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Préludes de Psaumes von Samuel Ducommun
Der Abendgottesdienst zum Bettag wird mit Orgelmusik von Samuel Ducommun gestaltet. 2014 ist das 100. Geburtsjahr des Neuenburger Komponisten. Auf dem Programm stehen fünf Stücke aus den Six Préludes de Psaumes (komponiert 1970) und zwei Stücke aus dem Petit Livre d’Orgue von 1942.
- Psalm 47 «Singt mit froher Stimme» Melodie RG 33
- Psalm 33 «Nun freut euch in Gott» Melodie RG 25
- Psalm 77 «Herr, erhöre meine Klagen» Melodie RG 46
- Psalm 138 «Mein ganzes Herz erhebet dich» Melodie RG 92
- Ricercare aus dem Petit Livre d’Orgue
- Psalm 100 «Nun jauchzt dem Herren, alle Welt»
auch Psalm 134 «Ihr Knechte Gottes allzugleich» Melodie RG 89
Der Psalm 47 ist in Dialogform komponiert. Die Melodiezeilen werden einstimmig exponiert, registriert mit Anches Récit (Zungenstimmen des Schwellwerks), was gut zum Textabschnitt «Singt mit froher Stimm …» passt. Der volle Orgelklang Plein Jeu antwortet in einem harmonisch dichten sechstimmigen Satz, passend zum Text «… der Herr, reich an Macht».
Psalm 33 beginnt als traditionelle Form eines Choralvorspiels: Die Melodie im Diskant, eine freie Imitation davon im Pedal, dazwischen eine Mittelstimme in eindringlicher Achtelbewegung «o werdet seines Lobes nicht müd». Im Mittelteil schwingen sich Melodie und Mittelstimme in die Höhe und verschmelzen im Pianissimo. Am Ende wird wieder der Triosatz des Anfangs aufgenommen.
Im schlichten Klagepsalm 77 steht die Melodie im Diskant, zweistimmig begleitet von Grundstimmen. Die vierte Zeile endet ohne Leitton in reinem Dorisch. An dieser Stelle folgt ein fünftaktiges Zwischenspiel mit einer ausdrucksvollen Flötenkantilene, die sich über zwei Oktaven in die Höhe schwingt, passend zum Text «… zu dir ruf ich empor: Neige doch zu mir dein Ohr!». Es folgen wieder vier Choralzeilen wie zu Beginn und das Stück schliesst mit einer zweiten ausladenden Kantilene.
Im Psalm 138 wird die Melodie in zwei Oberstimmen als Kanon in der Unterqarte bzw. Oberquinte geführt. Als Begleitstimmen dienen eine durchgehende ausdrucksstarke Achtelbewegung und eine harmonische Stütze im Bass. Das Stück ist klanglich und kontrapunktisch besonders raffiniert gearbeitet.
Die Melodie von Psalm 100 singen wir zum Psalm 134 im französischen Sprachraum wird auch Psalm 100 nach dieser Melodie gesungen. In diesem Stück greift der Komponist an eine alte Tradition der improvisierten Choralpraxis zurück: Der Organist spielte nach jeder Choralzeile eine kleine Kadenz als Überleitung zur nächsten Zeile. In Ducommuns Psalm 100 wird der Choral in vierstimmigem Satz vorgetragen, auf jede Choralzeile folgt eine zwei- bis dreitaktige einstimmigen Kadenz in Sechzehntelnoten. Den Schluss bildet eine freie fünfstimmige Coda. Diese Art Choralbearbeitung treffen wir auch in Kompositionen von J. S. Bach an, z. B. im Choral «Allein Gott in der Höh» BWV 715. Form und Satzart erinnern stark an Bachs Vorbild.
Das sechste Stück der Préludes de Psaumes fehlt hier, es ist der Psalm 150 «Halleluja! Singt dem Herrn.» In diesem Stück für das volle Werk verarbeitet Ducommun ausschliesslich die erste Choralzeile in einem fünfstimmigen Imitationssatz.
Hans Egg, Orgel
Christoph Bolliger, Liturgie und Predigt