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Das Internet hat sich über die letzten zwei Jahrzehnte rasant entwickelt. Mittlerweile ist es die Lebensader unseres Alltags. Während sich unsere Toaster mit dem Hersteller austauschen, informieren wir uns über das aktuelle Geschehen, schicken und empfangen Nachrichten, laden Videos, oder tummeln uns auf Plattformen.
Währenddem wir Daten innerhalb von Sekunden über den ganzen Globus transferieren können, gestaltet sich der Geldtransfer vergleichsweise schwierig. Es führte lange kein Weg an den grossen Finanzinstitutionen vorbei, welche als Mittelmänner fungieren und sich über die Jahre eine Art protektionistische Exklusivität für besagte Dienstleistungen aufgebaut haben. Kreditkartenfirmen, Banken und Zahlungsdienstleister teilen sich den globalen Zahlungsverkehr untereinander auf. Der technologische Fortschritt hat in diesem Bereich noch nicht seine Wirkung entfaltet. Es ist weiterhin teuer, langwierig und hinderlich Geld über Ländergrenzen hinweg zu transferieren. Zudem verhindern Armut aber auch Zensur und Willkür ca. 1.7 Milliarden erwachsenen Menschen den Zugang zum Bankensystem.
Geld und Währung
Etwa 430 vor Christus begann sich in der Region vom heutigen Griechenland der Tauschhandel zu revolutionieren. Durch den Beginn eines neuen Tauschmittels in Form von gleichschweren Goldmünzen war die Basis sowohl für einen effizienteren Handel, als auch einer einfacheren staatlichen Verwaltung geschaffen. Athen als Zentrum des alten Griechenlands wurde dank der Einführung von Goldmünzen ein mächtiges Reich und legte damit den Grundstein für die westliche Zivilisation. Mit dem Krieg gegen Sparta und anderen Faktoren begann das Geld in Form von Goldmünzen über die Jahre knapp zu werden, ein Defizit drohte. Die damaligen Herrscher entschlossen sich die durch Steuern eingenommenen Goldmünzen einzuschmelzen und mit Kupfer zu vermischen mit dem Ziel mehr Münzen schaffen zu können. Die schrittweise Abwertung durch Inflation wurde geschaffen und gekoppelt mit einem Vertrauensverlust der Bevölkerung in die neue Währung, führte diese Konstellation unewigerlich zu Hyperinflation und dem Zusammenbruch des alten griechischen Reiches.
Abschaffung des Gold Standards und Expansion der Geldmenge
Dieses Geschehen hat sich in der Zeitgeschichte des Geldes mehrfach wiederholt. Der Goldstandard, welcher bis zum Ende der 70er Jahre zumindest einen Teil des Bargeldumlaufs gedeckt hatte, wurde schrittweise abgeschafft. FIAT Geld, per Definition ein Objekt ohne inneren Wert das als Tauschmittel dient, hat sich global durchgesetzt. In der Finanzkrise 2008 war es dann soweit, dass die Zentralbanken die Welt mit neu geschaffenem Fiat Geld fluteten um das angeschlagene Finanzsystem zu retten. Etliche Banken mussten gerettet werden und die ausstehenden Geldmengen vervielfachten sich in der Folge und sind aktuell auf einem Allzeithoch. Der Wert unseres Bargeldes besteht also mittlerweile nur noch aus einem aufgedruckten Wert - ohne inneren Wert.
Bitcoin Whitepaper - Anfang der Blockchain Technologie
Just zu dieser Zeit als das Fed und später andere Notenbanken ihren Plan zur endlosen Schaffung von FIAT Währungen bekannt machten, tauchte im Oktober 2008 in Software Entwickler Kreisen eine Beschreibung zur Implementierung einer digitalen Währung basierend auf der Blockchain-Technologie auf. Das sogenannte Bitcoin Whitepaper, geschrieben von Satoshi Nakomoto, einem Pseudonym. Bis heute ist der Erschaffer dieses Papiers nicht bekannt. In diesem Papier wird ein Zahlungssystem beschrieben, worin deren Teilnehmer ebenbürtig (peer to peer), ohne die Hilfe eines Intermediärs, Werte transferieren können. Die technologische Basis war eine komplexe Zusammenführung von bis dato mehreren bereits entwickelten Komponenten, welche für die Erschaffung eines Zahlungssystems nötig waren. Durch diese Zusammenführung wurde ein bis anhin grundlegendes Informatik Problem gelöst welches bisher ein softwarebasiertes Zahlungssystem verhinderte - das "double spending". Durch ein kryptographisches Rätsel namens Proof-of-Work war es fortan möglich, ohne eine zentrale Instanz Zahlungen zu prüfen und zu verarbeiten. Alle Transaktionen werden auf unabhängigen Rechnern in einer verteilten öffentlichen Buchhaltung geführt.
Dezentrales Zahlungsnetzwerk
Ein elektronisches Zahlungsverkehr Netzwerk wurde geschaffen. Es bestand keine Notwendigkeit mehr jemandem Vertrauen schenken zu müssen, dass Transaktionen und Buchführung korrekt abgewickelt und verwaltet werden. Die Währung auf diesem System heisst Bitcoin. Man kann sie an mehreren Börsen gegen FIAT Währungen tauschen. Die sogenannten Miner, welche die dezentrale Verwaltung sicherstellen, werden mit neu geschaffenen Bitcoins für ihre Arbeit belohnt. Die Geldmenge ist fix auf 21 Millionen Bitcoins limitiert und wird über die Jahre abnehmend ausbezahlt. Aktuell sind ca. 17.9 Mio Bitcoins im Umlauf und die letzten neu geschaffenen Bitcoins dürften im Jahr 2140 ausbezahlt werden. Die aktuelle Inflationsrate für die neu geschaffenen Bitcoins beträgt stand heute demnach 3.17%.
Unabhängige Krypto-Währung
Wir sehen, es wurden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Mithilfe der Blockchain Technologie wurde ein bis anhin unlösbares Problem gelöst, nämlich Werte über das Internet transferieren zu können ohne einer zentralen Stelle Vertrauen schenken zu müssen.
Bitcoin stellt eine vom globalen Finanzsystem unabhängige Währung dar, welche eine klar vordefinierte Geldpolitik beinhaltet. Durch die berechenbare Inflationsrate dient Bitcoin unter anderem als digitales Asset und erfüllt mit seinen Eigenschaften die Kriterien einer Wertanlage. Man vergleicht Bitcoin durch seine limitierte Angebotsmenge gerne mit Gold und bezeichnet es passenderweise als digitales Gold.
Seit seiner Erschaffung im Jahre 2009 hat Bitcoin schon einige Höhen und Tiefen durchlebt, kann aber als Erfolgsgeschichte beschrieben werden. Während die ersten Bitcoins für ein paar Cents gehandelt wurden, erreichte der Preis und damit auch das öffentliche Interesse mit über 20'000 USD pro Bitcoin Ende 2017 ein neues Hoch. Mittlerweile ist der Preis zwar wieder bei gut 10'000 USD, allerdings ist die Preisentwicklung nur ein Faktor im ganzen Bitcoin Ökosystem. Nebst der stetigen Verbesserung des Software Protokolls durch unzählige Programmierer und der andauernden Steigerung der Rechnungsleistung welche das System sichert und gewährleistet, sind über die Jahre auch unzählige Börsen entstanden welche täglich mehrere Milliarden USD in Bitcoin-transaktionen abwickeln.
Bitcoin macht vieles möglich. Es ist für jedermann mit Internet Zugang möglich, Werte in Form von Bitcoins von A nach B zu transferieren ohne auf Institutionen angewiesen zu sein. Dies zu vergleichsweise geringen Kosten (aktuell ca. 0.4 USD).
Durch die Eigenschaften welche herkömmliche Wertanlagen aufweisen, qualifiziert sich Bitcoin als alternative Assetklasse. Wallstreet ist sich dessen durchaus bewusst und grosse Institutionen aus dem traditionellen Finanzbereich machen sich in Zusammenarbeit mit den hiesigen Aufsichtsbehörden für eine breitere Adaption im Anlageuniversum bereit.
Neues Zeitalter mit Krypto-Währungen und Blockchain-Technologie
Es spricht vieles dafür, dass Bitcoin und die Blockchain Technologie über die nächsten Jahre unsere Zeit nachhaltig prägen werden. Die Technologie und deren Skalierungsmöglichkeiten haben Revolutions-Charakter. Zu Bitcoin sind über die Jahre unzählige neue Krypto-Währungen, basierend auf der Blockchain Technologie, hinzugestossen. Das Anwendungsspektrum ist riesig und wird bestehende Abläufe in Wirtschaft und Verwaltung neu gestalten.
Bei der rasanten Entwicklung sind natürlich auch Hürden zu nehmen. So ist nebst der aktuell fehlenden klaren Regulierung rund um Krypto-Währungen auch immer wieder die Skalierbarkeit des Netzwerks und dessen Ressourcenverbrauch in Form von Energie ein Thema.