Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03499.jsonl.gz/1460

Aus aktuellem Anlass, setze ich den Kurzbericht von Brigitte Ulmer aus der NZZ vom 30. April 2017 an den Anfang dieser Rubrik. Mit einfachen Worten beschreibt sie eine Tatsache, über die ich seit rund 40 Jahren schreibe und rede. Es ist kaum anzunehmen, dass ein/eine Vertreter/In der Institutionen ETH, EMPA, SIA, BFE etc. von dieser Information Kenntnis nehmen wird!
Wer Lust und Freude verspürt, meinem Deutschen Freund Konrad Fischer 3 Stunden und 12 Minuten zuzuhören, der wird stauenen, was man in unserem Nachbarland beim Energiesparen erleben kann!
Über die Wärmedämmung von Gebäuden
Schon während des Bauingenieur-Studiums im Jahr 1963 war ich auf der Suche nach tauglichen Dämmstoffen, welche als Perimeterdämmung den Energiehaushalt eines Gebäudes verbessern sollten. Da nichts Brauchbares vorhanden war, entwickelte ich zusammen mit Dr. Bruno Sulser – einem damaligen Duroplast-Chemiker von SHELL-Schweiz – einen neuen Werkstoff.
Der Dämmstoff sollte analog dem Werkstoff Beton, eine Druckfeste Struktur aufweisen, welche von einem Maurer auf der Baustelle mit herkömmlichen Werkzeugen bearbeitet, appliziert und anschliessend mit einem konventionellen 3-schichtigen Kalk-Verputz versehen werden kann. Eine gute Dämmeigenschaft und die Transportmöglichkeit von Feuchtigkeit (Sorption) war Voraussetzung. Unter dem technischen Namen Hartschaum-Leichtbeton erzeugten wir dann in einer Pilotanlage mittels Schaumkies und Polyurethan-Hartschaum Blöcke, welche dann in handliche Platten aufgeschnitten wurden.
Nachdem ein paar hundert Bauten mit dieser Aussendämmung versehen waren, überprüfte ich das energetische Verhalten der Gebäude und verglich sie mit bestehenden Altbauten. Mit Erstaunen stellte ich fest, dass die Konstruktionen, die ich nach der damalig herrschenden k-Wert-Theorie berechnet hatte, die angestrebten Energieeinsparungen nicht erbrachten. Die Gebäude schnitten – obwohl zwei bis dreimal besser gedämmt – schlechter ab, als herkömmliche Bauten mit Wänden aus 39 cm oder 52 cm Vollziegeln. Ab dem Jahr 1975 begann ich die für die Bauforschung zuständigen Institutionen in der Schweiz über diese Diskrepanz zu informieren, doch meine Beobachtungen wurden und werden bis heute ignoriert. Im Jahr 1978 wollte ich die SHELL-Schweiz für einen Ausbau meiner Wärmedämm-technik begeistern, doch das funktionierte aus folgendem Grund nicht: Die SHELL betreibt (immer noch) zusammen mit der BASF die Deutschen-Olefin-Werke in denen Polystyrol hergestellt wird. Die SHELL gratulierte mir zu meinem Erfolg, im Wissen, dass Gebäude mit Aussendämmungen in Polystyrol mehr Wärmeenergie benötigen als normale Ziegelkonstruktionen. Deshalb erklärte man mir bei SHELL, dass es nicht ihre Aufgabe sei die Architekten darauf hinzuweisen, dass die k-Wert-Theorie nicht stimmt und Polystyrol ein ungeeigneter Dämmstoff sei. Wegen dem Mehrverbrauch an Heizenergie machte man mir klar, dass die SHELL als Mineralölverkäufer nicht daran interessiert sei, ihren Umsatz zu mindern. In der Folge schloss ich zwei Fabriken und schrieb Verluste in Millionenhöhe von Schweizer Franken ab.
Aus objektiver Sicht handelt es sich beim Dämmstoff Hartschaum-Leichtbeton noch immer um den besten Perimeter-Dämmstoff, den man auf Bestellung erhalten kann. Allerdings ist sein Einsatzgebiet auf spezielle Anwendungen im Sanierungsbereich beschränkt. Bei Neubauten bilden spezielle Ziegelsysteme die bessere Lösung.
Leider existiert bis heute keine wissenschaftliche experimentelle Überprüfung der k-Wert- bzw. der U-Wert-Theorie. Das liegt daran, dass man mit dem U-Wert als Einbahnstrasse des Energieflusses von innen nach aussen, einen vergleichbaren Energieverbrauchswert niemals ermitteln kann. Aus diesem Grund sind der Schweizer „GEAK“ und die SIA-Norm 380/1 reine Rosstäuschung, weil die Bausubstanz und das Klima nicht berücksichtigt sind. Ausserdem hat man von staatlicher Seite noch immer nicht begriffen, dass Dämmstärken über 6 bis 8 cm infolge der Hyperbeltragik kaum mehr Energie einsparen und deshalb dem Wirtschaftlichkeitsgebot nicht entsprechen. Gleiches gilt für die Abschottung gegen die solare Einstrahlung. Aussenverkleidungen, Aussendeäm-mungen und Kerndämmungen können die solare Einstrahlung nicht nutzen.
Weil man glaubt, dass die Wärmedämmung alleine den Energieverbrauch eines Gebäudes bestimmt, wird auch die Masse der Umfassungswände gemindert, in welcher die solare Einstrahlung derart verwaltet werden soll, dass raumseitig so wenig wie möglich an Heizenergie zugeführt werden muss. Dieser Mangel an Gebäudemasse führt auch dazu, dass der sommerliche Wärmeschutz nicht mehr gewährleistet ist. Im Falle von brennbaren Dämmstoffen wie Polystyrol kommt noch die hohe Brandgefahr hinzu. Das alles sind Faktoren, welche in einem Energieausweis und den SIA-Normen nicht berücksichtigt werden und deshalb ein jeweils falsches Bild der beurteilten Bausubstanz ergeben.
Es wäre deshalb falsch zu sagen, dass die Dämmstoffindustrie oder die Mineralölindustrie hinter der schweizerischen SIA-Norm 380/1 steckt. Verantwortlich für die allein seligmachende U-Wert-Theorie sind die Hochschulen bei denen Professoren angestellt sind, die ihren wissenschaftlichen Auftrag nicht erfüllen und die experimentelle Terminologie vernachlässigt haben und immer noch vernachlässigen. Kommt hinzu, dass wenn nicht weiter geforscht, sondern nur Einer vom Andern abschreibt, das seit über 2‘000 Jahren aufgebaute Baufachwissen immer geringer wird und letztendlich restlos zum Erliegen kommt. Da hilft auch kein Ausweis mehr, um über unbrauchbare Bausubstanz hinwegzusehen. Die Immobilien-Blase in den USA ist geplatzt, weil man klimatisierte Holzhäuser in Pappendeckelmanier überzahlt hat. In der EU wird die Immobilien-Blase platzen, weil eine Schrott-Bausubstanz, die zu viel an Energie verbraucht und nach 20 Jahren renovationsbedürftig ist, viel zu teuer bezahlt wurde.
In nur 7 Minuten erfahren Sie hier alles über den Wärme-Dämm-Schwindel!