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Matterhorngruppe
(Kt. Wallis und Italien). Diese mächtigste Gebirgsmasse der Schweizeralpen, für welche auch die Namen Monte Rosagruppe, Walliseralpen und Penninische Alpen im Gebrauch sind, wird begrenzt im N. durch das Rhonethal von Brig bis Martigny, im W. durch das Val d'Entremont und den Grossen St. Bernhardspass (Martigny-Aosta), im S. durch das Thal der Dora Baltea von Aosta bis Châtillon, im SO., O. und NO. durch eine Reihe von Pässen und kurzen Thalstrecken, die sich von Châtillon über Gressoney, Macugnaga und Domo d'Ossola nach Brig ziehen.
Die dabei benutzten Pässe sind der Col de Jou, Col de Vallelia, Col d'Ollen, Col del Turlo und endlich nach längerer Thalstrecke (Val d'Anzasca, Val del Toce und Val di Vedro) der Simplon. Das so umschlossene Gebiet hat vom Grossen St. Bernhard bis Domo d'Ossola eine Länge von 90 km (vom Grossen St. Bernhard bis zum Simplon 80 km) und von Châtillon bis Leuk eine grösste Breite von 60 km (von Aosta bis Martigny 45 km und von Domo d'Ossola 30 km). Der Flächeninhalt beträgt 4330 km2, wovon 1600 km2 oder 37% auf Italien fallen.
Die
Matterhorngruppe zeigt eine hübsche fiederförmige Gliederung, indem von einer mächtigen Zentral- oder Hauptkette zahlreiche
Seitenketten abzweigen. Die Hauptkette verläuft fast durchweg auf der schweizerisch-italienischen Grenze
und bildet am
Monte Rosa, resp. am
Monte Moro einen stumpfen
Winkel, von dem der eine Schenkel im ganzen westlich bis zum Grossen
St. Bernhard, der andere nördlich zum
Simplon verläuft. Der erstere misst längs dem wasserscheidenden
Kamm etwa 84 km, der
letztere etwa 36 km, zusammen also 120 km (davon kommen 72 km auf die Strecke
Grosser St.
Bernhard-Monte
Rosa und 12 km auf die Strecke
Monte
Rosa-Monte
Moro).
Dieser ganze Hauptkamm bildet auch die Wasserscheide zwischen den Gebieten der Rhone und des Po, die indessen beide zum Mittelländischen Meer fliessen (Golf du Lion und Adriatisches Meer). Die Gewässer der N.-Seite sammeln sich alle in der Rhone, während diejenigen der S.- und O.-Seite durch drei Flüsse, die Dora Baltea, Sesia und Tosa (Zufluss des Tessin), dem Po zugeführt werden. Im Gebiet der Tosa fällt die Landesgrenze ein Stück weit nicht mit der Wasserscheide zusammen, indem jene in östl. Ausbiegung vom Portjengrat quer durch das Thal der Diveria zum Monte Leone überspringt, so dass die südl. Abdachung der Simplonstrasse auf eine Länge von etwa 20 km (bis unterhalb Gondo) noch zur Schweiz gehört.
Man erhält hier übrigens ganz den Eindruck, als wäre der Hauptkamm ursprünglich vom Portjengrat über Balmhorn und Kessihorn direkt zum Monte Leone gezogen, nicht wie jetzt auf dem Umweg über die Fletschhörner und den Simplon. Die immer tiefer sich einschneidende Gondoschlucht hat diesen Hauptkamm vollständig durchschnitten und die Wasserscheide rückwärts an ihre jetzige Stelle verlegt. So aufgefasst erscheint die Kette der Fletschhörner vom Weissmies an nordwärts nicht als Teil des Hauptkamms, sondern als ein nach NNW. streichender Seitenzweig, der aus dem ursprünglich einheitlichen und ungegliederten Gebirgskörper, wie alle andern Seitenzweige durch die Erosion herauspräpariert worden ist.
Das imposanteste Stück der Hauptkette und damit der Schweizeralpen überhaupt erstreckt sich vom Matterhorn bis zum Monte Rosa mit einer Kammlänge von 25 km. Seine Gipfel übersteigen durchweg 4000 m. Der gewaltige, eisgepanzerte Monte Rosa enthält unter seinen 10 Gipfeln in der Dufourspitze (4638 m) den höchsten Punkt der Schweizer Alpen. Im Gegensatz zu diesem breiten, silberblinkenden Gebirgsstock erscheint das Matterhorn (4482 m) durch die unvergleichliche Kühnheit seines Aufschwungs, seine stolze Isoliertheit und die Wucht seines gewaltigen Felsgestells als einer der eigenartigsten Berge der Welt, der von allen Seiten unter hunderten seiner Genossen sofort in die Augen springt.
Nach diesen zwei Riesen wird darum die ganze grosse Masse der Walliseralpen mit Vorliebe benannt. Zwischen ihnen erheben sich als würdige Begleiter der eisstarrende Lyskamm (4538 und 4478 m), die zierlichen Zwillinge (Castor 4230 m und Pollux 4094 m) und das vielbesuchte Breithorn (4171 und 4148 m). Die tiefste Einsattelung in diesem Zentralstück des Hauptkammes ist das Matterjoch oder der Theodulpass (3322 m), trotz seiner Höhe und Vereisung ein relativ leicht zu überschreitender Pass mit einer bewirtschafteten Unterkunftshütte auf seiner Höhe und darum im Sommer von ganzen Touristenkarawanen begangen (Uebergang von Zermatt nach Breuil). Die übrigen Pässe sind alle sehr schwierig und nur von geübten Touristen zu begehen. Es sind das Furggjoch (etwa 3350 m), das Schwarzthor (3741 m), der Verra- oder Zwillingspass (3861 m), das Felikjoch (4068 m), der Lyspass (4277 m), das Sesiajoch (etwa 4110 m), der Grenzsattel (etwa 4500 m) und der Silbersattel (4490 m), letztere zwei im S. und N. der Dufourspitze.
Westl. vom Matterhorn überschreitet im Hauptkamm nur noch die Dent d'Hérens oder der Mont Tabor (4180 m) die 4000 m. Dann folgen mit im allgemeinen von O. nach W. abnehmender Höhe die Tête Blanche (3750 m), die Dents des Bouquetins (3783, 3848, 3801, 3600 m etc.) und der Mont Brûlé (3621 m), dann nach einem vielfach zerrissenen und gescharteten Kamm mit nur wenig bekannten und wenig hervorragenden Gipfelpunkten (La Sengla 3702 und 3662 m, Bec d'Épicoun 3527 m etc.) der Mont Gelé (3517 m), der Mont Avril (3341 m), die Aiguilles Vertes mit dem Amianthe (3600 m) und endlich der Mont Vélan (3765 m). Die Pässe auch dieser Region sind meist vergletschert und nur von geübten Touristen zu passieren. Ausnahmen davon bilden der stark frequentierte Grosse St. Bernhard mit grossem Hospiz (2472 m) aus dem Val d'Entremont nach Aosta und der Col de Fenêtre (2786 m) aus dem Val de Bagnes nach Valpelline und Aosta mit ¶
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einem früher vielbegangenen Saumpfad, der aber zeitweilig durch Vorstösse der Gletscher im obern Val de Bagnes unwegsam gemacht wird. Es folgen dann nach O. der Col de Crête Sèche (2888 m), der Col de Collon (3130 m), der Col des Bouquetins (3118 m), Col de Valpelline (3562 m), das Tiefenmattenjoch (3593 m), alle ins Valpelline und nach Aosta, endlich der Col de Tournanche (3468 m) von Zermatt nach Breuil. Aosta erscheint als Schlüsselpunkt von einer Reihe von Pässen, die von da nach NW., N. und NO. ausstrahlen, einerseits bis Martigny, andererseits bis Zermatt-Visp.
Der nordöstl. Teil des Hauptkamms bildet die S.- und O.-Wand des Saasthals zunächst bis zum Portjengrat und Zwischbergenpass. Vom Monte Rosa zieht er anfänglich nördl. über die schöne und viel besuchte Kuppe der Cima di Jazzi (3818 m) zum Schwarzberg-Weissthor (3612 m), dann östl. über den Monte Moro (2988 m) zum Joderhorn (3040 m), dann wieder nördl. über Spähnhorn oder Pizzo d'Antigine (3194 m), Latelhorn oder Punta di Saas (3208 m), Augstkummenhorn (3454 m) und Sonnighorn (3492 m) zum Portjengrat (3660 m) und dem Zwischbergenpass (3272 m). Mit dem Weissmies (4031 m) beginnt die Kette der Fletschhörner, die die N.-Richtung fortsetzt, während ein in der Gondoschlucht durchschnittener Kamm über das Thälihorn (3485 m) und das Balmhorn (2885 m) zum Kessihorn (2927 m) und Monte Leone (3565 m) etwas östlicher durchstreicht. Am Portjengrat und namentlich vom Monte Moro bis zum Monte Rosa ist auch dieser Gebirgsteil stark vergletschert, besonders an der weniger steilen schweizerischen Seite, an die sich die gewaltigen Firn- und Eisfelder des Gorner-, Findelen- und Schwarzenberggletschers anlehnen.
Der italienische Absturz gegen das Val d'Anzasca ist dagegen durchweg ausserordentlich steil und von mächtigen Felsstufen aufgebaut, zwischen welchen nur kleinere Gletscherlappen hängen. Bekannter als die nur unbedeutenden Gipfelpunkte des Kammes sind einige Eisjoche, die als Uebergänge von Zermatt nach Macugnaga und Saas in der Touristik eine Rolle spielen. Die wichtigsten davon sind das Alte Weissthor (3576 m) nördl. vom Fillarhorn, das Neue Weissthor (etwa 3660 m) nördl. von der Cima di Jazzi und das Schwarzberg-Weissthor (3612 m) noch weiter nördl. an der Umbiegung des Grates, den man aller dieser Thore wegen als Weissthorkette bezeichnet (vom Jägerhorn bis zum Monte Moro).
Der Monte Moropass (2862 m) war vor Eröffnung der Simplonstrasse ein wichtiger Verkehrsweg zwischen Saasthal und Val d'Anzasca und hat sich auch seither als oft begangener Touristenpfad behauptet. Weniger wichtig, aber doch seit Alters benutzt sind der Mondellipass (2841 m) ebenfalls ins Val d'Anzasca und der Antronapass (2844 m) ins Val d'Antrona. Die Verzweigungen dieses Gebirgsteiles sind schweizerischerseits, abgesehen von den Fletsch hörnern, nur unbedeutend. Erwähnt seien gleich hier die kurzen Zweige, die das Furggalpthal einschliessen: links der des Stellihorns und Mittelgrates, rechts der des Almagellhorns. Länger sind die Verästelungen nach der italienischen Seite, besonders die die Thäler von Antrona und Zwischbergen einschliessenden. Doch kommen diese hier nicht weiter in Betracht.
Von der Hauptkette der Walliseralpen zweigen zahlreiche längere und kürzere und oft selber wieder verzweigte Seitenketten ab, die durch tief einschneidende Querthäler voneinander getrennt werden und in fünf grössere Gruppen zusammengefasst werden können. Es sind: 1. die Combingruppe zwischen Val d'Entremont und Val de Bagnes, 2. die Gruppe der Ruinette oder des Mont Blanc de Seilon zwischen Val de Bagnes und Val d'Hérens, 3. die fächerförmig ausgebreitete Gruppe der Dent Blanche zwischen Val d'Hérens und Nikolaithal, 4. die Mischabelgruppe zwischen Nikolai- und Saasthal und endlich 5. die Fletschhorngruppe zwischen Saasthal und Simplon.
Die Combingruppe zweigt sich von der Hauptkette am Amianthe (3600 m) ab und wird von ihr getrennt durch eine Firnmulde, aus der der Glacier de Sonadon nach W., der Glacier du Mont Durand nach O. fliesst. Sie streicht nach NNW. längs dem Val d'Entremont, dem sie ihre steilere und geschlossenere Seite zukehrt, während die Seite gegen das Val de Bagnes durch das Thal des mächtigen Glacier de Corbassière mehr gegliedert ist. Um das weite Firnbecken dieses prächtigen Gletschers reihen sich die Hauptgipfel der Gruppe auf, vor allem der gewaltige, eisgepanzerte Stock des Grand Combin (4317 m), der als höchster Gipfel des westl. Wallis wie ein Riese aus seiner Umgebung herausragt und umsomehr auffällt, als sonst westl. von der Dent d'Hérens (4180 m) und Dent Blanche (4364 m) bis zur Montblancgruppe kein Gipfel mehr 4000 m erreicht.
Die einzelnen Höhenpunkte seines Gipfelgrates tragen wie am Monte Rosa und Montblanc besondere Namen: Aiguille du Croissant (4317 m), Pointe de Graffeneire (etwa 4300 m), Combin de Zessetta (4120 m) und Combin de Valsorey (4145 m). Nördl. davon erhebt sich als selbständiger Gipfel mitten aus dem Eis der Combin de Corbassière (3722 m), dann über Bourg Saint Pierre die Zackenreihe der Maisons Blanches (3699, 3659 m etc.) und weiter der Petit Combin oder Combin de Boveyre (3649 m), die Aiguilles du Combin (3653 m) und der Mont Follat (3671 m), endlich als letzter Schneegipfel der Mont Rogneux (3085 m). Ueber Mont Brûlé (2575 m) und Six Blanc (2450 m) senkt sich dann die Kette rasch und mit breitem Rücken gegen den Thalwinkel von Sembrancher ab. Ein kleinerer Zweig mit dem Tournelon Blanc (3712 m) als Hauptgipfel streicht vom Grand Combin zwischen Glacier de Corbassière und Val de Bagnes nach N. Unter den Pässen der Combingruppe sind etwa zu nennen: der Col de Sonadon (3489 m), Col des Maisons Blanches (3426 m) und Col de l'Ane (3037 m), die jedoch alle nur touristische Bedeutung haben. Als ein Anhängsel der Combingruppe kann man auch die kleine Kette zwischen Val d'Entremont und Val de Ferret betrachten, die sich mit dem Pic de Drônaz (2953 m) beim Grossen St. Bernhard an die Hauptkette anschliesst und im Mont Ferret (2981 m) ihren höchsten Gipfel hat. Oft wird sie aber auch samt dem isolierten Stock des Catogne (2579 m) nördl. davon zu den äussersten Ausläufern der Montblancgruppe gezählt.
Die Gruppe der Ruinette oder des Mont Blanc de Seilon, nach ihren höchsten Gipfeln benannt, knüpft sich beim Col de Collon an die Hauptkette der Walliseralpen und beginnt dort mit dem schönen Trio des Évêque (3738 m), Mont Collon (3644 m) und Petit Collon (3545 m), die rings von den Eismassen des Glacier d'Otemma, Glacier de Vuibez und Glacier d'Arolla eingeschlossen sind und selber den Glacier de Collon umschliessen. Der Glacier d'Otemma senkt sich südwestl. ins Val de Bagnes, der Glacier d'Arolla nordwestl. ins Val d'Arolla; beide sind verbunden durch das Eisjoch des Col de Chermontane (3084 m). Jenseits dieses Passes folgt das Gebiet des Mont Blanc de Seilon (3871 m), eines mächtigen Gebirgsstockes inmitten weitgedehnter Firn- und Eisfelder und umgeben von stolzen Vasallen, unter welchen der Pigno d'Arolla (3801 m), die Serpentine (3691 m), die Ruinette (3879 m) und der Mont Pleureur (3706 m) durch ihre Höhe wie durch ihre bald mehr kühnen, bald mehr massigen Gestalten hervorragen.
Von da senken sich der Glacier de Breney und der Glacier de Giétroz ins Val de Bagnes, der Glacier de Seilon in den Hintergrund des Val d'Hérémence (Val des Dix) und verschiedene kleinere Eiszungen da- oder dorthin. Davon ist der Giétrozgletscher durch seine periodischen Eisstürze und starken Vorstösse, durch die er wiederholt die Oberstufe des Val de Bagnes abgesperrt und die Dranse zu einem Verderben bringenden See gestaut hat, gefürchtet. Vom Mont Pleureur setzt sich die Kette immer dem Val de Bagnes entlang in nordwestl.
Richtung fort über Pointe de Rosa Blanche (3348 m), Mont Fort (3330 m) und Mont Gelé (3028 m), um dann über die aussichtsreiche Pierre à Voir nach W. umzubiegen und endlich bei Martigny auszukeilen. Nach NW. hin nimmt mit der Höhe auch die Vergletscherung allmählig ab, ist aber an der Rosa Blanche und am Mont Fort noch sehr ansehnlich. An die konvexe Seite dieses Hauptkammes schliessen sich drei genau nach N. streichende Seitenzweige, die das Val d'Hérémence und das Val de Nendaz einschliessen. Die östlichste dieser Seitenketten ist die längste. Ihr entragen die Aiguilles Rouges (3650 m), die Pointe de Vouasson (3496 m), beide noch mit beträchtlichen Gletschern, und der als herrlicher Aussichtspunkt viel besuchte Pic d'Arzinol (3002 m). ¶
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Treffliche Schaugerüste sind auch der Bec de Montau (2932 m) im mittleren und die Dent de Nendaz (2472 m) im westl. Zweig. Touristisch wichtige Pässe dieses Gebietes sind der Col de Seilon (3250 m) und Col des Chèvres (2851 m), zusammen ein herrlicher Gletscherübergang aus dem Val de Bagnes ins Val d'Arolla, ähnlich und parallel dem oben genannten Col de Chermontane (3084 m); dann der Col du Crêt (3148 m) und Col de Louvie (etwa 2900 m) südl. und nördl. der Rosa Blanche aus dem Val de Bagnes ins Val d'Hérémence und Val de Nendaz, endlich der Col de Meina (2708 m) vom Val d'Hérémence ins Val d'Hérens.
Zwischen Glacier d'Arolla und Glacier du Mont Miné zieht sich eine kurze, aber gipfelreiche Kette nach N., die sich an die ebenfalls S.-N. streichenden Dents des Bouquetins anschliesst und in ihrem südl. Teil Dents de Bertol, im nördl. Les Grandes Dents genannt wird. Die erstem (3536, 3596, 3507 m etc.) sind weniger ihrer Gipfel als ihrer Pässe, den Cols de Bertol (etwa 3330 und 3370 m), wegen touristisch interessant. Die Grandes Dents dagegen zeichnen sich aus durch eine Reihe phantastisch-wilder, ungemein kühner Hörner, Zähne und Nadeln. Insbesondere gehört die verwegen spitzaufragende Aiguille de la Za (3673 m) zu den feinsten Gipfelformen der gesamten Alpen, die ihresgleichen vielleicht nur in den Aiguilles der Montblancgruppe und in einzelnen Dolomitspitzen Südtirols findet. Daran schliessen sich würdig an die Dent de Perroc (3680 und 3655 m) und die Dents de Veisivi (3425 und 3189 m).
Zwischen Val d'Hérens und Nikolai-Vispthal breitet sich ein riesiger Gebirgsfächer aus, der zwischen seinen Armen das Eifischthal (Val d'Anniviers) mit seinen obern Zweigen (Val de Moiry und Val de Zinal) und das Turtmanthal einschliesst. Die Hauptarme verknüpfen sich in der Dent Blanche (4364 m), von wo aus sich der Stiel über die Wandfluh zur Tête Blanche (3750 m), nw. von der Dent d'Hérens (4180 m), zieht. Ist auch die Dent Blanche nicht der höchste Gipfel dieses weiten Gebirgssystems, so erscheint er als sein Hauptknoten doch zu dessen Namengebung wohl geeignet.
Von da zweigt der eine Hauptast, der des Grand Cornier (3969 m), gegen NW., der andere, der des Weisshorns (4512 m), nach einer östl. Ausbiegung gegen NNO. ab, beide mit ihren weitern Verzweigungen und äussersten Ausläufern das Rhonethal erreichend. Der erstere verzweigt sich schon am Grand Cornier wieder, indem eine kürzere Kette über den Bouquetin (3184 m), Pigne de l'Allée (3404 m), Garde de Bordon (3316 m) und die Corne de Sorebois (2923 m) zwischen Val de Moiry und Val de Zinal nach N. streicht, während der Hauptast nun erst die NW.-Richtung einschlägt und als bekanntere Gipfel die Pointe de Bricolla (3663 m), den Za de Lâno (3374 m), den Sasseneire (3259 m) und die Becs de Bossons (3160 m), letztere als Aussichtspunkte berühmt, aufweist. In der Weisshornkette ragen neben mehreren Trabanten vor allen das Ober Gabelhorn (4073 m), das Zinal Rothorn (4223 m) und das Weisshorn (4512 m) als gewaltige Riesen und als Hauptanziehungspunkte kühner Touristen, die aber auch mit entsprechenden Schwierigkeiten und Gefahren verbunden sind, hervor. Am Weisshorn findet wieder Gabelung statt, indem die Hauptkette über Brunegghorn (3846 m), Barrhörner (3633 und 3663 m), Rothorn (3262 m) und Schwarzhorn (3207 m), die Seitenkette über Diablons (3612 m), Roc de Budri (3140 m) und Bella Tola (3090 m) rechts und links des Turtmanthals nach N. streichen.
Auch hier sind Schwarzhorn und Bella Tola wieder ausgezeichnete Aussichtspunkte. An ihnen findet, wie auch an den Becs de Bossons, noch eine letzte, äusserste Verzweigung statt, durch die das Augstbordhorn (2992 m), das Ergischhorn (2496 m), das Borterhorn (2970 m), das Illhorn (2724 m), der Tracuit (2628 m) und der Mont Noble (2675 m) als letzte Ausläufer bis an die Rhone vorgeschoben werden. Die Vergletscherung dieses Gebirgsfächers ist in den höhern, südl. Teilen von der Dent d'Hérens und Tête Blanche bis über den Grand Cornier und das Brunegghorn hinaus eine ganz gewaltige und reicht auf alle Gräte und Spitzen hinauf, nur selten unterbrochen von einzelnen Felsmassen, an denen der Schnee nicht haftet.
Die Thalabschlüsse sind durch diese Gletscher aufs Herrlichste dekoriert, so im Val d'Hérens durch den Glacier de Ferpècle und den Glacier du Mont Miné, im Zinalthal durch den Zinal-, Moming- und Weisshorngletscher, im Moiry- und Turtmanthal durch die Gletscher gleichen Namens. Gegen das Nikolaithal senken sich der Zmuttgletscher mit seinen drei Firnbecken (Tiefenmatten-, Stock- und Schönbühlgletscher), dann der Gabelhorn-, Trift-, Hohlicht- und Biesgletscher neben noch manchen kleinern.
Natürlich sind auch die Pässe dieser hohen Regionen lauter Eisjoche und haben darum nur touristische Bedeutung. Der frequentierteste und interessanteste ist der Col d'Hérens (3480 m) von Zermatt über Zmutt- und Ferpèclegletscher nach Evolena. Seltener in Gebrauch kommen der Col Durand (3474 m), das Triftjoch (3540 m), das Obere und Untere Schallijoch (3745 und 3751 m) vom Nikolaithal ins Eifischthal (Zinal), das Biesjoch (3549 m) von ebenda ins Turtmanthal, der Col de Tracuit oder Col des Diablons (3252 m) aus dem letztern nach Zinal.
Von hier gelangt man über den Col de l'Allée (etwa 3170 m) auf den Glacier de Moiry und weiter über den Col de Couronne (3016 m) nach Evolena. Weiter nördl. führen zweimal drei Pässe über drei Bergketten und quer durch Turtman- und Eifischthal vom Nikolaithal ins Val d'Hérens. Es sind: 1. der Jungenpass (2994 m), die Forcletta (2885 m) und der Col de Torrent (2924 m);
2. der Augstbordpass (2900 m), der Meidenpass oder Pas du Bœuf (2790 m) und der Pas de Lona (2767 m), bei deren Ueberschreitung leicht der eine oder andere der benachbarten Aussichtsgipfel, wie Schwarzhorn, Bella Tola, Becs de Bossons, Sasseneire etc. bestiegen werden kann. In diesem Zusammenhang sei noch an eine viel grossartigere Längstour durch die Walliseralpen erinnert, die wie keine zweite Passwanderung einen genauen Einblick in die Grossartigkeit dieser Gebirgswelt gewährt. Es ist die aus einer fast ununterbrochenen Reihe hoher Gletscherpässe zusammengesetzte «Highlevel-Route» der Engländer.
Sie führt von Zermatt über den Zmuttgletscher-Col de Valpelline-Col du Mont Brûlé-Col de Collon-Col de l'Évêque-Glacier d'Otemma (mit oder ohne Col de Chermontane)-Cabane de Chanrion-Glacier du Mont Durand-Col und Glacier du Sonadon oder Col des Maisons Blanches-Bourg Saint Pierre-Col des Planards-Val Ferret und endlich über Col d'Argentière oder Col du Chardonnet nach Chamonix. Die ganze Route erfordert bei gutem Schnee und Wetter 4-6 Tage und lässt verschiedene Varianten zu, indem da und dort statt der genannten Pässe andere, benachbarte gewählt werden können. Uebernachten kann man dabei etwa im ¶