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13. März 2003: Die Fans von Liverpool und Celtic Glasgow streiten sich seit vier Jahrzehnten um die Fussball-Hymne «You'll Never Walk Alone». An diesem magischen Abend singen sie plötzlich trotzdem alle zusammen.
Wer war zuerst, wer hat kopiert? Wer singt lauter, wer mit mehr Herz? All das Gezanke zwischen Liverpool und Celtic ist während zweieinhalb Minuten vergessen. Es herrscht Gänsehaut-Alarm im Celtic Park.
Vor dem 1:1-Kracher im Viertelfinal-Hinspiel des Uefa Cups 2003 steht Gerry Marsden auf dem Celtic-Rasen im Mittelkreis. Um den Hals trägt er einen Freundschaftsschal der beiden Klubs. Und dann singen sie ihr Lied, alle zusammen – wirklich alle 59'759 Fans.
Natürlich würde sich jeder gestandene Celtic-Anhänger eher auf die Zunge beissen, als es zuzugeben – aber der Mann auf dem Spielfeld ist wohl auch die Schlüsselfigur im Streit darum, wer die Fussballhymne Nummer 1 nun wirklich zuerst gesungen hat.
Mit seiner Liverpooler Band «Gerry & the Pacemakers» konkurrierte Gerry Marsden ab den späten 50er-Jahren mit den «Beatles» um die musikalische Vorherrschaft in seiner Heimatstadt.
Das war bekanntlich ein aussichtsloser Kampf, aber einige Nummer 1-Hits kamen dabei doch herum. 1963 etwa «You'll Never Walk Alone», die Coverversion des Finales aus einem 20 Jahre alten Broadwaymusical namens «Carousel».
Die Peacemakers-Version wurde ab 1963 regelmässig an der Anfield Road gespielt. Wie es die Legende will, fiel eines Tages just während des Songs die Soundanlage aus. Die Liverpool-Kurve «The Kop» sprang ein und sang das Lied zu Ende. Damit war die Klub-Hymne aus Liverpool-Sicht geboren. Nach der Tragödie von Hillsborough 1989 wurde das Motto sogar ins Vereinswappen aufgenommen.
Die Celtic-Fans beharren hingegen darauf, dass sie sich vom originalen Musical aus den USA inspirieren liessen. Das Broadway-Stück handelt von einem lotterlebigen Jahrmarktarbeiter, der keinen Job mehr findet und einen Banküberfall plant, weil seine Freundin ein Kind erwartet. Es gibt eine Ohrfeige, eine Menge tanzender Matrosen und endet mit einem Selbstmord.
Dem Vernehmen nach sind bei den Vorstellungen in den USA eine Menge Frauen und Kinder im Publikum gesessen, aber nur sehr wenige Kurvengänger aus Schottland. Daher scheint es doch eher unwahrscheinlich, dass sich der Song ohne die Hilfe der berühmten Band aus Liverpool in Europa verbreitet hat.
Wie dem auch sei. Gerry Marsden sagte in einem Interview zum Fussballmagazin «11Freunde»: «Wenn der Song langsam ansteigt, die Lautstärke auf den Rängen mitgeht, glauben Sie mir, in diesem Momenten könnte ich tot umfallen. Ich wäre Gott nicht böse»
So fühlte er wohl auch an diesem magischen 13. Marz – und mit ihm 59'758 anderen Fussballfans.