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Die vom Churer Ingenieur Walter Versell entworfene Vorderrheinbrücke bei Tavanasa (Foto: Thomas Riehle/ARTUR IMAGES).
Es war bereits beschlossene Sache: Die Vorderrheinbrücke bei Tavanasa wird abgebrochen! So sah es zumindest ein Regierungsbeschluss vor. Dabei handelte es sich bei dieser Brücke um ein bedeutendes und schützenswertes Denkmal des Ingenieurbaus in Graubünden - wie ein im Auftrag des Amtes für Kutlur erstelltes Gutachten bestätigte. Errichtet 1928 als Ersatz für die etwas flussabwärts gelegene alte Tavanasa-Brücke, die 1905 von Robert Maillart entworfen und 1927 durch eine Rüfe zerstört worden war, ist sie ein Hauptwerk des bekannten Churer Ingenieurs Walter Versell (1891–1989). Bereits zur Bauzeit erregte die Versell’sche Brücke mit ihrem äusserst schlanken armierten Betonbogen Aufsehen. Der damalige EMPA-Direktor Mirko Roš, der die neue Rheinbrücke 1929 einem Belastungsversuch unterzog, würdigte sie „als ein in jeder Beziehung sehr gut gelungenes Bauwerk“ (Schweizerische Bauzeitung, Bd. 93/Nr. 17, 1929, S. 208–210). Bis heute besticht die Eisenbetonbrücke durch ihre Leichtigkeit und Eleganz. Die charakteristische Kombination von optisch leichten Betonelementen und schweren Bruchsteinpfeilern weist sie als einen Vertreter der vom „Heimatschutz“ seinerzeit propagierten „gemässigten Moderne“ aus.
Im Rahmen einer Neutrassierung der Brigelserstrasse beschoss der Kanton den Bau einer neuen Vorderrheinbrücke rund 100 m weiter flussaufwärts. Geplant war, die Versell'sche Brücke nach Inbetriebnahme der neuen Brücke abzubrechen. Da sie ihre Funktion als Kantonsstrasse verliert, fehlt dem Kanton laut eigenen Angaben die gesetzliche Grundlage, sie in seinem Werkeigentum zu belassen. Offenbar wird dem Strassenbaugesetz ein grösseres Gewicht beigemessen als dem Natur- und Heimatschutzgesetz.
In dieser hoffnungslos scheinenden Situation wurde auf Initiative des BHS im Juni 2015 der „Verein zur Rettung der Versellbrücke in Tavanasa“ gegründet mit dem Ziel, „die Vorderrheinbrücke von Walter Versell in Tavanasa möglichst in unveränderter Form zu erhalten“ (www.nossa-punt.ch). Unter der engagierten Präsidentschaft von Rita Cathomas-Bearth konnte in wenigen Monaten viel erreicht werden: Anfang April 2016 wurde eine Stiftung gegründet, welcher das kulturhistorisch bedeutende Bauwerk übertragen wird (Präsident: alt Nationalrat Sep Cathomas). Die auf rund 1 Mio. Franken veranschlagte Instandsetzung des Bauwerks, das dereinst dem Langsamverkehr (Fussgänger und Velos) dienen soll, ist durch zugesicherte Kantons- und Bundesgeldern fast vollständig gedeckt. Nach der Restaurierung wird die Gemeinde Breil/Brigels für den Unterhalt (Schneeräumung und Reinigung) der Brücke besorgt sein. Der Verein Nossa Punt bleibt als Förderverein vorderhand bestehen.

Die von Robert Maillart entworfene erste Brücke über den Vorderrhein bei Tavanasa, die 1927 einer Rüfe zum Opfer fiel.
Die Vorderrheinbrücke Versells im Bau.
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Jürg Conzett: Die Vorderrheinbrücke Tavanasa-Danis, ein Hauptwerk Walter Versells. Beitrag im Bündner Monatsblatt 2/2015