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Etwa vier Autostunden von Indianapolis entfernt befindet sich das Städtchen Elkhart. Dorthin hat es mich vorletztes Wochenende verschlagen. Die Stadt ist auch als Welthauptstadt der Wohnwagenindustrie bekannt. Aber um Wohnwagenfabriken anzuschauen bin ich definitv nicht dort gewesen.
Elkhart ist auch der Startpunkt für eine CD-Auto-Tour. Übersetzt: Man schiebt eine CD ins Autoradio und die CD erklärt dann wo man durchfahren soll und erzählt Details über die Dinge an denen man vorbeifährt. Nachdem man aus der Stadt rausfuhr fühlte man sich wie 200 Jahre zurückversetzt. Auf den Strassen begegnete man Pferdekutschen, auf den Bauernhöfen liefen Frauen mit altmodischen Kleidern und weissen Hauben auf dem Kopf rum. Die Buben spielten vor dem Bauernhof und hatten Hosenträger und eine schwarze Kappe an. Auf den Feldern sah man Bauern am Ackern, mit dem Unterschied dass der Pflug nicht von einem Traktor, sondern von Pferden, gezogen wurde.
Ich bin in einem Gebiet gelandet, wo ausgewanderte Schweizer leben – die sogenannten Amish-People. Ihre Ideologie verbietet Ihnen sozusagen alles Moderne – vom Auto, über den TV bis zum Kochherd. Sie sind ausserdem streng religiös, wobei es keine Kirchen gibt, weil die Leute Ihre Gottesdienste auf den Bauernhöfen abhalten. Es war sehr eindrücklich zu sehen, wie diese Leute lebten. Ich hörte sie auch sprechen. Es war zwar eine Art Deutsch, aber so wirklich verstanden habe ich es nicht.
Auf der 150km-CD-Auto-Tour kam man an unendlich vielen Bauernhöfen vorbei, aber auch Marktstände und Bäckereien und Käsereien waren anzutreffend. In der Käserei „Deutsch Käs Haus“ habe ich dann auch reichlich eingekauft. Die „Schweizer vor 200 Jahren“ können nämlich auch ganz feinen Käse herstellen.
Immer mal wieder musste ich Kutschen auf der Strasse überholen. In den Kutschen fuhren immer ganze Familien. Der bärtige Mann hielt die Zügel, die Frau und die dutzenden Kinder sassen auf den Bänken. Die normalen Kutschen sind bedacht und ganz schwarz. Einige etwas weniger konservative Amishe waren aber auch mit „Cabrio“-Kutschen oder sogar Fahrrad (Modell Jahr 1920 oder so) anzutreffen. Die „modernsten“ Amishen hatten sogar Telefon. Wobei dann aber für das Telefon ein extra Häuschen gebaut wurde, welches meistens weit weg vom Bauernhof stand – wahrscheinlich, damit die Frauen nicht ständig telefonierten. 😉
Ja, ich habe defintiv ich eine ganz neue und interessante Kultur kennengelernt. Ich bin mir vorgekommen wie im Film und als würden sich diese Leute extra und nur für mich so ankleiden und schauspielern. Trotzdem muss man auch sehen, dass das Amishe Leben anstregend ist ohne die moderne Geräte und Fortbewegungsmittel. Aber für die Amish-People haben eben andere Sachen einen viel höheren Stellenwert. Zum Beispiel familiäres Zusammenleben und die Religion.
Vielleicht noch als Anmerkung: Wäre unsere Politik in der Vergangenheit auch so konservativ gewesen, würden wohl auch wir heute noch so leben. Andererseits muss man sagen, dass die Amish-Kultur eben genau wegen des Konservativismus* überlebt hat und nicht in der Amerikanischen Kultur verwässert wurde.
Genug geschrieben, schaut euch unbedingt die Fotos an! Hier klicken für Fotos
(Ah ja: Amish-People haben es nicht gern, wenn sie fotografiert werden (Fotografie, dieses Teufelszeug! 😉 ), darum sind einige Fotos etwas aus dem versteckten oder aus dem Auto heraus geschossen.
*komisches Wort, heisst aber tatsächlich so 😀