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Der Vergleich mag überraschen, aber mehrere Artikel in der angelsächsischen Presse weisen auf die Fragilität von kleinen Ländern wie die Schweiz und Island in Zeiten instabiler Finanzmärkte hin.
Nach der Ankündigung des Rettungsplans der Schweizer Regierung für die UBS fragte die britische Zeitung The Independent im Hinblick auf die Wichtigkeit des helvetischen Bankensektors im Vergleich zur wirtschaftlichen Kapazität des Landes kurz und bündig: "Ist die Schweiz das nächste Island?"
Laut der Tageszeitung beträgt das gesamte Vermögen in der Schweiz 3460 Milliarden Franken, was sieben Mal dem Bruttoinlandprodukt (BIP) entspricht. "Das ist weniger als in Island, wo das Vermögen neun Mal so hoch ist wie das BIP, aber mehr als in Grossbritannien, wo es doppelt so hoch ist wie das BIP", schreibt die Zeitung.
Richard Portes, Professor an der Londoner Business School und Präsident des Centre for Economic Policy Research, stellt in der Financial Times fest, die Schweizer Banken, wie auch die isländischen und britischen, seien durch Wertpapiere mit hohem Risiko stark gefährdet.
Ausserhalb der Eurozone und daher verwundbar
Gegenüber swissinfo warnt der Experte vor Panik, aber stellt die Fakten klar: "Kurzfristige Verpflichtungen der Schweizer Banken, das heisst diejenigen mit dem höchsten Risiko, machen 13 Mal das Schweizer BIP aus. Im Fall von Island betrug der Faktor 5, war also weniger hoch. Diese Situation ist für die Schweiz potentiell gefährlich. Ihr Bankensektor ist zum jetzigen Zeitpunkt zu gross, als dass er von der Schweizerischen Nationalbank gerettet werden könnte."
Richard Portes erwähnt auch, dass die Schweiz wie Island nicht zur Eurozone gehört und daher zur Zeit besonders verwundbar ist: "Das ist ein Nachteil, denn die Europäische Zentralbank ist eine der zwei grössten Zentralbanken der Welt, und der Euro garantiert eine gewisse Stabilität. Wenn Island den Euro als Währung verwenden würde, wäre das Land nicht in so grosse Probleme geraten."
Die Schweizer Wirtschaft ist robust
Andere Experten sehen für die Schweiz jedoch keine Gefahr. George Magnus, Chefökonom bei der UBS in London, schliesst ein Szenario nach isländischer Art kategorisch aus.
"Viele Ökonomen werfen die These eines Bankrotts für kleine Länder auf, weil diese nicht in der Lage wären, ihre Banken zu retten. Klar ist die Schweiz bescheiden in ihrer Grösse. Aber ihre Wirtschaft ist sehr solid. Die Schweiz ist keineswegs in einer verletzlichen Verfassung. Und auch wenn das Schlimmste eintreffen sollte, geniesst sie weit über ihre Grenzen hinaus einen wichtigen Status, so dass sie nicht fallengelassen würde."
George Magnus begrüsst ausserdem den Rettungsplan des Bundes, der seiner Ansicht nach äusserst raffiniert und entschieden ist. "Ich glaube, dieser Plan ist noch überzeugender als jener Grossbritanniens. Der Bund hat alle Parameter erfasst, um die finanzielle Stabilität zu garantieren."
David Harvey, bei der internationalen Anwaltskanzlei Watson, Farley & Williams verantwortlich für die Schweiz, ist überzeugt, dass die Reaktion der Schweizer Regierung gesund war.
"Es ging darum, ein starkes Zeichen zu setzen. Die Regierung wollte das Vertrauen der Schweizer Haushalte zurückgewinnen und das System als Ganzes stabiliseren."
Wolken über dem Schweizer Finanzplatz
Auch wenn die Schweiz im Moment von einer Staatspleite à la Island verschont wird, lässt sich nicht von der Hand weisen, dass der Ruf ihres Finanzplatzes gelitten hat. Insbesondere jener der UBS, betont Richard Portes von der London Business School. "Es wird Jahre dauern, bis sie ihre Glaubwürdigkeit zurückgewinnt."
Laut David Harvey braucht es auch Zeit, bis das Image der helvetischen Finanzwelt wieder aufgewertet ist. Was dies betreffe, präzisiert er, unterscheide sich die Schweiz nicht von anderen grossen Finanzzentren, die alle von der Krise getroffen wurden.
"Es braucht Zeit, um das Vertrauen und den Umgang mit dem Risiko überhaupt wieder herzustellen."
swissinfo, Catherine Ilic, London
(Übertragung aus dem Französischen: Susanne Schanda und Gaby Ochsenbein)
Schweizer Rettungsplan
Der Bundesrat hat am 16. Oktober Massnahmen zur Stärkung des Bankensektors beschlossen.
Der Bund will die Bilanz der UBS von illiquiden Aktiven im Wert von maximal 60 Mrd. Dollar entlasten. Diese Wertpapiere werden in eine Zweckgesellschaft ausgelagert, die von der Schweizerischen Nationalbank kontrolliert werden soll.
Die Behörden haben auch die Credit Suisse ersucht, ihr Eigenkapital um 10 Mrd. Franken zu erhöhen.
Im weiteren hat die Regierung angekündigt, sie wolle die Sparguthaben besser schützen. Zur Zeit liegt der Einlegerschutz in der Schweiz bei 30'000 Franken. In der Wintersession will der Bundesrat dem Parlament eine Botschaft über eine Erhöhung der geschützen Einlagen vorlegen.