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- Mit einer Energieleistung hat sich Anna Kiesenhofer in Tokio Olympia-Gold im Strassenrennen der Frauen gesichert.
- Die Österreicherin reisst bei Kilometer 0 aus und bringt den Sieg ins Ziel.
- Annemiek van Vleuten (NED) sichert sich Silber, Elisa Longo Borghini (ITA) fährt zu Bronze.
- Marlen Reusser spielt im Kampf um die Medaillen keine Rolle.
Vor dem Rennen hatte alles von den Niederländerinnen gesprochen. Die Radsport-Nation, die sich im Strassenrennen der Frauen 4 von bislang 9 vergebenen Goldmedaillen an Olympischen Spielen hatte sichern können, spielte aber für einmal nicht die Hauptrolle. Diese übernahm die Österreicherin Anna Kiesenhofer, die ihrem Land mit Gold die erste Medaille an den laufenden Spielen in Japan sicherte – und die erste goldene Olympia-Auszeichnung seit Athen 2004.
Die 30-Jährige griff in Tokio schon bei der Freigabe des Rennens an und bildete eine zuerst fünf-, später dreiköpfige Spitzengruppe. Gut 40 Kilometer vor dem Ziel entledigte sie sich ihrer letzten Fluchtgefährtinnen Anna Plichta (POL) und Omer Shapira (ISR) und fuhr am Schluss des 137 Kilometer langen Rennens mit 5 Bergpreisen als Erste im Ziel ein.
Was den Erfolg noch spezieller macht: Kiesenhofer ist als Amateurin unterwegs. Die ehemalige Triathletin und Duathletin, die an der ETH Lausanne als Mathematikerin forscht und auch in der Schweiz lebt, hat im Moment keinen Vertrag bei einem Profiteam.
Van Vleuten entschädigt sich für den Sturz in Rio
1:15 Minuten hinter der Überraschungsfrau sorgte Annemiek van Vleuten, die in Rio vor fünf Jahren auf Goldkurs noch heftig gestürzt war, doch noch für niederländisches Edelmetall. Sie war auf den letzten Kilometern ausgerissen und sicherte sich 14 Sekunden vor der Italienerin Elisa Longo Borghini Silber. Im Ziel freute sich Van Vleuten zuerst über den vermeintlichen Sieg.
Die 38-Jährige, die ein aktives Rennen gefahren war und bereits am letzten Berg vorübergehend auf die Verfolgung von Kiesenhofer gegangen war, belohnte sich für ihre aussergewöhnliche Karriere doch noch mit ihrer ersten olympischen Medaille. Für Longo Borghini wiederholte sich die Geschichte: Die Italienerin hatte bereits in Rio Bronze geholt.
Reusser kann sich nicht verpflegen
Marlen Reusser, die in einem Ein-Frau-Team die Schweizer Flagge hochhielt, konnte im Kampf um die Medaillen nicht mitreden. Die 29-Jährige verlor im letzten Fünftel des Rennens den Anschluss an das Feld und wurde am Schluss mit 9:31 Minuten Rückstand auf Kiesenhofer 46.
«Ich hatte Probleme mit der Verpflegung. Die erste Musette habe ich verpasst. Da wusste ich, die zweite muss ich jetzt erwischen. Doch auch im letzten Aufstieg fand ich die Musette nicht», sagte die Bernerin im Interview mit SRF. Daraufhin habe sie in der Abfahrt die Lücke nicht mehr schliessen können. «Das war nicht, was ich wollte.»
Für Reusser ist aber ohnehin das Zeitfahren am Mittwoch das Highlight dieser Olympischen Spiele. In dieser Disziplin gewann sie im letzten Jahr WM-Silber. Da die letzten zwei Runden auf dem Fuji International Speedway auf dem Zeitfahr-Parcours stattfanden, konnte sie sich schon einmal an die Verhältnisse gewöhnen.