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Autor: Karin Aebischer
Am 7. Januar 2011 ist Rea Schafer nach Kairo gereist, um im Swiss Medical Center im Auftrag der Zürcher Schulthess-Klinik als Physiotherapeutin zu arbeiten. Vier Monate sollte sie bleiben. Aufgrund der unsicheren Lage ist sie nun am Donnerstag in die Schweiz zurückgekehrt, will aber so schnell wie möglich wieder nach Kairo. Die 28-Jährige hat miterlebt, wie Freunde verletzt und gezeichnet von Demonstrationen zurückkamen, und sie musste zu ihrem Schutz in ein anderes Viertel der Stadt flüchten.
Rea Schafer, Sie waren in Kairo, als die Demonstrationen der Mubarak-Gegner losgingen. Wie haben Sie die Situation erlebt?
Am Donnerstag hat man mir bereits gesagt, dass ich am nächsten Tag nicht in die Downtown gehen solle, da es Demonstrationen geben werde. Am Freitag und Samstag waren wir von der Aussenwelt abgeschnitten, da weder Internet noch Mobiltelefone funktionierten. Ich war jedoch nie mitten in einer Demo.
Sie haben jedoch Freunde, die Ihnen von den Demonstrationen erzählten.
Ja, ich kenne einige, die sich daran beteiligten. Ein Freund, ein Einheimischer, kam mit Platzwunden zurück und sah aus, als käme er direkt aus dem Krieg. Er war ob der Brutalität sehr überrascht, zumal er eine friedliche Demonstration erwartet hatte.
Wie haben Sie die restlichen Tage bis zu Ihrem Abflug verbracht?
Ich wurde von Oliver Häuss-ler, dem Neurologen der Schulthess-Klinik, abgeholt und in sein Haus gebracht. Dieses befindet sich im reichen Stadtteil Zamalek. Zu zehnt haben wir eine Woche in diesem Haus verbracht. Weil wir zu Beginn nicht wussten, wie sich die Lage entwickeln wird, hatten wir uns vorsorglich mit genügend Esswaren eingedeckt.
Hatten Sie Angst?
Da ich nicht alleine im Haus wohnte und dieses rund um die Uhr von Sicherheitsleuten sowie von Militärs bewacht wurde, fühlte ich mich relativ sicher. Als wir jedoch von den über 10 000 freigelassenen Gefangenen hörten, fürchtete sich die Bevölkerung vor «Raub und Totschlag».
Wie haben Sie die Stadt kurz vor und während den Unruhen erlebt?
Am Abend vor der Demonstration, also am Donnerstag vor einer Woche, war ich mit Freunden zum Essen. Dort stellten wir fest: Ob alt oder jung, ob reich oder arm, ob Muslim oder Christ, alle waren sich einig: Mubarak muss weg. Sie alle nehmen für diesen politischen Kurswechsel viel in Kauf: Verlust ihrer Stelle, Verlust von Hab und Gut, Verlust der Lebensgrundlage. Unter der Bevölkerung war jedoch ein grosser Zusammenhalt spürbar, was allein durch die Grossdemonstrationen und in eindrücklichen Fernsehbildern – und dies auch in Kairo – zum Ausdruck kam.
Waren Sie froh darüber, am Donnerstag in die Schweiz zurückkehren zu können?
Wir haben seit Ausbruch der Unruhen und den damit verbundenen Festnahmen und Unsicherheiten einen Abbruch meines Aufenthaltes und eine vorzeitige Rückkehr in die Schweiz ins Auge gefasst. Ehrlich gesagt: Ich wäre eigentlich gerne geblieben, obwohl ich wusste, dass sich die Lage weiter zuspitzen wird. Mich haben Land und Volk fasziniert – aber es hat nicht sein sollen. Oliver Häussler wollte aber dann nicht zuletzt wegen seines Sohnes, der ebenfalls in Kairo wohnt, in die Schweiz zurückkehren. Ich werde, sollte sich die Situation beruhigen, mein ägyptisches Stage fortsetzen. Denn Kairo ist, wie ich in dieser kurzen Zeit erfahren durfte, trotz allem eine faszinierende Stadt.
Wie lässt es sich erklären, dass Sie in Kairo als Physiotherapeutin arbeiten können, wo es in der Millionenstadt so viele Arbeitslose gibt?
Im Swiss Medical Center der Schulthess-Klinik war von Anfang an auch eine einheimische Physiotherapeutin angestellt. Den angestrebten Schweizer Standard konnte sie allein aber nicht erreichen. So arbeitet in Kairo vorerst eine Physiotherapeutin aus der Schweiz, mit dem Ziel, in Zukunft auch Einheimische auszubilden. Behandelt werden zurzeit vornehmlich gut betuchte Ägypter, welche unter anderem in der Schweiz operiert wurden.