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Montag, 20. Juni 2016
L’ASSH se porte bien. Elle joue son rôle d’association faîtière pour une soixantaine de sociétés savantes représentant une large palette de domaines des sciences humaines et sociales, dont la plupart sont dotés de chaires universitaires, alors que d’autres sont ancrés dans le paysage culturel suisse. De nouveaux membres se pressent au portillon. L’un des défis permanents de l’ASSH consiste à mettre en place des structures adaptées aux besoins particuliers de chacune de ses sociétés membres et de leur proposer des activités fédératrices dans lesquelles elles peuvent s’inscrire sans contorsion. Le comité et le secrétariat général doivent donc trouver les dénominateurs communs entre ces entités relativement hétérogènes pour créer une valeur ajoutée et promouvoir des collaborations inattendues et fertiles.
La période 2010–2016, sous la présidence du prof. Heinz Gutscher, a été marquée par des développements importants: un rapprochement entre les différentes académies des sciences dans une structure plus lisible, topographiquement et institutionnellement parlant; l’aboutissement de projets importants, comme le Dictionnaire historique de la Suisse; une redéfinition des rôles entre le Fonds National Suisse et l’ASSH dans la conduite de projets à long terme; et des percées significatives dans des domaines de pointe, comme les humanités digitales, le traitement des grandes masses de données, ou le développement durable. L’ASSH poursuivra dans cette voie, ce qui ne l’empêchera d’affronter de nouveaux défis.
Tout d’abord, il s’agira pour l’ASSH de trouver sa place dans le concert des académies. A l’instar de l’Europe, les Académies suisses des sciences sont encore en gestation et les partenaires sont encore incertains de leur position respective les uns envers les autres. Le nouveau président, M. Campagna, a présenté un programme ambitieux pour la période 2016-2020. L’ASSH a choisi d’y participer en prenant la direction du volet Ageing Society, avec la conviction que les sciences humaines et sociales ont un rôle essentiel à jouer non seulement dans une réflexion sur le vieillissement de la population suisse et mondiale et ses conséquences, mais aussi dans l’intégration du troisième âge dans un projet intellectuel et culturel transgénérationel. C’est à travers de tels projets que les Académies pourront s’épanouir, dans le respect des particularismes, mais avec une conscience aiguë des intérêts communs.
Ensuite, il faudra négocier avec le Fonds National Suisse, voire avec les organes européens, et au nom des sociétés membres de l’ASSH, des modalités de soutien à la recherche qui correspondent aux besoins et aux attentes des domaines concernés. Malgré la diversité des pratiques, l’ASSH a pu prendre, lors d’un récent débat, la mesure des inquiétudes des sociétés membres à l’égard des nouvelles règles de financement du FNS. Il ne s’agit évidemment pas d’engager un bras de fer avec notre grand frère, mais de favoriser un débat constructif afin d’utiliser les deniers publics de la manière la plus efficiente possible.
Finalement, les prises de positions régulières de l’Académie des sciences médicales ou de l’Académie des sciences naturelles, souvent appuyées par l’ASSH, nous rappellent le rôle politique attendu d’une académie. Le silence du monde académique en général et des académies en particulier, dans les mois qui ont précédé la votation du 9 février 2014, devient de plus en plus assourdissant, maintenant qu’on en mesure les effets sur la formation et la recherche. Tout en évitant toute politique partisane, l’ASSH doit se positionner, ne serait-ce qu’en instaurant un débat public, sur des questions sociétales aussi importantes que le numerus clausus en sciences humaines et sociales ou la politique des langues dans le domaine scolaire. L’ASSH est prête à relever ces défis, et d’autres encore.
Jean-Jacques Aubert, président de l’ASSH
Dienstag, 7. Juni 2016
Beitrag von Dominik Weber, Projektleiter «Programme» Gesundheitsförderung Schweiz*
Im Zuge der demografischen Alterung gewinnt die Gesundheit älterer Menschen an Bedeutung. Die Stiftung „Gesundheitsförderung Schweiz“ baut aus diesem Grund ihr Engagement für die älteren Menschen aus. Ein wichtiges Thema ist dabei die Förderung der psychischen Gesundheit im Alter.
Frauen und Männer, die heute in der Schweiz pensioniert werden, haben durchschnittlich noch ungefähr einen Viertel ihres Lebens vor sich. Angesichts dieser ausgedehnten Lebensphase setzen sich internationale Organisationen und Landesregierungen zunehmend dafür ein, dass das Alter bei möglichst guter Gesundheit verbracht werden kann. Die Weltgesundheitsorganisation WHO erarbeitet gegenwärtig eine globale Strategie[1] zum gesunden Altern und auch die Schweizer Gesundheitspolitik strebt an, dass Menschen nicht nur älter werden, sondern auch länger gesund bleiben. So nimmt die Gesundheit älterer Menschen beispielsweise in der „Nationalen Strategie zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (NCD-Strategie)“[2] und den gesundheitspolitischen Prioritäten des Bundesrates „Gesundheit 2020“[3] eine besondere Rolle ein.
Bereits 1948 hielt die Weltgesundheitsorganisation in ihrer Gründungspräambel fest, dass Gesundheit eine körperliche, psychische und soziale Dimension umfasst. Angesichts von abnehmenden körperlichen und sozialen Ressourcen kommt der psychischen Gesundheit im Alter sogar ein besonders hoher Stellenwert zu. Für die einzelne Person ist die psychische Gesundheit ein wesentliches Element einer hohen Lebensqualität, sie fördert die Selbstständigkeit und erleichtert den Umgang mit körperlichen Erkrankungen und Behinderungen. Psychisch gesunde Personen im Pensionsalter sind zudem ein grosses Potenzial für die Gesellschaft, weil sie sich häufig innerhalb der Familie oder im Rahmen von Freiwilligenarbeit engagieren. Aus diesen Gründen, und um den Kostenanstieg im Gesundheitswesen zu dämpfen, lohnt sich die Förderung der psychischen Gesundheit im Alter.
Die psychische Gesundheit älterer Menschen ist interindividuell sehr unterschiedlich. Über die gesamte ältere Bevölkerung hinweg betrachtet stellt man jedoch fest, dass Menschen im Pensionsalter in mancher Hinsicht sogar über mehr Ressourcen verfügen und psychisch gesünder sind als Personen im mittleren Erwachsenenalter. So sind beispielsweise die Lebenszufriedenheit, das Vitalitätsempfinden und der Optimismus bei den 65-74-Jährigen höher als bei jüngeren Vergleichsgruppen[4],[5]. Dennoch ist in der Schweiz davon auszugehen, dass 15–25 % der älteren Menschen an mindestens einer psychischen Erkrankung leiden. Zu den häufigsten psychischen Erkrankungen und Problemen im Alter gehören Depressionen, Angsterkrankungen, Delir, Suchterkrankungen und Schlafstörungen[6]. Demenzerkrankungen, die als organische Krankheiten auch psychische Symptome aufweisen, führen im Alter ebenfalls zu einer hohen Krankheitslast. Eine psychosoziale Herausforderung, die im Alter besondere Aufmerksamkeit verdient, ist die Einsamkeit. Aufgrund kritischer Lebensereignisse, die für das Alter typisch sind (z.B. Pensionierung, Pflege eines Angehörigen oder Verwitwung), sind ältere Menschen nämlich besonders gefährdet, den Anschluss an die Gesellschaft zu verlieren und zu vereinsamen. Fast jede dritte Person im Pensionsalter gibt an, sich manchmal bis sehr häufig einsam zu fühlen[7]. Soziale Ressourcen sind jedoch zentral zur Bewältigung von Belastungen und für den Erhalt der Gesundheit[8]. Ältere Menschen, die sich einsam fühlen, haben nicht nur eine kürzere Lebenserwartung, sondern leiden auch häufiger unter Bluthochdruck und depressiven Symptomen, schlafen schlechter und erkranken häufiger an Demenz[9],[10]. Zusammenfassend stellen amerikanische Forscher im Rahmen einer Metaanalyse fest, dass Einsamkeit hinsichtlich der Morbidität und Mortalität so ungesund ist wie Rauchen[11].
Ein zentraler Ansatz zur Förderung der psychischen Gesundheit im Alter besteht deshalb darin, verschiedene Anreize und Möglichkeiten zur sozialen Teilhabe zu schaffen. Aktivierende Gruppeninterventionen wirken dabei auf mehreren Ebenen: Sie verbessern das psychische Wohlbefinden und die kognitive Leistung, gleichzeitig beugen sie Angststörungen und Depressionen vor und führen zu einer verminderten Beanspruchung der Gesundheitsdienste[12],[13].
Vor dem Hintergrund der demografischen Alterung baut Gesundheitsförderung Schweiz ihr Engagement im Bereich der Gesundheitsförderung im Alter aus. Sie tut dies in Übereinstimmung mit gesundheitspolitischen Strategien auf nationaler Ebene und den Bedürfnissen der Schweizer Kantone. Ziel des Engagements von Gesundheitsförderung Schweiz ist es, dass ältere Menschen die gewonnenen Lebensjahre möglichst lange bei guter Gesundheit und hoher Lebensqualität verbringen können. Durch die Verbesserung der Gesundheit und die Reduktion von Pflegebedürftigkeit im Alter soll zudem ein Beitrag zur Dämpfung der Kostenentwicklung im Gesundheitswesen geleistet werden.
Mehr zu diesem Thema erfahren Sie in einem kürzlich veröffentlichten Bericht von Gesundheitsförderung Schweiz: Weber et al. (2016): Gesundheit und Lebensqualität im Alter. Grundlagen für kantonale Aktionsprogramme «Gesundheitsförderung im Alter». Bericht 5. Bern und Lausanne: Gesundheitsförderung Schweiz.
Download: https://gesundheitsfoerderung.ch/assets/public/documents/1_de/d-ueber-uns/5-downloads/Bericht_005_GFCH_2016-03_-_Gesundheit_und_Lebensqualitaet_im_Alter.pdf
[4] Daten aus der Schweizerischen Gesundheitsbefragung (SGB) 2012
[5] Moreau-Gruet, F. (2014). Monitoring zur psychischen Gesundheit – mit Fokus «Ältere Menschen» und «Stress am Arbeitsplatz». Aktualisierung 2014. Bern und Lausanne: Gesundheitsförderung Schweiz.
[6] Weber et al. (2016): Gesundheit und Lebensqualität im Alter. Grundlagen für kantonale Aktionsprogramme «Gesundheitsförderung im Alter». Bericht 5. Bern und Lausanne: Gesundheitsförderung Schweiz.
[7] Daten aus der Schweizerischen Gesundheitsbefragung (SGB) 2012.
[8] Siehe z.B. Bachmann, N. (2014). Soziale Ressourcen als Gesundheitsschutz: Wirkungsweise und Verbreitung in der Schweizer Bevölkerung und in Europa. Obsan Dossier 27. Neuchâtel: Schweizerisches Gesundheitsobservatorium.
[9] Schäffler, H., Biedermann, A., & Salis Gross, C. (2013). Soziale Teilhabe. Angebote gegen Vereinsamung
und Einsamkeit im Alter. Bern.
[10] Cacioppo, S., Grippo, A. J., London, S., Goossens, L., & Cacioppo, J. T. (2015). Loneliness: Clinical Import and Interventions. Perspectives on Psychological Science, 10(2), 238–249
[11] Holt-Lunstad, J., Smith, T. B., Baker, M., Harris, T., & Stephenson, D. (2015). Loneliness and Social Isolation as Risk Factors for Mortality: A Meta-Analytic Review. Perspectives on Psychological Science, 10(2), 227–237
[12] Wettstein, A., Dyntar, D., & Kälin, M. (2014). Gesundheitsrisiko Vereinsamung im Alter. Swiss Medical Forum, 14(47), 877–880
[13] Dellenbach, M., & Angst, S. (2011). Förderung der psychischen Gesundheit im Alter. Online unter www.gesundheitsfoerderung.ch
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*Dieser Artikel entstand im Zusammenhang mit dem SAGW-Bulletin 1/2016 «Gesunde altern in der Schweiz», http://www.sagw.ch/sagw/oeffentlichkeitsarbeit/bulletin.html
Die SAGW bearbeitet in enger Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) teilweise gemeinsam, teilweise komplementär, jedoch in allen Aspekten eng koordiniert das Thema «Gesundheit». Das Programm orientiert sich am „Horizon 2020 Workprogramme 2014 – 2015 Societal Challenge I Health, Demographic Change and Wellbeing“ sowie an den Empfehlungen der „League of European Research Universities“ (LERU).
Weitere Informationen: http://www.sagw.ch/sagw/laufende-projekte/gesundheit.html
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Donnerstag, 26. Mai 2016
Wohin sollen jüdische Israelis gehen, wenn sie in Tel Aviv sitzen und einen neuen Ort suchen? Berlin? Also Deutschland. Aber mit der Geschichte? Doch es ist immerhin Berlin, die Weltstadt. Oder in die Schweiz? Zürich, Basel, Bern oder Genf wären auch eine Möglichkeit. Warum suche ich überhaupt einen neuen Ort? Sind es rein ökonomische Gründe, platt gesagt, geht es um den Preis für Hüttenkäse und Schoggipudding in Israel? Berlin ist günstig – aber Zürich? Oder geht es um ein Lösen vom israelischen Narrativ und dafür ein deutsches oder schweizerisches Narrativ einzutauschen? Und was erwartet Israelis in beiden Ländern? Von einem munteren Willkommen bis zur Reduktion auf die Ansichten der aktuellen israelischen Regierung kann alles drin liegen.
Über diese Fragen spricht zunächst Dani Kranz von der Stiftung Wissenschaft und Politik (Berlin) mit dem Fokus Berlin. Anschliessend setzt der Zürcher Historiker Ralph Weingarten den Fokus afu die Schweiz. Schweiz. Erik Petry leitet nach den Inputs eine Gesprächsrunde mit den beiden Vortragenden, bei der auch die Fragen aus dem Publikum einbezogen werden.
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Jüdische Migration nach Deutschland und in die Schweiz.
Montag, 30. Mai, 2016, 19.30 Uhr, Universität Zürich, Theologisches Seminar, Kirchgasse 9, Raum 200.
Über diese Fragen spricht zunächst Dani Kranz von der Stiftung Wissenschaft und Politik (Berlin) mit dem Fokus Berlin. Anschliessend setzt der Zürcher Historiker Ralph Weingarten den Fokus afu die Schweiz. Schweiz. Erik Petry leitet nach den Inputs eine Gesprächsrunde mit den beiden Vortragenden, bei der auch die Fragen aus dem Publikum einbezogen werden.
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Jüdische Migration nach Deutschland und in die Schweiz.
Montag, 30. Mai, 2016, 19.30 Uhr, Universität Zürich, Theologisches Seminar, Kirchgasse 9, Raum 200.
Die Abendveranstaltung findet im Rahmen der Veranstaltungsreihe «La Suisse existe - La Suisse n'existe pas» statt.
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Von Dichtestress zu Dichtequalität
Die Soziologin Margrit Hugentobler vom ETH Wohnforum − ETH Case eröffnete die Runde mit einem Inputreferat zu den baulichen, sozial-interaktiven und funktionalen Dichtequalitäten. Sie ging auf die unterschiedlichen Definitionen von Dichte ein. Die Vorstellungen darüber hängen ab von persönlichen Präferenzen, individuellen Lebenserfahrungen, Wohnsituationen und Lebensstilen, aber auch davon, ob jemand in städtischem oder ländlichem Umfeld aufgewachsen ist. Der Dichtestress wird z. B. am grössten in Appenzell empfunden. Meist wird unter Dichte nur die bauliche Dichte verstanden. Dabei geht es um den Ausnutzungsgrad eines Grundstücks: In Paris leben 21 000 Personen pro km2, in Wien 4400, in Zürich 4200, in Bern 2400. Genauso wichtig sind auch gesellschaftlich-raumplanerische Aspekte wie Zersiedelung, Flächenkonsum, Mobilitäts- und Infrastrukturkosten und Aspekte der sozialen und funktionalen Dichte. Unter sozialer Dichte bzw. Interaktionsdichte werden die Intensität und Wechselwirkungen zwischen Bewohnern bzw. Beschäftigten in einem bestimmten Raum verstanden. Unter funktionaler Dichte versteht man die unterschiedlichen Nutzungen wie Wohnen, Gewerbe, Bildungs- und Versorgungseinrichtungen in einem Raum. Der Bezug von baulicher, sozialer und funktionaler Dichte macht Urbanität aus. Im Gegensatz zu der Landflucht der 1970er- und 1980er-Jahre gewinnt heute das urbane Leben zunehmend an Attraktivität. Der Trend geht «zurück in die Stadt». Ihre Ausführungen belegte sie mit zwei Beispielen aus Zürich: dem Neubau Kalkbreite und der Sanierung der denkmalgeschützten ABZ-Siedlung Sihlfeld. Beide zeigen eindrucksvoll, was eine qualitätssteigernde städtische Verdichtung sein kann. Ihr Fazit: Um bauliche, soziale und funktionale Dichtequalitäten zu erreichen, müssen Stadt-/Siedlungsentwicklung und Sozialplanung als Einheit gesehen, bauliche und gestalterische Qualitäten im Kontext eines Quartiers verstanden, öffentliche Räume sorgfältig gestaltet und gemeinschaftliche Infrastrukturen effizient genutzt werden.
Sanierung von Siedlungen: Ersatzneubau als einzige Lösung?
Daniel Kurz, Historiker und Chefredaktor von werk, bauen + wohnen, warf in seinem Referat einen Blick zurück auf die Wohnsiedlungen des 20. Jahrhunderts und fragte nach deren Tauglichkeit für die Zukunft. Der Bedarf an neuem Wohnraum ist in den letzten 15 Jahren gewachsen. Die Stadtbevölkerung in Zürich nahm um 50 000, diejenige in Bern um 14 000 zu. In den 1920er-Jahren ging es darum, die sehr grosse Dichte in den Städten, mit der Raum- und soziale Not einhergingen, zu reduzieren. Als Lösung wurde die Gartenstadt propagiert, die von Baugenossenschaften und öffentlichen Stellen gefördert wurde. Mit ihr kamen Licht, Luft und Hygiene in die Wohnungen, und die Genossenschaftsmitglieder, die nun Mitbesitzer ihrer Siedlungen waren, erlebten einen sozialen Aufstieg. So entstanden die Eisenbahnersiedlungen Weissenstein in Bern oder Geissenstein in Luzern, das Zürcher Sihlfeld- und das Lettenquartier und die Gartenstädte Entlisberg und Friesenberg in Zürich. Die Strassen wurden breiter, es gab öffentliche Grünflächen, aber auf Kosten der Wohnfläche. Wichtiger als Freiräume waren Gleichheit, Ordnung und günstige Wohnungen, oft 3-Zimmer-Wohnungen für eine Familie. Diese in die Jahre gekommenen Siedlungen müssen nun erneuert werden. Welche Strategien kommen zur Anwendung? Sanfte Sanierungen ohne Komfortsteigerung, teure Standardverbesserungen bezüglich Energie, Komfort, Fläche oder Ersatzneubauten? Aus Kosten- und Verdichtungsgründen sowie wegen höheren Ansprüchen der Bewohner wird oft der Ersatzneubau gewählt, vor allem in Zürich, wo zurzeit eine richtiggehende Ersatzneubauwelle im Gange ist. Der Ersatzneubau hat Einfluss auf die Stadtstruktur, die Gartenstadt ist nicht mehr die einzige Leitidee. Nicht vernachlässigt werden darf dabei, wie Daniel Kurz ausführte, die funktionale Dichte. Aber auch Instandsetzungen sieht er als mögliche Strategie, vor allem für denkmalgeschützte Objekte, und als Möglichkeit, günstigen Wohnraum für Junge, WGs und Alleinerziehende zu erhalten.
Podium: Sanft renovieren oder ersetzen?
Das Podium eröffnete Karin Salm mit der Frage ans Publikum: Wofür würden Sie einstehen: eher sanft renovieren oder ersetzen? Nur wenige waren für den Ersatzneubau, aber die Meinungen waren noch nicht gemacht. Für Jean-Daniel Gross, Denkmalpfleger von Bern, ist die Frage der Verdichtung komplex, es gilt Eigentumsrechte, denkmalgeschützte Bauten und Regeln des Landschaftsschutzes zu beachten. «Verdichtet», sagte er, «wird heute oft da, wo es möglich ist, bei Baugenossenschaften, und nicht da, wo es wünschbar wäre, z. B. im periurbanen Raum der Einfamilienhäuser.» Auch werde auf das durchmischte Wohnen, die funktionale Dichte, zu wenig Gewicht gelegt. Die Architektur hat seiner Meinung nach darauf keine Antwort. Michael Hauser, Stadtbaumeister von Winterthur, meint, dass die Bestände aus den 1920er/1930er-Jahren eher erhalten werden. Den Ersatzneubau sieht er bei den Bauten aus den 1940er/1950er-Jahren, da diese eine schlechtere Energiebilanz und unvorteilhaftere Grundrisse aufwiesen. Er plädierte in jedem Fall für ein kooperatives Vorgehen aller Beteiligten. «Es braucht Lockerungsübungen, diese benötigen Zeit, letztlich lohnen sie sich aber für ein gelungenes und breit akzeptiertes Resultat.» Er glaubt auch, dass kleinteilige Nutzungen im Erdgeschoss möglich sind. Margrit Hugentobler betonte, dass schon beim Bauen die sozialen Problematiken berücksichtigt werden sollten. Auch für sie sind Erdgeschoss-Nutzungen für die funktionale Dichte notwendig. Reto Bieli von der Kantonalen Denkmalpflege Basel-Stadt wies auf die zweijährige Studie Mikroinvasive Massnahmen zum verdichteten Umbau von Wohnbauten und –siedlungen hin, die zeigte, dass der Einbezug der Bewohner nur schon für kleinste Eingriffe sehr wichtig ist und sich, obwohl aufwendig, lohnt. Für Maria Lezzi, Direktorin des Bundesamts für Raumentwicklung ARE, ist ein situatives Reagieren entscheidend: «Dort etwas ins Rollen bringen, wo sich schon etwas bewegt, wo ein Treiber ist.» Auch hält sie ein transparentes Vorgehen der Behörden und institutionalisierte Qualitätsverfahren für unabdingbar. Eine Vertreterin aus der Gemeinde Schlieren, die 40 Prozent Neuzuzüger hat, berichtete, dass sie quartierweise Partizipationsanlässe durchgeführt hätten, z. B. für einen Stadtplatz, und dass dieser offene Prozess auf breite Zustimmung der Bevölkerung gestossen sei. Allerdings brauche es Mut, offene Kommunikation und verlässliche Durchführung der beschlossenen Massnahmen. Margrit Hugentobler wies darauf hin, dass Prozesse auf dem Land oft von Personen angestossen werden müssten und dass es Vorstellungsbilder brauche. Aus dem Publikum wurde auch darauf hingewiesen, dass Nachverdichtungen in Einfamilienhausquartieren nicht zu Zufallsstädtebau führen dürften. Die engagierte Diskussion hätte noch weitergeführt werden können, hätte nicht die fortgeschrittene Zeit und der Apéritif gerufen. Cordula Kessler, Geschäftsführerin von NIKE, dankte allen für die engagierten und erhellenden Voten, hielt fest, dass viele Fragen notgedrungen offenblieben, dass die Diskussion gezeigt habe, dass Fragen der Verdichtung am besten aus dem Kontext und unter Einbezug aller Beteiligten entschieden würden und die kulturelle Vielfalt auf jeden Fall erhalten bleiben müsse.
NIKE, 19.5.2016
Donnerstag, 21. April 2016
Beitrag von Simon Kübler, Student an der Universität Basel
Und nicht nur sie: Über zweihundert Interessierte, vom dreijährigen Knirps bis zum über achtzigjährigen Greis, haben an der Veranstaltung „Fremde Knochen in Schweizer Boden?“ (Archäologie Schweiz/IPNA Uni Basel) die vielfältigen Informationen zum Thema „Migration im Spiegel der Archäologie“ förmlich aufgesogen. Studierende hatten die Vorgehensweise und die Resultate attraktiv und zugleich wissenschaftlich korrekt aufbereitet und dazu Infostände am Rand des samstäglichen Flohmarkts aufgebaut – ein Angebot, das viele Passantinnen und Passanten nutzten. Mit der schweigenden, aber wirkungsvollen Mitarbeit zweier künstlicher Skelette wurde ihnen die Spurensuche nach fremden Kultureinflüssen oder nach der Herkunft von Menschen dargelegt. In angeregten Gesprächen wurden an den Infoständen über die Herkunft der „ersten Europäer“ debattiert und die Erkenntnisse der Archäologie mit vielen Objekten illustriert. Vertieft wurde das Thema in Kurzvorträgen, die ebenfalls regen Anklang fanden.
Dass selbst als ur-schweizerisch taxierte Speisen nicht „schon immer“ in unserem Land vorhanden waren, lernten die Besucher/innen an einem weiteren Stand – und das nicht nur in Form trockener Erkenntnisse, sondern ganz direkt in Form von Olivenbrötchen, mit Honig verfeinertem Getreidebrei, kräutergewürztem Brotaufstrich und Rösti. Schnell wurde klar, dass die Römer mit ihren Nahrungsgewohnheiten, aber auch mit neu eingeführten Pflanzen wie dem Nussbaum, der Kirche , der Petersilie und vielen weiteren den Speiseplan der Schweiz sehr bereichert haben. Einen weiteren Sprung bewirkte die Entdeckung der neuen Welt, mit der sich ganz neue kulinarische Möglichkeiten aufgetan haben – Kartoffel, Tomate, Mais, Kakao sind erst seit jener Zeit hier bekannt.
In vielen unterschiedlichen Beispielen wurde veranschaulicht, dass Migration kein Phänomen der Moderne ist. So wurde erklärt, dass Spurenelemente in Knochen und Zähnen verraten, wo jemand aufgewachsen ist, ob er oder sie also einheimisch oder immigriert war. Die Reste alter DNA erlaubten es, die Heimat der ersten Bauern in Europa zu rekonstruieren.
Montag, 18. April 2016
Veranstaltung: Zur Diskussion: SNF-Projektförderung in den Geistes- und Sozialwissenschaften (7. April 2016). Ein Beitrag von Dr. Marlene Iseli
Während für die GSW die Berücksichtigung verschiedener Wissenschaftskulturen wichtig ist, scheinen die Trends in der Forschungsförderung in Richtung Vereinheitlichung und Gleichbehandlung zu gehen. Diese gegenläufigen Entwicklungen werden z.T. mit grosser Sorge beobachtet. Dabei wird nicht selten der Verdacht geäussert, dass man sich in der Forschungsförderung stark an den Naturwissenschaften orientiert. Auch bei den Reformen in der SNF-Projekt und Karriereförderung würden vorwiegend der ETH-Bereich und die Life Sciences profitieren, wobei gerade die Forschungspraxis der kleineren Fächer stark beeinflusst werden dürfte. Ist eine Orientierung an naturwissenschaftlichen Modellen tatsächlich erkennbar? Einige – nicht abschliessende – Überlegungen dazu:
One person – one grant
Mit der neuen Regel one person one grant will der SNF Stellvertretergesuche vermeiden, die Frage des ownerships eines Projekts berichtigen, diversifizieren und legitimerweise einen realistischen Einsatz des Hauptantragstellers einfordern. Nur bei thematisch eindeutiger Abgrenzung kann man in der Ausnahme ein zweites Projekt beantragen. Bedeutet das nun, dass man dieses eine Projekt viel grösser gestalten soll – schliesslich gibt es für das Finanzierungsvolumen keine Obergrenze. Befeuert dies nicht zusätzlich die künstliche Portionierung von Forschungsinhalten, wie sie bereits mit der Projektförderung begünstig wird? Ist es nicht ist sinnvoll, dass grosse Themen mit verschiedenen Kleinprojekten angegangen werden?
Caspar Hirschi zeigt Verständnis für diese Neuregelung. Das aktuelle System, dass seiner Meinung nach eine Postdoc-Blase mit enormen Folgeschäden generiert, verantwortet einen massiven Potenzialverschleiss sowie prekäre Karriereperspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Die Projektförderung habe zu diesem enormen Stellenwachstum über die letzten Jahre beigetragen. Es stelle sich die Frage, ob denn one person one grant zwingend grössere Projekte heisse. Da müsse man halt ein Projekt nach dem anderen machen. Bis anhin war die Praxis, dass die Post-docs die Anträge schrieben, die sich dann von den Professoren angeeignet wurden. Das sei ein Missstand mit Blick auf das ownership.
Koppelung Immatrikulationszeitpunkt mit Beginn der Förderdauer von 4 Jahren
Die Ausdehnung der Projektförderung auf 4-Jahre sei im Grundsatz lobenswert, wird aber genau wegen dieser Regelung unterlaufen, so Virginia Richter. Es läge in der geistes- und sozialwissenschaftlichen Wissenschaftskultur, als Doktorandin eben nicht in ein vordefiniertes Programm einzusteigen. Die selbständige Erarbeitung einer einschlägigen Fragestellung ist Teil der Forschungsleistung. Bei dieser Koppelung an den Immatrikulationszeitpunkt fehlt genau in der intensiven Schreibphase beim Abschluss der Doktorarbeit das Geld.
Sinergia: Ausrichtung auf breakthrough research mit dem Prinzip high risk – high reward
Die wirklich grossen Fragen der Forschungsförderung werden von Jean-Jacques Aubert in seinem Einstiegsvotum adressiert und bleiben unbeantwortet: Kann eine nationale Politik, die die Wissensgesellschaft doch stark top-down im Zeichen von Innovation, breakthrough-research und Nutzensorientierung zu steuern versucht, die Wissensprozesse in diesem Sinne so stark kanalisieren? Ist Innovation nicht oft auch „le fruit du hasard“, der sich nicht einfach so erzwingen lässt? Ist grösster Wettbewerb immer der richtige Treiber für Bestleistungen, oder wäre eine Ermöglichungskultur mit dem notwendigen Vertrauen nicht elementar für eine nachhaltige Forschung?
Gute Absichten und antizipierte unerwünschten Nebeneffekte
Zweifellos kann man mehreren Absichten der SNF-Reformen eine positive Komponente abgewinnen, aber die Berücksichtigung von den bisweilen stark unterschiedlichen Wissenschaftskulturen scheint an einem eher bescheidenen Ort.
Der SNF ist sich den Befürchtungen der GSW jedoch bewusst. Man will die Effekte sorgfältig beobachten und ist offen für Anpassungen nach der Implementierung des Reglements. Der Ball liege nun bei den Universitäten. Wir verfolgen die weiteren Entwicklungen mit Interesse
Donnerstag, 7. April 2016
Beitrag von Simon Kübler, Student an der Universität Basel
… Die Schweiz steht vor beunruhigenden Zeiten: fremde Menschen mit ungewohnten Sitten und Sprachen haben ihre Heimat verlassen und drängen in die Schweiz. Das geordnete Leben und der Reichtum der hier Lebenden sind bedroht – manche der Fremden stehlen, sind gewalttätig, achten die hier geltenden Gesetze nicht.
Ein Szenario aus dem Jahr 2016, von dem wir befürchten, dass es eintreffen könnte? Nein, es sind Schilderungen und Ängste, welche Menschen hier vor 1500 Jahren bewegten, wie Melanie nun erfährt. Wie vielen heute Lebenden ist ihr aber nicht bewusst, wie sehr Migration und die Ankunft Fremder mit eigener Kultur die Geschichte unseres Landes geprägt haben. Nein, Migration ist kein Phänomen der Moderne. In unserer Veranstaltung geben wir uns aber nicht mit einem „Das war schon immer so“ zufrieden und bieten Ihnen aus „erster Kelle“ die Informationen aus dem grössten Geschichtsbuch der Schweiz — dem Boden!
Die Archäologie untersucht Traditionen und neue Einflüsse. Sie zeigt damit die Migration aus einer ganz anderen Perspektive. Wir haben Passanten nach ihrem Wissen und ihren Ansichten befragt und stellen diese den aktuellsten Forschungsergebnissen gegenüber. Mit Dingen aus unserem täglichen Leben, mit Vorträgen und Infoständen, referiert und präsentiert von Studierenden der Universität Basel, zeichnen wir das heute gültige Bild von Tradition und Wechsel auf eine wissenschaftlich richtige, aber unterhaltsame Art.
Bei uns erfahren Sie, wie man mitunter die Heimat eines „fremden“ Skeletts findet und wie man dem Menschen eine Geschichte wiedergiebt. Sie können sich selbst als Forensiker der Vergangenheit betätigen, und sie lernen Methoden der naturwissenschaftlichen Archäologie kennen.
Zudem können Sie die Schweizer Geschichte erschnuppern und in Schweizer Tradition schlemmen, wortwörtlich! Unsere Gourmet-Köche bieten Ihnen „urschweizerische“ Speisen, die Sie auf der Zunge zergehen lassen können. Erfahren Sie selbst, wie bekömmlich die Auswirkungen der Migration sein können.
All das und vieles mehr finden Sie am Samstag, dem 16. April für Sie zubereitet und aufgetischt am Petersplatz in Basel. Die Studierende der Altertumswissenschaften der Universität Basel sowie Archäologie Schweiz heissen Sie herzlich willkommen!
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«Fremde Knochen in Schweizer Boden – Migration im Spiegel der Archäologie» – Organisiert und durchgeführt im Rahmen der SAGW-Veranstaltungsreihe „La suisse existe – la suisse n’existe pas“ von der Archäologie Schweiz und den Studierenden der Altertumswissenschaften der Universität Basel.