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Jede Nation hat ihre eigene Geschichte.Und damit auch eine eigene Kultur imUmgang mit Fehlern. Im Gespräch mitStephanie Keller, 1977 geboren in den USAund seit 2001 wohnhaft in der Schweiz,stellen wir ihr bezüglich der Kultur desScheiterns die Frage: Was sehen die Amerikanerim Scheitern, was wir nicht sehen,und wo geht die Schweiz mit gutem Beispielvoran?
Worin besteht Ihrer Meinung nach der grösste Kultur-Unterschied zwischen den USA und der Schweiz im Umgang mit Fehlern?
Das Erste, was mir auffiel in der Schweiz, war der Unterschied in der Bildung. Bei meinen Kindern sehe ich, wie durchdacht und leistungsorientiert das Schweizer Schulsystem ist. Sie lernen gut und wissen viel für ihr Alter. Ich vermisse aber, dass sie nicht erfahren, worin sie gut sind. Ihnen wird zu wenig gesagt, dass sie gut sind in Mathe, gut in Sport, vielleicht sogar im Freunde-Sein, im Mutig-Sein, im Helfen und vielem mehr. Um das herauszufinden, muss man ausprobieren können und Fehler machen dürfen. Wenn mir damals etwas nicht gelang, hiess es: Kein Problem, mach’s nochmal! Wir lernten: Gewinner geben nicht auf, sie stehen wieder auf. Wir tauchten früh ein in die Biografien von Menschen, die oft und viele Fehler gemacht hatten, bevor sie den grossen Sieg davontrugen.
Welche Vorbilder kommen Ihnen da in den Sinn?
Einer Anekdote nach, hat Thomas Edison viele tausend Versuche gebraucht, um die Glühbirne zu erfinden. Nach vielen gescheiterten Anläufen fragte ihn sein Mitarbeiter, warum er nach so vielen Misserfolgen immer noch nicht aufgegeben habe. Edison antwortete: «Ich hatte keinen einzigen Misserfolg. Ich habe viele tausend Möglichkeiten entdeckt, die Glühbirne nicht zu erfinden.» Auch Abraham Lincoln erlitt viele Wahlniederlagen. Er liess sich aber immer wieder aufstellen, bis er von 1861 bis 1865 als 16. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika seinen Traum erfüllte und begann, die Menschen aus der Sklaverei zu befreien. Ein neueres Beispiel ist der Basketball- Spieler Michael Jordan. In einem Interview zu seinem grossen Erfolg sagte er: «Ich habe in meiner Karriere mehr als 9000 Würfe verfehlt und über 300 Spiele verloren. 26 Mal wurde mir vertrauensvoll der Match-Ball übertragen und ich habe nicht getroffen. Ich habe viele Fehler gemacht, und das ist der Grund, warum ich erfolgreich geworden bin.» Walt Disney wurde gefeuert bei der Zeitung, bei der er arbeitete mit der Begründung, er hätte zu wenig Vorstellungsvermögen und Fantasie. Er glaubte aber etwas ganz anderes. Seine Karriere und sein Weg zeigten das deutlich.
Woran mag es liegen, dass die US-Bürger scheinbar leichter wieder aufstehen?
Die Schweiz ist ein sehr sicheres und gut situiertes Land. Es gibt eine hervorragende Versorgung, und die Menschen sind eher über- als unterversichert. Das Land hat sich diesen Wert über die Jahrhunderte aufgebaut und er ist sehr schützenswert. Er hat jedoch einen Einfluss auf die Risikobereitschaft und darauf, Neues auszuprobieren. In den USA haben vor nicht allzu langer Zeit die Einwanderer aus Europa alles auf eine Karte gesetzt.
Sie haben grosse Verluste verzeichnet – mehr als die Hälfte der damaligen Siedler fanden keine Nahrung und starben. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich dieses visionäre, risiko- und experimentierfreudige Erbe in den Menschen über Generationen gehalten hat. Es wird viel erfunden und ausprobiert. Vieles klappt, aber vieles auch überhaupt nicht!
Wann empfinden die Menschen Ihrer Meinung nach etwas «Nicht-Gelungenes» als Scheitern?
Bei Dingen, die uns weniger stark am Herzen liegen, tut Misslungenes nicht so weh. Ich glaube aber, jedem Menschen wurden von Gott Lebensträume ins Herz gelegt, die wir versuchen zu entdecken und zu verfolgen. Wenn diese zerbrechen, empfinden wir das häufig als besonders schmerzhaft und als ein Scheitern. In Römer 8, Vers 28 steht: «Wer Gott liebt, dem dient alles, was geschieht, zum Guten.» Selbst wenn wir scheitern, dienen manche Niederlagen dazu, dass etwas wieder in die richtige Reihenfolge kommt. Gott kann dann dem Traum einen neuen Segen und Flügel geben.
Empfinden Sie einen Kultur-Unterschied bezüglich des gemeinsamen Durchstehens schwerer Zeiten?
Während der ersten, nicht einfachen Zeit in der Schweiz, standen mir liebe Menschen bei und gingen mit mir durch alle Schwierigkeiten. Ich empfinde die Schweizer als sehr hilfsbereit und geduldig. Ich glaube aber, dass über den Kulturen aller Nationen eine höhere steht: Die Kultur des Königreiches, die uns Jesus vorlebt. Hier hört man: «Du schaffst das! Du kannst das. Du bist gut! Du bist wunderbar gemacht.» In dieser Kultur freuen sich die Menschen an den Stärken und dem Gelingen des andern, und leisten Hilfe beim Wiederaufstehen. Man glaubt an die eigenen Träume und an die Visionen des andern. Und dieser Glaube versetzt Berge. Unsere Vorstellungen haben grossen Einfluss auf das Gelingen. Ich liebe es, mich mit Menschen zu umgeben, die von Grund auf positiv sind. Von ihnen nehme ich gerne gutgemeinte Kritik und Warnungen entgegen. Und besonders befolge ich den Rat von Gott, der mir die Träume ins Herz gelegt hat. Philipper 4, Vers 8: «Orientiert euch an dem, was wahrhaftig, vorbildlich, gerecht, redlich und liebenswert ist und einen guten Ruf hat.»