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Bei ihrem sonst so flächendeckenden Wahlkampf haben Republikaner und Demokraten jedoch jahrzehntelang eine stimmenschwere Wählerschaft vernachlässigt: Die Amerikaner im Ausland. Das US-Aussenministerium schätzt die Zahl der "Expats" auf rund 8,7 Millionen. Würden sie einen eigenen Bundesstaat bilden, er wäre so gross wie New Jersey. Die Organisation der US-Demokraten im Ausland, Democrats Abroad, schätzt, dass etwa 6,7 Millionen von ihnen wahlberechtigt sind.
Expertin: Auslandsstimmen haben Wahl 2000 entschieden
Tatsächlich könnten die Expats das Rennen um das Weisse Haus 2016 beeinflussen, wie US-Politik-Experte Christian Lammert von der Freien Universität in Berlin erklärt. Clintons Vorsprung sei zwar ungewöhnlich gross. "Aber traditionell sind die Lager zwischen Republikanern und Demokraten so gleich gespalten, dass schon wenige Stimmen einen grossen Unterschied machen können."
Amanda Klekowski von Koppenfels, die an der Universität in Kent über Amerikaner in Europa forscht, verweist auf die Präsidentschaftswahl im Jahr 2000. Damals war der Abstand zwischen den beiden Kandidaten George W. Bush und Al Gore so gering, dass wenige Hundert Stimmen von Auslandsamerikanern und Militärangehörigen zu Bushs Sieg beitrugen. Bush gewann in einer umstrittenen Neuauszählung den hart umkämpften Bundesstaat Florida und konnte so die Wahl für sich entscheiden.
Democrats Abroad (DA) zählt nach eigenen Angaben mittlerweile mehr als 130.000 Mitglieder in 190 Ländern. Sie hält seit 1976 eine eigene Vorwahl ab und entsendet Mitglieder zum Parteikonvent. Die Vorsitzende der Organisation, Katie Solon, rührt kräftig die Werbetrommel für Hillary Clinton: "Wir sind begeistert, dass sie unsere Kandidatin ist."
Thomas Leiser hält sich dagegen mit Lobeshymnen auf seinen Kandidaten zurück. Der Vorsitzende der republikanischen Organisation in Deutschland, Republicans Overseas (RO), antwortet ausweichend auf die Frage, ob er Trump unterstütze: "Sagen wir es so: Ich unterstütze die republikanische Partei." Leiser hätte lieber Jeb Bush im Rennens um das Weisse Haus gesehen, dennoch rät er, Trump zu wählen. "Er ist immer noch weniger schlimm als Clinton."
Mehrheit der Amerikaner in Europa unterstützt Clinton
Der deutsche Ableger der RO ist mit etwa 1000 Mitgliedern nach eigenen Angaben wesentlich kleiner als der der Demokraten (rund 8000 Mitglieder). Und auch von Koppenfels zufolge gibt es in Grossbritannien, Deutschland und Frankreich deutlich mehr demokratisch-wählende Amerikaner. In diesen Ländern sei ein Grossteil der Auslandsamerikaner weiblich. Zudem seien die Expats deutlich besser ausgebildet als der US-Durchschnitt, schreibt von Koppenfels. Umfragen zeigen, dass Trump bei diesen Wählergruppen kaum punkten kann, und Clinton weit vorne liegt.
Aber wie die politischen Kräfteverhältnisse unter den Auslandsamerikanern weltweit aussehen, ist umstritten. Die RO sind kein offizieller Ableger der republikanischen Partei und wesentlich loser organisiert als die DA. Dadurch haben die Demokraten zwar insgesamt eine höhere Präsenz im Ausland, aber das heisse nicht, dass sie dort auch wirklich mehr Unterstützer hätten, sagt Nordamerika-Experte Lammert. "Ich kenne viele Republikaner im Ausland, die sehr gut vernetzt sind."
«Beschämende» Wahlbeteiligung unter Auslandsamerikanern
Solon ist trotzdem überzeugt, dass eine überwältigende Mehrheit der Expats demokratisch wählen wird. Die DA machen, genauso wie die Republikaner im Ausland, fast ausschliesslich Wahlkampf in den eigenen Reihen. Beide Organisationen versuchen vor allem, US-Bürger auf der ganzen Welt an die Urnen zu bringen. Denn sie Wahlbeteiligung ist ein grosses Problem unter den Auslandsamerikanern. Thomas Leiser nennt sie "beschämend niedrig". Auch wenn es keine verlässlichen Zahlen gibt, dürfte sie bei den vergangenen Präsidentschaftswahlen weit unter zehn Prozent gelegen haben.
Im Jahr 2012 gaben nach Angaben der staatlichen Wahlbehörde EAC 278.212 Expats ihre Stimme per Briefwahl ab. Wie viele in die USA gereist sind, um zu wählen, lässt sich nicht überprüfen. Von Koppenfels geht bei den Amerikanern in Europa von etwa zehn Prozent aus. Leiser und Solon erwarten dieses Jahr eine deutlich höhere Wahlbeteiligung, vielleicht sogar Rekordzahlen. Clinton und Trump sollen die bisherigen Nichtwähler motivieren - nach Angaben von Lammert die beiden unbeliebtesten Präsidentschaftskandidaten in der US-Geschichte.
(Reuters)