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(griech.), Feste, welche zu Ehren der Aphrodite allenthalben, wo sie Tempel hatte, begangen zu werden pflegten.
Der Hauptsitz derselben war die Insel Cypern, besonders die Stadt Paphos, wo Aphrodite der Sage nach der erste Tempel erbaut ward.
(griech.), Mittel, welche die geschwächte und erstorbene Zeugungskraft wieder erwecken und beleben sowie
spezifisch reizend und aufregend auf die Geschlechtsorgane wirken. Zu den Aphrodisiaka aus der Klasse der Nahrungsmittel gehören Trüffeln
und andre Pilze, Spargel, Schokolade, Eier, Kaviar, Austern, Lachs, Aal und andre Fische, Froschkeulen, Schildkrötenfleisch, Wildbret.
Nachteiliger sind die Mittel, welche in einer spezifischen Beziehung zu den Nervengeflechten des Genitalsystems
stehen und nach einer momentanen Aufregung eine um so größere Erschlaffung bewirken, wie Zimt, Vanille, Safran, Perubalsam,
Ingwer, dann Moschus, Haschisch oder indischer Hanf, Myrrhe, Terpentin.
Eine dritte Klasse sind die harntreibenden Stoffe, namentlich Sellerie, Petersilie, Fenchel, Senf, Rettich,
Zwiebeln. Am gefährlichsten sind die Narkotika, welche besonders auf das kleine Gehirn und verlängerte Mark aufregend zu wirken
scheinen. Den größten Ruf als Aphrodisiakum haben die Kantharidenpräparate (»italienische Elixire«, Diavolini, Pastilles
galantes etc.), welche aber zu Blutüberfüllung der Nieren und Harnwege, zu Blutharnen und Harnstrenge führen, meist ohne die
beabsichtigte Wirkung. Außerdem fand und findet noch heute eine große Anzahl abergläubischer Aphrodisiaka (Philtra)
Anwendung.
(Anaphrodit, griech.), jedes animalische, besonders menschliche, Wesen, an dem die Genitalien entweder ganz
fehlen, oder so verkümmert sind, daß sich der Geschlechtscharakter daraus nicht bestimmen läßt.
Vollkommene Geschlechtslosigkeit
(Aphroditismus) kommt äußerst selten vor.
(lat. Venus), in der Mythologie der Griechen die Göttin der Liebe und Schönheit. Ursprünglich war sie wohl
die Göttin alles Wachsens und Entstehens. Indem auch der Natur ein sehnsüchtiges Verlangen zugeschrieben wurde, ward aus
ihr die Göttin der Liebe und allmählich die der Schönheit. Es scheint, daß der Ursprung ihrer Verehrung
bereits in die Epoche zurückfällt, in welcher die Griechen noch mit den übrigen indogermanischen Völkern eine Einheit bildeten;
denn wir finden bei der Mehrzahl dieser Völker eine ihr wesensverwandte Göttin.
Aber diese ursprüngliche Gestalt ist auf den Inseln und dem Festland von Griechenland durch orientalische,
besonders vorderasiatische und phönikische, Einflüsse stark verwischt worden,
indem vielfach Züge der semitischen Aschera
oder Astarte (Aschtaroth) in die Aphrodite hineingetragen wurden. Wie diese, wurde sie bewaffnet dargestellt auf Cypern, wo sie in
Paphos, Amathus, Golgoi, Idalion, Salamis alte Verehrungsplätze hatte (daher heißt sie auch bei den Griechen Kypris, bei
den Römern Cypria), auf der Insel Kythera (daher ihr Beiname Kythereia), in Sparta, Akrokorinth und anderswo.
Als solche hieß sie Areia und wurde zur Gattin oder Geliebten des Ares, zu welchem sie auch schon insofern in Beziehung stand,
als er Gott des Gewitters und somit auch der Befruchtung der Erde ist. Als Söhne des Ares und der Aphrodite nennt
die Hesiodische Theogonie: Deimos (»Furcht«) und Phobos (»Schrecken«);
aber sie fügt auch als Tochter die wiederhergestellte
»Eintracht«, Harmonia, hinzu.
Nur ihr Name, in dessen zwei ersten Silben das griechische Wort für Schaum (Aphros) gehört wurde,
scheint zu der Sage Anlaß gegeben zu haben, daß sie aus dem Meer oder aus den ins Meer geschleuderten Genitalien
des Uranos (s. d.) entstanden sei (Anadyomene). Die wahre Bedeutung des Namens ist unsicher; er ist möglicherweise nicht griechisch,
sondern aus dem Orient entlehnt. Wie Ares, konnte ihr auch Hephästos, welcher ursprünglich wohl Gott des Blitzes war,
zum Gatten gegeben werden.
Wie alle Vegetation aber sich auf drei Reiche erstreckt, so schied man auch eine dreifache Aphrodite: Urania (Venus caelestis), die
himmlische, Pontia oder Thalassia (Venus marina), die Göttin des Meers, und Pandemos, die bei jeglichem Volk, also auf Erden, waltende.
Als Urania wurde sie zur Tochter des Zeus als des lichten Himmels und der Dione, der weiblichen Ergänzung
desselben, gemacht und gern auf den lichten Höhen der Berge verehrt, daher auch Akraia genannt. Als solcher dient ihr der
Polos oder Modius, ein runder, hoher, scheffelartiger Aufsatz, das Abbild des Himmelsgewölbes, und in gleicher Anschauung die
Schildkröte als Symbol.
Als Pontia stand sie ursprünglich nur der Fruchtbarkeit der Tierwelt des Meers vor, ward aber allmählich zur Meergöttin überhaupt,
besonders zur Göttin der Meeresstille und glücklichen Meerfahrt (Euploia) sowie der Häfen. So wurde Thalassa (das »Meer«)
ihre Mutter genannt und sie selbst oft mit Poseidon zusammen verehrt. Als Göttin der Erde hat sie den aus
einem Baum gebornen Adonis (s. d.), das Sinnbild der erblühenden und ersterbenden Natur, zum Geliebten. Sie verbirgt ihn (den
Samen) in einem Kasten und gibt ihn der in der Unterwelt, dem Schoß der Erde, thronenden Persephone; diese will ihn für immer
behalten, erst auf den Schiedsspruch des Zeus gibt sie ihn für zwei Drittel des Jahrs der Aphrodite zurück.
Besonders ist sie die Göttin der Blumen, Bäume und Früchte, unter denen ihr Myrte, Rose, Anemone, Cypresse, Linde und Apfel, wie
unter den Tieren der
Bock, der Hase, die Taube, der Sperling, die Schwalbe, der Jynx (s. d.), der Schwan, heilig sind. Aber auch der menschlichen Zeugung
steht sie vor, ja sie wurde auch die Göttin der Hetären und Lustknaben, ähnlich wie im Mittelalter die büßende Magdalena
die Schutzheilige der Dirnen war. Der Dienst der Aphrodite Pandemos wurde in Athen auf Theseus zurückgeführt.
Als Göttin der Liebe hat sie in ihrem Gefolge die Peitho (Suada), die Chariten, den Himeros, Pothos, Hymenäos, vor allen aber den
Eros, welchen der Mythus zu ihrem Sohn macht. Die Römer identifizierten die Aphrodite mit der altitalischen Göttin Venus (s. d.).
Vgl.
Roscher, Lexikon der Mythologie, Sp. 390 ff.
Aphrodite gehört zu den von der alten Kunst mit am häufigsten dargestellten Gottheiten. Die ältere Periode und die erste Blütezeit
der griechischen Kunst (Pheidias) stellte sie bekleidet, teils thronend, teils stehend, dar. Erst in der zweiten Blütezeit
(Skopas und Praxiteles) wagte man die Göttin in ihrer nackten Schönheit zu zeigen, aber auch hier nur mit
Motivierung der Nacktheit durch das Bad. Mit der Zeit stellte man die Göttin in ihrer Nacktheit nur um ihrer Schönheit willen
dar, bis man ihr endlich alles Göttliche abstreifte und sie nur noch als schönes, häufig ganz genrehaft aufgefaßtes
Weib erscheinen ließ.
Ebenso stieg natürlich auch die Gesichtsbildung vom Ernsten und Würdigen zum Lieblichen und Anmutigen und von da zum Sinnlichen
und Koketten herab. Dem spätern Ideal der Aphrodite ist das anmutige Oval des Gesichts, das Lächeln und besonders das schmale, schwimmende,
die Liebessehnsucht ausdrückende Auge eigen. An Stelle der zierlichern Körperformen dieser jüngern Zeit
bildete die ältere die Aphrodite mit kräftigern Formen von junonischer Fülle und großartiger Erscheinung. So war noch die berühmteste
Statue der Göttin, die knidische Aphrodite des Praxiteles, aufgefaßt, von welcher uns Münzbilder und eine Statue des Vatikans eine
Vorstellung geben, während die Münchener Kopie
(Fig. 1) schon zärtlicher gestaltet ist.
Berühmt war auch das Gemälde der Aphrodite Anadyomene von Apelles. Unter den uns erhaltenen Statuen behauptet den ersten Rang die
durch Hoheit der Auffassung vor allen ausgezeichnete von Melos im Louvre (1820 auf der Insel Milo in der Umgebung des Theaters
aufgefunden,
Fig. 2), über deren Meister, Zeit und Auffassung die Wissenschaft noch zu keinem sichern
Resultat gelangt ist, die aber jedenfalls nicht mit dem einen Apfel haltenden Fragment, welches ebenfalls in Milo gefunden wurde,
ergänzt werden darf (vgl. Göler v. Ravensburg, Die Venus von Milo, Heidelb. 1879; Hasse, Venus von Milo, Jena
1882; Kiel, Venus von Milo, Hannov. 1882). Außer ihr sind als die berühmtesten Statuen namhaft zu machen: Die in Neapel befindliche
von Capua, als Siegesgöttin (Venus Victrix) dargestellt, den Fuß auf den Helm des Ares setzend, mit den Armen den Schild emporhebend,
eine Nachbildung des Typus der melischen Aphrodite, aber von sehr geringer Ausführung;
die Aphrodite Medici zu Florenz,
nach der jetzt als modern erwiesenen Inschrift ein Werk des
Kleomenes aus Athen (im Portikus der Octavia zu Rom gefunden, früher
in der Villa Medici daselbst, seit 1770 in Florenz; s. Tafel »Bildhauerkunst IV«, Fig. 5), und die im Bad
kauernde Aphrodite im Vatikan (wahrscheinlich nach Dädalos von Sikyon), ein Beispiel der genrehaften Auffassung.
Ist in den beiden
letztern Statuen fast alles Göttliche abgestreift, so grenzt die Aphrodite Kallipygos zu Neapel (angeblich in den Kaiserpalästen
zu Rom gefunden) trotz der Formvollendung beinahe an das Gemeine. Besondere Bildungen sind die meergeborne,
die Schiffahrt schützende Aphrodite (daher im Chor der Nereiden und Tritonen in einer Muschel sitzend und ähnlich gebildet) und die
kriegerische Aphrodite, welche mit Ares sehr häufig so gruppiert wurde, daß sie denselben umfaßte oder ihm Helm und Schild hielt.
In Sparta kannte man altertümliche Holzbilder von Aphrodite, welche sie geharnischt zeigten,
und noch in pompejanischen Wandbildern erscheint sie gelegentlich als den Schmuck ablegend und zur Lanze greifend. In Reliefs
und auf geschnittenen Steinen wird sie gern mit dem Eros tändelnd oder von den Chariten geschmückt dargestellt, oder sie ist
die kundige Liebesvermittlerin zwischen Paris und Helena.
Diesen letztern Mythenkreis, zumal das Urteil des Paris, hat die antike Kunst unzählige Male behandelt. In
Pompeji findet man dagegen den Mythus von Adonis (der verwundet in ihrem Schoß liegt) bevorzugt. In Szenen der Brautschmückung,
des heitern Frauenverkehrs wird sie mit Vorliebe auf attischen Vasen eingeführt. Hier ist sie durch die Zierlichkeit und
Haltung des Gewandes und durch Attribute (Spiegel, Blume, Taube, auch Jynx und Hase) kenntlich. Über die Aphroditedarstellungen
des Altertums vgl. Bernoulli, Aphrodite (Leipz. 1874).
^[Abb.: Fig. 2. Aphrodite von Melos (Paris, Louvre).]