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In der Bergkette “Chapada Diamantina” konzentriert sich das grösste Höhlennetz des Bundesstaates Bahia. Wenn man vom Ort “Morro do Chapéu“ 118 Kilometer auf der BA-052 in Richtung “Irecê“ fährt, erreicht man den Distrikt “Central“ mit verschiedenen archäologischen Fundstätten. Das “Sítio Riacho Largo“, zum Beispiel, zeigt unter anderem die Zeichnung des “Toxodon”, eine Art prähistorisches Nashorn, mit Details seiner Jäger, die mit Speeren bewaffnet sind und ein Netz tragen, mit dem sie das Tier bewegungsunfähig machen wollen. Ausser den Jagdszenen sind mit Farbe gefüllte Zeichnungen und Umrisse von Pflanzen zu sehen.
Das “Sítio Toca dos Búzios“ liegt an der Strasse von “Capoeira da Serra”. Es handelt sich in diesem Fall um eine Kalksteinhöhle, in der sich eine grosse Anzahl von Felszeichnungen aus der “Astronomischen Tradition” befinden – Zeichnungen von Planeten, Sternen und ihren Systemen – und sie befinden sich an derselben Stelle, an der, nach Untersuchungen der Archäologin Maria Beltrão, ein humanoides Fossil eingeschlossen ist, das auf zirka 300.000 Jahre datiert wird, und damit wahrscheinlich sämtliche Theorien der Besetzung des amerikanischen Kontinents über den Haufen werfen könnte.
Im “Sítio Toca da Esperança“, einer weiteren Fundstätte derselben Gegend, hat man Überreste einer Siedlung aus dem Mittleren Pleistozän gefunden. Es ist die älteste archäologische Fundstätte Amerikas überhaupt. Hier entdeckte man einen so genannten “Chopper“ (aus dem englischen chop = schlagen) – eines der ersten Steinwerkzeuge der Menschheit zum Zerkleinern von Nahrung – dessen Alter von zirka 300.000 Jahren nachgewiesen wurde.
Der reiche Bestand an Fossilien und Höhlenmalereien des Distrikts ist heute in der Sammlung des “Museu Arqueológico de Central“ zu sehen, das 1995 gegründet wurde. Das Museum befindet sich auf dem antiken “Mercado Municipal“ und präsentiert Reproduktionen der Felsmalereien, Keramiken, Tontöpfe, Mörser, Chopper und Grabwerkzeuge aus den Ausgrabungen von 1982. Ausserdem sind dort Fossilien vom Paleolama, Mastodon und dem prähistorischen Riesengürteltier (so gross wie ein VW-Käfer), unter vielen anderen interessanten Exponaten, zu sehen.
Wir haben für Sie die sehens- und erlebenswertesten Höhlen des Bundesstaates Bahia zusammengestellt und sie mit einer kurzen Ortsbeschreibung versehen, für die wir jeweils auch entsprechende Anfahrts- und Wegbeschreibungen am Ende angeben. Klicken Sie einfach auf die Rubrik “Bahias Höhlen in der Übersicht“, dann öffnen sich Ihnen die Höhlen der jeweiligen Umgebung. Die können Sie dann auch mit den jeweiligen “Wasserfall-Distrikten“ oder Flüssen, zum Beispiel, vergleichen, damit Sie, wenn Sie sich eine bestimmte geografische Destination aussuchen, den einen oder anderen Wasserfall oder Fluss in der Nähe nicht verpassen. Und bitte stören Sie sich nicht daran, dass die Brasilianer immer noch die eine oder andere Höhle mit “Gruta“ (Grotte) anstatt “Caverna“ (Höhle) bezeichnen.
Bitte beachten: Für Bahia gibt es die beiden Anflughäfen Salvador und Porto Seguro – bei allen Höhlen in Bahia ist allerdings der Anflughafen Salvador vorzuziehen.
Höhlen – oder Grotten???
Zum Schluss dieser Rubrik möchte ich einem weit verbreiteten Irrtum sowohl im brasilianischen als auch im deutschen Sprachgebrauch auf den Grund gehen: Wenn wir, wie in diesem Fall, ausschliesslich über von der Natur geformte Hohlräume sprechen, dann ist “Höhle“ (brasilianisch “Caverna“) dafür die einzig richtige Bezeichnung – eine “Grotte“ (brasilianisch “Gruta“) ist dagegen ein Hohlraum, dessen Felswände man künstlich geschaffen hat oder ein kleinerer natürlicher Hohlraum, der von Menschenhand bearbeitet worden ist – bekannt sind Grotten auch als Gestaltungselemente von Gärten und Parks.
Noch bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hat man die Bezeichnung “Grotte“ mit der “Höhle“ verwechselt, beziehungsweise beide sowohl für natürliche als auch künstliche Hohlräume gleichermaßen verwendet. Im brasilianischen Sprach- und Schriftgebrauch hat sich diese synonyme Verwendung sogar bis in unsere heutige Zeit erhalten. Die Versuche zur Unterscheidung der beiden Begriffe konnte man jahrzehntelang in geologischen, speläologischen und germanistischen Texten nachlesen. Hubert Trimmel hat in seinem Buch “Höhlenkunde“, von 1965, diese Definitionen für den deutschen Sprachraum endlich klar definiert: Als Höhle bezeichnet man einen zusammenhängenden natürlichen Hohlraum – eine Grotte ist dagegen ein künstlich geschaffener Hohlraum. Und diese Definition hat sich bei uns letztlich weitgehend durchgesetzt.
Viele Begriffe aus jener Zeit des Bezeichnungs-Wirrwarrs sind auch heute noch nicht überwunden. So gebraucht man zum Beispiel den Begriff “Naturhöhle“, um sie als natürlich entstandenes Gebilde von der Grotte zu unterscheiden (obwohl dieser Zusatz nicht nötig wäre) – während die Bezeichnung “Tropfsteingrotte“ bereits einen Widerspruch in sich darstellt. Unsinnig sind indessen solche gern verwendeten Zusammenstellungen wie “Höhlen und Grotten“, wenn sie nur von der Natur geschaffene Hohlräume bezeichnen sollen. Und der ebenfalls oft verwendete Begriff “Naturgrotte“ ist geradezu ein Absurdum.
Ich möchte mich jedoch weder auf eine sprachwissenschaftliche Diskussion einlassen, noch auf die zweifellos interessanten Aspekte der Höhlenforschung (Speläologie) an dieser Stelle näher eingehen, sondern mich lieber dem zuwenden, was unsere Laien-Besucher an den Höhlen interessiert: Das Begehen der Höhlen, beziehungsweise das Höhlenwandern.
Beim so genannten “Caving“ – als Hobby oder Sport – spielt die wissenschaftliche Erforschung einer Höhle in der Regel gar keine oder nur eine nebensächliche Rolle. Aber eine Höhlenbegehung kann durchaus auch mit Nervenkitzel und Adrenalinausstössen verbunden sein – manchmal entwickelt sich das “Caving“ sogar zum Extremsport, wenn man an einem Höhlentauchgang oder einer Höhlenklettertour teilnimmt. Beachten sollte man, dass leichtsinnige Höhlenwanderer oft erhebliche Schäden an den lokalen Ökosystemen anrichten können – eingeschleuste Pilze, Bakterien und die Verschmutzung von Gewässern stellen eine ernste Gefahr für die Höhlenfauna dar, deshalb ist eine Vorabinformation hinsichtlich lokaler Gegebenheiten und entsprechender Vorschriften ratsam.
Auch für sich selbst, zum eigenen Schutz, sollte man ein paar Vorsichtsmassnahmen treffen:
- Genaue Informationen über die Gegebenheiten, den aktuellen Zustand und eventuelle Wasserspiegel und Wettervorhersagen einholen.
- Eine Vertrauensperson informieren, wann man zurück sein will – die gegebenenfalls Rettungsmassnahmen einleiten kann.
- Eine den Gegebenheiten der Höhle entsprechende Ausrüstung mitnehmen – dazu gehört auch die adäquate Bekleidung – abhängig von Temperatur, Luftfeuchte und eventuellen Tauchgängen.
- Sicherstellen, dass man sich nicht verirrt und den markierten Weg zurück findet.
Die meisten Höhlenbesucher sind daran interessiert, die schönen bis phantastischen Tropfsteingebilde anzuschauen, die sich in den verschiedenen Höhlen im Lauf der Jahrhunderte gebildet haben. Man unterscheidet sie als “Stalaktiten“ und “Stalagmiten“. Stalagtiten sind von der Höhlendecke hängende Gebilde, grossen Eiszapfen ähnlich, deren kontinuierliches Tropfen ihnen auf dem Boden ganz ähnliche Zapfen entgegenwachsen lässt – die Stalagmiten. Mit der Zeit wachsen die beiden zusammen und formen eine Säule – die nennt man “Stalagnat“. Voraussetzung für diese bewunderten Tropfsteingebilde ist eine durchlässige Felsendecke, durch die mit Kalk gesättigtes Wasser in Tropfen austritt. Die Tropfsteine wachsen, sowohl von oben wie von unten, jedoch äusserst langsam – ein Zusammenwachsen kann mehrere Jahrhunderte bis Jahrtausende dauern – auch das sollte man wissen, wenn man eine Höhle begeht, und sich in Anbetracht dieser Wunder der Natur respektvoll und vorsichtig, wie in einem Porzellanladen, bewegen.
Ein weiterer Anziehungspunkt für die an Höhlen interessierten Touristen sind eventuell vorhandene Felsmalereien. Die ältesten brasilianischen Zeugnisse dieser Art finden sich in der “Serra da Capivara“, im Bundesstaat Piauí – sie wurden auf 10.000 Jahre vor Christus datiert. In “Pedra Pintada“, im Bundesstaat Paraíba, fand man Felsmalereien, die zirka 11.000 Jahre alt sind, und in Minas Gerais ist die Wissenschaft auf Felsmalereien in verschiedenen Höhlen des “Peruaçu-Tals“ aufmerksam geworden, die sich durch seltene geometrische Formen auszeichnen und vor 2.000 bis 10.000 Jahren zurück ausgeführt wurden.