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Lotte Laserstein
1898-1993
Lotte Laserstein (1898-1993) war eine deutsch-schwedische Malerin und gilt als Vertreterin der Neuen Sachlichkeit. Sie war in der Weimarer Republik tätig, 1937 emigrierte sie aufgrund der nationalsozialistischen Machtübernahme und der darauffolgenden antisemitischen Vorgehensweisen nach Schweden.
Lebenslauf
Lotte Laserstein wurde 1898 in Preussisch-Holland geboren und wuchs mit einer Schwester, ihrer verwitweten Mutter und ihrer Grossmutter, die eine wichtige Bezugsperson für Laserstein war, auf. Bereits mit 11 Jahren besuchte sie die Malschule ihrer Tante und beschloss, in Zukunft ihren Lebensunterhalt als Künstlerin zu verdienen und nach dem Vorbild der Tante nicht zu heiraten.
Später zog die Familie nach Berlin, wo Lotte Laserstein das Studium der Kunstgeschichte begann, da der Zugang zu Kunstakademien Frauen bis 1919 verwehrt war. Sobald die Öffnung derer entschieden wurde, besuchte Laserstein Kurse an der Akademie in Berlin und war eine der ersten Frauen, die diese erfolgreich abschloss. Sie bezog ihr eigenes Atelier und unterrichtete junge Frauen in der Malerei. Da auch die Familie Laserstein von der Weltwirtschaftskrise betroffen war, und das Geld knapp war, verdiente die Künstlerin ihren Lebensunterhalt vorwiegend mit dem Privatunterricht und der erfolgreichen Teilnahme an Kunstwettbewerben.1
Aufgrund ihrer jüdischen Abstammung musste sie im Jahre 1937, als die Ausstellung «Entartete Kunst» eröffnet wurde, nach Schweden emigrieren, ihre Karriere nahm ein jähes Ende. Sie lebte fortan von Auftragsportraits und blieb bis zu ihrem Tod im Jahre 1993 in Schweden.2
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Werk
In ihrer Kunst setzte sich Lotte Laserstein mehrheitlich mit der «Neuen Frau» auseinander, mit emanzipierten, starken, berufstätigen Frauen, wie sie eine war. Bewusst zeigte sie die Frauenkörper in ihren Porträts und Aktmalereien nicht idealisiert, wie es unter männlichen Kollegen verbreitet war, sondern mit Rundungen und Unebenheiten. Sie zeigte androgyne Frauen, mit Kurzhaarschnitten und lockeren Hosen und Hemden, anstelle der noch verbreiteten einengenden und körperformenden Kleider. Sie schaffte es, die Frauen weder sexualisiert noch voyeuristisch abzubilden, sondern eine Nähe zu ihnen herzustellen.2,3
Eine solche «Neue Frau» aus der Weimarer Republik zeigt die Künstlerin im Werk Tennisspielerin. Die abgebildete Frau mit Kurzhaarschnitt und locker sitzendem Rock ist den Betrachtenden leicht abgewandt und beobachtet das im Hintergrund stattfindende Spiel, mit ihrer entspannten aber auch jederzeit zum Aufsprung bereiten Haltung zieht sie uns Betrachtende mit in die Szenerie mit rein. Obwohl der dargestellte Lebensstil nur von wenigen Frauen wirklich praktiziert und gelebt werden konnte, erzählt uns Lotte Laserstein die Geschichte einer emanzipierten Frau als eine ganz normale, alltägliche, auch als eine, in der eine selbstbestimmte Frau als Vorbild fungiert.
Traute Rose, eine nahe Freundin der Künstlerin, soll Modell für die Tennisspielerin gestanden haben, wie auch für ganz viele andere Gemälde von Lotte Laserstein. Die Malerin spricht sogar von «unseren» Bildern, für sie sind die Werke in Zusammenarbeit mit dem Modell entstanden.2
Das Gesamtwerk Lotte Lasersteins umfasst rund 10'000 Arbeiten.4
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Historischer Kontext
20er und 30er Jahre – die Zwischenkriegszeit
Als Zwischenkriegszeit bezeichnet man die Zeit zwischen 1918, dem Ende des Ersten Weltkrieges und den 30er Jahren, dem Beginn des Zweiten Weltkrieges. In diese Zeit fällt auch die Entstehung der Weimarer Republik in Deutschland, die die Monarchie der Kaiserzeit ablöst und deren Ende 1933 durch die nationalsozialistische Machtübernahme bedingt war.
Der Anfang des 20. Jahrhunderts war geprägt von einem Fortschrittsglauben, der aus der Industrialisierung resultierte. Maschinen, Geschwindigkeit und Technik waren hoch gefeierte Errungenschaften, die sich in der ganzen westlichen Welt verbreiteten. Die Massenproduktion stand im Sinne einer demokratischen Ideologie: Alle sollen Zugang haben zu Wohnraum, Design, Kunst. Die technischen und ideologischen Entwicklungen waren an kapitalistische Wertvorstellungen geknüpft.5
Die industrielle Produktion hatte eine hohe Arbeitslosenquote zur Folge, die maschinelle Produktion ersetzte viele Arbeitsplätze. So sank der Lebensstandard in westlichen Ländern drastisch. Zusätzlich kam es an der New Yorker Börse zu einer Spekulationsblase und einem folgenden Kurssturz, der eine Weltwirtschaftskrise auslöse, auch «Great Depression» genannt.6
Die beiden Jahrzehnte der Zwischenkriegszeit waren also geprägt von Instabilität und Krisen, was historisch gesehen immer zur Folge hatte, dass die Menschen nach Stabilität und Alternativen suchen, und sich in diesem Zuge politisieren. So entstanden politische Massenbewegungen. Auch in den 20er Jahren positionierten sich immer mehr Menschen politisch, die Arbeiter:innenbewegung wurde grösser und machte Gebrauch von publizistischen Medien in Massenauflagen. Das Proletariat war selbstbewusst und sah sich als Subjekt der Geschichte, das im Zuge war, einen revolutionären Umsturz zu erreichen. Politische Versammlungen, Demonstrationen und Flugblätter waren weit verbreitete Mittel, um die Bewegung wachsen zu lassen. Auch die Kunst wurde als Waffe im Klassenkampf angesehen, viele Künstler:innen, darunter war eine der bekanntesten Käthe Kollwitz, unterstützten die Kommunistische Partei und nutzten ihre Kunst, um die eigene politische Haltung aufzuzeigen und zu verbreiten. In diesen progressiven Kreisen verbreitete sich das Bild der «Neuen Frau», einer emanzipierten, starken Frau, die teil hatte an der Arbeitswelt und der Gesellschaft.7
Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme in Deutschland, die Sicherheit und Stabilität versprach und darum in der Bevölkerung auch auf Gutheissen stiess, wurden viele der Errungenschaften aus der Zwischenkriegszeit wieder rückgängig gemacht, gerade die Stellung der Frau verschlechterte sich wieder drastisch.8
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Kunst
Geprägt von den Erfahrungen des Ersten Weltkrieges veränderte sich auch die Kunst. Von den abstrakten und formalen Ideen der Avantgarde wie beispielsweise dem Kubismus wollte man sich abgrenzen und näherte sich vermehrt einer realistischen Wiedergabe der Wirklichkeit. In dieser Entwicklung ist auch die Stilbezeichnung «Neue Sachlichkeit» einzuordnen, die auf eine Ausstellung von 1925 zurückgeht. Der Begriff intendiert eine kühle, sachliche, objektive Darstellung von Lebenswelten und beschreibt die Kunst, die dieser Stilrichtung zugeordnet wird, daher eher schlecht. Vielmehr zeigen uns die Bilder kritische, hoffnungsvolle, gebrochene und suchende Haltungen, Schwächen werden enthüllt, die aber nahe an der Lebensrealität der Menschen bleiben. Parallel dazu entwickelt sich in der Fotografie eine dokumentierende Haltung, das realitätsnahe Aufzeigen von Menschen und ihren Leben schien also wichtig zu sein in der Zwischenkriegszeit. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden viele Künstler:innen der Neuen Sachlichkeit verfolgt und ihre Kunst als entartet abgewertete, so emigrierten die meisten ins Ausland.9
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Weiterführende Literatur
1 https://artinwords.de/lotte-laserstein-biografie/, 13.5.21
2 https://www.staedelmuseum.de/de/lotte-laserstein, 13.5.21
3 https://www.zdf.de/kultur/kultur/fb-laserstein-100.html, 13.5.21
4 https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/die-kunst-des-make-up/, 13.5.21
5 Schneider Beat, Penthesilea. Die andere Kultur- und Kunstgeschichte, Sozialgeschichtlich und patriarchatskritisch, Bern: Zytglogge Verlag 1999, S. 276-306.
6 https://www.webcitation.org/63vrtG5bW?url=http://elsa.berkeley.edu/~cromer/great_depression.pdf, 13.5.21
7 Schneider Beat, Penthesilea. Die andere Kultur- und Kunstgeschichte, Sozialgeschichtlich und patriarchatskritisch, Bern: Zytglogge Verlag 1999, S. 307-322.
8 Schneider Beat, Penthesilea. Die andere Kultur- und Kunstgeschichte, Sozialgeschichtlich und patriarchatskritisch, Bern: Zytglogge Verlag 1999, S. 323-344.
9 https://artinwords.de/neue-sachlichkeit/, 13.5.21
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Tennisspielerin, 1929, Öl auf Leinwand, 110 x 95,5 cm, Privatbesitz, Foto: Berlinische Galerie © VG Bild-Kunst, Bonn 2018