Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03340.jsonl.gz/2826

Seilziehen - Kult, Sport und Plausch
Die ältesten Formen des Tauziehens gehen zurück auf die altertümlichen Riten
vieler Stämme und Länder, so z.B. auf Borneo und Halmahera sowie Indien und
Burma. Tauziehen anlässlich ritueller Begräbnisse war ein Symbol für die
Auseinandersetzung zwischen „Gut und Böse“. Ein Sieg bei einem rituellen
Tauziehen bedeutete viel mehr als nur eine sportliche Leistung. Ausser den
asiatischen Ländern ist Tauziehen auch in den Ritualen Afrikas und Amerikas
als auch in Ozeanien bekannt. In Griechenland, der Wiege der antiken
olympischen Spiele, wurde Tauziehen etwa 500 v. Chr. entweder als echter
Wettkampfsport ausgetragen oder als vorbereitendes Training für andere
Sportarten betrieben.
Von 1900 bis 1920 war Tauziehen olympische Disziplin. Als das IOC im Jahre
1920 beschloss, die Anzahl der Disziplinen zu reduzieren, wurde Tauziehen
unglücklicherweise aus dem olympischen Programm gestrichen.
Heute übt man den Sport auf nationaler Ebene aus und misst sich an Europa-,
Weltmeisterschaften und World Games (Weltspiele für nichtolympische
Disziplinen).
Der Wettkampf
Beim Seilzeihen stehen sich zwei aus acht Personen bestehende Teams
gegenüber. Gezogen wird an einem 32 m langen Seil, welches einen Umfang zwischen
10 cm und 12,5 cm aufweist. Bei der Ausgangsstellung hält der hinterste
Mann, der "Anker", das Seilende fest umschlungen, was eine sichere
Polsterung des Oberkörpers bedingt. Das restliche Seilstück befindet sich
regelkonform auf dem rechten Fussrist der sieben übrigen
Mannschaftskollegen, bevor das Kommando "Seil auf" ertönt. Dann erst wird
durch das gemeinsame, schnelle Emporheben des rechten Fusses das Seil in die
Hände genommen. Doch auch jetzt beginnt noch nicht das eigentliche Ziehen,
denn zuerst ertönen die Kommandos "Spannen", "Bereit" - und dann "Pull"
(ziehen). Gewonnen hat ein Team das Pull, wenn eine Mannschaft den Gegner
vier Meter auf seine Seite ziehen konnte.
Bei solchen Wettkämpfen braucht es natürlich auch Regeln. Werden diese nicht
befolgt, erhält die fehlbare Mannschaft eine Verwarnung. Bekommt eine
Mannschaft 3 Verwarnungen, so wird der Punkt dem Gegner zugesprochen. So
dürfen beispielsweise beim Spannen keine Standlöcher geschlagen werden. Auch
absichtliches Absitzen, Absitzen auf den Füssen des Hintermannes sowie
zusätzliches Abstützen mit der Hand wird geahndet. Freies Gleiten des Seiles
unter der Achselhöhle, was das Klemmen ausschliesst, muss gewährleistet
werden, ebenso ist das Nachgreifen untersagt.
Normen und Regeln machen diese Sportart jedoch noch lange nicht aus.
Untersucht man die Fähigkeiten, welche ein Seilzieher besitzen muss, so
stösst man zwangsläufig auf Ausdauer, Konzentration, Kraft und Beweglichkeit
und nicht zuletzt auch auf Schnelligkeit. Eine wichtige Person ist auch der
Coach, der versucht durch gezielte Kommandos seine Mannschaft zum
Punktgewinn zu führen.
Hinter diesen erfolgsversprechenden Leistungen steckt jedoch intensives,
gezieltes Training, sowie eine gute Mannschaftsmoral und eine seriöse
Einstellung gegenüber dem Seilziehsport.