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Der “Black Monday” ist heute genau 30 Jahre her. Edwin Walczak, Portfoliomanager des Vontobel Fund US Equity, erzählt in den folgenden Passagen, wie er dieses Ereignis dazumals erlebt hat und schätzt die Wahrscheinlichkeit einer Wiederholung ein…
Edwin Walczak, Portfoliomanager des Vontobel Fund – US Equity
„Der Schwarze Montag war für mich eine absolute Überraschung. Obwohl ich bereits seit 1982 arbeitete, hätte ich nie gedacht, dass die Märkte derart abstürzen könnten. Ich wurde jedoch eines Besseren belehrt. Wenn man über die Ursachen für dieses Ereignis nachdenkt, wird häufig die bedeutende Rolle des automatisierten Handels angeführt, eine Art von Hedging, bei dem durch den Kursabfall auf ein bestimmtes Niveau Verkäufe aktiviert werden. Und so kam es auch: Die Verkäufe wurden aktiviert, was wiederum immer mehr Verkäufe auslöste und einen Schneeballeffekt erzeugte, den der Markt nicht auffangen konnte.
Daher spielte meiner Meinung nach der automatisierte Handel eine wichtige Rolle und er erinnert mich ehrlich gesagt an die heutigen ETFs. Was damals geschah, war nicht vorhersehbar. Es führt uns aber vor Augen, was heute passieren könnte, denn das gesamte passive Management wird über ETFs kanalisiert. Mein Eindruck ist, dass viele Leute nicht wirklich wissen, welche Vermögenswerte sie haben, wenn sie einen ETF besitzen. Sie sehen nur, dass der Markt steigt und wollen davon profitieren, aber sie haben keine Ahnung von Bewertungen. Es würde mich nicht überraschen, wenn beim nächsten Börsencrash ein ähnlicher Effekt von ETFs ausgehen würde wie damals vom automatisierten Handel.
Allerdings wäre ein solches Ereignis auch gleichzeitig eine Gelegenheit zu investieren. Alle Welt dachte, dass der Absturz zu einer Rezession führen würde, die jedoch nie kam. Und als Folge boten alle Aktien mit einer zyklischen Komponente, gleich ob Einzelhandels- oder Bankwerte, eine grossartige Kaufmöglichkeit. Es war ein finanzieller, aber kein wirtschaftlicher Crash.
Die Auswirkungen auf die Wirtschaft waren in der Tat sehr begrenzt. Und warum? Ganz einfach: Weil fast niemand Aktien im in einem Portfolio hatte. Für lange Zeit war es der Immobilienmarkt gewesen, in dem man investiert sein musste. Damals legte man noch nicht in dem Masse in Aktien an wie heute. Aus diesem Grund litten unter dem Börsenabsturz nur einige Institutionen und Grossanleger. Es bot sich also eine grossartige Kaufmöglichkeit, da der Schwarze Montag keine wirklichen wirtschaftlichen Auswirkungen hatte.
Die Art und Weise, wie wir Investitionsentscheidungen treffen, hat sich durch dieses Ereignis kaum verändert. Unser Stil leitet sich weitgehend von Warren Buffetts Bottom-up-Ansatz ab, nämlich hochwertige Aktien zu kaufen, die alle Arten von Stürmen überstehen können. Es geht darum, Aktien zu suchen und lange zu halten. Alle exogenen Faktoren wie Zins- oder Währungsentwicklungen stellen sich kurzfristig ein. Sie haben zwar Einfluss auf die Märkte, können aber nicht rechtzeitig prognostiziert werden, um daraus Profit zu schlagen. Ein George Soros und einige Hedgefonds-Verwalter können das vielleicht, aber die Mehrheit kann es eben nicht. Deshalb versuchen wir, uns ganz konkret an das zu halten, was wir können. So können wir die Papiere guter Unternehmen erwerben, die in der Lage sind, unterschiedliche Krisen zu überstehen. Der Schwerpunkt sollte jedoch nicht auf der Makroökonomie, dem Hochfrequenzhandel, ETFs oder internationalen Wechselkursen liegen.
Zum Beispiel lautet die Millionenfrage aktuell, wie sich die Normalisierung der Zinsen in den USA auf Aktien auswirken wird. Bei einem Auftritt im Fernsehen sagte Buffett kürzlich das Gleiche wie vor zwei Jahren an seinem jährlichen Treffen, als er nach den Marktbewertungen gefragt wurde: «In Bezug auf die aktuellen Zinssätze erscheint der Markt angemessen bewertet, doch bei einer deutlichen Veränderung der Zinssätze halten wir Aktien möglicherweise für teuer.» Und er fuhr fort: «Als langfristiger Anleger würde ich Aktien kaufen, weil die Rendite zehnjähriger US-Schatzanleihen 2.3 Prozent beträgt. Bei einem Anlagehorizont von 30 Jahren: Wo würden denn Sie das Geld anlegen, in Staatsanleihen mit einer Rendite von 2.3 Prozent oder in Aktien?» Seine Antwort darauf war: «Bei diesem Vergleich würde ich Aktien bevorzugen.» Das heisst, Anleger kaufen derzeit Aktien, weil sie mit Staatsanleihen kein Geld verdienen können.
Meiner Meinung nach herrscht an den Märkten jedoch viel Selbstgefälligkeit, vor allem unter Leuten, die Aktien kaufen und nicht wissen, was sie mit einem ETF erhalten. Daher würde mich, wie bereits erwähnt, der eine oder andere Börseneinbruch nicht wundern, wenn die Zinsen steigen oder die quantitative Lockerung aus dem Markt verschwindet. Wir können es nicht voraussagen. Die Märkte stiegen, als die quantitative Lockerung begann. Es liegt also nahe anzunehmen, dass es zu Erschütterungen kommen wird, wenn die Situation wieder ihren normalen Verlauf nimmt.”
Quelle: AdvisorWorld