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| Hippolytus von Rom († um 235) - Widerlegung aller Häresien (Refutatio omnium haeresium)

Buch VI.
31.
Da nun innerhalb des Pleromas Unwissenheit [S. 167] über die Sophia und Formlosigkeit über das Produkt der Sophia kam, entstand ein Aufruhr in dem Pleroma, (Furcht überkam) die Äonen in der Meinung, daß ihre Zeugungen ähnlich formlos und mangelhaft würden und daß Verderben in kurzer Zeit einmal die Äonen hinwegraffen würde. Es nahmen also alle die Äonen bittend ihre Zuflucht zum Vater, daß er die Trauer der Sophia beende; sie weinte und seufzte nämlich über die von ihr gezeugte sogenannte Fehlgeburt. Der Vater hatte mit den Tränen der Sophia Erbarmen, willfahrte der Bitte der Äonen und befahl eine nachträgliche Hervorbringung; er selbst nämlich brachte nicht hervor, sondern der Nus und die Aletheia erzeugten Christus und den heiligen Geist zur Formung und Gestaltung der Fehlgeburt, sowie zum Trost der Sophia und zur Stillung ihrer Klagen. Und es entstanden dreißig Äonen, Christus und den heiligen Geist miteingerechnet. Nach einigen nun soll dies die Dreißigzahl der Äonen sein, nach den anderen aber sollen die Äonen mit dem Vater und der Sige, die beide ein gemeinsames Dasein haben, zusammengerechnet werden. Christus und der heilige Geist, vom Nus und von der Aletheia durch Zeugung nachträglich hervorgebracht, trennen die gestaltlose Fehlgeburt der Weisheit, die einzig und ohne Verbindung erzeugt war, von allen Äonen, damit die vollkommenen Äonen nicht durch den Anblick ihrer Unförmigkeit erschüttert würden. Damit nun die vollkommenen Äonen der Unförmigkeit der Fehlgeburt keinesfalls ansichtig würden, brachte der Vater einen weiteren Äon, Stauros1, hervor; als Sohn des großen, vollkommenen Vaters groß geworden, zur Hut und zum Schutz der Äonen hervorgebracht, wird er der Horos2 des Pleromas, da er in sich alle dreißig Äonen zugleich hat; so viele nämlich sind erzeugt worden. Er wird aber Horos genannt, weil er das Hysterema3 vom Pleroma scheidet, Metocheus4, weil er auch am Hysterema teil hat, Stauros, weil er [S. 168] unbewegt und ohne Wanken feststeht, damit nichts den innerhalb des Pleromas befindlichen Äonen nahe kommen könne. Außerhalb des Horos, des Stauros, des Metocheus befindet sich die sogenannte Achtheit, und das ist die Sophia außerhalb des Pleromas, die Christus, vom Nus und von der Aletheia hervorgebracht, gestaltete und zum vollkommenen Äon machte, so daß in keinerlei Weise sie für geringer gilt als die innerhalb Befindlichen5. Nachdem also die Sophia außerhalb (des Pleromas) gestaltet worden war, und da es nicht möglich war, daß Christus und der heilige Geist, vom Nus und von der Aletheia hervorgebracht, außerhalb des Pleromas blieben, so stiegen Christus und der heilige Geist nach der Gestaltung zum Nus und zur Aletheia innerhalb des Horos auf und verherrlichten mit den anderen Äonen den Vater.
1: Pfahl, Palisade, Kreuz.
2: Grenze.
3: Mangel.
4: Teilhaber.
5: Gö.