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Haustiere: Katze und Mensch, ein altes Gespann
Sich kraulen lassen, seinen Menschen unter Kontrolle haben und dessen Wohnung zum eigenen Reich erklären: Hauskatzen wie man sie heute kennt, gab es schon lange. Dies legt ein fast vollständig erhaltenes, rund tausend Jahre altes Skelett eines Katers nahe, das ein internationales Forschungsteam bei Ausgrabungen in Dzhankent, einer frühmittelalterlichen Siedlung von Oghusen-Nomaden, im Süden von Kasachstan, entdeckte.
Quelle: Freddie Marriage, Unsplash
Die Gemeinschaft von Katz und Mensch hat eine lange Geschichte.
Allein die Tatsache, dass das Skelett sehr gut erhalten ist, erachten Ashleigh Haruda von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und ihre Kollegen als Besonderheit. Sie haben die sterblichen Überreste untersucht und das Leben des Katers rekonstruiert.
Normalerweise würde man bei Ausgrabungen nur einzelne Knochen von Tieren finden, die keine systematischen Rückschlüsse auf ihr Leben erlauben, sagt Haruda. Anders sei das bei Menschen, von denen häufig nahezu komplette Skelette gefunden werden: „Ein menschliches Skelett ist dagegen wie eine Biographie dieser Person. Die Knochen geben sehr viele Informationen darüber, wie die Person gelebt und was sie erlebt hat.“ In diesem Fall hatten die Forscher Glück: Der Kater wurde offenbar nach seinem Tod begraben, deswegen sind der Schädel inklusive Unterkiefer, Teile des Oberkörpers, Beine und vier Wirbelknochen erhalten.
Gefüttert vom Menschen
„Dieser Kater hat eine ganz Reihe von Knochenbrüchen erlitten, aber überlebt“, sagt Haruda. Isotopenanalysen von Knochenproben gaben zudem Aufschluss über seine Ernährung: Im Vergleich zu den Hunden, die bei der Ausgrabung gefunden wurden und zu anderen Katzen aus der Zeit, hatte dieser Kater eine sehr proteinreiche Ernährung. Deshalb, und weil das Tier gegen Ende seines Lebens fast alle Zähne verloren hatte, vermutet Haruda, dass der Kater von Menschen gefüttert worden sein muss.
Zudem zeigten abschliessende DNA-Analysen, dass es sich bei dem Tier sehr wahrscheinlich um eine Hauskatze handelt und nicht um eine naheverwandte wilde Steppenkatze. Dass Katzen in dieser Region bereits im 8. Jahrhundert als Haustiere gehalten wurden, findet Haruda bemerkenswert.
„Die Oghusen sind ein Volk von Hirten gewesen, die sich Tiere eigentlich nur hielten, wenn sie für ihr Leben unerlässlich waren. Hunde können beispielsweise auf die Herde aufpassen. Katzen hatten damals für sie keinen offensichtlichen Nutzen.“ Dass die Menschen dennoch damals ein so „exotisches“ Tier hielten und es pflegten, deute auf einen kulturellen Wandel hin, den man für Zentralasien erst deutlich später vermutete. Die Region galt in dieser Zeit als relativ zurückhaltend, was Veränderungen in Bezug auf Landwirtschaft und Tierhaltung angeht. (mai/mgt)