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Botanik
Die SFAR im Dienste der wissenschaftlichen Forschung
Auszug aus: Schweizerische Stiftung für Alpine Forschungen 1939 bis 1970. Erschienen in Zürich 1972
Wer immer in den Pflanzensammlungen altrenommierter Herbarien stöbert, nimmt mit Erstaunen wahr, dass seit eh und je Polarfahrer und Bergsteiger Blumen gepresst haben, die später auf oft verschlungenen Pfaden den Weg in wissenschaftliche Herbarien fanden. So sind auch in schweizerischen Sammlungen viele Pflanzen aus Polarländern und aussereuropäischen Hochgebirgen eingereiht.
Die botanische Forschung blickt in der Schweiz auf eine lange Tradition zurück. Die alten Herbarien der Universität Basel, die Pflanzensammlungen des Botanischen Gartens Genf, der Universität Zürich, der ETH mit dem angegliederten geobotanischen Forschungsinstitut Stiftung Rübel sind unter Fachleuten weltweit bekannt. Die lange Reihe von Bestimmungsbüchern, von regionalen Pflanzenkatalogen und Floren-Werken zeigt die Beliebtheit der scientia amabilis, der sich in der Schweiz neben
ausgebildeten Fachbotanikern viele Laien verschrieben haben.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben schweizerische Fachleute auf den jüngeren Forschungsgebieten der Pflanzensoziologie und der Pflanzengeographie Pionierarbeit geleistet. In Verbindung mit der Expeditionstätigkeit hat die Stiftung eine ganze Reihe botanischer Arbeiten gefördert.
Im Rahmen der Barnnland-Expedition 1955 setzte Fritz Hans Schwarzenbach seine botanischen Untersuchungen fort, die er als Teilnehmer der dänischen Ostgrönland-Expedition 1948 bis 1952 begonnen hatte. Seine Beobachtungen sind in einem umfangreichen Manuskript niedergelegt. Später hat er eine experimentelle Arbeit über die Viviparie des grönländischen Rispengrases veröffentlicht.
Einen weiteren Beitrag zur arktischen Botanik leistete Otto Hegg, der auf der Expedition nach Axel-Heiberg-Land vergleichende Beobachtungen zwischen arktischer und hochalpiner Vegetation anstellte.
Eine besondere Stellung nehmen die botanischen Arbeiten im Himalaya ein. Allem voran ist die von Dr. Edouard Wyss-Dunant geleitete Everest-Expedition vom Frühjahr 1952 zu erwähnen, der eine wissenschaftliche Arbeitsgruppe der Universität Genf angehörte. An dieser Expedition nahm Albert Zimmermann, Mitarbeiter am Botanischen Garten der Stadt Genf, teil. Er legte eine umfangreiche Sammlung an, die in den folgenden Jahren von Spezialisten bearbeitet wurde.
In den Jähren 1960/61 arbeitete unter Leitung von Kenneth Hewitt eine britisch schweizerische Kleinexpedition am Biafo-Gletscher im pakistanischen Teil des Karakorum. An dieser Expedition nahm von schweizerischer Seite Emil Reiser, Gärtner am Botanischen Garten in Zürich, teil, der zusammen mit anderen Mitgliedern der Expedition im Arbeitsgebiet überwinterte und dabei wertvolle Daten zur Meteorologie und Klimatologie dieser Gletscherregion sammelte. Im Frühjahr 1961 wurde die Expedition durch zwei schweizerische Wissenschaftler verstärkt. Der Geomorphologe Gerhard Furrer widmete sich vor allem glazialmorphologischen Beobachtungen und untersuchte Periglazialerscheinungen im Vergleich zu Alpen und Arktis. Die Ergebnisse sind in der 1965 erschienenen Habilitationsarbeit veröffentlicht. Der Botaniker Hans Hartmann-Frick sammelte Pflanzen in der nivalen Zone, untersuchte die Vertikalverbreitung der verschiedenen Arten bis zur Vegetationsgrenze und befasste sich eingehend mit ökologischen und pflanzensoziologischen Untersuchungen. Seine Feldbeobachtungen über den steppenähnlichen Charakter dieser Pioniervegetation wurde später durch bodenkundliche Untersuchungen an mitgebrachten Erdproben bestätigt. Die Ergebnisse der botanischen Untersuchungen hat Hans Hartmann zum Teil veröffentlicht.
Im Sommer 1970 ermöglichten wir Hans Hartmann die Teilnahme an einer von Gerhard Furrer geleiteten Forschungsreise des Geographischen Institutes der Universität Zürich nach Spitzbergen. Damit bot sich ihm die Chance, Vergleiche zwischen den Pioniervegetationen der Arktis, der Alpen und des Himalaya zu ziehen.
In ganz anderer Weise unterstützte die Stiftung für Alpine Forschung die wissenschaftlichen Arbeiten des leider allzu früh verstorbenen, hochbegabten Botanikers Hans Ulrich Stauffer. Auf Empfehlung verschiedener Fachleute hatte Arnold Heim den jungen Botaniker als Begleiter auf seiner Forschungsreise 1954/55 zu den Virunga-Vulkanen in Afrika gewählt. Als ausgezeichneter Pflanzenphotograph, als kritischer Kenner tropischer Gebirgspflanzen und unermüdlicher Arbeiter fand Stauffer nach der Expedition sehr schnell die Anerkennung und Unterstützung seiner Fachkollegen, die ihn ermunterten, eine kritische Monographie über einige Gattungen aus der Familie der Sandelholzgewächse zu verfassen. Da sehr viele Arten dieser Gattungen in tropischen und subtropischen Gebieten wachsen, entschloss sich Stauffer zu einer Weltreise, die der Sammlung von Belegmaterial und dem Studium der Arten in ihrer natürlichen Umgebung dienen sollte. Durch Mithilfe bei der Planung und Vorbereitung des Unternehmens versuchten die Stiftung für Alpine Forschung, Hans Ulrich Stauffer den Weg zu ebnen. Die Weltreise konnte 1963 planmässig durchgeführt werden. Leider erlag der junge Forscher kurz nach seiner Rückkehr in die Schweiz einer heimtückischen Krankheit. Seine reiche und sorgfältig beschriftete Sammlung wurde dem Botanischen Museum der Universität Zürich übergeben. Ein Teil des Materials wurde durch Fachleute des Botanischen Gartens bearbeitet und teilweise veröffentlicht (Markgraf, Stauffer).