Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03504.jsonl.gz/2165

“Lycopodium”, 2012
198 x 106 cm Fotogramm, Lycopodium Sporen und Feuer
Was sehe ich?
Ich sehe ein grossformatiges, schwarz-weisses Bild. Zu erkennen ist eine riesige Wolke aus Staub oder Rauch. Oder handelt es sich möglicherweise um die Abbildung einer ins Tal donnernden Schneelawine oder die Eisstrukturen eine Gletschers?
Kunstwerk im Kontext
Raphael Heftis Kunst siedelt sich irgendwo zwischen experimenteller Physik, Chemielabor und ausdrucksvoller Schönheit an. Er interessiert sich für den inneren Ausdruck und das visuelle Potenzial unterschiedlichster Materialien. Kann Feuer tatsächlich auf Fotopapier eingefangen werden? Wie sähe eine Wolke aus, wenn man diese im Detail fotografieren könnte? In der Kunstgeschichte haben sich Künstler seit jeher an der exakten Naturnachahmung (Mimesis) versucht. Wolken am Himmel, der Rauch des Feuers, die Wellen einer stürmischen See: aber konnten sie diese auch wirklich einfangen? Raphael Heftis Kunstwerk stellt die tatsächliche Kraft des Feuers dar. Herstellung: Ein riesiges Fotopapier wird in einen dunklen Raum gebracht und auf den Boden gelegt. Hefti leert nun eine staubartige, trockene Substanz auf das Papier: Lycopodium Sporen. Lycopodium clavatum ist eine Pflanze, die auch Hexenmehl, Schlangenmoos oder Waldstaub genannt wird. Dann entzündet er das Lycopodium mit einem Streichholz. Das besondere an den Sporen ist, dass die Flamme beim Verbrennen eine sehr niedrige Temperatur aufweist. Das heisst: Die Sporen verbrennen und erzeugen Licht, zerstören dabei jedoch nicht das Papier. Das Licht der Flamme wiederum hat einen fotografischen Effekt: das Fotopapier wird „belichtet“. Durch das auf und ab Bewegen des Papiers durch den Künstler verteilen sich die brennenden Sporen ausserdem auf dem ganzen Papier. Heraus kommt ein fotografisches Unikat, ein Fotogramm und ein Abbild von echtem Feuer auf Papier.