Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/12244

<h2>SubmittedText<h2><p>Die amtlichen Statistiken müssen die unbezahlte, grösstenteils von Frauen geleistete Familien- und Hausarbeit besser berücksichtigen. Die Verwirklichung der Gleichstellung von Frau und Mann, ein über 15 Jahre alter Verfassungsauftrag, ist unserer Meinung nach nur möglich, wenn diese gesellschaftlich wichtige Arbeit besser berücksichtigt wird.</p><p>Eine Motion Goll (94.3309) und eine Motion der freisinnig-demokratischen Fraktion (95.3044) sowie Resolutionen des Schweizerischen Frauenkongresses forderten:</p><p>- die Erfassung der bezahlten und unbezahlten Arbeit der Frauen und Männer bei der nächsten eidgenössischen Volkszählung;</p><p>- die Berücksichtigung der unbezahlten Familien- und Hausarbeit bei der Berechnung des Bruttosozialproduktes.</p><p>Ich stelle daher die folgende Frage:</p><p>Wie weit sind die Überlegungen des Bundesrat zu diesem Thema gediehen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat teilt die Ansicht der Interpellantin, dass der Familien- und Hausarbeit ein vermehrtes Gewicht innerhalb der amtlichen Statistik zukommen muss. Er hat bereits in seinen Antworten auf verschiedene parlamentarische Vorstösse (Motion Goll vom 17. Juni 1994, Motion der freisinnig-demokratischen Fraktion vom 2. Februar 1995, Postulat Aeppli-Wartmann vom 13. Juni 1996) und auf die Erklärung einer Gruppe von Parlamentarierinnen an Bundesrat und Parlament vom 14. Juni 1996 seinen grundsätzlichen Willen bekundet, diese Lücken zu schliessen und damit alte Forderungen der Frauenbewegung, die auch international an der UNO-Weltfrauenkonferenz von Peking und am Weltgipfel für soziale Entwicklung von Kopenhagen erhoben worden sind, zu erfüllen.</p><p></p><p>Es ist deshalb vorgesehen, wie bereits in der Volkszählung 1990, auch im Jahre 2000 explizit eine Frage nach der Hausarbeit in den Fragebogen aufzunehmen, verbunden mit der im Jahre 1990 nicht berücksichtigten Frage nach der aufgewendeten Zeit. Überdies soll eine Frage über unentgeltliche und freiwillig geleistete Tätigkeiten und die dafür verwendete Zeit in den Fragenkatalog aufgenommen werden. Voraussetzung für diese Ergänzungen ist jedoch die Akzeptanz bei den Befragten, welche im Rahmen der geplanten Probezählungen zur Vorbereitung der kommenden Volkszählung geprüft werden soll.</p><p></p><p>Die Volkszählung wird primär dazu dienen, einige Grunddaten zu liefern. Für weitere, differenzierte Resultate sind zusätzliche Angaben aus Stichprobenerhebungen erforderlich, die im Rahmen der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) ab 1997 in einem Dreijahresrhythmus beschafft werden. Mit Hilfe dieser Erhebung soll in Zukunft eine Bestandesaufnahme der gesamtgesellschaftlich geleisteten Arbeit, ob bezahlt oder unbezahlt, ermöglicht werden. Im Rahmen der Prioritätenüberprüfung des Bundesamtes für Statistik muss in den kommenden Jahren abgeklärt werden, ob nicht auch in der Schweiz das international gebräuchliche Instrumentarium für eine umfassende und detaillierte Erfassung der unbezahlten Arbeit, eine Zeitverwendungs-Erhebung, eingesetzt werden soll.</p><p></p><p>Was den Einbezug der Familien- und Hausarbeit in die Berechnung des Bruttosozialproduktes betrifft, so erarbeitet das Bundesamt für Statistik gegenwärtig die Grundlagen für die monetäre Bewertung der unbezahlten Arbeit. Obwohl die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung sich grundsätzlich auf marktwirtschaftlich bewertete Grössen beschränkt, werden gegenwärtig Möglichkeiten gesucht, die es erlauben, die unbezahlte Arbeit mit der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zu verknüpfen. Vorgesehen ist zu diesem Zweck die Entwicklung eines sogenannten Satellitenkontos "Unbezahlte Arbeit", das die Analyse der monetär bewerteten unbezahlten Arbeit im Zusammenhang mit der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ermöglicht, ohne dass dabei das nach international gültigen Methoden errechnete Bruttosozialprodukt verändert würde. Grundlegende Voraussetzung für die Erstellung eines solchen Kontos ist allerdings nicht nur das Vorhandensein der relevanten Basisdaten, sondern auch eine wissenschaftlich kohärente Definition für die monetäre Bewertung der unbezahlten Arbeit. Bis Ende des Jahres 1998 werden die noch bestehenden theoretischen, methodologischen und empirischen Probleme untersucht, um anschliessend - die Lösung der wissenschaftlichen Probleme vorausgesetzt - ein Satellitenkonto "Unbezahlte Arbeit" führen und in regelmässigen Abständen aktualisieren zu können.</p><p></p><p>Zusätzlich ist darauf hinzuweisen, dass im Auftrag des Bundesamtes für Industrie, Gewerbe und Arbeit eine Studie mit dem Titel "Bewertung der Haushalts-, Erziehungs- und Betreuungsarbeit" (Bern 1994) durchgeführt worden ist (mit einer Zusammenfassung in italienisch und französisch).</p>  Antwort des Bundesrates.