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von Dr. David Weiss
Normalerweise sprechen wir nicht gern darüber, dass wir uns oftmals mit anderen Menschen (z.B. Freunden, Familienmitgliedern und Kollegen) oder anderen Gruppen (z.B. Nationalität, Geschlecht, und Verein) vergleichen. Dennoch tun wir dies sehr häufig. Wir vergleichen uns zum Beispiel, um besser bewerten zu können, wo wir selbst oder unsere Gruppe stehen und um gegebenenfalls unser Selbstwertgefühl und unser Ansehen zu verbessern. Soziale Vergleiche können also sehr dienlich sein, um neue Informationen zu erhalten und uns zu motivieren, besser zu werden. Jedoch führen soziale Vergleiche oft zu negativen Gefühlen, wie Neid oder Verachtung. Gelegentlich empfinden wir dann Schadenfreude, also die Freude über das Unglück anderer. Aber wann und unter welchen Bedingungen wird Schadenfreude ausgelöst?
Mina Cikara und Susan Fiske (2012) untersuchten diese Frage in zwei verschiedenen Experimenten. Die Autoren gehen davon aus, dass das Gefühl von Neid, eng mit Schadenfreude zusammenhängt und nicht nur in persönlichen Beziehungen, sondern auch in Kontakt mit anderen sozialen Gruppen entstehen kann. Soziale Gruppen werden generell auf den Dimensionen „Kompetenz“ und „Sympathie“ bewertet. Wir nehmen also bestimmte Gruppen als (in)kompetent und (un)sympathisch wahr. Zum Gefühl von Neid kommt es dann, wenn wir Mitglieder sozialer Gruppen als kompetent und eher unsympathisch wahrnehmen. Also Mitglieder von Gruppen, denen ein hoher sozialer Status zugeschrieben wird (z.B. Professoren). Neid wird als ambivalentes Gefühl bezeichnet, da es einerseits Bewunderung („Ich will auch so sein!“), aber andererseits auch Missgunst („Das steht Dir nicht zu!“) beinhaltet. Schadenfreude sollte dann am stärksten sein, so die Annahme der Autoren, wenn wir auf jemanden neidisch sind.
Um diese Hypothese zu untersuchen, wurden den Versuchsteilnehmern in einer ersten Studie verschiedene Personen präsentiert, denen ein Missgeschick wiederfuhr. Die Ergebnisse zeigten, dass die Studienteilnehmer sich weniger schlecht fühlten, wenn ein Missgeschick einer Person aus einer konkurrierenden Gruppe mit einem hohen sozialen Status zustiess. Gleichzeitig zeigte die Analyse der Gesichtsmuskeln der Versuchspersonen, dass sie häufiger lächelten, wenn das Missgeschick einem Vertreter einer konkurrierenden Gruppe mit einem hohen sozialen Status widerfuhr. In einer zweiten Studie wurden Informationen hinsichtlich des sozialen Status einer Zielperson aktiviert. Die Ergebnisse zeigten, dass mit abnehmendem Status der Zielperson, das Gefühl der Schadenfreude abnahm. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Schadenfreude eng mit dem Gefühl von Neid verknüpft ist. Schadenfreude kann demnach nicht nur in persönlichen Beziehungen, sondern auch gegenüber bestimmten Gruppen empfunden werden. Wir empfinden Schadenfreude besonders gegenüber Mitgliedern von statushohen Gruppen, die als kompetent aber unsympathisch eingeschätzt werden. Wenn wir uns also mit Personen oder Gruppen vergleichen, die besser dastehen als wir, führt dies oft zu Neid - einem Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit und dem Bedürfnis, dass zu haben, was der/die andere hat. Die beneideten Personen werden oftmals als kompetent und unsympathisch wahrgenommen. Schadenfreude kommt dann ins Spiel, wenn wir uns über das Unglück solcher Personen freuen, auf die wir im Grunde neidisch sind.
Quelle: Cikara, M., & Fiske, S. T. (2012). Stereotypes and schadenfreude: Behavioral and physiological markers of pleasure at others' misfortunes. Social Psychological and Personality Science, 3, 63-71.
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