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Seit Tagen regnet es im Alpenraum und in weiten Teilen Mitteleuropas fast ohne Ende. Dabei fragen wir uns immer wieder: Wie entsteht der viele Regen und warum nimmt er kein Ende?
1. Grossflächiges Aufgleiten
Weil warme Luft leichter ist als kalte, steigt sie auf. Das wissen wir spätestens seit dem wir den ersten Heissluftballon steigen liessen. Fliesst nun warme Luft auf kalte Luft zu, wird sie auf die kalte Luft aufgeschoben. Dabei kühlt sich die aufgeschobene Luft ab. Es kommt zuerst zur Kondensation und zur Wolkenbildung, später fällt Niederschlag. Dieses Aufgleiten kann über Stunden, im Extremfall über Tage andauern. Wird Warmluft ohne Ende auf Kaltluft gehoben, kann es zu intensivem Landregen kommen.
2. Konvektion
Nimmt die Temperatur mit der Höhe stark ab, sprechen die Meteorologen von einer labil geschichteten Atmosphäre. Scheint die Sonne im Sommer steil auf den Boden, so erwärmt sich dieser stark. Die erhitzten Luftteilchen steigen, Heissluftballonen ähnlich, rasch in die Höhe und kühlen sich stark ab. Die Folge sind die rasche Bildung von Quellwolken und später von Schauern und Gewittern. Diese können in einer sehr labil geschichteten Atmosphäre, also mit einer starken Temperaturabnahme mit der Höhe, kräftig ausfallen und immer wieder zu heftigen Schadensgewittern mit Hagel führen.
3. Der Alpenriegel
In unserem Land ist der Steigungsregen beim Überqueren einer Gebirgskette von grosser Bedeutung. Werden Luftmassen von Süden oder Norden gegen die Alpen geführt, werden sie zum Aufsteigen gezwungen. Auch dieses Aufsteigen führt zu einer Abkühlung und zur Niederschlagsbildung. Fliesst lange Zeit feuchte Luft aus der gleichen Richtung Luft zu den Alpen, führt dies zu lange anhaltenden Stauniederschlägen. Umgekehrt führt das Absinken auf der Rückseite des Gebirges zu Föhn und zu einer raschen Abtrocknung.
Dauerregen als Kombination mehrerer Effekte
Die aktuellen Niederschläge sind im Norden primär eine Folge von Aufgleitniederschlägen und Konvektion. Im Süden tragen heute alle 3 Prozesse zum starken Niederschlag bei. Vor allem die Stauniederschläge bringen dem Nordtessin erhebliche Regenmenge, dazu ist auch die Konvektion im Süden noch stärker als im Norden. In der kommenden Nacht zieht zwar die Front ab, allerdings muss auch in den kommenden Tagen mit Konvektion beidseits der Alpen gerechnet werden. Lokal sind heftige Gewitter die Folge. Es sind dann zwar kaum mehr grossräumige Ereignisse, sondern nur noch kleinräumige, womöglich aber starke Ereignisse. Lokal kann durchaus ein Bach über die Ufer treten. Sollten sich in einem Gebiet mehrere Gewitter entladen, könnte es aber auch für grössere Gewässer zum Problem werden.