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- Ein schweres Erdbeben der Stärke 7.2 hat den Süden des Karibikstaats Haiti erschüttert.
- Nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde sind dabei mindestens 304 Menschen umgekommen.
- Mindestens 1800 Menschen seien bei dem Beben verletzt worden, und es gebe noch viele Vermisste, so die Behörden.
Haitis Interims-Premierminister Ariel Henry bezeichnete die Situation auf Twitter als «dramatisch» und rief einen einmonatigen Notstand aus.
Das Beben hat sich offiziellen Angaben zufolge rund 12 Kilometer von der Gemeinde Saint-Louis-du-Sud und etwa 125 Kilometer westlich der Hauptstadt Port-au-Prince in einer Tiefe von rund zehn Kilometern ereignet.
Der Nationale Wetterdienst der USA (NOAA) hatte nach dem aktuellen Beben zunächst eine Tsunami-Warnung herausgegeben – diese aber kurze Zeit später wieder aufgehoben. Er riet den Menschen aber, weiterhin vorsichtig zu bleiben. Die US-Behörde USGS rief mit Blick auf mögliche lokale Todesopfer die Alarmstufe Rot aus: Das bedeutet, dass eine hohe Opferzahl möglich ist. Sie zog ausserdem Parallelen zu dem Beben von 2010. Dieses habe sich nur rund 75 Kilometer östlich auf derselben Halbinsel ereignet.
USA stellen Hilfe in Aussicht
Die USA haben Haiti nach dem Erdbeben schnelle Hilfe in Aussicht gestellt. «Unsere Experten sind bereits vor Ort, um Schäden und Bedürfnisse zu bewerten», schrieb die Leiterin der US-Behörde für Entwicklungszusammenarbeit und Nothilfe USAID, Samantha Powers, auf Twitter. Man wolle nun schnell reagieren. US-Präsident Joe Biden sei über die Situation in Haiti informiert worden und habe darum gebeten, dass USAID die US-Reaktion koordiniere.
Welche Zerstörung das aktuelle Beben angerichtet hat, war lange unklar. Die «Gazette Haiti» berichtete, viele Häuser seien zerstört worden, wie auch auf Fotos und Videos in sozialen Netzwerken zu sehen war. Ganze Häuserteile und Mauern stürzten ein.
Ein Augenzeuge aus Les Cayes im Südwesten, einer der grössten Städte des Landes, berichtete «Haiti Press Network» von eingestürzten Häusern und Hotels und dass Menschen unter den Trümmern begraben worden seien. Die Zeitung «Diario Libre» aus der Dominikanischen Republik veröffentlichte ein Video des mutmasslichen Moments, in dem die Erde in Haiti am Samstagmorgen bebte.
In der Hauptstadt Port-au-Prince wurden Augenzeugen zufolge zunächst keine grösseren Schäden beobachtet. Auch in Kuba war das Beben nach Angaben von Bewohnern zu spüren.
Böse Erinnerungen an Beben von 2010
Im Zentrum des Erdbebens von 2010 mit ähnlicher Stärke lag damals Haitis dicht besiedelte Hauptstadt Port-au-Prince. Durch das Beben starben damals rund 222'000 Menschen, mehr als 300'000 wurden verletzt. Mehr als eine Million Menschen verloren ihr Zuhause. Die Schäden durch das Beben wurden auf 8 Milliarden US-Dollar (6.2 Milliarden Euro) geschätzt. Der Wiederaufbau kam auch durch die politische Instabilität nur schleppend in Gang.
Der bitterarme Karibikstaat Haiti wird immer wieder von schweren Beben heimgesucht. Zuletzt stürzte eine politische Krise das Land weiter ins Chaos. Im Juli war Haitis Präsident Jovenel Moïse ermordet worden. Er wurde in seiner Residenz von einer schwer bewaffneten Kommandotruppe überfallen und erschossen.