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Das in der Apostelgeschichte (2.1 - 41) beschriebene Pfingstereignis lässt viele Deutungs- und Darstellungsmöglichkeiten offen.
Der deutsche Theologe und Maler Sieger Köder verknüpft in einem seiner Bilder den Turmbau von Babel und das Pfingstereignis miteinander.
Wurden die Menschen in der Erzählung des Alten Testamenst beim anmassenden Turmbau von Babel dahingehend gestraft, dass sie einander nicht mehr verstehen konnten und sich in einzelne Gemeinschaften zerstreuen mussten, so verstehen sich die Menschen laut der Erzählung in der Apostelgeschichte dank der Ausgiessung des Heiligen Geistes an Pfingsten nun über alle Sprachbarrieren hinweg.
Sieger Köder legt den Schwerpunkt in seinem Bild auf die Verständigung unter den christlichen Kirchen.
Der Maler Sieger Köder hat das Pfingstereignis in einem Bild für heute ausgelegt
Er stellt zwei biblische Bilder einander gegenüber. Da ist unten das Bild von der babylonischen Sprachenverwirrung. In den Gerüsten des Turmes zu Babel sitzen Leute im Dunkeln. Sie sind verschlossen und isoliert. Einsamkeit, nicht Gemeinsamkeit ist ihr Kennzeichen. Sie bauten ein Haus ohne Gottes Geist. Und darum bleibt der Bau unvollendet. Dieses Bild wird überdeckt durch das Pfingstereignis. Ein neues Haus wird gebaut. Petrus, der die Pfingstpredigt hält, und die hinter ihm abgebildeten Apostel bilden das Fundament des Baus. Dieser Bau und alle Personen, in diesem Haus sind erfüllt vom Heiligen Geist. Alles ist in rote Farbe gehüllt. Im 1. Stock dieses Hauses befinden sich drei geöffnete Fenster. Aus dem ersten links schaut der Pastor und Bekenner im Dritten Reich, Dietrich Bonhoeffer, heraus; er ist der Vertreter der Kirchen der Reformation mit der Bibel in der Hand und erinnert daran: Im Kampf gegen das braune Regime waren sich katholische und evangelische Christen einig, weil sie als gemeinsame Basis das Evangelium Christi hatten.
Aus dem mittleren Fenster schaut der orthodoxe Patriarch Athenagoras von Konstantinopel heraus. Er hält die Osterkerze in der Hand und verkündet Christus als das Licht der Welt. Athenagoras hatte im Dezember 1965 einen gegen die katholische Kirche ausgesprochenen Kirchenbann (aus dem Jahr 1054) zurückgenommen. Rechts außen schaut Papst Johannes XXIII. aus dem Fenster mit seinem Markenzeichen, den ausgestreckten Händen, dem Zeichen herzlicher Zuwendung zu den Menschen. Über dem Fenster ist in einem Spruchband der Titel seiner berühmten Sozialenzyklika „Pacem in terris“ dargestellt. Das Thema des Bildes im 1. Stock des Hauses ist also die Einheit der Christenheit, die allein der Geist Gottes schaffen kann durch Menschen, die sich ihm öffnen. In der 2. Etage greift der Maler ein weiteres Anliegen auf, das ohne den Hl. Geist misslingt: die Einheit des ganzen Menschengeschlechtes. Der Schwarze im Bild steht für die Überwindung aller Ausländer– und Rassenvorurteile. Er hält das Plakat mit der Aufschrift „Schalom – Friede“ in der Hand. Ein Ministrant, der das Rauchfass schwingt, schaut aus einem weiteren Fenster. „Ministrare“ heißt dienen, dem Frieden und der Gerechtigkeit, auch mit der kleinen Kraft, die symbolisch mit dem Ministranten dargestellt ist. Schließlich ist noch ein junger Mann mit einem Christusbanner dargestellt. Ohne die Jugend würde in diesem Haus die Zukunft fehlen.
Das wichtigste Fenster – so sagt Sieger Köder – ist das oberste, das noch frei ist. Er stellt an uns damit die Frage: Wäre dies nicht ein Platz für dich? Wo ist dein Platz in diesem Haus? Was kannst du – erfüllt und gestärkt durch den Geist Gottes – an dem Platz, wo du von Gott hingestellt bist, in Familie und Gesellschaft, in deiner Kirchengemeinde tun, damit der Geist des Friedens und der Versöhnung wirken kann?
In der Figurenarbeit sind wir herausgefordert, das Pfingstereignis einprägsam darzustellen.
Eine Möglichkeit ist es, Menschen verschiedenster Herkunft in Einheit um eine Kerze als - Symbol des Heiligen Geistes - zu gruppieren.
So veranschaulichen wir besonders, dass die Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, von Gott angesprochen sind. Die christliche Botschaft ist universell.
Das Pfingstwunder ereignete sich in Jerusalem, zur Zeit des jüdischen Festes Schavuot. Menschen verschiedenster Herkunft bevölkerten die Stadt, eine multikulturelle, vielgestaltige Menschenmenge. Sie alle hörten die Jünger in ihrer eigenen Sprachen von den grossen Taten Gottes reden. Jeder vernimmt also die Botschaft „in seiner eigenen Sprache“, das bedeutet doch, dass jeder seine Einzigartigkeit bewahrt, Unterschiede bleiben bestehen, und doch ist plötzlich Verständigung möglich. Der Heilige Geist öffnet Herzen, ohne eine Einheitskultur zu verlangen.
Gerne möchte ich an dieser Stelle zeigen, wie die Arbeit mit Erzählfiguren in die Tiefe führen kann.
Um für das Pfingstereignis eine angemessene Darstellung zu finden, muss ich mich zuerst mit dem Text befassen, mich mit den jüdischen und christlichen Festen auseinandersetzen, auch Texte des Alten Testaments studieren.
Schliesslich entscheide ich mich für einen Schwerpunkt: ich möchte zum Beispiel zeigen, dass mit Hilfe des Heiligen Geistes eine Verständigung über alle Grenzen hinweg möglich ist.
Um Menschen verschiedenster Herkunft darzustellen, muss ich mich mit ihrem Aussehen, ihrer Haut-und Haarfarbe und ihrer Kleidung auseinandersetzen. Ein Ausflug in die Völkerkunde!
So haben wir Kursleiterinnen uns kürzlich mit dem Thema Kopfbedeckungen befasst…
Die Arbeit mit den Erzählfiguren weitet den Blick, zwingt zur Auseinandersetzung mit verschiedensten Fragestellungen und trägt schliesslich zu besserem, tieferem Verständnis unterschiedlicher Überzeugungen und verschiedener Ethnien bei.
Ganz im Sinn von Pfingsten.
April 2013 Brigitte Andenmatten