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Der 23-jährige Appenzeller erfährt auf bitterste Art und Weise, wie nahe Erfolg und Misserfolg beieinanderliegen können. Er wird mit 7,87 m Neunter.
Beim zweiten Versuch übertrat Ehammer um die Winzigkeit von sieben Millimeter. Der Sprung war weit über acht Meter, jedenfalls wäre er damit sicher in den Top 8 gewesen und hätte sechs statt nur drei Versuche gehabt. Dem letztjährigen WM-Dritten wurde zum Verhängnis, dass seit diesem Jahr nicht mehr entscheidend ist, ob auf dem Plastilinstreifen ein Abdruck zu erkennen ist, vielmehr ist das Bild am Ende des Absprungs massgebend. Diese Neuerung wurde in diesem Jahr eingeführt, weil die Schuhe im Zehenbereich nach oben gekrümmt wurden, damit es keinen Plastilinabdruck gibt.
«Sie haben schon eine klare Linie, aber eine gegen den Athleten», ärgerte sich Ehammer. «Wenn man das Bild anschaut, ist mein Fuss eine Millisekunde später weg vom Brett. Würden sie den ersten Kontakt nehmen, dann wäre der Sprung gültig gewesen.» So sei ein perfekter Absprung nicht mehr möglich, müsse immer etwas Platz einberechnet werden.
Auf seine Gefühlslage angesprochen, nahm Ehammer zunächst das Wort Tragödie in den Mund. «Ich brauche ein paar Tage, um das Ganze sacken zu lassen.» Eine tiefere Weite hatte er in keinem Wettkampf in diesem Jahr erzielt, und dies, obwohl er nicht schlecht gesprungen ist. Den zweiten Versuch schätzte er auf 8,20 bis 8,30 m. «Ich hätte sicher um eine Medaille mitgekämpft», so Ehammer. Bronze holte mit 8,27 m der Jamaikaner Tajay Gayle.
«Auch wenn es nur 8,15 m gewesen wären», fuhr Ehammer fort, «hätte mir das die nötige Lockerheit gegeben.» So stand er im dritten Versuch nach zwei Nullern unter Druck, am Ende fehlten acht Zentimeter für drei weitere Sprünge. «Im dritten Versuch kann ich mir nichts vorwerfen», so Ehammer. Da sei es normal, dass man mit angezogener Handbremse springe. «Und dann schleichen sich kleine Fehler ein.»
Ehammer erlebt eine Saison mit vielen Aufs und Abs. Der Siebenkampf an der Hallen-EM Anfang März in Istanbul war für ihn bereits nach der zweiten Disziplin, einem Nuller im Weitsprung, zu Ende. Am Mehrkampf-Meeting in Götzis, wo er die Limite für die Olympischen Spiele 2024 in Paris schaffen wollte, unterliefen ihm erneut drei Nuller im Weitsprung. Dafür gewann er Mitte Juni in Oslo als erster Schweizer ein Meeting der Diamond League.
«Im vergangenen Jahr ging alles locker von der Hand, das ist nicht selbstverständlich. In einer Karriere als Spitzensportler sind Hochs und Tiefs normal», sagte Ehammer und blickte bereits wieder voraus: «Es gibt noch zwei Meetings (Zürich und Eugene). Dann ist Wiedergutmachung angesagt. Ich will zeigen, zu was ich fähig bin, denn die Form stimmt.»
Note:
Lead ergänzt