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Auf die Erfolgsformel von Hollywood-Grossproduktionen der damaligen Zeit ausgerichtet, erschien 1976 Midway, der unter Mitwirkung einer ganzen Riege vertrauter Schauspieler-Veteranen und ausgestattet mit dem kurzlebigen Sensurround-Gimmick die Massen in die Kinos locken sollte. Der Streifen um die für den Verlauf des Zweiten Weltkriegs bedeutsame Seeschlacht im Pazifik erreicht indes weder im faktischen noch im fiktionalen Bereich ein nennenswert hohes Level.
Von John Williams‘ Musik war jahrzehntelang lediglich eine Single erhältlich, die mit Midway March und The Men Of The Yorktown March die beiden Hauptthemen enthielt, ansonsten gab der Maestro an seinen Konzerten ab und zu vor allem den Midway March zum Besten, der auch auf der einen oder anderen seiner Boston-Pops-CDs zu finden ist. 1998 brachte dann Varése den kompletten Score auf den Markt, allerdings in einer Neueinspielung des Royal Scottish National Orchestra unter Rick Wentworth.
Nun doppelt Robert Townson im CD-Club mit der Originaleinspielung nach, und die Frage, die sich naturgemäss als Erstes stellt, ist folgende: brauche ich diese Scheibe, wenn ich das Re-Recording schon habe? Diese Frage lässt sich ‒ zumindest für eingeschworene Williams-Fans ‒ ohne Umschweife mit einem Ja beantworten. Zwar machte Wentworth seinerzeit einen respektablen Job, holte aber längst nicht das ganze Potenzial aus dieser Musik heraus, was zum Teil sicher auch der Aufnahme mit schwammigem Konzerthall geschuldet ist. Nicht nur ist das Original kontrastreicher und detaillierter, sondern Williams‘ Interpretation hat eindeutig mehr Biss, ist zupackender und dank strafferer Tempi um einiges mitreissender.
Entstanden zwischen den Meilensteinen Jaws und Star Wars, ist Midway so etwas wie eine Standortbestimmung für Williams. Einerseits hält er Rückschau auf kurz vorher entstandene Arbeiten wie Towering Inferno und Jaws, anderseits dient der Score als Aufwärmtraining für das, was kommen wird, nehmen doch einige Passagen bereits den charakteristischen Action-Sound der Star Wars-und Indiana Jones-Filme vorweg. Zwischen einzelnen, sujetgerechten maritimen Momenten flackern kurz japanische Klänge auf; diesen stellt Williams sein patriotisches Material entgegen, wobei er hier mehr Gebrauch macht vom feierlichen, britisch angehauchten The Men Of The Yorktown March als vom vermeintlichen Hauptthema, dem schmissigeren Midway March.
Während der grösste Teil des Scores in Stereo präsentiert werden kann, waren einige Cues unglücklicherweise nicht mehr zu gebrauchen. Deshalb musste bei den zu einem einzigen Track zusammengefassten Matt Takes Off, Matt’s Crash, Red Park Fighters und Attack Begins auf immerhin akzeptable Mono-Quellen zurückgegriffen werden. Das trifft ebenfalls auf die End Credits zu, die darüber hinaus kurz vor Schluss auch noch ausgeblendet werden. Dafür wird man als Bonus mit den Stücken dar damaligen Single entschädigt; hier begeistert vor allem eine im Vergleich zur Neuaufnahme spektakulärere Version des Men Of The Yorktown March.
Als Fazit bleibt festzuhalten, dass Midway zwar nicht zu den bedeutendsten Werken von Williams gehört, aber selbst in dieser kleinen Fingerübung kommen alle Qualitäten zum Vorschein, die seinen aussergewöhnlichen Status als Filmkomponist ausmachen. Und man gewinnt einmal mehr die Erkenntnis, dass ein Komponist der beste Interpret seiner eigenen Musik ist, zumindest wenn er seine Filmeinspielungen selber dirigiert. Wo ich der Neueinspielung eine 3 gebe, würde ich der Originalfassung, wenn dies in unserem Wertungssystem möglich wäre, eine 3.75 zugestehen.