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Zurück in Alice Springs zu sein, heisst
für uns zurück ins "normale"
Leben zu kommen, da wir hier viele organisatorische Dinge
zu erledigen haben.
Am Montagmorgen ist es erst mal wichtig einen Termin für
den 10'000 km Service des OKAs zu bekommen.
Wir werden diesen bei Don Kyatt, dem offiziellen OKA Vertreter
in Alice Springs, machen lassen. Ron Clark, der Manager und
selber Eigentümer eines OKAs, ist glücklich die
Möglichkeit zu bekommen, sich den ersten neuen OKA einmal
genauer ansehen zu können.
Er verpasste die Gelegenheit ja letztes Jahr, da für
die Auslieferung unseres Wagens nach Alice Springs der falsche
Transporter gewählt wurde und wir darum den OKA in Perth
hatten übernehmen müssen.
Nach dem Besuch beim Händler gehen wir zur Bahnstation
in Alice um uns den "Ghan" anzusehen.
1878 wurde mit dem Bau einer Eisenbahnverbindung zwischen
der Süd- und der Nordküste Australiens begonnen.
Langsam wurden die Schienen von Port Augusta nach Oodnadatta
verlegt, wo dann für die nächsten 40 Jahre erst
mal Schluss war.
Zu dieser Zeit wurde der Personen- und Lastverkehr zwischen
Oodnadatta und Alice Springs mit Hilfe von Kamelkaravanen,
welche von hart arbeitenden Afghanen geführt wurden,
abgewickelt. Als die Eisenbahn schliesslich Alice Springs
erreichte, wurde der Zug unter dem Nahmen "Ghan" bekannt.
Die Geschichte bezüglich des Namens der Eisenbahn,
ist allerdings nicht unumstritten.
Während der langen Zeit ihres Dienstes, war sie auch
als Afghan Express, Afghan Special, Royal Ghan und Flash
Ghan, bekannt.
Alle Geschichten haben aber gemeinsam, dass der Name auf
den Afghanen basiert, welche damals die Verbindung mit ihren
Kamelkaravanen aufrecht hielten.
"Herzig" sind die kleinen Verkaufsstände
der lokalen Touranbieter, welche vor dem Bahnhof aufgestellt
sind.
Da der Zug sowohl Passagiere als auch deren Fahrzeuge transportieren
kann, interessieren uns natürlich die Preise ..... aber
die bewegen sich weit ausserhalb unseres Budgets.
Wir sind über die hohen Preise erstaunt, da wir als
Schweizer an Züge gewohnt sind und den Ghan in keiner
Weise spektakulär finden.
Nichts desto trotz, freuen wir uns, den bekannten Zug einmal
aus der Nähe gesehen zu haben und fahren dann kurz vor
seiner Abfahrt zur James Orr Brücke, welche sich ein
paar Kilometer nördlich von Alice befindet.
Die lange, gerade Strecke ist schon imposant.
Der Ghan verlässt Alice Springs um 16:10 und erreicht
die Brücke um 16:35.
Wir fahren zurück auf unseren Platz auf dem "Stuart
Caravan Park" und bleiben über Nacht dort.
Wir haben uns entschlossen einmal einen anderen Campingplatz
zu testen und dieser ist am nächsten am Stadtzentrum.
Aber wir werden nicht glücklich, denn die Dusch- und
Toilettenanlagen sind pflegebedürftig (run down) und
der Strassenverkehr stört die ganze Nacht hindurch.
Gottlob ist es mit 16°C nicht all zu warm und wir können
die Fenster schliessen.
Heute Dienstag wird der OKA inspiziert und gewartet.
Neben der Achse, welche Öl verliert, findet der exzellente
Mechaniker noch einige weitere Dinge, die repariert, resp.
ersetzt werden müssen. Da es sich um Garantiearbeiten
handelt, beschliessen wir, alles zu photographieren und die
Bilder an OKA zur Beurteilung zu schicken. Sie werden entscheiden
müssen, ob das hier und sofort, oder erst später
in Perth, von ihnen selber, gemacht werden muss.
Der sonnige Nachmittag ist ideal zum einkaufen .... "Mitre
10" für allgemeines Bau- und Ersatzmaterial ... "Broken
Spoke" für Fahrradersatzteile ....
In Alice ist praktisch alles was wir brauchen erhältlich
und nur weniges werden wir erst in Perth bekommen.
Das ist gut für uns, da Alice Springs ein Ort sein wird,
wo wir öfters vorbeikommen werden um alles Notwendige
ein- und nachzukaufen bevor wir jeweils wieder in den "Busch" verreisen.
Wir geniessen den angenehmen Nachmittag mit seinen nur 29°C.
Das ist ein kleiner Unterschied zu der Hitze von gestern.
Die Temperaturen in Alice sind stark von der Windrichtung
abhängig. Vom Norden kommen heisse Winde, von Süden
kalte. Aber in keinem Fall wird es schwül, da die Feuchtigkeit
im Laufe des Tages normalerweise bei etwa 25% liegt.
Am Mittwoch wechseln wir vom "Stuart Caravan Park" zurück
auf den "MacDonnell Range Holiday Park (Big4)" wo
wir uns wohler fühlen.
Der Platz ist zwar pro Tag mindestens 3 Dollar teurer, aber
es sind es doch viele kleine Dinge die es und Wert sind.
Wir haben im Sinn über die Great Central Road nach
West Australien zurückzufahren.
Da wir teils durch Aborigini Gebiete fahren, haben wir die
entsprechenden "Permits"
zu organisieren. Die meisten der Aborigini Communities wollen
wissen, wer "ihr Land" bereist und verlangen, dass
man sie zuerst um Erlaubnis fragt. Andere Communities sind
für nicht Aboriginis sogar gänzlich gesperrt.
Theoretisch ist jeder Eingeborene berechtigt, jedermann auf
dem Gebiet anzuhalten und nach dem Permit zu fragen.
Die ganze Geschichte mit diesen Permits ist sehr umstritten,
zumindest solange man die normalen Durchgangstrassen nicht
verlässt.
Da wir damit noch nie konfrontiert wurden, sind wir etwas
gespannt, was uns wohl auf dem "
Land Council"
in Alice Springs erwartet.
Was ist, wenn ihnen unsere "Nase" nicht gefällt
und sie das Begehren ablehnen?
Wir sind dann aber überrascht von der Freundlichkeit
und Effizienz der Angestellten.
Innert ein paar Minuten haben wir die Erlaubnis für
die Durchfahrt, des auf dem Northern Territory befindlichen
Teils.
Auch wird uns erklärt, wie wir, via Internet, die Erlaubnis
für den, auf West Australischem Gebiet gelegenen Teil,
bekommen.
Auch hier ist alles erklärt, so dass sich auch erstmalige
Benutzer des Systems gut zurechtfinden können.
Einige Stunden später schon bekommen wir das E-Mail
mit der Bewilligung zugestellt.
Am Nachmittag ziehen ein paar Wolken auf und die Nachttemperatur
bleibt auf 20°C.
Am Donnerstag ist es bewölkt und währen des ganzen
Tages regnet es ab und zu.
Da die Wetterprognosen gut sind, arbeitet Ruedi an der Verankerung
des Sonnenschirms. Wind ist ein Problem für den grossen
Schirm; die unvorhersehbaren Böen (Willy Willy) sind
manchmal sehr stark.
Ebenfalls installiert er an der Vorderseite des Wagens, von
der Bullbar bis zum Camper-Aufbau, Stahlseile. Diese werden
auf schmalen Tracks, beim durchfahren von Buschland und Wäldern,
die Äste abweisen helfen.
Für den Nachmittag künden sich Fredy and Monika
an und so reservieren wir auf dem Campingplatz den Nachbarplatz
für sie.
Das ist eine unerwartete, aber willkommene Überraschung
(Sat-Phone sei Dank). Wir hatten sie das letzte Mal bei den
Butterfly Springs getroffen, als sie nordwärts unterwegs
waren .
Wie vorausgesagt, ist der Freitagmorgen sonnig und die Temperaturen
schon bald über 30°C.
Ruedi montiert den Sonnenschirm und lässt den Wind
seine Verankerung testen..
Es funktioniert. Auch die nachmittäglichen starken Böen
beeindrucken die Abspannung nicht.
Die Damen geniessen zwei Tage mit Fotos editieren, schwatzen
und entspannen ...
Es ist immer das selbe: Sobald Fredy auftaucht hat Ruedi
das Bedürfnis einige hängige, technische Probleme
anzugehen ... Ist ja auch verständlich, da Fredi schon
von Berufes wegen viel mehr Erfahrung hat und Ruedi somit
viel lernen kann (Danke Fredy).
Die alte Fettpresse wird ausgepackt und die Herren kriechen
unter den OKA um diesen "abzuschmieren".
Dann brauchen sie aber schon bald etwas mehr "Fleisch
am Knochen" und sie entscheiden sich ein Rad des OKAs
auseinander zu nehmen um ein verbogenes Ventil zu ersetzen.
Das ist eine echte Herausforderung, da der OKA zusammen geschraubte
Felgen hat, die Reifen zusätzlich mit "Bead-Locks" versehen
sind und beide Männer mit solchen Dingen keine Erfahrung
haben. Die Operation gelingt. Ein "Bead-Lock" ist
ein, in den schlauchlosen Reifen montierter, mit einem Kevlar
Mantel umschlossener Schlauch, welcher den schlauchlosen
Reifen and das Felgenbett drückt. Damit wird verhindert,
dass der Reifen, bei niedrigem Reifendruck, im Sand, von
der Felge rutscht.
Die Abende werden mit essen, trinken und noch mehr plaudern
verbracht. Wenn man sich versteht, vergeht die Zeit im Fluge!
Während dieser Tage erreicht uns auch ein Mail von
OKA mit deren Entscheidung, dass sie sich die hängigen
Problem in Perth ansehen und reparieren möchten, damit
sie besser analysieren könnten, was wirklich falsch
ist.
Damit wird in Alice lediglich der ganz normale Service durchgeführt.
Wir verabreden den Termin für nächste Woche.
Am Sonntagmorgen werden auf dem Big4 gratis Pfannkuchen
serviert - ein MUSS!
Die Dinger sind so gut, dass wir beinahe platzen.
Fredy und Monika fahren am Montag in Richtung Süden
los. Wir haben bereits den 2. Oktober und sie fliegen von
Adelaide schon bald in die Schweiz, wo sie die Wheinachtszeit
verbringen werden.
Auch wir machen uns langsam startklar, besorgen alle ausstehenden
Ersatzteile und waschen Kleider.
Das Wetter wechselt erneut und es regnet wieder, auch wenn
die Temperaturen hoch über 30°C bleiben.
Wir sind überrascht ob dem vielen Regen hier in Alice
aber die lokalen meinen nur: "Wir nehmen den Regen immer
gern, wann immer er kommt".
Wir hoffen nur, der Regen ruiniert unsere Pläne nicht, über
die Great Central Road nach West Australien zu fahren ....
Am Dienstag packen wir unsere sieben (oder sind es wohl
doch ein paar mehr ...?) Sachen zusammen und ziehen auf den "Wintersun
Caravan Park" um, da dieser am nächsten bei der
OKA Garage ist. Sollte der Service zu lange dauern, so könnten
wir dort einen Tag mit unseren PCs arbeiten.
Das ist einer der Nachteile eines Campers, da man bei längeren
Reparaturen und Servicearbeiten nicht im Wagen wohnen kann.
Aber wir können in der Garage auf den Wagen warten und
dort arbeiten.
Donnerstag der 5. Oktober ist Abfahrtstag.
Wir holen unsere Post, welche von unserem Postdienst in Queensland
(
www.passthepost.com.au
) als
"post restante" nach Alice Springs geschickt wurde,
auf der Post ab.
Dann ist es Zeit die neu generierten Daten auf unsere Web-Page
hochzuladen und Richtung Süden zum Owen Springs National
Park zu fahren.
Wir sind vor einiger Zeit schon einmal hier gewesen und haben
gemerkt, dass die, nahe dem Stuart Highway gelegenen Bushcamps
ideal sind um einige Tage dort zu stehen um auf den Lab-Tops
zu arbeiten.
Da keinerlei Dienste, wie Toiletten, Wasser, u.s.w. angeboten
werden, wird auch kein Eintritt verlangt..
Auf dem Weg nach Süden sehen wir einige Wolken herumlungern,
aus welchen Regen fällt, welcher aber nie den Boden
erreicht ....
Auch sehen wir, dass die MacDonnell Ranges irgendwie verschwommen
sind. Ist das vom regen, oder von was sonst?
Im Owen Springs Nation Park finden einen
schönen Platz an der Sonne.
Das erste was wir bemerken, ist die Unmenge von Fliegen -
so etwas haben wir bis jetzt noch nie erlebt!
Da der Camper aber rundherum mit Mückentüll versehen
ist, ist es kein wirkliches Problem und wenn man mal raus
muss, dann eben mit den Fliegennetzen über dem Kopf.
Ruedi stellt fest, dass das starke Wellblech, auf der nur
5 km langen Piste zum Camp, genügt hat, um die Spanner
der Astabstreiferseile zu lösen und ein Spanner verloren
ging.
Obwohl er ein gutes Stück zurückläuft, in
der Hoffnung das gute Stück zu finden, hat er kein Glück.
Ab sofort werden alle Schäkel und Spanner mit Draht
gesichert und der fehlende Spanner notdürftig ersetzt.
Wir lernen jeden Tag etwas dazu ....
Es bläst zeitweise ein starker Wind, was zwar gut für
die Kühlung und gegen die Fliegen ist, aber gleichzeitig
feinen Sand ins Innere der Kabine bläst.
Nun wissen wir auch, warum die Ranges vorher nicht klar zu
sehen gewesen waren. Das ist aufgewirbelter Sand von einem
Sandsturm!
Susi ist mit dem vorkochen von Esswaren beschäftigt.
Speziell das Gemüse hält bei diesen hohen Temperaturen
von nahe an die 40°C nicht lange.
Auch essen wir hauptsächlich Salat und kaltes Fleisch.
Die Fliegen drehen am Küchenfenster während des
Kochens komplett durch .....
Wir installieren uns, da wir doch einige Tage hier bleiben
werden.
Ruedi hat noch einige Dinge am OKA zu reparieren und ebenfall
wollen wir hier Bilder des OKAs schiessen welche wir auf
der
OKA-specific
web page
verwenden wollen.
Sobald diese Webseite publiziert ist, werden wir die Leute
vom Overlander 4WD Magazin, dem grössten 4WD Magazin
in Australien (
www.overlander.com.au
), informieren und mit ihnen am geplanten Artikel über
unser Gefährt arbeiten.
Das generieren der Bilder nimmt einige Tage in Anspruch,
bis wir endlich mit dem Resultat zufrieden sind.
Zwischen durch wandert Susi immer wieder durch die nähere
Umgebung und schaut sich die lokale Blumenwelt an. Es scheint
als ob die Regen der letzten Zeit zwar nicht die Flüsse
zum fliessen bringen werden, dass aber doch genug Wasser
gefallen ist, so dass die Pflanzen einen Lebenszyklus starten
können.
.... Will's desert fuchsia oder Sandhill native fuchsia
(Eremophila willsii), Broad-leaf parakeelya (Calandrinia
balonensis), Native oder wild hops auch unter dem Namen Rosy
oder Ruby dock (Rumex vesicarius) bekannt, billibutton (Calocephalus
knappii) ...
... Poached egg daisy (Myriocephalus stuartii), white paper
daisy (Helipterum floribundum), small yellow button (Helichrysum
apiculatum) und eine schwer identifizierbare daisy ...
Interessant ist es auch das erneute spriessen der Paddy
Melons (wilde, giftige Melonen) im trockenen Flussbett zu
beobachten.
Sie müssen wesentlich tiefere Wurzeln haben als das
sie umgebende Gras.
Ruedi har Erbarmen mit den durstigen Insekten und generiert,
vor allem für die Falter, eine Wasserstelle.
Bald schon haben die Bienen alles fest im Griff.
Es ist unglaublich wie viele Bienen herkommen um wahrscheinlich
Wasser für den Bienenstock zu holen. Immer wieder
muss Ruedi Wasser nachfüllen.
Am Sonntag den 8. Oktober wachen bei stark windigem Wetter
auf.
Sobald man ein Fenster oder die Türe öffnet, wird
feiner Sand in die Kabine geblasen.
Nachdem die Temperatur im Laufe des Tagesaber aber auf 32°C
ansteigt, beschliessen wir die Fenster trotzdem zu öffnen
und eben mit den rot-sandigen Oberflächen zu leben.
Mit den Fotos für unsere Web-Seite kommen wir zügig
voran.
Oft ist das Resultat frustrierend. Wegen des unglaublich
starken Sonnenlichtes ist es beinahe unmöglich die Belichtung
richtig hin zu bekommen. Der Kontrast ist für die Kamera
einfach zu gross.
Der Sturm bläst die ganze Nacht hindurch und weiter
bis am Montag.
Für uns ist es Zeit weiter zu ziehen da unsere Genehmigungen
zum durchfahren der Great Central Road langsam ablaufen.
Auf dem Rückweg zum Start Highway suchen wir einmal
mehr das verlorene Teil des Seilspanners ... wir finden es
aber nicht. Dafür finden wir einen Gabelschlüssel
und Teile eines Schäkels. Wir scheinen also nicht die
einzigen zu sein die auf diesem Streckenabschnitt wegen des
starken Wellblechs Material verlieren.
Wegen des Sturms hat es viel Sand in der Luft.
Obwohl die Sonne scheint, ist der Uluru nur schwer zu sehen.
Es scheint als ob er hinter einem Vorhang versteckt sei.
Über Nacht bleiben wir auf dem Campingplatz beim Uluru
tanken Diesel und Wasser und kaufen die letzten Esswaren.
Am Donnerstag fahren wir weiter in Richtung Grenze nach
West Australien.
Am Eingang zum Uluru National Park müssen
wir unsere Permits vorweisen und kommen dadurch theoretisch
gratis zu einem Tag im Park.
Kurz vor den Olgas verlassen wir die Teerstrasse
und biegen in die Tjukaruru (Peterman) Road Richtung Docker
River ein.
Das Wellblech ist recht stark, aber die schönen Blumen
machen das wieder wett. Der Frühling hat begonnen und
Susi ist damit beschäftigt, möglichst alle möglichen
Blumen zu erspähen ...
... aber auch sonst ist die Landschaft hübsch.
Dieses Gras finden wir höchst interessant.
Wir fahren an den Petermann Ranges vorbei.
Beim studieren der Reiseführer lesen wir von den vielen
bekannten Leuten die hier draussen Pech hatten und ihr Leben
verloren ... Lasseter's Höhle ist ein solcher Hinweis
.....
Als Harold Lasseter die Gegend zwischen der Gibson Desert
und der Blackstone Range um 1900 erforschte, behauptete er
eine 23 km lange Goldader gefunden zu haben.
Erst 1930 wurde eine Firma gegründet mit dem Ziel, unter
Lasseters Führung die Goldmine zu suchen um diese dann
auszubeuten.
Die Expedition war gut ausgerüstet, hatte ein Flugzeug,
Lastwagen und Funk. Das Flugzeug stürzte aber in der
Nähe des Uluru ab und Lasseter verliess das Team, nach
Auseinandersetzungen, alleine in Richtung Westen durch die
Petermann und die Rawlinson Ranges.
Lasseter schrieb in seinem Tagebuch, dass er die Goldmiene
am 23. Dezember gefunden und markiert habe. Auf dem Rückweg
Richtung Uluru, brannte sein Kamel mit all seinem Wasser
und Proviant durch, als er etwa 50 km östlich der heutigen
Docker River Aborigini Community war.
Er realisierte, dass er das Expeditions-Team in der Nähe
der Olgas wahrscheinlich nicht erreichen könne und harrte
einige Wochen in einer Höhle am Rande des Hull River
aus und wartete dort vergebens auf seine Rettung.
In seiner Verzweiflung unternahm er schlussendlich trotzdem
den unmöglichen Versuch die Gesellschaft selber zu erreichen.
Er wurde von einer Aborigini Familie unterstützt, brach
aber einige Tage später trotz der Hilfe zusammen und
starb beim Irving Creek.
Lasseters Körper und sein Tagebuch wurden später
gefunden und seither lebt die Legende seiner Goldmine immer
noch.
In seinem Tagebuch schrieb Lasseter, die Miene sei weniger
als 5 Tagesritte auf einem Pferd, in westlicher Richtung,
von der Höhle entfernt. Viele Geologen haben seither
erfolglos versucht die Goldader zu finden.
Als wir näher an Docker River herankommen wird das
Wellblech so stark, dass wir unseren Navigations-PC aus Sicherheitsgründen
abschalten. Wir wollen keinen Disk-Crash riskieren.
In Docker River füllen wir ein letztes
Mal vor der Great Central Road die Dieseltanks.
Die zwei vollen 110 Liter Tanks sollten bis nach Leonora
reichen.
Wir sind trotz allem etwas nervös und haben einen gehörigen
Respekt vor der langen Strecke.
Wir werden, bis wir Laverton erreichen, mindestens 3 Tage
unterwegs sein.
Wir fragen uns, ob wir für diese Strecke tatsächlich
genügend gut ausgerüstet sind. Aber mit 200 Liter
Wasser und Proviant für einige Wochen ist diese Frage
klar mit ja zu beantworten. Zudem hat es am Weg einige Road
Houses. Dazu haben wir ja für den Fall eines Defektes
entsprechende Kommunikationsmittel und die notwendigen Telefonnummern
sind auf der Karte von Hema zu finden.
Also los!!
Das erste was uns nach der Überquerung der Grenze nach
West Australien auffällt, ist dass die Strecke frisch
planiert ist.
Super!!!!
Wir passieren den Beadell Tree (ein sogenannter blazed tree),
an welchem von Len Beadell, während dem Bau des Gunbarrel
Highways in den 50-er Jahren, eine Plakette angebracht wurde.
Len Beadell ist ein Volksheld und war wahrscheinlich einer
der letzten echten Erforscher des Australischen Outback.
Er ist erst vor ein paar Jahren gestorben.
Len arbeitete beim Staat und hatte die Aufgabe, Tracks zu
erstellen, welche zur Landesvermessung, zum erstellen von
Wetterstationen und zum Aufbau des Woomera Raketentestgeländes
gebraucht wurden. Es existiert ein ganzes Netzwerk seiner
Tracks in diesem Gebiet.
Der Hauptgrund diese Tracks zu erstellen war die Atomforschung,
was später mit den Atomexplosionen endete.
Um die Atomtests "sicher" durchführen zu können,
wurden viele Wetterstationen gebraucht, um sicher zu sein,
dass der atomare Ausfall im Gebietet der Wüste stattfinden
wird.
Zuerst studierte Len die wenigen verfügbaren Karten
und definierte die Basis-Route (er versuchte immer die Tracks
so gerade wie möglich zu bauen .... was die Theorie
war, welche aber nicht immer funktionierte).
Dann führte er im Landrover, alleine, eine Erkundungsfahrt
entlang der berechneten Route durch.
Wenn er mit der endgültigen Streckenführung zufrieden
war, brachte er seine Mannschaft mit den schweren Maschinen
ins Gebiet, liess mit dem Bulldozer das Gebüsch und
die wenigen Bäume entfernen und liess dann mit dem Grader
die Strecke planieren und fertig stellen..
Auf diese Weise ermöglichte Len mit seiner Truppe den
Zugang zu etwa 2.5 Millionen Quadratkilometern Land im Bereich
von Gibson-, Great Sandy- and Great Victoria Desert, wobei
ungefähr 6'000 km an Tracks erstellt wurden.
Viele dieser Tracks tragen die Namen seiner Familienmitglieder:
Der Anne Beadell Highway trägt den Namen seiner Frau,
der Connie Sue Highway den seiner ältesten Tochter,
der Gary Highway den seines Sohns und die Jackie Junction
den Namen seiner jüngsten Tochter.
In der Nähe des Giles Creek finden
wir einen schönen Schlafplatz. Wir versuchen immer uns
etwas zu verschlaufen, so dass wir von der Strasse her nicht
Kilometer weit sichtbar sind. Das kann in den endlosen Ebenen
manchmal schwierig sein.
Nach einer weitern herrlich warmen Nacht um 16°C fahren
wir am Morgen weiter, entlang des Schwerin Mural Crescent.
Das Land sieht in der Morgensonne hübsch aus. Es scheint
ein weiterer, perfekter aber heisser Tag zu werden.
Da wir es versäumt haben, vorgängig den Lonely
Planet Reiseführer über dieses Gebiet zu lesen,
fahren wir leider an der Giles Meteorological Station, welche
von Len gebaut wurde, vorbei.
Na ja, wir werden sicher nochmals hier vorbeikommen und so
noch eine weitere Gelegenheit dazu bekommen.
Wir sehen die ersten wilden Kamele an dieser Strecke. Sie
haben dieselbe komische Verhaltensart wie auch viele andere
Tiere (z.B. Kängurus, Emus), indem sie erst neben dem
Wagen her fliehen um dann ganz am Schluss knapp vor dem Wagen
durch zu rennen.
Das macht es doch recht gefährlich, da eine Kollision
sowohl für uns, wie auch für das Kamel und dem
Wagen gesund wäre. Also reduzieren wir die Geschwindigkeit,
bis sich die Kamele entschieden haben endlich unsere Spur
zu kreuzen.
Auf der Karte sieht Susi auf einer Seitenstrasse, etwa 1.5
km vom Haupt-Track entfernt, das Kutjurntari Rockhole.
Wundershalber versuchen wir das Wasserloch zu finden. Obwohl
es sich nur etwa 500 m vom Weg entfernt befindet sehen wir
gar nichts.
Da es sich innerhalb des Warburton Aboriginal Reserve befindet
sehen wir davon ab, es zu Fuss zu suchen. Wir werden später
noch mehr Gelegenheiten haben, Wasserlöcher zu finden.
Dann trauen wir kaum noch unseren Augen ... Fahrradfahrer
inmitten der Wüste ... und das bei Tagestemperaturen
um 35°C.!
Die Fahrer des Begleitfahrzeugs, welchem wir nach kurzer
Zeit begegnen, informieren uns, dass es sich hier um die
Gunbarrel Challenge handelt und dass die Radler nur während
der etwas kühleren Morgenstunden fahren und den Rest
des Tages ruhen.
Trotzdem, das ist eine rechte Herausforderung!
Die Umgebung zwischen Warakurna und Warburton ist
sehr karg und trocken.
Der Elber Creek nahe Warburton hat zwar
immer noch Wasser, welches aber nicht mehr fliesst.
Kurz vor der Abzweigung nach Mitika stossen wir auf diese
schön bemalte Raststelle.
Nach Steptoe´s Corner wo der Heather
Highway mit der Great Central Road zusammen kommt, erreichen
wir eine Gegend, wo es offensichtlich vor kurzer Zeit geregnet
haben muss.
Die Erde ist mit Blumen übersäht.
Und da finden wir auch das ..... wir hoffen nur, dass der
Lehrling danach mit seinem "Pensions-Training" fortfahren
konnte ...
Endlos geht die Strasse weiter durch das flache, trockene
Land.
Nun, wir reisen ja schliesslich durch die Gibson Desert!
Wie manche andere Orte auch, steht hinter diesem Namen eine
tragische Geschichte.
Nachdem sich die Natur vielen vorgängigen Versuchen
widersetzte, wagte Ernest Giles 1874 ein letztes Mal das
Gebiet westlich der Peterman Ranges zu erforschen.
He war mit dem jungen Stockman (Cowboy; Drower; Viehüter)
Alf Gibson unterwegs.
Nach etwa 140 km in westlicher Richtung brach das Pferd von
Gibson zusammen. Giles gab ihm sein eigenes Pferd und sandte
ihn zurück um Hilfe zu holen, im Wissen, dass es unmöglich
sein würde weiter zu gehen.
Gibson verlor die Orientierung und starb irgendwo in der
Wüste. Giles, alleine, zu Fuss und mit nur wenig Wasser,
schaffte es als erfahrener Erforscher hingegen zurück!
Giles benannte die Wüste zur Erinnerung, nach dem Namen
seines Reisebegleiters.
Heute finden wir einen guten Übernachtungsplatz in
der Nähe der Parallel Road Nr. 2.
Am Donnerstagmorgen gibt es auf die gleiche Art weiter ......
flach, trocken, kein Ende nehmen wollend ......
Dann erreichen wir die nächste Wasserstelle, welche
anhand der Karte "nahe" an der Strasse liegt: die Muggun
Rockholes
Wir fahren so nahe darauf zu wie wir können.
Basierend auf der 1:250'000 Karte geben wir auf dem GPS einen
Wegpunkt des Wasserloches ein und hoffen, dass die errechnete
Position so genau ist, dass wir von dort aus das Wasserloch
sehen und finden können. Es sollte ungefähr 400
m vom Wagen entfernt im Busch sein.
Da es nur 400 m zu gehen sind, rüsten wir uns nicht
für eine Wanderung aus, sondern nehmen ledig das GPS,
auf dem wir zusätzlich die aktuelle Position des OKAs
festhalten, mit, sowie einen Satz Ersatzakkus für das
GPS, die Sonnenbrillen, die Hüte und die Kamera.
Wir stechen in den Busch und folgen Tierspuren, im speziellen
den Kamelspuren, da wir hoffen, dass die uns zum Wasserloch
führen.
Wie Tierspuren eben sind, folgen sie nicht der direkten Linie,
sondern gehen kreuz und quer, dem Gras und den Blumen nach.
Es ist interessant den gelaufenen Weg auf dem GPS zu verfolgen.
Er sieht eher aus wie moderne Kunst, als wie ein Track.
Als wir uns etwa 300 m vom OKA entfernt in Richtung Wasserloch
befinden, meldet das GPS nicht überraschend "Battery
low".
Kein Problem. Ruedi wechselt sie gegen die Ersatzakkus aus
..... aber die sind komplett leer! Das GPS startet nicht
mehr.
Ruedi installiert wieder die alten Batterien und hofft, dass
diese noch bis zurück zum OKA durchhalten.
Ruedi informiert Susi über den unerwarteten Wechsel
des Plans und wir kehren sofort um, dieses Mal aber auf dem
kürzesten Weg - keine Umwege, keine Fotostops.
Wir sind überrascht, dass wir den OKA, obwohl wir nur
noch 50 m davon entfernt sind, noch immer nicht sehen können.
Wir schaffen es aber zurück bevor die alten Batterien
ihren Geist aufgeben.
Die oberen Fotos sind aus 50, 45 und 40 Distanz zum OKA
aufgenommen.
Erst auf der letzten Aufnahme sind die Umrisse des grossen
Fahrzeugs durch das Dickicht der Mulgas sichtbar.
Etwas war erstaunlich: Obwohl Susi keinen Durst hatte,
änderte sich das schlagartig, als Ruedi sie, nach dem
Wechsel der Batterien über die eigentlich ungefährliche,
Situation aufklärte.
Die Situation wäre dieses Mal auch beim totalen Ausfall
des GPS nicht gefährlich geworden, weil wir einen Kompass
bei uns hatten und wussten in welche Richtung wir hätten
gehen müssen um sicher die Strasse zu erreichen. Dort
hätten wir gewusst in welche Richtung wir hätten
laufen müssen, je nach dem ob wir unsere, sehr typischen
Fahrzeugspuren gesehen hätten, oder nicht. Auch war
es genau Mittag und die Sonne stand genau im Norden, was
auch gleichzeitig die Marschrichtung gewesen wäre, da
die Strasse in süd-westlicher Richtung verläuft.
Wir sind lediglich sehr unvorsichtig gewesen und haben uns
vorgängig zuwenig Gedanken gemacht:
- Wir sind in einem Gebiet wo es niemand erwartet, von der
Hauptroute abgebogen.
- Wir haben das Fahrzeug verlassen ohne eine Notiz, wohin
wir gehen werden und wann wir gedenken zurück zu sein.
- Wir haben niemanden über unser Vorhaben informiert.
- Wir haben keinerlei Material mitgenommen. Auch auf einen
kurzen Trip muss mindestens das Satelliten-Telefon, etwas
Wasser und die Notapotheke mitgenommen werden.
Eines ist aber ganz klar: In Umgebungen wie hier, wo man
rundherum keine Orientierungspunkte hat und wo die Sichtweiten
wegen des hohen Gestrüpps unter 100 Metern liegen, verliert
man sofort die Orientierung. Da an vielen dieser Orte im
Umkreis von teils hunderten von Kilometern niemand ist, wird
die Situation sofort lebensgefährlich.
Wir haben davon gehört, dass sich Leute schon beim pinkeln
verlaufen haben - heute glauben wir das.
Als Konsequenz aus der Geschichte, werden wir uns ein zweites,
ganz einfaches GPS zulegen, auf dem ebenfalls die Position
des OKSs als Wegpunkt gespeichert wird.
Wir haben unsere Lektion gelernt ....
[2007: Wenn wir vorgängig den Reiseführer "Reise
Know-How von Otmar Lind und Andrea Niehues - Australien Outback-Handbuch" studiert
hätten, dann wären wir darin auf die exakte Position
des Wasserloches gestossen. 27°00'06'' S - 125°20'00''
E.
Nun kann uns, wenn wir das nächste Mal über die
Great Central Road fahren, nichts mehr stoppen!]
Wir sehen dieses sehr geistreiche Hinweistafel ... erstens
wirkt es als Blickfang und zweitens liegt ein rostendes Wrack
weniger am Strassenrand.
Dann finden wir die GPS Position des Terhan Rockholes in
einem Reiseführer und gehen es suchen.
Als wir in dessen Nähe kommt, weicht die Strasse aber
von derjenigen auf dem GPS, von "Tracks 4 Australia",
ab. Die Strasse muss verlegt worden sein.
Also suchen wir nach einer Möglichkeit auf die alte
Strasse zu gelangen. Wir finden auch eine, etwas rau, aber
es geht.
Einmal auf der alten Strasse ist es dann einfach die exakte
Position anzufahren und so finden wir auch das Wasserloch.
Das Wasser ist ganz grün und stinkt fürchterlich.
Auch hat der Ast welchen die Aboriginis hineingestellt hatten
nicht verhindern können, dass Tiere im Wasserloch ertrunken
sind.
Trotzdem sind wir glücklich endlich einmal ein Loch
gefunden zu haben.
Unterdessen haben wir gelernt, dass die Aboriginis, wenn
sie Wasser aus einem solchen Wasserloch brauchen, dieses
zuerst leeren, gründlich reinigen und erst das neue,
nachlaufende Wasser konsumieren.
In Mitten von nirgendwo kommen wir an einer Landepiste für
den Royal Flying Doctors Service vorbei.
Es ist erstaunlich wo überall Pisten für die RFDS
Flugzeuge, meist existieren, so dass diese Patienten aufnehmen
können.
Es beruhigt zu wissen, dass eine solche Organisation existiert.
Für Leute wie wir welche gerne die entferntesten Orte
bereisen, bedeutet es eine zusätzlich Sicherheit.
Wir kommen an einem leeren Dam vorbei und wundern uns was
das blaue Rohr an dessen Rand soll.
Ruedi meint, es sei eine Grundwasserbohrung aber wir sind
uns nicht sicher, wie das Wasser aus der Tiefe in den Damm
kommt.
Anhand der Blumen muss der Damm noch vor kurzem Wasser gesehen
haben.
Also schauen wir uns den nächsten Dam, welcher zurzeit
gerade gebraucht wird näher an.
Das Wasser in den Bohrungen in dieser Gegend steht unter
Druck. Es wird also einfach der Deckel des Rohres entfernt,
ein Schlauch am inneren, kleineren Rohr angehängt und
das Ventil geöffnet. Damit fliesst das Wasser dann aus
eigener Kraft in den Damm.
Um dann Wasser aus dem Damm zu entnehmen werden Benzin betriebene
Pumpen verwendet.
Dann versuchen wir das nächste Wasserloch zu finden:
Die Pikul Rockholes.
Da wir aber die exakte GPS Position nicht kennen, und die
Karte nicht allzu genau ist, finden wir es auch nicht.
Aber die Aussicht vom nahen Hügel ist schön ....
und wir bewegen uns wieder einmal ein wenig.
Also kehren wir auf die Strasse zurück und fahren weiter
.....STOP!
Wir sehen hinter der nächsten Kurve ein Schild mit der
Aufschrift: "Pikul Rockholes" ... na wer sagt's
denn ...
Ein gut unterhaltener Weg führt zu den Wasserlöchern,
aber sie sind trocken.
Die Spuren an den Felsen dass hier seit langer Zeit, periodisch
Wasser fliesst.
Als wir näher an die Grenze der Cosmo Newberry Aboriginal
Community herankommen sehen wir einen Kleinbus am Rand der
Strasse mit einer Aborigini Frau und 5 Kindern.
Der Wagen hatte gestern eine Panne. Der Mann der Familie
ging per Anhalter zurück nach Laverton und die älteste
Tochter auf gleiche Art auf die andere Seite zum Tjukayiria
Roadhouse um Hilfe zu holen.
Sie hatten weder Wasser noch etwas zu essen bei sich, mit
Ausnahme einer kalten Büchse Spagetti und 4 Liter Wasser
welche sie von einem Lastwagenfahrer gestern Abend bekommen
hatten.
Also macht Susi ein paar Sandwichs für sie und wir geben
ihnen einige Flaschen Wasser.
Ruedi schaut sich den Wagen von aussen an und entscheidet,
sich nicht einmal die Mühe zu nehmen nach dem Fehler
zu fragen und schon gar nicht auf die Idee zu kommen etwas
daran flicken zu wollen. Der Wagen ist in einem erbärmlichen
Zustand. Überall hängen Kabel herum und Teile des
Wagens fehlen. Der Wagen ist mit Garantie nicht in einem
fahrtüchtigen Zustand und hat auch keine Nummer.
Das ist theoretisch möglich, da die Aborigini Communities
Privatgebiet sind.
Auf Privatstrassen darf man natürlich jedes noch so
abenteuerliche Gefährt bewegen und es fragt auch niemand
nach dem Alter des Fahrers.
Die Bauern machen auf ihren Stations dasselbe. Dort haben
die Kinder ihre eigenen Fahrzeuge um damit bis zur Grenze
zu fahren um den Schulbus zu erreichen.
Uns wurde von einem Buben erzählt welcher zu klein war
um die Pedale des Wagens zu erreichen. Der Vater hat darauf
kurzerhand den Sitz entfernt, so dass der Kleine stehend
zum Schulbus fahren kann.
Einmal mehr realisieren wir wie verschieden gewisse Dinge
in Australien laufen. Die Behörden in der Schweiz würden
wahrscheinlich Amok laufen, wenn sie von solchen Dingen hören
würden!
Da wir für sie hier nicht mehr tun können, lassen
wir uns ihre Details geben, so dass wir in Laverton die Polizei
informieren können.
So wie wir zurück zum OKA gehen kommt Susi in den Sinn,
dass auf den Hema-Karten die wichtigsten Telefonnummern vermerkt
sind.
Wir nehmen das Satelliten Telefon hervor und geben es der
Frau, so dass sie die notwendigen Telefonate selber erledigen
kann.
Wir sind erstaunt. Ihre Tochter, ein Teenager hat überhaupt
kein Problem mit dem Telefon zurecht zu kommen. Schon bald
sind sie beschäftigt das Roadhouse und die Polizei zu
informieren.
Einmal mehr sind wir froh ein Iridium Satelliten-Telefon
gewählt zu haben, da es einfach überall funktioniert.
Obwohl es nicht unsere Absicht ist, kriegen wir natürlich
das Eine oder Andere von ihren Gesprächen mit. Eine
Diskussion ist sehr interessant, als sie das Roadhouse anruft:
Die Aborigini Frau wird wahnsinnig wütend, als ihr der
Betreiber des Roadhouses erklärt, dass er von ihr 300
$ verlangt um sie hier abzuholen.
Wir finden den Preis absolut angemessen, wenn man bedenkt,
dass das Roadhouse 120 km entfernt ist ... erst später
lernen wir, dass Aboriginis kein Besitztum kennen, sondern
alles allen gehört und jeder dem anderen im Bedarfsfall
alles zu geben hat was ergeben kann. Wenn also der eine ein
neues Auto braucht und der andere hat das Geld dazu, dann
muss er dem einen das Geld für das Auto geben.
Das endet in der unmöglichen Situation, dass ein Aborigini
der arbeitet und Geld verdient, dieses der Community zur
Verfügung stellen muss. Wo ist also der Anreiz arbeiten
zu gehen, wenn das erarbeitete Geld danach von andern ausgegeben
wird .... im schlimmsten Fall um dafür Alkohol zu kaufen
oder ein Auto zu erstehen, welches gleich danach wieder zu
Schrott gefahren wird?
Irgendwie bekommen wir langsam etwas mehr Verständnis
für die problematische Situation in welcher sich die
Regierung, beim lösen der Probleme mit den Eingeborenen,
befindet.
Nach Cosmo Newberry verlassen wir langsam die Wüste.
Es hat immer mehr Bäume und Tiere.
Da wir wegen der gestrandeten Familie im Zeitplan hintennach
hinken, befinden wir uns bei Sonnenuntergang immer noch auf
Aborigini Gebiet.
Wir entscheiden trotzdem nicht in der Dunkelheit weiterzufahren
und hier zu
übernachten. Wir werden Morgen weiterziehen, auch wenn
das Permit für das Gebiet bereits abgelaufen ist.
Wir finden einen optimalen Platz südlich von Cosmo
Newberry und geniessen den herrlichen Sonnenuntergang.
Am Freitag den 13. Oktober fahren wir weiter nach Süden
und erreichen Laverton.
Nun sind wir zurück auf dem Asphalt und in der Zivilisation.
Auf der Strasse fahren wir durch ein Gebiet mit vielen Tieren.
Das heisst aber auch, dass es viele totgefahrene Tiere hat,
aber die Keilschwanzadler kümmern sich schon um deren Überreste.
Dieser Sand Goanna oder Gould's Goanna
[Varanus gouldii] nimmt sich Zeit
die Strasse zu überqueren ... erstaunliche Tiere.
Auch ein Emu flieht mit seinem Jungen.
Wusstest du, dass bei den Emus das Männchen für
das ausbrüten der Eier und für die Aufzucht der
Jungen zuständig ist? Das Weibchen hat das Gefühl
nach dem legen der Eier genügend getan zu haben ......
na wo gibt's denn so was Unerhörtes!!
Währen dem ausbrüten verliert das Männchen
etwa 7 kg seines Körpergewichts.
Nachdem die Jungen geschlüpft sind, werden sie vom Vater über
ein ganzes Jahr betreut.
Nach einem kleinen Abstecher sind wir beim Malcom Dam, der
aber leider beinahe leer ist.
Wenn er voll Wasser ist, muss es ein schöner Platz sein
um Vögel zu beobachten.
Kurz vor Leonora sehen wir eine Tafel mit
der Weisung "Lastwagenfahrer haltete bitte an und entstaubt
eure Räder bevor ihr in die Stadt fährt".
He, soll das ein Witz sein?? Die werden wohl nicht etwa...??
Nein, das kann nicht sein!
Später erklärt man uns, dass die Lastwagenfahrer
tatsächlich anzuhalten haben. Beim ersten Stopp fällt
der angesammelte Staub und Sand von den Rädern.
Würden sie dies nicht tun, würde der Dreck im ganzen
Ort verteilt. Wir haben ihnen dabei einmal zugeschaut. Es
ist erstaunlich wie viel Dreck da am Boden liegen bleibt.
Es sind doch bis zu 19 Achsen wovon 18 mit Doppelbereifung
= max. 74 Räder pro Road Train.
Ausserhalb von Leonora zweigen wir nach Gwalia
(Gwalia ist einer der poetischen Namen der Waliser
für Wahle) ab, einer ganz speziellen Geisterstadt ....
Die "Sons of Gwalia" Goldmiene wurde 1896 entdeckt
und war die wichtigste Miene in der Umgebung von Leonora.
Sie wurde im Untertagbau betrieben. Auf der Suche nach lukrativen
Investitionsmöglichkeiten in den West Australischen
Goldminen, sandte eine in England basierte Firma einen jungen
Mienen Engineer Namens Herbert Hoover(später 31. Präsident
von Amerika) nach Gwalia, um entsprechende Objekte zu erkunden.
Hoover notierte: "In keinem anderen Förderland
der Welt existiert eine solche Anzahl an Umwelthindernissen
welche überwunden werden müssen bevor ein günstiger
Förderbetrieb möglich wird ...."
Die Sons of Gwalia Mine war die sechstgrösste Goldmiene
in Australiens Geschichte und mit Ausnahme der Kalgoorlie-Boulder's "Golden
Mile" eine von lediglich zwei Mienen welche über
2 Millionen Unzen Gold produzierte.
Die heutige Tagbaumiene ist beinahe 300 m tief, hat einen
Durchmesser von fast einem Kilometer und ist rund um den
ursprünglichen Schacht der früheren Untertagbau-Mine
gegraben.
Seit 2006 wird ein Schacht in Richtung Gwalia Deeps getrieben.
Die Ader wird über einen Abstiegschacht (the Hoover
Decline), der 125 m unterhalb des Schwimmbades neben der
Aussichtsplattform beginnt, erreicht werden.
Es wird vermutet, dass die Gwalia Deeps ein Potential von über
1.5 Millionen Unzen Gold hat, die Ader liegt aber über
1 km tief unter der Erde.
Die Dampfwinde kam von England und wurde 1923 installiert.
Es ist eine der grössten Dampfwinden die noch in Australien
ist.
Der Förderturm, von Hoover konstruiert, wurde 1899
aus Oregon-Pinienholz hergestellt.
Es ist der einzige noch existierende Holzförderturm
in Australien.
Der Holzturm und die Dampfwinde waren Teil der Förderanlage,
mit welcher die am Seil hängenden Wagen mit dem Gold-Gestein,
in einem schrägen Schacht an die Oberfläche befördert
wurden.
Hoover konstruierte und baute 1898 auch das Haus des Managers
(Hoover House), das Mienenbüro und das Verwaltungsgebäude.
In den Goldfeldern war der Materialtransport schwierig und
teuer und somit konstruierten die Sons of Gwalia eine Holzeisenbahn
um die immense Menge an Mulga-Holz, das zur Dampf- und Gaserzeugung
gebraucht wurde, heranschaffen zu können. Die Holzschienenstrecke
mit einer Spurbreite von 20 Inch war über 112 km lang,
führte westlich und südlich von Gwalia weg und
ermöglichte den Zugang zu 1'280 Quadratkilometern Land.
Am Anfang wurde die Lokomotive "KEN" (ein Akronym
für den Namen der drei Direktoren der Sons of Gwalia
Company) genannt, aber im Laufe der Zeit wurde sie offiziell
in "Midland"
umgetauft.
Wie auch immer, sie wird immer noch liebevoll KEN genannt
und das wird wohl für immer so bleiben.
"KEN" wurde 1934 gebaut und war bis die Untertagbaumine
im Dezember 1963 schloss in Betrieb.
In den 50-er Jahren bemerkte die Firma zu spät, dass
ein Grund für ihren Niedergang darin zu suchen war,
dass die Angestellten nicht mehr gewillt waren, mit ihren
Familien in den Wellblechhütten mit ihren nackten Erdböden
zu leben.
Trotz dem Bau neuartiger Einrichtungen (inklusive einem
Schwimmbad) und trotz der Unterstützung der Regierung,
musste am 13. Dezember 1963 bekannt gegeben werden, dass
die Miene an Silvester ihren Betrieb einstellen werde.
Die Einwohnerzahl von Gwalia und Leonora betrug zu der Zeit
etwa 1700 Leute und nun begann ein Massenexodus um in anderen
Mienen Arbeit zu finden.
Als das Gwalia Hotel am 17. Januar 1964 seine Tore schloss,
hatten die beiden Orte noch ganze 14 Einwohner.
Es ist kaum zu glauben, dass das ruhige und jetzt verlassene
Gwalia kurz vor 1900 das Zuhause von ungefähr 1000 Leuten
war.
Heute hat der Ort 15 - 20 Einwohner
Die typischen Häuser von Gwalia haben ein Giebeldach
und bestehen aus einer Holzstruktur mit einer Blechverkleidung.
Das Gebäude, welches später der Gemischtwarenladen
von Gwalia war, wurde 1910 von Laverton her in den blühenden
Geschäftsbereich von Gwalia, nahe beim State Hotel,
verschoben. Später wurde das Haus nochmals, an die heutige
Position verschoben.
Für mehr als 50 Jahre war es nahezu die einzige Versorgungsquelle
des Ortes - ein richtiger "one-stop-shop", der
von der Seife bis zu Munition alles verkaufte.
Das "Little Pink Camp" ist ein gutes Beispiel
für den Einfallsreichtum der Mineure, welche ihre Häuser
aus allen verfügbaren und möglichst billigen Materialien
zusammen bauten.
Dieses kleine Wohnhaus, das auch aus dem oben erwähnten
Holzgerüst mit seiner Wellblechverkleidung besteht,
ist bekannt für seine Innendekoration und seine eigentümliche
Unterteilung in drei separate Räume. Die teilweise noch
bestehenden Innenwände bestehen aus Sackleine mit aufgeklebter
Tapete aus alten Zeitungen. Auch hat es im Unterschied zu
vielen anderen Gebäuden einen Holzboden anstelle des
reinen Erdbodens.
Das "Patroni's Guest House" ist ein, aus mehreren
einzelnen Häuschen bestehender, Komplex und einem mehrgiebeligen
Hauptgebäude. Es ist normal konstruiert, hat aber zusätzlich
eine, mit einem Gitterhag umgebene, Veranda.
Die meisten Mineure die nach Gwalia kamen, waren alleinstehende
Männer und die Gasthäuser waren ihre Unterkunft.
Auch die besser betuchten, die sich ein eigenes Haus leisten
konnten, assen vielfach in diesen Gasthäusern, da viele
der ihrer Häuser keine Küche und keine Wasserversorgung
hatten. Die Essen für eine ganze Woche kostete ungefähr
30 Schillinge - ungefähr 30% des durchschnittlichen
Einkommens eines Bergarbeiters.
Als die Leute den Ort verliessen, liessen sie eine erstaunliche
Menge an persönlichen Gegenständen, wie Fotos,
Briefe, Kleider und Haushaltsgegenstände, zurück.
Die Häuser wurden unterdessen (und werden immer noch)
liebevoll restauriert und hergerichtet.
Beinahe widerstrebend, verlassen wir den ganz speziellen
Ort. Es gäbe noch so vieles zu sehen.
Der Empfehlung von Peter und Margaret folgend, bleiben wir
über Nacht im Niagara Dam Nature Reserve.
Auf dem Weg nach Kalgoorlie sehen wir uns den Lake
Goongarie an.
Am Samstag erreichen wir Kalgoorlie. Wir
werden von Peter and Margaret, den Besitzern von OKA 196
willkommen geheissen und campieren nahe von Kalgoorlie, out-bush
in einer Gegend mit vielen Salmon Gums (Eukalypten).
Am Sonntag haben wir Zeit die lokalen Tiere, inklusive Falltür
Spinnen (Trap-door spiders) und anderen komischen Kreaturen,
welche ihre Haustüre
über Nacht schliessen.
Auch ein Mallee Tree Dragon (Amphibokurus norrisi) lebt
hier.
Am Montag treffen wir Robin Wade von "Kalgoorlie OKA".
Da wir immer noch der einzige OKA der neuen Serie sind, nimmt
Robin die Gelegenheit natürlich war und kriecht unter
unseren Wagen um alle Änderungen zu studieren.
Dann ist es Zeit richtig Tourist zu spielen. Wir besuchen
die Aussichtsplattform des Big Pit ...
.... und ob, das Loch ist ja riesig gross!
Die Grössenverhältnisse sind in etwa gleich, als
wenn man sich eine sehr grosse Modeleisenbahn-Anlage ansieht
(wie wir sie 2005 in Hamburg gesehen haben)!
Die haben hier 31 grosse Lastwagen; jeder kostet 4 Millionen
$.
Jeder hat 2,300 PS, wiegt 166 Tonnen und hat einen 3'790
Liter grossen Dieseltank.
Sie können 225 Tonnen Gestein transportieren und ihre
maximale Geschwindigkeit ist 55 km/h.
Sie haben 3 Bagger, wobei jeder 10 Millionen $ kostet.
Der beiden Motoren haben zusammen eine Leistung von 3,714
PS, sie wiegen 685 Tonnen und haben eine Tankkapazität
von 11,000 Litern. Hey - das ist mehr als unser gesamter
Jahresverbrauch!
Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 2.1 km/h.
Eine Schaufel fasst mehr als 60 Tonnen Gestein und mit 4
Schaufeln ist ein Lastwagen voll ....
Am Dienstag haben wir nochmals einen Termin bei Robin. Wir
werden eine Bohrfirma besuchen, so dass sie sich den neuen
OKA-NT anschauen können.
Es macht uns unheimlich stolz, zu sehen wie diese erwachsenen
Männer begeistert innen und aussen alles ansehen und
unter dem Wagen herumkriechen.
Mangels neuer OKA's haben sie in der Zwischenzeit hauptsächlich
Ford F250 und Toyota Landcruiser verwendet, möchten
aber auf den OKA zurückwechseln, da die anderen Wagen
den ständigen Belastungen auf die Länge nicht standhalten.
Wir lieben unseren kleinen Lastwagen!