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Eine Orgie in Barock erwartet den Besucher in Noto. Das Städtchen im Süden der Provinz Syrakus hat rund 20.000 Einwohner, aber Kirchen und Paläste für eine zehnmal so grosse Stadt. 19 Klöster kommen zu den 23 meist grossmächtigen Gotteshäusern und 19 Adelspalästen noch hinzu, ferner riesige, manchmal ausgesprochen monumentale Freitreppen und repräsentative Strassen und Plätze. Die bröselnde Pracht und Grossartigkeit hat vor allem bei tief stehender Sonne etwas verstörend Unwirkliches. Hier haben sich sizilianischer Klerus und Adel im 18. Jahrhundert ein orgiastisch anmutendes, riesiges Denkmal gesetzt. Die barocke Altstadt, die wie Syrakus zum Weltkulturerbe der Menschheit zählt, ist in weniger als 80 Jahren entstanden, nachdem das alte, weiter landeinwärts gelegene Noto im Jahre 1693 von einem verheerenden Erdbeben zerstört worden war.
Den besten Eindruck vom Gesamtensemble der auf dem Reissbrett entworfenen Stadtanlage, für deren Verwirklichung die besten Architekten der damaligen Zeit verpflichtet wurden, erhält man bei einem Gang über die via Cauvour und über den parallel dazu verlaufenden Corso Vittorio Emanuele.
Die Umgebung von Noto wartet auf mit ähnlich prächtigen Barockbauwerken, die damals nach dem Erdbeben entstanden: das nur 8 Kilometer entfernte Avola, das bei den Sizilianern wegen seiner Mandeln geschätzt wird, das Städtchen Módica mit der Kirche San Giorgio, zu der eine Freitreppe mit 250 Stufen empor führt, und die noch ein Stück weiter westlich liegende Bischofs- und Provinzhauptstadt Ragusa, deren zwei Stadtteile malerisch durch eine tiefe Schlucht getrennt werden.