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Inklusion von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem FörderbedarfWo lernen Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf besser? Ein Vergleich schulischer Kompetenzen zwischen Regel- und Förderschulen in der Primarstufe
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Welche Arten von sonderpädagogischem Förderbedarf lassen sich unterscheiden?
Lernen
Sprache
Emotionale und soziale Entwicklung
(Aufgrund der geringen Anzahl von Schülern in Förderschulen mit Schwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung konnte für diese Teilstichprobe kein Matching durchgeführt werden)
Wo lernen Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf mehr? Welche theoretischen und empirischen Argumente sprechen für die Regel-, welche für die Sonderschule?
Teil 1
Lesekompetenzen: Schüler mit SPF in Regelschulen erzielten insgesamt signifikante Leistungsvorsprünge im Vergleich zur gematchten Schülergruppe in Förderschulen.
Schüler mit SPF, die in einer Regelschule unterrichtet wurden, wiesen in allen untersuchten Bereichen höhere Leistungen auf als vergleichbare Schüler mit SPF in Förderschulen. Nach Cohen (1992) handelt es sich bei den ermittelten Leistungsunterschieden je nach betrachtetem Kompetenzbereich um geringe bis mittlere Effekte zugunsten des Besuchs einer Regelschule.
Eine nach Förderschwerpunkten differenzierte Betrachtung ergab, dass insbesondere Schüler mit dem Förderschwerpunkt Lernen vom Unterricht in Regelschulen zu profitieren scheinen.
Für Kinder mit dem Förderschwerpunkt Sprache waren Leistungsunterschiede in den sprachlichen Kompetenzen in Abhängigkeit von der Art der Beschulung hingegen geringer ausgeprägt. Hier zeigte sich ein durchschnittlicher Leistungsvorsprung der Kinder in Regel-schulen von ATT = 27 Punkten (p < 0,01) gegenüber vergleichbaren Kindern in Förderschulen.
Wo lernen Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf mehr? Welche theoretischen und empirischen Argumente sprechen für die Regel-, welche für die Sonderschule?
Teil 2
Für das Fach Mathematik konnte kein bedeutsamer Leistungsunterschied zwischen Regel- und Förderschülern mit dem Förderschwerpunkt Sprache nachgewiesen werden.
Leistungsvorsprünge der Kinder mit SPF in Regelschulen entsprechen über alle Förderschwerpunkte hinweg dem Lernzuwachs von etwa einem halben Schuljahr im Lesen und in Mathematik sowie annähernd einem Schuljahr im Zuhören.
Förderschwerpunkt Lernen: Vorsprung in Regelschulen im Vergleich zu Förderschulen war noch deutlich größer:
Im Kompetenzbereich Lesen und in Mathematik nähert sich der Unterschied einem Leistungsvorsprung von einem Schuljahr.
Im Kompetenzbereich Zuhören lag er bei mehr als einem Schuljahr zugunsten der Kinder in Regelschulen.
Förderschwerpunkt Sprache: deutlich geringere Leistungsunterschiede; entsprechen im Kompetenzbereich Lesen aber dennoch knapp einem halben Schuljahr und im Zuhören unter einem Schuljahr zugunsten der Kinder in Regelschulen.
In Mathe zeigten sich für diese Schülergruppe keine bedeutsamen Leistungsunterschiede.
Einschränkung bei der Interpretation der Leistungsunterschiede: Schätzungen der Lernzuwächse wurden nicht anhand von Leistungsentwicklungen einzelner Schüler, sondern durch querschnittliche Vergleiche von Alterskohorten ermittelt. Zudem basieren die Schätzungen der Lernzuwächse auf Daten der Gesamtpopulation von Schülern und es ist unklar, inwieweit sie auch für Kinder mit SPF gültig sind
Welche Bedeutung kommt dem Vorwissen für die Kompetenzentwicklung zu?
Kinder in Förderschulen (vor allem mit dem Förderschwerpunkt Lernen) stammen häufiger aus sozial schwachen und bildungsfernen Familien als Kinder in Regelschulen. Kinder mit Zuwanderungshintergrund sind an Förderschulen überrepräsentiert. Unterschiede in der sozialen und kulturellen Zusammensetzung der Schülerschaft können bereits bestehende Leistungsnachteile verstärken und sich als institutioneller Matthäuseffekt auf die individuelle Leistungsentwicklung der Schüler auswirken. Hoher Anteil an Kindern aus bildungsfernen Schichten: eher ungünstiges Lernmilieu, in dem schulischer Erfolg und Leistungsstreben weniger wertgeschätzt werden. Kinder mit SPF könnten durch Interaktionen mit leistungsstärkeren Mitschülern in Regelschulen stärkere Lernfortschritte erzielen.
Untersuchungen zum Matthäuseffekt legen die Vermutung nahe, dass Kinder mit SPF aufgrund niedrigerer Ausgangsleistungen geringere Lernzuwächse erzielen als Kinder ohne SPF, sodass der Unterschied tendenziell noch größer ausfiele. Allerdings ist auch diese Vermutung bislang ungeprüft.
Was versteht man unter dem Matthäus-Effekt?
Der Matthäus-Effekt ist eine These der Soziologie über Erfolge. Wo dieser Effekt auftritt, entstehen aktuelle Erfolge mehr durch frühere Erfolge, und weniger durch gegenwärtige Leistungen. Ein Grund liegt in den stärkeren Aufmerksamkeiten, die Erfolge erzeugen. Dies wiederum eröffnet Ressourcen, mit denen weitere Erfolge wahrscheinlicher werden. Kleine Anfangsvorteile einzelner Akteure können so zu großen Vorsprüngen heranwachsen, und eine sehr geringe Anzahl von Akteuren den Hauptteil aller Erfolge auf sich vereinen, während die Mehrheit erfolglos bleibt.
Dieses Phänomen wird in einigen Sprichwörtern thematisiert, z. B. „Wer hat, dem wird gegeben“, „Es regnet immer dorthin, wo es schon nass ist“ oder „Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen“.
Wie lassen sich Selektionseffekte kontrollieren? Welche Verfahren kennen Sie? Welche Vor-/Nachteile haben diese Verfahren?
Propensity Score Matching-Verfahren (PSM) können zur statistischen Kontrolle von Selektionseffekten eingesetzt werden, um ggf. identifizierte Leistungsunterschiede eindeutiger auf den Gruppenfaktor, also die Art der Beschulung, zurückführen zu können.
Grundprinzip beim PSM: Für jeden Schüler der Stichprobe wird ein Wahrscheinlichkeitswert (= Propensity Score) berechnet, in eine der beiden Schularten überzugehen. Anschließend werden nur diejenigen Schüler beider Gruppen in ihrer Leistung verglichen, die ähnliche Propensity Scores aufweisen.
Das PSM ist ein für diesen Zweck besonders geeignetes Verfahren, das es erlaubt, Eingangsunterschiede der Studierenden, also Selektionseffekte, zu kontrollieren.
Nachteile PSM:
Randomisierung wie im Experiment nicht möglich -> Kontrolle von Variablen, damit sich die zu vergleichenden Gruppen nicht systematisch unterscheiden
Nur Aufnahme von Personen, für die sich jeweils Personen in den anderen Gruppen mit den gleichen Wahrscheinlichkeiten finden
Da sich beide Untersuchungsgruppen nach dem Matching im Idealfall nur noch durch die Art ihrer Beschulung und nicht mehr in Bezug auf andere leistungsdeterminierende Merkmale unterscheiden, können Schulleistungsdifferenzen mit höherer Plausibilität auf die Art der Beschulung zurückgeführt werden.
Allerdings sind Aussagen zur Wirkung der Beschulungsart auf die Schulleistungen nur hinsichtlich der einbezogenen Kontrollvariablen und dem Überlappungsbereich in der Ausprägung der Kontrollvariablen zwischen beiden Gruppen gültig. Deshalb ist es wichtig, dass sich die Propensity Score-Verteilungen der zu vergleichenden Gruppen ausreichend überlappen (Area of Common Support).
Limitation des Propensity Score Matching
Eine Limitation bei Anwendung des Propensity Score Matchings in der vorliegenden Studie stellt das querschnittliche Untersuchungsdesign dar. So kann nicht ausgeschlossen werden, dass bestimmte Merkmale (z. B. kognitive Grundfähigkeiten), die im Rahmen des Matchings berücksichtigt wurden, ebenfalls durch die Beschulungsart beeinflusst wurden (Posttreatment Selection Bias). Dies ist insofern problematisch, als dass die Zuweisung zu einer Regel- oder Förderschule selbst nach dem Matching noch mit den erzielten Schulleistungen konfundiert sein könnte. Folglich kann der Einfluss der Beschulungsart auf die Schulleistungen von Kindern mit SPF nicht vollkommen verzerrungsfrei geschätzt werden. Die resultierenden Ergebnisse sind daher mit entsprechender Unsicherheit behaftet
Wie wird die Relevanz der Studie begründet? Entsprechen Theorie-teil und Hypothesen Ihren Erwartungen?
Teil 1
In Deutschland wird nicht erst seit Verabschiedung der UN-Behindertenrechtskonvention (BRK 2008) gefordert, allen Schülerinnen und Schülern Zugang zu den gleichen Bildungseinrichtungen zu ermöglichen. In Anlehnung an den Artikel 24 der BRK empfiehlt die KMK (2010) den Ausbau des gemeinsamen Lernens von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung in der Regelschule und definiert somit die gemeinsame Bildung und Erziehung Heranwachsender als zentrales Ziel bildungspolitischer Maßnahmen.
Im Zuge der Umstellung zu einer integrativen bzw. inklusiven Beschulung stellt sich die Frage, wie sich die Art der Beschulung (Regel- oder Förderschule) auf die schulischen Kompetenzen der Schüler mit SPF auswirkt. Befürworter einer separaten Beschulung argumentieren, dass Förderschulen in besonderem Maße geeignet seien, auf die speziellen Bedürfnisse von Kindern mit SPF einzugehen und ihnen damit optimale Bildungswege zu ermöglichen. Fürsprecher einer gemeinsamen Beschulung von Kindern mit SPF in Regelschulen hingegen führen an, dass diese den Schülern ein besonders anregendes Lernumfeld bieten und Bildungschancen eröffnen, die ihnen an Förderschulen zumeist verwehrt blieben. Der Zusammenhang zwischen Art der Beschulung und schulischen Kompetenzen von Kindern mit SPF wurde in Deutschland bislang jedoch nicht systematisch anhand von Daten großer nationaler Stichproben untersucht.