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Dettifoss und Selfoss in Island
VON HUGO NÜNLIST, LUZERN
Mit 2 Bildern ( 115/116 ) Da Island eine Fläche von 105 000 km2 einnimmt - zweieinhalbmal die der Schweiz - und von Regengüssen geradezu heimgesucht wird, sind die Bäche und Flüsse in gewissen Gebieten ungemein zahlreich. Was ihnen einen seltsamen Reiz verleiht, sind die vielfach verschlungenen Wasser-bänder, die sich hemmungslos entfalten, über ganze Talsohlen ausschwärmen und sich wegen der Treibsande fortwährend verlagern; aber auch die Wasserstürze hauchen ihren eigentümlichen Zauber aus, namentlich dann, wenn sie angeschwollen und breit zwischen finstern Lavamauern über lotrechte Klippen brausen, so der Skogafoss, der Gullfoss oder Goldene Fall, der Godafoss oder Göttersturz und der Dettifoss, was Harter oder Schwerer Fall bedeutet, entsprechend dem altisländischen Wort detta.
Der Skogafoss schwallt 25 Meter breit über eine 60 Meter tiefe Wand. Beim Gullfoss kracht die Hvitâ, der 70 Meter breite Weisse Strom, zuerst sieben, hernach zwanzig Meter hinab in eine enge schwarze Schlucht. Der Godafoss, von einem trutzigen Riff geteilt, tost zehn Meter senkrecht hinunter und versprüht sich in einem wundersamen Hufeisenbecken. Sie alle aber übertrifft der Dettifoss. Die Jökulsä à Fjöllum, ein Gletscherstrom, der 120 km weiter südlich dem gewaltigen Inlandeis Vatnajökull entspringt und dem Rhein in seinem Mittellauf an Grosse nicht nachsteht ( Sartorius von Waltershausen ), wuchtet wohl 200 Meter breit über eine sechzig Meter hohe Mauer in die Tiefe. Dieser Donnerfall soll mehrfach von isländischen Dichtern besungen worden sein, keinem indessen sei das Hohelied ansprechender gelungen als dem armen, neuzehnjährigen Bauernknecht Kristjân Jónsson. Als das Gedicht 1861 in einer Reykjaviker Zeitung erschien, erregte es das grösste Aufsehen und machte den Sänger mit einem Schlag zum Volksdichter. Ferdinand Küchler gibt in seinem Buch « Wüstenritte und Vulkanbesteigungen auf Island » die Übersetzung wieder:
Wo nie vom Gestein, dem düstergrauen, ein goldig Blümlein zum Himmel lacht; wo schneeweisser Wogen grimmige Klauen die hohen Klüfte erfassen mit Macht.
Hier sprachest mit donnernder Stimme du immer, mein trauter Freund schon, als ich noch Kind. Der Fels unter dir erbebt mit Gewimmer, dem Halme gleich im nachtkalten Wind.
Du singst ein Lied von den toten Ahnen und von den Zeiten des Heldentums, uns an die alte Freiheit zu mahnen und an den traurigen Abend des Ruhms.
Es spielen durch Wolken die hellen Strahlen der Sonne auf dir in lustigem Tanz, um über die tosenden Wogen zu malen des Regenbogens farbigen Glanz.
Gar fürchterlich bist du, doch wunderprächtig, o Wasserfall, du kristall'ner Koloss! Und immer jagst du kraftvoll und mächtig dahin durchs einsame Felsenschloss.
Die Zeiten wechseln; kein Freudenschimmer erhellt den früher so fröhlichen Sinn; nur du, du brausest gleich schrecklich immer, von steiler Höhe stürzend, dahinEs hatte auf mich jungen Studenten einen nachhaltigen Eindruck gemacht, so dass ich es in Zierschrift festhielt und manche Woche lang an der Stubenwand hängen liess. Ich las es immer wieder und hegte den geheimen Wunsch, den Dettifoss einmal in meinem Leben zu sehen. Doch Island liegt so fern, dass er einem unerfüllbaren Traum gleichkam; denn mit Bahn und Schiff hat man eine Woche lang zu reisen, um Reykjavik zu erreichen, und von dort müsste man noch 550 km im Postwagen über Akureyri zum Myvatn auf durchlöcherter Küstenstrasse geschüttelt werden. Und dieser Mückensee ist immer noch 45 km vom Dettifoss entfernt!
Eines Tages - es war im Jahre 1955 - durfte ich dennoch die entlegene Vulkaninsel betreten. Mit Dr. Emil Winkelmann querte ich sie zu Fuss. Am Myvatn gedachten wir zuerst, einen Geländewagen zu mieten, aber der isländische Fahrer forderte 300 Kronen, damals rund hundert Schweizer Franken. Da legten wir kurzerhand auch diese Wegstrecke aus eigener Kraft zurück, sogar die doppelte, weil wir gleich nach Âsbyrgi weiterzogen, zu einem rätselhaften Basaltkeil am Axarfjord. Unter keinen Umständen wollte ich ihn verfehlen, den wuchtigsten Wassersturz Islands, den Dettifoss.
Nachdem der Pass Nâmaskard hinter uns lag und wir an einem Teich im Schermen einer Sand-böschung im Zelt genächtigt hatten, verliessen wir die Ostlandstrasse am Höhenrücken der Nor-durfjöll, auf dem wider Erwarten ein guter Fahrweg bestand, den man vergeblich auf der Karte sucht. Wir mussten also nicht querfeldein über weiche Tuff körner, durch Sandwehen, über federnde Moose oder durch Rieder wandern, sondern konnten auf fester Fahrbahn getreulich dem langen Hügelzug folgen.
« Du, soweit man voraus sieht, weist sie nach Norden und muss den Dettifoss zum Ziel haben », sage ich freudig zu meinem Gefährten.
« Eine Fahrt mit dem Wagen wäre nicht so ruppig gewesen, wie der Isländer vorgab », erwidert er zu Recht.
Links begleitet uns ein kluftartiger Abbruch, rechts sichten wir drei Metalltafeln, die einen weissen Pfeil darstellen und offenbar den Flugzeugen als Wegmarke dienen, wenn die Berge, was häufig 17 Die Alpen -1962- Lea Alpes geschieht, von Wolkendecken überlagert sind. In der Tat, ein Hubschrauber surrt vorüber, der wohl für einen dringenden Bedarf zu einem einsamen Hof gerufen wird. Kein Volk übrigens reist so viel im Flugzeug wie das isländische. Ein wahres Strahlenbündel von Fluglinien überzieht heute von Reykjavik aus die Insel zu den weltverlassenen Küstenorten.
Auf einer Seite unserer Wölbung dehnen sich schier ins Endlose Sandflächen und Móhellabuckel aus, mit Moosen überwucherte Nocken, die von den Winden angenagt und ausgemergelt werden, auf der andern breiten sich Heiden aus, deren Polygonboden von engmaschigen Rillen durchfurcht ist, die man überhüpfen muss. Und da die Kräuter und Zwergweidenflur unter den Schritten stetig wippen, ist dort das Gehen recht mühsam. Am Wegrand gewahren wir mitunter hellbleichen Schwe-felsinter, der grell vom sattbraunen Lehmboden absticht und missfarbig wirkt. Aus der Heide vernimmt man den eintönigen, zarten Warnruf des Goldregenpfeifers, als ob er sich scheute, die grenzenlose Stille zu durchbrechen, und unter uns dröhnt es öfters hohl, weil wir uns zweifellos auf Lavaschuppen befinden, worin Grotten verborgen sind.
Die 811 Meter hohe Spitze des Jörundur hat sich bereits verschleiert, und Rieselregen taut hernieder, der die Aschen durchfeuchtet, weshalb wir einstweilen keine Sandstürme zu gewärtigen haben. Sie sind gefürchtet, weil der Staub alles durchdringt, sogar die Lichtbildausrüstung. Auch der Vatnagletscher, 105 km entfernt, hat sich in einem Dunstflor aufgelöst. Das Unwetter greift langsam, aber unerbittlich auf den ganzen Wüstenraum über.
Nach vierstündigem Marsch von der Ostlandstrasse aus haben wir eine Höckerlandschaft gewonnen, die annähernd fünf Kilometer östlich des Eilifsvatn liegt und aus lössartigem Lehm besteht. Der Flugsand hat hier die Rasenziegel abgeschält und breite, unfruchtbare Streifen zurückgelassen. Die Grasbüschel sind daher voneinander getrennt und muten wie graugrüne Haarschöpfe auf gelbbraunen Lehmköpfen an, deren Steilränder als Unterschlupf für die Schafe dienen. Die Schuhe ausgezogen, halten wir die brennenden Füsse in den prickelnd kühlen Sand. In unserm Bereich zeigt sich ein einziges Blütenpolster neben einigen Moosen und Flechten. Die von Pflanzenwuchs entblössten Stellen sind mit dunkler Asche angefüllt, deren Dünen vom Wind gerippt sind. Allenthalben modern gebleichte Wurzeln und Zweige von Kriecherlen, während draussen in den trostlosen Weidgründen weissflockige Schafe ein geruhsames, jedoch dürftiges Dasein fristen.
Schliesslich nähern wir uns den breitgeschweiften Halden des Schildvulkans Grjothâls, wo das Strässchen nach Osten, hierauf gar nach Süden, in die entgegengesetzte Richtung abbiegt! Es muss dennoch zum Dettifoss führen, weil nirgends in diesen Öden Höfe anzutreffen sind. Starke Steigungen, Moräste oder breiiger Grund können die Ursache von scheinbar sinnlosen Schlaufen sein. Wir vermögen es nicht zu beurteilen; denn es windet und regnet nun tüchtig, derweil die Nebel so dicht über die Hänge wallen, dass die Sicht sehr schlecht ist. Die leichten Überzüge, im Gestöber aufdringlich klappernd, schützen uns wenig, weshalb wir bald einen Zeltplatz wählen sollten, um nicht durchnässt zu werden.
Rasch die Karte hervorgeholt. Sie zerreisst im Nu in den Böen. Emil hilft mir, einen Bleistiftstrich vom Jörundur zum Dettifoss zu ziehen, weil ich vermute, wir seien auf dieser Geraden angelangt, etwa fünf Kilometer neben dem Dettifoss. Mit eingestelltem Kompass verlassen wir keck den Fahrweg und durchwaten nachgiebiges Tuffgeröll bergwärts gegen Nordosten, wo uns der Wind eiskalt und ungestüm anrempelt. Die Lehnen sind zermürbend, aber von einer Kuppe aus lässt sich trotz dem Dämmerlicht auf qualmender Rauch entdecken, der sich deutlich von der Nebelbank unterscheidet.
Es muss der Dettifoss sein! Die Sande sind ja durch die Niederschläge gebunden, und die Bussole weist bloss zwei Grad daneben. Wir verfallen in einen Eilmarsch und hasten rechts eines rot- verbrämten Kraters über Basalttrümmer, schwärzliche Sandmulden und vier Wälle, wonach ein unheimliches Grollen beginnt! Hinter der fünften Erhebung fuchtelt Wasserstaub auf. An einem Regenwasserteich hinterlassen wir die Säcke, schuften durch eine mehlige Aschenebene, erklimmen eine trutzig aufgebaute Basaltmauer und lassen uns vom Donnergetöse fesseln und vom Anblick überwältigen, den der Dettifoss auf den Beschauer ausübt.
Unter frostgesprengten Quadern flutet der Gletscherstrom Jökulsa heran, die an diesem Abend wegen der Schneeschmelze des sonnigen Vortages und der heutigen Regengüsse graugelb und schmutzig angeschwollen ist. Sie taucht in einem ungeheuren Sturz lotrecht in den Abgrund als geschlossene Wassermasse, deren Gischt nicht nur den obern Rand des sechzig Meter tiefen Kessels beleckt, sondern insgesamt wohl 120 Meter hochwirbelt. Hinzu gesellt sich ein ohrenbetäubendes Brüllen und Rollen, wie wenn ein Geschwader schwerer Bomber unmittelbar über uns hinweg brauste. Wenngleich beträchtlich über dem Dettifoss stehend, sind wir von Schaumspritzern überschüttet, da sie von den Windstössen auch seitwärts geschleudert werden, über die düstere Bastei unserer Basaltwarte, auf der ein Chaos von Blöcken lagert.
Ich vermag es kaum zu fassen, dass es mir vergönnt ist, diesen weltentrückten Riesensturz zu schauen, dessen Wogen sich wie in einer Meeresbrandung aufzulösen scheinen. Auch Ferdinand Küchler muss er unauslöschlich beeindruckt haben, wenn er schreibt: Nach drei endlosen Stunden scharfen Rittes sahen wir es in der Ferne plötzlich vor uns dampfen, himmelhoch, schaurig schön in gespenstisch weissem Nebelgewand emporsteigen und zerflattern. Dann ein Donnern und Dröhnen, als ob die Erde untergehen wollte, ein Zischen, Rauschen und Brausen: herrlich in seiner Kraft und Macht, ein Stück Ewigkeit - der Dettifoss, eine der grossartigsten und erhabensten Schöpfungen, die von der Natur auf Island hervorgebracht worden sind. Da drüben qualmt er, der grösste Wasserfall Europas, der den Niagara gerade um das Doppelte an Höhe übertrifft. Wie ein kristallner Teppich hing er schwer und wuchtig vor der hohen Felswand...
Und mich dünkt, ein golddurchwirkter, ockergelber Wollvorhang, von Sturmwinden bewegt, tauche in einen unermesslichen Schlund. Den einzigen Schmuck bilden die regelmässigen Falten, auf denen Silbersträhnen funkeln, die von einer brodelnden Schaumhölle unerbittlich verschlungen werden, worin das soeben noch herrlich gefügte Gewebe aufgeschlissen, zerstampft, zerrieben und zerfasert wird. Ein zorniger, ja wutentbrannter Ungeist tobt sich in dem undurchdringlichen Gewoge aus und zerfetzt alles, was ihm unter die Pranken und Krallen gerät. Erst weit innerhalb der Schlucht, dort wo sich die Gischtschleier lockern, gewährt er einen flüchtigen Blick auf seine Untaten und sein Zerstörungswerk: der schwerwallende Stoff hat sich hier in einen weiss quirlenden, kochenden Schmelzfluss gewandelt, von tausend Strudeln aufgepeitscht, die dumpf herauf stöhnen und sich durch die schmale, aber 25 Kilometer lange Kluft zwängen.
Ich ertappe mich bei den gleichen Worten des Überschwanges, wie sie Küchler unterlaufen sind. Wer aber könnte der Begeisterung widerstehen, wenn er tagelang durch Schuttwüsten, Lavafelder und Moore gestrolcht ist, durch Einöden, die noch nicht von der Nutzungsgier der Menschen berührt sind, und er unverhofft einem Strom begegnet, der schicksalsschwer in die gewaltige Schlucht kracht und einem toten Land wildpochendes Leben einhaucht, Leben von urweltlichem Ausmass. Zwingt man sich hingegen, das Schauspiel nüchtern zu betrachten, muss die Aussage Küchlers berichtigt werden. Da der Niagara fünfzig Meter hoch ist, wird er vom höchstens sechzig Meter tiefen Dettifoss nicht um das Doppelte übertroffen. Ausserdem besteht jener aus zwei Teilen, einem 330 Meter und 578 Meter breiten Sturz, wobei jeder Abschnitt die Jökulsa überflügelt. Der Dettifoss jedoch ist nicht von Industriegebieten umzingelt, und der ganze ausgewachsene Fluss prallt und prasselt, von keinen Kraftwerken beeinträchtigt, hinab, im Gegensatz zum Niagara, wo man nur noch rund die Hälfte der Wassermenge der Bewunderung freigibt, dies bloss tagsüber während der Reisezeit, sonst aber ist sie auf etwa ein Viertel gedrosselt. Und die Jökulsakluft ist, mit einem kleinen Unterbruch, mehr als doppelt so lang als jene elf Kilometer, die der Niagara in ungefähr zehntausend Jahren sich selber durch Wirbelwasser ausgenagt hat, indem es die unter der Hart-felsschicht des Flussbettes liegenden weichem Gesteine ausfrisst, so dass die obere Decke immer wieder abbricht und flussaufwärts zurückweicht. Dettifoss und Jökulsäschlucht sind wohl nicht durch Aushöhlung entstanden, es sei denn, lockere Tuffe lägen unter Basalt. Vielmehr wird die Jökulsa eine Kluft vorgefunden haben, wie solche Spalten auch anderwärts vorkommen bei Âsbyrgi, in der Almannagjâ, in der Eldgjâ ( Feuerspalte ) und im Odâdahraun ( Untatenwüste ).
Die Jökulsa geht drunten beim Basaltkeil Âsbyrgi in die Niederungen über, verzweigt sich in der 140 km2 umfassenden Mündungsebene und schwemmt eine Unmenge Sand und Geröll heran. Sie gebärdete sich verheerend in den Jahren 1655,1717,1726 und 1729, wahrscheinlich infolge von Vulkanausbrüchen an den Kverkfjöll am Rand des Vatnagletschers, wo das Eis an den Quellen der Jökulsa zerbarst und schmolz. Sie bildet einen Kilometer oberhalb des Dettifoss noch einen Wasserfall, den Selfoss, zu dem wir uns zweimal begaben. Auf dem Hinweg liegen überall Basalt-klumpen, zwischen denen sich gerillter Sand angesammelt hat, als befände man sich in Afrika und nicht in der Nähe des Polarkreises. Mitunter spriessen Schafgarben und vereinzelte Grasbüschel. Doch mag man nirgends lang verweilen; der Wind rast zu sehr, und die Kälte macht uns steif.
Der Selfoss rückt endlich näher. Auch Küchler hat ihn von hier aus gesehen, vermochte aber trotz seiner einheimischen Führer den Namen nicht ausfindig zu machen, derart verborgen, mitten in grenzenloser Basalt- und Lavawildnis, bricht der Wasserfall von den Riffen in ein Tosbecken ab, das in einem spitzen Winkel flussaufwärts zeigt. Die Jökulsa, über Stromschnellen herabstürmend, ergiesst sich über die beiden zwanzig Meter hohen Schenkelmauern und bietet eher einen friedlichen, malerischen Anblick wie etwa der Godafoss, im Gegensatz zum teuflisch krachenden Dettifoss. An einer Stelle gelingt es leicht, das Flussufer zu betreten. Ich wage mich auf einen Schlick-wulst hinaus und schlürfe aus der Hand eiskaltes, schieferdunkles Wasser, das mit Lehm, Sand und Asche gesättigt ist. Ich schlürfe es so ehrfürchtig wie ein Hindu das Wasser des heiligen Ganges.
Noch einmal schweift der Blick zum unwirschen Getümmel der schäumenden Stromschnellen, zum zeitlosen Dreieckfall und zu den gurgelnden, gärenden Fluten des Einbruchskeils, wonach wir uns trennen müssen. Immer dichter lasten die Nebel auf dem Umgelände und schleichen über uns hinweg, weswegen wir uns zurückwenden, um die hinterlegten Säcke nicht zu verfehlen. Dabei geraten wir an ein niedliches Eiland, knien wie Kinder auf den zartgrünen Samt und naschen gierig von den winzigen Wacholderbeeren. Am nächsten Morgen sammeln wir ganze Büchsen voll der köstlichen Früchte.
Es ist später Abend geworden, als wir das Zelt einigermassen im Lee des struben Windes errichten, zwischen kantigen Basaltblöcken, die zerstreut oder aufgestapelt umherliegen und schwer wie eiserne Truhen sind. Wir verbringen hier zwei Nächte, umwoben von frostigen Nebeln, Übergossen von hartnäckigem Rieselregen und umsungen vom Rollen und Brummen des Dettifoss, dessen Wogen so grausig im Schlund zerschellen, dass er den Boden erzittern lässt. Erst am dritten Tag, nachdem kein Lichtstrahl das Bedrückende dieser Basaltwelt gemildert hat, lenken wir unsere Schritte nordwärts, hoch über den Pfeilern und Wänden der wilden Klus, bis sich die Jökulsa in den Ebenen des Meerbusens Axarfjördur verliert.
Zeit meines Lebens werde ich mich an die fugenlose Wassermauer erinnern, die wie aus einem Guss und mit schwach ausgeprägten, zuckenden Strähnen hinabtaucht und zerstiebt.