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Er bebt und er klopft, er blubbert und er poltert … der Ätna (oder auch Etna, was sich aus dem indogermanischen Wort „Aidna“ ableiten lässt und so viel bedeutet wie „der die Eigenschaft hat zu brennen“, was ja recht sinngetreu ist für einen Vulkan).
Die Sizilianer nennen ihn Mongibello, was wiederum aus dem Wort „Monte“ (lateinisch für Berg) und „Gebel“ (arabisch für Berg) entstanden ist und für „Berg der Berge“ steht.
Mit einer Fläche von 1250 km2, einer Höhe von 3350 m, einem Durchmesser von 40 km und vier aktiven Hauptkratern ist er der höchste und einer der aktivsten Vulkane Europas.
„Der Ätna ist weiblich – furchtbar und fruchtbar, wie eine sizilianische Frau“
sizilianische Bemerkung
Die Region rund um den Vulkan ist und war aufgrund ihrer Fruchtbarkeit seit jeher Siedlungsgebiet. Trotz der ständigen Ausbrüche und Bedrohungen durch Erdbeben und Lavaströme wagten die Menschen immer wieder die Besiedelung des Feuerbergs, denn die Asche die er manchmal Kilometer weit in die Atmosphäre schleudert enthält wichtige Mineralien die einen optimalen Dünger ergeben.
In der griechischen Mythologie befand sich im Ätna die Werkstatt des Schmiedegottes Hephaistos. Doch so mythisch und legendenumwoben der Feuerberg auch anmutete, so zerstörerisch war er auch.
150 gewaltige Ausbrüche sind seit dem Altertum verzeichnet, die für die umliegenden Städte und Siedlungen Tod und Zerstörung brachten. Der erste dokumentierte Ausbruch des Ätnas vertrieb 1.500 v. Chr. die Sikaner von der sizilianischen Ostküste, der letzte verheerende Ausbruch war 1669, als Catania komplett zerstört wurde.
In der jüngeren Vergangenheit wurde das hübsche Städtchen Zafferana Etnea – am Ostrand des Ätnas gelegen – 1992 wie durch ein Wunder verschont – der Lavastrom kam 800 Meter vor dem Ort zum Stillstand. 2001 zerstörte ein Lavastrom des Vulkans die Talstation der Seilbahn bei Rifugio Sapienza.
Auch zwischen den großen Ausbrüchen spuckt der Ätna mehrmals im Jahr Feuer, Asche und Rauch und hat sich so zu einem der größten Touristenmagnete Siziliens entwickelt.
So ließen auch wir es uns nicht nehmen uns an der Kraterlandschaft zu erfreuen.
Eine 08/15 Touristen-Tour mit der Seilbahn kam für uns nicht in Frage, also folgten wir dem Rat unserer Gastgeberin Isabella und buchten eine private Tour beim leidenschaftlichen Bergführer und Ätna-in-und-auswendig-Kenner Angelo:
Angelo holt uns mit seinem uralten Renault Clio ab und chauffiert uns die endlosen Serpentinen entlang historischer und jüngerer Lavaströme nach oben, während er uns in einer Mischung aus Italienisch und gebrochenem Englisch erste Hintergrundinformationen über das Ätna-Gebiet gibt.
Bei einer nicht mehr aktiven Lavahöhle machen wir Halt, werden mit Helm und Taschenlampe ausgestattet, tauchen damit ein in die Dunkelheit und spazieren über Lavasteine hinweg etwa 300m bis zum Ende des beeindruckenden Tunnels, wo uns Angelo erklärt wie diese Art von Höhlen entstehen.
Wieder zurück im Tageslicht gehts weiter zur Station Ätna Süd, von wo aus man bereits einen fantastischen Ausblick auf die Vulkanspitze und die unzähligen Nebenkrater hat.
Zum Fotos machen ist vorerst keine Zeit, Angelo beharrt darauf uns erstmal den „Point-of-View“ klarzumachen :D Mithilfe einer Karte macht er uns mit „seinem“ Vulkan vertraut.
Anschließend führt er uns um und in den Krater Silvestri und erklärt uns mit Händen und Füßen wie so ein Ausbruch von statten geht. Diese Nebenkrater spucken nur ein einziges Mal, danach erlöschen sie. Mit jeder Erruption entstehen jedoch neue Krater. Beim Monti Silvestri brauchen wir allerdings keine Angst mehr haben, denn „but now it is dead“ ;-)
Nochmal kurz zum Auto zurück um Taschenlampen zu holen, gehts nun zu Fuß weiter auf eine Höhe von ca. 2175m um von dort oben den Sonnenuntergang zu beobachten.
Angelo sprintet noch schnell ins Souvenirgeschäft der Touristenstation Ätna Süd, an welcher 1983 der Lavastrom eines Ausbruchs wie durch ein Wunder einfach nur vorbeifloss ohne Schäden zu verursachen. Damit wir uns eine Vorstellung von dem Ausbruch 1983 machen können, schenkt er uns eine Karte auf welchem der vorbeifließende Lavastrom abgebildet ist.
Und schon gehts los über Stock und Lavastein mit der laut Angelo „easy“ Tour.
Anfangs eh noch recht chillig über riesige Lavasteine, wird der Aufstieg mit der Zeit immer steiler und und doch beschwerlicher. Die stabile Lava weicht einem rutschigen Untergrund, die Luft wird dünner und die Steigung wird größer.
Allmählich realisieren wir wo Angelo mit uns hin will.
Wir so: „is des sei Ernst?“ Und er so:“Its eaaasy, slooowly, follow my steps, one, two, three… jump“ und weg war er, das Springinkerl :D
Nachdem meine Kondition nicht grad in bester Verfassung oder eigentlich gar nicht vorhanden ist und mein Asthma sich langsam bemerkbar macht, müssen wir hin und wieder kurz Halt machen um wieder zu Atem zu kommen. So können wir auch zwischendurch die unbeschreiblich fantastische Aussicht genießen.
Gegen Ende wird der Weg dermaßen steil das ich zwischendurch schon auf allen Vieren versuch voranzukommen. Ich rutsch ab, lande am Hosenboden, blick nach unten, und auf einmal schlägt die Höhenangst zu. Panik macht sich breit, ich beschließe – wie ein kleines Kind – keinen weiteren Schritt mehr zu machen, sondern einfach an Ort und Stelle sitzen zu bleiben :D
I wü ned, I was ned, mi zahts ned, I konn nix ondas mochen. Es nutzt nix, es hüft nix, mir bleibt nix ondas über außer lochn
Seiler und Speer
Aber nix da, Angelo – immer noch der Meinung das es „easy“ und nicht „dangerous“ is, schließlich ist „er“ unser Guide – packt meine Arme und zieht mich weiter während Ronny hinter mir mich weiter nach oben schubst, solang bis sich die Panik verflüchtigt hat und ich wieder ohne fremde Hilfe weitergehen kann.
Nix gewöhnt, fangen Wadeln und Hinterteil schön langsam zu schmerzen an, jeder Schritt wird mühsamer …
Nur damit ihr eine Vorstellung – und natürlich auch was zum Lachen – habt wie „motiviert“ ich noch war :D
Die letzten Meter brechen an, Angelo feuert mich von oben an, ich mobilisiere nochmal alle verbliebenen Kräfte und dann endlich … ist es geschafft :)
Ein unbeschreibliches Glücksgefühl tut sich auf …alle Mühen sind auf der Stelle vergessen, bei dem Anblick der sich uns bietet:
In dem Moment bin ich Angelo unendlich dankbar das er mich weitergezogen hat. Gut, mir wäre eigentlich eh nix anderes übrig geblieben als weiterzugehen, denn den Weg welchen wir nach oben genommen hatten konnte man ohnehin nicht wieder hinabsteigen, aber trotzdem … ;-) Was ich da verpasst hätte …
Die untergehende Sonne taucht die Landschaft in ein wunderschönes Licht, der Ausblick bis Catania ist grandios, und dann diese Stille … Lediglich der Wind pfeift uns kalt um die Ohren, während wir zusehen wie die Sonne als roter Feuerball hinter dem Vulkan versinkt.
Gibts für diese Farben eigentlich Bezeichnungen? ;-)
Es ist wirklich kaum in Worte zu fassen, deshalb überlassen wir das einfach dem großen deutschen Dichter:
Unendlich schön war es zu beobachten, wie diese in allen Punkten bedeutende Gegend nach und nach in Finsternis versank.
Johann Wolfgang von Goethe 1787
Das hat er zwar über Taormina gesagt, aber das Zitat triffts sehr gut was für ein besonderes Erlebnis der Sonnenuntergang am Ätna ist.
In Windeseile gehts danach aber auf einem diesmal wirklich „easy“ Weg gleich wieder abwärts, denn die Dunkelheit bricht ziemlich schnell über uns herein.
Mit Angelo’s Rostlaube, die während der Fahrt immer wieder abstirbt, gehts zurück nach Zafferana Etnea. Angelo schenkt uns noch voller Begeisterung eine selbstgebrannte DVD mit Aufnahmen der Erruptionen von 2001 und 2002.
Herrliche, äußerst interessante, abenteuerliche Stunden waren das mit ihm. Seit 15 Jahren ist er Bergführer, der Ätna ist sein Leben wie er selbst sagt. Und das merkt man jede einzelne Minute die man mit Angelo verbringt, so leidenschaftlich wie er bemüht war uns „seinen“ Vulkan ein bißchen näher zu bringen :)