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(NZZ – POLITISCHE LITERATUR – Samstag/Sonntag , 11./12. März 1995, Nr. 59, Seite 101)
zz. Die Märznummer der «Schweizer Monatshefte» (Zürich) enthält unter dem Titel «Vom Stellenwert der Arbeit» zwei der Vorträge, die an einer FDP-Tagung in Zürich gehalten worden sind. Vreni Spoerry erläutert Ursachen der Arbeitslosigkeit und Möglichkeiten der Therapie, wozu sie die Umverteilung der Arbeit ausdrücklich nicht zählt. Dieses Postulat findet sich in den Thesen von Hans-Balz Peter, der verschiedene Aufgaben der Kirchen formuliert, darunter die Ausweitung des Blicks über die Erwerbsarbeit hinaus. Markus Clausen würdigt das benediktinische Arbeitsethos, das Norm und Mass setzt. Zwei kritische Beiträge gelten den Grenzen des Wohlfahrtsstaats: Robert Nef sieht die Entwicklung in einer Sackgasse und tplädier für einen Aufbruch zu Freiheit und Autonomie; Ernst Rüesch tritt vor allem aus finanziellen Gründen für eine Begrenzung des Leistungsstaats ein. «Ein grosser Libertärer» verstarb in Murray Rothbard, wie Andreas K. Winterberger in seinem Nachruf darlegt.
In einem Essay über ein neues Fin de siècle diagnostiziert Rüdiger Görner eine Kultur des Endes, ein Verdrängen des Abschieds, ein reizloses Recycling. Unter dem Aspekt der Spannung von Realität und «Autor», Sinn und Geschichte wird Ernst Jünger, der am 29. März 100 Jahre alt wird, von Heinz Ludwig Arnold kritisch gewürdigt. Linus Spuler gedenkt des aus dem Thurgau nach New York ausgewanderten Grossstadtlyrikers Oskar Kollbrunner (1895-1932). Walter Gorgé erinnert an den vor 75 Jahren gestorbenen engagierten Expressionisten Ludwig Rubiner. Gian Casper Bott interpretiert Wolfgang Hildesheimers letzte Collage, «Totentanz». Anton Krättli bekundet seine legitime Mühe mit Sprache und Grammatik in Reto Hännys «Helldunkel», und Clemens Umbricht findet in den «33 Epitaphen» von Durs Grünbein nicht die «grossartigen Gedichte», die er erwartete.