Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03431.jsonl.gz/2835

Von Jakob Kubli
Die Zigerherstellung wird im Glarnerland seit dem Mittelalter betrieben. Anfänglich stellten die Bauern und Älpler das Milchprodukt selber her. Um die Produktion zu erhöhen und die Herstellung zu rationalisieren, entstanden im 17. Jahrhundert im Glarnerland die ersten Zigerriibenen. Die Zigerherstellung gehörte neben den zahlreichen Mühlen für diverse Nahrungsmittel und weitere Naturprodukte sowie Sägereien zu den ersten gewerblichen Betrieben in Netstal.
Dabei spielte das Wasser des Löntsches als Antriebskraft eine entscheidende Rolle. Um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts wurden am Löntsch gegenüber dem Wydeli eine Wuhrtanne und eine Falle angebracht um das Wasser in einem tiefen Graben zum Kreuzbühl hinab zu leiten. Genannt wurde er der untere Mühlbach. Bis zum Jahre 1726 hatten sich schon mehrere Gewerbebetriebe am Bach niedergelassen, die Wasserkraft nutzten. Um die Kosten für den Unterhalt der Wehranlagen und des Baches gewähren zu können, hatten sich die Besitzer der Gewerbebetriebe zusammengetan und eine Bachgenossenschaft gegründet. Im Jahre 1663 entstand bei der Löntschbrücke ein zweiter Wasserlauf, der oberer Mühlbach genannt wurde.
Als im Jahre 1764 den Betreibern durch Unwetter grossen Schaden zugefügt worden war, vereinten sich die Bachgenossen und verbanden den oberen und unteren Mühlbach durch ein Mittelstück zum heutigen Dorfbach. So haben sich im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts wie an einer Perlenkette über ein Dutzend gewerbliche Betriebe am Dorfbach angesiedelt.
Die Wasserkraft des Löntsches wurde zum Lebensnerv der Gemeinde und hat der Bevölkerung Verdienst und einen gewissen Wohlstand gebracht. Die erste Zigerriibi wurde im Jahre 1651 von Hans Pabst gegründet. Der Standort befand sich gegenüber dem Kreuzbühl (ehemaliges Haus am Rain) am rechten Ufer des Dorfbaches. Weitere Zigerriibenen mit unterschiedlichem Bestand wurden im 18. und 19. Jahrhundert errichtet. Die Glarner Zigerhändler weiteten den Verkauf ihrer Produkte neben der Schweiz auch auf die Nachbarländer aus.
Zigerfabrik Spälti
Die von Jost Spälti gegründete Zigerriibi entwickelte sich im Laufe der Zeit zur grössten Kräuterkäsefabrik des Glarnerlandes. Zigerhändler Heinrich Spälti, ein Nachfahre des Gründers, brachte 1830 den Ziger nach Holland und nahm dafür Kolonialwaren zurück. Die Kräuterkäsefabrik Spälti, die ihren Sitz 1850 an den Dorfbach unweit der späteren Giesserei von Ulrich Rietmann verlegte, hatte 1920 von allen acht Schabzigerfabriken des Glarnerlandes den grössten Auslandumsatz. Auf den grossen Welthandelsplätzen wie Hamburg und New York sorgten Agenten für den Vertrieb.
Mit dem Ersten Weltkrieg mehrten sich die Schwierigkeiten der unter sich
konkurrenzierenden Zigerfabrikanten. Um die Preise zu vereinheitlichen, den Einkauf des Rohzigers und den Verkauf der Fertigwaren zu koordinieren,
schlossen sich 1913 mit massgeblicher Beteiligung der Netstaler Zigerfabrikanten Jost und Jacques Spälti sowie dem benachbarten Balz Hösli insgesamt
elf Firmen zum Verband der Kräuterkäsefabrikanten und Exporteure zusammen. Dadurch konnte auch während des Ersten Weltkrieges die Position beim Hauptabnehmer Deutschland gehalten werden trotz der wachsenden Konkurrenz durch die Zigerfabriken des Allgäus. Nachdem der Milchverband Winterthur 1921 in Oberurnen eine moderne Zigerfabrik eröffnet hatte, konnte sich eine Mehrheit der Zigerfabrikanten mit dem Milchverband einigen. Zu diesem Zwecke wurde 1924 die "Genossenschaft der Schweizerischen Kräuterkäsefabrikanten (Geska)" gegründet. Nach dem Tode von Jacques Spälti-Covi im Jahre 1959 führte seine Frau Maria die grösste private Zigerfabrik bis zu ihrem Tode 1966 weiter. Da keine Nachkommen vorhanden waren, wurde der Betrieb liquidiert. Die Gebäulichkeiten kaufte die Metall- und Plastikwarenfabrik Stöckli AG. Ende August 1969 wurde die ehemalige Zigerfabrik Spälti abgebrochen.
Zigerfabrik Hösli
Die zweite bekannte Zigerriibi steht wenige Meter von der Spältischen entfernt. Sie war um 1819 erbaut worden. Käse- und Zigerhändler Heinrich Fridolin Hösli hatte sie um 1878 anfänglich mit einem Partner erworben. Balthasar Hösli-Büsser als Nachfolger sowie deren Söhne Fridolin Hösli-Züger und Balthasar Hösli-Stähli führten den Betrieb als Kollektivgesellschaft und erklärten den Käsehandel zum Haupterwerb. 1975 übernahm Arnold Hösli-Kälin die Zigerfabrik.
Um die Qualität des Rohzigers zu verbessern, erliess der Bund im Jahre 1983 ein neues Reglement. Strengere Fabrikationsvorschriften und Lebensmittelverordnungen brachten kleinere Betriebe zunehmend in Bedrängnis. Nach dem Tod von Inhaber Arnold Hösli-Kälin im Jahre 1984 führte sein Sohn Arnold Hösli-Ladner den Betrieb vorerst weiter. 1992 musste die Zigerfabrik Hösli geschlossen werden, da eine umfassende Sanierung der Produktionsanlagen die finanziellen Mittel übertraf.