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|Antwort von Hansruedi Stutz|
Lieber Herr Corrodi
Herzlichen Dank für Ihre schnelle Reaktion. Danke auch für Ihre Arbeit „Mit guten Gründen glauben“. Ich habe sie gelesen. Der These 1 kann ich so wie sie dasteht nicht zustimmen, wohl aber den Thesen 2 und 3 ( Thesen in Kurzform). Es stellt sich die Frage: Wer hat die Autorität, um zu entscheiden, welche Stellen in der Bibel keinen Offenbarungs-Charakter haben und für Christen unverbindlich sind? Ich denke, dass niemand dazu die Kompetenz hat. Seite 5 steht, dass sich im Verlauf der Jahrhunderte zunehmend ein gesellschaftlicher Konsens herausgebildet habe, dass die Welt mit ihren eigenen Mitteln erklärt werden könne. Die Kurzzeitkreationisten haben gezeigt, dass dies ein Irrtum ist. Die Naturgesetze der Chemie und Physik genügen keineswegs zur Erklärung aller beobachteten Phänomene. Erst recht genügt die Evolutionstheorie bei weitem nicht, um die lebende Welt zu erklären. Weder die Herkunft des Lebens noch die angebliche Makroevolution können experimentell nachvollzogen werden. (a) Die Mechanismen der Evolution sind niemals imstande, die riesige Menge an sinnvoller Information zu liefern, (b) noch die Entstehung der nicht reduzierbar komplexen Systeme zu bewerkstelligen. (c) Die geologischen Zeugnisse für eine schnelle Entstehung der geologischen Formationen sind unübersehbar. Diese drei (a,b,c) Hauptargumente sind so stark, dass sie sogar von den meisten Laien begriffen werden. Seite 6 schreiben Sie von „religiöser Verlustangst“. Wir Kurzzeitkreationisten empfinden keinerlei Verlustangst. Im Gegenteil, wir erleben immer wieder, vor allem bei jungen Leuten, dass eine tiefe Gewissheit und ein Vertrauen zum Wort Gottes einkehrt, sobald jemand realisiert, dass Evolution ein wissenschaftlich begründbarer Irrtum ist und Schöpfung eine wissenschaftlich begründbare Möglichkeit. Es geht nicht um einen Beweis der Richtigkeit des Schöpfungsberichtes. Es geht um die Einsicht, dass es nur eine Wahrheit gibt und dass das wissenschaftliche Weltbild dem biblischen keineswegs widersprechen muss.
Und nun zu Ihrem Brief, sie schreiben: „Wenn der (Kurz- oder Langzeit-) Kreationismus sich als die bessere wissenschaftliche Hypothese versteht, unter welchen Umständen kann sie dann FALSIFIZIERT werden? Ich glaube, die einzig mögliche Antwort auf diese Frage ist die: Gar nicht. Es gibt keine denkbaren Umstände, unter denen Schöpfung wissenschaftlich widerlegt werden könnte.“ Da bin ich nicht mit Ihnen einverstanden. Zunächst dies: Schöpfung aus dem Nichts wird von den meisten Wissenschaftlern als Möglichkeit abgelehnt. Doch Schöpfung aus dem Nichts geschieht täglich in unserer Umgebung: Wenn ein Programmierer ein Computerprogramm schreibt, so macht er das aus dem materiellen Nichts. Er schreibt seine Gedanken nieder, die materiell nichts sind, aber Auswirkungen in der materiellen Welt haben. Man kann seine „Schöpfung“ auch überprüfen, indem ein zweiter Programmierer ein ähnliches Programm schreibt, das die selben Auswirkungen hat. Also ist creatio ex nihilo durchaus eine wissenschaftlich anwendbare Möglichkeit. Schöpfung kann falsifiziert werden schon durch ein einziges Experiment, mit dem die Entstehung eines fortpflanzungsfähigen Lebewesens allein durch Naturgesetze und ohne Intervention eines Menschen vorgeführt wird. Die biblische Lehre der göttlichen Schöpfung aus dem Nichts kann daher nicht aus dem Kreis der wissenschaftlich vertretbaren Hypothesen ausgeschlossen werden. Wir kennen in der Zwischenzeit auch „nicht reduzierbar komplexe Systeme“, die ohne eine Intelligenz nicht entstehen konnten. Und schliesslich wurden in jüngster Zeit neue Messungen (in Zirkonen) bekannt, die einen stark beschleunigten Zerfall der radioaktiven Isotopen in der Urzeit nahe legen und damit eine Milliarden Jahre alte Erde in Frage stellen. Sie schreiben ausserdem: „Nach reformatorischer wie altkirchlicher Auffassung, ist die Lehre der Schöpfung aber die reflexive Ausformulierung einer göttlichen OFFENBARUNG, die absoluten oder unbedingten Gehorsam fordert und keine Alternativen zulässt, (die nicht als Idolatrie bezeichnet werden müssten). Das unterscheidet “Schöpfung” von einer wissenschaftlichen Hypothese X, von der wir annehmen müssen, dass sie dereinst überholt sein wird.“ Da gehe ich mit Ihnen auch nicht einig, denn nach Römer 1, 20 kann der Ungläubige Gott in der Schöpfung erkennen, muss aber nicht. Also sind Alternativen möglich. Die Evolutionstheorie ist ebenso Religion wie die Schöpfungstheorie, denn man muss sie glauben. Sie ist nicht bewiesen. Sie ist so wenig beweisbar wie die Schöpfungstheorie. „Gute Wissenschaft zeichnet sich gerade durch unser unaufhörliches Bemühen aus, die jeweils beste Theorie durch eine bessere zu ersetzen.“ Ja! Aber welche Theorie ist denn in der Lage, die Evolutionstheorie zu ersetzen? Beim Vergleich der Fakten ist Schöpfung ex nihilo (ohne die Bibel zu zitieren) eine glaubwürdige Alternative zu Evolution.
Lieber Herr Corrodi, auch wenn Sie das Anliegen des Kurzzeitkreationismus nicht fördern wollen, so hoffe ich doch sehr, dass sich die VBG diesem Anliegen etwas öffnet.
Mit herzlichen Grüssen in Christus
Hansruedi Stutz