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Aufgrund der Tradedeadline am 3. März häufen sich Gerüchte, aber auch bestätigte Trades. Bo Horvat wechselt zu den New York Islanders, Vladimir Tarasenko zu den New York Rangers und bei Timo Meier verdichten sich die Indizien, dass er in New Jersey landen könnte. Die grössten Tradeschlagzeilen produzierten hingegen die Toronto Maple Leafs, sie holten aus St. Louis den Starstürmer Ryan O’Reilly. Das Salary Cap liegt bei 82.5 Mio. Die Toronto Maple Leafs liegen bei dieser Höchstgrenze und verpflichten trotzdem den 7.5 Mio-Mann Ryan O’Reilly. Wie ist das möglich?
In der Folge ein verzweifelter Versuch, eine hoch komplizierte Geschichte in einfache Worte zu fassen. Hinsichtlich einer besseren Lesbarkeit, resp. zum besseren Verständnis, verzichte ich auf Details. Here we go:
Wir alle wissen, dass in der NHL ein Salary Cap existiert, damit die Ausgeglichenheit der Liga mehr oder weniger garantiert und das wirtschaftliche Wohlergehen der Liga und der Clubs unterstützt wird. Wir alle wissen, dass es einen jährlichen Draft gibt, bei dem die schwächsten Teams am Anfang und die besten am Schluss 17-18-jährige Spieler aus dem weltweiten Talentpool auswählen dürfen und dies in sieben wiederkehrenden Runden.
We have acquired Ryan O’Reilly & Noel Acciari in a three-team trade with St. Louis & Minnesota.— Toronto Maple Leafs (@MapleLeafs) February 18, 2023
STL receives Mikhail Abramov & Adam Gaudette, TOR's 1st round pick in '23, OTT's 3rd round pick in '23 & TOR's 2nd round pick in '24. MIN receives TOR's 4th round pick in '25. pic.twitter.com/QAOUZvUZfH
Die Komplexität der Salary Cap Regel ist aber hierzulande noch wenig bekannt und darum begegnete ich nach dem Trade der Maple Leafs mit O’Reilly einigen Fragestellern. Die Erklärung, die Antworten:
1. Der Trade war ein Dreieckstrade zwischen den Toronto Maple Leafs, den St. Louis Blues und Minnesota Wild:
Die Toronto Maple Leafs bekommen von den St. Louis Blues den Star Ryan O’Reilly, den Ergänzungsspieler Noel Acciari und den 21-jährigen «No Name» Josh Pillar, St. Louis bekommt von Toronto die 1.- und 3. Runden-Draftrechte 2023 und das 2.Runden-Draftrecht 2024 plus den jungen Farmteamspieler Mikhail Abramov und den 26-jährigen «Recall-Player» Adam Gaudette, d.h. ein Spieler, der mehr oder weniger zwischen der NHL und der AHL hin- und herpendelt. Minnesota bekommt von Toronto das 4.Runden-Draftrecht 2025. Zudem wurde vereinbart, dass bis zum Ablauf des laufenden Vertrages von O’Reilly - Ende dieser Saison - Teile des O’Reilly-Salärs auch von St. Louis und gar von Minnesota getragen werden (Konkret: Toronto = 1.875 Mio, St. Louis = 3.75 Mio und Minnesota = 1.875 Mio.
Im Reglement ist verankert, dass das «alte» Team bis max. 50% des Salärs weiterbezahlen kann, um z.B. für potenzielle «Käufer» (in diesem Fall die Toronto Maple Leafs), attraktiver bei Tradeverhandlungen sein zu können. Exakt in diesem Fall war dies für die Leafs wichtig. Bizarr an dieser Geschichte ist, dass Minnesota mit 1.875 Mio Salär für O’ Reilly belastet wird, für einen Spieler, der nie bei ihnen spielt, resp. für einen Angestellten, der nicht für sie arbeitet…
2. Im Reglement steht auch geschrieben, dass die Saläre von Langzeitverletzten von der totalen Salärsumme abgezogen werden können. Weil die Toronto Maple Leafs aktuell einige so genannte Langzeitverletzte zu beklagen haben, war der Trade unter den bei Punkt 1 geschilderten Voraussetzungen trotzdem möglich.
3. Im Playoff gibt es kein Salary Cap, so will es das Reglement, d.h. wenn die Langzeitverletzten der Maple Leafs auf die Playoffs hin wieder fit sind und damit das Salary Cap klar überschritten wird, dann haben die Maple Leafs betreffend Salary Cap trotzdem kein Problem, weil für die Playoffs das Salary Cap nicht gilt. Im Vertrag ist geregelt, dass die Spieler «nur» während der Regular Season bezahlt werden, d.h. das ausgehandelte Jahressalär wird monatlich bis zum Ende der Regular-Season bezahlt. Während den Playoffs werden keine Salärchecks mehr ausgestellt, und somit gibt es auch kein Salary Cap während den Playoffs. Diese für viele vermutlich etwas überraschende Regelung führte in der Vergangenheit - und vielleicht auch jetzt bei den Maple Leafs - zu etwas fragwürdigen Transaktionen: Aus Salary-Cap strategischen Gründen kehren «verletzte» Spieler erst direkt nach der Regular Season ins Kader zurück, obwohl sie eventuell oder sogar vermutlich bereits früher wieder fit waren… um dann in den Playoffs sofort top fit an den Start zu gehen. So geschehen mit Patrick Kane, Chicago Blackhawks 2015 und mit Nikita Kucherov, Tampa Bay Lightning, 2021. Diese «Schlupflöcher» im Reglement wurden heftig diskutiert und sind vermutlich auch Gegenstand von Verhandlungen, wenn es um die Ausarbeitung eines neuen Gesamtarbeitsvertrages geht.
So, ich hoffe, ich konnte ein klein wenig Licht ins Dunkel bringen. Die Reglemente und der Gesamtarbeitsvertrag sind mehrere hundert Seiten dick und trotzdem gibt es immer wieder kreative Ansätze, um Teile dieser Regelungen ins Leere laufen zu lassen. Tradeverhandlungen sind auch darum oft unglaublich komplex, hoch interessant und erfolgreiche Trades sind ebenso wichtig wie erfolgreiche Picks beim jährlichen NHL-Draft.
Auf dem Papier macht dieser Trade für die Maple Leafs Sinn. Sie haben eine hoch talentierte Mannschaft. Es fehlt vielleicht ein Mü Klasse bei den Verteidigern und das Goalieduo ist ein latentes Fragezeichen. Insgesamt wird aber den Maple Leafs etwas mangelnde Härte, mangelnde «Kriegstauglichkeit» unterstellt und exakt dies sind die Markenzeichen des physisch bärenstarken Ryan O’Reilly, ein ultimativer Fighter; mindestens theoretisch eine perfekte Ergänzung zu den hochtalentierten Marner, Matthews, Nylander, Tavares. Dem jungen, smarten Maple Leafs GM, Kyle Dubas, wird bei diesem so genannten «Blockbuster-Trade» eine Meisterleistung attestiert und so bleibt in Toronto zu hoffen, dass die Maple Leafs in den diesjährigen Playoffs endlich den erhofften Erfolg verbuchen können.

Thomas Roost ist seit 1996 NHL-Scout für den Central Scouting Service und verfolgt die beste Liga der Welt hautnah. Für MySports ist Roost als NHL-Experte & Co-Kommentator im Einsatz. In seiner wöchtenlichen Kolumne «Roosts Ramblings» schreibt er über Themen aus der NHL und der grossen Hockey-Welt.