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Millionen von Zugvögeln durch Kommunikationsantennen getötet
Millionen von Zugvögeln werden jedes Jahr durch Kommunikationsantennen getötet.
Mai-Ausgabe „The Gull“, newsletter of the Golden Gate (San Francisco)
Chapter of the Audubon Society.
Christopher Beaver, San Francisco 22.07.02
Deutsche Übersetzung: Evi Gaigg, Bottenwil
Jedes Jahr, während der grössten Vogelzüge von mehr als 5 Milliarden Vögeln, die über den nordamerikanischen Kontinent fliegen, werden immer mehr Zugvögel durch Kollision mit drahtlosen Kommunikationsantennen getötet. Dazu gehören Mobilfunk-, Radio und Fernsehantennen. Die meisten Kollisionen finden während der Nacht statt, weil viele Vögel nachts ziehen. Vögel, die während des Fluges viel Wärme generieren, wie Enten und Gänse, meiden hohe Temperaturen und direktes Sonnenlicht des Tages. Kleinere Vögel suchen ebenfalls die Dunkelheit, dies aber zum Zweck, sich vor Räubern zu verstecken. Zur Orientierung benützen die Vögel die Sternenbahnen und das Magnetfeld der Erde. Das Problem ist, gemäss Vernon Kleen, eines Aviatik-Oekologen des Departements für natürliche Ressourcen in Illinois, dass bei Schlechtwetterbedingungen nachts fliegende Vögel die Warnlampen der Antennen anzuziehen scheinen. Die Lichter werden von der Federal Communications Commission für alle Antennen gefordert, die höher als 200 Fuss sind. In der Nachbarschaft von Flughäfen müssen Türme über 500 Fuss entweder rot blinkende Lichter oder weiss streuende Lichter haben. Wenn die Vögel auf diese Lichter stossen, scheinen sie davon verwirrt zu werden.
Auf Radarschirmen haben die Wissenschafter Schwärme von Vögeln beobachtet, wie sie um die Antennen herumfliegen und offenbar oft vergeblich versuchen, den Richtungssinn wieder zu finden. Im Januar 1998 wurden einige 10 000 Lapland Longspurs in einer einzigen Nacht getötet, als sie mit einem 420-Fuss-Turm und dessen Spanndrähten in Westkansas kollidierten. Viele von ihnen wurden nach der Weizenernte, von den Stoppeln der Felder aufgespiesst, in den umliegenden Feldern gefunden. Es scheint, dass die Vögel mit voller Wucht in den Boden geflogen sind.
Vierzig Millionen tote Vögel pro Jahr?
In einem Brief vom letzten Dezember an William Kennard, Vorsitzender der Staatlichen Kommunikationskommission, hat Gerald Winegrad, Vizepräsident des amerikanischen Vogelschutzes geschätzt, dass “ die jährliche Todesrate der Zugvögel durch Kommunikationstürme vier Millionen oder eine Grössenordnung darüber sein könnte.“ Grössenordnung würde heissen, dass die Todesrate 40 Millionen Vögel pro Jahr sein könnte. Es ist schwierig, den Überblick über die getöteten Vögel zu gewinnen, weil die Zahl der betroffenen Vögel während der Migrationszeit sehr stark variiert und die Aasfresser den Beweis, nämlich die Opfer, schnell beseitigen.
Aber gemäss Jim Cox von der Florida Fresh Water Fish Commission (Wildschutz und Frischwasser-Fisch-Kommission (berichtet im „Tallahassee Democrat“) würde ein „Durchschnittsturm“ auch ca. 2500 Vögel pro Jahr töten. So erstaunlich die Zahlen klingen, sie wurden von der amerikanischen Gesellschaft von Feld-Ornithologen-Union, der Cooper Ornithologischen Gesellschaft und der Wilson Ornithologischen Gesellschaft hingenommen.
„Dies ist ein reales Problem und wir nehmen es sehr ernst“, sagte Al Manville, ein Wildlife-Biologe für den U.S. Fisch und Wildlifedienst in Arlington, Virginia. „Von den 836 Vogelarten, die unter unserer Aufsicht stehen, sind fast 200 schon bedroht“ Durch den erwarteten Ausbau von Mobilfunkantennen, um den die Betreibergesellschaften kämpfen, um die Flächendeckung zu erreichen, werden mehr als 500 000 neue Antennen in den nächsten 10 Jahren gebaut werden. Eine separate Technologie, die digitale Television, beauftragt durch den Kongress, erfordert für Vollimplementierung bis 2003 gemäss Manville mehr als 1000 „Megatürme“, jeder von ihnen mindestens 1000 Fuss hoch.
Ungeachtet der mehr als hundert Studien in der wissenschaftlichen Literatur, die den Schaden an den Zugvögeln bestätigen, wurde Sheldon Moss, der Direktor für Regierungsangelegenheiten bei der Personal Communications Industry Association, im MORNING STAR von Wilmington, North Carolina, zitiert, dass er glaubt, „wir sind in einer sehr frühen Phase und klarerweise muss noch mehr Arbeit getan werden, um zu bestimmen, ob ein Problem existiert, und wenn wirklich ein Problem existiert, wie ernst es ist.“ Verschiedene grössere ornithologische Gesellschaften sind damit nicht einverstanden.
1999 hat der amerikanische Vogelschutz ein volles Umweltbelastungs-Statement für eine geplante Antenne in Pennsylvanien gefordert, und eine Studie von 1976 des kanadischen Wildlife-Biologen R.C. Weir zitiert, die feststellte: „Nächtliches Vogelsterben ist praktisch sicher, wo immer ein Hindernis in den Luftraum ragt, wo Vögel ziehen. Die Jahreszeit, die Lage, die Höhe, die Beleuchtung, die Zahl der Hindernisse und die Wetterbedingungen bestimmen die Anzahl der getöteten Vögel!
Gesetz von Industriielobbyisten geschrieben.
Libby Kelley, Executive Director des Rates zum Schutz vor Belastungen durch die drahtlose Telekommunikation, weist auf die Schwierigkeiten zwischen der Planung und der Sicht der Bürger hin. „Gemäss einiger Interpretationen des Federal Telecommunications-Gesetzes von 1996, das hauptsächlich durch die Industrielobbyisten geschrieben wurde, ist es weder Gemeindeverwaltungen noch föderalen Organen erlaubt, irgendwelche Umweltsvorschriften oder gar Belastungen der menschlichen Gesundheit zu berücksichtigen, wenn festgelegt wird, wo Türme gebaut werden können.“
Belohnung oder Strafe.
Für Al Manville vom U.S. Fisch – und Wilddienst liegt der Schluss nahe, dass die Industrie wählen muss zwischen „Belohnung und Strafe“ Die „Belohnung“ ist in Mansville’s Worten: eine gütliche Partnerschaft zwischen allen Parteien, um ein „Türme-Killen“ zu verhüten oder zu limitieren. Die Strafe ist die Strafverfolgung nach dem Vogelzug-Schutzgesetz von 1916, das festlegt, dass es illegal ist, einen Zugvogel zu töten „auf irgend eine Art und Weise“, ausgenommen für „erlaubte Zwecke“, welche Jagd einschliesst und die Verwendung von Vögeln für wissenschaftliche Forschung. Bis jetzt scheint die Belohnungshaltung einige Resultate hervorgebracht zu haben. 1999 wurde eine Kommunikations-Tower-Arbeitsgruppe gebildet auf Betreiben von Manville und Bill Evans, einem Ornithologen, der ein August 1998-Symposium im Cornell’s Labor für Ornithologie organisiert hat. Mit dem U.S. Fisch -und Wilddienst als Sponsororganisation, hat die Arbeitsgruppe 1999 den ersten Schritt getan, um Forschungsrichtlinien für zukünftige Kollisionsstudien heraus zu geben. Manville, der schätzt, dass solche Studien zwischen 5 und 8 Millionen Dollar kosten und drei bis fünf Jahre Zeit benötigen, bemerkt ausserdem, dass weder seine eigene Gesellschaft, der U.S: Fisch- und Wilddienst, noch die Federal Communications Commission das Kapital und das Personal für so einen Effort hat.
Man weiss schon jetzt genug.
Während Manville zustimmt, dass weitere Studien notwendig sind, um festzulegen, welche Faktoren für die meisten Tower-Kollisionen verantwortlich sind, eingeschlossen die Möglichkeit von schädlichen Wirkungen durch Mikrowellenstrahlung, glaubt er auch, dass man genug weiss, um vorsorgliche Schritte einzuleiten. Einige davon wären, die Antennen zentralisiert in „Co-locations“ zu sammeln, veraltete Antennen abzubrechen, die Distanzierung von Antennen vor kritischen Standorten und eine Höhenlimite von 200 Fuss für neue Antennen, die sie von den Richtlinien der Communications Commission befreit, die verlangt, dass Antennen über zweihundert Fuss Warnlichter tragen und durch Spanndrähte gestützt werden müssen. Bis solche Massnahmen eingeführt werden, ist nicht die Frage, ob mehr Vögel getötet werden. Die Frage ist, ob wir einen Schritt näher der gespenstischen Welt von Rachel Carsons „Stummer Frühling“ (Buch) gekommen sind: mit Liedern und Rufen von Zugvögeln, die verstummt sind durch das Zwitschern der Mobiltelefone und dem Getöse von Hunderten von neuen digitalen Fernsehstationen.