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Hanmer Springs
Unser nächstes Ziel ist ein Teilstück des State Highway 6, das von Westport bis zum Fox Glacier führt und immer wieder spektakulär entlang dem Meer verläuft. Es ist eine der schönsten Küstenstrassen der Welt. Das heisst, wir müssen die Südinsel von Osten nach Westen durchqueren.
Wir fahren von Kaikoura entlang der S1 nach Süden. Auch diese Strasse hat tolle Ausblicke auf das Meer. Nach Cheviot nehmen die S7, die uns über den Lewis Pass ins 300 Kilometer entfernte Westport führt. Auf dem Weg dorthin übernachten wir in Hanmer Springs. Wir geniessen spektakuläre Ausblicke auf eine Hügelkette namens Hanmer Range. Diese eindrückliche Hügellandschaft wird uns auch noch am nächsten Tag begleiten.
1859 fand ein Farmer am Rande der Berge Quellen, aus denen lauwarmes bis heisses Wasser floss. Um Zugang zu dem unzugänglichen Gebiet zu schaffen, wurde 1864 die Waiau Ferry Bridge errichtet (siehe Titelbild des Posts). Es wurde ein Sanatorium gebaut, das dann insbesondere nach dem 1. Weltkrieg Heimkehrern zur Pflege und Gesundung diente. Heute steht an dieser Stelle ein grosses Fun Bad. Hanmer kommt mir im Vergleich zu Queenstown ein bisschen vor, wie Gstaad im Verhältnis zu St. Moritz, alles etwas geruhsamer. Von hier aus können im Sommer Hiking Touren in alle Himmelsrichtungen unternommen werden und im Winter ist auch Skifahren möglich.
Uns zieht es natürlich zuerst auf den Golfplatz. Surprise, wir werden auf Schweizerdeutsch angesprochen. Kathie ist vor 19 Jahren mit ihrem Mann auf einer Radtour durch Neuseeland im Hotelgewerbe hängen geblieben. Nun hat sie Familie und vier Kinder und (wie sie sagt) eine Hypothek, sprich ein Haus in Hanmer Springs. Ihren Sohn Thomas lernen wir nach dem Spiel auch noch kennen. Er ist ein aufgewecktes sympathisches Kerlchen, erzählt uns aus der Schule und dem Leben. Eigentlich sollte er seiner Mutter beim Vorbereiten der Preisverleihung einer Ladys Competition helfen. So schicken wir ihn nach etwa 10 Minuten wieder weg. Wir verabschieden uns und fahren ins Hotel.
Es folgt eine weitere Überraschung. Ruedi hat etwas ausserhalb von Hanmer Springs ein grosszügiges (ca. 60 m2) grosses Hotelzimmer, eine Spa Suite, zu einem Spotpreis gebucht. Also lassen wir Wasser ins Spa ein und pflegen unsere müden Muskeln. Das Essen im hauseigenen Restaurant ist ausgezeichnet, aber der Service lässt zu Wünschen übrig. Wir stellen ein weiteres Mal fest, dass die Mitarbeiter nicht wirklich ausgebildet sind. Es fehlt überall an qualifiziertem Personal. Viele Jobs werden temporär von Reisenden erledigt, die so ihre Reise finanzieren können.
Am nächsten Tag schauen wir uns im Dorf um und bedauern, dass wir nicht mehr Zeit eingeplant haben. Hier könnte man sich gut noch etwas verweilen. Wir müssen weiter nach Westport zum Cape Foulwind. Dort gibt es eine Robbenkolonie und einen schönen Spazierweg auf den Klippen entlang der Küste. Der Weg ist von Holcim gesponsert, von der Firma sieht man aber nur noch ein altes und leeres Fabrikgebäude. Sie scheint sich aus der Region zurückgezogen zu haben. Die Fahrt zum Cape Foulwind dauert etwa vier Stunden. Wir sehen uns die Robbenkolonie an und ich mache auf den Weg entlang der Klippen. Kurz vor dem Lighthouse am Ende des Spaziergangs kommt mir Ruedi entgegen. Er ist mit dem Auto zurückgefahren, um mich abzuholen. Beim anschliessenden Nachtessen treffen wir Kanadier, welche im gleichen Motel abgestiegen sind und unterhalten uns über das Reisen.
Am nächsten Morgen bietet das Motel ein Frühstück an, das ist in Neuseeland nicht üblich. Wir alle sitzen einem Tisch. Es werden Erlebnisse ausgetauscht. Ein italienisches Pärchen aus Padua erzählt, sie hätten eine Busse von NZ$ 150 erhalten, weil sie zu wenig schnell gefahren seien. Unglaublich, tönt nach Mafiosi. Se non e vero e bem trovato. Der Besitzer des Motels winkt ab und meint: Passt die Geschwindigkeit den jeweiligen Strassenverhältnissen an, dann ist alles ok. Dies erinnert mich an Hinweistafeln entlang den neuseeländischen Highways: « You will be a long time dead!» «Whats the hurry?»
Silvia