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Noch hat René Fasel die WM in Weissrussland (Minsk) offiziell nicht abgesagt. Aber die Suche nach Alternativen läuft auf Hochtouren. Die grössten Chancen haben Lettland (Riga), Tschechien (Prag) und die Slowakei (Bratislava).
Eines ist für IIHF-Präsident René Fasel klar: «Wir werden die WM 2021 durchführen. Zwei Jahre ohne eine WM können wir uns nicht leisten.» Die letzte WM 2020 in der Schweiz ist ja abgesagt worden. Die Frage ist nun: wo und unter welchen Bedingungen kann die WM 2021 vom 21. Mai bis zum 6. Juni stattfinden? Geplant ist die WM 2021 in Lettland (Riga) und Weissrussland (Minsk).
Die Bedingungen sind klar. René Fasel sagt: «Notfalls führen wir die WM ohne Zuschauer durch». Ob die Mannschaften dann in eine sog. «Bubble» gesteckt werden wie bei den NHL-Playoffs und der Junioren-WM in Edmonton oder nicht, ist noch offen. René Fasel hofft, dass es bis im April möglich sein wird, die Teilnehmer zu impfen und auf eine Bubble zu verzichten. Denn eine «Bubble» ist sehr teuer.
Die IIHF ist bereit, die Kosten zu übernehmen, die eine WM ohne Zuschauer verursacht. Das ist auch deshalb möglich, weil diese Saison bis auf die U 20-WM und die WM alle anderen Turniere (Frauen, Junioren, untere WM-Kategorien) entfallen. Und damit die Subventionen, die von der IIHF an die verschiedenen, durchwegs defizitären Titelkämpfe (es sind mehr als zehn) ausbezahlt werden. Oder wie es René Fasel sagt: «Wir kommen wohl auf eine schwarze Null.» Will heissen: der internationale Verband verdient diese Saison halt für einmal kein Geld.
Aber wohin mit der WM? Nach wie vor hat René Fasel den Standort Minsk nicht aufgegeben. Er erholt sich in diesen Tagen gerade von einer Corona-Infektion. Er hat sie gut überstanden und wenn es die Umstände, Vorschriften und ein negativer Test erlauben, dann wird er nach Minsk fliegen und den weissrussischen Machthaber Alexander Lukaschenko besuchen.
Die weltweite Kritik aus politischen und sportpolitischen Kreisen ist dem streitbaren IIHF-Vorsitzenden in seinem 25. und letzten Präsidialjahr sicher. Und sehr wohl bewusst. Wenn er sagt: «Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben», so weiss er, dass es nicht einfach wird. Selbst bei einem Rücktritt von Alexander Lukaschenko wäre noch keine politische Normalität garantiert und nicht einmal ein russischer Einmarsch kann ausgeschlossen werden.
René Fasel wird nun nach Minsk fliegen, um dem weissrussischen Staatsoberhaupt die WM-Absage persönlich und möglichst schonend zu überbringen. Die WM 2021 in Weissrussland ist also vom Tisch – nur wird es offiziell noch nicht bestätigt. Erst muss Alexander Lukaschenko persönlich benachrichtigt werden. Was ja eigentlich eine Frage des Anstandes ist.
Aber was sind die Alternativen? Russland (St.Petersburg) fällt nach der Verurteilung zu einer zweijährigen Sperre (Doping) aus. Da inzwischen bekannt ist, dass die Kosten von der IIHF übernommen werden, ergeben sich einige andere Möglichkeiten. René Fasel will sich nicht in die Karten blicken lassen und sagt: «Wir haben zwei, drei Alternativen». Womit er sich eben doch in die Karten blicken lässt. Er hat tatsächlich zwei oder drei Alternativen.
Der lettische Verband (Riga) kann die ganze WM übernehmen, verfügt allerdings nur über eine Arena mit mindestens 10'000 Plätzen. René Fasel sagt, dass eine Arena in dieser Grösse erforderlich ist. «Wenn es möglich sein sollte, dass doch in beschränktem Masse Zuschauer zugelassen werden, dann sind wir auf eine grosse Arena angewiesen.» Wenn beispielsweise wegen behördlichen Anordnungen nur die Hälfte der Sitzplätze benützt werden dürfen, dann ist die Grösse der Arena ein entscheidender Faktor – und es braucht dann zwei Stadien. In nur einer Arena kann eine WM nicht gespielt werden.
Eine WM in Skandinavien schliesst René Fasel 2021 aus. Seine offizielle Begründung ist einleuchtend: 2022 findet die WM in Finnland statt, 2025 in Schweden. Inoffiziell wird immer wieder kolportiert, dass der IIHF-Vorsitzende mit den skandinavischen Vertretern bei allem Charme gewisse Mühen hat. Vielleicht ist das halt so, wenn machtbewusste Männer aus dem hohen Norden mit einem im Wesen und Wirken eher an einen Lateiner mahnenden Chef treffen.
Also bleiben tatsächlich drei Alternativen: Lettland (aber etwas ungern, weil nur eine Arena zur Verfügung steht), Prag und Bratislava. René Fasel mag diese Variante nicht dementieren. «Unter den gegebenen Voraussetzungen ist eine WM in Tschechien oder der Slowakei nicht auszuschliessen.» Auch eine Kombination Prag und Bratislava ist denkbar. Denn hier stehen Stadien in der benötigten Grösse bereit, die sich in der Vergangenheit bei WM-Turnieren bereits bestens bewährt haben. Und über die Eishockey-Kultur und die fähigen WM-Organisatoren in diesen Ländern brauchen wir keine Debatte zu führen.
Ein wichtiger Faktor sind dabei die Kosten: Eine WM in Tschechien und der Slowakei ist nun einmal kostengünstiger als im Westen. René Fasel sagt sogar: «Viel günstiger». Das spricht gegen eine WM-Verlegung in ein westliches Land. Beispielsweise nach Dänemark, das 2018 die WM erfolgreich durchgeführt hat, oder nach Deutschland.
Und die Schweiz? Eine Verlegung in die Schweiz ist ausgeschlossen. Schon allein wegen der Kosten. Eine IIHF-intern eher als Scherz bei der Kaffeepause angedachte Variante, mit der WM 2021 nach Davos zu gehen, wo die Hotels im Mai und Juni sowieso leer stehen, ist sofort wieder verworfen worden. Zumal ja ein zweiter WM-Standort erforderlich wäre. Eigentlich schade.