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Engler, Hans (1902-1980)--DB952
Person
Lebensdaten
24.06.1902-12.06.1980
Mädchenname, Herkunftsort bzw. Heimatort
Hundwil
Zivilstand, Konfession, Nachkommen
Verheiratet mit Elsa Leemann
Soziale Herkunft, verwandtschaftliche Beziehungen
Ausbildung, berufliche Tätigkeit und Funktionen in der Öffentlichkeit
Ausbildung
Berufsausübung
Schweizerische Geflügelzuchtschule Zollikofen: Erster Direktor 1935-1956 (als Vorgänger von Steinegger, Paul (1906-1967)--DB3435); Schweizerischer Geflügelzuchtverband: Geschäftsführer 1934-1935 (als Vorgänger von Küderli, Hans (-1962)--DB2025); Zeitschrift Die Tierwelt - Schweizer Geflügel-Zeitung: Redaktor 1929-1935 (als Nachfolger von Etzensperger, Heinrich (-1929)--DB975 und Vorgänger von ); Zeitschrift Der Geflügelhof: Redaktor 1938-1952 (als Vorgänger von Mosimann, Ernst (1891-1961)--DB2447); Eidgenössisches Kriegsernährungsamt, Sektion Eier und Geflügel: Leiter 1942-1946 (als Nachfolger von Landis, Jakob (1895-1960)--DB2070)
Funktionen in landwirtschaftlichen Institutionen
World's Poultry Science Association; Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO): Leiter der Geflügelsektion; Oekonomische und gemeinnützige Gesellschaft des Kantons Bern (OGG): Mitglied ab 1936, Mitglied der Kommission für Kleintierzucht von 1942-1951; Paritätische Kommission der Eierwirtschaft, Präsident 1942-1952
Funktionen in anderen Institutionen
Funktionen in der Politik
Biographische Skizze
Als Hans Engler 1902 geboren wurde, spielte die Eierproduktion und die Geflügelhaltung ausserhalb der Landwirtschaft noch keine grosse Rolle. Kleine Hühnerhöfe dienten primär der Selbstversorgung mit Eiern. Pouletfleisch kam selten auf den Tisch; wenn Hühnerfleisch gegessen wurde, dann vor allem dasjenige von Hühnern, die nach einem mehrjährigen Leben als Suppenhühner zubereitet wurden. Als Engler 1980 starb, wurden Hühner primär in grossen Lege- und Mastbetrieben gehalten und Pouletfleisch war zu einem populären und günstigen Nahrungsmittel für alle geworden. Engler hat diese Entwicklung als einer der prägendsten Akteure der Geflügelbranche aktiv mitgestaltet.
Hans Engler kam wohl über seinen Grossvater mit der Geflügelzucht in Berührung. Dieser soll ihm mit Nachdruck demonstriert haben, welche Hühner gute Legehennen waren und woran man das erkennen konnte. Nach seinem Agronomiestudium promovierte Engler 1933 an der ETH Zürich mit einer Arbeit über „Quantitative Verdauungsversuche am Haushuhn“; damit versuchte er, 'Grundlagen für die energetische Bewertung der Futterstoffe' zu schaffen. Es war für einen jungen Agronomen damals ungewöhnlich, sich an der ETH der dort noch kaum gelehrten Geflügelzucht zuzuwenden. Nach seiner Promotion bei Wiegner, Georg (1883-1936)--DB3802 wurde Engler Geschäftsführer des Schweizerischen Geflügelzuchtverbandes SGV und 1935 Gründungsdirektor der Schweizerischen Geflügelzuchtschule Zollikofen (heute: Aviforum). Während des Zweiten Weltkrieges leitete er neben seiner Tätigkeit als Schuldirektor auch die Sektion Eier und Geflügel im Kriegsernährungsamt. 1952 wurde Engler von Wahlen, Friedrich Traugott (1899-1985)--DB3702 auf den neu geschaffenen Posten eines Geflügelzuchtspezialisten an die Welternährungsorganisation FAO in Rom berufen.
Engler gehörte in den 1920/1930er Jahren zu den vehementesten Kritikern der Hühnerhaltung auf den Bauernhöfen. Es fehle an leistungsfähigem Geflügel, zweckmässiger Fütterung und entsprechenden Stallungen bemängelte er immer wieder. Anstatt die Jungtiere selbst zu züchten, kauften die Bäuerinnen diese bei 'irgend einem Hausierer'. Gleichzeitig setzte er sich mittels Vorträgen, Artikeln und Kursen konkret für eine Verbesserung der Geflügelhaltung auf den Höfen ein. Mit der Geflügelzuchtschule auf dem Areal der landwirtschaftlichen Schule Rütti in Zollikofen hatte Engler ab Mitte der 1930er Jahre eine Institution zur Verfügung, die sich sowohl der Modernisierung der bäuerlichen Geflügelzucht und -haltung als auch der Entwicklung einer spezialisierten, gewerblichen Geflügelhaltung verschrieb. Die neue Bildungsstätte sei mehr als eine Schule, sagte Engler in seiner Eröffnungsrede der Schule. 'Lehrtätigkeit, Forschung und Praxis sollen hier in enger Verbindung stehen.' Bei der Errichtung der staatlichen Ackerbauschule Rütti habe der damalige Präsident gesagt, die Praxis ohne Theorie sei blind und die Theorie ohne Praxis sei lahm. Zugleich betonte Engler auch den allgemein erzieherischen Auftrag der Schule, in deren Gebäude er mit seiner Familie wohnte und deren Internatsbetrieb seine Frau Elsa leitete.
Bei der Gründung der Geflügelzuchtschule durch den vor allem von Primarlehrern, nicht Agronomen geprägten Schweizerischen Geflügelzuchtverband sei die Einsicht wegleitend gewesen, dass Zehntausende von Geflügelhaltern, die einen zusätzlichen Verdienst bitter nötig hätten, aus den bis anhin gehaltenen Hühnern nicht den grösstmöglichen Nutzen ziehen konnten, sagte Engler weiter. Das geflügel sollte nach Möglichkeit mit wirtschaftseigenem Futter gefüttert werden. 'Die Bauern sollen nicht Geflügelfarmer werden.' Rhetorisch hielt Engler den Unterschied zwischen bäuerlichen, mit betriebseigenem Futter arbeitenden Geflügelhaltern und Geflügelfarmern auch in den darauffolgenden Jahren aufrecht. Von der Sache her vermischten sich die Sphären aber ab der zweiten Hälfte der 1940er Jahren immer mehr. Bei der 'Verwendung landes- und betriebseigener Futterstoffe' sollte Ausschliesslichkeit 'nur in seltenen Fällen geboten sein', schrieb er schon 1937. Denn die Qualität der eigenen Futtermittel sei 'erheblichen Schwankungen unterworfen'. Zudem bereiteten sie „mehr Arbeit“ als die 'Fütterung aus dem Sack', d.h. die Fütterung mit zugekauften, homogenisierten Futtermischungen. Wie Lenggenhager, Eugen (1890-1945)--DB6009, Duttlinger-Rohr, Ernst (1901-1971)--DB888, Günthardt, Hans (-1963)--DB6157, Ebbell, Harald (1909-1998)--DB6000 oder Stauffer, Paul (1927-1999)--DB6037 und viele andere Geflügelfarmer war auch Engler fasziniert von der Geflügelzucht in den USA, die er 1945 als 'technisch hoch entwickelt und weitgehend rationalisiert' wahrnahm.
Die Dramatik der Entwicklung, die sich in der Nachkriegszeit im Geflügelsektor abspielte, zeigt sich auch an Englers wechselnden Positionen zur Frage der Betriebsgrösse. Noch Mitte der 1940er Jahre hatte er eine Eierordnung unterstützt, die die 'Errichtung neuer Geflügelhöfe und Geflügelfarmen mit 150 oder mehr ausgewachsenen Tieren' einer Bewilligungspflicht unterstellte. Zwei Jahrzehnte später verfasste er von Rom aus einen Expertenbericht für die Bundesverwaltung, in dem er empfahl Geflügelhalter, die bis 3'000 Legehennen oder 30'000 Masttiere hielten, noch als bäuerliche Betriebe zu klassieren.
Autor: Peter Moser
Quellen und Literatur
Eigene Publikationen
- (gemeinsam mit Lenggenhager, Eugen (1890-1945)--DB6009 und Häberli, Margrit (1897-)--DB6209): Zucht und Haltung von Nutzgeflügel als Nebenerwerb: Leitfaden für den Unterricht an land- und hauswirtschaftlichen Schulen und Lehrbüchlein für Geflügelhalter; herausgegeben vom Verband der Lehrer an landwirtschaftlichen Schulen der Schweiz, Zofingen 1931 (mit Illustrationen von Häfeli, Walter (-1999)--DB6581)
- Quantitative Verdauungsversuche am Haushuhn. Leipzig Akademische Verlagsgesellschaft 1933 (Diss. ETH Zürich)
- Hühnerhaltung und Hühnerzucht, 1943
Quellen
- SVIAL Bulletin, Oktober 1980, S. 55-56
- Schweizerische Landwirtschaftliche Monatshefte 58 (1980), S. 392
- Lüthi, Andreas, Vom Hof in die Halle - Hans Engler und die revolutionären Veränderungen der Geflügelwirtschaft, in: Kartoffeln, Klee und kluge Köpfe. Die Oekonomische und Gemeinnützige Gesellschaft des Kantons Bern OGG (1759-2009). Herausgegeben von Martin Stuber, Peter Moser, Gerrendina Gerber-Viser und Christian Pfister, unter Mitarbeit von Dominic Bütschi, Bern-Stuttgart-Wien 2009
- AfA Personendossier Nr. 192