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Produktion
Produktion
Heutzutage wäre es ohne weiteres möglich, alle Menschen anständig zu versorgen, denn die nötigen Produktivkräfte und Produktionsmittel sind vorhanden. Produziert wird aber nur, was verkauft werden kann. Die Armen bekommen nichts. Die Arbeitsbedingungen für jene, die einen Job haben, sind vom Kapital diktiert und dementsprechend schlecht. In China ist es weit verbreitet, dass die Arbeiterinnen direkt im Unternehmen in Schlafsälen übernachten müssen. Allgemein nimmt der Leistungsdruck stetig zu - mit unzähligen negativen Auswirkungen. Das kann geändert werden, indem die Arbeiterinnen beginnen, die Produktion selber zu kontrollieren. Dies ist ein entscheidender Schritt in der Umgestaltung der Verhältnisse im revolutionären Prozess.
Die Machtfrage stellt sich also im wirtschaftlichen Bereich und nicht etwa im politischen. Das revolutionäre Subjekt kann also nur die Arbeiterinnenklasse sein und nicht irgendeine Partei. Denn die Arbeiterinnenklasse ist die Urheberin der lebensnotwendigen Güter und Dienstleistungen und so hängt auch von ihr das Funktionieren und Weiterbestehen eines jeweiligen Gesellschaftsmodells ab.
Ausgehend von der Tatsache, dass Industrie und Dienstleistungsunternehmen durch die Anstrengungen vieler Generationen von Arbeiterinnen geschaffen wurden und dass die einzelnen Branchen engstens miteinander zusammenhängen, betrachten wir die ganze heutige Produktion als einen einzigen "Betrieb" der Produzierenden, der den Arbeiterinnen in ihrer Gesamtheit und niemandem im Einzelnen gehört.
„Der Produktionsmechanismus des Landes bildet eine Einheit und gehört der ganzen Arbeiterklasse. Diese Situation bedingt den Charakter und die Form der neuen Produktion. Auch in Zukunft wird sie einheitlich und gemeinsam sein, in dem Sinne, dass die Erzeugnisse, die von den Produzierenden hergestellt werden, allen gehören werden. Diese Erzeugnisse, gleich welcher Art, stellen den gemeinsamen Lebensmittelfonds der Arbeiter dar, aus dem jeder Beteiligte an der neuen Produktion alles Notwendige erhalten wird, jeder auf der gleichen Grundlage wie alle anderen.“ (Organisationsplattform der Allgemeinen Anarchistischen Union)
Besitzerinnen, sei es in Form einer privatunternehmerischen Eigentümerin, Aktiengesellschaften oder eines Eigentümerinnen-Staates wie die Sowjetunion wird es nicht mehr geben. Die einstige Bourgeoisie wird sich auf der gleichen Grundlage wie alle anderen an der neuen Produktion beteiligen müssen. Andernfalls grenzen jene sich selbst aus, was jedoch durchaus das Recht eines jeden Menschen ist. Bekämpfen sie aktiv die neue gesellschaftliche Ordnung, oder erheben sie Anspruch auf einen grösseren Teil der natürlichen Rohstoffe, als ihnen anteilsmässig zustehen würde, müssen sie damit rechnen, dass diesen Bestrebungen schnell und konsequent entgegengetreten wird. Falsch wäre die Vorstellung, dass alle heute bestehenden Arbeitsstellen und Qualifikationen des heutigen verwaltenden Mittelstandes und der führenden Oberschicht einfach nichtig und nutzlos werden würden. Sicherlich bestünde ein Grossteil der Arbeitsstellen in der neuen Gesellschaft nicht mehr, da sie schlicht überflüssig wären. Frau denke an Steuerfachfrauen, Polizistinnen, Bankerinnen und viele mehr. Keinesfalls aber würden alle diese Menschen dann "arbeitslos" und arm. Im Gegenteil dürfen sie und alle Mitglieder der Gesellschaft sich einer massiven Arbeitszeitverkürzung erfreuen, denn mehr Menschen beteiligen sich an weniger, dafür sinnvolleren Arbeit. Des weiteren kann niemand gezwungen werden, zu arbeiten, doch dies wird auch nicht nötig sein. Denn grundsätzlich gibt es nur sehr wenige Menschen, die ohne jedwelche schöpferische Betätigung zufrieden leben. Sich zu betätigen, in welcher Art auch immer, ist für eine grosse Mehrheit die Grundlage ihrer Selbstentfaltung. Falls es doch noch Individuen geben sollte, die trotz verkürzter Arbeitszeit, trotz selbstverwalteter Arbeit ohne Boss und trotz gesichertem Wohlstand nicht gewillt sind, zu arbeiten, wäre dies kein gesellschaftliches Problem, da die Produktion gut ohne die Beteiligung aller Gesellschaftsmitglieder funktioniert. Sicherlich hätten solche Personen, selbst bei der Hochhaltung des Rechts auf Faulheit, längerfristig Legitimationsschwierigkeiten. Doch hier liegt es in den Händen der einzelnen Gemeinschaften, wie sie mit solchen möglichen Erscheinungen umgehen wollen. Der Imperativ „sich an der Produktion beteiligen müssen“ ist nicht unbedingt adäquat. Viel mehr gibt es einfach nichts mehr zu beherrschen und autokratisch zu kontrollieren: die Betriebe sind selbstverwaltet; die Produktion und Ressourcenverbrauch gesellschaftlich organisiert und kontrolliert. Die Trennung von Arbeit und Freizeit wird aufgehoben. Arbeitsbedingungen und Gestaltung des Arbeitsplatzes unterliegen nicht mehr der ökonomischen Rationalität, so dass das Herstellen von Gütern und Dienstleistungen unter Nutzung modernster Technologien deutlich mehr Komfort und Spass verspricht. Die Menschen werden sich zum Zeitvertreib freiwillig einer schöpferischen, produktiven und zufriedenstellenden Tätigkeit widmen. Der libertäre Kommunismus ist eine hoch organisierte Form der Güterproduktion und Distribution, der die entwickelten Produktivkräfte des Kapitalismus optimal auszunützen weiss. Es entstehen also neuartige Betätigungsfelder, wo die Qualitäten der „verwaltenden Mittelschicht“ durchaus wichtig sind. Eine Herausforderung wird sein, zu verhindern, dass sich eine neue Oligarchie der Verwaltung herausbildet. Jedenfalls hat uns jede falsch verstanden, die denkt, wir wollten eine Reproletarisierung der Gesellschaft. Im Gegenteil! Durch demokratische Arbeitsverteilung und vielseitige Kooperation einzelner Individuen sowie Kollektiven entsteht ein gesundes Verhältnis zwischen körperlicher und geistiger Arbeit.
Um herrschaftliche Strukturen, also Zwang, möglichst zu vermeiden, sollen die Entscheidungsstrukturen in wirtschaftlicher Hinsicht möglichst dezentral und föderalistisch gehalten werden. Der Betrieb stellt dabei die kleinste Einheit dar. Eine kommunistische Gesellschaft könnte etwa durch Betriebsgruppen, Koordinationsgruppen und Räte organisiert sein.
Folgendes Modell ist eine Möglichkeit, libertäre Strukturen aufzubauen:
Betriebsgruppen Betriebsgruppen sind die Entscheidungsträgerinnen auf der untersten Ebene.
Koordinationsgruppen Lokale Koordinationsgruppen bestehen aus Delegierten der ortsansässigen aktiven Arbeiterinnen. Sie sind, wie der Name besagt, für die Koordination der Produktion in den Betrieben zuständig.
Es soll eine enge Kooperation der Produzentinnen gleicher oder ähnlicher Güter auf lokaler Ebene angestrebt werden, ebenso eine Zusammenarbeit bei der Aus- und Weiterbildung der Arbeiterinnen.
Räte setzen sich wiederum aus Delegierten zusammen und koordinieren die Produktion überregional bis global.
Städtische, regionale und schliesslich globale Föderationen bilden die Grundlage für die Leitung und Verwaltung der Produktion. Von den Arbeiterinnen gewählt, stets unter ihrer Kontrolle gehalten, sowie jederzeit abwählbar, werden sie sich ständig erneuern und die Idee der wahren Selbstverwaltung verwirklichen.
Eine gemeinschaftliche Produktion, bei der die Produktionsmittel und die Erzeugnisse der Produktion der Allgemeinheit gehören, die die Lohnarbeit durch das Prinzip der kollegialen Zusammenarbeit ersetzt, die gleiche Rechte für alle Produzierenden gewährleistet und die von gewählten Organen der Arbeiterinnenselbstverwaltung geleitet wird, hebt die Ausbeutung vollständig auf und ist der erste praktische Schritt auf dem Weg zur Verwirklichung des libertären Kommunismus.