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Kleiner Panda
Ailurus fulgens
© 2010 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Numisbriefe Kollektion)
Der rot-weiss gefärbte Kleine Panda (Ailurus fulgens) ist wie der schwarz-weiss gezeichnete Grosse Panda (Ailuropoda melanoleuca) ein Mitglied der Ordnung der Raubtiere (Carnivora). Dort stehen die beiden einander verwandtschaftlich allerdings nicht besonders nahe, wie wir aufgrund neuster molekulargenetischer Studien wissen: Während der Grosse Panda ein vollwertiges Mitglied der Familie der Grossbären (Ursidae) ist, gehört der Kleine Panda zur Gruppe der Marderverwandten, wo er in eine eigene Familie namens Katzenbären (Ailuridae) gestellt wird.
Alle körperbaulichen Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Pandas sind also einzig darauf zurückzuführen, dass sie beide im Laufe ihrer Stammesgeschichte zu «Bambusbären» geworden sind, das heisst sich nicht allein zu vegetarisch lebenden Raubtieren entwickelt haben, sondern sich überdies auf eine besonders nährstoffarme Pflanzennahrung spezialisiert und zu diesem Zweck sehr ähnliche Anpassungen in ihrem Körperbau vorgenommen haben.
Als erwachsenes Tier weist der Kleine Panda eine Kopfrumpflänge von 55 bis 62 Zentimetern, eine Schwanzlänge von 37 bis 47 Zentimetern und ein Gewicht um 5 Kilogramm auf. Hinsichtlich Grösse, Gestalt und Färbung bestehen keine Unterschiede zwischen den Männchen und den Weibchen. Das Artverbreitungsgebiet erstreckt sich dem Südhang des Himalaja-Gebirges entlang von Nepal im Westen bis China im Osten. Innerhalb dieses Areals bewohnt der dickfellige Katzenbär grossenteils Mischwälder an steilen Berghängen in Lagen zwischen 2800 und 3600 Metern ü.M.
Aktiv ist der Kleine Panda überwiegend nachts. Zwar ist er ein wendiger Kletterer und verbringt den Tag zumeist schlafend im Geäst eines Baums, doch bewegt er sich bei der nächtlichen Nahrungssuche überwiegend am Boden umher. Bambus bildet wie erwähnt seine Grundnahrung. Hinsichtlich seines Speisezettels ist er jedoch weniger strikt als der Grosse Panda und verspeist auch gern Blüten, Früchte, Blätter und Rinden von Gehölzpflanzen, ferner - wenn sich die Gelegenheit ergibt - Mäuse und andere kleine oder junge Säugetiere, Vögel und deren Eier sowie Insekten und deren Larven.
Abgesehen von den verhältnismässig kurzen Begegnungen zwischen Männchen und Weibchen während der Paarungszeit und der etwa sechsmonatigen Verbindung zwischen Müttern und ihren Jungen während deren Aufzuchtszeit führen die Kleinen Pandas ein einzelgängerisches, ungeselliges Leben. Ihr Streifgebiet versehen sie zwar rege mit Duftmarken, doch wissen wir nicht sicher, ob sie dasselbe als Territorium zur alleinigen Nutzung beanspruchen oder ob ihre «Visitenkarten» einfach der Verständigung mit ihresgleichen dienen.
Das Fortpflanzungsgeschehen ist bei den Kleinen Pandas stark jahreszeitlich geprägt. Die Paarungen finden mitten im Winter statt, von Januar bis Ende Februar. Die jungen Kleinen Pandas kommen dann mehrheitlich im Juni, nach einer überraschend langen Tragzeit von durchschnittlich viereinhalb Monaten, meistens zu zweit zur Welt. Bei der Geburt wiegen sie etwa 120 Gramm und weisen eine Kopfrumpflänge von ungefähr 20 Zentimetern auf.
Als Kinderstube wählt das Weibchen gewöhnlich eine Höhlung in einem Baumstrunk, eine Nische im Geröll oder eine Felsspalte. Diesen sicheren Unterschlupf verlassen die Jungen erstmals im Alter von ungefähr drei Monaten. Ab dem Alter von etwa vier Monaten kehren sie morgens nicht mehr zu ihrem Versteck zurück, sondern verschlafen von da an den Tag gemeinsam mit ihrer Mutter irgendwo im Geäst ihres Heimatwalds. Die Entwöhnung erfolgt im Alter von etwa fünf Monaten. Ungefähr zwei Monate später, zu Beginn der nächsten Paarungszeit, werden sie schliesslich von der Mutter nicht mehr in ihrer Nähe geduldet, worauf sie sich zwangsläufig auf die Suche nach einem eigenen Streifgebiet machen. Im Alter von ungefähr einem Jahr sind die jungen Kleinen Pandas ausgewachsen und mit etwa anderthalb Jahren fortpflanzungsfähig. In Menschenobhut sind zwar einzelne Individuen 14 Jahre alt geworden, doch beträgt die übliche Lebensdauer in der freien Wildbahn 8 bis 10 Jahre.
Die Bestände des Kleinen Pandas sind in den meisten Bereichen des Artverbreitungsgebiets seit längerer Zeit rückläufig. Waldvernichtung durch den Menschen zwecks Gewinnung von Bau- und Brennholz sowie Pflanz- und Weideland heisst die Hauptursache. Nebensächlich trägt aber - zumindest in einzelnen Regionen - auch die Bejagung zwecks Gewinnung des edlen Pelzes zum Bestandsschwund bei. Die gegenwärtige Populationsgrösse wird auf nur noch ungefähr 15 000 Individuen geschätzt. Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) steht der Kleine Panda darum seit 2008 in der Kategorie «Verletzlich».
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