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Die Berufung (On The Basis of Sex)
Er könnte fast nicht aktueller sein, der Film der amerikanischen Regisseurin Mimi Leder über die Juristin Ruth Bader Ginsburg, die sich ihr Leben lang für die Gleichstellung von Männern und Frauen einsetzte und 1993 zur erst zweiten Richterin am Obersten Gerichtshof der USA ernannt wurde. Denn natürlich arbeiten heute zwar ein paar Richterinnen mehr am Obersten Gerichtshof, aber immer noch werden den amerikanischen Frauen selbstverständliche Rechte verwehrt, wie das jüngste Urteil zur Abtreibung zeigt.
So klingt es denn ganz und gar nicht nach finsterer Vergangenheit, wenn die angehende Juristin Ginsburg im Film zu Beginn ihres Studiums an der juristischen Fakultät von Harvard mit den Worten begrüsst wird: „Wer sind Sie, woher kommen Sie, und warum besetzen Sie einen Platz, der traditionell einem Mann gebührt?“
Jüdin, Frau und Mutter
Mimi Leders Spielfilm zeichnet den lebenslangen Kampf der mutigen Juristin nach, es ist ein Weg voller Demütigungen und Rückschläge: Nach ihrem brillanten Abschluss an der Columbia University fand sie in keiner New Yorker Kanzlei eine Anstellung – dass sie zugleich Jüdin, Frau und Mutter war, ging den Herren dann doch etwas zu weit. So arbeitete sie als Professorin, gehörte zu den Aktivistinnen des Women’s Rights Project einer Bürgerrechtsbewegung, führte in den 1970er Jahren mehrere erfolgreiche Diskriminierungsklagen vor dem Obersten Gericht und setzte sich, allerdings etwas weniger lautstark, für das Recht auf Abtreibung ein, bevor sie 1993 von Bill Clinton endlich an den Supreme Court berufen wurde.
Auch eine schöne Liebesgeschichte
Sowohl im Leben wie im Film spielt eine wunderbare Liebesgeschichte eine wichtige Rolle: die grosse Liebe zu ihrem ungewöhnlichen Ehemann Martin, den sie seit ihrer gemeinsamen Studienzeit kannte, der als renommierter Steueranwalt für ihre Berufung alle Hebel in Washington in Bewegung setzte und später ganz auf seine eigene Karriere verzichtete, um zu Hause für die Familie zu sorgen, zu kochen und zu putzen.
Kurz: Grosses ergreifendes Kino über eine grosse Kämpferin für die Frauenrechte und einen für jene Zeit ausserordentlich emanzipierten Ehemann.