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Die Europäische Union will Insidern zufolge Südafrika die Ausweitung eines Freihandelsabkommens auf Zuckerimporte in die Gemeinschaft vorschlagen. Im Gegenzug solle die Regierung in Johannesburg bei den festgefahrenen Handelsgesprächen mit anderen Ländern südlich der Sahara helfen, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Demnach will Handelskommissar Karel De Gucht den Vorschlag heute bei einem Besuch in der südafrikanischen Hauptstadt unterbreiten.
Die EU verhandelt seit elf Jahren mit 70 Staaten in Afrika, der Karibik und der Pazifik-Region über Handelserleichterungen. Südafrika sieht die Bemühungen kritisch, weil das Land bereits ein Freihandelsabkommen mit der EU geschlossen hat und bei einer Vereinbarung der Kommission mit seinen nördlichen Nachbarn Nachteile fürchtet.
Südafrikanischen Zuckerproduzenten ist der Zugang zum europäischen Markt faktisch versperrt, weil die Gemeinschaft seit der Zeit des Apartheid-Regimes hohe Zölle auf den Rohstoff erhebt. Die Regierung in Johannesburg fordert eine Zuckerquote von 320'000 Tonnen im Jahr. So weit will De Gucht aber nicht entgegenkommen.
Dafür soll es aber Erleichterungen für südafrikanische Winzer geben. Die Quote für den zollfreien Import von Wein von derzeit 95 Millionen Liter im Jahr soll erhöht werden. Nach Branchenangaben exportierte Südafrika im vergangenen Jahr fast 410 Millionen Liter Wein. Zwei Drittel davon werden nach Europa geliefert.
Auch andere Staaten sehen Freihandel skeptisch
Neue Freihandelsabkommen mit der EU werden auch in anderen afrikanischen Staaten skeptisch gesehen. Viele Länder fürchten neue Konkurrenz und niedrigere Zolleinnahmen. Deswegen konnte die Kommission erst mit 15 Karibikstaaten Freihandelsabkommen schließen. Es gibt aber auch Sonderregelungen mit afrikanischen Staaten: So wird Kenia beim Import von Gurken und Schnittblumen in die Gemeinschaft bevorzugt. Andere Entwicklungsländer kritisieren dies als unfair.
(jev/reuters)