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Matt oder Patt?
Katherine Neville: “Die Botschaft des Feuers” (Roman)
Schach: das königliche Spiel. In “Die Botschaft des Feuers” ist Schach jedoch weit mehr als nur ein gewöhnliches Spiel; Es ist gefährlich, mitunter sogar tödlich. Dabei dreht sich alles um ein kostbares altes Schachspiel und dessen Figuren, allen voran die schwarze Dame. – “Die Botschaft des Feuers” eröffnet eine neue Partie des Montglane-Spiels.
Von Andrea Schmuki.
Als Alexandra Solarin mit elf Jahren zu einem wichtigen Schachturnier in Russland geht, wird ihr Vater – direkt neben ihr – erschossen. Zehn Jahre später verschwindet ihre Mutter, welche Schach hasste und vermeintlich Angst vor diesem Spiel hatte, spurlos. Sie hinterliess jedoch verschiedene Botschaften und Hinweise, welchen Alexandra folgt. Dabei hat sie die Unterstützung einiger Bekannten, wobei Alexandra nie weiss, wem sie trauen kann. Schnell wird klar, dass Alexandras Mutter nicht Angst vor Schach hatte, sondern vor einem viel umfassenderen Spiel, welches auf Schach basiert und für viele Menschen schon tödlich geendet hatte. Von diesem Spiel – dem Montglane-Spiel – wurde soeben eine neue Partie eröffnet.
Auch im 19. Jahrhundert wird dieses Spiel gespielt. Es ist dabei genauso undeutlich, abstrus und gefährlich wie zwei Jahrhunderte später und beginnt damit, dass Haidée, die Tochter des mächtigsten Herrschers des Osmanischen Reiches unmittelbar vor dessen Ermordung 1822 mit einer kostbaren Schachfigur nach Italien fliehen soll.
Strategie und Taktik
Das Montglane-Spiel ist einerseits ein historisches Schachspiel mit sehr kostbar gefertigten Figuren und einem grossen Brett mit mysteriösen alchemistischen Zeichen, andererseits ist es aber auch ein grosses undurchschaubares Spiel, welches Personen aus der Vergangenheit ebenso mit einbezieht wie Personen aus der Gegenwart. Diese Personen spielen gewissermassen auf einem weltumfassenden Schachbrett eine Partie Schach. Wer dabei aber welche Schachfigur verkörpert und weshalb, wird in „Die Botschaft des Feuers“ oft viel zu wenig klar. Im Gegensatz zu „Das Montglane-Spiel“, welches Katherine Neville vor zwanzig Jahren geschrieben hat, sind nun in „Die Botschaft des Feuers“ Schwarz und Weiss nicht mehr automatisch gleichzusetzen mit Gut und Böse, was durchaus seinen Reiz hat. Dadurch wird jedoch noch viel weniger klar, weshalb gewisse Personen, die bereits im ersten Buch vorgekommen sind, plötzlich die Seiten gewechselt haben. Ganz grundlegend hätte besser vermittelt werden sollen, wer weshalb zu welcher Partei gehört.
Die neu angefangene Partie des Montglane-Spiels bleibt fast über das ganze Buch hinweg verworren und undurchschaubar. Dies trägt jedoch auch dazu bei, dass die Geschichte interessant und spannend bleibt.
Sprache, Aufbau, Spannung
Die Spannung in „Die Botschaft des Feuers“, welche sich mehrheitlich durch das ganze Buch zieht, kommt einerseits daher, dass die verworrene Geschichte gut ist, andererseits aber auch daher, dass immer wieder zwischen den verschiedenen Jahrhunderten gewechselt wird. So wird der Leser förmlich gezwungen, auch die Passagen schnell weiter zu lesen, welche ihn vielleicht weniger interessieren, welche etwas weniger fesselnd sind.
Ein wichtiger Aspekt, der ausserdem dazu beiträgt, die Jahrhunderte voneinander zu unterscheiden, ist, dass die Ereignisse des 19. Jahrhunderts von einem Erzähler berichtet und gestützt werden, während die Geschichte, welche sich im 21. Jahrhundert abspielt, aus der Ich-Perspektive von Alexandra Solarin erzählt wird.
Das in einer flüssigen Sprache geschriebene Buch, ist zu empfehlen für Rätselfreunde, Schachspieler, Historiker, Verschwörungstheoretiker und alle anderen Erwachsenen, die einfach gerne ein spannendes Buch lesen.
Schach, Morde, Verwirrung und ein unbekanntes Spiel, welches bis zum Schluss kaum durchschaut werden kann: Davon handelt „Die Botschaft des Feuers“. Trotz Spannung und guter Geschichte dürften aber Leser von „Das Montglane-Spiel“ von dieser Fortsetzung enttäuscht werden.
Diana
640 Seiten, ca. CHF 39.90