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Im Kanton Zürich gelangt die Initiative "Nur eine Sprache an der Primarschule" zur Abstimmung. Heute wird Englisch ab der 2. und Französisch ab der 5. Klasse unterrichtet.
Die Annahme der Initiative könnte zu Spannungen in der ganzen schweizerischen Bildungslandschaft führen.
Überfordern zwei Fremdsprachen an der Primarschule die Kinder? Die Diskussion um den Fremdsprachenunterricht an der Primarschule ist ein Seilziehen um zwei Jahre. Die zwei politischen Lager sind sich nicht einig, ob bereits in der fünften Primarklasse oder aber erst in der Oberstufe mit dem Erlernen einer zweiten Fremdsprache begonnen werden soll.
Gewisse Lehrerkreise, die Schweizerische Volkspartei (SVP), die Evangelische Volkspartei (EVP) und Teile der Grünen sind der Ansicht, eine Fremdsprache in der Unter- und Mittelstufe reiche aus.
Mit der Initiative "Nur eine Fremdsprache an der Primarschule" stellen sie sich gegen die Regierung. Diese hat auf Beginn des laufenden Schuljahrs den Englischunterricht ab der zweiten Klasse und Französischstunden ab der fünften Klasse eingeführt.
Die Befürworter der Volksinitiative glauben, zwei Fremdsprachen überforderten die Primarschulkinder. Zudem sei das nur mit wenig Stunden dotierte Französisch nur eine Alibiübung. Lediglich eine Konzentration auf den Deutsch- und Englisch-Unterricht führe bei den Kindern zu einer soliden Sprachkompetenz.
"Lernverbot?"
Dem politischen Lager, welches den Primarschulkindern zwei Fremdsprachen zumutet, gehören neben der Freisinnig-Demokratischen Partei (FDP), der Christlichdemokratischen Volkspartei (CVP) und der Sozialdemokratischen Partei (SP) auch Vertreter aus der Wirtschaft an. Für sie käme ein Ja zur Initiative einem "Lernverbot" gleich, das die Zürcher Volksschule rückständig dastehen liesse.
Ihre Argumentation gegen die Initiative gründet auf der Überzeugung, dass im Kindesalter neue Sprachen am einfachsten erlernt werden können. Ausserdem kämen Fremdsprachen auf dem Arbeitsmarkt eine immer grössere Wichtigkeit zu.
Ein weiteres Argument der Gegner ist der nationale Zusammenhalt: Ein "Ja" würde ihrer Ansicht nach den "Röstigraben" vertiefen, den Kulturgraben, der die deutsche und die französische Schweiz trennt.
Initiative in anderen Kantonen abgelehnt
Die gleiche Initiative, über die am 26. November in Zürich abgestimmt wird, ist in Schaffhausen, Zug und Thurgau vom Stimmvolk bereits bachab geschickt worden. Eine deutliche Mehrheit gab es aber in allen drei Kantonen nicht. Der Nein-Anteil bewegte sich zwischen 51,3% (Schaffhausen) und 58% (Zug).
In Luzern steht noch nicht fest, wann an der Urne über das Volksbegehren entschieden wird. Doch auch mit den ausstehenden Entscheiden in Zürich und Luzern wird das letzte Wort in Sachen Fremdsprachenunterricht noch nicht gesprochen sein.
Zweite Landessprache vor Englisch?
Die neue eidgenössische Bildungsverfassung sieht eine Intervention des Bundes vor, wenn sich die Kantone im Bildungswesen nicht auf eine Harmonisierung einigen können. Dabei zu reden geben könnte vor allem die Frage, welche Fremdsprache in der Schule zuerst gelehrt werden soll.
Die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur ist dabei der Westschweiz sowie den Kantonen Bern, Solothurn und Basel gefolgt, in deren Lehrplan eine zweite Landessprache vor dem Englischen steht. Das Schweizer Parlament wird über das so genannte Sprachengesetz in einer der nächsten Sessionen entscheiden.
swissinfo und Agenturen
Fakten
Gemäss der letzten Volkszählung aus dem Jahr 2000 sprechen 63,7% der Wohnbevölkerung der Schweiz (4,6 Mio. Personen) Deutsch als erste Sprache.
20,4% sprechen Französisch (1,4 Mio.)
6,5% sprechen Italienisch (470'000)
0,5% sprechen Rumantsch (35'000)
Und 9% sprechen andere Sprachen (656'000)
In der Deutschschweiz brauchen 23,4% der aktiven Bevölkerung bei der Arbeit Englisch, 19,7% Französisch und 11,1% Italienisch.
In der Französischen Schweiz brauchen 17,7% Englisch, 15,4% Deutsch und 16,9% Italienisch.
In der Italienischen Schweiz brauchen 11 Englisch, 22% Deutsch und 16,9% Französisch.
In Kürze
Die Kompetenzen im schweizerischen Bildungswesen sind zwischen Bund, Kantonen und Kommunen aufgeteilt.
Auf nationaler Ebene gibt es kein Ministerium für Ausbildung und Erziehung. Die Hauptverantwortung liegt vor allem bei den Kantonen.
Die Kinder gehen zur Volksschule, die je nach Kanton 4 bis 6 Jahre dauert (Eintrittsalter nicht unter 6 Jahren). Kantone und Gemeinden sind verantwortlich für Organisation und Finanzierung des Primarschulsektors.
Am 21. Mai 2006 haben Volk und Stände die neuen Verfassungsartikel zur Bildung angenommen. Die Kantone behalten ihre Souveränität im Ausbildungsbereich, müssen jedoch prinzipielle Bildungs-Parameter vereinheitlichen.