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Ein US-Geschworenengericht kommt zum Schluss, dass der Unkrautvernichter Roundup ein «entscheidender Faktor» für die Krebserkrankung eines Gärtners war
Am 10. August 2018 fällte ein Gericht in San Francisco, USA, ein historisches Urteil. Der Agrochemie-Riese Monsanto wurde zu einer Schadenersatzzahlung von rund 290 Millionen Dollar verurteilt, weil er über die Krebsrisiken seines Unkrautvernichters «Roundup» nicht ausreichend informiert hatte.
Dieses Versäumnis habe wesentlich zur Krebserkrankung des Klägers Dewayne Johnson beigetragen, so das Gericht. Monsanto kündigte an, gegen das Urteil Berufung einzulegen und sein Produkt, das «seit 40 Jahren sicher in Gebrauch» sei, auch in Zukunft «nachdrücklich zu verteidigen». In den USA gingen bisher 4000 weitere Einzelklagen gegen Monsanto ein.
Wie stehen die Chancen für weitere Verfahren gegen Monsanto?
Monsanto wurde am 7. Juni 2017 vom deutschen Chemiekonzern Bayer übernommen. Dieser ist unter anderem für die Produktion von Neonicotinoiden bekannt, die für das Bienensterben verantwortlich gemacht werden. Wie sich diese Übernahme auf die straf- und zivilrechtliche Verantwortung von Monsanto auswirkt, wird sich erst in den nächsten Monaten zeigen, wenn alle Bedingungen der Fusion bekannt sind. Doch da der Bayer-Konzern Monsanto mit Aktiven und Passiven geschluckt hat, dürfte er das Unternehmen kaum in die Insolvenz führen können. Dass Monsanto in Berufung gehen will, deutet darauf hin, dass Bayer sich sehr wohl bewusst ist, dass bei einer Bestätigung des Urteils noch umfangreichere Schadenersatzzahlungen auf den Konzern zukommen könnten.
Wann wird Glyphosat endlich verboten?
Der Gerichtsentscheid könnte die Debatte über ein Verbot des Roundup-Wirkstoffs Glyphosat in der Schweiz und der EU wieder in Gang bringen. Obwohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Wirkstoff als «wahrscheinlich krebserregend» einstuft, hat die Europäische Union im November 2017 entschieden, die Zulassung des weltweit meistverkauften Herbizids – ungeachtet der Gesundheitsrisiken – um fünf Jahre zu verlängern. Eine weitere Verlängerung der Zulassung wird voraussichtlich im Jahr 2023 geprüft. Der Bundesrat erklärte im Mai 2018 in einem von der Wissenschaftskommission des Nationalrats per Postulat geforderten Bericht, dass die in der Schweiz gemessenen Konzentrationen sehr gering und somit für die Konsumenten gesundheitlich unbedenklich seien.
«Monsanto Papers»
Die Entscheide der EU und des Bundesrats sind umso unbegreiflicher, als die amerikanische Justiz im Frühling 2017 zahlreiche brisante interne Dokumente von Monsanto an die Öffentlichkeit brachte. Als Reaktion auf die Medienberichte bildete die Europäische Kommission im Februar 2018 einen Sonderausschuss, der das EU-Zulassungsverfahren für Pestizide prüfen soll. Die Frage ist, warum die europäischen Regulierungsagenturen an der Behauptung, Glyphosat sei nicht krebserregend, festhielten. Es werden Forderungen nach einer Überarbeitung des Zulassungsverfahrens laut, da dieses den Herstellern zu viel Macht einräumt und bei den beauftragen Experten möglicherweise Interessenkonflikte bestehen. Im Fall von Glyphosat führte auf Wunsch der Produzenten nämlich ausgerechnet Deutschland das Verfahren durch.