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The Ballad of Jack and Rose (2005)
The Ballad of Jack and Rose (2005)
Oder: Hippies sind auch nicht mehr das, was sie mal waren....
1967 hatte Jack (Daniel Day-Lewis) sich ein Grundstück an der amerikanischen Ostküste gekauft. Sein Ziel war es, eine Community zu gründen, welche die Natur respektiert, biologisch lebt und in der jeder für den anderen einsteht. 1986 lebt Jack noch immer da. Als Einziger der damaligen Gemeinschaft. Zusammen mit seiner Tochter Rose (Camilla Belle), die er aus der Schule genommen hat und der er "seinen" Lebensstil aufzwingt und sie nach seinen Werten erzieht. Das bedeutet, dass man keinen Fernseher hat, den Strom einteilen muss und die Schönheiten der Natur zu geniessen weiss.
Um seinen männlichen Hormonen freien Lauf zu lassen, hat sich Jack vor ein paar Monaten eine Frau angelacht. Kathleen (Catherine Keener aus The Interpreter) und ihre zwei Söhne leben arm, aber mehr oder weniger zufrieden. Bis Jack sie auffordert, zu ihm auf die Insel zu ziehen. Das Haus braucht eine weibliche Hand, die Tochter eine Ansprechsperson und jemanden, der für sie sorgt, wenn Jack nicht mehr lebt. Denn er hat Herzprobleme und seine Krankheit nagt an seinem Körper.
Ebenfalls auf der Insel breitgemacht hat sich der Unternehmer Marty Rance (Beau Bridges), der seine hingestellten Häuser immer wieder von Jack eingerissen sieht und mit dem ihm eine Rivalität verbindet, die den Alt-Hippie Jack je länger je mehr an seiner Lebensart zweifeln lassen.
Jacks Freundin zieht also mitsamt Familie ein und die Konflikte sind nur eine Frage der Zeit. Ein herzkranker Mann, eine schon oft enttäuschte Frau, ein in allen Dingen unschuldiges Mädchen, ein sarkastischer und Damen-Coiffure lernender Sohn und dessen versiffter, verkiffter und geiler Bruder, der sich natürlich gleich an die Unschuld vom Land ranmacht.
Auf dem Weg der Befreiung aus den Armen des Vaters, dem Abschluss mit der Vergangenheit und der Offenheit für Neues, gestaltet sich dieser Pfad für Rose schwieriger als angenommen. Erst als die Situation regelrecht ausser Kontrolle gerät, scheint ihr bewusst zu werden, dass sie ihr Leben eigenständig leben muss. Aber wie soll sie das, wenn sie immer einen Vater um sich hatte, der für sie sorgte? Schafft sie den Schritt ins eigenständige Leben?
Film-Rating
Nach dem Ärger im Zürcher Kino Capitol, wo man mich interessierten Hobbyjournalisten nicht als einziger in den Kinosaal lassen wollte, weil man ja nicht den Film laufen lassen würde, wenn nur einer drin sitzt, der eh nichts zahlt und weil dadurch die Strom- und Verwaltungskosten zu hoch seien, geht mein Dank an die Rucksacktouristin, die ein Ticket kaufte und mir so den Gang in diesen Film ermöglichte. Dann störts auch nicht, wenn dieses Mädel dann baren Fusses die selbigen über die vor ihr platzierten Sitze streckte. Aber in Wanderschuhen stinken ja die Füsse nicht. Nööö, nicht bei 25°.... Aber egal.
The Ballad of Jack and Rose war mal wieder einer der Filme, von denen ich nichts wusste, dessen Story mir unbekannt war und dessen Cast mich mal für mal aufhorchen liess. Wenn man sich diesen Film anschauen möchte, sollte man sich bewusst sein, dass weder laute Töne, schallendes Gelächter oder fingernägelkauende Spannung zu erwarten ist. Nein, im Gegenteil, der Film ist ruhig, gemächlich und geht dafür schön tief auf die Charaktere ein. Und während man so da sitzt, die (zugegebenermassen) schönen Bilder anschaut und sich fragt, was jetzt eigentlich genau passiert, erwischt man sich selber bei etwas, dass man nur selten im Kino macht. Man denkt mit. Man fängt an zu studieren. Und je mehr man dieser Seltenheit fröhnt, desto besser wird der Film.
Die Geschichte also, ist keine leichte, aber schlussendlich rundum gelungen. Kommen wir also zum Hauptfaktor dieses Filmes. Die Schauspieler. Daniel Day-Lewis, der mit den Gangs of New York auf die böse Seite wechselte und der für My left Foot verdienterweise mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, darf auch hier zeigen, was ihn ausmacht. Er schlüpft in die Rolle des alten, immer kränker werdenden Hippies und vermag auch bis in die letzten Minuten des Filmes vollkommen zu überzeugen. Seine Filmtochter Camilla Belle ist anfänglich nur hübsch anzuschauen, wird jedoch richtig gut, wenn die Haare ab sind. Die restlichen Schauspieler sind sehr überzeugend, wobei mir vor allem Catherine Keener immer wieder gefällt. Auch die Auftritte von Beau Bridges oder Jason Lee kommen sehr gut. Und wenn ihr euch noch an den jungen Killer in Taking Lives erinnern könnt, dann kriegt ihr den ebenfalls hier zu sehen.
Was ebenfalls positiv in Erinnerung bleibt ist die Filmmusik. Songs aus der guten alten Zeit, vogetragen von Ikonen wie Bob Dylan und anderen musizierenden Poethen der damaligen Zeit. Nicht übertrieben eingesetzt, aber schöne Melodien sinds allemal.
Fazit: The Ballad of Jack and Rose ist nicht jedermanns Film. Zu schwermütig, zu langsam geht die Geschichte voran. Und wenn die Schauspieler nicht gewesen wären, die Chance, kurz einzunicken, war durchaus vorhanden. So holen jedoch eben genau diese Charaktere die Kohlen aus dem Feuer und machen aus einer ziemlich einfachen Story einen Film, der sich durchaus sehen lassen kann.
OutNow.CH:
01.07.2005 / muri
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