Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03616.jsonl.gz/99

Am Montagmorgen ass Allison Janney schon mal ein präventives Katerfrühstück. Eier, Wurst, Avocado, Käse, Toast. Das wissen wir dank Twitter, und ihre Fans werden es jetzt wahrscheinlich weltweit nachstellen, denn Allison Janney gewann Montagnacht zwei Emmy-Awards, es waren ihr fünfter und sechster. Allison Janney, das verdammte Wunder.
Einen erhielt sie für ihre Darstellung einer Arztgattin in den 50ern, die erst durch die beiden berühmten Sexforscher William Masters und Virginia Johnson überhaupt zu ihrem ersten Orgasmus kommt (in «Masters of Sex»). Den zweiten als alkohol- und drogensüchtige White-Trash-Mutter in Kalifornien (in «Mom»).
Emmy Nummer eins bis vier sind schon eine Weile her, die gewann sie als C.J. Gregg in «The West Wing», auch bekannt als «the smartest girl on the smartest show on TV» (so die «Elle»). «The West Wing» war um die Jahrtausendwende neben «The Sopranos» und «Six Feet Under» die dritte der Gründungsserien eines neuen Erzählzeitalters im TV. Und von allen «West Wing»-Darstellern (und dazu gehörte auch Martin Sheen als amerikanischer Präsident) war Allison Janney die meistgekürte.
C.J. Gregg also, Pressesprecherin und später Chief of Staff des Weissen Hauses, das rhetorisch so geschliffene Florett des Präsidenten und seiner Verwaltung. Jeder Schweizer Bundeshaus- oder deutscher Bundestagsjournalist wünschte sich damals eine C.J. Gregg. Jede Journalistin und jede Pressesprecherin wollte C.J. Gregg werden. Als die Serie zu Ende war, erhielt sie ein Jobangebot als TV-Politkommentatorin.
Jetzt ist wieder C.J.-Zeit. Denn jetzt hat Netflix die Ausstrahlungsrechte von «West Wing» gekauft und lässt alle 154 Folgen noch einmal laufen, schliesslich ist «West Wing» der Blueprint, auf dem «House of Cards» aufbaut. BuzzFeed machte sofort eine Liste mit dem Titel «13 Times When C.J. Cregg Was Totally Right». Und noch einmal lernen die Amerikaner das Einmaleins des Weissen Hauses dank der Serie. Und wünschen sich erneut Allison Janney zur Mutter, Mitarbeiterin und Lehrerin und so manch einer auch zur spröden, coolen Geliebten.
Obwohl Allison Janney damals kein Sexsymbol war. Heute sieht sie sehr viel besser aus. Weil sie auf Brot verzichtet (ausser beim Emmy-Frühstück) und Pilates macht, leider ist das die Wahrheit, es ist noch keine attraktive Frau über 35 ganz unangestrengt vom Himmel gefallen. Und Allison Janney ist heute 54. Ihre Karriere begann erst mit 38 so richtig, da begeisterte sie am Broadway, und die TV- und Filmrollen häuften sich, über hundert hat sie bis heute gespielt.
Eine davon war die Liebhaberin von Meryl Streep im Oscarhit «The Hours» (2002). Sie erfüllte damit die Prophezeiung eines Agenten, der sagte: «Mit deiner Grösse kannst du nur Lesben oder Aliens spielen.» Viele ihrer Rollen waren relativ robuste oder komplex gebrochene Hausfrauen – in «American Beauty», «Juno», «The Help», «Life During Wartime». Sie spielte im Ang-Lee-Klassiker «The Ice Storm» und in Publikumserfolgen wie «Drop Dead Gorgeous».
Einmal machte sie «Popkultur», in der Mistery-Insel-Serie «Lost» – und hasste es. Nicht wegen der Popkultur, aber wegen der Arbeit in freier Natur, und weil sie der Irrsinn des Drehbuchs auch fast irre machte. In ihren jüngeren Jahren war sie als Schauspielerin derart erfolglos, dass sie eine Berufsberatung machte. Der Rat: Systemanalytikerin. Da blieb die Schauspielertochter aus Ohio lieber Schauspielerin. Zum Glück. Heute ist sie richtig gross. Und in seltenen Momenten richtig selbstbewusst. «Ich werde die erste GILF der Welt», sagt sie. Die erste «Grandmother I'd Like to Fuck». Zweifellos.