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Aspekte des Begriffs Lesen (Definition):
Rezeption und Verstehen schriftlicher Äußerungen; Wahrnehmung und Interpretation visueller Elemente als Zeichen (Reallexikon der deutschen Lit Wissenschaft)
Lesen meint komplexe Tätigkeit, schriftsprachliche Zeichenfolgen auf graphemisch-phonologischer, syntaktischer, semantischer und pragmatischer Ebene zu deuten.
Aspekte des Lesens:
Lesen bedeutet Suchen, Sammeln und Auflesen. Bereits im Althochdeutschen die bedeutung „Im Buch lesen“
Besondere Fähigkeit des Lesens signalisiert ein wachsendes intellektuelle bzw. soziales Vermögen
Lesen steht für Form v. Autoritätsausübung, für das zuverlässige wie verbindliche Lehren, Erklären, Verkünden wichtiger Dinge.
Teilfähigkeiten des Lesens:
Selektion des Wichtigen aus der Menge des Unwichtigen (Redundanten)
die Analyse gestalthafter Ganzheiten in wiederverwendbare ‚Elemente’ und die Synthese von ‚individuellen Zeichen’ zu ‚komplexen Ausdrücken
die Antizipation des Kommenden auf Grund syntaktisch-semantischer und enzyklopädisch-pragmatischer Regularitäten
Ursachen der Leseexpansion:
mediengeschichtlich: eine leichtere Verfügbarkeit von größeren Papiermengen, die Einführung der Lesebrille und die Verwendung handlicherer Buchformate.
sprachgeschichtlich: der Wechsel vom Latein zu volkssprachlicher Schriftlichkeit und die Entwicklung schriftlicher Normen.
kommunikationsgeschichtlich: die Tendenz zur Ablösung der mündlichen durch die schriftliche Mitteilungspraxis.
sozialgeschichtlich: das wachsende Bedürfnis nach schriftlich dokumentierter Rechtssicherheit und die Konsvervierung eigener Traditionen (kulturelles Gedächtnis).
mentalitätsgeschichtlich: das wechselnde Interesse an geistlichen und weltlichen Stoffen.
gattungsgeschichtlich: das veränderte Verhältnis von Vers und Prosa (= die Prosaauflösung von Vers-Epen).
Schriftspracherwerb und Leseentwicklung:
Leseanfänger entziffern einzelne Laute und B-U-C-H-S-T-A-B-E-N, keine ganzen Wörter
Wer das Grundschulalter verlassen bzw. das Lesen erlernt ha, verarbeitet Wörter seriell. Diese Leser überblicken mühelos ganze Sätze.
Grundschüler lesen jeden Tag 20 bis 25 Minuten, davon 5 Minuten in einem Buch. Zu Ende der 6. Klasse hat sich das Lesepensum zu 2 Millionen gelesener Wörter summiert. Wer gern und viel liest, kommt im selben Zeitraum auf ca. 8. Millionen gelesener Wörter.
Entsprechend werden bereits hier die Grundlagen für die sogenannte Bildungskarriere gelegt.
Begriff Literaturerwerb:
Der Begriff Literaturerwerb meint den Aufbau einer literarischen Kompetenz, die schrittweise durch das Aneignen von Regeln erfolgt. Innerhalb dieses Prozesses kommt es dazu, dass die Bau- und Strukturformen poetischer Texte erfasst werden und mit ihnen die jeweiligen Figurenkonzeptionen, Erzählweisen, Gattungsmuster. Der Erwerb von Regeln erfolgt in Verbindung mit den von Piaget entworfenen kognitiven Stufen und somit in einer festgelegten unumkehrbaren Reihenfolge
Kennzeichen (Anforderungen) der Anfängerliteratur
Einfachheit,
Linearität,
Regelhaftigkeit,
Handlungsdominanz/Aktion,
Identifikation, Überschaubarkeit,
typisierende Figurengestaltung
Altersabhängige Binnengliederung (Stufenfolge) der KJL:
einfach zu komplexen Strukturen
schrittweisen Übergang von der Oralität (Mündlichkeit, früh) zur Literalität (Schriftlichkeit/spät).