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Die Schweizerische Vereinigung für Sozialpolitik ist eine schweizerische Nicht-Regierungsorganisation, deren Geschichte bis in die bürgerlich-liberale Sozialreform des 19. Jahrhunderts zurückreicht. Sie fördert den Dialog zwischen Politik, Verwaltung und Wissenschaft.
Die Schweizerische Vereinigung für Sozialpolitik (SVSP) entstand um 1926 aus der Fusion der „Schweizerischen Vereinigung zur Förderung des internationalen Arbeiterschutzes“ (1900) mit dem „Schweizerischen Verein für Sozialversicherung“ (1910). Die beiden Vorgängervereine entsprangen der bürgerlich-liberalen Sozialreform des 19. Jahrhunderts und standen im Austausch mit ihren internationalen Partnerorganisationen, der „Internationalen Vereinigung für gesetzlichen Arbeiterschutz“ und dem „Internationalen Arbeiterversicherungskongress“.
Programmatisch zielten diese Organisationen auf die Verbesserung der sozialen und ökonomischen Lage der Arbeiterschichten hin (soziale Frage). Die sozialpolitischen Reformen sollten zudem international koordiniert umgesetzt werden, um zu verhindern, dass progressive Staaten ökonomische Wettbewerbsnachteile gegenüber Staaten mit mangelhaftem Arbeiterschutz erhielten.
Die SVSP führte die Bestrebungen ihrer Vorgängerorganisationen fort und nahm sich gemäss Statuten (1928) zum Ziel, „den Gedanken der fortschrittlichen Sozialpolitik in weitere Kreise zu tragen und an dessen Förderung auf nationalem und internationalem Boden mitzuarbeiten“. Sie brachte ihre sozialpolitische Expertise mittels Publikationen und Dokumentationen, Veranstaltungen und Behördeneingaben in die politische Debatte ein.
Während ihrer ersten Jahre wurde die Vereinigung hauptsächlich über Bundessubventionen finanziert. Sie suchte die Zusammenarbeit sowohl mit der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) als auch mit den Bundesbehörden und vor allem mit dem Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartement. Ende 1926 zählte die SVSP 347 Mitglieder, die sich aus 51 Behörden, 86 Verbänden und 210 Einzelpersonen zusammensetzten. Erster Präsident war der Zürcher Ständerat Gustav Keller.
In der Zwischenkriegszeit bildete die SVSP eine Plattform für den Dialog zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern über die künftige Ausgestaltung der sozialen Sicherheit. Dabei wurden unter anderem die Einführung einer Mutterschaftsversicherung und der Familienschutz, die Ausgestaltung der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV), die berufliche Ausbildung von Jugendlichen, der Schutz der Heimarbeiter- und Heimarbeiterinnen und die Ausdehnung des Arbeiterschutzes auf Handel und Gewerbe diskutiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg engagierte sich die SVSP für die Erneuerung des Gesamtarbeitsvertragsrechts und positionierte sich im Zuge des Ausbaus der Sozialversicherungen als Verhandlungsforum zwischen Bund und Sozialpartnern.
In den letzten Jahrzehnten konzentrierten sich die Aktivitäten der SVSP zunehmend auf die Organisation von Tagungen und die Veröffentlichung wissenschaftlicher Studien. Sie wurde dadurch zu einer sozialwissenschaftlichen Denkfabrik.
Literatur / Bibliographie / Bibliografia / References: Dietschi Urs (1950), 50 Jahre Schweizerische Vereinigung für Sozialpolitik (discorso), Soletta; Carigiet Erwin, Mäder Ueli, Bonvin Jean-Michel (ed.) (2003), Wörterbuch der Sozialpolitik, Zurigo; Latzel Günther (2001), Die Schweizerische Vereinigung für Sozialpolitik, in E. Carigiet, J.-P. Fragnière, (ed.), Hat das Drei-Säulen-Konzept eine Zukunft? Le concept des trois piliers a-t-il un avenir? 101-103, Losanna.
(12/2015)