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Marie-Louise Ritz, geborene Beck, kam am 29. Oktober 1867, als Tochter einer Hotelierfamilie im Elsass auf die Welt. Deren Mutter besass ein kleines Hotel in Menton.
Am 16. Januar 1888 heiratete Cäsar Ritz mit 38 Jahren die gut ausgebildete und sprachbegabte junge Frau, die gerade mal 21 Jahre alt war. Der Verehelichung von Marie-Louise Beck und Cäsar Ritz war eine längere Periode der Kameradschaft und Freundschaft vorausgegangen, eine Zeit des Sich-näher-Kennenlernens. Die Vermählung von Marie-Louise Beck und Cäsar Ritz fand in Cannes statt. Von seiner Heimatgemeinde Niederwald war Cäsar Ritz' Bruder Josef, damals Grossrat des Bezirkes Östlich Raron, anwesend. Marie-Louise Ritz schenkte ihrem Mann zwei Söhne: Charles und Réne Ritz.
Marie-Louise Ritz war ihrem Gatten eine unvergleichliche Gefährtin, eine treue Freundin und eine unentbehrliche Stütze. Intelligent, energisch, weltoffen und sprachbegabt stand sie ihrem Mann immer mit Rat und Tat zur Seite, war sie doch mit dem Hotelfach bestens vertraut. Ihr Interesse an Kunst, Literatur und Kultur trug einen unvergesslichen Geschmack an Gestaltung bei. An der in allem Mass gelungenen Inneneinrichtung der Hotels von Paris und Rom hatte sie einen fruchtbaren Anteil dazu beigetragen. Da Cäsar Ritz schon bald schwer erkrankte und nicht mehr die Kraft besass an allen Anlässen teilzunehmen, führte sie mit energischer Kraft die wichtigsten Geschäfte weiter. Von allem Anfang an fand sie im Meisterkoch Auguste Escoffier einen treuen Freund und Berater. Zu jener Zeit war auch die grosse Tragödin Sarah Bernhardt ein steter Gast im «Ritz». Auguste Escoffier war dazu bewogen, immer exklusivere Menüs zuzubereiten, da Sarah Bernhardt sich immer häufiger an Diätmenüs erlabte. Auch Marie-Louise Ritz fand Interesse an den oft poetisch benannten Gängen Auguste Escoffiers. Sie bewog in dazu, immer mehr für eine exquisite Tafel zu leisten, denn sie war von Cäsar Ritz' Meinung überzeugt, dass die Küche Entscheidendes zur Güte eines Hotels beitrage.
Als Marie-Louise Ritz in Vertretung ihres Mannes, der schwer erkrankt war, bei der Eröffnung des neuen «Ritz» in Budapest die Begrüssungsrede vornahm, hatte sie wenige Minuten zuvor eine telegrafische Nachricht erhalten, dass ihr Sohn René Ritz schwer verunglückt war. Trotzdem hielt sie ihre Rede, ohne ihrer Trauer und Bestürztheit etwas anmerken zu lassen und zog sich danach in ihr Zimmer zurück, wo man sie später zusammengebrochen vorfand. Marie-Louise Ritz wurde das erste Mal schwer geprüft. Was musste diese Frau für eine Kraft besitzen als nur zwei Monate später ihr Mann Cäsar Ritz an seiner sechzehnjährigen Krankheit erlag.
Nun hatte Marie-Louise Ritz eine grosse Verantwortung: Die Leitung, Weiterführung und Verwirklichung der «Ritz» Hotels und deren Zweigstellen. Als Frau hatte man es damals nicht leicht in der von Männern dominierten Geschäftswelt. Marie-Louise Ritz beschrieb mit den folgenden Worten: «Oft liess man es mich spüren, dass ich bloss wegen des Namens Ritz zu den Sitzungen nach London und Paris beigezogen wurde. Dieser Zustand war begreiflicherweise nur schwer zu ertragen. Trotzdem war ich fest entschlossen, zuversichtlich in Cäsars Fussstapfen voranzuschreiten.» Sie wurde Präsidentin des Verwaltungsrates des Hotels «Ritz» in Paris und Vorstandsmitglied der «Ritz Hotel Development Company». Bis zum Jahre 1961 hatte sie die Verantwortung der von Cäsar Ritz zuletzt präsidierten Hotelgesellschaft und die Leitung des «Ritz» in Paris. Dann ging die Leitung des «Ritz» an ihren Sohn Charles Ritz über. Sicherlich mussten ständig Erneuerungen angebracht werden, jedoch das «Ritz» blieb immer das «Ritz», auch als niemand mehr aus der Familie in seiner Leitung tätig war. Zuletzt wurde die Leitung von Monique Ritz, der Frau von Charles Ritz wahrgenommen. Heute ist das Hotel «Ritz» im Besitz der Familie Al Fayed.
Marie-Louise Ritz zeigte sich zusehends bemüht, vermehrt wieder in den Kontakt mit der Heimatgemeinde von Cäsar Ritz zu treten. Sie reiste jedes Jahr, Mitte August, mit Bahn und Kutsche von Paris nach Niederwald ins Goms. Die Dorfbevölkerung bereitete ihr immer ein herzliches Willkommen. Sie legte sogar einen Steg an, der vom Dorfzentrum bis hinauf zum Geburtshaus von Cäsar Ritz reichte, in dem Marie-Louise Ritz immer ihren Aufenthalt verbringen wollte. Einige Male kam auch ihr Sohn Charles Ritz mit, der ebenfalls herzlich willkommen war.
Immer wenn Marie-Louise Ritz nach Niederwald zog, bereitete man dort ein riesiges Fest, das so genannte «Ritz-Fest». Jeder Dorfbewohner durfte der «Grand old Lady» die Hand schütteln und jedes der Kinder bekam sogar ein kleines Geschenk. Marie-Louise Ritz fand grossen Gefallen an der Wärme und Gastlichkeit des kleinen Bergdorfes. Zusammen mit ihrem Sohn Charles Ritz verwirklichte sie den Wunsch eines neuen Dorfbrunnens, den Cäsar Ritz bei seinem letzten Besuch vermisst hatte. Ebenfalls stiftete sie später die Sanierung des Dorffriedhofes, der noch heute zu den schönsten seiner Art zählt.
Anlässlich der 100-Jahrfeier zum Gedenken an Cäsar Ritz, im Jahre 1952, zwei Jahre zu spät, nahm sie und ihr Sohn in Dankbarkeit teil. Die ganze Welt war anwesend, Politiker, Wirtschaftsleute, hohe Hotelfachleute, die ganze Weltpresse und viele Freunde und Bekannte der Familie Ritz und des Dorfes Niederwald. Einem weiteren Wunsch Cäsar Ritz folgend, gründeten Marie-Louise Ritz und Charles Ritz die «Cäsar Ritz Stiftung Niederwald». Diese soll all jenen Jugendlichen aus dem Dorf Niederwald ein Studium oder eine Lehre ihrer Wahl ermöglichen.
Jeder soll die Möglichkeit erhalten mit einer guten Ausbildung ins Berufsleben zu treten. Die «Cäsar Ritz Stiftung Niederwald» wurde nacheinander von Marie-Louise Ritz und Charles Ritz präsidiert. Monique Ritz war die Ehrenpräsidentin.