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Geld und Wohlstand sind immer relative Konstrukte. Sind die existenziellen Grundlagen erst einmal gelegt, macht erst der Vergleich mit anderen deutlich, ob man viel oder wenig zum Leben hat. Das ist verständlich, und doch ist es trügerisch. Denn relative Vergleiche innerhalb eines Landes können einen Druck erzeugen, wo er nicht hingehört. Das zeigt sich besonders bei der Messung von Armutsquoten, die oft in Prozent des mittleren Einkommens ausgedrückt werden. (Wer weniger als 60 % des mittleren Einkommens verdient, gilt als arm). Denn, wenn Armut relativ ist, liegt es in der Natur, das es auch dann Arme gibt, wenn in absoluten Zahlen längst ein viel kleinerer Teil der Bevölkerung unter materieller Armut leidet.
Die nachfolgende Abbildung versucht, die fehlende Relation herzustellen. Ihr Ziel ist die Einordnung der nationalen Einkommensverteilungen in die europäische Einkommensverteilung. Das heisst, sie zeigt, wie reich oder arm bestimmte Einkommensklassen im europäischen Vergleich sind. Damit wagt sie natürlich einen etwas spitzen Vergleich – denn was nützt es den Personen im ärmsten Einkommensdezil in der Schweiz, wenn sie wissen, dass sie fast gleich viel wie die europäische Mitte haben? Und trotzdem ist sie wichtig, weil sie klar macht, in welchen Wohlstandsgefilden wir uns bewegen. Glück hat, wer hier lebt.
Die Grafik teilt die Bevölkerung eines Landes auf der Horizontalen aufsteigend in verschiedene Einkommensgruppen ein. Jede dieser Einkommensklassen der einbezogenen Länder wird gemäss seiner durchschnittlichen realen Kaufkraft (das heisst in international vergleichbaren Werten) in der Vertikalen einer der 100 Klassen (Perzentile) der europaweiten Einkommensverteilung zugeordnet. Je höher die Perzentilzahl, desto höher sind auch die Einkommen.
Für die Schweiz zeigt sich so Bemerkenswertes: Das ärmste Dezil erreicht fast die Mitte der Einkommensverteilung in Europa. In Rumänien dagegen, am unteren Rand der Verteilung, erreicht das neunte Dezil nicht einmal das erste Fünftel der europaweiten Verteilung.