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Die Geschichte des Morris Minors

Noch während des Zweiten Weltkrieges entstanden in England die ersten Skizzen für ein neukonzipiertes Fahrzeug, das einmal zum populärsten britischen Personenwagen der 50er Jahre werden sollte. Alec Issigonis, der später auch den Mini schuf, hatte die Zeichnungen für den Morris Minor in einem Luftschutzbunker zu Papier gebracht.
Im Dezember 1943 stand der erste zweitürige Prototyp unter der Bezeichnung EX/SX/86 für Testfahrten bereit. Mosquito genannt sollte er an ein gleichnamiges sehr erfolgreiches Flugzeug erinnern.
Umfangreiche Tests zeigten, dass der neue kleine Morris trotz hinterer Starrachse eine ausserordentlich gute Strassenlage besass. Zur Diskussion standen verschiedene Antriebsaggregate, auch ein Boxermotor. Für die Kraftübertragung wurden Vorderrad wie Heckantrieb geprüft. Ab 1946 entstanden weitere Prototypen, die die Aufnahme der Serienfertigung für 1948 ermöglichten. Im Spätsommer 1947 absolvierte ein Mosquito den strengen 10 000 Meilen Test in 10 Tagen ohne ein Problem. Als bereits die ersten Aufträge an Zulieferer erteilt worden waren, realisierte der geniale Konstrukteur Issigonis: Das Auto war zu schmal.
Zwecks Verbreiterung schnitt er einen Prototyp der Länge nach entzwei und setzte in der Mitte einen neuen, ca. 10 cm breiten Streifen ein. Als Relikt dieser Änderung in letzter Minute sind die Erhebungen auf der Motorhaube und die in der Mitte flache Dachlinie in die Serienproduktion eingegangen. Vielleicht war gerade diese optische Retusche der Proportionen der Grund für den Erfolg dieses Fahrzeugs. Mit der überarbeitung wurde auch der Name Mosquito fallengelassen und als Morris Minor in die Serienproduktion geschickt.
Als verlorenes Ei soll der konservative Morris Direktor Lord Nuffield mit bürgerlichem Namen William Morris den Minor bei seiner ersten Begegnung genannt haben. Und er soll sich geweigert haben, für eine Pressedemonstration darin Platz zu nehmen. Das aber konnte den Erfolg des Morris Eight Nachfolgers, der 1948 gleichzeitig mit dem neuen Jaguar XK 120 auf der Motor Show von Earls Court erstmals der Öffentlichkeit präsentiert worden war, nichts anhaben.
Zunächst hatte der Minor MM den seitengesteuerten 918 ccm Motor mit 27,5 PS Leistung, der aus dem Vorgänger stammte. Ab Oktober 1950 wurde der Minor vor allem aus Exportgründen mit den in die Kotflügel einbezogenen höhergesetzten Scheinwerfern gebaut. Zur zweitürigen Limousine und dem hübschen Tourer, gab es jetzt auch ein viertüriges Modell.

Nach dem Zusammenschluss von Morris Motor und Austin Motor zur British Motor Corporation erhielt die zwischen 1953 und 1956 gebaute Serie 11 einen neuen, aus dem Austin A 30 abgeleiteten oben gesteuerten 803 ccm Motor von 30 PS Leistung. Der Minor wurde dadurch zwar etwas spritziger, aber der 3,76 Meter lange Wagen war immer noch knapp motorisiert. Das kam ihm in seiner ersten Ausführung durchaus entgegen, denn die hier verwendete hintere Starrachse machte die Strassenlage manchmal etwas schwierig. Issigonis hatte ursprünglich eine unabhängige Hinterradaufhängung mit Torsionsstäben vorgesehen, doch die war dem Rotstift der Kalkulatoren zum Opfer gefallen. Erst die Serie III, die ab Oktober 1950 von den Bändern rollte, brachte bessere Motorleistungen. Zunächst hatte die aufgebohrte Maschine 948 ccm und 38 PS. Zwischen 1963 und 1970 fand der neue 1098 ccm Motor mit 48 PS Leistung im jetzt Minor 1000 genannten Morris Verwendung.
Neben den Limousinen und dem Cabrio gab es auch den Traveller, ein Kombiwagen mit Holz/Metallaufbau, einen Lieferwagen (Van) und einen Kleinlaster (Pick Up). Der Lieferwagen wurde in grosser Zahl bei der britischen Post eingesetzt. Die viertürige Limousine stand unter anderem bei der englischen Polizei im Einsatz und war bei Fahrschulen sehr beliebt.
Die Minor Produktion erfolgte aus schliesslich in Grossbritannien, montiert wurden Fahrzeuge aus englischen Teilen auch in Dänemark, in den Niederlanden, in der Republik Irland, in Indien und in Australien. Als beliebter "Volkswagen" prägte er in den Ländern des Commonwealth eine Epoche.
Darüber hin aus war dieser kleine englische Wagen ein ausgesprochener Exportschlager. 1546 Zweitürer, 663 Viertürer und 417 Tourer fanden zwischen 1948 und 1963 den Weg in die Schweiz. Daneben auch einige Pick Up, die unter anderem bis in die 70er Jahre bei den Dienstmännern am Bahnhof Zürich im Einsatz standen.
Gelobt wurden allseits die guten Fahreigenschaften, das Kurvenverhalten und der niedrige Benzinverbrauch von ca. 7 Litern auf 100 km. Auch die gute Verarbeitung und die präzise Lenkung wurden gelobt. Kritik gab es kaum, was für die gute Arbeit der englischen Automobilbauer in jenen Tagen spricht. Bezahlen mussKäufer um 1960 für eine zweitürige Limousine mit dem 948 ccmMotor 7000 Franken, der Viertürer kostete nochmals 330 Franken mehr.
Im gleichen Jahr erreichte der Minor als erstes englisches Auto die Millionengrenze. Eine Sonderserie von 350 Fahrzeugen in Lila mit weisser Innenausstattung und "Minor 1000 000" Schriftzug verliessen das Werk. Insgesamt sind vom Minor in all seinen verschiedenen Versionen zwischen 1948 und 1970 etwa 1609 955 Fahrzeuge produziert worden. Und viele von ihnen haben bis heute überlebt. Ob auf Sri Lanka oder auf Malta, um nur zwei ehemalige Kolonialländer zu nennen, der Minor ist auch heute noch vielerorts im täglichen Strassenverkehr anzutreffen.
Natürlich ist die Zeit nicht spurlos an ,ihm vorübergegangen. Doch in den letzten zehn Jahren ist er in vielen Ländern zum Sammelobjekt geworden. Das gilt natürlich speziell für Grossbritannien, aber auch in ganz Europa, übersee und im fernen Osten ist so etwas wie ein Minor Fieber ausgebrochen.