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Die Schweiz führte für Kroaten, die in der Schweiz leben, aber Eigentümer einer Wohnung oder eines Hauses in Kroatien sind, eine Steuer ein, und zwar rückwirkend auf zehn Jahre. Dabei wird die Art der Besteuerung gleich wie in der Schweiz angewandt, obwohl sich die Gegebenheiten hier wesentlich von denen in Kroatien unterscheiden, wenn es um Immobilien geht. In Kroatien wohnen 95% der Bürger in eigenen Häusern oder Wohnungen, während die Lage in der Schweiz völlig umgekehrt ist («das Volk der Mieter»). Auch diese wenigen Haus- oder Wohnungseigentümer besitzen diese nicht wirklich, denn die wirklichen Eigentümer solcher Immobilien sind meist Kreditgeber, also Banken, Versicherungen oder andere grosse Immobilieneigentümer.
Wohnungen und Häuser in der Schweiz werden wie folgt besteuert: Es wird eine Marktmiete festgelegt, die als Einkommen besteuert wird. Davon werden die Zinsen abgezogen, die dem Kreditgeber bezahlt werden müssen. Diese Art der Besteuerung von Wohnobjekten findet man nur in der Schweiz. Den eigentlichen Gewinn aus dieser Besteuerung haben natürlich die Kreditgeber – und besonders, wenn die Zinsen so niedrig sind wie heutzutage, auch die Steuerbehörden. Wer seine Wohnung oder sein Haus vollständig abgezahlt hat, wird mit einer Steuer auf den sogenannten Eigenmietwert «bestraft», denn dieser Eigenmietwert wird als Einkommen besteuert. Praktisch keiner der Eigentümer zahlt deshalb sein Wohneigentum endgültig ab. Kreditgeber haben dadurch ständige Einnahmen, der Staat bezieht Steuer aus dem «Mietwert», und der sogenannte Eigentümer trägt zusätzlich zur Steuerlast die Kosten für Instandhaltung und Verwaltung seines Objektes. Dieses Gesetz nützt vorwiegend den grossen Immobilieneigentümern und verhindert, dass die Durchschnittsbürger ihre Wohnung oder ihr Haus vollständig besitzen.
Wie mächtig diese «Immobilienlobby» ist, zeigt ein Fall, der vor einigen Jahren passierte. Es gab eine Zeit, in der für viele Neuwohnungen keine Mieter gefunden wurden. In der Gemeinde, in der ich lebe, gab es 160 davon. Die Steuerbehörden verzichteten darauf, die Steuer zu erheben und Banken, die Kreditgeber waren, stellten die Zinsforderungen ein. Hier sieht man, wie diskriminierend dieses Gesetz ist. In der Schweiz werden Häuser und Wohnungen in der Regel mit Hypotheken gekauft. In Kroatien dagegen werden Häuser und Wohnungen meist mit dem Ersparten gekauft, also mit bereits versteuertem Einkommen, so dass dafür keine Hypothekarzinsen fällig werden. Kredite für den Kauf von Wohnungen oder Bau von Häusern in Kroatien konnte man in der Schweiz nicht bekommen, genauso wenig wie in Kroatien oder dem damaligen Jugoslawien.
Wer Immobilien in Kroatien besitzt, bezahlt in der Schweiz die Steuer auf den «Eigenmietwert», genauso wie das für Objekte in der Schweiz der Fall ist. Mit anderen Worten kann eine Person gemäss diesem Gesetz gleichzeitig an zwei Adressen wohnen, auch wenn diese 1000 Kilometer voneinander entfernt sind.
Einer der Hauptgründe für eine Auswanderung in die Schweiz war schon seit Generationen die Situation, dass man im eigenen Land keine geeignete Wohnung bekommen konnte. Alle versuchten, zu einer eigenen Wohnung oder einem eigenen Haus zu kommen, und zwar durch eigene Arbeit und Sparen anstatt mit einem Kredit, den man damals nicht bekommen hätte. Diese Menschen wollten sich nicht nur eine Immobilie «sichern», sondern ein eigenes Zuhause, das sie nach Bedarf nutzen und nach eigenem Geschmack einrichten konnten, damit sie endlich zu einem Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit kommen konnten. Da man auch in Kroatien auf Häuser und Wohnungen Steuern bezahlt, kann man ruhig feststellen, dass so auf die Ersparnisse dreimal Steuern bezahlt werden müssen.
Die Schweiz und Kroatien haben ein Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung unterzeichnet. Meine eigene Situation sah nun beispielsweise so aus: Ich war gezwungen, für ein Haus ohne Nutzungsgenehmigung, in einem Ort ohne Kanalisation oder Wasserleitung, also für ein unfertiges Haus im Rohbau, Steuern zu bezahlen. Trotz aller eingereichten Unterlagen wurden diese Tatsachen von der schweizerischen Steuerbehörde nicht anerkannt; mir wurde dadurch signalisiert, dass ich mein Geld besser unter der Matratze aufbewahrt hätte, statt es in ein Haus in Kroatien zu investieren.
Die einzige für mich akzeptable Steuer wäre eine Immobiliensteuer, aber nicht auf Einkommen.
Viele Bürger fanden sich in derselben Lage und mussten, um diese Steuer zu bezahlen, die in einigen Fällen mehrere zehntausend Franken betrug, teilweise sogar Kredite aufnehmen,.
Ich bin der Meinung, dass die Diplomatie, also die Politik, hier mehr tun müsste. Die beste Gelegenheit dafür wäre zu Beginn dieses Jahres der Besuch des schweizerischen Finanzministers Ueli Maurer in Zagreb gewesen. Wir, die Kroaten in der Schweiz, sind auch ein Teil der Migration, die jährlich 2,7 Milliarden Euro für Republik Kroatien beiträgt.
Text: Dragomir Tomašić
Übersetzung ins Deutsche: Ana Števanja Macan
Quelle: Libra 48