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Boiga d. dendrophila
Mangroven-Nachtbaumnatter (BOIE, 1827)
Der oval, fast rund geformte Kopf setzt sich deutlich vom Hals ab. Die Augen sind senkrecht geschlitzt und sehr gross. Der Körper ist seitlich leicht abgeflacht mit einem auf der Rückenmitte verlaufenden schwachen Rückenfirst. Von der blauschwarzen Körperoberseite heben sich senkrecht verlaufende, schwefelgelbe Querbinden ab. Je nach Unterart sind sie breiter oder dünner und das gilt auch für die Abstände zueinander. Die Querbinden, die auf der Rückenmitte unterbrochen sind, werden zum Bauch hin breiter. Die Bauchseite ist einfarbig schwarz oder gelb gefleckt. Auch die Ober- und Unterlippenschilder und die Kehle sind gelb, aber von schwarzen Rändern eingefasst.
Die Anzahl Schuppen bei Boiga dendrophila sind wie folgt: Ein Praeoculare, zwei Postocularia und ein Loreale. Von den acht Supralabialia grenzen das dritte, vierte und fünfte an den unteren Augenrand. Weiter sind 11 Infralabialia vorhanden. 21 bis 23 Dorsalschuppen umgeben die Rumpfmitte. 209 bis 239 Ventralia, 78 bis 110 paarige Subcaudalia und ein ungeteiltes Anale bedecken die Körperunterseite. (Trutnau 2002)
Die Boiga d. dendrophila gibt es in zwei Farbvariationen, schwarz mit gelben, und schwarz mit weissen Bändern. Die weiss- gebänderten Tiere werden nach meinen Erfahrungen etwas grösser, bis 2,50 Meter lang und auch im Umfang stattlicher als die gelb- gebänderten Tiere, die etwa 2.00 bis 2,20 Meter Gesamtlänge erreichen können.
Import
Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich das erste Mal in einem Buch die Mangroven- Nachtbaumnatter gesehen habe. Eine Grossaufnahme auf weissem Hintergrund. Es gab noch nicht viele Schlangen, die mich so in den Bann gezogen haben wie die Boiga dendrophila. Ich wusste genau, dass ich die mal haben muss. Leider ist es auch noch heute sehr schwer, gesunde Tiere zu finden und zu bekommen. Ich hatte schon damals lange keinen Erfolg und habe deshalb unter anderem 4 dieser Tiere aus Indonesien Importiert. Doch mir erging es wie vielen anderen auch. Nach ca. 7 Monaten starb auch die letzte der vier Boigas an Lungenwürmer. Es gibt Schlangen, die sehr schlecht auf Medikamente reagieren, wie es Schlangen gibt, die Gifte wie Dichlorvos bei Vapona- Strip, (Insektenstrip) nicht vertragen. Dazu gehört leider auch die dendrophila’s. Das breitband- Antibiotikum Baytril hatte praktisch keine Wirkung. Doch ich gab die Suche nicht auf und fand doch noch in Zürich und in Basel je ein Tier verschiedenen Geschlechtes.
Vorkommen
Boiga dendrophila lebt in Indonesien, in Südasien und auf den Philippinen. Boiga dendrophila dendrophila lebt auf Java. Man findet sie auf den Bäumen wie am Boden oder auch im Wasser beim Jagen. Sie ist streng Nachtaktiv und frisst auch nur nachts. Am Tage ist sie auf Astgabeln in der Höhe versteckt oder unter Rinden und Baumstumpen am Boden und schläft. Sie ernähren sich von Küken, Vögel, Fledermäusen, Echsen, Fische, Frösche, kleinen Nagern und auch Schlangen. Bei den weiss- gebänderten Tieren ist der drang zu Kannibalismus viel höher und wahrscheinlicher als bei den gelben Tieren. Leider habe ich auch schon 2 weisseschwarze Boigas durch Beisserei verloren. Die weiss- gebänderten Boigas halte ich einzeln in hohen Glasterrarien bis zu ihrem geschlechtsreifen Alter. Ob ich sie jemals paarweise halten werde oder nur zur Paarung zusammen lasse, kann ich heute noch nicht sagen. Ich bin bei denen einfach Vorsichtig geworden. Bei den gelb- gebänderten Tiere scheint die Gefahr von Kannibalismus kleiner zu sein. Ausnahmen kann es jedoch immer geben. Voraussetzung für eine paarweise Haltung ist jedoch, dass die Tiere in etwa gleich gross sind.
Haltung
Mein Zuchtpaar gelb- gebänderte Boiga d. dendrophila halte ich das ganze Jahr zusammen. Sie bewohnen ein Glasterrarium in dem ich ein Stück dicht bewaldeter Mangroven- Dschungel gestaltet habe. Als Bodengrund habe ich Torfersatz verwendet. Neben vielen Ästen und Korkrinden in der Höhe als Ablage haben sie noch ein grösseres Wasserbecken und eine Schlupfbox am Boden, die sie tagsüber sehr gerne nehmen.
Die Temperaturen sind im Winter bei 26 bis 28° am Tage und senken sich bis auf 18 bis 20° in der Nacht. Im Sommer klettern sie unter der Beleuchtung bis auf 32° am Tage und senken sich nur bis auf 24° in der Nacht. Das die Höchsttemperaturen nicht im ganzen Terrarium herrschen, sollte eigentlich klar sein. Alle Reptilien müssen die Möglichkeit haben, sich ihre momentan Optimale Temperatur auszusuchen.
Die Luftfeuchtigkeit ist in der Regel dank dem Wasserbecken um 50%. Einmal die Woche so gegen Abend spritze ich mit einer Wasserpumpe knapp handwarmes Wasser in das Terrarium. Wenn sie, oder eine von beiden ins Häuten kommen, bespritze ich das Terrarium noch zusätzlich. Ansonsten halte ich sie trocken. Auch die Häutung geht an einem Stück, wenn es keine so hohe Luftfeuchtigkeit hat. In der Schlupfbox habe ich Moos, und deshalb eine regelmässig hohe Luftfeuchtigkeit von ca. 70 bis 80%.
Die Boigas fressen nach meinen Erfahrungen nur in der Nacht. Da Boigas sehr schnell und Ungestüm bei der Jagt sein können, und um Beissereien zu verhindern, füttere ich nur tote Tiere. Selbst wenn ich das Futter am Nachmittag in das Terrarium lege, kommen sie erst am Abend, nach dem Eindunkeln nach vorne um zu fressen. Meine dendrophilas fressen nur Mäuse. Ich habe schon kleine Ratten unter die Mäuse gemischt, es half alles nichts. Am nächsten morgen waren die Mäuse gefressen und die Ratten noch in den Untersätzen.
Ich habe beide Tiere im semi-Adulten Alter erworben. Beide waren Wildfänge von verschiedenen Personen. Das Weibchen war etwas grösser und sicher auch älter als das Männchen. Das hat mir am Anfang Probleme bereitet. Nachdem ich sie nach 6 Monatiger Quarantäne- Haltung zusammensetzte, hörte das Männchen schon bald mit Fressen auf. Egal wann ich es probierte, er wollte höchstens noch eine Maus wenn überhaupt. Ich habe nie weder eine Beisserei beobachtet noch eine Wunde gefunden. Aber das Weibchen hat doch irgendwie das Männchen unterdrückt. Nach 3 Monaten habe ich das Männchen wieder einzeln in ein Terrarium gesetzt und von da an nahm es wieder wie gewohnt das Futter an. Als ob nie etwas war. In den folgenden Monaten habe ich dem Männchen immer etwas mehr Futter als dem Weibchen gegeben, so dass der Grössenunterschied nach einem Jahr nur noch minimal war.
In dieser Zeit habe ich ein neues Terrarium eingerichtet, das für beide auch im Adulten Stadium genug gross ist. So haben ein Jahr später beide ein neues Zuhause bekommen. Am Anfang konnte ich kaum Schlafen und musste immer nachschauen, ob die eine nicht schon die andere gefressen hat. Doch die folgenden Nächte gingen gut, ausser das es ein paar Mal Gerumpelt hat. Jetzt stand ich vor dem nächsten Problem. Irgendwann bekommen sie Hunger und Baumschlangen in einem sehr üppig mit Holz eingerichtetem Terrarium, die sich mit ihrem Schwanz überall festhalten, wollte ich nicht bei jeder Fütterung aus dem Terrarium nehmen. Erstens ist es für solche Tiere einen viel grösseren Stress als für Bodenbewohner und zweitens wäre die Terrarieneinrichtung auch jedes mal draussen und müsste von neuem eingerichtet werden. Also beschloss ich mich auf ein Experiment. Lebendmäuse in ein Terrarium geben mit zwei Schlangen, die regelrecht bei jeder Bewegung ins Jagtfieber kommen, ist ausgeschlossen, weil dann die Unfälle vorprogrammiert sind. Also nahm ich zwei Blumentopf- Untersätze aus Plastik und legte in jede 4 frisch getötete Mäuse. Den einen Untersatz legte ich rechts hinten und der andere links vorne im Terrarium auf den Boden. Das kurz vor dem eindunkeln. Beide Boigas lagen noch in der Schlupfbox am Boden. So und nun hiess es warten, schauen und hoffen. Es wurde dunkel, ich wurde müde und nichts rührte sich. Es wurde noch dunkler und ich noch müder, nur Hunger hatte anscheinend niemand. Nach einer Zeit gab ich das warten auf und ging schlafen. Am nächsten Morgen dann zuerst der Blick ins Terrarium. Die Untersätze waren leer und keine Schlange zu sehen. Also die Scheibe auf und die Schlupfbox vorsichtig öffnen. Juhu, ich sehe noch beide Köpfe. Das war eine grosse Erleichterung. Von diesem Zeitpunkt an habe ich die beiden nur noch auf diese Weise gefüttert.
Nachzuchten
Eier und Nachzuchten 2003
Am Abend des 09.07.2001 sah ich das erste Gelege von dem Weibchen. Es waren 3 Eier zusammengeklebt wie ein Quarzstein mit seiner Pyramidenform.
Bei einer Bruttemperatur zwischen 26 und 29° C und einer Luftfeuchtigkeit von 100% Schlüpften alle drei Jungen nach 112 Tagen. Sie waren zwischen 12 und 14 Gramm schwer und zwischen 45 und 47 cm lang. Die erste Häutung erfolgte nach 18 Tagen. Sie wurden einzeln bei 28° C am Tage und 24° C in der Nacht aufgezogen. Genau ein halbes Jahr später legte mir das Weibchen das zweite Gelege von 5 Eiern, wieder zusammengeklebt wie Bergkristalle ab. Bis am 08.05.2003 wurden zwei bis drei Gelege pro Jahr produziert. Die Anzahl der Eier pro Gelege sind zwischen 4 und 7. Seit dem 08.05.2003 wurden alle 3 Monate ein befruchtetes Gelege produziert. Wenn ich die Eier nicht zu spät sehe, sie werden immer in der Schlupfbox abgelegt, habe ich eine Schlupfrate von 100%. Bei einem Gelege von 7 Eiern nimmt die grösse der Jungtiere ab. Beim letzten Gelege waren die Jungen unmittelbar nach dem Schlupf zwischen 6 und 12 Gramm schwer und hatten eine Länge zwischen 34 und 44 cm.
Die Färbung der Jungtiere ist bis auf ein kleines Detail gleich wie die der Adulten Tiere. Die gelbe Bänderung ist im letzten drittel zum Schwanzende hin nicht gelb sondern weiss. Nach drei bis vier Monaten ist jedoch die ganze Bänderung gelb. Was die Auslösung der Paarung bewirkt, ist schwer zu sagen. Tatsache ist jedoch, dass die Fütterung eine grosse Rolle auf die grösse der Gelege hat. Da das Männchen solidarisch mit dem Weibchen ca. 3 Wochen vor der Eiablage auch Fastet, betrifft die Fütterung immer beide Tiere. Wenn ich also beide Tiere nach der Eiablage reichlich Füttere, nimmt die Anzahl der Eier beim nächsten Gelege zu. Die nächste Paarung erfolgt innerhalb eines Monates nach der Eiablage. Die Auslösung kann das Wasser sein, das ich ins Terrarium spritze, oder es kann auch das Futter sein. Vielfach nach dem Fressen rumpelt es in den nächsten Tagen wieder im Terrarium. Das ist dann die Zeit, wo das Männchen dem Weibchen hinterher Jagt. Interessant ist auch die Tatsache, dass nach der Eiablage, die in die Schlupfbox am Boden erfolgt, beide Tiere auch am Tage im Geäst in der Höhe liegen, bis ich die Eier herausgenommen habe.
7 Eier von 2004
Das Gewicht der Eier war im Durchschnitt 16.5 gr.
Aufzucht
Die Jungtiere halte ich immer einzeln in kleinen Glaskammerterrarien von 40/30/30 cm. (l/b/h)
Die ersten Jungtiere habe ich in den Kunststoffbehältern mit dem Lochdeckel und dem kleinen Fenster im Deckel aufgezogen. Wegen dem Lochdeckel blieb jedoch die Feuchtigkeit, auf die die Jungtiere dringend angewiesen sind, viel zu kurz. Ich musste andauernd Wasser spritzen, vor allem in der Häutungszeit. Danach bin ich zu den kleinen Glasterrarien übergegangen und habe einen viel besseren Erfolg erzielt. Etwas Torfersatz als Bodengrund, ein paar Klettermöglichkeiten, ein Versteck aus Korkrinde und ein grösseres Wasserbecken vervollständigen die Einrichtung.
Nach ca. 12 bis 18 Tagen häuten sie sich das erste Mal und nach ca. 25 bis 30 Tagen biete ich ihnen das erste Mal nackte Mäuse an. Leider habe ich bis heute nur ein einziges Jungtier gehabt, das von Beginn weg selbständig gefressen hat. Wenn die Jungen genug gross sind stopfe ich sie gleich mit nackten Mäusen. Wenn ich jedoch das Gefühl habe, dass sie noch etwas zu klein sind, stopfe ich sie mit Rinderherzstreifen, die ich im Ei einlege und etwas Multivitaminpulver drangebe. Das bekommen sie ca. alle 10 Tage, ausser in der Häutungsphase.
Die jungen Boigas kann man zum Teil bis zu einem Jahr am Tage und in der Nacht ohne Probleme in die Hand nehmen. Nie versuchen sie zu beissen. Man merkt es schnell wenn es kehrt. Sobald sie mal in die Angriffsstellung beim herausnehmen gehen, beginnen sie mit dem Beissen. Man kann die Jungtiere jedoch sehr gut mit einem Hacken nehmen. Wenn sie einmal selbständig fressen, kann man ihnen einfach nackte Mäuse in einem Untersatz auf den Boden legen, die dann in der Nacht gefressen werden. In einem Untersatz daher, damit sie keine Erde mit fressen.
Das sind die 7 Jungen, geschlüpft nach 103 und 105 Tage. Sie hatten gleich nach der Geburt ein Gewicht zwischen 6 und 10 Gramm und eine Länge zwischen 34 und 44 cm.
Giftwirkung und Symptome
Die Mangroven- Nachtbaumnatter gehört zu den Trugnattern und besitzt eine opisthoglyphe Bezahnung. Das sind hinterständige Furchenzähne.
Symptome, die bei einem Extremfall auftreten können:
- Lokale Schwellung
- Nekrose
Neurologische Gifteffekte
- Ptosis
- Muskelschwäche der Extremitäten
- respiratorische Probleme bis eventuell Atemstilstand
Antivenin
- Es ist kein Antivenin verfügbar
Erste Hilfe
- Notarzt- Krankenwagen anrufen und Ruhe bewahren.
- Eventuell mit Saugglocke versuchen Gift abzusaugen.
- Kompressionsbinde anlegen und Seitenlagerung ausführen.