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Die Bewahrung der Schöpfung war schon ihm ein Anliegen: Don Camillo auf dem Velo. (Szene aus einem der Don-Camillo-und-Peppone-Filme mit Fernandel) | © gestohlen aus dem Interner
Nun, Mario Vargas Llosas Roman «Ein diskreter Held» ist in der Tat ein «Alterswerk in doppelter Hinsicht», wie der NZZ-Literaturkritiker damals bemerkte. Sich dahinziehend, im Abgang fade. Davon mal abgesehen: Eine der Nebenrollen in dem 2013 erschienenen Roman hat der peruanische Nobelpreisträger mit bemerkenswerter verkehrspolitischer Vernunft ausgestattet, weshalb diese hier unbedingt Erwähnung finden muss. Denn Pepin O’Donovan, einstiger Weggefährte des einen Titelhelden, ist in der Hauptstadt Lima als «notorischer Radfahrer» unterwegs, wie Llosa den Padre beschreibt. Das erinnert doch stark an Giovannino Guareschis Don Camillo, der sich freilich im ländlichen Italien der Nachkriegszeit auf dem Velo keineswegs einem solchen Verkehrschaos ausgesetzt sah wie O’Donovan in der 9-Millionen-Stadt-Lima. Zudem: Hätte Don Camillo sich einen Cinquecento leisten können, wäre er zweifellos damit unterwegs gewesen, während sich Padre Pepin aus Überzeugung fürs Zweirad entscheidet. Was der Autor so beschreibt (S. 144):
Pater O’Donovan war gewiss der einzige Geistliche, der sich weder mit dem Bus noch mit dem Sammeltaxi durch das weite Lima bewegte, sondern mit dem Fahrrad. Er sagte, es sei der einzige Sport, den er treibe, das aber so heftig, dass es ihn körperlich ausgesprochen fit halte. Ausserdem radelte er einfach gern. Dabei konnte er nachdenken, seine Predigten vorbereiten, Briefe formulieren, die Aufgaben des Tages planen. Natürlich musste er die ganze Zeit wachsam sein, vor allem an den Strassenecken und den Ampeln, die in dieser Stadt niemand beachte, wo es den Autofahrern mehr darum getan sei, die Fussgänger und die Radfahrer zu überfahren als ihr Fahrzeug heil ans Ziel zu bringen. Trotzdem, sagte er, habe er Glück gehabt, denn in den mehr als zwanzig Jahren, die er auf Rädern die ganze Stadt bereise, habe man ihn nur einmal angefahren, ohne schlimmere Folgen, und nur einmal sei sein Rad gestohlen worden. Eine ausgezeichnete Bilanz!
Eine Seite später kommts noch besser, als O’Donovan seinen einstigen Schulkollegen Don Rigoberto und dessen Frau besucht: «Wie lange hast Du gebraucht von Bajo el Puente bis nach Barranco?», fragte ihn Lucrecia. «Nicht mal eine halbe Stunde», sagte er. «Bei den Staus ist man heute mit dem Fahrrad in Lima schneller als mit dem Auto.»
Während den Geistlichen die Radelei in geistiger Hinsicht – siehe oben – gut bekommt, erschöpft sie ihn in körperlicher allerdings ziemlich. Heisst es doch im nächsten Absatz: «Pater O’Donovan atmete tief durch. So wie seine Lungen rasselten, musste diese halbe Stunde auf dem Rad ihn mehr erschöpft haben, als er zugeben wollte. Er machte eine lange Pause.»
Mario Vargas Llosa: Ein diskreter Held. Roman. Aus dem Spanischen von Thomas Brovot. Suhrkamp-Verlag, Berlin 2013. 381 S. Die Originalausgabe erschient 2013 unter dem Titel «El héroe discreto», auf Deutsch im Suhrkamp Verlag, Berlin. Mario Vargas Llosa, geboren 1936 im peruanischen Arequipa, lebt heute in Madrid und Lima. 2010 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.