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Veranstaltungen - 09.05.2014 - 00:00
9. Mai 2014. Eine Plenarsitzung unter der Moderation des Wirtschaftsredaktors der «Financial Times», Martin Wolf, erkundete die Grundlagen des Gesellschaftsvertrags und der heutigen Möglichkeiten zur Sicherstellung seiner Erhaltung. Zum Auftakt der Diskussion bezog sich Wolf auf einen politischen Theoretiker und Philosophen – und zwar nicht Rousseau, Hobbes oder Locke, sondern auf den irisch- und englischstämmigen Edmund Burke. Eines der berühmtesten Zitate von Burke über den Gesellschaftsvertrag besagt, dass «die Gesellschaft eine Vertrag zwischen der Vergangenheit, der Gegenwart und den ungeborenen Menschen» sei.
An der Podiumsdiskussion nahmen teil:
Rahman bezog sich schwerpunktmässig auf die Rolle der heutigen Jugend bei ihrem Ausblick auf die Zukunft von morgen. «Junge Menschen auf der ganzen Welt hinterfragen ihre Beziehung zum Staat im Zusammenhang mit der Suche nach ihrer Identität, ihrem Standpunkt und ihren Möglichkeit zum Erfolg auf der Welt… und dies spielt sich natürlich global ab.»
Sie führte aus, dass der «American Dream» – die Vorstellung, dass man ungeachtet der Herkunft eine fundierte Ausbildung erhalten, eine feste Stelle finden, für die Familie und die Kinder sorgen sowie Geld für die eigene Pensionierung ansparen kann – für die meisten Amerikaner eine gute Veranschaulichung eines Gesellschaftsvertrags sei. Rahman ist sich nicht im Klaren, ob diese Chance noch immer so besteht wie zuvor. «Die globale Jugendarbeitslosigkeit lässt darauf schliessen, dass der Gesellschaftsvertrag versagt hat.»
Weber, Ökonom und ehemaliger Professor sowie Verwaltungsratspräsident eines globalen Finanzinstituts, richtete sein Augenmerk auf die wirtschaftliche Perspektive der Gesellschaftsvertragsfrage. «Abgaben und Steuern haben in manchen Ländern zu stark zugenommen. Wenn wir ins Mittelalter zurückgehen, hatten die Bauern 10% ihres Einkommens dem Feudalherrn abzuliefern. Falls dieser zu habgierig wurde, legten sie ihm die Burg in Schutt und Asche. Heute beträgt der öffentliche Beitrag ans BIP etwa 50%.» Weber ist der Meinung, dass zur Rettung des Gesellschaftsvertrags das System reformiert werden muss und dass Arbeitsmarktreformen den heutigen Bedürfnissen nicht Rechnung tragen.
Seines Erachtens muss das Altersvorsorgesystem komplett überholt werden. In Deutschland wurde das Rentensystem in den 1850er Jahren von Bismarck eingeführt – mit einem Pensionsalter von 65 bei einer Lebenserwartung von 59 Jahren. 2000 stand die Lebenserwartung bei 83 Jahren bei einem effektiven Pensionsalter von 61 Jahren. Als Ökonom und als Berater für den ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder war Weber eines der Mitglieder des deutschen Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, das sich zugunsten einer Erhöhung des Pensionsalters von 65 auf 67 Jahre aussprach. Dies war einer der Gründe dafür, dass sich die öffentliche Meinung gegen Schröder wandte und er letztlich seine Stellung verlor, weil ihm das Volk Widerstand leistete. «Er tat das Richtige… aber er hätte das Pensionsalter mit dem Altersvorsorgesystem indexieren sollen.»
Für Judge ist die Lösung einfach. Sie sagte: «Meine eigene Theorie zur Lösung der Pensionskrise ist dreifach: mehr sparen, länger arbeiten und weniger erwarten. Ich glaube, dass die Gesellschaft verpflichtet ist, älteren Menschen die Möglichkeit zu geben, länger zu arbeiten… aber wir müssen uns um die jungen Menschen sorgen. Wenn wir alle weiterarbeiten, wo kommen dann die Jobs für die jungen Menschen her?“
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