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Durch die Atmung und Pulsierung sind wir mit der Form (dem Körper) verbunden. Diese Aktivität leitet mithilfe unseres Bewusstseins das Leben in uns. In jeder Situation können wir feststellen, dass wir atmen und pulsieren. Wir atmen, egal ob wir wach sind, schlafen oder träumen, und die Pulsierung ist die Grundlage der Atmung. Die Seher der Vergangenheit bemerkten, dass uns die Aktivität des Lebens in die Form führt, dass sie die Form nährt und erhält. Es gibt einen Weg, auf dem wir uns bewusst aus allen Atmungsvorgängen in eine Pulsierung zurückziehen können, die sich grundsätzlich aufwärts bewegt. Mithilfe dieser Pulsierung können wir durch die oberen Körperöffnungen, die an der Zirbeldrüse und sogar noch darüber an der Schädeldecke (an der Krone) vorhanden sind, hinausgelangen. Dies wurde im Yoga als Wissenschaft des Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi entwickelt.
Wenn wir schlafen oder träumen, veranlasst die Natur, dass wir aus unserem Körper heraustreten. Ein Yogi geht bewusst aus dem Körper hinaus und tritt ebenso bewusst wieder ein, indem er die ersten drei der oben genannten Schritte, nämlich Pranayama, Pratyahara und Dharana, ausführt.
Von den Schülern der Yoga-Wissenschaft wird das Pranayama nur wenig verstanden. Es bezeichnet keine Atemübungen und es dient auch nicht nur der Wiederherstellung der Gesundheit. Das Wort Pranayama bedeutet „reguliertes Prana“. Es gibt eine spezielle, wissenschaftliche Methode, um die pranischen Pulsierungen zu regulieren. Wir können die Ein- und Ausatmung zur Ausgeglichenheit führen, so dass wir das pulsierende Prana im Herz-Zentrum erfahren, wo wir es als Samana Prana wahrnehmen. Wenn wir uns in das Samana Prana im Herzen vertiefen, gelangen wir in die subtile Dimension der Pulsierung, die die Tendenz hat, aus dem Prana einen Aufwärtsschub zu machen, der Udana Prana genannt wird. Wenn die Resonanz der Pulsierung bis zur Stirn aufsteigt, gilt das Prana als reguliert. Die Vollendung der vierten Pulsierung Udana Prana ermöglicht es dem pulsierenden Bewusstsein, bis zu der Schwelle zu gelangen, von der aus das Hinausgehen möglich ist. Beim Pranayama geht es somit um unsere Verbindung mit der inneren Aktivität, deren äußere Grenze das Herz ist. Hier wird sie als Samana Prana erfahren. Danach steigt das Bewusstsein mithilfe der Udana-Pulsierung über die Kehle, den unteren Gaumen, den oberen Gaumen, die Nase senkrecht nach oben und gelangt bis zum Brauen-Zentrum. Dieses innere vertikale Zurückziehen nennt man Pratyahara oder Absorption. Wenn Pratyahara erreicht wird, empfindet man das Bewusstseinsprinzip als Resonanz im Brauen-Zentrum. Es versucht, noch weiter aufzusteigen. Dann kann man es zwischen dem Brauen-Zentrum und dem Ajna erfahren, so wie man möchte. Dies gilt als die sechste Stufe des Yoga, Dharana.
Im Dharana-Zustand erkennt der Schüler klar, dass er den Körper hält und nicht vom Körper gehalten wird.
Man stelle sich einen Vogel in einem Käfig vor. Es heißt, dass er vom Käfig gehalten wird, aber im Dharana-Zustand kommt der Vogel aus dem Käfig heraus und kann ihn sogar mit seinem Schnabel halten. Er kann den Käfig an einen sicheren Ort stellen, zum Himmel aufsteigen, zurückkehren und sich im Käfig ausruhen. Genauso weiß auch ein Yogi, dass er den Körper hält, um mit ihm zu arbeiten. Wenn es notwendig ist, geht er bewusst aus dem Käfig hinaus, arbeitet auf subtilen Ebenen und kehrt zurück. Doch dieses Wissen allein reicht nicht aus. Es bleibt nur eine Information, bis die notwendige Pranayama-, Pratyahara- und Dharana-Praxis mit feurigem Streben ausgeübt wird.
Um mit Pranayama beginnen zu können, sollte das äußere Leben unbedingt reguliert werden. Dafür empfiehlt Patanjali eindringlich, sich die folgenden Tugenden anzueignen:
- Einen Rhythmus in Bezug auf Arbeit, Essen und Ausruhen festzulegen.
- Eine Zeit festzulegen, um das Pranayama mindestens zweimal, wenn nicht sogar dreimal täglich durchzuführen.
- Harmlosigkeit zu praktizieren.
- Dafür zu sorgen, dass Denken, Sprechen und Handeln übereinstimmen.
- Ein geregeltes und keusches Sexualleben zu haben.
- Den Instinkt zu stehlen beseitigen. Es ist der Instinkt, physisch, emotional oder mental die Personen, das Eigentum oder sogar die Gedanken anderer zu stehlen.
- Sich selbst davon zu befreien, Verpflichtungen anzunehmen, die Verschuldung und die entsprechende Begrenzung verursachen.
- Auf Sauberkeit der Umgebung, der persönlichen Kleidung und des Körpers zu achten.
- Innere Reinheit in Bezug auf Gedanken und Gefühle zu pflegen und sich täglich selbst zu prüfen, ob Habgier, Ärger, Geiz, übermäßige Bindung an Menschen, Orte und Dinge vorhanden sind.
- Täglich die Lehren eines Meisters der Weisheit (mindestens eine Seite) zu studieren und Notizen zu machen.
- Im Bewusstsein zu halten, dass alles göttlich ist.
Diese Eigenschaften ermöglichen uns, auf natürliche Weise froh gestimmt zu sein und freudig die Schritte des Pranayama auszuüben.