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An die studierende Jugend der Schweiz!
26.04.08 – Vor vierzig Jahren, im Mai 1968, sah man Millionen von Arbeitern, Lehrlingen, Schülern und Studenten auf Europas Strassen für Frieden und Fortschritt schreiten. Eine dauerhafte Verbindung der Arbeiterlinken und der studentischen Linken ist daraus bekanntlich nicht hervorgegangen, jedenfalls nicht hierzulande.
Wodurch unterscheiden sich eigentlich die Intellektuellen von der Arbeiterklasse? Ein wichtiges Merkmal der traditionellen Handarbeit besteht darin, dass der manuell Tätige den Kopf während der Arbeitsstunden ein Stück weit für sich frei behält, weil wir fähig sind, angewöhnte körperliche Betätigungen routinehaft zu erledigen, so dass ihre Steuerung das Hirn nur wenig in Anspruch nimmt und nicht auslastet. Der Intellektuelle verkauft dagegen mehr oder weniger seinen Kopf. Jeder ausserhalb seines Forschungszusammenhangs liegende Gedanke wirkt da störend.
Das ist nur einer von mehreren Unterschieden1. Heute soll ein anderer beleuchtet werden.
Der Intellektuelle kann den Gegenstand und die Richtung seiner Produktion in der Regel ein Stück weit selbst entscheiden, wenn er auch meistens allerlei Rücksichten nehmen muss, sofern er seine Privilegien als Intellektueller oder seine Existenz nicht aufs Spiel setzen will. Diese Freiheit der Auswahl, von welcher die meisten Arbeiter und Lehrlinge nur träumen, geniesst auch der Student und Schüler, auch wenn sie durch die Bologna-Reform und die reaktionäre Bildungspolitik unter Druck kommt und eingeschränkt wird. Der Studierende hat insbesonder oft Gelegenheit, das Thema einer akedemischen oder anderen Arbeit selbst zu wählen, geniesst oft methodische Freiheiten usw.
Die dem gegenüber schlechter gestellte Arbeiterklasse und Arbeiterjugend verfügt über viele Erfahrungen, die den Studenten fehlen. Ihre Erwartungen an die Schüler: Stellt Euer Privileg, Eure Kenntnisse und Fähigkeiten den Dienst der Werktätigen und nutzt eure akademischen Freiheiten, um jene Fragen zu erforschen, die die Arbeiterklasse aufwirft. Tretet in Kontakt mit den jungen Arbeitern und ihren Kämpfen, um diese Fragen zu erfahren!
Untersucht die Geschichte, die politische Ökonomie, die bürgerlichen Politiken und Theorien und publiziert Eure Ergebnisse in allgemein verständlichen Artikeln für die Klassenpresse. Studiert den wissenschaftlichen Sozialismus und eignet Euch seine materialistische Methode der Gesellschaftanalyse an.
Im Verlauf des Aufbaus dieser Webseite werden wir uns bemühen, dem Wissensdurst der Jugend besonders Rechnung zu tragen. Schon jetzt findet sich einiges Quellenmaterial für historisch Interessierte.
1 Vgl. zu diesen Unterschieden: Nietzsche und Rifondazione (Absatz: Wer in der Rifondazione bedarf eines Nietzsche?)