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Europameisterschaften in Moskau - Nachbetrachtung
Am Tag des Nationalen Feiertages hat Russland niemandem etwas geschenkt. Die sieben russischen Boxer, welche ins Finale gekommen sind, haben alle eine Goldmedaille in ihrer Kategorie gewonnen!
Nur sehr wenig wurde hingegen bezüglich der Punkteverteilung den anderen Nationen zugestanden: Eine Ausnahme bildete Irland. Neben Russland hat auch der Inselstaat bemerkenswerte Resultate erzielt – unter anderem auch dank der gütigen "Mitarbeit" der Punktrichter (deren Obmann ist Ire!). An Protesten fehlte es nicht. Ein armenischer Boxer geriet wegen eines aus seiner Sicht ungerechten Urteils dermassen in Rage, dass er seinen Kopfschutz gegen die Jury warf und danach versuchte, den Jurytisch umzukippen. Auch ein österreichischer Delegierter musste eingreifen, nach dem einem französischen Boxer trotz klaren Treffern keine Punkte zugestanden wurden. Es gäbe noch weitere "Müsterchen" von höchst unverständlichen Entscheidungen zu nennen, wie beispielsweise die sehr fragwürdige Punktewertung beim Kampf im Weltergewicht. zwischen dem Franzosen Vastine und den Ungaren Bacskai. Mit der Begründung, der Ungare habe präziser geschlagen, wurde diesem ein 12 zu 1 – Sieg zugestanden. Offenbar gilt das Prinzip, wonach ein Punkt nur vergeben wird, wenn drei Punkterichter gleichzeitig bzw. innerhalb einer Sekunde auf den "Button" drücken, nicht mehr.
Die Schweiz wurde in Moskau durch Ricardo Silva im Halbweltergewicht bis 64 Kilogramm vertreten. Damit stieg Silva in ein Turnier ein, an welchem auf höchstem Niveau geboxt wurde. Mit der Auslosung konnten wir einigermassen zufrieden sein. Das Fazit nach dem Kampf: Silva hat trotz seiner Niederlage gegen den Holländer armenischer Herkunft, Radiki Hurutjunjan, im Allgemeinen eine gute Leistung gebracht.
Bei Hurutjunjan handelte es sich um einen sehr kompakten und fantasievoll kämpfenden Athleten. Allerdings waren aus technischer Sicht zwischen den beiden Boxern kaum Unterschiede erkennbar. Die Treffer des Holländers waren meiner Meinung nach nicht so klar wie jene von Ricardo. Insbesondere in der 3. Runde wurde manifest, dass Silva den Kampf nicht mehr gewinnen konnte, obschon er enorm Druck machte und zahlreiche Treffer anbringen konnte. Nach dem Kampf gab es wegen des fragwürdigen Resultats (5 zu 0 für den Holländer) ein Pfeifkonzert in der Halle. Wie erwähnt hat Ricardo Silva in Moskau aber eine gute Leistung erbracht. Allerdings ist das Potenzial für Verbesserungen noch lange nicht ausgeschöpft.
Unmittelbar nach dem Kampf war die Enttäuschung seitens der kleinen Schweizer Delegation verständlicherweise sehr gross. Nach der Analyse des Kampfes beruhigten sich die Geister aber wieder etwas, denn auf dem Video war erkennbar, dass wir boxerisch auf dem richtigen Weg sind und die guten Resultate auf internationalem Parkett nicht ausbleiben werden.
Als positiven Nebeneffekt darf ferner erwähnt werden, dass wir gute Kontakte zu Trainern und weiteren Mitgliedern nationaler Verbände knüpfen konnten. Diese Kontakte sind wichtig im Hinblick auf die Durchführung von Trainingslagern.
Sportliche Grüsse
Federico Beresini
Box-Club Ascona
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