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Europa diskutiert fieberhaft über den Umgang mit Staatsschulden. Die USA standen in ihrer Gründungszeit vor demselben Problem, wie Thomas Sargent am Montagabend aufzeigte. Der Wirtschaftsprofessor an der New York University und Wirtschaftsnobelpreisträger 2011referierte auf Einladung des Swiss Finance Institute und der Universität Zürich zum Thema «US then, Europe now».
Sargent zeigte aus theoretischer Sicht auf, was für und gegen die Mitgliedschaft eines Landes in der Euro-Währungsunion spricht – sowohl aus der Sicht verschuldeter wie finanziell gesunder Länder. Für die Mitgliedschaft spricht, dass solvente Länder in einer Währungsunion Druck auf die Haushaltsführung verschuldeter Länder ausüben können, während verschuldete Länder von finanzieller Unterstützung profitieren. Gegen eine Mitgliedschaft spricht der finanzielle Aufwand der Geber und für die Empfänger die Einmischung in ihre Haushaltführung. Ob ein Staat aus einer Währungsunion austritt oder nicht, es wird innerhalb des verschuldeten Landes wie auch in der Währungsunion Gewinner und Verlierer geben, so Sargent.
Rettung mit Folgen
Die USA standen im Laufe der Geschichte selber mehrmals vor der Frage: Soll die Föderation für die Schulden ihrer Gliedstaaten einstehen? Dagegen spricht gemäss Sargent, dass die Gliedstaaten erneut versucht sein könnten, Schulden zu machen und im Notfall auf Hilfe zählen. Für eine Schuldenübernahme spricht, dass die Zentralregierung damit gleichzeitig ihre Macht über die Gliedstaaten ausbauen kann.
Die USA hatten sich um 1790 für ein «Ja» und um 1840 für ein «Nein» zu einer Rettungsaktion entschieden. «Die Vereinigten Staaten von Amerika starteten in ihrer Geschichte um 1790 mit einem grossen Rettungspaket der Föderation für ihre Gliedstaaten», so Sargent. Der «Bail-out» hatte der Föderation mitunter das Recht eingetragen, eigene Steuern zu erheben.
Entscheidungen dieser Grössenordnung sind politisch oft stark umstritten. So sei es kein Wunder, dass Finanzkrisen politische Revolutionen auslösen können, so Sargent. Auch die Französische Revolution zum Beispiel sei auf eine Finanzkrise zurückzuführen.
Zur Person
Thomas J. Sargent erhielt seinen Bachelorabschluss an der University of California, Berkeley und seinen PhD an der Harvard University. Seit 2002 ist er Professor für Economics and Business an der New York University. Zu seinen Spezialgebieten gehört die Makroökonomie. Im Jahre 2011 erhielt er gemeinsam mit Chris Sims den Wirtschaftsnobelpreis(Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften) für die empirische Untersuchung von Ursache und Wirkung in der Makroökonomie. Sargent und Sims hatten unabhängig voneinander Modelle entwickelt, um die komplexe Beziehung zwischen wirtschaftspolitischen Massnahmen und makroökonomischen Variablen zu untersuchen. Wie verändert eine Steuererhöhung das Bruttoinlandprodukt? Welche Auswirkungen hat es, wenn eine Zentralbank ihr Inflationsziel verändert? Die von Sargent und Sims entwickelten Modelle berücksichtigen bei der Beantwortung solcher Fragen die Erwartungen privater und staatlicher Akteure. Sie seien wichtige Werkzeuge der makroökonomischen Analyse, schrieb das Nobelpreiskomitee in seiner Laudatio.
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