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Am 4. August 2014 publizierten die europäische Sektion von Friends of the Earth, Amnesty International, Environmental Rights Action (ERA), Platform und das Centre for Environment, Human Rights and Development (CEHRD) einen erschütternden Bericht mit dem Titel «No Progress» . Dieser weist auf die skandalöse Tatsache hin, dass weder Shell noch die nigerianische Regierung Massnahmen ergriffen haben, um das Ogoni-Land zu säubern – obschon bereits vor exakt drei Jahren eine umfassende wissenschaftliche Studie der Vereinten Nationen veröffentlicht wurde, die entsprechende Empfehlungen beinhaltet.
Diese im Jahr 2011 vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) publizierte Studie über das Ogoni-Land im Niger-Delta sprach von einer grossflächigen Ölverschmutzung und erheblichen Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung. Dabei wurde erstmals nicht nur auf die in diesem Gebiet aufgetretene Trinkwasser-Verschmutzung aufmerksam gemacht, sondern auch auf die mangelnden Massnahmen, seitens der Ölfirma Shell, die ölverseuchten Gebiete zu säubern.
Godwin Ojo von Friends of the Earth Nigeria erklärt: «Drei Jahre danach begnügen sich die Regierung und Shell damit, Massnahmen zu ergreifen, die zwar wirkungsvoll aussehen, in Wirklichkeit aber nur Scheinmassnahmen sind. Angesichts der eindeutigen wissenschaftlichen Beweise ist es ein Skandal, dass keine wirkungsvollen Massnahmen ergriffen werden. Die nigerianische Regierung und Shell kommen ungeschoren davon, obwohl sie für die Umweltschäden und die Menschenrechtsverletzungen im Niger-Delta verantwortlich sind.»
Die Studie der Vereinten Nationen wurde im Auftrag der nigerianischen Regierung durchgeführt und von Shell finanziert. Sie weist auf schwere Mängel seitens der nigerianischen Regierung hin, Unternehmen wie Shell zu regulieren und zu überwachen. Zudem verweist die Studie auf das Versagen von Shell, die Ölverschmutzungen zu beseitigen, auf die bereits seit Jahren hingewiesen wird. Die Uno erklärt, dass die Experten Verschmutzungen in Gebieten festgestellt haben, die nach Angaben von Shell bereits gesäubert worden seien.
Audrey Gaughran von Amnesty International fügt hinzu: «Trotz der immer zahlreicheren Beweise, die es für die schlechten Praktiken von Shell gibt, gelingt es dem Unternehmen bis heute, sich seiner Pflicht zu entziehen, die verursachten Schäden zu beheben. Der UNEP-Bericht war eindeutig: Shell hat die Ölverschmutzungen nicht zufriedenstellend beseitigt. Die Reinigungsmassnahmen waren völlig ungenügend. Zehntausende von Menschen sind folglich langfristig der Ölverschmutzung und gesundheitlichen Risiken ausgesetzt.»
Seit der Veröffentlichung der Studie der Vereinten Nationen im Jahr 2011 verteidigt Shell seine im Bericht als wirkungslos eingestuften Massnahmen zur Reinigung der Ölverschmutzung und hält weiter an ihnen fest. Der Bericht «No Progress» weist auf die fehlenden Fortschritte hin und unterstreicht, dass Shell Informationen manipuliert, um zu verhindern, dass das Unternehmen für alte, teilweise undichte Öl-Pipelines zur Verantwortung gezogen wird. Pipelines, die schon so lange in Gebrauch sind, dass sich das Unternehmen weigert, Angaben über deren Alter und Zustand zu machen.
Paul de Clerk von Friends of the Earth Europa präzisiert: «Drei Jahre nachdem aufgedeckt wurde, dass die Aktivitäten von Shell dazu geführt haben, dass fast alle Männer, Frauen und Kinder im Ogoni-Land – und zweifelsohne auch weitere Zehntausende im ganzen Niger-Delta – einer bleibenden Umweltverschmutzung ausgesetzt sind. Trotz dieser Tatsache, kümmert sich Shell immer noch in erster Linie um das Wohl des eigenen Unternehmens. Die nigerianische Regierung sowie die Niederlande und Grossbritannien, die Sitzstaaten von Shell, müssen dafür sorgen, dass das Unternehmen die ölverseuchten Gebiete gründlich reinigt und Entschädigungen für die verursachten Schäden bezahlt.»
Ferner empfiehlt die UN-Studie unter anderem die Schaffung einer Aufsichtsbehörde (Ogoniland Environmental Restoration Authority), sowie eines Fonds für die ökologische Sanierung des Ogoni-Landes. Letzterer sollte mit einem Startkapital von einer Milliarde US-Dollar alimentiert werden. Noch bis heute existiert keiner der Beiden.
Gemäss den Herausgebern des «No Progress»-Berichts haben die nigerianische Regierung, Shell und die Regierungen von Grossbritannien und den Niederlanden, von der Ölförderung im Niger-Delta profitiert. Es liegt an ihnen, Mechanismen zu fördern, damit soziale Entschädigungen ausbezahlt und Umweltschäden beseitigt werden.