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Der Nobelpreisträger über Föhn und Föhnfühligkeit
von Carl Spitteler
Der Nobelpreisträger über Föhn und Föhnfühligkeit
Im erwähnten Artikel vom Jahr 1897 beschreibt der Nobelpreisträger Carl Spitteler den Föhn in folgender Weise, die als Ergänzung der «Klassischen Beschreibungen» im Kapitel 1 zu betrachten ist:
«Der Föhn beginnt hoch oben bei den Gipfeln und Pässen der nördlichen Alpenseite, nimmt an Heftigkeit talwärts rasch zu, erreicht seine grösste Stärke zwischen Amsteg und Flüelen, rast noch ungebrochen über den Urnersee, bedroht noch bei Brunnen die Schiffe und die Küste, dann teilt er sich. Ein Strom saust durch das Schwyzertal, Über den Zugersee, dessen Wogen er aufwühlt; jenseits des Zugersees verflüchtigt er sich, wird aber noch in Zürich gespürt. Ein zweiter Strom schneidet mit deutlich sichtbarer Grenzlinie im Wasser den Gersauer Seekamm, noch in Gersau Bäume knickend, dann verschwindet er herwärts der Vitznauer Nase plötzlich, fast spurlos, durch weite Streuung.
Dem Föhn verdanken der Vierwaldstättersee, der Zugersee, der Rigiberg, das Schwyzertal und der untere Urnerboden ihr gesegnetes Klima, dem Föhn die Fremden, die glänzenden Sommertage und die klarsten Ausblicke.
Ohne den Föhn wäre das Göschenertal ein Sibirien und ohne den Föhn würde der Herrgott über den Winter nie-mals Meister. Der Föhn saugt wie ein Schwamm allen Schnee hinweg und taucht Berg und Tal in Sonne.»
Den Einfluss des Föhns auf den Menschen hat der Baselbieter Dichter mit den folgenden Worten beschrieben:
Seit ich über kalten und warmen, über Süd-, West, Ost- und Nordföhn belehrt worden bin, beginnt mein Glaube zu versagen. Es ist mir nachgerade ein bisschen zu viel des Föhns. Sicher ist nur das: Sobald Föhn eintritt, so prophezeit jedermann ohne Ausnahme Regen binnen spätestens vierundzwanzig Stunden. Nun ereignet es sich aber oft, dass bei Föhn acht oder vierzehn Tage lang das prächtigste Wetter herrscht. Dies drückt man dann mit den
84 folgenden Worten aus: Wenn es geregnet haben wird, so wird es der echte, wenn es nicht geregnet haben wird, der unechte Föhn gewesen sein. Ich weiss nicht, ob Ihnen diese Logik einleuchtet, jedenfalls ist sie ein starker Trost für die Wetterpropheten.