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Robert Corvus, 1972 geboren, lebt in Köln. Der Diplom-Wirtschaftsinformatiker war in verschiedenen internationalen Konzernen als Strategieberater und Projektleiter tätig. Corvus ist Metalhead, Kinofan und Tänzer. Er veröffentlichte zahlreiche Romane in den Reihen »Das schwarze Auge« und »Battletech« sowie einen apokalyptischen Vampirthriller. Mit der Trilogie »Die Schattenherren« und dem Einzelroman »Schattenkult« etablierte er sich auf der dunklen Seite der Fantasy. Zuletzt erschienen sein Science-Fantasy-Roman »Grauwacht« sowie sein High-Fantasy-Epos »Drachenmahr«. Die »Schwertfeuer-Saga« ist seine neuste epische Fantasyserie.
Fantasy? Science-Fiction? Warum nicht beides zugleich? Mit „Grauwacht“ ist Robert Corvus die Fusion beider Subgenres der Phantastischen Literatur mit Bravour gelungen. Er erzählt darin die Geschichte eines Planeten, der kurz vor dem Abgrund steht – und niemand will die Augen für die Gefahr öffnen, bis es beinahe zu spät... Fantasy? Science-Fiction? Warum nicht beides zugleich? Mit „Grauwacht“ ist Robert Corvus die Fusion beider Subgenres der Phantastischen Literatur mit Bravour gelungen. Er erzählt darin die Geschichte eines Planeten, der kurz vor dem Abgrund steht – und niemand will die Augen für die Gefahr öffnen, bis es beinahe zu spät ist. Bisola ist eine zweigeteilte Welt. Die Rotation des Planeten verläuft in Relation zu seiner Umlaufbahn um seine Sonne so langsam, dass eine Umdrehung ein Menschenleben dauert. So liegt eine Seite von ihm im Licht der Sonne, die andere im Schatten. Die echsenhaften Sasseks brauchen die Wärme, um überleben zu können, und schlossen daher einen Pakt mit den Menschen, der diese verpflichtet, auf der eisigen Schattenseite des Planeten zu leben. Die Grauwacht beaufsichtigt den Abzug der Menschheit, sobald die Dämmerung heraufzieht, sodass die Sasseks das bald sonnige Land in Anspruch nehmen können. Als jedoch eine zweite, blaue Sonne am Himmel auftaucht und die Dämmerung kein Ende nimmt, zieht eine neue, bisher unbekannte Gefahr auf, die nur von wenigen als solche erkannt wird. Der Roman beleuchtet die Einzelschicksale einiger Menschen und Sasseks exemplarisch für das Schicksal der gesamten Population. Der Guardista Remon, der die Grauwacht entgegen ihrer Gesetze für seine Frau Nata und ihre gemeinsame Tochter Enna verlassen hat, wird von seiner Vergangenheit eingeholt. Vorena, ebenfalls eine Guardista, holt ihn in die Reihen der Grauwacht zurück, um ihn wieder für den Dienst zu verpflichten. Nata, die glaubt, ihren Mann nie wieder zu sehen, zieht mit ihrer Tochter aus der Wildnis in eine der von Menschen gehaltenen Metropolen, wo sie mit dem Sassek Ssarronn Nachforschungen zu dem blauen Licht anstellt, das zunächst nur die beiden Monde bedeckt und bald auch zusammen mit einer zweiten Sonne auftritt. Man braucht ein wenig, um sich in die Handlung und die Welt einzufinden, das Glossar am Ende des Buches hilft jedoch dabei. Der Autor gibt nicht immer für alles eine Erklärung, besonders dann, wenn die handelnden Personen etwas für ganz selbstverständlich und alltäglich halten. Er geht jedoch geschickt genug vor, als dass vieles aus dem Kontext heraus ersichtlich wird, sodass seine Leser nicht völlig ahnungslos belassen werden. „Grauwacht“ besticht durch sein ausgefallenes Worldbuildung, das zudem auch noch sehr gut durchdacht ist. Ein lang andauernder Wechsel von Tag und Nacht und die damit einhergehenden klimatischen Bedingungen auf den jeweiligen Seiten des Planeten leuchten immerhin wesentlich mehr ein als die ungleichmäßigen Jahreszyklen auf Planetos. (Es sei denn, Martin gibt doch noch irgendwann Hinweise darauf.) Es kommt selten in einem Fantasyroman vor, dass der Autor zur Erklärung besonderer Phänomene nicht Magie, sondern Wissenschaft heranzieht, in diesem Fall Astronomie und, ja, auch hoch entwickelte Technologie. „Grauwacht“ ist mehr als „nur“ Fantasy, sondern vereint in sich sowohl Elemente dieses Genres als auch der Science-Fiction. Mehr sei an dieser Stelle nicht gesagt, denn das würde die mehr als gelungene Auflösung vorausnehmen. Auch der Schreibstil des Autoren besticht mit seiner Variantenvielfallt. Corvus gelingt es, durch Erzähltempo und Diversität zusätzliche Atmosphäre aufzubauen. Nur selten stechen zu verschachtelte Sätze oder die eine oder andere Wortwiederholung heraus, fallen aber nicht weiter negativ auf. „Grauwacht“ ist ein Roman, bei dem man sich wünscht, dass er nie endet. Leider hat er nur 415 Seiten, die viel zu schnell vorbei sind, aber zum Glück lässt der Autor seinen Lesern viel Spielraum für ihre eigenen Gedankenspielchen. Die Lektüre ist also auch nach 415 Seiten noch nicht wirklich vorbei, der Roman lässt einen so leicht nicht gehen. Ist man einmal auf Bisola festgefroren, will man auch nicht einfach so gehen. Und wer mag, kann auch einen kleinen Mahnfinger in Richtung der Übertechnisierung und ihrer womöglichen Folgen sehen. Alles in allem ist dieser Roman eine unbedingte Leseempfehlung!
Eine Reise nach Bisola Lieber Leser, du willst eine Reise nach Bisola buchen? Glücklicherweise ist gerade keine Einreisesperre, denn in seiner blauen Phase dürften wir dich nicht dorthin lassen. Es ist eine gute Wahl, du wirst eine Welt erleben, die völlig verschieden ist von unserer. Im Gepäck brauchst du... Eine Reise nach Bisola Lieber Leser, du willst eine Reise nach Bisola buchen? Glücklicherweise ist gerade keine Einreisesperre, denn in seiner blauen Phase dürften wir dich nicht dorthin lassen. Es ist eine gute Wahl, du wirst eine Welt erleben, die völlig verschieden ist von unserer. Im Gepäck brauchst du viel Phantasie. Vielleicht landest du im Tag. Deine Schiffsensoren werden verhindern, dass du in das Zentrum der Hitze gelangst und gleich verbrennst. Auf die kühlende Nacht wirst du lange warten müssen, hast du noch 60 Jahre Zeit? Ja, du liest richtig, 60 Jahre Tag und auf der anderen Seite 60 Jahre Nacht. Hitze und Kälte im absoluten Gegensatz der Lebensweisen. Auf der Tagseite wirst du interessante Amphibien entdecken. Sie sind intelligent, körperlich durch ihr dickes Schuppenkleid vor der Hitze geschützt und verändern ihr Geschlecht in verschiedenen Lebensphasen. In der letzten Lebensphase sind sie ungeschlechtlich und können so die Weisheit des Alters ausstrahlen. Viel mehr wissen wir nicht über sie. Leider ist uns auch nicht bekannt, welche Gefahren sie eventuell für dich bedeuten würden. Möchtest du also lieber Menschen treffen? Dann lande in der Nacht. Es herrscht eisige Kälte. Das Leben wird durch die Bemühungen zu überleben dominiert. Es ist nicht ungefährlich, sich dort allein herum zu treiben, denn der Kampf um Nahrung könnte dein Schicksal besiegeln. Nomaden ziehen durch Eis und Schnee auf der Suche nach Beute. Möglicherweise landest du in der Nähe eines Refugios: Höhlen in denen es Wärme und Schutz gibt, Gemeinschaften mit festen Regeln. Sie würden dich aufnehmen, wenn du ein guter Jäger bist oder ein guter Kämpfer. Bist du das? Also das ist unser Angebot für eine Abenteuerreise. Hast du genug Mut dafür? Wir können keine Versicherung für eine gesunde Rückkehr bieten. Vielleicht nimmst du lieber unser Wohlfühlpaket. Du kannst dann die fremde Welt innerhalb einer Metropole entdecken. Dort hast du alle Annehmlichkeiten, die du dir wünschst. Du könntest als Wissenschaftler dorthin reisen und hättest die Möglichkeit der Forschungen in modernsten Astrolabios und Bibliotheken, wärest in der Lage, Kontakte zu den Menschen unterschiedlicher Schichten zu knüpfen und deiner Neugier Genüge zu tun. Wir können dir auch noch ein Luxusangebot machen, denn es gibt eine Metropole, in der es möglich ist sowohl Menschen als auch Sassek kennenzulernen, welche dort zusammen leben. Eine Verbindung von beiden Reisevarianten ist vom Zeitpunkt abhängig. Sowohl Menschen als auch Sassek sind gezwungen mit dem Tag bzw. der Nacht zu wandern. Vielleicht möchtest du deine Reise in einer Metropole beginnen, aber dann könnte es sein, dass du den Auszug miterleben musst und vielleicht als Nomade endest. Auch bei dieser Reisevariante ist es uns unmöglich eine Überlebensgarantie zu geben. Leider können wir Dir kein Angebot machen, bei der dritten Gruppe auf dem Planeten, der Grauwacht, die Zeit zu verbringen. Diese Gruppe bleibt unter sich. Es sind Menschen, aber sie haben sich der Neutralität zwischen Menschen und Sassek verpflichtet. Ihre Anzahl ist limitiert und ihre Fähigkeiten sind besondere. Welche das sind möchtest du, lieber Leser, vielleicht selbst heraus bringen. Meine persönliche Empfehlung wäre, in ein Refugio zu gehen und dir die Geschichte von Nata und Remon erzählen zu lassen. Nata, eine kluge Frau und liebevolle Mutter ist die Ehefrau von Remon, der eigentlich der Grauwacht angehört. Ihre Beziehung widerspricht den Regeln dieser Hüter der Ordnung des Planeten. Hat sie eine Chance? Wenn du ihrer Geschichte folgst, wirst du alle Facetten dieses interessanten Planeten kennenlernen; unter anderem auch einige spannende Vertreter der verschiedenen Gruppen. Zum Beispiel Vorena, eine Grauwächterin, die ohne Liebe aufwuchs und sich ihrer Ehre und ihrem Schwert verpflichtet hat, Ssarronn, einem Sassek in seiner vorletzten Geschlechtsphase, schon mit viel Weisheit gesegnet (vielleicht weil eine seiner besonderen Eigenschaften die Neugier ist) und Kress, eine junge Sassek, voller Leidenschaft und Feuer. Diese Geschichte wird dich gefangen nehmen und deine Neugier anstacheln. Viel wirst du erfahren. Vielleicht werden dich Menschen enttäuschen und andere überraschen. Auch die Sassek werden einiges an Überraschungen für dich bieten und du wirst die Zeit auf Bisola nicht bereuen. Sicher wird am Ende deiner Reise volle Zufriedenheit entstehen und vielleicht bleibt eine Sehnsucht und der Wunsch, den Planeten wieder zu besuchen. Wir würden uns über einen Reisebericht von dir sehr freuen, denn dieser Planet ist erst neu in unseren Katalog aufgenommen und wir sind sicher, dass jeder, der einmal dort war, anderen diese Reise nur empfehlen kann. Übrigens, solltest du in Erfahrung bringen, wer oder was die Krienos sind und welche Rolle sie auf Bisola spielen, dann wären wir dir für eine Information sehr dankbar. :buchtipp:
Auf Bisola wird das Leben durch den Wechsel von Tag und Nacht bestimmt: jahrzehntelang herrschen Tag bzw. Nacht, bevor die Dämmerung anbricht. Die Menschen leben in der Nacht in eisiger Kälte, während die Sasseks, amphibische Wesen, den heißen Tag bevölkern. Ein alter Pakt besagt, daß die Menschen beim Tag-Nacht-Wechsel... Auf Bisola wird das Leben durch den Wechsel von Tag und Nacht bestimmt: jahrzehntelang herrschen Tag bzw. Nacht, bevor die Dämmerung anbricht. Die Menschen leben in der Nacht in eisiger Kälte, während die Sasseks, amphibische Wesen, den heißen Tag bevölkern. Ein alter Pakt besagt, daß die Menschen beim Tag-Nacht-Wechsel mit der Nacht zu wandern haben, während die Sasseks nachrücken. – so wird das friedliche Zusammenleben zwischen Mensch und Sassek gewährleistet. Die Grauwacht sorgt dafür, daß die Wanderungen und Übergaben der Metropolen reibungslos vonstatten gehen. Nun ist es wieder soweit, die Dämmerung zieht herauf, aber es geschehen mysteriöse Dinge: die Monde verändern ihre Farbe und die Dämmerung schwindet nicht. In diesem Buch erweckt der Autor eine Welt mit einer faszinierenden Ordnung zum Leben, in der es jahrzehntelang dauert, bis die Nacht bzw. der Tag zu Ende gehen. Dadurch entstehen in dieser langen Zeit ganz eigene Lebensräume, die von ihren Bewohnern teilweise das Äußerste abverlangen. Sehr geschickt gibt der Autor Stück für Stück Einblick in die Herausforderungen, die durch diese Lebensräumen entstehen. Der Fokus der Handlung liegt zu Beginn mitten in der Nacht, in einer eisigen Ödnis und auf dem abtrünnigen Grauwachtmitglied Remon, der von einer ehemaligen Kameradin aufgespürt und der Gerechtigkeit überführt werden soll. Remon lebt heimlich mit seiner Frau Nata und dem gemeinsamen Kind in der abgeschiedenen Gemeinschaft Erdblut – ein hartes Leben, in dem nur die Starken eine Chance haben. Wie der Autor dann den Leser mit auf eine Reise durch Bisola nimmt, ist sehr raffiniert gelöst und gemeinsam mit dem Protagonisten kommt man dem Geheimnis von Bisola und des ungewöhnlichen blauen Lichts auf die Spur. Ich kannte bisher nur die Schattenherren- und -kultromane des Autors, die sehr düster sind und mit ihren Charaktere nicht gerade glimpflich umgehen. „Grauwacht“ ist deutlich weniger düster und auch die Protagonisten werden pfleglicher behandelt, was mir sehr gut gefallen hat. Die Charaktere sind wieder sehr gut gelungen: Remon ist als Mitglied der Grauwacht ein Kämpfer, aber seine Familie bedeutet ihm noch mehr. Sehr gut hat mir seine Besonnen- und Aufgeschlossenheit gegenüber den Sasseks gefallen, ebenso wie seine ausgeprägte Diplomatiefähigkeit. Remons Frau Nata ist ebenfalls für einige Überraschungen gut, mit denen ich anfangs nicht gerechnet hatte. Sie ist sehr wissbegierig und will herausfinden, was es mit dem mysteriösen blauen Licht auf sich hat. Und natürlich war ich sehr gespannt, die amphibischen Sasseks kennen zu lernen und ihre Art zu leben. Die Auflösung bzw. das Geheimnis von Bisola hat mich schlußendlich überrascht, auch wenn ein paar Hinweise zuvor gestreut wurden, die eine bestimmte Richtung angedeutet haben – und es ist in der Geschichte eine wichtige Botschaft versteckt, die mir sehr gut gefallen hat. Hervorheben möchte ich auch die wunderschön gestaltete Karte von Bisola, die man gleich zu Beginn des Buches findet..