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Die Bühne von Ben Shelton waren bis vor Ende 2023 ausschliesslich Turniere in seiner Heimat Amerika. Vorwiegend tingelte der Youngster auf der Challenger-Tour herum, wo er im vergangenen Jahr einen bärenstarken Schlussspurt hinlegte. Er gewann 15 Partien in Folge und stürmte in Charlottesville, Knoxville sowie Champaign zu den Titeln. Die bezwungenen Gegner des Linkshänders bewegten sich in den Ranglistenregionen ATP 120 bis 1216.
In der Folge schlug Shelton neue Wege ein. Der 1,93-m-Hüne brauchte für seinen Sport erstmals den Pass, stellte sich einer ersten sportlichen Herausforderung ausserhalb der US-Landesgrenzen und reiste nach «Down Under». In Adelaide und Auckland, bei den Vorbereitungsturnieren zu den Australian Open, krallte er sich einen Sieg (gegen Sebastian Baez/damals ATP 41) aus drei Anläufen. Und in Melbourne selbst startet der 20-Jährige aus Atlanta, der aus einer Tennisfamilie entwachsen ist – Papa Bryan Shelton war einst die Nummer 55 der Welt und ist heute Chefcoach einer Universitätsmannschaft in Florida – vollends durch.
Die entscheidenden Fortschritte gemacht
Shelton, als 89. der Weltrangliste angetreten, überstand schon 4 Runden und kämpfte dafür nahezu während 12 Stunden sowie über 16 Sätze. Zuletzt schaltete der Überraschungs-Viertelfinalist Landsmann und Freund Jeffrey John Wolf (ATP 67) aus. «Ich war imstande, mich emotional zu beherrschen ... Denn vor sechs Monaten hätte ich einen solchen Match noch nicht zu meinen Gunsten entscheiden können», sagte der US-Boy nach dem 6:7 (5:7), 6:2, 6:7 (4:7), 7:6 (7:4), 6:2-Schlagabtausch bei Temperaturen von 25 Grad Celsius.
Ich finde, dass ich im 5. Satz wirklich auf höchstem Niveau gespielt habe. Ich agierte mutig und energisch.
Vor einem halben Jahr hatte Shelton sein Können effektiv schon einmal aufblitzen lassen – natürlich in den USA, aber dabei zur Abwechslung doch auch im gleissenderen Scheinwerferlicht. Nachdem er Mitte 2022 nämlich sein Studium zwei Jahre vor dem Abschluss geschmissen hatte, setzte er auf die Karte Profi. Mit Siegen über Lorenzo Sonego (ITA/ATP 56) und Casper Ruud (NOR/ATP 5) erreichte er beim ATP-1000-Turnier in Cincinnati sensationell die Achtelfinals, ehe beim 0:6, 2:6 gegen Cameron Norrie (GBR/ATP 11) sein Pulver (vorerst) verschossen war.
Als Aufschläger eine Macht
Auch der allererste Gehversuch im Haupttableau eines Grand-Slam-Events dank einer Wildcard war letztes Jahr bei den US Open knapp nicht von Erfolg gekrönt. Shelton ging noch die Kaltblütigkeit ab, um den Fünfsätzer gegen Nuno Borges (POR/ATP 104) zu einem guten Ende zu bringen und unterlag 6:7, 6:3, 6:7, 7:6, 3:6.
Also holte er mehrere Stufen tiefer neuen Anlauf und sich so das Rüstzeug für seine Feel-Good-Story am Yarra River. «Ich finde, dass ich im 5. Satz gegen Wolf wirklich auf höchstem Niveau gespielt habe. Ich agierte mutig und energisch», lautet seine Einschätzung hinterher. Seinen Aufschlag musste der Melbourne-Debütanten im US-Achtelfinal-Duell nie abgeben, beide Breakchancen gegen sich konnte er parieren.
Wer weiss, wohin der Weg für einen längst entfesselten Shelton bei den Australian Open 2023 noch führen wird ... Gegen Tommy Paul (ATP 35) kommt es im Viertelfinal übrigens zum nächsten Kräftemessen mit einem Landsmann, der in seiner Karriere ebenfalls gerade neue Sphären erreicht hat.