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Trotz des klaren Ausgangs der Abstimmung über die Präimplantationsdiagnostik zeigen sich spannende Muster auf Bezirksebene. Der Vergleich mit ähnlichen Vorlagen zeigt, dass sich die Werte der Befürworter wie auch der Gegner nicht verändert haben.
Das Schweizer Stimmvolk stimmte am heutigen Sonntag mit einem Ja-Anteil von 61 Prozent einer progressiveren Fortpflanzungsmedizin zu. Dieses deutliche Resultat zeichnete sich bereits bei der Parolenfassung der Parteien ab. Ausschliesslich die EVP und SVP bestimmten die Nein-Parole zur genannten Vorlage. In der folgenden Grafik ist zu sehen, dass in Bezirken mit höherem Anteil an EVP- und SVP-Wählern (Nationalratswahlen 2011) der Bundesbeschluss zur PID eher abgelehnt wurde. Es kann vermutet werden, dass die EVP- und SVP-Wähler ihrer Partei getreu abgestimmt haben. Abschliessend lässt sich diese Frage aber erst mit Individualdaten beantworten.
Bereits im Jahr 2000 fassten die SVP und EVP bei der Volksinitiative «zum Schutz des Menschen vor Manipulationen in der Fortpflanzungstechnologie» (Initiative für menschenwürdige Forschung, FMF) [1] Parolen für ein ähnliches Anliegen (damals ein Nein zur Volksinitiative) [2]. Die Initiative wollte absolute Verbote von Befruchtungen ausserhalb des weiblichen Körpers und von der Verwendung von Samenzellen Dritter einführen, womit eine restriktivere Handhabung der Fortpflanzungsmedizin verfolgt wurde. Die Vorlage scheiterte klar mit einem Ja-Anteil von 28.2 Prozent. Dabei konnte, entgegen der Beobachtung am aktuellen Urnengang, in Bezirken mit hohem SVP- und EVP-Wähleranteil eine tendenzielle Divergenz zwischen der Parteiparole zur FMF-Initiative und ihrem Wähleranteil festgestellt werden.
Im Hinblick auf die genannte Abstimmung vor 15 Jahren kann weiter ein Zusammenhang zwischen den Bezirken, die damals für ein JA und in der aktuellen Vorlage zur PID mit einem NEIN stimmten, festgestellt werden. Wähler in denjenigen Bezirken, in welchen bei der Initiative im Jahr 2000 die höchsten Ja-Anteile gemessen wurden, haben sich gegen die PID-Initiative ausgesprochen. Die folgende Darstellung erlaubt einen Vergleich der Ja-Stimmenanteile in den Bezirken zu diesen beiden Sachfragen.
Im Vergleich mit weiteren Abstimmungsvorlagen der letzten rund 35 Jahre finden sich weitere interessante Erkenntnisse. Einerseits wird in der unteren Grafik ersichtlich, dass die Befürworter des Bundesbeschlusses zur PID auch in anderen Initiativen zu ähnlichen Sachfragen zu Forschungsreformen relativ konsistent für eine progressivere Handhabung gestimmt haben. Die höchste Korrelation kann zwischen der bereits erwähnten Abstimmung zur PID und der Initiative zur Änderung der Verfassungsartikels über die Forschung am Menschen festgestellt werden. Aber auch beim Epidemiengesetz under Stammzellenforschung stimmten die Bezirke in ähnlichem Masse zu wie nun bei der PID.
Der direkte Gegentrend wird durch die nächste Darstellung verdeutlicht. Diejenigen Wähler, welche gegen die PID gestimmt haben, positionierten sich auch in früheren Abstimmungen gegen fortschrittliche Reformen in der Fortpflanzungsmedizin. Darin ist wiederum der bereits bekannte Graben festzuhalten, welcher auf unterschiedlichen Wertevorstellungen basiert. Sowohl die SVP-Familieninitiative (2013), die Volksinitiative zur Abtreibungsfinanzierung (2014), die Volksinitiative zum Schutz von Mutter und Kind (2002) [3] wie auch die FMF-Initiative (2000) weisen hohe Korrelationen in der Zustimmung zum Anliegen auf (dem Nein zur PID).
Die Analyse der Daten auf Bezirksebene zeigt, dass sich die Abstimmung über den Bundesbeschluss zur PID in eine Reihe von Sachfragen einordnet, welche im Ja- wie auch im Nein-Lager konstant mobilisiert, wenn auch aus Motiven, die in unterschiedlichen Wertvorstellungen begründet zu sein scheinen.