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Wie würde ein Bewerber wohl auf diese Meldung eines renommierten Unternehmens reagieren? Ich persönlich würde meine Bewerbung sofort zurückziehen. Trotzdem passiert dies jeden Tag in vielen grossen Unternehmen, wenn auch unwissentlich.
Früher hiessen die Hellseher „Graphologen“. Eine Metastudie, also eine Zusammenfassung von mehreren Studien, von Netter, E & Shakhar, G (1989) hat bewiesen, dass der Nutzen dieser Methode bei 0.09% liegt.
Die Graphologen sagen, dass die Objektivität bei 80% liegt. Das stimmt sogar, aber die Objektivität in wissenschaftlichem Zusammenhang bedeutet, dass die Deutung unabhängig vom Deuter die immer gleichen Resultate zeigen.
Die Validität aber ist bei 0.09%. Das heisst, egal was der Deuter dabei analysiert, die Resultate sind nicht relevant. Man könnte also auch eine Münze werfen.
In der heutigen Zeit werden viele Unternehmen moderner und verwenden die Stimmanalyse. In der Kriminologie tun das ja auch. Da erkennen die Algorithmen eine Stimme unter tausenden. Eine Stimme ist unverwechselbar und damit konnten bereits Täter überführt werden. Das ist richtig. Konnte man damit auch den Charakter der Täter analysieren? Nein, leider nicht. Das ist bis heute keinem Kriminogen gelungen.
Unternehmen bezahlen trotzdem für 15 Minuten Stimmanalyse ca. CHF 1000.-. Die Unternehmen, die diese Programme verkaufen, behaupten, dass diese Analyse ein Assessment ersetzen kann. Die Objektivität betrage 100%. Klingt das nicht toll?
Analysieren wir das wissenschaftlich: Wie schon gesagt, die Objektivität heisst, dass es unabhängig vom Deuter immer die gleichen Resultate ergibt. Ein Computer übernimmt diese Auswertung und hat selber keine eigene Meinung. Deswegen kann der Computer nur das wiedergeben, worauf er programmiert ist. Das heisst aber nicht, dass dies auch richtig ist.
Von der Validität schreiben sie aber nichts. Ein kleiner Taschenspielertrick?
Wenn man die Stimme der gleichen Person im Abstand von 4 Wochen analysiert, beträgt die Übereinstimmung nur noch 16.8% (Pennebaker 2003). Dazu kommt auch noch, dass nicht die Arbeitsleistung oder das Fachwissen einer Person gemessen wird, sondern Motivation, Verträglichkeit und anderes. Von Stärken einer Person auf die Arbeitsleistung zu schliessen ist ebenfalls nicht wirklich optimal.
Zu diesen Themen gibt es diverse Literatur und Studien. (Kanning 2018, Schwertfeger 2015, Wolf M, Horn A.B., Mehl M.R., Haug S., Pennebaker J.W. & Kordy H. 2008)
Gute Bewerber werden nicht durch supermoderne hellseherische Tools gewonnen, sondern durch seriöse und gute Personalfachleute, die ihre Arbeit richtig beherrschen. Es bringt nichts, beim HR Stellen abzubauen und die Arbeit an Algorithmen zu überlassen. Wenn Sie dann noch die Kosten dazurechnen, die entstehen, wenn die falschen Personen eingestellt werden, haben Sie auch das Geld, gute Personaler zu bezahlen. Denn diese sind wirklich unbezahlbar.