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Nachhaltigkeit ist in aller Munde, der Begriff dementsprechend schwammig. Fest steht, es handelt sich um ein mehrdimensionales Konzept, bei dem langfristig orientiertes und verantwortungsvolles Handeln über kurzfristige Profite gestellt wird. Eine kurze Retrospektive in die Geschichte des nachhaltigen Investierens soll die erwähnten Dimensionen und die Träger der Verantwortung klären.
Die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit
Der 1987 erschienene Brundtland Bericht der UN („Unsere gemeinsame Zukunft“) ist für seine Definition des Begriffs Nachhaltige Entwicklung grundlegend.
„Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“
Brundtland-Bericht, S. 51; Absatz 49 und S. 54 Absatz 1
Diese stark auf das Prinzip der Generationengerechtigkeit (zum Beispiel das saubere Hinterlassen der Umwelt für die folgenden Generationen) ausgelegte Definition, war Anstoss für weitere Debatten über deren konkrete Umsetzung. Seit den 90er Jahren hat sich so das Drei-Säulen-Modell durchgesetzt. Es besagt, dass eine nachhaltige Entwicklung nur unter Berücksichtigung sozialer, ökologischer und ökonomischer Bereiche - die als gleichwertig betrachtet werden - erreicht werden kann. Wobei diese Gleichwertigkeit diskussionswürdig bleibt, da sowohl ökonomische wie soziale Nachhaltigkeit auf einer ökologischen Grundlage bauen.
Eine kurze Geschichte der nachhaltigen Geldanlage
Hauptkriterium für sinnvolle Investitionen war früher die Rendite. Richtig angelegt war Geld dann, wenn für die Investoren ein finanzieller Gewinn daraus resultierte. Diese Maxime erhielt erheblichen Aufschwung durch den Ökonomie-Nobelpreisträger Milton Friedman und seinen 1970 publizierten Artikel mit der Überschrift „Die gesellschaftliche Verantwortung einer Firma ist es, ihre Profite zu steigern“. Klare Worte eines der einflussreichsten und umstrittensten Ökonomen des 20. Jahrhunderts. Friedman befreit die Unternehmen von jeglicher sozialer und ökologischer Verantwortung- diese seien ausdrücklich dem Staat als souveränem Gesetzgeber zuzuschreiben. Von Nachhaltigkeit à la Drei-Säulen-Modell ist hier noch wenig zu spüren.
Dabei machten sich Investoren bereits im 17. Jahrhundert darüber Gedanken, ob sie bei ihren Geldanlagen verantwortungsvoll agierten. Religiöse Gruppen waren damals unter den Ersten, die den Sklavenhandel oder das Geschäft mit Rüstungsgütern aus ethischen Gründen ablehnten.
Als Gegenentwurf zu Friedman entwickelte sich in den 90er Jahren um die Ökonomen Ed Freeman und William Evan die Stakeholder Theorie. Unter Stakeholdern (dt. „Teilhaber“) versteht man jene, die von den Aktivitäten eines Unternehmens betroffen sind. Dazu gehören sowohl interne (Mitarbeiter, Manager, Aktionäre) als auch externe (etwa Banken, Kunden, Lieferanten, der Staat, die Gesellschaft und eben auch die Umwelt) Teilhaber. Die Stakeholder Theorie betont die Abhängigkeit zwischen einem Unternehmen und seinen Stakeholdern; sie weist ihnen dadurch eine gegenseitige moralische Verantwortung zu.
Verständlich wird diese trockene Theorie am besten mit einem Beispiel.
Der Stakeholder „Umwelt“ dient dem Unternehmen mit Grund, Boden und natürlichen Ressourcen- aber nur wenn er von diesem im Gegenzug fair behandelt und nicht verschmutzt oder gar zerstört wird. Dadurch entsteht eine Verantwortung von allen übrigen Stakeholdern sowie dem gesamten Unternehmen gegenüber dem Stakeholder „Umwelt".
Die zunehmende Verschiebung der Verantwortung auf die Stakeholder war ein entscheidender Schritt in Richtung der heutigen ESG (Environmental, social and governance) Kriterien, die von nachhaltigen Investoren berücksichtigt werden müssen. Neben dem Faktor Unternehmungsführung (governance) müssen Umwelt und Soziales in Investmententscheidungen miteinbezogen werden; so, wie es das Drei-Säulen-Modell vorsieht.
Quellen und weiterführende Informationen
Buch: Nachhaltig investieren & gewinnen. Profitieren vom ökologischen Megatrend. Wolfgang Pinner, Linde international Verlag, 2.Auflage
Über die moralische Verantwortung von Geld
Wer sein Geld in nachhaltigen Fonds anlegen will, muss genau hinschauen