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Was tun bei
Was bedeutet eine Instabilität und wie wirkt sich das auf meine Nackenschmerzen aus:
Was ist Stabilität?
Im Allgemeinen bedeutet Stabilität, dass sich ein System in einem Gleichgewicht befindet. Im menschlichen Körper bezieht sich die Gelenksstabilität auf die Fähigkeit eine Position oder Ausrichtung beizubehalten, während es Bewegungen ausführt oder Belastungen ausgesetzt ist. Ein Gelenk bleibt somit im Gleichgewicht, wenn es sich im physiologischen und anatomischen Bewegungsumfang bewegt (Panjabi, 1992).
Welche Faktoren beeinflussen die Stabilität des Nackens?
Die Stabilität eines Gelenks wird durch mehrere Faktoren beeinflusst und folgende drei Stabilisierungssysteme sind dabei primär wichtig :
Passives System: Dazu gehören Knochen, Bänder und Gelenkkapseln, die dem Gelenk strukturelle Stabilität verleihen. Die Bänder und Gelenkskapsel halten die Knochen in der richtigen Position und begrenzen die Bewegung des Gelenkes.
Aktives System: Hiermit sind Muskeln und Sehnen gemeint, die das Gelenk umgeben. Die Muskeln erzeugen Kraft und Spannung, um das Gelenk zu stabilisieren und die Bewegung zu kontrollieren. Die Koordination und Kontrolle dieser Nackenmuskeln ist enorm wichtig für eine gute Gelenkstabilität und sind hauptverantwortlich für eine stabile Halswirbelsäule. Bei Nackenschmerzen besteht häufig eine erhöhte Aktivität der oberflächlichen Muskeln, während die Aktivität der tiefliegenden Muskeln, abnimmt (O’Leary et al. 2009).
Neurale Kontrolle: Das Nervensystem liefert dauernd Informationen über die Position des Gelenks, die Spannung in den Muskeln und die Kräfte, die auf das gesamte Gelenk wirken. Diese sensorische Rückmeldung über die Haltung, Position und Bewegung des Kopfes beziehungsweise des Nackens ermöglicht eine durchgehende Anpassung der Muskelaktivität und trägt zur Stabilität des Gelenks bei. Diese Informationen werden in den Muskeln und Sehnen über die enthaltenen Spindeln (Propriozeptoren) beschaffen. Diese sogenannte Propriozeption ist ein Teil der Wahrnehmung und ist ein wichtiger Aspekt der Bewegungskontrolle (Baumeister et al., 2008).
FUN FACT: Die subokzipitale Muskulatur, die sich zwischen Schädel und Halswirbelsäule befindet, ist mitunter die kleinste Muskulatur im Nackenbereich und weist eine höhere Anzahl von Muskelspindeln (Propriozeptoren) pro Gramm auf, als andere grössere Muskeln der Halswirbelsäule (Liu et al. 2003).
Fazit: Das passive System muss durch das aktive System und die neurale Kontrolle unterstützen werden, um die Gelenkstabilität herzustellen!
Symptome einer Bewegungskontrolle:
Eine Funktionsstörung der drei Stabilisierungssysteme der Halswirbelsäule kann zu einer eingeschränkten Bewegungskontrolle und dazugehörenden Nackenschmerzen führen. Typische Symptome einer reduzierten Bewegungskontrolle sind (Cook et al. 2005):
- Unverträglichkeit von länger gehaltenen Positionen
- Müdigkeit und Unfähigkeit, den Kopf hochzuhalten
- Schwerer Kopf / Schwächegefühl im Nacken
- Nackenschmerzen und -verspannungen
- Symptomabnahme bei externer Unterstützung, einschliesslich Abstützen auf den Händen oder Tragen eines Kragens
- Häufiges Bedürfnis nach Selbstmanipulation
- Gefühl der Instabilität, des Zitterns oder der mangelnden Kontrolle
- Kopfschmerzen
Die Bewegungskontrolle der Halswirbelsäule kann bei Kopfbewegung beobachtet werden, insbesondere bei Bewegungen die Symptome auslösen oder verstärken. Beispielsweise kann eine zitternde oder verlangsamte stockende Bewegung des Nackens beim Überstrecken der Halswirbelsäule (nach oben zur Decke schauen) beobachtet werden. Auch ist es möglich, dass sich der Kopf unkontrolliert nach vorne bewegt, wenn man die Arme zum Beispiel über den Kopf bewegt oder länger nach vorne hält (O’Leary et al. 2009).
Ursachen für eine reduzierte Bewegungskontrolle:
Ursachen für Bewegungskontrolldysfunktionen können vielfältig und multifaktoriell sein. Dabei gibt es nicht immer einen klaren Auslöser dafür. Ein Trauma oder Verletzungen, wie zum Beispiel ein Schleudertrauma aber auch wiederkehrende nicht spezifische Nackenschmerzen, können eine Rolle bei der Entstehung einer Bewegungskontrolldysfunktion spielen (Elsig et al. 2014). Genau diese möglichen Faktoren, welche zu einer Dysfunktion geführt haben, werden in den physiotherapeutischen Konsultationen gemeinsam evaluiert und anschliessend fachgemäss behandelt.
Physiotherapeutische Interventionen:
Bevor es mit der Behandlung losgehen kann, ist zu Beginn jeder guten Therapie ein ausführliches Gespräch mit einer anschliessenden gründlichen Untersuchung notwendig. Nur so kann sich der zuständige Physiotherapeut ein klares Bild verschaffen und einen individuellen Behandlungsplan erstellen. In der Befundaufnahme enthalten sind spezielle Testungen für die Bewegungskontrolle der Halswirbelsäule und zusätzlich zur Erstkonsultation (Anamnese und Befundaufnahme) gehört unter anderem auch das Ausfüllen von einem spezifischen Fragebogen bezüglich den Nackenschmerzen. Erst wenn alle wichtigen Fragen gestellt und Tests durchgeführt wurden, kann die physiotherapeutische Behandlung beginnen.
Die Literatur zeigt, dass bei einer Bewegungskontrolldysfunktion ein aktives Training empfehlenswert ist (O’Leary et al. 2009). Zu dieser Behandlungsstrategie gehören sensomotorische Übungen zur Verbesserung der Bewegungskontrolle und Training (Aktivierung und Kräftigung) der tiefen Nackenflexoren. Werden die patientenspezifischen Symptome richtig eingeordnet und anschliessend mit den evidenzbasierten physiotherapeutischen Interventionen behandelt, ist die Prognose dieser Art von Nackenschmerzen gut.