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Auf die Idee, ein Luftkissenfahrzeug zu bauen kam Jürgen durch die Berichte in allen Zeitungen über das erste solche Fahrzeug namens Short SR.N-1, welches im Jahre 1959 in Grossbritannien erstmals dem staunenden Publikum vorgeführt wurde. Was lag da näher, als ein eigenes Luftkissenfahrzeug zu bauen.
Der Bau des Modells
Jürgens Luftkissenfahrzeug war eine sehr einfache Konstruktion, welche im Prinzip einer fliegenden Schuhschachtel glich. Das Gehäuse baute er im Jahre 1960 aus Karton und Balsaholz. Die Unterseite war offen und oben gab es eine kreisrunde Öffnung für einen Propeller, welcher von einem 2.5 cm³-Motor angetrieben wurde. Es ist nicht mehr bekannt, welchen Motor er dazu benützte, ziemlich sicher war es der Webra Mach 1 2.5R. Dieser war an einem Sperrholzrahmen befestigt und bildete zugleich eine Trennwand, welche den Raum innerhalb des Gehäuses in zwei gleich grosse Kammern unterteilte. An dieser Trennwand gab es auf beiden Seiten je ein Ruder aus dünnem Aluminium, welches durch Biegen unterschiedlich steil angestellt werden konnte. Dieses diente dazu, das Drehmoment des Motors auszugleichen. Wie steil diese beiden Ruder eingestellt werden mussten, konnte Jürgen nicht berechnen, sodass dies durch die Flugtests zuerst ermittelt werden musste. Ebenfalls an der Trennwand war ein 30 cm-Tank befestigt, sodass das Modell damit etwa 3 Minuten fliegen konnte.
Die ersten Flüge
Beim Erstflug, bei dem Jürgens Bruder Peter ebenfalls dabei war, stellte Jürgen den Motor auf Vollgas und überliess das Modell dann dem Schicksal, denn Erfahrungen darüber hatte ja noch niemand. Sein JR-11 startete daraufhin wie eine Rakete senkrecht in Richtung Ionosphäre. Dabei begann sich das Modell langsam um die eigene Achse zu drehen. Schon nach wenigen Sekunden beschrieb das ungesteuerte Modell glücklicherweise einen grossen Bogen und landete recht unsanft auf dem Rücken im Gras. Der Motor wurde dabei abgewürgt, da der Propeller recht intensiv begann das Gras zu mähen. Trotz der unsanften Landung bleib das Modell weitgehend unbeschadet.
Nach kleineren Reparaturarbeiten am Gehäuse und der Befreiung vom Gras erfolgte der zweite Flug, diesmal nur mit Standgas, also mit etwa 2'000 U/min. Das reichte bereits, um in etwa 10 cm Höhe zu schweben. Erneut begann das Modell sich zu drehen. Nun verstellte Jürgen die Ruder etwas auf die umgekehrte Seite der beobachteten Drehrichtung und zwar bei laufendem Motor und gab das Modell zum Weiterschweben wieder frei. Nun schwebte es leicht torkelnd und ungesteuert auf der Wiese herum und wusste nicht so recht, wohin die Fuhre gehen sollte. Da es nun leicht von Hand eingefangen werden konnte, beendete Jürgen den zweiten Flug vorzeitig, denn mit Standgas hätte das Modell wohl 10 oder 15 Minuten schweben können.
Nach den nun vorliegenden Erkenntnissen baute Jürgen seiem Luftkissenfahrzeug ein Seitenruder ein, doch was er auch ausprobierte, eine befriedigende Steuerung fand er auf die Schnelle nicht. Erst später kam er dann auf die Idee, das Modell nicht mit einem Seitenruden zu steuern, sondern durch ein kleine Düsenöffnung auf der Rückseite, welche man verstellbar hätte einrichten sollen. Ziel wäre gewesen, dass das Modell ähnlich wie ein A1-Segler im Kreis herum geschwebt wäre. Doch soweit kam es nicht mehr. Einerseits war der Reiz des Neuen langsam verflogen und andererseits stand plötzlich der Umzug in eine eigene Bleibe auf dem Programm. So blieb das Modell auf dem Bastelschrank und dämmerte still vor sich hin, nur ein paarmal unterbrochen von meinem Interesse, wenn ich Jürgens Bruder besuchte.
Schicksal des Modells
Das Modell verblieb bis 1964 in Peters Obhut. Ich habe es ab und zu genau betrachtet und dann aus Sperr- und Balsaholz bis ins Detail nachgebaut und mit meinem Taifun Tornado-Motor ausgerüstet. Nur geflogen ist es nie. Das Modell von Jürgen wurde vermutlich ein Opfer des Umzugs, als Peter Rüsch 1965 von zuhause wegzog.
Technische Daten (geschätzt)
Länge: 35 cm Breite: 26 cm Höhe: 15 cm Motor: Webra Mach 1, 2.5 cm³ Propeller: Top Flite Nylon 22.5 x 12 cm Gewicht: 350 g
Dieser Beitrag wurde letztmals am 16. Juli 2017 überarbeitet.
Quelle: - Jürgen Rüsch - Peter Rüsch (Erinnerungen) - eigene Erinnerungen