Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/104043

<h2>SubmittedText<h2><p>Die Arbeitsmarktforschung zeigt, dass Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger besonders häufig erwerbslos werden. Allerdings ist ihre Verweildauer in der Erwerbslosigkeit im Vergleich zu anderen Gruppen unterdurchschnittlich lang. Häufig und idealerweise finden sie Arbeit, bevor der nächstfolgende Jahrgang von Lehrabgängerinnen und Lehrabgängern auf den Arbeitsmarkt drängt. Erwerbslosigkeit ist für alle Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger problematisch. Eine ernstzunehmende Herausforderung wird Erwerbslosigkeit aber dann, wenn sie so lange dauert, dass es zu Überschneidungen mit dem darauffolgenden Jahrgang kommt. </p><p>In diesem Kontext ersuche ich den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p>1. Wie schätzt er die Gefahr der Langzeitarbeitslosigkeit von Lehrabgängerinnen und Lehrabgängern des Jahres 2009 gegenwärtig ein?</p><p>2. Wenn die Daten zur Erwerbslosigkeit von Lehrabgängerinnen und Lehrabgängern der vergangenen fünf Jahrgänge analysiert werden, zeigen sich 2010 Unterschiede und Auffälligkeiten gegenüber den Vorjahren?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat ist sich bewusst, dass der Übertritt in den Arbeitsmarkt für junge Erwachsene im Anschluss an ihre Ausbildung schwierig sein kann. Insbesondere im konjunkturellen Abschwung kann das Finden einer ersten Festanstellung problematisch sein. Der Bundesrat beobachtet daher die Situation von Lehrabgängern und Lehrabgängerinnen laufend.</p><p>1. In der jüngsten Wirtschaftskrise stieg die Jugendarbeitslosigkeit wie bereits im letzten Abschwung überproportional stark an. Dieses Muster ist aus der Vergangenheit bekannt. Der Anstieg fiel hingegen nicht aussergewöhnlich stark aus. Zwischen Juni 2009 und Mai 2010 lag die Arbeitslosenquote der 15- bis 24-Jährigen mit 4,9 Prozent leicht unter dem Höchstwert von 5,1 Prozent, der während der letzten Krise erreicht worden war (Phase von Juni 2004 bis Mai 2005). Der Anteil der Jugendlichen, welche länger als ein Jahr bei der Arbeitslosenversicherung registriert waren, lag zwischen Juni 2009 und Mai 2010 mit durchschnittlich 6 Prozent ebenfalls tiefer als im Vergleichszeitraum zwischen Juni 2004 und Mai 2005 (8 Prozent).</p><p>Die Zahlen zeigen, dass die Gefahr der Langzeitarbeitslosigkeit bei jungen Erwachsenen verglichen mit anderen Altersklassen relativ gering ist und sich während der jüngsten Wirtschaftsschwäche nicht verschärft hat.</p><p>2. Der Übergang von der Lehre in den regulären Arbeitsmarkt erfolgt für die Mehrheit der Jugendlichen im Alter zwischen 18 und 21 Jahren. Im Zeitraum vom Juni 2009 bis zum Mai 2010 waren in dieser Alterskategorie durchschnittlich 7546 Jugendliche mit beruflicher Grundbildung oder mit abgeschlossener Anlehre arbeitslos. Dieser Wert lag ebenfalls leicht unter jenem der Periode von Juni 2004 bis Mai 2005 (7859).</p><p>Die aktuell verfügbaren Daten deuten darauf hin, dass sich die Situation für Lehrabgänger und Lehrabgängerinnen im Vergleich zum letzten Abschwung nicht verschlimmert hat.</p><p>Dies ist auch damit zu erklären, dass frühzeitig Massnahmen gegen den Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit ergriffen wurden. So haben die Kantone die bestehenden arbeitsmarktlichen Massnahmen der Arbeitslosenversicherung wie beispielsweise die Berufspraktika und die Praxisfirmen ausgebaut. Die Ausgaben der Arbeitslosenversicherung für diese beiden Massnahmen beliefen sich 2009 auf über 21 Millionen Franken, für 2010 ist gemäss den kantonalen Budgets mit leicht höheren Werten zu rechnen.</p><p>Des Weiteren stellen der Bund, die Kantone und die Organisationen der Arbeitswelt gezielt Projekte bereit zur Prävention von Jugendarbeitslosigkeit. Massnahmen wie Coaching, Informations- und Beratungskampagnen, Laufbahnplanung im letzten Lehrjahr, Bewerbungstraining, Stellenförderung usw. erleichtern jungen Erwachsenen den Einstieg in den Arbeitsmarkt.</p><p>Ausserdem hat der Bundesrat mit dem Bundesgesetz über befristete konjunkturelle Stabilisierungsmassnahmen in den Bereichen des Arbeitsmarkts, der Informations- und Kommunikationstechnologien sowie der Kaufkraft (SR 951.91) spezifische Massnahmen für Jugendliche umgesetzt:</p><p>- Finanzielle Beiträge an Weiterbildungsmassnahmen für stellenlose Abgänger und Abgängerinnen einer beruflichen Grundbildung;</p><p>- Finanzhilfe an Arbeitgeber zur Förderung der Einstellung junger stellenloser Erwachsener mit wenig Berufserfahrung.</p><p>Dieses Gesetz ist seit dem 1. Januar 2010 in Kraft und hat bis 31. Dezember 2011 Gültigkeit.</p>  Antwort des Bundesrates.