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Leiden Sie an Stress, an Depressionen oder Übergewicht? Haben Sie Konzentrationsstörungen, Asthma oder Angstzustände? Schwitzen Sie stark in der Nacht? Haben Sie Diabetes, chronische Schmerzen oder starke Aggressionen und Wutanfälle? Sind Sie bei der Arbeit nicht effizient genug? Dann gibt es nur eins: Machen Sie Yoga. Ein «schlafender Diamantsitz» hilft gegen Asthmaleiden, dank eines «Kuhgesichts» finden Sie Ihren inneren Frieden, und die «Schildkröte» schenkt Ihnen Gelassenheit.
Yoga scheint das Heilmittel für alles Mögliche zu sein – zu diesem Schluss kommt man zumindest nach der Lektüre verschiedener vor kurzem erschienener Medienberichte. Wie wir etwa aus einer grossen Schweizer Tageszeitung erfahren, lernen zum Beispiel Insassen eines südafrikanischen Gefängnisses dank Yoga nicht nur, sich zu entspannen und besser mit Stress und Lärm umzugehen. Es vermittle ihnen auch ein «Gefühl von Autonomie hinter Gittern», weiss eine klinische Psychologin. Wie praktisch: Dank Yoga müssen also auch die Bedingungen im Gefängnis nicht verbessert werden, und tatsächliche Autonomie brauchen die Insassen auch nicht mehr.
Der frühere Chefredaktor derselben Tageszeitung führte auf der Redaktion ein «Yoga über Mittag» ein, während er gleichzeitig Sparmassnahmen durchsetzte, die mit vielen Entlassungen verbunden waren. Die RedaktorInnen fürchteten also täglich um ihren Job, und das Klima wurde spürbar schlechter, dafür durfte sich das Personal über Mittag auf Kosten des Unternehmens entspannen und wohlfühlen.
In einem Artikel über die Wellnesslüge brachte die britische Autorin und Feministin Laurie Penny das Problem dieses Yogaregimes auf den Punkt: «Die Wellnessideologie überzeugt uns davon, dass es kein wirtschaftliches Problem ist, wenn wir krank, traurig und erschöpft sind.» Und weiter: «Wenn du dich miserabel oder verärgert fühlst, weil dein Leben ein ständiger Kampf gegen Armut und Vorurteile ist, dann bist du das Problem. Die Gesellschaft ist nicht verrückt oder kaputt: Du bist es.»
Revolution mit «welt.de»: «Die seitliche Krähe» hilft, «Wut hervorzuholen, um sie dann abbauen zu können.»