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Im Schneidersitz sass sie im Zug, in jenem Grossabteil, an dem alle Passagiere vorbeigehen müssen. Sie drapierte energisch ihr dichtes dunkles Haar und steckte es mit Nadeln hoch, war aber offensichtlich nicht zufrieden damit und begann mehrfach von Neuem. Dann rückte sie ihr Bäuchlein zurecht – womöglich war sie schwanger – und versuchte es nochmals mit dem Haar. Nach einem kurzen Trunk aus der Flasche mit Saft kramte sie in ihrer Tasche und fand ein Öl, womit sie Nacken und Hals einrieb. Zwischendurch streckte sie sich, lockerte die Wirbelsäule, dann doch nochmals etwas Öl auf den Nacken. Es folgten einige Gymnastikübungen. Es war Sonntagabend im Zug und draussen bereits dunkel. Sie war wohl auf der Rückfahrt von einem Workshop zum Thema „Weibliches Körperbewusstsein“, und die Frau, nicht mehr ganz jung, war sich ihres Körpers sichtlich bewusst, so bewusst, so demonstrativ bewusst, dass ich als Nächstsitzender unwillkürlich in diesen Bewusstseinsprozess einbezogen wurde. Ihre hier in der Eisenbahn weitergeführten Bewusstseinsübungen wurden, liessen mich die Bewusstheit meines eigenen Körpers verlieren, sosehr fühlte ich mit ihr und ihrem Körper. Sie strahlte eine Selbstzufriedenheit oder Selbstgewissheit aus, ja drang damit in meinen Inneres und machte sich da breit, und so kam mir mein eigener, sozusagen nur noch restlicher Körper kläglich klein, steif und unbeweglich vor; und neidisch verfolgte ich ihre Körperdemonstration, ihre Weite und Breite, und nie hätte ich es gewagt, meinerseits durch entsprechende Übungen verlorenes Territorium zurückzuerobern.