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Jahr für Jahr wird mehr Biosoja angebaut. Die Qualitätsanforderungen sind sehr hoch - entsprechend anspruchsvoll ist die Kulturführung.
Fruchtfolge
Der Soja sollte wenn möglich nur wenige Jahre nach einem Wiesenumbruch angebaut werden, und sowieso nicht auf Parzellen (z.B. in Umstellung) auf welchen seit Jahrzehnten keine Kunstwiese war.
Parzellenwahl
Parzellen meiden, auf denen viel Stickstoff mineralisiert wird. Diese Parzellen eignen sich nicht für den Anbau von Biosoja. Das sind zum Beispiel:
- Parzellen, auf denen im Vorjahr noch eine mehrjährige Kunstwiese war.
- Parzellen, auf denen im Vorjahr Hühnermist ausgebracht wurde.
Wenn im Boden grosse Mengen Stickstoff freigesetzt werden, wird das ein verstärktes Wachstum der Unkräuter und die Lagerung des Sojabestandes zur Folge haben. Soja darf nicht mit stickstoffhaltigem Hofdünger gedüngt werden. Eine Gabe Grünschnittkompost (der einen geringen Stickstoffgehalt hat) oder kleine Mist- oder Mistkompostgaben stellen hingegen kein Problem dar. Kompostdünger regen die biologische Tätigkeit des Bodens an und tragen positiv zur Humusbilanz bei.
Bodenbearbeitung
Soja eignet sich sehr gut für eine Mulchsaat (Foto). Entgegen der landläufigen Meinung ist das konventionelle Pflügen (z.B. nach einer Gründüngung) nicht notwendig. Nur wenn ein sehr hoher Unkrautsamenvorrat im Boden vermutet wird, ist ein oberflächliches Pflügen mit einem Schälpflug von Vorteil.
Unkrautregulierung
Unkrautkur
Wenn Sie die Möglichkeit haben, führen Sie vor der Saat 1-2 Unkrautkuren durch, um den Unkrautdruck zu vermindern. Man sollte 2-3 Wochen vor der Aussaat damit beginnen und alle 7-10 Tage wiederholen.
Auswirkungen auf die mechanische Unkrautregulierung
In der Regel genügen zwei bis drei leistungsfähige Hackgänge, um das Unkraut im Griff zu haben. Wenn aber die Soja auf einer ungeeigneten Parzelle angebaut wird (siehe oben) und die Bodenbearbeitung vor der Saat nicht gut gelungen ist, kann sich die Anzahl Hackgängen verdoppeln oder verdreifachen!
Reihenabstand
Ein Reihenabstand von mehr als 30 cm (idealerweise 50 cm) ermöglicht das Hacken der Bestände und sie bis zum Reihenschluss unkrautfrei zu halten. Zudem werden beim Hacken die Kapillaren gestört und damit Wasser im Boden zurückgehalten, was in einem trockenen Frühjahr wichtig ist.
Soja darf nicht wie Getreide gesät werden, denn bei diesen kleinen Reihenabständen (12 bis 17 cm) kann der Sojabestand nur mit dem Striegel oder der Rollhacke bearbeitet werden, was bei der konkurrenzschwachen Sojakultur meistens nicht ausreicht, um das Unkraut in den Griff zu bekommen. Und die Soja wird mehr an Trockenheit leiden, weil sie nicht gehackt wird.
Soja kann auch mit einem Reihenabstand von 30 bis 35 cm gesät werden, wenn auf dem Betrieb eine Hacke vorhanden ist, mit der man zwischen den Reihen hacken kann. Keinesfalls sollte Soja wie Mais, mit einem Reihenabstand von 75 cm angebaut werden. Bei diesem weiten Abstand besteht das Risiko, dass sich die Reihen gar nie schliessen.
Saatdichte
Das Ziel ist, dass nach Abschluss der Unkrautregulierung etwa 55 Pflanzen pro m2 stehen. Bei einer Keimfähigkeit von 80 % müssen bereits 70 Körner pro m2 gesät werden. (Präzision lohnt sich). Da Pflanzenverluste durch die mechanische Unkrautregulierung möglich und sogar anzustreben sind, gilt es, diese durch eine leicht erhöhte Saatdichte zu kompensieren (zirka 1-2 % pro angestrebtem Hackgang mit strenger Geräteeinstellung). Je nach Hacken werden also 70-80 Körner pro m2 gesät.
Bei Einzelkornsaat kommt bei hohen Saatdichten die Technik (Vakuum und Antrieb) mitunter an ihre Grenzen. Ggf. müssen spezielle Lochscheiben und stärkere Gebläse für die schweren Sojakörner eingesetzt werden, wie sie von manchen Herstellern speziell für Soja angeboten werden.
Die meisten Sorten werden im Handel in Packungseinheiten von 125 000 Korn angeboten. Daraus ergibt sich ein Bedarf von 6 Packungen pro Hektare, um eine Saatdichte von 75 Körner pro m2 zu erzielen.
Saattiefe
Wenn Sie blindstriegeln wollen, achten Sie darauf, dass die Saat in 4-5 cm Tiefe gesät wird. Bis maximal 3 Tage nach der Saat kann mit geringstem Druck und mit geringer Geschwindigkeit der Striegel eingesetzt werden, wenn der Keimling noch mehr als 3 cm unter der Erdoberfläche ist. Kontrollieren Sie immer wieder, ob die auflaufende Saat nicht zerstört wird. Probieren Sie auf einer kleinen Fläche aus, um ein Gefühl dafür zu bekommen.
Saattermin
Bis Anfang Mai kann es immer noch zu Spätfrösten und Kälteperioden kommen. Die Bodentemperatur sollte bei der Saat nicht unter 10 °C liegen. So werden die Sojapflänzchen schnell auflaufen und das Unkraut besser unterdrücken können. In normalen Lagen wird die Saat ab dem 10. Mai empfohlen. Bei südlicher Ausrichtung und einem milden Klima (zum Beispiel an Seen) kann auch zwischen 1. und 10. Mai gesät werden. Eine Aussaat nach Ende Mai wird nicht empfohlen. Die Spätsaat kann dazu führen, dass sich die Abreife verzögert und hohe Trocknungskosten anfallen, denn ab Anfang Oktober nimmt die Sonnenscheindauer stark ab und die Tage mit Herbstnebel werden häufiger.
Werden heftige Regenfälle oder eine anhaltende Regenperiode gemeldet, sollte die Soja keinesfalls gesät werden, denn so besteht die Gefahr einer starken Bodenverkrustung und eines ungleichmässigen Auflaufens der Kultur, was die mechanische Unkrautregulierung stark erschweren würde.
Ein Versuch mit verschiedenen Aussaatzeiten und deren Effekt auf die Erntemenge lässt den Schluss zu, dass eine frühe Aussaat nicht unbedingt zu höheren Erträgen führt (siehe Grafik).
Video Aussaat von Biosojabohnen (Webseite Deutscher Soja Förderring)
Vor der Aussaat muss das Saatgut unbedingt mit den eigens für Soja vorgesehenen Bakterienpräparaten geimpft werden. Produkte für andere Arten, wie z.B. Lupine, sind nutzlos.
Die Inokulation ist bei uns zwingend, denn sonst besteht die Gefahr massiver Mindererträge. Obwohl gewisse Saatgutposten vorgeimpft sind, empfehlen wir, das Saatgut auf jeden Fall kurz vor der Saat nachzuimpfen. Versuche haben gezeigt, dass die Wirksamkeit der Vorimpfung ungenügend ist.
In verschiedenen Versuchen des FiBL haben sich die Handelsprodukte „Biodoz“ und „HiStick“ (erhältlich bei den Saatgutlieferanten) am besten bewährt. Wir empfehlen deshalb, keine anderen Produkte zu verwenden. Die Kontaktimpfung ist am einfachsten. Das angefeuchtete Saatgut wird dabei kurz vor der Aussaat mit dem schwarzen Bakterien-Torfpulvergemisch und mit Wasser (unbedingt chlorfrei) oder alkoholfreiem Bier (besseres Haftmittel,) vermischt. Achten Sie darauf, dass die Samen nicht brechen oder gequetscht werden. Risse im Saatgut haben eine geringere Keimfähigkeit zur Folge.
Von einer Impfung von mehr als 24 Stunden vor der Aussaat raten wir dringend ab. Je unmittelbarer die Impfung vor der Aussaat erfolgt, desto besser. Da die Bakterien licht- und wärmeempfindlich sind, sollten das geimpfte Saatgut und das Impfmittel dunkel und bei nicht über 25 °C gelagert werden. Einmal geöffnetes Impfmittel sollte aufgebraucht werden, da es nicht lange haltbar ist. Lieber zu viel als zu wenig Impfmittel verwenden. Ein nochmaliges Durchmischen des Saatgutes zwanzig Minuten nach der Impfung kann verklebte Körner lösen und dadurch Lücken bei der Aussaat vorbeugen.
Bei der Saat durch Lohnunternehmer muss sichergestellt sein, dass die Sämaschine frei von Rückständen von Beizmitteln ist.
Als Alternative zur Saatgutimpfung wird ab und zu auch die Impfung des Bodens mit einem Mikrogranulator (wie sie oft für die Ausbringung von Schneckenkörnern im konventionellen Anbau verwendet werden) bei der Saat praktiziert. Dabei werden neutrale Mikrogranulate mit den Knöllchenbakterien gemischt. Diese Art der Impfung ist vermutlich etwas weniger sicher und erfordert eine höhere Aufwandmenge. Biobetriebe müssen auf eine gründliche Reinigung des Gerätes vor der Aussaat bestehen.
Die Impfung mit einer Feldspritze über die Bodenoberfläche (als Ersatz für eine vergessene Impfung des Saatguts) ist absolut nutzlos.
Unkrautregulierung
Biosojaanbau: Unkrautregulierung (gleiche Rubrik)
Pflanzenschutz
Distelfalter
Kontrolle der Distelfalterraupen im Sojafeld (Auf dieser Webseite)
Sklerotinia
Unter nassen Bedingungen kann die Soja von Sklerotinia befallen werden, was aber meist keine nennenswerte Schäden zur Folge hat. Andere Wirtspflanzen wie z.B. Sonnenblumen oder Raps sind viel anfälliger. Bei der Planung der Fruchtfolge muss darauf geachtet werden, dass nicht zu viele anfällige Pflanzenarten vorkommen. Biosoja sollte nicht nach Sonnenblumen angebaut werden, da letztere stark von der Sklerotinia-Krankheit befallen waren (Foto).
Schnecken
Auch in feuchten Jahren wie 2016 hielten sich die Schneckenschäden in Grenzen und fielen geringer aus als erwartet. Auf Knospe-Betrieben ist es weiterhin nicht erlaubt, das Handelsprodukt „Sluxx“ im Sojaanbau einzusetzen. Auch die Ergebnisse aus der FiBL-Umfrage von 2016 bei den Produzenten lassen keine echte Notwendigkeit erkennen. Vermutlich werden in gewissen Fällen die Schnecken für Hasenschäden verantwortlich gemacht. Beobachten Sie gut, ob Sie auch Hasen in Ihren Sojafeldern haben!
Weiterführende Informationen
Biosoja aus Europa, Dossier, FiBL, 2015 (FiBL-Shop)
Letzte Aktualisierung dieser Seite: 24.04.2019