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Sam1984
Das nenne ich mal nachhaltige Spionage, da könnten sich die Amis eine Scheibe davon abschneiden.
Das US-Militär hat einen chinesischen Spionageballon über dem Norden der USA gesichtet. Der Ballon sei am Mittwoch über dem Bundesstaat Montana im Nordwesten der USA entdeckt worden, teilte das Pentagon am Donnerstag mit. Die Flugbahn des Ballons werde genau verfolgt.
Er befinde sich noch immer über den Vereinigten Staaten, hiess es. Man habe erwogen, ihn abzuschiessen, sich dann aber dagegen entschieden, wegen der Gefahr durch herabfallende Trümmer. Tatenlos blieb die Regierung aber nicht, Pentagonsprecher Pat Ryder informierte:
Welche Informationen hätte der Spionageballon in den Lüften über Montana sammeln können? Im Norden des US-Bundesstaates befindet sich ein Stützpunkt der US-Luftwaffe. Auf diesem werden nach Angaben des «Wall Street Journal» 150 mit Atomsprengköpfen bestückte Interkontinentalraketen vom Typ Minuteman III gelagert. Solche sensiblen Standorte würden in der Regel abgeschirmt, berichtete die Zeitung unter Berufung auf einen hochrangigen Verteidigungsbeamten. Die Spionagesysteme des Ballons lieferten dennoch einen «begrenzten Mehrwert» im Vergleich zu Informationen, die mit erdnahen Satelliten gesammelt werden können.
Man sei sich sicher, dass der Ballon aus China stamme, hiess es aus dem Pentagon. Schon in der Vergangenheit habe es ähnliche Vorfälle gegeben. Der Unterschied sei diesmal, dass sich der Ballon länger als sonst über den USA aufhalte. Erstmals gesichtet wurde er laut des «Wall Street Journal» von Zivilisten in einem Verkehrsflugzeug.
Der Ballon stelle aber keine militärische Bedrohung oder Gefahr für Menschen am Boden dar, sagte Pentagonsprecher Ryder. Auch für Flugzeuge sei der Ballon aufgrund seiner grossen Flughöhe ungefährlich, hiess es. Die USA stünden mit China bezüglich des Vorfalls in Kontakt.
Die Sichtung des Ballons erfolgte laut US-Beamten nur wenige Tage vor einer geplanten Reise des US-Aussenministers Antony Blinken nach Peking.
Bei Spionageballons handelt es sich um fliegende Ballons, die zum Sammeln von Informationen eingesetzt werden. Die Technologie ist alt: Der erste von Historikern überlieferte Einsatz eines solchen Ballons fand bereits 1794 während der Koalitionskriege (französische Revolutionskriege) statt. Der älteste noch erhaltene Ballon stammt aus der Zeit des Amerikanischen Bürgerkrieges (1861–1865). Trotz alter Technologie wird sie auch noch heute in begrenztem Umfang eingesetzt – ihren Höhepunkt erreicht sie allerdings während des Ersten Weltkrieges.
Auch während des Zweiten Weltkriegs fand sie Verwendung: Dabei versuchte das japanische Militär mithilfe der Ballons Brandbomben auf amerikanisches Gebiet zu werfen. Ihr Vorhaben scheiterte. Militärische Ziele blieben unbeschädigt, allerdings wurden mehrere Zivilisten getötet, als einer der Ballons in einem Wald in Oregon abstürzte.
Während des Kalten Kriegs blühte die Verwendung der Ballons wieder ein wenig auf. Das US-Militär begann den Einsatz von Spionageballons in grosser Höhe zu erforschen. Unter der Bezeichnung Projekt Genetrix wurden gross angelegte Missionen durchgeführt, bei denen die Ballons in den 50er Jahren über den Sowjetblock flogen.
Die Ballons operieren üblicherweise in einer Höhe von 24'000 bis 37'000 Metern, berichtet Reuters. Damit befinden sie sich weit über dem kommerziellen Flugverkehr, der fast nie über 12'000 Metern Höhe fliegt. Während die Ballons in früherer Zeit noch bemannt durch die Lüfte zogen, geschieht dies heutzutage ohne Piloten. Eine direkte Steuerung der Ballons ist nicht möglich. Sie können bloss durch das Erfassen verschiedener Luftströme mittels Lufthöhenveränderung grob zu den anvisierten Zielen gelenkt werden.
Während heutzutage eher Satelliten zum Sammeln von Informationen zum Einsatz kommen, hat die «Oldschool»-Variante dennoch einige Vorteile. So können die Ballons weite Gebiete aus nächster Nähe erfassen und mehr Zeit über einem Zielgebiet verbringen, heisst es in einem Bericht an das Air Command and Staff College der US-Luftwaffe aus 2009.
Zudem fällt das Starten der Ballons kostengünstig aus. Um die Satelliten in den Himmel zu schiessen, werden hingegen jedes Mal Trägerraketen benötigt, die Hunderte von Millionen Dollar kosten.
Die kanadischen Streitkräfte meldeten am späten Donnerstag, dass sie möglicherweise einen zweiten Vorfall eines Spionageballons beobachteten. In ihrer Stellungnahme versicherten sie der kanadischen Bevölkerung Sicherheit. Wie auch die USA hätten sie umgehend Massnahmen ergriffen, um Kanadas sensible Informationen vor Bedrohungen zu schützen.
Der zweite mögliche Zwischenfall werde von verschiedenen Partnern genaustens beobachtet – darunter auch von der North American Aerospace Defence Command (NORAD), einer gemeinsamen Einrichtung der USA und Kanadas zur Luftüberwachung.
(saw mit Material der Nachrichtenagenturen sda und dpa)