Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03410.jsonl.gz/1321

Heilsarmee, Gemeindezentrum und Wohnheim
Wohnheim der Heilsarmee
Wartstr. 40 /42
Gemeindezentrum
St. Georgenstr. 55
8400 Winterthur
1888 eröffnete die Heilsarmee in Winterthur ihr erstes Gemeindelokal. Wie andernorts stiess die Heilsarmee auch in Winterthur vorerst auf wenig Akzeptanz. Sie war den Behörden suspekt, ihre Versammlungen wurden verboten und die uniformierten Mitglieder vertrieben oder verprügelt. Die Organisation resignierte nicht und richtete an der Ecke Paul-/Neuwiesenstrasse im ehemaligen Restaurant Victoria ihr Gemeindezentrum ein.
Die Heilsarmee Winterthur hat ihr Gemeindezentrum an der St. Georgenstrasse 55. 350 Personen kamen 2007 dort zusammen, um das 125-jährige Bestehen der Heilsarmee in der Schweiz zu feiern. Die Heilsarmee weltweit wurde 1878 in einem Londoner Elendsviertel von William Booth gegründet. Booth war Laienprediger der Methodistischen Kirche gewesen und wollte mit seiner neuen Organisation etwas unternehmen zur Rettung Verwahrloster und den Kampf gegen das Laster und im Speziellen gegen den Alkoholmissbrauch aufnehmen. 1882 fanden in Genf die ersten Veranstaltungen der Freikirche statt. Die Organisation war aber nicht willkommen. Die Heilsarmee wurde von Behörden illegal erklärt bis sie 1889 vom Bundesgericht anerkannt wurde. 1888 eröffnete die Organisation in Winterthur ihr erstes Gemeindelokal.
Auch in Winterthur stiess die Heilsarmee vorerst auf wenig Akzeptanz. Sie war den Behörden suspekt, ihre Versammlungen wurden verboten und die uniformierten Mitglieder vertrieben oder verprügelt. Nach einigen Jahren indessen wurde die Gruppe in der Stadt akzeptiert und geniesst heute einen hervorragenden Ruf. Die Heilsarmee wird als eine selbstlose Organisation anerkannt, die ihre Mittel gezielt dort einsetzt, wo sie es als nötig erachtet. Dies beurteilt sie ohne zu fragen, was der zu unterstützende, lebt, denkt und fühlt.
2007 zählt die Heilsarmee Winterthur 96 Salutisten. Salutisten sind jene Mitglieder, die das Gelübde des Heilssoldaten unterzeichnet haben und eine Uniform tragen. Das Gelübde beinhaltet das Versprechen, das Evangelium von Jesus Christus zu verkünden und zu leben und den Menschen in Notsituationen zu helfen.
Das Wohnheim
Die Neueröffnung des Wohnheims, das in einer städtischen Liegenschaft an der Wartstrasse 40/42 untergebracht ist, zeigt ein gelungenes Beispiel für die gut funktionierende Zusammenarbeit zwischen der öffentlichen Hand und einer privaten Organisation. Die Häuser gehören der Stadt Winterthur, für den einwandfrei funktionierenden Betrieb ist die Heilsarmee Winterthur besorgt.
Die sanierungsbedürftigen Häuser wurden 2004/05 für 1,6 Millionen Franken umgebaut und den Bedürfnissen von Heimleitung und Gästen angepasst. Die Unterkunft für Frauen und Männer verfügt jetzt über 30 wohnlich eingerichtete Zimmer sowie neue Duschen und WCs.
Das seit 1960 bestehende Wohnheim ist eine christlich orientierte und auf Abstinenz ausgerichtete Einrichtung für Menschen, die kurzfristig oder auch für längere Zeit eine Wohngelegenheit benötigen. War das Haus anfäglich ein Männerwohnheim, wurde ihm 1978 auch eine Frauenwohnheim angegliedert. Wer sein Zimmer nicht selber berappen kann, dem wird der Aufenthalt via Kostengutsprache von den zuständigen Behörden, in erster Linie den Gemeinden, finanziert.
Das Heimleiter-Ehepaar macht keinen Hehl daraus, dass die Betreuung der Gäste in den letzten Jahren schwieriger geworden ist. Oft sei das Klima aggressiv. «Menschen, die mit ihrem Leben mehr schlecht als recht zu Rande kommen, haben Mühe, sich an die geltende Hausordnung zu halten». Der Heimvorsteher verantwortet ein Jahresbudget von 900 000 Franken und verfügt über einen Stellenetat von insgesamt rund acht Voll- und Teilzeitstellen. Dass diese nicht immer leicht zu besetzen sind, ist verständlich. Der Regionalleiter der Heilsarmee-Sozialwerke der deutschen Schweiz weist darauf hin, dass zunehmend Allrounder mit einer guten Zusatzausbildung gefragt seien: «Wer hier arbeiten will, muss nicht nur putzen und kochen, sondern auch auf die teils schwierigen Biografien der Heimbewohnenden eingehen und Konflikte lösen können».
Geschichte der beiden Häuser Wartstrasse 40 und 42
Die beiden Häuser wurden in den Jahren 1876/77 vom Bauunternehmer Schnitzler & Furrer erbaut. Die Gebäude waren über Jahrzehnte in Privatbesitz. Im Verlaufe der Zeit wurden auch grössere bauliche Veränderungen, wie der Einbau von Wohnungen im Dachbereich mit Erstellung von Dachlukarnen, vorgenommen. Die Stadt Winterthur kam 1959 in den Besitz der Wartstrasse 42 und 1966 auch der Wartstrasse 40. Die Stadt baute die Liegenschaften in ein Wohnheim um. 2004 bis 2008 wurden durch einen grösseren Umbau die räumlichen und sanitären Verhältnisse stark verbessert. Durch das Zusammenlegen des Frauen- und des Männerheims zu einer Einheit wurde eines der beiden Treppenhäuser überflüssig und damit wurde mehr Nutzraum gewonnen. Die bestehenden Fenster blieben in der denkmalgeschützten Fassade erhalten. Auf den Podesten des aufgehobenen Treppenhauses wurden Toiletten und Duschen eingebaut, die von den Zwischenböden des verbliebenen Treppenhauses erreicht werden können. Küchen- und Zimmerrenovationen und Fassadensanierung waren ebenfalls im Bauprogramm. Letztere bekam einen sandfarbigen Anstrich, welcher mit den dunkelgrünen Holzklappläden harmoniert.
Nebst dem Wohnheim bietet die Heilsarmee in Winterthur seit 2002 auch die Anlaufstelle "Casa" an. Casa ist ein Ort für alle Menschen, die nicht wissen, wo sie sonst noch Hilfe finden. Zwei professionelle Sozialarbeiterinnen betreuen diese Institution und vergeben Essensgutscheine, Notgroschen und vor allem Rat.
Im Dezember 2010 wurde an der Habsburgstrasse 29 ein neues zusätzliches Durchgangsheim eröffnet. Die Heilsarmee führt auch dieses neue Haus mit 12 Schlafplätzen. (Siehe auch PDF unter "Dokumente").