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Fünf Jahre hat Hennie van Vuuren in den Archiven untersucht, welche Rolle 50 ausländische Mächte bei der Erhaltung des Apartheid-Regimes spielten. Er sprach mit wichtigen Politikern der Zeit, wie dem früheren Regierungschef Frederik Willem de Klerk oder seinem Finanzminister Barend de Plessis.
«Die Schweiz war für sie ein wichtiger, zuverlässiger Partner. Ohne ihre Unterstützung hätte die Apartheid nicht so lange existieren können», sagt van Vuuren, der auch in Berlin studiert hat.
Eine Schlüsselrolle hätten die Schweizer Geschäftsbanken gespielt, vor allem die damalige Bankgesellschaft und der Schweizerische Bankverein, die später zu UBS wurden – sowie die Schweizerische Kreditanstalt, die heutige Crédit Suisse. Sie zählten zu den treuesten und wichtigsten Kapitalgebern des Regimes.
Sie übernahmen auch eine wichtige Rolle bei der Umschuldung, rund zehn Jahre vor Ende des Apartheid-Regimes, als Südafrika am Rande der Pleite stand. Damals zogen sich die US-Banken unter dem Druck der Anti-Apartheid-Bewegung zurück und verlangten die Rückzahlung ihrer Schulden. Ohne Schweizer Vermittlung und Geld wäre das Ende womöglich früher gekommen.
Die Schweiz hat geholfen, den Apartheid-Staat in den letzten zehn Jahren seines Bestehens am Leben zu erhalten
Sein Ergebnis bestätige im Kern frühere Schweizer Forschungen, sagt der renommierte Basler Anti-Korruptions-Experte Mark Pieth: «Ohne die Schweiz wäre der Apartheid-Staat viel früher zusammengeklappt.» Van Vuuren habe die Geschichte sehr seriös aufgearbeitet.
Die Tür zur hiesigen Finanzwelt öffneten demnach renommierte Schweizer Banker: «Leute wie Bruno Saager, Nikolaus Senn oder Fritz Leutwiler.» Leutwiler, früher Präsident der Schweizerischen Nationalbank und auch Chef der Bank für internationalen Zahlungsausgleich, galt als alter Freund des Apartheid-Regimes.
Er habe seine Vermittlung bei den Umschuldungsverhandlungen angeboten und internationale Banken überzeugt, die Hilfe für das Regime zu verlängern – und entsprechende Kredite organisiert. Damals sei es nicht illegal gewesen.
Aber: «Schweizer Journalisten und Leute aus der Zivilgesellschaft haben berichtet, was die Apartheid in Südafrika angerichtet hat.» Sie hätten publik gemacht, dass Menschen unschuldig in Gefängnissen sassen und das System an sich korrupt gewesen sei.
Doch all das schien den Schweizer Banker nicht zu stören. Noch auf anderen Wegen stützte die Schweiz das Apartheid-Regime: Unternehmen lieferten ihm Waffen. Die Schweiz fühlte sich als neutrales Land nicht an die internationalen Sanktionen gebunden.
Ausserdem war die Schweiz ab 1979 wichtigster Verkaufsplatz für südafrikanisches Gold – und löste damit London ab: «Südafrika war damals die grösste Goldmine der Welt. Bis zu 80 Prozent des Goldes wurde in die Schweiz verkauft», so van Vuuren.
In Schweizer Raffinerien wurde es umgeschmolzen und als Schweizer Gold verkauft – im Auftrag von Südafrika, ergänzt Pieth. Darauf hatten Schweizer Banker wie Bruno Saager von der Schweizerischen Bankgesellschaft lange hingearbeitet. Sie witterten ein lohnendes Geschäft – Apartheid hin oder her. Diese Goldgeschäfte, sagt van Vuuren, seien wichtig, um das Verhältnis zwischen den Schweizer Banken und dem Apartheid-Regime zu verstehen.
Der Schlüssel liegt beim Bundesrat
Viele Fragen sind nach wie vor ungeklärt, was zweifelhafte Geschäfte zwischen Schweizer Banken und Unternehmen mit dem Apartheid-Regime betreffen, so Anti-Korruptions-Experte Pieth: «Diese Fragen sind aber kaum mehr justiziabel.»
Ungeklärt ist vieles auch, weil noch immer nicht alle Schweizer Archive geöffnet wurden. Der Schlüssel dazu liegt beim Bundesrat. Doch der schaut lieber nach vorne als zurück: Er will mit der neuen südafrikanischen Regierung ins Geschäft kommen – und drängt auf Rüstungskooperationen und rasche Freihandelsverhandlungen.
Auch auf den Schweizer Rohstoffhändler Marc Rich konnte sich das Regime verlassen: Er verkaufte südafrikanisches Öl in Zeiten des Embargos – und legte mit den zwei Milliarden Dollar Gewinn den Grundstein zum späteren Glencore-Konzern.