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Erstmals gastierte die Kiss-Convention auch in der Schweiz. Vor
Jahren vom Kiss Fan-Club, der Kiss Army, ins Leben gerufen, ist sie immer wieder an zu
treffen. Convention bedeutet diverse Händler, die Kiss-Merchandising an den Fan bringen
und ein ehemaliger Kiss Musiker, der den Live-Teil bestreitet.
Für Bruce Kulick war es erst das vierte Konzert unter seinem Namen, nach zwei Shows in
Australien und dem Gig am Tag davor in Luzern. Seine Band erwies sich als sehr versiert.
Vor allem der englische Sänger wusste durch seine Vielfältigkeit zu gefallen und auch
der Rest der Band, der aus Schweizer Musikern bestand, lieferte einen ausgezeichneten Job
ab. Die Namen und die Gesichter waren mir aber nicht bekannt. Gespannt war ich auf das
Set, beziehungsweise welche Kiss-Songs und was für weitere Titel zum Zug kommen sollten.
Los ging es gleich mit "Crazy nights" und damit war die Marschrichtung klar. Der
Schwerpunkt sollte nämlich bei Kiss-Songs liegen, bei denen Mr. Kulick selber auch
beteiligt war. "Lick it up" war der nächste Titel, der frisch und tight zum
Besten gegeben wurde. Der Sänger verliess dann die Bühne, um Bruce das Mic zu
überlassen. Er glänzte durch eine ausgezeichnete Performance bei "Strange to
me", von seinem Solo-Album "Audio dog". So ging es auch weiter. Abwechselnd
kamen weitere Kiss-Songs zum Zug, die von Gene Simmons und Co. live nicht mehr gespielt
werden, oder noch gar nie gespielt wurden, wie "Jungle", "Hide your
heart", "Domino", "Tough love", "Tears are falling" und
"Master & slave" und weitere Titel von der "Audio dog"-Scheibe
("Need me", "Pair of dice" und "Change is coming"), die
Bruce jeweils selber sang. Der einzige Kiss-Song des Sets, bei dem er selber die Vocals
beisteuerte, war "I walk alone". Bruce war sichtlich gut gelaunt und
gesprächig, so gab er öfters mal einen Kommentar ab. Zum Beispiel erzählte er, dass er
es sehr geniesse, auch als Sänger zu fungieren. Eine Chance, die ihm von Kiss nie gegeben
wurde. Er war sich aber auch nicht zu schade, ein paar Kiss-Songs aus der Zeit zu spielen,
als er noch nicht zur Band gehörte, nämlich nebst dem bereits erwähnten "Lick it
up" auch noch "I still love you" und "Heaven's on fire".
An der Sechsseitigen war er sowieso grandios, nie kam er in Versuchung, seine Position aus
zu nutzen und die, leider nicht sehr zahlreich erschienenen Zuschauer, mit langatmigen
Solos zu langweilen. Im Gegenteil, er spielte immer songdienlich und mit viel Groove und
bewies so, dass er ein absolut erstklassiger Gitarrist ist. Mehrmals liess er seine
Mitstreiter warten, um seine Klampfe, eine bordeauxrote ESP, zu stimmen. Sein Kommentar
dazu war, dass er bei Kiss sechs Gitarren hatte und drei Rowdies, jetzt nur noch eine
Gitarre. Das verbesserte damals aber keineswegs seine Leistung, wie er erklärte und sei
jetzt sowieso egal, denn was wichtig ist, sei nur die Musik. Auch diese sympathische
Aussage wurde mit viel Applaus quittiert.
Viel zu schnell ging dann diese interessante Show mit den Zugaben "I love it
loud" und Rock 'n' Roll all night" zu Ende. Einziger Wermutstropfen war, dass
kein einziger Song von Union berücksichtigt wurde, der Ex-Band von Bruce und dem Sänger
John Corabi. Immerhin veröffentlichten sie vor ein paar Jahren zwei starke Alben.
Übrigens stand Bruce nach dem Gig selber hinter seinem Merchandising-Stand um
Autogrammwünsche zu erfüllen. Ein echter Rock Star, aber zum Anfassen eben.