Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03613.jsonl.gz/81

Raffles Hotel Vier Jahreszeiten
*****
Das Grandhotel in Hamburg - Geschichte und online Reservation
Artikel vom 22. Januar 2004
Das Raffles Hotel Vier Jahreszeiten in
Hamburg ist ein Grand Hotel im traditionellen Stil mit langer Geschichte. Es wurde im Frühjahr 1897
vom schwäbischen Gastronom Friedrich Haerlin als "Vier
Jahreszeiten" gegründet. Er hatte das in Konkurs gegangene schmale Haus
mit zwölf Zimmern und einem Restaurant am 24. Februar 1897, seinem 40.
Geburtstag, ersteigert. Seit wann das Vorgängerhotel am
Neuen Jungfernstieg 11
existierte, ist nicht bekannt.
Friedrich Haerlin hatte das Hotel für 420,100 Mark ersteigert, in der
Absicht, nochmals 30,000-40,000 für die Renovierung, neue Möbel und Gardinen
auszugeben. Doch die Hamburger Behörden machten ihm einen Strich durch die
Rechnung. Nach der Choleraepidemie von 1892, die über 8000 Menschen das Leben
gekostet hatte, waren sie pingelig geworden. Die sanitären Einrichtungen des
Hotels seien ungenügend. Der Umbau verschlang schlussendlich 100,000 Mark.
Während der Arbeiten kam der Hotelbetrieb wegen dem Dreck und Lärm fast zum
Erliegen. Zudem wurde Haerlins Frau zum vierten Mal schwanger und konnte ihn
bald nicht mehr voll unterstützen. Sohn Fritz kam am 28. November zur Welt.
Glücklicherweise hatte Friedrich Haerlin genügend Erspartes und kam so nicht
in finanzielle Bedrängnis. Mit dem neuen Komfort war sein Hotel immer öfter
ausgebucht. Doch da ihm sein Makler keine Hoffnung machte, jemals in der
Nachbarschaft ein Haus zur nötigen Vergrösserung kaufen zu können, bot
Haerlin sein Hotel zum Verkauf an. Er wollte zurück in die Schweiz, wo er ein
geachteter Mann war. Unter den Interessenten war allerdings niemand, der
zumindest eine substantielle Anzahlung auf den Tisch legen konnte. So blieb
der dynamische Hotelier in Hamburg.
Seinen Angestellten trichterte Friedrich Haerlin die Philosphie des Hauses
ein: Service, Service, Service. "Es darf einfach keine Beschwerden
geben" und "Tu es gleich" waren seine geflügelten Worte. Nur
so war es möglich, gegen die grossen Hotels am Alten Jungfernstieg bestehen
zu können. Später wurde über die Stammgäste und ihre Wünsche auf
Karteikarten Buch geführt, damit diese bei ihrer Ankunft alles zu ihrer
Zufriedenheit vorfinden würden.
Das Konzept ging auf, und die Gäste wurden immer prominenter. 1901 gastierte
der Komponist und Pianist Eugen d'Albert (Oper: Tiefland. CDs von Eugen d'Albert bei Amazon.de
) nicht etwa im "St. Petersburg" oder in "Streits Hotel",
sondern im "Vier Jahreszeiten".
Als der Arzt Dr. Floris vom Nebenhaus Nr. 12 sich ein Wohnhaus mit Garten im
Nobelvorort Hochkamp kaufte, half ihm Friedrich Haerlin. Danach rang der
Hotelier dem Arzt zuerst das Parterre und das Erdgeschoss zur Miete ab. Im
Februar 1903 schaffte er es, ihn zum Verkauf zu bewegen, indem er ihm
garantierte, auf zehn Jahre seine Praxisräume zu einem günstigen Mietpreis
behalten zu dürfen.
Nach und nach kaufte Friedrich Haerlin die nebenstehenden Häuser auf, schlug die Wände
durch und erweiterte so sein Hotel, wobei es mancherlei Hindernisse zu
überwinden und viel Ärger auszuhalten galt. Seit 1934 sind keine Gebäude mehr
dazugekauft oder neugebaut worden. Rund ein Drittel der heute 156 Zimmer und
Suiten haben
Alsterblick, zwei Drittel gehen zum Hof.
1905 eröffnete Haerlin sein "Grandhotel Vier Jahreszeiten" mit 57
Zimmern. Die Gäste kamen nun aus aller Welt. Und der Bruder des Kaiser, Prinz
Heinrich von Preussen, war mit seiner Frau Stammgast und so begeistert, dass
er Haerlin am 7. März 1909 zum "königlichen Hoflieferanten"
ernennen liess. Das Hotelrestaurant genoss ebenfalls einen guten Ruf.
Reservationen zum Jahreswechsel mussten frühzeitig gemacht werden.
Als der Reeder Albert
Ballin seine palastartige Villa am Rothenbaum in der Feldbrunnenstrasse
bauen liess, wohnten er, seine Frau Marianne und seine Adoptivtochter im
Herbst und Winter 1908/09 im "Vier Jahreszeiten".
Um 1911 hatte das Grand Hotel Vier Jahreszeiten bereits 140 Wohn- und
Schlafzimmer, 50 Bäder, eine Lichtsignalanlage, Vakuumreiniger und
"Staatstelephon in allen Zimmern." Die Passagiere der ersten Klasse
der Überseedampfer stiegen am Neuen Jungfernstieg ab. Das Hotelprospekt liess
der Hotelier für seine internationalen Gäste in drei Sprachen drucken.
1913 begann Friedrich Haerlins jüngster Sohn Fritz seine Hotelausbildung. Er
besuchte ein Jahr lang die "Ecole de Commerce" im Schweizerischen
Neuenburg. Die praktische Ausbildung erfolge im Hotel Genf, Hotel Berthold in
Château d'Oex sowie im Royal Automobile Club in London.
Der Erste Weltkrieg traf das Hotel hart. Die ausländischen Gäste verliessen
1914 fluchtartig Hamburg. Der international geprägte Hotelier konnte in
seinen englischen und französischen Stammgästen keine "Erbfeinde"
sehen. Er ahnte, dass seinem Haus schwere Zeiten bevorstanden.
Die Heeresverwaltung in Hamburg beschlagnahmte 1915 das Haus Neuer
Jungfernstieg 14, das Friedrich Haerlin für viel Geld erworben hatte. Das
Oberkommando der Küstenverteidigung wurde dort einquartiert. Das Heeresamt
zahlte jährlich nur magere 10,000 Mark Mietzins. Das deckte nicht einmal die
Betriebskosten.
Sein Sohn Otto wurde in Westflandern von einer Kugel am Kopf getroffen und
lebensgefährlich verletzt. Am 2. November 1914 fiel der 19jährige Sohn
Wilhelm für "Kaiser und Vaterland" in Flandern. Eine Woche später
erlag Otto im Lazarett seinen Verletzungen. Beide wurde in Soldatengräbern in
Flandern begraben. Sohn Fritz kam mit seiner Artillerieeinheit im Dezember
nach Polen an die Ostfront. Bis zum November 1915 kämpfte er gegen die
Russen, danach bis Dezember 1916 an der Westfront. Danach wurde er in die
Garnison Cannstadt verlegt, wo er Rekruten ausbilden musste. Mit 21 wurde er
Leutnant. Das Eiserne Kreuz und das Hamburger Verdienstkreuz zierten seine
Uniform. Fritz Haerlin kehrte gesund vom Krieg heim. - Fortsetzung: Das
Vier Jahreszeiten in der Zeit der Weimarer Republik.

Panorama-Ansicht des Hotels. Foto © Raffles Hotel Vier Jahreszeiten.
Die Quelle für den nebenstehenden Artikel, weiterführende Literatur
Sepp Ebelseder, Michael Seufert: Vier Jahreszeiten. Hinter den
Kulissen eines Luxushotels. Die Hanse, Hamburg, 2002, 460 S. Bestellen bei
Amazon.de;
Erstausgabe 1999, Rowohlt, bestellen bei Amazon.de.
Das Buch der zwei ehemaligen Redaktoren der Zeitschrift Stern ist die
Quelle für den nebenstehenden Artikel. Es ist flüssig, leicht lesbar und
unterhaltsam geschrieben, was sich in unserer Biographie von Friedrich Haerlin
hoffentlich wiederspiegelt.
Blick in die Wohnhalle des Hotels. Foto © Raffles Hotel Vier Jahreszeiten.
Blick in die Jahreszeiten Suite. Foto © Raffles Hotel Vier Jahreszeiten.
Weitere Artikel zum Raffles Hotel Vier Jahreszeiten in Hamburg
- Friedrich
Haerlin
- Das
Vier Jahreszeiten in der Zeit der Weimarer Republik
- Das
Vier Jahreszeiten von 1933 bis 1945
- Das
Vier Jahreszeiten von 1945 bis 1963
- Das
Hotel Vier Jahreszeiten von 1956 bis 1976
- Das
Raffles Hotel Vier Jahreszeiten von 1983 bis 2004
- Das
Restaurant Haerlin