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Kindesmisshandlung weit verbreitet
Die Misshandlung von Kindern ist offenbar viel weiter verbreitet, als es amtliche Statistiken vermuten lassen. Bis zu zehn Prozent der Kinder in wohlhabenden Ländern werden laut einem gerade veröffentlichen Bericht misshandelt. Unter Misshandlungen verstehen die Wissenschaftler körperliche und emotionale Gewalt ebenso wie sexuellen Missbrauch. Die Autoren forderten mehr Geld für Studien, die Ursachen der Kindesmisshandlung herausfinden sollen.
Eine „sehr bedeutende Zahl“ von Kindern habe negative Erfahrungen in ihrer Kindheit machen müssen, sagte Cathy Widom von der New Yorker City. Die Studienleiterin Ruth Gilbert vom University College London erklärte, dass in mehreren Ländern davon auszugehen sei, dass etwa zehn Prozent der Kinder in irgendeiner Form misshandelt werden. Die Ergebnisse der Untersuchung beruhen auf einer Vielzahl von wissenschaftlichen Studien aus Grossbritannien, den USA, Neuseeland, Finnland, Italien, Portugal und Schweden. Dabei waren Kinder über mögliche Misshandlungserlebnisse und Eltern über Details ihres Erziehungsstils befragt worden. Nach offiziellen Zahlen von Kinderschutzbehörden in den USA oder Grossbritannien gelten "nur" rund ein Prozent der Kinder als Opfer von Misshandlungen.
Kindesmisshandlung sei ein „viel grösseres Gesundheitsproblem als wahrgenommen“, sagte Richard Horton, Herausgeber der britischen Mediziner-Fachzeitschrift „The Lancet“, die eine Dezember-Ausgabe diesem Thema widmet. Die Autoren des Berichts forderten mehr finanzielle Mittel für die Forschung über Kindesmisshandlung und verlangten eine nüchterne Debatte über die Sicherheit von Kindern. Horton beklagte, dass dieses Thema zu oft nur nach spektakulären Misshandlungsfällen zur Sprache komme. Die öffentliche Empörung behindere dann die Suche nach ernsthaften gesetzlichen Lösungen.
Quelle: Gilbert, R. et al.: Lancet online, 3.12.2008
doi:10.1016/S0140-6736(08)61706-7
Stand: 12/08, BH