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Bereits als die neue Corona-Variante Omikron in Südafrika entdeckt wurde, gab es Vermutungen, dass diese Mutante sich zwar schneller ausbreitet, als das Ursprungsvirus, dafür aber zu etwas leichteren Verläufen führen könnte. Mittlerweile haben Wissenschaftler auf der ganzen Welt einige Belege für diese Theorie gefunden. In Tierversuchen und Gewebeproben könnte nun ein weiterer Hinweis darauf gefunden worden sein. Demnach greift das Coronavirus bei der Omikron-Variante die Lunge weniger oder gar nicht an. Wie kommen die Forscher zu diesem Schluss?
Schon vor Weihnachten zeigten Studien aus Grossbritannien, dass Corona-Infektionen bei der Omikron-Variante im Vergleich zur Delta-Variante seltener zu einem Krankenhausaufenthalt führen. Zuvor hatte es schon Erkenntnisse aus Südafrika gegeben, wo die Omikron-Variante erstmals registriert worden war. Den Studien zufolge gab es bei der Omikron-Variante bis zu 25 Prozent weniger Krankenhauseinweisungen mit Covid-19, als beispielsweise bei der Delta-Variante.
Für Ungeimpfte ist Omikron aber fast genauso gefährlich wie Delta (nur ca. 20% harmloser). Dieser Vorteil wird durch das höhere Infektionsrisiko mehr als aufgehoben.— Carsten Watzl (@CarstenWatzl) January 1, 2022
Experten warnten allerdings vor überzogenem Optimismus, vor allem die schnelle Ausbreitung der Variante könnte trotzdem zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führen. Zudem ist bisher nicht klar, wie es zu der möglicherweise geringeren Gefahr durch Omikron kommt. Ein Grund könnten auch die jüngeren und gesünderen Patienten in Südafrika sein, die nicht mit Vorerkrankungen zu kämpfen haben, wie sie bei uns häufig vorkommen. Einen anderen Grund könnten nun Tierstudien liefern, über die die «New York Times» zuerst berichtete.
Wie die US-Tageszeitung berichtet, haben mehrere Forschungsgruppen in Tierversuchen und bei Laboruntersuchungen menschlichen Gewebes festgestellt, dass Omikron im Vergleich zu anderen Corona-Varianten weniger Schäden an der Lunge verursacht. Das könnte eine Erklärung für mildere Verläufe liefern.
Einige der Studien wurden an Mäusen und Hamstern durchgeführt. Sie zeigten, dass Omikron vor allem die oberen Atemwege infiziert und so hauptsächlich Nase, Rachen und die Luftröhre betrifft. So schadete das Virus der Lunge der Tiere viel weniger. Dort sorgten andere Varianten für Narbenbildung oder ernsthafte Atembeschwerden. Die mit Omikron infizierten Tiere hingegen hatten weniger Lungenschäden, verloren weniger Gewicht und starben weniger wahrscheinlich. Besonders auffällig seien die Ergebnisse bei syrischen Hamstern gewesen, die an allen bisherigen Versionen des Virus schwer erkrankt war. «Das war überraschend, da jede andere Variante diese Hamster robust infiziert hat», sagte Dr. Michael Diamond, Virologe an der Washington University und Mitautor der Studie, gegenüber der «New York Times».
Als möglichen Grund dafür, dass Omikron milder verlaufen könnte, als andere Varianten nennt Diamond die Anatomie. In der Nase der Tiere sei die Viruslast ähnlich hoch gewesen, wie bei früheren Varianten, die Omikron-Werte in der Lunge seien hingegen nur etwa ein Zehntel der Werte anderer Varianten gewesen.
Zu ähnlichen Ergebnissen kamen auch Forscher aus Hongkong, die Gewebeproben von Menschen untersucht haben. In den Lungenproben konnten die Wissenschaftler demnach feststellen, dass Omikron offenbar langsamer wächst als Delta oder andere Varianten. Um einen Vergleich herzustellen, infizierten die Wissenschaftler auch Gewebe aus den Bronchien und den oberen Atemwegen. Im Gegensatz zum Wachstum in der Lunge breitete sich Omikron in den Bronchialzellen deutlich schneller aus als Delta oder andere Varianten.
Auch dafür, warum die neue Variante sich nicht so sehr in der Lunge ausbreitet wie andere Varianten, haben die Wissenschaftler erste Erklärungsansätze. So erklärt Dr. Ravindra Gupta, Virologe an der University of Cambridge laut «New York Times», viele Zellen in der Lunge trügen ein bestimmtes Protein auf ihrer Oberfläche. Dieses könne Viren dabei helfen, in die Zelle einzudringen. Dazu erklärt Gupta auch auf Twitter: «Wir haben den Wildtypen, Delta und Omikron getestet», Delta sei dabei sehr gut darin gewesen, Lungenzellen zu infizieren. Das entsprechende Protein vertrage Omikron hingegen offenbar nicht so gut. Weiter oben in den Atemwegen tragen die Zellen dieses Protein allerdings gar nicht oder weniger in sich. Das könnte erklären, warum sich Omikron dort leichter verbreiten kann.
Vier experimentelle Untersuchungen zu #Omicron die auf einem milderen Verlauf hindeuten im Vergleich zu #Delta.— ECMO_Karagiannidis (@ECMOKaragianni1) January 1, 2022
- weniger infizierte Zellen in der Lunge
- niedrigere Viruslast in der Lunge
- weniger Entzündungsreaktion in der Lunge
Good News. Das Bild wird klarer. #COVID19 pic.twitter.com/SezkWZV4SL
Bisher stammen die Erkenntnisse nur aus Laborstudien und Tierversuchen. Es müssen deshalb auf jeden Fall weitere Studien folgen, um mit Sicherheit sagen zu können, ob und warum Omikron zu leichteren Verläufen führt als andere Corona-Varianten. Bisher gibt es noch zu wenige Daten, die Variante ist noch zu neu, um sichere Aussagen treffen zu können. Auch Diamond sagte, er wolle warten, bis weitere Studien durchgeführt werden, insbesondere an Menschen statt an Tieren, bevor er die Hypothese befürwortet, dass das Protein in den Lungenzellen der Schlüssel zum Verständnis von Omikron ist. «Ich denke, es ist noch zu früh», sagte er.
Das macht auch Gupta auf Twitter deutlich: «Weitere Arbeiten sind erforderlich», betont er bei der Vorstellung seiner Forschungsergebnisse. Hinzu kommt die Tatsache, dass auch mit diesen Studien die Frage unbeantwortet bleibt, warum sich Omikron soviel schneller und leichter ausbreitet als bisherige Varianten.
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