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Einem Russen, einem Amerikaner, einem Kubaner und einem Israeli wurde folgende Frage gestellt: “Entschuldigen Sie, was ist Ihre Meinung zur Fleischknappheit?”
Der Russe fragte: “Was ist Fleisch?”, der Amerikaner fragte: “Was ist Knappheit?”, der Kubaner fragte: “Was ist persönliche Meinung?”.
Der Israeli fragte nach, was “Entschuldigen Sie?” bedeutet!
Dieser Witz aus der Zeit des Kalten Krieges findet sich im Buch “Auf das Leben”, verfasst von Paul Chaim Eisenberg. Als Oberrabiner leitete er bis 2016 die jüdische Gemeinde von Wien.
Das Thema “jüdischer Humor” bereichert er mit vielen Anekdoten, welche mich schmunzeln liessen.
Für ihn ist die Fertigkeit sich selber nicht zu ernst zu nehmen und auch über sich selber lachen zu können eine wichtige Strategie das Leben zu meistern und in Teilen erlernbar.
Die Lektüre weckte meine Neugier. Auf YouTube entdeckte ich einen Beitrag “Jüdische Witze”.
Während fast 40 Minuten erzählt sich in diesem eine illustre Runde, Paul Chaim Eisenberg macht auch mit, Witze, nimmt die eigene Religionsgemeinschaft mit einem Augenzwinkern schelmisch auf die Schippe.
Ich lachte und staunte. Tabuthemen schienen nicht zu existieren.
Bei der Lektüre glaube ich einen Geistlichen zu erkennen, welcher sich seiner Menschlichkeit und seiner Limiten bewusst ist.
Für ihn persönlich ist das Judentum eine Religion der Fragen, nicht der fertigen Antworten.
Anscheinend steht er in der alten Tradition von Rabbinern, für welche das Gebot der Menschlichkeit ebenso wichtig wie das Einhalten der Gebote der Tora, die jüdische Bibel, ist.
Inspirierend und immer wieder überraschend sind die angeführten Beispiele von Rabbinern, welche sanft und besonnen, auf das Gegenüber eingehend, Fragen beantworteten, Recht sprachen.
Natürlich existieren auch im Judentum orthodoxere Glaubensrichtungen, welche auf die buchstabengetreue Auslegung der Tora pochen.
Spannend sind für mich die Informationen über den Sabbat, den Ruhetag, und andere wichtige Säulen im jüdischen Glauben.
Während der Schulzeit verbrachte ich viel Zeit mit Daniel. Er und seine Familie waren Teil der Israelitischen Gemeinde Basel.
Der unerwartete Tod seines Vaters schockte auch mich. Nach seiner Beerdigung verliessen Daniel, seine Mutter und seine Schwester ihre Wohnung sieben Tage lang nicht, sie befolgten die Schiv’a.
Jeden Tag erhielten sie Besuch von Bekannten und Gemeindemitgliedern, welche ihnen Essen brachten und mit ihnen trauerten.
Wie so vieles in dieser Religion kannte ich dieses Ritual bis anhin nicht.
Der Schlusssatz des Kapitels “Vom Lernen und Lehren” lautet: “Viel lernt man von seinen Lehrpersonen, noch mehr von seinen Kollegen, aber am meisten von seinen Schülern.”
Für das Leben, auf das Leben, ein Leben lang. Diese Grundhaltung spricht mich an.
9. Dezember 2021