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Catherine Deneuve – die Karriere einer Unerschrockenen
- Freitag, 25. Oktober 2013, 19:35 Uhr
Wer eine Schwäche für Catherine Deneuve hat, sollte sich ihren neuen Film «Elle s’en va» nicht entgehen lassen. Selten kam man ihr auf der Leinwand so nah wie in diesem Roadmovie. Sie sucht in diesem Film die Herausforderung – obwohl sie sich mit 70 Jahren auf ihrem Lebenswerk ausruhen könnte.
Mit 70 zeigt sich Catherine Deneuve auf der Leinwand so entspannt und nahbar wie selten zuvor. Als Witwe und Wirtin Bettie lebt sie mit ihrer anstrengenden Mutter unter einem Dach, direkt über ihrem Restaurant, das rote Zahlen schreibt. Ihre Tochter Muriel (toll gespielt von der Musikerin Camille) und Enkel Charly (umwerfend: Nemo Schiffman) sind ihr völlig entfremdet.
Als sie von ihrem Liebhaber für eine Jüngere sitzengelassen wird, kommt es zum berühmten schicksalhaften Gang nach Zigaretten, von dem Bettie nicht zurückkehrt. An einem Punkt im Leben, wo andere einen Psychoanalytiker aufsuchen, begibt sich Bettie auf eine ungewisse Reise. In Begegnungen mit wildfremden Menschen findet sie zu sich selbst.
Auch das private Leben der Deneuve zeichnet sich durch komplizierte Beziehungsgeflechte aus: Eine kinderlose Ehe inklusive Scheidung mit dem britischen Fotografen David Bailey, dann zwei uneheliche Kinder von zwei verschiedenen Männern. Ihr Sohn Christian geht aus der Liebschaft mit Regisseur Roger Vadim hervor, ihre Tochter Chiara aus der Beziehung mit Schauspieler Marcello Mastroianni.
Grosse Regisseure prägten Deneuves Karriere
Mit ihrem Lebenslauf untrennbar verflochten sind auch andere grosse Männernamen: Truffaut, Buñuel und Polanski sind nur drei davon. Stilbildende Regisseure, die das Image und die Karriere von Catherine Deneuve massgeblich prägten. Dass, wie oft kolportiert wird, Roger Vadim ihr Entdecker und «Macher» sei, ist allerdings ein Mythos.
Deneuve selbst bezeichnet Jacques Demy als ihren Entdecker, mit dem sie 1964 «Les parapluies de Cherbourg» («Die Regenschirme von Cherbourg») drehte. Das Musical wurde für fünf Oscars nominiert und verschaffte Deneuve das erste Mal eine breite Aufmerksamkeit. Demy bezeichnete «Die Regenschirme» als «das Herz von Catherine».
Von der Brünette zur Blondine
Regisseur Roger Vadim hat auch nicht, wie es oft heisst, die Natur-Brünette nach dem Vorbild von Brigitte Bardot in eine sexy Blondine verwandelt. Zur Blondine wurde Catherine Deneuve bereits drei Jahre vor der Zusammenarbeit mit dem berüchtigten Womanizer.
In «Les portes claquent» («Die kleinen Sünderinnen») spielte sie die Schwester der Schauspielerin Françoise Dorléac – auch im echten Leben die Schwester von Catherine Deneuve.
Damit man die beiden jungen Frauen, die sich sehr ähnlich sahen, besser unterscheiden konnte, wurden Deneuves Haare blond gefärbt. Auch in «Les demoiselles de Rochefort» (Die Mädchen von Rochefort) von 1967, ebenfalls ein Film von Jacques Demy, kann man die beiden Schwestern zusammen spielen sehen.
Kurz nach den Dreharbeiten von «Les demoiselles de Rochefort» kam Françoise Dorléac, deren Karriere so vielversprechend begonnen hatte, mit 25 Jahren bei einem Autounfall ums Leben. Als Deneuve später gefragt wurde, warum sie Schauspielerin geworden sei, antwortete sie knapp: «Wegen meiner Schwester.»
Yves Saint Laurent und der «Deneuve-Touch»
Eine enge Beziehung verband Deneuve mit dem französischen Modeschöpfer Yves Saint Laurent, mit dem sie eine ganz besondere, lebenslange Freundschaft und Zusammenarbeit pflegte.
Für insgesamt sechs Filme entwarf der Designer die mittlerweile legendär gewordenen Kostüme und schuf mit ihnen den «Deneuve-Touch»: diesen Stil zwischen Eleganz und Provokation, zwischen Unterwerfung und Emanzipation, mit dem die öffentliche Wahrnehmung der Person Deneuve untrennbar verknüpft ist.
Sinnbild für weibliche Unabhängigkeit
Obwohl man also über Catherine Deneuve schlecht schreiben kann, ohne die Männer zu erwähnen, die für ihr Leben und ihre Karriere so prägend waren, darf sie als modernes Sinnbild für weibliche Unabhängigkeit und Emanzipation gelten. Die Schönheit, auf der ihr Erfolg als Schauspielerin in erster Linie basieren mag, hat nie die starke Persönlichkeit von Catherine Deneuve überschattet. Ihre Rollen hat sie so unerschrocken gewählt wie sie private Lebensentscheide gefällt hat. «Ich bin unvernünftig», sagt sie von sich selbst, «und mir sind Menschen lieber, die auch unvernünftig sind.»
Die Unerschrockene
Als sie 1996 von «Breaking the Waves» von Lars von Trier gesehen hatte, schrieb sie dem dänischen Regisseur einen Brief und bat ihn um Zusammenarbeit. Zu einem Zeitpunkt, an dem sie sich auf einer langen Karriere hätte ausruhen können, drehte sie mit dem wohl unbequemsten, anstrengendsten Regisseur unserer Zeit (und der Musikerin Björk) «Dancer in the Dark».
Catherine Deneuve sucht die Herausforderung. Dazu passt ihre Entscheidung, für ihren neuen Film «Elle s’en va» mit der Regisseurin Emmanuelle Bercot («Polisse», 2011) zusammenzuarbeiten. Mit 70 setzt sie sich darin öffentlich mit der Vergänglichkeit auseinander und scheut sich nicht, dabei viel von sich selber preiszugeben. Eine bewundernswerte Frau.
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