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In einer Führungskultur, die man im Verlag erwarte, hätte es erst gar nicht zu einem solchen Konflikt kommen dürfen, hiess es in dem Schreiben, das der Nachrichtenagentur Keystone-SDA vorlag. Unter den Vorfällen hätten die Arbeitsatmosphäre und die Unternehmenskultur gelitten. «Wir bedauern das ausdrücklich.»
Die frühere «Magazin»-Redaktorin Anuschka Roshani hatte in einem Gastbeitrag im deutschen Magazin «Der Spiegel» am Freitag schwere Mobbing-Vorwürfe gegen ihren ehemaligen Vorgesetzten Finn Canonica erhoben und diesen des Sexismus bezichtigt. Ihrem Ex-Arbeitgeber warf sie Untätigkeit vor. Canonicas Anwalt wies alle Anschuldigungen zurück. Die Vorwürfe würden nicht zutreffen und vehement bestritten.
Im «Spiegel» schrieb die 56-jährige Journalistin, sie sei jahrelang Opfer von Machtmissbrauch gewesen. Unter Canonica habe ein Regime des Mobbings und Sexismus geherrscht. Er habe sie verbal herabgesetzt. Sie wandte sich laut eigenen Aussagen mehrmals vergeblich an verschiedene interne Stellen.
Ende Jahr entlassen
Roshani arbeitete von 2002 bis 2022 als Redaktorin beim «Magazin» des Zürcher Tamedia-Verlags. Ende letzten Jahres wurde sie entlassen. Canonica stand dem Magazin, der Wochenendbeilage der Zürcher Tageszeitung «Tages-Anzeiger», zwischen 2007 und 2022 als Chefredaktor vor. Der Verlag trennte sich im letzten Sommer von ihm.
Ihr Vorgesetzter habe sie unter anderem als «die Ungefickte» bezeichnet, schrieb Roshani. Habe sie als Deutsche ein in der Schweiz unübliches Wort wie etwa Kekse statt Guetzli verwendet, habe Canonica das mit einem Hakenkreuz auf ihren Manuskript markiert. Entsprechende Belege lagen dem «Spiegel» nach dessen Aussage vor.
Canonicas Anwalt wies gegenüber dem «Spiegel» alle Vorwürfe zurück.
Roshani verklagte den Tamedia-Verlag wegen Verletzung der Fürsorgepflicht aufgrund sexistischer Diskriminierung und ungültiger oder missbräuchlicher Kündigung.
Bericht: Vorwürfe unzureichend belegt
Der Tamedia-Verlag liess die Vorwürfe der Redaktorin «sorgfältig prüfen», wie es in der Stellungnahme vom Sonntag hiess. Eine Kurzzusammenfassung des Untersuchungsberichts einer spezialisierten Kanzlei machte das Verlagshaus am Sonntag den Mitarbeitenden zugänglich. Der Bericht war zum Schluss gekommen, dass sich ein erheblicher Teil der Vorwürfe, insbesondere der Vorwurf sexueller Belästigung, nicht bestätigen liess. Allgemein seien die Vorwürfe teils unzureichend belegt gewesen.
2021 hatten über 70 Tamedia-Journalistinnen – darunter auch Roshani – mit einem offenen Brief eine «sexistische Arbeitskultur» im Verlagshaus mit 1800 Mitarbeitenden kritisiert. Es würden Frauen ausgebremst, zurückgewiesen oder eingeschüchtert, hiess es. Chefredaktor Arthur Rutishauser erklärte damals, dass man bei Tamedia weder Belästigung noch Diskriminierung toleriere. In der jüngsten Stellungnahme des Verlags hiess es, man sei überzeugt davon, dass in den vergangenen zwei Jahren die Kultur verbessert worden sei.
(sda/gin)