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Beim heutigen westlichen Menschen steigt bei der Vorstellung, sich aus dem gesellschaftlichen und sozialen Leben zurückzuziehen, mehrheitlich das Bild eines Aussteigers auf. Manchmal sind damit Absichten verbunden, wie zu sich selbst zu finden, sich von der Konsumgesellschaft zu lösen oder auch eine generelle Sinnsuche, da der Punkt zu einer Richtungsänderung im eigenen Leben erreicht wurde. Oft ist ein sogenannter Ausstieg aus der Gesellschaft jedoch auch mit der bewussten oder unbewussten Neigung verbunden, den Schwierigkeiten des Lebens zu entfliehen.
Folgende indische Geschichte zeigt humorvoll auf, wie schnell der Mensch in den Bann verwirrender materieller Umstände gerät und das spirituelle Ziel seiner Meditation aus den Augen verliert, selbst wenn er eigentlich nur ein guter Yogi sein wollte.
In Indien gab es einmal einen Yogi, der sich im Wald vollkommen in seine Meditation vertieft hatte. Da er ein sehr einfaches Leben führte, verlief sein Leben ohne grosse Besorgnisse und Ängste, mit einer Ausnahme: Regelmässig frass eine Maus ein Loch in sein zweites Lendentuch, das er zum Trocknen an einem Baumast aufhängte. Als er das Tuch schliesslich nicht mehr benutzen konnte, wanderte der Yogi zu einem nahe gelegenen Dorf und traf sich dort mit einem ihm wohlgesonnenen Freund. Er fragte diesen um Rat und der Freund, der sich nur das beste für den Yogi wünschte, sagte ihm: ”Ich werde dir meine Katze mitgeben und ich versichere dir, dass dein Ärger mit der Maus damit ein Ende finden wird.“ Der Yogi bedankte sich und erleichtert, dass er sich in Zukunft wieder ungestört seiner Meditation würde widmen können, kehrte er schliesslich zusammen mit der Katze in den Dschungel zurück.
Zu Hause vertiefte er sich wieder in seine Meditation als er nach geraumer Zeit plötzlich ein pelziges Etwas auf seinen Beinen verspürte. Es war die Katze, die ihren Kopf an seinen Körper schmiegte und versuchte, seine Aufmerksamkeit zu erregen. Der Yogi wunderte sich etwas über dieses Verhalten und entschloss sich schliesslich, nochmals seinen Freund aufzusuchen und ihn dazu zu befragen.
”Oh, wusstest du das nicht? Du musst die Katze füttern! Sie ist hungrig.“, erklärte ihm der Freund.
”Was muss ich ihr den füttern?“, fragte der Yogi.
”Milch!“, beschied ihm sein Freund.
”Und woher soll ich diese Milch herbekommen?“, wollte der Yogi wissen.
Der Mann aus dem Dorf überlegte kurz und entgegnete: ”Ach, weisst du. Du bist mein guter Freund. Hier, ich schenke dir diese Kuh. Sie wird dir mehr als genug Milch geben, damit du deine Katze füttern kannst.“
Dankbar für die Hilfe seines Freundes kehrte der Yogi mit der Kuh in den Dschungel zurück und dachte bei sich: ”Nun sind meine Probleme gelöst.“
Zu Hause angekommen, vertiefte er sich erneut in seine Meditation. Nicht viel später fühlte er plötzlich einen stechenden Druck im Rücken. Es war die Kuh, die ihn von hinten anstiess. Dies beunruhigte den Yogi sehr, zumal er das Tier nicht beruhigen konnte und so beschloss er, seinen Freund im Dorf um Rat zu fragen.
”Du musst die Kuh melken. Ihr Euter schmerzte, da sich die Milch darin zu stauen begann. Das ist bloss ihr Art, dich darum zu bitten, sie zu melken.“, erklärte ihm der Freund.
”Aber ich verbringe den ganzen Tag damit, zu meditieren. Wann soll ich die Zeit finden, sie zu melken?“, gab der Yogi zu bedenken.
Sein Freund dachte nach und sagte schliesslich zum Yogi: ”Ich denke, wenn du heiraten würdest, wäre dies die Lösung für alle deine Probleme. Deine Frau wird sich um die Milch der Kuh kümmern, die Katze versorgen und auch auf deine anderen Bedürfnisse achten. Mein lieber Freund, du bist mir sehr lieb, deshalb bitte ich dich, die Hand meiner Tochter anzunehmen. Sie wird eine sehr keusche, hingegebene Ehefrau sein. Ich bin mir sicher, ihr werdet ein glückliches Paar werden.“
Der Yogi überlegte sich die Empfehlung seines Freundes und willigte schliesslich in die Heirat ein, da er wusste, dass sein Freund ihm von Herzen nur das Beste wünschte. So kehrte er schliesslich mit seiner Katze, der Kuh und der Ehefrau in den Dschungel zurück und freute sich: ”Nun werde ich endlich in Ruhe meditieren können.“
Sobald er in seinen Dschungelashrama zurückgekehrt war, setzte er sich hin und vertiefte sich in seine Meditation. Währenddessen begann seine Frau ihr neues Heim zu erkunden. Als sie erkannte, dass sie von nun an in einer schäbigen Grasshütte wohnen sollte, beraubt aller Annehmlichkeiten, an die sie aus dem Leben im Dorf gewöhnt war, riss sie ihren Ehemann aus seiner Meditation und beklagte sich mit gequälter Stimme: ”Mein lieber Ehemann, wo ist mein Haus? Und wo sind meine Kochtöpfe? Wo ist mein Bett? Und wo ist das Geld, um all die notwendigen Dinge zu kaufen? Wie kann ich an diesem erbärmlichen Platz mit dir leben? Du hast nichts für mich vorbereitet. Und welcher Arbeit gehst du nach? Wie kannst du von mir erwarten, dass ich an einem solchen Platz lebe?“
Enttäuscht von seinen fehlgeschlagenen Versuchen gute Vorkehrungen für eine ungestörte Meditation zu treffen, sammelte der Yogi all seine neuen Reichtümer um sich - die Katze, die Kuh und seine Ehefrau -, und kehrte mit ihnen allen zu seinem Freund im Dorf zurück.
Nun bat er seinen Ratgeber: ”Mein lieber Freund, ich glaube es gab da ein Missverständnis! Ich bitte dich daher inständig, nimm all deine gutgemeinten Gaben zurück. Ich ziehe es vor, in Zukunft nur mit einem Lendentuch zu leben.“