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«August: Osage County»
Der russische Gross-Dichter Leo Tolstoi kam beim Thema Verwandtschaft zu folgendem Schluss: «Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.» Das Unglück der Familie Weston, die sich in einem siedendheissen August im Osage County in Oklahoma trifft, ist ein vielfaches: Der Vater (Sam Shepard) ist spurlos verschwunden und wird später tot aufgefunden. Die Mutter (Meryl Steep) ist verbittert und krebskrank, zudem pillen- und alkoholsüchtig. Die älteste Tochter (Julia Roberts) lässt sich gerade scheiden von ihrem langweiligen Mann (Ewan McGregor), die Tochter (Abigail Breslin) probt ihren Sex appeal an älteren Herren aus. Die Zweitgeborene (Juliette Lewis) bringt ihren neuen Freund (Delmot Mulroney) mit, einen Taugenichts. Die jüngste Tochter (Julianne Nicholson) hat den Auszug aus dem elterlichen Nest noch nicht geschafft und will jetzt mit einem (zu) nahen Blutsverwandten (Benedict Cumberbatch) durchbrennen. Die Tante (Margo Martindale) ist ein Lästermaul, ihr Mann (Chris Cooper) vor lauter Frust verstummt. Die schrecklich unnette Familie verstrickt sich immer tiefer in Zwiste und Verdächtigungen, in den hitzigen Desputen wird nichts an Vorwürfen und alten Sünden ausgelassen.
Kein Feelgood-Movie, aber ein packendes Drama mit einem Cast, wie man ihn selten so hochkarätig auf der Leinwand versammelt findet. Brillant: Meryl Streep und Julia Roberts, beide Oscar-nominiert, beide seit langem in ihren besten Rollen. Der Film um die dysfuktionale Familien basiert auf dem preisgekrönten Bühnenstück von Tracy Letts, die auch das Drehbuch schrieb. Regie führte John Wells, der sich mit Serien «Emegency Room», «The West Wing» und «Shameless» einen Namen machte. Die Soaps holten rekordverdächtige 270 Emmy-Nominierungen.
«The Book Thief»
Ganz andere Probleme mit Familie hat die neunjährige Liesel Meminger (Sophie Nélisse), sie hat zu wenig davon. Ihre Eltern sind tot, als Waise kommt sie in den Wirren des Zweiten Weltkrieges zu Pflegeltern (Geoffrey Rush, Emily Watson). Was Liesel die Schrecken des Krieges und der Deportationen überstehen lässt, sind Bücher. Der Bestseller von Markus Zusak wurde von Regisseur Brian Persival («Downton Abbey») stimmungsvoll auf die Leinwand gebracht, herausgekommen ist ein Film, der auch für Kinder (ab Liesels Alter) sehr empfehlenswert ist und der ein Loblied auf die Kraft der Fantasie singt.