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Erosionskessel findet man in einer
Höhe von 60-70 m über dem jetzigen Flusslauf; so oberhalb der Einmündung des
Wildbaches
von
Summapunt an einer etwa 150 m langen Felsterrasse, dann wieder bei der zweiten Viamalabrücke. Auch die alten
Gletscher
haben in der Via Mala, wie in den
Schluchten des Schynpasses ihre Spuren zurückgelassen. Der Schuttkegel
von
Reischen südl. der Via Mala ruht auf Grundmoräne, die dem Bündnerschiefer aufgesetzt erscheint; die oberste Strassenbrücke
ist auf eine gleiche erhärtete Moräne gestellt, und weit thalabwärts in den
Schluchten bildet diese das
Bord oder den Boden
des Rheinbettes.
Ebenso findet man Moränen bei der ersten
Brücke und links thalauswärts. In diese Schluchtentiefen hinein
zwängte sich also der alte
Gletscher, dessen Moränen noch heute nicht ganz weggefegt sind, woraus
Alb.
Heim denSchluss zog,
dass die Via Mala in ihrem obern Teil vor der Gletscherzeit noch tiefer gewesen sein musste als jetzt. Nachdem derHinterrhein
die
Via Malaschluchten eingesägt hatte, wurde das prähistorische Seebecken von
Schams entleert. Die Hochwasser erreichen
in diesen Felsengen oft eine unglaubliche
Höhe: im Jahr 1834 stiegen die
Wasser des
Hinterrheins bis zum Scheitel der dritten
Brücke an. Einen prächtigen Einblick in die zahlreichen Erosionskessel und Gletschermühlen der Schluchtenreihe gewährt
die Halbgalerie, welche 1903 zwischen der ersten und zweiten
Brücke angelegt wurde und von der Strasse
aus über eine Steintreppe mit Eisengeländer und 284 Stufen erreicht werden kann.
Gestein der
Via Malaschluchten ist der Bündnerschiefer, der hier heute zum grössern Teil als Oligozänflysch angesehen wird,
in dem aber auch noch der Lias vertreten sein kann. Die aus Kalk und Kalksandsteinen, Kalktonschiefern
und Mergeln bestehenden Schieferschichten streichen NO. und fallen nach SO. ein; sie enthalten viel Schwefelkies, und ihre
Klüfte sind reich an schönen Kalkspat- und Bergkristallen und Eisenmineralien. Vergl.
Steiger, J. M. Die schweizerischenAlpenpässe; ill. Posthandbuch. 2. Aufl. Bern 1893.
(Piz)(Kt. Graubünden,
Bez. Glenner).
3166 m.
Höchster Gipfel des Vial-Gaglianera-Valdrausstockes in der Gruppe des
Piz Medel; zwischen
dem Greinapassthal und
Val Lavaz, linkem Quellzweig des Somvixerthales, mit zahlreichen Gletscherfeldern aufragend. Der Piz Vial
steht 2,3 km nnö. der Greinapasshöhe, 900 m ö. vom
Piz Gaglianera (3122 m) und 1,3 km ö. vom
Piz Valdraus
(3099 m). Nach N. und NO. entsendet der scharf dreiseitig geschnittene hohe Gipfel zwei breite, wilde, von tiefen Schründen
durchzogene
Gräte, zwischen denen sich das steile Eisfeld Sutglatsché hinabsenkt.
Zwischen dem
N.-Grat und dem
Piz Valdraus liegt der grössere, noch stärker zerspaltene
Glatsché de Valdraus, und
auf der S.- und
SO.-Seite hängen die Eisfelder Glatschè de
Gaglianera und
Glatschè de Greina zwischen schmalen und scharfen
Felsen gräten herab. Der über diesen vier Gletscherfeldern thronende Gipfel, eine spitze Felsenpyramide, ist der äusserste
Punkt des hohen
Grates, zu welchem die
S.-Seite des Medelserstockes aufsteigt. Die nördl.
Gletscher des
Piz Vial kann man schon von der Alp Valtenigia oberhalb des
Tenigerbades sehen. Der Gipfel wird vom
Tenigerbad her über den
Valdrausgletscher in 8 Stunden bestiegen, erhält aber nur selten Besuch, obwohl
er einen herrlichen Ausblick bietet. Aufgebaut
ist der Berg aus Gneis (Cristallinagneis), der im N. und O. auf Hornblende- und Serizitschiefer ruht.
Bedeutende alte
Seiten- und Endmoränen liegen in der Alp Sutglatsché Sura (im Gebiet des Granit- oder Protogingneises).
Vieh ist der Geburtsort des Buchhändlers François Grasset (1722-1789), der die Gazette littéraireet universelle de l'Europe und den Mercure politique et historique de l'Europe gegründet hat und durch seine Auseinandersetzungen
mit Voltaire bezüglich dessen Pucelled'Orléans bekannt geworden ist.
Reste von Römerbauten.
Urkundliche
Namensformen: 1165 eccl. de Vizo;
1204 Viz;
1303 Vyz. Vom latein. vicus =
Flecken, Dorf herzuleiten.