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mäßiger und richtiger gestaltete und die Verhältnisse nach den, an den Resten noch kenntlichen und nun erst recht verstandenen Regeln der Alten wählte. Von der bloßen Nachahmung antiker Bauwerke war man anfänglich noch weiter entfernt, als jemals; erst nach Michelangelo kam eine solche auf.
Die Baukunst in Rom. Im letzten Jahre des 15. Jahrhunderts war Bramante nach Rom gekommen und mit seiner Ankunft beginnt die Zeit der höchsten Blüte der Renaissance-Baukunst nicht nur für Rom, sondern für ganz Italien, ja für die ganze Welt. Ich habe schon früher gesagt, daß die römische Baukunst vor Bramante im Wesentlichen nicht über bloße Anläufe hinaus gekommen war; nunmehr entsteht ein Werk, welches die lange Zögerung wett macht, indem es gleichsam die Errungenschaften der florentinischen Baukünstler zusammenfaßt und in abgeklärter Form zur Erscheinung bringt.
Bramantes Bauten. Dieses Bauwerk ist der Palast der päpstlichen Kanzlei, die sogen. Cancelleria (Fig. 419). Gegen die frühere Annahme, daß Bramante der Erbauer der Cancelleria ist, hat man jetzt den Einwand erhoben, daß der Bau schon 1496 teilweise beendet und bewohnt war, doch ist der Name des eigentlichen Baumeisters nicht bekannt. Im Grunde ist es gleichgiltig, wer der Meister war, uns genügt das Vorhandensein des Werkes und wir können immerhin Bramantes Namen damit verknüpfen, denn sein Geist spricht sicher daraus zu uns. Im Aufbau des Aeußeren ging der Meister auf jene Art florentiner Palastbauten zurück, die durch Alberti im Palazzo Ruccellai ^[richtig: Rucellai] vorgezeichnet worden war. Es ist also eine Verbindung von Rustika mit Wandpfeilerordnungen.
Sucht man aber die Unterschiede zwischen beiden auf, so erkennt man leicht in der Cancelleria eine Veredlung der Albertischen Formen. Dieses zeigt sich sowohl in einer Steigerung der Schönheit der Verhältnisse, als auch in geschmackvollerer Bildung der
^[Abb.: Fig. 433. Palladio: S. Giorgio maggiore.
Venedig.] ¶
Einzelheiten und in Verminderung des Zierwerkes. Der untere Stock zeigt blos Bossenwerk, gewinnt also wieder, dem Gedanken des Tragens der Gesamtlast entsprechend, das Aussehen des Sicheren. Die beiden oberen Stockwerke erhalten dagegen vermehrte Pfeilerstellungen - Pilastergruppen -, indem jedem Fenster noch zwei begleitende Pfeiler beigegeben werden. Richtiger ist auch der Aufbau der Pilaster, sie steigen nicht - wie beim Palast Rucellai - ohne weiteres von dem Gebälk der unteren Ordnung auf, sondern von einem auf diesem ruhenden Sockel, der zugleich die Höhe der Fensterbrüstung bestimmt. Dadurch wird eine jede Ordnung selbständig und jedes Stockwerk erscheint als ein für sich abgeschlossenes, fertiges Ganzes. Daß dann diese Einzelteile zusammen wieder zu einem großen Ganzen im schönen Einklang sich vereinigen, zeugt für die große Kunst des Meisters.
Auch die reiche Ausgestaltung der Einzelheiten, der Thüren, Fenster und geschmückten Gesimsbänder ist fortgefallen und alles auf den Ausdruck des Großartig-Einfachen abgestimmt. Das allmähliche Abnehmen der Masse nach oben zu wird weniger durch auffällige Erniedrigung der Stockwerkhöhen, als vielmehr durch Verkleinerung der Einzelteile z. B. der Fenster, gekennzeichnet. Diese erhielten im oberen Stock die in der Hochrenaissance am meisten beliebte rechteckige Form. In den beiden unteren Stockwerken und unter dem Dache werden die rundbogigen Fenster durch eine rechteckige Umrahmung eingeschlossen.
Im Hof der Cancelleria zeigen sich dieselben Schönheiten wie im Aeußeren. Die Säulen des Untergeschosses wurden von einer abgebrochenen alten Basilika - S. Lorenzo - genommen, sie sind ursprünglich Teile eines altrömischen Gebäudes gewesen, also «echt antik.»
Eine Art Wiederholung hinsichtlich der Einzelheiten findet man an dem Palast Giraud oder Torlonia, 1496-1504 erbaut, der jedoch durch anders gewählte Verhältnisse seine besondere, unterscheidende Eigenart erhält.
Von beglaubigten fertigen Werken Bramantes aus seiner römischen Zeit ist sonst wenig erhalten. Vieles wurde wegen der Großartigkeit der Pläne nicht vollendet, anderes wieder zerstört. Die paar bestehenden Bauwerke im Verein mit seinen noch vorhandenen Entwürfen geben jedoch ein genügend deutliches Bild von dem, was Bramante gewollt hat. Im Kleinen bietet ein Tempelchen im Klosterhofe von S. Lorenzo alle Schönheiten seines Stils, es ist zugleich der einzige wirklich vollständig nach seinem Plane vollendete Kuppelbau. Bei der Anlage dieses reizenden Bauwerkes ging Bramante von der Kreislinie aus. Der Grundriß bildet einen Kreis, die Kuppel ist streng halbkugelförmig und ruht auf einem Säulen-Umgang, zur Belebung der Wandflächen dienen runde Nischen. Alles Zierwerk wurde vermieden; die Säulen des Umganges sind dorisch gebildet (Fig. 420).
Ein anderes eigenes Werk Bramantes ist der Klosterhof bei S. Maria della Pace, welcher neben dem Reiz schöner Verhältnisse, noch einen besonderen durch die freie Ver-
^[Abb.: Fig. 434. Palladio: Kirche del Redentore.
Venedig.] ¶