Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03160.jsonl.gz/1945

GESCHICHTE DER SUISSE-ATLANTIQUE LAUSANNE & RENENS

1. Die Firmengeschichte im Überblick
Die Firmengeschichte dieser Reederei beginnt noch vor dem 2. Weltkrieg, als die beiden in Buenos Aires wohnenden Schweizer Geschäftsleute Eric Demaurex und Georges Pasche (beide Verwandte der Familie André) im Auftrag von Georges A. André 1939 den neueren Dampfer ST-CERGUE (ex Felldene) ankauften und vorerst unter Panama Flagge registrierten. Der Dampfer wurde durch die Getreidehandelsfirma André & Cie S.A. in Lausanne betrieben.
Als Griechenland durch die Achsenmächte besetzt wurde und durch die britische Blockade der Strasse von Gibraltar die vom KTA gecharterten, griechischen Schiffe den Mittelmeer Raum nicht mehr erreichen, noch verlassen konnten, erliess die Regierung in Bern in kürzester Zeit ein Seefahrtsgesetz, das am 09.04.1941 vom Parlament angenommen wurde. In der Folge hisste man erstmals auf der CALANDA*) am 19.04.1941 die Schweizer Flagge, somit markiert dieser Tag die Gründung der Schweizer Flagge zur See.
Dank diesem Beschluss wurde Suisse-Atlantique Société d'Armement Maritime (seinerzeitige Telegramm Adresse SUISARM) am 10.07.1941 gegründet, und ist heute die älteste Reederei in der Schweiz, hat alle anderen, alten Firmen überlebt und ist auch heute noch erfolgreich im Geschäft. Nächstes Jahr, in 2016 kann das 75. Firmenjubiläum gefeiert werden.
Die Anfänge des Familienunternehmens André gehen in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück, als Henri I. André (1826 - 1901) gebürtig aus dem kleinen Dorf St-Cergue im Waadtländer Jura, in Ste-Croix einen Kleinbetrieb zur Herstellung von Uhrenbestandteilen betrieb. Sein Sohn Georges R. André (1856 - 1943) gründete am 01.10.1877 zusammen mit seinem Vater die Getreidehandelsfirma H. André & Fils an der Grand-Rue im Herzen des Städtchens Nyon am Genfersee. 1892 kaufte Georges R. André die Mühle von Nyon, welche jedoch wenige Jahre später durch Feuer zerstört wurde. 1920 wurde die Firma nach Lausanne verlegt und damit begann auch die Expansion nach ganz Europa sowie nach Süd- und Nordamerika. Dazu erwähnen wir nur die beiden wichtigsten Tochterfirmen La Plata Cereal Co. S.A. Buenos Aires und die 1937 gegründete Garnac Grain Company Inc. New York.
In 1937 wurde das 60. Jubiläum der Firma gefeiert und der damalige Präsident Henri E. André (1882 - 1940) prägte als Leitmotiv das Wort "Être et non paraître", was soviel heisst wie "Sein und nicht scheinen".
Im Jahr 1940 übernimmt Georges A. André (1906 - 1997, 4. Generation der Familie André) die Führung des Handelshauses und der Reederei. Er war über viele Jahre auch Präsident des Verbandes Schweizerischer Seereeder VSS. Der gegenwärtige Präsident der Reederei, Eric André (1946, 5. Generation) übernahm das Ruder im Jahr 1980. Eric André, Ing. ETS, war jedoch bereits Ende der 60er Jahre beim Bau der GRISCHUNA (1968) in Yokohama als Superintendent tätig, und später nebst seiner Arbeit in der André Gruppe in Süd- und Nordamerika sowie in Deutschland, wiederholt auch im technischen Bereich der Suisse-Atlantique aktiv. Sein Sohn Jean-Noel André (1973, Ing. ETS und Linienpilot) hat Ende September 2014 die technische Leitung von Freddy Jäggi nach dessen Pensionierung übernommen.
Bereits vor dem 2. Weltkrieg hatte die Firma André & Cie Schiffe für den Getreidetransport vor allem von Südamerika nach Europa gechartert, was seinerzeit den Anstoss zum Kauf eines eigenen Schiffes gab. Diese Aktivität wurde nach dem 2. Weltkrieg ausgebaut und wurde in den 60er bis 90er Jahren zu einer wichtigen Branche der Firma André & Cie S.A. Dabei sei zu erwähnen dass André eher selten Schiffe der Suisse-Atlantique chartern konnte, da deren Positionen selten den Wünschen des Charterers entsprachen. Suisse-Atlantique hat auch selten fremde Tonnage eingechartert; manchmal zur Überbrückung eines Engpasses nach Verkauf eines Schiffes bis zur Ablieferung eines Neubaus.
Nachdem sich das Umfeld für die Rohwarenhändler in den 1990er Jahren dramatisch veränderte, kam die Handelsfirma André & Cie. S.A. im Frühjahr 2001 in finanzielle Schwierigkeiten und musste leider aufgelöst werden. Die Reederei Suisse-Atlantique S.A. wurde glücklicherweise nicht in diesen Strudel mitgerissen, sondern konnte dank eines ausserordentlichen Einsatzes von Eric André trotz grossem finanziellem Verlust für die Zukunft gerettet werden.
2. Die Schiffe
Das erste Schiff, die ST-CERGUE wurde schon 1939 angekauft und vorerst unter Panama Flagge registriert und betrieben. Nach in Kraft treten des Bundesbeschluss vom April 1941 über die Seeschifffahrt unter der Schweizer Flagge wurde dann die ST-CERGUE als fünftes Schiff am 10.07.1941 unter Schweizer Flagge registriert. Dieser 1937 in England gebaute Frachter war das einzige moderne Schiff in der Schweizer Flotte bis zum Ende des Krieges.
Die ST-CERGUE, der erste Dampfer der Suisse-Atlantique
Mit dem Tag des Ankaufs der ST-CERGUE, nahm das Haus André & Cie in Lausanne die Bereederung des Frachters wahr und versuchte auch wenn möglich Schweizer Seeleute zu beschäftigen. Die ST-CERGUE war auch das erste Schweizer Schiff das von einem Schweizer Bürger, Kapt. Fritz Gerber befehligt wurde. Er übernahm das Kommando schon zur Zeit unter der panamesischen Flagge und diente einen grossen Teil der Kriegsperiode an Bord. Anfangs Mai 1940 überraschte die deutsche Besetzung der Niederlande den Dampfer im Hafen von Rotterdam. Nun festgehalten im Hafen, verging mehr als ein Jahr, bis dank intensiver diplomatischer Verhandlungen die Bewilligungen beider kriegführenden Parteien zur Ausfahrt erteilt wurde. Die ST-CERGUE segelte von Rotterdam nach New York, wo sie am 31.07.1941 eintraf. Aber schon am 10.07.1941 wurde sie als 5. Schiff im Schweizer Schiffregister eingetragen und am 1. August 1941, unserem Nationalfeiertag erstmals die Flagge im Hafen von New York gehisst. Jetzt betreute das KTA (Kriegs Transport Amt) in Bern den Dampfer bis nach Ende der Kriegszeit.
Der erste Neubau und somit das zweite Schiff der jungen Reederei Suisse-Atlantique ist die in 1948 in West Hartlepool, England gebaute GENERAL GUISAN. Der General Henri Guisan reiste persönlich nach West-Hartlepool zur Schiffstaufe! Sie war mit einem original Sulzer Motor aus Winterthur ausgerüstet. Mit dem Bau der GENERAL GUISAN wurde das technische und kommerzielle Management von Lausanne aus geführt.
Die GENERAL GUISAN, der erste Neubau für Suisse-Atlantique und für die Schweizer Flotte
Dann folgen 1952 zwei weitere Neubauten aus Grossbritannien, der ölgefeuerte Dampfer ST-CERGUE (2. Schiff dieses Namens) und das mit Schweröl betriebene Motorschiff ROMANDIE (später SILS). 1951 wurde der drei Jahre alte Dampfer LAUSANNE (später LUCENDRO) erworben und 1952 der Frachter NYON in Holland gebaut.
Ab 1956 bis 1962 folgte die "Jugoslawische Periode"; auf Grund eines Kompensations-Abkommens der Schweizer Regierung mit Jugoslawien wurden etliche Schiffe in jugoslawischen Werften gebaut und mit Original-Motoren von Sulzer Winterthur ausgerüstet. Insgesamt wurden 10 Schiffe in Rijeka und Split gebaut, die eleganten und schnittigen Tweendecker, sowie 1962 die ersten zwei kleinen Bulk Carrier der Suisse-Atlantique, die BREGAGLIA und die BARILOCHE.
Der Dampfer BRASILIA (1943 in Kanada gebaut) wurde anlässlich einer Versteigerung wegen ausstehenden Verpflichtungen einer Charterparty im November 1958 erworben und konnte nach wenigen Monaten, im April 1959 wieder abgesetzt werden.
Schon 1959 hat die Reederei einen Schiffsbestand von 10 modernen Frachtschiffen, die älteren Einheiten wurden zeitig abgestossen um die Flotte auf neuesten Stand zu halten. Die meisten Schiffe wurden bei den Bauwerften in Auftrag gegeben und unter eigener Regie und Bauaufsicht gebaut. Ausnahmsweise wurden auch gut erhaltene, jüngere Schiffe auf dem Second-Hand Markt erworben. Seit vielen Jahren zählt die Flotte zwischen 10 und 14 Einheiten, die laufend erneuert werden, eine Anzahl die überschaubar bleibt und somit dem Reeder eine effiziente Verwaltung erlaubt. Diese vorsichtige und vorausschauende Politik wird bis heute angestrebt und durchgesetzt.
Nach der ersten Suez Krise 1956 war der Schiffsmarkt zusammengebrochen. Transports Maritimes Suisse-Outremer S.A. in Genf (TMSO, Telegramm Adresse SUISMER) hatte laufende Charterverträge, und somit Bedarf an einem Tweendecker. Im April 1957 übernahm die Suisse-Outremer das Management der NYON, doch leider lief das Schiff schon am 15.11.1958 an der schottischen Ostküste bei St. Abbs Head auf Grund. Mit diesem Unfall war natürlich auch das Management durch Suisse-Outremer beendet. Die NYON wurde zwischen Maschine und Brückenaufbau getrennt, das Achterschiff wurde zu einer Werft in Holland geschleppt und das Vorschiff vor Ort abgebrochen. Obwohl die NYON ein neues verlängertes Vorschiff erhalten hatte, blieb ihr kein Glück beschieden, schon am 15.06.1962 versank sie nach einer Kollision in den Fluten des Englischen Kanals. Glücklicherweise kam bei beiden Unfällen niemand zu Schaden. Dies blieb der einzige Schiffsverlust in der über 70 jährigen Geschichte der Reederei. Im Gegensatz dazu war die alte ST-CERGUE unter dem Kommando von Kapitän Fritz Gerber ein "lucky ship", rettete sie doch viele Schiffbrüchige während des 2. Weltkrieges.
Anfangs der 60er Jahre betrieb Suisse-Atlantique einen Liniendienst mit verschiedenen Schiffen, wie die CORVIGLIA, NYON und SILVAPLANA. Diese Linie, genannt "Suisse-Atlantique Line" fuhr zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den USA, auf dem Wege nach den USA wurden neue Autos befördert und auf dem Rückweg Kohle geladen. Leider endete diese Linie mit dem Untergang der NYON, die eine volle Ladung Porsches und VWs mit auf den Meeresgrund nahm.
Brochüre Suisse-Atlantique Line (Schweizer Bundesarchiv, Bern CH-BAR#E2003-08#1977-181#640#36)
M/S SILVAPLANA mit der SUISSE-ATLANTIQUE-LINE Aufschrift an der Bordwand
Im März 1963 erwarb Suisse-Atlantique in einer Blitzentscheidung, die fast über Nacht gefällt wurde, die drei "A-Schiffe" die ANUNCIADA, ALLOBROGIA (Schwesterschiff der BASILEA) und die ARIANA der Suisse-Outremer S.A. in Genf. Anscheinend wegen der schwachen Marktlage im internationalen Transportbereich, forderte die finanzierende Bank in Genf, die Banque Pictet, den Verkauf dieser Schiffe, entgegen dem Willen von Alfred Lüssi, dem damaligen Chef der Reederei Suisse-Outremer. Die Mannschaften wurden zu den Vertragsbedingungen der Suisse-Outremer ebenfalls von Suisse-Atlantique übernommen. Zwei dieser Frachter, die ANUNCIADA und ALLOBROGIA konnten schnell weiterverkauft werden, während die ARIANA bis 1966 erfolgreich betrieben wurde.
Im Jahr 1965 wurde von einer Bauwerft in Glasgow, Schottland eines der letzten in Europa gebauten Schiffe an die Suisse-Atlantique abgeliefert, der Bulker ROMANDIE (2. Schiff dieses Namens) war mit 34'000 Tonnen Tragfähigkeit der erste grössere Massengutfrachter der Reederei und bei weitem das grösste Schweizer Schiff zu jener Zeit. Nachher bestellte die Firma ihre Neubauten im aufstrebenden Fernen Osten, zuerst Japan, dann Südkorea. Suisse-Atlantique hatte nie Schiffe in der Volksrepublik China bauen lassen, jedoch vier Schiffe wurden in Taiwan (Republik China) gebaut. In 1994/95 lieferte die Burmeister & Wain Werft, Kopenhagen zwei Panamax Bulker, die ROMANDIE (4. Schiff dieses Namens) und die SILVRETTA (3. Schiff dieses Namens).
Die goldene Zeit des japanischen Schiffbaus dauerte bis in die 1980er Jahre, dann begann der Aufstieg von Südkorea im Schiffbau. Die ersten zwei Bauverträge wurden 1966 an NKK, Tsurumi Shipyard, Yokohama, Japan vergeben für die beiden Panamax Bulk Carrier EL PAMPERO und GRISCHUNA (Schwesterschiffe der 1. Generation Panamax Bulk Carriers von 58'500 DWT der Metrofin Ltd. in Zürich, jedoch moderner und besser ausgerüstet).
Mit dem Bau des Panamax Bulk carriers ENGIADINA in 1985 wurde Südkorea Lieferant von neuen Schiffen. Die ENGIADINA wurde jedoch schon vor ihrer Ablieferung an einen anderen Reeder veräussert, aber schon zwei Jahre später nahm die GRISCHUNA (2. Schiff dieses Namens) aus der gleichen Bauwerft in Ulsan ihren Dienst auf.
Als kleine Bemerkung zwischendurch, besonders für die älteren Seeleute, gemäss einem Bulletin de Liaison (Firmenzeitschrift) lagen die Schiffe der Suisse-Atlantique Flotte im Jahr 1989 durchschnittlich 139 Tage (38 % des Jahres) im Hafen, also jeder 3. Tag wurde im Hafen verbracht.
Nachdem Suisse-Atlantique als Tochter einer Getreidehandelsfirma über viele Jahre ausschliesslich Tweendecker und Bulk Carrier betrieben hatte, wurde im Jahr 2000 die Tätigkeit erweitert und das erste Containerschiff (2800 TEU) in Südkorea bestellt. Im Juni 2002 wurde die ENGIADINA an die Reederei abgeliefert. Es folgten noch fünf weitere Einheiten der gleichen Klasse. Alle diese Schiffe fuhren oder fahren für grosse und bekannte Containerreedereien in Zeitcharter.
Gegenwärtig hat Suisse-Atlantique drei Post-Panamax Bulk Carrier von ca 87'000 Tonnen DWT bei einer in koreanischem Besitz und geleiteten Werft in Vietnam in Auftrag, die bis 2016 abgeliefert werden sollen. Mit einer Breite von 38 m können diese Schiffe nicht durch die bestehenden Schleusen des alten Panama Kanals fahren. Die auf 2016 erwartete Eröffnung der neuen Schleusen werden dann die Durchfahrt für diese grösseren Schiffe erlauben.
Die Schiffe der Familie André werden meistens über die Eignerfirma Oceana Shipping AG, Chur gehalten. Bis 2006 war auch die Helica S.A. Genf Eigentümer vieler Schiffe, sie wurde jedoch mit Oceana Shipping AG fusioniert. Schiffe die in Partnerschaft mit weiteren Investoren erworben wurden, waren im Besitz anderer Eignerfirmen.
3. Entwicklung der Flotte
Im Jahr 1939 wurde das erste Schiff die ST. CERGUE gekauft und fuhr vorerst unter Panama Flagge, bis 1941 die Schweizer Flagge zur See geschaffen wurde. Im Februar 1948 folgte dann das zweite Schiff, der Neubau GENERAL GUISAN.
Die Reederei hat ihre Schiffe immer nach verhältnismässig kurzer Zeit wieder weiterverkauft und meistens in eigener Regie neue Schiffe gebaut um die Flotte jung und modern zu erhalten.
4. Die Seeleute
Auf dem ersten Schiff, dem Dampfer ST-CERGUE fuhren am Anfang hauptsächlich Italiener und Spanier. Während des Krieges wurden auch Weissrussen beschäftigt. Später kamen die ersten Schweizer dazu. Alle Personalfragen sowie die Ernennung von Kapitän und Leitenden Offizieren wurden stets im Personalbüro der Suisse-Atlantique in Lausanne entschieden.
Für die ersten 30 bis 40 Jahre der Reederei waren die Besatzungen hauptsächlich aus Italienern, Jugoslawen und Schweizern zusammengesetzt. Nach dem Erwerb der vier grossen Bulkcarriers ST-CERGUE und DIAVOLEZZA (unter Schweizer Flagge) sowie IGUAZU und EL PAMPERO (unter Bahamas Flagge) in 1991 kamen auch die ersten Ukrainer und für kurze Zeit Pakistani unter Vertrag.
Als die Bundeszuschüsse für die Schweizer Seeleute (ausbezahlt von 1990 bis Ende 1994) gestrichen wurden und mit zunehmendem Wohlstand und den gesellschaftlichen Veränderungen der Seemannsberuf in der Schweiz an Ansehen verloren hatte, nahm der Anteil der Schweizer an Bord sehr schnell ab. Aber auch die italienischen Seeleute verschwanden von den Schiffen.
Heute fahren zum grösseren Teil Kroaten und Ukrainer aus Odessa auf den Schiffen. Auf einigen Schiffen werden neuerdings auch Mannschaftsgrade aus den Philippinen eingesetzt. Schweizer sind nur noch wenige an Bord zu finden.
Viele Schweizer Kapitäne, Leitende Ingenieure, Offiziere und Seeleute sind in den letzten 50 Jahren bei Suisse-Atlantique zur See gefahren, teilweise über Jahrzehnte.
Abschliessend möchten wir noch eine ganz besondere und bemerkenswerte Laufbahn erwähnen, die der 2. Offizier Peter Zulauf bei Suisse-Atlantique gemacht hat. 1958 hat er als Messboy erstmals angemustert und ist dann auf Deck gefahren. Nach dem Steuermannsexamen 1964 in England fuhr er all die Jahre auf eigenen Wunsch als 2. Offizier zur See bis zu seiner Pensionierung in 2008, also insgesamt 50 Jahre bei der gleichen Reederei.
5. Die Organisation an Land
Die Büros der Reederei Suisse-Atlantique S.A. waren anfangs im Mutterhaus André & Cie untergebracht; im Gründungsjahr befand sich die Firma an der Avenue Bellefontaine in Lausanne. Nach dem Krieg waren diese Räumlichkeiten bald zu klein und die Familie André baute sich 1948 ihr erstes, eigenes Bürogebäude nahe der Avenue des Toises, welches für ungefähr 150 bis 180 Angestellte Platz bot. Da die Aktivität der Firma André jedoch in dieser Zeit sehr expandierte, wurde Suisse-Atlantique in einer Villa an der Avenue Mon Repos nahe des Hauptgebäudes untergebracht.
Das Bürogebäude an der Avenue des Toises (Bild: Suisse-Atlantique)
Im März 1962 wurde das neue grosse Bürogebäude am Chemin Messidor 7 in Lausanne bezogen. Diese Adresse blieb der Sitz der Firma André & Cie bis zu ihrem Ende im Jahr 2001. Nach dem Zusammenbruch der Handelsfirma musste die Reederei sich neue Räumlichkeiten suchen und befindet sich seit dem 19.09.2001 in einem grossen Geschäftshaus, Avenue des Baumettes 7, oberhalb des Stadtzentrums von Renens VD.
Bürogebäude am Chemin Messidor 7 in Lausanne (Bild: Suisse-Atlantique)
Im April 1985 wurde der Firmenname auf Suisse-Atlantique Société de Navigation Maritime S.A. umgeändert. Die Telegramm Adresse wurde von SUISARM zu SUISAT geändert.
Die Schornsteinmarke von Suisse-Atlantique auf einem grauen Schornstein zeigte das rote Andreaskreuz mit zwei Sternen auf gelbem Grund, das Wappen der Familie André. Juli 1998 ist ein besonderer Meilenstein in der Geschichte der Reederei, als der in der internationalen Seeschifffahrt obligatorisch gewordene ISM-Code eingeführt wurde (ISM = International Safety Management). Um dieses Ereignis und die damit verbundene Verpflichtung zu noch mehr Sicherheit und besserer Leistung (performance) gebührend der Öffentlichkeit zu dokumentieren, wurden die Schornsteine von grau auf blau umgestrichen und über dem Andreaskreuz fünf gelbe Sterne angebracht. Da zu jener Zeit die Familie André auch Mehrheitsaktionär der Fluggesellschaft Farnair in Basel war (jetzt verkauft) ergab sich ein einheitliches Logo für die geschäftlichen Interessen der Gruppe (Farnair führt als Firmenlogo die fünf Sterne auf blauem Grund auf dem Seitenleitwerk).
Die Personalabteilung für das Schiffspersonal wurde während vieler Jahre von Charles Honegger geführt bis er Ende 1988 bei seiner Pensionierung von seinem Assistenten Kurt Bürgin abgelöst wurde. Seit August 2009 ist David Martinez, ein ehemaliger Acomarit und V.Ships Angestellter, zuständig für das fahrende Personal.
Die Firma SAROC SpA in Genua wurde von André & Cie schon im Jahr 1936 eröffnet, aber die Firma nahm später auch die Interessen von Suisse-Atlantique wahr, vor allem das Anwerben von Schiffspersonal aus Italien und Jugoslawien. In 1965 wurde SAROC nach Mailand verlegt und das Büro war fortan nur für Suisse-Atlantique tätig. Für viele Jahre befand sich das Büro am Largo Zecca beim Portal des Strassentunnels Garibaldi, schräg gegenüber vom Hotel Helvetia bei der Piazza Nunziata (im Hotel Helvetia befand sich auch das Ristaurante Tirolo, den Seeleuten der Keller Shipping bestens bekannt), bis das Büro 1998 auf die andere Seite des Tunnels an die Via Interiano 3-5d verlegt wurde, aber 2002 den Betrieb einstellte.
Das Büro in Genua befand sich für viele Jahre in diesem Gebäude gegenüber des Hotel Helvetia
Ab 2002 wurden in einem Büro von V. Ships Croatia an bevorzugter Lage am Hafen von Rijeka, Kroatien, Räumlichkeiten untergemietet, um die Anheuerung der kroatischen Seeleute zu vereinfachen.
Neben dem Personaldienst ist das technische Departement für die Seeleute wohl die wichtigste Abteilung, bestimmt sie doch weitgehend das Leben an Bord. Zuerst war Ing. Georg Maier, welcher vorher eine technische Abteilung von André & Cie. für Vertretungen von Schweizer Firmen in Übersee geleitet hatte, zuständig. Dr. Ing. Ernest Krauss, welcher 1952 als Superintendent in die Gesellschaft eintrat und den Bau der ST-CERGUE in England beaufsichtigte, wurde 1956 Nachfolger von Georg Maier und war für den Bau der jugoslawischen Schiffe, später der ROMANDIE (2. Schiff dieses Namens) in Glasgow, sowie für verschiedene Schiffsbauten in Japan verantwortlich. Nach seinem unerwarteten Hinschied 1982 wurde die technische Leitung zuerst von Eric André geleitet, und später von Chief Engineer Rudolf Zöllig übernommen, welcher die Planung, die Bauaufsicht und die technische Verwaltung der Flotte mit grossem Erfolg bis zu seiner Pension 2006 führte. Rudolf Zöllig war auch der Initiant für den Bau der 6 Containerschiffe. Von 2006 bis 2014 war Ing. Alfred Jäggi Direktor der technischen Abteilung. Seit September 2014 leitet Jean-Noel André (1973, 6. Generation) diese Abteilung.
Die kommerzielle Seite der Firma wurde unter der Oberaufsicht von Georges A. André von Direktor Willy Fierz von 1952 bis 1980 erfolgreich geführt. Die Chartering Abteilung welche die eigenen Schiffe auf dem internationalen Chartermarkt platzierte, arbeitete ebenfalls sehr erfolgreich unter der Leitung von Georges Rouge und später von Georges Taillard, heute ist das Team Philippe Ziehli and Patrick Gentizon zuständig.
Zum Schluss noch zu erwähnen, anfänglich benutzte man während vieler Jahre die französische Sprache im Büro und im Verkehr mit den Schiffen. Damals waren die Schweizer und italienischen Kapitäne und Leitenden Ingenieure fähig die französische Sprache zu verstehen. Die Wechsel in den letzten Jahren mit neuerdings kroatischen und ukrainischen Besatzungen, aber auch mit dem internationaler gewordenen Büropersonal, machten es notwendig die englische Sprache in der Verwaltung und in der Kommunikation mit den Schiffen einzuführen.
Wir danken Herrn Eric André und Herrn Kurt Bürgin für ihre wertvolle Unterstützung und ihren Rat zum Niederschreiben dieser Firmengeschichte.
*) Die CALANDA gehörte der Schweizerischen Reederei AG, Basel und die Feier 75 Jahre Schweizer Flagge zur See findet nächstes Jahr am 19.04.2016 in der Ausstellung "Verkehrsdrehscheibe Schweiz" im Hafen Kleinhüningen in Basel statt.
Quellen:
- Bulletin de Liaison (Firmenzeitschrift)
- Historisches Lexikon der Schweiz
- Schweizerisches Bundesarchiv, Bern
- Verschiedene Zeitungsartikel
SwissShips, HPS, Oktober 2015