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Alt Bundesrat Hans Schaffner ist letzten Freitag kurz vor seinem 96. Geburtstag gestorben. Er leitete von 1961 bis 1969 das Volkswirtschafts-Departement.Dieser Inhalt wurde am 30. November 2004 - 11:50 publiziert
Schaffner war vor seiner Wahl in den Bundesrat an der Spitze der Schweizer Handelsdiplomatie tätig.
Schaffner wurde am vergangenen Freitag in Bern von den Beschwerden seines hohen Alters erlöst, wie es in der am Dienstag veröffentlichten Todesanzeige seiner Familie heisst.
Auf Wunsch des Verstorbenen habe der Abschied im engsten Familienkreis stattgefunden.
Schaffner für Petitpierre
Das Parlament wählte Schaffner am 15. Juni 1961 als Vertreter der Freisinnig-Demokratischen Partei (FDP) des Kantons Aargau in den Bundesrat. Er trat die Nachfolge seines Neuenburger Parteikollegen Max Petitpierre an und übernahm die Leitung des Eidgenössischen Volkswirtschafts-Departementes (EVD). Diesem stand er bis zu seinem Rücktritt am 31. Dezember 1969 vor.
Im Jahre 1966 war Schaffner Bundespräsident.
Erst im zweiten Anlauf erfolgreich
Schaffners Wahl in den Bundesrat war insofern aussergewöhnlich, als er erst der dritte Kandidat in der Geschichte des Bundesstaates war, der den Einzug in die Landesregierung schaffte, ohne zuvor Mitglied der Eidgenössischen Räte oder eines kantonalen Regierungsrats gewesen zu sein.
Eine bürgerliche Gruppierung hatte ihn bereits bei der denkwürdigen Bundesratswahl von 1959 ins Rennen geschickt. Bei der Einführung der Zauberformel, die bis am vergangenen 10. Dezember Bestand hatte, unterlag Schaffner aber dem sozialdemokratischen Bewerber Hans-Peter Tschudi.
Zwei Jahre später, nach dem Rücktritt Petitpierres, wählte die Vereinigte Bundesversammlung den damals 53-Jährigen im ersten Wahlgang mit 175 Stimmen in den Bundesrat.
Zeit der Konjunktur-Überhitzung
Als Vorsteher des EVD engagierte sich Schaffner vor allem in der europäischen Integration und der internationalen Wirtschaftspolitik.
Schaffners achtjährige Amtszeit als EVD-Chef fiel mit einer Konjunkturüberhitzung und galoppierender Inflation zusammen.
Der überzeugte Ordnungspolitiker sah sich deshalb gezwungen, ein Massnahmenpaket gegen die Teuerung mit Eingriffen in den Kapital- und Kreditmarkt zu unterbreiten. Es wurde 1965 in der Volksabstimmung angenommen.
Spitzenbeamter
Der in Interlaken geborene und im aargauischen Gränichen heimatberechtigte Schaffner war nach der Ausbildung zum Juristen an der Universität Bern im Jahre 1938 in die Dienste des Bundes getreten.
1941 wurde er Leiter der Eidgenössischen Zentrale für Kriegswirtschaft. Nach dem Krieg wechselte Schaffner in die Handelsabteilung, das nachmalige Bundesamt für Aussenwirtschaft und heutige Staatssekretariat für Wirtschaft (seco).
Als Delegierter des Bundesrats für Handelsverträge mit Ministertitel war er massgeblich an der Gründung der Europäischen Freihandelszone (EFTA) beteiligt. Der Handelsabteilung stand er von 1954 bis zu seiner Wahl in den Bundesrat als Direktor vor.
Engagement in der Privatwirtschaft und bei der UNO
Obwohl Schaffner Ende 1969 aus gesundheitlichen Gründen aus dem Bundesrat zurücktrat, übernahm er danach wichtige Funktionen in der Privatwirtschaft. So sass er unter anderem in den Verwaltungsräten des Chemiekonzerns Sandoz, der Alusuisse und des Maschinenkonzerns Rieter.
Bei den Vereinten Nationen engagierte sich Schaffner in der Expertengruppe über die Tätigkeit multinationaler Konzerne in der Dritten Welt.
Prädikat staatsmännisch
Alt Staatssekretär Franz Blankart würdigte den freisinnigen alt Bundesrat Hans Schaffner zu dessen 90. Geburtstag als einen der wenigen Eidgenossen des 20. Jahrhunderts, die das Prädikat staatsmännisch verdienten.
Am 16. Dezember wäre Schaffner 96 Jahre alt geworden.
swissinfo und Agenturen
In Kürze
Alt Bundesrat Hans Schaffner ist am vergangenen Freitag kurz vor seinem 96. Geburtstag gestorben. Von 1961 bis 1969 stand er in der Landesregierung dem Eidg. Volkswirtschafts-Departement (EVD) vor.
Der freisinnige Schaffner wurde am 16. Dezember 1908 in Interlaken BE geboren. Als Bürger von Gränichen nahm er jedoch ab 1961 für den Kanton Aargau Einsitz in der Landesregierung.
Als Vorsteher des EVD engagierte sich Schaffner vor allem in der europäischen Integration und der internationalen Wirtschaftspolitik. Seine achtjährige Amtszeit als EVD-Chef fiel mit einer Konjunktur-Überhitzung und galoppierenden Inflation zusammen.
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