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Wer im Westen mit dem Begriff Buddhismus konfrontiert wird, verbindet ihn automatisch mit der Person des Dalai Lama in der Öffentlichkeit: lächelnd, kultiviert, heiter und gelassen. Aber entspricht dieses Bild der Wirklichkeit?
Unter den grossen Weltreligionen scheint der Buddhismus mit seiner Betonung von Meditation, Reinheit, Frieden und ethischen Werten die am wenigsten bedrohliche zu sein.
Die Erneuerung des Buddhismus im Westen ist ein Phänomen des letzten halben Jahrhunderts und wird sich vermutlich weiter verstärken. Viele glauben, dass sich Buddhismus und Christentum ziemlich ähnlich sind, ihre Verflechtung verbreitet sich zunehmend.
Das Leben des Buddha
560 v. Chr. wurde Siddharta Gautama, der Begründer des Buddhismus, in einem Palast als Sohn des Fürsten des Shakya-Stammes in Nordindien, dem heutigen Nepal, geboren. Als Folge des Gerichtes Gottes befand sich Israel damals im Exil in Babylon, unter ihnen auch der Prophet Daniel. Der grossartige Tempel in Jerusalem war etwa 27 Jahre zuvor zerstört worden. In jener Zeit entstanden andere östliche Religionen wie der Konfuzianismus, der Taoismus, der Schintoismus und der Jainismus. Es scheint, dass das geistliche Ende Israels den Weg für eine Welle neuer humanistischer Religionen ebnete.
Gautamas Leben lässt sich in drei Abschnitte einteilen. Der erste war von Reichtum gekennzeichnet. Sein Vater verwöhnte ihn mit Luxus und Genuss und versuchte möglichst, Schmerz, Leiden, Tod und Verfall von ihm fernzuhalten. Bereits mit neunzehn Jahren heiratete er und bekam einen Sohn.
Der zweite Abschnitt begann damit, als er ausserhalb der schützenden Mauern des Palastes vier Menschen begegnete – einem Alten, einem Kranken, einem Toten und einem Asketen. Das erschütterte ihn zutiefst. Noch in derselben Nacht verliess er den Palast, ohne seine Frau oder seinen Sohn zu wecken. Die folgenden sechs Jahre lebte er in der Enthaltsamkeit eines asketischen, zuchtvollen Lebens. Eines Tages ertrank er beinahe beim Baden – aufgrund einer durch Fasten hervorgerufenen Schwäche. Da erkannte er, dass dieser harte Weg nicht die Antwort für das Leben bereithielt, und kehrte nach Bodh Gaya zurück.
Sein dritter Lebensabschnitt war von Suchen und Forschen gekennzeichnet. Sieben Wochen verweilte er meditierend unter einem Feigenbaum. In dieser Zeit wurde ihm eine «Erleuchtung» zuteil, worauf er «die vier edlen Wahrheiten» proklamierte:
1) Alles ist Leiden. 2) Die Ursache des Leidens ist die Begierde. 3) Die Überwindung der Begierde liegt im Abtöten der Begierde und aller Leidenschaften. 4) Der Weg dahin ist der heilige achtfache Pfad.
Der Buddha (der Erleuchtete), wie er nun genannt wurde, verneinte die Existenz Gottes, von Seelen und Geistwesen und lehrte, dass das Karma (Ursache und Wirkung) vergangener Leben im ständigen Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt (Reinkarnation) resultiere. Er glaubte, der einzige Ausweg zur Befreiung sei nur durch eigene Anstrengungen zu erreichen. Im Gazellenhain in Sarnath bei Benares fand er fünf Asketen, die er lehrte. Diese bekehrten sich zum Buddhismus und bildeten die erste buddhistische Gemeinschaft (Sangha). In der Folge schlossen sich viele Familienmitglieder und berühmte Leute Buddhas Lehre an. Er starb um 480 v. Chr., vermutlich an einer Lebensmittelvergiftung.
Ausbreitung des Buddhismus
In den ersten 200 Jahren blieb der Buddhismus auf Nordindien beschränkt. Unter dem indischen Kaiser Ashoka (273–232 v. Chr.) breitete er sich dann sehr schnell aus. Dieser festigte seine Eroberungen durch buddhistische Missionare, die er zum Predigen und zur Bekehrung von Menschen aussandte.
Innerhalb von 1500 Jahren hatte der Buddhismus Asien erreicht und übte einen prägenden Einfluss auf die Kulturen aus, der bis heute anhält.
Anders als das Christentum besitzt der Buddhismus den Effekt eines Staubsaugers, indem er einheimische Religionen in sich aufsaugt, wohin er auch kommt. Er dominierte und integrierte örtliche Glaubensstrukturen einschliesslich des Animismus und anderer -ismen, ohne sie zu verdrängen oder zu zerstören. Aus diesem Grunde entstand eine grosse Vielfalt buddhistischer Gesellschaften. Die Vermischung vieler religiöser Elemente unter dem Buddhismus führte zu einer nationalen, ethnischen und religiösen Identifizierung mit dem Buddhismus. Diese wurde zum grössten Hindernis für das Christentum und erschwerte die Evangelisation. Thai, Burmese, Tibeter, Laote zu sein, heisst, Buddhist sein. Wie stark diese Philosophie mit ihren Konzepten unter asiatischen Völkern verankert ist, wurde erkennbar, als der repressive und harte Druck des Kommunismus in den frühen Neunzigerjahren des vorigen Jahrhunderts gelockert wurde. Sofort lebte der Buddhismus in Ländern wie z. B. der Mongolei, Vietnam und China wieder auf.
Kommunikation mit dem buddhistischen Denken
Wie eine unsichtbare Gaswolke umhüllt der Buddhismus die Erde und ist sogar in das Denken nichts ahnender Christen vorgedrungen. Dieses enorme und doch unauffällige Wachstum geschah durch reisende asiatische Geschäftsleute, asiatische Immigranten und Flüchtlinge, missionarische Bemühungen und durch die besondere Eigenschaft des Buddhismus, andere Religionen und Weltanschauungen aufzunehmen und sie zugleich zu durchdringen. Als Folge davon trifft man heute oft auf eine Mischung aus Christentum und Buddhismus.
In einer Zeit, die vom pluralistischen Denken geprägt ist, glauben viele, dass es keinen Grund gebe, sich wegen der Umdeutung theologischer Begriffe oder der Abschwächung des biblischen Auftrags, «alle Menschen zu Jüngern zu machen», Gedanken zu machen. Letztlich würde man doch in allen Religionen an Gott glauben und alle Religionen seien parallele Wege zum Schöpfer.
In den nahezu 20 Jahren, die ich mit OMF (ÜMG) als Missionar in Thailand gearbeitet habe, bekam ich von Buddhisten als Antwort auf das Evangelium oft zu hören, Buddhismus und Christentum seien eigentlich genau das Gleiche. Während es oberflächlich betrachtet scheinbare Ähnlichkeiten gibt, bleiben grundlegende und wichtige Unterschiede jedoch bestehen.
(Artikelauszug aus ethos 2/2017)