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Durch die Gnade Roms wurde 37 v. Chr. Herodes König der Israeliten. Er war ein Despot, der sogar Familienangehörige brutal umbrachte, wenn es seinen politischen Plänen nützlich erschien. Er konnte Israel etwas Frieden verschaffen und übersäte das ganze Land mit grossartigen Städteneugründungen, Gebäuden und Palästen – dies trug ihm in der Weltgeschichte den Namen «Herodes der Grosse» ein. Noch heute beeindrucken die Reste seines Palastes auf der Fluchtburg Massada, am Südwestufer des Toten Meeres.
Der Tempel des Herodes: Wunderwerk der Antike
Herodes war geradezu baubesessen. Doch seine Bauwut schenkte der Antike den wohl einzigartigsten Prachtbau: den Herodianischen Tempel. Als der König seinen jüdischen Untertanen die Baupläne unterbreitete, zweifelten diese daran, dass er ein solches Projekt überhaupt durchführen könne. Herodes hatte vor, das bisher quadratische Tempelplateau mit einer Grösse von 500 Ellen (= 262,5 Meter/entspricht 68 906 m2) mehr als zu verdoppeln auf 144 000 m2. Das entspricht 12 Fussballfeldern inkl. Zuschauertribünen! Das gesamte Gebiet sollte an den Rändern von einer prachtvollen Säulenhalle umgeben werden. Im Süden des Tempelberges plante Herodes zudem eine königliche Säulenhalle. Vier Reihen von je 40 Säulen sollten diese Säulenhalle säumen, jede Säule so dick, dass drei Menschen, die sich an den Händen hielten, sie gerade umfassen konnten. Doch seine Untertanen standen diesen Plänen mit grösster Skepsis gegenüber. Man befürchtete offensichtlich, dass der König – er war kein Jude, sondern ein Idumäer – insgeheim auf die Zerstörung ihres Heiligtums aus war oder dass er, «wenn der Tempel niedergelegt wäre, nicht die hinlänglichen Mittel besitzen» würde, «um das Werk, welches er sich vorgenommen hatte, vollenden zu können», so der jüdische Historiker Flavius Josephus (37–100 n. Chr.) in seinem Buch Jüdische Altertümer (15. Buch, 11. Kapitel, 2). Josephus berichtet uns ausserdem ausführlich, wie Herodes die Skepsis seiner Untertanen ernst nahm und welche vertrauensbildenden Massnahmen er ergriff, um die Zweifel zu zerstreuen. Die Priester mussten in Schnellkursen in der Steinmetzkunst und im Zimmerhandwerk ausgebildet werden, da ihnen die Aufgabe zufiel, die Bauarbeiten im Inneren des Tempels durchzuführen. Denn nur den Priestern war es gestattet, diesen heiligen Bereich zu betreten. Auch König Herodes musste sich an die Heiligkeitsgesetze halten.
Hatte Herodes den eigentlichen Tempel innerhalb von 1 ½ Jahren errichten lassen, so vergingen bis zur Vollendung des grossen Vorplatzes acht Jahre (von 19 bis 11 v. Chr.). Doch auch nach dieser Zeit wurde immer weiter an den Gebäuden des Tempelberges gebaut. Das Neue Testament berichtet uns, dass die Arbeiten am Tempelbezirk 46 Jahre gedauert haben (Joh. 2,20). Erst 64–66 n. Chr. wurden sie endgültig abgeschlossen.
(Artikelauszug aus ethos 9/2017)