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In den letzten Jahren scheinen Unternehmen vermehrt CEOs einzustellen, die bereits vorher in derselben Branche und in einem Unternehmen mit vergleichbarer Grösse tätig waren und damit über vermeintlich relevante Erfahrung verfügen. Doch welche Rolle spielt es für die Unternehmensperformance überhaupt, ob ein neuer CEO bereits solche Erfahrungen mitbringt?
Dieser Frage gingen Monika Hamori von der IE Business School in Madrid und Burak Koyuncu von der NEOMA Business School in Mont-Saint-Aignan in ihrer Studie nach. Als Untersuchungsobjekte wählten sie die Unternehmen des «Standard & Poor’s 500»-Aktienindex von 2005, der die grössten gelisteten Unternehmen der USA umfasst. Diese Daten kombinierten sie mit den biografischen Angaben der jeweiligen CEOs, die vor allem über Personalberatungen und öffentlich zugängliche Quellen gesammelt wurden (u. a. Werdegang, Arbeitgeber, Ein- und Austrittsinformationen, Alter und Geschlecht). Ergänzend dazu wurden Finanz- und Brancheninformationen zu den jeweiligen Arbeitgebern erfasst. Den Firmenerfolg vor und bis drei Jahre nach dem Eintritt der CEOs massen die Forscher anhand des Return on Assets (ROA) und des Return on Sales (ROS).
Bei den Analysen zur Forschungsfrage kamen Hamori und Koyuncu zu einem überraschenden Resultat: CEOs, die direkt aus einer CEO-Position ins Unternehmen wechselten und bereits über berufsspezifische Erfahrung in einer ähnlich grossen Firma oder einer verwandten Branche verfügten, zeigten eine deutlich tiefere Performance als vergleichbare CEOs ohne vorherige Erfahrung. Demgegenüber konnte für Firmen mit CEOs, die Erfahrungen in anderen Branchen oder Unternehmen anderer Grösse sammelten, sowie für jene, die zwischen den beiden CEO-Positionen eine andere Stelle innehatten, kein negativer Einfluss auf die Unternehmensperformance nachgewiesen werden.
Die Ergebnisse widersprechen einem Grossteil bisheriger Forschung, die hervorhebt, dass berufsspezifische Erfahrung die Leistung im selben Arbeitskontext erhöht. Die Studienresultate implizieren, dass CEOs die Fähigkeiten sowie die Wissens- und Denkmuster, die sie sich vorgängig angeeignet haben, «ablegen» bzw. adaptieren müssen, um in einem ähnlichen Unternehmen effektiv zu sein. Die Autoren empfehlen deshalb, neue CEOs beispielsweise für mindestens ein Jahr in einer Interimsposition zu belassen, wo sie sich firmenspezifisches Human- und Sozialkapital aneignen können.
Quelle
- Hamori, M. and Koyuncu, B. (2015), Experience Matters? The Impact of Prior CEO Experience on Firm Performance. Human Resource Management, 54(1), 23–44.