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1119 m. Prachtvolle
Schlucht mit abenteuerlich zerklüftetem
Gestein;
1 km osö. der Station
Airolo der Gotthardbahn und nahe der Stelle, wo der Bach des
Val Canaria sich mit dem Tessin
vereinigt.
Die 1820-1830 erbaute Poststrasse führt dem linken Ufer der
Schlucht entlang, wo sie den Fels in zwei Gallerien durchbricht.
Oberhalb der
Schlucht führt die Bahn auf schöner
Brücke über den Tessin,
worauf in der rechtsseitigen Felswand
ein 196 m langer
Tunnel folgt.
Auf einem der senkrecht zum Tessin
abstürzenden
Felsen steht die Ruine einer vielleicht noch aus der
Langobardenzeit stammenden Burg mit
Turm und Mauerresten, von den Bewohnern der GegendCasa dei Pagani
(Heidenhaus) genannt.
Scharf gezackter, malerisch-grossartiger Gebirgsstock mit einem im NO. gegen
Val Maisas herunterhängenden kleinen Eisfeld.
Nur tüchtigen Kletterern zugänglich. Aufstieg von
Val Sinestra aus durch
Griosch, über die Alp Pradgiant und begraste Hänge
zur Felswand des Gipfelmassivs und zuletzt durch ein Couloir am O.-Gipfel. Ein anderes Couloir leitet auf der
W.-Seite der w.
Spitze nach
ValChöglias-Sinestra hinab. Grossartige Fernsicht. Der geologische Bau des Bergstockes wurde bis
in die jüngste Zeit für weit einheitlicher gehalten, als er sich nach Paulcke's Untersuchungen (1904) herausgestellt hat.
Die Bergmasse setzen zunächst versteinerungsleere Engadinschiefer unbestimmten
Alters,
Grün- oder Spilitschiefer, unterliasische
und Allgäuschiefer, sowie Schiefer der untern Kreide zusammen, über, welchen als die ältere Formation
eine mächtige überschobene Triasscholle mit Arlbergdolomit, Hauptdolomit und Kalken des Rät sitzt.
Einzelfunde aus römischer Zeit. Alemannische Ansiedelung; 761: Stamhaim. Beim Sekundarschulhaus und in
Ober Stammheim alemannische
Gräber. Die Hoheitsrechte besassen die Herzoge von Schwaben. DieKlösterRheinau und St. Gallen
hatten in der Gemeinde
Besitzungen und allerlei Einkünfte; dem letztern gehörte überdies die Kollatur. Nach Aufhebung des Stiftes traf die Regierung
von St. Gallen
1808 mit Zürich
eine Uebereinkunft, wonach alle Rechte an diesen Kanton übergingen.
Ober Stammheim und
Waltalingen besassen vor der Reformation eigeneKapellen und waren Filialen von Stammheim. 1828 wurden
die hierher kirchgenössigen thurgauischen Gemeinden
Nussbaumen und
Uerschhausen abgelöst. Nach Ekkehards
CasusSanctiGalli
wurde von den königl. Kammerboten Erchanger und Berchtold im Anfang des 10. Jahrhunderts auf dem
Schlossberg zwischen Ober
und
Unter Stammheim, der Fiskalgut war, eine Burg erbaut. Als König Konrad I. die Fiskalleute von Stammheim
an St. Gallen
schenkte, entstand ein Streit, in welchem die genannten Kammerboten den
Bischof Salomon von Konstanz gefangen nahmen.
Nach dem Untergang der Kammerboten schenkte der König die Burg dem Kloster St. Gallen,
das sie abtragen liess. Noch 1517 sollen Steine
derselben für den Neubau der Kirche zu Stammheim verwendet worden sein. Die niedere Gerichtsbarkeit
kam im Laufe der Zeit an die Edlen von
Klingenberg, dann aber 1464 an die Stadt
Zürich, welche daraus und aus den Nebengemeinden
St. Anna und
Wilen, sowie der 1581 erworbenen
HerrschaftSteinegg eine besondere Obervogtei machte, die einem
zürcherischen Obervogt auf
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mehr
SchlossSteinegg im Thurgau
unterstellt war. Die hohe Gerichtsbarkeit übte die Landgrafschaft und spätere eidgenössische Vogtei
Thurgau
bis 1798 aus. Als die Reformation aufkam, war Stammheim dem neuen Glauben leidenschaftlich zugetan. Der Untervogt Hans Wirth
daselbst und seine beiden Söhne, die Geistlichen Adrian und Johannes Wirth, sowie der Untervogt Rüttimann
in Nussbaumen wurden die Häupter einer eifrigen Reformpartei, die Bilder und Kruzifixe beseitigte.
Der damalige thurgauische Landvogt, schon als Schwyzer ein Feind der Reformation, ging im Auftrag der katholischen Orte gegen
die Vertreter der neuen Lehre vor. Pfarrer Oechslin auf Burg bei Stein wurde von ihm gefangen gesetzt. Die
Reformierten von Stein, Stammheim und Umgebung versuchten diesen zu befreien, und als es ihnen misslang, stürmten sie die
KarthauseIttingen und steckten sie in Brand (1524). Auf Verlangen der katholischen Stände musste Zürich
den Hans Wirth und seine Söhne,
sowie Rüttimann ausliefern. Obwohl sie nachgewiesenermassen zur Ruhe gemahnt hatten, wurden sie mit
Ausnahme von Adrian Wirth zu Baden als Ketzer zum Tode verurteilt. Vergl. Kradolfer, J. J. Geschichte der Kirchgemeinde Stammheim. 1866. -
Mitteilungen der Antiquarischen GesellschaftZürich.
62 und 63. - Durrer, Bob. Der mittelalterliche Wandschmuck derKapellezuWaltalingenbei Stammheim. 1899. - Durrer, Rob., und Rud. Wegeli. Zwei schweizerische Bilderzyklen aus dem Anfangdes 14. Jahrhunderts.Zürich
1900.