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Jochen Roller & Saar Magal (Berlin / Tel Aviv)
BASICALLY I DON’T BUT ACTUALLY I DO
Saar Magal ist Israelin und Jüdin, Jochen Roller ist Deutscher. Beide sind Choreografen und Tänzer und seit siebzehn Jahren befreundet. Ausgangspunkt für das gemeinsame Projekt ist ein Foto, es zeigt einen SS-Mann bei der Erschiessung einer jüdischen Frau. Zwei Generationen später reagieren die beiden auf dieses Foto und erstellen einen Katalog aus Bildern und Situationen, die als Phantome der Erinnerung an den Holocaust in ihren Köpfen und Körpern gespeichert sind. Sie untersuchen choreografisch, wie diese Phantome die Wahrnehmung beeinflussen. Was, wenn die Personen auf dem Foto Opa Roller und Oma Magal sind? Wie gehen dann sie, die Enkel der Opfer und Täter, damit um? Ohne direkten Zugang zur historischen Information, die mit ihren Grosseltern verschwunden ist, erproben sie in unterschiedlichen Versuchsanordnungen auf der Bühne, von welchen Vorstellungen und Realitäten ihr deutsch-israelisches Verhältnis geprägt wird.
Bei gegenseitigen Besuchen in ihren Heimatstädten Berlin und Tel Aviv erschraken sie immer wieder über zufällig zusammenknallende Hacken oder brüllende Busfahrer – Echos der Vergangenheit. Der Berg an Fragen bei der Erarbeitung ihres Projekts wuchs mit der Recherche am Material. Darf und kann man den Holocaust choreografieren, vertanzen? Kann man die Psychologie von Tätern und Opfern nachvollziehen? Tanzend?
«Natürlich gibt es dieses Argument, dass man das ruhen lassen sollte, weil es krankes Gedankengut ist – völlig klar. Aber wenn du probierst, das Geschehen auf irgendeine Weise nachzuvollziehen, musst du dir anschauen, wie die Sprache den Körper behandelt hat, wie die Körper behandelt wurden, um den Willen zu brechen. In dem Moment, wo du versuchst, das nachzuvollziehen, wird vieles etwas begreifbarer.» (Jochen Roller)
Jochen Roller studierte nach einer klassischen Ballettausbildung Angewandte Theaterwissenschaft in Giessen und Choreografie am Laban Centre in London. Seit 1997 entstanden zahlreiche Tanz- und Performanceprojekte, mit der Solo-Trilogie «perform performing – über den Sinn und Unsinn, Tanz als Arbeit zu betrachten» war er 2005 bei Auawirleben zu Gast.
Saar Magal studierte u. a. Tanz an der Telma Yalin Art High School in Tel Aviv sowie am Laban Centre in London und gewann den ersten Preis beim Choreografiewettbewerb «On the Way to London». Seither arbeitete sie u. a. am Nationaltheater Habima, am Suzanne Dellal Center for Dance and Theater, mit der Bat Sheva Ensemble Dance Company und der Koldmana Dance Company in Tel Aviv, beim Theater for a New Audience in New York und mit Multifrazione Progetti & Fabbrica Europa in Florenz.
Von und mit: Jochen Roller, Saar Magal | Licht: Marek Lamprecht | Sound: Paul Ratzel | Oeil extérieur: Elisabeth Nehring, Regev Contes | Produktionsleitung: Harriet Lesch, Katharina von Wilcke
Koproduktion: Kampnagel Hamburg, Goethe-Institut Tel Aviv
VIDMAR:1
FR 6.5. | 20:00 anschliessend Publikumsgespräch
SA 7.5. | 20:00
Sprache: Englisch und Deutsch
Spieldauer: 55min
Eintritt: 35.–/25.–