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Der Begriff der Gentifizierung hat in letzten Jahren den Weg aus der Stadtforschung in den öffentlichen Diskurs gefunden (vgl. z.B. tagesanzeiger.ch). Dabei wird der Begriff häufig im Sinne einer Aufwertung transitorischer Gebiete verstanden, womit die Zuwanderung von Reichen und der Preiserhöhung von Wohnraum und damit verbunden die Verdrängung ansässiger Bevölkerungsgruppen.
Bis weit in die 1960er-Jahre nahm man an, dass Wohnhäuser einem kontinuierlichen Zerfall ausgesetzt sind, verbunden mit einem Zuwachs an statustiefen Bevölkerungsgruppen. Mitte der 1970er stellte man in den USA fest, dass vermehrt städtische Gebäude erneuert und von mittleren und höheren sozialen Schichten bewohnt wurden (davor ging man davon aus, dass diese Gruppen aufgrund höherer Flächenansprüche in die Peripherie zogen, da die Ansprüche nur dort befriedigt werden konnten). Neu waren also auch Statushöhere in den Invasions-Sukzessions-Zyklus eingebunden.
Dangschat (1988) stellt sodann zwei Formen der Aufwertung fest: Einerseits die Gentrifizierung, die sich dadurch auszeichnet, dass Sie Investoren ausgeht, die von aussen und mit grosser Kelle anrichten. Andererseits gibt es auch das incumbent upgrading, das wie von innen heraus entwickelt und das sich an den finanziellen Möglichkeiten der Bewohner (i.d.R. auch die Eigentümer der Wohnungen) orientiert. Die Intensität ist im Vergleich zur Gentrifizierung von geringerer Intensität, jedoch zahlenmässig grösser und damit bedeutsamer.
Verlauf der Gentrifzierung: Die Gentrifizierung ist als zyklischer Prozess zu verstehen. Der doppelte Invasions-Sukzessions-Zyklus geht davon aus, dass der Wandel von zwei in ihren Merkmalen sehr ähnliche Gruppen (Alter, Schulbildung und Haushaltstyp) ausgeht: den Pionieren und den Gentrifiern:
- In Invasions-Phasen I-III der Pioniere verdrängen Pioniere zuerst statusniedere Bewohner (Arbeiter, Alte und Ausländer),
- Die Neubelebung durch die kreative Klasse äussert sich auch in Treffpunkten, die Sichtbarkeit des neuen Ausflebens ist anfänglich gering, das Quartier bleibt ein Geheimtipp, jedoch wird die Sichtbarkeit nach und nach grösser, sodass
- in der letzten Invasionsphase der Pioniere die ersten Gentrifier zuziehen. Die Gentrifier verdrängen aufgrund ihrer grösseren wirtschaftliche Kraft in den Invasionsphasen der Gentrifier wiederum die Pioniere.
Eine neue städtische Mittelschicht hat sich somit im Quartier etabliert, während zuerst die statusniederen Schichten und anschliessend auch die Pionieren verdrängt wurden. Die Mechanismen der Verdrängung werden in einem weiteren Blogbeitrag ausgeführt.
Literatur
Dangschat, Jens S. (1988): Gentrification: Der Wandel innenstadtnaher Wohnviertel. In: Friedhelm Neidhardt, M. Rainer Lepsius und Hartmut Esser (Hrsg.): Soziologische Stadtforschung, Sonderheft 29 der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie S. 272-292