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Der Hirschen in Köpplishaus ist höchstwahrscheinlich das älteste Wirtshaus im Gebiet des heutigen Amriswils.
Gebaut wurde das Haus ca. 1600-1620, und zwar von Ulrich Hungerbühler und seiner Frau Barbara Häberli. Ganz in der Nähe gab es bereits früher einen Bauernhof mit dem Namen „Köplis Güter“ (verzeichnet 1554) oder „Köplis Hofstatt“ (verzeichnet 1584). Hier kreuzten sich schon damals die Strassen von Arbon nach Weinfelden (die Strasse, die bereits die Römer bauten) und St. Gallen nach Konstanz (als Verbindung der beiden Bischofssitze). Hier in Köpplishaus wurden dann oft die Pferde gewechselt. Schon der Ammann von Mühlebach kehrte um 1620 in diesem Wirtshaus am Schluss der Gerichtssitzungen ein.
Wann genau dieses Wirtshaus den Namen „Hirschen“ erhielt, weiss man nicht. Im ersten Brandkataster der Gemeinde Amriswil ist das Haus erstmals als „Hirschen“ bezeichnet. In den Unterlagen bei der Kantonalen Denkmalpflege heisst es, das Gebäude habe einem Johann Schadegg, Wirt zum „Hirschen“ gehört und habe schon vor der Erstellung des ersten Brandkatasters hier gestanden. Erwähnt wurde schon damals, dass es ein Riegelbau sei, und dazu gehöre noch eine Scheune.
1842 – 1855 war Köpplishaus der Mittelpunkt der Post. Es hatte eine eigene Poststelle. Geführt wurde die Poststelle von „Hirschen“-Wirt Johannes Schadegg. Eilpostwagen zwischen Frauenfeld und dem Bodensee brachten die Post nach Köpplishaus.
Von hier gingen täglich drei Postboten auf ihre Touren: einer nach Schocherswil-Zihlschlacht- Bischofszell, ein anderer nach Amriswil-Auenhofen-Hatswil-Kressibuch-Katzenrüti-Brüschwil- Dozwil-Uttwil, der dritte nach Schrofen-Oberaach-Niederaach-Sommeri-Hefenhofen-Rüti.
An drei Tagen brachten die Boten die Post auch nach Almensberg, Hagenwil und Räuchlisberg. Ab 1855 wurde die Bahnlinie Winterthur-Romanshorn in Betrieb genommen. Die Post kam per Bahn, und neu wurde das Schulhaus (heute das Stadthaus) Poststelle, während die Poststelle Köpplishaus aufgehoben wurde. Der neue Bahnhof wurde dann Drehscheibe für Bahnreisende und Bahntransporte von Waren. Um den „Hirschen“ und den Verkehr auf der Strasse wurde es ruhig.
Um 1900 kamen die Autos auf und Gemeinde und Kanton bauten die Hauptstrassen und dazu gehörte die Strasse von Amriswil nach Weinfelden/Frauenfeld. Der „Hirschen“ bekam erneut eine gewissen Bedeutung.
Nach 1848 wechselte der „Hirschen“ verschiedentlich die Besitzer. Von Johannes Schadegg ging er an Hauptmann Keller, dann an Metzger Johannes Schönholzer, dann an Arnold Edelmann, 1925 an Eichmann-Hungerbühler, Albert Walser, A. Eichmann. Die neueren Besitzer müsste man bei der Gebäudeversicherung oder beim Grundbuchamt erfragen.
Der „Hirschen“ wird heute als „wertvoll“ eingestuft und ist bei der Gemeinde Amriswil im Schutzplan Kulturobjekte eingetragen.
Eugen Fahrni, Präsident Kommission Ortsmuseum der Stadt Amriswil
Quellen: Amt für Denkmalpflege; Ernst Leisi , Geschichte von Amriswil und Umgebung.