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Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte der auf einer Tabakfarm im Unterwallis aufgewachsene Hans Rudolf Herren in Afrika. Der gelernte Landwirt und Agraringenieur ETH lebte und arbeitete 26 Jahre in Nairobi, Kenia. Dort leitete er unter anderem das Internationale Zentrum für Insektenphysiologie und –ökologie (Icipe) und forschte am Internationalen Institut für Tropische Landwirtschaft. Hier setzte er sein Wissen über die biologische Schädlingsbekämpfung ein, das er sich bei seiner Doktorarbeit über den Forstschädling Lärchenwickler im Engadin erarbeitet hatte. Mithilfe eines natürlichen Feindes wurde der Lärchenwickler bekämpft. Mit dem gleichen Prinzip gelang es Herren, einen zerstörerischen Maniokschädling zu besiegen. Maniok ist für etwa 200 Millionen Afrikaner ein Grundnahrungsmittel. Die aus Südamerika eingeschleppte Maniok-Schmierlaus bedrohte in den neunziger Jahren die Maniokernten und damit die Nahrungsversorgung von Millionen Afrikanern. Die vom Schädling betroffenen Länder versuchten durch massiven Einsatz von Chemie, die Lage in den Griff zu bekommen, jedoch mit geringem Erfolg. Hans Rudolf Herren löste das Problem mit biologischer Schädlingsbekämpfung: Mithilfe des natürlichen Feindes der Maniok-Schmierlaus, einer ebenfalls aus Südamerika stammenden Schlupfwespenart, konnte der Schädling eliminiert werden. Die Wespenart wurde schliesslich in 30 afrikanische Länder eingeführt. Eine neue Schlupfwespenplage ist indes nicht zu erwarten. Versuche zeigten, dass die Schlupfwespe ohne die Maniok-Schmierlaus gar nicht überleben kann und von alleine wieder verschwindet.
Schätzungen gehen davon aus, dass durch Herrens Arbeit etwa 20 Millionen Menschen vor dem Hungertod bewahrt werden konnten. Für seine Arbeit wurde er 1995 mit dem Welternährungspreis ausgezeichnet. Mit dem Preisgeld gründete Herren die Stiftung Biovision, die sich für die Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft einsetzt. Die Stiftung ist der politische Arm seiner wissenschaftlichen Arbeit. Biovision setzt sich seither in vielen UNO-Gremien und an ungezählten Konferenzen und Tagungen für die eine nachhaltige Landwirtschaft ein. Ziele hat Herren noch viele: „Mein grösstes Anliegen ist ein Durchbruch bei der Umsetzung des Weltagrarberichts 2008. Dieser will weg von der industriellen Massenproduktion hin zu ökologischer Landwirtschaft mit Kleinbauern im Zentrum.“
„Für mich persönlich ist es auch wichtig, dass der Preis „alternativer Nobelpreis“ heisst. Da geht es also nicht nur um ein Stück Wissenschaft, sondern um den gesellschaftlichen Aspekt, also die Umsetzung.“ Hans Rudolf Herren (Agraringenieur und Insektenspezialist)