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Oberhalb der antarktischen Konvergenzlinie, der biologischen Grenze der Antarktis, liegt Macquarie Island. Die von Australien verwaltete Insel ist, ähnlich wie Südgeorgien, ein wahres Tierparadies geworden, nachdem Wal- und Robbenfänger die Insel verlassen hatten und Schädlinge mittlerweile ausgerottet worden sind. Besonders die vier auf der Insel beheimateten Pinguinarten sind wieder stark angewachsen. Oder zumindest taten sie das bis vor einiger Zeit. Denn die Zahlen sind wieder rückläufig und Forschende sind auf der Suche nach den Gründen.
Eine Studie des Instituts für Marine und antarktische Forschung IMAS der Universität von Tasmanien verzeichnete bei den Zählungen der Königspinguinpopulationen auf Macquarie einen Rückgang der Küken seit 2007. Damals begann der Tasmania Park and Wildlife Service systematisch die zweitgrösste Pinguinart der Welt auf Macca, wie die Insel von den Australiern liebevoll genannt wird, zu überwachen und Zählungen durchzuführen. «Der Rückgang bedeutet entweder, dass die Insel ihre biologische Aufnahmefähigkeit erreicht hat oder dass die Population tatsächlich am Zurückgehen ist», erklärt Penny Pascoe, Doktorandin am IMAS, die diese Studie zum Thema durchgeführt hatte. Die biologische Aufnahmefähigkeit bestimmt die maximale Zahl von Lebewesen, die in einem bestimmten Gebiet genügend Nahrung und optimale Lebensbedingungen (Brutplätze, Feinddruck) findet, so dass die Population bis zu dieser Zahl wachsen kann und sich einpendelt. Beginnt aber ein Rückgang der Population, bedeutet dies, dass sich ein oder mehrere Faktoren negativ verändert haben. Was es im Fall von Macquarie ist, wird nun genauer untersucht.
Königspinguinen auf Macquarie machen rund zehn Prozent der Gesamtpopulation der Art weltweit aus und die Insel ist der signifikanteste Brutort der Art im pazifischen Teil der Antarktis. Nachdem Robbenfänger auf der Insel die Seeelefanten und andere Robben praktisch an den Rand der Ausrottung gebracht hatten, wendeten sie sich den Königspinguinen zu und verarbeiteten die Tiere kurzerhand zu Öl als Brennstoff. Damit teilten die Pinguine das Schicksal der Robben. Doch dank Schutzmassnahmen zu Beginn des 20. Jahrhunderts erholte sich die Population und noch bis Anfang 2000 stieg die Zahl wieder rapide an. Das ist auch ein Ansatz für weitere Forschungen über den Rückgang. «Weitere Arbeiten sind erforderlich, um festzustellen, ob der von uns festgestellte Rückgang auf einen Rückgang der gesamten erwachsenen Brutpopulation zurückzuführen ist oder ob es sich um eine natürliche Stabilisierung nach der raschen Erholung der Population von der Ausbeutung handelt» sagt Penny Pascoe weiter.
Die Studie von Pascoe und ihren Kolleginnen und Kollegen führt aber auch klimatische Veränderungen als mögliche Gründe an. Denn die Autorinnen und Autoren der Studie fanden beim Vergleich der Brutzahlen mit Wetterdaten, dass Jahre mit niedrigen Kükenzahlen in Verbindung mit hohen Regenmengen und sehr grossen Wellenhöhen an den Stränden standen. Ausserdem verzeichnete das meteorologische Amt auch mehr Stürme und höhere Wassertemperaturen, alles Faktoren, die einen grossen negativen Einfluss auf den Bruterfolg der Königspinguine haben kann.
Was für den Einfluss der klimatischen Veränderungen auf den Rückgang spricht, ist ein Vergleich mit anderen Pinguinarten, die auf Macquarie leben. Besonders die Eselspinguine, die an anderen Stellen auf dem Vormarsch sind, haben einen massiven Rückgang erlebt. Rund die Hälfte der Population ist in den vergangenen zwanzig Jahren hier verschwunden, zeigte eine andere Studie von Penny Pascoe. Und auch die Felsenpinguine, von den auf Macquarie die südliche Art lebt, geht global gesehen zurück. Für die nahe verwandten, endemischen Haubenpinguine müssen zwar noch keine Alarmglocken geschlagen werden. Doch auch sie könnten durch die Veränderungen, die der Klimawandel besonders in dieser Ecke des Südlichen Ozeans mit sich bringt, rasch in eine missliche Lage gebracht werden. Die Auswirkungen würde man dann auch auf und um die Insel spüren, denn die Pinguine haben eine wichtige ökologische Rolle. Sie düngen mit ihren Exkrementen die Insel und den umliegenden Ozean. Doktor Julie McInnes vom IMAS, Leiterin der Studie erinnert daran: «Wir dürfen nicht vergessen, dass das marine Ökosystem miteinander verbunden ist und dass die Beseitigung einer Art Auswirkungen auf andere Arten haben kann.»
Dr. Michael Wenger, PolarJournal
Link zur Studie: Pascoe et al (2022) J Mar Scie 79 (7) The current trajectory of king penguin (Aptenodytes patagonicus) chick numbers on Macquarie Island in relation to environmental conditions; doi.org/10.1093/icesjms/fsac139