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Bedingungslos zu lieben bedeutet, dass man liebt, ohne dass man die Liebe an Bedingungen knüpft. Dass ohne deren Erfüllung keine Liebe mehr fliesst. Dass wahlweise Liebe man minimiert oder sofort entzieht. In der Praxis aber koppeln wir Liebe immer mit Bedingungen. Wir sind so konditioniert.
Beispielsweise belohnen die Eltern ein gutes Benehmen eines Kindes mit Liebe, bestrafen andere, vermeintlich ungünstige oder anstössige Verhaltensmuster mit Liebesentzug; mit Ignoranz oder Ablehnung. Das Kind lernt, das Kind lernt sich anzupassen. Das Kind schliesslich verinnerlicht solche Muster.
Also verzahnen auch wir Erwachsenen Liebe mit allerlei Bedingungen. Der Partner muss sich ansprechend kleiden beispielsweise. Der Partner muss mindestens eine gewisse Grösse überschreiten. Der Partner muss täglich uns Komplimente herantragen. Der Partner muss uns stets bestätigen und nicht hinterfragen. Und so weiter.
Die grösste Bedingung allerdings ist, bloss so viel zu lieben wie man geliebt sich fühlt. Man steuert seine eigene Liebesintensität aufgrund einer ohnehin vagen und fragilen Wahrnehmung einer Liebesintensität eines Partners. Man reguliert die Liebe aufgrund schlichten Annahmen, die nicht reproduziert werden können.
Ich empfehle, bedingungslos zu lieben. Zwar riskiert man damit, dass die Liebe entweder nicht oder nicht ausreichend erwidert wird. Oder dass man einen Liebesamok läuft; blind herumliebt und -tollt, ohne Resonanzen zu berücksichtigen. Aber man spielt keine undurchsichtigen und nicht formalisierten Spielchen.
Man quält den Partner nicht. Man erleichtert, vereinfacht das eigene Liebesleben. Man verkompliziert nicht seine Gefühle. Sondern liebt einfach. Ohne Widerrede, ohne Bedingungen. Und das ist irgendwie schön in einer von Liebe armen Welt.