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| Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Viertes Buch
18. Es besteht weder eine Einzigkeit noch eine Verschiedenheit der Gottheit.
Wenn wir also lesen: „Wir wollen den Menschen nach unserem Bild und Gleichnis erschaffen”, so bezeichnet jeder Ausdruck,1 daß er nicht einzig, aber ebenso, daß er nicht verschieden sei. Deswegen dürfen wir ihn nicht als nur einzigen, aber auch nicht als verschiedenen bekennen; denn dadurch, daß er „unser Bild” sagt, nicht aber „unsere Bilder”, erkennt man, daß beiden nur ein Wesen eigne.
Es genügt aber nicht, nur den Sinngehalt der Wörter beigebracht zu haben, wenn nicht der Erkenntnis der Aussprüche auch die tatsächliche Handlung folgte; denn so steht geschrieben: „Und Gott erschuf den Menschen, nach Gottes Bild erschuf er ihn.”2 Ich frage: Wenn das Wort für einen einzelnen und an sich selbst gerichtet gälte, was würdest du hier wohl für deine Meinung halten? Denn ich sehe hier eine dreifache Bezeichnung: der Handelnde, das Werk, das Urbild. Was erschaffen wurde, ist der Mensch; Gott aber hat erschaffen; und wen er erschaffen hat, den hat er nach Gottes Bild erschaffen. Wenn der Schöpfungsbericht von einem Vereinzelten gesprochen hätte, so hätte er doch gewiß gesagt: und er erschuf nach seinem Bild. Er verkündete aber das Geheimnis der Evangelien und sprach nicht etwa von zwei Göttern, wohl aber von Gott und Gott, wenn er von der Erschaffung des Menschen nach Gottes Bild spricht.
So findet man also, daß Gott den Menschen bildet nach dem Bilde, das ihm mit einem Gott gemeinsam ist, und nach demselben Gleichnis, damit nicht die Bezeichnung des Handelnden die Deutung der Einzigkeit zulasse, noch auch die nach demselben Bild und Gleichnis vollzogene Tat eine Verschiedenheit der Göttlichkeit dulde.
1: „wir wollen erschaffen”, „unser”
2: Gen 1,27