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Beginnen wir unseren Bondathon und gehen zurück, weit zurück. Man könnte nun das Jahr 1962 vermuten, aber das wäre so nicht richtig. Ich will nämlich bei der wirklich ersten filmischen Darstellung von 007 anfangen und die war noch etwas früher, nämlich im Jahre 1954.
Ian Flemings Casino Royale wurde dort zum ersten mal verfilmt, als Episode innerhalb der Fernsehserie Climax!. In den Hauptrollen gab es Barry Nelson als Bond, Peter Lorre als seinen Gegenspieler Le Chiffre, sowie Linda Christian als das erste Bondgirl überhaupt zu sehen. Dabei wurde gegenüber der literarischen Vorlage erheblich amerikanisiert: Bond heisst nun Jimmy Bond und arbeitet für den Geheimdienst „Combined Intelligence“, offensichtlich eine fiktive Variante der CIA. Aus Felix Leiter, im Bond-Universum normalerweise Bonds CIA-Verbündeter, wurde hier hingegen der britische Agent Clarence Leiter. Auch der Name des Bondgirls wurde von Vesper Lynd zu Valerie Mathis geändert.
Story
Die Story entspricht soweit der des Buchs; wie es die knapp 50 Minuten, die eine Folge Climax! dauert, zulassen. Der sowjetische Spion Le Chiffre versucht in einem französischen Casino dringend benötigtes Geld für seine Organisation SMERSCH zu sammeln. Bonds Aufgabe ist es, Le Chiffre im Baccara zu schlagen, damit dieser dann von seinen eigenen Leuten ausgeschaltet wird.
Kritik
Es ist schwer, diesen Bond zu bewerten, da er sich völlig von allen anderen Versionen des berühmten Agenten unterscheidet. Viele typische Elemente wie die wechselnden Schauplätze, die Q-Gadgets oder die klassischen Sprüche fehlen. Auch dieses smarte, britische, das die Figur des James Bond später definieren sollte, sucht man hier vergebens. Barry Nelsons Bond ist Amerikaner, das merkt man. Da überrascht es nicht, das die Figur Clarence Leiter sich hier um einiges Bond-Typischer verhält. Am Ende stiehlt jedoch beiden ein anderer die Show: Peter Lorre spielt Le Chiffre als einen nervig, schleimigen Schurken (man höre sich nur mal seine näselnde Stimme an), der jedoch eine berechnende Kaltblütigkeit besitzt. Dieser Mann hält den Abzugsfinger nicht aus theatralischen Gründen zurück, sondern aus praktischen. Daher zögert er auch keine Sekunde, Bond kurzerhand foltern zu lassen, um an das Geld zu kommen. Definitiv kein Mann, dem man im Weg stehen will. Es soll ja gar so gewesen sein, dass Barry Nelson erst dann die Rolle als Bond angenommen hatte, nachdem er erfahren hatte wer Le Chiffre spielt.
Linda Christians Bondgirl übernimmt zwar keine besonders aktive Rolle (wir reden hier immerhin von den 50er Jahren), ist aber auch nicht ein komplett hilfloses Blondchen, wie es Bonds spätere Gespielinnen teils noch sein sollten. Valerie Mathis ist eine Frau, die, wie viele andere Bondgirls auch, zwischen den zwei Kontrahenten steht und nicht weiss wie sie sich entscheiden soll. Diese Rolle wird im Film meiner Meinung nach überzeugend dargestellt.
Gesamthaft gesehen merkt man diesem Film sein Alter schon an, dazu braucht es nicht einmal das schwarzweisse Bild. Die Ansage der Episode durch einen Moderator, die Unterteilung in drei Akte, das langsame Tempo. Akzeptiert man dies, kann es jedoch eine faszinierende Erfahrung sein, diesen Ur-Bond zu schauen.
Etwas gesagt sein sollte auch noch zur Seltenheit dieses Films. Bis in die 80er Jahre hinein galt dieser erste Auftritt von Bond nämlich als ein sogenannt „Verschollener Film“, also ein Film ohne eine bekannte noch existierende Kopie. Heute lassen sich zwar DVD-Versionen finden, allerdings fehlt diesen ausgerechnet die finale Konfrontation zwischen Bond und Le Chiffre, die erst später entdeckt wurde. Der komplette Film existiert nur auf raren VHS-Kassetten. Die erste offizielle EON-Verfilmung erhalten sollte Casino Royale übrigens erst 2006, aber das ist wieder eine andere Geschichte…
Fazit
Der älteste aller Bond-Filme bietet einen klassisch inszenierten, im Vergleich zu den „echten“ Bonds geradezu realistischen Agentenfilm. 007 selbst ist hier vielleicht nicht das Highlight, dafür bekommt man einen wirklich gelungenen Bösewicht zu sehen. Der Film ist gut für das was er ist. Für Bond-Fans oder generell Liebhaber von Filmen aus dieser Zeit kann ich es also durchaus empfehlen, sich dieses verloren geglaubte Zeitdokument anzusehen.
Wertung: 7 von 10 nicht bestellten Martinis
by Andypanther