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Das Theaterprojekt «Augias oder Herakles auf der Kläranlage» ist ein Versuch, die Funktionsweise einer ARA zu erläutern und in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext einzubetten. Der Pilotversuch auf der ARA Birs war ein voller Erfolg!
Ein Theaterregisseur des Theater Roxy Birsfelden hat bei der Leitung des Amtes für Industrielle Betriebe (AIB) angefragt, ob er ein Theaterstück auf der Kläranlage aufführen darf. Das AIB scheute den Mehraufwand nicht und lud den Regisseur zur Präsentation ein. Danach kam die Zusage.
Im September begannen die Proben für die Inszenierung «Augias» auf der ARA Birs: Fremde Gestalten huschten herum und brüllten unverständliche Sätze. Während des laufenden Betriebs streiften die drei Schauspieler Ralph Engelmann, Benjamin Mathis und Andreas Müller zusammen mit dem Regisseur Tumasch Clalüna über die Anlage, erkundeten Orte, die bespielt werden konnten, klärten Sicherheitsfragen und vertieften sich aktiv in die Thematik der Abwasserklärung.
Die Mitarbeitenden der ARA Birs merkten bald, dass das Anliegen der Kulturschaffenden ernst gemeint war und sie Wasser und die Aufbereitung der Abwässer als Folge von Konsum zum Thema machen wollten. Die Arbeit der ARA- Mitarbeitenden wurde wertgeschätzt und sie wurden am Ende im Stück gar zu Helden stilisiert.
Kurz zusammengefasst ging es in Augias um Folgendes: Um die Effizienz und die Hygiene seines Betriebs zu verbessern, beschliesst ein Wurstfabrikant, Mist und Gülle von nun an direkt in die Kanalisation zu leiten. Die Kläranlage gerät dadurch an den Rand des Kollapses und der Chef verpflichtet den Wurstmacher, eine Lösung zu liefern. Dieser zaubert den Helden Herakles aus dem Hut, der in der Antike bereits die Ställe des Augias gereinigt haben soll. Allerdings tat er dies mittels einer Schwemmreinigung. Der ganze Mist würde nach seiner Methode also im Rhein landen.
Die Mitarbeiter klären den antiken Helden auf und bringen ihn auf den heutigen Wissensstand in Sachen Abwasserklärung. Nach und nach stellt sich heraus, dass Herakles nur ein Ablenkungsmanöver des Wurstfabrikanten war, um Zeit zu gewinnen. Am Ende kommt es wie es kommen muss: Herakles öffnet die Schleusen und schwemmt den Mist in den Fluss. Dies stellt bei einer Verschmutzung in dieser Grössenordnung die einzig mögliche Lösung dar. Wie Herakles im Stück einmal sagt: Wer konsumiert, scheidet aus. Die Logik der Natur lässt sich nicht durchbrechen.
Die Inszenierung «Augias» war eine Kooperation mit dem Theater Roxy Birsfelden und fand vom 20. bis 24. September 2018 auf der ARA Birs statt. Alle Vorstellungen waren ausverkauft. Der Pilotversuch war ein grosser Erfolg.
Dass das Amt für Industrielle Betriebe und die Belegschaft der ARA Birs sich trotz ungewissem Ende auf dieses Projekt eingelassen haben, ist für den Regisseur heldenhaft. Nun gibt es bereits Interessenten aus der Innerschweiz, die das Stück ebenfalls auf einer ARA zeigen wollen.
Der persönliche Wunsch des Regisseurs ist es, den „Augias“ auch in Sissach auf der ARA Ergolz 1 zu zeigen. Dort sind die einzelnen Klärstufen schön hintereinander geschaltet, sodass der Prozess gut erkennbar ist. Die Begeisterung für Kläranlagen hat das Theaterteam also voll erfasst.