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Die zu jedem Jahresende enttäuschend ausfallende Bilanz über vergeigte Projekte, verschlafene Begegnungen und versiebte Chancen führte oft zu erneuten, umso unrealistischeren Neujahrsvorsätzen, sodass sich ein Kreislauf von unerfüllten Ambitionen und bitteren Selbstzweifeln in Gang setzte. Das Ganze liess sich aber vermeiden, indem der Jahreswechsel, der schlussendlich willkürlich festgelegt war, abgesehen von Jahresabschlüssen und Plänen völlig oder zumindest teilweise ignoriert und indem nicht einmal das Lachsfressen und das Champagnersaufen praktiziert wurden. Die Massenaufläufe zum Feuerwerkgaffen fanden ohnehin nicht statt, und so konnte ein durchaus schöner Abend in passender Gesellschaft verbracht werden, bei dem alle überzogenen Erwartungen und hölzernen Rituale draussen blieben.
Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Im Herbst 2019 ist sein neuster Köbi-Krimi, «Pöschwies», im Bilgerverlag erschienen. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» sowie «Mordgarten» und «Pöschwies» sind im WOZ-Shop www.woz.ch/shop als Buch erhältlich.