Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03210.jsonl.gz/2008

Tagebuch einer Nubienexpedition (3. März bis 1. Mai 1900)
Auf der Dahabije «Kebêki» (einem altertümlichen Nil-Hausboot) reisen die Expeditionsteilnehmer den Nil hinauf, von Assuan, Philae und Gerf Hussein über Kontra-Kuban, Korosko und Derr bis Wadi Halfa. Es wird geplant, in diesem Reiseabschnitt möglichst wenig an Land zu gehen, um die Stätten auf der Rückreise möglichst bald von Süden nach Norden zu besuchen, doch ist der Nilstand niedrig und das Schiff bleibt regelmässig stecken. Thiersch verbringt seine Zeit auf dem Boot mit dem Lesen von Fachliteratur und der Beschreibung seiner Umwelt – es ist sein erster Aufenthalt in Ägypten.
Nach einer Exkursion zu den südlichsten nubischen Festungen Semna und Kumma machen die Reisenden bei Wadi Halfa kehrt, und erfassen den Nil hinab alle Stätten: die altägyptischen Tempel bei Abu Simbel, Qasr Ibrim, Aniba, Derr, Amada, Korosko, Sebua, Mehendi, Sabagura, Gerf-Hussein, Debod, Kalabscha und Abu Hor. Thiersch interessiert sich als Klassischer Archäologe insbesondere für die vielen griechischen Inschriften und Graffiti, sowie die koptischen Kapellen und Gräber – aber auch die zeitgenössische nubische Architektur wird in seinen Tagebuch-Aufzeichnungen kommentiert und in sein Skizzenbuch aufgenommen.
In Luxor trennt sich Thiersch von seiner Gruppe und macht sich mit Zwischenstopps in Theben, Dendera, Abydos, Assiut, sowie mit einem Abstecher in die Fayum-Oase langsam in Richtung Kairo auf. Diese Zeit nutzt er (nebst der Besichtigung der antiken mittelägyptischen Sehenswürdigkeiten) insbesondere für die versprochenen Ankäufe von Papyri für die Universitäten Basel, Strasbourg und München. Seine Schilderungen zeichnen ein lebendiges Bild des zeitgenössischen ägyptischen Papyrushandels, welcher ein zentrales Objekt der internationalen Konkurrenz in der Antikenforschung bildete.