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Investitionen und Finanzierung von Schweizer Firmen im Ausland
Niklaus Blattner, Vizepräsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank
Forum der Schweizer Aussenwirtschaft, Zürich, 09.11.2005
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Die Schweiz steht mit ihrem Bestand an Direktinvestitionen im Ausland im internationalen Vergleich an sechster Stelle. Rund 5'000, d.h. 2 % der Unternehmen halten Beteiligungen im Ausland. Nicht nur die Multis sind im Ausland aktiv. Beachtlich ist auch der Anteil der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). 95 % aller Direktinvestoren gehören zur Kategorie der KMU. Absolut gemessen sind die Beteiligungen der KMU aber eher bescheiden. Die schweizerischen Unternehmen beschäftigten im Ausland Ende 2004 1,8 Millionen Personen. Dies entspricht der Hälfte aller schweizerischen Arbeitnehmer. Der Personalbestand der schweizerischen Unternehmen im In- und Ausland lag bei 5,3 Millionen Personen. Seit 1985 hat sich der Kapitalbestand im Ausland verneunfacht. Davon befinden sich heute zwei Drittel in den Händen von Dienstleistungsunternehmen, und ein Drittel gehört Industrieunternehmen.
Motive für Investitionen im Ausland sind: Marktpräsenz, d.h. Kontakt zu den Kunden, Kosteneinsparungen und Ausschöpfen von Marktpotenzial, d.h. Wachstum. Viele Unternehmen produzieren im Ausland, um ihre Produkte dann in die Schweiz zu importieren, von wo aus sie danach häufig in weiter verarbeiteter Form wieder exportiert werden. Die Schweiz bildet aber auch eine Drehscheibe für Direktinvestitionen. Ausländisches Kapital wird in der Schweiz investiert, um als schweizerisches Kapital wieder exportiert zu werden. 2003 entfiel ein Viertel der neuen Direktinvestitionen im Ausland auf Holdinggesellschaften. Deren Erfolg dürfte nicht nur auf steuerliche Vorteile zurückzuführen sein, sondern auch auf einen relativ einfachen Verkehr mit den schweizerischen Behörden.
50 % des im Ausland investierten Kapitalbestands schweizerischer Unternehmen liegt in Europa. Nordamerika folgt mit 18 %. Diese Anteile sind seit Beginn der Statistik im Jahre 1985 unverändert geblieben. China steht - gemessen am Kapitalbestand – an 20. Stelle, gemessen an der Zahl der Beschäftigten allerdings bereits an 7. Stelle. In China werden in erster Linie arbeitsintensive Produkte gefertigt, da dort die Arbeitslöhne tief sind und das Arbeitkräfteangebot flexibel ist. Infolge der geringen Kapitalintensität lässt sich das finanzielle Risiko für die schweizerischen Investoren in Grenzen halten. Andere Risiken liegen beispielsweise in der von der westlichen abweichenden Kultur und in der staatlichen Lenkung der Wirtschaft, die zu Übertreibungen neigt und Fehlinvestitionen begünstigt.
Hinsichtlich der Finanzierung dominiert die Selbstfinanzierung. Dafür ein erstes Indiz ist die für die letzten sieben Jahre volle Deckung der Kapitalexporte durch die Erträge. Für einen hohen Selbstfinanzierungsgrad spricht ferner die Entwicklung auf dem Kapitalmarkt. Sie zeigt eine Tendenz zur Entschuldung der Industrie. Dies lässt sich aus den rückläufigen Emissionsvolumina von Anleihen und den höheren Rückzahlungen an den Markt ableiten. Mitverantwortlich für die rückläufige Kapitalmarktbeanspruchung dürfte auch die Regulierung sein. Diese scheint die Kapitalmarktfähigkeit von Unternehmen einzuschränken, oder, anders ausgedrückt, die Attraktivität des Kapitalmarkts als Finanzquelle zu schmälern.