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| Augustinus (354-430) - Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium)

5. Vortrag.
7.
Es konnte aber der Herr Jesus Christus, wenn er gewollt hätte, irgend einem seiner Diener die Macht verleihen, seine Taufe gleichsam an seiner Statt zu spenden, indem er die Gewalt zu taufen von sich weggab und irgend einem Diener übertrug und der auf den Diener übertragenen Taufe dieselbe Kraft gab, welche die vom Herrn gespendete Taufe hätte. Das wollte er deshalb nicht, damit die Hoffnung der Getauften auf dem [S. 73] ruhte, von dem sie wußten, daß er sie getauft. Er wollte also nicht, daß der Diener seine Hoffnung auf den Diener setze. Und darum riet der Apostel, als er Menschen sah, die ihre Hoffnung auf ihn setzen wollten: „Ist etwa Paulus für euch gekreuzigt worden? Oder seid ihr im Namen des Paulus getauft worden?“1. Es taufte also Paulus als Diener, nicht als Machthaber; es taufte aber der Herr als Machthaber. Merket auf. Es konnte der Herr diese Macht den Dienern geben, aber er wollte nicht. Denn wenn er diese Macht den Dienern gegeben hätte, d. h. also, daß ihnen gehörte, was des Herrn war, dann gäbe es so viele Taufen, als Diener wären, so daß man, wie man von einer Taufe des Johannes spricht, auch von einer Taufe des Petrus, einer Taufe des Paulus, einer Taufe des Thomas, des Matthäus, des Bartholomäus reden würde; denn jene hieß die Taufe des Johannes. Allein vielleicht entgegnet einer und sagt: Beweise uns, daß jene den Namen „Taufe des Johannes“ hatte. Ich will es beweisen durch die Worte der Wahrheit selbst, als sie die Juden fragte: „Woher ist die Taufe des Johannes? Vom Himmel oder von den Menschen?“2. Also damit nicht so viele Taufen genannt würden, als Diener wären, die in der vom Herrn empfangenen Macht tauften, behielt der Herr die Macht zu taufen für sich, während er den Dienst den Dienern gab. Es sagt der Diener, er taufe; er sagt es mit Recht; wie der Apostel sagt: „Ich habe auch das Haus des Stephanus getauft“3, aber als Diener. Wenn er darum auch schlecht ist, aber den Dienst hat, so läßt Gott, wenn auch die Menschen ihn nicht kennen und Gott ihn kennt, durch ihn taufen, er, der die Macht für sich behielt.
1: 1 Kor. 1, 13.
2: Matth. 21, 25.
3: 1 Kor. 1, 16.