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Von legendären Bergen und «elenden Mördern»
- Dienstag, 9. Juli 2013, 10:30 Uhr
Auch bei der 100. Tour de France dürfte der Kampf um den Gesamtsieg in den Bergetappen entschieden werden. Die legendären Pässe haben seit 1910 ihren festen Platz bei der «Grande Boucle» und machen aus ihr das härteste Rennen der Welt. Ein Rückblick in unserer Serie zum Jubiläum.
«Bin gut über den Tourmalet gekommen. Stopp. Strasse in gutem Zustand. Stopp. Keine Schwierigkeiten für die Fahrer.» Mit diesen Worten in einem Telegramm an Tour-de-France-Begründer Henri Desgrange legt ein gewisser Rudolph Steines den Grundstein dafür, dass beim härtesten Radrennen der Welt die Pässe Einzug ins Programm fanden. Er hat den Auftrag erhalten, die unbefestigten Strassen des Col du Tourmalet in den Pyrenäen (2114 M.ü.M) auf deren Befahrbarkeit hin zu untersuchen.
Steines' Odysee am Tourmalet
In Wahrheit hat Steines den Tourmalet aber nicht gänzlich überquert. Nachdem sein Chauffeur aus Angst vor den Pyrenäen-Bären schon früh umgekehrt ist, irrt der Verlagsmitarbeiter orientierungslos am Pass umher, bis er erst spät nachts gefunden wird. Immerhin ist Steines zugute zu halten, dass er den Organisatoren rät, die Fahrer mögen starke Bremsen benutzen.
Fahrer überfordert
Steines «Expertise» führt dazu, dass der Tourmalet 1910 – gleichzeitig mit dem ebenfalls berüchtigten Col d'Aubisque (1709 M.ü.M) sowie drei weiteren Bergpreisen – erstmals Teil der Tour ist. Für die Fahrer sind die neuen Hindernisse aber zu viel. Der spätere Gesamtsieger Oktave Lapize (Fr), der die Passhöhe des Tourmalet als Erster erreicht, brüllt den Veranstaltern wütend zu: «Ihr elenden Mörder!»
1911: Eroberung der Alpen
Dass die Fahrer noch ohne Gangschaltung auskommen und ihre Rennvelos in den Aufstiegen oft schieben müssen, hindert die Verantwortlichen nicht daran, weitere Pässe ins Programm aufzunehmen. Bereits 1911 erobert die Tour die Alpenpässe, darunter den Col du Galibier (2645 M.ü.M), einen der höchstgelegenen Pässe in der Geschichte der Tour.
Rettung per geknoteten Fahrradschläuchen
Im Laufe der Zeit kommen weitere, heute legendäre Passübergänge wie der Mont Ventoux (1951, 1909 M.ü.M.) oder die Alpe d'Huez (1952, 1850 M.ü.M.) hinzu. Die Pässe sorgen nicht nur für Strapazen bei den Fahrern, sie bringen auch immer wieder spezielle Geschichten hervor. So stürzt Wim van Est (Ho) 1951 am Col d'Aubisque in eine Schlucht und muss von seinen Kollegen mit Hilfe von zusammen geknoteten Fahrradschläuchen geborgen werden.
Die meistüberquerten Pässe der Tour de France
|Pass||Höhe (Meter über Meer)||Überquerungen|
|Col du Tourmalet (Pyrenäen)||2115||78|
|Col d'Aubisque (Pyrenäen)||1709||70|
|Col d'Aspin (Pyrenäen)||1489||68|
|Col de Peyresourde (Pyrenäen)||1569||62|
|Col du Galibier (Alpen)||2645||54|
|Col de Portet-d'Aspet (Pyrenäen)||1069||52|
|Col des Aravis (Alpen)||1487||39|
|Col d'Allos (Alpen)||2247||33|
|Col de Vars (Alpen)||2108||33|
|Col d'Izoard (Alpen)||2360||32|
Serie zur 100. Tour de France
In einer mehrteiligen Serie blicken wir während der dreiwöchigen Rundfahrt auf die Geschichte der Tour de France zurück.