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Seit seiner Musik zu Regisseur Darren Aronofsky‘s Pi aus dem Jahr 1998 ist Clint Mansell Aronofskys Composer-of-Choice. Noah (2014) markiert deren 6. Zusammenarbeit. Während Noah vom Musikstil her mit früheren Werken Mansells zu Filmen von Darren Aronofsky durchaus vergleichbar ist (allem voran The Fountain (2006)), fällt Noah einiges wuchtiger, epischer und überwiegend dunkel-mysteriös-dramatisch aus. Zudem weist er eine sehr ausgeprägte musikalische Kohärenz auf, womit sich jede Minute auf dem Album klar ins Gesamtkonzept einfügt. Mansell konnte erneut auf die Dienste des Kronos Quartet, das schon früher für ihn und Aronofsky gespielt hat, zählen, reicherte den Musikkörper jedoch mit einem 90-köpfigern Sinfonieorchester und einem 40-köpfigen Chor, ethnischen Spezialinstrumenten und Synthesizern an. Das Ergebnis ist stellenweise so mitreissend, wie es eine solche Mega-Besetzung vermuten/erhoffen lässt, jedoch besonders auch aufgrund der ausgiebigen Laufzeit von 78 Minuten mit seinen dunklen, dramatischen Musikpassagen und teils kratzigen Orchester-Elektro-Kombinationen sehr fordernd.
Mansells Noah dürfte so manchen Hörer zu Beginn mit Eindrücken erschlagen und aufgrund der langen Spielzeit auch überfordern. Mit dem ersten Track präsentiert Mansell eine dichte Komposition für Orchester, Elektronik und Soloeinlagen des Kronos Quartet. Er macht klar, dass das kein sakral-abgerundeter, harmonischer Score à la Bibel-Verfilmungen wie The Nativity Story (2006) oder im entfernteren Sinne the TV-Doku The Bible (2013) wird, sondern eine meist dunkle „Hör-Reise“ mit Ecken und Kanten bevorsteht. Bereits im 1. Stück werden zwei Themen des Scores präsentiert, jenes für Noah und das Thema für Cain. Beide sind nicht sofort eingängig wie beispielsweise eine Super-Helden-Fanfare, hallen nach mehrmaligem Hören jedoch nach. Ein drittes Thema schildert die Präsenz von Gott und ertönt zum ersten Mal im letzten Drittel der Filmmusik, The Spirit of the Creator Moved Upon the Face of the Waters (Stück 17). Auch hier ist keine Chor-Halleluja-Stimmung auszumachen und Mansell setzt dieses Thema sehr spärlich ein.
Diese drei Ideen bettet Mansell in eine herbe, häufig nordisch angehauchte, meist kühle Klanglandschaft ein, die – leider – selten richtig ausbricht und mitreissende Themenstatements präsentiert. Ein solches erklingt im fantastischen Stück Make Thee An Ark (Track 7) – nicht nur der Höhepunkt des Albums, sondern auch eine der besten Kompositionen Mansells bis dato überhaupt. Kaum ist dieses Stück vorbei, will man es nochmals hören und das Volumen noch mehr aufdrehen (beim 10. Mal dürfte der zornige Nachbar dann definitiv vor der Haustüre stehen). Doch solche „emotionale Ausbrüche“ sind in dieser Filmmusik sehr selten. Mehr wäre im filmischen Kontext vielleicht nicht angebracht gewesen und hätte die Filmmusik zu Noah zu „reisserisch“ werden lassen, doch wünscht man sich im Laufe des Hörens des Albums ähnliche Momente ab und an herbei. In dieser Hinsicht hat mir die Filmmusik zu The Fountain (2006) besser gefallen: sie war stellenweise ungehaltener, weniger beherrscht; dafür ist Noah viel konsistenter in der Tonfarbgebung und in der musikalischen Narratologie.
Unter dem Strich kann Noah als eine sehr beeindruckende und überzeugende Filmmusik bewertet werden, der jedoch stellenweise der Unterhaltungswert aufgrund der Schwerfälligkeit und der Laufzeit abhandenkommt. Daher habe ich mir eine überschaubarere Suite aus den folgenden Stücken programmiert: 1, 6, 7, 8, 17, 21, 22, 23.
Der letzte Track, Mercy Is (Track 23), ist ein Song geschrieben von Patty Smith und Lenny Kaye und vorgetragen von Smith und dem Kronos Quartet. Mansell fungierte als Orchestrator, womit sich der Song gut in den Score einfügt. Ergo ist auch der Song keine Juhui-Ballade mit Pop-Beats sondern ein stimmungsvoller, wenn auch schwerer Abschluss eines anspruchsvollen Hörerlebnisses.