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Vaudeville
Der Begriff Vaudeville wird seit dem 16. Jahrhundert in unterschiedlichen Bedeutungen verwendet, als musikalische Kommunikationstechnik oder Liedgattung und als Theatergattung.
Kommunikationstechnik
Vaudeville vom 16. bis zum 18. Jahrhundert bezeichnete zunächst das Phänomen, dass sich populäre Melodien gleichsam viral verbreiten konnten, noch ohne Reproduktionstechnik oder Reisemöglichkeiten. Dabei wurden diese Melodien oft mit neuen Texten versehen. Sie wurden zum Modell für selbst geschaffene Inhalte. Vom 18. Jahrhundert an konnten sie leitmotivisch an einen Zusammenhang erinnern. Dies wurde in unterschiedlichen Medien genutzt, so im textlosen Jahrmarktstheater (bei dem Texte aus Zensurgründen zeitweise verboten waren) und vom 19. Jahrhundert an in den grossen Pariser Boulevardtheatern: als emotionalisierende Begleitmusik. Das Mitsingen von Zuschauern, die sich an einen Text erinnerten, war in den Varietétheatern verbreitet und ging auf die Geschichte des Stummfilms über.
Für die Filmmusikgeschichte ist relevant, dass es sich beim Vaudeville um eine Methode handelt, eine Hintergrundmusik oder Liedeinlagen mit bekannten Elementen zur Animation des Publikums einzusetzen: mitsingen, mitbewegen oder sich an eigene Erlebnisse erinnern. Die Melodien «lösen etwas aus». Heute nehmen noch einzelne Filme Bezug auf diese Tradition, so etwa On connait la chanson von Alain Resnais (Musik: Bruno Fontaine, 1997).
Theatergattung
In der Theatergattung, die sich im 18./19. Jahrhundert Vaudeville nannte, handelt es sich nicht um Hintergrundmusik, sondern um in eine Handlung eingelegte Lieder mit bekannten Melodien und neuem Text.
Das American Vaudeville als modernere Gattung der Kleinkunst entsprach ungefähr dem kontinentaleuropäischen Varieté, war also ein Nummernprogramm. Eine späte Schweizer Variante dieses Vaudevilles nennt sich Cabaret.
Die Bezeichnung Electric Vaudeville wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts für Kinoprogramme verwendet, als man sie noch für eine Automatisierung der Varietés hielt.
Schweizer Filmmusik
Ein kurzes Beispiel ist etwa das Wilhelm-Tell-Motiv aus der Ouverture der Oper Guillaume Tell (1829) von Gioacchino Rossini, das als Erkennungszeichen der Schweizer Postbusse zum Orientierungslaut wurde und in die Werbefilmmusik Eingang fand wie in Sunny Days (1958) von Tibor Kasics. Eine Melodie scheint eine Wirkung in verschiedenen Medien zu «erzeugen» – dabei wird ihr diese Wirkung von ihren Hörern umgekehrt verliehen. Diese Art Kausalität ist es, was die Bedeutungsvarianten von Vaudeville verbindet. (Autor: Mathias Spohr)
Literatur
- Schneider, Herbert (Hg.): Das Vaudeville. Funktionen eines multimedialen Phänomens, Hildesheim: Olms 1996. ISBN 3-487-10264-1