Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03578.jsonl.gz/211

2020
Ludovica Carbotta (*1982) realisiert mit dem Auftritt im Bündner Kunstmuseum ihre erste Einzelausstellung in der Schweiz. Die italienische Künstlerin lässt sich von den Werken der Giacometti-Dynastie inspirieren und entwickelt daraus eine neue Gruppe von Skulpturen, welche sich auf das Konzept der Familie bezieht.
Alle Familien setzen sich aus unterschiedlichen Persönlichkeiten zusammen. Ebenso vielgestaltig sind die Formgebungen, die Ludovica Carbotta ihren Plastiken gibt. Jeder Skulptur verleiht sie dabei ein eigenes Alter, indem sie verschiedene Szenarien und Interpretationen einer gleichartigen Skulptur erarbeitet. Es fällt dabei leicht, sich eine Skulptur vorzustellen, die einer älteren Person gleichkommt. Aber wie sieht eine Plastik aus, die einem Jugendlichen oder Kind entspricht? Ludovica Carbotta lässt sich von ihrer eigenen Erinnerung leiten und schafft Skulpturen, welche über den Einsatz von Zeichen und Ornamenten miteinander korrespondieren. Als ob die Künstlerin der Zeit eine physische Form gibt, stehen in der Ausstellung Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit wie Angehörige der gleichen Familie nebeneinander.
Wenn sich Ludovica Carbotta zudem auf das Zitat «Spiegel und Paarungen sind unerbittlich, weil sie die Anzahl von Menschen erhöhen» von Jorge Luis Borges bezieht, hinterfragt sie die Familie als erstrebenswerte Beziehungsform, untersucht ihre Rolle in der Gesellschaft und setzt sie in Beziehung zu Aspekten wie Identität oder Selbstbestimmung.