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In einer kleinen schwedischen Gemeinde lebt Karin (Bibi Andersson) mit ihrem Mann, dem Arzt Andreas Vergerus (Max von Sydow), ein gutes Leben. Die beiden gehören der wohlhabenden Schicht an, haben zwei Kinder und sind beide gut gebildet, weshalb es niemanden wundert, als Andreas den Archäologen David Kovac (Elliott Gould), der eine Ausgrabung in einer alten Kirche in der Nähe beaufsichtigt, zu sich nach Hause zum Essen einlädt. Was zunächst wie eine Zufallsbekanntschaft beginnt, verändert sich in dem Moment, als David Karin gesteht, er habe sich in sie verliebt, und zwar schon bei ihrer ersten Begegnung. Diese fand vor wenigen Wochen statt, im Krankenhaus, nachdem die junge Frau von einem Kollegen ihres Mannes die Nachricht von Tod ihrer Mutter gehört hatte. Da auch sie Gefühle für David hat, besucht sie diesen in seiner kleinen Wohnung in der Stadt, die er für die Dauer der Ausgrabung gemietet hat, und die beiden schlafen miteinander.
Während in den nächsten Wochen das Ehe- und Familienleben von Karin und Andreas ohne weitere Vorkommnisse und wie gewohnt verläuft, trifft sie sich mehrmals mit David, besucht ihn gar bei der Ausgrabungsstätte und lässt sich den Fund, eine antike Marienstatue aus Holz, zeigen. Mit der Zeit zeigt sich jedoch auch Davids Temperament, denn er reagiert unberechenbar aufbrausend. Trotz seines aggressiven Verhaltens ihr gegenüber, bleibt Karin bei David, während sie weiterhin die Fassade der sorgenden Ehefrau und Mutter spielt. Eines Tages jedoch ist Davids Arbeit beendet und er muss wieder nach London zurück, wo er für ein halbes Jahr eine Stelle an der Universität antritt, bevor er wieder zurück nach Schweden kommen kann. Eine Zeit der Trennung beginnt für beide, in der sie sich ihrer Gefühle füreinander sicher werden, vor allem Karin, jedoch ahnen sie nicht, dass Andreas bereits von der Affäre weiss.
Das Problem mit der SpracheSeit vielen Jahren schon versuchten Hollywood-Produzenten den schwedischen Regisseur Ingmar Bergman dazu überreden, eines oder mehrere Projekte in der Traumfabrik zu drehen, jedoch hatte dieser immer abgelehnt, mit der Begründung, er würde sich wohler dabei fühlen, wenn er über Themen, Personen und Orte spreche, die er kenne und die ihm vertraut sind. Im Falle von Berührungen erlaubte ihm die Geschichte in Schweden zu filmen, jedoch mit US-amerikanischen Schauspielern zu arbeiten, wobei Bergmans Wahl auf Elliott Gould fiel, der ihm durch seine Rolle in Richard Rushs Getting Straight (1970) aufgefallen war. Gould war damit Teil einer Besetzung, die darüber hinaus aus Bibi Andersson und Max von Sydow besteht, die bereits an vielen Filmen Bergmans mitgearbeitet hatten.
Wenn ein Künstler, der sich durch einen bestimmten Stil etabliert hat, auf einmal in eine andere Richtung entwickelt oder seine Arbeitsweise variiert, hat dies nicht immer gute Folgen, besonders hinsichtlich der Reaktionen, welche dies auslöst. So geschah es auch im Falle von Ingmar Bergmans Berührungen, des einzigen grösstenteils englischsprachigen Werks des Regisseurs, das nicht nur teils vernichtende Kritiken erntete, sondern zudem ein kommerzieller Misserfolg wurde. Einige Rezensenten führten dies zurück auf die für Bergman ungewohnte Sprache, die manche Szenen kalt und fremd wirken lasse, und die emotionale Wucht vermissen lasse, die man von anderen Filmen Bergmans gewohnt sei. Diese Beobachtungen treffen den Nagel auf den Kopf, sind aber in ihrer Konsequenz her überraschend falsch, da sie den Punkt ausser Acht lassen, den Bergman mit seinem Drama machen will und welcher sich bereits im Titel widerspiegelt, nämlich die Sehnsucht nach einem emotionalen Kontakt, körperlich wie auch psychisch, sowie die Folgen, wenn dieser ausbleibt.
In diesem Kontext ist Sprache ein essenzieller Faktor. Sowohl ihre Beziehung zu Andreas wie auch die Affäre mit David leiden an dem Mangel einer gemeinsamen Sprache, die nicht nur Banalitäten und Höflichkeiten kommuniziert, sondern darüber hinaus den seelischen, emotionalen Zustand einer Person. Bergman, ein Meister der Inszenierung dessen, was Menschen voneinander trennt, zeigt diese Grenze innerhalb der Einstellungen wie auch den Dialogen. Die zunehmende Distanz sowie das Unvermögen diese zu überbrücken sorgt für jene Momente der Kälte und der Fremdheit, die sich auf den Zuschauer übertragen, der Menschen dabei beobachtet, die sich nach einer Berührung sehnen, aber unfähig sind, diese entgegenzunehmen oder auf den anderen Menschen zuzugehen. Schmerzhaft vereint
Die Figuren sind, wie es Karin an einer Stelle sagt, „schmerzhaft vereint“, suchen nach Nähe, finden diese, aber wenn nur temporär. Während sich Andreas hinter seiner Arbeit scheinbar versteckt und seine Emotionen nicht thematisiert, ist Elliott Gould als David das genaue Gegenteil, entlädt sich seine Wut und Frustration in Gefühlsausbrüchen aggressiver wie auch unerwartet zärtlicher Natur, ohne jedoch einen Kontakt zu seinem Gegenüber herzustellen, da er sich gleichermassen, aber auf andere Weise verschliesst. Die grossartige Bibi Andersson leidet unter der Kälte, wie sie David auf das schwedische Wetter bezogen, sagt, unternimmt den Versuch einer Beziehung mit beiden Männern, droht aber selbst zu zerbrechen beim Angehen dieser Herausforderung. Abermals sind es die Schauspieler, die emotionalen Konflikte ihrer Figuren und ihre Dialoge, die im Zentrum stehen, sowohl das gesprochene Wort wie auch die, welche verschwiegen werden.
Neben den schauspielerischen Qualitäten ist auch die Inszenierung Bergmans, wobei die Bilder von Kameramann Sven Nykvist eine wichtige Rolle spielen, zu beachten. Einige mehr, manche etwas platte Symbolismen verweisen auf Themen wie Eingesperrtsein oder emotionale Kälte, wie schon die ersten Einstellungen der kleinen Gemeinde, in der ein Grossteil der Handlung spielt, welche durch ihre Steinmauern und alten Bauwerke sowohl ihre Geschichte wie auch eben jene Themen vorauszudeuten scheint.
Schweden
1971-
115 min.
Regie: Ingmar Bergman
Drehbuch: Ingmar Bergman
Darsteller: Elliott Gould, Bibi Andersson, Max von Sydow
Produktion: Ingmar Bergman
Kamera: Sven Nykvist
Schnitt: Siv Lundgren
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