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Rasantes Wachstum
Inzwischen erreichte der Umsatz des Crowdfunding in 2014 in der Schweiz CHF 15.8 Millionen (Crowdfunding Monitoring), während in Deutschland bereits € 51,4 Millionen eingesammelt wurden. Das ist immer noch nur ein kleiner Teil des Europäischen Marktes, der dieses Jahr auf geschätzte € 3 Milliarden wachsen soll. Die Steigerungsraten des Gesamtvolumens geht allerdings einher mit schnellem Wachstum der Anzahl der Projekte/ Aktionen, die „gefundet“ werden.
Definition
„Crowdfunding“, das grob mit „Förderung durch die Menge“ übersetzt werden kann, bezeichnet die Methode ein Projekt, Idee, Veranstaltung oder Aktion durch eine grosse Menge kleiner Zahlungen (vor-) zu finanzieren. Dabei erhält jeder Geldgeber einen vorher fest gelegten Gegenwert.
Der Marktplatz oder die Börse für diesen Austausch sind Plattformen im Internet, bei denen die Idee oder das Projekt vorgestellt und ein bestimmter Betrag als Finanzbedarf erklärt wird. Dieser Bedarf soll dann in einer festgelegten Zeit eingesammelt werden. Je nach Form und Funktionsweise der Plattform, wird das Geld nur dann abgerufen („aktiviert“), wenn der Mindestbetrag erreicht wurde. Ziel einer Finanzierungs-Kampagne ist es also innerhalb einer definierten Laufzeit ein fest gelegtes Finanzierungsziel zu erreichen. Wenn die Kampagne die Mindestvorgabe nicht erreicht, werden normalerweise die bis dahin erhaltenen Gelder zurück erstattet, bzw. nicht eingefordert.
Hintergrund / Historie
Die Idee für diese Art von Informations- und Transaktionsbörse kommt aus den USA, wo es durch die Digitalisierung in der Musikindustrie und ständige Auseinandersetzungen über Verwertungsrechte („copyrights“) dringend nötig war, neue Geschäftsmodelle zu finden. Schon um die Jahrtausendwende hatten startups - durch frei fliessendes Kapital befeuert - verschiedenste Ideen in Bezug zu digitalen „music files“ ausprobiert, bevor mit „Napster“ illegale Downloads hoffähig wurden. Aus dieser Situation gründete sich 2003 ArtistShare mit der Idee, dass „die Fans“ die neue Platte einer Band vorfinanzieren sollten.
Nachdem einige Startups versuchten, diese noch heute erfolgreiche Methode auf andere Bereiche zu übertragen und damit scheiterten, etablierte sich das Modell endgültig dann 5 bzw. 6 Jahre später mit der Gründung der heute noch führenden Plattformen Indiegogo und Kickstarter.
Das beim Corwdfunding zu Grunde liegende Prinzip der wachsenden „perks“ (Vorteile, Incentives, Produkte, etc.) mit wachsender Grösse der Spende kommt ursprünglich aus den Mitgliedssystemen US-amerikanischer Kultureinrichtungen. Beispielsweise hat das New Yorker Metropolitan Museum of Art schon seit über 50 Jahren ein etabliertes „membership-level-system“, das bei $5 beginnt (für Schüler) und bei $20.000 aufhört (Sponsoren, die dann auch zu allen exklusiven Veranstaltungen eingeladen werden, Kunstdrucke erhalten, etc.)
Varianten des Crowdfunding
Crowdfunding ist ein Teil des „Crowdsourcing“, das insgesamt auf die sogenannte „Schwarmintelligenz“ setzt; also auf die Tatsache, dass die gemeinsame Wirkung vieler Individuen eine besondere Stärke hat.
Ein neues Verständnis von TEAM-building in der Startup Welt setzt übrigens auf den geleichen Gedanken: „Together Everyone Achieves More“ (Gemeinsam erreicht jeder mehr) – also der Gedanke, dass eine Gruppe gemeinsam stärker ist – besonders, wenn ihre individuellen Stärken und Besonderheiten berücksichtigt werden. Im Crowdfunding überträgt sich dieser Gedanke durch die aufsteigenden Grössen der möglichen „Spende“, das logischerweise nach dem Prinzip aufgebaut ist, dass es mit steigender Bereitschaft zu geben auch steigende Gegenleistungen gibt.
Grundsätzlich werden heute 4 Modelle des Crowdfunding unterschieden, wobei sich einzelne Plattformen auch verschiedene Modellegelichzeitig anbieten:
1. Crowd-Supporting
Crowdfunding, dass darauf basiert, eine Belohnung zu bekommen – ähnlich dem oben genannten Museums-Beispiel. Inzwischen geht diese Variante aber auch in Verkaufs-Versionen über. Für seinen Geldbetrag bekommt der „Crowdfunder“ dann eine Gegenleistung in Form eines Produktes (z.B. CD, signiertes Buch, usw.). Da dies oft nur über diese Plattform (zumindest für eine gewisse Zeit) möglich ist, ist es also etwas „Besonderes“, das vom Nutzer/ Supporter durch die frühe Spende eingekauft wird.
Ein Beispiel aus der Schweiz ist www.wemakeit.com, auf der hauptsächlich kulturelle Projekte angeboten werden. Musiker suchen Unterstützer für ihre nächsten Aufnahmen, Fotografen für ihre nächste Reise. Allerdings gibt es auch viele junge startups, die z.B. ein Produkt-Prototyp herstellen wollen.
2. Crowd-Donating
Crowdfunding ist eine ideale Möglichkeit Spenden zu sammeln. Durch die Plattform können sich gemeinnützige Organisationen, Unternehmen und Projekte gut selbst darstellen und für einen bestimmten Zweck einen Spendenaufruf starten.
www.sosense.org ist ein Beispiel aus der Schweiz. Auf dieser Webseite gibt es eine Vielzahl von gemeinnützigen Organisationen, deren Kampagnen man unterstützen kann. Ein anderes Beispiel ist „Deutschlands grösste Spendenplattform“ .
3. Crowd-Lending
Eine eigene Variante ist der Internet-Plattform basierte Geldverleih, der erst durch die Inflexibilität klassischer Banken möglich wurde. Ein Kreditnehmer kann im Erfolgsfall einen bestimmten Betrag leihen, wobei im Normalfall der gesamte „Kreditgeber“ aus verschiedenen Individuen und Organisationen besteht, was für diese wiederum das Risiko verteilt.
Eine der ältesten Crowdfunding Plattformen in der Schweiz (2008 gegründet) ist ein „Crowd-Lender“ auf der „Darlehen von privat zu privat“ angeboten werden.
4. Crowd-Investing
Diese Variante ist besonders interessant für startups und kleine Unternehmen. Anstatt auf dem klassischen Weg Investoren und Kapitalgeber zu suchen, kann eine gute Idee relativ schnell zu der notwendigen Finanzierung kommen. Der Geldgebererhält dafür im Normalfall – wie der klassische Investor – einen Anteil an dem Projekt.
Das relativ junge Unternehmen www.investiere.ch ist eines der bekanntesten Schweizer Crowd-Investing-Plattformen. Ihre Spezialität ist es, fehlendes Kapital für junge Unternehmen zusammenzubekommen.
Ablauf einer Kampagne
Grundsätzlich ist es wichtig, die limitierte Zeit im Crowdfunding im Auge zu behalten. Der Vorteil dabei ist es, dass sich auf das Wesentliche konzentriert werden kann. Dabei helfen folgende Fragen:
- Was soll mit dieser Aktion erreicht werden?
- Wie viel brauchen wir dafür mindestens?
- Welche „Perks“ können wir unseren Geldgebern anbieten?
- Was machen wir im negativen Fall (nicht genug Spenden)?
- Was machen wir im positiven Fall (viel mehr Geld eingesammelt)?
Die „Mindestkapitalmenge“ ist die entscheidende Hürde beim Crowdfunding, denn erst dann kann das Projekt (oder die Aktion) beginnen. Jeder Crowdfunder hat dabei nur einen kleinen Anteil an dem Betrag. Für die Leistung des Bereitstellens des Geldes erhält der Crowdfunder dann eine Gegenleistung, die in Form von Sachleistungen, Rechten oder Geld bereitgestellt werden kann. Diese Gegenleistung kann aber auch einen ideellen oder altruistischen Wert haben, was natürlich besonders beim Crowd-Donating der Fall ist. Kommunikation zwischen Geldgeber und –Nehmer geschieht durch die Crowdfunding Plattform. Das „Einstellen“ einer Kampagne ist also quasi eine öffentliche Ausschreibung. Diese wiederum ist meistens eine limitierte Aktion, die die eingesammelten Gelder nur für den ausgeschriebenen Zweck verwenden darf – obwohl es bis jetzt weder in der Schweiz noch in Deutschland dafür gesetzliche Grundlagen gibt.
Crowdfunding ist heute eine praktische Alternative zur Geldbeschaffung. Es lohnt sich, den eigenen möglichen Bedarf zu definieren und dann bei verschiedenen Plattform-Anbietern zu recherchieren, welche am besten passen würde. Heute gibt es eine Vielzahl von teilweise auf eine Nische („Sport“, „Mittelstand“) spezialisierten Webseiten. Auch die Untersuchung ähnlicher Projekte ist lehrreich. („Wie ist das Angebot?“, „Wo wird es angeboten?“) Eine ausgewählte Liste und Links von Plattformen finden Sie auf der rechten Seite.