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Primäre und sekundäre Neurulation
Die primäre Neurulation umfasst die Bildung des primitiven Neuroalrohrs aus jenem Bereich des Oberflächenektoderms, welcher sich dorsal des Chordafortsatzes (Kopffortsatz) befindet. Dieser Vorgang wird durch den axialen Mesoblasten, die Chorda dorsalis und die Prächordalplatte (Chorda-Mesoderm-Komplex) induziert (Stadium 6). In der Tat konnte die induktive Wirkung dieser Strukturen bei der Umwandlung des Ektoblasten in das Neurektoderm zuverlässig belegt werden nachdem das Prinzip bereits anfangs des 20. Jh. (Spemann 1924) erkannt worden war. Neben der neuroblastischen Induktion umfasst die Determinierung des Zentralnervensystems auch die histologische Differenzierung (Histogenese) des neuronalen Gewebes (Molekulare Mechanismen während der frühembryonalen Entwicklung des ZNS).
Im Gegensatz zur primären Neurulation betrifft die sekundäre Neurulation die Entwicklung des caudalen Teils des Neuralrohrs auf Höhe des 31. Somiten (von der 4. bis zur 7. Woche). Dabei sei in Erinnerung gerufen, dass der Primitivstreifen vor seinem Verschwinden am 29. Tag eine bleibende mesodermale Struktur hervorbringt, welche als Eminentia caudalis bezeichnet wird. Auf diese gehen der caudale Teil des Neuralrohrs und damit die Verlängerung des Rückenmarks zurück. Im ursprünglich kompakten Strang entsteht ein Hohlraum, der sich mit dem Zentralkanal verbindet und welcher schliesslich von einem Neuralepithel ausgekleidet wird.
Die Induktion des Neuralrohrs führt zur Unterscheidung von drei ektodermalen Gebieten mit je eigener Bestimmung:
- Das dorsomediane Ektoderm (zukünftige Neuralplatte), aus welchem das Neuralrohr hervorgeht
- Das Ektoderm im Grenzbereich des Neuralepithels, aus welchem die Neuralleisten hervorgehen
- Das laterale Ektoderm, aus welchem die Epidermis und die epiblastischen Plakoden entstehen