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vielleicht auch ehemaligen Seebecken, von rechts den Wildbach des Guspisthals. Die die Gotthardreuss an Wasserfülle beträchtlich übertreffende Realperreuss bildet sich aus drei Quellarmen, die sich etwas hinter Realp vereinigen: dem am Furkapass entspringenden Bach der Garschenalp, dem Abfluss des Muttengletschers und dem Schmelzwasserbach des Wyttenwassergletschers. Den beiden letztern fliesst alles Wasser von dem hohen Eis- und Firnkamm zu, der sich von den Muttenhörnern bis zum Pizzo Lucendro hin erstreckt.
Als Zufluss bleibt noch der dem Tiefengletscher entspringende Lochbach zu erwähnen. In dem fast flachen Thalboden beim Dorf Andermatt, einem jetzt durch die massenhafte Zufuhr von Geschieben landfest gewordenen ehemaligen Seebecken, erhält die Reuss als Zuflüsse den Wildbach des Felsenthales, sowie die vereinigten Wassermassen des Gurschenbaches, der Unteralpreuss und der Oberalpreuss, welch letztere dem Oberalpsee (2028 m) entspringt. Von der Vereinigung all dieser Gewässer an (1438 m) bildet die Reuss schon einen beträchtlichen Flusslauf, der besonders im Sommer bei der raschen Schnee- und Eisschmelze sehr viel Wasser führt. Es bietet dann der Abfluss dieser grossen Wassermassen durch die enge und wilde Schlucht der Schöllenen Anlass zu einem grossartigen Naturschauspiel.
Nach ihrem Austritt aus den Schöllenen erhält die Reuss von W. oder links her die dem Kehlegletscher entfliessende Göschenerreuss mit der vom Wellenbergfirn kommenden Voralperreuss, von O. oder rechts her das Wildwasser des Rienthales. Bei Wassen mündet von links die am Sustenpass entspringende Meienreuss, sowie etwas tiefer unten bei Wiler der Gorfierenbach und mehrere kleinere Wildbäche, deren Quellen an der O.-Flanke der Krönten (2008 m) liegen. Amstäg bezeichnet die Stelle, wo der die Schmelzwasser des Hüfigletschers sammelnde und das Maderanerthal entwässernde mächtige Kärstelenbach von rechts her der Reuss zueilt.
Von hier an beginnt der untere Thalabschnitt mit breitem und flachem Boden. Während sich zu beiden Seiten zunächst nur wenig bedeutende Wildbäche (Evibach und Lattenbach von O., Riedbach von W. her) entwickeln, treffen wir bei Erstfeld auf den Faulenbach, der die Schmelzwasser der vom Glattenfirn zwischen Gross Spannort und Schlossberg gespeisten Eisfelder sammelt, das Erstfelderthal entwässert und dessen hohe Mündungsstufe in einer tiefen Schlucht durchbricht.
Desgleichen treffen wir halbwegs zwischen Erstfeld und Attinghausen den in zahlreichen Kaskaden zum Reussthal herabrauschenden Bockibach des Surenenpasses. Von Attinghausen bis zum See endlich erhält die Reuss noch eine ganze Reihe von Nebenadern, wie von links den Kummenbach und den aus dem Gitschenthal kommenden wilden Balankenbach, von rechts die aus grossen Stromquellen, deren Ursprung im Kalkgebirge des Hoh Faulen liegt, sich bildende Stille Reuss, den Gangbach und besonders den vom Klausenpass herabfliessenden und zahlreiche Seitenäste sammelnden Schächenbach.
Direkte Zuflüsse des Urnersees sind der aus den Bächen des Kleinthals, Grossthals und Sulzthals entstehende Isenthalerbach und, auf der gegenüberliegenden Seite, der die Kantonsgrenze gegen Schwyz bildende Riemenstaldenbach. Auf Urnergebiet liegen ferner die Quellen der Muota und des ihr zufliessenden Hüribaches. Der Urnerboden an der O.-Abdachung des Klausen wird vom Fätschbach entwässert, der sich mit prachtvollem Fall zum Linththal hinunterstürzt. Auch der den Namen Stierenbach tragende Quelllauf der Engelberger Aa am W.-Abstieg des Surenenpasses gehört noch dem Kanton Uri an, bis er von der Nieder Surenenalp an als «Aawasser» in den Kanton Obwalden übertritt.
Von stehenden Gewässern hat der Kanton Uri neben dem sog. Urnersee, dem obersten Arm des Vierwaldstättersees, noch zahlreiche prächtige Bergseen aufzuweisen. Glazialen Ursprungs, d. h. von einstigen Gletschern ausgehobelt sind wahrscheinlich die Seen auf der Oberalp (Passübergang aus dem Ursern- ins Vorderrheinthal), auf der Seenalp im Bergstock der Windgällen und am Surenenpass. Dagegen verdanken die äusserst zahlreichen, gewöhnlich aber nur sehr kleinen Seen der Kalkalpen ihre Entstehung fast ausschliesslich Einbrüchen oder dann der Verstopfung von unterirdischen Abflusstrichtern. Hervorzuheben ist hier der Seelisbergersee (753 m) auf der Kreideterrasse von Seelisberg zwischen dem Sonnenberg und dem Niederbauen.
[Prof. H. Schardt.]
4. Geologie.
A. Stratigraphie. Das Felsgerüst der Urneralpen baut sich im südl. Teil fast ganz aus kristallinen, im nördl. Drittel dagegen aus sedimentären Gesteinen auf.
1. Die kristallinen oder Urgesteine gehören den zwei wichtigsten Zentralmassiven der Alpen, dem Gotthard- und dem Aarmassiv an. Die N.-Abdachung des Gotthardmassives zwischen den Muttenhörnern im W. und dem Badus im O. weist ganz vorwiegend kristalline Schiefer in zahlreichen Uebergängen vom Glimmerschiefer bis Glimmergneis und Granitgneis auf, zwischen welche sich unzusammenhängende Streifen von Hornblendegneisen oder -schiefern einschieben. Der Alpengranit oder Protogin tritt in einer besonders massigen Varietät als sog. Gotthardgranit auf, spielt jedoch der Verbreitung nach eine untergeordnete Rolle (Gotthardstrasse von oberhalb des Gamsbodens nahe der Kantonsgrenze bis zu den Gotthardseen und zum Pizzo Rotondo). Jüngern Alters sind wohl die den N.-Fuss des Gotthardmassivs begleitenden Serizitgneise und Phyllite, welche im Zusammenhang stehen mit den Glanzschiefern des Goms und Tavetsch und mit den Kalkgesteinen der Ursernmulde konkordant einfallen.
Von der Gotthardzone nur durch die schmale Sedimentmulde von Ursern geschieden, durchzieht der östl. Teil des gewaltigen Aarmassivs in einer Breite von 20 km den ¶
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mittlern Abschnitt des Kantons von SW. nach NO. Das tiefe Querthal der Reuss durchschneidet dieses Urgebirge in etwas diagonaler Richtung von der Schöllenen bis Erstfeld und macht es so zu einem der best aufgeschlossenen der Alpen. In stratigraphischer Beziehung sind in diesem Massiv folgende an Mächtigkeit sehr ungleiche Zonen zu unterscheiden:
a) Die Protogin- oder Granitgneiszone vom Galenstock und Dammastock bis zum Oberalpstock; bildet den eigentlichen, wenn auch unsymmetrisch nach S. verschobenen Kern des Aarmassivs. Sie besteht aus dem charakteristischen, schiefrig gequetschten Alpengranit oder Protogin, der mit massigem und dickbankigem sog. Schöllenengranit (Piz Giuf und Oberalpstock), mit Hornblendeprotogin (Piz Giuf) oder auch mit feinkörnigem Augengneis (Fellithal) wechsellagert. Im Gebiet dieses Urgesteins liegt das Thalstück der Reuss von der Schöllenen bis Gurtnellen, ferner das Göschenerthal, der untere Teil des Meienthals, das Fellithal und das obere Etzlithal.
b) Die südl. Gneiszone schmiegt sich dem S.-Rand des Protoginkernes an und vermittelt den Uebergang vom Urgebirge zu dem Sedimentzug des Ursernthals. Sie besteht der Hauptsache nach aus mehrglimmerigen Flasergneisen und Augengneisen, nebst untergeordneten Streifen von Serizitgneis, Glimmerschiefer etc.
c) Die nördl. Gneiszone am N.-Fuss des Aarmassivs ist weit mächtiger. Sie erstreckt sich vom Tödi bis an den S.-Fuss des Titlis. Diese Zone, in welche das Reussthal von Gurtnellen bis Erstfeld eingeschnitten ist, nimmt die ganze nördl. Hälfte des Massives ein. Sie weist zwei Unterabteilungen auf, nämlich eine Zone von ältern Muskovit- und Zweiglimmergneisen (Erstfeldergneis) mit Einlagerungen von serizitischen Gneisen, Chlorit- und Glimmerschiefern etc. und sodann einen besonders ostwärts der Reuss im Maderanerthal mächtig entwickelten Streifen jüngerer Serizitgneise und Schiefer, wechsellagernd mit Glimmergneisen, mit kristallinisch metamorphosierten Sedimenten (Verrucano), besonders aber mit Hornblendegesteinen in Form von Schiefern, Gneisen oder Amphiboliten. Diese jüngern kristallinen Schiefer nehmen fast die Mitte des Aarmassives ein, indem sie sich unmittelbar an den granitischen Kern anlehnen, während die alten Gneise den N.-Rand des Massives bilden.
Zu erwähnen sind noch etliche Vorkommnisse von Eruptivgesteinen. So sind die Granit- und Protoginbänke am Federstock und Rienzerstock hinter Mattenberg im Fellithal, die Hornblendegesteine des Piz Giuf und Piz Ner im Hintergrund des Etzlithals von zahlreichen Adern eines weissen, glimmerarmen Ganggranits (Aplit) durchschwärmt. Merkwürdig erscheint der Felsitporphyr der Grossen Windgälle, welcher in dunkelroten und grünen Varietäten, massig oder schiefrig gequetscht, den Gewölbekern der grossen liegenden Jurakalkfalte dieses Gebirgsstockes ausfüllt.
2) Die Sedimente beginnen im Kanton Uri in einer zusammenhängenden Decke erst nördl. der Linie Titlis-Spannörter-Erstfelderthal-Windgälle-Tödi. Einzelne schmale Fetzen oder Streifen von Sedimenten finden sich aber auch im Urgebirge da und dort eingeklemmt, so die schon mehrmals genannte Ursernmulde und die Anthrazitschiefer am N.-Hang des Bristenstocks. Die sog. Kalkkeile vom Blauberg und Kalchthal am NO.-Fuss der Sustenhörner, bei Färnigen im Meienthal, am Glattenstock und bei Schwandenegg im Inschithal bilden eine genau in der Längsrichtung verlaufende Zone von Sedimentfetzen und sind wohl als Ueberreste einer ehemals zusammenhängenden sedimentären Decke zu betrachten, welche hier als spitze Mulde in das Zentralmassiv eingefaltet war. Der prachtvolle Serizitmarmor von Andermatt ist ein durch Gebirgsdruck metamorphosierter Hochgebirgskalk. Alle Glieder der Sedimentreihe vom Karbon bis zum Eozän sind vertreten. Karbonischen Alters sind die bereits erwähnten Anthrazitschiefer (mit Anthrazitschmitzen) vom Bristenstock und unter dem Porphyr der Grossen und Kleinen Windgälle, sodann auch der Verrucano im Sockel der Schlossbergkette (Bockitobel).
Die Trias ist vertreten durch den Rötidolomit. Er zieht sich, mit dem unterliegenden Verrucano aufs engste verknüpft, als weiss bis rotgelb anwitterndes Felsband zwischen dem kristallinen Grundgebirge und der Jurasedimentmasse hin. Eine zweite Zone findet sich bedeutend weiter nördl. im Schichtsystem der Schächenthaler Berge am Fuss des Ruosalper Kulm und längs der Klausenpasshöhe.
Eine ungleich mächtigere Entwicklung gewinnt der die Trias überlagernde Jura. Dieses Sedimentgebiet wird durch das inneralpine Eozän (Surenen-Schächenthal) vollständig in eine südl. und eine nördl. Zone geschieden. Der südl. oder innern Kalkzone, welche mit den kristallinen Schiefern oft in direktem Kontakt steht, gehören die Gipfel der beiden Spannörter, die Hauptmasse der Schlossberg-Geissbergkette, die Kette der Windgällen, Fluchen, Klariden an. Das nördl. Juragebiet umfasst den grössten Teil der Urirotstockgruppe mit ihrer Fortsetzung auf der rechten Thalseite, den Schächenthaler und Bisithaler Bergen.
Der untere Jura oder Lias ist in der innern Kette nur schwach entwickelt. Er bildet zumeist das Dach des Rötidolomits und besteht aus glimmerhaltigem, welligem Tonschiefer oder Quarzsandstein (Schlossberg). Liasschichten von grosser Mächtigkeit (bis 200 m) finden sich dagegen in der nördl. Jurazone, besonders in den tiefen Erosionsfurchen des Bisithals und Kinzigthals. Infolge ihres reichern Kieselgehaltes (Kieselkalke, Quarzite) leisten sie der Erosion bedeutenden Widerstand und bilden hohe Felswände (Wasserfälle der Muota).
Der Dogger erscheint in drei sehr charakteristischen Stufen: dem dunkelgrauen bis bräunlichen Eisensandstein, der Echinodermenbreccie und dem petrefaktenreichen Eisenoolith. Die stark eisenhaltigen Gesteine erhalten durch Verwitterung eine rotbraune bis dunkelrote Oberfläche und heben sich besonders von den gelbgrauen bis blauschwarzen Malmkalken schon aus weiter Ferne in auffallendster Weise ab. Daher stammen auch die bezeichnenden Bergnamen wie Uri- und Engelbergerrotstock, Rotgrätli etc. Wie anderwärts wurde der Eisenoolith ehemals auch hier zur Eisengewinnung gebrochen, so z. B. an der Kleinen Windgälle. Den obern Jura oder Malm repräsentiert der gewaltige Schichtkomplex des Hochgebirgskalkes, der Schiltkalke und der Oxfordschiefer. Besonders ist es der überaus dichte, splittrige, innen bläulich-schwarze, aussen hellgrau anwitternde Hochgebirgskalk, welcher die furchtbaren Steilwände des ¶