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Zur Aufnahme von Karten und Plänen wurden bis ins 20. Jahrhundert zumeist Messtische verwendet. Die dazu gehörenden Messinstrumente werden als Kippregeln bezeichnet. Kippregeln sind Instrumente zur simultanen Messung aller drei Komponenten der räumlichen Polarkoordinaten eines Punktes.
Vor Arbeitsbeginn wird masshaltiges Papier für den zukünftigen Plan auf dem Messtisch aufgespannt. Mit der auf dem Messtisch stehenden Kippregel wird eine im aufzunehmenden Geländepunkt aufgestellte Messlatte angezielt und der Lattenabschnitt zwischen den Distanzfäden im Fernrohr abgelesen. Daraus wird die Horizontalkomponente und deren Reduktion in den Planmassstab mit dem topographischen Rechenschieber berechnet. Mittels Stechzirkel und Transversalmassstab wird nun die Distanz längs der noch immer auf den angezielten Punkt gerichteten Zeichenkante des Lineals abgetragen und der neue Punkt auf dem Plan gestochen. Als in Tachymetertheodolite Diagramme eingebaut wurden, die in Funktion der Fernrohrneigung die Horizontalkomponente der Distanz abzulesen erlaubten, wurden analoge Diagramme auch in Kippregeln eingebaut.
Als Zubehör für Messtischausrichtungen dienen:
- Topographischer Rechenschieber zur Berechnung der Vertikal- und Horizontalkomponente der schräg gemessenen Entfernung
- Transversalmassstab zum Abgreifen der Horizontaldistanz im Planmasstab
- Stechzirkel zum Abtragen der Horizontaldistanz und zum Stechen des neuen Punktes auf dem Plan
- Setzlibelle zur Horizontierung des Messtisches
- Lotgabel mit Schnurlot zur zentrischen Aufstellung des Tisches über dem Messpunkt
Kern Geologen-Kippregel mit Messtisch (ca. 1926)
Fabr. Nr. 24972, gemäss Nummernbuch ausgeliefert am 3. März 1926 an Aregger/Müller, Buenos Aires.
Die Messausrüstung war gedacht zur Arbeit im Gelände mit topographischen Karten in kleinen und mittleren Massstäben. Der Messtisch mit einer Kantenlänge von 200 mm konnte auf ein Fotostativ mit 3/8 " - Anschlussgewinde aufgesetzt werden.
Zielvorrichtung Diopter
Kippachse gelagert in Spitzen
Höhenkreis Halbkreis
Teilung 360º, Intervall 1º, beziffert alle 10º
Ablesung Nonius für 1/12 Intervall 5'
Bereich +70º bis -70º
Höhenkreislibelle, Querlibelle
keine Klemmen
Feintriebe zur Vertikalzielung: Gegendruckfeder in Büchse
zur Horizontierung der Kippachse: offene Gegendruckfeder
Parallellineal Länge 160 mm, Verschiebebereich 9 mm
Zustand 1997 revidiert, betriebsfähig
Stadtmuseum Aarau, Sammlung Kern, Inv. Nr. 216
Erwähnt im Katalog J 42, Kern Aarau, Stadtmuseum Aarau, Sammlung Kern, Inv. Nr. 491
Kern Kippregel mit Zubehör (ca. 1878)
ohne Fabr. Nr., signiert J. KERN IN AARAU, nicht genau datierbar; der Typ ist jedoch im Katalog von 1878 enthalten.
Detaillierte Beschreibung aus Katalog ("Messtisch-Aufsatz zum Nivellieren")
Die Kippregel entspricht der Nummer 50 im Katalog von 1878; sie ist auf Seite 4 beschrieben.
In der Kiste liegt verschiedenes Zubehör.
(Siehe auch Auszug aus Katalog)
Tischlibelle Nr. 71, Seite 6
Kastenbussole Nr. 67, Seite 6
Lotgabel Nr. 78, Seite 6
Papierklammern Nr. 79, Seite 6
Topographischer Rechenschieber Nr. 61, Seite 4
Der topographische Rechenschieber ist in der Kiste nicht enthalten.
Detaillierte Beschreibung aus Katalog ("Messtisch-Aufsatz zum Nivellieren")
Auszug aus dem Katalog 1878 von J. Kern in Aarau
Die Bemerkung im Text auf Seite 4 zu der Kippregel: ’’Dieser combinirte Apparat ist eines unserer gesuchtesten Instrumente’’ bezieht sich auf die verschiedenen Kombination von Stütze, Fernrohr, Lineal (nicht separat aufgeführt), Horizontierteil und Horizontalkreis.
Stütze mit Fernrohr Nr. 50
Horizontalkreis Nr. 64 bis Nr. 65 (vier Varianten)
Horizontierteil Nr. 37
Kombinationen
Nivellier Nr. 50 + Nr. 37
Theodolit Nr. 50 + Nr. 37 + Nr. 62 bis 65
Kippregel Nr. 50 + Lineal
Messtisch Nr. 37 + Brett
Die Geräte sind auf Tafel I (PDF) abgebildet.