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Noch heute leben 56 Prozent der Schweizer in Dörfern. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wuchsen aber die Vorstädte stark. Und jetzt nimmt erstmals seit 1970 der Bevölkerungsanteil der grossen Städte wieder zu.
Ein «Güllengraben» klafft angeblich in der Schweiz: der Gegensatz zwischen Stadt und Land. In den letzten Abstimmungen, meinten Kommentatoren, zwang das «konservative» Volk vom Land den «progressiven» Städtern seinen Willen auf. Wird das Land wieder stärker? Eine Analyse der Gemeindestrukturen bestätigt diesen Befund nicht.
Zwar war die Schweiz, zumindest was die Bevölkerungsverteilung angeht, vor vierzig Jahren am städtischsten: 1970 lebten gut 45 Prozent der Menschen in Gemeinden mit mehr als 10 000 Einwohnern. Und der Bevölkerungsanteil der grösseren Städte mit mehr als 50 000 Einwohnern war sogar schon Mitte des 20. Jahrhunderts mit einem Viertel am höchsten. Danach stieg der Anteil der Vorstädte stark an, weil einerseits die Bevölkerung wuchs und anderseits Familien aus den Kernstädten dorthin zogen. Im Jahr 2000 lebte so derselbe Anteil in grösseren Städten wie ein Jahrhundert zuvor.
Seit 2005 wachsen aber nicht nur die kleineren Städte, sondern auch die grösseren. Insgesamt lebten 2009 schon 44 Prozent in Gemeinden mit mehr als 10 000 Einwohnern, wieder fast so viele wie auf dem Höhepunkt von 1970. Und erstmals seit einem halben Jahrhundert wächst der Bevölkerungsanteil der grösseren Dörfer mit 2000 bis 10 000 Einwohnern nicht mehr. Gerade in diesen Agglomerationsgemeinden aber glauben einige Politologen den neuen konservativen Geist zu entdecken.