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Die Oscars 2018 sind anders als alle anderen Oscars, denn nach #metoo und #oscarssowhite war die Academy als alter, weisser Herrenclub unter starker Beobachtung. Die Academy hat es aber wohl geschafft, sich nicht in die Nesseln zu setzen – auch wenn die Frauen auch diesmal grösstenteils leer ausgingen.
Letztes Jahr hat die Academy «Moonlight» ausgezeichnet. So konnte sich die Academy als doch etwas progressiverer Verein profilieren: «Moonlight» war ein künstlerisch ansprechender und anspruchsvoller Film, in dem Themen wie Rasse, Klasse und Homosexualität abgehandelt wurden. Auch dieses Jahr – unter dem Eindruck nicht nur von #oscarssowhite, sondern mehr noch aufgrund von #metoo – lastete ein grosser Erwartungsdruck auf der Academy. Der auch von linker Seite kritisierte Film «Three Billboards Outside Ebbing, Missouri» (Regie: Martin McDonagh) wurde dabei nicht als bester Film ausgezeichnet.
Stattdessen konnte der Mexikaner Guillermo del Toro triumphieren. «The Shape of Water» ist vielleicht nicht sein bester Film; es ist aber der Academy hoch anzurechnen, dass sie ein Werk ausgezeichnet haben, das nur als progressiver Genrefilm klassifiziert werden kann. Eine Hommage an die alten Film-Monster, die zwar in der Zeit des Kalten Krieges spielt, aber deshalb nicht weniger aktuell ist als «Three Billboards». Der wirkliche Geniestreich der Academy ist aber wohl, dass sie völlig zu recht Jordan Peeles Drehbuch zu seinem Film «Get Out» ausgezeichnet haben. «Call Me by Your Name», das andere prämierte Drehbuch, wirkt daneben eher banal. Den Groove der 80er Jahre in Italien trifft der sehr schön gemachte Film aber gut. So findet sich auf dem Soundtrack auch «Paris Latino» von Bandolero.
«Three Billboards» thematisiert zwar – wie «Get Out» und «The Shape of Water» – den Rassismus, durch seine Ambivalenz ist aber durchaus unklar, wo denn die Sympathien liegen. Nun ist Ambivalenz ja an sich etwas Gutes, vielleicht sogar unverzichtbar für die Kunst. Paul Verhoeven etwa ist ein Meister der Ambivalenz – und zweifellos einer der wichtigsten lebenden Regisseure, der eigentlich schon lange einen Oscar verdient hat. Der irisch-britische Regisseur Martin McDonagh hingegen ist zwar auch ein guter Regisseur, aber ob er den Regie-Oscar verdient hat, sei dahingestellt. Die Ambivalenz ist dabei gerade auch bei Verhoeven nicht nur unproblematisch: er kann sich gar keine starken schwarzen Figuren vorstellen – sie sind (etwa in «Total Recall» und «Showgirls» oder dem niederländischen Film «Spetters») immer nur Täter und Opfer bzw. nur Opfer.
Wie dem auch sei: Alles in allem ist die Academy sicher auf dem richtigen Weg. Gerade auch die Auszeichnung eines Genrefilms wie «The Shape of Water» ist ein gutes Zeichen – nur weil etwas erfunden, märchenhaft und/oder fantastisch ist, ist es eben nicht weniger seriös als die 107 bzw. 2016 ausgezeichneten Filme «Manchester by the Sea» oder «Spotlight». Am 19. April 2018 startet «Lady Bird», Greta Gerwigs Regiedebüt, auch in der Deutschschweiz – vielleicht kann die Academy sie ja ein anderes Mal berücksichtigen. Letztlich ist sie gerade als Schauspielerin auch viel interessanter als Gary Oldman in fett. Und gerade – dies nun doch noch zum Schluss und last but not least – punkto Frauenquote hat sich bei der Academy auch dieses Jahr nicht viel getan…
Weiterführende Links: In der WOZ wird «Three Billboards» kritisiert: https://www.woz.ch/1804/im-affekt/selbstjustiz-auf-oscar-kurs Ganz anders in der NZZ: hier regt sich Susanne Ostwald über die angeblich politisch allzu korrekten Oscars auf. https://www.nzz.ch/feuilleton/kopie-von-hollywood-gibt-sich-versoehnlich-ld.1363017 Dass sie dabei gar nicht weiss, wie Jordan Peeles Film wirklich heisst (sie schreibt «Get Me Out» statt «Get Out»), ist dabei doch bezeichnend. (Stand: 8. März 2018; ebenso in der gedruckten Zeitung vom 6. März 2018). PC ist dabei nach wie vor der liebste Kampfbegriff der Rechten. Plus ça change plus c’est la même chose…
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