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Zum 31.12.1990 hatte die Regierung des »Einheitskanzlers« Helmut Kohl (CDU) unter Bruch des Einigungsvertrages alle Abkommen der DDR mit Kuba gekündigt, darunter einen Vertrag über die jährliche Lieferung von 24000 Tonnen Milchpulver. Die Sieger im Kalten Krieg waren guter Laune, in den Medien häuften sich Abgesänge auf den Sozialismus in der Karibik.
Die Forderung nach Einhaltung der Verträge führte viele Kuba-Freunde in Berlin zusammen, sie hatten die Idee zu der Initiative »Milch für Kubas Kinder«: Die Resonanz im Sommer 1991 war überwältigend – es mußte eine organisatorische Struktur her. Sie wurde von der PDS mit deren Arbeitsgemeinschaft Cuba Sí gefunden, die sich am 23. Juli jenes Jahres konstituierte. Es warteten riesige Aufgaben. Das waren z.B. die Kampagne »Kuba muß überleben«, die bis heute jährlich tonnenweise Sachspenden und gekaufte Güter per Schiff auf die Insel bringt – Busse, Mähdrescher, Computer, Krankenwagen und vieles mehr für Schulen, Kliniken, Bibliotheken oder Universitäten. Cuba Sí organisiert Workcamps und den kubanisch-deutschen Austausch von Fachleuten, unterstützt das deutsche Büro der Nachrichtenagentur Prensa Latina und durchbrach zusammen mit jW und vielen Verlagen den Boykott der Internationalen Buchmesse Havanna durch die BRD, die 2004 dort Gastland sein sollte, ist Mitveranstalter der Rosa-Luxemburg-Konferenz und, und, und. Vor allem aber: Seit dem 1. Januar 1993 hat diese nun bundesweit in vielen Gruppen tätige Initiative der Partei Die Linke elf landwirtschaftliche Projekte auf Kuba betreut. Das Ziel: Mit Hilfe von Wissenschaftlern und der Tatkraft der Kubanischen Vereinigung für Tierproduktion (ACAP) mehr Milch auf Kuba selbst zu produzieren – einschließlich Bau von Wohnungen, Sanierung von Schulen usw. Und das in einem subtropischen Land, das mit Dürren und Tropenstürmen zu kämpfen hat. Wer jemals eine der Siedlungen besuchte, die um eine von Cuba Sí betreute »Vaquería« entstanden sind, weiß: Es gibt keine Wunder, aber Wunderbares – trotz übler Rückschläge, trotz des frühen Todes von Mitbegründern wie Marion Berger und Reinhard Thiele, von Menschen, die soviel angeschoben und so viele begeistert haben.
Um den 26. Juli herum, dem Tag der kubanischen Revolution, feiert Cuba Sí zusammen mit Freunden von der Insel und aus aller Welt die Fiesta de Solidaridad. Es sind Tausende, die zu diesem Anlaß die Parkaue in Berlin-Lichtenberg besuchen. Das war am 23. Juli 2011 wieder so: Ein 20. Geburtstag, der mit Stolz begangen wurde. Compañeras und Compañeros, ihr habt Großartiges geleistet.
junge welt
30. Juli 2011