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|CH-Atomlobby will neues AKW

|Mühleberg, Beznau 1 und Beznau 2 stilllegen

|Erstmals spricht die schweizerische Atomlobby von der Stilllegung der älteren AKW Mühleberg, Beznau 1 und Beznau 2. Am 18. April 2004 meldete der Tages Anzeiger, dass verschiedene Stromkonzerne den Neubau eines schweizerischen AKW planen, um die AKW Beznau 1 und 2 sowie Mühleberg zu ersetzen, welche ums Jahr 2020 rund 50 jährig vom Netz gehen sollen.

Im letzten Jahr verwarf die Schweizer Stimmbevölkerung die Initiativen "Strom ohne Atom" und "Moratorium Plus" welche beide den "geordneten" Rückzug aus der Atomenergie verlangten, beginnend mit den Altreaktoren Mühleberg, Beznau 1 und Beznau 2. Analysen der Abstimmungsresultate zeigten auf, vor allem wirtschaftliche Argumente führten dazu, dass die Stimmbevölkerung die Initiativen verwarf aber auch dass die Akzeptanz für ein neues AKW fehlt.
EPR gegen herbeigeredeten Strommangel
Nun bäumt sich die Atomlobby ein letztes Mal auf, sie versucht die mangelnde AKW- Akzeptanz mit einem Geschenk zu vergrössern. Gleich drei AKW sollen 2020 ausgeschaltet werden, um einem neuen Platz zu machen. Durch das Ausschalten entstehe ein Strommangel, und angesichts der langwierigen Baugesuche (NOK nennt 14 Jahre) müsse der Ersatz in den nächsten 2 Jahren geplant werden. AXPO (NOK), BKW, Atel und EOS diskutieren den Neubau eines Europäischen Druckwasserreaktors EPR mit einer Leistung von 1600 MW. Mit diesem Reaktor, der entweder in Mühleberg oder Beznau zu stehen kommen soll, würde die Gesamtleistung der drei Altreaktoren von 1100 MW ersetzt und noch zusätzliche 500 MW erzeugt werden. Ende 2003 wurde der erste EPR Reaktor mit 1600 MW Leistung vom Finnischen AKW- Betreiber TVO bei Framatome ANP und Siemens bestellt. Fragwürdig ist die Beteiligung der EOS an dem neuen Projekt: die EOS ist ein deutsches Energie Verteilungs Unternehmen EVU. Wird ein ausländisches EVU am Bau eines neuen Kraftwerks beteiligt, wird die politische Einflussnahme der Schweizer StimmbürgerInnen erschwert.
Standort Mühleberg
Als mögliche Standorte für ein neues AKW werden Beznau und Mühleberg genannt. Seit Jahren baut die BKW ein grosses Netzleitzentrum in Müheberg aus, die Infrastrucktur wäre ideal für ein neues Grosskraftwerk anstelle von Mühleberg. Betrachtet man aber die von der BKW Mitte der 1990er Jahre veröffentlichten und für die AKW Lobby schöngefärbten Studien zum Ersatz von Mühleberg, muss man erkennen, dass ökonomisch gesehen eher der Ersatz durch ein grosses Gaskraftwerk anstelle eines AKW ansteht. Die damalige Studie war eine Farce, alle umweltfreundlichen Stromproduktionsarten und Stromsparszenarien wurden verteufelt. Die BKW selbst erwirtschaftete seither ein Vielfaches des Ökostroms, welcher damals vorhergesagt war. Martin Pfisterer, stellvertretender Direktor der BKW Energie AG, forderte kürzlich in einem Interview mit der Zeitung "Der Bund", die befristete Betriebsbewilligung für das AKW Mühleberg (2012) müsse aufgehoben werden, das AKW könne mindestens 60 Jahre (2032) betrieben werden. Pfisterer als Shareholder und Verwaltungsrat fehlt es an Risikobewusstsein und technischem Verständnis. Wir sprechen hier von einer Altanlage, welche bereits beim Einschalten zu einem Beinahegau führte, 1986 eine erhebliche Menge radioaktiver Gase freisetzte (Filterpanne), deren interne Komponenten dahinrosten und durch provisorische Flicke zusammengehalten werden (Kernmantel), dem Stand der Technik bereits beim Bau nicht mehr entsprach (zu kleines Containement, zuwenig Redundanz) usw..
Verhindern
Anders als bei vorhergehenden AKW-Planungen (Kaiseraugst, Graben) muss diesmal von Anfang an die Leitplanke richtig gelegt werden. Der Bund sollte nicht in die laufenden Planungen eingreifen und verfrühte Bewilligungen erteilen (ausser um den Bau von AKW zu verhindern), da ansonsten wieder Entschädigungsforderungen der AKW- Lobby für nicht ausgeführte Projekte anstehen. Jedoch muss darauf geachtet werden, ein gut angelegtes Energiesparprogramm und den Bau von alternativen Stromproduktionsanlagen aufzusetzen. Eventuell bezahlt aus der überfälligen CO2 Steuer.
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