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Blauwal
Balaenoptera musculus
© 1994 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Gedenktaler Kollektion und
in der UN-Briefmarkensammlung «Gefährdete Tierarten»)
Der Blauwal (Balaenoptera musculus) ist das grösste Tier, das auf unserem Planeten lebt. Der mächtige Meeressäuger mit der schnittigen, strömungsgünstigen Gestalt kann eine Länge von über 30 Metern und ein Gewicht von 135 Tonnen erreichen - das entspricht nicht weniger als 30 Elefanten oder 2000 Menschen!
Überraschenderweise betätigt sich der Blauwal in seinen Heimatgewässern als friedfertiger Planktonesser, ernährt sich also trotz seiner enormen Grösse fast nur von kleinsten, frei im Wasser schwebenden Krillkrebschen und anderen Planktontierchen. Zum Ausseihen seiner winzigen Beutetiere aus dem Meerwasser verfügt er über sogenannte «Barten». Es handelt sich dabei um lange, biegsame, an der Innenkante ausgefranste Hornplatten, welche in seinem Riesenmund beidseitig dicht an dicht vom Gaumendach herunterhängen. Beim Nahrungserwerb nimmt der Bartenwal jeweils einen kräftigen, oft über 1000 Liter umfassenden «Schluck» planktonreichen Meerwassers in seinen Rachen auf, dann schliesst er den Mund und presst das überflüssige Wasser mit Hilfe seiner Zunge durch den «Bartenvorhang» und zwischen den Lippen hindurch wieder aus. Die Planktontierchen bleiben dabei an den ausgefransten Innenrändern der Barten wie auf einer Filtermatte hängen und werden anschliessend verschluckt.
Auf seinen «Fresswanderungen» schwimmt der Blauwal gemächlich dahin und «durchpflügt» ruhig die angetroffenen Planktonwolken. Im Unterschied zu manch anderem Waltier taucht er selten tiefer als 100 Meter, denn dichte Planktonwolken findet er hauptsächlich in Oberflächennähe. Die einzelnen Tauchgänge dauern gewöhnlich nur zwischen drei und zehn Minuten. Beim Auftauchen ist dann jeweils weitherum sein Blasstrahl sichtbar, welcher stattliche 9 Meter über die Wasseroberfläche emporschiesst.
Etwa zwei Tonnen tierlichen Planktons fasst der Magen des grossen Wals; das entspricht ungefähr der benötigten Tagesration. Vergleichsweise bescheidene sieben Kilogramm wiegt dagegen das Blauwalhirn. Offensichtlich erfordert das Durchsieben von Wasser keine besonderen «Geistesblitze».
Blauwale kommen in allen Ozeanen rund um die Erdkugel herum und von den Tropenmeeren bis zu den Polarmeeren vor. Allerdings verteilen sich die blaugrauen Meeressäuger nicht gleichmässig über dieses riesenhafte Verbreitungsgebiet, sondern führen regelmässige saisonale Wanderungen durch: Den Sommer verbringen sie in den kalten Polarmeeren, wo sie sich der «Beweidung» der dort besonders reichen Nahrungsgründe widmen. Jeweils im Herbst suchen sie dann wärmere Gewässer in gemässigten bis tropischen Zonen auf, um sich dort während des Winters zu paaren und ihre anfangs kälteempfindlichen Jungen zur Welt zu bringen. Sie versammeln sich dann oft zu kleinen Verbänden, während man sie die restliche Zeit des Jahres zumeist einzeln oder in kleinen Trupps von zwei bis vier Tieren antrifft.
Die jungen Blauwale, welche nach einer Tragzeit von beinahe einem Jahr zur Welt kommen, messen bei der Geburt bereits sieben Meter und wiegen etwa sieben Tonnen. Sie wachsen anfangs mit der atemberaubenden Geschwindigkeit von ein bis zwei Zentnern je Tag und verdoppeln bereits im Verlauf der siebenmonatigen Säugezeit ihr Geburtsgewicht. Die Geschlechtsreife erreichen sie im Alter von etwa sechs Jahren, und ihre Alterserwartung dürfte bei 50 bis 80 Jahren liegen.
Wenige Tierarten sind vom Menschen so erbarmungslos verfolgt und abgeschlachtet worden wie die Bartenwale. Und der grösste unter ihnen, der Blauwal, bildete naturgemäss eine besonders lohnenswerte und deshalb begehrte Beute. Die schlimmste Zeit des Walfangs begann gegen Ende des 19. Jahrhunderts, nachdem eine Harpune erfunden worden war, welche im Körper der grossen Meeressäuger explodierte und sie sofort tötete, und nachdem etwa gleichzeitig die ersten motorisierten Walfangsschiffe entwickelt worden waren. Damals setzte eine Tötungsindustrie ein, deren Ausmasse heute kaum mehr vorstellbar sind. Viele tausend Blauwale wurden in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts Jahr für Jahr erlegt - bis die mächtigen Meeressäuger praktisch ausgerottet waren und deshalb 1967, auf Drängen der Weltöffentlichkeit, in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet unter Schutz gestellt wurden.
Im Nordatlantik und im Nordpazifik mag es heute noch einige hundert Blauwale geben. Auf der südlichen Erdhalbkugel, wo man im 19. Jahrhundert mit etwa 200 000 Blauwalen rechnete, dürften es allenfalls noch ein paar tausend Individuen sein. Leider kann bei der geringen Vermehrungsrate - je erwachsenes Weibchen höchstens alle zwei bis drei Jahre ein Junges - eine Bestandsvermehrung nur sehr langsam erfolgen. Einige Fachleute zweifeln sogar daran, ob sich die Art überhaupt noch zu erholen vermag. Es gibt nämlich Hinweise darauf, dass der Gesamtbestand seit 1967 eher rückläufig ist.
Ausser Frage steht, dass der Blauwal nur dann eine Überlebenschance hat, wenn das Fangverbot auch weiterhin strikt aufrechterhalten bleibt. Zudem muss unbedingt dafür gesorgt werden, dass durch die massiv zunehmende Krillfischerei (zwecks Herstellung von Viehfutter) seine Nahrungsgrundlage keinen Schaden erleidet. Und nicht zuletzt gilt es natürlich, auch in unserem eigenen Interesse, der allgemeinen Gesunderhaltung der Weltmeere die nötige Aufmerksamkeit zu schenken.
Blauwal
Balaenoptera musculus
Systematik
Klasse: Säugetiere
Ordnung: Waltiere
Familie: Furchenwale
Körpermasse
Gesamtlänge: bis 33 Meter
Gewicht: bis 135 Tonnen
Geburtsgewicht: um 7 Tonnen
Fortpflanzung
Jungenzahl: 1 je Geburt
Tragdauer: 11 Monate
Höchstalter: 50-80 Jahre
Bestandssituation
Bestand: ca. 10 000 Tiere
Rote Liste: «bedroht»
CITES: Anhang I
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