Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03349.jsonl.gz/2019

Das Künstlerduo Monica Guggisberg (geb. 1955) und Philip Baldwin (geb. 1947) schafft schlichte erratische Gefässformen, die in der Bearbeitung mit der venezianischen Battutotechnik zu innerer Leuchtkraft finden.
Philipp Baldwin aus New York und Monica Guggisberg aus Bern studierten Ende der 1970er-Jahre an der renommierten Orrefors Glasskolan in Schweden, wo auch ihre künstlerische Zusammenarbeit begann. Kristalline Gefässe sind im Schaffen des Künstlerduos zentral. Die hochovale Vase wurde zunächst einfarbig geblasen und mit einem massiven Überfang beschichtet. An der Glasbläserpfeife in die längliche Form geschwungen, erfolgte in unzähligen weiteren Schritten die finale Formgebung. Die Künstler, die von den Arbeiten des venezianischen Architekten und Glasgestalters Carlo Scarpa aus den 1930er- und 1940er-Jahren inspiriert wurden, erkannten Mitte der 1990er-Jahre in der Battutotechnik die Möglichkeit, die eigenen Ausdrucksformen «dramatisch zu erweitern». Sie verbanden die schwedische Glasbläsertechnik mit dem venezianischen Kaltverfahren und nutzten es, um mit scharfen Einschnitten eine Palette unterschiedlicher Durchblicke zu öffnen oder mittels netzartiger Texturen malerische Tiefe zu erzeugen. Die Methode eignet sich aber auch dazu, Bilder aus anderen Kontexten heraufzubeschwören, etwa die Nachbildung einer Baumrinde oder das Fliessen eines Flusses im Zwielicht. Effektiv unterstreicht sie aber ebenso die pure Lust an Geometrie und Farbigkeit, namentlich in den raumgreifenden Glasarbeiten von Baldwin und Guggisberg. Die gewöhnlich von Guggisberg mit sicherer Hand entworfenen Stücke führt Baldwin in einem Team von Fachkräften in einem Tanz schweisstreibender Handgriffe aus, den Schliff besorgen venezianische Fachkräfte unter enger Begleitung der Künstler vor Ort in Murano. (Sabine Flaschberger)