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Der Begriff Notturno weist in der Musik auf ein träumerisches Nachtstück hin, das sich durch das Fehlen einer festgelegten Satzstruktur auszeichnet. Auch Klees Notturno für Horn ist ein unkonventionelles Spiel mit einem Ausgangsthema: Im unteren Bildstreifen ist der Kopf eines Hornspielers zu erkennen, dessen Blasinstrument als Verlängerung seines Mundes erscheint. Das gleiche kegelförmige Tonmotiv wird assoziativ drei weitere Male in die oberen Bildstreifen eingebunden, wo es scheinwerferartig in grellem Gelb aus den dunkleren Farbfeldern hervortönt. Die Ausbreitung des Klanges in den Raum ist in kristallinen Formen und rottonigen Farbabstufungen wiedergegeben, die Klees Ideen zur Polyphonie spiegeln. Notturno für Horn entstand aus einem Aquarell, das Klee in drei Teilstreifen zerschnitt und als Collage auf dunklem Karton neu montierte. Diese Montage assoziiert musikalische Satzfolgen und die Übereinanderlagerung unterschiedlicher Klänge. Im Unterricht am Bauhaus vertrat Klee die Auffassung, dass »freieres kompositionelles Schalten mit den gewonnenen Formen« eine Grundlage bildnerischer Tätigkeit darstelle. In seinen zerschnittenen und neu zusammengefügten Werken findet diese Maxime eine bildhafte Form, vergleichbar mit einer musikalischen Improvisation.
aus: Das Universum Klee, Katalog zur gleichnamigen Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie vom 31. Oktober 2008 bis 8. Februar 2009.