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Die folgende Zusammenfassung basiert auf IAEO-Informationen.
Situation der externen Stromversorgung von Tschernobyl
Der ukrainische Energieversorger Energoatom teilte der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) am 13. März mit, dass es ukrainischen Spezialisten gelungen sei, eine Stromleitung zu reparieren, die für die Wiederaufnahme der externen Stromversorgung des Kernkraftwerks Tschernobyl benötigt wird. Dies vier Tage nachdem diese an dem von Russland kontrollierten Standort vollständig ausgefallen war, so Generaldirektor Rafael Mariano Grossi. Somit könnten das stillgelegte Kernkraftwerk und die verschiedenen Anlagen zur Entsorgung radioaktiver Abfälle wieder mit dem gesamten erforderlichen Strom extern versorgt werden.
Hinweis: Gemäss einer Meldung des ukrainischen Netzbetreibers Ukrenerho ist die externe Stromversorgung am Montagmittag, 14. März, erneut ausgefallen.
Selbst vollständiger Stromausfall hätte keine kritischen Auswirkungen gehabt
SNRIU teile der IAEO unabhängig davon mit, dass die Notstromdieselgeneratoren noch arbeiten und Tschernobyl am 13. März wieder ans ukrainische Stromnetz angeschlossen werde. Gemäss IAEO hat die Trennung des Kernkraftwerks vom Netz in der vergangenen Woche keine kritischen Auswirkungen auf die wesentlichen Sicherheitsfunktionen des Standorts, da das Kühlwasservolumen der Anlage für ausgediente Brennelemente ausreichte, um die Wärmeabfuhr auch ohne Stromzufuhr aufrechtzuerhalten. Zudem seien die ausgedienten Brennelemente über die Jahre schon genügend ausgekühlt, erklärte die IAEO in einer früheren Mitteilung.
Versorgung mit Notstromdieselgeneratoren hat funktioniert
Generaldirektor Grossi bewertete den Wiederanschluss von Tschernobyl ans Stromsystem als «positive Entwicklung, da das Kernkraftwerk Tschernobyl nun schon seit mehreren Tagen auf Notstromdieselgeneratoren angewiesen ist». Er gab aber trotzdem zu bedenken, dass er nach wie vor sehr besorgt über die Sicherheit in Tschernobyl und den anderen Kernkraftwerken der Ukraine sei. Laut IAEO-Meldung von 10. März versorgten Notstromdieselgeneratoren diejenigen Systeme in Tschernobyl, die für die Sicherheit wichtig sind, einschliesslich der Systeme für ausgediente Brennelemente, Wasserkontrolle und chemische Wasseraufbereitung.
Gemäss IAEO funktioniert die Datenfernüberwachung von Tschernobyl zur Verhinderung der Proliferation noch immer nicht. Die installierten Überwachungssysteme von dort würden keine Daten liefern. Diese Datenfernübertragung an die IAEO-Zentrale funktioniere jedoch aus anderen Kernkraftwerken in der Ukraine, so die IAEO.
Kraftwerkspersonal in Tschernobyl noch immer im Dauereinsatz
Ebenfalls hat SNRIU die IAEO darüber informiert, dass das Kraftwerkspersonal in Tschernobyl keine Reparatur- und Wartungsarbeiten an sicherheitsrelevanten Ausrüstungen mehr durchführt. Dies sei zum Teil auf die physische und psychische Ermüdung der Mitarbeitenden zurückzuführen, die seit fast drei Wochen ununterbrochen arbeiten würden und die Anlage seit dem Tag vor dem Einmarsch der russischen Streitkräfte am 24. Februar immer noch nicht hätten verlassen können. SNRUI stehe nicht in direktem Kontakt mit dem Personal, sondern erhalte Informationen von der Kraftwerksleitung ausserhalb des Standorts. Ebenfalls beobachte SNRUI die Lager in der Sperrzone hinsichtlich der spontanen Brände, zu denen es in diesem Gebiet immer wieder jährlich komme.
Verabschiedung der Vereinbarung seitens Ukraine und Russland noch offen
«Die zunehmend schwierige Lage des Personals in der Anlage [in Tschernobyl] – zusammen mit den anhaltenden Problemen bei der Kommunikation mit dem Standort … machen eine IAEO-Initiative zur Gewährleistung der Sicherheit in den ukrainischen Kernkraftwerken noch dringlicher», erklärte Generaldirektor Grossi. Am 10. März war er in Antalya (Türkei) beim Treffen des ukrainischen Aussenminister Dmytro Kuleba und seines Amtskollegen Sergei Lawrow anwesend. Dabei hat Grossi eine gemeinsame Vereinbarung zur Gewährleistung der Sicherheit und Sicherung der kerntechnischen Anlagen in der Ukraine vorgeschlagen, die beide Länder aber noch verabschieden müssen. Dies würde es der IAEO ermöglichen, technische und andere Unterstützung für den sicheren Betrieb aller ukrainischen Kernkraftwerke zu leisten. «Wir können es uns nicht erlauben, noch mehr Zeit zu verlieren», appellierte Grossi an die beiden Länder und bekräftigte: «Ich tue alles, was ich kann, damit dies sehr bald geschieht.»
Die unverzichtbaren Säulen der nuklearen Sicherheit
Die IAEO bereitet derzeit detaillierte technische Vorschläge für ihre Unterstützung vor, die sich auf die sieben unverzichtbaren Säulen der nuklearen Sicherheit stützen, die der Generaldirektor Anfang des Monats auf einer Sitzung des Gouverneursrats der IAEO dargelegt hat.
Diese Säulen – darunter die physische Unversehrtheit der kerntechnischen Anlagen, die Entscheidungsfreiheit des Betriebspersonals ohne ungebührlichen Druck, die sichere Stromversorgung ausserhalb des Betriebsgeländes und die zuverlässige Kommunikation mit der Aufsichtsbehörde – wurden während des am 24. Februar begonnenen Konflikts beeinträchtigt oder in Frage gestellt.
Kernkraftwerk Saporoschje weiterhin unter russischer Kontrolle
In Bezug auf das durch russische Streitkräfte kontrollierte Kernkraftwerk Saporoschje erklärte SNRIU, dass sich die Situation der Stromversorgung nicht geändert habe. Das Kernkraftwerk verfüge über vier Hochspannungsleitungen (750 kV) ausserhalb des Werksgeländes und eine zusätzliche Leitung in Bereitschaft. Zwei der vier Leitungen seien beschädigt worden. Der Betreiber habe die IAEO darüber informiert, dass der externe Strombedarf des Kernkraftwerks mit einer verfügbaren Leitung gedeckt werden könne. Ebenfalls stünden Dieselgeneratoren bereit, um eine Notstromversorgung zu gewährleisten.
SNRIU teilte der IAEO mit, dass sie nicht mehr in der Lage sei, eine unabhängige Sicherheitsaufsicht über das Kernkraftwerk vor Ort auszuüben, da ihre Arbeitsräume am 4. März beschädigt worden seien. Man stehe jedoch weiterhin in ständigem Kontakt mit dem Standort, was ein wichtiges Element der sieben Sicherheitssäulen darstelle. Gemäss SNRIU habe man vom Personal vor Ort die Information erhalten, dass mindestens elf Vertreter des russischen Staatsunternehmens Rosatom vor Ort seien, ohne sich in den Betrieb der kerntechnischen Anlagen einzumischen. Generaldirektor Grossi hat bereits wiederholt betont, dass «die derzeitige Situation gegen eine der sieben unverzichtbaren Säulen verstösst, nämlich dass das Betriebspersonal in der Lage sein muss, seine Aufgaben im Bereich der Sicherheit zu erfüllen, und dass es in der Lage sein muss, Entscheidungen ohne unangemessenen Druck zu treffen».
Alle Strahlenwerte auf normalem Niveau
Zum Status der in Betrieb befindlichen ukrainischen Kernkraftwerke erklärte SNRIU, dass acht der 15 Reaktoren des Landes weiterhin in Betrieb seien, darunter zwei im Kernkraftwerke Saporoschje, drei in Rowno, einer in Chmelnizki und zwei in der Südukraine. Die Strahlungswerte seien weiterhin normal und die Sicherheitssysteme intakt.
Quelle
B.G. nach IAEO, Medienmitteilung, 13. März 2022