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Die Milchproduktion ist in der EU im Wirtschaftsjahr 1996/97 um 0,1 Prozent oder 109’000 t auf 113,29 Mio. t gestiegen. Die Kontingente wurden um 1,4 Mio. t überzogen. Finnland, Portugal und Schweden unterliefen ihre Kontingente um insgesamt 300,000 t und reduzierten den Milchüberschuss in der EU auf 1,1 Mio. t. In absoluten Zahlen überzogen Deutschland und Italien am meisten, in relativen Zahlen Italien, Belgien, Spanien und Deutschland. Die Anliefermengen von Dezember bis März (Ende des Quotenjahres) waren stark von der unterschiedlichen Ausnutzung der Kontingente geprägt. In Deutschland bewirkten Hinweise auf die drohenden Überlieferungen nur eine schwache Drosselung der Anlieferungen, während in Frankreich und Grossbritannien die Anlieferungen zuerst stark zurückgingen, um im Februar und März wieder anzusteigen.
Kontingente bleiben
Die weitere Entwicklung der Milchproduktion ist laut der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle (ZMP) in Bonn schwer abzuschätzen. Der Zuwachs wird möglicherweise kleiner als erwartet: Durch das kühle Aprilwetter hat sich die Weidenutzung in den west- und nordeuropäischen Ländern verzögert, und die zeitweilige Trockenheit in Frankreich, Grossbritannien und Irland dürfte die Milchproduktion auch verringert haben. Die Entwicklung der Milchproduktion wird wohl auch weiterhin national unterschiedlich sein: Während Spanien (4,1 %), Österreich (2,5 %) und Finnland (2,4 %) hohe Zuwachsraten aufweisen, wurde die Produktion in Frankreich (-1,7 %), den Niederlanden (-1,6 %), Grossbritannien (-1,6 %) und Irland (-0,8 %) reduziert.
Das Kontingentsystem läuft im Jahre 2000 aus. Über die Ausgestaltung einer späteren Regelung sind sich die EU-Agrarminister nicht einig. Allerdings will eine Mehrheit, angeführt von Deutschland und den Niederlanden, die Kontingente beibehalten, gestützt auf eine Studie der EU-Kommission, die besagt, dass der europäische Milchmarkt bis 2005 keine Änderung der Politik verlange. Spanien, Italien und Griechenland drängen auf höhere eigene Kontingente und Schweden, Grossbritannien, Dänemark und Irland wollen das System ganz abschaffen (siehe auch LID-Mediendienst Nr. 2313 vom 5. Juni 1997).
Der EU-Kommission wird vorgeworfen, ihre Möglichkeiten zur Stabilisierung des Marktes und der Preise nicht auszuschöpfen. Dass die Situation auf dem Milchmarkt schon jetzt ungemütlich ist, zeigen die sich zuspitzenden Preisverhandlungen in Frankreich und in Italien.
Italienischer Streit um Milchauszahlungspreis
In Italien sind Mitte Mai zum dritten Mal Vermittlungsgespräche zwischen den Milchproduzenten und den Molkereien gescheitert. Die Vertreter des Produzentenverbandes Unalat zeigten sich enttäuscht und behalten sich "jede Form von berufsständischen Aktionen" vor, um die bäuerlichen Einkommen zu schützen. Der Molkereidachverband Assolatte dagegen argumentierte, dass der italienische Milchauszahlungs-preis 30 Prozent über dem EU-Durchschnitt liege und keineswegs marktorientiert sei.
Beim auszuhandelnden Milchpreis müssen auch die neuen EU-Qualitätskriterien bezüglich Fett- und Eiweissgehalt beachtet werden. Dabei schlagen sich Qualitätsabweichungen in Preisauf- oder -abschlägen nieder.