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Am Sonntag 13. Mai fuhr ich um 12.15 Uhr mit dem Motorrad auf der Allmendstrasse in Zürich in Richtung Sihlcity. Am Strassenrand stand ein Taxi. So ein bronze-rost-braun-metallic farbener Amischlitten aus den 1980ern. Der Fahrer sah aus wie Pale Rider. Er war dünn und hatte langes, graues Haar. Er öffnete seinem Fahrgast die hintere Türe. Der Fahrgast – ich schätzte ihn auf Mitte dreissig - lehnte sich aus dem Wagen und erbrach auf den Boden.
Meine Thesen dazu:
1. Der Fahrgast kam gerade vom Muttertagsfamilienschlauch. Es war einfach zum kotzen.
2. Der Fahrgast war unterwegs zum Muttertagsfamilienschlauch. Er dachte daran, was ihm bevorstand und fands zum kotzen.
3. Das Auto parkte genau auf der Höhe Allmendstrasse 73 – also da, wo früher das Dillon's war. In einem Anflug an Weisch no?-Nostalgie bat er den Taxifahrer anzuhalten und erwies seinem früheren Lieblingsclub („Bring Your own drinks!“) die Ehrerbietung mit einem Ritual, das damals jeden seiner unzähligen Abende im Dillon's beendete.
4. Der Fahrgast hatte die Nacht durchgezecht und erinnerte sich in dem Moment, dass ja Muttertag war und er diejenige besuchen und ehren sollte, die ihn vor 35 Jahren mit Schmerzen zur Welt gepresst hatte. Stattdessen würde er dasselbe machen, wie die 35 Jahre zuvor: nur an sich denken. Wegen des in voller Vehemenz zuschlagenden schlechten Gewissens wurde ihm furchtbar schlecht.
5. Der Fahrgast hatte die Nacht durchgezecht und erinnerte sich in dem Moment an gar nichts mehr, erst recht nicht daran, dass Muttertag war. Zur selben Zeit am selben Ort: Sein Körper wehrte sich gegen die Alkoholvergiftung und leitete lebensrettende Massnahmen ein.
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