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Schweizer Grand Prix Theater / Hans-Reinhart-Ring 2017
Schweizer Grand Prix Theater / Hans-Reinhart-Ring 2017
Ursina Lardi
Radikalität und Meisterschaft im Spiel
Ursina Lardi, geboren 1970 in Samedan, wuchs in Poschiavo, im italienischsprachigen Teil Graubündens auf. Heute ist sie eine der vielseitigsten und bekanntesten Schweizer Schauspielerinnen. Bereits als Kind wirkte sie in Theaterproduktionen in Graubünden mit. Nachdem sie in Chur eine Ausbildung zur Primarschullehrerin absolviert hatte, zog sie 1992 nach Berlin, wo sie bis 1996 an der Hochschule für Schauspielkunst «Ernst Busch» studierte. Anschliessend hatte sie Theaterengagements am Maxim-Gorki-Theater in Berlin, am Düsseldorfer Schauspielhaus, am Schauspiel Frankfurt und Schauspiel Hannover, am Deutschen Schauspielhaus Hamburg und am Berliner Ensemble. Seit 2012 ist sie festes Ensemblemitglied der Berliner Schaubühne, wo sie erstmals 2004 zu sehen war. Ursina Lardi ist insbesondere bekannt durch ihre zahlreichen Film- und Fernsehrollen. Neben vielen Auftritten im «Tatort» zählt ihre Rolle als Baronesse Marie Luise in Michael Hanekes preisgekröntem Weltkriegsdrama «Das weisse Band» von 2009 zu ihren bekanntesten Filmengagements. 2014 erhielt sie den Schweizer Filmpreis als beste Darstellerin für ihre Rolle in «Traumland» (2013), dem Psychogramm einer schwangeren Frau, die zu erkunden versucht, warum ihr Mann sie mit Prostituierten betrügt. Auch in anderen erfolgreichen Schweizer Filmen wie «Akte Grüninger» (2014) oder «Der Verdingbub» (2011) ist Ursina Lardi zu sehen.
Trotz ihrer Erfolge im Filmgeschäft sei das Theater das Zentrum ihrer Arbeit, sagt Ursina Lardi. Auf der Theaterbühne habe man einen grösseren Spielraum, stehe nach der Probenzeit ohne Regisseur alleine in der Rolle dort. Beim Film bleibt die Regie auf dem Set, es gibt viele Pausen und im Schnitt werden die Rollen nochmals bearbeitet respektive Versionen ausgewählt, die sie als Schauspielerin nicht mit bestimmen könne. Ursina Lardi ist enorm wandlungsfähig, bekannt ist sie für ihr kompromissloses Spiel in schwierigen Rollen. Sie zeigt Mut zur Hässlichkeit wie im sozialkritischen Fernsehfilm «Im Nirgendwo» (2016), in dem sie die zynische und abgebrühte Journalistin Charlotte spielt. Es sei für sie kein Kriterium, ob eine Figur sympathisch ist oder nicht – sie konzentriere sich auf das Spiel und überlasse die Bewertung dem Publikum. Im Zürcher Schauspielhaus war Ursina Lardi in der Saison 2016/17 in der internationalen Gastspielreihe in Tschechows «Kirschgarten» im Ensemble und unter der Regie von Thorsten Lensing und in Milo Raus «Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs», eine Inszenierung der Schaubühne Berlin, zu sehen.
«‚Ich wechsle das Kleid, und dann geht’s los.‛ So beschreibt Ursina Lardi die Essenz ihres Handwerks. Das Zitat unterstreicht ihre Radikalität und Meisterschaft. Um sie zu erlangen, ist die Bündnerin einen weiten Weg konsequent gegangen. Sie ist seit ihrer Ausbildung in Berlin nicht nur eine gefeierte, mit Preisen geehrte Filmschauspielerin geworden. Sie blieb auch der Bühne treu. Düsseldorf, Hamburg, Hannover – und immer wieder Berlin sind Stationen dieser Laufbahn. Seit 2012 ist Lardi festes Mitglied der Berliner Schaubühne. Die von ihr gespielten Figuren sind fundamental menschlich, weil sie nicht eindimensional, sondern immer widersprüchlich sind: kühl und zerbrechlich, forsch und fragil.»
Mathias Balzer, Jurymitglied