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FIFAD: Viele Filme - viele Preise
Eine Rückschau auf das 27. Festival International du Film Alpin aux Diablerets ( FIFAD ) Im Vorfeld des Festivals Das FIFAD hat sich in 27 langen Jahren zu einem Konkurrenten der Grossveranstaltung von Trento entwickelt, obwohl die Ausstrahlung dieser sympathischen Bergfilmtage in Les Diablerets immer noch mehrheitlich nur in das lateinische Europa hinein wirkt. Beiträge und Zuschauer aus der Deutschschweiz, Deutschland und Österreich sind rar oder gar nicht vorhanden. Dies ist ein Handicap, das es in Zukunft zu überwinden gilt. Der SAC, als einer der Hauptsponsoren dieses sonst recht gut besuchten Anlasses, könnte als überregionale Organisation dabei eine Brückenfunktion ausüben.
Im Vorfeld des Festivals galt es, über 80 eingereichte Filme einer Vorselektion zu unterziehen. Die Maschen dieses Netzes waren sehr eng, weshalb auch der SAC-Rettungs-film hängen blieb. Insgesamt 36 Filme wurden für das Festival selbst zugelassen, das am 23. September 1996 begann.
Ein strenges Programm Die Arbeit der fünfköpfigen Jury, der als SAC-Vertreter dieses Jahr der Bündner Paul Meinherz angehörte, war nicht leicht. Während draussen der Herbst mit feuchtkaltem Wetter Einzug hielt, liefen in der Maison des Congrès in Les Diablerets von den frühen Morgenstunden bis in den Abend hinein die Filme über die Leinwand. Der längste Beitrag dauerte 124 Minuten - er erhielt übrigens nicht deswegen den Grand Prix -, der kürzeste ganze 540 Sekunden. Am Ende der anstrengenden Sichtung wurde der Jury eines klar: Sie hatte teilweise Unvergleichbares zu vergleichen und zu bewerten. Die Summe der gespro- chenen Wertungspunkte ergab oft kein brauchbares oder vertretbares Urteil.
Die Preise des FIFAD haben teilweise einen fest umschriebenen Sinn, so z.B. die Verbundenheit mit dem Leben in den Bergen, die sportliche Leistung, die Identität mit der Bergwelt usw. So musste gezwungenermassen manchmal ein wirklich guter Film über die Klinge springen, da in derselben Kategorie eben ein noch besserer gezeigt wurde. In einer anderen Sparte wiederum musste ein eher mittelmässiger Streifen ausgezeichnet werden, da dort die Konkurrenz weniger gross war.
Was wurde gezeigt?
FIFAD 1996 zeigte uns einen Reigen von zufälligen und zeitgenössischen Bergerlebnissen. Oft entschied allein die Wirksamkeit des Bildes. So sahen wir keinen Film über das Wandern, auch zum Thema Sportklettern fehlten substantielle Beiträge. Die Schönheit der Bewegung ist offenbar mit der Kamera nicht leicht einzufangen oder gar zu wenig spektakulär? Bei den Tierfilmen spielten die Murmeltiere die Hauptrolle; Steinböcke, Gemsen oder Hirsche mussten sich mit Statistenrollen begnügen. Tod und Todesmut waren in einem russischen Streifen über die Erstdurchquerung einer fürchterlichen Schlucht mit dem Schlauchboot die Themata, natürlich mit einem Happy End. Die starke Auffächerung des Begriffes « Alpinismus » wurde in einem Beitrag über Moun- tain-Bikes vor Augen geführt. Akrobatik stand im Vordergrund, die Natur war die Kulisse dazu.
Sympathischer Ausklang Traditionellerweise wurde das FIFAD am Samstag, 28.. " " .September, in einem sehr fröhlichen und freundschaftlichen Rahmen abgeschlossen. Die Sonne, die sich während der ganzen Woche beharrlich versteckt hielt, verdrängte endlich die düsteren Regenwolken, und die Bergführer von Les Diablerets servierten ihre feine Raclette an den lauschigen Quellen am Rande des Orts. Zu den fröhlichen Klängen zweier origineller Musikantengruppen aus Savoyen und Italien, die sich sehr harmonisch ergänzten, vereinigten sich Filmer, Darsteller, Veranstalter, Juroren und Zuschauer zu einer eigentlichen Familie. Beinahe als Kontrastprogramm dazu erfolgte in der nüchternen Halle des Kongresshauses die Verkündung der Preisträger durch Festivaldirektor Pierre Simoni.
Die vielen Preise Aus den insgesamt elf Preisträgern möchten wir hier nur einige hervorheben.
SAC-Preis und Publikumspreis Diese Preise gingen an A chacun son Everest von Pierre-Jean Rey ( F ). Er zeigt uns schwerkranke Kinder, die mit den Mitteln des Naturerlebnisses Traditionellerweise wurde eine feine Radette serviert. Endlich war - nach vielen Regentagen - auch die Sonne wieder zu sehen.
und des Bergsteigens in eine Welt der Hoffnung und Freude zurückgeführt werden. Ein sehr menschlicher Film, der auch den emotionellen Gipfel des Festivals verkörpert.
Preis der SSR/SRG Damit wurde Magic Matterhorn von Anka Schmid ( CH ) ausgezeichnet. Die surrealistische und provozierende Auseinandersetzung mit diesem helvetischen Monument als Verkörperung der Heimat und des Heimatge-fühls ist amüsant, stimmt aber gleichzeitig nachdenklich.
Diables d' Or - Kat.l ( Identifikation mit dem Leben in den Bergen ) geht an Fulvio Mariani ( CH ), dessen Film La Strada per Olmo Lungring mit ästhetischen Bildern an den Rhyth- mus tibetischer Pilger heranführt, ins Herz der Spiritualität dieser Welt vielleicht.
Kat. II ( sportliche Aktivitäten ) geht an Infinito Sud von Ermanno Salvaterra ( I ).
Kat. Ill ( Schutz der Bergwelt ). Mit dieser Auszeichnung für sein Werk L' Homme aux Vautours kann Maurice Dubroca ( F ) nach Hause reisen.
Grosser Preis Dieser « Grand Prix », man hat es eigentlich erwartet, wird an Mario Brenta ( I ) verliehen. Sein Film Barnabo delle Montagne wurde schon in Trento ausgezeichnet. Es ist eine kontemplative Reflexion, die von der Schwere und der Strenge der Dolomiten gekonnt kontrastiert wird.
c I Les Diablerets, dessen Bergmassiv sich während der Filmtage allerdings in dicken Wolken versteckte Ein Blick in die Zukunft Das FIFAD ist dabei, den Knopf aufzumachen. Von den anwesenden Filmemachern wird es mehrheitlich als sehr wichtiges Festival gepriesen. Die Internationalität hat eindeutig zugenommen, ebenso die Zahl der Besucher. Es wäre schön, wenn dem FIFAD 1997 ein ebensolcher Schwung beschieden sein würde. Es findet übrigens vom 22. bis zum 28. September in Les Diablerets statt, hoffentlich mit grösserer Beteiligung aus Nord und Ost.
Bernhard Rudolf Banzhaf, Saas Fee, Paul Meinherz, Maienfeld