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Promotion: Marion Schulze
Another Song for the Ladies? Die Welt des Hardcore und ihre Geschlechterkonventionen
Diese Studie ist die erste Ethnographie der Geschlechterarrangements des Hardcore(-punk). Sie basiert auf einer siebenjährigen, multi-situierten und partizipierenden Feldforschung in Europa, Nordamerika und Japan sowie 22 erzählgenerierenden Interviews. Gleichzeitig ist sie auch ein empirisch verankerter Vorschlag einer gendersensiblen Subkulturtheorie, die bislang noch in diesem Forschungsfeld aussteht.
Hardcore als radikale Re-Interpretation des Punk und Skinhead kann im sozialwissenschaftlichen Vokabular als „musik-basierte Subkultur“ bezeichnet werden. Die Geschlechterkonventionen des Hardcore stehen im Zentrum dieser Forschung um aufzuzeigen, wie Geschlecht in dieser Welt organisiert und verhandelt wird. Sie regeln auf Ebene der Gruppe und der Individuen, wie Geschlecht hergestellt und wie damit umgegangen wird. Gleichzeitig verdeutlichen sie, welche Ideen und Verständnisse hardcore kids von Geschlecht teilen und wie diese ihre gemeinsamen Aktivitäten beeinflussen. Die Konventionen der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung, die der Heterosexualität und die des Nichttuns von Geschlecht werden im Detail beschrieben und es wird aufgezeigt wie sie in ihrer Kombination und Verflechtung einen spezifischen Handlungsrahmen aufmachen, der bestimmte Konstruktionen und Darstellungen von Geschlecht ermöglicht, aber auch andere verhindert. Weiterhin wird aufgezeigt, wie diese Konventionen sich auf die Laufbahnen von hardcore kids auswirken und wie genau sie für eine erfolgreiche Teilhabe am Hardcore erlernt werden (müssen).
Vor dem Hintergrund dieser dichten Beschreibung wird ein erster Entwurf einer gendersensiblen Subkulturtheorie vorgeschlagen. Dafür wird sich von der aktuellen Subkulturtheorie und deren Konzeption von „Subkultur“ als Entität in einer größeren, dominierenden Entität distanziert. Das damit einhergehende Unterordnen und Gegenüberstellen der Geschlechterarrangements in „Subkulturen“ zu und von einer „Gesamtgesellschaft“ wird als problematisch abgelehnt. Es wird hingegen, gestützt auf Literatur aus der Geschlechterforschung, Ethnologie, Soziologie, Ethnizitäts-und Globalisierungsforschung, vorgeschlagen, sich bei der Beschreibung und Analyse nicht ausschließlich auf Machtverhältnisse und Konfrontationen, sondern vor allem auf die Koalitionen und Zusammenarbeit mit anderen Welten und sozialen Situationen zu konzentrieren. Dieser Perspektivenwechsel verdeutlicht, wie translokale und globalisierte Welten wie die des Hardcore immer sehr eng mit anderen sozialen Situationen und Welten verbunden sind. Diese sind es auch, die die Ressourcen für die Geschlechterkonventionen in Subkulturen bereitstellen, die dann zu einem der Subkultur spezifischen Arrangement zusammengestellt werden. Dieser Ansatz ermöglicht es, die Geschlechterarrangements in translokalen Subkulturen ernst zu nehmen und sie nicht allein als „Spiegel“ einer Gesamtgesellschaft zu analysieren.
Abschluss Promotionsverfahren: 30. August 2011
Erstgutachterin: Prof. Dr. Andrea Maihofer
Zweitgutachter: Prof. Dr. Franz Schultheis (St. Gallen)
Universität Basel
Gutachter/in: Prof. Dr. Andrea Maihofer; Prof. Dr. Franz Schultheis (St.Gallen)