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Wie im ersten Teil bereits erwähnt, hat das Server-Rack vier unabhängige Nodes. Jeder Node agiert als separater Computer. Jedes Board ist mit dem Backplane verbunden, an das die Stromversorgung und die Festplatten angeschlossen werden. Jeder Node braucht daher auch sein eigenes Betriebssystem und kann einzeln hoch- und wieder heruntergefahren werden. Also mussten mindestens vier Festplatten her. Dabei kam es mir nicht auf eine hohe Speicherkapazität an. Ein halbes Terabyte oder noch weniger reichen aus für das Betriebssystem und einige Programme. Wichtiger war mir eine schnelle Datenübertragung, also eine Drehzahl von 7200 rpm, und dass die Platten in gutem Zustand sind, denn auch die suchte ich auf einem Secondhand-Verkaufsportal. Für 10 Franken pro Festplatte konnte ich mir sechs 3.5-Zoll Festplatten zulegen.
Als ich dann diese Festplatten in den Festplatten-Rahmen und im Server verbauen wollte, merkte ich, dass die Schrauben einen zu grossen Kopf hatten. Das Server-Rack ist so platzsparend gebaut, dass selbst für die Festplatten-Schächte kopflose Schrauben benötigt werden. Einen Besuch bei Conrad später konnte ich die Platten dann endlich anschliessen.
Dann folgte die Installation eines Betriebssystems. Sehr oft läuft auf solchen Servern eine Linux Distribution oder die Server-Version von Windows. Da ich aber das Server-Rack nicht in der typischen Server-Umgebung brauchen würde, wollte ich als erstes versuchen, ob ich ein gewöhnliches Windows 10 darauf installieren kann. Ich wusste jedoch nicht mit Sicherheit, ob das Motherboard oder andere Hardware-Komponenten auch kompatibel sind.
Da das Server-Rack kein CD-Laufwerk hatte, schied eine Installations-CD schon aus. Den ersten Versuch wagte ich mit einem bootbaren USB-Stick, den ich am Node anschloss. Im Bios wurde die leere Festplatte und der USB-Stick erkannt und die Boot-Reihenfolge stimmte auch, doch irgendwie wollte der Computer nicht vom Stick booten.
Später versuchte ich die Setup-Files direkt auf eine Festplatte zu speichern, damit ich diese booten und das Betriebssystem so auf die eigentliche Festplatte installieren kann. Doch das funktionierte auch nicht.
Als letzte Variante machte ich den radikalen Versuch, die Festplatte in einen anderen Computer einzubauen, darauf das Betriebssystem zu installieren und dann diese Festplatte an das Server-Rack anzuschliessen. Ich war mir eigentlich recht sicher, dass das nicht klappten würde, weil die Hardware dieser beiden Computer sehr unterschiedlich war. Zu meiner Überraschung hat diese Methode aber reibungslos geklappt. Windows wurde direkt gebootet, alle Hardware-Komponenten wurden erkannt, selbst die beiden Prozessoren wurden direkt angezeigt. Windows 10 scheint mit sich ändernder Hardware ziemlich gut zurecht zu kommen.
Ich konnte also Windows 10 erfolgreich auf dem Node installieren. Das machte die folgenden Schritte um einiges leichter. Nach dem ich die Windows-Installation von der ganzen Bloatware gesäubert und alle Einstellungen wie gewünscht vorgenommen habe, nahm es mich natürlich Wunder, welche Leistung der Node im Cinebench R15 abliefert! Ich startete den Render-Test mit allen Prozessor-Kernen und wow - so viele gelb umrahmte Quadrate, die gleichzeitig an einem Bild arbeiteten. Ich war beeindruckt. 767 Punkte wurde angezeigt. Etwa anderthalb Mal mehr, als ich es bei meinem aktuellen Notebook in Erinnerung hatte. Und es waren ja "nur" zwei Quad-Core Prozessoren mit eher niedriger Taktfrequenz verbaut. Das System ist aber zu stärkeren Prozessoren kompatibel. Doch dazu mehr im dritten Teil dieses Experiments.
Nach diesem geglückten Benchmark installierte ich den Cinema 4D Team Render Client. Damit kann ich die Maschine im Netzwerk zum Rendern freigeben. Schlussendlich fügte ich noch eine Verknüpfung zum Programm in den Autostart-Ordner, damit dieses automatisch geöffnet wird, sobald sich der Benutzer anmeldet.
Eigentlich wollte ich im Zuge dieses Experiments das Er- und Bereitstellen von Custom Windows-Images, also eines benutzerdefinierten Windows-Abbildes, ausprobieren. Damit können mehrere Computer einfacher aufgesetzt werden, wenn z.B. auf allen dieselbe Software laufen soll, was bei mir der Fall ist. Leider sind dazu schon vor der Installation einige Arbeitsschritte notwendig, die ich nicht gemacht habe, weshalb ich dieses Vorhaben auf später verschieben musste.
Da alle Nodes dieselbe Hardware haben, kam mir die Idee, dass ich die Festplatte einfach klonen könnte, um das mühsame Aufsetzen der anderen Nodes zu beschleunigen. Das hat aber nicht wie gewünscht geklappt. Ich musste jeweils einen neuen Benutzer erstellen, welcher den Vorherigen ersetzt, ansonsten hatte der Team Render Client ein Problem. So musste ich trotzdem alles Änderungen manuell vornehmen.
Wie ist der Render-Server am Netzwerk angeschlossen? Dazu muss ich noch schnell erzählen, wo dieses Server-Rack überhaupt steht. Dieses laute Viech horte ich nämlich nicht unter meinem Bett, sondern in einem kleinen Büro im Estrich. Damit wir dort oben auch Internet-Anschluss haben, ist eine Verbindung über Powerline im Einsatz. Dieser Powerline-Adpater hat natürlich zu wenig Anschlüsse für 4 Nodes plus einen Computer, der schon vorher da war, weshalb ich mir, natürlich auf ricardo.ch, einen Switch besorgt habe. Und das im gleichen Preisrahmen, wie der Server selbst: Zwei Franken für den Switch, sieben Franken Porto. Dafür gab es einen Gigabit-Switch mit 16 Ports. Ebenfalls ein gutes Schnäppchen.
Jeder Node hat eine statische IP-Adresse, kann aber auch über den Host-Namen angesprochen werden. Kleine Änderungen kann ich bequem von meinem Zimmer aus über eine Remotedesktopverbindung tätigen. Für Änderungen am Bios renne ich halt hoch in den Estrich.
So weit so gut. Im dritten Teil meines Experiments zeige ich dann, wie sich die vier Nodes auf die Renderdauer auswirkt. Zudem erzähle ich von weiteren Ideen, die ich hatte, um das System zu beschleunigen und weiter zu optimieren.