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Indiziert und nachgewiesenermassen wirksam ist eine Chemoprophylaxe gegen eine Pneumocystis carinii Pneumonie (PcP) bei Menschen, die bereits einmal an einer Lungenentzündung mit diesem Erreger erkrankt waren (= Rezidiv- oder Sekundär-Prophlaxe). Eine sogenannte PcP-Primärprophylaxe war indiziert bei HIV-infizierten Menschen die einmal eine andere AIDS-definierenden Erkrankung erlitten hatten, einmal an einem Mundsoor erkrankt waren und bei Menschen mit einer sogenannt asymptomatischen HIV-Infektion, wenn sie im Blut weniger als 200 CD4-Zellen/ul oder der Anteil von CD4-Zellen weniger als 14% der Gesamtzahl der Lymphozyten betrug.
Eine erfolgreiche antiretrovirale Kombinationstherapie unterdrückt die Vermehrung von HIV und führt in der Regel zu einem beträchtlichen Anstieg der CD4-Zellen. Bis jetzt gab es lediglich gute Hinweise, jedoch keinen Beweis dafür, dass diese Art der Wiederherstellung des Immunsystems ausreicht, um eine PcP-Primärprophlaxe absetzen zu können. Guidelines empfahlen deshalb bisher, die tiefste, jemals gemessene CD4-Zellzahl zu berücksichtigen und die Prophylaxe beizubehalten.
Zur Klärung der Frage, ob eine PcP-Primärprophlaxe unter einer erfolgreichen antiretroviralen Kombinationstherapie ohne Risiko wieder abgesetzt werden kann, wurde TeilnehmerInnen der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie (SHCS), bei denen es unter einer antiretroviralen Kombinationstherapie im Blut während mindestens drei Monaten zu einem Anstieg der CD4-Lymphozyten auf mehr als 200 CD4-Zellen/ul und einen Anteil von mehr als 14% der Gesamtzahl der Lymphozyten gekommen war angeboten, die PcP-Primärprophylaxe abzusetzen. PatientInnen, die mit diesem Vorgehen einverstanden waren, setzten in der sogenannten "StopCox-Studie" die PcP-Primärprophylaxe (in den meisten Fällen 3 x 1 Tablette Cotrimoxazol forte pro Woche) bei Studienbeginn ab und wurden alle drei Monate auf Anzeichen einer PcP oder zerebralen Toxoplasmose untersucht.
Wie Schweizer Forscher in der heutigen Ausgabe des New England Journal of Medicine berichten, konnten über 279 PatientInnen in diese Studie eingeschlossen und die Daten von 262 Patientinnen, welche die antiretrovirale Kombinationstherapie im Mittel während knapp einem Jahr abgesetzt hatten ausgewertet werden. Keine der 262 StudienteilnehmerInnen erkrankte an einer PcP und keine aus der Untergruppe von 121 PatientInnen mit einer latenten Toxoplasma gondii Infektion erkrankte an einer zerebralen Toxoplasmose.
Statistische Berechnungen ergaben, dass aufgrund dieser Daten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit während einem Jahr weniger als 2 von 100 PatientInnen an einer PcP und weniger als 5 von 100 PatientInnen mit einer Toxoplasma gondii Infektion an einer zerebralen Toxoplasmose erkranken. Wären die wieder angestiegenen CD4-Zellen hingegen funktions-untüchtig – so weiss man aus früheren Zeiten – hätte man erwartet, dass 6 von 100 PatientInnen an einer PcP und bei 16 von 100 mit einer Toxoplasma gondii Infektion an einer zerebralen Toxoplasmose erkranken.
Die Autoren kommen zum Schluss: Bei PatientInnen, bei denen es unter einer antiretroviralen Kombinationstherapie zu einem anhaltenden Anstieg der CD4-Lymphozyten auf mehr als 200 Zellen/ul gekommen ist, scheint sich das Immunsystem soweit erholt zu haben, dass eine PcP-Primärprophylaxe wieder abgesetzt werden darf.
Die Resultate der schweizerischen "StopCox-Studie"
werden - zusammen mit den Ergebnissen von Untersuchungen
anderer Forschergruppen – dazu führen, dass die Empfehlungen zur
Primärprophylaxe der PcP-Pneumonie revidiert werden und HIV-infizierte
Menschen mit einem anhaltenden Anstieg der CD4-Lymphozyten auf mehr als
200 Zellen/ul weniger Tabletten einnehmen müssen.
Presse-Spiegel
29.4.99 Markus Flepp