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Geboren wurde Niklaus von Flüe im Jahr 1417 in Flüeli bei Sachseln wo er zusammen mit seinem Bruder auf dem elterlichen Bauernhof aufwuchs. Der junge Niklaus von Flüe nahm, wie damals üblich, an militärischen Auszügen teil, dies, obwohl er das Kriegshandwerk überhaupt nicht schätzte. Im Jahr 1465 legte Niklaus von Flüe alle seine politischen Ämter, die er in Sachseln und im Stand Obwalden innehatte, nieder. Am 16. Oktober 1467 verliess er mit der Absicht als Pilgerer zu wallfahren seine Frau Dorothea Wyss, die mit seinem Vorhaben einverstanden war, und die zehn ehelichen Kinder, darunter zwei erwachsene Söhne, die fortan als Bauern für die Familie sorgen konnten. Doch bald zog es Niklaus von Flüe – in Liestal von Visionen geleitet – wieder in seine Heimat zurück und er liess sich in der Nähe seines Hofes, nur wenige Minuten von seiner Familie entfernt – in der Ranftschlucht – als Einsiedler nieder. Dort im Ranft bauten ihm Freunde eine Kapelle und eine Klause.
Obenstehende Fotografie zeigt rechts die »Obere Ranftkapelle« mit der links angebauten kleinen Klause des Bruder Klaus. Die Ausstattung der Klause war äusserst bescheiden; als Bett diente ein Brett, als Kissen ein Stein. Durch eine Lucke ist von der Klause direkt in die Kapelle zu sehen.
In seiner Klause strebte Bruder Klaus, der auch innig die Mutter Gottes verehrte, nach dem Einswerden mit Gott und betete intensiv zu ihm. Eines seiner Gebete die er täglich gebetet haben soll wurde wie folgt überliefert:
Mein Herr und mein Gott,
nimm alles von mir,
was mich hindert zu dir.
Mein Herr und mein Gott,
gib alles mir,
was mich führte zu dir.
Mein Herr und mein Gott,
nimm mich mir
und gib mich ganz zu eigen dir.
Anlässlich der Tagsatzung im Dezember 1481 in Stans entbrannte ein schwerer Konflikt zwischen den Stadt- und Landorten welcher beinahe zum Zerfall der Eidgenossenschaft geführt hat. Der Pfarrer von Stans, Heimo Amgrund suchte infolge den Einsiedler im Ranft auf und bat ihn um Rat. Niklaus von Flüe gab seinem Freund, Pfarrer Amgrund einen geheimen Rat – der bis heute unbekannt ist, zu Handen der Tagsatzung mit auf den Weg. Pfarrer Amgrund veranlasste dann die Ratsherren nochmals zusammenzutreten und richtete ihnen die Botschaft des Bruder Klaus aus; daraufhin einigten sich die Ratsherren innerhalb von nur zwei Stunden auf eine Kompromiss-Lösung. Der Bund der Eidgenossen wurde an dieser Tagsatzung um die beiden Kantone Freiburg und Solothurn erweitert; der Bund wurde erneueret und unter anderem wurden gewaltsame Überfälle auf Miteidgenossen verboten.
Zum 500 Geburtstag der beiden Kantone Freiburg und Solothurn im Bund der Eidgenossen wurden im Jahr 1981 von den Schweizerischen PTT-Betrieben zwei 40-Rappen-Briefmarken herausgegeben. Die links abgebildete Marke trägt das Stadtsiegel von Freiburg und die Marke rechts das Stadtsiegel von Solothurn.
Niklaus von Flüe, unser Bruder Klaus, starb am 21. März 1487 nach einem schweren Todeskampf und wurde in der alten Pfarrkirche Sachseln beigesetzt. Noch während des Baues der neuen Pfarr- und Wallfahrtskirche wurde der Eichensarg mit den Gebeinen von Bruder Klaus am 28. August 1679 an seinen neuen Ort überführt.
Mit dem Bau der Pfarr- und Wallfahrtskirche Sachseln wurde mit der Grundsteinlegung durch den päpstlichen Nuntius Odoardo Cybo am 12. Juni 1672 begonnen. Im Juli 1679 war das Kirchenschiff fertiggebaut und so konnte der Eichensarg mit den Gebeinen des Heiligen Bruder Klaus Ende August 1679 in die neue Kirche überführt werden. Nach zwölfjähriger Bauzeit wurde die Kirche von Weihbischof Georg Sigismund Müller von Konstanz am 7. Oktober 1684 geweiht. Die Kirche ist eines der 3200 Objekte, die zum Kulturgut von nationaler Bedeutung zählen.
Am 13. Mai 1940 geschah das »Wunder von Waldenburg«. Die Schweiz befürchtete aufgrund der in der Nacht vom 9. auf den 10. Mai 1940 von der Deutschen Wehrmacht auf die neutralen Benelux-Staaten und Frankreich ohne Vorwarnung getätigten Überfälle ebenfalls mit einem Angriff. Der Bundesrat befahl sodann die vom Oberbefehlshaber der Schweizer Armee General Henri Guisan beantragte Generalmobilmachung mit Wirkung per Samstag, 11. Mai 1940, 09.00 Uhr; sie war nach der ersten Kriegsmobilmachung, die am 2. September 1939 erfolgte die zweite Allgemeine Mobilmachung im Zweiten Weltkrieg.
Die Kriegsmobilmachung vom 2. September 1939 folgte dem Aufgebot der gesamten Grenztruppen und einzelner Deckungsgruppen, welches am 28. April 1939 vom Bundesrat ausgesprochen wurde. Die vereinigte Bundesversammlung wählte am 30. August 1939 Oberstkorpskommandant Henri Guisan zum General.
Einen Tag darauf verkündete der deutsche Propogandaminister Josef Goebbels: «Innert 48 Stunden wird es in Europa keine neutralen Staaten mehr geben!» Doch am nächtlichen Himmel erschien über dem Städtchen Waldenburg in der Nähe von Liestal einen Tag später, am 13. Mai eine grosse, hell leuchtende Hand – es war die schützende Hand von Bruder Klaus. Die Schweiz blieb vom Krieg verschont. Bruder Klaus wurde am 15. Mai 1947 von Papst Pius XII. heiliggesprochen. Der Papst legte als offiziellen Gedenktag den 25. September fest.
Das obenstehende Bild zeigt die Freske »Ereignis von Waldenburg, 13.05.1940«, welche in der Wallfahrtskirche Melchtal im Kanton Obwalden anzutreffen ist.
Der heilige Bruder Klaus ist der Schutzpatron der Schweizerischen Eidgenossenschaft sowie auch des Kantons Obwalden, der Katholischen Landjugendbewegung, der Katholischen Landvolkbewegung, des Schweizerischen Studentenvereins und der Päpstlichen Schweizergarde.