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Meg Remy beginnt ihr neues Album unter dem Pseudonym U. S. Girls mit einem schnalzenden Seufzer und setzt zur lustvollen Rache am Patriarchat an. Der Beat schlägt wie rituelle Trommeln, und Synthies prusten, als wären sie Trompeten. Remy singt von der Angst allein auf der Strasse, vom Hass vor dem Spiegel: «But don’t forget the revenge», mahnt sie eine Schwester. Die Knarre ist entsichert – mindestens eine Kugel muss zwischen die Augen: «Flösse ihnen die Angst ein, die dich überkommt, wenn du zur Beute wirst.»
Der Opener ist nur die erste Detonation auf «In a Poem Unlimited», dem siebten Album von U. S. Girls. Die Platte ist eine Mutprobe, denn Meg Remy stösst hier in alle Richtungen vor: Disco, Rock, Electropop, Jazz und Noise. Auf anderer Ebene tat sie das schon auf «Half Free» (2015), wo sie in die Rollen einer Kriegswitwe und einer betrogenen Ehefrau schlüpfte. Wie eine Cindy Sherman des Pop war sie dabei immer zugleich die Rolle und sie selbst.
Während Remys Sound jetzt wie eine Krake nach allen möglichen Stilen greift, findet sie ihre künstlerische Mitte im Vertonen weiblicher Lebensrealitäten. Dass sie bei ihrer Mutter aufgewachsen ist und eine katholische Highschool besucht hat, mag das beeinflusst haben. In «Rage of Plastic» zetert dann wirklich ein Bläser, das Schlagzeug geht im Marsch, und die Gitarren wiehern wie ungestüme Pferde. Dieser Song gehört in eine schummrige Kellerbar, auch dort wird er leuchten. «M. A. H.» ist eine hüpfende Disconummer mit kitzelnden Funkgitarren, und Remy singt hier, als stünde sie auf Schlittschuhen im hellen Spot einer Eishalle.
In «Pearly Gates» scheint sie Popsongs der frühen nuller Jahre zu zitieren und sie gleichzeitig zu verfremden: Das Riff hält durch, der Beat stampft, und Meg Remy klingt, als träte sie gerade aus dem Schatten einer Girlgroup. Es gibt instrumentalen Weltraumsound wie von Elektropionieren, und ganz zum Schluss zerfranst ein treibender Acidbeat zu einer tollwütigen Free-Jazz-Nummer. Dringlich, klug, waghalsig.
Konzerte: Zürich, Rote Fabrik, Mi, 9. Mai 2018; Basel, Kaserne, Do, 10. Mai 2018.