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Michaelskirche, Erlenbach
Im 11. oder 12. Jahrhundert entstand über Mauerresten aus vorkarolingischer Zeit die romanische Kirche mit halbrundem Chor. Dieser wurde nach 1250 durch einen quadratischen Chorturm mit Triumphbogen und Kreuzrippengewölbe ersetzt. Die hölzerne Turmspitze wurde im gotischen Stil nach 1450 aufgerichtet.
Zwischen 1420 und 1450 von zwei unbekannten spätgotischen Künstlern an der Nordwand in der obersten Reihe Darstellungen der Schöpfung, darunter aus dem Leben Jesu die Darbringung Jesu: Der greise Simeon schickt sich an, das Jesuskind auf seine bedeckten Arme zu nehmen. Hinter Simeon steht Josef, hinter Maria (als Schmerzensmutter) stehen Hanna und eine junge Frau mit zwei Tauben. In der untersten Reihe das Leiden und die Auferstehung Jesu. Auf der später entstandenen Südwand um die Kreuzigung herum unterschiedlich erhaltene Darstellungen der sieben Sakramente und des Jüngsten Gerichts.
Der Kirchenraum verbindet harmonisch die Architektur mit den warmen Farben im Stil der Spätgotik. Der Chor mit seinem quadratischen Grundriss erinnert an den salomonischen Tempel; vollständig ausgemalt zeigt er prophetische Verkündigungen: Kurzfassung der zehn Gebote, deutsch statt wie üblich lateinisch. Im sternenübersäten Himmel Engel, Stier, Adler und Löwe, Symbole der Thronvision Gottes nach Ezechiel und der Offenbarung Johannis (= Evangelistensymbole).
Die Apostel sind umgeben von Spruchbändern, die – fortlaufend gelesen – ein Glaubensbekenntnis wiedergeben. Der Stifter der Bilder, ein Augustiner Chorherr aus Interlaken, kniet vor Apostel Petrus.
Die Jünger an der südlichen Chorwand entstanden nach den Fenstereinbauten kurz vor der Reformation. Im Triumphbogen die fünf klugen, mit Blick in den Chor, und die fünf törichten Jungfrauen mit dem Blick zum Laienraum (Matthäus 25).
Glasmalereien 1935 und 1939 von Paul Zehnder, Gestühl und Kanzel mit ornamentalen Intarsien 1785 – 1787 von Benjamin Ekel.
Orgel in massivem, fünfteiligem Nussbaumgehäuse, zum Teil originale Register 1812 von Johannes Stölli aus Habstetten.
Die älteste Glocke aus dem 14. Jahrhundert, die übrigen drei von 1897 von Rüetschi Aarau.
Stimmung: f’ – a’ – c’’ – d’’