Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03220.jsonl.gz/899

Gemäss Schätzungen leidet jede fünfte Frau und jeder zehnte Mann unter Migräne. Die Migräne ist durch wiederkehrende, starke Anfälle von Kopfschmerzen gekennzeichnet, die meist halbseitig auftreten und oft von Übelkeit bis hin zu Erbrechen begleitet sind.
Die Migräne verschlimmert sich durch Bewegung, und die Betroffenen sind übermässig empfindlich gegenüber Licht, Lärm und Gerüchen. Ein Anfall erreicht den Höhepunkt nach 2 bis 4 Stunden, kann 4 bis 72 Stunden dauern und tritt im Durchschnitt 1- bis 4-mal pro Monat auf. Dieses Leiden nimmt seinen Anfang oft im frühen Erwachsenenalter und kann viele Jahre andauern.
Einer so genannten Migräne mit Aura geht oft eine sensorische Überreizbarkeit voraus. Die Betroffenen spüren ein Kribbeln in der einen Hälfte des Gesichts, in einer Hand oder auf einer Seite der Zunge. Manchmal treten auch motorische Anzeichen wie Sprachstörungen oder leichte einseitige Lähmungen auf.
Entstehung und Ursachen der Migräne
Entstehung und Ursachen der Migräne werden äusserst kontrovers diskutiert, und die Wissenschaft hat zahlreiche Theorien zur Ätiologie entwickelt. Einig scheint man sich darüber zu sein, dass die Migräne auf Störungen des Gleichgewichts in den Hirngefässen zurückzuführen ist, die durch physiologische Substanzen – so genannte Mediatoren oder Neurotransmitter – ausgelöst werden. Zuerst tritt eine Konstriktion (Verengung) kleiner Arterien im Inneren des Hirns auf. Die anschliessende Dilatation (Erweiterung) der Gefässe führt zu den Kopfschmerzen.
Migräne ist in etwa 80% der Fälle vererbt. Dass bei Frauen Migräneanfalle oft in der Phase vor der Menstruation auftreten, weist auf die Beteiligung hormoneller Faktoren hin. Auch psychische Faktoren und bestimmte Nahrungsmittel können einen Migräneanfall auslösen (siehe auslösende Faktoren).
Tagebuch führen
In vielen Fällen treten Migräneanfalle nach immer demselben Muster mit ganz bestimmten auslösenden Faktoren auf. Das Führen eines Tagebuchs erlaubt es den Betroffenen, ein Bewusstsein dieser Ablaufe zu entwickeln und entsprechende vorbeugende Massnahmen bezüglich Lebens- und Ernährungsgewohnheiten zu treffen. Über Wochen können so Informationen zur Krankheit gesammelt werden, mit denen festgestellt werden kann, wann, wie und vielleicht auch weshalb ein Migräneanfall auftritt.
Auslösende Faktoren
Ein Migräneanfall tritt nicht plötzlich auf, sondern wird häufig durch verschiedene, über mehrere Tage auftretende Faktoren ausgelöst. Dazu gehören Stress, starke Emotionen, übermassige Müdigkeit oder ein Gefühl der Machtlosigkeit bei schwierigen Situationen. Bei manchen Betroffenen ist Migräne eine typisch psychosomatische Erkrankung.
Auch bestimmte Nahrungsmittel und Getränke können Anfälle auslösen. In verschiedenen amerikanischen Studien wurde nachgewiesen, dass der Neurotransmitter Histamin oft an diesem Prozess beteiligt ist. Histamin ist in zahlreichen Nahrungsmitteln enthalten oder kann bei der Einnahme bestimmter Produkte im Körper freigesetzt werden. Nachfolgend eine Liste einiger solcher Nahrungsmittel: Fleisch und Fisch geräuchert, Krevetten, Wurstwaren, Käse, Soja, Natriumglutamat (Geschmacksverstärker), Aspartam (Süssstoff), Avocado, Ananas, Zitrusfrüchte, Alkohol. Mit Hilfe des Tagebuchs können Betroffene Nahrungsmittel identifizieren, die bei ihnen einen Migräneanfall auslösen können.
Behandlung eines Migräneanfalls
Bei einem Migräneanfall ist eine Behandlung mit Schmerzmitteln (Paracetamol, Aspirin) und Antiemetika oft unumgänglich. Antiemetika dienen dabei nicht nur der Bekämpfung der Übelkeit, sondern bewirken auch eine bessere Resorption der Schmerzmittel.
Betroffene entwickeln im Allgemeinen auch eigene «Tricks» zur Bewältigung des Anfalls: sich an einem ruhigen und dämmrigen Ort ausstrecken, einen schwarzen Kaffe mit Zitronensaft trinken, Nacken und Stirn mit Umschlägen kühlen oder Schlafen mit einem atherischen Öl auf der Basis von Pfefferminze massieren.
Vorbeugen ist besser als Heilen
Bei der Prävention sollten zuerst nicht-medikamentöse Ansätze erwogen werden. Das bereits erwähnte Tagebuch hilft, auslösende Faktoren zu erkennen und das Verhalten entsprechend anzupassen. So kann das Vermeiden von Stresssituationen entscheidend sein: Manche Betroffene sollten lernen, Nein zu sagen, sich Zeit für sich selber zu nehmen und nicht zu hohe Ansprüche an sich selber zu stellen.
Bei anderen erweist sich die – manchmal beschwerliche – Suche nach auslösend wirkenden Nahrungsmitteln als wichtig. Methoden der Alternativmedizin wie Akupunktur und Hypnose können ebenfalls helfen.
Auch die Pestwurz, eine Pflanze mit krampflösenden und schmerzstillenden Eigenschaften, hat sich bei der Vorbeugung von Migräneanfällen als hilfreich erwiesen. In einer kürzlich in Deutschland durchgeführten Studie vermochte ein während einiger Wochen regelmässig eingenommener Pestwurz-Extrakt die Häufigkeit von Migräneanfällen um mehr als 50% zu senken und das Ausmass der Anfälle positiv zu beeinflussen (es wurden zum Beispiel weniger Schmerzmittel eingenommen). Insgesamt gaben 74% der Teilnehmenden eine Verbesserung der Symptome an. Nebenwirkungen wurden keine festgestellt. Pestwurz-Extrakt ist zwar kein eigentliches Medikament gegen Migräneanfälle, es hat sich jedoch auch bei anderen krampfartigen Schmerzen und so genannten Spannungskopfschmerzen bewährt.
Höhere Lebensqualität
Migräne schränkt die Lebensqualität der Betroffenen oft erheblich ein. Schwierig ist insbesondere der Umgang mit Folgen wie Arbeitsunfähigkeit, sozialer Isolation und dem Unverständnis aus dem Umfeld. Diese Faktoren führen manchmal dazu, dass sich Betroffene noch mehr isolieren, und beeinflussen das Selbstwertgefühl negativ.
Der Prävention von Migräneanfällen kommt deshalb eine wichtige Bedeutung zu. Sie gibt den Betroffenen das Gefühl, auf diese unangenehme Krankheit Einfluss nehmen zu können und ihr nicht mit Leib und Seele ausgeliefert zu sein.