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Erst seit dem Ende des 17. Jahrh. wurden europäische Reisende auf die großartigen Trümmer
Palmyras aufmerksam, welche hauptsächlich aus einem Komplex prächtiger Tempel
[* 5] bestehen, sämtlich aus der Blütezeit Palmyras,
dem 3. Jahrh., stammend. Diese Ruinen von Palmyra liegen auf einem etwas erhöhten Grund (etwa 400 m hoch) in
einer weiten Ebene, ungefähr 220 km südwestlich von Deir am Euphrat, und dehnen sich von SO. gegen NW. in einer ununterbrochenen
Linie fast 6 km weit aus. An dem östlichen Ende steht der großartigste und prachtvollste Bau, der berühmte Sonnentempel.
Ein Quadrat von 235 m Seitenlänge ist von einer etwa 15-16 m hohen, aus schön behauenen Steinen aufgeführten
und mit korinthischen Halbsäulen dekorierten Mauer umschlossen, von welcher aber nur die
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Nordseite noch größtenteils erhalten ist. Auf drei Seiten lief innerhalb der Mauer eine doppelte Säulenhalle von je 60 Säulen
[* 7] Fronte herum, während die Eingangsfronte auf der Westseite eine einfache Kolonnade von 45 gewaltigen Säulen trug. In der Mitte
des so gebildeten Tempelhofs, in dessen Schutz sich das moderne Dorf Tudmur mit etwa 50 Lehmhütten zwischen
den Säulen eingenistet hat, stand auf einer erhöhten Terrasse das Heiligtum, ein mäßig großer Peripterostempel mit 16 und 8 Säulen,
dessen Eingang an der westlichen Breitseite mit einem vortretenden hohen Bogenthor geschmückt war.
Die Säulen, von denen ein Teil noch wohlerhalten aufrecht steht, waren kanneliert, sind aber jetzt ihrer
Kapitäle beraubt. Das Innere des Tempels bietet gewölbte Räume mit schönen Kassettendecken und vorzüglicher Ornamentierung
an Friesen und Bändern, meist Blätter und Früchte darstellend und wohlerhalten. In der nördlichen Apsis des Tempels findet
sich in einer Nische der Tierkreis in den bekannten Figuren dargestellt. Der Nordwestecke des Tempels gegenüber
liegt die dem Konstantinsbogen in Rom ähnliche Eingangspforte zu den großen Kolonnaden, die sich westwärts quer durch die
ganze Stadt erstrecken; der Anblick dieses Säulenwaldes, obschon von den 2-3000 Säulen, welche einst vorhanden waren, nur
noch etwa der zehnte Teil steht, ist ein überaus großartiger.
Vgl.
außerdem Seiff, Reisen in der asiatischen Türkei
[* 10] (Leipz. 1875), und in historischer Beziehung: Sallet, Die Fürsten von Palmyra (Berl.
1866), und Fürst Abamelek-Lasarew, Palmyra, archäologische Untersuchung (russisch, Petersb.
1885).