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Geschichte
Bereits seit 1885 bestand in der Länggasse eine Pflanzlandorganisation. Die Parzellenhalter rekrutierten sich damals vorwiegend aus Kreisen der Lohnempfänger. Trotz des damaligen 12-Stunden-Tages war die Familie des „Kleinen Mannes“ froh um den Zustupf aus dem eigenen Garten. Ein wichtiger Grundstein für die Familiengartenbewegung wurde während des ersten Weltkrieges gelegt. Im „Anzeiger der Stadt Bern“ wurden nämlich im Laufe des Krieges Gartenkundige und Pflanzlandliebhaber aufgefordert, als Kriegsmassnahme ein Stück Pflanzland (Grösse ca. 200 m2 pro Familie) zu pachten. Die Verpflichtung war, zur Hauptsache Gemüse und Kartoffeln zu pflanzen, um als Selbstversorger während der Kriegsjahre 1914 bis 1918 die Landesversorgung zu entlasten. Gemeinde- und Burgerland in und rund um die Stadt wurde bereitgestellt, gepflügt, parzelliert und den Pflanzfreudigen zu Fr. 8.- je Parzelle abgegeben. In kurzer Zeit stieg die Zahl der Pflanzer auf mehrere Tausend. Bereits im ersten Jahr konnten erstaunliche Erträge erzielt werden. So bereicherten viele Familien in den harten Kriegsjahren mit den Vitaminspendern aus dem Garten ihren kargen Esstisch. Nach dem Ersten Weltkrieg schmolz die Pflanzer Schar auf mehr als die Hälfte zusammen. Nur eifrige und „angefressene“ Gartenfreunde blieben der Scholle bzw. ihrem Gärtli treu. Dies war nun auch der Beginn der organisierten Familiengartenbewegung.
Einer der ersten Familiengartenvereine, welcher in der Stadt Bern gegründet wurde, war 1926 unser Verein. Damals unter dem Namen Feldgartenvereinigung Murifeld. Bereits 1932 schlossen sich fünf Sektionen zum „Verband für Familiengärten Bern“ zusammen. Erwähnenswert ist diese Tatsache vor allem auch, weil in den Chroniken unser Verein (Feldgartenvereinigung Murifeld) als die treibende Kraft und Initiant für die Gründung dieses Berner Verbands erwähnt wird. Die ersten Gärten unseres Vereins befanden sich rund um die Sekundarschule Manuel. Mit der Anbaupflicht im Zweiten Weltkrieg (Plan Wahlen) vervielfachte sich die Anzahl der Gärten. Die damalige Ernährungslage -mit den Lebensmittel-Rationierungen- bewegte Tausende von Stadtbernern, sich bei der Städtischen Pflanzlandvermittlungsstelle um eine Gartenparzelle zu bewerben. Wegen diesem Run musste sogar das Pflanzland rationierte werden, d.h. die 200-300 m2 grossen Gärten wurden geteilt bzw. sogar gedrittelt. Damit konnten sich rund 6000 Einwohner der Stadt Bern zu einem grossen Teil mit Gemüse und Kartoffeln selbst versorgen. Ein interessantes Detail: Selbst die Südterrasse beim Bundeshaus war während dieser Zeit statt mit Tulpen, Rosen usw. mit Kartoffeln bepflanzt. Auch unser Verein erlebte während diesen harten Zeiten einen wahren Boom. In den Jahren 1939/1940 umfasste unser Verein bereits 450 Gärteler. Während den weiteren Kriegsjahren stieg die Zahl der Gärteler in unserem Verein kontinuierlich bis auf rund tausend(!) an. Die Suche nach Nahrung führte sogar dazu, dass bei unseren Gärten Freiwachen -praktisch rund um die Uhr- aufgestellt werden mussten, um das begehrte Gemüse vor Diebstählen zu schützen. Damals wurden in den Gärten auch noch -was heute nicht mehr gestattet ist- Hühner und Kaninchen gezüchtet. Nach Ende des Krieges verliessen aber die „Mussgärtner“ oder die sogenannten Kriegsgärtner rasch ihre Gärten. Zudem musste im zweiten Nachkriegsjahr eine Rückgabe von Pflanzland an die Landwirte erfolgen. Auch unser Mitgliederbestand sank dadurch rasch. Während der Kriegszeit verteilten sich die Gärten unseres Vereins –der damaligen Feldgartenvereinigung Murifeld- über das ganze Murifeld. Etwas mehr konzentriert wurden sie später an den Standort des heutigen Weltpostvereins. Noch später erfolgte die Verlegung auf das heutige Areal der Credit Suisse/Visana. Mit dem Bau der Autobahn ab 1963 wurden die Gärten an den heutigen Standort unterhalb der Klinik Sonnenhof verlegt. Zu bemerken ist, dass dort bereits vorher ein kleines Areal bestand und dort die Gärten bis zum Weg 3 „angehängt“ wurden (rund 150 Parzellen). Interessant ist, dass unser heutiges Depot (welches nun seit Jahren renoviert und recht wohnlich ausgebaut ist) bereits auf dem Areal der Credit Suisse (damals Volksbank) stand. Und zwar handelte es sich um eine alte Militärbaracke, welche in den 50-iger Jahren beschafft wurde. Hier wiederum eine Bemerkung aus der Chronik. Für 1951 wurde den Familiengartenvereinen eine Sammelpflicht für Maikäfer (5 Kg pro Are) verordnet. Als Prämie wurden je Kilogramm 30 Rappen vergütet. Für zu wenig abgelieferte Mengen mussten die Parzellenhalter oder die Sektion je Kilogramm 50 Rappen Busse bezahlen. Auch unser Verein kam der Pflicht nach und sammelte rund 40 Kg Maikäfer.
Im Laufe der Jahre mussten in der Stadt Bern und Umgebung immer wieder Familiengartenareale oder wenigstens Teile davon Überbauungen weichen. Unser Areal konnte –sicher auch dank der Beharrlichkeit der damaligen Vereinsvorstände und dem Goodwill der Behörden – 1974 bis zu den Eichen (Weg 7) erweitert werden. Eine erste Ausbautranche von Weg 3 bis Weg 5 erfolgte, weil die Gärten im Egghölzli den Neubauten der Credit Suisse weichen mussten. Die letzte Ausbauphase konnte dank neuen Interessenten an Gärten realisiert werden. Seit 1977 erfuhr unser schönes Areal nur noch geringfügige Korrekturen. Der Bau der französischen Schule 1988/89 sowie der Bau der Kanalisation an der Surbekstrasse „kosteten“ einige Parzellen. Die Erstellung des Fussballplatzes bedingte die Umsiedlung des Depots (Gemeinschaftshaus) an den heutigen Standort bei der Surbekstrasse. Vor weiteren Parzellenverlusten blieb unser Areal erfreulicherweise verschont.
Unser Verein Bern-Ostquartier umfasst heute rund 230 Garten-Parzellen.