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Bekämpfung des Hallimaschs
Soll die Bekämpfung Chancen auf Erfolg haben, muss der befallene Baum optimal mit Wasser, Luft und Nährstoffen versorgt sein. Erst wenn diese Grundbedürfnisse gedeckt sind, kann sich der Baum auf die Abwehr des Hallimaschs konzentrieren. Umgekehrt werden nur bereits geschwächte Bäume durch den Hallimasch befallen. Es ist auf jeden Fall sinnvoll Standortverbesserung, Bewässerung und die Bekämpfung des Hallimaschs parallel in Angriff zu nehmen. So verstärken sich die Massnahmen gegenseitig. Als Analogie kann man es auch so sehen: ist jemand kurz vor dem verdursten, so wird ihm selbst die beste Medizin nicht helfen, solange er kein Wasser bekommt. Ebenso empfindlich wie auf Wassermangel reagieren einige Baumarten auf Luftmangel im Wurzelbereich. So ersticken die Wurzeln der Buche bereits nach 2 Wochen Überflutung oder beim Auftragen von 5 cm lehmigem Boden.
Sind die Grundbedürfnisse Wasser, Luft, Nährstoffe und Licht gedeckt, kann der Baum alle Energie in die Abwehr des Hallimaschs stecken. Bäume haben hier verschiedene Strategien entwickelt, um sich gegen parasitische Pilze zu wehren. Die bekannteste ist wohl das Harz der Nadelbäume. Laubgehölze benutzen dagegen Phenole und andere pilzwidrige Substanzen. Viele Baumarten sind in der Lage befallenes Holz durch eine Barrierezone vom restlichen Baum abzuschotten. Diese Barriere besteht aus lebendigen Zellen und ist ein unüberwindbares Hindernis für die meisten Pilze. Die Barrierezone bietet nur solange Schutz, wie sie ausreichend mit Energie/Zucker versorgt ist. Die Barrierezone ist via Markstrahlen mit dem Kambium und dem Bast verbunden. Was ich hier noch erwähnen muss: das Splintholz, der Teil des Holzes, welches für den Wassertransport zuständig ist, ist keineswegs totes material. Splintholz ist von einem Netzwerk von lebendigen Zellen durchzogen. Zu diesen sogenannten Parenchymen gehören: Markstrahlen, Zellen die Gummi oder Harz produzieren, Zellen, die aktiv auf Lufteintritt reagieren und solche, die die Speicherung von Nährstoffen übernehmen. Die Markstrahlen funktionieren sowohl als Speicherort für Stärke sowie als 3-dimensionales Netzwerk im Splintholz. Wird ein Baum verwundet, so hat der im Folgejahr gebildete Jahrring im Umkreis der Wunde einen wesentlich grösseren Gehalt an langlebigen Zellen (Parenchyme der Barrierezone). Die Zellen der Barrierezone werden durch die Markstrahlen mit allem versorgt, was sie zum Funktionieren brauchen. Wie effektiv diese Barriere ist, sieht man bei alten, hohlen Bäumen. Hier war ein holzzersetzender Pilz dazu in der Lage, den gesamten Kern des Baumes abzubauen. Das Holz wurde restlos zersetzt. Doch war es dem Pilz nicht möglich, die Barriere zu überwinden. An der Innenseite solcher hohlen Bäume gibt es oft einen abrupten Übergang von komplett zersetztem zu gesundem Holz.
Nur ein gesunder Baum hat ausreichend Ressourcen, um sich gegen Schadpilze wie den Hallimasch zu wehren.
Mit dieser Grundlage gibt es biologische Möglichkeiten den Hallimasch zu bekämpfen.
In der Natur kommen verschiedene Pilze vor, die Gegenspieler/Antagonisten des Hallimaschs sind.
Diese Pilze sind in der Lage, den Befall des Hallimasches einzudämmen oder ihn gar zum Absterben zu bringen. Die Antagonisten des Hallimaschs durchwachsen abgestorbenes Holz schneller, sind in ihrer Wuchskraft dem Hallimasch überlegen oder können den Hallimasch gar parasitieren. Wie es zum Beispiel der Schimmelpilz Trichoderma macht.
Trichoderma ist in der Landwirtschaft schon seit einer Weile als nützlicher Helfer bekannt. Dieser unscheinbare, grüne Schimmel fördert das Wurzelwachstum von Pflanzen. Ausserdem verbesserte er die Verfügbarkeit von Phosphor im Boden und wirkt als Schutz gegen diverse Schaderreger. Trichoderma ist ein Bodenpilz der in jedem guten Kompost und im Waldboden vorkommt.
Den Leuten von MycoSolutions ist es nun gelungen, einen Trichodermastamm zu trainieren, so dass er sich besonders zur Bekämpfung des Hallimaschs eignet. Für diese sogenannte Konditionierung wird eine Probe des Hallimaschs vom befallenen Baum entnommen und im Labor vermehrt. Auf diesen Proben werden nun verschiedene Trichodermaarten auf ihre Wirkung getestet. Die elektivste wird weiter vermehrt und kommt dann gegen den Hallimasch zum Einsatz.
Der Rauchblättrige Schwefelkopf (Hypholoma capnoides) und der Grünblättrige Schwefelkopf (Hypholoma fasciculare) eignen sich beide als Antagonisten zum Hallimasch.
Zu diesem Pilz gibt es wissenschaftliche Untersuchungen aus der Forstwirtschaft. Der Schwefelkopf gehört zu einer der häufigsten Pilze in unseren Wäldern. Oft besiedelt er ganz von selbst Wurzelstümpfe, die bereits vom Hallimasch befallen sind. Er überwächst dann den Hallimasch. Für die Pilzsammler: finden sie an einem Wurzelstumpf Schwefelköpfe, schauen sie einmal genau hin. Vielleicht entdecken sie noch die schwarzen Rhizomorphe des Hallimaschs. Für mich als Baumpfleger ist der Schwefelkopf ein gern gesehener Gast. Doch anders sieht es aus, wenn sie einen Pilzgarten haben. Der Schwefelkopf ist durchaus in der Lage einen Pilzgarten zu befallen und die angepflanzten Pilze zu verdrängen. Wird ein Baum gefällt, bleibt entweder der ganze Stumpf im Boden oder zumindest ein Teil der Wurzeln. Dieses Restholz wird dann durch holzzersetzende Pilze besiedelt. Welche Arten das sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab: welcher Pilz sporuliert zurzeit, welche Pilze sind bereits im Boden vorhanden und ausserdem noch eine gehörige Portion Zufall. Wenn wir aber einen frischen Stock mit Brut des Schwefelkopfs beimpfen, dann stehen die Chancen gut, dass sich dieser ausbreitet und alles Holz abbaut, bevor sich eine parasitische Art festsetzen kann.
Weitere hilfreiche Pilzarten:
Nebst den Schwefelköpfen (Hypholoma) empfiehlt Paul Stamets, ein Pilzforscher aus den USA, die folgenden Pilzarten, um Schadpilze in den Griff zu bekommen:
Schmetterlingstramete (Trametes versicolor), Riesen- oder Kulturträuschling (Stropharia rugosoannulata), Blauender Kahlkopf (Psilocybe cyanescens) und Austernseitling (Pleurotus ostreatus)
In seinem Buch Mycelium Running beschreibt er auf eindrückliche Weise, wie das Ökosystem Wald funktioniert Er zeigt das Zusammenspiel von Bäumen und Pilzen, wie die obigen Pilze Schaderreger regulieren und wie wir dies für uns nutzen können. S. rugosoannulata H. capnoides und P. cyanescens zeigen ein sehr aggressives Wachstum im Bodenkontakt.
Quellen:
Autor: Francis W.M.R Schwarze (2018)
Autor: Paul Stamets (2005)
Vortrag Paul Stamets (2008)
“In vitro interactions between Armillaria species and potential biocontrol fungi”
Autor: Nenad Keca (2009)
“Early results from field trials using Hypholoma fasciculare to reduce Armillaria ostoyae root disease”
Autoren: Bill Chapman, Guoping Xiao and Sheldan Myers (2004)
“Assessment of Armillaria root disease infection in stands in south-central British Columbia with varying levels of overstory retention, with and without pushover logging”
Autoren: William K. Chapman, Bruce Schellenberg, Teresa A. Newsome (2011)
Autoren: Berthold Metzler, Markus Blaschke (2005)
“Antagonistic effects of selected endophytic fungi against Armillaria spp. in vitro”
Autor: Bellis Kullman (2014)
“Inoculation of Eucalyptus diversicolor thinning stumps with wood decay fungi for control of Armillaria luteobubalina”
Autoren: M. H. Pearce, Nicolas Malajczuk (1990)