige kümmert sich in der Trump-Administration um wichtige Belange wie etwa der Nahost-Politik. Neuerdings auch um die Bekämpfung des Coronavirus. Dort laufen die Dinge allerdings derart aus dem Ruder, dass die «New York Times», notabene eine der renommiertesten Zeitungen der Welt, den wohl mächtigsten Schwiegersohn der Welt komplett auseinander genommen hat. Die Autorin Michelle Goldberg bezeichnete Kushner in einem Meinungs-Stück als Soziopathen, «der uns alle umbringen wird».
Kushner, so Goldberg, sei genau drei Mal erfolgreich gewesen in seinem Leben. «Er wurde von den richtigen Eltern geboren, heiratete gut und er hat gelernt, wie er seinen Schwiegervater beeinflussen kann.» Alles andere habe er in den Sand gesetzt. Seine Immobilengeschäfte, sein Versuch im Medienbusiness Fuss zu fassen und der Friedensplan zwischen Israel und Palästina.
Kushner habe damit angegeben, 25 Bücher über Israel und Palästina gelesen zu haben, doch sein Friedensplan habe den Traum einer Zweistatenlösung quasi begraben. Ein renommierter Zentrumspolitiker aus Israel habe ihn sogar als die «Monthy-Python-Version eines palästinensisch-israelischen Friedens bezeichnet».
Kushner sei schon immer damit aufgefallen, dass er glaubte, alles besser zu können als alle anderen, schreibt Goldberg, die sich bei ihrer Argumentation auf diverse Schriftsteller und Autoren bezieht, welche die Präsidentenfamilie eng begleiten. Man könne dabei fast nicht übertreiben, in welchem Masse dieses Selbstvertrauen unverdient sei.
Nachdem er eigentlich bei allem, was er in seinem Leben gemacht habe, gescheitert sei, treffe Kushner jetzt, «in unserer Stunde des existenziellen Horrors, Entscheidungen über Leben und Tod von allen Amerikanern.»
Kushner habe sich schon früh in die Corona-Krise eingemischt. Er habe Trump gesagt, die Medien würden mit der Bedrohung übertreiben. Zudem habe er den Präsidenten von einer Website überzeugt, welche bei den Virus-Tests helfe.
Die Website gehörte unter anderem Kushners Bruder und verschwand plötzlich im Nirgendwo des Internets. Trump war offenbar ausser sich vor Wut über das Webseiten-Debakel, doch Kushner blieb dran am Coronavirus.
Mehr noch: Wie das Magazin «Politico» berichtete, habe er «die Verantwortung über die wichtigsten Herausforderungen» übernommen. Dabei habe er ein Team zusammengestellt aus früheren Zimmergenossen und McKinsey-Experten.
Ein hochrangiger Beamter bezeichnete die Gruppe als «Studentenverbindung, die aus einem UFO ausgestiegen und in die Regierung einmarschiert ist.»
Wie Goldberg unter Berufung auf einen Krisenmanager aus der Obama-Regierung weiter schreibt, wäre eine klare Kommandostruktur in der aktuellen Lage essentiell. Nun würden jedoch Donald Trump, Mike Pence und die Gruppe um Jared Kushner alle ihr eigenes Süppchen kochen.
Goldberg zitiert erneut Politico: «Die Projekte sind derart dezentralisiert, dass ein Team oftmals keine Ahnung hat, was die anderen machen – und Bericht erstatten sie alle Jared Kushner.»
Kushner soll auch entschieden haben, dass der Bundesstaat New York keine 30'000 Beatmungsgeräte brauche und überzeugte den Präsidenten davon. Diese Zahl nannte der zuständige Gouverneur Andrew Cuomo, worauf ein wüster Streit zwischen dem Weissen Haus und New York entbrannte.
Bei seinem Coronavirus-Pressekonferenz-Debut meinte Kushner am Donnerstag: «Viele Leute verlangen Produkte und Lieferungen basierend auf Prognosen, die nicht realistisch sind.»
Goldberg schreibt dazu: «Es ist schwer zu glauben, dass jemand mit so wenig Expertise so arrogant sein kann.» Kushner habe jetzt eine führende Rolle in der Bekämpfung einer epochalen Gesundheitskrise übernommen. «Das ist Dilettantismus, der auf das Level der Soziopathie gehoben wird.»
Im Bundesstaat New York sind bis Freitagmorgen 2935 Menschen an der Krankheit Covid-19 gestorben. Landesweit wurden bereits 266'000 Menschen positiv auf das Virus getestet, die Kurve zeigt weiterhin steil nach oben. Gemäss Gouverneur Andrew Cuomo, sind in New York spätestens in sechs Tagen keine Beatmungsgeräte verfügbar.