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Otto Steiger (* 4. August 1909 in Uetendorf bei Thun; † 10. Mai 2005 in Zürich) war ein Schweizer Schriftsteller und Radionachrichtensprecher.
Otto Steiger wuchs in Bern auf und studierte in Paris Romanistik. Aus Geldmangel brach er das Studium ab und arbeitete als Giesser und Reiseführer. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz wurde Steiger 1936 Redakteur und Nachrichtensprecher bei der Schweizerischen Depeschenagentur.
Von Kriegsbeginn bis 1943 war Otto Steiger die offizielle "Stimme der Nation", die bei einem Einmarsch die Authentizität der Radionachrichten garantieren sollte. Danach gründete und leitete er eine private Handelsschule mit seinem eigenen Namen, die er 1954 verkaufte. 1955 gründete er ein Handelsunternehmen, um seinen schriftstellerischen Neigungen nachgehen zu können.
Sein literarisches Debüt gab er 1942 mit der Ehegeschichte Sie tun als ob sie lebten, 1949 folgte Und endet doch alles mit Frieden.
Sein dritter Roman 1952 Porträt eines angesehenen Mannes wurde von Kritikern als Propaganda für den Kommunismus verurteilt. Das Buch wurde tatsächlich ohne Steigers Zutun auf russisch übersetzt und 300'000mal verkauft.
Nachdem er 1957 unvorsichtigerweise einer Einladung des russischen Schriftstellervereins gefolgt war, diffamierte und ignorierte die Presse den "roten Steiger". Diese Reise war als Entschädigung für die 1952 erfolgte unautorisierte Übersetzung seines dritten Romans gedacht. Seine gesellschaftskritischen Bücher, viele davon Krimis, erschienen nur noch in Kleinverlagen.
Also versuchte er es mit Dramen und Jugendbüchern. In beiden Sparten erhielt er Preise. Von da an ging es wieder aufwärts. Bücher wie Spurlos vorhanden (1980), Die Unreifeprüfung (1984), Der Doppelgänger (1985), Schott (1992), Schachmatt (1996) und zuletzt die Geschichtensammlung Das Wunder von Schondorf (2001) wurden zum Teil bis heute immer wieder neu aufgelegt. Seit 1999 war Otto Steiger wieder ein gefragter Schriftsteller. An den Solothurner Literaturtagen traf er sich mit seinem ehemaligen Gegenspieler Prof. Dr. Werner Weber, um den Konflikt wegen der Russlandreise beizulegen. Die beiden wurden in den letzten 10 Jahren gute Freunde. Das Werk von Otto Steiger ist um einiges grösser, als man vermuten könnte. Ca. 20 Romane und 10 Bücher für junge Erwachsene wurden in 17 Sprachen übersetzt.
Das bewog den Radio-DRS-Journalisten R. Zehnder, der ihn an seinem 95. Geburtstag besuchte und interviewte, zu der abschliessenden Betrachtung, dass Steigers Werk in einer Linie mit Balzac, Tolstoi und Hemingway stehe. Als Steiger 2005 unerwartet durch einen Fehler des Personals im Stadtspital Waid verstarb, schrieb Charles Linsmayer im "Bund" einen Nachruf, in dem er Steigers Stil mit Camus und Beckett verglich.
Otto Steiger war der Enkel des Schweizer Dichters Georg Steiger. Er war verheiratet und hatte einen Sohn und eine Tochter.