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International führt die Corona-Pandemie auf manchen Milchmärkten zu schwierigen Situation: In den USA und in Grossbritannien schütten die Milchproduzenten teilweise die Milch weg, weil es keine Abnehmer gibt, auch in Deutschland gibt es Milchüberschüsse, und in Frankreich bekommen AOP-Käse in der Krise Absatzprobleme.
Für den Schweizer Milchmarkt ist die Corona-Krise kein Drama, sie verschärft aber einen Buttermangel, der sich schon früher abgezeichnet hatte. Die Lager füllten sich nach Weihnachten kaum, die hohe Käseproduktion in den letzten Monaten führte dazu, dass viel Milchfett im Käse landete. Die Branchenorganisation Butter empfahl Ende März eine Erhöhung der Butterpreise per 1. Juli, und die Vereinigung der Schweizerischen Milchindustrie VMI stellte Anfang April eine Art Maximalforderung, ein Gesuch für den Import von 3000 Tonnen Butter.
Die Schweizer Milchproduzenten protestierten. Hinter den Kulissen einigte man sich darauf, das ein solcher Importantrag nicht im normalen Verfahren vom Bundesamt für Landwirtschaft abgewickelt werden soll, sondern von der Branchenorganisation (BO) Milch behandelt gehört. Diese stellte dem Bund Ende April den Antrag, dass ein Importkontingent von 1000 Tonnen versteigert werden soll. Am Lager seien nur rund 1500 Tonnen, begründete die BO Milch den Schritt.
Stefan Kohler, der Geschäftsführer der BO Milch, erklärt, man habe den Entscheid aus Zeitgründen nicht im Vorstand, sondern in einer Arbeitsgruppe gefällt, die paritätisch besetzt gewesen sei. Die Milchproduzenten-Vertreter hätten unter der Bedingung zugestimmt, dass auf Milch, die an die industriellen Butterhersteller geliefert wird, ein ansehnlicher Zuschlag bezahlt werde. Konkret geht es um einen Preisaufschlag pro Kilogramm Milch zwischen 0,6 bis 1,0 Rp. der Betrag wird unter den Akteuren ausgehandelt. Auch auf Sammelrahm aus den Käsereien, der zu Butter verarbeitet wird, wird ein Zuschlag bezahlt.
Protest vom Bauernverband
Obwohl der Entscheid von Milchproduzenten-Vertretern mitgetragen wurde, gab es eine Reihe von negativen Reaktionen aus bäuerlichen Kreisen. Der Schweizer Bauernverband bezeichnet den Entscheid der BO Milch als «komplett unverständlich und als Affront für die Schweizer Milchproduzenten». Die Butterlager seien in den letzten Wochen gewachsen, für die Milchproduzenten gebe es immer noch Abzüge für den Export von Milchfett. Teilweise würden die Produzentenpreise im Mai sinken, die von der BO Milch in Aussicht gestellte Erhöhung der Produzentenpreise auf Juli sei deshalb ungenügend.
Kohler sagt dazu, die Butterlager würden vor und nach Ostern aufgrund einer Mehrproduktion immer anwachsen, das entspanne die Situation nicht. Was die Milchpreisabzüge angehe, seien diese Teil der Nachfolgelösung Schoggigesetz. Dafür erhielten die Produzenten die neue Verkehrsmilchzulage von 4,5 Rappen pro Kilogramm. In diesem Exportstützungsmechanismus gebe es bestehende Verträge mit exportierenden Herstellerfirmen, die man erfüllen müsse.
Bei den Schweizer Milchproduzenten SMP trägt man den Entscheid widerwillig mit. SMP-Sprecher Reto Burkhardt sagt: «Bei den aktuell sehr ungewissen Marktaussichten aus dem Ausland besteht aus Sicht der Milchproduzenten ein zu grosses Marktrisiko, weshalb ein dosiertes Vorgehen in Tranchen zu 500 Tonnen erfolgen muss. Butterhersteller, Detailhandel und die BO Milch sind jetzt in der Pflicht, die versprochenen Preiserhöhungen bei den Milchproduzenten umzusetzen.»
Ob es bei den 1000 Tonnen Butter bleibt, oder ob später noch mehr importiert werden muss, sei derzeit noch offen, sagt Kohler. Ein weiteres Gesuch sei möglich. Wie sich die Buttersituation in den nächsten Monaten entwickelt, hängt nicht zuletzt davon ab, wie sich die Exporte von Milchfett in Schokolade, Biscuits und Käse entwickeln. Die Schokolade- und Biscuithersteller jedenfalls erwarten deutliche Einbussen.
Schwierige Käseexport-Prognosen
Beim Käseexporte sind die Zahlen bis Ende März unverändert positiv, die Gesamtexporte für den März 2020 liegen 11,7 Prozent über dem März 2019, die Exporte von Januar bis März 5,6 Prozent über dem Vorjahresquartal.
Für Jacques Gygax, den Direktor des Käserverbandes Fromarte, sind Prognosen derzeit «Kaffeesatzlesen». «Erfreulicherweise gibt es bisher keine Anzeichen für einen Einbruch», sagt Gygax. Und dies nota bene, obwohl bei den Käsesorten Gruyère, Emmentaler, Sbrinz und Tilsiter auf Anfang April die Preise erhöht wurden. Die grosse Frage sei, wie es sich mittelfristig entwickle, sagt Gygax. Wenn der Wechselkurs zum Euro sich ungünstig entwickle und die Kaufkraft in den Nachbarländern sinke, gebe das für das Premiumprodukt Schweizer Käse schon gewisse Probleme. Gygax rechnet deshalb mit einem leichten Export-Rückgang.
Bei Emmi ist man noch vorsichtiger. Die Absätze im wichtigen Markt Italien seien im März noch massiv über dem Vorjahr gewesen, sagt Emmi-Sprecherin Sibylle Umiker. Im April seien sie aber wegen dem Lockdown eingebrochen, obwohl in den ersten Apriltagen, vor der Preiserhöhung vom 6. April, noch mehr bestellt wurde. In den USA, wo Emmi eine starke Position hat, ist die Nachfrage laut Umiker auch gesunken, aber weniger stark, weil die Wirtschaft später und kürzer eingeschränkt wurde. Die hohe Arbeitslosigkeit sei aber besorgniserregend. «Gerät die USA in eine andauernde Wirtschaftkrise, wird dies an einem Luxusgut wie Schweizer Käse nicht spurlos vorbeigehen», sagt Umiker. Für Deutschland und Frankreich rechne man auf das ganze Jahr mit einem durchschnittlichen Rückgang der Exporte um rund zehn Prozent, für Italien mit einem Rückgang im tiefen zweistelligen Bereich. Dies seien aber «grobe Schätzungen, mit vielen Unsicherheiten behaftet.» Man sei überzeugt, dass die Exporte ab 2021 wieder wachsen würden.
Cremo hat im April Umsatzeinbussen von rund 30 Prozent, wie Generalsekretär Thomas Zwald sagt. Der Thekenverkauf sei fast ganz eingebrochen. Im wichtigen Absatzmarkt Italien seien die Einbussen noch etwas höher.
Der Ostschweizer Käsehändler Josef Hardegger sagt, man habe im ausländischen Selbstbedienungs-Segment im April noch einen kleinen Osterboom und Hamsterverkäufe festgestellt, die Verkäufe würden sich aber nun auf tieferem Niveau stabilisieren und mittelfristig wohl wieder anziehen. Im Thekenverkauf seien die Umsätze stagnierend oder leicht sinkden. «Völlig eingebrochen» seien die Umsätze im Food-Service, der bei Hardegger 3 bis 4 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht. Mit den Lockerungen werde sich das bessern, aber erst nach Monaten das alte Niveau erreichen.