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Text: Nissi Thapa, World Vision Nepal
Bis zur achten Klasse besuchte Bishnu die Schule in Nuwakot, einem Distrikt Mitten in Nepal. Dann konnten seine Eltern das Schulgeld nicht mehr bezahlen. «Ich arbeitete erst bei einem Schuster», erzählt er, «dann wurde ich auch noch Busfahrer und lieferte die Schuhe in die Läden aus.» Das Fahren gefiel ihm, aber weil nur in der Hauptstadt Kathmandu einigermassen angemessene Löhne bezahlt wurden, trieb ihn seine Arbeit in die Ferne. Seine Eltern sah er kaum mehr. Seine Familie sorgte sich um ihren einzigen Sohn und machte sich Vorwürfe, dass sie ihm kein Zuhause mit einer normalen Kindheit bieten konnte. Oft sahen sie ihn monatelang überhaupt nicht. Auch für Bishnu war das kein haltbarer Zustand und er suchte entschlossen nach einer Lösung.
Die Chance beim Schopf gepackt
Als er dann 2017 zuhause zu Besuch war, hörte er von einem Bagger-Workshop, den World Vision in Kooperation mit anderen Entwicklungsorganisationen im Distrikt anbot. Kurzerhand kündigte er seinen Job und nahm an dem dreimonatigen Training teil. Obgleich er während dieser Ausbildung kein Gehalt erhielt, blieb er zuversichtlich, dass sich sein Engagement auszahlen würde.
Und das tat es. Bishnu mauserte sich zu einem selbstbewussten und geschickten Maschinenführer, der gleichzeitig das Workshop-Netzwerk nutzte, um vor Ort Kontakte mit möglichen künftigen Arbeitgebern zu knüpfen. Schon bald stellte ihn ein Grubenbetreiber als Hilfskraft in einem Sandbergwerk ein – nicht allzu weit weg vom Haus seiner Familie. «Heute verdiene ich genauso viel wie damals als LKW-Fahrer in der Stadt», berichtet er erleichtert. Im Gegensatz zu früher, kann er nun aber sein ganzes Gehalt sparen, da Kost und Logis vom Arbeitgeber getragen werden.
Bishnu kann mit seinem Lohn inzwischen auch seine Eltern finanziell unterstützen. Die beiden sind einfache Bauern, die nach den Erdbeben 2015 ein 3000-Dollar-Darlehen aufnehmen mussten, um ihr komplett zerstörtes Haus neu zu errichten. Mit Hilfe ihres Sohns können nun die Raten zurückgezahlt werden, aber Bishnu will noch mehr. Er hofft auf eine Beförderung zum Baggerführer, um dann das gesamte Darlehen schnell tilgen zu können.
«Ich bin sehr glücklich, dass mein Sohn so nah bei uns arbeitet. So können wir ihn fast jede Woche sehen. Ich hoffe, dass er gut vorankommt», sagt seine Mutter Kamala (46).
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