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Ausgangslage
Mit Bildungsratsbeschluss vom 8. April 2003 wurde die Bildungsdirektion, Bildungsplanung, beauftragt, die kantonalen Studien zu den Wirkungen von Unterricht und Schule im Rahmen des Bildungsmonitorings zu systematisieren. Gefordert wurde eine Untersuchungsanlage, die sichere Schlüsse auf die Wirkungen von Unterricht und Schule sowie auf die Wirkungen struktureller Veränderungen erlaubt. Dies ist leistbar durch eine längsschnittliche Anordnung der Untersuchungen und einer Messung des Lern- und Entwicklungsstandes beim Eintritt in die obligatorische Schulzeit. Mit Direktionsverfügung vom 23. April 2003 wurde die Bildungsplanung beauftragt, eine Längsschnittstudie in Auftrag zu geben, die den Lernstand von Schülerinnen und Schülern zu Beginn der 1. Klasse erhebt (2003) und in der Folge die gleiche Stichprobe am Ende der Unter- (2006), Mittel- (2009) und Oberstufe (2012) untersucht. Die Ergebnisse der Erhebungen der 1. und 3. Klassen wurden vollumfänglich veröffentlicht. Die Ergebnisse der Erhebung in den 6. Klassen liegen diesem Beschluss zugrunde.
Erhebung und allgemeiner Befund
Die Lernstandserhebung in den 6. Klassen fand im Juni 2009 statt. Getestet wurden 3'800 Schülerinnen und Schüler in Deutsch (Lesen, Wortschatz) und Mathematik. Die Schülerinnen und Schüler wurden zudem zu schulischen und ausserschulischen Themen befragt. Im Schuljahr 2008/9 besuchten 12'100 Lernende eine 6. Klasse der öffentlichen Regelschule.
Besondere Klassen sowie Privat-, Heim- und Sonderschulen sind in dieser Angabe nicht berücksichtigt. Die Erhebung arbeitete mit zwei hoch repräsentativen Stichproben: Einerseits der Stichprobe «Längsschnitt» mit 1'800 Lernenden. Mit der Längsschnittstichprobe sind Aussagen zur Leistungsentwicklung während der gesamten Primarschulzeit möglich. Andererseits gab es eine «Klassenstichprobe» aus 100 Klassen mit 2'000 Lernenden. Die Klassenstichprobe erlaubt Analysen zum Einfluss der Klassenzusammensetzung auf die schulischen Leistungen der Lernenden. Sie ermöglicht den Vergleich mit den 3. Klassen des Jahres 2006 und den Vergleich mit den Ergebnissen aus der Lernstandserhebung in den 6. Klassen des Jahres 1998. Lernende aus Besonderen Klassen und Heim- und Sonderschulen, die knapp 5% der gesamten Schülerschaft ausmachen, wurden nicht in die Erhebung aufgenommen. Dies muss bei der Bewertung der Ergebnisse berücksichtigt werden.
Als allgemeiner Befund kann festgehalten werden, dass die Primarschule im Kanton Zürich über weite Strecken gut funktioniert. Viele Schülerinnen und Schüler konnten sich während der sechsjährigen Primarschulzeit erhebliches Wissen und Können aneignen. Die Spitzengruppe umfasst etwa 15% der Lernenden (bezogen auf die 6. Klassen des Schuljahrs 2008/9 waren dies rund 1’800 Schülerinnen und Schüler). Viele Lehrpersonen haben mit ihren Klassen gute Resultate erzielt. Schülerinnen und Schüler schätzen ihren erlebten Unterricht mehrheitlich positiv ein. Damit lassen sich die kantonalen PISA-Befunde bestätigen, die dem Volksschulwesen des Kantons Zürich, gemessen an den Kontextbedingungen (wie erhebliche soziale und bildungsmässige Unterschiede in der Wohnbevölkerung, Heterogenität in den Schulklassen, sozialräumliche Segregation), einen guten Leistungsstand attestieren.
Dem positiven Befund stehen verschiedene kritische Ergebnisse gegenüber: Knapp 20% Schülerinnen und Schüler der sechsten Klassen erreichen die Lernziele nicht oder nur in sehr geringem Ausmass (bezogen auf die 6. Klassen des Schuljahrs 2008/9 waren dies rund 2’000 Schülerinnen und Schüler). Lernende privilegierter sozialer Herkunft verfügen über Leistungsvorsprünge von ein bis zwei Schuljahren gegenüber Lernenden nicht privilegierter sozialer Herkunft. Auch bei vergleichbarer Klassenzusammensetzung sind die Leistungsunterschiede zwischen den Klassen gross.
Die kritischen Ergebnisse verweisen auf grundsätzliche Herausforderungen, die sich in allen Bildungssystemen stellen. Es gibt einige Länder, wie Kanada und Finnland, in denen die Gruppe der Lernenden mit sehr tiefen Leistungen unter 10% Prozent ist. Verglichen mit dem deutschsprachigen Raum, verglichen auch mit Metropolitanregionen, entsprechen die Ergebnisse des Kantons Zürich der allgemeinen Situation. Seit den Ergebnissen von PISA 2000 wurden im deutschsprachigen Raum besondere Anstrengungen unternommen, den Zusammenhang zwischen Schulerfolg und sozialer Herkunft zu verringern. Der gegenwärtige Forschungsbefund zeigt, dass Leistungsunterschiede zwischen Schülerinnen und Schülern immer noch deutlich durch die je unterschiedliche soziale Herkunft erklärt werden können.
Kritische Ergebnisse in der Übersicht
In Deutsch erreichten 17% der Schülerinnen und Schüler am Ende der 6. Klasse die im Lehrplan vorgegebenen Lernziele nicht oder nur in geringem Ausmass (Niveau I). 18% waren es in Mathematik. Schülerinnen und Schüler, die sich im Rahmen einer integrativen Förderung in den Regelklassen befinden, waren in die Untersuchung einbezogen. Nicht einbezogen waren hingegen Lernende aus den Besonderen Klassen und Heim- und Sonderschulen. Unter Berücksichtigung dieser Gruppe würde der Anteil Lernender mit sehr tiefen Leistungen nochmals ansteigen. Schülerinnen und Schüler auf Niveau I erreichen die (künftig) von den nationalen Bildungsstandards formulierten Grundkompetenzen nicht. Die Grundkompetenzen liegen in der Regel auf Niveau II.
Die Leistungsunterschiede zwischen den Schülerinnen und Schülern nehmen während der Primarschulzeit zu und sind am Ende der 6. Klasse erheblich: Die Gruppe der Schülerinnen und Schüler, die den Zugang zum Langgymnasium geschafft haben, war gegenüber der Gruppe der Schülerinnen und Schüler die der Sekundarstufe C zugewiesen wurden (in absoluten Zahlen waren dies 467 Schülerinnen und Schüler), um 250 Punkte voraus. Letztere verfügten im Durchschnitt über Kenntnisse, welche anfangs der 4. Klasse erwartet werden.
Der Lernfortschritt hängt mit der sozialen Herkunft zusammen, mit der Erstsprache und dem Geschlecht: Lernende privilegierter sozialer Herkunft erzielen gegenüber Lernenden nicht privilegierter Herkunft in Deutsch und Mathematik grössere Fortschritte. Der Leistungsvorsprung einer Schülerin/eines Schülers mit privilegierter sozialer Herkunft, gegenüber einer Schülerin/eines Schülers nicht privilegierter Herkunft, entspricht etwa dem, was Lernende in ein bis zwei Schuljahren durchschnittlich lernen. Im Vergleich zu Lernenden mit Deutsch als Erstsprache erzielen Lernende mit Deutsch als Zweitsprache im Lesen geringere Lernfortschritte, im Wortschatz höhere Lernfortschritte (grosser Leistungsrückstand verringert sich) und in Mathematik gleich grosse Lernfortschritte. Mädchen erzielen im Vergleich zu Knaben grössere Lernfortschritte im Wortschatz und in Mathematik (ein anfänglicher Rückstand in Mathematik wird damit von den Mädchen ausgeglichen).
Je höher der Anteil an Schülerinnen und Schülern mit Deutsch als Zweitsprache in einer Klasse ist, umso tiefere Leistungen erbringen die einzelnen Lernenden in der Klasse, in Deutsch stärker als in Mathematik. Im Unterschied zur sozialen Zusammensetzung der Klasse wirkt sich der Anteil von Lernenden mit Deutsch als Zweitsprache nicht ab einer bestimmten Höhe, sondern kontinuierlich auf die Leistungen aus. Bei einem um 50 Prozent erhöhten Anteil an Lernenden mit Deutsch als Zweitsprache liegt der durchschnittliche Leistungsrückstand in Deutsch ungefähr bei einem halben Schuljahr, in Mathematik bei einem viertel Schuljahr.
In Deutsch weisen Klassen mit hohen Anteilen an Schülerinnen und Schülern mit Deutsch als Zweitsprache (das sind Klassen, die am Programm QUIMS beteiligt sind) gegenüber andern Klassen Leistungsrückstände von kapp einem Schuljahr auf: QUIMS-Klassen weisen einen Anteil von Lernenden mit Deutsch als Zweitsprache von rund 70% auf, andere Klassen einen Anteil von rund 35%. QUIMS-Klassen haben in Deutsch einen Rückstand von 37 Punkten auf andere Klassen, in Mathematik einen Rückstand von 16 Punkten. Die 37 Punkte Leistungsunterschied in Deutsch entsprechen etwa drei Viertel des Lernfortschrittes eines Schuljahres, die 16 Punkte Differenz etwa dem Lernfortschritt eines Drittels eines Schuljahrs. Hinsichtlich Zufriedenheit, Schulklima, sozialem Verhalten und Lernatmosphäre (Einschätzungen der Lernenden) bestehen zwischen den QUIMS-Klassen und den anderen Klassen nur kleine Unterschiede (leicht höhere Zufriedenheit der Klassen mit mindestens dreijähriger QUIMS-Förderung sowie etwas positiveres Arbeitsklima in QUIMS-Klassen gegenüber anderen Klassen). QUIMS-Klassen, die bereits längere Zeit im Programm QUIMS einbezogen sind, erzielen keine höheren Testleistungen als solche QUIMS-Klassen, die erst gerade in das QUIMS-Programm aufgenommen wurden.
Noten sind, neben den tatsächlich erbrachten Leistungen, abhängig von individuellen Schülerinnen- und Schülermerkmalen wie auch vom dem Leistungsstand der Klasse: Testresultate und Zeugnisnoten machen keine identischen Aussagen. Tests messen zu einem bestimmten Zeitpunkt das Wissen der Lernenden. In Zeugnisnoten fliessen die Noten der schriftlichen Prüfungen von einem halben Schuljahr ein, aber auch weitere Kriterien wie Beobachtungen der Lernfortschritte durch die Lehrperson. Unter Berücksichtigung dieser Unterschiede können die Testleistungen und die Noten miteinander verglichen werden:
- Lernende mit höheren Testleistungen verfügen in der Regel auch über höhere Zeugnisnoten. Die Streuung zwischen Noten und Testleistungen ist aber gross: In Deutsch zeigt sich z.B., dass Lernende mit einer gleichen Testleistung von 800 Punkten Noten zwischen 4.0 und 5.5 erhalten.
- Umgekehrt ist auch die Streuung der Testleistungen bei gleichen Zeugnisnoten sehr gross: Z. B. erzielen Lernende mit einer Mathematiknote von 5.0 in der Lernstandserhebung Resultate zwischen 818 und 1037 Punkten.
- Unterschiede in der Benotung hängen auch mit individuellen Merkmalen zusammen: So erhalten Lernende aus sozial wenig privilegierten Familien tiefere Noten als Lernende aus sozial privilegierten Familien, auch wenn sie die gleichen Testleistungen erbringen. Gleiches gilt für ältere Lernende und für Lernende mit Deutsch als Zweitsprache.
- Die durchschnittliche Leistungsstärke der Klasse beeinflusst die Benotung: In leistungsstärkeren Klassen wird strenger bewertet, in leistungsschwächeren Klassen milder.
Die durchschnittlichen Leistungen von Schülerinnen und Schülern, die den Abteilungen A, B, C auf der Sekundarstufe zugewiesen wurden bzw. den Zugang zum Langgymnasium geschafft haben, unterscheiden sich deutlich. Was einzelne Schülerinnen und Schüler anbelangt, bestehen aber Leistungsüberschneidungen zwischen den Schultypen.
- Die mittleren Differenzen zwischen der «Gruppe Langgymnasium» und der «Gruppe Abteilung A» sowie zwischen dieser und «Gruppe Abteilung B» betragen knapp je 100 Punkte. 100 Punkte entsprechen einem angenommenen Lernfortschritt von zwei Schuljahren. Zwischen der «Gruppe Abteilung B» und der «Gruppe Abteilung C» ist die Differenz geringer. Sie entspricht dem Lernfortschritt eines guten Jahres. Diese geringere Differenz ist teilweise dadurch bedingt, dass in Gemeinden, die keine C-Abteilung führen, leistungsschwächere Lernende in der Abteilung B sind.
- Trotz dieser deutlichen Leistungsunterschiede zwischen den Schultypen gibt es Leistungsüberschneidungen was einzelne Schülerinnen und Schüler anbelangt: Rund ein Viertel der Schülerinnen und Schüler der Abteilung B erreicht Testleistungen, die höher sind als die Testleistungen des leistungsschwächsten Viertels der Abteilung A. Vergleichbare Leistungsüberschneidungen gibt es zwischen den Schülerinnen und Schülern der Abteilung B und C sowie zwischen dem Langgymnasium und der Abteilung A.
- Bei einem Notendurchschnitt von 4.5 werden Lernende bei gleichen Testleistungen eher der Abteilung A als der Abteilung B/C zugeteilt, wenn sie eine höhere soziale Herkunft aufweisen, jünger sind, wenn sie Deutsch als Zweitsprache sprechen und wenn sie weiblich sind. Bei einem Notendurchschnitt von 5.5 besuchen Lernende bei gleichen Testleistungen häufiger das Langgymnasium, wenn sie eine höhere soziale Herkunft aufweisen, wenn sie jünger sind bzw. wenn sie ausserschulische Vorbereitungskurse besucht haben.
Die Ergebnisse der Lernstandserhebung aus dem Jahr 2009 sind praktisch identisch mit denen einer Vorläufererhebung aus dem Jahr 1998. Dies gilt für die durchschnittlichen Leistungen aller Lernenden und im Besonderen auch für diejenigen Lernenden, die die Lernziele nur in sehr geringem Masse erreichen. In Anbetracht des Umstandes, dass in den letzten Jahren vermehrt Lernende aus Besonderen Klassen in die Regelklassen integriert wurden und der Anteil von Kindern mit Deutsch als Zweitsprache zugenommen hat, darf dieses Resultat als positiv gewertet werden. Die Sechstklässlerinnnen und Sechstklässler beurteilen die Schulzufriedenheit, das Schulklima, das Sozialverhalten und das Arbeitsklima im Unterricht im Jahr 2009 sehr ähnlich wie im 1998.
Zusammenfassend lässt sich festhalten:
- Knapp 20% der Lernenden erreichen die Lernziele in Deutsch und Mathematik nicht oder nur in geringem Masse («Risikogruppe»). Sie verfügen nicht über die (künftig) geforderten Grundkompetenzen. Lernende der Risikogruppe werden mit grosser Wahrscheinlichkeit besondere Probleme bei der Lehrstellensuche, in der nachobligatorischen Bildung und in der beruflichen Laufbahn haben.
- Die Leistungsunterschiede zwischen den Lernenden nehmen während der Primarschulzeit zu. Die Leistungsunterschiede zwischen den Lernenden sind am Ende der 6. Klasse erheblich. Ebenso die Leistungsunterschiede zwischen den Klassen.
- Die Klassen mit hohen Anteilen an Schülerinnen und Schülern mit Deutsch als Zweitsprache (QUIMS-Klassen) weisen gegenüber anderen Klassen in Deutsch einen Leistungsrückstand von knapp einem halben Jahr auf.
- Noten sind, neben den tatsächlich erbrachten Leistungen, abhängig von individuellen Schülerinnen- und Schülermerkmalen (soziale Herkunft, Alter der Lernenden und ihrer Erstsprache) sowie vom allgemeinen Leistungsstand der Klasse.
- Die durchschnittlichen Leistungen der Schülerinnen und Schüler, die den Abteilungen A, B, C der Sekundarstufe zugewiesen wurden bzw. den Zugang zum Langgymnasium geschafft haben, unterscheiden sich deutlich. Es bestehen aber nach wie vor klare Leistungsüberschneidungen bei einem Teil der Lernenden. Zuweisungsentscheide zu den Schultypen lassen sich zum Teil immer noch zu stark durch individuelle Merkmale von Schülerinnen und Schülern (soziale Herkunft) erklären.
Erwägungen
Um schulische Leistungen zu fördern und um den Lernerfolg von Lernenden aus sozial benachteiligten Familien bzw. Lernenden mit Deutsch als Zweitsprache zu verbessern, wurden im Kanton Zürich bisher folgende Massnahmen ergriffen:
- Mit dem Programm QUIMS werden gemäss Volksschulgesetz seit 2006 85 Schulen (20% aller Volksschülerinnen und Volksschüler) mit sehr hohen Anteilen an fremdsprachigen Lernenden, gleichzeitig mit hohen Anteilen an Lernenden mit benachteiligter sozialer Herkunft, zusätzlich unterstützt. Ein wichtiges Ziel von QUIMS ist eine Verbesserung der Sprachkompetenzen der Schüler/innen.
- Der Unterricht in Deutsch als Zweitsprache (DaZ) ergänzt gemäss Volksschulgesetz den Regelunterricht in der Volksschule. Ziel ist es, dass Kinder und Jugendliche nicht deutscher Erstsprache ihre Deutschkompetenzen (Hochdeutsch) so entwickeln, dass sie im Regelunterricht erfolgreich lernen können. Seit 2006 wurde dieses Angebot insbesondere im Kindergarten ausgebaut. Mit einer obligatorischen Zusatzqualifikation der DaZLehrpersonen (Zertifikatslehrgang DaZ) sowie mit dem Ausbau des Lehrmittelangebots zum DaZ-Lernen wird die Qualität des DaZ-Unterrichts weiter entwickelt.
- Mit Klassencockpit und Stellwerk (nur Sekundarstufe) verfügen Lehrpersonen über standardisierte Leistungsrückmeldungen zur individuellen Standortbestimmung von Schülerinnen und Schülern.
- Die Bildungsdirektion hat, teils in enger Zusammenarbeit mit der Pädagogische Hochschule Zürich, Vorgaben, Grundlagenpapiere und Weiterbildungsangebote zur literalen Förderung und zur Sprachförderung zweisprachiger Kinder und Jugendlicher erarbeitet. Eine gute Qualifikation der Lehrpersonen in Sprachdidaktik ist eine zentrale Voraussetzung, damit Schulen ihre Förderung gezielt verstärken können.
- Die Pädagogische Hochschule Zürich gibt der Sprachförderung in der Ausbildung und Weiterbildung der Lehrpersonen ein grosses Gewicht. Die Ausbildung für eine wirksame Sprachförderung mit einer heterogenen und mehrsprachigen Schülerschaft sowie zur DaZ-Förderung wurde in den letzten Jahren ausgebaut.
- Für den Fachbereich Mathematik wurde ab 2005 mit der Erstellung neuer Lehrmittel für die Volksschule begonnen. Zum aktuellen Zeitpunkt befinden sich die neuen Lehrmittel für sämtliche Volksschulstufen in der Erprobungs- bzw. Einführungsphase.
- Zu Naturwissenschaft und Technik wurde mit Bildungsratsbeschluss vom 26. April 2010 festgelegt, dass Leitlinien für einen qualitativ guten Unterricht in Naturwissenschaft und Technik und gute Lehrmittel und Unterrichtsmaterialien entwickelt werden sollen. Auch soll die entsprechende Aus- und Weiterbildung der Lehrpersonen der Volksschule verbessert werden.
Die Ergebnisse der Lernstandserhebung zeigen, dass es das Verstetigen der bisherigen Massnahmen und zusätzliche Entwicklungen braucht. Dies lässt folgende Schlüsse zu:
- Es braucht unterrichtsnahe Vorhaben, welche die Zielklarheit im Unterricht erhöhen. Der hohe Anteil an Lernenden mit sehr tiefen schulischen Leistungen deutet einerseits auf die Schwierigkeit hin, allen Lernenden gute Deutsch- und Mathematikkenntnisse zu vermitteln. Anderseits muss angenommen werden, dass der gültige Lehrplan für die Volksschule die Ziele, die am Ende der Schulstufe zu erreichen sind, zu wenig klar erkenntlich und verbindlich formuliert. Auch die grossen Leistungsunterschiede zwischen den Klassen deuten darauf hin, dass die Lehrpersonen die Lernziele heute unterschiedlich auslegen, bzw. dass sie unterschiedlich anspruchsvolle Lernziele setzen.
- Es braucht mehr Chancengerechtigkeit und Transparenz beim Übertritt. Noten bilden tatsächliche Leistungen ab, sie sind aber auch abhängig von individuellen Schülerinnen und Schülermerkmalen sowie vom allgemeinen Leistungsstand der Klasse. Zuweisungsentscheide zu den Abteilungen A, B, C bzw. dem Langgymnasium lassen sich zum Teil noch erheblich durch die soziale Herkunft der Schülerinnen und Schüler erklären.
- Es braucht eine verbesserte Diagnose im Sprachbereich als Ausgangslage für eine individuell begleitende Sprachförderung für Schülerinnen und Schüler aus sozial benachteiligten Elternhäusern und/oder solchen mit Zweitsprache Deutsch vor, während und nach der Primar- und Sekundarschulzeit. Das Beherrschen der Schulsprache ist der Schlüssel zum Schulerfolg und zur Teilhabe an der Gesellschaft.
- Die früh einsetzende Förderung einer lernanregenden Umgebung ist gerade für sozial benachteiligte Kinder wichtig: Das Lernen in der frühen Kindheit begünstigt Lernprozesse in späteren Phasen. Kinder aus bildungsfernen Milieus profitieren besonders von institutionalisierten Angeboten der frühen Förderung.
Erhöhung der Zielklarheit im Unterricht
Verschiedene Vorhaben zur Erhöhung der Zielklarheit sind weit gediehen, dies sowohl auf der Ebene der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK), der sprachregionalen Ebene der Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz (D-EDK) wie auch im Kanton Zürich. Gemeinsame und abgestimmte Absicht der Vorhaben ist es, Zielklarheit für den Unterricht herzustellen: Sie wollen einen Beitrag dazu leisten, dass Schülerinnen und Schüler im Unterricht klar beschriebene Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten («Wissen und Können») erwerben. Zur Ergebniskontrolle werden zusätzlich entsprechende Test- und Prüfungsaufgaben zur Verfügung gestellt.
- HarmoS-Bildungsstandards (EDK; Verabschiedung Juni 2011): Mit den im Rahmen von HarmoS erstellten Bildungsstandards wird festgelegt, über welche Grundkompetenzen Schülerinnen und Schüler in der Schulsprache, in Fremdsprachen, in Mathematik und Naturwissenschaften verfügen sollen. Sie sind etwa auf Niveau II formuliert. Im Rahmen des Bildungsmonitorings von Bund und Kantonen werden, in regelmässigen Abständen, ab 2013/14 am Ende des 2., 6. und 9. Schuljahres Leistungstests (Systemevaluationen) in Mathematik, den Naturwissenschaften und der Schulsprache durchgeführt. Am Ende des 6. und 9. Schuljahres kommen noch Tests in den Fremdsprachen (Englisch, Französisch) dazu. Kantone, die dem HarmoS-Konkordat beigetreten sind, nehmen mit einer repräsentativen Stichprobe an den Systemevaluationen teil.
- Lehrplan 21 (D-EDK, Verabschiedung März 2014): Der heute gültige Lehrplan für den Kanton Zürich benennt vor allem Ziele und Inhalte von Schule und Unterricht. Der künftige «kompetenzorientierte» Lehrplan 21 soll durch einfache und verständliche Könnensbeschreibungen festlegen, was Schülerinnen und Schüler zu festgelegten Zeitpunkten können und wissen müssen. In den Lehrplan werden die von den HarmoSBildungsstandards beschriebenen Grundkompetenzen eingearbeitet und konkretisiert. Dies wird von den Lehrmitteln aufgenommen und weiter umgesetzt. Ab März 2014 kann an der kantonalen Fassung des Lehrplans 21 gearbeitet werden. Die Einführung des «Lehrplans 21 Kanton Zürich» wird frühestens auf Schuljahr 2015/16 erfolgen. Das Arbeiten mit «kompetenzorientierten» Vorgaben soll aber bereits ab August 2012 unterstützt werden: Ab diesem Zeitpunkt sollen Lehrpersonen auf der Sekundarstufe praxiserprobte Beispiele von Kompetenzrastern und kompetenzorientierten Lern- und Testmaterialien in ausgewählten Fächern für die freiwillige Anwendung im eigenen Unterricht zur Verfügung stehen (Bildungsratsbeschluss vom 24. Januar 2011, Projekt Chance Sek).
- Instrumente zur individuellen Standortbestimmung (D-EDK, Lehrmittelverlage; Einführung lehrplankompatibler Instrumente zwischen 2014–2017): Diagnostische Instrumente zur individuellen, förderorientierten Standortbestimmung von Schülerinnen und Schülern werden eng mit den HarmoS-Bildungsstandards und dem Lehrplan 21 abgestimmt. Der Kanton Zürich wirkt an den entsprechenden Planungen der Sprachregion mit. Dabei muss u.a. dafür gesorgt werden, dass bestehende Instrumente wie Stellwerk an den Lehrplan 21 und die HarmoS-Bildungsstandards angepasst werden. Es ist zusätzlich wichtig, sich sprachregional über den Einsatz der Tests und die Verwendung der Daten abzustimmen. Die Funktion der Instrumente und die Verwendung ihrer Daten soll im Kanton Zürich klar geregelt werden.
Mehr Chancengerechtigkeit und Transparenz beim Übertritt
Die Leistungsüberschneidungen zwischen den Abteilungen A, B und C sind Anlass dafür, den Übergang von der Primar- zur Sekundarstufe zu optimieren. Mit Bildungsratsbeschluss vom 24. Januar 2011 wurde festgelegt, die Gesamtbeurteilung für die Zuweisung der Lernenden zu den Abteilungen A, B und C der Sekundarstufe mit einem standardisierten Test zu ergänzen. Damit soll die Zuweisung der Lernenden in die Abteilungen der Sekundarstufe transparenter und kantonsweit einheitlicher werden.
Verbesserte Diagnose und individuelle Förderung im Sprachbereich
Im Kanton Zürich sind folgende diagnostische Instrumente in Entwicklung, die der Sprachförderung von Schülerinnen und Schülern dienen, insbesondere auch derer aus sozial benachteiligten Elternhäusern und/oder mit Deutsch als Zweitsprache:
- Für die Kindergartenstufe wird ein Instrument entwickelt, das die sprachlichen Kompetenzen in der Schul- bzw. Bildungssprache erhebt und förderorientierte Ergebnisse zur Verfügung stellt. Dieses Instrument soll verbindlich im Rahmen der Zuweisung zum DaZ Unterricht eingesetzt werden. Es eignet sich bei Fragestellungen zum Sprachstand auch für den Einsatz bei anderen Kindern. Das Instrument wird 2011 erprobt und soll auf Schuljahr 2012/13 allgemein zur Verfügung stehen.
- Für die Primar- und Sekundarstufe I wird ein Instrument entwickelt, das die sprachlichen Kompetenzen in der Schul- bzw. Bildungssprache von Lernenden mit Deutsch als Zweitsprache erhebt und förderorientierte Ergebnisse zur Verfügung stellt. Dieses Instrument soll verbindlich im Rahmen der Zuweisung zum DaZ-Unterricht eingesetzt werden. Das Instrument wird Anfang 2012 erprobt und soll auf Schuljahr 2012/13 allgemein zur Verfügung stehen.
Die genannten Instrumente werden mit den Lehrplanvorgaben und den HarmoSBildungsstandards (Grundkompetenzen) abgestimmt. Den Instrumenten wird auch ein durchlaufendes Kompetenzmodell zugrunde gelegt. Die Instrumente enthalten neben einem standardisierten Sprachstandstest einfach einsetzbare Beobachtungsbogen.
Förderung einer lernanregenden Umgebung schon vor der Schulzeit
Um bessere Lernleistungen bei der Risikogruppe zu erreichen, müssen lernförderliche Bedingungen in ausserschulischen Bereichen genutzt und ausgebaut werden, insbesondere im vorschulischen Bereich. In den ersten Jahren – also schon vor der Kindergartenzeit – ist das Lernpotenzial von Kindern besonders hoch. Die Bildungsdirektion hat aus diesem Grund einen Grundlagenbericht zur frühen Förderung (2009) sowie daraus abgeleitete Leitlinien (2009) herausgeben. Darauf aufbauend wurde eine Strategie zur frühen Förderung (2010) entwickelt, die besonderes Augenmerk auf Lerngelegenheiten im Frühbereich, auf die Übergänge zwischen den Angeboten in der Vorschulzeit und der Kindergartenstufe, auf die Ausund Weiterbildung von Betreuungspersonen insbesondere in früher Sprachförderung und auf einen verbesserten Zugang zu sozial benachteiligten Eltern mit Kleinkindern legt. Verschiedene Projekte sind geplant. Die Projektarbeiten beginnen im Jahr 2011.
Schlussfolgerungen
Die kritischen Ergebnisse der Lernstandserhebung weisen darauf hin, dass Probleme, die seit längerem bekannt sind, weiterhin bestehen. Dazu zählen insbesondere die grosse Gruppe an Lernenden mit tiefen Leistungen, der hohe Einfluss der sozialen Herkunft auf Leistungen und Schulerfolg und die Leistungsunterschiede zwischen den Klassen. Verschiedene Massnahmen wurden bereits umgesetzt bzw. sind in Entwicklung:
- Es sind interkantonale und kantonale Massnahmen vorgesehen, die der Zielklarheit dienen und diese unterstützen. Ebenso sind Massnahmen vorgesehen, die einen Beitrag zu mehr Chancengerechtigkeit und Transparenz beim Übertritt leisten wollen. Zunächst sollen diese Massnahmen umgesetzt werden.
- Die Ergebnisse zum Lernstand der Klassen mit sehr hohen Anteilen an Schüler/innen nicht-deutscher Erstsprache zeigen, dass eine Weiterführung und Weiterentwicklung des unterstützenden Programms QUIMS notwendig ist.
- Im Bereich der Sprachförderung von Schülerinnen und Schülern, insbesondere in der Förderung der Literalität und des Deutschen als Zweitsprache, sind die verschiedensten Vorhaben in Umsetzung begriffen bzw. geplant. Hier stellt sich die Frage, ob die Massnahmen früh genug einsetzen, ob sie wirkungsvoll genug und genügend aufeinander abgestimmt sind.
- Für den Bereich der frühen Kindheit wird die Bildungsdirektion die bestehenden Angebote der frühen Förderung stärken und weiterentwickeln. Zusätzlich sind verschiedene weitere Massnahmen geplant. Hier besteht kein zusätzlicher Bedarf nach Massnahmen.
Weiteres Vorgehen
Externe Evaluation und Weiterentwicklung von QUIMS
QUIMS wurde in den vergangenen Jahren verschiedentlich evaluiert. Die Bildungsdirektion hat eine Forschungsgemeinschaft damit beauftragt, alle vorliegenden Daten und Evaluationsbefunde (auch Berichte der beteiligten Schulen und Berichte der Fachstelle für Schulbeurteilung) zusammenfassend zu sichten, um Wirkungen und Wirkungsbedingungen von QUIMS zu beschreiben und Vorschläge zur Weiterentwicklung von QUIMS vorzunehmen. Der Schlussbericht liegt im Oktober 2011 vor.
Erstellen eines Strategiepapiers zur Sprachförderung für den Zeitraum frühe Kindheit bis Sekundarstufe II
In der Bildungsratssitzung vom 12. Februar 2007 wurde im Rahmen einer Aussprache zur «verstärkten Sprachförderung im Rahmen der Umsetzung des neuen Volksschulgesetzes» festgehalten, dass das Volksschulamt einen entsprechenden Schlussbericht auf Ende 2011 vorlegt.
Nach Vorlage des Berichtes soll festgelegt werden, welche Massnahmen zu modifizieren bzw. ob neue Massnahmen einzuführen sind: Es soll deshalb ein «Strategiepapier Sprachförderung» zur individuell begleitenden Sprachförderung für Schülerinnen und Schüler, insbesondere aus sozial benachteiligten Elternhäusern und/oder solchen mit Zweitsprache Deutsch vor, während und nach der Volksschulzeit erstellt werden. Geprüft werden soll dabei auch die Frage, welche Wirkungen zu erwarten sind, wenn der DaZ-Unterricht individuell länger als bisher eingesetzt wird. Das Strategiepapier zur Sprachförderung soll dem Bildungsrat bis Ende 2012 vorgelegt werden.
Fortführung der Längsschnittstudie: Lernstandserhebung 9. Klasse
Die Lernstandserhebungen in der 1., 3. und 6. Klasse wurden als Längsschnitt angelegt. Es ist geplant, am Ende der Volksschule eine weitere Erhebung durchzuführen. Diese Erhebung soll im Frühjahr 2012 bei Lernenden der 3. Sekundarschulklasse und den entsprechenden Lernenden des Gymnasiums stattfinden, zeitgleich mit der Erhebung zu PISA 2012. Bei der Planung wird darauf geachtet, dass beide Erhebungen gekoppelt stattfinden.
Information zu den Ergebnissen der Lernstandserhebung in den 6. Klassen
Zu den vergangenen Lernstandserhebungen wurde von der Bildungsplanung jeweils eine Broschüre erstellt. Das Ziel war, dass das gesamte Schulfeld und insbesondere die Lehrpersonen der jeweils untersuchten Schulstufe auf eine verständliche Art die wichtigsten Resultate zur Kenntnis nehmen konnten.
Bei der aktuellen Lernstandserhebung 6. Klasse wurde zur Verbreitung der Resultate das gleiche Vorgehen gewählt: Die Broschüre soll allen Volks- und Mittelschulen zugestellt werden. Zudem soll sie auf der Webseite der Bildungsdirektion aufgeschaltet werden und so einer breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Eine Medienkonferenz ist auf Juni 2011 geplant. Auf der Webseite der Bildungsdirektion soll zusätzlich der von der Forschungsgemeinschaft erstellte Bericht aufgeschaltet werden. Die Kommunikation erfolgt über die Medienkonferenz und die Broschüre.
Im Sinne eines Zwischenentscheids dient dieser Beschluss der Bestandesaufnahme und wird nicht publiziert.
Antrag
Auf Antrag der Bildungsdirektion beschliesst der Bildungsrat:
- Der Schlussbericht der Forschungsgemeinschaft und die Broschüre der Direktion zu den Ergebnissen der Lernstandserhebung in den 6. Klassen werden zur Kenntnis genommen.
- Der Bericht und die Broschüre werden auf der Webseite der Bildungsdirektion aufgeschaltet. Die Broschüre wird allen Volks- und Mittelschulen zugestellt.
- Das Volksschulamt, in Zusammenarbeit mit der Bildungsplanung, wird beauftragt, gestützt auf die QUIMS-Evaluation, eine Aussprache mit dem Bildungsrat zur Weiterentwicklung des QUIMS-Programms auf Dezember 2011 vorzusehen.
- Die Bildungsplanung, in Zusammenarbeit mit dem Volksschulamt, dem Mittelschul- und Berufsbildungsamt und dem Amt für Jugend und Berufsberatung, wird beauftragt, dem Bildungsrat ein Strategiepapier zur Sprachförderung für den Zeitraum frühe Kindheit bis Sekundarstufe II bis Ende 2012 vorzulegen.
- Die Bildungsplanung wird beauftragt, im Jahr 2012 die Lernstandserhebung in den 9. Klassen durchführen zu lassen.
- Der Bildungsratsbeschluss ist nicht öffentlich.
- Mitteilung an die Bildungsdirektion, Volksschulamt, Mittelschul- und Berufsbildungsamt, Amt für Jugend und Berufsberatung.