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Nach ihren
Funktionen zerfielen sie in Priveirdds (Erfinder), Posveirdds (Fortbildner der
Kunst) und Arwyddveirdds (Kriegsherolde);
nach dem
Rang unterschied man Arwennyddions
(Lehrlinge), Bardd Faleithiawg (Bardenaufseher für besondere
Distrikte) und den
Bardd ynys Pryadain (Bardenpräsidenten), welch letzterer ein himmelblaues
Kleid, aber nie ein
Schwert
trug. Der Ursprung der Barden verliert sich, wie der der
Druiden, mit denen sie in engster
Verbindung standen, in die frühste
Geschichte der
Kelten; als ihr
Stifter wird der mythische
Merlin genannt.
Ihr Hauptsitz war nach ihrer Vertreibung aus
Gallien durch die
Römer,
[* 2]
Goten und
VandalenWales, von wo aus
sie sich in
Irland und
Schottland festsetzten. Sie bildeten eine erbliche
Zunft, die nach Art eines
Ordens geregelt war und bedeutenden
Einfluß auf
Volk und
Fürsten übte. In
Wales wurden ihre Privilegien und
Freiheiten um 940 durch den König fest begrenzt und
aufgezeichnet, der ganze
Orden
[* 3] aber von Gryffyth ap Conan 1078 reformiert und neu geregelt. Zu
Caerwys
(s. d.), auch zu Aberfraw, Mathraval etc. fanden
von Zeit zu Zeit große Wettkämpfe in
Gesang und
Poesie, die sogen.
Eisteddfods, statt, wobei von der
Krone ernannte Kampfrichter
die
Preise verteilten.
welche
Lady Charl.
Guest herausgegeben (Lond. 1841-50, 3 Bde.).
- In
Irland zerfiel die
Zunft der Barden nach ihrem
Beruf in drei Hauptklassen: die Filedha, welche inSchlachten
[* 5] und beim
Kultus vom Harfner begleitet sangen und sich in der Umgebung und im
Rate der
Fürsten als deren Sprecher und
Herolde
befanden;
die Breitheamhaim, welche in gewissen
FällenRecht sprachen, und die Seanachaidhe, die Geschichtskundigen und Genealogen
der fürstlichen
Geschlechter.
Durch zahlreiche Privilegien geschützt, gewannen sie indessen mit der
Zeit so viel Landbesitz und ein so lästiges Übergewicht, daß es wiederholt zur Auflehnung des
Volks gegen die Bardenorden,
ja selbst zu teilweiser Vertreibung derselben kam. Die Fertigkeit der
Iren im Harfenspiel zu jener Zeit war allgemein anerkannt.
Nach der
EroberungIrlands durch
Heinrich II. begann das Bardentum zu sinken. Indessen erhielten sich in
größern irischen
Familien, und ihre
Lieder und geschichtlichen
Erinnerungen dienten noch ferner zur
Erhaltung derVaterlandsliebe
der
Iren, ein Umstand, welcher mehrfache
Verordnungen der englischen Herrscher gegen die irischen und
Sänger veranlaßte, bis
durch die
Schlacht am
Boyne das Bardentum vollständig vernichtet wurde. Für den letzten irischen Barden
gilt Turlough O'Carolan (gest. 1738).
IrischeBardenlieder übersetzte
MißBrooke in ihren »Reliquies of
Irish poetry« (Dubl.
1789; neue Aufl. von
Seymour, 1816) und Hardiman in
»Irish minstrelsy« (das. 1831, 2 Bde.).
Das bedeutendste dieser Überbleibsel ist die
Ballade von König
FinesJagd.
(irisch bard; kymrisch bardd) nannte sich der Stand der Sänger und Dichter bei den kelt.
Stämmen sowohl des Festlandes als auch der brit. Inseln. Ihr ältestes Instrument war, wenigstens auf letzterm Gebiete, die
Crotta (irisch crott, kymrisch crwth), eine Art Harfe oder Lyra.
[* 10] Seit dem 2. Jahrh. v. Chr. erwähnen die Griechen und Römer
gallische Barden, die im Gefolge der Fürsten und Großen deren Ruhm oder Schmählieder auf ihre Feinde sangen.
Sie verschwinden mit der Romanisierung der Gallier.
In Wales standen die Barden noch im Mittelalter in voller Blüte
[* 11] und hohem Ansehen. Sie bildeten einen festgegliederten Orden,
dessen Rechte und Pflichten gesetzlich geregelt und
dessen Mitglieder durch besondere Tracht ausgezeichnet
waren. Auf allgemeinen oder lokalen Versammlungen, Eisteddfod oder Gorsedd genannt, wurden Gesetze über die Bardendisciplin
verfaßt und die ausgelernten Schüler, die sich aus allen Ständen rekrutierten, zu Barden graduiert, auch öffentliche Disputationen
und Wettgesänge veranstaltet. Ein erhaltenes Gesetz über Musik und Bardentum wird auf Gruffyth ap Cynan
(gest. 1137) zurückgeführt. Es gab wohl verschiedene Stufen und Klassen von Barden, je nachdem sie mehr technisch ausgebildet
waren (im Gesang, im Crotta- und Harfenspiel) oder mehr wissenschaftlich, in der Kenntnis der Grammatik und Metrik, der Geschichte
und Genealogie, später auch der Heraldik.
Manche angeblich alte Nachrichten und Verordnungen über das Bardentum haben sich als späte Erfindungen
herausgestellt. Ihre erhaltenen Dichtungen sind teils christlich-religiösen Inhalts, teils Preislieder auf Fürsten und Helden,
Schlachtgesänge, kurze epigrammatische Gedichte, Trinklieder, später auch Minnegesänge. Die Eroberung von Wales durch
Eduard I. (1282) gab dem Bardentum einen harten Stoß; doch lebte der Stand noch lange fort, wenn auch
in den Rechten beschränkt.
Namentlich seit dem 15. Jahrh. sind zur Hebung
[* 12] der sinkenden Dichtkunst mit Einwilligung der engl. Herrscher noch eine Reibe
von Eisteddfods abgehalten worden, die letzte 1681 zu Bewpyr-Castle. Im 19. Jahrh. haben patriotische
Waliser diese Versammlungen mit Wettgesängen und Preisverteilung erneuert, zuerst 1819; seitdem werden
sie unter den alten Namen und mit den alten Formalitäten wiederholt. Eine Sammlung solcher jungen Erzeugnisse gab Williams
ab Ithel heraus («Barddas, the Bardo-Druidic system of the isle of Britain», 2 Bde.,
1862-74).
In Irland waren die Barden im Mittelalter tief gesunken. Hier hatten sich die Fili, d. h.
die Vertreter der gelehrten, auf mehrjährigem Studium beruhenden Dichtkunst, die Historiker und Richter, als besonderer Stand
losgelöst; diese blickten mit Verachtung auf die ungebildeten Bänkelsänger hinab, denen allein der Name Barden verblieb. Nach
der Eroberung Irlands erließen engl. Fürsten, besonders Heinrich VI., Heinrich VII. und Elisabeth, mehrfach strenge Verordnungen
gegen die irischen Sänger, deren Lieder zum Aufstande aufreizten. Die Schlacht am Boynefluß (1690) machte auch diesem Rest
altkelt. Lebens ein Ende. Als letzter irischer Barde gilt Turlough O'Carolan (1670-1738).
In Schottland finden sich Barden als erbliche Diener der Fürsten und Adligen bis 1748, wo zugleich mit der Erbgerichtsbarkeit
dies Verhältnis verschwand.
Den alten Germanen waren Name und Stand der Barden unbekannt, und wenn Klopstock und seine Anhänger und Nachahmer von Barden der alten
Deutschen sprechen, so beruht dies auf einer Verwechselung mit der kelt. Einrichtung. So
benannte Klopstock ein vorzugsweise religiöses und kriegerisches Lied in dem fingierten Charakter eines
Bardengesangs, oder einen Schlachtgesang in dem wildkräftigen Ton der german. Urzeit Bardiet oder Bardit, verleitet durch eine
falsche Lesart in Tacitus' «Germania», Kap. 3, wo einige Handschriften statt des richtigen baritus oder barritus (das Schlachtgeschrei
der Germanen) barditus bieten. Die deutschen Dichter, die damals das Bardiet mit Vorliebe pflegten, ahmten
meist die empfindsame Weichheit Ossians nach oder arteten in unerquicklichen Wortschwall «ohne
Leben
¶
mehr
406 und Wahrheit» aus, den schon Lichtenberg, Hölty u. a. verspotteten.
Denis und Gerstenberg behandelten es lyrisch (vgl. Ehrmann, Die bardische Lyrik im 18. Jahrh., Halle 1892), Kretschmann episch.
–
Vgl. d'Arbois de Jubainville, Introductionàl'étudedelalittératureceltique (Par. 1883);