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Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts produziert die Schweiz elektrische Energie mit Hilfe der Wasserkraft.Dieser Inhalt wurde am 24. Februar 2003 - 11:33 publiziert
60% des einheimischen Stromes entsteht heute mit Wasserkraft. Damit ist die "weisse Kohle" in der Schweiz auch ein wichtiger Produktionsfaktor.
Rund 60% der einheimischen Stromproduktion entfällt auf die Wasserkraft: Für die Schweiz mit ihrem Wasserschloss Alpen hat die Wasserkraft einen hohen Stellenwert, sie ist der wichtigste einheimische Energieträger und deckt rund 13% des jährlichen Energiebedarfs.
Die Wasserkraft gehört denn in der Schweiz auch zu den wichtigen Produktionsfaktoren. Eine sichere und zuverlässige Elektrizitätsversorgung sind für die Wettbewerbsfähigkeit des Landes entscheidend.
Das Wasserschloss liefert nicht nur sauberes Trinkwasser. Es ist auch ein Pfeiler der eigenen Stromversorgung. Mit der Nutzung der Wasserkraft und der gerechten Abgeltung für die Nutzung dieser Ressource (Wasserzins) folgt die Schweiz den Grundsätzen der nachhaltigen Entwicklung, wie das Bundesamt für Energie sagt.
Der jährliche wirtschaftliche Nutzen der Gebirgskantone aus der Wasserkraft wird auf rund 11 Mrd. Franken geschätzt. Aus den Wasserzinsen, Abgaben und Steuern kommen heute Einnahmen von 410 Mio. Franken pro Jahr zusammen, von denen etwa 40% (rund 164 Mio. Franken) an die Gemeinden gehen.
Von den Anfängen
Mitte des vorletzten Jahrhunderts, in den Anfängen der Strom-Produktion, konnte elektrische Energie nicht wie heute einfach über grosse Distanzen transportiert werden. Als die technische Entwicklung schliesslich so weit fortgeschritten war, setzte der eigentliche Ausbau der Wasserkraft-Nutzung ein.
Dazu wurden vor allem in den Alpen hoch gelegene Stauseen und Speicherbecken gebaut. Sie werden auch mit Wasser gefüllt, das durch Stollen aus andern Tälern zu den Speicherbecken gelangt.
1910 waren in der Schweiz erst rund 3,5% der hier verbrauchten Energie Strom. Die wachsende Elektrifizierung des Landes, aber auch die Verknappung anderer Energieträger in den Weltkriegen trugen zur weiteren Entwicklung der Wasserkraft ein, die zwischen 1910 und 1945 einen grossen Aufschwung erlebte.
Und dann kam die Kernkraft...
Nach dem Zweiten Weltkrieg, als grosse Teile Europas in Trümmern lagen, stieg die Produktion elektrischer Energie aus Wasserkraft in der Schweiz rapide an. Der Trend hielt bis in die 70er Jahre an.
Doch da der stete weitere Ausbau der Wasserkraft aus verschiedenen Gründen an Grenzen stiess, kam es auch hierzulande zu Diskussionen über die Zukunft der Energieversorgung des Landes.
Wie zahlreiche andere Staaten setzte schliesslich auch die Schweiz auf die damals "neue" Produktion von Strom in Kernkraftwerken. 1969 nahm Beznau I als erstes Atomkraftwerk des Landes den Betrieb auf, 1971 folgte Beznau 2, 1972 das KKW Mühleberg. Heute produzieren die Atomkraftwerke in der Schweiz etwa 36% des einheimischen Stroms.
Der Ausbau der Wasserkraft war auch durch neue Umweltauflagen verlangsamt worden. In zahlreichen Regionen kam es zu oftmals heftig geführten politischen Auseinandersetzungen um den weiteren Ausbau bestehender Anlagen.
Denn Wasserkraft ist zwar nachhaltig in der Nutzung, besonders im Vergleich mit andern Energieträgern. Dennoch kämpften nicht zuletzt Umwelt- und Naturschutz-Aktivisten gegen den weiteren Ausbau - oder gegen Neuprojekte.
... und hydraulische Weiterentwicklungen
Dank der technischen Entwicklungen, etwa den neuen Möglichkeiten der Speicherung, kann die Stromproduktion heute dem saisonal bedingten Verbrauch besser angepasst werden.
Pumpspeicher-Kraftwerke ermöglichen es, in der Nacht Wasser mit günstig eingekauftem Strom aus dem Tal in den Speichersee zu pumpen. Am Tag kann dann mehr Strom produziert - und auch teuer verkauft werden. Dabei handelt es sich um die so genannte Veredelung von Strom.
Heute werden in einem durchschnittlichen Jahr in Wasserkraftwerken rund 35'000 GWh (Gigawattstunden) Strom produziert. Dies entspricht etwa 60% des Inland-Stromverbrauchs und 13% des gesamten Energiebedarfs.
Mehr als die Hälfte des Wasserkraft-Stroms kommt aus Werken in den Gebirgskantonen Graubünden, Tessin, Uri und Wallis, wie aus Unterlagen des Bundesamts für Wasser und Geologie hervorgeht. Daneben spielen Wasserkraft-Anlagen in den Kantonen Bern und Aargau eine beachtliche Rolle.
Insgesamt gab es Anfang 2002 in der ganzen Schweiz 507 Wasserkraftwerke unterschiedlichster Grösse. Zu den grossen Energieunternehmen im Land gehören die Atel (Aare-Tessin AG für Elekrizität), die über 7800 Personen beschäftigt, die NOK (Nordostschweizer Kraftwerke) und in der Romandie die EOS.
Stetig steigende Nachfrage
Die Nachfrage nach Strom ist zwar in den letzten Jahren nicht mehr so stark gewachsen wie zuvor, die Tendenz bleibt aber steigend. Ausnahmen waren Zeiten konjunktureller Einbrüche, vor allem die Zeit der grossen Ölkrise zu Beginn der 70er Jahre.
Im Jahr 2001 betrug der Stromverbrauch in der Schweiz 53,7 Mrd. Kilowattstunden (kWh); das waren 2,6% mehr als im Jahr zuvor. Rund 30% des Stromverbrauchs entfallen nach Angaben von économiesuisse, dem Dachverband der Schweizer Wirtschaft, auf Haushalte, rund 60% auf Industrie, verarbeitendes Gewerbe und Dienstleistungssektor. Die restlichen rund 10% verbraucht der Verkehr.
swissinfo, Rita Emch
Fakten
Wasserkraft ist der wichtigste einheimische Energieträger und deckt rund 13% des jährlichen Energiebedarfs der Schweiz.
Der jährliche wirtschaftliche Nutzen der Gebirgskantone aus der Wasserkraft wird auf rund 11 Mrd. Franken geschätzt.
Mehr als die Hälfte des Wasserkraft-Stroms kommen aus Werken in den Gebirgskantonen Graubünden, Tessin, Uri und Wallis.
Die Schweiz produziert nicht nur Strom für den Eigengebrauch, sie exportiert auch und ist seit den 70er Jahren eine der Drehscheiben des Stromhandels in Europa.
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