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Der heilige Ulrich (890-973) war der Winzer-, Fischer-, Wetter-, Wasser- und Reisepatron, und ihm war das im Schatten des Münsters stehende kleine Gotteshaus gewidmet. Bis ins 13. Jahrhundert wird die Kapelle so bedeutsam, dass die spätere Rittergasse 1245 als Ulrichsgasse erwähnt wird. In den 1260er Jahre erhob der Domprobst, der Kirchherr zu St. Ulrich und zugleich der vornehmste und einflussreichste Geistliche der Stadt, die Kaplanei als Folge des Seelsorgestreits zwischen dem Domstift und St. Alban in den Rang einer Pfarrkirche, indem er ihr die Pfarrei St. Margarethen übertrug. Ihr Gemeindegebiet setzte sich aus den Vorstädten zwischen St. Alban und dem Birsig, der Stadtflur und den Dorfbännen Binningen und Bottmingen zusammen. Dadurch wurde St. Margarethen zu einer Filiale von St. Ulrich, die allerdings ein ziemliches Stück ausserhalb lag.
Obwohl an guter Lage, war die Pfarrei zu St. Ulrich stets ein Gotteshaus für einfache Leute, von Webern, Schäfern, Hafnern und Rebleuten. Seinen grossen Tag hatte St. Ulrich jedes Jahr am Himmelfahrtstag. Da fanden sich neben dem Leutpriester mit dem heiligen Sakrament die Rebleute und Ackerknechte und die für den Feldbau Verordneten der Kirchen und Klöster, des Spitals und der Elenden Herberge hoch zu Pferd auf dem Kirchplatz zum Bannritt ein. "Das Alles geschah Gott dem allmächtigen zu Lob und Ehre, der Frucht zu Schirm und der Gemeinde zu Trost vor Ungewitter, auch um Behaltung und Handhabung der Weite, Breite und Ferne des Bannes". Das kleine Gotteshaus an der Ulrichsgasse war aber auch durch seinen Pfarrer Jakob Immelin bekannt. Dieser hat als erster 1523 das Abendmahl in neuer Form und in beiderlei Gestalt dargebracht; Johannes Oekolampad, Basels Reformator, war sein erster Kommunikant. Ein Jahr später ging Immelin, wiederum als erster unter den städtischen Predigern, die Ehe ein; er heiratete seine Köchin Margaretha Butsch, "bei der er bisher in hurerei gesessen"!
St. Ulrich wurde mit der Längsachse des Schiffs parallel zu der des Münsters gebaut; es stand einst direkt an der Mauer des ehemaligen römischen Kastells. Wie es früher aussah, lässt sich nur schwer im Detail bezeugen. Das Erdbeben von 1356 fügte der kleinen Kirche, die durch den die Rittergasse überspannenden Kohlischwibbogen mit der Domherrenresidenz zum Diessbacherhof verbunden war, schweren Schaden zu. Ein Neubau wurde nötig; die Kirche erhielt ein zweites Kirchenschiff und wurde dadurch verbreitert. So ragte die Kirche in den ehemaligen Burgbann des römischen Kastells hinein und gelangte in die Münsterfreiheit. 1401 erhielt die Kirche einen eigenen Begräbnisplatz, indem sie das südlich gelegene Hofgut Tüffenstein erwarb; nun konnten die Leute wieder auf dem Münsterhügel begraben werden und nicht mehr zu St. Elisabethen.
1440 wurde ein weiterer Neubau nötig, weil die Flammen des grossen Feuers von 1417 das Kirchlein weitgehend ausgebrannt hatte. Zum Wiederaufbau musste Geld geliehen werden. Zwanzig Jahre dauerte die Errichtung der neuen Ulrichskirche, und kaum etwas (ausser des Chors) blieb, wie es gewesen war. Ein Turm wurde 1440 errichtet, was das Gotteshaus aufwertete. Die Seitenschiffe waren von unterschiedlicher Breite, und nachdem der Turm in eines davon hineingebaut worden war, ergab sich im Innern der Kirche eine zusätzliche räumliche Disharmonie. Der Grundriss der Sakristei beispielsweise hatte die Form eines verzogenen Rechtecks.