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Der Ursprung von Tarotkarten ist bis heute nicht eindeutig zu belegen. Vielleicht liegt gerade darin ein Teil ihrer Reize. Die Herkunft des Wortes bleibt ebenfalls ungewiss. Das führte unter Esoterikern zu diversen wissenschaftlich nicht belegbaren Deutungen.
Guillaume Postel wies bereits im 16. Jahrhundert darauf hin, dass ein Kreis aus den vier Buchstaben T A R O ein endloses Wort ergibt. Beginnt man mit R, lesen wir ROTA (lateinisch Rad oder das höchste Gericht der katholischen Kirche). In entgegengesetzter Richtung gelesen ergeben sich TORA (heiliges Buch des Judentums) oder ORAT (lateinisch er, sie, es betet).
Aus den ägyptischen Wörtern TOR (Weg) und RO (König) könnte man Königsweg ableiten. Vollkommen unhaltbar, die Entschlüsselung der Hieroglyphen im Jahr 1822 hat dies eindeutig bewiesen.
Für derartige Theorien gibt es ebenso wenig Beweise, wie für die Überzeugung vieler Esoteriker, das Tarot hätte seinen Ursprung in ägyptischen oder hebräischen Weisheitslehren.
Da auf den Tarotkarten allegorische Figuren, Mahnungen, Tugenden und Laster in der gängigen zeitgenössischen Vorstellung abgebildet wurden, könnten die Karten nach Ansicht vieler Tarotforscher als "normales" Kartenspiel entworfen sein und sollten möglicherweise meditative Denkanstösse geben.
Ein erster gesicherter Nachweis von Tarotkarten stammt aus den Jahren 1420 –1450. Filippo Maria Visconti, Herzog von Mailand und vermutlich sein Nachfolger Francesco I. Sforza bestellten etwa 15 verschiedene Spiele, aus denen noch 250 Karten erhalten sind. Diese Karten werden heute als Visconti-Spiele bezeichnet. Das Visconti-Sforza Tarot, mit 74 noch erhaltenen Karten, ist das bisher älteste bekannte Tarot.
Um 1470 entstand das Mantegna Tarot, so benannt , da das Spiel ursprünglich dem venezianischen Maler Andrea Mantegna zugeschrieben wurde. Inzwischen scheint es gesichert, dass die Karten nicht von Mantegna, sondern von einem Schüler aus der Schule von Francesco del Cossa gemalt wurden und in Ferrara entstanden. Das aus 50 Karten bestehende Spiel wurde von mehreren damaligen Künstlern kopiert, auch von Albrecht Dürer. Die Darstellungen, die den Weg zu Gott verdeutlichen sollten, lassen vermuten, dass dieses Tarot nicht nur zum Spielens gefertigt wurde.
Vermutlich um 1470 fand die Entwicklung zum heutigen Standard-Spiel mit 22 Trumpfkarten statt. In diese Periode fällt der Beginn zunehmender Produktionsmengen, verursacht durch die Verbreitung von Drucktechniken. Um 1500 entstand in Lyon ein erfolgreicher Spielkarten-Export, auch von Tarotkarten.
Ende des 15. Jahrhunderts schuf ein unbekannter Künstler das Sola Busca Tarot. Seinen Namen erhielt es wahrscheinlich, weil es für eine Familie gleichen Namens hergestellt wurde. Dieses Spiel ist das erste bekannte Tarot, bei dem alle Zahlkarten bebildert sind. Die Trümpfe (Große Arkana) haben vermutlich historische Personen des alten Rom zum Vorbild. Hiermit unterschied sich dieses Spiel von anderen Spielen jener Zeit. Erst 1912 wurden mit dem Rider Waite Tarot die Zahlenkarten wieder bebildert. Die Zeichnerin Pamela Colman Smith soll angeblich das Sola Busca Tarot zum Vorbild genommen haben.
Mitte des 16. Jahrhunderts taucht zum ersten mal die Bezeichnung "Tarocchi" auf. Aus dem italienischen Wort "Tarocchi" (Einzahl: Tarocco) wurde im Französischen "Tarot" und im Deutschen "Tarock".
Seit Anfang des 17. Jahrhunderts ist Tarot als Kartenspiel gut bekannt. 1622 soll Tarot in Frankreich häufiger gespielt worden sein als Schach. Im 18. Jahrhundert wurden Tarotkarten ein regelrechtes Erfolgsprodukt.
Zwischen 1748 und 1760 fertigte Nicolas Conver in Marseille ein Tarot, das bis heute als Tarot de Marseille bekannt ist. Die Kartenbilder dieses Tarots sind aus Holzstichen entstanden und wirken sehr einfach gestaltet. Sie sind lediglich in den Farben Rot, Blau, Gelb und Grün koloriert.Mitte des 18. Jahrhunderts war die Verwendung als Wahrsagekarten weit verbreitet.
Antoine Court de Gébelin 1781 veröffentlichte 1781 seine Studien zum Tarot in Band 8 seines Werkes "Le Monde primitif, analysé et comparé avec le monde moderne" (Die primitive Welt, analysiert und verglichen mit der modernen Welt). Mitglied der Pariser Freimaurer-Loge “Les Amis Réunis" , die sich mit alten, geheimen Lehren beschäftigte, war überzeugt, dass die Tarotkarten altägyptische Weisheiten darstellen würden. Obwohl de Gébelin mit seinen Vermutungen falsch lag, sind seine Theorien auch heute noch weit verbreitet und werden als Realität angesehen.
Ende des 19. Jahrhunderts erlebten Tarotkarten einen neuen Höhepunkt.
Jean-Baptiste Pitois, bekannt als Paul Christian beschreibt in "Histoire de la Magie" eine religiöse Zeremonie aus dem Alten Ägypten, die in 78 Stufen eingeteilt gewesen sein soll, in einer Halle ihren Höhepunkt fand, in der die 22 Trümpfe des Tarots im Bild dargestellt gewesen sein sollen. Sein Wissen hatte er angeblich aus Klosterbüchern. Er veränderte die Bezeichnungen der Trümpfe dahingehend, dass sie, nach seiner Meinung, die ursprüngliche Bedeutung erhielten. Er führte den Begriff "Arkana" (Geheimnisse) anstelle von "Trümpfen" ein. Weiterhin nummerierte er, wie zuvor Étteilla, die Karten von 1 - 78, entsprechend den 78 Stufen der altägyptischen Zeremonie.
Alphonse Louis Constant, bekannt als Eliphas Lévi, veröffentlichte diverse Bücher über Magie und war Anhänger der Theorien Court de Gébelins. Er glaubte an einen ägyptischen Ursprung des Tarots, schloss aber einen Ursprung oder Verbreitungsweg über Palästina nicht aus.
Dr. Gérard Encausse, bekannt als Papus, versuchte Zusammenhänge zwischen Kabbala, Alchemie und Tarot zu erklären. Er glaubte an einen Ursprung des Tarots in Atlantis, der in Ägypten weiterentwickelt wurde. Man nahm damals an, Zigeuner wären aus Ägypten gekommen und Papus schrieb ihnen zu, das Tarot mitgebracht zu haben. 1909 erschien sein Buch "Der Tarot der Weissagung" mit einem Tarot-Spiel, das nach seinen Anweisungen von G. Goulinat gegestaltet wurde und den Einfluss Étteillas zeigt.
Marquis Stanislas de Guaita liess von seinem Freund und Sekretär dem Hobbymaler Oswald Wirth das Oswald Wirth Tarot gestalten. Ursprünglich bestand es nur aus den 22 Großen Arkana. Die weitern Karten heutiger Ausgaben wurden nachträglich hinzugefügt.
Arthur Edward Waite liess nach seinen Anleitungen von Pamela Coleman Smith das nach ihm und seinem Verleger Rider-Waite Tarot gestalten. Waite setzte mit seinen Interpretationen einen Deutungsstandard, der noch heute Anwendung findet.
Aleister Crowley war der geistige Schöpfer des von Frieda Harris gemalten Thoth-Tarots, das heute auch als Crowley-Tarot bezeichnet wird.
Israel Regardie, Mitglied des Golden-Dawn-Nachfolgeordens Stella Matutina, veröffentlichte 1937 geheimen Ordensunterlagen in "The Golden Dawn" (Das magische System des Golden Dawn). Nach seinen Entwurfszeichnungen des angeblich ursprünglichen Golden Dawn Tarots gestaltetete Robert Wang das Tarot des Golden Dawn.
Soweit die kurz zusammengefasste Entwicklungsgeschichte des Tarots. Weitere Informationen sind in der einschlägigen Fachliteratur zu finden.