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Eine gute Zusammenfassung von Peter Itin
Neue Erkenntnisse
„Jedes Wissen ist nur ein Irrtum zwischen zwei Irrtümern“, hatte der Arzt und Dichter Gottfried Benn einst geschrieben. Die bis heute in Anatomiebüchern verbreitete Vorstellung eines dualen Nervensystems, in dem Sympathikus und Parasympathikus als Antagonisten wirken und sich ausbalancieren, ist seit 2001 überholt. Steven Porges, Direktor des Brain-Body Centers der Universität Illinois in Chicago, ist es aufgrund stammesgeschichtlicher Studien zum Nervensystem gelungen, ein differenzierteres Bild der im Menschen wirkenden Handlungssysteme zu erhalten. Grundlegend ist die Erkenntnis, dass der Parasympatikus zweigeteilt ist in einen dorsalen und ventralen Teil des Vagus (10. Hirnnerv). Die beiden Teile entspringen unterschiedlichen Bereichen des Hirnstamms und erfüllen verschiedene Funktionen. Porges spricht deshalb vom „polyvagalen Nervensystem“.
Sicherheit, Gefahr und Lebensbedrohung sind drei Grundvoraussetzungen, in denen jeweils andere Teile des autonomen Nervensystems dominieren und auf unterschiedliche Weise mit Gehirn und Hormonsystem interagieren. Die drei Regelkreise des Autonomen Nervensystems bestimmen unsere Verhaltensstrategien, wobei von einer Hierarchisierung der drei Handlungssysteme ausgegangen werden muss.