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Mia, Emma und Lena, Noah, Luca und David – die Namenshitparade birgt keine exotischen Kindernamen auf den vorderen Plätzen. Was unkonventionell denkende Eltern wohl noch viel mehr dazu anspornt, ihre neuen Erdenbürger mit einem aussergewöhnlichen Vornamen zu versehen.
Nun kann der Kult des «Speziell-Sein-Wollens» auch ad absurdum getrieben werden. Bei der Vornamensgebung ist dies der Fall, sobald ein Vorname «die Interessen des Kindes offensichtlich verletzt», wie es im Artikel 37c der eidgenössischen Zivilstandsverordnung schwammig geschrieben steht.
Obwohl es in der Schweiz nur sehr selten dazu kommt, dass das Zivilstandesamt einen Vornamensantrag ablehnt (Im Kanton Zürich wird auf 7000 Einträge höchstens ein Vorname abgelehnt) sind es doch immer mehr Menschen, die ihren Vornamen ändern wollen.
Bei den folgenden zwölf Namenskonstruktionen weiss man fast nicht ob man lachen oder Mitleid verspüren soll. Auf jeden Fall verstehen wir, falls sie den Wunsch hegen, ihren Namen zu ändern.
Fast zehn Jahre lang trug ein neuseeländisches Mädchen einen Namen, der wie eine Bildunterschrift in einer Lokalzeitung klingt. «Talula tanzt den Hula aus Hawaii» lautete ihr Name ins Deutsche übersetzt. Weil ihre Mitschüler sie aufgrund ihres Vornamens hänselten, wurde 2008 ein Familienrichter auf die Situation aufmerksam.
Er stellte das Kind unter richterliche Vormundschaft damit er ihr Name über den Köpfen seiner Eltern ändern konnte. «Dieser Vorname lässt das Kind als Trottel dastehen und handicapiert sie auf sozialer Ebene» sagt er damals gegenüber den neuseeländischen Medien.
Wir wissen nichts über ihn. Aber wir hoffen, dass dieser Ausschnitt eines amerikanischen Jahrbuches echt ist. Denn wer hätte nicht gern einen Freund der Jesus
fucking Condom heisst?!
Im Mai 2001 liess ein Feuerwehrmann der US-Army National Guard seinen Namen ändern. Der 30-jährige Mann wollte als Nachkommen seines Idols Optimus Prime, einem Charakter aus der Action-Zeichentrick-Serie «Tranfromers» wahrgenommen werden. Gegenüber der lokalen Presse verriet er seinen gebürtigen Namen nicht. Er hob lediglich hervor, dass «Optimus Prime» für ihn schon immer eine Art Vaterfigur darstellte.
Einen Tag bevor Lloyd Bernard Free 28 Jahre alt wurde, machte er seinen Spitznamen zu seinem amtlichen Vornamen. Als Basketballer der höchsten amerikanischen Liga, der NBA, war er als «All-World» bekannt. Weder alle Städte, noch sämtliche Länder sollen in ihrer Bedeutung seiner Begabung gerecht werden, so dass als Kosename nur «All-World» oder die Kurzform «World» angemessen gewesen sei.
Dass sein neuer Name schon fast schon als pazifistisches Statement verstanden werden kann, steht für World eher an zweiter Stelle.
Sogar für das watson Layout zu absurd: Brfxxccxxmnpcccclllmmnprxvclmnckssqlbb11116 (ausgesprochen: Albin) – was aussieht wie das Resultat eines Schwächeanfalls mit anschliessendem Schläfchen auf der Tastatur, ist eigentlich ein politisches Statement.
Fünf Jahre lang hat sich die Schwedin Elizabeth Hallin geweigert ihrem Sohn einen amtlichen Namen zu geben. Die staatlichen Namensvorschriften seien für sie eine unnötige und freiheitsberaubende Regulierung.
1996 wurde ihr deshalb eine Busse aufgebrummt, auf die herab sie den 43 Zeichen langen Namen eintragen liess. Es sei eine schwangerschaftlich-expressionistische Entwicklung, die sie als künstlerische Schöpfung erachte, behauptete Hallin dazumal öffentlich.
Zum Glück des Bubs wurde der Name von den schwedischen Behören nicht akzeptiert. Auch Hallins Alternativvorschlag «A» wurde abgeschmettert, sodass der Name des Jungen nun ganz konventionell Albin lautet.
Bieder geben sich auch die neuseeländischen Behörden. Nach «Sex Fruit» und «Stallion» (dt.: Zuchtbulle) wurde in Down Under auch dem Vornamen «4real» seine Echtheit abgesprochen.
Noch kryptischer wird's in China. Bei knapp 1,4 Milliarden Chinesinnen und Chinesen gestaltetet sich die Suche nach einem einzigartigen Namen schwierig. Aus einem kreativen Schwall heraus hatte ein chinesisches Paar die Idee ihren Erstgeborenen «@» zu taufen.
Angeblich gleiche das Symbol dem chinesischen Zeichen für «Liebe». Die Behörden teilten die Ansicht aber nicht und deklarierten den Vornamen «@» als Beispiel für den Verfall der Sitten.
«Meine Eltern gehörten zu der Post-Woodstock-Generation. Mit Pepsi holten sie sich nach einem Gras-Flash wieder runter», erklärte Jackson 2009 in der amerikanischen Zeitung Milwaukee Journal-Sentinel.
Aus ihrem Namen macht die Mittelschullehrerin ein kleines Politikum: «Ich mag es, die Vorurteile, welche die meisten Menschen gegenüber meinem Namen empfinden, zu widerlegen.»
Der Generaldirektor der Zivilpolizei der brasilianischen Provinz Goiás trägt den
melodiösen Namen «Hitler Mussolini». Dass sein Namenkonstrukt eine Symbiose der beiden (vermutlich grössten) faschistischen Gewaltherrschern ist, störte ihn angeblich wenig. Er trug ihn bis zu seinem Tod im Jahre 2009 mit Stolz.
«Adler-Aug Kirsche» ist nicht etwa der Künstlername des schwedischen One-Hit-Wonders von «Save tonight» – nein, er wurde ihm schon bei Geburt von seinem Vater zu geschrieben. Dieser hatte das Gefühl, die Augen seines Sohnes wirken wie die eines Adlers. Gottseidank, sah er am Körper seines neugeborenen Kindes keine Schweinebäckchen oder Känguru-Füsse.
In Italien verbaten Amtsrichter den Vornamen «Venerdi». Obwohl das ganz harmlos mit Freitag übersetzt wird, verbinden die römischen Behörden «Venerdi» mit dem Freitag aus «Robinson Crusoe», der ein symbolisch für Unterwürfigkeit stehe. Andererseits wurde jedoch «Mercoledi» (Mittwoch) als Vorname in Italien zugelassen.
Es ist nicht ganz klar, wieso Neuseeländer die Nase ganz vorne haben, wenn es um die Kreation skurriler Vornamen geht. Das Recht im ozeanischen Inselstaat sieht klar vor: «Ein Vorname darf weder eine real lebende Person, noch darf er unbegründet lang oder den Namen einer Marke oder den eines öffentlichen Ranges tragen.»
«Nummer sechzehn Bushäusschen» hielt im Gegensatz zu «Majestät», «Prinzessin» oder «Gerechtigkeit» der Gesetzeslage stand.
(jin)