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Mehr als eine Dekade lang hat die Solokarriere von Robbie Williams einem unaufhaltsamen Tornado geglichen. Das Ausmass seiner Triumphe lässt sich bereits an den Statistiken ablesen: mehr als 55 Millionen verkaufte Alben (von „Life Thru a Lens“, 1997; „I've Been Expecting You“, 1998; „Sing When You're Winning“, 2000; „Swing When You're Winning“, 2001; „Escapology“, 2002; „Live At Knebworth“, 2003; „Greatest Hits“, 2004; „Intensive Care“, 2005 bis „Rudebox“, 2006), mehr British Music Awards als irgendein anderer Künstler in der Geschichte (15), die drei unvergesslichen Konzertabende in Knebworth im Jahr 2003 vor 375.000 Fans; die meisten Ticketverkäufe innerhalb eines Tages (1,6 Millionen für seine Close Encounters Tournee 2006)... Die Liste liesse sich beliebig fortsetzen, entscheidender ist, dass seine Wirkung - dank seiner Songs, seines Gesangs, seiner Performance und Persönlichkeit - weit über reine Zahlenspielerei hinausgeht.
Die immense Wirkung zieht immer weiter ihre Kreise, auch wenn es den Anschein hat, dass dies eine ganze Weile ohne tatkräftige Mithilfe von Robbie Williams geschehen ist. Nachdem Williams im Dezember 2006 seine Close Encounters Tournee beendet hatte, entschloss er sich, erst einmal bis auf Weiteres aus dem Rampenlicht zu verschwinden. „Ich brauchte mal eine richtige Pause«, bekräftigt er. Seitdem der damals 15-jährige Lausbub aus Stoke-on-Trent sich 1989 Take That angeschlossen hatte, war er kaum jemals richtig zur Ruhe gekommen: „Ich hatte das grosse Glück, meinen Durchbruch zu haben, als ich noch ganz jung war - viele andere schaffen das nicht, bevor sie 27, 28 oder gar 30 sind. Ich habe Jahr um Jahr durchgeschuftet. Musik machen... Promotion... Tournee... Musik machen... Promotion... Tournee. Es war Zeit für eine Bestandsaufnahme und zu schauen, wer ich ohne all das bin.» Aber es war letztlich nur die Öffentlichkeit, die mit dem Status eines Popstars einhergeht, der er eine Zeit lang auswich, nicht der Musik selbst. Selbst als er sich einen Bart stehen liess, viel Zeit daheim verbrachte und auf nüchterne Abende in Bars und Nachtclubs verzichtete („die Läden gefielen mir eh nicht - ich habe nur immer Gesellschaft gesucht“), hat er nie aufgehört, an neuen Songs zu arbeiten.
Den grössten Teil von „Reality Killed The Video Star“ hat Robbie in seinem Heimstudio in Los Angeles geschrieben und in London aufgenommen. Für die Songs hat er auf vielfältige Art und Weise mit anderen Songwritern zusammengearbeitet, darunter Kelvin Andrews & Danny Spencer, Brandon Christy, Richard Scott und Scott Ralph, Chaz Jankel, Guy Chambers und Fil Eisler. Produziert wurde das Album von dem legendären Trevor Horn. „Er hat dem Album etwas hinzugefügt, was ich auf den anderen Alben nicht hatte - sein Genie«, so Robbie. „Ich denke, es klingt einfach fett - Stück für Stück für Stück.»
Die stilistische Bandbreite ist so weitgreifend und überbordend, wie man es seit dem ersten Album von Robbie Williams kennt. „Ich habe eine riesige Geschmackspalette. Mir war gar nicht bewusst, dass man dies eigentlich nicht so ohne Schwierigkeiten machen kann. Aber es gibt immer Fälle, die eine Ausnahme von der Regel sind, und das trifft auf mich schon eine ganze Weile zu. Und ich mag es eigentlich, die Ausnahme von der Regel zu sein - ganz gleich, was für eine Regel es ist.« Der Tenor und die Themen der Songs sind nicht minder abwechslungsreich. Von der apokalyptisch-verschwörerischen ersten Single „Bodies» („it's the modern middle ages«, heisst es darin) bis zur Hymne auf einen gefallenen Stern („Morning Sun»); von der heutigen Sucht nach Ruhm in „Starstruck« bis zu „Won't Do That To You», welcher das wohl älteste Thema überhaupt aufgreift: «mein allererstes Liebeslied». Über einige Songs grübelt er jetzt noch – „Einige Songs, die ich nun singe, handeln von der Zukunft«, sinniert er -, andere Songs resultieren aus der Zeit, in der er über vieles nachdenken konnte. „Ich habe ja nun schon einige Zeit auf diesem Planeten verbracht und zwischen dem Beginn meiner Karriere und jetzt bereits einige Jahre auf dem Buckel. Jetzt schaue ich zurück und frage mich, wo um Gottes willen ist all die Zeit geblieben? Was ist passiert? Ich fühle mich noch immer wie 23. Nichts hat sich geändert - und doch hat sich alles geändert. Ich bin an einen Wendepunkt in meiner Karriere gelangt. Diese Scheibe entscheidet über meinen zukünftigen Weg. Es gab einige grossartige Songs bis hierhin, aber das vergisst man schnell. Man vergisst, was man gemacht hat. Das ist alles irgendwie Vergangenheit. Mir ist ein wenig bange, weil ich seit drei Jahren nichts gemacht habe, aber ich bin immer ein wenig ängstlich, bevor ich ein neues Album herausbringe - so bin ich nun mal. Ich freue mich schon darauf, auf die Leute zuzugehen und ihnen vorzusingen. Auch auf die Reaktion bin ich gespannt. Ich möchte, dass sie sich beschwingt fühlen, dass sie tanzen, dass sie 50 Minuten lang vergessen, wer sie sind und wo sie sind. Ich möchte auch, dass sie mit der Musik etwas anfangen können, was man nicht sagen kann, bevor sie in den Händen der Leute ist. Aber ich glaube an ihren Zauber. Es ist meines Erachtens ein hinreissendes Album. Es ist eine Platte, die mir am Herzen liegt und auf die ich stolz bin - sie ist verdammt noch mal brillant und ich will, dass mir die Leute da zustimmen. Dieses Album soll dasjenige sein, auf das sich die Leute beziehen, wenn sie an Robbie Williams denken: ‹Yeah, Reality Killed The Video Star›.»
Veröffentlichung: 6. November 2009