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Gedanken zur Traditionellen
Chinesischen Medizin
Es wird überliefert, dass es vor mehr als zwanzigtausend Jahren im alten China über zwei Jahrzente lang schreckliche Überschwemmungen gab. Die Felder und Behausungen wurden alle überflutet und die Menschen flüchteten in die Berge. Der Held Gun versuchte neun Jahre lang die Überschwemmungen zu regulieren und baute Dämme, doch ohne Erfolg. Die Gewalt der Fluten wurde noch mächtiger und zerstörte die Dämme. Gun hatte einen Sohn mit Namen Yu. Yu kam auf den Gedanken, die Taktik zu ändern. Er wollte die Fluten regulieren indem er die Flussläufe tiefer grub und von allen angeschwemmten Hindernissen befreite. Dreizehn Jahre lang grub er aus den Flussbetten alles, was den Lauf des Wassers hinderte. Damit hatte er Erfolg. Die Gewässer kehrten in ihre Flussläufe zurück und flossen in korrektem Lauf zum Meer. Die Menschen begannen ihre Felder zu bestellen und die Harmonie kehrte wieder ein auf Erden.
Wir haben diesen Mythos erzählt, um uns dem Denken und den Vorstellungen der Welt der Chinesen im alten China zu nähern. Für sie war klar, dass die Gesetze, die den Makrokosmos, das Universum, beherrschen auch für den Mikrokosmos, den Menschen, gelten. Nach ihrer Auffassung war am Anfang von Allem Energie, „Qi“ genannt, Erzeuger von allem, was sich geformt hat und sich weiter formt und wandelt. Dieses Qi fliesst im menschlichen Körper in einem klar definierten Netz von Meridianen unter der Körperoberfläche, aber auch ins Körperinnere bis zu den Organen und verbindet verschiedene Teile des Organismus miteinander.
Die Gesundheit des Menschen hängt vom korrekten und harmonischen Fluss des Qi ab. Wenn dieser Fluss wegen Störungen innerer Natur (Emotionen) oder äusserer Natur (z.B. Witterung) während einer gewissen Zeit nicht harmonisch fliesst, entstehen Krankheiten. Die Aufgabe des TCM Arztes besteht also darin, das Gleichgewicht und die Harmonie des energetischen Flusses im menschlichen Körper wieder herzustellen. Da er ja die Regeln kennt, die den korrekten Fluss des Qi bestimmen, erkennt der Arzt mit seiner speziellen Diagnose die Störung und kann sofort regulierend eingreifen, um den Fluss des Qi wieder zu normalisieren. Er kann auf diese Weise sogar oft verhindern, dass eine Krankheit im Körper manifest wird.
In der Traditionellen Chinesischen Medizin werden verschiedene Methoden angewendet, um den Fluss des Qi zu regulieren. Die Akupunktur ist die bekannteste. Die Zonen der Meridiane, die sich für Akupunktur eignen, befinden sich auf der Oberfläche des Körpers an ganz bestimmten Punkten. Mit dieser Methode kann der Arzt die Energie tonisieren, wo sie zu schwach ist, oder er kann sie reduzieren, wo sie zu gestaut ist. Da durch das Netz der Meridiane verschiedene Teile des Körpers energetisch miteinander verbunden sind, können verschiedenartige gesundheitliche Beschwerden oft auf dem gleichen Meridian behandelt werden. Um die Harmonie des energetischen Flusses im Körper der Patienten wieder zu stabilisieren, benützt der TCM Arzt sehr feine Nadeln und Techniken, die sich auch für kleine Kinder und alte Leute eignen. Die Wirksamkeit der Behandlung durch den Arzt hängt ab von der Kraft seiner inneren Konzentration, der guten Energie (Qi), mit der er arbeitet (Gong), d.h. von seinem Qi Gong.