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Konstruktivismus, Suprematismus und konkrete Kunst
Der “Konstruktivismus” entstand in Russland in der ersten Hälfte der 1910er Jahre und basiert auf einer ungegenständlichen geometrischen Formensprache, die nicht die gelebte Realität abstrahiert wiedergibt, sondern die mit Linien, Flächen, Kreisen und weiteren geometrischen Formen neue ungegenständliche Realitäten in der bildenden und angewandten Kunst sowie in der Architektur schaffen wollte. Daher war der Begriff “abstrakt” bei manchen Vertretern des Konstruktivismus und der Nachfolgeströmungen verpönt. Aus dem Konstruktivismus kristallisierte sich um 1915 der “Suprematismus” heraus. Die von Kasimir Malewitsch auf der Suche nach einem Kunstideal aus dem Quadrat entwickelte Gegenstandslosigkeit organisierter Strukturen ging über neue Erkenntnismöglichkeiten hinaus und strebte neue Wirklichkeitsmodelle und ein neues Weltbild an.
Die wichtigsten Vertreter dieser sogenannten Russischen Avantgarde waren ausser Malewitsch Wladimir Tatlin, Alexander Rodtschenko, El Lissitzky, Antoine Pevsner, Naum Gabo, Iwan Puni, Iwan Kljun, Nikolaj Suetin und Ilja Tschaschnik. Ljubow Popowa, Olga Rozanowa, Nadeschda Udalzowa, Warwara Stepanowa und Alexandra Exter führten die sogenannten “Amazonen” an, die weiblichen Vorreiter, die in Russland vor und nach der Russischen Revolution eine führende Rolle spielten.
Auch in Westeuropa verbreitete sich der Konstruktivismus rasch und manifestierte sich in der Kunst der deutschen Avantgardisten Willi Baumeister, Erich Buchholz, Walter Dexel, Friedrich Vordemberge-Gildewart, Karl Peter Röhl oder Thilo Maatsch, der Niederländer Piet Mondrian und Theo van Doesburg sowie der ungarischen Vorreiter Laszlo Moholy-Nagy, Laszlo Peri oder Lajos Ebneth, um nur die wichtigsten Konstruktivisten zu nennen.
In der Schweiz entwickelte sich eine eigene Strömung der “Konstruktiv-Konkreten Kunst” mit ihren Wortführern Max Bill, Richard Paul Lohse, Fritz Glarner, Verena Loewensberg, gefolgt von Hans Hinterreiter und Gottfried Honegger. Diese Gruppe konzipierte ihre Werke auf mathematisch-geometrischen Grundlagen in freier Anlehnung an mathematische Formeln zunächst in der Theorie, um sie dann in der Praxis in der Materialisierung von Geistigem sowie einem Zusammenspiel von Form und Farbe auszuführen. Dabei galt der Erforschung geometrischer Gesetzmässigkeiten und der unterschiedlichen sinnlichen Wirkung von nebeneinander gesetzten Farben ein gewisser Stellenwert, was sich bei den Künstlern u.a. in der Schaffung von Werkserien manifestierte.
Constructivism, Suprematism and Concrete Art
Constructivism emerged in Russia in the first half of the 1910s and is based on a non-representational geometric design language that does not render the lived reality in an abstract manner. But rather concentrated on lines, surfaces, circles and other geometric shapes to create the new non-representational realities in the visual and applied arts as well as in architecture. Therefore, the term “abstract” was frowned upon by some representatives of constructivism and the successor currents. Around 1915, constructivism emerged as suprematism. The non-representational art of organized structures developed from the square by Kasimir Malewitsch in search of an ideal of art went beyond new possibilities of knowledge and aimed at new models of reality and a new worldview.
The most important representatives of the Russian avant-garde were besides Malevich Vladimir Tatlin, Alexander Rodchenko, El Lissitzky, Antoine Pevsner, Naum Gabo, Ivan Puni, Ivan Kljun, Nikolaj Suetin and Ilja Tschaschnik. Lyubov Popova, Olga Rozanowa, Nadezhda Udaltsova, Varvara Stepanova and Alexandra Exter led the so-called amazons, the female pioneers who played a leading role in Russia before and after the Russian Revolution.
Constructivism also spread rapidly in Western Europe and has manifested itself in the art of the German avant-garde Willi Baumeister, Erich Buchholz, Walter Dexel, Friedrich Vordemberge-Gildewart, Karl Peter Röhl or Thilo Maatsch, the Dutch Piet Mondrian and Theo van Doesburg as well as the Hungarian pioneers Laszlo Moholy-Nagy, Laszlo Peri or Lajos Ebneth, to name just the most important constructivists.