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Was ist Qi?
Der chinesische Begriff Qi (oder alternativ auch Chi geschrieben) bedeutet Energie, Atem, Luft oder auch Dampf. Außerdem bezeichnet Qi die Emotionen des Menschen und steht nach moderner daoistischer Auffassung auch für die Tätigkeit des neurohormonalen Systems.
Qi ist ein zentraler Begriff des Daoismus. Der Begriff findet sich bereits im 42. Kapitel des Daodejing; der daoistische Philosoph Zhuangzi beschrieb den Kosmos als aus Qi bestehend. Darüber hinaus ist die Vorstellung vom Qi die ideelle Grundlage der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) und der sogenannten inneren Kampfkünste.
Dieses älteste Konzept der chinesischen Kultur zeigt einen grundlegenden Unterschied des chinesischen zum westlichen Denken auf: Anders als die westliche Philosophie, die in ihren Hauptströmungen nie das Leib-Seele-Problem auflösen konnte, sondern diesem gegenüber meist extreme Positionen einnahm, kennt die chinesische Philosophie eine grundlegende einheitliche Energie, die allem Leben, sowohl in seinen materiellen wie in seinen psychischen Ausprägungen, zugrunde liegt: das Qi.
So kann man dem Qi auch keine eindeutige Eigenschaft in Kategorien von „materiell“ oder „immateriell“ zuweisen, sondern das Qi kann gewissermaßen beide Zustände annehmen, es kann zu Materialität kondensieren oder in die Immaterialität diffundieren. Die Chinesen unterscheiden dabei drei Abstufungen oder Manifestationen des Qi, die, ebenso wie das Qi selbst, als vitale Substanzen bezeichnet werden. Dies sind:
- Blut – xue
- Essenz – jing und
- Körperflüssigkeiten (Säfte) – jinye.
Die gröberen Manifestationen von Qi werden von den chinesischen Philosophen häufig unter dem Begriff Erde kategorisiert, während die leichten, immateriellen Formen von Qi dem Himmel zugerechnet werden.
Befindet sich der Mensch und der Fluss seines Qi im Einklang mit diesen Gesetzmäßigkeiten, so kann man von körperlicher und seelischer Gesundheit sprechen. Ist aber der Fluss des Qi über längere Zeit gestört, so entsteht Krankheit. So kann ein blockierter Qi-Fluss zu übermäßiger Kondensation des Qi führen, woraufhin z.B. Tumore entstehen können.
Demgemäß gilt es für den Arzt, den Qi-Fluss eines Patienten in seinen natürlichen Bahnen zu gewährleisten, bzw. ihn wiederherzustellen, wenn er gestört ist. Dazu hat die chinesische Medizin eine komplexe Lehre von den Bahnen und Wirkweisen der verschiedenen Ausformungen von Qi entworfen. Sie basiert auf der oben angesprochenen Dreiteilung der Qi-Manifestationen, unterscheidet diese aber wieder, je nach ihrer Funktion und Korrespondenz mit bestimmten Organen.
Die Blockierung des Qi in dessen Fluss wird immer der einzige Grund sein, aus dem jemand leidet. Bewusstsein ist alles, was existiert, und alles, was darin existiert, besitzt Qi. Darum ist diese Energie so wichtig. Sie ist der Atem der Schöpfung, die Quelle des Lebens und der Lust.