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Geschichte der Kolingesellschaft
In den frühen Vereinsjahren, die mit dem ersten Weltkrieg zusammenfielen (1914-1918) war der Tätigkeitsbereich der Kolingesellschaft entsprechend dem Zweckartikel der Statuten sehr breit gefächert. Neben bildenden Vorträgen wurde für die Subventionierung von billigen Genossenschaftswohnungen geworben, es wurde eine eigene Bundesfeier sowie eine Weihnachtsfeier veranstaltet, und schliesslich wurden Bücher für die Soldatenstuben des Zuger Bataillons 48 gesammelt. Das Schwergewicht wurde aber von Beginn an auf die bildenden Vorträge gelegt, die anfangs zumeist von Referenten aus den eigenen Reihen gehalten wurden und vorwiegend heimatgeschichtliche, aber auch naturwissenschaftliche Themen behandelten. In der Zwischenkriegszeit wurde der Kreis der Referenten ausgeweitet und es kamen vermehrt weltpolitische und aktuelle zeitgeschichtliche Themen zum Zug (z.B. Sozialismus und Christentum (1918); Von Lenin zu Stalin (1936); Die Judenfrage im Lichte des Christentums (1939).
Jahresprogramme mit unterschiedlichsten Themen wechselten mit Vortragszyklen ab, die ein spezielles Thema von verschiedenen Seiten her beleuchteten (z.B. Das vielfach verkannte und geschmähte Mittelalter, 1923/24; Rom im heiligen Jahr, 1925/26).
Schwerpunkte nach dem 2. Weltkrieg waren die Ausbreitung des Kommunismus in Europa (Vortragszyklus im Frühjahr 1951), die rasante Entwicklung der Naturwissenschaften (Das neue Weltbild der Physik, 1958). das zweite vatikanische Konzil, die Jugendrevolte 1968, Probleme der dritten Welt; die Krise als Chance (1983/84) u.v.a. Seit 1974 werden neben den Vortragsveranstaltungen jährlich ein bis zwei kunst- bzw. kulturgeschichtliche Exkursionen in die nähere oder weitere Umgebung angeboten.
Anlässlich der 75-Jahrfeier der Kolingesellschaft sprach der bedeutende Theologe Hans Küng vor prallgefülltem Theatersaal im Casino Zug zum Thema „Religion im Epochenumbruch – eine theologische Zeitanalyse“, wobei er auch auf sein weltweit beachtetes Projekt Weltethos einging. Der Anlass war ohne Zweifel einer der Höhepunkte in der Geschichte der Kolingesellschaft.
Der gesellschaftliche Wandel, der sich vor allem nach dem 2. Weltkrieg rasant beschleunigte, liess auch die Kolingesellschaft nicht unberührt und fand ihren Niederschlag in periodisch notwendigen Anpassungen der Statuten. So wurde mit der Zeit die einseitige Fixierung auf den „modernen katholischen Mann“ aufgegeben und die Mitgliedschaft für Frauen und Andersgläubige geöffnet. Der Untertitel „Gesellschaft zur Pflege der katholischen Kultur“ wurde geändert in „Gesellschaft für christliche Kultur“ (1960). Schliesslich wurde auch dieser Untertitel weggelassen und durch die heute noch gültige Version ersetzt: Forum der Information und Diskussion über Fragen von Religion, Kultur und Gesellschaft (ab 1973).
Zusammenfassend dürfen wir im Rückblick auf die vergangenen hundert Jahre sagen, dass es der Kolingesellschaft dank vielen engagierten und kompetenten Vorstandsmitgliedern immer wieder erfolgreich gelungen ist, Referenten und Referentinnen einzuladen, die auf beachtlichem Niveau zu vielen brennenden und teilweise brisanten Fragen der Zeit Stellung nahmen und Orientierungshilfen anboten. Auch wenn sich die Welt seit 1913 grundlegend gewandelt hat und uns heute die neuen Medien tagein tagaus mit Informationen versorgen, bleibt doch der persönliche Kontakt mit den Referenten nach wie vor einprägsamer in Erinnerung.
Im Vorstandsverzeichnis finden unter zahlreichen Fachpersonen auch eine Reihe von bedeutenden Zuger Persönlichkeiten, so der spätere Bundesrat Philipp Etter (Gründungsmitglied sowie Kassier von 1919 bis 1923 und Präsident von 1929 bis 1934), der spätere Bundesrat Dr. Hans Hürlimann, der spätere Stadtpräsident Dr. Philipp Schneider (Kassier von 1941 bis 1943) und der gewesene Stadtpräsident und Ständerat Dr. Augustin Lusser.