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Schmierung:
Eine Zahnradpumpe versorgt alle Weissmetallgleitlager mit dem nötigen Oeldruck, dies war zu dieser Zeit sehr fortschrittlich.
Besonderes:
Der Motor hat eine 12 V Anlage mit Anlasser und Lichtmaschine sowie eine bewährte Magnetzündung.
Des Weiteren besitzt dieses Fahrzeug eine Stahllamellenkupplung.
Die Hinterachse stammt von einem Fiat Lieferwagen aus demselben Zeitalter und hat einen kurzen Schneckenantrieb.
Das Schaltgetriebe ist original vom Fiat 502 und hat 4 Gänge.
Die Längs-Blattfeder Achse wurde in eine Quer-Blattfeder Pendelachse umgebaut, damit im Gelände die Verschränkung der Vorderachse vergrössert werden konnte.
Das Chassis wurde eingekürzt um das Fahrzeug wendiger zu machen.
Mit einem dazwischen gehängten zweiten Auto-Getriebe wurde der Autotraktor langsamer und kräftiger gemacht, jedoch war so das zweite Getriebe wesentlich überlastet.
Da jetzt nur noch sehr wenig Platz zur Verfügung stand, musste die Kardanwelle weggelassen werden.
Diese Arbeiten wurden früher vom Dorfschmied, in meist rudimentärer Art und Weise, ausgeführt. Aus diesem Grund waren die Fahrzeuge schnell defekt und hatten meist keine lange Einsatzzeit.
Vorgehen:
Die jetzige grosse Arbeit besteht darin, diese Anpassungsarbeiten sorgfältiger und mit der nötigen Exaktheit auszuführen, damit ein so spezielles Fahrzeug sicher und beständig bewegt werden kann.
Selbstverständlich muss dazu alles revidiert und wieder zeitgemäss aufgebaut werden.
Arbeiten:
Als Erstes wurde die Hinterachse genauer angesehen, dabei kamen verschlissene Achswellen zum Vorschein. Die Verbindung zur Bremstrommel war völlig ausgeschlagen und wurde neu als Konus-Verbindung hergestellt.
Beim Differential waren einzelne Zähne der Planetenräder teilweise ausgebrochen, sie konnten jedoch per Laserschweissen repariert werden.
Die Bronce-Schneckenhinterachse war zum Glück noch in einem guten Zustand.
Die vier Bremsbacken-Anlage war sehr speziell aufgebaut, mit je zwei ineinander-greifenden Fussbrems- und zwei Handbremsbacken. Sie wurden neu belegt und mit dem Bremsprofessor überdreht, somit war das Fahrzeug wieder mit einer sehr leistungsfähigen Bremse ausgestattet.
Das zweite Getriebe ist dazumal vom Dorfschmied per Hammer von der Kupplungsglocke befreit worden und anstelle der Kardanwelle zwischen Hauptgetriebe und Hinterachse platziert worden. Leider hatte es dadurch zu wenig Platz für zwei volle Kreuzgelenke und die dadurch nötige Fluchtung der Wellen wurde vernachlässigt. Darum wurde entschieden, auf das zweite Untersetzungs-getriebe zu verzichten. Dadurch entstand genügend Raum für ein vollwertiges Kreuzgelenk, eine kurze Kardanwelle und eine Hardyscheibe.
Da zum Glück eine Schneckenachse mit hoher Untersetzung montiert war, konnte dieses Vorgehen so umgesetzt werden, ohne dass das Fahrzeug zu schnell wurde. Nach Berechnungen läuft es dann im 3. Gang 21 Km/h und im 4. Gang 34 Km/h.
Das Chassis wies auf einer Querstrebe einen Bruch auf und die Verbindung zur Hinterachse wurde neu gestaltet.
Die Vorderachse mit der Querblattfeder wurde neu konstruiert und mit einer neuen Trapezstange nach hinten abgestützt, damit es funktionell und optisch in Ordnung ist.
Nach dem Sandstrahlen wurde alles mit 2K Chassis-Farbe lackiert.
Das Hauptgetriebe mit den 4 Gängen war mehr oder weniger in Ordnung und wurde optisch aufgefrischt.
Die Stahllamellenkupplung wurde mithilfe eines Altteiles komplettiert, repariert und wieder montiert.
Dann war der Motor an der Reihe, der hatte ein hartes Leben hinter sich und musste kpl. revidiert werden. Die REMO AG hat da gute Arbeit geleistet, neue Weissmetall-Lagerschalen giessen lassen, neue Kolben und Ventile gesucht und und und.
NOS Teile sind für diesen Fiat 502 Motor nirgends mehr auf der Welt erhältlich, nur noch hie und da einige Gebrauchtteile, der Rest muss selbst hergestellt werden. Ein gutes Beispiel ist die damals fortschrittliche Nockenwellenraddämpfing, die Kleinteile dazu musste ich in mühevoller Arbeit auf Fräse und Drehbank selbst herstellen.
Das Aluminium Motorengehäuse im Bereich der Wasserpumpe war durchkorrodiert und konnte mit schweissen und Kaltmetall wieder repariert werden.
Die Schrauben sind alle mit BSW Gewinden ausgestattet, dies ist das Britische Withword Standart- Gewinde, welches auch in den 20er Jahren in Europa noch stark verbreitet war. Sie wurden alle aufgearbeitet und Qpq behandelt, damit sind sie korrosionsgeschützt und in passender mattschwarzer, verschleissfester Oberfläche.
Der 4-kant Röhrchen-Kühler wurde zuerst mühsam hergerichtet. Bei den Probeläufen zeigte sich rasch, dass seine Kühlleistung ungenügend war. Somit musste er durch einen Spezialisten in Turin kpl. neu aufgebaut werden. Dies bei diesen Röhrchen-Kühler eine äusserst aufwendige Angelegenheit.
Auch der Öldruck erwies sich als zu wenig stabil. Mit viel Glück konnte aus einer Privatsammlung eine spätere Version einer vergrösserten, originalen Ölpumpe eingetauscht werden.
Lichtmaschine, Anlasser und Magnetzündung waren auch keine einfachen Komponenten, doch mit viel Zuwendung funktionieren sie nun einwandfrei.
Die elektrische Verkabelung musste natürlich neu hergestellt werden und ist wie original mit Baumwollumwickelung ausgeführt.
Die Lampen wurden aus diversen Altteilen zusammengestellt und die Reflektoren wurden neu beschichtet. Viel Messing musste aufpoliert werden.
Der originale Fiat Vergaser war nicht mehr vorhanden und mit dem montierten Rotguss-Solex-Vergaser, war einfach kein sauberer Lauf zu erreichen. Es konnte dann ein passender späterer Solex- Zinkdruckguss Vergaser gefunden werden, der mehr Verstellmöglichkeiten aufweist und damit einen wesentlich besseren Lauf zulässt.
Der Wagner hat den ganzen Aufbau aus einer alten Esche fachmännisch hergestellt und für das Armaturenbrett wurde ein edles «Chriesibrett» verwendet. Die Holzkiste hat eine Mehrfachfunktion und dient als Sitzbank, Werkzeugkiste und Batteriefach.
Das Torpedoblech brauchte durch den Spengler auch noch eine grössere Zuwendung und die eingekürzten Haubenbleche mussten mit neuem Scharnier und selbst hergestellten Haubenverschlüssen versehen werden.
Ein Riesenaufwand, doch es ist ein sehr spezielles Fahrzeug geworden. Aus einer Epoche, als es in der Schweiz noch sehr wenige richtige Traktoren gab.