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Durch die laufend steigenden Patientenzahlen entstand schon in den ersten Jahrzehnten grosser Platzmangel im Spital Walenstadt. Die Pockenepidemie 1894 und die Grippeepidemie 1918 waren nicht die einzigen Ursachen dafür. Immer wieder konnte durch Baumassnahmen Abhilfe geschaffen werden. Schon 1893, zwei Jahre nach der Eröffnung des Spitals, wurde über eine Überbelegung geklagt. Diese hatte auch inakzeptable hygienische Zustände zur Folge.
Erweiterung auf 40 Betten
Als ein Jahr später eine grosse Pockenepidemie ausbrach, stellte der Kanton dem Spital Walenstadt eine zusätzliche Baracke mit 18 Betten zur Verfügung. Zudem wurde der Platzmangel 1901 durch die Errichtung der Poecker'schen Baracke und den Bezug des Erweiterungsbaus im Jahr 1903 gelindert. Damit verfügte das Spital Walenstadt über 40 Betten.
Spitalaufenthalt nur mit eigenem Bett
Gut zehn Jahre später platzte das Spital erneut aus allen Nähten und statt der vorgesehen 66 Betten wurden tatsächlich bis zu 100 Betten betrieben. Chefarzt Dr. Paul Beck klagte im Jahresbericht über die Platzverhältnisse: «Nur kurz sei erwähnt, dass Liegestühle als Betten verwendet wurden, und dass eine Zeitlang die Kranken überhaupt nur aufgenommen werden konnten, wenn sie ihr eigenes Bett mitbrachten.»
107 Betten nach Neubau
Mitte der zwanziger Jahre beklagte der Chefarzt im Jahresbericht erneut die unhaltbaren räumlichen Zustände im Spital. So mussten in dieser Zeit enge Dachkammern mit schlechter Lüftung und grosser Feuchtigkeit als Patientenzimmer genutzt werden. Auch Badezimmer, Korridore und Schwesternzimmer wurden für die Unterbringungen von PatientInnen genutzt. Durch den Neubau, der 1931 bezogen werden konnte, wurde die Platznot vorläufig gemindert. Das Spital verfügte nun über 107 Betten.
Störender Schiessbetrieb
In den fünfziger Jahren war die Platznot erneut so gross, dass über ein Umbauprojekt diskutiert wurde. Dabei stand auch eine Verlegung des Spitals zur Diskussion, da der Schiessbetrieb des Militärs störend war. Erst nach Verhandlungen mit dem Militärdepartement und einer Einschränkung des Schiessbetriebs fiel die Entscheidung für die Beibehaltung des Spitalstandortes in Walenstadt. In der Folge stimmten der Grosse Rat und das Volk für das acht Millionen Franken teure Umbauprojekt. Ende der Fünfziger Jahre konnte mit der Detailplanung und den Abbrucharbeiten für den Umbau begonnen werden. Die grösste Herausforderung während der Umbauphase war die Aufrechterhaltung des Spitalbetriebs. 1960 wurde der Neubau mit 180 Betten in Betrieb genommen. Der Neu- und Altbau führten zu der in dieser Zeit für Spitalbauten üblichen T-Form.
Grosses Bauprojekt prägt die Achtziger
Ende der siebziger Jahre wurde erneut begonnen, über grössere bauliche Veränderungen in den Altbauten zu diskutieren. Nach der Volksabstimmung im Jahr 1983 waren die Weichen für den Um- und Neubau gestellt. Es konnte noch im selben Jahr mit den Abbrucharbeiten sowie der Errichtung der Provisorien begonnen werden. Während die Bauteile aus den fünfziger Jahren erhalten werden konnten, mussten ältere Gebäudeteile abgerissen werden. Wie schon in den Sechziger Jahren musste auch jetzt während des laufenden Betriebs gebaut werden. Dies hatte enge räumliche Verhältnisse und grosse Belastungen durch Lärm und andere Emissionen zur Folge, unter denen sowohl die Mitarbeitenden als auch die PatientInnen zu leiden hatten. Nach dem Bauende 1989 konnte der Betrieb mit 155 Betten aufgenommen werden. Die Baukosten betrugen rund 30 Millionen CHF. Für die Mitarbeitenden war dieses Umbauprojekt mit vielen Herausforderungen verbunden. So wurde beispielsweise für den OP ein Container-Provisorium auf Pfosten errichtet. Dies war zwar zweckmässig, doch bei starkem Wind konnten die Mitarbeitenden deutliche Bewegungen des Gebäudes wahrnehmen.
Tücken der Spitalbauplanung
Die Schwierigkeiten in der Spitalbauplanung zeigten sich nach der Fertigstellung, denn nicht in allen Bereichen entsprach der bereits in den Siebziger Jahren geplante Neubau den Standards, die 1990 erwartet wurden. So gab es für Stationen mit 36 Betten jeweils nur eine Etagendusche und -badewanne sowie Etagen-WCs. Immerhin erlaubten die recht grosszügig geplanten Platzverhältnisse relativ problemlose Adaptionen an moderne Standards.
Grosszügige Platzverhältnisse
Während bei den vorangegangenen Bauprojekten der Platzmangel bald wieder zu spüren war, wurde dieses Mal vorausschauender geplant. Dadurch waren weitere Änderungen, vorwiegend bedingt durch den medizinischen Fortschritt, einfacher umsetzen, beispielsweise die Einrichtung zusätzlicher Büros für die steigende Mitarbeiterzahl oder die Schaffung einer modernen Endoskopie-Abteilung.
Neue Notfallstation
Seit 1989 gab es im Spital Walenstadt kein weiteres Neubauprojekt. Dennoch wurden laufend Verbesserungen und Veränderungen an der Spitalinfrastruktur vorgenommen. So wurde bereits zwei Jahre nach der Fertigstellung des Neubaus eine Dialysestation mit vier Plätzen eingerichtet. Besonders hervorzuheben ist zudem die Neukonzeption des Notfalls in den Jahren 2009/10. Als Ersatz für vier kleine Kojen mit wenig Privatsphäre und beengten Raumverhältnissen wurde eine Notfallstation geschaffen, die den modernen Anforderungen entspricht und die medizinische Notfallversorgung in der Region sicherstellt.
Laufende Anpassungen
Weitere bauliche Veränderungen brachten die Sanierung des Restaurants sowie Einrichtung der Palliativstation und der Akutgeriatrie. Zudem wurde im Jahr 2015 das Zentrallager für die gesamte Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland in Walenstadt errichtet. Die nächste umfassende Sanierung im Spital Walenstadt ist nach dem derzeitigen Stand für 2030 geplant.
Durch die laufend steigenden Patientenzahlen entstand schon in den ersten Jahrzehnten grosser Platzmangel im Spital Walenstadt. Die Pockenepidemie 1894 und die Grippeepidemie 1918 waren nicht die einzigen Ursachen dafür. Immer wieder konnte durch Baumassnahmen Abhilfe geschaffen werden.