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Die Erfolgsbedingungen des Liberalismus
Ein LI-Gespräch mit den Publizisten Gerd Habermann und René Scheu.
Klares Denken und eine klare Sprache — das sind die Erfolgsbedingungen eines schlagkräftigen Liberalismus. So kann die Botschaft eines LI-Gesprächs mit Prof. Gerd Habermann zusammengefasst werden, in dessen Rahmen der langjährige Vorsitzender der F.A von Hayek-Stiftung jüngst in Zürich auch sein neues Werk, «Freiheit oder Knechtschaft? Ein Handlexikon für liberale Streiter», präsentierte. Habermann stellte eingangs die Frage, ob der Liberalismus seine Ziele nicht bereits erfüllt habe — immerhin bezeichneten sich alle Parteien und eine überwiegende Mehrheit der Bürger heute als «liberal». Richtig sei auch, dass die Geistestradition des Liberalismus den Westen massgeblich geprägt habe — und auch weite Landstriche darüber hinaus. Umso erstaunlicher sei, dass heute Egalitarismus, Etatismus und Interventionismus so verbreitet seien, wie seit den Exzessen der grossen Totalitarismen nicht mehr.
Habermann konstatierte somit, dass der heute so vielgepriesene Liberalismus stark an Klarheit und Schärfe verloren habe. In seinen Ursprüngen als «Idee für den kleinen Mann» wandte sich der Liberalismus demnach noch unverkennbar gegen die Macht, die Monopole und die Willkür der Herrschenden — mit Erfolg, denn im 19. und 20. Jahrhundert erlebten die Menschen einen nie zuvor gekannten wirtschaftlichen Aufstieg und erreichten einen ungeahnten Lebensstandard.
Daraufhin sei die emanzipatorische Wirkung des Liberalismus jedoch von der Ideologie des Wohlfahrtsstaates verdrängt worden, die der Autor als «offensichtlich gescheitert» charakterisierte. Kritische Bürger hätten sich von gierigen Partikularinteressen und staatsgläubigen Idealisten zu einer tumben Masse einlullen lassen. Unter den verbliebenen Vertretern eines klassischen Liberalismus fänden sich gleichzeitig allzu viele Relativisten und Leisetreter, die in jeder Forderung den Kompromiss über das Prinzip stellten.
Notwendig sei daher eine «Reconquista» liberaler Grundbegriffe und -forderungen. Als Beispiel nannte Habermann einen pervertierten «positiven» Freiheitsbegriff, der die Versorgungssicherheit eines Sklaven dem Risiko eines freien Marktes vorzöge. Auch die Verzerrung der Rechtsgleichheit zu einer schon biologisch unerreichbaren Chancengleichheit zähle zu den Verirrungen des «Sozial-Liberalismus». Energisch wandte sich Habermann gegen das Konzept eines «Diskriminierungsverbotes», das letztlich nur eine Einschränkung der individuellen Entscheidungs- und Assoziationsfreiheit darstelle.
In einer abschliessenden Diskussion mit dem Herausgeber des «Schweizer Monat», René Scheu, zeigte sich Habermann überzeugt: ein präziser Liberalismus auf Grundlage klarer Begriffe sei eine attraktive Botschaft für Jedermann. Freiheit von Zwang und der Schutz privaten Eigentums seien menschliche Uranliegen, die immer wieder gegen kollektivistische Anmassungen verteidigt werden müssten. Da die Botschaft des Liberalismus ebenso richtig wie zeitlos sei, fehle es meist nur an überzeugten Repräsentanten und Trägern dieser Botschaft. Jeder Liberale sei daher aufgerufen, mit klaren Worten gegen die geistige und sprachliche Verwirrung der zahlreichen Staatsgläubigen anzutreten.
27. März 2012