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Remco Evenepoel weist im laufenden Jahr eine Erfolgsbilanz auf, die viele Radprofis neidisch macht: Lüttich-Bastogne-Lüttich im April, die Classica San Sebastian Ende Juli, die Vuelta im September und nun am Sonntag der Weltmeistertitel in Australien – der erste für Belgien seit 10 Jahren.
Der Gewinn des Regenbogentrikots ist für Evenepoel der vorläufige Höhepunkt einer rasanten Entwicklung. Begonnen hatte diese 2019, als er in seiner ersten Profisaison die Classica San Sebastian solo gewann. Kurz darauf wurde er Europameister im Zeitfahren, an der WM holte er im Kampf gegen die Uhr Silber.
Eine «kleine Tour» änderte alles
Evenepoel ist ein Ausnahmetalent, wie der Radsport nur wenige hervorbrachte. Nicht erst seit Sonntag gilt er als Nachfolger des «Kannibalen» Eddy Merckx. Dabei schlug sein Herz bis zu seinem 17. Lebensjahr noch für den Fussball. Er durchlief die Ausbildungszentren von Anderlecht und der PSV Eindhoven, war belgischer Junioren-Nationalspieler.
Seine Liebe für den Radsport entdeckte er erst, als es bei Anderlecht zum Bruch kam. Evenepoel verfügte zwar über aussergewöhnliche athletische Fähigkeiten, ihm fehlte es neben Technik aber vor allem an Explosivität.
Gekränkt von seinem Herzensklub, orientierte sich der junge Belgier schnell neu. An einem Tag im März 2017 bemerkte Evenepoels Vater, dass sein Fahrrad aus der Garage verschwunden war. Und das aus gutem Grund: Remco war «zu einer kleinen Tour» aufgebrochen. 117 Kilometer mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 34 km/h», berichtete der Sohn seinem Vater und zeigte stolz das GPS seines Fahrrads. An diesem Tag teilte er seinen Eltern mit, dass er eine Karriere im Radsport anstrebte.
Seither ging es für Evenepoel steil bergauf. Einmal aber auch ganz tief runter. Im August 2020 stürzte der Flame bei einer Abfahrt während der Lombardei-Rundfahrt über ein Brückengeländer in die Tiefe. Es hätte angesichts der schrecklichen Bilder keinen überrascht, wenn es das Ende seiner jungen Karriere gewesen wäre.
9 Monate später stieg Evenepoel, der zahlreiche Beckenbrüche erlitten hatte, wieder aufs Rad. Den Giro musste er vergangenes Jahr zwar aufgeben, holte danach aber die Gesamtsiege an der Belgien- sowie der Dänemark-Rundfahrt. Das aktuelle Jahr stellte nun alles in den Schatten. Und wird den Belgier endgültig in seiner Entscheidung bestärkt haben, dem Fussball den Rücken gekehrt zu haben.