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Die Jahrzehnte der Belle Époque haben nicht nur die Orte am Genfer See selbst geprägt, auch neue Bahnstrecken förderten die Reiselust. Die Schifffahrt auf dem Genfer See entwickelte sich ebenfalls.
In den Jahrzehnten um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert war die Eisenbahn schon zum allgemein anerkannten Verkehrsmittel geworden. Die Angst vor dem fauchenden dampfenden Ungeheuer Lokomotive war längst verschwunden, und Montreux bekam 1861 seinen Bahnanschluss. Ein Manager der MOB erzählte uns, dass die Fernzüge von Paris bis nach Sitten lange Zeit nicht in Montreux, sondern in Territet gehalten hätten. Das konnten wir nicht nachprüfen. Unzweifelhaft ist aber, dass die Montreux-Oberland-Bahn (MOB) allen Touristen wunderbare Ausflugsmöglichkeiten in die Berge bietet, die sich direkt hinter dem Ort steil in den Himmel erheben. Unbestreitbar ist auch, dass der Bahnhof von Montreux mit drei verschiedenen Spurweiten ein Unikum ist: die normale Spurweite der SBB-Züge (1,435 m), die Spurweite der MOB-Züge nach Zweisimmen (1 m) und die spektakuläre Schmalspurbahn (0,80 m) zum Rocher de Naye.
Hier fahren die Züge der Montreux-Oberland-Bahn ab.
Wir hatten einen Ausflug mit der MOB ins Pays-d’Enhaut vorgesehen. Oberland oder Pays-d’Enhaut – das ist eine Frage der Sprache für eine ganz ähnliche Landschaft. 1901 hatten die Tourismusunternehmer in Montreux diese Bahngesellschaft gegründet, bald fuhren die ersten Züge nach Zweisimmen, viel später auch nach Spiez. Der Grund für die verzögerte Verlängerung bestand in den verschiedenen Spurweiten. Jahrzehntelang tüftelten die Techniker der MOB, wie die Züge von der Meter-Spurweite auf die breitere Spurweite umgestellt werden konnten. Für die Bergstrecke mit engen Kurven war eine schmale Spurweite notwendig, aber von Zweisimmen nach Spiez bestand eine Bahnlinie mit normaler Spurweite. Die Züge kommen ohne Zahnradantrieb aus; die Lokomotiven sind so ausgerüstet, dass sie im Bedarfsfall die Schienen von nassen Blättern reinigen können. – Wer an einem feuchten Novembertag im Züritram fährt, kennt dieses Problem.
In diesem historisch renovierten Wagon fährt es sich sehr bequem.
Die historischen Wagen der Belle Époque, seit 1914 in Chernex hergestellt und bis heute dort gehegt und gepflegt, bezaubern wohl alle, die vom Charme dieser vergangenen Epoche träumen. Man sollte allerdings nicht vergessen, aus dem Fenster zu schauen, die Landschaft begeistert ebenso. Dafür könnte man eine Strecke im modernen Panoramawagen buchen, die andere im historischen Zug Golden Pass Line. Der Fahrplan gibt Auskunft, welcher Zug zu welchem Zeitpunkt fährt.
Tür eines Hauses in Rougemont
(alle Fotos mp)
Wir machten Halt in Rougemont, dem malerischen Ort mit vielen charakteristischen Holzhäusern. Als Rougemont vor mehr als 150 Jahren einen schweren Brand erlebte, bei dem glücklicherweise nicht alle Häuser zerstört wurden, liessen sich die Bewohner davon nicht abschrecken und bauten ihre Häuser im alten Stil wieder auf, im Gegensatz zu den Leuten in Château-d’Oex, die nach einem Feuer nur noch Steinbauten erlaubt hatten.
Rougemont hat neben sehr empfehlenswerten Käsesorten, die von der nahen Alpe l’Etivaz kommen, einen Spazierweg, der dem damaligen Briefträger und Scherenschnittkünstler Louis Saugy (1871-1953) gewidmet ist. Seine Werke kann man im Hauptort des Pays-d’Enhaut, in Château-d’Oex, bewundern. Dieser Ort bietet übrigens ebenfalls einige Attraktionen. Dort startet jährlich ein berühmter Wettbewerb der Ballonflieger.
Nicht verpassen sollten Sie den Besuch der ehemaligen Prioratskirche Saint-Nicolas aus dem 16. Jahrhundert (Foto rechts), wahrhaftig ein kleines Schmuckstück, wo im Sommer normalerweise ein kleines, aber feines Festival der Alten Musik stattfindet.
Von den Bergen auf den See
Was verlockt uns an einem strahlenden Tag mehr, als eine Fahrt auf dem See? «Eine weltweit einmalige Flotte» lesen wir überall an allen Anlegestellen. Die acht Schiffe wurden nämlich ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. Es sind Schaufelraddampfer, alle zwischen 1904 und 1927 gebaut worden, die D/S Rhône ist der letzte, der in der Schweiz hergestellt wurde. Seitdem wurden alle Schiffe renoviert und technisch überholt, ohne die ursprüngliche Substanz anzutasten. So verkehren sie auch heute noch.
Die Italie (hier abgebildet) wurde 1908 in Betrieb genommen und hat von allen die meisten Kilometer zurückgelegt. Vergnügen bereitet es nicht nur, sich den Wind um die Nase blasen zu lassen, auch die prächtigen Salons ganz in Holz glänzen im alten Stil. Die Küche auf den Schiffen geniesst einen sehr guten Ruf, aber zu Pandemie-Zeiten leider nicht für uns.