Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/245564

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt, einen Bericht über Ausmass und Kosten von geschlechterspezifischer Gewalt zu verfassen. Unter geschlechtsspezifischer Gewalt ist sexuelle und häusliche Gewalt zu verstehen, die in Paarbeziehungen, aber auch ausserhalb von Paarbeziehungen ausgeübt wird. Im Bericht sind die Empfehlungen und Schlussfolgerungen der vom Eidgenössischen Büro für Gleichstellung veröffentlichten INFRAS-Studie 2013 "Kosten von Gewalt in Paarbeziehungen" zu berücksichtigen. Zu berücksichtigen sind ebenfalls neuere internationale Studien, insbesondere die Studie "The costs of gender-based violence in the European Union" des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen (EIGE). Dies, damit sich ein Quervergleich machen und dann die Entwicklung der Kosten auf der Zeitachse ablesen lassen.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Forschungsbericht von 2013 zu den Kosten von Gewalt in Paarbeziehungen weist erstmals systematisch die Folgekosten von Gewalt in Paarbeziehungen und, je nach Kostenbereich, auch von häuslicher Gewalt aus. Aufgrund der verfügbaren Datenlage wurden in einer vorsichtigen Schätzung Kosten von jährlich mindestens 164 Millionen Franken ausgewiesen, wobei für relevante Bereiche wie beispielsweise Zivilverfahren, die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (KESB) oder die gesundheitlichen Folgekosten von mitbetroffenen Kindern aufgrund fehlender Daten keine Kostenschätzungen vorgenommen werden konnten. Zu diesen jährlich anfallenden tangiblen Kosten müssen zudem lebenslange Kosten in der Höhe von fast 2 Milliarden Franken berücksichtigt werden, welche als Folgen von Gewalt durch Verlust an Lebensqualität aufgrund von Schmerz, Leid und Angst entstehen (intangible Kosten).</p><p>Dass Gewalt nicht nur für die Betroffenen grosses Leid verursacht, sondern auch Folgekosten für die Gesellschaft mit sich bringt, ist unbestritten. Eine erneute Kostenschätzung würde nach wie vor auf einer Hochrechnung und Schätzung aufgrund der verfügbaren Daten basieren. Nach Ansicht des Bundesrates wären dabei keine essentiellen neuen Erkenntnisse zu erwarten. In einigen relevanten Bereichen laufen aktuell Arbeiten, die die Verfügbarkeit von Daten verbessern, wie der Erste Staatenbericht der Schweiz zur Umsetzung der Istanbul-Konvention (<a href="http://www.ebg.admin.ch">www.ebg.admin.ch</a> &gt; Dokumentation &gt; Publikationen Internationales &gt; Istanbul-Konvention) vom 18. Juni 2021 zeigt. So zum Beispiel das Projekt Justitia 4.0 betreffend Daten zu Zivil- und Strafverfahren. Die Verfügbarkeit dieser neuen Daten sollte abgewartet werden, bevor eine neue Studie zu den Kosten von geschlechtsspezifischer Gewalt in Betracht gezogen wird. Zudem sieht der Bundesrat vor, eine umfassende Prävalenzstudie zu Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt durchzuführen. Die notwendigen Mittel sind im Voranschlag 2023 bereits enthalten. Der Bundesrat ist der Ansicht, dass diese geplante Prävalenzstudie zu Gewalt ein geeigneteres Mittel ist, um vertiefte Informationen zum Ausmass von Gewalt in der Schweiz zu erhalten und darauf basierend Massnahmen zu diskutieren.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.