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Dell/Perot, Xerox/ACS... Kommt die nächste grosse Übernahmewelle unter IT-Riesen – mit den üblichen Wirren für ihre Partner? Und wer kauft als nachstes wen? Eine Meinung von Pierre Audoin Consultants.
Dell übernimmt Perot
. Nach Ansicht von Christophe Chalons, Chief Analyst bei Pierre Audoin Consultants (PAC), gibt es Ahnlichkeiten zwischen diesen beiden in den letzten Tagen angekündigten Ubernahmen, die ihn auch an den Kauf von EDS durch HP vor einem Jahr erinnern: HP, Dell und Xerox stellen Hardware her, EDS, Perot und ACS sind in Texas ansässige "traditionelle" Anbieter von Outsourcing.
Wahrend es EDS jedoch gelang, ein echter Global Player zu werden, konnten sowohl ACS als auch Perot keine grösseren Umsätze im Ausland erzielen. 2008 entfielen 90% des Umsatzes von ACS und 87% der Erlöse von Perot auf den US-amerikanischen Heimatmarkt. EDS konnte zudem einen ausgewogenen Kundenstamm aufbauen (in den Bereichen Fertigungsindustrie, Finanzbranche, Öffentlicher Sektor, Telekommunikation und Transport), ACS und Perot dagegen generieren nach EinschÄtzung von PAC etwa 60 Prozent ihrer Umsätze mit dem Öffentlichen Sektor.
EDS hat viel Zeit und Geld investiert, um seit dem Platzen der Dotcom-Blase sein Geschäfts- und Delivery-Modell neu zu definieren. Im Gegensatz dazu, so die Ansicht von Christophe Chalons, haben sowohl ACS als auch Perot mehr oder weniger an ihrem alten Modell festgehalten: Processing Services und Business Process Outsourcing bei ACS, grosse Outsourcing- und Systemintegrationsprojekte bei Perot.
Nicht zuletzt verfüge HP bereits über ein breites Angebot an Hardware und Dienstleistungen, während Dell und Xerox stark auf bestimmte Segmente konzentriert sind. Und PAC sieht bei beiden Ubernahmen eine enorme Kluft zwischen den Portfolios, die es fur die Käufer schwierig machen könnte, die übernommenen Unternehmen zu integrieren und sinnvolle Synergieeffekte zu erzielen. "Denn wie zahlreiche Firmenkaufe in der Vergangenheit gezeigt haben, kann 1+1 im guten Fall 2 oder mehr ergeben - aber auch nur 1!", so Christophe Chalons. Daruber hinaus erscheine der vorgesehene Preis beider Unternehmen relativ hoch - insbesondere in Krisenzeiten: Etwas mehr als ein Jahresumsatz für ACS und sogar deutlich mehr für Perot.
Welche Lektionen gibt es gemäss PAC aus diesen Mega-Deals zu lernen? Zum einen gelte das Outsourcing-Geschaftsmodell als wesentlich stabiler als Consulting und Systemintegration (C&SI). Allerdings erfordere es auch enorme Skaleneffekte und Investitionen sowie kontinuierliche Verbesserungen. Daruber hinaus können Outsourcing-Anbieter nur erfolgreich sein, wenn sie auch uber ein starkes C&SI-Geschaft verfügen.
Käufer und Übernahmekandidaten
Zum anderen geht PAC davon aus, dass weitere rein US-amerikanische Firmen übernommen werden - so wie zahlreiche europäische Akteure in den letzten Jahrzehnten von Global Players aufgekauft wurden. Ausserdem seien die Hardware-Hersteller fest entschlossen, ihr Standbein im Services-Geschaft aus- oder neu aufzubauen - nicht zuletzt angesichts neuer Delivery-Modelle (Stichwort "Cloud"), die wahrscheinlich zu einer Umgestaltung der IT-Wertschöpfungskette fuhren werden. Schlussendlich sei es ein gutes Zeichen fur den Markt, dass grosse kapitalkräftige Unternehmen jetzt kaufen. Das deute darauf hin, dass sie von einer baldigen Konjunkturerholung ausgehen!
Wer übernimmt also als nächstes wen? Auf Käuferseite sieht PAC zahlreiche grosse Unternehmen, unter anderem Software-Anbieter (Microsoft, Oracle und SAP), Generalisten (z.Bsp. HP oder IBM), IT-Dienstleister (z.Bsp. Accenture, Capgemini, CSC oder T-Systems), japanische Firmen (z.Bsp. Fujitsu, Hitachi, NEC oder NTT) sowie indische Anbieter (HCL, Infosys, Tata und Wipro). Potenzielle Ubernahmeziele sind für PAC in erster Linie stark spezialisierte Unternehmen (besonders im Software-Bereich) sowie grosse Anbieter mit begrenzter internationaler Präsenz, vor allem im Services-Geschäft. (PAC/hjm)