Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03466.jsonl.gz/1200

Die verheerenden Gesundheitsfolgen von Pestiziden
Ungefähr zwei Drittel dieser Todesfälle sind Suizide durch Einnahme von Pestiziden – tragischer Ausdruck der wirtschaftlichen Abwärtsspirale, in der Bäuerinnen und Bauern zu oft gefangen sind. 99% der tödlichen Pestizidvergiftungen ereignen sich in Entwicklungs- und Schwellenländern. Diese bereits im Jahr 1990 veröffentlichten Zahlen dienen bis heute als Referenz. Doch sie bilden die tatsächlichen Dimensionen des Problems, das sich seither deutlich verschärft hat, längst nicht mehr akkurat ab. Denn die explosionsartige Zunahme des Pestizideinsatzes gerade in ärmeren Ländern wurde kaum irgendwo von der Einführung wirksamer Schutzmassnahmen begleitet.
In einem 2015 publizierten Report schätzt das internationale Netzwerk Pesticide Action Network (PAN) die Anzahl der Vergiftungen mit Pestiziden in der Region Asien-Pazifik auf 41 Mio. Fälle jährlich, rund 300‘000 davon tödlich.
Doch akute Vergiftungen sind längst nicht das einzige Problem. Der wiederholte und langfristige Kontakt mit Pestiziden wird auch mit chronischen Krankheiten in Verbindung gebracht, die zu den häufigsten Todesursachen unserer Gesellschaften geworden sind. Nur: Einen kausalen Zusammenhang zwischen Pestiziden und chronischen Erkrankungen herzustellen, ist oft schwer, da die Symptome sich in der Regel erst nach vielen Jahren entwickeln und oft durch vielfältige Faktoren verursacht oder begünstigt werden.
Doch die Beweise für den Zusammenhang zwischen Pestizidexposition und chronischen Krankheiten mehren sich.
Das Journal of Toxicology and Applied Pharmacology veröffentlichte 2013 eine Analyse der wissenschaftlichen Literatur, die «eine riesige Sammlung von Belegen» für den Zusammenhang zwischen Pestizidexposition und hohen Raten bei chronischen Krankheiten wie «verschiedenen Krebsarten, Diabetes, neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson, Alzheimer oder amyotropher Lateralsklerose (ALS), angeborenen Fehlbildungen und Fortpflanzungsstörungen» darstelle.
Besonders gefährdet sind Kinder. Wenn sie in frühen und kritischen Entwicklungsphasen «aussergewöhnlichen Risiken» ausgesetzt seien, könne dies schwerwiegende Folgen nach sich ziehen, warnt UNICEF. Auf dem Spiel steht also die Gesundheit der Jüngsten – und damit der zukünftigen Generationen.
Diese Warnungen stehen nicht isoliert da. Die Weltgesundheitsorganisation WHO sowie weitere UN-Agenturen, Toxikologinnen und Toxikologen aus der ganzen Welt warnen vor den «katastrophalen Auswirkungen », die Pestizide «auf die Umwelt, die menschliche Gesundheit und die Gesellschaft insgesamt» haben, wie es die UN-Expertin Hilal Elver 2017 in einem Bericht formulierte.