Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03557.jsonl.gz/586

Archive, Spiegelbild von Machtverhältnissen
Archive waren und sind ein Symbol für die Kontinuität und die Legitimität von Macht ? in weit höherem Mass als Orte geschichtlicher Studien. Die heutigen öffentlichen Archive sind die geschichtliche Weiterentwicklung der Bürgergemeinde-Archive, die im Mittelalter gegründet worden waren; ihr Zuständigkeitsbereich hat sich beträchtlich ausgeweitet. Das Archivdokument ist zunächst Beleg für eine Verwaltungstätigkeit oder Zeuge der Ausübung von Staatsgewalt. Es hat einen juristischen Zweck. Seine Bedeutung als geschichtliches Dokument und als Kulturgut sind indes junge Aspekte, die erst im 19. Jahrhundert auftauchen.
Archivgeschichte ist zuallererst eine Geschichte von Institutionen und Verwaltungen. Darum ist die Entwicklung der Archive stets vor dem Hintergrund von Zusammenleben und Rivalität der bischöflichen, klösterlichen, fürstlichen und kommunalen Mächte zu betrachten. Archive entstehen im Rahmen von Administration sowie im Zusammenspiel von Kantonsallianzen und Abkommen zwischen Städten und Regionen. Das Archiv vermittelt die Entwicklung von Regionen, die oft einen grösseren Raum umfassten als heute, sowie den Wandel der Autoritäten, dem oft eine politische Entwicklung entspricht. Archive sind ganz unterschiedlich, ob man sich nun in einem ländlichen oder einem städtischen Kanton befindet, in einem kleinen Kanton oder einem zentralisierten oder einem Kanton der selber eine Konföderation darstellt wie Wallis oder Graubünden.
Archive sind somit immer das Spiegelbild von Machtverhältnissen, im Fall der Schweiz ihres föderalen Aufbaus, in dem jeder Kanton ein eigener souveräner Staat ist. Die Archive sind der Beweis, die Basis und der unverzichtbare Rückhalt der Macht. Macht und Archiv sind eng zusammenhängende Begriffe, um die Stärke des einen zu messen, muss man sich unweigerlich auf die Ressourcen des anderen stützen.