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An trüben, schwarzen Gedanken leidet sie, seit sie 15 Jahre alt ist. Schwierige, traumatische Zeiten habe sie erlebt, sagt sie. Als Esther Landolt Anfang zwanzig war, wurde schliesslich eine Depression bei ihr diagnostiziert. Sie ging ein Jahr lang in eine ambulante Therapie, bevor sie nach einer Krisenintervention erstmals stationär in eine Psychiatrische Klinik eintrat. Danach, in den letzten anderthalb Jahren, wurde sie wieder ambulant behandelt.
Im vergangenen Jahr hat sich Esther Landolts Zustand zusehends verschlechtert. Im Sommer begann sie ihr Masterstudium, in den ersten beiden Monaten wenigstens noch die halbe Zeit vor Ort, danach nur noch online. Auch ihr 30-Prozent-Job, mit dem sie ihr Studium finanziert, wurde ins Homeoffice verlegt. Sie verliess das Haus ihrer Schlummermutter höchstens noch, um zu Joggen. Ihre liebste sportliche Betätigung, das Tanzen, wurde verboten. Sie hat trotzdem noch eine Zeitlang weitergemacht und litt deswegen an ihrem schlechten Gewissen. Doch so konnte sie zumindest noch ein-, zweimal pro Woche jemanden sehen. Den Rest der Zeit verbrachte Esther Landolt alleine in ihrem Zimmer und fühlte sich sehr einsam. Als ihr ambulanter Therapeut in die Ferien fuhr, ging es ihr von Tag zu Tag schlechter. Am 21. Dezember fühlte sie sich schwach, kraftlos und erschöpft und hegte hoffnungslose, düstere Zukunftsgedanken. In diesem Zustand schrieb sie am 22. Dezember aber noch ihre Semesterprüfung, bevor sie am 23. Dezember in die Akutpsychiatrie in Littenheid eintrat.
«Zuerst ging es mir wieder ziemlich gut und ich fragte mich, was ich überhaupt hier soll», erzählt sie. Doch nur ein paar Tage später kam die Depression mit voller Wucht zurück. Geholfen hat ihr schliesslich, dass ihre Emotionen Raum erhielten, sie in einer sicheren Umgebung viel Zeit für sich selber hatte. Sie fühlte sich getragen, schätzte den persönlichen und herzlichen Kontakt mit den Pflegenden, die Gespräche, die Musik- und Kunsttherapie und die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT), die sich an Werten anstatt an Defiziten und Zielen orientiert. Auch hat sie Strategien gelernt, wie sie mit schwierigen Situationen umgehen und mehr Achtsamkeit in ihren Alltag einbauen kann. Ende Januar konnte Esther Landolt die Klinik wieder verlassen. «Ruhiger und ausgeglichener», findet sie. Nun wartet sie auf die Zusage zur Aufnahme in einer Psychiatrischen Tagesklinik als Anschlusslösung. «Die Pandemie war zwar nicht der Grund für meine Krise, aber sie hat sie verschärft, vergrössert und verschlimmert». Sie weiss, dass sie weiterhin mit den Einschränkungen zu kämpfen haben wird und hofft auf rasche Lockerungen, die wieder etwas mehr Normalität in ihr Leben bringen sollen.
*Name geändert