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Tracey Rose
Ciao Bella (2001)
Dieser Film zeigt einen langen Tisch mit einer Gruppe weiblicher Figuren, die den zwölf Aposteln nachempfunden sind. Sie haben sich vor einem Vorhang aus rotem Samt zum letzten Abendmahl versammelt. Der Eröffnungsmonolog ist eine Adaption von William Shakespeares «Die ganze Welt ist eine Bühne» aus dem Theaterstück Wie es euch gefällt (1623). Darin sind die sieben Lebensalter des Menschen aufgeführt: das Kleinkind, der quengelige Schuljunge, der emotionale Liebhaber, der treue Soldat, der weise Richter, der hilflose Greis und der Leichnam. In ihrem Monolog hinterfragt Rose diese patriarchalische Illustration des menschlichen Lebens mit dem Mittel der Satire und spielt dabei mit sexistischen Kennzeichnungen wie ‚bitch‘ (Schlampe), ‚whore‘ (Hure), ‚virgin‘ (Jungfrau) und ‚maiden‘ (Mädchen). Indem sie diese Tabus im Stil des absurden Theaters sichtbar macht und auf die Spitze treibt, kritisiert Rose die Darstellung von Frauen in Theologie und Kunstgeschichte, aber auch in der heutigen Gesellschaft.
Sie schlüpft selbst in jede der Rollen und führt uns dabei die unterschiedlichsten Erscheinungsformen des Feminismus vor Augen, angefangen von der afrikanischen Mythologie oder der französischen und britischen Geschichte über lokal verortete Erzählungen versklavter Menschen bis hin zur modernen Politik sowie der amerikanischen Popkultur und Literatur.
Der italienische Titel Ciao Bella des Films, der sowohl als Begrüssung wie auch als Abschiedsgruss gebräuchlich ist, liefert der Performance ein Gerüst, während die diversen Figuren immer wieder auf- und abtreten und sich an das Publikum wenden. Allerdings wird der vermeintlich höfliche Ausdruck «Ciao Bella» auch von Männern in obszöner Manier verwendet, um ihn Frauen auf der Strasse hinterherzurufen; somit wirft Rose hier auch einen kritischen Blick auf diesbezügliche Erfahrungen von Frauen in öffentlichen Räumen.