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Die diesjährige Weihnachtskrippe in der Kapelle am Hauptbahnhof Zürich stammt aus Peru und ist ganz aus Silber gefertigt. Dieses Material erscheint mir ungewöhnlich für diesen Zweck, es erstaunt und macht mich neugierig.
Edelmetalle faszinieren die Menschen. Sie sind selten und aufwändig zu gewinnen, sie lassen sich gut und vielseitig verarbeiten, behalten ihren ästhetischen Glanz und sind so beständig, dass sie Jahrtausende überdauern. Kein Wunder wurde ihnen bald besonderer Wert zugemessen: Sie dienten für Schmuck und Kultgegenstände und seit der Antike auch als Zahlungsmittel.
Die Wertzuschreibung führte zu einer weiteren Eigenschaft der Edelmetalle: dass sie bei Menschen Begierde hervorrufen, einen Rausch nach mehr, unter dessen Einfluss sich moralische Werte und Überzeugungen vollständig auflösen können. Ein unrühmliches Beispiel waren die Konquistadoren, welche in Mittel- und Südamerika die ursprüngliche Bevölkerung ausraubten und versklavten. Nachdem dort immense Silbervorkommen entdeckt wurden, starteten sie die Ausbeutung von Mutter Erde, die bis heute anhält. Die Vervielfachung der Menge an Silbergeld führte indes im Europa des 16. und 17. Jahrhunderts zur ersten grossen Inflation, zu einer Preisexplosion und einer Verarmung weiter Teile der Bevölkerung.
Auch diese Geschichte verbirgt sich hinter der Silberkrippe von Cusco. Sie macht mich nachdenklich, warnt vor der Gier und stellt mir die Frage, was wirklich von bleibendem Wert ist. Ich schaue hin und sehe: drei Weise, die ihre Kostbarkeiten mit einem bedürftigen Kind teilen; ein Paar, das auch in widrigen Umständen zusammenhält und für sein Kind sorgt; und die freigiebige Mutter Erde, die darauf vertraut, dass wir sorgsam mit ihr umgehen.