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Chopped and Screwed
Houston im Bundesstaat Texas ist eine Stadt, die sich, wegen seiner tropischen Hitze und seiner überwältigenden Luftfeuchtigkeit, oft in Slow-Motion zu bewegen scheint. Diese Eigenschaft der Stadt reflektiert sich auch in der Hip-Hop Szene. Hierbei handelt es sich aber nicht um entspannende Jazz-Beats kombiniert mit humoristischen Lyrics à la Tribe Called Quest oder De La Soul, sondern um gewalttätigen Gangsta-Rap. Dieser wird in einer normalen Geschwindigkeit aufgenommen, dann aber bei der Ton Mischung heruntergespult, was dem Song eine athmospärische, psychedelische Wirkung gibt. Doch bevor Houston zu seinem einzigartigen Sound gefunden hatten, mussten erste Hip- Hop Musiker Pionierarbeit leisten. Bevor der Süden zur sogenannten «Third Coast» im Hip-Hop wurde, waren viele Hip-Hop Musiker aus der Ost- und Westküste der Meinung der Süden sein nicht geeignet für die Musik. Die Hitze würde die Leute faul und dumm machen. Eine der ersten Gruppe die gegen solche Vorurteile ankämpften waren die Geto Boys. Unter dem dem unabhängigen Label Rap-A-Lot Records aus Houston, konnten sie in einer Orginalen Aufstellung nur wenige Erfolge feiern. Nachdem die Orginalbesetzung durch den Amateurboxer Willie D, dem Drogendealer Scarface und dem kleinwüchsigen Bushwick Bill ersetzt wurde, kam der Stein ins Rollen. Mit Texten, die sich oft an der Grenze des guten Geschmackes befinden, schufen sie neue Standarts für den Gangsta Rap.
Kurz nachdem die Aufnahmen zu ihrem 1991 erschienen Album We Can’t Be Stopped beendet waren, geriet Bushwick Bill von den Geto Boys in einen Streit mit seiner Freundin. Die Auseinandersetzung eskalierte als sie ihm mit einer Pistole ins Auge schoss. Die daraus entstandene Wunde war zwar nicht lebensbedrohlich, trotzdem verlor der 1.12 grosse Rapper sein Auge. Am Krankenbett von Bushwick Bill erinnerten sich die beiden anderen Mitglieder der Gruppe Scarface und Willie D daran, dass sie noch unbedingt ein Albumcover brauchen. Kurzerhand zogen sie den, von Betäubungsmitteln zugedröhnten Bushwick Bill durch den Gang und es entstand eines der legendärsten Albumcovers der Rapgeschichte. Das Album ist geprägt von detaillierten Beschrieben von Gewalt. Das wohl bekannteste Lied der Gruppe ist «Mind Playing Tricks on Me», indem die Auswirkungen des Gangster-Lifestyles auf die Psyche des Menschen behandelt wird.
Die viertgrösste Stadt der USA besitzt über eine Fläche die etwas grösser ist als die des Kantons Luzern, was die Stadt zu einem Hotspot der Autokultur machte. Schliesslich sind Autos in so einer grossen Stadt essentiell um von Punkt A zu Punkt B zu kommen. Slabs waren Wagen, die man unvollständig kaufte und dann nach seinen Belieben ausstattete. Für die Stadt typisch waren in schrillen Farben gestrichene Cadillacs mit Felchen die bis zu 40 cm aus dem Rad ragten und bombastischen Stereoanlagen. Die Farben waren repräsentativ für den Stadtteil oder der Strassengang, der man zugehörte. Diese Wagen waren essentiell für die Rap Szene in Texas, da viele Rapper von Houston ihre Mixtapes aus ihrem Kofferraum verkauften.
Bestehend aus den Rappern Bun B und Pimp C, ist UGK noch immer eines der prägendsten Namen im Hip-Hop. Ursprünglich aus Port Arthur, einer Kleinstadt auserhalb von Houston, wuchsen die beiden in sehr christlichen Haushalten auf. Dies erklärt viele der Gospel-Einflüsse in ihrer Musik. Der Name UGK, kurz für Underground Kingz, stammt von dem Gefühl der Abgeschiedenheit, als praktisch einzige Hip-Hop Gruppe in einer Kleinstadt in der sonst Funk, Blues und Soul als beliebteste Musikrichtung dominierte. Als von früh auf in diversen Musikinstrumenten geschulte Rapper, spielten sie oft Instrumentals selber ein, als sich auf Samples zu verlassen.
Während die Geto Boys den Weg für zukünftige Rapper aus Houston bereitet haben, waren es Pimp C und Bun B von UGK die dem Texas-Rap einen unverwechselbaren Südstaatencharakter gegeben haben. Doch spricht man von der Hip-Hop Szene in Houston stellt ein Name alle in den Schatten: DJ Screw. Geboren als Robert Earl Davis, zeigte DJ Screw schon früh musikalische Talente. So konnte er auf dem Klavier, schwierigste Stücke aus dem Gehör spielen. Sein Künstlername verdankt er einer von ihm entdeckten Remix-Technik, dem Chopped and Screwed. Anfang der 90er fing er nämlich an, Platten auf verschiedenste Arten zu manipulieren. Typisch dabei war das runterspulen des Tempos (Screwed) und das Zerstückeln und Neuarrangieren der Tonspur (Chopped).
Die ganze Ausgabe gibt's hier zum Nachhören: