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Wenn die vier Sparten des Theaters St. Gallen zusammen agieren, freut sich die Aufführung
Das entspricht denn auch der Wirklichkeit, wenn es wie in diesem Fall um Giuseppe Verdis «Messa da Requiem» geht, die in einer szenischen Fassung von Regisseur Krystian Lada am vergangenen Samstag erfolgreiche Premiere feierte. Verdis «Messa» ist die letzte grosse Produktion, mit der sich das Theater vom Umbau verabschiedet. Die Koproduktion mit dem Theater Winterthur befasst sich einfühlsam mit den Themen Schuld und Sühne. Modestas Pitrenas am Pult, setzt mit dem Sinfonieorchester die mitreissende und gefühlvolle Partitur Verdi um.
Giuseppe Verdi hatte das Requiem ursprünglich zum Tod Gioachino Rossini (ursprünglich «Messa per Rossini») von zwölf bedeutenden italienischen Komponisten als Gemeinschaftsarbeit komponieren lassen, während er selbst lediglich die Vertonung des Schlusssatzes, des «Libera me» übernahm. Zu einer Aufführung kam es jedoch seinerzeit, aufgrund widriger Umstände, in dem Zusammenhang nicht. Das Manuskript geriet daraufhin zunächst in Vergessenheit. Verdi soll während der Komposition der «Messa da Requiem» in Paris die Requien von Mozart, Cherubini, Berlioz und weiteren Komponisten studiert haben, weil seine eigenen Arbeiten von Kirchenmusik zu jener Zeit bereits 30 Jahre zurück- gelegen haben sollen.
Vor Beginn der Messa, ein etwa 20 Minuten dauerndes inszeniertes Vorspiel. In dieser Zeit nimmt das Publikum ordnungsgemäss die Plätze ein, während der grösste Teil des 60-köpfigen Chores, bestehend aus Theater- und Opernchor St. Gallen und Theaterchor Winterthur (einstudiert von Franz Obermair), eine Trauergemeinde darstellt und auf der Vorderbühne seine Position eingenommen hat. Die dazu gehörenden restlichen Chormitglieder stehen dicht gedrängt rechts und links neben der Bühne. Auf der Hauptbühne, verdeckt durch einen leicht transparenten Vorhang, haben die Mitglieder des Sinfonieorchesters ihren Spielraum.
Die Musik, besonders zu Anfang der Messa, wurde dank des grossartigen Sinfonieorchesters, sowie der drei exzellenten Chöre, zu einem stimmgewaltigen Harmonie-Erlebnis. Ein Ohrenschmaus in Fortissimo! Auch, wenn es um aufwühlende Gefühle wie Angst, Wut, Trauer und den Wunsch nach Erlösung und Befreiung geht.
Die Gesangs-Solisten waren grossartig, allen voran die Klarheit des Tenors Christopher Sokolowski, der Mezzosopranistin Martina Belli sowie der Sopranistin Hulkar Sabirova mit ihrer Leichtigkeit in den hohen Piano-Linien, die zusätzlich während des gesamten Stückes vorbildlich intensiv ihre Bühnen Figur verkörperte. In gleicher Weise war Bass Kristjan Johannesson ausgezeichnet. Die in verschiedenen Partien des Requiems entstandenen Sätze der Solisten wurden dadurch zu einem Hochgenuss. Darüber hinaus bewiesen sämtliche Chor-Mitglieder echtes Schauspieltalent. Sie wurden denn auch von Krystian Lada, der neben Konzept und Regie für das Bühnenbild verantwortlich ist, auf der Bühne inszeniert. Die beteiligten Schauspieler machten sehr gute Arbeit im Umgang mit den, als Antipode zu Verdis himmlischer Musik, eher sachlich wirkenden Texten. Die hervorragenden Tanz-Solisten Samuel Trachsel, Guang-Xuan Chen, Swan Küpper und Minghao Zhao werteten das Stück zusätzlich auf.
In jeder Szene spürte man die ausgiebige Affinität Kristian Ladas zu kirchlichen Ritualen, deren Inspirationen er vermutlich durch Einflüsse seiner spirituellen Mutter erhielt. Die Zusammenarbeit des Regisseurs mit dem Licht (Aleksandr Prowalinski) erschuf wunderbare Bilder, die dennoch dem Stück in der «Sache» gerecht wurden.
Die eher sachlichen Handlungsstränge des Schicksals sämtlicher Beteiligter, beispielsweise erstmaliger medizinischer Organ-Transplantationen, die vermutlich grundsätzlich Pate für Nutzenabwägung medizinischer Experimente stehen, zogen sich etwas zu sehr hin und bekamen dadurch eine eher artifizielle Note. Keine leichte Aufgabe für Krystian Lada, der die Produktion, ähnlich einer Stückentwicklung, anging und dazu massgebliche Anteile selbst einbrachte.
Am Ende der «MESSA DA REQUIEM» starker, langanhaltender Applaus seitens des Publikums.