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Gemälde, Porträt einer unbekannten Frau in Zugertracht
Auf dem Porträt ist eine ältere Frau im Brustbildnis en face abgebildet. Das naturalistisch wiedergegebene Gesicht verrät die ländliche Herkunft der Frau. Sie trägt eine Bauerntracht und das unter dem Mieder liegende Brusttuch aus rotbraunem gemustertem Stoff ist mit hellblauen Nesteln überspannt. Darüber trägt sie eine graubraune kurze Jacke, welche über der Brust nicht geschlossen werden kann und nur knapp unter den Armen durchgeht. Diese Art von Jacke wird «Ermel» genannt. Das um den Hals gelegte plissierte Göller ist aus weisser Leinwand angefertigt, wie dies die damalige Sitte für die verheiratete Frau verlangte. Typisch für die Tracht jener Zeit ist auch das schwarze Halstuch, dessen beiden Enden in die Nesteln gesteckt sind. Ebenfalls zeitgemäss war die bunte Kappe mit dem schmalen schwarzen Spitzenrand, die im Zugerland nach 1800 für verheiratetet Frauen aufkam. Diese wird Zughaube genannt, weil diese nicht unter dem Kinn, sondern mittels einer Zugschnur oben auf den Kopf gebunden wird. Auf der Rückseite sind die Künstlersignatur sowie das Herstellungsdatum «Menteler p[inxit] 1810» abgebildet.
Nach der Trachtenforscherin Julie Heierle (14.07.1859–31.07.1938) soll es sich bei diesem Porträt um das früheste Bilddokument handeln, auf welchem die Kopfbedeckung Zughaube zu sehen ist.
Die unbekannte Abgebildete gehört zu den selten porträtierten Menschengruppen, denn meist waren es erwachsene Mitglieder der mittleren oder oberen Bürgerschicht (Ehepaare, Ratsherren, Geistliche, Künstler) die ein standesgemässes Bildnis in Auftrag gaben oder sich in einem Selbstporträt darstellten.
Der Maler Franz Josef Menteler (1777–1833) war neben Johann Kaspar Moos/Muos (21.04.1774–21.08.1835) einer der bedeutendsten Zuger Porträtmaler. Menteler war das Grosskind vom bekannten Zuger Hinterglasmaler Franz Thaddäus Menteler der Ältere (19.11.1712–25.04.1789) und der Neffe von dessen Sohn Franz Thaddäus Menteler der Jüngere) (08.12.1751–16.09.1794).