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Wo ein guter Schweizer Film entsteht, hat oft die Berner Produzentin Madeleine Corbat die Finger im Spiel. Sie selbst mag auch Kitsch, wie sie dem BärnerBär verraten hat.
«Als Platzanweiserin verdientest du damals wenig, bekamst aber einen Ausweis für alle Kinos», so Madeleine Corbat. Während sieben Jahren arbeitete sie im Kino Jura, zuerst als Platzanweiserin, dann an der Kasse. Damals besuchte sie die Wirtschaftsmittelschule Bern. «Stenografie und Maschinenschreiben waren die Hölle. Fast wäre ich von der Schule geflogen.» Doch sie zog es durch und studierte schliesslich angewandte Linguistik, Englisch und Journalismus. Ihre Schlussarbeit schrieb Corbat über Feminismus und Film. Über den sogenannten Nähkreis, einem Zirkel lesbischer Frauen in Hollywood, die sich austauschten und für ihre Rechte einstanden. Von 1998 bis 2006 war Corbat schliesslich als Filmredakteurin bei der Berner Zeitung tätig und berichtete über zahlreiche internationale Filmfestivals. So konnte sie etwa an der Berlinale den Hollywood-Schauspieler Russel Crowe mitinterviewen. «Er hasste offensichtlich Journalist:innen und trat mit einer Zigarette im Mund und einer Scheissegal-Attitüde vor die Medien», erinnert sie sich lachend. Während solchen Festivals schaute sich Corbat manchmal bis zu fünf Filme am Tag an. Doch am Journalismus missfielen ihr zunehmend die Sparübungen im Bereich Kultur, dass über kleinere Sachen gar nicht mehr berichtet wurde. Sie wechselte die Seiten und wurde selbst Kulturschaffende. Eine Laufbahnberaterin riet ihr ein CAS in Kulturmanagement zu machen. Im Kino Kunstmuseum – dem heutigen Kino Rex – fand Corbat schliesslich im Bereich Marketing und PR eine Stelle. Sie war danach im Vorstand des Vereins Cinéville und wurde 2011 zur Präsidentin gewählt. «Der Verein hat einen Leistungsvertrag mit der Stadt. Als Präsidentin muss ich verhandeln, zahlreiche Gespräche führen und schauen, dass die Finanzierung weiterläuft.»
In der spanischen Wüste
Auf Geldsuche ist Corbat auch in ihrer Rolle als Produzentin. «Du machst das Budget, gibst Gesuche ein und wählst die richtigen Leute aus», fasst sie ihren Job zusammen. Auch hier gibt es viele Auflagen. «Wenn du in Bern produzierst, musst du schauen, dass auch der Kameramann oder die Cutterin aus Bern ist.» Das Schöne bei diesem Beruf sei, dass man inhaltlich mitreden könne. «Du schaust dir zahlreiche Rohschnitte an, bist von Anfang an dabei.» Was Corbat derzeit Sorgen bereitet, ist die Halbierungsinitiative der SVP, die der SRG die Gebühren massiv kürzen will. «Freie Produktionen werden dann einen sehr schweren Stand haben», so Corbat. Sie denkt dabei an Filme wie «Las Toreras» (2023) von Jackie Brutsche, den sie produziert hat. Mit einem sehr kleinen Team wurde unter anderem in der spanischen Wüste gedreht. Jackie Brutsche stellt sich im Film der eigenen Familiengeschichte und folgt den Spuren ihrer Mutter, die sich vor dreissig Jahren das Leben nahm. Der Film läuft aktuell im Kino Rex, das soeben mit dem Kulturpreis des Kantons Bern ausgezeichnet wurde. «Es war ein super Jahr», so Corbat. 60 000 Eintritte konnte das Kino verbuchen. Insbesondere die drei Filme «Anker», «Unrueh» und «Bratsch» hätten als Zugpferde fungiert.
Lesbisch und Priesterin
Corbat ist nicht nur Produzentin, sondern auch selbst Filmerin. Während Corona bildete sie sich zur Dramaturgin und Lektorin weiter. Sie führte Regie beim Dokumentarfilm «Queer Glauben» (2023). «Vielleicht eine Ausnahme, vielleicht ein Anfang», kommentiert sie diese neue Rolle. Die Protagonistin im Film ist eine Freundin, die ihr während eines Spaziergangs erzählte, dass sie Priesterin werden wolle. Das erstaunte Corbat, lebte die Frau doch in einer eingetragenen Partnerschaft mit einer Frau zusammen. Die Kombination queer und religiös, schien ihr ein interessantes Thema zu sein. Bereits im Film «Unser Vater» (2023) den Corbat produzierte, geht es um einen Priester und dessen Abgründe. In der Schweizer Provinz der Fünfzigerjahre schwängerte der Kirchenmann mehrere Frauen und liess diese im Stich. Im Film tauschen sich die Nachkommen erstmals untereinander aus. Sie selbst habe keinen kirchlichen Hintergrund, finde einfach das Thema spannend, so Corbat. Als Kind schaute sie wie wohl fast alle ihrer Generation «Drei Nüsse für Aschenbrödel» oder «101 Dalmatiner». Auch heute noch mag sie eine Prise Kitsch. So gönnt sie sich jedes Jahr zur Weihnachtszeit die Komödie «Love Actually», ein Episodenfilm, in dem Paare kurz vor Weihnachten zusammenfinden.