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Die Gasfabrik St. Johann versorgte die Stadt und Region Basel für mehr als ein halbes Jahrhundert mit Gas. 1931 war sie dem gestiegenen Bedürfnis schliesslich nicht mehr gewachsen.
Nach längerem Hin und Her entschloss man sich 1852 in Basel, die Strassen des Nachts nicht wie bis anhin mit Öllampen, sondern mit Gaslaternen zu beleuchten. Das nötige Gas produzierte zunächst eine zu diesem Zweck von Ingenieur Gaspard Dollfus vor dem Steinentor betriebene Gasfabrik. Ein Rohrnetz von 17 Kilometern Länge sorgte für die Verteilung.
Die stetig steigende Nachfrage nach dem neuen Energieträger machte aber schon bald einen Ausbau der Produktionskapazitäten nötig. Vor dem Steinentor war dies aufgrund der engen Platzverhältnisse und des 1857/58 über das Birsigtal gebauten Eisenbahnviadukts nicht möglich. Daher kam man 1860 überein, vor dem St.-Johann-Tor auf dem Gebiet des heutigen Novartis-Campus eine neue Steinkohlen-Gasfabrik zu bauen.
Anfänglich wurde die Gasfabrik St. Johann pachtweise von Dollfus betrieben, ab dem 1. Februar 1869 dann führte der Staat sie in eigener Regie. Zu jenem Zeitpunkt hatte die Fabrik die Versorgung von über 1000 privaten Bezügern und den Betrieb von gegen 700 Strassenlaternen zu bewältigen.
Erste Kohlentransporte per Rheinschiff
Die für die Gasproduktion notwendige Kohle wurde zum grössten Teil aus dem Saarland bezogen, daneben wurde auch Kohle aus England und aus dem Ruhrgebiet verwendet. Letztere wurde 1904 erstmals per Schiff nach Basel geliefert, und zwar 300 Tonnen. Transportiert wurden sie mit dem Kahn «Christine», der vom Dampfer «Knipscheer IX» gezogen wurde. Die Bergfahrt verlief ohne Zwischenfälle. Die Talfahrt endete aber mit einem Desaster. Bei der Hüninger Schiffsbrücke stiess die mit Rohasphalt beladene «Christine» auf die Eisbrecher und versank samt Fracht im Rhein. Nichtsdestotrotz gelangten fortan immer grössere Kohlemengen auf dem Wasserweg nach Basel.
Im Laufe der Zeit erwuchs dem Gas in Gestalt des elektrischen Lichts eine ernsthafte Konkurrentin, die punkto Stadtbeleuchtung schliesslich auch den Sieg davontrug. Wie der Festschrift «Hundert Jahre Gas in Basel» zu entnehmen ist, wurde 1929 die letzte öffentliche Gaslaterne – sie stand Ecke Rheinsprung/Elftausend-Jungfern-Gässlein – demontiert.
Mit der Verbreitung von Gaskochherden und Gasöfen erschlossen sich den Gasproduzenten auch neue Absatzmöglichkeiten, und dies nicht nur bei Privathaushalten. Auch in der Industrie diente Gas immer mehr zu Heizzwecken und zum Betreiben von Motoren.
«Wir wollen Gas, wollen Gas»
Es war denn auch nicht mangelnde Nachfrage, die dazu führte, dass die Gasfabrik St. Johann am 10. September 1931 ihren Betrieb einstellte. Das Gegenteil war der Fall, wie Max Thoma in der erwähnten Festschrift deutlich macht:
«1927, im 75. Jahre seines Bestehens, wies das Werk eine Abonnentenzahl von 49’000 auf. Das Hauptleitungsnetz erstreckte sich über 394 km. Mehr als 24 Millionen Kubikmeter Gas wurden abgegeben. Die Gasfabrik St. Johann war an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit gelangt.»
Unter Fachleuten war man sich einig, dass nur ein vollständiger Neubau den Anforderungen an die moderne Gaserzeugung und Betriebstechnik zu genügen vermochte. Der Grosse Rat folgte dieser Sicht der Dinge und stimmte am 16. Dezember 1926 dem Bau einer neuen Gasfabrik an der Neuhausstrasse in Kleinhüningen zu. Diese nahm am 1. August 1931 ihren Betrieb auf.
Zu klein, zu teuer
Kurz darauf stellte das Gaswerk St. Johann die Produktion ein. Mit der Sprengung der Fabrikkamine und -gebäude am 28. September 1934 wurde der endgültige Schlussstrich unter seine Geschichte gezogen.
Die Gasfabrik in Kleinhüningen war bis 1970 in Betrieb. Sieben Jahre später wurde sie abgebrochen. In den 1970er-Jahren stieg man auch in Basel auf Erdgas um. Dieses lässt sich billiger gewinnen als Steinkohlegas.
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Wir haben dem St. Johann einen Schwerpunkt gewidmet,
mit folgenden Artikeln:
- Thomas Kessler: «Mit der Lebensqualität steigt die Anspruchshaltung»
- Wo im St. Johann das Leben brummt – und wo es noch auf sich warten lässt
- Stimmen aus dem Quartier: «Sie haben uns alles ruiniert!»
- Das neue St. Johann: Ausser Skatern macht hier niemand grosse Sprünge
- Wasserstrassen-Häuser sind gerettet und werden zur Genossenschaft
- Seilziehen hinter den Geleisen des Bahnhofs St. Johann
- Lysbüchel-Areal: Zukünftiger Lastwagen-Verkehrsweg sorgt für Verunsicherung
- Eine neue Zwischennutzung in der alten Güterhalle
Quellen
– Gas- und Wasserwerk Basel (Hrsg.): Hundert Jahre Gas in Basel, Basel 1952
– Anne Kunz: 150 Hare Gas in Basel – Von der Kohle zum Erdgas, in Basler Stadtbuch 2002, S. 70–75