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Von allen Früherkennungsmassnahmen ist die Darmspiegelung (Koloskopie) diejenige mit dem besten Leistungsausweis. Sie wird ab 50 Jahren regelmässig empfohlen.
Bei der Darmspiegelung werden der gesamte Dickdarm, die letzten Zentimeter des Dünndarms, der Enddarm sowie der After untersucht. In einer Umfrage an über 10’000 Personen beurteilten drei Viertel die Screening-Koloskopie als «gut akzeptabel», 23 Prozent fanden sie «etwas unangenehm» oder «unangenehm, aber auszuhalten» und ein Prozent der Befragten stufte sie als «sehr unangenehm» ein.
Im Durchschnitt findet man mit der Darmspiegelung bei 30 von 100 Personen entweder Adenome (Polypen) oder Darmkrebs.
Häufig werden die – objektiv betrachtet niedrigen – Komplikationsraten der Koloskopie überschätzt.
Unmittelbar vor der Darmspiegelung untersucht der Arzt zuerst den Enddarm mit dem Finger.
Die eigentliche Darmspiegelung erfolgt mit Hilfe eines Endoskops. Dabei handelt es sich um einen etwa 1,5 Meter langen und rund einen Zentimeter dünnen, biegsamen Schlauch, der auf kleinstem Raum eine Lichtquelle enthält, eine Videokamera, einen Kanal für ein winziges, ausfahrbares Instrument (Zange oder Schlinge) und Kanäle, über die der Darm mit Wasser ausgespült und leergesaugt werden kann. Die Bilder der Videokamera werden auf einen Monitor übertragen.
Der Arzt führt das Endoskop vom After her in den Enddarm ein und schiebt die Spitze des Geräts behutsam durch den Dickdarm vor, bis er den Dünndarm erreicht. Dieses Vorschieben wird häufig als unangenehm empfunden. Es dauert circa zehn bis 15 Minuten, je nachdem, wie stark der Dickdarm gewunden ist.
Beim anschliessenden langsamen Zurückziehen des Endoskops inspiziert der Arzt den Darm von innen. Damit sich der Darm besser entfaltet wird er mit Kohlendioxid etwas aufgeblasen. Kohlendioxid ist besser als Luft, da es gleich vom Blut aufgenommen und dann über die Lungen abgeatmet wird. Dadurch werden unangenehme Blähungen nach der Spiegelung vermieden.
Die Darmspiegelung kann mit oder ohne Beruhigungs- oder Narkosemittel gemacht werden. Diese Medikamente werden über eine Infusion am Arm verabreicht. Damit ist die Darmspiegelung schmerzfrei. Bei ausreichender Dosierung der Schmerzmittel «schläft» man während der gesamten Untersuchung und bekommt sie nicht mit. Es ist jedoch keine wirkliche Narkose. Diese ist nur in Ausnahmefällen nötig.
Ohne diese Medikamente ist die Darmspiegelung für kurze Momente etwa so unangenehm wie starke Blähungen.
Bei vier bis sechs von zehn Personen findet der Untersucher eines oder mehrere Adenome. Diese werden in der Regel mit Hilfe einer winzigen Zange, einer Schlinge oder mit Hochfrequenzstrom entfernt. Von verdächtig aussehenden Schleimhautstellen kann er Gewebeproben nehmen.
Alles in allem dauert die Koloskopie etwa 20 bis 30 Minuten. Nur wenn die Verhältnisse schwierig sind und der Darm stark gewunden ist oder wenn mehrere Polypen entfernt werden müssen, kann die Untersuchung auch 50 oder 60 min dauern. Falls Schlaf- oder Beruhigungsmittel eingesetzt wurden, wird der Untersuchte rasch wieder wach, ist aber für die nächsten zwölf Stunden entsprechend der gesetzlichen Vorschriften noch nicht fahrtüchtig.
Sowohl entfernte Adenome als auch andere Gewebeproben werden anschliessend von einem Pathologen mikroskopisch untersucht. Er kann feststellen, ob sie gutartig sind oder Krebszellen enthalten. Bis das Resultat vorliegt, dauert es meist einige Tage.
Eine sogenannte «diagnostische» Koloskopie, die zur Abklärung von Beschwerden durchgeführt wird, unterscheidet sich im Ablauf nicht von der Screening-Koloskopie.
Nur wenn die Vorbereitung gut ist, hat der Gastroenterologe freie Sicht im Darm.
In den Tagen vor der Darmspiegelung sollten deshalb bestimmte Nahrungsmittel wie Vollkornprodukte, kleine Samen und faserreiche Kost gemieden werden. Diese können die Kanäle des Koloskops sonst verstopfen.
Vor der Darmspiegelung muss der Darm entleert werden. Deshalb trinkt man am Abend und/oder am Morgen vor der Untersuchung ein starkes Abführmittel mit viel Flüssigkeit (zwei bis vier Liter). Das Abführen in zwei «Portionen» anstatt aufs Malverbessert die «Sauberkeit» des Darmes, insbesondere, wenn die Untersuchung am Nachmittag stattfinden soll. Die zweite Portion Abführmittel wird am Tag der Untersuchung getrunken. Das Abführmittel schmeckt heutzutage nicht mehr so unangenehm wie früher. Mit etwas Zitronensaft oder Sirup vermischt und gut gekühlt schmeckt es angenehmer.
In der oben erwähnten, grossen Umfrage empfanden 44 von 100 Personen diese Vorbereitung rückblickend als «gut akzeptierbar», für 52 von 100 war sie «unangenehm, aber auszuhalten» und vier von 100 empfanden sie als sehr unangenehm. Für ältere Personen kann die Vorbereitung anstrengend sein.
Welche Vorteile hat die Darmspiegelung?
Sie ist von allen Untersuchungsmethoden zur Früherkennung von Darmkrebs die zuverlässigste. Wenn dabei nichts Auffälliges gefunden wird, braucht man sich zehn Jahre lang nicht mehr ums das Darmkrebs-Screening zu kümmern.
Welche Nachteile hat die Darmspiegelung?
Die Vorbereitung dafür ist aufwändiger als bei den anderen gängigen Screening-Tests. Inklusive Vor- und Nachbesprechung verliert man etwa 1,4 Arbeitstage. Bei der Untersuchung können Adenome oder auch kleine Tumoren übersehen werden. Dies ist bei guter Vorbereitung jedoch sehr selten. Selten kommt bei der Untersuchung zu schwerwiegenden Komplikationen.
Etwa 15 bis 30 Prozent der untersuchten Personen haben nach einer Darmspiegelung kurzzeitig Bauchschmerzen, Blähungen oder Druckgefühl im Bauch, weil der Darm aufgeblasen wurde. Auch veränderter Stuhlgang oder wenig Blutverlust kommen gelegentlich vor.
Insgesamt sind aber sowohl die Darmspiegelung als auch das Entnehmen von Gewebe oder Polypen risikoarm. Schwere Komplikationen treten selten auf, die Angaben dazu schwanken zwischen circa eine auf etwa 320 Personen bis etwa einer von 500 untersuchten Personen., Meist sind davon ältere Personen mit mehr Begleiterkrankungen betroffen.
Wenn Komplikationen auftreten, dann in der Regel im Zusammenhang mit der Entnahme von Polypen. Bei weniger als einem von 100 Untersuchten blutet es nach der Polypen Entnahme. Solche Blutungen können fast immer sofort endoskopisch gestillt werden. Auch verzögerte Blutungen nach einigen Tagen sind möglich, aber selten.
Bei weniger als einem von 1000 Untersuchten kommt es bei der Screening-Koloskopie zum Durchbruch der Darmwand, was im schlimmsten Fall eine Operation zur Folge hat. Bei einem gesunden Darm passiert dies sehr selten. Sind der Darmspiegelung Operationen am Darm oder benachbarten Organen vorausgegangen, tritt diese Komplikation bei etwa einer von 300 Personen auf.
Selten beeinträchtigen die Beruhigungs- und Schlafmittel vorübergehend das Herz oder die Atmung.
Auffällige Veränderung am Darm lassen sich mit der Darmspiegelung besser als mit jeder anderen Früherkennungsmethode aufspüren. Mit der regelmässigen Screening-Koloskopie …
Wie wirksam die Darmspiegelung im Einzelfall ist hängt ab von:
Ab 2020 werden die Ergebnisse von Studien erwartet, die noch detaillierte Angaben erlauben.
Die Grundversicherung bezahlt bei Personen zwischen 50 und 69 Jahren alle zehn Jahre eine Screening-Darmspiegelung.
Ist eine diagnostische Darmspiegelung notwendig, um Beschwerden abzuklären, bezahlt immer die Grundversicherung die Untersuchung, abzüglich Franchise und Selbstbehalt. Die diagnostische Darmspiegelung ist etwas teurer als die Vorsorge-Koloskopie.
Nach einer unauffälligen Koloskopie ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass in den nächsten zehn Jahren Darmkrebs entsteht. Aus Grossbritannien ist bekannt, dass diese Wahrscheinlichkeit tiefer ist, wenn die Untersuchung im Rahmen eines Screening-Programms durchgeführt wird. Für die Schweiz fehlen entsprechende Vergleiche.
Wird beim Screening nichts Auffälliges gefunden oder maximal zwei kleine, harmlose Polypen, genügt es in der Regel, die Koloskopie nach zehn Jahren zu wiederholen.
Besteht hingegen ein erhöhtes familiäres Risiko oder werden grössere oder fortgeschrittenere Polypen gefunden, sollte man sie früher wiederholen. Meist genügen dafür Zeitabstände von drei bis fünf Jahren. Im Einzelfall weiss der Gastroenterologe, wie am besten vorzugehen ist. Hiürfür gibt es auch eine Leitlinie der Schweizer Gesellschaft für Gastroenterologie.
Falls im Intervall zwischen zwei Screening-Koloskopien Beschwerden auftreten, die Darmkrebs-verdächtig sind, kann es sinnvoll sein, die Koloskopie vor zu ziehen. Sogenannte «Intervall-Karzinome» sind selten, aber nicht ausgeschlossen, weil (insbesondere kleine) Adenome bei der Darmspiegelung übersehen werden können.
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Universitätsspital Zürich
Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie
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