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Der Stress im Schweizer Berufsleben steigt. Über ein Drittel der Erwerbstätigen fühlen sich häufig oder sehr häufig gestresst. Das sind 7 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren, wie die im Auftrag des Seco verfasste Stress-Studie 2010 an den Tag bringt.
Den Stress verursachen vor allem Zeitdruck, unklare Anweisungen, soziale Diskriminierung und das Arbeiten auch in der Freizeit, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Dienstag schreibt. Lange Arbeitstage und emotionale Anforderungen sind weitere Stressfaktoren.
Gemäss der Studie stehen 34,4 Prozent der Werktätigen chronisch, also länger anhaltend, unter Stress. In der früheren Befragung aus dem Jahr 2000 waren es noch 26,6 Prozent gewesen. Der Anteil der selten oder nie Gestressten nahm dementsprechend von 17,4 auf 12,2 Prozent ab. Den Stress nicht mehr vollständig bewältigen konnten 20 Prozent der Befragten.
Ältere nehmen's gelassener
Nach Wirtschaftszweig, Berufsgruppe, sozioökonomischem Status oder Geschlecht erbrachte die Studie keine Unterschiede. Westschweizer fühlten sich leicht häufiger gestresst als Befragte in den anderen Landesteilen. Die 15- bis 34-Jährigen klagten überdurchschnittlich oft über Stress; die 55- bis 64-Jährigen gaben hingegen öfter an, nie gestresst zu sein.
Besonders ins Gewicht fielen beim Stressempfinden die Arbeit während der Freizeit, häufige Arbeit während mehr als 10 Stunden am Tag, unklare Anweisungen und die Anforderung, an der Arbeit Emotionen zu zeigen, die den eigenen Gefühlen nicht entsprechen.
Erwerbstätige unter hohem Termindruck oder mit hohem Arbeitstempo waren doppelt so häufig gestresst wie der Durchschnitt. Auch solche die angaben, unter Diskriminierung wie Mobbing zu leiden, waren doppelt so häufig gestresst.
Vier Prozent mit Burnout-Anzeichen
Das Stressempfinden hängt auch von Gesundheitsproblemen ab und von der Unzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen. Keinen Zusammenhang fand die Studie zwischen Stress und Krankheitsabwesenheit in Zusammenhang mit der Tätigkeit. Wohl aber gab es einen Zusammenhang mit dem Phänomen des «Präsentismus», also mit der Anzahl jener, die trotz Krankheit arbeiten gehen. 4 Prozent der Befragten gaben an, von ihrer Arbeit emotional ausgelaugt zu sein, ein Warnzeichen für ein Burnout.
32 Prozent gaben an, innerhalb der letzten zwölf Monate im Zusammenhang mit der Arbeit Medikamente oder andere Substanzen eingenommen zu haben. Die Mehrzahl griff zu Arzneien, um trotz Schmerzen arbeiten zu können oder um nach der Arbeit schlafen oder sonstwie entspannen zu können. Dopingmittel zwecks Leistungssteigerung nahmen 4 Prozent ein.
Die Kosten des Stresses für Behandlungen und Absenzen lassen sich wegen der unterschiedlichen Erhebungsart nicht mit denen der Studie von 2000 vergleichen. 2000 waren diese persönlichen Kosten auf rund 4,2 Milliarden Franken geschätzt worden. 2010 wurden diese Kosten nicht erhoben. Weitere Kosten für die Volkswirtschaft etwa zulasten von IV oder Arbeitslosenversicherung blieben in beiden Studien unberücksichtigt.
Für die Stress-Studie 2010 wurden 1006 Personen in einer repräsentativen Erhebung befragt. Dabei handelte es sich um abhängige und selbstständige Erwerbstätige.
(laf/vst/sda)