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La pivellina (2009)
La pivellina (2009)
Oder: Rothärchen und Rosarot
Patty (Patrizia Gerardi), eine ältere Frau, sucht ihren davongelaufenen Hund. Sie geht auf und ab im Park einer Wohnsiedlung am Rande Roms, und erblickt dabei ein kleines Mädchen (Asia Crippa) auf einer Schaukel. Wo ist die Mutter? Lange wartet Patty zusammen mit dem Mädchen, das sich Aia nennt (später wird daraus Asia), in der Hoffnung, es würde sie jemand abholen. Als es eindunkelt und der Himmel mit Regen nicht spart, entscheidet sich Patty, das Mädchen mit nach hause zu nehmen, vorübergehend.
Pattys Zuhause ist eine kleine Wohnwagensiedlung, in der sie mit ihrem Mann Walter (Walter Saabel) haust. Den Lebensunterhalt verdienen sich die beiden mit einem kleinen Wanderzirkus. Walter ist nicht begeistert von der Aktion seiner Frau, da sie kaum genug Geld haben, um zu zweit über die Runden zu kommen, vor allem aber, weil man sie der Entführung bezichtigen könnte. Entschlossen besteht Patty darauf, Asia hier zu behalten, bis die Mutter wieder kommt. Alle in der Siedlung müssen mit anpacken, darunter auch der jugendliche Tairo (Tairo Caroli), der neben seiner neuen Aufgabe als Babysitter noch die Schule besucht.
Asia mischt den Alltag der Wohnsiedlung gründlich auf, und das Warten auf die Rückkehr der Mutter beginnt.
Film-Rating
La Pivellina ist eine ebenso traurige wie rührende Geschichte über Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft, Vorurteile, Hoffnung, Verzweiflung und Zusammenhalt. Eine Geschichte, die sich am Rande der Gesellschaft abspielt. Wunderschön, wie sich die "zusammengewürfelte" und generationsdurchmischte Wohnwagensiedlung um die kleine Asia kümmert und ihr nicht bloss ein Obdach gibt, sondern ihr schöne, unbeschwerte Momente schenkt. Fast nebenbei thematisiert der Film auch das Verlassenwerden. Sei es nun die auf dem Spielplatz ausgesetzte Asia, Tairo, dessen Eltern sich in seiner frühen Kindheit getrennt haben, oder Patty, die einen ihrer Elternteile sehr früh verloren hat.
La Pivellina ist der erste Spielfilm der Filmemacher Tizza Covi und Rainer Frimmel. In ihrem vorangegangenen Dokumentarfilm Babooska begleiteten sie eine Artistenfamilie auf Winterreise durch Italien. Protagonisten waren damals wie jetzt Patrizia Gerardi und Walter Saabel. Im neuen Film agieren sie erstmals als Laiendarsteller, wobei der Film viele dokumentarische Elemente aufweist. So spielt die Geschichte beispielsweise im realen Zuhause des realen Paares Patty und Walter, auch ihr Beruf und Alltag stimmen mit dem Film überein.
Lange Einstellungen, wenige Schnitte und viele ruhige, intime Momente (die schlafende Asia, Patty, welche Asia in den Schlaf singt) kennzeichnen den Film. Ebenso sind schöne Farbkontraste Merkmale des Films, wie zum Beispiel Patty mit rotem Haarschopf und schwarzer Kleidung inmitten einer saftiggrünen Wiese. Wie in den Dogma 95 Filmen wird mit Handkamera gedreht, der Ton wurde nicht unabhängig von den Bildern produziert, Musik wird nur dann verwendet, wenn sie dort gespielt wird, wo sich die jeweilige Szene abspielt, und es wird nur mit natürlichem Licht gearbeitet.
Verblüffend ist das natürliche Spiel der Laiendarsteller. Allen voran das der kleinen Asia, die für den Dreh von ihren leiblichen Eltern "in die Hände" der Filmemacher und der Darsteller gegeben wurde. Dies habe, so die Filmemacher, ermöglicht, Asias Vertrauen zu gewinnen und dass sie sich vor der Kamera natürlich geben konnte.
La Pivellina ist eine starke und rührende Geschichte über die ausgesetzte kleine Asia und eine am Rande der Gesellschaft lebende Wohngemeinschaft, die sich ihrer annimmt. Die Authentizität der Laiendarsteller beeindruckt und der bildstarke Film geht einem so schnell nicht aus dem Kopf. Es erstaunt nicht, dass der Film an vielen grossen Filmfestspielen gezeigt wurde und auch einige Preise erhielt wie den "Quinzaine des réalisateurs" am Filmfestival in Cannes. Ein leiser Film mit viel Situationskomik und Wärme.
OutNow.CH:
20.03.2010 / mac
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