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Es gibt sehr viele Journalisten in Vientiane. Nur ist für mich die Frage aufgetaucht was denn der Sinn davon ist, wenn alle vom Staat kontrolliert und überwacht werden. Es existiert kein unabhängiges Medien Unternehmen in Laos. Die Vientiane Times, für welche ich als Fotograf arbeite, ist direkt dem Ministerium für Information, Kultur und Tourismus unterstellt. Es ist zwar keine Bedingung für die Journalisten bei der Partei Mitglied zu sein, aber alle die eine höhere Stellung bekleiden, sind Parteimitglieder. Es ist nicht eine Frage wie man als Journalist zu einer bestimmten Sache steht, die Frage ist, was sagt der General Direktor der Vientiane Times dazu, oder letztendlich die Partei. Brisante Themen werden entweder gar nicht erwähnt oder schön geschrieben im Sinne der Regierung. Ein solches betrifft im Moment die sehr umstrittenen Wasserkraftwerk Projekte am Mekong entlang. Eine Journalistin aus den Philippinen, die ihr Volontariat bei der Vientiane Times macht, erzählte mir, alles was auch nur irgendwie ein negatives Licht auf die Projekte werfen könnte, wurden aus ihrem eingereichten Artikel herausgestrichen.
Auf dem Index 2013 von Reporter ohne Grenzen, rangiert Laos auf Platz 168 von 179 beurteilten Staaten und wird als „very seriuos situation“ beschrieben.
Entscheidung
Viele Vorschläge zu Themen werden schlicht nicht akzeptiert. Über die Muslimische Minderheit einen Artikel zu schreiben oder zu fotografieren, wird mit dem Gegenvorschlag, schreib doch über die Mönche abgewürgt. Ein weitere Versuch meinerseits über die Blindgänger Problematik eine Reportage zu machen, würde ebenfalls ausgeschlagen, Gründe dafür werden nicht mal angegeben. Ein weiteres Problem liegt bei der Entscheidung wer welche Aufträge, sei das für ein Artikel oder für Bild, erhält. Dies ist nicht zwingend abhängig von der Verfügbarkeit oder der Schwerpunkte der jeweiligen Journalisten/Fotografen, sondern vielmehr von der Fülle des Kuvert das zum Beispiel bei einer Pressekonferenz überreicht wird, vom jeweiligen Ministerium. Die Vientiane Times ist ein Propagandablatt und dient lediglich dazu die richtigen Information zu streuen. Wer am meisten schmiert kriegt seine Geschichte abgedeckt.
Kultur der Pressefotografie
Eine eigentliche Kultur der Pressefotografie existiert nicht. Die meisten Journalisten nehmen ihre eigene Kamera mit. Es ist extrem schwierig als Fotograf zu Jobs geschickt zu werden. Ein Grund dafür liegt darin, das Journalisten bei der Vientiane Times sehr schlecht bezahlt werden, und für die Bilder die zu ihren Artikel publiziert werden, eine paar zusätzliche Kip verdienen können. Ein weiterer Grund, Fotografie interessiert niemand und das wirkt sich schlecht auf die Qualität der Fotografie aus.
Die meisten Bilder in der Vientiane Times oder auch in anderen Medien zeigen eher ältere Männer beim Händeschütteln oder beim Unterzeichnen von Verträgen. Hauptsache die wichtigen Köpfe sind auf dem Bild erkennbar.
Ich persönlich finde, das die ganze Situation ein besonders dramatische Note dadurch erhält, das Laos absolut nirgendwo in der Welt im Fokus steht. Sei es im Internet oder im Print, über Laos gibt es kaum Berichterstattung. Die Mediale Aufmerksamkeit des Binnenstaates ist nicht nur von innen abgeschottet, auch wird sie von aussen ignoriert wenn nicht sogar isoliert, auch wenn unbewusst. Ein Gefühl macht sich breit in mir, von jeder kann hier tun und lassen was er will.
Es gibt sie sicher, die Journalisten die Kopf und Kragen riskieren. Nur ich habe sie noch nicht getroffen. Aber die Bedingungen sind sehr ernst und es kann damit enden wie es Sombath Somphone Anfang Dezember 2012 ergangen ist.
Vermissmeldung die teilweise noch heute in den Strassen von Vientiane ausgehängt sind. Sombath Somphone verschwand am 15. Dezember 2012. Er wurde an diesem Abend von der Polizei angehalten. Das ganze Szenario wurde von einer Überwachungskamera festgehalten. Er ist bis heute nicht wieder aufgetaucht.
http://sombath.org/