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Forschungszentrum Dätttwil: Zwei Forschende im Labor hinter der Gasextraktionsanlage 1966 (Historisches Archiv ABB)
Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg brachte der BBC ein rasantes Wachstum – sie war präsent in allen Erdteilen. Bald produzierte BBC Schweiz auch ausserhalb von Baden, so wurden in Birr die damals grössten Fabrikhallen Europas gebaut. In Birr und im «Brisgi» entstanden zudem grosse Wohnsiedlungen und in Dättwil wurde 1973 ein eigenes Forschungszentrum eröffnet. Nach der Fusion der BBC mit der schwedischen ASEA von 1988 wandelte sich das Areal schrittweise zum Stadtteil «Baden Nord». Die industrielle Produktion von ABB Turbo Systems findet immer noch hier statt.
Werk Birr mit Fabrikhalle (1960 – 1962) und Wohnsiedlung (1962 – 1967), Aufnahme von 1969. (ETH Bildarchiv)
Die BBC geriet um 1980 in Schwierigkeiten. Überkapazitäten im Kraftwerkbau und zahlreiche weitere Faktoren führten zur Fusion mit der schwedischen ASEA. Es folgte ein massiver Stellenabbau. Die damals als «Vernunftehe» bezeichnete Fusion entwickelte sich später zum Erfolg: Der ABB gelang der Aufstieg zu einem der weltgrössten Elektrokonzerne. Der Konzernsitz befindet sich in Zürich.
Der Aufschwung der BBC brachte nach 1945 unzählige Arbeitende aus vielen Ländern nach Baden. Stadt und Konzern waren gefordert: Wo sollten diese Menschen wohnen? Kurzfristige Lösungen brachten die Barackendörfer im «Brisgi» (für Männer) und in Obersiggenthal (für Frauen). Im Brisgi entstanden später anstelle des Barackendorfs zwei neungeschossige Mehrfamilienhäuser und ein 20-geschossiges Hochhaus. Im Birrfeld baute die BBC neben der neuen Fabrik die Wohnsiedlung «In den Wyden» mit fast 600 Wohnungen. Weitere Wohnungen folgten in Wettingen, Neuenhof und Gebenstorf.
Das Brisgi 1964 aus der Vogelperspektive. Ab 1961 lösten grosse Wohnbauten die Barackensiedlung ab. (ETH Bildarchiv)
Die BBC bot ihrer Arbeiterschaft ein vielfältiges Freizeitangebot. Hierfür liess sie vom Architekten Armin Meili 1952 das «Gemeinschaftshaus Martinsberg» – heute ein Teil der Berufsfachschule BBB – erbauen. Mit dem grossartigen Treppenaufgang, der stark ornamental gefassten Fassade und dem grauweissen Mosaikboden des Foyers inszenierte die BBC ihr soziales Engagement architektonisch. Das Kader verbrachte seine Freizeit weniger im Martinsberg – es traf sich in der Villa Boveri.
«Gemeinschaftshaus Martinsberg», seit 2006 Berufsfachschule BBB. (Historisches Archiv ABB Schweiz)
Im einstigen BBC-Areal werden seit den 1990er-Jahren Fabrikgebäude abgebrochen oder umgenutzt. In der Alten Schmiede – zu Ihrer Rechten – befindet sich seit 2015 das Jugendkulturlokal «Werkk». Es war das vorläufig letzte ehemalige BBC-Gebäude, das einer neuen Nutzung zugeführt wurde. «Baden Nord» bietet Bildung, Kultur, Unterhaltung, Kulinarik und Wohnraum. Doch wird hier vor allem auch gearbeitet: Neben ABB haben sich weitere Firmen angesiedelt, als grösste die GE (General Electric), die 2015 das Kraftwerksgeschäft von Alstom übernahm, das noch bis 2000 zur ABB gehört hatte.
Baden Nord 2006, Pendler auf dem Weg zum Bahnhof, links das Tra fo (ehem. Transformatorenhalle) mit Kino, Restaurants und Fitnesszentrum. (Stadtfotograf Dominik Golob)
|1952||Bau Gemeinschaftshaus Martinsberg, A. Meili, Hochbau Bruggerstrasse, R. Rohn|
|1963||Bau von Industriehallen für Grossmaschinen im Birrfeld|
|1961-67||Bau Wohnsiedlung «im Brisgi» in Baden, «in den Wyden» in Birr|
|1971||Inbetriebnahme des weltweit grössten Transformators 1300 MVA|
|1973||Eröffnung Forschungszentrum Baden-Dättwil|
|1978||BBC beschäftigt rund 100‘000 Menschen in 140 Ländern, im Schweizer Stammhaus 18‘000|
|1988||Aus BBC und ASEA wird ABB mit rund 160‘000 Beschäftigten in 159 Firmen auf 5 Kontinenten. Massiver Stellenabbau in der Region|
|1993||Lancierung des Entwicklungsrichtplans «Chance Baden Nord 2005»|
|1993-2015||Baden bleibt Engineering-Standort. Abbruch von Industriehallen, teilweise Umnutzung, Neubau von Wohn- und Bürogebäudene|
|2000||Alstom übernimmt von ABB das Kraftwerksgeschäft|
|2015||ABB Schweiz hat 6‘350 Mitarbeiter, davon in Baden 2‘500|
|2015||General Electric übernimmt das Kraftwerksgeschäft von Alstom|