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Von Alfred Meister
Die wunderbare Schneelandschaft im vergangenen Januar und die Kaltfront im Februar hat uns – zumindest die älteren Semester unter uns – an „richtige“ Winter in unserer Jugend erinnert; die verschneiten Rheinufer oder die Langlaufspuren auf dem Schaffhauser Randen. Den winterlichen Schwarzwald konnten wir in diesem Winter nur erahnen.
Die hier abgebildete Fotografie des gefrorenen Rheins bei Eglisau im Jahre 1954 aus dem Ortsmuseum Eglisau, hat schon historischen Wert.
Was braucht es für eine „Gfrörni“? „Ein Hinweis für die Geschwindigkeit des Zufrierens eines Sees gibt die Kältesumme, also die Summe aller negativen Tagesmitteltemperaturen. Ist es also im Durchschnitt während 10 Tagen minus 3 Grad warm, beträgt die Kältesumme 30 Grad. Damit der Bodensee gefriert, braucht es eine Kältesumme von rund 370 Grad. Es müsste also während gut dreier Monate immer im Durchschnitt minus 4 Grad kalt sein, oder während 37 Tagen minus 10 Grad.“ (Sabine Balmer SRF)
Der Klimahistoriker Christian Pfister schreibt: „Im Jahr 1445 folgte ein noch extremerer Winter; so streng, dass der Rhein bis auf den Grund gefror“. Das Eis zerstörte Brücken und führte durch Rückstau zu Überschwemmungen. Im 20 Jh. war der Bodensee in den Jahren 1929 und zuletzt 1963 komplett gefroren. Abwässer, industrielle Kühlwasser und die Klimaveränderung erwärmen Seen und Flüsse zunehmend.
Interessant sind die für eine „Gfrörni“ erforderlichen Wetterbedingungen. So schreibt die NZZ im Februar 1963:
„Mit dem ersten Schnee Mitte November 62 und einem polaren Kaltluftstoss gegen Ende des Monats fing alles an; ein starkes Grönlandhoch hatte sich bereits früh gebildet und sorgte mit einer Brücke zum Azorenhoch für eine stabile Wetterlage. Die erste Kältewelle währte bis zum 9. Dezember; die anschliessende, dreimonatige Frostdauer für Mittel- und Westeuropa, die nur im Februar von einer kurzen Wärmephase (Föhn) unterbrochen wurde, liegt im Bereich eines 250-Jahr-Ereignisses.“
Voraussichtlich müssen wir uns für eine weitere Rheingfrörni bis zur nächsten Eiszeit gedulden, oder die menschenbedingten Einflüsse auf Klima und Wassertemperatur korrigieren.