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Berns mächtige Zeit
Kritik an
zwei angeblich geruhsamen Jahrhunderten bernischer
Geschichte.
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Über die geschichtlichen Ursprünge Berns
vgl. vom Autor:
Die Ursprünge Berns (2018)
Historisierende Stadtansicht Berns von Johann
Ludwig Aberli, datiert 1753
aus: Berns mächtige Zeit, Bern 2006, Seite
149
Das Ölbild von Aberli stellt angeblich die
"Kopie einer verloren gegangenen Stadtansicht von Gregorius Sickinger von
1607" dar.
Diese Behauptung
kann man vergessen: Aus dem "17. Jahrhundert" sind keine Bilder erhalten. Die
Kopie ist ein Original. Das Öl wurde geschaffen, um einen älteren baulichen
Zustand Berns vorzuspiegeln. - Es ist dies eine Ansicht der Stadt von nach der
Mitte des 18.
Jahrhunderts. - Zur Täuschung wurden die Schanzen gegen Westen weggelassen,
desgleichen die Haldensperrmauer an der Aare gegen Norden.
Die Berner
Geschichtswissenschaft pflegt einen mächtigen Blödsinn
Die Herausgeber und
wichtigsten Schreiber an diesem Buch wissen von der Fragwürdigkeit,
historische Zeiten darzustellen, die es nicht gegeben hat.
Das beweist schon das hochgestochene und pseudowissenschaftliche Kauderwelsch,
das sie in der Vorankündigung gebraucht haben:
Von „Berns mächtiger
Zeit“ zu sprechen, heißt, daß angesichts der Ambivalenz der
Kategorie Macht und angesichts der Tatsache, daß Macht
nie einfach gegeben ist, sondern permanent behauptet und realisiert werden
muß, auch die Brüchigkeit und Prekarität von Machtansprüchen, die
Vielschichtigkeit von Machtausübung, der Zwang zur Legitimation von
Machtpositionen und die Fragwürdigkeit bernischer Machtentfaltung
behandelt werden müssen.
(56 Wörter)
Berns universitäre
Geschichtswissenschaft stellt wirklich eine mächtige Macht dar!
Das fragwürdige Geschichtsprojekt Berner
Zeiten
Seit
1999 erscheinen unter dem
übergreifenden Titel Berner Zeiten in regelmäßigen Abständen die Bände eines großangelegten
Werkes über die ältere Geschichte Berns.
1999
erschien als erster Band Berns große Zeit - eine Darstellung des "15.
Jahrhunderts".
2003
folgte der Band
Berns mutige Zeit, der es unternimmt, ein "13. und 14.
Jahrhundert" bernischer Geschichte zu beschreiben.
Im
Frühjahr 2006 erschien Berns mächtige Zeit - die Darstellung eines "16.
und 17. Jahrhunderts". - Von diesem Buch soll im Folgenden die Rede sein.
Das
Erscheinen dieser Bände über die Berner Geschichte fällt zusammen mit meiner
erneuten Betrachtung der Geschichte jener Stadt.
Je
mehr ich mich in das Thema vertiefte, desto mehr Kritik kamen mir an den
monumentalen Bänden der Reihe Berner Zeiten.
Die
Einwände ergeben sich aus der
Geschichts- und Chronologiekritik:
Unsere
Geschichtskenntnis hört nach wenigen Jahrhunderten vor heute ganz auf. Dahinter
haben wir keine zuverlässigen Quellen mehr, können wir nicht mehr Geschichte
schreiben und nicht mehr datieren. Und die vorgeschichtlichen Epochen sind viel
kürzer zu sehen, liegen also näher bei der Jetztzeit.
Über
die geschichtlichen Ursprünge Berns habe ich mich ausführlich in dem Buch
Die alten Eidgenossen (2013) geäußert. Dort weise ich
nach, daß wir vor 1700 keine Geschichte schreiben und nicht datieren
können.
Von
dieser Feststellung aus werden die drei erschienenen Bände von Berner Zeiten
fragwürdig, unmöglich und sogar absurd.
Wer
es versucht, eine Geschichte der Stadt Bern vor dem 18.
Jahrhundert darzustellen,
beschreibt einen Nicht-Ort in einer Nicht-Zeit. Und je mehr es in die zeitliche
Tiefe geht, desto absurder wird das Unterfangen.
Die
Herausgeber und federführenden Leute des Unternehmens Berner Zeiten tun und
jedoch so, also gebe es da keine Probleme. Die Geschichte wird wie ein
Holzschnitt dargestellt: Inhalte und Datierungen stimmen genau, dafür bürgen
die Quellen und die Fachleute.
Besonders
der Band Berns mutige Zeit schlägt in dieser Hinsicht dem Faß den Boden aus.
Deshalb habe ich in meinem erwähnten Buch, aber auch online eine Besprechung
geschrieben:
Christoph
Pfister: Bern und die alten Eidgenossen: Von Berns großer zu Berns mutiger Zeit
oder der Bankrott der Berner Geschichtswissenschaft, S. 37 ff.
Barockes
Geschichtsunterfangen
Der
jetzt vorliegende Band Berns mächtige Zeit kommt in der gewohnten Ausstattung
dar, also mit reicher, zumeist farbiger Bebilderung und modernen Grafiken.
Berner
Zeiten ist für ein breites Publikum gedacht. Aber wie soll man in einem Buch
lesen oder blättern, das 3, 4 Kilo schwer ist! - Bisher sind also gute zehn
Kilogramm Berner Geschichte erschienen!
Sind
wir noch in der Barockzeit, als jeder Gelehrte, der etwas auf sich hielt, dicke
Wälzer im Folio-Format schrieb?
Auch
für den Wissenschafter ist die Konzeption der Bücher nicht einladend: In den
Bänden wird keine fortlaufende Geschichte geboten, sondern nur Facetten und
Akzente. Und in diese sind Mengen von Artikeln und Kästchen eingeschoben. Diese
erklären Einzelheiten, erschweren aber eine Orientierung.
Man
bekommt den Eindruck von Patchwork, von Miszellensammlung, von Festschrift oder
dergleichen: Viele Dinge werden geboten. Aber wo bleibt das Gesamtbild?
Die
Darstellung nach Jahrhunderten ist vollends willkürlich - weil es diese Zeiten
gar nicht gegeben hat. - Und auch die Schreiber haben Mühe, die angeblichen
Fakten richtig einzuordnen. Schon hier geraten die alten Jahrhunderte ins
Schwimmen.
Bern bleibt Bern
Bei
dem neuen Band Berns mächtige Zeit der angeblichen älteren Berner Geschichte
kann zuerst entwarnt werden: Das Buch ist vergleichsweise harmlos. Anders als
in dem wirklich ärgerlichen Band Berns mutige Zeit fallen verquere Behauptungen
und inhaltliche und chronologische Verwerfungen zuerst gar nicht auf.
Die
Geschichte und die Kultur des "16. und 17. Jahrhunderts" in Bern und
im Bernbiet wird scheinbar so dargestellt, wie es wirklich gewesen ist:
opulent, zuweilen auch bieder, mit nur wenigen inhaltlichen Höhepunkten.
Je
länger man darin blättert, desto mehr bekommt man den Eindruck: Hier wird
das Bild einer verschlafenen Stadt dargestellt, welche im Windschatten der
großen Politik sich vor allem mit sich selbst beschäftigt hat.
Aber
gleich muß eingewendet werden: Dieses verquere Bild eines frühneuzeitlichen
Berns basiert nicht auf einer wahren Geschichte, sondern auf einer Geschichtsfiktion.
Vor
dem 18. Jahrhundert haben wir keinerlei inhaltlich und zeitlich plausible Angaben und
Quellen. Somit ist die ganze Schriftlichkeit erst nach diesem Datum entstanden.
- Aber auch die allermeiste dort wiedergegebene Kunst gehört ins 18.
Jahrhundert - dazu ein Grossteil der Architektur. Die eherne historische
Zeitschwelle läßt sich nicht unterschreiten.
Die
Herausgeber aber tun wie in den früheren beiden Bänden so, als gebe es in den
älteren Zeiten keine Probleme. Quellen und Datierungen werden überall als
sakrosankt hingenommen. Nirgends findet sich ein Anflug von Kritik.
Berns
mächtige Zeit, zusammen mit Berns mutiger Zeit und Berns großer Zeit stellen
recht eigentlich Monumente der historischen Kritiklosigkeit dar.
Seit
Richard Feller vor sechzig Jahren, sogar seit Johann Ludwig Wurstemberger und
Emanuel von Rodt im 19. Jahrhundert hat sich also in Bern in Sachen
Geschichtsauffassung nichts geändert:
Noch
immer wird eine unwirkliche Geschichtsauffassung vertreten, die so
farbig und so hausbacken aussieht wie die Butzenscheiben in einem Zunfthaus: Bern
bleibt Bern. - Neue Ideen kommen nicht in die Stadt rein. - Zweihundertfünfzig
Jahre nach dem Beginn der Aufklärung hat diese hier noch nicht Einzug gehalten.
Ein überholtes Geschichtsbild
In
Berns mächtiger Zeit versuchen die Herausgeber und etwa 90 Mitarbeiter
"moderne" Detailerkenntnisse in die Nicht-Zeit "zwischen 1500
und 1700" hineinzustopfen.
Ein
solcher Murks kann nicht funktionieren und muß zu den größten Widersprüchen
führen. Diese sind auch in diesem Werk ersichtlich und werden von einzelnen
Autoren teilweise offen ausgedrückt.
Die
Fülle von Einzelbeiträgen und Details hat dabei den Zweck, die grundsätzliche
Fragwürdigkeit des Geschichtsbildes zu überdecken. Niemand sollte merken, daß
die zwei Jahrhunderte nur heiße Luft behandeln.
Die
zahlreichen abgebildeten Titelseiten und Umschläge von gedruckten Büchern
sollten wohl beweisen, daß die behauptete Geschichte wahr und gedruckt sei.
Michael Stettler und die Anfänge der
Berner Geschichtsschreibung
Schon vor einem Jahrzehnt habe ich erkannt, daß Berns Geschichte mit der Person des Chronisten Michael Stettler (angebliche Lebensdaten: 1580 - 1642) beginnt. Dieser Mann schrieb
angeblich alle früheren Geschichtswerke Berns - von Justinger über Anshelm bis
zu Schwinkhart - ab und verfaßte auf deren Grundlage das älteste gedruckte
Geschichtswerk, die Annales oder das Chronicon ("um 1630").
Aber
Stettlers Biographie ist gefälscht, der Mann muß in das 18. Jahrhundert
verschoben werden. Und er und sein Umkreis haben alle Quellen und
Geschichtswerke geschaffen, beziehungsweise gefälscht. - Die Parallelitäten,
etwa zwischen Justinger, Diebold Schilling, Anshelm und Stettler beweisen
dies.
In
dem Buch gibt es einen Artikel über Michael Stettler. Dieser aber erzählt nur
Altbekanntes. Die Parallelen zwischen Anshelm ("um 1530") und Michael
Stettler ("um 1630") werden zwar gewürdigt. - Aber nichtsdestoweniger
sollen dies zwei unterschiedliche Chronisten gewesen sein - durch ein
Jahrhundert voneinander getrennt.
Und
Michael Stettler ist offenbar nur ein Epigone nach den
"spätmittelalterlichen" Historiographen, also Justinger, Schilling
und Anshelm. Der Wust der gefälschten Quellen - von den Urkunden über die
Ratsbücher bis zu den Chroniken - sei schon dagewesen und von den barocken
Chronisten nur erstmals ausgewertet worden.
Die
Quellenfrage wird in Berns mächtiger Zeit ignoriert: Alles hat so bestanden und
ist so geschaffen worden, wie es in den Lexika und Handbüchern dargestellt
wird.
Man
muß alles glauben, auch wenn es absurd ist, so lautet die Schlußfolgerung aus
diesem ärgerlichen Werk.
Bern,
eine mächtige Stadt in einem kulturellen und geistigen Ödland
Gemäß
der überlieferten Geschichtsauffassung sind das 16., 17. und teilweise noch das
18. Jh. ruhige Zeiten. Der Schlachtenlärm und das Waffengeklirr des
"Mittelalters" war verhallt. - Nach der Reformation
"um
1528" kehrte in Bern eine halkyonische Ruhe ein. - Nur vielleicht der
Bauernkrieg "1653" und drei Jahre später der erste Villmerger Krieg
geben ein paar Akkorde.
Berns
mächtige Zeit sieht keinen Grund, an dieser sonderbaren frühneuzeitlichen historischen
Ruhe etwas zu ändern. Das Buch gibt sogar zu, daß es mit der militärischen
Macht Berns nicht mehr weit her war:
Während
sich die administrative Herrschaft festigte und juristisch absicherte, schwand
die militärische Macht. (29)
Wie
überall in der erfundenen Geschichte stellt man nämlich eine anfängliche
Vollendung mit nachfolgendem langem und langsamen Verfall fest.
Über
die Chronologie der weit gespreizten "mächtigen" Zeit macht sich
keiner der Mitarbeiter auch nur den geringsten Gedanken.
Das
Einzige, was man findet, ist ein Artikel Streit um den richtigen Kalender
(135). - Aber dieser erzählt Altbekanntes. Die Protestantische Kalenderreform
von 1700 wird erwähnt, aber nicht als Auslöser eines neuen Kalenders und vor
allem der heutigen Jahrzählung begriffen.
Die
nachreformatorische Zeit wird als Epoche der Konfessionalisierung begriffen,
bei welcher die religiöse Dimension im Zentrum von Staat und Kultur stand.
(163). - Aber war nicht das ganze vorherige "Mittelalter" religiös
und kirchlich durchtränkt? Verwechselt man hier nicht Früheres und
Späteres?
Ein kunsthandwerklicher, künstlerischer, buchdruckerischer und geistiger
Reichtum wird für jene angeblich mächtige Zeit Berns ausgebreitet. Dabei stand
es mit der Geistigkeit Berns sehr schlecht.
Berns
Gleichgültigkeit gegenüber Kunst und Wissenschaft im 17. Jahrhundert muß
erschreckend gewesen sein:
Tatsächlich
war der Impetus des frühen 16. Jahrhunderts spätestens im 17. Jahrhundert
erstarrt. Nützlichkeit und Staatszweck waren die bestimmenden Kräfte. ... Man
beschränkte sich auf Rezeption und Kompilation. ... Eine zunehmend
untergeordnete Rolle spielte (auch) die Literatur. (273)
Man
fragt sich, wie Bern überhaupt noch eine mächtige Rolle spielen konnte, da es
doch nach der "Reformation" zusehends zu einer kulturellen und
geistigen Ödnis herabsank, die von Kretins regiert wurde.
Das
absurde Bild entspricht dem verqueren Geschichtsbild: Zwischen der Reformation
und der Aufklärung gibt es wenig zu vermelden, weil alles in illusionäre
frühere Epochen, "Altertum", "Mittelalter" und
"Reformation" verschoben und bereits in den früheren Bänden behandelt
wurde.
Die
stumpfsinnige Auffassung von Berns geistigem Verfall steht schon bei Richard
Feller in seiner Geschichte Berns. - In den letzten 50 oder 60 Jahren
bernischer Geschichtswissenschaft hat also niemand gemerkt - oder wollte es
nicht merken - daß mit dem überlieferten Bild der alten Geschichte etwas nicht
stimmt.
In
der Kunst ist jenes Zeitloch zwischen dem Ende der Reformation "um 1530 -
1550" bis weit ins 18. Jahrhundert am deutlichsten sichtbar. Die
Kunsthistoriker haben es sogar ausgesprochen.
Auch
in Berns mächtiger Zeit werden diese angeblichen Dark Ages genannt.
Georges
Herzog hat 1999 eine konventionelle gearbeitete Monographie
über den Berner Burgenmaler Albrecht Kauw verfaßt. Auch in diesem Band kommt er
zu Wort: Herzog hält Kauws Bilder für eine Ausnahme in diesem
künstlerisch weitgehend öden Zeitalter. (358)
Aber
Zweifel an der unmöglichen Datierung der Berner Künstler - von Niklaus Manuel
über Albrecht Kauw bis hin zu Johannes Dünz und Wilhelm Stettler - kommen auch
ihm nicht.
An
Kauws Bildern hat Dünz teilweise mitgewirkt. Kauw hat Niklaus Manuel kopiert.
Und der Künstler Wilhelm Stettler gehört ebenfalls in diesen Kreis.
Aber
alle diese Künstler und ihre Bilder sind erst im 18. Jahrhundert plausibel. -
Damit fällt das angebliche künstlerische chronologische Loch zwischen
Reformation und Aufklärung zusammen.
In
dem Artikel
Kauw - ein Berner Maler
um 1760 habe ich die verfrühte Datierung des Malers nachgewiesen.
Zwischen Kunstband und Auktionskatalog
Zweifel
sollen an dem Geschichtsbild von Berns mächtiger Zeit nicht aufkommen - wie
schon mehrmals gesagt. Das besorgen die Vielzahl von Beiträgen, die den
Überblick vergessen lassen.
Und
vor allem soll die üppige Bebilderung jeden kritischen Gedanken einschläfern.
Wie
schon in den beiden bereits erschienen Bänden wird man überflutet von einer
Vielzahl von meist farbigen Fotos, Abbildungen, Reproduktion und Grafiken. Die
unförmigen Bände Berner Zeiten machen über weite Strecken den Eindruck von
Kunstbänden oder Auktionskatalogen.
Eine
ganze Reihe Kanzeln aus bernischen Kirchen findet sich abgebildet, ebenfalls
seitenweise Gold- und Silberhandwerk.
Kauws
Burgen-Aquarelle sind bereits in den früheren Bänden, besonders in Berns
mutiger Zeit in großer Zahl reproduziert worden. Aber auch Berns mächtige Zeit
macht den Eindruck, als hätte es in jenen beiden Jahrhunderten nur Albrecht Kauw als Aquarellist und Maler gegeben.
Neu
kommt Wilhelm Stettler dazu mit seinen realistischen Aquarellen von der Stadt
Bern. Diese zeigen zum ersten Mal auch städtische Strassen wie die Spitalgasse.
Und sogar eine Badeszene an der Aare ist abgebildet.
Aber
die stilistischen Merkmale und die Inhalte verweisen Wilhelm Stettlers Bilder
in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts, kurz vor dem Barock - nicht in ein ausgehendes "17. Jahrhundert" -
desgleichen die anderen Maler wie Joseph Werner und Johannes Dünz .
Der
letztgenannte Künstler ist überhaupt noch nicht erforscht. Aber man muß davon
ausgehen, daß hinter den verschiedenen Malern, welche diesen Namen tragen, eine
einzige zeitgenössische Künstlergruppe steht, daß die Namen also austauschbar
sind. - An vielen Kauw-Aquarellen zum Beispiel war Dünz mitbeteiligt und
hat mit signiert.
Bernisches Glockengeläut
Über
das imposante gotische Berner Münster werden nur Details erzählt. Denn nach
herrschender Chronologie wurde jenes Gotteshaus "im 15. Jahrhundert"
erbaut. - Nur die Fertigstellung und die Ausstattung falle in die folgenden
zwei Jahrhunderte.
Dabei
öffnet sich ein Paradoxon: Wenn es etwas in die Zeit vor 1700 zu setzen gäbe,
so das Münster. Mit dessen Bau wurde vielleicht schon vor der genannten
Jahrhundertwende begonnen - Jahre, aber keinesfalls Jahrhunderte.
Dafür
werden über die Ausstattung der Berner Kathedrale unmögliche Dinge erzählt.
Chorgestühl
wird bedenkenlos in jene angebliche Epoche gesetzt, nur weil irgendeine
Zuschreibung dies behauptet.
Das
Denkmal für Herzog Berchtold V. von Zähringen im Münster soll von
"1601" stammen! - Ein Jahrhundert später waren die Zähringer aber noch
nicht erfunden. - Und jenes Denkmal sieht eher nach Rokoko als nach Barock aus.
- Kunsthistoriker scheinen blind zu sein!
Der
Gipfel stellt die gewaltige Münsterglocke dar: Diese wurde angeblich
"1611" gegossen.
Hat
man sich überhaupt einmal überlegt, was für eine Technologie nötig war, um
einen 9500 kg schweren Klangkörper zu gießen - und wann diese Technik zur
Verfügung stand?
Die
Berner Münsterglocke ist von den Verzierungen (einem Bärenfries) und der
Inschrift her wie alle anderen alten Glocken in das mittlere 18. Jahrhundert zu
setzen.
Übrigens:
Weshalb wurde für den Guß und den Aufzug der Berner Münsterglocke das Jahr 1611
gewählt? - Doch sicher weil die Endzahl 11 eine Jesus-Zahl ist!
Historisches Klima
Die
Herausgeber von Berns mächtige Zeit haben unter den 90 Mitarbeitern auch Leute
mit Rang und Namen befragt.
Der
prominenteste Mitarbeiter ist Christian Pfister, seines Zeichens
emeritierter Professor für
Klimageschichte in Bern. In diesem Buch kommt er in dem Teil Umwelt,
Bevölkerung und Wirtschaft ausführlich zu Wort.
Wirtschaft,
Klima und Umwelt ist ein aktuelles Thema. Weshalb diese Aspekte nicht auch in
dem "16. und 17. Jahrhundert" von Berns angeblicher Geschichte
behandeln?
Also
findet man in jenem Teil zuerst eine Tabelle mit Witterungsanomalien über diese
zwei Jahrhunderte (S. 372); dann auf der nächsten Seite eine Luftdruckkarte vom
"Sommer 1540", angeblich einem großen Sonnenjahr.
Es
geht weiter mit Schwankungen des Grindelwald-Gletschers im 16. und 17. Jh., mit
einer Luftdruckkarte von Europa "im Winter 1694/95" und mit
einer rekonstruierten Karte über die Großwetterlage in Europa "im Februar
1566".
Spätestens
hier muß Protest eingelegt werden gegen die pseudogenauen klimahistorischen
Ausführungen. Von wo kommen die Daten, um in ferner Vergangenheit sogar
einzelne Hochwasser, extrem kalte Winter und trockene Sommer so genau
beschreiben zu können?
Der
Autor Christian Pfister gibt am Anfang bereitwillig Auskunft: Das Material
gewinnt man aus Chroniken, Briefen und Tagebüchern. Aus diesen ließen sich indirekte
Daten gewinnen. Diese würden chronologisch sortiert und zu einer
Klimageschichte zusammengefügt.
Aber
um Himmels willen! Wie soll man zuverlässige Angaben über die angegebenen
Zeiten gewinnen, wenn die ganze Schriftlichkeit erst nach 1740 entstanden ist?
- Und wie soll eine Klimachronologie erstellt werden, wenn über diese entfernte
Epoche keinerlei Zeitstellungen möglich sind?
An
der in diesem Buch ausgebreiteten Klimageschichte zeigt sich, wie alle
Fachleute sich blauäugig auf Schriften und Datierungen verlassen, die nachher
geschaffen, folglich falsch und absurd sind.
Berner
Geschichtsglaube oder Berner Glaubensgeschichte
Was
soll man von einer solchen Geschichtswissenschaft halten, die derart
unqualifizierbare Werke hervorbringt? - Wie lange wollen ein Klüngel von
Wissenschaftern und Fachleuten ein Geschichtsbild stützen, das nicht stimmt? -
Und vor allem: Warum überlegt niemand etwas? - Man braucht zuerst nicht
Fachmann zu sein. Verlangt wird vielmehr an erster Stelle eine kritische Grundhaltung,
der Gebrauch der Sinne und ganz allgemein ein gesunder Menschenverstand.
Die
Bände von Berner Zeiten stellen ein Monument des Berner Geschichtsglaubens dar
- oder eine Bibel der Berner Glaubensgeschichte.