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26 Sep Ein besonderes kolumbianisches Produkt für den Schweizer Markt: Kaffee!
975 Tassen pro Jahr. Fast drei Tassen pro Tag. Soviel Kaffee trinken die Schweizerinnen und Schweizer durchschnittlich. Damit bewegt sich die Schweiz im Vergleich des weltweiten Kaffeekonsums an der Weltspitze.[1] Dass Herr und Frau Schweizer gerne Kaffee trinken, ist kein Geheimnis und so erstaunt dieses Resultat nicht. Wer aber wusste, dass Kaffee das wichtigste Handelsgut der Schweiz ist, noch wichtiger als Schokolade und Käse und die Schweiz damit eine Wertschöpfung von knapp 1 % des BIPs erwirtschaftet?
Exportgut Kaffee
Die Kaffeebohnen wachsen bekanntlich aus klimatischen Gründen nicht in der Schweiz, was bedeutet, dass jährlich eine beachtliche Menge an Rohkaffee importiert wird. Dieser wird in der Schweiz verarbeitet und geröstet und anschliessend ins Ausland verkauft. Grossen Anteil an den stark gewachsenen Exportzahlen hat dabei das Kaffeeprodukt, das seit längerem von George Clooney beworben wird. Nach brasilianischem Kaffee (ca. 23 %) wird in der Schweiz vor allem kolumbianischer Kaffee (ca. 14 %) verarbeitet[2]. Dazu gehört der Quimbaya Café, ein Kaffee der Schweiz-Kolumbianerin Maite Amrein.
Ein Kaffee mit Qualität und Herz
Maite Amrein Diaz ist als Tochter eines Schweizer Vaters und einer kolumbianischen Mutter in den südamerikanischen Anden aufgewachsen. Der Kaffeeanbau bildet seit vielen Jahren die Haupteinnahmequelle der Familie mütterlicherseits. Vor rund 10 Jahren reiste Maite von Kolumbien in die Schweiz, um Deutsch zu lernen. Ende 2018 erschuf sie die Marke «Quimbaya Café», um den Kaffee ihrer Familie in der Schweiz zu vermarkten.
Die Gründerin von Quimbaya Café, Maite Amrein (Bild: Quimbaya Café)
Maite ist stolz darauf, dass ihr Kaffee viele Bedürfnisse abdecken kann: «Wir bieten einen biologisch angebauten und fair gehandelten Kaffee, erreichen ein gutes Ranking auf der Qualitätsskala. Einige Kunden suchen aber auch einfach ein Produkt mit einer schönen Geschichte.» Quimbaya Café kann im Kaffeeatelier in Fribourg getrunken werden. Er ist aber auch in Restaurants, Shops und über das Internet erhältlich.
“Quimbaya Café ist viel mehr als Kaffee oder Kakao – wir sind eine Kultur, wir sind Menschen, die mit Herz daran arbeiten, ein Erlebnis zu kreieren. Wir sind die Geschichte hinter den Bohnen […]” (Homepage Quimbaya Café)
Herausforderungen für das junge Start-up
Die studierte Betriebswirtschafterin Maite versuchte ihre Kenntnisse aus dem Studium beim Aufbau ihre Unternehmens anzuwenden, musste aber öfters Pläne wieder revidieren: «Am Anfang wollten wir nur direkt Haushalte ansprechen und unseren gerösteten Kaffee exklusiv unter der Marke verkaufen. Schnell hat sich aber herausgestellt, dass auch andere Interesse an unseren Produkten hatten, sprich Röstereien, die Grünkaffee wollten. Das war ursprünglich nicht unser Ziel. Das Gute daran ist aber, dass Kosten wegfallen und wir die Importmenge erhöhen können, wenn wir Grünkaffee verkaufen.» Maite betont, dass die Anwendung von Theorien aus den Lehrbüchern zwar den Weg weisen könne, aber keine Garantie für Erfolg sei. «Kaffee ist ein derart komplexes Produkt, jede Ernte ist zudem wieder anders, so dass wir unsere Strategien und Pläne ständig überprüfen müssen.»
Das Herz schlägt für Kolumbien
Mehr Kaffee importieren würde Maite sehr gerne. Im Moment ist sie Abnehmerin der Ernten von Onkel Vicente und Onkel Baudilio. Sie zahlt ihnen dafür einen Preis, der deutlich über dem Fair-Trade-Marktpreis liegt. Die Bauern werden so gerecht für ihre Qualität entlohnt, können ihre Familien ernähren und wieder investieren. Die Verpackungen für die Produkte liess sie zudem von kolumbianischen Designern erstellen, was für diese wiederum ein dankbare Tätigkeit war. Designer können nach jahrelangem Studium in Kolumbien häufig keine bezahlte Anstellung im Beruf finden.
Nebst Kaffee sind bei Quimbaya Café auch Schokolade, Kakao und weitere kolumbianische Produkte erhältlich (Bild: Facebook Quimbaya Café)
Corona verändert den Markt
Aufgrund von Corona hat die USA einen Grossteil der Kaffeekäufe in diesem Jahr abgesagt. Die kolumbianischen Kaffeebauern bleiben nun auf ihren Bohnen sitzen, so dass Maite viele Anfragen von Kaffeebauern aus der Region erhält. Maite ist jedoch wichtig, dass sie einem Bauern die gesamte Ernte abkaufen kann und nicht nur ein paar Säcke. Erst dann erhält der Bauer eine Planungssicherheit und kann auf nachhaltige Weise Kaffee produzieren. Im Moment ist dieses Ziel für Quimbaya Café aber in die Ferne gerückt, denn Corona hat auch den Absatzmarkt in der Schweiz verändert. Für Maite bedeutet dies, dass sie die Marktstrategie anpassen musste: «Früher gingen wir häufig auf Kultur- und Musikfestivals oder Ausstellungen, um dort den Kaffee anzubieten und bekannt zu machen. Jetzt müssen wir uns stärker digital orientieren.» Derzeit entsteht deshalb eine neue Webseite von Quimbaya Café, die durch ein Crowdfunding finanziert wurde.
Die Brückenbauerin
Die 27-jährige Maite hat eine verantwortungsvolle Aufgabe übernommen. Sie ist einerseits wichtige wirtschaftliche Stütze der Familie in Kolumbien und Vorreiterin für einen nachhaltig angebauten Kaffee in der Region. Auf der anderen Seite ist sie in der Schweiz im hoch kompetitiven Kaffeemarkt tätig, wobei die Lage mit Corona nicht einfacher geworden ist. «Viele wollen so etwas machen wie ich, aber nur die wenigsten schaffen den Spagat zwischen den beiden Welten.»
-> Mit der Lernaufgabe «Ein Marketingkonzept für Quimbaya Café» können die Lernenden die Marketingtheorie auf ein spannendes reales Fallbeispiel anwenden.
-> Wer Maite unterstützen will und dafür tollen Kaffee und weitere kolumbianische Produkte wie Schokolade und Kakao erwerben möchte: Webseite Quimbaya Café
[1] CafetierSuisse (Schweizer Cafetier Verband). Medienmappe Jahresmedienkonferenz vom 2. Dezember 2019. Abgerufen unter https://cafetier.ch/wp-content/uploads/2019/11/2019_Medienmappe_CafetierSuisse-Jahresmedienkonferenz.pdf
[2] Eidgenössisches Finanzdepartement. 2019: Rekordjahr für die Kaffee-Exporte. Medienmitteilung vom 28. April 2020. Abgerufen unter https://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/61070.pdf
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