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Ein Blick zurück in die lange Geschichte der Nitrochemie Wimmis AG
Franz Seewer
Präsident Sektion Wimmis
Die Gründung
1898 befand sich die Pulverfabrik noch in Worblaufen. Wegen der umliegenden Besiedelung wurde vom damaligen Bundesrat entschieden, diese Fabrik in nichtbesiedeltes Gebiet zu verlegen. Der Entscheid fiel auf Wimmis. In Wimmis wurde die P+F als Eidgenössische Pulverfabrik geründet und gebaut. Der Bund schaute sorgfältig darauf, dass das Gelände im Wald mit geschützter Einsicht von aussen zur Verfügung stand. Auf dem Gelände der Eidgenössischen Pulverfabrik wurden zum vorhandenen Wald zusätzlich Nussbäume gepflanzt. Diese wurden später für die Herstellung der Karabinerschäfte verwendet.
Selbstversorgung an Treibladungspulver
In der Zeit des Ersten Weltkrieges 1914 bis 1918 wurde für die Armee einbasiges Pulver vor allem für Gewehre und Pistolen hergestellt. Der Bund hat mit dieser Fabrik die hundertprozentige Selbstversorgung an Treibladungspulver sichergestellt. Die Treibladungspulver wurden in den Munitionsfabriken Thun und später Altdorf in gebrauchsfertige Munition laboriert.
Produktion rund um die Uhr
In der Zeit des Zweiten Weltkrieges wurde in Wimmis rund um die Uhr Pulver hergestellt. Die Mitarbeitenden konnten wie die Armeeangehörigen den Arbeitsplatz am Abend nicht verlassen. Es herrschten Einsätze wie im Militärdienst. Viele Angestellte hatten zu Hause Ziegen, Schafe und teilweise auch Rindvieh, welches den Familien als Grundbedarf zum Leben diente.
Gründung der Sektion Wimmis
Im Jahr 1948 wurde dann aus der Arbeitnehmerschaft die Sektion Wimmis des Militärpersonalverbandes (heutige swissPersona) gegründet. Die sieben Gründungsmitglieder schafften es, die Sektion in der Fabrik zu etablieren. Der Mitgliederbestand nahm kontinuierlich zu, und die Sektion hatte innerhalb der Fabrik ein gewichtiges Wort für die Angestellten bei den Direktoren. Es gab in dieser Zeit auch kein Mangel an Vorstandsmitgliedern, da die Mitgliedschaft ein Bedürfnis und Ehre darstellte. Seit der Gründung der Sektion Wimmis waren in der Personalvertretung der Pulverfabrik auch immer Mitglieder von unserer Sektion dabei.
Aufgabe der Eigenständigkeit in Wimmis
Die Fabrik hat sich mit dem zunehmenden Bedarf an Munitionstypen bis hin zum Kanonenpulver für die Schweiz ein standhaftes Dasein gesichert. Bis Ende der 80ger Jahre hatte die Pulverfabrik in Wimmis eine sehr gute Auslastung. Für alle Kaliber der Infanterie, Artillerie und der Fliegertruppen wurden Pulvertypen entwickelt und serienmässig hergestellt. Der Entscheid, die Rüstungsbetriebe in die Schweizerische Munitionsunternehmung (SM) als eine selbständige und teilprivate Firma mit fünf Teilzentren zu überführen, brachte organisatorische Handstände mit sich. Die Wimmiser als «SM Pulver und Ladungen» hatten ab diesem Zeitpunkt keine Eigenständigkeit mehr. Mit Ausnahme der Produktion und Entwicklung wurden danach die Fäden in der Zentrale Thun gesponnen. Von unserem Verband wurde vorgeschlagen, dass die privatrechtlich geführten Betriebe nicht mehr dieselben Vertretungen wie zuvor bedingten. Der Status eines Bundesbetriebes fiel. Mit der Syna konnte danach ein Partner für die Vertretung der Anliegen unserer Mitarbeitenden in der SM, gefunden werden.
Abtrennung von der SM Holding
Die Schweizer Armee kürzte der SM Pulver und Ladungen aufgrund politischer Gründe die Aufträge. Der Bedarf sank somit auch in Wimmis. Es wurde Umschau gehalten, wie man die SM Pulver und Ladungen retten könnte. Mit Sorgfalt und Vorsicht wurde mit der WNC Aschau GmbH in Deutschland ein geeigneter Partner gefunden, mit dem ein gemeinsamer Weg in die Zukunft vorstellbar wurde. 1998 hat sich dann die Militärkommission und danach der Bundesrat dazu entschieden, den Vorschlag zur Abtrennung der SM Pulver und Ladungen von der SM Holding zu vollziehen. Die NCW AG Wimmis, wurde als Teil der Rheinmetall Waffe und Munition gegründet (Beteiligungen: 49 % RUAG sowie 51 % Rheinmetall).
Gründung der Nitrochemie AG
Was dies bedeutete, war in der Folge mit sehr viel Arbeit verbunden. Die neu gegründete Firma Nitrochemie AG Wimmis wurde als schweizerische Firma mit zwei Standorten Wimmis und Aschau gegründet. Die Gesetzmässigkeiten der Arbeitnehmenden waren und sind völlig unterschiedlich. Beim Schwesterwerk sind die Angestellten sowie deren Arbeitsbedingungen und Besoldung von der IGBC Gewerkschaft verhandelt und bestimmt. Für die Nitrochemie Wimmis AG bedurfte es einen speziellen Arbeitsvertrag. Dieser Arbeitsvertrag wurde 1998 erstellt und vom Schreibenden mitverhandelt. Als Vertragspartner wurde der damaligen Geschäftsführung vorgeschlagen, die Syna und somit auch swissPersona als kollektiven Vertragspartner zu wählen. Weil die Geschäftsführung nur einen Vertragspartner wollte (eine Alternative wäre eine Anstellung nach OR gewesen), konnte aufgrund der grossen Sektionsangehörigkeit von swissPersona die Syna als einziger, direkter Vertragspartner auserwählt werden.
Florierende Umsätze
Die Firma Nitrochemie Wimmis AG hat seither während 22 Jahren operativ sehr gute Umsätze aus nationalen aber vor allem auch internationalen Aufträgen erzieht. Was aber mit der Gründung der Nitrochemie Wimmis AG mit dem sehr guten Kollektiv-Arbeitsvertrag für die Mitarbeitenden stark geändert hat, war die Begründung, warum eine Mitgliedschaft zu swissPersona überhaupt Sinn macht. Dank der Zusammenarbeit mit swissPersona und dem Brückenschlag zur Syna konnte die Sektion Wimmis bis heute überleben.
Integration in den schweizerischen Teil der RUAG
Nach dem erneuten Entscheid des Bundesrates, den exportorientierten Teil der RUAG zu verkaufen, brachte für die Nitrochemie Wimmis AG wiederum eine neue Situation mit sich. Der Verwaltungsrat der Nitrochemie AG Wimmis, welcher sich paritätisch aus Mitgliedern der RUAG und der Rheinmetall zusammensetzt, konnte erwirken, dass wir in den schweizerischen Teil bei der RUAG (MRO) integriert wurden. Aktuell ist die Nitrochemie Wimmis AG sehr gut unterwegs. Der Schreibende hofft, dass dies auch so bleiben kann. ■ (Bild: Nitrieranlage für Sprengöl.) Bild Nitrochemie Wimmis AG