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Bericht: Im Gespräch mit der MacBU (Rück- und Ausblick)
Im Rahmen der Macworld in San Francisco erhielt macprime die Möglichkeit, an einer Produktpräsentation der Mac-Business-Unit von Microsoft teilzunehmen. Microsoft besitzt eine lange Tradition in der Entwicklung von Office-Software für den Mac, die Büroprogramme aus Redmond zählen auch heute noch zu den verbreitetsten Softwareprodukten für die Mac-Plattform. macprime sprach mit den hohen Köpfen der Mac-Business-Unit über die Zukunft von Office für OS X und Microsofts Pläne für die Mac-Plattform.
MacBU 2008
Die Macintosh Business Unit hatte 2008 ein sehr gutes Jahr. An der Macworld 2008 - also vor einem Jahr - hatte die Microsoft Macintosh Business Unit das neue Office 2008 für den Mac vorgestellt. Während den ersten vier Monaten verkaufte sich das Softwarepaket drei Mal besser als Office 2004 in dessen ersten vier Monaten. 2008 war die MacBU auch eine der Top-Softwarefirmen auf amazon.com, welches zumindest für den amerikanischen Markt ein guter Gradmesser für den Markt ist. Aktuell sollen zudem drei Viertel aller Mac-User in den USA Microsoft Office auf dem Mac benutzen.
MacBU feiert 25 Jahre
2009 feiert die MacBU nun ihr 25-jähriges Bestehen. 1984, mit der Markteinführung des ersten Macintoshs, stellte Microsoft (damals noch ohne MacBU), die erste Version von Word vor. «Word 1.0» war vorerst Mac-only (Windows kam erst Ende 1985/Anfang 1986 auf den Markt) und wurde schnell zum meist verwendeten Editor der Welt. Ein Jahr später, 1985, wurde auch die erste Version von Microsoft Excel, basierend auf den Konzepten von Visicalc, zuerst für den Mac vorgestellt. 1987 folgte dann PowerPoint 1.0, welches gar für drei weitere Jahre exklusiv nur auf der Mac-Plattform angeboten wurde. Die erste Office-Suite wurde dann 1989 vorgestellt. «Microsoft Office for Mac» beinhaltete Word 4.0, Excel 2.20 und PowerPoint 2.01.
1991 brachte Microsoft mit «Office 1.5 for Mac» auch die dritte Version von Excel auf den Markt. Excel 3.0 war die erste Applikation, welche Apples damaliges OS «System 7» unterstützte. In den Folgejahren folgten weitere Office-Suiten mit jeweils neuen Versionen der Suite-Applikationen bis Microsoft 1997 bekannt gab, die Macintosh-Entwicklungsabteilung in die «Macintosh Business Unit», kurz MacBU überzuführen. Seither sind weitere Produkte wie Office 98 (1998), Office v. X (2001), Office 2004 und letztes Jahr Office 2008 erschienen - ebenso weitere Applikationen wie der Internet Explorer for Mac, MSN Messenger for Mac und Entourage. 2003 kaufte die MacBU die Virtualisierungs-Software «Virtual PC» von «Connectix Corp.» auf. Nach nur einer neuen Version von Virtual PC (Version 7 im Jahr 2004 und danach dessen G5-Portierung), wurde das Produkt nach Bekanntwerden des Intel-Switches 2005 eingestellt.
Neuer MacBU-Boss Eric Wilfrid
Wir hatten während der Macworld in San Francisco die Gelegenheit, uns die Neuerungen, die die MacBU 2009 auf den Markt bringen wird, genauer anzuschauen.
Wir konnten uns zudem kurz mit Eric Wilfrid unterhalten, dieser ist seit November 2008 neuer MacBU-Chef. Wilfrid löste Craig Eisler, der für gut ein Jahr Chef der MacBU war, ab. Eisler wiederum übernahm im Juni 2007 die Aufgaben von Roz Ho (einigen vielleicht bekannt von ihrer Office-2004-Vorstellung während der Macworld Keynote von 2004).
Wilfrid habe sich gut in seiner neuen Position eingelebt. Da er bereits seit 14 Jahren bei Microsoft tätig sei, seien ihm natürlich die meisten Abläufe bereits bestens bekannt gewesen. Wilfrid begann in der Silicon-Valley-Niederlassung der MacBU noch mit Programmierarbeiten an PowerPoint for Mac und stieg dann allmählich zum Product Unit Manager der MacBU auf. Diesen Posten hatte er inne, bevor er im November des letzten Jahres den Chef-Posten der MacBU übernahm.
Neuheiten 2009
Über die Neuerungen, welche die MacBU noch dieses Jahr auf den Markt bringen wird, konnten wir uns mit Amanda Lefebvre, Senior Marketing Manager MacBU, und Mike Tedesco, Senior Product Manager MacBU, unterhalten.
Die neusten Entwicklungen aus dem Hause MacBU betreffen einfacheren Zugriff auf Microsoft SharePoint Produkte und Technologien sowie auf den Microsoft Office Live Workspace mit dem Microsoft Document Collaboration Companion for Mac (beta). Ebenfalls neu sidn die Entourage Exchange Web-Services (Entourage EWS). Auch diese wurden als Beta vorgestellt und verbessern die Konnektivität des E-Mail-Klienten mit dem Exchange-Server.
Entourage Exchange Web-Services
Microsoft verzeichnet eine immer grössere Nutzung von Exchange-Services. Nicht nur grosse Firmen, sondern auch immer mehr KMUs und zum Teil sogar Private hosten ihre Serivces auf einem eigenen Exchange-Server. Mit diesem Wachstum sei es natürlich auch immer wichtiger, gute Exchange-Unterstützung in der eigenen Software anzubieten. So kommt mit «Entourage 2008+» noch in der ersten Jahreshälfte 2009 ein kostenloses Update auf Entourage-Benutzer zu. Mit den Entourage Exchange Web-Services löst Microsoft das WebDAV-Protokoll ab. Dies hat grundlegende Änderungen in Entourage für die Server-Kommunikation zur Folge. Mit den Web-Services unterstützt zukünftig auch Entourage das mit Exchange 2007 eingeführte Business Logic Layer.
Bisher wurde mit WebDAV gefahren. Durch WebDAV wickelte die grösste Arbeit der Client ab. Wenn man z.B. in Entourage einen neuen Termin einrichtete, wurden alle Detailtasks für diesen Schritt im Entourage-Client selber abgewickelt, was schlussendlich mehrere einzelne Verbindungen zum Server als Resultat hatte. Der Nachteil daran ist zum einen, dass der Client mehr zu tun hat, also der Desktop- oder Laptop-Computer mehr ausgelastet wird, und zum anderen ist die Fehlerfindung bei Problemen komplizierter, weil es eine grosse Anzahl von möglichen Orten gibt, an denen etwas schief gehen könnte. Mit dem neuen Business Logic Layer (BLL) werden nun sehr viele dieser Arbeiten, die bisher der Entourage-Client ausführen musste, vom Server übernommen. Web-Services ist das Gegenstück zum BLL und komplettiert die Reihe von Exchange-Services wie WebAccess (Exchange WebMail), ActiveSync (Synchronisation mit dem iPhone oder Windows-Mobile) und Unified Messaging (Dienst mit Anzeige, welche Personen gerade online sind für LiveChats o.ä.). Web-Services erlaubt nun die einfache Exchange-Anbindung via HTTP.
Für die IT-Verantwortlichen ist dies ein Vorteil, da dadurch Entourage endlich auf eine Exchange-Technologie setzt, die konsistent zu den anderen Services aufgebaut ist und nicht wie WebDAV ein «Fremdkörper» darstellt. Ebenfalls kann es bei WebDAV zu Ungleichheiten der Daten kommen. So könnte es vorkommen, dass ein Termin via Web Access auf 14 Uhr terminiert ist, in Entourage jedoch als auf 10 Uhr terminiert dargestellt wird. Mit Web-Services soll hier Konsistenz geboten werden und solche Fehler sollten sich mit «Entourage 2008+» der Vergangenheit angehören. Ebenfalls interessant für die Supporter ist die Fehlersuche, die sich so auf den Exchange-Server, die Leitung oder den Client begrenzt, ohne auf dem Server noch unterschiedliche Dienste kontrollieren zu müssen - «alles in einem Layer».
Die Web-Services werden bereits seit November als Private-Beta getestet - unter anderem bei facebook, der NASA und einigen US-Universitäten. Die Feedbacks auf diese Beta seien sehr gut. Nicht nur die Konsistenz der Services, sondern auch die grosse Reduktion des Netzwerk-Traffics durch die Web-Services wurden gelobt (WebDAV brauchte z.B. für ein Termin-Update 6 Netzwerkverbindungen zum Server, Web-Services soll den gleichen Task in einer Verbindung durchführen).
Die Vorteile für den End-User sind unter anderem die Anfangssynchronisationen. Wenn zum ersten Mal mit einem Exchange-Server verbunden wird, müssen zuerst alle Daten herunter geladen werden (Mails, Kalender, Kontakte etc.), dieser Schritt soll sich nun im Faktor zwei verschnellern. Durch die Neuerungen an Entourage können so nun auch schneller ausbleibende Exchange-Funktionen nachgereicht werden, so können nun nicht nur mehr die Mails, Kalender und Kontakte synchronisiert werden, sondern endlich auch die Aufgaben, Notizen und Kategorien. Ebenfalls neu ist es auch möglich, die Adressbuchauswahlkomplettierung aus der Empfängerliste eines Mails (also dass beim Tippen der Anfangsbuchstaben eines Namens gleich die Adresse aufgelöst wird) nicht nur mehr im eigenen Firmennetzwerk, sondern auch via Web-Services ausserhalb des Netzwerkes via Internet-Verbindungen zu benutzen.
Auf unsere Frage hin, ob mit der Überarbeitung der Exchange-Unterstützung auch neue Features wie der Online-Modus aus Outlook umgesetzt würden, erhielten wir ein Nein. Zur Zeit sei dies nicht geplant - die Benutzer bevorzugen einen Offline-Modus, so dass sie nicht konstant mit dem Server verbunden sein müssen. Gleiches gilt für die Lesebestätigung oder die gleichzeitig anzeigbaren Exchange-Kalender von anderen Personen im gleichen Netzwerk.
Die Web-Services gibt’s diesen Monat als Public-Beta, die finale Version folgt das Entourage-Update noch in dieser Jahreshälfte.
Microsoft Document Collaboration Companion
Die zweite Neuheit dieses Jahr wird die Applikation «Document Collaboration Companion». Diese Cocoa-basierte Applikation ermöglicht sowohl einen leichten Up- und Download auf SharePoint Produkte und Technologien als auch Office Live Workspaces. Mit dem neuen Tool können Dokumente herauf und heruntergeladen werden, Dokumente ein- oder ausgecheckt und auch offline gespeichert werden. Ebenfalls erlaubt «Document Collaboration Companion» einen Zugang zu SharePoint Workspaces, Document Libraries und Office Live Workspaces.
Dies sind alles Operationen, welche bisher auf dem Mac nicht möglich waren. Man konnte zwar z.B. mittels einem Browser auf ein SharePoint zugreifen und die gewünschten Dokumente herunterladen, jedoch konnten die Dokumente nicht ausgecheckt werden und dadurch konnte es zu Redundanzen und gleichzeitig bearbeiteten Dokumenten kommen.
«Document Collaboration Companion» wird übrigens ziemlich sicher nicht der finale Name für das Tool sein. Man wollte für die Beta-Phase aber eine Bezeichnung, die möglichst genau beschreibt, was man mit dem Tool machen kann - und da das Tool nicht auf einen einzelnen Service limitiert ist, konnte man es auch nicht einfach «irgendwie etwas mit SharePoint- nennen».
DCC ist durch und durch eine Cocoa-Applikation. Der Fokus auf Cocoa sei für die MacBU wichtig, wurde uns gesagt, nachdem wir angefragt haben, ob in Zukunft auch Office for Mac noch besser an die Standard-Bibliotheken von OS X angepasst wird (siehe unser Office-2008-Review betreffend Farbpaletten o. Schriftenpaletten etc.).
Ab Februar 2009 wird Document Collaboration Companion als Public Beta für Privatanwender erhältlich sein. Wann die finale Version dieser sechsten Office-Applikation freigegeben wird, ist noch nicht bekannt.
Office for iPhone
Als letztes wollten wir natürlich noch wissen, wie denn die Pläne hinsichtlich des iPhones aussehen - folgt bald «Office for iPhone»? Das iPhone sei eine sehr interessante Plattform auf der aktuell sehr viel los sei, so die Antwort. Die MacBU wird das iPhone ganz bestimmt im Auge behalten, aber man habe aktuell nichts Neues diesbezüglich anzukündigen. Höchste Priorität geniessen derzeit die Wünsche der Kunden bezüglich Office for Mac. Wann und was für die MacBU auf dem iPhone Sinn macht bzw. interessant ist, wird sich zeigen. Aktuell gibt es jedoch keine News zum iPhone von der MacBU. Die Prioritäten liegen aktuell bei der Collaboration, nicht beim iPhone.
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