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Neue Bergfahrten in den Schweizer Alpen
Zusammengestellt von Ernst Jenny.
Â. Bündner Alpen.
Cimai del Largo, 3188 m. Variante am Westgrat. Ernst Wyss mit Führer Karl Freimann. Ende Juli 1932.
Von der üblichen kurzen Osttraverse in der Südwand des Grates über die Spitzen vorragender Platten zu einem schmalen Felssims. Hier exponierter Griff ( Spitze einer Platte ) und dann noch ca. 3 m zur Gratscharte, wodurch der schwierige Riss links umgangen werden kann. Mitteilung von E. Wyss. Piz Torrone Occidentale, 3351 m ( im Clubführer der Bündner Alpen, IV. Band 1922: 3364 m ). Direkt über die Nordwand zum Gipfel. Ernst Wyss mit Führer Karl Freimann. 17. August 1931.
Der Einstieg in die ca. 400 m hohe Wand erfolgte unterhalb des Colle Rasica, am Fusse eines ca. 40 m hohen Felskopfes in den östlichen Felsen dieses Colles. Diese Stelle wurde erreicht durch Überwinden des Bergschrundes des Colle Rasica, da wo dieser Schrund östlich beginnt, und durch Queren des steilen Eishanges ( ca. 25 m vom Bergschrund zu der oberwähnten Stelle unter dem Felskopf ). Die untersten senkrechten Plattenschüsse der Nordwand sind nicht begehbar, weshalb der Einstieg von der Colle-Rasica-Seite her erfolgen musste. Die ganze Nordwand wird von zwei steilen, fast parallelen Rinnen durchzogen ( von unten nach oben ), von W nach O verlaufend. Die eine Rinne mündet in die Scharte des Nordwestgrates, die andere auf dem Ostgrat, ca. 40 m östlich vom Gipfel. Vom Einstieg querten wir die Nordwand, auf- und absteigend, auf Rissen, zum Teil auch auf gut begehbaren, von unten nicht sichtbaren Bändern. Dabei wurde die westliche der oben erwähnten Rinnen, welche zur Scharte des Westgrates hinaufführt, direkt unterhalb eines von weither sichtbaren Schneeflecks gequert ( im Spätsommer wohl der einzige Schnee in der ganzen Wand ). ( Diese westliche Rinne zur Scharte im Westgrat scheint auch zu ersteigen sein, viel loses Gestein. ) Von diesem Schneeflecken zuerst sehr vorsichtig über Bänder, auf denen grosse, lose Blöcke liegen, in horizontaler Richtung, dann absteigend zu einer vom Fornogletscher aus sichtbaren Felsgrotte, die sich in der östlichen der beiden markanten Rinnen befindet, etwas westlich der Fallirne des Gipfels und ca. im Viertel der ganzen Wandhöhe.Von dieser steilen, mit losen Steinen aufgefüllten Felsgrotte erfolgt der Aufstieg in der Hauptsache durch die erwähnte, zum Ostgrat führende Rinne. Zuerst sehr schwierig, sehr exponiert, über griffarme, plattige Felsen ( schwierigste Stelle des Aufstieges, ca. 40—50 m lang ), dann in mittelschwerer Kletterei direkt die Rinne oder nur wenig davon abweichend hinauf, einmal über eine steile Platte, ca. 9 m lang. Die Rinne kann, wenn kein Eis, zweifellos bis zum Ostgrat verfolgt werden. Wir verliessen die Rinne ca. 2 Seillängen unterhalb des Gipfels in direkter Richtung auf denselben. Wir erreichten den Gipfelblock in mittelschwerer, exponierter Kletterei auf dem Nordwestgrat, nur ca. 15 m vom höchsten Punkte entfernt.
Der Fels ist an den schwierigsten Stellen meist gut, in der Rinne zum Teil loses Gestein. Die Route kann, wenn kein Schnee oder Eis in der Wand, empfohlen werden. Einstieg bis Gipfel 31/2 Stunden mit kurzen Rasten. Mitteilung von E. Wyss.
Piz Fora, 3372 m. Über die Südostrippe. A. Corti, Plinio und A. Bonola.
24. Juli 1928. « Rivista Mensile » 1929, S. 434 u. 437. Piz Malenco, 3438 m. Über den Südwestsporn. A. Corti und Danesi. 9. Juli 1929. « Rivista Mensile » 1929, S. 439—440. Piz Sella, 3523 m. Über das Südwestbollwerk. A. Corti, V. Schiavio und A. Bonola. 7. August 1928. « Rivista Mensile » 1929, S. 33—35. Piz Scerscen, 3967 m. Gerade über die Südwand. A. Corti, A. Bonola und C. Folatti. 11. August 1928. Vgl. Bündnerführer V, S. 178. Piz Bernina, 4055 m.
I. Direkter Aufstieg über die Nordostflanke. Karl Schneider und Franz Singer. 27. Juli 1931. « Die Alpen » 1932, S. 2—14. Mit Wegzeichnung.
II. Durch die Gurgel ( Nordostflanke ) und weiter oben über den Ostgrat. Walther Flaig, Konrad Hupfer und Franz Kühlken. 2. September 1931. « Die Alpen » 1932, S. 17—19. Mit Wegzeichnung.
III. Gerader Anstieg über die Westflanke. T. Graham Brown, Alfred Zürcher mit Alexander Graven und Josef Knubel. 18. August 1930. « Alpine Journal » 42, S. 331—333. Mit Wegbild.
Piz Morteratseh-Piz und Fuorcla Prievlusa-Biancograt-Piz Bernina und Abstieg über dessen Südgrat nach Boval. Überschreitung an einem Tage. Mr. Günther mit Führer Hans Melchior. 2. September 1932. Mitteilung von F. R.
Piz Palü, 3912 m.
I. Durchsteigung der Nordcouloirs zwischen West- und Mittelgrat. François Devantay mit Führern Simon Rähmi und Johann Götte. 2. September 1930. « Die Alpen » 1932, S. 204 und Wegzeichnung S. 207.
II. Durchsteigung der Nordcouloirs zwischen Mittel- und Ostgrat. Willy Dobiasch und Otto Feutl. 15. Mai 1931. « Die Alpen » 1932, S. 204—209. Mit Wegzeichnung.
Corno di Campo, 3234 m.
I. Südostgrat. Aldo Bonacossa und E. L. Strutt. 5. September 1930. « Alpine Journal » 42, S. 335.
II. Über die Südwestkante. W. Flaig, K. Hupfer, Fr. und O. Kühlken. 27. August 1931. Vom Val di Campo ins Val Mera empor und über Steilrasen und Schrofen auf die oberste Rasenkanzel ( Aneroid 2660 m ) dicht südlich der Kante.Von der Rasenschulter führt ein nicht zu verfehlendes Rasen- und Felsband nördlich schräg empor auf die schöne Kante. Wir folgten ihr eine Seillänge und glaubten dann, dem Überhang, der ziemlich höher oben mit hellbrüchigen Felsen droht, in der Westflanke ausweichen zu sollen, wurden aber ziemlich weit abgedrängt. Wir querten eine erste und ( nach einem kleinen Sattel in einer Trennungsrippe ) eine zweite hell- und glattgefegte Steinschlagrinne schräg ansteigend zu einer Rippe westlich davon. Wir folgten kurz der Rippe, querten dann das Oberende der Rinne zurück und wieder auf die Kante empor. ( Es dürfte aber wohl besser sein, der Kante möglichst treu zu bleiben. ) Die Kante schwingt sich in bald steileren, bald flacheren Stufen empor, schärft und türmt sich manchmal gratartig und schwenkt später rechts. Man bleibt am besten fast immer auf der Schneide. So gelangt man auf die flache Schuttrampe unter dem breiten, fast senkrechten, rotwandigen Schlussturm. Man steigt gerade an der Anschlussstelle ein und einige Meter links, dann wieder etwas rechts über eine kleine Rinne und neuerdings links empor auf ein Band ( 25 m hoch ). Auf ihm zunächst fast waagrecht nordwestlich hinaus, dann schräg links empor auf eine Nase und über eine gestufte, kurze Wand auf die breite Geröllstufe unter der zerklüfteten Schlusswand des roten Turmes. Auf der Stufe nach rechts ( Süden ) bis an ihr Ende und empor in die rinnenartige Einbuchtung ( schlechter Fels !), welche die Schlusswand spaltet, bis man sich rechts durch einen Spalt hinter einer losgesprengten Platte emporschieben kann auf die Gratkante. Ihr nach vollends leicht zur Spitze. Mitteilung von W. Flaig.
Pizzo del Teo, 3052 m. Über den Westgrat. W. Flaig, K. Hupfer, Fr. und O. Kühlken. 29. August 1931.
Aus dem Val di Campo auf Pfadspuren empor auf Mottal ( 2520 m ), einen wundervollen Aussichtspunkt. Dann folgten wir dem von Hirten und Jägern öfters begangenen Grat, der Mottal mit dem Westgrat des Teo verbindet. Möglichst am Grat bleiben bis in den breiten Schuttsattel am Gratfuss. Dem steilen Gipfelturm ist ein grosser, spitzer Vorturm und diesem drei kleinere Gratzacken vorgelagert. Diese 3 untergeordneten Zacken umgeht man rechts in der Südwest- und Südflanke auf Rasenbändern; sie leiten um und über die Rippen der drei Zacken in die steile Rasenrinne, die von Südwesten in die Scharte westlich vor dem Vorturm emporführt. Hier beginnt die Kletterei. Man steigt erst gerade, dann schräg links und durch einen kleinen Kamin empor auf die Nordwestschneide des Vorturms. Über sie empor und auf Bändern ganz rechtshin auf seine Südwestkante. An ihr links empor und ( bei einer losgesprengten Gruppe von Blöcken ) rechts in eine Nische, an deren linker glatter Plattenwand man sich emporzieht auf den Gipfelgrat des Vorturms. Wir stiegen nun einige Meter gerade östlich, dann rechts ( südlich ) hinab, bis Bänder wieder links um die östliche Turmkante führten. Man lässt sich an ihr nordseits hinab und ist rasch in der Scharte vor dem Gipfelturm. Gerade und linkshin über seine eingebuchtete Plattenwand empor kommt man nach etwa eineinhalb Seillängen an eine Steilwand und schlüpft links nördlich unter einem Überhang durch auf die linke Kante der Wand hinaus. Über Platten auf die darüber liegende Schulter und auf ihr rechts südlich zum Anschluss an das Dach der Schlusswand, über das man, rechts ausweichend, emporklettert zur Spitze ( 3—3 1/2 Stunden von Mottal ). Mitteilung von W. Flaig.
Piz Pisoe, 3178 m. Über die Südostwand. B. Weishan, H. Frei und Georg Parolini. 11. Juli 1930.
Nach Durchwaten des Clemgiabaches bei der Rüfe von Trigl Aufstieg durch die lange Geröllrinne nördlich Munt dels Vadés bis in den hintersten Grund der meist mit Schnee bedeckten Rinne nahezu in der Fallinie unter der Pisocscharte ( 3 1/2 Std. ). Eine überwölbte Nische, wo schwarze Felsschichten auf rotem Gestein liegen, drängt nach rechts ( nördlich ) aus dem Kar in die Wand auf eine kleine Felsterrasse. Kurze Traverse nach rechts, dann mittelschwere Kletterei gerade hinauf von Terrasse zu Terrasse. Sobald die Flanke etwas flacher wird, hält man schwach nach links gegen den Südgrat, den man auf der ersten Schulter oberhalb der Scharte erreicht ( 1 1/2 Std. ). Weiter auf dem üblichen Weg dem Grat nach zum Gipfel. Mitteilung von Hermann Frei.
( Fortsetzung folgt. )