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Robert Schürch v/o Rökk, 22.06.1925 – 05.07.2019
05.07.2019 - Robert Schürch v/o Tresor (Sohn)
Nachruf
Dr. iur.
Robert Schürch v/o Rökk
Kyburger, Fryburgia, Suitia
22.06.1925 – 05.07.2019
Robert Schürch v/o Rökk wurde als zweites von vier Kindern am 22. Juni 1925 in Nottwil LU geboren. Sein Vater, auch mit Namen Robert Schürch, betrieb ein florierendes Obstgeschäft und war Geschäftsleiter der landwirtschaftlichen Genossenschaft, seine Mutter Josefine Schürch, geborene Stalder, besorgte den grossen Haushalt und half im Geschäft tatkräftig mit. Seine ältere Schwester Maria war Kind der ersten Frau seines Vaters, die leider kurz nach der Geburt an deren Folgen verschied. Bald schon kamen seine Schwester Josy und mit etwas Abstand sein Bruder Walter zur Welt.
Rökk verbrachte eine unbeschwerte Jugendzeit im damals noch sehr beschaulichen Dorf. In der Primarschule glänzte er mit exzellenten Zeugnissen, so dass der Eintritt in die Kantonsschule eine Selbstverständlichkeit war. Da die Kantonschule Sursee damals nur drei Jahre Gymnasium anbot, wechselte er darauf an das Kollegium Schwyz ins Internat. Auch dort machte er mit glanzvollen Zeugnissen auf sich aufmerksam und schloss mit einer Spitzennote die Matura ab. Die Zeit im Kollegi fiel in die Kriegsjahre und Rökk erzählte immer wieder von der oft gar kargen Kost, aber auch vom guten Zusammenhalt unter den Kollegianern.
1943 wurde Rökk als Bursche in die Suitia aufgenommen, 1944 in den StV. Gemäss seinen Erzählungen genoss er das Verbindungsleben in Schwyz, soweit die engen Regeln und die Kriegsrationierungen dies zuliessen. Seinen Vulgo bezog sich auf den damals berühmten Filmstar Marika Rökk, die er offensichtlich bewunderte. Er lernte dort seine zwei engsten Freunde, Peter Kummer v/o Schnorz und Josef (Chnebi) Suter v/o Plast kennen, mit denen er zeitlebens verbunden war. Nach der Matur stand er vor einem Dilemma: sollte er nun Schnorz nach Fribourg folgen oder sich zu Plast in Zürich gesellen? Die Qualität der Professoren gaben den Ausschlag für Fribourg, das Dilemma liess sich durch zwei Wintersemester in Zürich lösen.
Zusammen mit Schnorz trat er der Fryburgia bei, die Wintersemester in Zürich führten dazu, bei Plast den Kyburgern beizutreten. Rökk musste nun also ach zwei Seelen in seiner Brust vereinen, eine Reform- und eine Blockseele. Auf meine Frage hin, warum er gerade die Wintersemester in Zürich verbrachte, erwiderte er, diese seien kürzer gewesen. Ich nehme an, es gab noch stichhaltigere Gründe. Schön war für mich der Moment, als ich feststellte, dass nach erfolgter Burschifizierung mein frisch eingravierter Name genau auf dem gleichen Strahl aus dem Zentrum lag wie jener meines Vaters.
Rökks Vater stellte ihm immer wieder Fahrzeuge bereit, um an seine Studienorte zu gelangen, damit er am Montag später abreisen musste und am Freitag früher zurück fahren und so im Betrieb helfen konnte. Er avancierte dadurch in Fribourg und auch in Zürich zum immer gefragten Chauffeur, wenn es um Landbummel oder andere Ausfahrten ging. Das ging teilweise zu Lasten der Studienintensität. Wäre der heutige Massstab für Verkehrskontrollen schon damals angewendet worden, wäre wohl mehr Zeit fürs Studieren geblieben.
Ein Hit war aber sein erstes eigenes Auto: Ein Jeep der amerikanischen Armee ab der italienischen Front, geliefert mit Einschussgarben eines Maschinengewehrs in der Haube und danach von Plast kunstvoll bemalt. Mit diesem Gefährt wurden auch schon Damen nach dem Kyburger-Ball von Zürich nach Luzern gefahren, im Winter nota bene. Ältere Semester wissen um die gute Isolation dieser Fahrzeuge.
Nach dem Staatsexamen entschloss sich Rökk, in die AH der Fryburgia einzutreten. Er nahm auch gelegentlich wenn nicht allzu oft an deren Anlässen teil, besonders wenn sie in der Zentralschweiz stattfanden. Als er zur Kenntnis nehmen musste, dass der Schreibende Mitglied der AKV Kyburger wurde, liess er sich überzeugen, in späten Jahren, nämlich 1997 auch der AH der Kyburger beizutreten. Er fand aber nie recht den Zugang zur Altherrenschaft der Kyburger.
Rökk absolvierte sein Praktikum bei Dr. Ehret in Sursee, das Anwaltspatent erhielt er im Jahre 1954. Darauf trat er eine Stelle als Chef der Handelspolizei des Kantons Luzern an. Ab 1965 bis 1975 hatte er das Amt als Verwaltungsgerichtsschreiber des Kantons Luzern inne. Gleichzeitig mit dieser Tätigkeit trat er in die Anwaltspraxisgemeinschaft mit Dr. Josef Egli v/o Joli (Fryburgia) ein, zu welcher sich später auch Dr. Beat Hess v/o Pranger (Alemannia) gesellte. Konfrontiert mit beruflichen und persönlichen Problemen sah er sich in späten Jahren gezwungen, aus der Praxis auszutreten. Er fand eine Stelle bei der Kantonalen Ausgleichskasse, wo er bis zu seiner Pensionierung tätig war.
Seine politische Karriere erfolgte auf Gemeindeebene, so amtete er 20 Jahre lang von 1955 – 1975 als Gemeindepräsident von Nottwil und bekleidete das Ressort des «Armen- und Weisenvogtes», heute als Gesundheit und Soziales bezeichnet. Er engagierte sich auch für die Vereine in Nottwil, so war Rökk Ehrenmitglied der Feldmusik Nottwil und des Jodlerklubs Nottwil, obwohl er bei beiden Vereinen nie aktiv dabei war.
Im Jahre 1960 heiratete Rökk Michela Michelin, welche Tochter eines Rennvelofabrikanten im italienischen Veneto war. 1962 kam ich und 1968 meine Schwester Helga zur Welt. Wir beiden genossen eine unbekümmerte frühe Jugendzeit im schönen Heim in Nottwil, aber auch wir Kinder bemerkten mit dem Heranwachsen, dass das Eheleben unserer Eltern nicht harmonisch ablief, was dazu führte, dass sie sich schliesslich trennten.
Nach einer schwierigen Zeit fand Rökk neuen Halt und Stabilität in der Partnerschaft mit Bernadette Grossmann, welche er 1985 heiratete. Sie fanden gemeinsam ein neues Zuhause an der Haldenstrasse in Luzern, wo er bis zu seinem Tod bleiben durfte. Mit Bernadette fand er wieder Sinn und Inhalt im Leben und genoss insbesondere die Zeit nach seiner Pensionierung.
Leider verschlechterte sich Rökks Gesundheitszustand seit geraumer Zeit ständig. Zuerst wurde durch eine heimtückische Nervenkrankheit seine Bewegungsradius immer mehr eingeschränkt, was seine Lebensqualität laufend schmälerte. Später gesellten sich immer mehr Leiden hinzu, die ihn schliesslich an den Rollstuhl und später gar an das Bett fesselten. Während dieser Zeit pflegte und behütete ihn auf aufopferndste Weise seine Frau und erfüllte so seinen Wunsch, nicht in ein Pflegeheim eintreten zu müssen.
Rökks Hobbies waren Autos. Schon vor Erlangung entsprechender Ausweise fuhr er mit Autos und gar mit Lastwagen umher, was der Dorfpolizist angesichts des Arbeitskräftemangels in den Kriegsjahren einfach ignorierte. Seine grosse Liebe galt der Marke Porsche. Schon bald nach dem Anwaltsexamen erstand er sich ein erstes, gebrauchtes Modell und blieb seiner Leidenschaft bis zuletzt treu. Im Porsche-Klub Schweiz fuhr er immer wieder mit Erfolg Rennen, so dass eine Reihe von Zinnpokalen das Klavier zu Hause schmückten.
Da sind wir nun auch beim zweiten Hobby angelangt: Er spielte liebend gerne Klavier, mit Vorliebe Chopin. Leider fehlte ihm die Zeit, seine Kunst zu vertiefen. In Erinnerung blieb auch die «Gmeindsrat-Musik», ein Trio aus lauter Nottwiler Gemeinderäten mit Handorgel, Klarinette und Rökk am Klavier.
Rökk war in einer Gesellschaft nicht der Laute, er war eher stiller und bescheiden, schon fast etwas scheu. Er konnte aber, die geeignete Gesprächspause abwartend, seine träfen Kommentare einstreuen und so Gelächter ernten oder vorlaute Redner zum Schweigen bringen.
Rökk, nun hat sich Dein Lebenskreis geschlossen. Ein langes und reiches Leben hat sein Ende gefunden und damit aber auch ein langes Leiden. Der Schmerz des Verlustes wird getröstet vom Gedanken, dass Du nun nicht mehr leiden musst. Requiescas in pace!
Robert Schürch v/o Tresor