Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03586.jsonl.gz/1123

Liebe Julia
Ich bin ja bekanntlich der Typ «das eine tun, das andere nicht lassen» und frei nach diesem Motto habe ich bei einer Heirat den Namen angenommen, bei der anderen nicht. Mein neuer Freund würde bei einer Eheschliessung jederzeit meinen Namen annehmen, aber seien wir mal ehrlich, wer würde schon nicht gern Freitag heissen?
Sie sind noch wahnsinnig jung und wissen vermutlich wenig über das Frauenrecht in der Schweiz. Bis ins Jahr 1976 brauchten wir Frauen noch die Zustimmung des Ehemannes, wenn wir berufstätig sein wollten. Wir konnten kein eigenes Bankkonto eröffnen und nicht über unser eigenes Vermögen verfügen. Abstimmen dürfen wir seit 1971, davor hatte nur der Ehemann ein Stimmrecht, Frauen hatten politisch nichts zu melden. Seit nunmehr 3 Jahren ist nun endlich das neue Namensrecht gültig und der Mann ist nicht mehr automatisch das Familienoberhaupt.
Vielleicht wäre das der richtige Zeitpunkt um sich ernsthaft zu fragen, ob diese ganze Namenssache nicht furchtbar vorgestrig und unnötig ist. Mit der Heirat geht man zwar einen gemeinsamen Vertrag ein. Das bedeutet aber nicht, dass man seine Identität und Eigenständigkeit aufgibt. Wenn Ihr Mann nicht bereit ist, seinen Namen aufzugeben, warum sollten Sie es dann tun? Und was den Namen der Kinder betrifft, den könnten Sie beide frei wählen, wenn Sie beide Ihre Namen behalten würden.
Kurz zusammengefasst würde ich Folgendes vorschlagen: Jeder behält seinen Familiennamen und über den der Kinder entscheidet der Würfel. Und wenn Ihnen das zu willkürlich ist, dann «gewinnt» halt der, der jeweils mit den Kindern zum Arzt fährt, wenn diese krank sind.
Mit herzlichem Gruss. Ihre Kafi.