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Eine progressive und fatale neurodegenerative Erkrankung tritt mit einer
Frequenz von 1% bei Sechzigjährigen und bis zu 30% bei 85jährigen auf.
Dazu: Ist Alzheimer eine "Erfindung" zugunsten der
Pharmaindustrie?! Siehe hier...
10 Warnsymptome der Alzheimer-Krankheit
zunehmende Gedächtnisprobleme:
Daraus resultierende Einschränkung der beruflichen Fähigkeiten.
Einfaches Sich-Nicht-Erinnern an Namen ist noch völlig normal (v.a. über
70). Hilft man etwas, erinnert man sich wieder. Alzheimerkranke dagegen
zeigen nicht nur Schwierigkeiten mit Namen, sie erkennen auch die Person
nicht oder haben entscheidende biografische Informationen der Person
vergessen. Anfangsbuchstaben oder andere Hinweise, führen bei ihnen
nicht zum Ziel.
Schwierigkeiten beim Erfüllen häuslicher Pflichten:
Vergessen ganzer Erlebnissequenzen.
Fähigkeit zum Finanzmanagement und Geldzählen überhaupt nimmt ab
(Rechnungen werden zweimal bezahlt, etc.).
Sprachschwierigkeiten:
Wortfindungsstörungen, falsches Verwenden bzw. Verstehen abstrakter
Begriffe.
Zeitliche und räumliche Orientierung:
Verlaufen in bekannter Umgebung, beeinträchtigte Zeichen- und Schreibfähigkeit,
falsche Wiedergabe von Datum und Jahreszeit.
Acht Fragen helfen, Alzheimer frühzeitig zu erkennen
Die US-Forscher der Washington University stellten Angehörigen von
Patienten acht Fragen über die Betroffenen (Galvin JE et
al., Brain 2010 Nov;133(11):3290-300). Sie fragten, ob das
Interesse an Hobbys nachgelassen habe und ob die Betroffenen Fragen oder
Aussagen ständig wiederholen. Zudem wurde gefragt, ob die Betroffenen plötzlich
Vereinbarungen und Termine vergessen und den Überblick über die eigenen
Ausgaben verloren hatten - ob sie Probleme mit der Bedienung von Geräten
zeigten; über das Vergessen des laufenden Monats oder Jahres; sowie nach
dem Neuauftreten ständiger Erinnerungslücken. Der Verdacht auf Alzheimer
besteht den Wissenschaftlern zufolge bei den Patienten, deren Angehörige
zwei oder mehr Fragen mit "Ja" beantworten können.
Eine interessante Alzheimerfrüherkennung könnte das fehlende Unterscheiden von Gerüchen sein (z.B. Seife, Erdnüsse und Menthol kann frühzeitig nicht mehr unterschieden werden)
(http://ajp.psychiatryonline.org/cgi/content/abstract/157/9/1399).
Diese Geruchsverminderung tritt aber auch bei schweren Depressionen auf.
Überlebenszeit nach der Diagnosestellung M.Alzheimer:
Von 23'000 über 60jährigen Alzheimer-Patienten wurde 521 mit neu
diagnostiziertem Alzheimer (in den Jahren 1987 bis 96) verfolgt. Das
Überleben betrug im Mittel für Männer 4,2 und für Frauen 5,7 Jahre.
Prädiktoren der Mortalität sind schlechte Kognition, signifikante
funktionelle, vor allem frontale Ausfälle, Gangstörungen, Stürze und
bedeutsame komorbide Erkrankungen (Diabetes, Herzinsuffizienz).
Achtung:
Es geht um das Überleben nach Diagnosestellung, nicht um das
Gesamtüberleben! (Larson EB, et al. Survival after
initial diagnosis of Alzheimer disease. Ann Intern Med 2004;140:501-9).
Demenz / M.Alzheimer (Prophylaxe und Therapie):
"Gehirnjogging" hilft prophylaktisch eine beginnende
Demenz um Jahre zu verzögern! Aber: Es hat sich in vielen Studien
gezeigt, dass darunter nicht nur das Lösen von Kreuzworträtsel oder
Sudokas gemeint ist, sondern komplexe Hirntätigkeiten, die neue
neuronale Verknüpfungen entstehen lassen:
* Musizieren (Idealfall: Jazzimprovisation!)
* Tanzen
* Meditieren
* Lernen von (neuen) Fremdsprachen
* Umgang mit kleinen Kindern (Enkel)!
Möglichst tiefen Blutdruck (systolisch unter 130 mmHg) vermeiden -
d.h. auch die Blutdruckmedikamente nicht überdosieren! Siehe Studie hier!
Prophylaktisch hilft das regelmässige Essen von Fisch. Senioren, die
durchschnittlich einmal pro Woche Fisch assen, hatten ein um 60 Prozent
geringeres Risiko, an Alzheimer zu erkranken, als solche, die
kaum oder keinen Fisch zu sich nahmen (Rush-Presbyterian St.Luke's
Medical Center, Chicago 2003).
Regelmässiges Teetrinken hilft auch prophylaktisch: englische Forscher
fanden, dass schwarzer (ca. ein Tag lang) oder grüner (ca. 7 Tage lang)
Tee bestimmte Enzyme (Acetylcholinesterase-Hemmer u.a.) im Gehirn
blockieren, die an der Entstehung von Alzheimer beteiligt sind. Die
Inhaltstoffe von grünem Tee, die Catechine, haben sich als eigentliche
multifunktionale neuroprotektive Substanzen erwiesen. Diese Polyphenole
durchdringen die Blut-Hirn-Schranke und wirken unter anderem auch als
Eisenchelatoren, Antioxidanzien und
Entzündungshemmer.(Neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer oder
Parkinson entstehen multifaktoriell durch komplexe toxische Einflüsse,
die das Absterben von Neuronen provozieren. Wo Neurone absterben, wurde
bei diesen Erkrankungen als zentrale biochemische Veränderung eine
Ansammlung von Eisen festgestellt. Dadurch entstehen freie
Sauerstoffradikale, die bei der Bildung toxischer Aggregate -
Alpha-Synuclein bei der Parkinsonkrankheit und Beta-Amyloid bei der
Alzheimerdemenz - beteiligt sind. Deshalb ist die Entzündungshemmung
und Eisenbindungsfähigkeit der Polyphenole auch so wichtig.)
Was muss ich beachten, wenn Grünteetrinken
wirklich einen medizinischen Wert haben soll:
- ein bis eineinhalb Liter täglich trinken
- drei gehäufte Esslöffel Pulver auf einen Liter
- pestizidfreien Grüntee wählen ("Bio")
- kalziumarmes Wasser benützen
- zwischen 60 und 80 Grad warmes Wasser zum Aufguss benützen
- (fünf bis) sieben Minuten ziehen lassen
- ein paar Tropfen Zitronensaft im Tee schützt die Polyphenole vor den
Verdauungssäften
- kann mit Traubensaft (auch Polyphenol-reich) ergänzt werden.
Allgemein gilt präventiv eine sog. Mittelmeerkost:
5 Portionen Früchte oder Gemüse pro Tag
Fett, vor allem als Oliven-, Raps-, Senfsamen- oder Sojaöl
Wenig rotes Fleisch und andere tierische Fette
mehr als 2 Portionen Fisch pro Woche (vegetarische Variante: 25 g
Walnüsse oder Mandeln pro Tag)
Energie, vor allem durch Getreide- oder Kartoffelprodukte
Gemäss einer Studie (Qi Dai. Fruit and vegetable juice may reduce
Alzheimer's risk. Am J Med. 2006;119:751-9.) reichen nur drei
Gläser Frucht- oder Gemüsesaft pro Woche zur Reduktion der
Wahrscheinlichkeit, Zeichen einer Alzheimer-Krankheit zu entwickeln, um
75%!
Man sollte nicht näher als 50 Meter zu einer Hochspannungsleitung
wohnen. Gemäss einer Schweizer Studie (American
Journal of Epidemiology, 2008: http://aje.oxfordjournals.org/cgi/content/abstract/kwn297)
war das Risiko, an einer Alzheimerkrankheit zu erkranken nach
15 Jahren stark erhöht.
Präventiv wirkt das Verhindern von Hirntraumas: Helmtragen beim
Velofahren oder anderen gefährlichen Sportarten!
Präventiv gilt auch allgemein eine Verhinderung des Hirnschlags
(optimaler Blutdruck, Diabetes
gut behandelt und Blutfette nicht erhöht)
und eine Erhöhung der zerebralen Reserve (Kombination von körperlicher
Bewegung, die über 3 Stunden pro Woche zum Schwitzen führt und
tägliches Gedächtnistraining).
Auch gesunde Zähne mindert im Alter das Risiko, geistig abzubauen: Je
weniger Zähne wir noch haben, je höher ist unsere Demenzrisiko.
Karies, Paradentose und Zahnverlust sollte mit einer guten Zahnhygiene
vermieden werden (T.Yamamoto u.a.: Association between
self-reported dental health status and onset of dementia. Psychosomatic
Medicine, 74/3, 2012, 241-248)
Nicht medikamentöse Therapien von Frühstadien von Demenzkranken sind
wirkungsvoller als die heute erhältlichen Pharmakotherapien, wenn sie
in Kombination angewendet werden (Wettstein A,
Nicht-pharmakologische Therapie der Demenz, Schweiz Med Forum
2004;4:632-635). Besonders wirkungsvoll ist die Kombination
von Beratung, Schulung, Entlastungsangeboten und regelmässigen Besuchen
von Aussenstehenden, was eine Heimverzögerung um etwa ein Jahr bewirken
kann.
Besuche, auch kurze, von Angehörigen verbessern zudem die
Lebensqualität der Demenzkranken erheblich.
Es scheint, dass ein erhöhter (systolischer = oberer) Blutdruck und ein erhöhter
Cholesterinwert im mittleren Lebensabschnitt das Risiko einer Alzheimerschen Krankheit im Alter erhöht.
(BMJ 2001; 322: 1447-51; Kivipelto M et al.).
Von einem Gedächtnistraining profitieren Erkrankte, die im
Mini-Mental-Status (MMS) Werte über 18 erreichen.
Zweimal täglich "therapeutisches Berühren" (im Schulter-Nackenbereich) während 5 - 7 Minuten führte zu einer signifikanten Reduktion von Agitation bei Alzheimerpatienten (Woods DL, Seattle). Voraussetzung ist genaues Beobachten, wann im Tagesablauf die Agitation jeweils einsetzt und die Anwendung der Massage ca. eine halbe Stunde vor diesem Zeitpunkt am nächsten Tag.
Alzheimerkranke werden auch ruhiger, wenn sie regelmässig Fische in einem Aquarium beobachten können. Schon nach 4 Wochen waren diese weniger nervös und assen auch wieder mehr (Studie aus Indianapolis, USA).
Auch regelmässige Fussreflexzonenmassage scheint bei Demenzpatienten
den Allgemeinzustand klar zu verbessern (Hodgson NA et
al: The clinical efficacy of reflexology in nursing home residents with
dementia. J Altern Complement Med 2008;14:269-275).
Eine Metastudie zeigte einen deutlichen Effekt von Ginkgo biloba-Extrakt (3 bis 6 Monate 120 bis 240 mg täglich), der vergleichbar der bis 1997 verfügbaren Medikamente war
(Arch Neurol 1998 Nov;55(11):1409-15).
Die Einnahme eines hoch dosierten Extraktes aus Zitronenmelisse
besserte Gedächtnis, Aufmerksamkeit, die Agitiertheit und die
Fähigkeit, Probleme zu lösen deutlich stärker als Plazebo (New
Scientist 2003; 178: 20).
Manchmal helfen Kleinigkeiten: Eine Studie im "American Journal
of Alzheimer's Disease and other Dementias" zeigt, dass zwei Gläser
Apfelsaft am Tag Patienten mit mittlerer bis schwerer Alzheimer-Demenz
helfen kann. Zwar bringt das Getränk ihnen nicht ihre Erinnerungsfähigkeit
zurück, aber sie meistern ihren Alltag wieder ein wenig besser. Ihre
Angstzustände wurden weniger (auch psychotische) und ihre Beweglichkeit
verbesserte sich. (http://aja.sagepub.com/cgi/content/abstract/25/4/367)
Entzündliche Prozesse spielen in der Entstehung der Alzheimerschen Krankheit eine wichtige Rolle (es trifft also die Betagten nicht schicksalhaft oder v.a. durch Vererbung!). Eine Vielzahl von Studien zeigte, dass Personen, die längere Zeit
entzündungshemmende Medikamente (NSAR) einnahmen, ein deutlich niedrigeres Alzheimerrisiko haben (0.3 - 0.6).
Es war übrigens wichtig, dass diese Medikamente vor Ausbruch der Demenz
genommen werden müssen. Bei Patienten, die schon erste Anzeichen
zeigten, verschlechtern die Entzündungshemmer den Krankheitsverlauf!
Billiger und nebenwirkungsärmer ist hier das Trinken von Grüntee (siehe
oben)!
Es laufen zur Zeit mehrere Interventionsstudien mit entzündungshemmenden Substanzen. Bis zum Vorliegen der Ergebnisse dieser kontrollierten Studien kann jedoch aufgrund von Resultaten epidemiologischer Studien allein die Einnahme von Entzündungshemmern noch nicht empfohlen werden.
Interessant ist aber alleweil, dass die lange als Ursache beschuldigten
Plaques (Beta-Amyloid-Eiweiss-Ablagerungen) im Gehirn "nur"
die Folge einer durch Entzündung geschädigten Hirnzelle sind. Ist also
Alzheimer eine entzündliche Krankheit?!
Nikotinpflaster (15mg/Tag) hilft älteren Nichtrauchern bei
leichten kognitiven Schwächen (v.a. Aufmerksamkeit, Gedächtnis und
psychomotorische Reaktionsfähigkeit) (Neurology
2012;78:91)
Abgrenzung zur Depression:
In der Praxis ist die Unterscheidung zwischen einer Depression und einer Demenz durch die Alzheimer-Krankheit oft recht schwierig.
Demenz und Depression können gleichzeitig auftreten. Depressionen bei
demenzkranken Menschen sind nicht so leicht zu diagnostizieren, weil die
Betroffenen oft nicht mehr in der Lage sind, ihre affektive Befindlichkeit
mit Worten auszudrücken. Es gibt aber auch die sog. depressive
Pseudodemenz, d.h. Leistungsstörungen bei Depressiven.
Es gibt aber doch klare Unterscheidungen:
Ist Alzheimer eine "lohnende" Diagnose, also eine
"Erfindung" zugunsten der Pharmaindustrie?!
Cornelia Stolze sichtet in ihrem lesenswerten Buch "Vergiss
Alzheimer! Die Wahrheit über eine Krankheit, die keine ist."
(Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2011) umfassend die wissenschaftliche
Literatur und führt etliche Interviews mit den Autoren. Ihr Urteil:
"Der M.Alzheimer ist ein Konstrukt. Ein nützliches Etikett, mit dem
sich wirkungsvoll Forschungsmittel mobilisieren, Karrieren beschleunigen,
Gesunde zu Kranken erklären und riesige Märkte für Medikamente und
diagnostische Verfahren schaffen lassen." Was man sicher bedenken muss:
Es geht hier um viel, sehr viel Geld - weltweit um Milliarden!
In meinen Augen: "Exotisch" - und gleich extrem
schwarzmalerisch in die andere Richtung. Fundamentalistische Schwarz-Weissmalerei
mit starrer Abgrenzung in jeglicher Form lehne ich kategorisch ab!
Neue Hypothese erklärt den Ursprung der
Alzheimerkrankheit
Gestörte Energieversorgung im Gehirn
(NZZ am Sonntag vom 15.02.2015, Seite 62)
Forscher sind sehr konservativ, sie verabschieden sich
nur ungerne von altgeliebten Thesen, insbesondere wenn sie ihre eigene
Karriere darauf aufgebaut haben. Neue Sichtweisen auf alte Probleme werden
deshalb meist von aussen angestossen. Lloyd Demetrius ist ein solcher
Aussenseiter, der als Mathematiker und theoretischer Biologe den Starrsinn
der Alzheimerforscher aufrütteln will. «Die Amyloid-Hypothese hat ihre
Gastfreundschaft in der wissenschaftlichen Gemeinschaft überbeansprucht, es
ist endlich Zeit, sie zu begraben», sagt er. «Die Amyloid-Plaques sind in
den allermeisten Fällen nicht die Ursache von Alzheimer.»
Zusammen mit den Neurobiologen Luc Pellerin und Pierre
Magistretti publizierte Demetrius vor kurzem eine Arbeit, in der eine völlig
andere Sichtweise auf Alzheimer propagiert wird («Frontiers
in Physiology», online). Demnach handelt es sich bei der
sporadischen Form von Alzheimer, die 95 Prozent aller Fälle ausmacht, nicht
um eine genetische Krankheit, bei der die Verarbeitung von Amyloid
fehlläuft, sondern um eine Stoffwechselstörung. «Wir sind
der Meinung, dass Probleme mit der Energieversorgung im Gehirn die Ursache
von Alzheimer sind», sagt Pellerin.
Ausgangspunkt für ihre Arbeit waren theoretische
Überlegungen. «Es gibt bei der Alzheimerkrankheit einige Besonderheiten, die
sich mit der Amyloid-Hypothese nicht erklären lassen», sagt Demetrius. So
sterben bei Alzheimerpatienten nicht etwa überall im Gehirn Nervenzellen ab.
Vielmehr sind bestimmte Hirnregionen deutlich stärker betroffen als andere.
Die Amyloid-Hypothese bleibt die Erklärung hierfür schuldig. Eine andere
Unstimmigkeit betrifft das Fortschreiten der Alzheimererkrankung. Gemäss der
Amyloid-Hypothese müsste sich ein Zusammenhang zwischen der Ablagerung der
Plaques und dem Krankheitsverlauf nachweisen lassen. Epidemiologische
Studien zeigen jedoch, dass ganz unabhängig von den Plaques die Inzidenz von
Alzheimer mit dem Alter exponentiell zunimmt.
Nach Ansicht der Forscher entsteht Alzheimer quasi als
Kollateralschaden des Alterns. Mit zunehmendem Alter schleichen sich Fehler
in die Mitochondrien ein, die Kraftwerke der Zellen. Die Energieproduktion
verliert dabei an Effizienz. «Es ist wie bei einem alten Auto, das für
dieselbe Strecke mehr Benzin benötigt als ein neues», sagt Pellerin. Für das
Gehirn, das auf eine hohe Energiezufuhr angewiesen ist, hat das verheerende
Folgen. Es kommt zu einem Engpass. Im Kampf um die limitierten
Energiereserven schlagen die einen Nervenzellen andere aus dem Feld. «Immer
mehr Nervenzellen gehen zugrunde, es wird zu einem exponentiellen Phänomen»,
sagt Pellerin. In Übereinstimmung mit empirischen Daten sterben Nervenzellen
vor allem in den Hirnregionen ab, die einen erhöhten Energiebedarf haben –
zum Beispiel jene, die für Lernen und Gedächtnis zuständig sind.
Die Hypothese trägt den Namen «inverse Warburg-Effekt»,
in Anlehnung an den Warburg-Effekt, den der deutsche Nobelpreisträger Otto
Warburg vor bald 100 Jahren als Hypothese zur Krebsentstehung entwickelte.
Auch bei Krebs standen damals Stoffwechselprozesse im Vordergrund, die mit
dem Einzug des genomischen Zeitalters in Vergessenheit gerieten. Doch mit
den gegenwärtigen Schwierigkeiten der genzentrierten Ansätze erleben sie
zurzeit eine Art Revival. «Ich bin überzeugt, dass dies auch bei
neurodegenerativen Krankheiten passieren wird», so Pellerin. Denn egal ob
Parkinson, Huntington oder Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), bei allen gebe
es Hinweise auf Probleme mit dem Energiestoffwechsel. «Bei Alzheimer wurden
die Stoffwechselbedürfnisse von Nervengewebe viel zu lange ignoriert», sagt
Pellerin.
«Die inverse Warburg-Hypothese ist die einzige
Hypothese, die mit den empirischen Daten zu Alzheimer in Einklang steht»,
sagt Demetrius. Wenn Alzheimer eine Folge der taumelnden Energiereserven
ist, dann eröffnen sich neue therapeutische Möglichkeiten. Im Wesentlichen
müssten die Interventionen darauf abzielen, die Nervenzellen mit Energie zu
versorgen. So würde man das Zellsterben aufhalten und den Ausbruch der
Krankheit hinauszögern.
"Wir behaupten nicht, dass die inverse
Warburg-Hypothese die letztgültige Antwort auf die Frage nach dem Ursprung
der Alzheimerkrankheit ist", sagt Pellerin. "Gegenüber der Amyloid-Hypothese
aber, die bisher bei allen klinischen Tests versagt hat, betrachten wir
unser Modell als Fortschritt." Theres Lüthi
Hier noch ein paar externe Links:
http://forum.demenzforum.ch
Die Berichte informieren und berühren zugleich: Betroffene Menschen
schreiben über ihren Umgang mit der schleichenden Vergesslichkeit,
Angehörige tauschen sich rege aus. Die Seite ist informativ und wird
rege benutzt.
www.sonnweid.ch > Demenz-Info
Das Krankenheim Sonnweid in Wetzikon ZH hat sich auf die Betreuung und
Pflege von Menschen mit Demenz spezialisiert. Auf der Site findet man
auch Überraschendes zum Thema – etwa über den idealen Lebensraum
oder die Kreativität dementer Menschen.
www.alz.ch > Demenzkrankheiten
An wen soll man sich bei Verdacht auf Demenz melden? Wie stellt der Arzt
die Diagnose? Wie geht es danach weiter? Infos, Hintergründe und Neues
aus der Forschung.
Die Auskünfte in dieser Homepage erfolgen
unverbindlich und ohne rechtliche Konsequenzen zu meinem Nachteil. Eine
konkrete Beurteilung ist lediglich in Kenntnis des Einzelbestandes möglich
(siehe auch Disclaimer).