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Das A und O einer Expeditionskreuzfahrt in die polaren Regionen sind die Schiffe. Sie sind die Basis und die Heimat der Teilnehmenden, des Expeditionsteams und der Schiffs- und Hotelcrew für viele Monate im Jahr. Eines der beliebtesten und am längsten im Dienst stehenden Expeditionsschiffe, die Ocean Adventurer, wird die kommende Arktissaison zum letzten Mal mitmachen und segelt danach in den Nebel der Ungewissheit.
Wenn am 3. Oktober 2024 die Ocean Adventurer in Islands Hauptstadt Reykjavik anlegen wird, endet nicht nur eine 5-monatige Arktissaison für das bei Quark Expeditions im Einsatz stehende Expeditionsschiff. Vielmehr endet damit eine Ära eines der beliebtesten und am längsten im Dienst stehenden Expeditionsschiffe. Quark hat bekanntgegeben, dass die Ocean Adventurer bei ihnen ausser Dienst gestellt und durch die neuere und etwas grössere Ocean Explorer ab der kommenden Antarktissaison 24/25 ersetzt wird. Was mit der «älteren Lady» geschehen wird, ist noch nicht klar.
Wechselvolle Geschichte
Das mit seinen klassischen Linien leicht zu identifizierende Schiff hat eine im wahrsten Sinne des Wortes wechselvolle Geschichte hinter sich. Gebaut wurde sie als eines von acht Schiffseinheiten im ehemaligen Jugoslawien für die Sowjetunion. Sie war als Passagierschiff für Politfunktionäre und Parteimitglieder geplant und von Anfang an mit der für Passagierschiffe höchstmöglichen Eisklasse und allen Annehmlichkeiten ausgestattet. Am 19. April 1975 lief das Schiff als Alla Tarasova vom Stapel. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde es jedoch schwierig, für das Schiff einen richtigen Verwendungszweck zu finden.
Erst Ende der 90er Jahre und mit dem Aufkommen des Polartourismus wurde sie und ihr Schwesterschiff Lyubov Orlova für Reiseanbieter und Reedereien interessant. Ab 1998 wurde sie nach einem grossen Umbau als Clipper Adventurer wieder in Dienst gestellt und fuhr bis 2007 diverse Routen. Danach wurde sie innerhalb der damaligen Clipper Cruise Line weiterverkauft. Quark Expeditions hatte das Schiff danach zwar langfristig betrieben, doch sie wurde auch an andere Firmen verchartert. Ausserdem änderte das Schiff nach Umbauten und Renovationen auch nochmals zweimal seinen Namen: ab 2012 war sie als Sea Adventurer und ab 2017 als Ocean Adventurer unterwegs.
Dame mit Geschichte
Egal unter welchem Namen, das Schiff war eine bei Gästen und Expeditionsteams sehr beliebte Heimat und Basis für teilweise einmalige Expeditionsreisen in die Arktis und Antarktis. Dank der Stabilisatoren war sie auch in den berüchtigten Gewässern rund um die Antarktis und in der Grönlandsee meist ruhig und sicher unterwegs. Mit ihrer klassisch-eleganten Form und dem sehr detailreichen Innenleben gehörte die Ocean Adventurer zu den komfortabelsten Expeditionsschiffen in den Flotten der Reedereien. Dank 5’400 PS und der Eisklasse 1A waren auch Fahrten im Packeis des Arktischen Ozeans oder nahe der antarktischen Halbinsel kein Problem. Und von ihrer Manövrierfähigkeit (und den Fähigkeiten der Kapitäne) konnten sich Passagiere immer wieder ein Bild machen.
Doch in der langen Geschichte des Schiffes finden sich auch traurigere Kapitel, die ebenfalls für Schlagzeilen gesorgt hatten. So lief das Schiff beispielsweise während einer Fahrt in der Nordwestpassage auf einen Felsen auf, der zwar bekannt, aber nicht in den Seekarten verzeichnet war. Das führte zu einem Leck und dem Austritt von Treibstoff. Trotzdem konnte das Schiff in den nächsten Hafen geschleppt und die Passagiere sicher von Bord gebracht werden. Und obwohl solche Schlagzeilen nicht gerne gesehen werden, ist die Geschichte der Ocean Adventurer immer noch weniger traurig als die ihrer Schwester Lyubov Orlova, die als mit kannibalistischen Ratten versetztes Geisterschiff im Atlantik treibend Schlagzeilen gemacht hatte und mittlerweile gesunken sein dürfte.
Wenn ein Schiff geht, tritt häufig ein neues in dessen Fahrwasser und auch hier ist dies nicht anders. Quark hat angekündigt, ab der Antarktissaison 2024/25 die Ocean Explorer der Reederei SunStone Ships einzusetzen. Sie ist in Sachen Passagierzahl nur unwesentlich grösser als die Ocean Adventurer (138 statt 128), ist aber ebenfalls mit vielen mittlerweile oft angebotenen Komfortdetails ausgestattet und entspricht den neuesten Sicherheitsstandards. Ausserdem ist sie leiser, schneller und wird mit ihrem ULSTEIN X-BOW ® für eine ruhige und sichere Fahrt in den welligen Weiten sorgen.
Vielen dürfte der Name des Schiffes noch in Erinnerung sein, denn bei ihr handelt es sich ebenfalls um eine Dame mit Geschichte. Letztes Jahr sorgte sie für Schlagzeilen als sie in Ostgrönland auf eine Sandbank aufgelaufen war und tagelang auf Hilfe warten musste. Damals war sie, wie die Ocean Adventurer 2010, von einem anderen Anbieter verwendet worden. Damit teilen die beiden Schiffe bereits eine Geschichte und es bleibt zu hoffen, dass die neue Ocean Explorer ihre Gäste ebenso lange begeistern wird, wie dies die Ocean Adventurer all die Jahre getan hat und jetzt ein letztes Mal auf der polaren Bühne stehen wird.
Dr. Michael Wenger, PolarJournal