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Herr Lehmann philosophiert über den Lebensinhalt und hat den Hang, Wörter immer mal wieder auf ihre Semantik hin abzuklopfen. Das zumindest sind schon mal geistige Regungen, welche die von Iris Radisch (Literaturjournalistin) vorgenommene Etikettierung von Herrn Lehmann als "geistigen Frührentner" fragwürdig erscheinen lassen. Auch ist der Begriff als solcher wenig tauglich, denn was wäre unter einem "geistigen Frührentner" zu verstehen? Ein Mensch, der von den geistigen Erträgen vor der Verrentung lebt? Einer, der sich mal Bildung angeeignet hatte, diese beständig wiederkäut und sich nicht weiter entwickelt, geistig stillsteht? Oder vielleicht einer, der von Tantiemen für Produkte seiner geistigen Tätigkeit wie etwa Bücher oder Patente lebt?
Zwar wünscht man Herrn Lehmann, dass er mal rauskommt aus seinem Trott von Arbeit in der Kneipe und anschließenden Kneipenbesuchen, doch entgeht er andererseits immerhin einer Lebenslüge, mit der zum Beispiel sein bester Freund Karl auf drastische Weise konfrontiert wird, der wie Herr Lehmann als Kellner arbeitet, sich aber zum Künstler berufen glaubt und über sein vermeintliches Künstlertum definiert. Als Karl seinen Irrtum erkennt, implodiert sein Selbstverständnis, seine Identität, Karl erleidet einen psychotischen Nervenzusammenbruch. Ob Herr Lehmann aus seinem Alltagstrott herausfindet, Urlaub in Bali mit seiner Kollegin Heide oder in Polen macht, "oder was ganz anderes anfangen" wird, bleibt offen.
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