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Nürnberg, 1569
Hans Jamnitzer
Blei, gegossen
Dm. 18,2 cm
Inv. 1904.1044.
Amerbach-Kabinett
Das Zentrum der deutschen Plakettenkunst im 16. Jahrhundert war Nürnberg, wo der Bildschnitzer Peter Flötner als erster Reliefvorlagen zur Vervielfältigung und für den Verkauf serienmässig herstellte und damit einen neuen Zweig des Kunsthandwerks begründete. Die Urmodelle wurden in Holz, Stein, Wachs, seltener in Metall, gefertigt und im Unterschied zu italienischen Bronzeplaketten meist in Blei abgegossen. Zunehmend traten auch Goldschmiede, welche Plaketten als Vorlagen hauptsächlich benutzten, selbst als Plakettenkünstler hervor. So auch Hans Jamnitzer (ca. 1538-1602), Sohn des berühmten Wentzel Jamnitzer, dessen Bildmotive den Einfluss franko-flämischer Druckgraphik verraten. Die Darstellung im Rund zeigt nach Ovids Metamorphosen (8,6-151) den berittenen Minos auf das befestigte Alcathoe zusprengen und zu Scylla aufblicken, die von den Zinnen der königlichen Burg winkt. Das Relief ist an einem Baumstumpf 1569 datiert und HG (Hans Gamitzer) signiert. Über ein Dutzend Exemplare sind davon bekannt. Plaketten waren als eigenständige Kleinkunstwerke schon zu ihrer Entstehungszeit begehrte Sammlerobjekte.