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Wann immer der Zürcher Künstler Urs Frei in den 1990er-Jahren seine Arbeiten in der Öffentlichkeit zeigte, reagierten Publikum und Presse mit einer Mischung aus heller Freude und ungläubigem Staunen. Mit gutem Grund: Kaum jemand beherrschte den Spagat zwischen der Banalität des Alltags, der Poesie des Stapelns und der Reflexion über den Raum so klug und witzig wie Frei. Das gilt bis heute.
Seine künstlerische Karriere begann der ausgebildete Kaufmann Anfang der 1980er-Jahre noch vor dem Abschluss seines Kunststudiums an der Frankfurter Städelschule. Inspiriert vom Post-Minimalismus der 1960er-Jahre entwickelte er früh Ansätze für seine Idee vom Bild als einem veränderlichen Setting unterschiedlicher Elemente, gebrauchter Objekte oder Materialien im Grenzgebiet zwischen Malerei, Plastik und Installation. Ihn interessierte die Frage, was beim Transfer der Dinge aus dem Alltag in den Kunstraum passiert und auf welche Weise dadurch Architektur als Kontext von Kunst erfahrbar wird. Einem breiten Publikum wurde er spätestens in den 1990er-Jahren bekannt mit seinen prall gefüllten, von einzelnen Schnüren in verschiedenfarbige Segmente zergliederten Kunststoffsack-Objekten; 1997 sorgte er an der Biennale von Venedig mit einer Verpackungsmüll- und Jeansbeutellandschaft in der Kirche San Stae für Aufsehen. Seine grundlegende Skepsis gegenüber dem Tafelbild, die in diesen beweglichen Bildzuständen sichtbar wurde, legte Frei Anfang der 2000er-Jahre zunehmend ab. Es entstanden Arbeiten die sich – wie das Wandobjekt ohne Titel von 2003 aus der Sammlung der Mobiliar – zwar am Rechteck als klassischem Bildformat und der Wand als Ort der Präsentation orientierten, sich zugleich aber mit grellfarbigen, ruppigen Wucherungen in den Raum gegen ihre Festschreibung als Bild sträubten. In jüngerer Zeit nutzt Frei oft flache, eigens zugeschnittene oder gebrauchte Bildträger, T-Shirts oder Leinwandbahnen, denen er die Farbe ohne darstellende oder kompositorische Absicht lediglich als ein weiteres Material hinzufügt.
Es sind solche Prozesse des Akkumulierens, Kombinierens, Umwandelns und Überarbeitens, die Urs Frei mit seinen Arbeiten in Gang setzt und mit denen er den Akt des Produzierens selbst ins Zentrum rückt. In der Schweizer Kunstszene nimmt er aufgrund dieser Gratwanderung zwischen Malerei, Skulptur und Konzeptkunst eine singuläre Position ein.
Urs Frei, 1958 ist Zürich (CHE) geboren, lebt und arbeitet in Zürich
Tätigkeitsbereiche: Objektkunst, Installation, Skulptur, Wandbild, Malerei