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Das Wochenende steht vor der Tür. Doch Sie hetzen von Termin zu Termin und auf Ihrem Schreib-tisch stapelt sich die Arbeit. Den ganzen Morgen haben Sie Ihre Ungeduld gezügelt und möglichst diplomatisch Ihre Meinung formuliert. Doch im dritten Meeting platzt Ihnen der Kragen, als einer Ihrer Mitarbeiter wiedermal 10 Minuten zu spät und schlecht vorbereitet zur Sitzung erscheint. Offensichtlich hat er die vorab sorgfältig zusammengestellten Unterlagen nicht gelesen. Sie sagen ihm mit deutlich spürbarer Wut im Bauch und vor versammelter Mannschaft, wie Sie über sein Verhalten denken. Der Rest des Meetings verläuft spürbar angespannt.
Auf die Frage, ob es zu den erstrebenswerten Eigenschaften eines Menschen gehört, authentisch zu sein, gibt es unterschiedliche Ansichten. Wie lautet Ihre Antwort?
Quick Check
Wie steht es um Ihre Authentizität?
Hier finden Sie einen Quick Check mit 8 Fragen. Dabei können Sie Ihr Resultat mit anderen Teilnehmenden vergleichen.
Quick Win Tipps:
- Wenn Sie etwas nur der «Anerkennung» wegen tun, überprüfen Sie Ihr Motiv.
- Versuchen Sie, Ihrem authentischen Reflex zu widerstehen, wenn er Schaden anrichten könnte (zum Beispiel, wenn er Sie Vertrauen kostet, wie im obigen Beispiel) und entscheiden Sie sich stattdessen für eine reflektierte Authentizität: Welche Aussagen oder welche Handlungen wären angemessen und zielführend(er)? Oft ist ein kluges, professionelles Handeln besser als die authentische Kommunikation Ihrer Meinung.
- Sagen Sie beruflich dann «Ja», wenn es der (strategischen) Zielerreichung dient und nicht nur dringlich, sondern vor allem wichtig ist.
- Sagen Sie privat nur «Ja», wenn Sie etwas auch wirklich wollen und die Beziehung es Ihnen Wert ist. Sind Sie bereit, Ihre kostbare Zeit zu investieren?
Energiefallen:
- Brauchen Sie weiterhin die Ausrede «ich habe keine Zeit», obwohl Ihnen etwas wichtig ist, dann sind Sie nicht ehrlich zu sich selbst: Wie jeder andere Mensch auch, haben Sie 24 Stunden pro Tag zur Verfügung. Lieben Sie Ihr Leben, so wie es ist?
- Sie reden sich ein, dass es Ihnen gut geht (auch wenn dies nicht der Fall ist) und ignorieren Ihre innere Unzufriedenheit.
- Sie sagen weiterhin «Ja», obwohl Sie eigentlich «Nein» sagen wollen. Möchten Sie weiterhin zulassen, dass andere die Fäden Ihres Lebens in der Hand halten? Wollen Sie weiterhin ein Leben nach den Erwartungen anderer Menschen führen und sich verbiegen?
Selbstcoaching
Der authentische Reflex – Zeitinvestition 15’
Wann haben Sie das letzte Mal eine Email aus einem authentischen Reflex heraus erhalten oder selbst ge¬schrieben? Oder etwas Persönliches preisgegeben und es danach bereut? Haben Sie schon mal eine Sitzung erlebt, in der betretenes Schweigen herrschte, weil der Chef oder jemand anderes einen cholerischen Ausbruch hatte?
Definition: Der authentische Reflex ist ein reflexartiger Handlungsimpuls und besteht darin, dass ich etwas unmittelbar äussere oder auf etwas/jemanden reagiere: Ich mache meinem Ärger Luft, rede schlecht über an¬dere, reagiere auf eine Kritik sofort mit Verteidigung, ich kehre mein Innerstes nach Aussen. Im Nachhinein ist dieser authentische Reflex, wenn es um negative Gefühle geht, eher unange¬nehm und nicht selten führt er zu einem massiven Vertrauens-, Energie- und Effektivitäts-Verlust.
Es gibt viele authentische Reflexe: den Ausdruck von Wut, Ärger oder andere spontane Gefühlsausbrüche. Es gibt aber auch Eigenarten wie, sich ständig zu entschuldigen, sich zu Beginn einer Präsentation mit einem Satz erst mal «klein» zu machen, überall gleich meine Meinung zu sagen, ständig zu reden (statt zuzuhören), Kettenfragen zu stellen, Fragen zu stellen ohne Antwort abzuwarten, andere zu bemuttern, Blickkontakt zu vermeiden, über andere herzuziehen, ständig zu lästern, zu jammern, das eigene Ego in den Mittelpunkt zu stellen, legere im Stuhl zu hängen usw. Alles oft ziemlich authentisch. So authentisch, dass es für das Umfeld häufig unangenehm, lästig oder unangemessen erscheint.
Schreiben Sie eine Liste mit Ihren ungewollten authentischen Reflexen und schreiben Sie daneben Vor- und Nachteile dieser Reflexe auf. Welche wollen Sie beibehalten? Welche über Ihre Selbstkontrolle steuern? Achten Sie in den nächsten zwei Wochen bewusst auf diese Reflexe und beobachten Sie auch, wie Ihr Umfeld darauf reagiert. Erstellen Sie sich hierzu einen täglichen Reminder.
Authentizität in der Führung – Zeitinvestition 15’
Ist Authentizität eine wichtige Führungseigenschaft?
Authentizität wird oft mit Offenheit, Ehrlichkeit und einem integren Verhalten gleichgesetzt. Natürlich ist authentisches Verhalten im übertragenen Sinne ehrlich. Aber ist es auch immer angemessen oder integer? Will ich jedes Mal wissen, wenn mein Vorgesetzter sich (über mich) ärgert? Ist es zielführend für mich zu wissen, was er oder sie ständig über andere denkt? Will ich jedes Mal spüren, wenn er oder sie einen schlechten Tag hat? Es wäre offen und ehrlich, wenn ich den Druck und die Verantwortung meiner Führungskraft täglich spüre: Aber möchte ich das wirklich?
Voltaire sagte: «Alles Gesagte sollte wahr sein. Aber nicht alles, was wahr ist, sollte gesagt werden».
Ich gehe für Führungskräfte einen Schritt weiter in meiner Empfehlung: «Alles Gesagte sollte konstruktiv formuliert und der persönlichen Meinung und Haltung der betreffenden Person entsprechen. Aber vieles, was sie denkt und fühlt, sollte auch nicht gesagt werden, wenn es unangemessen oder zu wenig zielführend ist.»
Nachfolgend einige Beispiele von Situationen, in denen authentisches Verhalten einer Führungskraft aus meiner Sicht wenig professionell und souverän erscheint und mehr Schaden als Nutzen anrichtet:
- Sie stehen oft stark unter Druck und geben diesen Ihren Mitarbeitenden 1:1 weiter.
- Sie sind unpünktlich und kommen oft zu spät.
- Sie reden vor anderen schlecht über Nicht-Anwesende.
- Sie bringen Ihren Ärger jeweils offen zum Ausdruck
- Sie lassen Ihre Mitarbeitenden und Ihr Umfeld spüren, wenn Sie mit einem Entscheid «von oben» nicht einverstanden sind.
- Sie nehmen sich zu wenig Zeit für Ihre Leute oder lassen Sie spüren, dass Sie eigentlich keine Zeit haben.
- Sie kommen schlecht vorbereitet zu Meetings oder in Ihre Mitarbeitergespräche.
Selbstcoaching: Überlegen Sie sich, welche Ihrer bisherigen authentischen Verhaltensweisen möglicherweise zu wenig professionell und souverän gewirkt haben und treffen Sie eine Wahl, welche Sie verändern wollen. Formulieren Sie entsprechende Ziele und konkrete Massnahmen, um daran zu arbeiten.
Buchtipp & Verlosung
- Für Sie gelesen: «Sei nicht authentisch» – von Stefan Wachtel. Diese Buch-Zusammenfassung zeigt Ihnen, wann Authentizität zielführend ist und wann nicht, den Unterschied zwischen Ausdruck und Wirkung, warum Sie Ihr authentischer Reflex immer wieder in Schwierigkeiten bringen kann und was es mit der rhetorischen Inkontinenz auf sich hat.
- Verlosung: 5 e-selfcoaching Sitzungen «Authentische Wirkung: emotionale Wertschöpfung» auf der e-Learning Plattform www.e-selfcoaching.ch. Klicken Sie auf den nachfolgenden Link, um an der Verlosung teilzunehmen (Sie finden dort auch eine Übersicht über den Inhalt): https://www.e-selfcoaching.ch/hrtoday3