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Während dem akademischen Jahr 16/17 dürfte ich in der Pariser Franziskaner- gemeinschaft leben und am ICP (Institut catholique
de Paris) studieren.
Natürlich ist Paris nicht nur in franziskanischer Hinsicht ein Ort der Superlative, zumal hier Alexander von Hales Franziskaner wurde, Bonaventura studierte und lehrte sowie ein Johannes Duns Skotus seine Lehrtätigkeit verrichtete bevor er gezwungen durch den Streit zwischen Papst und König nach Köln fliehen musste und dort verstarb.
Paris ist auch die Stadt eines Saint-Louis, Louis XIV. sowie Stadt der Revolution, Kirchenverfolgung und des ersten und zweiten napoleonischen Empire.
Das studentische Leben am ICP war eine sehr wertvolle Erfahrung. Da die meisten Professoren neben ihrem Lehrauftrag noch in
der Pastoral als Pfarrer und oder Lehrer in Gymnasien arbeiten, sind die Vorlesungen oder Kurse stark von der
Lebensrealität und dem Erfahrungshorizont der jeweiligen Lehrpersonen geprägt, was ich als grosse Bereicherung empfand. Da am ICP nicht nur Theologie, sondern auch kunsthistorische und wirtschaftswissenschaftliche und sprach- wissenschaftliche Studien angeboten werden, ergaben sich interessante Begegnungen und Gespräche. Neben den Studien hatte ich genügend Zeit zur Verfügung um diese Stadt zu erforschen und zu entdecken, wobei mir meine Mitbrüder
immer wieder begleitend oder ratend zur Seite standen. Doch blieb ich nicht nur in Paris.
Um Ostern herum teilte ich das brüderliche Leben unsrer Gemeinschaft in Marseille, welche die seelsorglichen Dienste in der Kirche Sainte Trinité verrichten und deren Gemeinde aus allen sozialen Schichten und vielen verschiedenen Nationalitäten besteht. Das Quartier ist geprägt von muslimischen Einwanderern, alteingesessenen Marseiller Familien und den einfachen Menschen, die auf diesem Erdenrund leben. So war es ein freudiges und tiefgehendes Osterfest!
Ebenso verbrachte ich zwei Wochen im Antonius- Wallfahrtsort Brive- la- Gaillard. Dort gründete der Heilige Antonius von Padua einen Konvent und zog sich in den dortigen Grotten regelmässig ins Gebet zurück. Aus eben diesen wurde eine gut besuchte Pilgerstätte, welche von den französischen Mitbrüdern betreut wird. Hier sah ich die französische Volksfrömmigkeit und die grosse Dankbarkeit der Menschen für die franziskanische Präsenz. Nur schon der Fakt, dass 100 Wohltäter auf freiwilliger Basis den Mitbrüdern helfen, dieses Heiligtum zu unterhalten, zeigt die Verbundenheit der Bevölkerung mit diesem Ort.
In diesem akademischen Jahr durfte ich die Kirche Frankreichs kennenlernen, welche einen grossen Schatz an Geschichte hat und doch auch vor grossen Herausforderungen steht. In den Landdiözesen ist der Priestermangel so gross, dass manche Pfarrherren bis zu 75 Kirchtürmen zu ihrem Wirkungsgebiet zählen. In den Städten ist das geistliche Leben höchst aktiv und ein Pfarrer kann sich rühmen drei bis vier Vikare zur Unterstützung zu haben.
Auf jeden Fall war es eine grosse Erfahrung für mich und werde noch lange von diesem Aufenthalt zehren können. So danke ich meinen Oberen für diese überaus schöne Erfahrung, welche auch schwierige Momente brachte, doch jedenfalls prägend ist.