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||Ausführlicher Text zum Programm:

Unter dem Titel Russische Avantgarde machte das Mondrian Ensemble bereits im Jahr 2006 auf eine hoch spannende Strömung aufmerksam, die den mitteleuropäischen Entwicklungen ihrer Zeit zwar artverwandt war, doch vor dem Hintergrund der eigenen Tradition und der separierenden politischen Entwicklungen immer einen ganz eigenen Weg ausbaute. Mit dem Programm Russische Avantgarde II setzt das Klavierquartett diese Entdeckungsreise nun fort und beginnt dabei mit dem Protagonisten, der dem breiten Fortschreiten in ein radikal neues kompositorisches Denken und Handeln in diesen Gefilden überhaupt erst den Weg freikämpfte: Alexander Skrjabin. Der 1872 geborene Moskauer löste sich aus dem Zwangskorsett der Funktionsharmonik und entwickelte eine höchst eigenständige - oft genug auch ins Eigenwillige übertretende - ganzheitliche Ästhetik, die philosophische Ansätze genauso einschloss wie synästhetische oder Fragen der Dramaturgie und der Rezeption. So folgen auch die ein Jahr vor dem Tode Skrjabins entstandenen Cinq Préludes für Klavier (1914) seiner Idee des musikalischen Verlaufs als eines Mysteriums im dionysischen Sinne, eines künstlerischen Aus-sich-Heraustretens. Ihre Satzfolge bewegt sich vom Schmerzlichen über das Dramatische bis hin zum kathartischen Stolz und Herrisch.
Skrjabins Entwürfe prägten die folgende Komponistengeneration zunächst vor allem in ihrer musikalischen Rhetorik stark. Doch zeichnete sich dort auch bald ein gewisses Unbehagen angesichts seiner esoterischen Tendenzen und eine stärkere Hinwendung zu innermusikalischen Problemstellungen ab. So etablierten sich in dieser Zeit unter den Komponisten im Dunstkreis der Assoziation für zeitgenössische Musik (ASM) verschiedene Varianten der Zwölftönigkeit, die allerdings - obgleich man davon ausgehen kann, dass das Schönberg'sche Konzept dort nicht unbekannt war - weitgehend unabhängig von den mitteleuropäischen Entwicklungen entstanden.
Besonders frappant findet in dieser Generation die Entstehung politischer Gräben ihren Niederschlag: begonnen bei der ASM, die in Reaktion auf den Russischen Verband der proletarischen Musiker (RAPM) gegründet und von diesem hart bekämpft wurde, bis hin zum lebenslangen Exilantendasein eines vom sowjetischen wie nationalsozialistischen Regime gleichermassen verfolgten Jefim Golyscheff. Er stellt in seiner kosmopolitischen Entwicklung (Skrjabin-Anhänger - Dadaist - Bauhausmitglied - Aismus-Begründer) exemplarisch den sich abzeichnenden Stilpluralismus der Moderne dar, während der Weg derer Komponisten, die in der Sowjetunion verblieben waren, wie bei Alexander Mossolow, später oft in die Adaption volkstümlich-proletarischer Muster führte.
Mit den Werken von Jefim Golyscheff, Arthur Lourié, Nicolaj Roslawez, Sergej Protopopov und Alexander Mossolow zeichnet das Mondrian Ensemble, verstärkt durch die Mezzosopranistin Kazuko Nakano, ein akustisches Bild dieses in unseren Breitengraden leider noch viel zu selten auf den Konzertprogrammen vertretenen musikalischen Kosmos.