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Aerzte und Pharma - Fragwürdiges Sponsoring im Gesundheitswesen
Pharmafirmen finanzieren Aerzten Reisen und Computer und geben Rabatte ab einer bestimmten Menge Medikamente oder Anzahl eingesetzter Hüftgelenke - wer glaubt, Aerzte seien unabhängig, liegt falsch. Schweizer Aerzte verkaufen ein Viertel aller Medikamente
Das wohl grösste Tummelfeld ist das Sponsoring. Gesponsert werden Kongressse, Tagungen, Fortbildungsveranstaltungen von Spitälern und sogenannte Qualitätszirkel. Verpönt ist lediglich das "Monosponsoring: Sobald von mehr als einem Sponsor Geld fliesst, stört sich niemand daran - auch Swissmedic nicht. Dazu die Aussage eines Arztes: "Man lässt sich von möglichst vielen Firmen sponsern, so kann man sich einreden, unabhängig zu sein. Tatsächlich ist man aber einfach von allen geschmiert".
Bezeichnend für die geringe Sensiblität von Aerzten gegenüber dem Sponsoring ist ein Erlebnis einer Lausanner Medizinstudentin, die das Thema in ihrer Masterarbeit aufgreifen wollte. Dazu kontaktierte sie sämtliche medizinischen Direktoren der öffentlichen Spitäler. Mit null Reaktion: Sie erhielt keinen einzigen Fragebogen zurück.
Umsatz mit Medikamenten in der Schweiz, Jahr 2010 (Basis: Fabrikpreise)
Apotheken : 2.53 Milliarden Franken
Aerzte : 1.18 Milliarden Franken (Aerzte mit eigener Praxisapotheke)
Spitäler : 1.02 Mrd. Franken
Drogerien : 0.09 Mrd. Franken
Wenn Aerzte mit der Abgabe von Medikamenten pro Jahr 50-70'000 Franken verdienen, muss man sich schon fragen, ob wirklich nur patientenbezogene Aspekte eine Rolle spielen. Viele Aerzte erzielen also mit der Abgabe von Medikamenten (Selbstdispensation) einen erheblichen Teil ihres Einkommens, was in der Tat ein ungutes Gefühl auslöst.