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Der König des Karnevals (Rei Momo)
“Momo” war der Name des Spott-Gottes in der griechischen Mythologie, und nach der Karnevals-Tradition sollte der Rei Momo “spassig und so gross wie ein Haus” sein. Die Legende erzählt, dass er einst vom Olymp vertrieben wurde und sich in Rio de Janeiro, der Stadt des Karnevals, niederliess. Der Karneval wird offiziell eröffnet mit der Übrgabe der Schlüssel der Stadt an den “Rei Momo”. Wenn König Momo Samba tanzt, sollte “alles was Haut, Federn, Fleisch hat”, und alle Leute um ihn herum, mit ihm tanzen. Er eröffnet alle grösseren Samba-Events, ink. die Paraden.
Königin und Karnevals-Prinzessinnen
Die Karnevals-Königin wird mittels eines Wettbewerbs gewählt, wobei ihre Schönheit, Selbstsicherheit, Gesellschaftsfähigkeit, Genialität und Samba-Tanzkunst die Kriterien sind – vor allem muss sie den gewissen “Karnevals-Spirit” besitzen. Die Zweit- und Drittplazierten Kandidatinnen des Wettbewerbs werden als Prinzessinnen gekürt.
Carnavalesco
Er ist verantwortlich für die künstlerische Ausführung, die Produktion und die Leitung der Parade einer Schule. Manchmal kreiert und schreibt er auch deren Thema des Jahres. Er zeichnet jedes Kostüm und jeden Wagen, wählt aus und überwacht die Verwendung des Materials, administriert die Konstruktion der Wagen, Kostüme und des Zubehörs. Er kann in einer Top-Schule eine Menge Geld verdienen. Die Namen der besten Karnevals-Designer von Rio sind so bekannt wie die von erstrangigen Film-Direktoren. Sie haben ihren eigenen ideologischen Stil – einige sind als besonders futuristisch bekannt (Salgueiro), als Barock-Rokkokko Enthusiasten (Imperatriz, Mangueira), andere haben eine ganz spezielle Vorliebe (wie zum Beispiel bei Beija-Flor die Eingeborenen Brasiliens).
Themen-Gruppen zu Fuss (Alas)
Sie sind die Block-Gebilde einer Parade – eine Samba-Schule ist in verschiedene solcher Blocks aufgeteilt, als Gruppe von 20 bis 100 Personen, die alle das gleiche Kostüm tragen und dasselbe Thema repräsentieren. Das Kostüm als solches repräsentiert einen bestimmten Aspekt des Gesamtthemas der Schule. Jeder dieser Flügel hat einen Präsidenten, der für die Kostüme verantwortlich ist (Produktion und Verkauf) und die Koordination sämtlicher Flügel-Mitglieder.
Die Einführungs-Kommission (Comissão de Frente)
Sie eröffnet die Parade einer Samba-Schule. Eine Gruppe von 12 – 15 Tänzern mit einer sorgfältig choreographierten Routine – sie paradieren an der Spitze der Schule und “stellen sie den Zuschauern vor”. Ihre Kostüme müssen nicht unbedingt das allgemeine Samba-Thema reflektieren. Früher bestand diese Truppe lediglich aus gut gekleideten Herren. Dann wurden sie zu einem Spektakel für sich mittels einer spektakulären Choreographie.
Die Fahnenträgerin und ihr Begleiter (Porta Bandeira e Mestre Sala)
Sie trägt und präsentiert die Vereinsfahne ihrer Samba-Schule, zusammen mit ihrem Begleiter bilden sie ein allseits besonders beachtetes Paar, das sich zur Musik ihrer Band tanzend über die Avenida bewegt. Er ist auch da, um sie zu beschützen (in früheren Zeiten trug er stets ein Messer bei sich, um zu verhindern, dass Mitglieder konkurrierender Schulen die Fahne zerschnitten und ihnen so eine Niederlage beibrachten). Der Beiden Tanz gehört zum Elegantesten, was man zur Samba-Musik zu sehen bekommt. Oft haben die Schulen auch mehrere Fahnenträgerpaare, aber nur das Vorderste (vor der Samba-Band) ist wichtig und bekommt Punkte. Die Figuren verweisen auf höfische Bräuche in Europa. Das Paar gehört zu den Stars einer jeden Schule. Für ihre Kostüme geben die Samba-Schulen kleine Vermögen aus, die selbst die Höflinge Ludwigs XVI. erstaunt hätte. Ein solches Kunstwerk aus Stoff, Perlen und Federn kostet schnell einmal gegen 70.000 Reais oder rund 40.000 CHF kosten.
Die Bahianerinnen (Baianas)
Ältere Frauen in glitzernden Variationen der traditionellen Kostüme aus dem Bundesstaat Bahia, mit weiten Spitzenblusen und Krinolinen-Röcken bilden einen selbständigen Flügel, die “Ala das Baianas” – sie drehen sich im Tanz auf der Avenida, sodass den Zuschauern ob all der kreisenden Gestalten schier der Atem wegbleibt. Sie repräsentieren die Seele der Samba-Schulen, ihre afrikanischen Wurzeln. Es gibt eine Verordnung für ein festgelegtes Minimum an Mitgliedern dieser Gruppe (mindestens 80 bei der Grupo Especial). Es sind die alten Ladies der Kommune – viele über 80 Jahre alt – die ihre Schule schon seit einem halben Jahrhundert begleiten. Für eine Samba-Schule sind sie eine grosse Ehre – ihre Kostüme werden vom Verein bezahlt. Sie werden sehr respektiert und bekommen stets vom Publikum einen Sonderapplaus, wenn sie vorbeitanzen. Heutzutage können nur Frauen in dieser Gruppe teilnehmen, während man früher auch verkleidete Männer dafür zugelassen hat. Einige Schulen (wie Beija-Flor, Grande Rio, Salgueiro u.a.) haben auch Flügel mit “kleinen Baianas” – jungen Mädchen im Teenager-Alter.
Perkussions-Gruppe (Bateria)
Sie ist das pochende Herz der Schule. Eine gute Band gibt der Parade Leben und Energie. Sie besteht aus Mitgliedern der Schule, deren Kostüme vom Verein bezahlt werden. Der Leiter der Band bestimmt, wer bei den Paraden mitmachen darf – dazu müssen sich die einzelnen Musiker vielen vorausgehenden Tests vor dem Karneval unterziehen. Die Kostüme der Band-Mitglieder geben das Thema der Schule wieder – Overhead-Mikrophone werden neben der Band einher getragen und der Sound-Truck mit den Samba-Sängern begleitet sie. Es gibt Traditionalisten, welche die gleichen Elemente über Jahrzehnte hin benutzen (wie Mangueira, Portela, Imperio Serrano). Dagegen erschien die Mocidade in den 80er Jahren mit einem neuen Konzept für ihre Band, im Rhythmus, den sie spielten. Daraufhin wagten sich auch ein paar andere Schulen (wie Viradouro, Grande Rio, Porto da Pedra, Beija-Flor) an Neuerungen und brachten komplett neue Komponenten zu Gehör (gingen sogar soweit, Funk zu spielen) und eine neue Choreographie. Scheinbar mit Erfolg.
Die Königin der Perkussion (Rainha da Bateria)
Eine der schönsten Samba-Tänzerinnen wirbelt vor der Band herum: Sie soll die mehreren Hundert männlichen Drummer bei der Stange und in Bewegung halten. Auch die Zuschauer werden offensichtlich unruhig, wenn sie ihren Wonnekörper in alle Richtungen dreht.
Samba-Tänzer (Passistas)
Ein kleiner Flügel der besten, speziell ausgesuchten ersten Samba-Tänzer der Schule – nicht mehr als 15 – 20. Es ist ganz schön anstrengend, den Samba im in Rio üblichen Tempo zu zelebrieren und dabei auch noch 700 Meter tanzend zurückzulegen! Die Samba-Tänzer sind Weltklasse – auch olympische! Jedes Jahr findet ein Wettbewerb statt, zu dem sie ausgewählt werden – eine grosse Ehre für jeden, der bei der Parade mitmachen darf.
Schrittmacher (Harmonia)
Jeder Wagen und jeder Flügel wird von einer Reihe von “Schrittmachern” kontrolliert und vorangetrieben, damit keine Lücke im “harmonischen Fluss der Parade” entsteht. Sie tragen ein T-Shirt ihres Flügels oder Wagens. Es gibt Strafpunkte, wenn eine Schule zulange für ihre Parade braucht (vorgeschrieben sind 80 Minuten) und auch, wenn Lücken innerhalb oder zwischen den einzelnen Flügeln entstehen.