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Gestern, 12. Juli 2012 übertrug der ORF die Operette «Die Fledermaus» von Johann Strauss gegeben im Rahmen der Seefestspiele Mörbisch. Diese Seebühne ist nicht nur ausserordentlich schön, sie ist die grösste Europas mit 6'000 Zuschauern, das heisst imposanter als jene in Bregenz und viel grösser als unsere lokalen Seebühnen in Thun und Walenstadt.
Bedauerlicherweise wird dieser Anlass in der Schweiz viel zu wenig beachtet, obwohl Darsteller wie Helmut Lohner und Harald Serafin höchste Qualität garantieren. Die Operette «Die Fledermaus» – 1874 uraufgeführt - ist ein musikalischer Leckerbissen, unter anderem mit dem wunschönen Duett «Brüderlein und Schwesterlein» und der Arie «Mein Herr Marquis», daneben hat es aber weitere musikalische Höhepunkte.
Wieso erwähnen wir in einem Musicalmagazin plötzlich eine Operettenaufführung? Die Frage ist genau so berechtigt, wie jene, was eigentlich der Unterschied zwischen einem Musical und einer Operette sei? Genau so alt, wie diese Frage, sind die Antwortversuche. Da wird gesagt, ein Musical sei «ein Drama mit Musik», das heisst, die Bühnenhandlung sei wichtiger als die Musik, die Operette dagegen «ein Drama in der Musik». Beide Gattungen hätten gesprochene Dialoge, die Operette zeichnet sich dadurch aus, dass der Inhalt relativ unwichtig sei und nicht wie bei den Musicals absoluten Vorrang geniesse. Diese gängige Antwort ist genau so richtig, wie auch falsch. Die Operette entstand im 19. Jahrhundert, sie war im Gegensatz zur Oper leichte Kost und wandte sich an die Masse, das heisst, sie war quasi Musik für das Volk, mit anderen Worten ein Element im Rahmen des politischen Demokratie-Prozesses. Man konnte sie auch nicht so richtig ernst nehmen, deshalb der Name «Operette», quasi als Diminutiv zur Oper. Die «Besseren» schauten auf diese primitive Musikgattung herab, lange Zeit hatten diese Singspiele überhaupt keinen Namen. Der Begriff «Operette» ist im Übrigen extrem unpräzies, seine Entwicklungen in Frankreich, Wien und London waren sehr unterschiedlich.
Ein ähnliches Schicksal hatte auch der Terminus «Musical» – in den USA entstanden, beinhaltet er in erster Linie auch die Mischung einer Geschichte (Story) mit Musik (Sound) auf einer speziellen Bühne (Stage) durchdrungen von (S)prechdialogen. In der heutigen Zeit kommen die «Specialeffects» dazu. Tatsächlich verhält es sich aber so, dass auch der Begriff «Musical» sehr unpräszies ist und einen «Containerbegriff» darstellt. Musical ist demnach ein sich stets änderndes Genre, das für die jeweiligen Trends einer Zeit aufgeschlossen ist. Schmidt-Joss haben das Phänomen Musical kurz und prägnant wie folgt beschrieben: das Musical ist eine in New York entstandene, in der Regel zweiaktige Form populären Musiktheaters, die Elemente des Dramas, der Operette, der Revue, des Varietes und in Ausnahmefällen der Oper miteinander verbindet. Es verwendet die Mittel des amerikanischen Popsongs, der Tanz- und Unterhaltungsmusik und des Jazz. Musical kann – genau so wie die Operette – höchst unterschiedliche Elemente enthalten. Es gibt durchaus Produktionen, wo die Musik erheblich wichtiger ist und die Story nur Nebensache. Bezeichnenderweise verhält es sich so, dass von den ersten Musicals die Handlungen gar nicht bekannt sind. Musical will - so sagen Schmidt-Joss - im Gegensatz zur Operette den Alltag des Publikums entsprechen und diese nicht durch aufgesetzte und übertriebene Sprache oder unrealistische Charaktäre befremden. Choreographie und Kostüme (Priscilla, Quenn of the Desert oder Lion King) stehen im Zentrum. Bezeichnenderweise ist der Vorgänger des Musical die Extravaganza, als erstes Musical gilt im Übrigen "The Black Crook", 1866 uraufgeführt. Identisch ist hingegen die Wahrnehmung des Musicals. Es gilt als primitiv und platt, mit anderen Worten, sowohl Operette als Musical haben sehr viel gemein.
Letztlich ist unrelevant, was nun wirklich der Unterschied ist. Entscheidend bleibt, dass sowohl Musical, als auch Operette vielen Menschen Freude machen und Glücksmomente bereiten.
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