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Die roten Schuhe der Micheline Calmy-Rey
Politikgeschichte findet meist auf dem Papier statt. Akten und Dokumente sind die wichtigsten Quellen, die den Historikern zu Forschungszwecken zur Verfügung stehen. Was aber sollen Museumskuratoren machen, wenn sie dieses Thema behandeln wollen? Ein Raum voller Akten und Verträge ist nicht sehr attraktiv und könnte etwas kopflastig ausfallen. Helfen können da die eher selten verfügbaren persönlichen Gegenstände von Politikern. Sie sind symbolhafte Objekte, die auf ein Ereignis, eine wichtige Periode oder einen historisch bedeutsamen Umstand verweisen.
Die roten Turnschuhe der ehemaligen Bundesrätin Michelin Calmy-Rey sind ein solch symbolhaftes Objekt. Die Bundesrätin trug die Schuhe am 20. Mai 2003, als sie als erstes Mitglied einer ausländischen Regierung die Demarkationslinie zwischen Nord- und Südkorea überschritt. Es war ein grosser Schritt in der eidgenössischen Aussenpolitik und unterstrich die Rolle der Schweiz als neutrale Vermittlerin in der Weltpolitik.
Für modebewusste Leser soll dies nicht unerwähnt bleiben: Die roten Turnschuhe mit dem weissen Schweizerkreuz wurden von der Schuhfirma Bally, einem ehemals schweizerischen Unternehmen, hergestellt. Micheline Calmy-Rey versteigerte sie 2004 zugunsten der Opfer eines Zugunglücks in Nordkorea. Über Umwege kamen die symbolträchtigen Bally-Schuhe schliesslich ins Schweizerische Nationalmuseum, wo sie heute noch sind.
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