Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03456.jsonl.gz/1001

Der „Billy Graham Afrikas“ – Stephen Lungu – ist tot
Lilongwe (IDEA) – Trauer um den afrikanische Evangelisten und langjährigen Leiter des Missionswerks „African Enterprise“ (Unternehmen Afrika), Stephen Lungu: Er starb am 18. Januar im Alter 78 Jahren in der malawischen Hauptstadt Lilongwe infolge von Komplikationen nach einer Infektion mit dem Coronavirus. Das teilte das Hilfswerk mit.
Der in Rhodesien (heute Simbabwe) geborene Lungu wuchs auf der Straße auf. Er wurde Anführer einer Bande und kämpfte als 18-Jähriger an der Seite des späteren Diktators Robert Mugabe (1924–2019) für die Unabhängigkeit des Landes. Bei einer Zeltevangelisation 1962 wurde er Christ, besuchte eine Bibelschule der südafrikanischen Dorothea Mission und arbeitete für sie als Evangelist in zahlreichen Ländern Afrikas. Danach wechselte der „Billy Graham Afrikas“ zum Missionswerk „African Enterprise“, das er von 2007 bis 2013 leitete. Seit 2019 war der Pensionär Vorsitzender der Dorothea Mission International in Südafrika.
Wie der Evangelist Ulrich Parzany (Kassel) der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA erklärte, hat das eng mit der Lausanner Bewegung für Weltevangelisation verbundene Missionswerk „African Enterprise“ bis heute weltweit eine große Bedeutung in der Großstadtevangelisation.
Beerdigung in kleinem Rahmen
Die Geschäftsführerin des europäischen Zweiges von „African Enterprise“, Lynn Nwagbara (Etterbeek/Belgien), berichtete IDEA, dass die Beerdigung noch am Todestag stattgefunden habe. Entgegen der malawischen Tradition habe es aufgrund der Corona-Krise jedoch keinen großen Trauerzug mit Gedenkgottesdienst gegeben, sondern lediglich eine schlichte Zeremonie auf dem Friedhof.
Trotz der Pandemie hätten sich einige hundert Menschen mit Schutzmasken und gebührendem Sicherheitsabstand eingefunden, um Lungu die letzte Ehre zu erweisen. Darüber hinaus habe man einen Livestream für die vielen Freunde und Familienangehörigen des Evangelisten überall auf der Welt eingerichtet.
Den Sarg, so Nwagbara, habe die Regierung Malawis gestellt: Lungu sei ein langjähriger und enger Freund des Präsidenten Lazarus Chackwera gewesen. Der Theologe war vor seiner politischen Karriere unter anderem Präsident des pfingstkirchlichen Bundes „Assemblies of God“ (Versammlungen Gottes) in Malawi.
Lungu sei trotz Pensionierung noch ein vielbeschäftigter Prediger gewesen und habe, als er erkrankt sei, gerade ein Gebetsfrühstück für den Präsidenten vorbereitet, so Nwagbara.
Roland Werner: Was mich an Lungu beeindruckt hat
Zahlreiche Vertreter der evangelikalen Bewegung würdigten Lungus Arbeit. Er hatte unter anderem auch bei einer proChrist-Evangelisation 2008 in Bremen gepredigt. Der Vorsitzende der Initiative proChrist und des deutschen Zweigs der Lausanner Bewegung, Roland Werner (Marburg), sagte gegenüber IDEA, Lungus dramatische Lebensgeschichte, seine Leidenschaft, Jesus bekannt zu machen, sein ansteckendes Lachen und sein großes Herz voller Liebe und Versöhnung hätten ihn nachhaltig beeindruckt. „Für mich verkörperte er all das Gute, das wir Europäer von unseren afrikanischen Geschwistern lernen können: Fröhlichkeit und Hingabe, Gottvertrauen und Hoffnung, Leichtigkeit und Tiefgang zugleich.“
„Lausanner“ Ehrenpräsident: Keinen leidenschaftlicheren Prediger kennengelernt
Der Ehrenvorsitzende der Lausanner Bewegung für Weltevangelisation und Gründer des Missionswerks „African Enterprise“, Michael Cassidy (Hilton/Südafrika), sagte über Lungu: „Ich habe im Laufe der Jahre viele Prediger kennengelernt, aber ich glaube nicht, dass ich jemals einen leidenschaftlicheren und energischeren Prediger des Evangeliums kennengelernt habe als Stephen.“
Der Generalsekretär der Evangelischen Allianz in Malawi, Francis Mkandawire, erklärte, die christliche Geschichte Malawis könne ohne die Erwähnung Lungus nicht erzählt werden: „Stephen war für viele von uns in Malawi mehr als ein Prediger; er war ein Vater“, so Mkandawire.
Der Direktor der Jugendorganisation der Lausanner Bewegung, Nana Yaw Offei Awuku (Accra/Ghana), sagte: „Als ein wahrer Zeuge der Gnade Gottes sah Stephen Hoffnung in Situationen, in denen es keine Hoffnung gab.“
Wie das evangelikale US-Magazin „Christianity Today“ (Christentum heute) berichtet, hatten die Lausanner Bewegung und „African Enterprise“ im Dezember 2020 ein Treffen von 1.500 Evangelisten aus 54 afrikanischen Ländern in Nairobi geplant, es aber aufgrund der Corona-Pandemie um ein Jahr verschoben.