Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03650.jsonl.gz/1852

Es ist der Traum jedes Fotografen: David Carlier hat ein Bild geschossen, das bald alle in Händen halten werden. In den frühen Morgenstunden eines Septembertags im Jahr 2014 stieg Carlier im Wallis die Berge hoch, um während des Sonnenaufgangs die 1448 errichtete Suone von Ayent zu fotografieren, eine der längsten historischen Wasserleitungen des Kantons.
Die spektakuläre Fotografie war bereits im Schweizer Pavillon an der Expo Mailand zu sehen – und hat offenbar auch die Aufmerksamkeit der Schweizer Nationalbank (SNB) auf sich gezogen. Diese will nämlich Ausschnitte davon für die neue 100-Franken-Note benutzen, die 2019 in Umlauf gebracht werden soll.
Allerdings: Gefragt, ob sie das Bild benutzen darf, hat die SNB Carlier nie, wie dieser in der Zeitschrift «L’Illustré» klagt. Und ihn auch nicht finanziell entschädigt.
Muss sie auch nicht, findet die Nationalbank. «David Carlier ist nicht der Fotograf des für die neue 100-Franken-Note verwendeten Bildes», sagt SNB-Sprecher Walter Meier. Über den Namen des engagierten Fotografen macht die SNB jedoch keine Angaben. «Alle Rechte am Foto wurden der SNB übertragen. Zudem bestand die Idee der Verwendung der Suone von Ayent für die 100er-Note schon vor der Entstehung des Fotos von David Carlier im September 2014.»
Der Fotograf sieht das jedoch anders: «Vergleicht man meine Fotografie mit dem Sujet auf der Website der Nationalbank, sieht man, dass es exakt aus demselben Winkel aufgenommen wurde», sagt Carlier. Für seine Aufnahme sei er in eine Schlucht hinuntergestiegen und habe seine Kamera zwischen zwei Bäumen installiert. «Es wäre schon ein wahnsinniger Zufall, wenn ein von der Bank beauftragter Fotograf identisch gearbeitet hätte.» (bau)Publiziert am 16.11.2016 | Aktualisiert am 18.11.2016