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Das neue Jahr hat nun längst begonnen, und mit ihm geht auch meine Vorschauen-Serie aufs Eidgenössische in Estavayer-le-Lac in eine neue Runde. Im Dezemberbeitrag liess ich vor allem Bilder sprechen. Im Januar kommt wieder eine Westschweizer Schwingerpersönlichkeit zu Wort: Ruedi Schläfli, seines Zeichens TK-Chef des Südwestschweizerischen Schwingerverbandes (SWSV).
Ruedi traf ich am 9. Januar beim dritten Trainingszusammenzug der Südwestschweizer Schwinger im Hinblick auf Estavayer2016 an. Das gemeinsame Training, bei welchem etwa 40 Schwinger anwesend waren, fand in Oron-la-Ville VD statt. In der Trainingshalle des dort ansässigen Schwingklubs Haute-Broye ist ein grosser Sägemehlplatz untergebracht.
Während ich das Interview mit Ruedi führte, leitete Benoît Zamofing das Training. Zamofing ist ein ehemaliger Südwestschweizer Spitzenschwinger und holte sich beim letzten Eidgenössischen in der Südwestschweiz, 2001 in Nyon, den Eidgenössischen Kranz.
Ruedi war ebenfalls Schwinger, und holte sich in seiner Karriere insgesamt 15 Kränze. Sein Vater ist der legendäre Ernest Schläfli, ein fünffacher Eidgenosse. Sein Bruder Fredy Schläfli, ebenfalls ein ehemaliger Schwinger, ist aktuell Technischer Leiter der Südwestschweizer Jungschwinger.
Wie Ruedi erklärte, schwingt zurzeit die fünfte Generation der Schläflis. Sein Urgrossvater Ruedi war einer der ersten Schwinger in Fribourg, und hat angeblich noch im Alter von 42 Jahren Schwingfeste gewonnen. Das war in den 1930iger Jahren des letzten Jahrhunderts.
Der TK-Chef wohnt in Posieux FR (Ortschaft im Saanebezirk), etwa sieben Kilometer südlich von Fribourg in Richtung Bulle. Von Beruf ist Ruedi Landwirt, mit eigenem Hof. Daneben sitzt er für die SVP im Grossrat vom Kanton Fribourg. Der Fribourger spricht perfekt deutsch und französisch, denn er wuchs zweisprachig auf. Bis zum Alter von fünf Jahren hat der schwingbegeisterte Mann nur deutsch gesprochen. Die Schulzeit absolvierte er hingegen in französischer Sprache.
Seit wann bist du TK-Chef des Südwestschweizerischen Schwingerverbandes?
Seit 2008. Ich übernahm nach dem Eidgenössischen 2007 (Aarau) das Amt von Jakob Werner, welcher anschliessend Technischer Leiter vom Eidgenössischen Schwingerverband (ESV) wurde.
Was beschäftigt dich als TK-Chef momentan am meisten?
Eindeutig Estavayer2016, das ist unser grosses Ziel! Der Fokus liegt für uns als Gastverband ganz klar auf diesem Fest. Das beschäftigt uns derzeit zu 200 Prozent!
Stimmen dich die vergangenen Trainings-Zusammenzüge mit den SWS-Schwingern zuversichtlich?
Ja, total. Es ist jeweils eine grosse Gruppe um 40 bis 45 Schwinger anwesend. Die Stimmung und die Kameradschaft, ein sehr wichtiger Punkt, sind nun vorhanden. Was bisher bei den Trainings abgelaufen ist stimmt mich sehr positiv. Der Willen der Schwinger ist da. Es ist eine Freude, solche Trainings durchzuführen. Die Schwinger sind sich bewusst, was auf sie zukommen wird.
Woran müssen deine Schwinger noch am meisten arbeiten?
An vielen Dingen. Physisch sind die Schwinger mehrheitlich präsent. Die mentale Stärke ist aber ein Knackpunkt, hier müssen wir noch zusetzen. Manchmal stimmt es noch zu wenig im Kopf. Es fehlt nicht so viel, man hat es auch letztes Jahr bei den Schwingfesten gesehen.
Wir arbeiten zudem an der Technik und an der Kondition. Ich habe ein Betreuer-Team hinsichtlich Estavayer2016 aufgestellt, und es wurde bisher viel Knochenarbeit geleistet. Die Schwinger spüren auch, dass wir damit eine Kontinuität reingebracht haben.
Ist einer oder gar mehrere Kranzgewinne am Eidgenössischen, Stand heute, aus deiner Sicht bereits realistisch oder eher noch Wunschdenken?
Realistisch. Aber es wird ein sehr harter Kampf, dessen sind wir uns bewusst. Wenn ich aber meine Schwinger sehe, die ich schon seit Jahren begleite, dann muss ich sagen: Es ist etwas möglich. Natürlich, es ist ein Wettkampf, und es gilt, dann in Form zu sein. Manchmal sind es nur Details, welche es ausmachen. Aber ich bin zuversichtlich: Wir werden Kränze in Estavayer-le-Lac machen.
Die neue Generation Schwinger in der Südwestschweiz ist bereit, mehr zu trainieren und sie verhalten sich professioneller. Einige haben auch ausserhalb des Südwestschweizer Teams einen Betreuerstab. Einige konnten auch ihr Arbeitspensum reduzieren. In den letzten zwei Jahren hat sich wirklich etwas getan.
Ruedi Schläfli bei der Ansprache vor dem Training in Oron-la-Ville
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger
Wie viel Zeit investierst du eigentlich in deine Tätigkeit als TK-Chef?
Ruedi lacht. Viel, viel! Es steckt eine grosse Leidenschaft dahinter, und im Hinblick auf Estavayer zähle ich die Stunden nicht. Die viele Arbeit ist zugleich auch sehr interessant. Zudem ist das mein letztes Jahr als TK-Chef. Ich gebe mein Amt nach dem Eidgenössischen ab. Es macht einfach Freude, mit diesen Jungen zu arbeiten.
Was für Aufgaben beinhaltet dieser Job?
Ein TK-Chef ist im Verband zuständig für das Technische. Man versucht, eine Botschaft bis zu den Klubs hinunter zu übermitteln, und auch eine gewisse Mentalität zu installieren. Ein wichtiger Punkt ist auch die Einteilung. Die Trainings übergebe ich meinen Leitern und Trainern. Dazu gehören unter anderem Benoît Zamofing, Frédéric Berset und bei Bedarf auch die TK-Chefs der Kantonalverbände. Ich habe, wie bereits erwähnt, ein sehr gutes Betreuerteam. Zudem bin ich mit vielen administrativen Aufgaben eingedeckt. Des Weiteren besuche ich viele Schwingfeste, um die Schwinger kennen zu lernen.
Was hat sich beim SWSV seit Burgdorf2013 und Kilchberg2014 getan? Wie verlief die Vergangenheitsbewältigung?
Wir wussten, dass es in Burgdorf schwierig wird. Denn wir hatten damals die jüngste Mannschaft am Start, welche sehr wenig Erfahrung aufwies. Auf Michael Nydegger, dem einzigen Eidgenossen, lastete ein so grosser Druck, dass er fast daran zerbrach.
Der Kilchberg-Schwinget war vom sportlichen her sicher nicht positiv. Dies hatte Auswirkungen. Die Schwinger, die damals dabei waren, waren sich anschliessend bewusst: Wenn man etwas erreichen will, muss man sich auch die entsprechenden Möglichkeiten geben. Die beiden Anlässe gaben gewissermassen den Ausschlag für die neue Generation. Vom negativen konnten wir das positive herausnehmen, und die Schwinger haben das auch verstanden. Damals konnten wir wegen fehlender Kapazität einfach nicht mehr erreichen und durften auch nicht mehr erwarten.
Wir befanden uns in einem Loch. Zugleich bedeuten die beiden Feste ein Wendepunkt. Jetzt geht es nun kontinuierlich nach oben.
Wie fördert ihr eure Schwinger?
Nebst den monatlichen Verbandszusammenzügen gibt es auch kantonale Zusammenzüge. Die Freiburger machen am Dienstagabend und die Waadtländer am Mittwochabend Trainings auf kantonaler Ebene. Dabei sind auch Schwinger von anderen Kantonen eingeladen.
Wir haben sieben Schwinger, welche ihr Arbeitspensum auf etwa 50 bis 60 Prozent reduzieren konnten. Diese trainieren nun auch untertags. Das sind Schwinger von verschiedenen Klubs, welche so auch wöchentlich zusätzlich miteinander trainieren. Einige dieser Schwinger haben Sponsoren, andere sind Studenten und nehmen sich ein Sabbatjahr, um sich auf das Eidgenössische fokussieren zu können. Diese Schwinger gehen nun diesen Schritt und geben dafür alles.
Übrigens: Fast alle der heute anwesenden Schwinger trainieren zudem praktisch wöchentlich in Gruppen irgendwo im Bernbiet. Zum Beispiel in Lyss, Schwarzenburg oder Kirchberg. Das wurde früher eindeutig weniger gehandhabt.
Apropos Kilchberg-Schwinget 2014: Es gab damals schon Schwinger, die sehr viel trainierten. Ihnen fehlte aber die Erholung. Denn diese Athleten gingen zu 100 Prozent einer Arbeit nach, und absolvierten daneben ein strenges Training. Sie sind meist Landwirte oder Handwerker, und arbeiten hart in ihren Berufen. Benjamin Gapany liess nach jenem Schwinget verlauten, dass er völlig auf dem Zahnfleisch ging und ihm die Erholung fehlte, um in Topform zu kommen. Die Erholung kann man sich einfach nicht einbauen, wenn man zu 100 Prozent arbeitet.
Ich vermute, dass heutzutage 90 Prozent der Eidgenössischen Kranzschwinger Halbprofis oder Elite-Amateure sind. Beim Schwingsport sind wir nun dort angekommen, wo die Fussballer schon vor 20 oder 30 Jahren standen. Der Südwestschweizer Schwingerverband hat diesen Schritt in den letzten zwei Jahren nun auch gemacht. Und: Dies hat nicht der Technische Leiter gefordert. Das waren die Schwinger selber, die dies wollten. Sie sagten sich: Wenn wir etwas erreichen möchten, müssen wir diesen Schritt auch tun. Einige Schwinger kam deshalb auf mich und den Präsidenten zu und fragten uns: Was müssen wir machen? Könnt ihr uns helfen, Sponsoren zu suchen. Wir vom Verband halfen ihnen so gut es ging. Es läuft nun relativ gut, und ich bin zufrieden.
Der Schwingerverband lebt natürlich auch von seinen Klubs und die Schwinger müssen in ihren Schwingklubs die Knochenarbeit machen. Bei unseren Zusammenzügen pflegen wir nebst dem Training im Hinblick auf Grossereignisse die Kameradschaft. Wir können punktuell Tipps geben und Verbesserungen vorschlagen.
Dem Vernehmen nach ist euer Nachwuchs recht gut aufgestellt. Es sollen einige vielversprechende Talente darunter sein. Wird man einige von ihnen schon 2016 wahrnehmen?
Ja, wir haben tatsächlich einige vielversprechende Talente. Es sind zwei darunter, welche besonders hervorragen: Steve Duplan und Steven Moser. Wenn bei den beiden Schwingern alles rund läuft, ist es nicht unmöglich, dass sie am Sonntagnachmittag in Estavayer um den Kranz schwingen.
Übrigens: Nachwuchs hatten wir eigentlich immer genügend. Beim letztjährigen Freiburger Kantonalen Jungschwingertag waren zum Beispiel über 270 Jungschwinger am Start. Beim Nachwuchs wurde grosse Arbeit geleistet, und die Nachwuchs-Athleten finden eine gut funktionierende Struktur vor. Diese Schwinger kommen nun nach und nach zu den Aktiven.
Und: Die Technischen Kommissionen der Jungschwinger und der Aktiven arbeiten nun seit etwa sieben Jahren eng zusammen.
Wir durften in den letzten Jahren noch keine Topresultate erwarten, da die Schwinger noch nicht parat waren. Der Aufbau der Jungen erfolgt schrittweise. Das Heranführen an die Spitze braucht einfach seine Zeit und ebenfalls Geduld. Wir erzielten letzte Saison zwar noch nicht Topresultate ausserhalb unseres Teilverbandes. Eine Steigerung war aber erkennbar: Wir feierten Kranzgewinne am Innerschweizerischen, auf dem Weissenstein, beim Aargauer Kantonalen und bei unserem Bergfest am Schwarzsee-Schwinget. Ich bin überzeugt, dass wir dieses Jahr weitere Schritte nach vorne tun werden. Diese Kränze hätten wir vor zwei Jahren noch nicht gemacht.
Eine Randbemerkung: Wir hatten in den letzten Jahren halt praktisch keine Ausnahmetalente wie die Berner mit Sempach, Wenger oder Stucki. Deshalb müssen wir in der Gruppe stark sein und einen grossen Team-Geist haben.
Am Ende von Teil 1 gilt es zu erwähnen, dass der zweite Teil in Bälde folgen wird. Dabei geht es unter anderem um die Trainings-Zusammenzüge, die Leader der Südwestschweizer und um Druck vor dem Eidgenössischen. Weiter um die lateinische Mentalität der Romands, die „Neuen Richtlinien für Einladungsbegehren“ und was sich Ruedi Schläfli für 2016 wünscht.
feldwaldwiesenblogger