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Die südlich von Australien gelegene Insel Tasmanien wurde nach der „Entdeckung“ durch die Europäer bis 1853 als Strafkolonie benutzt. Rund 75 000 Sträflinge, v. a. schwere Straftäter, wurden hierhergebracht, da die Insel leichter zu überwachen war als die Kolonien des Festlands. Da mit dem Ende der Strafkolonie auch die Quelle an billigen Arbeitskräften versiegt war, versuchte die tasmanische Regierung ab den 1850er-Jahren Siedler zu gewinnen. Zu diesem Zweck erliess sie ein die Einwanderung besonders begünstigendes Gesetz: Einwanderungswilligen wurde nahezu die gesamte Schiffsreise bezahlt. Im Gegenzug mussten sie sich aber für eine gewisse Dauer dem Landbesitzer, der sie gesponsert hatte, verpflichten. In den 1870er-Jahren wurden die Anstrengungen diesbezüglich noch intensiviert: Nun wurde kostenloses Land versprochen. Friedrich Buck, Agent für deutsche Einwanderung der tasmanischen Regierung, gab im Jahr 1870 in Hamburg das Handbuch für Auswanderer. Die Brittisch-Australische Colonie Tasmanien. Nach statistischen und anderen amtlichen Nachrichten der Königl. Großbritannischen Colonial-Regierung heraus. Ein Exemplar dieses zweisprachigen, heute nur noch selten vorhandenen Handbuchs befindet sich – zusammengebunden mit anderen Schriften zu Australien und Neuseeland – im Besitz der Museumsgesellschaft. Im Gegensatz zu Voices from New Zealand (Fundstück im Neuheitenbulletin Mai 2008) aus demselben Sammelband, in dem der Autor das Land durch Briefe und Berichte von Emigranten schmackhaft zu machen versucht, setzt Friedrich Buck mehrheitlich auf eine Aufstellung von Fakten.
Buck will damit „die Aufmerksamkeit seiner Landsleute und Anderer auf dieses wünschenswerthe Feld für Auswanderung hinlenken […]“, denn in diesem „Garten des Südens“ herrschen ein gesundes und vorzügliches Klima und ein allgemein guter, moralischer Ton. Ausserdem gebe es „keine – freundliche[n] oder feindliche[n] – Eingebornen, die in zerstörenden Guerilla-Kriegen die harte Lebens-Arbeit des Colonisten wegraffen“. Dass die Europäer nach ihrer Ankunft in Tasmanien die Ureinwohner systematisch ausgerottet hatten, bleibt natürlich unerwähnt. Neben topografischen, klimatischen und statistischen Daten der Kolonie werden die möglichen Methoden des Landerwerbs und die Einwanderungsgesetze skizziert. Da die Deutschen besonders „wünschenswerthe Colonisten“ seien, versuche die Regierung, ihnen „auf alle mögliche Weise Aufmunterung zu bieten“. Die Kolonie brauche „neue Ideen, frisches Blut und liberale Weltanschauung“. Eigens für die „intelligente Bergmannschaft Deutschlands“, die in Sachen „Ausbeutung und kunstmäßige Gewinnung der verborgenen Schätze der Erde“ stets an vorderster Front stand, wird auf die in Aussicht gestellte Belohnung von £ 5000 bis 33 330 „für die Entdeckung eines sich bezahlt machenden Goldfeldes“ hingewiesen.
Zum Schluss gibt der Verfasser dem Auswanderungswilligen noch einige Tipps auf den Weg: So soll dieser vorsichtig sein „bei den Bekanntschaften die er macht“, sich davor hüten, Politiker zu werden, da er damit seine persönlichen Pflichten (die Urbarmachung seines Landes) vernachlässige, und sich „so bald als möglich naturalisiren, d.h. in alle Rechte Brittischer Unterthanen sich einsetzen lassen“.
Drei Ausgewanderte belegen in Briefen schliesslich die aufgezeigten Fakten und legen ihren Landsleuten ans Herz, ihre Heimat zu verlassen: „Darum liebe Deutsche Freunde, wenn Ihr meinem Rathe folgen wollt, so verlaßt Euer armes Deutschland […]. Seid nicht bange, verkauft Eure Häuser und Euer Bischen Sachen die Ihr habt, und kommt nach unserem Lande.“ Allerdings solle nur kommen, wer arbeiten will, denn „die gebratenen Tauben kommen hier auch nicht in’s Maul geflogen“.
S.L.
Handbuch für Auswanderer. Die Brittisch-Australische Colonie Tasmanien. Nach statistischen und anderen amtlichen Nachrichten der Königl. Großbritannischen Colonial-Regierung. Im Auftrage der Königl. Einwanderungs-Abgeordneten ausgearbeitet von Friedrich Buck. Hamburg: Boyes & Geisler, 1870. Signatur: E 778