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Karriere in der Reichskirche
Johann Franz wird als vierter von fünf Söhnen des Wolfgang Friedrich Schenk von Stauffenberg und der Anna Barbara von Wernau am 18. Februar 1658 auf Schloss Lautlingen[1] geboren. Die Taufe findet sechs Tage später im Beisein der Paten, des Fürstbischofs von Konstanz[2] und der Fürstäbtissin von Buchau[3] statt. Das Geschlecht der Stauffenberg gehört zur schwäbischen Reichsritterschaft, welche im 17. Jahrhundert den Konstanzer Bischofssitz ausschliesslich in ihren Reihen hält. Die Wahl der Paten ist nicht zufällig. Als nachgeborener Sohn ist für Johann Franz eine Laufbahn in der Reichskirche vorgesehen. Er studiert am Jesuitenkolleg in Dillingen und kommt 1677 zu einem ersten Kanonikat am Domstift in Konstanz.[4] 1682 wird er auch Kanoniker in Augsburg. In Würzburg sichert er sich eine weitere Kanonikerpfründe.[5] 1694 wird ihm vom Konstanzer Bischof das Amt des Domkantors verliehen.[6] 1698 erhebt ihn der Kaiser, zusammen mit seinen Brüdern, in den erblichen Freiherrenstand. Nach dem Tod von Fürstbischof Marquard Rudolf von Rodt wählt das Domkapitel am 21. Juli 1704 Stauffenberg zum neuen Bischof. Im gleichen Jahr erhält er nachträglich die Priesterweihe. 1705 wird er vom Luzerner Nuntius zum Bischof geweiht. Nicht unbescheiden will er jetzt auch das Hochstift Würzburg übernehmen, tritt hier bei Wahlen mehrfach an, scheitert aber am Widerstand der Schönborn-Familie. Mehr Erfolg hat er in Augsburg. Hier kann er sich mit Hilfe Wiens gegen den bayrischen Kandidaten durchsetzen.[7] Stauffenberg wird 1714 Koadjutor des depressiv kranken Fürstbischofs von Augsburg, Alexander Sigismund von Neuburg-Pfalz. Zwei Jahre leitet der Konstanzer Fürstbischof auch das Hochstift Augsburg, muss aber dem Widerstand der in der Reichskirche mächtigen Familie Neuburg-Pfalz weichen.[8] Die Nachfolge als Fürstbischof von Augsburg kann Stauffenberg deshalb erst 1737 antreten. Er ist zu diesem Zeitpunkt schon 79-jährig.
Initiativer Bauherr in den Hochstiften Konstanz und Augsburg
Das Konstanzer Hochstift ist beim Amtsantritt von Stauffenberg hoch verschuldet. Er versucht, die Finanzlage mit der Inkorporation der reichen Dompropstei in die bischöfliche Mensa zu verbessern. Die gleichzeitige Ausweitung des Hofstaates um mehr als das Doppelte[9] und der Ausfall von Bistumseinnahmen aus der Eidgenossenschaft[10] machen allerdings die Massnahme wirkungslos. Der Schuldenberg vergrössert sich, nicht zuletzt dank der umfangreichen Baumassnahmen im Hochstift, die der Fürstbischof nach seiner Wahl beginnt. Er sichert sich dazu die Dienste des Liebhaberarchitekten und Fraters Christoph Gessinger aus Isny, der 1705–1730 am Meersburger Hof tätig ist und offensichtlich das volle Vertrauen des Fürstbischofs auch in finanziellen Angelegenheiten besitzt. Durch ihn lässt er 1710–1712 den «Neuen Bau» in Meersburg errichten. Der architektonisch gelungene neue Residenzbau, das heutige «Neue Schloss», kann dann aber mangels Finanzmittel nur provisorisch bezogen werden und wird erst durch die nachfolgenden Fürstbischöfe ausgebaut. Gessinger kann anschliessend auch den Familiensitz der Stauffenbergs in Wilflingen umbauen. Mit dem Bau des Priesterseminars, das 1725 begonnen wird, setzt der Fürstbischof einen Schlussstrich unter die vergeblichen Bemühungen seiner Vorgänger im 17. Jahrhundert. Die Finanzierung regelt er mit einer Sondersteuer, an der sich die Abtei St. Blasien mit einem grösseren Betrag beteiligt. 1730 kommt es zu einem Bauunterbruch, nachdem Christoph Gessinger aufgrund einer Hofintrige nach Zürich flüchtet. Mit dem neu berufenen Baumeister Johann Leonhard Frey wird das Seminar 1734–1735 fertiggestellt. Nach dessen frühem Tod übernimmt ab 1735 der vielbeschäftigte Deutschordens-Baumeister Johann Caspar Bagnato die Nachfolge. Ihn setzt Stauffenberg 1737–1739 für die Um- und Neubauten der Residenz der Augsburger Fürstbischöfe in Dillingen ein.
Tod und Nachruhm
Am 12. Juni 1740 stirbt Johann Franz Schenk von Stauffenberg in Messkirch, nach einem Gottesdienst aus Anlass der goldenen Hochzeit des dortigen Fürsten. Er wird im Münster von Konstanz beigesetzt. Ein reiches Stuck-Epitaph, 1749 über dem beim Nordeingang liegenden Grab angebracht, erinnert an ihn.[11] Die Schildhalter des fürstbischöflichen Wappens sind Skelette, das eine mit Mitra und Krummstab, das andere mit Fürstenhut und Schwert.[12] Darüber ist in einem Medaillon, umrankt von acht Herrschaftswappen, das Brustbild des Fürstbischofs mit Allongeperücke dargestellt.[13]
Nicht nur hier, sondern auch im Ganzfigurenbildnis mit dem Konstanzer Münster im Hintergrund ist er mit weisser Allongeperücke dargestellt. Dieses grosse Tafelbild zeigt den Fürstbischof im Alter von ungefähr 65 Jahren und ist von den bekannten Gemälden das eindrücklichste.[14] Sicher übertreibt der Maler die Körperlänge. Der Fürstbischof beeindruckt aber vor allem durch seinen klaren, prüfenden Blick auf den Betrachter und durch seine souveräne Selbstsicherheit in den nicht unsympathischen, aber strengen Gesichtszügen.
Es ist schwierig, der Person Stauffenbergs gerecht zu werden. Wie alle Fürstbischöfe dieser Zeit stellt er Familieninteressen in den Vordergrund. Die aufwändige standesgemässe Hofhaltung geht auschliesslich zu Lasten des Hochstifts. Verdienste im Bistum macht er sich bei seinen Bemühungen um die Verbesserung der Amtsführung und des Lebenswandels der untergebenen Geistlichen. Hauptverdienst ist die Seminargründung in Meersburg. Bleibendes Denkmal seiner Regierungszeit ist die seeseitige barocke Silhouette von Meersburg.
Pius Bieri 2011
Literatur:
Reinhardt, Rudolf: Johann Franz Schenk von Stauffenberg, in: Helvetia Sacra, Abteilung I, Band 2, Erster Teil, Basel 1993.
Links:
http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D26344.php
Anmerkungen:
[1] Heute ist Lautlingen ein Ortsteil von Albstadt. Das Schloss, ein Herrenhaus mit zwei Fachwerk-Obergeschossen und einem Treppenturm, wird 1842–1846 durch das heutige Herrenhaus ersetzt.
[2] Franz Johann Vogt von Altensumerau und Prasberg (1611–1689, reg. 1645–1689)
[3] Maria Franziska von Montfort (1622–1666, reg. 1650–1666). Falsch ist die Nennung von Maria Theresia von Montfort (reg. 1693–1742) im HLS.
[4] Mit dieser ersten «possessio» wird er nach Adelsprobe, Bezahlung der Haupttaxe von 112 Gulden und Aufschwörung aufgenommen, aber erst mit der zweiten «possessio» kommt er auch in den Genuss der Pfrundeinkünfte. Diese erhält Johann Franz Schenk von Stauffenberg 1682. Die Adelsprobe wird nach dem Dreissigjahrigen Krieg verschärft, sodass im 18. Jahrhundert Mitglieder aus den katholischen Orten der Eidgenossenschaft ausgeschlossen sind.
[5] Die Pfründenjagd ist bei den Adeligen der Reichskirche Usanz und sichert spätere Ansprüche auf Bischofssitze.
[6] Domkantor ist ein Ehrenamt mit wenigen Kompetenzen, wie zum Beispiel die Leitung der Domschule oder der Kantorei. Nur Dompropst und Domdekan haben weitreichende Befugnisse und Residenzpflicht. Der Domdekan muss zudem die Priesterweihe besitzen.
[7] Es ist der 11-jährige Johann Theodor von Bayern (1703–1763), der jüngste Sohn des soeben aus dem Exil zurückgekehrten Kurfürsten Max Emanuel. Mit 16 Jahren wird Johann Theodor dann Fürstbischof von Regensburg. Bei solchen Wahlen sind erhebliche Schmiergelder im Spiel. Als die Regensburger Wahl von Wien angefochten wird, spendiert Vater Max Emanuel dem Reichsvizekanzler Friedrich Karl von Schönborn, dem späteren Fürstbischof von Würzburg und Bamberg, ein «Douceur» von 30 000 Gulden.
[8] Der Bruder Franz Ludwig von Pfalz Neuburg ist Fürstbischof von Breslau, Fürstpropst in Ellwangen, Erzbischof und Kurfürst von Trier. Erzbischof von Mainz, Erzkanzler des Reiches und damit Metropolit der Reichskirche.
[9] Stauffenberg setzt bei der Vergrösserung des Hofstaates hauptsächlich Familienmitglieder ein.
[10] Die Ausfälle sind ein Folge seit 1712 wieder vorhandenen Vormachtstellung der reformierten Orte in der Eidgenossenschaft.
[11] Eine weitere Grabplatte zu seinem Andenken befindet sich im Fussboden des Augsburger Doms, vor dem Aufgang zum Chor.
[12] Das fürstbischöfliche Wappen zeigt im Geviert in 1 und 4 das Wappen des Hochstiftes Konstanz, in Silber ein durchgehendes rotes Kreuz, in 2 und 3 das Wappen des Hochstiftes Augsburg, gespalten von Rot und Silber, und im Herzschild das Wappen der Stauffenberg, in Silber ein roter Balken, beidseits begleitet von zwei blauen schreitenden Löwen. Die eingepfropfte Spitze ist das Wappen der Propstei Öhningen, hier in Rot.
[13] Unter diesem Epitaphaufbau finden wir die lateinischen und hier frei übersetzten Worte:
«Bleib stehen, Wanderer, und lies! Hier ruht der Ehrwürdige und Hohe Herr, Herr Johann Franz aus den Freiherren Schenck von Stauffenberg, des Heiligen Römischen Reichs Fürst und Bischof von Konstanz und Augsburg, der mit freundlicher Majestät, mit wunderbarer Klugheit, mit einzigartiger Milde die Wölfe abschreckte, die Lämmer anzog. Dass die Kirche lange eine Stütze sei, errichtete er das Seminar, das ihr die Säulen geben sollte. Er starb in Messkirch am 12. Juni 1740 im Alter von 82 Jahren am Hochzeitsfeste, damit du wissest, dass Ruhe gebühre dem, der 36 Jahre lang für die ihm anvertraute Braut unter höchster Anstrengung gestanden hatte. Geh, Wanderer, und traure!
[14] Es ist 140 cm breit und 215 cm hoch, ausgestellt und fotografiert in Bruchsal 1981, und ist in der Wikipedia unter
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Johann_Franz_Schenk_von_Stauffenberg.jpg
als gemeinfrei abrufbar. Das Bild in stauffenbergischem Familienbesitz scheint unten wie nachträglich verlängert, was auch die nicht korrekten Körperproportionen erklären würde. Tatsächlich ist nur die obere Hälfte von malerischer Qualität, sie weist auf den Hofmaler Jacob Carl Stauder.
|Johann Franz Schenk von Stauffenberg 1658–1740|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|18. Februar 1658||(Albstadt) Baden-Württemberg D||Herrschaft Stauffenberg|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Fürstbischof von Konstanz und Augsburg||1704–1740|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|12. Juli 1740||Messkirch Baden Württemberg D||Fürstentum Fürstenberg|
|Kurzbiografie|

Johann Franz Schenk von Stauffenberg, Fürstbischof von Konstanz und Augsburg, ist ein typischer Vertreter des Reichskirchen-Adels, der sich mit Kanonikerpfründen und familiären Beziehungen an möglichst vielen Hochstiften die Option auf einen Bischofssitz offenhält. In Konstanz ist dies schon 1704 der Fall, in Augsburg erst 1737. Für beide Hochstifte wird er sofort initiativer Bauherr. Für das schon stark verschuldete Hochstift Konstanz ist der Residenzneubau in Meersburg ein finanzielles Desaster, besser kann er den Neubau des für den nördlichen Bistumsteil wichtigen Seminarneubaus finanzieren. Diese Gründung muss als sein Hauptverdienst angesehen werden.
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