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Die ökonomische Theorie besagt, dass wir am meisten zur Gesellschaft und zur Welt beitragen, wenn wir uns lediglich darauf konzentrieren, das Maximum für uns selber zu erwirtschaften. Wenn wir das Maximum für uns selbst erwirtschaften, dann erhalten zuletzt alle ihr Maximum. Auch wenn wir eifrig diesem Grundsatz folgen, so regen sich manchmal Zweifel in uns, ob wir wirklich das Richtige tun. Doch ignorieren wir diese Zweifel für gewöhnlich und sagen, dass das, was falsch läuft, das Resultat von «Marktversagen» sei; gut funktionierende Märkte können keine schlechten Resultate hervorbringen.
Ich glaube nicht, dass die Probleme dieser Welt das Resultat von «Marktversagen» sind. Märkte sind in der Tat eine gute und effiziente Institution zur Erreichung unserer Ziele. Die Ursachen der Probleme reichen tiefer. Wir sollten unerschrocken sein und einsehen, dass sie das Resultat eines «Theorieversagens» darstellen. Genauer gesagt ist es das Versagen unserer Theorien, die das tatsächliche Wesen des Menschen in unseren Modellen nicht berücksichtigen. Normale Menschen sind nicht eindimensionale Entitäten, sie sind erstaunlich multidimen-sional und bunt. Ihre Emotionen, Überzeugungen, Prioritäten und Verhaltensmuster sind so vielschichtig und vielfältig wie die Grundfarben und die Millionen der von ihnen geschaffenen Farben und Schattierungen.
Soziales Profitdenken
Nehmen wir der Einfachheit halber einmal an, dass es zwei Typen von Menschen gibt. Beide Typen sind eindimensional, verfolgen aber unterschiedliche Ziele. Typ eins ist der bekannte, also der profitmaximierende Mensch. Typ zwei hat kein Interesse an Profitmaximierung. Vertreter des zweiten Typs setzen sich dafür ein, ihren Beitrag zu dem zu leisten, was sie unter einer besseren Welt verstehen. Sie sind durch soziale Ziele angetrieben. Sie wollen anderen Menschen zu besseren Lebensaussichten verhelfen. Sie wollen ihr Ziel erreichen, indem sie Unternehmen schaffen oder unterstützen, die sich solche Aufgaben auf die Fahne geschrieben haben. Diese Unternehmen machen vielleicht Profit, vielleicht machen sie aber auch keinen. Doch ebenso wenig wie jedes andere Unternehmen dürfen diese Unternehmen Verlust schreiben. Diese Menschen schaffen also eine neue Klasse von Unternehmen, die wir «Nichtverlustunternehmen» nennen können.
Gibt es Menschen des zweiten Typs in der wirklichen Welt? Ja, es gibt sie. Wir alle kennen «Gutmenschen». Dieser Begriff hat für mich – ungeachtet anderer vorherrschender Konnotationen – einen positiven Klang. Ich habe Achtung vor Menschen, die von sich aus Gutes tun. Deshalb schlage ich vor, «Gutmenschen» in der Wirtschaft als «soziale Unternehmer» zu bezeichnen.
Das soziale Unternehmertum spielte historisch schon immer eine bedeutende Rolle. Viele Menschen erfreuten und erfreuen sich daran, anderen Menschen zu helfen. Alle Religionen regen zu solchem Verhalten an. Staaten fördern die Initia-tiven solcher Menschen durch Steuererleichterungen.Und es werden spezielle rechtliche Institu-tionen geschaffen, die es sozialen Unternehmern erlauben, ihre Ziele in einem geregelten Rahmen zu verfolgen.
Während viele Menschen ihre Zeit, ihre Arbeit, ihr Talent, ihr Geschick oder sonstige Dinge verschenken, um anderen Menschen…