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1. Eberhard
Eberhard (934-958)1. Über Eberhards Herkunft gibt uns zuerst Hermann der Lahme nähere Auskunft, indem er in seinem Chronikon zum Jahre 934 bemerkt: «Eberhardus Argentinensis praepositus primus incola cellae Meginradi venit»2. Eine spätere Zeit hat ihn den Nellenburgern zugewiesen. Daß Eberhard von vornehmer Herkunft war erhellt vor allem daraus, daß Kaiser Otto ihm in den Urkunden den Titel «Illustris» beilegt, der in damaliger Zeit nur hochstehenden Persönlichkeiten gegeben wurde. Sonst aber läßt sich über die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Geschlechte nichts sagen, wenn auch die Annahme, daß er ein Nellenburger war, nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen ist, da sich der Name Eberhard mehrfach bei diesem Geschlechte findet und die Nellenburger später als Vögte über das Gotteshaus erscheinen. Auch seine Beziehungen zum Hause Schwaben wie zu Otto 1. sprechen dafür.
Als Jahr seiner Ankunft in Einsiedeln wird von den Annalen übereinstimmend 934 angegeben, am ausführlichsten von den Annales Eremi3: «Eberhardus pater et abba monasterii cellae sancti Meginradi conversus Heremum intravit».
Urkundlich erscheint er erstmals in dem Diplom Otto I. vom 27. Oktober 947, wo er (Domnus Eberhardus) als Erbauer und Vorsteher des Klosters erwähnt wird4. Unter ihm fand 948, wie die Annalen5 berichten, die Einweihung der Klosterkirche statt. Im folgenden Jahre, den 24. Januar, schenkt ihm Kaiser Otto I. auf Bitten seines Sohnes Liudulf und Herzog Hermann I. von Schwaben die Kirche in Grabs mit ihren Einkünften und dem dortigen königlichen Besitz6. Im weitern schenkte Otto 952, den 9. August, auf Bitten seines Sohnes Liudulf dem Kloster den Hof Liel im Breisgau7 und 938, den 6. Januar, den Hof zu Eschenz8; beide Besitzungen hatten dem wegen Hochverrat verurteilten Grafen Guntram gehört. In den beiden letztgenannten Urkunden wird aber Eberhard nicht erwähnt.
Eberhard starb im Jahre 958, wie die Annalen übereinstimmend angeben9. Als Todestag geben die in Cod. 319 enthaltenen nekrologischen Notizen aus dem 10./11. Jahrhundert den 14. August an10. In der aus dem Ende des 10. Jahrhunderts stammenden Lebensbeschreibung des hl. Ulrich wird Eberhard «servus Dei sanctus Heberhardus»11 genannt. Otto I. nennt in seiner Urkunde vom 3. Februar 961 das Kloster, statt wie bisher Meginratescella Eberhartescella12; es ist dies indessen das einzige Mal, daß diese Bezeichnung vorkommt. In einer weitern Urkunde vom 23. Januar 965 nennt ihn Otto I. «beatae memoriae vir illustris Eberhardus»13.
Eberhard wurde von der Nachwelt als Heiliger resp. Seliger gefeiert. Es läßt sich für ihn und seine zwei unmittelbaren Nachfolger auch keine Jahrzeit nachweisen wie für die andern Äbte. Seine Überreste ruhten vor der Gnadenkapelle, bis Abt Gerold von Hohensax sie nach dem Brandunglück von 1465 erheben und gesondert aufbewahren ließ. Zur Zeit der Glaubensneuerung wurden sie mit jenen des hl. Gregor 1522 vor dem Beichtstuhl des Leutpriesters in die Erde vergraben, doch kamen sie bald wieder zu den übrigen Gebeinen der als heilig verehrten Äbte und Mönche vor die Gnadenkapelle. Dort ruhten sie bis 1617, wo sie neuerdings erhoben und bis 1673 in der Sakristei aufbewahrt wurden. Abt Augustin Reding schuf alsdann für sie ein eigenes Epitaphium. Schon 1720 wurden sie aus Anlaß des Neubaues der Klosterkirche wieder in die Sakristei übertragen, bis Abt Beat Küttel 1790 wiederum hinten in der Kirche für sie ein neues Grabmal errichten ließ, das aber die Franzosen 1798 erbrachen. Seither kennt man diese und die Überreste der andern heiligen und seligen Äbte nicht mehr14.