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Falkland-Zaunkönig
Troglodytes cobbi
© 2010 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)
Zuerst Art, dann Unterart, nun wieder Art
Die Ordnung der Sperlingsvögel (Passeriformes) ist die bei weitem umfangreichste Sippe innerhalb der Klasse der Vögel (Aves). Mit ungefähr 5 700 Arten umfasst sie über die Hälfte der gegenwärtig 10 350 bekannten Vogelarten unseres Planeten. Zu den Sperlingsvögeln gehören auch etwa 80 Arten von Zaunkönigen, welche in der Familie der Zaunkönige (Troglodytidae) zusammengefasst werden. Interessanterweise lebt davon nur eine einzige Art - unser allbekannter Eigentlicher Zaunkönig (Troglodytes troglodytes) - in der Alten Welt. Alle anderen Zaunkönige sind in der Neuen Welt heimisch und dort in den tropischen Bereichen besonders artenreich. Soweit wir wissen, erreichte der Eigentliche Zaunkönig während des Eiszeitalters von Nordamerika her über die Beringstrasse Ostasien und breitete sich nach und nach bis nach Westeuropa und Nordafrika aus.
Über die Existenz eines Zaunkönigs auf den Falklandinseln berichtete erstmals 1764 ein französischer Priester. Er hielt fest, dass es auf dem Archipel grosse Bestände von Zaunkönigen gebe, welche denjenigen in Frankreich sehr ähnlich seien. 1908 wurde dann erstmals ein Individuum für die Wissenschaft gesammelt. Der Vogel stammte von Carcass Island und war vom dort lebenden Schafzüchter und Hobby-Ornithologen Arthur Cobb geschossen worden. Cobb sandte den kleinen Vogel an das Naturhistorische Museum von London, wo er vom britischen Ornithologen Charles Chubb (1851-1924) als eine eigene Art eingestuft und ein Jahr später als solche wissenschaftlich beschrieben und zu Ehren von Cobb benannt wurde. Der vollständige wissenschaftliche Name des Falkland-Zaunkönigs lautet darum Troglodytes cobbi (Chubb, 1909).
Verschiedene Ornithologen behandelten in der Folge den Falkland-Zaunkönig tatsächlich als eine separate Art, welche zwar dem in Süd- und Mittelamerika vorkommenden Südlichen Hauszaunkönig (Troglodytes musculus) sehr ähnlich sieht, jedoch deutlich grösser und etwas anders gefärbt ist. 1921 fasste dann aber der österreichische, damals in München arbeitende Ornithologe Carl Eduard Hellmayr (1878-1944) den Falkland-Zaunkönig mit dem Südlichen Hauszaunkönig zu einer einzigen Art zusammen - obschon er nachweislich nie ein Exemplar des Falkland-Zaunkönigs gesehen hatte. Der Südliche Hauszaunkönig wiederum wurde später mit dem in Nordamerika heimischen Nördlichen Hauszaunkönig zu einer einzigen Art zusammengefasst, «dem» Hauszaunkönig (Troglodytes aedon). Lange Zeit galt der Falkland-Zaunkönig deshalb als eine Unterart von Letzterem.
1993 hat nun Robin Woods, ein auf den Falklandinseln lebender Naturforscher, vorgeschlagen, den Falkland-Zaunkönig aufgrund seiner vom Hauszaunkönig verschiedenen Erscheinung, Lebensweise und Lautäusserungen wieder als eine eigenständige Art einzustufen. Seine Einschätzung wurde von BirdLife International, der Dachorganisation aller Vogelschutzorganisationen weltweit, und demzufolge auch von der Weltnaturschutzunion (IUCN) gutgeheissen. Noch fehlt aber die Bestätigung seitens der American Ornithological Union (AOU). Diese will ihren Entscheid erst fällen, wenn die Resultate neuerer Studien einerseits über die DNA des Falkland-Zaunkönigs und andererseits über seine Rufe publiziert sind.
60 bis 70 Heimatinseln
Mit einer Länge von 13 bis 14 Zentimetern ist der Falkland-Zaunkönig deutlich grösser als unser Eigentlicher Zaunkönig, dessen Länge sich auf 9 bis 11 Zentimeter bemisst. Mit einem Gewicht von 17 bis 20 Gramm ist er auch deutlich schwerer als sein 8 bis 11 Gramm wiegender europäischer Vetter.
Wie alle Vertreter der Gattung Troglodytes ist der Falkland-Zaunkönig von rundlicher Gestalt und hat ein oberseits rotbraunes und unterseits fahlbraunes Gefieder. Sein Schnabel ist recht lang, leicht nach unten gebogen und schwarz gefärbt. Die Männchen und die Weibchen können weder anhand ihrer Körpergrösse noch ihrer Färbung unterschieden werden. Einzig anhand des schmetternd laut vorgetragenen, zwei bis drei Sekunden lang dauernden, jeweils abrupt endenden Gesangs aus Trillern und Rollern lassen sich die Männchen identifizieren.
Auf den beiden grossflächigen Hauptinseln Westfalkland und Ostfalkland kommt der Falkland-Zaunkönig nicht vor, sondern einzig auf 60 bis 70 der rund 200 kleineren, peripher gelegenen Inseln des Archipels. Auf 59 Inseln ist er als Brutvogel nachgewiesen, auf weiteren 11 gilt sein Vorkommen als wahrscheinlich. Die Gesamtfläche der von ihm bewohnten Inseln bemisst sich auf ungefähr 270 Quadratkilometer. Dies entspricht etwa 2,2 Prozent der 12 173 Quadratkilometer messenden Gesamtfläche des Archipels. Die grösste Insel, auf welcher der Falkland-Zaunkönig vorkommt, ist Lively Island mit einer Fläche von 56 Quadratkilometern; mehr als die Hälfte seiner Heimatinseln sind hingegen kleiner als 0,5 Quadratkilometer. Interessanterweise ist Lively Island die grösste rattenfreie Insel des Falkland-Archipels - und in der Tat sind auch die anderen Inseln, welche vom Falkland-Zaunkönig bewohnt werden, ausnahmslos frei von Ratten sowie von Mäusen, Füchsen und Katzen.
Der bevorzugte Lebensraum des Falkland-Zaunkönigs sind dicht mit dem widerstandsfähigen, hochwüchsigen, überhängende Büschel bildenden Fächerartigen Tussockgras (Poa/Parodiochloa flabellata) bewachsene Flächen, welche an mit Felsblöcken übersäte Strände grenzen. Er bewohnt aber auch felsige, mit Zwergsträuchern oder mit Binsen und Seggen bewachsene Gebiete fern der Küste. Menschen gegenüber verhält er sich zwar wie der in Europa heimische Eigentliche Zaunkönig nicht sonderlich scheu, doch brütet er im Unterschied zu seinem altweltlichen Vetter nicht in der unmittelbaren Umgebung menschlicher Ansiedlungen.
Wie alle Zaunkönige ernährt sich der Falkland-Zaunkönig vornehmlich von wirbellosen Kleintieren aller Art. Im Tussockgras jagt er beispielsweise nach fluglosen Langfühlerschrecken (Rhaphidophoroidea) und Spinnen, am Strand unter anderem nach angeschwemmten Flohkrebsen (Amphipoda). Emsig sondiert er mit seinem langen, spitzen Schnabel in Ritzen und Spalten von Felsen, unter Tangstücken oder zwischen Tussockgrashalmen. Geradlinig fliegt er mit surrend raschen Schlägen seiner kurzen Flügel in Bodennähe von Ort zu Ort. Wenn er sich auf einem Felsblock oder Zwergstrauch niederlässt, trägt er seinen Schwanz oft - zaunkönigtypisch - hochgestelzt.
Die Brut dauert nur 6 Wochen
Ob beim Falkland-Zaunkönig die Männchen und die Weibchen monogam, also in festen Dauerpartnerschaften leben, wie dies bei vielen tropischen und subtropischen Zaunkönigarten der Fall ist, oder ob bei ihm die Männchen wie bei manchen nördlichen Zaunkönigarten polygames, also «vielehiges» Verhalten zeigen, wissen wir nicht. Bekannt ist immerhin, dass die Männchen Territorien errichten und sich das ganze Jahr über in ihren Eigenbezirken aufhalten. Entlang der Küstenlinie von Carcass Island bemessen sich die Territorien je nach der Qualität des örtlichen Lebensraums auf eine Länge zwischen 15 und 100 Meter. Anderenorts teilen sich zwischen 2 und 4 territoriale Männchen einen Hektar Lebensraum.
Um fremde Männchen vom unbefugten Betreten des Eigenbezirks abzuhalten, äussern die territorialen Männchen häufig ihre zwar kurzen, jedoch bemerkenswert lauten Gesänge. Teils singen sie versteckt zwischen den Büscheln des Tussockgrases, teils aber auch von höherer Warte aus, beispielsweise von einem Felsblock. Sie heben dabei ihre Flügel leicht an und wiegen ihren Körper hin und her.
Beim Nest des Falkland-Zaunkönigs handelt es sich um ein überdachtes, kugeliges Gebilde mit einer Eingangsöffnung im oberen Bereich. Die äussere Hülle besteht aus Grashalmen, Wurzelfasern und Robbenhaaren, die innere Auskleidung aus Federn verschiedener anderer Vogelarten. Ob das Männchen allein für den Nestbau zuständig ist, wie dies bei den «vielehig» veranlagten Zaunkönigen meistens der Fall ist, oder ob wie bei den «einehigen» Zaunkönigen beide Geschlechter zusammenarbeiten, wissen wir wiederum nicht. Gewöhnlich befindet sich das Nest gut versteckt in unmittelbarer Bodennähe zwischen Tussockgrasbüscheln, in einer Felsspalte oder zwischen Felsblöcken.
Zur Brut schreiten die Falkland-Zaunkönige jeweils im südlichen Frühling zwischen Anfang Oktober und Mitte Dezember. Das Weibchen erzeugt dann ein Gelege aus meistens drei oder vier hellrosafarbenen, mit dunkelroten und hellbraunen Tupfen übersäten Eiern. Über die Brutdauer und die Nestlingszeit sind keine Angaben erhältlich. Es ist aber anzunehmen, dass die Brut ähnlich abläuft wie beim nah verwandten Vetter, dem Hauszaunkönig auf dem amerikanischen Festland. Bei jenem werden die Eier 9 bis 16 Tage lang bebrütet. Die Jungen schlüpfen als typische Nesthocker, das heisst praktisch nackt und mit verschlossenen Augenlidern, aus den Eiern, sind aber schon 15 bis 17 Tage später flugfähig und machen sich etwa weitere zwei Wochen nach dem Ausfliegen bereits selbstständig. Eine erfolgreiche Brut dauert also nur etwa sechs Wochen, weshalb den meisten Weibchen zwei Bruten je Saison gelingen dürften. Aufgrund der Funde beringter Individuen wissen wir, dass Falkland-Zaunkönige ein Alter von mindestens sechs Jahren erreichen können und dass sie keine Zugvögel sind, sondern auf ihrem Heimatarchipel ein sesshaftes Leben führen.
Von Wanderratten und Neophyten
Der Falkland-Zaunkönig wird von der IUCN als «Verletzlich» eingestuft, und zwar aufgrund seines eng begrenzten Verbreitungsgebiets sowie der Tatsache, dass er höchst anfällig auf eingeschleppte Ratten und andere Raubsäuger ist. 2008 schätzten die Fachleute den Gesamtbestand der Art auf ungefähr 6000 Brutpaare beziehungsweise auf 9000 bis 16 000 Individuen.
Es steht inzwischen zweifelsfrei fest, dass die Falkland-Zaunkönige ausschliesslich auf Inseln brüten, welche raubsäugerfrei sind. Auf Inseln, wo auch nur eine der vier eingeschleppten Raubsäugerarten Wanderratte (Rattus norvegicus), Hausratte (Rattus rattus), Hausmaus (Mus musculus) und Patagonischer Fuchs (Lycalopex griseus) vorkommt, vermögen sie keinen Brutbestand aufrecht zu erhalten. Ausserdem ist es höchst unwahrscheinlich, dass sie dies auf Inseln könnten, wo streunende Hauskatzen vorkommen.
Alle genannten Säugetiere plündern gern Vogelnester und verzehren sowohl vorgefundene Eier als auch nestjunge Vögel. Bodennah brütende Vogelarten wie der Falkland-Zaunkönig leiden hierunter natürlich besonders. Am Beispiel von Bleaker Island lässt sich erkennen, in welchem Zeitraum sich die Ausrottung der Falkland-Zaunkönige auf einer Insel abspielt: Noch im Jahr 1960 brüteten auf der 20 Quadratkilometer grossen Insel definitiv Falkland-Zaunkönige; Mitte der 1980er-Jahre wurden dann unachtsamerweise Wanderratten eingeschleppt; spätestens 2003 war der Brutbestand der Zaunkönige ausgelöscht.
Eine weitere Gefahr für den Fortbestand des Falkland-Zaunkönigs bildet der Schwund seines Lebensraums einerseits durch die Übernutzung der Tussockgrasländer durch Schafe und andererseits durch das Überhandnehmen so genannt «invasiver Neophyten», das heisst eingeschleppter Pflanzenarten, welche dichte Bestände bilden und die einheimische Vegetation zurückdrängen. Zu nennen ist unter Letzteren vor allem der als Zier- und Heckenpflanze eingeführte Stechginster (Ulex europaeus), welcher zu den 100 weltweit schlimmsten pflanzlichen Eindringlingen gehört.
Auch Brände dürften einen negativen Einfluss auf die Brutbestände des Falkland-Zaunkönigs haben. Die Beeinträchtigung scheint aber vorübergehender Art zu sein, denn schon viele Inseln wurden von Bränden heimgesucht, ohne dass die Falkland-Zaunkönige vollständig verschwunden wären. Beispielsweise zerstörte 2004 ein Brand auf Green Island rund 90 Prozent des Tussockgrasbestands, und trotzdem leben weiterhin Zaunkönige auf der Insel.
Ein wichtiger Schritt zur Sicherung des Fortbestands des Falkland-Zaunkönigs geschah 2008. In diesem Jahr fand auf den Falklandinseln ein Workshop statt, an welchem Fachleute verschiedener Naturschutzorganisationen teilnahmen und einen «Species Action Plan», also einen Massnahmenkatalog zwecks Erhaltung und Förderung des Falkland-Zaunkönigs erarbeiteten, der nun in die Tat umgesetzt werden soll. Unter anderem soll die Ausrottung von Raubsäugern auf möglichst vielen der kleineren Falklandinseln an die Hand genommen werden. Ferner sollen bisher unbeachtete Inseln besucht und dort Bestandserhebungen gemacht werden. Und nicht zuletzt sollen Feldstudien unser lückenhaftes Bild der Lebensweise und der Lebensraumansprüche des Falkland-Zaunkönigs verbessern und die Grundlage für gezielte Schutzmassnahmen schaffen.
Legenden
Der Falkland-Zaunkönig (Troglodytes cobbi) ist eines von rund 80 Mitgliedern der Zaunkönigfamilie (Troglodytidae). Mit einer Länge von 13 bis 14 Zentimetern und einem Gewicht von 17 bis 20 Gramm ist er deutlich grösser als unser Eigentlicher Zaunkönig (Troglodytes troglodytes), welcher eine Länge von 9 bis 11 Zentimetern und ein Gewicht von 8 bis 11 Gramm aufweist. Die Männchen lassen sich weder anhand ihrer Körpergrösse noch ihrer Färbung von den Weibchen unterscheiden.
Die Heimat des Falkland-Zaunkönigs sind die im Südatlantik gelegenen Falklandinseln. Dort kommt er allerdings auf den beiden grossflächigen Hauptinseln Westfalkland und Ostfalkland nicht vor, sondern bewohnt lediglich 60 bis 70 der rund 200 kleineren, peripher gelegenen Nebeninseln des Archipels. Sein bevorzugter Lebensraum sind dicht mit hochwüchsigem, Büschel bildendem Tussockgras bewachsene Flächen, welche an felsenreiche Strände grenzen.
Über das Fortpflanzungsgeschehen beim Falkland-Zaunkönig ist so gut wie nichts bekannt. Es dürfte sich aber nicht wesentlich von dem beim nah verwandten, auf dem amerikanischen Festland lebenden Hauszaunkönig (Troglodytes aedon) unterscheiden. Dort beansprucht die gesamte Brut - vom Ablegen der Eier bis zum Selbstständigwerden der Jungvögel - nur etwa sechs Wochen. Das Bild zeigt einen zwar bereits flüggen, aber noch auf die Zufütterung durch seine Eltern angewiesenen Jungvogel auf Sea Lion Island.
Wie alle Zaunkönige ernährt sich der Falkland-Zaunkönig vornehmlich von Insekten, Spinnen und weiteren wirbellosen Kleintieren, die er mit seinem langen, spitzen Schnabel aus Ritzen und Spalten von Felsen, aus angeschwemmtem Strandgut oder aus Tussockgrasbüscheln hervorpickt. Auf dem Bild oben hat er einen an den Strand gespülten marinen Kleinkrebs erbeutet.
Von der Weltnaturschutzunion (IUCN) wird der Falkland-Zaunkönig als «Verletzlich» eingestuft, weil sein Verbreitungsgebiet eng begrenzt ist, weil er auf Ratten und weitere eingeschleppte Raubsäuger sehr anfällig ist und weil er unter dem Schwund der von ihm bewohnten Tussockgrasflächen aufgrund der Übernutzung durch Schafe und der Verdrängung durch eingeschleppte Pflanzen wie den Stechginster (Bild) leidet.
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