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(Linnaeus, 1758)
- DE: Europäische Wanderheuschrecke
- EN: Migratory Locust
- FR: Le Criquet migrateur
- Syn.: Locusta cinerascens Fabricius, 1781 | Pachytylus australis Saussure, 1884 | Gryllus (Locusta) danica Linnaeus, 1767 | Locusta gallica Remaudière, 1947 | Locusta migratoria migratoria form remaudierei Harz, 1962 | Locusta rossica Uvarov & Zolotarevsky, 1929 | Locusta migratoria solitaria Carthy, 1955 | Locusta migratoria cinerascens (Fabricius, 1781)
Morphologie
Locusta migratoria gehört zu den grössten Kurzfühlerschrecken Mitteleuropas. Es kommen sowohl grüne, braune als auch graue Individuen vor. Kopf und Halsschild weisen oft eine kontrastreiche, dunkle Zeichnung auf. Der Halsschild-Mittelkiel ist deutlich erhaben. Die glasigen Flügel sind annähernd doppelt so lang wie die Hinterschenkel und dunkel gefleckt. Die Hinterschienen sind blass rötlich. Bei Locusta migratoria werden zwei Phasen unterschieden: die sesshafte Phase (phasis solitaria) und die Wanderphase (phasis gregaria). Die sesshafte Phase entspricht der obigen Beschreibung und tritt unter normalen Umweltbedingungen auf. Bei günstigen Umweltbedingungen und hohen Populationsdichten tritt eine Wanderphase auf. Diese Tiere sind immer grau bis bräunlich gefärbt. Der Halsschild-Mittelkiel ist nicht erhaben oder sogar leicht eingesenkt und die Flügel sind im Vergleich mit den kleineren Hinterbeinen etwas länger. Zuchttiere, die man als Futter für Terrarientiere kaufen kann, entsprechen dieser Wanderphase.
Gesang
Die Männchen von Locusta migratoria erzeugen bei Spontanflügen ein lautes, knatterndes Geräusch, das gut 50 m weit zu hören ist. Die von uns beobachteten Flüge dauerten 1,5-3 s. Zwischen den einzelnen Spontanflügen ruhen sich die Tiere unterschiedlich lange aus (bis 30 Minuten). Beide Geschlechter erzeugen bei Kontakten mit anderen Individuen kurze, bis 2 s dauernde Verse, wobei „kch kch kch“-Laute erzeugt werden. Bei der Flucht wird im Flug kein Geräusch erzeugt.
Spontanflug von Locusta migratoria - CH, TI, Arzo, 25 °C, sonnig (Aufnahme Bruno Keist).
Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Locusta migratoria ist der Mittelmeerraum. Die Funde aus Deutschland stammen aus früheren Zeiten, als Massenauftreten und -wanderungen von Tieren aus dem Donaudelta nach Mitteleuropa noch stattfanden. Die daraus resultierenden Populationen konnten sich, wahrscheinlich aus klimatischen Gründen, nie lange halten. Für Deutschland stammen die letzten Beobachtungen aus dem Zeitraum zwischen 1940 und 1950. Die letzten autochthonen Vorkommen in der Nordschweiz, im Wallis und im Rheintal sind mit den grossen Gewässerkorrekturen erloschen. Im Südtessin konnte Locusta migratoria in den letzten Jahren regelmässig beobachtet werden und im Jahr 2013 wurde ein einzelnes Männchen im Pfynwald (VS) gefunden.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Individuen von Locusta migratoria können von Juli bis in den Oktober beobachtet werden. Im Mittelmeergebiet kann die Art überwintern, weshalb Tiere der alten Generation bis in den April gesehen werden. Die Eier werden im Herbst in sandige Böden abgelegt und schlüpfen im Frühjahr des Folgejahres. Bis die Larven ausgewachsen sind, durchlaufen sie 5 Stadien. Unter günstigen Umweltbedingungen können Massenauftreten von Locusta migratoria vorkommen. Der durch die hohe Individuendichte verursachte Stress führt zur oben beschriebenen Wanderphase. Dabei ist die Art früher auch in Mitteleuropa als Schädling im Getreidebau in Erscheinung getreten. Mit der Intensivierung der Landwirtschaft, der Trockenlegung und den grossflächigen Flusskorrekturen sind die Ausbreitungsherde solcher Massenvorkommen zerstört worden. Heute ist Locusta migratoria auch in vielen Gebieten Südosteuropas selten geworden.
Lebensraum
Als wärmebedürftige Art mit hohen Ansprüchen an die Feuchtigkeit besiedelt Locusta migratoria vorwiegend gewässernahe Habitate. Dabei werden vegetationsarme Ufer entlang von Flüssen und Seen, Auengebiete sowie besonnte Schotterflächen mit Gebüschgruppen besiedelt. Sie lebt oft in sandigen Gebieten. Im Südtessin lebt Locusta migratoria in Kunstwiesen und in abgeernteten Getreidefeldern.
Gefährdung & Schutz
Durch die Zerstörung der grossflächigen Auengebiete und die Eingriffe in die natürlichen Flussläufe wurden die Lebensräume von Locusta migratoria in Europa weitgehend vernichtet. Auch im Mittelmeergebiet ist die Art nicht sehr häufig. Die wenigen Vorkommen im Tessin sind wohl ohne Zuwanderung aus Italien nicht überlebensfähig. 2013 wurde im Pfynwlad (VS) ein einzelnes Individuum gesichtet, wobei es sich auch um ein eingeschlepptes Individuum handeln könnte. Grossräumige Revitalisierungen von Flüssen sind heute aufgrund der fehlenden Landschaftsräume leider kaum mehr möglich.
- CH: CR (Vom Aussterben bedroht)
- DE: 0 (In Deutschland ausgestorben oder verschollen)
- AT: CR (Vom Aussterben bedroht)
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
Locusta migratoria kann im Flug aufgrund der Grösse mit Anacridium aegyptium verwechselt werden. Diese ist allerdings noch grösser, meist grau bis braun und als ausgewachsenes Tier nie grün. Die Augen von Anacridium aegyptium sind hell-dunkel gestreift, auch bei den Larven. Auf den ersten Blick kann Locusta migratoria mit den Aiolopus-Arten verwechselt werden. Diese sind deutlich kleiner und schlanker und tragen auf den Flügeln dunkle Querbinden. Den Aiolopus-Arten fehlt der erhabene Halsschild-Mittelkiel. Oedaleus decorus ist in Färbung und Gestalt ähnlich. Sie trägt auf dem Halsschild eine deutliche, helle Kreuzzeichnung und die Flügel sind stark gebändert. Die Hinterflügel sind gelb und tragen ein dunkles Band. Das Fluggeräusch von Locusta migratoria kann mit jenem von Anacridium aegyptium oder Oedaleus decorus verwechselt werden.