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Luca Antonio wird am 19. November 1674 in Arogno als Sohn des Giovanni Battista Colomba und der Caterina Maggi geboren. Arogno liegt am Abhang des Monte Generoso über dem Luganersee. Das Dorf in der eidgenössischen Vogtei Lugano ist mit dem Val d’Intelvi, das im Herzogtum Mailand liegt, durch eine Strasse verbunden. Der Vater ist Spross einer in Oberitalien bekannten Stuckateuren- und Malerdynastie. Er ist zu dieser Zeit in Gemeinschaft mit den aus Scaria im Val d’Intelvi stammenden Carlone in Niederösterreich tätig.[1] Luca Antonio macht die Lehre bei Malern im Umkreis seines Vaters, wie Santino Bussi,[2] oder bei seinem Vater selbst. Dieser stirbt 1693 als Hofmaler in Warschau. Ein Aufenthalt des jungen Colomba in Genua wird vermutet. 1697 heiratet er Marta Tosetti von Castagnola. Die Kinder aus dieser Ehe erreichen das Erwachsenenalter nicht. Früh verwitwet, heiratet er 1712 ein zweites Mal, nun Anna Maria Carlone aus Scaria, Tochter von Giovanni Battista und Schwester von Diego Francesco und Carlo. Die Bindung an die Innocenzo Carlone Künstlerfamilie aus Scaria wird noch enger, als sein jüngerer Bruder Angelo Domenico eine weitere Tochter des Giovanni Battista Carlone heiratet. Luca Antonio ist inzwischen bekannter Maler und Freskant. 1707 ist er in Kremsmünster anzutreffen, vorher hat er für den Wiener Hofadel vor allem in Ungarn gearbeitet. Sein Zeitgenosse Johann Caspar Füssli, der Colomba nach eigenen Worten getroffen hat und dessen Werke er gut kennt, nennt den Prinzen Eugen als wichtigen Auftraggeber. Nachdem 1711 Johann Jakob Stevens von Steinfels,[3] einer der wenigen deutschen Maler mit Erfahrung in der Freskotechnik, von Ludwigsburg wieder in seine böhmische Heimat zurückkehrt, wird Luca Antonio Colomba für die Fresken am Corps de Logis des neuen Schlosses in Ludwigsburg berufen. Vermutet wird eine Vermittlung des Prinzen Eugen. Mit dem bereits in Ludwigsburg anwesenden Stuckateuren Donato Giuseppe Frisoni und Tommaso Soldati trifft er hier auf Landsleute. Colomba arbeitet um diese Zeit an Fresken im Dom zu Fulda, wo sein Dorfgenosse Giovanni Battista Artari die Stuckaturarbeiten ausführt und wo gleichzeitig ein weiterer der noch seltenen deutschen Freskanten, Melchior Steidl, tätig ist.[4] 1715 wird er Hofmaler des württembergischen Herzogs Eberhard Ludwig. Hauptsächlich arbeitet er an der neuen Residenz in Ludwigsburg und im Lustschloss Favorite. Viele seiner Arbeiten in Ludwigsburg sind nicht mehr erhalten, aber im Stichwerk Frisonis dokumentiert. Das 1712 entstandene grosse Deckenfresko im Ordenssaal wird schon 1717 durch Regenwasser zerstört und 1731 neu ausgemalt. Obwohl Colomba zu dieser Zeit nominell noch Hofmaler ist, wird das Werk jetzt von Giovanni Pietro Scotti und nicht mehr von ihm erstellt.[5] 1732 wird dessen Schwager Livio Retti Hofmaler. Die fehlenden Arbeiten in Ludwigsburg veranlassen ihn, ausserhalb Württembergs Arbeiten anzunehmen. Schon 1721 ist er in der Mainzer Favorite des Kurfürsten Lothar Franz von Schönborn tätig, später in der Klosterkirche Frauenalb. Auch diese Arbeiten sind heute zerstört. Die letzte Arbeit im Norden ist ein 1735 ausgeführtes Deckenfresko im Palais Thurn und Taxis in Frankfurt am Main. 1736 erstellt der schon längere Zeit an Gicht leidende Maler sein letzte Arbeit für die Kapuziner-Klosterkirche von Lugano. Er stirbt am 22. Dezember 1737 im Alter von 63 Jahren in seinem Heimatort Arogno.
Pius Bieri 2012
Literatur:
Füssli, Johann Caspar: Geschichte der besten Künstler in der Schweitz, Band IV, Zürich 1774.
Pedrini Stanga, Lucia: Colomba, Luca Antonio, in: Historisches Lexikon der Schweiz HLS, Bern 2003.
Links:
http://it.wikipedia.org/wiki/Luca_Antonio_Colomba
http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D25596.php
http://artistiticinesi-ineuropa.ch/deu/colomba-c-deu.html
Anmerkungen:
[1] Giovanni Battista Colomba (1638−1693), in österreichischen Quellen als Colombo geschrieben. Siehe: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D24525.php. Er arbeitet vor allem an Bauten von Carlo Antonio Carlone, dem Baumeister von Kremsmünster und St. Florian, auch in Zusammenarbeit mit Giovanni Battista Carlone.
[3] Johann Jakob Stevens von Steinfels (1651–1730) aus Prag. Stevens von Steinfeld ist einer der frühen deutschen Freskanten.
[4] Melchior Steidl (1657−1727) arbeitet 1690−1695 in St. Florian und 1696 in Kremsmünster, Bauten des Baumeisters Carlo Antonio Carlone, an denen auch Vater Giovanni Battista Colomba beteiligt ist.
[5] Giovanni Pietro Scotti (1695−1765) aus Laino, Schwager von Livio, Paolo und Riccardo Retti.
|1691 (um)||Vöcklabruck, Oberösterreich. Dörflkirche St. Ägid. 15 Kuppelfresken (Geheimnisse des Rosenkranzes). Erste Arbeit, noch mit Vater Giovanni Battista und Santino Bussi. Baumeister ist Carlo Antonio Carlone. Stuck von Giovanni Battista Carlone.||Erhalten|
|1697||Bük, Königreich Ungarn. Schloss von István Felsöbüki Nagy. Fresken im Hauptsaal. Der Stuck ist von Pietro Antonio Conti aus Lugano. Baumeister ist Lorenz Eysenköbl.||Erhalten|
|1700||Eisenstadt im Burgenland. Schloss Esterhàzy. Wandfresken. Zerstörung durch Umbauten.||Zerstört|
|1702 (vor)||Frauenkirchen im Burgenland. Wallfahrtskirche Mariä Geburt. 65 Deckenfresken mit Szenen aus dem Leben und der Passion Christi, dem Marienleben und verschiedenen Heiligenlegenden. Fresken in den Seitenkapellen. Die Kirche wird 1695−1702 von Francesco Martinelli als Stiftung des Fürsten Pavel Esterhàzy gebaut.[1] Stuck von Pietro Antonio Conti.||Erhalten|
|1702−1704||Ráckeve auf der Insel Csepel, Königreich Ungarn. Lustschloss des Prinzen Eugen von Savoyen. Fresken. Planer ist Johann Lucas von Hildebrandt. Zerstörung durch Umbauten.||Zerstört|
|1704−1705||Scalica, Königreich Ungarn, heute Slowenien. Karmelitenkirche. Altarblätter und Fresken. «Drei ovale Szenen mit dem Propheten Elias an der Unterwölbung des Chores, eine davon ist auch signiert, sind im authentischen Zustand erhalten und gehören zu den besten Werken, die der junge Colomba in Ungarn hinterliess. Ein weiteres Gemälde am Gewölbe des Klosterrefektoriums ging im 19. Jahrhundert verloren» (Jozef Medvecký in www.snm.sk). Der Stuck ist von Giovanni Antoni Conti aus Lugano.[2]||Erhalten|
|1707||(Krems an der Donau. Pfarrkirche St. Veit)? Wahrscheinlich falsche Zuschreibung.|
|1711||Fulda. Kirche der Benediktinerabtei. Heute Dom. Zwickelfresken der Kuppel. Baumeister ist Johann Dientzenhofer, der von Kurfürst Lothar Franz von Schönborn gefördert wird. Stuckateur ist Giovanni Battista Artari aus Arogno.[3] Hier arbeitet auch Melchior Steidl.||Erhalten|
|1711−1724||Ludwigsburg. Residenz. Decken- und Wandfresken im Alten Corps de Logis, in Ordenskapelle und Ordenssaal (beide Werke zerstört), in Treppenhaus und Vestibül des Ordensbaus, im Riesenbau, in der Marmorsaletta des Jagdpavillons, im Spielpavillon und in der Schlosskirche. Hier Zusammenarbeit mit den Brüdern Carlone.||Teilweise erhalten|
|1714 und 1719||Biebrich bei Wiesbaden. Schloss des Fürsten Georg August von Nassau-Idstein. Deckenfresken und Kuppelfresko (Götterversammlung). Planer ist der kurmainzische Baudirektor Maximilian von Welsch, Stuckateur ist Carlo Maria Pozzi.[4]||Erhalten|
|1718||Ludwigsburg. Lustschloss Favorite. Deckenfresken. Stuckateure sind Giacomo Antonio Corbellini, Riccardo Retti und Diego Francesco Carlone. Nach klassizistischer Umgestaltung nur noch wenig erhalten.||Teilweise erhalten|
|1719||Idstein. Schloss des Fürsten Georg August von Nassau-Idstein. Fresken in Anticamera und Kapelle. Planer und Stuckateur wie in Biebrich.||Erhalten|
|1721||Mainz. Lustschloss Favorite des Kurfürsten Lothar Franz von Schönborn. Fresken im Gartensaal des Rheinschlösschens. Colomba arbeitet hier mit den Malern von Pommersfelden, Giovanni Marchini und Johann Rudolf Byss. Kriegszerstört 1793.||Zerstört|
|1722||Heilbronn. Deutschordenskirche St. Peter und Paul. Fresken am Chor, im Langhaus und in Kapelle. Akkord 1200 Gulden. Kriegszerstört 1944.||Zerstört|
|1724−1727||Schöntal. Zisterzienserabtei. Stiftskirche. Gewölbefresken im Hochchor und Altarraum nach dem Bildprogramm von Abt Benedikt Knittel. Akkorde 1724 für 3900 Gulden.||Erhalten|
|1725||Lanzo im Val d’Intelvi. Kirche Maria Loreto. Deckenfresko.||Erhalten|
|1728||Arogno. Pfarrkirche S. Stefano. Deckenfresken und zwei Altarblätter. Zuschreibung. Zwei Wandfresken 1670 des Vaters sind von ihm signiert. Stuck Diego Francesco Carlone.||Erhalten|
|1729||Frauenalb. Freiadeliges Frauenstift. Stiftskirche. Deckenfresken und Altarblätter. Baumeister ist Peter Thumb. Stuckateur ist Ricardo Donato Retti (Ludwigsburg). Zerstörung nach Aufhebung und Inbesitznahme durch Baden 1802.||Zerstört|
|1730−1731||Ettlingen. Schloss der Markgräfin Sibylla Augusta von Baden-Baden. Freskenausstattung der Innenräume. Stuck Ricardo Donato Retti (Ludwigsburg). Durch Umbauten im 19. Jahrhundert zerstört. Fassadenmalereien mit Scheinarchitektur 1979 rekonstruiert.||Zerstört|
|1733−1735||Liebereich? (Erwähnung in Füssli als kurfürstliches Lustschloss bei Mainz). Lokalisierung unklar. Fresken für zwei Galerien.|
|1735||Frankfurt am Main. Palais Thurn und Taxis. Deckenfresko «Der Olymp» im Kuppelsaal. Kriegszerstörung 1944. Farbaufnahmen 1943 sind vorhanden.

Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Palais_Thurn_und_Taxis.
|Zerstört|
|1736||Lugano. Kirche des Kapuzinerklosters SS. Trinità. Zwei Ölbilder.||Erhalten|
[1] Francesco Martinelli (1651−1708) aus der Gegend der oberitalienischen Seen, wird in Wien sesshaft.
[2] Giovanni Antonio Conti aus Lugano, siehe
http://www.uibk.ac.at/aia/conti_pietro%20antonio.htm.
[3] Giovanni Battista Artari (1664−1730) aus Arogno, dem Heimatort Colombas, arbeitet vorher in Rastatt.
|Luca Antonio Colomba (1674–1737)|
|Biografische Daten|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land|
|19. November 1674||Arogno||Tessin CH|
|Land 18.Jh.||Bistum 18.Jh.|
|Eidgenössische Vogtei Lugano||Como|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land|
|22. Dezember 1737||Arogno||Tessin CH|
|Land 18. Jh.||Bistum 18. Jh.|
|Eidgenössische Vogtei Lugano||Como|
|Kurzbiografie|
|Fast die Hälfte der Werke von Luca Antonio Colomba, die er in vierzig Jahren Tätigkeit nördlich der Alpen hinterlassen hat, sind heute zerstört. Die erhaltenen Fresken oder die Abbildungen zerstörter Arbeiten in zeitgenössischen Stichen und auf Vorkriegsaufnahmen zeugen von einem grossen Meister im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts. Fast immer arbeitet Colomba mit Stuckateuren und Baumeistern seiner Heimatregion zusammen, mit den Carlone ist er verwandt. In Ludwigburg muss er nach 1717 dem jüngsten Carlone und dem ebenfalls bedeutend jüngeren Pietro Scotti Platz machen, beweist aber noch 1735 seine Schaffenskraft mit dem Fresko im Kuppelsaal des Palais Thurn und Taxis in Frankfurt.|