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Reto Scheibers Vorgehen erinnert mich an die Arbeitsweise eines Wissenschaftlers: er fixiert einen Ausschnitt des Himmels – ein vermessenes Unterfangen im wahren Sinne des Wortes – und extrahiert einen Einzelaspekt aus einem gigantischen Gebilde, um diesem auf die Spur zu kommen. Er mischt mit Farbe und Pinsel seine entsprechende Farbwahrnehmung eines kleinen Punktes nach. Möglichst objektiv, ohne eine persönliche Interpretation zuzulassen. Die Farben im Himmel erscheinen jedoch nur als Lichtreflexionen, erzeugt durch sehr wechselhafte Lichtverhältnisse.
Hier in der Heilpädagogoischen Schule in Willisau hingegen sehen wir sie mit Pigment und Bindemittel auf Weissputz aufgetragen. Im Himmel erscheinen die Farben nie isoliert, sondern die benachbarten Farben beeinflussen sich zwingendermassen permanent hinsichtlich unserer Wahrnehmung. Wir können sie also am Himmel nie in reiner Form wahrnehmen, wie das Scheibers künstlerische Intervention suggeriert.
A. Widmer, Winterthur, 2009