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Leben und Sterben für die Gorillas
- Mittwoch, 30. Dezember 2015, 10:31 Uhr
Berggorillas waren ihre Familie: Dian Fossey wurde für ihren Einsatz für diese afrikanischen Menschenaffen weltberühmt. Entschlossen kämpfte sie für ihren Schutz und gegen Wilderer – zuletzt auch mit umstrittenen Mitteln. Vor 30 Jahren wurde sie auf ungeklärte Weise umgebracht.
Dian Fosseys Verdienste um den Schutz der wenigen Hundert verbliebenen Berggorillas in Afrika sind unbestritten. Die Affen in den Virunga-Bergen zwischen Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo waren für die amerikanische Forscherin jahrelang ihre Familie. Sie sorgte dafür, dass die Welt von den Menschenaffen erfuhr – und dass ihr Schutz wichtig wurde. Doch ihren Kampf gegen Wilderer bezahlte Fossey am 27. Dezember 1985 mit ihrem Leben.
Bedrohte Berggorillas
Die Zahl der Tiere war Anfang der 1980er-Jahre auf etwa 250 gesunken. Nach der jüngsten Zählung leben in den Vulkanbergen in Ruanda, im Kongo und im Bwindi-Nationalpark in Uganda heute wieder rund 800. Sie sind von Wilderern bedroht, die Kopf und Pfoten als Trophäen verkaufen. Die Art der Berggorillas gilt weiterhin als «gefährdet».
Auch 30 Jahre später spaltet Fossey noch die Gemüter. Für die einen ist sie die selbstlose Retterin der Berggorillas: der erste Mensch, dem eine echte Kontaktaufnahme mit den Primaten gelang. Andere beschreiben sie als ich-bezogene, unbeherrschte, verbitterte Frau, die Wissenschaftskollegen brüskierte, Afrikanern mit Herablassung und Ablehnung begegnete – und bei Wilderern nicht vor Racheakten und Selbstjustiz zurückschreckte.
18 Jahre in der Wildnis
Die Einheimischen im ruandischen Teil der Virunga-Berge nannten Fossey «Nyiramachabelli» – das bedeutet: «Frau, die alleine in den Wäldern lebt». Bereits Ende 1966, mit 34 Jahren, begann sie im damaligen Zaire, der heutigen Demokratischen Republik Kongo, mit der Erforschung der Berggorillas. Wegen eines Bürgerkriegs musste sie jedoch bald nach Ruanda ausweichen, wo sie ihre Forschungsstation Karisoke gründete.
In ihrem abgeschiedenen Haus verbrachte sie 18 Jahre ihres Lebens; sie nannte es in ihrer Autobiografie später ihr «Zuhause bei den Berggorillas». Dort wurde sie 1985 auch brutal mit einer Machete ermordet. Das Verbrechen wurde nie ganz aufgeklärt, doch bis heute wird von einem Racheakt ausgegangen.
Tierliebe in den Genen
Die 1932 geborene Fossey hatte sich zeitlebens für Tiere interessiert. Ein Studium der Tiermedizin scheiterte aber an ihren schlechten Prüfungsergebnissen in Chemie und Physik. Sie wurde Ergotherapeutin. Doch der Traum, nach Afrika zu gehen und wilde Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu erleben, blieb. Und er wurde noch stärker, nachdem sie während einer Afrikareise 1963 in Uganda erstmals Gorillas gesehen hatte.
Fossey bewarb sich bei dem berühmten Paläoanthropologen Louis Leakey um eine Stelle – und hatte Glück. Schon 1967 gründete sie in Ruanda die Forschungsstation Karisoke. «Ich konnte nicht wissen, dass ich mit dem Aufstellen von zwei Zelten in der Wildnis der Virungas die Grundlage für das gelegt hatte, was eine international renommierte Forschungsstation werden sollte», schrieb sie später.
Mit harter Hand gegen Wilderer
Für Fossey waren die Gorillas nicht nur Inhalt ihrer wissenschaftlichen Arbeit – sie wurden zu ihrem Lebensinhalt. Der Verlust von Tieren durch Wilderer erschütterte sie persönlich. Sie trauerte um tote Gorillas wie um Familienmitglieder. Daher startete sie einen regelrechten Kreuzzug gegen Wilderer und zerstörte nicht nur ihre Fallen, sondern liess Berichten zufolge auch zur Strafe ihre Häuser und Felder niederbrennen. Festgenommene Wilderer soll sie auch geschlagen und gepeinigt haben.
Mit ihrem Vorgehen brachte Fossey nicht nur viele Menschen der Umgebung gegen sich auf: Selbst Wissenschaftler warfen ihr zunehmenden Fanatismus vor. Auch gegen Viehzüchter, deren Rinder in den Park wanderten, ging sie resolut vor. Ihre Stiftung spricht heute von der Phase «aktiven Artenschutzes», räumt aber ein, dass «die Taktiken bei der örtlichen Bevölkerung nicht beliebt waren».
Begraben bei ihren Freunden
Heute gilt Fossey neben der Kanadierin Biruté Galdikas und der britischen Verhaltensforscherin Jane Goodall als eine der bekanntesten Primatenforscherinnen. Ihre im Jahr 1983 veröffentlichte Autobiografie «Gorillas im Nebel» wurde schnell ein Bestseller. Drei Jahre nach ihrem Tod 1985 wurde das Buch mit Sigourney Weaver in der Hauptrolle erfolgreich verfilmt – ein Kassenschlager, der auch den bedrohten Menschenaffen half.
Selbst ihr tragisches Ende dürfte ihren Lieblinge letztlich genützt haben. Eine Schülerin Fosseys, Kelly Stewart, sagte einmal, der Tod der Wissenschaftlerin sei ein «perfektes Ende» gewesen: «Sie sah sich selbst als eine Kriegerin, die hinausging, um den Feind zu konfrontieren. Sie hat immer über eine letzte Begegnung fantasiert.» Auf eigenen Wunsch wurde sie hinter ihrer Hütte in Karisoke neben den Gräbern der von ihr geliebten Gorillas begraben.