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Die Arbeit ist für den Menschen mehr als notwendiger Lebensunterhalt. Sie ist ein wesentlicher Bereich für die Verwirklichung seiner Berufung. Arbeit ist Gottesdienst im Alltag. Das war lange eine protestantische Grundüberzeugung, die sich bereits in
einem Gleichnis Jesu aus dem Matthäusevangelium finden lässt (Mt 25).
Dort heisst es: «Es ist wie mit einem, der seine Knechte rief, bevor er ausser Landes ging, und ihnen sein Vermögen anvertraute; und dem einen gab er fünf Talente, dem andern zwei, dem dritten eines, jedem nach seinen Fähigkeiten, und er ging ausser Landes. Sogleich machte sich der, der die fünf Talente erhalten hatte, auf, handelte damit und gewann fünf dazu, ebenso gewann der, der die zwei hatte, zwei dazu. Der aber, der das eine erhalten hatte, ging hin, grub ein Loch und verbarg das Geld seines Herrn.»
Der dritte Knecht tut nichts
Arbeit, so kann man das interpretieren, enthält immer zweierlei: die unterschiedlichen, natürlichen und deshalb gottgegebenen Fähigkeiten und Begabungen, die Talente. Und den möglichst erfolgreichen Einsatz dieser Gaben. Die beiden Knechte, die ihre Talente verdoppelten, werden nach der Rückkehr gelobt. Der dritte Knecht, der das Talent vergrub, wird dagegen beschimpft: «Du böser und fauler Knecht! Du hast gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und einsammle, wo ich nicht ausgestreut habe? Dann hättest du mein Geld den Wechslern bringen sollen, und ich hätte bei meiner Rückkehr das Meine mit Zinsen zurückerhalten.»
Im Sinne der Bergpredigt arbeiten
Schon immer hat die ausschliessliche Wertschätzung von Leistung und Erfolg im Gleichnis Unbehagen ausgelöst. Und versteht man das Talent im ursprünglichen Sinn, als eine sehr hohe Geldsumme, dann verteidigt der Text das aktuelle Verhältnis von Kapital und Arbeit. Grosses Kapital lässt sich einfach vermehren, während dort, wo nur die eigene Arbeit dem Lebensunterhalt dient, letztlich kaum etwas übrigbleibt. «Denn jedem, der hat, wird gegeben werden, und er wird haben im Überfluss; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen werden, was er hat.»
Doch wie wäre es, wenn das Talent nicht das ist, was ein Mensch mitbringt oder besitzt, um es dann für sich zu entfalten? Sondern das, was der abwesende Jesus uns als Möglichkeit und Auftrag hinterlassen hat: füreinander im Sinne der Bergpredigt zu arbeiten. So liesse sich dieses Gleichnis vielleicht noch retten …
Text: Klaus Fischer, Pfarrer, Gossau | Foto: Katharina Meier – Kirchenbote SG, Mai 2019