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In Erlinsbach im Kanton Solothurn gibt es den Flur- und Strassennamen Haumesser. Hans Bryner beschreibt die Flur als mässig flach abfallendes Landstück, auf dem teilweise eine Biegung im Gelände sichtbar war. Hat das Flurstück Haumesser tatsächlich seinen Namen von dieser Biegung?
Vom Hauwerkzeug zum Familiennamen
Gemäss dem Schweizerdeutschen Wörterbuch wird unter Haumesser allgemein ein schneidendes Hauwerkzeug verstanden, zum Beispiel ein Messer oder eine Axt. Es ist eine Zusammensetzung aus dem Verbalstamm Hau- «hauen, schlagen» und dem neuhochdeutschen Wort Messer. Der Name Haumesser wird oft im übertragenen Sinn als Bezeichnung einer scharfen Geländekante oder eines Felsgrates in der Flurlandschaft verwendet.
Der Name bezieht sich dann auf die Form der Strasse oder der Flur, wenn diese nach einer scharfen Biegung abbricht, wie dies in Erlinsbach tatsächlich der Fall ist. Der Name erscheint erstmals im Grundbuch von 1826. Aber der Name kann auch aus einer Berufsbezeichnung, ausgehend von einem charakteristischen Berufswerkzeug als Familienname Haumesser entwickeln. Ob nun die Geländeform oder der Familienname der Flur den Namen gab, lässt sich kaum rekonstruieren.
Lirum Larum Löffelstil – die Gabel gibt’s in Heinrichswil
Nebst dem Haumesser kommt in der Flurnamenlandschaft oftmals auch ein Löffel vor. Ein Löffelstil liegt in Mümliswil-Ramiswil (SO) beim Beretenhof und bezeichnet ein löffelartiges, lang gezogenes Geländestück. Nebst Löffel und Messer wäre zum Kochen noch eine Pfanne von Vorteil. Diese finden wir in Schönenwerd (SO) und Erlinsbach (SO). Dort gibt es jeweils eine Flur namens Pfannenstil, die ein pfannenstielartig gebogenes Gelände bezeichnet. In Erlinsbach weist das Gelände eine engere Form auf, während sich die Flur in Schönenwerd im überbauten Gebiet befindet und die einstige Form nicht mehr erkennbar ist.
Der Pfannenstil in Schönenwerd ist alt belegt und schon 1308 im Urbar St. Leodegar verzeichnet. Von allen Kochutensilien ist die Kelle als hölzerner Rühr- oder Schöpflöffel besonders beliebt. Ganz allgemein scheint es im Kanton Solothurn von Kochutensilien nur so zu wimmeln. Einen Schöpflöffel finden wir als Chellenrain in Herbetswil (SO) oder als Chellenberg und Chellenbergweid sowie als Chellenchöpfli in Mümliswil-Ramiswil (SO). In Flurnamen steht die Kelle im übertragenen Sinn für Geländemulden und Bodenvertiefungen, die der Höhlung einer Schöpfkelle ähneln. Was uns nun noch fehlt, ist eine Gabel – und die gibt es tatsächlich in Heinrichswil (SO).
Chäs und Brot
Nun fehlen uns nebst Pfanne, Löffel, Kelle, Messer und Gabel eigentlich nur noch die Zutaten. Warum belassen wir es nicht einfach bei einem bewährten «Chäs und Brot»? Zu finden als Flurname in der Stadt Bern im westlichen Stadtteil gelegenen Weiler Oberbottigen. Der Name bezieht sich angeblich auf den kriegerischen Auszug der Berner nach Laupen, bei dem sie sich am 20. Juni 1339 an dieser Stelle ausgeruht und sich mit Käse und Brot gestärkt hätten. E Guete!
Beatrice Hofmann-Wiggenhauser
Beatrice Hofmann-Wiggenhauser, aus Allschwil, ist Journalistin und Sprachwissenschaftlerin. Sie studierte Germanistik und Medienwissenschaften an den Universitäten Basel und Zürich und schrieb eine Dissertation zum Namengebrauch als immaterielles Kulturerbe. Zurzeit arbeitet sie an der Universität Basel in der Forschungsstelle Solothurnisches Orts- und Flurnamenbuch als Namenforscherin am aktuellen Band "Die Flur- und Siedlungsnamen der Amtei Thal-Gäu". Wenn sie nicht das Archiv nach historischen Namen durchstöbert, trifft man sie auf den solothurnischen Feldern und Äckern auf der Suche nach neuen Flurnamen.
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Antworten auf Fragen zu Flur- und Ackernamen weiss die Sprachwissenschaftlerin Beatrice Hofmann-Wiggenhauser. Schicken Sie Ihre Frage an <email-pii>, Betreff «Flurnamen». Oder per Post an: Schweizer Bauer, «Flurnamen», Dammweg 9, 3001 Bern. Die interessantesten Flur- und Ackernamen werden von Beatrice Hofmann-Wiggenhauser ausgewählt und auf schweizerbauer.ch besprochen.