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Es war im Juli an einem verregneten Morgen früh. Ich war wie jeden Morgen in Todtmoos auf einer Morgenwanderung und der Weg führte mich zu den Todtmooser Wasserfällen. Ich wollte schon in die Schlucht absteigen, als mich Hundegebell empfing. Ich sah, wie sich dort unten, am Fuss des Wasserfalls eine Frau ankleidete. Ich schritt die hohen Stufen, den steilen Weg nach unten und überquerte die Brücke und wir begrüssten einander. Eine Frau in meinen Jahren mit einem Airedaleterriermädchen, das ich verzückt betrachtete. Terrier sind und bleiben für mich ganz besondere Hunde und ob sie vor oder nach dem Bulldog kommen, ist situativ, keinesfalls definitiv. Die Frau erzählte, dass sie in ihren Ferien jeden Morgen hierhin gekommen sei um in dem Becken am Wasserfallfuss zu baden. Mich schauderte schon der blosse Gedanke und ich lächelte nur und wir verabschiedeten uns. Es liess mich jedoch nicht los und spontan entledigte ich mich meiner Wanderkleidung und stackste zaghaft barfuss und in Unterwäsche in das eiskalte Nass, japste nach Luft, fühlte mich aber wie ein kleines Kind, quitschte vor Vergnügen und vor Kälte und trocknete mich nach ein paar Minuten im Wasser mit dem Shirt ab, schlüpfte in die Kleidung und fühlte mich wie neu geboren. Seit diesem Tag dusche ich jeden Morgen nach dem Waschen eiskalt über einige Minuten und finde das einfach wunderbar. Heute las ich folgenden Artikel:
Die Bedeutung von Kälte, Bewegung, Ernährung oder auch Fasten bei der Regulation der Stimmungslage oder der Zügelung der Stressreaktivität sind zugunsten medikamentöser oder kognitiv-verhaltenstherapeutischer Konzepte weitgehend verdrängt worden. Der Bericht des Gesundheitspsychologen Thomas Struppe besagt: wenn es ihnen durch diese Lektüre gelingen sollte, kalte Duschen oder auch regelmäßige Besuche in der Eiskammer als etwas Positives zu betrachten, auf das sie sich sogar freuen können, dann kann ich ihnen körperliche und psychische Fortschritte bei der Erlangung ihres Wohlbefindens versprechen. Unsere Vorfahren verknüpften alltäglicher Beobachtungen mit ihren diesbezüglichen Schlussfolgerungen, wobei sie mangels verfügbaren medizinischen Wissens auf ihre bloßen Erfahrungen angewiesen waren. So führte der Fakt, dass in der kalten Jahreszeit mehr Infektionenserkrankungen der Atemwege auftreten, zum Schluss, dass niedrige Temperaturen das Auftreten begünstigen würden, wovon die Ausdrücke der Erkältung oder für Kühlung noch heute künden.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts demonstrierten verschiedene Forschungsgruppen an Laboratorien das selbst kürzere Kaltwasserbäder hemmende Effekte auf das Immunsystem von Nagetieren erzeugten, was sie dann auffälliger für Infektionserkrankungen machte. Stutzig wurden die Wissenschaftler aber, als sie Menschen untersuchten, die sich freiwillig oder aus beruflichen Gründen regelmäßig extremen Temperaturen aussetzen. Forscher auf Polarexpeditionen, Winterschwimmer und so weiter. Bei diesen Versuchspersonen zeigte sich das gegenteilige Ergebnis der Tierversuche. Ihr Immunsystem war angeregt und deutlich wehrhafter als jenes der Kontrollpersonen. Die Probanden berichteten deutlich seltener über Infekte. Entsprechend zeigten sich in einer Studie der Universität Hannover auch sichtbare Effekte von Kaltwasseranwendungen bei der Vorbeugung von Erkältungskrankheiten. Bereits nach 3 Monaten verminderten sich sowohl die Häufigkeit als auch der Schweregrad der Infektionen signifikant gegenüber der Kontrollgruppe. Und was ist mit den Nagern werden sie jetzt vielleicht fragen! Auch auf diese Ergebnisse können wir uns heute einen Reim machen. Die Dämpfung des Immunsystems in diesen Tierversuchen erklärt sich nämlich durch den massiven akuten Stress, dem die Tiere ausgesetzt waren. Keine Ratte badet schließlich gern und freiwillig in einem eiskalten Testbecken. die Psychoneuroimmunologie lehrt uns, dass übermäßiger akuter und chronischer Stress wahres Gift für unsere körperliche Abwehr sind.
Neben der oben beschriebenen Stimulation der Immunabwehr sind inzwischen zahlreiche weitere positive Effekte der Kälte belegt. Sie lassen sich grob in zwei Kategorien zu ordnen. Auf der einen Seite fördert die regelmäßige kurze Kälteexposition Regenerationsprozesse und körperliche Leistungsfähigkeit, etwa im Rahmen ambitionierten sportlichen Trainings. Sie vermindert nachhaltig oxidativen Stress und begünstigt die Entstehung und Aufrechterhaltung einer gesunden antientzündlichen Darmflora.
Auf der anderen Seite lindert die Kältetherapie über diverse Pfade die Beschwerden verschiedenste Körperlicher Erkrankungen. So profitieren Patienten mit entzündlich rheumatoider Arthritis vom regelmäßigen Besuch in der Kältekammer mit signifikanten Verbesserungen ihrer Beschwerden. Diesen nebenwirkungsfreien Erfolgen bei der Schmerzlinderung werden hauptsächlich durch die Verminderung verschiedener entzündliche Botenstoffe vermittelt und lassen sich noch Monate nach der eigentlichen Kälteintervention nachweisen.
All diese Ergebnisse sind beeindruckend, doch ein solch radikaler Ansatz wie zum Beispiel die Kältekammer ist oft gar nicht nötig. Das enorme Potenzial der Kältetherapie innerhalb der Psychotherapie ist hervorzuheben und beweisen bereits mit täglichen moderat kalten Duschen signifikante Effekte bei der Verbesserung der Stimmungslage und der Verminderung von Ängsten. Das mit der Stimmungslage kann ich aus meiner Erfahrung nur bestätigen.
Der Umgang mit Kälte ist nicht für jeden gleichermassen geeignet, wie so vieles nicht, weshalb die Extreme nicht als Massstab genommen werden sollten, jedoch kann ein Wadenguss oder Wechselduschen nie schaden. Pfarrer Kneipp, den ich sehr verehre, wusste in den 1840-er Jahren bereits über die Heilkraft des kalten Wassers Bescheid. In seinem Lebenslauf heisst es: 1855: Sebastian Kneipp kommt nach Wörishofen, wo er von nun an über 40 Jahre wirken sollte. Als Beichtvater der Dominikanerinnen im Kloster sieht sich Kneipp von Beginn an in Wörishofen nicht nur als geistlicher Beistand der Schwestern. Neben der geistlichen Tätigkeit und der täglichen bäuerlichen Arbeit sieht Sebastian Kneipp einen wesentlichen Auftrag darin, Kranken zu helfen und Gesunde vor Krankheiten zu schützen. Bereits während der Studienzeit in Dillingen und München hat Kneipp viele Begegnungen mit der Heilkraft des Wassers gehabt. Als er selbst schwer an Tuberkulose erkrankt war, hatte er sich mit kalten Bädern geheilt.