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Ferdinand Hodler (1853–1918) ist eine der bekanntesten Figuren der Schweizer Kunstgeschichte. Er ist in seinen frühen Jahren, bis 1870 in Thun und 1871 in Langenthal, als Maler tätig. 1872 zieht er nach Genf, wo er bis zu seinem Tod lebt, abgesehen von kürzeren Aufenthalten im Ausland, etwa in Spanien, Paris und Wien. Ferdinand Hodler wird sich als erfolgreichster Künstler seiner Generation etablieren. Bis dahin gilt es jedoch, einen langen und oftmals mühseligen Weg zur Anerkennung zurückzulegen. Von den Kämpfen, Zweifeln und Triumphen auf diesem Weg zeugen die Briefe an seinen Freund und Ratgeber Johann Friedrich Büzberger, die sich im Kunstarchiv von SIK-ISEA befinden.
Hodler und Büzberger lernen sich in Jugendjahren in Langenthal kennen. Zu der Zeit ist Hodler noch ein unbekannter Maler, der sieben Jahre ältere Büzberger, Sohn des Anwalts und Nationalrats Johann Büzberger, ein Jurastudent. Der kunstbegeisterte Büzberger erkennt in Ferdinand Hodler grosses Potenzial und nimmt ihn sogleich unter seine Fittiche. Er führt Hodler in die kunsttheoretische Literatur ein, macht ihn in der Langenthaler Gesellschaft bekannt und rät ihm auch, nach Genf zu ziehen, wo Hodler schliesslich als Künstler Fuss fassen kann.
Ein Leben lang behält Büzberger seine Rolle als Ratgeber, Unterstützer und Förderer Hodlers bei. In vielen Briefen bittet der Künstler seinen Freund um finanzielle Unterstützung, berichtet aber auch von Werken, die er im Auftrag von Büzberger schafft, so das Bildnis von dessen Nichte Jeanne Nicolet aus dem Jahre 1884 oder das Figurenbild Der barmherzige Samariter von 1886. Ausserdem stehen der Forschung dank dem Nachlass Büzbergers auch Informationen zu Projekten zur Verfügung, die unausgeführt bleiben, wie beispielsweise die Ausstattung des Treppenhauses im Palais de Justice in Lausanne. Als Vizepräsident der Berner Kunstgesellschaft nutzt Büzberger seinen Einfluss, um Hodler Aufträge zu verschaffen und spielt eine wichtige Rolle beim Ankauf von vier Hodler-Gemälden durch das Berner Kunstmuseum im Jahre 1901. Hodlers Dankbarkeit und das Vertrauen in seinen Freund finden in vielen Briefen Ausdruck.
Rund fünfzig Briefe von Hodler an Büzberger gelangen als Schenkung aus Familienbesitz 2019 zu SIK-ISEA, nach Abschluss der Arbeiten am Werkkatalog Ferdinand Hodlers. Auszüge aus der Korrespondenz zwischen Büzberger und Hodler werden bereits in den 1920er-Jahren durch Carl Albert Loosli und Daniel Baud-Bovy publiziert und dienen seither als Forschungsgrundlage. Die Briefe gewähren über rund dreissig Jahre hinweg Einblick in Hodlers Schaffen, in seine Arbeitsprozesse und in seine Hoffnungen, Sorgen und Wünsche, die er als Künstler hegt und die er mit Büzberger teilt.
Signatur
SIK-ISEA, Schweizerisches Kunstarchiv, HNA 976
Konzeption und Durchführung
Michael Schmid, lic. phil., Projektleitung
Mayra Jenzer, Mitarbeiterin Schweizerisches Kunstarchiv, Einführungstext und Auswahl Dokumente
Kontakt
Schweizerisches Kunstarchiv
T +41 44 388 51 04
<email-pii>
Publiziert am 11.08.2021