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Meningokokken- Erkrankungen, die meist als Hirnhautentzündungen auftreten, haben in der Schweiz seit 1997 stark zugenommen. 1999 wurde gar ein sprunghafter Anstieg verzeichnet. Experten vermuten einen Zusammenhang mit den Grippe-Epidemien.Dieser Inhalt wurde am 24. Juli 2000 - 14:45 publiziert
Eine Impfkampagne soll vorerst aber nicht durchgeführt werden.
Meningokokken- Erkrankungen manifestieren sich in rund drei Viertel der gemeldeten Fälle in der Form von Hirnhautentzündungen, wie es in dem am Montag (24.07.) veröffentlichten Bulletin des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) heisst.
Von 1995 bis 1999 wurden dem BAG insgesamt 594 Erkrankungen gemeldet, die von Meningokokken- Erregern verursacht wurden. 51 oder 8,6 Prozent der Fälle verliefen tödlich.
Während zu Beginn der Meldeperiode die Zahl der Fälle etwas abnahm, stieg sie ab 1997 kontinuierlich an. Damals wurden 107 Fälle, 1998 schon 121 und 1999 gar 166 Fälle gemeldet. 1997 verliefen sieben, 1998 elf und 1999 14 Erkrankungen tödlich.
Der Anstieg der Meldungen setzte sich auch im laufenden Jahr fort; bis Mitte letzter Woche wurden insgesamt 124 Erkrankungen bekannt. In der entsprechenden Vorjahresperiode hatte es noch hundert Meldungen gegeben.
Besonders betroffen von den Erkrankungen sind Kinder unter fünf Jahren und Jugendliche, wie das BAG schreibt. Vereinzelt gab es lokale Häufungen, und jeweils im Spätwinter/Frühling kam es zu der in Europa üblichen saisonalen Häufung.
Anstieg in ganz Europa
Meningokokken- Erkrankungen haben in der Schweiz von 1995 bis 1999 etwa im gleichen Ausmass zugenommen wie im übrigen Europa. Die Melderaten liegen im europäischen Vergleich im Mittelfeld, zusammen mit denjenigen Österreichs, Belgiens und Tschechiens.
Den sprunghaften Anstieg 1999 könnten laut BAG mehrere Faktoren mitbedingt haben. So nehmen Meningokokken-Erkrankungen erfahrungsgemäss in Abständen von acht bis zwölf Jahren vorübergehend zu. Ein letzter kleiner Anstieg wurde in der Schweiz 1991 beobachtet.
Zudem kam es Anfang 1999 zu einer ausgeprägten Grippe-Epidemie; die Daten zeigen einen zeitlichen Zusammenhang der beiden Krankheiten. Es sei denkbar, dass ein gemeinsamer Faktor zum Anstieg beider Erkrankungen führe, schreibt das BAG dazu.
Zudem trat am 1. März 1999 die neue Meldeverordnung in Kraft. Somit ist möglich, dass damit Fälle bekannt wurden, die bisher nicht gemeldet wurden.
Vorerst keine Impfkampagne
Das BAG setzt weiterhin auf frühe Diagnose und Therapie und eine rasche Antibiotika-Prophylaxe der engen Kontaktpersonen. Eine allgemeine Impfempfehlung sei zur Zeit nicht angezeigt. Eine Impfung gegen alle Typen von Meningokokken sei zwar wünschenswert; gegen den Typus B gebe es aber in absehbarer Zeit keinen Impfstoff.
Zudem sei die verfügbare Impfung gegen den Typus C bei Kindern unter zwei Jahren nur wenig wirksam. Weltweit existieren ein A-, B- und C-Typus der Krankheit. Der Typus A kommt in der Schweiz kaum vor.
swissinfo und Agenturen
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