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Die Bauphasen 1a und 1b der Wasserkirche in Zürich
Ausgangslage
Die Wasserkirche ist archäologisch gut erforscht. Nachdem sie jahrhundertelang als Bürgerbibliothek und Wunderkammer gedient hatte, sollte sie in den 1940er Jahren wieder ihrer ursprünglichen Funktion als Kirche zugeführt werden und ihre diesbezügliche Baugestalt wieder erhalten. Im Zuge der Umgestaltungen fanden Grabungen unter der Leitung von Emil Vogt statt. Sie brachten insgesamt drei Vorgängerbauten zum Vorschein, welche vor der heutigen Kirche aus dem 15. Jahrhundert auf der kleinen Limmatinsel standen.
Historische Einordnung
Der älteste Bau aus den Jahren um 1000 war auf einen Findling ausgerichtet, der als Hinrichtungsstätte der Stadtheiligen Felix und Regula galt (Bau 1). Rund 100 Jahre später erfolgte infolge von Hochwasserschäden ein erster Umbau (Bau 1A). Das Bauwerk wurde 1230/40 ein letztes Mal verändert (Bau 1B). Um 1280 erfolgte dann ein kompletter Neubau im gotischen Stil, der wiederum gegen Ende des 15. Jahrhunderts dem noch heute bestehenden Bau weichen musste.
Rekonstruktion
Die Rekonstruktionen von Jolanda Brennwald und Thomas Zweifel stützen sich auf die Monographie von Vogt/Herter, die auf der Grabung von 1940/41 basiert. Da Zweifel und Brennwald unterschiedlich an die Rekonstruktion herangehen wollten, entschieden sie sich für zwei verschiedene Programme:
Thomas Zweifel verwendete Sketchup, das sich für die Konstruktion architektonischer Volumina sehr gut eignet, jedoch keine Ausgestaltung von Details zulässt. Er erstellte Modelle der Bauten 1, 1A und 1B, welche die verschiedenen Bauphasen der Wasserkirche zeigen.
Der Umbau von Bau 1A zu Bau 1B ist in der Forschung rege diskutiert worden. Während Vogt davon ausgeht, dass die Seitenschiffe des ersten Baus abgebrochen und der Bau mit einer Art Terrasse umschlossen worden sei, geht Schneider von einer kleineren Veränderung aus: Es habe keine Reduktion des Vorgängerbaus stattgefunden. An der Nordfassade der Kirche habe sich nichts verändert, beziehungsweise die Apsis sei einfach in die bestehende querhausartige Architektur eingefügt worden. Diese Variante findet heute die grössere Zustimmung und ist auch anleitend für Zweifels Modelle.
Für die Veröffentlichung wurden die drei Modelle in Blender importiert und per Blend4web für die Webseite zugänglich gemacht.
Johanna Brennwald verwendete für ihre Rekonstruktion des Baus 1A ein lizenzpflichtiges Architekturprogramm und ging primär statischen Fragen nach. Zur Platzierung von Fenstern und Türen hatte sie kaum Hinweise und musste viele Vermutungen anstellen. Nun erwies es sich, dass die archäologisch nachgewiesene Wandstärke im Zusammenspiel mit ihrer Rekonstruktion der Mauerhöhe und der Fensteröffnungen eine Fehlermeldung auslösten: Das Bauwerk wäre in dieser Version (und mit moderner Bautechnik) nicht tragfähig gewesen.
Diese interessante Feststellung zeigt, dass digitale Rekonstruktionen mit Programmen, die statische Berechnungen zulassen, Rückschlüsse auf die Wandstärke und die Platzierung von Fenstern und Türen zulassen können.
Das Video ihrer Rekonstruktion zeigt die Wasserkiche um 1100 nach dem Umbau von Bau 1 zu Bau 1A.
Literatur
Vogt, Emil und Hermann Herter: Wasserkirche und Helmhaus in Zürich. Baugeschichte im Auftrag der Stadt Zürich, Zürich 1943.
Nievergelt, Dieter, Jürg E. Schneider: Wasserkirche und Helmhaus zu Zürich (Schweizerischer Kunstführer, Nr. 435/436). Hg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, Bern 2003.
Modelle von Thomas Zweifel
Modell von Jolanda Brennwald
Titelbild
Beim Titelbild handelt es sich um einen Ausschnitt aus des rechten Teilstückes der Altartafeln von Hans Leu dem Älteren. Die Altartafeln sind im Landesmuseum Zürich aufbewahrt und können in der Sammlung unter dem Titel „Tafelgemälde AG 8.1“ gefunden werden.