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Drama
Japan 1951
Alternative Titel Hakuchi; 白痴
Regie
Akira
Kurosawa
Drehbuch Akira Kurosawaund Eijiro Hisaita nach dem Roman von Fjodor Dostojewski
Darsteller Masayuki Mori, Setsuko Hara, Toshiro Mifune, Yoshiko Kuga, Takashi Shimura,
Chieko Higashiyama, Chiyoko Fumiya, Eijiro Yanagi, Minoru Chiaki, Eiko Miyoshi
Länge 167 Min.
Molodezhnaja Altersempfehlung ab 6
|Humor||Spannung||Action||Gefühl||Anspruch||Erotik|
|.||.|
©
Text Marco, molodezhnaja 27.4.08
© Bilder Criterion, Screenshots molodezhnaja
STORY
Kinji Kameda (Masayuki Mori) sass in Kriegsgefangenschaft und wurde beinahe exekutiert. Um seelisch wieder ins Gleichgewicht zu kommen, verbrachte er einige Zeit in einem Sanatorium in Okinawa. Nun kehrt er ins nördliche Hokkaido zurück. Unterwegs fällt er dem reichen Denkichi Akama (Toshiro Mifune) aus Sapporo auf. Der ist fasziniert von Kamedas engelhafter Naivität und seinem ebenso schüchternen wie vollkommen netten Auftreten. Akama kümmert sich um den Mann, der sich selbst als "Idiot" bezeichnet und glaubt, seine Nettigkeit sei eine Form von Verrücktheit. Tatsächlich gerät er deswegen bald in Probleme: Er erweicht das Herz der selbstbewussten, aber innerlich angeschlagenen Taeko Nasu (Setsuko Hara) und verliebt sich zeitgleich in die einfache Ayako (Yoshiko Kuga). Die beiden Frauen sehen sich deswegen bald als Rivalinnen um die Gunst des Simpels.
REVIEW
"The Idiot" war geprägt von Komplikationen. Eigentlich wollte Akira Kurosawa den Film schon früher drehen, packte ihn aber erst an, als sein Meisterwerk Rashomon international für Furore sorgte. Geplant war der Film, der auf dem gleichnamigen Roman von Kurosawas Lieblingsautor Fjodor Dostojewski basierte, als zweiteiliges Werk von 265 Minuten Länge. Doch es fiel bei einer Testvorführung durch, worauf das Studio Shochiku gegen den Willen des Regisseurs Kürzungen anordnete. Es blieb ein 167-minütiges Drama übrig, dessen Zerstückelung man beim Ansehen fühlt. Oft werden sogar Zwischentitel eingeblendet, um die fehlenden Sequenzen zu ersetzen. Das erzeugt einen wenig eleganten narrativen Fluss. Manches, das hätte vertieft werden müssen, bleibt oberflächlich. Anderes, das in einem vierstündigen Film seinen Platz verdient hätte, wirkt hier dafür überlang.
Auch die Motivation der Figuren bleibt etwas diffus - vor allem jene von Ayako. Ihre Unsicherheit mündet in extremen Stimmungsschwankungen, die einem schnell einmal den Nerv rauben. Immerhin ist die Hauptfigur klar, weil einfach gezeichnet: Kameda, der stets seine Hände schützend zur Brust hoch zieht, repräsentiert die Güte in Person, direkt und frei von jeglichem Sarkasmus. Er ist ein Kind - oder, wie Akama einmal sagt, wie ein neugeborenes Lamm. Ein Lamm in einer Welt von Wölfen. Besonders ernst habe ich diese Figur nie genommen, sie wirkt einfach zu realitätsfremd. Doch Masayuki Mori spielt Kameda so überzeugend und Kurosawa inszeniert mit so viel Herzblut, dass man nicht anders kann, als mitfühlen. Schauspielerisch überzeugen auch Ozu-Heldin Setsuko Hara (Late Spring) als feurige, aber gepeinigte Dame, und Toshiro Mifune als Akama.
So viel Leidenschaft Kurosawa aber auch in den Film bringt, er wirkt stilistisch etwas zurückgenommen. Es gibt durchaus Bilder von Brillanz, aber im Gegenzug auch viele simple Dialoge mit Nahaufnahmen der Gesichter. Es finden sich in den zweieinhalb Stunden denn auch manche Momente voller Genie, aber ebenso viele Füller und Durchhänger. Das hängt sicher auch mit den Kürzungen zusammen - aber vielleicht auch damit, dass Kurosawa die geliebte Vorlage hier sehr werkgetreu von Russland nach Japan überführen wollte und nahe am Text bleibt, was für ein paar Längen sorgt. Bei späteren Dostojewski-Adaptionen veränderte Kurosawa mehr und machte sie deswegen auch cineastischer.
"The Idiot" dagegen ist nicht immer cineastisch. Zwischentitel und Nahaufnahmen von Gesichtern zeugen von wenig Flair, manche Szenen wirken gar theatralisch. Schlecht machen sie den Film noch lange nicht - im Gegenteil. Bloss sieht man dem Werk stets an, dass es hätte besser sein können. Ob die 265-Minuten-Fassung tatsächlich überzeugender wäre, bleibt indes fraglich, vielleicht liegen die Probleme mit dem Film tiefer, also bereits bei der Adaption an sich. Herausfinden werden wir es nie, denn die Langfassung ist verschollen. So bleibt uns ein bewegendes, intelligentes, furios gespieltes und im winterlichen Hokkaido spannend platziertes Drama mit Schwächen, aber trotzdem hohem Reiz.
"The Idiot" ist der vierte Film der Eclipse-Box "Series 7: Postwar Kurosawa", die vom DVD-Label Criterion veröffentlicht wurde.
MEINE
DVD (Ecplise)
USA, Code 1, NTSC
Bild: 4:3
Ton: Japanisch mono mit englischen Untertiteln.
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