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Der Hospitaliterbruder im 12. Jahrhundert trug als unterste Kleidungsschicht ein leinernes Leibhemd (Chemise), sowie eine Bruche. Darüber trug er eine schwarze, waden- bis knöchellange Cotte aus Wolle. Sie ist wie auch die Cotte für den weltlichen Mann zu dieser Zeit, leicht tailliert und mit eng anliegenden Ärmel. Für Ritterbrüder kann die Cotte auch einen Reitschlitz haben. Bruche, Beinlinge, eine Kopfbedeckung sowie Accessoires und ein Mantel oder eine Cappa machen die Ausrüstung komplett. Das weisse Kreuz auf Mantel oder Cappa weisen den Hospitaliterbruder als diesen aus.
Die Ausstattung dieses Bruders wurde nach der Vorlage des Hospitaliterhandbuchs der Comthurey Alpinum genäht. Die schwarzen Stoffe sind pflanzengefärbt.
Bliaut
Bliaut wird ein Oberkleid genannt das im 11. und 12. Jahrhundert am Hof getragen wurde. Laut Quellen war es meist aus Seide und sehr Körperbetont. Ursprünglich gilt der Begriff Bliaut für eine bestimmte golddurchwirkte Stoffart die für diese Art Kleid verwendet wurde. Mit der Zeit hat sich der Begriff aber als Überbegriff für ein langes, tailliertes höfisches Oberkleid mit am Handgelenk weiten Ärmel eingeschlichen.
Je nach dem wie aufwendig ein Kleidungstück werden soll, fällt auch meine Recherche aufwendiger aus. Ich arbeite gerne mit Moodboards die auch die verschiedenen Details des Kleidungsstücks zeigen. Bei diesem Bliaut habe ich mich an einen Stil gehalten welcher auch noch im ausgehenden 12. Jahrhundert ab und zu anzutreffen war. Der Rock reicht nur bis mitte Unterschenkel und lässt darutner die Cotte zum Vorschein kommen. Die Ärmel sind bis mitte Unterarm anliegend bevor sie sehr weit werden. Typisch ist auch der gerade Fall der Ärmel.
Bei diesem Bliaut habe ich mich gegen verzierungen auf den Besätzen entschieden. Der Kontrast der beiden Stoffe soll möglichst stark zur Geltung kommen.
B.M. Valenciennes ms 512, XIIème
1175–1200 Gregorius Magnus I, Moralia in Iob, derniere Partie
Anno 1264 – Museum Schloss Thun
Für die Ausstellung „Anno 1264 – Ein Tag im Leben der Gräfin Elisabeth von Kyburg“ stand ich für textile Fragen beratend zur Seite. Der Wunsch der Kuratorin war es, zu zeigen welche Stoffe zur Zeit von Elisabeth getragen wurden. Einerseits von der Gräfin selbst, aber auch von der ärmeren Bevölkerung. Ich erstellte zwei Dossiers mit Stoffen, Verweisen zu den Originalquellen. Ebenfalls organisierte ich die Stoffe und erstellte ein Dossier zum Thema Accessoires. Eine weitere Aufgabe war es die Historikerin bei der in der Ausstellung aufliegenden Broschüre über die Mode zur Zeit Elisabeths mit meinem spezifischen Fachwissen zu beraten.
Ausstellungstext: Es ist eine Frau, Elisabeth von Kyburg, die 1264 Thun die Handfeste verleiht. Ein aussergewöhnlicher Vorgang, der im Mittelalter üblicherweise den Männern vorbehalten ist. Am Beispiel von Elisabeth von Kyburg werfen wir einen Blick auf das weitgehend unbekannte Leben adliger Frauen im Mittelalter. Was sind ihre Rechte, was ihre Pflichten und Aufgaben? Wie verbringt sie ihren Tag? Wo und wie wohnt sie? Was bedeuten Geburt und Tod? Und wie verhält sich eine Adelsfrau als Witwe? Bilder, archäologische Funde und Begleittexte geben Einblick in das Alltagsleben einer Gräfin im 13. Jahrhundert: Anno 1264 – Ein Tag im Leben der Gräfin von Kyburg.
Garnache
Die Garnache ist ein typisches hochmittelalterliches Übergewand, genutzt als Reisegewand und Wetterschutz. Diese Garnache hier habe ich anhand des Hospitaliter-Handbuchs der Comthurey Alpinum genäht. Sowohl bei den Hospitaliter- wie auch den Templerregeln wird als Überkleid die (pelzgefütterte) Garnache erwähnt. Die Garnache wurde bei den Templern in der Sattelkammer aufbewahrt und konnte auch an Knechte oder Knappen weitergegeben werden. Das heisst sie dürfte keinen repräsentativen Charakter gehabt haben. Von der Comthurey wird die Garnache als ein kürzeres Lammfell- oder Wollgefüttertes Überkleid mit Schlupfärmeln und Kapuze interpretiert. Diese Garnache hier ist aus dichtem Wollstoff, gefüttert mit einem zwiebelgefärbten Wollstoff in Köperbindung von leichterer Qualität.
In "Daily living in the twelfth century" wird Alexander Neckam (1157–1217) zitiert: "Lass den der eine Reise unternimmt eine Cappa mit Ärmeln haben, bei welcher das Wetter der Kapuze nichts ausmacht." Der Benediktinermönch Monge de Montaudon beschrieb um 1190 ebenfalls die Cappa mit Ärmeln als ein sehr nützliches Kleidungsstück auf Reisen.
Beinlinge nennt man das mittelalterliche "paar Hosen". Als Grundlage für das Schnittmuster nahm ich den Fund vom Bockstensman (nach Nockert/ wahrscheinlich 14. Jahrhundert) sowie die Beinlinge des Erzbischofs vom Bremen (z.B: Kania S.391/ 1. Hälfte 13. Jh.). Zudem habe ich den Schnitt noch mit der Schnittzeichnung aus Sarahs Thursfield's "The medieval tailor's assistent" verglichen und leicht abgeändert.
Die Damenstrümpfe sind nach dem selben Grundschnitt genäht, gehen jedoch nur bis übers Knie. Gehalten werden sie entweder von einem Bändchen unter dem Kniegelenk oder mithilfe einer kleinen Fiebel.
Den zahlreichen Handschriften nach ist die Form der Beinlinge im Hochmittelalter und frühen Spätmittelalter dieselbe geblieben. Damit sie am Bein schön anliegen, sind sie im schrägen Fadenlauf zugeschnitten. Die Beinlinge sind mit Leinen gefüttert, da nicht alle Kunden Wolle auf der nackten Haut mögen. Der Fussteil ist jedoch nicht gefüttert da dort allfällige Knitterfalten störend sind.
Herren Cotte
Hier sind 2 Beispiele einer Cotte als Oberbekleidung für die höheren Stände zu sehen. Beide Cottes sind für Anlässe für das Museum Lenzburg entstanden.
Die grüne Cotte ist für die Darstellung von Albrecht III von Habsburg (1173) entstanden. Albrecht trug den Beinahmen „der Reiche“ was auch in seiner Kleidung ersichtlich sein sollte. Der grün/gelbe Seidenstoff ist ein Replika eines Fundes aus dem frühen 13. Jahrhundert. Bestickt wurden die Besätze mit Flussperlen, welche auch schon im Hochmittelalter gerne verwendet wurden um seinen Reichtum zur Schau zu stellen.
Die rote Cotte soll den Darsteller von Ulrich IV von Lenzburg (1160) einkleiden. Leider fehlen hier noch die mit Goldlahn und Flussperlen bestickten Besätze.
Als Cotte wird das Unterkleid von Männern und Frauen bezeichnet. Die Cotte wird über der Chainse (dem Leibhemd) und unter der Surcot getragen. Sie kann jedoch auch für Handwerker und Leute aus den einfacheren Ständen als Oberbekleidung dienen. Dient die Cotte als Oberbekleidung ist sie in der Regel aus Wolle gefertigt und gefüttert. Leinenfunde sind selten. Die Länge der Männercotte variiert in den Jahrhunderten in der sie getragen wurde. Zu Beginn des Hochmittelalters ist sie für Männer aus den höheren Ständen Knöchel- bis Mitte-Wadenlang. Für Handwerker, Bauern und einfachere Stände reichte sie bis übers Knie. Der Halsauschnitt der Cotte ist eng. Er kann Rund sein, oder vorne geschlitzt. Die Ärmel der Cotte sind im Hochmittelalter und frühen Spätmittelalter immer lang.
Historische Kindermode
Bis in die Hälfte des 18. Jahrhunderts entsprach die Kinderkleidung grösstenteils der Erwachsenen- kleidung. Vom 16. bis ins 19. Jahrhundert trugen Knaben im Kleinkindalter bodenlange Kleider wie die Mädchen auch. Ab etwa dem 7. Lebensjahr nimmt man an das Kinder die selbe Kleidung wie die Erwachsenen trugen. Bis in die frühe Neuzeit gibt es Funde und Beschriebe, dass die Säuglinge gepuckt, also in lange Wickelbänder eingewickelt wurden.
Für mittelalterliche Kinderkleidung verwende ich das selbe Schnittschema wie für Erwachsene. Bei Kleinkindern braucht es im Ausschnitt aber noch eine zusätzliche Öffnung, da sonst das Köpfchen nicht durchpasst. Für die ganz kleinen Kinder habe ich anstelle Bruche und Beinlinge weite Pluderhosen genäht. Das erleichtert das Krabbeln und Wickeln.
Leinen Cotte Gr. 80
Leinenhöschen Gr.80
Wollcotte Gr.92
Des Königs Halunken
„Des Königs Halunken“ waren eine Mittelalter-Rockband, die sich ihre Tour "Hauptmann Schädels Zirkus" zum Anlass genommen haben, sich neu zu orientieren. Neben ihrer Musik sollte sich auch ihr Auftritt verändern. Die fünf Musiker als Protagonisten befinden sich in einer Unterwelt. Gähnende Abgründe, bodenlose Schächte, gewaltige Hallen und reissende Flüsse stellen sich ihnen in den Weg. Die Kostüme sollten die Stimmung die in dieser Unterwelt herrscht verstärken und den individuellen Charakter der Protagonisten herausheben. Dabei fliessen einzelne Elemente von Steampunk und Zirkuswelten mit ein.
Auftrag war es zu dieser Unterwelt ein stimmiges Kostümbild zu entwerfen. Dabei habe ich einige wenige Kleidungstücke gekauft, die meisten jedoch selbst angefertigt. Jedes Kostüm unterstützt durch seine Eigenständigkeit die Rolle des Trägers. Accessoires geben ihnen einen zusätzlichen individuellen Charakter und die Musiker werden in ihrer Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt.
Ein wichtiger Teil in der historischen Darstellung nehmen die Accessoires ein. Sie helfen die Darstellung individuell zu gestalten und auf historische Details hinzuweisen. Ebenfalls helfen sie moderne Merkmale zu kaschieren. Ob Schleier, Gebende oder Hut, Tasche, Beutel oder Gürtel. Sehr viele Accessoires lassen sich selber herstellen und auf Anfrage probiere ich gerne auch neue Dinge aus. Ich kann zum Beispiel Sticken, Brettchenweben oder auch Leder und Pelz nähen.
1180, Fécamp Psalter, Normandie. Um die Schultern geschlungener Schleier
Almosenbeutel um 1180 n.Chr.
Besticktes Nadeletui
La Gioconda
Kostüm für die Oper "La Gioconda" von Amilcare Ponchielli im Opernhaus Zürich. Auftragsarbeit am Studium zur Theaterschneiderin.
Modernes
Als gelernte Damenschneiderin habe ich eine Couture-Ausbildung. Auf Wunsch fertige ich auch Kleidung für die heutige Zeit. Die Schnittmuster erstelle ich selbst. Die Kleidungsstücke werden dann mit der Nähmaschnine genäht, und nicht von Hand ;)
Ebenfalls nähe ich Kinderkleider in allen Grössen. Sei es ein hübsches Cord-Schürzenkleidchen oder Jersey-Pluderhöschen.
Baron von Schlotterfels
Ein Fantasyprojekt für eine Kostümparty. Das Konzept war, ein Zombiepaar darzustellen, angelehnt an die Mode aus dem ausgehenden 19. Jh.