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Im Sommer 1978 wurde der Nautik-Direktor der Stadt Cannes Jean-Pierre Odéro, ein echter Segler mit viel Sinn für Ethik und Etikette, der sich selbst gerne als „kleinen Stadtbeamten“ bezeichnete, von der Stadtverwaltung gebeten, für das von ihm initiierte erste Festival der Freizeit seglerei ein Rahmenprogramm zusammenzustellen. Odéro überlegte nicht lange und schlug vor, die Régates Royales mit den beiden Meterklassen, den Sechsern und den Achtern, wiederzubeleben. Er hätte den Zeitpunkt nicht besser treffen können. Pierrot Lambert und Philippe Monet, die drei Jahre zuvor aus der Alpenstadt Grenoble ans Meer gezogen waren, hatten den Yacht Club de Cannes und Jean-Pierre Odéro angefragt, ob es möglich sei einen Regattakurs auszulegen und ihnen eine Jury zur Verfügung zu stellen. Monnet hatte gerade die Restaurations arbeiten an der als Wrack gefundenen 8-Meter-Yacht Mykonos fertig gestellt und fühlte sich bereit, auf dem Wasser die Klingen zu kreuzen. Bereits im Jahr darauf bestand die Flotte aus elf Booten: Zu den drei 8mR und der einzigen 6mR hatten sich sieben weitere Boote aus der Schweiz, aus Schweden und aus den USA gesellt.
Die Anfänge
Cannes und die Meterklassen können auf eine lange gemeinsame Geschichte zurückblicken. Sie begann mit Anémone II, der einzigen französischen 15-Meter-Yacht in der Ge schichte des Segelsports. Anémone II wurde 1909 im Auftrag des berühmten Samen händlers und Präsidenten der Société des Régates de Cannes Philippe de Vilmorin eingewassert. Jean-Pierre Odéro lag mit seiner Idee, die Régates Royales wieder aufleben zu lassen, zwar goldrichtig, hatte aber doch grosse Mühe sie durchzusetzen. Er hatte das Gefühl, dass man ihn im Stich liess. Trotz dem scheute er keine Mühen, um Sponsoren zu finden und das Medieninteresse zu wecken. 1985 bestritten 39 der ehemaligen Gitana. Auch 1993 und 1997 fand der World Cup in Cannes statt. 1986 waren die 8-Meter-Yachten an der Reihe, in Cannes ihren Welt meistertitel auszufechten. Odéro überzeugte Edmond de Rothschild, sich dafür vom lokalen Boots designer Jacques Fauroux eine 8mR bauen zu lassen. Doch einmal mehr holte sich Philippe Durr, diesmal allerdings an Bord der Gitana Sixty, den Titel. Im gleichen Jahr beschloss die Société Nautique de Genève ihre Meeres regatten im Rahmen der Régates Royales durchzuführen. Die Drachen machten Cannes zu ihrer südeuropäischen Hauptstadt. 1991 und 2000 erreichte die Drachen-Flotte mit 72 Ein heiten aus zwölf Ländern Rekordzahlen. bereits in den Dreissigern die Regatten in Cannes gewonnen hatte, jedes Jahr in der letzten Septemberwoche die schönsten Yachten der Welt in Cannes ein. Der Yacht Club de France hatte die Schirmherrschaft über die bis zur berühmten Niolargue führende Regatta Cannes-Saint-Tropez übernommen. Und plötzlich stand der Segelanlass im Rampenlicht. Seit zwei Jahren ist der Uhrenmacher Panerai als Hauptsponsor mit dabei. Die von ihm eingeführte Panerai Classic Yachts Challenge vereint mehrere Klassikertreffen zu einer Mittelmeertour. Dieses Jahr sind sogar eine Station in Antigua und eine an der amerikanischen Westküste hinzugekommen. Dabei erdrückt Panerai den Event nicht, sondern setzt sich vielmehr dafür ein, ihn international bekannt zu machen. Und es funktioniert!
2008: Meisterwerke fordern die Zeit heraus
Dieses Jahr wurden die drei Läufe der Régates Royales von zwei nach Plänen von Herreshoff gebauten Yachten dominiert: dem Gaffelschoner Mariette mit Baujahr 1915, 4 m lang und bereits mit einem Stahlrumpf ausgestattet, und der 14-Meter-Yacht Oriole aus der 1905 von den Mitgliedern des New York Yacht Club gegründeten Einheitsklasse NY11. Insgesamt waren zehn hundert jährige Yachten in Cannes, unverwüstlich und sorgfältig gepflegt! Zu den beiden von der Société Nautique de Genève organisierten Regatten hatten sich 18 Boote eingefunden. Am Montag stand die Umsegelung der Lérins-Inseln, die vom Yacht Club de Cannes und dem Cercle de la Voile gemeinsam organisiert wurde, auf dem Programm. Am Dienstag folgte dann die erste Wettfahrt der Régates Royales. Die Flotte bestand aus sechs 6mR, fünf Toucan, zwei 12mR, vier Super Tofinou und der Alalunga, einer nach Plänen von Vaton gebauten Yacht und der einzigen Vertreterin der Open-Einheitsklasse. Besonders hervorzuheben ist das hervorragende Resultat der Cigogne, einem 1941 von Henri Copponex entworfenen Schärenkreuzer mit einer Länge von 12,84 m. Er fuhr in der stark besetzten Kategorie der „Epoque Marconi C“, in der er gegen Amorita, Havsornen, Cholita und fünf 8mR-Traditionsyachten antrat, auf den 11. Rang. Auf einem anderen Achter, der Safir, kam es leider zu einem tödlichen Unfall. Deren britischer Eigner Wilfrid Tolhurst wurde an der Regatta vom Dienstag von einem fallenden Mast, der beim Zusammenstoss mit der Herreshoff-Yacht Rowdy aus dem Jahr 1916 beschädigt worden war, getroffen. Seine Familie wünschte, dass die Regatten in Rücksicht auf die Leidenschaft des Verstorbenen weitergeführt wurden. Ein typisch britisches Verhalten, dass unseren ganzen Respekt verdient.
In der internationalen Segelszene wurden die „Royales“ immer populärer. 1991 sorgte die Amerikanerin Elizabeth Meyer für Aufruhr, als sie mit ihrer J-Class-Yacht Endeavour, deren Restauration zehn Jahre lang gedauert und fast ihr ganzes von Kodak geerbtes Vermögen gefischluckt hatte, in Cannes aufkreuzte und damit den Weg für die Traditionsyachten ebnete. In diese Zeit fiel auch die erste Teilnahme der unter der Flagge des Yacht Clubs de Monaco segelnden 15mR von Prinz Albert. Sie war vom Schweizer Oldtimer-Sammler Albert Obrist in der eigens dafür eröffneten Werft Fairlie Restorations in Gosport restauriert worden. Auch Eric Tabarly war der Einladung des Yacht Club de Monaco an die erste Monaco Classic Week gefolgt, hatte allerdings die Bedingung gestellt, dass er auf seiner Pen Duick den ganzen Parcours von Imperia bis nach St. Tropez segeln dürfe. Seither finden sich mit den Dreimastern Creole, Adix und Shenandoah, dem Schoner Orion, dem Racer Candida und dem Gaffelkutter Moonbeam III, der als Elbis