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Butler versteht die Geschlechterrolle nicht als eine stabile Identität, sondern eher eine, die zerbrechlich ist und immer wieder durch stilisierte Wiederholungen und Akte neu konstituiert wird. Diese Akte können körperliche Gesten, Bewegungen oder Inszenierungen sein, die die Illusion eines geschlechtlich bestimmten Selbst erzeugen. Die Identität könnte man also als eine Art Konzept verstehen, die durch performative Leistung konstruiert wird, die nur dann funktioniert, wenn das Publikum und die Akteure daran glauben. Verortet man die Grundlage der Geschlechteridentität nun in diesen performativen Akten, dann entstehen Möglichkeiten der Geschlechterveränderung indem man diese Wiederholungen durchbricht, sie verändert oder auf eine subversive Weise wiederholt. Denn eine konstruierte Geschlechterrolle ist auch offen für andere Formen der Konstitution!
Butler untersucht weiter, auf welche Weise sich Geschlechterrolle durch spezifische Akte konstruiert und welche Möglichkeiten der kulturellen Transformation der Geschlechterrolle durch solche Akte bestehen. Sie bezieht sich im Verlauf ihrer Argumentation dabei hauptsächlich auf die Phänomenologie, um aufzuzeigen, dass das was als Geschlechteridentität bezeichnet wird, eine performative Leistung ist, die durch gesellschaftliche Sanktionen und Tabus erzwungen wird. „Frau“ sei eine historische Idee und keine natürliche Tatsache, damit macht sie eine Unterscheidung zwischen Geschlecht als biologischer Faktizität (also „weiblich sein“) und Geschlechterrolle als der kulturellen Interpretation dieser Faktizität („Frau sein“).
Die Auffassung des Körpers als einer Art Dramatisierung oder Inszenierung von Möglichkeiten ist hilfreich, wenn man verstehen will, wie eine kulturelle Konvention verkörpert und inszeniert wird. Butler nennt das Beispiel des Theaters, der Verkleidung und des Spiels, als Gegensatz zur Realität der Geschlechterrolle. Während man im Theater den Akt dekonstruieren kann, weil er nur „gespielt“ ist, besteht in der „Realität“ der Geschlechterrolle das Problem, dass der performierte Akt bereits als Realität angesehen wird. Dadurch besteht keine Möglichkeit der Dekonstruktion oder des Rückgriffs auf einen Ursprungszustand.
Als Vorschlag, bringt sie die Performanz des Transvestiten an, welcher ihrer Meinung nach durch das „Verkleiden des jeweilig Anderen“, das aktive (und überzeichnete) Performen also, nicht nur den ausdrücklichen Unterschied zwischen Geschlecht und Geschlechterrolle zum Ausdruck bringen kann, sondern vielmehr die Unterscheidung zwischen Erscheinung (Spiel) und Realität in Frage stellen kann. Dies lässt sie abermals darauf schliessen, dass die Wahrheit oder Unwahrheit der Geschlechterzugehörigkeit bloss sozial erzwungen ist und keineswegs einer ontologischen Notwendigkeit folgt. Somit zeigt sie die bestehende (Macht-)Struktur des Systems auf.