Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03453.jsonl.gz/2887

Was versteht man unter Spinalkanalstenose (Wirbelkanalstenose)?
Das empfindliche Rückenmark des Menschen verläuft entlang der Wirbelsäule in einem Spinalkanal. Stenose bezeichnet die Verengung des Wirbelkanals und tritt meist an der Lendenwirbelsäule auf. Eine solche Verengung kann angeboren sein oder erworben werden. Die anatomischen Veränderungen des Spinalkanals erzeugen Druck auf die umgebenden Nerven, auf Rückenmark und Blutgefässe, da für sie nun weniger Raum vorhanden ist.
Symptome einer Spinalkanalstenose
Die Erkrankung ruft Rückenschmerzen – häufig in Kombination mit Ausstrahlung in die Beine, beim Laufen oder Stehen – hervor und beeinträchtigt die Bewegungsabläufe. Zunächst macht eine Spinalkanalstenose aber keine Beschwerden, da sie nur langsam voranschreitet. Danach zeigen sich eher unspezifische, ausstrahlende Rückenschmerzen. Der Patient leidet unter geringerer Belastbarkeit und Funktionseinschränkungen beim Gehen. Die Kraft in den Beinen nimmt ab. Beim Vornüberbeugen reduzieren sich die Schmerzen meist. Oft ist eine Körperseite betroffen. Der Schmerz animiert zur vorübergehenden Entlastung durch eine Fehlhaltung, die wiederum Muskelverspannungen hervorruft. Der Verlauf einer Wirbelkanalstenose ist individuell sehr unterschiedlich. Die begleitenden Schmerzen sind bei dem einen Patienten konstant, bei dem anderen treten sie nur phasenweise auf. Ist der Krankheitsverlauf akut, beispielsweise bei einem Bandscheibenvorfall, kommt es allerdings zu heftigen Schmerzen. In diesem Fall kann eine Operation notwendig werden, muss aber nicht.
Diagnose einer Spinalkanalstenose
Nach einer gründlichen Anamnese und Beurteilung der Vorgeschichte prüft der Arzt das Gangbild und untersucht die Wirbelsäule. Ebenso aufschlussreich die Überprüfung der schmerzfrei möglichen Gehstrecke und neurologische Untersuchungen. Um eine genaue Diagnose zu stellen ist eine Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie notwendig.
Wie entsteht eine Spinalkanalstenose?
Meist bildet sich die Wirbelkanalstenose durch Verschleiss infolge der Alterung. Angeborene Verengungen sind selten, kommen aber vor. Die Bandscheiben zwischen den Wirbelkörpern verlieren im Laufe der Jahre Flüssigkeit, werden flacher und weniger elastisch. Infolgedessen können Sie Druck nicht mehr so gut abfangen. Auch hat durchs Älterwerden die Elastizität der Bänder an der Wirbelsäule nachgelassen. Dadurch verliert die Wirbelsäule an Stabilität. Durch die fehlende Spannung kann es auch zu Wirbelgleiten kommen. Dabei gleiten die Wirbelkörper aneinander und drücken den Wirbelkanal zusammen. Wenn Muskeln eine geschwächte Wirbelsäule nicht ausreichend stützen, bildet der Körper quasi aus einer Notlage heraus neue Knochenstrukturen direkt an den Wirbeln, die das Rückgrat stabilisieren sollen. Die neu gebildeten Knochenstrukturen nennt man Osteophyten. Sie haben allerdings mehr Nachteile als Vorteile, denn durch sie verschlimmert sich eine Spinalkanalstenose oder wird sogar verursacht. Die knöchernen Neubildungen können auch durch eine Arthrose der Wirbelgelenke entstehen. Somit gilt die Arthrose ebenfalls als begünstigender Faktor für eine spinale Stenose.
Die Therapie einer Spinalkanalstenose
Viele ältere Menschen haben Wirbelkanalveränderungen, ohne unter starken Schmerzen zu leiden. Daher lässt sich die Erkrankung häufig gut konservativ behandeln. Eine Operation ist selten notwendig. Typische konservative Behandlungen sind Physiotherapie und medikamentöse Schmerztherapie. Diese stillen den Schmerz und hemmen Entzündungen. Wenn diese Massnahmen nicht erfolgreich sind, könnte eine Infiltrationstherapie durch Röntgen- oder CT-gesteuerte Kortison-Injektionen in den Rückenmarkskanal in Frage kommen. Mit dieser Therapie könnte eine für mehrere Monate anhaltende Schmerzlinderung und Verbesserung der Gehfähigkeit erreicht werden.
Eine Operation kommt nur infrage, wenn die konservativen, also nicht operativen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind. Hier sind mehrere Verfahren möglich.
Braucht man eine Reha nach Spinalkanalstenose?
In der Regel ist sie nicht erforderlich. Bewegungstraining und Rückenschule können sehr viel bewirken. Sie haben das Ziel, Muskeln aufzubauen und Fehlhaltungen zu vermeiden. Moderater Sport ist ausdrücklich erwünscht. Bewegungen, die eine leichte Rumpfbeugung beinhalten, sind besonders günstig. Radfahren ist auch deshalb gut, weil der Körper abgestützt wird. Erst, wenn die konservative Behandlung keinen Erfolg gebracht hat, raten Ärzte zur Operation. Eine Rehabilitation betrifft also Patienten, die eine Operation hinter sich haben und orientiert sich an den bewährten Reha-Massnahmen nach einem Bandscheibenvorfall.
Vorbeugung vor Spinalkanalstenose
Die beste Vorbeugemassnahme heisst: Immer in Bewegung bleiben! Patienten mit Rückenschmerzen wird empfohlen, beim Gehen oder Stehen Sitzpausen einzulegen und dabei den Oberkörper nach vorne zu beugen. Auch Hilfsmittel zum Abstürzen sind sinnvoll. Übergewicht ist genauso zu vermeiden wie schweres Heben und Tragen. Menschen mit schwacher Rückenmuskulatur leiden sehr häufig unter einer Stenose (Verengung). Deshalb wird regelmässiges Muskeltraining mit zunehmendem Alter immer wichtiger. Kräftige Rücken- und Bauchmuskeln schützen vor Verschleiss der Wirbel und einer Spinalkanalstenose. Sie stabilisieren den gesamten Halteapparat und erhöhen damit die Lebensqualität.