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KANTONSRAT. Am Dienstag reichte Mike Egger mit seinen Ratskollegen Walter Gartmann (Mels) und Claudia Martin (Gossau, alle SVP) in der Kantonsratssession die Interpellation «Gesellschaftliche Regeln gelten für alle» ein. Dabei verweisen die Räte auf den Fall von Therwil (BL), der jüngst in der nationalen Presse Aufsehen erregte. Zwei muslimische Brüder haben die Erlaubnis der Schule erhalten, ihrer Lehrerin nicht mehr die Hand geben zu müssen, da es der Glaube verbietet, fremde Frauen zu berühren.
Mit der gleichen Begründung – der Religionsfreiheit – würden die Behörden anderswo akzeptieren, dass sich Eltern weigern, Töchter ins Klassenlager oder in den Schwimmunterricht zu schicken. Auch der St. Margrether Fall, in dem das Bundesgericht das Kopftuchtragen in der Schule erlaubt hat, sei ein Nachgeben gegenüber einem Brauch, der unseren Grundwerten nicht entspreche, schreiben die Interpellanten. Sie wollen deshalb von der Regierung wissen, ob sie der Meinung ist, dass ein Verhalten wie in Therwil von den Schulen nicht toleriert werden darf, ob sie ähnliche Fälle im Kanton St. Gallen kennt und wann sie beabsichtigt, dem Kantonsrat den 2014 angekündigten Bericht über die Bedeutung der Grundrechte für das staatliche Handeln zu unterbreiten. Dieser soll sich unter anderem mit religiös begründeten Forderungen an den Schulen beschäftigen. (seh)