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Geschichte
Auf der Gemeindeverwaltung kann das Buch Kiesabbau in Eschenbach 1843-2015 für Fr. 40.00 bezogen werden.
Unter den Bodenschätzen des Kantons Luzern spielen zweifellos die interglacialen (zwischen-eiszeitlichen) Kiesvorkommen des jüngsten Abschnittes der Erdgeschichte die bedeutendste Rolle. Die umfangreichsten Kieslager befinden sich in der Gegend zwischen Eschenbach und Hochdorf. Diese leicht hügelige Landschaft wurde vom Reussgletscher und seinen Gletscherflüssen, vor allem von der Ur-Reuss geformt, welche einst durch das Seetal geflossen sein muss. Dies beweisen die grossen Ablagerungen von Gestein aus dem Gotthardmassiv. Die Reuss änderte ihren Lauf wohl erst, als sich zu Beginn des Alluviums die Molassenschichten gegen das heutige Reusstal hin absenkten. Als der Gletscher über die Schotterflur vorstiess, bildete er durch Ablagerung die sogenannten Drumlins. Diese langgestreckten Hügel aus Moränengeschiebe kommen für eine wirtschaftliche Kiesausbeutung dann in Frage, wenn sie eine geringe Überdeckung aufweisen, wie dies im Rüchliggebiet, westlich des Dorfes Eschenbach, zutraf. Das Kieslager wies hier eine Mächtigkeit von 40 bis 50 Meter auf und ist mit einer stark sylthaltigen Grundmoräne von unterschiedlicher Stärke von 1 bis ca. 8 Meter Dicke (gegen Westen zunehmend) überlagert.
Aus den früheren Gemeinderechnungen ersehen wir, dass die gewerbliche Ausbeutung von Kies durch die Einwohnergemeinde im Lindenbrunnen-Gebiet schon ab 1876 erfolgte. Bis 1907 wurde das Material mit einer von Hand betriebenen "Kiesröndel" aussortiert. Die gröberen Komponente fanden beim Strassenunterhalt und im Hochbau Verwendung. Der anfallende Sand wurde alljährlich versteigert. Der Erlös dieser Versteigerung erreichte jeweils den Betrag von Fr. 80.- bis Fr. 100.-. An der Gemeinderatssitzung vom 11. Juli 1907 beschloss man die Anschaffung einer "Grienrüstungsmaschine mit Steinbrecher".
Damit man sich über die finanzielle Bedeutung der gewerblichen Kiesgewinnung für die Gemeinde ein Bild machen kann, bedarf es eines Vergleiches zwischen den damaligen Steuererträgen und den Einnahmen aus Kiesverkäufen.
|Jahr||Polizeisteuerertrag||Erlös Kieswerkverkäufen|
|1896||Fr. 3'834.00||Fr. 2'875.00|
|1900||Fr. 7'725.00||Fr. 3'632.00|
|1906||Fr. 8'452.00||Fr. 4'275.00|
|1915||Fr. 16'672.00||Fr. 9'956.00|
|1925||Fr. 36'024.00||Fr. 30'487.00|
Aus dieser Aufstellung ist ersichtlich, dass der Erlös aus der Kiesgrube für die Gemeinde schon seit jeher ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor war.
Im Jahr 1915 wurde der Betrieb mit der Anschaffung einer grösseren Kiesrüstmaschine ausgebaut, für die ein Betrag von Fr. 5'000.- aufgewendet wurde. Gleichzeitig erstellte man für den Transport des Materials von der Wand zur Aufbereitungsstelle eine Geleiseanlage für Kippwagen. Durch diese Neuerungen konnte der Umsatz in den folgenden Jahren gesteigert werden. Im Jahr 1931 wurde erstmals ein Bruttoerlös von mehr als Fr. 100'000.- erzielt. In der folgenden Krisenzeit fiel der Umsatz zurück, um nach einem Tiefpunkt im Jahr 1939 wieder langsam anzusteigen. Erst im Jahr 1951 konnte die Hunderttausender-Grenze endgültig durchbrochen werden.
Zu diesem Zeitpunkt hatte die alte Anlage endgültig ausgedient und wurde durch ein modernes, den gesteigerten Anforderungen entsprechendes Kieswerk ersetzt. Die gesamte Investition belief sich auf ca. Fr. 500'000.-. Der anhaltende Konjunkturanstieg in den folgenden Jahren bedingte die Anschaffung von Abbau-, Lade- und Transportgeräten (Bagger, Pneulader, Dumper, Trax) mit einer Totalinvestition von ca. Fr. 300'000.- und brachte eine nie erwartete Umsatzsteigerung mit sich. Während im Jahr 1959 noch 36'000 m3 mit einem Gesamterlös von Fr. 330'000.- verkauft wurden, erreichte der Umsatz im Jahr 1964 einen ersten Rekord von 128'400 m3 und der Erlös den Betrag von Fr. 1'203'000.-. Als Folge der Konjunkturdämpfungsmassnahmen und der damit verbundenen verschärften Konkurrenz im Baugewerbe, fielen die Preise um ca. 20% und erst 1967 konnte, wie die nachstehende Tabelle zeigt, wieder ein rapider Anstieg von Umsatz und Erlös erzielt werden.
|Jahr||Umsatz||Erlös||Reingewinn|
|1967||110'083 m3||Fr. 968'007.00||Fr. 250'054.00|
|1968||39'322 m3||Fr. 1'050'729.00||Fr. 223'552.00|
|1969||163'114 m3||Fr. 1'172'387.00||Fr. 315'411.00|
|1970||207'100 m3||Fr. 1'615'870.00||Fr. 815'380.00|
Der Abbau des Kiesmaterials erfolgte im sogenannten Kammersprengverfahren. Auf der Grubensohle wurde ein 1.50 m hoher Hauptstollen bis zu einer Tiefe von 9 m vorgetrieben und vom Endpunkt aus zwei Seitenstollen von je 4.50 m Länge herausgearbeitet. Der an den beiden Endpunkten der Seitenstollen eingelagerte Sprengstoff (ca. 200 bis 500 kg), wurde elektrisch gezündet. Mit jeder Sprengung konnte ca. 4'000 bis 7'000 m3 Material abgelöst werden. Dieses Verfahren hatte sich damals bewährt, wurde jedoch auf Drängen der SUVA aus Sicherheitsgründen durch das Schürfverfahren ersetzt.
Durch den Einsturz der Kieswand wurden am 6. September 1900 der Vorarbeiter Josef Troxler und sein Mitarbeiter Johann Schaller verschüttet und getötet. Am 28. Oktober 1960 verstarben der Werkmeister Theo Omlin und der Kieswerkarbeiter Otto Huber bei Vorbereitungsarbeiten zum Sprengen.
Die Kiesausbeutung erfolge bis 1957 auf gemeindeeigenen Grundstücken, die in den Jahren 1876, 1898, 1909, 1913 und 1914 angekauft worden waren. Seither wird auf fremden Parzellen Kies gewonnen. Im Jahre 1957 erwarb die Gemeinde von Hans Meyer-Jenni, Oberhof, das Recht zur Kiesausbeutung. 1966 konnte mit Familie Jung, Oeggenringen, Eschenbach, ein Ausbeutevertrag für eine Teilparzelle abgeschlossen werden. Auf diesem westlich des Grubenareals gelegenen Grundstück nimmt die Mächtigkeit des Kieslagers ab.
Die Kiesgewinnung im Rüchligwald, welche ein Vorkommen von ca. 3 Millionen m3 umfasste, ist einerseits durch den Abschluss von Ausbeuteverträgen mit dem Frauenkloster und Xaver Stocker-Rebsamen und andererseits durch die regierungsrätliche Bewilligung ermöglicht worden, welche eine Anzahl Auflagen enthält, die den Interessen des Gewässerschutzes und des Naturschutzes dienen. Um das Landschaftsbild nicht dauernd zu beeinträchtigen ist die Gemeinde verpflichtet, das in Anspruch genommene Gebiet während und nach Abschluss der Kiesausbeutung nach einem genehmigten Konzept wieder aufzufüllen.
Aufgrund von Rammsondierungen und geoelektrischen Untersuchungen konnte der Verlauf des Kieslagers in der näheren und weiteren Umgebung generell abgeklärt werden. Aus den im Rüchligwald durchgeführten Kernbohrungen ging eindeutig hervor, dass das hier abgelagerte Kies von guter Qualität ist, jedoch einen Schlammanteil von 4 bis 18% aufweist, während im Strassenbau ungewaschenes Kies bis zu 3% enthalten darf. Dies bedingte die Erstellung einer Vorwaschanlage für Wandkies mit einem Kostenaufwand von Fr. 1'200'000.-.
Mit dieser Anlage konnte ab 1971 jährlich bis zu 200'000 m3 Material verarbeitet werden. Der Schlamm wurde in grossen Absetzbecken im Kieswerkareal gelagert. Eine Zeit lang wurde Schlamm sogar über eine eigene Leitung ins Moos gepumpt. Für den Transport ab Wand ist ein Pneu-Ladegerät angeschafft worden.
Ab den 70er Jahren folgte eine sprunghafte Entwicklung bei den technischen Anlagen, der Abbaumethode, den Abbaumaschinen und den Verarbeitungstechniken. Die ansteigende Baukonjunktur löste im Kieswerk entsprechend grosse Investitionen aus; Bau des Turmes mit Brecheranlagen, Förderanlagen, Kiessilos, der Kläranlage, der Schlammpressanlage und der Reifenwaschanlage. Zudem musste der Personalbestand erweitert werden, damit man der Nachfrage nach Kieskomponenten gerecht werden konnte.
Im November 2011 hatte die Bevölkerung von Eschenbach dem Kredit in der Höhe von 15.5 Millionen Franken für den Nebau einer neuen Produktionsanlage zugestimmt. Die damaligen über 40 jährigen Anlagen sollen ersetzt werden, da sie den Anforderungen der heutigen Bedürfnisse nicht mehr entsprechen. Am 6. und 7. September 2013 wurde eines der modernsten Kieswerke der Schweiz feierlich eingeweiht.
Der imposante Bau ist 60 Meter lang, 13 Meter breit und 33 Meter hoch. Nun ist die gesamte Produktionskette unter einem Dach vereint. Der alte Turm mit den Brecheranlagen wurde zurückgebaut und eine neue Kieswerkverwaltung errichtet.
Mit der neuen Produktionsanlage kann deutlich mehr Kies produziert werden. Heute werden pro Tag rund 2'000 Tonnen Material verarbeitet, dreimal soviel wie vorher. Die Kieslager werden ständig aufgefüllt, das gibt vor allem den Kunden Sicherheit. Zudem bringt sie höhere Arbeitssicherheit, geringere Lärmemissionen, sowie einen tiefen Energie- und Wasserverbrauch mit sich.
Aufgrund der Bodenbeschaffenheit aus der Eiszeit fand der Kieswerkmitarbeiter Peter Honauer am 19. August 2013 bereits zum zweiten Mal in der Kiesgrube Eschenbach einen Mammutzahn. Es handelt sich um das Mittelteil eines Stosszahnes eines grossen, männlichen Tieres. Das Alter des Zahnes wird auf 29'000 Jahre geschätzt. Drei Jahre zuvor fand er an der gleichen Stelle einen Mammutzahn mit dem geschätzten Alter von 50'000 Jahren.