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"Eine schwere Rezession sehen wir in der Schweiz im Moment nicht", sagte Eric Scheidegger, der Leiter der Direktion für Wirtschaftspolitik beim Seco, in einem Interview mit dem "Tages-Anzeiger" vom Samstag.
"Wir sehen weltweit eine klare Konjunkturverlangsamung. In diesem Umfeld ist ein deutlich schwächeres Wachstum zu erwarten, und auch eine so genannte technische Rezession nicht ausgeschlossen", sagte Scheidegger weiter. Darunter verstehe man einen leichten Rückgang der Wirtschaftsleistung in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen.
"Technische Rezessionen sind im Alltag kaum spürbar, weil die Beschäftigungsentwicklung in der Regel nicht davon betroffen ist", sagte Scheidegger.
Deutschland sei aufgrund der schwachen Industrieproduktion im zweiten Quartal leicht geschrumpft. Die Schweiz eng an die deutsche Wirtschaftsentwicklung gekoppelt. "Wir gehen dieses Jahr für die Schweiz von einer deutlichen Abschwächung des Wachstums aus und erwarten 1,2 Prozent statt wie letztes Jahr über 2,5 Prozent Wachstum", sagte Scheidegger.
Stimmung in Industrie deutlich schlechter
Aber die Weltlage habe sich auch ausserhalb von Deutschland verschlechtert. "Die Stimmungslage in unserer Industrie habe sich deshalb seit Jahresbeginn deutlich verschlechtert", sagte Scheidegger.
Zur Verteuerung des Frankens sagte Scheidegger, dass gegenüber dem Euro die psychologisch wichtige Grenze von 1,10 Franken unterschritten worden sei. "Aber handelsgewichtet und bereinigt um die Preisentwicklung liegt er auf dem Niveau von vor der Eurokrise", sagte Scheidegger.
Die Exportwirtschaft habe sich im letzten Jahrzehnt gegenüber dem Euro diversifiziert und verstärkt Märkte ausserhalb der EU erschlossen, zum Beispiel in den USA oder in Asien. "In diesen Regionen entwickeln sich die Währungsverhältnisse weniger zuungunsten der Schweizer Exporteure, sage Scheidegger.
Beschleunigung im 2020
Beim privaten Konsum gebe es seit längerem eine Zurückhaltung. Die Verbraucher seien zwar hinsichtlich der Wirtschaftsentwicklung eher zuversichtlich, würden sich aber mit grösseren Anschaffungen zurückhalten, sagte Scheidegger.
Grund dafür sei die nur moderate Lohnentwicklung in den letzten zwei Jahren. Mit gleichzeitig anziehender Teuerung etwa durch steigende Benzinpreise verringere sich die Kaufkraft der Konsumenten.
Für das nächste Jahr rechnet das Seco wieder mit einer gewissen Erholung. "Wenn die Weltkonjunktur auf Ende Jahr anzieht, gibt das Impulse für den Aussenhandel der Schweiz." Gleichzeitig erhole sich die Investitionstätigkeit, und die Beschäftigung ziehe weiter an. "Deshalb rechnen wir vorerst mit einem Wachstum von 1,7 Prozent im nächsten Jahr, was etwa dem langjährigen Durchschnitt entspricht", sagte Scheidegger.
(AWP)