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Versucht hatten es schon einige, geschafft hatte es niemand. Viele hatten mit dem Leben bezahlt: Als der neuseeländische Imker Edmund Hillary und sein nepalesischer Sherpa Tenzing Norgay am 29. Mai 1953 die letzten 350 Meter zum Gipfel des Mount Everest in Angriff nahmen, stand auch hinter dem Erfolg ihrer Mission ein dickes Fragezeichen.
Tags zuvor waren der 33-jährige Hillary und der 6 Jahre ältere Norgay aus dem letzten Basislager ihrer Expedition aufgebrochen, auf 8500 Meter schlugen sie bei minus 30 Grad ihr letztes Nachtlager auf. Vor dem Gipfel galt es am nächsten Tag noch eine 12 Meter hohe vertikale Felswand zu bezwingen – den legendären Hillary Step.
10 Meter vor dem Gipfel hielten wir an und warteten einen Moment. Dann gingen wir los.
Hillary und Norgay liessen sich auf ihrem Weg auf das Dach der Welt aber nicht mehr aufhalten. «Zehn Meter vorher hielten wir an und warteten einen Moment. Dann gingen wir los», beschreibt Norgay in seiner Autobiografie die letzten Schritte auf den Gipfel des Mount Everest. Am 29. Mai um die Mittagszeit hatten sie das Ziel erreicht.
Die grosse Frage lautet: Wer war zuerst oben?
Knapp 15 Minuten bleiben sie dort, sitzen nebeneinander, essen ein bisschen Schokolade und beginnen den Abstieg. Das Wetter dreht, die gefürchteten Monsunstürme kündigen sich an, die Zeit drängt. Das einzige Gipfelfoto zeigt Norgay, den Eispickel in der erhobenen rechten Hand. Ein Bild von Hillary gibt es nicht, Norgay kann die Kamera nicht bedienen.
Wer tatsächlich zuerst oben war, bleibt ungeklärt, obwohl Norgay in seinem Buch Hillary den Vortritt lässt: «Wir gingen nebeneinander, und ich denke, sein Fuss war zuerst oben.» Hillary lässt das nicht unwidersprochen, er behauptet, es sei «sicher so gewesen, dass wir beide gleichzeitig oben waren».
Norgay erlangte in der Folge Legenden-Status als Sherpa. Er starb 1986 im Alter von 71 Jahren an den Folgen einer Hirnblutung. Hillary wurde nach der Erstbesteigung von der Queen zum Ritter geschlagen. 2008 erlag er im Alter von 88 Jahren einem Herzinfarkt.