Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03606.jsonl.gz/2127

bis 31. Oktober 2021
Indonesische Textilien beeindrucken durch ihren ästhetischen und technischen Reichtum. Besonders faszinierend ist die Ausstrahlung von Ritualgeweben aus dem Süden Sumatras, deren Hauptmotiv konkret oder abstrakt gestaltete Schiffe sind. In Europa sind diese in flottanter Einschlagtechnik gearbeiteten Tücher, die seit nunmehr hundert Jahren nicht mehr produziert werden und deren Funktion nur noch in Ansätzen rekonstruierbar ist, als Schiffstücher bekannt geworden.
Alfred Steinmann, einer der ehemaligen Direktoren des Völkerkundemuseums der Universität Zürich, gehörte zu den ersten Wissenschaftlern, die sich eingehend mit diesen Geweben beschäftigten und sie zu deuten versuchten. Er erwarb zwei herausragende Tücher für die Sammlung und nahm weitere als Deposita entgegen. In mehreren, von 1937 bis in die 1960er Jahre erschienenen Schriften untersuchte er das Motiv des Schiffes kulturhistorisch breit von der Bronzezeit bis in die Gegenwart und von Europa über Südchina bis nach Südostasien. Die aufwendig gemusterten Schiffstücher interpretierte er als Darstellungen von Übergängen toter Seelen in ein Land der Ahnen. Obwohl spätere Forschende Steinmanns Sichtweise relativierten, bleibt sein Beitrag bis heute wesentlich für die Wahrnehmung dieser Textilien.
Die Ausstellung präsentiert erstmals einen Grossteil der Schiffstücher des Völkerkundemuseums und damit ein vielschichtiges Kapitel der Forschungs- und Sammlungsgeschichte der Zürcher Ethnologie.