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Peter Entell erzählt in seinem neuen Dokumentarfilm von der Machtergreifung der Kommunisten und dem Kalten Krieg aus der Sicht des amerikanischen China-Journalisten Edgar Snow und seiner Frau Lois Wheeler Snow. Der Reiz dieser Perspektive besteht im Zugang zum umfassenden Fundus persönlicher und journalistischer Aufnahmen, die Snow im Laufe seines Lebens anfertigte. Dies ermöglicht einen interessanten Kontrapunkt zur offiziellen Geschichtsschreibung. Snow war fasziniert von China, was sich in abenteuerlichen Reisen ins chinesische Hinterland zeigt. Sein Buch The Red Star of China, erstmals 1937 publiziert, ist ein internationaler Bestseller und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Der Erfolg des Buches legte sich jedoch wie ein Schatten auf Snow und seine Familie: Mit dem Ausbruch des Kalten Krieges wurde er in Amerika bezichtigt, ein Kommunist zu sein. So verwundert es nicht, dass Snow und seine Frau, die als Schauspielerin arbeitete, auf den schwarzen Listen der McCarthy-Apparatur landeten. Sie flüchteten in die Schweiz, wo sie ursprünglich für ein Jahr zu bleiben gedachten. Doch sie kehrten nicht mehr in die USA zurück.
Im Zentrum des Films steht, trotz des starken Fokus auf ihren bereits verstorbenen Mann, Lois Wheeler Snow. Das detaillierte Interview mit ihr im Haus, in dem sie zusammen mit Edgar Snow und ihren beiden Kindern wohnte, bildet das Herzstück des Films. Das Haus muss aus finanziellen Gründen verkauft werden und den Abrissbaggern weichen. Dies wird als Anlass genommen, um in den Erinnerungen eines vergangenen Lebens zu stöbern. Darin liegt eine Stärke und zugleich eine Schwäche des Films: So spannend das Interview mit Lois Wheeler Snow ist, so irritierend wird mit der Zeit die Präsentation von Makroaufnahmen der Schweizer Flora. Zwar ist der implizite Symbolismus vergangener Zeiten, der sich in der Natur widerspiegelt, gut nachvollziehbar, doch schleicht sich der Verdacht ein, dass damit ein Mangel an Material kompensiert wird, das einem ein detailliertes Bild des Erzählten hätte vermitteln können. Gravierender jedoch ist, dass Folter und Terror unter Mao nicht zur Sprache kommen. Es wird zwar kurz erwähnt, dass es Anfang der 60er-Jahre zu einer massiven Hungersnot kam, doch wird kein Bezug zu Mao und seiner Politik hergestellt.
Trotzdem ist Peter Entell ein faszinierender Dokumentarfilm gelungen, der durch eine subjektive Sichtweise auf die Weltgeschichte besticht und das Schicksal der Familie Snow mit den grossen Umwälzungen des letzen Jahrhunderts kontrastiert. Peter Entell hat sein Gespür für zeitgenössische Themen bereits in Dokumentationen zu New Orleans nach Hurrikan Katrina, der hypnotischen Wirkung des Fernsehens und der Anatomie des Erinnerns bewiesen.