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Als Einschläge oder Einhegungen werden die Privatisierung von Kollektivland (Allmenden, Wälder) und die Aufhebung von kollektiven Nutzungsrechten (allgemeiner Weidgang) auf Privatland bezeichnet. Das der kollektiven Nutzung entzogene Land wurde zum Schutz vor weidendem Vieh und als Zeichen besondern Rechts "eingeschlagen", d.h. mit einem Zaun umfriedet. Über seine Bewirtschaftung konnte der Besitzer frei entscheiden. Traten solche Landprivatisierungen in einer Region gehäuft auf, spricht man - analog zum engl. enclosure movement - von einer Einschlagsbewegung.
Die Absichten, welche Landbesitzer mit der Einschlagung von Land verfolgten, variierten je nach Agrarzone, Agrarkonjunktur und individuellen Interessen. Im SpätMA hegten Bauern im Kt. Freiburg und der Urschweiz Wiesen ein, um die kollektive Frühlings- und Herbstweide aufzuheben und so die Heuproduktion der Talwiesen zu erhöhen, eine Voraussetzung für die Ausdehnung der Alpwirtschaft. Im Mittelland wurden zur gleichen Zeit als Folge der Agrarkrise Zelgäcker (Zelgensysteme) durch Einschläge in Grünland umgewandelt. Der starke Bevölkerungsanstieg im 16. Jh. führte allerorts zu Allmendeinschlägen und -teilungen, um neues Ackerland zu gewinnen. In vielen Einzelhofgebieten verschwanden die Allmenden vollständig. Als gegen Ende des 16. Jh. der Landesausbau an Grenzen stiess und sich das Klima verschlechterte, verbesserten im Kt. Luzern zahlreiche Dörfer ihre Ackerfluren, indem sie Zelgland in wechselwirtschaftlich genutzte Wiesen (Feldgraswirtschaft) umwandelten. Mit dieser den naturräuml. Verhältnissen besser angepassten Form des Ackerbaus erhöhten sie die Getreide- und Heuerträge, was besonders dort erfolgreich war, wo das Land während der Grünlandphase bewässert (Bewässerung) werden konnte. Eine neue E. lässt sich in der 2. Hälfte des 18. Jh. feststellen. Im Unterschied zur Zeit um 1600 führte sie zu einer Ausdehnung des Grünlandes auf Kosten der Getreideäcker, einerseits weil die Preise für vieh- und milchwirtschaftl. Produkte stärker anzogen als diejenigen für Getreide, anderseits weil in vielen Regionen die Heimindustrie Arbeitskräfte band. Für die Basler Landschaft ist nachgewiesen worden, dass die Heimarbeiterdörfer wesentlich grössere Anteile ihrer Ackerfluren einhegten als die Bauerndörfer. Dank Einhegungen konnten die Heimarbeiter eine auf ihre Konsumbedürfnisse (Milch, Kartoffeln) ausgerichtete Nebenerwerbslandwirtschaft betreiben.
Die Initiative zu den Einhegungen ging in der Schweiz in der Regel von Bauern aus, welche die Bewilligung von Gemeinden, Zehntherr und Obrigkeit beibringen mussten. Oft stiessen Einschläger auf den Widerstand der Zehntherren, weil diese einen Rückgang der Getreidezehnten (Zehnt) befürchteten, im 16. und 17. Jh. allerdings meist zu Unrecht. Mit den Dorfgenossen waren Zu- und Wegfahrtsmodalitäten, das Pflugwenderecht sowie die Frage des Weidgangs zu regeln. Gewöhnlich hatte der Petent der Gemeinde für den entgangenen Weidgang eine Abgabe zu zahlen. Eine jährl. Gebühr war zudem dem Zehntherrn und teilweise auch der Obrigkeit zu entrichten, die ihr Bewilligungsrecht allerdings erst im 18. Jh. effektiv durchsetzen konnte. Zuvor waren die Gemeinden vielfach in eigener Regie vorgegangen, zumal die Obrigkeiten in vielen Kantonen bis in die 2. Hälfte des 18. Jh. Einschlägen gegenüber eher ablehnend eingestellt waren.
Grössenmässig variierten die Einschläge nach Umfang und Anzahl der eingeschlagenen Parzellen. Sie dienten als Reb-, Wies- und Weideland, seltener zum Anbau von Hanf, Flachs, Hirse und Gemüse. In der E. des 18. Jh. dominierte die Nutzung als Weide oder Wiese, gegen Ende des 18. Jh. auch als Anbaufläche für Kartoffeln und Kunstgras (Fruchtwechselwirtschaft). Angesichts der höheren Preise für Wies- und Matt- gegenüber Ackerland erfuhren eingeschlagene Parzellen eine markante Wertsteigerung. Vielerorts lösten Flureinschläge wegen der Frage des Weidgangs Konflikte aus zwischen den Einschlägern, die meist Vollbauern waren, und Taunern, für die der uneingeschränkte Weidgang eine wichtige Existenzbasis bildete.
Literatur
– N. Morard, «Les premières enclosures dans le canton de Fribourg à la fin du moyen âge et les progrès de l'individualisme agraire», in SZG 21, 1971, 249-281
– S. Huggel, Die E. in der Basler Landschaft, 1979
– Die Agrarzonen der Alten Schweiz, hg. von A. Schluchter, 1989
– A. Ineichen, Innovative Bauern, 1996
– P. Rásonyi, Promotoren und Prozesse institutionellen Wandels: Agrarreformen im Kt. Zürich im 18. Jh., 2000
Autorin/Autor: Niklaus Landolt