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So neu ist es auch wieder nicht, besteht doch der Verein für die Erhaltung der Verteidigungslinie der Promenthouse, die zwischen Jura und Léman östlich von Nyon die erste Abwehrstellung im Westen der Schweiz bildete, seit bald zehn Jahren.
Aber beginnen wir beim Anfang, nämlich vor dem Zweiten Weltkrieg.
Wie jeder Schweizer weiss, war unsere Vorbereitung für einen Verteidigungskrieg Ende der Dreissigerjahre nichts weniger als dürftig. Wir hatten weder Panzer noch Fliegerabwehr usw., und das BBB (Büro für Befestigungsbauten) aus dem Ersten Weltkrieg war im Jahre 1921 aufgehoben worden. Erst anfangs 1935 ist das BBB wieder ins Leben gerufen worden. Sein Chef, Oberst Peter, bemerkte zu dieser Lage, "dass damals beim Gst wie bei den Trp-Kdt vollständige Unklarheit über die taktische Anlage und die technische Durchbildung dieser Befestigungen herrschte".
Der Generalstab beschloss für den Fall einer Umgehung des gegen Norden gerichteten Abwehrdispositivs Jura und eines Angriffs aus dem Raum nördlich von Genf (Pays de Gex), eine Panzersperre gegen Westen dort zu errichten, wo die Distanz zwischen Jura und Genfersee am kürzesten und das Terrain günstig ist. Mehrere Flüsse, wie die Serine und die Promenthouse (Mündung bei Gland) bilden zum Teil tiefe Einschnitte in den Abhang, die einmal befestigt eine gute Auffangstellung bilden sollten.
Das Sappeurbataillon 1 begann 1937 die Befestigungsarbeiten mit dem Einrammen, in die mehr als 9 km langen Flussufer, von 2733 zwischen 0,80 und 1,1 m hohen Bahnschienen. Der feindliche Panzer sollte dadurch nicht nur in der Länge, sondern auch seitlich aus dem Gleichgewicht gehoben werden. Bis 1939 wurden die nötigen 5'000 t gebrauchter Schienen aus Frankreich eingeführt. Die Durchfahrtstrassen und -Wege wurden mit mobilen Sperren ausgerüstet und die Brücken vermint. 1939 fügte man 150 drei Meter hohe artikulierte Barrikaden-Elemente, sog. "Sperrglieder" auf 100 m Länge, für besonders gefährdete flache Stellen bei. Im Sommer 1940 gelingt es dem BBB, durch einen glücklichen Zufall, kurz vor Einbruch der Deutschen in einem Stahlwerk in Luxemburg 3400 t Betoneisen zu kaufen, die bereits auf einem Zug verladen waren.
1940 fangen zivile Unternehmen an, die 16 Infanteriebunker zu bauen, die durch allerlei Feldartillerie- und betonierte Infanteriestellungen verstärkt sind. Die Panzersperre, von der Jurahöhe bei der Dunanche bis zum See, misst ca. 17 km.
Der Bau der Villa Rose, der getarnte, restaurierte und heute noch völlig ausgerüstete Infanteriebunker an der Durchfahrtstrasse Genf-Lausanne bei Gland, wird im März 1940 in Angriff genommen. Die aus einer Infanteriekanone 4,7cm auf Bunkerlaffette und drei Maxim 1911 Maschinengewehren bestehende Bewaffnung wird im September 40 und die letzten technischen Einrichtungen werden im Oktober eingebaut. Gegen Kriegsende werden die MG-Nischen mit Schiesspanoramas für das Schiessen bei Nacht oder ungenügender Sicht (Rauch, Nebel) ausgerüstet.
Ab 1941 schreitet man zur Erstellung von ca. 3000 tetraederförmigen Betonblöcken, von der Truppe und dem Volksmund bald Toblerones genannt. Diese ersetzen bald die eingerammten Schienen. Zwischen der Verteidigungslinie und den Bunkern werden je nach Gelände Minenfelder und Drahtverhaue angelegt, das Ganze natürlich im Schussfeld der Bunker und der Truppenkörper der 1. Grenzbrigade. Beobachter sitzen auf Posten, die entweder in Kirchtürmen der Dörfer, auf Dächern hoch liegender Bauernhöfe oder in Baumwipfeln eingerichtet und per Feldtelefon mit den Bunkern verbunden sind.
Während des Aktivdienstes haben während der Bauzeit Grenzschutztruppen, dann die Bataillone 217 und 218 des Grenzinfanterieregiments 42 tausende von Diensttagen geleistet.
Man bemerke den riesigen Aufwand in kürzester Zeit, nicht nur für die Bauarbeiten, die weitgehend von der Truppe ausgeführt wurden, sondern auch in finanzieller Hinsicht.
Die Association de la Ligne fortifiée de la Promenthouse wurde von Offizieren der Grenzbrigade 1, die seither in der Gegend regelmässig Dienst leistete, gegründet. Schon nur aus Respekt, Treue und Dankbarkeit der älteren Generation gegenüber hat sie sich zum Ziel gesetzt, das bauliche und ideelle Erbe aus dem Zweiten Weltkrieg den jungen Generationen zu vergegenwärtigen und zu erklären. Durch den Erhalt und Schutz des Gebiets für die zukünftigen Generationen will sie ihre Verbundenheit mit all denen bekunden, die auf dieser Linie Militärdienst geleistet haben.
Unter Mitarbeit u.a. der Luftschutztruppen-RS ist ein didaktischer Weg, der "Sentier des Toblerones" mit vielen biologischen und anderen Erklärungen entstanden. Schilder mit Erläuterungen, Broschüren usw. informieren über das historisch-militärische Umfeld und die Identifizierung der interessantesten Elemente der Fauna und Flora, die die militärischen Hindernisse und Bauwerke beleben. Der Wanderweg zieht sich durch ein zauberhaftes Naturgebiet mit Bächen, die fast auf der ganzen Länge von Wäldern umrahmt sind. Dank dieses Pfades bleiben zahlreiche natürliche Sehenswürdigkeiten bewahrt, die der aufmerksame Wanderer bewundern kann.
Seit Frühling 2005 stehen die Linie und der thematische Wanderweg, der von der Dunanche, wo 2003 eine Artilleriestellung dem Publikum zugänglich gemacht wurde, bis zum Léman führt, unter kantonalem Denkmalschutz, und die Eidgenossenschaft hat sie zur historischen Gedenkstätte von nationaler Bedeutung erklärt. 2004 hat sie den Preis der Schweizerischen Gesellschaft für Kulturgüterschutz und im April 2005 den Preis "Suisse pure" der Jury der Swiss Tourism erhalten. Der untere Teil des Pfades sowie die Villa Rose sind Besuchern mit reduzierter Bewegungsfreiheit (in Rollstühlen) zugänglich. Die Villa Rose ist ein idealer Treffpunkt für Vereine, Gesellschaften und andere militärische oder zivile Gesellschaften und Organisationen mit historischen Zielen.
Seit einigen Wochen ist im Dachstock, der für Behinderte durch einen Lift erreichbar ist, eine Soldatenstube 39-45 eingerichtet worden, die Gruppen für Veranstaltungen mit Verpflegungsmöglichkeit zur Verfügung steht. Der voll ausgerüstete Bunker mit Kampfraum im Erdgeschoss und Kantonnement im Untergeschoss können nach Vereinbarung natürlich besucht werden. Das Zielpublikum sind vor allem Studenten und Schüler, die gratis von kompetenten Betreuern empfangen und belehrt werden. Die übrigen Besucher bezahlen einen mässigen Eintritt und werden aufgefordert, dem Unterstützungsverein beizutreten, damit die Finanzierung des Unterhalts gewährleistet werden kann.
Hptm Pierre A. Krenger
Besucher wenden sich an folgende Adresse:
Association de la Ligne fortifiée de la Promenthouse
case postale 403
CH – 1196 Gland (Suisse)
tél. +41 (0)22-365 66 00