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Mit der Zusage von Monika und Thomas Fellmann im Gepäck, für das Mädchen eine Patenschaft zu übernehmen, haben wir die kleine Familie besucht.
Die Mutter hatte uns vergangenes Jahr erzählt, dass sie in einem Zimmer im Haus der Schwiegereltern wohnen würde.
Das Haus liegt mitten in der Altstadt von Hambantota und ist winzig klein. Neben den Schwiegereltern lebt ein Bruder ihres verstorbenen Mannes mit seiner Frau und seinem Kind in dem Haus. Außerdem zwei von drei erwachsenen Töchtern des Schwiegervaters aus zweiter Ehe.
Dies erklärte das gespannte Verhältnis zur Schwiegermutter. Die beiden Söhne stammten von der ersten Frau, und da dieser das Haus gehörte, wurde es an die beiden Söhne vererbt. Somit gehört Rasmiya nach dem Tod ihres Mannes die Hälfte des Hauses und erklärt, weshalb sie nicht vor die Türe gestellt wurde.
Was sie als Zimmer bezeichnet hatte, entpuppte sich als eine zusätzlich eingezogene Wand in einer Ecke des Hinterhofs mit Türe und Dach. Ein fensterloser Raum, gefüllt mit einem 160 cm breitem Bett, in dem sie mit ihren Kindern schläft. Neben dem Bett konnte man sich nur seitwärts in den hinteren Teil bewegen, wo sich ein Kühlschrank und ein paar Regale mit ihren Habseligkeiten befinden. Unvorstellbar, dass die Frau dort 10 Jahre mit ihrem Mann und seit zwei Jahren nur noch mit ihrem Kindern dort wohnt!
Wir haben schon viele ärmliche Verhältnisse kennen gelernt, aber ihre Situation machte uns tief betroffen.
Die Schwiegerfamilie kocht und isst nicht zusammen mit ihr. Ein in Sri Lankas Großfamilien unfassbares Verhalten.
Sie erzählte uns ihre Geschichte. Als jüngstes von neun Geschwistern hatte sie sich gegen den Willen der Familie für eine Liebesheirat entschieden und wurde daraufhin verstoßen. Sie durfte ihre Familie erst nach zehn Jahren wieder besuchen, als ihr Mann bereits schwer krank war. Zwei Wochen darauf ist er an Leberkrebs gestorben.
Ihr Mann war sehr beliebt, und Freunde von ihm haben zusammen mit ihren Brüdern unentgeltlich auf dem Land ihrer Mutter während der vergangenen zwei Jahre ein Haus gebaut. Die Mittel dazu erhielt sie von verschiedenen Quellen. In Sri Lanka ist es üblich, an Feiertagen Almosen an Arme zu verteilen, und manchmal habe sie etwas Geld erhalten und dann wieder Ziegel oder die Haustür.
Wir haben uns das Haus etwas außerhalb von Hambantota angeschaut. Es steht mitten unter den Häusern ihrer Geschwister und ist im Rohbau. Die Haustüre und ein Fenster im Schlafzimmer sind eingebaut, die restlichen Fenster und Badezimmer und WC fehlen noch.
Im Schlafzimmer stand ein Bett. Sie würde mit den Kindern übers Wochenende in das Haus kommen und könne die Toilette im Nebenhaus benutzen. Die Antwort auf die Frage, weshalb sie nicht umziehen würde, war simpel. Das Haus der Schwiegereltern liegt in Gehdistanz zur Schule der Kinder, vom neuen Haus aus kostet die Fahrt zur Schule pro Kind pro Monat sieben Franken.
Rasmiya arbeitet als Putzfrau und verdient Rs 400 (2.80) für vier Stunden Arbeit. Daneben kümmert sie sich um eine bettlägerige Frau und wird auch viel angefragt, wenn Leute ein Fest feiern und Hilfe in der Küche brauchen.
Dank des Patenschaftsbeitrags für Azra von Moni und Tom kann sie nun umziehen, und wir freuen uns mit ihr, dass sie ihre Situation merklich verbessern kann. Als die Schwiegermutter von dem Geld Wind bekam, wurde Rasmiya beschieden, dass sie von nun an nicht mehr gratis wohnen könne und sich zumindest an der Strom und Wasserrechnung beteiligen müsse.
Zur Erinnerung: Ihr gehört die Hälfte des Hauses und eigentlich lebt die Schwiegerfamilie bei ihr und ihrem Schwager und nicht umgekehrt.
Wir haben sie gebeten uns einen Kostenvoranschlag für die Materialkosten zur Fertigstellung des Hauses zukommen zu lassen. Diese belaufen sich auf ca. 650 Franken. Wir werden uns noch überlegen, in welcher Form wir ihr weiterhelfen werden.
Wir haben ihr einen Mikrokredit aus dem Pool in Hambantota übergeben. Sie wird damit Shalwars aus Colombo kaufen, um sie in Hambantota weiter zu verkaufen.
Obwohl wir einen guten Teil unseres Urlaubs hergeben und nicht zu knapp auch in unsere eigene Tasche greifen, betonen wir immer wieder, dass wir lediglich die Überbringer des Geldes sind. Wir möchten uns ganz herzlich bei allen Paten und Unterstützern bedanken. Ohne ihre Hilfe wäre vieles gar nicht möglich, und wir dürfen die Freude der Menschen hautnah miterleben.