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Ins Jubiläum geschleudert
Von Pascal ZinggAm 5. Juli 1910 nahm die Berninabahn den Betrieb auf der Strecke Bernina Suot - Poschiavo auf. Die Strecke St. Moritz - Tirano war damit durchgehend befahrbar. Die Strecke war vorerst nur für den Sommerbetrieb ausgelegt. Da man 1909 das bereits eröffnete Teilstück St. Moritz - Bernina Suot auch im Winter schneefrei halten konnte, bestellte man bei der Lokomotiv- und Maschinenfabrik Winterthur SLM eine Dampfschneeschleuder. Die SLM lieferte die Xrot d 9213 noch im gleichen Jahr. Den ganzjährigen Betrieb nahm die Bahn allerdings erst 1913 auf. Bis dahin mussten einige Lawinenverbauungen erstellt und die zweite Xrot d 9214 beschafft werden. Die beiden Xrot d 9213 und 9214 sind selbstfahrend. Beide verfügen über zwei dreiachsige Triebdrehgestelle. Mit der Aufteilung auf zwei Drehgestelle war gewährleistet, dass die Schleudern um die engen Kurven am Bernina kamen. Um sich durch die dichten Schneemassen am Bernina zu kämpfen, wurden den Schleudern jeweils ein bis zwei Schubfahrzeuge beigestellt. Die beiden Schleudern verrichteten ihren Dienst bis 1967. In diesem Jahr beschaffte die RhB, welche die Berninabahn mittlerweile übernommen hatte, zwei diesel-elektrische Schleudern des Typs Xrot et. Mit dem Erhalt der Xrot et 9218 und 9219 kamen die beiden Dampfschleudern Xrot d 9213 und 9214 in den Reservedienst. Xrot d 9214 wurde 1990 an die Dampfbahn Furka-Bergstrecke DFB verkauft. Wie die DFB feststellen musste, ist die Xrot d 9214 nicht zahnstangentauglich. Sie tauschte 1996 die Xrot d 9214 gegen die Xrot d 9212 der Musuemsbahn Blonay - Chamby. Die Xrot d 9211 und 9212 beschaffte die RhB 1913. Die beiden Schleudern sind grundsätzlich Baugleich zu denen der Berninabahn. Der einzige Unterschied besteht in den Drehgestellen. Die Schleudern der RhB verfügen über zwei zweiachsige Drehgestelle, wobei beim vorderen ein Hilfsantrieb eingekuppelt werden kann, der auf die hintere Achse wirkt. Dieser Hilfsantrieb wurde für Rangiermanöver gebraucht. Während die Xrot d 9214 seit 1996 im Museum in Chamby steht, wird die 9213 noch immer als Reservefahrzeug von der RhB eingesetzt. Ihren letzten Ernstfall hatte sie im Februar 2009, als eine der modernen Schleudern in einen Lawinenkegel geriet. Neben den wenigen Planeinsätzen fährt die Schleuder jeweils zwei Mal pro Winter in einer Publikumsfahrt über den Bernina.
Einen grossen Auftritt hatte die Xrot d 9213 am 16. Januar 2010. Bei Startschuss zum 100-Jahr-Jubiläum der Berninabahn sollte die 9213 eine symbolische Schneemauer durchbrechen. Vor dem Event in St. Moritz organisierte Peter Pfeiffer in Zusammenarbeit mit der RhB eine öffentliche Schleuderfahrt mit den beiden ABe 4/4 I 30 und 34 mit Baujahr 1911 und 1908. Diesen Event wollten sich weder David noch ich entgehen lassen. Wir sind am frühen Samstag Morgen via Vereina nach Bever gefahren. Da die Besammlung erst um 12 Uhr in Pontresina war, entschlossen wir uns vorher noch ein paar Planzüge in Bever einzufangen. Wir waren noch nicht bei der Stelle in Bever, da tauchte auch schon der erste RE vom Albula her auf. Zum Glück hatte David seine Kamera griffbereit, so konnte er ein erstes Bild vom Zug mit der Ge 4/4 I machen.
Nach diesem Zug hatten wir eine Stunde Zeit, bis der nächste RE kam. Wir suchten uns eine gute Position und begannen zu warten. Mit etwas Verspätung erreichte uns eine Ge 4/4 III mit Werbeanstrich.
Rund 20 Minuten nach dem RE kam das erste Highlight des Tages. Der Bernina Express bespannt mit einer BoBo (Ge 4/4 II). Noch verkehrt der Bernina Express mit "richtigen" Loks. Bereits ab Sommer sollen die Züge jedoch durchgehend mit Zweisystem-Zügen des Typs ABe 8/12 "Allegra" bespannt werden.
Nach dem auch der Bernina Express im Kasten war, ging es weiter nach Pontresina. Dort angekommen bestiegen wir einen der beiden ABe 4/4 I und fuhren mit der Schleuder zur Rosegbachbrücke. An der Brücke angekommen gab es einen Fotohalt mit Scheinanfahrt.
Von der Brücke gings zurück zum Bahnhof Pontresina. Dort hatte Peter Pfeiffer eine Aufstellung organisiert. Leider hatte er bei der Planung einige Baumschatten übersehen, was zu einem Licht- und Schattenspiel vor dem Depot führte. Besser sah die Situation bei den Perrons aus, wo sich gerade ein Allegra in Richtung Depot bewegte.
Nach der Aufstellung fuhr der ABe 4/4 III 52 ins Licht. Der 52er trägt seit neuestem einen Werbeanstrich fürs Bernina-Jubiläum.
Nachdem auch der Werbetriebwagen im Kasten war, ging es mit dem Schleuderzug weiter in Richtung St. Moritz. Kurz vor der Station Punt Muragl Staz gab es eine weitere Scheinanfahrt. Da es bei der ersten Scheinanfahrt ein ungleiches Rennen zwischen dem Zug und einem Langläufer gab, wiederholten wir die Scheinanfahrt ein zweites Mal, wobei diesmal niemand im Bild stand.
Nach dem alle wieder im Zug waren, ging es nach Celerina Staz, wo wir den Zug mit dem Bahnhofsgebäude fotografierten.
Nun ging es zurück nach Punt Muragl Staz. Dort angekommen nahmen wir den Bus nach St. Moritz. Aus dem Bus heraus konnten wir beobachten, wie gerade ein russischer Zweierbob den Horseshoe hinunter donnerte. Natürlich hatten wir keine Zeit uns auf den Bobweltcup zu konzentrieren, denn es stand ja noch der Medienevent in St. Moritz an. Gleichzeitig mit uns hatte es auch die Xrot d 9213 geschafft. Sie wurde nun vom ABe 4/4 III 53 geschoben. Wie sich schnell zeigte, hatte die Schleuder etwas Mühe mit der Mauer. Man hatte wohl die Erbauer der Bobbahn mit dem Bau der Mauer beauftragt. Sie war sehr hart. Dem geduldigen Bahnfan zeigte dies, wie beschwerlich die Schneeräumung sein kann. Die geladenen Gäste wurden unterdessen sehr ungeduldig. Nach rund 30 Minuten hatte es die Schleuder doch noch geschafft.
Als weiteres Highlight konnten wir danach noch den ABe 4/4 III 52 neben der Ge 4/4 II 619 fotografieren. Die beiden Fahrzeuge sind daher speziell, weil beide die Werbelackierung zum Jubiläum tragen.
Nun wäre eigentlich noch eine Scheinanfahrt der Xrot d 9213 mit dem rhätischen Krokodil Ge 6/6 I 415 geplant gewesen. Das Licht war allerdings mittlerweile jedoch sehr dürftig. David und ich entschieden uns deshalb nach Samedan zu fahren, um dort noch einen Nachfotoversuch zu unternehmen. Leider stand die Komposition aber nur sehr kurz in Samedan. Ausserdem standen noch zwei Rangierer im Weg, so dass es kein gutes Bild mehr gab.