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Die Oper «L'Orfeo» von Claudio Monteverdi (1567 bis 1643) erlebte 1607 ihre Uraufführung und ist eine freie Wiedergabe der griechischen Sage von Orpheus und Eurydike. Damit schuf Claudio Monteverdi einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung des im 17. Jahrhunderts entstandenen Genres. Auf dem Weg durch diesen Orpheus-Mythos stellen sich Fragen nach dem Tod, dem Mut, der Liebe und der Angst – dem Vertrauen in den anderen Menschen und in das Leben. Das Jugendorchester Freiamt führt unter der Leitung von Anne-Cécile Gross die Instrumentalstücke der Oper in einer Fassung für Streichorchester auf und belebt so den Mythos in einem szenischen Konzert neu auf. Anstelle der Arien und Chorstücke werden Werke aus verschiedenen Epochen in das Konzert eingefügt. Es sind das Lied «L-O-V-E» von Nat King Cole (1919 bis 1965), der «Trauermarsch» aus der Klaviersonate Nr. 2 op. 35 von Frédéric Chopin (1810 bis 1849), von Edvard Grieg (1843 bis 1907) «Herzwunden» aus 2 Elegische Melodien für Streichorchester op. 34, «Prelude» aus der Psycho Suite von Bernard Herrmann (1911 bis 1975), von Camille Saint-Saëns (1835 bis 1921) «Danse macabre», aus der Sinfonie Nr. 5 von Gustav Mahler (1860 bis 1911) das «Adagietto» und von Dmitri Schostakowitsch (1906 bis 1975)/Rudolf Barschai (1924 bis 2010) aus der Kammersinfonie op. 110 a ein Auszug aus dem Satz IV. Largo sein.
«Die Barockgeige ist meine Art Musik zu machen.»
Claire Foltzer
Barock ein Teil des Gesamtkunstwerks
Mit diesem anspruchsvollen Konzertprogramm fordert Leiterin und Dirigentin des Jugendorchesters Freiamt, Anne-Cécile Gross, die jungen Musiker:innen einmal mehr heraus. Die professionelle und einfühlsame Leiten des JOF durch die Proben von Anne-Cécile Gross ist nur die eine Seite, die andere ist, dass sich die jungen Musiker:innen intensiv und engagiert in die Musik eingeben müssen, damit sie sich als Orchester finden und die Werke mit allen Feinheiten interpretieren können. Ein Probenbesuch zeigte deutlich, dass sich die Spierler:innen mit viel Lust und Freude auf die Musik der verschiedenen Epochen einlassen und gemeinsam mit ihrer Dirigentin Anne-Cécile Gross alle noch bestehenden «Misstöne» beseitigen.
In der Erarbeitung der Werke tauchen die Musiker:innen auch ein in die Welt der Barockmusik, schuf doch Claudio Monteverdi «L'Orfeo» 1606 zu Beginn der Zeit der Barockmusik, die sich an die Musik der Renaissance anschloss und heute zur Alten Musik zählt. Mit Claire Foltzer verstand es Anne-Cécile Gross eine Fachfrau der Barockmusik und deren Instrumentierung ins Team zu integrieren. Die Geigerin Claire Foltzer absolvierte ihre musikalische Ausbildung an der Hochschule für Musik Basel. Der Besuch eines Kurses in Barockmusik sei dann der Auslöser gewesen sich intensiv mit dieser Musik zu befassen. «Ich habe damals zum ersten Mal Barockmusik gehört und mit dem Körper gelebt und bin in diese Welt eingetaucht», erklärte Claire Foltzer im Gespräch. An der bekanntesten Ausbildungs-Institution für Alte Musik – die Schola Catorum Basiliensis – habe sie Theorie und Praxis studiert und unterrichtet heute als Musiklehrerin Geige und pflegt die Alte Musik an Konzerten. Natürlich höre man den Unterschied zwischen dem Spiel einer Barockvioline oder einer modernen Violine, meinte sie, denn alleine schon die Darmsaiten bei der Barockvioline sei ein Klangunterschied.
Sie sehe ihre Aufgabe darin, den Musiker:innen die Barockmusik zu vermitteln und wie man diese auf modernen Violinen umsetzen könne, betonte Claire Foltzer. «Es geht in der Umsetzung der Alten Musik, sondern was wir erzählen wollen.» So sei das Motto im JOF nicht «Du musst Barock spielen», sondern den Musiker:innen die Tür zur Barockmusik zu öffnen und ihnen aufzeigen, dass man diese auch auf einer modernen Geige spielen kann, hielt sie fest. «Das JOF soll eine neue Welt der Musik entdecken, auch wenn es ein Abenteuer ist.» Die Barockmusik sei wie eine andere Sprache und so müsse man einen neuen Dialekt erlernen, könne aber so die Stimmung von damals aufnehmen und sie musikalisch umsetzen, ist Claire Foltzer überzeugt.
Richard Wurz
12. Juni 2023
Bilder: Richard Wurz
Das Konzert «Orfeo 2023» findet am Samstag, 1. Juli um 20 Uhr in der Alten Kirche Boswil statt. Reservationen unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. oder Telefon 056 666 20 66; weitere Informationen unter www.kuenstlerhausboswil.ch