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Im letzten Kriegswinter 1917 in Berlin auf Initiative General Erich Ludendorffs, einem der Väter der Dolchstoßlegende, als Propagandainstrument gegründet, wandte sich das Unternehmen nach Kriegsende der Produktion von Kultur- und Spielfilmen zu. Anfang der 1920er Jahre begann unter massgeblicher Beteiligung des Produzenten Erich Pommer der Aufstieg der Ufa zum bedeutendsten, deutschen Studio, das mit Filmen von Fritz Lang, F.W. Murnau und G.W. Pabst internationale Erfolge erzielte.
Durch Grossproduktionen wie Die Nibelungen und Metropolis in finanzielle Schieflage geraten, wurde die Ufa 1927 von dem nationalkonservativen Presse-Magnaten Alfred Hugenberg, ein bedeutender, bürgerlicher Wegbereiter des Nationalsozialismus, übernommen. Es folgten Jahre der Konsolidierung, begleitet von kommerziell erfolgreichen Tonfilmoperetten mit Stars wie Heinz Rühmann, Willy Fritsch und Lilian Harvey und als Höhepunkt Der blaue Engel (1930) mit Marlene Dietrich in der Regie von Josef von Sternberg, einer der besten, deutschen Filme überhaupt.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten passte sich die Ufa schnell den neuen, politischen Verhältnissen an. Bereits am 29. März 1933 beschloss der Ufa-Vorstand in vorauseilendem Gehorsam gegenüber dem NS-Regime, zahlreiche jüdische Mitarbeiter – wie z.B. den Generalmusikdirektor Werner Richard Heymann – zu entlassen. Im April begannen die Vorbereitungen für den Propaganda-Film Hitlerjunge Quex (1933), bei dem Heinrich George die tragenden Rolle des tyrannischen, kommunistischen Vaters spielt, dessen Sohn sein Zuhause bei den Nazis findet. Im Folgenden inszenierte die Ufa viele populäre und „unschuldige“ Unterhaltungsfilme.
Ab 1937 nahm Goebbels immer mehr persönlichen Anteil an den Produktionen. Das Festival zeigt einige NS-Propagandafilme mit wissenschaftlicher Einführung, so u.a. Hitlerjunge Quex (1933), Stukas (1941) und Kolberg (Uraufführung am 30.01.1945).
Timothy Grossman, Babylon Geschäftsführer: „Die Ufa begann 1917 als Kind des Krieges und endete 1945 genau dort, wo sie angefangen hat – mit dem Durchhaltefilm Kolberg und dem Zarah-Leander-Lied Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn (1942). Für mich kann die Ufa-Ästhetik ab Mitte/Ende der 1930er Jahre den Geruch von Blut und Verwesung nicht loswerden. Unser Festival legt auch Zeugnis ab von der komplexen Beziehung zwischen Ethik und Ästhetik. Auch was wir nicht sehen, ist Teil des Films.“
Mit Kriegsende und dem Untergang des NS-Regimes war das Ende der alten Ufa besiegelt. Sämtliche Vermögenswerte (Filme, Kinos, Ateliers, Kopierwerke etc.) wurden von den Alliierten beschlagnahmt und später von der Bundesregierung reprivatisiert. Das Stammgelände Babelsberg, von den Sowjets übernommen, ging später an die Defa. Ganz in der Nähe begannen im März 1946 die Dreharbeiten zum ersten, deutschen Nachkriegsfilm mit Hildegard Knef unter der Regie von Wolfgang Staudte: „Die Mörder sind unter uns“ (1946). Als Schlussstrich einer Ära und Neuanfang ist dieser ebenfalls auf dem Festival zu sehen.
Am am 31. August wird das Festival mit der Live-Aufführung von Fritz Langs Metropolis eröffnet. Das Berliner Metropolis-Orchester, geleitet von Burkhard Götze, spielt dazu die Originalmusik von Gottfried Huppertz. Weitere Metropolis-Live-Aufführungen gibt es am 3. und 9. September. Anna Vavilkina und der Pianist Ekkehard Wölk begleiten alle anderen Stummfilme an der Babylon-Orgel oder am Klavier.
Eine Dokumentation von ARTE, Im Maschinenraum des deutschen Films von Sigrid Faltin, erzählt wunderbar die Geschichte der Ufa und ist auf der Webseite des Senders zu sehen.
Malik Berkati
Bis zum 4. Oktober 2017 – Programm: http://www.babylonberlin.de/100jahreufa100filme.htm
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