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Frauen-WM: Schweiz bleibt in der Top Division
Die Schweizer Frauen-Nationalmannschaft bleibt im Kreis der besten acht Nationen: Die Schweizerinnen sicherten sich mit einem 3:1-Sieg im dritten Playout-Spiel gegen Tschechien den Ligaerhalt – allerdings auf unerwartet umständliche Weise.
Nationaltrainerin Daniela Diaz hatte im Vorfeld der WM vom Ligaerhalt als primärem Ziel gesprochen und dabei hier und dort für Kopfschütteln gesorgt. Denn der Anspruch, den das Team an sich selber stellt, aber auch die Öffentlichkeit an das Team, ist in den letzten Jahren stetig angestiegen. Vor allem nach dem Gewinn der beiden Bronzemedaillen an der WM in Burlington (2012) und den Olympischen Spielen in Sotschi (2014). Auch die souveräne Qualifikation für die Olympischen Spiele 2018 in Pyeongchang im Februar in Arosa hat diesen Anspruch untermauert und die allgemeine Erwartungshaltung unterstrichen.
Was sich bereits vor einem Jahr mit der Playout-Teilnahme gegen Japan angekündigt hatte, setzte sich in Plymouth fort. Die Schweiz gehört nicht per se zu den Favoriten auf die beiden Viertelfinal-Plätze in der unteren Gruppe, auch wenn das viele – vor allem auch die Spielerinnen selber - gerne so sehen. Die Summe der „vielen kleinen Details“, die Diaz vor der WM als entscheidend im Kampf um die Viertelfinals oder den Abstieg bezeichnet hatte, drehte in (aller)letzter Minute zugunsten der Schweizerinnen. Florence Schellings kapitaler Fehler, als sie im Gruppenspiel gegen Tschechien an der blauen Linie im Powerplay-Aufbau den Puck unbedrängt einer Gegnerin zuspielte, oder der dumme Doppel-Ausschluss im letzten Drittel des Spiels gegen Schweden, den die Nordländerinnen kaltblütig zum Sieg ausnutzen, waren nur zwei dieser Details, die die Schweizerinnen um eine durchaus mögliche Viertelfinal-Qualifikation brachten.
Auf der andern Seite waren Schellings Weltklasseleistungen in den Playouts, Christine Meiers Kaltblütigkeit – sie schoss sowohl im Gruppenspiel als auch in der zweiten Playout-Begegnung gegen Tschechien die entscheidenden Tore im Penaltyschiessen und der Verlängerung -, sowie die taktische Meisterleistung, mit der die Schweizerinnen die deutsche Beton-Taktik aus den Angeln hoben und Punkte für die Moral holten, einige der positiven Details, die schliesslich mithalfen, den Ligaerhalt zu sichern. Einfach war der Weg dorthin allerdings nicht, auch nicht im entscheidenden Spiel, in dem die Schweizerinnen viel zu wenig aus einer anfänglichen Überlegenheit herausholten und danach prompt unter Druck gerieten.
Die WM in Plymouth wird nicht als Sternstunde des Schweizer Frauenhockeys in die Geschichte eingehen. Den Schweizerinnen fehlte bisweilen das Feuer, das sie im Februar in Arosa in souveräner Manier – unter anderem mit einem 4:1-Sieg gegen Tschechien – an die Olympischen Spiele gebracht hat. Irgendwie schien es, als sei für die Schweizerinnen der Saisonhöhepunkt bereits vorbei. Zu oft fehlte es auch an Durchsetzungsvermögen, Geradlinigkeit und an gedanklicher Frische. Viel Aufwand brachte entschieden zu wenig Ertrag.
SIHF ist gefordert
Diese Punkte müssen in die Analyse einer Saison, die grundsätzlich trotz überwiegender positiver Resultate mit dem Fall in die bedeutungslose Zweitklassigkeit zu enden drohte, einfliessen und entsprechend korrigiert werden. Will die Schweiz international weiterhin mithalten können, muss sich die SIHF auch schnellstens überlegen, wie sie die heimische Liga, in der nach wie vor zwei Drittel des Teams spielen, attraktiver ausrichten und verstärken will. Dabei sind auch aussergewöhnliche Ideen, die den Spielerinnen neue Perspektiven eröffnen, willkommen.
Immerhin: Das Schweizer Team darf für sich in Anspruch nehmen, just im richtigen Augenblick das Glück mit zwei Willensleistungen auf seine Seite gezwungen zu haben. Die Erleichterung war den Schweizerinnen anzumerken. Nationaltrainerin Daniela Diaz meinte, man habe erneut Charakter gezeigt. „Ich bin stolz auf die Leistung des Teams.“ Auch Nationalmannschafts-Direktor Raeto Raffainer, der die Spiele live vor Ort miterlebte, jubelte am Schluss mit: „Wir haben mit der Olympiaqualifikation und dem Ligaerhalt beide Saisonziele erreicht.“ Er sprach von einer langen und anstrengenden Saison. „Da wir praktisch unsere ganze Vorbereitung auf die Olympia-Qualifikation ausgerichtet haben, war der Klassenerhalt an dieser WM das Ziel.“ Man habe im Vorfeld der WM jedoch bereits vermutet, dass „es ein paar Wochen nach dem tollen Erfolg in Arosa schwierig werden könnte.“
Telegramm
Schweiz – Tschechien 3:1 (2:1, 0:0, 1:0)
USA Hockey Arena, Plymouth – 457 Zuschauer – SR. Allen/Hove (Johansson/Linnek).
Tore: 8. Rüegg (Müller, Stalder) 1:0. 10. Müller (Meier, Schelling, Ausschluss Vanisova) 2:0. 12. Vanisova (Ledlova, Ausschlüsse Thalmann, Tejralova) 2:1. 42. Stalder (Müller, Meier, Ausschluss Tejralova) 3:1.
Strafen: Schweiz 7 x 2 Minuten, Tschechien 6 x 2 Minuten
Schweiz: Schelling; Altmann, Sigrist; Meier, Benz; Zollinger, Thalmann; Forster, Abgottspon; Staenz, Raselli, Bullo; Stalder, Müller, Rüegg; Enzler, Stiefel, Isabel Waidacher; Rüedi, Allemann, Monika Waidacher.
Bemerkungen: Schweiz komplett, Tschechien ohne Stammtorhüterin Klara Peslarova (Hirnerschütterung). - Schussverhältnis: 17:24. – Best player:.