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Ohrentumore bei der Katze
Tumore der Ohrmuschel
Tumore, welche die Ohrmuschel betreffen, haben den Vorteil, dass sie relativ schnell gesehen und früh genug behandelt werden können. Anfänglich stört sich die Katze kaum an den Veränderungen; teilweise können Kopfschütteln und Juckreiz beobachtet werden. Fortgeschrittene Stadien mit Ulzerationen können dann aber auch schmerzhaft sein. Da die befallenen Ohrspitzen chirurgisch gut abgesetzt und der Tumor somit in vielen Fällen ganz entfernt werden kann, ist die Prognose meistens günstig.
Aktinische Keratose
Die Ursachen einer Krebserkrankung sind vielfältig und oftmals auch nicht bekannt. Anders bei der aktinischen Keratose: Hier spielt das UV-Licht eine wichtige Rolle, indem es zu Zellschäden führt, die letztendlich in eine Entartung der Zellen münden. Vor allem die wenig behaarten und unpigmentierten Ohrspitzen, die Nase und Augenlider von weissen Katzen sind betroffen – besonders wenn es sich noch um Tiere handelt, die sich gerne sonnen. Die anfänglichen Veränderungen - leichte Rötung der Haut und kleine Schüppchen (Abb. 2) - werden häufig übersehen. Mit fortschreitendem Verlauf verdicken sich die Ohrspitzen, die Haare fallen aus, und es entwickeln sich prominente Krusten (Abb. 3). In der Regel stören die Veränderungen die Katze jedoch nicht.
|Abbildung 2:

Aktinische Keratose im Anfangsstadium
|Abbildung 3:

Aktinische Keratose im Endstadium
Zur Diagnosestellung muss eine Gewebeprobe entnommen werden. Da es sich um prämaligne Läsionen handelt, die sich unbehandelt in ein Plattenepithelkarzinom (siehe unten) weiterentwickeln können, sollte die aktinische Keratose unbedingt behandelt werden. Im Frühstadium ist das Vermeiden von Sonnenstrahlen die wirksamste Therapie. Da dies nicht immer möglich ist, kann zusätzlich eine Sonnenschutzcreme eingesetzt werden. In fortgeschrittenen Fällen kann es sogar nötig sein, die betroffene Ohrspitze operativ zu entfernen. Neuerdings existieren auch vielversprechende Fallberichte, wo wie in der Humanmedizin eine sogenannte Imiquimod-Salbe verwendet wird. Bevor über deren Wirksamkeit ein abschliessendes Urteil gefällt werden kann, müssen jedoch noch weitere Untersuchungen abgewartet werden.
Plattenepithelkarzinom
Das Plattenepithelkarzinom ist ein bösartiger Tumor, dem oftmals eine aktinische Keratose vorangegangen ist. Es ist der am häufigsten vorkommende, bösartige Tumor der Haut bei der Katze, und besonders weisse Katzen haben ein rund 13 mal höheres Risiko, daran zu erkranken. Das Plattenepithelkarzinom entwickelt sich vor allem in ungeschützten, der UV-Strahlung leicht zugänglichen Regionen: den Ohrspitzen, den Augenlidern und der Nase. Zusätzlich können aber auch der Schläfenbereich und der Ohransatz betroffen sein. Das UV-Licht scheint aber nicht der einzige Auslöser zu sein, wahrscheinlich spielen auch Papillomaviren eine auslösende Rolle.
Es sind hauptsächlich ältere, durchschnittlich 9 Jahre alte Katzen betroffen. Klinisch sind ein oder mehrere haarlose Wucherungen sichtbar, deren Durchmesser von einigen Millimetern bis hin zu mehreren Zentimetern variieren kann. Die Oberfläche ist schmerzhaft, gerötet, oftmals ulzeriert, krustig und leicht blutend (Abb. 4).
|Abbildung 4:

Plattenepithelkarzinom
Foto: Carla Rohrer
|Abbildung 4/2:

Plattenepithelkarzinom
Foto: Carla Rohrer
Obwohl sich dieser Tumor lokal aggressiv verhält, streut er nur relativ langsam. Wenn das Plattenepithelkarzinom frühzeitig und aggressiv behandelt wird, kann in vielen Fällen eine Abheilung erzielt werden. Verschiedene Therapien sind möglich und müssen dem jeweiligen Fall angepasst werden. Wenn möglich sollte der Tumor operativ entfernt werden. Dabei muss leider in vielen Fällen ein Teil der Ohrmuschel amputiert werden, da auf diese Weise ein komplettes Abheilen erreicht werden kann. Falls dies nicht möglich ist, kommen andere Verfahren, wie zum Beispiel das Bestrahlen oder die fotodynamische Therapie, in Frage. Die Anwendung der Imiquimod-Salbe wird auch hier diskutiert. Systemische Chemotherapie kann im fortgeschrittenen Stadium angewendet werden, wobei sie als alleinige Therapie kaum Wirkung zeigt.
Wichtig ist auch hier die Vermeidung des Sonnenlichts respektive die Anwendung einer Sonnenschutzcreme, um einer weiteren Tumorbildung vorzubeugen. Es darf nicht vergessen werden, dass das normale Fensterglas das UV-Licht nicht komplett abblockt.
Basalzelltumor
Basalzelltumore sind bei der Katze die häufigsten Hauttumore und verhalten sich in den meisten Fällen gutartig. Aufgrund ihrer Pigmentierung werden sie früh erkannt, können deswegen aber auch gerne mit den viel selteneren Melanomen oder auch Tumoren/Zysten der Zeruminal- ,Talg- und Schweissdrüsen (Abb. 5) verwechselt werden. Siamesen, Perser und Himalajakatzen sind öfters betroffen. Obwohl die Knoten auf der Ohrmuschel die Katze nicht stören, sollten sie trotzdem entfernt werden, da der Tumor nicht immer gutartig bleiben muss. Die Prognose ist insgesamt sehr gut, vor allem, wenn er komplett entfernt werden kann. Es sollte allerdings immer auch der Ohrkanal kontrolliert werden (siehe unten), da dieser bei Befall allenfalls auch entfernt werden muss.
|Abbildung 5:

Schweissdrüsentumor
Foto: Monika Linek
Weitere Tumore
Natürlich existieren noch andere Krebsarten, wie zum Beispiel Mastzelltumore, Melanome, Fibrosarkome, Gefässtumore und Rhabdomyome. Sie noch alle einzeln zu besprechen, würde aber den Rahmen dieses Artikels sprengen, weshalb wir uns hier auf die am häufigsten vorkommenden Tumorarten beschränken.
Im Gegensatz zum Hund entstehen bei der Katze häufiger bösartige Ohrtumore. Da der umliegende Knorpel und Knochen beim Ohr aber eine schwer zu überwindende Grenze darstellt, sind Metastasierungen selten. Problematischer sind lokale Rückfälle, wenn der Tumor nicht komplett entfernt werden konnte.
Dieser Artikel ist erschienen im "Katzen Magazin" 4/2008
Verlangen Sie eine Probenummer unter Tel. 044 / 835 77 35
Autoren:
Dr. med. vet. Sylvia Wilhelm
Dipl. ECVD Dermatologie
Klinik für Kleintiermedizin
und
Dr. med. vet. Frank Steffen
Dipl. ECVN Neurologie/Neurochirurgie
Klinik für Kleintierchirurgie
Vetsuisse Fakultät der Universität Zürich