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Ein Fallbeispiel verfasst von Janine Strasser nach einem Interview mit Ruth Sandmeier, Lehrperson Primarschule Zehntenhof Wettingen
Der Baustein Unterrichtsfeedback dient dazu, mit praktischen Instrumenten fortlaufend Rückmeldungen der Klasse zum Unterricht zu erhalten, sodass man diesen optimal weiterplanen kann. Bevorzugt werden im Unterricht integrierte Elemente, aber auch ein Fragebogen ist möglich. Unterrichtsfeedback aktiviert und motiviert die Lernenden und entlastet die Lehrperson.
Ausgangslage
Die Umsetzung und Weiterentwicklung der Methoden zum Weiterbildungsbaustein Unterrichtsfeedback erfolgt bei den LLSM-Lehrpersonen direkt im Unterricht. Die Lehrperson Ruth Sandmeier hat in einer 6. Klasse mit 22 Schülerinnen und Schülern die beiden Methoden «Zufallsstäbchen/ Eisstäbchen» und «Ampeltoblerone» – eine Abwandlung der Ampelbecher – kombiniert erprobt. Für die Gruppenbildung wurden die Zufallsstäbchen verwendet, für Rückmeldungen während und nach der Gruppenarbeit hat die Lehrperson die Ampeltoblerone-Methode angewandt.
Ziele
Einerseits verfolgte die Lehrperson das Ziel, eine schnelle und wenig aufwändige Methode zu finden, um in ihrer Klasse Gruppen zu bilden. Andere Gruppenbildungsmethoden, wie zum Beispiel die Zusammenarbeit von Banknachbarn oder die Gruppenzuweisung durch die Lehrperson, empfand die Klasse oft als eintönig oder zu gesteuert. Der Einsatz der Zufallsstäbchen dagegen wurde von den Lernenden als fair und zufällig beurteilt.
Andererseits suchte die Lehrperson nach einem Instrument, um das Vorwärtskommen der Gruppenarbeit, aber auch die Lernzielerreichung der Schülerinnen und Schüler für sich selber und für die Lernenden schnell sichtbar zu machen. Dies erprobte sie mit der Ampeltoblerone-Methode.
Unterrichtsintervention und Untersuchung
Die Lehrperson hat im Unterricht ein Arbeitsblatt zur Schweizer Geschichte verteilt (3 A4-Seiten Text mit Bildern). Zu Beginn des Textes sind die Lernziele aufgeführt (z.B. «Du kannst die politische Lage in Europa um 1200 erklären; Du kannst erklären, wie und weshalb es zu den ersten Bündnissen zwischen eidgenössischen Talschaften gekommen ist.»). Nach dem Erklärungstext folgen auf der letzten Seite Verständnisfragen (z.B. «Wie beurteilst du die Wichtigkeit und Einzigartigkeit des Bundesbriefes von 1291? Jemand behauptet: Die Eidgenossen beabsichtigen einen Staat zu gründen. Was antwortest du ihm?»). In einem ersten Schritt lasen die Schülerinnen und Schüler das Arbeitsblatt in Einzelarbeit durch, markierten wichtige Textstellen und suchten mit ihrem aktuellen Verständnis schriftlich Antworten auf die gestellten Fragen.
Anschliessend kamen die mit den Namen der Schülerinnen und Schüler beschrifteten Stäbchen für die Gruppenbildung zum Einsatz: Die Lehrperson hat die Stäbchen in ein Glas gestellt und ein Kind hat jeweils vier herausgenommen. Daraus entstanden die Arbeitsgruppen. Vorteil dieser Methode ist, dass die Gruppen schnell gebildet sind, das Zufallsprinzip vorherrscht und keine Diskussion entsteht, ob nun die Gruppenbildung fair war oder nicht. In den Gruppen haben sich die Lernenden zu den Verständnisfragen ausgetauscht, gemeinsam nach Lösungen gesucht und voneinander gelernt.
Parallel dazu kam die Ampeltoblerone-Methode zum Einsatz: Auf jedem Gruppentisch wurde eine Ampeltoblerone platziert. Die Toblerone wurde dafür vorgängig auf den drei Längsseiten mit farbigem Papier versehen (eine rote, eine gelbe und eine grüne Seite). Jede Gruppe kann so anzeigen, wo sie im Lernprozess steht. Grün bedeutet, dass die Gruppe selbständig vorwärtskommt. Orange signalisiert, dass die Gruppe ansteht, aber noch weiterarbeiten kann, und Rot, dass die Gruppenarbeit nicht funktioniert und die Gruppe Unterstützung von der Lehrperson benötigt.
Im Anschluss an die Gruppenarbeit stellten die verschiedenen Gruppen ihre Antworten vor und die Ergebnisse wurden im Klassenverband besprochen und vertieft. Die Lehrperson hat die kooperative Lehrform «think-pair-share» angewandt. Am Ende der Unterrichtssequenz hat sie zudem eine Abschlussbefragung mit Hilfe der Ampeltoblerone durchgeführt. Jedes Kind beurteilte für sich, ob es die Lernziele erreicht, teilweise erreicht oder nicht erreicht hat, und drehte seine Toblerone in der passenden Farbe zur Lehrperson.
Weiterentwicklung der Methode
Die Ampeltoblerone-Methode wurde in dieser Klasse im Verlauf des Schuljahres weiterverwendet.
Bei der 6. Klasse rückte der Übertritt in die nächste Schulstufe immer näher. Eine Aufgabe der Lernenden ist es, kurz vor diesem Übergang Ziele für die Oberstufe zu formulieren. Dies hat die Lehrperson mit den Schülerinnen und Schülern über mehrere Wochen geübt. Die Lernenden hatten jede Woche die Aufgabe, sich ein individuelles Wochenziel zu setzen (z.B. sorgfältiger Schreiben, damit Notizen klarer sind; sich vermehrt im Unterricht melden; zuerst aufstrecken und nicht einfach drauflosreden; Hausaufgaben zuverlässiger erledigen, …). Am Ende der Woche überprüften sie selbständig, ob sie ihr Ziel erreicht hatten oder nicht. Wenn sie es erreicht hatten, durften sie sich mit einem Stück Toblerone belohnen. Wichtig war bei dieser Intervention, dass sich die Schülerinnen und Schüler selber angemessene Ziele setzten und diese auch eigenständig und ehrlich überprüften. Dass die Lernenden ihre Eigenverantwortung wahrnehmen und individuelle Ziele zu formulieren lernen, war hier wichtiger als die objektive Überprüfung der Zielerreichung.
Berichterstattung und Reflexion
Sowohl der Einsatz der Eisstäbchen als auch der Ampeltoblerone wurde von den Lernenden der 6. Klasse von Ruth Sandmeier sehr geschätzt.
Die Eisstäbchen stellten aus Sicht der Schülerinnen und Schüler eine faire Methode dar, um Gruppen zu bilden. Indem die Lehrperson die Lernenden selber die Stäbchen aus dem Glas ziehen lässt, verstärkt sich dieser Aspekt. Hierbei wird deutlich, wie die Methoden die Schülerinnen und Schüler aktivieren und motivieren. Aus Sicht der Lehrperson bringt vor allem die Geschwindigkeit der Methode Vorteile. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass die Stäbchen nur einmal mit den Namen der Schülerinnen und Schüler beschriftet werden müssen und dann immer wieder eingesetzt werden können. Der Arbeitsaufwand für die Lehrperson ist somit gering.
Die Verwendung der Ampeltoblerone hat gemäss der Lehrperson sowohl Vor- als auch Nachteile. Auf die Vorteile wurde bereits eingegangen: Die Toblerone ist schnell beklebt, liegt griffbereit auf den Pulten und die Abfrage des Lernstandes funktioniert schnell und unkompliziert.
Wenn die Ampeltoblerone in der erweiterten Form (mit Essen der Schokolade) angewendet wird, muss jeweils für eine neue Klasse bzw. ein neues Projekt ein neuer Klassensatz Schokolade gekauft werden. Die Langlebigkeit ist somit nicht gegeben. Im Sinne der Wiederverwendung der Materialien müsste eine Alternative gefunden werden.
Den Schülerinnen und Schülern hat die Verwendung der Ampeltoblerone Spass bereitet und sie haben das Instrument von Anfang an akzeptiert. Die Belohnung in Form der Schokolade wurde natürlich ebenfalls geschätzt.