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Sich um das Wohl anderer zu kümmern, gewinnt in der westlichen Welt vermehrt an Ansehen und Gefolgschaft. Doch was steckt dahinter – die hochgelobte Nächstenliebe oder doch nur purer Egoismus?
Ein markantes Beispiel für Altruismus, welches der (Evolutions-)Forschung Kopfzerbrechen bereitet, ist der US-Amerikaner Wesley Autrey: Dieser sprang im Jahr 2007 vor den Augen seiner beiden kleinen Töchter auf die U-Bahngleise, um einen, ihm komplett fremden Menschen vor dem einfahrenden Zug zu retten. Doch wie lässt sich das mit Darwins Evolutionstheorie vereinbaren? Auf den ersten Blick: gar nicht. Die Gefährdung des eigenen Lebens zu Gunsten eines völlig Fremden geht gegen die eigene Überlebensstrategie. Es entsteht kein direkter Vorteil aus einem solchen Verhalten. Weder für Wesley selbst noch für seine nächsten Verwandten. Ebenso wenig verschafft es einem Studenten einen evolutionstechnischen Nutzen, wenn er einer älteren Dame über die Strasse oder mit den Einkäufen hilft.
Materialismus, Selbstbezogenheit und Geldgier, welche auch in der heutigen Gesellschaft noch ihr Unwesen treiben, passen deutlich besser zur Evolutionstheorie. Doch irgendwie muss sich das kooperative Verhalten und auch die Fähigkeit zu Mitgefühl und Solidarität in der Evolution des Menschen bewährt haben: Schliesslich haben sie es wiederholt durch den Selektionsprozess hindurch bis in die moderne Zeit geschafft. Durch soziales Verhalten müssen daher Vorteile entstehen, damit dieses mit dem Darwinismus vereinbar ist. Ist Altruismus somit in Wahrheit nichts weiter als getarnter Egoismus?
Ego-Altruismus
Oftmals sind Mischungen dieser beiden Formen anzutreffen. Diese Gefühle werden als ego-altruistisch bezeichnet. Die Konstellation kann stark variieren. Sie reicht von Fällen, in welchen der Egoismus überhand gewinnt bis hin zu jenen, in welchen die egoistische Freude von der altruistischen Befriedigung überflügelt wird. Der erste Fall kommt zustande, in dem beispielweise jemand finanzielle Unterstützung leistet, ohne durch den Mittelabfluss einen Nachteil in Kauf nehmen zu müssen. Belohnt wird das Verhalten durch die Freude des Empfängers, wodurch der Wohltäter positiv belohnt wird. Der zweite Fall tritt auf, wenn bei der helfenden Person ein spürbarer Nachteil entsteht. In dieser Konstellation überwiegt das altruistische, egoistische Gefühl. Ein Rest an Egoismus bleibt jedoch vorhanden.
Gibt es denn überhaupt so etwas wie puren Altruismus, der ohne jedweden eigennützigen Hintergedanken zustande kommt? Ist es überdem wichtig, das altruistische Taten komplett «unegoistisch» sind, um als solche bezeichnet werden zu dürfen?