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An diesem Abend sass Kabar Extas allein bei sich zu Hause vor dem Schachbrett und spielte ein Spiel gegen sich selber.
An dem Tag war einiges schief gelaufen. An der absoluten Katastrophe war Kabar Extas zwar, dachte er, mehr oder weniger unbeschadet vorbei gekommen. Sie hielt sich irgendwo in der Stadt auf, suchte andere heim, drückte nun nur auf sein Gemüt.
Wilhelm Schnepfensskorn. Mit ihm hatte Kabar Extas nach dem Abgang der Frauen noch einige Worte gewechselt, die an Bedeutungslosigkeit jenen gleichkamen, welche sie in der Gegenwart der Damen gewechselt hatten.
Gemeinsam bewegten sich die beiden Männer einige Schritte weg vom Platz. Kabar Extas tat dann jedoch kund, er müsse jetzt allein sein und habe die feste Absicht, unbegleitet nach Hause zu gehen.
Wilhelm Schnepfensskorn antwortete ihm irgendwie und gab einige Sprüche über das traute Heim zum Besten. Kabar Extas stieg auf die Wortklauberei nicht ein.
Wilhelm Schnepfensskorn, wie er erkannt hatte, dass Kabar Extas überhaupt keine Lust aufbrachte, weiter mit ihm zu diskutieren, fügte sich seinem Schicksal und gestattete es sich und Kabar Extas, dass sie sich trennten – für den Abend.
Nun sass Kabar Extas bei sich zu Hause und wie schon an so manchem Abend vor dem Schachbrett, allein, mit sich selbst spielend. Auf dem Brett rührte sich wenig. Die Figuren bewegten sich mit einer ungeheuren Schwerfälligkeit; als zögen sie an Gewichten, Welm gleich. Sie wollten nicht in die Finger passen. Vom Gewicht her entsprachen sie dem, was Kabar Extas an Schwere in den Fingern hielt. Sie reagierten plump und behäbig, ohne Elan und Schmiss. Es gelang ihm nicht, die Figuren kunstfertig über das Feld zu führen, so dass im Spiel die Späne flogen und sich ein Feuerwerk an Ideen auf das Brett entlud. Die Figuren klebten an den Feldern. Üblicherweise schob Kabar Extas die Steine in einem guten Rhythmus über die Fläche und setzte sie zu interessanten Konstellationen zusammen.
An diesem Abend fanden die Figuren kein Musikgehör. Die meiste Zeit stierte der Spieler, der gegen sich selber spielte, auf sein Spiel. Seine Phantasie beflügelte nicht die Ideen. Es entstanden keine Winkelzüge. Das Spiel blieb ohne Kraft. Der Pep war weg.
Kabar Extas liess den Blick über das Brett schweifen. Dem Geschehen vor seinem Aug mangelte es an allen Ecken und Enden an Reiz, sein Geist fasste nichts Konkretes. Wenn Kabar Extas eine Figur zog, blieb dies ohne Auswirkung auf das Spiel. Er hätte die Figur ebenso gut auf ihrem Platz belassen oder neben das Spielfeld setzen können.
An diesem Abend machte das Spiel gegen sich selber keinen Spass. Das Gute und das Böse in sich prallten auf dem Brett nicht aufeinander. Ihr Wechselspiel, das bei jedem Zug die Seite tauschte, floss als Gleichstrom.
Kabar Extas gelang es nicht, die beiden Farben Schwarz und Weiss zu einem Wechselbad der Heimtücke aufzuwiegeln, so dass die Züge beim Spiel gegen sich ins Schlingern gerieten und derart, aufgeschreckt, an Gewandtheit gewannen. Bei glücklichen Spielen übernahm manchmal Schwarz den traditionellen Part des Bösen, um dann plötzlich als weisser Engel dazustehen, während Weiss, von Hinterlisten getrieben, dem schwarzen Engel ein Bein stellte.
Bei dem Spiel variierte natürlich die Qualität der Gegner. Denn nichts ist in sich immer gleich. Das wusste Kabar Extas. Die Farbe, welche für das Bösen stand, konnte, ohne dass dies als Hinterlist interpretiert wurde, durchaus das ehrliche Spiel wählen. Die engelfarbene Gegenseite, dem alleinigen Spieler Kabar Extas gegenüber ebenfalls rechenschaftspflichtig, übermütig geworden durch das unverfänglich wirkende Spiel des Gegners und geführt durch eben diesen Kabar Extas, der gegen sich selber spielte, durfte dann auf einmal arglistig in das Spiel eingreifen und seine Spässchen mit dem Widersacher treiben.
Wenn die Stimmung einen Schlagabtausch inszenierte, dann schlugen sich beide Seiten so gut, wie es Kabar Extas gelang, die Kontrahenten in einem Zug zu orchestrieren. Kabar Extas schlug sich die Winkel- und Hinterlistzüge um die eigenen Ohren. Das Gemetzel auf dem Brett gebot Kabar Extas in solchen Momenten des überschäumenden Schachschlachteifers keinen Einhalt. Der in zwei geteilte Spieler zog Zug um Zug, bis der letzte Zug spielentscheidend die eine der beiden eigenen Farben matt setzte.
Selbstverständlich gab es auch den Fall, dass ein solches Spiel harmonisch verlief. Bei solchem Spiel kneteten sich die Überlegungen Kabar Extas in einer ruhigen Art und Weise und seine Gedanken standen offen für neue Ideen, so dass er in dem Spiel tausend Möglichkeiten für Lösungen entwickelte und als Meister des Spiels, ungetrübt von der Wucht der eigenen Instinkte, nach der schönsten Zugskomposition suchte. Ganze Abende verbrachte Kabar Extas mit der Suche nach dem Schönsten, nach dem richtigen Zug.