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Paul Charbonneau ist Professor an der Fakultät für Physik der Universität Montreal, Kanada, wo er eine Forschungsgruppe für Sonnenphysik leitet. Er ist ausserdem Forschungsmitglied am High Altitude Observatory, der Abteilung für Sonnen- und Erdwissenschaften des National Center for Atmospheric Research in Boulder, Colorado, USA. Als ausgebildeter Astrophysiker fokussierte er seine Forschungsarbeiten in den vergangenen zwanzig Jahren auf physikalische Mechanismen, die der Sonnenaktivität zugrunde liegen, sowie deren Auswirkungen auf die Erdatmosphäre und den Weltraum.
Vortragsthemen:
1. Was ist Weltraumwetter und warum wir uns dafür interessieren sollten
2. Interaktionen zwischen Sonne und Erde: eine historische Betrachtung
3. Sonnenaktivität und Klimawandel
Von 1991 bis 2002 war Charbonneau Mitglied des Wissenschaftlerteams am National Center for Atmospheric Research, wo er seine Computerkenntnisse für eine ganze Reihe anspruchsvoller Forschungsfragen einsetzte: interne Struktur und Rotation der Sonne, Dynamoprozess des Sonnenaktivitätszyklus und Phänomene der Sonneneruption. Als ausserordentlicher Professor am Astrophysical and Planetary Sciences Department der Universität Colorado in Boulder gab er Kurse in Sonnenphysik für höhere Fachsemester. 2002 übernahm er einen Lehrstuhl an der Universität Montreal, wo der die grösste Forschungsgruppe für Sonnenphysik in Kanada aufbaute und seine Forschungstätigkeit auf die Voraussage von Sonneneruptionen, die Untersuchung der Variabilität der Sonnenstrahlung und deren Auswirkungen auf die Stratosphäre erweiterte.
2010 gelang seiner Gruppe die erste globale magnetohydrodynamische numerische Simulation einer solaren Konvektion, die der Sonne ähnliche Magnetkreise generierte.
Charbonneau ist ein Pionier bei der Einführung neuester computergestützter Techniken in die astrophysikalische Forschung, wie genetischer Algorithmen und netzwerkbasierter Lawinenmodelle. Ein übergreifendes Thema seiner Arbeit ist das Verstehen von natürlicher Komplexität, insbesondere der Art, wie komplexe physikalische Systeme, die von relativ einfachen dynamischen Prozessen auf der Stufe ihrer eigenen Komponenten und physikalischen Gesetze regiert werden, zu einem aufstrebenden globalen Verhalten führen können, das nicht durch einen reduktionistischen Ansatz vorweggenommen werden kann.
Charbonneau sitzt derzeit in den Redaktionsausschüssen der Forschungsmagazine Solar Physics und Space Science Reviews und wird regelmässig in Organisationskomitees bedeutender internationaler Forschungstreffen auf dem Gebiet der Sonnen- und Weltraumphysik eingeladen. Er gab Vorlesungen bei weltweit führenden Weiterbildungen, namentlich der Saas Fee Advanced School der Schweizer Gesellschaft für Astrophysik und Astronomie (2009) und der NASA Heliophysics Summer School (2009 und 2014). Er hat umfassende Zeitschriftenartikel zum solaren Dynamo und magnetischen Aktivitätszyklus verfasst und ist Autor von über hundert technischen Beiträgen in führenden Forschungsmagazinen. Zurzeit schreibt er an einer technischen Monografie zu komplexen Systemen und einem Buch zum Thema Sonnenaktivität und Klimawandel für das breite Publikum, das kurz vor dem Abschluss steht. Seine Skripte für Saas Fee wurden vom Springer Verlag veröffentlicht.
Charbonneau hat unzählige öffentliche Vorträge in Zusammenhang mit seiner Forschung gehalten. Zu seinem Publikum gehören sowohl Kinder der Grund- und Mittelschule als auch Studierende der Geisteswissenschaften, Amateurastronomen sowie Studierende und Fachleute aus allen Bereichen der Wissenschaft und Technik. Als erfahrener, preisgekrönter Dozent bemüht er sich, sein Wissen zur Weltraum- und Sonnenphysik einem breiten Publikum nahezubringen, wobei er sich auf den gesunden Menschenverstand und alltägliche Erfahrungen bezieht.