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| Tertullian († um 220) - Über den Götzendienst (De Idololatria)

15. Das Illuminieren und Bekränzen der Häuser und Türpfosten bei politischen Anlässen ist unerlaubt.
Eure Werke, heißt es, sollen leuchten1. Jetzt aber strahlen unsere Läden und Türen von Licht. Bei den Heiden findet man bereits mehr Türen unbeleuchtet und unbekränzt als bei den Christen. Welches ist deine Ansicht hierüber? Soll das eine Ehrenbezeigung für ein Idol sein, dann unterliegt keinem Zweifel, dass ein Idol ehren Idololatrie ist. Geschieht es aber eines Menschen wegen, so erinnern wir uns, dass alle Idololatrie irgend eines Menschen wegen geschieht. Erinnern wir uns doch daran, dass alle Idololatrie Menschenverehrung ist; denn die Götter sind, was bei den Heiden eine ausgemachte Sache ist, früher Menschen gewesen. Daher macht es keinen Unterschied, ob man Personen früherer [S. 161] Jahrhunderte oder der Jetztzeit diese abergläubische Verehrung darbringt. Die Idololatrie ist nicht wegen der Personen, die ihr Objekt sind, mit dem Verdammungsurteil belegt worden, sondern wegen solcher Dienste, die sich auf die Dämonen beziehen. -- „Man muss aber dem Kaiser geben, was des Kaisers ist." -- Zum Glück steht dabei: „Und Gott, was Gottes ist". Also was gebührt dem Kaiser? Natürlich das, um was es sich damals bei Stellung der Frage handelte, ob man dem Kaiser Tribut geben dürfe oder nicht. Deshalb verlangte der Herr auch, man solle ihm eine Münze zeigen, und fragte, wessen Bild das sei, und da er die Antwort bekam: „Des Kaisers", sagte er: „Also gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist", d. h. das Bild des Kaisers, welches sich auf der Münze findet, dem Kaiser, und das Ebenbild Gottes, das sich im Menschen findet, Gott, so dass du dem Kaiser dein Geld gibst, Gott aber deine Person. Andernfalls aber, wenn dem Kaiser alles gehört, was wird für Gott übrig bleiben?
Sind denn also, fragst du, Lampen vor der Tür und Lorbeergirlanden an den Pfosten eine Ehrenbezeigung für einen Gott? Ja freilich, nicht weil es eine Ehre für den Gott ist, sondern weil das Heil dessen, der an Stelle des Gottes durch solche Diensteserweisungen, soweit die Sache öffentlich ist, geehrt wird, durch das verborgene Treiben auf die Dämonen zurückgeht. Manche wissen es zwar aus Unkenntnis der heidnischen Literatur nicht, aber trotzdem dürfen wir dessen versichert sein, dass es bei den Römern auch Türgottheiten gibt; Cardea hat ihren Namen von den Türangeln, Forculus von den Türflügeln, Limentius von der Schwelle und Janus von der Tür selbst. Auch wissen wir recht wohl, dass die Namen, obwohl eitel und erdichtet, doch, da sie in Aberglauben verlaufen, die Dämonen und jeden unreinen Geist durch das Bindemittel der Einweihung herbeilocken. Sonst haben ja die Dämonen keinen besondern Namen für sich, sondern sie finden nur da ihren Namen, wo die ihnen zugehörige Sache ist. Auch bei den Griechen finden wir, dass Apollo [S. 162] Thyräus und die antelischen Dämonen den Türen als Schutzgeister vorstehen.
Dies also ist es, was der Hl. Geist vom Anfang an vorausgesehen und durch den uralten Propheten Henoch vorausgesagt hat, dass auch Türen dem Aberglauben dienen würden. Denn wir sehen, dass auch noch andere Türen, nämlich die in den Bädern, Gegenstände der Verehrung werden. Wenn es aber Wesen gibt, die in den Türen angebetet werden, dann beziehen sich auch die Lampen und Lorbeerkränze auf sie. Du erweisest dem Idol, was du der Tür antust. Hierfür entnehme ich der Autorität Gottes selber eine Beglaubigung, Denn es ist nicht geraten, zu unterdrücken, was einem gezeigt wurde -- natürlich um der Gesamtheit willen. Es ist mir bekannt, wie ein christlicher Mitbruder durch eine Vision in derselben Nacht schwer dafür gezüchtigt wurde, dass seine Sklaven bei Gelegenheit einer plötzlich ausgerufenen öffentlichen Freudenbezeigung die Haustür mit Kränzen geschmückt hatten. Und doch hatte er es nicht einmal selber getan oder befohlen; denn er war vorher ausgegangen, und tadelte, als er wieder kam, das Geschehene; folglich werden wir vor Gott in solchen Dingen auch wegen der Handlungen unseres Hausgesindes gerichtet.
Was also die Ehrenbezeigungen für Könige oder Imperatoren betrifft, so ist uns genugsam vorgeschrieben, den Obrigkeiten, Fürsten und Mächten Untertan zu sein, jedoch innerhalb der Grenzen der Moral, insoweit wir dabei von der Idololatrie frei bleiben. Dafür haben wir aus alter Zeit das Beispiel der drei Brüder, die, obwohl sonst dem König Nabuchodonosor gehorsam, seinem Bilde Ehrenbezeigungen aufs standhafteste verweigerten, indem sie behaupteten, alles sei Idololatrie, was sich über das Maß menschlicher Ehren hinaus zur Gleichheit mit der göttlichen Majestät erhebt. Ähnlich blieb auch der im übrigen dem Darius anhängliche Daniel nur so lange im Dienste, als er von Verstössen gegen die Moral frei sein durfte. Denn sich dazu zu verstehen, konnte ihn ebenso wenig die Furcht vor den Löwen des Königs verleiten, wie sein Feuerofen die drei Jünglinge.
[S. 163] Mögen also alle diejenigen, denen kein Licht leuchtet, am hellen Tage Lampen anzünden, mögen diejenigen an den Türpfosten Lorbeergewinde, die man nachher verbrennt, aufhängen, welche selbst eine Beute des Feuers sein werden. Bei ihnen sind sowohl Gewährschaften von Finsternis als Vorahnungen von Strafen wohl angebracht. Du aber bist ein Licht der Welt und ein immer grünender Baum. Wenn du den Tempeln entsagt hast, so sollst du aus deiner Haustür keinen Tempel machen! Mein Ausdruck war noch zu gelinde: wenn du den Hurenhäusern entsagt hast, so sollst du deinem Hause nicht das Aussehen eines neueröffneten Hurenhauses geben.
1: Matth. 5,16.