Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03622.jsonl.gz/13

Georgia O’Keeffe in Music
Musikalischer Rundgang zur Ausstellung
“Singing has always seemed to me the most perfect means of expression. It is so spontaneous. Since I cannot sing, I paint."
- Georgia O'Keeffe
Auf der Suche nach den Quellen der Inspiration von Georgia O’Keeffe stösst man immer wieder auf Musik. Die Gemälde von O'Keeffe haben für viele Betrachter*Innen einen musikalischen Charakter, gerade weil sie auffallend direkt sind in ihrer emotionalen Qualität. O‘Keeffe selbst hat in ihren jungen Jahren Geige gespielt und hielt Gesang für das perfekte künstlerlische Ausdrucksmittel. Ihr Interesse an Musik war gross, was auch aus Titeln von Gemälden wie Blue and Green Music ersichtlich ist. Wir haben uns auf die Suche nach musikalischen Spuren in Georgia O’Keeffes Leben gemacht und ihr Werk auf Schnittstellen zwischen Musik und Malerei untersucht. Entstanden ist eine musikalische Wanderung durch die Regionen und Stationen ihrer Biographie – intuitiv und symbolisch, aber auch journalistisch und faktenorientiert. Und nicht zuletzt unter Berücksichtigung von Georgia O’Keeffes eigenen musikalischen Vorlieben.
Musik-Playliste erstellt von: Dominic Dillier
Saal 1: 1915 / 1916 – Blue
Georgia O’Keeffes Bilder sind oft ergreifend in ihrer Einfachheit, wie eine klassische Sonate oder ein romantisches Lied. Blue ist der Name einer Reihe von Bildern, mit denen O'Keeffe möglicherweise ihre persönliche Erfahrung mit Musik zum Ausdruck bringen wollte. So ähnelt die Form der Schnecke einer Geige, die sie zu dieser Zeit spielte. Durch die Verwendung von Linien und die intensive blaue Farbe könnte sie auch Gefühle ausgedrückt haben, die sie durch die Musik empfand.
Aaron Rosand – Beethoven’s Sonate No. 5 in F Major – Adagio
Lied abspielen
Saal 2: Biographie
Musik spielte eine grosse Rolle in Georgia O’Keeffes Leben. In ihrem Haus in New Mexico stand eine gute Stereoanlage und eine reich bestückte Plattensammlung, hauptsächlich mit klassischer Musik. Obwohl sie mit dem Komponisten Aaron Copland befreundet war und in späten Jahren mit Folk-Ikone Joni Mitchell besass sie wenig zeitgenössische Musik. In ihrem Wohnzimmer gab es Platten von Stravinsky, Gershwin oder Edith Piaf und ansonsten vor allem Klassik aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Beethoven, Bach, Schubert oder Haydn sowie Verdi, Wagner und Monteverdi Opern.
Lesesaal (kein Lied)
Saal 3: Blue and Green Music
Um 1920 malte O’Keeffe eine Reihe von Werken, in denen sie die Idee erforschte, dass Musik in etwas für das Auge übersetzt werden könnte. Blue and Green Music ist Teil dieser Serie. Sie wählte eine Palette von Blau- und Grüntönen, um die Variationen musikalischer Töne zu replizieren und sie in den Bereich des Visuellen zu übertragen.
Blau in Grün ist für viele Leute, wenn das Heitere (grüne) Gefühl von einem Gefühl der Melancholie (Blue) begleitet wird, vergleichbar mit einem Moment der Glückseligkeit, einem erreichten Ziel, einem Hochgefühl, das leider unweigerlich vergehen wird. Dies ist der Moment, in dem das Blaue, (der Blues) im Grünen auftaucht.
Miles Davis – Blue in Green
Lied abspielen
Saal 4: Blumenbilder / Pop Art
O’Keeffes ikonische Blumengemälde entstanden ab Mitte der 1920er Jahre. Die in extremer Nahsicht gemalten, sinnlich anmutenden Blüten, die den gesamten Bildraum füllen, wurden zu ihrem Markenzeichen. Der eng gewählte Bildausschnitt und die Vergrösserung des Motivs führten zu einer abstrahierten Wiedergabe der natürlichen Formen. Auch Andy Warhol bewunderte diese Blütenbilder und porträtierte die hochbetagte O’Keeffe 1979 in seiner New Yorker Factory.
Velvet Underground: Ride into the Sun
Lied abspielen
Saal 5: Hochhäuser / New York
Aaron Coplands Quiet City, gespielt vom English Symphony Orchestra steht symbolisch für O'Keeffes Bilder von Hochhäusern, v.a. dem Shelton Hotel, in dem sie nach ihrer Heirat mit Stieglitz wohnte. Ein Lied, das an eine nächtliche Stadt erinnert, deren einziges Licht von den hoch aufragenden Wolkenkratzern kommt. Auch ein Hauch von Jazz.
Aaron Copland: Quiet City
Lied abspielen
Saal 6: Lake George, 20er-Jahre (Sommer & Herbst), New York (Winter & Frühling)
Die 1920er Jahre verbrachte Georgia O’Keeffe jeweils im Sommer am Lake George und im Winter in New York. Die Jahre waren geprägt vom Zeitgeist der Roaring Twenties, in denen in Städten wie New York der Jazz pulsierte. Mit dem Aufkommen des Radios entstanden neue Klangwelten. Die Musik der klassischen Moderne von Strawinsky, Hindemith oder Gershwin war regelmässig am Radio zu hören. In der Malerei waren zu dieser Zeit verschiedene Künstler bestrebt, Gemälde zu schaffen, die wie Musik waren. Diesen Ansatz nahm Brian Eno Jahre später auf seinem Album On Land auf und kehrte ihn ins Gegenteil um. Sein Ziel war es, eine Musik zu machen, die der Malerei gleicht; ein Versuch, etwas in die Musik zu übertragen, was in der Malerei bereits möglich ist: eine figurative Umgebung zu schaffen.
Brian Eno: Unfamiliar Wind
Lied abspielen
Saal 7: This is Not O‘Keeffe Country
O’Keeffe reiste 1929 erstmals für einen mehrmonatigen Aufenthalt nach Taos in den Norden New Mexicos. Sie war tief beeindruckt von der weiten, wüstenartigen Landschaft und der indigenen Kultur sowie den hispanischen Traditionen. Der Begriff O'Keeffe Country wurde später häufig verwendet, um das Gebiet im Norden New Mexicos zu beschreiben, in dem die Künstlerin lebte und malte. Dies wird insbesondere von der indigenen Bevölkerung kritisiert. Die Tewa, eine Sprachgemeinschaft der Bevölkerungsgruppe der Pueblo, lebten in dieser Gegend schon hunderte von Jahren bevor die Malerin dorthin zog. Die Landschaft, welche O’Keeffe zu ihren Bildern inspirierte sei «Tewa Country und nicht O’Keeffe Country», sagt der indigene Künstler Jason Garcia.
Tewa – The Prisoner Song / Hopi Chants by the fire
Lied abspielen
Saal 8: Desert Sessions
Georgia O’Keeffe setzte sich Zeit ihres Lebens zeichnend und malend den Landschaften und der Natur aus, in denen sie Sujets für ihre Werke fand. In den kargen Landschaften New Mexicos, wo sie den bedeutendsten Teil ihrer kreativen Schaffenszeit verbrachte, malte sie Hügel, Blumen, Berge, Tierskelette oder leerstehende Gebäude. Ein altes Auto diente dort als mobiles Atelier, unter dem sie jeweils Schatten fand, wenn die Sonne erbarmungslos auf sie niederbrannte. Was war es, das Georgia O’Keeffe an dieser Kargheit faszinierte? Exakt diese Landschaften, bei denen die Zeit stillzustehen scheint, haben auch die Band Calexico immer wieder zu Songs motiviert. So war die Inspiration zu ihrem Konzeptalbum Black Light die Wüstengegend von New Mexico und Arizona.
Calexico – Gypsy’s Curse / Close Behind / The Ride Pt. 2
Lied abspielen
Saal 9 – Meisterin der Reduktion
Ein geschwungener Flusslauf, eine Strasse, die sich s-förmig durch die karge Landschaft zieht oder ein schlichter, schwarzer Türeingang in der Patio-Mauer ihres Hauses. Die späteren Werke Georgia O’Keeffes sind sehr reduziert und beschäftigen sich mit dem Grossen und Ganzen, nicht mit Details. So sagte sie selbst, dass Details nur verwirren und sie lieber dem Wesen der Dinge auf der Spur sei. Dieses «Weniger ist Mehr»-Prinzip übt auch in der Musik immer wieder eine große Faszination aus. Der Pianist John Cage, der stark vom Zen-Buddhismus beeinflusst war, schuf sogar eigens Stücke der Stille, um die totale musikalische Reduktion zu erzeugen.
John Cage: In A Landscape
Lied abspielen
Bleiben Sie in Kontakt
Abonnieren Sie unseren Newsletter und folgen Sie uns auf Social Media. So erhalten Sie alle aktuellen Informationen.