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Weinhandlung Weisbrod in Affoltern am Albis
Die Gemeinde Affoltern am Albis entliess gemäss dem Gemeinderatsbeschluss vom 21. März 2011 vier Gebäude aus dem Inventar schützenswerter Bauten. Der Zürcher Heimatschutz ZVH rekurrierte erfolgreich gegen diesen Beschluss.
Bei der Weinhandlung Weisbrod handelt es sich um ein Gebäude-Ensemble, das aus Bauten unterschiedlicher Epochen besteht, jedoch eine klare baugeschichtliche Einheit bildet. Das älteste der vier Gebäude, das Wohnhaus an der Weingasse 2, wurde 1782 erbaut. Es handelt sich dabei um eine zweigeschossige Fachwerkkonstruktion. 1858 wurde das klassizistische Wohnhaus an der Zürichstrasse 140 fertiggestellt, das 1873 von Franz Peter Weisbrod-Stutz gekauft wurde. Weisbrod erwarb auch das Nebengebäude und gründete darin seine Weinhandlung Weisbrod-Stutz. Die Weingasse verdankt der Weinhandlung Weisbrod ihren Namen. Das Nebengebäude wurde 1896 durch ein gemauertes Kellergebäude mit Bureau ersetzt. Dabei handelt es sich um die heutige Zürichstrasse 142. Weisbrod nahm weitere An- und Umbauten vor und vergrösserte seine Weinhandlung stetig. 1911 erbaute sein Sohn Gustav Weisbrod, der die Weinhandlung 1904 von seinem Vater übernommen hatte, das Kellereigebäude an der Zürichstrasse 144. Das Gebäude Ensemble war bis 1947 im Besitz von Gustav Weisbrod, danach gehörte es der Kollektivgesellschaft Weisbrod-Zürrer Söhne Hausen am Albis und ging schliesslich ab 1951 in den Besitz der Familie Schellenberg und deren Nachkommen über, die darin bis 1972 eine Getränke- und Kohlenhandlung betrieben.
In seiner Argumentation gegen die Entlassung stützte sich der Zürcher Heimatschutz unter anderem auf die 2008 von Fachexperten vorgenommene Inventarüberarbeitung, die eine sehr hohe Schutzwürdigkeit der Schutzobjekte ausweist. Neben der Inventarüberarbeitung 2008 wurden im Verlauf zwei weitere Fachgutachten erstellt. Das eine Gutachten eines unabhängigen Fachexperten weist nach, dass eine Instandhaltung der Gebäude mit vertretbarem Aufwand durchaus möglich ist. Das andere Gutachten wurde von den Rekursgegnern bei der Denkmalpflege-Kommission des Kantons Zürich KDK eingefordert. In diesem KDK-Gutachten kommt die wirtschaftsgeschichtliche Bedeutung des Gebäude-Ensembles klar zum Ausdruck. Ferner betont das Gutachten die wichtige Bedeutung für das Ortsbild. Bereits die im Jahre 2008 ausgeführte Inventarüberarbeitung wies dem Gebäudeensemble einen hohen Situationswert zu.
Die Rekursgegner, die Gemeinde Affoltern am Albis und die Eigentümer, argumentierten vor dem Baurekursgericht, entgegen sämtlicher Gutachten, dass sie die Zeugenschaft des Ensembles nicht anerkannten und die Unterschutzstellung als unverhältnismässig bezeichneten. Der Aufwand, um die Gebäude zu sanieren, sei zudem viel zu gross.
Das Baurekursgericht folgte in seinem Entscheid vom 29. Januar 2013 der Argumentation des Zürcher Heimatschutzes und hob den Entschluss des Gemeinderates Affoltern vom 21. März 2011 auf. Die Argumentation der Rekursgegner sei nicht überzeugend, da sie in den meisten Punkten der Argumentation des KDK-Gutachtens entgegenläuft. Laut Gerichtsentscheid handelt es sich bei dem Gebäude-Ensemble der Weinhandlung Weisbrod um Bauten, „[…] welche das Quartier in dominanter Weise prägen (Situationswert) und welche auch je eigenständig wichtiges baukünstlerisches und wirtschaftsgeschichtliches Zeugnis ihrer Epoche ablegen (Eigenwert).“
Der Gemeinderat wurde schliesslich vom Baurekursgericht angehalten, den angefochtenen Beschluss aufzuheben und die erforderlichen Schutzmassnahmen für die Gebäude der Weinhandlung Weisbrod festzusetzen.
Der Zürcher Heimatschutz setzt sich für den Schutz historischer Bausubstanz ein und strebt eine sinnliche und erfassbare Erfahrung von baulichen Zeitzeugen an. Mit der Unterschutzstellung der Weinhandlung Weisbrod wurde dieses Ziel einmal mehr erreicht.
Autorin: Stefanie Magel, Geschäftsstelle ZVH