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Georg Simmel: Skizze einer Willenstheorie
ex:
Zeitschrift für Psychologie und Physiologie der Sinnesorgane, hrsg. von Hermann Ebbinghaus und Artur König, 9. Band, 1896, S. 206-220.
Die Entwicklung des
bewussten und vernunftmäßigen Willens, sowohl in der Gattung wie im
Individuum, lässt man in der Regel von dein »Triebe«, als ihrer ersten
Stufe, ausgehen.
Dieselbe Kraft, die sich im
Willen darstellt, scheint ihre primitivste Äußerung als Trieb zu
gewinnen. Jedenfalls ist die Einsicht in das Wesen des Triebes eine Brücke
zum Verständnis des Willens.
Der Trieb erscheint uns als
die Ursache bestimmter Handlungen, der Geschlechtstrieb als Ursache der
Begattung, der Ernährungstrieb als Ursache des Aufsuchens und Aneignens
der Nahrung.
Um diese Vorstellung zu prüfen,
mache man sich zunächst klar, dass z.B. die Aufnahme der Nahrung, ja
selbst die Nahrungssuche, auf die der Trieb führen soll, stattfinden können
und auf niederen Stufen tatsächlich stattfinden, ohne dass der psychische
Vorgang des Triebes dabei vorausgesetzt werden darf, z. B. bei der Ernährung
des Embryos, bei Meertieren, denen die Nahrung zufließt, bei der Atmung,
die doch auch als eine Ernährung anzusehen ist und erst, wenn sie einmal
behindert ist, als Trieb bewusst wird.
Wenn zur physischen
Erhaltung eines Wesens Ernährung nötig ist, so sorgt die natürliche
Zweckmäßigkeit, die allenthalben die Bedürfnisse und Funktionen der
Organe in Übereinstimmung gebracht hat, schon dafür, dass das Aufsuchen
und Aufnehmen der Nahrung stattfindet.
Bei gewissen niederen
Meertieren, z. B. den Radiolarien, geht die Körpermasse abwechselnd in
eine Anzahl von Fäden auseinander, die sich hin- und her bewegen.
Kommt nun zufällig ein
verdaulicher Stoff in Berührung mit diesen, so umschließen sie ihn
sofort, wie durch einen präzis wirkenden Mechanismus, und ziehen ihn in
sich ein.
Die kausale Reihe, die von
dem Mangelzustand des Protoplasmas zu der Assimilierung der Nahrung führt,
ist wenigstens in den Anfangsstadien der Entwicklung offenbar eine rein
physische; das Schlussglied wird vom Anfangsgliede aus durch so
unabwendbare, organische Notwendigkeit herbeigeführt, dass ich nicht
sehe, weshalb man noch die psychische Vermittlung eines empfundenen »Triebes«
in sie einzusetzen brauchte.
Gerade aus der oft
unglaublichen Feinheit und Komplikation der Maßregeln zum Ergreifen der
Nahrung, die wir schon bei ganz tiefstehenden Wesen antreffen, scheint mir
zu folgen, dass sie nicht aus psychischen Ursachen entspringen,
sondern aus derselben physiologischen Zweckmäßigkeit, die auch die höchst
zusammengesetzten Mechanismen der Verdauung und der Atmung zustande
gebracht hat.
Der Hungerzustand - gar
nicht einmal das Hungergefühl - könnte rein reflektorisch jene
Bewegungen veranlasst haben, die bei den niederen Tieren auf den
Nahrungserwerb hingehen, wie der Körper ja unzählige Male auf seine -
empfundenen oder unempfundenen - Zustände hin die unter diesen Umständen
zweckmäßigsten Bewegungen vollzieht, ohne dass wir noch einen
besonderen, auf diese gerichteten »Trieb« dazwischenschöben.
An die gegebene
physiologische Beschaffenheit knüpft sich die Bewegung zur Erlangung
dessen, was den Körper wieder restituiert, wie sich an den
Sauerstoffmangel im Blut die Atembewegung heftet, während weder der
Ausgangspunkt noch der Fortgang des Prozesses eines Bewusstseins bedürfen.
An diesem Punkte kreuzen
sich mehrere erkenntnistheoretische und psychologische Interessen. Zunächst
spielt das allgemeine, durch die Entdeckung der Erhaltung der Energie so
sehr erschwerte Problem hinein: ob überhaupt psychische Vorgänge die
zureichende Ursache von körperlichen Vorgängen sein können.
Diese Frage, die das
Fundament aller Willenstheorien affiziert, richtet sich zunächst gegen
den Trieb, und zwar um so ernster, als naturalistische und also mit dem
Anspruch besonderer Exaktheit auftretende Anschauungsweisen gerade in der
Zurückführung des Handelns auf »Triebe« exzellieren.
Es ist ferner zu fragen, ob
der Begriff des Triebes, ganz abgesehen von dieser psychophysischen
Schwierigkeit, ein in sich haltbarer ist, d. h. ob eine bestimmte Phänomenengruppe
wirklich nur mit Hilfe dieses Begriffes zu klassifizieren oder zu
verstehen ist.
Endlich, wenn es sich
zeigen sollte, dass man denselben überhaupt aussparen kann, ist zu
fragen, welches denn die realen psychologischen Vorgänge sind, die man,
in der irrigen Meinung, damit etwas zu erklären, unter ihn
zusammenzufassen pflegt.
Übergehen wir zunächst
das erstgenannte Problem und fragen nur, was denn damit gewonnen ist, wenn
ich die Bewegung eines Tieres auf seine Beute zu als Erfolg des
Nahrungstriebes bezeichne?
Nicht mehr, als wenn überhaupt
eine Bewegung durch Setzung einer auf sie gerichteten Kraft für erklärt
gelten soll! Gegeben ist in Wirklichkeit ein Gefühl und eine Handlung.
Das erstere, rein als psychische Tatsächlichkeit betrachtet, ist ein
immanenter Zustand, eine in sich geschlossene Einheit.
Wenn es dennoch über sich
hinauszuweisen scheint, wenn der Trieb sozusagen nicht bloße Gegenwart
ist, wie das Gefühl doch sonst, so ist die Zukunftsbeziehung, die über
das Gefühl als aktuellen Bewusstseinsinhalt noch hinausgeht, nur ein zu
diesem letzteren durch reflektierendes Bewusstsein hinzugesetzter
Bestandteil; gerade dieser aber ist es, der als Ursache die nachfolgende
Bewegung erklären soll.
Der entscheidende Punkt
liegt in der Beseitigung des teleologischen Momentes im Triebe: darin,
dass in die einfache Kausalkette zwischen einem Mangelzustand und den
Abhilfsbewegungen nicht noch ein Glied hineininterpretiert werde, das
diese letzteren schon in irgend einer Form antizipierend in sich enthält.
Es wird damit, von der
Seite der Ursache gesehen, in feinerer Form derselbe Fehler begangen, als
wenn man in dem Samenkorne außer der bestimmten Qualifikation und
Lagerung seiner Moleküle noch einen »Trieb« zum Wachsen, oder in den
Materienmassen einen »Trieb«, sich einander zu nähern, erblicken
wollte; von der Seite der Folge dasselbe, als wenn man das Sprechen durch
einen besonderen Sprachtrieb, die Wegfindung der Wandervögel durch einen
Orientierungssinn oder das logische Denken durch die Kraft der Vernunft
erklärt glaubt.
Gewiss geht sehr vielen
Aktionen ein gewisses Gefühl voran; dass dieses Gefühl aber außer
seinem konkreten Bewusstseinsinhalt noch eine Art speziellen Hinweises auf
die darauf folgende Tat enthalten soll, dass über seine bloß kausale
Entwicklung, durch die es sich prinzipiell von keiner anderen
psychologischen Konstellation unterscheidet, noch eine teleologische
bestehen soll, dass, mit einem Wort, in den »Trieb«, genannten Gefühlen
die Zukunft noch in anderer Weise liege, als überhaupt in jedem gegebenen
Moment einer Kausalreihe ihre Zukunft liegt, - das ist ein Rest jener
populären Metaphysik, die, aus Anthropomorphismus und naivem Kausalbedürfnis
hervorgegangen, von dem Sprachgebrauch her der Wissenschaft vererbt ist.
Der Ernährungstrieb drückt
nur die Tatsache aus, dass wir uns ernähren und die dazu erforderlichen
Handlungen vornehmen, und dass dies doch wohl eine Ursache haben muss; was
diese Ursache aber sei, wird dadurch, dass wir einen ad hoc
angenommenen Trieb davor setzen und mit den tatsächlich vorhergehenden
Gefühlszuständen für identisch erklären, noch in keiner Weise erkannt.
Wichtiger aber als diese Überlegung,
nach der der »Trieb« methodologisch auf derselben Stufe steht, wie die
»Seelenvermögen, ist die Frage, was denn nun der mit ihm bezeichnete
psychologische Zustand ist, und worin sein empirisch unleugbarer
Zusammenhang mit den nach ihm eintretenden Aktionen besteht.
Ich glaube - wenngleich
diese Ansicht zunächst als absolute Paradoxie erscheinen muss -, dass der
sog. »Trieb« überhaupt nicht der Handlung vorausgeht, sondern die
Bewusstseinsseite oder -folge der schon beginnenden Handlung ist.
Die äußerlich
erscheinende Handlung allerdings tritt erst nach dem Triebe ein; allein
sie selbst ist erst die Folge tiefer gelegener Innervationsvorgänge und
beginnt mit Ansätzen, die nicht selbst schon sichtbar sind, wohl aber
schon psychische Reflexe auslösen können.
Wenn wir uns zu einer
Handlung getrieben fühlen, so haben offenbar die Innervationen, welche zu
ihr führen, schon begonnen, und das Gefühl des Getriebenwerdens ist die
Bewusstseinsfolge oder psychische Begleiterscheinung der allmählich frei
werdenden, nach dieser Seite hin gehenden Spannkräfte.
Die Empfindung der Passivität,
des Affiziertwerdens, die wir dem Triebe gegenüber haben, gibt Anweisung
darauf, dass er uns sozusagen schon eine Tatsache mitteilt.
Ich habe an einem anderen
Orte (Einleitung in die Moralwissenschaft 1, 247-249) aus Tatsachen des
unmittelbaren Bewusstseins deduziert, dass zwischen dem Triebe und der Tat
keine scharfe Grenze existiert, dass beides Stationen einer und derselben
Entwicklung sind.
Gerade die letzte Vornahme
und das wirkliche Tun, so hatte ich dort gesagt, erfolgt oft gewissermaßen
mechanisch, - als ein nicht mehr aufzuhaltendes Weiterrollen der einmal
entfesselten inneren Bewegung, die das Bewusstsein mehr mit ansieht und über
sich ergehen lässt, als dass es sich jetzt noch als die bewegende Kraft fühlte.
Dies ist der bloß
psychologisch-ethische Tatbestand; er wird aber erst dadurch verständlich,
dass der Trieb, als Bewusstseinsinhalt, die Empfindungsseite der
beginnenden Handlung ist, der Bewusstseinsreflex der schon stattfindenden
Innervation zu derselben.
Wenn der Trieb schon für
einen Teil der Tat gilt - wie Jesus das Begehren nach des Nächsten Weib
als Ehebruch bezeichnet -, so ist dies der ganz richtige Ausdruck dafür,
dass er wirklich das seelische Zeichen für den Beginn derselben ist,
unbeschadet dessen, dass ihre Fortsetzung bis zur konstatierbaren
Realisierung hier, wie bei allen anderen Entwicklungsreihen, unzählige
Male durch gegenwirkende Kräfte verhindert sein kann.
Wenn man zwischen
Mangelzustand und Abhilfsbewegung noch den Trieb als vermittelnde Kraft
eingeschoben hat, so liegt dieser falschen Hypostase doch das richtige Gefühl
zu Grunde, dass der Beginn der motorischen Vorgänge vor ihrer ersten
Sichtbarkeit liegt, und dass ihre reale Ursache dieser unmittelbar
vorhergehende Innervationszustand ist, dessen psychisches Signal dann das
Triebgefühl bildet.
Ganz ebenso liegt es bei
den repulsiven Trieben des Abscheus und der Abwehr. Diese kommen so
zustande, dass irgend ein Eindruck das Tier trifft, dem sich weiter
auszusetzen demselben verderblich wäre.
Die organische Zweckmäßigkeit
wird also solche Eindrücke mit Fluchtbewegungen assoziiert haben, und der
Fluchttrieb ist nichts anderes, als das Gefühl des Beginnens dieser
Bewegung - gerade wie der Geschlechtstrieb nichts anderes ist, als das Gefühl
derjenigen Reizung vasomotorischer Nerven, die den wirklichen
Geschlechtsakt einleiten.
Weil der Trieb nicht vor
der Handlung überhaupt liegt, sondern das Gefühl ihres Beginnes ist,
darum wird er auch ganz besonders stark bewusst, wenn der Weg zu dem
definitiven Ziele ein längerer ist, also bei eintretenden Hindernissen
des Tuns, während er ebenso begreiflich erlischt, wenn die Handlung
dauernd behindert und unterdrückt wird - denn dies zerstört schließlich
den Mechanismus, der sonst von dein bestimmten Zustande aus die
Innervation zur Abhilfsbewegung bewirkt, und mit ihm natürlich auch seine
psychische Abspiegelung; darum auch kommt »der Appetit beim Essen«,
darum bilden sich Triebe zu Dingen, die wir oft tun - weil diese eben
gleichsam von selbst ihre Verwirklichung beginnen, auf die leiseste
Anregung hin wenigstens die Anfangsglieder derselben abrollen lassen und
diese als Trieb zur Handlung empfunden werden.
Darum knüpft sich auch an
den Trieb schon ein Teil der Lust, die die schließliche Handlung
begleitet - nicht aus dem Triebe, der selbst nur ein Gefühlszustand ist,
entsteht sie, aber sie ist mit ihm gleichzeitig, weil der Trieb selbst
schon aus einem Teile der Handlung hervorgeht, der pro rata an der
der Gesamthandlung entsprechenden Lust partizipiert.
Und weil es eben nur der
Ansatz der Handlung ist, der dem Triebe entspricht, darum empfinden wir
diesen meistens als etwas Unbestimmtes, Allgemeines, dessen spezielle
Richtung auf diesen oder jenen Gegenstand sich erst im Laufe seiner
Entwicklung näher bestimmt, und der seine Befriedigung auch an sehr
verschiedenen Gegenständen finden kann - denn der Beginn der Handlung,
die erste Innervation, ist selbst noch unbestimmt, keimhaft und lässt
einer Mannigfaltigkeit möglicher Richtungen und Bestimmungen Raum.
Wenn nun selbst gegenüber
denjenigen Vorgängen, die der Erscheinung nach ein unmittelbares Umsetzen
des Triebgefühles in Handlung zeigen, meine Vermutung plausibel klänge,
die jenes Gefühl als den Bewusstseinsreflex des noch nicht sichtbaren
inneren Stadiums der Handlung deutet - so scheint der eigentliche »Wille«,
in eine ganz andere Kategorie zu gehören.
Denn ihn charakterisiert
gerade das Fehlen jener Unmittelbarkeit zwischen psychischem Impuls und
psychischer Handlung, infolge deren man beim Triebe allerdings den einen
direkt als den psychisch gespiegelten Anfang der anderen ansprechen
konnte: unzähliges wollen wir, was wir doch nicht tun; anderes, was wir
wollen, tun wir zwar, aber doch nicht in unmittelbarer Fortsetzung dieses
Willens, sondern nach langem Aufschub; entgegengesetzte Wollungen treten
zu gleicher Zeit und oft mit gleicher Kraft in uns auf, deren ebenso
gleichzeitige Realisierungen gerade physisch unmöglich wären; endlich -
was schon gegen die obige Trieblehre gilt - tun wir vieles, was oft
Willensvorsatz ist, unter Umständen auch völlig mechanisch, ohne irgend
ein vorhergehendes Bewusstsein, und es wäre unverständlich, wieso die
physisch ganz gleiche Handlung einmal mit, einmal ohne Willen abliefe,
wenn dieser wirklich nichts anderes wäre, als die Bewusstseinsseite eines
Teiles dieser Handlung.
Alle diese Bedenken gegen
die Möglichkeit, unter dem Willen zu einer Handlung die als Gefühl zurückschlagende
Innervation zu dieser Handlung zu verstehen, erleichtern sich, sobald man
den reinen, wirklichen Begriff des Willens von jenen anderen psychischen
Vorgängen scheidet, die nur willensartig gefärbt sind.
Jene Vorstellung, dass man
Dinge wollen könne, die man dann doch nicht tut, ist gerade von dem
Standpunkte der hergebrachten Psychologie, die im Wollen eine spezifische
Energie der Psyche sieht, nicht haltbar.
Denn angenommen, ich wollte
jetzt eine bestimmte Aktion, nähme sie aber doch nicht vor, so würde in
anderen Fällen, wo ich sie tatsächlich vornehme, noch eine weitere Kraft
erforderlich sein, die erst zum Wollen hinzuträte, um es in die Handlung
überzuführen - eine Kraft, die eben nicht Wollen wäre, weil dieses sich
ja, der Voraussetzung nach, schon vorher vollkommen entfaltet hatte.
Die Verselbständigung des
Willens gegenüber der Realisierungshandlung macht gerade denjenigen Zweck
illusorisch, um dessentwillen man den Willen zu einer besonderen
psychischen Kraft gemacht hatte, nämlich an ihm eine zureichende Ursache
des Handelns zu gewinnen.
Denn, wenn bei vorhandenem
Willen die Handlung bald eintreten, bald nicht eintreten kann, so folgt,
dass nicht er, sondern irgend eine andere Potenz die eigentliche Ursache
der Handlung ist.
Soll der Wille überhaupt
die Ursache des Handelns sein, so muss auch die ausnahmslose
Unmittelbarkeit des allgemeinen Verhältnisses zwischen Ursache und
Wirkung zwischen ihnen bestehen.
Dagegen ist natürlich kein
Einwand, dass wir vieles, das wir wollen, doch erst nach langer Zeit
realisieren.
Dann bezieht sich eben der
jetzige, d. h. wirkliche Willensakt nicht auf jene Handlung, sondern auf
das Aufschieben oder auf das Vorbereiten derselben, und sie selbst taucht
nicht unter der Kategorie des unmittelbaren Wollens, sondern nur des
Wunsches oder der Möglichkeit auf.
Dasjenige hingegen, was ich
nicht nur wünsche, ersehne, hoffe, vorbereite, sondern was ich tun will,
das tue ich auch unmittelbar, weil ich sonst ja eben nicht dies, sondern
etwas anderes gewollt hätte.
Die Zeitdifferenz zwischen
dem Willen und der Aktion, die seinen Inhalt bildet, besteht also nur
durch ungenaue Begriffe und würde kein Hindernis ausmachen, den Willen
als das Gefühl zu definieren, das den Beginn der - irgendwie, aber
jedenfalls nicht durch den Willen veranlassten - Handlung begleitet.
Nimmt man dies an, so
bieten auch die sonstigen scheinbaren Zusammenhangslosigkeiten zwischen
Wollen und Handeln keine erheblichen Schwierigkeiten.
Jener physische Vorgang,
der, in seinen frühesten Stadien als Willensgefühl zurückschlagend,
sich in die Aktion fortsetzt, braucht nicht immer so weit vorzuschreiten.
Er kann, gerade wie jede
andere physische Bewegung, auf jener ersten Stufe Halt machen, sei es,
weil die ihm enthaltene Energie von vornherein nicht weiter reichte, sei
es, weil ihm Hindernisse und Ableitungen begegnen, die er nicht überwinden
kann.
Der Anfang aber ist uns
inzwischen als Wille zum Bewusstsein gekommen.
Ebenso verständlich sind
jene gleichzeitigen und verschieden gerichteten Wollungen, deren Existenz
in uns - trotz aller vorgeblichen »Einheit des Willens« - ebenso
unzweifelhaft ist, wie die Unmöglichkeit ihrer gleichzeitigen Ausführung.
Dies ist genau nach
Analogie des Vorganges in einem physischen System zu denken, in dem zwei
gleichzeitige Bewegungen an verschiedenen Stellen derart entstehen, dass
sie bei gleich gerichteter ununterbrochener Fortsetzung sich begegnen und
gegenseitig paralysieren müssten, bzw. jede ihre Fortsetzung über einen
gewissen Punkt hinaus nur unter der Voraussetzung finden kann, dass die
andere irgendwie abgelenkt oder aufgehoben wird.
Denkt man sich nun den
Willen als das psychische Korrelat des Anfangsstadiums der Handlung, so
ist es durchaus widerspruchslos, dass zwei derartige Anfänge, also auch
zwei Willensakte, unabhängig von einander eintreten, deren Fortsetzungen
in die Aktion bis zu dem Augenblick der äußeren Sichtbarkeit hin doch
als gleichzeitige unmöglich wären.
Und endlich ist auch die
umgekehrte Erscheinung: die mechanische Vornahme einer Handlung ohne
irgend einen bewussten Willen, aber ohne irgend einen wahrnehmbaren
Unterschied gegen dieselbe, wenn sie unter Mitwirkung des Willens
vollbracht wird - auch diese ist mit der vorgeschlagenen Deutung des
Willens vereinbar, wenn man bedenkt, dass die Erregung des Gefühles durch
den Innervationsakt doch jedenfalls noch von anderen hinzutretenden oder
vorgefundenen Bedingungen mit abhängig ist.
Die Gesamtbedingungen für
das Entstehen eines Bewusstseins sind jedenfalls keine stetigen Funktionen
jenes Innervationsvorganges; sie können bei seinem Ablauf vorhanden oder
partiell abwesend sein und so den der äußeren Aktion vorhergehenden
bewussten Willen bald ermöglichen, bald ausschließen.
Dass diese Bewusstheit des
Willens insbesondere bei neuen Bewegungen auftritt und sich im Maße ihrer
Wiederholung und Gewohnheit verliert, kann man sich auch durch die
Tatsache näher bringen, dass jede ungewohnte Bewegung einen ganzen
Komplex eigentlich nicht dazugehöriger Mitbewegungen mit sich zu tragen
pflegt; bei jeder noch nicht gewohnten Bewegung eines Fingers pflegt sich
die ganze Hand, einer Hand der ganze Arm, ja bei allgemeiner
Ungeschicklichkeit oft der ganze Körper mitzubewegen, und erst die
Wiederholung der Bewegung schaltet jene assoziativ miterregten
Begleitaktionen durch feinere Differenzierung aus.
Es ist deshalb
wahrscheinlich, dass jener weit um sich greifende Komplex von Bewegungen
das bewusste Innervationsgefühl, d. h. den Willen, eher und kräftiger
erregen wird, als die später übrig bleibende, zirkumskripte Bewegung für
sich allein es vermag. -
Übrigens ist gerade diese
Mechanisierung der ursprünglich willensmäßigen Handlungen ein Argument
zu Gunsten der hier vorgetragenen Theorie, die den Willen in ein bloßes
psychisches Mitklingen mit der in sich geschlossenen, in dem Handeln mündenden
physischen Reihe verlegt.
Diese Reihe muss auch bei
rein mechanisch gewordenem Tun vollständig sein, denn sonst, d. h. beim
Fehlen eines Gliedes der Kausalkette, würde es zu ihrem Endeffekt, der
Handlung, nicht kommen können.
Folglich wird dasjenige,
was fortgefallen ist, nämlich der Wille, kein Kausalmoment für die
Handlung selbst gewesen sein.
Es ist nur das Spiegelbild
eines solchen, durch welches dieses sich dem Bewusstsein kundgab und das
deshalb für das Bewusstsein an die betreffende Stelle der Kausalkette
eintrat.
Diese Vorstellung vom Wesen
des Willens könnte nur für die primären Fälle einer einfachen Folge
von Wille und Handlung unmittelbare Anschaulichkeit beanspruchen.
Nur in diesen, wo eine
Kette physischer Wirkungen von einem zurückliegenden Anfangsgliede bis zu
der vollendeten Handlung läuft, scheint man , indem man die Handlung eben
schon mit jener ersten Innervation beginnen lässt, ohne allzu große
Paradoxie sagen zu können, dass in der Anschauung zwar das Handeln dem
Wollen, in Wirklichkeit aber das Wollen dem Handeln folgt.
Schwieriger aber erscheint
dies in Anwendung auf dasjenige Wollen, das, obgleich es alle inneren
Merkmale desselben trägt, dennoch nicht ein Tun-Wollen ist: wenn also
jemand z. B. reich werden will, ohne im Augenblick dieses Bewusstseins
schon irgend eine bestimmte Aktion zu beabsichtigen.
Ein solches Wollen kann das
äußerste Maß von Stärke und Leidenschaftlichkeit erreichen, ohne dass
immer eine Handlung auftaucht, als deren Anfangsstadium es zu deuten wäre.
Dies fällt nicht unter den
vorhin zurückgewiesenen Einwurf bezüglich aufgeschobener Handlungen;
denn in diesem Falle handelte es sich nur um eine ungenaue Ausdrucksweise:
es wurde tatsächlich gewollt und unmittelbar gehandelt, nur dass man das
Wollen, da sein momentaner Inhalt als bloßes Mittel kein Interesse
beanspruchte, auf das Endglied der Reihe bezog, das, genau genommen, eben
jetzt noch nicht gewollt wurde, so dass die scheinbare Trennung des
Wollens vom Handeln tatsächlich gar nicht vorlag.
Hier ist vielmehr die
Frage: lassen sich jene Seelenvorgänge, die keinem realisierenden Handeln
direkt vorangehen, aber zweifellos einen willensartigen Charakter tragen,
mit der Vorstellung vom Wollen vereinigen, die dieses als das Gefühl des
Beginnes der Handlung verstehen will?
Denn wenn ich auch vorhin
das Wünschen und Ersehnen vom Wollen unterschied, um zunächst einmal den
fundamentalen Begriff desselben klarzustellen, so entbindet diese
begriffstechnische Scheidung nicht von der Verpflichtung, zu erklären,
worin denn die zweifellose psychologische Verwandtschaft dieser
begrifflich getrennten Erscheinungen besteht.
Zwei Beobachtungen scheinen
mir die Brücke zwischen dem vorhin aufgestellten Willensbegriff und
diesen Wollungen ohne jegliche direkte Aktion zu schlagen.
Zuerst, dass die letzteren
auf den unteren Stufen der geistigen Entwicklung überhaupt nicht
vorkommen, auf diesen vielmehr - beim Kinde, in relativem Maße auch bei
dem tiefstehenden Menschen - jedem als willensartig zu bezeichnenden
Vorgang auch sofort eine Handlung folgt: das Kind kann nichts verlangen,
ohne die Hand danach auszustrecken, also zugleich das Ergreifen
einzuleiten; je weiter wir in der Reihe der Willenserscheinungen zurückgehen,
desto unmittelbarer, schließlich gar nicht mehr zeitlich trennbar, schließt
sich Wollen und Handeln aneinander.
Zweitens, dass auch auf den
höheren Stufen, wo der Wille sich von der Unmittelbarkeit der Aktion
emanzipiert und zum Wunsche, zu tatlosem Begehren, entferntester
Zielsetzung sublimiert hat, dies sich nicht auf einzelne, konkrete Ziele
zu beziehen pflegt, die überhaupt mit einer einzelnen Handlung zu
erreichen wären, sondern auf allgemeinere oder vielseitige Zustände,
Objekte, Begriffe.
Aus diesen Tatsachen
scheint mir hervorzugehen, dass das Wollen, das nicht zugleich Handeln
ist, überhaupt ein sekundäres und zusammengesetztes psychologisches
Gebilde ist, dass es gar keine elementare Funktion darstellt, sondern
durch eine Synthese einfacherer, tiefer liegender Vorgänge erklärt
werden muss.
Ist dies aber der Fall, so
sehe ich kein Hindernis, den Willenston solcher, im engeren Sinne
unpraktischer Vorstellungen in mitschwebenden Innervationsempfindungen
bestehen zu lassen. Es lässt sich wohl denken, dass vielgliedrige
Vorstellungen, - d. h. entweder abstrakte oder weit in die Zukunft hinein
projizierte, deren Stadien oder Vorbedingungen mit ihr mitklingen, - eine
große Anzahl von Innervationen der oben beschriebenen Art mit sich
bringen, deren keine zur Aktion gelangt, die aber zusammen ein großes
Quantum von Willensgefühl auslösen.
Ist gerade durch unsere Anfügung
des Willens an den Aktionsprozess selbst die Möglichkeit gegeben, das
Vorkommen eines echten Willens ohne folgende Handlung zu verstehen, so
sind nun auch jene Erscheinungen des Sehnens, Verlangens, Wünschens in
ihrer Verwandtschaft mit dem Wollen durchsichtig, sobald man sich nur den
komplexen Charakter ihrer Inhalte gegenüber den einfachen des direkten
Wollens klar macht. Vermöge dieses vereinigen sie die Nicht-Aktivität -
die aus der ihrer einzelnen Momente für sich hervorgeht - mit der Möglichkeit
sehr leidenschaftlichen Wollensgefühles - das sich aus der Summe des
Wollens jener zusammensetzt.
Auch die Erscheinungen der
pathologischen Willenslosigkeit, der Abulie, widersprechen dieser
Auffassung des Willens nicht.
Es werden Fälle berichtet,
in denen bei völliger Gesundheit des Empfindungs- und Denkvermögens und
völliger Abwesenheit konstatierbarer physischer Störungen dem Patienten
die Willensfähigkeit abhanden gekommen ist; er kann sich nicht entschließen,
die einfachsten Handlungen vorzunehmen, z. B. sich umzukleiden oder die
Treppe hinunterzugehen, obgleich er es zu tun wünscht und über seine
Schwäche in Verzweiflung gerät.
Die Abulie besteht möglicherweise
aus einer Lähmung derjenigen Hirnpartien, von welchen die Innervationen
zu den betreffenden Handlungen ausgehen.
Es kann deshalb weder zu
der Handlung noch zu dem Willen zu ihr kommen, der nach unserer Theorie ja
nur das Gefühl der jetzt eben fehlenden Innervation ist; die Vorstellung,
dass die Handlung nicht geschieht, weil der Wille dazu fehlt, entsteht
daraus, dass der Wille tatsächlich das psychische Signal der realen
Vorbedingung der sichtbaren Handlung ist.
Wenn neben dieser
Willenslosigkeit dennoch ein Wunsch, gleichsam der kraftlose Schemen des
Willens auftritt, so mag dies daher kommen, dass jener Gehirnprozess,
dessen Gefühlsseite den Willen bedeutet, nicht in seinem ganzen Verlaufe
gelähmt ist; irgend ein Teilchen seiner Kraft mag durch die physische
Anregung, die ihn normalerweise ganz und gar entfesseln würde, in
Funktion kommen und so das ihm entsprechende Willensgefühl erzeugen, dem
freilich ebensoviel daran fehlt, der ganze Wille zur Tat zu sein, wie
seinem physiologischen Substrate daran fehlt, die ganze Innervation zu
derselben zu sein.
Wenn nun berichtet wird,
dass durch besondere Willensanstrengung und Lebhaftigkeit des Wunsches die
Patienten dieser Schwäche Herr werden und wieder wollen können, so ist
der reale Vorgang der, dass die Lähmung aus irgend welchen
physiologischen Gründen behoben wird; die nun von neuem mögliche
Innervation stellt sich im Bewusstsein als Wille dar, wird aber, da sie
erst in ihrem späteren Entwicklungsstadium in die sichtbare Erscheinung
tritt, ihrerseits für die Folge des bewussten Willens gehalten.
Der Wille hat nicht die
physische Innormalität überwunden, sondern umgekehrt, die normale
physische Funktion, die sich wiederhergestellt hat, spiegelt sich als
Willensgefühl.
Die besondere Anstrengung
und Kraft, die sich der Patient in diesem Falle aufzuwenden bewusst ist,
ist der gewöhnliche Gefühlserfolg von lange nicht geübten Bewegungen,
deren einzelne Stadien noch nicht selbstverständlich koordiniert sind und
deshalb dem Bewusstsein stärkere einzelne Anstöße und Anstrengungsgefühle
bereiten.
Die gewöhnliche
Vorstellung solcher Fälle von »Rettung aus eigener Kraft« konstruiert
einen Willen zum Willen, der sich sozusagen am eigenen Schopfe aus dem
Sumpfe zieht; damit wird keine Erklärung, sondern nur eine Zurückschiebung
des Problems auf eine gleichbenannte und gleich fragwürdige höhere
Instanz bewirkt. -
In analoger Weise erklärt
sich die Anstrengung, mit der wir einen schwierigen Denk- oder
Erinnerungsprozess vollziehen.
Der entsprechende physische
Prozess geht eben vor sich, und in dem Maße, in dem seine Stadien vor der
schließlichen Erreichung des Resultates ungewohnte, noch nicht gebahnte
Kombinationen darstellen, erregen sie jenes Bewusstsein, das wir als
angestrengten Willen bezeichnen.
Je gewohnter eine
Innervationsreihe ist, desto weniger »Wille« ist für sie erforderlich,
bis sie schließlich ganz ohne Willen, d. h. auf den leisesten Anstoß
hin, »rein mechanisch«, abrollt.
Vorher schon ist die früher
dazu erforderte Anstrengung verschwunden, die sich so als eine bloße
Intensifikation, ein bloßes Plus des gewöhnlichen Wollens darstellt.
Indem so dem Willen der
Charakter als spezifische Energie der Psyche genommen wird, erhält auch
die psychologische Beschreibung der willensmüßigen Vorgänge eine viel
größere Freiheit, sich den Nuancierungen des inneren Tatbestandes
anzuschließen, als die Einheitlichkeit und begriffliche Stetigkeit jedes
spezifischen »Willens« ihr lässt.
Wenn ich einen Trunk tun
oder einen Freund wiedersehen will, wenn ich auf einen Anspruch verzichten
oder mich auf eine vergessene Tatsache besinnen will - so entspricht der
Gleichheit des Wortes Wollen keineswegs eine solche der psychischen Vorgänge,
die es bezeichnen soll.
In Bezug auf das »Haben«
oder Besitzen ist diese Biegsamkeit der psychischen Funktion unmittelbar
einzusehen.
Der Besitz ist, wie ich
andernorts ausgeführt habe, ein psychologisches Phänomen, eine auf
Sachvorstellungen bezügliche Gefühlskategorie, die je nach ihrem Inhalte
sich auch formal sehr verschieden darstellt: in ganz anderem Sinne besitze
ich einen Freund, als ein Haus, in ganz anderem Sinne ist mein Kind »mein«,
als der Beruf oder das Vaterland mein ist.
Es wäre ein durchaus fälschender
Schematismus, wollte man sich das Besitzen als eine stets gleiche Funktion
vorstellen, die, mit dem mannigfaltigsten Inhalt erfüllt, doch als solche
immer die gleiche bliebe.
Das Haben von Verschiedenem
ist psychologisch ein verschiedenes Haben, und es ist von vornherein
wahrscheinlich, dass jenes Vorstadium, jene ideelle Antizipation des
Habens, die wir Wollen nennen, seinen Inhalten ebenso schmiegsam, ebenso
wenig durch eigene spezifische Eigenschaften präjudiziert entgegenkommen
werde.
Will man schon das
trivialste und das abstrakteste, das dumpf-instinktive und das
energisch-klare Wollen mit eben dem selben Begriff bezeichnen, so muss man
diesen wenigstens mit so wenig Eigeninhalt wie möglich ausstatten.
Je mehr spezifische, dem übrigen
Seeleninhalt gegenüber scharf charakterisierte Qualitäten der »Wille«
hat, desto mehr erscheint er als »immer derselbe«, und desto schwieriger
ist es, seine Einheitlichkeit mit der unendlichen inhaltlichen und
funktionellen Verschiedenheit seiner Erscheinungen zu versöhnen.
Ich halte es deshalb für
das Zweckmäßigste, von seinem einfachsten und leersten Begriff
auszugehen: dass er die Ursache des Handelns ist.
Nun ist aber sicher die
einzelne exakt anzunehmende Ursache jedes in die Erscheinung tretenden
Handelns der vorhergehende zerebrale, bzw. nervöse Prozess, an den jenes
sich anschließt und von dem es die in ihm enthaltene Energie und Richtung
bezieht.
Wenn wir also die
psychische Willenserscheinung als die Bewusstseinsseite oder den Gefühlsreflex
eben jener, die Handlung physisch veranlassenden Vorgänge deuten, so
haben wir uns von jener weitesten und einfachsten Definition gerade nur so
weit entfernt, wie es das methodische Prinzip: physische Bewegung immer
nur aus physischer abzuleiten, verlangt.
Jede Definition, die den
Willen als eine Seelenenergie sui generis festlegt, beschränkt der
Psychologie die Vorurteilsfreiheit, mit der sie all die unendlichen
Nuancierungen in Inhalt und Form der willensartigen Prozesse beschreiben
sollte.
Das ungeheure Problem, wie
das Verhältnis zwischen physischen und psychischen Prozessen zu deuten
sei, ohne die durch das Gesetz von der Erhaltung der Energie geforderte
rein physische Veranlassung physischer Effekte zu durchbrechen - wird wohl
prinzipiell erst durch eine der Zukunft vorbehaltene Vorstellung vom Wesen
des Psychischen gelöst werden.
Inzwischen kann man den
Einzelproblemen dieses Gebietes gegenüber nur versuchen, das unmittelbar
sich darbietende Durcheinander beider Reihen durch Deutung so zu ordnen,
dass jede so lange wie möglich reinlich für sich bleibt.
Soweit wie jeder derartige
Versuch gelingt, hat man sich der Widerspruchslosigkeit im Verhältnis der
Reihen genähert.
In diesem bloß relativen
Sinne ist die hier vorgeschlagene Vermutung gemeint, den Willen, der
unmittelbar als psychische Ursache physischen Handelns erscheint, aus der
zu dem letzteren führenden Reihe ganz auszuschalten und ihn als bloßen,
sozusagen nebenhergehenden Gefühlsreflex eines Stadiums des innerkörperlichen
Innervationsprozesses des Handelns zu deuten.