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22'000 IT-Stellen weniger wegen Software-Klau?8. Dezember 2005 um 17:26
Gäbe es keine unrechtmässig kopierte Software, würden angeblich bis 2009 22'000 Stellen in der Schweiz entstehen.
Gäbe es keine unrechtmässig kopierte Software, würden angeblich bis 2009 22'000 Stellen in der Schweiz entstehen.
Die Lobby-Organisation der grossen Software-Hersteller BSA wirft immer wieder mal mit Zahlen um sich. Meistens werden Studien zitiert, wonach das unrechtmässige Kopieren von Software (BSA spricht von "Softwarepiraterie") riesige Schäden verursachen würde.
Heute nun schiesst die BSA den Vogel ab: Gemäss einer Studie, die vom Marktforscher IDC durchgeführt wurde, könnte der Umsatz der Schweizer IT-Branche bis 2009 um 31 Prozent wachsen, wenn da nicht die Software-"Piraterie" wäre. Das schöne Wachstum kommt nämlich nur zustande, wenn die "Softwarepiraterie-Rate" von heute 28 % auf 18 % gesenkt wird. Bei gleich bleibender "Piraterierate", so BSA, wird die IT-Branche in der Schweiz 15'900 zusätzliche Stellen bis 2009 schaffen. Wird weniger Software kopiert, könnten bis zu 22'000 neue Stellen in der Schweizer IT-Branche entstehen, heisst es in einer BSA-Meldung von heute.
Die Argumentation der BSA ist hahnebüchen. Kopiert wird meistens Standard-Software, die man selten einsetzt oder die man einfach ausprobieren will. Es ist überhaupt nicht gesagt, dass die kopierte Software gekauft würde, falls man sie eben nicht "klauen" könnte. Ausserdem wird meistens Standard-Software, wie Office von Microsoft oder die Werkzeuge von Adobe oder Quark, "geraubt". Diese Software wird nicht in der Schweiz entwickelt, sondern importiert. Wenn Microsoft in der Schweiz mehr Boxen absetzt, heisst dies noch lange nicht, dass es auch mehr Stellen gibt - schliesslich ist es für einen Distributor relativ egal, ob er nun 1000 oder 2000 Kartonschachteln verschiebt.
Jobs entstehen hingegen bei den lokalen Software-Herstellern, wie etwa Finnova, Abacus, Sage Simultan, Ergon, BSI und wie sie alle heissen. Deren Software wird allerdings selten bis nie kopiert.
Die Software-Industrie versucht über die Lobby-Organisation BSA seit Jahren, das Kopieren von Programmen als Schwerverbrechen ("Piraterie") darzustellen und behauptet, es entstünden riesige volkswirtschaftliche Schäden, durch den Software-Raub. Wir warten auf die "Studie" der BSA zur Frage, wie gross das Schweizer Wirtschaftswachstum wäre, wenn nicht so und soviele Franken jährlich als Monopolgewinne nach Redmond abgeliefert würden. (Christoph Hugenschmidt)
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