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Was haben Zug, Feusisberg und Appenzell gemeinsam? Jede dieser Gemeinden wurde schon in einem Städteranking als die attraktivste der Schweiz erkoren. Solche Ranglisten sind populär geworden. Nicht selten lösen sie Wirbel aus, vor allem bei den schlecht platzierten Orten. Die Stadt Le Locle - welche in mehreren Ranglisten ungünstig abschneidet - sah sich sogar dazu veranlasst, einen Comic herauszugeben, der die herbe Schönheit dieser Wiege der Uhrenindustrie illustrieren soll.
Ist diese Aufregung gerechtfertigt? Es gibt gute Gründe, daran zu zweifeln. Die meisten Rankings sind nach dem Prinzip der Nutzwertanalyse aufgebaut. Zuerst wird eine Reihe von Lageindikatoren (Steuerbelastung, Schulqualität, Erreichbarkeit usw.) bestimmt, wobei man annimmt, sie seien für die meisten Haushalte von Bedeutung. Diese Indikatoren werden anschliessend zu einer Gesamtnote zusammengefasst. Die Gewichtung der einzelnen Noten im Gesamtrating wird subjektiv durch die Ratingautoren festgelegt. Das Ranking widerspiegelt möglicherweise ihre Abneigungen und Präferenzen.
Dabei ist eine objektivere Gewichtung durchaus möglich.
Ausgangspunkt für die korrekte Messung der Lebensqualität einer Stadt ist der Bodenpreis, welcher die Attraktivität der Lage widerspiegelt. Eine saubere Luft oder ein spannendes Nachtleben werden in den Bodenpreisen in dem Ausmass berücksichtigt, wie sie die Einwohner und die Unternehmen wertschätzen. Erzielt das gleiche Haus einen höheren Preis in einer Stadt als in einer anderen, stellt dies ein Indiz für eine höhere Attraktivität der Lage dar - sprich, für eine höhere Lebensqualität.
Grosse Städte schneiden besser ab
Attraktivität schlägt sich nicht nur in höheren Bodenpreisen, sondern auch in tieferen Löhnen nieder. Was zuerst erstaunen mag, ist nur die logische Konsequenz des Marktmechanismus. Man nehme das Beispiel eines Studenten, der die Wahl zwischen einem Ferienjob auf Ibiza oder in einer Autobahnraststätte im Schweizer Mittelland hat. Gut möglich, dass er bereit ist, die erste Stelle für einen wesentlich tieferen Stundenlohn anzunehmen. Wer also die Attraktivität einer Gemeinde mit dem Einkommen misst, das einem gegebenen Haushalt nach der Entrichtung von Miete, Steuern und Abgaben verbleibt, muss seine Rangliste umkehren. Gerade da, wo am Ende des Monates am wenigsten übrig bleibt, ist die Lebensqualität am höchsten.
Zahlreiche Studien haben die Lebensqualität von Städten mit diesem ökonomisch fundierten Ansatz quantifiziert. Gemäss diesen Studien hat die Bedeutung des Klimas und der kulturellen Vielfalt in den letzten Jahren zugenommen. Im Vergleich zu den Beraterrankings schneiden die grossen Städte in der Regel besser ab.
Missverstandene Implikationen
Städterankings werden nicht nur falsch berechnet, sie werden auch falsch interpretiert. Wenn das Leben in Le Locle wirklich unerträglich wäre, würden die Einwohner die Stadt verlassen. Die Immobilienpreise würden entsprechend fallen. Das Gegenteil würde im attraktiven Zug geschehen: Die Immobilienpreise würden da so lange ansteigen, bis die potenziellen Neuzuzüger von einem Umzug abgeschreckt werden. Lebensqualität hat eben ihren Preis. Auf einem funktionierenden Immobilienmarkt muss sie in Form von hohen Wohnkosten und womöglich tieferen Einkommen erkauft werden. Umgekehrt profitieren die Einwohner von Le Locle von günstigen Mieten und tiefen Immobilienpreisen. Letztes Jahr bescherten sie dem Städtchen sogar eine kleine Bevölkerungszunahme. So lässt sich erklären, warum die stolzen Loclois nicht wesentlich unglücklicher sind als die verwöhnten Zuger.