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Carl Spitteler (1845 - 1924) hatte viele Begabungen und Leidenschaften. Als Schriftsteller, Feuilletonist, Kritiker, Komponist und Zeichner hat er ein vielseitiges Werk geschaffen. Seine Novellen, die in den 1880er-Jahren im Berner Bund und in der NZZ erschienen, fanden Anklang. In ihnen zeigt sich sowohl Spittelers Verbundenheit mit der Schweizer Erzähltradition als auch seine Weltläufigkeit.
Der Streifzug im Überblick
Freitag, 7. Juni 2019
13.30 bis 17.30 Uhr
Preis pro Person: CHF 119.-
Anmeldeschluss: 15. Mai 2019
Hinweis: Die Teilnehmenden müssen gut zu Fuss sein (1 ½ Stunden Fussmarsch).
Die literarische Bühne hatte der junge Spitteler zunächst mit recht sperrigen Werken betreten. «Prometheus und Epimetheus» oder «Extramundana» liessen die Leserschaft wie die Kritiker eher ratlos. Stilistisch und in seiner Ästhetik lag Spitteler überhaupt nicht im Trend des realistischen Erzählens. Das schien ihn wenig zu kümmern. Nach und nach erbrachte er den Beweis, dass er sehr wohl die unterschiedlichsten literarischen Genres zu bedienen wusste. Doch seine Unabhängigkeit schien ihm weitaus wichtiger als die Genugtuung, den Erwartungen der Zeit zu entsprechen.
Spitteler kam in Liestal zur Welt. In Basel gehörte Jacob Burckhardt zu seinen prägenden Lehrern. Auf Wunsch des Vaters begann er ein Jurastudium, wechselte dann aber zum Theologiestudium, das ihn auch nach Heidelberg führte. Im zweiten Anlauf schloss er es in Basel «als Atheist» ab. Anstatt eine Pfarrstelle in Graubünden anzutreten, rettete er sich im letzten Moment in die Aufgabe eines Hauslehrers: 1871 brach er nach St. Petersburg auf und diente während acht Jahren in zwei verschiedenen Familien. 1879 kehrte Spitteler aus Russland in die Schweiz zurück. In Bern, Zürich, La Neuveville und Basel wurde er als Publizist und Lehrer tätig.
1892 liess er sich mit Frau und zwei Töchtern in Luzern nieder. Hier fand er ideale Bedingungen, um in den folgenden Jahren so unterschiedliche Werke zu schreiben wie das Versepos «Olympischer Frühling», den Roman «Imago» oder seine berühmte Rede «Unser Schweizer Standpunkt». Der Nobelpreis für Literatur wurde ihm 1919 für sein Opus Magnum «Olympischer Frühling» verliehen. Peter von Matt preist es als
das spektakulärste Ereignis deutschsprachiger Fantasy-Literatur (…) ein halbes Jahrhundert vor dem ‹Herrn der Ringe›.
Gottfried Keller wusste das Werk anders zu würdigen: «Das Buch ist von vorne bis hinten voll der auserlesensten Schönheiten. Schon der wahrhaft epische und ehrwürdige Strom der Sprache […] umhüllt uns gleich mit eigentümlicher Stimmung […] Was der Dichter eigentlich will, weiss ich nach zweimaliger Lektüre noch nicht.» (Aus einem Brief von Gottfried Keller an Joseph Viktor Widmann vom 27. Januar 1881.)
Der Nobelpreis für Literatur adelte den Schriftsteller, dessen Werk längst grösste Anerkennung und Beachtung genoss. Dass es in den letzten Jahrzehnten annähernd in Vergessenheit geriet, mag daran liegen, dass manches davon weniger zugänglich scheint. Gleichzeitig staunt man, wie vielseitig, mutig, humorvoll und aktuell einem dieser Carl Spitteler eben doch immer wieder begegnet.
In Luzern lassen sich auf einem Spaziergang einige Orte besuchen, die dem leidenschaftlichen Kinogänger, Gärtner, Marktbesucher und Schwimmer wichtig waren. Der anschliessende Imbiss findet im selben Hotel statt, in dem Spitteler den Nobelpreis feierte, nämlich im Hotel Schweizerhof. Im Anschluss an einen Kurzfilm zu Leben und Werk Carl Spittelers wird Dr. phil. Stefan Graber, Präsident der Carl Spitteler Stiftung Luzern, im Gespräch den Literaturnobelpreisträger, dessen Umfeld und seine Bedeutung weiter diskutieren.
Konzipiert und begleitet wird der Streifzug von Martina Kuoni, Germanistin und Literaturvermittlerin, Basel (literaturspur.ch, Link öffnet in einem neuen Fenster)
Programm
- Individuelle Anreise nach Luzern
- 13.15 Uhr
Begrüssung beim «Triumphbogen» am Bahnhof Luzern
- 13.40-15.15 Uhr
Spaziergang auf Spuren von Carl Spitteler
- 15.15–16.00 Uhr
Imbiss im 5*-Hotel «Schweizerhof»
- 16.00–17.15 Uhr
Kurzfilm über Carl Spitteler, Gespräch mit Dr. phil. Stefan Graber
- 17.30 Uhr
Ende der Veranstaltung