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«Alle Staaten sind fanatisch einer Politik des leichten Geldes verpflichtet», schrieb Ludwig von Mises 1949. Dieses Zitat beschreibt nicht nur die damalige, sondern auch die heutige geldpolitische Lage sehr gut: Noch nie waren die Geldmengen in den USA, in Japan, in der Eurozone und in der Schweiz so hoch wie zu Beginn dieses Jahrzehnts. Diese Periode der ultralockeren Geldpolitik begann 2008 und erreichte in der Coronakrise ihren bisherigen Höhepunkt. In der gleichen Zeit sind auch die Staatsschulden vieler Länder auf neue Höchststände angestiegen. Beide Entwicklungen sind einzeln betrachtet besorgniserregend; in Kombination sind die Konsequenzen unabsehbar.
Was ist passiert? Zwischen 2000 und 2008 stiegen die Zentralbankgeldmengen M0 der USA, Japans, der Eurozone und der Schweiz etwa im Gleichschritt mit dem nominalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) dieser Länder an. (M0 beinhaltet das Bargeld sowie die Einlagen der Geschäftsbanken bei der jeweiligen Zentralbank.) Mit der Finanzkrise 2008 kam es zu einem Strukturbruch: Die Zentralbankgeldmengen haben sich seit 2008 in den USA, in Japan und in Europa etwa verfünffacht, in der Schweiz gar verfünfzehnfacht. Einen grossen Teil dieser Geldmengenausdehnung vollzogen die Zentralbanken im Coronajahr 2020.
In den USA erhöhte das Federal Reserve System (Fed) die Zentralbankgeldmenge im Jahr 2020 um gut 50 Prozent (um 2000 Milliarden Dollar), indem es amerikanische Staatsanleihen in diesem Umfang kaufte. Das Fed monetarisierte also amerikanische Staatsschulden. Man behauptete zwar, der Ankauf von Staatsanleihen diene dazu, optimale Bedingungen für die Wirtschaft zu schaffen und diese mit Liquidität zu versorgen. De facto dehnte das Fed die Geldmenge aber aus, um neue Staatsausgaben in vergleichbarem Umfang zu finanzieren. Das Gleiche machen die japanische Zentralbank und die Europäische Zentralbank (EZB) schon seit Jahren, obwohl es gemäss Maastrichter Vertrag verboten ist.
«Stünden das Fed und die EZB nicht bereit, Staatsausgaben in praktisch
unbegrenztem Ausmass zu finanzieren, hätten die Kapitalmärkte den Staaten
mit einem Zinsanstieg schon längst Grenzen gesetzt.»
In der Schweiz ist die Situation eine andere: Zwar sind auch hier die Zinsen historisch tief und die Zentralbankgeldmenge historisch hoch. Staatsschulden wurden indes über die Schweizerische Nationalbank (SNB) kaum finanziert. Die SNB ist vor allem besorgt, eine aus ihrer Sicht zu starke Aufwertung des Schweizer Frankens zu verhindern. Sie kauft mit dem neugeschaffenen Geld daher vor allem Aktien und ausländische Staatspapiere, aber keine Bundesobligationen in CHF.
Stünden das Fed und die EZB nicht bereit, Staatsausgaben in praktisch unbegrenztem Ausmass zu finanzieren, hätten die Kapitalmärkte den Staaten mit einem Zinsanstieg schon längst Grenzen gesetzt. Die Zentralbanken haben diesen Marktmechanismus ausgehebelt und den Staaten dadurch eine weitere Ausdehnung ihrer Schuldenberge ermöglicht. Dies passierte ohne demokratische Legitimation.
Das billige Geld hat einschneidende Folgen:
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Zombifizierung der Wirtschaft
Mit der Ausweitung der Geldmenge verabreichen die Notenbanken der privaten Wirtschaft das süsse Gift tiefer Zinsen. Dank tiefer Refinanzierungskosten können in den USA, der Eurozone, in Japan und der Schweiz auch Firmen mit einem untauglich gewordenen Geschäftsmodell und hohen Schulden, sogenannte Zombiefirmen, überleben. Diese Politik schadet der gesamten Volkswirtschaft, weil der marktwirtschaftliche Erneuerungsprozess, in dem alte Firmen untergehen und neue entstehen, unterlaufen wird und das Wachstum der gesamten Wirtschaft sinkt.
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Verteilungseffekte
Die heutige Geldpolitik ist auch aus Sicht der Einkommensverteilung problematisch. Grosse Vermögen werden dank der Vermögensinflation an den Aktienbörsen und im Immobilienmarkt grösser, während Kleinsparer wegen der finanziellen Repression tiefer Zinsen die Möglichkeit zu sparen verlieren. Auch die jüngeren Arbeitnehmer sind in vielen Ländern von den sinkenden Produktivitätsfortschritten und den kleiner werdenden Lohnsteigerungen direkt betroffen. Gleichzeitig wächst…