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Spaziergänger und Passanten, Flanierer, Jogger und Anwohner staunten nicht schlecht, als sie am 5. September 2001 einen grünen Rhein antrafen. Die gut sichtbare Farbe gelangte über die Birs in den Rhein und war hier noch über eine weite Strecke sichtbar. Plötzlich kamen Erinnerungen an den Roten Rhein von 1986. Hatte man es hier mit der farbigen Botschaft einer neuen Katastrophe weiter oben im Gewässer zu tun? Floss da irgendwo giftige Farbe in den Rhein? Würden wieder Bilder von toten Fischen um die Welt gehen?
Weit gefehlt: Es handelte sich diesmal um eine bewusste Einleitung von völlig ungefährlichen Färbemitteln, die den Strömungsverlauf der Birs innerhalb des Rheins anschaulich demonstrieren sollten. Der Test wurde von Technikern und Wissenschaftlern der Gruner AG ausgeführt und überwacht. Die Ingenieurgemeinschaft verfügt über 12 Filialen in der Schweiz, eine davon in der Region Basel, und ist unter anderem auf das Gebiet von Umwelt und Sicherheit spezialisiert. Die Aktion wurde vom Flugzeug aus beobachtet, weswegen wir ihr faszinierende Bilder verdanken: Der Test lässt erkennen, dass die Birs sich nach dem Einfluss beim Birsköpfli in den Rhein ein eigenes «Flussbett» sucht, dass der kleine Fluss gewissermassen ein Eigenleben im grossen Fluss führt, bevor sich das gefärbte Wasser der Birs beim Basler Hafen, fünf Kilometer weiter unten, vollends mit dem Rhein vermischt.
Unterlagen der Gruner AG liefern Aufschluss über die genaueren Hintergründe des Färbversuchs. Die geklärten Wässer aus der Abwasserreinigungsanlage Birs 2 in der Hagnau bei Birsfelden liefen bis anhin direkt in die Birs, wo es insbesondere bei Niedrigwasserständen durch den Nährstoffeintrag zu einer hohen «Sauerstoffzehrung», d.h. einem Mangel an Sauerstoff, und damit zu Problemen mit der Wasserqualität in der Birs und in der Badezone bei der Birsmündung kam. Bei Niedrigwasserständen führt die Birs lediglich 5–10 m3 Wasser pro Sekunde. Gleichzeitig beträgt der Auslauf aus der ARA Birs 2, ohne zusätzliches Regenwasser, ca. 1,7 m3 pro Sekunde. Dies führte im Extremfall zu einem Verdünnungsverhältnis von lediglich 3:1.
Im Rahmen des Projektes «BirsVital», dem Revitalisierungsprojekt der Birs im Unterlauf, sollten daher durch eine direkte Einleitung des ARA-Wassers in den Rhein günstigere Umweltbedingungen in der Birs zwischen St. Jakob und der Rheinmündung geschaffen werden. Um die Verbesserung für die Birs zu erzielen, wurde also eine Leitung von der ARA Birs 2 bis zum Rhein gebaut. Wobei im Bereich des Einlaufs beachtet werden musste, dass im Sommer das Gebiet um die Birsmündung durch Badende stark genutzt wird, die sich vor allem im Uferbereich aufhalten.
Im Rahmen der Vorabklärungen stellte sich heraus, dass in der Nähe der geplanten Einleitung in den Rhein bereits ein Einlaufbauwerk bestand, das ausreichend dimensioniert war, aber seit einigen Jahren nicht mehr genutzt wurde. Eine Prüfung des Bauzustandes ergab, dass dieses Bauwerk noch in gutem Zustand war, und so wählte man diesen gut dreissig Meter vom Ufer entfernt liegenden Standort als Ausgangspunkt für verschiedene Modellrechnungen. Zum Vergleich zog man dieselben Berechnungen für Einleitungen nahe am Ufer und in fünfzig Meter Uferentfernung hinzu, um mögliche Auswirkungen und Alternativen zu prüfen. Die Resultate zeigten grundsätzlich die Machbarkeit einer Einleitung am Standort des bestehenden Einlaufbauwerks.
Der Markierversuch wurde am 5. September 2001 bei einem mittleren Rheinabfluss um 1’150 m3 Wasser pro Sekunde durchgeführt. Ein mittlerer Rheinabfluss war für den Versuch Voraussetzung, damit die erhobenen Daten repräsentativ sind. Zu den Vorbereitungen des Versuchs gehörte die Information der Printmedien, von Radio und Fernsehen, der Rheinpolizei, der Fischereiaufsicht sowie der Rheinanliegerstaaten unterhalb Basels.
Von einem Schiff aus, das vom Amt für Umwelt und Energie des Kantons Basel-Stadt zur Verfügung gestellt wurde, haben die Ingenieure der Gruner AG durch ein Rohr, das bis auf die Flusssohle in knapp drei Metern Tiefe reichte, während zehn Minuten fünfzig Liter zehnprozentige Uranin-Lösung in den Rhein eingespeist. Die Überwachung erfolgte aus der Luft mit einem Flugzeug, das die Strecke mehrmals abgeflogen ist.
Zudem erhob man periodisch Wasserproben in Abständen von wenigen Minuten beim Rheinbad Breite, der St. Alban-Fähre, der Mittleren Brücke und der Rheinüberwachungsstation.
Nach zwölf Minuten konnte im Rheinbad Breite der Markierstoff das erste Mal festgestellt werden. Die Mittlere Brücke erreichte der Markierstoff nach 25 Minuten und für die Strecke von der Birsmündung bis zur Rheinüberwachungsstation im Bereich der Palmrainbrücke benötigte der Markierstoff insgesamt 90 Minuten. Dies entspricht einer Fliessgeschwindigkeit von ca. 1,4 Metern pro Sekunde oder ca. 5 km pro Stunde.
Mit dem Versuch wurde nachgewiesen, dass durch die Nutzung des bestehenden Einlaufbauwerks in den Rhein die Zielsetzungen punkto Gewässerschutz erreicht werden können. Der grösste Teil des eingeleiteten Wassers aus der Kläranlage wird mit ausreichendem Abstand vom Ufer den Rhein hinunterfliessen; lediglich geringe Anteile gelangen in die Badezone, die sich aber auf die Wasserqualität nicht negativ bemerkbar machen. Gegenüber dem vorherigen Zustand, bei dem praktisch der gesamte Abfluss aus der ARA Birs 2 mit dem Birswasser in die Badezone gelangte, konnte mit der Reaktivierung des Einlaufbauwerks eine deutliche Verbesserung der Wasserqualität im Badebereich erzielt werden. Für den Bauherrn, der auch gleichzeitig Auftraggeber für die Modellierung und den Markierversuch war, nämlich dem Tiefbauamt des Kantons Basellandschaft, bedeutet dies eine Reduktion der Baukosten von beinahe einer Million Franken indem er kein neues Einlaufbauwerk erstellen muss. Der Praxistest zeigte zudem eine grosse Übereinstimmung mit den Modellrechnungen.