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Gerne durchstöbern wir das Angebot der bekannten Auktionshäuser. Wenn uns etwas besonders gut gefällt, präsentieren wir es hier als «Pick of the Week». Heute ist es ein Cunningham C-3, gefunden bei Bring A Trailer.
- Wahrscheinlich 27 Exemplare
- Gebaut 1952/53
- Ein Einzelstück mit wilder Geschichte
Briggs Swift Cunningham, geboren 1907, verstorben 2003, kam reich zur Welt, war ein ausgezeichneter Leichtathlet, gewann 1958 den «America’s Cup», die wichtigste Segel-Trophäe der Welt und schaffte es auf den Titel des «Time»-Magazin. Doch die ganz grosse Passion von Cunningham war das 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Zehn Mal trat er in der Sarthe an, ein erstes Mal 1950 mit einem ganz speziellen Cadillac, der berühmt wurde als «Le Monstre». Doch so richtig prickelnd war das nicht, da musste mehr möglich sein, also kaufte Cunningham die «Frick-Tappet Motors Company». Dort begannen man unverzüglich mit der Konstruktion eines ersten eigenen Fahrzeugs, die Vorgaben von Cunningham waren klar: es musste alles amerikanisch sein (eine Prämisse, der Cunningham sehr streng folgte: Er verpflichtete auch nur amerikanische Fahrer). Doch der von einem Cadillac-Motor angetrieben C-1 war zu schwer, zu schwach.
Das wurde bei C-2 besser, er erhielt einen Chrysler-Motor, der im Renntrimm wohl auf etwa 270 PS kam. Drei Fahrzeuge wurden gebaut, eines davon holte 1951 in Le Mans den Klassensieg, was aber nur für den 18. Rang im Gesamtklassement reichte. 1952 wurde das besser, mit dem C-4R fuhr Briggs Cunningham auf einen feinen 4. Rang im Gesamtklassement – nachdem er selber ununterbrochen am Lenkrad seines eigenen Fahrzeugs gesessen war.
Da fehlt dann der C-3 dazwischen. Dieser war dann einfach das Strassen-Fahrzeug, gleiche Plattform wie der C-1 und der C-2 (mit sanft verlängertem Radstand und etwas breiterer Spur), die gleichen Motoren, aber halt etwas zivilisierter. Aber es reichte immer noch für den Sprint auf 60 Meilen in weniger als 7 Sekunden sowie für damalige Verhältnisse atemberaubende 240 km/h Höchstgeschwindigkeit. Innen waren die C-3 auch deutlich luxuriöser, obwohl: es wurden viele Teile von Ford verwendet. Die ersten zwei C-3 wurden selber entworfen in den engen Räumlichkeiten in West Palm Beach (wo man eigentlich nur Rennwagen bauen wollte), doch man merkte schnell, dass die Produktion in den USA zu teuer werden würde, dass jedes Auto mindestens 15’000 Dollar kosten müsste, damit man nur schon die Herstellungskosten gedeckt hätte. Cunningham wandte sich deshalb an seinen Freund Virgil Exner, der zeichnete auch ein hübsches Modell – und machte den Kontakt zu Vignale. Dort entstanden dann, wahrscheinlich, 20 Coupé und fünf Roadster des C-3 (plus noch zwei Prototypen, die aber nicht von Vignale eingekleidet worden waren).
Es gab aber noch ein paar Chassis von den C-3, die nie verwendet wurden, 14 an der Zahl. Einige davon wurden 1955 ausgeliefert über die Hilltop Trailer Sales in Evansville, Indiana. Eines dieser nackten Chassis (mit Antrieb – und einem Sitz) wurde von einem Farmer anscheinend während Jahrzehnten als eine Art Traktor verwendet worden sein. Ein anderes, #5237, wurde gekauft von Mr. Knudsen, der es selber einkleiden wollte. Das Fahrzeug wurde aber anscheinend nie fertig, er verkaufte es dann weiter – und irgendwann, in den 80er Jahren, tauchte der Wagen mit einer ganz «neuen» Form wieder auf. Und wurde 1984 von Anatoly Arutunoff gekauft; «Toly» ist eine der schillerndsten Gestalten der amerikanischen Renn-Geschichte, er hatte auch immer ein grosses Herz für «chancenlose» Produkte.
Nein, besonders schön ist dieser Cunningham C-3 ganz sicher nicht. Die Leuchten eines Ford Falcon machen es auch nicht besser. Aber es handelt sich um einen echten Cunningham C-3 – und die sind alle ein Vermögen wert. Ganz aktuell steht diese eigenartige Konstruktion bei Bring A Trailer zum Verkauf, man muss sich aber beeilen.
In der monatlich erscheinenden Klassik-Beilage der AUTOMOBIL REVUE finden Sie immer schöne Old- und Youngtimer. Abos gibt es: hier. Unter «Pick of the Week» präsentieren wir gerne günstige und vor allem spannende Automobile, die wir auf Auktions-Vorschauen entdecken – eine Liste der schon vorgestellten Fahrzeuge finden Sie hier.