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Abwechslungsreich und stimmig
Projektwettbewerb Erweiterung Schule Altikofen, Ittigen
3B Architekten und Metron Bern, Landschaftsarchitektur, gewinnen den Wettbewerb für die Erweiterung der Schule Altikofen in Ittigen bei Bern. Das Projekt verbindet Neues und Bestehendes zu einem vielfältigen Ensemble mit attraktiven Aussenräumen.
In Ittigen bei Bern wird der Schulraum knapp. Am Standort Rain wird der neue Vierfach-Kindergarten in diesem Jahr bezogen. Am zweiten Primarschulstandort Altikofen, im gleichnamigen Quartier des Ortsteils Worblaufen, ist man noch nicht so weit: Im Januar 2020 wurde der Wettbewerb für die Erweiterung der Schulanlage entschieden. Zum einen soll die Schule statt bisher 240 in Zukunft 340 Schülerinnen und Schüler vom Kindergarten bis zur 6. Klasse aufnehmen können sowie der stetig zunehmenden Nachfrage nach Tagesschulplätzen gerecht werden. Zum anderen weist der im Schulbausystem C.R.O.C.S. errichtete Spezialtrakt mit Aula seit Jahren erhebliche Mängel auf und muss ersetzt werden.
Erbaut wurde die Schulanlage Altikofen 1971–1973 als Reaktion auf den steigenden Bedarf an Schulraum ab Ende der 1960er-Jahre, als im Ortsteil Worblaufen erstmals grössere Wohnbauten realisiert wurden. Die Schule liegt auf einer Anhöhe auf dem Gebiet des ehemaligen Altikofer Guts. Westlich des Schulareals befinden sich die alten Gutsgebäude, umgeben von Wiesen und Pferdekoppeln, nördlich schliesst ein Wohnquartier an, im Osten stellen Autobahn und Eisenbahntrasse eine Zäsur dar, im Süden fällt das Gelände ab zur Worble, die kurz darauf in die Aare mündet. Das Schulgelände selbst erstreckt sich über drei Ebenen. Auf dem zentralen Plateau befindet sich der zu ersetzende Spezialtrakt mit Aula, flankiert im Osten vom Klassentrakt und im Westen vom Allwetterplatz. Das dritte Hauptvolumen des Gebäudebestands, die Turnhalle, befindet sich südlich des Allwetterplatzes auf der unteren Geländeebene, während die mittlere Ebene im Norden der Parzelle vom Rasenplatz belegt ist.
Schulanlage mit Potenzial
Im Jahr 2000 wurde der Klassentrakt im Zuge seines Umbaus auf die Primärstruktur rückgebaut und aufgestockt; im Jahr 2003 folgte die Turnhalle (beide Umbauten nach Plänen von Sylvia & Kurt Schenk Architekten, Bern). Sowohl die Schulraumplanung 2016, eine Machbarkeitsstudie von 2018 als auch die Bildungsstrategie 2019 zeigen das Potenzial der Schulanlage auf. Zufriedenstellende alternative Lösungen für das Platzproblem der Tagesschule wie die Miete externer Räumlichkeiten konnten hingegen nicht gefunden werden. Als Übergangslösung dient derzeit ein Containerprovisorium. So beschloss die Gemeinde Ittigen eine Erweiterung der Schulanlage Altikofen und lobte einen einstufigen Projektwettbewerb im selektiven Verfahren aus. Nach der Präqualifikation nahmen zwölf ausgewählte Teams aus den Fachbereichen Architektur und Landschaftsarchitektur am Projektwettbewerb teil. Am meisten überzeugte der Beitrag «stägeli uf, stägeli ab» von 3B Architekten aus Bern und Metron Bern, Landschaftsarchitektur. Die Jury entschied einstimmig, das Projekt mit dem 1. Rang und dem 1. Preis auszuzeichnen, und empfiehlt es zur Weiterbearbeitung.
Neue Freiflächen
Gemäss Wettbewerbsprogramm sollen Klassentrakt und Turnhalle erhalten bleiben, der Spezialtrakt mit Aula soll einem Ersatzneubau weichen. Dieser muss neben der neuen Aula Räume für die Tagesschule, die geplante Basisstufe sowie für die manuellen Lehrbereiche für Unterricht in Musik und Gestalten bieten.
Der Rückbau des Spezialtrakts spielt den zentralen Bereich des Areals frei und eröffnet dadurch gänzlich neue Möglichkeiten für die Gestaltung des Aussenraums. Das siegreiche Projekt nutzt dieses Potenzial in idealer Weise. Das Team von 3B Architekten und Metron Bern bringt das Raumprogramm in zwei Baukörpern unter: Die neue Aula soll als separates Volumen im Nordosten des Schulgeländes, zwischen Rasenspielfeld und Altikofenstrasse, zu stehen kommen. Dort ist sie auch für ausserschulische Veranstaltungen problemlos nutzbar. Die Tagesschule, die Basisstufe und die Räume für Musik und Gestalten erhalten einen gemeinsamen länglichen Trakt in Ost-West-Ausrichtung am Geländesprung zwischen Rasenfeld und zentralem Plateau. Diese «intelligente Setzung», wie die Jury bescheinigt, generiert ein Geflecht von unterschiedlich dimensionierten Aussenräumen, die den jeweiligen Nutzungen entsprechend gestaltet werden.
Im Zentrum liegt der neu angelegte, grossflächige Pausenplatz, zweiseitig gefasst vom bestehenden und vom neuen Klassentrakt. Die gedeckte Verbindung von der Turnhalle zum Neubau trennt den Pausenplatz vom um 90 º gedrehten Allwetterplatz. Eine Baumpflanzung mit Sitzpodesten wiederum gliedert den Pausenplatz in eine offene Fläche und einen für Kinder verschiedener Altersgruppen attraktiven Spielplatz. Der zentrale Platz ist sowohl vom Eingangsturm der tiefer gelegenen Turnhalle als auch von den Unterrichtsräumen in Bestand und Neubau direkt erreichbar. Durchgänge und Treppen verbinden ihn mit den weiteren Freiflächen zu einem abwechslungsreichen Aussenraumgefüge: Der heutige Pausenplatz führt um den bestehenden Klassentrakt herum und wird auf der Strassenseite mit ergänzter Baumreihe, Laubhecke und neuen Velounterständen zur Vorzone für die Mittelstufe, für die die Klassenzimmer im Bestandsbau vorgesehen sind. Die Basisstufe, in der die Kinder vom Kindergarten bis zur 2. Klasse unterrichtet werden, erhält einen eigenen, mit Hügelmodellierungen und viel Grün gestalteten und mit Spielgeräten ausgestatteten Aussenbereich zwischen Allwetterplatz und Neubau.
Auf die gleiche Art ist der Aussenbereich der Tagesschule zwischen Neubau und Rasenspielfeld angelegt. Als erweiterter Aussenbereich für die Tagesschule sowie als Ort zum Bringen und Abholen der Kindergartenkinder eignet sich der Vorplatz der Aula, der über den bestehenden Hauptzugang von der Altikofenstrasse her erreicht wird. Auch hier laden Sitzgelegenheiten unter Bäumen zum Verweilen ein.
Eine breite Treppe führt hinauf auf den zentralen Pausenplatz. Auf dessen Südseite überwindet bereits heute eine Treppenanlage den grösseren Höhenunterschied zum Vorbereich der Turnhalle mit dem Zugang vom Fischrainweg. Neben den Pingpongtischen soll auf dieser unteren Ebene statt einem Spielplatz in Zukunft ein Streetballfeld den älteren Kindern mehr Möglichkeiten zur Bewegung bieten. Für diesen Bereich sieht die Jury Nachbesserungsbedarf bei der Aufenthaltsqualität.
Atmosphärischer Raum
Alle Teilbereiche mit ihren unterschiedlichen Proportionen, Atmosphären und Nutzungsschwerpunkten fügen sich zu einem stimmigen Gesamtaussenraum. Die Geländesprünge unterstreichen die Vielfalt und differenzieren die Räume noch weiter. Auch der neue Unterrichtstrakt nutzt die Topografie geschickt und reagiert mit Halbgeschossen auf den Höhenunterschied. Gegen den Pausenplatz tritt der Bau zweigeschossig in Erscheinung, zum Rasenfeld hin dreigeschossig. Die im untersten Geschoss angeordnete Tagesschule verfügt hier über einen separaten Zugang. Auf den übrigen Halbgeschossen befinden sich westseitig die Räume für die Basisstufe und ostseitig die Spezialräume für Musik und Gestalten, die von allen Klassen genutzt werden. Die Grundrissstruktur erlaubt flexible Nutzungszuweisungen, sodass mit wenig Aufwand auf allfällige zukünftige Änderungen am Raumprogramm reagiert werden kann.
Die halbgeschossig versetzte Anordnung der Funktionen beschert diesen jeweils einen eigenen ebenerdigen Zugang, den entsprechenden Aussenräumen adäquat proportionierte Fassaden und zudem der inneren Erschliessungsschicht eine interessante Raumfigur. Sie ist grosszügig dimensioniert und kann bei schlechtem Wetter als geschützter Aufenthaltsbereich dienen. Das neue Unterrichtsgebäude sehen die Projektverfassenden als Holzbau vor, kombiniert mit Sichtbeton für die mittlere Zone mit den Treppenanlagen. Mit der vorgeschlagenen hölzernen Fassade stellt es eine warme – und sehr zeittypische – Ergänzung zu den Bestandsbauten mit ihren grünlichen Glasfassaden dar. Auch der Aulaneubau soll in Holzbauweise errichtet werden als schlichter, flexibel nutzbarer Hallenbau mit den Nebenräumen als seitlich aufgereihte Einbauten. Für die bessere Anbindung an den Klassentrakt empfiehlt die Jury, auch hier eine gedeckte Verbindung zu prüfen.
Vielfältiges Ensemble
Die Jury würdigt die schlüssige Gestaltung als Ensemble sowie die hohe Qualität und die subtile Ausformulierung sowohl der Gebäude als auch der Aussenräume. Besonders mit letzteren hebt sich das Siegerprojekt ab. Die meisten Beiträge nutzen die Ausgangslage, um einen grosszügigen und zentralen Pausenhof zu schaffen, doch keinem Team gelingt es so gut wie 3B Architekten und Metron Bern, den Gesamtaussenraum als kongruente Abfolge von gut proportionierten und differenzierten Teilräumen zu gestalten. Ausschlaggebend dafür sind die städtebaulich intelligente Setzung der neuen Baukörper und die geschickte Einbettung des Ensembles in die Topografie.
Die Ittiger Gemeindeversammlung hat den Projektierungskredit bereits genehmigt. Wenn alles nach Plan verläuft, können die Altikofer Schülerinnen und Schüler im Sommer 2024 ihr neues Unterrichtsgebäude und im Jahr darauf die neue Aula beziehen.
Pläne und Jurybericht zum Wettbewerb finden sich auf competitions.espazium.ch
Auszeichnungen
1. Rang und 1. Preis: «stägeli uf, stägeli ab»
3B Architekten, Bern; Metron, Bern
2. Rang und 2. Preis: «Der neue Schulhof»
ARGE wahlirüefli rollimarchini, Biel und Bern; Graber Allemann Landschaftsarchitektur, Itendorf; Wolczek Architekturmodellbau, Biel; 3DM – Visualisations Architecturales
3. Rang und 3. Preis: «Jenga»
ahaa, Luzern; Appert Zwahlen Partner, Cham
FachJury
Nicole Deiss, Architektin, Zürich; Simone Hänggi, Landschaftsarchitektin, Bern; Reto Mosimann, Architekt, Biel; Hanspeter Bürgi, Architekt, Bern (Ersatz und Verfahrensbegleitung, Moderation)
SachJury
Markus Künzi, Gemeinderat, Vorsteher Dept. Hochbau, Gemeinde Ittigen (Präsidium); Christian Hosmann, Leiter Abteilung Bildung, Gemeinde Ittigen; Alexander Lämmchen, Leiter Bereich Hochbau, Gemeinde Ittigen (Ersatz)