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Bild: Medienwerkstatt online.de
Der Fahnenaufzug an der Primarschule auf dem Campus der SCNU geht gerade zu Ende, als wir in der Schule eintreffen. 1400 Schülerinnen und Schüler haben die Woche mit dem Fahnenaufzug begonnen.
Die Schule ist im nationalen Ranking auf Platz 4 unter allen Primarschulen und entsprechend stolz auf dieses Resultat. In die Beijinger Primarschule auf Platz 1 gehen praktisch nur die Kinder von “Leaders”, hohen Politikern und Regierungsbeamten. Die Schule auf dem Campus hier wird hauptsächlich von Kindern von des Lehrkörpers der SCNU (und auch noch von einigen “Leader”-Kindern) besucht.
Zweifellos privilegierte Kinder, vergleicht man z.B. mit den vielen Kindern der Wanderarbeiterinnen und Wanderarbeiter, die in den Dörfern zurückbleiben (Washington Post) oder Kindern, die illegalerweise hier ganz in der Nähe zu Kinderarbeit gezwungen werden.
Die Schulgrösse (1400 Kinder) liegt etwa im Mittelfeld, die Klassengrösse mit etwa 48 Schülerinnen und Schülern ist allgemein so üblich, man hätte gar nicht genügend Lehrpersonen, um kleinere Klassen zum machen.
Wie die SCNU hat auch die Primarschule eine 80-jährige Geschichte.
Über das Schulsystem schreiben die chinesische Botschaft in Bern und auch “facts-and-details“, eine Website eines amerikanischen Informationsfreaks, der in Japan lebt und meist treffende Beiträge schreibt.
Der Principal erklärt uns, dass es curriculare Vorgaben vom Staat und der Provinz Guangdong gibt, dass die Schulen aber auch selbst gewisse Freiheiten bei der Ausgestaltung des Curriculums haben. Darum hat diese Schule z.B. Englisch schon ab der 1. Klasse als eine ihrer Spezialitäten gewählt.
Momentan wird in den Parteigremien heftig über eine Schulreform diskutiert (Washington Post).
Die Englischlektion einer jungen Englischlehrerin (es gibt nur Fachlehrerinnen, etwas anderes ist hier nicht vorstellbar) mit viel audiovisueller Unterstützung finden wir ansprechend. Die Schülerinnen und Schüler sprechen viele Wörter und Sätze nach, werden häufig gelobt, auf Aufforderung der Lehrerin von der ganzen Klasse (“hey hey, good job” im Chor). Die Lehrerin spricht sehr gut Englisch, auch wenn sie nie im Sprachraum war.
(Bild diepresse.com)
Eindrücklich ist die Pause mit einem Sportblock für alle 1400 Schülerinnen und Schüler, die im Takt Gymnastikübungen machen und nachher einen sechsminütigen Ausdauerlauf. Mit ihren gelben Schuluniformen mit roten “Pfadikravatten” sieht das wirklich aus wie am eidgenössischen Turnfest.
Auch die Stimmung ist gut, die Kinder sind munter und fröhlich, winken uns zu, werden liebevoll zur Aufmerksamkeit angehalten. Sie sind aber sicher einiges disziplinierter, als wir uns das aus Schweizer Schulen gewohnt sind.