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Spider-Man, das ist der ewige Kindheitstraum: Sich einmal über alle Alltagsbeschwernisse hinweg in die Luft schwingen, über Ampeln und Staus hinwegfliegen und alle, die einen nerven, durch einen gezielten Netzschuss ausser Gefecht setzen. Und der Ausruf "Da möchte man die glatte Wand hochgehen!" kommt ja ebenfalls nicht von ungefähr. Dass all dies, zumindest auf dem Bildschirm, tatsächlich möglich ist, macht den grossen Reiz der "Spider-Man"-Games aus. Weniger durch das Gameplay als vielmehr durch eine gut erzählte Geschichte muss dabei auch das Spider-Man-Narrativ vom unfreiwilligen Superhelden transportiert werden. Peter Parker wie auch sein Nachfolger Miles Morales durchleben das Dilemma vieler Jugendlicher: Sie spüren, dass sie etwas Besonderes sind, wollen aber im Grunde nur so sein wie alle anderen.
Dem ersten "Spider-Man"-Game aus dem Jahr 2018 gelang der Spagat zwischen jugendlichen Identitätskonflikten und beschwingter Action schon ziemlich gut. Nicht wenige Spieler halten es für eines der besten Action-Adventures für die PS4. Auch der zweite Teil, der zwei Jahre später, mitten in der Pandemie, unter dem Titel "Marvel's Spider-Man: Miles Morales" erschien, wurde von Insomniac Games aus Burbank entwickelt. Die Kalifornier, die für Sony auch die fabulöse "Ratchet & Clank"-Reihe erschaffen haben, sind echte Spezialisten, wenn es um Rasanz und Tempo geht. Für das zu Unrecht dezent untergegangene "Sunset Overdrive", das 2014 exklusiv für die damals nagelneue Xbox One erschien, entwarf Insomniac mit Sunset City gleich eine ganze futuristische Stadt. 2019 wurde der Entwickler von Sony Interactive Entertainment übernommen und ist seitdem unter der Flagge der PlayStation Studios unterwegs. Aus heutiger Sicht wirkt "Sunset Overdrive" - so gut das Spiel auch ist - wie eine Fingerübung für die "Spider-Man"-Spiele. Damals sorgte ein rasantes Parkoursystem dafür, dass man sich mit Overdrive-Speed durch und über die Strassen (hinweg)bewegen konnte - oder eben direkt die Wände hoch! Auch das Kampfsystem mit allerlei akrobatischen Moves war bereits da.
Gnade für Spidey!
Weil sich das Gefühl von Geschwindigkeit am besten in engen Häuserschluchten vermitteln lässt, ist Manhattan der perfekte Schauplatz für "Spider-Man", in dem es auch 2022 in "Marvel's Spider-Man: Miles Morales" zur Sache ging. Obwohl die Fortsetzung des Welterfolgs nicht enttäuschte, hatte "Miles Morales" von Anfang an mit dem Verdacht zu kämpfen, so eine Art Standalone-DLC zu sein. Das hatte mehrere Gründe. Da sich der Schauplatz kaum verändert hatte, kamen bei dem einen oder anderen Spieler angesichts der Aussicht, sich erneut durch Marvels nun hinlänglich bekannte fiktive New-York-Version zu schwingen, doch dezente Ermüdungserscheinungen auf. Zum anderen handelte es sich um einen Cross-Platform-Titel und stand damit unter dem Zwang, die ältere Hardware "mitnehmen" zu müssen, statt auf der damals noch nagelneuen PS5 alle Register ziehen zu können.
In gewisser Weise teilte der nach ihm benannte Teil der Reihe damit das Schicksal von Miles Morales. Denn auch er hat ja seine liebe Not damit, aus dem Schatten von Peter Parker herauszutreten und in das besonders am Anfang sprichwörtlich etwas zu grosse Spinnenkostüm hineinzuwachsen. Da half es ihm auch wenig, dass Peter in den zugrundliegenden Comics stirbt, während Miles Morales an seine Stelle tritt. Ein Schicksal, das ihm in der Game-Umsetzung glücklicherweise erspart bleibt. In "Spider-Man: Miles Morales" durfte Peter weiterleben, was seinen Nachfolger unter Zugzwang setzte, seine Daseinsberechtigung unter Beweis zu stellen.