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Neuer Franziskusfilm
Seit Frühling 2016 ist der neueste Franziskusfilm der italienischen Altmeisterin Liliana Cavani auch deutsch synchronisiert im Handel. Der zweiteilige Streifen löst auf glückliche Weise sowohl Franco Zeffirellis romantischen Kinohit "Bruder Sonne - Schwester Mond" wie auch den bisherigen Erfolgsversion derselben Regisserin mit Mickey Rourke in der Hauptrolle ab.
Im Dezember 2014 als Miniserie vom staatlichen Fernsehsender RAI ausgestrahlt und vom Bayerischen Rundfunk mit produziert, schildert der neue Streifen in insgesamt 300' (aus der italienischen Urfassung wurden 20' weggekürzt) nicht nur Franziskus' privilegiertes Leben, seine Krisenzeit, die Entstehung der franziskaniaschen Fraternitas, die bewegende Friedensmission in Ägypten und die Wachstumskrise des jungen Ordens, sondern auch Klaras Weg, die Gründung einer zunächst offenen Gemeinschaft und deren Widerstand gegen die Klausurpolitik der römischen Kirche.
Schwachpunkt des Filmes ist das Bild, das von Bruder Elias gezeichnet wird: herrschaftlich und überheblich wird er von Anfang an zu einem unechten Bruder und zum Verräter des Franziskus stilisiert - ein Zerrbild, das seine Gegner im Zusammenhang seiner Absetzung von 1239 zeichneten und das in der Folge zu einer eigentlichen Verteufelung des zweiten Generalministers führte. Elia wurde in der Forschung der letzten 20 Jahre rehabilitiert: in seiner Ordenspolitik war er Franziskus in den Augen der Provinziale, die den Orden klerikaler wünschten, allzu treu. Und bei seiner Wahl 1232 wurde ihm ausdrücklich zugestanden, angesichts seiner gesundheitlichen Probleme (Rheuma?) wärmere Kleider zu tragen, per Pferd zu reisen und eine besondere Diät zu essen. Unser Rat: die letzte Stunde des 3-stündigen Filmes kann man sich sparen, da es dieses Zerrbild bedauerlicherweise auf die Spitze treibt.
Film:
«Sein Name war Franziskus»
Regie: Liliana Cavani
Darsteller: Mateusz Kosciukiewicz; Vinicio Marchioni; Sara Serraiocco; (deutsche Stimmen: Benjamin Sadler; Ludwig Blochberger; Giselda Volodi; Rutger Hauer) Maximilian Dirr Produktion: Eric Welbers
- Produktdetails
- EAN: 4006448765347
- Best.Nr.: 44284932
- Artikeltyp: Film
- Anzahl: 1
- Datenträger: DVD
- Erscheinungstermin: 29. März 2016
- Hersteller: WVG Medien
- FSK: Freigegeben ab 12 Jahren gemäß §14 JuSchG
- Sprachen: Deutsch, Englisch
- Regionalcode: 2
- Bildformat: 1:1, 78/16:9
- Tonformat: Dolby Digital 2.0
- Kopierschutz: ja
- Gesamtlaufzeit: 180 Min.
Sprechende Szenen aus dem Film:
Franziskus, Pietro Cattani und Klara im San Damiano: die frühe fraternitas öffnet sich von der Bruderschaft zu einer geschwisterlichen Bewegung. Brüder und Schwestern suchen den Weg ihres Lebens und Wirkens gemeinsam.
Gemeinsamer Blick auf eine Europakarte. Während die Brüder das Wanderleben der Apostel führen, lassen es Gesellschaft und Kirche des 13. Jahrhunderts nicht zu, dass auch Schwestern "das Evangelium bis an die Grenzen der Erde tragen". San Damiano wählt daher eine sesshafte Form der Nachfolge: das Leben wie Marta und Maria in Bethanien - Freundinnen Jesu in einem offenen Haus.
Klara sorgt im Kirchlein von San Damiano für Randständige und Bedürftige aller Art. Die sozial engagierte Offenheit des "hospitium" missfällt jedoch der Römischen Kurie. Ab 1220 widerstehen Franziskus und Klara gemeinsam der Klausurpolitik des Kardinals Hugo, dem Klara 1228, nun als Papst Gregor IX. auf Besuch in Assisi, ins Angesicht widersteht.
Franziskus mit Gefährte, die sich bereits in die islamische Welt integriert haben, 1219 in Ägypten. Er unterläuft seinerseits die päpstliche Kreuzzugspolitik, indem er sich hier wie ein Prophet Israels leidenschaftlich gegen das blindwütige Treiben eines unheiligen christlichen Krieges wendet. Im eigenen Lager nicht gehört, wagt er sich ins Lager des Sultans und findet Muhammand al-Malik al-Kamils Freundschaft.
Franziskus und Kardinalbischof Hugo von Ostia ("Hugolin"), der sich später als Papst Gregor IX. zum Gründer des Damiansordens und des Dritten Ordens stilisiert - und der sich rühmt, "den formlosen Orden der Minderbrüder in Form gebracht zu haben". Cavani scheut sich nicht, den drohenden Verrat kurial-päpstlicher Politik an Franziskus (und Klara) zu thematisieren.
Brüder und Schwestern zu Beratungen versammelt. Die enge Verflechtung der brüderlichen und der schwesterlichen Lebensform und ihre je eigene Dynamik findet erstmals in einem deutschsprachigen Film über Franziskus - UND Klara - eine angemessene Würdigung. Leider wird die Schlüsselrolle des Bruders Elia, der Klaras Vertrauen auch noch kurz vor seiner Absetzung durch das Generalkapitel 1239 genoss, durch das arg verfälschte Bild eines Verräters verkannt.