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So unterschiedlich die verschiedenen Märkte in der Landwirtschaft funktionierten, sie hätten alle eines gemeinsam, sagte SBV-Präsident Markus Ritter an der Medienkonferenz im Diemerswil BE: "Die Preise, welche die Landwirte für ihre Produkte erhalten, sind tief und sinken im langfristigen Trend weiter." So erhalten gemäss SBV die Bauern im Schnitt von einem Konsumentenfranken noch rund 25 Rappen. Vor rund 40 Jahren sei noch mehr als die Hälfte des Geldes an die Bauern geflossen.
Dass die Bauern heute weniger für ihre Produkte erhalten, zeigt sich auch daran, dass vor einem Vierteljahrhundert die Bauern mehr Geld für ihre Ware erhielten als heute, die Konsumenten damals in den Läden aber etwa für Fleisch dennoch weniger bezahlten. Gleichzeitig sind auch die Produktionskosten gestiegen. Schlussendlich resultiert daraus, dass eine Familienarbeitskraft (100%) 2013 einen Arbeitsverdienst von 47'000 Franken erzielen konnte, was deutlich unter dem Vergleichslohn ausserhalb der Landwirtschaft liegt.
Ungleiche Marktmacht
Um der Schweizer Landwirtschaft eine langfristige Perspektive zu bieten, sei es nötig, kostendeckende Produktpreise zu erzielen und einen fairen Anteil an der Wertschöpfung zu erhalten, sagte Markus Ritter. Dies sei auch möglich, ohne dass die Konsumenten die Zeche zahlen müssten. Es bedinge aber eine partnerschaftliche Zusammenarbeit aller Stufen des Ernährungssektors. In diesem Zusammenhang kritisierte Ritter Migros-Chef Herbert Bolliger, der Ende 2014 in einem Interview erklärt hatte, die Bauern seien schuld an den hohen Lebensmittelpreisen und am Einkaufstourismus. "Die Schweizer Bauern könnten ihre Tiere aber auch gratis abgeben und das Fleisch wäre dennoch teurer als in Deutschland", sagte Ritter.
In der Eierbranche läuft's besser
Doch nicht in jedem Landwirtschaftszweig oder jedem Betrieb läuft es gleich gut oder schlecht. Ein Beispiel, wo's gut läuft, ist die Familie Münger aus Diemerswil im Kanton Bern. Sie hält 9'000 Legehennen, die rund 8'500 Eier pro Tag produzieren. Er befinde sich mit seinem Einkommen oberhalb des Landwirtschaftsdurchschnitts, erklärte Thomas Münger. Bis 2010 hatte die Familie auch Milchkühe gehalten, ist jedoch unter anderem wegen des sinkenden Milchpreises aus der Produktion ausgestiegen. Der Eiermarkt ist zwar ziemlich stark reguliert und erfordert eine ausgeprägte Planung, doch bietet er auch eine gewisse Sicherheit. Thomas Münger schätzt an der Branche unter anderem, dass alle Lieferanten beim Abnehmer die gleichen Bedingungen haben und sich diese nicht gegeneinander ausspielen. Die Familie setzt aber auch auf den Direktverkauf, der von Damaris Münger gemanagt wird. Rund 1'000 Eier werden so pro Tag verkauft. Es zeige sich, dass die Konsumenten heute die Produzenten kennen wollten, sagt Thomas Münger. Das sei noch wichtiger als der Preis der Ware. Ein Ei verursacht derzeit ungefähr Produktionskosten von 20 bis 23 Rappen, so Münger. Auch das ist im Vergleich mit Deutschland viel, wo die Produzenten pro Ei 6 bis 7 Cent erhalten. "Zum deutschen Preis könnten wir hier nicht mal das Futter bezahlen", sagt Thomas Münger. Derzeit erhält er für seine Eier knapp 24 Rappen. Er würde gerne 2 bis 3 Rappen mehr erhalten und dafür auf die Direktzahlungen verzichten, so Münger.
X-Struktur der Wertschöpfungskette
Ein weiteres Problem für die Landwirtschaft ist die aktuelle Marktstruktur. Dort existiert eine sogenannte X-Struktur, d.h. unten stehen zahlreiche Produzenten und oben zahlreiche Konsumenten, doch in der Mitte existiert ein Flaschenhals aus Händlern und Verarbeitern. Weil Migros und Coop 80 Prozent der von den Schweizer Bäuerinnen und Bauern produzierten Güter verkaufen, verfügen diese über eine starke Marktmacht. Die Position der einzelnen Bauern sei zu schwach, um sich gegen die mächtigen Abnehmer zu behaupten, sagte SBV-Direktor Jacques Bourgeois.