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Der aktuelle Bärenmarkt aus historischer Perspektive
06.11.2023 | von Portfolio Management
Bärenmärkte oder Baissen, definiert durch eine Aktienmarktkorrektur von mindestens 20% seit dem zuletzt erreichten Hoch, manifestieren sich in vielfältigen Formen und Ausprägungen und lassen sich in drei Aspekte gliedern: Korrekturtiefe, Dauer und Verlauf. Der kürzeste Bärenmarkt seit den 1950er Jahren war der von 2020 (COVID-19 Pandemie) und währte nur einen Monat, während der längste, beginnend im Jahr 2000 (Dotcom Blase), über zwei Jahre andauerte. Der gravierendste Rückgang erfolgte ab Oktober 2007 mit einem Minus von 57% im Zuge der Finanzkrise. Demgegenüber stand 1990 (Iraq-Kuwait Krieg, Ölpreiskrise) der geringste Rückgang von nur 20% infolge einer milden Rezession. Die Geschichte kann uns also nicht viel darüber sagen, ob der Aktienmarkt weiter fallen wird, bietet aber einige Anhaltspunkte.
Die schlimmsten und langanhaltendsten Einbrüche an den Finanzmärkten traten in der Regel dann auf, wenn der Rückgang dazu beitrug, eine Reihe von Finanzdelikten aufzudecken.
Beispiele hierfür sind die Spar- und Darlehenskrise der 1980er Jahre oder die 2008er Krise mit den hypothekarisch gesicherten Papieren.
Mildere Bärenmärkte, wie die der 1940er, 1960er oder 1990er Jahre, traten in der Regel dann auf, wenn der Konjunkturzyklus eines dieser Elemente aufwies, aber nicht alle, wenn beispielsweise Bewertungen nicht übertrieben waren, die durch den Einbruch aufgedeckten finanziellen Verfehlungen nicht signifikant oder wenn die Verbraucher nicht allzu stark betroffen waren. Es fällt auch auf, dass Bärenmärkte, die durch Inflation angetrieben werden, wie jene von 1946 und 1980, generell einen besseren Performanceverlauf zeigen als solche, die mit Deflation einhergehen wie beispielsweise 1929 oder 2007.
Das letzte Allzeithoch des S&P500 war am 4. Januar 2022. Seitdem handelt der Index tiefer, wobei der tiefste Punkt am 13. Oktober 2022 mit -27.16% erreicht wurde. Wie vergleicht sich die aktuelle Situation mit vergangenen Baissen? Die Grafik oben stellt alle wichtigen Bärenmärkte seit 1929 dar. Als Startpunkt gilt das letzte Hoch welches vor einem mehr als 20% prozentigen Rückgang stattfindet und die horizontale Skala stellt die Anzahl Monate seit Start dar. In der Gesamtbetrachtung verlief der aktuelle Bärenmarkt (dicke orange Linie) bisher verhältnismässig mild, da die bisher maximale Korrekturtiefe die Marke von 30% nicht unterschritt. Ein möglicherweise vergleichbarer Bärenmarkt könnte die inflationsgeprägte Phase von 1946 bis 1949 (dicke rote Linie) sein. Auch in diesem Zeitraum sank der S&P 500 nominal nicht signifikant unter 20%. Nach etwa drei Jahren leitete sich eine neue Aufschwungsphase ein. Sollte sich dieses Muster wiederholen, könnte man ab Januar 2025 unmittelbar nach der nächsten US-Präsidentschaftswahl, den Beginn einer neuen Hausse erwarten. Die zeitliche Analyse zeigt dabei die Auffälligkeit, dass nach rund 21 bis 23 Monaten wichtige Tiefpunkte eintreten, unmittelbar gefolgt von starken Erholungen (oben gekennzeichnet durch die orangene Fläche). Aktuell befinden wir uns bei diesem Zeitfenster (siehe Grafik unten). Noch deutlicher wird dies sichtbar, wenn man den Durchschnitt der obigen Bärenmärkte in einer Linie zusammenfasst:
Einige Faktoren unterstützen die These, dass die Aktienmärkte ab jetzt nach oben wenden könnten. Einerseits würde eine Erholung der Bondmärkte die Aktien unterstützen. Zugleich befindet sich der USD-JPY als Taktgeber beim US-Dollar Trend seit Tagen in stark überkauften Höhen und könnte nun korrigieren. Gleichzeitig zeigen verschiedene quantitative Modelle sinkendes Momentum bei Erdöl, was auf eine weitere Konsolidierungsphase bei der Inflationserwartung hindeuten könnte. Mehrere marktbasierende Inflationsindikatoren zeigen ebenfalls eine Entspannung, wie zum Beispiel die fünfjährige Breakeven-Inflation (fünfjährige Treasury-Renditen minus fünfjährige inflationsgeschützte Treasury-Renditen). Auch die Verbraucherumfrage der University of Michigan zu den 12-monatigen Inflationserwartungen ist rückläufig. Nachdem schlechten Abschneiden der Börsen im Oktober, kann nun diese Konstellation den Aktienmärkten für Auftrieb bis ins neue Jahr sorgen.
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