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Meteoriten-Impakt im Meer (Quelle: Nasa Artwork; Don Dixon)
Das Ende der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren. Mehrmals in der Erdgeschichte haben kosmische Katastrophen (Meteoritenimpakte) oder irdische Katastrophen (Vulkanausbrüche) das Gesicht der Erde nachhaltig verändert, alte Lebensformen aussterben lassen und neuen Lebensformen zum Durchbruch verholfen.
(Quelle: Nasa Artwork; Donald E. Davis)
Aus meiner Sammlung: 0,5 g-Probe aus dem Diamiktit-Bett eines geologischen Aufschlusses 300 km vom Impaktereignis entfernt (Albion Island, Belize) diese Ablagerungen enthalten Kalkstein und Dolomit-Partikel in brekziertem Gestein, Auswurfmaterial aus dem Chicxulub-Krater, das mit dem Wind hierher verfrachtet wurde.
Probe aus der K-T-Grenzschicht in Agost (Valencia, Spanien).
Die Probe enthält Mikrotektite aus dem Chicxulub-Impakt vor 65 Millionen Jahren. Die Mikrotektite wurden nach dem Einschlag mit einer Partikelwolke über den Atlantik verfrachtet und hier in einer mehrere Millimeter dicken Schicht abgelagert.
Probe aus der K-T-Grenzschicht.
Impaktkrater - Der "Dinosaurierkiller"
Das plötzliche Aussterben der Dinosaurier hat die Fantasie der Menschen bewegt, seit die Tatsache bekannt geworden ist, dass die Riesenechsen, die mehr als 170 Millionen Jahre die Welt beherrscht haben, vor ca. 65 Millionen Jahren ziemlich abrupt von der Bildfläche der Erdgeschichte verschwunden sind. Lange Zeit wurden besonders heftige Vulkanausbrüche für das Dinosauriersterben verantwortlich gemacht. Seit den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts häufen sich aber die Indizien, dass das Dinosauriersterben durch einen Meteoritenimpakt ausgelöst wurde. Wie dem auch sei, dieses Ereignis war eines der fünf "weltbewegenden" Ereignisse, die der Evolutionsgeschichte auf der Erde eine völlig neue Wende gaben. Hätte diese Katastrophe nicht stattgefunden, hätten sich die Säugetiere nie in der Art und Weise entwickeln können, wie sie es seither getan haben und wahrscheinlich hätte auch die Gattung Homo (Mensch) nie auf dieser Erde Fuss fassen und sich entwickeln können.
Der Meteorit, der in den 80er-Jahren in die Diskussion geriet, war der, der den Chicxulub-Krater vor der Halbinsel Yucatan in Mexico geschlagen hatte. Messungen der Schwereanomalie (Störungen des Gravitationsfeldes) ergaben unter der Wasseroberfläche des Golfs von Mexiko ein erstaunliches Bild.
Der Chicxulub-Krater und die Fundorte der Sphärulen (Schmelzkügelchen), die beim Impakt in die Luft geschleudert und 300 km weit vom Ort des Geschehens abgelagert worden sind. (links)
Messungen der Schwereanomalie auf der Halbinsel Yucatan förderten eine kraterartige Struktur zu Tage, die teilweise unter dem Meeresspiegel liegt und mit einer dicken Sedimentschicht bedeckt ist. (rechts)
Der Meteorit von Yucatan hatte einen Durchmesser von 10 - 15 km. Ein schöner Brocken! Der Krater, den er schlug hat einen Durchmesser von mehr als 200 km. So verlockend die Theorie auch war, einigen Forschern war bald klar, dass ein solcher Impakt zu klein war, um allein für das Massensterben der Dinosaurier verantwortlich gemacht werden zu können.
Heute wird eine neue Hypothese diskutiert. Die Idee zu diesem Szenario lieferte die Beobachtung des "Serienbombardements" durch 20 Fragmente des Kometen Shoemaker-Levy auf dem Jupiter im Juli 1994. Ich habe diese - für mich neue - Hypothese bei Jürgen Waidmann (Dinosaurier, kosmisch ausgebombt, Tectum, 2007) gelesen. Hier wird von vier Impakten ausgegangen, vier Bruchstücken eines Meteoriten oder Kometen, die zeitlich gestaffelt von Nordosten nach Südwesten die Erde getroffen haben und - neben Feuerstürmen und Partikelwolken - im Pazifik auch Tsunamis ausgelöst haben, die die Anden überfluteten (eine Flutwelle von über 5'000 m Höhe!). Das würde zugleich die Anwesenheit von Salzseen auf den Hochebenen Boliviens und Chiles erklären. Die Brocken müssen immens gewesen sein. Als ersten und Einschlagort des kleinsten Fragments nimmt Jürgen Waidmann die Hudson Bay in Kanada an, die ja tatsächlich ein "eigenartiges Loch" in der Landschaft Nordamerikas darstellt. Der zweite, grössere Einschlag hätte den Golf von Mexiko geformt. Die zwei weiteren Impaktorte der grössten Fragmente würden nach dieser Hypothese im Pazifik liegen, einer vor der Küste Perus und der vierte, letzte und grösste westlich von Patagonien (Südspitze Chiles) und Feuerland. Tatsächlich sind auf dem Meeresboden dieser Regionen "Dellen" sichtbar, die mit einem solchen Impakt in Verbindung gebracht werden können. Ein solches Mega-Ereignis hätte tatsächlich globale Auswirkungen gehabt.
Auf der Yucatan-Halbinsel selber ist heute nicht mehr viel von dem Impaktereignis vor 65 Millionen Jahren zu finden. Aber in Belize, 300 km vom Impaktereignis entfernt, lassen sich noch Ablagerungen nachweisen, die auf den Impakt zurückgehen. Über der Schicht aus der späten Kreidezeit liegt eine mehrere Zentimeter dicke Schicht mit Sphärulen (kleinen Kügelchen), bestehend aus Tektiten (Impaktgläsern) die sich in rötlichen Lehm verwandelt haben und darüber eine bis zu 15 m dicke Diamiktit-Schicht aus chaotisch durchmischten Brekzien. In diesen Schichten finden wir auch metergrosse Blöcke, die ebenfalls durch das Impaktereignis 300 km durch die Luft geschleudert worden sind, bevor sie hier landeten. Die Schichten sind in der Fotografie eines Gesteinsaufschlusses in Albion Island gut zu sehen (Bild links).
Übrigens finden wir über die ganze Welt zerstreut in den Ablagerungsschichten zwischen der Kreidezeit und dem Tertiär eine mehrere Millimeter bis mehrere Zentimeter dünne Schicht mit einer Iridium-Anomalie. Iridium ist ein Edelmetall, das in Oberflächengesteinen der Erde nur in geringer Konzentration vorkommt. Meteoriten sind im Verhältnis dazu iridiumreich (bis zu einem Faktor 1'000 x). Zwar lassen auch Vulkanausbrüche die Iridiumkonzentration lokal ansteigen, in der besagten Schicht ist das aber ein globales Phänomen. Das lässt nur den Schluss zu, dass die 30 - 160-fache Iridiumkonzentration in diesen Schichten durch einen Meteoriteneinschlag beim Übergang von der Kreide zum Tertiär, also vor 65 Millionen Jahren entstanden sein muss. Dieses Phänomen wird heute mit dem Chicxulub-Impakt in Verbindung gebracht.