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Im Rahmen des Projektes „Environmental Science and Technology in Northern Vietnam“ haben sich die vier Eawag-Mitarbeitenden Roland Schertenleib, Antoine Morel, Michael Berg und Walter Giger seit 1998 für eine Verbesserung des vietnamesischen Trinkwassers und der dortigen Abwassersituation eingesetzt. Die Auszeichnung für „hervorragende Leistungen in Lehre und Berufsbildung in Vietnam“, welche die vietnamesische Regierung nur in seltenen Fällen an Ausländer verleiht, erhalten sie für den Aufbau von zwei Hochschulinstituten in Nordvietnam. In anwendungsorientierten Forschungsprojekten haben sie schwerwiegende Umweltprobleme aufgedeckt, untersucht und den vietnamesischen Partnern Wissen sowie umfassende Forschungskompetenzen vermittelt. Der Botschafter Vietnams verlieh die Medaillen heute Morgen in der Botschaft in Bern im Beisein von Gästen der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit, des Nationalen Forschungsschwerpunktes Nord-Süd sowie der Eawag-Direktorin Janet Hering.
Förderung der Forschungskapazität
Mit der finanziellen Unterstützung der DEZA haben sich die Forscher der Eawag während zehn Jahren am Aufbau von zwei Hochschulinstituten beteiligt, dem CETASD (Centre for Environmental Technology and Sustainable Development) und dem CEETIA (Center for Environmental Engineering in Towns and Industrial Areas). Die Vermittlung des Know-Hows umfasste neben der Interpretation von wissenschaftlichen Daten auch die umfassende Planung und Durchführung von Forschungsprojekten, was den vietnamesischen Forschern langfristig erlauben wird, Umweltprobleme selbständig zu analysieren und die notwendigen Massnahmen zu erarbeiten.
Trinkwasserqualität verbessert
Durch die Forschungspartnerschaft mit CETASD konnten grosse Fortschritte in der Trinkwasseraufbereitung in Hanoi erzielt werden, wo das Trinkwasser bisher relativ hohe Konzentrationen von chemischen Substanzen wie Eisen, Arsen, Mangan und Ammoniak aufwies. Mit der Erarbeitung von spezifischen Lösungsstrategien und dem Einsatz neuer Aufbereitungstechnologien konnte die Trinkwasserqualität für über 2 Millionen Menschen verbessert werden.
Ausserhalb der Grosstädte wird das Grundwasser oft direkt als Trinkwasser verwendet, obwohl es vielerorts stark mit Arsen belastet ist. Insbesondere in den dicht besiedelten Flussdeltas droht mehreren Millionen Menschen eine chronische Arsenvergiftung. Als Grundlage für Gegenmassnahmen erstellten die Forschenden eine Risikokarte, welche die Arsenbelastung im Grundwasser aufzeigt. Diese erlaubt gezieltere Grundwasseranalysen, die mit einem neu entwickelten Arsen-Biosensor auch direkt an Ort durchgeführt werden können. Für die Entfernung von Arsen in lokalen Brunnen haben sich einfache Sandfilter durchgesetzt. Dank der Eawag-Forschung können diese Filter nun in Bau und Betrieb optimiert werden.
Abwasserbehandlung auf lokale Bedürfnisse ausgerichtet
Die Abwasserproblematik in Vietnam hängt eng mit dem rasanten Wachstum von Bevölkerung und Industrie zusammen, namentlich in den Städten. Mangelnde sanitäre Einrichtungen sowie die ungenügende Entsorgung des Fäkalschlamms führen zu häufigem Auftreten von wasser- und fäkalien-bezogenen Krankheiten und zu einer zunehmenden Gefährdung der Trinkwasserressourcen.
Die in Partnerschaft mit CEETIA und auch im Rahmen des Nationalen Forschungsschwerpunktes Nord-Süd (NCCR North-South) durchgeführten Studien im Bereich des Abwassermanagements zeigten auf, dass dezentrale Lösungen den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Bevölkerung am besten entsprechen. Ausgehend vom einzelnen Haushalt werden Probleme der Fäkalien- und Abwasserentsorgung möglichst in jenem Bereich gelöst, wo sie erzeugt werden. In einem Pilotprojekt wurden deshalb 30 dezentrale Anlagen verschiedenster Grösse (4 bis 2'000 Nutzer) installiert und deren Wirkungsweise untersucht. Das Ergebnis war derart überzeugend, dass der dezentrale Ansatz für sanitäre Systeme in Vietnam heute auf nationaler Ebene standardmässig umgesetzt wird. Die Bereitstellung von wissenschaftlich fundierten Daten liess die vietnamesische Regierung zudem die Wichtigkeit einer umweltgerechten Fäkalschlammentsorgung erkennen. Im Rahmen der Forschungszusammenarbeit wurden dazu auch Technologie- und Management-Richtlinien erarbeitet.
Bilder stehen auf www.eawag.ch unter Medien/Newsarchiv zur Verfügung.
Adresse für Rückfragen:
Dr. Michael Berg / Tel. +41 44 823 50 78