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Inflation… Was war das nochmal? Das ist, wenn das Warenangebot in der Menge gleich bleibt oder sogar abnimmt, während immer mehr Geld in Umlauf kommt. Entsprechend verliert das Geld seine Kaufkraft. Diese heute selbstverständlich gehandelte Logik, mit der die Nationalbank auch mal den Franken künstlich schwächt, um im internationalen Exportwettbewerb bestehen zu können, musste im 16. Jahrhundert erst schmerzhaft erlernt werden.
Als der Genueser Seefahrer Christoph Kolumbus im August 1492 mit der Idee in See stach, einen kürzeren Seeweg nach Indien zu finden, zahlte man in den europäischen Königreichen mit Silbermünzen, sehr selten mit Goldmünzen. Statt aber am anderen Ende der «Westroute» in China zu landen, welches damals nicht von Indien unterschieden wurde, ging das Expeditionsschiff «Santa Maria» bei den Bahamas vor Anker.
Für die Ureinwohner der Amerikas begann mit dieser «Entdeckung» ein bis heute andauernder Existenzkampf, der in fünf Jahrhunderten rund 50 Millionen Menschenleben forderte. In der eurozentrischen Geschichtsschreibung dominiert dennoch ein feierlicher Grundton. Schliesslich hat die «Neue Welt» dem «Alten Kontinent» unfassbaren Reichtum beschert. Alleine bis zu 220 Tonnen Silber wurden zu Beginn des 16. Jahrhunderts jährlich nach Spanien verschifft.
Silber und Gold waren zu jener Zeit keine Wertanlagen, die man hortete. Sie wurden für die Herstellung von Geld genutzt. Und die spanische Krone hatte mit ihren amerikanischen Besitzungen quasi eine unversiegbare Geld-Pipeline. Damit stockten sie ihre Armee – allen voran die Überseeflotte – auf, liessen in heimischen Landen Paläste bauen, feierten ausgefallene Feste und kauften Luxuswaren aus ganz Europa zu.
Dieser extreme Geldreichtum hatte eine gesteigerte wirtschaftliche Aktivität zur Folge – insbesondere auch in Italien, Frankreich, England und Deutschland, von wo die meisten Waren geliefert wurden. Soviel Geld war in Umlauf, dass es in bescheidenem Umfang sogar die einfachen Menschen in den Dörfern erreichte. Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts war die Geldmenge stark angestiegen – die Verfügbarkeit von Brennholz, Eiern, Korn und Fleisch indessen nicht.
Als Folge des Geldüberflusses, dem ein beschränktes Warenangebot gegenüberstand, fingen die Preise zu steigen an. Bereits in den 70er-Jahren des 16. Jahrhunderts konnte sich ein durchschnittlicher Lohnarbeiter mit seinem Geld weniger als die Hälfte dessen leisten, was er zu Beginn des Preisanstiegs vermocht hatte. Dazu kam: Die Regenten reagierten auf die Entwertung ihres Geldes, indem sie mehr Geld durch höhere Steuern eintrieben.
Der scheinbar unendliche Silber- und Goldnachschub aus den südamerikanischen Minen machte einige Adelige, Händler und Banken steinreich, das Volk indes büsste seine sowieso bescheidene Kaufkraft dramatisch ein. Die Folgen waren prekäre Armut und Hunger. Immerhin hat sich seit damals der Grundsatz etabliert: Je mehr von etwas vorhanden ist, desto weniger wert hat es. Die Geldtheorie nennt es Inflation.