Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03158.jsonl.gz/63

Auf der Wolga haben Einsatzkräfte mit einem gewaltigen Aufgebot an Spezialbooten und Technik mit der Bergung des gesunkenen Kreuzfahrtschiffs "Bulgaria" begonnen. Mehr als 850 Helfer sind im Einsatz.
"Wir haben angefangen, das Wrack aufzurichten", sagte der Sprecher des russischen Verkehrsministeriums, Timur Chikmatow, am Montag. Danach sollten die Luken des Schiffs geschlossen werden, um Wasser herauszupumpen.
Schliesslich könnten Metallschlingen um das Wrack gelegt werden, um es an die Wasseroberfläche zu ziehen. Die Bergungsarbeiten, an denen zwei riesige Schwimmkräne sowie dutzende Taucher beteiligt sind, könnten allerdings einige Tage dauern, sagte der Sprecher.
Die 78 Meter lange "Bulgaria" lag in etwa 20 Metern Tiefe auf ihrer rechten Seite. Das Schiff war am 10. Juli innerhalb weniger Minuten gesunken. Bei der schwersten Schiffskatastrophe in Russland seit der Sowjetzeit waren bis zu 129 Menschen ums Leben gekommen.
Bislang wurden 114 Leichen geborgen, 15 Passagiere werden weiterhin vermisst. Ersten Ermittlungen zufolge war das Schiff überladen und hatte einen schadhaften Motor.
Die Bergungsarbeiten, die zur Aufklärung des Unglücks beitragen sollen, hatten am Samstag einen Rückschlag erlitten, als eines der Stahlkabel, mit dem die "Bulgaria" gehoben werden sollte, riss. Das Seil musste in der Folge aufwendig ersetzt werden.
Ausserdem sackte tonnenschwere Boot immer weiter in den Schlick am Grund des Stroms. Schlechte Sicht behinderte zudem die Arbeit der Taucher, die rund um das Wrack weiter nach 15 der insgesamt vermutlich 129 Opfer suchten.
Mehrere Schiffsbetreiber verhaftet
Mittlerweile haben die Behörden mehrere hochrangige Mitarbeiter der Betreiberfirma verhaftet. Das Ausflugsschiff transportierte deutlich mehr Menschen als zugelassen. Zudem fuhr es ohne Lizenz. Zwei Kapitäne anderer Schiffe wurden wegen unterlassener Hilfe festgenommen. Sie sollen an der Unglücksstelle vorbeigefahren sein.
Der russische Präsident Dmitri Medwedew hat harte Strafen für die Verantwortlichen gefordert. Schiffe vom selben Typ wie die 1955 in der damaligen Tschechoslowakei gebaute "Bulgaria" dürfen künftig nicht mehr betrieben werden, verfügte die Regierung.