Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03201.jsonl.gz/3298

Als der SAC Hunde ausbildete 75 Jahre Lawinenhunde
Seit 1943 werden Lawinenhunde in der Schweiz systematisch ausgebildet. Zu Beginn lag die Aufgabe bei der Armee, nach dem Krieg übernahm der SAC die Verantwortung.
Am 1. August 1943 war erstmals offiziell von Lawinenhunden die Rede. Damals trat die neue Prüfungsordnung (PO) der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft in Kraft. Sie regelte die «sportliche Erziehung, Abrichtung und Prüfung von Rassehunden». In der vorherigen PO hatte es die Disziplin Lawinenhunde noch nicht gegeben. Speziell war zudem, dass die neue PO gemeinsam von der Kynologischen Gesellschaft und vom Kriegshundedienst erarbeitet worden war. Sie galt also auch für die damals rund 1000 Hunde im Dienst der Schweizer Armee.
Barry, die Legende
Auch wenn 1943 als offizielles Geburtsjahr des Lawinenhundewesens gilt, Einsätze von Hunden in Eis und Schnee gab es schon viel früher. Besonders viele Legenden ranken sich um die Bernhardiner vom Hospiz auf dem Grossen St. Bernhard. Der wahre Kern: Ab Mitte des 17. Jahrhunderts wurden im Hospiz Wachhunde gehalten. Zusammen mit den Klosterleuten suchten sie täglich nach verirrten Reisenden. Barry, der berühmteste Bernhardiner, soll über 40 Menschen vor dem Tod bewahrt haben. Dafür ist ihm heute eine Dauerausstellung im Naturhistorischen Museum Bern gewidmet.
Ein anderer Vorläufer des modernen Lawinenhundes ist der Sanitätshund. Er suchte nicht Lawinen nach Verschütteten ab, sondern Schlachtfelder nach Verletzten. Ende des 19. Jahrhunderts machte man sich vor allem in der deutschen und der französischen Armee Gedanken dazu. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs interessierte sich auch die Schweiz dafür. Über eine erste Sanitätshundeprüfung und einen militärischen Kurs für Sanitätshundeführer gingen die Bemühungen aber nicht hinaus. Schwung in die Angelegenheit brachte erst Henri Guisan. Der spätere General der Schweizer Armee war ein grosser Hundefreund und -förderer. Auf seine Initiative wurde ab 1928 wieder mit Hunden gearbeitet und später der Kriegshundedienst geschaffen.
Von Sanitäts- zu Lawinenhunden
Im Winter 1937/38 verschüttete eine Lawine am Schilthorn im Berner Oberland ein paar junge Leute. Eines der Opfer wurde nur dank der feinen Nase eines Hundes gefunden, der immer wieder an die gleiche Stelle zurückkehrte, bellte und scharrte. Diese Geschichte kam dem Kynologen Ferdinand Schmutz zu Ohren. Er schrieb später, es sei das Ereignis am Schilthorn gewesen, das ihn – neben der Geschichte über die Bernhardiner – auf den Gedanken gebracht habe, Lawinenhunde auszubilden. Im Winter 1939/40 schulte er erstmals Sanitätshunde zu Lawinenhunden um. Die Resultate waren so überzeugend, dass der Oberfeldarzt im Dezember 1940 empfahl, bei jedem Lawinenunglück möglichst frühzeitig Lawinenhunde einzusetzen. Bald stelle die Armee die Hundeteams auch für die Suche nach zivilen Verschütteten zur Verfügung. Mit der PO von 1943 wurde die neue Rettungsmethode in einem offiziellen Dokument verankert.
Der SAC übernimmt
Nach dem Krieg wurde der militärische Hundedienst aus Kostengründen aufgelöst. Für die Lawinenhunde sprang der SAC in die Bresche. Ferdinand Schmutz wurde der erste Chef des SAC-Lawinenhundewesens. Die Lawinenhunde blieben bis Ende des 20. Jahrhunderts in der alleinigen Zuständigkeit des Alpen-Clubs. Als es mit dem Projekt Rettung 2000 sein Rettungswesen reorganisierte, ging das Wallis in Sachen Hunde eigene Wege. Die Kantonale Walliser Rettungsorganisation (KWRO) schult ihre Tiere seither selbst. Inhaltlich unterscheidet sich die Ausbildung aber nur minim von jener in der «Ausserschweiz». 2005 gründete der SAC schliesslich zusammen mit der Rega die Stiftung Alpine Rettung Schweiz. Diese ist seither für die terrestrische Bergrettung inklusive der Lawinenhunde zuständig.