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Fehler beim Post-Editing maschinell übersetzter Rechtstexte – Beispiele
15.12.2023
Jüngste Statistiken zeigen, dass die maschinelle Nachbearbeitung von Übersetzungen in der Sprachbranche immer mehr an Bedeutung gewinnt. Doch trotz der rasanten Fortschritte auf dem Gebiet der neuronalen maschinellen Übersetzung (NMT) können sich immer noch subtile Fehler einschleichen. Und diese können besonders im juristischen Bereich, wo es auf Genauigkeit ankommt, Schaden anrichten. In diesem Artikel finden Sie Beispiele für einige der wichtigsten Fehler, denen Post-Editoren, die mit den Sprachen Deutsch und Englisch arbeiten, begegnen.
Falsche Übersetzung von Rechtsbegriffen
Für juristische Begriffe gibt es möglicherweise keine direkten Entsprechungen in der Zielsprache. NMT-Tools können Übersetzungen erstellen, die die beabsichtigte rechtliche Bedeutung nicht genau wiedergeben. Erfahrene Post-Editoren könnten diese Übersetzungen versehentlich akzeptieren, wenn das Dokument insgesamt kohärent erscheint.
- Der deutsche Rechtsbegriff «Eigenbedarf» könnte fälschlicherweise mit «own needs» übersetzt werden, was nicht die richtige rechtliche Bedeutung vermitteln würde.
Falsche Freunde
Falsche Freunde sind Wörter, die in zwei Sprachen ähnlich aussehen, aber unterschiedliche Bedeutungen haben. In der juristischen Übersetzung können falsche Freunde zu ernsthaften Missverständnissen führen. Erfahrene Post-Editoren können sie gelegentlich übersehen, weil sie davon ausgehen, dass ähnlich aussehende Begriffe in beiden Sprachen dasselbe bedeuten.
- Im Deutschen bedeutet «aktuell» «current» oder «up to date», das NMT-Tool könnte es jedoch fälschlicherweise als «actual» übersetzen, was für einen englischen Leser verwirrend wäre.
Subtile kontextuelle Fehler
NMT-Systeme können Schwierigkeiten haben, subtile kontextuelle Nuancen in der Rechtssprache zu verstehen. Post-Editoren könnten diese Fehler übersehen, insbesondere wenn die Gesamtbedeutung des Satzes vernünftig erscheint, der spezifische rechtliche Kontext jedoch nicht genau erfasst wurde.
- Die deutsche Formulierung «nach billigem Ermessen» könnte von einem NMT-System als «at the reasonable discretion» [des Gerichts] übersetzt werden. Ein Post-Editor könnte jedoch die subtile rechtliche Nuance übersehen und nicht erkennen, dass einfach «at the discretion» [des Gerichts] eine genauere Übersetzung wäre.
Idiomatische Ausdrücke
Die Rechtssprache enthält oft idiomatische Ausdrücke und Phrasen, die in der Zielsprache keine direkte Entsprechung haben. NMT-Tools können wörtliche Übersetzungen produzieren, die unbeholfen oder falsch klingen. Post-Editoren könnten diese Nuancen übersehen, insbesondere wenn die wörtliche Übersetzung grammatikalisch korrekt erscheint.
- Der deutsche Ausdruck «unter einer Decke stecken» («to be in cahoots») könnte von einem NMT-System wörtlich übersetzt werden, was im Englischen zu einer nicht-idiomatischen Formulierung führen würde (in diesem Fall «stuck under a blanket»).
Konsistenz der Terminologie in verschiedenen Dokumenten
Bei der Arbeit an mehreren juristischen Dokumenten können NMT-Tools Inkonsistenzen in der Terminologie zwischen den Dokumenten verursachen. Dies kann für Post-Editoren schwer zu erkennen sein, insbesondere bei grossen Übersetzungsprojekten.
- So kann es vorkommen, dass das NMT-System «Klage» in einem Dokument als «lawsuit» und in einem anderen als «claim» übersetzt, oder dass «Ehevertrag» in ein und demselben Dokument sowohl als «marriage contract» als auch als «matrimonial agreement» bezeichnet wird, was zu Unstimmigkeiten in der Terminologie des gesamten Übersetzungsprojekts führt.
Fehlende rechtliche Verweise
Rechtstexte verweisen oft auf bestimmte Gesetze, Verordnungen oder Rechtsprechung. NMT-Tools übersetzen diese Verweise nicht immer genau. Post-Editoren könnten solche Auslassungen übersehen, in der Annahme, dass die Verweise erstellt wurden und korrekt sind.
- Die Schweizer Vorschrift « 826 BGB» («Art. 826 Swiss Civil Code») kann vom NMT-Tool ausgelassen oder falsch übersetzt werden, was dazu führt, dass in der englischen Übersetzung keine korrekten Rechtsverweise enthalten sind.
Fehlende korrekte Zitierung
Ebenso müssen Rechtsinstanzen in juristischen Dokumenten ordnungsgemäss zitiert werden. NMT-Systeme haben mitunter Probleme mit Zitierformaten. Post-Editoren könnten fehlende oder falsche Zitate übersehen.
- Es kann vorkommen, dass das NMT-System keine ordnungsgemässen juristischen Zitate erstellt oder sie nicht im richtigen Format generiert, z. B. wenn der spezifische Artikel oder Abschnitt eines Gesetzes, auf den im deutschen Ausgangstext verwiesen wird, nicht zitiert wird.
Unvollständige rechtliche Analyse
Einige juristische Dokumente erfordern eine gründliche Analyse des Gesetzes sowie ein umfassendes Verständnis des rechtlichen Kontextes und Hintergrunds. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt übersteigt dies noch die Möglichkeiten der meisten NMT-Tools. Deshalb müssen Post-Editoren bei der Überprüfung und Nachbearbeitung der maschinell erstellten Übersetzungen besonders aufmerksam vorgehen.
- Das NMT-System kann eine Übersetzung erstellen, die nicht auf einer für eine Vertragsklausel erforderlichen gründlichen juristischen Analyse beruht, weil wesentliche Details oder Überlegungen ausgelassen werden.
Rechtschreib- und Formatierungsfehler
NMT-Systeme können Rechtschreib-, Zeichensetzungs- und Formatierungsfehler enthalten. Post-Editoren könnten kleinere Interpunktions- oder Formatierungsfehler übersehen, weil sie sich mehr auf den Inhalt und die Bedeutung konzentrieren.
- Das NMT-System kann Zeichensetzungsfehler wie fehlende oder falsch gesetzte Kommas enthalten, die die rechtliche Auslegung eines Satzes beeinträchtigen können.
Diese Beispiele zeigen, wie sich maschinelle Übersetzungsfehler in juristischen Dokumenten auf unterschiedliche Weise manifestieren können. Sie unterstreichen die entscheidende Rolle professioneller Post-Editoren bei der Wahrung der sprachlichen Genauigkeit und der Einhaltung von Rechtsnormen. Obwohl die neuronale maschinelle Übersetzung erhebliche Vorteile bietet und sich rasch verbessert, hat sie immer noch ihre Grenzen. Daher sind Schulungen, Feedback und die Zusammenarbeit zwischen Juristen und Sprachexperten unerlässlich, um die Qualität der maschinell übersetzten Rechtstexte im Laufe der Zeit zu verbessern.
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