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Er kam aus Basel und hatte Krach mit seiner Familie. Weil der Dichter Carl Spitteler an der Bruchstrasse in Luzern Asyl fand, hat die Leuchtenstadt nun einen Literatur-Nobelpreisträger, den sie ehren kann. Dies geschieht zum Auftakt des Spitteler-Jubiläumsjahrs 2019 mit einer Gedenktafel.
Literatur-Nobelpreisträger hat die Schweiz nur zwei vorzuweisen. Der eine ist Hermann Hesse (1877 – 1962), der deutsche Wurzeln hatte, das Tessin zu seiner Wahlheimat machte und 1946 ausgezeichnet wurde. Der andere ist Carl Spitteler (1845–1924). Ein Basler, der sein Leben in Luzern verbrachte und den Literatur-Nobelpreis für ein Werk von 1919 erhielt – vor exakt 100 Jahren. Deshalb findet heuer das Spitteler-Jubiläum statt.
Zum Auftakt wurde nun an der Bruchstrasse 20 eine Gedenktafel enthüllt. In das «Haus am Bruch» war Spitteler als 19-Jähriger gekommen, nachdem er sich mit seiner Familie zerstritten hatte und durch die Schweiz geirrt war. Ein Freund hatte ihm die Luzerner Adresse gegeben, an der damals der Fotograf Gerold Vogel lebte.
Preis für «Olympischer Frühling»
Das Haus gehörte der Familie Rüegger, die für ihre Musikalität bekannt war. «Da fand ich bei edlen Menschen Asyl», schrieb Spitteler, der dort in einem Dachzimmer hauste. Die Rüeggers und der Fotograf halfen Spitteler auf die Beine blieben lebenslang mit ihm verbunden – so wie Spittler mit Luzern, das ihn zum Ehrenbürger ernannte. Seinen literarischen Höhepunkt erlebte er mit dem Nobelpreis, der ihm 1920 für seinen Versepos «Olympischer Frühling» verliehen wurde, der 1919 erschien.
Das Haus an der Bruchstrasse 20 in dem Spitteler lebte, steht übrigens nicht mehr. Es wich einem Neubau.
Hier eine Textprobe aus «Olympischer Frühling»:
Hades, der Fürst des finstern Erebos, befahl:
«Entfesselt die gefangnen Götter allzumal
Und sammelt sie zu Hauf im Tempel der Sibyllen,
Auf daß ich ihnen künde meinen Spruch und Willen.»
Flugs in die Kasematten stob der Diener Heer –
Und kehrte mit verlegnen Mienen ratlos her:
«Die Ketten können wir, die ihre Glieder zwängen,
Doch eines stärkern Zwingherrn Übermacht nicht sprengen:
Den Todesschlaf, der ihre stolze Stirn umnachtet,
Den mutverlaßnen Geist, der keiner Botschaft achtet.
Nicht Mahnung hilft, noch Zuspruch; keine Drohung schreckt
Den müden Lebenswillen, den nicht Hoffnung weckt.
Und wenn, von kräftiger Hand geschüttelt, nicht belebt,
Auch der und jener träge wohl den Nacken hebt,
So siehst du ihn geschloßnen Auges traurig lauschen
Dem Windeswehen und dem Regenwogenrauschen,
Siehst frischen Gram ihn schöpfen, neuen Ekel schenken
Und Berge Trübsals in vermehrtem Schlaf ertränken.»
Ja
Nein