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24.03.2014Venus Williams: Etwas wie spätes Glück
Vor ziemlich genau 12 Jahren wurde Venus Williams als erste schwarze Tennisspielerin seit der Einführung des WTA-Rankings (1975) zur Nummer 1 gekrönt. Zuerst nur sie allein und wenig später zusammen mit ihrer Schwester Serena sorgten die beiden Powerspielerinnen für eine richtiggehende Revolution auf der Tour.
Nach drei gesundheitlich schweren Jahren ist Venus nun mit 33 wieder langsam auf dem Weg zu alter Stärke.
Fast 100 Plätze war Venus Williams – die ältere der beiden Black Power Sisters – von 2010 auf 2011 hin in der Weltrangliste abgestürzt. Ausgelöst durch eine mehrmonatige Hüftverletzung, fand Venus Williams im Verlauf des Tennisjahres 2011 überraschenderweise nicht mehr zu alter Stärke zurück. Dann und wann noch liess sie zwar ihre alte Klasse aufblitzen, doch an jene Spielerin, die bis dato über 40 WTA-Titel und 7 Grand-Slam-Trophäen errang, erinnerte sie nur noch in der Romantik vergangener Tage.
Sjögren-Syndrom
Immer wieder musste sie ihre Trainings wegen Müdigkeit und fehlender Energie abbrechen. Lange wirkte sie ratlos, haderte mit sich und ihrem Tennis und suchte verzweifelt nach Lösungen. Erst im Rahmen der US Open 2011 wurde bei ihr unmittelbar vor der Ansetzung ihres Zweirundenmatches das Sjögren-Syndrom entdeckt.
Beim Morbus Sjögren handelt es sich um eine sogenannte Autoimmunerkrankung, bei der das körpereigene Abwehrsystem das eigene Gewebe angreift. Das Sjögren-Syndrom macht sich insbesondere durch einen trockenen Mund und trockene Augen (Sicca-Syndrom) bemerkbar. Allerdings wird diese Krankheit auch von Symptomen wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Fieber und Gelenkschmerzen begleitet. Die Ursachen des Sjögren-Syndroms sind übrigens nicht geklärt.
Veganisches Essen
Auch nach der Diagnose ging es für Venus Williams primär darum, ihre Krankheit in den Griff zu bekommen, und jene mit den immensen Strapazen ihrer Tenniskarriere zu verbinden. ''Ich habe vieles versucht und musste lernen, wie mein Körper auf welche Belastung reagiert'', erinnert sich Williams. Angeregt durch verschiedene alternative Behandlungsvorschläge verordnete sich die Kalifornierin ab 2011 auch eine spezielle veganische Diät.
Zudem isst sie seither nur noch unverarbeitete, also rohe Kost. Williams ist überzeugt, dass dies ihrem Körper helfe, die immer wieder aufkeimenden Entzündungen zu bewältigen. 2012 schien Williams ihre Krankheit allmählich in den Griff zu bekommen, ehe bei ihr im Verlauf einer anständigen Saison (Jahresschlussranking war WTA-Platz 24) erneut Symptome auftraten. Das Sjögren-Syndrom tritt bei Frauen neunmal häufiger auf als bei Männern, normalerweise aber erst in den Wechseljahren.
Weitere Rückschläge
2013 wurde für Williams ein Übergangsjahr, in welchem sie erneut ein Arrangement mit ihrem Körper suchte. Immer wieder spielte sie einzelne gute Matches. Insgesamt fehlte bei ihr aber die Energie und die Kraft, auf konstant hohem Level durchspielen zu können.
Ihr Jahr schloss sie auf Platz 49 im WTA-Ranking ab, liess aber am Ende einer wenig Hoffnung bringenden Saison überraschend durchblicken, dass sie sich nun wieder deutlich fitter fühle. Nach einer einigermassen problemlosen längeren Aufbauphase kehrte Williams 2014 tatsächlich stärker als in den drei Vorjahren auf die Tour zurück.
Gleich bei ihrem Auftaktturnier in Auckland erreichte sie das Finale und unterlag in jenem Ana Ivanovic. Mitte Februar realisierte sie bei den Doha Championships – einem mit 2 Millionen Dollar Preisgeld dotierten Turnier – überraschend ihren 45. Titel auf der WTA Tour. Bei jenem Turnier besiegte sie immerhin die Nummer 12 der Welt, Ana Ivanovic, und auch die Nummer 11 des WTA-Computers, Caroline Wozniacki.
Noch ein weiter Weg
Wohin ihr Weg auf der WTA Tour nun mit 33 noch gehen kann, ist selbst für die extrem erfahrene Venus Williams ein Rätsel. ''Ich versuche einfach, einen Weg zu finden, mit meinem Körper klarzukommen. Wenn dies klappt, kann ich regelmässig trainieren, und wenn ich regelmässig trainieren kann, erziele ich auch anständige Resultate. Alles hat miteinander zu tun'', erklärte sie ihren überraschenden Triumph in Doha.
Auch mit dem Anpeilen klarer Ziele ist Williams bewusst zurückhaltend. ''Für mich ist es wunderbar, wieder auf diesem Niveau spielen zu können. Alles andere nehme ich so, wie es kommt.''
Multitalent
Mit ihrem Sieg in Doha stiess Williams wieder unter die 30 Besten des Frauen-Circuits vor. Für eine, die zwischenzeitlich auf Rang 134 abrutschte, ist das so etwas wie ein Comeback und ein wundersames spätes Glück.
Anders als viele andere Spielerinnen auf der Tour konnte sich Venus Williams (überzeugte Zeugin Jehovas) während ihrer Krankheitsphasen bestens beschäftigen. Denn was viele nicht wissen: Venus Williams ist eine extrem breit interessierte Person. Einerseits entwirft sie noch immer ihre eigene Kleiderlinie EleVen (www.elevenbyvenus.com) und schrieb diverse Bücher. Parallel dazu schrieb sie auch Gedichte und spielt wann immer möglich Gitarre.
Spannend auch, dass sie als CEO ihre eigene Innenarchitektur- und Designfirma betreibt. Und schliesslich ist sie seit 2009 zusammen mit ihrer Schwester Serena sowie Gloria Estefan, Emilio Estefan, Fergie, Jennifer Lopez und Marc Anthony Mitbesitzerin des US-amerikanischen Footballclubs Miami Dolphins.
Von Michael Hasler
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