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Stromversorgung in Belgien: «Es ist fünf vor Zwölf»
Die Elia analysierte in einer Studie die Zweckdienlichkeit und Flexibilität der Stromversorgung Belgiens im Zeitraum 2020 bis 2030. Dies vor dem Hintergrund, dass die Regierung bis 2025 alle sieben Kernkraftwerkseinheiten des Landes stilllegen will. In Belgien wurden bereits 2016 und 2017 derartige Studien durchgeführt. Die neue Untersuchung bestätigt die früheren Einschätzungen über kommende Versorgungsengpässe und verschärft diese sogar. Denn für den Ersatz der Kernkraftwerke hatte man bisher mit einer Ersatzkapazität von 3,6 GW gerechnet. Die Elia hat jetzt diese Zahl wegen beschleunigter Kohleausstiegspläne in Nachbarländern – namentlich Frankreich, Grossbritannien, Italien, Niederlande und speziell Deutschland – auf 3,9 GW erhöht. Dabei gehen 1,5 GW auf das Konto von Unsicherheiten im Ausland, wie die reduzierte Verfügbarkeit von Stromproduktionsanlagen oder Limiten bei den Stromübertragungskapazitäten. Wegen den fortschreitenden Kohleausstiegsplänen im Ausland müsse Belgien zwischen 2022 und 2025, also noch mit eigenen Kernkraftwerken in Betrieb, bereits mehr als 1 GW an Ersatzleistung aufbringen, so die Elia.
Die Netzbetreiberin ruft die Regierung auf, weiter an der Schaffung eines Vergütungsmechanismus für Stromproduktionskapazitäten (Capacity Remuneration Mechanism – CRM) zu arbeiten, damit Belgien nach 2025 ein robustes Sicherheitsnetz zur Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit zur Verfügung steht. Zwar habe das Land im April 2019 mit Gesetzesanpassungen und der Initiierung eines Vergütungsmechanismus einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung gemacht, schriebt die Elia. Das Land verfüge aber trotz dieser Anstrengungen weiterhin über keinen Spielraum. Für die Elia «ist es immer noch fünf vor Zwölf».