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Warum ich immer öfter auf Englisch schreibe
Was für eine Frage? – Ist doch klar! Englisch ist trendy, klingt sexy und wird weltweit verstanden. So liegt es wohl auf der Hand, auf Englisch zu schreiben.
Doch wer liest eigentlich meine bescheidenen Schreibereien? Mit Sicherheit mehrheitlich deutschsprachige ZeitgenossInnen. Warum also schreibe ich trotzdem auf Englisch?
Die Antwort auf diese Frage ist etwa vielschichtiger als die eingangs erwähnten Schlagworte.
Bis zu meinem fünfzehnten Lebensjahr beschränkte sich mein englischer Wortschatz auf wenige hundert Wörter. Dies änderte sich jedoch rapide als ich die Gelegenheit erhielt, in die erste zweisprachige Klasse (deutsch/englisch) an der Kanti Alpenquai in Luzern einzutreten. Ursprünglich wollte ich die zweisprachige Matura eigentlich auf Französisch machen, da ich davon ausging, dass man Englisch sowieso lernen würde, doch diese Klasse kam aufgrund mangelnden Interesses nicht zustande.
So wählte ich wohl oder übel die zweisprachige Matura auf Englisch, was bedeutete, dass manche Fächer auf Englisch unterrichtet wurden, darunter u.a. Mathematik und Geschichte.
Die ersten Jahre in dieser Klasse waren alles andere als einfach. Während die meisten meiner MitschülerInnen bereits in irgendeiner Form eine Verbindung zur englischsprachigen Welt hatten durch Verwandte, Bekannte etc. fehlte eine solche Verbindung bei mir vollkommen. Mehr noch – ich war noch nie in meinem Leben in einem englischsprachigen Land gewesen und auch englischsprachige youtube-Videos etc. waren noch viel weniger verbreitet als heute. Besonders das Fach Geschichte (auf Englisch) stellte mich vor besondere Herausforderungen. Als Hausaufgaben sollten wir jeweils einen Abschnitt aus dem englischsprachigen Geschichtsbuch (für Erwachsene) lesen. Ich kann mich noch lebhaft daran erinnern wie ich fast jedes zweite Wort nachschlagen und fast jeden Satz richtiggehend entschlüsseln musste. So nahmen diese Hausaufgaben jeweils ziemlich viel Zeit in Anspruch…
Neben dem Geschichtsbuch waren auch die Lord of the Rings Bücher und Filme, die mich als Jugendliche sehr zu fesseln vermochten, eine permanente Fundgrube um meinen Englischwortschatz aufzubauen. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass der Englischwortschatz meiner Jugend wohl etwas altertümlich daherkam und ich sicher problemlos einen Vortrag auf Englisch über mittelalterliche Kriegsführung hätte halten können. ;-)
Nach der Matura entschied ich mich für einen achtmonatigen Aupair-Aufenthalt in Neuseeland. Hier wurde mein Wortschatz angereichert durch Kinder-, Baby-, sowie Sheep Farming-Vokabular. Witzig war ausserdem, dass ich des Öfteren für eine Amerikanerin gehalten wurde, da meine Englisch- und Geschichtslehrerin aus Kantizeiten einen amerikanischen Akzent hatte, den ich offenbar unwissentlich übernommen hatte.
Wieder zurück in der Schweiz, entstand der Wunsch, meine Englischkenntnisse durch ein offizielles Zertifikat ausweisen zu können und ich besuchte während ca. drei Monaten einen Englischkurs an einer Luzerner Sprachschule, um ich auf das Proficiency Examen vorzubereiten. Wie das Leben so spielt, erhielt ich kurz darauf die Möglichkeit, an dieser Schule zu arbeiten und mir mit dieser Arbeitsstelle mein Ethnologie-Studium zu finanzieren. In den sechs Jahren, während denen ich dort arbeitete, weitete sich mein Stellenprofil aus und ich konnte die Abteilung "Deutsch als Fremdsprache (DaF)" übernehmen und selber Hochdeutsch und Schweizerdeutsch unterrichten. Etwas vom Besten an dieser Stelle war der Kontakt zu englischsprachigen LehrerInnen und KursteilnehmerInnen. Es entstanden wertvolle Kontakte und Freundschaften, von denen viele noch heute bestehen.
Nach sechs Jahren Sprachschule entschied ich mich für eine berufliche Neuorientierung und fand (neben dem Yogaunterricht) eine spannende Teilzeitstelle in der Unternehmensberatung FriesManagement in Adligenswil. Im Rückblick betrachtet erlitt ich dort in den ersten Monaten nach Stellenantritt einen richtiggehenden Kulturschock. Von einem Tag auf den anderen reduzierte sich mein englischsprachiges Umfeld auf ein Minimum. Die Gepflogenheiten in rein schweizerischen (Traditions-)Unternehmen waren mir teilweise fremd und erschienen mir oftmals steif und sehr formell, nachdem ich zuvor mehrere Jahre lang fast ausschliesslich mit internationalen Firmenkunden zusammengearbeitet hatte.
Mit der Zeit wurde mir immer bewusster, dass die englische Sprache zu einem Teil meiner Seele geworden war und ich aktiv nach Wegen suchen musste, um wieder mehr Englisch in meinen Alltag hineinzubringen. Während viele meiner damaligen Kantimitschülerinnen während ihres Studiums oft mehrmals länger im Ausland waren, war ich seit meinem Aupair-Aufenthalt in der doch manchmal etwa klein wirkenden Schweiz geblieben. Mehr und mehr realisierte ich, dass der Kontakt zu englischsprachigen Mitmenschen für mich ein Fenster in die grosse weite Welt und eine unglaubliche Horizonterweiterung darstellte, ohne die ich selber wohl auch längst ausgewandert wäre.
In der Zwischenzeit ist die englische Sprache wieder zu einem fixen Bestandteil meines Alltags geworden. Ich unterrichte meist mehrmals pro Woche Yogalektionen auf Englisch, höre Podcasts, lese Artikel oder schreibe selber auf Englisch.
Die englische Sprache zieht sich seit meiner Jugend als roter Faden durch meine Biografie – ein Faden für den ich unendlich dankbar bin und der mir bis heute Kraft und Halt gibt. So wünsche ich euch weiterhin viel Freude und gute Unterhaltung bei der Lektüren meiner (englischsprachigen) Texte. ;-)