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“Ich werde spielen, bis mich Gott nach Hause holt. Ich bin nicht der einzige, der übrig ist, aber ich bin einer der letzten meiner Generation.“ Robert Lee Coleman (*1945, Macon, GA) ist ein Bluesmann alter Schule. Fast sein ganzes Leben hat er in seiner Heimatstadt verbracht.
Sein frühester musikalischer Einfluss war sein Stiefvater, von dem Robert noch heute in den höchsten Tönen schwärmt, obwohl dieser ihm keine einzige Note beibrachte und er nie auf seiner Gitarre spielen durfte. Aber er durfte oft zu den Houseparties mit, wo sein Stiefvater regelmässig spielte. „Was ich da alles sah, erzählte ich nicht mal meiner Mutter.
Ich lernte früh: halte dich raus aus Dingen, die dich nichts angehen und du lebst lange.“ Als er etwa 12 Jahre alt war, begann Robert in der Kirche in der Gospelband zu spielen. Gott habe ihm das Talent und das Gehör gegeben, Gitarre zu spielen, ohne dass ihm je etwas beigracht worden sei, erklärt der Autodidakt, der von sich behauptet, alles spielen zu können, was er im Kopf habe.
1964 holte ihn Percy Sledge in seine Tourband. Bis 1969 war er mit der Soullegende unterwegs. Weil er sich müde fühlte, gab er das Engagement auf, hielt es aber nicht lange in Macon aus. Schon 1970 ging er als Mitglied von James Brown’s neuer Band „The JB’s“ für zwei Jahre auf Tournee und spielte auch auf drei Alben mit – unter anderem auf „Hot pants“. Dabei kam ihm eben seine Gabe zugut, alles spielen zu können, was er hörte. „Da war die 13-köpfige Band bereit zum Üben, James kam mit Ideen rein und summte jedem vor, was er zu spielen hatte. Und man musste gut zuhören, denn er wollte alles nur einmal erklären“, erzählt Robert.
Eine weitere Geschichte zeigt den Charakter des bescheidenen weissbärtigen Bluesers, der irgendwie an einen Country-Grossvater erinnert, der auf seine sechs Gitarren stolz ist, als wären sie seine Grosskinder. Für die Tour hatte ihm James Brown eine Gibson Firebird Gitarre gekauft. Als Robert sein Engagement beendete, liess er sie im Equipement-Truck zurück. „Er hatte zwar nie gesagt, ich müsse sie zurückgeben, aber ich hatte das Gefühl, sie gehört nicht mir. Ich wollte nicht, dass er wegen einer Gitarre nach Macon kommen würde. Er hätte es zwar nie getan, aber ich wollte keine Verpflichtung offen lassen. Ich wollte nichts, was mir nicht gehörte.“
Seit seiner Rückkehr nach Macon spielt Robert Lee Coleman regelmässig in Macon und Umgebung, 2012 und 2018 nahm er zwei Soloalben auf. Und wenn es mal nicht zum Leben reichte, arbeitete er als Maler, Schreiner und in anderen Jobs.