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Anna Abel ist seit dem 1. September Bereichsleiterin Internationale Programme und Humanitäre Hilfe bei TearFund Schweiz. Vorher war sie rund zwei Jahre Programmverantwortliche Östliches Afrika. Wir haben bei ihr nachgefragt.
Anna, der Wasserverbrauch in der Schweiz sinkt. Was denkst du dazu?
Das klingt gut. Doch diese Zahlen verschweigen die Menge an importiertem oder virtuellem Wasser. Dieses wird bei der Produktion von landwirtschaftlichen und industriellen Gütern im Ausland verbraucht. Beispielsweise benötigt es 160 Liter Wasser, um eine einzige Tasse Kaffee zu produzieren. Wird dieser Verbrauch berücksichtigt, kommen die SchweizerInnen auf 4'200 Liter Pro Tag!
Warum ist das problematisch?
Dieses Wasser wird am Entstehungsort der Produkte verbraucht. Dort ist Wasser oft knapper als bei uns, besonders das Trinkwasser. Mit dem Import von Wasser tragen wir zum Mangel an anderen Orten bei.
Vergleichen wir diese Zahlen mit Uganda. Wie hoch ist dort der Wasserverbrauch?
Der durchschnittliche tägliche Wasserverbrauch pro Person liegt in Uganda etwa bei 55 Liter, also 10-Mal tiefer als in der Schweiz. Der wirkliche Bedarf und was in diversen Regionen tatsächlich zur Verfügung steht, klaffen aber weit auseinander.
In Uganda haben über 20 Millionen Menschen noch keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser in ihrer Nähe. Mehr als die Hälfte der Menschen holt ihr Wasser aus Seen, Flüssen oder entfernten Bohrlöchern. Dieses Wasser ist oft verschmutzt und führt zu Krankheiten.
Der Südwesten des Landes, wo wir mit unseren lokalen Partnern das Projekt „Wasser ist Leben“ umsetzen, gehört zu den Regionen mit dem schlechtesten Zugang zu Trinkwasser. In diesem Gebiet hatten vor der Umsetzung des Projekts viele Menschen täglich lediglich 3 - 4 Liter Wasser zur Verfügung.
Der Verbrauch hängt sicher davon ab, wie mühselig die Beschaffung ist.
Genau. Viele Mädchen und Frauen verbringen täglich 2 - 4 Stunden mit der Wasserbeschaffung, weil die Wege weit und steil sind. Dank dem Projekt erhalten pro Jahr bis zu 10'000 Menschen eine sichere Wasserstelle in einem Umkreis von 500 Metern. Letztes Jahr konnten wir die Menge an sicherem Wasser sogar für rund 12'000 Personen auf 15 - 20 Liter pro Tag steigern.
Wie teilen die Menschen ihre täglichen 20 Liter auf?
Das Wasser wird für Gesundheit, Hygiene und für den häuslichen Gebrauch verwendet. Zum Trinken und Kochen werden mindestens 2 - 4 Liter benötigt. Je nachdem wird zudem Wasser für das Feld gebraucht, das können gut 10 Liter pro Person sein. Was übrig bleibt, steht für Haushalt und Hygiene zur Verfügung: Körper, Wäsche, Geschirr. Ist das Wasser knapp, wird es nur zum Überleben gebraucht. Das Feld und die Hygiene müssen hintenanstehen. Mehr Wasser ermöglicht also direkt bessere Hygiene und die Menschen sind gesünder.
Können die Menschen ein Feld bewässern, fördert das die Gesundheit zusätzlich. Das zeigt das Beispiel der 70-jährigen Salome K.: «Ich ass früher nie Gemüse und hatte eine schlechte Hygiene. Ich war immer kränklich und vergeudete Zeit und Geld im Krankenhaus. Dann lernte ich vieles über Hygiene und Ernährung. Heute habe ich einen Gemüsegarten und ich fühle mich besser denn je. Sogar meine Sehkraft hat sich erholt.»
Interview: Sibylle Weber, Bereichsleiterin Marketing bei TearFund
(Artikel aus dem tearinfo Oktober 2020)
Trinkwasser-Challenge
Viasi in Uganda geht eine Stunde, um 20 Liter Seewasser zu holen. Sie hat kein Trinkwasser. Im Gegensatz dazu spült eine Person in der Schweiz täglich mit 35 Litern Trinkwasser das WC.
Glücklicherweise müssen wir unser Wasser nicht vom nächsten Bach in unsere Wohnung tragen. Doch dadurch fehlt uns das Gefühl für die Wassermenge, die wir täglich verbrauchen.
Mache mit bei der TearFund Trinkwasser-Challenge und untersütze gleichzeitig das TearFund Wasserprojekt in Uganda!