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Die Auftaktpartie 2024 gegen den FCB bringt das überraschende Aufeinandertreffen mit Benjamin Kololli mit sich, der von 2018 bis 2021 drei Saisons und 92 Partien im FCZ-Dress gespielt hat. In Erinnerung bleiben den meisten wohl die beiden Europacup-Handspenaltys in seiner ersten Saison – sein „Panenka“ im 1/16-Final gegen Napoli und davor der Sprung in den tiefen Graben vor den mitgereiten FCZ-Fans bei seinem Jubel über den Siegtreffer vom Elfmeterpunkt in Nikosia gegen AEK Larnaca. Die Meisterschaftsresultate in Kolollis Zeit erlaubten dann aber keine weiteren Europacup-Teilnahmen. Der Waadtländer mit einem Flair für Kampfsport, der an der Grenze zum Wallis aufwuchs, machte seinen Weg in den Profifussball über Monthey und Sion. Bei Le Mont und Biel etablierte er sich 18 Monate in der Challenge League, worauf eine wenig erspriessliche Leihe zu YB folgte.
Typischer Vertreter der Waadtländer Spielphilosophie
Bei Lausanne-Sport wurde er unter seinem jetzigen Coach Fabio Celestini im Alter von 24 Jahren erstmals Super League-Stammspieler. Die erste Saison endete auf dem Zweitletzten, die zweite auf dem Letzten Platz und somit mit dem Abstieg. Kololli hatte persönlich gute Skorerwerte vorzuweisen und stach in den Match-Zusammenfassungen ins Auge, trug aber gleichzeitig mit seiner ungenügenden Defensivarbeit auch seinen Teil zum Abstieg seines Teams bei. Kololli konnte in der Super League bleiben und stiess im Sommer 2018 zum FCZ. Er traf dabei wieder auf Antonio Marchesano und Mirlind Kryeziu, mit denen er aufgrund der kurzen aber intensiven gemeinsamen Zeit beim FC Biel freundschaftlich-kollegial verbunden war. Ausserdem passte es auch mit dem Trainer.
Die drei Trainer seiner Profikarriere unter denen Kololli die meisten Spiele absolviert hat und die am meisten auf ihn setzten, waren alle Waadtländer wie er: Claude Gross, Fabio Celestini und Ludovic Magnin. Die Affinität zu Kololli hatte bei diesen Coaches aber nicht allein mit dessen Herkunft zu tun. Kololli ist auch ein typischer Vertreter einer gewissen Spielphilosophie, von der diese Trainer überzeugt sind, die aber speziell im Schweizer Umfeld im letzten Jahrzehnt nicht zum Erfolg geführt hat. Sie ist im Gegenteil mit ein Grund, warum Lausanne-Sport trotz grosser finanzieller Mittel weiterhin Mühe hat, den Sprung in die nationale Spitzengruppe zu schaffen. Es ist eine Philosophie mit vielen individuellen Ballkontakten in der schnelle Umschaltsituationen sowohl offensiv wie defensiv eine untergeordnete Rolle spielen. Auch schon im Juniorenbereich ist das Talent der Lausanner Mannschaften fast immer grösser als ihre Resultate glauben machen. Celestini und Magnin sind zudem chronisch immer wieder in denjenigen Phasen am erfolgreichsten, in denen sie aus Pragmatismus von ihrer eigenen Philosophie für ein paar Monate oder für ein bestimmtes Spiel (wie im Fall von Magnin den Cupfinal 2018) abweichen. Celestini hat beim FCB ebenfalls erst mal wenig verändert und ist mit dem Team vor Weihnachten wieder etwas auf die Erfolgsspur gekommen. Nur: Celestini wäre nicht Celestini, wenn er den Pragmatismus nach ein paar Monaten nicht auch wieder beiseite schieben würde.
Seine Rolle beim FC Basel
Die erste Halbsaison Kolollis beim FCZ inklusive Europacup-Auftritte war mit einer Züri Live-Durchschnittsnote von 5,1 noch ordentlich gewesen. Seine Leistungskurve entwickelte sich danach im Jahr seiner Heirat aber in den Keller. Seine mit Abstand besten Leistungen brachte er anschliessend von Mitte Juni bis Mitte Juli 2020, als er nach der Wiederaufnahme der Meisterschaft nach der Corona-Pause vor leeren Rängen die beste Version seiner selbst auf dem Fussballplatz war. Für kurze Zeit sah man einen Kololli, der voll fokussiert das Beste aus sich herausholte. Speziell stark in dieser Phase waren seine Standards. Anschliessend zeigte die Leistungskurve schon während dem Rest der Rückrunde 19/20, und erst recht in der kurz darauf anschliessenden Saison 20/21 schnell wieder nach unten. Seine Auftritte zum Ende seiner FCZ-Zeit in der Rückrunde 20/21 nach seinem Muskelfaserriss unter Coach Massimo Rizzo waren nur schwer erträglich, obwohl er weiterhin Skorerpunkte sammelte. Insgesamt gehört Kololli zu den am tiefsten benoteten Spielern seit es die Züri Live-Auswertungen gibt. Sein Abgang im Sommer 2021 war eine wichtige Grundvoraussetzung für die Traum-Saison danach, wo man wie schon vor der Ankunft Kolollis wieder den Sprung auf einen Europacup-Platz schaffte – und dies sogar als Meister mit deutlichem Vorsprung vor der Konkurrenz.
Mit dem meist auf dem Flügel agierenden Kololli war während seiner Zeit die linke FCZ-Seite ein kontinuierlicher Schwachpunkt, welchen die Gegner noch so gern ausnutzten. Dies lag zur Hälfte an der nonchalanten Defensivarbeit und den Ballverlusten Kolollis, zur anderen Hälfte am bis zur Ankunft Fidan Alitis fehlenden soliden Backup auf der LInksverteidigerposition. Nach seinen zweieinhalb Jahren mit wenig Einsatzzeit und einem weiteren Abstieg bei Shimizu S-Pulse an der japanischen Ostküste ist kein runderneuerter Kololli zum FCB gekommen. Das Stärke- / Schwäche-Profil ist immer noch dasselbe. Links im Mittelfeld ist aktuell Anton Kade gesetzt, mit Gauto als Ersatz. Daher wird Kololli tendenziell eher rechts vor dem ebenfalls neu verpflichteten Vouilloz auflaufen (wobei auch hier Gauto als Alternative in Frage kommt) – oder wie gegen die Bayern in seiner besten Rolle im Sturm, wo Kololli mit seiner Physis den ein oder anderen Ball halten und ablegen kann. Ausserdem vermag der 31-järige näher zum Tor auch seine Abschlussqualitäten eher zum Einsatz zu bringen. Offen bleibt die Frage: wird Kololli wie damals beim FCZ wieder einen ordentlichen Start hinlegen?
Frage zum Spiel: Wie macht sich Kololli gegen den FCZ?
- Er fällt weder positiv noch negativ auf (56%, 20 Votes)
- Er kommt gar nicht zum Einsatz (19%, 7 Votes)
- Der FCZ profitiert von seinen Fehlern (17%, 6 Votes)
- Er spielt eine Top-Partie und entscheidet sie zugunsten des FCB (8%, 3 Votes)
Total Voters: 36
Das neue Jahr startet mit dem Schlussspurt des zweiten Hauptrundendrittels mit vier Partien in zwei Wochen bis zum 4. Februar. Es ist zu spüren, dass sich durch die kurze Pause der Formstand der einzelnen Spieler nicht wesentlich verändert hat. Wer in Winterthur und St. Gallen in Form war, ist es tendenziell immer noch – und sinngemäss für diejenigen, die es nicht waren. Daher kann nach der Resultatbaisse der Vorweihnachtswochen eigentlich gar nichts Besseres passieren, als dass es gleich mit zwei Krachern losgeht. In solchen Partien sind Turnarounds eher möglich. Zuerst steht der Auftakt gegen den FCB und nur eine Woche später gleich das erste Derby an – und dies gerade mal zwei Wochen nach der Übernahme des Stadtrivalen durch die neuen kalifornischen Besitzer!
FCB sucht die Halbpositionen im Strafraum
Der FCB hatte mittlerweile etwas Zeit, sich an den aktuellen Trainer Celestini (Vertrag genauso wie bei Gegenüber Bo Henriksen bis Sommer 2024) zu gewöhnen – und umgekehrt. Der Waadtländer Celestini durfte im Winter mit Nicolas Vouilloz und Benjamin Kololli zwei welsche Kollegen verpflichten, die wahrscheinlich gegen den FCZ zusammen die rechte Seite bilden werden. Beim FCZ spielte Kololli damals meist auf dem linken Flügel. Seine besten Leistungen brachte er allerdings als Sturmspitze – eine Position, auf der er zuletzt auch in Japan und beim FCB im Testspiel gegen Bayern eingesetzt worden ist. Die starke Seite Basels ist aber die linke, was vor allem am aktuell formstärksten Spieler und ex-GC-Akteur Dominik Schmid liegt. Seine Flanken und Eckbälle gilt es zu verhindern / gut zu verteidigen. Letztere werden neu variabler ausgeführt als zuvor: zweiter Pfosten, erster Pfosten oder kurz – mit jeweils Linksfuss Schmid und Rechtsfuss Kololli auf beiden Seiten zu zweit beim Eckball postiert.
Nicht geändert hat sich, dass das Aufbauspiel des FCB auch nach dem Abgang des dafür prädestinierten Andy Diouf im Ligavergleich weiterhin überdurchschnittlich auf Vorstössen mit Ball am Fuss und unterdurchschnittlich auf Passspiel basiert. Auffällig in Strafraumnähe sind die immer gleichen Räume auf den Halbpositionen, die im Strafraum entweder mit vertikalen hohen Bällen oder flachen seitlichen Hereingaben gesucht werden – und in welche die Stürmer vorstossen. Taulant Xhaka ist gesperrt, was für den FCB aber wohl sportlich aktuell kein grosser Verlust ist. Renato Veiga beansprucht unabhängig von der An- oder Abwesenheit des Basler Urgesteins die dominierende Rolle. Seine Selbstsicherheit sah man auch im Testspiel gegen Bayern (1:1). Dass diese Charaktereigenschaft seinem Team aber auch schaden kann, hat sich unter anderem auch schon beim 2:2 im St. Jakob Park gegen den FCZ gezeigt. Der dem FCB-Nachwuchs entstammende Solothurner Leon Avdullahu (19) stopft die Lücken, welche Veiga mit seinem weiten Radius zwangsläufig hinterlässt. Gegen Greuther Fürth im letzten Testspiel gelangen Avdullahu zwei Weitschusstreffer, bei denen allerdings der gegnerische Torhüter Urbig jeweils auch etwas mithalf.
Fokus auf der linken FCB-Seite
Auf der linken Seite sind im Basler 4-4-2 aktuell Dominik Schmid und Anton Kade gesetzt. Rechts könnte es auf das Duo Vouilloz / Kololli hinauslaufen. Der klassische Abwehrmann Barisic und der spielstarke Frei bilden wohl die Innenverteidigung. Van Breemen war zuletzt angeschlagen, Adjetey hat in den letzten Wochen den wohl grössten Sprung nach vorn gemacht und wird früher oder später einen Stammplatz beanspruchen. Der ehemalige BVB-Stamm- und Schweizer Nationalkeeper Marwin Hitz ist zwischen den Pfosten unangefochten. Das Sorgenkind der Rotblauen ist der Sturm. Dies obwohl man talentierte Spieler auf dieser Position seit der Klubübernahme durch David Degen regelrecht “hortet“. Aktuell befinden sich sage und schreibe 11 Stürmer im Kader – letzte Saison waren es insgesamt gar 14. Thierno Barry (21) hat aber auch in den Testspielen trotz weiterer “hundertprozentiger“ Torchancen nur gegen Aarau zum zwischenzeitlichen 1:2 getroffen. Von Djordje Jovanovic (24) hatte man nach dessen letzter Saison mit 22 Toren für Maccabi Tel Aviv sehr viel mehr erwartet. Der in den Europacup-Partien letzte Saison teilweise gute Leistungen zeigende Jean-Kevin Augustin (26) wirkt schon seit längerer Zeit lustlos. Und Roméo Beneys (19) Idealposition wäre eher auf dem Flügel in einem 4-3-3.
Der Ausfall von Condé schmerzt den FCZ sportlich etwas mehr als derjenige Xhakas bei Basel. Mathew und Krasniqi haben sich allerdings in den Testspielen gut aufeinander abstimmen können. Krasniqi erzielte dabei ein weiteres Tor. Tritt der FCZ mit Viererabwehr an, sollte wohl Daniel Afriyie die zweite Achterposition neben Krasniqi einnehmen. Ob er diese dann auch hält, oder sich lieber Richtung Sturmspitze bewegt, hängt auch von der Spielweise des Gegners ab. Das Duo Guerrero / Okita scheint unabhängig von der taktischen Marschrichtung auf der linken Seite gesetzt, wobei bei einer Viererabwehr ohne die seitliche Absicherung Fabio Daprelàs die defensive Stabilität tendenziell leidet. Auf der rechten Seite hat Trainer Bo Henriksen wohl auch im Hinblick auf die offensiv gute linke Seite des FCB gegen den HSV auch mal das Duo Kamberi / Wallner getestet. Nikola Boranijasevic hat kurz vor Weihnachten seine Form verloren und sie scheinbar auch unter dem Christbaum noch nicht wiedergefunden. Zu erwarten und auch zu hoffen ist, dass Junior Ligue in der Rückrunde von Beginn weg eine grössere Rolle einnehmen wird, als noch im Herbst. Allzu viele Rotationen sind von Coach Henriksen aber weiterhin nicht zu erwarten.
In der ersten FCZ-Saisonhälfte 23/24 waren mit Yanick Brecher, Antonio Marchesano und Adrian Guerrero die Leistungsträger aus der Meistersaison 21/22 auffälligerweise die besten regelmässig eingesetzten Akteure. Es waren auch genau diese Spieler gewesen (zusammen mit Blerim Dzemaili und Wilfried Gnonto), welche unter Franco Foda den grössten Leistungseinbruch erlitten hatten – und nun unter Bo Henriksen wieder aufblühen. Mit anderen Worten: spielen Brecher, Marchesano und Guerrero gut, spielt der FCZ gut. Guerrero hat dabei nach seinem verletzungsbedingten Ausfall während vier Partien Mitte der Vorrunde in der 2. Hälfte des Herbstes erst so richtig aufzudrehen begonnen und dabei sein Pendant Nikola Boranijasevic noch überholt, der mit zwei ungenügenden Noten in Winterthur und St. Gallen am Ende noch nachliess. Ebenfalls im oberen Drittel des Notenschnittes befinden sich die beiden Zentrumsspieler Condé und Mathew sowie der in der Winterpause in die U21 versetzte Fabian Rohner. Vor allem aufgrund der ersten Hälfte der Vorrunde sind die Durchschnittsnoten der 1. Halbzeit generell besser als diejenigen der 2. Halbzeit. Allerdings hat sich dieses Verhältnis gegen Ende der Vorrunde eher umgedreht.
Dreierabwehr der schwächste Mannschaftsteil
Die Intensität in den ersten 45 Minuten war im Sommer und Frühherbst die grosse Stärke des FC Zürich gewesen. Man ging immer in Führung und konnte dann meist den Sieg nach Hause bringen. Antonio Marchesano verkörperte diese Spielweise gut. Mit 7,4 war er bisher der Beste in der 1. Halbzeit und hatte dann in der 2. Halbzeit eine um 0,7 tiefere Durchschnittsnote. Dies obwohl er als Einwechselspieler gute Leistungen zeigte. Die schlechteren 2. Halbzeit-Noten stammen von seinen Einsätzen, in denen er in der Startformation stand. Möglicherweise deutet sich hier beim 33-jährigen ein Phänomen an, das bei Blerim Dzemaili ganz ausgeprägt war: über bis zu 45 Minuten in der Lage, die Super League-Intensität mitzugehen und die individuelle Qualität auszuspielen, aber gleichzeitig mit starkem Leistungsabfall und vielen Fehlern bei längeren Einsätzen. Gegen die Wintermonate hin wurde die 1. Halbzeit immer häufiger regelrecht “verschlafen“. In denjenigen Partien, in denen der FCZ in Rückstand geriet, holte er nur ein einziges Mal (gegen Stade Lausanne-Ouchy) noch einen Punkt. In den anderen drei Fällen (Servette (H), Winterthur (A), St. Gallen (A)) wurde ein Niederlage draus. Nikola Katic ist die grosse Ausnahme der Regel. Seine 1. Halbzeiten waren im Schnitt mit 4.3 deutlich ungenügend, die 2. Halbzeit dann aber um gleich 1,2 Noten besser. Der Kroate braucht jeweils eine 45-minütige Anlaufzeit, um richtig in die Partie zu kommen. Von den mehr als 500 Minuten eingesetzten Spielern war ansonsten nur noch Lindrit Kamberi in der 2. Halbzeit leicht besser, als in den ersten 45 Minuten.
Vier Spieler waren im Herbst insgesamt ungenügend: Katic und die drei weniger als 500 Minuten eingesetzten Avdijaj, Bar und Hodza. Alle diese drei Spieler gehören mittlerweile nicht mehr zum (engeren) Kader der 1. Mannschaft. Nach Positionen betrachtet hat der FCZ des Herbstes seine starken Mannschaftsteile im Tor und im Vierermittelfeld mit Boranijasevic – Condé – Mathew – Guerrero. Der schwächste Mannschaftsteil ist die Dreierabwehr – vor allem in defensiver Hinsicht. Mit einem Notenschnitt von 6,0 liegt Fabio Daprelà im Mittelfeld der Noten und ist dabei gleichzeitig der beste Abwehrspieler. Der ehemalige GC- und Lugano-Abwehrmann ist gleichzeitig der Einzige aus der Dreierabwehr, welcher Defensiv eine bessere Note zu verzeichnen hat, als Offensiv. Insgesamt die beste Offensivnote der regelmässig eingesetzten Spieler erzielte Adrian Guerrero mit 7,9. Am anderen Ende der Skala befindet sich Jonathan Okita mit 5,2. Gemeinsam haben die beiden, dass sie meist gute Standards schlagen. Defensiv überzeugte Yanick Brecher (7,4) am meisten mit Nikola Katic (4,4) als dem Gegenstück am anderen Ende der Skala.
Afriyie und Marchesano sollten in der Offensiven Phase häufiger die Position tauschen
Trotz eher durchschnittlicher Abschlusseffizienz von 18% war Jonathan Okita dank der Menge seiner Abschlüsse (55) der beste FCZ-Torschütze der Vorrunde (10). Ignoriert man die beiden Penaltytreffer (mit einer statistischen Trefferwahrscheinlichkeit von rund 75%) hat Okita aus dem Spiel heraus eine Abschlusseffizienz von 15% zu verzeichnen gehabt. Inklusive der beiden Penaltys kommt Okita auf eine Torbeteiligungsquote (inklusive Pre-Assists) von 1,07 pro 90 Minuten. Fabian Rohners, Ivan Santinis und vor allem Antonio Marchesanos Torbeteiligungen pro 90 Minuten waren noch wesentlich höher – wobei Santini einen hohen Anteil Spielminuten in Cup-Partien gegen Unterklassige in der Statistik hat (57%). Auch die wenig eingesetzten und sich im oberen Drittel der Torbeteiligungen pro 90 Minuten befindlichen Avdijaj, Oko-Flex und Hodza haben einen hohen Anteil Spielminuten in Cup-Partien. Bei Santini und Oko-Flex war jeder zweite Abschluss ein Tor.
Von den regelmässig eingesetzten Spielern weiterhin am wenigsten an FCZ-Treffern beteiligt waren Silvan Wallner und Rodrigo Conceição – sogar die Torhüter Yanick Brecher und Zivko Kostadinovic hatten mehr Torbeteiligungen pro 90 Minuten Einsatzzeit. Daniel Afriyie traf im Herbst nur zwei Mal ins Netz (Doppelpack gegen Lugano). Dies lag nicht an der Anzahl Abschlüsse (mit 39 am drittmeisten nach Okita und Marchesano), sondern an seiner geringen Abschlusseffizienz von 5%. Die Torvorbereitung scheint dem Ghanaer besser zu liegen. Defensiv verrichtete er seine Aufgabe auf der 10er-Position zwar meist gut, aber offensiv erzielt er jeweils mehr Wirkung, wenn er über die rechte Halbposition kommt. Dementsprechend könnte es Sinn machen, dass beispielsweise Afriyie und Marchesano beim Umschalten von Defensive auf Offensive häufiger die Position tauschen würden.
Condé und Conceição treffen das Tor nicht
Jonathan Okita war bisher in dieser Saison an 122 Abschlüssen beteiligt. Dahinter folgen Antonio Marchesano (97), Ifeanyi Mathew (94), sowie Adrian Guerrero und Nikola Boranijasevic (je 88). Cheick Condé und Rodrigo Conceição haben mit 15 am meisten Abschlüsse abgefeuert ohne dabei einen Treffer erzielt zu haben.
Vier Testspiele waren geplant, drei wurden schlussendlich durchgeführt. Das letzte gegen den FC Aarau wurde relativ kurzfristig der U21 zugeteilt und unmittelbar vor Spielbeginn auf den Kunstrasenplatz neben dem Haupt-Trainingsplatz verlegt. Der FC Aarau konnte sich aber letztendlich nicht beklagen, aufgrund dieser Umstellung zu wenig gefordert worden zu sein. Die U21 nahm die unverhoffte Chance, einen Tag vor dem eigentlich geplanten Testspielauftakt (FC Muri) gegen einen Challenge League-isten testen zu dürfen, dankend an und legte sich ins Zeug. In der Anfangsphase musste der neue U21-Coach Ricardo Moniz vom Schiedsrichter gar zwei Mal ermahnt werden, weil er sich über gegen den FCZ ausgefallene Fifty-Fifty Entscheidungen so enerviert hatte, als würde es sich um ein entscheidendes Meisterschaftsspiel handeln. Aarau-Coach Alex Frei beschwerte sich: „Das ist ein Testspiel!“. Moniz regte sich aber auch über zu langsam ausgeführte Abstösse seines Teams auf. Die U21 hatte während der ganzen Partie die Spielkontrolle, erst mit viel hohem Pressing, dann ab der 30. Minute vermehrt mit Ballbesitzspiel.
Schon in St. Gallen erstmals Umstellung auf Viererabwehr
In der 2. Halbzeit kam der frisch verpflichtete 18-jährige Joseph Sabobo Banda zu seinem U21- Début. Viel Einfluss aufs Spiel hatte er noch nicht, aber seine Schnelligkeit und Gewandtheit am Ball liess er wie schon im Mai am Blue Stars / FIFA Youth Cup, als er zum Turniersieg des FC Zürich beitrug, aufblitzen. Mit grosser Wahrscheinlichkeit wird Sabobo die kommenden Partien erst mal mit der U21 in der Promotion League bestreiten. Fabian Rohner agierte im 4-2-3-1 als Sturmspitze und bereitete die ersten beiden Tore vor (das zweite mit Ballgewinn im Pressing und Di Giusto-Schuss in den rechten Kranz). Der in der 1. Mannschaft ebenfalls aus Rang und Traktanden gefallene Arad Bar erzielte zwei Weitschusstore. Neben ihm begann auf der Doppel-Sechs der 17-jährige Cheveyo Tsawa beobachtet von der Trainerbank unter anderem von dessen Vater Dorjee (Konditionstrainer). Tsawa wechselte vor anderthalb Jahren als Stammspieler der Schweizer U17-Nationalmannschaft vom FC St. Gallen zum FCZ.
Auch im Trainingslager in Spanien agierte der FCZ jeweils mit Viererabwehr. Dies nachdem man die ganze Vorrunde im 3-4-3 (mit Ball) / 3-4-1-2 (gegen den Ball) gespielt hatte. Im letzten Spiel vor der Winterpause gabs im Verlauf der 2. Halbzeit erstmals den Wechsel auf die Viererabwehr während der Partie, was dem FCZ für die Schlussphase Vorteile brachte, die sich letztendlich aber nicht in Tore ummünzen liessen. Der Vorteil bestand dabei nicht per se in einer “besseren“ taktischen Formation, sondern darin, dass St. Gallen auf die überraschende Umstellung während der Partie nicht adäquat reagieren konnte. Coach Bo Henriksen nannte denn auch die höhere Variabilität als Grund für das Einüben der neuen taktischen Variante in der Wintervorbereitung. Funktioniert hat die neue Taktik in den Testspielen allerdings nicht wirklich. Am Augenscheinlichsten waren die Probleme im Spiel gegen den Ball: Trigger-Momente, Deckungsschatten und Koordination der Laufwege hatte man noch gar nîcht im Griff – ganz im Gegensatz zu den sehr gut eingespielten Abläufen im bisherigen System. Die Testgegner vermochten die Linien des FCZ einfach zu überspielen. Dazu kamen individuelle Fehler in der Viererkette von Nikola Katic oder Adrian Guerrero aus dem Spiel heraus, oder Silvan Wallner und Ramon Guzzo bei gegnerischen Standards.
Von den Flügelpositionen kommt wenig
Bei zwei statt drei Innenverteidigern in der Viererabwehr treten die Schwachpunkte auf dieser aktuell am schwächsten besetzten Position des Kaders noch stärker zutage als dies bereits mit Dreierabwehr in der Herbstrunde der Fall gewesen war. Spielt man mit den beiden erfahrenen aber langsamen Katic und Daprelà? Oder besetzt man eine der beiden Positionen mit einem etwas schnelleren Kamberi oder Wallner, hat dafür dann aber Probleme bei hohen Bällen? Die defensiven Schwächen Adrian Guerreros und Nikola Boranijasevics werden bei einer Viererabwehr ebenfalls offensichtlicher. Gegen den HSV rückte Kamberi auf die Rechtsverteidigerposition und Wallner half vorne im Pressing auf einer Linie mit Marchesano, Afriyie und Okita. Auf der linken Seite scheinen hingegen auch in diesem System Guerrero und Okita gesetzt zu sein. Speziell von Okita müsste wenn es dann wieder los geht mehr kommen. Nach seinem Top-Auftritt gegen Luzern fiel er kurz vor der Weihnachtspause in Winterthur und St. Gallen in ein Loch – und ist noch nicht daraus herausgekommen. Ganz allgemein hat sich der Formstand der Spieler durch den kurzen Unterbruch im Vergleich zu den letzten Vorweihnachtspartien nicht wesentlich geändert.
Durch die Sperre Cheick Condés zum Auftakt gegen den FCB am kommenden Sonntag wurde in der Vorbereitung im Zentrum das Duo Mathew / Krasniqi forciert. Das gegenseitige Verständnis der beiden war dabei ziemlich gut. Daniel Afriyie sollte dabei wohl jeweils im Vergleich zur Herbstrunde noch mehr zurückgezogen auf der zweiten Achterposition neben Krasniqi agieren, tat dies allerdings nur in der 2. Halbzeit gegen den HSV. Davor spielte der Ghanaer deutlich weiter vorne als zweite Spitze, wodurch sich jeweils auf dem Platz ein 4-4-2 / 4-2-4 ergab. Als die “zweite Garde“ gegen Hannover antrat, war hingegen das 4-3-3 von Beginn weg ersichtlich. In der 2. Halbzeit gegen den HSV wurde aus diesem de facto aufgrund des stärkeren Gegners meist ein 4-1-4-1. Von den Flügelpositionen kam in den Tests wenig. Neben Okita gilt dies auch für Marchesano, Nils Reichmuth, Oko-Flex oder Bajrami.
Die Bilanz der Jungen: offensive Akzente, defensive Schwächen
Vorne zentral spielten neben dem vorgerückten Afriyie jeweils Ligue, Marchesano oder Santini. Das 18-jährige Eigengewächs Ligue konnte sich dabei vor allem dank einzelner gelungener Aktionen im Zentrum und auf dem Linken Flügel durchaus empfehlen. Allerdings war seine Defensivarbeit noch verbesserungswürdig und offensiv waren die wenigen Aktionen durch längere Pausen getrennt. Von den weiteren eingesetzten jungen Spielern machte Nils Reichmuth das, was er am besten kann – nämlich Tore schiessen. Kaum ein anderer Spieler im FCZ-Kader ist im Strafraum so abschlussstark. Dies musste auch der beim FCZ ausgebildete Gegenspieler Miro Muheim (HSV) beim 2:2-Ausgleich im Testspiel erkennen. In der Vorbereitung des Tores hatte sich Ligue zentral vor dem Strafraum gegen Luis Seifert (19) aus der Hamburger Reserve durchgesetzt. Um sich beim FCZ in der 1. Mannschaft durchsetzen zu können, reicht für Nils Reichmuth die Abschlussstärke allein allerdings nicht. Sein jüngerer Bruder Miguel spielte gegen Hannover ebenfalls durch, konnte sich dabei zwar spielerisch behaupten, aber wie so häufig in der U21 ohne viel Effektivität.
Labinot Bajrami wurde jeweils auf den Rechten Flügel eingesetzt, was nicht seine Idealposition ist und vergab gegen Hannover kurz vor Schluss eine von Ligue gut vorbereitete Grosschance. Ihm sind aber sicherlich auch auf Super League-Niveau Tore zuzutrauen. Als Steigerung zum ausgeprägten Linksfuss Nils Reichmuth ist Bajrami mit beiden Füssen und auch per Kopf aus praktisch allen Lagen torgefährlich. Als ähnlicher Spielertyp wie Ivan Santini sollte er eigentlich gegenüber diesem mittlerweile den Vorzug erhalten. Armstrong Oko-Flex scheint noch etwas stark auf seine Eins-gegen-Eins Situationen auf dem Flügel fokussiert zu sein. In Strafraumnähe fehlt es dann meist an der Qualität beim letzten Pass oder Abschluss. Er ist seit seiner Ankunft noch nicht viel weiter gekommen, was allerdings auch etwas am unverrückbar scheinenden Status von Jonathan Okita als Stammspieler unter Bo Henriksen liegt. Silvan Wallner und vor allem auch Ramon Guzzo vermochten sich in den Testpartien nicht zu empfehlen. Es fehlt beiden weiterhin etwas an Stabilität und defensiver Verlässlichkeit. Wallner kann immerhin seinen Speed in die Waagschale werfen und gehört immer noch zu den Kaderspielern, die Henriksen für bestimmte Aufgaben berücksichtigt. Guzzo sah sowohl bei gegnerischen Standards wie auch bei Kontersituationen bei den Gegentoren gegen Hannover schlecht aus.
Wie kamen die Ergebnisse zustande?
Sebastian Walker (18) kam gegen Hannover zu einem Kurzeinsatz, machte einen besseren Eindruck ohne aber gleich glänzen zu können. Dies tat er dann phasenweise bei seinem späteren Teileinsatz mit der U21 zu Hause gegen Aarau. Wie kamen die Resultate gegen Saarbrücken (2:1), Hannover (0:4) und den HSV (2:2) zustande? Gegen Saarbrücken zeigte sich ein deutlicher Qualitätsunterschied. Der FCZ machte dabei wohl vor allem aus Müdigkeit etwas wenig daraus. Gegen Hannover spielte beim FCZ der zweite Anzug, verstärkt mit Condé. Gegen diesen Gegner spielte aber vor allem eine entscheidende Rolle, dass dieser in der Pause die ganze Mannschaft wechselte und in der 2. Halbzeit mit deutlich frischeren Beinen dem FCZ um die Ohren lief. Die ersten zwei Tore fielen durch schlecht verteidigte Eckbälle, die zweiten zwei über schlecht verteidigte Konter. Der HSV war in der 1. Halbzeit klar besser und der FCZ mit dem Pausen-1:1 gut bedient. In der 2. Halbzeit liessen die Hamburger nach und der FC Zürich hatte leichte Vorteile auf seiner Seite.
Krasniqi spielt gern und gut im Kybunpark gegen St. Gallen / FCSG – FCZ Analyse mit Randnotiz: Steigerung im letzten Monat 2023
Der FCZ beginnt die Partie gut, macht mit hohem Pressing von Anfang an viel Druck, spielt schnell, präzise und ist auch in der 2. Halbzeit die bessere Mannschaft. In der 24. Minute hat Jordi Quintilla Glück, dass er für ein Foul mit der Sohle voran gegen Condé nicht vom Platz fliegt. Vor einem Jahr hat Schmidt gleichenorts für eine eher etwas harmlosere Aktion gegen Gnonto Rot gesehen. Nach Spielunterbrüchen wird das zweite Spielviertel hingegen fast komplett durch St. Gallen dominiert – und in dieser Phase fällt auch der einzige Treffer der Partie. Die Grünweissen kontern im eigenen Stadion erfolgreich. In den ersten 45 Minuten kommt der FC Zürich nur zu zwei Abschlüssen. Die Partie insgesamt ist zwar so intensiv wie immer zwischen diesen beiden Kontrahenten, aber es entstehen auf beiden Seiten unter dem Strich weniger Torchancen als üblich. Der FCZ hat nach Erwarteten Toren zum ersten Mal seit der 0:2-Heimniederlage gegen Servette weniger (gute) Torchancen als der Gegner. In der 2. Halbzeit stellt der FCZ das Heimteam durch die Umstellung auf ein 4-2-3-1 allerdings vor Probleme. Zum Ausgleich reicht das aber nicht mehr.
Anfang Saison ging der Game-Plan besser auf
Nachdem man mit Fokus des Energie-Managements auf die 1. Halbzeit zu Beginn der Saison viele Punkte geholt hat, wich der FCZ von diesem erfolgreichen Game-Plan im weiteren Verlauf unverständlicherweise ab und setzte mehr auf die 2. Halbzeit, in welcher sich aber die Aufholjagd jeweils schwierig gestaltete. Die beiden besten Zweiten Halbzeiten der bisherigen Saison hat der FCZ zuletzt in der letzten Wettbewerbswoche 2023 gegen Luzern und nun in St. Gallen an den Tag gelegt. Insgesamt reichte das aber nur zu einem Punkt aus drei Partien. Im Spiel ohne Ball hat sich das Henriksen-Team im Vergleich zur Partie in Winterthur klar gesteigert – mit der drittbesten Defensivleistung der bisherigen Saison (nach dem 0:0 in Bern und dem 3:0 gegen Lugano). Offensiv war der Auftritt hingegen schlechter als zuletzt gegen Winterthur, Luzern und YB. Vor allem von Okita, Afriyie und Boranijasevic kam in dieser Hinsicht im Kybunpark zu wenig. St. Gallen konnte sich auf seine Mittelfeld-Leistungsträger Quintilla, Nati-Kandidat Witzig und Görtler verlassen – und auf den gegen die Winterpause hin immer besser in Form kommenden Akolo. Auf der 10er-Position (aktuell vom eher blassen Toma besetzt) hat das Zeidler-Team hingegen den Abgang von Victor Ruiz vor 18 Monaten immer noch nicht adäquat ersetzen können. Mit dem Spanier im Kader wäre St. Gallen wohl Wintermeister.
Highlights – Wieder sone Daprelà-Aktion
Personalien – Ein oder zwei Einsätze zu viel für Boranijasevic am Ende der 1. Saisonhälfte
- Nikola Boranijasevic: Im Nachhinein gesehen hätte er besser nicht in der Startformation gestanden. In der Partie zuvor in Winterthur erstmals in dieser Saison ungenügend, unterlief dem Serben ein miserables zweites Viertel der Partie, welches gleichzeitig auch die einzige Phase war, in welcher St. Gallen die Überhand gewann. Beim einzigen Gegentor verschätzte sich Boranijasevic beim Ball von Görtler auf Witzig gleich doppelt: erst dachte er fälschlicherweise, er könne das hohe Zuspiel in die Tiefe direkt in der Luft erreichen, dann brach er seinen Lauf an die Grundlinie ab, weil er davon ausging, dass Witzig den Ball nicht im Spiel halten könne. Den Freistoss zu dieser Szene hatte ebenfalls Boranijasevic ohne Not verursacht. Zudem war Boranijasevic zu grossen Teilen am „Brummschädel“ von Marc Hornschuh Schuld. Er hatte einen Ball an der Grundlinie anstatt ins Seitenaus zu schlagen direkt in die Füsse von Witzig gespielt, worauf Hornschuh sich heroisch in den Schuss Witzigs warf und ausgewechselt werden musste.
- Fabio Daprelà: Solide, aber hat wenig Einfluss aufs Spiel. Konnte nach mehreren kleineren Verletzungspausen zum Ende der 1. Saisonhälfte nicht mehr die Form vom Saisonstart erreichen.
- Ifeanyi Mathew: Lässt den Ball in mehreren Aktionen schnell weiterzirkulieren und ist somit an gefährlichen FCZ-Aktionen beteiligt. Versucht es selbst zwei Mal aus der Distanz, darunter in der 58. Minute aus 58 Metern.
- Adrian Guerrero: Standards und Flanken nicht so gut wie üblich, trotzdem weiterhin einer der Besten im Team.
- Cheikh Condé: Speziell am und im eigenen Strafraum ungewöhnlich häufig unaufmerksam. Läuft unter anderem vor dem Gegentor Görtler von der falschen Seite her an, weil er dessen vorherigen Blick Richtung Witzig übersieht.
- Jonathan Okita: Gegen St. Gallen muss man handlungsschnell sein, was Okita fehlt. Seine Standards sind weiterhin gut, aber ansonsten bringt er offensiv nichts zustande.
- Antonio Marchesano: Bringt mit seiner Einwechslung wie so häufig die Maschine des FCZ wieder besser zum Laufen. Kommt aber erst in der Nachspielzeit zu seinem ersten Abschluss.
- Nikola Katic: Wie üblich wieder mit einer schlechten 1. Halbzeit und einer klaren Steigerung in der 2. Halbzeit – im Gegensatz zum Winterthur-Spiel, wo es ausnahmsweise umgekehrt war. Hat in der 1. Halbzeit vor allem Mühe mit den schnellen St. Galler Kontern.
- Bledian Krasniqi: St. Gallen als Gegner und speziell der Kybunpark liegen ihm. Vor einem Jahr beispielsweise war Krasniqi hier ebenfalls mit einer Note “10“ der beste Spieler beim FCZ. Kommt in der Anfangsphase über Engagement und Kampf ins Spiel. Kann sich und seine Mannschaft mit Drehungen mit Ball, Tempodribblings und präzisen Zuspielen immer wieder hervorragend aus der gegnerischen Umklammerung lösen und Torchancen erarbeiten. Spielt in der 1. Halbzeit rechts im Sturm, nach der Auswechslung Afriyies in der 2. Halbzeit dann auf der 10er-Position.
- Marc Hornschuh: Nach seinem unglücklichen Einsatz beim “Hinspiel“ im Letzigrund diesmal defensiv bester Mann beim FC Zürich. Hat einen grossen Anteil daran, dass St. Gallen nach der Pause nicht wie gewollt Druck machen kann – und hält so den FCZ weiter im Spiel. Sein grosser Einsatz für die Mannschaft kann kaum besser illustriert werden, wie mit der Szene in der 59. MInute, als er nach einem Fehler Boranijasevics ohne zu zögern mit Tempo dem im Strafraum völlig frei an den Ball kommenden Witzig entgegeneilt (der durch einen Blitzsprint Krasniqis von der anderen Seite zusätzlich unter Druck gesetzt wird). Witzig muss so schneller abschliessen als gedacht, und trifft mit seinem Drehschuss Richtung rechte obere Torecke Hornschuh an der Schläfe.
- Selmin Hodza: Hat seine Rolle als Einwechselspieler gut ausgefüllt, vor allem als er rechts in einer Viererabwehr spielen konnte, wo er sich am wohlsten fühlt. Ob er aber auch ein Mann für die Startformation sein kann, scheint eher fraglich. Die Konstanz und defensive Solidität ist beispielsweise ein Problem.
- Nils Reichmuth: In Winterthur kam er auf der 10er-Position rein, in St. Gallen agiert Reichmuth auf der Doppel-6 neben Ifeanyi Mathew. Holt im Mittelfeld den Freistoss heraus, der in der 96. Minute zur letzten Torchance des FCZ durch Marchesano führt.
Randnotiz – FCZ-Steigerung im letzten Monat 2023 wird mit zu wenigen Punkten belohnt
Die Entwicklung der Erwarteten Tore und Erwarteten Gegentore bildet die tatsächliche Leistung eines Teams noch etwas akkurater ab, als nur Tore und Gegentore. Auf der Grafik von Footballytics ist ersichtlich, dass der FCZ offensiv und defensiv einen sehr guten Saisonstart hinlegte. Der mittlere Teil der Vorrunde war dann eher unterdurchschnittlich, vor allem weil man (unter anderem durch die Absenz Daprelàs) defensiv nicht mehr so sicher stand wie zu Beginn. In dieser Phase war die Punkteausbeute besser als die Leistungen. So blieb man bis Anfang November ungeschlagen! Im letzten Wettbewerbsmonat gab es defensiv und vor allem offensiv wieder eine Steigerung, die sich aber nicht entsprechend in Punkten ausdrückte. Dies deckt sich mit der Entwicklung der Züri Live-Noten. Die Partien gegen YB (3:1), Luzern (1:1) und Winterthur (1:2) gehörten gemessen an der Notengebung zu den offensiv besten der bisherigen Saison. Die Spiele gegen YB, Luzern und St. Gallen (0:1) waren defensiv unter den besten. Ein Spiel wie gegen Luzern gewinnt man neun von zehn Mal. In Winterthur war die Defensivleistung unterdurchschnittlich, in St. Gallen die Offensivleistung.
Der FC St. Gallen war die ganze “Vorrunde“ lang als einziges Team immer (klar) im “Grünen Bereich“ und müsste eigentlich die Leaderposition inne haben. Die zweitbesten Leistungen hat (trotz Europacup-Engagement) Servette erbracht. YB’s xG / xGa-Statistik ist hingegen durchschnittlich. Die Berner lebten bisher stark von ihrer Effizienz im Abschluss. Yverdon lag die ganze 1. Saisonhälfte hindurch im “Roten Bereich“, in welchem sich auch Stade Lausanne-Ouchy und der FCB fast ausschliesslich bewegten.