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Endlich hat Richard III. seine letzte Ruhe gefunden. Vor der Beisetzung am Donnerstag in Leicester hatte der Sarg mit den Gebeinen des umstrittenen englischen Königs noch einen Zwischenhalt auf dem ehemaligen Schlachtfeld von Bosworth gemacht. Dort war Richard im Alter von 32 Jahren in einer blutigen Schlacht gefallen. Gleich nach seinem Tod hatte man den König in einem nahe gelegenen Kloster beerdigt. Dieses wurde jedoch im 16. Jahrhundert zerstört. Danach galten die Gebeine als verschollen, bis man sie 2012 bei Bauarbeiten für einen Parkplatz in Leicester wieder fand.
Das wilde 15. Jahrhundert mit den brutalen Erbfolgekriegen in England, die unter dem Namen «Rosenkriege» in die Geschichte eingegangen sind, hat kreative Menschen bis heute immer wieder beschäftigt. Allen voran William Shakespeare, der mit dem Drama «Richard III.» über Generationen das Bild des Königs geprägt hat – ein blutrünstiger Tyrann, Intrigant und Machtmensch. So hat ihn auch Laurence Olivier 1956 in seinem berühmten Film «Richard III.» gezeichnet.
Schwere Kost
Mit den Ereignissen und den handelnden Personen jener Zeit beschäftigen sich die folgenden vier Spiele (wobei ich einschränkend sagen muss, dass ich die ersten beiden nicht aus eigener Spielerfahrung kenne):
- «Kingmaker»
- «Richard III: War of Roses»
- «Bosworth» und
- «Rosenkönig».
«Kingmaker» und «Richard III» zählen zur Gattung der sogenannten Wargames (auf den abschreckenden Begriff «Kriegsspiele» verzichte ich lieber). Das Nachspielen von vergangenen Auseinandersetzungen und Konflikten aus der Geschichte ist in der Regel schwere Kost. Nicht nur, was die Thematik betrifft, sondern auch, was da an taktischen und strategischen Herausforderungen auf die Teilnehmenden zukommt. Für solche, denen es im Spiel nie schwierig genug sein kann, sind die namentlich im angelsächsischen Raum beliebten Wargames ein Leckerbissen. Oder gar ein Fest, das den Höhepunkt erreicht, wenn es den Teilnehmenden gelingt, die historische Wirklichkeit im Spiel auf den Kopf zu stellen. In unserem Fall würde das konkret bedeuten, dass Richard III. auf dem Schlachtfeld von Bosworth nicht Krone und Leben verliert, sondern sein Gegenspieler Henry aus dem Hause Tudor. «‚Richard III.‘ ist vermutlich das faszinierendste Wargame, das ich je gespielt habe. Es ist blutig (‚bloody‘) und bis zum letzten Zug voller Spannung», kommentiert ein chris0zz auf der Boardgamegeek-Webseite das Zweipersonenspiel «Richard III: War of Roses».
Schach mit Karten
«Kingmaker» scheint mir aufgrund der Beschreibungen das einfachere der beiden Rosenkriegsspiele zu sein. Ich erinnere mich noch gut daran, wie die einschlägige Szene im Deutschland der 1970er und 1980er Jahre von Spielen in der Art von «Kingmaker» schwärmte. Was hier in Bezug auf die Qualität von Material und Gestaltung sowie die spielerischen Anforderungen geboten wurde, davon konnte man hierzulande bis fast zur Jahrtausendwende nur träumen.
Nun aber zu «Bosworth» und «Rosenkönig». «Bosworth» überrascht mit einem ungewöhnlichen Untertitel: «Das Spiel, von dem Sie schon wissen, wie man es spielt.» Das Rätsel wird rasch aufgelöst. Denn «Bosworth» basiert auf den Regeln des Schach-Spiels. Allerdings zieht man nicht mit den bekannten Figuren, sondern legt und zieht auf einem in 16 rechteckige Felder aufgeteilten Spielplan Karten. Auf diesen finden wir das uns vom Klassiker her vertraute Personal mit König, Dame, Läufern, Türmen und Bauern. Dies alles in vier Spielerfarben, was auch bedeutet, dass sich in «Bosworth» eine Schachvariante für vier Personen verbirgt, nach der Schachtüftler immer wieder suchen (die wahren Schach-Experten lehnen solches als reine Spielerei ab). Gespielt wird, wie gesagt, nach den Schachregeln, wobei es einige Anpassungen gibt, die das Spiel generell schneller machen.
Weisse und rote Rose
Selbst wenn sie mit diesen Änderungen leben könnten, dürften sich Anhänger der reinen Schach-Lehre trotzdem nicht mit «Bosworth» anfreunden: Schach ist nämlich ein fadengerades Strategie- und Taktikspiel ohne jeglichen Glücksfaktor. Demgegenüber mischt der Zufall in «Bosworth» tüchtig mit, weil man nie genau weiss, welche Karten bzw. Figuren als Nächstes ins Spiel kommen. Statt taktisch-ordentlich geht es hier manchmal sehr chaotisch zu und her. Ein Horror für Oberstrategen zwar, aber wohl um einiges wirklichkeitsnäher als ordentliche Schlachtreihen …
… aber sie können sich trösten, da ihnen das Zweierpersonenspiel «Rosenkönig» genau das bietet, was sie wünschen: Taktik pur. Sein Autor ist Dirk Henn, ein Spezialist für anspruchsvolle Legespiele. So stammt auch das 2003 mit Titel «Spiel des Jahres» ausgezeichnete «Der Palast von Alahambra» von ihm. Der Spielplan von «Rosenkönig» ist unterteilt in 9×9 Quadrate. Man spielt Machtkarten aus und zieht einen neutralen Kronenstein in die auf der Karte vorgegebene Richtung, und zwar um so viele Felder, wie es dem Wert der Karte entspricht. Das Feld, auf dem man gelandet ist, wird mit einem Machtstein der eigenen Farbe (weisse oder rote Rose) markiert. Ziel ist es, möglichst grosse zusammenhängende Flächen in seinen Besitz zu bekommen. Mit der historischen Wirklichkeit der Rosenkriege hat das insofern zu tun, als es in den Kämpfen zwischen den Häusern York und Lancaster auch um die Ausdehnung und Sicherung von Gebieten ging. Das Spiel hätte man jedoch zeitlich und thematisch auch anderswo ansiedeln können, sagen wir mal im Dreissigjährigen Krieg. Aber das wäre doch wieder zu kriegerisch gewesen. «Rosenkönig» ist da schon ein wenig abgehobener und schreckt auch zartbesaitete Gemüter nicht ab.
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Die erwähnten Spiele:
Richard III: War of Roses. Strategie- und Taktikspiel von Tom Dalgliesh und Jerry Tailor für zwei Personen ab 12 Jahren. Columbia Games 2009. Bei Amazon nur noch wenige Exemplare erhältlich. 142 Euro.
Kingmaker: Strategie- und Taktispiel von Andrew McNeil für 2 bis 7 Spielerinnen und Spieler ab 12 Jahren. Verlag Avalon Hill. Das Spiel ist vergriffen.
Bosworth: The Game You Already Know How to Play. Von Mark Alan Osterhaus für zwei 4 Spielerinnen und Spieler ab 8 Jahren. Verlag Out of the Box 1998. Fr. 43.50 bei Fatamorgana, Bern
Rosenkönig: Taktikspiel von Dirk Henn für zwei Personen ab 10 Jahren. Verlag Kosmos. Fr. 22.90
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Spielekritiker für das Ausgehmagazin «Apéro» der «Neuen Luzerner Zeitung». War lange Zeit in der Jury «Spiel des Jahres», heute noch beratendes Mitglied. Als solches nicht an der aktuellen Wahl beteiligt. Befasst sich mit dem Thema «Spielen – mehr als nur Unterhaltung».