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Nie ist der Mensch kreativer als in Krisenzeiten. Diese Weisheit gilt auch für die Entwicklung von Amphibienfahrzeugen, die im Zweiten Weltkrieg ihre bislang grösste Blüte erlebte. In Deutschland wurden von 1942 bis 1944 rund 14’000 «VW Typ 166 Schwimmwagen» mit Allradantrieb gebaut, die Alliierten hielten mit schwimmfähigen Ford-Geländewagen und dem DUKW (Dual Utility Kargo Waterborne) dagegen. Für die Landung in der Normandie wurden M4-Sherman-Panzer mit einer Schwimmschürze aus wasserabweisender Leinwand («DD-Tanks») und kettengetriebene LVTs (Landing Vehicle Tracked) auf Kiel gelegt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg allerdings flaute das Interesse des Militärs an Neuentwicklungen ab. Die schwimmfähigen Panzer, die im Pazifikkrieg sowie, umgerüstet, im Koreakrieg gute Dienste geleistet hatten, verschwanden in der Versenkung und die Amphibienfahrzeuge wurden «pensioniert».
Zivile Organisationen, allen voran der Katastrophen- und Zivilschutz, aber auch Feuerwehren, technische Hilfswerke (THW), Polizei-, Rettungs- und Sicherheitskräfte übernahmen das eine oder andere Vehikel. Denn der Nutzen von Amphibienfahrzeugen bei Hochwassereinsätzen in Küstenregionen sowie in von Seen geprägten und von Flüssen durchzogenen Landschaften ist unbestreitbar.
Privatpersonen blickten neidisch und mussten sich bis 1961 gedulden, ehe der Traum von der Schwimmfahrt mit dem eigenen Auto Realität werden durfte – mit dem vom ehemaligen SA-Sturmhauptführer Hans Trippel konstruierten Amphicar 770. Der schwimmfähige Kleinwagen mit offenem Dach, 38-PS-Vierzylindermotor und zwei Schrauben am Heck wurde rund 3’800 Mal verkauft – auch an die Hamburger Polizei, welche bei der Flutkatastrophe von 1962 mindestens zwei Fahrzeuge einsetzte.
Deutlich grösser und stärker war der von 1985 bis 1995 von der Rheinauer Maschinen- und Armaturenbau GmbH gebaute «RMA Amphi-Ranger 2800 SR». Das optisch an einen Jeep erinnernde Fahrzeug sollte eigentlich bei der Pipeline-Wartung eingesetzt werden, fand aber auch viele behördliche Abnehmer, beispielsweise die hessische Wasserschutzpolizei, welche von 1987 bis 2001 am Edersee einen Amphi-Ranger einsetzte.
Im Katastrophenschutz, etwa bei den THW-Schwimmbrückendiensten und beim Hochwasser-Alarm-Zug (HAZ) des THW-Landesverbands Rheinland-Pfalz, standen derweil noch immer die alten DUKW der US-Armee im Einsatz. Einer von ihnen beim THW Germersheim am Niederrhein, wo heute das vermutlich grösste Amphibienfahrzeug Westeuropas den Fuhrpark ziert: Ein 10,5 Meter langer, 2,55 Meter breiter und 3,80 Meter hoher Schwimm-Lkw mit 280-PS-5,8-Liter-Motor und Allradantrieb. Das blaue Rettungskrokodil basiert auf einer Lkw-Plattform von Iveco, ist an Land bis zu 90 km/h und auf dem Wasser 15 km/h schnell, wiegt rund 11 Tonnen, kann weitere 4 Tonnen zuladen und kostete 300’000 Euro. Diese steuerten gleich sechs Partner bei: das THW, der Landkreis Germersheim, der französische Zivilschutz Niederrhein (Protection Civil du Bas-Rhin), das Departement Strasbourg und – zu 60 Prozent – der Eurodistrikt «Pamina». Dieser kommunale deutsch-französische Zweckverband mit rund 1,7 Millionen Einwohnern und 50’000 Industrieunternehmen erstreckt sich über weite von Hochwassern bedrohte Gebiete entlang des Rheins – zwischen Elsass, Südpfalz und Schwarzwald. Genau dort wird das Fahrzeug nun von Einsatzkräften beider Staaten eingesetzt – überall da, wo für Mehrzweckboote, Pontons, schwimmende Arbeitsplattformen oder Lkws kein Durchkommen ist.
Voll auf Attacke gebürstet und ganz in Camouflage gehüllt präsentiert sich das von Iveco Defence Vehicles und BAE Systems im Auftrag des US-Militärs entwickelte 8x8-«Amphibious Combat Vehicle», kurz ACS. Das 8,8 Meter lange, 3,1 Meter breite und 2,8 Meter hohe voll ozeantaugliche «Kampf-Krokodil» ist dank 700-PS-Sechszylinder an Land bis zu 105 km/h, im Wasser immerhin rund 10 km/h schnell. Im gepanzerten Inneren bietet es Platz für drei Besatzungsmitglieder sowie 13 Marines – oder für Lasten von bis zu 10 Tonnen. Das ACS ist im Rumpf von C-17-Maschinen Lufttransport-tauglich und trägt optional eine «Overhead»-Waffenstation bis hin zur 40-mm-Kanone.
Die Entwicklung des 28-Tonnen-Monsters startete 2009 mit einem Auftrag für 30 ACVs mit der Option auf eine Gesamtzahl von 204 Fahrzeugen. Die ersten 16 Prototypen wurden 2017 ausgeliefert. 2018, 2019 und im März 2020 stockte das US-Militär die Bestellung um weitere rund 100 Fahrzeuge auf – und gab die Entwicklung eines für Personentransporte optimierten «ACV-P» in Auftrag.
Im Vergleich zum ACV echte Zwerge, dafür umso vielseitiger sind die Amphibienfahrzeuge von Gibbs Technologies Ltd aus Warwickshire. Die Briten zeigten 2003 am Genfer Automobilsalon mit dem «Aquada» ihr erstes Modell – ein mit Wasserjetantrieb ausgerüstetes Cabriolet auf Basis des Mazda MX-5. 2005 folgte der bei Polizeikorps und Rettungsdiensten in aller Welt eingesetzte «Humdinga», 2012 der Grosstransporter «Phibian». 2013 und 2014 folgten mit dem «Quadski» und dem «Quadski XL» supersportliche Quad/Jetski-Zwitter, die dank 140-PS-Motor mit bis zu 70 km/h übers Wasser pfeifen können. «Genau das Richtige für uns», sagte die Polizei in Dubai. Sie hat damit die Piloten der neuesten Gibbs-Modelle «Biski», «Triski» und «Terraquad» (zwei, drei, vier Räder) jederzeit unter Kontrolle – garantiert.
(Bilder: © Hersteller, Archiv, Wikipedia)
Unfälle, in welche ein oder sogar mehrere Elektrofahrzeuge involviert sind, aber auch technische Defekte von Elektroautos oder gar Elektro-Lkws stellen Feuerwehren vor Herausforderungen. Einerseits besteht bei vergleichsweise stark zerstörten Elektrofahrzeugen das Risiko, dass aufgrund von Beschädigungen der elektrischen Systemkomponenten gewisse Teile des Fahrzeugs, namentlich im Bereich der Karosserie, unter Strom stehen. Andrerseits muss bei havarierten Elektrofahrzeugen immer damit gerechnet werden, dass die Hochvoltbatterie in Brand gerät.
Das kann sofort passieren – oder erst Stunden oder gar Tage nach dem eigentlichen Ereignis. Wobei der Zeitpunkt, wann sich die Hochvoltbatterie eines E-Fahrzeuges entzündet, prinzipiell unwichtig ist. In jedem Fall stehen die Feuerwehrkräfte vor einem nahezu unlösbaren Problem: Herkömmliche Löschmethoden sind fast wirkungslos, weil der für den Verbrennungsvorgang nötige Sauerstoff durch die Zersetzung der Akkus selbst entsteht. Das Einzige, was die Feuerwehr tun kann, ist, die sich unter enormer Wärmeentwicklung selbst zerstörenden Akkus zu kühlen. Intensiv, ohne Unterbuch und so lange, bis die Akkus komplett ausgebrannt sind – was je nach Akkugrösse bis zu 30 Stunden oder gar noch länger dauern kann.
Damit havarierte Elektrofahrzeuge möglichst einfach und auch zeitnah aus der Havariezone entfernt und zugleich die risikobehafteten Akkus wirkungsvoll gekühlt werden können, hat die auf stationäre Gefahrgutbehälter spezialisierte Paul Müller GmbH aus Nordrhein-Westfalen nun den «Müller Safety Trailer», kurz «MST», entwickelt. Dabei handelt es sich um einen wasserdichten, nach oben offenen, mit Wassereinläufen sowie Seilwinde ausgerüsteten Lkw-Trailer. Dieser kann einerseits als «Wasserbad» für havarierte Elektrofahrzeuge, andererseits aber auch als Lastentransporter oder als Löschwasserbecken genutzt werden.
Das Ganze funktioniert folgendermassen: Besteht die Gefahr eines Brandes beim havarierten Elektrofahrzeug (oder bei einem konventionellen Auto), wird dieses mithilfe der bordeigenen Seilwinde über die hydraulisch absenkbare Auffahrrampe in den rundum mit einer 1,12 Meter hohen Bordwand ausgerüsteten Trailer gezogen. Danach wird die Rampe wieder geschlossen und das so gebildete «Löschbecken» mitsamt dem darin befindlichen Fahrzeug über zwei Wassereinläufe (Typ Storz B) mit kaltem Wasser geflutet – über das Lageniveau der im E-Fahrzeug verbauten Hochvoltbatterie hinaus. Das Wasser nimmt die von den beschädigten Akkus abgestrahlte Wärmeenergie auf, wodurch der Reaktionsprozess verlangsamt wird. Überdies bindet das Wasser eventuell austretende Rauchgase (zumindest teilweise, je nach Intensität des Brandes).
Angehängt an ein leistungsstarkes Zugfahrzeug kann das havarierte Fahrzeug ebenso sicher wie rasch aus der Unfallzone entfernt und an einen Ort verlagert werden, an dem es keine Gefahr und kein Hindernis mehr darstellt. Dort kann es, gut geschützt im Trailer, so lange verbleiben und mit kleinem personellen Aufwand kontinuierlich gekühlt werden, bis die Gefahr gebannt ist.
Seinen ersten Härtetest hat der Trailer bereits bestanden: Die Dortmunder Feuerwehr barg im Juni 2019 einen havarierten Elektro-Smart und konnte den bereits einsetzenden Brand der Batterien durch Kühlen im Wasserbad des Anhängers zum Abklingen bringen.
Aufgrund des 6,92 Meter langen und 2,42 Meter breiten Laderaums sowie einer Nutzlast von 7,8 Tonnen kann der leer 6,2 Tonnen schwere Lkw-Trailer natürlich auch zum Transport von speziellen Einsatzmitteln wie Teleskop- oder Radladern, Aggregaten, Baumaterialien, Sandsäcken sowie Stütz- oder Absicherungsequipment genutzt werden. Überdies kann er als Löschwasser-Zwischenlager bei Flurbränden an Einsatzorten mit unzureichender Löschwasserversorgung eingesetzt werden oder – in umgekehrter Weise – als Rückhaltebecken für (potenziell) kontaminiertes Löschwasser oder Auffangbecken für am Einsatzort abzupumpende Flüssigkeiten dienen. Je nach Einsatzzweck und spezifischen Notwendigkeiten kann der Multifunktionstrailer überdies mit diversem, speziell für den Einsatz von Feuerwehren sowie Katastrophenschutzeinheiten entwickeltem und getestetem Zubehör bestückt werden.
Interessierte Blaulichtorganisationen finden weitere
Informationen auf www.mueller-safety-trailer.de.
Seit Mai 2020 ist mit «Sevico» (Secure Virtual Conferencing; www.sevico.ch) eine von der Schramm & Partner GmbH entwickelte Videokonferenz-Lösung verfügbar, welche speziell auf die Bedürfnisse in vertraulichen Einsatzgebieten zugeschnitten wurde. Das kostenlos erhältliche Tool erweitert die beliebte Lösung «Jitsi» um einen Enterprise Stack und soll ebenso sicher wie effizient sein – dank erweiterter Sicherheitsfunktionalitäten sowie vielfachen Funktionen zur Organisation virtueller Meetings.
Insbesondere garantiere Sevico «vollständige Datenhoheit auf den eigenen Servern des jeweiligen Unternehmens», sagt Heiko Schramm, Geschäftsführer der Schramm & Partner GmbH: «Sevico ist mehr als nur eine weitere Jitsi-Cloud in der Schweiz, denn die bekannten Vorteile von Jitsi werden um zusätzliche Enterprise-Funktionen ergänzt. Insbesondere erlaubt Sevico die Teilnahme an VC-Meetings, ohne zuvor eine Software installieren zu müssen.»
Damit Anwender, die aus welchen Gründen auch immer keine gehosteten Lösungen nutzen können, via Sevico konferieren können, ersetzt die neue Anwendung die bei Jitsi übliche anonyme Teilnahme an einer Videokonferenz durch Einladungslinks mit 128 Bit UUIDs, welche gezielt an die zum VC-Meeting eingeladenen Gäste verteilt werden können. «Die Eingabe komplizierter Meeting-Passwörter entfällt. Zudem lassen sich mit Sevico auch Fachkonferenzen, reine Audiokonferenzen oder Webinare organisieren», betont Heiko Schramm. Die Authentifizierung der Moderatoren erfolgt wahlweise durch eine eigene PKI oder ein integriertes Benutzermanagement. In beiden Fällen ist kein Zugriff auf das interne Unternehmensnetzwerk nötig. Weiter ermöglicht Sevico den Aufbau eines skalierbaren Clusters, in dem Meetings dynamisch verteilt und einzelne Knoten zu Wartungszwecken deaktiviert werden können.
Als Referenzinstallation betreibt die Schramm & Partner GmbH zwei dedizierte Clouds in der Schweiz (https://ch.sevico.cloud) und in Deutschland (https://de.sevico.cloud). Beide stehen den Interessenten kostenlos zur Verfügung. Das Anlegen eines Accounts, um als Moderator VC-Meetings organisieren zu können, ist ohne Angabe persönlicher Daten unter einem frei wählbaren Namen und eigenem Passwort möglich.
Die zweite Neuheit der Hergiswiler IT-Spezialisten fokussiert auf mobile Endgeräte. Diese gehören heute zur Grundausstattung aller Blaulichtkräfte – und werden von diesen nicht nur für die Kommunikation eingesetzt, sondern immer häufiger und intensiver auch dazu genutzt, vor Ort Daten zu erfassen oder Einsätze zu dokumentieren. Sehr häufig geschieht dies anhand von Fotos.
«Das ist zwar praktisch, birgt aber natürlich das Risiko, dass die auf dem Gerät gespeicherten Bilder von Dritten eingesehen werden können oder mitsamt dem Gerät verloren gehen. Insbesondere, weil viele Einsatzkräfte die Mobilgeräte sowohl beruflich als auch privat nutzen», weiss Heiko Schramm. Sein Ausweg aus diesem Dilemma hat einen Namen: «SASCA», die «Simple and Secure Case App» für die Enterprise Mobile Management-Suite «XenMobile» von Citrix.
Die kostenfrei verfügbare App hat eine Grösse von lediglich rund 44 MB und ermöglicht es mobilen Anwendern, Bilder aufzunehmen, diese in einem ZIP-Archiv zusammenzuführen und sie dann entweder in einer anderen Anwendung zu speichern oder via MicroVPN direkt auf einen Webservice hochzuladen. Durch Integration anderer Anwendungen und Webservices können die aufgenommenen Fotos so im Rechenzentrum nachbearbeitet und in komplexe Workflows implementiert werden.
«Zugunsten maximaler Sicherheit läuft SASCA innerhalb eines verschlüsselten Containers. Im Zusammenspiel mit XenMobile ist sichergestellt, dass die Bilddateien die sicheren Bereiche des mobilen Gerätes nie verlassen», erläutert Heiko Schramm. Zusammen mit Citrix ADC und Web-SSO ermöglicht SASCA überdies die Benutzerauthentifizierung bei gemeinsamen Identity-Providern. Der Referenzdienst «SASCAWeb» ermöglicht die Authentifizierung gegenüber einem Microsoft Active Directory und speichert das vom Benutzer erstellte Fotoarchiv auf einem CIFS-Share.
«Entsprechend können Anwender dank SASCA vertrauliche Inhalte, ohne Datensicherheitsbedenken haben zu müssen, auf jedem mobilen Gerät erstellen – unabhängig davon, ob es sich um ein privates oder ein vom Arbeitgeber zur Verfügung gestelltes Device handelt.»
SASCA kann im «Citrix Ready Marketplace» (www.citrixready.citrix.com) sowie im Apple App Store für iPhone und iPad heruntergeladen werden.
Mehr Informationen zu den neuen Tools erhalten Interessierte bei der Schramm & Partner GmbH, Heiko Schramm, Pilatusstrasse 28, 6052 Hergiswil NW, Tel.: 041 552 27 70, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.schramm-partner.ch.
Rettungswagen, Feuerwehrfahrzeuge sowie Sonderfahrzeuge von Polizei und Militär haben oft ein Problem: Sie sind bis knapp an die Beladungsgrenze und bis unters Dach vollgestopft mit Ausrüstung. Jedes Kilo, das gespart werden kann, zählt doppelt, jeder Quadratzentimeter verschenkter Platz ist einer zu viel. Allerdings: Viele der zur Ausrüstung gehörenden Geräte müssen am Einsatzort «unter Spannung gesetzt», also mit Strom versorgt werden. Daher ist häufig ein Stromgenerator an Bord. Der aber frisst, weil mit Gehäuse, Tank sowie eigenem Verbrennungsmotor ausgerüstet, wertvollen Stauraum – und drückt heftig aufs Gewicht.
Einen Ausweg aus dem Dilemma bieten von der Martin KFZ-Technik GmbH aus dem deutschen Nördlingen entwickelte Generatoren, die über den Fahrzeugmotor angetrieben werden. Diese wiegen inklusive Leistungselektronik, Anbausatz und Verkabelung lediglich 25 bis 50 Kilogramm, leisten bis zu 8 kW und werden entweder im Motorraum oder als Unterflurlösung (bis 150 kW/400 V) im Fahrzeug eingebaut.
Jörg Martin, Firmengründer und Geschäftsführer, erklärt: «Wir haben aktuell rund 500 Anbaulösungen für fast alle gängigen Nutzfahrzeugtypen im Portfolio. Die Palette reicht dabei von der Standardlösung mit 230 Volt und 3,5 kW Leistung bis zur Highend-Variante «VoltStar 400V/8kW» mit 400 Volt und 8 kW Dauerleistung. «Letztere ist unser Prunkstück und einzigartig auf dem Markt, sagt Martin und erklärt: «Dieses Modell liefert dreiphasige 400-V-Wechselspannung. Damit können auch potente Drehstrommotoren, Kompressoren oder Pumpen angetrieben werden, welche einen klar höheren Wirkungsgrad haben als Motoren mit Kondensatoren. Zudem können mit dieser Lösung bis zu drei getrennte 230-V-Stromkreise aufgebaut werden, um beispielsweise empfindliche Messtechnik, IT- und Funksysteme sowie Nebensysteme wie Licht oder Ladegeräte in jeweils getrennten Stromnetzen zu betreiben.»
Ein im Fahrzeug eingebauter Spannungswandler transferiert die vom fremderregten Synchrongenerator gelieferte Spannung in reine, stabile dreiphasige 400-V-Wechselspannung (3 Phasen und N). «So ist ein sicherer und störungsfreier Betrieb auch empfindlicher Geräte und Anlagen wie Computer, Funktechnik, Ladegeräte und Messtechnik sichergestellt», erläutert Martin. «Zwar», räumt er ein, «kann sinusreiner 230-V-Wechselstrom prinzipiell auch mithilfe von Spannungswandlern aus der 12- oder 24-V-Gleichstrombatterie des Einsatzfahrzeuges gezogen werden. Allerdings nur bis zu einer Leistungsgrenze von 2 oder 3 kW. Für alles, was darüber liegt, sind Zusatzgeneratoren unverzichtbar.»
Bei allen VoltStar-Modellen ist eine Microcontroller-Steuerung eingebaut. Sicherheits- und Abschaltroutinen überwachen zentrale Parameter wie Spannung, Lastwerte und Temperatur. Auch ein Kurzschluss-Schutz für den Ausgang sowie ein Verpolungsschutz für die Versorgungsspannung sind an Bord. Und natürlich ist die gesamte Elektronik schutzversiegelt.
Abhängig von den Anforderungen der Anwender können überdies diverse Optionen wie Fernkontrolle, Datenübertragung via Bluetooth oder FireCAN/CAN-Schnittstelle sowie LED-Betriebsstatusanzeigen geordert werden. Sollte wider Erwarten keines der bereits rund 500 verfügbaren Anbau-Kits passend sein, entwickelt Martins Team eine Individuallösung – dank CAD-Software und 3D-Druck-Prototypenfertigung preiswert und fast so schnell, wie ein bestehendes Gesamtsystem ins Fahrzeug eingebaut ist. Letzteres dauert laut Jörg Martin meist nicht mehr als 10 bis 20 Stunden.
Für Einsatzkräfte, welche neben Strom auch Druckluft am Einsatzort benötigen, bietet die Martin KFZ-Technik GmbH auch fahrzeugspezifische Drucklufterzeugungsanlagen mit mechanischem oder elektrischem Antrieb an. Deren Antrieb erfolgt entweder mechanisch, direkt über eine Gelenkwelle oder via Kombination eines Unterflurgenerators mit Durchtrieb und zuschaltbarer Verdichterstufe oder rein elektrisch, also mit dem von einem Motor- oder Unterflurgenerator erzeugten Strom. Das Mitführen eines klassischen, anhängergestützten Kompressors entfällt und gegenüber herkömmlichen Lösungen können bis zu mehrere Hundert Kilogramm Gewicht eingespart werden.
Mit Inkrafttreten des Bildungspolitischen Gesamtkonzepts «BGK 2020» wurde auch die in der Schweiz entwickelte digitale Lern- und Wissensumgebung «Konvink» als Unterstützung für die Akteure vorgesehen. Diese wird im zweiten Ausbildungsjahr eingesetzt. Dr. Petra Hämmerle, Mitgründerin von Konvink, erklärt, wie die Lernumgebung funktioniert, welche Instrumente sie enthält und welche Funktionen diese haben.
Frau Hämmerle, was ist Konvink?
Konvink ist eine didaktisierte digitale Umgebung mit Lerninhalten, Arbeitsinstrumenten und vor allem Angeboten für die Gestaltung individueller Kompetenzentwicklung. Sie umfasst innovative Instrumente und Lösungen für kompetenzorientierte Aus- und Weiterbildung, das Wissensmanagement, die Lernortkooperation in der Grundbildung und die Überprüfung beruflicher Kompetenzen. Mit einem integrierten Redaktionssystem können unsere Kundinnen und Kunden ihre digitale Umgebung selbst pflegen und weiterentwickeln.
Wie muss man sich das vorstellen? Was sind Lerninstrumente?
Wenn wir das zweite Ausbildungsjahr bei der Polizeiausbildung betrachten, arbeiten die angehenden Polizistinnen und Polizisten mit einem persönlichen Portfolio. Dieses beinhaltet Praxisaufträge, ein Modul zur Dokumentation der Umsetzungen und die Standortbestimmungsinstrumente «Kompetenzraster» und «Dispositionscheck». Integriert ist hierfür ein Cockpit, in dem die Polizistinnen und Polizisten, aber auch deren Mentorinnen und Mentoren den Entwicklungsstand einsehen können. Dieses persönliche Portfolio wird am Ende des zweiten Ausbildungsjahres ausgewertet und der Bericht fliesst in die eidgenössische Berufsprüfung ein.
Das Kompetenzraster ist ein Selbst- und Fremdeinschätzungsinstrument. Es unterstützt eine ganzheitliche Kompetenzbewertung. Auf dieser Basis können die angehenden Polizeikräfte und die im Mentoring eingesetzten Personen geeignete Entwicklungsmassnahmen ableiten.
Beim Dispositionscheck geht es vor allem um die Werte und Haltungen im Polizeieinsatz. Das Instrument dient der Selbsterkenntnis bezüglich persönlicher Haltung, Einstellung und Motivation. Diese Werte werden transparent und somit diskutierbar.
Nutzen nur die Lernenden Konvink – oder auch die Ausbildnerinnen und Ausbildner?
Sowohl als auch. Die erste auf Konvink realisierte Lernumgebung adressiert die Praxisbegleiterinnen und Praxisbegleiter sowie die Mentorinnen und Mentoren. Diese mussten ja vorgängig ausgebildet werden, um «parat» zu sein, wenn die ersten Lernenden in die Korps kommen.
Sie finden auf Konvink einen «Blended Learning»-Lehrgang, der alles für die Praxisbegleitung und das Mentoring Wichtige vermittelt. Wie kann ich «On the job»-Lernprozesse wirkungsvoll begleiten und steuern? Wie werden Kompetenzen überprüft und fair bewertet? Wie führe ich Gespräche mit den Aspirantinnen und Aspiranten? Der Kurs besteht aus Präsenzunterricht, digitalen Lerneinheiten und einem persönlichen Portfolio. Die Mentorinnen und Mentoren reflektieren darin ihre Tätigkeit, prüfen ihre eigene Kompetenz. So erfahren sie auch, wie das persönliche Portfolio funktioniert.
Ergänzend soll bis Anfang 2021 ein Controlling-Modul entwickelt werden, mit dem die Korps die Prozesse des zweiten Ausbildungsjahres überwachen, steuern und optimieren können. Das vereinfacht die Planung und Durchführung des zweiten Ausbildungsjahres.
Was unterscheidet Konvink von anderen E-Learning-Plattformen?
Konvink wurde konsequent für eine wirkungsvolle Etablierung beruflicher Kompetenz sowie für deren Überprüfung entwickelt. Zu diesem Zweck haben wir die Lerninhalte und Lerninstrumente didaktisch so strukturiert, dass effektive Handlungskompetenz gefördert wird. Herkömmliche E-Learning-Tools konzentrieren sich oftmals auf die Abbildung von Wissen und die organisatorischen Prozesse. Bei uns steht das kompetente Handeln von Berufspersonen im Fokus, also das Können, welches resultiert, wenn Wissen im Beruf korrekt angewendet wird. Anders ausgedrückt: Nur zu wissen, wie Fliegen funktioniert, genügt nicht, um tatsächlich fliegen zu können. Wir wollen aber, dass die Berufsleute in den Genuss des Fliegens kommen.
Jede Berufsperson verfügt auf Konvink über ihr persönliches Portfolio, mit welchem sie ihre berufliche Laufbahn gestalten und abbilden kann. Jederzeit und von jedem Ort aus. Die Aspirantinnen und Aspiranten beginnen im zweiten Ausbildungsjahr damit und nutzen das persönliche Portfolio – im Idealfall – auch während ihrer weiteren Laufbahn. Somit wird lebenslanges Lernen systematisch gefördert.
Nicht zuletzt war uns wichtig, unseren Kundinnen und Kunden ein Instrument zur Verfügung zu stellen, welches es ihnen erlaubt, ihre digitalen Lern- und Arbeitswelten eigenständig zu pflegen und zu entwickeln. Konvink ist daher so aufgebaut, dass das «Contentmanagement» einer Organisation einfach, übersichtlich und ansprechend vorgenommen werden kann. Somit können unsere Kundinnen und Kunden einen eigenen kleinen «Multi-Media-Verlag» aufbauen und ihre Aufgabe in der Bereitstellung von Know-how für Lern- und Arbeitsprozesse einfach und zielgerichtet wahrnehmen.