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Dynamische Investitionsrechnung
Die dynamische Investitionsrechnung ist das Instrument dazu, weil sie folgende Aspekte berücksichtigen kann:
- Der grösste Teil der Geldabflüsse erfolgt meistens kurz nach dem Start des Investitionsvorhabens (Initialinvestition)
- Weitere Geldabflüsse (in unterschiedlicher Höhe) sind für die Umsetzung im Laufe der geplanten Nutzungsdauer zu erwarten, z.B. Ausgaben für Marketing, Werbung, Kapazitätserweiterungen)
- Die Geldrückflüsse aus dem Verkauf oder aus internen Kosteneinsparungen fallen in den Planjahren in unterschiedlicher Höhe an.
- Soll die Investition höhere Umsätze bewirken, steigen automatisch auch die Debitorenbestände, der Geldrückfluss erfolgt verzögert.
- Eventuell ist am Ende des Planungszeitraums ein Liquidationserlös zu erwarten oder sind Geldabflüsse für die Wiederinstandstellung in Kauf zu nehmen (z.B. Renaturierung einer Kiesgrube)
- Die Geldflüsse sind geschätzte Beträge, da im Rechnungswesen noch keine Istdaten zur Verfügung stehen.
- Der Zeitpunkt der Geldzu- und -abflüsse ist zu berücksichtigen. Denn eine Ausgabe, welche erst in 2 oder mehreren Jahren zu erwarten ist, fällt zum Entscheidungszeitpunkt weniger ins Gewicht als eine, welche sofort bei Projektstart anfällt (Zeitwert von Geld).
Um die erwarteten Geldflüsse der verschiedenen Jahre vergleichbar zu machen, werden die einzelnen Positionen in der dynamischen Investitionsrechnung auf den Startzeitpunkt abgezinst. Ist z.B. für die Bezahlung der Fremdzinsen, der Ertragsteuern und für die Erzielung einer marktgerechten Verzinsung des Eigenkapitals ein Gewinn vor Steuern und Zinsen von 10% erforderlich, hat ein Franken, der erst in einem Jahr verdient wird, zum Entscheidungszeitpunkt nur den Wert von 90.9 Rappen (1 : (1 + 10%) 1 = 0.909).
Warum gerade 10% Ziel-ROI?
Das Zahlenbeispiel zeigt, dass unter Berücksichtigung von Ertragsteuern und Fremdzinsen und der gegebenen Bilanzstruktur ein Return on Investment ROI von rund 10% oder ein ROCE von rund 12% zu erreichen sind, soll für die Aktionäre eine Eigenkapitalrentabilität von 10.40% erreicht werden.
Empirische Vergleiche zeigen, dass diese Prozentsätze als Zielgrössen für durchschnittliche schweizerische Unternehmen realistisch sind (vgl. Buch 360°-Management, Anhang B und die dort zitierten Quellen).
Warum dynamische Investitionsrechnung?
- Es werden ausnahmslos die durch das Investitionsprojekt direkt ausgelösten Geldflüsse berücksichtigt.
- Alle Geldflüsse werden jeweils in den gemäss Projektplan erwarteten Jahren erfasst und in die Berechnung einbezogen, sei es für Investitionen oder erwartete Deckungsbeiträge aus dem Projekt.
- Durch die jahresbezogene Betrachtung der Geldflüsse und durch die Abzinsung mit dem Ziel-ROCE werden alle Beträge auf den Entscheidungszeitpunkt diskontiert. Dadurch werden sie vergleichbar.
- Der angewendete Zinssatz für die Diskontierung entspricht den Gegebenheiten im jeweiligen Land.
- Die Abschreibung der Anlagen ist berücksichtigt, da immer das gesamte Investment in der Rechnung aufgeführt wird.
- Die Ertragsteuern sind im Ziel-ROCE enthalten. Die effektiv in einem Jahr zu bezahlenden Ertragsteuern sind vom erzielten Gewinn vor Steuern (EBT) abhängig, nicht von den getätigten Investitionen.
- In der Geldflussbetrachtung sind die Ausgaben in demjenigen Jahr ausgewiesen, in dem sie anfallen. Die Abschreibungen sind damit in den Ausgaben enthalten.
Die dynamische Investitionsrechnung vergleicht sämtliche durch den Entscheid ausgelösten Geldflüsse in den Jahren, in welchen sie anfallen sollen. Es wird also immer die Veränderung zum Ausgangszustand vor der Entscheidung gemessen. Für die Entscheidenden beantwortet sie die Frage: «Was ändert sich durch die Investition in Bezug auf die Rentabilität des Gesamtunternehmens und auf die betriebliche Bilanz, wenn die Investition realisiert wird?»
Beispielhafte Anwendung
Das Unternehmen SAS möchte ein neues Fun-Spielzeug auf den Markt bringen. Für die nächsten vier Jahre bestehen sehr gute Absatzmöglichkeiten auf einem neu zu erschliessenden Markt. Neben der Anschaffung (Ende Jahr 0 = Anfang Jahr 1) einer neuen Maschine für 80'000 wären auch zusätzliche Investitionen ins Umlaufvermögen notwendig. Im Jahr 1 soll ein Lagerbestand von1'000 Stück aufgebaut werden, was einen zusätzlichen Lagerwert von 10’000 (1'000 Stück zu 10.— proportionale Herstellkosten) entspricht. Bei einem angenommenen Verkaufspreis von 20.—pro Stück wird der Jahresumsatz in Jahr 1 3’000 Stück x 20.-- = 60'000 betragen. Im zweiten Jahr sollen 4'000 Stück zu 20.— verkauft werden, was einen Umsatz von 80'000 ergibt. Im Jahr 4 sollen 5'000 Stück zu 20.—weitere 100'000 Umsatz beisteuern. Weiter wird angenommen, dass durchschnittlich ein Sechstel des Jahresumsatzes zu zusätzlichem Debitorenbestand führen wird. Für Jahr 1 sind das 10'000 (60'000 : 6), für Jahr 2 sind es 3'333 (nur die Differenzen zum Vorjahr rechnen). In Jahr 4 werden 3'000 Stück zu 20.--/Stück verkauft. Damit ist per Ende Jahr 4 der Lagerbestand 0, der Debitorenbestand jedoch noch 10'000. Zusätzliche ausgabenwirksame fixe Kosten sind keine zu erwarten.
Zur Vereinfachung wird der Debitorenendbestand des Jahres 4 als Liquidationserlös dem Jahr 4 zugeordnet. Das Zahlenmodell zeigt, dass das Projekt über die gesamten 4 Jahre nach Berücksichtigung der Zielverzinsung von 10% einen Überschuss von 54'869 generieren sollte. Das bedeutet ein recht sicheres Polster für eventuelle Ausrutscher beim Investitionsbetrag oder bei den Kosten.
Dieses Quantifizierungsmodell für die Abbildung einer dynamischen Investitionsrechnung kann für alle Arten von Investitionsrechnungen eingesetzt werden. Insbesondere sollte es jedem Antrag für eine Strategie beigelegt werden, da es auch hilft, konkurrierende strategische Pläne nach den gleichen Bewertungsregeln zu vergleichen. Wichtig ist, das wirklich sämtliche Geldflüsse, also auch die sich durch die Investition verändernden Debitoren- und Lagerbestände in die Rechnung einbezogen werden.