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Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
Lily und ich waren von diesem herzbewegenden Film aus Frankreich sofort hingerissen, während der Nachmittagsvorstellung im „Curzon“ Kino in Wimbledon/London.
Driss, ein junger Schwarzer aus einem Pariser Vorort, bewarb sich um die Stelle als Pfleger des schwer gelähmten Aristokraten Philippe. Ihm ging es nicht um die Stelle, sondern um den Nachweis seiner Stellensuche. Damit wollte er sich weiterhin die staatliche Unterstützung für Arbeitslose sichern. Driss beantwortete salopp die Fragen während des Interviews. Philippe war beim Interview zugegen. Welche Antwort von Driss lockte Philippe ein Schmunzeln ab? Driss wurde die Stelle auf Probe angeboten – was ihn keineswegs freute, arbeitsscheu, wie er war.
Immerhin erschien Driss zum 1. Arbeitstag und wurde feudal in Philipps luxuriösen Villa in der Pariser Stadtmitte einquartiert. Der Kontrast zwischen seiner mit der Familie geteilten Wohnung und den mit allem Komfort ausgestatteten Wohnräumen, worunter das geräumige Badezimmer, beeindruckten ihn so sehr, dass er sofort ins Bad stieg und wild plätscherte.
Driss wurde ihn seine Aufgaben als Pfleger eingeführt. Er weigerte sich zuerst störrisch, Philippes Unterleib zu waschen und dessen Leibwäsche zu wechseln. Von seiner Mutter aus der schäbigen Wohnung in der Mietkaserne verbannt, blieb Driss nichts anderes übrig, als sich widerwillig zu fügen.
Eine Freundschaft bahnte sich zwischen Driss und Philippe an. Er hob und setzte Philippe ins Luxusauto für eine Ausfahrt, und drückte das Pedal tief und überholte Autos links und rechts im irrsinnigen Tempo, vom Streifenwagen der Polizei verfolgt. Endlich gelang es der Polizei, das Auto zu stoppen. Aus dem Auto gerissen, fand Driss eine glaubwürdige Ausrede: Er müsse den sterbenskranken Philippe auf dem kürzesten und schnellsten Weg ins Spital bringen … Philippe täuschte einen Anfall vor. Ein Konvoi von Polizeifahrzeugen bahnte ihnen den Weg zum Spital. Dort angekommen, teilte Driss eine Zigarette mit Philippe. Das war der 1. Auftakt der Freundschaft zwischen den beiden. Das 1. Mal seit Philippes Unfall regte sich seine Lebensfreude.
Eine Kette von amüsanten Intermezzi zwischen diesen ungleichen Freunden schürte fortzu das Lachen der Zuschauer, uns inbegriffen. Was geschah mit dem Fabergé-Ei, das Driss stibitzt hatte? Wie kam es, dass Driss als Maler einen Helgen kleckste, von Kunstkennern gepriesen, und das einen Käufer zu einem saftigen Preis fand? Und erst noch, wie Instrumentalisten zu Philippes Geburtstag hochklassisch aufspielten …
Am Ende der Darbietung wurde ein „Encore“ ganz anderer Art von Driss gefordert und von ihm wild tanzend begleitet. Er riss die steife erzkonservative Haute Society mit sich. Alle hielten mit. Diese burlesken Einschübe seien bloss angetönt. Andere, subtilerer Art, seien hier verschwiegen. Sie decken den Wert der echten Freundschaft auf.
Ich reihe diesen Film zu den besten ein, die ich je gesehen und so intensiv genossen habe. „Intouchables“ war ein Riesenerfolg in Frankreich beschieden, nachdem er im September 2011 die Leinwand erreicht hatte.
Welch ein Kontrast zu den Schundfilmen amerikanischer Provenienz!
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