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|Von Helmut Bachmaier|
|Grafik: @europaeischewerte.info / HB|
|Die Begriffe Werte, Wertewandel, Wertehaltung oder Wertekultur zirkulieren im öffentlichen Bewusstsein, ohne dass sie immer erklärt oder begründet werden.

Allgemein haben Werte eine dreifache Funktion: Sie sind
Dabei liegt ein Wert nicht in einer objektiven Realität oder Gegenstandswelt ausser uns, sondern er ist ein subjektiver Massstab der persönlichen Einstellung. Dabei werden Werte als Selektionsinstrumente und Differenzierungsmuster oftmals kulturell oder gesellschaftlich geprägt. Es ist ein erstrebenswertes Ziel oder das Begehren bzw. Bevorzugen eines Objektes, was den Wertebezug einer Entscheidung ausmacht.
In diesem Kontext haben Werte einen Einfluss auf die Differenzierung und Auswahl von Handlungszielen und Handlungsszenarien sowie auf die konkrete, aktuelle Handlungsweise. Wertentscheidungen haben es an sich, dass sie als Ausschlusshandlungen das negieren, was nicht zustimmungsfähig ist. Insofern wird dadurch das Wertvolle – das, was als ein „Gut“ gilt – generiert. Werte sind dabei die Regulative oder Regeln, die zur Beurteilung verhelfen.
Operative Werte – Objektwerte
Eine viel diskutierte Frage war und bleibt, ob Werte bereits in möglicherweise begehrten oder begehrenswerten Objekten oder erst in der Präferenzierung, im Bevorzugungshandeln, durch den Wertenden entstehen. Der Semiotiker Charles W. Morris („Varieties of Human Value“, Chicago 1956, S. 9ff.) hatte dafür folgendes Begriffspaar vorgeschlagen: „operative Werte“, bei denen etwas gegenüber einem anderen bevorzugt wird infolge eines individuellen Präferenzmusters bzw. bei denen mit einem Wert bei Entscheidungen operiert wird, und „Objektwerte“, bei denen etwas einen Wert besitzen soll, auch ohne dass sich die Aufmerksamkeit oder das Streben darauf richten. Hier wird die Auffassung vertreten, dass jede Wertorientierung es mit operativen Werten zu tun hat. Dies gilt auch für die Tausch- und Gebrauchswerte in der Ökonomie. Werte sind individuelle oder kollektive Zuschreibungen von qualitativen Bedeutungen, die mit der Zuschreibung erst entstehen.
Selbstwerte
Gegen eine unbegrenzte Verwendung des Wertbegriffs – zusätzlich eine Absetzung von Kants ethischem Formalismus – hat sich Max Scheler („Der Formalismus in der Ethik und die materiale Wertethik“, 1913/16) mit seiner materialen Wertethik gewandt. Deren Geltung führt er auf apriori gegebene, unmittelbar einsichtige Inhalte zurück, die der Mensch durch Intuition und Gefühle erfassen kann. Vor den Gütern und Wertdingen stehen bei ihm die „Selbstwerte“, die unabhängig von allen anderen Wertvorstellungen sind und stets ihre Werthaftigkeit behalten. In einer Rangordnung werden die verschiedenen Wertmodalitäten aufgeführt. Nach Scheler gibt es eine Wertehierarchie in aufsteigender Linie:
In der Philosophie des Neukantianismus (Heinrich Rickert, Wilhelm Windelband), von der Max Scheler her kam, wird Philosophie geradezu als eine Wissenschaft von Werten verstanden. Dabei ist die Wertlehre die Voraussetzung der Kulturphilosophie: Kultur ist eine wertbezogene Wirklichkeit.