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Geschichte Geschichte von Beringen
Geschichte der Gemeinde Beringen von Dr. Roland E. Hofer, Staatsarchivar Schaffhausen anlässlich der 500 Jahrfeier des Beitritts des Kantons Schaffhausen zur Eidgenossenschaft 2001:
Beringen gehört zu den Ortschaften im heutigen Kanton Schaffhausen, die schon früh erstmals erwähnt werden, nämlich 1090 in einer Schenkungsurkunde des Grafen Burkhard von Nellenburg an das Kloster Allerheiligen in Schaffhausen. Die Urkunde Kaiser Otto I. aus dem Jahr 965, die oft als Ersterwähnungsurkunde von Beringen angeführt wird, ist eine Fälschung aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts.
Archäologische Funde aus Beringen oder in seiner Umgebung deuten auf eine viel ältere Besiedlung hin. Dies trifft bei Ersterwähnungen, die nicht auf Gründungsurkunden beruhen, wegen der Zufälligkeit der schriftlichen Überlieferung meistens zu. Grundsätzlich gilt es zudem zu bemerken, dass die Dörfer des Klettgaus reicher waren als diejenigen des Reiats. Dies hängt wesentlich von der besseren Beschaffenheit der Böden ab, die einen höheren Ertrag abwarfen. Dazu kam und kommt der Weinbau, der zu Wohlstand führte.
Der Schaffhauser Chronist und Historiker Johann Jakob Rüeger nennt um 1600 Familiennamen, die auch heute noch gebräuchlich sind und die Beringer Herkunft verraten: Bolli, Bollinger, Hauser, Neukomm, Roost, Schneider.
Beringen war nach dem Übergang der niederen Gerichte an die Stadt Schaffhausen ein Untertanendorf wie alle andern im Stadtstaat Schaffhausen. Die Gemeinde regelte ihre inneren Verhältnisse mit einer Dorfoffnung, einer Art von Gemeindeverfassung. Wegen dieser Stellung ist es auch nicht möglich zu sagen, wie die Beringer Bevölkerung den endgültigen Beitritt der Stadt Schaffhausen zur Eidgnossenschaft am Sankt Laurenzentag 1501, also am 10. August 1501, erlebte. Es fehlen ganz einfach die schriftlichen Quellen. Es ist aber anzunehmen, dass dieser Beitritt für die überwiegende Mehrheit zunächst der Stadtbevölkerung dann aber sicherlich auch der dörflichen Bevölkerung in ihrem täglichen Leben keine einschneidende Änderung brachte. Für viele der damaligen Menschen dürfte es dringendere tägliche Probleme gegeben haben, als die Frage der staatsrechtlichen Stellung der Stadt Schaffhausen. Ein eigentliches eidgenössisches (Selbst)bewusstschein musste sich als kollektives Selbstverständnis erst ausbilden.
Wie gross Beringen um 1501 war, lässt sich aufgrund der schriftlichen Quellen nicht sagen. Immerhin werden 1530 in einer Aufstellung der Herdstätten für Beringen 43 angegeben (zum Vergleich: Neunkirch 92, Gächlingen 24, Neuhausen 12, Trasadingen 10, Guntmadingen 5). Diese Zahlen belegen, dass Beringen damals das benachbarte Neuhausen an Grösse übertraf und eine der bedeutenden Dorfgemeinschaften des damaligen Stadtstaates Schaffhausen war.
Auch in den Ratsprotokollen der Zeit um 1500 taucht Beringen nur einmal auf, allerdings in einer keineswegs untypischen Situation. Vor dem Rat der Stadt Schaffhausen wurde nämlich 1497 ein Streit zwischen den Dörfern Beringen und Siblingen um die Nutzung des Waldes und des Weidelandes ausgetragen. Es kam immer wieder vor, dass die Grenzen zwischen zwei Dörfern umstritten waren. Denn je nach Festlegung des Grenzverlaufes konnte mehr oder weniger vom Wald (der Brennstofflieferant war) und von der Weidefläche (die den Nutztieren direkt zugute kam) beansprucht werden.
1840 beschrieb Eduard Im Thurm, der erste Schaffhauser Statistiker, Beringen mit den folgenden Worten: "Pfarrdorf mit 145 Feuerstellen, liegt an der Landstrasse von Schaffhausen nach Freiburg im Breisgau. Seine Bewohner treiben Obst-, Wein-, Wiesen und Ackerbau, auch taglöhnen viele derselben in der Stadt."
Dank den Fortschritten der Medizin und bei der Hygiene hatte die Bevölkerungszahl vom Ende des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts rasch zugenommen. Dieser starke Bevölkerungszuwachs führte in der Landwirtschaft zu einer Güterzerstückelung mit vielen Klein- und Hungerbetrieben. Die Gemeinde konnte bald ihre Einwohner nicht mehr ernähren, so dass bis 1852 149 Beringer nach Amerika auswandern mussten.
Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war Beringen noch ein kleines Bauerndorf. Daran erinnert auch das Dorfwappen. Wein und Brot waren unseren Vorfahren die wichtigsten Lebensmittel und deren Erzeugung ihr wesentlichster Lebensinhalt.
Mit der Industrialisierung der Stadt Schaffhausen und des Nachbarortes Neuhausen wandelte sich Beringen während der 30er und 40er Jahre des 20. Jahrhunderts zum Vorort dieser neuen Industrieagglomeration. Seit den 60er Jahren wurde Beringen ebenso schnell selbst zur Industriegemeinde.
Entwicklung der Dorfstruktur
Anfangs des 20. Jahrhunderts zeigte Beringen ein geschlossenes Dorfbild. Den Kern bildete das alte Bachdorf mit mehreren grösseren Höfen, dominiert vom Kirchhügel.
Nach 1935 änderte sich die Dorfstruktur. Die Südhalden des Randens, die ursprünglich bis hinunter zur Landstrasse mit Reben bepflanzt waren, wurden zu einem bevorzugten Wohnquartier. Bei den meisten Bauten handelte es sich um Einfamilienhäuser mit Garten. Auch auf der Westseite des Randens wurden ein paar Wohnhäuser gebaut.
Am östlichen Ende der Gemeinde wurde 1945 die Enge-Siedlung gebaut. Es handelte sich dabei um soziale Bauten zur Linderung der Wohnungsnot in Schaffhausen und Neuhausen.
Gebäude in Beringen
Die ältesten Gebäude unseres Dorfes sind das Schloss, die Kirche und die Mühle. Das Schloss gegenüber dem alten Pfarrhaus war einst Herrensitz der Familie der Hünen von Beringen. Der alte, gemauerte Wehrturm wurde freigelegt und von privater Seite sehr schön restauriert. In diesem Wehrturm, sowie in der angrenzenden Scheune, ist heute das Ortsmuseum untergebracht.
Bevölkerungsentwicklung 1771 - 1970
|Jahr||1771||1850||1900||1910||1930||1950||1970|
|Anzahl Einwohner||702||1'418||1'208||1'277||1'357||1'757||2'005|