Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03287.jsonl.gz/1262

Auf diese Meldung hätten viele Australier gerne verzichtet. Nach 85 Jahren schliesse die australische Nachrichtenagentur ihre Tore. Ein Team von 180 Leuten steht bald auf der Strasse, dazu 100 freischaffende Fotografen. Chefredaktor Tony Gillies sprach über Twitter vom «traurigsten Tag».
Norman Abjorensen, Experte für Medien und Demokratie an der australischen Nationaluniversität ANU, sagt, die AAP sei traditionell eine Quelle unbefangener, exakter Nachrichten, ohne politische Interessen zu haben. Sie versorge das Land mit Meldungen, die frei seien vom Einfluss durch Politiker oder Interessengruppen. Sie habe eine journalistische Grundversorgung geleistet, etwa bei der Berichterstattung über lange Gerichtsprozesse, zu denen Zeitungen keinen eigenen Journalisten schicken wollten oder konnten.
Die AAP wird von Rupert Murdochs globalem Medienkonzern News Corp. und der australischen Mediengruppe Nine kontrolliert, den beiden grössten Medienkonglomeraten des Landes. Murdoch besitzt rund 70 Prozent des australischen Zeitungsmarktes. Agenturjournalismus sei ein Geschäft, das in Zeiten kostenloser Inhalte im Netz nicht mehr rentiere, wird der Entscheid begründet.
Doch laut Kritikern hat die Schliessung einen anderen, düsteren Hintergrund. Abjorensen sagt, die Besitzer wollten nicht mehr ein Geschäft finanzieren, das ihre Konkurrenten mit Nachrichten beliefere. Vor allem kleinere Zeitungen und Radiostationen hatten AAP als einzige Quelle von Meldungen. Wie diese in Zukunft ihre Seiten und Programme füllen können, steht in den Sternen.
Nine baut eigenen Nachrichtendienst auf
Ein simples Ausschalten der Konkurrenz also? Ein Vorwurf, den nun die Konsumentenschutzbehörde untersuchen wird. Den bisherigen Kunden war jedenfalls weder angeboten worden, mehr für den Dienst zu bezahlen, um ihn zu retten, noch wurden andere Besitzstrukturen diskutiert. Nine will nun einen eigenen Nachrichtendienst aufbauen für die eigenen Medien.
Die Wahrscheinlichkeit, dass die konservative Regierung eingreifen wird, ist klein. Nicht nur, weil sie seit Jahren die Unterstützung der ebenfalls sehr konservativen Murdoch-Medien geniesst. Die Regierung sei in den letzten Jahren sogar zu einer Helferin des mächtigen Medienkonzerns geworden, sagt Abjorensen. Dies, indem sie die Position des öffentlich-rechtlichen Senders ABC schwächte, der Murdoch seit Langem ein Dorn im Auge sei.
Hunderte von Millionen Dollar weniger im Budget, Hunderte von Journalisten mussten gehen, Programme wurden bei ABC gestrichen. Der grösste Verlierer dieser weiteren Konzentration in der Medienlandschaft sei die Demokratie, so Abjorensen. Denn je konzentrierter die Medien in einem Land seien, desto kleiner sei die Vielfalt der Meinungen, die in einer Demokratie zirkulierten.