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Städte sind in Südafrika die Motoren der wirtschaftlichen Entwicklung. Das damit zusammenhängende Bevölkerungswachstum macht eine weitsichtige Planung unabdingbar. Dazu sind jedoch starke Institutionen und qualitativ hochstehende öffentliche Dienstleistungen notwendig.
In Grossstädten wie Johannesburg, Durban oder Kapstadt sind die öffentlichen Institutionen und Dienstleistungen durch die starke räumliche Segregation geschwächt. Diese wurde durch die Apartheid geschaffen und hinterlässt bis heute Spuren. Die arme (meist schwarze) Bevölkerung lebt in einfachen Hütten in sogenannten informellen Siedlungen: Dies sind Armenviertel am Stadtrand, welche nur ungenügend mit Basisdienstleistungen versorgt werden und weit abgelegen von den wichtigsten Arbeitsplätzen sind.
Die Herausforderung zeigt sich in Kapstadt exemplarisch, wo bereits jeder fünfte Stadtbewohner in informellen Siedlungen lebt. Eine der grössten Schwierigkeiten in diesen Quartieren ist das rasche Bevölkerungswachstum. Trotz der Bemühungen, der Bevölkerung neue Sozialwohnungen zur Verfügung zu stellen, hinkt die Bautätigkeit der Nachfrage hinterher.
Dadurch entsteht ein Teufelskreis: Die Lebensqualität nimmt mit steigender Bevölkerung ab, und die Erbringung der Grundversorgung wird erschwert. So haben 14 Prozent der Bevölkerung von Kapstadt keinen Zugang zu sanitären Anlagen, und jeder vierte Einwohner lebt ohne Stromanschluss.
Hinzu kommt, dass die Stadt generell Mühe bekundet, komplexe Projekte umzusetzen. Ein Grund dafür sind unkoordinierte Verwaltungsabläufe: So sind oftmals mehrere Ämter gleichzeitig involviert, was zu mangelhafter Budgetkontrolle und unklaren Verantwortlichkeiten führen kann.
Kanalisation und öffentlicher Verkehr als Grundlage
Diese Herausforderungen werden von der südafrikanischen Regierung unter anderem durch das City-Support-Programm angegangen. Dieses hat zum Ziel, dass die acht grössten südafrikanischen Metropolitanregionen nachhaltig wachsen und damit wettbewerbsfähiger und finanziell effizienter verwaltet werden.
Dank einer innovativen und nachhaltigen Planung der öffentlichen Finanzen und der städtischen Infrastruktur werden die Qualität und der Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen (z. B. im Wasser- und Abwassersektor) verbessert, wovon insbesondere die ärmsten Bevölkerungsschichten profitieren.
Weitere Schwerpunkte sind Verbesserungen des öffentlichen Transports und der Rahmenbedingungen für kleine und mittlere Unternehmen. Das Projekt setzt nicht nur in den einzelnen Städten an, sondern ist direkt mit der nationalen Ebene – dem Finanzministerium – verknüpft. Aus einzelnen Interventionen können so die Lehren für das ganze Land gezogen werden und in nationale Politikmassnahmen münden.
Im Rahmen des Programms wurde die Expertise der Weltbank beigezogen. Für Kapstadt schlägt diese vor, die technischen Kenntnisse und das Wissen der städtischen Mitarbeiter zu stärken und bei den öffentlichen Dienstleistungen in informellen Siedlungen die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Verwaltungseinheiten der Stadt zu verbessern.
Interdisziplinäre Teams in der Stadtverwaltung
Seit Juli 2015 unterstützt das Seco im Rahmen der wirtschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit (siehe Kasten 1) das City-Support-Programm. Dank diesem Projekt ist Kapstadt besser gerüstet, die Grundversorgung in armen Stadtgebieten zu verbessern. Eine Zusammenarbeit über die Verwaltungseinheiten hinweg hilft, die Planung und Umsetzung solcher Projekte über ein koordiniertes Vorgehen zu verbessern. Gemäss diesem Ansatz bringt die Weltbank die involvierten Ämter an einen Tisch und unterstützt die Bildung von interdisziplinären Teams, die über die Grenzen der Departemente hinweg kooperieren.
Die städtischen Mitarbeiter werden dazu in Trainings geschult. Denn: Effiziente Planungs- und Budgetprozesse gewährleisten die Grundversorgung in den informellen Siedlungen.
Das City-Support-Programm stärkt somit die Institutionen und Dienstleistungen in den südafrikanischen Städten. Dies manifestiert sich unter anderem in gesunden öffentlichen Finanzen, mit welchen die nötigen staatlichen Ausgaben finanziert werden, sowie in einer funktionierenden Infrastruktur mit Basisdienstleistungen für Bevölkerung und Wirtschaft. Starke Institutionen führen letztlich zu einem inklusiven Wachstum und damit zu einer Reduktion der Armut.
Das Engagement der Schweiz in den südafrikanischen Städten ist bereits auf die Seco-Strategie 2017–2020 als Teil der neuen Bundesratsbotschaft über die Internationale Zusammenarbeit ausgerichtet. [1] Diese sieht wirksame Institutionen und Dienstleistungen auch in Zukunft als wichtige Pfeiler für eine nachhaltige Entwicklung.
- Siehe Artikel von Patrick Stadler (Seco) in dieser Ausgabe.