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Tidjane Thiam macht auch Spekulanten für den fallenden Kurs der CS-Aktie verantwortlich. Bei einem mir bekannten Banker löste diese Nachricht ein ungläubiges Lachen aus. «Diese Aussage könnte aus dem linken politischen Lager kommen, aber nicht vom CEO der Credit Suisse», sagte er mir.
Recht hat er. Die Linken kritisieren, dass Spekulanten die Nahrungsmittelpreise nach oben trieben. Doch die Investmentbanker rechtfertigen ihr Tun mit dem Argument, es sei der Markt, der den Preis bestimme. Nach dieser Lesart ist es also auch der Markt, der den Kurs der CS-Aktie ins Bodenlose fallen lässt, und nicht die Spekulanten. Die Marktteilnehmer sind demnach ganz offensichtlich der Meinung, dass das CS-Papier bei der aktuellen Führung keine 25 Franken wert ist wie vor einem Jahr, sondern eben nur noch 10 Franken.
Doch der unglücklich operierende CEO aus der Elfenbeinküste weiss mehr als wir. Vielleicht stimmt ja das Gerücht, dass die Katari im grossen Stil Leerverkäufe tätigen. Der Golfstaat ist mit einer Beteiligung von 18 Prozent grösster Aktionär der zweitgrössten Schweizer Bank.
Mit Leerverkäufen verkauft man Aktien, die man nicht besitzt, und verspricht gleichzeitig, die Papiere zu einem späteren Zeitpunkt zu liefern. Ist der Kurs gefallen, kann man die zu einem höheren Kurs verkauften Aktien zu einem tieferen Kurs erstehen. Die Katari, so das Gerücht, wollen mit Leerverkäufen den Aktienkurs der CS auf 8 Franken drücken. Bei dieser Grenze könnten sie günstig Aktien kaufen, die sie vorher zu einem höheren Kurs verkauften, womit ihre Beteiligung anwachsen würde. Wirklich nachvollziehen kann ich das zwar auch nicht. Aber eben: Gerüchte gibt es an der Börse zuhauf.
Und wenn wir schon beim Thema sind: Der Anlageberater ruft einen Kunden an und erklärt ihm anklagend, dass sein Konto um eine Million überzogen ist. Der Kunde fragt, welchen Kontostand er am 30. des Vormonats aufwies. Der Berater sieht nach und meint: «Zwei Millionen Guthaben.» – «Sehen Sie», sagt der Kunde, «habe ich Sie deswegen angerufen?»
Erschienen in der BZ am 12. Juli 2016