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Aufschwung. Von nun an zählte die Akademie, neben dem auf ihren Unterricht vorbereitenden Gymnasium, fünf Fakultäten: je eine philologisch-philosophische, naturwissenschaftliche, theologische, juristische und technische Fakultät (oder Ingenieurschule). Die Zahl der ordentlichen Professoren stieg auf 21 und nachher auf 22. Dazu kamen noch die ausserordentlichen Professoren und Privatdozenten. Das Gesetz vom endlich wandelte die Akademie zur Universität um, welche nach glänzenden Festlichkeiten am ihre Pforten öffnete.
Neben den üblichen Fakultäten (Philosophie, Naturwissenschaften, Theologie, Recht und Medizin) sind ihr noch eine pharmazeutische und eine Ingenieurschule angegliedert. Sie stellt alle auf höhere Studien bezüglichen Diplome aus. Auf umfasste der Lehrkörper 13 Honorarprofessoren, 84 ordentliche und ausserordentliche Professoren, 23 Privatdozenten und Lektoren. Die Anzahl der Studierenden beider Geschlechter belief sich im Wintersemester 1907/08 auf zusammen 1321, wovon 280 Auditoren.
Der Universität gliedern sich verschiedene wissenschaftliche Anstalten an. In erster Linie ist die durch Gesetz vom als solche gestiftete Kantons- und Universitätsbibliothek zu erwähnen, die im Juli 1905 ihre neuen Räume im Ruminepalast bezog und nun an die 300000 Bände umfasst. Die Anzahl der im Lesesaal zur Einsicht verlangten Bände betrug 1906: 25889 und 1907: 34373, die Anzahl der nach Hause ausgeliehenen Bände 1906: 12562 und 1907: 13217. Ferner sind vorhanden eine Studentenbibliothek und ein Lesesaal für Studierende, eine medizinische und eine landwirtschaftliche Bibliothek.
Annexanstalten der Universität sind auch die verschiedenen Museen (für Zoologie, Geologie, Botanik, Landwirtschaft). Das Kunstmuseum, früher Musée Arlaud geheissen, ist vollständig umgestaltet und mit vollendetem Geschmack im Ruminepalast installiert worden, wo man es am eröffnet hat. Bemerkenswerte Sammlungen bergen die Museen für Archäologie, für Anthropologie und Prähistorie und das Museum für römische Altertümer zu Avenches. Es besteht ein Anfang zu einem historischen (oder eher historiographischen) Museum, das besonders eine prachtvolle Sammlung historischer Photographien (von Paul Vionnet) enthält.
Das Kantonsarchiv ist in einem der Türme der Kathedrale untergebracht und soll später ein eigenes Gebäude erhalten. Der Staat überwacht die Erhaltung von historischen Kunstdenkmälern und hat einen besondern Zweig seiner Verwaltung mit deren Klassifikation und Unterhalt beauftragt. An dessen Spitze steht ein Kantonsarchäolog, dem eine Spezialkommission beigegeben ist. Eine besondre Kommission befasst sich mit den Restaurationsarbeiten an der Kathedrale. Der Staat überwacht und subventioniert die Restauration des Schlosses Chillon.
Das Gesetz vom betr. das Mittelschulwesen ist an die Stelle der Gesetze vom und vom getreten und teilt die Mittelschulen des Kantons Waadt folgendermassen ein:
A. Anstalten mit allgemeinen Bildungszwecken.
1) Höhere Töchterschulen;
2) Gemeinde-Progymnasien;
3) kantonales Realprogymnasium (ehemalige kantonale Industrieschule);
4) kantonales humanistisches Progymnasium (ehemaliges kantonales Progymnasium);
5) Mädchengymnasien;
6) kantonales Realgymnasium;
7) kantonales humanistisches Gymnasium.
B. Spezialschulen.
1) Höhere Handels-, Verwaltungs- und Eisenbahnschule;
2) Lehrer- und Lehrerinnenseminarien;
3) kantonale landwirtschaftliche Schule;
4) kantonales Technikum und andre Berufsschulen.
Am Kantonshauptort (Lausanne) haben ihren Sitz die beiden kantonalen Progymnasien und die beiden Gymnasien, die höhern Handels-, Verwaltungs- und Eisenbahnschule, die Seminare und die landwirtschaftliche Schule. Sie werden vom Staat unterhalten und stehen unter seiner unmittelbaren Aufsicht. Die übrigen Anstalten fallen den Gemeinden zur Last, werden aber vom Staat subventioniert und stehen unter der allgemeinen Aufsicht des Erziehungs- und Unterrichtsdepartementes und der speziellen Aufsicht der lokalen Schulkommissionen, in welche das kantonale Departement je zwei Mitglieder abordnet.
Es bestehen im Kanton 11 höhere Töchterschulen: Lausanne, Aigle, Aubonne, Montreux, Morges, Nyon, Orbe, Payerne, Sainte Croix, Vevey und Yverdon. Am vollständigsten organisiert ist die Schule in Lausanne, die 1849 gegründet, 1870 reorganisiert und 1891 von Grund aus umgewandelt worden ist. Sie umfasst:
1) eine untere Abteilung für Schülerinnen von 10-15 Jahren, deren Unterrichtsprogramm demjenigen der Waadtländer Sekundarschulen überhaupt entspricht;
2) ein Gymnasium mit drei Jahreskursen für Schülerinnen von 15-18 Jahren. Das Abgangszeugnis berechtigt zur Immatrikulation an der philosophischen, naturwissenschaftlichen und juristischen Fakultät der Universität Lausanne. Eine Spezialabteilung bereitet die Schülerinnen auf die eidg. Maturität vor. Der Lehrkörper umfasste im Schuljahr 1905/06 zusammen 32 Lehrer und Lehrerinnen.
Die übrigen höhern Töchterschulen sind im allgemeinen für Mädchen im Alter von 10-15 Jahren bestimmt. Aigle, Vevey und Montreux haben gut besuchte Gymnasialklassen eingerichtet. Gemischte Sekundar- oder Industrieschulen bestanden bis 1908 noch in den Gemeinden Cully, Avenches, Bex, Château d'Œx, Le Chenit, Cossonay und Échallens; sie sind nun zum Teil durch die obern Primarschulklassen ersetzt, zum Teil auch mit den Gemeinde-Progymnasien verschmolzen worden.
Die Gemeinde- oder Bezirksprogymnasien (Collèges) bereiten ihre Schüler auf die eigentlichen Gymnasien vor. Solche Anstalten mit realistischer und humanistischer Abteilung bestehen in Aigle, Aubonne, Château d'Œx, Montreux, Morges, Moudon, Nyon, Orbe, Payerne, Rolle, Sainte Croix, Vevey und Yverdon.
Die kantonale Industrieschule besteht als solche seit dem Jahr 1869. Die 1892 angegliederte Handels- und Berufsschule ist 1900 wieder davon abgetrennt und zur selbständigen Handelsschule umgestaltet worden. Heute besteht die Schule aus einer untern Abteilung, dem kantonalen Realprogymnasium (Collège scientifique cantonal) und einer obern Abteilung, dem kantonalen Realgymnasium (Gymnase scientifique cantonal). Der Unterricht baut sich hauptsächlich auf der Grundlage der lebenden Sprachen und der Naturwissenschaften auf. Die untere Abteilung nimmt Schüler vom 12. Altersjahr an auf und umfasst vier Jahreskurse, die obere Schüler vom 16. Altersjahr an und umfasst fünf Halbjahreskurse. Das Realgymnasium gibt Maturitätszeugnisse naturwissenschaftlicher Richtung ab (bachelier ès-sciences).
Das kantonale Progymnasium (Collège classique cantonal), früher einfach Collège cantonal geheissen, hat sich aus der von den Bernern zugleich mit der Akademie gestifteten alten Lateinschule entwickelt. Es umfasst sechs Klassen für Schüler im Alter von 10-16 Jahren, denen es eine erste humanistische Bildung vermittelt. Darüber steht das kantonale Gymnasium (Gymnase classique cantonal) mit zwei Jahreskursen, das zur Maturität vorbereitet und den Titel eines Bachelier ès-lettres erteilt.
Die kantonale Handelsschule bildete zuerst ein Glied der Industrieschule und ist seit 1900 eine selbständige Anstalt geworden. Seit 1899 wird sie vom Bund subventioniert. 1901 hat man ihr eine Verwaltungs- und 1904 eine Eisenbahnschule angegliedert, so dass sie jetzt den Titel «École supérieure de commerce, d'administration et de chemin de fer» trägt. Die Handelsschule umfasst die Handelsabteilung im engern Sinn mit vier Schuljahren (wovon ein Jahr Vorkurs) und eine Abteilung für moderne Sprachen mit drei Schuljahren. Die Verwaltungsschule umfasst drei Schuljahre und bereitet auf den Eintritt in die eidg. Post-, Telegraphen-, Telephon- und Zollverwaltung vor. Die Eisenbahnschule mit ebenfalls drei Jahreskursen bereitet die jungen Leute auf den Eisenbahndienst vor. Das Aufnahmsalter in alle drei Schulen beträgt 14 Jahre. Die Handelsschule veranstaltet Ferien- und kommerzielle Fortbildungskurse.
Das kantonale Technikum besteht noch nicht und wird Gegenstand eines besondern Gesetzes sein.
Die 1833 eingerichteten und 1892 und 1900 reorganisierten Seminare bestehen aus einem Lehrer- und einem Lehrerinnenseminar, einem Kindergartenlehrerinnen- und einem Arbeitslehrerinnenseminar. Angegliedert sind diesen Anstalten zwei Primar- und eine Kindergartenklasse als Uebungsschulen. Im Seminargebäude ist auch das kantonale Schulmuseum untergebracht. ¶
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Lehrer- und Lehrerinnenseminar nehmen Zöglinge vom 16. Altersjahr an auf und umfassen 4 bezw. 3 Schuljahre. Das Aufnahmsalter in die je einen Jahreskurs umfassenden beiden übrigen Abteilungen ist 17 Jahre. Die Seminare geben Fähigkeitszeugnisse als Primarlehrer und -lehrerinnen, Kindergarten- und Arbeitslehrerinnen ab.
Zweck der kantonalen landwirtschaftlichen Schule ist die Veranstaltung von theoretischen Winterkursen für junge Landwirte. Nachdem man an der Industrieschule schon um 1868 landwirtschaftlichen Unterricht eingeführt hatte, entstand 1869 an dieser Anstalt eine besondre landwirtschaftliche Abteilung, die aber bloss jungen Leuten mit guter Sekundarschulbildung wirklich von Nutzen sein konnte. Daneben richtete man seit 1870/71 für praktische Landwirte Winterkurse ein, die gute Resultate zeitigten und deshalb fortgesetzt wurden. Seit 1892 besteht dann eine eigentliche kantonale landwirtschaftliche Winterschule, die 1897 auf zwei Wintersemester ausgebaut worden ist. Die gut besuchte Schule gibt ein Diplom ab.
Das neue Gesetz über das Mittelschulwesen ist am in Kraft getreten. Es fixiert als Gehaltsminima Fr. 3000 für die Lehrer an Gemeindeprogymnasien und Fr. 4000 für solche an kantonalen Anstalten. Dazu kommt für beide eine dreijährliche Staatszulage von Fr. 100 mit einem Maximum von Fr. 600 für 20 Dienstjahre. Das Ruhegehalt beträgt jährlich Fr. 1000 nach 25 Dienstjahren. Das Schulgeld für regelmässige Schüler darf in den obern Abteilungen nicht über Fr. 100 und in den untern nicht über Fr. 60 betragen. Das Gesetz regelt auch die Bedingungen für die Vorbildung der Lehrkräfte, von denen man ausser dem Lizentiatengrad noch eine besondre theoretische und praktische Berufsschulung verlangt. Der gesamte Waadtländer Mittelschulunterricht zählt (mit Inbegriff der Direktoren) zusammen 350 Lehrer und Lehrerinnen.
Das Primarschulwesen ist durch Gesetz vom und Verordnung vom geordnet. Jede Gemeinde ist verpflichtet, zum mindesten eine Primarschule zu unterhalten, desgleichen jede einzelne Ortschaft, die mehr als 3 km von der Gemeindeschule entfernt liegt und zwanzig schulpflichtige Kinder zählt. Eine Klasse darf nicht über 50 Schüler zählen. Der Religionsunterricht ist fakultativ und wird vom Lehrer erteilt, der aber auf Verlangen davon entbunden werden kann.
Die Schulmaterialien werden den Schülern unentgeltlich verabfolgt, wofür die Kosten je zur Hälfte von der Gemeinde und vom Staat getragen werden. Ausser dem Erziehungs- und Unterrichtsdepartement bestehen als Schulbehörden die von den Gemeinderäten auf je 4 Jahre ernannten Schulpflegen. Eine Aufsicht über das Primarschulwesen üben auch die Gemeinderäte selbst und in jedem Bezirk der Regierungsstatthalter aus. Lehrer und Lehrerinnen müssen im Besitz des Fähigkeitszeugnisses sein, das ihnen vom Erziehungsdepartement ausgestellt wird.
Die Lehrstellen werden entweder auf Grund besondrer Bewerbung oder durch Berufung besetzt und zwar durch Gemeinderat und Schulpflege zusammen, worauf das Departement noch seine Zustimmung zu geben hat. Jeder Inhaber einer Lehrstelle ist zu einer mindestens dreijährigen Besorgung derselben verpflichtet. Lehrer und Lehrerinnen dürfen kein andres Amt bekleiden, ohne vom Departement ausdrücklich dazu ermächtigt zu sein. Die Besoldungsminima betragen: Fr. 1600 für die Lehrer und Fr. 1000 für die Lehrerinnen, Fr. 300 für die Arbeitslehrerinnen und Fr. 600 für die Kindergärtnerinnen.
Diese Besoldungen werden von den Gemeinden getragen. Dazu richtet der Staat noch Zulagen aus, und zwar für Lehrer Fr. 100 für je 3 Dienstjahre bis zum Maximum von Fr. 600 nach 20 Dienstjahren, für Lehrerinnen Fr. 60 für 3 Dienstjahre bis zum Maximum von Fr. 350 nach 20 Dienstjahren. Dazu geben die Gemeinden sowohl Lehrern als Lehrerinnen freie Wohnung, Heizung und Garten oder Pflanzland, samt dem erforderlichen Brennmaterial zur Heizung der Schulräume. Der Staat bewilligt einen Ruhegehalt, der nach 30 Jahren Schuldienst jährlich im Maximum Fr. 900 für Lehrer und Fr. 720 für Lehrerinnen beträgt. Der Besuch der Primarschule ist obligatorisch vom 7.-16. Altersjahr, doch können die Gemeinden ihre Schüler schon mit dem 15. Altersjahr entlassen. Unentschuldigte Absenzen werden zunächst durch Tadel und im Wiederholungsfall durch Bussen bis auf Fr. 2 für die einzelne Absenz gestraft.
Das Gesetz von 1906 sieht die Schaffung von höhern Primarschulklassen vor, deren Unterrichtsprogramm ausser den allgemeinen Fächern des Primarschulunterrichtes noch Deutsch, Algebra, Geometrie, Geographie, allgemeine Geschichte und Naturkunde umfasst. Zugänglich sind diese höhern Klassen für Schüler von mindestens 12 Jahren an. Die Lehrer müssen neben dem Primarlehrerpatent noch im Besitz eines Spezialdiplomes sein, zu dessen Erlangung 1907 zum erstenmal Examen abgehalten wurden. Solche höhern Primarschulklassen bestanden im Jahr 1907 in Lausanne, Vevey und Yverdon. Sie können auch an schon bestehende Mittelschulen (Progymnasien) angeschlossen werden. Ihr Zweck besteht in der weitergehenden Ausbildung der Volksschüler, während die Vorbereitung auf höhere Studien von den Progymnasien übernommen wird.
Die Schulbehörden organisieren in allen Gemeinden mit männlichem Primarlehrer für die Jünglinge im Alter von 15-19 Jahren besondre Fortbildungsschulkurse von wöchentlich 6 Stunden und bis zu mindestens 60 Stunden im ganzen. Ferner sind die im rekrutenpflichtigen Alter stehenden jungen Männer, die sich nicht über eine genügende Vorbildung auszuweisen vermögen, zum Besuch eines 20-24 stündigen Vorkurses verpflichtet.
Die grossen Gemeinden haben Abendschulen für solche Kinder eingerichtet, die tagsüber am Schulbesuch verhindert sind. Kleinkinderschulen bestehen in zahlreichen Gemeinden und müssen überall da geschaffen werden, wo die Eltern es verlangen und mindestens 20 Kinder im Alter von 5 und 6 Jahren anmelden. Sie werden nach Fröbelschem System geleitet und dienen zur Vorbereitung auf die Primarschule. Der Unterricht ist unentgeltlich und fakultativ.
In Lausanne und einigen andern Ortschaften erhalten schwachbegabte Kinder einen besondern Unterricht. ¶