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Statthaltern, später Woiwoden in den großen
Pro- vinzen ernannt, endlich zu
Heerführern. Die vierte
Klasse bildeten die eigentlichen
Hof- und Vureau- beamten. Die fünfte und sechste
Klasse gehören zn den mittlern
Klassen; aus ihnen wurden Verwal- tungsbeamte,
Statthalter resp. Woiwodcn und An- führer von Regimentern spoiiy gewählt. Die siebente,
! achte und neunte
Klasse gehören zu den niedern
Dienstmiete ! Da die Dienstmiete sich selbst unterhalten mußten, so! konnten
die FeldZüge meist nur kurz sein, dauerten sie länger, so wurde das
Heer vom
Zaren unter- halten.
In der ältern Zeit bildeten die
Dienstmiete mit ihren
Bauern das
Heer. Seit dem 16. Jahrh, kamen stehende
Truppen,
Strelitzen (s. d.),
Artilleristen (M8kHli) und angeworbene fremde
Söldner auf.
Peter d. Gr. organisierte das
Heer nach europ.
Muster. Den Unterhalt übernahm der
Staat. Die auf dem
Lande (den Dienst- und Erbgütern) liegende Dienstpflicht wurde zu einer
persönlichen und alle Diensttlassen zu einem
Stande, dem
Adel (s.
Rus- sischer
Adel) vereinigt. Gericht.
Dienstliste, im österr. Strafprozeß, s. Schwur- Dienstmögde Christi, eine 1848 zu Dernbach in Nassau entstandene, 1870 von Pius IX. bestä- tigte, in Westdeutschland ziemlich verbreitete Ge- nossenschaft zur Pflege armer Kranken. Dienstmann, f. Dienstmanninstitute. Dienstmannen, s. Ministerialen. Dienstmanninstitute, Einrichtungen, welche den Zweck verfolgen, dem Publikum Dienst- und Arbcitsleute zur Besorgung von Votengängen, Transport kleinerer Lasten u. s. w. gegen eine nach einem bestimmten, von der Ortspolizeibehörde ge- nehmigten Tarif festgesetzte Gcldentschädigung zur Verfügung zu stellen.
Die Berechtigung der polizei- lichen
Taren beruht in
Deutschland
[* 3] auf §. 76 der Gewerbeordnung.
In den größern
Städten fand
man auch früher schon Leute, die auf den
Straßen bereit standen, um dergleichen Dienste
[* 4] zu verrichten,
so unter andern die sog. Eckensteher zu
Berlin.
[* 5] Die
Aufgabe der
Dienstmiete ist, daß sie diesen Dienst organi- sieren, daß sie zuverlässige
Leute dazu heranziehen,
Bürgschaft für ihre Zuverlässigkeit leisten, durch eine gleichmäßige Kleidung die Dienstmänner
kennt- lich machen.
Neben den
Dienstmiete haben sich auch einzelne selbständige Dienstmänner diesem Geschäfte gewid- met. Am besten
sind wenige große
Institute mit Gcsamtbürgschaft, die sich das Vertrauen durch gute Haltung erwerben, derart, daß man auf
ihre Kleidung und
Abzeichen hin unbedenklich die Dienste jedem einzelnen anvertraut. DieseInstitute brauchen nicht
notwendig die Unternehmung eines Kapi- talisten zu sein; sie können ebensogut Genossen- schaften durch die Verewigung einer
größeren Anzahl tüchtiger Dienstmänner bilden.
Für jede übernom- mene
Bestellung übergiebt der Dienstmann dem Besteller eine
Marke des
Instituts, die auf den Betrag des
für die
Bestellung empfangenen Lohns und auf die Höhe der
Garantie lautet und so zugleich als
Kontrolle
für die
Dienstmiete und als Garantieschein für den Austraggeber dient. Dienstmiete, der
Vertrag, durch welchen sich der eine verpflichtet,
dem andern Dienste gegen Entgelt Zu leisten. Das Gebiet dieses Vertragsver- dältnisses ist außerordentlich weit; der
Dienstmiet-
vertrag und der
Kaufvertrag sind die wichtigsten
Verträge des Privatreckts, ohne welche die
bürger- liche
Gesellschaft nicht bestehen könnte.
Der Ver- trag umfaßt von dem einfachsten Verhältnisse des Arbeitgebers, welcher einen Dienstmann für einen Weg mietet, die Verhältnisse der Herrschaft zu dem Gesinde, zu den Hausoffizianten und Stützen der Hausfrau, des Arbeitgebers zu den gewerblichen, landwirtschaftlichen und Fabrikarbeitern, des Mei- sters zu seinen Gesellen, des Kaufmanns und In- dustriellen zu seinem gesamten Geschäftspersonal bis hinauf zum Fabrikdirektor und Prokuristen, des Theateruntornehmers zu den von ihm engagierten Künstlern, das Vertragsverhältnis zum Privat- lehrer, zum Erzieher und zur Erzieherin der Kinder.
Das Verhältnis erstreckt sich auf die einfachsten körperlichen Arbeiten und auf lebenslängliche künst- lerische, wissenschaftliche und gewerbliche Berufe. Der Vertrag wird begrenzt durch die Verhältnisse des öffentlichen Dienstes. Der Staatsbeamte, der Kirchenbcamte und der Gemeindebeamte stehen nicht in einem privatrechtlichen Abhängigkeitsver- hältnis, sie erhalten auch keinen Lohn für geleistete Dienste, sondern ein Gehalt, was im Verhältnis zur Erfüllung der dienstlichen Pflichten keine Gegen- leistung für die Leistung ist.
Der Vertrag wird andererseits begrenzt durch die Werkverdingung (s. d.), bei welcher es sich nicht bloß um Leistung von Diensten, sondern um deren Resultat, die Her- stellung eines Werkes handelt. Minderjährige be- dürfen zur Vermietung ihrer Dienste der Ermäch- tigung des Vaters oder Vormundes, welche auch generell erteilt wird, aber auch, wenn sie erteilt war, unbeschadet der erworbenen Rechte dritter Per- sonen wieder zurückgezogen und eingeschränkt wer- den kann.
Ehefrauen bedürfen nach den Landes- gesetzgebungen, insonderheit wenn sie in ein Ge- sindeverhältnis eintreten, der Genehmigung des Ehemanns. Über die von beiden Seiten zu erfüllen- den Verpflichtungen pflegen bei den umfassendem und wichtigern Verhältnissen schriftliche eingehende Verträge abgeschlossen zu werden. Wo solche Ver- träge nicht geschlossen sind, oder soweit sie keine Be- stimmungen treffen, normiert das Gesetz. Der Dienstleistende (Vermieter) hat die versprochenen Dienste und zwar, wenn nichts anderes bestimmt oder nach den Umständen anzunehmen ist, in Person zu leisten.
Der Lohn kann nach der Zeit der Arbeit, nach dem Stück oder nach der Qualität und der Menge der Arbeit bezahlt werden. Er ist post- nnmLranäo oder in bestimmten Zeitabschnitten zu zahlen. Bezüglich der Ausführung der Arbeiten ist der Vermieter, soweit sich nicht etwas anderes aus der Natur der zu leistenden Dienste ergiebt, an" die Weisungen des Arbeitgebers gebunden. Beide Teile haften für ihre Verschuldung, der Ver- mieter insonderheit dafür, daß er die Fähigkeiten zu dem Dienste, welche er vermietet hat, habe.
Doch pflegt der Maßstab [* 6] der Sorgfalt bei dem Gesinde herabgesetzt zu sein. Wird der Vermieter durch einen Zufall unfähig oder behindert, die Dienste zu leisten, so fällt die Verpflichtung des Mieters zur Gegenleistung ohne Entschädigungspflicht des Ver- mieters hinweg. Eine vorübergehende Behinderung ist bei dauernden Dienstverhältnissen ohne Einfluß. Kann der Mieter aus einem ihn treffenden Zufall von den Diensten keinen Gebrauch machen, so hat er nach Gemeinem Recht und nach Sächs. Vürgerl. Gesetzb. §. 870 gleichwohl die Gegenleistung zu gewähren, nach Osterr. Bürgerl. Gesetzb. §. 1155 den Dienstleistenden zu entschädigen. Nach Preuh. Allg. Landr. 1,11, S. 917 wird auch in diesem Fall der Arbeitgeber von seiner Verbindlichkeit der ¶
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zahlung der nicht geleisteten Dienste frei. Hat sich der Dienstleistende für seine Lebenszeit oder für die Lebenszeit des Mieters verpflichtet, so steht ihm gleichwohl ein Kündigungsrecht zn. Jedem Teile steht überdies ein Rü'cktrittsrecht zu aus Gründen, aus denen nach dem Ermessen des Richters dem Rücktretenden die Aushaltung des Dienstverhält- nisses nicht anzusinncn ist, z. V. wegen Beleidigung, Untreue, Gefährdung der Gesundheit. Die Reicks- gesctzgebung hat besondere Vorschriften gegeben für den Heuervertrag der Seeleute ^eemannsordnung vom §§. 24 fg.).
Ein Handlungsgehilfe, welcher durch unverschul- detes Unglück an Leistuug seines Dienstes zeitweise verhindert wird, geht nach dein Deutschen Handels- gesetzbuch Art. 60 dadurch seiner Ansprüche auf Ge- halt und Unterhalt für die Dauer von 6 Wochen nicht verlustig. Überhaupt kann das Dienstverhält- nis, wenn im Vertrage nichts anderes bestimmt ist, mit Ablauf [* 8] eines jeden Kalendervierteljahrs nach vorgängiger sechswöchiger Kündigung aufgehoben werden (Art. 61). Die Aufhebung des Dienstverhältnisses kann von jedem Teile aus wichtigen, der Entscheidung des Richters nach seinein Ermessen überlassenen Grün- den auch vor der bestimmten Zeit verlangt werden.
Namentlich kann gegen den Prinzipal die Auf- hebung ausgesprochen werden, wenn derselbe den Gehalt oder den gebührenden Unterhalt nicht ge- währt, oder wegen thätlicher Mißhandlungen oder schwerer Ehrverletzungen' gegen den Handlungs- gehilfen wegen Untreue und Mißbranch des Ver- trauens, wenn derselbe ohne Einwillignng des Prinzipals für eigene Rechnung oder 'Rechnung eines Dritten Handelsgeschäfte mackt; wegen Ver- weigerung oder Nicktleistung von Diensten, unsitt- lichen Lebenswandels, erheblicher Ehrvcrletzungen, und wenn der Gehilfe durch anhaltende Krankheit, Kränklichkeit, längere Freiheitsstrafe odcrAdwesen- heit an Verrichtung feiner Dienste verhindert wird. Bei der großen socialen Wichtigkeit des Ar- beitsvertrags hat das Deutsche [* 9] Neichsgesetz vom betreffend Abänderung der Gewerbe- ordnung im Anschluß an die Gewerbeordnung in der Fassung von 1883, umfassende Bestimmungen unter 5 Rubriken getroffen:
1) Allgemeine Verhält- nisse der gewerblichen Arbeiter (Gesellen, Gehilfen, Lehrlinge, Betriebsbeamte, Werkmeister, Techniker, Fabrikarbeiter).
2) Verhältnisse der Gesellen und Gehilfen.
3) Lehrlingsverhältnisse.
4) Verhält- nisse der Vetriebsbcamten, Werkmeister, Techniker.
5) Verhältnisse der Fabrikarbeiter. Zu 1. Die Festsetzung der Verhältnisse zwi- schen den selbständigen Gewerbetreiden- den und den gewerblichen Arbeitern ist, vorbehaltlich der durch Reichsgesetz begründeten Bcschränknngen, Gegenstand freier Übereinkunft. Das Gefc^ enthält eingehende Bestimmungen über 'd'ieBeichäfngung an Sonn-und Feiertagen tagsfeier). Gewerbtreibende, welchen die bürger- lichen Ehrenrechte aberkannt sind, dürfen, solange ihnen diese Rechte entzogen bleiben, sich mit der Anleitung von Arbeitern unter 18 Jahren nicht be- fassen (§. 106). Bereits die Gewerbeordnung von 1883 hatte Arbeitsbücher eingeführt szz. 108-114): Minderjährige dürfen, soweit rcichsgesetzlich nicht ein anderes zugelassen ist, als Ardeiter nur beschäf- tigt werden, wenn sie mit einen: Arbeitsbuch ver- sehen sind.
Der Arbeitgeber hat das Arbeitsbuch einzufordern, zu verwahren, auf amtliches Verlangen vorzulegen und nach rechtmäßiger Lösung des Ar- beitsverhältnisses wieder auszuhändigen (§. 107). Die Löhne der Arbeiter sind in Reichswährung zu berechnen und bar auszuzahlen. Den Arbeitern dürfen keine Waren kreditiert werden. Doch ist es gestattet, den Arbeitern Lebensmittel für den Be- trag der Anschaffungskosten, Wohnnng und Land- nutzung gegen die ortsüblichen Miet- und Pacht- preise/Fenerung, Beleuchtung, [* 10] regelmäßige Be- köstigung, Arzneien und ärztliche Hilfe, fowie Werk- zeuge und Stoffe zu den übertragenen Arbeiten für den Betrag der durchschnittlichen Selbstkosten unter Anrechnung bei der Lohnzahlung zu verabfolgen; desondere Bestimmung ist für die Akkordarbeiten und die Lohnzahlungen in Gast- und Schankwirt- schaften getroffen s§§. 115,115a); von den Folgen der Übertretung dieser Vorschriften handeln §8-116 -118. Nach der Civilprozeßordnung sind Gehalt und Dienstbezüge der im Privatdienst dauernd an- gestellten Personen nur insoweit der Pfändung unterworfen, als der Gesamtbetrag die Summe von 1500 M. für das Jahr übersteigt; sonst darf nach dem Gesetz vom die Vergütung (Lohn, Gehalt, Honorar u. s. w.) für Arbeiten oder Dienste, welche auf Grund eines Ar- deits- oder Dienstverhältnisses geleistet werden, so- fern dieses Verhältnis die Erwerbsthätigkeit des Vergütungsbercchtigten vollständig oder hauptsäch- lich in Anspruch nimmt, zum Zweck der Sicher- stellung oder Befriedigung eines Gläubigers erst dann mit Beschlag belegt werden, nachdem die Lei- stung der Arbeiten oder Dienste erfolgt und nach- dem der Tag, an welchem die Vergütnng zu ent- richten war, abgelaufen ist, ohne daß der Ver- gütungsderechtig'te dieselbe gefordert hat.
Soweit nach diesen durch Vertrag nicht auszuschließenden Bestimmungen die Beschlagnahme unzulässig ist, ist auch jede Verfügung durch Cession oder ein anderes Rechtsgeschäft wirkungslos. Auf Grund folchcr Geschäfte dürfen Zahlungen des Arbeits- lohns an Tritte nicht erfolgen (Gesetz vom §. 115 a). Lohneinhaltungen zur Deckung von Ersatzforderungen dürfen bei den einzelnen Lohnzahlungen ein Viertel des fälligen Lohns, im Gesamtbetrage den Durchschnitt eines Wochenlohns nicht übersteigen l§. 119 a). Das Gesetz enthält Be- stimmung über Fortbildungsschulen G. 120). Die Gewerbeunternehmer sind verpflichtet, die Ardeitsränme, Vetriebsvorrichtungen, Maschinen und Gerätschaften so einzurichten und zu unterhal- ten und den Betrieb so zu regeln, daß die Arbeiter gegen Gefahren für Leben und Gesundheit so weit geschützt sind, wie es die Natur des Betriebes ge- stattet.
Insbesondere soll für genügendes Licht, [* 11] ausreichenden Luftraum, Luftwechsel, Beseitigung von Staub, Dünsten, Gasen und Abfällen geforgt, die gefährliche Berührung mit Maschinen oder Maschinenteilen durch Vorrichtungen verhütet und es sollen Vorschriften über die Ordnung des Be- triebes und das Verhalten der Arbeiter getroffen werden, welche zur Sicherung eines gefährlichen Betriebes erforderlich sind (8-120a). Diese und die in §. 120d und 120 c angeordneten Maßnahmen können polizeilich erzwungen werden (8-120ä), h^s Beschwerdevcrfahren ist geordnet. Durch zahlreiche reichsgerichtliche Entscheidungen war festgestellt, daß der Arbeitgeber, welcher die bereits in der Gewerbeordnung §.120^ getroffenen ¶
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Maßnahmen zum Schutze der Arbeiter schuldvoll unterlassen hatte, dem Arbeiter für den dadurch er- wachsenen Schaden an seiner Gesundheit, im Falle seiner Tötung den Angehörigen hastete. Nach dem Unfallversicherungsgesetz vom haben die Arbeiterund deren Hinterbliebene für den durch Unfälle im Betriebe und die dadurch verurfachte Körperverletzung oder Tötung erwachsenen Schaden Ersatz von der Berufsgenossenschaft zu fordern, dar- über hinaus von dem Betriebsunternchmer, Reprä- sentanten, Betriebs- oder Arbeiteraufsehcr nur für den von der Verufsgenossenschaft nicht zu vergüten- den Schaden, wenn gegen jene Personen durch straf- gerichtliches Urteil festgestellt ist, daß sie den Unfall vorsätzlich herbeigeführt haben s§. 95). Dagegen können die Genossenschaften oder Krankentassen (Gesetz vom von jenen Personen oder von den Aktiengesellschaften, Genossenschaften, Innungen, deren Vorstandsmitglied den Unfall verschuldet hat, den Ersatz dessen, was sie infolge dessen geleistet haben, fordern, wenn gegen die be- treffenden Personen durch strafgericht'lichcs Urteil festgestellt ist, daß sie vorsätzlich oder durch Außer- achtlassung der ihnen durch ihr Amt, Beruf oder Gewerbe auferlegten Pflichten der Aufmerksamkeit den Unsall verursacht haben.
Die Gewerbeunter- nehmer sind verpflichtet, die Einrichtungen zu treffen und die Vorschriften zu erlassen, welche erforderlich sind, um die Aufrechthaltung der guten Sitten und des Anstandes zu sichern l§. 120d). Zu2. Gesellen und Gehilfen sind verpflichtet, den Anordnungen der Arbeitgeber in Bezug auf die ihnen übertragenen Arbeiten und auf die häus- lichen Einrichtungen Folge zu leisten, zu häuslichen Arbeiten sind sie nicht verbunden (ß. 121). Das Arbeitsverhältnis kann, wenn etwas anderes nicht verabredet ist, nach 14tägiger Kündigung aufgelöst werden.
Eine andere Verabredung ist nichtig, wenn sie nicht für beide Teile gleiche Kündigungsfristen feststellt (§. 122). Vor Ablauf der vertragsmäßigen Zeit und ohne Aufkündigung können Gesellen und Gehilfen entlassen werden, wenn sie bei Abschluß des Vertrags falsche Zeugnisse vorlegten iwie bei den Angestellten zu 4), sowie aus sieben andern im Gesetze genannten Gründen: Begehung gewisser gegen das Eigentum gerichteten strafbaren Hand- lungen überhaupt oder gegen den Arbeitgeber oder einen Mitarbeiter, Beleidigungen, Vcrlafsung der Arbeit, Unfähigkeit zur Arbeit u. s. w. Ebenso sind die Gründe bestimmt, aus denen der Geselle ohne Kündigung ausscheiden darf.
War das Dienst- verhältnis auf mindestens 4 Wochen oder mit einer längern als 14 tägigen Kündigung vereinbart, fo kann die Aufhebung des Arbeitsverhältnisses noch aus andern wichtigen Gründen gefordert werden. Hat ein Geselle oder ein Gehilfe rechtswidrig die Arbeit verlassen, so kann der Arbeitgeber für jeden Tag des Vertragsbruchs den Betrag des orts- üblichen Tagelohns, aber nicht für längere Zeit als eine Woche, als Entschädigung ohne den Nachweis eines Schadens fordern.
Durch Geltendmachung dieses Anspruchs wird der Anspruch auf Erfüllung und weitern Schadenersatz ausgeschlossen. Das- selbe Recht steht dem Gesellen oder Gehilfen gegen den Arbeitgeber zu, wenn er von diesem ohne Recht entlassen wird (§. 124d). Es ist Bestimmung ge- rroffen über die Ersatzverbindlichkeit der Arbeitgeber gegeneinander, wenn sie einander einen Gesellen vor Ablauf des Dienstverhältnisses abspenstig machen oder einen Gesellen in Dienst nehmen oder in Dienst behalten, welcher einem andern Arbeit- geber dienstpflichtig ist lß. 125). Zu 3. Lehrlinge, s. Lehrvertrag.
Zu4. Das Dienstverhältnis dergegenfesteVezüge angestellten Betrieb sbeamten, Werkmeister, Techniker, Chemiker, Zeichner u. dgl. ist, wenn nichts anderes verabredet wurde, so kündbar wie das der Handlungsgehilfen (§. 133a). Auch bezüglich der einseitigen Auflösbarkeit des Verhältnisses sind dem Handelsgesetzbuch entsprechende Bestimmungen ge- troffen M. 133 d, 133 e). Gegenüber jenen Angestell- ten kann Aufhebung des Dienstverhältnisses auch ver- langt werden, wenn sie beim Abschluß des Dienstver- trages den Arbeitgeber durch Vorbringung falscher Zeugnisse hintergangen oder ihn über das Bestehen eines andern, sie gleichzeitig verpflichtenden Dienst- verhältnisses in einen Irrtum versetzt haben. Zu 5. Auf Fabrikarbeiter finden die Bestim- mungen über Gesellen, und wenn jene als Lehr- linge anzusehen sind, die über Lehrlinge Anwen- dung. In Fabriken, in denen regelmäßig wenig- stens 20 Arbeiter beschäftigt sind, ist es verboten, für den Fall, daß der Arbeiter das Arbeitsverhält- nis rechtswidrig auflöst, die Verwirkung des rück- ständigen Lohns über den Betrag des durchschnitt- lichenWochenlohns hinaus auszubedingen. §. 124d ls. oben zu 2) findet hier keine Anwendung (§. 134). Für jede solche Fabrik muß eine Arbeitsordnung erlassen werden (§. 134a), welche, soweit sie den Ge- setzen nicht zuwiderläuft, für den Arbeitgeber und die Arbeiter verbindlich ist.
Vor deren Erlaß ist den groß- jährigen Arbeitern, und, wenn ein ständiger Ärbei- terausfchuh in der Fabrik besteht, diefem Gelegen- heit zu geben, sich über deren Inhalt auszusprechen. Die Arbeitsordnung ist mit den von den Arbeitern schriftlich oder zu Protokoll gegebenen Bedenken der Verwaltungsbehörde einzureichen, welche Lin- derung fordern darf, foweit die Arbeitsordnung nicht vorschriftsmäßig erlassen ist oder den gesetz- lichen Vestimmnngen zuwiderläuft.
Die Arbeits- ordnung muß Bestimmungen enthalten über An- fang und Ende der regelmäßigen täglichen Arbeits- zeit, sowie der für die erwachfenen Arbeiter vorge- fehenen Pansen;
über Zeit und Art der Abrechnung und Lohnzahlung;
über die Fristen der Aufkün- digung und die Gründe der vorzeitigen Auflösung des Arbeitsverhältnisses, wenn es nicht bei den ge- fetzlichen Bestimmungen bewenden soll;
über Ärt und Höhe der Strafen, deren Festfetzung, Einzie- hung und Verwendung, sowie über die Verwen- dung der Entschädigung für Vertragsbruch (ß. 134). Strafbestimmungen, welche das Ehrgefühl oder die guten Sitten verletzen, dürfen in die Arbeitsord- nung nicht aufgenommen werden. Die Höbe der zulässigen Geldstrafen ist durch das Gesetz (H. 134 d) beschränkt, alle Strafgelder müssen zum Besten der Arbeiter verwendet werden. Mit Zustimmung eines ständigen Arbeiterausschusses können in die Arbeits- ordnung Vorschriften über das Verhalten der Ar- beiter bei Benutzung der zu ihrem Besten getroffe- nen, mit der Fabrik verbundenen Einrichtungen sowie Vorschriften über das Verhalten der minder- jährigen Arbeiter außerhalb des Betriebes aufge- nommen werden. Der Arbeitgeber kann auch andere die Ordnung des Betriebes und das Verhalten der Arbeiter im Betriebe betreffende Bestimmungen auf- nehmen. Die Arbeitsordnung ist an geeigneter, allen beteiligten Arbeitern zugänglicher stelle ¶
Miete,
flache Grube auf dem Feld zur Aufbewahrung von Kartoffeln, Rüben etc. Auf leidlich ebenen Boden werden die Hackfrüchte etc. in ungefähr 2 m breiten, 1-1,25 m hohen Haufen geschüttet, meist mit Stroh, Laub, Kartoffelkraut und dann zunächst schwach mit Erde bedeckt. Solange stärkerer Frost nicht zu befürchten, hält man die Mieten schwach bedeckt, um die Ausdünstung der Früchte besser vor sich gehen zu lassen, und um einer Erhitzung derselben vorzubeugen. Bei Eintritt stärkerer Fröste deckt man 30-60 cm Erde auf und bedeckt den First der Miete erst, wenn die Temperatur noch weiter sinkt, mit Erde, Dünger, Kartoffelkraut, Waldstreu etc. Luftzüge, Drainröhreneinlage etc. sind zu verwerfen, da an diesen sich die verdunstete Feuchtigkeit sammelt und der Frost gerade hier verheerend einwirkt.