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Kultur
Buñuel: Genie des Absurden
Sieben Meisterwerke des wichtigsten und einflussreichsten Regisseurs spanischsprachiger Filme erstmals digitally remastered als DVD- und Blu-ray-Edition bei Studiocanal, die erstmals sieben seiner bedeutendsten Filme mit über acht Stunden Bonusmaterial vereint. Exklusiv in der Studiocanal Luis Buñuel 7DVD-Edition erschienen sind die drei Filme "Das Tagebuch einer Kammerzofe" (1964) "Die Milchstraße" (1969) sowie "Tristana" (1970). Auf diese wird hier eingegangen. Außerdem sind bei Studiocanal aber auch die anderen vier Filme der Studiocanal Luis Buñuel 7DVD-Edition einzeln erhältlich, die deswegen in eigenen Rezensionen zu jeweils "Belle de Jour - Schöne des Tages" (1967), "Der diskrete Charme der Bourgeoisie" (1972), "Das Gespenst der Freiheit" (1974) und "Dieses obskure Objekt der Begierde" (1977) zu recherchieren sind.
Zeitalter der Wunder
In "Die Milchstraße" (Originaltitel: La voie lactée) aus dem Jahre 1969 zeigt Buñuel, wie die beiden Clochards Jean und Pierre (deutsch: Johannes und Petrus, also zwei Apostelnamen) auf dem Jakobsweg, der auch "Milchstraße" genannt wird, nach Santiago de Compostela pilgern. Auf diesem Weg begegnen ihnen Jäger und religiöse Abweichler, die etwa über die Trinität streiten, also über die Frage, ob Vater, Sohn und der Heilige Geist eins seien, oder drei verschiedene Personen. Tatsächlich konnte man zu Zeiten der Inquisition dafür auf dem Scheiterhaufen landen. An einer Stelle des Films wird der Papst erschossen, eine ziemlich radikale Ansage, die als Traumsequenz getarnt wird. "Denn wenn man das Leben hinter sich hat, ist keine Zeit mehr, Buße zu tun." Christliche Abweichler, die man heute als Sekten bezeichnen würde, kommen auch noch mit anderen Themen zu Wort. Ein Duell mit philosophischen Zitaten fällt vergleichsweise unblutig aus. "Im Zustand der gefallenen Kreatur kann man sich niemals gegen die Gnade wehren." Der Heilige Geist sei nur ein Engel erster Wahl und der Sohn Gottes nicht Gott. Ketzerei? Mutmaßungen über die Jungfrau Maria fallen so aus: "Wie wenn ein Gedanke dem Gehirn entspringt, ohne die Gehirnschale zu zerbrechen, genauso ist sie jungfräulich geblieben." Maria hat zwar keine Sünden, aber selbst sie hatte Fehler: Maria habe am Fuße des Kreuzes geschwankt oder bei der Verkündung des Engels gezweifelt. "Die Milchstraße" ist Monty-Python-Humor, bevor es Monty Python gab. Religiöse Themen werden behandelt und deren Absurdität vor Augen geführt. "Wir dürfen uns keine Wunder mehr erwarten", heißt es da, aber genau in dem Moment erscheint die Maria. Vielleicht kommt bald wieder die Zeit, wo wir uns Wunder erwarten wollen.
Exklusiv in der Studiocanal Luis Buñuel 7DVD-Edition erschienen sind auch "Das Tagebuch einer Kammerzofe" (1964) und "Tristana" (1970). In ersterem geht es um den Weg zum Erfolg, der über Leichen führt, in letzterem um Inzest, ein Tabuthema, das von Luis Buñuel, dem spanischen Skandalregisseur, natürlich nicht ausgelassen werden konnte. Als Tristana nach ihrem Ausbruchsversuch wieder reumütig zu ihrem Vormund zurückkehrt, wittert dieser seine Chance, dass sie nun endgültig ihm gehöre. "Nur was man aus Freude oder Liebe tut, macht einen Menschen edler." Und Tristana lernt auch mit einem Bein zu gehen.