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1903
Theologisches Werk
"Der Uranier vor Kirche und Schrift" - Erste Fassung
Im selben Jahr, als er in Zürich die Doktorwürde erhielt für sein unermüdliches Schaffen in den Archiven des Vatikans und Italiens, übergab Caspar Wirz im weit entfernten Berlin dem in der Aussenwelt noch wenig bekannten Wissenschaftlich-humanitären Komitee sein 40 Seiten umfassendes theologisches Werk über den Homosexuellen vor Kirche und Bibel. Diesem fügte er noch den Untertitel bei: "Eine Studie vom orthodox-evangelischen Standpunkt".
Mit "orthodox-evangelisch" meinte Wirz eine Theologie, die sich ganz am Sinn und Geist des Bibelwortes orientiert, zugleich die Zeit des Entstehens dieser Worte überdenkt und berücksichtigt und vor allem nicht am Wort als Hülse kleben bleibt, wie das Fundamentalisten jeder Couleur stets getan haben.
1904 erschien das Werk im Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen unter besonderer Berücksichtigung der Homosexualität, Band 6, herausgegeben durch das WhK. Darin betonte der Verfasser die Wichtigkeit und Notwendigkeit, dass nach den Medizinern nun endlich auch die Theologen die Frage der Homosexualität aufgreifen müssten. Mit dieser Forderung und seiner theologischen Pioniertat blieb Caspar Wirz leider für mehr als hundert Jahre ein einsamer, ungehörter und vergessener Rufer in der Wüste des diesbezüglichen Denkens seiner Fachkollegen und der offiziellen Haltung ihrer Institutionen, den Theologenschulen und Kirchen.
Ernst Ostertag, Juni 2006