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Das Coronavirus hat mit über 1000 Toten bereits mehr Todesfälle gefordert als der Ausbruch von Sars 2002 / 2003. In fast 30 Ländern weltweit sind zudem Fälle diagnostiziert worden. Das neue Virus breitet sich unaufhörlich auf der Welt aus, bereits sind über 35’000 Menschen infiziert. Und täglich werden es mehr. Im Moment weiss niemand, wie sich der Ausbruch dieses Virus schliesslich auf die Gesundheit der Menschen, die Wirtschaft oder auf den Alltag der Einzelnen auswirken wird – Infosperber berichtete bereits über mögliche Auswirkungen und Gründe dafür «So kann das Coronavirus die fragilen Kapitalmärkte anstecken».
Extremistan und Mediokristan
Unbekannte Risiken sind das Gebiet von Finanzmathematiker und Risikoforscher Nassim Nicolas Taleb, der mit dem Buch «Der Schwarze Schwan» weltbekannt wurde. Der Virus ist für ihn ein Element aus Extremistan: Extremistan kann Schwarze Schwäne hervorbringen und tut das auch, da einige wenige Ereignisse immense Auswirkungen haben können. Beispiel dafür ist die Finanzkrise, ein Ereignis, das Taleb in seinem ersten Buch «Fooled by Randomness» bereits 2001 als möglich beschrieben hatte. Schwarze Schwäne sind aber eben nicht voraussehbar: Sie tauchen durch ein Ereignis auf, das nicht auf dem Radar ist, und sie werden wahrscheinlicher, je vernetzter die Welt und die Systeme sind.
Der Gegensatz von Extremistan ist Mediokristan (Mittelmass). Taleb erklärt den Unterschied so: «In Mediokristan müssen wir die Tyrannei des Kollektiven, der Routine, des Offensichtlichen und des Vorhergesagten ertragen; in Extremistan stehen wir unter der Tyrannei des Singulären, Zufälligen, Ungesehenen und Unvorhergesagten» (aus: Der Schwarze Schwan).
Unwissen erfordert Vorsorgemassnahmen
Ein Ereignis wie der Ausbruch des neuen Coronavirus erfordere deshalb drastische Massnahmen, um unabsehbare Folgen zu vermeiden und zu vermindern. Zusammen mit weiteren Kollegen vom New England Complex Systems Institute NECSI hat er bereits mehrere Papiere zum Thema verfasst: Die Forscher (neben Taleb sind es Chen Shen und Yaneer Bar-Yam) gehen dabei streng mathematisch und wissenschaftlich vor. Sie untersuchten bereits andere Pandemien und Krankheitsausbrüche, wie beispielsweise Ebola. Von Beginn der befürchteten Pandemie an haben sie geraten, Reiserouten zu kappen, Angesteckte zu isolieren und Gebiete mit auftretendem Virus unter Quarantäne zu stellen. Denn: Zu Beginn eines Ausbruchs habe man zu wenig Informationen, um die Folgen abzuschätzen. Die einzige richtige Antwort darauf müsse sein, das Vorsorgeprinzip zu befolgen: Das heisst, alle nur möglichen Vorsichtsmassnahmen zu treffen.
«Die Badewanne will sie nicht umbringen»
«Asymmetrische Unsicherheit» nennen das die Forscher. Für diesen und für künftige Krankheitsausbrüche müssten Politiker und Verantwortliche jeweils rasch handeln. «Sie dürfen nicht dem Irrtum verfallen, dass in Zeiten der Unsicherheit und der Gefahr von möglichen umumkehrbaren Katastrophen drastische Massnahmen reine Paranoia sind.» Taleb geht hart ins Gericht mit denen, die Vergleiche anstellen wie: In der Badewanne sterben mehr Menschen … . Solche Vergleiche sind für ihn nicht nur unzulässig, sondern ganz einfach dumm. «Die Badewanne will sie ja nicht umbringen.»
Pharmarohstoffe könnten knapp werden
In China stehen in der Zwischenzeit ganze Städte unter Quarantäne, im Rest der Welt werden infizierte Personen und solche, die mit ihnen in Kontakt gekommen sind, isoliert. Und bereits sind Folgen spürbar: Die NZZ am Sonntag berichtete von einer Warnung der European Medicines Agency, dass durch die Zwangsferien in China Engpässe bei der Zulieferung von Pharmarohstoffen und Medikamenten drohen könnten. China ist einer der wichtigsten Lieferanten der Pharmabranche. Damit könnten unter Umständen auch die gutgemeinten Prognosen, dass rasch ein Medikament gefunden werde, ad absurdum geführt werden: Nämlich dann, wenn die Produktion eines nötigen Wirkstoffs in China wegen genau der Epidemie ausfällt, die bekämpft werden soll.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine