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Aufstand der Rollstuhlfahrer: SPV-Direktor verdient 350'000 Franken
Bei der Paraplegiker-Vereinigung brodelt es. Mitglieder stören sich offenbar an hohen Kadergehältern. Ein Gericht hat ihnen verboten, zu demonstrieren.
Kritik aus den Reihen der Paraplegiker-Clubs: Ein Rollstuhlfahrer beim Bahnwettbewerb. (Symbolbild) )
Um den Lohn des Direktors der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung (SPV) ist ein Streit entbrannt. Der Grund: Thomas Troger soll ein derart hohes Gehalt beziehen, dass die SPV geschädigt werde. Dieser Ansicht sei eine Gruppe besorgter Mitglieder der schweizerischen Rollstuhlclubs und der SPV, schreibt die «Weltwoche».
Laut der Zeitung beläuft sich der Lohn, den sich der Präsident der Gemeinnützigen Vereinigung auszahlen lasse, auf 410'000 Franken. Die Schweizer Paraplegiker-Stiftung (SPS) hat auf Ende Oktober in einer Medienmitteilung angekündigt, die Löhne der Direktoren und der Geschäftsführer offenzulegen. Sie begründet den Schritt mit «veränderten Anforderungen an die Corporate Governance».
Lohn wird gekürzt
Die Trägerin des Leistungsnetzes für Querschnittgelähmte möchte damit dokumentieren, dass sie im Bereich von Transparenz und Glaubwürdigkeit zu den «führenden» Nonprofitorganisationen zählt. Sie verkleinert den Stiftungsrat von elf auf sieben Mitglieder. Diese dürfen neu höchstens 70 Jahre alt sein und die Amtsdauer wird auf zwölf Jahre begrenzt.
Die SPS gibt für Thomas Troger derzeit einen Bruttolohn von 356'000 Franken an. Die Löhne bezeichnet Organisation als marktgerecht, wobei sie sich auf eine Benchmark-Studie beruft. Die Löhne orientieren sich laut der Stiftung «an den Leitplanken der marktgerechten Entlöhnung sowie dem sorgfältigen Umgang mit den durch die Gönner und Spender zur Verfügung gestellten Mitteln». Der Entscheid, die Gehälter offenzulegen, sei «das Resultat von Gesprächen mit Interessenvertretern aus den Reihen der Rollstuhlfahrer».
Trogers Lohn als Ausnahme
Die Stiftung schreibt in der Medienmitteilung aber auch, dass Trogers Bruttolohn eine Ausnahme darstelle. Sie hat deshalb vom Zentralvorstand der SPV eine schrittweise Reduktion auf 296'400 Franken bis Oktober 2019 verlangt. Zudem erhält Troger ab 2017 keinen Bonus mehr, wie die Branchen-Plattform «Medinside» schreibt. Darin dürfte sich die Reduktion auf die aktuelle Lohnsumme begründen.
Von «Fantasielöhnen» schreibt Philipp Gut, der im Mai dieses Jahres wegen übler Nachrede verurteilt wurde, weil er die Zuger Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin der Lüge bezichtigt hatte. Der Lohn sei in den Augen der Kritiker auch nach der Kürzung auf 296'400 Franken zu hoch, schreibt die «Weltwoche» weiter. Die SPV sei während Jahren durch die überrissenen Bezüge um mehrere Millionen Franken geschädigt worden.
Demonstration verboten
Troger solle einen Teil seines Lohns zurückzahlen, zitiert die Zeitung die kritischen SPV-Mitglieder. Zudem hätten diese gedroht, an die Öffentlichkeit zu gehen. Das habe Thomas Troger und der Präsident des Zentralvorstands, Christian Betl, mit einem Antrag auf eine provisorische Verfügung verhindert.
Das Bezirksgericht Willisau habe den sich wehrenden Rollstuhlfahrern verboten, vor dem Paraplegiker-Zentrum in Nottwil zu demonstrieren. Ebenso dürften sie keine Pressekonferenz abhalten und auch die Behauptung, die Löhne der SPV-Direktoren und -Geschäftsführer seien «unanständig überrissen», dürften sie nicht mehr äussern.
Aufgaben und Leistungen als Grundlage
Troger nimmt selbst keine Stellung zu seinem Gehalt. «Der Lohn wurde aufgrund der Führungsaufgaben und anhand seiner herausragenden Leistungen und der wahrgenommenen Funktionen festgesetzt», sagt Betl auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet.
In zwei unabhängigen Studien sei der Lohn begutachtet worden. Eine erste Studie im Jahr 2014 habe ihn als marktkonform beurteilt. «Eine zweite Studie vom Mai dieses Jahres zeigt auf, dass der Lohn bei den oberen 25 Prozent liegt, was aber aufgrund der wahrgenommenen Funktionen und Aufgaben durchaus üblich ist», sagt Betl weiter.
Laut Umfragen zufrieden
«Thomas Troger führt seit mehr als 19 Jahren die SPV professionell und erfolgreich», sagt Betl, der auch im Stiftungsrat von Swiss Paralympic ist. Trogers Aufgabe umfasse neben der Führung der Nonprofitprganisation auch Führungsaufgaben innerhalb der Schweizer Paraplegiker-Gruppe sowie Aufgaben im Turnus als Präsident oder Vize-Präsident von Swiss Paralympic.
Betl betont, dass der Zentralvorstand mit der Arbeit des Direktors zufrieden sei. Zum selben Schluss würden auch die SPV-Mitglieder kommen: «Unsere Mitglieder äusserten sich in den periodisch durchgeführten Umfragen immer wieder sehr positiv und zufrieden.»
Zu der provisorischen Verfügung sagt er, die SPV nehme Kritik ernst, sei aber überzeugt, dass Lösungen im sachlichen und konstruktiven Dialog gefunden werden müssten. «Das soll diese Verfügung ermöglichen.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.11.2017, 20:24 Uhr