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Planungsdetails
Zum Verständnis des Projekts wurden an einer öffentlichen Orientierung und an der Gemeindeversammlung im November 2013 ausführliche Informationen vermittelt. Zudem lagen die Projektpläne 2014 bei der Gemeinde zur Einsicht auf. Hier eine Darstellung der Hauptpunkte.
Geschichte des Bustelbachs
Der Bustelbach hat schon sehr unterschiedlich ausgesehen! So folgte er gemäss einer Karte von 1880 einem anderen Verlauf im Sisslerfeld (Originalkarte mit hervorgehobenem Bach)
Im gestrichelt dargestellten Teil versickerte der Bustelbach je nach mitgeführter Wassermenge früher oder später. Man beachte auch die wenigen Gebäude, die im Dorf Stein kartiert wurden.
Ende des 19. Jahrhunderts war das Sisslerfled noch wirklich Feld. Mit der zunehmenden Besiedlung im 20. Jahrhundert wurde der Bustelbach dann künstlich umgeleitet - dorthin, wo er auch heute noch fliesst (Originalkarte mit hervorgehobenem Bach).
Auf dieser Karte ist auch der alte Verlauf des Bustelbachs (siehe Bild weiter oben) nach wie vor als dunkelblaue Linie (ausgezogen und gestrichelt) zu sehen.
Der Bach bot nun eine durchgehende biologische Vernetzungslinie vom Hügel bis zum Rhein und konnte auch landwirtschaftlich als Bewässerungsquelle genutzt werden - wenn er denn auch wirklich genug Wasser führte. Frühe Versickerung war ein Problem und wurde 1944 mit dem Bau eines künstlichen Bachbetts behoben: im ganzen Verlauf erhielt der Bustelbach ein neues Bett aus Betonschalen, wie aus diesem Projektschema ersichtlich.
Seither fliesst der Bach munter bis ans Ende und die gesamten Ufer wurden zunehmend bewachsen. In neuster Zeit wurde auch das Zuwachsen durch Pflanzen im Bachbett zum Problem, so dass der NVS Säuberungen durchführen musste.
Was 1944 erwünscht erschien, entsprach schon vor 20 Jahren nicht mehr den Vorstellungen in Bezug auf Ökologie: in der Bau- und Nutzungsordnung wurde damals ein Landstrich entlang des Baches ausgeschieden, in dem der Kanton eine Renaturierung planen sollte.
Die gelb eingezeichnete "Spezialzone Bustelbach" ist in der heutigen Bau- und Nutzungsordnung enthalten und wurde ursprünglich wie folgt festgelegt:
"1. Die Spezialzone "Bustelbach" bezweckt die Schaffung von Freiraum für das Anlegen eines naturnahen, landschaftlich wertvollen Grüngürtels. Dieser Grüngürtel, der so gepflegt werden darf, dass kein Wald entsteht, soll zusammen mit dem Bustelbach
a) das Sisslerfeld landschaftlich gliedern (Kammerung),
b) wertvolle Lebensräume miteinander verbinden (Vernetzung) und
c) selber Lebensraum seltener und bedrohter Tier- u. Pflanzenarten sein."
"2. Die Breite dieses Grüngürtels hat im Mittel 20 m, im Minimum 10 m zu betragen. Abweichungen vom Mittel sind nur bei gleichzeitiger Flächenkompensation gestattet. Die Detailgestaltung der Spezialzone ist in separaten Projekten aufzuzeigen und soweit notwendig mittels Sondernutzungsplänen rechtlich sicherzustellen. Diese Planungsarbeiten sind vom Staat als Eigentümer des Gewässers auszuführen oder an Dritte zu übertragen."
Die Planungsarbeiten sind nun also erfolgt und von den Gemeindeversammlungen in Münchwilen und Stein genehmigt worden. Einen Grossteil der Kosten übernehmen Bund (60%) und Kanton (16%). Die verbleibenden Realisierungskredite wurden von den Gemeindeversammlungen gutgeheissen.
Massnahmen der Renaturierung
Folgende Veränderungen sind im Rahmen des Projekts geplant:
|-||Der Bustelbach soll wieder einen unregelmässig geschlängelten Verlauf und ein vorwiegend natürliches Bachbett erhalten|
|-||Gegen die Versickerung sollen stellenweise die Betonwannen erhalten bleiben, im Bereich des neuen natürlichen Bachbettes soll der Uferbereich verdichtet werden|
|-||Der gesamte Verlauf soll variabel aufgeweitet werden, d.h. der Uferstreifen verbreitert und an einzelnen Stellen "Ruderalflächen" (siehe weiter unten) mit Tümpeln angegliedert - unter weitgehender Erhaltung der NVS-Biotope|
|-||Als Hochwasserschutz (vor allem für die 400-Meter-Bahn) sollen ein natürliches Rückhaltebecken mit unauffälligem Schutzwall aufgebaut und die Durchgänge unter den Brücken erweitert werden|
|-||Niederhecken und "Kleinstrukturen" sollen angelegt werden und bei Waldpartien wird auf Artenvielfalt geachtet|
Die Grafik zeigt die Massnahmen im Verantwortungsbereich Stein aus der Vogelperspektive
Dies macht vieles klar, doch was sind "Ruderalflächen" und wozu dienen sie? Das online-Lexikon Wikipedia sagt dazu:
"Eine Ruderalfläche (von lateinisch rudus ‚Klumpen', ‚Brocken' und im übertragenen Sinn ‚Kies', ‚Schotter', ‚Schutt') ist eine meist brachliegende Rohbodenfläche. Sie kann sowohl natürlichen Ursprungs sein, zum Beispiel durch Erdrutsche, Geröllstürze bewirkt, oder sie befindet sich auf Kiesbänken und Schotterflächen von Flüssen und Gletschern; in der vom Menschen kultivierten Landschaft sind solche Rohbodenstandorte selten. Aber auch hemeroben (menschlichen) Ursprungs gibt es Ruderalflächen auf nicht mehr vom Menschen genutzten Flächen, auf steinhaltigem Abbruchgelände oder auf städtischen Trümmerschuttböden oder Trümmerhalden aus dem Zweiten Weltkrieg.
Die Wildnis einer Ruderalfläche offenbart ihre Besonderheit im Kleinen, oft Verborgenen. Sie beherbergt eine sehr spezielle Lebensgemeinschaft von Pflanzen (Ruderalflora) und Tieren, sogenannten Pionierarten. Für diese Tier- und Pflanzenarten ist dieses Gelände ein wichtiger Lebensraum."
Typische Ruderalflächen mit Tümpeln wurden von den Planern so dargestellt::
Offenbar sind solche Anlagen nützlich, um die Artenvielfalt wieder zu fördern. Wo sie im Verlauf des Bustelbachs seitlich ergänzend aufgebaut werden, zeigen die gelben Pfeile im folgenden Schema
Aus all diesen Projektinformationen ist zu folgern, dass den Bustelbach und seine Umgebung massive Veränderungen erwarten. Zum Schluss sei nochmals auf die angepeilten Ziele verwiesen:
- ökologische Aufwertung des Bustelbachs
- Verstärkung der Funktion als vernetzender Grüngürtel
- Unterstützung der Artenvielfalt: Lebensraum seltener und bedrohter Tier- u. Pflanzenarten
- Schutz vor Hochwasser
- Aufwertung als Naherholungsgebiet
Planauflage
Vom 28. Oktober bis 25. November 2014 waren die Pläne des Renaturierungsprojekts bei der Gemeindekanzlei einsehbar. Die nachfolgenden Bilder sind Fotos des Aufsichtsplans und stimmen mit den oben gezeigten Abschnitten und Ruderalflächen überein. Für die am Detail interessierten Leser zeigt die Bilderserie vom Süden (links) ausgehend alle Abschnitte des zu renaturierenden Bustelbachs bis zum nördlichen Plan-Ende im Norden.
Hier die definitiven Aufsichtspläne im Verlaufe des Bustelbachs:
Gemäss obigem Bild wird das Ufergebiet des Bustelbachs wesentlich erweitert und grenzt an eine Ruderalfläche. Es ist deshalb noch nicht sicher, ob am Westufer die vom NVS angelegten Kleintümpel und Hochstamm-Obstbäume die Renaturierung überleben werden.
Im Innern des Bustelbach-Biotops wird der neuste kleine Weiher (mit immer noch sichtbarer grüner Folie am Rand) entfernt werden. Weitere grosse Veränderungen sollte es an diesem Biotop gemäss Planbild nicht geben, hier nochmal eine Detailaufnahme:
In den Plänen fällt auch auf, dass eine Brücke verkleinert werden soll: am Ende des Kieswegs zwischen 400-Meter-Bahn und Schrebergärten wird die Brücke nach Osten von der jetzigen Betonkonstruktion auf einen Fussgängersteg zurückgestuft:
Eine erfreuliche Veränderung wird im Gebiet nördlich des Biotops gebaut werden: dort soll es einen Holzsteg über den Bach geben, von dem aus man die Ruderalfläche überschauen und beobachten kann:
Zeitplan der Ausführung
Ab 23.März 2015 fällte der Forstbetrieb dem Bustelbach entlang Bäume und schnitt Sträucher zurück. Dem Bustelbach entlang wurde auch abschnittsweise vollständig gerodet. Auch etliche unserer bezeichneten Gewächse des Biotop- und Heckenlehrpfades wurden zugunsten der Bauarbeiten entfernt.
Die Rodung geschah absichtlich frühzeitig, um Störungen während der Brutzeit der Vögel zu vermeiden. Insgesamt wurde recht viel "geholzt":
Später wurde der Holzhaufen vollständig abgeräumt. Im Mai 2016 begannen die eigentlichen Bauarbeiten am Bustelbach und in der angrenzenden Fläche. Nach Abschluss wurde ein bebilderter Kurzbericht zu Grundlagen, Zielen und Finanzierung in der Steiner "Brückenpost" Nr. 4/2016 publiziert (Link zu pdf 3,4MB). Wir können auf das Resultat des Projektes echt stolz sein!