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Schlecht geschriebene Bücher sind ein Graus. Wenn Hauptwort auf Hauptwort folgt, Eigenschaftswörter zu Floskeln erstarren und dann noch ein Politjargon dazukommt, fliegt das Buch unbesprochen in eine Ecke: Weg damit!
Doch hin und wieder gibt es Ausnahmen – wenn der Inhalt so stark ist, dass die Form in den Hintergrund rückt. Das kommt nicht oft vor, doch bei dem Buch «Die grossen Streiks» ist es so. Denn mit ihm haben sich die Herausgeber Holger Marcks und Matthias Seiffert die Mühe gemacht, einige der wichtigsten Streiks der letzten hundert Jahre vorzustellen. Grosse Streiks sind ja in der Regel nicht nur kollektive Arbeitsverweigerungen. Sie kennzeichnen zumeist auch Brüche in gesellschaftlichen Entwicklungen, ihr Verlauf und ihr Ausgang können Gemeinschaften über Jahrzehnte hinweg prägen – wie beispielsweise der britische Bergarbeiterstreik 1984/85 gegen die Politik von Margaret Thatcher zeigt. Hätten den die Miners gewonnen, wäre Europa der Neoliberalismus erspart geblieben.
An den Ausstand der britischen Kumpel können sich so manche vielleicht noch erinnern. Der nicht minder wichtige Streik der MigrantInnen in den USA 1909, der Kampf im deutschen Ruhrgebiet 1919, der Widerstand der LandarbeiterInnen im südargentinischen Patagonien 1921/22, die Fabrikbesetzungen in Frankreich 1936 oder die antifaschistischen Bemühungen der Internationalen Transportarbeitergewerkschaft (ITF) mit den Sabotageaktionen von Seeleuten und Eisenbahnern sind längst in Vergessenheit geraten.
Die AutorInnen analysieren diese Kämpfe aus einer anarcho-syndikalistischen Perspektive heraus, die in den Gewerkschaftsdiskussionen heute leider nur eine untergeordnete Rolle spielt. Im Turiner Heissen Herbst von 1969 zum Beispiel blitzte kurzfristig die Vision autonomer Basisinitiativen auf – auch weil die Belegschaften die Ratschläge der Gewerkschaftsapparate ignorierten. Die Erinnerung an diese Kämpfe ist wichtig, denn sie verstärkt die Erkenntnis: Soziale Errungenschaften müssen stets von Neuem durchgesetzt und verteidigt werden.