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Guillaume Henri Dufour ist eine der berühmtesten Figuren der Schweizer Geschichte. Er machte sich als Kartograf ebenso einen Namen wie als Buchautor und – natürlich – als erster General der Armee des Schweizer Bundesstaats sowie als Gründer und erster Präsident des Schweizerischen Roten Kreuzes.
Guillaume Henri Dufour wurde am 15. September 1787 in Konstanz geboren. Wenig später übersiedelten seine Eltern, Benedict und Pernette Dufour (geb. Valentin), nach Annecy. Später trennte sich das Paar und Dufour lebte mit Mutter und Schwester in Genf. Ab 1807 durchlief er an der École Polytechnique in Paris, später an der École d'application militaire in Metz eine militärische Ausbildung und studierte Technik, Wissenschaften, Festungsbau und Taktik.
Soldat und General
Als Dufour für die französische Armee an der Befestigung von Korfu mitwirkte, geriet er in britische Gefangenschaft. Nach dem Sturz Napoleons I. anno 1815 quittierte Dufour den Dienst in der französischen Armee und trat –
Genf gehörte nun zur Eidgenossenschaft – der Eidgenössischen Armee bei. 1818 wurde er Kantonsbaumeister und Kantonsingenieur von Genf und kurz darauf zum «Genie-Instruktor» an der Militärschule Thun berufen.
Dort setzte Dufour Massstäbe in den Bereichen Taktik- und Genieausbildung sowie Festungsbau. 1827 wurde Dufour zum Kommandanten im Rang eines Obersts ernannt – und ab 1829 gehörte Louis- Napoleon Bonaparte, Neffe von Napoleon I. und späterer französischer Kaiser Napoleon III., zu Dufours Schülern (siehe Box Seite 48).
1832 wurde Dufour zum Chef des Generalstabs befördert, am 21. Oktober 1847 ernannte ihn die Tagsatzung zum General der eidgenössischen Truppen. Im «Sonderbundskrieg» von 1847 erzielte er die Kapitulation der Sonderbund-Kantone. Auffallend dabei war, dass Dufour bedacht vorging und die Einhaltung ethischer Grundsätze einforderte. Das Leitbild «Man muss aus einem Kampf nicht nur siegreich hervorgehen, sondern auch ohne Tadel!» wurde zur Führungsmaxime der ihm unterstellten Kommandanten. Vermutlich deshalb forderte der etwa vier Wochen dauernde Sonderbundskrieg offiziellen Angaben zufolge «nur» 150 Tote und rund 400 Verletzte.
Dufours Zurückhaltung liess aber vor allem auch Raum für Aussöhnung – und so einigten sich die zuvor zerstrittenen Kantone rasch auf die Gründung eines Bundesstaats mit gemeinsamer Bundesverfassung. In den Jahren 1849/56/59 (Büsinger-, Neuenburger- und Savoyerhandel) übertrug die neue Bundesversammlung Dufour den Oberbefehl über das Schweizer Bundesheer. Er war damit der erste General in der Geschichte der modernen Schweiz.
Kartograf
1832 wurde Dufour Oberstquartiermeister der Militäraufsichtsbehörde (bis 1847) und «Directeur de la Carte» (bis 1865). Damit oblag ihm die Leitung der «Triangulation» und der Landesvermessung. Mit dem Ziel, den «Atlas Suisse» durch eine deutlich bessere topografische Karte abzulösen, richtete Dufour 1837 in Carouge das Eidgenössische Topographische Bureau (heute: Bundesamt für Landestopografie) ein. Zwischen 1845 und 1865 wurden 25 Blätter der «Dufourkarte» im Massstab 1:100'000 erarbeitet. Es deckte erstmals die gesamte Schweiz ab, verband die Alpennord- mit der Alpensüdseite und fasste alle Kantone des modernen Bundesstaats auf einer einzigen Karte zusammen, wodurch die Zusammengehörigkeit der Kantone «greifbarer» wurde.
Mitbegründer des Roten Kreuzes
Am 9. Februar 1863 gründete Dufour mit Henry Dunant, den Ärzten Théodore Maunoir und Louis Appia sowie dem Juristen Gustave Moynier in Genf das «Komitee der Fünf». Gut eine Woche später mutierte dieses zum «Internationalen Komitee der Hilfsgesellschaften für die Verwundetenpflege» und 1876 letztlich zum «Internationalen Komitee des Roten Kreuzes» (IKRK). Grundlage für Dufours Engagement waren seine eigenen humanistische Werte, aber auch Henry Dunants Werk «Eine Erinnerung an Solferino».
Dufours internationale Bekanntheit und sein Ruf als General und Humanist trugen dazu bei, dass das neue Komitee zahlreiche ausländische Regierungen für seine Ideen gewinnen konnte. Nach der Gründung des Komitees wurde Dufour 1863 zu dessen erstem Präsidenten gewählt – und sass der diplomatischen Konferenz vor, welche im August 1864 die erste Genfer Konvention verabschiedete. Im selben Jahr, im Alter von 77 Jahren, übertrug Dufour das Amt des Präsidenten an Gustave Moynier.
Designer und Autor
Das Schweizer Staatswappen «Weisses Kreuz auf rotem Grund» wurde 1840 von der Tagsatzung eingeführt – auf Rat und Drängen Dufours – und bei der Gründung des Bundesstaates beibehalten. Auch die Verwendung der farblichen Umkehr «Rotes Kreuz auf weissem Grund» als Symbol für die internationale Rotkreuzbewegung und als Schutzzeichen der Genfer Konventionen geht auf Dufour zurück. Neben diesen beiden international anerkannten Symbolen hinterliess Dufour, der am 14. Juli 1875 nach schwerer Krankheit in Genf verstarb, der Nachwelt mehrere militärische, naturwissenschaftliche, technische und historische Schriften.