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Humoreske
Sitzungsraum des UNO-Sicherheitsrates: Zur Debatte steht dort die Beschlussfassung zu irgend einem der zahlreichen im Gange befindlichen kriegerischen Konflikte auf der Welt inklusive der zu treffenden Massnahmen. Es kommt zur Abstimmung. Ein Teil der Delegierten erhebt beim Antrag fürs Ja die Hände, andere tun es fürs Nein. Der Sitz des Schweizer Delegierten ist leer. Der Vorsitzende ruft via Mikrofon in den Raum: «Switzerland, your vote please…!». Von hinten im Raum kommt der Schweizer Delegierte angerannt, und ruft: «Sorry, I have to consult our Government first». Die Beschlussfassung wird für kurze Zeit verschoben. Nach einer halben Stunde tritt die Versammlung wieder zusammen. Danach ergibt sich der folgende Dialog:
Präsident: «Welcome Switzerland, can we vote now?»
Schweizer Delegierter: «Sorry, darf ich schweizerdeutsch sprechen, englisch ist für mich etwas schwierig. Also: Unsere Regierung hat für die heute hier zur Abstimmung anstehenden Frage einen glasklaren Entscheid getroffen: Drei Bundesratsmitglieder sind dafür, drei sind dagegen und eines der Mitglieder weiss nicht. Sie haben hingegen klar beschlossen, bei den Kantonen und Verbänden und vor allem den NGOs eine Vernehmlassung durchzuführen. Gestützt auf die Vernehmlassungsresultate wird dann das Parlament darüber entscheiden; d.h. vorerst die zuständige Kommission des Nationalrats, dann jene des Ständerats, dann kommt die Sache in die eidgenössischen Räte; zuerst in den Ständerat, danach in den Nationalrat, dann nötigenfalls in die Einigungskonferenz. Da aber bereits zwei Komitees zweifellos zustande kommende Referenden angekündigt haben, kommt es dann höchstwahrscheinlich zu einer Volksabstimmung. Die könnte im besten Fall 2026 stattfinden. Sofort danach kriegen Sie unser «vote».
Präsident: «Well, dear Mr. Schweizer Delegierter. Wäre es dann nicht klüger, die Schweiz würde sich, wie in den bisherigen 37 Abstimmungen im Sicherheitsrat, einfach der Stimme enthalten? Wir müssen ja hier zu einem Entscheid kommen. Ich weiss ja auch bestens, das alles, was wir hier beschliessen, überhaupt nichts beiträgt zur Lösung irgend eines Problems in der Welt, aber wir müssen so tun, als könnten wir es. Zudem und grundsätzlich: Warum wollte die Schweiz denn überhaupt im Sicherheitsrat Einsitz nehmen, wenn sie sich kaum je rechtzeitig für etwas entscheiden kann und sich ständig der Stimme enthält?»
Schweizer Delegierter: «Well, dear Mr. President, da kämpfen die UNO und die Schweiz wohl mit gleich langen stumpfen Spiessen. Die Schweiz wollte aus hausgemachten psychohygienischen politischen Prestigegründen einfach in diesem Gremium vorübergehend vertreten sein, auch wenn sie dort nichts beitragen kann zu deren völlig wirkungslosen Entscheiden. Für uns beide gilt ja dasselbe wie im Amateursport: Mitmachen ist wichtiger als siegen!».
Präsident: «Ja, da haben Sie recht. Aber der UNO liegt aus finanziellen Gründen dennoch sehr an der Mitwirkung der Schweiz. Die millionenschweren Beitrags- und Sitzungsgelder der Schweiz sind uns höchst willkommen, und deren Haltung interessiert ja kaum jemand. Ach ja, noch etwas: Bezahlt die Schweizer Delegation, wie bisher immer, auch diesmal den üblichen Apéro riche der 2’300 UNO-Delegierten nach Abschluss unserer Sitzung, denn ansonsten müssten wir diesen existenzsichernden angenehmen Anlass wegen Geldmangels abblasen?»
Schweizer Delegierter: «Selbstverständlich, die Schweiz will ja international solidarisch sein».
Ronco