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Beat Guggisberg: Die Allianz hat weltweit viele Projekte mit ähnlichen Deckungssummen versichert. Sechs Milliarden Franken waren als ursprüngliche Bausumme geplant, Projektänderungen, neue Wünsche der Bauherrschaft und auch die Teuerung haben dann daraus elf Milliarden gemacht. Versicherungstechnisch ist jedoch der so genannte PML, der Possible Maximum Loss, von grösserer Bedeutung. Also der grösstmögliche Einzelschaden, den es zu versichern gilt.
Das war ein Brandszenario in der Multifunktionsstelle Sedrun am Fuss eines senkrechten Schachts mit 830 m Tiefe, etwa auf halber Strecke des Tunnels. Wenn dort ein Brand ausgebrochen wäre, wäre das Feuer durch den Vertikalschacht aufgestiegen. Da hätte man nichts löschen können, die gesamten Installationen wären ausgebrannt und das Gebirge durch die Hitze geschwächt worden, so dass aufwändige Sanierungen der Kavernen notwendig geworden wären. Ein solches Szenario hätte einen geschätzten Schaden von 300 Millionen bis 500 Millionen Franken verursacht.
Die schlimmsten Schäden sind immer diejenigen, be denen Personen involviert sind. Bei den Sachschäden war für die Allianz der grösste Einzelschaden, als eine Zugeinrichtung riss, die ein Hochspannungskabel im Schacht bei Sedrun nach oben ziehen sollte. Dieses fiel fast die gesamte Höhe von 830 Metern nach unten und hat dabei Stahlträger verbogen und Lichtleiter, Betonverkleidungen, Fahrstühle und die Installationen am Schachtfuss zerschlagen. Vier Monate dauerte es, bis die Schäden wieder repariert waren. Der Schaden betrug mehr als eine Million Franken.
Beat Guggisberg: Es könnte so sein. Aber die Sicherheitsstandards in der Schweiz sind so hoch, dass man sich als öffentlicher Bauherr nicht exponieren kann. Und Vorschriften, die Menschen schützen, schützen immer auch Maschinen, Anlagen und das Projekt selbst. Doch wenn ich höre, was zum Beispiel auf Grossbaustellen weltweit passiert, wo am Ende des Arbeitstages gezählt wird, wie viele Arbeiter vom Bau wieder zurückkehren - nein, so was wäre bei uns völlig unmöglich.