Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03499.jsonl.gz/2050

forlaufend
327
der Webrpflicht auch durch aktive
Diphtheritis bei den Schutz- truppen genügeu. (S. Echutztruppe.) Diersburg, Dorf
im bad.
Kreis
[* 3] und
Amtsbezirk Offenburg,
[* 4] 4 ilin im SO. von Niederschopfheim, iu der ehemaligen Ortenau, hat
(1895) 1001 E., Post- agentur, Fernsprechverbindung, kath. und evang.
Kirche,
Synagoge, Ruinen eines Schlosses sowie das Stammgut der Familie Nöder von
Diphtheritis; Cigarren-
fabrikation und
Weinbau. Dießen oder Vayerdießen, Marktflecken im
Bezirksamt Landsberg
[* 5] des bayr. Reg.-Bez. Oder- dayern,
am iüdwestl.
Rande des
Ammersees und an der Linie
Augsburg-Diphtheritis-Weilheim (im
Bau^ der Bayr. Staatsbabnen,'hat (1895) 1299 E., darunter 23
Evangelische,
Posterpedition,
Telegraph
[* 6] elet trische Etraßenbeleilchtung, Haltestelle der
Dampfer,
Gebäude eines ehemaligen
Klosters, 815 von den
Grafen von Andecks gestiftet, im 10. Jabrb. von den.Hunnen zerstört, später wiederhergestellt und im 19. Jahrh,
säkularisiert, jetzt
Brauerei, mit Kircke (1739), jetzt
Pfarrkirche, serner ein
Krankenhaus,
[* 7] eine Seebadeanstalt', Fabrikation
von Zündbolz- schachteln, Wallfahrtsartikeln,
Spiel- und Zinn- waren.
Diphtheritis wird als
Sommerfrische viel besucht.
Dietschenbergbahn, 1890 genehmigte sckmal- spurige (1 m) Drahlscilbabn von Luzern [* 8] allf den Dietfckenberg «Kleiner Rigi); sie wird bei einer Länge von ^300 in einen Höbenunterschied von 188 m überwinden und 290000 Frs. kosten. * Differenzgeschäfte. Das Bürgerl. Gesetzbuch sür das Teutsche Reich bestimmt in tz. 761: »Wird ein auf Lieferung von Waren oder Wertpapieren lautender Vertrag in der Absicht geschlossen, das; der Unterschied zwischen dem vereinbarten Preise und dem Börsen- oder Marktpreise der L^eferungs- zeit von dem verlierenden Teile an den gewinnen- den gezahlt werden soll, so ist der Vertrag als Spiel anzusehen.
Dies gilt auch dann, wenn nur die Absickt des einen Teils auf die Zahlung des Untersckieds ge- richtet ist, der andere Teil aber diese Absicht kennt oder kennen muß." Wie der Wortlaut zeigt, gilt nickt bloß das reine Disferenzgeschäft, bei den: das Reckt auf wirkliche Lieferung und Gablung des Kaufpreises von vornherein vertragsmäßig ausgescklossen ist, als Spiel, sondern auch das Difserenzgeschäft im weitern Sinne, bei dem außerdem real erfüllt werden kann. Die Folge der Gleichstellung mit den: Spiel ist, daß durch den Vertrag eine Verbindlichkeit lKlagbarkeit" nicht begründet wird;
jedoch kann das auf Grund desselben Geleistete nicht dcsbalb mebr znrückgefor^ dert werden, weil eine Verbindlichkeit nickt bestanden hat.
Diese Vorschriften gelten auch für eine
Verein barung, durch die der verlierende
Teil zum Zwecke der
Erfüllung der Differenzschuld dem gewinnenden gegenüber eine Verbindlichkeit eingeht, insbesondere für
ein Schuldanerkenntnis (H. 762). ß. 761 ist erst durch Anregung des Reichstags in das Gesetz auf genommen worden. Nber denDifferenzeinwand
beim Börsentermingeschäft s.
Börse. Dijodoform, (^4, Tetrajodäthylcn, ein medizinisch als Ersatz des
Jodoforms gebrauchtes Präparat. Man gewinnt es durch Einwirkung von
Jod auf eine Lösung voll Dijodacetylen in Schwefel- kohlenstoff.
Diphtheritis ist gelb, gerucklos und schnnlU bei 192 . ' in
Berlin.
[* 9] ^Dillmann,
Christian
Friedrich
August, starb
*Dillon,
John
Blake. Sein Sobn John
Diphtheritis wurde im Febr. 1896 nach dem Rücktritt Mac Cartbys zum Vorsitzenden der
Antiparnelliten gewählt.
Dilsberg, Dorf
im bad.
Kreis und
Amtsbezirk Heidelberg,
[* 10] am Neckar, auf einem steilen
Berge, hat evang.
Kirche, Ruine eines
Schlosses, einst Residenz der
Grafen des Elfenzgaues, mit tiefem
Brunnen
[* 11] und unterirdischem
Gang;
[* 12]
Ackerbau,
Viehzucht
[* 13] und Obst- bau.
war in früberer Zeit eine Bergfestung, die 1622 von Tillv vergebens belagert, 1633 von den Sckweden, 1635 von
den Kaiserlichen erobert und 1799 von
Bauern und Invaliden erfolgreich gegen die
Franzosen verteidigt wurde. ^inglingen,
Torf
im
Bezirksamt Lahr
[* 14] des bad. Kreises Offenburg, an der zum Rhein gebenden
Schüt- ter, der Linie Freiburg-Offenburg der
Bad.
[* 15]
Staats- babnen und der
Nebenlinie
Diphtheritis-Lahr (3,3 km) der Lahrer
Straßenbahn,
hat (1895) 2301 evang. E., darunter 323 Katholiken, Postamt zweiter
Klasse,
Telegraph' 2 Eisengießereien, 3 Cigarren-, je 1 Leder-
und Malzsabrik,^Tabak- und
Weinbau.
Dinoflagelläten, s. Peridineon. * Diorama. In neuerer Zeit bezeicknet man mit
Diphtheritis auch
Bilder, die derartig aufgestellt sind, daß idre Gegenstände sich dem
Beschauer plastisch darstellen. Diese
Bilder
werden in einer
Nische angebracht und müssen von einem abgemessenen Standpunkte aus betracktet werden. Von belanntern
Diphtheritis sind
zu nen- nen die von
A. von Werner gemalten, dem
Berliner
[* 16]
Panorama der
Schlacht bei ^edan als Ergänzung beigegebenen:
General Reille überbringt
Kaiser Napoleons
Brief, Die Kapitulationsverhandlungen zwiscken Moltke und Wimpfsen in Donchery,
Begeg- nung
Bismarcks mit
Kaiser Napoleon.
Tiphenylketön, s. Benzopbcnon. *
DiPhtheritis. Nach der Ätwlogie der Diphtheritis ist seit
dem Anfang des 19. Jabrb. geforscht worden. Bereits Bretonneau erkannte, daß das Wesentliche die Lotalassettion
ist; allein bei der Schwierigkeit der Ailsgabe war es natürlich, daß die
'Atiologie erst volltommen aufgeklärt werden konnte,
nachdem die Batteriologie ausgebildet war. ^rtel brachte Ende der seckzigerIabre
Stücke der diphtberischenMembra- nen bei
jungen Tiereil in die Trackea und Vagina, und er tonnte dort wieder Membranen erzeugen, wodnrck sicker
bewiesen wnrde, daß der
Krankheits- prozeß zunäckst auf der Sckleimbaut beginnt, von bier aus auf den gesamten Körper
einwirtt und das
Bild einer Allgemeinerkrantung erzeugt.
Später ge- lang es Lösster, den Diphtherieerreger zu entdecken, nackdem
Klebs bereits, ohne jedock durch Tiererperi- mente
und Kultnrversabren seine
Ansichten zu erbär- ten, lcdiglick dnrck mikroskopische Ilntersnckungen der
Membranen zu dcr Bebauptnng gekommen war, daß man zwei
Arten der
Diphtheritis zu unterscheiden hätte: eine, bei der die Allgemeinertrankung
scknell fortschreitet, die septiscke, und eine zweite Art, die eigent- liche T., bci der ansgedebnte Membranbildung vor banden
ist, für welche er einen
Bacillus verantwortlick machte.
Lössler fand 1"84, daß die septische Form, die Sckarlackdipbtberie (Heuochs 1'ntn-vnuiti^ n^ «i'oticnn8),
bei der sich
Geschwüre mit graugclbem Ve läge finden, während die Membranen fehlen, dnrck Kokten bervorgerufen wird, welche
voll der
Racken- schleimbaut in die Lynipbgefäße drillgell, sich durck den ganzen Körper verbreiten
und eine allgemeine Sepsis hervorrufen, während man bei der eigentlickcn
Diphtheritis, die mit
Bildung voll Membranen einhergeht, charakteristische
Stäbchen in den Membranen findet. Durch das Kulturverfahren züchtete Löffler aus der Scharlackdiphtheric Kettenkotken,
welche sich in den
¶
forlaufend
328
Kolonien und Tierversuchen ebenso verhielten wie Erysipelaskokken, und mit denen er niemals eine der echten
Diphtheritis ähnliche
Krankheit erzeugen konnte, wäh- rend er aus den echten Diphtheriefällen das von Klebs bereits gesehene und beschriebene Stäbchen
züchten konnte. Nach 1884 wurden die Funde von Löffler von verschiedenen Seiten bestätigt, besonders
haben Roux und Dersin im Institut Pasteur Unter- suchungen angestellt, und 1887 konnte Löfsler den Bacillus als Erreger dcr
epidemischen
Diphtheritis bezeichnen.
Die Diphtheriebacillen sind Stäbchen, welche etwa die Länge von Tuberkelbacillen haben und etwa ein Viertel so dick wie lang sind. Sie sind vielgestaltig, zeigen Keulen-, Hantel- und Spindel- formen. Im ungefärbten Präparat sieht man häufig glänzende runde Teile, welche von Klebs irrtümlich als Sporen angesehen wurden, die jedoch eine An- hüusung der chromatischen Substanz sind und sich am leichtesten und stärksten färben. Die Vermehrung der Diphtheriebacillen erfolgt wie bei allen stäbchen- förmigen Bakterien: die Zelle [* 18] wächst in die Länge und teilt sich durch Einschnürung vom Rande her. Wo eine lebhafte Vermehrung stattfindet, findet man kurze Stäbchen, da wo die Vermehrung beein- trächtigt ist, wächst dcr Vacillus in die Länge, teilt sich aber nicht, sondern erscheint gekörnt, indem sich die chromatische Substanz ungleichmäßig, meist an den Enden, anhänft.
Dauerformell bildet dcr Va- cillus nicht;
durch halbstündiges Erhitzen auf K0' werden die Kulturen abgetötet.
Gegen Austrocknen sind Diphtheriebacillen sehr widerstandsfähig;
Rein- kulturen, an ^cidenfädcn angetrocknet, bleiben im Zimmer 3-4 Wochen, im Exsiccator 5-10 Wochen, einzelne bis 14 Wochen lebensfähig.
Das Licht [* 19] hat einen schädigenden Einfluß.
Der Nacillus gedeiht am besten bei Zutritt von Luft oder Sauerstoff;
die Vegetationsfähigkeit beschränkt sich anf Tempera- turen zwifchen 22 und 40" 0., das Optimum liegt zwischen 33 und 37 °. Im Hängenden Tropfen (s. d.) betrachtet, ist der Vacillus ganz unbeweglich.
Die Reaktion des Nährbodens, auf dem der Vacillus gedeihen soll, muß schwach, aber deutlich alkalisch ^ein. Die Bacillen gedeihen am besten auf eiweißreichem Nährboden, Blutserum, Fibrin, Ei, [* 20] Peptonbouillon; kohlehydrathaltige Nährmateria- lien, Kartoffel, Agar-Agar, sagen ihnen weniger zu. Traubenzucker wird von ihnen zersetzt und be- günstigt in einem Zusatz von ^4 Proz. zu einer Mischung von drei Teilen Hammel- oder Ninder- blutserum und einem Teil Bouillon (Lösflerscher Nährboden) die Entwicklung der Vacillen ganz außerordentlich; der Löfflersche Nährboden wird da- her als elektiver Nährboden für die Diagnose ver- wendet.
Ebenso begünstigt das Glycerin, in der Menge von (i Proz. dem Äqar-Agar zugesetzt, das Wachstum. Werden die Vacillen
auf Blutserum geimpft und bei Körpcrtemperatnr aufbewahrt, so sind schon nach 12-14 Stunden die ersten
Anfänge der Entwicklung zu fehen, kleine, mit unbewaffnetcm Auge
[* 21] eben erkennbare, zunächst noch durch- scheinende Körnchen;
in den nächsten Stnnden nehmen sie rasch an Größe zu, nach 18-20 Stunden erreichen sie die Größe eines Stecknadelkopfes
und lassen im auffallenden Lichte eine deutlich milchweiße Farbe erkennen. Auf Agar-Agar erscheinen die
in der Tiefe liegenden Kolonien als ruude oder ovale dunkelbraune, grobkörnige, nicht ganz scharf be- grenzte Scheiben. Ost
stoßen mehrere Kolonien zu- sammen, so daß unregelmäßige
[* 17]
Figuren entstehen.
Die oberflächlichen Kolonien bieten ein sehr
charakte- ristisches Aussehen; sie sind graugelblich mit körniger, fast netzartiger rauher Oberfläche.
Hn Bouillon ist nach 18-24 Stunden eine diffnse feme Trübung zu fehen, die aus kleinsten Flöckchen besteht und sich an den
abhängigen Stellen des Glases zu einem zarten staubförmigen Niederfchlage verdichtet. Die Reaktion der Bouillon wird an: zweiten
Tage sauer, nach einigen Wochen wieder alkalisch. Bei Tieren durch Einatmen von verstäubten Massen, Verfüttern,
Einbringen auf Konjunktival- und Trachealfchleimhaut
Diphtheritis zu erzeugen, ist, wenn die Epithelschicht unverletzt
ist, unmöglich; bei ver- letzter Epithelschicht bildet sich eine kleine Membran, jedoch schreitet dieselbe nicht selbstthätig
fort, son- dern stößt sich allmählich ab. Bei subkutaner Impfung
[* 22] sind nur Maus und Ratte unempfindlich, die
andern Tiere sterben meist innerhalb 24-60 Stunden. An der Impfstelle findet sich ein grau- weißer Belag, in dem Vacillen
nachweisbar sind, in der Umgebung besteht ein ausgedehntes sulziges Odem des Unterhautbindegewebes. Nour und Dersin haben
gefunden, daß sich die Vacillen nur bis zur sechsten oder achten Stunde an der Impfstelle ver- mehren.
Von da nimmt die Zahl ab, und im Augenblick des Todes sind weniger Bacillen vor- handen als in der achten Stunde. Außer an der
Impfstelle wurden die Vacillcn nicht gefunden, fo daß kein Zweifel bestehen kann, daß der Tod des Tieres nicht infolge dcr
Verbreitung der Mikro- organismen im Körper, sondern durch ein Gift hervorgerufen wird, welches an der
Impfstelle produziert und von dort in die Säfte r^ovlnevt wird. Die Darstellung diefes Giftes wurde, nach- dem erwiesen war,
daß das vollkommen batterien- frei gemachte Filtrat einer Bouillonkultur ebenfo wirkte wie die unfiltrierte Kultur, von
Roux und Aersin, Löffler, Brieger und C. Fränkel, Wasser- mann und Proskauer erreicht, indem sie das Torin,
durch Füllung mit Alkohol isolierten. Daß das Toxin nicht einfach ein Abbauprodukt des Nährbodens, sondern vielmehr ein
im Zellleib der Bakterien produzierter eigener Körper sei, bewies Guinochet, indem er zeigte, daß das keimfreie Filtrat
einer auf eiweißfreiem Nährsubstrat gezüchteten Kultur eiue unverminderte Giftigkeit besitzt. Es wird
also von den Bakterien synthetisch das Gift dar- gestellt und wahrscheinlich nach Art einer Sekretion ausgeschieden, wofür
neuere Versuche von H. Kossel sprechen, während bisher meist mit Gamaleia an- genommen wurde, daß das Toxin infolge Maceration
aus den toten Bacillenleibern in das Nährfubstrat übergehe. Vrieger hat gefunden, daß, wenn man das
Filtrat einer Diphthcriebouillon mit Queck- silberchlorid, Zinksulfat, oder noch besser mit Zink- chlorid versetzt, das Diphtherietoxin
quantitativ ausgefüllt wird. Dieser Niederschlag ist in Wasser unlöslich, löslich in kochsalzhaltigem oder schwach alkalischen:
Wasser. Diese Zinkdoppelverbindung der Toxine enthält keine Spur Eiweiß oder Pepton. Es ist also das Toxin
nicht ein sog. Eiweißderivat im landläufigen Sinne. Für die Wirkung des Toxins ist es ein großer Unterschied, wie das
Gift in den Tierkörper kommt. Bei Verfütterung ist es fast wirkungslos, bei subkutaner Applikation treten zuerst an der Impfstelle
Erscheinungen aus; erst allmählich kommen Veränderungen in den innern Organen; wenn es intravenös
gegeben wird, er- scheinen sogleich die Veränderungen in den innern
¶
forlaufend
329
Organen. Die Veränderungen an der Injektions- stelle entsprechen denjenigen, welche bei Injektion [* 24] der Vacillen auftreten, die in den innern Organen betreffen hauptsächlich die serösen Häute und die Nebennieren, welche stark hyperämisch sind. Bei Injektion des Toxins treten deutlicher als bei In- jektion der Bacillen Lähmungen auf, und zwar be- sonders bei den Tieren, welche gegen T. weniger empfänglich sind (Hund, Katze, [* 25] Taube, Kaninchen). [* 26] Diese Lähmungen können sich wieder zurückbilden, in der Regel geht jedoch das Tier unter Abmage- rung zu Grunde.
Wenn das Tier von einer Kultur nur so viel injiziert erhält, daß es nicht daran stirbt, so tritt eine Immunität auf, so daß das Tier, selbst wenn ein Vielfaches der sonst tödlichen Dosis injiziert wird, nicht zu Grunde geht. Die immuni- sierenden Stoffe scheinen neben dem Törin in den Kulturen gebildet zu werden; sie besitzen einen hohen Phosphoraehalt, passieren im Gegensatz zu den Toxalbnmmen, wenn überhaupt, nur schwer Thon- filter und werden bei 100" 0. zerstört, während sie ein Erhitzen auf 70" ohne Schaden vertragen.
Diese Körper rufen die Immunität nicht direkt hervor, sondern dadurch, daß sie die Bildung eines Anti- körpers im lebenden Gewebe [* 27] veranlassen. Die Virulenz einzelner Kulturen ist verschieden. Wenn nun auch nicht der klinische Verlauf der Krankheit vollkommen der Virulenz der Bakterien parallel geht, sondern vor allem von der Neaktiou des Or- ganismus abhängig ist, so scheint doch der Grad der Virulenz von Einfluß auf den Charakter der Epidemie: wo hohe Virulenzgrade fehlen, wird die Epidemie milder verlaufeu, ebenso können das ge- häufte Austreten von Lähmungen, besonders schwere Herz-, Nierenerscheinungen u. dgl., auf besondere Rasseneigentümlichkeiten der Bacillen einer Abstam- mung zurückzuführen sein.
Von diesen minder virulenten oder ganz ungiftigen Nassen des echten Diphtheriebacillus sind streng zu unterscheiden die zuweilen im Munde vorkommenden Pseudo- diphtheriebacillen, welche eine morphologisch und kulturell abweichende Art darstellen. Die diphtherischen Prozesse treten am häufigsten auf an der Schleimhaut der Nase [* 28] und des Kebl- kopfes und folgen dem Respirationswege, während sie sich viel seltener auf andern Schleimhäuten (der Konjunktiva, Vaginalschleimhaut u. s. w.) aus- breiten.
Nächstdem sind die anatom. Verhältnisse bestimmend: die Beschaffenheit des Epithels, des darunter liegenden Gewebes, vielleicht auch beson- dere die Vacillen anlockende oder ihr Wachstum be- günstigende Sekrete, wozu besonders diejenigen Blut- bestandteile gehören, die aus deu durch die Torine der Bacillen geschädigten Gefäßen austretenund Pseudo- membranen bilden. Allein die Bacillen beschränken sich nicht auf die Membranen, sondern dringen einerseits in die Tiefe der Gewebe ein und finden sich andererseits in der Umgebung in der dünnen, das Epithel überziehenden Schleimschicht.
Diese Va- cillen sind es, welche das Fortkriechen der Membranen bewirken. Die von ihnen produzierten Giftstoffe können, da sie unmittelbar der Schleimhaut auf- liegen, sofort resorbiert werden, und schließlich wer- den die Vacillen mit dem Speichel, dem Nasen- oder Vronchialsekret des Kranken fortgeschwemmt und verleihen so einem anscheinend ungefährlichen Auswurfe ansteckende Eigenschaften. Wie bei der weitern Ausbildung der Membranen zuerst die Bacillen vorhanden sind, so treten auch bei der ersten Erkrankung die Membranen erst auf, nach- dem die Bacillen durch ihre Toxine die Gewebe ge- schädigt haben.
Nach dem Abstoßen der Membranen können stets noch lange Zeit, Wochen-, selbst monate- lang , virulente Bakterien im Munde nachgewiesen werden. Außer auf den Schleimhäuten sind Diph- theriebakterien auch vereinzelt an Wunden nach- gewiesen worden; allein bei weitem nicht alle Wund- krankheiten, welche durch Infiltration, Zerfall und oberflächliche Nekrose zur Bildung eines weißlichen Belages auf der Oberfläche führen, sind durch den Diphtheriebacillus verursacht; die geringe Empfäng- lichkeit der Wundfläche für das diphtherische Gift wird am besten bewiesen durch das seltene Vorkom- men der dipbtherischen Erkrankung bei der geradezu ununterbrochen der Insektion ausgesetzten Wunde des Luströhrenschnittes.
Eine Vermehrung der Diphtheriebacillen außer- halb des menschlichen Körpers ist nicht anzunehmen, die menschliche Schleimhaut ist als die einzige in Betracht kommende Brutstätte anzusehen. Von hier aus können sich die Bakterien auf zweierlei Weife verbreiten: entweder kommen sie direkt, wenn sie durch Aushusten, Küssen, Benutzen der gleichen trageir werden, wieder auf einen geeigneten Nähr- boden, oder, was häufiger ist, es gelangen die diph- tberiscben Produkte auf leblose Gegenstände: Wäsche, Gebrauchgegenstände, Eßwaren, Spiel- sachen, Möbel [* 29] und Fußboden. Da die Vacillen gegen Austrocknen sehr widerstandsfähig sind, können sie sich dort lange lebensfähig erhalten und gelangen dann wieder auf die Schleimhaut durch Kontaktübertragung.
Ein Transport durch die Luft auf weitere Entfernungen hin, so daß die Berüh- rungen nicht mehr in Konkurrenz treten und die Luft mithin eine specifisch gefährliche Infektions- quelle repräsentiert, scheint nicht stattzufinden, weil die Diphtheriebacillcu bei dem Grade von Trocken- heit, den Luftstäubchen haben muffen, wenn sie leicht transportierbar sein sollen, absterben. Als Art der Übertragung durch die Luft kommt vielleicht in Be- tracht, daß beim Husten feinste Wasserbläschen aus- gestoßen und durch Luftströme fortgetragen werden, und so die Träger [* 30] des Insektionsstoffes sein können.
Allein meist läßt sich mit Sicherheit eine Kontaktinfek- tion nicht ausschließen. Wenn Infektionsstoffe auf leblose Gegenstände gelangen, kommt es nur darauf an, ob sie dort konserviert werden. Die Konservie- rung und Wciterverbreitung der Bacillen nun wird von Einflüssen unserer natürlichen Umgebung oder von Sitten und Gebräuchen abhängen. Niedrige Temperatur, feuchte Luft und Dunkelheit schützen die Vacillen am besten vor dem Absterben. Ferner wird für die Häufigkeit der Erkrankung Erleichte- rung oder Erschwerung des Transportes des Konta- giums ausschlaggebend sein.
Dichtes Zusammen- wohnen, häusiges Küssen, Verzehren eines Nahrungs- mittels, gemeinsames Spielzeug u. s. w. werden die Übertragung begünstigen. Bei den Ärzten und im größcrn Publikum besteht noch vielfach die Mei- nung, daß bestimmte Häuser und Stadtteile von der Seuche mehr gefährdet sind, daß sog. Diphtherie- herde bestehen. Allein diese lokale Disposition wird meist dadurch vorgetäuscht, daß in den betreffenden Häusern ein starker Wechsel der Bewohner statt- findet, oder daß daselbst zahlreiche Kinder sind, welche viel miteinander verkehren, wodurch die Übertragung erleichtert wird. Von engl. und ¶