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Wenn durch die steigenden Temperaturen Tierarten aus ihren natürlichen Lebensräumen vertrieben werden, dürften Pizzlybären wahrscheinlich häufiger auftreten. Der Klimawandel hat dazu geführt, dass Eisbären weiter nach Süden und Grizzlybären weiter nach Norden wandern, um nach Nahrung zu suchen, was die Menge des gemeinsamen Territoriums und damit die Wahrscheinlichkeit des Kontakts erhöht. Wenn sich Eisbären und Grizzlybären paaren, wird der Hybrid als Pizzlybär oder Grolar-Bär bezeichnet, je nachdem welches Tier der Vater und welches die Mutter ist. In den letzten Jahren kam es vermehrt zu Paarungen zwischen den beiden Bärenarten. „Wir kennen Pizzlyes schon seit einiger Zeit, aber ihr Auftreten wird möglicherweise bei anhaltender Erwärmung der Arktis häufiger“, sagte Larisa DeSantis, Biologieprofessorin an der Vanderbilt University in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee
Erstmals wurde 2006 ein Pizzly in freier Wildbahn entdeckt, als ein Jäger im hohen Norden Kanadas einen Bären mit weißem Fell und braunen Flecken sowie den für einen Grizzlybären charakteristischen buckligen Rücken und die langen Krallen erlegte. DNA-Tests bestätigten, dass der Bär ein Hybrid war, berichtete damals ‘The Associated Press’. Seither sind Pizzlys häufig in freier Wildbahn gesichtet worden.
Laut DeSantis bewegen sich Grizzlybären mit steigenden Temperaturen weiter nach Norden. „In der Zwischenzeit müssen Eisbären zunehmend nach anderen Nahrungsquellen suchen, wenn die Jagd auf Robben auf dem Meereis unmöglich wird“, sagte sie.
Eisbären sind vielleicht das sichtbarste Opfer des Klimawandels und könnten bis 2100 so gut wie ausgestorben sein. Eine Studie aus dem Jahr 2016 in der Zeitschrift ‚Biology Letters‘ besagte, dass die Eisbärenpopulationen in den nächsten 30 Jahren um mehr als 30 Prozent abnehmen könnten.
„Normalerweise sind Hybridbären nicht besser für ihre Umgebung geeignet als ihre Eltern, aber es besteht die Möglichkeit, dass diese Hybride in der Lage sind, nach einem breiteren Spektrum an Nahrungsquellen zu suchen“, sagte Larisa DeSantis gegenüber ‘Live Science’.
Da sich die zwei Bärenarten erst vor rund einer halben Million Jahren biologisch getrennt haben, sind sie immer noch in der Lage, gemeinsam Nachwuchs zu empfangen und zu produzieren. Sogar Pizzlys selbst scheinen fruchtbar zu sein.
Larisa DeSantis sagte gegenüber ‘Live Science’: „Vermutlich sind Pizzlies aufgrund ihrer vielfältigen Eigenschaften besser als Eisbären für das Überleben in der modernen Arktis gerüstet“.
Einer der Gründe für die extreme Verwundbarkeit der Eisbären ist die Tatsache, dass sie darauf ausgelegt sind, fettreiche Tiere wie Robben zu jagen und zu verzehren. „Zum Beispiel sind ihre Backenzähne kleiner als für ihre Körpergröße typisch, weil sie den ganzen Tag nur Speck fressen. Grizzlies hingegen können fressen, was sie wollen“, sagte DeSantis. „Wir wissen es noch nicht genau, aber vielleicht könnte der Zwischenschädel des Pizzlys einen biomechanischen Vorteil bringen.“
Während das Aussterben reinrassiger Eisbären eine tragische Aussicht ist, kann die Existenz von Pizzlys es ihnen ermöglichen, in irgendeiner Form zu bestehen.
Heiner Kubny, PolarJournal