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Ein Schwung, ein dumpfer Aufprall, dann ein weiter Flug und grosser Jubel. In etwa so hört sich ein Home-Run im Baseball an. Das gelang Aaron Judge in dieser Saison 62 Mal. So häufig wie keinem seiner Vorgänger in der American League, die gemeinsam mit der National League die Major League Baseball – die beste Baseballliga der Welt – bildet. Vor 61 Jahren erzielte Roger Maris, wie Judge im Trikot der New York Yankees, 61 Home-Runs.
Dementsprechend fielen die Reaktionen aus. Von NFL-Superstar Patrick Mahomes über den früheren Yankee Derek Jeter bis zu Präsident Joe Biden gratulierten Judge alle. Biden schrieb: «Geschichte geschrieben, noch mehr Geschichte zu schreiben.» Und auch der Sohn des ehemaligen Rekordhalters, Roger Maris Jr., freute sich für Judge: «Du bist eine Klasse für sich und jemand, der verehrt werden sollte. Nun können wir einen neuen, sauberen Home-Run-König feiern!»
Damit spricht er ein heikles Thema im Baseball an. Erst ab 2004 wurden die Spieler in der MLB auf Doping getestet. In der Folge wurde bekannt, dass eine Menge Baseballer auf leistungssteigernde Substanzen zurückgegriffen hatten. Dazu gehörten auch die einzigen drei, welche mehr Home-Runs in einer Saison erzielten als Judge: Barry Bonds (73 Home-Runs, 2001), Mark McGwire (70, 1998) und Sammy Sosa (66, 1998). Alle spielten in der National League. So gilt Judge für viele als der «wahre» Home-Run-König.
Dabei dürfte Judge der ganze Trubel um seine Person gar nicht so wohl sein. Der 30-Jährige sucht das Rampenlicht nicht, hält sein Privatleben aus der Öffentlichkeit raus und ist ein sehr christlicher Mensch. In seinem Twitter-Profil sind seine Prioritäten klar zu erkennen: Glaube, Familie, dann Baseball. Das hat er von seinen Eltern. Patty und Wayne Judge adoptierten Aaron, als er zwei Tage alt war. «Es fühlt sich an, als hätten sie mich ausgesucht», sagte der Sohn der «New York Post» und führt aus: «Gott hat uns zusammengebracht.»
Dass er nicht bei seinen leiblichen Eltern aufwuchs, merkte Judge schon früh. «Ich habe weder meiner Mutter noch meinem Vater geähnelt.» Als er etwa zehn oder elf Jahre alt war, habe er sie danach gefragt und Patty und Wayne erklärten ihm, dass er wie sein älterer Bruder, der koreanische Wurzeln hat, adoptiert ist.
«Es störte mich nicht, weil es die einzigen Eltern waren, die ich kannte», sagt Judge. Und er steht seinen Adoptiveltern noch immer sehr nahe. Als er in der Nacht auf Mittwoch beim Spiel bei den Texas Rangers seinen 62. Home-Run erzielte, jubelten ihm die beiden von der Tribüne gemeinsam mit fast 40'000 Fans – von beiden Teams – zu. Patty Judge sagt: «Wir sind stärker gesegnet als er. Es war alles vorbestimmt.»
Vorbestimmt war auch, dass Judge ein hervorragender Athlet sein würde. Nur, dass es Baseball sein würde, war ihm nicht von Beginn an klar. Gegenüber «The Record» sagte er einmal: «Ich dachte immer, dass ich einmal ein Basketballer werde, weil ich so gross bin.» Mit 2,01 Metern und 128 Kilogramm hat er tatsächlich Gardemasse. Am College hätte er auch American Football spielen können, doch Baseball hatte es ihm am meisten angetan.
Es war die richtige Entscheidung, wie sich herausstellen sollte. Aus seiner Zeit an der Highschool und am College hat er auch seine jetzige Ehefrau Samantha Bracksieck. Die beiden heirateten im letzten Dezember im kleinen Kreis. Um seine Ehefrau rankt sich die einzige Kontroverse in Judges Karriere. Als sie im Jahr 2020 wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss verhaftet wurde, nutzte sie ihren berühmten Freund als Druckmittel. Dies habe wie ein Schlag ins Gesicht für Judge sein müssen, sagte eine Quelle der «New York Post».
Denn Judge ist auch abseits des Feldes eine nahbare Person. Dies zeigt eine Episode aus vergangenem Mai, als er einen seiner 62 Home-Runs erzielte. Ein Zuschauer fing den Ball und gab ihn einem kleinen Jungen, der ein Yankees-Trikot von Judge trug. Der Junge brach in Tränen aus und umarmte den Fan der Toronto Blue Jays, gegen die Judge und die Yankees an diesem Abend spielten. Beim nächsten Spiel traf sich Judge mit den beiden Baseball-Enthusiasten.
Wie «ESPN» schreibt, unterschrieb Judge den Ball und schenkte dem Jungen zusätzlich ein Paar seiner Handschuhe und sagte ihm: «Ich hoffe, dass du diese eines Tages benutzen kannst.» Später sprach er über das Treffen mit dem kleinen Fan: «Ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich kleine Kinder sehe, die meine Nummer auf dem Rücken tragen. Davon habe ich immer geträumt.»
Auch deshalb lieben ihn die Fans in New York. Im Stadion der Yankees hat er sogar eine eigene Sektion auf der Tribüne: die «Judge's Chamber», also die Gerichtskammer – in Anlehnung an seinen Namen. Doch wie lange Judge noch für das legendäre Team spielen wird, ist unklar. Vor der Saison lehnte er noch ein Angebot ab, das ihm 213,5 Millionen Dollar über sieben Jahre gebracht hätte. Gemäss «USA Today» wollte Judge einen ähnlichen Vertrag wie Mike Trout, der bei den Los Angeles Angels 360 Millionen über zehn Jahre verdient.
Nach dieser Saison läuft Judges Vertrag aus. Sein Marktwert dürfte nach seiner Rekordsaison nur noch einmal gestiegen sein. Mal sehen, wie viel den Yankees der «wahre» Home-Run-König wert ist – und ob sie mit den Angeboten anderer Teams mithalten können oder wollen.
Cristiano Ronaldo ist seit Jahren der X-Faktor im Kader der portugiesischen Nationalmannschaft. Sein Name steht in Verbindung mit dem EM-Titel 2016 in Frankreich, aber auch mit zahlreichen Misserfolgen bei Weltmeisterschaften. 2010: Ausscheiden im Achtelfinal. 2014: Out in der Gruppenphase. Und 2018 erneut Endstation Achtelfinal.