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Bristol ist die zweitgrösste Stadt Südenglands. Bricgstoc (Ort der Brücke) ist eine Angelsächsische Gründung. Ausgegrabene Münzen beweisen, dass die Siedlung in der Zeit von König Ethelred the Unready (978-1013) bereits eine Münzstätte besass. Nach der Normannischen Invasion wurde Bristowe, wie es im Mittelalter hiess, wegen seines Hafens am Fluss Avon ein strategisch immer wichtigerer Ort. Der Handel nahm zu und im 14. Jh. wurde Bristol zu einem wichtigen Exporthafen (vor allem für Wolle), von wo Schiffe die Ware nach Irland, aber auch in die Baltischen Staaten transportierte.
Im 15. Jh. brachten Seefahrer Geschichten über mystische Länder nach Bristol. Sagen aus Island, welches bereits 500 Jahre früher entdeckt wurde, Geschichten über Heluland und Markland. Sie schwärmten von bisher unbekannten fruchtbaren Gebieten wie Wineland the Good, heute Amerika. Diese Geschichten und die Notwendigkeit zur Erschliessung neuer Ländereien und Märkte spornten die Kaufleute und Seefahrer Bristols zu Unternehmungen und Abenteuer bisher völlig unbekannter Dimension an. Der bekannteste von ihnen, John Cabot, segelte 1497 an Bord des Schiffes Mathew mit seinem Sohn Sebastian westwärts und landete an der Nordamerikanischen Küste, dem heutigen Neufundland (New-found-land). Er glaubte allerdings, er habe Asien erreicht. 1552 wurde The Society of Merchant Venturers gegründet mit dem Ziel, Cabots Entdeckungen wirtschaftlich auszunützen und den Handel auszubauen. Bristols Hafen florierte. Wolle und Leder wurden exportiert, Wein, Tabak und Schokolade importiert. Güter und Rohstoffe, die zur Gründung von drei der wichtigsten Industrien Bristols führten.
Ein weniger ruhmvolles Kapitel ist der Sklavenhandel, der zu den wichtigsten wirtschaftlichen Aktivitäten des Hafens ab dem 17. Jh. gehörte. Das Verbot des Sklavenhandels im 19. Jh. bedeutete einen schweren Rückschlag, vor allem, weil der Hafen von Liverpool im Zeitalter der industriellen Revolution immer grössere Bedeutung gewann.
Der Bau der Dampfschiffe Great Western (1837) und Great Britain (1843) durch den genialen Ingenieur Isambard Kingdom Brunel in Bristol, eröffnete neue zeitliche Dimensionen in der Überquerung des Atlantiks. Allerdings führte die Idee des Bristol Hafen Managements, enorm hohe Taxen für die beiden Dampfschiffe zu erheben dazu, dass die beiden Schiffe von ihren Eignern nach Liverpool umplatziert wurden und dann während vielen Jahrzehnten von dort aus nach Amerika und Australien dampften. Erst im Jahre 1970 wurde die bereits halb abgewrackte SS Great Britain, übrigens das erste Schiff mit einem stählernen Rumpf, wieder nach Bristol zurück gebracht, renoviert und im alten Hafen ausgestellt. Heute befindet sich der Hafen Bristols nicht mehr in der Stadt, da der Fluss Avon zu wenig tief ist für grössere Meerschiffe. An der Mündung des Flusses befindet sich der neue Hafen, der heute allerdings nicht mehr zu den bedeutenderen in Grossbritannien zählt.
Der Name Brunel ist untrennbar mit Bristol verbunden. 1830 baute er neue Docks im alten Hafen, 1841 wurde die von ihm gebaute Great Western Railway Line von London Paddington nach Bristol eröffnet und der Bahnhof Temple Meads wurde ebenfalls von ihm erbaut. 1836 wurde er mit dem Bau der Clifton Suspension Bridge (Hängebrücke) beauftragt. Dieses Bauwerk konnte er allerdings wegen Geldmangels der Stadt nicht vollenden. Erst 5 Jahre nach seinem Tod vollendete das Institute of Civil Engineers dieses grandiose Projekt, welches vom Stadtteil Clifton (dort liegt unsere Schule) in einer Höhe von 80 m den Fluss Avon überquert.
Bristol wurde im zweiten Weltkrieg als strategisch und wirtschaftlich wichtiges Zentrum stark von Bombenangriffen in Mitleidenschaft gezogen. Heute ist die Stadt ein architektonisches Wechselspiel zwischen modernen Bauten aus Glas und Stahl, sowie liebevoll renovierter alter Bausubstanz. In Filton beim Flughafen Bristol befinden sich ausgedehnte Anlagen der British Aircraft Company. Dort wurde 1976 die erste Concorde, das bisher einzige zivile Überschallflugzeug, zusammengebaut. Dies war eine britisch-französische Co-Produktion, die allerdings vor einigen Jahren wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit eingestellt wurde.
Die Stadt bietet eine grosse Vielfalt an Kultur und Unterhaltung. Eine der grössten Universitäten des Landes mit mehreren Zehntausend Studenten bringt junges Leben und Innovation ins Zentrum Westenglands.