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Das Grönländische Institut für Naturressourcen führt seit März diesen Jahres die erste Eisbärenzählung überhaupt in Ostgrönland durch. Es ist die umfassendste Zählung in der Geschichte.
Seit 22. März 2023 sind internationale Experten mit Flugzeugen unterwegs um die Eisbären zu erfassen, die zwischen 64° Nord in Südostgrönland und Peary Land im nördlichsten Teil Grönlands leben. Die Zählung wird bis Anfang Mai andauern.
Einen verlässlichen Überblick über die Eisbärenpopulation einer Region zu bekommen ist kein einfaches Unterfangen. Daher erforderte diese große Zählung eine jahrelange sorgfältige Planung und Vorbereitung. «Wir begannen im Winter 2014-2015 mit einer Befragung, bei der wir Jäger baten, die besten Gebiete und Zeiten für die Erhebung von Eisbären zu ermitteln», sagt Fernando Ugarte, Leiter der Abteilung für Säugetiere und Vögel am Grönländischen Institut für Naturressourcen, in einer Pressemitteilung des Instituts.
Im Anschluss daran statteten die Experten über sechs Feldsaisons hinweg Eisbären mit Satellitensendern aus, um einen Eindruck von ihrer Verbreitung und ihren Bewegungsmustern in dem riesigen Untersuchungsgebiet zu bekommen: Die Bären in Südostgrönland wurden in den Jahren 2015, 2016 und 2017 erfasst, in Nordostgrönland in den Jahren 2018, 2019 und 2022. «Wegen COVID-19 haben wir uns um zwei Jahre verspätet, so dass die letzten Eisbären erst 2022 statt 2020 erfasst wurden», so Ugarte.
Die an der Zählung beteiligten Beobachter kommen aus Grönland, Dänemark, den Vereinigten Staaten, Norwegen und Kanada. Unter den Beobachtern sind auch Jäger aus Tasiilaq, Kulusuk und Ittoqqortoormiit.
Eisbären sind das Gesicht des Klimawandels und sie leiden bereits stark unter dessen Auswirkungen. Eine Nutzung der Tiere durch die Einheimischen, die schon immer im Einklang mit und auch von den Eisbären leben, sollte daher nur auf nachhaltige Weise erfolgen. Die Ergebnisse der Zählung werden als Grundlage für Empfehlungen zur nachhaltigen Nutzung und der Planung menschlicher Aktivitäten dienen und das Verständnis der Auswirkungen des Klimawandels verbessern, heißt es in der Meldung.
Es wird geschätzt, dass in der gesamten Arktis 22.000 bis 31.000 Eisbären in 19 Sub-Populationen leben. Die größten bekannten Populationen mit je 2.500 bis 3.000 Tieren leben im Gebiet der Baffin Bay (Westgrönland und Baffin Island), im Foxe Basin, im Lancaster Sound, in der Tschuktschensee und in der Barentssee. Eine kleine Sub-Population im Kane Basin zwischen der kanadischen Ellesmere Island und Nordwestgrönland wächst der IUCN zufolge sogar. Die Größe der Sub-Populationen im Arktischen Ozean, in der Laptevsee und in der Karasee ist noch unbekannt.
Julia Hager, PolarJournal
Beitragsbild: Michael Wenger