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Peter Ghyczy gehört zur Reihe der Designer, die das deutsche Design wesentlich beeinflusst haben.
Er wurde 1940 in Budapest geboren und flüchtete, nach der Niederschlagung des ungarischen Volksaufstandes, 1956 nach Bonn. Nach seinem Abitur studierte er Architektur mit Schwerpunkt Bautechnik an der Technischen Hochschule in Aachen. Er wurde Assistent des namhaften Architekten Prof. Rudolf Steinbach und arbeitete im Kunststoffinstitut der Fakultät. Mit einer Arbeit über neuartige Schularchitektur legte er sein Architekturdiplom an der RWTH Aachen ab.
1968 übernahm er als freier Mitarbeiter eine leitende Funktion bei Elastogran in Lemförde, wo er für die Entwicklung von Polyurethan-Produkten verantwortlich war. Hier entwickelte Peter Ghyczy zahlreiche innovative Entwürfe, die ihn als einen der produktivsten Designer jener Jahre ausweisen.
1970, also zu einer Zeit als Kunststoffarchitektur selbst eine Innovation war, eröffnete hier auch ein Gebäude, das vollständig aus Polyurethan bestand: das Design-Center. Designt war es vollständig nach Ghyczys Entwurf.
Das Design-Center war eines der frühen deutschen Designstudios, dessen enge Verzahnung von technischer Entwicklung und Produktgestaltung einzigartig war und das in der Kunststoffbranche eine Alleinstellung besaß. Hier wurden neben neuartigen, modularen Bauteilen, wie Notunterkünften und Fassadenelementen, vor allem Möbel verschiedenster Art gestaltet: Stühle, Schalensessel, Wohnlandschaften, Tische, Regale und plastische Türfronten für Büro und Küche. Lizenzen wurden an namhafte Firmen vergeben, u.a. an Drabert, die Vereinigten Werkstätten, Vitra (damals noch Fehlbaum GmbH) und Beylarian in den USA. Bekannt geworden ist jedoch nur ein Modell: das Gartenei von 1968, der erste aufklappbare Sessel.
1972 wurde das Design-Center geschlossen und einige Zeit darauf auch abgerissen. Die Firma wurde an BASF und die Polyurethan-Technik insgeheim auch an die DDR verkauft, die als Beigabe das Gartenei erhielt.
Die DDR ließ diesen Ghyczy-Entwurf vom VEB Synthese Werk Schwarzheide in Senftenberg produzieren. Die genaue Stückzahl ist unbekannt. Als „Senftenberger Ei“ wurde es in der Kunstszene der späten Neunziger zu einem begehrten Sammlerstück und dabei häufig fälschlicherweise als DDR-Design bezeichnet. Peter Ghyczy legte seinen Entwurf nach einiger Zeit jedoch auch selbst wieder auf.
1972 gründete Ghyczy die Firma Ghyczy + Co Design in Viersen und stellt seine erste eigene Möbelkollektion vor. Für etliche seiner Entwürfe meldete er Patente an, insbesondere für Klemmtechnik als Verbindung von Glas und Metall, auf deren Grundlage Ghyczy eine neuartige gestellfreie Tischform entwickelte, die häufig kopiert wurde und auf der er eine ganze Produktfamilie aufbaute. Schließlich entstand die Klemmkonsole R 03, ein gestellfreies Regal und anonymer Klassiker, der heute - als Plagiat - in keinem Baumarkt fehlt. Von Peter Ghyczy stammen auch zahlreiche Lampenentwürfe wie etwa die Serie MegaWatt und die Tischleuchte MW 17, ein gebogenes, ausbalanciertes Rohr und damit eine weitere gestellfreie Konstruktion - ein Prinzip, das designhistorisch an den Freischwinger erinnert. Bei zahlreichen Produkten verwendete Peter Ghyczy Gussteile aus Metall, insbesondere Aluminium- und Messingguss. Dieses Verfahren geht auf seine frühen Erfahrungen mit der Gusstechnik beim Kunststoff zurück.
1974 verlegte Peter Ghyczy den Firmensitz nach Holland, wo die Firma nun unter dem Namen Ghyczy Selection firmierte. 1985 erfolgte der Umzug nach Swalmen, wo die Firma heute noch besteht.
Internetseite von Peter Ghyczy