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Louvois
(spr. luwoa),
François
Michel
Le Tellier,
[* 3]
Marquis de, Kriegsminister
Ludwigs XIV., geb. zu
Paris,
[* 4] Sohn
Le Telliers (s. d.), erhielt bereits 1655 die
Anwartschaft auf das
Amt seines
Vaters, das Staatssekretariat; 1660 wurde
er
Rat beim
Parlament in
Metz,
[* 5] 1662
Gehilfe seines
Vaters mit dem
Titel eines
Staatssekretärs und 1668 Kriegsminister.
Ludwig XIV.,
dessen
Charakter, Geistesrichtung und politische
Ziele mit denen
Louvois' übereinstimmten, schenkte ihm seine
Gunst
und unbeschränktes
Vertrauen und gestattete seinen Ratschlägen nicht bloß auf alle Kriegsangelegenheiten, sondern auch auf seine ganze auswärtige
Politik einen großen, mit deren Erfolgen wachsenden Einfluß.
Louvois entwickelte in seinem
Amt eine ungeheure Arbeitskraft: seine
amtliche
Korrespondenz füllt nicht weniger als 900 Foliobände.
Die größten Verdienste hat er sich um die Reorganisation der französischen Armee erworben. Sein klares, scharfes Urteil ließ ihn sowohl die Ursachen des Übels als die Mittel der Heilung rasch und sicher erkennen, und bei der Durchführung der Reformen entwickelte er eine bewunderungswürdige Umsicht und Energie. Er hat die Werbung, Zusammensetzung, Ausrüstung und Verpflegung, die militärische Einübung des Heers neu geordnet und ein Offizierkorps geschaffen, das er in strengster Unterordnung hielt, und in dem er durch Belohnung und Beförderung die Talente erweckte und großzog, welche die französische Armee zur ersten der Welt machten.
In den zahlreichen Kriegen hat er nicht nur die Ergänzung und Verpflegung der Armeen durchgeführt, sondern auch die Kriegsoperationen ausgearbeitet und durch Korrespondenz mit den Heerführern oder auch persönlich in Begleitung des Königs geleitet. Schon hierbei geriet er in vielerlei Konflikte mit den Feldherren, welche sich seine herrische Einmischung nicht gefallen lassen wollten und durch sein anmaßendes Benehmen beleidigt wurden. Gleich Ludwig XIV. die fremden Nationen verachtend und von der Macht wie dem Recht Frankreichs, sich auf Kosten derselben zu vergrößern, durchdrungen, hat er die Eroberungslust des Königs durch seine Ratschläge befördert und seine Politik mit in die Bahnen getrieben, auf denen sie endlich scheitern sollte. Auch in andre Dinge mischte er sich, wollte überall befehlen und anordnen. Rücksichtslos seinem Ziel, der Machterhöhung seines Vaterlandes, zustrebend, dabei gewaltthätig, brutal und höhnisch bis zum Cynismus, scheute er kein Mittel, selbst nicht das gewaltsamste. Die Reunionen betrieb er mit dem größten Eifer und der rohesten Gewaltsamkeit. Die Überrumpelung Straßburgs setzte er selbst ins Werk.
Die militärischen Gewaltmaßregeln gegen die Hugenotten sowie die Verwüstung der Pfalz 1689 half er als Minister wohl ausführen, doch ist er nicht der Urheber derselben. Seine Herrschsucht und Anmaßung erweckten ihm viele Feinde; vor allen haßte ihn die Maintenon, und schon fing seine Stellung an zu wanken, als er plötzlich am Lungenschlag starb.
Vgl.
Rousset,
Histoire de
Louvois et de son administration politique et militaire (6. Aufl., Par.
1879, 4 Bde.).