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Ich kann nicht sagen, dass ich ein übermässig grosser Götz George Fan bin. Ich mag zwar einige seine Filme, aber ansonsten war mein Interesse immer eher gering. Als ich neulich im Film „George“ sah, wie er seinen Papa Heinrich George verkörperte, änderte ich meine Meinung. Das hatte mich total begeistert und mitgerissen.
Heinrich George wurde 1893 in Stettin (30 Autominuten von meiner Heimatstadt Prenzlau entfernt) geboren und gilt seit seiner Jugend als Schauspielbessener. Der Film beginnt während der Anfänge der Nazizeit und im ständigen Wechsel werden Originalaufnahmen, Interviews mit den Söhnen Götz und Jan George, seiner Frau Berta Drews, etlichen Zeitzeugen und eben die geschauspielerten Szenen mit Götz George gezeigt.
Heinrich George war kein Antisemit, er war Künstler, wie es scheint ein lieber Ehemann und Vater und ansonsten ein ganz anständiger, etwas exzentrischer Zeitgenosse. Der Maler Max Beckmann war ein guter Freund von ihm.
Als er plötzlich Schauspielverbot bekam, arrangierte er sich mit den Nazis, um wieder auf die Bühne zu kommen. Sein Ruhm wurde grösser und grösser, Göbbels lobte ihn über den grünen Klee, man sah ihn bei Parteiveranstaltungen und er wurde Intentdant des Schillertheaters, welches Adolf Hitler wiedereröffnen lies. Nach dem Krieg sperrten die Russen George in Hohenschönhausen ein, verhörten ihn und meinten ihn als Nationalsozialisten überführt zu haben. Er wurde ins Lager Sachsenhausen gebracht und starb dort 1946 an den Haftbedindungen.
Das Paradoxe ist, dass er wohl nie wirklich ein überzeugter Nationalsozialist war. Er war bessenen vom Film und Theater und wollte eingentlich immer nur spielen. Er half einigen Juden und Kommunisten, die mit ihm arbeiteten und / oder befreundet waren, rettete einigen sicher das Leben, aber das milderte das Urteil der Russen nicht.
Im Film wird auch gezeigt, wie sich Heinrich George während seiner Haftzeit verhielt. Er lies sich nicht unterkriegen, führte mit Mithäftlingen „Faust“ auf und brachte sogar den „Postmeister“ auf russisch im Gefängnis auf die Bühne. In einigen Inerviews erzählten Männer, dass er oft Geschichten erzählte, Gedichte rezitierte und anderen damit Mut machte. Am Ende starb er selber. Eine grausame Zeit war das.
Heinrich Georges Vergangenheit ist immer noch umstritten. Nur er könnte sagen, ob er wirklich vom Naziregime angetan war, oder ob sie für ihn Mittel zum Zweck waren um seiner Arbeit Nachgehen zu können. Vielleicht hatte er sie, wie viele andere damals, auch einfach nur unterschätzt.
Eure Cindy