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Auf Schloss Lenzburg war früher Prominenz aus aller Welt zu Gast. Nachzulesen ist dies im Gästebuch der Familie Ellsworth, den letzten privaten Besitzern der Lenzburg.
Der amerikanische Grossindustrielle James Ellsworth gab das Gästebuch 1911 im Zuge des Erwerbs von Schloss Lenzburg bei der Firma "Michallet" in Frankreich in Auftrag. Sein Sohn Lincoln sorgte mit pionierhaften Polarexpeditionen für grosses Aufsehen.
Das in der Sammlung Museum Aargau aufbewahrte Gästebuch ist in Ziegenleder eingefasst und weist auf dem Deckel die Einprägung "SCHLOSS LENZBURG" auf. Der Buchdeckel ist mit blindgeprägten Stempeln und Streicheisenverzierungen versehen. Die im Gästebuch enthaltenen unbeschnittenen Büttenpapierblätter entsprechen mit einem 37 cm hohen Buchrücken dem Format "Gross-Quart".
Bundesräte auf Schloss Lenzburg
Die Familie Ellsworth erhielt Besuch aus aller Welt: Ins Gästebuch eingetragen haben sich etwa George Ellery Hale, amerikanischer Astronom, und die deutsche Opernsängerin Erika Wedekind, die selbst auf Schloss Lenzburg aufgewachsen ist.
Nachgewiesen ist ebenfalls ein Eintrag eines Besuches von fünf Bundesräten (Edmund Schulthess, Robert Haab, Heinrich Häberlin, Giuseppe Motta, Karl Scheurer), wichtigen eidgenössischen Diplomaten und hohen Bundesbeamten im Rahmen eines "Bundesratsreisli" am 1. September 1928.
Vermögende Schlossbewohner-Familie
Das Gästebuch ist für die Sammlung Museum Aargau von grösster Bedeutung, weil es vom Leben der letzten privaten Besitzer der Lenzburg zeugt. Denn Schlossgeschichte ist immer auch Familiengeschichte: James Ellsworth, der mit Kohleminen und im Bankgeschäft reich geworden war, kaufte Schloss Lenzburg 1911 für 550'000 Schweizer Franken, was heute rund fünf Millionen Franken entspricht. Er erwarb in ganz Europa Antiquitäten und stellte sie in den Räumlichkeiten aus, so etwa im "Amundsen-Zimmer" im Südturm.
Sein Sohn Lincoln, der das Schloss 1925 geerbt hatte, plante dort zusammen mit dem Norweger Roald Amundsen zahlreiche Polarexpeditionen. Im gleichen Jahr hatten sie in zwei Dornier-Wal-Flugbooten einige Kilometer vor Erreichen des Nordpols im Eis notlanden müssen. Sein zweiter Versuch 1926 von Spitzbergen her kommend mit der Landung in Teller (Alaska) gilt als erstes zweifelsfreies Überfliegen des Nordpols.