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Ausgerenkte Kräfte – Forces disloquées
Mit ihrem Programm unter dem Titel «Ausgerenkte Kräfte – Forces disloquées» schafft das GingerEnsemble zusammen mit dem Komponisten Peter Streiff einen Spagat zwischen subtilen Umweltgeräuschen, körperlicher Präsenz und quirligen Electronics. Bei dem Unterfangen, welches die Grenzen herkömmlicher Aufführungsformate mit einer Mischung aus Konzert, Performance und Installation zu erweitern versucht, sind Dislokationen durchaus erwünscht. Titelgebend ist das Gemälde «Ausgerenkte Kräfte (Merz-Bild)» von Kurt Schwitters aus dem Jahre 1920. Dieses Gemälde – eine Assemblage aus Holz, Metallfeder, Stoff, Papier und Öl auf Karton, zusammengehalten von einem Rahmen aus Dachlatten – steht stellvertretend für den Beginn einer Epoche, die auch die Entstehung der Performancekunst und die der experimentellen Musik markiert.
Für die Herbst-Tournee 2022 geht das GingerEnsemble nun mit dem Gast-Komponisten Peter Streiff gewissermassen auf Releasetour seiner soeben erschienenen, fein editierten Publikation «Musikalische Konzepte, 1968 – 2019», ein Buch, das über 90 kompositorische Werke beinhaltet. Diese Publikation des 1944 geborenen Berner Komponisten, dessen kompositorischer Schwerpunkt auf Kammermusikwerken und musikalischen Konzepten liegt, bilden ein Grundpfeiler des Programms «Ausgerenkte Kräfte – Forces disloquées». Um diesen Grundpfeiler herum entstehen, ganz im Sinne des GingerEnsembles, fünf Neukompositionen, die im Herbst 22 zur Premiere kommen.
Das GingerEnsemble, bestehend aus Cyrill Lim, Klara Schilliger und Valerian Maly, und Lara Stanic, widmet sich nicht-hierarchischen, prozess- orientierten Kompositionen. Ginger – das Rhizom Ingwer – wurde 1974 von Gilles Deleuze und Félix Guattari als Modell für eine nicht-hierarchische Wissens- und Gesellschafts- organisation genannt.
Das GingerEnsemble befasst sich auch mit einer Art historisch informierten Aufführungspraxis experimenteller Musik und verortet sich selbst in der Tradition der Composer / Performer, wie sie beispielhaft von der legendären Sonic Arts Union mit Robert Ashley, David Behrman, Alvin Lucier und Gordon Mumma vorgelebt wurde – ein Kollektiv von experimentellen Musikern, das zwischen 1966 und 1976 aktiv war. Das Repertoire des GingerEnsembles umfasst u.a. Stücke von David Behrman, John Cage, Tom Johnson, Takehisa Kosugi, Alvin Lucier, Steve Reich und Robert Watts.