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In Memoriam an Heidi Gindrat
25.10.1939 - 05.10.2008
Unsere Vizepräsidentin Heidi Gindrat hat uns für immer verlassen, sie hinterlässt eine riesengrosse Lücke. Heidi war seit Anbeginn unseres Vereins aktiv dabei, konstruktiv hat sie mitgeholfen unseren Verein zu dem zu machen, was er heute ist.
Wenn es galt einen Text zu formulieren, oder einen Entwurf von jemand anderem zu "bemeckern" wie wir es scherzhaft nannten, wenn wir uns gegenseitig Textvorschläge per e-Mail zuschickten um diesen korrigieren zu lassen, war Heidi immer die Erste. Oft auch die Letzte, weil nach ihren Anregungen und Korrekturen niemand mehr etwas "zum bemeckern" fand.
Den Catsitter-Service leitete sie mustergültig. Wenn sich jemand als Catsitterin oder Catsitter bewarb, lud sie diese Person zuerst zu sich nach Hause ein. Heidi wollte schliesslich wissen, mit wem sie es zu tun hat, ob die Person eine Ahnung von Katzen hat und ob sie vertrauenswürdig ist.
Wenn sie dann eine Catsitterin oder Catsitter brauchte, startete sie sofort e-Mails und Telefonate um eine geeignete Person zu finden. Selbst Anfragen aus den Kantonen Aargau, Bern, Solothurn, Zürich und sogar Tessin versuchte und konnte sie zum Teil zufrieden stellen. Geographie war nicht ihre Stärke. Heidi hatte andere Qualitäten. Wir haben oft zusammen darüber gelacht, wenn sie Ortschaften "verschoben" hat um in deren Umgebung Catsitter zu suchen. Wenn sie dann keinen Erfolg hatte und mich anrief, z.B.: "Was sind den die nächsten Ortschaften um Breitenbach? Ist das nicht bei Zürich?" (sie verwechselte es mit "Spreitenbach") kam es ab und zu vor, dass ich mit gespielten Entsetzen rief: "Heidi! Deine "Geometrie!"" Sie nahm es immer mit Humor und wir lachten gemeinsam.
Einmal, als Heidi mich bei einer Katzenstreuauslieferung nach Bern begleitete, sagte sie auf der Autobahn, auf der Höhe von Oensingen: "Du, Günther, ich habe im Radio gehört, dass auf der San Bernardino-Strecke Schneefall ist. Kommen wir dort vorbei? Oder hast Du Winterpneus drauf?" Erst bekam ich einen Lachanfall, dann erklärte ich ihr, wo diese Strecke ist. "Ich kann ja nicht alles wissen!", sagte sie mit gespielter Trotzigkeit, dann lachten wir uns gemeinsam Tränen.
Heidi hatte etwas das vielen fehlt, sie konnte auch über sich selbst lachen.
Es ist aber nicht selten vorgekommen, dass sie für den einen oder anderen Einsatz niemanden finden konnte und dann, wenn in der Stadt Basel, es selbst übernahm, sogar zu Katzen im 5. Stock ohne Lift. "Ich muss wieder auf den Kilimandscharo!" erzählte sie mir dann jeweils.
Als ich mit dem Katzenstreuhandel zu Gunsten des Katzenasyls einen Lagerverkauf einrichtete, war es wieder Heidi, die von der ersten Stunde an mit Eifer dabei war. Kompetent beriet sie Kunden und Skeptiker. "Kommen Sie doch mal zu mir zu Besuch, ich habe 10 Katzen und Sie werden sehen, es stinkt bei mir nicht!", bot sie vielen an.
Als ich dann den Lagerverkauf auch noch auf Katzenfutter ausdehnte, war es wieder Heidi, die den Kunden Ratschläge aus eigener Erfahrung geben konnte. Sie legte nie Wert darauf, die Zusammensetzung der verschiedenen Futtersorten anzupreisen, ihre Stärke war es, zu berichten, wie und welches Futter ihre Katzen am meisten mögen und wie gut sie es vertragen.
Das Wetter konnte sein wie es wollte, auf Heidi war immer Verlass, erst als sich die ersten Vorboten ihrer Krankheit zeigten, die damals noch nicht bekannt war, musste sie zurückbuchstabieren.
Es ist auch vorgekommen, dass sie mich weinend anrief und mir ihr Herz ausschüttete, wenn sie etwas Familiäres beschäftigte, eine Ihrer geliebten Katzen nicht fit war oder als es mit ihrem geliebten Kater "Manolo" zu Ende ging. Heute erfüllt es mich mit einer gewissen Zufriedenheit, dass ich ihr auf diesem Weg auch etwas zurückgeben konnte.
Die Vorboten ihrer Krankheit hinderten Heidi schon im April 2008, an den Vorbereitungen zum "Tag der offen Tür" im Katzenasyl teilzunehmen. Niemand von uns hat damals geahnt, dass es schon so schlimm mit ihr steht; oder wollten wir es nicht wahr haben? Ich weiss es nicht.
Am "Tag der offen Tür" konnte Heidi dann auch nicht teilnehmen, nicht einmal als Besucherin, sie lag im Spital. Sie konnte wohl noch aufstehen, doch Ausflüge waren ihr nicht mehr möglich. Dass etliche nach ihr gefragt haben spricht dafür, wie beliebt sie war und wie sie vermisst wurde.
Als Heidi nach ihrem ersten Spitalaufenthalt wieder nachhause entlassen wurde, war sie zuversichtlich, ihre Krankheit zu besiegen. Optimistisch, wie sie war, reiste sie noch mit dem Zug nach Norddeutschland, um dort ihre Freundinnen zu treffen. Dies war ihr Herzenswunsch. Dort verschlechterte sich ihr Zustand so dramatisch, dass sie als Notfall ins Spital eingeliefert werden musste. Die Rückreise nach Basel trat sie dann im Ambulanzauto an, direkt ins Claraspital, das sie nie mehr verlassen konnte.
Ich weiss, ich bin nicht der Einzige, der Heidi so gekannt und gern gehabt hat. Ich bin überzeugt, dass viele ihrer Freundinnen und Freunde Ähnliches erzählen können. All diesen möchte ich folgende, wahre Begebenheit erzählen, möge es allen ein Trost sein, so wie es für mich einer ist.
Vor vielen Jahren, es gab damals noch kein Katzenasyl, stand ich Nachts um 23.30 Uhr, mit einer schwer verletzten Katze bei einer Tierärztin in der Praxis. Mein "Sultan" so hies der Kater, war in eine Mähmaschine gekommen. Einen Hinterfuss hatte er ganz verloren, ein Vorderfuss war arg verletzt. Es kam natürlich die Frage der Euthanasie zur Sprache.
Die Tierärztin sagte damals zu mir: "Sehen Sie Herr Weber, wir Veterinärmediziner haben unseren Kollegen aus der Humanmedizin etwas voraus: WIR dürfen UNSERE Patienten erlösen, wenn's nicht mehr geht. Die Humanmediziner müssen ihre Patienten am Leben erhalten, bis der Tod sie erlöst!"
Mit diesem Zitat will ich keine Diskussion über die Sterbehilfe bei Menschen entfachen, aber, wer in ihren letzten Tagen noch mit Heidi in Kontakt war wie ich, der weiss, wie sehr sie gelitten hat und es hätte noch schlimmer kommen können.
Was ich damit sagen will ist folgendes:
Heidi hatte ein erfülltes Leben, sie war liebenswürdig, hilfsbereit und immer für uns da. Manchmal hat sie uns halt auch mal genervt, manchmal haben wir mit ihr gelacht oder geweint. Sie war eben ein Mensch, "wie Du und Ich". Sie hat es einfach nicht verdient, eine lange Leidenszeit durchstehen zu müssen.
"Trauer ist immer auch eine Form von Selbstmitleid" las ich einmal irgendwo. Gerne hätten wir sie noch unter uns, doch ihr Körper wurde unbewohnbar und wir wollen dankbar sein, dass ihre Leiden nun ein Ende haben. In unseren Herzen lebt sie weiter, mit all ihren Stärken und Schwächen; eben wie unsere Heidi.
Heidi hinterlies 12 Katzen, für 8 haben wir super Plätzchen gefunden, wo sie sich schon eingelebt haben. Die noch verbliebenen 4 sind nun bei mir und dürfen bleiben, wenn wir keine Plätzchen nach Heidis Wünschen finden sollten. Sie haben sich in ihrer eigene "Loge", auch schon gut eingelebt, zumal sie mich ja schon gut kannten, war ich doch, mit einem Unterbruch von nur 2 Wochen wo Heidi daheim war, seit dem 15. Juni 2008 jeden Abend bei ihnen zum Catsitting.
Günther Weber
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