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| Hieronymus († 420) - Das Leben der hl. Witwe Paula, Einsiedlerin zu Bethlehem (Epistula 108)

17.
Aber die genannten Tugenden kann sie mit nicht wenigen gemeinsam haben. Auch weiß der Teufel, daß in ihnen noch nicht das höchste Maß der Tugend sich kundtut. Deshalb sprach er auch zum Herrn, als Jobs Vermögen vernichtet, sein Haus zerstört und seine Kinder getötet waren: "Haut um Haut! Alles, was der Mensch hat, gibt er um sein Leben. Aber strecke deine Hand aus und berühre seine Gebeine und sein Fleisch, und er wird dir ins Angesicht fluchen"1 . Es ist bekannt, daß viele Almosen, aber nichts von ihrem eigenen Körper hergegeben haben. Den Darbenden haben sie die Hand gereicht, aber sie selbst sind von der Fleischeslust besiegt worden; nach außen waren sie weiß, innen aber voller Totengebein2 . Jedoch Paula gehörte nicht zu diesen. Ihre Enthaltsamkeit war so groß, daß sie beinahe über das Maß hinausging und ihren Körper durch zu strenges Fasten und schwere Anstrengung schwächte. Mit Ausnahme der Festtage wollte sie kaum Öl an den Speisen genießen. Aus dieser einen Tatsache läßt sich schon schließen, was sie von Wein und Suppen, von Fischen, von Milch, Honig, Eiern und anderen Leckerbissen hielt. Manche allerdings halten sich für überaus mäßig, auch wenn sie die genannten Speisen genießen, und wähnen, wenn sie mit ihnen den Bauch vollgepfropft haben, ihre Keuschheit trotzdem gesichert.
1: Job 2, 4 f.
2: Matth. 23, 27.