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Ph. Gosset, L. Held und H. Wild mit ihren Mitarbeitern und Gehilfen (von welch' letztern besonders Felix Im Ahorn aus Oberwald genannt zu werden verdient) alle Arbeiten am und auf dem Gletscher besorgt haben. Diese Arbeiten bestanden u. a. in der Anlage eines trigonometrischen Spezialnetzes, der Aufnahme und Zeichnung einer Gesamtkarte in 1:25000 und einer Spezialkarte der Gletscherzunge in 1:5000, in Messungsserien der die Physik des Gletschers betreffenden wichtigen Erscheinungen, wie z. B. des Fliessens des Gletschers, der Aenderungen in der Mächtigkeit des Eises und der Gletscherlänge, der Ablation, des Schneefalles etc. Die bedeutendste der vorgenommenen Arbeiten bestand in der Anlage von 5 in gerader Linie quer über den Gletscher gelegten Profilen.
Diese wurden nach dem Vorschlag von Prof. Heim durch faustgrosse und farbig bemalte Steine markiert, die in ununterbrochener Reihe aneinander gelegt wurden und zwischen die man von je 10 zu 10 Metern einen kopfgrossen Stein einschaltete, der eine bestimmte Ordnungsnummer erhielt und der Vornahme der genauesten Messungen zu dienen bestimmt war. Es wird nun jedes Jahr gegen Ende August die Lage aller der nummerierten Steine nach ihrem horizontalen und vertikalen Wert bestimmt und auf die Karte und die Profilzeichnungen eingetragen.
Die die Lage dieser Steine in den einzelnen aufeinanderfolgenden Jahren darstellende Karte zeigt auf den ersten Blick die Linien des oberflächlichen Fliessens, d. h. den Stromstrich des Gletschers. Von 1882 an hat man mit Hilfe von Holzlattentetraedern, die in den Schnee eingegraben worden sind, auch über den Firn solche Profile gezogen. Es wurden also markiert: 2 Profile auf dem Grossen Firn, 2 auf dem Thälifirn, 2 auf dem obern Gletscher über dem Eisfall und 3 auf der Muschel. Im folgenden geben wir deren Höhenlage und Entfernung von der Rhonebrücke vor dem Hotel in Gletsch, die Zeit ihrer Herstellung und ferner die Lage einiger anderer interessanter Punkte des Gletschers:
|Zeit||Höhe m||Entfernung v. d. Brücke von Gletsch m|
|Gletscherstirn||1818||1767||150|
|Gletscherstirn||1874||1780||850|
|Gletscherstirn||1904||1801||1670|
|Schwarzes Profil||1874-1882||1820||1250|
|Grünes Profil||1874-1900||1847||1600|
|Blaues Profil||1895-1904||1920||1860|
|Gelbes Profil||1874-1904||2400||3350|
|Rotes Profil||1874-1904||2560||4550|
|Firnlinie||1904||2780||5850|
|Unteres Profil am Thälifirn||1882-1904||2745||6985|
|Unteres Profil am Grossen Firn||1882-1904||2820||6985|
|Oberes Profil am Thälifirn||1882-1904||3030||8755|
|Oberes Profil am Grossen Firn||1882-1904||2950||8755|
Der Gletscher fliesst am schnellsten in oder nahe seiner Axe. Die Geschwindigkeit schwankt von einem Jahr zum andern nur wenig und hängt ab von der Mächtigkeit oder Dicke des Gletschers, die beim Vorstossen eine andere ist als beim Zurückgehen. Zu einer Zeit ausgesprochenen Rückganges betrug die mittlere Geschwindigkeit der Steinreihen der vier Hauptprofile 1874-1881:
|Im Jahr (m)||Im Tag (cm)|
|Rotes Profil; nahe der Firnlinie||101||28|
|Gelbes Profil; 0.8 km oberhalb des Eisfalles||110||30|
|Grünes Profil; am Fuss des Eisfalles||27||7|
|Schwarzes Profil; nahe der Gletscherstirn||5||1|
Die mittlere jährliche Geschwindigkeit des Fliessens des Firnfeldes, aus 14jährigen Messungen berechnet, betrug für den untern Abschnitt des Grossen Firns 98 m. Die Geschwindigkeit schwankt in der Längsrichtung des Gletschers je nach dem Gefälle seiner Oberfläche, das den Gefällsänderungen der Felsunterlage entspricht, und je nach der Breite des Thales. So betrug die mittlere jährliche Geschwindigkeit in der Gletscheraxe während des Rückzugsstadiums 1874-1904 über dem Eisfall 100-125 m, im Eisfall selbst dagegen 230 m. Die Reise der Reihen von farbigen Steinen über den Eisfall hinunter hat zu den interessantesten Beobachtungen Anlass gegeben. Selbst mitten in diesem scheinbar regellosen Gewirr von Eispyramiden kreuzen sich die Linien des Stromstriches nirgends. Alle nummerierten Steine hat man am Fuss des Eisfalles in ihrer richtigen Folge aufgereiht wieder gefunden, und während der ganzen vierjährigen Dauer des Abstieges über diesen ungeheuern Fall gefrorenen Wassers hat sich kein einziger aus seiner Reihe verschoben.
Der Rhonegletscher ist von 1874 bis 1904 beständig zurückgegangen. Die einzelnen Vorstossversuche, besonders derjenige von 1892, zu welcher Zeit viele der Alpengletscher die kleine sog. «crue de fin du 19e siècle» zeigten, sind hier ganz unbedeutend geblieben. Das Nivellement der Querprofile hat einen nur sehr geringen Unterschied in der Dicke des Gletschers ergeben, indem das Eis im ganzen blos um einige Meter eingesunken ist. Diese geringen Aenderungen in der Höhe des Eisstromes haben kaum genügt, die zwischen der Geschwindigkeit des Fliessens und der Dicke des Gletschers sicherlich bestehenden gesetzmässigen Beziehungen ahnen zu lassen: ¶
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eine geringe Aenderung in der Dicke bedingt eine starke Schwankung in der Geschwindigkeit des Fliessens. Der jährliche Wert der Ablation ist längs den Hauptprofilen auf der Gletscherzunge bestimmt worden und beträgt im Mittel:
|Höhe m||Jährliche Ablation m|
|Grünes Profil||1840||11.23|
|Blaues Profil||1870||10.50|
|Gelbes Profil||2410||4.36|
|Rotes Profil||2550||3.07|
Die Firnlinie, d. h. die obere Grenzlinie desjenigen Gebietes, in dem, ein normales Jahr vorausgesetzt, aller während des Winters gefallene Schnee bis zu Ende des Sommers weggeschmolzen ist, kann am Rhonegletscher in eine Höhe von 2780 m verlegt werden.
Im Jahr 1898 hat man durch Hineinschütten von Fluoreszeïn in die oberflächlichen Gletscherbäche Beobachtungsmaterial über die Laufgeschwindigkeit des unter dem Gletscher abfliessenden Baches gewonnen und festgestellt, dass diese Geschwindigkeit im obern Gletscherabschnitt und im Eisfall im Mittel 13 m in der Minute betrug. Dieses ist durchaus das selbe Resultat, das jeder Bach mit analogem Gefäll und Wasserführung ergeben würde. Es existieren daher im Rhonegletscher keine den Wasserabfluss verlangsamenden intra- oder subglaziale Seen.
Das Studium der Physik und die kartographische Aufnahme des Rhonegletschers, deren technischer Bericht gegenwärtig von L. Held, dem Chef der eidgenössischen topographischen Landesanstalt, zur Veröffentlichung vorbereitet wird, ist das grösste wissenschaftliche Unternehmen, das an einem der alpinen Gletscher der Schweiz jemals in Angriff genommen und glücklich zu Ende geführt worden ist.
[F. A. Forel.]