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<h2>SubmittedText<h2><p>Das Doppelbesteuerungsabkommen Schweiz-Deutschland (DBA 0.672.913.62) ist 35 Jahre alt und nicht mehr zeitgemäss. So führt die Ausnahme in Artikel 15 zu einer steuerlichen Ungleichbehandlung des Schweizer Flugpersonals bei einem deutschen Flugunternehmen gegenüber:</p><p>- Grenzgängerinnen und Grenzgängern, welche nur mit 4,5 Prozent am Arbeitsplatz besteuert werden (Art. 15a Abs. 1 DBA); der Rest wird am Wohnsitz besteuert;</p><p>- leitenden Angestellten, die in dem Vertragsstaat besteuert werden, in dem sie Wohnsitz haben (Art. 15 Abs. 4 DBA);</p><p>- ausländischem Flugpersonal bei der Swiss: Flugpersonal, das bei der Swiss angestellt, aber im Ausland wohnhaft ist, unterliegt der schweizerischen Quellensteuer (etwa 8 Prozent); der Rest wird im Wohnsitzstaat versteuert.</p><p>Durch die Änderung von Artikel 49 des deutschen Einkommens-Steuergesetzes, die am 1. Januar 2007 in Kraft treten wird, erfährt das in Deutschland beschäftigte, aber in der Schweiz wohnhafte Schweizer Flugpersonal eine weitere Schlechterstellung: Ihr Einkommen muss zu 100 Prozent in Deutschland versteuert werden. Das bedeutet für die Betroffenen konkret:</p><p>- Hypothekarzinsen sind nicht abzugsfähig;</p><p>- AHV-Beiträge und Beiträge zur zweiten und dritten Säule sind nicht abzugsfähig;</p><p>- keine Anerkennung des Familienstandes. Schweizer Arbeitnehmende, welche eine in der Schweiz wohnhafte Familie haben, werden nach deutschem Steuerrecht wie Ledige in die höchste Steuerklasse eingestuft (Steuerklasse I).</p><p>In diesem Zusammenhang fragen wir den Bundesrat an:</p><p>1. Wie beurteilt er diesen Sachverhalt?</p><p>2. Ist er nicht auch der Ansicht, dass die Regelung für das Flugpersonal im DBA Schweiz-Deutschland nicht mehr zeitgemäss ist?</p><p>3. Ist er bereit, das DBA dahingehend zu ändern, dass auch für das fliegende Personal ein bestimmter Prozentsatz des Einkommens im Arbeitsstaat (Quellensteuer) und der Rest im Wohnsitzstaat besteuert wird (analog Regelung für Grenzgänger oder analog Swiss-Flugpersonal, das z. B. in Deutschland wohnt)?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Nach den von der Schweiz abgeschlossenen Doppelbesteuerungsabkommen werden Vergütungen für eine unselbstständige Erwerbstätigkeit grundsätzlich nicht im Wohnsitzstaat, sondern im Staat des Arbeitsorts besteuert. Von dieser Regel gibt es Ausnahmen. Eine davon bilden die Bestimmungen über das fliegende Personal. Die entsprechende Bestimmung des OECD-Musterabkommens (Art. 15 Abs. 3) legt fest, dass das Besteuerungsrecht dem Staat der Geschäftsleitung des Flugunternehmens zugewiesen wird. Diese Regelung gilt nicht nur für in der Schweiz ansässige Personen, die für ein ausländisches Flugunternehmen tätig sind, sondern kommt auch im umgekehrten Fall zum Tragen. Der Grund liegt darin, dass es beim fliegenden Personal administrativ sehr aufwendig wäre, im Einzelfall die jeweiligen Arbeitsorte zu bestimmen. Bei Interkontinentalflügen ergäben sich zudem Besteuerungslücken, weil dort die Arbeit zum Teil gar nicht auf dem Territorium eines Staates ausgeübt wird. Die Bestimmung des OECD-Musterabkommens entspricht nicht nur der schweizerischen Abkommenspraxis, sondern ist auch in den von Drittstaaten abgeschlossenen Doppelbesteuerungsabkommen sehr weit verbreitet.</p><p>Im Unterschied zur Schweiz hat Deutschland bis heute nur denjenigen Teil des Lohnes, der auf die tatsächlich in Deutschland ausgeübte Tätigkeit entfällt, mit der Lohnsteuer belegt. Der in Deutschland nicht besteuerte Teil des Lohnes konnte nach der Regelung von Artikel 15 Absatz 3 in der Schweiz besteuert werden. Das Steueränderungsgesetz 2007 bringt nun eine Änderung des deutschen Einkommens-Steuerrechtes, indem neu das gesamte Einkommen des fliegenden Personals besteuert werden kann. Es liegt auf der Hand, dass die Schweiz dadurch Steuersubstrat verliert. Allerdings ist dies lediglich die Konsequenz der Schliessung einer Lücke im deutschen Steuerrecht einerseits und der international üblichen und auch nicht infrage gestellten Regelung von Artikel 15 Absatz 3 andererseits. Es ist im Übrigen zu berücksichtigen, dass das fliegende Personal, das in Deutschland ansässig und bei einem schweizerischen Flugunternehmen tätig ist, in der Schweiz seit langem der vollen Quellensteuer unterliegt.</p><p>Es trifft zu, dass die volle Ausschöpfung des Besteuerungsrechts Deutschlands für die betroffenen Personen in der Regel eine Verschlechterung ihrer Steuersituation bringt. Diese Verschlechterung ist aber nicht darauf zurückzuführen, dass es sich bei Artikel 15 Absatz 3 um eine unzureichende Regelung handeln würde. Der Grund liegt vielmehr darin, dass die betroffenen Personen aufgrund der innerstaatlichen deutschen Regelung während Jahren einen Steuervorteil hatten, der anderen in der Schweiz ansässigen Personen, die in Deutschland eine unselbstständige Erwerbstätigkeit ausüben und nicht Grenzgänger sind, verwehrt war und ist. Eine Diskriminierung des fliegenden Personals gegenüber den Grenzgängern ist im Übrigen nicht zu erkennen, da sich die Tätigkeit des fliegenden Personals von derjenigen der Grenzgänger unterscheidet.</p><p>Artikel 15 Absatz 3 des schweizerisch-deutschen Doppelbesteuerungsabkommens ist somit durchaus zeitgemäss. Der Bundesrat ist deshalb der Auffassung, dass das Doppelbesteuerungsabkommen, das erst vor wenigen Jahren revidiert wurde und in seiner heutigen Fassung für die Schweiz günstige Lösungen enthält, nicht durch ein praktisch aussichtsloses Revisionsbegehren gefährdet werden sollte.</p>  Antwort des Bundesrates.