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Eisenbahnstudienreise der FLB nach Brasilien vom 03.-24. Oktober 2003
"Bom dia" und "Bem vindo" werden auf dieser Reise die üblichen Grussworte sein - die Reise geht ins Portugiesisch sprechende Brasilien! Ein Land, ein halber Kontinent, ist man versucht zu sagen, denn über dem ganzen östlichen Teil Südamerikas weht die grün-gelb-blaue Flagge einer Nation, wie es sie nur einmal auf der Welt gibt. Ein Land der Superlative; auf dem Globus gibt es nur gerade vier Staaten, die flächenmässig grösser sind als Brasilien. Mit etwa 170 Millionen Einwohnern zählt es auch zu den bevölkerungsreicheren Ländern unseres Planeten. Die Mischung von indianischen, europäischen und afrikanischen Einflüssen hat die Rassengrenzen verwischt und die Kultur von Küche bis Kunst auf unverwechselbare Art und Weise geprägt. Dennoch ist Brasilien eher dünn besiedelt und die meisten Orte liegen am atlantischen Ozean oder in Küstennähe. Bestechend sind die Schätze, welche die Natur bietet: der immense tropische Regenwald mit dem Flusssystem des Amazonas ist für das globale Ökosystem von entscheidender Bedeutung. Herrliche Strände locken die Badefreudigen an. Auch die Landwirtschaft profitiert von den vorteilhaften klimatischen Bedingungen. Kaffee, Soja und Zuckerrohr sind nur einige der Produkte, die auf brasilianischem Boden gedeihen. Ein weiteres Vermögen liegt in der Erde, denn ca. 90% der weltweiten Vorkommen an Halbedelsteinen befinden sich hier. Brasilien ist ein Land der immensen Gegensätze: Von High-Tech wie z.B. dem Bau von modernsten Verkehrsflugzeugen, Autos und Bussen reicht der Bogen zu sozialen Strukturen, die ihre Wurzeln im vorletzten Jahrhundert haben. Die Herzlichkeit, Offenheit und Fröhlichkeit der Brasilianer und Brasilianerinnen manifestiert sich während des Karnevals, der natürlich nicht auf Rio de Janeiro beschränkt ist, oder an einem Fussballspiel, wo die talentierten Akteure den Ball auf zauberhafte Art behandeln. Die Kolonialzeit ruft sich mit barocken Bauten in Erinnerung, und städtebauliche Experimente wie die nach einem Gesamtkonzept von Lúcio Costa entworfene Hauptstadt Brasília, in der die wichtigsten Gebäude von Oscar Niemeyer gebaut wurden, faszinieren architektonisch interessierte Besucher.
Das brasilianische Bahnnetz ist - entgegen der Grösse des Landes, die eher ein Normal- oder Breitspurnetz erwarten liesse - in Meterspur angelegt. Ausnahmen bilden nur die in der seltenen Spurweite von 1600 mm gebauten Strecken im Dreieck Rio de Janeiro - São Paulo - Belo Horizonte und innerhalb des Staates São Paulo sowie die vom Rest des Netzes noch isolierte Carajás-Bahn im Norden des Landes. Der meterspurige Schienenstrang reicht von São Luís im Norden bis an die Grenzen von Uruguay und Argentinien im Süden; und über den Anschluss an das bolivianische Ostnetz bestehen Verbindungen mit den Meterspurnetzen von Bolivien, Argentinien und Chile. Leider ist dieses transkontinentale Bahnnetz eher eine theoretische Grösse, denn etliche Strecken sind stillgelegt oder aus baulichen Gründen nicht mehr befahrbar. Auch in Brasilien leiden die Bahnen nach wie vor unter der jahrelangen Vernachlässigung und können ihr Potential nicht ausschöpfen. Wie in vielen anderen Bereichen gibt es in Brasilien Neubauprojekte von enormem Umfang wie z.B. die "Transnordestina" oder die "Ferrovia Norte-Sul", aber die Verwirklichung dieser Vorhaben schreitet im Zeitlupentempo voran.
Die Privatisierungswelle erfasste die damalige Staatsbahn "Rede Ferroviária Federal S.A. (RFFSA)" in den 1990er - Jahren, was den verbliebenen Personenverkehr nochmals stark dezimierte. Die Konzessionäre für den Güterverkehr zeigen wenig Bereitschaft, ihre Gleise für Personenzüge zu öffnen, so dass bestenfalls etwas Ausflugsverkehr möglich ist. Ob dies den Bedürfnissen und Wünschen der Bevölkerung entspricht, die soeben in einer Umfrage mit grosser Mehrheit die Wiedereinführung des Fernpersonenverkehrs fordert, ist eine andere Frage. Eine Ausnahme bilden nur die Strecken, die unter der Ägide der CVRD, Companhia Vale do Rio Doce, dem teilprivatisierten Bergbaukonzern, betrieben werden. Selbstverständlich stehen diese Züge (Belo Horizonte - Vitória und São Luís - Marabá) auf dem Programm dieser Reise. Überlebt haben die Personenzüge in den Grossstädten, wo sie eine wichtige Rolle im Nahverkehrsmarkt spielen. Hier liegt denn auch ein Schwerpunkt der Reise, sind diese Betriebe doch sehr vielfältig. Von grösseren, elektrifizierten Netzen, wie Rio de Janeiro (Metrô,S-Bahn) eines besitzt, reicht der Bogen bis hin zum Dieselzug auf der einzigen Strecke von Maceió. In Recife (Metrorec) und Fortaleza (Metrofor) wird zur Zeit kräftig in den Ausbau der Vorortslinien investiert, aber auch dort, wo die Möglichkeiten bescheidener sind, werden Verbesserungen durchgeführt. Noch gehören die meisten dieser S - Bahnen zur staatlichen CBTU (Companhia Brasileira de Trens Urbanos), aber gleichzeitig mit dem Ausbau wird die Übergabe der Verantwortung an die jeweiligen Bundesstaaten vorbereitet. Elektrifizierte Strecken findet man ausschliesslich innerhalb dieser Vorortslinien; denn die letzten Fernstrecken im Bundesstaat São Paulo wurden mittlerweile vom Fahrdraht "befreit". Ein paar Farbtupfer im brasilianischen Bahnpanorama sind die touristischen Betriebe wie z.B die Zahnradbahn auf den Corcovado in Rio (wegen des Rollmaterials sehr schweizerisch anmutend!) oder die dampfbetriebene Museumsbahn São João del Rei - Tiradentes (Rest eines einst grossen Netzes in Minas Gerais). Ebenso dienen die letzte Strassenbahnlinie in Rio in den Stadtteil Santa Teresa und der "Interurbano" von Pindamonhangaba nach Campos de Jordão vor allem touristischen Zwecken.
Die Absicht der FLB ist es, mit dieser Studienreise einen Einblick in den aktuellen Stand des Eisenbahnwesens in Brasilien zu erhalten. Die auf der Reiseroute liegenden Strecken mit Personenverkehr werden alle befahren, und sicher gibt es Möglichkeiten für "Schnappschüsse" im Güterverkehr. Alles in allem ist Brasilien ein Land, in dem die Eisenbahn etwas anders funktioniert, als wir es gewohnt sind. Gerade dieses Erlebnis werden Sie sich doch kaum entgehen lassen, nicht wahr? Wir freuen uns auf Sie und sagen "Até logo - bis bald"!
Reiseprogramm
Fr. 03.10.03: Zürich - Belo Horizonte
Gegen Abend Abflug nach Paris und mit TAM via São Paulo nach Belo Horizonte.
Sa. 04.10.03: Belo Horizonte
Nach Ankunft Transfer zum Hotel. Kurze Stadtrundfahrt in Belo Horizonte und Fahrt mit Vorortszug. Die Verlängerung bis Vilarinho/Venda Nova wurde kürzlich eröffnet. Übernachtung in Belo Horizonte.
So. 05.10.03: Belo Horizonte / São João del Rei
Morgens Busfahrt Belo Horizonte - São João del Rei. Bahnfahrt São João del Rei - Tiradentes und zurück mit 760 mm - Schmalspurbahn (Dampfbetrieb mit Baldwin-Loks). Rückkehr nach Belo Horizonte gegen Abend und Übernachtung.
Mo. 06.10.03: Belo Horizonte - Vitória
07.20 h Bahnfahrt mit dem Regelzug der Estrada de Ferro Vitória a Minas von Belo Horizonte nach Vitória mit Ankunft 20.03 h Auf der Meterspurlinie von 664 km herrscht sehr reger Güterverkehr: Es werden bis zu 20 Güterzüge am selben Tag gekreuzt, Strecke meist Doppelspur. Übernachtung im Vitoria.
Di. 07.10.03: Vitória - Salvador
Am Morgen Transfer zum Flughafen und Flug mit TAM nach Salvador. Fahrt zum Hotel und danach Stadtbesichtigung in Salvador mit den 365 Kirchen, den Ascensores von der Unter- zur Oberstadt. Fahrt mit der Vorortsbahn von Salvador Estação Calçada nach Paripe (an Werktagen etwa alle 45 Min.) Es ist auch altes Rollmaterial abgestellt. Besichtigung der neuen Stadtbahn (im Bau). Übernachtung in Salvador.
Mi. 08.10.03: Salvador - Cachoeira
Am Vormittag Fahrt von Salvador nach Cachoeira/Sao Felix über Santo Antônio de Jesus - Nazaré, wo Relikte von Bahnlinien zu sehen sind, und Beobachtung des Bahnbetriebes durch den Gargalo do Paraguaçú. Alle Züge müssen mittels aufwendigem Rangierens die Orte durchqueren. Übernachtung in Cachoeira.
Do. 09.10.03: Cachoeira - Maceió
Busfahrt entlang einer der ältesten Bahnen Brasiliens von Cachoeira / São Felix nach São Francisco/ Alagoinhas mit dem ca. 140 Jahre alten Bahnhofsgebäude, zurück zum Flughafen von Salvador. Flug mit TAM nach Maceió und Transfer zum Hotel.
Fr. 10.10.03: Maceió - Recife
Morgens Fahrt mit dem Vorortszug nach Lourenço Albuquerque. Weiterfahrt mit dem Bus nach Cabo und Fahrt mit der CBTU/CPT - Vorortsbahn nach Recife. Zeit für einen Besuch der Metrorec, moderner. elektrischer S-Bahn, von Recife nach Jaboatão, und Rodoviário und Camaragibe (die neueste Verlängerung, soeben eröffnet!), 1600 mm Spurweite. Übernachtung in Recife.
Sa. 11.10.03: Recife
Freie Zeit in Recife oder Besuch der Metrorec und weitere Fahrten nach Cabo möglich, oder aber Besuch der sehenswerten alten Stadt von Olinda. Übernachtung in Recife.
So. 12.10.03: Recife - João Pessoa - Natal
Am Morgen: Busfahrt nach João Pessoa und 125 km Bahnfahrten auf dem System der CBTU in João Pessoa nach Cabedelo an der Küste oder Santa Rita im Landesinnern. Nachmittags Weiterfahrt nach Natal und Übernachtung.
Mo. 13.10.03: Natal
Bahnfahrten auf dem CBTU-System von Natal nach Ceará Mirim (65 Min je Weg) und Parnamirim (37 Min. je Weg). Übernachtung in Natal.
Di. 14.10.03: Natal - Fortaleza
Am Vormittag Busfahrt von Natal nach Fortaleza, entlang der Küste mit Besuch des stillgelegten Bahnhofes Mossoró und anderer, kaum benutzter Bahnlinien wie z.B. der Linie Natal - Macau. Übernachtung in Fortaleza.
Mi. 15.10.03: Fortaleza
Besuch der Metrofor, der im Ausbau begriffenen S - Bahn von Fortaleza nach Caucaia und Vila das Flores. Übernachtung in Fortaleza.
Do. 16.10.03: Fortaleza - Parnaíba
Am Morgen: Busfahrt nach Parnaíba, wobei unterwegs die Bahnlinie Fortaleza - Sobral vielleicht mit Güterverkehr zu sehen ist, sowie die stillgelegten Bahnhöfe von Camocim und Parnaíba.
Fr. 17.10.03: Parnaíba - São Luís
Weiterfahrt nach São Luís via Atalaia mit seinem stillgelegten Bahnhof. Besichtigung von São Luís mit seiner besonders reizvollen, kolonialen Altstadt. Übernachtung in Sao Luís.
Sa. 18.10.03: São Luís - Marabá
Am Morgen Transfer zum Bahnhof. 08.00 h Fahrt mit der Carajás - Bahn von São Luís - Parauapebas nach Marabá. Die Strecke führt überwiegend durch ehemaligen Amazonasurwald. Die extrem stark belastete, einspurige 1600 mm - Spur - Bahn hat viel Güterverkehr. Übernachtung in Marabá.
So. 19.10.03: Marabá - Brasília
Morgens Transfer zum Flughafen und Flug mit TAM nach Brasília. Besuch der ultramodernen Hauptstadt Brasiliens und der noch jungen Metrô de Brasília. Übernachtung in Brasília.
Mo. 20.10.03: Brasília - Rio de Janeiro
Am Vormittag Transfer zum Flughafen und Flug mit TAM nach Rio de Janeiro. Transfer zum Hotel und Übernachtung. Am Nachmittag Fahrt mit der Zahnradbahn ab Cosme Velho auf den Corcovado, wo Sie eine einzigartige Aussicht auf Rio de Janeiro geniessen. Besuch der historischen Strassenbahn von Rio de Janeiro (Bonde im Stadtteil Santa Teresa). Das Strassenbahn-Museum ist von 09 Uhr 00 bis 16 Uhr 30 geöffnet und ohne Voranmeldung zugänglich. Für den Besuch der Werkstatt an Ort und Stelle fragen (normalerweise kein Problem!). Zugang siehe unten!
Di. 21.10.03: Rio de Janeiro
Ganzer Tag zur freien Verfügung oder Besuch der SuperVia S - Bahn (empfehlenswert: Fahrt mit der Linie Deodoro), oder der alten Dieselzüge auf den Flumitrens - Linien an der Bahia de Guanabara nach Vila Inhomirim und Guapimirim (prekäres Reisen in kaputten Zügen, für Mutige). Übernachtung in Rio de Janeiro.
Mi. 22.10.03: Rio de Janeiro
Fakultativer Ausflug mit dem Bus nach Pindamonhangaba und evtl. mit Sonderzug auf der Estrada da Ferro Campos de Jordão/EFCJ von Pindamonhangaba nach Campos de Jordão und zurück (da Regelzug um 09.50 h fährt), elektrische Interurban Linie, die letzte in Brasilien. Übernachten in Rio de Janeiro.
Do. 23.10.03: Rio de Janeiro - Europa
Fahrt mit dem Teleférico (Luftseilbahn) von Urca auf den Pão de Açúcar (Zuckerhut), wo sich Ihnen noch einmal eine herrliche Sicht auf Rio bietet. Abends Transfer zum Flughafen und Abflug mit TAM nach Europa.
Die Reise wurde durchgeführt von:
Comet Reisen AG, Zürich