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Internationale Währungsordnung oder -unordnung?
Jean-Pierre Roth, Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank
Forschungsinstitut für Empirische Ökonomie und Wirtschaftspolitik, Universität St. Gallen, 14.11.2006
Der Begriff der "internationalen Währungsordnung" ist irreführend. In der Vergangenheit schien Ordnung zu herrschen, wobei von den Industrieländern die uneingeschränkte Einhaltung des Goldstandards und später der fixen Wechselkurse erwartet wurde. Dies war allerdings nie der Fall, so dass auf Währungskrisen jeweils Abwertungen folgten. Eine Ordnung existierte nur dem Anschein nach, in Wahrheit herrschte Unordnung. Heute überwiegt der Eindruck einer Unordnung, doch die nationalen Währungsordnungen beruhen auf solideren Grundlagen als in der Vergangenheit. Der Übergang zu flexiblen Wechselkursen und die Tendenz zur monetären Integration begrenzen das Risiko einer Währungskrise. Zudem setzt die Ausweitung des freien Kapitalverkehrs die Volkswirtschaft eines Landes zunehmend der disziplinierenden Wirkung des internationalen Wettbewerbs aus. Diese Entwicklung hat die Rolle des Internationalen Währungsfonds (IWF) zwangsläufig beeinflusst. Der IWF war früher der Hüter des 1944 in Bretton Woods beschlossenen Systems fester Wechselkurse; heute wirkt er als Förderer der internationalen Finanzstabilität. Dazu überwacht er die gesamtwirtschaftliche und finanzielle Lage seiner Mitgliedsländer. Stärker als je zuvor sind seine Aktivitäten in erster Linie auf die Krisenprävention ausgerichtet.