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Die 105 Jahre alte NOK und die Energiewende
Letzte Woche hat sich der Grosse Rat mit 102 gegen 22 Stimmen für die Ablösung des NOK-Gründungsvertrags aus dem Jahr 1914 entschieden. NOK? Diese drei Buchstaben stehen für Nordostschweizerische Kraftwerke AG – die Vorläuferin der heutigen Axpo. Diese ist im Besitz von fünf Kantonen und vier Kantonswerken – unter ihnen der Aargau und die AEW Energie AG.
Grund für ein neues Vertragswerk sind die massiv veränderten wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen in der Strombranche. Durch die teilweise Strommarktöffnung ist die historische Aufgabenteilung zwischen der Axpo und den an ihr beteiligten Kantonswerken nur noch beschränkt umsetzbar.
In einzelnen Geschäftsfeldern stehen sich die Axpo und die Kantonswerke heute als Konkurrentinnen gegenüber. Hier Marktkräfte spielen lassen und den staatlichen Einfluss reduzieren – das wollten die Grünen nicht. Sie möchten staatliche Stromkonzerne an der kurzen Leine führen und zur verbindlichen Energiestrategie zwingen können. Die Axpo soll sich laut einem Positionspapier «auf die Produktion von erneuerbarer Energie ausrichten und aus Investitionen oder Beteiligungen an fossiler und neuer nuklearer Stromproduktion heraushalten». Kein Wort zum Thema Versorgungssicherheit.
Als vor 130 Jahren in der Schweiz die ersten Elektrizitätswerke Produktion und Verteilung aufnahmen, waren es Private und Gemeinden, die sich die reichlich vorhandene Wasserkraft für die Stromherstellung nutzbar machten. Die allgemein grosse Nachfrage nach Elektrizität rief nach dem Bau immer neuer Werke. Im Aargau und an seiner Rheingrenze baute man zwischen 1890 (Kappelerhof-Baden) und 1935 (Rheinkraftwerk Rekingen) insgesamt 18 hydraulische Kraftwerke. Es wurde rasch nötig, die Nutzung der Wasserkraft zu planen und zu koordinieren. Das tat in der Pionierzeit nicht der Staat, sondern das private Unternehmertum.
Es war Walter Boveri – er steht für das zweite B im Namen BBC – , der 1895 die Gründung der «Motor AG für angewandte Elektrizität» initiierte. Diese Gesellschaft mit Sitz in Baden, aus der später die Motor Columbus AG hervorging, erwarb von Gemeinden und Kantonen Wasserrechte und beschaffte sich die zum Bau von Elektrizitätswerken notwendigen Konzessionen. Die «Motor AG» plante, finanzierte und baute auch Werke, die anschliessend durch eigens dafür gebildete Betriebsgesellschaften erworben wurden.
Zurück in die Gegenwart. An ökologisch gesehen sinnvoller Solarenergie haben wir in Europa über das Jahr gesehen mehr als genug. Nur, was ist in der Nacht oder an einem trüben Wintertag? Ist fossile und nukleare Stromproduktion verboten, müssen wir auf Speicher zurückgreifen können. Strom speichern kann man nur mit grossem Aufwand.
Das Problem wurde bereits vor mehr als hundert Jahren angegangen. Die NOK, die heutige Axpo, hat ihre Wurzeln im Kraftwerksverbund Beznau-Löntsch, der 1908 durch die «Motor AG» realisiert wurde. Mit dem Flusswasserkraftwerk Beznau produzierte man rund um die Uhr elektrischen Strom, für den es in der Nacht kaum Nachfrage gab. Es stellte sich dieselbe Frage, wie bei überschüssiger Solarenergie: Wohin mit dem Strom? Mit jenem der Beznau pumpt man Wasser in den Löntsch-Stausee im Kanton Glarus. In den Spitzenbedarfsstunden leert man diesen wieder und produziert mit seinem Wasser Strom. Stauseen sind eine teure Sache und speichern im Vergleich mit dem finanziellen Aufwand und den massiven Eingriffen in die Landschaft wenig Energie.
Sind Batterien eine Alternative? Ein «Tesla» stürmt in 4 Sekunden von 0 auf 100 km/h, hat aber mehr als eine Tonne an Batterien mitzuschleppen. Für die Energiemenge, welche aus einem Liter Benzin mit einem konventionellen Verbrennungsmotor gewonnen wird, sind 60 Kilo Batterien nötig.
Ein Verbrennungsmotor kann auch mit «Strom» betrieben werden. «Power-to-Gas» heisst der Schlüsselbegriff, wenn es darum geht, alternative Energie zu speichern. Überschüssiger Strom aus Photovoltaik- und Windanlagen wird dabei in Wasserstoff umgewandelt. Mit dem Klimagas CO kombiniert kann man aus dem Öko-Wasserstoff Methan herstellen – dieses als Treibstoff oder Brennstoff für Heizzwecke nutzen.