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Der Venediger
Mit einem Vorwort von Klaus Merz
1. Aufl., Oktober 2007
978-3-85791-534-5
Hannes Binder verknüpft in seinem Buch, das keinen Anspruch auf historische Genauigkeit erhebt, die im Alpenraum bekannte Sage der Venediger, die sommers in den Alpen Steine suchten, diese zu Gold machten und damit ihre stolze Stadt bauten, mit der erfundenen Geschichte des Sebastian Casser aus Altdorf, der um 1600 nach Vendig reist und bei Tintoretto Malergeselle wird. Nach dem Tode seines Meisters heiratet er 40-jährig zur Rettung des Familienunternehmens die 70-jährige Tochter Tintorettos. Das einzige von Casser erhaltene Bild ist in der Kirche San Giorgio über dem Ausgang zu sehen. Die Nachwelt stuft es als mittelmässiges Gemälde ein, es ist unsigniert.
Hannes Binder präsentiert in seiner bekannten Federmesser-Schabkartontechnik eine Text-Bild-Collage. Er mischt Wirklichkeitsfragmente (aus der Architektur der Stadt Venedig und der Biografie Tintorettos) mit der Venediger-Sage zu einem filmischen Bilderbogen. Es ist ihm eine faszinierende Mixtur gelungen, ein intelligentes Lese- und Schauvergnügen.
© Yvonne Böhler
Hannes BinderHannes Binder, geboren 1947, Studium in der Künstlerklasse der Kunstgewerbeschule Zürich, Grafiker in Mailand, dann drei Jahre Illustrator und Grafiker in Hamburg. Lebt heute freischaffend als Illustrator und Maler in Zürich. Sein Werk wurde vielfach ausgezeichnet und nominiert, unter anderem mit dem Schweizer Kinder- und Jugendmedienpreis oder für den Hans Christian Andersen Award. Friedrich Glauser, geboren 1896 in Wien als Sohn einer Österreicherin und eines Schweizers, führte ein rastloses Leben. Unzählige Orte und Stationen säumten seinen Weg, darunter Erziehungsheime, Gefängnisse und psychiatrische Kliniken. Friedrich Glauser lebte in Frankreich, Belgien und Italien, war lange Zeit morphiumsüchtig, verbrachte einige Jahre in der Fremdenlegion und nahm teil an der Dadaismus-Bewegung in Zürich. Er starb 1938 in Nervi bei Genua.
Aus dem Buch

Und als in Altdorf der grosse Viehmarkt stattfand, drängte es ihn, sich vorerst im Steinstossen mit den andern zu messen.
«Die bewährte Zusammenarbeit zweier kongenialer Partner Klaus Merz (Text) und Hannes Binder (Bilder, ‹Illustrationen› traut man sich gar nicht zu sagen) macht daraus wieder einmal ein bibliophiles Kleinod. Dem Zürcher Hannes Binder gelingt eine ganz unverwechselbare Synthese von altmeisterlicher Anmutung und abgründigen Visionen.» Der Standard
«Die Geschichtemit einer lustigen Schlusspointe lebt sehr von den vielen Zeichnungen Binders. Es ist eine faszinierende Schwarz-Weiss-Welt, mit kräftigen Figuren, klaren Darstellungen und recht viel Melancholie. Man kann sich fast nicht satt sehen daran.» P.S.
«Eine so hübsche wie arglose Geschichte.» NZZ am Sonntag
«Seit je geht von der Schabtechnik des Hannes Binder eine expressive Kraft aus.» Schweizer Illustrierte
«Der Zeichner Hannes Binder und der Schriftsteller Klaus Merz haben ihre fruchtbare Zusammenarbeit mit ‹Der Venediger› fortgesetzt; und Binders Schabkartontechnik schient wie erfunden für genau diesen Stoff. Merz' und Binders sprachlich lakonische Erzählung über Casser, den Bergler, der in Vendig sein Glück machen will, wird konterkariert von Binders ganz und gar nicht trockenem grafischen Stil: raffinierte Visionen voller realistischer Details, ein Zwischenreich zwischen Gegenwart und Vergangenheit, Symbolismus uns Sachlichkeit. Binder-Bilder wie man sie kennt, die aber besser nicht passen könnten zu dem hübschen historischen A-Part mit der psychologischen Grundierung.» Tages-Anzeiger
«Der Zürcher Grafiker, Maler und Illustrator Hannes Binder legt mit seiner neuen grafischen Novelle ‹Der Venediger› eine ebenso spannende wie besinnliche Geschichte vor, in die er seine ausdrucksstarken, in Schwarz-weiss gehaltenen Schabkarton-Bilder bettet. Entstanden ist zwar nur ein kleines Büchlein, aber es überzeugt mit grosser Kunst.» Schweizer Familie
«Aus Mythologie, Heimatkunde und Kunstgeschichte haben der Schriftsteller Klaus merz und der Zeichner Hannes Binder ein hintersinniges Märchen zusammengeschrieben. Das literarische Vexierbild hat Binder dann in wunderbare Bilder umgesetzt. Ob dräuende Alpen, multiple Kuhherden, Canal Grande oder allegorische Gemälde, in Binders Bildern herrscht stets eine heftige Dynamik, die den Betrachter wie ein Strudel einsaugt. Jedenfalls musss man bei diesem Buch seine Augen immer wieder vom Bild losreissen, um weiterlesen zu können.» 20 Minuten
«Das schlanke Werk bietet hochdramatisch wechselnde Schauplätze zwischen den Alpen und der Lagunenstadt, dazu eine packende Lebensgeschichte, deren Vergangenheit unsere Gegenwart erreicht: Rätselhaft-Mystisches ereignet sich, als ein Schweizer Sennbursche der Fama folgt, nach der sich Steine dort unten in Venedig in Gold verwandeln liessen. Hannes Binder setzt diese alte Geschichte, die zudem noch durch unglückliche Liebe vertieft wird, mit modernen Methoden der sequentiellen Illustration um. In ihr sind Simultanhandlungen in einer Bildebene verschmolzen, filmische Rück- und Überblendungen, visionäre Sturz- und Fallperspektiven. Abwechslungsreiche Seitengliederung durch Panels unterschiedlichen Formats sorgen für Tempo und kontrastreiche Dauerspannung. Ein Augenschmaus für heutige Kinogänger.» Eselsohr