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Psychische Folgen der Quarantäne können abgemildert werden
Eine Forschungsgruppe um die Psychologin Samantha Brooks vom King‘s College London nahm im Schnellverfahren eine Übersicht der bestehenden Forschungsliteratur vor. Aus 3166 gefundenen Studien filterten die Forschenden die 24 relevantesten heraus und besprachen sie in einem Artikel, der im medizinischen Fachjournal The Lancet erschienen ist.
Die meisten der untersuchten Studien zeigten negative psychologische Auswirkungen der Quarantäne, darunter insbesondere posttraumatische Stresssymptome, Konfusion und Wut. Die Forschenden identifizierten sieben Stressoren, die für die Quarantäne spezifisch sind: eine lange Dauer der Quarantäne, Ansteckungsängste, Frustration und Langeweile, unzureichende Versorgung, mangelhafte Informationen sowie (nach der Quarantäne) finanzielle Verluste sowie Stigmatisierung.
Gemäss den Forschenden sind die psychologischen Auswirkungen der Quarantäne auf die Psyche weitreichend, erheblich und können auch danach bestehen bleiben. Dies bedeute allerdings nicht, dass die Quarantäne als Instrument nicht verwendet werden sollte: Die negativen psychischen Konsequenzen für die Bevölkerung könnten noch schwerer ausfallen, wenn eine ansteckende Krankheit unkontrolliert verbreitet werde.
Allerdings sei die Einschränkung der Freiheit der Menschen heikel und müsse sorgsam abgewogen werden. Wenn eine Quarantäne unerlässlich ist, sollen die Verantwortlichen sicherstellen, dass die Situation für die unter Quarantäne gestellten Menschen so erträglich wie möglich ist. Dies könne erreicht werden, indem transparent kommuniziert, sinnvolle Tätigkeiten ermöglicht und die Grundversorgung gewährleistet wird. Statt Zwang soll zudem der Appell an die Solidarität im Fokus stehen: Bei den Isolierten solle das Gefühl des Altruismus verstärkt werden, also dass sie mit ihren individuellen Entbehrungen zum Gemeinwohl beitragen.
Brooks, S., Webster, R., Smith, L., Woodland, L., Wessely, S., Greenberg, N., & Rubin, G. (2020). The psychological impact of quarantine and how to reduce it: rapid review of the evidence. The Lancet, 395. doi: 10.1016/S0140-6736(20)30460-8.