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Ein Diplomat der «ja» sagt, meint «vielleicht», der «vielleicht» sagt, meint «nein» und der, der «nein» sagt, ist kein Diplomat. Der so etwas sagte, musste es wissen: Charles-Maurice de Talleyrand gilt als einer der grössten dieses ach so schwierigen Fachs. Diplomatie ist hohe Kunst – ein falsches Wort, ja gar ein richtiges Wort zur falschen Zeit, hat schon Kriege ausgelöst.
Um den Worten ihre Härte zu nehmen, ist Diplomatie leise. Nur: Selbst leise Worte können schon zuviel sein, wenn’s um ebenso handfeste wie heikle Interessen zweier oder mehrerer Staaten geht. Und deshalb gibt es, als eines der diplomatischen Instrumente, die so genannte «stille Diplomatie».
Stille Diplomatie ist, nun ja, noch leiser. Sie ist sogar so leise, dass die Aussenministerien der Schweiz oder Deutschlands den Begriff offiziell gar nicht kennen. Was natürlich im Reich der Diplomatie noch lange nicht heisst, dass es sie nicht gäbe: Stille Diplomatie ist ein Instrument der Vermittlung zwischen zwei Staaten. Sie spielt sich im Dunkeln ab, also weit abseits von Medien und Öffentlichkeit. Stille Diplomatie hat – wie die so genannten Guten Dienste – nicht das Verhandeln selbst zum Ziel, sondern vielmehr, ein Verhandeln überhaupt erst möglich zu machen: etwa durch das Zur-Verfügung-Stellen von Räumlichkeiten, das Erstatten von Reisekosten, das Übermitteln vertraulicher Informationen. Oder, eben, mit einem richtigen Wort zur richtigen Zeit, wie Bundesrätin Doris Leuthard sagt: «Wenn ich in China eine Fabrik besuche und dabei beiläufig nach dem Alter der sehr jungen Angestellten frage, dann hat das oft nachhaltigere Wirkung als eine geharnischte Demarche.»
Stille Diplomatie ist leise. So leise, dass die einen sie als Leisetreterei verspotten und sich die anderen fragen, ob es sie denn überhaupt je gegeben habe.