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Schweizer Stücke auf schwedischer Bühne: Betreffend Theater- und Tanzvorstellungen zeichnet sich ein ziemlich gleiches Bild in Stockholm und Bern ab. Beide Städte haben grössere Institutionen in die das Abo-Publikum strömt, aber auch kleinere Nischenbühnen für Experimentelleres finden sich. Von Saima Sägesser
Während Bern ein Stadttheater hat, hat Stockholm einerseits das offizielle Stadttheater im Kulturhaus und das königliche Nationaltheater. Beide Gebäude erzählen spannende Geschichten. Das Kulturhuset wurde als Institution errichtet, in dem sich die gesamte Stadtbevölkerung aufhalten darf und soll. Hier finden sich Bibliotheken, Cafés, ein Kino, Touristeninformation, Ausstellungen und eben das Stadttheater.
Die Stückauswahl und das Repertoire im Theater setzen dennoch klar auf Bildungsbürgertum. Das Durchschnittsalter liegt tiefer als im königlichen Stadttheater. Vielleicht basiert dieser Eindruck aber auch einfach aufgrund der Produktion «Besuch der alten Dame» die ich besuchen durfte, um eine Kritik zu verfassen. Der Stücktitel spiegelte sich im Publikum wieder. Die Inszenierung war nicht wirklich herausragend.
Das königliche Nationaltheater wiederum zeigt innovativere Inszenierungen. Es kristallisiert sich allerdings heraus, dass schwedisches Theater sehr stark auf Minimalismus im Bühnenbild und im Spiel setzt. Die Schauspieler*innen spielen meist episch auf den grossen Bühnen. Inszenierungen in denen sich die Schauspieler*innen mit den Figuren identifizieren und gar veristisch spielen, finden sich auf kleineren Bühnen wie dem Playhouse, wo ich kürzlich «Frankenstein» sah, wieder.
Tanzvorstellungen geniessen in Stockholm ein grösseres Publikum als in Bern. Während die Dampfzentrale unten an der Aare innovatives Programm kuratiert, auf Risiko spielt und dann vielleicht doch mal kaum verkauft, besetzt das Dansens Hus in Stockholms Zentrum eine Prestigestellung. Internationale Künstler*innen wechseln sich mit kostenlosen Programmen lokaler Tänzer*innen ab. Da tanzt dann ab und zu einer durchs Foyer und macht Kunst.
Die königliche Oper – Bern hat gar keine – bietet beides. Tanz und Oper ergänzen sich im Saisonprogramm und Namen wie William Forsythe gehören dann einfach dazu.
Zwischen all dem liegt die freie Szene. Das Weld zum Beispiel bietet Plattform für unkonventionelle Performances. Wer einen engen Begriff von Tanz hat, dem wird hier vor den Kopf gestossen. Gleich zu Beginn meines Stockholm-Aufenthalts besuchte ich diesen Veranstaltungsort.
Als Festival angekündigt, sollten während mehreren Tagen Performances und Video- und Soundinstallationen zu sehen sein. Wir mussten die Schuhe ausziehen, bevor wir das Lokal betreten durften. Es war gut keine Erwartungen und nur Neugierde zu haben, denn entgegen eines klassischen Festivalkonzepts, an dem man früher kommt, verweilt, trinkt, isst, gab es hier nicht einmal eine Bar. Also sassen wir da in unsern Socken und sahen zu, wie die sonst so pünktlichen Schwed*innen alle auf den letzten Drücker eintrudelten. Wir wurden dann von der Produktionsleiterin eingelassen und durften uns auf Kissen und Tücher auf der Bühne setzen. Eine seltsam intime, heimelige Stimmung entstand. Die Performerin zitierte irgendwelche Texte, zog sich aus und legte die Kleider in einer Schlage auf den Boden (Klassiker), dann verstreute sie Glitzer und wohleichende Öle und zum Schluss bat sie uns alle von ihrem brasilianischen, höllen-starken Alkohol zu kosten und noch etwas zu verweilen. Bisschen Auawirleben, Bestival und Tojo zugleich.