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Der frühere brasilianische Präsident Fernando Collor de Mello soll im Rahmen des Korruptionsskandals um den staatlichen Ölkonzern Petrobras mehr als neun Millionen Dollar an Schmiergeldern kassiert haben. Collor sei der Kopf einer «kriminellen Organisation» gewesen, heisst es in der am Donnerstag bekannt gewordenen Anklageschrift.
Collor war von 1990 bis 1992 Präsident. Nach Korruptionsvorwürfen kam er seiner Amtsenthebung durch Rücktritt zuvor. Seit 2007 ist er Senator.
Im Zuge der Ermittlungen zum Petrobras-Skandal, der das ganze Land erschüttert, war der Name Collor bereits gefallen. Einzelheiten der Anklageschrift, die im August 2015 dem Obersten Bundesgericht übergeben worden war, waren bislang jedoch nicht bekannt. Demnach werden Collor Korruption in 30 Fällen, 376 Fälle von Geldwäscherei und 48-fache Veruntreuung öffentlicher Gelder vorgeworfen.
«Zwischen 2010 und 2014 wurden mindestens 29 Millionen Reais (rund 9,1 Millionen Franken) an Schmiergeldern an den Senator gezahlt», erklärte die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift. In die Zahlungen sei in zahlreichen Fällen die Petrobras-Tochter BR Distribuidora verwickelt gewesen.
Collor habe «einer kriminellen Organisation vorgestanden, die aus Verantwortlichen und Abgeordneten des Senats, der Bundespolizei und von BR Distribuidora bestand», erklärte Staatsanwalt Rodrigo Janot.
Der ehemalige Präsident äusserte sich zunächst nicht zu der bekannt gewordenen Anklageschrift. Im Zuge des Amtsenthebungsverfahrens gegen Ex-Präsidentin Dilma Rousseff hatte er im August für deren Absetzung gestimmt. (sda/afp)