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Wer kann heiliggesprochen werden und wie laufen solche Heiligsprechungen ab? Papst Franziskus hat dazu ein Schreiben verfasst.
von Nicole Arz
Die Heiligsprechungen in Rom stehen am Ende eines Verfahrens, dessen Ausgangspunkt der Antrag eines Bistums oder einer Ordensgemeinschaft ist, die dann auch die Kosten übernimmt. Für Gebühren und Honorare für die päpstlichen Behörden, die medizinischen Gutachten und die Erstellung der umfassenden Dokumentation sind immerhin mit 50000 bis 250000 Euro zu rechnen. Damit die Heiligsprechungen nicht am Geld scheitern, ist in Rom ein Fonds eingerichtet worden, der auch armen Kirchenregionen solche Verfahren ermöglichen soll.
Die ersten Heiligen
In den ersten 500 Jahren des Christentums gab es keine Heiligsprechungen. Es war üblich, die Liturgie am Grab der Verstorbenen, insbesondere am Grab von Märtyrer:innen, zu feiern. Selbst in Zeiten der Verfolgung trafen sich Christ:innen heimlich zu solchen Anlässen. Um noch mehr Menschen die Verehrung zu ermöglichen, kam die Idee auf, die Reliquien aus den Gräbern in die eigenen Kirchen zu bringen. Die Umsetzung dieser Praxis erforderte allerdings zunächst eine Änderung des römischen Rechts, laut dem es verboten war, sterbliche Überreste auszugraben.
Die ersten Heiligen waren Märtyrer:innen, die für ihren Glauben gefoltert und ermordet worden waren. Als die Frage aufkam, ob nicht auch die Reliquien von besonders verehrten Gläubigen, die keine Märtyrer:innen gewesen waren, unter dem Altar einer Kirche beigesetzt werden dürfen, erstellte die Kirche neue Kriterien für die Heiligsprechung. Ab sofort reichte auch eine nachgewiesene Wundervollbringung aus, um den Prozess anzustossen. Zugute kam dies als erstem Nicht-Märtyrer dem heiligen Martin, der im hohen Alter auf einer Reise gestorben war.
Sein Namensvetter, Martin Luther, lehnte rund 1000 Jahre später die Funktion der Heiligen als Mittler zwischen Gott und den Menschen ab und begründete damit die Haltung der reformierten Kirche, in der Heiligsprechungen nicht möglich sind.
Zu Gott gehörig
Das Wort «heilig» geht übrigens auf das althochdeutsche Wort «heilag» zurück, dessen Wurzeln wiederum in der altnordischen Sprache liegen. Die Ausgangsbedeutung ist «eigen» und bezieht sich auf die Zugehörigkeit zu Gott. Da bleibt am Ende die Frage, ob wir nicht alle heilig sind.
Papst Franziskus ist der Meinung, dass wir es zumindest alle werden können. In seinem Schreiben über den Ruf zur Heiligkeit in der Welt von heute betont er, dass heilig sein nicht bedeute, in einer vermeintlichen Ekstase die Augen zu verdrehen. Auch müsse man nicht Bischof, Priester, Ordensmann oder Ordensfrau sein. Heiligkeit sei auch nicht jenen vorbehalten, die möglichst viel Zeit zum Beten hätten. Vielmehr seien wir alle berufen, heilig zu sein, indem wir in der Liebe lebten und im täglichen Tun und an unserem Platz unser persönliches Zeugnis ablegten.