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Wenn einer bereits bei seiner Geburt volksmusikalische Klänge mitbekommen hat, dann sicher Gottfried Aegler. Anlässlich des Marktes am 10. Mai 1932 in Erlenbach sassen Bauern und Viehhändler im elterlichen Gasthaus «Linde» und stimmten den einen oder anderen Jutz an, während das Büblein einen Stock höher das Licht der Welt erblickte. Volksmusik muss den neuen Erdenbürger darum infiziert haben. Der sich noch immer in recht guter gesundheitlicher Verfassung befindende Gottfried Aegler kann deshalb auch auf ein erfülltes Leben mit Musik zurückblicken, das den inzwischen 89-Jährigen auszeichnet und mit Stolz erfüllen darf. Der Simmentaler war als Musiker bekannt, spielte diverse Blasinstrumente, Akkordeon und Klavier. Er komponierte zirka 40 Volksmusikstücke, arrangierte Werke für seine verschiedenen Ensembles wie dem Klarinettenquintett «Phil-harmonia» und dem Saxophonquartett «Spectrum», schrieb Stücke für den bekannten Alphornisten Jozsef Molnar, spielte selber in Ländlerkapellen (Kapelle Heimatklänge in jungen Jahren, ferner mit Thuri Brügger, Dänzer/Seewer und über Jahre hinweg in der eigenen Kapelle Aegler/Fuhrer mit Hansruedi Fuhrer am Akkordeon, Fritz Studer am Klavier und Otto Teuscher am Bass. Es existieren einige Tonträger, darunter auch welche mit klassischen Kammermusikformationen, wo er sich als Soloklrainettist hervortat. Daneben war er während 27 Jahren Klarinettist im Thuner Stadtorchester. Mit einer eigenen Blasmusikformation hat Aegler Werke des bekannten Komponisten Maurice Thöni einstudiert und Langspielplatten bespielt, als er 1976 Thönis Musikverlag übernommen hatte. Beachtenswert sind natürlich die Lehrdiplome für Klarinette und Saxophon. Das erste erwarb er mit 40, und das zweite im Alter von 60 Jahren. Chapeau!
Der gelernte Schriftsetzer kannte sich auch in der Sprache aus. Während Jahren stand er als Berner-Oberländer-Korrespondent dem Volksmusikjournal auf Radio DRS 1, moderiert von Roger Thiriet, zur Verfügung.
Nie in seiner ganzen Karriere drängte sich Gottfried Aegler in den Vorder-grund, obwohl das aufgrund seiner vielseitigen Leistungen und Tätigkeiten durchaus im Bereich des Möglichen gewesen wäre. Wysel Gyr, Nachfolger von Thieriet beim Volksmusik-Journal, erkannte das grosse aber fast heimliche Schaffen des stets bescheidenen Simmentalers, dessen Musik im heimatlichen Umfeld zusätzlich einen schweren Stand hatte. Gyr schlug ihn für die Auszeichnung mit dem Goldenen Violinschlüssel vor, eine wohlverdiente Ehre, die er nach wie vor sehr schätzt.
eglers Musikwunsch ist eine Rarität. Er würde gerne eine Eigenkomposition hören, bei der er im Wälzerli «Mit Härz u Gmüet» ein Instrument erklingen lasse, das selten sei in der Ländlermusik. Elmar Schmid von den «Walliser Spilüt» und Dani Häusler seien neben ihm die einzigen, die das Bassetthorn, die Schwester der Altklarinette, spielten, und das Häusler nach wie vor einsetzt. Man darf auf den ganz besonderen Klang gespannt sein und sich freuen.
Geri Kühne