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Schon nach wenigen Kilometern erreichte ich Skopje, die Hauptstadt von Mazedonien. Auf meiner Karte waren 3 Campingplätze eingezeichnet. Die Suche nach den ersten beiden Campings erwies sich als Fehlschlag. Es wurde schon langsam dunkel als ich mich auf die Suche nach dem dritten Zeltplatz machte. Zum Glück kamen mir plötzlich 2 Tourenfahrer entgegen. Annette und Cord waren ebenfalls auf der Suche nach diesem ominösen Zeltplatz, der neben einer Autobahn direkt an eine Hotelanlage angeschlossen ist. Wir fuhren gemeinsam dorthin und unterhielten uns bis spät in die Nacht.
Die Infrastruktur und die Umgebung fand ich leider nicht so einladend. Als in der zweiten Nacht eine Disco nebenan noch bis in die frühen Morgenstunden ihre Lautsprecher aufdrehte, entschloss ich mich im Stadtzentrum ein Hostel zu suchen.
Am nächsten Tag radelte ich zum Flughafen um dort Tania abzuholen, die mich für 3 Wochen bis nach Athen begleitete. Zuerst schauten wir uns ein wenig die Stadt an.
Wie in großen Teilen des Landes leben auch in Skopje verschiedene Ethnien miteinander. Die Religionen mit den meisten Anhängern sind das Orthodoxe Christentum und der Islam sunnitischer Ausprägung. Daneben gibt es eine Minderheit an Katholiken. Protestanten, Reformierten und auch wenige Juden. Um 5:17 Uhr des 26. Juli 1963 ereignete sich ein schweres Erdbeben, das in die Geschichtsbücher einging. An diesem Tag bebte die Erde und die Katastrophe forderte 1070 Todesopfer. Rund 75 Prozent der Einwohner verloren ihr Obdach und 3300 Personen erlitten schwere Verletzungen. Nahezu die ganze Altstadt wurde dem Erdboden gleichgemacht. Seit 1991 ist Skopje die Hauptstadt der unabhängigen Republik Mazedonien.
Die Regierung unter Führung der konservativen Partei VMRO-DPMNE investiert seit ihrem Regierungsbeginn (Parlamentswahlen 2008) in viele ethnisch-mazedonische, kulturelle Einrichtungen. So wurde im Jahr 2014 eine Vielzahl an Monumenten (mehrheitlich „ethnisch-mazedonische Helden“), Gebäuden und Denkmälern errichtet. So etwas habe ich erst einmal in Turkmenistan gesehen. Man fühlt wie in einer Fantasiewelt. Die Regierungspolitik der VMRO-DPMNE verschlechtert die innen- sowie auch außenpolitische Lage zusehends, so eskalierten auch Proteste gegen die Errichtung einer neuen orthodoxen Kirche zwischen Albanern und Mazedoniern in der historischen Festung Kale und haben die innerethnischen Beziehungen weiter verschärft.
Wir besichtigten auch das Mutter Teresa Gedenkhaus. An der Stelle des Gedenkhauses stand früher die Heilige-Herz-Jesu-Kirche, in der die Seliggesprochene einen Tag nach ihrer Geburt am 27. August 1910 getauft worden war.
Danach wurde es Zeit endlich los zu fahren. Wir entschlossen uns für eine Route abseits der touristischen Wege. Zudem berichteten die Medien von grossen Flüchtlingsbewegungen an der Grenze zu Griechenland in Gevgelija. Die Hauptroute führt von Griechenland via Mazedonien, Serbien und Ungarn nach Österreich und Deutschland. Da Ungarn aber bis Ende August einen Grenzschutz Zaun errichten will, versuchen momentan viele mit dem Zug rechtzeitig über diese Grenze zu gelangen.
Wir fanden schliesslich nach längerem Studium unserer Strassenkarte eine alternative Route. Der Verkehr auf den engen Strassen hier in Mazedonien ist kein Spass für Velofahrer. Sobald man aber ein wenig abseits der Hauptstrassen fährt, finden sich sehr verkehrsarme Routen mit Landschaften wie aus einem Winnetou Film.
Probleme einen Schlafplatz zu finden? Nicht in Mazedonien! Einfach irgendwo hinfahren, wo es dir gefällt und Zelt aufstellen. Von einem Kornfeld bis zum byzantinischen Königstempel hatten wir alles im Angebot. Gleich am zweiten Tag unserer Reise lernten wir die mazedonische Gastfreundschaft kennen. In Štip sprach uns vor der Orthodoxen Kirche ein Mann an. Vanco ist hier aufgewachsen und als junger Mann nach Brisbane in Australien ausgewandert. Er lud uns gleich zu einem Lunch bei seiner Mutter zu Hause ein. Danach fuhr er uns mit seinem Auto auf den Festungshügel Isar und erlaubte uns eine erfrischende Dusche zu nehmen.
Wir fanden am darauf folgenden Tag eine Route durch das Gebirge südlich von Strumica dem Mantovo- und Vodocha See entlang. Am Mantovo See kam uns eine Kuhherde entgegen, die uns den Weg versperte. Der Bauer konnte zwar kein Wort Englisch, hatte aber ein Natel dabei mit dem er gleich Igor, seinen Neffen, an rief. Dieser konnte sehr gut Englsich sprechen und empfing uns ein paar Kilometer später direkt am See. Wir wurden von ihm gleich eingeladen. Ein Teil der Familie war gerade mit dem ernten von Tabakblättern beschäftigt. Gabrevtsi, das Dorf wo sie wohen, lebt hauptsächlich davon. Sein Bruder kehrte gerade vom See zurück. Er hatte ein paar Fische gefangen, die sogleich auf dem Feuer für uns gebraten wurden. Tania erhielt zudem noch einen Kurs im traditionellem Tanz. Danach zeigte uns Igor sein ganzes Dorf. Sämtliche Leute dort empfingen uns mit offenen Armen. Besonders die alten Damen im Dorf hatten riesige Freude an Tania.
Igor empfahl uns eine Route nach Rich in Richtung Vodocha See. Dies sollte der einzige Regentag auf der gesamten Reise werden. Tania braucht jeden Morgen ihre Dosis Kaffee. Ansonsten macht es keinen spass mit ihr unterwegs zu sein. Wir waren deshalb beide sehr erleichtert als in Rich ein Laden auftauchte. Der Besitzer lud uns gleich zum Kaffee ein. Zoran, einer der Gäste, leitet den nahe gelegenen Steinbruch. Er lud uns gleich zu einer Besichtigung mit anschliessendem Kaffee ein.
Zwei Dörfer weiter wollten wir unsere Vorräte auffüllen. Der Dorfladen war leider geschlossen. Doch schon innerhalb kürzester Zeit tauchte ein Mann auf, der natürliche sofort die Besitzerin holte. Auch dort wurden wir gleich wieder eingeladen. Diesmal nahmen aber die Frauen des Dorfes das ganze in die Hand. Sie schenkten uns so viele Sachen, dass die Velotaschen beinahe platzten. Völlig überladen fuhren wir noch ein paar Kilometer weiter und stellten zum letzten mal unser Zelt in Mazedonien auf.
Die Fahrt zum Dojran See ging diesmal ziemlich schnell. Zum ersten Mal seit langem schafften wir es mehr als 10 Kilometer an einem Tag zu fahren. Der Dojran See ist sehr beliebt bei den Einheimischen zum baden. Die Strände waren völlig überfüllt. Die Hitze stieg tagsüber immer noch auf 40° Grad. Etwas wehmütig überquerten wir kurze Zeit später die Grenze nach Griechenland.
Mazedonien war für uns beide eine äusserst positive Überraschung. Die Gastfreundschaft dieser Menschen hat uns manchmal fast umgehauen. Ein grosses Dankeschön an alle, die uns mit offenen Armen empfangen haben. Ihr seit die Grössten!