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Im Gegensatz zu uns Menschen besitzen Vögel keine Stimmbänder: Sie besitzen die sogenannte Syrinx, zu Deutsch den Stimmkopf, mit welchem sie ihre vielfältigen Gesänge und Rufe produzieren. Während bei uns der Kehlkopf an der Vorderseite des Halses liegt, befindet sich die Syrinx bei den Vögeln ganz am Ende der Luftröhre, bevor die Luftröhre sich in die zwei Lungen aufteilt. Niemand sonst im Reich der Tiere besitzt eine Syrinx. Deshalb ist es für den Menschen fast unmöglich, Vogelstimmen nachzuahmen, da Vögel einen ganz anderen Stimmapparat besitzen als wir.
Doch der Nutzen ist bei beiden derselbe: Die Produktion von Lauten. Der Mensch kann durch den Kehlkopf sprechen und der Vogel kann durch den Stimmkopf singen. Doch, wieso singen Vögel überhaupt? Die Antwort ist recht banal: zur Kommunikation. Genauso wie wir zur Verständigung mit anderer unserer Art sprechen, singen die Vögel um untereinander zu kommunizieren. Natürlich machen das andere Spezies auch, doch keine andere Klasse zeigt eine solche Stimmenvielfalt wie die der Vögel. Ihre Stimmen sind recht einzigartig, genauso die Vielfalt an Gesängen und Rufe, die sie erzeugen können.
Vogelgesänge sind arttypisch. Sie sind ein genauso wichtiges Werkzeug zur Bestimmung, wie zum Beispiel Farbe oder Form. Geht man in den Wald spazieren, hört man oft mehr Arten, als das man zu Gesicht bekommt. Doch auch wenn man den Vogel sieht, kann dieser zuoberst auf einem Ast sitzen und man kann nur anhand seiner Stimme genau sagen, um welchen Vogel es sich dreht.
Wichtig ist, Gesänge von Rufen zu unterscheiden. Während Rufe über das ganze Jahr verteilt hörbar sind und mehrere Bedeutungen haben können, ertönen die Gesänge ausschliesslich zur Brutzeit. Die Gesänge haben etwas mit der Fortpflanzung der Vögel zu tun. Entweder dienen sie als Reviermarkierung oder als Partnererwerbung. Deswegen singen meist nur die Männchen (z.B. das Rotkehlchen ist eine Ausnahme). Die Gesänge kann man vorwiegend im Frühling hören, dies aufgrund der Tatsache, dass sehr viele Vogelarten dann ihre Brutzeit haben. Doch auch im Herbst kann man Gesänge hören, wenn auch weniger häufig und auch anders tönend als der Frühlingsgesang.
Gesänge sind Lautäusserungen, die mehrere Elemente und auch Strophen umfassen können. Hingegen sind Rufe vereinzelte Lautäusserungen. Diese werden in verschiedene Rufe aufgeteilt: in Warn-, Flug-, Lock-, Droh-, und Kontaktrufe. Manchmal kann man aber auch vereinzelte Rufe in Gesängen eingebaut hören. Rufe geben so auch Auskunft über die momentane Stimmungslage eines Vogels.
Man kann sich jedoch nicht immer auf den Gesang verlassen: Einige gewiefte Vogelarten beherrschen die Imitation. Diese Arten können den Gesang anderer Vögel täuschend echt nachahmen und uns Beobachter recht in die Zwickmühle bringen. Dabei ist der Star nicht der Einzige, der andere Vögel nachahmt. Unter anderem tun dies auch Braunkehlchen, Feldlerche, Gartenrotschwanz und sogar die Amsel.
Nicht alle Vögel benutzen nur ihren Gesang zur Kommunikation. Instrumentalisten verlassen sich eher auf andere Geräusche, wie zum Beispiel der Specht auf das Trommeln auf Holz und sogar die Taube mit ihrem Flügelklatschen.
Um die Vogelgesänge kennenzulernen, muss man viel Geduld zeigen und fähig sein, zuhören zu lernen. Es lohnt sich, mit einfachen oder prägnanten Vogelstimmen zu beginnen. Ohne selbst Erfahrungen zu sammeln jedoch, kommt man nicht voran. Es ist also fast schon eine Pflicht, sich nach draussen zu wagen und einfach versuchen, bestimmte Gesänge herauszuhören und dann vielleicht gerade auch visuell den Vogel zuordnen. Es braucht viel Übung, bis man die verschiedenen Klangfarben und Laute unterscheiden kann. Doch wenn man sie einmal richtig hört, dann hört man sie nachher immer.
Anissa Ammann
Mehr über Vogelstimmen www.vogelstimmen-gr.ch
Quellenangabe:
Pennisi, Elizabeth, www.sciencemag.org (2018). The bird voice is one of a kind in the animal kingdom. [01.05.2019]
Shields, Jesslyn, www.howstuffworks.com (2018). Only Birds have a Syrinx and that’s why they sing. [01.05.2019]
Fotos: Anissa Ammann