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| Zeno von Verona (um 370) - Traktate (Predigten und Ansprachen)

Buch 1
Traktat XIV. Von der Auferstehung.
1.
Wer die Auferstehung leugnet, der fällt damit von selbst über sein eigenes Leben1 das Todesurteil. Warum sollte ein Mensch verdienen, die Glückseligkeit der Zukunft zu schauen, von dem man sieht, daß er in frevelhaftem Unglauben Gott seine Allmacht abspricht? Aber diejenigen, die das tun, tun es in Rücksicht auf ihre Freveltaten: sie glauben, daß dieselben ungestraft bleiben, weil sie dieselben im geheimen vollbringen. Würden sie ahnen, daß bereits der Tag des Gerichtes in seinem Kommen nahe sei, würden sie zweifellos die Dinge der Gegenwart hassen und die Dinge der Zukunft glauben und zugleich fürchten. Es gibt ja doch niemanden, der so wenig von der Weisheit dieser Welt gekostet hatte, daß er zu behaupten wagte, die Seele gehe zugleich mit dem Leibe unter, das Himmlische falle mit dem Irdischen dem Verderben anheim. Sagt doch der Weiseste der Griechen, es sei der Tod, wenn der Geist im Körper wie in einem Kerker eingeschlossen sei; und es sei das wahre Leben, wenn der Geist aus dieser Kerkerhaft befreit an den Ort zurückkehre, von dem er ausgegangen.2 Und wenn er so dachte, der Christus nicht gekannt; warum sollte der Christ zweifeln, der da hört, daß eine Auferstehung sein wird, der an sie glaubt, der im voraus mit Sicherheit annimmt, daß sie ihm von Christus bereitet sei? [S. 187]
1: Die Ballerini gaben den verdorbenen handschriftlichen Text: vitam suam sequemet ipse condemnat. Giuliani vitam suam et semetipse condemnat. Am wahrscheinlichsten ist wohl die in mehreren Handschriften vorliegende Lesart: vitam suam semetipse condemnat.
2: Plato kommt öfters auf die Unsterblichkeit der Seele zu sprechen, so im Phädon, im 10. Buch vom Staate usw. Zeno hat die Stelle wie auch die Erwähnung der Gegner der Unsterblichkeit im folgenden Kapitel Lactantius entnommen (Institutionum Hb. VII, c. 8f.).