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Die Geschichte von Vorhängen und Gardinen 06.12.2016 – Veröffentlicht in: Allgemein
Begriffsdefinition: Gardine oder Vorhang?
Das Wort “gordijne” stammt aus dem Niederdeutschen und Niederländischen, verbreitete sich im 15. und 16. Jahrhundert und bezeichnete ursprünglich den Bettvorhang. Eine Gardine wird auch als Store bezeichnet. Sie soll schön sein und das Fenster und damit den Raum schmücken und zieren. Meist ist die Gardine aus leichtem, hellem, transparentem oder zumindest halbtransparentem Gewebe. Sie braucht das Fenster nicht zwingend zu verdecken, teilweise wird das Fenster nur teilweise damit abgedeckt. Beispielsweise bis in der Höhe nur bis in die Hälfte.
Ein Vorhang hingegen wird eher aus festem, undurchsichtigem, teils auch schwerem Stoff gefertigt. Der Vorhang wird auch als Dekorationselement eingesetzt – zudem auch zum Schutz vor neugierigen Blicken, vor Kälte oder auch vor Sonneneinstrahlung. Während eine Gardine meist nur bis zur Fensterbank reicht, sind Vorhänge deutlich länger und reichen oft bis auf den Fussboden.
Viele Leute haben über der Gardine die Vorhänge, abends zum Zuziehen.
Die Geschichte von Vorhängen und Gardinen
Bereits im alten Ägypten entstand aufgrund der offenen Säulenarchitektur gepaart mit der intensiven Sonneneinstrahlung in den südlichen Regionen das Bedürfnis, Stoffe als Sonnenschutz umzufunktionieren. Die damals noch nicht besonders wirkungsvollen Vorhänge wurden aus einfachem Gewebe hergestellt und meist ganzflächig mit traditionellen oder ornamentalen Lotusmustern dekoriert.
Beispiel eines Lotus-Blüten-Musters
Im alten Griechenland hingegen wurden die ersten Vorhänge bereits zu dekorativen Zwecken verwendet. Zur damaligen Zeit entstand erstmals die visuelle Verbindung zwischen den Vorhang-Rändern mit einer Schabracke (Querbehang am Fenster). Dabei waren die Stoffe mit einem relativ einfachen, meist in der Mitte platzierten Muster versehen. Oft war der untere Teil des Stoffes mit sehr komplexen, typischen rechtwinkligen, geometrisch anmutenden Formen besetzt.
Beispiel einer Schabracke
In alten Rom entstanden neue, fast schon pompöse Deko-Elemente im Bereich der Heimtextilien und Vorhänge. Dabei wurden vor allem Vorhänge mit ausgefransten Enden eingesetzt. Daneben bildete sich ein freierer ornamentaler Stil heraus (Ein Ornament ist ein sich meist wiederholendes, oft abstraktes oder abstrahiertes Muster mit für sich genommen symbolischer Funktion) – und Stoffe mit Blumenmotiven kamen auf.
In der Zeit der Gotik wurden die Fenster mehr und mehr durch Glasmalerei verziert – die Verwendung von Vorhängen ging zurück. Allerdings wurden Heimtextilien vermehrt zur Raumunterteilung bestimmter Wohnbereiche im Inneren verwendet. Dies primär mit dem Ziel, den Wärmeverlust zu minimieren. Die typischen Vorhangfarben waren blau und rot, wobei die Gewebe häufig mit floralen Mustern mit Lilien, heraldischen Motiven sowie silber- oder goldfarbenen Kreisen und Quadraten verziert waren.
Im 15. Jahrhundert, zur Zeit der Renaissance, wurde die Schönheit der Schabracken wieder entdeckt. Bei den Gewebearten wurde variiert zwischen schweren und leichten Vorhangtypen, wobei bei letzteren sehr oft Seide eingesetzt wurde. Die Musterung der Stoffe vereinfachte sich, teils verzichtete man sogar gänzlich auf Muster. Sehr oft wurden einfarbige Stoffe verwendet. Als neue Deko-Elemente kamen in dieser Epoche sogenannte Bordüren hinzu. Es sind dies verzierte Kanten oder Gewebebänder an den Rändern. Auch Quasten (hängendes Bündel von Fäden oder Kordeln, am oberen Ende oft begrenzt durch einen Knoten oder eine Zierperle) zierten sehr oft die Fensterdekoration.
Beispiel einer Quaste
In der Epoche des Barocks kamen im Bereich der Vorhänge oft grossflächige Muster zur Anwendung. Diese Vorhänge verfügten oft über einen dekorativen Abschluss am oberen Enden, über verzierte Griffe und Fransen. Darüber hinaus wurden diese Vorhänge kombiniert mit reich verzierten Polstern und Schabracken in allen Formen und Farben.
Das Rokoko-Zeitalter war die Blütezeit der Lyoner Seide. Diese hochwertige Seide wurde zu einem festen Bestandteil in der Gardinen- und Vorhangherstellung. Dabei waren die Stoffe mit Blumen-Mustern versehen. Oft wurde am unteren Teil der Gardinen ein Faltensaum angesetzt.
In der Zeit der Klassik kommt es in Bezug auf Fenster-Textilien zur Wiedergeburt des antiken Schönheitsideals. Ihren Abschluss finden Vorhänge und Gardinen meist mit dekorativen Schienen am oberen Ende. Oft sind sie mit frei gerafften, einfarbigen Polstern, Jalousien, klassischen Mustern, Pastellfarben und nach oben gefalteten Vorhängen versehen.
Die Erfindung der Gardinenstange mit Ringen zum Aufhängen der Vorhänge fällt ins Zeitalter der Romantik. Architektonisch ausgeprägt waren Bauten mit wuchtigen Gewölben. Die Verwendung von Schabracken ging stark zurück. Vielmehr verbreiteten sich auffallende, genähte geometrische Muster auf der gesamten Stofffläche und auch die Verwendung von Klammern am Rand der Vorhänge, um sie dekorativ auseinander ziehen zu können.
In der Zeit des Biedermeiers waren gefaltete Vorhänge und Gardinen in allen Farben und Arten sehr beliebt.
In der Epoche des Jugendstils wurden die Schienensysteme für Gardinen und Vorhänge erstmals mit einer Schnur versehen. So waren sie einfacher zu bedienen. Die Vorhänge und Gardinen selbst wurden mit Mustern gewebt, oft auch reichlich bestückt. Ein neues Element waren die typischen Schienengardinen für Tearooms und Cafes, bei denen die obere Kante in der unteren Hälfte des Fensters abschloss.
Während in Op-Art (Op-Art oder optische Kunst ist eine Stilrichtung der bildenden Kunst der 1960er Jahre, die mit Hilfe präziser abstrakter Formmuster und geometrischer Farbfiguren beim Betrachter überraschende oder irritierende optische Effekte erzeugt) fantasievolle Formen, eine reiche Vielfalt an Farben sowie diverse technische Details und Ergänzungen Einzug hielten, wurden Gardinen und Vorhänge in der Zeit des Modernismus wohl als Kontrast eher einfach gehalten. Die moderne Zeit führte schliesslich zu neuen Materialien und eine neue Sichtweise bezüglich dem Aussehens und der Funktion von Gardinen und Vorhängen – genauso wie der Raumgestaltung im Allgemeinen.
Und heute? Mit Gardinen und Vorhängen ist es wie mit anderen “Moden”, sie unterliegen Trends. Dabei wechseln Material der Stoffe ebenso wie die Länge und Farben der Heimtextilien. Zu den neuesten Trends in Sachen Vorhänge und Gardinen gehört die Verarbeitung von Materialien, durch die der Zyklus der Natur nachempfunden wird. So gibt es mittlerweile Gardinen, die morgens beginnen, sanft zu leuchten und auf diese Weise das Aufwachen deutlich angenehmer gestalten. Die Zukunft bleibt spannend!