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Das Haus Schniderlilonzi hat eine lange und äusserst interessante Dorf-Geschichte. Es wurde 1855 erbaut von Leonz Arnet senior. Ab 1876 bediente Leonz Arnet – von Beruf Schneider und Kolonialwarenhändler – eine Telegrafenstation. Eine zweite unterhielt der Bahnhof. 1896 nahm Arnet die erste Telefonzentrale in Betrieb, der fürs erste 15 Abonnenten angeschlossen waren.
Sein Sohn Leonz Arnet jun. war Schneider und Coiffeur und betrieb beide Geschäfte, Schneideratelier und Coiffeursalon, in diesem Haus. Er hatte die Telefonnummer 30. Sein Sohn Emil Arnet (Gemeinderat und leidenschaftlicher Theaterspieler bei der Theatergesellschaft Root) betrieb die Geschäfte weiter, jedoch mit Angestellten.
1940 kaufte Marie Roth zusammen mit Ihrer Mutter Elisabeth Roth-Eigensatz das Haus. Um 1943 eröffnete Marie Hof-Roth, die inzwischen geheiratet hatte, zusammen mit Ihrem Gatten Franz Hof-Roth eine Kolonialwarenhandlung, die typisch war für die 1940er Jahre. Franz Hof-Roth, ein Uhrentechniker aus Grenchen, hatte lange eine Frau gesucht: über das Heft »Myrte«, ein Heft zur Anbahnung katholischer Ehen.
Die Kolonialwarenhandlung repräsentierte den typischen »Tante Emma Laden« im Dorf, in dem fast alle Produkte des täglichen Bedarfs (Haushaltwaren, Textilien, Mercerie, Schreibwaren usw.) erhältlich waren. In diesen Läden war es gängig, den Einkauf »auf Anschreiben« zu tätigen – das gehörte zur persönlichen Kundenbindung. Diesen Laden führte Frau Roth bis Ende der 60er Jahre, die Zeit, wo die die meisten Lebensmittel-Einzelhandlungen mit Bedienung verschwunden sind.
Von diesem Haus ist ein Teil des Nachlasses sichergestellt: die Coiffeurstühle, das Frisierwerkzeug, Ladenwaage, Kaffeemühle, Waren aller Art, Korrespondenzen, Ladenbücher vom Anschreiben, Haushaltbücher, Zeitschriften, Zeitungen und vieles mehr.
Die beiden Coiffeurstühle wurden vor dem Abbruch des Hauses 2013 im Estrich gefunden. Sie waren zum Schutz fein säuberlich eingewickelt in Zeitungspapier.
Elisabeth Roth-Eigensatz (1883-1942). Sie kaufte das Haus 1940 zusammen mit ihrer Tochter Marie Hof-Roth, die in den 40er bis 60er Jahre in diesem Haus zusammen mit ihrem Mann Franz Hof einen Kolonialwarenladen betrieb.
Franz Hof-Roth (1901-1989) hatte ein Beinleiden und war auf seinen Stock angewiesen.
Während der Kriegs- und Nachkriegsjahre des 2. Weltkrieges war die Ernährung in der Schweiz eher bescheiden, fettarm und lange Zeit von den Rationierungsmarken abhängig. Diese wurden anfangs des Krieges eingeführt und damit konnte man Lebensmittel, Textilien und Pflegemittel nur in beschränkten Mengen einkaufen.
Marie Roth hatte sogenannte Anschreibbücher. Sie notierte die Einkäufe der Leute, die nicht sofort bezahlten und strich die Namen wieder, wenn die Beträge meist Ende Monat bezahlt wurden.
Wie aus einem Inserat der Zeitschrift «Der Sonntag» aus dem Jahre 1950 ersichtlich, kostete eine 1-kg-Büchse Rocco Ravioli Fr. 2.50. Im Vergleich kostet heute das Kilo Ravioli in der Büchse im Coop Fr. 2.12.