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Keine andere Nutzpflanze hat in den letzten Jahren mehr an Anbaufläche zugelegt als Soja. Im Jahr 2014 wurden weltweit rund 312 Millionen Tonnen Soja geerntet. Grösster Produzent ist nach wie vor Brasilien. Zusammen mit den USA und Argentinien produziert es über 80 Prozent der weltweiten Sojaernte. Der Sojaanbau hat aber einen schlechten Ruf: Monokulturen, genveränderte Bohnen, Vernichtung des Regenwaldes und seiner Artenvielfalt. Gemäss dem Bericht von WWF werden rund ¾ der Soja als Futtermittel verwendet, nur gerade 6 % werden vom Menschen direkt als Lebensmittel verzehrt.
Aufgrund der vielseitigen Verwendung von Soja als Nahrungsmittel, Futtermittel, in Kosmetika oder Biodiesel wird mit einer fast doppelt so hohen Produktion bis 2050 gerechnet. Grund genug, sich Gedanken über die Herstellungsbedingungen von Soja sowie über dessen Produktion in Europa und der Schweiz zu machen.
Soja in Europa und der Schweiz
Während die EU nebst China einer der grössten Importeure darstellt, produziert sie die eiweisshaltige Nutzpflanze erst in geringen Mengen. Für das Jahr 2015 betrug der Anteil 9.8 % – Tendenz aber steigend. Grösster Sojaproduzent in Europa ist die Ukraine, welche fast die Hälfte der europäischen Soja produziert. Obwohl der Gentechnik-Anbau nicht genehmigt ist, muss vermutet werden, dass in der Ukraine zwischen 50 und 80 % aus genmodifiziertem Saatgut abstammt (gemäss dem Informationsdienst Gentechnik). Weitere wichtige gentechfreie Erzeuger in Europa sind Italien, Rumänien oder Österreich.
In der Schweiz wurden im Jahr 2014 auf rund 1‘500 Hektaren Soja angepflanzt (das entspricht etwa 2100 Fussballfelder oder der Hälfte der Stadt Luzern). Die Ernte betrug 3‘882 Tonnen. Rund 285‘000 Tonnen wurden im Jahr 2015 noch importiert (über das 70fache der eigenen Produktion). Der Import ist mehrheitlich für Futtermittelzwecke und stammt aus Brasilien. Der Schweizer Bedarf steht ihm weltweiten Verbrauch bei 0.1 Prozent. Die Schweiz strebt aber danach, die eigene Sojaproduktion für die Lebensmittelverarbeitung zu erhöhen sowie den Import nachhaltiger zu gestalten.
Nachhaltiges Soja in der Schweiz
Um den steigenden Bedarf an Bio-Soja für Nahrungsmittel zu decken, wurde Anfang dieses Jahres das Projekt Bio Speisesoja Schweiz ins Leben gerufen. Koordiniert vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau, finanziert durch den Detailhändler Coop, soll das Soja vom Saatgut bis zum Endprodukt in der Schweiz produziert werden. Gemäss Coop werden bereits alle Tofu-Produkte aus Bio-Soja aus der Schweiz produziert. Auch bei Migros werden die Cornatur- und Bio-Produkte hauptsächlich mit Soja aus der Schweiz oder Österreich produziert.
Ein weiterer Ansatz für die Beschaffung von Soja als Futtermittel bildet das Soja Netzwerk Schweiz. Der Verein entstand aus den 2004 ins Leben gerufenen “Basler Kriterien“, welche einen nachhaltigen Sojaanbau gewährleisten sollen. Dabei werden nebst ökologischen Kriterien wie dem Verbot der Rodung von Primärwaldflächen und der Verminderung von Pflanzenschutz- oder Düngemitteln auch soziale Kriterien wie Mindestlöhne, Verbot von Kinderarbeit und Respekt von traditionellen Landrechten bis hin zur Sicherstellung von gentechfreier Produktion berücksichtigt. Das Sojanetzwerk wurde zwar bereits 2011 gegründet, wurde aber im Mai 2016 in einen Verein überführt. 19 Mitgliedorganisationen zählen dazu, darunter der Schweizer Bauernverband, Agrokommerz, Bio Suisse, Fenaco, Schweizer Milchproduzenten, WWF sowie die Detailhändler Aldi, Coop, Migros und einige mehr. Soja Netzwerk Schweiz verpflichtet sich, mindestens 90 % der Futtersoja aus verantwortungsbewusster Produktion zu beziehen.
Soja ist effizient, proteinhaltig, generiert Stichstoff und reichert Humus an. Soja fördert aber auch immer noch Landraub, ist verantwortlich für Regenwaldabholzung, Savannen- und Graslandvernichtung, Arbeiterausbeutung und die Vertreibung von Menschen. Die obengenannten Konzepte zeigen, dass durchaus die Nachfrage nach verantwortungsbewusstem Soja besteht. Nebst der Umstellung auf nachhaltigere Produktion sollte die mengenintensive Verwendung als Futtermittel aber überdacht werden. Dann müssten wir uns aber mit einer Verteuerung der Fleischproduktion abfinden!