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Das Jahr 2055 ist grau, trist und menschenleer. Zumindest im neuen Film von Franny Armstrong. Ihr Dokudrama zeigt, wie es so weit kommen konnte, und appelliert an das Publikum, zu handeln.
Wie dumm wir Menschen doch sind: Wenn wir nicht sofort unsere Treibhausgasemissionen massiv senken, rasen wir schneller, als uns lieb ist, auf das Ende der Menschheit zu. Wir wären zwar nicht die ersten Lebewesen auf Erden, die ihrem Leben ein Ende setzen, aber die ersten, die es wissentlich täten (zumindest ein grosser Teil der Menschheit).
Dass wir die notwendige Senkung nicht schaffen werden, ist die Ausgangslage des Films «The Age of Stupid» von Franny Armstrong. Er spielt im Jahre 2055, die Erde ist menschenleer. Nur in der Arktis, mitten im Meer – das Eis ist weggeschmolzen – steht ein hoher Turm: das «Archiv der Arten». Hier sitzt der letzte Überlebende, gespielt von Pete Postlethwaite. Auf einem Touchscreen schaut er sich Filmausschnitte aus der Vergangenheit an, und mit ihm schauen auch wir: Es sind alles dokumentarische Aufnahmen aus dem 21. Jahrhundert, die er aus der Zukunft heraus kommentiert.
Billigflüge für alle
Anhand von sechs Lebensgeschichten zeigt «The Age of Stupid», wie die ganze Welt vernetzt ist, und gibt uns eine Idee, warum die Erde nicht gerettet wurde. Da ist Jeh Wadia, einer der reichsten Inder, der eine Billigfluglinie in Indien gründet mit dem Ziel, allen InderInnen das Fliegen zu ermöglichen. Da ist der Held von New Orleans, Alvin DuVernay, der nach dem Hurrikan «Katrina» mit dem Motorboot eine grosse Anzahl NachbarInnen gerettet hat, bei Shell arbeitet, mit einem grossen Motorrad durch die Gegend fährt und sich «Umweltschützer» nennt. Da sind die irakischen Flüchtlingskinder Jamila und Adnan Bayyoud, die in Jordanien vom Verkauf gebrauchter US-amerikanischer Schuhe leben, da ist der 82-jährige Fernand Pareau, der älteste Bergführer Frankreichs, der in den über fünfzig Jahren seiner Arbeit den massiven Rückgang der Gletscher miterlebt hat. Da ist Piers Guy, der in England die Windenergie etablieren möchte, doch auf massiven Widerstand stösst: Die Windräder würden die Aussicht verschandeln und Lärm machen, sind die AnwohnerInnen überzeugt und geben dem Projekt keine Chance. Und da ist Layefa Malemi, eine junge Frau in Nigeria, die gerne Ärztin werden möchte und, um ihr Studium zu finanzieren, fischen geht. Die Fische sind wegen Ölbohrungen so verschmutzt, dass sie sie mit Waschmitteln schrubben muss.
Ignorieren der Mahnrufe
Franny Armstrong hat während der Dreharbeiten zu «The Age of Stupid» Buch über den CO2-Verbrauch geführt und versucht, ihn auf ein Minimum zu beschränken: Wann immer es möglich war, benutzte ihr Team Busse, Bahnen, Schiffe und Fahrräder und bezog die Energie aus erneuerbaren Quellen. Doch auch für diesen Film waren 48 Flüge nötig, die für zwei Drittel der CO2-Bilanz des Films verantwortlich sind.
«Wir hätten uns retten können», kommentiert der letzte Überlebende im Archiv kopfschüttelnd. Und für einmal können wir nicht sagen, «im Nachhinein weiss man alles besser». Denn dass wir handeln müssen, wissen wir schon lange. Die Fakten sind klar (siehe WOZ Nr. 49/09), nur durch das Senken der Treibhausgasemissionen kann die Erwärmung gestoppt und eine Katastrophe von biblischem Ausmass verhindert werden. Doch die PolitikerInnen ignorieren die Mahnrufe der WissenschaftlerInnen, wie sich am Uno-Klimagipfel in Kopenhagen einmal mehr zeigt. Und auch der Rest der Weltbevölkerung zeigt sich weitgehend ignorant. Hier setzt «The Age of Stupid» an: Es ist kein Science-Fiction-Film, der mit knalligen Effekten herrliche Weltuntergangsstimmung inszeniert. Sondern ein starkes Dokudrama, das durch das schlichte Präsentieren von Fakten und Ereignissen die ZuschauerInnen wachrütteln und zum Handeln animieren will. Denn noch sind wir nicht in der Zukunft, noch ist es nicht zu spät – vielleicht.