Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03136.jsonl.gz/1533

«Ich bin ein Diktator, aber ein guter»
Mehr als sieben Jahre lang lieferte der schillerndste Präsident der Fussballschweiz mit seinen kernigen Aussagen Stoff für die ZWÖLF-Rubrik «Planet Constantin». Nun wurde er 60. Unser kleines Präsent: Eine Sammlung seiner besten Zitate, eines für jedes Lebensjahr. Joyeux anniversaire, Monsieur le Président!
«Nächste Saison bin ich der einzige lateinische Klub in der Super League.»
Sind wir nicht alle ein bisschen Sion? CC im «Sport Magazin» im Juli 2006.
«Ich gebe Kuljic nur unter bestimmten Konditionen frei. Zum Beispiel, wenn er Lastwagenfahrer werden will.»
CC zu Transfergeschäften in der «NZZ am Sonntag» im April 2007.
«Ich bin ein absoluter Ignorant, was Tennis angeht. Aber es scheint mir offensichtlich, dass Roger Federer einen Coach braucht.»
Einen, der länger als zwei Runden im Amt bleiben darf? CC über den Sport mit den kleinen Bällen in «24 heures» im Mai 2007.
«Individuell sind die Spieler nicht schlecht. Aber als Mannschaft.»
Was dem Teamgedanken im Fussball nicht gerade entgegenkommt. Christian Constantin im «Blick» im Oktober 2007.
«Ein Madonna-Konzert auf dem Simplon.»
CCs Vorschlag in «Le Matin» im Februar 2008 für einen Anlass zum bevorstehenden 100-Jahre-Jubiläum des FC Sion. 13 Ereignisse sollen stattfinden – für jeden Stern im Wappen eines.
«Ein Depp, der läuft, kommt weiter als ein Intellektueller, der sitzt.»
CC im «Migros Magazine» der Romandie im Februar 2008.
«Ich bin ein Diktator, aber ein guter.»
CC im Februar 2008 im «Blick».
«Saisonziele sind eine Dummheit. Wir möchten einfach alle Spiele gewinnen.»
Aber einfach nicht als Ziel, sondern als Weg? Präsident Christian Constantin vor dem Saisonstart am im Juli 2008 im «Nouvelliste».
«Es ist das Gleiche, wie wenn ich im Strassenverkehr jemandem den Vortritt genommen hätte.»
Zu beachten: Das Wort «Vortritt» enthält die Silbe «Tritt»… Constantin im «Blick» zu seinem engagierten Körpereinsatz gegenüber dem Schiedsrichter im skandalösen Spiel im Dezember 2004 in Kriens.
«Am Dienstag habe ich ihn nach Hause geschickt, weil er verwahrlost aussah und sein Geruch nicht sehr angenehm war…»
CC nach der Trennung von Stielike im Oktober 2008.
«Nach einigen Minuten wäre er auf der Couch und ich auf dem Stuhl.»
CC im November 2008 auf die Frage, was er sagen würde, wenn er auf der Couch eines Psychiaters liegen würde.
«Trainer sind wie Melonen. Wenn du sie siehst von aussen, sehen sie alle mehr oder weniger gut aus. Aber sobald du sie geöffnet hast, haben sie nicht unbedingt den gleichen Geschmack.»
CC in «Le Matin» im November 2008.
«Am Ende des Lagers will ich Krieger sehen, die bereit wären, in Afghanistan in einen Ernsteinsatz zu ziehen.»
General Constantin im Februar 2009 im «Blick» über die Operation Trainingslager in Riddes.
«Ein angenehmes und mutiges Mädchen.»
Gönnerhaft, dieser Patron. CC im Februar 2009 über Schiedsrichterin Nicole Petignat.
«Ich hätte sie gerne bei uns behalten. Bravo YB und schönen Tag.»
So cool ist der Typ. CCs SMS an 380 YB-Fans, die sich im Februar 2009 nach dem YB-Sieg in Sion per SMS für die drei Punkte bedankt hatten.
«Die Meisterschaft ist unsere Ehefrau, der Cup die Geliebte.»
Jedenfalls: Dem Cupsieg bleibt CC treu.
«Wenn ich die 35-Stunden-Woche einführen würde, hätte ich am Dienstagabend keine Arbeit mehr.»
Dafür fünf zusätzliche Tage, neue Trainer zu suchen.
«Bittet mich einer, den Eiffelturm zu versetzen, frage ich: Wohin denn?»
Und bittet ihn einer, länger als einen Monat Trainer zu bleiben, fragt er: Warum denn?
«In der sudanesischen Hauptstadt Kartum habe ich neben Bill Clinton gepisst.»
Und warum sollte CC dies dem «Hebdo» nicht erzählen?
«Sepp ist ein sehr sympathischer Mann. Aber erstens hat er noch nie in seinem Leben einen Klub geführt. Und zweitens decken sich die Argumente seiner Überlegungen nicht mit den meinen.»
Zwei Walliser Grinde im Ringkampf. CC im Juli 2009 in «Le Matin».
«Ich brauchte einen Goalie und wusste: Letten kosten nicht viel.»
Für den Schrank zu Ikea, für Spaghetti zu Aldi, für Goalies nach Lettland. CC blickte im August 2009 im «Blick» auf die Verpflichtung von Goalie Andris Vanins zurück.
«Ich bin ein Grüner. Ich versuche, die Ökologie in alles zu integrieren, was ich mache.»
Sagte CC im September 2009 im Interview mit «Le Matin Dimanche», stieg in den Privatjet und flog in 17 Minuten von Lausanne nach Sion.
«Die einzige Qualität, die Thibault im Fussball mitbringt, ist sein Name.»
CC im Januar 2010 in der «Basellandschaftlichen Zeitung» über einen talentierten Walliser Junior, der von Sion zum FC Basel wechselte. Sein Name: Thibault Constantin.
«Gegen 8000 Franken.»
Dafür gäbs auch einen weiteren Spieler. CC zur Frage von «Le Matin», wie gross seine monatlichen Natel-Rechnungen sind.
«Wir leben in unserem Tal zwischen Extremen: Auf der anderen Seite des Berges haben wir Mailand mit Inter und Milan, im anderen Tal haben wir Thun. Ich möchte eher Mailand kopieren als Thun …»
CC im Februar 2010 in der «SonntagsZeitung».
«Sie tun so, als würden sie spielen. Da werde ich eben so tun, als würde ich sie bezahlen…»
Dass sie spielen, und zwar mit grossem Einsatz, ist mittlerweile gesichert. CC im Februar 2010 in «Le Matin».
«Darbewas? Kenne ich nicht. Präsident der CVP? Wusste nicht, dass es die noch gibt.»
CC macht in im Mai 2010 in «Le Matin» Stimmung fürs Walliser Derby gegen Christophe Darbellay vor dem Skibergsteigrennen Patrouille des Glaciers.
«Ich habe den Ferrari am Autosalon gesehen und wollte ihn sofort kaufen. Aber er war reserviert für Luca di Montezemolo, den Präsidenten von Fiat und Ferrari. Also fragte man bei ihm nach, und er sagte, klar, wenns für Constantin ist, kann er ihn haben. Aber dann muss er Juve-Aktien kaufen. Ich habe den Ferrari dann bekommen, ohne die Aktien…»
Eventuell gabs aus Sion stattdessen ja den einen oder anderen Spieler dazu. CC im Juni 2010 in «L’Illustré».
«Das soll es auch.»
CC zur Bemerkung eines Journalisten im September 2010, seine Ankundigung, vor den Spielen ab sofort wieder in der Spielerkabine aufzutauchen, klinge bedrohlich.
«Auf der ‹Titanic› verstanden sich auch alle gut. Aber das Schiff sank trotzdem.»
Und wenn sie sich gestritten hätten auf dem Kahn? Immer diese Sch…harmonie! CC im Januar 2011 in «Le Temps».
«Ich werde nie mehr einen Schiri kritisieren.»
Was «nie» genau, also im juristischen Sinne, bedeutet, muss womöglich der Internationale Sportgerichtshof klären. CC im Januar 2011 nach seinem Besuch im Schiri- Ausbildungslager auf Gran Canaria gegenüber dem «Blick».
«Es bleibt zu hoffen, dass Hitzfeld von sich aus geht. Oder er soll für das Spiel in England in die Ferien fahren, dann klappt es vielleicht doch noch.»
Sion ist ihm offensichtlich zu klein, da kümmert sich CC nun um das Wohl des Landes. Constantin im März 2011 in der NLZ.
«Ab einem gewissen Punkt muss man die Maschine vorwärtsbringen. Der Sherpa wird geopfert, Hauptsache, der Rucksack kommt auf den Gipfel.»
CC im Interview im Mai 2011 mit swissinfo.ch. Ob so viel bildlichem Sprechen in dünner Luft wird uns ganz schwindlig, und wir können nur vermuten, dass mit Sherpa wohl der Trainer… Aber Rucksack?
«Diesen Jamaikaner mit den langen Rastahaaren.»
Im Tor? Als Trainer? Rechts aussen? Als Richter? CC auf die Frage, welche Musik er als Jugendlicher hörte.
«Gut, er war in den letzten drei Jahren eher Zügelmann als Fussballer.»
Nur: Einen wirklich längerfristigen Wohnsitz könnte er ihm im Wallis ja auch nicht bieten. Constantin über sein Interesse an Gelson Fernandes im November 2011 im «Nouvelliste».
«Er war ein wunderbarer Fussballer, hatte tolle Füsse. Aber mit dem Kopf hat er es nicht so.»
Und tatsächlich redet CC nicht von Kopfballstärke. Constantin im November 2011 im «SonntagsBlick» über Michel Platini.
«Ghadhafi hat dasselbe gemacht. Natürlich gibt es keine Toten, aber das Prinzip ist dasselbe.»
Wir verstehen: Wer in diesen Dimensionen der Weltgeschichte denkt, dem ist doch der Name eines Schulhauses egal. CC im Januar 2012 in der FAZ über Sepp Blatter.
«Der Papst, Obama und Sarkozy würden so was machen. Aber nicht die Schweizer Fussball-Liga.»
CC zur Absage der Liga an sein Angebot, die 40’000 Franken Busse wegen unerlaubter Trikotwerbung (Zweitwohnungsinitiative) statt der Liga den belgischen Familien der Opfer des Car-Unglücks im Wallis zukommen zu lassen. Die Liga lehnte ab: Die Opfer seien keine Schweizer gewesen.
«In Sion ist es so, dass sich der Vorstand jeden Morgen bei mir im Badezimmer trifft.»
Es soll dort ziemlich viele Spiegel geben. CC im Juli 2012 in «Le Matin».
«Er hatte schon einige Male mit seinem Heiler in Abidjan telefoniert. Doch seine Angst ging nicht weg. Dann bat er mich, bei ihm im Bett zu übernachten. Mehrmals kuschelte er sich an meine Schulter. Ich ging dann, als er zu schnarchen anfing.»
So beginnen diese Bahnhofskiosk-Romane. Oder CCs Erinnerungen in «Le Matin Dimanche» an Integrationsprobleme von Spieler Ahmed Outtara und dessen Panik vor dem Cupfinal. Szenen einer Ehe.
«In meinen Sommerferien vor zwei Jahren auf Sardinien habe ich in unserem Luxusresort, wo Chelsea eine Jugendakademie betreibt, ein Plauschturnier bestritten. In einem anderen Team spielte Mario Balotelli. Der Star von Manchester City konnte mir keinen reinmachen und fragte mich danach, ob ich in der Ligue 1 in Frankreich spiele.»
Erst heucheln, dann verpflichten lassen? Balotelli und Sion, hoppla, das hätte aber gepasst. CC im im Juli 2012 im «Blick».
«In der letzten Saison verlor ich zu viele Heimspiele.»
Weil er vorne keine Tore schoss und hinten zu viele erhielt. Das Ding mit der Ich-AG. CC im September 2012 in der WOZ.
«Alle Schiris sind FCB-Fans.»
«Blick» befragte fast alle Trainer der Super League zur Schiri-Situation. Doch wereliwer lieferte in diesem Artikel das Zitat, das im November 2012 zum Titel wurde?
«2340»
Das ist nicht seine Telefonnummer. Sondern lediglich die Anzahl SMS, die nach eigenen Angaben auf CCs Handy erschienen, als er im Winter 2012 von seinem Afrika-Trip zurück kam.
«Ja, ich bin schön. Aber das sieht man nicht so gut.»
Die innere Schönheit: Christian Constantin im Januar 2013 auf die Frage von «Le Matin», ob er sich selber schön finde.
«Wir haben ihm eine Schnellausbildung verpasst, sodass er nach Rom gehen konnte.»
Constantin erklärt im März 2013, wie Barragetrainer Vladimir Petkovic in Sion in wenigen Tagen Serie-A-reif gemacht wurde.
«In der Schweiz sind wir halt Gartenzwerge. David aber ist ein Junge für die Städte und städtischen Gebiete.»
Too much Folklore im Wallis: Laut Constantin der einzige Grund, weshalb David Beckham doch nicht zum FC Sion kam.
«Nächste Saison ist Gennaro immer noch mein Trainer. Dann wird er José Mourinho einladen, drei Tage nach Sion zu kommen, um ihm bei der Planung zu helfen.»
Aber nur, wenn Messi auch Zeit für ein Probetraining hat und Guardiola auch kann. CC im März 2013 über Sion-Praktikanten.
«Ich habe es gemacht wie die Kommunisten: Alle Macht den Spielern. Ich überliess die Macht für einen Monat der kommunistischen Partei Italiens. Es war die schlimmste Zeit für Sion.»
Also blitzschnell wieder zurück zur Diktatur! Constantin im Juli 2013 gegenüber «Canal 9» über das Experiment mit Spielertrainer Gennaro Gattuso.
«Wenn ich 200 Soldaten habe und ich muss 20 opfern, um uns zu retten, mache ich das natürlich.»
Kleiner Einblick in die wahre Kadergrösse Sions. Oder wie haben wir das zu verstehen? CC auf «Canal 9».
«Ich bin der Regisseur. Michel Decastel muss bloss noch die Schauspieler bei Laune halten.»
Eine Laienbühne? CC im September 2013 über das Selbstverständnis des FC Sion.
«Fussball ist Investment. Man investiert in Fussballer, man produziert sie. Du kaufst nicht Orangensaft, sondern Fussballer.»
Frisch gepresst, ober wie? Metaphernkurs, die Erste. CC im November 2013 auf die Frage der «NZZ», ob es beim Fussball so sei wie im Casino.
«Selbst Jesus wurde nicht nur geliebt. Am Ende haben sie ihn an das Kreuz genagelt.»
Keiner zu klein, um nicht mit CC verglichen zu werden.
«Ich habe die Mannschaft das Spiel analysieren lassen und kam zum Schluss, dass ihre Analysen unzureichend waren, um behaupten zu können, eine echte Mannschaft zu sein.»
Ein Müsterchen der feinen psychologischen Art des Herrn Constantin im Dezember 2013 im «Blick» nach dem 0:2 gegen St. Gallen.
«Ich spürte eine revolutionäre Stimmung heute – weil ich sie in ihrer Komfortzone angegriffen hatte. Das Problem: als es gestern um Punkte ging, war von Revolution keine Spur.»
Dann muss er sie eben selber anzetteln. Christian Constantin erläutert im März 2014 in «Le Matin», weshalb er die Spieler nach einer Niederlage gegen Lausanne um 7.30 Uhr für einen Morgenmarsch im Regen aufbot.
«Ich werde mir alle 17 Vorrunden-Spiele nochmals anschauen. In voller Länge! Danach bin ich hoffentlich schlauer…»
… sagte CC im Februar 2014 im «Blick». 25 Stunden Constantin-Films, im Fall der FC-Sion-Vorrunde ist das Material irgendwo zwischen «Paranormal Activity» und «Psycho».
«Frank Lampard. Als Chelsea ihn ursprünglich nicht mehr wollte, lud ich ihn ein, nach Sion zu kommen. Leider musste ich feststellen, dass am Ende doch häufig das Geld zählt.»
Aus dem gleichen Grund scheiterten auch die Transfers von Ronaldo, Ibrahimovic und Messi. Nur aus diesem Grund. CC im im März 2014 im «Blick» auf die Frage, welchem geplatzten Transfer er manchmal nachtrauere.