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Das in den Jahren 2001 bis 2004 durchgeführte Nationalfondsprojekt «Burgen in Appenzell I. Rh. Fragen zum mittelalterlichen Landesausbau in Appenzell, zum Burgenbau und zur Realienkunde der Ostschweiz» hatte drei Schwerpunkte:
Die Anfänge der Besiedlung reichen wohl bis ins 7./8. Jahrhundert zurück. Frühe schriftliche Belege konzentrieren sich zuerst auf das Hinterland (im 9. Jahrhundert nachweislich bewohnt) und betreffen in der Zeit des hochmittelalterlichen Landesausbaus auch den Talkessel von Appenzell (1071 Ausstattung der Kirche); das Mittel- und das Vorderland sind erst in jüngerer Zeit urkundlich belegt.
Die grundherrlichen Rechte des Klosters St. Gallen gehen wahrscheinlich auf eine Schenkung von Grundbesitz an den hl. Otmar im 8. Jahrhundert. zurück. Um 920 muss die Reichsabtei im Hinterland bereits ein geschlossenes Herrschaftsgebiet besessen haben. Bis etwa 1400 war das Land Appenzell wesentlicher Teil der st. gallischen Grundherrschaft, in seinen Randgebieten hatten das Bistum Konstanz, die Herren von Rorschach-Rosenberg und freie Bauern Besitz. Im Rahmen der Verfestigung von Meierämtern zu Erblehen und des Aufstiegs von Dienstleuten in die äbtische Ministerialität wurden Steinhäuser, Burgen und Wohntürme gebaut. Eine Karte zeigt die Lage von allen gesicherten und auch von nicht mehr vorhandenen oder gar nur vermuteten Burgen, burgenähnlichen Anlagen und Verwaltungszentren(Meier-, Kelnhöfe) im Land Appenzell.
Die Folgen der demographischen Krise des Spätmittelalters wirkten sich für die bäuerliche Appenzeller Bevölkerung insgesamt positiv aus. Die herrschaftlichen Einkünfte des Klosters St. Gallen gerieten dagegen unter Druck. Streitigkeiten um Fallrechte, Zinsen und Zehnten zwischen den Appenzellern und dem Abt von St. Gallen gefährdeten von den 1360er Jahren an dessen Herrschaft und den Landfrieden in zunehmendem Masse, so dass beide Parteien ihre Interessen durch Bündnisse abzusichern suchten. In den Appenzeller Kriegen (140129) traten genossenschaftlich organisierte Kräfte (Land Appenzell, Stadt St. Gallen) gegen die traditionellen Herrschaftsträger (Österreich, Kloster St. Gallen) in eine grundsätzliche Auseinandersetzung um eine politische Neugestaltung des Landes Appenzell.
Die im Jahr 2001 archäologisch untersuchte Burganlage Schönenbüel, der mutmassliche Sitz der urkundlich belegten Herren von Schönenbüel, liegt auf dem Hirschberg östlich von Appenzell auf einer Höhe von 830 m ü. M. Die kreisrunde «Holz-Erdburg» hatte einen Gesamtdurchmesser von rund 60 m. Heute ist davon noch der zentrale Burghügel, umgeben von Graben und aufgeschüttetem Wall, sichtbar. Im Mittelalter betrug die Höhendifferenz zwischen Wallkrone und Grabensohle knapp 6 m. Bei den Ausgrabungen wurden im Zentrum des Burghügels die Reste eines quadratischen Steinbaus mit Aussenmassen von 9,6 m × 9,6 m und einer Mauerstärke von 1,1 m entdeckt. Auf Grund der archäologischen Untersuchungen lässt sich die Geschichte des Siedlungsplatzes vorläufig wie folgt rekonstruieren:
Unter der Wallschüttung gab es neben einem vermuteten Brandrodungshorizont aus der Zeit zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert eindeutige Reste einer ersten Besiedlung im 11. Jahrhundert. Im Verlaufe des 12. Jahrhunderts wurde die kreisrunde Wehranlage gebaut.
Gegen Ende des Jahrhunderts wurden die hölzernen Bauten auf dem Burghügel eingeebnet und dieser durch Aufmotten erhöht. In die selbe Bauphase gehört ein Grubenhaus oder Erdkeller, dessen letzte Reste auf der Nordseite des Steinbaus freigelegt werden konnten. Der Steinbau datiert ins 13. Jahrhundert. Beim Ausheben der Baugrube für sein Kellergeschoss wurden alle im Zentrum der Anlage gelegenen Reste der älteren Bauphasen zerstört. Der Keller besass eine Aussentreppe. Die in den oberen, vermutlich aus Fachwerk bestehenden Stockwerken gelegenen Wohnräume waren wohl nicht über den Kellereingang, sondern von aussen durch einen Hocheingang erschlossen.
Ausser Wall und Graben gab es keine zusätzlichen Annäherungshindernisse, wie beispielsweise eine Ringmauer oder eine Palisade. Der Steinbau war deshalb kein eigentlicher Wehrbau, sondern eher ein repräsentatives, von Wall und Graben umgebenes Bauwerk. Im bergseitigen Abschnitt des Grabens gab es zur Zeit des Steinbaus einen kleinen künstlich angelegten Teich; der Rest des Grabens wurde über eine Drainage entwässert.
Die wenigen fassbaren Hinweise lassen darauf schliessen, dass der Steinbau nur kurze Zeit bewohnt war. Nach der Preisgabe zerfiel das Bauwerk und die Ruine diente als Steinbruch. Spätestens zu Beginn des 18. Jahrhundert wurden die Mauern endgültig bodeneben abgetragen. Der Keller wurde u. a. mit frühneuzeitlichem Abfall aufgefüllt und das Ganze anschliessend mit Erdmaterial aus dem Graben bedeckt und wieder begrünt.
Die Burgruine Clanx liegt nördlich des Hauptortes Appenzell auf einem steilen Bergkegel auf 1004 m ü. M. Die heutige Forschung geht davon aus, dass die Herren von Sax die Burganlage zwischen 1207 und 1220 errichten liessen. Während ihres Bestehens diente sie als Verwaltungssitz für die Güter des Klosters St. Gallen in Appenzell. Nach Aussage von Chronisten wurde die Burg 1289 belagert und gebrochen. Nach erfolgtem Wiederaufbau wurde sie 1402 als Auftakt zu den Appenzeller Kriegen durch die Appenzeller erneut zerstört. Clanx blieb Ruine und wurde zum Symbol des Appenzeller Unabhängigkeitsstrebens.
Im Jahre 1885 erfolgten auf der Burgruine erste Ausgrabungen. 1944 und 1949 wurde sie unter der Leitung von Franziska Knoll-Heitz teilweise ausgegraben und konserviert. Die unausgewerteten Funde und Befunde wurden im Zuge des Nationalfondsprojektes bearbeitet. Teile des zur Hauptsache aus Geschirrkeramik, Ofenkeramik und Metall bestehenden Fundmaterials konnten dem Zerstörungshorizont von 1402 zugewiesen werden und bilden eine wichtige Grundlage zum Aufbau einer mittelalterlichen Keramiktypologie in der Ostschweiz. Der Befund konnte jedoch aufgrund der ungenügenden Grabungsdokumentation nicht geklärt werden.
Die Anlage entspricht der durchschnittlichen Grösse von Ostschweizer Burgen und dürfte verschiedene Bauphasen aufweisen. Ein älterer Turm aus megalithischem Mauerwerk wurde vermutlich durch einen wehrhaften Palas ersetzt. Dessen Mauerwerk wurde wohl 1402 durch Unterminieren zum Einsturz gebracht. Ausser dem rekonstruierten Turmgrundriss und dem Burgtor, sowie Resten der Umfassungsmauer und einem kleinen polygonalen Gebäude auf dem höchsten Punkt, ist heute von der einstigen Burganlage nichts mehr zu erkennen.
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Jakob/ ,
Christoph/ , Achilles: Burgen in
Appenzell. Ein historischer Überblick und Berichte zu den
archäologischen Ausgrabungen auf Schönenbüel und Clanx
Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des
Mittelalters 32, hrsg. vom
Schweizerischen Burgenverein (Basel 2005).
ISBN 3-908182-16-6/ISSN 1661-4550