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Haut-Médoc
Haut-Médoc: Bordeaux-Feeling pur
Das Médoc ist eine grosse, fast ebene, nur wenige Meter über Meereshöhe liegende Fläche. Im nördlichen Teil, welcher nahe dem Mündungsgebiet der Gironde in den Atlantik liegt und früher Bas-Médoc genannt wurde, reifen auf schweren Böden eher einfachere Weine. Das Haut-Médoc dagegen umfasst den südlicheren, bis in die Vororte der Stadt Bordeaux reichenden Teil. In Nachbarschaft zu den Premier Crus reifen hier vom Cabernet Sauvignon dominierte Assemblagen, die Bordeaux-Feeling pur versprechen.
Wer vom Atlantik her kommend flussaufwärts der Gironde in Richtung der Stadt Bordeaux folgt, fährt durch eine Tiefebene mit schweren, lehmhaltigen Böden, bis er wenige Kilometer nördlich von Saint-Estèphe auf die ersten Kiesdünen trifft. Hier beginnt das Haut-Médoc, welches als das Herz der Weinregion Bordeaux gilt. Der entscheidende Qualitätsfaktor sind die kiesigen Böden, die einen besseren Wasserabzug nach Niederschlägen ermöglichen. Die besten Terroirs befinden sich auf den legendären Kuppen mit ihrer im besten Falle bis zu drei Meter dicken Kiesschicht.
Der Kies macht den Unterschied
Die AOC Haut-Médoc verfügt insgesamt über eine Rebfläche von rund 5‘000 Hektar und umschliesst die vier besonders prestigeträchtigen, näher an der Gironde liegenden Gemeinde-Appellationen Margaux, Saint-Julien, Pauillac und Saint-Estèphe, sowie die etwas weiter vom Fluss entfernteren Appellationen Listrac und Moulis. Die besten Terroirs des Haut-Médoc verfügen dabei durchaus über ein Qualitätspotential, das mit guten Lagen in den vermeintlich prestigeträchtigeren Gemeinde-Appellationen vergleichbar ist.
Auf den kieshaltigen Terroirs kann vor allem der Cabernet Sauvignon seine ganze Klasse ausspielen. Die Sorte dominiert den auch die hier typischen Assemblagen mit einem Anteil von meist 50 Prozent und mehr. Ergänzend eingesetzt werden Merlot und in einem eher bescheideren Umfang auch Petit Verdot und Cabernet Franc. Eine wichtige Rolle für die Qualität der Weine spielt auch das Mikroklima mit dem ausgleichenden Einfluss der hier schon zwischen einem und fünf Kilometer breiten Gironde sowie den ausgedehnten Kieferwäldern an der Küste, die das Gebiet vor kühlen Atlantikwinden schützen.
Einst ein Sumpfgebiet
Im Haut-Médoc ist die Weinbau-Geschichte noch vergleichsweise jung. Langezeit galt dieser Landabschnitt als berüchtigtes Sumpfgebiet. Holländische Wasserbau-Spezialisten legten es dann im 18. Jahrhundert trocken. Im Jahr 1855 wurde es erstmals als Weinbaugebiet klassifiziert. Eine starke Stellung im Haut-Médoc haben die rund 140 Châteaux mit Cru Bourgeois-Status. Viele von ihnen produzieren vorzügliche, klassische Bordeaux-Gewächse zu immer noch moderaten Preisen.