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Der 1947 in Wimbledon in Grossbritannien geborene Informatiker und Kognitionspsychologie Geoffrey E. Hinton ist vor allem für seine Beiträge zur Theorie künstlicher neuronaler Netze bekannt geworden, die in der Entwicklung von künstlicher Intelligenz (KI) eine zentrale Rolle spielen. Bislang arbeitete Hinton bei Google, nun kehrte der Wissenschaftler, der im Dezember 76 Jahre alt wird, dem Unternehmen den Rücken. Er wolle unabhängig vor den Gefahren durch KI warnen, sagte Hinton in verschiedenen Interviews. Er sehe einen riskanten Wettstreit der IT-Riesen und fürchte vor allem Unmengen an Desinformation, so der Brite.
Gegenüber den "New York Times" (NYT) sagte Hinton, dass er sein Lebenswerk bedauere, da es schwierig sei, sich eine Zukunft vorzustellen, in der Kriminelle die KI nicht für ruchlose Zwecke nutzten. Er kritisierte auch den Wettlauf der IT-Riesen. Microsoft investierte ja Milliardenbeiträge in den Chat-GPT-Entwickler Open AI und baute die Technologie in die Suchmaschine Bing ein. Hintons bisheriger Arbeitgeber Google legte zuletzt nach und will mit der KI Bard dagegenhalten. Die Konzerne seien in einem Wettlauf, der möglicherweise nicht mehr aufzuhalten sei, so Hinton in der NYT.
Insgesamt arbeitete Hinton mehr als zehn Jahre bei Google. Im Interview sagte er hinsichtlich seiner Arbeit an künstlicher Intelligent: "Ich tröste mich mit der üblichen Ausrede: Wenn ich es nicht getan hätte, hätte es jemand anderes getan." Er war bei der Alphabet-Tochter vornehmlich im Bereich Deep Learning tätig, einem Teilbereich der KI, der es Algorithmen ermöglicht, aus Erfahrung zu lernen und sich zu verbessern.
Heute ist Hinton jedoch besorgt darüber, dass die rasante Entwicklung der KI-Technologie die Fähigkeit, sie verantwortungsvoll zu handhaben, überholt hat. Er befürchtet, dass die Verbreitung von gefälschten Bildern und Texten es unmöglich machen werde, festzustellen, was wahr und was falsch ist, was zu breit gestreuten Fehlinformationen führen könne. Und er befürchtet, dass die KI irgendwann Arbeitsplätze vernichten werde, was zu erheblichen sozialen und wirtschaftlichen Verwerfungen führen werde. Der IT-Dienstleistungsriese zum Beispiel hat gerade erst angekündigt, in manchen Verwaltungsbereichen eine Einstellungsstop zu verhängen, da viele Jobs künftig von KI-Systemen übernommen werden könnten.
"Die Vorstellung, dass dieses Zeug tatsächlich schlauer werden könnte als die Menschen – ein paar Leute haben das geglaubt", sagte Hinton in dem Interview. "Aber die meisten Leute hielten das für völlig abwegig. Ich dachte, es sei völlig abwegig. Ich dachte, das sei noch 30 bis 50 Jahre oder noch länger entfernt. Das glaube ich nicht mehr."
Der Wissenschaftler ist davon überzeugt, dass eine offene Diskussion über die mit KI verbundenen Risiken und die Entwicklung von Strategien zum effektiven Umgang mit diesen Risiken unerlässlich sei.
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