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Unsachgemässe Arbeitsbedingungen, unfreiwillige Inhaftierungen, erzwungene Überstunden, fehlende Bezahlung und sogar Todesfälle – die Vorwürfe gegen ein Unternehmen, das Fisch an Thai Union Frozen Products, einen Lieferanten von Nestlé SA, lieferte, waren happig. Als diese 2015 publik wurden, suchten mehrere Grossinvestoren den Dialog mit Nestlé und starteten einen Engagement-Prozess (siehe Box). Ziel des Dialogs mit Nestlé war es, erstens Klarheit bezüglich des Sachverhaltes zu erhalten und zweitens, sollten sich die Vorwürfe bestätigen, darauf hinzuweisen, dass die Investoren Massnahmen erwarten, welche solche Probleme künftig vermeiden. Das Vorgehen der Investoren wurde durch die BVK unterstützt.
Nestlé reagierte. Das Unternehmen erklärte, dass sein «Supplier Code of Conduct» die Lieferanten verpflichtet, die Menschenrechte zu respektieren und geltende Arbeitsgesetze einzuhalten. Bereits 2014 wurden interne Untersuchungen in der Lieferantenkette durchgeführt. Die Erkenntnisse daraus flossen in einen Aktionsplan, der in den Jahren 2016/2017 umgesetzt wurde.
Ausbildung für Wanderarbeiter ermöglicht
Daraus resultierte eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Zulieferkette für Meeresfrüchte. Weiter wurde in Zusammenarbeit mit dem Hauptlieferanten, der thailändischen Regierung und der thailändischen Shrimp Sustainable Supply Chain Task Force ein Managementsystem eingeführt, das die Rückverfolgbarkeit verbessert. Heute können 99 Prozent der Meeresfrüchtezutaten, die Nestlé in Thailand bezieht, bis zum Ursprung zurückverfolgt werden. Darüber hinaus wurde ein Ausbildungsboot lanciert, das sich auf die Ausbildung von Wanderarbeitenden in der thailändischen Fischereiindustrie konzentriert.
Nestlé hat in diesem Bereich eine verantwortungsbewusste Vorgehensweise gewählt, indem die Vorwürfe unverzüglich untersucht und behandelt wurden. Es wurden Prozessanpassungen in der Auswahl und der Überwachung der Zulieferer vorgenommen, welche die Qualität insgesamt verbessern. Für alle Mitarbeitenden bei Zulieferern wurden unabhängige Anlaufstellen geschaffen, bei welchen anonym Feedback über die Arbeitsbedingungen gegeben werden kann. Seitdem die Vorwürfe im Jahr 2015 erhoben wurden, wurden keine weiteren ähnlichen Probleme innerhalb der Nestlé-Lieferkette für Meeresfrüchte identifiziert.
Die BVK untersucht halbjährlich alle Firmen, an welchen sie finanziell beteiligt ist, auf systematische und schwere Verletzungen von in der Schweiz akzeptierten Normen und Werten. Werden solche Verletzungen identifiziert, startet die BVK zusammen mit anderen Investoren und externen Dienstleistern wie dem Schweizer Verein für verantwortungsbewusste Kapitalanlagen (SVVK-ASIR) einen Dialog mit dem entsprechenden Unternehmen. Ziel des Dialogs ist es, das Unternehmen zu einer Verhaltensänderung zu bewegen. Damit nutzt die BVK das investierte Kapital, um die gesellschaftliche, soziale und ökonomische Verantwortung wahrzunehmen.