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Lassen sich die Nebenwirkungen einer Hormontherapie bei Brustkrebs durch Akupunktur lindern? Dieser Frage ging eine Studie der University of Maryland School of Medicine in Baltimore nach.
Eine Akupunktur kann bei Brustkrebs die klimakterischen und andere Nebenwirkungen einer Behandlung mit Aromatase-Inhibitoren vermindern. In einer randomisierten klinischen Studie, die in Cancer (2013; doi: 10.1002/cncr.28352) publiziert wurde, zeigte allerdings auch eine Scheinakupunktur eine ähnlich gute Wirkung.
Zahlreichen postmenopausalen Patientinnen mit östrogenrezeptor-positivem Brustkrebs wird im Anschluss an die Operation eine Hormontherapie verordnet.
Deren Ziel liegt in der Ausschaltung von Östrogenen als Wachstumsfaktoren für Krebszellen.
Aromatase-Inhibitoren sind dabei im Allgemeinen verträglicher als das Antiöstrogen Tamoxifen. Klimakterische Beschwerden lassen sich bei dieser antiöstrogenen Therapie nicht vermeiden. Viele Patientinnen leiden bei einer Behandlung mit Aromatase-Inhibitoren unter Ängstlichkeit und Depressionen. Dazu können noch Gelenkbeschwerden kommen. Sie sind ein häufiger Auslöser für einen vorzeitigen Therapieabbruch.
Die Wissenschaftler um Ting Bao von der University of Maryland School of Medicine in Baltimore haben in einer Studie untersucht, ob eine Akupunktur die Beschwerden dieser Frauen reduzieren kann. Insgesamt 47 postmenopausale Patientinnen mit einem östrogenrezeptorpositiven Brustkrebs wurden auf eine echte und eine Scheinakupunktur randomisiert ( = per Zufallsentscheid in Akupunktur-Gruppe oder Scheinakupunktur- Gruppe eingeteilt).
Bei den Probandinnen der Scheinakupunktur-Gruppe wurde die Nadel nicht eingestochen. Es kommt gemäss Bao jedoch zu einer Empfindung auf der Haut, die für die Patientinnen nicht von einer echten Akupunktur unterscheidbar ist.
Im Frühjahr hatte das Team in Breast Cancer Research and Treatment (2013; 138 167-174) schon erste Resultate der Studie präsentiert. Beide Therapien linderten die Gelenkbeschwerden der Frauen und reduzierten die Konzentration von Interleukin-17, einem Signalmolekül von T-Zellen, signifikant. Nach den nun präsentierten Resultaten, linderten die acht Therapien in wöchentlichem Abstand auch die klimakterischen Beschwerden, die Ängstlichkeit und die Depressionen.
Die Wissenschaftler halten die Therapie für eine Alternative zur Verordnung von Antidepressiva, durch welche die Patientinnen durch Nebenwirkungen wie Übelkeit, Obstipation, Mundtrockenheit und Schläfrigkeit belastet werden. Die Akupunktur habe dagegen keine störenden Nebenwirkungen, erklärt Ting Bao.
Die Gleichwertigkeit von Akupunktur und Scheinakupunktur deutet allerdings darauf hin, dass die Therapie hauptsächlich eine Placebowirkung erzielt. Weil der Studie eine dritte Vergleichsgruppe ohne Akupunktur fehlte, bleibt offen, welcher Anteil der Placebowirkung auf die Akupunktur und welcher auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass die betroffenen Frauen durch die Therapie eine besondere Aufmerksamkeit bekamen.
Quelle:
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/57049/Mammakarzinom-Akupunktur-kann-Nebenwirkungen-der-Hormontherapie-lindern
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/cncr.28352/abstract
Kommentar & Ergänzung:
Interessante Studie. In den letzten Jahren sind einige Akupunkturstudien publiziert worden, die der Akupunktur eine Wirkung bescheinigten, der Scheinakupunktur aber auch.
Dazu kommt noch die Gerac-Studie, die eine Wirksamkeit der Akupunktur bestätigte, aber auch eine Wirksamkeit fand an Punkten, die nicht im Chinesischen System vorgesehen sind:
„Die dreiarmigen Studien verglichen an insgesamt 3500 Patienten eine Akupunktur an chinesischen Akupunkturpunkten (Verum) mit einer Akupunktur an nicht chinesischen Punkten (Sham) und einer konventionellen Therapie. Hierbei zeigte sich, dass etwa 11 Akupunkturbehandlungen innerhalb von 6 Wochen der konventionellen Standardtherapie bei chronischem Kniegelenksarthroseschmerz und bei chronischem Kreuzschmerz überlegen war. Bei Migräne war der Therapieerfolg einer Akupunktur über 6 Wochen mindestens so hoch wie derjenige einer 6 monatigen prophylaktischen medikamentösen Therapie, mit täglicher Einnahme von Betablockern. Ein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Akupunkturformen Verum und Sham konnte, wie in vielen anderen Studien auch, in keiner der Studien gezeigt werden.“
Quelle: Wikipedia
An diesem Punkt stellt sich die interessante Frage nach der Bedeutung der chinesischen Meridiane und Punkte. Wie kommt die Wirkung der Akupunktur zustande, wenn die Meridiane und die Akupunkturpunkte offensichtlich nicht wesentlich sind? – Neben Kontextfaktoren wie Ritual, Zuwendung und Erwartungshaltung könnte vor allem für die Schmerzlinderung durch Akupunktur Vorgänge der Gegenstimulation eine Rolle spielen:
„Bei akuten Schmerzen wenden Sie unwillkürlich Methoden an, die Ärzte als Gegenstimulation bezeichnen. Wenn Sie sich z. B. gestoßen haben, reiben Sie intuitiv die Haut in der Nähe des schmerzenden Körperteils.
Auch bei Kindern hilft dieser Trick: Kleine Verletzungen sind schnell vergessen, wenn Mutter oder Vater mehrmals über die Haut pusten oder streichen…….Um akute Schmerzen durch Gegenstimulation zu unterdrücken, haben sich in der medizinischen Praxis folgende Methoden bewährt:
– Der Chirotherapeut wendet gezielte Handgriffe und ruckartige Bewegungen an, um Blockaden oder Verspannungen in Wirbeln und Gelenken zu lösen.
– Mit Hilfe der Akupunktur lindert man Schmerzen, indem man bestimmte Hautpunkte mit feinen Nadeln reizt.
Massagen fördern die Durchblutung und tragen zur Entspannung bei.“
(Quelle: http://www.schmerz.de/schmerz/akute-schmerzen/)
Man spricht auch von Counterirritation oder Gegenreiz (siehe dazu Text auf Wikipedia)
Der Medizinhistoriker und Sinologe Paul U. Unschuld hat bereits fundiert dargelegt, dass das Konzept der traditionellen chinesischen Medizin soziomorph ist, sich also vom System des chinesischen Kaiserreichs ableitet, und in diesem Sinne nicht im Körper verankert ist.
Unschuld hat das beschrieben in seinem Buch
Siehe auch Artikel im Tagesanzeiger:
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch