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Den Lindenzweig zu früh überreicht
70. Murtenlauf – Der Äthiopier Chengere schlägt Vorjahressieger Tesfaye im Sprint
Wie erwartet war der 70. Murtenlauf fest in äthiopischer Hand. Im Rennen der Männer setzte sich Tolossa Chengere in der tollen Zeit von 52:46 Minuten in einem spannenden Finish gegen Vorjahressieger Eticha Tesfaye durch.
Von FRANK STETTLER
Dabei wähnte sich Eticha Tesfaye für kurze Zeit schon als Sieger, nachdem ihm ein Offizieller am Ende der Steigung der Alpenstrasse – aber noch vor dem Zielstrich – den traditionellen Lindenzweig in die Hand drückte. Gut möglich, dass bei Tesfaye dadurch für einen Augenblick die Konzentration nachliess. Chengere jedenfalls zog den Sprint durch und überholte den vermeintlichen Sieger auf den letzten Metern noch.
Tesfaye, der heuer bereits den Kerzerslauf gewonnen hatte und Zweiter am Jungfrau-Marathon wurde, mochte diesen Zwischenfall aber nicht an die grosse Glocke hängen: «Ich wollte den Zweig zunächst nicht annehmen, tat es dann aber doch. Daraufhin verlor ich etwas an Tempo. Dies war allerdings nicht entscheidend. Ich als Marathonläufer habe im Sprint gegen einen Athleten wie Chengere, der auf kürzeren Strecken zuhause ist, sowieso das Nachsehen.»
Der 20-jährige Tolossa Chengere war vor Jahresfrist Dritter geworden. Seither machte der Läufer von Stade Lausanne Fortschritte. So gewann er in dieser Saison bereits den Lauf «A travers Carouge» und die 20 km von Lausanne. Beim GP von Bern wurde er Fünfter. «Ich will mich künftig vermehrt auf die Bahn konzentrieren», erklärte Chengere, dessen PB über 5000 m bei 13:58 Minuten liegt.
Der Regen machte Beine
Dass ein Äthiopier den 70. Gedenklauf gewinnen würde, zeichnete sich schon kurz nach dem Start in Murten ab. Bei strömendem Regen setzte sich schnell eine Achtergruppe mit allen Favoriten ab, darunter die Afrikaner Tesfaye, Chengere, Feyise Mengesha, Dejene Lidetu, Mike Tanui, Peter Musioki, der Brite Billy Burns und der Russe Alexander Wassiliew. Nach vier Kilometern, welche klar unter 12 Minuten gelaufen wurden, verloren Burns und Wassiliew den Anschluss. In Courtepin hatte sich ein Trio mit Chengere, Tesfaye und Mengesha abgesetzt. Lidetu (0:20 zurück) und Tanui (0:30) waren zurückgebunden.
Sollte die Entscheidung wie so oft in der Steigung von La Sonnaz fallen? Chengere griff jedenfalls an. Während Tesfaye folgen konnte, musste der später drittplatzierte Mengesha abreissen lassen. Bis kurz vor dem Ziel lief das Spitzenduo Seite an Seite. Doch während im Vorjahr Tesfaye beim Murtentor davonzog, hatte diesmal Chengere das bessere Ende für sich.