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Ankaramalaza, das Projekt
2002-2015 ke
Verein der Freunde von Ankaramalaza
Ankaramalaza
Ankaramalaza, was auf deutsch "heilige Hügel" bedeutet, ist ein kleines Hüttendorf im Buschwald an der Ostküste Madagaskars. Hier leben ungefähr 2000 Einwohner. Für protestantische Gläubige gilt das Dorf als Wallfahrtsort. Im Dorf leben einige Hundert psychisch kranke und geistig behinderte Menschen, die aus dem ganzen Land kommen. Sie wohnen bei Betreuern (sogenannten "Mpiandry" oder Hirten) und deren Familien. Zur Behandlung ihrer Krankheiten nehmen sie morgens und abends an einer religiösen Zeremonie teil, welche sich auf die Bibel stützt.
Mit unserem Projekt kam ab 1989 eine wichtige Stütze der Behandlung dazu, nämlich die Beschäftigung der Menschen mit einer Behinderung.
Bild - Strassenbau in Ankaramalaza. Die Arbeiten - auch auf den Feldern - werden ohne Maschinen, mit einfachsten Handwerkzeugen ausgeführt.
Wie das Projekt entstand
Ein madagassischer Lehrer (Tovo P. Ratovonjanahary), der in einem Heim mit Werkstätten für geistig Behinderte in Deutschland arbeitete, erkannte die Notwendigkeit, auch in Ankaramalaza für Betroffene eine solche Stätte einzurichten. Er suchte in der Schweiz finanzielle Unterstützung für sein Projekt. Die späteren Gründer des Vereins reisten im Sommer 1989 nach Madagaskar, um das Dorf zu besuchen. Sie waren beide beeindruckt von den Ideen und den bereits laufenden Aktivitäten der "Stiftung in Ankaramalaza". In Gesprächen wurden sie auf weitere Probleme wie die Mangelernährung, die Knappheit von Brennmaterial, die geringe Alphabetisierung und die schlechten hygienischen Verhältnisse aufmerksam. Zurück in der Schweiz beschlossen sie, die Initiative der Einheimischen zu unterstützen. Sie gründeten den "Verein der Freunde von Ankaramalaza", welcher das Projekt mitfinanzieren und mit Ideen unterstützten sollte. Der Aufbau konnte beginnen.
Landwirtschaftliche Aktivitäten
Jérôme Rainianjanary, studierter Agronom, war Chef des Projekts. Er und seine Mitarbeiter bauten mit der finanziellen Hilfe des Vereins ein landwirtschaftliches Zentrum auf. Leider verstarb Jérôme im Jahr 2008.
Das Zentrum besteht aus Hütten für vier Bauernfamilien, mehreren Ställen (Rinder, Schweine, Hühner, Enten), Speicherkammern, Speisesaal und Brunnen. Dazugekauftes Sumpfgebiet wurde zu fruchtbaren Reisfeldern kultiviert, ebenso wurden viele verschiedene Gemüse- und Fruchtsorten und Bäume zur Aufforstung angepflanzt. Das Zentrum sollte einerseits als Modell für verschiedene landwirtschaftliche Methoden dienen, andererseits zur sinnvollen Beschäftigung der behinderten Menschen beitragen. Sie sollten dabei Methoden des Anbaus, der Ernte und Verarbeitung erlernen. Für die Stiftung in Ankaramalaza sollte der Verkauf der Produkte gleichzeitig eine wichtige Einnahmequelle sein.
Bild - Behinderte Menschen, die mit den Bauern auf den umliegenden Feldern von Ankaramalaza arbeiten.
Bild - Reisanbau - die jungen Reispflanzen werden pikiert.
Bild - Reisanbau - einige der Felder in der Nähe von Ankaramalaza.
Ausbildung für psychisch Kranke und geistig Behinderte
Dreimal pro Woche kommen die im Dorf lebenden behinderten Personen mit ihren "Mpiandry" (Betreuern) auf die Felder, um zu arbeiten. Die angestellte Köchin vermittelt ihnen anschliessend das Wissen über die Zubereitung der geernteten Produkte zu einer reichhaltigen und nahrhaften Mahlzeit. Schon alleine die Tatsache, dass dreimal wöchentlich eine ausreichende Mahlzeit zur Verfügung steht, ist für manche der Beteiligten sehr wichtig.
Durch Erlernen einfacher Tätigkeiten auf dem Feld und in der Küche sollen die psychisch kranken und geistig behinderten Menschen zum täglichen Leben befähigt und ins Dorfleben integriert werden. Weitere Arbeiten die angeboten werden: Handarbeiten (nähen, sticken, flechten) sowie ein Kurs zur Alphabetisierung.
Der Verein ermöglichte einem Verantwortlichen für die Betreuung eine Ausbildung in einem Zentrum für psychisch Kranke und geistig Behinderte in der Hauptstadt.
Bild - Gemeinsame Mahlzeit in Ankaramalaza. Schon alleine die Tatsache, dass dreimal wöchentlich eine ausreichende Mahlzeit zur Verfügung steht, ist für manche der Beteiligten sehr wichtig.
Infrastruktur in lokal angepasster Bauweise
Im weiteren wurden durch das Projekt ein Schul- und Versammlungsgebäude und vier Toiletten im Dorf finanziert. Die Gebäude wurden möglichst nach ortsüblicher Art gebaut. Motorbetriebene Maschinen, Kunststoffe und chemische Mittel sollten möglichst vermieden werden. Wegen jährlichen Wirbelstürmen müssen allerdings die Holzhütten ständig repariert werden. Deshalb wurden auch Gebäude mit Betonpfeilern finanziert und erstellt.
Verein der Freunde von Ankaramalaza
Der Vorstand koordiniert die Sammeltätigkeit, verwaltet die Spenden und kontrolliert deren Verwendung in Ankaramalaza. Er informiert über die Aktivitäten in Ankaramalaza. Alle Mitglieder arbeiten ehrenamtlich: Die Spenden stehen voll und ganz dem Projekt zur Verfügung. Der Verein übernimmt auch keine Reisespesen.
Während der letzten Jahre besuchten Mitglieder des Vereins sowie interessierte Reisende das Projekt als Station ihrer privaten Madagaskarreise. Sie waren begeistert und brachten jeweils Fotos und Dokumente zurück, die den guten Verlauf des Projektes bestätigten. Zwischen Ankaramalaza und dem Verein in der Schweiz besteht ein reger schriftlicher Kontakt. Alle Mitarbeitenden in Ankaramalaza sind Madagassen.
Finanzierung
Durch Patenschaften und Spenden aus dem Bekanntenkreis des Vereins wird das Projekt finanziert. Unterschieden werden Kosten für einmalige Investitionen (Gebäude, Werkzeuge, Küchengeräte, Tiere, Saatgut usw.) und wiederkehrenden Ausgaben (Löhne, Krankenkasse, Verbrauchsmaterial, Lebensmittel für Kochkurs). Wiederkehrende Ausgaben werden soweit als möglich über Patenschaften finanziert: Eine Patein oder ein Pate verpflichtet sich, während eines Jahres oder länger einen bestimmten Beitrag zu leisten. Die monatlichen Beiträge der Paten bewegen sich zwischen CHF 10.- und 100.-.
Mitarbeitende des Projektes, insgesamt etwa 16 Einheimische, erhalten Monatslöhne. Die Löhne entsprechen dem Lohnniveau des Landes und der Region, manche Beschäftigte sind nur teilzeitlich angestellt. Stand 2015.
|Stellenbeschrieb||CHF / Monat|
|Gesamtverantwortlicher||40.-|
|Leitung der Behindertenarbeit||40.-|
|Leiter-Stellvertreter, Sekretär||je 20.-|
|Gérante de Projet||40.-|
|4 Bauernfamilien||je 40.-|
|2 Schneiderinnen, Kochlehrerin||je 14.-|
|Kassierin, Nachtwächter, Alphabetisierung||je 10.-|
|Laufende Kosten pro Monat|
|Löhne wie oben||392.-|
|Nahrungsmittel für Kochkurs||345.-|
|Krankenkasse, Verbrauchsmaterial (z.B. Seife)||90.-|
|Laufende Kosten pro Monat||827.-|
Beeindruckend ist, wie mit - für unsere Massstäbe - wenig Geld grosse Leistungen erbracht werden können!
Verein der Freunde von Ankaramalaza