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Als Teenager flüchtete Lisa Simone aus Genf. Jetzt kehrt sie für ein Konzert in Montreux dorthin zurück, wo sie unter ihrer gewalttätigen Mutter gelitten hat.
Es war nicht leicht, die Tochter einer manisch-depressiven Jazz-Diva zu sein», sagt Lisa Simone (53). 1976 kam sie als 13-Jährige mit Mutter Nina Simone (1933–2003) an den Genfersee und besuchte die Privatschule La Châtaigneraie.
Die Schule empfohlen hatte ein Freund ihrer Mutter, den Lisa nur «Onkel Claude» nannte – kein anderer als Claude Nobs, der 2013 verstorbene Gründer des Montreux Festivals. Noch als Teenager flüchtet Lisa vor den Schlägen der Mutter, zu ihrem Vater in New York.
Als Flugzeugmechanikerin zieht Lisa Simone in den Golfkrieg
«Ich habe lange gebraucht, um mich selbst zu finden», sagt Lisa Simone heute. «Ich habe mehrere Leben gelebt – eines Tages schreibe ich ein Buch darüber.» Erst sucht sie ihr Glück bei der Armee und geht als Flugzeugmechanikerin in den Irak. «Ja, ich bin Veteranin des Ersten Golfkriegs», sagt sie. Später ist Simone für die Air Force in Frankfurt (D) stationiert.
Unter der Woche ist sie Soldatin, am Wochenende tritt sie in Clubs auf. «Musik war immer mein Ding», sagt sie. «Schon als kleines Mädchen habe ich meiner Mutter Melodien vorgesummt.» Die fand nur: «Willst du als Erwachsene so blöd enden wie ich?» Darüber schreibt Lisa auch im Montreux-Jazz-Jubiläumsbuch.
1993 verlässt sie die Armee und wird Musicaldarstellerin am Broadway. 2009 tritt sie für eine Hommage zu Ehren ihrer Mutter in Montreux auf, zusammen mit Dianne Reeves, Lizz Wright und Angélique Kidjo. Und sie sieht «Onkel Claude» wieder. «Ich habe ihn zuerst einmal fest umarmt. Er hatte keine Ahnung, was ich hier damals für eine schwierige Zeit hatte.»
Gerne erinnert sie sich jedoch an Mutter Ninas legendäres Montreux-Konzert 1976: «Das Poster bewahre ich bis heute in einem Album auf. Seit damals wusste ich, dass ich eines Tages selbst dort singen würde!» Eigentlich ging dieser Wunsch schon 2009 in Erfüllung – so richtig aber erst am 9. Juli, im Auditorium Stravinski – mit ihren eigenen Songs.
Ihrer Mutter Nina hat Lisa inzwischen verziehen. «Lange habe ich mich nur Simone genannt», sagt sie. «Ich wollte nichts mehr mit Lisa zu tun haben, dem Mädchen, das von zu Hause weggelaufen ist.» Erst 2013 habe sie sich nach langer Meditation wieder selbst gefunden.
Seither ist sie wieder Lisa – und unter diesem Namen weltweit erfolgreich. «Mir geht es gut», sagt sie. «Und ich freue mich, dass einige meiner Schulfreunde aus der Zeit in der Schweiz ans Konzert in Montreux kommen werden.»