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Kürzlich schrieb mir eine Frau eine Mail folgenden Inhalts: «Ich habe kürzlich gelesen, dass man Nationalbankaktien kaufen kann. Was halten Sie persönlich davon? Da ich mich mit Aktien nicht auskenne, interessiert es mich, ob es empfehlenswert ist, solche zu kaufen. Was können Sie mir persönlich empfehlen?»
Hier abgekürzt und ohne die dazugehörenden Höflichkeitsfloskeln meine Antwort: «Da Sie sich mit Aktien nicht auskennen, sollten Sie auch keine kaufen. Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Ich empfehle Ihnen, nur Anteile von Anlagefonds zu kaufen. Mit Fondsanteilen decken Sie ganze Märkte ab. Sie besitzen also von allem ein bisschen. Möchten Sie zum Beispiel Schweizer Aktien kaufen, so gäbe es da zahlreiche Schweizer Aktienfonds. Am besten kaufen Sie einen Indexfonds, dessen Kursverlauf dem Swiss-Market-Index (SMI) oder dem Swiss-Leaders-Index (SLI) folgt. Sie heissen etwa UBS-ETF-SMI, Ishares SMIM oder UBS-ETF-SLI. Sinnvoll ist auch, Anteile eines globalen Aktienfonds zu kaufen, zum Beispiel den Postfinance Global.
Und noch etwas habe ich der Frau geschrieben: dass ich aus Prinzip keine Aktienempfehlungen abgebe. Erstens, weil es mir an hellseherischen Fähigkeiten mangelt. Zweitens, weil ich ein Feigling bin und keine Verantwortung übernehmen will. Wenn nämlich der Aktientipp in die Hosen geht, will ich nicht derjenige sein, der einen schlechten Rat erteilt hat.
Ich bewundere all die Frauen und Männer, die ihren Kundinnen und Kunden den Kauf von bestimmten Aktien ans Herz legen, dafür ein Honorar kassieren und dann trotzdem noch gut schlafen können.
Wenn wir schon beim Thema sind. Sagt der Bankkunde:
«Meinen Berater möchte ich sprechen.»
«Der ist leider nicht da.»
«Aber ich habe ihn doch durchs Fenster gesehen!»
«Kann sein. Aber er hat Sie zuerst gesehen.»
Erschienen in der BZ am 28. Juni 2016