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Ich möchte einfach in Ruhe arbeiten. In den letzten sechs Jahren musste ich immer sprechen, mich rechtfertigen, mich wiederholen und erklären, warum das Leben in Afghanistan für mich gefährlich ist. Es hat nichts genützt. Da ich gut Deutsch spreche, wurde ich immer wieder zu Dolmetscherdiensten beigezogen. Ich erklärte Geflüchteten, die neu im Kanton Aargau ankamen, die Schweiz, war als Dolmetscher bei Ämtern und bei der Betreuung tätig, begleitete die Menschen dorthin und übersetzte Briefe. Ich machte Termine bei den Botschaften ab. Ich musste immer sprechen und erklären und erlebte dann, wie die Geflüchteten vorwärtskamen, eine Bewilligung erhielten und eine Arbeit fanden – mit meiner Hilfe. Ich selber blieb in der Nothilfe stecken. Ich wohnte mit anderen Abgewiesenen zusammen, habe viel gesehen und gelernt. Ich wusste, ich darf nicht in eine negative Spirale kommen und keine Perspektiven mehr sehen. So übersetzte ich weiter, half bei Freiwilligenorganisationen, wo es Arbeit gab – damit ich nicht aufgebe. Vor zwei Monaten dann ein wichtiger Schritt: Ich wurde von der Schweiz vorläufig aufgenommen. Einen Monat später hatte ich eine Arbeitsstelle. Zuerst arbeiten und dann einen Beruf lernen, wo ich mit den Händen wirken kann und nicht mit dem Mund sprechen muss.
Sharif, 29, aus Afghanistan wohnt in Fislisbach Dieser Text entstand in Zusammenarbeit mit dem Verein Netzwerk Asyl Aargau.