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Bedeutende Funde aus der Vor- und Frühgeschichte weisen daraufhin, dass das Gemeindegebiet von Sarmenstorf schon seit dem Neolithikum dauernd besiedelt war. 1926/27 wurden im «Zigi» mehrere Grabhügel einer einstmals ausgedehnten jungsteinzeitlichen Nekropole aus der Zeit um 2200 v.Chr. ausgegraben, auf denen man auch bronzezeitliche Nachbestattungen (um 1400 v.Chr.) feststellte. Aus dem 1. nachchristlichen Jahrhundert, in dem unser Land als Civitas Helvetiorum dem römischen Imperium angehörte, sind im «Murimooshau» Reste eines Gutshofes mit einem stattlichen Herrenhaus erhalten, dessen Badeanlage 1929 konserviert worden ist.
Die Alemanneneinfalle im 3. und 4. Jahrhundert, durch die weite Teile unserer Gegend verwüstet wurden, beendeten die römische Herrschaft und mit der um 550 einsetzenden Landnahme entstanden die ersten alemannischen Siedlungen. Zahlreiche Flurnamen lassen vermuten, dass diese vorerst über das ganze heutige Gemeindegebiet verstreut waren und dass sich erst im Laufe der Zeit entlang dem Erusbach ein eigentliches Dorf gebildet hat. Als Zeugen aus dieser frühen Zeit verdienen die verschiedenen, nur teilweise erforschten Grabplätze, vor allem jener im «Buel» Erwähnung.
Das ursprünglich dem Kernland der Grafen von Lenzburg zugehörende Dorf erscheint urkundlich erstmals 1173 in einem kaiserlichen Schirmbrief nachdem bereits in den «Acta Murensia» von ca. 1160 «Sarmenstorf» genannt wird. In der Kaiserurkunde wird ein Gut (predium Sarmarsdorf) erwahnt, das von einem Grafen von Lenzburg an das Stift Beromünster vergabt worden war. Ansehnlicher Grundbesitz in Sarmenstorf dürfte zur gleichen Zeit auf diese Weise an die Klöster St. Blasien im Schwarzwald, Einsiedeln, Säckingen und andere gelangt sein. Die Meierhöfe der drei Gotteshäuser sind für die Entwicklung der späteren Dorfanlage bedeutsam: Der Hof des Klosters St. Blasien, «Bläsihof» genannt, lag im Bereich der unteren Mühle, jener des Stiftes Säckingen im Linsisbüel, westlich der Fahrwanger Landstrasse und schliesslich der Einsiedler Klosterhof, zu dem die obere Mühle und der Kilchenhof mit dem Kirchensatz gehörten, im oberen Dorfteil.
Das Hoch- und Blutgericht, ursprünglich in habsburgischen Händen, kam 1415 mit der Eroberung des Aargaus an Luzern und 1425 unter die Oberhoheit der regierenden Orte. Weniger klar sind die niedergerichtlichen Verhältnisse. Grundsätzlich waren Leute und Güter an den alten grundherrlichen Dinghof Villmergen pflichtig. Diese Regel wurde aber durchbrochen durch die Rechte der etwas eigentümlichen Sarmenstorfer Vogtei, die sich auf das Gebiet zwischen Dorfgasse, Kirchgasse und Landstrasse beschränkte und daher «in der Gassen» genannt wurde. Sie war durch Erbschaft und Kauf über die Herren von Küssnacht, Eschenz und das Kloster Hermetschwil 1514 an Melchior zur Gilgen gelangt, der die «rechtung in dem hoff ze Sarmenstorff» mit der Herrschaft Hilfikon verband. Nach dem Franzoseneinfall 1798 verzichtete der damalige Schlossherr Franz Josef von Roll auf seine Rechte und erklärte seine Untertanen als frei und unabhängig.
Interessante AufschlĂĽsse ĂĽber Anlage und Entwicklung des Dorfes seit dem ausgehenden Mittelalter gibt die erste Dorfoffnung von 1605, in der die Rechte und Pflichten innerhalb der Dorfgemeinschaft festgelegt sind.
Zur Zeit der Glaubensspaltung lagen die Freien Ă„mter im Spannungsfeld konfessioneller Auseinandersetzungen. Obschon im Gegensatz zu den meisten Dörfern der Umgebung in Sarmenstorf ein Bildersturm unterblieben war, neigte 1529 – 1531 doch eine Mehrheit der Bevölkerung zum neuen Glauben, was eine harte Bestrafung durch die bei Kappel siegreichen katholischen Orte zur Folge hatte. Sarmenstorf musste seine Amtsfahne abgeben und das Recht, den Untervogt selbst zu ernennen, dem Landvogt abtreten. Erst 1665 erhielt die Gemeinde auf wiederholtes Bitten hin ihr Fähnlein wieder zurĂĽck.
Während das Dorf im Bauernkrieg von 1653 von kriegerischen Ereignissen verschont blieb, wurde es im ersten Villmergerkrieg 1656 von den reformierten Truppen besetzt und auch der zweite Villmergerkrieg 1712 brachte Unruhe in das Dorf.
Zur Zeit der Helvetik 1798 bis 1803 war Sarmenstorf Distriktshauptort des Kantons Baden und wurde mit der Schaffung des neuen Kantons Aargau als Kreishauptort dem Bezirk Bremgarten zugeteilt.
Zahlreiche Bürger haben sich um den jungen Kanton, aber auch später in Politik, Kultur und Wissenschaft Ansehen und Verdienste erworben.
Senator Alois Ruepp (1750 – 1810) setzte sich nach dem Einmarsch der Franzosen in Bern nachhaltig und vermittelnd fĂĽr die neue Freiheit ein. Er gehörte zu den Schöpfern des Kantons Baden. Der Kirchenpolitiker Domdekan Alois Vock (1785 – 1857) gilt als massgebender Gestalter der neuen Bistumsverhältnisse und zudem als bedeutender Schulmann, Historiker und Sprachwissenschaftler, während ein anderer Schulmann, Augustin Keller (1805 – 1883) als vehementer Kämpfer gegen die aargauischen Klöster und als Exponent radikaler Politik weit ĂĽber die Grenzen des Kantons hinaus bis in unsere Tage im Gedächtnis geblieben ist. Auch sein in der Klosterfrage erbittertster Gegner, der Murianer Arzt Johann Baptist Baur (1783 – 1851), der seiner politischen Haltung wegen ins Exil gehen musste, stammte aus Sarmenstorf.
Ein Sohn Augustin Kellers, Arnold Keller (1841 – 1934) wandte sich nach juristischen Studien der militärischen Laufbahn zu und wurde 1890 erster definitiver Generalstabchef der Schweizerischen Armee. Zeit seines Lebens eng mit Gemeinde und Bevölkerung verbunden, war der langjährige Regierungsrat und Landammann Viktor Xaver Stalder (1868 – 1936).
Aber auch bedeutende Frauen gingen aus der Gemeinde hervor, so die um Frauenbildung und Frauenbewegung verdiente Anna Winistörfer-Ruepp (1852 – 1934), die Redaktorin und Schriftstellerin Marie Döbeli (1868 – 1900) und die aus Zug stammende PestalozzischĂĽlerin Lisette Ruepp-Uttinger (1790 – 1873), genannt «Mutterli», die von 1835 bis 1855 im Arzthaus mitten im Dorf ein vielbeachtetes Töchterinstitut leitete.
Über die Anfänge der Pfarrei und den ersten Kirchenbau sind wir nicht unterrichtet. Mit dem Leutpriester Chounradus de Sarmannesdorf tritt sie 1185 erstmals urkundlich in Erscheinung. 1310 verlieh Papst Clemens V. die Kollatur dem Stift Einsiedeln, bei dem sie bis ins 19. Jahrhundert blieb. Die verbreitete Annahme, Sarmenstorf sei urprünglich nach Seengen und Villmergen pfarrgenössig gewesen und der Bau der ersten Kirche sei frühestens Ende des 11. Jahrhunderts anzusetzen, wurde durch neue Erkenntnisse im Zusammenhang mit der Innenrenovation der Pfarrkirche 1986/88 widerlegt. Bei archäologischen Grabungen im Chor der Kirche wurde die Ostmauer einer kleinen karolingischen Kirche (um 800) freigelegt, die schon früh durch verschiedene Chorbauten erweitert und der 1311 die von Johans von Hallwil gestiftete Angelsachsenkapelle angefügt worden ist. In ihr waren die beiden adeligen Pilger beigesetzt, die nach der Legende 1309 bei Büelisacker erdolcht wurden und mit den abgeschlagenen Häuptern nach Sarmenstorf weitergewandert sein sollen.
Mit der Zeit scheint das mittelalterliche Kirchlein baufällig geworden zu sein. 1622 erfolgte ein Neubau. Als sich 1777 das Mauerwerk für eine Erweiterung als zu schwach erwies, liess die Gemeinde durch den Murianer Baumeister Vitus Rey ein neues Kirchenschiff errichten. Nun wollten aber die übernommenen Bauteile nicht mehr zum Ganzen passen und so wurde 1784 Baumeister Jakob Singer aus Luzern beauftragt, auch Chor und Turm neu aufzubauen. Namhafte Künstler wurden mit der Ausstattung des neuen Gotteshauses betraut. Die Figuren des Hochaltares stammen von Johann Baptist Babel und die Maler Joseph Ignaz Weiss und Josef Keller schufen die Deckenbilder, die durch die Innenrenovation 1986/88 ihre barocke Leuchtkraft und Lebendigkeit wieder zurückbekommen haben.
Eng mit der Geschichte des Dorfes und der Kirche verbunden ist die an der Strasse gegen BĂĽttikon gelegene, 1746/47 erbaute St. Wendelinskapelle. Sie steht an einem von alters her bedeutenden Ăśbergang vom Seetal zum BĂĽnztal, dem schon in frĂĽhester Zeit kultische Bedeutung zugekommen sein dĂĽrfte und geht zurĂĽck auf frĂĽhere Bauten aus dem 14. Jahrhundert und von 1659, in die alle auch bereits der seltsame erratische Block einbezogen war.
Während vielen Jahrzehnten beherbergte die angefügte Klause einen Waldbruder und Ende des 18. Jahrhunderts für kurze Zeit eine Oberschule.
Zur Pfarrei Sarmenstorf, aus der nach der Reformation Fahrwangen ausgeschieden war und 1799 auch Bettwil losgetrennt wurde, gehören heute noch Uezwil und Oberniesenberg.
Wenn auch in den letzten Jahren, vor allem seit der Aussiedlung landwirtschaftlicher Betriebe, im Dofbild empfindliche Lücken entstanden sind, blieb doch die durch eine lange Geschichte und bäuerliche Tradition geprägte Eigenart im wesentlichen erhalten. Zu unseren Aufgaben muss es gehören, kommenden Generationen das weiterzugeben, was wir heute als geschichtliches Erbe verwalten. (Quelle: Auszug aus Geschichte)
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