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Ein viermal so hoher Verlust wie erlaubt und eine Airline als Deckmantel – wie Manchester City gegen das Financial Fairplay der Uefa verstossen haben soll.
Ein hartes Strafmass der Uefa: Manchester City wird in den kommenden zwei Saisons nicht an der Champions League teilnehmen dürfen und muss 30 Millionen Euro Busse bezahlen.
Manchester City darf in den kommenden zwei Saisons an keinem europäischen Klubwettbewerb teilnehmen. Dies hat der europäische Fussballverband Uefa entschieden. Zudem muss der Premier-League-Klub eine Busse von 30 Millionen Euro zahlen, wie die Uefa am Freitagabend bekanntgab.
Es ist das erste Mal, dass die Uefa derart harte Sanktionen gegen einen Verein ausspricht. Der Grund für die Strafe ist, dass Manchester City gegen das Financial Fairplay verstossen hat.
Der Klub hat am Freitagabend mitgeteilt, dass er beim Internationalen Sportgerichtshof (TAS) Berufung gegen die Sanktionen der Uefa einlegen werde.
Laut der Finanzkontrollbehörde der Uefa (CFCB) hat Manchester City das Financial Fairplay systematisch verletzt und versucht, die Uefa zu täuschen. Der englische Meister habe zwischen 2012 und 2016 Sponsoreneinnahmen überbewertet und der Uefa falsche Informationen übermittelt, schreibt der Verband in einem Communiqué.
Gemäss den Financial-Fairplay-Regeln hätte Manchester City zwischen 2012 und 2013 ein Defizit von 45 Millionen Euro ausweisen dürfen – falls dieses gedeckt wird von Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan, dem Besitzer von Manchester City. Tatsächlich soll Manchester City jedoch ein Defizit von 180 Millionen Euro verzeichnet haben.
Mansour hat den Verlust allerdings heimlich ausgeglichen. Geld dafür hat er genug: Mansour gehört der Herrscherfamilie von Abu Dhabi an, das Wirtschaftsmagazin «Forbes» schätzte sein Vermögen 2017 auf 26 Milliarden Franken.
Der Klubbesitzer Scheich Mansour soll Manchester City mit einer geheimen Finanzspritze geholfen haben.
Laut der Uefa hat Mansour Sponsoren aus Abu Dhabi als Deckmantel für die privaten Investitionen benutzt. «Der Spiegel» berichtete bereits 2018, dass Mansour einen Hauptteil des Sponsorengelds der Fluggesellschaft Etihad Airways aus seinem privaten Vermögen bezahlt habe. Offiziell überwies Etihad pro Jahr fast 85 Millionen Franken an Manchester City, unter anderem für die Namensrechte am Stadion. Doch der grösste Teil des Betrages soll in Wahrheit eine geheime Finanzspritze des Klubbesitzers gewesen sein. Etihad selbst soll lediglich 8,5 Millionen Franken überwiesen haben.
Mansour ist mit Etihad verbandelt. Die Fluggesellschaft ist ein staatliches Unternehmen und Mansours Bruder Khalifa bin Zayed Al Nahyan der derzeitige Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate sowie Emir von Abu Dhabi.
Mansours Zahlungen seien ein Verstoss gegen das Financial Fairplay, sagt die Uefa. Sie hat zudem von externen Experten prüfen lassen, ob die Sponsorenverträge marktübliche Beträge enthalten. Das Fazit: Die Summe im Kontrakt mit Etihad Airways sei «überrissen».
Die Plattform Football Leaks und das deutsche Magazin «Der Spiegel» deckten den Fall Ende 2018 auf und publizierten belastende Unterlagen wie Verträge und Mails. Daraufhin nahm die Uefa Ermittlungen auf.
Nein. Manchester City teilte am Freitagabend auf seiner Website mit, dass der Klub vom Entscheid der Uefa zwar «enttäuscht, jedoch nicht überrascht» sei. Der Verein werde beim Internationalen Sportgerichtshof (TAS) «zum frühestmöglichen Zeitpunkt» Berufung einlegen gegen die Sperre und die Busse.
Zudem laufen derzeit drei weitere Untersuchungen gegen Manchester City:
Ein Sprecher von Manchester City sagte dem «Guardian» im Januar: «Wir sind bereits 2014 bestraft worden. Aus unserer Sicht ist die Angelegenheit damit geklärt. Man will die Reputation unserer Organisation systematisch beschädigen.» Der Klub und die Uefa hätten 2014 ausgehandelt, dass Manchester City die Angelegenheit nicht weiter kommentiere.
Tatsächlich wurde Manchester City bereits 2014 bestraft – mit einer Busse von 60 Millionen Euro. Doch das ganze Ausmass des Betrugs blieb der Uefa damals offenbar noch verborgen.
Am Freitagabend schrieb Manchester City in einer Mitteilung, die Uefa habe in ihren Ermittlungen gegen den Klub schwerwiegende Fehler begangen. Darüber habe sich der Klub bereits bei der Disziplinarkammer der Uefa beschwert. Manchester City wird die nun bekanntgegebenen Sanktionen daher nicht akzeptieren und beim TAS Berufung dagegen einlegen.
Auf die Saison 2010/11 führte die Uefa das Financial Fairplay ein. Mit diesen Regeln will sie die Klubs vor Überschuldung schützen. Zudem soll verhindert werden, dass reiche Klubbosse sich den Erfolg erkaufen können. Die Uefa will mit dem Financial Fairplay den Wettbewerb in den europäischen Fussballligen schützen.
Die Regeln des Financial Fairplay werden periodisch angepasst, letztmals 2018. Im Dreijahreszyklus überprüft die Uefa, ob die Klubs sich an die Regeln halten. Derzeit dürfen die Klubs nur noch 30 Millionen Euro Verlust schreiben, zuvor waren es 45 Millionen. Ausgaben für Stadien, Trainingsinfrastruktur, Nachwuchsfussball und Frauenfussball sind seit 2015 von diesem Betrag ausgenommen.
Da die Sperre für die kommenden zwei Saisons gilt, sofern das TAS- Urteil sie bestätigt, dürfte Manchester City in diesem Frühjahr wohl zum vorerst letzten Mal Spiele in der Champions-League absolvieren. In den Achtelfinals trifft der englische Klub auf Real Madrid. Das Hinspiel findet am 26.02. in Madrid statt, am 17.03. gastieren die «Königlichen» im Etihad-Stadion in Manchester.
Welche Auswirkungen die Strafe gegen Manchester City auf die Kaderplanungen für die Saisons 2020/21 und 2021/22 haben wird, ist derzeit noch unklar. Für einige Starspieler wird die Aussicht, während zweier Saisons keine Champions-League-Spiele zu bestreiten, wenig verlockend sein. Einige von ihnen dürften den Klub im Sommer daher wohl verlassen.