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Erste poetiktheoretische Abhandlung
- Bewertet: Einband: Taschenbuch
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Mit diesem akroamatischen Fragment versucht Aristoteles eine Erschließung der Dichtkunst (wohlbemerkt: seiner Zeit). Strukturell durchleuchtet er den Begriff Poetik im Allgemeinen, führt fort mit der Tragödie und dem Epos/der Epik; Komödie (wohl auch Jambendichtung) ist uns nicht erhalten. Fragment ist "Poetik" (hat nichts mit P... Mit diesem akroamatischen Fragment versucht Aristoteles eine Erschließung der Dichtkunst (wohlbemerkt: seiner Zeit). Strukturell durchleuchtet er den Begriff Poetik im Allgemeinen, führt fort mit der Tragödie und dem Epos/der Epik; Komödie (wohl auch Jambendichtung) ist uns nicht erhalten. Fragment ist "Poetik" (hat nichts mit Poesie zu tun) ergo erst geworden. Abgesehen von den Grundlagen der Dramatik (beispielsweise Einheit von Ort, Zeit u. Handlung), die bis heute richtungsweisend sind, transportiert A. die Kunst als (naive) Nachahmung - obgleich er die Möglichkeit einer "Liberalisierung" vorwegnimmt, indem er Nachahmung nicht eben nur notwendig, sondern auch als wahrscheinlich-möglich (Bruch mit dem platonischen Wahrheitsdogma) betrachtet. Genial aber einfach: Die Dichtkunst des Menschen ergibt sich aus dessen Natur, der ihm immanenten Musikalität (Rhythmus, Melodie, Sprache). Dennoch heute veraltet: Begriff der Ästhetik heute viel umfassender, Dramatik steht neben Lyrik und Epik und nicht darüber, Poetik ist nicht mehr vor allem Darstellungs- und Inszenierungskunst (in der Antike gab es ja auch keine "massentauglichen" Bücher), freie gitterlose Verse wurden erfunden (z.B. Hölderlin) etc. Standardliteratur, die jeder gelesen haben sollte, der sich mit Kunst, vor allem mit der Poetik als Sprach- und Spielkunst auseinandersetzen will.
Aristoteles: Werke / Poetik
Beschreibung
Es gibt kaum einen literaturtheoretischen Text, der über Jahrhunderte hin eine solche Autorität ausgeübt hat wie Aristoteles' kleiner Traktat "Über die Dichtkunst". Die "Poetik" gilt seit der Renaissance als Text, der einen "neuen", der Welt zugewandeten Aristoteles zeigt, der der Dichtung die Aufgabe zugewiesen habe, die empirische Wirklichkeit selbst nachzuahmen. Dem Dichter war dadurch eine rationale Aufgabe gestellt: Er sollte die Ordnung der Welt erkennen und darstellen. Der Zweifel an der Ordnung und Schönheit der Welt und die so genannte Genieästhetik führten im 18. Jahrhundert zu einem Bruch mit der "aristotelischen" Nachahmungspoetik. Die Probleme, die die Umdeutung der "Poetik" zu einer "Nachahmungspoetik" in der Frühen Neuzeit mit sich brachten, wurden in der Forschung oft zu wenig beachtet. Der Aufgabe, die wirkungsgeschichtlichen Vorgaben der modernen Aristoteles-Deutung intensiver mit zu bedenken, stellt sich der Kommentar von Arbogast Schmitt, der auch die anthropologische Verortung der Dichtung, wie sie bei Aristoteles selbst und bei den spätantiken und mittelalterlichen Kommentatoren vorgenommen wird, berücksichtigt. Er versucht auf diese Weise, die Intention der "Poetik" dem modernen Leser näher zu bringen. Der Kommentar hat einführenden Charakter und versucht - auch für Studierende - die Verständnisbedingungen, die ein heutiger Leser braucht, zusammenzustellen und zu erklären.