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Leerheit – das Konzept des Absoluten im Buddhismus
Gibt es im Buddhismus ein absolutes Prinzip?
In welcher Beziehung steht dieses zur Schöpfung?
Was bedeutet 'Leerheit'?
Ist der Buddhismus eine atheistische Religion?
Auch der Buddhismus verfügt über ein Konzept für das Absolute, die 'Leerheit', oft mit 'Wahrheitsraum' oder 'Urgrund' übersetzt. Die Leerheit wird als ungeboren, unvergänglich, unzerstörbar, ohne Zentrum und ohne Begrenzung beschrieben; ihre Erfahrung als unfassbar und jenseits von Worten; ihre wahre Natur als Liebe und Mitgefühl. ↑
Der Begriff 'Leerheit' geht auf die Anfänge des Buddhismus zurück. In Abgrenzung zu Konzepten der vedischen Philosophie stellt Buddha fest, dass der Mensch kein 'Atman' bzw. kein 'Selbst' im Sinne einer eigenständigen Ich-Struktur oder einer unsterblichen göttlichen Seele besitzt.
'Leerheit' ist insofern ein irreführender Begriff, als darunter nicht ein 'Nichts' verstanden wird, sondern vielmehr das unbegrenzte Potenzial zur Manifestation. ↑
Unsere Welt bzw. die Schöpfung wird als eine Erscheinung angesehen, die sich aus der Leerheit manifestiert und nach dem Gesetz des Karmas (Gesetz von Ursache und Wirkung) ewig fortsetzt (perpetuiert). Nach buddhistischer Lehre sind Manifestationen bzw. Erscheinungen vergängliche, traumhafte Illusionen. Sie sind insofern 'leer', als sie keine feste und dauerhafte Eigennatur aufweisen, d.h. sie bestehen nicht permanent, aus sich selbst heraus und unabhängig von allem anderen. Das gilt auch für den Menschen. Das menschliche 'Ich' wird als nicht von dauerhafter und substantieller Natur betrachtet. ↑
Alles ist aus verschiedenen, sich ständig neu zusammenfindenden Komponenten zusammengesetzt und daher der Vergänglichkeit und Veränderung unterworfen. Dabei entstehen und vergehen Erscheinungen nicht aus sich selbst heraus, sondern aufgrund des Zusammentreffens von Faktoren oder Bedingungen, die die jeweilige Erscheinung erst ermöglichen. ↑
Erfahrung der Leerheit
Der Mensch besitzt das Potenzial, Leerheit direkt zu erfahren. Der Schlüssel hierzu ist die Entwicklung von 'Achtsamkeit' bzw. 'Gewahrsein' durch Meditation und andere yogische Praktiken.
"Rechte Achtsamkeit ist die Fähigkeit des Geistes wahrzunehmen, was ist, ohne die Erfahrung zu werten, an ihr zu haften oder sie zu manipulieren. Wir umarmen sozusagen unsere Erfahrung mit aufmerksamer, liebevoller Gelassenheit.... Es geht nicht ums Denken über die Erfahrung des Moments, sondern um ein direktes in Kontakt sein." (Fred von Allmen, 2007)
Nach buddhistischer Lehre ist die Leerheit nicht ohne Manifestationen (Form) denkbar. Leerheit und Form stehen vielmehr in einem engen Zusammenhang: "Leerheit ist Form - Form ist Leerheit. Leerheit ist nicht verschieden von Form, Form ist nicht verschieden von Leerheit." (Herz-Sutra) ↑
Das Absolute (Leerheit) und die Manifestationen (Form) lassen sich nicht voneinander trennen – es gibt das eine nicht ohne das andere.
Der Grund für die Einschätzung des Buddhismus als atheistische Religion liegt darin, dass der Buddhismus, im Gegensatz zum Christentum, nicht von einem personalen Schöpfergott ausgeht. Dazu ist folgendes anzumerken:
- Die christliche Vorstellung von einem allgütigen, allmächtigen und allwissenden personalen Schöpfergott ist nicht als die Beschreibung einer Realität, sondern als theologisches Denkmodell oder Metapher zu verstehen. Siehe dazu auch die Diskussion zur » Theodizee.
- Auch der Buddhismus kennt ein transzendentes letztes Prinzip bzw. ein Absolutes, die 'Leerheit', aus der sich die Schöpfung manifestiert. Es wird allerdings keine Aussage über einen bewussten Schöpfungsakt gemacht.
- Das Absolute (Leerheit) wird auch im Buddhismus mit Liebe und Mitgefühl assoziiert – Qualitäten, wie sie auch dem Christlichen Gott zugeschrieben werden. ↑
Version vom 14. Februar 2021
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