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Wasserleitungen
Mit dem Wasser der Weiher kann jedoch nur ein kleiner Teil des wasser-bedürftigen Kulturlandes bewässert werden; ein viel grösseres Wasserquantum muss aus entferntem, wasserreichen Gebieten zugeführt werden. Dies geschieht durch die
Wasserleitungen.
Die Wasserleitungen, « Wasserleiten » oder « Wasserfuhren », französisch « Bisses » ( von bief, Bachbett ), werden im Oberwallis auch Suonen oder Sienen genannt, abstammend von « Sühne ». In alter Zeit, als die Bürger zur Instandstellung der Leitungen zusammenkamen, wurden daselbst zugleich auch die Gemeindeangelegenheiten erledigt und Gericht gehalten. So entstand das Wort « Suon », « Siene » und bedeutet den Ort der Sühne oder der Sühneverhandlung.
Blotznitzki führt 1871 für das Wallis 117 grössere Wasserleitungen auf. Rauchen stein 1907 deren 207; jedoch hat auch dieses Verzeichnis keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Jede Leitung hat ihren Namen. Häufig trifft man die Bezeichnung « Die Neue », die « Niwe », das « Niwerch », Namen, die zugleich auf das hohe Alter der Bewässerung hinweisen, denn diese « Neuen » sind stellenweise schon 500 und mehr Jahre alt und vor diesen bestanden und bestehen heute noch ältere Leitungen, die « alten Suonen », die man an vielen Orten findet.
Einige Leitungen seien schon « von den Heiden », d.h. von den Römern, als diese unser Land besiedelt hatten, gebaut worden; so das«Heidenwassep>, das vom Gamsen-gletscher im Hintergrund des Nanztals über den Bergrücken hinter dem Gebüdem führt und das obere Gelände von Visperterminen befruchtet. Etwas höher als das Heidenwasser führte der alte Heiden, der so viel Wasser geführt haben soll, dass man in demselben bequem ein Lagel Schotte habe fortflössen können. Durch einen Felssturz ist der alte Heiden aber zerstört worden; man kann ihn aber heute noch verfolgen. An dessen Stelle wurde später der neue Heiden gebaut.
Manche Leitungen werden den Sarazenen zugeschrieben, die im achten Jahrhundert in das Land drangen und sich im zehnten Jahrhundert hier festsetzten. In Vercorins ob Siders heisst eine Leitung « Bisse de Sarazins ».
In der Geschichte werden die Wasserleitungen im elften Jahrhundert zuerst genannt, die Raspilleleitung im zwölften Jahrhundert, der Bisse de Clavoz in Sitten im dreizehnten Jahrhundert. In Ausserberg existiert eine Urkunde aus dem Jahre 1311, wonach bei der Reparatur einer Leitung aus dem Bietschtal auf einmal zwölf Männer verunglückt sind; das Geschlecht der Jakob er sei bei diesem Anlasse ganz zugrunde gegangen. Man Hess deshalb diese Leitung eingehen und baute das « Niwerch ». Reste der verlassenen Leitung sind aber heute noch vorhanden. Die Laldnerin, die Wissa und das Ulzwasser in Mund werden schon 1312 genannt, dieBellwalderin 1371.
Zerfallene, uralte Leitungen gibt es viele. Die Mehrzahl der Walliser Wasserleitungen datieren aus dem spätem Mittelalter, der berühmte Torrent de Savièse von 1430. Viele grössere Leitungen sind neuern Datums, ein Beweis, dass man die Notwendigkeit der Bewässerung immer mehr würdigte.