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| Athanasius (295-373) - Vertheidigung der Lehre des heiligen Dionysius von Alexandrien. (De sententia Dionysii)

9.
So nun hat Dionysius, von den Aposteln belehrt, gehandelt; denn da die Ketzerei des Sabellius sich bereits eingeschlichen hatte, war er genöthigt einen solchen Brief, wie ich oben gesagt habe, zu schreiben, und ihnen Worte, welche auf menschliche und gemeine Weise von dem Heilande sprechen, entgegen zu halten, um sie durch das Menschliche abzuschrecken, zu sagen, der Sohn sey der Vater, und ihnen so einen leichtern Weg zur Lehre über die Gottheit des Sohnes zu bereiten, während er ihn in den andern Briefen aus den Schriften Wort, Weisheit, Kraft, Hauch und Abglanz des Vaters nannte. In den Briefen also, welche er zu seiner Rechtfertigung schrieb, spricht er offenherzig seinen Glauben und seine Verehrung Christi aus. Wie also die Apostel nicht zu beschuldigen sind wegen der Worte, die sie hinsichtlich der Menschheit des Herrn ausgesprochen haben; (denn der Herr ist Mensch geworden;) sondern vielmehr Bewunderung verdienen wegen der weisen Anordnung und wegen der für die Zeitumstände passenden Einrichtung der Lehre, so darf man den Dionysius für keinen Arianer halten wegen des Briefes, den er an Euphranor und an Ammonius gegen den Sabellius geschrieben hat. Denn wenn er sich auch niedriger Ausdrücke und Beispiele bediente, so sind dieselben doch aus den Evangelien genommen, und es berechtigt ihn hiezu die Ankunft des Erlösers im Fleische, wegen welcher dieses und Aehnliches geschrieben wurde. Denn gleichwie er das Wort Gottes ist, so ist in der Folge das Wort Fleisch geworden. Und im Anfange war zwar das Wort; die Jungfrau aber hat es bei der Erfüllung der Zeiten im Leibe getragen, und der Herr ist Mensch geworden. Und Einer ist es, der durch Beides angedeutet wird, denn „das Wort ist Fleisch geworden.“ Die Worte aber, welche über dessen Gottheit und Menschheit gesagt sind, haben eine eigene und für jeden Gegenstand, wovon es sich handelt, passende Bedeutung; und wer von der Menschheit des Wortes schreibt, der erkennt auch dessen Gottheit; und wer von dessen Gottheit redet, dem ist auch das, was sich auf seine Ankunft im Fleische bezieht, nicht unbekannt; sondern er unterscheidet ein jegliches, wie ein kluger und erfahrener Wechsler, und wandelt auf dem Pfade der Gottseligkeit. Wenn er ihn also weinend nennt, so weiß er wohl, daß der Mensch gewordene Herr, in so fern er Mensch ist, Thränen vergieße, als Gott aber den Lazarus erwecke; er weiß auch, daß derselbe dem Körper nach Hunger und Durst leide, als Gott aber von fünf Broden fünf tausend Menschen sättige; er weiß ferner, daß der menschliche Leib im Grabe liege, als Leib Gottes aber von dem Worte selbst auferweckt werde.