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1. Überblick
Unter einem Lungenödem versteht man die vermehrte Ansammlung von Flüssigkeit zwischen den Zellen des Lungengewebes (sog. Interstitium) und/oder den Lungenbläschen. Umgangssprachlich wird das Lungenödem deshalb auch als «Wasser in der Lunge» bezeichnet.
Diese Flüssigkeitsansammlung kann als Folge verschiedener Grunderkrankungen auftreten. Herzschwäche (Herzinsuffizienz) ist die häufigste Ursache eines Lungenödems. Aber auch Lungenerkrankungen, Nierenerkrankungen bei denen es zu einer eingeschränkten Nierenfunktion (Niereninsuffizienz) kommt, schwere allergische Reaktionen (anaphylaktischer Schock) oder Giftstoffe können zu «Wasser in der Lunge» führen.
Beim Lungenödem handelt es sich um ein ernstes Krankheitsbild. Je nach Schweregrad treten unterschiedliche Symptome auf. Ist die Flüssigkeitsansammlung auf das Lungenzwischengewebe beschränkt – wie beim sogenannten interstitiellen Lungenödem – äussert sich das "Wasser in der Lunge" durch eine schnelle, flache Atmung des Betroffenen, Unruhe und Husten. Hat sich die Flüssigkeit bereits in die Lungenbläschen ausgebreitet, liegt ein sogenanntes alveoläres Lungenödem vor, dass zusätzlich Atemnot und brodelnde Atemgeräusche («feuchtes Rasseln») verursacht. Durch den Sauerstoffmangel sind ausserdem Haut und Schleimhäute häufig bläulich verfärbt (Zyanose). Dies ist besonders an den Lippen gut sichtbar. Später husten Betroffene auch weisslich-schaumigen Auswurf ab.
Der Arzt stellt ein Lungenödem durch eine körperliche Untersuchung sowie eine Röntgenuntersuchung der Lunge fest und kann damit auch auf den Schweregrad des Lungenödems schliessen. Es sind weitere Untersuchungen erforderlich, um herauszufinden, welche genauen Ursachen das «Wasser in der Lunge» hat. Dazu gehören zum Beispiel ein Elektrokardiogramm (EKG) oder eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie).
Als allgemeine Therapie-Massnahmen sollten Betroffene ihren Oberkörper hoch und die Beine tief lagern. Zusätzlich erhalten sie Sauerstoff über eine Nasensonde oder eine Gesichtsmaske. Die weitere Therapie des Lungenödems und auch die Prognose bei «Wasser in der Lunge» sind von der zugrunde liegenden Erkrankung abhängig. Wird ein Lungenödem nicht behandelt, besteht die Möglichkeit, dass durch die Flüssigkeitsansammlung Komplikationen wie eine Lungenentzündung (sog. Stauungspneumonie) auftreten.
2. Definition
Unter einem Lungenödem versteht man eine plötzlich auftretende (akute) oder langsam entstehende (chronische) Ansammlung von Körperflüssigkeiten (seröse Flüssigkeit) im Lungengewebe. Die Flüssigkeit sammelt sich zuerst im Zwischengewebe der Lunge – Mediziner sprechen dann von einem sogenannten interstitiellen Lungenödem. Breitet sich die Flüssigkeit bis in die Lungenbläschen (Alveolen) aus, entsteht das alveoläre Lungenödem. Da in diesem Stadium die für den Gasaustausch erforderliche Oberfläche drastisch verkleinert ist, ist die Funktion der Lunge in Belüftung, Durchblutung und Gasaustausch nachhaltig gestört.
Man unterscheidet im Prozess des Lungenödems vier verschiedene Stadien:
- Stadium I: Interstitielles Lungenödem: Die Flüssigkeit befindet sich nur in den Gewebezwischenräumen der Lunge.
- Stadium II: Alveoläres Lungenödem: Flüssigkeit gelangt in die Lungenbläschen und – im fortgeschritten Stadium– auch in die Bronchien.
- Stadium III: Schaumbildung: Bei grossen Flüssigkeitsmengen staut sich die Flüssigkeit bis weit oben in die Bronchien und ein weisslicher Schaum bildet sich. Betroffene mit Lungenödem husten diesen Schaum ab.
- Stadium IV: Asphyxie (Atemstillstand): Durch unzureichende Sauerstoffversorgung des Körpers kommt es zum Atem- und Kreislaufstillstand.
3. Ursachen
Bei einem Lungenödem kommen verschiedene Erkrankungen als Ursachen infrage. Grundsätzlich entsteht ein Lungenödem, wenn die Druckverhältnisse in der Lunge gestört sind. Normalerweise befindet sich in der Lunge ein Gleichgewicht zwischen dem sogenannten hydrostatischen und onkotischen Druck. Der hydrostatische Druck beschreibt den Druck, mit dem das Blut durch die Kapillaren fliesst. Er sorgt dafür, dass Flüssigkeit aus den Gefässen austreten kann. Der onkotische Druck hingegen entsteht durch Eiweisse im Blut und unterbindet weitgehend den Flüssigkeitsverlust im kapillarumgebenden Raum. Dadurch tritt nur wenig Flüssigkeit ins Zwischengewebe der Lunge aus.
Störungen in der Form eines Lungenödems entstehen meist dann, wenn der hydrostatische Druck ansteigt oder der onkotische nachlässt. Flüssigkeit kann ungehindert aus den Kapillaren austreten und sich im Lungengewebe oder sogar in den Lungenbläschen (Alveolen) sammeln. Sammelt sich Flüssigkeit in der Lunge an, kann sie irgendwann nicht mehr effizient arbeiten, ihre Funktion ist eingeschränkt.
Ein Lungenödem kann verschiedene Ursachen haben. Diese teilen Ärzte in kardiale (vom Herzen ausgehende) und nicht-kardiale Ursachen ein. Meist hat ein Lungenödem kardiale Ursachen.
Kardiales Lungenödem
Ein kardiales Lungenödem entsteht, wenn die Funktion des Herzens beeinträchtigt ist. Das Blut staut sich dann von der linken Herzkammer in die Lunge. Das Herz schafft es nicht, die Blutmengen in den Körper zu pumpen (sog. Linksherzinsuffizienz). Dadurch erhöht sich der Druck der Lungenvenen und/oder der Kapillaren (hydrostatischer Druck). In der Folge wird Flüssigkeit aus den Gefässen in die Lungenzwischenräume und die Lungenbläschen gepresst. Dies tritt beispielsweise im Rahmen einer akuten Linksherzinsuffizienz durch einen Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen oder eine Herzmuskelentzündung auf. Auch eine unzulängliche Herzklappenfunktion oder lang andauernde Bluthochdruckbelastung des Herzens kommen bei einem kardialen Lungenödem als Ursachen infrage, da sie mitunter eine chronische Linksherzinsuffizienz auslösen.
Nicht-kardiales Lungenödem
Beim nicht-kardialen Lungenödem kommen unter anderem folgende Ursachen in Betracht:
- Schädigung der Kapillarwände mit daraus resultierender erhöhter Durchlässigkeit (Permeabilität) bei normalem hydrostatischem und onkotischen Druck: Als mögliche Ursachen gelten hierbei allergische Reaktionen oder giftige Substanzen wie Reizgase.
- Abnahme des onkotischen Drucks infolge einer Verminderung der Eiweisse im Blutplasma, beispielsweise bei Mangelernährung oder übermässiger Flüssigkeitszufuhr durch Infusionen oder verminderter Flüssigkeitsausscheidung, zum Beispiel durch Nierenerkrankungen (renales Lungenödem)
- sog. Höhenkrankheit, welche durch Unterschiede des äusseren Luftdrucks zustande kommt (Höhenlungenödem)
4. Symptome
Je nach Stadium treten bei einem Lungenödem unterschiedlich ausgeprägte Symptome auf. Ist das Lungenödem noch auf den Bereich im Zwischenlungengewebe beschränkt – handelt es sich also um ein interstitielles Lungenödem – treten unter anderem Symptome wie eine schnelle Atmung und rasselnde Atemgeräusche auf. Betroffene sind meist unruhig und atmen flach. Sie sind bemüht, den Oberkörper erhöht zu lagern, da sie dann besser atmen können. Häufig tritt Husten auf.
Hat sich die Flüssigkeit bereits in die Lungenbläschen ausgebreitet – liegt also ein alveoläres Lungenödem vor – verstärken sich die Symptome. Die Betroffenen husten mitunter ein weissliches, schaumiges Sekret ab. Der Puls ist stark beschleunigt. Die Haut und die Lippen sind infolge des Sauerstoffmangels bläulich verfärbt (Zyanose). Ausserdem führt das alveoläre Lungenödem zu weiteren Symptome wie Angst und feuchten Rasselgeräuschen beim Atmen.
5. Diagnose
Bei einem Lungenödem stellt der Arzt die Diagnose durch die körperliche Untersuchung des Betroffenen in Verbindung mit einer Röntgenaufnahme der Lunge. Eine Blutgasanalyse kann bei einem Lungenödem das Stellen der Diagnose unterstützen.
Bei der körperlichen Untersuchung sind die beschleunigte Atmung und Herzfrequenz (Tachypnoe und Tachykardie), der Husten und die Zyanose (Blaufärbung der Haut und Lippen) wichtige Hinweise auf ein Lungenödem. Der Arzt hört ausserdem die Lunge mit dem Stethoskop ab. Beim interstitiellen Lungenödem hört er hierbei in der Regel keine Auffälligkeiten. Beim alveolären Lungenödem hört er dagegen feuchte Rasselgeräusche beim Atmen.
Da das interstitielle Lungenödem durch die körperliche Untersuchung allein nicht sicher festgestellt werden kann, ist hier zur Diagnose eine Röntgenuntersuchung der Lunge sinnvoll. Auf dem Röntgenbild erkennt der Arzt erweiterte Lungengefässe, ausserdem sogenannte Kerley-Linien als Zeichen der Flüssigkeitsansammlung im Zwischenlungengewebe (Interstitium) sowie schmetterlingsförmige Verdichtungen als «Schatten» auf der Lunge.
Hat der Arzt beim Lungenödem die Diagnose gestellt, sucht er nach den Ursachen der Erkrankung. Dazu sind weitere Untersuchungen nötig. Das Elektrokardiogramm (EKG) kann Hinweise auf Herzrhythmusstörungen oder einen Herzinfarkt geben. Die Echokardiographie (Ultraschall des Herzens) zeigt die Funktionstüchtigkeit des Herzens. Mit einer Blutgasanalyse erkennt der Arzt das Ausmass des Sauerstoffmangels. Des Weiteren können Blutuntersuchungen oder Nierenfunktionsprüfungen nötig sein.
6. Therapie
Beim akuten Lungenödem ist eine intensive medizinische Therapie notwendig. In jedem Fall sollte der Oberkörper hoch und die Beine tief gelagert werden. Die Atmung kann durch Gabe von Sauerstoff (O2) über eine Nasensonde oder eine Gesichtsmaske unterstützt werden. Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung ist manchmal eine Überdruckbeatmung nötig.
Die weitere Lungenödem-Therapie orientiert sich an der zugrunde liegenden Ursache. Bei einer Linksherzinsuffizienz erhalten Betroffene mit einer Spritze in die Blutgefässe herzanregende und harntreibende Medikamente. Ist das Lungenödem aufgrund von Giftstoffen entstanden (sog. toxisches Ödem), sind Glukokortikoide nötig, welche der Betroffene einatmet (inhaliert) oder – in schwereren Fällen – über eine Vene verabreicht bekommt. Bei Unruhe, Angst und Schmerzen infolge eines Lungenödems sind Diazepam und Morphine geeignete Medikamente.
Auch die langfristige Lungenödem-Therapie richtet sich nach der Ursache. Chronische Leiden, beispielsweise eine Nieren- oder Herzinsuffizienz, müssen adäquat behandelt werden. Bei einem durch Nierenerkrankungen – also Überwässerung – hervorgerufenen Lungenödem muss das Blut gereinigt werden, zum Beispiel durch Dialyse.
7. Verlauf
Wird ein chronisches Lungenödem nicht behandelt, verschlechtert sich der Allgemeinzustand des Betroffenen im Verlauf immer weiter. Dies liegt an der zugrunde liegenden Erkrankung anderer Organsysteme, die normalerweise nicht von alleine abklingt. Ausserdem kommen meist weitere Symptome der ursächlichen Störung hinzu. Deshalb ist es wichtig, bei Atemproblemen immer einen Arzt aufzusuchen.
Bei einem Lungenödem können im Verlauf Komplikationen wie eine Lungenentzündung infolge der Flüssigkeitsansammlung (Stauungspneumonie) auftreten.
Bei einem Lungenödem infolge einer akuten Linksherzinsuffizienz kann der Verlauf ohne ärztliche Betreuung je nach Schweregrad schnell lebensbedrohlich werden. Deswegen ist eine intensivmedizinische Behandlung bei einem Lungenödem nötig, um einen möglichst günstigen Verlauf zu gewährleisten.
8. Vorbeugen
Einem Lungenödem können Sie nur indirekt vorbeugen, indem Sie zugrunde liegende Erkrankungen vermeiden beziehungsweise diese rechtzeitig behandeln lassen.