Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03271.jsonl.gz/2171

Was ist Tinnitus?
Unter Tinnitus versteht man Ohrgeräusche in Form von Läuten, Surren, Schleifen, Brummen und in vielen anderen akustischen Ausprägungen. Am häufigsten ist das Pfeifen, das von den meisten Betroffenen auf dem linken Ohr wahrgenommen wird. Solche Geräusche treten vorübergehend oder permanent auf, in schwächerer oder stärkerer Form. In schweren Fällen kann Tinnitus bis zur Arbeitsunfähigkeit oder gar zur Invalidität führen.
Was sind die Ursachen?
Häufigste Ursache für einen Tinnitus ist eine kurzzeitige, starke Überstrapazierung des Gehörs – beispielsweise an einem Rockkonzert, an einer Technoparty, aber auch durch Schiessen ohne Gehörschutz, durch Knallpetarden, Schreckschusspistolen etc. Tinnitus kann ausserdem mit einem hohen Blutdruck einhergehen, als Nebenwirkung von starken Medikamenten oder nach einem Hörsturz auftreten. Im Weiteren kann das Leiden auf seelische Belastungen oder eine Erkrankung des Mittelohrs zurückzuführen sein.
Was versprechen Therapieformen und wie funktionieren sie?
Die TinnitusRetrainingTherapie basiert auf der Erkenntnis, dass Tinnitus zumeist nicht eine Störung des Ohrs, sondern der Wahrnehmung ist. Jedes Ohr hat ein Eigengeräusch, gleichsam ein «Betriebsgeräusch». In der Fachsprache nennt man das eine «otoakustische Emission», die man hören kann, wenn man ein extrem empfindliches Mikrofon in den Hörkanal einführt. Dieses Eigengeräusch wird üblicherweise im Hörzentrum des Gehirns – wo die akustischen Informationen, die in Form von bioelektrischen Impulsen dorthin gelangen, verarbeitet werden – ausgefiltert: Die Geräusche sind zwar da, aber man nimmt sie nicht wahr. Wenn diese Filterfunktion des Hörzentrums verloren geht, dann hat der Mensch einen Tinnitus. Prof. Dr. Kellerhals, ein führender Schweizer TinnitusSpezialist, unterscheidet zum besseren Verständnis dieses Phänomens zwischen «Hardware» – dem Ohr – und «Software» – der Wahrnehmung. Wenn Sie bei Ihrem Computer einen Softwarefehler feststellen, dann werden Sie nicht den Computer reparieren, sondern die Software umprogrammieren. Auf Tinnitus übertragen bedeutet dies, man muss nicht das Ohr reparieren, sondern die Wahrnehmung umprogrammieren – und das kann man nur mit einem entsprechenden Training.
Die Tinnitus-Retraining-Therapie TRT
Die TinnitusRetrainingTherapie setzt dafür unter anderem einen sogenannten «Noiser» ein. Das ist ein GeräuschGenerator, der ein angenehmes «Rosa Rauschen» anbietet, auf das man die Wahrnehmung nach und nach «umgewöhnen» kann. Dieser Noiser wird von einem dafür speziell ausgebildeten Hörgeräteakustiker eingesetzt, welcher die Wirkung in der Folge auch periodisch kontrolliert. Die Umgewöhnung dauert in der Regel ein bis anderthalb Jahre.
Welches sind die Erfolgschancen der TRT?
Die Erfahrungen mit der TinnitusRetrainingTherapie sind ausserordentlich positiv. Bei einem professionellen Einsatz der Methode darf mit einer Erfolgsquote bis zu 80% gerechnet werden.
Weitere Informationen zum Thema
Zum Thema «Tinnitus» gibt es eine umfassende Literatur. TinnitusRetrainingTeams – bestehend aus je einem Ohrenarzt, einem Hörgeräteakustiker und allenfalls einem Psychotherapeuten. Eine Liste der Ansprechpartner können Sie bei der Schweizerischen TinnitusLiga (STL), www.tinnitus-liga.ch beziehen.