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Theater Winterthur (Stadttheater)
Seit 1979 besitzt Winterthur ein wunderschönes und stattliches Theatergebäude, das als Gastspielbühne betrieben wird. Das Haus dient aber auch für Kongresse und weitere Veranstaltungen aller Art. Mit seinem grosszügigen Foyer bietet es dieselben Möglichkeiten wie in einem Kongresszentrum. Angegliedert ist auch ein Theaterrestaurant.
Quelle: Unter dem Titel „Das Winterthurer Theater im neunzehnten Jahrhundert“ publizierte Martin Ninck im Jahrbuch der Literarischen Vereinigung 1943 folgenden Text:
„Sicher ist die Theatergeschichte Winterthurs keine weltbewegende Angelegenheit. Keine umstürzenden Impulse sind von hier ausgegangen und selten zogen größere Sterne vorbei, die eine leuchtende Spur zurückließen und eine Zeitlang von sich reden machten. Die Behörden standen dem Komödiantentum bis zur französischen Revolution mit großem Misstrauen gegenüber, das sich auch nachher nur langsam zerstreute. Erst mit 1801 beginnt ein regelmäßigerer Turnus von Gastspielen verschiedener Truppen und werden allmählich die Jahre mit völligem Ausfall aller Vorstellungen seltener. Doch behielt bis zum Bau des Kasinos, ja noch einige Zeit darüber hinaus, der Betrieb durchaus den Charakter des Zufälligen, da man sich das feste Lokal und das heutige Institut einer städtischen Theaterkommission wegdenken muss. Alles blieb der Initiative der Schauspieler überlassen. Meldete sich eine Truppe, dann berieten die Väter der Stadt, ob man in diesem Jahr und dieser Jahreszeit Genehmigung zum Spielen erteilen und eine der öffentlichen Lokalitäten (Waaghaus, Schützenhaus, alte Kaserne) dafür zur Verfügung stellen könne. Im Übrigen hatte der Direktor selber zu sehen, wie er sich einrichtete, sich notdürftig behalf und sein Unternehmen bekannt machte.“
Ninck erwähnt im Folgenden als Hauptereignis die Uraufführung des Trauerspiels „Johanna Gray“ von Christoph Martin Wieland durch die Ackermannische Truppe am 20. Juli 1758 unter Anwesenheit des Dichters. Es dauerte dann zweiundsechzig Jahre, bis wieder das Stück eines Weimarer Klassikers über die Bühne Winterthurs ging, und, wie es sich gehörte, leitete der „Tell" die nähere Bekanntschaft mit jenen Großen ein. Schauspieldirektor August Müller aus Braunschweig gebührt das Verdienst zwei Dramen von Schiller (außer „Tell" die „Maria Stuart") im Frühjahr 1820 bei uns eingeführt zu haben, und dass er es wagen konnte, beide Stücke zweimal zu wiederholen, darf doch wohl als Zeichen einer ehrlichen Schillerbegeisterung des Publikums gedeutet werden. Freilich hielt diese nicht an. Erst 1826 findet sich wieder ein Stück des Dichters („Die Räuber") auf dem Programm, dem 1835 die Erstaufführung der „Jungfrau von Orleans" und 1837 die Wiederholung der „Maria Stuart" folgte.
Die Reihe setzte sich anschliessend breit gefächert weiter. Dabei fehlten auch z.B. „Die Zauberflöte“ und „Der Freischütz“ nicht. Gespielt wurde im Waaghaus, im Schützenhaus im Holzschopf vor dem Holdertor und ausnahmsweise im Musiksaal im Rathaus. Stand aber keines der öffentlichen Lokale zur Verfügung, dann half gelegentlich private Initiative weiter. So im Herbst 1809 als Zimmermann Salomon Sulzer auf dem Werkplatz vor dem Steigtor einen provisorischen Holzbau erstellte. Weitere Spielorte folgten: Fortuna (Adlergarten), Krone Töss und Lindengut. Die Aufführungen fanden Gefallen und so setzten sich die Spielorte und Theaterreihen stetig fort.
Bis in die 1870er-Jahre wurde immer Theater angeboten, Bemerkenswertes und auch wenig bemerkenswertes. Verschiedenste Truppen und Regisseure hinterliessen Spuren. Erwähnenswertes Bühneninteresse weckte Karl Herbort in den Jahren 1849 bis 1856. Er war verbunden mit dem Stadttheater St. Gallen und mit diesem Ensemble war er immer wieder Gast in Winterthur. Es gelang ihm auch verschiedene gute Namen aus der damaligen Theaterszene nach Winterthur zu bringen. So Franz Wallner vom Zürcher Aktientheater und Wilhelm Kunst (1799-1859) aus Wien. Kunst brachte es mit seinem Talent fertig das Publikum in verschiedensten Rollen zum Staunen zu bringen. Seine Paraderollen waren Karl oder Franz Moor in Schillers „Die Räuber“.
Über Herbort kam auch der Kontakt mit Carl Friedrich Heuberger (1817-1887) zu Stande. Der Thurgauer war für das Stadttheater St. Gallen und Aktientheater Zürich tätig. Er kam 1848 zu einem Engagement bei Carl Herbort in Winterthur (1849 Schmerl in Bauernfelds Lustspiel "Großjährig" und Gerichtsschreiber in Ifflands "Die Jäger"). Heuberger trat als Schauspieler, Regisseur und Leiter einer eigenen Truppe immer wieder in der Winterthurer Theaterszene auf. Man begegnete ihm vom Theater zum Schütz (ehemaliges Wirtshaus an der Ecke Römerstrasse/Adlerstrasse) über den Fortuna-Garten bis zum Theater im Strauss-Garten.
Als Treffpunkt für Anlässe aller Art wurde das Gesellschaftshaus Casino 1862 errichtet. Ab 1873 hat im Casino ein mehr oder weniger regelmässiger Theaterbetrieb begonnen. 1878 ging das Haus an die Stadt über, die nun für einen regelmässigen und geordneten Theaterbetrieb besorgt ist. Von 1920 bis 1932 spielt im Casino ein eigenes Ensemble – allerdings wenig erfolgreich. Die Gepflogenheit, das Haus durch Ensembles benachbarter Städte zu bespielen, wird zur Tradition. 1934 wird das Casinotheater durch einen Brand stark beschädigt und erst 1936 wieder eröffnet. 1957 findet die Gründung des Theatervereins statt. Der nach dem Brand notwendige Umbau des Casinos erlaubte nur eine weitere provisorische Lösung. Aber der Theaterraum mit 460 Plätzen und die Nebenräume waren dem Theaterbetrieb Mitte des 20. Jhdt. längst nicht mehr angemessen und erschwerten einen geordneten Ablauf sehr.
Nach langem Suchen fand man anfangs der 1960er Jahren endlich einen Standort. Auf dem zentrumsnahen Areal der Seifenfabrik Sträuli, die in das Industrieareal in der Grüze umzog, bot sich ein idealer Platz an. Nach der Gründung des Theatervereines 1957 entstand der nötige Druck, endlich ein echtes Theaterhaus für die Ablösung des alten Casinosaales zu realisieren. 1966 gab es einen grossen Architekturwettbewerb. 150 Projekte wurden eingereicht. Schlussendlich siegte der Vorschlag des Zürchers Frank Krayenbühl. Der Kredit belief sich auf 20 Millionen Franken. Der Theaterverein steuerte drei Millionen bei. Die Volksabstimmung ging am 24. September 1972 glänzend über die Bühne. Der Baustopp, wegen überhitzter Baukonjunktur, verzögerte den Baubeginn. Am 15.12.1975 fand der Spatenstich für den Neubau «Theater am Stadtgarten» statt. Der Theaterneubau verfügt nebst dem Saal mit über 800 Plätzen über ein grosszügiges Foyer, das für ergänzende Veranstaltungen wie Kleinkunstprogramme, Lesungen und Konzerte genutzt werden kann.
Das «Theater am Stadtgarten» wird am 5 Oktober 1979 mit Mozarts «Die Zauberflöte» – einer Eigenproduktion mit dem Stadtorchester Winterthur und dem Winterthurer Theaterchor – feierlich eröffnet. Hans Ulrich Rentsch leitet das Theater am Stadtgarten von 1979 bis 1982: er programmiert Musiktheater und Tanzvorstellungen, im Bereich des Sprechtheaters setzt er den Schwerpunkt auf moderne Dramatik. 1980 initiiert er den «Winterthurer Theater-Mai», das so genannte Schweizer Theatertreffen. Bis 1982 gaben Bühnen aus der deutsch- und der französischsprachigen Schweiz Vorstellungen, die von einer Jury bewertet wurden.
Unter der Direktion Walter Grieder vom 1982 bis 1985 werden am Theater-Mai 1983 und 1984 ausschliesslich Stücke von Schweizer Autorinnen und Autoren gezeigt. Grieder programmiert einen ausgewogenen Spielplan und verpflichtet zahlreiche Stars. Trotz des dadurch erreichten Zuschauerzuwachses wird das Budget überschritten, was Grieder schliesslich zum Rücktritt zwingt. Die Nachfolge übernimmt bis 1998 Alex Freihart. Pro Spielzeit zeigt Freihart durchschnittlich zwanzig Schauspielinszenierungen. Die jährlich zwölf Musiktheaterproduktionen (Oper, Ballett, Operette und Musical) stammen etwa zur Hälfte von Häusern aus den ehemaligen Ostblockstaaten. Freihart stellt auch neuere Bühnenwerke in Uraufführungen vor. Zum 10-jährigen Jubiläum des Stadttheaters inszeniert Freihart Verdis «Ein Maskenball» als Eigenproduktion. Ab 1994 beginnt eine Zusammenarbeit mit dem Opernhaus Zürich und dem Musikkollegium Winterthur, die bis 2011 eine gemeinsame Produktion pro Spielzeit – meist zu Saisonbeginn – zur Premiere bringen.
Ab 2000 unter der Direktion von Gian Gianotti (2000 - 2009) beginnt eine direkte Kooperationen mit stehenden Bühnen oder mit selbständig produzierenden kleineren Theatern, sowie der Ausbau der Vermittlungsarbeit mit Publikumsgesprächen. In den Sparten Oper zeigt Gianotti auch Gastspiele aus Zentral- und Südeuropa (bis anhin v.a. Osteuropa) und im Tanztheater/Ballett auch internationale Compagnien aus Asien und Süd- und Nordamerika. Ab 2010 kommt die Einführung der Sparte Kinder- und Jugendtheater und der Einbau einer flexiblen Foyerbühne unter Gesamtleiter Marc Baumann/Programmleiter Thomas Guglielmetti. In der Saison 2013/2014 findet das 1. Schweizer Theatertreffen in Winterthur statt. Seit dem 1. Juni 2014 ist René Munz Gesamtleiter des Theater Winterthur.