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Was ist die Amaurosis fugax (flüchtige Blindheit)?
„Amaurosis fugax“ (flüchtige Blindheit) ist der medizinische Begriff für einen plötzlichen Sehverlust von kurzer Dauer, der durch eine retinalen Arterienverschluss ausgelöst wird. Der Visusverlust verläuft zudem schmerzfrei und und betrifft meistens nur ein Auge.
Was sind die Ursachen für die Amaurosis fugax?
Fast immer liegt der Amaurosis fugax eine Ischämie der Netzhaut zugrunde, zu der es durch einen mikroembolischen Gefäßverschluss in der Arteria centralis retinae kam. Dieser Ischämie der Netzhaut wiederum liegen oft bereits bestehende Erkrankungen zugrunde wie:
- Arteriosklerose mit Plaquebildung und Stenose der Arteria carotis interna
- kardiale oder paradoxe Thromboembolien
- Vaskulitiden: Riesenzellarteriitis oder Panarteriitis nodosa
- Lupus erythematodes und andere Kollagenosen
Welche Symptome treten bei einer Amaurosis fugax (flüchtige Blindheit) auf?
Typisch für die Amaurosis fugax ist ein nur Sekunden oder wenige Minuten dauernder Verlust des Sehvermögens. Selten kann das Phänomen über mehrere Stunden anhalten.
Pathophysiologie
Grundsätzlich ist eine aufgetretene Amaurosis fugax trotz ihrer Selbstlimitierung als Warnsymptom der ihr zugrunde liegenden Erkrankung aufzufassen. Thrombose- beziehungsweise emboliegefährdete Patienten sollen ärztlicherseits über das mögliche Auftreten einer Amaurosis fugax informiert werden, ebenso darüber, dass ein solches Ereignis einen medizinischen Notfall darstellt, der auch bei rascher Wiedererlangung des Sehvermögens einen sofortigen Arztbesuch erfordert.
Die Amaurosis fugax kann unter anderem ein Vorbote für schwere emboliebedingte Erkrankungen wie Schlaganfall oder Vorhofflimmern sein. Entsprechend umfassend sollte die weiterführende Diagnostik (Ultraschall, MRT) neurologisch ablaufen.
Wie erfolgt die Diagnostik?
Zu Beginn der Diagnostik fragt der Arzt, ob eines oder beide Augen von der Amaurosis fugax betroffen waren. Ausserdem erkundigt er sich nach der Dauer des Sehverlustes und ob der Patient eventuell einen bestimmten auslösenden Faktor im Verdacht hat und gegebenenfalls welchen.
Die Diagnostik setzt mit einer ausführlichen Erhebung der medizinischen Vorgeschichte des Patienten fort. Relevante Fragen sind hier zum Beispiel: Bestehen vaskulopathische Risikofaktoren – und welche? Trat schon einmal eine Vaskulitis auf?
Liegen Herzerkrankungen oder Herzklappenerkrankungen vor? Leidet oder litt der Patient an Migräne? Ältere Patienten sollten ferner zu Kopfschmerzen allgemein, einer Empfindlichkeit ihrer Kopfhaut oder einer möglicherweise bestehenden Kiefer-Claudicatio befragt werden.
Auf die gründliche Anamnese folgt die körperliche Untersuchung, gerade auch hinsichtlich eines womöglich stattgefundenen Schlaganfalls. Unverzichtbar ist der Einsatz von Dopplersonographie und Echokardiographie. Hier sollte neben der Bildgebung der Halsarterien noch die Region der Schläfenarterien (Ausschluss der Arteriitis temporalis) verstärkte Aufmerksamkeit erfahren, so hinsichtlich möglicher Erosionen und erhöhter Sensibilität.
Bei der vollumfänglichen kardiovaskulären Untersuchung stehen vor allem möglicherweise Arrhythmien oder Carotisgeräusche im Fokus. Parallel zu diesen Untersuchungen sollten auch neurologische Untersuchungen erfolgen, darunter Ultraschall der Halsschlagader, ein Elektroenzephalogramm (EEG) bei Verdacht auf einen stattgefundenen Krampfanfall sowie eine Magnetresonanztomographie (MRT) vom Gehirn und ausserdem vaskuläre bildgebende Verfahren wie die computertomographische Angiografie (CTA) oder die Magnetresonanzangiographie (MRA) zur Darstellung der Blutgefässe von Kopf und Hals, vor allem der Halsschlagader.
In Labortests ermittelte Entzündungsmarker wie die bewährte Erythrozyten-Sedimentationsrate (ESR), der Wert des C-reaktiven Proteins (CRP) und eventuell noch eine Rheumaserologie vervollständigen die Diagnosefindung.
Neben der internistischen beziehungsweise kardiologischen Untersuchung aufgrund einer Amaurosis fugax ist eine gründliche ophthalmologische Untersuchung obligatorisch. Auch wenn bei fast allen Patienten mit beispielsweise Vorhofflimmern die Augenuntersuchungen unauffällige Resultate aufweisen, ist das Geschehen zu komplex, um diesen Diagnoseschritt auszulassen.
Die Amaurosis fugax des Auges ist ein Symptom für eine oft ursächliche Pathologie ausserhalb des Sehorgans. Einem plötzlichen, dabei vorübergehenden Sehverlust kann dennoch eine Augenerkrankung zugrunde liegen – beispielsweise eine Hollenhorst-Plaque oder ein Engwinkelglaukom.
Behandlung der Amaurosis fugax
Die Behandlung richtet sich nach der vermuteten oder fest diagnostizierten Ursache der Amaurosis fugax. Sinnvoll ist die Gabe eines Thrombozytenaggregationshemmers wie Aspirin sowie bei Vorhofflimmern ein Antikoagulationsmittel.
Beim Verdacht auf eine Transitorisch Ischämische Attacke (TIA) ist der Patient natürlich einer sofortigen Schlaganfalluntersuchung zu unterziehen.
Ist beim Patienten eine Riesenzellarteriitis bekannt, muss der Arzt zur Vermeidung einer dauerhaften Erblindung umgehend eine Prednisolon-Stosstherapie einleiten.
Prognose
Eine allgemeingültige Prognose zur Amaurosis fugax lässt sich nicht treffen. Dafür hängt der Therapieerfolg zu sehr von den Ursachen ihres Auftretens, dem Behandlungsbeginn – je früher, umso besser – sowie vom Alter des Patienten und möglichen Begleiterkrankungen ab. Zur künftigen Risikominimierung sind betroffenen Patienten regelmässige internistische beziehungsweise kardiologische Kontrolluntersuchungen der zugrunde liegenden Vorerkrankungen und ferner bei diagnostizierter Augenerkrankung ophthalmologische Untersuchungen dringend zu empfehlen.
Zusammenfassung
Bei der Amaurosis fugax handelt es sich um eine plötzliche und meist einseitige Erblindung von kurzer Dauer. Sie stellt keine eigenständige Erkrankung dar, sondern ist ein Symptom unterschiedlicher zugrunde liegender Vorerkrankungen, bei denen ein embolisches oder thrombotisches Geschehen in den Blutgefässen im Vordergrund steht: zum Beispiel ein Schlaganfall oder Vorhofflimmern. Als Folge kann durch einen retinalen Arterienverschluss ein mikroembolischer Verschluss der Arteria centralis retinae auftreten, der die zur vorübergehenden Erblindung führende Ischämie der Netzhaut auslöst.
Die Therapie richtet sich nach der jeweiligen Diagnose, bei der es sich meistens um eine zu Thrombosen oder Embolien neigende kardiovaskuläre Erkrankung handelt. Selten ist eine unmittelbare Augenerkrankung ursächlich für die Amaurosis fugax. Eine ophthalmologische Untersuchung ist daher ebenfalls sinnvoll. Das Auftreten einer Amaurosis fugax bedeutet einen medizinischen Notfall mit sofortigem Handlungsbedarf.
Quellen