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Ein kleiner Streifzug durch die Anfänge der Frauenleichtathletik gegen Ende des 19. Jahrhunderts bis heute – gespickt mit unglaublichen Anekdoten.
Der «Field Day» am Vassar College in Poughkeepsie, New York, am 9. November 1895 gilt als erstes organisiertes Frauen-Leichtathletikmeeting. An diesem Tag war, laut einer Zeitung aus jener Zeit, «eine Gruppe von flinken, geschmeidigen, munteren Mädchen mit Laufen und Springen beschäftigt, trotz schlechtem Wetter. Der Sportplatz war wunderbar abgeschirmt und schützte die Mädchen vor unerwünschten Blicken, nicht zuletzt dank einer etwa 12 Fuss (3,60 Meter) hohen, immergrünen Hecke.» Nur ein einziger Mann war an diesem Sporttag anwesend: Dr. Moore, einer der Professoren, amtete als Schiedsrichter. «Er empfand den Job nicht als Ruheposten mit so vielen aufmerksam auf ihn gerichteten Augen.» Gemäss der lebendigen Beschreibung in «The Sun» trugen die Mädchen «geteilte Röcke und weisse Pullover, genügend weit geschnitten, um alle Körperrundungen wirkungsvoll zu tarnen, nicht aber die breiten, gut entwickelten Schultern der Athletinnen. Schwarze Strümpfe und absatzlose Segeltuchschuhe mit Gummisohlen vervollständigten die Ausrüstung.» Unter der Oberaufsicht von weiblichen Kampfrichtern wurden folgende Topleistungen registriert: 100 Yards (91,5 Meter) Miss Vassar (eine Nichte des Schulgründers) 16 Sekunden, im Vorlauf 15,25; 220 Yards (183 Meter) Miss Haight 36,25 Sekunden; 120 Yards Hürden (109,8 Meter) Miss Thallon 25 Sekunden (im Vorlauf 24,25); Hochsprung Miss Brownell 1,22 Meter; Weitsprung vom Balken Miss Baker 3,48 Meter. Der zweite Vassar-Leichtathletiktag, ausgetragen zu Beginn des Jahres 1896, ergab schon etwas bessere Resultate und 1903 war das Niveau bereits so, dass zum Beispiel über 220 Yards eine Zeit von 30,40 Sekunden registriert wurde.
Lange Zeit ein Schattendasein
Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts fanden Frauen-Meetings auch in Irland, England, Südafrika, Australien und Neuseeland statt. Die Begründer der modernen Olympischen Spiele, allen voran der Franzose Pierre de Coubertin, hielten allerdings nicht viel bis gar nichts von der Frauen- Leichtathletik. Der eigentliche Durchbruch kam, paradoxerweise, in der Person einer Landsfrau von Coubertin, der leidenschaftlichen Frauenrechtlerin Alice Milliat. Sie gründete 1917 die «Fédération Féminine Sportive de France». Zwei Jahre später wurde ihr Vorstoss, Frauenevents ins olympische Programm aufzunehmen, vom IOC abgelehnt. Die unermüdliche Französin liess sich davon nicht entmutigen und organisierte vom 24. bis 31. März 1921 in Monaco die ersten internationalen Leichtathletik- Meisterschaften für Frauen. Es war im Wesentlichen ein anglo-französisches Festival mit elf Disziplinen. Später im gleichen Jahr gründeten Madame Milliat und ihre Weggefährtinnen die «Fédération Sportive Féminine Intérnationale » (FSFI) und lancierten die Weltspiele für Frauen.
Ab 1928 im olympischen Programm
Auch den IOC-Herren blieb diese Entwicklung nicht verborgen. Mit 12:5 Stimmen wurde beschlossen, Frauen-Disziplinen ab 1928 ins olympische Programm aufzunehmen. So gesehen waren die Olympischen Spiele in Amsterdam ein historisches Ereignis, auch wenn die Frauen bloss in fünf Disziplinen um die Medaillen kämpfen durften: 100 Meter, 800 Meter, Hochsprung, Diskuswerfen und 4 × 100 Meter. Die 800 Meter wurden in Amsterdam zum grossen Thema. Die Vorläufe und der Final fanden unsinnigerweise an zwei aufeinanderfolgenden Tagen statt. Viele Läuferinnen waren nach dem Endlauf total erschöpft. Ein gefundenes Fressen für die konservativen Kräfte, die die Vorfälle als Beweise sahen, dass «die Frauen tatsächlich das schwache Geschlecht» seien. Viele medizinische Experten stimmten bei und so entschied das IOC in Absprache mit dem internationalen Leichtathletikverband IAAF, die 800 Meter für Frauen wieder aus dem Programm zu streichen. Es dauerte 32 Jahre, bis die Frauen 1960 in Rom wieder 800 Meter laufen durften. Weitere Disziplinen kamen dazu und seit den Olympischen Spielen 2008 in Peking, wo auch die 3000 Meter Steeple auf dem Programm standen, herrscht nun endlich totale sportliche Gleichberechtigung.