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Mary
weiblich, wild, braun getigert, geboren 1990 oder früher
Hinter dem Namen "Mary" steht wohl meine abenteuerlichste "Katzenjagd" in meiner Tierschutztätigkeit. Ich bekam einen Telefonanruf von einer Familie im Laufental. Dort sollet ich zwei Katzenjunge von einer zugelaufenen wilden Katzenmutter einfangen. Als ich dort war, konnte ich die Leute überzeugen, dass es wichtig ist, die Katzenmutter zu kastrieren. Also musste/konnte/durfte ich nicht nur die Jungen einfangen, sondern die Mutter auch. Ich stellte eine Falle. Doch statt in die Falle zu gehen, kam sie in die Küche um ihre gewohnte Futterration am üblichen Ort zu verspeisen. Wir schlossen die Türe und wollten sie nun mit einer Wolldecke von Hand einfangen.
Bekanntlich sind Katzen oft schlauer als Menschen, so versuchte sie via Cheminée durch das Kamin zu fliehen, wo sie auf ¾ Höhe aber stecken blieb. Während der Herr des Hauses mit der Kaminbürste den Rückweg versperrte, kletterte ich aufs Dach. Das Dach war zwar nicht sehr steil, aber feucht und rutschig, so dass ich buchstäblich auf allen Vieren und z.T. auf dem Hosenboden rutschend und kriechend zum Kamin gelangte. Zuerst musste ich die obersten Kaminsteine (zum Glück nicht betoniert) entfernen, dann schob ich eine Wolldecke bis zur Katze ins Kamin hinunter. Als ich ihren Kopf greifen konnte, zog ich sie ganz vorsichtig ein wenig nach oben und schob dann die Wolldecke neben ihr vorbei tiefer ins Kamin. Das machte ich mehrmals so lange, bis sie von der Wolldecke total umgeben war und ich sie so gefahrlos (beissen und/oder fliehen) heraus heben konnte. Ganz heraus nehmen und schnell die ganze Wolldecke um sie herum ging dann blitzschnell.
Mit dem Knäuel "Wolldecke mit Katze" auf dem Schoss, auf dem Hosenboden rutschend, kroch ich zur Leiter zurück und stieg wieder vom Dach. Nun kam der nächste schwierige Teil der Aktion. Die Katze musste so schnell als möglich aus der Wolldecke in die Transportboxe. Also zuerst vorsichtig die Wolldecke aufwickeln und gleichzeitig den Kopf ertasten. Durch die Wolldecke hindurch am Genick festhalten; Schieber an der Boxe auf; Katze vor die Boxe halten und mit der Decke Fluchtweg schliessen; Katze loslassen; Schieber zu; ... geschafft!!!
Als ich nach erfolgreicher "Jagd" erleichtert aufatmete und mich anschaute, wurde mir bewusst, dass ich ausnahmsweise nicht meine üblichen Jeans, sondern meine beste Sonntagshose anhatte, ...zum letzten Mal! Den Namen "Mary" erhielt sie in Anlehnung an den Film "Mary Poppins". Mary hatte sich sehr gut eingelebt, bis sie am 12.03.99 an Altersschwäche verstarb. Sie war vermutlich viel älter als angenommen, jedenfalls hatte sie keinen einzigen Zahn mehr an ihrem Todestag. Sie war am liebsten draussen im Gehege, hatte sich kugelrund gefuttert und wollte aber nichts von den Menschen wissen. Wenn man ihr zu nahe kam, rannte sie fauchend davon als ob sie sagen wollte: "Komm mir nur nicht zu nahe, Du "# & % $ ∑ Ø !?" (zensierte Kraftausdrücke).
Den zahmeren ihrer beiden Söhne konnte ich bei einem Vereinsmitglied platzieren. Bis zu seinem Tode (FIP) fühlte er sich dort wohl und hiess "Gatscho". Der zweite Sohn war Panterli, ein richtiger "Lausbub". Wie seine Mutter Mary, will auch er nichts von den Menschen wissen. Doch wenn`s ums Futtern geht, kommt er bis auf ca. 50 cm zu mir heran. Wenn ich ihn anfassen will flieht er, je nach dem auf max. 1 Meter oder auch bis in den Durchgang zum Aussengehege. Dort kehrt er um und schaut um die Ecke, ob ich schon weg bin.