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Weber Johann Jakob, zur Schleife, 1814-1901, Industrieller
Johann Jakob Weber ist eine Unternehmerpersönlichkeit, die mit dem Leben der Stadt Winterthur in der zweiten Hälfte des 20. Jhdt. eng verbunden war. Er war der Begründer der späteren Carl Weber AG, ein Unternehmen des Textilgewerbes mit weltweiter Ausstrahlung. Fabrik und Wohnhaus lagen an der Tösstalstrasse 59. Das Gebäude ist noch heute erhalten und ist von wirtschafts- und sozialgeschichtlicher Bedeutung.
Johann Jakob Weber wurde am 8. Oktober 1814 in Gottshaus bei Bischofszell geboren. Sein Vater betrieb dort eine kleine Bäckerei mit Wirtschaft. Er machte in St. Gallen eine Lehre als Färber. Nach vierjähriger Lehre und einem Gesellenjahr begab sich Weber 1836 auf die Wanderschaft. Über verschiedene Schweizer Stationen gelangte er nach Frankreich (Léyon), wo er sich mangels Französisch-Kenntnissen vorerst wenig zu Recht fand. Mit Fleiss lernte er diese Sprache, sodass es im gelang, nach einem Zwischenhalt in Paris, in Rouen in einem Färber-, Bleicherei- und Appreturgeschäft zu einer Anstellung zu gelangen. Zwei Jahre hielt er sich dort auf und mit grossem Eifer hatte er sich dort Kenntnisse in Chemie und Physik angeeignet. In diesem Rouen lernte er den strebsamen Gesellen Wieking kennen. Gemeinsam wollten sie nach Berlin, um sich in Chemie weiterzubilden. In Deutschland folgte eine schwierige Zeit. Berlin klappte nicht und der Schweizer war wenig willkommen. Trotzdem gelang es ihm schliesslich, eine Anstellung als Werkführer in der Samtfabrik Ettlingen bei Karlsruhe zu bekommen. Über seinen Freund Wiecking lernte er dessen Schwester Amalie Wiecking kennen, die er dann 1842 heiratete. Wenig später kamen die Tochter Emilie und Sohn Carl zur Welt. Weber war inzwischen in seinem handwerklichen Können weit fortgeschritten und er strebte nach höherem. So kam ihm das Angebot seines Bekannten Georg Bosshart, Werkmeister in der Zieglerischen Rotfarb zu Neftenbach gerade recht.
Gemeinsam erwarben sie 1845 die Färberei in der Schleife von Friedrich Ernst in Winterthur. Den Fabrikbetrieb fanden die „Rückwanderer“ in einem schlechten baulichen und geschäftlichen Zustand vor. Der bald einsetzenden Aufschwung der Schweizer Baumwollindustrie, von dem auch die Buntweber und Drucker profitierten, rettete die Neu-Industriellen und kündigte den Aufstieg an. Maschinen mussten angeschafft werden und dazu die erforderlichen Räume gebaut werden. Die grossen Investitionen brachten wieder schwierigere Zeiten. Diese bewogen Bosshart auszusteigen. Die positive wirtschaftliche Entwicklung half aber auch diese schwierige Situation zu überwinden. Ein Jahrzehnt nach der Gründung stand das Unternehmen gefestigt da. An der zweiten zürcherischen Industrieausstellung von 1854 gelang dem Weberschen Unternehmen mit den Proben seines Könnens den endgültige Durchbruch.
So stand der weiteren Entwicklung des Unternehmens nichts mehr im Wege. Die billige Wasserkraft der Eulach wurde nach diversen Schwierigkeiten mit dem Flusslauf durch Dampfkraft ersetzt. Der Maschinenpark wurde laufend ergänzt und erneuert. Der hohe Grad der technischen Vollkommenheit hielt das Unternehmen auch in den schwierigeren Zeiten mit der Rückkehr zum Protektionismus der siebziger Jahre über Wasser. Mit Spezialitäten im Färben und Bleichen genoss die Webersche Fabrik einen ausgezeichneten Ruf. Diese innere Innovation entwickelte die Firma allmählich zum Grossunternehmen. Immer mehr spalteten sich die verschiedenen Arbeitsprozesse auf. Färberei, Bleicherei und Appretur bildeten besondere Abteilungen. An die Stelle des allseitig ausgebildeten Färbers trat mit der gesteigerten Produktion der Spezialist.
Das Laboratorium der Schleife war in Sachen Neuerungen in der Färbetechnik stets vorn. Es waren Seniorchef Weber mit seiner reichen praktischen Erfahrung und Sohn Carl mit den Mitteln und Kenntnissen der modernen Forschung, die das Unternehmen zu bedeutenden Erfolgen führten. 1885 gelang es ihnen nach langen Versuchen als Erste die roten und braunen „Eisfarben“ auf den Markt zu bringen. Diese direkten Farbstoffe färbten beim Waschen nicht ab. Weitere Versuch führten zu einem soliden Schwarz. Das Anilinschwarz war eine Spezialität des Unternehmens. An der Landesausstellung 1883 in Zürich hielten die Berichte der Experten mit Lob kaum zurück.
1888 fand dann die Übergabe des Betriebes an die beiden Söhne Carl und Jakob statt.
1998 wurden die Liegenschaften an den Raider Ulrich Wampfler verkauft, nachdem zuvor der Betrieb eingestellt worden war.
Nie vergass Vater Weber mit seiner Belegschaft ein enges Verhältnis zu pflegen. Hatte er in den ersten harten Jahren mit ihnen noch Haus und Tisch geteilt, waren es später Jahresabschluss-Essen für die ganze Belegschaft oder ein Firmenausflüge, so zum Beispiel 1870 mit weit über Hundert Personen und einem Sonderzug an den Klöntalersee. Seit 1866 äufnete Weber mit jährlichen Zuwendungen von zehn Prozent des Reingewinnes an ein Arbeiter-Unterstützungskonto für unverschuldete Not. Bereits 1854 entstand eine Krankenkasse. Auch eine Arbeiterspeiseanstalt (Kantine) fehlte nicht. Zur Linderung der Wohnungsnot hat das Unternehmen Weber ebenfalls Unterstützung geleistet. Am oberen Deutweg und an der Pflanzschulstrasse wurden eine Reihe von Wohnhäusern (1867-1878) gebaut. Schliesslich entstand auf eigene Rechnung auch noch der Kindergarten im „Oberen Deutweg“, der später an die Stadt überging. In den 1850er-Jahren kaufte Weber das Schloss Gachnang, um dort eine Trinkerheilanstalt zu errichten.
Johann Jakob Weber stellte sich auch dem Dienste der Öffentlichkeit. So war er 1870-1892 im Kantonsrat und danach lange Jahre Handelsrichter. Er war Schulstadtrat 1870-1873, Mitglied der Armenpflege 1870-1885, der Spitalpflege 1871-1887 und der Stadtkirchenpflege 1873-1898. Er blieb stets ein schlichter anspruchsloser Mann. Johann Jakob Weber starb nach einem arbeits- und erfolgreichen Leben am 13. Januar 1901.
Am 18.12.1901 wurde als neue Firma im Handelsregister eingetragen:
Aktiengesellschaft Carl Weber, in Winterthur, Betrieb von Unternehmungen der Textilveredlung, der Färberei und Appretur mit Fabrikation chemischer Produkte. Am 18.10.1994 erfolgte die Löschung im Handelsregister. Das Fabrikareal ist heute 2009 noch teilweise erhalten und wird multifunktional genutzt.
Einige Details aus der Familiengeschichte
Johann Jakob Weber zur Schleife, geboren am 8. Oktober 1814 in Gottshaus bei Bischoffszell (erstes Kind von J.J. Weber †1848 und A. Barb. Greuter), gestorben am 13. Januar 1901 in Winterthur.
1842 Heirat mit Amalie Wiecking aus Osnabrück, Amalie verstarb früh.
1875 Einbürgerung in Winterthur
10 Kinder:
*1842 Emilie
*1845 Carl; 1868 Einstieg in väterliche Unternehmen; 1874 Vermählung mit Henriette Sulzer. Vermächtnis: Die Korallensammlung Dr. h.c. Carl Weber-Sulzer in den Naturwissenschaftlichen Sammlungen der Stadt Winterthur.
*1848 †1932 Ida Herold-Weber
*1851 Jakob, seit 1880 im Betrieb, †1891, 1. August, tödlich verunfallt, abgestürzt beim Abstieg von der Bernina am Morteratschgletscher
*? Robert †1873 in Wien (Cholera)
* †? Albert, nach seinem Tod kehrt seine Witwe mit neun Kindern zu dessen Grosseltern zurück.
† 1892 Emil, Tod des einzigen Kindes aus zweiter Ehe
*1875 †1963 Fanny Corti-Weber, Enkelin
*1822 †1910 Elise Weber-Wild, mit zweiter Gattin 42 Jahre verheiratet
Nach einem Beitrag im Winterthurer Jahrbuch 1988.