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Eine kurze Geschichte des Liberalismus
Von Ludwig XIV. bis Frédéric Bastiat am jüngsten Gesprächskreis an der Universität Zürich.
Am Liberalen Gesprächskreis vom 14. November an der Universität Zürich unter Mitwirkung von Prof. Christoph Frei, Titularprofessor für Politikwissenschaften mit besonderer Berücksichtigung der internationalen Beziehungen an der Universität St. Gallen, diskutierten rund 35 Personen in einem durchmischten Publikum während fast drei Stunden intensiv über die Grundlagen der liberalen Geistestradition.
Geschichte des Liberalimus
Ausgehend vom absolutistischen Barock, insbesondere vom französichen Barock unter Ludwig XIV. («der 1. Diener des Staates» und im Weiteren sind alle Bürger ebenfalls Diener), und vom Wirtschaftssystem des Merkantilismus berichtete Prof. Frei von unzähligen Beispielen staatlicher Interventionen und Eingriffe ins Privatleben seiner Bürger, z.B. von Kleiderordnungen und von der «öffentlichen» Gesundheit des Menschenkörpers, welche der «Policey-Staat» in seinen tausenden Regularien erfasste. Über Denker wie u.a. Hobbes, Kant, Locke, Pufendorf, Smith («peace, easy taxes and tolerable justice») und Mill rollte Frei die Geschichte des Liberalismus auf. Der Liberalismus sei ein Kind der Aufklärung. Weiter gebe es nicht den Liberalismus, sondern mehrere unterschiedlich geartete «Liberalismen». Der schottische Liberalismus sei nicht vergleichbar mit dem französischen, sofern es ihn denn gebe.
Frei zeigte den Aufstieg des Liberalismus auf, welcher die Verfassungen der Nationalstaaten im 19. und 20. Jahrhundert geprägt hat. Erst dank der «rule of law», der Gewaltenteilung, der Gewährleistung der Menschenrechte (insbesondere Abschaffung der Sklaverei), dem Verhältnismässigkeitsprinzip und der Machtbeteiligung durch das Volk sei die offene Gesellschaft ein erreichbares Ziel geworden. Unter diesen Vorsätzen konnte sodann auch der Wohlstand gedeihen, für alle Menschen, nur nicht für alle in der gleichen Geschwindigkeit. Unter der Oberfläche brodelte es darum schon länger: Tendenzen wie Anti-Rationalismus, Kriegsfreude, Eugenik, Protektionismus und Sozialismus fanden verstärkt ihren Weg in die Politik und in die Köpfe der Menschen zurück. Der Liberalismus sei, so Frei, nach einer 100-jährigen Erfolgsgeschichte zu satt und selbstgefällig gewesen, um auf diese Strömungen reagieren zu können. Trotzdem konnte der Liberalismus gewisse Erfolge noch nach dem Zweiten Weltkrieg feiern, so z.B. die Freihandelsabkommen des GATT. Heute habe der Liberalismus keine Einheit und keinen Kern mehr, denn jeder - leider - nenne sich heute «liberal», sogar die sozialdemokratischen Parteien. Umso mehr lohnt es sich, sich auf die Kernelemente des klassischen Liberalimus zurückzubesinnen.
Vor allem das Verhältnis zwischen Demokratie und Liberalismus warf unter den Zuhörerinnen und Zuhörern einige Fragen auf. Auch die Demokratie, so Frei, berge die Gefahr, dass eine Mehrheit ihre Meinungen eines «gerechten» Staates der Minderheit aufzwinge. Gegen Zwang spreche sich aber der Liberalismus klar ablehnend aus.
Bastiats «La Loi»
In einem zweiten Teil befasste sich das Publikum mit Frédéric Bastiats «La Loi», eine den klassichen Liberalismus verkörpernde Streitschrift aus dem 19. Jahrhundert. Bastiat war Unternehmer, der gegen den französischen Zentralstaat und seine Protektionismen kämpfte. Als Autodiktat befasste er sich selbständig mit Werken zur Staatsökonomie und -philosophie. Seine Vorbilder fand er im Manchesterliberalismus unter Cobden und Bright und sein Staatsideal entdeckte er im damaligen Amerika, wie es sich unter den jungen Kolonien zu Beginn des 19. Jahrhunderts darstellte. Bastiats Menschenbild war ein Geteiltes: Einerseits sah er die von Gott gegebenen Vorzüge des Menschen, mit seinen Händen etwas zu erschaffen, andererseits erkannte er auch die Gefahren eines zu mächtigen Sozialstaates, in dem die Menschen auf Kosten der anderen (vor allem der Minderheiten) leben würden. Die Gefahr geht im Wohlfahrtsstaat vor allem von denen aus, die von «dummen Neid» erfüllt oder einer «falschen Menschenliebe» erlegen sind. Denn, wer weiss schon, was dem einzelnen Bürger gut tut.
15. November 2012