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Der Vogel fliegt und der Beobachter greift schnell zu seinem Fernglas, ein Victory 10x42 T* FL. Der Vogel landet auf dem Rand eines alten Baucontainers. Das Glas gibt die Farben brillant wieder, mit überragender Helligkeit und größtmöglicher Detailauflösung. Scharf ist der zum Schnabel hin gelbe, aber ansonsten weiße Überaugenstreifen gegenüber der braunen Kopfzeichnung abgesetzt, die weiße Kehle strahlt im Sonnenlicht. Es besteht kein Zweifel: Dort, mitten in einem Baugelände auf Helgoland sitzt eine nordamerikanische Weißkehlammer.
Weißkehlammern leben in Nordamerika. Dort bewohnt die relativ häufige Art offene Nadel- und Mischwälder. Sie zieht jedes Jahr im Herbst bis nach Texas und Florida, um dann im Frühjahr wieder in die angestammten Brutgebiete nach Norden zu fliegen.
Katja und Irene waren die ersten Hurrikans der Saison, die ab August in den USA wüteten. In Folge dieser Stürme wurde Frankreichs erster Goldwaldsänger am 30.08.2011 an der Gironde-Mündung in Westfrankreich gefangen und beringt. Dieser kleine, gelbe Waldsänger lebt normalerweise in Nordamerika und zieht im Winter bis ins nördliche Südamerika.
Durch die auf den Atlantik abziehenden Hurrikane-Ausläufer schaffte der Vogel den mindesten 3.900 km langen Flug bis nach Europa wohl mit Rückenwind. Das hier gezeigte Foto zeigt einen adulten Goldwaldsänger.
Auch einige der selteneren Greifvogelarten treten in diesem Herbst ungewöhnlich früh auf. So zogen über Falsterbo, Schweden bis Mitte Oktober bereits mehr als 1800 Raufußbussarde. Das sind bereits fast so viele wie während des gesamten Herbstes im Rekordzugjahr 2010. Möglicherweise war ein starkes Auftreten von Wühlmäusen und anderen Nagern zur Brutzeit in Fennoskandinavien für die große Zahl an Greifvögeln verantwortlich.
Ebenfalls eine Rekordzahl ist an Steppenweihen in (Nord-) West- und Mitteleuropa nachgewiesen worden. In Finnland brüteten mindestens 5 Paare und weitere 171 Individuen wurden zwischen dem 12. April und 1. Oktober festgestellt. Gewöhnlich brütet diese Art weiter östlich und südlich bis etwa Rumänien und zur Ukraine. Sie erscheint nur als Ausnahmeerscheinung oder seltener Gast im westlichen Europa.
In diesem Herbst gibt es ungewöhnlich viele Nachweise der Steppenweihe aus Holland, Deutschland und sogar Irland, Großbritannien, Island. Gerade bei jungen oder weibchenfarbenen Steppenweihen kommt es auf kleinste Farbdetails an, um sie von anderen Weihenarten unterscheiden zu können.
|Deutsch||Englisch||Latein|
|Raufußbussard||Rough-legged Buzzard||Buteo lagopus|
|Langzehenstrandläufer||Long-toed Stint||Calidris or Erolia subminuta|
|Steppenweihe||Pallid Harrier||Circus macrourus|
|Goldwaldsänger||Yellow Warbler||Dendroica aestiva|
|Rötelammer||Chestnut Bunting||Emberiza rutila|
|Mugimakischnäpper||Mugimaki Flycatcher||Ficedula mugimaki|
|Kanadakranich||Sandhill Crane||Grus canadensis|
|Blaunachtigall||Siberian Blue Robin||Luscinia cyane|
|Schwirrnachtigall||Rufous-tailed Robin||Luscinia sibilans|
|Middendorflaubsänger||Two-barred Warbler||Phylloscopus trochiloides plumbeitarsus|
|Purpurschwalbe||Purple Martin||Progne subis|
|Grasläufer||Buff-breasted Sandpiper||Tryngites subruficollis|
|Blauflügel-Waldsänger||Blue-winged Warbler||Vermivora cyanoptera|
|Weißkehlammer||White-throated Sparrow||Zonotrichia albicollis|