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Seit 1995 hat an der Corrida in Bulle bei den Männern immer ein Afrikaner gewonnen, ausser 2005 und 2006, als der Österreicher Günther Weidlinger gewann, der damalige Freund von Anita Weyermann. Am Samstag wurde die Siegerliste um einen weiteren afrikanischen Namen verlängert. Patrick Ereng setzte sich im langen Finish einer Dreiergruppe durch, die sich in der vorletzten von acht Runden aus einer Sechsergruppe gelöst hatte. Ereng ist jedoch in Bulle nicht unbekannt, denn im Vorjahr war der 26-Jährige Zweiter geworden.
Wird Abraham Nachfolger von Röthlin?
Ereng stammt aus der Region von Nairobi. Seit drei Jahren reist er regelmässig nach Europa, ist in Frankfurt stationiert und läuft jeweils auch in Belgien und der Schweiz. In den vergangenen drei Austragungen gewann er am Jungfrau-Marathon die sogenannte Jungfrau-Meile, das Kurz-Rennen am Tag vor dem grossen Lauf. In Kenia gehört er zur zweiten Klasse in der Riesenmasse an Topläufern und lief kürzlich an einem 10-km-Strassenrennen in Nairobi auf den vierten Rang, was für sich spricht.
Auf den zweiten Rang lief Tadesse Abraham. Er war im Vorjahr Dritter und hat die Corrida 2011 und 2008 gewonnen. Abraham gewann heuer den Zürich-Marathon in 2:07 Stunden und wäre damit für die EM im kommenden Jahr in Zürich qualifiziert. Das könnte Realität werden, denn der Eritreer, der fliessend Deutsch und Französisch spricht, wartet auf den Schweizer Pass, den er im April zu erhalten hofft. Damit könnte er der Nachfolger von Viktor Röthlin werden, der übrigens sein Trainer ist.
Mittelstreckler Bächtiger vor Marathonläufern
Bester Schweizer wurde auf dem achten Rang der St. Galler Mario Bächtiger, der Schweizer Meister über 1500 Meter. Er lief lange mit den Marathonläufern Adrian Lehmann und Christian Kreienbühl. «Ich wusste, dass die über die Distanz mehr Tempohärte haben würden. Das war für mich eine Herausforderung.» Doch Bächtiger liess sie in der letzten Runde stehen und wurde somit in der Post-Cup-Wertung Sieger. Adrian Lehmann wurde Neunter. Der Langenthaler ist mit 2:18 Stunden für die EM 2014 qualifiziert. Auf dem 13. Rang lief Matthias Kyburz (LC Basel) ein; er ist einer der Orientierungslauf-Weltmeister von Lausanne.
Rüfenacht 43 Sekunden vor Kempf
Wenn man Rolf Rüfenacht (TSV Düdingen) laufen sah, hätte man nicht erahnen können, dass er im Sommer eine Erkrankung des Nervensystems gehabt hatte. «Diese rief Störungen des Gleichgewichts und der Koordination hervor. Was genau diese Krankheit war, konnte man nicht feststellen.» Rüfenacht trainiert seit August wieder, und es lief ihm am Samstag in der Corrida gut. Er klassierte sich als vierter Schweizer auf dem 12. Rang: «Bis zum fünften Kilometer fühlte ich mich gut, dann wurde es hart.» Zweiter Freiburger wurde Andreas Kempf (TSV Düdingen). Der Heitenrieder lief 43 Sekunden hinter seinem Klubkollegen auf dem 18. Rang ein, und zwar in 25:12 Minuten. Im Vorjahr hatte er in 24:52 Minuten den 24. Rang erreicht, was verdeutlicht, dass das Eliteniveau heuer schwächer war.
«Die Krankheit rief Störungen des Gleichgewichts und der Koordination hervor. Was es genau war, konnte man nicht feststellen.»
Rolf Rüfenacht
Zehnter der Corrida in Bulle
Alt-Bundesrat Ogi: Walking-Slalom im Wald
E r hat sie gewiss nicht verlernt, die markigen Sprüche. «C’est la plus belle course», tönte es aus den Lautsprechern, als Alt-Bundesrat Adolf Ogi zur Menge sprach. Er war Ehrengast am Samstag an der 38. Corrida in Bulle. Und irgendwie mochte er recht haben, denn am Samstag wehte keine beissende Bise in der Greyerzer Hauptstadt, wie etwa in anderen Jahren. So fanden die Läuferinnen und Läufer und auch die Zuschauer ideale Bedingungen vor. Man erinnert sich an weit zurückliegende Bilder des allmorgendlichen Joggings des ehemaligen Bundesrates. Auf die Frage, ob er immer noch laufe, erklärte er: «Nein, ich hatte eine Rückenoperation. Deshalb walke ich jetzt fast jeden Morgen, und zwar auf dem weichen Waldboden. Und mit den Stöcken mache ich Slalom um die Bäume herum.» bi
Frauen: Die vermeintlich unbekannte Siegerin
C ynthia Kosgei? Wer ist die Kenianerin, welche die 38. Corrida von Bulle gewann? Jedenfalls konnten die Journalisten sie am Samstag nicht einstufen, obwohl sie im Schweizer Laufsport eigentlich bekannt ist: Sie hat Mitte Mai den Grand Prix von Bern gewonnen. Die Tatsache, dass eine solche Athletin schnell in Vergessenheit gerät, verdeutlicht einmal mehr, dass eine Läuferin dieser Klasse in der Masse der in der Schweiz startenden afrikanischen Cracks untergeht und namenlos bleibt. Es ist das Los solcher Läuferinnen in Europa. Schon nur ihr Sieg am Grand Prix von Bern im Mai ist Zeugnis genug für ihre Klasse. Am Samstag in Bulle verwies sie im langen Spurt Jane Muia, die Corrida-Siegerin 2009 bis 2011, auf den zweiten Rang. Letztmals hatte in Bulle im Jahr 2005 eine Nicht-Afrikanderin gewonnen, nämlich die Kanadierin Bacha Aster.
Auf dem fünften Rang klassierte sich die erste Schweizerin, Nicola Spirig (LC Zürich). Sie lief die erste Hälfte der sechs Kilometer in der Spitzengruppe mit. Spirig hatte an den Olympischen Spielen 2012 in London Triathlon-Gold in einem äusserst knappen Spurt gewonnen. Jetzt hat Spirig ihr Training auf den Marathon ausgerichtet, denn sie will im kommenden Sommer an der EM in Zürich starten.
Valérie Lehmann, einst TV Bösingen und jetzt GG Bern, lief auf dem sechsten Rang ein. Sie hielt sich tapfer in der zweiten Gruppe: «Die erste Runde war nicht so schnell. Aber dann wurde es sehr hart, denn ich wollte heute eine schnelle Zeit laufen.» Im Vorjahr hatte sie in 20:29 Minuten den 10. Rang geschafft, vorgestern war sie 33 Sekunden langsamer, aber auf dem sechsten Rang. Damit stand fest, dass auch bei den Frauen das Eliteniveau tiefer war. bi