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Die Ursachen und das Ausmass der übermässigen Stickstoff- und Phosphoreinträge in der Schweiz sind gut bekannt und wissenschaftlich belegt. Trotzdem wurde bisher kaum eines der diesbezüglichen vom Bundesrat verabschiedeten Reduktionsziele erreicht. Mit der Trinkwasserinitative liegt ein Vorstoss vor, welcher diese Probleme durch die Anpassung der Tierbestände direkt angeht. Die Gewässerschutzorganisation Aqua Viva unterstützt die Initative vollständig und präsentiert euch vier Argumente, wieso diese Initiative unumgänglich für die Erhaltung der Lebensgrundlagen in der Schweiz ist.
Die Wissenschaft hat planetare Grenzen identifiziert, innerhalb derer die Bedingungen für menschliches Leben stabil bleiben. Werden sie überschritten, sind die Lebensgrundlagen der Menschheit gefährdet. Die planetaren Grenzen sind hinsichtlich Biodiversitätsverlust, Stickstoff- und Phosphorkreislauf bereits deutlich überschritten. Zudem sind in weiten Teilen der Schweiz kritische Belastungsgrenzen der Stickstoffeinträge aus der Luft überschritten (critical loads, d.h. Eintragsmengen, unterhalb derer nach dem Stand des Wissens keine schädlichen Auswirkungen auf die Umwelt auftreten). Nährstoffüberschüsse haben stark negative Auswirkungen auf die Biodiversität, die Qualität von Gewässern, Trinkwasser, Böden und der Luft sowie auf die Waldfunktionen, das Klima und die menschliche Gesundheit.
Für die Landwirtschaft wurden seit den 1990er-Jahren vom Bundesrat agrarpolitische Etappenziele zur Reduktion der Stickstoff- und Phosphorüberschüsse und später der Ammoniak-Emissionen verabschiedet. Zusätzlich sind in den Umweltzielen Landwirtschaft auf Grundlage des geltenden Rechts Ziele formuliert zu Phosphor (Sauerstoffgehalt in Seen zu keiner Zeit und in keiner Seetiefe weniger als 4 mg/La ), zu Ammoniak-Emissionen (max. 25 000 t N/Jahr; –40 Prozent gegenüber 2005), zu Stickstoffeinträgen in Gewässer (–50% gegenüber 1985) und zu Lachgas (–33% bis 2050 gegenüber 1990). Keines dieser Umweltziele (mit Ausnahme der Ziele für Phosphor in einigen Seen) und keines der entsprechenden aktuellen agrarpolitischen Etappenziele wurden bisher erreicht.
Der Stickstoffkreislauf der Schweiz wird insbesondere durch Futter- und Düngemittelimporte, Ammoniak-Emissionen aus der Tierhaltung sowie Stickoxid-Emissionen aus Verbrennungsprozessen und Stickstoffeintrag in Gewässer angetrieben. Stickstoffhaltige Luftschadstoffe, die u.a. die menschliche Gesundheit und die Biodiversität beeinträchtigen, stammen in der Schweiz zu 70 Prozent von der Landwirtschaft, 18 Prozent vom Verkehr, 9 Prozent von Industrie und Gewerbe und 3 Prozent von den Haushalten. Zwei Drittel des Stickstoffes, der in die Umwelt gelangt, wird durch Ammoniak-Emissionen der Landwirtschaft verursacht, wobei die Tierproduktion, angetrieben durch die Nachfrage nach Fleisch und Milchprodukten, 90 Prozent dazu beiträgt.
In der Schweiz gehören übermässige Stickstoff- und Phosphoreinträge in die Umwelt zu den Hauptgefährdungsursachen für die Biodiversität. Ein Beispiel dafür sind die übermässigen Phosphoreinträge im Gewässer: Endemische Fischarten sterben aus und Generalisten breiten sich aus. Regionale Besonderheiten gehen dadurch verloren und die Lebensräume verarmen grossflächig. Diese Problematik ist im Mittelland und in Tallagen bereits weit fortgeschritten und beschleunigt sich auch in Berggebieten stark. Die negativen Auswirkungen auf die Biodiversität sind häufig irreversibel.
Um die vom Bundesrat gesetzten Ziele zu erreichen und den Zustand der Biodiversität, die Gewässer-, Trinkwasser-, Boden- und Luftqualität zu verbessern, Waldfunktionen zu erhalten, den Beitrag der Schweiz zum Klimawandel zu reduzieren sowie das Risiko für die menschliche Gesundheit zu verringern, sind Stickstoff- und Phosphorüberschüsse sowie -emissionen dringend deutlich zu reduzieren.