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Im Folgenden habe ich ein paar Anekdoten aus meinem Leben zusammengestellt. Die Anordnung ist aufsteigend chronologisch, d.h. das älteste Müsterchen findet sich unten, das neueste oben.
Mein Auto hat das Kontrollschild BE 2649, was für den Kanton Bern eine tiefe Nummer darstellt. Zugeteilt wurde mir das Schild am 24. Dezember 1993 als ich beim Schalter des Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamtes persönlich vorsprach, um mein Fahrzeug nach meinem Wohnortswechsel vom Kanton Zürich in den Kanton Bern vorschriftsgemäss anzumelden. Nicht gewusst hatte ich, dass das Amt an bestimmten Tagen nicht mehr benutzte Kontrollschilder nach dem Zufall neu zuteilte. (Es gab damals noch keine Auktionen zur Ersteigerung von Kontrollschildern mit tiefen oder aussergewöhnlichen Nummern.) So kam ich unerwarteterweise zu einer vierstelligen Nummer, die mir allerdings wenige Monate später den verzweifelten Anruf einer Mitarbeiterin des Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamtes bescherte. Sie teilte mir mit, dass mein Nummernschild schon einmal vergeben worden sei und ersuchte mich, es doch bitte wieder zurückzugeben. Als Ersatz bot sie mir drei ebenfalls vierstellige Nummern an, von denen ich mich dann für die 2649 entschied – dem Hinweis der Mitarbeiterin folgend, dass in der Zahl mein Geburtsjahr zweistellig enthalten sei. Mein einsichtiges Verhalten wurde dann mit einem freundlichen Brief verdankt.
1981 machte ich eine Reise in die Türkei. Von Zürich aus ging es mit der Bahn über den Balkan nach Istanbul, meinem ersten Aufenthaltsort. Von Istanbul führte mich eine Schifffahrt nach Izmir, wo ich einige weitere Tage verbrachte, eingeschlossen einen Ausflug nach Çesme, wo ich unfreiwillig übernachten musste, weil ich den Bus zurück nach Izmir verpasst hatte. Anschliessend reiste ich über Pamukkale nach Kayseri und Antalya, wo ich wiederum ein paar Tage blieb, das Hotelzimmer mit einem Polizisten teilend, der es tagsüber (schlafend) benutzte, während ich mich nachts (ebenfalls schlafend) im Zimmer aufhielt (immerhin: wir hatten je ein eigenes Bett). Von Antalya aus ging die Reise – nach einem Abstecher nach Alanya – mit Linienbussen weiter an die westliche Mittelmeerküste nach Marmaris. Von dort aus nahm ich die Fähre nach Rhodos, wo ich nach einigen weiteren Tagen das Flugzeug zurück nach Zürich nahm. In Istanbul hatte ich einen Strassenkünstler kennengelernt, der mich unaufgefordert porträtierte. Das Bild weist zweifellos gewisse Ähnlichkeiten mit mir auf, allerdings nicht bezüglich der Utensilien, die mir der Zeichner gleichsam wortwörtlich in die Hände legte. Denn Raucher bin ich genauso wenig wie ich dem Alkohol in besonderem Masse zugetan wäre.
1980 machte ich eine Reise nach Indien und Nepal. Im «Tages Anzeiger» war ich auf ein Inserat eines Holländers gestossen, der für einen Autobus, mit dem er auf dem Landweg nach Indien fahren wollte, Passagiere suchte. Ich meldete mich, vereinbarte einen Treffpunkt in München, reiste mit der Bahn dorthin, übernachtete in der Jugendherberge und gesellte mich am folgenden Tag zu den Passagieren, die bereits von den Niederlanden aus mit von der Partie waren. (Es handelte sich um zwei Schwedinnen, drei Holländerinnen und ein dänisches Paar. Später kamen noch einige weitere Passagiere hinzu.) Wir fuhren durch das damalige Jugoslawien bis nach Athen. Da erreichte uns die Nachricht, dass zwischen dem Iran und dem Irak ein Krieg ausgebrochen war (der «erste Golfkrieg» von 1980 bis 1988) und die Grenzen zum Iran geschlossen seien. Den Plan, via Türkei, Iran, Afghanistan und Pakistan nach Indien zu reisen, mussten wir aufgeben. Unser holländischer Fahrer kehrte mit dem Bus in die Niederlanden zurück und flog von dort aus nach Lahore (Pakistan), wo er einen zweiten Car eingestellt hatte, mit dem wir die Reise fortsetzen wollten. Wir Passagiere reisten per Flugzeug via Kairo nach Karachi. Von dort aus nahmen wir die Eisenbahn nach Lahore, wo wir uns wieder vereinten und unseren Trip fortsetzten. Allerdings befand sich der zweite Autobus in einem dermassen schlechten Zustand, dass unsere Reise ständig unterbrochen wurde und an ein planmässiges Fortkommen nicht zu denken war. So verzögerte sich nach dem Grenzübertritt nach Indien die Reise nach dem angezielten New Delhi erneut, und auch die anschliessende Weiterfahrt nach Kathmandu wurde mehrfach unterbrochen. Dies zwang mich, bei meinem damaligen Chef, Professor Widmer, um eine Verlängerung meines Urlaubs zu ersuchen. Diese erhielt ich auch, und zwar postlagernd in Kathmandu. Der Brief zeugt nicht nur vom grossen Vertrauen, das Konrad Widmer in mich gesetzt hatte, sondern auch vom Entgegenkommen, das er mir gegenüber stets zeigte. Für beides bin ich ihm noch heute dankbar.
Die folgende Geschichte gehört ebenfalls in den Kontext meiner Indienreise. Die steten Verzögerungen im Reiseplan brachten es mit sich, dass es um meine finanziellen Ressourcen eng wurde. Die Situation verschärfte sich, als ich in New Delhi beim Versuch, Dollars in Rupien zu wechseln, von einem Schwarzhändler mit einem fiesen Trick übers Ohr gehauen wurde. Nicht genug, in der Massenunterkunft, die wir in New Delhi bezogen hatten, wurde mir aus meinem Money-Belt, den ich unachtsam abgelegt hatte, Geld gestohlen. Ich sah mich gezwungen, auf der Schweizer Botschaft vorzusprechen und leihweise um Geld zu bitten. Das war kein einfaches Unterfangen, wurde Indien doch damals von Hippies geradezu überschwemmt, von denen nicht zu erwarten war, dass sie geliehenes Geld je wieder zurückzahlen werden. Den Eindruck eines Hippies schien ich trotz meiner langen Haare nicht hinterlassen zu haben, denn schliesslich war der verantwortliche Geschäftsträger der Schweizer Botschaft bereit, mir finanziell unter die Arme zu greifen. Das entsprechende Dokument habe ich aufbewahrt und den Betrag nach meiner Rückkehr pflichtbewusst zurückbezahlt.
Seit ich mich zurückerinnern kann, hing in meinem Büro am PI in Zürich, gleich neben der Eingangstür und so positioniert, dass ich es jederzeit in den Blick nehmen konnte, dieses Poster. Wer es aufgehängt hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Im Verdacht (wenn man so sagen darf) habe ich Heinz Moser, mit dem ich das Büro ebenfalls einige Zeit geteilt habe. (In der Regel waren wir zu dritt im Büro.) Auf dem Poster dargestellt ist Mr. Natural alias Fred Natural, eine Figur des amerikanischen Underground-Künstlers Robert Crumb (*1943). Crumb zeichnete seine Figur als guruartigen Schwerenöter, dessen zynische Verachtung der modernen Welt ihn dank einer seltsamen Mischung aus Weisheit und Spiritualität nicht daran hinderte, ein angenehmes und sehr diesseitiges Leben zu führen. Etwas von diesem existenziellen Zwiespalt scheint mir in diesem Bild zum Ausdruck zu kommen; es hat mir oft ein heimliches Lächeln abgerungen.
Während meiner Assistentenzeit am Pädagogischen Institut der Universität Zürich teilte ich das Büro u.a. mit Max Röthlisberger, der im Fachbereich Historische und Systematische Pädagogik als Assistent tätig war. Er bezeichnete sich gerne als mein Hintersasse, da sein Pult gegenüber meinem leicht zurückversetzt war. Max war jederzeit für einen Spass zu haben. Drei Müsterchen seien hier dokumentiert: ein Eintrittstest für Erstsemestrige, eine pädagogische Landkarte und eine pädagogische Weinetikette.
Eintretenstest für Erstsemestrige
«EP I» steht für «Einführung in die Pädagogik, Teil I». Mit der zweiten Frage ist natürlich Professor Fritz-Peter Hager gemeint, der 1978 von Bern nach Zürich gewechselt hatte, um die Nachfolge von Professor Leo Weber anzutreten.
Eine pädagogische Panoramakarte
Professor Hager nimmt auch die folgende Panoramakarte ins Visier, wenn nicht aufs Korn.
Pädagogen-Beerli
In welchem Zusammenhang die folgende Weinetikette entstand, vermag ich nicht mehr zu rekonstruieren. Es muss wohl ein Institutsfest gewesen sein.
Niemand darf darüber erstaunt sein, dass an einem Pädagogischen Institut wie demjenigen der Universität Zürich, wo ich als Assistent und Wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig war, auch das administrative Personal pädagogische Ambitionen verfolgt. Jedenfalls liess mir die damals am PI tätige Sekretärin, die für die Frankierung der abgehenden Post zuständig war, eine Notiz zukommen, deren erzieherische Intention unverkennbar ist. Der argumentative Stil und die Tatsache, dass sich die Autorin der Notiz gedrängt fühlte, ihre Position zu begründen («Jahr des Sparens»), lassen zudem schliessen, dass sie Anhängerin eines induktiven Erziehungsstils war. Ich vermag mich nicht mehr zu erinnern, ob ich dem sanften Wink mit dem pädagogischen Zaunpfahl gefolgt bin – ich vermute, dass dem eher nicht so war.
In meinem Studienhauptfach Psychologie hatte ich als Schwerpunkt «Angewandte Psychologie» gewählt. Die Seminare im Hauptstudium wurden in Form von Arbeitsgruppen durchgeführt, deren Mtglieder sich über vier Semester regelmässig trafen. Der Mentor der Arbeitsgruppe, der ich mich zuteilen liess, war Hanspeter Weiss. Er pflegte einen sehr egalitären und kollegialen Umgangsstil, was sich gelegentlich auch in skurrilen Einlagen äusserte. Eine davon ist die im Folgenden dokumentierte, deren Hintergrund ein gemeinsames Mittagessen in der Mensa der Universität Zürich war, und zwar an einem Tag, an dem es heftig geregnet haben muss. An Details vermag ich mich leider nicht mehr zu erinnern, vor allem nicht an die mir von Hanspeter eloquent unterstellte Diebstahlsabsicht. Wenn sie bestanden haben sollte, möchte ich einräumen wollen, dass sicherlich auch der Zufall seine Hand mit im Spiel gehabt haben musste, denn dass ich ausgerechnet meinen sehr geschätzten Mentor bestehlen wollte, darf ich mit Gewissheit auch rückblickend ausschliessen.
Während meiner Studienzeit war ich in einem kleinen Mansardenzimmer an der Olivengasse 14 in Zürich eingemietet (Querstrasse zwischen Kreuzplatz und Hegibachplatz). Der Post (die damals noch «PTT» hiess) gefiel nicht, wie ich meinen Briefkasten angeschrieben hatte, was mir eine förmliche Einladung auf die Postfiliale Neumünster bescherte (das Gebäude existiert heute nicht mehr bzw. wurde 1994 durch einen Neubau ersetzt).