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Stall
Geschichte I
Als anfangs 1931 einige mutige Initianten sich an die Erstellung einer Ausstellungs- und Reithalle in Grenchen heranmachten, glaubten nur wenige, dass es in so kurzer Zeit gelingen werde, ein so grosses Projekt zu verwirklichen. Obwohl Grenchen in den Jahren der blühenden Uhrenindustrie sich rasch von einem einfachen Bauerndorf zur Industriestadt entwickelt hatte, und es in Grenchen viele Freunde des edlen Reitsports gab, musste es doch als grosses Wagnis bezeichnet werden, mitten in einer so tiefschürfenden Krise eine Ausstellungs- und Reithalle zu bauen. Aber, wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!
Mit vereinten Kräften gelang es den Initianten, eine grosse Schar von Interessenten zu finden. Aus der Ortschaft und namentlich auch aus den Nachbargemeinden flossen Mittel, Baustein reihte sich an Baustein und schon im Sommer des gleichen Jahres konnte um die Baubewilligung nachgesucht werden.
Zur weiteren Geldbeschaffung für den Bau der Reithalle wurde auch die vereinseigene Reitmatte für Fr. 6000.- verkauft. Die Reitmatte befand sich in der Witi zwischen Grenchen und Bettlach.
Geschichte II
Am 8. November 1931 fand die feierliche Einweihung und Eröffnung der Halle in der Anwesenheit von Vertretern des Kantons und der Gemeinde statt. Die Ausmasse der Halle waren derart, dass sie sich sehr gut neben vielen städtischen Reitanlagen sehen lassen durfte. Alle Räumlichkeiten liessen sich beliebig zu anderen Zwecken nutzen. Ausser für Reitturniere und grossangelegte Ausstellungen diente sie als Trainingsplatz für Turner, Leichtathleten und Schwinger, sogar die Fussballer und Trockenskifahrer benutzten sie.
In den folgenden Jahren wurde die Halle von den Kavalleristen und auch von den Mitgliedern der Reithallen-Genossenschaft (jedermann konnte Anteilscheine für Fr. 100.- erwerben !) rege benutzt.
Während des Krieges diente die Reithalle der Armee als Lager und wurde bis obenhin mit Heu gefüllt. Eine auf dem Quergebälk liegengebliebene Hindernisstange zeugt heute noch davon. Der Springplatz südlich der Halle wurde umgepflügt und angebaut.
1956 wurde Herr Felix Lejeune von den Herren Offizieren Schild, Grenchen und Sieber, Attisholz, als privater Bereiter für deren Pferde nach Grenchen geholt. Lejeune liess auf der Ostseite der Halle, einen Anbau für 10 Pferdeboxen erstellen und wenig später folgten auf der Nordseite weitere 6 Boxen.
Geschichte III
Felix Lejeune galt als einer der besten Reiter in der Region und so gaben bald Pferdebesitzer mit bekannten Namen ihre Pferde in seinen Beritt. Nebenbei erteilte er auch Reitstunden.
Eine Episode aus dieser Zeit:
Pferdehändler und Metzger Melliger aus Neuendorf sah Lejeune auf einem Reitturnier und sagte zu seinem kleinem Sohn: "Willi, mein Junge, so wie der solltest du auch reiten" - und brachte den kleinen Willi jeden Mittwochnachmittag zu Lejeune nach Grenchen in die Reitstunde. Anfangs stellt sich der Junge so ungeschickt an, dass Lejeune einmal in seiner Verzweiflung zu ihm sagte: "Willi, du lernst das nie !" Wie man heute weiss, hatte Lejeune unrecht.
Um das Jahr 1967 ungefähr, verliess Felix Lejeune die Reithalle Grenchen und überliess die Leitung seinem Lehrling Kaspar Signer.
Geschichte IV
Am 1. April 1971 wurde Frau Annegret Kahlke von der Schild AG als neue Pächterin unter Vertrag genommen.
Mit viel Engagement und Enthusiasmus, baute sie den heutigen Kinderreitstall auf. Mit dem ersten Pony Mudjibur leitete sie eine neue Ära ein. Die Reithalle wandelte sich somit von einem Treffpunkt der Kavalleristen über einen "Highsociety"- Stall zu einem Begegnungsort für Kinder jeden Alters. Obwohl sie mit vielen Rückschlägen fertig werden musste, liess sich Frau Kahlke nie entmutigen. Die Reithalle wechselte viermal den Besitzer (Schild AG - Ebosa - ETA - Bauverwaltung Grenchen), ja seit dem Jahr 1976 steht gar der Abriss des Gebäudes immer wieder zur Diskussion. Die Weiden nördlich der Halle wurden verkauft und überbaut. Der Springplatz, nunmehr einziges Weideland, wäre für Alterswohnungen verplant. In den 80er Jahren wollten Interessenten die Reithalle sanieren, scheiterten aber an Beamtendünkel und Kosten.
Als beim Flugplatz das neue Reitsportzentrum gebaut wurde, erhielt die Halle ihren jetzigen Namen "Alte Reithalle", und der Erhalt des Gebäudes wurde erneut in Frage gestellt.
Geschichte V
Bis Ende Februar 1999 blieb Frau Kahlke die gute Seele der Reithalle, dann trat sie vom Pachtvertrag zurück. Nach 28 Jahren galt es nun also, eine neue Pächterin zu finden. Diese konnte in der Person von Frau Cordelia Weber, einer ehemaligen Reitschülerin und Angestellten Kahlkes, gefunden werden. Seit dem Antritt von Cordelia Weber wird die Reithalle auf eigene Kosten und unter grandioser, selbstloser Mithilfe einiger Unerschrockenen sanft renoviert. Das einst so schmucke Gebäude hatte nämlich einiges an Farbe verloren, dafür aber umso mehr an Geschichte gewonnen.
Wir hoffen auf den Weiterbestand der Alten Reithalle und somit für unsere Kinder auf viele weitere Geschichten und Episoden!
Alte Reithalle Grenchen
Möge sie uns stets als Symbol der Ritterlichkeit und der Pflege des echten Sportgeistes erhalten bleiben!