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Blütenfarben.
Die Färbung der Blumenblätter wird entweder durch ihren Zellsaft oder durch feste, im Zellsaft befindliche Körner veranlaßt. In vielen Fällen gehen aus den grün gefärbten Chlorophyllkörnern direkt gelb oder orange gefärbte Körner hervor, die dann die gelbe oder Orangefärbung der Blüten hervorbringen; nur selten treten gelbe, rote oder blaue Körner auf, die nicht durch Umwandlung aus dem Chlorophyll hervorgegangen sind. Gefärbtem Zellsaft verdanken die meisten rosa gefärbten Blüten, manche rote und die Mehrzahl der violetten und blauen ihre Farbe. Wo der Zellsaft, wie in den meisten Fällen, farblos bleibt, erscheint die Blüte [* 2] weiß.
Mischfarben entstehen, wenn sich der Zellsaft und die festen Körner verschieden färben. Bisweilen werden die Blüten dadurch leuchtend, wie bei Canna, Tropaeolum u. a., in deren Blütenzellen gelbe Körner in einem roten Saft schwimmen, oder sie erscheinen schmutzig, wie bei Atropa Belladonna, durch grünliche Körner und violetten Saft. Auch durch Bastardierung können Farbennüancen erzeugt werden. Ein schönes Beispiel dafür bieten zwei Arten von Leptosiphon: die eine (L. roseum) mit violetten Zellsaft in den Blumenblättern, die andre (L. luteum) mit gelben Körnchen. Der Bastard zwischen beiden Arten bildet die verschiedensten Nüancen zwischen Braun und Orange, weil bei ihm in den Zellen der Blumenblätter gelbe Körner in violetten Zellsaft in verschiedener Menge auftreten.
Die Ursachen der so verschiedenen Ausbildung der Blütenfarben können teils direkte, durch das Licht, [* 3] die Temperatur und die Bodenverhältnisse herbeigeführte, teils indirekte, durch die natürliche Zuchtwahl zur Geltung kommende sein. Manche Blütenfarbstoffe sind unabhängig vom Licht und bilden sich daher im Dunkeln ebenso aus wie bei normaler Beleuchtung. [* 4] Das Licht kann sogar auf die verschiedenen Teile einer und derselben Blüte einen verschiedenen Einfluß ausüben. Im Dunkeln erzogene Blüten von Orchis ustulata waren an den Blättern der Oberlippe ungefärbt, an der Unterlippe dagegen hatten sich die roten Punkte wie sonst im Licht ausgebildet.
Ist also im allgemeinen der direkte Einfluß des Lichts ebenso wie der der Temperatur aus ein sehr eingeschränkter, so hat man doch aus den vorherrschende Blütenfarben innerhalb der Pflanzenwelt größerer Distrikte einen Schluß daraufhin zu ziehen versucht, daß bestimmte Licht- und Temperaturverhältnisse auch bestimmte Blütenfarben hervorbrächten. In der Flora Englands z. B. erscheinen, nach Prozenten berechnet, die blauen Blüten zuerst, dann folgen die weißen und purpurroten und zuletzt die gelben und hochroten.
Solche statistische Ermittelungen haben aber für die Frage, ob Licht und Temperatur auf das Erscheinen bestimmter Blütenfarben einen Einfluß haben, gar keine Bedeutung, denn diese Verhältnisse sind in den verschiedenen Jahreszeiten [* 5] an ungleichen Standorten unter Umständen ganz dieselben. Auch blüht bisweilen eine Pflanzenart an einem und demselben Standort gleichzeitig blau, weiß und rot. Ebenso wie der Einfluß des Lichts und der Temperatur ist auch die Wirkung der Bodenbeschaffenheit auf die Blütenfarbe eine sehr eingeschränkte.
Dagegen können alle diese Faktoren insofern einen bedeutenden Einfluß ausüben, als durch starke Änderungen aller derselben jede Pflanze, wie aus den Erfahrungen der Blumenzüchter hervorgeht, mehr als sonst zum Variieren geneigt gemacht wird und dabei auch in der Blütenfarbe abändern kann. Jedoch besteht die wesentlichste Ursache, welche die Blüten von dem ursprünglichen Grün zu allmählicher Annahme andrer Farben gebracht hat, in der Anpassung an blütenbesuchende Tiere, besonders an Insekten. [* 6] Teils sind bestimmte Blütenfarben zur Anlockung von Tieren zum Zweck der Bestäubung nützlich, teils können sie als Schutzmittel zur Abhaltung schädlicher Tiere dienen.
Bestimmte Insektenarten besuchen nur leuchtende Blüten, andre solche, die unscheinbar und schmutzig gefärbt sind. Im allgemeinen müssen die am meisten ins Auge [* 7] fallenden Blüten, die weißen, gelben und leuchtend roten, im Vorteil gegen die weniger sichtbaren violetten und blauen Blüten sein, wenn das Insektenauge die Farben ähnlich sieht, wie es das menschliche thut.
In der That werden die blauen Blüten nur von verhältnismäßig wenigen Insektenarten besucht. Diese geringe Anlockungskraft der blauen Farbe erklärt es, warum weiß oder gelb blühende Pflanzen so selten zum Blau hin variieren. Auf die größere oder geringere Sichtbarkeit der Blüten hat auch der Standort einen gewissen Einfluß. Auf Wiesen, die lange Zeit hindurch grün bleiben, sind gelb oder weiß gefärbte Blüten besser sichtbar als blaue oder rote, die wieder in Umgebungen im Vorteil sind, wo das Grün der Gewächse in bleiche oder gelbe Farbentöne übergeht.
Auch das Erscheinen mancher Blüten vor den Blättern, wie bei den Weiden, der Kornelkirsche, der Hepatica u. a., muß hier als eine Einrichtung zum Zweck der bessern Sichtbarmachung der Blüten genannt werden. Sehr schöne Anpassungsverhältnisse liegen ferner bei den mißfarbenen Blüten vor, die oft ihre Kronen [* 8] erst während der Nacht öffnen und meist von Dämmerungs- und Nachtfaltern bestäubt werden. Bei ihnen bildet starker Geruch ein ähnliches Anlockungsmittel wie bei den Tagblüten die grelle Farbe.
Untersucht man die Floren verschiedener Länder auf die Blütenfarbe, so ergibt sich im allgemeinen eine Zunahme der weißen Blüten nach Norden, [* 9] was andeutet, daß bei abnehmender Zahl der Bestäuber eine desto hervortretenden Blütenfarbe zur Anlockung jener notwendig ist. In der Flora von Deutschland [* 10] sind unter den einfarbigen Blüten die gelbe und die weiße Farbe am häufigsten und zwar die gelbe etwas überwiegend vertreten; dann folgen Rot, Blau, Violett. Mehrfarbige Arten sind ungefähr an Zahl den Arten gleich, die in der Farbe im wilden Zustand variieren; diese Zahl ist aber im Vergleich mit der der einfarbigen und konstanten Blüten ziemlich gering.
Eine bedeutendere Anzahl von Pflanzen Deutschlands [* 11] entbehrt überhaupt des farbigem Blütenschmuckes. Übrigens haben diese Angaben keine große Bedeutung, da sie nicht die Zahl von Individuen an bestimmten Standorten, sondern nur die Zahl der überhaupt vertretenen Arten betreffen. Die in manchen Blüten auftretenden eigenartig gefärbten und gezeichneten Flecke und Streifen, die Saftmale, haben den Zweck, den blumenbesuchenden Insekten den Weg zu den Honig absondernden Stellen anzuzeigen, und sie verschwinden in der Regel, wenn die Blüten durch gärtnerische Kunst »gefüllt« werden, weil bei gefüllten Blüten die Bestäubung und damit der notwendige Insektenbesuch fortfällt.
Die Blütenfarben der heute lebenden Pflanzen befinden sich in zwei verschiedenen Zuständen, einem stationären und einem variabeln. Manche Arten und Gattungen sind in ihrer Blütenfarbe völlig fixiert, sie erscheinen vollkommen ihren Bestäubern angepaßt, während bei andern ein möglichst günstiges Verhältnis zu den Blumenbesuchern offenbar noch nicht erreicht ist. Die in der Blütenfarbe variabeln Spezies können nicht jede beliebige Farbe annehmen, sondern bewegen sich ¶
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in dem Farbenkreis, den ihre nächsten Verwandten zeigen. Bei der Gartennelke (Dianthus Caryophyllus) treten z. B. die verschiedensten Nüancen zwischen dem dunkelsten Rot und dem reinen Weiß, daneben gelbe Farben auf; niemals aber ist eine blaue Gartennelke trotz aller von den Nelkenzüchtern aufgewendeten Mühe erzeugt worden. Denselben Kreis [* 13] der Farbenvariationen finden wir bei den wild lebenden Arten der Gattung Dianthus; vorherrschend sind rot und weiß gefärbte Arten, seltener gelbe; blaublütige existieren nicht.
Ähnlich verhalten sich die Blüten der Stockrose (Althaea rosea), bei denen sich zwar vielfache Nüancen zwischen dunklem, fast schwarz erscheinendem Violett und Weiß, aber niemals ein reines Blau findet. In diesen und vielen ähnlichen Fällen zeigt sich, daß, wenn eine rote oder gelbe Spezies variiert, die Variation sich danach richtet, welche Farbe die Mehrzahl der verwandten Spezies derselben Gattung oder der ganzen Familie zeigt. Herrscht in der Gattung das Rot vor, so kann in der Variation eine Annäherung zum Blau eintreten; herrscht dagegen Gelb vor, so findet eine solche Annäherung nicht statt.
Die meisten blaublütigen Pflanzen, wie Salvia pratensis, die Kornblume, das Immergrün, die Scilla, variieren wohl zwischen Violett, Rot und Weiß, aber nicht zum reinen Gelb hin; nur bei der Gartenhyazinthe treten die drei Hauptfarben, Blau, Rot und Gelb, in voller Reinheit nebeneinander auf. Wenn eine Pflanzenart in der Farbe variiert, so findet sich stets Weiß unter den Variationsfarben. Viele Pflanzen ändern nur nach Weiß als der am leichtesten zu erreichenden und zugleich am häufigsten vorkommenden Blütenfarbe.
Auch bei farbenwechselnden Blüten, wie den zuerst weißen, dann gelblichen und endlich roten Blüten von Hibiscus mutabilis oder den zuerst gelben, dann blauen Blüten von Myosotis versicolor, sowie bei Blüten, die an demselben Pflanzenstock an verschiedenen Sproßgenerationen mit wechselnder Farbe, wie bisweilen bei Hyazinthen und Nelken, auftreten, kommen ähnliche Gesetze zum Vorschein.
Vgl. Hildebrand, Die Farben der Blüten (Leipz. 1879).
Die Blütenfarbstoffe sind noch wenig untersucht. Der blaue Farbstoff (Anthocyan) findet sich meist im Zellsaft gelöst, wird durch Säure rot und findet sich auch in dieser Modifikation in den Blüten. Blaue Blüten haben neutral, rote einen sauer reagierenden Zellsaft. Blaue und rote Blüten kommen mit allen Übergängen an derselben Pflanze vor (Ochsenzunge, Natterkopf), und bei manchen ändert sich das Blau in Rot oder umgekehrt im Lauf eines Tags. Durch schweflige Säure wird der rote Farbstoff gebleicht, taucht man aber eine in solcher Weise gebleichte Rose in verdünnte Schwefelsäure, [* 14] so wird der rote Farbstoff wiederhergestellt. Ammoniak färbt diesen Farbstoff grün.