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Nun befinden wir uns in Dänemarks Nachbarland Schweden, genauer gesagt, in Stockholm. Als erstes fällt auf, dass der durchschnittliche Stockholmer bedeutend freundlicher ist als der durchschnittliche Einwohner von Kopenhagen. Das mag dem Zufall geschuldet sein, wen man denn angetroffen hat; aber die Statistik spricht dagegen..
Den ersten Tag in Stockholm verbrachten wir mit Erkundungstouren rund um unser Hotel. Abermals logieren wir in der Nähe der Fussgänger- und Einkaufsmeile; abermals befinden wir uns in der Nähe der Altstadt. Schweden war als Nation (fast) immer grösser und wichtiger als Dänemark; entsprechend sind die Prunkbauten grösser und prächtiger als die dänischen. Wo die Dänen durch ihren Puritanismus an einer wirklichen Entfaltung von Prunk gehindert wurden, waren die Schweden offenbar ungenierter. So sind die Schlösser der schwedischen Könige grösser und prunkvoller als die der dänischen. So ist auch Stockholm irgendwie grösser und prächtiger als Kopenhagen.
Dabei ist die Altstadt noch eine «wirkliche» Altstadt, eng und verwinkelt, wie man sich eine Altstadt vorstellt, die noch im Mittelalter erbaute wurde. Die Fussgänger- und Einkaufsmeile liegt teilweise ausserhalb der eigentlichen Altstadt. In beiden Teilen findet man jede Menge Restaurants. Einige gehören zu Ketten und sind – für mich – weniger interessant. Die schwedischen Hackfleisch-Klösschen, a.k.a. Frikadellen, haben aber ausgezeichnet geschmeckt, ebenso das Bier dazu. Auch das Smörrebröd am Abend konnte sich sehen lassen.
Tag 2 war verschiedenen Museen gewidmet. Da war zuerst das sog. «Vasa-Museum», einem einzigen Schiff gewidmet, eben der Vasa, die in voller barocker Pracht erbaut, bereits bei der Jungfernfahrt 1628 sank – noch im Hafen nach nur etwa 1300 Metern Fahrtstrecke bei normalem Seegang… Den Grund für dieses – neben dem menschlichen Leid (30 bis 50 Tote waren zu beklagen) – auch als PR-Desaster einzustufende Unglück, habe ich leider vor Ort nicht herausgefunden – Wikipedia spricht von «schwerwiegender konstruktiver Instabilität.» Dabei handelte es sich um ein überaus imposantes Schiff – jedenfalls zum Anschauen. Ebenso interessant die Schilderung der Bergung und Rekonstruktion des Schiffes.
Das nächste Museum etwas völlig anderes: ABBA. Einerseits der Tatsache geschuldet, dass die beiden Museen geografisch sehr nahe beieinander liegen. Andererseits einfach so. Ich habe ABBA als Jugendlicher kaum zur Kenntnis genommen; zu seicht erschien mir ihre Musik. (Die Raffinesse dessen, dass bei den ABBA-Hits die Singstimmen nicht anders behandelt – sprich: wie sonst üblich in den Vordergrund gestellt – wurden, als die Musikinstrumente, habe ich erst später goûtiert.) Dieses Museum ist allerdings mehr für junge und alte Fans gedacht; eigentlich historisch-museale Aufarbeitung seines Themas leistet es nicht. So endet denn auch der Rundgang in einem einigermassen aufdringlich gestalteten Fan-Shop. Nichts desto trotz habe ich den Ausflug in meine Jugend genossen.
Museum N° 3 war das Freilichtmuseum Skanden, eine Zusammenstellung städtischer und ländlicher Häuser aus dem Ende des 19. und dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Man sah handwerklich-vorindustrielle und erste maschinell-kleinindustrielle Häuser und Betriebe ebenso wie Bauernhäuser aus verschiedenen schwedischen Regionen, die von dort abtransportiert und auf dem kleinen Hügel oberhalb Stockholms wieder aufgebaut wurden. Die Bauernhäuser, die ich sah, erinnerten mich – obwohl aus andern Regionen Schwedens stammend – an die Bauernhäuser, wie sie August Strindberg in seinem Schärenroman Die Hemsöer so schön schildert.
Essen & Trinken am 2. Tag: Zu Mittag nur ein Sandwich (das Bier dazu schmeckte allerdings nicht übel), das Abendessen – und hier sollen bitte VegetarierInnen und VeganerInnen weghören – bestand darin, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben Elch gegessen habe. Das Fleisch war so weit in Ordnung, allerdings auch nichts weiter Aufregendes – aber wenigstens kann nun ein Punkt auf meiner sog. Bucket-List gestrichen werden. Zur Abrundung bestellte ich am Ende der Mahlzeit einen – seinerseits ausgezeichneten – schwedischen Aquavit.
Im Übrigen – und hier dürfen VegetarierInnen und VeganerInnen wieder hinhören – ist der Trend zu fleischlosem oder veganem Essen in Stockholm bedeutend schneller angekommen als in Kopenhagen. Wir haben in der Fussgängerzone ein rein vegetarisches Restaurant gefunden; und praktisch alle Restaurants bieten ein fleischloses Menü an – das auf Wunsch oft auch «vegan» gestaltet werden kann. Auch für Nicht-Vegetarier und Nicht-Veganer ist dieser Schritt weg vom relativ fetten Essen in Kopenhagen zu begrüssen.
Heute? Ich weiss noch nicht. Ich habe mir auf dem unebenen Kopfsteinpflaster von Kopenhagen am linken Fuss eine Blase geholt, die nach Schonung schreit.