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Ein internationales Expertengremium hat das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI bei der Beurteilung des Sicherheitsfalles der Axpo für den Reaktordruckbehälter von Beznau 1 unterstützt. In einem Interview erklärt der Leiter des International Review Panels, Tim Williams, warum sie die Schlussfolgerung unterstützen, dass Beznau 1 neu gestartet werden kann.
Das IRP verfolgt seit zwei Jahren die Analysearbeit der Axpo in Beznau und hat den Sicherheitsnachweis der Axpo in einem vom ENSI definierten Rahmen unabhängig bewertet. Wie lautet das Fazit der Experten?
Tim Williams: Das IRP ist der Ansicht, dass der Sicherheitsnachweis akzeptiert werden kann.
Das IRP unterstützt somit die Entscheidung des ENSI, dass der Reaktordruckbehälter sicher ist. Was gibt Ihnen diese Gewissheit?
Die Axpo Power AG hat mit umfangreichen Untersuchungen und Analysen den Nachweis erbracht, dass der Reaktordruckbehälter sicher ist. Die Ursache für die überwiegende Mehrheit der Befunde konnte mithilfe der Replika überzeugend als Aluminiumoxid-Einschlüsse nachgewiesen werden. Die Materialprüfung hat gezeigt, dass diese Einschlüsse keinen Einfluss auf die wesentlichen Werkstoffeigenschaften haben. Die Analyse der Strukturintegrität zeigt, dass der Reaktordruckbehälter keine Fehler enthält, die zu einem Versagen des Druckbehälters führen könnten. Das IRP ist davon überzeugt, dass die Arbeiten nach allen einschlägigen nationalen und internationalen Standards durchgeführt wurden.
Sind die verfügbaren Daten ausreichend, um eine solche Entscheidung zu treffen?
Ja. Die Axpo Power AG hat den Reaktordruckbehälter sehr gründlich auf Mängel untersucht und die bei der Beurteilung der Strukturintegrität verwendeten Fehlerdaten validiert. Sie hat eine grosse Anzahl von Materialtests durchgeführt, um die erforderlichen Informationen über die Materialeigenschaften zu erhalten. Sie hat umfangreiche metallurgische Untersuchungen und Analysen durchgeführt, um eine korrekte Interpretation der Ergebnisse zu gewährleisten. Das IRP ist überzeugt, dass es nicht notwendig ist, mehr Daten zu generieren.
Zu Beginn der Arbeiten bestand die Befürchtung, dass die Einschlüsse aufgrund ihrer ungewöhnlichen Grösse und grossen Anzahlen einen negativen Einfluss auf die Sprödbruch-Referenztemperatur haben könnten. Was sagen die IRP-Experten dazu?
Das umfangreiche Testprogramm hat keinen experimentellen Beleg für negativen Auswirkung der Einschlüsse auf die Sprödbruch-Referenztemperatur gebracht. Dieses Ergebnis entspricht den Erwartungen, die auf theoretischen Modellen beruhen.
Kritisiert wird auch die Bestimmung der Sprödbruch-Referenztemperatur auf Basis der Master-Curve-Methode. Wie beurteilen die IRP-Experten diesen Ansatz?
Die Verwendung der Master-Curve-Methode zur Bestimmung der Sprödbruch-Referenztemperatur wurde durch umfangreiche internationale Forschung über viele Jahre hinweg etabliert und ist in internationalen Normen und Standards anerkannt. Es ist jedoch bekannt, dass es Einschränkungen gibt, die vom Material abhängen, und es gibt starke Belege dafür, dass diese Einschränkungen für die Materialien in Beznau 1 gelten. Das IRP hat daher empfohlen, die konservativere der nach ENSI zulässigen Methoden zur Bestimmung der Sprödbruch-Referenztemperatur zu verwenden (Methode II-b). Die Akzeptanz des Sicherheitsfalls bleibt davon unberührt.
Tim Williams ist ein internationaler Experte für die Auswirkungen von Strahlenschäden auf die Strukturintegrität von Reaktordruckbehältern. Er ist ein erfahrener Vorsitzender internationaler Fach- und Beratungsgruppen. Unter anderem leitete er das International-Review-Panel im Fall des Reaktordruckbehälters von Beznau 1.
Tim Williams erwarb 1967 einen Abschluss in Materialwissenschaften an der University of Cambridge. Er arbeitete über 40 Jahre für Rolls-Royce plc als Experte für Reaktorkernmaterialien und mechanische Prüfungen von Stahl und anderen Materialien. Er war aktiv an mehreren internationalen Projekten zur Erforschung von Bestrahlungsschäden beteiligt.