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Auffälligstes Merkmal einer Neugeborenengelbsucht ist der gelbliche Teint. Deutlich zeigt sich dies, wenn die Haut durch sanftes Drücken auf den Brustkorb gelb erscheint. Bei einem dunkelhäutigen Kind kann auf das Weiss der Augen oder das Zahnfleisch geachtet werden. Ist die Gelbsucht ausgeprägt, wird das Kind zunehmend schläfrig und träge.
Im Wochenbett sind solche Symptome für die Hebamme wichtige Anhaltspunkte für eine Gelbsucht. Ein Bluttest mittels Piekser ins Babyfüsschen, wie er im Spital standardmässig eingesetzt wird, misst den Bilirubinwert im Blut und kann einen Verdacht rasch überprüfen.
Dass ein Säugling zwischen drei und sechs Tagen nach der Geburt eine Gelbsucht, medizinisch Ikterus, entwickelt, ist nichts Aussergewöhnliches: Unter den Termingeborenen sind etwa 60 Prozent davon betroffen, unter den Frühgeborenen sogar etwa 80 Prozent. Von Neugeborenengelbsucht spricht man, wenn sich die Haut des Babys gelblich verfärbt. Physiologisch gesehen bedeutet dies, dass der Bilirubinspiegel im Blut einen bestimmten Wert erreicht hat.
Bilirubin staut sich
Der gelbbraune Gallenfarbstoff Bilirubin ist ein Abbauprodukt der roten Blutkörperchen, der normalerweise von der Leber über den Darm ausgeschieden wird. Während der Schwangerschaft kann das kindliche Bilirubin übers Mutterblut ausgeschieden werden. Nach der Geburt übernimmt die Leber des Babys diese Aufgabe. Diese ist jedoch bei vielen Neugeborenen noch nicht genug ausgereift, und so staut sich das überschüssige Bilirubin in der Leber an und lagert sich in der Haut, in den Muskeln und in den Schleimhäuten ab – dies erklärt den typisch gelblichen Teint.
Ein besonders grosses Risiko für eine schwere Neugeborenengelbsucht besteht bei einer Sichelzellanämie oder einer Blutgruppenunverträglichkeit zwischen Mutter und Kind. Weitere Risikofaktoren sind nebst Frühgeburtlichkeit etwa eine verzögerte Darmentleerung in den ersten Lebenstagen sowie Blutergüsse als Folge einer schwierigen Geburt. Auch wenn das Baby zuwenig trinkt und in den ersten Tagen viel an Gewicht verliert, ist es verstärkt gefährdet. Zudem scheint Neugeborenengelbsucht familiär gehäuft aufzutreten.
Ein erhöhter Bilirubinwert bedeutet jedoch nicht automatisch, dass das Kleine behandelt werden muss, die meisten Babys erholen sich nach einigen Tagen von selbst. «Wann die Grenze für eine Therapie erreicht ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab», sagt Thomas Berger, Chefarzt der Neonatologie im Kinderspital Luzern. Entscheidend seien beispielsweise das Alter des Kindes, seine Reife und sein Allgemeinzustand sowie der Verlauf des Bilirubinanstiegs.
Therapie mit blauem Licht
Ist eine Behandlung angezeigt, kommt der Säugling täglich für ein paar Stunden «unter die Lampe»: Dabei handelt es sich um eine Fototherapie mit blauem Licht einer bestimmten Wellenlänge, welches das Bilirubin so aufspaltet, dass es für den Körper leichter auszuscheiden ist. Dazu liegt das Baby für ein bis zwei Tage jeweils für ein paar Stunden in einem Inkubator, trägt lediglich eine Windel und zum Schutz der Augen eine Maske und wird mit blauem Licht behandelt.
Zwischendurch darf es bei der Mama sein, die je nachdem noch auf der Wöchnerinnenstation liegt oder von zu Hause aus auf Besuch kommt. In sehr schweren Fällen gibt es zudem die Möglichkeit, das Blut mittels Transfusion auszutauschen. Im Unterschied zu anderen Formen von Gelbsucht, die durch Lebererkrankungen entstehen, hinterlässt die Neugeborenengelbsucht keine gesundheitlichen Schäden. Selten, bei besonders hohen Bilirubinwerten, kann es zu Nervenschädigungen im Gehirn kommen.
Ein populärer Ratschlag lautet, das gelbsüchtige Neugeborene täglich mehrere Stunden ans Licht zu legen. «Um einer Gelbsucht beizukommen, reicht es nicht aus, nur das Gesicht zu exponieren», sagt der Kinderarzt. Er räumt jedoch ein, dass es bei einer leichten Gelbsucht durchaus hilfreich sein könne, das Neugeborene an einen hellen Ort zu legen. Um zu verhindern, dass es überhaupt zu einer erhöhten Bilirubinkonzentration kommt, ist es wichtig, dass der Säugling früh und häufig trinkt. Besonders empfehlenswert ist Stillen, selbst wenn dies die Dauer der Gelbsucht in manchen Fällen verlängert.