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Bis ins Jahr 1958 stand am Beginn der Aeschenvorstadt ein Gebäude, das in jene mit dem Markgräfler Hof einsetzende und mit dem Weissen und dem Blauen Haus endende Reihe von Häusern gehört, welche die massgeblichen architektonischen Leistungen des Barocks in unserer Stadt umfasst: Das Haus "zum Goldenen Löwen".
Vorgeschichte
Matthäus Merian hat auf seinem Stadtplan von 1615 einen dreigeschossigen Bau mit steilem Satteldach, Treppenturm an der Hofseite und einem zierlichen Erkertürmchen in der oberen Hälfte der Fassade eingezeichnet. Der Bau des 18. Jahrhunderts wurde auf der Parzelle dieser Liegenschaft errichtet. Sie hatte im 14. Jahrhundert dem Herrn von Nidau, dem Grafen Rudolf von Neuenburg, gehört und wurde darum "zum Nidau" genannt. Später ging sie an bürgerliche Besitzer über und erhielt nach einem von ihnen, Hieronymus Struss um 1500 einen neuen Namen: "zum Strussen". Aber noch 1555 heisst es "zum Strussen und Nidau und 1563 "zum Strussen oder Nidau". 1575 erfahren wir, dass das Haus die Wirtschaft "zum Löwen" beherbergt, und 1578 erscheint dann der Name "zum Goldenen Löwen". Am 31. März 1739 endlich verkauft Marx Weiss die Liegenschaft an zwei Brüder, die Handelsherren Abraham und Franz Legrand.
Im gleichen Jahr erwarben die beiden auch die Nachbarparzelle. Diese hatte im 14. Jahrhundert von einem ihrer Besitzer, Johannes Blattfuss, die schöne Bezeichnung "zum Blattfuss" geerbt. In der Folge machte der Name interessante Wandlungen durch: 1561, als der Balbierer (Chirurg) Michael Rispach das Haus bewohnte, lautete er "zum blanken Fuss", 1670 aber erscheint er als "blauer Fuss". Dann scheint ein gemaltes oder plastisches Hauszeichen falsch gedeutet worden zu sein; jedenfalls wird in einer Protokollstelle vom 7. August 1739 die Liegenschaft "zum blauen Strumpf" genannt.
Die Gebrüder Legrand hatten nämlich im Frühjahr den "Löwen" in der Absicht, einen Neubau zu errichten, gekauft, und nun bemühten sie sich, auch den "blauen Strumpf" zu erwerben. Nur über den Preis war man sich zunächst noch nicht einig. Abraham Legrand bot 1700 Pfund, die Besitzerin, die Ratsherrenwitwe Braun, dagegen verlangte 2000, doch muss noch 1739 eine Einigung mit ihr und ihrem Sohn, dem Chirurgen und Ratsherrn Samuel Braun, zustande gekommen sein.
So verfügten die Herren Legrand Ende 1739 nun über beide Grundstücke, und mit Bestimmtheit können wir annehmen, dass sie unverzüglich den Bau in Angriff nahmen, denn schon 1741 wird das "neue" Haus "zum Goldenen Löwen" erwähnt. Beim Abbruch kam auf der Unterseite der Deckplatte eines Treppenpfostens die Signatur eines Zimmermeisters mit dem Datum 1741 zum Vorschein. Auch der Innenausbau dürfte demnach um diese Zeit schon weit fortgeschritten sein.
Der Rahmen der Basler Barockarchitektur
Es gehört zu den Eigentümlichkeiten der baslerischen Architekturgeschichte des 18. Jahrhunderts, dass bei einzelnen wichtigen Gebäuden durchaus unbekannt ist, welche Architekten oder Baumeister sie entworfen haben. Dass dazu auch der "Goldene Löwen" zählt, müssen wir um so mehr bedauern, als dieses Bauwerk durch seine relativ frühe Entstehungszeit eine besonders bedeutsame Stellung in der Entwicklung der Barockarchitektur unserer Stadt einnimmt.
Tatsächlich kann man etwas vereinfachend sagen, dass mit Ausnahme des Württemberger Hofs (um 1740), der Sandgrube (um 1745) und des Holsteiner Hofs (vor 1751) alle jene Häuser, die zusammen den besonderen Aspekt des Basler Barockstils geprägt haben, rund 20 bis 30 Jahre nach dem "Goldenen Löwen" begonnen oder umgebaut worden sind: Das Haus zum Dolder am Spalenberg 1758, der Delphin an der Rittergasse 1759, der Reinacher Hof in der St. Johannsvorstadt gegen 1760, das Wildt'sche Hause am Petersplatz 1762, die Häuser am Münsterplatz (besonders Andlauerhof und Mentelinhof) zwischen 1763 und 1766, der Raben in der Aeschenvorstadt 1763, das Weisse und das Blaue Haus 1763, das Grabeneck am Petersgraben 1767 oder das de Bary'sche Landgut in Riehen um 1770.
Der "Goldene Löwen" zeigte zwar in den Einzelelementen bereits die Merkmale jenes Stils: Die Fenster waren durchweg Stichbogenfenster mit schlichtem, glattem Gewände; ohne verbindende Zwischenglieder "schwammen" sie frei in der Mauerfläche. Die Geschosse waren nicht durch eine Kolossalordnung zusammengefasst, sondern mit flachen Bändern voneinander getrennt. Dazu wurden für die Gliederung der Fassade weder Säulen noch Pilaster, sondern nur gequaderte Lisenen verwendet. Alle diese Dinge traten schon 1724 am vorderen Flügel des Spiesshofs auf und 1728 dann auch beim Ramsacher Hof. Aber wenn gerade beim Ramsteiner Hof in der Mittelachse ein Rundbogenportal mit flankierenden Freisäulen und darüber ein Rechteckfenster auftritt, dann wird deutlich, dass noch keine verbindliche Formvorstellung vorliegt, dass der baslerischen Barockarchitektur noch alle Möglichkeiten offenstehen. Erst der "Goldene Löwen" hat dann jene Fassadengestaltung vorbildlich formuliert.
Auch für eine weitere Eigentümlichkeit der Gesamtanlage bildet der "Löwen" eine Art Vorbild für spätere Bauten: Die barocke, von Seitenflügeln gerahmte Cour d'honneur lag nämlich nicht an der Strasse, vor dem Hauptgebäude, sondern auf der Rückseite des Hauses. Möglicherweise hat dabei der Markgräfler Hof als Vorlage gewirkt, denn auch hier waren ursprünglich auf der Gartenseite zwei senkrecht zum Baukörper stehende Nebenflügel geplant gewesen. Und da der Markgräfler Hof jener Bau ist, mit dem die barocke Architektur in Basel in grossem Stil eingeführt wurde, hat der Baumeister des "Goldenen Löwen" vielleicht dort nachgesehen, wie denn nun eigentlich eine barocke Hofanlage gestaltet werde. Ein weiterer Grund lag bestimmt auch darin, dass sich das Gebäude trotz seinen grossen Ausmassen in den Strassenzug der Vorstadt einpassen sollte. Oder der Architekt entsprach einfach dem baslerischen Wesenszug der Bescheidenheit, die bei aller Freude an der Repräsentation nicht gleich an der Strassenfront mit luxuriösem Prunk auftrumpfen wollte. In der Folge erhielten sowohl der "Ritterhof" wie der "Raben" ebenfalls diesen auf der verkehrten Seite liegenden Ehrenhof, während man beim Württemberger Hof ausser dem Hof an der Strasse noch einen zweiten an der Rückseite angelegt hat.
Die äussere Architektur des "Goldenen Löwen"
Erwies sich der "Goldene Löwen" somit in manchem als bedeutungsvoll für die kommenden Jahrzehnte, so blieb er andererseits, was die Fassade betrifft, ein merkwürdiger Sonderfall. Zu den Kennzeichen barocker Baukunst, die in ihrem innersten Wesen begründet sind, gehört es ja, dass der Baukörper absolut dominiert wird von der Mitte, die darum meist aus Risalit ausgebildet und mit einem Giebel ausgezeichnet ist. Um so sonderbarer mutete es an, dass an der Fassade des "Goldenen Löwen" just die beiden Enden betont waren. Zwei Risalite in der Breite von je zwei Fensterachsen, eingerahmt von Rustika-Lisenen und mit Deckengiebeln bekrönt, hielten einander das Gleichgewicht. Die Mittelachse hingegen wurde ausser durch das Portal kaum markiert; nur die Fensterbogen wiesen hier eine leicht veränderte Form auf und waren mit Ranken verziert, und der Abstand zu den Nachbarfenstern war etwas gedehnt. Weiter wurde die Mittelachse nur durch Massierung der Lukarnen in der Mitte des hohen Steildaches betont.
Vielleicht sollte diese eigenartige Fassadenbildung zum Ausdruck bringen, dass das Haus seine Entstehung zwei Brüdern verdankte und von ihnen gemeinsam bewohnt wurde. Man könnte aber auch die Frage stellen, ob die Erbauer etwa daran erinnern wollten, dass hier zwei ältere Häuser im Neubau aufgegangen waren.
Der Typus des Zweirisalit-Fassade mit unbetonter Mitte findet sich am barocken Privatbau allerdings noch an einigen wenigen anderen Orten, so in Wien beim Stadtpalais Strattmann in seinem ursprünglichen Zustand und in Prag beim Palais Klinsky. Indessen sind die Unterschiede nicht zu übersehen: Das Palais Strattmann zeigt zwar ein Mittelportal und zweiachsige Risalite, aber diese tragen nicht einen Dreiecksgiebel, sondern eine Attika und besitzen auch eine andere Gliederung als der Zwischenbau. Und beim Palais Klinsky finden wir zwar die Giebel, aber die Risalite sind um zwei Achsen von den Fassadenenden ab- und gegen die Mitte gerückt, und jedes ist mit einem Portal versehen, der Mitteleingang aber fehlt.
Das Innere des "Goldenen Löwen"
Aber nicht nur durch seine für Basel einmalige Aussenfassade bildete der "Goldene Löwen" eines der bedeutendsten Denkmäler des Basler Dixhuitième, sondern auch durch seine reiche Ausstattung im Innern, beginnend bei dem in kurzen Absätzen aufsteigenden, mit schwerem Eichengeländer versehenen und im zweiten Stockwerk mit einem Deckengemälde geschmückten Treppenhaus bis zu den Stukkaturen der ersten Etage. Die kunstgeschichtliche Forschung hat sie als die zweifellos pompösesten Plafonds gewürdigt, die sich in Basel finden. Einzigartig ist die Fülle der Phantasiewelt, welche sich mit ihren Vögeln, Schmetterlingen, Drachen und wasserspeienden Delphinen, mit ihren Füllhörnern, Springbrunnen, Blumenketten und Muscheln entfaltet.
Klassizistischer Umbau
Treppenhaus und Stukkaturen dürfen mit Sicherheit der Entstehungszeit des Hauses um das Jahr 1740 zugewiesen werden; die Einfahrt dagegen, die allerdings längst vor dem Abbruch in der Aeschenvorstadt verschwand, rührte von einem Umbau her, der nach dem Tod der beiden Bauherren von Franz' Sohn Niclaus im Jahr 1775 durchgeführt worden war. Für seinen Vater und Onkel hatte noch die nüchtern einfache Gestaltung der Wände der Einfahrt genügt, wie man sie von den früheren Bauten her kannte; dreieinhalb Jahrzehnte später aber, in welchen die Barockkunst zahlreiche glanzvolle Blüten trieben, war das Bedürfnis auch nach äusserer Präsentation gewachsen. Seiner Befriedigung diente eine pompöse toskanische Säulenhalle, die durchaus klassizistisches Gepräge trug und aufs Engste verwandt war mit der Eingangshalle des in den Jahren 1778 bis 1780 entstandenen "Kirschgartens". Dort wie im "Goldenen Löwen" war der gleiche Künstler am Werk: Johann Ulrich Büchel, der unter dem bestimmenden Einfluss des Kupferstechers Christian von Mechel zum eigentlichen Vertreter des Klassizismus in der baslerischen Baukunst des 18. Jahrhunderts wurde und zugleich der erste Basler war, dem zu Recht die Bezeichnung eines Architekten im heutigen Sinn zuerkannt werden darf. Den Umbau von 1775 im "Goldenen Löwen" leitete Johann Ulrichs Vater, der Steinmetz und Baumeister Daniel Büchel, der auch beim Bau der "Sandgrube", des "Rabens" sowie des Weissen und Blauen Hauses beteiligt war und den Neubau des erwähnten "Ernauerhofs" am St. Alban-Graben schuf. Daniel Büchel und Sohn erhielten für die Restauration des "Goldenen Löwen" den Betrag von 471 Pfund 19 Schilling, Johann Ulrich Büchel für "Zeichnungen und Bemühungen noch extra 24 Pfund". Diese Zeichnungen stellten die Pläne der klassizistischen neuen Einfahrt des Hauses dar, ein bemerkenswerter Erstling des damals 22-jährigen Architekten, der seine an der Antike orientierte Geistes- und Geschmacksrichtung in der Folge auch als Kupferstecher und Aquarellist offenbarte.
Spätere Schicksale des Hauses
Vier Jahre nach dieser Restauration und vier Jahrzehnte nach der Erbauung wechselte der "Goldene Löwen" die Hand. Am 1. August 1779 verkauften die Geschwister Gertrud und Niclaus Legrand "Behausung und Hofstatt samt Stallung, Remise und Garten, auch einen laufenden Brunnen" an den Handelsherrn Christoph Burckhardt-Frey. Der Kaufbrief registriert auch das alte, mit dem Haus seit Jahrhunderten verbundene Tavernrecht, das heisst das Privileg, darin einen Gasthof zu führen. Bald nach seinem Einzug richtete sich der neue Besitzer den "Blauen Salon" mit erlesenem Mobiliar im Louis XVI-Stil ein, das heute eine besondere Zierde des Kirschgarten-Museums bildet. Seinen Namen trug der durch seine reinen Stilformen ausgezeichnete Salon von dem schönen hellblauen Seidendamast, mit dem die Wände bespannt und die Polstermöbel überzogen waren. Mitsamt dem Haus ging auch der "Blaue Salon" von Christoph Burckhardt-Frey über an dessen Sohn, den Banier und Zunftmeister zu Rebleuten Johann Jacob Burckhardt-Frey, den Schwiegersohn von Oberstleutnant Johann Rudolf Frey, dem bekannten Freund Isaak Iselins.
Von ihm übernahm den "Goldenen Löwen" dessen Schwiegersohn, der Seidenbandfabrikant Carl Ryhiner-Burckhardt, der schon zu Lebzeiten Burckhardts im Hause wohnte. Unter Carl Ryhiner wurde der "Goldene Löwen" Sitz der ersten amerikanischen Vertretung in der Schweiz und der ersten konsularischen Repräsentation des Auslandes in Basel überhaupt.
Der Nachfolger von Carl Ryhiner als Besitzer der Liegenschaft wurde der Sohn Carl Emanuel Ryhiner, der nach dem frühen Tod des Vaters dessen Firma zunächst weiterführte, sich aber bald von den Geschäften zurückzog. Ob es Carl Ryhiner oder Carl Emanuel Ryhiner gewesen war, mag dahingestellt bleiben: Vom "alten Ryhiner" hiess es jedenfalls, dass er im Jenseits keine Ruhe finden könne und deshalb zu mitternächtlicher Stunde als Gespenst im "Goldenen Löwen" umgehe - in schwarzen Kleidern, mit langem, bösem Gesicht und in der Mitte gescheiteltem Schnittlauchhaar. Den letzten privaten Bewohnern der zweiten Etage sollen des unheimlichen Gastes wegen drei Angestellte davongelaufen sein. Mehr über den "alten Ryhiner" steht in einem > separaten Artikel.
Mit dem Hinschied von Carl Emanuel Ryhiner, der Junggeselle geblieben war, verlor der "Goldene Löwen" mehr und mehr seinen bisherigen Charakter als vornehmes Privathaus. In seinem zweiten Stockwerk erlebte er aber zu Beginn des vorigen Jahrhunderts noch eine letzte Zeit des Glanzes, als 1905 der Färberei-Industrielle Alexander Clavel-Respinger mit seiner jungen Gemahlin hier Einzug hielt. Alte Möbel, Kästen und Truhen zierten ihr stilvolles Appartement, das den idealen Rahmen für grosse Empfänge und Feste bildete. Nach anderthalb Jahrzehnten zog das Ehepaar indessen hinaus auf den 1917 erworbenen Wenkenhof.
Ein Abbruch und Aufbau besonderer Art
Neben dem "Hirzen", dem "Goldenen Sternen", dem "Raben" und dem Patrizierhaus Nr. 13 bildete der "Goldene Löwe" noch bis in die 1950er Jahre den ruhenden Pol in der Flucht der Erscheinungnen aus Glas und Beton in der Aeschenvorstadt. Besonders königlich sah er aber schon seit geraumer Zeit nicht mehr aus. Nachdem bereits der einst geräumige Hof durch allerlei An- und Umbauten verunstaltet worden war, musste sich die Liegenschaft 1917 einen operativen Eingriff an der Fassade gefallen Lassen; aus den acht vergitterten Fenstern im Parterre wurden vier Schaufenster, die das mächtige Portal mit dem Löwenkopf im Stichbogen total erdrückten. Im Innern wurden Wände herausgerissen, die Räume neu unterteilt, und nur das schöne schmiedeeiserne Gitter am Hofeingang gegen die Elisabethenstrasse zeugte nach aussen noch von der verschwundenen Pracht eines Herrschaftshauses.
Die Aeschenvorstadt hatte sich nach dem Zweiten Weltkrieg in wenigen Jahren mehr und mehr zur Geschäftsstrasse gewandelt und sollte nun durch den Korrektionsplan von 1949 ihre neue Gestaltung erfahren. Damit war auch das Schicksal des "Goldenen Löwen" endgültig besiegelt. Nur noch eine kurze Frist blieb ihm vergönnt, bis der Abbruch des Hauses anhob, welches dem Neubau der Handwerkerbank auf der zurückgenommenen Baulinie Platz machen sollte.
Das letzte Stündchen schlug dem "Löwen" also in der Mitte der 1950er Jahre, aber nur an der Aeschenvorstadt. Im Gegensatz zu unzähligen erhaltungswürdigen Baudenkmälern, die für immer verschwunden sind, sollte der "Löwen" wieder auferstehen, wenn auch zu jenem Zeitpunkt noch nicht bekannt war, an welcher Stelle. Jedenfalls wurde er - dank der Initiative der Basler Chemischen Industrie, dem Entgegenkommen der Schweizerischen Kreditanstalt und der Mithilfe des Staats - nicht abgebrochen, sondern behutsam, Stein um Stein, abgetragen, nummeriert und registriert, und die "Löwen-Moleküle" wurden an der Hagenaustrasse sorgfältig magaziniert. Die Hoffnung war, dass er wieder auferstehen würde, mitsamt Stukkaturen, Deckengemälden, eichenem Treppengeländer, Kachelöfen und schmiedeeisernen Gittern wie ehedem.
Eine neue Heimstatt fand er schliesslich, unfern der modernen Glas- und Betonwüste, unter seinesgleichen und in einer Umgebung, die sich für die glückliche Realisierung der Idee aufs Beste eignete: An der St. Alban-Vorstadt, gegenüber dem Brunnen an der Wegscheide zum Mühlenberg, wo die Häuserflucht neben dem "Wildensteinerhof" unterbrochen war. An dieser Stelle, an der die Höhe der Fassade des "Goldenen Löwen" ausgezeichnet mit derjenigen der Nachbarliegenschaften harmonierte, konnte der alte Bau in geradezu idealer Weise eine Lücke füllen. Denn das Wohnviertel der "Dalbe" hatte mit seinen Bauten aus dem 17., 18. und beginnenden 19. Jahrhundert seinen historischen Charakter noch weit besser zu wahren vermocht als die in ihrem Wesen völlig veränderte Aeschenvorstadt.
Quellen:
- Wanner 1964: 12ff.
- Basler Nachrichten vom 25. Januar 1959
- Basler Nachrichten vom 2. Dezember 1957
- Basler Nachrichten vom 27. November 1957
- Basler Nachrichten vom 18. Dezember 1956
- Nationalzeitung vom 11. Juli 1948