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«Wie leben Sie mit der Gicht?», wollte unsere Umfrage wissen und fragte konkret nach dem Gesundheitszustand, dem Lebensstil und danach, wie Betroffene mit den Schmerzen zurandekommen und was sie dagegen unternehmen.
Offenbar kann man sich mit der Gicht arrangieren und ein weitgehend normales Leben führen. Jedenfalls erwecken die knapp 200 Männer und Frauen, die an der Umfrage teilgenommen haben, diesen Gesamteindruck. Über ein Drittel von ihnen (37%) verzichtet auf eine medikamentöse Therapie, obwohl die Gicht höllische Gelenkschmerzen verursachen und langfristig zu ernsthaften Gelenkschädigungen führen kann.
Von denen, die bei der Gicht zu Arzneimitteln greifen, beurteilen 40% die medikamentöse Therapie als «sehr wirksam». 31% geben ihr die Note «eher wirksam», 21% die Note «ein bisschen wirksam». 8% sprechen ihr eine Wirkung ab. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Therapietreue (Adhärenz). Annähernd jeder zweiten Person mit Gicht (46%) fällt es schwer, die verschriebenen Medikamente regelmässig einzunehmen. Die Gründe dafür sind mannigfaltig. Acht Personen erklären die sporadische Medikamenteneinnahme damit, dass sie die Gichtanfälle durch eine Ernährungsumstellung in den Griff bekommen hätten und dank dem praktisch schmerzfrei seien.
Einige nennen pflanzliche Heil- oder einfache Hausmittel, mit denen sie gute Erfahrungen gemacht haben. Ein 54-jähriger Umfrageteilnehmer rät zum «Saft einer halben Zitrone jeden Morgen in 2 dl warmem Wasser». Gewisse Mineralstoffe der Zitrone (vorrangig Magnesium und Kalium) fördern effektiv den Abbau von Säure. Ähnlich helfen kann Natron (Natriumbicarbonat oder Natriumhydrogencarbonat). Die ein- bis dreimal tägliche Einnahme von 1 TL Natron, aufgelöst in einem Glas Wasser, getrunken in kleinen Schlucken, bewirkt, dass der Urin mehr Harnsäure aufnehmen und ausscheiden kann – eine simple Methode des Gichtmanagements.
Sechs Personen haben in der Umfrage angegeben, lediglich bei einem Schub oder Anfall zu Medikamenten zu greifen respektive wenn die Schmerzen nicht mehr auszuhalten seien. Weitere Begründungen für die geringe Medikamentenadhärenz lauten, dass man sich von den Ärztinnen und Ärzten nicht ernst genommen fühle oder gar keine Medikamente verschrieben bekomme. Und schliesslich klagt ein 77-jähriger Gichtbetroffener, er müsse schon «genügend andere Medikamente» einnehmen, und macht damit auf das Problem und Risiko der Multimedikation aufmerksam. Unter einer Multimedikation versteht man die tägliche Einnahme von fünf oder mehr Arzneimitteln. Sie kann die Wirkung einzelner Arzneistoffe verstärken, abschwächen oder ganz aufheben.
Ernährung und Bewegung
Über den Lebensstil lässt sich die Gicht recht gut unter Kontrolle bringen. Auf die Ernährung zu achten, ist einer Mehrheit derer, die an der Gichtumfrage teilgenommen haben, wichtig. Erfreuliche 57% essen täglich Obst und Gemüse. 46% konsumieren täglich Milchprodukte, die aufgrund ihres geringen Gehaltes an Purin wenig Harnsäure bilden. Süssgetränke und denaturierte Fertigprodukte wie Tiefkühlpizzen werden vorwiegend gemieden. Ebenfalls eine gewisse Zurückhaltung zeigt sich beim Fleischkonsum; nur 9% essen täglich Fleisch.
Andererseits enthüllt die Umfrage einen relativ hohen Alkoholkonsum, vor allem bei den Männern. Zwei von drei Gichtbetroffenen trinken alkoholische Getränke. Davon 68% gelegentlich, 26% einmal täglich und 6% mehrmals täglich. Alkohol erhöht die Bildung von Harnsäure und hemmt deren Ausscheidung. Gichtanfällige sollten den täglichen Weinkonsum auf maximal zwei Glas (Männer) oder ein Glas (Frauen) beschränken. Auf Bier und Spirituosen sollte man ganz verzichten. Übrigens auch auf alkoholfreies Bier, wegen des Purins in der den Gärprozess in Gang setzenden Hefe.
Zusätzlich zur Ernährung fragte die Umfrage nach dem Bewegungsverhalten. Erfreulich viele Gichtbetroffenen (63%) sind täglich oder mehrmals pro Woche körperlich so aktiv, dass sie einen leicht erhöhten Puls haben oder ins Schwitzen kommen. Uns als Rheumaliga Schweiz bringt die Frage ins Schwitzen, warum so viele Gichtbetroffene übergewichtig sind, wenn sie sich doch mehrheitlich ausgewogen ernähren und genug bewegen. Zwei von drei Gichtbetroffenen in unserer Umfrage haben einen Body-Mass-Index von 25 oder höher. Vermutlich sind die Antworten durch den Verzerrungseffekt der sozialen Erwünschtheit beeinflusst – einer Annährung des Selbstbildes an akzeptierte und propagierte Ideale.
Wissenslücken bei einem Drittel
Was kann einen Gichtanfall auslösen und die Gesundheitsprobleme von Gichtbetroffenen verschlimmern? Zwei Drittel geben in unserer Umfrage an, darüber Bescheid zu wissen.
Das sind erfreulich viele und bestätigt, was wir auch schon über unser Gichtquiz haben in Erfahrung bringen können (an dem schon über 2300 Personen teilgenommen haben). Dass man die medikamentöse Behandlung eines Gichtanfalls durch Kühlung und Ruhigstellung des betroffenen Gelenks unterstützen kann, wissen 61%. Die Empfehlung, dass Gichtanfällige mehr Gemüse und Milchprodukte konsumieren sollen, kennen 73%. Und 87% kennen den klassischen Auslöser eines Gichtanfalls: ein üppiges Abendessen mit viel Fleisch und Alkohol.
Andererseits glauben – weiterhin dem Gichtquiz zufolge – 12%, dass der Gicht normale Alterungsprozesse zugrunde lägen. 24% halten es für ratsam, Fleisch durch Fisch und Meeresfrüchte (!) zu ersetzen. Und 30% veranschlagen die Dauer einer Therapie mit einem Harnsäuresenker wie Allopurinol oder Febuxostat auf ein Jahr – wo man doch erst ab fünf Jahren daran denken darf, das Mittel abzusetzen. Solange derlei Fehleinschätzungen und Irrtümer kursieren, besteht ein Informationsbedarf. Zu diesem Schluss kommt auch die Auswertung der Umfrage «Wie leben Sie mit der Gicht?». Denn ein ganzes Drittel ist in Unkenntnis darüber, was die Erkrankung auslösen und die Gesundheitsprobleme verschlimmern kann.
Weitere Informationen
Die Online-Umfrage «Wie leben Sie mit der Gicht?» lief von Oktober bis Dezember 2020. 199 Personen haben daran teilgenommen, je zur Hälfte Männer und Frauen, die durchschnittlich schon elfeinhalb Jahre lang mit der Gicht leben. 15% haben sogar über zwanzig Jahre Gichterfahrung auf dem Buckel. Möchten Sie mehr über die Umfrage erfahren und sich in einzelne Fragen und Antworten vertiefen? Dann downloaden Sie unsere Auswertung.