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Russifizierung? Imperiales Erbe und Sprachgebrauch im post-sowjetischen Raum
BA-Kolloquium: Produkton von Video-Essays,Frühlingssemester 2020, Dienstag 10-12 Uhr
Pilotvideo: Beispiel, das eine mögliche Umsetzung für einen Videoessay zum Thema zeigt. Anhand des Videos werden Stärken und Schwächen dieses Mediums wie auch gut und weniger gut gelungene Aspekte der Umsetzung deutlich. Das Video dient als Ausgangspunkt und Vorlage, die von den im Verlauf des Semesters produzierten Videoessays übertroffen werden soll.
Veranstaltungsinhalt:
Videos bieten für die Wissenschaftsvermittlung grossartige Möglichkeiten, weisen aber auch Fallstricke auf. Um praktische Erfahrungen mit diesem Medium zu sammeln werden wir die Produktion von Video-Essays als Leistungsnachweis erproben (vergleich das Beispiel oben). Zahlreiche online verfügbare Videos (TV-Aufzeichnungen, Vlogs, Privatvideos mit dem Handy, Musikvideos etc.) dokumentieren den Sprachgebrauch im heutigen postsowjetischen Raum. Sie zeigen, in welchen geographischen, lokalen, sozialen Kontexten heute – auch ausserhalb Russlands – Russisch gesprochen wird und wo lokale Sprachen dominieren – von Estland bis Tadschikistan, von der Moldau über den Kaukasus bis Sibirien. Wir fragen danach, wie die heutige postimperiale Sprachverteilung historisch entstanden ist. Wo und in welchen Situationen ist Russisch heute noch lingua franca? Welche Faktoren (religiös, sozial, wirtschaftlich, politisch) beeinflussten die Verbreitung des Russischen? In welchen Kontexten und Milieus war Russisch stärker verbreitet, wo weniger? Wie stark wurde «Russifizierung» von oben betrieben und welche Rolle spielte spontane Anpassung ans russischsprachige Umfeld – etwa wegen sozialer Aufstiegschancen? Ist «Russifizierung» überhaupt ein wissenschaftlich sinnvolles Analysekonzept?
Wir nähern uns diesen Fragen anhand von Fallbeispielen, für die die Ausgangsvideos als Quellen dienen. Ausgehend davon recherchieren wir jeweils die historischen Zusammenhänge und betten die Ausgangsvideos mithilfe von Quellenauszüge, Karten, Statistiken, Animationen etc. in einen grösseren Kontext ein. Ziel ist es, aus den Ausgangsvideos und Zusatzmaterial Video-Essays (eine Art kurze Dokumentarfilme) zu realisieren und dabei auch auf medienspezifische Besonderheiten des Erzählens mit Videos aufmerksam zu werden. Inwiefern eignen sich Videos zur Wissenschaftsvermittlung, was gilt es dabei zu beachten und welches sind Risiken? Nicht zuletzt soll die eigene Arbeit mit Videos das medienkritische Bewusstsein schärfen.
Besondere Vorausserzungen: keine. Weder Russischkenntnisse noch Erfahrung mit Videobearbeitung werden erwartet (sind aber, falls vorhanden, sehr willkommen, genauso wie weitere Sprachen des postsowjetischen Raumes). Fachliche Unterstützung ist vorhanden, ein Austausch mit externen Fachleuten in Workshops geplant.