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Beschäftigt man sich mit Hunden, gibt es kein Entrinnen vor Begriffen wie „dominant“, „Rudelführer“, „Alphatier“. Haben Sie sich, liebe Leserin/lieber Leser, auch schon anhören dürfen, Ihr Hund sei „dominant“ oder Sie müssten endlich Ihre Rolle als „Rudelführer“ wahrnehmen? Ich durfte diese Erfahrung sammeln als mein Hund Ashkii gerade mal zarte 7 Monate alt war. Stellen Sie sich einen abgemagerten und unsicheren Welpen vor und betiteln Sie diesen nun als dominant. Das will Ihnen nicht so recht einleuchten? Nun, mir ging es genauso.
Um das angebliche "Streben aller Hunde nach der Weltherrschaft" zu unterbinden, kursieren in der Hundewelt mehr oder weniger skurrile Tipps, die das menschliche Alphatier um jeden Preis befolgen soll. Kommt Ihnen etwas davon bekannt vor?
Einige dieser Vorschläge mögen vielen Hundehaltern ein Schmunzeln abgewinnen. Im Namen des „Alphastatus“ bedienen sich gewisse Hundehalter und Trainer jedoch Methoden, die im Zusammenleben mit Hunden keinen Platz haben dürfen. So beispielsweise der sogenannte „Alphawurf“, das Nackenschütteln , das Einfordern eines „Kadavergehorsams“ um jeden Preis, das systematische Ignorieren oder sogar Wegschliessen des Hundes.
Beginnt man an der Oberfläche zu kratzen und die oben genannten Begriffe genauer zu analysieren und sich mit den neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu befassen, wird schnell klar, dass der
Rudelführer Mensch nur ein Mythos sein kann. Ein Rudel ist aus wissenschaftlicher Sicht ein Familienverband, der sich aus Elterntieren und deren Nachkommen zusammensetzt. Da der Hund einer
anderen Art angehört und schon gar nicht unser Nachkomme ist, sind wir also kein Rudel. Wie sollen wir also zum dominanten Rudelführer werden, wenn es gar kein Rudel zu dominieren gibt?
Wie konnte es aber zu diesem Missverständnis mit der Bezeichnug „Dominanztheorie“ kommen?
Eine wichtige Grundlage für die Verbreitung der populären "Dominanztheorie" war eine Studie über Wölfe von David Mech, die er in seinem Buch "The Wolf: Ecology and Behavior of an Endangered Species", welches er 1968 geschrieben und 1970 erstmals veröffentlicht hat.
David Mech versucht seit Jahren - bislang leider vergeblich - die weitere Verbreitung seines selbst als Fehlers erkannten Beitrags zur "Dominanztheorie" zu stoppen. Laut Mech ist das Konzept des "Alpha Wolfs" - welche beinhaltet, dass die Individuen eines Rudels ständig untereinander und miteinander konkurrieren, um selbst "Alpha" zu werden - schlicht und ergreifend falsch.
Die seinerzeit gemachten Beobachtungen wurden an einzeln gefangenen Wolfs-Individuen, die man wahllos in räumlich begrenzte Gehege gesperrt hatte, und die keinerlei verwandtschaftlichen Beziehungen zueinander hatten, gemacht worden, und niemals an freilebenden Wolfsrudeln. Freilebende Wolfsrudel sind aber - im Gegensatz zu den beobachteten Gehegewölfen - immer auch Familienverbände, die aus den beiden Elterntieren und ihrem Nachwuchs aus mehreren Jahren bestehen. Natürlich übernehmen die Elterntiere die Verantwortung für Ihren Nachwuchs. Alles andere wäre auch unsinnig. Gerne vergessen die Befürworter der "Rudelführertheorie", dass zu einer Führungsposition, bzw. Elternschaft, auch Pflichten gehören. Sicherheit, Vertrauen, Schutz, Sicherung der Grundbedürfnisse sind nur einige Beispiele, die zu einer guten Führung bzw. Elternschaft gehören!
Angesicht dieser Tatsachen sollten wir also anfangen Hunde als das zu sehen was sie sind: wunderbare Geschöpfe, die unser Leben bereichern und mit uns in Harmonie leben möchten.
Wir, liebe Leserin/lieber Leser, haben die Wahl, ob unser Zusammenleben mit Hunden von Angst und Kontrolle oder von Achtung und Verständnis geprägt sein soll.
Es gibt einen anderen Weg, es liegt an uns ihn zu gehen.
Quellen:
Eaton, Barry; Dominanz – Tatsache oder fixe Idee?; Animal Learn
Mech, L. David; Alpha-Status, Dominanz und Arbeitsteilung in Wolfsrudeln (Canis lupus); Canadian Journal of Zoology (1999) 77: 1196-1203.
Wikipedia (Beiträge zu Rangordnung, Alpha-Tier, Dominanz)