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Wie viel Steve Jobs steckt noch in Apple?
Heute vor zehn Jahren starb Steve Jobs. Die Apple-Geschichte seitdem zeigt: Auch ohne Visionen können Tech-Firmen erfolgreich sein.
Apple und Steve Jobs schienen unzertrennlich zu sein. Das eine konnte nicht ohne den anderen gedacht werden – und umgekehrt. So war es, seit sich Jobs 1976 in einer mythologischen Silicon-Valley-Garage mit dem technisch weitaus begabteren Steve «Woz» Wozniak zusammengetan hatte, um die Computer-Firma Apple zu gründen.
Doch der «andere» Steve war wohl vom ersten Tag an in einer Sidekick-Rolle, gegen die Naturgewalt Jobs konnte «Woz» nicht bestehen und arrangierte sich auch sehr schnell mit diesen Verhältnissen. Apple war Steve Jobs allein und so gab es nicht wenige, die nach dessen Tod infolge Bauchspeicheldrüsenkrebs am 5. Oktober 2011 einen baldigen Niedergang Apples prophezeiten. Doch es kam ganz anders.
Talent zur Selbst-Vermarktung
Schon früh hatte Jobs einen Ruf als «Visionär», den er auch seinem Talent zur Selbst-Vermarktung zu verdanken hatte. Mit dem von Wozniak entworfenen Apple II wurde Apple ab 1977 zu einem der grossen Player im aufstrebenden PC-Markt. In den folgenden Jahren kamen noch Lisa (benannt nach seiner von Jobs lange öffentlich verleugneten unehelichen Tochter) und Mac als Computer im Apple-Portfolio hinzu.
Als 1985 die Apple-Absätze stockten und Jobs sich vom Verwaltungsrat nichts mehr sagen lassen wollte, wurde er aus dem Unternehmen gedrängt. Jobs Abwesenheit sorgte dafür, dass sich Apple in der folgenden Dekade langsam, aber sicher Richtung Bankrott bewegte. Als er 1997 in schwerem Fahrwasser wieder die Unternehmensführung übernahm, ging es mit Apple ebenso schnell bergauf. Der iMac und der iPod wurden riesige Erfolge und brachten das Unternehmen rasant zurück in die Gewinnzone.
Bei der Vorstellung von neuen Produkten werfen Tech-Unternehmen im Allgemeinen und Apple im Speziellen gern mit Begriffen wie «revolutionär» um sich. Quasi immer ist dies, auf gut Deutsch ausgedrückt, PR-Bullshit. 2007 jedoch war diese Wortwahl ausnahmsweise mal angemessen, als Jobs ein Produkt präsentierte, das in seiner Bedeutung für die Wirtschaftsgeschichte vielleicht noch mit dem Ford Model T vergleichbar ist: das iPhone.
Seinen Nachfolger suchte sich Jobs selbst aus
Die ersten, sehr erfolgreichen Jahre des iPhones konnte Jobs noch begleiten, auch die Einführung des App Stores — bis heute eine Gelddruckmaschine für Apple — erfolgte noch unter seiner Führung. Doch in diesen Jahren hatte Jobs mit einem wiederkehrenden Krebs zu kämpfen, der erstmals 2003 diagnostiziert worden war. Chief Operating Officer Tim Cook übernahm bereits 2004 und 2009 temporär die Apple-Führung, als Jobs wegen Krebsbehandlungen längere Auszeiten nehmen musste.
Im Januar 2011 ging Jobs dann in seine dritte Auszeit, aus der er nicht mehr zurückkehren sollte. Sein handverlesener Nachfolger Cook übernahm den CEO-Posten offiziell am 24. August 2011, wenige Wochen vor Jobs' Tod im Alter von 56 Jahren.
Cooks Leistung als CEO ist nicht zu toppen
Cook wird sehr häufig vorgeworfen, eher ein «Verwalter»-Typus zu sein. Haupt-Kritikpunkt dabei ist, dass Apple unter Cook kein «revolutionäres» neues Produkt vorgestellt habe und generell keinen Innovationsdrang zeige. Das iPhone sei schon lange kein Trendsetter mehr, neue Feature des Apple-Handys gebe es bei der Android-Konkurrenz schon Jahre früher.
Das mag alles stimmen, doch nach jedem konventionellen Masstab zur Bewertung der Leistung eines Unternehmensführers war Cooks Amtszeit ein fulminanter Erfolg. Der Apple-Aktienkurs hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verzehnfacht, es ist mit einer Marktkapitalisierung von 2,4 Billionen Dollar das wertvollste Unternehmen der Welt. Besser geht es buchstäblich nicht.
Cook etablierte die iPhone-Produktionskette
Dass dieser Erfolg zu grossen Teilen Cooks Verdienst ist, lässt sich kaum bestreiten. Schon zu Jobs’ Zeiten war er hauptverantwortlich für die grösstenteils in China beheimatete Produktionskette des iPhones, die Apple zu astronomischen Gewinnmargen bei dem Smartphone verhilft.
Dabei navigiert er durch den politischen Gegenwind, der Tech-Giganten seit einigen Jahren entgegenweht, auch deutlich besser als etwa ein Mark Zuckerberg. Ob Jobs mit seiner eher konfrontativen Persönlichkeit das besser hinbekommen hätte, darf zumindest bezweifelt werden. Und nach zehn Jahren denkt Cook inzwischen selbst an einen Rückzug. Unter seinen potenziellen Nachfolger*innen findet sich nicht wirklich ein «Visionär»-Typus. Den Verwalter*innen gehört die Zukunft, auch bei Apple.