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Porzellan besteht aus sehr variablen Massemischungen, die daher bei unterschiedlichen Temperaturen dicht gebrannt werden können bzw. glasartig sintern und durchscheinend sind. Grundsätzlich werden Hartporzellan, Weichporzellan und Knochenporzellan als grosse Gruppen unterschieden.
Hartporzellan
Keramik mit einer künstlichen Massemischung, vollständig gesintertem, glasartigem Scherben, generell weiss und schwach durchscheinend. Die Masse des Hartporzellans setzt sich aus Kaolin (ein spezieller weisser Ton), Feldspath (ein Flussmittel) und Quartz (erleichtert die Sinterung und Verglasung der Masse) zusammen. Generell wird Hartporzellan zunächst bei 800 bis 1000 ºC geschrüht (Biscuit). Anschliessend erhält das Objekt seine Glasur, die ebenfalls Feldspath enthält und bei einem zweiten Glattbrand bei 1350 bis 1450 ºC auf der Unterlage fixiert wird. Der Porzellandekor kann als Unterglasurdekor (meist kobaltblau) auf das Biscuit gemalt werden und wird mit der Glasur gebrannt. Der sog. Aufglasurdekor wird auf die Glasur gemalt und mit weiteren nachfolgenden Bränden bei niedrigeren Temperaturen zwischen 800 und 900 ºC eingebrannt (Muffelbrände). Die Vergoldung von Porzellan (Poliergold oder Glanzgold) benötigt einen vierten Brand bei 700 bis 800 ºC. Die Glasur des Hartporzellans lässt sich im Prinzip nicht mit einem Messer ritzen. Europäisches Hartporzellan wurde 1708 in Meissen entwickelt. Während europäisches Hartporzellan meist weiss erscheint, hat asiatisch-chinesisches in der Regel einen leicht bläulichen Farbstich.
Engl.: Hard paste porcelain
Frz.: porcelaine dure
Weichporzellan
Keramik mit einer künstlichen Massemischung, vollständig gesintertem, glasartigem Scherben, generell weiss und schwach durchscheinend. Die Masse des Weichporzellans setzt sich aus einem kalkhaltigen weissen Ton (in der Regel kein Kaolin), einer Beimischung von Kalk und einer Glasfritte oder kleingestampftem Glas zusammen. Der Schrühbrand erforderte etwa 1100 bis 1200 ºC. Als Glasur wird eine Bleiglasur aufgetragen und in einem zweiten Brand bei 1000 ºC oder weniger eingebrannt. Die verschiedenen Dekormöglichkeiten sind dieselben wie beim Hartporzellan, jedoch sinkt die Bemalung glatter und glänzender in die Oberfläche des Weichporzellans ein, als die Aufglasurmalerei beim Hartporzellan. Die Glasur des Weichporzellans wird durch Messerklingen geritzt, da sie deutlich weicher ist, als die Feldspath-Glasur des Hartporzellans. Europäisches Weichporzellan ging in einer Experimentalphase der Porzellanherstellung dem europäischen Hartporzellan voraus (u.a. Medici-Porzellan, 1575-1587, französisches Weichporzellan aus Vincennes/Sèvres, Chantilly, Rouen – ab 1673 – oder Tournai oder italienisches Weichporzellan aus Capodimonte)und wurde auch nach der Erfindung des Hartporzellans an verschiedenen Orten Europas weiter produziert. Ein deutsches Synonym für Weichporzellan ist Frittenporzellan.
Engl.: Soft paste porcelain
Frz.: pâte tendre (porcelaine tendre )
Knochenporzellan
Knochenporzellan wurde erstmals 1742 in England patentiert und und in den 1790er-Jahren von Josiah Spode verbessert. Frühe Produktionsorte ab der Mitte des 18. Jahrhunderts waren Chelsea (1743), Bow (1745), St. James’s (1748), Longton Hall (1750), Royal Worcester (1751), Derby (1757) und Loewstoft (1757). Zunächst handelte es sich um unterschiedliche Massemischungen für Weichporzellan mit einem hohen Anteil an Phosphat aus Tierknochenasche im Versatz. Durch Hinzufügen von Kaolin zur Masse entwickelte Josiah Spode später eine Porzellanmasse, die dem Hartporzellan entspricht.
Engl.: bone china
Frz.: porcelaine de cendre d’os