Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03466.jsonl.gz/1977

| Augustinus (354-430) - Ausgewählte Briefe (Erster Teil)

Zweites Buch.
Briefe von Augustins Erhebung zur Bischofswürde bis zu seiner Disputation mit den Donatisten und der Entdeckung der pelagianischen Irrlehre in Afrika (396—410).
XXXVII. (Nr. 73.) An Hieronymus
2.
Indessen, mein geliebtester Bruder, hieltest du dich nicht durch meinen Brief für beleidigt, so würdest du auch nicht glauben, daß ich durch deine Antwort beleidigt werden könnte. Denn in keinem Falle könnte ich glauben, daß du dich nicht für beleidigt hältst, wenn -du so antwortest, daß du dadurch beleidigst. Wenn du aber von mir geglaubt hast, daß ich auch ohne eine derartige Antwort von dir infolge meiner allzu großen Torheit beleidigt werden könnte, so hast du mir offenbar schon durch diese üble Meinung eine Beleidigung zugefügt. Da du aber mich nie von dieser Seite kennen gelernt hast, solltest du mich nicht leichthin für einen solchen Menschen halten; wolltest du doch sogar den Abschriften meiner Briefe nicht leichthin trauen, obwohl dir meine Schreibart bekannt war. Denn wenn du richtig vorausgesehen hast, daß ich begründete Einsprache erheben würde, wenn du mir ohne weiteres Briefe zuschriebest, die nicht von mir sind, so könnte ich noch mit weit größerem Rechte Einsprache dagegen erheben, daß du mir ohne weiteres Eigenschaften beilegst, die du nie an mir kennen gelernt hattest. Du brauchtest also keinesfalls mir ein solches Übermaß von Torheit zuzuschreiben, daß auch eine Antwort von dir, die nichts Beleidigendes enthielte, mich beleidigen könnte.