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Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
Mit dem Surrealismus hat diese Geschichte nichts oder sehr wenig zu tun, zumal sie sich so, wie geschildert, abgespielt hat. Wirklich? Wer bekrittelt die Imagination? Sie ist eine der vielen Formen der Realität.
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Am 1. April erschien folgende Anzeige in der Rubrik „Bekanntschaften“ einer namhaften Tageszeitung:
Herrenhandschuh sucht Damenhandschuh
60-jähriger Lederhandschuh für linke Hand, leicht lädiert, doch gut gefüttert, sucht Bekanntschaft mit einer kultivierten Handschuhdame. Ihre Zuschrift mit Foto erreicht mich unter der Chiffre B-I-H.
Zuschrift 1
Ich bin wollig und mollig und satt gestrickt und keineswegs ausgetragen.
Diese Zeile gefiel dem Herrenhandschuh, der Friedrich heisst. Er antworte der Handschuhdame namens Brigitte postwendend und bestellte sie zum Nachtessen in ein 1.-Klass-Hotel. Linkshändig band er sich eine Seidenkrawatte um. Die Dame erschien, und kräftig schüttelte Friedrich ihre Hand. Der Kellner erschien alsbald mit einer Flasche Champagner. Den linken Arm hinter dem Rücken versteckt, verwechselte der Kellner leider den geöffneten Handschuh mit dem Champagnerkelch, der sich zu spät zur Faust ballte. Friedrich wurde darob zum Wüterich. Die Stimmung war verdorben. Die kultivierte Dame war entsetzt. Das 1. Fiasko.
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Zuschrift 2
Dank der Ledercreme war Friedrichs Ansehen wieder hergestellt, als er die 2. Zuschrift begutachtete:
Als Besitzerin eines stadtbekannten Galanteriewarenladens (Accessoires) suche ich einen galanten Herrn zwecks Freundschaft und vielleicht mehr. Bin ich ihr passender Handschuh?
Ihr Hinweis „und vielleicht mehr“ fesselte Friedrichs Aufmerksamkeit. „Das ist sie“, streckte er seinen Zeigefinger hoch. Er schlug eine Seepromenade vor, gefolgt vom Abendessen in einem Dampfer mit Gaststätte, auf „Nouvelle cuisine“ spezialisiert.
Der 1. Eindruck stimmte mit Friedrichs Vorstellung überein, und er küsste ihren parfümierten Glacéhandschuh. Erst noch eine Rechtshänderin, bemerkte er mit Wohlgefallen. Hand in Hand flanierten sie zum Steg und fanden einen Fensterplatz im Dampfer. Kokett spiesste sie die 3 Krevetten mit der Gabel auf. Wirklich, Irene hatte verfeinerte Essmanieren. Teller um Teller mit Miniaturportionen folgten. Der korpulente Friedrich wurde dabei nicht satt und bestellte zuletzt ein Brathuhn mit Pommes Frites. Und was kriegte er? 4 schmale Streifen vom Huhn, spärlich mit Sauce übersprenkelt und 4 Pommes … „Das gleiche gleich 5 Mal, oder besser, bringen Sie mir den Rest des Huhns“, knurrte Friedrich den Kellner an. Irene tauschte einen vielbesagenden Blick mit dem alleinsitzenden Herrn am Tischchen nebenan aus, der besagte :„So ein Rüppel!“. Friedrich hatte sie beim Blickwechsel ertappt. Bei der nächsten Haltestelle verliess Friedrich pikiert den Dampfer. „Der kann sie mitsamt der Rechnung haben!“ Das 2. Fiasko.
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Zuschrift 3
Nach 3-tägiger Wartezeit widmete sich Friedrich wieder den Zuschriften und zupfte wahllos einen blauen Umschlag aus dem Stoss.
Die kräftigen und wackeligen Schriftzüge kamen ihm irgendwie bekannt vor. Unterschrieben war die Zuschrift mit Hulda. Genau so schrieb seine Haushälterin ihre Einkaufsliste. Ausgerechnet die Hulda aus dem Breisgau! Sie trug beim Abwaschen einen gelben Plastikhandschuh an der linken Hand, damit ihr das Geschirr nicht entglitt. Das blaue Couvert hatte sie ihm geklaut. Hier ist ihre Zuschrift:
Ich kultiviere viel Grünzeug im Garten ... Hulda
Den Rest ihrer linkshändigen Handschrift, ausgenommen die Unterschrift, konnte er nicht entziffern. Aber kochen kann die Hilda – besser als die Köche im Münchner Hofbräuhaus! Sie durfte er nicht verlieren. Friedrich beachtete und achtete sie mehr und mehr und huldigte ihr zuletzt. Warum in die Ferne schweifen? Seinen Heiratsantrag nahm sie an. Links auf Links geht auch, selbst bei Handschuhen. Ende gut, alles gut.
Hinweis auf weitere Feuilletons von Emil Baschnonga