Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03153.jsonl.gz/1266

Jährlich kommt es im Niger-Delta zu Hunderten von Öllecks. Jedes Mal werden alle relevanten Daten aufgezeichnet: Beginn des Ölaustritts, Menge des ausgetretenen Öls, beschädigte Fläche von Land und Wasser und Ursachen des Schadens. Anschliessend wird diese Information für die Berechnung der Entschädigungszahlungen verwendet.
In diesem Untersuchungsprozess wird insbesondere eruiert, ob dem Ölaustritt durch Drittpersonen verursachte Sabotage oder Materialschaden zu Grunde liegen. Ist ersteres der Fall, werden keine Entschädigungszahlungen an die Bevölkerung ausgerichtet. Die Ursachenfindung ist also für die BewohnerInnen von hoher Bedeutung.
Amnesty International konnte in der Vergangenheit mehrmals belegen, dass der Ölaustritt fälschlicherweise der Sabotage zugeschrieben wurde, oder aber die Menge des ausgetretenen Öl grob unterschätzt wurde. Beides hat gravierende Folgen für die BewohnerInnen: Sie kriegen keine oder zu wenig Entschädigung.
Die Diskrepanz zwischen Theorie und Realität
In der Theorie sollten bei den Inspektionsbesuchen die Ölfirmen, die Aufsichtsbehörde und die betroffenen AnwohnerInnen dabei sein. Tatsache aber ist, dass die betroffene Bevölkerung nicht immer in den Prozess mit einbezogen wird; die Polizei oder die Armee ist aber meistens vor Ort. Zudem kann die Ölfirma eigenhändig das Schadensformular ausfüllen. Umfragen vom Amnesty International haben ergeben, dass gerade Frauen oftmals nicht einmal von der Existenz eines solchen Inspektionsbesuchs wissen.
Die Diskriminierung der Frauen
Frauen sind massgebend an den wirtschaftlichen Aktivitäten im Niger-Delta beteiligt. Doch die Ölfirmen verhandeln mit Eliten und Dorfobersten, also fast immer Männern. Auch die Entschädigungszahlungen werden so gut wie immer an Männer ausbezahlt. Doch wenn das Öl Land und Wasser verschmutzt, sind es wiederum die Frauen, die in diesen prekären Situationen für das Überleben der Familien sorgen.
Mit ihrem Verhalten verstärken die Ölfirmen und die Regulierungsbehörden somit die geschlechtsspezifische Diskriminierung und das wirtschaftliche Ungleichgewicht zwischen Frauen und Männern im Niger-Delta.