Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/157697

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt, die nötigen Schritte zu unternehmen, um auch Teilzeitangestellten nach Ablauf einer angemessenen Frist den Zugang zu den Qualifikationsverfahren im Rahmen der Berufsbildung zu ermöglichen. Die Frist soll so angesetzt sein, dass Teilzeitangestellte nicht diskriminiert werden.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Das Berufsbildungsgesetz (BBG) bietet aufgrund der Trennung von Bildungsgang und Qualifikationsverfahren diverse, auch individuell angepasste Lösungen für Erwachsene.</p><p>Besonders befähigte oder vorgebildete Personen können eine verkürzte berufliche Grundbildung absolvieren (Art. 18 Abs. 1 BBG). In der Praxis wird üblicherweise eine Verkürzung von einem Jahr gewährt. Sind der Lehrbetrieb und die lernende Person einverstanden, kann diese Verkürzung auch in Form eines Teilzeitpensums vereinbart werden.</p><p>Erwachsene, die bereits berufliche Qualifikationen erworben haben, über eine mindestens fünfjährige berufliche Erfahrung und die entsprechenden Qualifikationen verfügen, können direkt zum Qualifikationsverfahren zugelassen werden oder ihre Bildungsleistungen validieren lassen. Beide Wege sind berufsbegleitend konzipiert.</p><p>Die Vorgabe von fünf Jahren Berufserfahrung soll gewährleisten, dass die duale berufliche Grundbildung nicht konkurrenziert wird. Das BBG lässt jedoch offen, wie viele dieser fünf Jahre im Berufsfeld gesammelt werden müssen, in dem der Berufsabschluss angestrebt wird, und wie viele Jahre Berufserfahrung der insgesamt fünf unspezifisch sein können. Es ist nach geltendem Recht bereits heute möglich, bei Nachweis der nötigen Kompetenzen auch eine Person mit einer Teilzeitanstellung von angemessenem Umfang und angemessener Dauer zum Qualifikationsverfahren zuzulassen oder auch jemanden, der bei Familienarbeit wesentliche Kompetenzen erworben hat. Es ist Aufgabe der zuständigen Organisationen der Arbeitswelt, in Zusammenarbeit mit den Kantonen und dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation zu definieren, wie gross die berufliche Praxis sein muss, um das Erreichen der erforderlichen beruflichen Handlungskompetenzen zu gewährleisten.</p><p>Im von der Motionärin erwähnten Beispiel der Bildungsverordnung "Fachfrau/Fachmann Betreuung" beträgt die für die Zulassung zum Qualifikations- respektive zum Validierungsverfahren geforderte berufliche Praxis im Berufsfeld Betreuung total zwei Jahre (vier Jahre mit einem minimalen Arbeitspensum von 50 Prozent). Die nachzuweisende unspezifische Berufserfahrung beträgt drei Jahre.</p><p>Im Sinne einer konsequenten Förderung des inländischen Arbeitskräftepotenzials begrüsst der Bundesrat flexible Lösungen bei der Zulassung von Teilzeitangestellten zum Qualifikationsverfahren. Aufgrund der bestehenden gesetzlichen Grundlagen erachtet der Bundesrat das Anliegen der Motionärin aber bereits als erfüllt.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.