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Die postoperativen Wundinfektionen (SSI für englisch ‚surgical site infections’) zählen zu den häufigsten Infektionen, die im Zusammenhang mit medizinischen Massnahmen auftreten können. Infektionen werden als SSI definiert, wenn sie nach einem chirurgischen Eingriff im vom Eingriff betroffenen Organ oder im Gewebe, das im Rahmen der Operation manipuliert wurde, auftreten.
Nationale Prävalenzmessungen haben gezeigt, dass die SSI die häufigste nosokomiale Infektion darstellte, wenn man die asymptomatische Harnwegsinfektion nicht zu den nosokomialen Infektionen dazu rechnet. Je nach Eingriffsart können SSI bei weniger als 1% bis mehr als 20% der operierten Patienten auftreten.
Im Laufe der letzten Dekaden wurden Systeme zur SSI-Erfassung in vielen Ländern aufgebaut, dies zuerst in den USA, dann, aufbauend auf dem amerikanischen System auch in Europa. Der Hauptzweck dieser Erfassungssysteme ist die Erhebung der Infektionsraten, damit diese den Spitälern und Chirurgen mit dem Ziel der Sensibilisierung gegenüber der Bedeutung dieser teilweise vermeidbaren Komplikation mitgeteilt werden kann. Die Kenntnis der Daten soll den Spitälern auch dazu dienen, die Wirksamkeit von Präventionsmassnahmen zu überprüfen.
Seit einigen Jahren wird der Nutzen der Veröffentlichung von Spital-spezifischen Infektionsraten, insbesondere von SSI-Raten kontrovers diskutiert. Gewisse US-amerikanische Staaten sowie gewisse Länder wie Grossbritannien haben sich zu dieser Art der Veröffentlichung entschieden. Andere wie zum Beispiel Deutschland, Frankreich oder die Niederlande haben sich für eine vertrauliche Behandlung der Daten entschieden und publizieren die Liste der an der Infektionserfassung teilnehmenden Spitäler.
Schlussfolgerung und Haltung von Swissnoso
Die Messung postoperativer Wundinfektionen wird im Vergleich zur Messung anderer Indikatoren stärker duch verschiedene Kofaktoren beeinflusst. Dies erschwert die Vergleichbarkeit der Messresultate und könnte bei fehlender oder unvollständiger Berücksichtigung dieser Kofaktoren durch unpräzise Abbildung der Risiken einzelner Spitäler gewisse Spitäler benachteiligen und dadurch negative Konsequenzen für die Spitäler haben, falls diese Resultate ohne bestimmte Vorkehrungen veröffentlicht würden. Auf der anderen Seite konnte nachgewiesen werden, dass die Spitäler von der Teilnahme an einem solchen Surveillancesystem bezüglich Qualitätsverbesserung profitieren können, ohne dass die Messresultate publik gemacht werden müssen. Das Risiko einer missbräuchlichen Verwendung oder der Fehleinterpretation der Daten wird durch die anonymisierte Datenpräsentation verringert.
Die in Grossbritannien gesammelten Erfahrungen bezüglich Mortalitätssenkung nach herz- und thoraxchirurgischen Eingriffen,25 der politische Druck und die legitime Forderung nach Transparenz führen aber wahrscheinlich früher oder später dazu, dass den Spitälern auferlegt wird, der Oeffentlichkeit Daten zur Ergebnisqualität zu liefern. Wir sind aber überzeugt, dass dieser Schritt besser mit Involvierung von Experten, die mit der Materie vertraut sind. Deshalb verschliessen sich die Mitglieder von Swissnoso dieser Entwicklung nicht, auch wenn zurzeit nicht alle vom ultimativen Nutzen einer derartigen Oeffnung überzeugt sind.
Unter Berücksichtigung der in der Thematik der Erfassung nosokomialer Infektionen in Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und den USA gemachten Erfahrungen, empfiehlt Swissnoso, sich zurzeit auf die vertrauliche Uebermittlung der Daten an die teilnehmenden Spitäler zu beschränken und diese nicht zu publizieren, solange die Validierung der teilnehmenden Spitäler nicht stattgefunden hat. Hingegen sollen die Namen der Spitäler, die an der Infektionserfassung teilnehmen, publiziert werden.
Sobald die Validierung läuft (ab Herbst 2012) sieht Swissnoso zusammen mit dem ANQ die Bildung einer Kommission vor, welche sich mit sogenannten ‚outliers‘ befassen wird, eine detaillierte Analyse der möglichen Ursachen für die Abweichung und allfällige Korrektur- und Verbesserungsmassnahmen vorschlagen kann, bevor der Schritt zur allfälligen Veröffentlichung der Daten jedes einzelnen Spitals gemacht wird.