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“Ludwig Schläfli, 1814-1885, Mathematiker aus Burgdorf”, steht auf dem Schild vis-à -vis vom Bahnhof Steinhof in Burgdorf. Obwohl seine Ideen heute in jedem Universitäts-Grundstudium der Mathematik behandelt werden, ist er selbst unter den Mathematikern eher unbekannt.
Untauglich
Geboren in Grasswil, zog er als kleiner Junge mit seiner Familie nach Burgdorf. Später sollte er, wie sein Vater, Geschäftsmann werden. Doch er machte die denkbar schlechtesten Geschäfte, weil er einfach nicht begreifen wollte, wie man etwas teurer verkaufen konnte, als dass man es eingekauft hatte. Er erwies sich jedoch als mathematisches Genie und konnte deshalb das Gymnasium besuchen. Später nahm er ein Theologie-Studium an der Universität Bern in Angriff, wo er schliesslich auch als Professor arbeitete.
Nur etwa dreihundert Meter ist der Ludwig-Schläfli-Weg lang. Insgesamt fünfzehn Hausnummern gibt es hier und sogar eine Mormonen-Kirche hat sich hier niedergelassen. Die Bewohner der Häuser sind meist Familien mit Kindern, der Weg liegt nur fünf Gehminuten vom nächsten Kindergarten und deren zehn von der nächsten Primarschule entfernt. Auch ältere Paare schätzen die ruhige, aber dennoch zentrale Lage des Weges.
Vor Ort
Doch wissen die Anwohner überhaupt, wer der Namensgeber ihrer Wohnadresse war? Eine Stichprobe vor Ort soll Licht ins Dunkle bringen. Am Ludwig-Schläfli-Weg 5 wohnt Daniela Wyss seit dreizehn Jahren mit ihrer Familie. Das Bild von Ludwig Schläfli erkennt sie nicht, so wie alle anderen befragten Anwohner auch. Ich frage sie, ob sie wisse, wer Ludwig Schläfli war und wie er gewirkt hatte. Wie aus der Pistole geschossen kommt die Antwort: “Mathematiker”. Das war es dann aber auch schon. Wie viele Anwohner, kennt sie das Strassenschild, doch dass Ludwig Schläfli zum Beispiel auch mit Albert Einstein zusammen gearbeitet hatte, weiss sie nicht.
Nur eine Tür weiter wohnen die Bothners. Albrecht Bothner ist selbst Mathematiker und weiss deshalb natürlich, wer Schläfli war und was er zum heutigen Verständnis der Mathematik beigetragen hat. Er erklärt mir, dass Schläfli die “Polytope” geprägt und deren Theorie begründet hat. Auch spielte er eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung des Begriffs der Dimension, welcher unter anderem eine entscheidende Rolle in der Physik spielt. Jedoch versagt auch er, das Bild von Ludwig Schläfli zuzuordnen. Er hält es für das Abbild von Richard Wagner, den Komponisten.
Überraschenderweise wussten fast alle der befragten Anwohner, dass Ludwig Schläfli Mathematiker war. Auf die Auflösung des Porträts gab es viele “Aha”-Momente und “Das war ja eigentlich klar”-Reaktionen. Viele zeigten sich interessiert und nahmen sich vor, sich noch besser über Ludwig Schläfli zu informieren.