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Überblick: Was ist das PCO-Syndrom?
Das PCO-Syndrom tritt bei etwa 6 bis 18 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter auf. Dennoch wird die Krankheit oft nicht erkannt, denn sie zeigt sich nicht in einem klaren und einheitlichen Erscheinungsbild. Um die Diagnose polyzystisches Ovarsyndrom stellen zu können, werden verschiedene Symptome abgefragt bzw. untersucht. Nur wenn mindestens zwei der drei folgenden Merkmale vorhanden sind – vorausgesetzt, andere Erkrankungen, die mit ähnlichen Symptomen einhergehen (so genannte Differentialdiagnosen) wurden zuvor ausgeschlossen – darf die Diagnose PCOS gestellt werden:
- Gestörter Menstruationszyklus: Das heisst, entweder ausbleibende Menstruationen oder unregelmässige (d. h. mehr als 35 Tage Abstand zwischen den Blutungen) oder seltener deutlich verkürzte Zyklen (d.h. weniger als 21 Tage Abstand zwischen den Blutungen).
- Überschuss an männlichen Hormonen (Androgenen) im Blut oder ein vermehrter Haarwuchs an für Frauen untypischen Körperregionen (so genannter männlicher Behaarungstyp / Hirsutismus).
- Polyzystische Ovarien (Eierstöcke). Das bedeutet, in mindestens einem der beiden Eierstöcke lassen sich mehr als 20 mit Flüssigkeit gefüllte Eibläschen (Follikel), deren Durchmesser bis zu 9 Millimeter gross ist, zählen. Ein weiteres Ultraschallkriterium für die Diagnose ist mindestens ein Eierstock, der ein Volumen grösser als 10 Milliliter aufweist.
Bei den Bläschen in den Eierstöcken handelt es sich nicht um „Zysten“, auch wenn dieser Begriff der Krankheit ursprünglich ihren Namen gegeben hat. Es sind wachsende Eibläschen, die am Ende des Prozesses eine reife Eizelle enthalten.
Obwohl das PCO-Syndrom oft unerkannt bleibt, ist auch der umgekehrte Fall einer Fehldiagnose nicht selten. Eine sorgfältige Diagnostik mit Erfassung der Zyklusdauer, Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke, körperlicher Untersuchung mit besonderem Blick auf die Behaarung und Blutuntersuchungen sind deshalb wichtig. Bevor die endgültige Diagnose für ein PCO-Syndrom gestellt werden kann, müssen andere Ursachen ausgeschlossen sein. Zum Beispiel unregelmässige Monatsblutungen oder ein erhöhter Androgenspiegel, denen andere Störungen zugrunde liegen. Ausserdem muss sichergestellt sein, dass keine Erkrankung der Hirnanhangdrüse, der Nebennierenrinde oder eine andere Erkrankung der Eierstöcke für die Krankheitssymptome verantwortlich ist.
PCO-Syndrom: Was sind die Ursachen?
Die genaue Ursache für das polyzystische Ovarsyndrom ist bislang noch nicht vollständig geklärt. Da die Erkrankung in manchen Familien gehäuft auftritt, spielen vermutlich genetische Faktoren eine Rolle bei der Entstehung. Studien haben gezeigt, dass überdurchschnittlich viele Frauen betroffen sind, bei deren Müttern ebenfalls die Diagnose PCOS gestellt wurde. Häufig haben die erkrankten Frauen auch Väter, bei denen sich früh eine hormonell bedingte Glatze bildete. Möglicherweise sind darüber hinaus hormonelle Einflüsse im Mutterleib daran beteiligt, dass ein neugeborenes Mädchen später am polyzystischen Ovarsyndrom erkrankt.
Ausgelöst wird die Krankheit durch eine gestörte Steuerung körpereigener Regulationsmechanismen. Derzeit ist unklar, ob die Ursache primär vom Eierstock oder vom Zuckerstoffwechsel oder von beiden ausgeht. Auch zeigt die zentrale Regulation der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) Auffälligkeiten in der Sekretion der Steuerungshormone des Zyklus: Das sogenannte Luteinisierende Hormon (LH) wird in Relation zum Follikel stimulierenden Hormon (FSH) vermehrt ausgeschüttet. FSH ist im weiblichen Organismus entscheidend verantwortlich für die gesunde Ausbildung von Eizellen.
Studien zeigen, dass ein grosser Teil der Frauen mit PCOS – unabhängig davon, ob sie an Übergewicht leiden oder normalgewichtig sind – einen gestörten Insulinstoffwechsel aufweisen. Eine vermehrte Insulinausschüttung kann die Produktion von männlichen Hormonen steigern, sowie die Freisetzung von Luteinisierende Hormon aus der Hirnanhangdrüse und die Entstehung von Übergewicht fördern.
Symptome: Wie äussert sich das PCO-Syndrom?
Die Anzeichen für ein PCOS sind sehr vielfältig und individuell oft sehr unterschiedlich. Es kann sein, dass Sie nur wenige körperliche Veränderungen spüren, die Symptome können aber auch sehr ausgeprägt sein. Das macht es schwer, die Erkrankung verlässlich zu diagnostizieren.
- Bei der Mehrzahl der betroffenen Frauen kommt es zu unregelmässigen oder ausbleibenden Monatsblutungen. Da das Zusammenspiel der weiblichen Hormone gestört ist und Frauen mit PCOS seltener oder gar keinen Eisprung haben, kann das Eintreten von Schwangerschaften erschwert sein oder das PCOS aufgrund des fehlenden Eisprungs zu (sehr gut behandelbarer) Unfruchtbarkeit führen.
- Durch die Zyklusstörungen brauchen betroffene Frauen oftmals Unterstützung, um den Wunsch nach einem Kind wahr werden zu lassen.
- Bei einer Ultraschall-Untersuchung erkennt Ihr Arzt / Ihre Ärztin in in der Regel eine erhöhte Zahl von Eibläschen und/oder einen vergrösserten Eierstock.
- Des Weiteren ist ein hoher Anteil der Frauen mit PCO-Syndrom insulinresistent. Das heisst: Ihre Körperzellen reagieren nicht empfindlich genug auf das Hormon Insulin. Die Zellen nehmen deshalb weniger Zucker (Glukose) aus dem Blut auf, wodurch der Blutzuckerspiegel steigt. Um den Blutzucker zu regulieren, signalisiert der hohe Glukosespiegel der Bauchspeicheldrüse, noch mehr Insulin zu produzieren. Auch steigt das Risiko, an Diabetes (Typ 2) zu erkranken. Die Störung des Zuckerstoffwechsels findet sich insbesondere aber nicht ausschliesslich bei übergewichtigen PCOS-Patientinnen.
- Der chronisch erhöhte Insulinspiegel fördert die bereits durch die hohe Anzahl kleiner Eibläschen erhöhte Produktion männlicher Hormone (Androgene). Häufige Folge: Bei den betroffenen Frauen tritt im Gesicht, am Bauch, am Rücken oder auch im Schambereich eine verstärkte Behaarung auf. Auch Akne und fettige Haut gehören zu den häufigen Symptomen.
- Die Mehrheit der erkrankten Frauen leiden an Übergewicht bzw. Schwierigkeiten, dass Körpergewicht nicht steigen zu lassen. Adipositas wirkt auf die hormonellen Veränderungen beim PCO-Syndrom als Verstärker. Viele PCOS-Patientinnen entwickeln eine nicht alkoholisch bedingte Fettleber.
- Viele vom PCO-Syndrom betroffene Frauen erleben ihre Krankheit als psychisch belastend. Nicht selten treten Ängste und seelische Verstimmungen oder sogar eine Depression auf.
- Wenn die Erkrankten einen Kinderwunsch haben, ist ein verzögerter Eintritt einer Schwangerschaft oft eine zusätzliche Belastung. Doch es gibt sehr wirksame Hilfen, die auch eine Schwangerschaft möglich machen. Am besten kennen sich Kinderwunschspezialisten mit Unterstützungsmöglichkeiten aus.
Um Ihnen die modernsten und wirksamsten Behandlungsmöglichkeiten für diese Symptome anbieten zu können, gibt es am Universitätsspital Zürich ein Zentrum für PCOS in dem Spezialisten aus der inneren Medizin, Reproduktionsmedizin, Ernährungswissenschaftler, Sportmediziner, Physiotherapeuten, Hautärzte, Psychiater Ihnen ein auf Ihre Bedürfnisse abgestimmtes Behandlungskonzept zusammenstellen. Mit verschiedenen Forschungsprojekten arbeiten wir in diesem Zentrum ausserdem daran, die Erkennungs- und Behandlungsmöglichkeiten eines PCOS weiter zu verbessern.
Prognose: Wie verläuft das PCO-Syndrom?
PCOS ist bei Frauen eine der häufigsten hormonellen Störungen. Das polyzystische Ovarsyndrom tritt meist zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr (manchmal auch früher) auf. Oftmals führen neben den Zyklusunregelmässigkeiten unerwünschter Haarwuchs und Akne zum Arztbesuch. Eventuell wird die Krankheit aber auch erst diagnostiziert, wenn eine erwartete Schwangerschaft ausbleibt. Gleichzeitig hat ein PCO-Syndrom aber auch den Vorteil, dass aufgrund der überdurchschnittlich hohen Eizellreserve bei Frauen mit PCOS die Fruchtbarkeit etwas länger erhalten bleibt, als vor dem Hintergrund des biologischen Alters zu erwarten wäre. Typischerweise kommen Frauen mit PCOS somit auch später in die Wechseljahre.
Therapie: Wie wird das PCO-Syndrom behandelt?
Ein polyzystisches Ovarsyndrom lässt sich nicht heilen, sondern begleitet Betroffene ein Leben lang. Ihr Arzt kann jedoch Symptome und Folgeerscheinungen gut behandeln:
Mit der Antibabypille das PCO-Syndrom behandeln
Das hormonelle Ungleichgewicht bei PCOS-Patientinnen lässt sich oft durch die Einnahme der Antibabypille regulieren. Sie kann auch die Produktion der männlichen Hormone und die dadurch ausgelösten Veränderungen (Akne, starke Körperbehaarung) verringern. Fragen Sie aber unbedingt Ihren Arzt / Ihre Ärztin in nach dem richtigen Präparat. Nicht jede Pille wirkt beim PCO-Syndrom optimal. Falls die Pille alleine nicht ausreicht, gibt es zusätzliche Medikamente, die die männlichen Hormone weiter absenken können.
Weitere Medikamente bei PCOS
Der Wirkstoff Metformin hat zur Folge, dass die Empfindlichkeit für Insulin erhöht wird und der Blutzuckerspiegel sinkt. Auch kann Metformin bei der Gewichtsreduktion sowie der Senkung der männlichen Hormone helfen. Die Wirkstoffe Letrozol und Clomifen fördern die Reifung von Eibläschen und den Eisprung; das erhöht die Fruchtbarkeit und somit die Chance auf eine Schwangerschaft. Studien haben gezeigt, dass eine kombinierte Therapie mit Metformin und Letrozol besonders effektiv ist. Beide Medikamente müssen allerdings von einer Ärztin / einem Arzt rezeptiert werden und insbesondere bei der Einnahme von eisprungfördernden Medikamenten müssen regelmässige Ultraschallkontrollen stattfinden. Auch der natürliche Wirkstoff Inositol kann helfen, indem er eine Regulierung des Hormonhaushalts bewirkt. Die bisherige Studienlage verspricht eine ähnlich gute Wirkung wie Metformin. Für einen breiten Einsatz sind allerdings noch mehr Studien notwendig.
Laparoscopic Ovarian Drilling
Durch die Entfernung überzähliger Follikel soll der aus dem Takt geratene Monatszyklus und die Überproduktion männlicher Hormone normalisiert werden. Mit Hilfe einer elektrischen Nadel oder durch Laser lassen sie sich meist im Rahmen einer Bauchspiegelung (Laparoskopie) gezielt reduzieren. Die so erreichte Normalisierung der Follikelzahl soll auch zu einer Normalisierung von Zyklus und Eisprung führen. Dieses Verfahren wird Drilling genannt (international häufig: Laparoscopic Ovarian Drilling, kurz LOD). Es wird als PCOS-Therapie meist erst dann eingesetzt, wenn eine Behandlung der hormonellen Störung erfolglos bleibt und ist in den seltensten Fällen notwendig.
Gesunder Lebensstil kann die PCOS-Symptome reduzieren
Regelmässige Bewegung und Sport können dazu beitragen, dass Übergewicht reduziert wird. Ein weiterer wichtiger Faktor ist eine adäquate Ernährung. Patientinnen, die unter dem PCO-Syndrom leiden, erleben durch eine Gewichtsreduktion häufig einen Rückgang ihrer Krankheitssymptome. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich trotz PCOS der Kinderwunsch erfüllt, steigt: Schon eine Gewichtsreduzierung von fünf Prozent führt zu einer verbesserten Fruchtbarkeit und regelmässigeren Zyklen.
Eine gesunde Ernährung führt zu einer geringeren Insulinausschüttung. Diese Normalisierung des Blutzuckerspiegels verringert die Krankheitssymptome oft spürbar. Wichtig ist, den Zuckerstoffwechsel regelmässig überprüfen zu lassen, in der Regel jährlich.
Durch eine erfolgreiche Behandlung des polyzystischen Ovarsyndroms
- gerät die Balance der Hormone wieder ins Gleichgewicht.
- werden Menstruationszyklen häufiger und regelmässiger.
- reagieren die Körperzellen empfindlicher auf Insulin. Dadurch kann sich auch die Bauchspeicheldrüse erholen und die Insulinproduktion auf ein normales Mass reduzieren. Was wiederum die Wahrscheinlichkeit verringert, an Diabetes zu erkranken.
- verbessern sich auch die Werte von Blutfetten und der Blutdruck.
- kann sich eine möglicherweise entstandene Fettleber zurückbilden.
All das erhöht trotz der PCO-Syndrom-Diagnose auch die Fruchtbarkeit und die Chance für eine Schwangerschaft.
PCOS und Kinderwunsch
Falls Sie als PCOS-Patientin den Wunsch haben, schwanger zu werden, sollten Sie dies frühzeitig mit Ihrem Arzt/ Ihrer Ärztin besprechen. Das Ziel, eine Reifung der Eizellen im natürlichen Zyklus herbeizuführen, lässt sich medizinisch gut unterstützen, braucht jedoch oftmals etwas Zeit. Daher ist es sinnvoll, mit der medizinischen Unterstützung eher früher als später zu beginnen. Manchmal klappt es nicht, eine einzelne Eizelle zur Reife zu bringen, ohne dass weitere Eizellen ebenfalls mit dem Reifungsprozess beginnen. Da man nicht das Risiko einer höhergradigen Mehrlingsschwangerschaft eingehen möchte, werden solche Behandlungszyklen abgebrochen und ein neuer Versuch gestartet. Sollte es nicht gelingen maximal 2 Eizellen gleichzeitig zur Reife zu bringen, kann eine künstliche Befruchtung die Alternative sein. Hier nutzt man die Möglichkeit, eine grössere Anzahl Eizellen parallel zur Reife zu bringen und schafft so eine Reserve für mehrere Versuche, schwanger zu werden oder im optimalen Fall, um mit einer Behandlung die Voraussetzung für die gesamte Familienplanung zu schaffen. Eine künstliche Befruchtung – in der Fachsprache In vitro Fertilisation (IVF) oder – wenn das Spermium aufgrund begrenzter Spermienqualität direkt in die Eizelle gebracht werden muss – IntraCytoplasmatische SpermienInjection (ICSI) sollte in einem Kinderwunschzentrum erfolgen, das über langjährige Erfahrung verfügt. Im Kinderwunschzentrum des Universitätsspitals Zürich ist das der Fall – hier erwartet Sie nicht nur modernste Technik, sondern auch eine konstante persönliche Betreuung, die genau auf Ihre Bedürfnisse abgestimmt ist.
Universitäres Kinderwunschzentrum
Ein unerfüllter Kinderwunsch kann sehr belastend für Sie und als Paar sein. Da wir die Fragen, Ängste und Ungewissheiten kennen, die sich daraus ergeben, stehen Sie als Mensch für uns im Mittelpunkt.
Viele junge Frauen, die unter einem polyzystischen Ovarsyndrom leiden, befürchten, dass sich ihr Kinderwunsch nicht mehr erfüllen könnte – und verspüren bei diesem Gedanken Stress. Hier kann Ihnen ein Beratungsgespräch, welches Sie über das PCOS und seine Auswirkungen auf die Gesundheit incl. Fruchtbarkeit helfen.
Zur Beruhigung: Auch mit PCOS haben Sie hervorragende Aussichten, dass sich der Wunsch nach einem Kind erfüllen wird – auch wenn der Weg dorthin vielleicht etwas Unterstützung braucht. Eine grosse schwedische Studie mit mehr als 45.000 PCOS-Patientinnen hat ergeben, dass sie bei der Geburt ihres ersten Kindes im Durchschnitt zwar ein Jahr älter waren als Frauen ohne PCO-Syndrom. Ein Baby bekamen sie aber ebenso oft.