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Die geringe Bedeutung der M. an den schweiz. Universitäten gegenüber anderen hist. Teildisziplinen (Wirtschaftsgeschichte, Sozialgeschichte, Geschlechtergeschichte) kontrastiert mit der anhaltenden Nachfrage nach militärgeschichtl. Darstellungen im Zusammenhang mit der Problematik der Milizarmee und der Militärdiensterfahrung.
Militär- und kriegsgeschichtl. Aspekte nahmen im Rahmen der allg. Darstellung der Eidgenossenschaft ab dem späten MA einen hohen Stellenwert ein. Die allein auf das Militär konzentrierte Geschichtsschreibung wurzelt indes wesentlich in den Darstellungen ehem. Solddienst- und Milizoffiziere des Ancien Régime und des frühen 19. Jh. Zu nennen sind hier Beat Fidel Zurlauben, Beat Emanuel May, Viktor Emanuel Thellung, Bernhard Emanuel von Rodt, Johannes Wieland und Karl von Elgger. Ihre Werke sind - entsprechend den Gepflogenheiten der Zeit - auf die höheren Offiziere, die Kriegführung und die Schlachten fokussiert und beinhalten eine Analyse der Strategien und Taktiken. Im 20. Jh. fand diese Forschungstradition mit einem ständigen Lehrauftrag für M. an der Univ. Bern ihre Fortsetzung. Hauptsächlich wurde die M. jedoch von engagierten Armeeangehörigen und Liebhabern betrieben, die sich z.T. zu Vereinen zusammenschlossen, darunter insbesondere die Schweiz. Vereinigung für M. und Militärwissenschaften, die Gesellschaft für militärhist. Studienreisen sowie das Centre d'histoire et de prospective militaires in Pully. Auch Flieger- und Festungsmuseen sind Zentren der M.
Während des 1. Weltkriegs wurde im Auftrag des Chefs des Generalstabs erstmals eine umfassende "Schweizer Kriegsgeschichte" (1915-33, 12 Hefte) verfasst, welche einen Meilenstein der Militärgeschichtsschreibung im Schnittpunkt von Militärdepartement, Milizarmee und Universität bildete. Nach dem 2. Weltkrieg verfassten Angehörige der Schweizer Armee eine Vielzahl von Truppengeschichten. Dieses Genre erlebte 1994-2003 im Zusammenhang mit der Auflösung von Truppenverbänden im Rahmen der beiden Armeereformen (Armee 95, Armee XXI) einen weiteren Höhepunkt. Als Gesamtdarstellung mit wissenschaftl. Anspruch erscheint seit 1983 die vom EMD bzw. VBS unterstützte Reihe "Der Schweizerische Generalstab", welche die Geschichte der Schweizer Armee und der schweiz. Landesverteidigung behandelt. Obwohl eine Vielzahl von Einzelstudien vorliegt, fehlt eine Gesamtdarstellung der Geschichte schweiz. Soldtruppen in Fremden Diensten zwischen 1515 und 1859. Militärgeschichtl. Aspekte mit regionalem und lokalem Bezug werden in zahlreichen kleineren Publikationen sowie in vielen Kantonsgeschichten behandelt.
M. wird seit 1968 an der Univ. Zürich bzw. seit 1981 an der Militärwissenschaftl. Abteilung (Militärakademie) der ETH Zürich gelehrt. Die Lehr- und Forschungsschwerpunkte verlagerten sich dabei von der volkskundl. Betrachtung des Kriegs und der Institutionengeschichte des Militärs zur Sozial- und Kulturgeschichte des Militärs und des Kriegs.
Literatur
– Generalstab, 1983-
– W. Schaufelberger, «Von der Kriegsgeschichte zur M.», in Geschichtsforschung in der Schweiz, 1992, 339-377
Autorin/Autor: Rudolf Jaun