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Leipzig
[* 2] (hierzu der Stadtplan), die zweite Stadt des Königreichs Sachsen, [* 3] Hauptstadt der gleichnamigen Kreishauptmannschaft (S. 672), liegt 114 m ü. M., unter 51° 20' nördl. Br. und 12° 23' östl. L. v. Gr., an der Elster, [* 4] Pleiße und Parthe, in der großen Ebene, die sich von der Saale bis zur Mulde und zum großen Teil bis nach der Elbe erstreckt, u. ist abwechselnd von prächtigen Waldungen, deren schönsten Schmuck zahlreiche herrliche Eichen bilden, von Wiesen, Obstpflanzungen und üppigen, sorgsam gepflegten Fruchtfeldern umgeben.
Die Stadt zerfällt in die innere Stadt, die innern und äußern Vorstädte. Die Vorstädte sind mit schönen Gärten geschmückt, und ringsum liegen stattliche Dörfer, von welchen die im O. gelegenen »Grenzdörfer« Reudnitz, Neuschönefeld u. a. für das Auge [* 5] untrennbar mit der Stadt zusammengewachsen sind, während die Stadt auch nach den Vororten Konnewitz (S.), Plagwitz-Lindenau (W.), Gohlis und Eutritzsch (N.) hin ihr Weichbild fast ganz ausgefüllt hat. Die Einverleibung dieser Grenzdörfer und Vororte in die Stadtgemeinde steht nahe bevor. Die durchweg gut gebaute und seit 1770 von Promenaden (den vormaligen Festungswällen) umgebene innere Stadt wurde früher in das Peters-, Ranstädter, Grimmaische und Hallesche Viertel eingeteilt. Auch die Vorstädte nannte man mit den Namen dieser Viertel. Jetzt unterscheidet man die Vorstädte nach den Himmelsgegenden.
[Straßen, Plätze, Denkmäler.]
Die Zahl der
Straßen und
Plätze
Leipzigs beläuft sich auf etwa 250. Die
Straßen der innern Stadt sind teilweise eng und
krumm; doch werden von Jahr zu Jahr im
Interesse des
Verkehrs zeitgemäße Verbesserungen angebracht; die verkehrsreichsten
Straßen sind die Grimmaische und die Petersstraße.
In den innern und noch mehr in den äußern Vorstädten
gibt es meist regelmäßige, breite und schöne
Straßen. Unter den öffentlichen
Plätzen nimmt der
Markt, der vielhundertjährige
Zentralpunkt des
Leipziger
Handels und
Verkehrs, der Schauplatz vieler denkwürdiger Ereignisse, eine hervorragende
Stellung
ein.
In der Mitte desselben befindet sich das 1845 in Pflastersteinmosaik ausgeführte Stadtwappen. Im J. 1888 soll
der
Markt durch
Aufstellung eines großartigen, von
Siemering geschaffenen Siegesdenkmals eine herrliche Zierde erhalten.
Leipzigs
Schmuckplatz und wohl einer der größten und schönsten
Plätze
Deutschlands
[* 6] ist der von schönen öffentlichen und Privatgebäuden
eingefaßte Augustusplatz, auf dessen Südseite sich vor dem
Museum seit 1886 ein von der verstorbenen
Frau
Mende gestifteter monumentaler
Brunnen
[* 7] (nach einem
Entwurf von
Gnauth) erhebt.
Von den übrigen Plätzen verdienen Erwähnung: der Roßplatz mit dem Schlachtenpanorama, der Königsplatz mit dem Denkmal des Königs Friedrich August des Gerechten (von Öser), der Fleischerplatz, der Theaterplatz mit dem Denkmal des Homöopathen Hahnemann, der Blücherplatz, der Johannisplatz mit Schillings Reformationsdenkmal (enthüllt bei der Lutherfeier 1883), der Rabensteinplatz, Marienplatz, Schletterplatz, Floßplatz, Südplatz, Körnerplatz.
Von andern
Denkmälern seien gleich hier erwähnt: das Leibnizdenkmal auf dem Thomaskirchhof, das Denkmal des Landwirts
Albrecht
Thaer an der ersten
Bürgerschule, das Harkortdenkmal und der
Obelisk zur
Erinnerung an die
Erbauung der
Leipzig-Dresdener
Eisenbahn in der
Nähe des
Dresdener
Bahnhofs;
seitwärts davon zu den
Anlagen am
Magdeburger
Bahnhof das Denkmal des
Bürgermeisters
K. W.
Müller, dem
Leipzig seine
Promenaden verdankt;
die Marmorstatue Gellerts von Knaur und das Denkmal des Liederkomponisten K. Zöllner im Rosenthal, einem vielbesuchten, reizenden Lustwald im NW. der Stadt. An die Tage der großen Völkerschlacht erinnern das Fricciusdenkmal, nahe der Johanniskirche, an der Stelle, wo die Königsberger Landwehr unter Major Friccius in die Stadt eindrang, das am Ranstädter Steinweg 1863 zur Erinnerung an die Sprengung der Elsterbrücke errichtete Denkmal und nahe dabei vor der zweiten Bezirksschule der Denkstein für Poniatowski, der in der Elster seinen Tod fand;
endlich das sogen. Kugel-
[* 1]
^[Abb.:
Wappen
[* 8] von
Leipzig.]
¶
Maßstab [* 10] 1:20,000.
Zum Artikel »Leipzig«. ¶
forlaufend
denkmal an der Mittelstraße. Außer den durchweg schönen, rings um die innere Stadt führenden Promenaden und dem Rosenthal,
in welchem sich auch ein zoologischer Garten
[* 12] befindet, dienen der Bevölkerung
[* 13] als Erholungsplätze in der Nähe der Johannapark,
eine Stiftung des Bankiers W. Seyfferth, das Scheibenholz und Nonnenholz im W. und SW. der Stadt.
Leipzig besitzt
vier Friedhöfe. Der hinter der Johanniskirche gelegene alte Johannisfriedhof wird seit 1884 als solcher nicht mehr benutzt
und nach und nach in einen Park verwandelt. Der neue Johannisfriedhof liegt im SO. der Stadtflur, der nördliche an der
Berliner
[* 14] Straße. In der Nähe des Napoleonssteins auf Probstheidaer Flur ist neuerdings (seit 1886) ein großer
Zentralfriedhof angelegt worden.
[Kirchen.]
Die innere Stadt enthält noch viele altertümliche, mit Erkern und Ziergiebeln versehene Gebäude, während in den Vorstädten, besonders in den äußern, der moderne Baustil vorherrschend ist. Die Zahl der Kirchen ist verhältnismäßig klein, und einige Neu- und Umbauten stammen erst aus jüngster Zeit; auch zeichnet sich das Innere derselben nicht eben sehr durch hervorragende Kunstwerke aus. Die Thomaskirche, 1221 als Klosterkirche vollendet, wurde 1482 vergrößert und wird jetzt vollständig umgebaut.
Das Chor, vor dessen Hauptaltar Markgraf Diezmann ermordet wurde, enthält die Bildnisse sämtlicher Leipziger Superintendenten von 1573 bis 1883. Die Nikolaikirche, um 1170 erbaut und 1513 erneut, wurde zu Ende des 18. Jahrh. bei Gelegenheit einer Restauration vieler wichtiger Kunstdenkmäler, so der Bildnisse des Petrus Mosellanus und andrer berühmter Gelehrten, beraubt, und erst in neuester Zeit fand man die damals entfernten Gemälde von Dürer und Cranach auf dem Boden auf und versetzte sie in das Museum.
Auf dem Neukirchhof stand eine 1217 vom Markgrafen Dietrich errichtete Zwingburg, die später den Barfüßern zur Anlegung eines Klosters eingeräumt wurde. Die Kirche wurde 1494 umgebaut und 1698 restauriert, weshalb sie Neukirche hieß, bis sie 1880 nach gründlichem, durch Mothes ausgeführtem Umbau den Namen Matthäikirche erhielt (vgl. Evers, Geschichte der Matthaikirche, 1880). Die neue Peterskirche auf dem Schletterplatz, im gotischen Stil nach Plänen von Hartel und Lipsius erbaut (die alte Peterskirche befand sich bis zum Jahr 1885 an der Ecke der Petersstraße und Schillerstraße), ist zur Zeit das schönste kirchliche Bauwerk Leipzigs; ihr schlanker Turm, [* 15] der höchste in der Stadt, hat eine Höhe von 87 m. Die bisher genannten Kirchen sind Parochialkirchen.
Die Pauliner- oder Universitätskirche, um 1240 erbaut, 1545 erneuert und von Luther durch eine Predigt eingeweiht, enthält den Grabstein des in der Thomaskirche ermordeten Markgrafen Diezmann und andre bemerkenswerte Epitaphien. Im Kreuzgang findet man eine Reihe von enkaustischen Wandgemälden aus dem 13. und 14. Jahrh., die, in sieben Hauptfelder eingeteilt, als die größte aller deutschen Wandgemäldeflächen (22,5 m Länge und 4,5 m Höhe) denen von Pisa, [* 16] Verona [* 17] und Assisi an die Seite gestellt werden.
Zur Reformationszeit übertüncht, 1836 wieder entdeckt und 1869-71 mit Sorgfalt und Mühe restauriert, sind sie jetzt leider schon wieder so verblichen, daß wenig mehr davon zu sehen ist. Die Johanniskirche am Grimmaischen Steinweg, 1582 eingeweiht, enthält einige sehenswerte Gemälde; an der Ostseite befindet sich das Grabmal Gellerts. Die Kirche gehörte ursprünglich zu dem benachbarten Johannishospital, das 1278 als Hospital der Aussätzigen gegründet und zu einem Asyl für bejahrte Bürgersleute umgewandelt warb.
Dieses im Lauf der Jahrhunderte zu großem Reichtum gelangte Asyl (Johannisstift) befindet sich jetzt in einem am Johannisthal gelegenen, von Lipsius entworfenen Prachtbau (1872 vollendet). In reizender Lage, am Saum des schönen Johannaparks, erhebt sich die 1883 begonnene, 1886 vollendete Lutherkirche. Die katholische Kirche, im gotischen Stil nach Heideloffs Entwürfen 1847 errichtet, steht an der Weststraße, gegenüber der Pleißenburg. Die im maurischen Stil erbaute Synagoge in der Zentralstraße ist ein Werk Simonsohns und wurde 1855 eingeweiht. Für die reformierte Gemeinde, deren Bethaus sich zur Zeit in der Klostergasse befindet, ist der Bau einer neuen Kirche auf dem Areal des Georgenhauses projektiert. Nahe der Lutherkirche, an der Sebastian Bach- und Schreberstraße, steht seit 1885 eine kleine englisch-amerikanische Kirche.
[Profanbanten.]
Unter den Profanbauten verdient zuerst genannt zu werden das an der Ostseite des Marktes gelegene Rathaus, welches mit Benutzung der untern Mauern des alten, aus dem 13. Jahrh. stammenden Baues 1556 vom Bürgermeister Hieronymus Lotter erbaut wurde. In dem schönen, großen Sitzungssaal hängen die Bilder aller sächsischen Fürsten sowie ein äußerst kunstreich mit der Nadel gearbeitetes Werk, den Urteilsspruch Salomos darstellend, aus dem ersten Drittel des 16. Jahrh.; in der Ratsstube werden kostbare altertümliche Pokale verwahrt, darunter einer, der Luthers Eigentum war.
Hinter dem Rathaus, am Naschmarkt, steht die 1678 erbaute Alte Börse, welche vorzeiten für ein überaus kostbares Bauwerk
galt, auf der Plattform mit den Statuen des Merkur
[* 18] und Apollo, der Venus und Pallas (von Morelli) geschmückt.
Nach Erbauung der prachtvollen Neuen Börse auf dem Plauenschen Platz wurde das Gebäude für die Sitzungen des Stadtverordnetenkollegiums
hergerichtet. Am Markt steht auch das Königshaus, in welchem 1695 bis 1829 die sächsischen Herrscher bei ihrer Anwesenheit
in
Leipzig wohnten.
Hier feierte jahrelang König August der Starke seine berüchtigten Meßfeste, hier rastete 1698 Peter d. Gr., 1707 Karl XII. von Schweden, [* 19] fand 1760 das bekannte Gespräch zwischen Friedrich d. Gr. und Gellert statt und wohnte 1809 Jérôme, König von Westfalen, [* 20] sowie 1813 Napoleon. Im Erker dieses Hauses war es, wo letzterer vom König von Sachsen Abschied auf Nimmerwiedersehen nahm, und von hier aus führte man den König wenige Stunden später in die Gefangenschaft. In demselben Zimmer starb 1820 Fürst Schwarzenberg, der Sieger von und 1827 während der Huldigungsfeier die Königin von Sachsen.
Die prächtige Fassade des ältesten Kaufmannshauses Leipzigs, Barthels Hof [* 21] genannt (Ecke des Marktes und der Hainstraße), hat man nach dessen 1871 erfolgtem Abbruch, als Perle der Spätgotik, wieder auf der Hofseite des Neubaues angefügt. An der Ecke der Katharinenstraße steht die 1555 erbaute alte Ratswage. Dem Rathaus gegenüber, in der Grimmaischen Straße, befindet sich das länger als drei Jahrhunderte berühmteste Bürgerhaus der Stadt, Auerbachs Hof, welches, 1530-38 erbaut, durch die an ihm haftende Faustsage und durch Goethes Faustdichtung weltbekannt geworden ist, ehedem ein Bazar der reichsstädtischen Handelsherren und als solcher der wichtigste Meßhandelsplatz mit 100 Gewölben und vielen offenen Buden. Die in dem Weinkeller befindlichen Faustbilder stammen ¶
forlaufend
aus dem Jahr 1525 (s. Auerbach [* 23] 1). Das stattliche Fürstenhaus in derselben Straße bewohnte 1712 Peter d. Gr. auf seiner Reise nach Karlsbad; im Erdgeschoß desselben befindet sich die Niederlage der Meißener Porzellanfabrik. Das angrenzende Mauricianum erbaute die Universität 1845 auf der Stelle der Begräbnisgrüfte des eingegangenen Pauliner-Gottesackers. In der benachbarten Nikolaistraße ist das Gasthaus zum Rosenkranz, die frühere Wittenberger Herberge, in welcher Luther bei seiner Durchreise nach Worms [* 24] Quartier nahm und auch später oft herbergte.
Nahe dabei ist Quandts Hof, wo in einem noch vorhandenen Seitengebäude die Neuberin mit ihrer berühmten Truppe spielte. In dem altertümlichen Roten Kolleg in der Ritterstraße wurde Leibniz geboren, und daneben, im Hof der 1834 erbauten bisherigen Buchhändlerbörse, wohnte und starb der Dichter Gellert. An der Nordseite des Nikolaikirchhofs, neben der alten, schon 1512 vorhandenen Nikolaischule, erhebt sich der 1887 vollendete überaus stattliche Neubau des Predigerhauses zu St. Nikolai.
Die Ecke der Grimmaischen Straße und des Augustusplatzes bildet das elegante Café français, 1834 auf dem Grund eines alten Thorturms errichtet. Auf der Stelle des daran stoßenden Paulinums stand ehedem eine Zwingburg, die 1224 zerstört und durch ein Dominikanerkloster ersetzt wurde, dessen Gebäude nach seiner 1545 erfolgten Säkularisation der Universität zufielen. Im Paulinum befinden sich die Münzsammlung und die Universitätsbibliothek (vgl. unten), für welch letztere aber im ehemaligen botanischen Garten ein Neubau nach Roßbachs preisgekröntem Entwurf errichtet wird.
Der nach der Universitätsstraße gelegene Hof enthält das Konviktsgebäude und das nach dem verdienstvollen Rektor Kaspar Börner (gestorben 1547) genannte, neuerbaute Bornerianum. Von dem Mittelgebäude nur durch einen Hof getrennt ist das 1834-36 nach Schinkels Entwürfen erbaute Universitätsgebäude (Augusteum) mit den symbolisierten Fakultäten von Rietschel im Giebelfeld. Die Aula enthält Statuen sächsischer Fürsten, die Büsten Goethes und Leibniz' von Knaur, Gottfr. Hermanns und Börners von Rietschel, von letzterm auch prächtige Basreliefs, die Entwickelung der Kultur darstellend, ferner ein Denkmal, welches die Universität den im Krieg von 1870/71 gegen Frankreich gefallenen Studenten setzen ließ. Im Augusteum befindet sich auch die archäologische Sammlung. Am benachbarten Augustusplatz erhebt sich das 1864-67 erbaute Neue Theater, [* 25] zu dem Oberbaurat Langhans in Berlin [* 26] die Entwürfe lieferte (Grundrisse und Durchschnitt des Gebäudes s. Tafel »Theaterbau«). [* 27]
Die allegorischen Gruppen in den Giebelfeldern sind von Hagen, [* 28] Lürssen, Wittich und Schiele. Bemerkenswerte Gebäude in der Nähe sind das Postgebäude am Augustusplatz, das königliche Palais und die Georgenhalle, in der zur Zeit das Reichsgericht untergebracht ist, für welches jetzt ein großartiger monumentaler Bau auf dem Areal des ehemaligen botanischen Gartens, gegenüber dem Landgerichtsgebäude, errichtet wird. Dem Theater gegenüber steht das 1837 gegründete, 1858 eingeweihte und 1883-86 nach den Plänen von Licht [* 29] sehr erweiterte städtische Museum, durch Schenkungen des Kunstfreundes Heinrich Schletter wesentlich gehoben, mit Skulpturen von Thorwaldsen, Schilling, Hähnel, Rietschel u. a., Gipsabgüssen, Kartons und hervorragenden modernen Gemälden, namentlich von Calame, Delaroche, A. und O. Achenbach, Bellangé, Biard, Verboeckhoven, Lessing, Defregger, Preller, Knaus, Vautier, Sohn, Lindenschmit, einigen Bildern der ältern deutschen und niederländischen Schule sowie einer großen Kupferstichsammlung.
Das nahegelegene Fridericianum verwahrt das pharmakologische Museum und die akademische Lesehalle. Der Goldene Bär in der Universitätsstraße ist das Gründungshaus der berühmten, seit 160 Jahren bestehenden Buchdruckerei von B. Chr. Breitkopf, welche jetzt (Breitkopf u. Härtel) ihr Geschäftshaus in der Nürnberger Straße hat. In dem 1740 erbauten Gewandhaus befindet sich die Stadtbibliothek mit über 100,000 Bänden und einer reichhaltigen Manuskriptensammlung.
In dem Saal des Gewandhauses fanden 1781-1884 die weltberühmten Gewandhauskonzerte statt, für welche in den Jahren 1882-1884 nach den Plänen von Gropius und Schmieden im ehemaligen botanischen Garten ein prachtvolles neues Konzerthaus erbaut worden ist, in dessen Nähe das 1843 von Mendelssohn-Bartholdy und kunstbegeisterten Leipziger Bürgern begründete Konservatorium für Musik ebenfalls einen Neubau erhalten hat. Im Hof der dem alten Gewandhaus nahegelegenen Großen Feuerkugel wohnte Goethe als Student und vor ihm Lessing.
An der Ecke der Schillerstraße und der Petersstraße, an der Stelle, wo bis 1885 die alte Peterskirche stand, erhebt sich jetzt das prächtige Reichsbankgebäude. Gegenüber liegt die vormalige Citadelle Pleißenburg, 1213 als Zwingburg angelegt, 1547 zusammengeschossen und 1549-51 wieder aufgebaut. Hier fand 1519 die berühmte Disputation zwischen Eck und Luther statt, und starb daselbst der in der Schlacht bei Lützen [* 30] tödlich verwundete Pappenheim. Im Dreißigjährigen Krieg wiederholt belagert und eingenommen, wurde sie seit 1770 nicht mehr als Festung [* 31] betrachtet und dient jetzt als Kaserne und zu andern militärischen Zwecken.
Der Turm diente bis 1861 als Sternwarte. [* 32] Am nahen Thomaskirchhof stand ein 1213 gestiftetes Augustinerkloster, mit welchem eine gelehrte Schule, die Thomasschule, verbunden war, die sich zugleich unter der Leitung ausgezeichneter Kantoren (wie Joh. Seb. Bach, Hiller, Schicht, Weinlig, Hauptmann u. a.) durch die Pflege des Kirchengesangs einen glänzenden Namen in der Geschichte der Musik erworben hat. Seit 1877 hat die Schule ein neues stattliches Gebäude in der Westvorstadt erhalten.
Der alten Thomasschule schrägüber steht die Zentralhalle, 1850 als Vergnügungslokal errichtet; der große Saal ist geschmückt mit schönen Fresken (nach Preller). In dem Haus »zum Kaffeebaum« wurde 1694 die erste Kaffeewirtschaft in Leipzig errichtet. Das Alte Theater, unfern vom Eingang zum Rosenthal, wurde 1766 vom Kaufmann Zehmisch gegründet und 1817 vom badischen Oberbaudirektor Weinbrenner umgebaut. An der Nordseite der Promenade stehen der Thüringer, Magdeburger und Dresdener Bahnhof.
Die übrigen Bahnhöfe [* 33] liegen vereinzelt und zwar der Bayrische auf der Grenze zwischen der Süd- und Ostvorstadt, der Eilenburger im O. und der Berliner im äußersten Nordosten der Stadt. Letzterer ist neuerdings durch einen über die Geleise der Thüringer und Magdeburger Bahn führenden Viadukt zugänglicher gemacht worden. Der Zentralgüterbahnhof befindet sich bei Schönefeld. Nahe dem Dresdener Bahnhof steht das große Gebäude der Allgemeinen Deutschen Kreditanstalt. Am Ende der Wintergartenstraße sieht man den Kristallpalast, das frühere Alte Schützenhaus, Leipzigs umfangreichstes ¶