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Archive
Ernst Ludwig Kirchner Archiv
Das Ernst Ludwig Kirchner Archiv zum Gesamtwerk basiert auf ersten Anfängen von Roman Norbert Ketterer und Wenzel Nachbaur in den 1950er Jahren im Stuttgarter Kunstkabinett und wurde ab 1980 von Ingeborg Henze-Ketterer und Dr. Wolfgang Henze zu einer Dokumentation sämtlicher Angaben zu sämtlichen Werken Kirchners einschliesslich der zugehörigen Literatur ausgebaut.
Das Archiv korrespondiert weltweit mit Museen, der Kunst-Wissenschaft, der Kunstkritik und dem Kunst-Handel und fördert Ausstellungen und Publikationen zu Kirchner. Es beurteilt Fragen der Echtheit seiner Werke.
Archiv Stuttgarter Kunstkabinett Roman Norbert Ketterer
Das Archiv Stuttgarter Kunstkabinett Roman Norbert Ketterer umfasst sämtliche erhaltenen Unterlagen zur Tätigkeit des Kunstkabinettes in Stuttgart von 1946 bis 1962 und der Galerie Roman Norbert Ketterer in Campione d’Italia von 1962 bis 1988.
In dieser Zeit vermittelte Roman Norbert Ketterer mehr als 40.000 Kunstwerke aus dem Bereich der klassischen Moderne und insbesondere des Expressionismus, die so als vor 1945 «entartete Kunst» ab 1946 aus dem Verborgenen oder aus dem Ausland wieder in die Museen zurück oder in neue Privatsammlungen gelangten. Daher ist dieses Archiv eine der Schlüsselquellen für die Provenienzforschung in diesem besonders kritischen Bereich der Kunst.
Eduard Bargheer Archiv
Eduard Bargheer (1901-1979) entstammt der Hamburgischen Sezession der 1920er Jahre und gehört zu der Gruppe von deutschen Künstlern und Intellektuellen, die sich erstaunlicherweise ab 1933 – auf unterschiedliche Art und Weise durch den Nationalsozialismus bedrängt – nach Italien in eine «Zuflucht auf Widerruf» zurückzogen. Bargheer lebte auf Ischia und schuf dort seine Malerei zwischen «Abstraktion und Einfühlung» konsequent weiter.
In dessen letzten Lebensjahren erstellte Dr. Wolfgang Henze eine Dokumentation zu seinem Leben und Werk, aus der 1979 eine Monographie mit Verzeichnis seiner Gemälde hervorging. Das Archiv Eduard Bargheer arbeitet eng mit der Nachlass-Verwaltung, Dirk Justus, im Bargheer Museum in Hamburg zusammen.
Francis Bott Archiv
Francis Bott (1904 1998) gehört in der Malerei zu den Spätberufenen. Er entstammt der politisch engagierten linken Vagabunden-Szene der 1920er Jahre, sang und malte auch mal, um sich Geld zu verdienen, wechselte notgedrungen nach 1933 zunächst nach Wien und Prag, dann nach Paris, wo er zwischen Realismus und Surrealismus zu malen begann, sich antifaschistisch engagierte und 1938 die Ausstellung des «Freien Künstlerbundes» in Paris organisierte. 1940 tauchte er in den Pyrenäen unter und konnte 1944 nach Paris zurückkehren, wo er sich der Gruppe «Abstraction-Création» anschloss. Dann schuf er bis 1968 in hoher Konsequenz eine Hymne auf das Nichtmehrsagbare, die Abstraktion.
Dr. Wolfgang Henze lernte ihn 1977 kennen und legte eine Dokumentation zu seinem Leben und Werk an, aus der 1979 eine Monographie mit Verzeichnis seines Gesamtwerkes hervorging, Grundlage für das aktuelle Archiv.
Berthold Müller-Oerlinghausen Archiv
Berthold Müller-Oerlinghausen, gen. BMO (1893-1979) war Bildhauer, Zeichner und Mosaizist. Expressiver Ausdruck und religiöse Thematik wurden ihm durch Hans Perathoner in Bielefeld schon früh zu lebenslangen Leitlinien. Erfahrungen als Soldat im Ersten Weltkrieg drängten ihn zur Konversion zum Katholizismus mit grosser Italien-Leidenschaft. Er verschrieb sich einer Erneuerung christlicher Kunst in expressiven Formen. Völkisch denkende Priester jedoch zerstörten seine Kirchenausstattungen. Obwohl er mit seinen stilistischen Möglichkeiten zwischen Barlach und etruskischer Plastik den Nazis hätte gefallen können, war ihm das zuwider. Wie so viele deutsche Künstler zog er sich 1940 an den Bodensee zurück, wo er seine noch in Berlin begründete Mosaik-Werkstätte noch während und nach dem Zweiten Weltkrieg zu grosser Blüte führte.
Dr. Wolfgang Henze lernte BMO schon 1968 kennen trug aber eine Dokumentation zu seinem Leben und Werk erst nach dessen Tod zusammen. Aus dieser ging 1990 eine Monographie mit Verzeichnis seiner Plastik hervor. Dr. Wolfgang Henze ist Nachlass-Verwalter von BMO und arbeitet mit dessen Familie in Kressbronn am Bodensee und Berlin eng zusammen.
Fritz Winter Archiv
Fritz Winter (1905-1976) begann als Grubenelektriker in seiner Heimatstadt Ahlen, war in der sozialistischen Jugend aktiv, begann zu malen und wanderte durch Holland und Belgien, arbeitete nachts unter Tage, besuchte tagsüber das Realgymnasium, um Medizin zu studieren, sein ehemaliger Zeichenlehrer riet ihm, sich am Bauhaus zu bewerben, das sei auch ohne Schulabschluss möglich. Dort studierte er bei Klee und Kandinsky und stellte schon 1930 in der Galerie Ferdinand Möller in Berlin aus. Er arbeitete mit Naum Gabo in Berlin und 1929-32 mehrmals bei Kirchner in Davos.
1928/29 entschied er sich für seine Form der «abstraction-création» von den kleinen Formaten dieser drei Künstler bis zu den abstrahierenden Zweimeterbildern, die er bei Kirchner in Davos sah, und in eben deren Formenwelten, zunächst in den sehr dunklen Tönen seiner Untertagewelt, aus denen vor und während des Zweiten Weltkrieges leuchtende Farben ausbrechen. Er erprobt die Abstraktion des 20. Jhs. konsequent in langen Versuchsreihen. Im Jahre 2009 übernahm die Galerie Henze & Ketterer den Nachlass-Teil seines Sohnes Florian Winter und dessen Archiv.