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| Irenäus († um 200) - Gegen die Häresien (Contra Haereses)

Fünftes Buch
4. Kapitel: In der Vollendung des Fleisches zeigt sich die Allmacht des Vaters
1.
Diejenigen, die einen anderen Vater außer dem Demiurgen erdichten und ihn gut nennen, merken selbst nicht, wie schwach, überflüssig und nachlässig sie ihn machen, um nicht zu sagen, mißgünstig und neidisch, da er ja unsere Körper nicht beleben soll. Wenn nämlich bloß Geist und Seele und das andere derart, was selbstverständlich ist, ewig fortdauern soll, weil es vom Vater belebt wird, das übrige aber, was nur lebt, wenn es vom Vater belebt wird, vom Leben verlassen werden soll, so muß ihr Vater schwach und kraftlos sein oder mißgünstig und neidisch. Der Demiurg nämlich belebt hier die sterblichen Körper und verheißt ihnen durch die Propheten Auferstehung, wie wir gezeigt haben. Wer offenbart sich denn nun als mächtiger, stärker und besser, der Demiurg, der den ganzen Menschen belebt, oder ihr fälschlich so genannter Vater, der die von Natur aus unsterblichen Wesen, denen das Leben von Natur aus zukommt, angeblich belebt, das aber, was zum Leben seiner Hilfe bedarf, nicht gütig belebt, sondern gleichgültig dem Tode überläßt? Verleiht nun diesen ihr Vater das Leben nicht, weil er es nicht kann, oder obwohl er es könnte? Kann er es nicht, dann ist er nicht allmächtig und nicht vollkommener als der Demiurg; denn offenkundig verleiht dann der Demiurg was jener nicht verleihen kann. Im andern Falle aber ist er nicht ein guter, sondern ein neidischer und mißgünstiger Vater.