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Prinzipiell gibt es keine Diabetes-spezifische Ernährung und die Empfehlungen für einen gesunden Lebensstil mit ausgewogener Ernährung mit regelmässiger körperlicher Aktivität gelten für Menschen mit Diabetes mellitus wie für Menschen ohne Diabetes.
Prioritäres Ziel der Ernährung in der westlichen Welt ist das Normgewicht, d.h. ein BMI von 20 bis 24.9, der mit der niedrigsten Mortalität assoziiert ist, wie eine kürzlich publizierte Studie an fast 1.5 Millionen weissen Erwachsenen gezeigt hat.1 Das wichtigste Kriterium, um dieses Ziel zu erreichen bzw. zu halten, ist das Gleichgewicht zwischen täglicher Kalorienzufuhr und Energieverbrauch. Mit der Berechnung der basalen metabolischen Rate, z.B. nach der Harris-Benedict Formel, multipliziert mit einem Faktor für die körperliche Aktivität kann der Energieverbrauch, mittels Essprotokoll die tägliche Kalorienaufnahme ermittelt werden. Aufgrund dieser Werte können Empfehlungen für eine individuelle Ernährung und die körperliche Aktivität festgelegt werden.
Der normgewichtige und mit intensivierter Insulintherapie behandelte Typ 1 Diabetiker ist bezüglich Ernährung nicht eingeschränkt. Voraussetzung ist jedoch die genaue Kenntnis des Kohlenhydratgehalts der Nahrungsmittel, da das Essensinsulin pro 10 g Kohlenhydrate dosiert wird (bei 1.0 E Humalog pro 10 g Kohlenhydrate, bedeuten 80 g Kohlenhydrate einen Bolus von 8 E), und die Kenntnis von Anpassungsregeln in speziellen Situationen, wie beispielsweise Reduktion der Insulindosis bei ungewohntem Alkohlkonsum oder verzögerte Bolusabgabe bei eiweiss- und fettreichen Mahlzeiten.
Für den übergewichtigen Typ 2 Diabetiker gibt es eine Vielzahl von Empfehlungen, die von den Fachgesellschaften regelmässig aktualisiert werden.2 Im Vordergrund steht die Kalorienreduktion und Steigerung des Kalorienverbrauchs zur Gewichtsabnahme. Bereits eine relativ bescheidene Gewichtsabnahme von 5% und/oder vermehrte körperliche Aktivität von 500 kcal/Woche reduziert hochsignifikant das Risiko im Stadium des Prädiabetes einen manifesten Diabetes zu entwickeln, der Blutdruck wird um 10 mmHg und das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse um bis zu 50% gesenkt, ebenso werden HbA1c und LDL-Cholesterin verbessert. Zwar werden die komplexen Kontrollmechanismen der Nahrungsaufnahme und die Rolle der verschiedenen Netzwerke aus Hypothalamus- und Darm-Hormonen zunehmend erforscht, die aktuell noch erhältlichen pharmakologischen Therapien haben aber einen bescheidenen Effekt oder erhöhen das kardiovaskuläre Risiko.3 Bei Patienten mit Metabolischem Syndrom hat die bariatrische Chirurgie, im besonderen die Roux-en-Y Magenbypass Operation, im Langzeitverlauf nicht nur einen persistierenden Gewichtsverlust, sondern auch eine «Heilung» des Diabetes, der Hypertonie und der Dyslipidämie erbracht, so dass ab 2011 die Indikation auf einen BMI > 35 ausgedehnt wurde ohne Altersbeschränkung. Zunehmend wird auf Umgebungsfaktoren fokussiert, so verringert beispielsweise rasches Essen (flüssige und hochverarbeitete Nahrungsmitteln müssen im Gegensatz zur Steinzeitdiät kaum gekaut werden und können rascher konsumiert werden als feste Nahrung) und Ablenkung während dem Essen die Sättigungssignale.4 Die Bedeutung des Anteils der Makronutriente zur Gewichtsreduktion und -kontrolle wird kontrovers beurteilt : der direkte Vergleich von vier unterschiedlichen Kohlenhydrat-, Fett- und Eiweissdiäten bei über 800 Erwachsenen mit einem BMI von 25 bis 40 ergab nach zwei Jahren in allen Gruppen einen nicht unterschiedlichen, signifikanten Gewichtsverlust, der auf die Kalorienreduktion und nicht auf die Makronutriente zurückzuführen war.5 Die kürzlich publizierte Diogenes-Studie dagegen zeigte auf, dass vermehrt Eiweiss (d.h. 5% höherer Eiweissanteil der täglichen Kalorienmenge) und niedriger glykämischer Index um 2 kg stärkere Gewichtsabnahme bedeuten, nach allerdings nur 6 Monaten.6 Zusammengefasst kann aber festgehalten, dass die Zusammensetzung der Ernährung viel weniger wichtig ist, als das Festhalten am gesunden Lebensstil, d.h. regelmässige, auch niedrig-intensive körperliche Aktivität von 30 Minuten täglich, Reduktion des Fettanteils an der täglichen Kalorienmenge unter 30%, Fasergehalt von über 15 g pro 1000 konsumierte Kalorien und der Konsum von Früchten, Gemüsen und Light Produkten.