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| Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat

7. Buch
15. Sterne mit Götternamen, die ihnen die Heiden gegeben haben.
Aber vielleicht sind diese beiden Götter die Sterne, denen sie deren Namen beilegten. Es gibt ja einen Stern, den sie Mercurius, und einen, den sie Mars nennen. Allein am Sternenhimmel findet sich auch ein Stern, den sie Jupiter heißen, und doch gilt ihnen die Welt als Jovis; ein anderer, den sie Saturnus nennen, und doch weisen sie dem Gott Saturnus außerdem noch eine nicht geringe Substanz zu, die aller Samen; ein anderer, der hellste von allen, den sie Venus nennen, und doch machen sie dieselbe Venus auch zur Luna [Mond]; und dazu lassen sie noch Juno und Venus um den strahlendsten Stern miteinander streiten wie um den goldenen Apfel. Den Morgenstern nämlich sprechen die einen der Juno zu, die andern der Venus; aber Venus siegt, wie gewöhnlich. Denn die weit überwiegende Mehrzahl eignet ihn der Venus zu und kaum einer findet sich, der anderer Meinung wäre. Aber ist es nicht zum Lachen, daß Jupiters, des Götterkönigs, Stern vom Sterne der Venus an Helligkeit so weit übertroffen wird? Sein Stern hätte die übrigen an Leuchtkraft ebensosehr übertreffen sollen, wie seine Macht alles überragt. Man wendet ein, das scheine nur so, und zwar deshalb, weil der Stern, den man für den dunkleren hält, höher steht und weiter von der Erde entfernt ist. Wenn nun also die größere Würdigkeit durch den höheren Platz ausgezeichnet worden ist, warum steht am Himmelszelt Saturnus höher als Jupiter? Vermochte die grundlose Mähr, die Jupiter zum König macht, nicht bis zu den Sternen emporzudringen, und ließ man den Saturnus wenigstens am Himmel zu dem Vorrang gelangen, den er weder in seinem Reich noch auf dem Kapitol zu behaupten imstande war? Und warum hat nicht auch Janus einen Stern erhalten? Etwa deshalb, weil er die Welt ist und alle Sterne in ihm sind? Aber auch Jovis ist die Welt und hat doch seinen Stern. Oder hat Janus sich dafür entschädigt, so gut es ging, und statt des einen Sternes, den er am Himmel nicht hat, auf Erden soviele Gesichter angenommen? Warum sodann haben sie, wenn sie Mercurius und Mars nur wegen ihrer Beziehung zu Sternen für Teile der Welt ansehen, um sie für Götter halten zu können, da ja Rede und Krieg nicht Teile der Welt, sondern menschliche Handlungen sind, warum haben sie dem Widder und dem Stier, dem Krebs und dem Skorpion und den übrigen derartigen Himmelsbildern, die nicht bloß je aus einem Stern, sondern je aus mehreren bestehen und nach allgemeiner Annahme über den Göttersternen, am höchsten Himmel ihre Stelle haben, wo eine regelmäßigere Bahn den Gestirnen einen unabirrbaren Lauf1 ermöglicht, keine Altäre, keine Opfer, keine Tempel geweiht und sie nicht einmal zu den sozusagen plebejischen Göttern, geschweige denn zu den auserlesenen gerechnet?
1: Im Gegensatz zu den Planeten [stellae errantes], die ihren Stand am Himmel gegen die Fixsterne verändern.