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Zwischen 1914 und 1916 verkehrte ein unauffälliger russischer Journalist und Schriftsteller in der Schweizerischen Landesbibliothek. Ein Jahr später führte dieser „Entleiher“ die Russische Revolution an. Rund 60 erhaltene Leihscheine zeigen, was Lenin am Vorabend des Aufstands las. Die Ausstellung zu Lenins Zeit in Bern ist vom 26. Juni bis 26. August 2017 zu sehen.
1914 bricht der erste Weltkrieg aus. Mit seiner Frau Nadeschda Krupskaja und seiner Schwiegermutter kommt Lenin in die Schweiz. In Bern finden sie günstige Wohnungen, die Nähe zu Bergen und Anschluss an die exilrussische Szene. In den Augen der Behörden verhält sich die Familie unauffällig. Seine Tage verbringt der Revolutionär unter seinem bürgerlichen Namen Wladimir Uljanow auch in der Landesbibliothek, der heutigen Nationalbibliothek. Lesend, schreibend und in aller Ruhe bereitet er einen gewaltigen Umsturz vor.
Was muss man lesen, um Revolution zu machen? 61 von Lenin und Krupskaja ausgefüllte Leihscheine und 61 vom Ehepaar ausgeliehene Bücher skizzieren eine kleine Bibliothek der Revolution. Kriegsberichte stehen darin neben Reiseführern, eine Studie zur Elektrifizierung neben einer zur Fleischversorgung. Welches Wissen aus der Landesbibliothek nützt Lenin, als er 1917 nach Russland zurückkehrt und sich an die Spitze der Oktoberrevolution stellt?
In Österreich wartet Lenin 1914 auf den Sturz des Zaren. Doch dann bricht der Erste Weltkrieg aus. Als Angehöriger eines feindlichen Staats wird Lenin verhaftet, darf aber in einen neutralen Staat ausreisen. Mit Frau und Schwiegermutter kommt er in die Schweiz.
Von September 1914 bis Februar 1916 bleiben die Uljanows in Bern. Hier feilscht Lenin um eine Aufenthaltsbewilligung, engagiert sich für den internationalen Sozialismus, fährt mit seiner Frau zur Kur nach Sörenberg. Sein Tagesgeschäft bleibt das Lesen und Schreiben in Bibliotheken.
Foto: Adrian Moser, Der Bund
Wie gut es Lenin in einer Stadt gefällt, hängt von ihren Bibliotheken ab. In Bibliotheken findet er Literatur, Inspiration und Arbeitsraum. Zu Bern meint Lenin: „Die Bibliotheken hier sind gut.“ 1916 entscheiden sich Lenin und Krupskaja für einen Umzug nach Zürich. Seiner Mutter schreibt er: „Wir kamen nach Zürich, um in den Bibliotheken zu arbeiten… Die Bibliotheken sind viel besser als in Bern“.
Die Revolution von 1917 betrifft auch das russische Bibliothekswesen. Lenin und Krupskaja wollen die Bücher dem Volk zugänglich machen. Ein Vorbild finden sie in der Landesbibliothek, die Ihre Bestände bereits 1917 der ganzen Bevölkerung zugänglich macht.
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Liste der von Lenin in der NB benutzten Bücher und Zeitschriften, Seite 1Quelle: Schweizerische Nationalbibliothek
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Liste der von Lenin in der NB benutzten Bücher und Zeitschriften, Seite 2Quelle: Schweizerische Nationalbibliothek
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Liste der von Lenin in der NB benutzten Bücher und Zeitschriften, Seite 3Quelle: Schweizerische Nationalbibliothek
1917 kehren Lenin und Krupskaja nach Russland zurück. Als Führer der Bolschewiken übernimmt Lenin eine tragende Rolle bei der Oktoberrevolution und dem sozialistischen Umbau Russlands. Nach seinem Tod 1924 wird er im Sowjetstaat wie ein Heiliger verehrt.
Der kapitalistische Westen stellt Lenin als gutmeinender Reformer seinem grausamen Nachfolger Stalin gegenüber. Doch auch Lenin verantwortet massenweise politische Morde. In hundert Jahren hat sich der Blick auf die Oktoberrevolution und ihre Leitfiguren verändert, in Russland und in der Schweiz.
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