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News
Italienischer Trawler mit "nachhaltig gefangenen Garnelen" für den europäischen Markt vor Gambia festgesetzt
Mittwoch, 13 Sep, 2023
Der industrielle Trawler Twenty, der mit einem italienischen Fischereiunternehmen in Verbindung gebracht wird, hatte u. a. „nachhaltig gefangene Garnelen“ geladen und wurde vor der Küste Westafrikas gestoppt. Gambische Marinesoldaten an Bord der Age of Union setzten den Trawler fest. Zuvor hatten Strafverfolgungsbeamte festgestellt, dass das Schiff illegale Fangnetze verwendete, um kleine Tintenfische und Garnelen für den Export auf den europäischen Markt zu fangen.
Kartons mit gefrorenen Garnelen, die im Laderaum der Twenty gefunden wurden, trugen den Namen Asaro, ein Fischereiunternehmen mit Sitz in Mazara del Vallo, einer Hafenstadt in der Nähe von Palermo. Einige der Kartons waren mit Siegeln für „zertifizierte nachhaltige Fischerei“ gekennzeichnet.
Die Twenty war als Garnelentrawler lizenziert, was dem Schiff erlaubt, Netze mit kleinerem Maschenmass zu verwenden, als wenn es nur für Bodenschleppnetze zugelassen wäre. Dennoch betrug der Anteil der Garnelen an Bord weniger als 0,1 Prozent, was die Ermittler vermuten liess, dass der Kapitän lediglich vorgab, Garnelen zu fischen, um engmaschige Netze verwenden zu können.
Doch selbst unter Betracht dieser Umstände lag das Maschenmass der Netze weit unterhalb des gesetzlichen Grenzwerts für Garnelenfangschiffe. So wurden im Laderaum des Trawlers neben 100 Haien viele junge Fische und Kopffüßer gefunden, die dem engmaschigen Netz nicht entkommen konnten.
Der Kapitän der Twenty führte zudem kein ordnungsgemässes Fischereilogbuch – eine gängige Praxis bei Betreibern, die ihre Aktivitäten und Daten darüber, wie viel Fisch gefangen wird, verschleiern möchten. Ausserdem übermittelten sie ihre Position nicht über das obligatorische Automatische Identifikationssystem (AIS), das Standortdaten an Strafverfolgungsbehörden überträgt und sicherstellt, dass industrielle Fischereischiffe nicht in für Kleinfischer reservierten Sperrzonen fischen.
Das gambische Verteidigungsministerium erhält regelmässig Berichte über industrielle Trawler, die in Gebieten fischen, die eigentlich für die über 300'000 Gambier bestimmt sind, die von der Kleinfischerei abhängig sind.
Im Jahr 2018 wurde ein weiterer mit der Firma Asaro verbundener Trawler namens Pegaso Q von benachbarten Behörden in Sierra Leone mit einer Geldstrafe belegt, weil er in einem ähnlichen Schutzgebiet gefischt hatte.
Die Eighteen, ein weiteres Asaro-Schiff und Schwesterschiff der TWENTY, wurde von denselben Behörden ein Jahr zuvor mit Haiflossen erwischt. Zum Zeitpunkt des Verstosses war das Schiff in Italien registriert.
Im Jahr 2018 erhielt Asaro die Zertifizierung für nachhaltigen Fang durch „Friend of the Sea“, einem Projekt der World Sustainability Organization. Der Trawler Twenty wurde in das Zertifizierungssystem aufgenommen. Im Jahr 2021 lief die Zertifizierung aus.
Dennoch trugen einige der auf der Twenty gefundenen Garnelenkartons immer noch das Logo von „Friend of the Sea“ und das Siegel für zertifizierte Nachhaltigkeit.
“Ich denke, die meisten Italiener wären schockiert und empört, wenn sie herausfinden würden, dass Garnelen und Tintenfische, die sie im Supermarkt finden – von denen einige möglicherweise sogar als nachhaltig gefangen gekennzeichnet sind – nicht nur in Westafrika gefangen wurden, sondern auch mit illegaler Fischereiausrüstung von Betreibern, die wiederholt das Gesetz umgangen haben."Andrea Morello, Direktor von Sea Shepherd Italien
Die Twenty wird im Hafen von Bajul festgehalten. Sie ist bereits der fünfte Trawler, der dieses Jahr im Rahmen von Operation Gambian Coastal Defense festgesetzt wurde, einer erneuerten fünfjährigen Partnerschaft zwischen Sea Shepherd Global und dem gambischen Verteidigungsministerium zur Durchführung von Patrouillen auf See.
Operation Gambian Coastal Defense ist eine einzigartige Partnerschaft mit der Regierung von Gambia, die 2019 begann, um gemeinsame Patrouillen auf See zur Bekämpfung der illegalen, unregulierten und undokumentierten Fischerei (IUU-Fischerei) durchzuführen. Seit 2016 arbeitet Sea Shepherd in Partnerschaft mit den Regierungen von Gabun, Liberia, Sierra Leone, São Tomé und Príncipe, Tansania, Benin und Namibia zusammen, um IUU-Fischerei zu bekämpfen. Den afrikanischen Küsten- und Inselstaaten werden zivile Hochseepatrouillenboote zur Verfügung gestellt, mit denen die Behörden Fischereivorschriften und Naturschutzgesetze in ihren Hoheitsgewässern durchsetzen können. Bislang haben diese einzigartigen Partnerschaften zur Festsetzung von 86 Schiffen wegen illegaler Fischerei und anderer Fischereivergehen geführt.