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Die meisten Rechtschreibfehler sind langweilig, aber dieser hier ist nicht nur amüsant, sondern auch lehrreich: «Der Mittelfeldspieler hat seinen Fehler gut gemacht.» Wer erst bei diesem Satz in den Matchbericht einsteigt, gerät ins Grübeln: Wird da die Gründlichkeit, die Schönheit oder gar die Kunstfertigkeit gerühmt, mit der der Fussballer seinen Fehler aufs Feld gebracht hat? Ist er vielleicht diesmal, getreu einem Wort von Samuel Beckett, «besser gescheitert» als beim ersten Mal?
Der Spieler ist, wie der Anfang des Berichts offenbart, tatsächlich zuerst einmal gescheitert, indem er mit einem Ballverlust ein Gegentor verschuldet hat. Doch dann ist er nicht nochmals gescheitert, sondern hat den Ausgleichstreffer gleich selber erzielt. Damit hat er – wie Sie schon lange ahnen – seinen Fehler gutgemacht. Dieses zusammengeschriebene Verb hat die Rechtschreibreform von 1996 schadlos überstanden. Andere Zusammensetzungen wurden aber damals tatsächlich getrennt. Dadurch ist ein bis heute wirksamer Übereifer beim Trennen entstanden, der leicht zu Fehlern führt – nicht im Fussball, aber zum Beispiel im Bericht darüber.
Tücken der Rechtschreibreform
Es gibt indes auch Fälle, wo die Reform selber für Missverständlichkeit gesorgt hat: So schrieb sie vor, Zusammensetzungen mit «wohl» zu trennen: Das ist ein wohl bekanntes Beispiel. Ist der letzte Satz nun eine mit «wohl» ausgedrückte Vermutung, oder bedeutet er, das Beispiel sei durchaus weitherum bekannt? Seit der Revision von 2006 lässt die amtliche Rechtschreibung auch wieder «wohlbekannt» gelten, aber immer noch kann man auch dann «wohl bekannt» schreiben, wenn man keine Vermutung meint, sondern eine Bekräftigung.
Ähnlich missverständlich ist es, wenn jemand von einem «meist verehrten» Fussballer schreibt. Hier war aber die Getrenntschreibung schon immer dann falsch, wenn man sagen wollte, er geniesse von allen Spielern die höchste Verehrung, sei also der meistverehrte. Das separate «meist» dagegen könnte auch durch «meistens» ersetzt werden. Vielleicht haben manche den meist(ens) verehrten Mittelfeldspieler eben bis zu seinem Schnitzer verehrt – und dann erst nach der Wiedergutmachung erneut.
Auch als Verb wird «wiedergutmachen» zusammengeschrieben – aber im Unterschied zu «gutmachen» erst wieder seit der Revision 2006. «Bei Zusammensetzungen aus Adverb und Verb ist das Adverb meist deutlich stärker betont», steht dazu vorne im Duden (Regel D 48). Aber eben nur «meist(ens)»: In unserem Beispiel liegt wohl die Hauptbetonung auf gut, nicht auf dem Adverb wieder. Wer die Betonung von «gutmachen» zusätzlich betonen will, macht mit der Schreibweise «wieder gutmachen» vermutlich keinen Fehler.
Wo der Ton die Schreibmusik macht
Bei «gutmachen» im Sinn von «ausbügeln», wie es in einem Zwischentitel des Fussballberichts stand, ist gut eindeutig stärker betont als machen – allerdings ist das auch beim getrennten Lob so: Das hast du gut gemacht. Die Faustregel mit der Betonung bezieht sich auf Adverbien wie wieder, nicht auf Adjektive wie gut. Wird ein Fehler gutgemacht, so ist eine andere Regel anwendbar: Da ergibt «die Verbindung von Adjektiv und Verb eine neue, als solche verfestigte Gesamtbedeutung». Die Regel D 56 sagt weiter: «Wenn dies nicht klar entschieden werden kann, ist Getrennt- oder Zusammenschreibung zulässig.»
Bei feineren Unterscheidungen hilft, wenn man Glück hat, der Einzeleintrag im Duden. Als Armeechef Süssli erklärte, warum man bei der aktuellen Sparübung eine Flugschau absagte, obwohl dadurch Mehrkosten entstehen, wurde als Begründung wiedergegeben, «dass er alle Waffengattungen gleichbehandeln wolle». Die Zusammenschreibung ist gemäss Wörterbuch dann richtig, wenn er «gleichermassen gerecht» meinte; dagegen würde «gleich behandeln» separat geschrieben (und betont), wenn er nur «in gleicher Weise» meinte. Interessanter ist aber ohnehin die Frage, ob die Armee ihre Kassenführung einfach gut machen muss oder ob sie dabei etwas gutzumachen hat.
Dudenregel kontra Pilzregel
Der verbreitete Übereifer, zu trennen, was zusammengehört, findet Nahrung vorne im Duden «Rechtschreibung» (27. Auflage, S. 49): «Bei Verbindungen mit Verben ist die Getrenntschreibung grundsätzlich der Normalfall.» Aber was sind «Verbindungen»? Meine Frage an die Dudenredaktion hat (noch) keine Antwort gefunden. Im entsprechenden Kapitel ist von (vereinigten) Zusammensetzungen und (getrennten) Wortgruppen die Rede; ist mit «Verbindungen» beides zusammen gemeint, so überwiegen Wortgruppen und damit die Getrenntschreibung locker, denn man kann sie noch viel leichter bilden als Zusammensetzungen. Der Duden hält sich an die Regeln des Rats für deutsche Rechtschreibung, fügt aber eigene Erläuterungen an wie den zitierten «Grundsatz» der Getrenntschreibung. Ich bin mit meiner genau entgegengesetzten «Pilzregel» bisher besser gefahren: getrennte Reformschreibung nur dort anwenden, wo man sie genau kennt.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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