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Brasilien und Argentinien streben eine gemeinsame Währung und eine stärkere wirtschaftliche Integration an. «Wir haben beschlossen, die Gespräche über eine gemeinsame südamerikanische Währung voranzutreiben, die sowohl für den Finanz- als auch für den Handelsverkehr verwendet werden kann, um die Kosten für Operationen und unsere externe Anfälligkeit zu verringern», erklären der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva und der argentinische Regierungschef Alberto Fernandez in einem gemeinsamen Artikel für die Internetseite der argentinischen Wochenzeitung «Perfil».
Zudem sollten Hindernisse für den Austausch zwischen den beiden Ländern beseitigt, Regulationen vereinfacht und modernisiert und lokale Währungen gefördert werden.
Initiative geht von Argentinien aus
Die «Financial Times» hatte zuvor über eine Wiederbelebung der Gespräche über eine gemeinsame Währung berichtet. Demnach soll die zunächst als bilaterales Projekt gestartete Initiative später auf andere lateinamerikanische Länder ausgeweitet werden.
Die beiden grössten Volkswirtschaften Südamerikas erwägen schon seit Jahrzehnten die Möglichkeit, ihre Währungen zu koordinieren, um dem Einfluss des Dollars in der Region entgegenzuwirken. Die anhaltenden makroökonomischen Ungleichgewichte beider Länder und die immer wiederkehrenden politischen Hindernisse für diese Idee haben jedoch kaum zu praktischen Fortschritten geführt.
Die jüngsten Verhandlungen wurden nach Angaben eines brasilianischen Regierungsvertreters von Buenos Aires initiiert. Sie befänden sich in einem sehr frühen Stadium, und es gebe keine Frist für den Abschluss. Das brasilianische Abkommen sei nicht mehr als eine Zustimmung zu den Gesprächen, so der Beamte.
Argentinische Inflation ist viel höher als in jene in Brasilien
Bereits 1987 kündigten die Staats- und Regierungschefs beider Länder die Schaffung einer gemeinsamen Rechnungseinheit an, die Gaucho genannt wurde, um den Handel zwischen den Ländern zu messen. Die Idee scheiterte an Meinungsverschiedenheiten und an der hohen Volatilität, von der die beiden Länder betroffen waren.
Jetzt stehen sie vor ähnlichen Herausforderungen. Argentinien hat eine jährliche Inflationsrate von fast 100 Prozent, und in diesem Jahr stehen Präsidentschaftswahlen an. In Brasilien, das erst gerade gewählt hat, beträgt die Inflationsrate nur 5,8 Prozent. Die rasche Abwertung des Peso gegenüber dem Real und die Autonomie der brasilianischen Zentralbank, die sich der Initiative widersetzen könnte, sind ebenfalls erhebliche Hindernisse.
Weltweit suchen die Länder nach Möglichkeiten, den Einfluss des Dollars zu schmälern, indem sie versuchen, grössere Teile ihrer Schulden in Landeswährung zu verkaufen. Russland hat nach den Sanktionen wegen seines Einmarsches in der Ukraine Auslandszahlungen in Rubel entgegengenommen. Und die asiatischen Länder wollen ihre Verwendung des chinesischen Yuan erhöhen. Indien und die Vereinigten Arabischen Emirate sind bestrebt, den Nicht-Öl-Handel in Rupien auszuweiten.
(reuters/bloomberg/mth)