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Einleitung
Wenn Sie sich zu jenen informierten Zeitgenossen zählen, die sich über die Zukunft unserer angeblich von Falschmeldungen und Halbwahrheiten heimgesuchten Welt Gedanken machen, wird Ihnen wahrscheinlich nicht unbekannt sein, dass Experten, die sich als Prognostiker betätigen, oftmals einen sehr schlechten Ruf genießen. Diese Experten haben anscheinend von nichts eine Ahnung.
Diese kritische Sicht lässt sich auch durchaus mit Daten stützen. Für sein Buch Superforecasting Die Kunst der richtigen Prognose, das der Psychologe Philip E. Tetlock zusammen mit dem Journalisten Dan Gardner schrieb, wertete Tetlock eine große Menge von Daten über Prognosen aus und gelangte zu der Feststellung, dass statistisch gesehen »der durchschnittliche Experte ungefähr ebenso treffsicher ist wie ein Schimpanse, der Dart-Pfeile wirft«. Aber dennoch sind Menschen, die bestimmte Ereignisse vorhersagen, nicht allesamt Dummköpfe und Idioten. Tetlock und Gardner haben auch herausgefunden, dass es Leute gibt, die ein Gespür haben für künftige Entwicklungen, und diese Menschen haben sie in ihrem Buch vorgestellt. Folgende Erkenntnisse haben die beiden Autoren dabei gewonnen: Wenn man zukünftige Ereignisse betreffende Vorhersagen machen will, muss man sie auf harte Daten gründen, und diese Daten sollten vollständig frei sein von Vermutungen oder Vorannahmen. Man sollte mit Wahrscheinlichkeiten operieren niemals mit Gewissheiten und einen klaren Zeitrahmen anbieten.
Wenn man zum Beispiel in ähnlicher Weise wie der legendäre Physiker Enrico Fermi vorgehen will, kann man scheinbar übernatürlich wirkende Ableitungen aus Informationen vornehmen, über die man gar nicht verfügt, indem man feststellt, welche Daten am einfachsten zugänglich sind, und diese dann extrapoliert. In seinem berühmten Experiment, in dem es um die Zahl der Klavierstimmer in Chicago ging, bat Fermi seine Studenten, die Zahl der Klavierstimmer (der Menschen, nicht der Gabeln) durch schlichte Zahlenrechnungen möglichst genau abzuschätzen. Wir kennen die Bevölkerungszahl von Chicago, und wir wissen, wie ein Klavierstimmer arbeitet und wie lange er für ein Klavier braucht. Dann berechnen wir annäherungsweise, wie viele Klaviere es in Chicago gibt. Wenn wir alle diese Zahlen und Daten in unsere Kalkulationen einbeziehen, haben wir eine wesentlich größere Chance, ein einigermaßen genaues Ergebnis zu erhalten, als durch reines Raten. Das ist ein cooler Trick, er funktioniert aber nur, wenn der Gegenstand, den wir untersuchen, schon hinreichend untersucht worden ist.
Ich bin weder Statistiker noch Physiker. Tatsächlich bin ich sogar ziemlich schlecht in Mathematik, aber dennoch erstelle ich Zukunftsprognosen und habe daraus sogar einen Beruf gemacht. Ich gehe nur ein bisschen anders an die Sache heran, denn meine Hauptqualifikation für diese Tätigkeit ist eine lähmende Angst vor Dingen, die möglicherweise geschehen werden.
Meine Befürchtungen entstehen aus einer Angststörung einer weitverbreiteten psychischen Krankheit. Das ist ein zweifelhafter Segen für jemanden, der als erklärender Journalist tätig ist: Sie füllt meinen Kopf mit Ideen, aber ich hasse diese Ideen. Dies mag etwas komisch erscheinen, gewissermaßen wie eine Marotte, die auch Woody Allen pflegen könnte, aber wer schon einmal eine wochenlange Phase von Panikattacken erlebt hat oder Angst hatte, die Augen zu schließen, weil der Schlaf schreckliche, gra