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Klimadienstleistungen für Entscheidungsträger am Beispiel Peru
Seit 2012 arbeiten der peruanische Wetterdienst SENAMHI und MeteoSchweiz im Rahmen des Projektes CLIMANDES eng zusammen. In der ersten Phase des Projektes (2012–2015) wurde das vergangene Klima im Andenstaat untersucht. Die laufende zweite Phase (2016‒2018) erarbeitet nutzergerechte saisonale Vorhersagen für die Landwirtschaft. Wir stellen hier das Projekt und Resultate der ersten Phase vor.
Das Projekt CLIMANDES erarbeitet massgeschneiderte Klimadienstleistungen für Entscheidungsträger in den peruanischen Anden (Abbildung 1). In der ersten Phase des Projektes wurde das vergangene Klima in den südlichen peruanischen Anden untersucht. Dabei wurden auch Methoden erarbeitet, um die Qualität der Klimadaten zu verbessern und verlässlichere Information zu erhalten. Ausserdem wurde der Dialog mit Nutzern von Klimainformation durch Vorträge und Gespräche gefördert. Beide Ansätze zusammen helfen, den Nutzern ein Gefühl für das heutige Klima und dessen spürbare Veränderung zu vermitteln. Denn obwohl wir täglich das Wetter am eigenen Leibe erfahren, haben wir für statistische Grössen wie das Klima ein äusserst schlechtes Gespür.
Um zuverlässige Aussagen über das vergangene Klima zu machen, benötigen Klimatologen gute Zeitreihen der Temperatur und des Niederschlags. Der SENAMHI misst Temperatur und Niederschlag regelmässig seit 1964 in herkömmlichen Wetterhütten. Im Vergleich: In der Schweiz existieren an einigen Orten Messungen seit 1864. Um aus solchen Messungen nützliche Informationen über das Klima zu gewinnen, müssen diese geprüft werden. Fehlerbehaftete oder inkonsistente Daten werden mit mathematischen Methoden korrigiert. Ursachen solcher Inkonsistenzen sind häufig Beobachterwechsel oder die Überführung von manuellen in automatische Messstationen. Da das Klima in einer Region den gleichen grossräumigen Phänomenen ausgesetzt ist, können Änderungen in Messreihen, welche nicht durch das Klima entstanden sind, durch einen Vergleich mit benachbarten Stationen berichtigt werden (genannt Homogenisierung).
Im Projekt CLIMANDES wurde die Qualitätskontrolle und die Homogenisierung von Klimareihen mit dem SENAMHI erarbeitet, implementiert und auf einige peruanische Stationen angewandt. Durch diesen Prozess wurden auch eher ungewöhnliche Fehler in den Daten entdeckt, wie man in diesem Blogartikel nachlesen kann. Die Genauigkeit der Datenanalyse wird zusätzlich durch die sehr niedrige Stationsdichte in den Anden erschwert: im Mittel gibt es etwa eine Station pro 10’000 km2. Zum Vergleich: die Schweiz verfügt über zirka eine Station pro 500 km2 . Dabei ist die Landschaft Perus, mit ihren tiefen Tälern und Gipfeln bis über 6700 Metern, ähnlich zerklüftet wie die der Alpen.
Eine ausführliche und genaue Kontrolle der Daten ist deshalb in Peru umso wichtiger. Die kontinuierliche Interaktion der zwei Wetterdienste und der ständige Wissensaustausch zwischen den Klimaexperten hat dazu geführt, dass das technische Personal des SENAMHI sein Wissen vertiefen konnte. So konnten sie im Laufe des Projektes eine Internetseite mit qualitativ hochwertiger Klimainformation erstellen, die von Entscheidungsträgern in Peru rege genutzt wird.
Klimaänderung in den peruanischen Anden
Wichtig für das Klima in Peru ist die El Niño-Southern-Oscillation (ENSO). Ein sehr ausgeprägter El Niño fand Ende 2015/Anfang 2016 statt (Blogbeitrag “Dritt kräftigster El Niño seit 65 Jahren“), welcher an der Nordküste Perus zu Überschwemmungen führte. Dieses Jahr wird eine schwache La Niña Phase erwartet (Blogbeitrag “Von El Niño zu La Niña“).
Dank der qualitätskontrollierten Messdaten kann nun auch die Änderung der Temperatur im peruanischen Hochland mit grösserer Sicherheit bestimmt werden. So erkennen wir, dass die Temperaturtendenzen in Abbildung 2 rechts einheitlicher (also homogener) sind als die der Rohdaten auf der linken Seite. Erst mit homogenisierten Daten sind verlässliche Trendaussagen möglich.
Die mittlere Tagestemperatur in den peruanischen Anden in den letzten 50 Jahren hat sich demnach im Schnitt um 0.13° C/Jahrzehnt erhöht. Dies entsprich 0.65° C in 50 Jahren. In der Schweiz ist die mittlere Temperatur in den letzten 50 Jahren um rund 2° C angestiegen. Wer wissen möchte, wieso der Temperaturanstieg in der Schweiz im Vergleich zu anderen Regionen so hoch ausfällt, dem empfehlen wir die Lektüre „Ausnahmefall Schweiz – auch bei der Klimaerwärmung?“.
Wie geht es weiter mit Klimadienstleistungen für Peru?
Peruanische Nutzer von Klimainformation, wie beispielsweise Kleinbauern, interessieren sich auch stark für die zukünftige Entwicklung. Das hat eine Umfrage gezeigt. Daher liegt der Fokus der zweiten Phase von CLIMANDES auf der Erarbeitung von saisonalen Vorhersagen für die Landwirtschaft. Neben den technischen Herausforderungen steht in dieser Phase die Kommunikation mit Nutzern im Vordergrund. So soll eine nutzergerechte Aufarbeitung und Darstellung der Klimainformation erzielt werden. Ausserdem soll auch über die Grenzen saisonaler Vorhersagen aufgeklärt und der Umgang mit unsicherer Information thematisiert werden. Die zweite Phase von CLIMANDES läuft noch bis Ende 2018.