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Fremdschämen (CH und DE)
Wenn du gerne Reality-TV schaust, kennst du das: Du bist von den Geschehnissen auf dem Bildschirm so peinlich berührt, dass du glatt im Boden versinken könntest. Es ist fast, als würdest du dich schämen. Doch wofür? Du hast schliesslich nichts getan. Welches Wort würde das besser umschreiben als Fremdscham?
Verhebe (CH)
Du hast eine Lösung gefunden, die «verhebt». Nun musst du das nur noch deinen fremdsprachigen Mitarbeitenden verklickern. Wie? Mit einer mühsamen Umschreibung von einer Lösung, die gut funktioniert, aber nicht so ganz perfekt ist. Diese Erklärung verhebt, oder?
Cheib (CH)
Cheib bedeutete ja eigentlich mal Aas. Aber heute nutzen wir Schweizer es als beleidigendes Substantiv, als Adjektiv und sogar als Verb. De cheibe Cheib isch nur am Umecheibe. Ein cheibe
gutes Wort!
Kopfkino (CH und DE)
Du sprichst mit deinem Schwarm und stellst dir vor, wie ihr händchenhaltend durch die Strassen schlendert? Du gehst an einem gut aussehenden Menschen vorbei und siehst ihn nackt auf deinem Bett liegen? Dieser Film, der sich vor deinem inneren Auge abspielt, trägt im Deutschen den passenden Namen Kopfkino.
Hundsverlochete (CH)
Veranstaltungen, deren Besuch sich überhaupt nicht lohnt, gibt es bestimmt überall auf der Welt. Aber das perfekte Wort dafür kennen nur wir Deutschschweizer: Hundsverlochete – streng wörtlich genommen ein Hundebegräbnis.
Fingerspitzengefühl (CH und DE)
Andere sind vielleicht empathisch oder vorsichtig oder finden immer die richtigen Worte. Aber Fingerspitzengefühl, das all diese Dinge und noch viel mehr umfasst, haben wir nur im Deutschen. Also zumindest das Wort. Davor, uns daneben zu benehmen, schützt uns dieses leider auch nicht.
Kesemutan (POL)
Wacht ein eingeschlafener Körperteil langsam wieder auf, ist das ganz schön unangenehm. In Indonesien bezeichnet man das komische Kribbeln als Kesemutan, weil es sich so anfühlt, als würden Tausende Ameisen («Semut») über die betroffene Körperstelle krabbeln.
Utepils (NOR)
So manche Nation mag uns beneiden, weil wir auf der Strasse ganz öffentlich Alkohol konsumieren dürfen. Im Gegensatz zu den Norwegern haben wir aber kein spezielles Wort dafür. Sie hingegen kennen das Draussen-Bier – das Utepils.
Hygge (DEN)
Dieses Wort haben wir in den letzten Jahren zwar überall gelesen, doch die Bedeutung des dänischen Lebensgefühls können wir noch immer bloss umschreiben: gemütlich, kuschlig, angenehm, das Leben geniessen … Hygge halt!
L’esprit de l’escalier (FRA)
Du bist mega schlagfertig, aber leider immer erst Stunden nach dem Gespräch, in dem du es hättest sein sollen? Das Gefühl kennt wahrscheinlich jeder. Und die Franzosen haben sogar eine Bezeichnung dafür: l’esprit de l’escalier – der Geistesblitz, den man erst auf der Treppe hat, wenn man den Raum bereits verlassen hat.
Desenrascanço (POR)
Wir alle kennen so einen Lebenskünstler, der nur rumdudelt und alles auf die lange Bank schiebt. Immer sind wir überzeugt: Dieses Mal gehts schief! Aber dann kommt er in letzter Sekunde mit einer improvisierten Lösung daher. Desenrascanço nennen die Portugiesen diese Lebenseinstellung.
Komorebi (JPN)
Frische Luft tut nicht nur gut, um den Kopf mal wieder richtig durchzulüften. Die Natur bietet auch immer wieder Spektakel, die selbst beim emotional abgebrühtesten Eisklotz romantische Gefühle wecken und den überzeugtesten Atheisten kurz über eine höhere Macht nachdenken lassen. Zum Beispiel, wenn das Sonnenlicht durch die Blätter eines Baumes scheint. In Japan nennt sich dieses wunderschöne Naturschauspiel Komorebi.
Mamihlapinatapai (Feuerland)
Hast du schon mal einer Person sehnsüchtige Blicke zugeworfen und die gleichen Blicke zurückbekommen, aber keiner von euch beiden hat den ersten Schritt gemacht? Dafür haben die Yagan, Ureinwohner der südamerikanischen Inselgruppe Feuerland, ein Wort: Mamihlapinatapai. Dieses hat es sogar schon als «prägnantestes Wort» ins Guinnessbuch der Rekorde geschafft.