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Die Leber zahlreicher Haiarten enthält ein spezielles Öl, das es den Tieren ermöglicht, den Druck in der Tiefsee zu überleben. Haifisch- Leberöl – auch Squalen genannt – ist eine fetthaltige Substanz, die für den lebenswichtigen Auftrieb dieser vom Aussterben bedrohten Arten sorgt. Leider ist Squalen auch ein Wirkstoffverstärker (Adjuvans) in Impfstoffen, der das Immunsystem stärkt und die Wirksamkeit der Vakzine erhöht. Laut «National Geographic» werden jedes Jahr mindestens drei Millionen Haie auf der ganzen Welt gefangen, um ihr Squalen zu gewinnen.1
Ein Drittel aller Haiarten ist vom Aussterben bedroht. Es ist zu befürchten, dass die gestiegene Nachfrage nach Squalen für Impfstoffe sie noch stärker gefährden könnte. Fischer machen gezielt Jagd auf Tiefseearten, welche die grössten Lebern und damit die höchste Konzentration des Öls besitzen. Doch bei diesen Haien ist die Gefahr der Überfischung besonders hoch, da sie langsam heranwachsen. Einige werden erst nach zehn Jahren geschlechtsreif – und nur wenige Junge bekommen.2
Ausserdem könnte der Verlust der wichtigsten Meeresräuber katastrophale Folgen für die gesamte Meeresumwelt haben, da Haie diese Ökosysteme intakt halten. Sterben die Spitzenprädatoren der Meere aus, so wird das gesamte Tiefsee-Ökosystem darunter leiden.
Pfeilschwanzkrebse für Medikament
Die meisten Pharmaunternehmen setzen auf Pfeilschwanzkrebse, um Medikamente für den Menschen sicher zu machen. Pfeilschwanzkrebse sind keine echten Krebse, sondern näher mit den Arachniden, wie etwa Spinnen, verwandt. Ihr leuchtend blaues Blut enthält einen wichtigen Extrakt, der ausserordentlich empfindlich auf giftige Bakterien reagiert. Trifft dieser Extrakt auf eindringende Bakterien, so gerinnt er um sie herum und schützt den restlichen Körper des Pfeilschwanzkrebses vor Giften. Forscherinnen und Forscher haben mithilfe dieser Blutzellen einen Test entwickelt, mit dem neue Impfstoffe auf Verunreinigungen geprüft werden können. Diese Technik wird seitdem weltweit eingesetzt, um die Ausgabe von Impfstoffen zu verhindern, die für den Menschen schädliche und potenziell krankmachende Bakterien enthalten. Pharmaunternehmen fangen in den USA alljährlich eine halbe Million Pfeilschwanzkrebse ein, zapfen ihnen bei lebendigem Leib Blut ab, um Impfstoffe überprüfen zu können, und werfen sie anschliessend ins Meer zurück – woraufhin viele von ihnen sterben. Diese Praxis hat in den letzten Jahrzehnten zu einem dramatischen Rückgang der Art geführt.3
Viele Tiere sind ausgestorben
2019 forderten die Weltnaturschutzunion (IUCN) und andere Umweltschutzorganisationen auf der ganzen Welt strengere Regeln zum Schutz von Pfeilschwanzkrebsen, mehr wissenschaftliche Forschung und einen besseren Schutz des Küstenlebensraums der Tiere. Zahlreiche Arten gelten als gefährdet, sind in Taiwan bereits ausgestorben und könnten auch in Hongkong und anderen Regionen Asiens bald aussterben.4
Und das war noch vor Covid-19. Pfeilschwanzkrebse werden seit den 1970er Jahren gejagt, um ihnen Blut abzuzapfen. Nun, da die Pandemie ausgebrochen ist und Milliarden Menschen Impfstoffe benötigen, wird die Jagd auf Pfeilschwanzkrebse zweifellos so intensiv betrieben werden, dass den Tieren die weltweite Ausrottung droht. Auch die Zerstörung der marinen Küstenökosysteme dürfte dadurch ein nie gekanntes Ausmass erreichen. Ebenso wie Haie leisten diese Krebse einen massgeblichen Beitrag zum Erhalt anderer Tierarten in ihrer Umgebung. So erklärt die IUCN: «Der Pfeilschwanzkrebs ist ein entscheidendes Bindeglied in der biologischen Vielfalt der Küsten. Eine seiner ökologischen Funktionen besteht darin, Millionen Eier auf den Stränden abzulegen, die Küstenvögeln, Fischen und anderen Wildtieren als Nahrung dienen. Seine grosse, harte Schale bildet ein Mikrohabitat für zahlreiche andere Arten, wie Schwämme, Mangrovenkrabben, Muscheln und Schnecken.» Ohne Pfeilschwanzkrebse werden die Meeresküstenökosysteme kollabieren.5
Versuchstiere
Hunderttausende Mäuse, Affen, Frettchen, Hamster, Katzen, Kaninchen und Schweine werden aktuell als Versuchstiere verwendet, um die möglichen Auswirkungen eines Impfstoffs oder einer Behandlung gegen Covid-19 auf den menschlichen Körper zu prognostizieren. Die Tiere werden absichtlich mit Covid-19 infiziert und die Auswirkungen analysiert. Die meisten von ihnen sterben oder müssen aufgrund der Ansteckungsgefahr, die von ihnen ausgeht, getötet werden. Einigen Tieren, wie zum Beispiel Affen, werden das Gehirn, die Lunge und anderes Gewebe entnommen, die als Teil der Impfstoffe dienen sollen.6
Diese Tierversuche sind zeitraubend und kostspielig. Zudem sind zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Ansicht, dass die Ergebnisse dieser Versuche nicht eins zu eins auf den Menschen übertragbar sind, da die Tiere andere Immunsysteme und andere körperliche Eigenschaften haben als wir. Viele vertreten die Auffassung, dass Tierversuche die Entwicklung von Arzneimitteln für den Menschen verzögern.7
Nicht-tierische Alternativen
Doch es existieren zahlreiche wirksame, weniger kosten- und zeitaufwändig herstellbare, nicht-tierische Produkte, die für Covid-19-Vakzine verwendet werden könnten. Squalen etwa kommt nicht nur in Haien vor. Auch Pflanzen, wie Zuckerrohr, Oliven, Amaranthsamen und Reiskleie enthalten den Inhaltsstoff.8
Dasselbe gilt für Pfeilschwanzkrebse. Wie aus einem Artikel von Wissenschaftlern des Natural History Museum in London hervorgeht, erkannten Biologen der Universität von Singapur in den späten 1990er Jahren, dass sich durch Klonen eines im Blut der Krebse enthaltenen Moleküls eine synthetische Alternative im Labor herstellen lässt. Einige Regierungen, darunter die japanische und die chinesische, haben diesen synthetischen Tests die Zulassung erteilt. Wahrscheinlich werden für einen neuen, in Grossbritannien hergestellten Covid-19-Test ebenfalls synthetische Inhaltsstoffe verwendet werden, die auch von der Europäischen Union zugelassen sind. Pfizer gab an, für die Herstellung seines Vakzins kein Krebsblut zu verwenden.9
Die meisten Länder, wie etwa die USA, sowie die Mehrheit der grossen Pharmaunternehmen machen allerdings wenig Gebrauch von synthetischen Inhaltsstoffen und alternativen Tests. Und so werden Wild- und Labortiere weiterhin millionenfach getötet werden.10
Die Ursache bekämpfen
Natürlich besteht der beste Umgang mit einer Pandemie darin, dafür zu sorgen, dass sie gar nicht erst ausbricht. Die meisten Pandemien, darunter auch Covid-19, wurden dadurch ausgelöst, weil Menschen Tiere essen und züchten. Beinahe alle Ausbrüche von Zoonosen in den letzten 120 Jahren gehen direkt auf die ausbeuterische Nutzung und den Konsum von Tieren und tierischen Produkten zurück.11
Während die Welt krampfhaft versucht, mithilfe von Tieren eine Behandlung der gesundheitlichen und wirtschaftlichen Symptome der Coronavirus-Pandemie zu finden, vernachlässigt sie die eigentliche Ursache des grossen Problems. Wenn wir verhindern wollen, dass erneut eine Covid-19-ähnliche Pandemie ausbricht, müssen wir unseren derzeitigen Umgang mit Tieren knallhart überdenken. Dazu gehört auch, dass wir die Eroberung und Ausbeutung ihrer Lebensräume, den Fang, den Handel mit und die Zucht von Tieren, Tierversuche und unseren Konsum von Tieren und tierischen Produkten massiv zurückfahren.
- Dieser Artikel wurde erstmals im Journal Franz Weber 135 publiziert. Die PDF-Version aller bisheriger Journale finden Sie hier.
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Quellen:
1 Meneguzzi, J. (13. November 2020) Why covid-19 vaccine could further endanger deep-sea sharks National Geographic
2 Ibid.
3 Pavid, K. (3. Dezember 2020) Horseshoe crab blood: the miracle vaccine ingredient that’s saved millions of lives Natural History Museum
4 Ibid.
5 Ibid.
6 Saunders, S. 7 things you need to know about experiments on animals and covid-19 People for the Ethical Treatment of Animals (PETA)
7 Prater, D. (9. April 2020) Scientists Worldwide Work to Fight COVID-19 Without Hurting Animals People for the Ethical Treatment of Animals (PETA
8 Meneguzzi, J. (13. November 2020) Why covid-19 vaccine could further endanger deep-sea sharks National Geographic
9 Pavid, K. (3. Dezember 2020) Horseshoe crab blood: the miracle vaccine ingredient that’s saved millions of lives Natural History Museum
10 Arnold, C. (2. Juli 2020) Horseshoe crab blood is key to making a COVID-19 vaccine—but the ecosystem may suffer National Geographic
11 Galster, S. (24. Februar 2021) Wuhan is our wakeup call, we must stop the commercial trade in wild animals to prevent further pandemics The Independent