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Einführung
Alfred R. Sulzer (Jahrgang 1948) hat über Jahrzehnte hinweg eine umfangreiche Sammlung von musealen Zinnfiguren und Zinnsoldaten des 18. und 19. Jahrhunderts aufgebaut. Er übte während vieler Jahre die Funktionen eines Obristen (Präsident) der Figurina Helvetica (Schweizerische Gesellschaft der Freunde der Zinnfigur) sowie eines Präsidenten des Zinnfiguren Museum Zürich aus.
Im Jahr 2008 wurde das Zinnfiguren Museum Zürich geschlossen. In den Räumen im 2. OG des historischen Hauses „Zum blauen Himmel“ wurde neu die empfehlenswerte Ausstellung Zunftstadt Zürich eingerichtet.
www.zunftstadt.ch
Die Sammlervereinigung Figurina Helvetica hat sich Ende 2009 aufgelöst.
2007 erfolgte die Gründung der gemeinnützigen Stiftung «Zinnfigurensammlung Alfred R. Sulzer», die das Sammeln und Erforschen von Zinn-, Blei-, Papier-, Papiermachéfiguren des 18. und 19. Jahrhunderts bezweckt. Dieser Schritt erfolgte im Hinblick auf die bevorstehende Auflösung des Zinnfiguren Museums Zürich und die zunächst vielversprechenden Vertragsverhandlungen mit der „Jakob und Emma Windler Stiftung“ zur Gründung eines „Spielzeughauses“ in Stein am Rhein.
2008 wurde ein Vertrag unterschrieben, der vorsah, dass Alfred R. Sulzer seine Figurensammlungen zur Errichtung eines Spielzeugmuseums im Alten Zeughaus von Stein am Rhein als Dauerleihgabe zur Verfügung stellt. Bedauerlicherweise hat die „Jakob und Emma Windler-Stiftung“ im Juli 2009 einen Planungsstopp angeordnet mit der vorgeschobenen Begründung, dass das für die Einrichtung des Museums vorgesehene Gebäude nicht geeignet sei. Nach langwierigen unerfreulichen Auseinandersetzungen wurde 2018 der Leihvertrag zwischen den beiden Stiftungen im Rahmen eines gerichtlichen Vergleichs per Saldo aller Ansprüche aufgelöst.
Ende 2019 konnte ein Vertrag zwischen der „Stiftung Zinnfigurensammlung“ und dem „Germanischen Nationalmuseum“ in Nürnberg unterschrieben worden. Die Schenkung nach Deutschland erfolgt nicht zuletzt aufgrund des Umstandes, dass das „Schweizerische Nationalmuseum“ (ehemals „Schweizerisches Landesmuseum“) kein Interesse an einem diesbezüglichen Engagement gezeigt hat und einen dauernden Verbleib in der Spielzeugstadt Nürnberg als sinnvoll erachtet. Ca. 80 Prozent des Sammlungsgutes wurde im 18. Und 19. Jahrhundert in deutschen Werkstätten hergestellt und ist vorwiegend ausserhalb der Schweiz erworben worden.
Das Germanische Nationalmuseum kann als das bedeutendste kulturgeschichtliche Museum im deutschsprachigen Raum bezeichnet werden.1852 in Nürnberg gegründet, ist es eine gemeinnützige Stiftung des öffentlichen Rechts und wird anteilig von der Bundesrepublik Deutschland, dem Freistaat Bayern und der Stadt Nürnberg getragen. Mitglied der „Leibniz Forschungsgemeinschaft“ hat es den Auftrag, die Sammlungsgegenstände und deren geschichtliches Umfeld zu erforschen und in Publikationen und Ausstellungen zu zeigen. Dieses Haus bewahrt eine weltweit anerkannte Sammlung an historischem Kinderspielzeug; der Bestand an Zinnfiguren ist zwar zahlenmässig eher bescheiden, enthält aber kostbare Unikate. Dieser Sammlungsbereich erfährt durch die Übernahme der Sammlung Sulzer 2024 eine willkommene Bereicherung.
Aufgrund eines Erbvertrages hat der am 16. Februar 2023 verstorbene Sammlerfreund Louis Demmler, ehemals Architekt in
Wädenswil und alt Obristwachtmeister der Figurina Helvetica, seine museale Zinnfigurensammlung, die dazugehörige
Fachbibliothek und einen erheblichen Anteil seines Vermögens der Stiftung Zinnfigurensammlung Alfred R. Sulzer vermacht.
Dies im Bestreben, die dem Germanischen Nationalmuseum geschenkte «Sammlung Sulzer» zu ergänzen; überzählige Figuren
sollen zugunsten des Stiftungsvermögens verkauft werden.
Mit den Barmitteln ist vorgesehen, weitere hochkarätige Ankäufe für die Sammlung des Germanischen Nationalmuseum zu
tätigen sowie Projekte von Dritten zu ermöglichen. So können – auf entsprechende Gesuche hin – Unterstützungsbeiträge für
Forschungsarbeiten und damit verbundenen Publikationen oder für die Erschliessung (Inventarisierung) von
Museumsbeständen musealer Zinnfiguren ausgerichtet werden.
Berichterstattung Schaffhauser Nachrichten 10. April 2021
Die umfangreiche und weltweit einzigartige Zinnfigurensammlung von Alfred R. Sulzer geht nach einem Streit mit der Windler-Stiftung
in den Besitz des Germanischen Museums in Nürnberg über. Einst hätte die Sammlung Platz finden sollen im Steiner Spielzeughaus.
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Publikationen
1989 erscheint die von ihm verfasste Monographie zum 150-jährigen Bestehen der bedeutenden Zinnfigurenfabrik Ernst Heinrichsen, Nürnberg im Selbstverlag.
1996 folgt der Katalog zur Spezial-Ausstellung „Spielzeugfiguren des Ersten und Zweiten Empire“ für das Napoleon-Museum, Arenenberg (Thurgau/Schweiz).
Im Jahr 2000 intensive Mitarbeit an der Gestaltung der epochalen Zinnfiguren-Ausstellung des Spielzeugmuseums Nürnberg; zwei Kapitel des Begleitbuches dieser gross angelegten Sonderausstellung, die von den Spielzeugmuseen Salzburg (Österreich) und Riehen (Schweiz) übernommen wurde, stammen aus seiner Feder.
2017 hat die Stiftung das Buch Eine Fürther Traumfabrik im 19. Jahrhundert. Zinnfiguren der Offizin J.C. Allgeyer im Selbstverlag herausgegeben. Die Autoren haben sich zum Ziel gesetzt, die Fülle des Allgeyerschen Panoptikums zu systematisieren, im Vergleich mit den Erzeugnissen anderer Zinnfiguren-Hersteller zu charakterisieren und in einen Zusammenhang mit der Firmengeschichte sowie dem zeitgenössischen Geschehen zu bringen. Die Packungen dieser Offizin (Märkte, Gärten, Jagden, Dörfer oder Volksfeste) spiegeln ganz das Leben ihrer Epoche wider und erhöhen es zugleich mit ihrer biedermeierlichen „Andacht zum Unbedeutenden“. Allgeyer-Schlachtenpackungen bildeten überdies, vergleichbar einer zinnernen Zeitung für die Kinderzimmer der begüterten Stände, tagesaktuelle Konflikte selbst in den entlegensten Winkeln der Welt ab.
www.allgeyerbuch.com
Ausserdem Publikation von zahlreichen Beiträgen in schweizerischen und europäischen Fachzeitschriften