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Körpers erreichten, zeigt das Standbild des Renefer, eines Priesters der fünften Dynastie. Während der Oberkörper verhältnismäßig richtig erfaßt ist, und besonders Hände und Arme ein genügendes Studium erkennen lassen, sind die Beine nichts als zwei ziemlich plumpe Stützen, welchen auch nicht durch Vorschieben des linken Fußes größere Lebenswahrheit gegeben werden konnte. In der Bildung der unteren Gliedmaßen versagte die ägyptische Kunst völlig, doch nicht aus Unfähigkeit, sondern aus Mangel an Interesse an diesen für ihre Zwecke unwichtigen Teilen. Hier finden wir auch jene Stütze, welche in der allgemeinen Uebersicht (S. 22), erwähnt wurde, bis über Schulterhöhe als breite Platte ausgeführt. (Fig. 28.)
Neben diesen Werken darf sich auch das weniger bekannte Holzbildnis des Per-Her-Nofret im Berliner Museum (Fig. 29) wohl behaupten. An Leichtigkeit der Bewegung, welche sich nicht auf bloßes Vorstrecken des linken Fußes, sondern auch auf ein Vorschieben der Schulter erstreckt, übertrifft es die vorigen.
Als Beispiel der schon weiter oben erwähnten freieren Darstellungen aus dem niederen Volksleben gebe ich hier die Abbildung einer Teigkneterin. (Fig. 30.)
Werke der späteren Zeit. Im Laufe der Zeit trat im Kunstgefühl der Aegypter eine Verfeinerung ein, welche wieder hauptsächlich in der Ausarbeitung der Feinheiten im Gesichtsausdruck das höchste Ziel sah. Man wandte sich mehr und mehr von der strengen Naturtreue des alten Reiches ab und suchte die Aehnlichkeit mit einem Schönheits-Urbild zu verbinden. Dabei trat das Bestreben hervor, besonders die weiblichen Köpfe durch Betonung gewisser feiner Züge reizvoller zu gestalten. Die erlangte größere Arbeits-Geschicklichkeit versuchte sich in der Bearbeitung härterer Stoffe, wie z. B. beim Kopfe Thutmosis III. (Fig. 31), welcher überlebensgroß aus hartem Granit gearbeitet wurde.
Bis zu welcher Vollkommenheit die Künstler schließlich in der Behandlung der sprödesten Stoffe gelangten, zeigt ein Kopf aus grünem Basalt aus der Spätzeit im Berliner Museum (Fig. 32), welcher an Feinheit der Ausführung nicht zu übertreffen ist. Auch der künstlerische Wert ist ein sehr hoher und zeugt von einem schönen, aber nur kurzen Aufblühen der Kunst, welches den rasch eintretenden Untergang nicht aufhalten konnte.
Feiner, wenn auch nicht viel richtiger, wurden nun auch die übrigen Teile gebildet, wie wir es an einem kleinen Holzbilde der Priesterin Tui sehen (Fig. 33). Das leichte Gewand schmiegt sich eng den zarten Körperformen an. Die Feinheit des Gesichtes wird durch den Gegensatz mit der mächtigen Perücke gehoben.
Proben der Kleinkunst und des Kunstgewerbes. Dieses zierliche Holzfigürchen leitet uns in das Gebiet der Kleinkunst und des Kunstgewerbes. Es ist mir hier nicht möglich, aus dem reichen Schatze dieses Kunstzweiges mehr als bloße Proben zu geben, diese zeigen aber, daß das Kunstgefühl in das ganze Volk gedrungen war, so daß selbst die einfachsten Gegenstände zum mindesten schöne Formen haben mußten. Besonders feine und liebevolle Ausführung zeigen die Gegenstände des täglichen Gebrauches, welche dem Luxusbedürfnis dienten. Hiermit meine ich z. B. die zahlreichen Parfüm- und Salblöffelchen, die Schminkbüchsen u. s. w. Die Formen wurden dem Tier- und Pflanzenreiche entnommen und auch der menschliche Körper viel verwendet. Auf der Tafel «Kunstgewerbe des Altertums» und auf S. 34 - 36 sind einige solcher Gebrauchsgegenstände abgebildet. Auffallend ist bei diesen Beispielen, wie frei und lebenswahr die vorbildlichen Naturformen angewendet wurden.
^[Abb.: Fig. 36. Silbernes Götterfigürchen aus der Spätzeit.
Berliner Museum. (Nach Photographie von Mertens.)] ¶
Die Pflanzen - auch hier vornehmlich Lotos - sind nicht so streng «stilisiert» und zeigen deshalb mehr natürliche Formen. Ebenso wird der Mensch weniger verrenkt und in weniger gemessenen Bewegungen und Verrichtungen dargestellt, als bei den Werken der Großkunst. Hauptsächlich sind es die Löffelchen, Schmink- und Salbbüchsen, deren sich die ägyptischen Männer und Frauen beim Färben ihrer Wangen, Lippen, Nägel u. s. w. sowie zum Aufbewahren der nötigen Essenzen bedienten, welche mit derartigen freieren Darstellungen geschmückt wurden. So ist Fig. 1 der Tafel - ein Löffel - ein schwimmendes junges Mädchen, welches in den ausgestreckten Armen eine Ente mit hohlem Körper hält. 2, ein Löffel, dessen Griff ein junges Mädchen mit aufgeschürztem Gewände, welches Lotos pflückt, bildet. 3, eine Musikantin in einem Nachen, die Löffelschale ist hierbei viereckig. Tierköpfe und Körper kommen häufiger als selbständige Darstellungen für religiöse Zwecke oder als Zierstücke an heiligen Geräten vor. So zeigt die Abbildung am Schluß dieses Abschnittes den sehr schön gearbeiteten Bronzekopf eines Steinbockes (aus dem Berliner Museum) von der Spitze einer Tempelbarke. (Fig. 37.)
Der Gottesdienst bedurfte der Kleinkunst natürlich auch sonst noch, und so finden wir nicht nur das Tempelgerät in schönen Formen und mit reichen Verzierungen, sondern auch viele kleine Götterfiguren und heilige Tiere aus Stein, Holz, Bronze, Steingut u. s. w., welche wohl als Weihgeschenke dargebracht wurden. Die Bilder auf S. 34 zeigen derartiges Tempelgerät, auf S. 35 eine kleine Bronzefigur und in Fig. 35 ein Nilpferd aus gebranntem und grün glasiertem Thon. Um die Umgebung des Tieres anzudeuten, ist es mit Sumpfpflanzen, kleinen Sumpfvögeln u. s. w. bemalt.
^[Abb.: Fig. 37.] ¶