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Bei dem Werk des chinesischen Künstlers Xiao Yu handelt es sich um den Körper eines Vogels mit einem aufgesetzen Kopf, der demjenigen eines menschlichen Fötus gleicht. Das Werk wird ähnlich einem wissenschaftlichen Präparat in einem mit Flüssigkeit gefüllten Glasbehälter präsentiert.
Wegen Störung des Totenfriedens, Gewaltdarstellung und Verstosses gegen das Tierschutzgesetz hat der Walliser Historiker und Blog-Journalist Adrien de Riedmatten Strafanzeige eingereicht, wie er auf Anfrage sagte. Die Anzeige richte sich gegen den Künstler, gegen die Museumsverantwortlichen und gegen den ehemaligen Schweizer Botschafter in China Uli Sigg, den Besitzer der ausgestellten Sammlung. Das «Machwerk» bestehe offensichtlich aus einem echten Fötus oder gar aus einem Frühgeborenen. Über dessen Herkunft müsse Klarheit geschaffen werden, nicht zuletzt vor dem Hintergund der staatlich forcierten Abtreibungen in China, sagte de Riedmatten. Es sei auch möglich, dass das Kind «gar für die Herstellung dieses Machwerks getötet wurde».
Kein Aufschrei in Venedig
Bisher sei «niemand davon ausgegangen, dass es sich um einen echten Fötus handeln könnte», sagte Museumsdirektor Matthias Frehner auf Anfrage. Man habe mit dem Künstler Kontakt aufgenommen, um dies zu klären. Falls es sich um einen menschlichen Fötus handle, wolle man Auskunft über dessen Herkunft. Frehner wies darauf hin, dass das Werk an der Biennale von Venedig 1999 vor hunderttausenden Menschen gezeigt worden sei. Es habe die damals aktuelle Gentechnik-Diskussion aufgenommen. Es sei klar, dass das Werk für europäische Begriffe ein Tabu durchstosse. Die Besucher würden vor den entsprechenden Sälen auf diese Tatsache hingewiesen.
Sollte sich die Echtheit des Fötus bestätigen, will Frehner am Kunstmuseum ein Symposium mit Fachleuten aus Ethik, Kunst, Medizin und Theologie durchführen. Auf Grund der Diskussion würde danach entschieden, ob das Werk aus der Ausstellung entfernt wird oder allenfalls in einem abgesonderten Raum gezeigt wird.