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Es ist eine bald 100-jährige Liebesgeschichte, die niemand so schön besungen hat wie Josephine Baker selbst: «J’ai deux amours», heisst es in einem ihrer berühmtesten Songs, «mon pays et Paris».
Diese Liebe zwischen der US-amerikanischen Sängerin und Frankreich erlebt nun mit der Aufnahme von Baker ins Panthéon einen weiteren Höhepunkt.
Für den Philosophen und Essayisten Pascal Bruckner ist klar, warum Josephine Baker diese Aufnahme verdient hat: Sie habe sich für Frankreich entschieden – wie Hunderte andere Künstlerinnen und Künstler aus den USA.
Für Josephine Baker sei Frankreich das Land der Freiheit geworden, nach den Erfahrungen der Rassentrennung in den USA. Baker habe geholfen, Paris zum Zentrum für Jazz und amerikanische Kultur zu machen.
Ein Bollwerk gegen Diskriminierung
Pascal Bruckner gehört zum Komitee, das die Initiative zur Aufnahme Josephine Bakers ins Panthéon betrieben hat. Die Gruppe sammelte rund 30'000 Unterschriften, darunter viel Prominenz aus Politik und Kultur, als Vorschlag für Präsident Macron – der diese symbolischen Fragen von nationaler Bedeutung entscheidet.
Im Frühsommer lud der Präsident Vertreterinnen und Vertreter des Komitees sowie der Familie in den Elysée-Palast ein. Präsident Macron erklärte, warum er die Aufnahme von Josephine Baker ins Panthéon unterstütze: Sie sei beispielhaft in ihrem Engagement als Bürgerin für den Zusammenhalt der Gesellschaft und gegen Rassismus.
Die Begründung zeigt, welchen Akzent der Präsident mit der Aufnahme Josephine Bakers ins Pantheon setzen möchte: Gegen Tendenzen, die die Gesellschaft spalten wollen. Josephine Baker habe alle Formen von Diskriminierung bekämpft, sagt auch ihr Adoptivsohn Brian Bouillon-Baker. Antisemitismus habe sie genauso abgelehnt wie Sexismus oder Homophobie.
Rassismus hatte Josephine Baker während ihrer Jugend unter den Gesetzen der Rassentrennung im Süden der USA am eigenen Leib erfahren müssen: Zu Beginn der 1930er-Jahre war die Starsängerin in den USA auf Tournee, durfte jedoch einen für Weisse reservierten Aufzug nicht benutzen. Sie musste die Dienstbotentreppe nehmen.
Alle lieben ihre Heldin
Gegen die Aufnahme Josephine Bakers ins Panthéon gibt es in Frankreich kaum kritische Stimmen. Die ehemalige Sängerin engagierte sich im Widerstand gegen die Besetzung durch die Nationalsozialisten Deutschlands, zuerst in der Résistance und danach bei der Luftwaffe des Freien Frankreichs unter General Charles De Gaulle. Später diente sie auch in der französischen Armee.
Josephine Baker hatte die französische Staatsbürgerschaft durch Heirat erhalten. Am 30. November 1937, vor genau 84 Jahren also. Die Liebe zwischen Frankreich und Josephine Baker beruht seitdem auf Gegenseitigkeit.
Das Panthéon in Paris
Das Panthéon ist die nationale Gedenkstätte, wo das laizistische Frankreich seine Toten ehrt, die sich für Frankreich verdient gemacht haben.
Es wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts als Kirche gebaut und kurz vor der Revolution fertig gestellt.
Im Panthéon ruhen rund 80 Persönlichkeiten: zum Beispiel der Philosoph Voltaire, der Physiker Leon Foucault oder Alexandre Dumas, Frankreichs populärster Dichter. Unter ihnen nur fünf Frauen, wie beispielsweise die Physikerin Marie Curie oder die Politikerin Simone Veil.
Josephine Baker kommt als erste Frau dunkler Hautfarbe dazu. «Geschlecht und Hautfarbe seien in diesem Zusammenhang weniger wichtig», meint ihr Sohn Brian Bouillon-Baker, «es gehe um das Herz, den Geist und ihr Engagement, wofür sie ins Panthéon aufgenommen werde.»
Die Aufnahme Bakers ins Panthéon ist ein Symbol – im doppelten Sinne: Ins Panthéon überführt wird nämlich lediglich ein Sarg, gefüllt mit Erde aus vier wichtigen Stationen ihres Lebens: Erde aus St. Louis, wo Josephine geboren wurde, aus Paris, wo sie als Sängerin Triumphe feierte, vom Gelände ihres Schlosses in der Dordogne, wo sie den längsten Abschnitt ihres Lebens verbrachte und ihre Kinder grosszog – und Erde aus Monaco, wo Josephine Baker die letzten Jahre ihres Lebens verbrachte und seit 1975 ruht.