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Eingeschränkter Turnbetrieb während des 1. Weltkrieges
Den Auftakt zum neuen Vierteljahrhundert machte 1907 das Verbandsturnfest in Mettmenstetten mit dem 25-Jahre-Jubiläum des Turnverbandes am Albis. Dass der Turnerfahne keine Schmach angetan werden konnte, bezeugt die schwache Beteiligung an der Kantonalturnfahrt Steinliberg – Bassersdorf, denn die Fahne samt Tambour wurde einfach zuhause gelassen. In dieser Zeit stehen wir an der Schwelle zur Luftfahrt, denn die Gebrüder Wright flogen ihren ersten Doppeldecker an einer Vorführung 1908. War der Reiz der Neuheit der Turnübungen verflogen oder war der Eifer etwas erkaltet, dass der Beschluss, das Eidg. Turnfest in Lausanne zu besuchen, infolge allzu starken Mitgliederschwundes ins Wasser fiel oder waren es andere Gründe? Wir wissen es nicht. Jedenfalls stieg die Zahl der Aktiven im Berichtsjahr 1909 wieder auf 27. Der heisse Sommer 1911 brachte das Kantonalturnfest Winterthur, wo auch das 50-jährige Wiegenfest des Kantonalturnvereins Zürich, mit der Weihe der neuen Kantonalfahne stattfand. Politisch hatte sich die Schweiz um diese Zeit durch den Liberalisierungsprozess gefestigt, doch über Europa zogen Gewitterwolken zusammen. Das Attentat auf den österreichischen Thronfolger im Juni 1914 in Sarajewo war die Kundgebung eines revolutionär-nationalistischen Geistes und der Beginn einer grossen Katastrophe. Der erste Weltkrieg (1914–1918) brach aus und brachte Massenheere mit sich, die die Welt bisher noch nicht gekannt hatte. Die Mobilmachung wurde angeordnet und es standen 250’000 Mann unter den Waffen. Die zweite Landesaustellung der modernen Schweiz in Bern konnte nur noch knapp unter Dach gebracht werden. Der Turnbetrieb über die Kriegsjahre war sehr beschränkt und warf keine hohen Wellen. Es folgte der Landesgeneralstreik mit Militäreinsatz und einer furchtbaren Grippe. Es wurde ein Verbot von Vereinsübungen und Ansammlungen der Bevölkerung erlassen. Die Schweiz zählte beinahe 22’000 Grippeopfer, unter denen sich auch ein Obfelder Turner befand, welcher in Zürich im Militärdienst stand.
Neue Fahne für den Turnverein
Am 1. August 1919 entrollten die hiesigen Turner ihre neuste Fahne, welche das alte Banner nach 20 Lebensjahren ablöste. Anfangs März 1920 musste der neue Oberturner in die Rekrutenschule. Weil alle drei Ersatzmänner den notwendigen Mut zur Übernahme der verwaisten Stelle nicht aufbrachten, musste auf den Besuch des Kantonalturnfestes Rüti verzichtet werden. Dafür wurde das neue Banner erstmals am ETW Wettkampf 1922 in St. Gallen mit dem Lorbeer gekrönt. Im November 1922 wurde durch eine Urabstimmung der Turnfahrtenzwang im ETV abgeschafft, wodurch sich auch im TVO die Wanderungen auf 1-2 Fahrten pro Jahr einpendelten. 1923 sehen wir erstmals Otto Häberling als jungen Oberturner mit seiner Sektion am Kantonalturnfest in Oerlikon. Wahrlich, der Verein hatte seine Wahl nie zu bereuen gehabt.
2. Albisverbandsturnfest in Obfelden
1924 folgte die zweite Organisation eines Albisverbandsturnfestes in Obfelden. Nicht verwunderlich, denn mit dem Dreiergespann Oberst Robert Stehli-Zweifel als Ehrenpräsident des OK, Förderer und Gönner des TV wie der Gemeinde, dem unermüdlichen Adolf Frei als Festpräsidenten und Otti Häberling als Chef des Turnbetriebs musste dieser Anlass gelingen, welcher im schönen Baumgarten hinter der Fabrik stattfand. Trotz Verschiebung wegen Witterungsunbill auf den 3. August, war diesem Anlass ein grosser Erfolg beschieden, säumte doch eine in die Tausende gehende Zuschauermenge den Wettkampfplatz. Der bescheidene Kassenbestand des Vereins erhielt mit über 1400.- Franken Reinerlös eine angenehme Aufstockung und durch den Werbeeffekt fanden 7 Jungturner den Weg in die Reihen der Aktivturner. Dass aus diesem Anlass grosse Sympathie für den Verein erwuchs, bewies ein brechend volles Haus anlässlich der nächsten Abendunterhaltung im Januar 1925. Im gleichen Jahr bestand Oberturner Otto Häberling seine Feuertaufe am Eidg. Turnfest in Genf. Ein Jahr später holte er mit dem Verein gar den 1. Rang mit 114.541 Punkten am Verbandsturnfest in Langnau am Albis.
1. Rang am Eidgenössischen Turnfest in Luzern
Das Jahr 1928 sah das Eidg. Turnerbanner über Luzern. Der Verein, welcher viele seiner Mitglieder in der Rekrutenschule hatte, musste mit einem Rumpfbestand in der 6. Stärkeklasse antreten. Gross war die Freude in der Gemeinde, alsdie Schar im weissen Gewand zusammen mit dem TV Illnau im 1. Rang mit 143.75 Punkten den Lorbeer nach Hause trug.
Bau von Gemeindehaus und Schwimmbad
Betrachten wir die damalige Zeitepoche wieder einmal ohne die Turnerbrille. In Deutschland wurden 1928–1929 die ersten Versuche gemacht, Raketen für Luftfahrzeugantriebe zu verwenden. Der österreichische Adolf Hitler gründete 1930 die Nationalsozialistische Arbeiterpartei. Das heutig noch stehende Gemeindehaus, projektiert 1920, wurde 1929–1930 gebaut. Die Baukosten von über 268’000 Franken fielen der Gemeinde nicht allzu schwer auf den Magen, da 100’000 Franken aus dem Seidenhause Stehli gespendet wurden. Auf dieses Jahr fällt auch die Errichtung der ersten, ständigen Gemeinderatskanzlei. Das Gemeindeschwimmbad am Wolserbach wurde im Frondienst erbaut, wiederum ermöglicht durch eine grossherzige Spende aus gleicher bekannter Hand. Auf der Heimreise von der Turnfahrt 1930 bestieg die frohe, müde Turnerwanderschar in Zug immer noch das alte Dampfbähnli ins Knonauer Amt. In den Abschluss der ersten 50 Vereinsjahren fiel das Kantonalturnfest in Altstetten 1930 und zum ersten Mal in der Geschichte des Albisverbands wurde am 28. September in Birmensdorf ein Spiel- und Stafettentag organisiert, welcher in der Folge zum festen Bestandteil des Jahresprogramms wurde. Die 50-Jahre-Feier wurde in bescheidenem Rahmen anlässlich der üblichen Abendunterhaltung begangen.