Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03638.jsonl.gz/1015

Home Bibelkreis.ch
Frage 1310
Hat Gott Israel durch die Versammlung / Gemeine / Kirche ersetzt?
"Warum noch warten" CLV ist wohl das Beste, was es zur Zeit gibt gegen diese Sicht. Es ist eine sehr sachliche und tiefgründige Aufarbeitung, die aus der Zeit stammt, wo T.Schirrmacher Vorsitzender von Bibel und Gemeinde war. Dieses Buch sollte jetzt empfohlen werden.
Peter Streitenberger wrote:
Lieber Br. Heide,im Zusammenhang mit der derzeitigen Auseinandersetzung über M.Weremchuks Buchveröffentlichung und seiner Abkehr vom Dispenstionalismus () wurde mir von Br. Ronsdorf Ihr Buch "Warum noch warten" empfohlen. Könnten Sie mir bitte einen Hinweis geben, wo dieses erhältlich ist?
Vielen DankPeter Streitenberger - Ingolstadt
Lieber Br. Streitenberger,
das Buch ist beim CLV erschienen und z.B. über die Christliche Buchhandlung München (Schlörstr. 2) erhältlich.
Liebe Grüße, M. Heide
ME
Peter Streitenberger wrote: 11.02.2004
Lieber Br. Heide,im Zusammenhang mit der derzeitigen Auseinandersetzung über M. Weremchuks Buchveröffentlichung und seiner Abkehr vom Dispensationalismus () wurde mir von Br. Ronsdorf Ihr Buch "Warum noch warten" empfohlen. Könnten Sie mir bitte einen Hinweis geben, wo dieses erhältlich ist?
Vielen DankPeter Streitenberger - Ingolstadt
Lieber Br. Streitenberger,
das Buch ist beim CLV erschienen und z.B. über die Christliche Buchhandlung München (Schlörstr. 2) erhältlich.
Liebe Grüße, M. Heide
Liebe Geschwister,
es ist eine unbestreitbare Tatsache, daß die Bibel von einer Erwählung und Vorherbestimmung spricht. Ich kann aber keine Belege dafür finden, daß sie damit das meint, was u.a. Calvinisten darunter verstehen: Erstens, daß bei den Erwählten vorherbestimmt ist, daß sie gerettet werden, und zweitens, daß es Menschen gibt, die zu ewigen Verdammnis vorherbestimmt sind. Das Erste ist m.E. eine falsche Bibelauslegung, und das Zweite eine Schlußfolgerung daraus, die zwar logisch ist, aber nicht legitim, weil sie in eklatantem Widerspruch zu ganz eindeutigen biblischen Aussagen steht, z.B. zu Joh. 3,
16: " ... JEDER, der an Ihn glaubt ... " und eben nicht: "die zum Heil Vorherbestimmten".
Ich verstehe die Erwählung so wie der dispensationalistische Dogmatiker Henry Clarence Thiessen, der früher am Wheaton College in den USA gelehrt hat. In seinem Buch "Introductory Lectures in Systematic Theology" (Grand Rapids, Michigan: Eerdmans 1977, S. 344) definiert er sie so:
"By election we mean that sovereign act of God in grace whereby He chose in Christ Jesus for salvation all those whom He foreknew would accept him."
(Mit "Erwählung" meinen wir den souveränen Akt Gottes aus Gnaden, durch den Er in Christus Jesus alle diejenigen zum Heil auswählt hat, von denen Er im voraus wußte, daß sie Ihn annehmen würden.)
Besser kann man es nicht ausdrücken: keine Vorherbstimmung im absoluten, deterministischen Sinn, und vor allem keine Vorherbestimmung zur Verdammnis.
Gott bietet das Heil allen an, und wer es annimmt, wird gerettet, und wer nicht, wird verdammt. Die Entscheidung darüber, wo wir die Eweigkeit verbringen werden, liegt einzig und allein bei uns. Aber natürlich haben wir diese Möglichkeit nicht, weil wir von Natur aus einen freien Willen hätten (den haben wir nicht - wir sind entweder Sklaven Satans oder Gottes), sondern nur, weil Gott uns aus Gnaden das Heil anbietet.
Die deterministische (fatalistische) Sicht der Erwählung hat übrigens bekanntlich nicht mit Jean Calvin begonnen (der hat sie nur perfektioniert und konsequent zu Ende gedacht). Sie hat schon mit Augustin begonnen, wenn ich mich nicht irre. M.E. liegt die Ursache darin, daß eine von der griechischen Philosophie geprägte, falsche und der Bibel fremde Denkweise in das Wort Gottes hineingelesen worden ist. Ich kann mir nicht vorstellen, daß Menschen, die von der jüdischen Tradition und Denkweise geprägt sind, auf solche Gedanken gekommen wären.
Daß "Erwählung" des Einen nicht unbedingt Verwerfung des Anderen bedeuten muß, habe ich einmal in einer Predigt durch eine Gegenstandslektion
verdeutlicht: Ich brachte eine Mini-Mülltone mit, die auf meinem Schreibtisch steht und mir als Behälter für meine Schreibstifte dient. Ich nahm einen Stift heraus und sagte: "Ich habe mich jetzt für diesen einen Stift entschieden und nicht für die anderen. Das bedeutet aber nicht, daß ich deshalb die anderen wegwerfe oder sie nicht haben will. Aber im Augenblick brauche ich nur diesen einen - die anderen später einmal."
Liebe Grüße, Detlev