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Währenddem in der Schweiz gestritten wird, ob die Swisscom verpflichtet werden soll, sämtliche Internetzugänge auf mindestens 10 Mbit/s anzuheben, baut Schweden das Glasfasernetz in alle Ecken des riesigen Landes weiter aus. Eine kantonale Initiative fordert den flächendeckenden Glasfaserausbau nun für Zürich.
Wer durch Schweden fährt, sieht sie an jeder Strassenecke, in jedem verstreuten Weiler und bis nach Lappland: Schilder, die auf den Glasfaserausbau hinweisen. Dabei hatte das Land bereits Mitte 2015 nach einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung eine Glasfaserabdeckung von 56.4% in der Gesamtbevölkerung erreicht:
«Das aktuelle Ziel der schwedischen Regierung im Hinblick auf die Breitbandversorgung sieht vor, dass 90 Prozent aller Haushalte und Unternehmen bis zum Jahr 2020 in der Lage sein sollen, einen 100 Mbit/s-Zugang zum Internet zu erhalten. Erstmals formuliert wurde dieses Ziel in der „Breitbandstrategie für Schweden“ von 2009, die bis heute Bestand hat (Government Offices of Sweden 2009). […] Wenn man berücksichtigt, dass die mittleren und nördlichen Teile Schwedens extrem dünn besiedelt sind – die Einwohnerdichte hat Subsahara-Dimensionen – ist die 90-Prozent-Verfügbarkeit von Glasfaser ein ambitioniertes Ziel.»
Zur gleichen Zeit beträgt die Glasfaser-Abdeckung in der Schweiz gerade 27%, in ländlichen Gebieten sogar nur 5.6%.
Fairerweise gilt zu berücksichtigen, dass der Breitbandausbau insgesamt in der Schweiz aktuell (noch) sehr gut ist. Dieser basiert jedoch auf veralteten Kupferleitungen (VDSL) und Kabelanschlüssen (DOCSIS). Beide Technologien stossen gegenwärtig an ihre physikalischen Grenzen. Die Konkurrenzsituation, die in der Vergangenheit zu verbreitet Anschlüssen von 100 Mbit/s geführt haben, wird wegfallen.
Im Gegensatz ermöglichen Glasfaseranschlüsse bereits heute Geschwindigkeiten bis in den Gigabit/s-Bereich, und sie erfüllen dabei wichtige Qualitätsanforderungen, wie die Up-/Download-Symmetrie und die Echtzeitfähigkeit. Dies hält auch die Studie der Bertelsmann Stiftung fest:
«Für viele künftige Internet-Anwendungen im privaten und geschäftlichen Umfeld werden diese Eigenschaften immer wichtiger, sodass die Versorgung mit Glasfaseranschlüssen als Indikator für die Zukunftsfähigkeit der Internet-Infrastruktur eines Landes angesehen wird.»
So, wie in Strassen und Autobahnen, Strom- und Telefonleitungen investiert worden ist (und wird), muss heute die Glasfaserinfrastruktur für die Wirtschaft und Gesellschaft von morgen geplant und gebaut werden. Wie es Schweden oder verschiedene Städte in der Schweiz vormachen, sollte die öffentliche Hand (wie Stadtwerke) für die flächendeckende Verbreitung sorgen und das Glasfasernetz anschliessend Privatanbietern zur Verfügung stellen. Diese können darauf aufbauend Internet-Anschlüsse, digitales Fernsehen, Video-Telefonie etc. als Dienste anbieten und über ihre Einnahmen die Kosten der Infrastruktur bezahlen.
Genau dies fordert nun eine Initiative im Kanton Zürich: Im Versorgungsgebiet der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich sollen alle Wohn- und Geschäftsliegenschaften mit einem eigenen Glasfaser-Hausanschluss ausgerüstet werden. Interessant sind die Berechnungen zur Finanzierung:
«Die Wirtschaftlichkeit hängt einzig von der kalkulatorischen Abschreibedauer ab. Die geschätzten 600 Millionen Franken Investitionen für das FTTH-Glasfasernetz können über 30 Jahre amortisiert werden, die Amortisation beträgt also lediglich CHF 20 Mio pro Jahr (lineare Amortisation ist Vorschrift des Kantons). Ein Glasfasernetz ist praktisch unterhaltsfrei. Bei 30 Jahren Abschreibedauer ist die Wirtschaftlichkeit mit Sicherheit gegeben, müsste hingegen auf 5 oder 10 Jahre abgeschrieben werden, rentierte es nicht.»
Derweil debattiert der Schweizer Nationalrat auf Antrag von CVP-Nationalrat Martin Candinas, ob die in der Konzession festgeschriebene Grundversorgungsgeschwindigkeit in der Schweiz von aktuell 2 auf 10 Mbit/s erhöht werden soll. Gemäss Bundespräsidentin Doris Leuthard würde jedoch die Swisscom bereits für die geplante Erhöhung auf 3 Mbit/s mit Gesamtkosten im «mittleren zweistelligen Millionenbereich» rechnen (bei einem Reingewinn von 1,6 Milliarden Franken).
Hier geht es zum Unterschriftenbogen.