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In China wird schon vor 12.000 Jahren der Samen des Hanfs als Nahrungsmittel genutzt. Schnell finden die Menschen heraus, dass man die Halme brechen und die einzelnen Fasern für die Herstellung von Textilien, Fangnetzen und Papier benutzen kann. Es wird es für die Anfertigung von Waffen verwendet, da die Hanffaser sehr widerstandsfähig ist. Das Wissen über die Papierherstellung wird lange erfolgreich geheim gehalten. Es gelangt erst im 5. Jahrhundert nach Japan und im 13. Jahrhundert nach Europa. Hanf hat auch schon früh einen medizinischen Nutzen: Kriegsverletzten wird in China es schon 2800 Jahre v. Chr. zur Schmerzlinderung auf die Wunden zur Schmerzlinderung gelegt.
Indien
Durch den Anbau im damaligen indischen Grenzgebiet gelangt der Hanf in das heutige Pakistan, Afghanistan und in die Region Kaschmir. Die indischen Bauern entwickeln die Technik des Röstens. So können sie Mehl, Brei und sogar Popcorn herstellen. Aus den Samen stellen sie Öl mit geringem Fettgehalt her. Die wichtige Bedeutung der Pflanze für die Inder zeigt sich darin, dass der Hanf zu der Göttin Cali gewidmet ist. So wird der Konsum bei gesellschaftlichen Ereignissen wie z.B. Hochzeiten zur Tradition.
Im 3. Jahrhundert nach Christus empfiehlt der römische Kaiser Galerius die Verwendung von Cannabis, dessen Konsum, wie er sagt, Glücksgefühle und Frohsinn hervorrufen. Der Hanf ist in allen Bereichen der römischen Kultur präsent: Bei der Herstellung von Textilien, beim Hausbau, als Nahrungsmittel, als Material für Waffen. Es wurde auch für medizinische Zwecke eingesetzt. Während des Untergangs der römischen Zivilisation werden unter anderem wegen der strategischen Bedeutung des Hanfs Kriege geführt. Es wird um die Vormachtstellung der römischen Hanflager gekämpft.
Der Hanf im Mittelalter
Während der Zeit Karls des Grossen im 9. Jahrhundert wird der Hanf in der Landgüterverordnung erwähnt (Capitulare de villis vel curtis imperii). Viele Teile mittelalterlicher Waffen, z.B. die Sehnen des Langbogens, entstanden aus Hanffaser.
Im 13. Jahrhundert gelingt zum ersten Mal die Papierherstellung auf europäischem Boden. Hanf ist der wichtigste Rohstoff für die Papierproduktion, denn die Papierherstellung aus Holz ist zu dieser Zeit noch nicht möglich. 1455 druckt Gutenberg seine erste Bibel auf Hanfpapier. Auch die Mönche schreiben im Schein der Hanföllampen ihre Abschriften auf Hanfpapier. Dennoch setzen die Christen während des Mittelalters den Gebrauch von Cannabis mit satanistischen Riten gleich und 1484 erklärt Papst Innozenz VIII den Konsum zur Freveltat. Das Wissen über die psychoaktive und heilende Wirkung geht somit verloren. Es wird zu einer Art Geheimwissen derer, welche sich mit Heilpflanzen auskennen.
Auf nach Amerika
1492 bringt Kolumbus Hanfsamen und Hanftextilien als Geschenke an die Ureinwohner auf den amerikanischen Kontinent. Frankreich, Spanien, Portugal und England haben zu dieser Zeit durch den Hanf ihre Vormachtstellungen als Seemächte ausgebaut. Der Hanf wird bei der Herstellung von Segeltuch und Tauwerk verwendet. Das Material ist sehr widerstandsfähig gegenüber Salzwasser und nimmt weniger Wasser auf als beispielsweise Baumwolle. (Bei Regen werden Baumwollsegel so schwer, dass sie die Masten zum Einsturz bringen.) Auch Flachs ist ungeeignet, denn bei Kontakt mit Salzwasser verrottet es innert kurzer Zeit.
1620 bringen die englischen Siedler die ersten ganzen Hanfpflanzen nach Amerika. Die ersten Entwürfe der amerikanischen Verfassung sowie die 1776 unterzeichnete Amerikanische Unabhängigkeitserklärung werden auf Hanfpapier angefertigt.
Europäer kämpfen um die Ressource
Über Jahrhunderte ist Hanf ein Material, das von England zu strategischen Zwecken eingesetzt wird. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts besteht Segeltuch und Tauwerk aus Hanf. Dieser wird zu 90% aus Italien und Russland importiert. Mit den napoleonischen Eroberungszügen fürchtet England um seine Versorgung und Georg III fördert den Hanfanbau und die Errichtung von Fabriken im Süden des Landes. Das hat im Süden Englands eine lange Tradition, denn schon gemäss der Charta von König Johann Ohneland in 1213 sollen in Bridport Seile hergestellt werden.
Die Blockade der englischen Marine zu Frankreich veranlasst Frankreich, ein Abkommen mit Russland zu unterzeichnen. Im Vertrag von Tilsit 1807 soll Russland auf den Export von Hanf nach England verzichten. Aber Zar Alexander I veranlasst, den Hanf illegal nach England zu bringen. Dies ist einer der Gründe, warum Napoleon nach Russland einmarschiert.
Hanf wird modern
Mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts kommt der orientalische Lebensstil auf dem europäischen Kontinent in Mode. Durch die kolonialen Feldzüge entdeckt die westliche Welt die psychotrope Wirkung von Cannabis wieder. Die orientalische Welle beeinflusst Mode, Reiseziele und die Inneneinrichtung. Es ist modern, Haschisch mit einer Wasserpfeife zu rauchen. In Pariser Hotels treffen sich Dichter, Künstlern und Autoren im Club der Haschischfreunde. Auch Königin Victoria von England ist eine Haschischanhängerin und lindert mit dem Konsum ihre Menstruationsbeschwerden.
Von Indien nach Mexiko und zu den Baumwollplantagen der USA
Ende des 19. Jahrhunderts bringen indische Einwanderer die Hanfpflanze nach Mexiko. Dort wird sie Marihuana genannt und wird zum Symbol bei der Revolte gegen den diktatorischen Präsidenten Porfirio Díaz. Die Mexikaner übernehmen auch die indische Methode des Röstens, um die Faser vorzubereiten und für Hüte, Taschen und Teppiche zu verwenden. Die Droge gelangt auf die Baumwollplantagen des Südens der USA und wird dort vor allem von den Plantagenarbeitern konsumiert, um ihre Lebensbedingungen besser aushalten zu können. In immer mehr Songs des Dixielands und Swings wird die Pflanze besungen. Erste Verbote in New Orleans, Louisiana und Mississippi geltem ab 1911. Auch mit Unterstützung der Baumwolllobby wird Hanf weiter illegalisiert.
20. Jahrhundert
Aufgrund der mangelnden Konkurrenzfähigkeit zu synthetischen Fasern und den Anti-Cannabis-Kampagnen nimmt der Anbau in Europa im 20. Jahrhundert stark ab. Lediglich während des 2. Weltkriegs steigt noch einmal die Produktion: Durch die von Nazideutschland initiierte Landwirtschaftspolitik und die US-Militär-Kampagne „Hemp-for-Victory“ wird der Hanfanbau noch einmal ausgebaut, um so an den nachwachsenden Rohstoff zu gelangen.
Anfang der 1990er Jahre erlebt der Hanf in Europa sein Comeback, dank Züchtungen mit geringem THC-Gehalt dürfen die Faserpflanzen wieder legal angebaut werden. Und das ist auch zu begrüssen, denn Hanf ist natürlich immer noch die vielfältige Nutzpflanze, die sie schon immer war.
Quellen und weitere Informationen:
Planet Wissen: Nutzpflanze Hanf