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Maracanã. Allein schon der Name des Stadions vergeht auf der Zunge. Maracanã stand Jahrzehnte als Bühne für den klassischen brasilianischen Fussball, den Journalisten als Samba-Fussball bezeichnen, für grosse Siege und auch für noch grössere Niederlagen, verlor doch Brasilien 1950 im Maracanã das WM-Endspiel gegen Uruguay 1:2. Jenes Trauma wird wohl nur noch vom monumentalen 1:7-Debakel gegen Deutschland in den Halbfinals der WM-Endrunde 2014 überhöht. Diese Niederlage verhinderte den Einzug ins Maracanã, wo an Stelle der schlaffen Samba-Truppe Deutschland und Argentinien um den Titel kämpften. Zwei Jahre später holten sich die Brasilianer an gleicher Stelle wenigstens olympisches Gold.
Seither geht es mit dem Maracanã nur noch bergab. Innerhalb weniger Monate verlotterte das Stadion derart, dass nicht einmal mehr Führungen gemacht werden konnten. Heute kann man erkennen, wie schnell ein Stadion zu einem Abbruchobjekt wird, wenn man es nicht pflegt und in der Krise das Geld nicht einmal mehr ausreicht, um die Stromrechnungen zu bezahlen.
Das Maracanã spiegelt den Niedergang des modernen Brasilien, ein ökonomisch und administrativ kaputter Staat, der sich an Fussball-Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen, den beiden grössten Sportveranstaltungen unserer Zeit, mit Milliardeninvestitionen übernommen hat.
Bilder des Jammers
Das Maracanã-Stadion steht aber auch für überrissene Ansprüche, die der Sport bei Grossveranstaltungen immer wieder stellt und die nur deshalb erfüllt werden, weil die Politiker für diese vielfach absurden Anlagen niemals einen Cent aus eigener Tasche zahlen müssen, von der Korruption erst gar nicht zu reden. Es gibt allerdings keinen Grund, nun mit Schadenfreude nach Rio de Janeiro oder andere Städte Brasiliens zu blicken, wo Milliardenprojekte vergammeln.
Die vor sich hin faulenden Sportanlagen der Olympischen Spiele in Athen 2004 sind Bilder des Jammers, das einstmals berühmte «Vogelnest» in Peking ist eine Sportruine, und die Fussball-WM-Endrunde in Südafrika forderte mehrere sinnlose, überdimensionierte Stadionbauten.
Soziale Verantwortung?
Dasselbe geschah für diverse Euro-Turniere, jenes von 2008 in der Schweiz und Österreich nicht ausgenommen. Klagenfurt leidet seit Jahren unter einem zu grossen Stadion, die Stadt Genf ebenso, und der panikartig für die Euro durchgepeitschte neue Letzigrund freut nur die Leser von Architekturbüchern.
Unsere Kathedralen stehen unbeschadet 500 Jahre, die Stadien kaum einmal deren 50, einige Protzbauten nicht einmal 10 Jahre. Irgendetwas stimmt da nicht. Die Sportverbände pflegen sich regelmässig ihrer sozialen Verantwortung zu rühmen. Die rund um den Globus liegenden Sportstättenkadaver bezeugen leider das Gegenteil.