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Inhalt und ZielsetzungenIm Spannungsfeld zwischen langfristigen familiären Wahlstrategien und Stimmenbeeinflussung sowie periodischer Ermahnung zur Wahlgerechtigkeit lassen sich Selbstbild, Mechanismen und Zäsuren in der Oligarchiebildung von Bern und Venedig in der Frühen Neuzeit ablesen. Dadurch lässt sich die oft beschriebene Grauzone von erlaubten und unerlaubten Praktiken („broglio onesto“ und „broglio disonesto“) genauer erfassen, ebenso die sogenannte Ventilfunktion von Korruptionsskandalen, die aber mitunter durchaus Anlass zu tiefgreifenderen Reformen bilden. In der Verlängerungsphase wird insbesondere das 18. Jahrhundert ins Auge gefasst, in dem mehrere Gerichtsprozesse gegen Wahlkorruption greifbar werden.
Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher KontextAngesichts von Wahlverdrossenheit in Westeuropa und dem Verdacht auf Wahlmanipulationen im Bereich der G.U.S. ist die Frage nach Herstellung und Bedeutung von Wahlgerechtigkeit als gesellschaftlicher Legitimation von unmittelbarer Aktualität. Dasselbe gilt für die Frage, in welchem Mass Gesetzgebung gegen Korruption greift bzw. keine Wirkung zeigt. Darüberhinaus erforscht das Projekt „Oligarchie“ und „Oligarchisierung“ als Konzept, das vielfältige Bezüge zu gegenwärtiger Elitenbildung erlaubt.Mai 2015