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Eines Tages verlässt William «D-Fens» Foster frustriert sein im Stau stecken gebliebenes Auto und hinterlässt eine Spur der Verwüstung in Downtown L.A.; da er um jeden Preis den Geburtstag seiner kleinen Tochter mitfeiern will, haben all jene Leute Pech, die ihm gewollt oder ungewollt in die Quere kommen. Es ist schliesslich der kurz vor seiner Pensionierung stehende Detective Prendergast (Robert Duvall), der Fosters Absichten erkennt und ihn als einziger noch rechtzeitig stoppen kann.
Nicht wenige dürften wie ich der Ansicht sein, dass Falling Down der beste Film von Joel Schumacher ist und sich der Titel im Nachhinein schon fast als prophetisch für die weitere Karriere des Regisseurs erwies. Der Streifen bedeutet auch einen Höhepunkt für Michael Douglas, der als Foster überzeugend einen patriotischen Kleinbürger gibt, der vor den Trümmern seines Lebens steht: Familie weg, Job weg, Selbstachtung weg.
James Newton Howard ‒ in den frühen 1990er-Jahren kurzzeitig Schumachers Hauskomponist ‒ versah Falling Down mit einer ebenso dichten wie vielschichtigen Musik, die mit fremd anmutenden Flöten, tiefem Blech, metallischer Perkussion und Water Drums ein Gefühl ständiger Bedrohung und Orientierungslosigkeit schürt; ein unberechenbarer Dschungel, der sich durch fein aufs Orchester abgestimmte Synthesizer und grummelnde E-Gitarren als urban verrät.
Zu dieser äusseren Bedrohung gesellt sich die innere, stetig wachsende Wut Fosters, der sich gleich einer wandelnden Zeitbombe, die jederzeit explodieren kann, unbeirrt seinen Weg bahnt. Nebst gelegentlichen Snare Drums, die das militärische Vorgehen Fosters repräsentieren, beschreibt Howard die Musik für die mentale Entwicklung Fosters folgendermassen: «Die meiste Zeit brodelt der Score wie ein kochender Vulkan und explodiert dann zum Schluss in seinem endgültigen Ausbruch».
Dieser Ausbruch, der während des letzten Drittels des Scores stattfindet, gestaltet sich vielfältig. Nicht nur nimmt nun vorwärtsdrängende, perkussive Action Überhand, sondern auch ein paar sehr sensible und verständnisvolle Themen hat sich Howard grösstenteils für die letzten Tracks aufgespart. Jene für Fosters Familie; herzzerreissend in Streichern und Holzbläsern und entrückt in den new-age-artigen Klängen eines Pianos, bieten sie einen letzten, rasch verschwindenden Rest Rationalität.
Die melancholische, jazzige Solotrompete, wie so oft auch hier Synonym für den missverstandenen Einzelgänger, und die Musikdosen-Melodie London Bridge is falling down ‒ sowohl für Foster als auch für Prendergast von emotionaler Bedeutung ‒ tragen das ihrige dazu bei, dass man nur zu gerne bereit ist, mit der von Douglas so bravourös gespielten, gescheiterten Existenz zu sympathisieren.
Dies ist der allererste Howard aus dem Hause Intrada, und das Label hat eine gute Wahl getroffen, handelt es sich doch um einen von Howards begehrtesten Scores, der bislang nur als stark gekürztes Bootleg zu haben war (gemeinsam mit Flatliners, eine weitere Schumacher/Howard-Kollaboration, die eine offizielle Veröffentlichung schon längst mehr als verdient hätte). Die Musik zu Falling Down mag anfänglich etwas sperrig und nicht sehr zugänglich wirken, aber ihre Qualitäten lassen sie rasch als Produkt aus einer der profiliertesten Schaffensphasen des Komponisten erkennen.
FALLING DOWN James Newton Howard Intrada Special Collection Volume 265 70:18 Min. / 28 Tracks Limitiert