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Zur Musik gekommen ist René Wicky über einen Schulkollegen in der 5. Klasse in Bolken SO, wo seine Eltern damals eine kurze Zeit lang wirteten. Dieser zeigte ihm ein Flugblatt, auf dem Hans Christen Schüler für Handorgelstunden suchte. Allerdings durfte der Mitschüler Wickys nur dann in den Unterricht, wenn er einen Kollegen fände.
René Wickys Eltern willigten ein, und nach nur drei Stunden auf der diatonischen Handorgel teilte der Lehrer diesen mit, er wolle René auf der chromatischen Handorgel unterrichten. Er habe das Gefühl, dass etwas in dem Buben stecke. Und er sollte recht behalten.
René Wicky und die Ribarys
Nach dem Umzug zurück in den Kanton Zug nahm die musikalische Karriere von René Wicky rasch Fahrt auf. Er spielte erfolgreich am Eidgenössischen Handorgel-Musikfest in Luzern, übte täglich während Stunden und lernte im damaligen Ländlermekka der Innerschweiz, dem «Bahnhöfli» in Baar, Jost Ribary senior kennen.
Seither spielt René Wicky mit den Ribarys: mit Jost Ribary Senior, dem «Steiner-Chilbi-Ribary», Jost Ribary Junior, dem «Chatzebüsi-Ribary», und Jost Ribary III, dem «Schwalbenäscht-Ribary».
«Ich schreibe einfach Tänzli»
René Wicky komponierte weit über 1000 Volks- und Blasmusiktitel, wobei der «Schönegg-Marsch» wohl seine bekannteste Eigenschöpfung ist, gefolgt von «Innerschwyzer-Schtimmig», «Blick uf See und Bärge», «Im Rössli z’Steihuse», «S’Härz am rächte Fläck», «Fröhlich dur s’Läbe», «Erinnerig a schöni Stunde» und «Viel Glück uf de Wäg».
Trotzdem bezeichnet er sich selber nicht gerne als Komponist. «Beethoven oder Mozart sind für mich Komponisten, ich schreibe einfach Tänzli», meint er bescheiden. Melodien hat René Wicky aber immer und überall im Kopf. «Finde ich gerade kein Notenblatt, schreibe ich die Noten einfach auf den Rand einer Zeitung, auf einen kleinen Block oder eine Quittung». Die «Wildspitz-Polka» sei ihm unterwegs im Gotthard-Tunnel zugeflogen. «Ich habe sie im Kopf festgehalten und schliesslich in Airolo notiert».
Der Mann am Mischpult
Von 1969 bis 1983 war René Wicky Schallplattenproduzent bei Polydor und Polygram, wo er mit Grössen wie Ernst Mosch und Max Greger zusammenarbeiten konnte.
Seit 1983 produziert er selbständig und sehr erfolgreich mit seinem Label Corema Records und vertreibt Noten über seinen Verlag Cresta Musik in seiner Heimatgemeinde Oberägeri ZG.
Auszeichnung in Worten
Seine ausgesprochen grosse Bescheidenheit ist ebenso sein Markenzeichen wie seine markante Hornbrille. «René Wicky ist ein äusserst seriöser, zuverlässiger, höchst musikalischer, gemütlicher, urchiger, kreativer, umgänglicher, verständnisvoller, beliebter, sympathischer, ehrlicher, fleissiger, genügsamer, schaffensfreudiger, freundlicher und sehr glaubwürdiger Mensch», schreibt der Verein «Goldener Violinschlüssel».
Er habe die höchste Schweizer Auszeichnung im Folklorebereich für sein Lebenswerk mehr als verdient. Ein kleiner Wermutstropfen für René Wicky ist, dass die für September geplante Verleihungsfeier aufgrund der aktuellen Corona-Situation nicht stattfinden kann. Sie wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.
Das Glück spielt mit
Anstelle einer Verleihungsfeier, präsentiert René Wicky nun ein neues Album. Es heisst «Ds Glück spielt mit» und ist in zweifacher Hinsicht passend. Der Akkordeonist bezeichnet sich als glücklichen Menschen, weiss aber auch, dass beim Erfolg immer ein Quentchen Glück im Spiel ist.