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Verwandte und Bekannte
Hier will ich gerne alle Personen kurz vorstellen, die im engeren oder weiteren Sinn zu meiner Familie gehören soweit ich mich noch erinnern kann.
Vater Albert, nun, meinen Vater brauchen wir nicht unbedingt dazu zu zählen, da er sich ja schnellstens nach meiner Geburt aus dem Staub gemacht hat, was ich ihm aus meiner heutigen Sicht und meiner Kenntnis der Geschichte nicht unbedingt verübeln kann.
Da wären dann noch die zwei Brüder meiner Mutter. Arnold und Eduard die beide verschiedener nicht hätten sein können.
Onkel Arnold, der Intellektuelle, der Studierte, der Gebildetste unseres Clans, das Genie, welches Altgriechisch, Latein, Französisch und Englisch fliessend spricht, das Genie mit den zwei linken Händen, das leider keine grosse Ahnung vom wirklichen Leben hat. Unverheiratet, spielt gerne den Landlord im Seidenanzug und übernimmt am Wochenende die Rolle meines Vaters, was mir überhaupt nicht passt, denn verschiedener könnten auch wir zwei nicht sein.
Onkel Eduard, nicht studiert aber dafür umso praktischer veranlagt, ein typischer guter Handwerker und somit die praktische Stütze unserer Kleinfamilie. Denn unsere alte Hütte, das Bauernhaus mit angrenzender Schmiede war schon über dreihundert Jahre alt. Es gab immer etwas zu reparieren und somit war mein Onkel Eduard ein allemal gern gesehener Gast und ich konnte ihn auch gut leiden, hatte er doch einen gewissen Humor der meinem nicht ganz unähnlich war.
Tante Elsa, von mir Tante Elsi gerufen, war die Frau von Onkel Eduard. Mit ihrem Ostschweizerdialekt war sie eher ein Fremdkörper in unserer Verwandtschaft. Meine Mutter und meine Grossmutter liebten sie nicht besonders, aber das beruhte ganz auf Gegenseitigkeit, denn meine Familie belegte den Bruder und Sohn mit Beschlag. Er hätte nach Meinung der beiden etwas Besseres verdient gehabt, wie das halt so ist mit Schwiegermüttern.
Anna, meine Grossmutter, war gebürtige Bayerin und das Urtier unserer Gemeinschaft. Sie war der eigentliche Chef unseres Clans und hatte das Sagen, auch wenn es niemand zugeben wollte. Da meine Mutter arbeiten musste um Geld zu beschaffen, managte sie das grosse Bauernhaus und ebenso den riesigen Garten, der die Grundlage unseres Lebensunterhaltes darstellte. Dazu kam noch die grosse Küche in der sie, jedenfalls meistens, Befehle austeilte und auch kochte.
Gotte Lili, von mir so genannt, war nicht wirklich verwandt mit uns aber sie war meine Taufpatin und stets willkommen bei mir, da ich zu den üblichen Festtagen immer schöne Geschenke von ihr bekam. Sie litt keine Not, war sie doch die Sekretärin des Chefarztes vom Spital in Olten. Obendrein war sie total verknallt in Onkel Arnold aber dieser wollte nichts von ihr wissen weil sie, wie er mir später erklärte, krumme Haxen hätte. Ich finde er war ein Idiot, denn sie war ausserordentlich hübsch und intelligent und er wäre mit ihr besser gefahren als mit der blonden Kuh die er später heiratete und die ihn nur ausnahm um ihn dann im Alter abzuservieren. Aber jeder macht eben seine eigenen Fehler. Wenn bei Männern die Hormone wüten, ist das Gehirn ausser Funktion, ich mache da keine Ausnahme wie ich zu meiner Schande gestehen muss.
Grossvater habe ich leider nur schwach in Erinnerung. Ich kenne ihn eigentlich nur noch vom Altersheim „Ruttigerhof“ am Stadtrand von Olten in das man ihn abgeschoben hat wie ein altes Pferd. Auch war es nicht gerade für ein gutes Ambiente und eine fürsorgliche Pflege bekannt. Ausserdem kam es mir auch nicht wohnlich vor mit seinen vergammelten Linoleumböden und den verblichenen Wänden. Ich habe ihn ein paar Mal mit Onkel Eduard besucht und er hat mir leidgetan, denn ich habe gespürt, dass dies der falsche Platz war für ihn. Er fühlte sich wohl sehr einsam und Geld hatte er auch keines um sich ab und zu in der nahe gelegenen Gaststätte einen zu genehmigen, ausser wenn ihm Onkel Eduard hin und wieder mal ein bisschen Geld zuschob und das kam nicht all zu oft vor. So möchte ich nicht enden und wer sich im Alter auf seine Kinder verlässt, kann, wie dieses Beispiel zeigt, böse Ueberraschungen erleben. Darum kann es wohl nichts schaden, wenn man seine Wünsche für das Alter beizeiten beim Anwalt regelt. Mein Grossvater muss ein richtiges Dorforiginal gewesen sein, der weder Gott noch den Teufel fürchtete. Stämmig wie eben ein Dorfschmied sein sollte und mit einem riesigen Schnauzbart versehen. Um ihn ranken sich ein paar Geschichten, die meine Grossmutter mir erzählt hat. Diese gebe ich später zum Besten.
Dann wären da nur noch ein paar ferne Verwandte meiner Grossmutter zu nennen. Sie wohnten alle in München oder Umgebung. Ich lernte sie nur flüchtig kennen, als ich mal mit meiner Mutter einen Ausflug nach München machten durfte.
In guter Erinnerung ist mir aber das Hofbräuhaus geblieben mit seinen grossen Biertischen und den Masskrügen mit dem feinen Münchner Bier, das ich als kleiner Bub schon gerne mochte und davon ab und zu auch ein bisschen trinken durfte.