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Stammheimerthal
(Kt. Thurgau, Bez. Steckborn, und Kt. Zürich, Bez. Andelfingen). Grosses Trockenthal (alter, von seinem frühern Flusse verlassener Thalweg), das sich von Hüttwilen (Kt. Thurgau) über Stammheim (Kt. Zürich) in nordwestl. Richtung gegen Diessenhofen (Thurgau) hinzieht. Es ist ein breites, offenes Thal, das von einem grossen Fluss, offenbar der Thur, in der 1. oder 2. Interglazialzeit ausgespült worden ist. In der 3. (letzten) Eiszeit wurde das Thal durch bogenförmige Endmoränen zwischen Nussbaumen (Thurgau) und Stammheim abgedämmt; dadurch entstanden dahinter reizende Moränenseen (Nussbaumer-, Hasen- und Steineggersee) und zahlreiche Torfmoore.
Auch ist dieser Teil des Thales rückläufig geworden: der Seebach fliesst thalaufwärts, der Thur zu. Im untern Teil des Thales finden sich deutliche «Drumlins», d. h. isolierte rundliche Hügel aus Grundmoräne;
auf solchen stehen z. B. die Schlösser Schwandegg (430 m) und Girsberg (456 m).
Die N.-Seite eines bewaldeten Moränenhügels am Hüttwilersee beherbergt eine interessante alpine Orchidee (Herminium monorchis), die erst wieder um Bischofszell und am Hörnli gepflückt werden kann. Dieses Vorkommen auf einer Moräne und in einem toten Thal beweist, dass die Pflanze als Rest der Gletscherzeit aufgefasst werden muss und nicht als alpine Ausstrahlung angesehen werden kann. Auf jenen Moränen begegnen uns noch die Bärentraube (Arctostaphylos uva ursi) und eine Carexart (Carex ericetorum), zwei glaziale Ueberbleibsel, die nun aber den veränderten Bedingungen sich offenbar so gut angepasst haben, dass sie vielmehr in Ausbreitung als am Erlöschen sind.
Die zirkumpolare Bärentraube ist in der Schweiz durchaus Alpenpflanze, höchstens dass sie am Fuss der Berge etwas hinabsteigt; sie bewohnt aber reichlich die Moränen um Hüttwilen und Neunforn, sonst noch den N.-Abhang des Seerückens. Die N.-Flanke des Thales zeigt von Nussbaumen bis Stammheim Rebberge, die einen geschätzten Wein erzeugen. Das bis 1798 zur Landvogtei Thurgau gehörige Thal wurde dann in der Weise geteilt, dass der untere Abschnitt mit Stammheim an Zürich, der obere mit Nussbaumen dagegen an den neuen Kanton Thurgau kam.