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Am 11. September 1973 putschte die chilenische Armee unter General Augusto Pinochet gegen die Regierung von Salvador Allende und ermordete ihn sowie Tausende seiner MitstreiterInnen. In Allendes demokratischem Sozialismus waren die Löhne angehoben, die GrossgrundbesitzerInnen enteignet worden, Bildung und Gesundheitsversorgung waren für alle kostenlos. Als aber Allende die Kupferminen und andere Industrien verstaatlichte, an denen ausländische Konzerne beteiligt waren, begannen die USA und der Internationale Währungsfonds, Chiles Wirtschaft zu boykottieren. Bald herrschte Mangel an allem.
In dieser Situation gab es den utopisch anmutenden Versuch, dieser Mangelwirtschaft über zentrale Computersteuerung aller Produktionsprozesse abzuhelfen. Das ist Thema von Sascha Rehs Roman «Gegen die Zeit». Der Autor lässt einen jungen deutschen Industriedesigner zum Team stossen, das unter der Leitung eines US-Kybernetikers an dem Experiment arbeitet. Die Vorstellungen des Amerikaners verhalten sich zur Realität wie Tablets zu Schiefertafeln, aber mit viel Erfindungsgeist werden Fernschreiber mit einem zimmergrossen IBM-Computer vernetzt, sodass langsam eine Kommunikation zwischen Fabriken und der Zentrale in der Hauptstadt entsteht.
Als der erste grosse Streik organisiert wird, mit dem der Regierung Allende das Genick gebrochen werden soll, erweist sich das Netzwerk erstmals als nützlich: Mit seiner Hilfe wird rasch kommuniziert, wo noch Lastwagen stehen und welche Fahrer frei sind, um so Kohle und Lebensmittel zu den Leuten zu bringen.
Es gelingt Sascha Reh erstaunlich gut, die komplizierten Abläufe zu erklären, eingebettet in eine spannende Handlung, die mit der dramatischen Flucht des Deutschen am Tag des Putschs beginnt. Er soll den Koffer mit den wichtigsten Informationsträgern in Sicherheit bringen, wird jedoch gefangen genommen – und muss schmerzhaft begreifen, dass nicht alle Kollegen seinen Enthusiasmus für den chilenischen Sozialismus geteilt hatten.