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Die Systemische Therapie ist das jüngste anerkannte Psychotherapieverfahren. Entwickelt hat sie sich in der zweiten Hälfte des 20ten Jahrhunderts. Ihre wissenschaftliche Anerkennung erhielt sie in der Schweiz und in Österreich in den 90er Jahren, in Deutschland sogar erst im Jahr 2008.
Die Idee, die dieser Therapie zugrunde liegt ist, dass Systeme, wie zum Beispiel eine Paarbeziehung, eine Familie, eine Abteilung oder ein ganzer Betrieb, ihre Stärken und Ressourcen aus den Fähigkeiten und Stärken der einzelnen Mitglieder ziehen. Genauso resultieren natürlich auch Probleme und Verhaltensauffälligkeiten aus den Schwächen der einzelnen Mitglieder wobei das Mitglied, an dem die Verhaltensauffälligkeit deutlich wird, als Symptomträger bezeichnet wird.
Aus dieser Idee resultiert, dass nicht der Einzelne eine Erkrankung hat, sondern sein ganzes System gestört ist und sich diese Störung einfach nur in ihm bemerkbar macht. Es gibt also keine „psychischen Krankheiten“ an sich, sondern nur Störungen im Beziehungsmuster, die den Patienten dazu bringen inadäquates Verhalten zu zeigen, sei es in Form von Depressionen, Suchterkrankungen oder auch psychosomatischen Erkrankungen. Die Symptome dieser Erkrankungen werden dann als Lösungsversuch für die aus den gestörten Beziehungen resultierenden Probleme angesehen. Dies führt zu einem der Kernsätze der Systemischen Therapie:
Soziale oder psychische Auffälligkeiten werden nicht als „krank“ bzw. pathologisch, sondern als prinzipiell verstehbare Reaktion (Lösungsversuch) auf Probleme oder Anforderungen gesehen, die gelegentlich selbst problematisch (z.B. in Form psychosomatischer Störungen) sein können. Wenn ein Kind also jeden Wochentag morgens mit Bauchschmerzen aufwacht, am Wochenende aber beschwerdefrei ist, dann sind die Bauchschmerzen ein dysfunktionaler Lösungsversuch für ein Problem, das vermutlich mit der Schule zu tun hat. Wenn wir jetzt einfach nur die Bauchschmerzen weg therapieren würden, ohne auf das gestörte Muster zur Schule zu achten, würde das Kind vermutlich in kurzer Zeit neue Auffälligkeiten, wie zum Beispiel Kopfschmerzen, entwickeln.
Fast alle akuten Krisen, die eine schnelle psychotherapeutische Hilfe erfordern, gehen auf Beziehungsstörungen zurück. Insofern bietet die Systemische Therapie hier sehr gute Werkzeuge basierend auf einem ausgesprochen positiven Menschenbild. Als ressourcenfokussierte Therapieform konzentriert sie sich auf die Fähigkeiten des Patienten und nicht auf seine Fehler. Als lösungsorientiertes Verfahren fokussiert sie darauf, die gesteckten Ziele zu erreichen und nicht für viele Stunden über mögliche Ursachen zu diskutieren. Dies führt wiederum zu einem weiteren Kernsatz der Systemischen Therapie:
Desweiteren ist die Systemische Therapie ausgesprochen zielorientiert. Der Patient erarbeitet mit dem Therapeuten in der ersten Stunde gemeinsam Ziele, die mit der Therapie erreicht werden sollen. Diese Ziele können sich zwar im Laufe einer Therapie verändern, bleiben aber immer im Fokus wodurch erreichte Verbesserungen gut nachvollziehbar werden und Therapien überschaubar bleiben. Systemische Therapien haben meist einen kürzeren zeitlichen Rahmen als Verhaltenstherapien oder Psychoanalysen.
Die Ansätze der Systemischen Therapie eignen sich natürlich auch hervorragend im Beratungskontext, also bevor „das Kind in den Brunnen gefallen ist“.