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Schreie und Flüstern
Regie: Ingmar Bergman
Darst.: Harriet Andersson, Ingrid Thulin, Liv Ullmann, Kari Sylwan, Erland Josephson, Anders Ek, Henning Moritzen, Georg Årlin, Inga Gill, Lena Bergman u.a.
Schweden, Ende des 19. Jahrhunderts. Karin und Maria kehren auf den elterlichen Landsitz zurück, um sich von ihrer krebskranken Schwester Agnes zu verabschieden, die das herrschaftliche Anwesen mit dem schönen Park allein mit der Haushälterin Anna bewohnt. Agnes liegt im Sterben, aber Karin und Maria sind nicht in der Lage, ihrer Schwester Trost und Liebe zu geben, da sie viel zu sehr in ihre eigenen Probleme verstrickt sind. Nur die mütterliche Anna, die Agnes liebevoll pflegt, zeigt mitmenschliche Nähe und Wärme. In der äusseren Ereignislosigkeit konzentriert sich alles auf die Krankheit und den Tod von Agnes, unterbrochen von Rückblenden, in denen aus dem Leben der vier Protagonistinnen erzählt wird. Bergman schrieb das Manuskript in der Einsamkeit der Insel Fårö, wohin er sich in einer Schaffenskrise und nach der Trennung von Liv Ullmann zurückgezogen hatte. Mit «Schreie und Flüstern» gelang ihm nach einigen Flops ein internationaler Überraschungserfolg. Der Film war 1974 für fünf Oscars nominiert, gewonnen hat ihn nur Sven Nykvist für seine herausragende Kameraarbeit. Die Rollen der Schwestern besetzte Bergman mit drei seiner bevorzugten Schauspielerinnen: Harriet Andersson, Liv Ullmann und Ingrid Thulin, ursprünglich war auch Mia Farrow im Gespräch. Susanne Marschall schreibt in Reclam Filmklassiker: «Bergmans Film handelt von Leid und Entfremdung und vor allem von der unabänderlichen Vergänglichkeit jeder menschlichen Existenz – ein in seiner Härte und Konsequenz schwer zu ertragendes Memento mori ohne religiöse Basis, ohne Heilsversprechen; und dies, obwohl Bergman gemeinsam mit seinem Kameramann Sven Nykvist die Mise en scène immer wieder in Anlehnung an Bildkompositionen und Sujets aus der christlichen Malerei arrangiert. (…) Ingmar Bergman zufolge ist ‹Schreie und Flüstern› der einzige seiner Filme, der nur in Farbe denkbar ist. Dieses Bekenntnis beruft sich auf ein mythisches Kindheitsbild des Regisseurs, der sich damals die Seele des Menschen als schattenhaften, schwebenden Drachen vorgestellt hatte, blau wie Rauch, halb Vogel, halb Fisch – aber im Inneren des Drachen war alles rot. Dort, im Inneren der Seele, spielt dieser Film.»