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Pünktlich zum 150. Geburtstag der Londoner U-Bahn an diesem Donnerstag haben sich die LokführerInnen der Bakerloo- und der Central-Linie eine besondere Aktion einfallen lassen. Sie werden künftig an den Endhaltestellen alle Züge persönlich inspizieren, bevor sie sich wieder auf den Rückweg machen. Die Massnahme, die zu erheblichen Verspätungen führen dürfte, war von der Belegschaft mit grosser Mehrheit beschlossen worden. Denn seit der städtische Verkehrsbetrieb Transport for London (TfL) an Sicherheitspersonal spart, kommt es immer wieder zu ernsten Zwischenfällen. Erst kürzlich sprang ein Zwölfjähriger aus einem fahrenden Zug, weil er die Endstation verpasst hatte; er landete nur knapp neben der 430-Volt-Schiene, die parallel zu den Gleisen verläuft.
Die Londoner U-Bahn ist die älteste und drittgrösste Metro der Welt – und noch immer von Problemen geplagt. Seit Jahrzehnten leidet die «Tube» unter fehlenden Investitionen: Gleis- und Signalanlagen sind veraltet und störanfällig, manche Züge stammen noch aus den sechziger Jahren, Bahnhöfe verrotten, an allen Ecken und Enden wird Personal abgebaut – und so kommt es immer wieder zu Verspätungen und Zugausfällen.
Vor allem aber hat das System mit den Spätfolgen der Teilprivatisierung zu kämpfen, die die frühere Labour-Regierung durchgesetzt hatte: Anfang 2003 zerschlug sie die bis dahin einheitlich operierende London Underground in vier Gesellschaften. Drei private Konsortien übernahmen die Züge, die Bahnstrecken, die Depots und Bahnhöfe; nur der Fahrbetrieb blieb noch in öffentlicher Hand. Diese auf dreissig Jahre angelegte Public-private-Partnership scheiterte, weil den EigentümerInnen (Bauunternehmen, Finanzierungsgesellschaften, auch der Zughersteller Bombardier) mehr an kurzfristiger Rendite als an Investitionen gelegen war: 2008 gingen zwei der Privatfirmen bankrott, 2010 kaufte TfL die dritte zurück. Für die Folgen (allein die Pleite der Unterhaltsfirma Metronet kostete zwei Milliarden Pfund) zahlen die Fahrgäste: Die «Tube» ist die teuerste U-Bahn der Welt.