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Wirtschaft
Nach der grossen Rodung und dem Entstehen der Siedlungen betrieben die Bauern die alemannische Dreifelderwirtschaft. Es gab kaum Wiesen, weshalb der normale Bauer nur eine Kuh durchfüttern konnte. Ochsen zogen den Pflug oder die Karren. Bauern hatten keine Pferde. Butter wurde von den Appenzellern geliefert, die dafür Most nach Hause trugen. Nebst dem Ackerbau hatte der Obstbau schon früh seine Bedeutung. Waren die ersten Hochstämmer in der Nähe des Hofes, so dehnten sie sich immer weiter in die Felder hinaus. Es entstanden richtige Obstwälder, was dem Oberthurgau den Namen ‚Mostindien’ eintrug. Es ist kein Fehler, wenn im Egnacher Wappen die Birnen abgebildet sind. Sie waren über Jahrhunderte in der Überzahl. Aus den Birnen presste man Most, man dörrte die Schnitze, welche im Winter einen unentbehrlichen Notvorrat im ‚Schnitztrog’ bildeten, und weiters kocht man Birnen zu ‚Birnel’ ein, das war damals der einzige Süssstoff, bevor der heutige weisse Zucker in Gebrauch kam. Eine der berühmtesten Birnen lösten um 1900 den Begriff ‚Gelbmöstler Euphorie’ aus. Viele Bauern aber konnten von der Landwirtschaft allein nicht leben und verbesserten ihr Einkommen mit Weben. Auf den Flachs- und Hanfpünten wuchs, was sie nachher zu Leintüchern verwoben und nach Arbon oder St.Gallen lieferten. Weit berühmt war diese St.Galler Leinwand – die eben auch ‚Made in Egnach’ war. Sogar in der alten Kapelle Erdhausen klapperten nach der Auflösung von 1839 die Webstühle. Die Baumwolle brachte dann den Niedergang der Leinenweberei, und mit Beginn des weltweiten Stickereibooms wechselten die Weber zum Sticken. Kleine Anbauten an alten Häusern verraten heute noch, dass hier ein Sticklokal war. Mitten im Dorf Neukirch wurde eine ganze Kolonie von Stickerhäuschen gebaut. Die fertige Ware wurde als St.Galler Stickerei in alle Welt geschickt. Der Niedergang kam aber rasant mit dem ersten Weltkrieg. Nicht alle Bauern wandten sich der Textilbranche zu. Nahe dem See lebte eine ganze Anzahl von Fischern, die mit der Landwirtschaft zusammen ihr Auskommen hatten. Bis heute sind sie geblieben.
Die Landwirtschaft aber erlebte gewaltige Umwälzungen. Die erste wurde ausgelöst durch die katastrophale Hungersnot von 1816, weil die ganze Ernte ausfiel. Da begriffen die ausgezehrten Menschen, dass die Kartoffel mehr war als Schweinefutter und begannen sie fortan selber zu essen. Es war das langsame Ende der Ära ‚Habermus’, welches über Jahrhunderte die Hauptnahrung der Bauern gewesen war. Der Ackerbau ging in den 1850-er Jahren massiv zurück. Mit dem neuen Eisenbahnnetz quer durch Europa kam nämlich billigstes Getreide aus den Weiten von Ungarn und Russland in die Schweiz, und so brach der eigene Markt völlig zusammen. Gleichzeitig wanderten tausende von Bernern in den Thurgau ein, weil viele Höfe von verarmten Bauern billig zu haben waren. Die Bernern aber brachten die ‚Sennhütte’ – die Verarbeitung von Milch zu Käse. Es begann die Zeit der Milchwirtschaft, die bis heute geblieben ist. Aus Äckern wurden mehr und mehr Wiesen; die Bauern legten sich mehr Kühe zu und bekamen dank des Milchzahltags feste Einkommen. Allerdings mussten nun Scheunen für das Heu – die Winterfütterung, und grössere Ställe gebaut werden. So veränderte sich schon damals das Landschaftbild sehr stark. Das Umstellen von Hochstammanlagen auf Niederstamm-Kulturen mit den Netzen hat ebenfalls eine neues Bild geprägt und die Produktion von Gemüse oder Beeren in Gewächshäusern tragen das ihrige dazu bei.