Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03591.jsonl.gz/1060

In den letzten drei Jahrzehnten haben Unwetter im Kanton 1,7 Milliarden Franken gekostet
LANGFRISTIGE INVESTITION IN SCHUTZ ZAHLT SICH AUSvon Martina Kobiela
Überschwemmungen, Erdrutsche und Murgänge haben in den letzten 30 Jahren Schäden in der Höhe von 8,6 Milliarden Franken angerichtet und 88 Todesopfer gefordert. Am stärksten betroffen waren die Kantone Uri, Bern, Wallis und Tessin, wie die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL errechnet hat. Schäden, die Kosten verursacht haben, die durch Präventionsmassnahmen geringer ausgefallen wären, wie der CEO der Versicherungsgenossenschaft Mobiliar, Markus Hongler, an einer Pressekonferenz am Montag in Bellinzona betonte.
Insgesamt verursachten Unwetter laut WSL in den letzten drei Jahrzehnten im Kanton Tessin Schäden in der Höhe von über 1,7 Milliarden Schweizer Franken. Damit akkumulierte das Tessin die höchste Schadenssumme in der Schweiz. Betrachtet man die Unwetterfolgekosten pro Kopf, so zeigt sich, dass der Kanton Uri am härtesten betroffen war. Auf jede Urnerin und jeden Urner kamen in den letzten drei Jahrzehnten 29’730 Franken an Schadenskosten. Das Tessin liegt mit 5’584 Franken pro Kopf zwar weit abgeschlagen, aber trotzdem noch an zweiter Stelle der Rangliste.
Die Statistiken des WSL verzeichnen bei einer fast gleich bleibenden Anzahl von Unwettern nur einen leichten Anstieg der Schadenssumme in den letzten 30 Jahren. Dieser falle im Vergleich zum Bevölkerungswachstum und den zusätzlich überbauten Gebieten unterdurchschnittlich aus, schreibt das WSL, dies sei eine Folge der bisher bereits ergriffenen Schutzmassnahmen. Deshalb, so Michele Masdonati, Agent der Mobiliar-Niederlassung in Bellinzona, hat sich seine Genossenschaft im Tessin finanziell an Projekten der öffentlichen Hand zur Schadensprävention im Tessin beteiligt. Insgesamt gab die Versicherungsgenossenschaft fünf Tessiner Gemeinden finanzielle Unterstützung bei der Umsetzung von Präventionsprojekten.
Schutzmassnahmen im Tessin Der Gebirgsbach Vallone in Biasca war im Oktober 2006 der Ursprung eines Murgangs, der an der Kantonsstrasse zwischen Biasca und Malvaglia ein Todesopfer forderte. Der massive Erdrutsch begrub eine Autofahrerin unter sich. Die Gemeinde hat inzwischen ein Auffangbecken für normale Hochwassereinflüsse und mittlere Murgänge und eine zweite riesige Rückhaltekammer aus Tunnelausbruchsmaterial des Alptransitstollens für grössere Murgänge gebaut, um für mehr Sicherheit am Gebirgsbach zu sorgen. Die Investition von insgesamt 3.8 Millionen Franken soll die Folgen von erneuten Erdrutschen einschränken. Eine langfristige Investition von Seiten der Gemeinde, des Bundes aber auch von der Versicherungsgenossenschaft Mobiliar, die Biasca 660’000 Franken beigesteuert hat. Die Schutzmassnahme wird eine geringere Schadenssumme bei zukünftigen Unwettern zur Folge haben. Investiert wurde von Seiten der Versicherungsgenossenschaft auch in vier weitere Projekte im Kanton: In Giubiasco richtete ein Hochwasser des Wildbachs Vallascia im Juli 2008 gravierende Schäden an. Momentan wird dort der Hochwasser- und Murgangsschutz ausgebaut. In Bellinzona ist der Bau von Auffang- und Rückhaltebecken an kleineren Gebirgsbächen zum Schutz gegen Hochwasser und Murgänge im Bereich der Collina di Daro fast beendet und in Cadenazzo ist die Gemeinde dabei, Auffanggitter an der Carà-Brücke zu installieren, die Treibmaterial zurückhalten sollen. Bereits beendet sind die Präventionsmassnahmen in Contone, wo eingedohlte Bergbäche freigelegt wurden und die Gerinnequerschnitte vergrössert wurden, eine Brücke neu und höher gebaut wurde und die Hydraulik der Bacheinmündungen verbessert wurde, um vor Hochwasser zu schützen und eine Überschwemmung im Talboden zu verhindern.