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NZZaS: Reaktivierung der stillgelegten Leopard Panzer
In der heutigen NZZ am Sonntag (NZZaS, 08. Mai 2022) nimmt die Offiziersgesellschaft Panzer (OG Panzer) zusammen mit SVP-Sicherheitspolitiker und Ständerat Werner Salzmann sowie FDP-Präsident und Ständerat Thierry Burkart Stellung zur Bedeutung der 96 stillgelegten Leopard 2 Panzer und deren zukünftigen Verwendung.
"Die Reaktivierung aller 96 Leopard ist eine dringende Notwendigkeit"
Quelle: NZZaS, 8.5.2022, Link.
"Es ist Zeit, die militärischen Mittel wieder an der tatsächlichen Bedrohung auszurichten."
Hintergrund: Alle Zahlen, Daten und Fakten zu unserer Position
1. Was halten wir von der Absicht, diese knapp 100 Leos wieder zu aktivieren?
Zu dieser Frage hat die OG Panzer bereits 2015 hier klar Stellung bezogen. Die 96 stillgelegten Panzer 87 (Leopard 2) sind zwingend als strategische Reserve im Bestand zu halten und zeitnah einem Kampfwertsteigerungsprogramm zu unterziehen.
Zu den Zahlen: Die Schweizer Armee verfügt aktuell über 134 (kampfwerterhaltene) Pz 87 WE und 96 stillgelegte Pz 87 in der Originalkonfiguration (im Wesentlichen Leopard 2 A4). Für eine Vollausrüstung der aktuell noch vorhandenen 6 Panzerbataillone (12, 13, 14, 17, 18 und 29) werden 6 x 28 = 168 Panzer benötigt – das heisst, dass bereits die 134 Fahrzeuge nicht reichen, um die aktiven Verbände auszurüsten (die logistische Umlaufreserve und die notwendigen Fahrzeuge für den Lehrverband sind hier noch nicht eingerechnet)! Wenn alle 230 (134 + 96) noch vorhandenen Panzer 87 in Betrieb sind, könnten damit insgesamt 8 Panzerbataillone (224 Fahrzeuge) und damit auch die Mechanisierte Brigade 4 mit Kampffahrzeugen ausgerüstet werden (wie das mit der Armee XXI einmal vorgesehen war, aber dann mit dem Entwicklungsschritt 08/11 auf 6 Panzerbataillone reduziert wurde) – siehe auch hierzu Überlegungen der OG Panzer aus dem Jahr 2015: "Gedanken zu einer echten dritten Panzerbrigade".
2. Könnten Sie sich auch vorstellen, zumindest einen Teil wieder in Dienst zu stellen? (z.B. 28 Stück für die Mech Brigade 4)
Die OG Panzer fordert, dass alle 230 Fahrzeuge im Bestand der Armee bleiben (siehe Frage 1). Eine Wiederindienststellung kann in zwei Phasen ablaufen:
1. Phase: Vollausrüstung der aktuell aufgestellten 6 Panzerbataillone (168 Fahrzeuge): 40 Fahrzeuge (134 + 40 = 174), um auch eine logistische Umlaufreserve zu generieren.
2. Phase: Aufbau von zwei weiteren Panzerbataillonen (z.B. 8 und 20, welche mit dem Entwicklungsschritt 08/11 gestrichen wurden) im Rahmen eines personellen Aufwuchses der Armee.
"Komplettüberholung aller 230 Fahrzeuge und eine Aufrüstung auf einen einheitlichen Technologiestand"
Die geforderte Lösung der OG Panzer ist eine Komplettüberholung aller 230 Fahrzeuge und eine Aufrüstung auf einen einheitlichen Technologiestand. Dies senkt die Betriebskosten (logistische Gleichheit), vereinheitlicht die Ausbildung, ermöglicht die Vollausrüstung der aktiven 6 Panzerbataillone und zudem eine Aufstellung von zwei zusätzlichen Panzerbataillonen. Dies mit einem Kampfpanzer, der bis 2040 seinen Kampfwert behält! Just bis zu den Jahren, wo ein weiterer Technologiewechsel anstehen wird.
3. Die Linke sagt: «Wir brauchen keine zusätzlichen Panzer. Der Feind steht ja nicht morgen am Bodensee oder in Chiasso». Was sagt die OG Panzer dazu ?
Die Linke nimmt jede Gelegenheit wahr, um ihre Salami-Taktik zur Abschaffung der Armee fortzusetzen. Jeder militärische Konflikt wird am Boden entschieden. Entscheidend sind dabei die Rohre an der Front mit Panzer 87, Schützenpanzer 2000 mit den Panzergrenadieren sowie Artillerie zusammen mit dem F-35 und der bodengestützte Luftverteidigung. Unsere Armee muss wieder die Dissuasions-Fähigkeit erlangen.
Die besagten politischen Akteure gehen bei ihrer Aussage davon aus, dass die Panzer dann noch gekauft werden können, wenn sich abzeichnet, dass der Feind dann tatsächlich morgen am Bodensee oder in Chiasso stehen könnte. Diese Annahme ist aber grundlegend falsch und eine Verkennung der historischen Realität, wie uns auch die aktuelle Situation in der Ukraine gerade wieder vor Augen führt – wenn überhaupt, haben die westlichen Geheimdienste den russischen Angriff wenige Tage im Voraus antizipiert. Das ist weit entfernt von der Zeitspanne, welche für eine Panzerbeschaffung benötigt wird! Weiter ist zu bezweifeln, dass die Schweiz im Krisen- oder Kriegsfall bei der Lieferung von schweren Waffensystemen in irgend einer Art und Weise priorisiert werden würde (der Zwischenfall mit den Schutzmasken, welche vom deutschen Zoll während der COVID-Krise nicht freigegeben wurden, ist ein eindrückliches Beispiel, wie im Krisenmodus jede Nation zuerst mal an sich selber denkt).
Die Linken haben sich in ihrer einmal Hü und einmal Hott Sicherheitspolitik kläglich verrannt. Dasselbe politische Lager hat übrigens noch im Februar 2020 generell die Szenarien von Panzerschlachten und Bewegungskriegen für ‘unplausibel’ erklärt (den entsprechenden Tweet aber mittlerweile aufgrund aktueller Ereignisse gelöscht)
Die OG Panzer hat bereits 2015 vor einer Unberechenbarkeit des Krieges gewarnt und ebenfalls das in Europa noch vorhandene Potential an gepanzerten Fahrzeugen aufgezeigt: In den Beständen der europäischen Streitkräfte (inklusive Russland) gibt es noch mehr als 10'000 Kampfpanzer und 18'500 Kampfschützenpanzer – es fehlt im Grunde einzig die politische Absicht, dieses Potential auch einzusetzen, welche uns vor dem nächsten grossen Panzerkrieg bewahrt… und die politische Absicht kann sich sehr schnell ändern, womit man wieder bei der aktuellen Situation in der Ukraine landet.
Um die Frage kurz zu beantworten: Das Szenario von Panzerschlachten und Bewegungskriegen ist sehr wohl plausibel - also wahrscheinlich (siehe aktuelles Beispiel) - und die Panzer können nicht erst beschafft werden, wenn sich ein Angriff auf die Schweiz abzeichnet! Es ist ein wenig wie bei der Feuerwehr: Man investiert Geld in ein Fahrzeug (und in Personal), von dem man hofft, dass man es nie braucht, aber wenn man es braucht, muss die Leistung unmittelbar zur Verfügung stehen (und kann nicht erst noch eingekauft und ausgebildet werden).
4. Ueli Maurer wollte die Panzer 2014 verkaufen. Das wäre natürlich weiterhin eine Option. Zumal Polen oder die Slowakei viele ihrer T72 an die Ukraine abgegeben haben.
Polen oder die Slowakei könnte Interesse haben, einen NATO-kompatiblen Kampfpanzer günstig zu erhalten. Soll die Schweiz das probieren? Selbstverständlich nur zur Landesverteidigung, nicht für eine Weitergabe an die Ukraine.
Nein. Abgesehen davon, dass die Lieferung von schweren Waffen an den Rand einer Kriegsregion aus neutralitätspolitischen Gründen fragwürdig wäre und ein Einsatz beziehungsweise eine Weitergabe in die Kriegsregion trotz allfälliger Bekundungen der potentiellen Käufer nicht ausgeschlossen werden kann, ist die Schweizer Armee wie oben dargelegt selber auf die Fahrzeuge angewiesen, wenn sie zukünftig einem potentiellen Aggressor gegenüber wieder eine glaubwürdige Verteidigungsbereitschaft demonstrieren will. Mit dem Verkauf dieser 96 Fahrzeuge würden die 6 aktiven Panzerbataillone definitiv ad absurdum geführt, weil nicht einmal 5 davon vollständig mit Kampfpanzern ausgerüstet werden könnten. Wir müssen jetzt die finanzpolitisch motivierten Luftschlösser (die am Ende sowieso nie funktionieren) abbrechen. Die Fahrzeuge müssen im Bestand der Schweizer Armee bleiben und modernisiert werden! Die Politik ist gefragt, die Armee ist bereit.
Herzlichen Dank an Georg Humbel, Redaktor NZZaS und Hptm Stefan Bühler, Chef Think Tank der OG Panzer.