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Bei der Einfahrt eines S-Bahn-Zuges am 29. September 2016 um 13:20 Uhr in den Bahnhof Bern konnte der Lokführer die Fahrt mittels elektrischer Bremse nicht verzögern. Er bremste mit der Luftbremse. Ein zweiter Versuch, die elektrische Bremse zu nutzen, blieb erfolglos. Bei der Einfahrt in den Perronbereich konnte auch keine Zugkraft mehr aufgebaut werden. Der auf dem Perron für die Ablösung des ankommenden Lokführers wartende Lokführer forderte zum sofortigen Anhalten auf, weil er Rauch an der in Fahrtrichtung drittvordersten Achse feststellte. Die Reisenden des Triebwagens wurden evakuiert. Es wurde niemand verletzt. Das Achslager, aus dem Rauch aufstieg, wurde mit einem Feuerlöscher gekühlt.
Feststellungen
Eine erste Messung am Achslager unmittelbar nach dem Abklingen der Rauchentwicklung ergab eine Temperatur von 360 °C.
Das Triebfahrzeug (RBDe 565 725 der BLS) verkehrte seit über einer Woche auf der Strecke zwischen Langnau und Laupen. Zwischen den Bahnhöfen Bern und Bern Europaplatz befindet sich die Heissläuferortungsanlage Holligen. Eine Suche nach Auffälligkeiten in den Daten der Heissläuferortungsanlage ergab, dass das Triebfahrzeug erstmals am 29. September 2016 um 01:03 Uhr Anzeichen eines sich anbahnenden Heisslaufens eines Achslagers (Heissläufer) zeigte. Der gemessene Wert von 79 °C lag allerdings um 1 °C unter der Grenze von 80 °C für den Warmalarm. Nach der nächtlichen Betriebspause fuhr das Triebfahrzeug am gleichen Tag noch einmal um 05:35 Uhr über die Heissläuferortungsanlage Holligen. Da war das Lager noch kalt.
Die Untersuchung des beschädigten Achslagers ergab:
• Das Achslager besteht aus zwei Pendelrollenlagern des Typs SKF 23128 CC/W33.
• An der betroffenen Achse waren Teile des Aluminiumzwischenrings des Achsgebers geschmolzen und der Achslagerdeckel gespalten.
• Das Triebfahrzeug hatte seit der letzten Revision der Achslager im September 2015 eine Laufleistung von rund 150’000 km zurückgelegt.
• Bei beiden Pendelrollenlagern waren die Rollenkäfige zerbröselt, etliche Wälzrollen verschliffen sowie aus der Führung verschoben und die Laufflächen der inneren und äusseren Lagerringe waren stark beschädigt.
• Das innere Pendelrollenlager wies stärkere Beschädigungen auf als das äussere.
• Das verwendete Wälzlagerfett entsprach der vorgesehenen Spezifikation.
• Die Gabel für den Antrieb des Achsgebers war nicht mehr vorhanden.
• Sämtliche ausgeführten Arbeiten waren dokumentiert.
Schlussfolgerung
Die SUST kommt zum Schluss, dass die Ursache des Heissläufers auf eine vorgängige Zerstörung des Achslagers zurückzuführen ist. Achslagerschäden an Triebfahrzeugen des Reiseverkehrs sind sehr selten. Die SUST verzichtet deshalb gestützt auf Art. 29 Abs. 1 der Verordnung über die Sicherheitsuntersuchung von Zwischenfällen im Verkehrswesen (VSZV) auf weitere Untersuchungshandlungen und schliesst die Untersuchung gem. Art. 45 VSZV mit einem summarischen Bericht ab.
Beteiligte Unternehmen:
- Transportunternehmen: BLS AG
- Infrastrukturunternehmen: SBB AG, Infrastruktur
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