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Lehrplan 21: Antworten auf die 10 wichtigsten Fragen
Der Lehrplan 21 ist in den deutsch- und mehrsprachigen Kantonen umgesetzt. Doch was bringt er mit sich? Hier finden Sie Antworten auf die 10 wichtigsten Fragen.
10 Fragen zum Lehrplan 21
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Was ist der Lehrplan 21?
2006 sagen die Stimmberechtigten Ja zu einer Vereinheitlichung der Volksschulen. Die 21 deutsch- und mehrsprachigen Kantone erarbeiten gemeinsam den Lehrplan 21. Er soll einerseits sicherstellen, dass Kinder, die mit ihrer Familie in einen anderen Kanton ziehen, sich schulisch schnell zurechtfinden. Andererseits soll er auch die Schülerinnen und Schüler möglichst gut auf die Anforderungen der Arbeitswelt vorbereiten.
- Wann wurde er eingeführt?
Einige Kantone haben mit der Einführung bereits im Schuljahr 2015/2016 begonnen, die meisten in den Schuljahren 2017/18 oder 2018/19.
- Wie ist er aufgebaut?
Die obligatorische Schulzeit ist in drei Zyklen unterteilt, innerhalb derer Schülerinnen und Schüler bestimmte Kompetenzen erwerben müssen. Der erste Zyklus umfasst den Kindergarten sowie die 1. und 2. Klasse. Der zweite Zyklus die dritte bis sechste Klasse. Der dritte Zyklus die 7. bis 9. Klasse. Die Zyklen entsprechen entwicklungspsychologischen Phasen. Die Fächer sollen altersgerecht vermittelt und fortlaufend vertieft werden.
Ein Beispiel: Bereits im Kindergarten wird das Verständnis für die Struktur einer Sprache gelegt. Zu jedem Laut gehört ein Buchstabe. Später lernen Kinder erste Wortstämme. Dann kommt das Lesen dazu. Je älter die Schüler, desto komplexer die Satzstrukturen.
- Was ist die grosse Neuerung?
Der Lehrplan 21 beschreibt, was Schülerinnen und Schüler im Verlaufe der obligatorischen Schulzeit lernen, in Form von Kompetenzen. Sie bestehen aus drei Komponenten: Wissen, Können und Wollen. Was die Schülerinnen und Schüler lernen, sollen sie auch anwenden können und wollen. Es werden personale, soziale und methodische Kompetenzen unterschieden. Dass Schülerinnen und Schüler eigene Gefühle wahrnehmen und sich der Situation angepasst ausdrücken können, ist ein Beispiel für eine personale Kompetenz. Dass sie aufmerksam zuhören und Meinungen und Standpunkte von andern wahrnehmen und einbeziehen, gilt als soziale Kompetenz. Dass sie Informationen vergleichen und Zusammenhänge herstellen können, ist ein Beispiel für eine methodische Kompetenz. Der Lehrplan umfasst 363 Kompetenzen.
- Gibt es neue Fächer?
Die ehemaligen Fächer Mensch, Umwelt, Ethik und Religion werden in einem neuen Fachbereich Natur, Mensch, Gesellschaft behandelt. Ab dem 3. Zyklus wird er als Fachbereich «Räume, Zeiten, Gesellschaften» unterrichtet. Geographie, Geschichte, gesellschaftliche und politische Themen werden hier erarbeitet. Das Fach Hauswirtschaft wird zum Fachbereich Wirtschaft, Arbeit und Haushalt erweitert, dazu gehören auch Wirtschaftswissen und Finanzkompetenzen. Der Sport wird in meisten Kantonen zu Bewegung und Sport. Ganz neu sind die Fächer Berufliche Orientierung sowie Medien und Informatik.
- Wie steht es um die Fremdsprachen?
Bei den Fremdsprachen bestehen weiterhin kantonale Unterschiede. In der Zentralschweiz und in der Ostschweiz ist die erste Fremdsprache Englisch, in den Kantonen an der Sprachgrenze Französisch. In Graubünden gibt es deutsch-, romanisch- und italienischsprachige Schulen – dort ist die erste Fremdsprache eine neue Kantonssprache. Im Tessin ist die erste Fremdsprache Französisch, in den Westschweizer Kantonen Deutsch. Spätens im 5. Schuljahr beginnt der Unterricht in der ersten Fremdsprache. Die zweite Fremdsprache wird in 22 Kantonen im 7. Schuljahr eingeführt.
- Was ändert sich für die Lehrer?
Der neue Lehrplan ist ein Kompass, der die Richtung vorgibt. Nach wie vor prägt die Lehrperson den Unterricht. Sie ist an bestimmte Lehrmittel gebunden, wählt aber die passende Lehrmethode. Die Ausbildung hingegen hat sich verändert: Neu werden Lehrerinnen und Lehrer nicht mehr nach Stufen, sondern nach Zyklen ausgebildet. Zwei Kindergartenjahre bilden mit den ersten zwei Primarschuljahren den ersten Zyklus von vier Jahren. Eine für Zyklus 1 ausgebildete Lehrperson kann daher die Vier- bis Achtjährigen unterrichten. Dies verbessert den Übergang vom Kindergarten in die Primarschule, da die Lehrperson beides kennt.
- Was ändert sich für die Schüler?
Es wird mehr darauf fokussiert, wie Schülerinnen und Schüler bei einer Aufgabe vorgehen, als auf ihr Resultat. Wie sie einen Text aufbauen, mit welchen Schritten sie eine Mathematik-Aufgabe lösen. Sie arbeiten oft fächerübergreifend.
- Was ändert sich für die Eltern?
Der Lehrplan 21 schreibt Hausaufgaben nicht vor. Es gibt Schulen, die Hausaufgaben durch betreute Aufgabenzeiten an der Schule ersetzen, andere geben weiterhin Ufzgi für zuhause. Möchten Eltern ihre Kinder dabei unterstützen, empfehlen Experten, sich für den Prozess zu interessieren. Zu fragen: Was hast du dir überlegt, wie bist du vorgegangen? Warum hast du gemerkt, dass das Resultat nicht stimmen kann?
- Was bedeutet die Neuerung für die Noten?
Am Notensystem ändert sich grundsätzlich nichts. In Weiterbildungen beschäftigen sich Lehrpersonen mit der Frage, wie Kompetenzen am umfassendsten und fairsten geprüft werden können.
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