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Heinz Loquai war Brigadegeneral der deutschen Bundeswehr; von 1996 bis 2000 war er als deutscher Vertreter bei der OSZE in Wien tätig. Sein Zuständigkeitsbereich war der Balkan. Bekannt geworden ist er unter anderem wegen seiner fundierten und mutigen Kritik am Nato-Krieg gegen Jugoslawien. Er war einer der wenigen, die sich bereits im Jahr 1999 mit ihren kriegskritischen Erkenntnissen an die Öffentlichkeit gewandt hatten und damit engagiert für eine öffentliche Debatte zu den Hintergründen des völkerrechtswidrigen Aggressionskrieges gegen Jugoslawien eingetreten waren. Weil er öffentlich sagte, dass «der Verteidigungsminister [Rudolf Scharping] bei dem, was er über den Hufeisenplan sagte, nicht die Wahrheit sagte», musste er, der von seinen Mitarbeitern hochgeschätzt war, 2000 auf Betreiben des Verteidigungsministeriums die OSZE verlassen. Der damalige deutsche Botschafter hatte sogar erwirken können, dass er nicht einmal mehr die Räumlichkeiten der OSZE betreten durfte – ein unglaublicher Vorgang. Nach eigenen gründlichen Recherchen und zahlreichen Gesprächen im Verteidigungsministerium war Heinz Loquai zum Schluss gekommen, dass es vor Beginn des Nato-Krieges keine Völkermordsituation gegeben hatte, die die Angriffe gegen Jugoslawien gerechtfertigt hätten. Er brandmarkte dies schon damals als westliche Kriegspropaganda. Seine Erkenntnisse hat er in zwei Dokumentationen veröffentlich: «Der Kosovo-Konflikt – Wege in einen vermeidbaren Krieg», (2000) und «Weichenstellungen für einen Krieg. Internationales Krisenmanagement und die OSZE im Kosovo-Konflikt» (2003, beide Nomos Verlagsgesellschaft).
Für seine Zivilcourage wurde ihm 2001 der Clara-Immerwahr-Preis verliehen. In seiner Dankesrede sagte er: «Unsere Freiheit ist nicht von aussen bedroht, von anderen Staaten, sondern von innen, aus unserer Gesellschaft und Geistesverfassung heraus.»
Wir haben Heinz Loquai als mutigen Friedenskämpfer, als aufrichtigen, ehrlichen Mitmenschen mit einem hohen Ethos und als scharfen Denker kennengelernt.
Seit seinem ersten Vortrag in der Schweiz im Jahr 2001 war er mehrmals zu Gast bei Zeit-Fragen und seither der Leserschaft von Zeit-Fragen durch seine sachlich fundierten, engagierten Beiträge gut bekannt. Auch sein Mitwirken bei mehreren Kongressen von «Mut zur Ethik» war eine grosse Bereicherung für die Diskussion der anstehenden Fragen. Sein Plädoyer, dass es immer eine Alternative zum Krieg gibt, zog sich wie ein roter Faden durch seine von ehrlicher und aufrichtiger Friedensliebe geprägten Beiträge. Er konnte sich nicht damit abfinden, dass die deutsche Politik sich so verlogen (wieder) an einem Angriffskrieg beteiligte. Die Frage nach Krieg und Frieden gehörte für ihn zu den Existenzfragen einer menschlichen Gemeinschaft. Für ihn ging es darum zu untersuchen, wie der Weg in einen Krieg erfolgt, um daraus Lehren für die Zukunft zu ziehen. Fazit seines Vortrages im Jahr 2001: «Wir brauchen nicht nur eine intelligente Politik, wir brauchen eine ehrliche Politik. Wir brauchen eine ehrliche Politik, die auf Frieden gerichtet ist, die nicht den Krieg revitalisiert, sondern den Krieg ächtet. Und ich sage Ihnen das, so seltsam es klingen mag, auch als ehemaliger Soldat …»
Heinz Loquai hatte eine grosse Wertschätzung für das Schweizer Staatsmodell, das er über seine guten Schweizer Freunde und Mitarbeiter bei der OSZE über viele Jahre kennengelernt hatte: «Von aussen betrachtet wäre dieses Schweizer Modell, insbesondere wenn man auf andere Länder schaut, ein Exportartikel. Das, was die Schweiz an Friedenstechniken, an Demokratie für andere beispielgebend tun könnte, ist unschätzbar … Sprachen, unmittelbare Demokratie, aber auch für die Verteidigung des eigenen Landes einzustehen, das sehe ich genau so in der Schweiz realisiert. Bewahren und nutzen Sie diesen Exportartikel besser.»
Am 21. Februar 2016 verstarb Dr. Heinz Rudolf Loquai im Alter von 78 Jahren nach langer, schwerer Krankheit.
Mit dem folgenden (leicht gekürzten) Nachdruck seines in Zeit-Fragen im Jahr 2007 veröffentlichten Beitrags, der auch heute noch hochaktuell ist, lassen wir ihn nochmals selbst zu Wort kommen.
Dr. Eva-Maria Föllmer-Müller
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