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Das Spital nennt sich künftig "Réseau de l'Arc" und will den Bewohnern des Jurabogens medizinische Dienstleistungen in Kombination mit einem Krankenversicherungsprodukt anbieten.
"Dies ist ein ziemlich historischer Moment mit einem Paradigmenwechsel im Schweizer Gesundheitssystem", sagte der Verwaltungsratspräsident von Swiss Medical Network, Raymond Loretan, am Freitag vor den Medien in Moutier.
Das Prinzip bestehe darin, alle Akteure, die derzeit unterschiedliche Interessen haben - Kunden, Versicherer und Gesundheitsdienstleister - in einer einzigen Organisation zusammenzuführen.
Der Berner Regierungsrat Pierre Alain Schnegg betonte, dass die steigenden Prämien ein Zeichen dafür seien, dass etwas nicht stimme: "Das aktuelle System stösst an seine Grenzen, es ist an der Zeit, es zu erneuern."
Um diese neue Art der integrierten Versorgung im Berner Jura umzusetzen, übernimmt Visana auf 2023 hin via Kapitalerhöhung einen Anteil von 32,4 Prozent an der Spitalgruppe "Hôpital du Jura bernois". Die anderen Aktionäre sind das zur Aevis Victoria-Gruppe gehörende Swiss Medical Network (35,1 Prozent) und der Kanton Bern (32,4 Prozent). Swiss Medical Network verliert seinen Status als Mehrheitsaktionärin.
Finanzierung pro Kassenmitglied
Das neue Geschäftsmodell basiert auf einem Ansatz der in den USA tätigen Gruppe Kaiser Permanente. Dazu wollen die drei Partner im Berner Jura das System der Einzelleistungsvergütung durch eine Finanzierung pro Mitglied ersetzen.
Quantitative Anreize würden dadurch wegfallen, was zu mehr Effizienz und tieferen Kosten führe. "Es gibt einen klaren Anreiz vorzubeugen statt zu heilen", betonte Antoine Hubert, Delegierter des Verwaltungsrats von Swiss Medical Network.
Das US-Vorbild, Kaiser Permanente, verwaltet mit über 217'000 Mitarbeitenden, darunter 23'000 Ärztinnen und Ärzte, das Gesundheitskapital von über 12,5 Millionen Mitgliedern. Auch in Spanien wird ein ähnliches System durch die Organisation "Ribera Salud" betrieben.
Gemäss der Online-Enzyklopädie Wikipedia akzeptierte Kaiser 2006 in den USA einen juristischen Vergleich, nach mutmasslichem "Patientendumping". Kaiser soll damals Obdachlose an andere Institutionen abgeschoben haben.
Aktienverkauf an Aevis Vicotria-Tochter
Im Jahr 2020 verkaufte der Kanton Bern der Privatklinik- und Hotelgruppe Aevis Victoria via deren Tochter Swiss Medical Network einen Anteil von 35 Prozent am Spital Berner Jura.
Im September 2021 gab Hubert in einem Interview mit der Berner Zeitung seiner Hoffnung Ausdruck, allenfalls einen Krankenversicherer als Aktionär mit an Bord zu holen, um die Welt der Versicherer und jene des Spitals einander näher zu bringen.
" Wären wir Spital und Versicherung in einem, wären die Prämien unsere Einnahmen und die medizinischen Behandlungen wären für uns Kosten. Wir wären an der Gesundheit interessiert und hätten einen Anreiz, Behandlungen sparsam einzusetzen", liess sich Hubert zitieren.
Eine Gefahr, dass Versicherten medizinische Behandlungen vorenthalten würde, sah Hubert im Interview nicht. Wer nicht zufrieden sei, könne zu einer anderen Versicherung wechseln, führte er aus.
Zum Spital Berner Jura gehören unter anderem die Spitäler von Moutier und Saint-Imier.
(AWP)