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Prof. Karl Friston
Die Medizinische Fakultät der Universität Zürich verleiht die Würde eines Doktors ehrenhalber an Prof. Karl Friston. Sie würdigt damit seine Pionierarbeit zur Entwicklung mathematischer Methoden für die Analyse von Struktur und Funktion des menschlichen Gehirns auf der Basis bildgebender Verfahren sowie seine bahnbrechenden theoretischen und empirischen Beiträge zum Verständnis menschlicher Perzeption und Entscheidungsfindung.
Karl Friston absolvierte in den Jahren 1980-1985 das Studium der Medizin an der Universität Cambridge und dem King‘s College London, mit Nebenfächern in Physik und Psychologie. Anschliessend begann er seine Facharztausbildung im Bereich der Psychiatrie an der Universität Oxford, die er 1988 erfolgreich abschloss.
1988-1992 arbeitete Karl Friston als Research Fellow und Clinical Scientist an der Medical Research Council (MRC) Clinical Neuropharmacology Unit in Oxford und der MRC Cyclotron Unit am Hammersmith Hospital in London. 1992 ging er zu einem Forschungsaufenthalt in die USA, wo er am Neurosciences Institute in La Jolla als Research Fellow im Labor des Nobelpreisträgers Prof. Gerard Edelman zu theoretischen Fragen der Neurobiologie, insbesondere im Bereich des Lernens, arbeitete. 1994 kehrte er nach Grossbritannien zurück, um am neu gegründeten Wellcome Department for Cognitive Neurology des Institute for Neurology, University College London, eine Arbeitsgruppe in Theoretischer Neurobiologie aufzubauen, die er bis heute leitet. 1998 folgte seine Beförderung zum Professor am University College London.
Karl Friston hat Pionierarbeit im Bereich der funktionellen Bildgebung (Neuroimaging) vollbracht und fundamentale Beiträge zu den klinischen und theoretischen Neurowissenschaften geleistet. Drei Leistungen verdienen hierbei besondere Erwähnung. Erstens ist er der Entwickler des Statistical Parametric Mapping (SPM), einer statistischen Methode für die Analyse von Hirnaktivitätsdaten, wie sie mit Positronenemissionstomographie (PET), funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) oder Elektroenzephalographie (EEG) erhoben werden. SPM hat tausende von Neuroimaging-Studien ermöglicht, deren Erkenntnisse zur funktionellen Organisation des Gehirns die systemischen und klinischen Neurowissenschaften in den letzten zwei Jahrzehnten revolutioniert haben. Zweitens hat Karl Friston mit der Entwicklung von dynamischen Systemmodellen neuronaler Schaltkreise (dynamic causal models, DCM) neuartige Werkzeuge geschaffen, mit denen physiologische Parameter, wie z.B. synaptische Verbindungsstärken, aus fMRT- und EEG-Daten geschätzt werden können. Schliesslich hat er in den letzten Jahren, aufbauend auf dem «Prinzip der freien Energie» (free energy principle), begonnen, eine allgemeine Theorie der Hirnfunktion zu entwickeln. Diese Theorie hat sowohl theoretische als auch empirische Neurowissenschaften stark beeinflusst und zu zahlreichen experimentellen Untersuchungen geführt, die insbesondere unser Verständnis menschlicher Perzeption erheblich vertieft haben.
Karl Fristons Schaffenskraft wird durch sein wissenschaftliches Werk verdeutlicht, das sich auf mehr als 600 Artikel und 4 herausgegebene Bücher erstreckt. Mit über 100‘000 Zitationen und einem h-Faktor von über 150 (laut Datenbank Scopus) gehört er zu den meistzitierten Neurowissenschaftlern weltweit. Die Bedeutung seiner Arbeit spiegelt sich auch in einer Vielzahl von Ehrungen wider, darunter die Wahl zum Fellow of the Royal Society und die Ehrendoktorwürde der University of York, sowie die Verleihung etlicher Preise, zum Beispiel den Minerva Golden Brain Award, Weldon Memorial Prize, und die Medaille des Collège de France.
Karl Friston unterhält seit 2008 enge Verbindungen zur Universität Zürich. Er kooperiert und publiziert mit mehreren Professoren der UZH, vor allem an der medizinischen Fakultät, aber auch an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. Dies hat zu einer Vielzahl gemeinsamer Forschungsprojekte und hochrangiger Publikationen geführt, welche die wissenschaftliche Stellung der UZH im Bereich der systemischen und klinischen Neurowissenschaften erheblich gestärkt haben.