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Ursachen und Symptome | Schweregrad der Krankheit | Konservative Behandlung | Operative Behandlungen | Nachbehandlung
Der Morbus Dupuytren ist eine gutartige Erkrankung der Palmaraponeurose und befällt am häufigsten den Klein- und Ringfinger. Vor allem die genetische Prädisposition und somit die familiäre Häufung sind erwiesen. Auch andere Ursachen wie Diabetes mellitus, Unfälle, Antiepileptica oder Leberschädigungen können eine Wucherung der Palmaraponeurose verursachen. Jedes Jahr erkranken in der Schweiz 100’000 bis 150’000 Personen an einem Morbus Dupuytren. 60 bis 80 Prozent der Erkrankten sind Männer.
Die Handbindegewebeschicht, genannt Palmaraponeurose, ist eine komplexe dreidimensionale Anordnung von Längs-, Quer- und in die Tiefe verlaufenden Fasern. Die darüberliegende Haut ist mit ihr durch eine weitere Schicht verbunden, welche die oberflächliche Faszie unter der Haut mit der Hand bildet. Die Palmaraponeurose ist beim Greifakt ein wichtiger Stabilisationsfaktor, da sie einen engen Kontakt mit dem gehaltenen Gegenstand ermöglicht, ohne dass sich die Haut stark verschiebt. Zusätzlich sorgt sie für einen Schutz der darunterliegenden Blutgefässe, Nerven und Beugesehnen.
Die Entstehung des Morbus Dupuytren erfolgt in der Regel langsam und meist über Jahre. Mit der Zeit können die Funktion und die Leistungsfähigkeit der Hand soweit beeinträchtigt sein, dass selbst einfache Tätigkeiten nur noch erschwert möglich sind. Meistens ist dann eine Operation nötig. Anfangs bilden sich im Bindegewebe der Handfläche gutartige, weiche knotige Veränderungen. Im späteren Stadion des Morbus Dupuytren treten festere Stränge entlang der Fingersehnen oder flächige Vernarbungen auf. Nach und nach werden die Finger unbeweglicher, und eine volle Streckung ist nicht mehr möglich. Aufgrund der verkrümmten Finger gelingt es im fortgeschrittenen Stadium nicht mehr, die Hand flach auf den Tisch zu legen, wie in Abbildung 1 dargestellt. In der Folge kommt es auch zu einer Schrumpfung der Gelenkkapsel, vor allem der Mittelgelenke. Die Stadieneinteilung nach Tubiana (siehe Tabelle) gibt Auskunft über den Schweregrad der Krankheit. Weitere Erkrankungen, die im Zusammenhang mit dem Morbus Dupuytren stehen und oft gleichzeitig auftreten können, sind der Morbus Ledderhose (gleiche Strang- und Knotenbildung an der Fusssohle) und die Induratio penis plastica (Befall des Bindegewebes am Penis).
Stadium 0= keine Krankheitszeichen
Stadium N= Knotenbildung
Stadium 1= Streckausfall zwischen 0° und 45°
Stadium 2 = Streckausfall zwischen 45° und 90°
Stadium 3= Streckausfall zwischen 90° und 135°
Stadium 4 = Streckausfall > 135°
Die Grade beziehen sich auf einen summierten Streckausfall aller Fingergelenke eines Fingerstrahles.
Behandlungsmöglichkeiten
Die konservativen Massnahmen wie Massagen, Salben oder Gymnastik bringen in der Regel keinen Erfolg. Seit einigen Jahren besteht die Möglichkeit, einzelne Stränge mit einem Medikament, das in den Strang gespritzt wird, zu behandeln. Dabei handelt es sich um ein Collagenase Clostridium histolyticum. Dieses Verfahren ist aber ganz umschriebenen Strängen vorbehalten und führt zu einem Unterbruch des Stranges. Die Knoten bleiben bestehen. Zudem treten die Stränge häufiger und früher wieder auf.
Als weitere therapeutische Möglichkeit kommt das Needeling-Verfahren in Frage. Dabei werden einzelne Stränge unter Lokalanästhesie mit einer Nadel so lange durchstochen, bis der Strang reisst und der Finger wieder eine bessere Streckung erreicht. Die Behandlung mit Röntgenstrahlen wird heute praktisch nicht mehr angewendet, da die Erfolge sehr umstritten sind.
Für die fortgeschrittenen, komplizierten Formen mit Knotenbildung und starker Fingerkrümmung ist die chirurgische Behandlung immer noch am erfolgreichsten. Die Operation wird in einer Regionalanästhesie (Betäubung des Armes) oder Vollnarkose durchgeführt. Zudem wird eine Blutleere angelegt, um intraoperativ blutfrei und unter optimalen Verhältnissen operieren zu können. Es wird immer eine Lupenbrille verwendet. Die Schnittführung erfolgt zickzackförmig von der Hohlhand aus und falls nötig bis zu den Endgelenken. Die Haut wird von den Knoten und Strängen abgehoben. Die Gefässe und Nerven müssen sorgfältig aus den Bindegewebswucherungen herauspräpariert werden. Die Stränge und Knoten werden so vollständig wie möglich entfernt. Häufig müssen auch die Gelenkkapseln der Mittelgelenke gelöst werden.
Bei sehr starker Fingerkrümmung kann es vorkommen, dass nach der vollen Streckung ein Hautdefekt entsteht. Dann müssen zum Verschluss Verschiebelappen oder Hauttransplantationen vorgenommen werden.
Der Eingriff dauert je nach Schweregrad und Anzahl der betroffenen Finger zwischen einer und zwei Stunden.
Abb. 1: Der Ringfinger lässt sich nicht mehr strecken.
Abb. 2: Vor der Operation.
Abb. 3: Nach der Operation.
Für einige Tage wird ein voluminöser Verband angelegt, einerseits als Kompressionsverband gegen Blutergussbildung, anderseits als «Dochtwirkung», um allfällige kleinere Blutmengen aufzunehmen. Sehr früh wird mit aktiver und passiver Mobilisation begonnen, falls notwendig unter ergotherapeutischer Führung. Nach zwei Wochen werden die Fäden entfernt, und meistens kann die Hand ohne grössere Einschränkungen wieder benutzt werden. Das Wiederauftreten der Bindegewebswucherung (sog. Rezidiv) ist möglich und umso höher, wenn ein Elternteil schon betroffen war, wenn die Krankheit vor dem 40. Lebensjahr auftritt und wenn Zeigefinger und Daumen auch befallen sind. Ebenso ist das Risiko bei Frauen höher als bei Männern. Der Dupuytren ist trotz allem eine gutartige Erkrankung und kann durch einen erfahrenen Handchirurgen in der Regel gut therapiert werden.
Autor: Dr. med. Markus Strickler, Facharzt FMH für Chirurgie, Spezialgebiet: Handchirurgie
ZAHLEN UND FAKTEN
Operation
1 bis 2 Stunden, Voll- oder Teilnarkose
Klinikaufenthalt
Nachbehandlung
Ruhigstellung für 5 Tage, Fädenentfernung nach 2 Wochen, Streckgelenkschiene für 2 bis 3 Monate
Arbeitsunfähigkeit
Sport
Kosten
Kostenübernahme muss bei Krankenkasse beantragt werden