Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03598.jsonl.gz/716

Karten bilden die Wirklichkeit auf spezielle Art ab und beeinflussen dabei die Weise, in der wir die Welt sehen. Manche Karten zeigen überraschende Zusammenhänge, andere führen uns aufs Glatteis.
Diese 17 Karten sind in unterschiedlichem Mass informativ, aber sie sind alle ungewöhnlich:
Brasilien ist das mit Abstand grösste Land Südamerikas und das fünftgrösste Land der Erde. Wie oft hat die kleine Schweiz Platz in diesem Giganten? Diese Karte zeigt es, wobei hier die Fläche Brasiliens nicht exakt abgedeckt wird. Rechnerisch bietet der südamerikanische Staat (8'515'770 km2) Platz für gut 206 Schweizen (41'285 km2).
2011 erreichte die Weltbevölkerung die Marke von 7 Milliarden Menschen. Damals war diese Karte aktuell: Sie zeigt die Welt aufgeteilt in 7 Regionen, die jeweils 1 Milliarde Einwohner haben. Die beiden demographischen Giganten China und Indien sind aufgeteilt, denn sie haben jeweils deutlich mehr als eine Milliarde Einwohner. Dagegen ist die Färbung von Australien völlig willkürlich: Welcher Region die etwa 25 Millionen Australier auch zugeschlagen werden, statistisch ändert sich nichts. Unterdessen sind wir übrigens bereits über 7,5 Milliarden Menschen auf der Erde.
Apropos Australien: Im gelb markierten Teil des Kontinents leben nur gerade 2 Prozent der gesamten Bevölkerung. Eine ähnliche Karte liesse sich übrigens auch von Kanada zeichnen – nur ist dort die Kälte dafür verantwortlich, während es in Australien die Hitze ist.
Seit dem Beitritt Hawaiis zur Union haben die USA 50 Staaten.* Daran hat sich seither nichts geändert – trotz dieses Entwurfs für eine USA mit 38 Staaten, den der Geographie-Professor George Etzel Pearcy 1973 publizierte. Pearcys Vorschlag drang nicht durch.
Jeder rote Punkt auf der Karte ist eine Ortschaft mit mehr als 1000 Einwohnern. Gebirgszüge wie die Alpen oder die Karpaten heben sich deutlich ab. Trotz gewissen Übereinstimmungen zeigt die Karte aber nicht die Bevölkerungsdichte. Die sieht so aus:
Europa – der Name unseres Kontinents ist vermutlich auf das phönizische Wort erob für «dunkel», «Abend» zurückzuführen. Europa, das Abendland, ist hier das Land des Sonnenuntergangs: Wir sehen die Schatten, die beim Untergang der Sonne im Westen entstehen. Da die Karte computergeneriert ist, spielt die Zeit keine Rolle – sonst wäre der Osten Europas längst dunkel, wenn in Spanien die Sonne hinter dem Horizont versinkt.
Die EU, ein Koloss von mehr als 500 Millionen Einwohnern, verteilt auf 28 Staaten. Der kleinste – Malta – hat kaum viel mehr Einwohner als Zürich, der bevölkerungsreichste – Deutschland – hat über 80 Millionen. Kein Wunder, dass es da Vorschläge gibt, die EU politisch anders zu gliedern. Zum Beispiel in 28 Gliedstaaten, die alle etwa gleich viel Einwohner haben – pro Staat etwas über 18 Millionen. Diesem Vorschlag dürfte freilich etwa so viel Erfolg beschieden sein wie dem Entwurf unter Punkt 4.
Seltsam: Diese Karte aus dem Jahr 1927 zeigt «Switzerland» und die «Swiss Alps» – aber nicht am gleichen Ort. Das liegt daran, dass es sich um eine Karte des Hollywood-Filmstudios Paramount handelt, auf der jene Stellen in Kalifornien verzeichnet sind, die sich am besten für Aufnahmen exotischer Orte eignen. Auch heute finden die Aufnahmen nicht immer dort statt, wo der Film spielt, aber 1927 dürfte ein Dreh in den Schweizer Alpen definitiv viel zu teuer gewesen sein.
Olympus Mons ist der grösste Berg in unserem Sonnensystem. Der gewaltige Vulkan auf dem Planeten Mars lässt mit seiner Gipfelhöhe von über 22'000 Metern alle irdischen Berge wie Zwerge aussehen. Aber auch seine horizontale Ausdehnung ist enorm, wie die Karte zeigt, die den Mars-Vulkan mit Frankreich vergleicht. Sein Durchmesser ist so gross – ein Alpinist auf dem Gipfel würde gar nicht merken, dass er auf einem riesigen Berg steht, denn der Abhang des Vulkans würde sich bis hinter den Marshorizont erstrecken.
Bleiben wir noch im All. Wir sehen hier den Jupitermond Europa im Vergleich mit der Erde. Ins Auge fallen allerdings sofort die beiden blauen Kugeln: Sie stellen die Menge des gesamten Wassers auf dem jeweiligen Himmelskörper dar. Die rund 1,4 Milliarden km3 Wasser auf der Erde hätten Platz in einer Kugel mit 1390 km Durchmesser. Doch der Eismond Europa, der nur wenig kleiner als der Erdmond ist, hat etwa doppelt so viel Wasser wie die Erde. Unter seiner Eishülle schwappt vermutlich ein 100 Kilometer tiefer Ozean. Die Wasserkugel auf Europa hätte einen Durchmesser von 1750 km.
Nach dem Eismond zum Erdmond. Was seinen Anblick hier ungewohnt macht, ist die Karte der kontinentalen USA, die auf ihn projiziert ist. Der Vergleich zeigt, wie gross die USA sind. Russland, das noch bedeutend grösser ist, hätte gar nicht ganz Platz und würde zu einem namhaften Teil hinter dem Mondhorizont verschwinden.
Wir kehren zurück auf die Erde – und in die Vergangenheit: Diese Karte von Stanford's Geographical Establishment in London stammt aus dem Jahr 1917. Sie projiziert die aktuellen Frontlinien des Ersten Weltkriegs in Europa auf eine Karte der USA und veranschaulicht so die Grösse des europäischen Kriegsschauplatzes.
In Europa hat die Bevölkerung seit 1992 nicht enorm zugenommen – und doch könnte man auf diesen Gedanken kommen, wenn man sich die nächtlichen Satellitenaufnahmen von 1992 und 2010 anschaut. Zugenommen hat aber vor allen Dingen das Ausmass der nächtlichen Beleuchtung – und damit auch der Lichtverschmutzung.
Heute weiss jedes Schulkind, dass die Kontinente sich, wenn auch sehr gemächlich, bewegen. Einst, vor 250 Millionen Jahren, klebten sie zusammen und bildeten den Superkontinent Pangaea. Doch wie wird die Erde in 250 Millionen Jahren aussehen? Es wird ein neues Pangaea geben, Pangaea Proxima, sagt diese Karte. Der Atlantik wird nur noch ein müder Binnensee sein und es werden sich neue riesige Gebirgszüge gebildet haben. Mexiko-Stadt und Kapstadt – wenn es diese Städte dann noch gäbe – lägen dann dicht beieinander. Vermutlich wird es dann aber keine Städte mehr geben, und auch keine Karten.
Wer schon mal versucht hat, Russisch zu lernen, der weiss, dass dies kein leichtes Unterfangen ist. Und wenn wir daran denken, wie sich Fremdsprachige quälen müssen, um unser schönes Deutsch zu lernen, dann können wir froh sein, dass es uns quasi in die Wiege gelegt wurde. Die Karte zeigt diesen Sachverhalt in bunten Farben: Es handelt sich um die Schwierigkeitsstufen, in die das amerikanische Foreign Service Institute die Sprachen eingeteilt hat. Das Institut, das die US-Diplomaten sprachlich ausbildet, veranschlagt für Sprachen der Kategorie I eine Lernzeit von 24 Wochen für Englischsprachige. Für Deutsch (Kategorie II) müssen Englischsprachige 30 Wochen büffeln, für Russisch (Kategorie IV) sogar 44 Wochen.
Hier sehen wir zwei Weltkarten, eine davon umgekehrt, die übereinander gelegt sind. Diese Weltkarte der Antipoden ist sehr praktisch, wenn man wissen möchte, wo sich der gegenüberliegende Punkt auf dem Globus befindet. Für den Fall, dass man einen Tunnel quer durch die Erdkugel graben möchte. Übrigens ist es eher unwahrscheinlich, dass man von einem beliebigen Punkt an Land wieder an Land herauskommt: Nur etwa 15 Prozent der Landfläche liegt gegenüber anderem Land. Das sind nur etwa 4,4 Prozent der gesamten Erdoberfläche.
Zum Schluss noch eine ganz und gar fiktive Karte: Sie erschien im Jahr 1900 in Jules Vernes Roman «Seconde Patrie» («Das zweite Vaterland») und zeigt die Insel «Nouvelle Suisse» («Neue Schweiz»), auf der die schiffbrüchige Familie Zermatt ihre neue Heimat aufbaut. Vernes Roman ist eine Fortsetzung einer anderen Robinsonade, nämlich «Der schweizerische Robinson» (1812) von Johann David Wyss.
* In einer früheren Version des Artikels war ursprünglich von Alaska die Rede.