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Der Begriff «Coming-out» stammt aus dem Englischen und bedeutet «herauskommen».
Das Coming-out meint den Weg von der ersten Ahnung, über das Wissen bis zur Akzeptanz der eigenen romantischen und sexuellen Orientierung (z.B. pansexuell, lesbisch, schwul, aromantisch) und/oder Geschlechtsidentität (z.B. trans). Dazu gehört auch, dem persönlichen Umfeld (Familie, Freunden*innen, Kollegen*innen etc.) davon zu erzählen.
Es werden zwei Arten des Coming-outs unterschieden: das innere und das äussere Coming-out.
Romantische und sexuelle Orientierung
Das innere Coming-out
Das innere Coming-out ist ein Prozess, bei dem es darum geht, sich bewusst zu werden, von welchem Geschlecht du dich angezogen fühlst und die Gewissheit zu erlangen, lesbisch, schwul, bisexuell, pansexuell, aromantisch oder sonst queer zu sein.
Es kann sein, dass es am Anfang schwierig ist, die eigene romantische oder sexuelle Orientierung zu akzeptieren und dass dadurch Unsicherheit und Ängste auftreten. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass wir in einer Gesellschaft aufwachsen, in der Heterosexualität, also die Liebe zwischen Mann und Frau, als Normalität betrachtet wird. In dieser Gesellschaft ist es für eine Person nicht ganz einfach, sich einzugestehen, anders als die meisten in ihrem Umfeld zu sein.
Manche leben aus Angst oder Scham ein Doppelleben, das heisst, sie geben sich in ihrem sozialen, beruflichen Umfeld oder in der Schule als heterosexuell aus und leben ihre wirkliche romantische und sexuelle Orientierung heimlich aus. Andere können sich schnell akzeptieren und fühlen sich sofort wohl, wie sie sind. Das ist bei jeder Person anders.
Das äussere Coming-out
Mit dem äusseren Coming-out ist gemeint, dich im persönlichen Umfeld und in der Öffentlichkeit so zu zeigen, wie du wirklich bist und dich nicht mehr verstecken zu müssen. Das heisst, den Menschen im nahen Umfeld, z.B. Eltern, Freunden*innen oder der Lehrperson, mitzuteilen, welches Geschlecht oder welche Geschlechter du attraktiv findest.
Das kann zum Beispiel damit beginnen, dich zuerst bei einer Vertrauensperson (z.B. beste*r Freund*in) zu outen. Einige machen das in einem persönlichen Gespräch und andere schreiben einen Brief. Eine weitere Möglichkeit ist, sich mit anderen Personen auszutauschen, die so oder ähnlich fühlen. Was am besten für dich stimmt, weisst nur du.
- Ein Coming-out ist für viele sehr befreiend, denn es erlaubt ihnen, sich selbst zu sein und so zu leben, wie es für sie stimmt, ohne einen wichtigen Bestandteil der eigenen Identität und Gefühle vor anderen Menschen verheimlichen zu müssen.
Geschlechtsidentität
Das innere Coming-out
Die meisten Menschen gehen davon aus, dass es zwei klar getrennte Geschlechter gibt, nämlich nur weiblich oder nur männlich. Alles, was in dieses sogenannte zweigeschlechtliche Bild nicht hineinpasst, ist für viele nur schwer vorstellbar.
Trans Menschen geht es am Anfang oft nicht anders. Manche wissen schon als kleine Kinder ganz klar, wer sie sind und sagen das auch deutlich. Andere spüren zwar, dass sie sich mit dem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde, nicht wohl fühlen, wissen aber noch nicht, was sie mit diesem Gefühl anfangen sollen.
Das kann sich so zeigen, dass es sich z.B. seltsam anfühlt, immer in die Jungsgruppe gehen zu müssen oder das Mädchenklo zu benutzen. Oder es stört, dass die anderen «sie» oder «er» zu einem sagen. Wieder andere finden ihren Körper irgendwie nicht passend. Das ist ganz verschieden.
Es braucht Zeit, die eigene Identität zu finden. Dazu kommt, dass eigentlich keine Person für alle Menschen bestimmen kann, was ein Mädchen ist, was ein Junge ist oder was es bedeutet, weder Mädchen noch Junge zu sein. Menschen sind verschieden und die Geschlechtsidentität ist von aussen nicht erkenn- und bestimmbar.
Das äussere Coming-out
Jede trans Person hat ihren eigenen Weg und ihr eigenes Tempo, wann und bei wem sie sich outet. Mit dem Coming-out gibst du den Leuten um dich herum die Chance zu sehen, wer du wirklich bist. Z.B. mit einem Anliegen, wie: „Nennt mich bitte nicht mehr Sarah, ich bin Tom. Und sagt „er“, wenn ihr von mir sprecht.“
Dem Umfeld fällt diese Umstellung meist nicht leicht, vor allem für Eltern kann dieser Wunsch eine Herausforderung sein.
- Das Schöne am Coming-out ist, dass ein Mensch sich nicht mehr verstecken muss und z.B. endlich die Kleider und Frisuren tragen kann, die zur wirklichen Geschlechtsidentität passen oder das Klo benutzen darf, welches sich richtig anfühlt und den Namen hört, der passend ist.
Für das Coming-out in der Schule oder Ausbildung empfiehlt es sich, einen guten Plan zu machen und Unterstützung zu suchen, wie z.B. beim
TGNS (Transgender Network Switzerland)
Das Coming-out, ein individueller Prozess
Das innere und das äussere Coming-out sind eng miteinander verbunden und verflochten. Der Ablauf kann von Mensch zu Mensch anders sein. Auch wie lange dieser Prozess dauert, ist verschieden und dauert oft ein Leben lang. Denn immer wenn du in ein neues Umfeld kommst (z.B. neuer Arbeitsplatz, neuer Sportverein oder neues Studium), kann es wieder zu einem Coming-out kommen.
- Das erste Coming-out ist nicht an ein bestimmtes Alter gebunden, es kann in jedem Alter stattfinden. Jede Person bestimmt selbst, wann, wie und wem sie es sagen will.
- Im Durchschnitt haben junge Menschen, im Bereich romantische und sexuelle Orientierung, zwischen 13 und 16 Jahren ihr inneres Coming-out und mit 17 Jahren ihr äusseres Coming-out (Krell und Oldenmeier, 2015).
- Junge trans Menschen entwickeln durchschnittlich im Alter ab 5 Jahren ein Bewusstsein für ihre Geschlechtsidentität, haben ihr inneres Coming-out mit Anfang der Pubertät und mit ca. 17 Jahren erzählen sie einer anderen Person von ihrem trans-Sein. (Medico und Zufferey, 2018).
- Es gibt für queere Menschen kein Rezept, wie, wann und wo sie sich outen sollen. Doch auf du-bist-du.ch/beratung findest du Personen, mit denen du dich austauschen kannst und die dich beim eigenen Coming-out-Prozess unterstützen.
- Ausserdem gibt es auf du-bist-du.ch/infopool/coming-out verschiedene Informationen rund um das Thema Coming-out.
Für viele Jugendliche ist es wichtig, sich mit Gleichaltrigen zu treffen und mit ihnen zu reden. Es tut gut, sich mit anderen auszutauschen, die ähnliche Interessen haben, die gleiche Haltung zu wichtigen Themen teilen und bei denen du dich wohl fühlst.
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