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Und wie geht es in Zug nun weiter? Durchaus möglich, dass es den Zugern gelingt, eine neue Dynastie aufzubauen und zum YB des Eishockeys zu werden. Aber sie müssen den Charaktertest bestehen.
YB wird im Frühjahr 2018 Meister. Endlich, endlich, endlich. Die Berner hatten letztmals 1986 eine Meisterschaft gefeiert. Sie entthronen den Titanen Basel (zuvor eine Dynastie mit 12 Titeln in 15 Jahren) und werden auch 2019, 2020 und 2021 Meister. YB setzt neue Massstäbe in Professionalität (Infrastruktur, Scouting, Finanzen).
Zug wird im Frühjahr 2021 Meister. Endlich, endlich, endlich. Die Zuger hatten letztmals 1998 eine Meisterschaft gefeiert. Sie entthronen den Titanen SC Bern (zuvor eine Dynastie mit 6 Titeln in 15 Jahren). Zug setzt neue Massstäbe in Professionalität (Infrastruktur, Scouting, Finanzen).
So weit die Parallelen zwischen einem Spiel auf griffigem Rasen und rutschigem Eis.
Im Eishockey ist die Titelverteidigung oder gar der Aufbau einer Dynastie ungleich schwieriger als im Fussball. Die Liga ist sportlich, wirtschaftlich und infrastrukturell viel ausgeglichener und die Meisterschaft wird nicht in einem monatelangen Dauerwettbewerb entschieden wie im Fussball. Sondern in einem unberechenbaren, nur ein paar Wochen dauernden Spurt (Playoffs).
Im 21. Jahrhundert prägen zwei Dynastien den nationalen Fussball: Basel mit acht und YB mit vier Titeln in Serie. Seit Einführung der Playoffs (1985/86) ist es im Eishockey bis heute erst einem Team gelungen, vier Meisterschaften hintereinander zu gewinnen (Kloten 1993, 1994, 1995 und 1996). Und nur den ZSC Lions (2001) und dem SCB (2017) ist es seither gelungen, den Titel zu verteidigen.
Es wäre also vermessen, von Zug eine Titelverteidigung oder den Aufbau einer mit Basel und YB vergleichbaren Dynastie zu erwarten.
Der SCB ist zwar kein Faktor mehr und wird in der neuen Saison froh sein, überhaupt die Playoffs zu erreichen. Aber die ZSC Lions werden die Zuger auf Augenhöhe herausfordern, auch Lausanne ist – wenn das Chaos geordnet wird – ein Titelkandidat und Lugano nimmt mit Chris McSorley einen neuen Anlauf.
Und doch: Die Aussichten auf eine Titelverteidigung sind besser als 1998. Damals gelang einer wilden Gruppe von Rock'n'Rollern ein letztes Hurra. Nun steht 23 Jahre später eine hochprofessionelle Organisation am Anfang eines neuen Zeitalters.
Wichtige Spieler werden gehen: Captain Raphael Diaz (zu Gottéron), Grégory Hofmann (voraussichtlich wagt er das Abenteuer NHL). Yannick-Lennart Albrecht, der meistunterschätzte Spieler des Meisters in den Playoffs, zügelt nach Rapperswil-Jona und Verteidiger Santeri Alatalo nach Lugano.
Aber Sportchef Reto Kläy hat diese Abgänge weitgehend kompensiert: von Davos kommt Powerstürmer Fabrice Herzog, von Lugano kehrt Reto Suri zurück und Samuel Kreis wechselt von Biel nach Zug. Grégory Hofmann können die Zuger durch einen fünften Ausländer ersetzen und der Schwede Niklas Hansson wird ein grosser Verteidigungsminister sein. Zudem haben viele entwicklungsfähige Spieler ihren Leistungszenit noch nicht erreicht (unter anderem Livio Stadler, Jérôme Bachofner, Sven Leuenberger, Yanick Zehnder).
Trainer Dan Tangnes hat sich in Zug das Herrschaftswissen des Meistermachens erarbeitet und steht erst am Anfang einer grossen Karriere, die ihn in die NHL führen kann.
Und nicht zu unterschätzen: Zug ist ein Hockeyunternehmen mit einer hochmodernen Infrastruktur, einer grundsoliden und nach wie vor ausbaufähigen wirtschaftlichen Basis und ist in einem der reichsten «Stadtstaaten» der Welt aufs Vortrefflichste mit der regionalen Wirtschaft und Politik vernetzt (nicht verfilzt). Die Zuger sind inzwischen auch kurz davor, den SC Bern als hockeypolitisches Machtzentrum abzulösen.
Anders als 1998 ist der Titelgewinn nicht ein letztes Hurra. Das Meisterteam von 2021 wird zwar umgebaut, hat aber – wie erwähnt – so viele entwicklungsfähige Spieler und die Schlüsselpositionen sind nach wie vor so gut besetzt, dass die Zuger durchaus das YB des Eishockeys werden können.
Aber mit stärkerer Konkurrenz als YB. Vier Titel in Serie wären vermessene Erwartungen. Aber mindestens vier weitere Jahre werden die Zuger in der Spitzengruppe die Liga prägen und in dieser Zeitspanne darf eine weitere Meisterfeier erwartet werden.
Die grössten Gefahren für einen sportlichen Titanen lauern im Inneren: Grössenwahn und Arroganz in der Führungsetage nach drei Titeln in vier Jahren spielen beim dramatischen Niedergang des gestürzten Titelverteidigers aus Bern eine zentrale Rolle. Nun müssen die Zuger diesen Charaktertest bestehen. Dann entgehen sie dem SCB-Schicksal.