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Die HBO-Miniserie «The Undoing» mit Nicole Kidman und Hugh Grant kombiniert klassische Krimielemente mit einer Studie der New Yorker High Society. In Manhattans Häuserschluchten reissen Schöpfer David E. Kelley und Regisseurin Susanne Bier tiefe Abgründe auf.
Familie Fraser könnte glatt einem Woody–Allen-Film entsprungen sein: An der Upper East Side führt sie ein luxuriöses Leben in einem Appartement mit Blick auf den Central Park. Grace Fraser (Nicole Kidman) ist eine erfolgreiche Psychotherapeutin, ihr Ehemann Jonathan (Hugh Grant) ein angesehener Kinderonkologe, und Sohnemann Henry (Noah Jupe) spielt Violine, wenn er nicht gerade die Eliteschule besucht. Das alles geht entsprechend kultiviert vonstatten, bis die Mutter eines Mitschülers von Henry in ihrem Künstleratelier auf brutalste Art ermordet wird. Die Ermittlungen führen zu Grace beziehungsweise zu Jonathan, der ein Verhältnis mit dem Opfer gehabt haben soll und kurz nach dem Verbrechen spurlos verschwindet.
In der Folge entspinnt sich ein klassischer Whodunnit-Krimi, der sich der allmählichen Aufklärung des Mordes widmet. Angereichert werden die Ermittlungen mit einer gehörigen Portion Melodramatik, dysfunktionalen Familien und so manchem Doppelleben – eine Formel, die Showrunner David E. Kelley bereits in der Miniserie «Big Little Lies» (2017–2019) äusserst erfolgreich angewandt hat. In jener Murder-Mystery-Geschichte um eine Handvoll wohlhabender Eltern, deren Kinder dieselbe Privatschule im kalifornischen Monterey besuchen, spielte Nicole Kidman («Destroyer») ebenfalls eine der Hauptrollen. Darüber hinaus weist «The Undoing» zahlreiche ästhetische und narrative Parallelen auf.
«Angereichert werden die Ermittlungen mit einer gehörigen Portion Melodramatik, dysfunktionalen Familien und so manchem Doppelleben – eine Formel, die Showrunner David E. Kelley bereits in der Miniserie ‹Big Little Lies› äusserst erfolgreich angewandt hat.»
Zwar findet ein Ortswechsel an die Ostküste statt; im Zentrum des Geschehens steht jedoch nach wie vor jene High Society, die an der alljährlichen Spendengala der Schule mal eben 1‘000 Dollar für ein Glas Leitungswasser hinblättert, um das eigene Gewissen zu beruhigen. Exemplarisch für diese Upper Class steht die Figur von Graces Vater Franklin (Donald Sutherland), der im Stile eines Aristokraten durch das moderne New York stolziert und davon überzeugt ist, aufgrund seines Reichtums unantastbar zu sein. Je weiter die Detektivarbeiten im Mordfall voranschreiten, desto deutlicher wird hingegen, dass hinter den scheinbar perfekten Fassaden der Luxuswohnungen und unter den samtenen Oberflächen der Designermöbel vor allem eines schlummert: jede Menge Dreck.
«Diese Sozialkritik mag weder neu noch besonders subtil sein, wird vom oscargekrönten Kameramann Anthony Dod Mantle (‹Slumdog Millionaire›) jedoch gekonnt in die Bildsprache übersetzt. In extremen Nahaufnahmen verharrt er bisweilen lange auf den Augen der Protagonist*innen, deren Blick auf die Dinge wie auch jener des Publikums nur selten klar ist.»
Diese Sozialkritik mag weder neu noch besonders subtil sein, wird vom oscargekrönten Kameramann Anthony Dod Mantle («Slumdog Millionaire») jedoch gekonnt in die Bildsprache übersetzt. In extremen Nahaufnahmen verharrt er bisweilen lange auf den Augen der Protagonist*innen, deren Blick auf die Dinge wie auch jener des Publikums nur selten klar ist. Immer wieder gleiten Einstellungen in die Unschärfe ab, während die Wahrheit irgendwo zwischen Wirklichkeit und Einbildung verborgen liegt.
Für diesen Sumpf aus Irrungen und Wirrungen gibt es unterschiedliche Erklärungsansätze. Staranwältin Haley Fitzgerald (Noma Dumezweni), wohlgemerkt die Verteidigerin des Hauptverdächtigen, findet deutliche Worte: Die Reichen und Privilegierten würden die hässlichen Wahrheiten um jeden Preis vertuschen, sobald ihre gesellschaftliche Stellung bedroht sei. Dabei seien sie stets im Glauben, aufgrund ihres Vermögens damit durchzukommen. Grace Fraser behauptet, nichts verbergen zu müssen. Gegenüber ihren Patient*innen mahnt sie vielmehr vor falschen Idealbildern, die wir auf andere Menschen projizieren, was deren wahre Persönlichkeit verschleiere. Ob nun Fitzgeralds oder Graces Diagnose, beide verheissen sie schmutzige Aussichten.
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Jetzt auf Sky Show
Serienfakten: «The Undoing» / Creator: David E. Kelley / Regie: Susanne Bier / Mit: Nicole Kidman, Hugh Grant, Donald Sutherland, Noah Jupe, Édgar Ramírez, Noma Dumezweni, Matilda De Angelis / USA / 6 Episoden à 50-67 Minuten
Bild- und Trailerquelle: © Home Box Office, Inc. All rights reserved. HBO® and all related programs are the property of Home Box Office, Inc