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1721 erbaute Diethelm Schobinger das «Lusthaus Belvoir» und wusste diesen äusserst attraktiven Standort am linken Ufer des Zürichsees mit seinem fantastischem Ausblick erfolgreich zu nutzen. Seither wurde unter dem Namen Belvoir gewirtet, später als Kurhaus, dann als Hotel. Ab 1951 wurde die Gemeinde Rüschlikon Mitbesitzerin der Liegenschaft und bewilligte Ende der siebziger Jahre einen Neubau des Hotels. Bald zeigte sich, dass das Hotel zu klein war, um gegen die Konkurrenz zu bestehen. Nach einem missglückten Verkaufsversuch an den Branchenverband Gastrosuisse bewilligten die Stimmbürger im September 2008 den Verkauf des Traditionshauses an das Thalwiler Ehepaar Heinz und Beatrice Meier.
Architektur-Konzept
Das Grundstück, auf dem das Hotel Belvoir steht, ist geprägt von einer fantastischen Fernsicht über den Zürichsee auf die Glarner Alpen im Süden bis weit in den Norden auf die Stadt Zürich und den Uetliberg. Auf der gegenüberliegenden Seite des Sees ist der Pfannenstiel zu sehen. Verstärkt wird die gute Sicht durch die steile Hangkante des Grundstücks sowie das starke Gefälle gegen Osten. Der Linth-Gletscher, der hier vor 50’000 Jahren kräftige Spuren hinterliess, war wichtiger Impulsgeber für das Projekt „Neubau Belvoir“. Die immense Reibung, das Schieben und Formen eines Gletschers sowie die Orientierung in Richtung See sowie die Abendsonne fungierten als architektonische Entwurfsthemen.
Das architektonische Konzept basiert auf der Orientierung aller Zimmer zum See und zur Aussicht sowie auf einem grossartigen Aussichtserlebnis beim Ankommen in der Lobby im Erdgeschoss. Sie bildet ein Zentrum, in dem Ankommen, Essen, Trinken, Geniessen und Arbeiten auf einer grosszügigen Ebene zusammenkommen. Gleichzeitig verbindet die Lobby die Gartengeschosse mit den oben liegenden Zimmergeschossen.
Bar und Wellness-Bereich fungieren als ergänzender Flügel, akzentuieren die dynamische Form des Daches und rahmen den Eingangshof ein. Der dynamische Bezug der Gebäudeteile zueinander thematisiert die glaziale Kraft, die vom Aufbrechen und Schieben von Gesteinsschichten und Schollen gekennzeichnet ist.
Erschliessung
Das Ankommen direkt in der Mitte der Anlage sorgt für eine gute Überschaubarkeit des Eingangs-, Gastro- und Saalgeschosses und ist zudem Garant für kurze Wege. Die Anfahrt mit dem Auto führt einen in schwungvollem Bogen bis zum Eingang, auf das offene Parkfeld oder direkt in die Tiefgarage. Im Hotel erschliessen Aufzüge sämtliche Ebenen behindertengerecht.
Verwirklichung
Die Gartengeschosse bilden einen massiven Sockel. Hier besteht die Aussenfassade aus strukturiertem Beton. Darüber bildet das Erdgeschoss als leichte, transparente Schicht aus Glas den Übergang zu den darüber liegenden Platten mit den Gästezimmern, wobei sich die durchlaufende Balkonplatte zum See hin öffnet. Die geschlossenen Teile bestehen aus feingliedrigen, hinterlüfteten Holzelementen. Vertikale Holzlamellen vor den Balkonen definieren die äusserste Gebäudekante.
Das Dach, in einzelne Schollen aufgeteilt, ist mit einer grossflächigen, hinterlüfteten Blechdeckung in mattem Zinkorblech gedeckt und unterstreicht den schwebenden, leichten Charakter des Gebäudes über dem massiven Sockel.
Mit dem offenen, einladenden und ausgreifenden Erdgeschoss verbunden ist die Idee der durchgehenden Materialisierung von Innen nach Aussen und der räumlichen Aufhebung der thermischen Grenze. So wird der Asphalt der Vorfahrt farblich in der Lobby weitergeführt.