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Warum verbreiten viele Medien zur Corona-Pandemie isolierte und abstrakte Zahlen, statt sie, wie es die journalistische Sorgfaltspflicht erfordern würde, in den nötigen Kontext zu setzen? Warum machen sie sich nicht die Mühe, die von den Behörden angegebenen Daten auf ihre Aussagekraft zu überprüfen?
Als ich kürzlich die 8-Uhr-Nachrichten auf SRF1 einschaltete, erfuhr ich, Präsident Biden habe die Corona-Massnahmen verschärft. An der Pandemie seien bisher in den USA schon über 600’000 Menschen gestorben. Punkt.
Diese nackte Zahl ist eine nutzlose Information.
Per Ende 2020 wurde die Zahl der bisherigen Corona-Toten in den USA mit rund 320’000 angegeben. Wohlgemerkt: 320’000 Menschen, die «mit oder an» Corona verstorben sein sollten.
320’000 Tote sind etwas weniger als ein Promille von den 328 Millionen Einwohnern der USA. Insgesamt sterben in den USA jedes Jahr rund drei Millionen Menschen – im Jahr 2020 davon 320’000 oder rund 10 Prozent «mit oder an» Corona.
Ohne eine solche Einordnung kann das Publikum mit der absoluten Zahl 320’000 wenig anfangen.
Zusätzlich müsste darüber informiert werden, wie sich die Zahl von 320’000 zusammensetzt. Pflicht eines professionellen Journalismus wäre es, das radiohörende Publikum darauf hinzuweisen, dass bei diesen offiziell verkündeten Todeszahlen nach wie vor nicht unterschieden wird, wie viele der Verstorbenen nur an dem Corona-Virus verstarben und wie viele von ihnen an schweren Vorerkrankungen litten. Ohne diese Unterscheidung fehlt die Sachlichkeit, welche die Medienkonzession verlangt.
Forscher der Tufts-University in den USA haben 900’000 Hospitalisierungen im Jahr 2020 untersucht, bei denen Corona als Grund angegeben wurde. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass in zwei von drei Fällen einschlägige Vorerkrankungen vorlagen. 30,2 Prozent der Patienten litten an Fettleibigkeit, 20,5 Prozent an Diabetes, 26,2 Prozent an Bluthochdruck und 11,7 Prozent an schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Ohne Vorerkrankungen, so das Urteil der Forscher, hätten alle diese von Corona betroffenen Menschen nicht in ein Spital eingeliefert werden müssen. («Study Estimates Two-Thirds of COVID-19 Hospitalizations Due to Four Conditions»)
Ginge es nach den Kriterien der Professionalität, so hätten die Nachrichtensendungen irgendwann auch einmal darüber informieren müssen, dass nach den Angaben der Gesundheitsministerien in Europa an Tabakkonsum und den Folgen von Fettleibigkeit, Bewegungsmangel und falscher Ernährung weitaus mehr Menschen sterben als an dem Virus. Und dass in Afrika jährlich hundertmal so viele Menschen an Tuberkulose, Malaria und den Folgen der Unterernährung sterben wie an der gesamten Corona-Pandemie.
Doch seit mehr als einem Jahr wird das Corona-Virus mit der täglichen Meldung von «Fallzahlen» als Problem Nummer eins der Menschheit dargestellt.
Schlimmer noch: Der Lockdown, der in vielen Ländern des Südens aufgrund völlig überrissener Gefahren-Szenarien beschlossen wurde, hat dort die informelle Wirtschaft teilweise zum Zusammenbruch gebracht. Die Folgen sind mehr Elend, Hunger und Tod als Corona jemals fordern dürfte. Dazu gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Studien renommierter Universitäten und Entwicklungs-Organisationen. Man müsste sie nur einmal lesen, auch in den Nachrichtenredaktionen. Aber es ist sicher bequemer, die stündlichen Meldungen der «Fall- und Inzidenzzahlen» zu kolportieren, wie sie die Gesundheitsbehörden bekanntgeben.
Gefährlich ist die Covid-19-Pandemie zweifellos für Menschen in hohem Alter mit schweren Vorerkrankungen. Da kann jeder fünfte an dem Virus sterben. Dagegen liegt die Sterblichkeitsrate für unter 20-Jährige ohne Vorerkrankung bei kaum messbaren 0,00004 Prozent. Für diese Jungen ist eine Infektion also in etwa so gefährlich wie eine kleinere Tour mit dem Fahrrad.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.