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Hintergrund:
Obwohl die meisten Akutspitäler einen Notfallbetrieb am Wochenende anbieten, werden manche Interventionen weniger gemacht und auf Wochentage verschoben. Dazu gehören auch perkutane koronare Interventionen oder Bypass-Operationen bei Herzinfarkten. Da diese Interventionen in der Akutsituation vermutlich die Mortalität durch Herzinfarkte am stärksten senken, ist es möglich dass eine geringere Verfügbarkeit am Wochenende mit einer höheren Mortalität durch Herzinfarkte einhergeht.
Einschlusskriterien:
- Alle Patienten mit einer Hospitalisation wegen eines ersten Herzinfarkts im Bundesstaat New Jersey (USA) zwischen 1987 und 2002
Ausschlusskriterien:
- Patienten in Altersheimen oder in staatlichen Spitälern (z.B. Veteran Affairs Hospitals)
Studiendesign:
Kohortenstudie
Studienort:
Alle Spitäler im Bundesstaat New Jersey (USA)
Outcome:
- Mortalität innert 7, 14,21, 30, 180 und 365 Tagen, wobei die Hauptanalyse auf der 30-Tages-Mortalität beruhte
Resultat:
- 231'164 Patienten erlitten einen Herzinfarkt in den 15 Jahren zwischen 1987 und 2002.
- Knapp drei Viertel der Infarkte geschahen während der Woche und ein Viertel an Wochenenden. Die Art und Schwere der Herzinfarkte war während der Woche und an Wochenenden sehr ähnlich und damit vergleichbar.
- Die Wahrscheinlichkeit eines Eingriffs (Katheterisierung, perkutane koronare Intervention oder Bypass-Operation) innert zwei Tagen war an Wochenenden deutlich geringer als während der Woche (odds ratios ziemlich konstant über die Jahre um 0.50).
- Nach 7 und 30 Tagen hatten alle Patienten etwa gleich häufig einen Eingriff hinter sich.
- Die 30-Tages-Mortalität war bei an Wochenenden hospitalisierten Patienten (12.9%) um 1% und statistisch signifikant höher als bei während der Woche hospitalisierten Patienten (12.0%), auch wenn für andere Einflussgrössen (Alter, Schweregrad Infarkt, Ko-Morbiditäten) statistisch korrigiert wurde.
- Auch nach einem Jahr war die Mortalität um etwa 1% höher bei an Wochenenden hospitalisierten Patienten. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass sich die Mortalität in den ersten vier Tagen nach Herzinfarkt unterscheidet und dieser Unterschied konstant bleibt.
Kommentar:
- Die Daten über die Patienten und Interventionen wurden sehr detailliert erfasst. Damit konnte man gut für Unterschiede zwischen Patienten, die unter der Woche oder an Wochenenden einen Herzinfarkt erleiden, korrigieren. Allerdings waren diese Unterschiede im Allgemeinen klein. Dies ist wohl auch der sehr grossen Anzahl Patienten zuzuschreiben, die analysiert werden konnte.
- Ein Vorteil dieser Studie ist es auch, dass keine Selektion der Patienten stattgefunden hat, denn es wurden alle Patienten im Bundesstaat New Jersey berücksichtigt.
- Frühere randomisiert, kontrollierte Studien, teils auch nur Subgruppenanalysen solcher Studien, legten nahe, dass einen frühe invasive Intervention bei Herzinfarkten einen Überlebensvorteil gegenüber konservativen Behandlungen bieten.
- In Zentren, wo diese Interventionen zur Verfügung stehen, sollte das Angebot wohl auch an Wochenenden bereit stehen, um Patienten in den ersten Tagen nach Herzinfarkt optimal zu behandeln. Eine absolute Differenz des Mortalitätsrisikos von einem Prozent bei Erstversorgung unter der Woche oder an Wochenenden ist bei einem so häufigen und folgenschweren Ereignis nicht wenig. Allerdings ist die Machbarkeit eines solchen 7-Tage-Angebots wohl in vielen Spitälern fraglich.
Literatur:
Kostis WL et al: Weekend versus weekday admission and mortality from myocardial infarction. N Engl J Med. 2007 Mar 15;356(11):1099-109.