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Stadtluft macht frei: Wie Migration die Stadt Bern geprägt und bereichert hat, bis zum heutigen Tag
Auf einem (verregneten) Rundgang durch die Stadt Bern zeigten Nationalrätin Regula Rytz und Special-Guest Stadtwanderer Claude Lonchamp am 5.11. November auf, wie Migration die Stadt Bern seit ihrer Gründung prägt. Bern war wie alle europäischen Städte auf stetigen Zuzug von aussen angewiesen. Wegen der hohen Kindersterblichkeit konnte sich die Stadtbevölkerung nicht selber reproduzieren. Der Chronist Konrad Justinger berichtet darüber, dass sich bereits bei der Stadtgründung 1191 verschiedene Familien aus Zürich und Freiburg im Br. in Bern niedergelassen hätten. Offizieller Stadtgründe war der südschwäbische Adelige Herzog Berthold V. von Zähringen. Mit der Erweiterung der Stadt und dem Bau des Münsters ab 1421 kamen Handwerker, berufliche Spezialisten und Dienstboten aus Deutschland und Italien nach Bern. Als im 17. Jahrhundert rund 300‘000 Hugenott/innen aus Frankreich vertrieben wurden, nahm die Stadt Bern 1614 Flüchtlinge auf. Das entsprach damals rund 20 Prozent der Einwohner/innen. Allerdings wurden die meisten Hugenotten acht Jahre später wieder ausgeschafft, nach Deutschland und die Untertanengebiete in der Waadt. Eine zweite „Flüchtlingswelle“ brachte im 19. Jahrhundert Liberale und Freidenker aus ganz Europa nach Bern und führte zu einer „intellektuellen Blutauffrischung“. Auch Anarchisten und Revolutionäre wie Bakunin und Lenin lebten einige Jahre hier. Die Universität wurde Ende des 19. Jahrhunderts zu einem Zentrum der liberalen Erneuerung und führte schon früh das Frauenstudium ein. Die „Käfigurmkravalle“ 1893 zeigten, dass Migration auch Konflikte auslösen kann, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen. Arbeitslose lokale Handwerker verprügelten damals italienische Bauarbeiter, die für den Bau des neuen Bahnhofs nach Bern gekommen waren und miserable Löhne erhielten. Der Kampf gegen Lohndumping endete in Strassenschlachten und führte sogar zum Einsatz von Armeeeinheiten.
Fazit: Migration gehört zu einer Stadt und bereichert sie, aber die Politik muss die richtigen Rahmenbedingungen setzen. Mit unserer humanitären Asylpolitik, dem Haus der Religionen, dem Frühförderungsprogramm für sozial schwache Familien und neuen Mitsprachemöglichkeiten für die Bürger/innen mit ausländischem Pass haben wir in den letzten Jahren viel erreicht. Gerne werde ich diese Arbeit als Gemeinderätin und Stadtpräsidentin weiterführen.