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2019 feiert die Stadt Basel das 1000-Jahr-Jubiläum ihres Münsters: Im Herbst 1019 wurde das Basler Münster in Gegenwart von Kaiser Heinrich II. geweiht. Seither hat es durch mehrfache Um- und Ausbauten sein Gesicht zwar verändert. Es ist und bleibt aber das Symbol nicht nur für das geistliche, sondern auch für das geistige, das humanistische Basel.
Das Basler Münster auf dem Münsterhügel hoch über dem Rhein prägt seit 1000 Jahren das Bild von Basel und das Leben in der Stadt. Dass auf dem Münsterhügel vor 1000 Jahren eine Kirche zu stehen kam, war damals nichts neues: Das Münster ist nicht die erste Kirche auf dem Münsterhügel. Schon zu Beginn des 9. Jahrhunderts erbaute Bischof Haito (805–823) hier eine karolingische Kathedrale. Der Bau wurde im Jahr 917 beim Einfall der Ungarn beschädigt.
Vielleicht liess Bischof Adalbero II. deshalb nach der Jahrtausendwende einen frühromanischen Neubau errichten. Der grosse Förderer des Baus war Kaiser Heinrich II. (973–1024), der letzte ottonische Kaiser, und seine Frau, Kaiserin Kunigunde von Luxemburg. Heinrich hatte die Stadt Basel zusammen mit dem Burgund von seinem kinderlosen Onkel Rudolf III. geerbt.
Fünf Türme für das Münster
Kaiser Heinrich II. stiftete nicht nur das Münster, sondern auch die Goldene Altartafel (siehe Seite 31), das Heinrichskreuz und die Heinrichsglocke (siehe Seite 24). Am 11. Oktober 1019 weihte Bischof Adalbero II. das Münster in Anwesenheit des Kaisers. 1146 wurde Kaiser Heinrich und 1200 seine Frau Kunigunde heiliggesprochen. Als heiliges Kaiserpaar ist es an allen Kirchen, die das Kaiserpaar stiftete, bildlich dargestellt, so auch mehrfach am Basler Münster.
Freilich sah das vom Kaiser gestiftete «Heinrichsmünster» im 11. Jahrhundert anders aus als das heutige Basler Münster: Es war eine dreischiffige Basilika, die Türme standen auf der Rheinseite. Das Münster war der Gottesmutter Maria und weiteren Heiligen geweiht. Heute sind davon kaum mehr Spuren sichtbar.
Ab etwa 1170 wurde das Münster erneuert. 1185 brannte es teilweise ab. Etwa 1230 war der Neubau fertig gestellt. Er übernahm den Grundriss des Vorgängerbaus inklusive Krypta, fügte aber ein Querhaus dazu. Das Münster hatte jetzt fünf Türme: Zwei Fassadentürme, zwei Chorflankentürme und einen Vierungsturm vermutlich mit offener Kuppel.
Das Erdbeben von Basel
1356 erschütterte ein starkes Erdbeben die Stadt Basel. In der Stadt wütete ein Grossbrand. Viele Häuser stürzten ein. Auch das Münster wurde stark in Mitleidenschaft gezogen: Das Erdbeben zerstörte die fünf Türme des Münsters, den Chor, die Gewölbe der Vierung, des Querhauses, des Mittelschiffs sowie Teile der Krypten.
Innert weniger Jahre wurde das Münster in gotischen Bauformen für die Liturgie wieder nutzbar gemacht. Die Weihe des Hochaltars fand bereits 1363 statt. Die Gewölbe der Vierung, und des Langhauses konnten bis 1420 geschlossen werden.
1414 bis 1500 bauten die Münsterbaumeister an den beiden Fassadentürmen. Der Georgsturm im Norden wurde 1429 vollendet. Am Südturm, dem Martinsturm, wurde bis Ende des Jahrhunderts gebaut. Am 23. Juli 1500 wurde der Bau des Münsters schliesslich mit dem Aufsetzen der obersten Kreuzblume am Martinsturm vollendet.
Umbrüche im Inneren
Kaum war der Münsterbau wieder errichtet, begannen die Umbrüche im Inneren der Kirche: 1529 setzte in Basel die Reformation ein. Die Erneuerung der Kirche brachte auch für das Münster grosse Veränderungen. Die Altäre und die Skulpturen wurden aus dem Kirchenraum entfernt, viele Malereien übertüncht.
Vor 150 Jahren veränderte sich der Innenraum des Münsters ein letztes Mal: Mit einer grossen Innenrenovation sollte 1852–1857 ein Einheitsraum für die Nutzung als Konzertraum geschaffen werden. Der Lettner, der bisher das Langhaus von der Vierung und dem Chor getrennt hatte, wurde ans Westende des Mittelschiffs versetzt, wo er heute als Orgelempore dient. Die Vierung wurde auf das Niveau des Langhauses abgesenkt. Die Kanzel wurde versetzt, neue Glasfenster wurden eingesetzt, Putz und Farbe an den Wänden und Pfeilern abgetragen.
Geistiges Zentrum von Basel
So wechselhaft die Geschichte des Münsters ist – so konstant war die Bedeutung des Münsters für die Stadt Basel.
1431–1449 fand in Basel und damit im Münster das Konzil von Basel statt: Für 18 Jahre war Basel das Zentrum der kirchlichen Welt. An der Kirchenversammlung berieten Geistliche über Reformen der katholischen Kirche.
Nach Beendigung des Konzils wurde als Folge im Münster 1460 die Universität Basel gegründet. Es ist die älteste Universität der Schweiz und eine der ältesten der Welt.
Im Münster ist Erasmus von Rotterdam begraben. Der humanistische Gelehrte war einer der Wegbereiter der Reformation. Er hat 1514–1529 sowie 1535 bis zu seinem Tod 1536 in Basel gelebt und liess hier seine Schriften drucken.
Das Münster kann deshalb bis heute nicht nur als Symbol für die geistliche Geschichte von Basel gelesen werden, sondern auch als Ausgangspunkt der geistigen Entwicklung der Stadt, ja als eine der Geburtsstätten des europäischen Humanismus.
Kontaktpersonen Münsterjubiläum
Allgemeine Informationen
Dr. Matthias Zehnder
Präsident Verein 1000 Jahre Heinrichsmünster
Mail: <email-pii>
Tel: +41 79 659 58 39
Die Kunsthistorikerin
Dorothea Schwinn Schürmann, lic. phil.
Wiss. Assistenz des Kirchenratspräsidenten Pfr. Prof. Dr. Lukas Kundert
Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt
Rittergasse 1, 4051 Basel
Mail: <email-pii>
Tel: 41 61 277 45 25 (Mo/Mi vormittags, Di/Do/Fr nachmittags)
Der Münsterbaumeister
Andreas Hindemann
Dipl. Architekt FH, Münsterbaumeister,
Geschäftsführer Stiftung Basler Münsterbauhütte
Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt
Rittergasse 3, 4001 Basel
Mail: <email-pii>
Tel: +41 61 277 45 54
» http://www.1000jahrebaslermuenster.ch
Zeittafel