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Wer heute seine Wäsche so ganz nebenbei in die Waschmaschine wirft und 90 Minuten später in den Wäschetrockner wechselt, ist sich kaum mehr bewusst, welcher Aufwand noch vor 60 Jahren nötig war, um die Wäsche zu erledigen. Dabei gab es um 1950 in den Seebacher Reihenhäuschen der Baugenossenschaften Schönau, BGZ und anderen im Keller schon sehr 'moderne' Geräte wie die sogenannten kupfernen Waschhäfen, welche ähnlich einer Gulaschkanone im Militär aufgebaut waren. Das heisst, man musste von unten her mit einem Holzofen Wasser aufheizen. Das wiederum hiess, dass man zuvor ausreichend geeignetes Brennholz bereit stellen musste.
Das war normalerweise die Arbeit des Vaters und manchmal auch des Grossvaters. Sie bestückten den Holzvorrat hinter dem Haus immer im voraus. Wer sich das nicht leisten konnte, sammelte Fallholz und Tannzäpfen im Wald, trocknete alles im Sommer und schichtete es im Garten an geschützter Stelle unter verbrauchten, plastifizierten Küchentischdecken. Mein Vater arbeitete viel auf Baustellen und durfte das Abfallholz mit nach Hause nehmen. Daher fuhr er oft mit dem Velo-Anhänger zur Arbeit. Nachdem der Vater das Holz genügend zerkleinert hatt, war es Aufgabe der Kinder, das Brennholz in die Waschküche zu tragen. Zum Anzünden des Feuers brauchte es eine Zeitung und Zündhölzli. Zum Waschen brauchte man viel Wasser und Waschpulver oder Waschflocken. Wer das nicht vermochte, rieb mit der Röstiraffel Kernseife ins heisse Wasser (Mr. Bean lässt grüssen!).
Früher musste die meiste Wäsche, vor allem die weisse, gekocht werden. Etwas heiklere Hausfrauen unterschieden noch Vorkochen und Hauptkochen. Mit dem Kochen der Wäsche war es keinesfalls getan. Die Mutter und manchmal auch die Grossmutter mischten den Sud mit einer grossen Holzkelle in periodischen Abständen durch, damit sich der Schmutz aus dem Gewebe löste. Nach dem Kochen wurde die Wäsche mit einer grossen Holzzange vom Waschhafen in den Spültrog übergeführt, sofern man in einer so modernen Wohnung wohnte, wie wir das Glück hatten. Nach dem Spülen wurde die Wäsche von Hand ausgewrungen und dann in eine Wäschezentrifuge aus Kupfer befördert, welche mit Wasser ab der Leitung angetrieben wurde. Die einigermassen entwässerte Wäsche kam nun in die Wäschezeine. Diese war aus Korbgeflecht und manchmals so schwer, dass man sie oft zu zweit aus der Waschküche tragen musste. Es folgte das Spannen des Wäscheseils an der Wäschehänge im Garten und dann das Aufhängen mit Wäscheklammern, damit der Wind die Wäsche nicht davon trug.
In den älteren Häusern gab es noch keine eingebauten Spültröge, sondern man benützte dazu die Waschgelten, welche man zuvor in der Waschküche oder im Garten mit Wasser füllen musste, damit sich das Holz dehnte und sie dadurch dicht wurden. Sie glichen den hölzernen Badewannen, nur waren sie kleiner. Meine Mutter benützte sie auch als Badewanne und Planschbecken für die Kinder, da wir richtige Waschbecken hatten. Grosshaushalte hatten oft ein separates Waschhaus. Im Seebach des Jahres 1900 gab es in Zürich-Seebach über zwanzig davon. In solchen Waschhäusern waren die sanitären Installationen meist noch etwas schlichter als in den neueren Genossenschaftswohnungen, mehr siehe dort!
An den Waschtagen stapelte sich die schmutzige Wäsche manchmal zu hohen Türmen, denn wir waren fünf bis sieben Personen. Das Wasser im Waschhafen konnte man über einen grossen Schwenkarm in den Kochkessel laufen lassen. Während den Waschtagen trugen Mutter und Grossmutter ein Kopftuch, welches vorne oben einen Knoten trug. Wenn das Wasser im Waschhafen zu kochen begann und die Mutter den Deckel öffnete, dann herrschte in der Waschküche ein so dichter Dampf, dass man nicht mehr weit sah. Es erinnerte an ganz dichten Nebel, nur war es in der Waschküche stets sehr warm und es roch angenehm nach Seife. Morgens und abends, wenn es draussen dunkel war, brannte in der Waschküche an der Decke ein Schummerlicht von 40 oder 60 Watt, denn stärkere Glühbirnen benützten damals nur jene Leute, welche im Geld schwammen. Für unsere Verhältnisse brauchten die 100-Watt-Glühbirnen viel zu viel Strom, was man unbedingt vermeiden musste. Den Strom bezogen wir ab einem Stromzähler mit Münzautomat und er nahm nur Einfrankenstücke an. Auch daran musste man also denken. So lagen immer ein paar Einfränkler bereit für den Notfall.
Wenn die erste Wäsche auf der Wäschehänge trocknete, ging die Mutter wieder in die Waschküche, um den zweiten Sud aufzusetzen. Je nach Verschmutzungsgrad des Wassers liess sie einen Teil des Kochwassers über einen Hahn am Waschhafen ablaufen und füllte neues Wasser nach. So sparte sie viel Wartezeit. Dann schloss sie den Deckel und begab sich in die Küche, um die Wähe vorzubereiten, denn an Waschtagen gab es damals fast bei allen Leuten Apfelwähe, weil das ein Gericht war, das wenig Arbeit verursachte, nicht viel kostete und allen schmak. Belegte Brötchen wären zwar noch schneller zubereitet gewesen, aber das kam nicht in Frage, denn der Vater war Maler, verrichtete eine sehr strenge Arbeit und kam stets ziemlich hungrig nach Hause. Solche Männer brauchten etwas Warmes zu essen.
Nach dem Mittagessen ging es weiter mit der gleichen Prozedur für den zweiten und den dritten Sud. Manchmal half die Grossmutter oder zwei Hausfrauen arbeiteten zusammen. Zum Beispiel, indem der Vater bei der Nachbarin ass und die Kinder dann 'nur' belegte Brote bekamen. Auch die Kinder wurden an diesen Tagen eingespannt, um die Wäsche in Farbiges und Weisses zu trennen, um diese in den Waschhafen zu befördern und um sie zu spülen. Nur die Wäsche aufhängen, das ging nicht, da waren wir noch zu klein. Ich war meist zuständig, um die Asche aus dem Ofen zu entfernen, was erst erfolgen durfte, wenn sie kalt war. Das war eine ziemliche Dreckarbeit, doch mit der Zeit kannte ich so meine Tricks, wie sich die Arbeit leichter bewältigen liess.
Kaum vorstellbar, dass es damals Hausfrauen und Grossmüttern gab, welche aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen waren, tagaus und tagein für andere Personen die Wäsche in obiger 'Technik' zu erledigen, nur um überleben zu können. Sie bildeten die Vorstufe der später aufkommenden Wäschereien.
Damit war der Waschtag aber noch nicht zu Ende, denn so ein Waschtag dauerte manchmal 2-3 Tage, bis nur alles trocken war. Das konnte vor allem dann dauern, wenn es draussen regnete und die Wäsche im Keller trotz fleissigem Lüften Tage brauchte, bis sie trocken war. Und dann kam ja auch noch das Bügeln dazu, denn bügelfreie oder zumindest bügelarme Wäsche gab es damals kaum. So zog sich dann mit allen Nebenarbeiten ein sogenannter Waschtag manchmal fast eine Woche lang hin, bis alles erledigt war. So ganz nebenbei musste die Mutter aber auch auf ihre Kinder achten, dass sie ihre Zähne putzten, rechtzeitig zur Schule gingen, die Aufgaben machten usw. Einkäufe erledigen und Kochen waren schon fast Nebenarbeiten. Nur das Abwaschen und Abtrocknen war dann wieder Sache der Kinder. Dafür gab es pro Woche für jedes Kind 20 Rappen. Schon damals gab es Hausfrauen, die so ganz nebenbei noch etwas arbeiten gingen, damit das Geld für alles reichte. Woher diese die Zeit zum Waschen 'stahlen', blieb mir stets ein Rätsel.
Im Schullesebuch der 1950er Jahre lasen wir Schüler, vielleicht war es in der dritten Klasse, wie man anno 1850 und noch früher wusch: Mit dem Waschbrett und nur mit Kernseife, mit dem Schlagen der nassen Wäsche auf rund geschliffene Bollensteine und so weiter. Auch die Bügeleisen jener Zeit, als es noch keinen elektrischen Strom gab, liefen noch mit dem Feuer glühender Kohlen, hiessen Plätteisen und waren in der Handhabung um einiges komplizierter als zu meiner Zeit um 1950. Vor allem musste man das Befüllen des Bügeleisens mit heissen Kohlen sauber getrennt von der Arbeit mit der Wäsche erledigen und das Bügeleisen durfte erst benützt werden, wenn es auch aussen feucht abgerieben war, sonst gab es wüste schwarze Flecken auf der Wäsche.
Nach dieser Lektüre fand ich dann jeweils, dass wir es in unserer Genossenschaftswohnung doch toll hatten mit der vergleichsweise modernen Waschküche.
Nur wenige Jahre später stand dann in den 1950er Jahren eine Hoover-Waschmaschine vom Eisenwarengeschäft Oberhänsli in der Waschküche. Das Heizen mit Holz entfiel. Und es gab eine Wäschemangel, wo immer wieder Hemdenknöpfe wegsprangen, bis die Mutter den Kindern das Mangeln von Hemden verbot.
Nach der Wäsche gab es weiter Flickarbeiten, wie Wiefeln, Nähen und das Versteten von sich öffnenden Nähten mit einer Ösennadel. Meine Arbeit war es auch, gerissene oder lahm gewordene Gummibänder in Pyjamahosen und anderen Kleidern mit Hilfe einer Schliessgufe wieder einzusetzen oder durch neue zu ersetzen und die Enden wieder von Hand zusammen zu nähen. Meine Schwester lernte dafür, wie man Löcher in den Socken mit Hilfe einer Strumpfkugel und Nähzeug wieder schloss und wie man Knöpfe wieder annähte.
Der sogenannte Waschtag bot also allerhand Abwechslung, auch für die Kinder.