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Bindenfregattvogel
Fregata minor
© 2009 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection)
Die Familie der Fregattvögel (Fregatidae) setzt sich aus insgesamt nur fünf Arten zusammen, welche alle überwiegend schwarz gefärbt und auch sonst, in Körperbau wie Verhalten, einander sehr ähnlich sind. Es handelt sich um den Weissbauch-Fregattvogel (Fregata andrewsi), den Adlerfregattvogel (Fregata aquila), den Kleinen Fregattvogel (Fregata ariel), den Prachtfregattvogel (Fregata magnificens) und den Bindenfregattvogel (Fregata minor). Von Letzterem soll hier berichtet werden.
Kein kleiner Pelikan
Innerhalb der Klasse der Vögel (Aves) gehört die Familie der Fregattvögel zur Ordnung der Ruderfüsser (Pelecaniformes), welche ausserdem die Familien der Tropikvögel, Pelikane, Tölpel, Kormorane und Schlangenhalsvögel umfasst. Als der deutsche Mediziner und Naturforscher Johann Friedrich Gmelin (1748-1804) im Jahr 1798 die wissenschaftliche Erstbeschreibung des Bindenfregattvogels publizierte, ordnete er ihn zwar korrekt den Ruderfüssern zu, hielt ihn aber fälschlicherweise für einen kleinen Pelikan und gab ihm deshalb den Namen Pelecanus minor. Zwar wurde diese Zuordnung bald berichtigt und der Bindenfregattvogel in die Gattung Fregata umgeteilt, doch blieb aufgrund der Nomenklatur-Regeln der Artnamenszusatz minor (lat. für klein, gering) erhalten, obschon der Bindenfregattvogel unter den Fregattvögeln der zweitgrösste ist, und zwar nur knapp hinter dem Prachtfregattvogel. Besonders paradox ist die durch Gmelin hervorgerufene Situation im englischen Sprachraum, denn dort heisst Fregata minor «Greater Frigatebird». Der deutsche Name «Bindenfregattvogel» bezieht sich auf die Tatsache, dass bei den Männchen schräg über die mittleren Flügeldecken eine graubraune Binde verläuft, welche bei den anderen Fregattvögeln fehlt.
Die Fregattvögel gehören zu den wenigen Meeresvogelarten, bei welchen die beiden Geschlechter äusserlich gut unterscheidbar sind, und zwar hinsichtlich ihrer Grösse wie auch ihrer Gefiederfärbung. Beim Bindenfregattvogel bemisst sich die Gesamtlänge auf 85 bis 105 Zentimeter und die Flügelspannweite auf 205 bis 225 Zentimeter, während das Gewicht lediglich 1 bis 1,6 Kilogramm beträgt. Die Weibchen sind im Durchschnitt etwas grösser als die Männchen. Ausserdem ist bei ihnen die Kehle hellgrau und die Brust weiss gefärbt, während die Männchen vollständig schwarz sind. Unterschiedlich ist auch die Färbung des unbefiederten Augenrings: Bei den Männchen ist er schwärzlich, bei den Weibchen rötlich. Das auffälligste Merkmal zur Unterscheidung der beiden Geschlechter ist aber zweifellos der unbefiederte Kehlsack, der bei den Männchen ausserhalb der Brutsaison blass-orange, während der Fortpflanzungszeit jedoch knallrot gefärbt ist und beim Werben um die Gunst der fortpflanzungswilligen Weibchen zu einem riesigen «Luftballon» aufgeblasen wird. Zwar verfügen auch die Weibchen über einen Kehlsack, doch ist dieser unscheinbar klein und blass-lachsfarben, und er lässt sich nicht mit Luft füllen.
Ein «Luftvogel»
Beim Bindenfregattvogel ist das Gewicht des Körpers im Verhältnis zur Grösse der Schwingen sehr klein und die Tragflächenbelastung dementsprechend sehr gering - geringer als bei allen übrigen Vogelarten. Dies ist ein wesentlicher Teil des «Betriebsgeheimnisses», das den Bindenfregattvogel zu einem der grössten Flugkünstler innerhalb der gefiederten Welt macht. Zum einen ist er ein überaus leistungsfähiger Segelflieger, der stunden- oder sogar tagelang ohne jegliche Anstrengung dahingleiten kann. Mitunter lässt er sich von starken Winden oder thermischen Aufwinden tausend und mehr Meter hoch in die Lüfte heben, dann wieder gleitet er knapp über den Wellenkämmen kilometerweit dahin. Er vermag überdies mehr oder weniger bewegungslos an Ort in der Luft zu verweilen und tut dies tatsächlich oft die ganze Nacht lang. Er gehört damit - wie unser Mauersegler (Apus apus) - zu den wenigen Vogelarten, welche im Flug zu schlafen vermögen.
Zum anderen ist der Bindenfregattvogel ein hervorragender Luftakrobat, der bei Bedarf mit unvergleichlicher Wendigkeit und Schnelligkeit zu manövrieren vermag. Dies hat mit seiner Bauweise - lange, schmale Schwingen und langer, tief gegabelter Schwanz - zu tun, welche ein wenig an diejenige unseres Rotmilans (Milvus milvus) erinnert, der ja ein besonders wendiger Greifvogel ist. Die enorme Manövrierfähigkeit des Bindenfregattvogels zeigt sich besonders dann, wenn er Jagd auf seine Hauptbeute, Fliegende Fische und andere über die Meeresoberfläche hinaus springende Fische, macht. Zielsicher stösst er nach unten und packt die Beute blitzschnell mit seinem hakenbewehrten Schnabel - ohne wassern zu müssen oder auch nur das Gefieder zu benetzen. Auf ähnliche Weise fängt er oberflächennah schwimmende Fische und Tintenfische, packt essbare Dinge, welche auf der Meeresoberfläche treiben, erbeutet frisch geschlüpfte Meeresschildkröten vom Strand und raubt unbeaufsichtigte Küken mitten aus einer Meeresvogel-Brutkolonie.
Auf Fischfang geht der Bindenfregattvogel manchmal einzeln, häufiger aber truppweise und nicht selten auch in Gesellschaft mit Seeschwalben und anderen Meeresvögeln. Oftmals beleitet er einen Tunfischschwarm oder einen Delfintrupp, welcher in Oberflächennähe Jagd auf Schwarmfische macht. Da dabei viele Fische ihren Verfolgern zu entkommen versuchen, indem sie aus dem Wasser springen, ist der Tisch für die enorm reaktionsschnellen Bindenfregattvögel im Luftraum oberhalb des Geschehens stets reichlich gedeckt.
Die Ernährungsweise des Bindenfregattvogels erfordert neben einer aussergewöhnlichen Flugfertigkeit auch viel Erfahrung. Der schwarze Vogel hat darum im Laufe seiner Stammesgeschichte noch eine einfachere Form der Nahrungsbeschaffung entwickelt, die bei den erwachsenen Vögeln zwar eher selten, bei den jüngeren, weniger erfahrenen Individuen hingegen des Öfteren zur Anwendung gelangt: die «Piraterie». Dabei greift der Meisterflieger vor allem Tölpel, aber auch Pelikane, Kormorane, Möwen und andere Meeresvögel an, welche vom Fischfang zu ihren Nestern oder Ruheplätzen heimkehren, jagt ihnen dicht hinterher und schnappt mit seinem Hakenschnabel nach ihnen. Er belästigt die flugtechnisch unterlegenen Vögel so lange durch waghalsige Flugmanöver, bis diese verzweifelt ihre Beute fallen lassen oder aus dem Schlund auswürgen, um Ballast abzuwerfen und dem Verfolger besser entfliehen zu können. Stets lässt der Bindenfregattvogel daraufhin sofort von seinem Opfer ab, schiesst im Sturzflug der fallenden Beute hinterher und fängt diese in der Regel noch über der Wasseroberfläche auf. Dieses Verhalten hat die frühen Seefahrer an Piraten und deren schnelle, wendige Fregatten erinnert. So sind die Fregattvögel zu ihrem Namen gekommen.
Interessanterweise kann es sich der Bindenfregattvogel dank seiner meisterhaften Fähigkeit der Luftakrobatik leisten, ein Nichtschwimmer zu sein - was für einen Meeresvogel doch sehr ungewöhnlich ist. Tatsächlich kann er weder aktiv schwimmen noch tauchen. Zum einen sind seine Beine kurz und schwach. Zum anderen weisen seine Füsse praktisch keine Schwimmhäute zwischen den Zehen auf. Ausserdem ist seine Bürzeldrüse klein und produziert wenig Fett, weshalb das Gefieder kaum eingefettet und also keineswegs wasserfest ist. Der Bindenfregattvogel landet darum niemals freiwillig auf dem Wasser. Auch für einen Landgang ist das schwache «Fahrgestell» des Flugkünstlers ungeeignet. Er ist weder ein Wasservogel noch ein Landvogel, sondern müsste als «Luftvogel» bezeichnet werden: Sein Reich ist allein der Luftraum über dem Meer.
Nicht nur beim Fischfang verhalten sich die Bindenfregattvögel gesellig, sondern auch beim Rasten, Balzen und Brüten. Ausserhalb der Brutsaison ziehen sie in Trupps oder auch grösseren Verbänden umher. Obschon es manchmal vorkommt, dass sie dann weit auf das offene Meer hinausfliegen, so neigen sie doch dazu, das ganze Jahr über in der Nähe ihrer Heimatinsel zu bleiben. Dort rasten Männchen wie Weibchen, Jugendliche wie Erwachsene mitunter an günstigen Stellen in Gruppen von ein paar wenigen bis zu mehreren hundert Individuen. So kommt es, dass die Brutkolonien des Bindenfregattvogels gewöhnlich das ganze Jahr über besetzt sind, wobei aber ausserhalb der Brutsaison stets deutlich weniger Individuen anzutreffen sind als während derselben.
Aldabra, Galapagos, Nauru usw.
Wie alle Fregattvögel ist der Bindenfregattvogel in den Tropen und Subtropen zu Hause. Er brütet auf Inseln, die sich zwischen dem 25. nördlichen und 25. südlichen Breitengrad befinden, und zwar hauptsächlich im Indischen und Pazifischen Ozean, in geringen Beständen aber auch im südwestlichen Atlantik. Tatsächlich gilt er als das am weitesten verbreitete Mitglied der Fregattvogelfamilie. Zu seinen Brutinseln gehören so entlegene wie Palau, Galapagos und Aldabra. Auch auf der bloss 21 Quadratkilometer grossen Südpazifikinsel Nauru, von wo die vorliegenden Briefmarken stammen, schreitet er - als einzige Fregattvogelart - zur Brut.
Es scheint, dass der Paarbund bei den Bindenfregattvögeln jeweils nur eine Brutsaison lang hält. Die Männchen müssen sich darum jedes Jahr aufs Neue anstrengen, um ein Weibchen für sich zu gewinnen. Sie tun dies mit auffälligem Balzverhalten, wobei sie oftmals mit ein bis zwei Dutzend anderen Männchen zusammen Balzgruppen bilden. Fliegt ein Weibchen in ihre Nähe, so zeigen sie ihm ihren aufgeblasenen Kehlsack in voller Grösse, indem sie ihren Kopf in den Nacken werfen. Gleichzeitig zittern sie mit den ausgebreiteten Schwingen, wiegen den Kopf hin und her, klappern mit dem Schnabel und lassen ein Trillern vernehmen.
Sobald sich ein Paar gebildet hat, beginnen die beiden Partner mit dem Nestbau, wobei das Männchen vor allem für das Herbeischaffen des Nistmaterials und das Weibchen für das Verbauen desselben zuständig ist. Das Nest ist eine schwache, muldenlose Plattform mit einem Durchmesser von nur etwa dreissig Zentimetern und einer Höhe von höchstens zehn Zentimetern. In der Regel befindet es sich auf einem Baum oder einem Busch, wo die Vögel mühelos starten und landen können.
Das Weibchen legt in der Folge ein einzelnes, mattweisses Ei. Die beiden Altvögel wechseln einander beim Bebrüten desselben regelmässig ab, wobei aber das Weibchen insgesamt mehr Zeit auf dem Nest verbringt als das Männchen. Die Schichtlänge variiert stark, dauert aber häufig vier bis sechs Tage lang.
Das Junge schlüpft nach einer Brutzeit von ungefähr 55 Tagen aus dem Ei und ist anfangs nackt und hilflos. Während der ersten beiden Lebenswochen verbringt es die meiste Zeit schlafend unter einem er beiden Altvögel. Anfänglich wird es zwei bis vier Mal am Tag gefüttert, später nur noch ein Mal täglich oder ein Mal alle zwei Tage. Im Alter von zwei Wochen verfügt es über ein weisses Daunenkleid, im Alter von vier bis fünf Monaten über sein erstes Jugendgefieder und ist von da an flugfähig.
Nun verbringen die Jungvögel mehr und mehr Zeit fern vom Nest und üben sich im Fliegen, doch kehren sie jeden Abend wieder zum Nest zurück, um dort auf die Fütterung durch ihre Eltern zu warten. Länger als bei allen anderen Vogelarten, nämlich fünf bis zehn Monate lang, dauert die Verpflegung der bereits flüggen Jungen durch ihre Eltern. Dies hat zweifellos damit zu tun, dass die arttypischen Beuteerwerbstechniken besonders schwierig zu erlernen sind. Im Alter von fünf bis sieben Jahren schreiten die jungen Bindenfregattvögel erstmals selbst zur Fortpflanzung. Die Lebenserwartung liegt bei dreissig bis vierzig Jahren.
Mehr als 300 000 Individuen
Die Weltnaturschutzunion (IUCN) schätzt den Gesamtbestand des Bindenfregattvogels auf rund 340 000 Individuen. Er ist damit nicht nur das am weitesten verbreitete, sondern auch das häufigste der fünf Mitglieder der Fregattvogelfamilie und wird als nicht in seinem Fortbestand gefährdet eingestuft.
Letzteres gilt es zu relativieren: Die erwachsenen Individuen scheinen zwar keine natürlichen Fressfeinde zu haben. Jedoch fallen in verschiedenen Brutkolonien zahlreiche Eier und Nestlinge Katzen, Ratten und anderen vom Menschen eingeschleppten Raubsäugern zum Opfer. Hier und dort werden die brütenden Vögel und ihre Eier auch für den Verzehr erlegt bzw. gesammelt. Zunehmend verdrängt der Mensch die Bindenfregattvögel ferner von ihren küstennahen Brutplätzen, teils durch übermässige Störung, teils durch die Erschliessung der Küstenstreifen für touristische und andere Zwecke. Die Bestände sind darum vielerorts tendenziell rückläufig.
Noch hält sich der Bindenfregattvogel auf vielen seiner indopazifischen Heimatinseln gut. Wir sollten es aber nicht versäumen, seinen Brutkolonien rechtzeitig den nötigen Schutz zukommen zu lassen. Unsere Welt wäre ärmer, wenn ein Vogel verschwinden würde, dessen Männchen die Weibchen mit einem grossen roten Luftballon zu beeindrucken vermögen.
Legenden
Der Bindenfregattvogel (Fregata minor), ein Mitglied der Ordnung der Ruderfüsser (Pelecaniformes), weist eine Länge von 85 bis 105 Zentimetern und eine Flügelspannweite von 205 bis 225 Zentimetern auf, wiegt aber lediglich 1 bis 1,6 Kilogramm. Er gehört zu den wenigen Meeresvogelarten, bei welchen sich Männchen und Weibchen äusserlich gut voneinander unterscheiden lassen (unten). Der deutsche Artname bezieht sich auf die graubraune Binde, welche bei den Männchen schräg über die mittleren Flügeldecken verläuft (links).
Der Bindenfregattvogel brütet auf zahlreichen tropischen und subtropischen Inseln im indopazifischen und südwestatlantischen Raum. Dieses Bild eines jugendlichen Individuums wurde auf den Galapagosinseln im Ostpazifik aufgenommen. Bindenfregattvögel schreiten erstmals im Alter von 5 bis 7 Jahren zur Fortpflanzung; ihre Lebenserwartung liegt bei 30 bis 40 Jahren.
Für das Herbeischaffen des Nistmaterials ist bei den Bindenfregattvögeln vor allem das Männchen zuständig (links). Das vom Weibchen daraus erbaute Nest ist mit einem Durchmesser von etwa 30 Zentimetern recht klein. Das Gelege besteht stets aus einem einzelnen, mattweissen Ei (rechts).
Das Bindenfregattvogeljunge schlüpft nach einer Brutzeit von ungefähr 55 Tagen aus dem Ei. Es ist anfangs nackt und völlig hilflos (links). Im Alter von zwei Wochen verfügt es über ein weisses Daunenkleid; bald danach beginnen die Federn des ersten Jugendkleids zu spriessen (rechts).
Das Bindenfregattvogeljunge wird anfänglich zwei bis vier Mal am Tag gefüttert, später nur noch ein Mal täglich oder ein Mal alle zwei Tage. Auch nach dem Flüggewerden - im Alter von vier bis fünf Monaten - ist es im Allgemeinen noch während fünf bis zehn Monaten auf die Verpflegung durch seine Eltern angewiesen. Die erwachsenen Bindenfregattvögel können deshalb nur alle zwei Jahre zur Brut schreiten.
Nauru, eine nur 21 Quadratkilometer grosse, knapp südlich des Äquators im westlichen Pazifik gelegene Inselrepublik, hat den Bindenfregattvogel zu seinem Nationaltier erkoren und gewährt ihm einen Platz in seinem Wappen. Interessanterweise ist ein weibliches Individuum abgebildet.
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