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Deutsche
[* 2]
Ritter,
Deutscher Orden,
Deutsche Herren, der dritte der christl.
Ritterorden, entstand
im Verlauf des dritten Kreuzzuges 1190 während der
Belagerung von
Akka, nachdem das 1128 in
Jerusalem
[* 3] zur
Krankenpflege
deutscher
Pilger gegründete «
Deutsche Haus» infolge der Einnahme
Jerusalems durch
Saladin (1187) vernichtet war. Hatten Kaufleute aus
Lübeck
[* 4] und
Bremen
[* 5] die
Absicht, in einem Hospital den von
Templern und Johannitern vernachlässigten kranken
Deutschen eine Zuflucht zu schaffen, so erweiterte
Herzog
Friedrich von
Schwaben diesen
Plan zur
Stiftung eines geistlichen
Ritterordens,
dessen Mitglieder
Deutsche wären.
Nach dem Vorbild der
Templer und Johanniter sollte der neue
Orden,
[* 6] der von Papst Clemens III. bestätigt wurde, neben
Krankenpflege den Kampf gegen die Heiden als seine
Aufgabe ansehen. Demgemäß unterschied man zwei
Klassen:
Ritter und
dienende Brüder. Erst später kamen hierzu Priester und Halbbrüder, welche letztere, aus nicht adligen Häusern,
teilweise in ihren weltlichen Verhältnissen fortlebten. In einen weißen Mantel mit schwarzem Kreuz
[* 7] gekleidet, übernahmen
die eigentlichen Mitglieder des
Ordens die Gelübde
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des Gehorsams, der Armut und Keuschheit. Die Gunst der
deutschen Kaiser, der morgenländischen christl. Fürsten, das Interesse
der Päpste und fromme Stiftungen erwarben dem Orden bald Besitzungen in Asien
[* 9] und Europa.
[* 10] Doch erst unter dem vierten Hochmeister
Hermann von Salza (1210-39), der mit Kaiser Friedrich II. auf das engste befreundet war, beginnt die polit.
Bedeutung des Ordens.
1230-1410. Nachdem der Plan, dem Orden für seine Teilnahme am Kampf des Königs Andreas von Ungarn [* 11] gegen die heidn. Kumanen in Siebenbürgen (im Lande Burza, das der Orden vorübergehend erhielt) ein zusammenhängendes Territorium zu gewinnen, gescheitert war, brachte Hermann von Salza die Verhandlungen mit dem Herzog Konrad von Masowien zum Abschluß. Dieser poln. Fürst aus dem Hause der Piasten, der vergeblich im Bunde mit dem Mönch Christian von Oliva die Christianisierung der den Litauern stammverwandten Preußen [* 12] versucht hatte, übertrug, um sich vor dem Angriff seiner heidn.
Nachbarn eine dauernde Stütze zu sichern, dem Orden 1230 endgültig das Culmer Land. Durch kaiserl. Huld als Reichsfürst, als Eigentümer des Culmer- und des noch zu erobernden Landes in Preußen anerkannt, sandte Hermann von Salza als seinen Stellvertreter Hermann Balk nach Preußen und begann damit den Kampf um die Unterwerfung dieses Landes, die volle 53 Jahre in Anspruch nahm. Nicht das Schwert allein, ebenso sehr die kolonisatorische Kraft [* 13] des Ordens zeitigte dies Resultat.
Jeden militär. Fortschritt begleitete Burgenbau, um den sich Städte erhoben; so Thorn, [* 14] Culm, [* 15] Marienwerder, [* 16] Elbing, [* 17] Königsberg. [* 18] Kaum war die Einnahme Preußens [* 19] im Umfang der heutigen Provinzen Ost- und Westpreußen [* 20] vollendet, so richtete der Orden seine Augen auf sein westl. Nachbargebiet Pomerellen mit Danzig. [* 21] Es gelang ihm gegen die Bemühungen Waldemars von Brandenburg [* 22] (1308-19) sich dies Land anzueignen und es zu behaupten im Kriege gegen den König Wladislaw Lokietek von Polen (1306-33), um es endlich durch des letztern Sohn, Kasimir den Großen (1333-70), im Frieden von Kalisch [* 23] 1343 sich auch rechtlich bestätigen zu lassen.
Zwar verzichtete der Orden dafür auf das bereits eingenommene Dobriner Land und Kujavien (d. h. das Gebiet auf beiden Seiten
der Weichsel südlich von Thorn), aber er konnte nun auch seine ganze Kraft einer andern Aufgabe zuwenden, die ihm östlich
von Preußen zu lösen oblag. Durch seine Vereinigung mit dem Orden der Schwertbrüder 1237 konnte sich
der
Deutsche Orden als Herr von Livland
[* 24] und Kurland betrachten. Livland und Preußen zu einem zusammenhängenden Ganzen zu verbinden,
war notwendig, und dies konnte nur geschehen durch die Erwerbung des zwischen jene Länder wie ein Keil
eingeschobenen Samaiten, eines Teils von Litauen.
Waren die Bewohner dieses Landes schon wegen ihres Heidentums ein Gegenstand der Bekämpfung durch den Orden, so verschärfte sich der Gegensatz noch mehr wegen der polit. Wichtigkeit Samaitens für den Orden. Über 150 Jahre tobte dieser Kampf. Zunächst von Livland aus geführt, dann 1283 auch von Preußen aus unternommen, fanden Jahr für Jahr Einfälle statt. Trotzdem hinterließ der Großfürst Gedimin von Litauen bei seinem Tode (im Winter 1341/42) Samaiten seinem Sohn Kestuit unbezwungen; ja gegen ihn wie dessen Bruder Olgierd von Litauen hatte der berühmte Winrich von Kniprode (1351-82) für die Existenz des Ordens bei Rudau in unmittelbarer Nähe von Königsberg 1370 zu kämpfen, ohne besondere Vorteile erringen zu können.
Erst der Tod Olgierds 1377, die Feindschaft von dessen Sohn Jagiello mit Witold, der ersterm wegen der Ermordung (1382) seines Vaters Kestuit grollte und bei dem Orden Hilfe suchte, sich aber bald wieder verräterischerweise mit Jagiello gegen den Orden verband, ermöglichte nach einer Fülle von Mißerfolgen (Verlust von Marienwerder u. a. an die Litauer) durch den Vertrag von Raciaz 1404 den Besitz Samaitens, der aber bereits 1409 wieder an das vereinigte Polen-Litauen verloren ging.
Drängte die samaitische Frage schon auf Krieg, so kam als zweiter Anlaß zur Schärfung des Gegensatzes zwischen dem Orden und Polen-Litauen der Kauf der Neumark durch den Orden (1399) hinzu, ein Schritt, den er gethan hatte, um sich die Verbindung mit Deutschland [* 25] offen zu halten. Doch nicht nur diese äußern Gründe verlangten gewaltsam eine Klärung, ebenso sehr machten innere Ursachen dies notwendig. Durch die Heirat Jagiellos von Litauen mit Hedwig von Polen und seinen Übertritt zum christl. (röm.-kath.) Glauben 1386 war dem Orden in dem polnisch-litauischen Reich ein Todfeind erstanden. Die Christianisierung Litauens hatte dem Orden seine Existenzberechtigung, die Verpflichtung zum Kampfe gegen die Ungläubigen entzogen. Die Entscheidung zwischen Deutschtum und Polentum kam mit der blutigen Niederlage des Ordens in der Schlacht bei Tannenberg zum Austrag.
1411-66. Trotzdem Heinrich von Plauen [* 26] durch die heldenmütige Verteidigung der Marienburg [* 27] (seit 1309 Residenz der Hochmeister) den Bestand des Ordens rettete, trotzdem der erste Frieden von Thorn 1411 dem Orden von seinen Besitzungen nur Samaiten und zwar auch nur auf die Lebenszeit Jagiellos und Witolds entfremdete, war mit dieser Niederlage die Blüte [* 28] des Ordens dahin. Das Mißtrauen zwischen der Ordensherrschaft und den bei Tannenberg untreu gewordenen Nachbarn war unüberbrückbar.
Dies erklärt sich schon aus der Thatsache, daß der Orden nicht eine einheimische Regierung war. Wohl verdankte Preußen seiner Herrschaft eine einheitliche Rechtspflege und Verwaltung, wohl war durch den Orden geistige und materielle Wohlfahrt gefördert worden; aber die große Kluft zwischen Landesherrschaft und Volk blieb offen, nie ist ein Preuße in höhere Ämter gekommen. Sobald das preuß. Nationalgefühl erwachte, mußte sich dies Verfahren rächen, und der Widerstand äußerte sich in dem sog. Eidechsenbunde, der mit die Niederlage bei Tannenberg heraufbeschwor.
Doch nicht nur im preuß. Adel, auch in den Städten war infolge der scharfen Konkurrenz, die der Orden (neben der Hansa dank seiner vortrefflich geschulten Agenten oder Schäffer in den hervorragendsten Handelscentren des Mittelalters entschieden die bedeutendste Handelsmacht auf Nord- und Ostsee) ihnen durch seine kommerziellen Unternehmungen machte, ein starker Unwille gegen diesen erwachsen. Diesen Geist des Mißtrauens wollte nun der Hochmeister Heinrich von Plauen beseitigen. Er wollte dem Lande, dem er starke finanzielle Opfer auferlegen mußte, 1412 durch Berufung des Landesrats, dem Abgeordnete des Landadels und der Städte angehörten, Anteil gewähren an der Regierung. Aber diese Neuerung, ¶
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sein energisches Vorgehen gegen unwürdige Mitglieder des Ordens und gegen das aufrührerische Danzig, endlich sein eigenmächtiges Handeln in polit. Beziehung, veranlaßten seinen Sturz. In der richtigen Erkenntnis, daß nur ein Krieg den «friedlosen Frieden» beendigen könne, wollte er wieder den Kampf mit Polen beginnen. Doch seine Zeit begriff diese zielbewußte Politik nicht, und im Orden selbst trat die Rebellion offen an den Tag. Das Kapitel, welches den aufrührerischen Marschall Michael Küchmeister, der an der Spitze der Unzufriedenen stand, verurteilen sollte, entsetzte Heinrich von Planen seines Amtes.
Immer tiefer sank nun der Orden. Nachdem der «Hungerfeldzug» zwischen Orden und Polen vom Juli bis Okt. 1414 gedauert, begann mit dem Waffenstillstand von Strasburg und dessen von Jahr zu Jahr bis 1422 vorgenommener Verlängerung [* 31] eine Zeit des faulen Friedens. Im ewigen Wechsel zwischen Anwerben von Söldnern und deren Entlassung, sobald der Friede wieder gesichert schien, durch unerträgliche Ausgaben für Gesandtschaften an das Konstanzer Konzil u. s. w. ruinierte sich der Orden finanziell, ohne doch den Krieg vermeiden zu können, der nach dreimonatiger Dauer im Sept. 1422 durch den Frieden am Melno-See seinen Abschluß fand und durch die definitive Abtretung Samaitens auf immer die Besitzungen des Ordens in Preußen von denen in Livland trennte.
Wie der Orden äußerlich dadurch auf seine Zukunft verzichtete, so verfiel er auch innerlich immer mehr. Die Verarmung des
Landes durch Kriege und kostspielige diplomat. Verhandlungen, eigenmächtiges Vorgehen des Ordens in Handelssachen, das noch
mehr sich verschlechternde Verhältnis zwischen
Rittern und Bevölkerung
[* 32] erregte Unzufriedenheit, die sich äußerte in Wünschen
nach Änderung der Gerichte, nach einer andern Zusammensetzung des Landesrats. Diese Bewegung fand ihren Abschluß durch die
Vereinigung aller Unzufriedenen in dem sog. «Preußischen Bund» im März 1440 zu gemeinsamer Verteidigung ihrer Rechte und Freiheiten
gegen den Orden.
Die auf Veranlassung des Ordens vom Kaiser Friedrich III. Ende 1453 befohlene Auflösung des Bundes veranlaßte die Eröffnung des Krieges seitens des Bundes gegen den Orden mit dem besten Erfolg. Doch hiermit nicht genug. Schon war man mit Polen in Verbindung getreten. Durch das «Inkorporations-Privileg» vom nahm Kasimir von Polen ganz Preußen in seinen Besitz. Es folgte nun der sog. «Dreizehnjährige oder Große Krieg» (1454-66), der wegen beiderseitiger Erschöpfung endlich durch den zweiten Frieden von Thorn beendigt wurde. Westpreußen mit Danzig, Elbing, Culm, Marienburg und Thorn kam an Polen; Ostpreußen blieb als poln. Lehen dem Hochmeister, der wie alle seine Nachfolger dem König von Polen, 6 Monate nach seiner Wahl den Treueid leisten, sollte. Das poln. Westpreußen, in die drei Woiwodschaften Pommern, [* 33] Culm, Marienburg geteilt, ging bis ins 18. Jahrh. seine eigenen Wege.
1467-1525. Der Orden in Ostpreußen führte ein ruhmloses Dasein. Die Erkenntnis seiner eigenen Schwäche veranlaßte ihn endlich zu dem Versuch, durch die Personen seiner Hochmeister sich wieder zu Ansehen zu bringen. So erklärt sich die Wahl des Herzogs Friedrich von Sachsen [* 34] 1498 und nach dessen Tod 1510 die des Markgrafen Albrecht von Brandenburg. Trotz seiner Verwandtschaft mit König Sigismund von Polen (Albrechts Mutter Sophie war eine Schwester Sigismunds) trieb Albrecht die Politik seiner nächsten Vorgänger auf die Spitze.
Während sie den Huldigungseid nur hinausschoben, war Albrecht entschlossen, den Lehnsverband mit Polen zu brechen. Vom Deutschen Reich unterstützt, dann verlassen, ließ sich Albrecht trotzdem auf einen Krieg ein, der, 1519 beginnend, 1521 mit einem vierjährigen Waffenstillstand abgeschlossen wurde und dann endgültig durch den Frieden von Krakau [* 35] 1525 sein Ende erreichte. Der geistliche Ordensstaat Preußen wurde in ein von Polen lehnbares, in der Familie des protestantisch gewordenen Albrecht von Hohenzollern [* 36] erbliches weltliches Herzogtum Preußen verwandelt.
Der livländische Ordenszweig. Länger als der preußische hielt sich der livländ. Zweig des Ordens in seiner ursprünglichen Verfassung. In Livland und Kurland hatte der Orden durch seine Vereinigung mit dem Schwertorden 1237 festen Fuß gefaßt. Unter einem eigenen Landmeister stehend hatte er im 13. und 14. Jahrh. schwere Kämpfe gegen Kuren, Samaiten und Russen zu bestehen. Dazu kam sowohl der fortwährende Konflikt zwischen dem Orden und dem Erzbischof von Riga, [* 37] der gleich jenem nach der Herrschaft über ganz Livland strebte, als die Uneinigkeit des Ordens mit dem auf sein städtisches Recht pochenden Riga. 1346 erwarb der Orden von König Waldemar von Dänemark [* 38] auch Esthland.
Diesen Besitzstand zu verteidigen, war Aufgabe des alleinstehenden livländ. Ordenszweiges, da der preußische durch seine Kämpfe gegen Polen-Litauen vollständig in Anspruch genommen war. Da er sich so auf sich selbst angewiesen sah, wuchs das Gefühl der Unabhängigkeit jenes Zweiges um so bedeutender, je mehr der Orden in Preußen an Bedeutung verlor, namentlich seit dem zweiten Thorner Frieden. Im Kampf für seine Existenz um die Wende des 16. Jahrh. gegen Rußland erfocht der Orden unter dem berühmtesten seiner Meister, Walter von Plettenberg (1494-1535), den Sieg an der Smolina bei Pleskow 1502, ein Erfolg, der dem Land einen 50jährigen Frieden mit Rußland sicherte.
Wie im preuß. Ordensgebiet, so breitete sich auch in Livland die Reformation durch die Predigten Knöpkens und Tegetmeyers aus, wenn auch der Orden offiziell katholisch blieb. Gleich Albrecht von Hohenzollern sich zum weltlichen Herrscher des seit 1525 völlig selbständig gewordenen Ordens zu machen, war Plettenberg unmöglich wegen der eifersüchtig auf die Annexion Livlands bedachten Nachbarn, Polen und Rußland, die bei einer event. Säkularisation des Ordens Grund gehabt hätten, sich in die livländ. Verhältnisse einzumischen.
Und trotzdem entging der Orden diesem Schicksal nicht. Das Bündnis, welches der livländ. Ordensmeister, Wilhelm von Fürstenberg, gezwungen durch die poln. Partei des Ordens unter Gotthard Kettler, mit dem letzten Jagiellonen Sigismund August von Polen 1557 zu Poswol gegen Iwan von Rußland einging, verstieß gegen den Vertrag des J. 1554 mit Rußland, der ausdrücklich Anschluß an Polen verbot. So begann 1558 ein 23jähriger Krieg, der Livland zu Grunde richtete und das Ende des Ordens mit sich führte. Das Heer des Ordens erlag den Russen 1560 bei Ermes; durch den Fall von Fellin geriet Wilhelm von Fürstenberg in russ. Gefangenschaft. Esthland sagte sich von der Ordensherrschaft los und erkannte ¶