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In Zeiten der Maximierung von Wachstum, Wohlstand und Konsum wird ein Konzept des Verzichts gesellschaftlich nicht mehr verstanden.
Insbesondere wenn eine Nachkriegsgeneration die Erfahrung von Hunger und Entbehrung mit diesem Begriff verbindet und zukünftig um jeden Preis vermeiden möchte. Und wenn eine Nachreligionsgeneration die Konzepte von Fasten und Kasteiung nie akzeptiert hat.
Genauso werden in einer Gesellschaft, die es gutheisst, dass Rechte pauschal und ohne Vor- und Gegenleistung eingefordert werden können, und die Glück als die maximale Befriedigung von Lust und Bedürfnissen versteht, auch die Konzepte von Leistung, Pflichten und Tugenden nicht verstanden.
In einer ökonomisierten Welt verstehen wir Knappheit als Phänomen, das Auswirkungen auf die Preisgestaltung hat – und auf die Bildung entsprechender Kundensegmente mit entsprechend preislich und qualitativ angepassten Produkten. In einer technisierten Welt nehmen wir solche Erfahrungen als Herausforderung, um Innovationen voranzutreiben, um die Effizienz zu steigern oder um Materialien und Energieträger zu substituieren.
Aber Verzicht? Niemals, wenn der Begriff Verzicht auf Lustentsagung und Bedürfnisverneinung abzielt.
Vielleicht geht es bei einem zukünftigen Konzept des Verzichts, das in der protestantischen Wirtschaftsethik immer wieder eine Rolle spielt, primär um eine Antwort auf das Phänomen der Todsünde der Völlerei. Dieses ist eben nicht nur Ausdruck von Wohlstand und Zufriedenheit, sondern auch von egoistischer Masslosigkeit und rücksichtsloser Verschwendung.
Vielleicht geht es zukünftig um bewusste Genügsamkeit, damit andere am Überfluss partizipieren können? Vielleicht geht es bei einem zukünftigen Konzept des Verzichtens um eine neue Prioritätensetzung, bei der neben materiellen auch soziale und mentale Aspekte stärker gewichtet werden?