Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03553.jsonl.gz/1309

Mücken gehören zu den Plagen dieser Welt. In unseren Breitengraden sind ihre Stiche zwar lästig, in aller Regel aber harmlos. In wärmeren Weltgegenden hingegen fordern von Mücken übertragene Krankheiten zahllose Menschenleben. Allein an Malaria sterben gemäss Schätzungen jedes Jahr fast eine halbe Million Menschen.
Genau aus diesem Grund hat ein Forschungsteam der North Carolina State University mückenresistente Kleider entworfen und getestet. Mit Erfolg, wie aus den im Fachjournal «Insects» veröffentlichten Ergebnissen der Studie hervorgeht: Eine Testperson überstand dank dieser Textilien einen zehnminütigen Aufenthalt in einem Raum mit 200 hungrigen Mücken unbeschadet.
Bevor die Wissenschaftler die Textilien entwickelten, studierten sie die Mechanik des Stechvorgangs und die genauen Abmessungen des Kopfs samt Mund und Stechapparat von Stegomyia aegypti (Aedes aegypti), einer Mücke, die Krankheiten wie Zika-Fieber, Gelbfieber oder Denguefieber übertragen kann. Darauf basierend berechneten sie ein Computermodell, um geeignete Textilien zu entwickeln, die einen Mückenstich verhindern können. Dabei galt ihr Augenmerk der Dicke des Stoffs, der Grösse der Poren und der Art und Weise, wie die Fasern im Stoff verlaufen – all diese Komponenten mussten in Kombination dafür sorgen, dass der Stechapparat der Mücke den Stoff nicht mehr durchdringen konnte.
Am Ende gingen drei Arten von Stoff aus den Berechnungen mit dem Modell hervor: ein weniger als ein Millimeter dünner Stoff mit sehr kleinen Poren, ein Stoff mit mittelgrossen Poren und ein dicker mit grossen Poren. Bei der ersten Variante sind die Poren so klein, dass der Stechapparat der Mücke nicht hindurchpasst. Bei der zweiten gelangt der Kopf der Mücke nicht tief genug hinein, dass der Stechapparat die Haut erreicht. Bei der dritten schliesslich ist der Stoff so dick, dass der Stechapparat ebenfalls nicht bis zur Oberfläche der Haut gelangt.
Aus dem dünnen Stoff fertigten die Wissenschaftler eine Art Unterwäsche mit langen Ärmeln und Hosen sowie ein T-Shirt mit langen Ärmeln. Das T-Shirt verhinderte im Test 100 Prozent der Mückenstiche. Trug die Testperson nur die Unterwäsche, gab es während des zehn Minuten dauernden Aufenthalts im Mückenraum keine Stiche – allerdings nur, wenn die Testperson stand.
Sass der Proband hingegen, erhielt er sieben Stiche an den Schultern und am Rücken – das Material hatte sich an diesen Stellen leicht gedehnt, sodass die Rüssel der Mücken dort durch den Stoff hindurch gelangen konnten. Nachdem die Forscher den Stoff an den entsprechenden Stellen verstärkt hatten, sank die Zahl der Mückenstiche ebenfalls auf null.
«Die fertigen Kleidungsstücke waren zu 100 Prozent resistent gegen Stiche», sagt Michael Roe, Professor für Entomologie an der North Carolina State University in einer Mitteilung der Hochschule.
Die Forscher hoffen, dass ihre neuen Textilien bald auf den Markt kommen. Das Ziel bestehe darin, Kleidung für den Alltag herzustellen, die in warmen Klimazonen bequem, aber resistent gegen Mückenstiche ist. Dies sei genau das, was gebraucht werde. (dhr)