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Die Vererbung der Farben beim
Pembroke Corgi

Von Dr. W.H. Harding, Delmater Corgis, England
Welche Farbe werden die Welpen haben? Das ist eine spannende Frage und obwohl die Antwort nicht mit Sicherheit gegeben werden kann, ist es doch möglich, sich ein Bild zu machen, wenn man die Linien der Eltern kennt und ein elementares Wissen über Genetik hat.
Alle vererbten Eigenschaften werden durch die Keimzellen der Eltern übertragen. Jede Eigenschaft hat sein eigenes Gen und es hängt vom Verhalten dieser Gene ab, welche Eigenschaften sich bei den Nachkommen zeigen.
Die meisten Gene (und das bezieht sich auch auf die Farbe der Corgis) können als dominant oder rezessiv eingestuft werden. Ein dominantes Gen wird eine bestimmte Eigenschaft erzeugen, wenn es in der Keimzelle von nur einem der Eltern vorkommt, während ein rezessives Gen nur zum Ausdruck kommt, wenn es bei beiden Eltern vorhanden ist.
Rot ist eine dominante Farbe beim Pembroke Corgi und kann entweder allein oder zusammen mit Schwarz oder Weiss auftreten, die gegenüber Rot rezessiv sind. Ein Hund, der Träger von dominanten und rezessiven Genen ist wird als heterozygot bezeichnet, und die rezessiven Eigenschaften können während Generationen versteckt weiter gegeben werden, ohne dass sie äusserlich zum Ausdruck kommen, bis die Verpaarung mit einem anderen heterozygoten Hund diese Eigenschaft ans Licht bringt. Siehe Fig. 1.
AA = homozygot (reinerbig) ROT
Ab = heterozygot, Erscheinungsbild: Rot (Träger von Schwarz)
bb = Tricolor (oder Schwarz m. Brand*)
A und B sind heterozygote Eltern (Ab), die nur die dominante rote Farbe aufweisen. Sie produzieren Nachkommen im Verhältnis von einem schwarz mit Brand* (oder tricolor) zu drei roten Welpen, wobei zwei der Welpen heterozygot wie ihre Eltern sein werden, d.h. sie sind Träger von sowohl Schwarz (oder Schwarz und Weiss) wie Rot, während der vierte rote Welpe homozygot, d.h. nur Träger von Rot sein wird.
Einfacher ausgedrückt, sind die heterozygoten Nachkommen genetisch "nicht rein" rot während der homozygote "reinerbig" für Rot ist.
Weil aber die heterozygot und homozygot roten Corgis äusserlich nicht voneinander zu unterscheiden sind, kann ihr Genotyp nur anhand der Farbe ihrer Nachkommen festgestellt werden.
Die folgenden Diagramme zeigen die möglichen Resultate der verschiedenen Paarungen. Es muss allerdings betont werden, dass die proportionale Verteilung in jedem einzelnen Beispiel sich auf eine grosse Zahl von Nachkommen basiert und nicht unbedingt auf einen einzelnen Wurf, wo die Zahl der Welpen zu klein ist, um ein genaues Resultat zu ergeben.
Der Grund dafür ist offensichtlich, wenn man bedenkt, dass bei jeder Paarung eine sehr grosse Zahl an Samenzellen freigegeben wird, aber nur wenige Eizellen zur Befruchtung vorhanden sind. Daher ist die Anzahl von Genpaaren zu klein, um ein wahres Verhältnis zu zeigen.
In Fig. 2 wird ein heterozygot roter Corgi (Ab) mit einem homozygot roten Corgi (AA) gepaart. Es wird keine tricolor oder schwarz mit Brand Welpen geben, aber 50% der Nachkommen werden heterozygot und 50% werden homozygot (reinerbig rot) sein. Da alle Welpen rot wie ihre Eltern sind, gibt es keinen Hinweis dafür, dass A heterozygot ist.
Wenn aber A wie in Fig. 3 mit einem tricolor (oder schwarz mit Brand) Corgi (bb) gepaart wird, dann werden 50% der Welpen tricolor (oder schwarz mit Brand) und 50% werden heterozygot rot sein.
Wenn A jedoch homozygot rot (AA) ist und mit einem tricolor (oder schwarz mit Brand) Corgi (bb) verpaart wird, dann kann man keine tricolor Welpen erwarten. Alle werden heterozygot rot sein. Siehe Fig. 4.
Bisher wurde Weiss nicht als eine separate Farbe betrachtet. Wie bereits erwähnt ist Weiss rezessiv zu Rot, aber in Anbetracht der Vorliebe der Züchter ist es schwierig einen rein roten Corgi zu finden, der nicht heterozygot für Weiss ist und daher ist ein rein roter Wurf eine Seltenheit.
In Wirklichkeit ist die Dominanz von Rot über Weiss in gewissen Linien so verwässert, dass die Farben fast gleichmässig verteilt sind. Demzufolge taucht gelegentlich ein sogenannter "Whitely" auf, wo die weisse Farbe überwiegt. Das ist leicht zu verstehen, wenn man davon ausgeht, dass A und B in Fig. 1 heterozygot für Rot sind , aber Träger von mehr Weiss anstatt von Schwarz mit Brand sind, dann wird der Whitely dem Schwarz mit Brand Welpen entsprechen. Oder, mit anderen Worten, wenn die Eltern A und B viel Weiss zeigen, dann kann davon ausgegangen werden, dass von 4 Welpen einer ein Whitely sein wird, obwohl nicht unbedingt im ersten Wurf.
Wenn, wie in Dog World berichtet, fünf von sieben Welpen Whitelies sein sollten, dann würde das den theoretischen Erwartungen nicht widersprechen, denn wenn die gleiche Kombination in zwei weiteren Würfen sechs bzw. sieben rot-weisse Welpen hervorbringen würde (was sehr wahrscheinlich ist), dann wäre das Verhältnis von Whitelies korrekt, nämlich 5 von 20.
Ich kenne einen Fall, wo ein Wurf von vier Welpen, gezeugt von einem bekannten Rüden, einen Whitely enthielt. Ein roter Rüde mit weissen Pfoten aus diesem Wurf zeugte später mit einer Hündin, die als Trägerin von Schwarz bekannt war, einen 8er-Wurf, der einen Schwarz mit Brand und einen fast rein schwarz-weissen Welpen mit einem Minimum an Rot enthielt.
Es ist eine merkwürdige Tatsache, dass das Gen für Schwarz eine stimulierende Wirkung auf Rot zu haben scheint. Bei einer Linie, ganz ohne das Gen für Schwarz, hat die rote Farbe eine Tendenz, zu einem fahlen Rehbraun oder Gold zu degenerieren. Wenn eine Hündin aus einer solchen Linie mit einem tricolor Rüden gedeckt wird, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass die Welpen ein bedeutend kräftigeres Rot zeigen werden. Der Wurf wird keine tricolor, dafür vielleicht einige sable Welpen enthalten.
Brindle ist keine echte Pembroke-Farbe und wenn sie vorkommt, kann sie nur von einem rezessiven Gen von Cardigan-Vorfahren stammen.
Der übliche 5-Generationen Stammbaum zeigt nicht unbedingt auf, ob ein Hund Träger des schwarzen Gens ist oder nicht. Jeder Hund in direkter Linie kann rot oder rot-weiss sein, aber er könnte tricolor Geschwister haben, die im Stammbaum nicht aufgeführt sind.
Zum Beispiel zeugte ein Rüde aus meiner Zucht mit einer bestimmten Hündin zwei tricolor und sieben rot-weisse Welpen. In seinem 8-Generationen Stammbaum sind keine tricolor Hunde, aber er hat einen tricolor Halbbruder und auf der Seite seiner Mutter gab es tricolor Hunde zwei, drei und vier Generationen zurück.
Darum wiederhole ich: "Wer über gute Kenntnisse der Familie der Eltern verfügt, wird das wahrscheinliche Resultat voraus sagen können."
Aus Welsh Corgi League Handbook 1958
*) Der FCI-Standard Nr. 39 für den Pembroke Corgi erwähnt bei den Farben "... mit oder ohne Weiss...", aber heute wird man kaum jemals einen Corgi ganz ohne Weiss sehen.
Übersetzung: ANo