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Automatische Schnelltelegraphieanlage

überarbeitet am 23.6.2012

Von der Firma Moser - Baer in Sumiswald, gleichenorts existiert heute noch
das Feinmechanik / Elektronikunternehmen Mobatec und der (Zentral-)Uhrenhersteller
Mobatime, wurde in den vierziger Jahren ein Schnelletelegraphiesystem
entwickelt, welches in der Schweizer Armee unter anderem in den schweren Funkstationen
M1K und G1,5K sowie der
C-Station zum Einsatz kam.
In den Vierzigerjahren wurde bei der Rekrutierung des notwendigen Betriebspersonals
für die Grossstationen rasch schmerzhaft klar, dass in Morsetelegraphie ausgebildete
Funker fehlten. Es wurde versucht, die Gebe- und Lesegeschwindigkeit der Soldaten
mit obligatorischen Kursen und sogar Zusatz-WKs zu verbessern, die Lernkurve verläuft
aber nicht allzu steil.
Die Schnelltelegraphieanlage besteht aus einem Streifenlocher SLb, auf dem Texte über eine Schreibmaschinentastatur eingegeben werden und der die Morsezeichen (nach dem Wheatstone-Verfahren: Punkt = zwei einander gegenüberliegende Stanzlöcher auf beiden Seiten der Transportperforation, Strich = zwei um einen Schritt versetzte Stanzlöcher) auf einen Lochstreifen stanzt.
Der Lochstreifen wird in den Geberkopf des Tastgeräts GS200b eingeführt, dort abgetastet und das so generierte Morsesignal auf das Tastrelais des Senders oder einen Mikrophoneingang (A2) gegeben.
Auf der Empfangsseite wird das Morsesignal vom Empfängerausgang auf das Schreibgerät SR200b gegeben, vom welchem die Zeichen auf Papierstreifen gedruckt wurden. Die Streifen konnten in einen mechanischen Streifenzieher eingelegt werden, beim Druck auf ein Pedal wurde der Streifen zum Ablesen am Auge des Funkers vorbeigeführt, dort wurde die Nachricht auf ein Telegrammformular niedergeschrieben. Die ganze notwendige Chiffrierung / Dechiffrierung musste manuell mit Chiffriermaschinen oder manuellen Chirffrierverfahren erfolgen.
Von der Anlage wurden 1947/49 eine erste Tranche von 60 Geräten und 1949/51 weitere zwölf Geräte beschafft, 1954 wurde sie durch einen Umsetzer CCITT nach Morsecode erweitert, um auch Lochstreifen aus Fernschreibern verarbeiten zu können. Mit Einführung des Eintonkombinationsschreibers ETK-R 55 wurde die Schnelltelegraphie 1958 ausser Dienst gestellt.
© Martin Bösch 23.6.2012