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Geschichte des Weinbaugebiets Ahr
Mit grosser Wahrscheinlichkeit betrieben bereits die Römer an der Ahr Weinbau. Ganz sicher ist, dass der Weinbau an der Ahr bereits im Frühmittelalter blühte. Ende des 9. Jahrhunderts zeugt eine erste schriftliche Quelle von der regen Bewirtschaftung grosser Rebflächen. Der Prümer Urbar, ein Besitzverzeichnis einer Benediktinerabtei im Eifel-Gebirge, verzeichnet für das Jahr 893 in seinem Umkreis immerhin für acht Siedlungen grössere Weinanlagen. Im Mittelalter produzierten vornehmlich Klöster und Adelshöfe Wein.
Obwohl das Weinbaugebiet Ahr heute vornehmlich wegen seiner feinen Rotweine geschätzt wird, bauten die Winzer erst nach dem Dreissigjährigen Krieg erstmals rote Sorten an. Im Zuge der Revolutionskriege marschierten französische Truppen in das Gebiet ein und besetzten es 20 Jahre lang. Sie brachten eine Leidenschaft für Burgunder-Sorten mit, jedoch versorgten sie die Region mit eigenen preiswerteren Weinen. In der Folge blieben die Weinbauern der Ahr auf ihren Erzeugnissen sitzen. Zudem lösten die Franzosen die Klöster auf, sodass die Mönche ihre Rebflächen abgeben mussten.
Nachdem das Gebiet 1815 an das preussische Königreich angegliedert worden war, erlebte es aufgrund des günstigen Zollsystems einen kurzzeitigen Aufschwung. Doch Preussen trat schon bald in den Deutschen Zollverein ein und der Absatzmarkt brach wieder weg. Das entzog einigen Weinbauern die Existenzgrundlage. Doch sie machten aus der Not eine Tugend und taten sich zu einer Winzergenossenschaft zusammen. Noch heute sind nahezu 90 Prozent der Winzer Mitglied in einer Genossenschaft.
Eine umfassende Flurbereinigung in den 1960er-Jahren machte das Weinbaugebiet Ahr übersichtlicher und erleichterte die Arbeit in den Weinbergen. Dort, wo zuvor aufgrund des unwirtlichen Geländes nur die beschwerliche Handlese möglich war, konnten nun Maschinen eingesetzt werden.
Geografie und Klima des Ahr-Weinanbaugebiets
Das Weinanbaugebiet Ahr befindet sich zwischen Eifel-Gebirge und Rhein, direkt an einem seiner Nebenflüsse. Die Ahr mäandert in kleinen Windungen durch das teilweise sehr enge Flusstal, das von felsigen Bergen gesäumt wird. Die Felsen bilden Gesteinsbänke, auf denen Rebstöcke angepflanzt werden können. In beeindruckend steiler Hanglage muss zwar einiger Aufwand betrieben werden, doch bringt die Terrassenlage auch einige mikroklimatische Vorteile mit sich. Hier stehen die Rebstöcke geschützt und die Hänge dienen als Sonnenbank. Die dunklen Felsen speichern die Wärme des Tages, sodass sich die Reben nachts nicht verkühlen. Neben Schiefergestein gibt es eine Vielzahl an weiteren Bodentypen wie Sandstein und Basalt.
Auch die Mittelgebirge Eifel und Hoher Venns wirken sich positiv auf das Klima aus. Dank ihres Regenschattens sind die Trauben besser mit Sonne versorgt. Die Lage inmitten der Ahrschleifen schirmt vor widriger Witterung ab. Dennoch drohen im ziemlich nördlich gelegenen Weinanbaugebiet Ahr im Frühjahr Bodenfröste.
Weine aus dem Weinbaugebiet Ahr
Mit seinen rund 560 Hektar Rebfläche
steht dem Weinanbau der Ahr auch für deutsche Verhältnisse ein eher kleines Gebiet zur Verfügung. Dennoch ist es die grösste in sich geschlossene Anbauregion Deutschlands
für rote Sorten. Sie belegen circa 84 Prozent der Gesamtrebfläche.
Die Weine werden mit Vorliebe trocken ausgebaut. Ein Drittel machen halbtrockene Tropfen aus. Der Anteil der Erzeugnisse mit lieblicher Geschmacksrichtung geht stetig zurück.
Rote Tropfen aus dem Weinbaugebiet Ahr
Der Weinanbau an der Ahr wird gerade wegen seiner finessreichen Rotweine geschätzt. In den Flussschleifen gedeihen international etablierte Sorten wie Trauben der Burgunderfamilie ebenso wie deutsche Neuzüchtungen.
Nach der Flurbereinigung gewann der Pinot Noir (Spätburgunder) Anfang der 1970er-Jahre die Oberhand und drängte die bisherige Leitrebe Blauer Portugieser zurück. Mit etwa 60 Prozent dominiert dieser fruchtige Rotwein ganz klar das Sortenspektrum.
Die leicht zugänglichen und milden Portugieser-Weine
sind trotz des Rückgangs allerdings nach wie vor bedeutend.
Nach dem Portugieser rangiert der Frühburgunder, dessen Früchte bereits im August reifen, an dritter Stelle. Einst waren in Deutschland grosse Flächen mit ihm bestockt, doch die etwas anfällige Traube machte sich zunehmend rar. Die Winzer der Ahr hielten die Anbautradition jedoch aufrecht, um sie vor dem Aussterben zu bewahren.
Die Neuzüchtungen Dornfelder und Domina
nehmen immer stärker an Bedeutung zu. Gerade der kräftige Dornfelder, dessen Aroma an Waldbeeren und Holunder erinnert, liegt im Trend. Die Domina-Traube macht zwar nur knapp zwei Prozent des Weinanbaus der Ahr aus, doch wächst die Anhängerschaft dieses vollmundigen und feinen Tropfens.
Die Rotweine werden überwiegend trocken ausgebaut. Bei der Herstellung machen sich die Kellermeister der Weinregion Ahr die Vielseitigkeit der Böden zunutze. Indem sie das Traubengut verschiedener Lagen verschneiden, verleihen sie den Tropfen Finesse. Die mineralischen Noten so verschiedener Böden wie Basalt, Sandstein und Schiefer erbringen eine reizvolle Komposition.
Nach dieser Assemblage verweilen die Rotweine in der Regel einige Zeit im Barrique, um durch Reifung vollendet zu werden.
Weissweine aus der Weinregion Ahr
Auch im weissen Sortiment hat der Weinanbau an der Ahr einiges zu bieten. Zwar machen die Rebflächen weisser Trauben nur einen geringen Anteil aus, dennoch eignet sich die Region zur Produktion frisch-aromatischer Weissweine. Gerade auf den Basalt- und Schieferböden erhalten sie einen unverwechselbaren mineralischen Ausdruck.
Besonders begehrt sind die spritzigen Rieslinge
, die hier ein besonders blumiges Bukett entfalten. Auch Müller-Thurgau
ist an der Ahr beliebt und bereichert den Weinbau um süffige Tropfen mit würzigen Muskatnoten. Kerner wird zumeist mit Riesling verschnitten und verleiht der Edelrebe im Cuvée mehr Fruchtaroma.
Vielversprechend ist der in geringem Umfang angebaute Weissburgunder
. Er überzeugt durch feine Frucht und grosse Eleganz. Im Kommen ist der frisch-fruchtige und zumeist trocken gekelterte Grauburgunder.
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