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Prof. em. Richard Ernst, Winterthur, hat in den letzten Jahren eine Sammlung von mehr als 550 tibetischen und mongolischen Blockdrucken und Handschriften zusammengetragen. Sie stammen alle aus der äusseren Mongolei, dem Gebiet der Qalq-a-Mongolen. Die ältesten Texte datieren in die frühe Kangxi-Ära, das späte 17., Beginn des 18. Jahrhunderts, die jüngsten stammen aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Insgesamt 62 der Texte sind in mongolischer Sprache geschrieben, der grosse Rest in tibetischer Sprache. Diese Überzahl der tibetisch-sprachigenTexte dokumentiert eindrücklich die Dominanz des Tibetischen auch als Sprache der Liturgie, die im 18. Jahrhundert in der Mongolei aus bisher noch nicht untersuchten Gründen das Mongolische in den Klöstern und Tempeln ersetzte. Unter den von Richard Ernst erworbenen Texten befinden sich eine Vielzahl von Ritualtexten, Gebeten und Anrufungen, aber auch Pekinger Blockdrucke des Geser-Epos und eine ganze Reihe von kanonischen Schriften, vor allem die Vajracchedika-Prajñāpāramitā. Auch bisher unbekannte Texte sind zum Vorschein gekommen, so die erste in der Mongolei verfasste und gedruckte tibetisch-sprachige Biographie der Begründerin der tibetischen gCod-Tradition, Ma-gcig-lab-sgron-ma (1055-1149). Die Sammlung Ernst enthält darüber hinaus eine Vielzahl von astrologischen und medizinischen Texten, viele von ihnen reichhaltig mit Abbildungen versehen. Die beliebten Höllenfahrtsgeschichten, die im 19. Jahrhundert sogar oft ohne Text als Vorläufer unserer modernen "comic strips" in der mongolischen Steppe kursierten, sind ebenfalls mit mehreren, bebilderten Exemplaren vertreten. Die Sammlung ist wohl nicht nur in der Schweiz, sondern wohl auch europaweit einzigartig. Prof. Ernst hat sämtliche Texte für ein vom Institut für Religionswissenschaft durchgeführtes Katalogisierungsprojekt zur Verfügung gestellt.
Prof. Dr. Karénina Kollmar-Paulenz
Indexbegriffe
Mongolei, Handschriften, Blockdrucke, Katalogisierung