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Rapperswil: Info an Bevölkerung
Ein Konsortium bestehend aus den schweizerischen Firmen PEOS und SEAG planen in Ruppoldsried in der Gemeinde Rapperswil (BE) eine Erdgas-Erkundungsbohrung. Bereits 1977 wurde an der gleichen Stelle gebohrt.
Und wieder soll in Ruppoldsried gebohrt werden. Warum? Die Bohrung Ruppoldsried 1 sollte abklären, ob die durch Seismik gefundene Struktur (unterirdische Aufwölbung des Gesteins) als Gasspeicher geeignet ist. Die Frage wurde durch die vorgefundene Dichte des Gesteins damals verneint. Das Konsortium PEOS / SEAG hat in den letzten fünf Jahren im Schürfgebiet „Seeland/Frienisberg „ein anderes Projekt intensiv bearbeitet, nämlich eine zweite Bohrung in Hermrigen. Aus geologischen Gründen und Sicherheitsüberlegungen eines Bohrplatzes oberhalb des Dorfes wurde dieses Projekt vor wenigen Wochen eingestellt. Bevölkerung und Medein wurden orientiert. 2012/2013 hat das Konsortium in der Waadt eine grössere Seismikkampagne durchgeführt und auch eine seismische Linie in Ruppoldsried mit Vibratoren aufgenommen. Das Resultat waren vier Bohrstandorte in der Waadt und ermutigende Ergebnisse bezüglich der Struktur Ruppoldsried.
Das Konsortium
PEOS SA: Die Planung und Durchführung der Bohrung liegt in den Händen der PEOS AG (Operator), eine 100% Tochtergesellschaft der texanischen eCorp. International, Houston. Die Anfänge der eCorp Houston gehen auf 1978 zurück. Die Gesellschaft hat sich auf Gasspeichermöglichkeiten und Gasexporationen spezialisiert. Sie war tätig in Texas, Pennsylvania, Mississippi und Alabama. Zusammen mit andern Gesellschaften hält sie ca. 20% der Gasspeicherkapazitäten in den USA. Seit 2009 ist sie auch in Europa tätig und hat nebst der Schweiz Konzessionen oder Beteiligungen in Frankreich, England, Rumänien und Bulgarien erworben.
SEAG: Die Konzession gehört der SEAG, die auch für den Kontakt zu den Behörden und der Bevölkerung verantwortlich ist. Das Baugesuch für den Bohrplatz wird unter dem Namen des Konsortiums eingereicht werden. Die SEAG wurde 1956 gegründet und gehörte – wie auch die Bernische Erdöl AG, welche an der Bohrung Ruppoldsried-1 beteiligt war – zur SWISSPETROL-Gruppe, von welcher sie nach deren Liquidation alle Forschungsdaten aus der ganzen Schweiz übernahm. Sie hält in der Schweiz mehrere Schürfbewilligungen und arbeitet mit dem vorgenannten ausländischen Partner zusammen.
Was ist anders?
Was wird bei der Bohrung Ruppoldsried-2 anders sein als bei der Bohrung Ruppoldsried-1? Vieles, ja fast alles:
- Der Bohrplatz soll an demselben Ort wie 1977 bei der Hauptstrasse in der Nähe der Hühnerzucht von Werner Ritz erstellt werden. Die Fläche für den gesamten Bohrplatz beträgt nur rund 90 x 90 Meter, also ca. 8‘100 m2. Die reine Bohrzeit ist mit lediglich 90 Tagen geplant. Zusammen mit dem Bau des Bohrplatzes und der Renaturierung nach der Bohrung wird mit einer Gesamtzeit von 6-8 Monaten gerechnet. Das finanzielle Gesamtbudget beträgt rund 5 Mio. Schweizerfranken.
- Als Bohrgerät wird erstmals in der Schweiz ein sog. Slim Hole-Gerät eingesetzt. Wie der Name es sagt, handelt es sich um eine Bohrung mit kleinem Durchmesser. An der Oberfläche beginnt man mit einem Durchmesser von rund 25 cm und endet in einer Bohrtiefe von rund 3‘000 Metern mit einem Durchmesser von wenigen Zentimetern. Das hat viele Vorteile: es geht viel schneller, es braucht weniger Platz, es braucht wesentlich weniger Wasser und dadurch fällt auch viel weniger Abwasser an. Diese Art von Bohrungen haben aber auch Nachteile: damit lässt sich bei einem Gasfund nicht aus dem Bohrloch Gas produzieren. Sollte Gas gefunden werden, wird mit Tests herausgefunden, ob die Menge kommerziell verwertbar ist. Wird diese Frage bejaht, muss gleichenorts eine normale Tiefbohrung mit allen notwendigen Bewilligungen abgeteuft werden. Diese kostet dann zwar einiges mehr, doch kennt man das Resultat. Der Bohrturm ist selbstfahrend und wird als Schwertransport über die normalen Strassen nach Ruppoldsried gebracht.
- Lastwagenverkehr entsteht hauptsächlich nur während der Bauphase und bei der Demontage. Während der Bohrphase müssen nur Dieselöl für die verkapselten Dieselmotoren und Ersatzteile auf den Bohrplatz gebracht werden.
- Wir werden mit der Gemeinde und dem Kanton ein Konzept für die Verkehrsregelung erarbeiten, um die Quartierstrassen zu schonen.Nach Beendigung der Bohrung wird im Fündigkeitsfall eine kurze Pipeline zur nächsten Gasleitung der Gasverbund Mittelland gebaut werden und auf dem Bohrplatz nur noch ein aufsteigendes Rohr mit entsprechenden Ventilen zu sehen sein. Müsste eine Gastrocknung/reinigung-Anlage erstellt werden, wäre ein weiteres Baugesuch notwendig.
- Der Gemeinderat und der Grundeigentümer sind von uns bereits informiert worden. Mit beiden werden wir entsprechende vertragliche Regelungen vereinbaren und das Baugesuch vorbereiten.Wir sehen vor eine Informationsveranstaltung für alle Einwohner durchzuführen.
- Ebenso werden wir mit dem Kanton, für eine sog. Erschliessungsbewilligung und mit der Gemeinde und mit dem Regierungsstatthalteramt Seeland für eine Baubewilligung des Bohrplatzes eng zusammenarbeiten.Die vorgesehene Bohrung ist eine konventionelle, senkrechte Tiefbohrung, die uns auf-zeigen soll, ob grössere Gasmengen vorhanden sind. Sie hat mit „Fracking“ oder Horizontalbohrungen nichts zu tun.
Wie weiter?
Der Bohrturm sollte Anfang Januar 2015 zur Verfügung stehen, so dass die Bauarbeiten nach Abschluss der landwirtschaftlichen Saison im Oktober/November 2014 begonnen werden könnten. Da wir alle fünf Bohrungen (vier in der Waadt) und die Ruppolsdried-2 mit dem gleichen Bohrgerät wenn möglich hintereinander abteufen möchten, wird die Reihenfolge von der Bereitstellung der Bohrplätze abhängen. Es wird im 24-Stundenbetrieb mit drei Schichten gearbeitet. Eine Bohrmannschaft arbeitet 12 Stunden und die Mannschaften werden nach 14 Tagen ausgewechselt.
Nebst einer hohen Haftpflichtversicherung, einer Überwachung durch den Kanton und einem Alarmplan für alle Eventualitäten, kann ein hoher Sicherheitsstandard angeboten werden. Das Konasortium hofft, dass die Bevölkerung von Rapperswil/BE und Messen/SO diese energiepolitische Herausforderung zum Wohle aller anerkennt und mithilft das Projekt zu einem Erfolg zu führen.