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Die Strassentaube (Columba livia f. domestica) stammt ursprünglich von der Felsentaube (Columba livia) ab und ist eine verwilderte Form der Haustaube. Da Städte mit ihren vielen Gebäuden und tiefen, vegetationslosen Strassenschluchten Felslandschaften gleichen und weil dort immer genügend Nahrung vorhanden ist, bilden sie einen vorzüglichen Lebensraum für die Strassentaube. Die Strassentaube ernährt sich ursprünglich von Samen, verzehrt aber auch gern jegliche Essensreste von Brot über Früchte bis hin zu Fleisch und Schokolade. Sie verschlingt täglich rund 20–30 Gramm Futter. Dieses nimmt sie in kürzester Zeit auf und speichert es in ihrem Kropf, um es später an einem ungestörten Ort zu verdauen.
Als Brutorte nutzt die Strassentaube fast ausschliesslich Nischen und Höhlen an Gebäuden und Brücken. Aufgrund des guten Nahrungsangebots kann sie das ganze Jahr über brüten und Junge aufziehen. Dieses Brutverhalten stellt einen Unterschied zu ihrer Vorfahrin, der Felsentaube, dar, die nur zur naturgemäss nahrungsreichen warmen Jahreszeit brütet. Tauben legen immer zwei Eier pro Brut. Jungtiere werden anfangs mit Kropfmilch, einem aus Wasser, Eiweiss und Fett zusammengesetzten Sekret der Kropfwand, gefüttert. Dies hat den Vorteil, dass die Elternvögel kein spezielles Nestlingsfutter suchen müssen. In Basel werden pro Taubenpaar und Jahr durchschnittlich rund fünf Junge flügge.
Die Grösse der Strassentaubenbestände wird in erster Linie durch das Nahrungsangebot bestimmt. Aufgrund der vielen Essensreste, der gezielten Taubenfütterung und der geringen Anzahl natürlicher Feinde fehlt die natürliche Selektion weitgehend. Dadurch vermehren sich die Tauben unkontrolliert und führen im Zusammenleben mit den Menschen zu Problemen.
Eine Taube produziert jährlich zwölf Kilogramm Nasskot, was zu erheblichen Verschmutzungen und Beschädigungen an Gebäuden führt. Geschuldet ist dies dem hohen Anteil der ätzenden Salpetersäure im Taubenkot. Die Säure greift verschiedene Baumaterialien an und schädigt daher empfindlich Gebäudestrukturen. Zudem sind die Strassentauben Träger verschiedener Krankheitserreger, die auch den Menschen befallen können. Es handelt sich um Parasiten, Bakterien und Viren, welche Grippe und andere Infektionskrankheiten auslösen können. Seit 1961 werden die Taubenbestände in Basel deshalb durch die Behörden gering gehalten. Die Massnahmen reichen vom Aufruf zum Verzicht auf Taubenfütterungen über das Vergittern von Nistplätzen und Balkonen bis zum Fangen und Abschiessen der Vögel.
Städtische Parkanlagen, Einfamilienhausquartiere und Friedhöfe sind die Wohngebiete der Türkentaube (Streptopelia decaocto). Sie ist beige gefärbt, hat einen schwarzen Halsring und macht sich durch ihren dreisilbigen «huhu-hu»-Ruf bemerkbar. Die Türkentaube ist im 20. Jh. aus Kleinasien eingewandert und brütete erstmals 1958 in Basel. Danach breitete sie sich schnell in der Region aus und ist heute ein häufig anzutreffender Brutvogel.
Die Ringeltaube (Columba palumbus) kommt in der Region fast flächendeckend vor. Zum Nisten braucht sie Wälder oder Gehölze, weshalb sie grössere Siedlungen meidet. Sie ernährt sich von Samen und Früchten, die sie auf Wiesen und Feldern pickt. Die Ringeltauben ziehen im Oktober in grossen Schwärmen nach Südwesteuropa, wobei sie die Alpen grösstenteils umfliegen. Seit dem Jahr 2000 ist die Ringeltaube vermehrt auch in baumreichen Stadtquartieren zu sehen.
Die Turteltaube (Streptopelia turtur) kommt vor allem in warmen, trockenen Gebieten, wo sie in Gebüschen, Gehölzen und Auengebieten brütet. Sie ist die einzige einheimische Taubenart, die südlich der Sahara überwintert. Schon früher war die Turteltaube in der Region Basel selten. Heute fehlt sie als Brutvogel in den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft vollständig. In der Schweiz wird sie als gefährdet eingestuft, in Baden-Württemberg als schonungsbedürftig, während sie im Elsass noch nicht auf der Roten Liste steht. Hauptursachen für den Rückgang sind die Abholzung von Hecken und Gebüschen im Brutgebiet sowie der Einsatz von Herbiziden, die das Angebot von Samen reduziert haben. Einen wichtigen Einfluss haben darüber hinaus Dürren im Überwinterungsgebiet und die Jagd auf der Zugstrecke. Um der Turteltaube in der Region Basel wieder ein Zuhause bieten zu können, müssen flächenhafte Buschkomplexe im Landwirtschaftsland angepflanzt werden. Ausserdem gilt es, den Herbizideinsatz europaweit zu minimieren.
DK