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Analyse der Schriften: Sprache & Kontext
Wie drückt Mozart seine Armut aus?
in den Briefen an Johann Michael Puchberg:
Hinsichtlich des sprachlichen Aspektes dieses Themas, wird nun besonders auf die Art und Weise eingegangen, wie Mozart von seiner misslichen finanziellen Lage schreibt.
In den Briefen an den wiener Tuchhändler Johann Michael Puchberg drückt er sich sehr klar aus, es wird wenig beschönigt und spricht seine Geldnot direkt an.
Dies ist zum einen darin begründet, dass Mozart Puchberg als einen guten Freund betrachtet und sie sich demnach vertrauter sind und zum anderen liegt der Grund in dem Kontext, in welchem er Puchberg von seinen finanziellen Problemen berichtet: Er bittet ihn um Geld.
- "was Sie imer leicht entbehren können, wird mir angenehm seÿn"
- "ich würde, troz meiner täglich großen Ausgaben, doch mich nach Möglichkeit bis dahin noch gedulten"
- "und können Sie mir bis dahin etliche und zwanzig Gulden leihen"
- "Ihnen die ganze Summe mit beliebigen Interessen zurückzuzahlen, und mich anbey noch auf Lebenslang für Ihren Schuldner erklären, welches ich auch leider ewig werde bleiben müssen"
- "Meine gegenwärtigen Umstände sind aber – daß ich, bey all meinen angenehmen Aussichten, ohne der Hülfe eines biedern Freundes, meine Hoffnung zu meinem ferneren Glücke ganz für verlohren geben muß [...] mein ganzes ferneres Glücke ist in Ihren Händen"
im Brief an den Erzherzog Franz IV.:
Im Gegensatz dazu steht das Schreiben an den Erzherzog Franz IV. von Österreich, den Mozart verfasste, um eine zweite Stelle als Kapellmeister zugesprochen zu bekommen. Er hat diesen Brief nie abgesendet, warum ist nicht bekannt. Der Kontext ist hier natürlich ein anderer, weil der Adressat ein Adeliger ist und nicht wie Puchberg ein Bekannter beziehungsweise ein Freund Mozarts. Franz IV. ist dem Komponisten gesellschaftlich überlegen und diesen Unterschied berücksichtigt Mozart auch in seiner Ausdrucksweise. Zudem ist auffallend, dass seine Geldnot, die den Grund seines Schreibens darstellt, nur sehr diskret und beschönigt dargestellt wird:
- "der wenige Ruhm, den mir die Welt meines Spiels wegen auf dem Piano=
forte gegeben"
- "ganz überzeugt daß ich mich an den würdigsten und für mich besonders
gnädigen Gönner gewendet habe"
sprachliche Phänomene:
-
Apokope:
z.B. "so empfangn Sie in meinem Namen 2000 fl."
-
häufige Verwendung von Doppelvokalen:
z.B. "sowohl wegen Quartier als auch wegen kost und Baad gerne etwas Geld sehen"
"welche mir meine laage noch fühlbarer machen"
-
ein Konsonant anstatt eines Doppelkonsonants:
z.B. "was Sie imer leicht entbehren können"
"kömt ohnehin nur auf einige tage an"
-
"th" anstelle von "t" am Wortanfang:
z.B. "liebe zur thättigkeit"
"so thun Sie es gott zu liebe"
Gönner
Konkrete Ausdrücke und ihr zeitlicher Kontext
jmd., der jmdm. durch Taten seine Gunst, sein Wohlwollen zeigt,
der jmdn. wohlwollend unterstützt Verlegenheit
unangenehme, hilflose Lage, schwierige Situation, in der sich jmd. befindet
Kontext
Das Thema Geld spielte im 18. Jahrhundert eine bedeutende Rolle und fand in der dramatischen Literatur eine breite Variation. Es war ein offenes Thema und man sprach gerne darüber, sogar gegenüber Fremden, was auch bei den Mozart-Briefen zur Geltung kommt.
Die Vermögenslage wurde oft genau registriert und Gewinn- und Verlustmöglichkeiten wurden diskutiert. Die Offenlegung der eigenen finanziellen Verhältnisse war üblich, da das Vermögen eines Menschen auch seine soziale Position beeinflusste. Dies verdeutlicht die wachsende Bedeutung des Geldes in der Gesellschaft des 18. Jahrhunderts. Im Folgenden werden drei Zitate aufgelistet, die veranschaulichen sollen, wie im 18. Jahrhundert über Geld beziehungsweise Geldsorgen geschrieben wird:

„sollte [...I Einer von den Eheleuten zur Verschwendung geneigt seyn: so ist es rathsam, weil es noch Zeit ist, Mittel vorzuschieben, jener gräßlichen Lage auszuweichen. Der andere Theil, der besser mit Gelde umzugehen weiß, übernehme die Casse!"

„Ich bin noch sein Schuldner", sagt er zu Musikus Miller und zieht seine Börse. „Es ist für Leben und Sterben“

„Zur Erleichterung Ihrer Umstände schenkt Ihnen ein Mann, der weder Dank erwartet, noch will, diese Kleinigkeit"
In den drei Beispielen wird jeweils auf eine Geldnot angespielt, man spricht diese aber nie direkt an, sondern verwendet Begriffe wie „gräßliche Lage“ oder „Umstände“. Mozart praktizierte dies zumeist genauso, nur in manchen Briefen an Johann Michael Puchberg benannte er seine Situation und nannte beispielsweise auch konkrete Summen.