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Kapitols ausgeführt. - Das Hauptwert, in welchem sich Geist und künstlerische Ziele des Meisters vollständig offenbaren, ist jedoch die Peterskirche in Rom. Sie sollte wahrhaftig der «erste Dom» der katholischen Christenheit werden, als Bau alle anderen ebenso überragen, wie der Papst über allen Gläubigen steht.
Die Peterskirche. (Fig. 424 und 425.) Schon durch ihre Baugeschichte ist die Peterskirche eines der merkwürdigsten Bauwerke der Welt; nicht durch die lange Dauer bis zur Vollendung, denn darin wird sie von den meisten gotischen Kirchen übertroffen, sondern durch die vielen Umgestaltungen des ursprünglichen Planes und durch die Thatsache, daß die größten Baumeister zweier Jahrhunderte ihre beste Kraft dem Werke widmeten.
Schon 1452 ließ Papst Nicolaus IV. durch Bernardo Rossellino einen Plan zu einem Neubau an Stelle der alten Basilika ausarbeiten. Die Ausführung des Baues kam jedoch nicht viel weiter als über die Anlage der Grundmauern hinaus. Mit dem schon Vorhandenen mußte Bramante rechnen, als er im Jahre 1506 von Julius II. beauftragt wurde, einen neuen Entwurf anzufertigen und dessen Ausführung zu übernehmen. Dem Plane Bramantes, der trotz aller späteren Aenderungen in seinen Hauptzügen beibehalten wurde, liegt das griechische Kreuz zu Grunde über dessen Mitte sich die gewaltige Kuppel erheben sollte.
Die Nebenräume sollten sich diesem beherrschenden Mittelraum zwar unterordnen, aber doch bedeutsam hervortreten. Die Kreuzarme waren innen mit runden, außen mit geradlinigen Abschlüssen gedacht und über den Ecken des Quadrates die Anlage kleiner Kuppeltürme beabsichtigt. Das Ganze sollte also die endliche Verwirklichung des bisher nicht erreichten schönen Urbildes einer Kuppelkirche in sogen. Centralanlage werden. Bramante kam nicht viel über die Ausführung der vier Kuppelpfeiler hinaus.
Nach seinem Tode 1514 übernahm Rafael die Bauleitung, und damit begann ein Schwanken über die Art der Weiterführung des Baues. Die Form des griechischen Kreuzes erschien der Geistlichkeit für die Hauptkirche der Christenheit nicht geeignet; man wollte wieder auf die übliche Form des lateinischen Kreuzes zurückgehen und es sollte daher der eine (östliche) Kreuzarm zu einem Langhause erweitert werden. Unter Rafaels Leitung wurde der Bau des Langhauses und des südlichen Kreuzarmes weitergeführt. Als
^[Abb.: Fig. 440. Donatello: Büste Niccolo da Uzzano.
Florenz. Nationalmuseum.]
^[Abb.: Fig. 441. Donatello: Verkündigung.
Florenz. St. Croce.] ¶
Rafael 1520 starb, wurde Antonio da Sangallo, der schon unter Bramante und Rafael in Gemeinschaft mit Peruzzi als Gehilfe gewirkt hatte, als Bauleiter berufen. Nun trat eine Stockung ein, bis 1534 unter Papst Paul III. durch Sangallo der vordere Kreuzarm und das Viereck zwischen vorderem und südlichem (linkem) Kreuzarm ziemlich zu Ende geführt wurde.
Da übernahm nach Sangallos Tode 1547 der zweiundsiebzigjährige Michelangelo die Leitung und entwarf einen neuen Plan mit verschiedenen Aenderungen, der aber durchaus im Geiste Bramantes gehalten war. Wie Michelangelo seine Stellung zu diesem großen Meister auffaßte, geht daraus hervor, daß er sich selbst nur «Ausführer» des Baues nannte. Die Aenderungen bestanden im wesentlichen in einer Vereinfachung der Anlage und im kräftigeren Zusammenfassen der Einzelteile und Räume.
Das griechische Kreuz wurde beibehalten und nur die Seitenräume - in den Quadratecken - vermindert, auch wurden die tragenden Mauern verstärkt und die Höhe der Kuppel etwas gesteigert. Neu hinzugefügt wurde eine Vorhalle mit vierzehn Säulen, die aber durchaus dem Hauptbaue untergeordnet bleiben und nicht, wie in der späteren Ausführung durch Maderna, so vordringlich die Schauseite beherrschen sollte. Zur Durchführung dieser Aenderungen mußten bereits fertige Teile wieder abgetragen und auch sonst im Aeußern und Innern von Bramantes Entwurf abgewichen werden. Bis zum Tode Michelangelos wurde der Bau nun wenigstens soweit gefördert, daß wesentliche Aenderungen in der Anlage der Hauptteile nicht mehr vorgenommen werden konnten. Der Unterbau der Kuppel war bis zum Beginn der Wölbung fertig, die Wölbung selbst wurde erst 1588 begonnen und 1592 vollständig beendet.
^[Abb.: Fig. 442. Donatello: Standbild des Gattamelata.
Padua.] ¶