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Kann sich dein Kind gut konzentrieren? Nein? Dann zeige ich dir einen unkonventionellen, aber erfolgreichen Weg, der deinem Kind erst noch viel Spaß bereitet! Mach‘ es wie die Profis und beginne mit Gleichgewichtsübungen!
Du kannst alle diese Übungen sofort, spielerisch und ganz einfach in euren Alltag integrieren.
Lernprofis und größere Kinder werden einige dieser Übungen sogar mit Lernen kombinieren, um so den Lernstoff besser aufzunehmen. Wie das ablaufen kann, erfährst du gleich nach den Übungen.
Inhalt:
Gleichgewichtsübungen:
Balancieren wie ein Seiltänzer mit Varianten und Steigerungen
Balancieren in der Höhe
Balancieren auf wackliger Unterlage
Karussell
Frühlingsrolle
Schaukel
In deinen Schuhen gehen
Kopfüber hängen
Einbein-Stand
Fitness Ball
Wie kann ich Gleichgewichtsübungen fürs Lernen einsetzen?
Warum ist der Gleichgewichtssinn so zentral?
Warum ist langsam besser als schnell, wenn wir vom Gleichgewicht reden?
Balancieren wie ein Seiltänzer
Hast du auch schon beobachtet, wie jedes Mäuerchen einen unwiderstehlichen Reiz auf dein Kind ausübt? Du kannst ihm auch zuhause Gelegenheiten zum Balancieren bereitstellen:
Material: ein Balken oder ein schmales langes Brett. Wenn sie wenige Zentimeter über dem Boden liegen, ist die Herausforderung umso grösser. Je jünger das Kind, desto breiter sollte das Brett sein. Passe deine Hilfestellung seinem Alter und seiner Sicherheit an.
Das Kind balanciert vorwärts, rückwärts und seitwärts auf beide Seiten.
Steigerungen auf dem Balancebrett:
Das Kind balanciert ein kleines Kissen auf dem Kopf.
Es steigt über ein Hindernis (Stofftier, Kissen) auf dem Balancebrett. Kann es darüber steigen, ohne das Balancebrett zu verlassen?
Es muss das Hindernis aufheben, über den Kopf heben und hinter sich fallen lassen.
Kleine Gegenstände neben dem Balancebalken aufheben.
Lass es einen gefüllten Eimer in der einen Hand tragen. Kann es die einseitige Belastung ausbalancieren? Wechsle die Seiten.
Wenn du weder Balken noch Brett hast, dann nimm doch einfach ein Seil, die Holzeisenbahn, eine Kreidelinie, ein Malerband. Der Vorteil ist hier, dass du auch Kurven oder Zick-Zack-Linien vorsehen kannst.
Ein doppeltes Seil in der Mitte an einem Möbel befestigen und so auf den Boden legen, dass beide Enden nahe beieinander liegen. Beim Weglaufen mit der Zehe bei jedem Schritt erst das Seil auseinanderschieben und dann den Fuß in die Lücke setzen. So muss das Kind die Bewegung langsam ausführen. Warum das wichtig ist? Das erkläre ich dir ganz am Schluss dieses Artikels…
Einige Bücher auf dem Boden auslegen. Sie sind die sicheren Inseln, alles darum herum ist Lava! Bloß nicht daneben treten! Du magst es nicht, auf Bücher zu treten? Wähle Bierdeckel, flache Steine, gefaltetes Zeitungspapier.
Balancieren in der Höhe
Stühle, Hocker, Trittleitern, Leitern im Abstand aufstellen und nur sie benutzen. Die mutigeren Kinder sind hier ganz eindeutig in ihrem Element! Lass sie an ihre persönliche Grenze gehen und die Abstände vergrößern! Lass sie auch wirklich hoch klettern. Mach die Riesen-Ausnahme und erlaube ihnen den Tisch mit einzubeziehen!
Balancieren auf wackliger Unterlage
Dicke Sofakissen, Decken, Schlafsäcke, Schaumgummi, eine Luftmatratze auf dem Boden auslegen. Macht eine „Straße“ und schaut, wer am sichersten, am langsamsten, am schnellsten, am lustigsten darüber gehen kann! Geht es auch rückwärts?
Werft alles auf einen Haufen und springt hinein (alle Möbel in sicherem Abstand)
Karussell
Das Kind sitzt im Schneidersitz auf einem Drehstuhl. Wenn es mag, hält es die Augen geschlossen. Du drehst es so langsam, dass es gerade merkt, überhaupt gedreht zu werden. Es zeigt mit dem Finger in die Richtung, in die es glaubt gedreht zu werden. Wenn du stoppst, macht es mit der Hand das Stopp-Zeichen.
Frühlingsrolle
Das Kind auf dem Boden liegend in eine Wolldecke eindrehen und wieder herausdrehen. Achtung: es muss seinen Kopf gut halten können!
Schaukel
Zwei Erwachsene halten ein Badetuch in den Händen, das Kind liegt darin. Hebt es hoch und tief, schaukelt es links und rechts, vor und zurück.
Variante: Ein Badetuch liegt auf dem Boden, ein Erwachsener hält das Badetuch am einen Ende hoch. Das Kind sitzt auf dem Tuch und schaut in seine Richtung. Auch wenn er losläuft und Kurven macht, versucht es, möglichst aufrecht sitzen zu bleiben.
In deinen Schuhen gehen
Lass dein Kind in deinen, ihm viel zu großen, Gummistiefeln übers Gras gehen. Noch mehr Spaß: durchs Laub und die Stiefel schön schlarpen. Keine Stiefel? Nehmt Flossen oder zu große Halbschuhe, Wanderschuhe oder leere Kleenex-Boxen.
Kopfüber hängen
Wenn dein Kind noch sehr klein ist und gerne kopfüber hängt (so etwa ab 2 Jahren), kannst du es vorsichtig an den Fußgelenken anheben.
Zu schwer, zu gefährlich? Lass es kopfüber vom Sofa ins Wohnzimmer schauen. Liebt es die ungewohnte Orientierung? Setz noch einen drauf, indem du ein Blatt Papier unter einen Stuhl klebst. Auf dem Rücken liegend macht es eine Zeichnung.
Du sitzt auf einem Stuhl, das Kind auf deinen Knien, es schaut zu dir. Du hältst es mit sicherem Griff an den Händen und kippst es vorsichtig nach hinten, sodass es kopfüber hängt. Ziehe es so langsam wieder hoch, dass es seinen Kopf gut selber halten kann.
Einbein-Stand
Kinder ab 5-6 Jahren sollten den Einbein-Stand schon 10 Sekunden stehen können. Wenn du selber Yoga machst, weißt du, dass dazu eine gute Rumpfmuskulatur nötig ist.
Ein einfacher Einstieg in den Einbein-Stand ist das Abstellen eines Fußes auf einem Ball. Wenn dies schon etwas gelingt, kann der Fuß den Ball hin und her rollen oder kreisen.
Wie kann ich Gleichgewichtsübungen fürs Lernen einsetzen?
Warum ein gutes Gleichgewicht so wichtig fürs Lernen ist, erkläre ich dir gleich im Anschluss.
Wenn du ein Kind bei diesen Übungen beobachtest, siehst du aber auch, dass es einen gesunden Wettkampfgeist entwickelt, dass es überlegt und sorgfältig vorgeht und dass es sehr fokussiert ist. Diese Übungen haben also auf jeden Fall förderliche Auswirkungen aufs Lernen und auf die Konzentration.
Gleichgewichtsübungen für ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene
Wenn die Gleichgewichtsübungen einmal soweit gut sitzen, kann sie jeder Lerner jeden Alters auch mit dem Lernen kombinieren. Es ist am Anfang eine wirkliche Herausforderung, sowohl die Gleichgewichtsübung aufrecht zu erhalten als auch die anstehenden Lernaufgaben flüssig zu lösen! Hier einige Ideen:
- Balancebrett, Balanceboard, wacklige Unterlage: zum Abarbeiten von Lernkarten, während des Lesens, zum Vokabeln lernen, sich Lernstoff abfragen lassen
- Einbeinstand, wacklige Unterlage: an einem Stehtisch beim Arbeiten
- Alle Übungen als Bewegungspausen während des Lernens
Warum ist der Gleichgewichtssinn so zentral?
Das Gleichgewichtsorgan informiert das Gehirn, wo im Raum sich der Kopf befindet und wie sich der Körper durch den Raum bewegt. Es befindet sich im Innenohr, wo es auch Informationen anderer Sinne wie dem Seh-, dem Hör- und dem Tastsinn verarbeitet. Bestimmt hast du auch schon bemerkt, wie es dir schwerer fällt das Gleichgewicht zu halten, wenn du die Augen schließt.
Wir alle sind auf die Informationen aus dem Gleichgewichtsorgan angewiesen, um uns aufrecht zu halten, im Gleichgewicht zu bleiben und uns vorwärts zu bewegen. Wir benutzen den Input um festzustellen, wie, wohin und wie schnell wir uns bewegen.
Probleme mit dem Gleichgewichtssinn können zu Balanceproblemen führen, zu motorischer Unruhe oder aber zur Vermeidung von Bewegung. Wir können anfällig für Reisekrankheit werden oder auf verschiedene Reize unangemessen reagieren.
Mögliche Anzeichen, die du beobachten kannst, wenn Probleme mit dem Gleichgewicht vorhanden sind:
Reisekrankheit, Schwindel
Rempelt oft an Türrahmen oder Möbel
Erscheint ungeschickt
Hat Schwierigkeiten ruhig zu stehen oder sitzen
Da der Gleichgewichtssinn mit Sehen und Hören eng verknüpft ist, kannst du auch einige dieser Anzeichen beobachten:
Probleme, etwas ruhig zu fokussieren oder mit den Augen zu verfolgen
Wörter scheinen zu hüpfen oder zu schwimmen
Fühlt sich in Menschenmengen unwohl
Meidet helles Licht (Sonnenlicht, Computer, TV)
Probleme einen Ball zu fangen
Tut sich schwer mit Lesen lernen
Mehr Probleme von der Tafel abzuschreiben als von einem Blatt
Ist unbeabsichtigt grob zu anderen
Warum ist langsam besser als schnell, wenn wir vom Gleichgewicht reden?
Wenn wir uns schnell bewegen, sind viele Gleichgewichtsprobleme durch die Geschwindigkeit behoben. Zur Erinnerung: Ganz langsam Rad fahren ist schwieriger als den Hang herunter flitzen.
Ein Kind, das eben erst laufen gelernt hat, muss also doppelt so schwer arbeiten, wenn es sich langsam bewegen soll und diese ganze Koordination schaffen muss. Geben wir ihm also viel Zeit und Gelegenheit, die Gleichgewichtseindrücke in Ruhe aufzunehmen, zu verarbeiten und auf sie zu reagieren. Wenn das gelingt, verfügt es über eine immer bessere Körperkontrolle, hat eine sichere und stabile Haltung und in seinem Gehirn Kapazität für all die spannenden und aufregenden Abenteuer.
Hier ist noch einmal kurz zusammengefasst, wie du einem Kind helfen kannst, seinen Gleichgewichtssinn zu fördern:
Schaukeln auf Mamas und Papas Armen und Beinen
Schaukeln auf Schaukelstuhl, Schaukel, Wipp-Pferd
Kopfüber-Positionen vom Sofa, an Stange
Sich drehen im Stehen und Sitzen, auf dem Karussell, im Kreisel
Hoch-tief Bewegungen wie auf einem Trampolin
Seitwärts rollen auf dem Boden
Rolle vorwärts
Rad schlagen
Lineare Bewegungen in verschiedenem Tempo, und in verschiedene Richtungen: vorwärts, rückwärts, seitwärts
Führe alle diese Übungen mit gesundem Menschenverstand durch! Sichere und beaufsichtige dein Kind, wenn es unsicher ist. Mache nur Übungen, die es toleriert und mit Freude ausführt. Versuche die Übung nach einigen Wochen noch einmal. Wenn dein Kind sehr unsicher ist oder verängstigt reagiert, kann dir die Mütter-Väter Beratung, deine Therapeutin oder Kinderärztin weiterhelfen.
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