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Liebe Frau Freitag. Mit Interesse habe ich neulich Ihre Tipps von wegen dem Besuch einer Dirne gelesen und teile Ihre Meinung dazu. Anders als bei Ihnen erzählen mir Kollegen oder neue Bekannte unverhohlen und (das möchte ich betonen) ungefragt, dass sie z.B. regelmässig Prostituierte aufsuchen. Kürzlich lernte ich in einer schicken Bar einen äusserst sympathischen und gebildeten Herrn kennen und wir haben zusammen einen wirklich lustigen Abend verbracht. Am nächsten Tag (er fuhr mich nach dem Barbesuch nach Hause) rief er mich an und wollte mich noch am gleichen Abend wieder treffen. Leider war es mir als allein erziehende Mutter so spontan nicht möglich. Daraufhin warf er mir quasi vor, dass er in der vergangenen Nacht 'brav' nach Hause gefahren sei, obwohl er durchaus noch an eine Party mit osteuropäischen Prostituierten eingeladen gewesen wäre. Dann wollte er noch die Nummer meiner in der Bar ebenfalls anwesenden Freundin, vielleicht wolle sie sich ja mit ihm treffen. Ich habe den Kontakt ziemlich irritiert abgebrochen (meine Freundin hatte nach meinen Ausführungen ebenfalls keine Lust, diesen Typen zu treffen). Ich habe mich einer anderen Freundin anvertraut und diese erzählte mir, dass ihr gegenüber auch schon scheinbar 'kultiviert' und charmant wirkende Männer ebensolche Äusserungen gemacht haben von wegen 'wenn du nicht willst, gehe ich eben zu einer Nutte'. Ich frage Sie Frau Freitag, ist das der 'Zeitgeist' bei den heutigen Männern? Bin ich zu empfindlich? Am liebsten würde ich Sie fragen, wie dass ich künftig noch schneller erkennen kann, ob es sich um einen 'solchen' Mann bzw. Rüpel handelt. Liebe Grüsse, Zara, 38
Liebe Zara
Ich beantworte Ihre Frage jetzt, obwohl ich eigentlich zu einer Gruppensex-Feier eingeladen bin, aber weil ich vorgestern bereits auf einer Sado-Maso-Messe war, kann ich es heute etwas ruhiger angehen.
Was Sie betrifft, so können Sie froh sein, dass Sie als alleinerziehende Mutter nicht so spontan abkömmlich sind. Da bleiben gute 24 Stunden, um die Spreu vom Weizen zu trennen und ein bisschen am Lack zu kratzen. Meine getrennt lebende Mutter hatte noch einen Nuggi (Schnuller) in der Handtasche, als ich bereits knietief in der Adoleszenz steckte, um aufdringliche Verehrer mit kurzlebigen Absichten in Zaum zu halten und ich kann mir gut vorstellen, dass diese Prophylaxe auch bei Ihrem Osterweiterungs-Sympathisanten bestens gewirkt hätte. Ansonsten kann ich Sie nur vor Ex-Diplomaten, Bankern in Führungsposition und Staatsanwälten warnen; wenn man mit Nutten redet, so sollen das die abscheulichsten Kunden sein und irgendwie wundert mich das wenig. Wo Geld und Macht im Mittelpunkt stehen, können sich Abgründe bestens entfalten.
Und nein, Sie sind keineswegs zu empfindlich. Wenn mir einer so kommen würde, dann wäre er für geraume Zeit nicht mehr fähig, den Dienst einer Prostituierten in Anspruch zu nehmen, Osteuropa hin oder her. Und auf die Frage, woran man einen solchen "kultivierten" Herrn erkennen kann, so würde ich aus Ihrer und der Erfahrung Ihrer Freundin schliessen, dass es sich lohnt, den Kandidaten etwas zappeln zu lassen, bevor man mit ihm Bett und Bausparvertrag teilt.
Für die Zukunft wünsche ich Ihnen etwas nettere Bekanntschaften und viel Glück beim Psycho-Scan. Ihre Kafi.