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Juli 2021
Erika Burkart
Erika Burkart starb vor 10 Jahren. Die Lyrikerin und Prosaautorin wohnte fast ihr ganzes Leben lang im alten Elternhaus auf dem Kapf im aargauischen Freiamt. Sie liebte die Natur, arbeitete aber als junge Lehrerin eine Zeit lang in der Stadt, nämlich in Basel. Ein Porträt.
März 2021
Else Lasker-Schüler
Als die jüdische Autorin Else Lasker-Schüler (1869 – 1945) 1933 Zuflucht in der Schweiz suchte, konnte sie auf Bekanntschaften und Unterstützung zählen: bereits 1917 hatte sie für ihren tuberkulosekranken Sohn eine Heilstätte gesucht. Paul hielt sich in den folgenden Jahren in Kreuzlingen, Kilchberg, Locarno und Luzern auf. Im Frühjahr 1927 besuchte Else Lasker-Schüler ihren Sohn in Davos. In grosser Geldnot versuchte sie, selbstgemalte Bilder an Kunstliebhaber zu verkaufen. Die Veröffentlichung ihrer Erzählung «Der Uhu» im August 1927 in der «Davoser Revue» verschaffte ihr eine kleine Einkunft. Am Ende desselben Jahres starb Paul in Berlin, kurz nach seinem 28. Geburtstag. Else Lasker-Schüler erhielt trotz ihrer langjährigen Verbindungen in die Schweiz keine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung. Nach einer Reise nach Palästina wurde ihr 1939 die Wiedereinreise in die Schweiz verweigert. Ein Porträt der Dichterin.
Juni 2019
Davos – Schwindsucht & Schreiblust
Um 1870 schlug die Geburtsstunde des Kurortes Davos. Mit Werbesprüchen wie «Davos, das neue Mekka der Schwindsüchtigen» lockte man Kranke aus den europäischen Grossstädten in die Bergidylle. Die Patienten lagen auf den Terrassen der Hotel- und Sanatoriumsgebäude, inhalierten saubere Bergluft und warteten auf ihre Genesung – oder auf den Tod. Manche nutzten die Zeit für Abenteuer und Amouren, andere zum Schreiben: Hugo Marti verfasste sein «Davoser Stundenbuch», Else Lasker-Schüler besuchte ihren kranken Sohn Paul vor Ort, Klabund schrieb die Erzählung «Die Krankheit», der Surrealist Paul Eluard aus Paris wurde hier zum Dichter. Erwin Poeschel und seine Frau beherbergten die internationale Gästeschar in ihrer „Pension Stolzenfels“. Ein Ausflug in die vielfältige Davoser Literaturlandschaft.
Mai 2019
Carl Spitteler – der Schweizer Literaturnobelpreisträger
Welchen Weg wäre Carl Spitteler (1845 – 1924) gegangen, hätte er nach Abschluss des Theologiestudiums die Pfarrstelle in Langwies im Schanfigg angenommen? Kurzfristig sagte er ab und liess sich stattdessen in St. Petersburg als Hauslehrer anstellen. Acht Jahre später kehrte er in die Schweiz zurück. Als Journalist, Lehrer und Autor verdiente er seinen Lebensunterhalt, bis er sich dank der Heirat mit einer reichen Holländerin in Luzern ganz dem Schreiben widmen konnte. Dass es mehrere Anläufe brauchte, bis ihm der Literaturnobelpreis für das Jahr 1919 zugesprochen wurde, lag auch an seiner politischen Haltung während des Ersten Weltkriegs. Eine Annäherung an den einzigen Schweizer Nobelpreisträger für Literatur.
März 2019
Regina Ullmann – ein Porträt
«Ich lebe vom Schneidern, vom Beeren- und Schwämmesuchen und vom Schreiben.» Dies hält Regina Ullmann (1884 – 1961) in einer unveröffentlichten Notiz fest. Rainer Maria Rilke stellte die St. Galler Dichterin in seiner Wertschätzung neben Georg Büchner und Matthias Claudius. Andere Berufene sehen in ihr eine Gesinnungsschwester von Robert Walser. Wer war diese Autorin, die in jungen Jahren in der Münchner Bohème für Aufsehen sorgte, zwei uneheliche Kinder hatte, 1933 aufgrund ihrer jüdischen Herkunft Deutschland verlassen musste, zeitlebens Unterstützung bei Mäzenen fand und ihre letzten beiden Jahrzehnte in einem katholischen Hospiz in St. Gallen lebte?
Juni 2018
Erica Pedretti – Autorin & Künstlerin
Geboren 1930 im tschechischen Mähren, kam Erica Pedretti 1945 als Flüchtlingskind in die Schweiz. Ohne Aufenthaltbewilligung jedoch war auch hier kein Bleiben. Erst durch die Heirat erlangte Pedretti formal, auf dem Papier, eine neue Heimat. Seit 1970 veröffentlicht die Autorin Romane und Erzählungen, in denen eindringlich und subtil eigene Erfahrungen beleuchtet werden: Fremdheit, Selbstbehauptung, Erinnern. Mit ihren ersten Texten schon zeigte sie sich als radikal moderne Schriftstellerin. Ihr Erzählen in Bruchstücken, in traumhaften Sequenzen, in einer glasklaren Sprache spiegelt die Erfahrungen eines bewegten Lebens.
Mai 2018
Malancuneia – Texte zum Bündner Heimweh
Malancuneia ist rätoromanisch und bedeutet Heimweh. Das klangvolle Wort benennt ein Leiden, das in Graubünden, ja in der Schweiz als Volkskrankheit galt. «Bildergalerie der Heimwehkranken. Ein Lesebuch für Leidende»: unter diesen Titel stellte um 1800 Ulysses von Salis-Marschlins seine Lebensbetrachtungen. Wirtschaftliche Not, aber auch Fernweh und Abenteuerlust setzten Menschen schon immer in Bewegung. Die Sehnsucht nach der Heimat mündete immer wieder in literarische Zeugnisse von grosser Strahlkraft. Texte von Simon Lemnius bis zu Luisa Famos bezeugen dies.
März 2018
Flurin Spescha – ein Porträt
Poetisch und polemisch, humorvoll und ironisch: die Texte von Flurin Spescha (1958 – 2000) haben ihre Anziehung bewahrt. 1986 erschien sein erster Roman «Das Gewicht der Hügel», eine Reise in die eigene Kindheit und Jugend in Domat/Ems. Aufgewachsen in diesem zweisprachigen Dorf, nutzte Spescha den erweiterten Denkraum und schlug Brücken von der einen in die andere Sprache, nicht nur als Übersetzer. Er veröffentlichte 1993 den ersten Roman in Rumantsch Grischun und verärgerte damit die Sprachfundamentalisten. Dieses Jahr wäre Flurin Spescha 60 Jahre alt geworden; zu früh ist diese kluge Stimme verstummt.
September 2017
Auf der Durchreise
«Wild und furchtbar raste der Rhein…» – nicht etwa durch die Viamala oder die Versamer Schlucht, sondern durch die Bündner Herrschaft. Mag sein, dass James Fenimore Cooper, der spätere Autor der Lederstrumpf-Erzählungen, einen Hang zur Dramatik hatte. Der Amerikaner war 1828 einer der ersten Literaten von Weltruf, der Graubünden bereiste. Viele folgten ihm und passierten Chur: Hans Christian Andersen, Theodor Fontane, Friedrich Nietzsche, Erika Mann und andere mehr – ein Ausflug in literarische Reiseerinnerungen.
Juni 2017
Ingeborg Bachmann im Engadin
Ingeborg Bachmann (1926 – 1973) gehört nicht zu den Gästen des Engadins, die über das Hochtal geschrieben haben. Durch Max Frisch lernt sie es kennen. Nach der Trennung von Frisch besucht sie St. Moritz allein zu Behandlungs- und Erholungszwecken. Im März 1969 nutzen Bachmann und ihr Verleger Siegfried Unseld (Suhrkamp Verlag) den Aufenthalt in St. Moritz zu Besprechungen. Und Bachmann hält eine öffentliche Lesung. Eine Spurensuche zu Ingeborg Bachmann und ihr Nahestehenden im Engadin.
Mai 2017
Andreas Walser – Briefe und Texte
Die Intensität, mit der sich Andreas Walser (1908 – 1930) rauschhaft der Kunst hingab, spiegelt sich in seinen Briefen. Aus Paris schreibt er an Künstlerfreunde wie Ernst Ludwig Kirchner und Augusto Giacometti, an die Familie und an seine Vertraute Bärby Hunger. Euphorie und Verzweiflung, Begeisterung und Erschöpfung sprechen aus den Briefen. Walser schreibt Gedichte, Prosatexte und versucht sich in literarischen Übersetzungen. Eine Begegnung mit dem Vielbegabten über seine Texte.
Dezember 2016
Ulrich Becher – Murmeljagd
Auf Skiern flüchtet 1938 der Wiener Journalist Albert Trebla vom Montafon über die Silvretta ins Engadin. Der Romanheld entkommt dem Dritten Reich, findet aber in der Schweizer Bergwelt keine echte Zuflucht. Er fühlt sich – zusätzlich – durch eine Serie rätselhafter Todesfälle bedroht und in die Enge getrieben. Ulrich Becher veröffentlichte 1969 diesen grossen Roman über Vertreibung und Exil. Darin ist das Oberengadin Hauptschauplatz, und seine Bewohner tauchen als originelle Protagonisten auf.
November 2016
Vom Gehen in der Literatur
Beim Gehen kommen Körper und Geist in Bewegung. Schon die antiken Philosophen entwickelten ihre Ideen während stundenlangen Gängen durch Hallen und Gärten. Jean-Jacques Rousseau und Robert Walser – derzeit in der Eröffnungsausstellung Solo Walks im Bündner Kunstmuseum mit Originalmanuskripten vertreten – gehören zu den grossen Wanderern der Literatur. Auf einem Gedankenspaziergang am Mittag streifen wir durch einige Texte von leidenschaftlichen «Schreibgängern».
Oktober 2016
Flandrina von Salis – Lyrik
Flandrina von Salis (*1923) pflegt seit über 50 Jahren die japanische Gedichtform des Haiku. In knappen Zeilen und abgezählten Silben leuchten östliches Denken und dezidiert westliche Ausdrucksweise auf, verbinden und durchdringen sich. Der Barockgarten von Schloss Bothmar in Malans, wo von Salis lebt, inspirierte sie. 12 Haiku und ein Tanka finden sich in ihrem jüngsten Buchkunstwerk „Der Buchsbaumgarten“ (Edition Eupalinos). Eine Annäherung an die Lyrikerin und ihre Dichtung.