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Mirbanöl
(Essence de mirban). Unter diesem Namen hat man im Handel eine schwere, ölartige Flüssigkeit von starkem, durchdringendem Geruch nach Bittermandelöl; aus diesem Grunde gab man ihr auch den Namen künstliches Bittermandelöl, der aber jetzt wenig mehr gebräuchlich ist, da man jetzt wirklich künstliches Bittermandelöl hat, das nicht bloß dem Geruche nach, sondern auch hinsichtlich seiner Zusammensetzung mit dem ächten übereinstimmt, was bei dem M. nicht der Fall ist.
Seiner chemischen Natur nach ist das käufliche M. gewöhnlich ein Gemenge von Nitrobenzol und Nitrotoluol; doch kommen auch diese beiden, ihrem Geruche nach fast ganz gleichen Flüssigkeiten für sich allein, getrennt in den Handel, da zur Erzeugung gewisser Farben reines Nitrobenzol, und andrer Farben reines Nitrotoluol notwendig ist. Für die Herstellung des gewöhnlichen Anilinrot oder Fuchsins ist jedoch ein Gemisch dieser beiden Stoffe und zwar ein solches, in welchem das Nitrotoluol vorwaltet, unbedingt notwendig. -
Reines, aus toluolfreiem Benzol bereitetes Nitrobenzol (Nitrobenzin, Nitrobenzid), ist farblos oder schwach gelblich, hat 1,209 spezifisches Gewicht, während reines, aus benzolfreiem Toluol bereitetes Nitrotoluol 1,180 spezifisches Gewicht besitzt. Beide Präparate sind in Wasser beinahe unlöslich, lösen sich aber leicht in starkem Alkohol und sind in jeder Menge mit diesem mischbar; beide wirken innerlich genossen giftig. Der Verbrauch dieser Nitroprodukte für die Zwecke der Farbenindustrie ist ein sehr bedeutender und namentlich wird das gewöhnliche M., also die Mischung aus Nitrobenzol und Nitrotoluol in noch weit größeren Mengen verbraucht, als die reinen Nitroprodukte. Sehr viel von diesem M. verwendet man auch zum Parfümieren ordinärer Seifen.
Die Bereitung desselben geschieht am einfachsten dadurch, daß man das Benzol in einem dünnen Strahle langsam in rote rauchende Salpetersäure einfließen läßt und dabei beständig umrührt und nötigerweise etwas abkühlt. Das Benzol löst sich darin auf und beim Vermischen mit Wasser scheidet sich das Nitrobenzol (und Nitrotoluol) aus, während die Salpetersäure sich in dem Wasser löst. Für die Fabrikation im großen ist jedoch diese Methode, weil zu kostspielig, nicht geeignet.
Man benutzt hierzu gewöhnliche Salpetersäure, die man mit konzentrierter Schwefelsäure mischt; letztere beteiligt sich an dem Prozesse nicht weiter, als daß sie der ersteren Wasser entzieht und diese dadurch stärker macht. Nach dem Verdünnen mit Wasser und Absonderung des ausgeschiednen Öles wird dieses noch mit verdünnter Sodalösung oder mit Ammoniak von den letzten Resten anhängender Säure befreit. Das so erhaltene M. ist gewöhnlich noch dunkelgelb bis hellbraun gefärbt und bildet die II. Qualität des Handels; es besitzt auch einen nicht gerade angenehmen Geruch. Durch wiederholte Destillation mit Wasserdampf erhält man die I. Qualität, weiß genannt; es ist zwar nicht ganz farblos, ¶
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aber doch nur sehr wenig hellgelb und von feinerem Geruche. Der Vorgang bei der Bereitung des M. besteht darin, daß dem
Benzol durch den Sauerstoff der Salpetersäure ein Atom Wasserstoff entzogen wird und Stickstoff und Sauerstoff in Form von
Untersalpetersäure an Stelle des Wasserstoffs in das Molekül des Benzols eintreten. In ganz derselben
Weise vollzieht sich der Vorgang bei der Darstellung des Nitrotoluols. Die Versendung des
Mirbanöls geschieht in Glasballons
oder Blechflaschen.
Gutes M. darf keine Spur freier Säure enthalten; es muß sich in Alkohol klar und vollständig lösen, etwa beigemengtes fettes Öl bleibt hierbei ungelöst. Häufig kommt das M. mit Alkohol verfälscht vor; ein solcher Zusatz läßt sich leicht daran erkennen, daß man das fragliche Öl mit etwas Wasser schüttelt, welches den Alkohol aufnimmt; fügt man dann diesem Wasser etwas doppelchromsaures Kali und Schwefelsäure zu und erwärmt die Mischung, so gibt sich vorhandener Alkohol teils durch den charakteristischen Geruch nach Aldehyd, teils durch die entstehende grüne Färbung der Flüssigkeit zu erkennen. - Zollfrei.