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«Ranz des vaches» ist ein sogenannter Kuhreihen. Dieser Lobgesang der Hirten ist bereits seit dem 16. Jahrhundert dokumentiert. Ursprünglich verkündete er in vielen ländlichen Gegenden die Zeit zum Melken, die Rückkehr in den Stall oder den Alpabzug.
«Lioba, lio-o-ba» wurde an grossen Volksfesten gesungen und ist seit 1819 fester Bestandteil bei der Fête des Vignerons. Auch am diesjährigen Winzerfest in Vevey wird das Lied garantiert wiederum für emotionale Momente sorgen. Vorgetragen wird es in diesem Jahr von einem elfköpfigen Männerchor.
Das Hirtenlied «Ranz des vaches» beinhaltet drei Elemente:
- Das häufig wiederholte Wort «Lioba». Die Bezeichnung «Lobe» für Kuh findet man in alemannischen und romanischen Alpendialekten. In der Innerschweiz nennt man Kühe auch heute noch «Loobeli».
- Die namentliche Aufzählung der Kühe.
- Ein allgemeiner Teil, in dem der Hirte die Schönheit des Älplerlebens rühmt, die Freiheit in den Bergen lobt oder über etwas singt, das ihn gerade beschäftigt.
Des Greyerzers Nationalhymne
Vom Hirtenlied entwickelte sich «Ranz des vaches» bald einmal zum Volkslied und wurde über die Schweizer Landesgrenze hinaus berühmt. Es gilt als inoffizielle Nationalhymne der Greyerzer und inspirierte grosse Komponisten wie Beethoven, Liszt oder Wagner für ihre Hirtenmotive. Ausserdem wird der Melodie nachgesagt, sie habe bei Schweizer Söldnern das Heimweh derart geschürt, dass diese desertiert seien.
Variantenreiches «Lioba, lio-o-ba»
Eine Fête des Vignerons ohne «Ranz des vaches» wäre heute undenkbar. Auch 2019 verströmt das Lied in der grossen Arena in Vevey wiederum seine Magie. Darauf stimmt sich auch die SRF Musikwelle ein: «Lioba, lio-o-ba» ertönt bei uns in sechs verschiedenen Versionen.
«Ranz de vaches» von Bernhard Romanens
In der Westschweiz ist Bernhard Romanens für viele bis heute eine Legende. Sein Auftritt 1977 an der Fête des Vignerons war atemberaubend. Er sang kräftig und trotzdem sanft und eroberte das Publikum im Sturm. Mit seiner Interpretation von «Ranz des vaches» setzte er neue Massstäbe für die Zukunft.
«Ranz des vaches de la Gruyère» von Vico Torriani
Diese Version wurde 1961 im grossen Stil produziert. Begleitet wird Vico Torriani vom Basler Unterhaltungs-Orchester unter der Leitung von Cedric Dumont. Auch Arrangeur Herbert Rehbein zählte damals zu den wichtigsten Köpfen des Ensembles. Entstanden ist eine orchestrale Version. «Vom Feinsten für Orchester gesetzt, vom Feinsten interpretiert», lautet das Fazit von Dani Häusler.
«Ranz des Vaches» von William Hopson/Jamie Syer
Diese Version vom bekannten «Lioba»-Lied ist Teil der sogenannten «Suite pastorale» von Carl Rütti. Der Organist aus Zug sammelte traditionelle Schweizer Alphorn-Melodien und schrieb dazu eine Stimme für Kirchenorgel. «Aus Fribourg» heisst der Satz, in dem der «Ranz des vaches» auftaucht. Redaktor Roman Portmann hat für die Serie die Aufnahme des kanadischen Alphornspielers William Hopson ausgesucht: «Für mich ist das die schönste Aufnahme der Suite pastorale», so Portmann.
«Ranz des vaches» von John Starr
Die Dynamik von dieser Version erklärt Redaktor Dani Häusler folgendermassen: «Sie beginnt mit einem Trompeten- und Posaunen-Intro, direkt aus dem Synthesizer. Es folgt ein kleines, spanisch inspiriertes Gitarren-Fill – eine kurze Überleitung, die heute zu jeder Pop-Ballade gehört. Erst dann kommt zum ersten Mal die Melodie, gespielt von einem echten Alphorn. Schliesslich setzt die sonore Bariton-Stimme von John Starr ein und beim Refrain zusätzliche Chorstimmen.»
«Ranz des vaches» vom Militärspiel LOG BR 1
Roman Portmann staunte nicht schlecht als er «Ranz des vaches» auf einer Marschmusik-CD entdeckte. Das «Lioba»-Lied ist nun wirklich kein Marsch. Es sei als Auflockerung gedacht, erklärte ihm Philipp Wagner, Kommandant der Schweizer Militärmusik. In ihrem Repertoire würden ab und zu schöne Arrangements von Schweizer Volksliedern auftauchen.
«Lioba» von Doppelbock
«Diese Version von ‹Ranz des vaches› ist für die meisten Leute am weitesten vom Original entfernt», meint Dani Häusler. «Es singt Christine Lauterburg, eine der polarisierendsten Figuren im Umfeld der Schweizer Volksmusik.» Die uralte Melodie bildet die Basis, sie wird einstimmig gesungen und mit Rhythmus unterlegt. «Entstanden ist eine eindrückliche, stimmige und der ursprünglichen Melodie in aller Tiefe nachempfundene Version», lautet Häuslers Fazit.