Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03468.jsonl.gz/2933

Elemente
Basel,
die Stadt, Hauptort des Kantons Basel-Stadt, liegt im äussersten NW. der Schweiz.
Nach geodätischer Bestimmung durch Geometer Stohler, Vorstand des Vermessungsbureaus, hat der niedrigere, südl. oder Martinsturm des Münsters eine geographische Breite von 47° 33' 27,3803“ und eine geographische Länge von 0° 0,09' 12,4597“ östlich der Sternwarte Bern = 5° 15' 23,3“ östlich von Paris = 7° 35' 38,3“ östlich von Greenwich. Das Bernoullianum (Centrum des Meridianinstrumentes) besitzt nach Professor Riggenbachs Ermittlung eine nördliche Breite von 47° 33' 42,8165“ und eine Länge von 0° 8' 31,1860“ östlich der Sternwarte von Bern = 5° 14' 42,0“ östlich von Paris = 7° 34' 47,0“ östlich von Greenwich; die auf astronomischem Wege bestimmte Polhöhe beträgt 47° 33' 35,89“. Der kleine Unterschied gegenüber der auf geodätischem Wege gefundenen Breite ist wohl durch die Lotabweichung gegen den Schwarzwald zu erklären.
Was der Stadt einen besonderen Reiz verleiht und was für sie bestimmend wirkte, ist die Lage am grünen Rhein und zwar an der Stelle, wo der majestätisch daherflutende Strom sich von mehr als 200 m auf 172 m verengt und zugleich den grossen Bogen beschreibt. Hier, insbesondere auf dem hohen, linken Ufer, waren die Niederlassungen geschützt vor den Ueberflutungen des Flusses und den Ueberfällen der Feinde. Früh schon wiesen ferner das Rheinthal den Verkehr von N. u. O., die burgundische Pforte von W. u. die Jurathäler von S. nach dieser Stelle.
Die Brücke endlich, die wegen der Verengung des Bettes u. der Solidität seines Untergrundes hier verhältnismässig leicht zu erbauen war, verband die auf den beiden Seiten gelegenen, unabhängig von einander entstandenen Gründungen, nämlich Grossbasel auf dem hohen, linken Ufer und Kleinbasel auf dem niedrigen, rechten Ufer, zu einem grösseren Ganzen und gab der Stadt einen Anstoss zu neuer Entwicklung. Diese wahrscheinlich im Jahre 1225 erbaute, sogenannte Alte Rheinbrücke benützt die im linken Steilufer durch den hier mündenden Birsig verursachte Vertiefung und gewinnt so in horizontaler Richtung das gegenüberliegende Ufer.
Der hölzerne Oberbau dieses ehrwürdigen Bauwerkes ruht auf sechs hölzernen Jochen und auf sechs steinernen Pfeilern, von denen jedoch einer auf dem festen Lande ¶
forlaufend
steht, so dass die Länge der Brücke die Strombreite übertrifft. Der in der Mitte des Stromes stehende Pfeiler, das «Käppelijoch», trägt eine kleine Kapelle mit dem Standbilde des Bischofs Heinrich von Thun, des Erbauers der Brücke. Bald wird dieses Wahrzeichen einer vergangenen Zeit, das dem gesteigerten Verkehr kaum mehr genügen kann, einer modernen Kunstbaute weichen. Die zweite, die Wettsteinbrücke, wurde im Jahr 1879 vollendet. Was an dieser besonders auffällt, ist der Umstand, dass sie von Grossbasel in einem gleichmässigen Gefälle von 2,67% gegen Kleinbasel abfällt.
Der Gedanke einer Brücke mit geneigter Fahrbahn rührt von keinem Geringeren her als von dem nachmaligen General Dufour, der 1843 als Experte in der Brückenfrage berufen wurde. In vier Bogen, die von zwei Land- und zwei Strompfeilern getragen werden, übersetzt diese Brücke in bedeutender Höhe den Strom. (Die obere Rheinbrücke am Harzgraben. Publiziert vom Baudepartement. Basel 1879). Die untere oder Johanniterbrücke, im Juli 1882 dem Verkehr übergeben, ist die längste von allen.
Sie ruht auf fünf Bogen und vier Strompfeilern samt den beidseitigen Widerlagern. (Die untere Rheinbrücke, genannt Johanniterbrücke. Publiziert vom Baudepartement. Basel 1882). Oberhalb der Stadt führt noch die Brücke der Verbindungsbahn, die mit einem Fussgängersteig versehen ist, über den Strom. Es dienen somit dem Verkehr zwischen beiden Stadtteilen im ganzen vier Brücken, und ebenso viele Fähren tragen dazwischen in schnellen Schiffen die Personen von Ufer zu Ufer.
|Länge zwischen den Widerlagern in m||Breite in m|
|Eisenbahnbrücke||216||6,4|
|Wettsteinbrücke||193,94||12,6|
|Alte Rheinbrücke||195,53||12,6|
|Johanniterbrücke||225,31||12,6|
Kleinbasel
breitet sich in einer Ebene aus, die zwischen 262 und 251 m Höhe ein geringes Gefälle gegen den Rhein zu und stromabwärts aufweist. Die bauliche Entwicklung fand hier keine orographischen Hindernisse. So erklärt es sich, dass die Strassen nicht nur in den neuen Quartieren, sondern auch im alten Stadtkern meistens sich, nahezu rechtwinklig kreuzen; die Hauptverkehrsrichtungen angebend, laufen sie entweder gegen den Rhein und seine Brücken oder parallel mit dem Strom.
Eine Strasse der letzteren Richtung führt nordwärts nach dem Vororte Kleinhüningen, das sich zu beiden Seiten der Wiesenmündung und bis an die Landesgrenze ausdehnt. Der alte Stadtteil Kleinbasels wird von dem breiten Strassenzuge eingeschlossen, der bei der Wettsteinbrücke beginnt und sich über die Wettsteinstrasse, den Claragraben, die Klingenthalstrasse, die Klybeckstrasse und den Klingenthalgraben wieder an den Rhein zieht. Dieses Viereck scheint vom 13.-19. Jahrhundert im allgemeinen dieselbe Ummauerung gehabt zu haben; einzig an den Schmalseiten sind Aenderungen zu konstatieren, indem im 13. Jahrhundert die Theodorskirche als ausserhalb den Mauern liegend bezeichnet wird, desgleichen das Klingenthalkloster (jetzt Kaserne).
Also ist anzunehmen, dass der Befestigungszug damals weiter innen lag und erst im 14. Jahrhundert ausserhalb der genannten Gebäude angelegt wurde. (Wackernagel. Beiträge zur geschichtlichen Topographie von Kleinbasel. Historisches Festbuch zur Basler Vereinigungsfeier 1892.) Bis zum 19. Jahrhundert reichte die Stadt nur längs der Hauptstrassen etwas über die Mauern hinaus; die Hauptentwicklung erfolgte, wie bei Grossbasel, im eben abgeschlossenen Jahrhundert, wie dies der historische Plan von Basel beweist. Derselbe zeigt die Ausdehnung der Stadt nach dem Plane von Matthäus Merian 1615 (die Legende gibt irrtümlicher Weise 1625 an), nach demjenigen von Christian von Mechel 1784 und nach den Plänen des Baudepartements von 1868 und 1900.
Mitten durch Kleinbasel geht ein Gewerbekanal, der schon im 13. Jahrhundert existierte und seit der Zeit seines Bestehens Eigentum einer Genossenschaft ist. Sein Wasser entnimmt er der Wiese, innerhalb der Stadt verzweigt er sich und mündet unterhalb der Alten Rheinbrücke in zwei Armen. Ihm verdankt Kleinbasel insbesondere seinen gewerblichen und industriellen Charakter. In alter Zeit trieb er Mahlmühlen, Schleifen, Walken, Stampfen, während jetzt Kunstmühlen, Seidenfärbereien, Schappespinnereien, Fabriken zur Herstellung elektrischer Apparate und zur Erzeugung von Eis seine Kraft ausnützen. (Grüninger. Der Klein-Basler Teich. Histor. Festbuch zur Basler Vereinigungsfeier. Basel 1892.) In architektonischer Beziehung steht Kleinbasel dem grossen Stadtteil weit nach.
Von dem linken, hohen Rheinufer, z. B. von der Pfalz oder vom Rheinsprung aus gesehen, zeigt es ein verhältnismässig flaches Dächerprofil, aus welchem neben einigen Dutzenden von Fabrikkaminen einzig die altersgraue Theodorskirche, die Clarakirche mit ihrem kleinen Dachreiter, der schlanke Helm der Matthäuskirche und die neue Josephskirche emporragen. Der Rhein, der im Vordergrund dahinzieht und die dunkeln Schwarzwaldberge, die sich im Hintergrunde erheben, umrahmen aber das Ganze so anmutig, dass ein Bild entsteht, das einen immer wieder entzückt.
Grossbasel
hat nicht nur eine grössere Ausdehnung, sondern auch eine mannigfaltigere Gestalt als der kleinere Stadtteil. Die Terrasse, auf welcher es gelegen ist, wird durch das ursprünglich ca. 20-25 m tiefe Thälchen des Birsigbaches in ein Nordwestplateau und in ein Südostplateau zerschnitten. Beide erheben sich bis zu 286 m, während das Birsigthälchen jetzt vor der alten Rheinbrücke bei 255 m den tiefsten Punkt erreicht. Birsig und Rhein treffen sich in einem spitzen Winkel, in dessen Raum sich eine hügelartige Fortsetzung des Südostplateaus vorschiebt.
Diese Stelle bot den ersten Ansiedlern den sichersten Schutz gegen Ueberschwemmungen und feindlichen Ueberfall; hier, «auf Burg», liegt denn auch um den Münsterplatz herum der älteste Teil der Stadt. Steile Gässchen und Treppenstiege führen von da in die Einsenkung hinab und auf der anderen Seite auf das Nordwestplateau hinauf. Der Birsig ist an verschiedenen Orten überwölbt und sein Thal aufgefüllt worden, so bei der Schifflände, beim Fischmarkt, beim Marktplatz und beim Barfüsserplatz. In neuester Zeit sind hier ganze Quartiere niedergerissen worden, um die Plätze zu vergrössern und die Strassen zu verbreitern und so dem Verkehr, der gerade hier am stärksten ist, mehr Raum zu schaffen und auch um die sanitären Verhältnisse zu bessern.
Die innere Stadt reicht bis zu den breiten Strassen, die sich von der Wettsteinbrücke bis zum Totentanz hinziehen, und die in ihren Namen - St. Albangraben, St. Leonhardsgraben, Petersgraben - noch an die Stadtgräben der ersten Befestigung (11. Jahrhundert) erinnern, deren Stelle sie einnehmen. Hieran schliessen sich die Vorstädte, nämlich die St. Alban-, Aeschen-, Elisabethen-, Steinen-, Spalenvorstadt, die Neue Vorstadt (Hebelstrasse) und die St. ¶
forlaufend
Johannvorstadt, die einst von den Mauern, Türmen, Schanzen und Gräben der zweiten Befestigungslinie (13. resp. 14. Jahrhundert) umschlossen waren, jetzt aber malerisch von schönen Anlagen umkränzt sind. Die Aussenquartiere, die erst in neuester Zeit hieran angebaut wurden, beginnen mit schönen, von Gärten umgebenen Privathäusern - so insbesondere am St. Alban- und Aeschengraben, auch am Steinen- und Schützengraben -, während die dichter gedrängten Miethäuser weiter draussen stehen.
In den Vorstädten und den Aussenquartieren sind die Strassen breit und zweckmässig angeordnet. Im allgemeinen kann man hier Züge unterscheiden, die konzentrisch um die innere Stadt herumführen, und solche, die strahlenförmig ihrem Mittelpunkte zustreben. (Siehe den historischen Plan der Stadt Basel.) Auch Grossbasel hat seine Gewerbekanäle, die jedoch im Gegensatz zu denjenigen Kleinbasels zur Allmend gehören. Schon im 11. Jahrhundert bestund der St. Albanteich, der sein Wasser der Birs entnimmt und ursprünglich die Mühlen des Bischofs trieb, jetzt eine Sägerei, eine Schreinerei, eine mechanische Werkstätte, ein Pumpwerk, eine Papierfabrik u. s. w. mit Kraft versieht. Im Jahr 1316 wurde das Wasser des Birsigs bei Binningen in einen Kanal gefasst und als Rümelinsbach in die Stadt geleitet. An ihm haben sich zwei Mühlen, eine Schleiferei, eine Schreinerei, eine Drechslerei, und eine mechanische Werkstätte angesiedelt.
Architektur und Physiognomie der Stadt.
Mit Bauwerken verschiedener Art ist insbesondere Grossbasel reich geschmückt. Vor allem sei das Münster erwähnt, das in erhöhter Lage sich am schönsten Punkte der Stadt erhebt. In seiner jetzigen Gestalt ist es das Werk mehrerer Jahrhunderte und verbindet aufs beste den romanischen mit dem gotischen Baustil. Der nördliche oder St. Georgsturm ist 66,5 m, der südliche oder St. Martinsturm 64,7 m hoch. (Baugeschichte des Basler Münsters. Herausgegeben vom Basler Münsterbauverein. Basel 1895.) An zweiter Stelle muss die St. Elisabethenkirche erwähnt werden, ein dreischiffiger Hallenbau in spätgotischem Stil mit reich gezierter Fassade und 70,5 m hohem durchbrochenem Turm.
Diese schöne Kirche wurde in den Jahren 1856-65 erbaut und zwar auf Kosten von Christoph Merian, der auch der Urheber der grossen nach ihm benannten Stiftung ist. Im gotischen Stile sind ferner erbaut die 1269 vollendete Predigerkirche, der christ-katholischen Gemeinde dienend, die aus dem 14. Jahrhundert stammende Barfüsserkirche, jetzt Historisches Museum, die St. Leonhardskirche, im 15. Jahrhundert an Stelle eines älteren Gotteshauses gebaut, und die 1896 eingeweihte Matthäuskirche in Kleinbasel, deren schlanker Turm die Höhe von 73 m erreicht.
Romanische Formen haben die Marienkirche (römisch-katholisch), 1885 geweiht, die Pauluskirche und die Josephskirche (römisch-katholisch), welch' letztere beide im Bau begriffen sind. Einfach gehalten sind die Kirchen zu St. Martin, St. Alban, St. Peter, St. Theodor, St. Clara (römisch-katholisch) und St. Jakob, ferner die nicht mehr benützte Kirche im Klingenthal, die Waisenhauskirche, die Kirche von Kleinhüningen und diejenige der französischen Gemeinde. Die Stadt Basel hat also im ganzen 19 Kirchen, von denen noch 17 religiösen Zwecken dienen, nämlich 13 den Reformierten, drei den Römisch-Katholiken und eine den Christ-Katholiken; hiezu kommen noch ein Dutzend Kapellen und Bethäuser und die im orientalischen Stil erbaute Synagoge.
Von den Staatsgebäuden sind namhaft zu machen das Rathaus, welches gerade jetzt erweitert und umgebaut wird (Albert Burckhardt und Rudolf Wackernagel, Das Rathaus zu Basel. Mitteilungen der historischen und antiquarischen Gesellschaft. N. F. 3), das 1898 errichtete Archivgebäude im Rathausgarten, das grosse Postgebäude, das Gebäude der Universitätsbibliothek, das Museum und das Theater. Den öffentlichen Schulen dienen 25 Schulhäuser, zu denen eben vier neue hinzukommen. (Schimpf. Die seit 1870 neu erbauten Schulhäuser Basels. 1887.) In der grossen Kaserne werden hauptsächlich Sanitätskurse abgehalten.
Viele Zünfte besitzen prächtige Gesellschaftshäuser; auch weisen zahlreiche Privatbauten kunsthistorischen Wert auf. (Basler Bauten des 18. Jahrhunderts. Herausgeg. vom Ingenieur- und Architektenverein. Basel 1897.) Unter den Denkmälern ist das von Schlöth geschaffene St. Jakobsdenkmal, welches an die Heldenschlacht von 1444 erinnert, das ergreifendste. Das Strassburgerdenkmal, ein Werk des Pariser Bildhauers Bartholdy, gestiftet von Baron Gruyer, verherrlicht die Abholung der Kinder und Frauen Strassburgs während der Belagerung im deutsch-französischen Krieg durch die Abgesandten von Basel und Zürich. (Denkschrift zur Feier der Enthüllung des Strassburger-Denkmals in Basel. Herausgeg. vom Regierungsrat. Basel 1895.) An berühmte Männer der Vergangenheit erinnern die Statue des Munatius Plancus, des Gründers von Augusta Rauracorum, im Hofe des Rathauses, das ¶