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1613 ist Abtwahl in der Reichsabtei Ochsenhausen. Theodorich Locher, von Frauenfeld,[1] wird unter den «Jünglingen von 17 bis 21 Jahren» erwähnt. Er ist als Letzter aufgeführt, muss demnach 1596 geboren sein und ist im Jahr der Abtwahl Novize in Ochsenhausen. 1624, inzwischen ausgebildeter Theologe und Pater, wird er mit einem weiteren Pater aus Ochsenhausen ins adelige Fürststift Kempten befohlen, um dort überfällige Reformen einzuführen. Er wird dabei als Chordirektor für die Erneuerung des liturgischen Gesangs eingesetzt, kehrt aber 1626 erfolglos wieder zurück. Dann kommt auf die Pfarrstelle zu Reinstetten und bleibt auch, als 1632 der Konvent vor den Schweden flieht. Wie viele Zurückgebliebene wird er von den Schweden gefoltert, überlebt aber als einer der wenigen. Erst 1661 hören wir wieder von ihm. Er ist Prior und zuletzt Pfarrvikar im stiftskemptischen Legau, als er zum Abt von Isny gewählt wird. Die Wahl wird nach der Resignation des dortigen Abtes Dominikus Arzet heimlich durchgeführt.[2] Der Vogt wird dabei übergangen und anerkennt Abt Theoderich erst 1663, nach langen und verlorenen Prozessen gegen die Kurie. Der neue Abt von Isny tritt ein schweres Erbe an. Zwar ist unter seinem Vorgänger der 1631 im Stadtbrand zerstörte Konvent wieder aufgebaut worden, für den Kirchenneubau erfolgt der Baubeginn erst 1661. So wird Abt Theodorich ungewollt zum Bauabt in Isny. 1666 kann die frühbarocke Hallenkirche eingeweiht werden. Der Abt aus Ochsenhausen stirbt nach 15 Jahren Regentschaft am 22. September 1676.
Sein Porträt, gemalt im 18. Jahrhundert, zeigt ihn im Alter von vielleicht 65 Jahren, ohne Pektorale und ohne Kopfbedeckung, im Lehnstuhl sitzend. Es zeigt ein nicht unsympathisches Schwergewicht mit einem kahlhäuptigen Charakterkopf. Im Hintergrund ist sein Kruzifix, sein Wappen[3] mit den Abtsinsignien und seine neue Stiftskirche zu sehen. Die realistische Darstellung lässt vermuten, dass das Porträt überlieferte Züge des Abtes Theodorich trägt, der während seiner Regierung vielleicht weiterhin als einfacher Mönch auftritt.
Pius Bieri 2010
[2] Die Resignation, das heisst der vorzeitige Rücktritt, ist in diesem Fall von der Oberschwäbischen Benediktinerkongregation vorbereitet worden und dient auch zur Umgehung der Rechte der Truchsessen von Waldburg bei der Wahl des neuen Abtes, da dann die Neuwahlen auswärts und geheim stattfinden können. Bei der Wahl vom 7. November 1661 von Abt Theodorich Locher sind anwesend: Der Konstanzer Generalvikar mit seinem Notar, den Äbten von Zwiefalten und Ochsenhausen, der resignierende Abt von Isny mit den einzigen zwei Konventualen von Isny. Die Abtei Isny war also wieder einmal nicht in der Lage, einen geeigneten Kandidaten zu präsentieren. Alt-Abt Dominikus Arzet stirbt am 6. September 1669.
[3] Das Wappen der Landschreiber Locher in Frauenfeld zeigt in Rot zwei sinkende goldene Pfeile. Es wird später vermehrt durch einen Herzschild, der in Blau einen goldenen Gegenbalken, begleitet von sechs goldenen Sternen, zeigt. Das auf dem Gemälde dargestellte Wappen zeigt diese Attribute. Abt Theodorich stammt deshalb aus der Landschreiber- und Schulthessenfamilie.
|Abt OSB Theodorich Locher (um1596–1676) in Isny|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|um 1596||Frauenfeld Thurgau CH||Eidg. Herrschaft Thurgau|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Abt der Reichsabtei Isny||1661–1676|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|22. September 1676||Isny Baden-Württemberg D||Herrschaft Abtei Isny|
|Kurzbiografie|

Abt Theodorich Locher ist schon sei 48 Jahren Konventuale in Ochsenhausen, als er im Alter von 65 Jahren zum Abt von Isny postuliert wird. Er kommt in ein Kloster, das sich personell und baulich im Wiederaufbau befindet, in einer protestantischen Reichsstadt liegt und zusätzlich einen Dauerkonflikt mit dem Kastenvogt austrägt. 20 Jahre nach dem Stadtbrand ist die Kirche noch immer Ruine. Der Vorgängerabt hat allerdings die Prioritäten richtig gesetzt, vorerst die Wirtschaftsgebäude wieder aufgebaut und dann mit dem Vorarlberger Michael Beer den Konventneubau begonnen. Für den Bau der Kirche und der Abtei zieht er dann aber Misoxer Baumeister bei. Mit ihnen erstellt Abt Theodorich die neue Stiftskirche und baut das Kloster fertig.
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