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Der Erzähler sitzt auf einem Stuhl zuoberst in einem Hochhaus und sein ehemals bester Freund Tyler Durden stösst ihm einen Pistolenlauf zwischen die Kiefer. Der Erzähler fragt sich, wie es dazu gekommen ist …
Er litt unter akutem Schlafmangel, musste manchmal mehrere Tage ohne Schlaf auskomme, weil er einfach nicht einschlafen konnte. Sein Arzt sagte ihm, er solle sich nicht so anstellen, er solle eine Selbsthilfegruppe von Menschen mit Gehirnparasiten besuchen, wenn er Menschen kennenlernen möchte, denen es wirklich schlecht gehe.
Der Erzähler tat es und erstaunlicherweise gefiel ihm die Atmosphäre dort so gut, dass seine Schlaflosigkeit verschwand. Er besuchte regelmässig verschiedenste Selbsthilfegruppen, als Balsam gegen sein wiederkehrendes Leiden. Ganz besonders hatte es ihm die Gruppe „Wir bleiben Männer“ angetan, von Männern mit Hodenkrebs.
Eines Abends traf er auf Marla Singer, die genüsslich Zigaretten rauchte, und sich nicht darum scherte, dass sie als Frau in einer Hodenkrebsgruppe auftauchte. Dem Erzähler war klar, sie war eine Schwindlerin und nahm ihm die ganze Freude an den Selbsthilfegruppen. Seine Schlaflosigkeit kehrte zurück, trotz der Meetings. Er musste sie loswerden.
Nachdem es nicht geklappt hatte, nachdem sein Appartement in die Luft ging und er den ehrgeizigen Tyler Durden getroffen hatte, war es Zeit für einen Neuanfang. Tyler Durden betrauert die Männer, die als Kinder von Frauen aufwachsen und verweichlicht sind. Er begann sich mit dem Erzähler zu schlagen, bis beide blutend am Boden lagen und freudig über ihre Erfahrung nachsannen. Der Fight Club war geboren. Rasant nahm die Zahl der Mitglieder zu, obwohl die ersten beiden Regeln des Fight Clubs verbieten, darüber zu sprechen.
Nach und nach avancierte der Erzähler zu einem geschlagenen, geschundenen Zeitgenossen, der seine Erfüllung in den samstagnächtlichen Kämpfen gefunden hatte. Er schien mit sich ins Reine gekommen zu sein, wirkte abgeklärt und liess sich von niemandem mehr unterkriegen. Doch Tyler Durden war das nicht genug …
Im Vergleich zum Film
Wer kennt ihn nicht, den Film von David Fincher, mit Edward Norton, Brad Pitt und Helena Bonham Carter in den Hauptrollen? Zumindest davon gehört, haben wohl die meisten. Aber nur die wenigstens wussten oder wissen, dass der Film auf einer Romanvorlage beruht. Ich wusste es ebenfalls lange nicht.
Es ist schon eine Weile her seit ich den Film zuletzt gesehen habe, aber soweit ich weiss hält er sehr stark an die Vorlage. Es gibt einige wenige, meist belanglose Unterschiede zwischen Buch und Film, was den Inhalt angeht, aber im grossen und ganzen hat sich der Regisseur David Fincher an die Roman-Vorlage gehalten.
Sehr ähnlich ist zum Beispiel die nicht-lineare Erzählweise der Geschichte. Es beginnt mit dem Ende und es folgt ein ausgedehnter Flashback, der seinerseits immer wieder von Flashbacks oder Vorausdeutungen durchwirkt ist.
Die Verwirrung, die sowohl im Film als auch im Buch in mir vorherrschte, wird in beiden Medientypen exzellent umgesetzt, ich kann mich nicht entscheiden, welcher Typ mir besser gefällt, Buch oder Film. Im Buch wirkt die Gedankenwelt des Ich-Erzählers viel plastischer, seine bizarre, zynische und teils absurde Art zu Denken wird viel stärker thematisiert, dafür sieht man im Film die Absurditäten visualisiert und in seiner zynischen Gänze materialisiert, und abgesehen davon spielen die drei Protagonisten (Pitt, Norton und Bonham Carter) ausgezeichnet.
Fazit:
Jemandem, der das Buch nicht gelesen oder den Film nicht gesehen hat, kann ich wärmstens empfehlen, das entsprechende nachzuholen. Der Film ist kein Abklatsch des Buches und das Buch enthält viele Details, die man im Film übersieht oder die ausgeklammert werden.
Allen anderen kann ich vor allem das Buch ans Herz legen, denn der flüssige und temporeiche Schreibstil Palahniuks ist einzigartig, gewagt und eine wahre Augenweide. Er kriegt es hin, über Belanglosigkeiten zu schreiben, und sie anregend aufzubauschen – oft mit giftigem, bissigem Sarkasmus angereichert –, sodass ich das Buch nicht weglegen konnte. Und das Tempo, das er mit seinen meist kurzen Sätzen vorgibt, ist beeindruckend.
Die Protagonisten sind unangenehme, vom Leben und Schicksal geschlagene Zeitgenossen; Leute, die man im eigenen Alltag eher meidet, aber dieses Buch stellt die Möglichkeit dar, ihre Gefühlswelt besser zu verstehen, wie sie in ihrer Machtlosigkeit und Ohnmacht ihr Potenzial, ihre Energie auf etwas verwenden, um auf ihre Stellung in der Gesellschaft aufmerksam zu machen.
Ein Funken Anarchismus entzündet sich und setzt die dekadente Willkür der herrschenden Elite in Flammen.
~ Dani Vega
(Der Artikel wurde am 17.01.2010 auf raVenport erstveröffentlicht)
Fight Club.
Von Chuck Palahniuk
Deutsch von Fred Kinzel. Vorwort übersetzt von Werner Schmitz.
5. Auflage, erschienen beim Goldmann Verlag, 2004. 254 Seiten.
ISBN: 978-3-442-54210-9