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Michael Fehr sieht seine Umgebung nur in Konturen. Bis heute versucht er, zu seiner angeborenen Sehbehinderung eine Distanz zu schaffen und sich wie die anderen zu bewegen. Der Berner Autor verwendet deshalb keinen Blinden-Gehstock, obwohl er kaum etwas sieht. «Weil ich ohne Gehstock unterwegs bin, erkennen mich die Leute nicht als Sehbehindert und bewegen sich in ihren üblichen Bahnen, sie sind für mich berechenbar», erklärt Fehr seine Strategie.
Der Versuch, einen Gehstock zu verwenden, war von kurzer Dauer. Denn sobald Michael Fehr erkennbar ist als sehbehinderter Mensch, ist er ein «Ereignis», wie er es ausdrückt: «Die Leute verhalten sich sofort anders und hektisch, ihre Bewegungen werden für mich unberechenbar» erklärt der Berner sein Verzicht auf den Gehstock.
Bis heute publizierte der 1982 in Muri bei Bern geborene Autor mit «Kurz vor der Erlösung» (2013) und «Simeliberg» (2015) zwei Bücher, kommende Woche erscheint «Glanz und Schatten». Zweimal erhielt er den Literaturpreis des Kantons Bern und 2014 wurde Fehr mit dem Kelagpreis im Rahmen des Ingeborg-Bachmann-Preises ausgezeichnet.
Seine Texte diktiert er in ein Aufnahmegerät, auf eine Interpunktion verzichtet er, denn nur so sei es möglich, den Gedankengang in der Schwebe zu halten. «Wenn ein Satz mit einem Punkt endet ist er visuell strukturiert, der Leser liest zum Punkt, obwohl er vielleicht nicht den Inhalt des Satzes begriffen hat. Ohne Satzzeichen wird der Leser nicht mehr geleitet und befindet sich in einem Zustand der Schwebe, das gefällt mir» erzählt Michael Fehr.