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Das musst du wissen
- Die Übernahme des Wahlverhaltens der Eltern durch ihre Kinder hat vor allem für die CVP eine grosse Bedeutung.
- Da die SVP erst ab den 90ern ihren Aufschwung erlebte, wählten die Eltern von SVP-Wählern in jungen Jahren oft anders.
- Bei der GLP und den Grünen spielt die Traditionswahl aufgrund des jungen Parteialters eine nebensächliche Rolle.
Wählen wir einfach so, wie es bereits unsere Ahnen taten? Die politische Sozialisationsthese geht davon aus, dass das Wahlverhalten der Eltern einen grossen Einfluss auf die spätere Parteiwahl junger Erwachsener ausübt. Aus Sicht der Parteien ist es nicht nur wünschenswert, dass sie neue Wählerinnen und Wähler hinzugewinnen oder ehemalige Wählende erneut mobilisieren können, sondern auch, dass sich die Parteiwahl der bestehenden Anhängerschaft über die Generationen hinweg fortsetzt.
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Wie aber haben die Eltern der Wählerinnen und Wähler von 2019 gewählt, als letztere 14 Jahre alt waren? Gaben Mütter und Väter ihre Stimmen damals der gleichen Partei wie Töchter und Söhne heute?
Traditionswahl für CVP am wichtigsten
In der Schweizer Wahlstudie Selects gaben auf die Frage nach dem Wahlentscheid des Vaters 61 Prozent der Befragten eine Partei an. 27 Prozent der Befragten wussten es nicht oder gaben keine Antwort, neun Prozent gaben zu Protokoll, dass ihr Vater (noch) nicht stimmberechtigt gewesen sei und drei Prozent, dass er nicht an Wahlen teilgenommen hätte.
Auf die Frage nach dem Wahlentscheid ihrer Mutter konnten nur 49 Prozent der Wählenden eine Partei nennen. Das Frauenstimmrecht wurde in der Schweiz erst 1971 eingeführt. Dementsprechend war der Anteil derjenigen Wählenden, die angaben, ihre Mutter sei (noch) nicht wahlberechtigt gewesen, als sie 14 Jahre alt waren, mit zwölf Prozent etwas höher als bei der Frage nach dem Wahlentscheid des Vaters. 29 Prozent gaben bezüglich dem Wahlentscheid der Mutter keine Antwort oder wussten es schlicht nicht und zehn Prozent der befragten Wählerinnen und Wähler gaben an, dass ihre Mutter nicht gewählt hätte.
Science-Check ✓Studie: Eidgenössische Wahlen 2019. Wahlteilnahme und Wahlentscheid.KommentarDies ist ein Kommentar der Autorin / des AutorsDie Auswertung beruht nur auf denjenigen Wählenden, die Angaben zur Parteiwahl ihres Vaters und/oder Mutter machen konnten, als die Wählenden 14 Jahre alt waren. Die Umfrage kann demnach Hinweise liefern – ist aber mit Unsicherheit behaftet.Mehr Infos zu dieser Studie...Zuverlässigkeit: Nicht peer-reviewed, basiert auf der Schweizer Wahlstudie Selects 2019: Nachwahlbefragung von 6 664 Wahlberechtigten.Studien-Art: Wahlstudie, quantitative BeobachtungsstudieGeldgeber: Schweizerischer Nationalfonds (SNF)Alle Informationen zum higgs-Science-Check
Die Bedeutung der Traditionswahl für die jeweiligen Wählerschaften der sechs grössten Parteien der Schweiz ist sehr unterschiedlich. Für die CVP hat die Traditionswahl eine herausragende Bedeutung: Insgesamt 84 Prozent ihrer Wählenden gaben an, dass der Vater und/oder die Mutter bereits CVP gewählt hätte(n). Mit jeweils über fünfzig Prozent von Wählenden, die aus Haushalten stammen, in denen der Vater und/oder die Mutter gleich gewählt hatten, ist die Traditionswahl auch für die FDP, SP und SVP wichtig. Aufgrund des vergleichsweise jungen Parteialters der GLP und Grünen spielt die Traditionswahl für die beiden ökologischen Parteien hingegen noch keine grosse Rolle.
Traditionswahl für SVP weniger wichtig
Auch wenn man die Antworten nach dem Wahlentscheid des Vaters und der Mutter separat aufschlüsselt, verdeutlicht sich die immense Bedeutung der Traditionswahl für die CVP: Je rund drei Viertel ihrer Wählerschaft gibt an, dass bereits der Vater beziehungsweise die Mutter CVP wählte.
Von der FDP-Wählerschaft gab jede zweite Person, die sich an die Parteiwahl des Vaters zurückerinnern konnte, an, dass dieser ebenfalls FDP gewählt hätte. Dieser Anteil war für die FDP-Wahl der Mütter von befragten Personen etwas geringer (43%).
Von den SVP-Wählenden gaben 43 Prozent der Befragten an, dass bereits ihr Vater in jungen Jahren die SVP wählte, und 39 Prozent, dass die Mutter dies bereits tat. Die SVP erlebte in den 90er Jahren einen steilen Aufstieg zur wählerstärksten Partei und radikalisierte sich in dieser Zeit zunehmend. Deshalb ist es nachvollziehbar, dass der Wert der Traditionswählenden bei der SVP kleiner ist als bei den restlichen Bundesratsparteien. So haben die Mütter und Väter heutiger SVP-Wählenden noch mehrheitlich andere Parteien gewählt. 20 Prozent der befragten SVP-Wählerinnen und ‑Wähler gaben an, der Vater hätte FDP gewählt, und bei der Parteiwahl der Mutter stand mit 26 Prozent die CVP an der Spitze.
Bei den Sozialdemokraten sticht derweil ins Auge, dass mehr als die Hälfte der Väter heutiger SP-Wählender früher bürgerlich gewählt hat. Nur rund ein Drittel der Väter wählte bereits SP. Unter den Müttern waren es hingegen schon 44 Prozent.
Grüne kommen aus SP-Haushalten
Woher aber kommt die neue Wählerschaft der GLP und GPS, die nicht auf eine Traditionswählerschaft zählen können? Die GLP-Wählerschaft stammt zumeist aus bürgerlichen Haushalten: Fast 70 Prozent der Väter und Mütter heutiger GLP-Wählender wählten SVP, FDP oder CVP. Zudem gaben zwanzig Prozent der GLP-Wählenden an, dass die Mutter oder der Vater die SP gewählt hätte, als sie oder er 14 Jahre alt waren.
Ein deutlich anderes Bild zeigt sich in der Wählerschaft der Grünen. Während die Väter von GPS-Wählenden früher häufig SP einlegten (30%) aber auch gut auf die FDP und CVP zu sprechen waren (je 23%), stand bei Müttern von Grünen-Wählenden die SP ganz klar am höchsten in der Wählergunst (43%). Wer heute den Grünen die Stimme gibt, kommt demnach am häufigsten aus einem SP-Elternhaus.