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Rennautos sind seine Leidenschaft: Enzo Ferrari (Adam Driver) setzt alles auf eine Karte und will mit seinen roten PS-Boliden die Mille Miglia gewinnen, ein 1000-Meilen Rennen auf offener Strasse. (Ascot Elite)
Ein Drama zwischen Bett und Asphalt
Der Autorennsport hat schon manche Filmemacher inspiriert. Von der Kracheractionreihe «The Fast & The Furious» einmal abgesehen, fallen einem vor allem Filme wie «Le Mans» von 1971 mit Steve McQueen, «Days of Thunder» (1990) mit Tom Cruise oder «Rush» (2013) über die Rivalität zwischen Niki Lauda und James Hunt ein. Aus ähnlichem Holz – oder sollte man sagen Metall – ist das Rennsportdrama «Ferrari» von Michael Mann geschnitzt.
Der Amerikaner Mann ist bekannt für die Kinoadaption der TV-Serie «Miami Vice» (2006), für den knallharten Actionfilm «Heat» (1995) mit Robert De Niro und Al Pacino oder den Hacker-Thriller «Blackhat» (2015). Jetzt setzt er seinem Actionfaible die Krone auf – mit dem rasanten Rennsportdrama «Ferrari». Geschickt kombiniert er dabei die explosive Welt des Automobilrennsports in den Fünfzigerjahren mit einem Privatleben, das aus den Fugen gerät. Der enthusiastische, ja fanatische Autobauer Enzo Ferrari (Adam Driver) steht vor dem Bankrott. Die Produktion seiner Luxuswagen stagniert, die Verkäufe reichen nicht, um seine Rennboliden zu finanzieren. So sieht er 1957 die einzige Chance zur Rettung der Firma darin, die Mille Miglia gegen Konkurrenten Maserati zu gewinnen.
Das spektakuläre Langstreckenrennen führt über 1000 Meilen quer durch Norditalien auf offenen Strassen. Enzo Ferrari erweitert sein Fahrerteam mit Piero Taruffi (Patrick Dempsey) an der Spitze um den Spanier Alfonso de Portago (Gabriel Leone). Es läuft nicht alles rund, auch weil sich Ferrari mit privaten Problemen herumschlägt. Seine Ehefrau Laura (Penélope Cruz), die eine entscheidende Funktion im Unternehmen Ferrari spielt, kommt dahinter, dass ihr Mann seit Jahren ein sehr intimes, sprich familiäres Verhältnis mit Lina Lardi (Shailene Woodley) pflegt. Zusammen mit ihr hat er einen Sohn, Piero. Laura verbietet Enzo quasi, den Sprössling als Ferrari anzuerkennen.
Das Rennen startet, und es läuft nicht schlecht für die Scuderia Ferrari, bis der Ferrari 335S mit De Portage an der Spitze einen fürchterlichen Unfall baut. Ein Reifen war geplatzt, der Bolide überschlug sich und riss neun Menschen in den Tod. Doch das Rennen ging weiter … Tatsächlich wurden die Mille Miglia und alle Autostrassenrennen infolge des tödlichen Unfalls durch die Regierung verboten.
Manns Ferrari-Thriller besticht einerseits durch seine dramatische Verzahnung von Motorsport und privaten Beziehungen, andererseits durch seine spektakulären Renn-Inszenierungen. Gedreht wurde in und um Modena, in der Reggio Emilia und Novellara, in der Emilia-Romagna und in der Lombardei (Brescia). Ursprünglich dienten das Buch «Enzo Ferrari – The Man and the Machine» von Brock Yates und ein Skript von David Rayfiel, geplant für eine frühere Verfilmung, als Grundlage. Man kann deutliche Unterschiede in der Bildsprache (Kamera: Erik Messerschmidt) und im Stil erkennen. Die Privatszenen (Enzo und seine Liebschaften) sind eher klassisch gefilmt, die Rennszenen dagegen unglaublich rasant, geradezu aggressiv, mit raffinierten Special Effects. Sechs Kameras wurden allein beim Rennunfall eingesetzt – mit Linsen am Rennwagen selbst. Der Film ist eine Wucht vor und hinter den Rennkulissen, er wirkt teilweise wie ein semidokumentarischer Streifen. Die Hauptdarsteller fügen sich perfekt in das hochdramatische Szenarium ein. «Ferrari» wird ziemlich sicher mit dem einen oder anderen Oscar belohnt.
Ferrari und Mille Miglia
Der ehemalige Rennfahrer Enzo Ferrari gründete seine Firma 1947 mit Sitz in Maranello (bei Modena). Die Scuderia Ferrari ist die Motorsportabteilung von Ferrari. Aus den Sportwagen 125 C entwickelte Ferrari Strassenwagen, die nicht für Renneinsätze geeignet waren. Das Pferd war ursprünglich das Symbol von Baron Francesco Baracca, einem Fliegerass, der im Ersten Weltkrieg abgeschossen und zum Nationalhelden wurde. Erstmals wurde das Logo 1932 von der Scuderi Ferrari benutzt – auf einem Alfa Romeo. Das Pferd trug das Unternehmen Ducati ebenfalls als Symbol auf seinen Motorrädern. Heute ist das springende Pferd ein eingetragenes Warenzeichen für Ferrari. Die Mille Miglia war ein Strassenrennen auf Dreieckskurs in Norditalien von 1927 bis 1957. Der Startschuss fiel 1927 in Brescia über eine Strecke von 1600 km (ca. 1000 Meilen). Sie führte nach Rom und zurück nach Brescia. Sieger wurde ein OM 665 «Superba» aus Brescia in 21 Stunden, 4 Minuten und 48 Sekunden (Durchschnittsgeschwindigkeit: 77 km/h). Nach dem schweren Unfall am 12. Mai 1957 verbot die italienische Regierung Rennen in der Art der Mille Miglia.
USA 2023
130 Minuten
Regie: Michael Mann
Buch: Mann und Troy Kennedy-Martin,
Kamera: Erik Messerschmidt
Darsteller: Adam Driver, Shailene Woodley, Penélope Cruz, Sarah Gadon, Patrick Dempsey
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