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Auf ein Wort: Perspektivenwechsel
Der Edel-Alternative Aristipp galt schon zu seiner Zeit, im 4. Jahrhundert v. Chr., als ein schillerndes Chamäleon: Jeder Situation habe er sich «harmonisch» anzupassen gewusst.
Anders als sein Meister Diogenes, der schamlos «kynische», das heisst «hündische» Philosoph in der Tonne, verkehrte Aristipp am verwöhnten Tyrannenhof des Dionysios von Syrakus.
Ein Zeitgenosse rühmte ihn, im Update: «Dir allein ist es gegeben, im Dinner-Jacket so gute Figur zu machen wie in stone washed Jeans.» Ein Kyniker de Luxe, der gern die Perspektiven wechselte, etwa so: «Einmal liess sich Aristipp ein Rebhuhn für stolze fünfzig Drachmen kaufen. Als einer ihm das vorwarf, fragte er: ‹Dir wäre das delikate Stück wohl nicht einmal einen Obolos wert gewesen?› Und als der nickte, erklärte er: ‹Siehst du: Genauso wenig sind mir die fünfzig Drachmen wert.›»
Oder so herum: «Als ein Freund ihn wegen seines aufwendigen, so ganz und gar nicht kynischen Tafelluxus tadelte und sagte, er selbst würde für derlei teure Delikatessen doch keine drei Obolen ausgeben wollen, folgerte er: ‹Also: dann bin nicht ich genusssüchtig, sondern du habsüchtig.›»
Wie hier zwischen Geld und Genuss, so wechselt die Perspektive in dem folgenden Wortwechsel mit dem Tyrannen selbst zwischen Geld und Geist: «Auf die Frage des Dionysios, warum die Intellektuellen denn immer an die Türen der Reichen klopften, die Reichen aber nie an die Türen der Intellektuellen, erwiderte Aristipp: ‹Weil die einen wissen, was ihnen fehlt, die anderen nicht.›»
Text: Klaus Bartels, Altphilologe und Publizist