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Dominik Meichtry twittert unter http://twitter.com/SwissDom
Dominik Meichtry über sich: «Ich bin ein entspannter Typ.» Diese Lockerheit und seine amerikanische Freundin Jessica Hardy (25) werden ihm an den Olympischen Spielen in London helfen. Sie ist amtierende Weltmeisterin und Weltrekordhalterin über 50 Meter Brust. «Jessica ist für meine Karriere sehr wichtig. Sie hat Erfolge gefeiert, die mich motivieren, es ihr gleichzutun.» In ihrer gemeinsamen zweistöckigen Wohnung in Santa Monica hängt Jessica Hardys Weltrekordzertifikat. «Es erinnert mich täglich daran, dass ich hart arbeiten muss. Wenn ich einmal keine Lust habe, schon wieder morgens um 7.30 Uhr ins Wasser zu springen und wöchentlich 26 Stunden zu trainieren, ist Jessie für mich da und motiviert mich mit einer Umarmung.»
Dominik Meichtry (27) gehört zu den besten Schweizer Schwimmern. Er tut alles für seine Sportlerkarriere: Seit 2005 trainiert er in Kalifornien, wo er sein Psychologie- und Soziologiestudium mit dem Bachelor abschloss. Seit drei Jahren ist der Ostschweizer Profisportler. Seine Paradedisziplin: 200-Meter-Crawl. Im letzten halben Jahr hat der 183 Zentimeter grosse Athlet zwei Kilogramm an Muskelmasse zugenommen und wiegt nun 76 Kilo. «Zusätzlich esse ich mehr Salat und, wenn ich Lust auf Süsses habe, Früchte, statt in der Schublade nach Schokolade zu suchen …», sagt er und lächelt. Er sei nun kräftiger und könne dies im Wasser mit mehr «Explosivität» umsetzen.
Die Erfahrung wird in London ein grosser Vorteil sein
Allerdings verpasste Meichtry Ende Mai an den Europameisterschaften in Ungarn eine Medaille um fast eine Sekunde und wurde Fünfter. Auf seine Chancen in London angesprochen, sagt er: «Ich nehme Schritt für Schritt. Zuerst muss ich die Vorläufe und den Halbfinal überstehen. Gelingt mir das, will ich im Final nicht um den zweiten oder dritten Platz schwimmen, sondern um den Sieg.» Da nur alle vier Jahre ein Start an Olympia winkt, sei der Druck enorm. «Gerade weil das ein Höhepunkt und grosser Traum einer Karriere bedeutet, ist es wichtig, nicht zu nervös zu werden.» Als 19-Jähriger sammelte er bereits in Athen 2004 Erfahrungen. Das wird in London ein Vorteil sein.
Jessica Hardy sagt über ihren Dominik: «Am meisten schätze ich seine positive Lebenseinstellung.» Ihr Freund finde selbst in schwierigen Situationen Grund zur Freude. Kennengelernt hatten sich die beiden an der WM 2005 in Montreal, als ein Kollege Dominik die 180 Zentimeter grosse Blondine vorstellte. Seit gut sechs Jahren sind sie ein Paar und pendeln täglich zusammen an die University of Southern California in Los Angeles zum Training. Dies sei förderlich, sagt Jessica Hardy. «Wir wissen, wie wir uns gegenseitig helfen können und welche Opfer und welchen Lebensstil der Spitzensport verlangt.»
Einen Tiefpunkt erlebte das Schwimmerpaar, als Jessica Hardy kurz vor den Sommerspielen in Peking 2008 für ein Jahr gesperrt wurde, weil man sie positiv auf die verbotene Substanz Clenbuterol getestet hatte. Dafür gab es im März 2012 einen Höhepunkt: Dominik Meichtry hat Jessie am Strand von Malibu bei Sonnenuntergang einen Heiratsantrag gemacht. «Sie war völlig überrascht. Das war mein Ziel», sagt er. Er habe der Kalifornierin aus Long Beach auch schon ein paar Brocken Schwiizerdüütsch beigebracht wie «Du bisch mys Ängeli», «Guetsli» oder «Rivella».
Irgendwann möchte ich richtig Geld verdienen.
Die Hochzeitsglocken werden aber wohl erst nächsten Sommer läuten. Erste Priorität hat die Vorbereitung auf London, wofür sich Jessica Hardy Ende Juni erst noch qualifizieren muss. «Was immer auch passiert, ich möchte bis 2016 weiterschwimmen», sagt sie. Dann finden die Sommerspiele in Rio statt. Er meint dazu: «Es wäre natürlich schön, dann auch dabei zu sein. Aber irgendwann möchte ich auch mal richtig Geld verdienen.» Er könnte sich vorstellen, als Sportpsychologe oder Berater zu arbeiten.
«Baywatch» sorgte für den besten Schweizer Schwimmer
Zum Schwimmsport kam er dank seiner Eltern: Als Dominik drei Jahre alt war, meldeten sie ihn zum Schwimmkurs an. Der Grund dafür: Damals lebte die Familie Meichtry im kongolesischen Kinshasa und hatte einen Swimmingpool im Garten. Weil er Jahre später regelmässig am Fernsehen die Serie «Baywatch» schaute, wusste er sofort, was er werden wollte: Rettungsschwimmer. Heute wohnt er dort, wo seine Lieblingsserie spielte, in Santa Monica. Und mit seinem Muskelzuwachs sieht der Schwimmer und Sunnyboy ein bisschen wie der viel jüngere Bruder von «Baywatch»-Hauptdarsteller David Hasselhoff aus.
Autor: Reto Wild
Fotograf: Serge Hoeltschi