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Schimpanse
(Chimpanze, Simia troglodytes Blumenb., Troglodytes niger Geoffr., s. Tafel »Affen [* 2] I«), [* 3]
Affe aus der Familie der schmalnasigen Affen (Catarrhini) und der Unterfamilie der Anthropomorphen, 1,5 m hoch, mit verhältnismäßig großem Kopf, ziemlich breitem, flachem Gesicht, [* 4] wenig vorgezogener, breiter Schnauze, sehr großem Mund, schmalen, weit vorstreckbaren, vielfach gefalteten Lippen, kleiner, flacher Nase, [* 5] deutlich vorstehenden Augenbrauenbogen, aber nicht mit den mächtigen Wülsten über den Augen, welche der Gorilla besitzt, großen Ohren, bis fast auf den Knöchel herabreichendem Arm, mittelgroßer, schmaler Hand [* 6] und sehr beweglicher Daumenzehe.
Der Rumpf ist verhältnismäßig viel kürzer als beim Gorilla. Das braune Haar [* 7] ist ziemlich dicht, an der Gesichtsseite und auf dem Hinterkopf verlängert. Sein Kinn ist dünn, weiß behaart, das Gesicht nackt, graugelb, zwischen den Augen dunkler, Hände und Füße sind braun, die Weichengegend ist nur sehr dünn behaart. Der S. bewohnt Ober- und Niederguinea und verbreitet sich weit in das Innere von Afrika [* 8] hinein; er lebt in trocknen Wäldern in Paaren oder Familien, wechselt häufig seinen Aufenthaltsort, baut sich große Nester auf Bäumen, im allgemeinen nicht hoch über dem Boden, und versieht sie mit einem Schutzdach gegen den Regen. Er kann nicht ganz gerade stehen und fällt bei schneller Bewegung sofort auf alle viere, wobei der Leib auf den Knöcheln ruht.
Die Zehen können nicht vollständig ausgestreckt werden. Er klettert und springt mit größter Gewandtheit, nährt sich von Früchten, Blattschößlingen etc. und zieht weit der Nahrung nach. Er greift den Menschen, wie es scheint, nicht an, weiß sich aber kräftig zu wehren und macht von seinen muskelstarken Armen und den großen Eckzähnen wirksamsten Gebrauch. Daß der S. den Alten bekannt gewesen sei, will man aus der Darstellung auf dem berühmten Mosaikbild aus dem Tempel [* 9] der Fortuna in Präneste schließen.
In der neuern Zeit wird er von vielen Schriftstellern erwähnt, und seit der ersten Hälfte des 17. Jahrh.
kam der S. lebend nach
Europa.
[* 10]
Tulp gab 1641 die erste
Beschreibung eines solchen und Tyson 1699 die erste
anatomische Zergliederung. Seit dieser Zeit gelangte der S. wiederholt nach
Europa; doch hält er nur selten 2-3 Jahre aus,
während er in Westafrika in der Gefangenschaft heranwächst und bis 20 Jahre lebt. Er lernt in wunderbarer
Weise allerlei Verrichtungen, zeigt sich sanft, klug und liebenswürdig, dabei wißbegierig, aber auch listig und eigenwillig,
stets rege und thätig, meist heiter, neckisch, zu allerlei
Streichen und
Unternehmungen bereit. In Westafrika wird er von
den Eingebornen gegessen, obgleich dieselben behaupten, die
Schimpansen seien früher Mitglieder ihres
eignen
Stammes gewesen, wegen ihrer schlechten
Gewohnheiten verstoßen worden und allmählich in den gegenwärtigen Zustand
herabgesunken.
Nach Färbung und Verschiedenheiten des
Schädels hat man mehrere
Arten oder
Abarten unterschieden, deren
Stellung aber noch
keineswegs sicher ermittelt ist. Hierher gehört der
Tschego
(Troglodytes
Tschego Duv.), welcher vielleicht die
Größe des
Gorillas erreicht. Der verhältnismäßig kleine
Kopf ruht auf kurzem
Hals zwischen sehr breiten
Schultern, die
Dimensionen des
Rumpfes und der Extremitäten weichen eigentümlich ab, die
Hände sind schlank und schmal. Am
Kopfe fallen besonders die starken Augenbrauenwülste und die ziemlich großen, abstehenden
Ohren auf. Das
Haar ist schwarz.
Ein
Exemplar dieses
Affen kam von der Loangoküste 1874 nach
Dresden,
[* 11] zeigte dort in seinem
Wesen viel
Ähnlichkeit
[* 12] mit dem
Schimpansen, wuchs aber viel schneller als dieser.