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einhundert, sind Zugvögel, so die Brand-, Spiess-, Löffel-, Tafel-, Pfeif-, Berg- und Eisente, die Säger (Mergus) und die Seeschwalben; oder auch Wintergäste, wie die Steissfüsse (Podiceps), die Sammet- und Trauerente, die Möven (Larus) und die Seetaucher (Colymbus).
Reptilien: Die grüne Eidechse bewohnt das Hauptthal bis Brig und die südl. Nebenthäler bis 1300 m hinauf. Blindschleiche, Zaun- und Mauereidechse sind überall häufig. In den Alpen findet man die Bergeidechse (Lacerta vivipara), welche bis 3000 m hinaufsteigt. Unter den Ophidien erwähnen wir zwei südliche Arten: die hie und da im Rhonethal auftretende, seltene Zamenis oder gelbgrüne Natter (Zamenis viridiflavus) und die gelbliche Natter (Elaphus Aesculapii) von Martinach bis Brig. An den Bergabhängen sonnen sich bis 1250 m hinauf die Ringelnatter (Tropidonotus natrix), die Vipernatter (T. viperinus) und die glatte Natter (Coronella laevis); Kreuzotter (Pelias Berus) und Redische Viper ( Vipera aspis) sind an sonnigen Orten nicht selten, diese in der tiefern Region, jene bis in die Alpen (2000-2300 m) hinauf.
Ein schönes Exemplar der europäischen Schildkröte (Cestudo europaea), das im Sumpf von Vouvry aufgefunden wurde, befindet sich im Museum von Lausanne; das Bürgerrecht dieser Art ist aber bei uns von Fatio entscheidend in Zweifel gezogen worden. Die Batrachier sind, der Kälte der Gletscherwasser wegen, eher selten, mit Ausnahme der stark sonnigen und weniger tiefen Lachen. Der grüne, der braune und der Laubfrosch, die gemeine, die Kreuz- und die Feuerkröte sind sehr verbreitet, seltener dagegen der Springfrosch (Rana agilis). Der gefleckte Salamander ist bis 1500 m, der schwarze Salamander in den Alpen überall häufig zu finden. Der gemeine Molch (Triton cristatus) lebt in den Pfützen der Ebene, der Bergmolch in den kleinen Alpenseen bis 2500 m Höhe.
Von Fischen findet man in den Fluss- und Bachläufen fast einzig bloss die Forelle, in den Kanälen und Teichen der Ebene dagegen die Schleihe (Tinca vulgaris). Im übrigen vergl. man das Verzeichnis der Fische des Rhonebeckens im 4. Band dieses Lexikons (Seite 730). Seit der Epidemie, welche gegen das Jahr 1880 die Krebse fast gänzlich verschwinden liess, waren diese in den Kanälen und übrigen Wasseradern der unteren Ebene sehr selten; jetzt fangen sie freilich wieder an, häufig zu werden.
Unter den Weichtieren bewohnen die Teichmuscheln (Anodonta anotina, A. cyanea und A. cellensis), die Scheibenschnecken (Planorbis) und die Sumpfschnecken (Limnaea) die Ufer des Genfersees und der alten Rhonearme.
Die Insektenfauna ist sehr abwechslungsreich und reich an südl. Arten. Namentlich das Hauptthal von Martinach bis Siders und die untern Stufen der Seitenthäler weisen ein starkes Verhältnis mediterraner Arten auf. Unter den Käfern - 4000 Arten und Abarten - erwähnen wir Lebia cyathigera, Harpalus patruclis, Dendarus tristis, Helops coeruleus, Omophlus curvipes, Capnodis tenebrionis, die Mylabrus, Zonitis und Titubaea, Chrysomela americana. Von den Halbflüglern (Hemiptern) seien genannt Leprosoma inconspicuum aus dem südl. Russland (in Siders) und besonders drei Zikaden (Cicada orni, C. viridinervis und C. haematodes), die von Martinach bis Siders sehr zahlreich auftreten, wo sie uns während den warmen Tagesstunden mit ihrem Chorgesang betäuben.
Auf der waadtländischen Seite von Bex bis Yvorne noch häufig, fehlen sie weiter gegen Norden. Unter den Gradflüglern (70 Arten) erwähnen wir: die Fangheuschrecke oder Gottesanbeterin (Mantis religiosa), die die gleichen Regionen bewohnt, sowie mehrere Feldheuschrecken (Acridium), den (nördl. Valence fehlenden) Pachytulus nigrofasciatus und den P. cinerascens, dann den Gryllus burdigalensis. Netzflügler (Neuroptern): Ascalaphus macaronius und A. coccajus, die Ameisenlöwen (Myrmeleon) und die Acanthoclisis occitanica, ein grosser mediterraner Ameisenlöwe, der in Sitten und Siders beobachtet worden ist.
Die Zweiflügler sind noch wenig erforscht, doch hat man schon manche Art beobachtet, welche man zwischen Saint Maurice und Lyon umsonst suchen würde. Unter den Hautflüglern (Hymenoptern) nennen wir als ziemlich häufig Colletes canescens und Halictus platycestus, deren Heimat N.-Afrika ist, ferner Anthrena incisa (aus Turkestan), in Siders ziemlich häufig. Alle drei sind anderswo in Europa unbekannt (Halictus platycestus ist sehr selten schon in Portugal beobachtet worden).
Die Schmetterlingsfauna umfasst, ausser 1000 und mehr Kleinfalter (Mikrolepidoptern), etwa 1600 eigentliche Schmetterlinge (Makrolepidoptern), darunter 300 südl. Arten, von denen 120 sich in der Schweiz nicht mehr finden, sowie ungefähr 40 autochthone Arten und Abarten. Unter den zwei letzten Gruppen seien erwähnt: Euchloë Belia v. simplonia, Lycaena Lycidas und L. Jolas, Melitea berisalensis, Erebia Evias und E. Christii, Deilephila hippophaes, Zygaena ephialtes, Setina riffelensis; Arctia Cervini und A. maculosa v. simplonica, Agrotis valesiaca und A. Andereggii, Polia canescens und P. dubia, Episema glaucina v. hispana, Cucullia Santeniei v. odorata, Eurhipia adulatrix, Euterpia Landeti, Hemerophila nycthemeraria, Ortholitha vicinaria u. s. w.
Unter den Spinnentieren seien einige südl. Arten erwähnt: Eresus niger, Araneus (Epeira) Circe, Thomisus albus (auch im Tessin), Coelotes Atropos und eine kleine Milbe, Rhyncholophus plumipes aus Algerien. Endlich der Skorpion (Euscorpius italicus), welcher das Zwischbergenthal bewohnt und von V. Fatio auch in Sitten erwähnt wird. Seitdem hat ihn H. Jullien aus Genf in den Häusern und Scheunen von Châteauneuf bei Sitten massenhaft gefunden.
Diese ganze mediterrane Fauna muss nach der Gletscherzeit von S. her ins Rhonethal eingedrungen sein, und zwar während einer xerothermischen Steppenperiode. Nach deren Verschwinden liess das Sinken der Temperatur diese Arten aus den Zwischenregionen verschwinden, während sie sich im Unterwallis dank dem ausnahmsweise günstigen Klima dieser Gegend bis heute zu halten vermocht haben.
Je höher wir dagegen in die Alpen hinaufsteigen, sehen wir immer zahlreichere Arten aus dem Norden von Europa erscheinen. Ueberall begleitet die Fauna die Flora und steigt sogar noch darüber hinauf. In Gebieten, wo die mittlere Jahrestemperatur -1° bis -2° beträgt (Monte Moropass, Col de Fenêtre, Grosser St. Bernhard) und noch höher bis 2500-2800 m ist das tierische Leben noch immer ziemlich verbreitet. Den letzten Vertretern der Wirbeltiere (Schneemaus, Schneehase, Schneehuhn, Alpenkrähe) gesellen sich hier zahlreiche Gliedertiere bei.
Unter den Steinen, in den Pfützen und beim schmelzenden Schnee findet man viele Käfer, wie Laufkäfer (Carabus depressus und C. bernhardinus), verschiedene Nebria, Trechus Dichotrachelus (eine der Schneeregion spezifische Gattung), mehrere Aphodius; dann zahlreiche Schmetterlinge: Antocharis simplonia, Arctia Cervini (3000 m), Agrotis culminicola, Argynnis Pales, Erebia glacialis. Syrichthus cacaliae und S. andromedae, Zygaena exulans, Plusia devergens, Pygmaena fusca etc.; ferner den merkwürdigen Gletscherfloh (Desoria glacialis), mehrere Spinnentiere, Jagdspinnen und Luchsspinnen, Milben, Lycosa blanda, Megabunus rhinoceros etc. Vergl. den Art. über die Fauna der Alpen im 1. Band dieses Lexikons.
Bibliographie. Wirbeltiere: Fatio, V. Faune des Vertébrés de la Suisse. 6 vol. Genève et Bâle 1869-1904. - Arthropoden: Favre, E. Faune des Coléoptères du Valais. Zürich 1890. - Favre, E. Catalogue des Lépidoptères du Valais. Schaffhausen 1899. - Favre, E. Catalogue des Microlépidoptères du Valais (im Bulletin de la Soc. Murith. du Valais. 1907, 1909). - Mayer-Dür: Ein Blick über die schweizerische Orthopteren-Fauna. Bern 1859. - Forel, F. A. Le lac Léman; précis scientifique. Genève 1886. - Forel, F. A. Le Léman; monographie limnologique. Vol. III. Lausanne 1901. - Siehe ausserdem das Bulletin de la Société entomologique suisse und das Bulletin de la Société Murithienne du Valais. In Vorbereitung: Lessert, Roger de. Catalogue des araignées de la Suisse.
[Prof. H. Jaccard.]
9. Bevölkerung.
a) Anthropologie.
In anthropologischer Hinsicht ist das Wallis ohne Zweifel einer der interessantesten Kantone der Schweiz. Leider ist es noch nicht vollständig erforscht. Seine erste Bevölkerung stammt wahrscheinlich aus der neolithischen oder der ¶
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neueren Steinzeit. Während der ältern Quaternärzeit erfüllte der Rhonegletscher mit seinen Seitengletschern das ganze Thalsystem. Die erste Gegend des Wallis, wo menschliche Reste gefunden worden sind, ist die Grotte du Sex bei Villeneuve. Sie gehört dem Magdalénien an. Es muss zum Voraus bemerkt werden, dass Skelettreste aus prähistorischer Zeit fast vollständig fehlen. Alte Gräber sind freilich an verschiedenen Orten aufgedeckt worden, doch wurden die Knochenreste, die sie enthielten, fast alle zerstreut.
Was jeder einlässlichen anthropologischen Untersuchung voraus die Existenz von Bevölkerungen verschiedenen Ursprunges im Wallis vermuten lässt, ist die Verschiedenheit der Sitten und Gebräuche, der Trachten und der Bauart der Wohnungen. Von Thal zu Thal können diese ethnischen Eigentümlichkeiten sehr verschieden sein. Auch der physische Typus der Bevölkerung ist nicht einheitlich. Diese Beobachtung ist schon oft gemacht worden, hauptsächlich von den Malern, welche zu sehen gelernt haben. In den letzten Jahren hat man aus der Aehnlichkeit von Zeichnungen, Symbolen oder Gegenständen des häuslichen Gebrauchs Beweise für die Besiedelung des Kantons durch Leute, die aus entfernten Gegenden hergezogen wären, herleiten wollen. Wir glauben aber, dass man auf dieser Bahn sehr vorsichtig sein muss.
Liefert uns die alte Geschichte und Geographie irgendwelche wichtige Dokumente, welche geeignet wären, einiges Licht auf die Volksstämme zu werfen, die dem Wallis seinen ethnischen Charakter aufgeprägt haben könnten?
Einige Autoren haben angenommen, dass das Wallis von W. nach O. durch das Rhonethal hinauf bevölkert worden sei und dass die Einwanderer, dem siegreich vordringenden Pflanzenteppich folgend, dem Fluss entlang im Thal aufwärts gestiegen seien in dem Masse, wie sich die diluvialen Gletscher zurückgezogen hätten. Wir glauben genau das Gegenteil, besonders für die Holozänperiode. Die ersten Bewohner, zum mindesten die, welche in grösserer Zahl vorhanden waren, müssen diejenige Bevölkerung gebildet haben, welche die Bronze über die Alpenpässe eingeführt hat, nachdem sie dem Thal der Donau und der ungarischen Ebene gefolgt war.
Dieser Handelsstrom wurde auch zur ethnischen Strömung. Es muss daran erinnert werden, dass die Bronze durch eine dolichozephale Bevölkerung in die Schweiz eingeführt worden zu sein scheint, und gegen das Ende dieser Periode eine brachyzephale Bevölkerung (Neobrachyzephalen) die erstere verdrängt hat (vergl. darüber das Kapitel Physische Anthropologie des Art. Schweiz in diesem Lexikon). Die ersten Völkerschaften, über welche wir geschichtliche Nachrichten besitzen, sollen nach den alten Autoren die Ligurer und Kelten gewesen sein.
Die Ligurer würden nach gewissen Anthropologen diejenige Bevölkerung darstellen, welche auf unsern Seen sowie auf den Seen Oberitaliens die Pfahlbauten der Bronzezeit bewohnt hätte. Sie wären nach Gallien vorgedrungen einerseits durch die Schweiz und das Rhonethal, andrerseits von Norditalien her über die Alpenpässe von Savoyen bis nach den Seealpen. (Vergl. G. Hervé: Ethnogénie des populations françaises in der Revue de l'École d'Anthropologie. Paris 1896).
Die griechischen und römischen Geographen und Historiker geben an, dass sich die Ligurer in den Schweizeralpen niedergelassen hätten. Strabo zählte unter diese Völker die Bewohner der vom Monte Viso bis zum Mont Cenis reichenden Cottischen Alpen, d. h. die Caturiger und die Centronen an der westl. Gebirgsflanke, entsprechend den Gebieten von Embrun und der Tarentaise. Zu ihnen stellte er die Salasser aus dem Aostathal, sowie die Veragrer und die Nantuaten als die alten Bewohner des Unterwallis und von Chablais.
Verschiedene Schriftsteller scheinen dieser ligurischen Rasse, bevor man ihre Existenz in Frage gezogen hat, einige schweizerische brachyzephale Schädel zugeschrieben zu haben, welche im westl. und östl. Teil unsres Landes gefunden worden waren. Hierher wurde auch der sog. Typus von Disentis gestellt, den Rütimeyer und His geschaffen. Zwar haben die letztern selbst ihren Typus nicht dem ligurischen zugeschrieben. Sie schienen vielmehr geneigt, in den Brachyzephalen der rätischen Alpen Nachkommen von Alemannen zu erkennen, welche vom 5. bis ins 13. Jahrhundert n. Chr. in diese Berge eingewandert wären (vergl. Lagneau: Anthropologie de la France im Dictionnaire encyclopéd. des sciences médicales. Paris 1879, pag. 604. - Rütimeyer und His: Crania helvetica. 1864. - Alix: Rapport sur Crania helvetica im Bull. de la Soc. d'Anthrop. V).
Was die keltische Rasse betrifft, d. h. die zweite ethnische Völkergruppe, mit welcher von unserm Gesichtspunkt aus die Bewohner des Wallis und der Südschweiz in Zusammenhang gebracht werden könnte, so weiss man zur Genüge, wie viele Tinte dieser Frage wegen geflossen und wie wenig sie bis jetzt aufgeklärt ist.
Man hat zuerst die Repräsentanten dieser Rasse als kleine Brachyzephalen mit braunen Haaren, dann als grosse und blonde Dolichozephalen betrachtet; nachher ist man wieder auf die erstere Ansicht zurückgekommen. Unter dem Keltenreich der alten Schriftsteller (Diodorus Siculus, Plinius etc.) figurieren die Helvetier als eine mächtige Nation im O. der Sequaner, die sich über den grössten Teil der heutigen Schweiz vom Genfersee bis zum Rhein ausdehnte.
Wir lassen die Namen der Völker beiseite, welche in der Nachbarschaft des Wallis wohnten. Das Studium der alten Texte macht in Bezug hierauf den Eindruck eines unlösbaren Wirrwars. Auch für das Wallis allein, das doch ein ziemlich gut umschriebenes Gebiet darstellt, muss eingestanden werden, dass die Unsicherheiten weit davon entfernt sind, zu verschwinden. Polybius nennt die Ardyer als Bewohner des Berglandes nahe den Rhonequellen: «Das Wasser (die Rhone) durchfliesst ein ganzes Thal, dessen N.-Seite die Gallier, genannt Ardyer bewohnen».
Festus (zitiert von Boccard) gibt uns nur die Namen von 4 andern Stämmen: Tylangier, Chabilliconer, Daliternier und Temenier, ohne dass man aber die Gegenden bezeichnen könnte, wo dieselben ihren Wohnsitz gehabt hätten (Boccard: Histoire du Valais avant et pendant l'ère chrétienne jusqu'à nos jours. Genève 1844). Diese Namen machten andern Platz. Viberer, Seduner, Veragrer und Nantuaten waren zur Zeit Cäsars die Namen der (keltischen?) Volksstämme, welche die ganze Ausdehnung des Thales von der Quelle der Rhone bis zu ihrer Mündung in den Lemansee einnahmen.
Die Viberer bewohnten den nordöstl. Teil des Kantons (den heutigen Bezirken Goms, Oestlich Raron und Brig entsprechend);
die Seduner hatten das heutige Gebiet der Bezirke Visp, Westlich Raron, Leuk, Siders und Sitten bis zur Morge inne;
die Veragrer breiteten sich über die Region aus, welche zwischen diesem Wildwasser und dem Wildbach von Mauvoisin oberhalb Saint-Maurice liegt;
die Nantuaten endlich wohnten von diesem Punkt auf beiden Seiten des Flusses bis zum Genfersee hinunter.
Ohne dem, was weiter unten gesagt wird, vorzugreifen kann man hier schon aussprechen, dass die anthropologischen Merkmale der Bevölkerung, welche diese Gegenden heute bewohnt und zu einem sehr grossen Teil die Nachkommen der mit so verschiedenen Namen belegten Völkergruppen darstellt, eine ziemlich bemerkenswerte Einheitlichkeit aufweisen.
Seit der Regierung des Kaisers Augustus hat das Wallis ¶