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Immer wenn ich abends dem Rhein entlang nach Hause gehe und es schon dunkel ist, werfe ich an einer bestimmten Stelle einen Blick auf die Uferböschung, um zu schauen, ob er da ist. Und er ist es in den meisten Fällen: mein Graureiher. Aber nur für Bruchteile einer Sekunde. Dann breitet er seine mächtigen Flügel aus, streckt Hals und Beine und hebt ab. Wie ein grosser Schatten gleitet er über den schwarzen Rhein, schnell unsichtbar werdend, und nach etwa fünf Sekunden krächzt er ohrenbetäubend und aus sicherer Distanz, als wolle er mir sagen: Du schon wieder! Weshalb vertreibst du mich immer? Dabei könnte er bleiben, wo er war. Ich würde ihm nichts tun. Im Gegenteil: Ich freue mich, wenn ich meinen Graureiher fast jeden Abend oder auch in der Nacht, zum Beispiel am Mittwoch, wenn ich nach dem Training um 23 Uhr noch nach Hause gehe, sehe. Vielleicht gewöhnt er sich eines Tages an mich, den Störenfried. Vielleicht werden wir ein bisschen vertraut miteinander, wenn auch nicht so, wie es Antoine de Saint-Exupéry im “Kleinen Prinzen” wunderschön schildert.
PS: Auf dem Foto sucht man den Graureiher vergeblich. Die Nacht hat ihn verschluckt. Und habe ich nicht geschrieben, er werde schnell unsichtbar?