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Bilder und Text von Hans Speck
Dr. rer. pol. Harry Zweifel wurde am 25. April 1920 als Sohn des bekannten Glarner Industriellen, Gemeindepräsidenten und Oberst Ludwig Zweifel-Kuhn in Zürich geboren. Er wohnte den grössten Teil seines Lebens in der schmucken Villa "Lindenhof“ beim Bahnhof in Netstal. Auf Umwegen kam der smarte Gentleman und Charmeur zum Motorsport. Zweifel war ursprünglich ein begeisterter Skifahrer, Reiter von Rennpferden und Sportschütze beim Eidgenössischen Pistolen-Einzelschiessen, welches er im Jahre 1964 auf dem 5. Rang abschloss. Er nahm als Viererkombinierter und Springer an zahlreichen Rennen teil und wartete mit guten Resultaten auf. Zusätzlich gehörte Zweifel der Schweizer Studentenmannschaft im Skispringen an, bis er bei einem Wettkampf auf der Bolgen-Schanze in Davon schwer stürzte und sich eine Knieverletzung zuzog, die ihn zur Aufgabe des Skiwettkampfsportes zwang. Als Ski-Instruktor hatte sich Zweifel mit Privatstunden bereits die Mittel verdient, um sich sein Volkswirtschaftsstudium in Bern leisten zu können und vor allem, um sich ein Motorrad zu kaufen. Später tauschte er dieses gegen eine Sportmaschine ein, mit der er im Jahre 1947 versuchsweise das Bergrennen in Baar bestritt. Von da an kam der promovierte Doktor für Staats- und Wirtschaftswissenschaften vom Motorsport nicht mehr los. Mit einer 350er NORTON nahm er in den Jahren zwischen 1948 und 1951 an zahlreichen Motorradrennen der Schweiz teil und klassierte sich meistens auf guten Mittelplätzen. Im Jahre 1949 und 1951 belegte er in der Schweizer Motorradmeisterschaft Klasse 350 ccm jeweils den 5. Rang. In den Jahren 1949 und 1950 versuchte sich Zweifel zudem auf einem MG 1250 mit Kompressor in Automobilrennen.
Beliebtester Automobil-Rennsportler der Schweiz
Harry Zweifel nahm während seiner 20jährigen Karriere von 1947-1967 als Motorrad- und Automobilrennfahrer an 283 Rennen teil. Sein Palmares mit 31 Streckenrekorden, 43 Tagesbestzeiten, 75 Kategorien- und 128 Klassensiegen spricht Bände. Trotz dieser ausserordentlichen Menge von Siegen und Rekorden zählte Harry Zweifel nur vier Rennen zu seinen grössten Erfolgen. Einer davon war der Titel als Schweizer-Rennwagenmeister im Jahre 1960. Seine Freundlichkeit, Fairness und sein Charme, aber auch sein unbändiger Siegeswille und sein Draufgängertum beim direkten Kampf auf vier
Rädern gegen seine Konkurrenten machten ihn sehr populär. Er war auch ein Meister der Berge. So gewann er Bergrennen wie jenes von Les Rangiers oder Mitholz-Kandersteg.
Beste Werbung für Netstal
Mit 47 Jahren zwangen gesundheitliche Probleme Harry Zweifel zum Rücktritt vom Motorrennsport. Von nun an widmete er sich hauptsächlich dem Jagdwesen im Kanton Glarus und in den Revieren in der Schweiz und Deutschland. Er war ein Nimrod der alten Schule, stets darauf bedacht, das Wild zu hegen und zu pflegen. Viele Jagdtrophäen, die die Räumlichkeiten in der Villa an der Bahnhofstrasse zieren, sind Zeugen dafür, dass Harry Zweifel auch bei seiner Passion Jagd nichts dem Zufall überliess. Es war sein ausdrücklichster Wunsch, dass nach seinem Tode in der Villa ein Jagdmuseum eingerichtet werde.
Viel Freude bereitete ihm auch das Organisieren von Boxsport-Anlässen. Die legendären Box-Meetings mit dem Sportring Tödi im Schützenhaus in Glarus bleiben unvergessen. Von einem Herzinfarkt erholte er sich nicht mehr und starb am 4. Juli 1991. Damit war die Reihe der Gentlemen-Rennfahrer aus den fünfziger und frühen sechziger Jahren um eine Persönlichkeit lichter geworden. Mit Dankbarkeit und Stolz blicken wir Netstaler heute zurück auf einen Mitbürger, der Dank seinen sportlichen Höchstleistungen viele Jahre beste Werbung für unser Dorf machte. Seine Karriere als Autorennfahrer war beispielhaft. Für viele Nachwuchs-Rennfahrer war Harry Zweifel Vorbild und Lehrmeister zugleich.