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«Wir sind die Moorsoldaten / Und ziehen mit dem Spaten / Ins Moor», lautete der Refrain. Der Komponist Rudi Goguel berichtete nach dem Krieg: «Wir sangen, und bereits bei der zweiten Strophe begannen die fast 1000 Gefangenen den Refrain mitzusummen. (...) Von Strophe zu Strophe steigerte sich der Refrain, und bei der letzten Strophe sangen auch die SS-Leute, die mit ihren Kommandanten erschienen waren, einträchtig mit uns mit, offenbar, weil sie sich selbst als ‘Moorsoldaten’ angesprochen fühlten.»
Es ist schon eigenartig, welche Wirkung ein treffendes Lied erreichen kann. Mit entwaffnend heiterer Kraft brach sich da die Wahrheit Bahn. Man kann verstehen, dass die Lagerleitung das Singen des Liedes verboten hat. Eindrücklich ist, dass die Wachmänner trotzdem von den Gefangenen verlangten, das Lied auf ihren Märschen ins Moor zu singen.
Die letzte Strophe beginnt: «Doch für uns gibt es kein Klagen / Ewig kann nicht Winter sein! / Einmal werden froh wir sagen / Heimat du bist wieder mein!» Und leicht abgewandelt lautet der Schlussrefrain: «Dann ziehn die Moorsoldaten / Nicht mehr mit dem Spaten / Ins Moor.» Goguel erzählt von der ersten Aufführung: «Bei den Worten ‘Dann ziehn die Moorsoldaten nicht mehr mit den Spaten ins Moor’ stiessen die sechzehn Sänger die Spaten in den Sand und marschierten aus der Arena, die Spaten zurücklassend, die nun, in der Moorerde steckend, als Grabkreuze wirkten.» Das nenne ich einen starken, kreativen und Hoffnung spendenden Protest!