Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03438.jsonl.gz/1006

In den Ermittlungen zum Verschwinden des prominenten saudiarabischen Journalisten Jamal Khashoggi will die Türkei das Konsulat des sunnitischen Königreichs in Istanbul durchsuchen.
Das Konsulatsgebäude werde im Rahmen der Untersuchungen unter die Lupe genommen, kündigte das türkische Aussenministerium am Dienstag an. Khashoggi wird vermisst, seit er das Konsulat vor einer Woche betreten hatte. Das Uno-Menschenrechtsbüro äusserte sich tief besorgt über das offenbar erzwungene Verschwinden des Journalisten. Seine Verlobte wartete nach eigenen Angaben stundenlang vor dem Eingang auf ihn. Medien und Freunde berichteten dann unter Berufung auf türkische Ermittler und Regierungskreise, Khashoggi sei ermordet worden.
Saudi-Arabien wies die Vorwürfe zurück und teilte mit, Khashoggi sei erst nach dem Verlassen des Konsulats verschwunden. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan forderte am Montag bei einem Besuch in Ungarn, Saudi-Arabien müsse Beweise vorlegen, sollte der Journalist das Gebäude wirklich verlassen haben.
Dem Botschafter Saudi-Arabiens sei bei seiner Einbestellung mitgeteilt worden, dass die Türkei eine «vollständige Zusammenarbeit bei den Ermittlungen» erwarte, um das Verschwinden Khashoggis aufzuklären, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu. Demnach wurde der Botschafter schon am Sonntag ins Aussenministerium gerufen.
Die der türkischen Regierung nahe stehende Zeitung «Sabah» berichtete, Spezialisten der Istanbuler Polizei und des Geheimdienstes MIT gingen davon aus, dass Khashoggi ermordet und zwei Stunden nach Betreten des Konsulats in einem schwarzen Kleinbus mit verdunkelten Fensterscheiben herausgebracht worden sei.
Jamal Khashoggi war im Vorjahr wegen seiner kritischen Berichterstattung ins Visier der saudi-arabischen Staatsmacht geraten und nach Washington geflüchtet. Der Journalist war zwischenzeitlich auch Medienberater für einige Mitglieder der Königsfamilie in Saudi-Arabien. Er schrieb auch für die «Washington Post».
Nach Ansicht von Beobachtern ist das Verschwinden Khashoggis kein Einzelfall, sondern Muster einer immer aggressiveren Aussenpolitik des 33 Jahre alten saudi-arabischen Thronfolgers, Kronprinz Mohammed bin Salman. (sda/dpa)