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"Uns fehlt noch ein Betriebssystem", meint Ellison Trotzdem will Oracle Novell nicht kaufen.
Es würde eigentlich viel Sinn machen, so meinte Oracles CEO Larry Ellison in einem längeren Interview mit der 'Financial Times', wenn Oracle Linux distribuieren und supporten würde. Er hätte gerne einen kompletten Software-Stapel im Oracle-Angebot, von den Applikationen bis hinunter zum Betriebssystem – dem Teil der Oracle bisher fehle.
Oracle hätte dadurch die Möglichkeit, so Ellison, die Zusammenarbeit aller Softwarekomponenten zu testen und insgesamt auch einen besseren Service zu leisten. Für Kunden ergäbe sich ausserdem der Vorteil, nur noch einen Ansprechspartner zu haben.
Deutlich geht aus dem Interview hervor, dass Ellisons Aussagen auch eine Reaktion auf die Übernahme des Open Source-Middleware-Spezialisten Jboss durch Red Hat
sind. Durch diese Übernahme ist Oracles traditioneller Linux-Partner Red Hat nun auch ein Konkurrent. Die Argumente gegen eine eigene Linux-Version von Oracle seien nach dieser Übernahme nicht mehr sehr stark, erklärt Ellison, und man müsse die Beziehung überdenken.
Dass Ellison nun aber an eine Übernahme von Novell, dem nach Red Hat zweitgrössten Linux-Distributor im Unternehmensbereich denke, wie heute viele (wahrscheinlich sich 'gegenseitig insiprierende') Internet-Medien berichten, geht aus dem Originalinterview eindeutig nicht hervor.
Im Gegenteil. Ellison argumentiert, dass die Übernahme von Open Source-Unternehmen wenig Sinn mache. Schliesslich liege es in der Natur des Open Source-Prinzips, dass jedes Unternehmen eine Open Source-Technologie nehmen, in seine eigenen Produkte integrieren und dann den Support dafür verkaufen könne. Oracle selbst habe das zum Beispiel bei 'Apache' getan. Da man mit einem Open Source-Unternehmen also keine Produktrechte erwerben kann, geht es bei einer Übernahme hauptsächlich um das Know-how der Mitarbeiter.
Und gerade in dieser Beziehung ist Ellison bei Novell skeptisch. Man habe sich eine Übernahme von Novell natürlich durch den Kopf gehen lassen, man prüfe dauernd alle Möglichkeiten. Das Ergebnis dieser Planspiele bei Novell (dessen grösster Kunde IBM ist): "Wenn wir Novell kaufen, sagt IBM 'Danke schön', nimmt den Source Code und 'Bumm' geht unser schönes Geld den Abfluss runter." (Hans Jörg Maron)