Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03260.jsonl.gz/2516

Ein Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung: die Burgruine Belfort
Die Schweiz zählt zu den burgenreichsten Ländern Europas, deren überwiegender Anteil an Burgen und Ruinen im Gebiet des heutigen Kantons Graubünden errichtet wurde. Der Burgenverein Graubünden setzt sich mit Unterstützung von der Denkmalpflege und des kantonalen Archäologischen Dienstes für die Erhaltung dieser unschätzbaren Zeitzeugen ein. Hierzu zählen nicht nur intakte, noch bewohnbare Anlagen, sondern auch mächtige Ruinen.
Belfort in Mittelbünden ist die grösste und historisch bedeutsamste Burgruine der Region. Sie befindet sich heute im Besitz von Brienz/Brinzauls und erlangte als Kulturdenkmal nationale Bedeutung. Die Ruine beeindruckt durch ihre Türme, weiten Ringmauern und ausgedehnten Wirtschafts- sowie Wohngebäude. Die Anlage bestand vermutlich bereits im 11. Jahrhundert und wurde am Anfang des 12. Jahrhunderts umfassend erneuert. Aus dieser Zeit stammen auch die noch heute sichtbaren Teile der Burg. Wie die Dächer von Belfort jedoch einst ausgesehen haben, darüber ist leider nichts bekannt.
Im 13. und 14. Jahrhundert bildete die Burg, die an der Julier- und Albularoute lag, also an einer der wichtigsten Verbindungsstrassen, den Mittelpunkt von Wirtschaft, Politik und Recht des Landes. Belfort, das sich 1222 im Besitz des Freiherrn von Vaz befand und als wichtigster Sitz dieser Familie galt, war durch die rücksichtslose Politik der Vazer immer wieder in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt. Nach dem Tod des letzten Vazers im Jahre 1337 gelangte die Burg in den Besitz der Tochter des Grafen von Toggenburg. Später folgten diverse Besitzerwechsel. 1486 wurde Belfort unter Niklaus Beeli zu einem Stützpunkt der Österreicher, was den Bündnern natürlich gar nicht gefiel. In der Schlacht von Calven, die als „Schwabenkrieg“ bekannt ist, wurde die Burg Belfort 1499 nach der Erstürmung niedergebrannt und grösstenteils vernichtet. Noch heute zeugen vom Brandruss geschwärzte Fensterbalken von dieser Tat.
Es ist dem Einsatz der Ruinen-Denkmalpflege zu verdanken, dass Belfort in den vergangenen Jahren umfangreich saniert werden konnte und nun jederzeit für Besucher zugänglich ist. Im Sommer 2012 eröffnete das Ortsmuseum Vat/Obervaz einen ursprünglichen Kräutergarten in der Burgruine Belfort. Hierbei wurde grossen Wert darauf gelegt, solche Heil- und Gewürzpflanzen anzubauen, die bereits im Mittelalter Verwendung fanden. Eine am Eingang der Burg erhältliche Broschüre informiert den interessierten Besucher hierüber.
Die Burgruine Belfort liegt am Kulturweg Voia culturala, der darüber hinaus aber noch weitere kulturhistorische Höhepunkte bereithält. Dazu gehört unter anderem die Pfarrkirche St. Calixtus, deren spätgotischer, kunstvoll geschnitzter Flügelaltar zu den wichtigsten historischen Schätzen der Region zählt.
Noch bis Mitte des letzten Jahrhunderts wurden Ruinen und Burgen eher vernachlässigt, doch inzwischen sind sie in den Mittelpunkt von Forschungsprojekten gerückt und es werden umfangreiche Sanierungsprogramme realisiert. Denkmalpflege und Burgenverein tragen kontinuierlich dazu bei, dass diese unschätzbaren Zeitzeugen tatsächlich erhalten bleiben und somit der interessierten Bevölkerung zugänglich sind.
Oberstes Bild: Die Burgruine Belfort – die bedeutendste Burgruine Mittelbündens. (© Adrian Michael, Wikimedia, GNU)