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Auf den Spuren von ...
Josiane Rovetti, Flugzeugreinigerin
Mit ihren 32 Jahren in der Flugzeugreinigung am Flughafen Genf hat Josiane Rovetti den Wechsel von der Swissair-Ära in jene der Subunternehmen, die weniger auf die Löhne und die Sauberkeit achten, miterlebt. Um gute Arbeitsbedingungen zu verteidigen, hat sie sich in den GAV-Verhandlungenmit Vebego, ihrer neuen Arbeitgeberin, stark eingebracht.
Josiane Rovetti gehört zu jenem Teil der Mitarbeitenden am Flughafen, die das Fliegen möglich und angenehm machen, aber von den Tourist:innen praktisch nicht bemerkt werden, wie auch die Leute beim Gepäck. Für das Personal, das am Flughafen arbeitet, ist dieser eine Art zweites Zuhause. Josiane hat ein Lieblingscafé für gewerkschaftliche Diskussionen: «Aux Bonnes Choses».
Vier Generationen auf dem Flugplatz
Bei der Kollegin in den Sechzigern spürt man eine grosse Nähe zum Flughafen, die sich offensichtlich daraus ergibt, dass ihr Grossvater und ihr Vater im Gepäckverlad gearbeitet haben und ihr Sohn nun bei Swissport angestellt ist. Vier Generationen auf dem Rollfeld bilden eine Familiengeschichte, die eng mit der Fliegerei in der Schweiz und dem Flughafen verbunden ist. Dieser hat 2020 sein 100-jähriges Bestehen gefeiert. In der Zeit der Swissair, die 1931 gegründet wurde, gab es Personalwohnungen nahe an den Pisten. So entstand eine Art «Swissair-Familie», bei der Eltern und Kinder zusammen in einem Quartier lebten und dieselbe Schule besuchten, die sie nicht allzu sehr liebten.
Es gab eine Zeit, da wollte Josiane diesem Flughafenschicksal entkommen und machte eine Lehre als Verkäuferin, der Beruf ihrer Mutter, aber es gefiel ihr wegen der langen Arbeitstage nicht besonders. Als ihre zwei Kinder zur Welt kamen, ging sie während fünf Jahren keinem Beruf nach. Danach schien ihr eine Arbeit jeweils am Abend in der Flugzeugreinigung praktischer. Das ermöglichte nicht nur eine gute Abstimmung mit ihrem Mann, der tagsüber auf Baustellen arbeitete, sondern die besser bezahlte Nacharbeit «lohnte sich auch».
«So habe ich immer nachts gearbeitet, wenn die Flugzeuge in Cointrin ‹schlafen›. Nachts erfolgt die gründliche Reinigung. Die Kissen von den Sitzen entfernen, Gepäckablagen reinigen, Buffets, Toiletten, Staubsaugen usw. Heute ist es eine Schnellreinigung. Weil sie sparen wollen, verlangen die Fluggesellschaften nur das Nötigste. Das Flugzeug soll so wenig wie möglich am Boden stehen. Schnell, schnell», bedauert sie.
Vom Grounding zum Subunternehmen
Von der Anstellung 1990 an dauerte die goldene Zeit bei Swissair für Josiane nur knapp 12 Jahre, dann kam am 2. Oktober 2001 das Grounding. Swissair hob nicht mehr ab. «Kurz vor dem Zusammenbruch wurden wir an Hasco verkauft, dann an ISS. Beim Wechsel zu Hasco sind unsere Löhne gesunken.» In dieser Zeit hat Swissair die Tochterfirma Swissport gegründet, die ihrerseits die Flugzeugreinigung an Hasco und danach an ISS vergab. Zusammen mit ihren Kolleginnen und Kollegen geriet Josiane in diese Spirale der Auslagerung und erlebte die Verschlechterung der Anstellungsbedingungen.
Es folgte eine Phase des «Recht des Stärkeren», in der sich Tochtergesellschaften und Subunternehmen gegenseitig unterboten, um die Aufträge zu erhalten, und sich nicht um die GAV kümmerten. Die Löhne stagnierten.
Nach 20 Jahren bei ISS landete Josiane im Oktober 2021 bei Vebego. Diese Firma gewann die Ausschreibung von Swissport gegen ISS. Dem Personal der Flugzeugreinigung wurde von der Gewinnerin eine Stelle angeboten. Alle Mitarbeitenden konnten mit dem gleichen Beschäftigungsgrad weiterarbeiten, aber das Lohnsystem begrenzt die Altersaufstiege auf sieben Jahre. Für Josiane mit 32 Dienstjahren bedeutete dies eine starke Lohneinbusse. Eine Kündigung kam für sie jedoch nicht in Frage, zumal sie damit eine lange Arbeitslosigkeit riskieren würde.
Josiane ist bereit, für ihre Rechte zu kämpfen, und seit langem in der Gewerkschaft aktiv. Vom VPOD ist sie über Push zu SEV-GATA gekommen. Als Delegierte in der Verhandlungsgemeinschaft hat sie an der Ausarbeitung des GAV Vebego mitgewirkt, den SEV-GATA und VPOD unterschrieben haben und der am 1. April 2022 in Kraft getreten ist. Auch wenn sie wegen der weniger hoch gewichteten Dienstjahre etwas einbüsst, findet sie: «Insgesamt ist der GAV gut. Wir sind nicht schlecht davongekommen.»
In der Freizeit nimmt sich Josiane Zeit für ihre Enkelkinder, kümmert sie sich um ihren Garten, macht Spaziergänge durch die Landschaft und sammelt Pilze. Beim Spiel «Was wärst du?» antwortet Josiane umgehend: «Ein Tier? Ein Hund! Eine Stadt? Keine! Ein Lied? ‹Le France› von Michel Sardou, mit einem Augenzwinkern zur Swissair! Eine Superkraft? Die Kriege stoppen! Ein Kleidungsstück? Ein T-Shirt, das ist gut im Garten. Bequem und ohne Schnickschnack!»
Nach diesen Worten voll Bescheidenheit verlassen wir das «Aux Bonnes Choses» zum Fototermin, den die Reisenden mit Staunen beobachten: eine Flugzeugreinigerin, die vor den Abfluganzeigen posiert. Für einmal steht sie im Rampenlicht.
Yves Sancey / Übersetzung: Peter Moor
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