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Für einmal lag vor dem ersten Auftritt Roger Federers an einem Grand-Slam-Turnier mehr Spannung als gewöhnlich in der Luft. Der 38-Jährige hatte erstmals seit sieben Jahren zum Saisonstart auf ein Vorbereitungsturnier verzichtet und war ohne Matchpraxis zum Australian Open angetreten. Eine gewisse Unsicherheit leugnete der 20-fachen Major-Sieger vor Turnierbeginn nicht. "Nervös war ich aber nicht", sagte Federer. "Denn ich war mir meiner Situation absolut bewusst."
Als einziger der Top-Spieler hatte er auf den erstmals ausgetragenen ATP Cup verzichtet, wofür sich Federer im Platzinterview beim Publikum in der Rod Laver Arena entschuldigte. "Jede Woche, die ich mehr trainieren konnte, war gut für mich", sagte er später. Der Vorteil am Trainieren sei die Flexibilität und Selbstständigkeit. "Sobald du beginnst, Matches zu spielen, kannst du nichts mehr selber entscheiden." Vor seiner Abreise nach Melbourne hatte sich Federer ein paar Tage Erholung gegönnt.
Allfällige Zweifel am Formstand des sechsfachen Champions waren am Montag schnell verflogen. Seit 2002 und der Niederlage gegen Mario Ancic in Wimbledon hat Federer alle Auftaktpartien an Grand Slams gewonnen. Die Gefahr, dass die Serie im 66. Spiel in Folge reissen könnte, bestand nie. Für die einzige Verzögerung sorgte der einsetzende Regen im ersten Satz, worauf das Dach der Arena geschlossen wurde.
Nach nur 81 Minuten war Federers 98. Sieg in Melbourne im Trockenen, nachdem er die ersten sieben Punkte der Partie gewonnen und in jedem Satz früh ein Break geschafft hatte. Mit seiner 21. Teilnahme am Australian Open übertraf er den Rekord von Lleyton Hewitt. Seine erste Partie überhaupt im Hauptfeld im Melbourne Park hatte Federer vor zwei Jahrzehnten als Teenager gegen einen gewissen Michael Chang bestritten - und in drei Sätzen gewonnen. Mit dem Trainer von Kei Nishikori ist er heute freundschaftlich verbunden, ihre Kinder stehen in engem Kontakt.
Auch von seinem ersten Auftritt 20 Jahre später war Federer angetan: "Die Partie hat gezeigt, dass der Trainingseindruck nicht täuschte." Der Match sei perfekt gelaufen, er sei auf gutem Weg. Überbewerten wollte er den 6:3, 6:2, 6:2-Sieg gegen die Nummer 75 der Welt aus den USA aber nicht. "Bislang ist alles gut gegangen, aber ich muss vorsichtig bleiben." Ob sich sein verlängerter Trainingsblock bereits in Melbourne auszahlt, werden erst die kommenden Tage zeigen. "Das Ziel ist es, in der zweiten Woche mental frisch zu sein", so Federer.
Noch schaut der Baselbieter nicht allzu weit voraus. "Ich halte mich an die Punkt-für-Punkt-, Spiel-für-Spiel-Taktik." Seinen nächsten Gegner kannte er am Montagabend noch nicht, da die Partie zwischen dem Serben Filip Krajinovic (ATP 41), mit dem er in Melbourne trainiert hatte, und dem französischen Qualifikanten Quentin Halys (ATP 215) im Tiebreak des ersten Satzes wegen Regens unterbrochen und später vertagt werden musste. Nach den Buschbränden und der schlechten Luft wurde die Region von Melbourne am Montag wie zuvor andere Teile des Landes von heftigen Regenschauern heimgesucht.
(sda)