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Geschichte
Allgemein
Schon vor einigen Jahren sprach man unter den Jungen über die Musik, denn für die Jugend war viel zu wenig Leben in der Gemeinde. In den Jahren 1917 und 1918 hat ein junger Lehrer – zweifellos Georg Casanova-Spadin – oft des Abends Lieder oder Märsche gespielt, was natürlich der beste Ansporn war. So hat es nach Protokoll «blasmusikalisch» in Obersaxen angefangen.
Nach einer Zusammenkunft vom 23. Juni 1918 wurde ein «Instrumenten-Gesuch» an die Gemeinde gestellt. Die Gemeindeversammlung vom 28. Juli 1918 bewilligte mit 47 Ja- gegen fünf Nein-Stimmen einen Kredit von CHF 2’000.00 zur Anschaffung, mit den Bedingungen, dass die Instrumente alle der Gemeinde gehören und nur Bürger in den später sich gründenden Verein aufgenommen werden (Nichtbürger erst ab 1957). Bei der Gründung zählte der Verein 14 Mitglieder und gleichentags wurden die ersten Statuten mit 21 Artikeln verfasst. Die Musikgesellschaft Obersaxen wurde durch nachfolgende Mitglieder gegründet:
– Martin Alig-Tschuor
– Georges Arms-Henny
– Christian Georg Casanova-Janka
– Georg Casanova-Spadin
– Hans-Peter Henny-Caplazi
– Martin Henny-Wallier
– Johann Janka-Casanova
– Johann Andreas Janka
– Johann Christian Janka-Tschuor
– Martin Mirer-Neuwirth
– Thomas Eduard Mirer-Tschuor
– Johann Riedi-Casanova
– Michel Anton Schwarz-Vieli
– Johann Walder-Berther
In der Silvesternacht 1918 traten die Musikanten mit klingendem Spiel erstmals öffentlich auf. Am Kirchen-Patronatsfest 1919 begleitete die Musikgesellschaft Ober- saxen erstmals die Prozession. 1920 marschierte sie unter der Fahne der Knabenschaft zum Katholikentag nach Trun und brachte im gleichen Jahr ihr erstes Hochzeits-Ständchen für das Aktivmitglied Thomas Eduard Mirer-Tschuor. Die ersten Ausflüge fanden im Mai und Oktober 1921 nach Surcuolm statt. 1925 wurden die Spielleute in Flond reichlich mit Kirschen und Schnaps bewirtet. Zur Verschönerung der Bundesfeier wurde erstmals am 1. August 1926 aufgespielt. Seit 1927 begleitet die Musikgesellschaft auch jeweils die Primizianten zur Pfarrkirche. Der erste Trauermarsch galt 1930 Domherr Michael Anton Alig. Die kirchlichen Feste wie Firmung, Fronleichnam, St. Peter und Paul, Skapulier, Maria Geburt usw. sowie die Glockenaufzüge 1965 in Meierhof oder 1977 in St. Martin, können sich die Obersaxer ohne das Spiel ihrer Bläser nicht mehr vorstellen; das gehört zum Dorfleben. 1959 wurde der Durchstich des Hanschahüs-Stollens und 1960 die Einweihung der Vorderalphütte mitgefeiert.
Der Zweck der Musikgesellschaft Obersaxen besteht insbesondere in der Pflege und Hebung von Musik, ferner im Bestreben, Freunde der Musik, sowie den Mitgliedern selbst, angenehme und gute Unterhaltung zu bieten. Die Aufnahme eines neuen Aktivmitglieds, welches noch in keiner Musikgesellschaft aktiv mitgewirkt hat, erfolgte auf Probezeit, die der Verein je nach Fortschritt und Leistung des Gesuchstellers festsetzen konnte. Über die definitive Aufnahme entschied der Verein in geheimer Abstimmung nach vorheriger Prüfung und Begutachtung durch den Vereinsdirigenten. Für Verspätungen bei Übungen und Versammlungen und zu frühes Verlassen derselben wurden CHF 0.50 als Busse erhoben. Bei öffentlichen Aufführungen CHF 1.00. Für gänzliches Wegbleiben von Übungen und Versammlungen CHF 2.00 und für gänzliches Weg bleiben bei öffentlichen Aufführungen CHF 4.00.
Aus den vier Protokollbüchern geht hervor, dass die strammen Jünglinge und Männer gar oft durstige Kehlen hatten; immer wieder wurde festgehalten, wie gut die Musikanten nach einem beschwingten Ständchen bewirtet wurden. Aber auch vielmals ist vermerkt, dass der Präsident oder Dirigent mahnen, ja sogar Bussen aussprechen musste, damit fleissig geübt und nicht zu spät angetreten wurde. In den ersten Jahren scheint es auch gar nicht so leicht gewesen zu sein, den Vorstand zu bestellen, weshalb 1923 mit sieben Ja- gegen fünf Nein-Stimmen der «Amtszwang» eingeführt wurde. Ein Verein ist wie eine Familie: es gibt freudige und weniger erbauliche Tage. Zwängereien, Zänkereien, Sticheleien seien vergessen; denn immer wieder wussten vernünftige, besonnene Mitglieder den Frieden herbeizuführen, sodass sich aus kleinen Anfängen innert eines Jahrhunderts die heutige Musikgesellschaft bilden und entwickeln konnte. Es sei übersehen, dass bereits im ersten Vereinsjahr der «Dirigent anfing zu streiken… aus lauter Weibergeschwätz». Doch seit Mai 1972 stellte die erste weibliche Musikantin, Frau Ursula Janka-Alig von Miraniga, ihren Mann in der Bläsergilde.
Zu den Haupttätigkeiten der Musikgesellschaft zählen heute das Jahreskonzert, die Teilnahme an Musikfesten sowie die musikalische Umrahmung an Kirchenfesten während den Sommermonaten. Seit 1993 ist der Musikgesellschaft eine Tambourengruppe angegliedert, welche mit ihren Vorträgen die Auftritte der Musikgesellschaft bereichert.
Die Musikgesellschaft Obersaxen hat unter anderem zwei Mal die traditionelle Veteranentagung des Graubündner Kantonalen Musikverbandes organisiert, nämlich in den Jahren 1994 und 2010. Im Weiteren durfte die Musikgesellschaft Obersaxen im April 2008 die Delegiertenversammlung des Graubündner Kantonalen Musikverbandes und im November 2014 jene des Musikbezirks Surselva durchführen und Gastgeberin sein.
In den letzten Jahren hatte die Musikgesellschaft immer wieder mit einem Mitgliederschwund zu kämpfen. Deshalb hat sie am 16. August 2008, das 90-jährige Bestehen gebührend gefeiert. Es war demzufolge schwierig abzuschätzen, ob die Musikgesellschaft Obersaxen auch an ihrem 100. Geburtstag noch bestehen würde. Umso grösser war die Freude, dass die Musikgesellschaft am 25. Mai 2018 unter dem Motto «feiern mit Blick zurück und in die Zukunft» ihr 100-jähriges Vereinsjubiläum feiern durfte.
Bis zum heutigen Tag stand der Verein unter der Führung von nicht weniger als 23 Dirigenten und 25 Präsidenten.
Instrumente
Nachdem die Gemeinde 1918 einen Kredit bewilligt hatte, wurden die Instrumente unverzüglich bei der Firma M. Wolf in Frauenfeld für CHF 1’825.00 bestellt. Die Instrumente trafen dann am 7. September 1918 in Obersaxen ein und wurden «mit lachenden Herzen aus den Kisten gehoben», um anderntags von Lehrer Georg Casanova-Spadin «kontrolliert» zu werden. 1926 wurden zusätzlich noch vier Instrumente gemietet. Im Jahre 1968 mussten 14 neue Instrumente gekauft, sowie neun repariert werden; die Kosten beliefen sich damals auf CHF 11’210.00.
Das prächtige Fest der Neuinstrumentierung wurde am 19. / 20. Juni 1976 unter Anteilnahme der ganzen Bevölkerung gefeiert. Mit dem Eröffnungsmarsch «Gruss an Obersaxen» von Lukas Stoop hiessen unsere Musikanten die Gastvereine Oberägeri, Breil / Brigels, Ilanz, Rueun, Vals und Vrin willkommen, wobei der langjährige Dirigent und Lehrer, Martin Sax-Simmen, mit berechtigtem Stolz die Fahne schwenkte. Die Festansprache hielt Adolf Sax-Geissmann. Die 30 neuen Willson-Instrumente lieferte die Firma Willy Kurath aus Flums für CHF 53’430.00.
Die Instrumente, mit welchen die Musikgesellschaft Obersaxen auch heute noch spielt, wurden im Jahre 1991 anlässlich der letzten Neuinstrumentierung und der 700-Jahrfeier der Eidgenossenschaft mit einem Fest vom 2. – 4. August eingeweiht. Die Instrumente wurden beim Musikhaus Länzlinger in Zizers für CHF 90’450.00 angeschafft. Drei Jahre später wurden acht grosse Trommeln für CHF 10’000.00 erworben.
Aus Anlass des Jubiläums die Musikgesellschaft Obersaxen am 25. Mai 2018 elf neue Trommeln präsentieren dürfen. Die neuen Trommeln wurden bei Remo’s Musikatelier in Ilanz für rund CHF 30’000.00 gekauft.
Uniformen
Das neue Jahr 1919 wurde in Zivilkleidern eingeblasen. Doch zum Kirchen-Patronatsfest trat die Musikgesellschaft in Militäruniform an, was ab Mai 1927 vom Kreiskommando Graubünden verboten wurde, weshalb die Spieler beschlossen, wieder «in Zivil zu erscheinen». Ein Vereinszeichen, ein «breites Hutband schwarz, blau, gelb», wurde 1920 angeschafft. Anno 1950 fragten sich die Bläser, wie man zu Uniformen kommen könnte? Die Musikgesellschaft Rheinau offerierte ihre alten Uniformen, welche die Obersaxer pauschal für CHF 150.00 erwarben, um am Fronleichnamsfest 1950 erstmals in den abgetragenen, dunkelgrünen Uniformen aus dem Kanton Zürich aufzutreten. Die blauen, ebenfalls ausgedienten Uniformen, erhielten die Obersaxer 1957 von Neuendorf im Kanton Solothurn.
Der Beschluss für neue Uniformen fiel im Oktober 1963. Bereits am 18. Mai 1964 begrüssten die Obersaxer ihre in schmucken, schwarzen Uniformen gekleideten Musikanten; Kosten CHF 9’947.00 von der Tuchfabrik Truns. Seit 1972 wurden dazu einheitliche gelbe Hemden und rote Krawatten getragen.
Die nächste Neuuniformierung fand im Jahre 1982 statt. Diese Uniform war erstmals farbenfroh. Sie bestand aus einem roten Jacket und blauen Hosen mit einem extra Hut! Anschaffungskosten von CHF 24’773.00.
Wettbewerbe
Zum ersten Oberländer Musiktag marschierten die Obersaxer Musikanten anno 1925 nach Ilanz: “Abmarsch-Mitternacht von Ilanz… am frühen Morgen wieder in Meierhof“. Zum ersten Bezirksmusikfest 1929 in Disentis/Mustér ging es “zu Fuss“ nach Waltensburg, dann per “Bahn“ weiter. Die Musikgesellschaft hat bis zum heutigen Tag an 13 Bezirks- und an 6 Kantonalmusikfesten teilgenommen. Die Teilnahme am 17. Bezirksmusikfest 2000 in Sedrun geht als grösster Erfolg in die Vereinsgeschichte ein. Von 9 Vereinen holte die Musikgesellschaft Obersaxen in der vierten Kategorie sowie von 16 Vereinen in der Marschmusik zweimal den 1. Rang mit einem grossen Punktevorsprung nach Hause.