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Die Stadt Cairns liegt im Norden des australischen Bundesstaates Queensland. Schon heute ist sie dank ihrer speziellen Lage zwischen Regenwald und Great Barrier Reef ein Touristenmagnet, bisher vor allem für Backpacker. Geht es nach den Plänen des chinesischen Geschäftsmanns Tony Fung, dürften zu den Rucksäcken bald Anzüge und Abendkleider hinzukommen: Er plant, in Cairns ein 3,5 Milliarden teures Luxusresorts zu bauen. In einer riesigen, künstlichen Lagune will er insgesamt neun Luxushotels, über tausend Appartements und über hundert Villen erstellen. Dazu sollen sich ein Spielcasino, eines der grössten Aquarien der Welt, eine High-End-Shopping-Mall, zwei Theater, ein 18-Loch-Golfplatz und ein Sportstadion mit 25'000 Sitzplätzen gesellen. Von den Dimensionen her ist das Projekt mit Mega-Resorts in Macau und Dubai vergleichbar. Das „Aquis Great Barrier Reef Resort“ würde 10‘000 Vollzeitstellen kreieren.
Nächsten Monat will Tony Fung den lokalen Behörden detaillierte Planungsunterlagen und Konzepte zukommen lassen, die auch Umweltverträglichkeitsanalysen beinhalten sollen. Er verlange von der Regierung keine Investitionen oder sonstige Begünstigungen, er wolle nur Sicherheit in Form von Genehmigungen, liess er das australische Newsportal news.com.au wissen. Dabei ist er auf gutem Weg. Der Premierminister von Queensland, Campbell Newman, hat kürzlich mitgeteilt, das Mega-Projekt einem gewöhnlichen Bewilligungsprozess unterziehen zu wollen. Damit verärgert er viele Naturschützer, die gehofft hatten, das Projekt werde schon vor einer eingehenden Prüfung begraben. Tony Fung hatte klargemacht, dass er das Projekt nur weiterverfolgen werde, wenn die Regierung und die lokale Bevölkerung sein Vorhaben unterstützen. Lokale Politiker erhoffen sich durch den Bau des „Aquis Great Barrier Reef Resort“ einen wirtschaftlichen Aufschwung und mehr Touristen. Gegenwärtig reisen von den 5,7 Millionen Touristen, die jedes Jahr Australien besuchen, nur 700‘000 in nördliche Gebiete wie Queensland. Von den umgerechnet 16 Milliarden Schweizer Franken, die die Touristen in Australien ausgeben, entfallen „nur“ 750 Millionen auf die nördlichen Gebiete. Das soll sich in Zukunft ändern.
"Es ist alarmierend, dass sie ein von Menschen geschaffenes Weltwunder erstellen wollen, welches womöglich das natürliche Weltwunder Great Barrier Reef beschädigt."
Felicity Wishart (Australian Marine Conservation Society)
Herr Fung behauptet, das Grossprojekt habe keine negativen Auswirkungen auf das Great Barrier Reef. Die Australian Marine Conservation Society widerspricht: „Wir sind beunruhigt bezüglich der Grösse und der Lokalität in unmittelbarer Nähe des Great Barrier Reefs“, sagt deren Sprecherin Felicity Wishart. In der Tat ist davon auszugehen, dass die Belastung des Riffs zunehmen wird. Schon heute sind 50% der Korallen zerstört gegenüber dem Stand von 1985. Mehr Besucher verursachen auch mehr Störungen am sensiblen Ökosystem. Obwohl die UNESCO das Great Barrier Reef im Jahr 1981 zum Weltnaturerbe erklärt hat, ist es nur unzureichend geschützt. Es bleibt zu hoffen, dass die australischen Behörden ihre Verantwortung gegenüber dem grössten Korallenriff der Welt wahrnehmen und die entsprechenden Genehmigungen nicht ausstellen werden.