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Das Ren oder Rentier (rangifer tarandus), ist das Wahrzeichen von Lappland. Die ca. 230 000 Rentiere werden von den Samen gezüchtet. Während der Eiszeit lebte das Ren noch in weiten Teilen Europas. Das ursprünglich gejagte Wildtier wurde später gezähmt und in den Hausstand übernommen. In Lappland leben heute 2 wilde Unterarten des Rens:
Fjällren (Rangifer tarandus tarandus)
Waldren (Rangifer tarandus fennicus)
Das Fjällren ist das eigentliche Wildren und lebt in den Hochgebirgsregionen Lapplands. Das wilde Waldren ist in Schweden ausgerottet, aber es gibt noch einen kleinen Bestand in Finnland. Rentiere sind gute Schwimmer und überwinden Flüsse und Meerbuchten.
Die Rentierzucht ist das wirtschaftliche Rückgrat der samischen Kultur und ist nur durch die weiten Gebiete der Nordkalotte möglich, weil das Rentier immer weiter zieht und nicht auf einer Stelle weidet. Ein ausgewachsenes Tier benötigt ca. 8 kg Futter am Tag. Ab Mai gibt der Frost den Boden frei und die Pflanzen beeilen sich auszutreiben. Jetzt beginnt die Wanderung von der Winterweide im Osten zu den Sommerweiden im Westen. Die Samen folgen ihnen auf Motorschlitten und sorgen dafür, dass sie auf dem langen Weg genug Nahrung bekommen. Die Rentiere wandern frei in der Wildnis umher. Jedes Jahr im September werden die Tiere zusammengetrieben und in Scheidegehege, nach Familien getrennt. Gleichzeitig werden die Jungtiere markiert. Hierzu werden die Kälber mit dem Lasso eingefangen und mit dem Messer eine Kerbe in die Ränder der Ohren geschnitten. Diese Muster vererben sich von Vater auf den Sohn und in ihren Variationen wie ein Stammbaum der verschiedenen Sippen. Gleichzeitig werden ein Drittel der Tiere geschlachtet und das Fleisch verkauft. Dazu werden die ausgesuchten Tiere mit dem Lasso gefangen, am Geweih zu Boden gedrückt und mit einem Messerstich ins Genick getötet. Nach dem tödlichen Stich lässt man das Ren einige Minuten liegen, damit seine Seele auf dem Weg nach Sájvva, dem Paradies der Samen, nicht verschreckt wird. Da das Fleisch aus der Freilandhaltung stammt, wird ein recht hoher Preis erzielt. Als Autofahrer muss man in Nordskandinavien aufpassen, dass man kein Rentier überfährt, denn die laufen oft über Kilometer die Landstraße entlang.
Das Rentier erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 120 bis 220 cm, eine Widerristhöhe von 87 bis 140 cm, eine Schwanzlänge von 7 bis 21 cm und ein Gewicht von 60 bis 340 kg. Das Fell ist dicht und hat eine Unterwolle. Vorne am Hals befindet sich eine Mähne. Die Färbung ist kontrastreich und reicht von dunkel-graubraun über hellbraun, bis fast ganz weiss. Das Sommerfell ist kurz und dunkel.
Die Klauen der Rentiere lassen sich weit spreizen, das ist im Winter sehr hilfreich. Denn durch die breite Trittfläche wird das Risiko minimiert, in den weichen Schnee einzusinken. Wenn ein Rentier geht, hört man ein Knacken in den Fußgelenken. Dieses Knacken entsteht durch die Sehnenbewegung in den Gelenken. Rentiere sind schnelle und ausdauernde Läufer.
Als einzige Hirschart tragen beide Geschlechter ein Geweih, wobei aber das Geweih der Kühe deutlich kleiner ist, oder bei einzelnen Tieren sogar ganz fehlt. Die Geweihstangen der Männchen können eine Länge von bis zu 130 cm erreichen, die der Weibchen dagegen nur maximal 50 cm. Die grössten Geweihe können ein Gewicht von bis zu 15 kg erreichen. Das Geweih der Männchen wird direkt nach der Brunft abgeworfen und im April fängt das neue wieder an zu wachsen. Die Kühe werfen ihr Geweih dagegen erst im April bis Mai ab. Das neue beginnt dann aber kurz danach wieder zu wachsen.
Die Rentierhirsche haben eine Lebenserwartung von bis zu 10 Jahren, Kühe sogar eine von etwa 15 Jahren. In Gefangenschaft können Rentiere sogar bis zu 20 Jahren alt werden.
Rentiere sind Herdentiere. Sie leben in kleineren Herden bis 100 Tieren, wobei es sich dann meistens um reine Kuh-Herden und Hirsch-Herden (noch nicht geschlechtsreife Hirsche) handelt. Erwachsene Rentier-Hirsche leben häufig als Einzelgänger.
Die Nahrung besteht aus Flechten, Kräuter, Pilze, Laub, Rinde und Gräser, ja teilweise sogar aus einigen wenigen giftigen Pflanzen. Wenn Schnee liegt, scharren die Rentiere den Schnee mit den Vorderhufen beiseite um an die unter dem Schnee liegenden Flechten und Gräser zu kommen.
Die Paarung findet in den Monaten September bis Anfang Oktober statt. Die Hirsche geben laute Rufe von sich, um die Weibchen auf sich aufmerksam zu machen. Während dieser Zeit kommt es häufig zu Kämpfen zwischen den Männchen. Der Hirsch versucht eine Gruppe von etwa 12 Kühen um sich zu versammeln. Soweit es möglich ist, verpaart er sich mit allen Kühen aus seiner Gruppe. Während dieser Zeit nimmt der Hirsch keine Nahrung zu sich.
Nach einer Tragzeit von etwa 230 Tagen bringt die Kuh 1 bis 2 Kälber mit einem Gewicht von 5 bis 12 kg zur Welt. Nach nur einigen Minuten schon beginnen die Kälber Milch von der Mutter zu saugen. Teilweise sogar noch im Liegen. Nach etwa einer Stunde stehen die Jungen bereits auf eigenen Beinen und können der Mutter folgen. Die Mutter lässt erst mal keine Artgenossen an ihre Jungen heran und vertreibt sie. Einige Tage nach der Geburt jedoch schliessen sich die Kühe mit ihren Kälber wieder zu ihrer Herde zusammen. Mit etwa einem Monat beginnen die Kälber auch Gräser zu fressen und mit etwa 6 Monaten werden sie dann entwöhnt.
Hätten Sie's gewusst?
• Rentiermilch schmeckt süss und sieht aus wie geschmolzenes Eis.
• Rentierfleisch ist reich an Mineralien und sehr mager. Jährlich werden beim Schlachten der
Rentiere 2 000 Tonnen Fleisch produziert.
• Rentiere fressen Pilze, Flechten, Gras und Kräuter.
• In Schweden gibt es 51 Sami-Dörfer.
• Das grösste Sami-Dorf Schwedens heisst Sirkas und liegt in Jokkmokk.