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Lebten nicht fast 25 Millionen Menschen unter oft erbärmlichen Umständen in diesem Land der buchstäblichen Finsternis, man wäre versucht, zynische Witze zu reissen. Zum Beispiel, dass Nordkorea einsame Spitze sei in der Bekämpfung der Lichtverschmutzung.
Doch die nahezu totale Dunkelheit, die nachts über dem nördlichen Teil der koreanischen Halbinsel liegt, hat nichts Positives. Der Lichtmangel ist beredt: Er zeigt, wie wenig Energie der Bevölkerung des ausgezehrten Landes zur Verfügung steht.
Die US-Weltraumbehörde Nasa, welche die von der Internationalen Raumstation ISS aufgenommenen Bilder veröffentlicht hat, führt denn auch den Pro-Kopf-Energieverbrauch der verfeindeten Bruderstaaten an, um diese Tatsache mit Zahlen zu untermauern: Es sind 10'162 Kilowattstunden im Süden und 739 Kilowattstunden im Norden.
Wer die Küstenlinien Ostasiens nicht gut kennt, könnte meinen, dass hier ein breiter Meeresarm eine Insel – in Wahrheit ist es Südkorea – vom Festland trennt. Nur eine nennenswerte Lichtinsel sticht aus dem Dunkel heraus: Pjöngjang, die Kapitale des Kim-Reichs. Diese Millionenstadt produziert einen Lichtfleck, der nur so gross ist wie jener einer kleineren Stadt in Südkorea.
Zum Vergleich: Direkt an der Waffenstillstandslinie, die beide Koreas voneinander trennt, liegt die hell erleuchtete Hauptstadt des Südens: die Megalopolis Seoul, einer der grössten Ballungsräume der Welt. (dhr)