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fache, nicht die äußerliche nächste Bestimmung (z. B. um als Schmuck oder zur Belehrung
und dergl. zu dienen). - Während die Beschäftigung mit der Antike dazu führte, nicht volksmäßige,
zeitfremde Vorstellungen zum Gegenstande der Darstellung zu machen, wird gleichzeitig auch in der Wiedergabe volkstümlicher
Gedanken und natürlicher Erscheinungen der Fortschritt zur Vollendung eingeleitet. Was die äußeren
Verhältnisse anbelangt, so sind diese in den großen Staaten mit unumschränkter Königsmacht zunächst weniger günstig
als in den Gebieten der kleinen Fürsten und in den freien Städten, hier findet die Kunst ihre eifrigste Pflege.
Der genossenschaftliche Zusammenhang der Künstler (Gilden) besteht noch fort, er beengt jedoch nicht
mehr und regt nur gegenseitige Beeinflussung an. Jedenfalls haben diese Körperschaften, in welchen die Kunstgenossen unter
sich sind, nicht die Nachteile der Akademieen der Folge
zeit, in welchen das Gelehrte und Schulmäßige einerseits, der Einfluß
fremder Kreise - der Staatsgewalt - andererseits das unbefangene freie Schaffen beeinträchtigt und zur
Erstarrung führt. - Hiermit dürften die wesentlichsten Punkte angeführt sein, welche für die Kunstentwicklung vor und
zu Beginn der «Renaissance-
Zeit» in Betracht kommen, also für das 15. und
den Anfang des 16. Jahrhunderts. (Bemerkt mag hier werden, daß die Italiener das 15. Jahrhundert Quatrocento [1400], das 16. Cinquecento
[1500] nennen, indem sie sich an die thatsächliche Jahrhundertziffer halten. Der deutsche Sprachgebrauch
geht davon aus, daß im Jahre 1501 eben 15 Jahrhunderte verflossen sind, und somit das sechzehnte beginnt.) Daß man hinsichtlich
der Gesamtkunst nur von einer Renaissance-
Zeit und nicht von einem Renaissance-Stil sprechen kann, habe ich schon vorhin
betont.
Verhältnisse der einzelnen Kunstzweige zu einander. Es dürfte noch angezeigt sein, einige Bemerkungen über das Verhältnis der einzelnen Zweige zur gesamten Kunst, über den Anteil der verschiedenen Volksgebiete an der Entwicklung und über die maßgebenden Persönlichkeiten vorauszuschicken.
Die erste Stelle nimmt die Malerei ein, in ihr giebt sich der Kunstgeist der
Zeit
^[Abb.: Fig. 411. Sangallo: S. Maria delle Carceri.
Prato.]
^[Abb.: Fig. 412. S. Maria delle Grazie.
Mailand.] ¶
in deutlichster Weise kund, ihr widmen sich die besten Kräfte, sie ist am meisten volkstümlich und verbreitet. Der Grundsatz des «Malerischen» beeinflußt auch die Formgebung der anderen Künste. Die Malerei schafft zwar noch immer zahlreiche Werke für religiöse Zwecke, nicht weniger aber auch für den Schmuck von Palästen und öffentlichen Gebäuden, und was die Hauptsache ist, Bilder, welche weder die eine noch die andere Bestimmung haben, sondern «für sich» bestehen, um ihrer selbst willen aufgenommen werden. Die Abhängigkeit von einem gegebenen Raum oder Ort entfällt, das Bild wird Kunstwerk mit Selbstzweck. - Auch für die Bildnerei, welche an zweiter Stelle steht, hat sich die Art der Aufgaben verändert; die religiösen Werke treten in den Hintergrund, in Standbildern für öffentliche Plätze, vorwiegend aber in Grabdenkmälern kann sie ihre beste Leistungsfähigkeit bethätigen.
Die Baukunst hat ihre einstige führende und herrschende Rolle verloren; man könnte beinahe sagen, das Verhältnis habe sich umgekehrt, und sie ist von den Schwesterkünsten abhängig, welche den Bauwerken erst zur vollen Wirkung verhelfen müssen. In gewissem Sinne kann man auch bei der Baukunst von einer Rückkehr zur Natur sprechen, insofern nämlich sie den geänderten Bedürfnissen des Lebens sich anpaßt, also die Zweckmäßigkeit entscheidend hervortritt. (Wie das zu verstehen ist, wird man leicht herausfinden, wenn man beispielsweise daran denkt, daß die altrömische Basilika eine Gerichtshalle war, und fragt, ob für unser heutiges Gerichtswesen ein solcher Bau zweckdienlich wäre. - Wie befremdlich wirkt Gasbeleuchtung in einem gotischen Dom!) Man brauchte bei den Herrenschlössern nicht mehr auf Sicherung und Wahrhaftigkeit bedacht zu sein, sondern bedurfte weiter und
^[Abb.: Fig. 413. S. Maria della Croce.
Crema.] ¶