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Wie ist das Wetter? Wenns nicht regnet feucht, wenns regnet pflotschnass. Aber man befürchtet, die «El Niño»-Konstellation könnte eine frühe Dürre einleiten, unterbrochen von mehreren Supertaifunen. Jetzt sorgt ein Taifun, der lokal Egay heisst, für Überschwemmungen und dreht in einer komplexen Verbindung mit dem saisonalen Monsunregen über der Insel Luzon. Das heisst, es regnet ununterbrochen, und das seit Wochen. Auch auf den Reisfeldern steht das Wasser hoch, Gruppen von Taglöhner:innen haben Setzlinge gepflanzt.
Anton, ein Bauer in den Hügeln über Manila, sagt, im Juli pflanze man auf gut Glück, weil der Reis, wenn er in vier Monaten Frucht trage, trockenes Wetter brauche. Ein Vabanquespiel. Von seinem Ausgang hängt ab, ob man im Jahreslauf zwei- oder dreimal ernten kann. Immerhin sei der Markt wieder offen für alle Produkte. Während der Pandemie brachte Anton sein Gemüse nicht los, weil sich nur noch die Polizei auf den Strassen bewegen durfte. Er sass auf seinem Kohl und wusste nicht, wohin damit, also hat er ihn verschenkt. Zum Glück schenkten alle einander, was sie übrig hatten. Einer gab ihm ein Huhn. Und weil man auch nicht mehr zur Apotheke kam, pflanzte man Kräuter an. Lagundi, chinesischer Mönchspfeffer, sei gut für die Lungen.
Wann die Dürre einsetzt, kann Jeffrey nicht sagen. Er ist zwar erst sechzehn, weiss aber sehr viel über Wetter und Klima. Seine Tage verbringt er damit, wissenschaftliche Websites mit meteorologischen Satellitenbildern und Analysen zu lesen. Er beobachtet jeden Sturm, der sich über dem Pazifik bildet, von Anfang an. Mit den Freunden, die er in einem Computerspiel trifft, tauscht er sich über die Gefahren aus, die seinen Bastionen in der virtuellen Welt drohen, manchmal aber auch über die Winde, die er von den wissenschaftlichen Seiten her kennt. Manchmal schreibt er Deutsch, denn zwei seiner Freunde wohnen in Nordrhein-Westfalen. Und manchmal, wenn ein Taifun die Stadt Manila trifft, hört er den Regen aufs Dach prasseln, und seine Familie ist in Aufruhr, weil der Hinterhof überschwemmt wird, zwei Hausangestellte schöpfen das Wasser ab, damit es nicht in die Küche fliesst.
Jeffrey würde helfen, wenn er aufstehen könnte. Aber er hat Lähmungserscheinungen, seit er das Zimmer partout nicht mehr verlässt. Während der Pandemie hatte er keine Wahl. Die Schulen waren zwei Jahre lang geschlossen. Und Jeffrey ist nicht der Einzige, der jetzt Mühe hat, wieder hinauszugehen in die Hauptstadt, die noch ärmer und schmutziger geworden ist. Nur der Internethandel hat sich massiv verbessert und der Lieferservice.
Jeffrey sitzt vor seinem Bildschirm und zeigt auf eine Kurve, die ihm den Schlaf raubt: «Siehst du das, diese rote Linie hier, die fast senkrecht nach oben zeigt? Das ist ein totaler Ausreisser, das hat man noch gar nie gesehen!» Er spricht vom Anstieg der durchschnittlichen globalen Oberflächentemperatur, die diesen Juli so hoch ist wie noch nie. Noch mehr Sorgen bereitet ihm die hohe Meeresoberflächentemperatur, denn die führt zu Stürmen. «Wenn ein Taifun den Reis kurz vor der Reife trifft, kannst du die Ernte vergessen», sagt Anton weit entfernt von Jeffreys Bildschirm, am Rand einer Stadt, die sich nach der Pandemie langsam aufrappelt.
Annette Hug ist für zwei Monate auf den Philippinen, wo sie an der Übersetzung eines Romans arbeitet. Sie hätte gern über die Fussballweltmeisterschaft der Frauen geschrieben, aber jetzt ist gerade ein Fluss über die Ufer getreten.