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Die Lewy-Körper-Demenz
Sie kommt seltener vor, als die Alzheimer-Krankheit, wird aber ebenfalls durch Ablagerungen von Eiweisspartikeln ausgelöst: die Lewy-Körper-Demenz. Auffällig ist ihre Verwandtschaft zur Parkinson-Krankheit.
Die Alzheimer-Krankheit und die Lewy-Körper-Demenz sind nicht einfach zu unterscheiden. Bei beiden Demenzformen lagern sich winzige Eiweissteilchen im Gehirn ab, jedoch an anderen Stellen. Es ist von grossem Vorteil, wenn die Lewy-Körper-Demenz früh erkannt wird, da sie anders behandelt werden muss als die Alzheimer-Krankheit. Doch zunächst zur Frage: Woher kommt der Name Lewy-Körper-Demenz?
Flucht in die USA
Friedrich Jacob Heinrich Lewy, 1885 in Berlin geboren, arbeitete als junger Arzt mit Professor Alois Alzheimer zusammen. 1912 beschrieb er die Eiweissablagerungen im Gehirn von Demenzpatienten, die später nach ihm benannt wurden. 1933, inzwischen war er selber Professor für Innere Medizin und Neurologie, entzogen ihm die Nationalsozialisten aufgrund seiner jüdischen Herkunft die Lehrbefugnis. Er floh nach England. Weil er dort keine feste Anstellung fand, zog er weiter in die USA. Nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu seinem Tod 1950 wirkte er an der Universität von Pennsylvania.
Der Begriff "Lewy-Körper" bezieht sich auf die Eiweissteilchen, die er beschrieben hat. Man findet auch die Bezeichnungen Lewy-Körperchen-Demenz oder Lewy-Body-Demenz. Die internationale Abkürzung für Fachleute ist DLB: Dementia with Lewy-bodies.
Diagnose aufgrund der Symptome
Diese Lewy-Körper lassen sich erst nach dem Tod des Patienten im Gehirn nachweisen. Deshalb muss sich die Diagnose vor allem darauf abstützen, wie sich die Krankheit im Erleben und Verhalten des Betroffenen äussert. Technische Untersuchungen (EEG, CT, MRT) sollten durchgeführt werden, um andere Erkrankungen auszuschliessen, zum Beispiel einen Gehirntumor.
Welches sind also die Symptome, die für die Lewy-Körper-Demenz typisch sind? Zu nennen sind folgende, wobei nicht alle auftreten müssen:
- Starke Schwankungen der geistigen Leistungsfähigkeit, der Wachheit und der Aufmerksamkeit, manchmal innerhalb von Stunden.
- Wiederkehrende Halluzinationen. Die Betroffenen sehen Personen oder Dinge, oft sehr lebendig und detailliert.
- Körperliche Symptome wie bei der Parkinson-Erkrankung: Versteifung, Verlangsamung, Zittern, verringerte Mimik, flüsternde Stimme.
- Stürze, Ohnmachtsanfälle, Bewusstlosigkeit
Nebst diesen häufigen Symptomen gibt es noch weitere mögliche Anzeichen:
- Die Patienten führen im Schlaf Bewegungen aus, die sie träumen.
- Kreislaufprobleme beim sich Erheben oder beim langen Stehen.
- Urininkontinenz
- Im Vergleich zur Alzheimer-Krankheit bleiben das Gedächtnis und die Sprachfähigkeit länger erhalten.
Vorsicht mit Medikamenten
Dann gibt es noch ein charakteristisches Merkmal, das erst zum Vorschein kommt, wenn die Demenz falsch behandelt wird. Und zwar können Menschen mit Lewy-Körper-Demenz sehr empfindlich auf Neuroleptika reagieren, die gerne gegen Halluzinationen eingesetzt werden. Die Parkinson-Symptome können damit massiv verstärkt werden. Eine positive Wirkung haben oft Antidementiva, also Medikamenten, die den Verlauf der Erkrankung verzögern. Nebst der Behandlung mit Medikamenten, die möglichst früh beginnen sollte, sind nicht-medikamentöse Therapien zu empfehlen. Dazu gehören spielerisches Gedächtnistraining, wie es die Alzheimervereinigung beider Basel anbietet, körperliche Aktivität, die Verbindung von Bewegung und Musik (Jaques-Dalcroze) und Kunsttherapie.
Nähe zu Parkinson-Krankheit
Menschen mit der Lewy-Körper-Demenz zeigen oft Parkinson-Symptome, viele Menschen mit Parkinson entwickeln im fortgeschrittenen Stadium eine Demenz. Tatsächlich lagern sich die Lewy-Körper sowohl bei der Lewy-Körper-Demenz als auch bei der Parkinson-Krankheit ab, aber vorwiegend in anderen Teilen des Gehirns. Es wird zurzeit erforscht, ob es sich im Grunde um dieselbe Erkrankung handelt, die einen unterschiedlichen Verlauf haben kann.
Häufigkeit ist schwer zu beziffern
Die durchschnittliche Krankheitsdauer der noch unheilbaren Lewy-Körper-Demenz beträgt nach der Diagnose sieben bis acht Jahre. Erste Symptome zeigen sich in der Regel im siebten Lebensjahrzehnt, und Männer sind etwas häufiger betroffen. Spezielle Risikofaktoren sind nicht bekannt. Die Zahlen zur Häufigkeit der Lewy-Körper-Demenz schwanken von 10 bis 20 Prozent aller Demenzerkrankungen. Die statistische Unsicherheit liegt auch an der schwierigen Abgrenzung zur Alzheimer- und Parkinson-Krankheit. Umso wichtiger ist es, dass die Diagnose in einer Memory Clinic gestellt wird, wo spezialisierte Fachpersonen arbeiten.
Wichtige Hilfe für Angehörige
Die Art und Weise, wie sich die Lewy-Körper-Demenz äussern kann, insbesondere im Hinblick auf die Halluzinationen und die motorische Beeinträchtigung, bedeutet eine grosse Herausforderung für betreuende und pflegende Angehörige. Ihnen sei dringend geraten, sich möglichst bald Hilfe und Unterstützung zu holen, um sich nicht zu überlasten. Die vielen Möglichkeiten, die es gibt, lassen sich bei der Alzheimervereinigung beider Basel in Erfahrung bringen. Die Beratung ist kostenlos.
Wolfgang Werder, Alzheimer-Bulletin 1/2016