Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03201.jsonl.gz/2520

Spieler? Vergesst es. Meia Hora, die beliebteste Zeitung in Rio de Janeiro, verwendete Bilder von Vögeln, um das Duell gegen die Schweiz zu bebildern. Vor der Partie ein gelber Kanarienvogel und die Schlagzeile: «Lasst uns diesen #$%@& gewinnen, Brasilien!» Nach dem 1:1 bildete das Blatt hingegen einen Kakadu ab und den anklagenden Satz: «#$%@&, Neymar!»
«Canarinho Pistola» ist der Star
Die Zeitung machte damit klar: Der bisherige Star der Brasilianer an der WM ist ein sehr charismatischer und wütender Charakter: «Canarinho Pistola» (wütender, kleiner Kanarienvogel), das offizielle Maskottchen des brasilianischen Fussballverbands CBF.
- 1950 – Nach der «Maracanaço» («Schock von Maracana»; Brasiliens Niederlage im entscheidenden WM-Spiel gegen Uruguay) entscheidet Brasilien, nicht länger in den Unglück bringenden weissen Trikots zu spielen.
- 1953 – In Zusammenarbeit mit der Zeitung Correia da Manha lanciert der brasilianische Fussballverband auf der Suche nach einem neuen Trikot einen Wettbewerb. 200 Zeichnungen werden eingeschickt. Es gewinnt diejenige mit dem gelben Shirt, den blauen Shorts und den weissen Socken.
- 1954 – An der ersten WM mit dem neuen Trikot nennt man die Brasilianer deshalb «Canarinhos».
- 2016 – Der Verband stellt «Canarinho», das neue Maskottchen der Nationalmannschaft, vor. Wegen seines wütenden Gesichts erhält es von den Fans den Spitznamen «Canarinho Pistola».
Neben der bescheidenen Leistung der Brasilianer gegen die Schweiz erhielt die Frisur von Neymar die grösste Aufmerksamkeit. Die Haarpracht inspirierte die Zeitung Meia Hora nach dem Spiel zu folgendem Witz auf der Titelseite: «Genervt vom Erfolg von ‹Canarinho Pistola› spielt der Brasilien-Star verkleidet als Kakadu.» Es ist nur eines von tausenden Memes, das die brasilianischen Fans seit der Einführung des Maskottchens im Oktober 2016 produzierten.
Thiago Dias
Der 36-jährige brasilianische Journalist Thiago Dias arbeitet als Chef der internationalen Fussballredaktion beim TV-Sender Globo Esporte in Rio de Janeiro. Er begleitet die «Seleçao» seit 2006 und wird an der WM live aus Moskau berichten. Dias war bereits an den Endrunden 2010 und 2014 dabei.
Das wütende Gesicht von «Canarinho» wurde zu einem Internet-Hit. Die Leute benutzen es als Profilfoto bei Facebook. Twitter-Accounts mit seinem Namen haben mittlerweile mehr als 100'000 Follower und Videos, in denen der Vogel Fussball spielt oder Spässchen macht, gehen jeden Tag viral. Der Verband war erfreut über den Erfolg des Vogels und begann, Canarinho-Spielzeug zu verkaufen. Zudem nutzt er das Maskottchen, um das Team zu unterstützen.
Maskottchen ist in Russland unterwegs
Die Fifa erlaubt die Anwesenheit von «Canarinho» an der WM nicht. Aber er ist trotzdem in Russland, Link öffnet in einem neuen Fenster, besucht Städte, lässt sich mit Fans fotografieren und zeigt seine Fähigkeiten am Ball. Nach dem 1:1 gegen die Schweiz hat sich Neymar die Haare geschnitten. Nun haben die Fans eine Hoffnung: mehr Erfolg als der wütende «Canarinho» auf dem Feld gegen Costa Rica und keinen Kakadu-Style mehr.
Sendebezug: Laufende WM-Berichterstattung SRF zwei