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Nach dem hervorragenden Abschneiden der 4×400-m-Staffel in Eugene wäre alles andere als eine erneute Selektion für Julia Niederberger eine Überraschung gewesen. Sie, die im Finallauf an der WM die schnellste Abschnittszeit unter den vier Schweizerinnen aufgestellt hatte, wurde durch Swiss Athletics erneut auf Position zwei gesetzt. Neben Silke Lemmens und Annina Fahr, die beide in Eugene bereits dabei waren, wurde das Team durch Sarah King ergänzt. Sie war in Eugene vor Ort, kam aber nicht zum Einsatz.
Die anspruchsvolle Aufgabe von Position zwei ist, nach 120 m von der eigenen Bahn auf die Innenbahn zu wechseln, von wo aus das Rennen richtig lanciert wird. Julia gelang dies sehr gut und sie konnte auf der Geraden auf den dritten Rang vorrücken. Nach 350 m zündete sie dann den Turbo, überholte die Irin und schickte Annina Fahr als Zweite auf die Strecke. In Folge konnte sich das Team aus dem Gerangel bei der Übergabe heraushalten und beendete das Rennen schliesslich auf Rang drei hinter Irland und den Niederlanden. Die Zeit von 3:26.82 war nochmals eine Sekunde schneller als an der WM, damit war man bis auf eine Sekunde an den Schweizerrekord herangerückt.
Nach anderthalb Tagen Erholung ging es für das Team am sechsten Abend der Europameisterschaften weiter. Während es für Julia und Sarah der zweite Einsatz war, schnürten die beiden anderen Läuferinnen aufgrund ihrer Einsätze über 400 m und 400 m Hürden ihre Schuhe bereits zum vierten Mal. Der Start gelang Silke Lemmens gut und Julia fand sich ausgangs Kurve gleichauf mit der Deutschen. Julia pushte und kam vor ihr in die nächste Kurve, anschliessend visierte sie die Irin an, die sie auf der Zielgeraden gerade rechtzeitig überholen konnte. Mit einem guten Wechsel schickte sie so Annina Fahr als Fünfte ins Rennen. Nun drehten aber die Gegnerinnen auf und so verlor das Team trotz einer schneller Zeit von 3:26.94 noch zwei Plätze. Das Rennen wurde von den Niederländerinnen gewonnen und die Auswertung der Abschnittszeiten zeigte erneut, dass Julia den stärksten Abschnitt der Schweizerinnen gelaufen war. Somit sind wir gespannt, was die Saison noch alles bringt. Nun sind noch einige Rennen in der Schweiz geplant und Julia wird in Lausanne, Luzern, Zürich und Bellinzona (jeweils über 200 m oder 400 m) auf internationale Konkurrenz treffen.
Daniel Blättler