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<h2>SubmittedText<h2><p>Das Eidgenössische Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in Davos nimmt heute als eigenständig geführter Bereich der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, Birmensdorf, vielfältige Aufgaben wahr und hat diesbezüglich Institutscharakter. Dabei geniesst das SLF nicht zuletzt auch international einen hervorragenden wissenschaftlichen Ruf.</p><p>Im Sommer wurde nun bekannt, dass die Tätigkeiten und auch Kompetenzen des SLF massiv eingeschränkt werden sollen.</p><p>Ein solches Vorgehen gefährdet einerseits am Standort Davos, aber auch für die Region wichtige Arbeitsplätze; andererseits wird damit auch das international bedeutende Image des SLF infrage gestellt.</p><p>Ich frage deshalb den Bundesrat: </p><p>1. Wie sieht er die künftige strategische Ausrichtung des SLF? Was ist der Grund, dass das SLF seinen Institutscharakter verlieren und auf wenige Bereiche reduziert werden soll? Liegt die Zukunft nicht vielmehr in einer breiteren, interdisziplinären Ausrichtung, wie es auch am SLF in den letzten Jahren mit Arbeiten im Bereich der ganzen alpinen Ökologie und der Naturgefahren angestrebt wurde? </p><p>2. Was gedenkt er zu unternehmen, damit der hervorragende Ruf des SLF auch in Zukunft Bestand haben wird? Weshalb wird insbesondere der diskutierte Ausbau zu einem Institut für Naturgefahren nicht weiterverfolgt, obwohl dieses Anliegen angesichts der zunehmenden Katastrophenfälle aktuell und dringlich ist?</p><p>3. Wie beurteilt er heute die seinerzeit mit einer Motion Danioth verlangte Einrichtung eines ständigen interdisziplinären alpinen Forschungsinstitutes bzw. die Realisierung oder Fortführung desselben am SLF in Davos, nachdem er damals in der Beantwortung der Motion ausdrücklich das SLF als solches bezeichnet hat?</p><p>4. Wie würde trotz der geplanten Reduktion auf wenige Bereiche sichergestellt, dass auch in Zukunft am SLF die Vielfalt und Möglichkeiten bestehen, um, wie heute, engagierte und fähige Studierende und Forschende nach Davos zu verpflichten?</p><p>5. Wie sieht er in diesem Zusammenhang die Fortsetzung der unter der Federführung des SLF eingeleiteten Bemühungen um eine internationale Zusammenarbeit im ganzen Alpenraum?</p><p>6. Ist die Zukunft des Kompetenznetzwerkes "Wasser", welches gemeinsam mit den Gebirgskantonen am SLF geführt wird, sichergestellt?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Seit 1989 gehört das SLF zur Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) und ist somit seit 16 Jahren kein unabhängiges Institut mehr. Der Name "SLF" wurde jedoch aufgrund dessen Bekanntheitsgrades beibehalten.</p><p>Eine Forschungsanstalt muss aus Konkurrenz- und Effizienzgründen Schwerpunkte setzen und ihre Zusammenarbeit mit anderen Forschungsanstalten sowie Hochschulen verstärken. Die WSL ist deshalb bestrebt, mit dem SLF, der ETH Zürich und der ETH Lausanne auch im wichtigen Bereich der Naturgefahren eine sinnvolle Koordination der Forschungsaktivitäten zu erreichen. Wesentliche Teile der Naturgefahrenforschung (Steinschlag, Murgänge, Hochwasser usw.), aber auch Fragen des Schutzwaldes sind betroffen, werden bereits am WSL-Standort in Birmensdorf betrieben; das SLF selbst fokussiert sich auf die Lawinen- und Permafrostforschung. Dieser Schwerpunkt "Schnee/Eis" wird nach wie vor in Davos bleiben.</p><p>Eine stärkere Vernetzung und interdisziplinäre Forschung im ökologischen Bereich sind erklärte Ziele der WSL. Viele Fragen der alpinen Ökologie, der Landnutzung sowie der Naturgefahren betreffen die ganze Schweiz. Die WSL muss nun, nicht zuletzt aus Effizienz- und Kostengründen, ihre Kräfte bündeln und auf die oben erwähnten Anforderungen ausrichten. Der Standort Davos ist jedoch in seiner Existenz keineswegs gefährdet.</p><p>2. Das SLF hat sich seit 1989 als Teil der WSL sehr positiv entwickelt. Die Annahme, dass dessen Ruf durch eine verstärkte Integration in die WSL und eine damit noch fokussiertere wissenschaftliche Ausrichtung gefährdet wäre, ist unbegründet. Der Bundesrat ist davon überzeugt, dass sich die gesamte WSL - und damit auch der Standort Davos - nach der Restrukturierung innerhalb des ETH-Bereiches noch profilierter positionieren kann; dies nicht zuletzt auch im Rahmen des vom ETH-Rat geplanten Kompetenzzentrums "Umwelt und Nachhaltigkeit".</p><p>Ein Ausbau des SLF in Davos zu einem nationalen Zentrum für Naturgefahren ist aus den obgenannten Gründen nicht mehr sinnvoll.</p><p>In Bezug auf die von der Interpellantin erwähnte zunehmende Gefahr von Naturkatastrophen ist zu erwähnen, dass der Bundesrat dem VBS (Bundesamt für Bevölkerungsschutz) den Auftrag erteilt hat, in Zusammenarbeit mit der Nationalen Plattform Naturgefahren und den beteiligten Fachstellen des Bundes Vorschläge für die Optimierung der Alarmierung sowie für die dafür erforderlichen Massnahmen zu erarbeiten.</p><p>3. Es ist richtig, dass der Bundesrat in seiner Antwort vom 6. Dezember 1999 auf die Motion Danioth (99.3483) darauf hinwies, dass die Schweiz mit dem SLF bereits über ein "interdisziplinäres, alpines Forschungsinstitut" verfüge. Er betonte jedoch auch, dass man mit Blick auf eine Verbesserung des Schutzes vor Naturgefahren nicht nur die Bergbevölkerung und den Alpenraum im Auge haben dürfe.</p><p>Heute kann der in der Motion Danioth geforderte "Aufbau eines ständigen interdisziplinären alpinen Forschungsinstitutes mit einer selbstständigen Trägerschaft" nicht mehr als optimale Lösung bezeichnet werden. Zu diesem Schluss kommt auch das vom Präsidium des ETH-Rates in Auftrag gegebene Positionspapier "Gemeinsame institutionelle Forschung in den Alpen". Eine verbesserte Koordination der Forschung ist notwendig, diese muss jedoch in erster Linie durch eine verstärkte Zusammenarbeit mit vergleichbaren Forschungsinstitutionen in den umliegenden Alpenländern geschehen.</p><p>4. Da für den WSL-Standort Davos lediglich eine Optimierung der Forschungsaktivitäten geplant ist, sind bezüglich seiner Attraktivität für Studierende wie Forschende keine Nachteile zu erwarten. Zudem beabsichtigt - laut ETH-Rat - die ETH Zürich in ihrer Strategie 2008-2011, dem Thema "Integrales Risiko-Management" ein grösseres Gewicht zu geben. Durch die stärkere Vernetzung und entsprechende Spezialisierung der verschiedenen Institutionen dürfte eine Zunahme des Interesses zu erwarten sein.</p><p>5. Die alpine Forschungslandschaft ist, insbesondere im Bereich Naturgefahren, thematisch relativ dicht mit Institutionen belegt. Es ergeben sich jedoch grenzüberschreitende Themenstellungen, die trotz ihrer Aktualität bisher kaum bearbeitet wurden. Der ETH-Rat führt in dieser Sache gegenwärtig Sondierungsgespräche vor allem mit dem benachbarten Alpenstaat Österreich. Der Bundesrat unterstützt die Bemühungen des ETH-Bereiches für grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Alpenraum.</p><p>6. An der gegenwärtigen Zusammenarbeit mit den Gebirgskantonen im Zusammenhang mit dem Kompetenzzentrum "Wasser" sollte aus Sicht der WSL trotz der Neustrukturierung festgehalten werden. Der Direktor der WSL wird demnächst mit den betroffenen Regierungen in Kontakt treten, um allfällige offene Fragen zu klären und die weitere Zusammenarbeit zu intensivieren.</p>  Antwort des Bundesrates.