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Dem arglosen jungen Candide erscheint das westfälische Schlösschen, auf dem er seine Kindheit verlebt hat, als paradiesisch-vollkommen, als bester aller möglichen Wohnorte. Leider begeht er - in aller Unschuld - das Verbrechen, Kunigunde, die appetitliche Tochter des Hauses, zu küssen, und wird mit Tritten in den Hintern aus seinem Kindheitsparadies davongejagt. Nun tritt er eine Reise an, die ihn kreuz und quer durch ganz Europa, Südamerika bis in das utopische Eldorado führt. Eine Kette von abenteuerlichen Erlebnissen, Krieg und die Verfolgungen der spanischen Inquisition, Schiffbruch und Erdbeben, plötzlicher Reichtum und ebenso plötzlicher Verlust, muss der Held durchstehen, bis er in Konstantinopel auf überraschende Weise Kunigunde und seine Freunde wiedertrifft. Im Kostüm amüsantester Unterhaltung versteckt sich eine der scharfsinnigsten philosophischen Satiren, die jemals gegen den Optimismus der Aufklärung geschrieben wurden. Mit Ironie und sarkastischem Wortwitz führt Voltaire (1694-1778) die Leibnizsche Doktrin des "Alles ist gut" ad absurdum, bedarf es doch einer Reihe fast tödlich endender Abenteuer, bis der gutgläubige, von seinem Lehrer Pangloss zu stetem Optimismus angehaltene Candide erkennt, wieviel in dieser Welt im Argen liegt.
Portrait
Geboren am 21.11.1694 in Paris, gestorben am 30.5.1778 in Paris, Ehrengrab im Panthéon. Er studierte in den besten Schulen und verkehrte in mondänen Kreisen, bald bekannt als genialer Dichter, bald aber auch dem König lästig. Mit 23 Jahren musste er für elf Monate in die Bastille, in der er zum Schriftsteller reifte. Zum Rebellen gegen die alte Ordnung wurde er im englischen Exil, in das er fliehen musste, als er 1726 nach einem Wortgefecht mit dem alten Chevalier de Rohan von dessen Dienern verprügelt worden war. Mit nicht immer ganz sauberen Finanzgeschäften reich geworden, stand er gegen Ende seines Lebens auf seinem Gut Ferney bei Genf mit allen bedeutenden Geistern Europas und vielen aufgeklärten Herrschern in Briefkontakt und war eine öffentliche Macht, die ihrem Jahrhundert den Stempel aufdrückte. Gilt das 17. Jahrhundert als dasjenige des ›Sonnenkönigs‹ Louis XIV., so nennen die Franzosen das 18. Jahrhundert ›le siècle Voltaire‹."