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Gerade in der Zeit, wenn Vögel im Frühjahr ihr Territorium für die Brut und Aufzucht ihrer Jungen wählen, reagieren sie besonders empfindlich auf Störungen. Wie stark Waldvögel reagieren, wurde aber bisher kaum untersucht. Forscher um Lukas Jenni von der Vogelwarte Sempach LU haben dies zum ersten Mal in einem Experiment überprüft.
In einem von Menschen im Frühjahr kaum besuchten Waldgebiet in Frankreich teilten Jenni und seine Kollegen jeweils zwölf Test- und Kontrollzonen ein, die sich in Grösse und Waldstruktur nicht unterschieden. Während mehrerer Wochen im Frühjahr liefen die Forscher täglich zwischen ein- und dreimal mit einem Lautsprecher durch die Testzonen, der menschliche Stimmen in normaler Gesprächslautstärke abspielte.
"In praktisch jedem Wald gibt es mehr menschliche Aktivität als in unserem Projekt. So konnten wir den Einfluss geringer Freizeitaktivität untersuchen", kommentierte Jenni im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. In den Kontrollzonen blieben die Waldvögel ungestört.
Später in der Brutzeit zählten und bestimmten die Wissenschaftler die in den jeweiligen Zonen angesiedelten Vögel. Das Ergebnis: Selbst bei wenig menschlicher Aktivität hatten sich weniger verschiedene Vogelarten und insgesamt weniger Vögel in den Testzonen angesiedelt. Davon berichten die Wissenschaftler im Fachblatt "Proceedings B" der britischen Royal Society.
"Dass bereits so geringe Intensitäten menschlicher Freizeitaktivitäten die Vogelwelt im Wald derart verändern, war vorher nicht bekannt", betonte Jenni.
Die Studie hatten die Wissenschaftler abseits von Wegen durchgeführt, da Waldwege auch die Waldstruktur verändern. "Waldwege sind ein bisschen wie Waldränder", so Jenni. "Wir wollten den Effekt der Anwesenheit von Menschen bestimmen und dabei ausschliessen, dass sich Vögel aufgrund der Waldstruktur anderswo ansiedeln." In der Schweiz sei dieser Versuchsaufbau nicht möglich gewesen, da es keine ausreichend grossen, ungestörten und zusammenhängenden Waldgebiete gebe.
"Unsere Erkenntnisse zeigen, dass man bei der Planung und dem Management von Wander- und Spazierwegen auf ausreichend grosse störungsfreie Zonen achten sollte", sagte der Experte. Das Wegenetz sollte nicht so dicht sein, dass scheue Vogelarten keine Zuflucht mehr fänden, wo sie sich ungestört ansiedeln könnten. "So können Konflikte bereits in der Planungsphase verhindert werden."
(SDA)