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Arthrose des Knies
Arthrose ist eine primäre Erkrankung des Gelenkknorpels. Der Knorpel ist ein Überzug des Knochens in den Gelenken, der als Stossdämpfer funktioniert und wegen seiner glatten Oberfläche die Gelenke gut bewegen lässt.
Im Alltag wird der Begriff Arthrose für schwere Knorpelschäden benützt, jedoch müsste jede Form von Knorpelschädigung als Arthrose bezeichnet werden.
normaler Knorpel
beschädigter Knorpel
Ursachen der Knie-Arthrose
Häufige Ursachen
· Akute Sportverletzungen mit Schädigung des Knorpels und des Meniskus
(wird der eine Teilentfernung des Meniskus gemacht, so entsteht 5-8 Jahre später oft eine Arthrose im Knie)
· Chronische Instabilität des Knies wegen unbehandelter vorderer Kreuzbandruptur
· Fehlstellungen des Knies wie z.B. das O-oder X-Bein. Dadurch entsteht eine einseitige Belastung des Knie (beim O-Bein auf der Innenseite, beim X Bein auf der Aussenseite) mit frühzeitigem Verschleiss des Knorpels
· Uebergewicht
· Chronische Ueberbeanspruchung des Knies bei belastenden Sportarten wie häufiges Jogging
Seltenere Ursachen
· Durchblutungsstörungen des Knorpels und des darunterliegenden Knochens
· Familiäre Knorpelschwäche
· Kristallablagerungen bei Gicht oder Pseudogicht (=Chondrocalcinose)
Symptome
In der Frühphase von Knorpelschädigungen können gar keine oder nur sehr diskrete Symptome vorhanden sein. Sie werden oft unterschätzt.
In den späteren Phasen kommt es zu zunehmenden Schmerzen bei oder nach Belastung, aber auch zu Ruheschmerzen mit Schwellungen von Gelenken und Deformitäten.
Auch nimmt die Beweglichkeit der Gelenke zunehmend ab.
Diagnose
Der Arzt macht die Diagnose anhand der Krankengeschichte (Anamnese) und weiteren Untersuchungen:
Wichtige weitergehende Abklärungen sind das konventionelle Röntgenbild und die Magnetresonanz-Untersuchung (sog. MRI = Magnetic Resonance Imaging).
Das klassische Röntgenbild zeigt in den frühen Phasen der Erkrankung oft keine oder nur diskrete Veränderungen.
Die Magnetresonanzuntersuchung zeigt hingegen schon oft in der Frühphase der Arthrose Befunde und sollte damit bei entsprechender Fragestellung durchgeführt werden.
Die sogenannte Scintigraphie ist eine weitere radiologische Spezialuntersuchung, die zur Diagnose gemacht wird. Dabei werden markierte Stoffe (z.B. Calcium) gespritzt, bei Arthrose gibt dies eine radiologische Anreicherung im entsprechenden Gelenk.
Ein diagnostisches Hilfsmittel, das auch gleichzeitig der Therapie dient, ist die Spiegelung von Gelenken (= sog. Arthroskopie).
Behandlung ohne Operation
Auch ohne Operation gibt es heute Behandlungsmöglichkeiten, die vor allem den Arthroseschmerz lindern sollen. Eine Heilung wird damit nicht erzielt.
Ernährung
Die Bausteine des Knorpels und des darunter liegenden Knochens benötigen eine grosse Anzahl von Substanzen in der Ernährung:
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Genügend Calcium, Magnesium und Vitamin D
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Chondroitinsulfat
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Glucosaminsulfat
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Omega 3 Fettsäuren und Vitamin E
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Bei Gichtarthropathie ist der Konsum von Fleisch, Kaffee und gewisse Gemüsesorten (Spinat, Rhabarber u.a.) einzuschränken
Eine Gewichtsreduktion (bei Übergewicht) schon von wenigen Kilogrammen kann zu einer deutlichen Schmerzlinderung führen. Wir empfehlen diesbezüglich eine Diät-Beratung entweder durch einen Arzt oder eine Diätassistentin.
Vermeiden von Risikosportarten wie Fussball, Joggen, OL oder Skifahren sind oft sehr hilfreich. Es empfiehlt sich, nicht belastende Sportarten wie Velofahren, Schwimmen, normales Gehen oder Wandern mit Stöcken durchzuführen.
Einlagen in den Schuhen können Fehlstellungen ausgleichen und somit Schmerzen lindern.
Kniebandagen sind oft hilfreich zur Stabilisierung des Knies.
Physiotherapie kann die Schmerzen und Schwellungen oft reduzieren, sollte jedoch oft über längere Zeit durchgeführt werden.
Medikamente
Knorpelersatzpräparate
Eine Reihe von Knorpelersatz-Präparaten (z.B. Glukosamin und Chondroitinsulfat) sind heute erhältlich, die in einigen wissenschaftlichen Arbeiten zu einer Linderung der Beschwerden geführt haben. Diese werden in Tablettenform verabreicht und sollten über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.
Spritzen ins Gelenk
Wir unterscheiden 2 Arten von Spritzen:
1. Die Hyaluronsäure Injektion, die wissenschaftlich kontrovers diskutiert wird und deren Kosten von den Krankenkassen nur in Ausnahmefällen übernommen wird. Die Wirkung ist zeitlich oft limitiert.
2. Die Kortisonspritze ins Gelenk kann oft während Monaten eine Linderung bringen. Sie sollte jedoch nicht zu häufig angewendet
werden.
Behandlung mit Operation
Wir unterscheiden gelenkserhaltende Operationen von solchen, bei denen das Gelenk ersetzt wird (= künstliches Gelenk).
Gelenkserhaltende Operationen sind in den leichten und mittelschweren Fällen der Arthrose möglich. In den späten Phasen der Arthrose bleibt oft nur das Kunstgelenk als therapeutische Option. Deshalb ist die frühe Diagnose der Arthrose so wichtig.
Gelenkserhaltende Operationen
1. Gelenkspiegelung mit Reinigung (=Arthroskopie bzw. Debridment), Mikrofracturing, Knorpelmembran
Die Gelenksspiegelung mit Reinigung, die sog. Arthroskopie, ist in Frühphasen oft sehr hilfreich. Es können lose Knorpelpartikel entfernt werden und Meniskusläsionen gereinigt werden.
Gleichzeitig wird in gewissen Fällen ein sog. Microfracturing vorgenommen. Hierbei werden kleine Löcher in den Knochen gebohrt, um Stammzellen aus der Knochentiefe anzuregen, Ersatzknorpel zu bilden.
In Fällen eines kleineren Knorpelschadens kann zusätzlich eine Membran (z.B. Chondrogidemembran) auf den Knorpelschaden eingenäht werden. Damit werden Knorpelzellen stimuliert, in diese Membran einzuwachsen.
Arthroskopische Sicht eines Mikrofracturing, dabei werden kleine Löcher in den Knochen gemacht (der Ueberzug von Knorpel über dem Knochen fehlt bei Arthrose).
Chondrogidemembran, diese wird auf den Knorpeldefekt aufgenäht
2. Beinachsenkorrektur (sog. Korrekturosteotomie)
Bei O- und X-Beinen, auch wenn sie nur sehr wenig ausgeprägt sind, kann bei Teilarthroseformen die Korrektur der Beinachse mittels Osteotomie Knorpelschäden stoppen, oder es kommt zusätzlich zu einer Neubildung von Ersatzknorpel.
Dabei wird entweder ein Keil entfernt oder ein Keil eingefügt und die Beinachse korrigiert. Sie ist insbesondere in den frühen und mittelschweren Fällen der Arthrose sehr hilfreich und sollte immer besprochen werden. Sie stellt heute eine der wichtigsten Operationen bei Kniearthrose dar.
Das Alter ist keine Kontraindikation für diese Operation, die einzige Kontraindikation ist das Rauchen. Das Rauchen verhindert oder verlangsamt bei einer Korrektur die Knochenheilung. Die Korrekturosteotomie wird mit einer Titanplatte fixiert (z.B. mit einer Tomofixplatte). Eine Teilbelastung ist schon am ersten Tag noch Operation möglich. Ein Spitalaufenthalt dauert meistens 3 - 6 Tage. Nach 6 Wochen kann in die Vollbelastung übergegangen werden.
Diese Methode kommt v.a. bei Patienten in Frage, die noch sehr aktiv sind (Wandern, Tennis, Golf).
Tomofixplatte
3. Kreuzbandoperationen
Beim Knie ist eine Instabilität ein wichtiger Arthrosefaktor, weswegen wir bei instabilen Knien die Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes mit den minimal invasiven Techniken empfehlen. Dabei ist nur noch ein Hautschnitt von ca. 4 - 5cm nötig und die Operation wird arthroskopisch durchgeführt.
4. Meniskusnaht
Der Meniskus ist im Knie ein wichtiger Stossdämpfer und sollte vor allem bei jüngeren Patienten, wenn möglich, immer genäht werden. Diese Naht kann ebenfalls arthroskopisch und zum Teil sogar ambulant durchgeführt werden. Die Einwachsrate von genähten Menisken beträgt 60 - 85%, je nach Zustand des Gewebes und Lokalisation. Bei schlechtem Gewebe ist dies allerdings nicht mehr möglich.
Gelenksersetzende Operationen
Kunstgelenk (=Knieprothese)
Man unterscheidet zwischen Teilgelenken oder Vollgelenken. Das Teilgelenk am Knie findet immer mehr Verbreitung, wobei bei Teilarthrosen nur die Hälfte des Knies ersetzt wird. Auch
kann bei isolierten Arthrosen der Kniescheibe ein Teilgelenk eingesetzt werden. Dies hat den Vorteil, dass die Operation weniger invasiv und auch die Rehabilitation kürzer ist. Sie
kommt in ca. 10 - 20% der Fälle zur Anwendung.