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Die Voraussetzungen für die Beherrschung der Kühlung (1850 bis 1920)
Mitte des 19. Jahrhunderts waren Einlegen in Salz, Räuchern und Trocknen die einzigen Möglichkeiten, frische Lebensmittel zu konservieren. Ende der 1850er Jahre tauchten dann die ersten Kühlgeräte auf. Ab 1876 nutzte Charles Tellier diese neuen Techniken, um Fleisch von Rouen ins argentinische Buenos Aires zu transportieren. Er baute einen alten Segler zum Dampfschiff um und nannte es "Frigorifique". Die Atlantiküberquerung dauerte 105 Tage und war ein Erfolg: 30 Tonnen Fleisch kamen in gutem Zustand an.
Während des Ersten Weltkriegs gab es immer mehr Kühltransporte. Nicht nur die französischen Frontsoldaten müssen versorgt werden, sondern auch die englischen und amerikanischen Verbündeten.
Die Geschichte von STEF beginnt 1920. Der Krieg ist zu Ende. Die Eisenbahngesellschaften wollen eigene Transportdienste für Kühlwaren schaffen. Das Unternehmen PLM (Paris, Lyon, Méditerranée) beschließt ebenfalls eine solche Gründung: die Société Française de Transports et Entrepôts Frigorifiques entsteht. Es ist der erste Schritt zum Aufbau der Gruppe STEF.
Die Schienenlogistik entwickelt sich (1938 bis 1950)
1938 wird die Société Nationale des Chemins de fer Français gegründet – die SNCF. Sie übernimmt von den alten Gesellschaften fast das gesamte französische Schienennetz.
STEF und seine damaligen Konkurrenten CTF und SEF werden Töchter der SNCF. Die Eisenbahngesellschaft kauft das gesamte feste und rollende Material von STEF – darunter die 600 Waggons – sowie 98 % des Kapitals. STEF übernimmt das Management des gesamten Materials der drei fusionierten Unternehmen.
Während des Zweiten Weltkrieges wächst STEF weiter und baut ein Magazin in Perpignan – trotz der schwierigen Bedingungen für die Beschaffungslogistik. Nach dem Krieg hat die französische Bevölkerung Hunger. Trotz der Einführung schnellerer Züge (die Waggons können bis 100 km/h schnell fahren) und der kürzeren Transportzeiten ist die Versorgung der Bevölkerung aufgrund von Engpässen, die bis Ende der 1940er Jahre immer wieder auftreten, schwierig.
Industrialisierung der Kühlung (1950 bis 1960)
Der Straßentransport wird ab den 1950er Jahren ausgebaut. Die SNCF-Tochter STEF scheint von dieser neuen Konkurrenz aber nicht bedroht zu sein. Da die LKW keine Kühlhausausstattung haben, werden hauptsächlich Waggons zur Versorgung großer Städte und für lange Fahrten eingesetzt. Die LKW kümmern sich vor allem darum, dass die Ware von den Erzeugern zu den Bahnhöfen kommt.
In den 1960er Jahren verfügt STEF über 1000 Isolations-, Kühl- und Gefrierwaggons. Das Unternehmen hat Bahnhöfe in ganz Frankreich: Paris, Saint-Brieuc, Straßburg, Limoges, Dijon, Avignon, Perpignan.
Um verderbliche Waren zu konservieren, stellt STEF zahllose Eisbarren her, die von Hand in die Kühlabteile eingeführt werden. Die Technik wird moderner. Die ersten Türme zum Nachfüllen von Eis in die Waggons kommen auf. Die Waggons halten unter den Türmen und das Eis fällt direkt in die Kühlabteile, ohne dass weitere Wartungsarbeiten erforderlich sind.
Wie STEF zum Straßentransport kam (1964 bis 1982)
STEF wächst immer weiter. Derweil schließen sich drei Transportunternehmer (Robert Diemert, Guy Galopin und Michel Sancier) zusammen und schaffen 1964 das erste Netz für Sammelgut. Es bekommt den Namen TFE.
1981 wird Pierre Legras Generaldirektor der Gruppe. Sein Ziel: „Der Aufbau eines landesweiten Anbieters für Kühltransporte“. TFE hat damals 1200 Fahrzeuge und 2500 Mitarbeiter. Die Gruppe TFE besitzt fünf Unternehmen im ganzen Land: Sud-Ouest, TFO, Ronazur Froid, Sodelpha und Eurotransit.
Um für die Gruppe eine starke visuelle Identität zu schaffen, wird 1982 ein Logo geschaffen, das die Werte, das Motto und die Aktivität des Unternehmens illustrieren soll. So entstehen die ersten Entwürfe für das Logo der Gruppe STEF. Jede Farbe und jede Form hat ihre Bedeutung: Weiß steht für Reinheit, Sauberkeit und Hygiene, Blau für die Kälte. Die sich überschneidenden Ringe symbolisieren Sicherheit und die Geschlossenheit der Kühlkette. Und sie stehen für die Einheit der Unternehmen von TFE in einem stabilen Netzwerk.
Financière de l'Atlantique (1987 bis 1989)
1987 will die SNCF ihre vor 50 Jahren erworbene Tochter STEF wieder abstoßen. TFE scheint ein geeigneter Käufer zu sein. Aber es gibt noch mehr Interessenten.
Financière de l'Atlantique ist damals eine unauffällige Gesellschaft. Sie wurde 1983 von Francis Lemor und Bernard Jolivet gegründet und setzt sich nun das Ziel, „eine Gruppe aufzubauen, die alle Bereiche der Kühllogistik zusammenfasst“. Dabei sind die Gründer gar nicht als Spezialisten auf diesem Gebiet bekannt. Doch sie sind sicher, dass der Markt reif für ihre Idee ist und machen sich ans Werk. Das Geschäft beginnt mit ein paar tausend Kubikmetern Lagerraum.
Nach Investitionen in Magazine im Westen Frankreichs und dem Bau neuer Standorte überrascht Financière de l'Atlantic die Branche mit der Übernahme von STEF.
STEF-TFE entsteht (1992 bis 2012)
1992 erwirbt Financière de l'Atlantic alle Anteile an TFE.
1996 wird die Gruppe zu STEF-TFE. Sie besteht aus drei Netzwerken: STEF, TFE und Tradimar.
2012 nimmt STEF-TFE eine für ganz Europa einheitliche Handelsmarke für alle Netzwerke an: STEF. Dieser Schritt ist die logische Folge einer Entwicklung, bei der das Know-how aller Unternehmen der Kühllogistik in Europa zusammengeführt werden soll (Transport, Logistikdienstleistungen und Informationssysteme). Es kommt den Forderungen der Kunden nach koordinierten und sicheren Dienstleistungen sowie nach durchgängig hochwertigem Service entgegen – unabhängig von der Art der Leistung, der Region oder dem Land, in dem diese angeboten wird.
STEF seit 2012
Im Jahr 2013 erwirbt STEF das Unternehmen EBREX France, das auf den Straßentransport von temperierten Gütern und Logistikdienstleistungen für die Außer-Haus-Verpflegung (21 Standorte) spezialisiert ist. Die Zusammenführung der beiden Unternehmen hat die Position von STEF als Dienstleister auf dem französischen Lebensmittelmarkt gestärkt.
2014 übernimmt STEF die Firma Speksnijder Transport in den Niederlanden, die über eine Multi-Temperatur-Plattform verfügt. Von dort aus werden Logistikoperationen und Sammeltransporte in den Benelux-Ländern durchführt. 2016 folgt der Kauf von VERS-EXPRESS durch STEF. Das Unternehmen ist auf die Distribution von frischen Lebensmitteln spezialisiert. Außerdem übernimmt STEF die Immobilien sowie 40 % des Kapitals von NETKO. Mit diesen Erwerbungen erweitert STEF sein Netz in den Niederlanden und sorgt für eine feste Verankerung in Nordeuropa. 2018 wird durch die Schaffung der Einheitsmarke STEF der Integrationsprozess der drei Unternehmen in den Niederlanden abgeschlossen. STEF ermöglicht es südeuropäischen Herstellern so, ihre Geschäftstätigkeit in den Niederlanden zu entwickeln. Die niederländischen Anbieter bekommen im Gegenzug einen leichteren Zugang zu den südeuropäischen Märkten.
Im Jahr 2016 unterzeichnet STEF ein europäisches Partnerschaftsabkommen mit NORDFROST, dem deutschen Marktführer in der Tiefkühllogistik. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten für die Kunden in Nord- und Osteuropa.
Im gleichen Jahr kündigt die Gruppe die Zusammenlegung ihres Logistiknetzes mit dem führenden Schweizer Milchkonzern EMMI, an. 2018 wird ein eigener Standort in Kölliken eröffnet, um die Position von STEF im Segment der Frischelogistik in der Schweiz zu festigen.
2019 führt STEF eine neue operative Organisation ein, die um spezialisierte Business Units herum aufgebaut ist. Auf diese Weise soll den Anforderungen der Kunden besser entsprochen werden.
Im Lauf ihrer Geschichte hat es die Gruppe immer verstanden, sich bei ihrer Weiterentwicklung an Verbrauchergewohnheiten und neuenTechnologien anzupassen: Multiplikation der vielfältigen Vertriebskanäle, Produktdiversifizierung, beschleunigte Warenströme. STEF hat sein Ziel erreicht: europäischer Marktführer in der Kühllogistik zu werden.