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Karies greift keinesfalls nur die bleibenden Zähne an. Bereits kleine Kinder, die regelmässig ein Fläschchen mit zuckerhaltigen Getränken bekommen, steuern auf das so genannte Fläschchen-Syndrom zu, das sich durch Karies an mehreren Milchzähnen äussert. Nur durch Vorbeugung und eine rechtzeitige Behandlung können schwere Folgen für die Mundgesundheit vermieden werden.
WAS VERSTEHT MAN UNTER DEM FLÄSCHCHEN-SYNDROM?
Das Fläschchen-Syndrom oder die Fläschchen-Karies ist eine schwere Form von frühkindlicher Karies, bei der sich innerhalb kürzester Zeit an mehreren Milchzähnen Karies bildet.
Das Syndrom entsteht bereits im frühen Alter, wenn Kinder über längere Zeiträume wiederholt zuckerhaltige Getränke wie Fruchtsäfte, Softdrinks oder Milchgetränke zu sich nehmen – übrigens auch dann, wenn diese verdünnt werden. Sehr häufig sind Kinder betroffen, die mit ihrem Fläschchen einschlafen – daher der Name.
Raffinierter Zucker beschleunigt die Säureproduktion durch die Bakterien im Mund. Auch Muttermilch enthält Zucker. Ein Stillkind, bei dem die Zahnung bereits eingesetzt hat, kann daher ebenfalls Karies entwickeln.
Milchzähne reagieren empfindlicher auf den Säureangriff der Bakterien als die bleibenden Zähne, da ihre Schmelzschicht dünner ist. Darüber hinaus sind die ersten Zähne schwieriger zu reinigen. Hinzu kommt, dass kleinere Kinder mehr schlafen und die Produktion des schützenden Speichels während des Schlafs deutlich abnimmt. Die Kombination aus all diesen Faktoren führt deshalb zu einer schnellen Ausbreitung der Zahnschädigung.
WER IST BETROFFEN?
Frühkindliche Karies an den Milchzähnen ist ein verbreitetes Phänomen. Schätzungen zufolge weisen 20 bis 30 % der Kinder zwischen vier und fünf Jahren mindestens einmal eine nicht behandelte Karies auf. Von der Fläschchen-Karies, einer besonders ernsten und vorzeitigen Form der frühkindlichen Karies, sind etwa 10 % aller Kinder zwischen zwei und vier Jahren betroffen. Wie Studien belegen, ist das Fläschchen-Syndrom in benachteiligten Bevölkerungsschichten besonders verbreitet.
Eine falsche Nutzung des Fläschchens (zu lange oder zum Schlafengehen), schlechte Mundhygiene und Fluormangel fördern die frühkindliche Karies.
Auch genetische Faktoren spielen eine Rolle: Manche Kinder haben anfälligere Zähne und einen schlechteren Schmelz als andere.
DAS TUT WEH!
Als erstes sind in der Regel die Vorderzähne von Karies betroffen. Meist entsteht sie zwischen den oberen Schneidezähnen. Als erstes wird der kariöse Zahn fleckig. Dann höhlt die Karies den Zahn aus und kann dabei bis zum Zahnhals vordringen. Die Zähne werden zuerst bräunlich, dann schwarz. Die Demineralisierung des Zahnschmelzes und anschliessend des Dentins (Zahnbeins) macht die Zähne sehr empfindlich, so dass sie leicht Schaden nehmen. Ohne Behandlung bleiben von den karieszerfressenen Zähnen nur noch Stummel übrig. Schlimmstenfalls entstehen darüber hinaus Abszesse und Zahnfleischentzündungen. Auch die späteren bleibenden Zähne können gefährdet sein.
Anfangs treten noch keine Schmerzen auf. Doch das ändert sich schnell, sobald die Karies das Zahnmark (Dentin) erreicht und den Zahn aushöhlt. Das Kind klagt beim Essen und beim Kontakt mit heissen oder kalten Speisen oder Getränken. Ist der Nerv betroffen, kann Karies auch zu chronischen Schmerzen oder Zahnweh führen.
Das Fläschchen-Syndrom kann sich auch nachteilig auf die Entwicklung von Mund und Gesicht auswirken, zum Beispiel in Form von Fehlstellung der Zähne bei geschlossenem Mund oder sogar einer verzögerten Sprachentwicklung. Später können Probleme beim Kauen und der Ernährung auftreten, im schlimmsten Fall bis hin zu Mangelernährung und Wachstumseinschränkungen. Aufgrund der Schmerzen ist auch der Schlaf des Kindes gestört. Kopfschmerzen und eine generelle Verschlechterung des Zustands sind die Folgen.
ZAHNPFLEGE
Um die Ausbreitung der Karies zu stoppen, sollte schnellstmöglich eine ärztliche Zahnbehandlung eingeleitet werden. In den meisten Fällen ist das Ziehen der kariösen Zähne unumgänglich. Eventuell kann eine kindergeeignete Krone oder eine sonstige kleine Vorrichtung eingesetzt werden.
Vielleicht werden auch Fluortabletten verordnet, um die Entwicklung des Syndroms einzudämmen. Doch die eigentliche Ursache lässt sich nur mit gründlicher Zahnpflege und -hygiene, einer Umstellung der Ernährungsgewohnheiten und in erster Linie dem Erlernen des richtigen Zähneputzens bekämpfen.
Kinder sollten von Anfang an daran gewöhnt werden, Wasser zu trinken. Von zuckerhaltigen Getränken zur Beruhigung oder gar einem Fläschchen zum Einschlafen ist dringend abzuraten.
Ausserdem sollte rechtzeitig der Übergang zur festen Nahrung erfolgen. Entwöhnen Sie Ihr Kind am besten mit etwa einem Jahr vom Fläschchen. Damit verringern Sie das Risiko des Fläschchen-Syndroms erheblich. Überhaupt ist es ratsam, auf raffinierten Zucker zu verzichten und ihn zum Beispiel durch Brot zu ersetzen. Auch wichtig zu wissen: Kariesbakterien werden häufig von den Eltern übertragen. Lecken Sie deshalb lieber nicht den Löffel Ihres Kindes ab.
Schon ab dem frühen Kindesalter ist eine gründliche Mundhygiene unabdingbar. Bereits bei Ihrem Baby können Sie Zähnchen und Zahnfleisch nach der Mahlzeit mit einer feuchten Kompresse abwischen. Ab einem Alter von ca. zwei Jahren kann Ihr Kind unter Anleitung der Eltern eine für sein Alter geeignete Zahnbürste benutzen. Zu einer umfassenden Zahnpflege gehören ab dem Alter von drei Jahren auch regelmässige Kontrolltermine beim Zahnarzt.
Quelle: www.passeportsante.net / Illustration: Freepik, Macrovector