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Streuner-Ted findet ein ZuhauseTed kam im Juni 2010 in mein Tierheim, Celtic Corgi Rescue, nachdem ich den Anruf einer Anwohnerin erhalten hatte, dass sich in ihrer Nachbarschaft ein kleiner Corgi herumgetrieben habe. Sie hatte ihn gefüttert und erfolglos versucht, ihn in ihren Haushalt einzugliedern, zu dem ein kleiner Shih Tzu gehörte. Der kleine Corgi markierte überall und ihr eigener Hund begann, ihn nachzuahmen. So sehr sie sich auch bemühte, sie konnte den Corgi einfach nicht stubenrein kriegen. Schliesslich hatte sie versucht, ihn im Garten zu halten, aber als äusserst geselliger Kerl fand er schnell Schlupflöcher in ihrem Zaun und tauchte jedes Mal wieder vor ihrer Haustür auf. Sie rief mich an, weil sie nicht mehr weiter wusste.
Sie erzählte mir, dass er in der Nachbarschaft von Haus zu Haus ging und alles Essbare und jede Zuneigung entgegen nahm, die ihm geboten wurde. Ich nannte ihn Streuner-Ted und holte ihn an einem Sonntag. Darauf begab ich mich zur lokalen Auffangstation, wo ich noch einen Corgi holte, einen tricolor Rüden, den ich Choctaw Chuck nannte. Chuck war ein schöner, gesunder Hund, während Ted völlig ausgemergelt war. Seine Haut sah furchtbar aus und sein Fell hatte einen Rosastich.
Wir befanden uns in Oklahoma inmitten einer stürmischen Wetterperiode, mit starken Regenfällen während der ganzen Woche. Chuck war ängstlich und scheu und hatte offensichtlich bisher wenig menschlichen Kontakt gehabt. Ich vermutete, dass beide Hunde aus Welpenfabriken stammten. Ted hingegen war sehr sozial, liebte alle Hunde (besonders die Hündinnen) und auch die Menschen.
Am Montagmorgen liess ich Chuck und Ted in den Garten, um sich zu versäubern, und ging zurück ins Haus für die eigene Morgentoilette. Es regnete leicht. Nach weniger als fünf Minuten fand ich den Garten leer vor. Beide Hunde waren verschwunden. Als ich meinen Blick über das grosse Feld hinter unserem eingezäunten Garten schweifen liess, sah ich gerade noch, wie Chucks schwarz/weisser Körper im Wald verschwand. Ted war nirgends zu sehen. Ich gab meinem Arbeitgeber Bescheid, dass ich später kommen würde, zog ein Paar Caprihosen und ein T-Shirt an und rannte hinaus, um die Hunde zu suchen.
Ich steuerte in die Richtung, wo ich Chuck zuletzt gesehen hatte. Stunden später war ich völlig durchnässt und vom Gestrüpp blutig zerkratzt, ohne einen der beiden Hunde gefunden zu haben. Ich kehrte nach Hause zurück, fertigte schnell einige Flugblätter an und setzte mich ins Auto, um eine Runde zu drehen. Da sah ich Ted, der geduldig drei Strassen entfernt auf der Strasse sass. Zu meiner freudigen Überraschung kam er sofort zu mir. Ich brachte ihn nach Hause, trocknete ihn und setzte ihn in seine Box. Von Chuck war immer noch keine Spur. Dann fuhr ich nochmals los, verteilte die Flugblätter in einem Radius von 15 km, kehrte nach Hause zurück und begab mich alsdann widerstrebend zur Arbeit.
Gegen Abend erhielt ich den Anruf eines Mädchens, das Chuck vor seiner Haustüre gefunden hatte. Er hatte eine Hauptverkehrsstrasse überquert und sich rund 5 km von meinem Haus entfernt. Vielleicht hätte eher ER den Namen Streuner-Ted verdient. Ich gab dem Mädchen einen Finderlohn und brachte Chuck nach Hause.
Beide Hunde wurden tierärztlich untersucht. Der flotte Chuck wurde schnell sozialisiert und fand einen wunderschönen Platz in Oklahoma City.
Bei Ted hingegen wurde eine schlimme Blasenentzündung festgestellt, die mit Antibiotika behandelt werden musste, aber die Bakterien erwiesen sich resistent gegen die Behandlung. Eine Röntgenaufnahme offenbarte eine Anzahl Blasensteine, die so gross waren, dass sie operativ entfernt werden mussten. Wenigstens war hier die Erklärung für das Markieren. Die Steine wurden gleichzeitig mit der Kastration und Zahnreinigung entfernt, um Ted mehrere Narkosen zu ersparen. Nach der Operation gab es gewisse Komplikationen und Ted verbrachte 10 Tage in der Tierklinik, wo das Personal sich grosse Mühe gab, ihm das Leben und ein wichtiges Organ zu retten.
Nach der Operation musste Ted monatelang mit Antibiotika behandelt werden. Er benötigte auch eine spezielle Diät, um die Bildung neuer Blasensteine zu verhindern. Er hatte Schwierigkeiten, sein Gewicht zu halten, von Gewichtszunahme ganz zu schweigen. Seine Rippen zeichneten sich unter dem glanzlosen Fell ab und seine Hüftknochen traten deutlich hervor. Das Standardgewicht eines Pembroke-Rüden ist ca. 12 kg, Ted wog knappe 7 kg. Er war ein nervöser Hund, er bellte und markierte pausenlos und darum verbrachte er viel Zeit in seiner Box, denn er ging einigen der anderen Hunde in meinem Tierheim auf die Nerven.
Die Monate vergingen, Teds Bild und Steckbrief erschienen auf www.petfinder.com, aber es kamen keine Anfragen. Die Leute sind eher bereit, einen aggressiven Hund zu adoptieren als einen, der nicht stubenrein ist. Mein eigener Stolz war auch angeknackst, war es mir doch bisher stets gelungen, einen Hund stubenrein zu machen. Ich war immer der Überzeugung gewesen, dass jeder Hund stubenrein gemacht werden kann. Ted bewies das Gegenteil. Er schaffte es nicht, seine Box während der Nacht sauber zu halten. Jeden Morgen musste die Box gereinigt und Ted gewaschen werden. Jeder Besuch beim Tierarzt resultierte in neuen Antibiotika gegen eine Infektion, die einfach nicht verschwinden wollte. Die Tierarztrechnungen addierten sich in Tausende von Dollars und ich bin CorgiAid ewig dankbar. Ohne die Hilfe von CorgiAid wäre es mir niemals möglich gewesen, Ted gesund zu pflegen.
Ich brachte Ted in meine Hundepension, wo er bleiben sollte, bis er von jemandem adoptiert wurde. Ich hoffte, dass er dort besseren sozialen Umgang lernen würde, und mit seinem Auszug konnte mein Haus von seinem Markieren verschont bleiben. Es gab einige Anfragen, aber sobald Teds Probleme genannt wurden, entschied sich der jeweilige Interessent für einen anderen Hund. Ted freundete sich mit einem Langzeitgast der Pension an, einer kleinen Mischlingshündin namens Gazelle. Wenn er Gazelles Zwinger teilte, konnte er die ganze Nacht sauber bleiben. Gazelles Besitzer adoptierte Ted, brachte ihn aber schon nach wenigen Tagen zurück. Es gab einfach zu viele Probleme.
Ich brachte es nicht über mich, Ted wieder in die Pension zu stecken und versuchte, mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass er für immer bei mir bleiben würde. Ich nahm ihn also mit nach Hause und fuhr mit dem Stubenreinheits-Training fort. Im Haus und in seiner Box während der Nacht trug er eine Bauchbinde für Rüden. Nach einigen Monaten begann er, die Bauchbinde abzustreifen und wir bemerkten, dass das Markieren nach und nach aufhörte. Es war wie wenn er sagen wollte "He, diese Bauchbinde brauche ich nicht mehr!"
Sein neuer bester Freund war mein kleiner Terriermischling namens Stormy. Sie tobten miteinander herum und hingen fast zu sehr aneinander.
Bald war Ted Mitglied des Haushalts. Manchmal schlief ich mit Ted auf dem Sofa, während mein Mann mit den anderen Hunden im Schlafzimmer schlief. Ted verbrachte die Nächte mit mir auf dem Sofa ohne Missgeschick. Er genoss die Aufmerksamkeit und die Nähe und schlief tief und fest zusammen mit mir.
Ted erhielt Weihnachtsgeschenke genau wie der Rest der Meute, ein neues Halsband, eine neue ID-Marke, ein neues Spielzeug und einen Kausnack und sass auf Santas Schoss für eine Foto. Meine Familie und Freunde nahmen an, dass es sich bei Ted um einen "erfolglosen Pflegefall" handelte, der für immer bei mir bleiben würde. Ich liebe Ted und werde wenn nötig immer einen Platz für ihn haben, aber in meinem Innersten WUSSTE ich, dass sein Platz nicht bei uns war. Es gab einen Platz für ihn irgendwo da draussen, einen Platz, wo er sich zu dem Hund entfalten konnte, der seiner Bestimmung entsprach.
Eine Tierkommunikatorin rief mich an und sagte, sie habe mit Ted "gesprochen" (telepathisch!). Er habe ihr erzählt, dass er sich nach einem Platz mit Kindern und einer Aufgabe sehne, und dass er nicht mehr streunen wolle. Ich behielt diese Information im Hinterkopf, weil …. naja ….
Anfragen kamen und gingen, wurden entweder zurückgezogen oder abgewiesen. Ich wollte nicht, dass Ted ein Hund sein sollte, mit dem sich jemand zufrieden gab, oder der ihn in den Garten verbannte. Ich suchte jemanden, der TED wollte. Jemand wollte ihn zum Schutz, aber wie viel Schutz kann er mit seinen 9 kg bieten? Einer wollte einen Hund, der bellt … nun, Ted kann bellen aber … Ein anderer wollte ihn, aber nur für draussen. Nein!
Dann, zu Beginn des neuen Jahres, erhielten wir eine Anfrage von einer Familie in East Oklahoma. Es tönte vielversprechend. Ich überprüfte die Tierarzt-Referenz. Alles bestens. "Welcher Hund hat Ihr Interesse?" fragte ich. Die Antwort war "Ted". Nicht "irgend einer" oder "dieser oder jener Hund oder Ted". Es war "TED".
Ich hielt den Atem an. Obwohl die Familie zwei Stunden von mir entfernt wohnte, wusste ich, dass ich den Hausbesuch persönlich machen musste. Ich wollte 100% sicher sein, dass Ted in diese Familie passte und dass sie wussten, worauf sie sich einliessen.
Am Abend zuvor führte ich mit Ted ein Gespräch. Er sass auf meinem Schoss und ich erzählte ihm von der neuen Familie, die ihn adoptieren wollte. dass es sich um ein 4 Jahre altes Mädchen, eine Mutter, die zu Hause war, und einen hingebungsvollen Vater handelte. Ich sagte ihm, dass ich ihn sehr lieb habe und dass diese Anfrage die letzte sein würde. "Wenn diese Familie nicht deine Familie ist", erklärte ich ihm, "dann werde ich deinen Steckbrief entfernen und du wirst für immer bei mir bleiben". Ich sagte ihm, es sei Zeit, dass er eine Bleibe finde und dass er diese Bleibe verdient habe. Aber wir waren es beide müde, darauf zu warten. Es war jetzt oder nie. Er seufzte tief und legte seinen Kopf auf meine Schulter. Es schien, als sei auch er voller Hoffnung.
Die kleine Emaleigh kam uns entgegen, als wir bei ihr vorfuhren. Als ich aus dem Wagen stieg, fragte sie "Hast du meinen Hund dabei?" Und als sie Ted sah, sagte sie "Das ist mein Ted. Du hast meinen Ted". Sie spürte Teds Befangenheit und ging behutsam mit ihm um. Sie zog nicht an ihm oder bedrängte ihn. Sie kniete nieder und streckte ihm ihre Hand entgegen. Er folgte ihr durch das Haus. Emaleighs Eltern waren wunderbar, sie sprachen alle meine Bedenken an, bevor ich Gelegenheit hatte, sie zu äussern. Sie hatten sein Spezialfutter gekauft, ein neues Halsband und eine ID-Marke. Wir gingen in den Garten, wo die Hunde des Nachbarn bellten und sich aggressiv gegen den Zaun warfen. Ted stellte sich zwischen die Hunde und Emaleigh und geleitete sie sanft weg. Ted hatte das kleine Mädchen auf der Stelle adoptiert. Er hatte sein Kind, seine Aufgabe, seine Familie.
Ted und Emaleigh
Auf Grund seiner früheren Probleme hatte ich Teds Adoptionspreis reduziert, aber Teds neue Familie beharrte auf einer extra Spende für das Tierheim. Nun war Teds Wert grösser als das seiner Mitinsassen, anstatt geringer.
Nach der Unterschrift des Übernahmevertrags und dem Versprechen, uns mit Fotos auf dem Laufenden zu halten, liess ich meinen kleinen Ted in den Händen seiner neuen Familie und verbrachte die zweistündige Heimfahrt abwechselnd weinend und lachend.
Erst als ich das Bild von Ted und Emaleigh sah, realisierte ich, was für ein hübscher Hund er geworden war. Sein Fell glänzt und obwohl er immer ein kleiner Corgi sein wird, ist er nicht länger das Klappergestell, das er einmal war. Ja, er ist durchaus ein hübscher kleiner Hund.
Das Haus ist still. Teds Box ist leer, aber merkwürdigerweise mache ich mir heute Nacht keine Sorgen um ihn. Seine neue Familie hat alles im Griff. Ich kann es kaum erwarten, zu erfahren, wie viel er ihnen bedeutet.
Ich denke, Streuner-Ted ist jetzt einfach Ted, seine Streunertage sind vorbei. Alles Gute, lieber Ted. Mach mir Ehre und lass es dir gut gehen.
8. Januar 2011
B. Diane Myers
Nicoma Park, Oklahoma
Übersetzt von ANo, mit freundlicher Genehmigung.
Nach drei guten Jahren bei seiner neuen Familie starb Ted im Juli 2013 an Leberversagen.