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Krisenpolitik und die Regulierung des liberalen Wohnungsmarktes in der Schweiz, 1936-1950
Die Schweiz als „Mieter/-innenland“ weist im internationalen Vergleich einige bemerkenswerte Spezifika auf. Der schweizerische Wohnungsmarkt war im 20. Jahrhundert durch einen hohen privatwirtschaftlichen Anteil, eine tiefe Wohneigentumsquote und eine geringe staatliche Wohnbauförderung gekennzeichnet. Bei einer insgesamt zurückhaltenden Wohnungspolitik des Bundes sticht die Periode zwischen 1936 und 1950 durch eine erhöhte staatliche Interventionstätigkeit hervor. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise und des Zweiten Weltkriegs erfolgten zeitlich beschränkte Massnahmen des Bundes, die u.a. Mietpreisregulierungen und die Subventionierung des Wohnungsbaus umfassten. Nach Kriegsende setzte jedoch eine allmähliche Deregulierung ein und bald dominierte der Bau für den privatwirtschaftlichen Mietmarkt den einsetzenden Wohnungsbauboom. Die Situation in der Schweiz kontrastierte damit mit dem Trend, der in vielen Ländern in Europa und den USA in der Nachkriegszeit zu beobachten war und der durch eine Intensivierung der Politiken der Eigentumsförderung einerseits oder des sozialen Wohnungsbaus andererseits gekennzeichnet war.
In meinem Referat möchte ich anhand der Untersuchung der Kontroversen um die Staatsinterventionen zwischen 1936 und 1950 die Aushandlungsprozesse um die Ausgestaltung des Wohnungssystems analysieren und in den internationalen Kontext setzen. In den Debatten, die in der Öffentlichkeit und in den politischen Gremien geführt wurden, entluden sich die Interessensgegensätze der zentralen Akteure des Wohnungsmarktes (Vertreter der Wirtschaft, die öffentliche Verwaltung, Mieter- und Hauseigentümerverbände, Parteien, die SNB etc.). Ergebnis dieser Kontroversen war nicht zuletzt eine entscheidende Weichenstellung der Wohnungspolitik in der Nachkriegszeit.