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Bourg-Saint-Bernard liegt hinten im Val d'Entremont unmittelbar beim Nordportal des Grossen St. Bernhard-Tunnels. Hier entwickelte sich zu Beginn der 1960er-Jahre das spektakuläre, hochalpine Skigebiet Super Saint-Bernard im Grenzgebiet zwischen der Schweiz und Italien.
Die Initiative zum Bau der Bahn geht auf Albert Monnet zurück, der die Anlage 1962 erstellen liess und sie später der Gemeinde Bourg-Saint-Pierre verkaufte.
Die Strecke der Bahn führt von Bourg-Saint-Bernard (1'932 m ü. M.) durch einen Talkessel zwischen den Gebirgszügen Becs Noirs und Les Rayons de la Madeleine bis auf den Col de Menouve (2'775 m ü. M.) direkt an der Grenze Schweiz-Italien.
Die Einseilumlaufbahn mit kuppelbaren Vierer-Kabinen wurde von der Firma Giovanola konstruiert. Die 1989 ersetzten Kabinen sind an den ursprünglichen Giovanola-Gehängen befestigt. Die Verbindung mit dem Seil erfolgt durch die vom Ingenieur Marc Dumur entwickelten und 1950 patentierten Gewichtsklemmen. Die Streckenlänge von 2'559 m wird mit Hilfe von 20 Fachwerkstützen bewältigt. Einzelne Stützen mussten durch Lawinenkeile gesichert werden. Das Förderseil wird mittels Gewicht in der Bergstation abgespannt.
Die Talstation erscheint als voluminöse, zeittypische Flachdachkonstruktion aus Beton. Der klar gegliederte Baukörper ist nach funktionalen Bereichen differenziert und enthält neben den Betriebsräumen der Bahn auch ein Restaurant. Die Bergstation ist ein unspektakulärer, in die hochalpine Felslandschaft integrierter Betonbau. Der obere, über die Umlenkstation zurückversetzte Teil des Gebäudes diente bis 1985 als Restaurant und Grenzwachposten, seit dieser Zeit wird er nicht mehr genutzt und kaum unterhalten.
Der in der Talstation untergebrachte Antrieb erhielt 1989 einen neuen Motor, ebenso wurde die Steuerung und die elektrische Überwachungsanlage ausgewechselt. Das Getriebe war bereits 1975 nach einem Schaden ersetzt worden.
Die nur im Winter betriebene Gondelbahn erschliesst ein anspruchsvolles, hochalpines Skigebiet mit zwei schneesicheren, nordexponierten Geländekammern. Der Skilift «Plan du Jeu» der Firma POMA vervollständigt das Angebot.
Die in einem spektakulären, hochalpinen Skigebiet stehende Seilbahnanlage von Bourg-Saint-Bernard auf den Col de Menouve ist eine der frühesten heute noch betriebenen Einseilumlaufbahnen mit kuppelbaren Vierer-Kabinen der Firma Giovanola. Die weitgehend aus der Bauzeit stammende Anlage wurde 1989 nur minimal nachgerüstet (Kabinen, Antriebsmotor, Steuerung und Überwachungsanlage). Neben den Stationsbauten und den Stützen sind insbesondere die original erhaltenen Giovanola-Klemmen zu erwähnen. Mit der 1950 vom Giovanola Ingenieur Marc Dumur konstruierten und anschliessend patentierten Gewichtsklemme erlangte die Firma Weltruhm im Seilbahnbau.
|Konzeption|
|Erschliessungsidee (Vision)||Erschliessung eines spektakulären, anspruchsvollen hochalpinen Skigebiets: zwei schneesichere Geländekammern (Nordhang); in Grenzregion (CH-I)|
|Linienführung: Planung, Umsetzung||durch Lawinengebiet; im Kessel, windgeschützt|
|Seilbahntechnik|
|besondere oder typische tech. Konstruktion, Ausführung, Lösung, Materialien||Giovanola-Eigenentwicklung: Gewichtsklemme (Patent 1950 von Dumur, ab 1959 als Doppelklemme für Vierer-Gondel im Einsatz); Antrieb in Talstation; Abspannung des Förderseils mittels Gewicht in Bergstation; Ferdinand Sulzberger Mastschalter (vgl. auch Isenau!); aufwändige Stützenanordnung für Radiusausbildung|
|seilbahntechnische Bedeutung: Prinzip, Hersteller||eine der frühesten, in einem repräsentiven Masse überlieferte, kuppelbare Giovanola Einseilumlaufkabinenbahn mit Vierer-Gondeln; Anlage mit beträchtlicher Höhendifferenz u. eindrücklicher Länge in sehr anspruchsvollem Gelände|
|Baukunst: Streckenbauwerke, Hochbauten|
|Ingenieurbau||anspruchsvolle Statik für Lawinen gefährdete Stützen; nachträgliche Montage von Schutzelementen|
|Architektur||auffällig sachliche Stationsbauwerke; Talstation: breitgelagerte, minimalistische, klar geschnittene u. zeittypische Betonarchitektur; Bergstation: in die hochalpine Felslandschaft integrierter "Festungsbau"|
|besondere oder typische arch. Konstruktion, Ausführung, Lösung, Materialien||kubische Baukörper; Volumina nach funktionalen Bereichen differenziert; Flachdachkonstruktion (Talstation); Bergstation teilweise in Fels integriert u. kaum wahrnehmbar|
|bautypologische Bedeutung||Hochbauten als wesentliche, aus der Anfangszeit stammende u. minimal veränderte Anlagekomponenten (einschliesslich Innenausstattung Restaurantbetrieb u. aus der Bauzeit stammende Beschriftung bzw. Farbfassung)|
|Authentizität: materielle, ideelle Überlieferung|
|Umfang und Qualität der ursprünglichen Komponenten||ansehnlicher Bestand aus der Ursprungszeit: insbesondere die von Giovanola entwickelten Klemmen, das Gehänge u. die Stützen sowie die Stationsbauten|
|Qualität der Nachrüstungen||wegen Defekt neues Getriebe (1975); ein umfassender Nachrüstungszyklus (Radfangvorrichtung; Kabinen; Antriebsmotor einschliesslich Steuerung u. Überwachungsanlage)|
|funktionale Unversehrtheit||Winterbetrieb|
|Kulturgeschichte|
|Personen, Firmen, Institutionen||-||-|
|Wirtschaft, Tourismus, Verkehr, Militär||wichtiger wirtschaftlicher (touristischer) Faktor für das unwirtliche Walliser Tal im Grenzgebiet des Grossen St. Bernhards; interessant besonders in schneearmen Wintern; Zielgruppen aus CH u. I|
|Räumliche Situation|
|Berücksichtigung der Landschaft, der natürlichen Umgebung, des urban. Kontexts||einerseits bemerkenswert harmonisch in hochalpine Landschaft eingepasste Stationsbauwerke, andererseits sehr mächtige u. im kargen, von touristischen Infrastrukturen wenig belasteten Felsgebiet recht auffällige Stützenkonstruktionen|
|Infrastruktur|
|touristische/betriebliche Infrastruktur||Restaurant in Talstation; POMA-Aufzugsanlage; lange u. anspruchsvolle Pistenabfahrten: Bus-Pendelbetrieb für Rücktransport durch den Passtunnel; ehem. Restaurant u. Zollstation in Bergstation 1985 aufgehoben|
|Verkehrsnetze||da an der Passstrasse gelegen, gute u. wintersichere Zufahrt für den motorisierten Individualverkehr; für ÖV ungeeignet|