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Mit dem Lügen ist es so eine Sache. Es gilt als unfein, aber manchmal lässt es sich nicht vermeiden. Man stelle sich vor, wenn plötzlich alle Menschen nur noch die Wahrheit sagen würden… Die Welt würde einstürzen!
Karl Kunde, genannt Karlchen, leidet an einem Geburtsfehler: Er kann nicht lügen, sondern sagt immer die Wahrheit, die reine Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Eines Tages türmt Karlchen aus der Psychiatrischen Klinik, in der er bisher untergebracht war, weil man ihn amtlicherseits sowohl für gefährlich als auch für gefährdet hält. Sein Ziel: Die Chausseestrasse, von der er geträumt hat. Sein Traumberuf: Taxifahrer. Seine Erfahrung: Die Mitmenschen sind schon ziemlich kurios. Karlchen erinnert ein wenig an Theophil Läppli bzw. Josef Schwejk (Blog vom 22. Dezember 2016). Ein braver, liebenswürdiger Mensch, der, ohne es im Geringsten zu beabsichtigen, die Leute zur Verzweiflung treibt. Natürlich fehlt es auch nicht an verdächtige Individuen, die Karlchens naive Vertrauensseligkeit ausnützen wollen… Ich verrate nicht zuviel, wenn ich sage, dass Karlchen zuletzt freiwillig in die Klinik zurückkehrt.
Vor 300 Jahren erblickte Hieronymus Freiherr von Münchhausen, auch der „Lügenbaron“ genannt, das Licht der Welt. Von einem Anti-Münchhausen erzählt Heinz Liepman (Mitbegründer der Literaturagentur Liepman) in seinem Roman Karlchen oder Die Tücken der Tugend.