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Die britischen Konservativen kämpfen weiter mit harten Bandagen um die Cameron-Nachfolge. Andrea Leadsom legt nahe, als Mutter wäre sie eine bessere Premierministerin als die kinderlose Theresa May.
Die britische Tory-Politikerin Andrea Leadsom hat mit Aussagen über die Kinderlosigkeit ihrer parteiinternen Konkurrentin Theresa May für Empörung gesorgt. Leadsom und May sind die letzten verbliebenen Kandidatinnen für die Nachfolge von Premierminister David Cameron. In einem Interview mit der «Times» legte Leadsom nun nahe, als dreifache Mutter fühle sie sich stärker der Zukunft des Landes verpflichtet.
«Ich bin sicher, sie ist sehr traurig, dass sie keine Kinder hat», wurde Leadsom von der Zeitung zitiert. Es wäre «wirklich schrecklich», wenn dieser Unterschied zwischen ihr und May entscheidend sei. «Aber ich fühle wirklich, dass ich als Mutter einen sehr wahren Anteil an der Zukunft dieses Landes habe». May habe «möglicherweise Nichten, Neffen, viele Menschen. Aber ich habe Kinder, die Kinder haben werden, die unmittelbar an den kommenden Ereignissen beteiligt sind.»
Die Äusserungen der bislang wenig bekannten Staatssekretärin für Energie stiessen auf scharfe Kritik innerhalb der konservativen Partei. Der May-Unterstützer Alan Duncan nannte sie «bösartig», die Abgeordnete Antoine Sandbach warf Leadsom einen «Mangel an Urteilsvermögen» vor.
Leadsom selbst bezeichnete den Artikel der «Times» auf Twitter als «Gossenjournalismus». Im Fernsehen sagte sie: «Ich will glasklar sagen, dass jeder den gleichen Anteil an unserer Gesellschaft und der Zukunft unseres Landes hat.»
Die stellvertretende Verteidigungsministerin und Leadsom-Unterstützerin Penny Mordaunt wies darauf hin, dass die «Times» offiziell May unterstützt. «Ich denke, das ist der Versuch einer Zeitung, die sich für die andere Kandidatin ausgesprochen hat, Andrea anzuschwärzen.» Die Zeitung verteidigte ihre Darstellung und veröffentlichte einen Audio-Mitschnitt von Leadsoms Aussagen.
May kommentiere die Äusserungen nicht direkt. Auf Twitter verwies sie jedoch auf eine von ihr am Freitag vorgestellte Selbstverpflichtung zu einer «sauberen» Wahlkampagne. Sie lade Leadsom dazu ein, die fünf Punkte ebenfalls zu unterzeichnen. Diese beinhalten das Versprechen, die Kampagne «innerhalb akzeptabler Grenzen der politischen Debatte» zu führen.
Ihre ungewollte Kinderlosigkeit hatte May vergangene Woche selbst in einem Interview mit der «Mail on Sunday» thematisiert. «Natürlich hat es uns beide bewegt», sagte sie über ihren Mann Philip und sich. «Man sieht Freunde, die erwachsene Kinder haben, aber man akzeptiert das Schicksal, das einem das Leben zuteilt.»
Der Wettkampf um die Nachfolge von David Cameron wurde schon vor der jüngsten Zuspitzung mit harten Bandagen geführt. Justizminister Michael Gove hatte sich überraschend gegen den früheren Londoner Bürgermeister Boris Johnson ausgesprochen, der daraufhin freiwillig auf eine Kandidatur verzichtete. Gove schied mittlerweile selbst aus dem parteiinternen Rennen aus.
Die verbliebenen Kandidatinnen May und Leadsom sind sich zumindest einig darüber, dass nach dem Brexit schärfere Regeln bei der Freizügigkeit für EU-Bürger gelten sollen. Das Recht, sich niederzulassen und zu arbeiten, werde künftig durch Arbeitsgenehmigungen geregelt, so Leadsom in der «Times». May sagte dem «Daily Telegraph», die Kontrolle der Reise- und Niederlassungsfreiheit sei Bestandteil des Austritts aus der EU.
dab/Reuters