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Kommentar von Peter Aebersold
Die Erziehungsdirektoren behaupten landauf landab, mit dem Lehrplan 21 (LP21) würde sich „wenig ändern“. Der LP 21 würde für die Eltern nichts ändern, sie könnten ihre Kinder weiterhin in der Schule abgeben und abholen. Sie bräuchten sich bis zur Berufswahl auch nicht mehr um die Schulleistungen ihrer Kinder zu kümmern, weil der LP21 auf den Qualitätskriterien der von den USA dominierten neoliberalen Wirtschaftsorganisation OECD beruht und „hohe Leistungen und gleiche Chancen für alle Kinder“ garantieren soll.
Für die Lehrer bringe das „selbstgesteuerte Lernen“ des LP21 viele Erleichterungen: als „Lernbegleiter“ müssten sie nicht mehr unterrichten, keinen Klassenunterricht mehr vorbereiten und wären nicht mehr für das Lernen der Schüler verantwortlich. Das Bereitstellen von „Lernumgebungen“ mittels fertigen Arbeitsblättern vom Internet und der einmal wöchentliche Input und - wenn zeitlich möglich - ein Coachinggespräch mit jedem Schüler würde sie enorm entlasten. Dass „Lernbegleiter“ möglicherweise in Zukunft bei weniger Aufwand auch weniger verdienen könnten, wurde bisher noch nicht erwähnt.
Die Schüler würden sich mit dem LP21 in der Schule wieder wohl fühlen, weil sie von dem anstrengenden Klassenunterricht befreit wären und nun vom ersten Schultag an „selbstgesteuert lernen“ könnten. Sie wären alleine für ihr Lernen verantwortlich und könnten selber bestimmen, was, wie, wann, wo und ob sie lernen sollen. Die „Lernbegleiter“ würden ihnen individuelle Arbeitsblätter austeilen und sie sonst in Ruhe lassen. Wenn sie trotzdem noch eine Frage hätten, könnten sie mit dem „Lernbegleiter“ einen Besprechungstermin abmachen. Das „selbstgesteuerte Lernen“ dauert für die meisten Schüler natürlich zeitlich länger, weil sie sich „auf offene Aufgaben einlassen, Beziehungen erforschen, Vermutungen formulieren und eigene Lösungsalternativen suchen“ müssen. Damit sie damit nicht in Stress kommen, werden im LP21 die fachlichen Ziele vermehrt nach hinten, in die nächsten Klassen, verschoben oder ganz aufgegeben.
Im Rechnen bedeutet das zum Beispiel, dass das Verstehen und Auswendiglernen des Einmaleins, das heute in der zweiten Primarschulklasse stattfindet, auf die 2er, 5er und 10er-Reihe beschränkt würde. Erst Ende der sechsten Klasse müssten die Schüler gemäss LP21 «die Produkte des kleinen Einmaleins kennen“. Sollte das Einmaleins noch nicht sitzen, dürfen sie ab der fünften oder sechsten Klasse die «Grundoperationen mit dem Rechner ausführen». Auf verbindliche Ziele im Rechnen wird in der Oberstufe sogar ganz verzichtet. Ein späterer Lehrmeister kann sich allerdings nicht darauf verlassen, dass sein Lehrling Prozentrechnungen auf dem Taschenrechner ausführen kann.
Wenn sich so „wenig ändert“, fragt sich der Steuerzahler natürlich, weshalb trotz Sparrunden im Bildungsbereich für den umstrittenen Lehrplan 21 Millionen von Steuergeldern in Lehrplanumstellungen, Lehrerweiterbildungen, neue Lehrmittel und ein Lehrplanmonster mit 2700 Kompetenzteilzielen verschwendet werden sollen? Und wer schon bezahlen muss, sollte deshalb auch ein Wörtchen mitreden können, bevor das erfolgreiche Schweizer Bildungssystem am Volk vorbei klammheimlich beerdigt wird!
schuleschweiz.blogspot.ch, 24. Juni 2016