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Bei der morgendlichen Dusche bleibt mein Blick an der Etikette meiner flüssigen Naturseife hängen. Ich lese: «1. Wer bin ich, wenn ich nicht für mich da bin? Niemand! Und 2. Was bin ich, wenn ich nur für mich da bin? Nichts!»
Diese Sätze geben auf drastische Weise das Gebot der Nächstenliebe wieder, nur in umgekehrter Reihenfolge: Die Selbstliebe zuerst und dann die Nächstenliebe.
Ich darf also zuerst einfach für mich da sein. Ich darf mir gleich nach dem Aufstehen etwas Gutes tun, zum Beispiel wenn ich unter der Dusche stehe und mich einseife. Was für ein wunderbarer Start in den Tag!
Wie kam es aber zu diesem Hinweis auf meiner Seifenflasche?
Emanuel Bronner, der Hersteller der Seife, entstammte einer jüdischen Familie, die ab 1858 in Deutschland Seifen herstellte. Ursprünglich hiess die Familie Heilbronner nach ihrem Herkunftsort Heilbronn. Der 1908 geborene Emanuel wanderte mit 21 Jahren in die USA aus. Als Hitler in Deutschland die Macht ergriff, strich er aus Protest das «Heil» aus seinem Namen. Seinen Eltern in Deutschland wurde die Seifenfabrik weggenommen. Sie kamen im KZ ums Leben.
Bronner waren Nachhaltigkeit, Fairness und Mitmenschlichkeit wichtig. Er verwendete bereits in den 50er-Jahren ausschliesslich fair gehandelte Bio-Produkte. Und er wollte seine Kunden von seinen moralischen Prinzipien überzeugen. Deshalb schrieb er seine wichtigsten Grundregeln auf die Etiketten seiner Kosmetikartikel. Und die Nachkommen in seinem Familienbetrieb haben dies bis heute so beibehalten.