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ab 1985
Kondom im Zentrum
Hot Rubber
Zur Stop Aids-Kampagne und zur Rolle des Präservativs folgen hier einige Passagen aus dem 1993 erschienenen Buch von Kurth W. Kocher, "Die Stop Aids-Story 1987-1992":
"Das Ziel bestand darin, einerseits [...] für die allgemeine Bevölkerung die wichtigsten Präventionsbotschaften zu vermitteln, andererseits bei Gruppen mit erhöhten Risiken vor Ort zielgruppenspezifische, zur Prävention motivierende Aktionen durchzuführen - eine Aufgabe, die ein Bundesamt nicht übernehmen kann, sondern die sie einer dezentral agierenden, flexiblen und den verschiedenen Bevölkerungsgruppen näherstehenden Organisation übergeben muss."1
Das waren in erster Linie die AHS (Aids-Hilfe Schweiz) und die hinter ihr stehenden Schwulenorganisationen.
"Die verschiedenen kleinen Gruppen, die in der Aids-Hilfe Schweiz zusammengeschlossen waren, einigten sich auf eine zentrale Botschaft, die das Hauptrisiko [...] sicherer macht: 'Bumsen immer mit'. Die AHS ging davon aus, dass
- Sexuelle Gewohnheiten zu den am schwierigsten veränderbaren Verhaltensweisen gehören;
- Verhaltensänderungen um so leichter vollzogen werden, je einfacher sie in die bestehenden Lebensgewohnheiten einbaubar sind;
- Der Lernerfolg umso grösser ist, je weniger Botschaften zu lernen sind.
[...] Um Präservative möglichst einfach und mit möglichst geringer Hemmschwelle erreichbar zu machen, kreierte die AHS eine eigene Präservativmarke, den "Hot Rubber", und schuf dafür einen eigenen Vertriebskanal.
Die Verkaufszahlen der Hot Rubber Company sprachen für sich selbst: Innerhalb von neun Monaten stiegen sie von 2000 auf 55'000 pro Monat (1985), um sich im darauffolgenden Jahr bei rund 75'000 einzupendeln. Wenn wir diese Verkaufszahlen als Indikator für den Erfolg einer Präventionskampagne nehmen, dann dürfen wir behaupten, dass die zielgruppenspezifische Aufklärung der Homosexuellen in kurzer Zeit ein ausserordentlich starkes Bewusstsein für die Aidsproblematik geschaffen hat."2
Ein privater Verein "Gütesiegel für Präservative" schuf die Qualitätsauszeichnung für Präservative.3 Das war offensichtlich nötig, um gegen eine Konkurrenz mit unsicheren und daher gefährlichen Produkten anzukommen. Ein schweizerisches Gütesiegel erhielten somit ab Frühjahr 1990 nur jene Kondome, die besonders strenge Testnormen bestanden hatten. Damit liess sich auch die Kampagne intensivieren.
Ernst Ostertag, März 2008