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Der Klarismus – eine neue Philosophie und religiöse Bewegung
Im 19. und im frühen 20. Jahrhundert bildeten sich als Reaktion auf neue Erkenntnisse der Naturwissenschaften (Darwinismus, Neu-Definition der Materie, Mesmerismus usw.), den Zusammenbruch politischer Systeme und die Distanzierung von den institutionellen Kirchen zahlreiche Strömungen neureligiöser oder ‹wissenschaftsreligiöser› Natur, die versuchten das Bedürfnis des Bürgertums nach neuen Wertesystemen zu bedienen.
Eine der wichtigsten neureligösen Strömungen dieser Zeit stellt die Theosophie Helena Blavatzkys (1831–1891) dar, auf die sich viele Neugründungen, etwa die Anthroposophie Rudolf Steiners, aber auch zahlreiche andere, bisher unerforschte Bewegungen beziehen.
In diesem Kontext findet sich auch der KLARISMUS wieder, der 1900 durch Elisàr von Kupffer und Eduard von Mayer als ‹neue Religion› ins Leben gerufen wurde und der zugleich auf monistische Bewegungen im deutschsprachigen Raum reagierte.
Eine Institutionalisierung erfuhr dieser Glaube in der Gründung verschiedener Gesellschaften:
1911 Klaristengemeinschaft Weimar
1913 Klaristengemeinschaft Zürich
1926 Elisarionsgesellschaft
Der Glaube sollte nach rund drei Generationen erblüht sein und eine sogenannte Eu-Demokratie darstellen.
Zugleich ist der Klarismus als Reaktion auf weitverbreitete Strömungen der Lebensreform zu sehen, wie sie sich auch am Monte Veritá finden. In den umfangreichen theoretischen Schriften des Klarismus finden sich eigene Entwürfe einer Boden- und Ernährungsreform, ebenso die politische Form des ‹dritten Weges› zwischen Kapitalismus und Kommunismus.
Eine Veränderung der Gesellschaft sollte evolutionär und nicht revolutionär erfolgen.
Zentraler Bestandteil der Klaristischen Theorie ist eine diesbezüglich entworfene Geschlechtertheorie Das Mysterium der Geschlechter von Eduard von Mayer, die 1923 veröffentlicht wurde und die sich auf Sexualtheorien Magnus Hirschfelds und Otto Weiningers bezieht. Als Basis einer ‹aufsteigenden› Gesellschaft schildern die Begründer des Klarismus darin eine Gleichstellung der Geschlechter und bezogen sich auf inhaltliche Forderungen der Frauen- und auch Homosexuellen-Emanzipation. Dennoch finden sich im Klarismus – wie in zahlreichen anderen Strömungen der Zeit – frauenfeindliche und antisemitische Tendenzen.
Da sich der Klarismus primär als Religion verstand, setzten sehr früh Planungen zu einem Weihebau ein, der 1927 mit dem Sanctuarium Artis Elisarion umgesetzt wurde.
Gottgewolltes Oberhaupt dieser Wissenschaftsreligion sollte Elisàr von Kupffer selbst sein. 1911 legte er seinen bürgerlichen Namen ab und nannte sich fortan Elisarion. Einen kurzen Überblick über diese neue Religion gibt der Beitrag von Elisarion im Heft «Religion und Geisteskultur» Was ist Klarismus?