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Licht spielt in den meisten Kulturen und Religionen eine zentrale Rolle und gilt gemeinhin als Symbol für Leben, Wärme und Göttlichkeit. Dies ist der Versuch einer Auslegeordnung im Bereich der griechischen und ägyptischen Mythologie.
Man muss nicht das Licht des anderen ausblasen,
um das eigene leuchten zu lassen.
(Griechisches Sprichwort)
Griechische Mythologie
Im antiken Griechenland wurde Licht in jeder seiner Erscheinungsformen durch eine Gottheit verkörpert, welche wiederum von den Menschen verehrt wurde.
Licht und Dunkelheit sind in der Mythologie sehr stark mit dem Leben und der göttlichen Macht sowie mit dem Tod verbunden.
Der Olymp ist ein hoher Berg, dessen Eingang hell und strahlend dargestellt wird. Auf dem Olymp leben die zwölf Hauptgötter metaphorisch und wortwörtlich weit über den Normalsterblichen ihr ewiges Leben im Licht.
Die Unterwelt, in der die Dämonen und toten Seelen als Schatten leben, ist hingegen ein dunkler, finsterer Ort. Durch den Fluss Styx, der die Toten daran hindert, wieder ins Leben zurückzukehren, wird die Unterwelt von der Oberwelt getrennt.
Gemäss der Theogonie von Hesiod entstanden zuerst Gaia (Erde), Eros (Liebe), Erebos (Finsternis), Tartaros (Unterwelt) und Nyx (Nacht) aus dem kosmischen Chaos. Spannenderweise ist hier nicht zuerst das Licht entstanden, sondern die Dunkelheit; der Tag (Hemera) ging aus ihr hervor – im Gegensatz zu anderen Schöpfungsgeschichten, etwa der christlichen, die mit dem berühmten «Fiat Lux» (Es werde Licht) des Schöpfergottes beginnt.
Gleichzeitig mit oder aus den Olympiern, welche «Grosskinder» der Gaia waren, entstanden später die Lichtergötter: Zu nennen sind hier etwa Apollon (Licht), Zeus (Blitz), Helios (Sonne), Phosphoros (Morgenstern), Hyperion (Licht) und Hephaistos (Feuer).
Aus dem Lateinunterricht wissen wir, dass Zeus in der griechischen Mythologie als Göttervater mächtiger als alle anderen Götter war und folglich über ihnen stand. Sein Name kommt von der indogermanischen Wortwurzel «diu», was «hell» bedeutet und somit für Licht steht. Das wichtigste Attribut des obersten Gottes sind seine Blitze, die auch seine göttliche Macht symbolisieren. Mit diesen Blitzen besiegte er die Titanen (Kinder der Gaia) und konnte immer wieder in das Leben der Götter und Sterblichen eingreifen.
Der «Morgenstern» wurde von den alten Griechen unter dem Namen Phosphoros (auch Eosphoros) verehrt, was übersetzt «Lichtträger» bedeutet. Auch die Römer hatten einen Namen für den Morgenstern: Lucifer. Erst im Christentum entstand die noch heute bekannte Verbindung zwischen Lucifer und dem Teufel. Demnach war Lucifer ein Engel, in manchen Überlieferungen sogar «Gottes Liebling», welcher sich dann aber gegen seinen Gott auflehnte und dadurch in die Dunkelheit verbannt wurde. So wurde er zur heute bekannten Personifikation des Bösen.
Die Sonne wird vom «Sonnengott» Helios verkörpert. Mit Apollon, dem Gott des Lichts, teilt er den Beinamen «Phoibos» (der Leuchtende). Zur Zeit der alten Griechen herrschte das Weltbild der Erde als Scheibe vor, und man glaubte, dass Helios jeden Tag in seinem Himmelswagen von seinem weit im Osten liegenden Palast um die Erde herum fuhr. Im äussersten Westen setzte er seinen Vierspänner jeweils wieder ab, um ein ambrosisches Mahl einzunehmen. Nachts schiffte er auf dem Okeanos am äussersten Rand der Erde wieder zurück zu seinem Palast.
Ägyptische Mythologie
Auch im Alten Ägypten war das Licht – vor allem die Sonne – sehr wichtig. Die Sonne und ihr Licht trugen die Schöpferkraft in sich. Die Pyramiden zum Beispiel stellen einen Lichtstrahl vom Himmel zur Erde dar. Als Stufenpyramiden bilden sie eine Leiter zur Sonne. Fast das ganze Leben wurde durch den Sonnenlauf bestimmt. Der Osten steht dabei für den Ort der Geburt, der Westen ist der Eintritt in die unsichtbare Welt. Beides Orte, an denen das Unsichtbare auf das Sichtbare trifft. Der Sonnenlauf zeigt symbolisch auch die Abfolge von Leben und Tod: Wenn die Sonne untergeht, tritt sie in eine andere Dimension ein, welche sich ausserhalb des Wahrnehmbaren für den Menschen befindet; in dieser anderen Dimension reinigt sich die Sonne, damit sie am Morgen im Osten wiedergeboren werden kann.
Selbst im Tod wurde dem Licht noch eine grosse Bedeutung zugeschrieben. Denn am Ende des Duat – einem Ort, der sich zwischen Tag und Nacht, zwischen Licht und Dunkelheit, zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren verbirgt – leuchtet das absolute Licht. In dieses blaue Ur-Licht, das von blossem Auge nicht sichtbar ist, können nur jene treten, die alle Lebensprüfungen bestanden haben. Erst wenn sich die Seele in ein reines Lichtwesen verwandelt hat, kann sie als ein himmlisches Leben wiedergeboren werden.
In der ägyptischen Mythologie gibt es sehr viele Götter. Die Mythen um einige dieser Götter sind sehr verworren. Götter, die mit Licht assoziiert wurden, waren unter anderem Horus, Re/Ra, Aton, Atum, Chepre, Harachte und noch viele mehr. Die wohl berühmtesten Vertreter sind aber Horus, der Königsgott und Lichtgott, sowie Re, der Sonnengott.
Wie Heike Owusu in «Symbole Ägyptens» schildert, herrschten gemäss dem Mythos die Götter am Anfang der Welt als Könige. Re stand als Ursprungsgott, als König aller Existenz, an der Spitze. Er war dem Urhügel entstiegen, um die Menschheit zu erschaffen. Seine Pflicht auf Erden bestand darin, stets nach dem Rechten zu sehen und den Fortbestand allen Lebens zu sichern. Anschliessend soll er sich wieder in den Himmel zurückgezogen haben. Tagsüber fuhr er mit seiner Tochter Maat durch den Himmel und nachts durch das Totenreich, um am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang wiedergeboren zu werden.
Re ist der altägyptische Sonnengott. Im Ägyptischen bedeutet sein Name schlicht «Sonne». Die alten Ägypter glaubten, die Sonne selbst sei ein Gott und daher nicht von einem göttlichen Wesen erschaffen worden. Re war einer der wohl wichtigsten und auch mächtigsten Götter, Schöpfer der Menschheit – und zugleich ihr Beherrscher und Erhalter.
Auch Horus war ein Hauptgott im Alten Ägypten. Ursprünglich war er ein Himmelsgott, später dann auch ein Königsgott, ein Weltengott, ein Lichtgott, ein Kriegsgott sowie Beschützer der Kinder. Meist wurde er in Zeichnungen als Falke dargestellt. Wie Manfred Lurker in seinem «Lexikon der Götter und Symbole der alten Ägypter» ausführt, stand in Horus‘ Ursprungsform als Himmelsgott das linke Auge für den Mond und das rechte Auge für die Sonne. Um die Augen des Horus ranken sich viele verschiedene Mythen, genauso wie um Horus selbst. Durch seine Funktion als Kriegsgott entstand der Glaube, dass der Pharao seine irdische Verkörperung sei. Dies führte dazu, dass die Pharaonen den Namen des Horus in ihrer Königs-Titulatur trugen.
Von Skyla Rossi und Carla Wälchli, G3L