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Sonnenuhr bei der Schule (1966–1975)
Die Schule in Leibstadt
Schulbildung war einst ein Privileg der Reichen und der angehenden Geistlichen. Die Erkenntnis, dass Bildung ein Allgemeingut sein sollte, setzte sich erst nach und nach durch. Die Johanniter von Leuggern waren es, die anno 1756 die erste Schule in Leibstadt gründeten. Unterrichtet wurde im Riegelbau, der vis-à-vis des Gasthauses «Adler» an der Leuggernstrasse liegt.
Im Jahr 1870 gab es im Oberdorf dann ein Schulhaus, das drei Schulzimmer, eine Arbeitsschule und die Gemeindekanzlei samt Archiv beherbergte. Wasser im Haus oder gar eine WC-Spülung gab es nicht. Das genügte für die nächsten 60 Jahre. Als um 1930 der Kraftwerksbau einen starken Bevölkerungszuwachs mit sich brachte, musste neuer Schulraum geschaffen werden: 1932 entstand im Oberdorf an jenem Ort, wo heute das Gemeindehaus steht, ein Schulhaus für die Sekundarstufe, das ein einziges, geräumiges Schulzimmer bot - nach damaligen Massstäben ein ausreichendes Angebot. Doch schon 1943 sprach man von der Notwendigkeit eines neuen Schulhauses.
Aber es vergingen 16 Jahre, bevor der Schulneubau im Juli 1959 mit einem Jugendfest feierlich eingeweiht werden konnte. Dafür verfügte das Schulhaus Schlossfeld an der Bernaustrasse über eine Turnhalle! Die Gemeindekanzlei wurde in das frei gewordene Sekundarschulhaus verlegt. Schon wenige Jahre später wurde der Platz in der Schule wieder knapp. Nur zwölf Jahre nach der Einweihung des Schulhauses Schlossfeld begannen die Bauarbeiten für ein neues Oberstufenschulhaus. Hier drückten im Jahre 1973 erstmals Schüler die Schulbank. Dieses Mal waren die Kapazitäten für ein Vierteljahrhundert ausreichend. Erst 1998 wurde ein Erweiterungsbau fällig. Zu einem Wahrzeichen der Schule ist die vor Ihnen liegende «Sonnenuhr» des Leibstadter Künstlers Albert Siegenthaler geworden. Sie scheint den Schülern eine alte Volksweisheit zurufen zu wollen: «Mach es wie die Sonnenuhr, zähl‘ die heiteren Stunden nur!»
Leibstadt im Sportfieber!
Die erste Turnhalle im Dorf – die zusammen mit der Schlossfeld-Schulanlage 1959 eröffnet wurde – löste bei den Leibstadter Vereinen grosse Begeisterung aus. Die Vereine nutzten die Halle rege, und infolge des Sportfiebers entstanden weitere Vereine. Schnell stand fest: Eine einzige Turnhalle reichte für Leibstadt nicht aus! Eine Mehrzweckhalle sollte her. Am 20. Juni 1987 war es nach 5-jähriger Planungs- und Bauzeit soweit: Die «Bernowa-Halle» wurde eröffnet. Für den Neubau war die 28-jährige Schlossfeld-Turnhalle teilweise abgerissen worden. Das neue Mehrzweckgebäude enthielt nicht nur modernisierte und erweiterte Aussenanlagen für den Turnbetrieb, sondern bot nun eine Doppelturnhalle mit Bühne und Räume für den Zivilschutz und das Militär. Als künstlerischen Schmuck schuf die ortsansässige Künstlerin Gillian White die Skulptur «Brunnen».
Das Leibstadter Künstler-Ehepaar Gillian White & Albert Siegenthaler
Albert Siegenthaler wird 1938 in Endingen geboren. Nach einer Lehre als Steinbildhauer besucht er die Kunstgewerbeschule Zürich. An der École des Beaux-Arts in Paris begegnet er der englischen Bildhauerin Gillian White. 1962 heiraten sie. 1963–1967 lebt das Paar in London. 1972 beziehen Albert und Gillian ein Atelierhaus in der Bernau in Leibstadt. 1984 stirbt Albert Siegenthaler.
Bekannte Werke: «Wassertor» auf der Aarebrücke bei Stilli, Plastik beim «Forum» in Bad Zurzach, Gestaltung des Parks beim Kantonsspital Baden
Gillian White wird 1939 in Orpington (Wohnbezirk in Südlondon) geboren. Nach verschiedenen Studien, auch an der École Nationale des Beaux-Arts in Paris, heiratet sie 1962 Albert Siegenthaler. 1964 Geburt des Sohnes Guy, 1966 der Tochter Johanna. Viele Auszeichnungen und Preise begleiten die noch immer sehr aktive Künstlerin. Bekannt bei uns sind die Cortenstahl-Plastiken in unserem Friedhof, beim Spital Leuggern und an vielen andern Orten. Gillian White kennt man weit über unsere Landesgrenze hinaus!
Das Bänkli
Zwei aus Edelstahl hergestellte Jugend- und Kindersitzbögen stehen dem Wahrzeichen der Schule – die vom Leibstadter Künstler Albert Siegenthaler († 1984) geschaffene Sonnenuhr – gegenüber. Die jeweils drei radial gebogenen Rohre bieten Platz auf drei Sitzetagen. Diese nehmen einerseits die Rundungen und Verspieltheit der Sonnenuhr auf, wirken aber dennoch optisch sehr gegensätzlich. Ziel war es aber auch, diesen Platz auf dem Schulhausareal nicht nur optisch und praktisch aufzuwerten, sondern diesem eventuell auch eine neue Bedeutung zu geben.