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Bis aus einer Gruppe von Sterndeutern die Heiligen Drei Könige wurden, vergingen Jahrhunderte. Begleiten Sie uns auf der Reise zu den Quellen einer Legende.
Kaspar, Melchior, Balthasar – diese Namen haben die Heiligen Drei Könige erst im Laufe der Zeit erhalten. Auch zu Königen wurden sie erst Jahrhunderte nach Christi Geburt.
Im Matthäusevangelium, in dem wir erstmals von ihnen hören, werden sie noch als Magoi bezeichnet. Darunter verstand man in der Antike meist Astrologen, die je nach dem auch kultische Handlungen vornahmen.
Des Weiteren sind die Angaben zu den Weisen aus dem Morgenland, wie die drei Sterndeuter auch genannt werden, im Matthäusevangelium äusserst mager. Immerhin lässt sich dem Bericht entnehmen, dass sie mit der Astrologie vertraut waren. Denn, so erzählen sie Herodes auf seine Fragen, dass sie einen Stern gesehen hätten, der ihnen die Geburt des Königs der Juden offenbart habe.
Bei ihrer Suche kann ihnen Herodes allerdings nur bedingt weiterhelfen. An seinem Hof wurde kein Kind geboren; immerhin weiss er von einer Weissagung, die von Bethlehem als Ort einer solchen Geburt spricht.
Weihrauch, Gold und Myrrhe
Der Stern erscheint den Magiern nach dem Abschied von Herodes erneut und weist ihnen den Weg nach Bethlehem zum Jesuskind. Diesem huldigen sie wie einem König und beschenken es mit Gold, Weihrauch und Myrrhe.
In der Anzahl der genannten Gaben liegt wohl auch der Grund für die Annahme von späteren Erzählern und Malern, dass es drei Sterndeuter gewesen seien, die nach Bethlehem zogen. Matthäus selbst sagt nicht, wie viele es waren.
Die älteste Textquelle, in der für uns die Dreizahl der Magier fassbar wird, ist eine Predigt aus der Mitte des 5. Jahrhunderts. In der Malerei der Katakomben findet sich die Dreizahl bereits früher. Die ältesten bildlichen Darstellungen sind möglicherweise schon in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts entstanden.
Die Bedeutung der phrygischen Mütze
Auf frühen Darstellungen der Magier erkennt man die drei nicht nur daran, dass sie dem Christuskind Gaben bringen, sondern auch an ihrer Kopfbedeckung, einer kegelförmigen phrygischen Mütze. Diese weist die drei als etwas Besonderes aus. Man kann in ihren Mützen einen Hinweis auf ihre Herkunft aus dem Morgenland sehen.
Wahrscheinlich – so die Vermutung des Philologen und Religionswissenschaftlers Albrecht Dieterich – kam der auffälligen Kopfbedeckung auf den frühen Darstellungen allerdings eine andere Funktion zu. Die phrygische Mütze ist nämlich auch ein Kennzeichen der Mithras-Priester.
Der Mithras-Kult, eine Erlösungsreligion, war in den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt im Römischen Reich weit verbreitet und warb eine Zeit lang mit ähnlich grossem Erfolg wie die Christen um Anhänger. Treffen Albrecht Dieterichs Vermutungen zu, dann sollen die phrygischen Mützen bei den Betrachtern den Eindruck erwecken, dass die Magier Mithras-Priester sind, die dem Stern nach Bethlehem folgten und durch ihre Ehrbezeugung die Überlegenheit des neuen Heilands bekunden.
Die Verwandlung in Könige
Ab dem 4. Jahrhundert verbreitete sich dann die Auffassung, dass es sich bei den Magiern eigentlich um Könige gehandelt habe. Einer der Gründe dafür dürfte darin liegen, dass sich nun auch das Verhältnis der Christen zur weltlichen Macht änderte und das Christentum immer mehr zur Staatsreligion wurde.
Wann und wie die drei Sterndeuter zu ihren Namen kamen, liegt im Dunkeln. Schriftlich erwähnt wurden sie gemäss dem Religions- und Kunstwissenschaftler Hugo Kehrer erstmals in einem Text des 12. Jahrhunderts, der fälschlich dem Mönch und Geschichtsschreiber Beda Venerabilis (672–735) zugeschrieben wurde.
Gemäss jenem Text war Melchior ein Greis mit einem langen Bart und Kaspar ein Jüngling mit einer frischen Gesichtsfarbe. Balthasars Alter bleibt ungenannt, dafür erfahren wir, dass er gebräunt und ganz bärtig war – ein Hinweis darauf, dass er Afrika repräsentiert, während Melchior und Kaspar Europa und Asien vertreten.
Beliebter Kuchen
Als Teil der christlichen Tradition wurde die Legende von den Weisen aus dem Morgenland stetig ausgebaut und wiederholt neu gedeutet. In unserer (teil-)säkularisierten Zeit hat sie stark an Bedeutung eingebüsst. Ganz vergessen hat man die drei aus dem Morgenland dennoch nicht, und das hat einen guten Grund: der Dreikönigskuchen.
Dieser erfreut sich, wie ohne Sternguckerei vermutet werden darf, auch dieses Jahr wieder grosser Beliebtheit, und zwar bei Christen und Ungläubigen.
Quellen
-Hugo Kehrer: Die «Heiligen Drei Könige» in der Legende und in der deutschen bildenden Kunst bis Albrecht Dürer, Diss. Strassburg 1904
-Albrecht Dieterich: Die Weisen aus dem Morgenland, in: Kleine Schriften, Berlin 1911, S. 272–287