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|Annick Goutal

Biografie, Biographie und die Geschichte ihrer Parfums, Parfüms, Paris
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Artikel vom 22. September 2003
Spätestens seit den 1980er Jahren findet man Parfümerien an jeder Ecke, mit dem Resultat, dass es fast unmöglich geworden ist, einen hervorragenden Duft zu schenken oder selbst zu tragen, den nicht schon jeder kennt. Zum Glück gibt es Ausnahmen wie Annick Goutal.
1945 wurde Annick Goutal in Aix-en-Provence geboren. Sie war die dritte Tochter von acht Kindern eines ambitionierten Süsswarenherstellers, der eine der renommiertesten Pariser Konditoreien in der Nähe der Place Péreire besass. Zusammen mit ihren Schwestern verbrachte sie regelmässig die Weihnachts- und Osterferien im Hinterzimmer des Ladens mit dem Befüllen und Verpacken von Pralinengebinden. Vielleicht haben die Düfte der Kindheit die Nase der Parfümeurin früh geschult. Wie dem auch sei, zuerst schlug Annick eine Karriere als Pianistin und Model ein.
Der strenge Vater sorgte dafür, dass die kleine, musikalisch begabte Annick bereits mit sechs Jahren täglich, auch in den Ferien, sechs Stunden Klavier übte. Als Lohn winkte 1961 mit sechzehn Jahren der Gewinn des 1. Preis für Klavier am Konservatorium von Versailles. Doch ihr Jungendtraum von einer Karriere als Pianistin erfüllte sich nicht. Der Vater war nach dem Preisgewinn verrückt vor Freude, doch Annick revoltierte und erklärte von einem Tag auf den anderen, dass sie das Klavier nicht mehr berühren würde.
Annick floh von zuhause nach London, wo sie als Au Pair arbeitete. Dort fiel sie dem Fotografen David Bailey, einem Freund der Familie, für die sie arbeitete, auf. Bailey ermöglichte ihr, die gelernt hatte, dass nur grosse Anstrengungen und Ausdauer zum Ziel führen, über Nacht eine Karriere als Mannequin. Ohne dass sie jemals etwas dafür getan hätte, machte sie Karriere. Plötzlich besass sie viel Geld und konnte auch ihre Schwestern verwöhnen. Doch als sie eines Tages in einer Hotelhalle an einem Flügel vorbeikam, konnte sie nicht widerstehen und spielte spontan eine Ballade von Chopin. Sie realisierte, dass sie als Model nicht glücklich werden würde.
Annick floh erneut, irrte umher. Schwere Jahre folgten, in denen sie auf der Suche nach einer befriedigerenden Arbeit einige Zeit in einem Antiquitätengeschäft arbeitete und den den Charme von Trödel entdeckte.
Dann lernte sie einen Mann kennen und trennte sich wieder von ihm. Dieser Mann ist der Vater ihrer 1975 in Fontenay-sous-Bois bei Paris geboren Tochter Camille. Annick fand sich als alleinerziehende Mutter ohne einen Pfennig wieder. Zudem wurde ihr die Diagnose Brustkrebs gestellt.
Moralisch und physisch am Ende (nur 45 kg bei 1.70m) überlebte sie wohl nur dank der Unterstützung ihrer Schwestern. Ein Wendepunkt in ihrem Leben kam, als sie ihre Freundin Micheline nach einer Operation in einem Krankenhaus besuchte.
Die elegante, raffinierte und spritzige Micheline liess sich in der Schweiz im Institut der Schwestern Soyer pflegen. Die beiden alten Damen stellten Produkte auf Pflanzenbasis her, deren Formeln sie ängstlich hüteten. Sie verkauften diese zarten Pflegeprodukte in braunes Papier gewickelt. Micheline freundete sich im Laufe der Jahre mit ihnen an. Als eine der Schwestern starb, hatte die andere nicht den Mut, alleine weiter zu machen. Sie bot Micheline die Rezepte zum Kauf an. Micheline ihrerseits eröffnete Annick im Spital, dass sie eine Boutique mit Schönheitsprodukten eröffnen wolle. Ob sie nicht mit ihr zusammen arbeiten wolle.
Die Pflegeserie bestand aus einigen Cremes und ausgezeichneten Pflanzenlotionen. Mit Hilfe von Aron-Brunetière, den Micheline gut kannte, überarbeiteten die zwei Freundinnen die Formeln, um sie sicherer und noch wirksamer zu machen. Doch die Produkte hatten nach Ansicht von Annick zwei Fehler: eine unattraktive Aufmachung und keinen Duft.
Hier offenbarte sich Annicks Talent für raffinierte Verpackungen. Sie erinnert sich an die langweiligen Ferientage, die sie beim Einpacken von Bonbons verbrachte. Es kam ihr die Idee, die Pflegeprodukte wie Naschereien zu verpacken. Micheline und Annick verbrachten ganze Nächte damit, mit der Hand Beutel mit einer goldenen Kordel zu nähen, wie sie ein arabischer Händler auf dem Markt von St. Pierre verkaufte. Danach beschrieben sie Hunderte von Etiketten.
Die Produkte erhielten so einen bestimmten Stil, doch das Problem der fehlenden Parfümierung blieb. Annick wandte sich an mehrere auf Parfums spezialisierte Firmen, erhielt aber nur Absagen. Einzig das Haus Robertet in Grasse reagiert positiv. Schüchtern vereinbarte Annick einen Termin.
In Grasse wurde sie mit unglaublicher Hochherzigkeit empfangen. Der Besuch wurde für Annick zur Offenbarung. Sie war wie vom Blitz getroffen. Sie fand all das wieder, was sie mit der Aufgabe des Klavierspiels verloren hatte, übertragen in ein anderes Register, aber mit dem gleichen Vokabular: Note, Akkord, Taste, Orgel.
Annick fand ihre Berufung. Sie wollte alles über den Beruf des Parfumeurs lernen. Das Haus Robertet war einverstanden und erklärte sich bereit, Annick bei der Kreation ihres ersten Duftes zu helfen. Annick verbrachte die Jahre ab 1976 als Lehrling von Henri Sorsana, von dem sie zur "Nase" ausgebildet wurde. "Un nez" ist der fachsprachliche Begriff für einen Parfumeur.
Schnell zeigte sich, dass Annick aussergewöhnlich begabt war. Ihre olfaktive Wahrnehmung und Vorstellungsfähigkeit waren stark ausgeprägt. Innerhalb von zwei Monaten komponierte sie ihren ersten Duft, das frühlingshaften Parfum Folavril, das sie von da an immer zu Frühlingsbeginn selbst trug. Etwas nach Folavril kreierte sie auf der gleichen Basis eine Winter-Version, Passion, das sie als ihr persönliches Parfum bezeichnete.
Die ersten beiden Düfte waren also geboren. Für die Präsentation konnte sich Annick keinen grossen Designer leisten und stöberte deshalb in den Archiven von Glasbläsern, wo sie einen wunderschönen Flakon aus dem Jahr 1925 entdeckte, den ein gläserner Schmetterling verschliesst. Sie liess ihn aus Mattglas und altem Gold nachbilden und verpackte ihn in ihre berühmten Pompadours aus Gaze, wodurch die Kartonage überflüssig wurde.
Annick fand in jenen Jahren nicht nur ihre Berufung, sondern auch wieder ihren Freund aus Kindertagen, der unterdessen ein berühmter Cellist geworden war: Alain Meunier. Sie heirateten nur drei Wochen, nachdem sie sich nach 19 Jahren der Trennung wieder getroffen hatten. 1996 kreierte Annick in Erinnerung an das Wiedersehen das blumige, ambra- und moschusartige Parfüm Grand Amour. Bis zu Annicks frühem Tod blieben die zwei ein glücklich verheiratetes Paar mit zwei Kindern: Camille, der Tochter von Annick sowie Charlotte, der Tochter aus der ersten Ehe von Alain.
1981 erröffnete Annick ihre erste Boutique in einem alten Buchladen an der Ecke der Rue de Bellechasse im Pariser Stadtteil Saint-Germain. Dort gab es gerade Platz genug, um sechs Produkte zu verkaufen: zwei Cremes, zwei Lotionen und zwei Düften (Folavril und Passion). Etwas später kam noch Eau d’Hadrien hinzu. Ein enthusiastischer Artikel in der Zeitschrift ELLE machte sie schlagartig bekannt, und die Parfums von Annick Goutal traten ihren Siegeszug um die Welt an.
1985 begann die erfolgreiche Zusammenarbeit von Annick Goutal mit der Taittinger-Gruppe, die vor allem für ihren Champagner bekannt ist. Taittinger ermöglichte Annick Goutal eine Ausweitung der Distribution in Frankreich und vor allem in die USA, dem wichtigsten Markt für das Pariser Parfumhaus. Mehr als die Hälfte des Umsatzes wird in den Vereinigten Staaten gemacht. In Deutschland wird Annick Goutal übrigens durch die traditionsreiche Albrecht & Dill Cosmetics GmbH in Hamburg vertreten.
Seit 1992 ist Brigitte Taittinger-Warren die Präsidentin des Parfumhauses Annick Goutal. Bis zu ihrem frühen Brustkrebs-Tod im Alter von erst 54 Jahren war Annick die "Nase" und Kreativ-Direktorin der Firma. Nach ihrem frühen Tod übernahm ihre Tochter Camille diese Funktionen, zusammen mit Isabelle Doyen, die über fünfzehn Jahre lang eng mit Annick zusammengearbeitet hatte. Camille Goutal und Isabelle Doyen ühren die Produktpalette im Sinne der Gründerin fort: Einfachheit und Raffinesse, Luxus und Authentizität, Qualität, Perfektion und Einzigartigkeit.
Zu Teil 2 des Artikels zu Annick Goutal.

Annick Goutal. Foto Copyright: Annick Goutal, Paris.
Die Boutique von Annick Goutal in der Pariser Rue Castiglione. Sie ist in Nuancen von Elfenbein und Gold gehalten. Foto Copyright: Annick Goutal, Paris.
Die Boutique von Annick Goutal in der Rue Castiglione, Paris.
Foto Copyright: Annick Goutal, Paris.
Parfums d'Ambiance/Raumdüfte und Duftkerzen sind seit 1996 im Angebot von Annick Goutal. Photo Copyright: Annick Goutal, Paris.
Brigitte Taittinger-Warren und Camille Goutal (rechts), Kopf und Nase der Marke Annick Goutal. Photo Copyright: Annick Goutal, Paris.