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Quellenrecherche
Jede geschichtswissenschaftliche Arbeit basiert auf Quellen. Die Suche nach geeigneten Quellen für eine Arbeit ist oft schwieriger als die Suche nach Literatur. So stützen sich viele Werke auf unedierte Quellen, die nur im Archiv vor Ort konsultiert werden können. Ein Teil der Archivquellen sind jedoch in Editionen zugänglich gemacht worden, wieder andere als Digitalisate (Scans oder Fotografien) in Archivkatalogen oder online-Datenbanken. Des Weiteren können auch Bibliotheksbestände als Quellen verwendet werden oder die Quellen werden mit Oral History selber erarbeitet.
Für eine Proseminararbeit kann es sich lohnen, sich auf bekannte (oder von der Dozentin oder dem Dozenten empfohlene) Quellen zu stützen. Die Arbeit mit Quellen, die nur im Archiv einsehbar sind, ist aufwendig, nicht zuletzt weil oft paläografische Kenntnisse vorausgesetzt sind (d.h. man muss alte Schriften lesen können). Für eine Proseminararbeit ist dies sicher nicht notwendig (aber durchaus möglich), sinnvoller kann Archivarbeit bei Seminararbeiten und insbesondere für die Masterarbeit sein. Es lohnt sich, mittels einer der regelmässig angebotenen Archivübungen den Einstieg zu finden. Meist wird sich eine (Pro-)Seminararbeit deshalb auf edierte oder sonst einfach zugängliche Quellen (z.B. Digitalisate) stützen.
Die wichtigste Frage, die es bei der Suche nach Quellen zu überlegen gilt, ist die nach den möglicherweise vorhandenen Quellentypen. Es mag banal klingen, aber man muss sich zum Beispiel bewusst sein, dass vor der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts keine Fotografien vorliegen. Private Schriftsstücke aus dem Mittelalter haben ungleich kleinere Überlieferungschancen als öffentliche Urkunden. Kenntnisse über politische Institutionen in der untersuchten Zeit geben Hinweise auf möglicherweise vorhandene Bestände. So kann anhand von Kontextwissen (und in Kenntnis der Quellenbasis von wissenschaftlichen Arbeiten) abgeschätzt werden, welche Arten von Quellen überhaupt gesucht werden können. Je kürzer die zu erforschende Zeit zurückliegt, desto vielseitiger sind in der Regel die Quellenarten. Nebst den hier vorgestellten "klassischen" Quellen, wie sie im Archiv und in Editionen zu finden sind, können auch ganz andere Bestände untersucht werden, etwa Literatur, Kunstwerke, Filme, Plakate, Postkarten etc. Oft finden sich solche Quellen in spezifischen Sammlungen (in Archiven oder bei anderen Institutionen).
Bevor die Suche im Archiv losgehen kann, muss das richtige Archiv gefunden werden. Das Wissen über die Zuständigkeit von Archiven hilft bei der Überlegung, wo für die Fragestellung geeignete Akten lagern könnten. Archivbestände werden grundsätzlich im Archivkatalog verzeichnet. Die meisten (grösseren) Archive verfügen über einen online-Katalog, der die Suche in den Beständen des Archivs ermöglicht. Kleinere Archive verfügen oft nur über analoge Kataloge, die vor Ort konsultiert werden müssen. Die Kataloge erlauben verschiedene Typen von Suchen. Meist ist eine Suche in der Archivstruktur (in Form eines ausklappbaren Baumdiagramms) möglich. Diese wird Archivplansuche genannt. Weitere Suchtypen sind die Volltextsuche sowie die Suche nach bestimmten Feldern (z. B. nach Signaturen oder dem Entstehungszeitraum von Quellen). Jede Suche im Archivkatalog ist nur so gut wie die Erfassung der Quellen (Erschliessung genannt). Jedes Archiv weist sehr gut erschlossene Bestände auf (zum Teil sind einzelne Dokumente, z.B. Urkunden, im Katalog erfasst) sowie Bestände, die nur ganz grob erschlossen sind (etwa auf Ebene der Archivschachteln). Oftmals finden sich im Archiv ältere, handschriftliche oder gedruckte (aber nicht digitalisierte) Register, die zu einzelnen Beständen oder Themen eine detailliertere Suche erlauben. Über solche Suchhilfen sowie allgemein über den Erschliessungsgrad von Quellenbeständen kann das Personal Auskunft geben. Es lohnt sich deshalb auf jeden Fall, mit gezielten Fragen auf das Personal zuzugehen.
Nebst den Katalogen einzelner Archive gibt es Meta-Katalogsuchen. Diese erlauben es, in den Katalogen mehrerer Archive zu suchen. Die wichtigsten Archiv- und Metakataloge sind bei den Forschungsressourcen verzeichnet. Im Zuge der laufenden Digitalisierung von Quellenbeständen stellen viele Archive Digitalisate ihrer Akten zur Verfügung. Oft erfolgt der Zugriff über den Archivkatalog und darin integrierte Viewer. Das kann in einzelnen Fällen den Gang ins Archiv ersparen. Im Normalfall aber werden die im Archivkatalog gefundenen Akten bestellt und im Lesesaal des Archivs bearbeitet. Die meisten Archive erlauben es, Aktenstücke zu fotografieren.
Weil Archivquellen oft schwer zugänglich sind (nicht zuletzt weil sie einen Besuch vor Ort im Archiv verlangen), gab und gibt es viele Editionsprojekte, die den Historikerinnen und Historikern Quellen zur Verfügung stellen.
Wann lohnt es sich, nach einer Edition zu suchen? Bei bekannten Autorinnen und Autoren, oft benutzten Beständen, weit verbreiteten Handschriften und bestimmten Dokumenttypen wie zum Beispiel Urkunden sind die Chancen grösser, eine Edition zu finden. Grundsätzlich gilt: Je weiter zurück in der Zeit, desto grösser ist der Anteil an edierten Quellen.
Klassische Editionen in Buchform findet man in Bibliotheken und entsprechend im Bibliothekskatalog. Ein Blick in die Fussnoten der relevanten Fachliteratur kann helfen, Editionen ausfindig zu machen. Weiter lohnt sich oft eine Suche in den Registern der grösseren Editionsprojekte. Seit einiger Zeit werden ältere Editionen digitalisiert und neuere Editionen direkt in digitaler Form publiziert. Digitalisierte Editionen zeichnen sich dadurch aus, dass im Volltext der Quelle gesucht werden kann. Quelleneditionen (gedruckte und digitalisierte) können auch in online-Quellendatenbanken ausfindig gemacht werden.
Da bei Bildquellen die Digitalisierung besonders vorteilhaft ist (sie erspart den Forschenden die oft schwierige Reproduktion des Bildes), gibt es mehrere grosse Projekte, welche in online-Datenbanken grosse Bildbestände zur Verfügung stellen. Archive mit grossen Bildbeständen unternehmen oft auch Bemühungen, ihr Bildmaterial via Archivkatalog (oder andere Suchmöglichkeiten) zur Verfügung zu stellen.
Beispiele für grösser Bilder-Datenbanken:
Bildindex der Kunst und Architektur. Basierend auf dem Marburger Index. Zugriff auf rund 2 Millionen Bilder zur Kunst und Architektur.