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Wusstet ihr, dass die Fenchelsamen die absolute Lieblingsspeise der Elfen sind? Wenn die Sonne keine Lust hat zum Schlafen und der Mond fast gewaltsam von der Himmelsbühne verjagt werden muss, schwärmen die Elfen aus ihren Baumbehausungen aus und machen sich auf die Suche nach Fenchelsamen.
Fenolina, die kleine Elfe, war soeben unterwegs auf einem weiteren Sammelflug, als sie ein Menschenkind, das auf einer Baumwurzel sass, schluchzen hörte. „He, Menschenkind, was gibt es denn da so Schreckliches?“ (Elfenworte hört man nicht mit den Ohren, sondern mit dem Herzen und so antwortete das Kind, als hätte es sich die Frage selbst gestellt)
„Meine Schwester fliegt und…und mein Vater hat gesagt, dass wenn sie nicht sofort damit aufhört muss sie ganz schreckliche Medizin nehmen.“
Die Elfe war höchst erstaunt zu hören, dass die Schwester fliegen kann. Aber das kann vorkommen, wenn der Bauch voller Luft ist. Egal was sie isst, zwei Stunden später hat sie solche Blähungen, dass sie abhebt und davonschwebt.
„Warte kleines Menschenkind, ich kann dir helfen“. Fenolina holt ein Säckchen Fenchelsamen und lässt es in die Hände des Kindes fallen. „Das sieht aus, als könnte ich daraus einen Tee für meine Schwester machen“, denkt das Kind erstaunt und eilt mit diesem Geschenk des Himmels nachhause. Das Kind stieg mit dem Tee auf die Leiter zur Schwester und flösste ihr diesen ein. Diese landete mit lautem Geknatter kurz darauf auf der Erde und jubelte.
Kurze Zeit später sass das Menschenkind wieder auf der Baumwurzel und schluchzte erneut, da die Schwester Tag und Nacht ihr Gesicht in ein Tuch hüllte. Sie traute sich nicht mehr unter die Leute, da ihr Gesicht voller Pickel ist.
Fenolina war auch in diesem Falle um keine Antwort verlegen. Sie holte ein weiteres Päckchen reifer Fenchelsamen aus ihrer Vorratskammer und warf es dem Menschenkind in den Schoss. „Das muss ein Zauberbaum sein“, dachte das Kind. Doch diesmal sollte es kein Tee sein. „Du musst die Früchte für zwei Tage in kaltes Wasser legen. Dann soll sich die Schwester damit waschen“, erklärte Fenolina. Gesagt getan und siehe da, ein paar Tage später traute sich die Schwester wieder aus dem Haus und war schöner als je zuvor.
Ob der Baum, in dem Fenolina wohnt nun ein Zauberbaum ist oder ob die reifen Samen des warm würzig duftenden Gewürzfenchels einfach ein weiteres kleines Wundermittel sind, sei dahingestellt.
Botanisch gesehen gehört der Foeniculum vulgare in die grosse Familie der Doldengewächse. Ursprünglich stammt die Pflanze aus dem Mittelmeerraum, liebt kalkhaltige und nährstoffreiche Böden und bildet ihre aromatisch duftenden Samen aus den goldgelben Blütendolden unter der Sommersonne. Die reifen bräunlichen Samen haben ein anisähnliches Aroma, das wir von Getränken wie Absinth und Pastis nur zu gut kennen. Hier wird der Fenchel zur weichen Abrundung des intensiveren Anis Geschmackes verwendet.
Doch Fenchel ist nicht gleich Fenchel, weder im Aussehen noch in der Wirkung. Wir unterscheiden die Gemüse- und die Aromapflanze.
Der Samen des Gemüsefenchels entstand ursprünglich aus einer Kreuzung zwischen zwei wildwachsenden Fenchelarten. Damit sich eine schöne Fenchelknolle bildet, erfolgt die Aussaat später und die Erde wird aufgehäuft, wie bei der Kartoffel. Zudem muss die Pflanze ausreichend gegossen werden.
Bei der Aromapflanze unterscheidet man zwischen dem Wildwachsenden Fenchel, auch Bitterfenchel genannt und dem Gewürzfenchel, in der Aromatherapie unter Süssem Fenchel bekannt. Wichtig ist diese Unterscheidung vorallem bezüglich Anwendung und Hauptwirksamkeit des reinen ätherischen Öles.
Bitterfenchelöl enthält vermehrt den sehr Husten wirksamen Inhaltsstoff Fenchon, ein Keton. Bei verschleimtem Husten wird die Schlagfrequenz der Flimmerhärchen an der Bronchialschleimhaut beschleunigt und dadurch löst sich das zähe Hustensekret und kann besser abgehustet werden. In zu hoher Dosierung können diese Ketone jedoch sehr gefährlich für Kinder und schwangere Frauen sein.
Das ätherische Süssfenchelöl ist primär „Bauch wirksam“ und die Anwendung der Fenchelsamen bei Wöchnerinnen und Neugeborenen daher wahrscheinlich schon so alt wie der Beruf der Hebamme.
Doch grundsätzlich haben alle Fenchelarten eine ähnliche Wirkungsweise und bringen unseren Bauch zum Lachen und dadurch unsere Haut zum Strahlen:
- Bei Koliken beim Säugling bringt der Kinderfenchel frischen Wind in die verkrampften Gedärme
- Fencheltee unterstützt die Milchbildung bei der stillenden Mutter
- Als Östrogen wirksame Pflanze sorgt der Frauenfenchel für zunehmende Regelmässigkeit bei der Frau im Wechsel, wenn die Menstruation nicht weiss, wann sie kommen soll oder eben auch nicht mehr
- Bei Magenübersäuerung, Blähungen und Verdauungsbeschwerden wird die Leber angeregt, dem Darm Beine gemacht und sorgt allgemein für Entspannung im Bauch
- Er harmonisiert das Vegetative Nervensystem und sorgt für einen ruhigeren Herzschlag, wenn wir gestresst sind
In der Volksheilkunde werden diesem unscheinbaren Kräutlein noch ganz andere Kräfte zugeschrieben, was aus meiner Sicht eine logische Folge ist, wenn wir uns wohl und entspannt in unserem Bauch fühlen.
- Er hilft uns Situationen mit mehr Objektivität zu betrachten
- Schützt uns so gegen Manipulation, Aggressivität und Unzufriedenheit
- Ermutigt den kopflastigen Menschen, Abstand gegenüber seinem Intellekt zu gewinnen und hilft Konzepte und Ideen mehr aus dem Bauch heraus in die Tat umzusetzen
Na dann mal los und ab in die Küche! Hier findet der Fenchel nicht nur in der klassischen Kombination mit Fisch seine Freude das anisartige Aroma zu entfalten.
Da wären beispielsweise geröstete Erdnüsse mit Fenchel und Chili oder die Leibspeise unserer kleinen Fee.
Fenolina’s Kartoffelwürfel
6 Kartoffeln
1TL Koriandersamen
1TL Fenchelsamen
je ½TL schwarze und helle Senfkörner
1 rote Chili
4 Knoblauchzehen
1TL mildes Currypulver
Meersalz
grob gemahlener Pfeffer
2EL Olivenöl
Den Backofen auf 180° vorheizen. Die Kartoffeln schälen, waschen und in kleine Würfel schneiden. Ein Blech mit Backpapier auslegen.
In einer beschichteten Pfanne Koriandersamen, Fenchelsamen und Senfkörner anrösten, bis sie ihr Aroma entfalten.
Den Chili waschen, Kerne entfernen und ganz fein würfeln. Den Knoblauch schälen und fein hacken. Mit dem Öl und den übrigen Gewürzen gut mischen. Die Kartoffelwürfel zugeben und alles miteinander vermengen.
Die gewürzten Kartoffeln auf dem Blech verteilen und im heissen Ofen 30 bis 40 Minuten goldbraun backen. Fenolina’s Kartoffeln warm servieren, geniessen und den Bauch und das Herz lachen lassen.
Ich wünsche Euch weiterhin viele wärmende Sonnenstrahlen und reiche Entdeckungsreisen in unserer schönen Natur
Eure Odorata