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Spagyrik für Einsteiger
Begriff „Spagyrik“ oder Spagirik (ist ein Begriff aus der Alchemie) und wird von zwei griechischen Wörtern abgeleitet:
„spao“ – ich trenne, ich löse
„ageiro“ – ich verbinde, ich vereine
Trennen und wieder Verbinden (Analyse und Synthese) ) führen nach alten Überlieferungen zur Freilegung und Erhöhung der in Pflanzen und Mineralien vorhandenen Heilkräfte.
Spuren der Spagyrik
Die Spuren der Spagyrik führt uns bis ins Mittelalter zurück. Alchimisten* versuchten damals durch das chemische Trennen und Vereinigen verschiedener Stoffe Gold herzustellen.
*Das Wort stammt wahrscheinlich aus dem Arabischen und bedeutet `die Beschäftigung mit der Metallumwandlung`.
Die „Spagyrik“ ist ein Teil der Alchemie und wird wahrscheinlich seit Paracelsus (1493-1541) für jenen Teil der Alchemie verwendet, der sich mit der Bereitung von feinstofflichen, aber kräftig wirkenden Arzneimitteln beschäftigt. Paracelsus wollte damit die Heilmittelaufbereitung von den seinerzeitigen Auswüchsen der Alchemie, wie der Goldmacherei, abgrenzen.
Alchemie
Die Alchimie war durchaus mehr als nur die Jagd nach dem Gold.
Die ältesten Hinweise auf eine Existenz der Alchemie findet man in China, Indien und Ägypten. Der bekannteste und zugleich letzte bekannte europäische Alchemist und Spagyriker war Paracelsus.
Heute wissen wir, daß spagyrische Aufbereitungsweisen vielen alten Kulturen bekannt waren, die Anfänge dieser „Kunst“ liegen jedoch im Dunkeln. Bedeutende Beiträge zur alchemistischen Medizin und zur spagyrischen Aufbereitungsweise finden wir in China, Indien und Ägypten. Die indische Alchemie nimmt einen herausragenden Platz in der Siddha- und Ayurweda-Medizin ein
Die Alchimie im Mittelalter kann man als eine Weltanschauung der damaligen Zeit betrachten. Sie war die Zusammenfassung verschiedenster wissenschaftlicher,
technischer, philosophischer und religiöser Denkweisen. Zwar blieb die Kunst der Herstellung von Gold bis heute erfolglos, aber die Alchemie schuf die Grundlagen unserer heutigen Chemie.
Weitere bedeutende Alchemisten waren:
Basilius Valentinus
Isaac Holandus
Johann Baptist van Helmont
Baron Urbigerus
Fulcanelli
Augusto Pancaldi
Alexander von Bernus
Die paracelsischen Schriften führten im 17. Jahrhundert zum Bekanntwerden der Alchemie in damaligen schulmedizinischen Kreisen. Damit entstand aber auch eine Degeneration der Alchymie. Johann Rudolph Glauber (1604-1670) verfasste 1654 eine Pharmacopoea spagyrica, die eine Anleitung zur Herstellung von Heilmittel enthielt. Die Pharmacopoea spagyrica enthielt neben wenigen spagyrischen Anleitungen auch solche zur Herstellung von chemisch definierten Arzneimitteln. Mit Glauber verschwandt auch die ältere naturphilosophische Erkenntnis der Alchemie. Die Folge war die Konzentration auf Wirksubstanzen, das Entstehen der Alchemie als Vorläufer der Chemie und die darauf folgende Entstehung der modernen Pharmazie.
Die abendländische Alchemie bezeichnen wir als Alexandrinische Alchemie. Sie soll ihre höchste Blüte im alten Ägypten unter Pharao Siphoas erreicht haben (1900 v.Chr.). Die Person dieses Pharaos wurde gleichgesetzt mit der herausragenden Figur des Alchemisten
Hermes Trismegistos wörtlich übersetzt – der dreimal größte Hermes – von Hermes Trismegistos leiten sich die Begriffe
Hermetik – Hermetische Philosophie
ab. Sein Verdienst war und ist es, den gesamten Wissensstand in den sieben hermetischen Prinzipien formuliert zu haben, denen noch heute Nichts hinzuzufügen ist:
1. Prinzip der Geistigkeit
2. Prinzip der Entsprechung
3. Prinzip der Schwingung
4. Prinzip der Polarität
5. Prinzip des Rhythmus
6. Prinzip von Ursache und Wirkung
7. Prinzip des Geschlechts.
Am Prinzip der Entsprechung – der Analogie – welches heißt
„Wie oben, so unten – wie innen, so außen!“
läßt sich das Verstehenwollen aller Zusammenhänge des Universums zeigen. Dieses Analogiegesetz soll die Erkenntnis von der Einheit allen Seins zeigen. Mensch und Natur, Wissenschaft, Kunst und Religion sind untrennbar verknüpft. Alles Sein steht im Zusammenhang, strömt aus Einem und mündet wieder in dem Einen. Viel später, im christlichen Kontext, heißt es dann – wie im Himmel, so auf Erden.
Im alten Ägypten wurde die hermetische Philosophie in den Tempeln von Memphis und Theben gelehrt. Die Kunst der Alchemie wurde von Königen und Priestern ausgeübt und ausschließlich durch mündliche Überlieferungen an sorgfältig ausgewählte Nachfolger weitergegeben. In den Schriften des Zosimos von Panopolis (300 n.Chr.) liest man, daß die Veröffentlichung von Geheimnissen dieser Kunst gegen das Gesetz war.
Zum geschichtlichen Teil sei zu bemerken, daß es sich, zumindest bis Paracelsus, um legendäre Aussagen handelt und keine ausreichenden Dokumentationen vorhanden sind. Mit Paracelsus wird eine geschichtliche Betrachtung der Spagyrik erst möglich.
Zur Geschichte der Spagyrik
Mit dem arabischen Einfluss in Spanien im 15. Jahrhundert gelangte die Alchemie nach Mitteleuropa. Ein weiterer Weg führte über die großen griechischen Philosophen wie PLATO und ARISTOTELES. In Europa erlebte die Alchemie ihre Blütezeit im Mittelalter. Als wichtigster Vertreter ist hier Theophrastus Bombastus von Hohenheim besser bekannt als PARACELSUS (wörtlich „besser als Celsus“ ein berühmter griech./röm. Arzt aus dem 1. Jhr. n.Chr)
zu nennen. Sein Wissen um die spagyrische Arzneibereitung wurde im 17 Jhr. von Rudolf Glauber weitergetragen. Glauber erstellte ein eigenständiges spagyrisches Arzneibuch, die „Pharmacopoea spagyrica“, in welchem er beschreibt, wie man Vegetabilien, Animalien und Mineralien auf eine besondere Weise in durchdringende Arzneien verwandeln kann. Diese Pharmacopoea findet man in den heutigen Arzneigesetzbüchern leider nicht mehr.
Im 19 Jhr. beschäftigte sich Carl Friedrich Zimpel (1800-1878) mit diesen Methoden der Arzneibereitung und entwickelte sein eigenes „Zimpelsche Heilsystem“. Seine Her- stellungsmethoden findet man auch heute noch im HAB (Homöopathisches Arzneibuch) unter den Vorschriften 25 und 26. Diesem Umstand verdanken wir es, daß die Spagyrik heute noch legal produziert und den Menschen näher gebracht werden kann und dieses Wissen nicht mehr gänzlich verloren gehen wird.
Basierend auf den Erkenntnissen der Alchimie, war es im Mittelalter Paracelsus, der die Spagyrik zur anerkannten Form der Arzneimittel Herstellung weiterentwickelte. Im 17. Jahrhundert legte der Chemiker und Arzt Johann Rudolf Glauber die genauen Vorschriften zur Herstellung spagyrischer Heilmittel schriftlich nieder. Danach gerät die Spagyrik etwas in den Hintergrund.
Erst der italienische Graf Cesare Mattei belebt sie im 19. Jahrhundert wieder: die Herstellung seiner ´elektrohomöopathischen´ Mittel enthalten spagyrische Grundzüge. Schließlich ist es der Arzt Carl Friedrich Zimpel, der dem spagyrischen Heilsystem seinen Stempel aufdrückt und die Angaben Glaubers verfeinert. Er stellt ab 1870 seine eigenen spagyrischen Mittel her. Alexander von Bernus gründete 1921 sein alchimistisch – spagyrischen Labor.
Mit seiner Arbeit in diesem Labor vollzog er die Trennung zwischen dieser Art der Herstellung von pflanzlichen Heilmittel und dem mittelalterlichen Aberglauben alchimistischer Zauberkunst. Auch er entwickelt auf der Basis
seiner ausführlichen Studien seine eigenen Heilmittel. So gibt es noch heute zahlreiche eigenständige Modelle und Arzneisysteme (z.B. Methode nach Zimpel; Bernus; Krauß oder Heinz), nach denen
spagyrische Heilmittel hergestellt werden.
Die Ausgangsstoffe
Eine Naturheilmethode ist die Spagyrik, weil sie in ihrer Arzneimittelherstellung ausschließlich von natürlichen Stoffen ausgeht und auch gerne andere naturheilkundliche Anwendungen in ihre Therapie integriert.
Zur Herstellung spagyrischer Präparate werden ausschließlich Naturstoffe verwendet, wobei größter Wert auf die Herkunft und die Qualität gelegt wird. Stoffe, die nicht aus der Natur stammen, haben keinen Bezug zur menschlichen Evolution. Man kann sie in einem gewissen Sinn auch als tote Materie bezeichnen und sagen, daß sie nicht mit dem eigentlichen Leben in eine fördernde Kommunikation treten können.
Im einzelnen handelt es sich bei den verwendeten Naturstoffen um
Frischpflanzen und Drogen
pflanzliche Stoffe, z. B. Weinstein, Harze
natürlich vorkommende Mineralien und Gesteine
natürliche gediegene Metalle
im spagyrischen Laboratorium aus Naturstoffen hergestellte Verbindungen
Tiere und tierische Substanzen, z. B. Schlangengifte.
Alle verwendeten Materialien sollten möglichst natürlichen Ursprungs sein: aus Wildsammlung oder aus biologischem Anbau. Nur in begründeten Ausnahmen können auch sogenannte konventionelle Drogen verwendet werden. Als Beispiel sei die wichtige und bekannte Myrrhe genannt – oder auch Orthosiphon, eine Heilpflanze aus der Familie der Lippenblütler. Die Pflanze, aus der die Droge (Folia Orthosiphonis) hergestellt wird, ist in Süd-Ost-Asien heimisch. Es ist nicht sinnvoll, sie in unseren Breiten zu kultivieren, und aus ihrer Heimat kann man keine Droge aus spagyrisch-biologischem Anbau beziehen. Dennoch ist diese pflanzliche Droge durch ihre therapeutischen Eigenschaften enorm wichtig zur Ausleitung von Giftstoffen über die Nieren wie auch zur Behandlung von Nierenleiden. Dies rechtfertigt in der Spagyrik die Verwendung der Droge, die normalerweise zur phytotherapeutischen Anwendung bestimmt ist.
Heutzutage ist es am besten, die Heilpflanzen im spagyrisch-biologischen Anbau zu erzeugen.
Wildsammlungen können bei einigen Heilkräutern nicht mehr akzeptiert werden, da sie die Ausrottung der Pflanzen fördern oder zumindest einen starken Eingriff in das (noch vorhandene) Gleichgewicht der Natur darstellen oder gar kontaminiert sind (Radioaktivität, Schwermetalle).
Beim spagyrisch-biologischen Anbau der Heilkräuter wird immer die Natur zum Vorbild genommen.
Arzneipflanzen, die zum Anbau verwendet werden, sollten genetisch möglichst nicht identisch sein; hier ist eine Vielfalt erwünscht. Die Pflanzen dürfen deshalb nicht – wo dies möglich ist – ausschließlich durch Wurzelteilung oder durch Ableger vermehrt werden, sinnvoll ist immer die Vermehrung über Samen.
Sehr gut ist es, Arzneipflanzensamen der gleichen Sorte, aber aus verschiedenen Gegenden, zur Aufzucht der Jungpflanzen zu verwenden.
Wichtig kann es auch sein, nur jedes 2. oder 3. Jahr einen bestimmten Bestand zu ernten. Die Pflanzen sollen – soweit das möglich ist – Samen bilden können, die nach dem Aussamen wieder neue Pflanzen entstehen lassen; auch hier hat die spagyrische Anbaumethode die Natur zum Vorbild.
Chemische Düngemittel, Insektizide, Herbizide und Fungizide dürfen, wie schon gesagt, selbstverständlich nicht verwendet werden (biologischer Anbau oder Wildsammlung), dafür aber spagyrische Zubereitungen zur Stärkung der spezifischen pflanzlichen Vitalität.
Besonders beachtet werden muß, daß die Arzneipflanzen in dem für die Wirksamkeit idealsten Entwicklungszustand geerntet werden. Dies setzt besondere Kenntnisse der natürlichen Rhythmen voraus. Das Phönix Laboratorium in Bondorf, das seit 1925 spagyrisch-biologische Arzneimittel herstellt, richtet sich hierbei z. B. in erster Linie nach dem optimalen Entwicklungszustand der Heilpflanzen und in zweiter Linie nach astronomischen Gegebenheiten.
Durch den spagyrischen Arzneipflanzenanbau können Flächen geschaffen werden, die einen beliebten Lebensraum für viele bedrohte Tiere, darunter besonders viele Insekten und Vögel, darstellen; er schafft Flächen, die giftfrei und nicht intensiv bebaut werden.
Die Herstellung von spagyrischen Essenzen und Tinkturen
Die spagyrische Verarbeitung von Arzneipflanzen bewirkt eine grösstmögliche Aktivierung aller arzneilichen Heilkräfte. Der spagyrische Prozess lässt aus den stark wirksamen Stoffen der Arzneipflanzen – um mit Paracelsus zu sprechen – “Balsamen” entstehen, ein “gesegnetes Arcanum”, das keine toxischen Wirkungen aufweist und als geistiges Prinzip der Arzneipflanzen aufzufassen ist.
Mittels Hefegärung erfolgt das ´Aufschließen` der Pflanze. Die ungiftigen
Wirkstoffe werden befreit und die giftigen in Informationsträger verwandelt. Danach erfolgt die Wasserdestillation: die durch die vorangegangene Gärung befreiten und umgewandelten Wirkstoffe werden nun durch Verdampfung
kondensiert. Es entsteht die spagyrische Uressenz. Die in der Maische (Pflanzenreste) enthaltenen Mineralien und Spurenelemente werden nun mit Hilfe der Veraschung mit der spagyrischen Uressenz vereinigt. Dieser Vorgang wird die spagyrische Hochzeit genannt. Da dieser Art der Herstellung sehr aufwendig ist, wird heutzutage oft nur die spagyrische Tinktur hergestellt. Im Gegensatz zur Essenz werden die Wirkstoffe der Pflanze mit Hilfe von Alkohol herausgelöst (Mazeration). Aber auch hier werden die Pflanzenreste verascht, um sie dann mit dem
alkoholischen Auszug zu vereinigen. Die so hergestellten Arzneimittel nennt man Spagyrika und die folgenden 3
`philosphischen Prinzipien` enthalten. Sie sollen nicht als die chemischen Substanzen als solche verstanden werden,
Die Essenzen sind komplizierter in der Verarbeitung als die Tinkturen, dafür aber feinstofflicher. Deshalb sind sie nicht nur länger haltbar, sondern auch sehr viel stärker in der Wirkung.
sondern sie sollen die chemischen Eigenschaften dieser chemischen Stoffe wiederspiegeln:
Sal: Physis die spezifisch stoffliche Basis; es ist die Materie im eigentlichen Sinne, die nach der Verbrennung
zurück bleibt.
Merkur: die anonyme Heilkraft; die Lebensenergie eines Körpers, bei den Chinesen auch `Qi` genannt
Sulfur: die indikationsspezifische Ausrichtung (der Heilkraft)
Beim Menschen entsprechen die drei philosophischen Prinzipien folgenden Bereichen:
Sal: Physis
Merkur: Vital, Lebenskraft
Sulfur: Astral, Bauplan
Das spagyrische Arzneimittel muss dem Menschen entsprechen. Es enthält daher drei Bereiche, die die 3 philosophischen Prinzipien darstellen:
Sal: stoffliche Basis eines Spagyrikums
Merkur: “anonyme” Heilkraft eines Spagyrikums
Sulfur: indikationsspezifische Ausrichtung (der Heilkraft) eines Spagyrikums
Um es noch einmal mit einem anderen Beispiel zu verdeutlichen, bei einer Kerze ist:
Sal: der Wachs
Merkur: der Rauch
Sulfur: die Flamme
Spagyrische Essenzen:
Spagyrische Essenzen sind ungiftig, unschädlich und von geringem Alkoholgehalt. Sie gehören zu den wirksamsten und verträglichsten pflanzlichen Arzneimitteln. Spagyrische Essenzen bewähren sich sowohl bei akuten als auch bei chronischen Krankheiten immer wieder aufs Neue und vermögen mancher nicht richtig fassbaren Krankheit den Boden zu entziehen.
Spagyrische Arzneimittel gibt es als Mono- oder Kombinationspräparate (sogenannte “spagyrische Kombinationsmittel”). Beim Monopräparat ist die Grundlage eine Pflanze, ein Mineral oder ein Metall. Bei den Kombinationspräparaten werden mehrere Ausgangssubstanzen kombiniert – besonders wichtig sind die Pflanzen-Metall-Kombinationen (“Konjugationen”)
Die Darreichungsformen sind Tropfen, Tabletten, Kapseln, Linimente, Salben, Sprays und Injektabilia.
Charakter und Wirkung der spagyrischen Arzneimittel
Lässt man den philosophischen Hintergrund beiseite, ist die Spagyrik eine Erweiterung der Phytotherapie durch mineralische, metallische und seltener tierische Grundstoffe.
Die Wirkung spagyrischer Zubereitungen basiert auf der Trias der philosophischen Prinzipien: der spezifischen stofflichen Basis, der Heilkraft und der indikationsspezifischen Ausrichtung (der Heilkraft). Die Wirksamkeit der spagyrischen Arzneimittel ist aus schulmedizinischer Sicht nicht wissenschaftlich nachgewiesen, da es noch keinerlei klinische Studien mit echten spagyrischen Präparaten gab. Ein Wirksamkeitsnachweis ist aber plausibel, da es Wirksamkeitsnachweise auch für phytotherapeutische, metallische und animalische Zubereitungen gibt.
Es gibt auch eine Vielzahl von praktischen Therapeuten, die mit Spagyrika sehr gute Erfahrungen gemacht haben und ihnen eine gute Wirksamkeit nachsagen.
Beispiele spagyrischer Arzneimittel
– Kombination von Silybum marianum (Mariendistel) und Zink zur Behandlung von Leberleiden
– Kombination von Crataegus (Weißdorn) und Magnesium zur Behandlung von bestimmten Formen von koronarer
Herzkrankheit
Mischungen spagyrischer Urtinturen können auch individuell zusammengestellt werden, indem man:
– funktiotrope (auf körperliche Funktionen wie Entzündung, Krampf etc. gerichtete),
– organotrope (auf Organe wie Leber, Niere, Herz etc. gerichtete) und
– personotrope (auf das Temperament des Patienten wie Choleriker, Phlegmatiker etc ausgerichtete)
Komponenten individuell zusammenmischt.
Heute werden auch die verschiedenen Heilsysteme, denen die Anwendung spagyrischer Arzneimittel zugrunde liegt, zusammenfassend mit Spagyrik bezeichnet.
Das therapeutische Ziel ist die positive Beeinflussung einer imaginären „Lebenskraft“ und damit die Aktivierung der Selbstheilungskräfte.
Als Wirkträger der Spagyrika gelten nicht ihre Inhaltsstoffe, sondern durch ein spagyrisches Herstellungsverfahren entwickelte „metaphysische Kräfte”.
Verhältnis zur Homöopathie
Die Spagyrik wird wie die Phytotherapie zur Naturheilkunde gezählt und die Homöopathie zur Alternativmedizin.
Obwohl einige spagyrische Verfahren in standardisierter Form in das amtliche Homöopathische Arzneibuch (HAB) übernommen wurden, bestehen keine Gemeinsamkeiten, die beiden Lehren befinden sich sogar in direktem Widerspruch.
Während die Homöopathie versucht, den Körper mittels Informationen (dynamis, die Potenz oder Möglichkeit), die in eine neutrale Vehikelsubstanz imprägniert sind, nach dem Ähnlichkeitsprinzip zu einer heilenden Selbstregulation anzuregen, setzt die Spagyrik auf stoffliche und als Besonderheit auf energetische Mechanismen (energeia / Energie, die lebendigen Wirksamkeit).
Dabei sind die Wirkstoffe gar nicht oder zum Zweck der Dosierung nur wenig verdünnt.
Die Spagyrik versucht im Gegensatz zur Homöopathie immer ein spezifisches energetisches Defizit aufzufüllen
Spagyrik unterscheidet sich von der Homöopathie vor allem darin, dass in den Heilmitteln die Wirkstoffe tatsächlich messbar sind.
Es wird also nicht solange hochpotenziert, bis molekular nichts mehr nachweisbar ist.
Gleichwohl gibt es auch Überschneidungen: Beide Ansätze sind ganzheitlich, das heißt, sie betreiben keine reine Symptombekämpfung, sondern sehen den Menschen in seiner Gesamtheit, also das Körperliche, das Seelische und das Geistige. Ohne den philosophischen Hintergrund ist Spagyrik daher auch nur schwer zu verstehen.
Therapie mit Spagyrik
Wenn der menschliche Organismus nicht über eine faszinierend große Selbstheilungs-Fähigkeit verfügen würde, wären alle unsere therapeutischen Bemühungen umsonst. Selbst bei Krankheiten, welche nach menschlichem Ermessen sicher tödlich sind, gibt es manchmal Spontanheilungen. Die Fähigkeit des Organismus zur Regeneration und Selbstheilung darf nicht unterschätzt werden. Diese Prozesse der Selbstheilung müssen wir bis zu ihren Wurzeln erforschen, da hier auch die Therapie ansetzen muß. Heilen kann sich der menschliche Organismus im Grunde ja nur selbst; was wir Therapeuten tun können, ist in erster Linie die Unterstützung der Selbstheilung.
Zur Unterstützung der Selbstheilung im ganzheitlichen Sinn ist es auch unumgänglich, nach den Ursachen zu suchen, die der Erkrankung zugrunde liegen.
Natürlich gibt es viele Gründe, weshalb Krankheiten entstehen. Paracelsus (Theophrast von Hohenheim) stellte – schon vor einem halben Jahrtausend – fünf Faktoren fest, durch welche Krankheiten entstehen. Er nannte diese Krankheitsursachen Entien. Von Paracelsus wurden diese Faktoren erstaunlich genau definiert.
Nach meinem Verständnis entsprechen die paracelsischen Entien folgenden Faktoren:
– Physikalische, klimatische, geographische Einflüsse
– Toxische Belastungen
– Hereditäre Faktoren: Konstitution, Disposition und Diathese
– Psychosomatische Ursachen
und über diese ersten 4 Faktoren übergeordnet ist die Quintessenz, das Ens Dei des Paracelsus, was heute auch gerne mit dem Begriff Schicksal oder Karma bezeichnet wird.
Darüber hinaus gab es 3 Ebenen – wir würden sie vielleicht
– Körper (Physis, ätherisches Vital und astraler Leib),
– Seele und
– Geist
nennen – die für Diagnose und Therapie sehr wichtig waren.
Die Medizin des Paracelsus war die Spagyrik, eine Naturheilmethode, die durch ihren weltanschaulichen Hintergrund zu einer besonders ganzheitlichen Sicht des Menschen gelangt. Diese Sicht erweitert die üblichen diagnostischen und therapeutischen Bereiche.
Ganzheitlich kann man die Spagyrik schon allein deshalb nennen, weil sie in der Diagnose und der Therapie von einer Ganzheit, bestehend aus Körper, Seele und Geist ausgeht – das, was hinter diesen Begriffen steht, wird als Realität angesehen. Vor allem in den frühen vorpharmakologischen Zeiten, in denen die Spagyrik entstanden ist, sah sich der Mensch als ein solches dreigliedriges Wesen. Das war möglich, weil die Menschheit damals noch in einem ganz anderen Bewußtseinszustand lebte wie heutzutage. Damals war noch nicht ein Denken, das unserem heutigen entspricht, ausgeprägt. Dafür waren noch Einblicke in Naturvorgänge möglich, die wir in der Gegenwart üblicherweise nicht mehr haben.
Grundsätzlich müssen wir feststellen, daß das, was wir von der Welt wahrnehmen, nur ein Ausschnitt der Realität sein kann – und daß wir diesen Ausschnitt entsprechend unseres Bewußtseins in unserer Wahrnehmung verändern.
Menschen, deren Denken rein materialistisch und mechanistisch geprägt ist, gelangen zu den entsprechenden materialistischen und mechanistischen Ansichten und Welt-Erklärungen. In unserer heutigen Zeit hat solch eine Sichtweise die gesamte Wissenschaft durchdrungen. Es besteht – zur Umkehrung dieser Entwicklung – die Notwendigkeit, aus dem früheren, mehr intuitiven Bewußtsein und unserem heutigen Denken eine Art von Synthese zu bilden. Dies ist dringend nötig, damit wir nicht in einem Materialismus, der praktisch schon die gesamte Entwicklung beherrscht, seelisch erstarren. Für die materialistisch-mechanistisch denkenden Vertreter der heutigen Naturwissenschaft, die ja auch die gesellschaftlichen und politischen Ansichten prägen, sind unsere Gefühle und selbst das, was wir mit dem Begriff Glück bezeichnen, letztendlich nur noch chemische Abläufe im Gehirn. Die schon viel zitierten Sätze aus Faust II, die Johann Wolfgang von Goethe seinen Mephistopheles sprechen ließ, fallen einem in diesem Zusammenhang ein:
Daran erkenn ich den gelehrten Herrn:
Was ihr nicht tastet, steht euch meilenfern;
Was ihr nicht faßt, das fehlt euch ganz und gar!
Was ihr nicht rechnet, glaubt ihr, sei nicht wahr;
Was ihr nicht wägt, hat für euch kein Gewicht,
Was ihr nicht münzt, das meint ihr, gelte nicht.
Am Rande sei erwähnt, daß J. W. von Goethe durch ein spagyrisches Arzneimittel in jungen Jahren wahrscheinlich das Leben gerettet wurde.
Geist und Seele werden in der heutigen Naturwissenschaft für nicht-existent erklärt, weil die Wahrnehmung dafür verloren gegangen ist; der Materialismus schnürt das Gesichtsfeld immer enger zusammen. Dies hat Auswirkungen in vielen Bereichen, auch in der Medizin und in der Arzneimittelforschung. Die logische Konsequenz des materialistischen und mechanistischen Denkens ist, daß auch Arzneimittel ausschließlich stofflich – das heißt chemisch – definiert werden.
In naturheilkundlichen Kreisen hat sich eine andere Sicht erhalten können. Naturheilkundliche Therapeuten und deren Patienten sehen auch heutzutage – jenseits aller Theorie – in der Praxis die therapeutische Wirksamkeit von Arzneimitteln bestätigt, bei denen der moderne Pharmakologe sich keine oder nur eine geringe Wirkung vorstellen kann.
Stoff, Information, Kraft
Zum Verständnis der Spagyrik ist es sinnvoll, drei Ebenen zu unterscheiden; es handelt sich dabei
– um die stoffliche bzw. die molekulare Ebene
– um die Ebene der Informationen und
– um die Ebene der Kräfte.
Bitte beachten Sie, daß man diese Ebenen tatsächlich nicht völlig getrennt voneinander betrachten kann. Für das Verständnis der Zusammenhänge ist es aber einfacher, sie im einzelnen zu besprechen.
Die Ebene der Stoffe
Hier müssen wir an die rein stoffliche Wirkung chemisch definierter Arzneimittel denken. Das ist die Ebene, mit der die moderne Pharmakologie arbeitet. Wenn vom Bewußtsein her ausschließlich für diese Ebene ein Verständnis vorhanden ist, so führt dies in der praktischen Arzneimittelforschung zu den chemisch-synthetischen Wirkstoffen und auch zu Pflanzenreinstoffen, die wie die anderen chemischen Verbindungen v.a. zur Substitution und zur Suppression eingesetzt werden. Bei ihnen ist in der Regel eine klare pharmakologische Wirkung vorhanden, was aber nichts darüber aussagt, ob auch eine therapeutische Wirksamkeit vorliegt.
Beispiel:
Bestimmte chemische Substanzen produzieren beim Menschen einen Betäubungszustand, der dem Schlaf ähnlich ist, indem sie die Produktion oder Weiterleitung der entsprechenden Botenstoffe blockieren: Suppression. Deshalb setzt die Schulmedizin solche Substanzen bei Schlafstörungen ein. Abgesehen von den bekannten Nebenwirkungen (z. B. Leberschädigung, Störung der REM-Phasen, Hangover, Abhängigkeit etc.) kommt es oft schon nach einer relativ kurzen Zeit zu einer Gewöhnung, die eine Dosissteigerung erfordert. Das Interessante aber ist, daß nach dem Absetzen der Mittel die Schlafstörungen in der Regel wesentlich massiver auftreten, wie vor der “Therapie”. Das verwendete Arzneimittel hatte also tatsächlich keinen heilsamen Einfluß auf die Störung und war deshalb nicht therapeutisch wirksam; die Schlafstörungen wurden nur kaschiert.
Die Ebene der Informationen
Während die Herstellung von chemisch definierten Arzneimitteln ausschließlich die stoffliche Ebene berücksichtigt, arbeitet die Homöopathie vor allem mit der Ebene der Informationen.
Nach den Vorstellungen der Homöopathie wird in eine Vehikelsubstanz (Ethanol/Wasser, Milchzucker oder ähnliches) die Struktur einer bestimmten Ursubstanz imprägniert. Diese imprägnierte Information einer Ursubstanz soll den Organismus zu einer Reaktion stimulieren, durch welche die Heilung eingeleitet werden kann.
Beispiel:
Wenn man zuviel Kaffee trinkt, kann man nicht schlafen. Wenn man aber nicht schlafen kann, ohne daß man zuviel Kaffee getrunken hat und ein ganz ähnlicher Zustand wie durch Kaffee vorhanden ist, so kann man z. B. Coffea D24 einnehmen. In Coffea D24 ist nichts mehr vom Kaffee enthalten und somit natürlich auch kein Coffein. Allein die Vehikelsubstanz, also das Ethanol-Wasser-Gemisch bzw. der Zucker oder Milchzucker, ist auf molekularer Ebene mit dem Abdruck der Ursubstanz imprägniert. Der Körper liest diese Botschaft und leitet augenblicklich eine Gegenreaktion, nämlich in diesem Fall eine Sedierung ein. Da mit der potenzierten Coffea-Gabe stofflich kein Coffein in den Körper gelangte, das von der Körperreaktion ausgeglichen werden muß, entsteht so tatsächlich eine Sedierung und man kann schlafen.
Dies ist auf der Ebene der Informationen oder besser gesagt auf der Ebene der Falschinformationen möglich. Die Information “Coffein” ist eine Falschinformation, weil sie dem Organismus vorspiegelt, daß Coffein vorhanden ist.
Die Ebene der Kräfte
Nun kommen wir zur Ebene der Kräfte. Für die Spagyrik ist die Ebene der Kräfte von überragender Bedeutung und durch die spagyrischen Herstellungsmethoden werden in erster Linie naturstoffspezifische Heilkräfte aus Natursubstanzen entwickelt.
Wir müssen davon ausgehen, daß es so etwas wie eine primordiale Kraft, eine Urkraft, gibt. Diese primordiale und universelle Lebensenergie ist im Kosmos, in der Atmosphäre, im Wasser, in jedem Mineral, jeder Pflanze, jedem Tier und jedem Menschen vorhanden. Sie ist aber nicht immer in derselben Form in den einzelnen Bereichen enthalten. Jeder Natursubstanz und natürlich auch jedem Organ entspricht eine ganz spezifische Modifikation dieser ursprünglich universellen Lebenskraft. In vielen Kulturen und bei vielen Völkern war solch eine Lebenskraft bekannt. Nur als Beispiel möchte ich das Chi der Chinesen nennen. Chi wurde und wird mit Hilfe der Akupunktur beeinflußt. In Japan nennt man diese Kraft Ki, die Inder sprechen vom Prana, Freiherr von Reichenbach nannte sie Od und Wilhelm Reich Orgon.
Ob es sich bei allen diesen Bezeichnungen um ein und daßelbe handelt, ist noch nicht erforscht. Unter diesen Begriffen werden aber zumindest die unterschiedlichen “Offenbarungen” oder Auswirkungen dieser Urkraft verstanden.
Durch das Vorhandensein spezifischer Kräfte oder Energien unterscheiden sich auch Natursubstanzen von synthetischen Substanzen. Die spezifische Heilkraft aus einer Natursubstanz ist natürlich eine ganz andere als die einer
petrochemisch/synthetischen oder ähnlichen Substanz, wenn man bei solchen toten Substanzen überhaupt von einer Heilkraft sprechen kann.
Die Energie, die gewissermaßen den Bodensatz dieser universellen Lebenkraft darstellt, kann man als “Elektrizität” bezeichnen. Dieser Begriff wurde z.B. von Krauß, Mattei, Glückselig u.a. Spagyrikern der Jahrhundertwende entsprechend verwendet. Diese Kraft – oder besser gesagt diese Heilkräfte – sind wichtig zur therapeutischen Regeneration. Sie werden auch da wirksam, wo die vitale Fähigkeit zur Beantwortung einer Information fehlt.
Zurück zu den Schlafstörungen, sie haben unterschiedliche Ursachen. Der Therapeut stellt die Ursache fest und richtet seine Therapie daran aus. Es muß also immer das Grundproblem behandelt werden! Häufig ist es aber – selbst bei exogen bedingten Schlafstörungen – so, daß sie auch von bestimmten Faktoren der Konstitution und der vegetativen Ausgangslage gefördert werden. Oft liegt eine “Schwäche” des Nervensystems zugrunde. Diese “Schwäche”, ein in der modernen Medizin nicht gerne verwendeter Begriff, hat für die naturheilkundliche und ganzheitliche Medizin eine besondere Bedeutung. Die ganzheitliche Medizin berücksichtigt neben der Erkrankung, die mit dem Namen einer klinischen Diagnose bezeichnet werden kann, u. a. auch konstitutionelle Faktoren, auf deren Boden unterschiedliche Dispositionen und Diathesen existieren.
Die Konstitution ist keine Erkrankung, sie ist die genetische Prägung, modifiziert durch die Summe der seelischen, geistigen und körperlichen Imprägnationen. Die Behandlung mit spagyrischen Präparaten zur Stärkung der jeweiligen Konstitution ist prophylaktisch von größter Bedeutung.
Die Disposition bezeichnet die individuelle Toleranz gegenüber krankmachenden Reizen. Das schwächste Organ reagiert als erstes bei starken Reizen krankhaft. Die individuelle Toleranz kann durch die Anwendung von spagyrischen Präparaten erhöht werden.
Der Begriff Diathese bezeichnet die Unfähigkeit, auch schwache Reize zu kompensieren. Bestimmte Organe oder Organsysteme stellen das “schwächste Glied in der Kette” dar, das selbst bei geringer Belastung bricht. Durch eine entsprechende Lebensweise und Therapie können die Diathesen lange kompensiert werden.
Mit diesen Faktoren hängen die sogenannten Schwächen zusammen. Schwächen sind immer ein Mangel an Lebensenergie. Dies kann ein allgemeiner Mangel oder auch ein Mangel sein, welcher sich nur im Bereich eines Organes oder auch Organsystems befindet.
So kommt es z.B. bei bestimmten neuropathischen Konstitutionstypen sehr schnell zu Erschöpfungszuständen. Diese Patienten, bei denen früher gerne eine “reizbare Schwäche” diagnostiziert wurde, vertragen psychische Belastungen, die für andere Konstitutionstypen kaum von Belang wären, nur sehr schlecht. Sie leiden zumindest immer unter einem flachen Schlaf, wachen schon bei den geringsten Geräuschen auf und fühlen sich am Morgen nicht erholt. In der Jugend und bei einer entsprechenden Lebensführung entsteht daraus noch keine Krankheit. Nach Jahrzehnten oder in Krisensituationen kann allerdings eine echte Krankheit entstehen. Es besteht bei diesen Patienten eine Neigung zu Migräne, Neurosen, Magen- und Herzerkrankungen etc. Prophylaktisch und therapeutisch ist es hierbei wichtig, die Ursache, die in der reizbaren Schwäche des Nervensystems liegt, zu behandeln.
Durch spagyrische Präparate, die auf das ZNS ausgerichtet sind, kann dem ZNS eine organspezifisch modifizierte Heilkraft zugeführt werden. Diese heilende und “stärkende” Wirkung erweist sich tatsächlich in der Praxis auch bei Schlafstörungen, im Rahmen einer ganzheitlichen Therapie (Berücksichtigung unterschiedlicher Ursachen), als therapeutisch wirksam. In der spagyrischen Therapie werden in erster Linie die “Schwachstellen” durch die Zufuhr spezifischer Heilkräfte so lange gestärkt, bis sie (im Idealfall) wieder in der Lage sind, ihre Aufgabe allein durchzuführen.
Kann klinisch die Erkrankung eines Organes festgestellt werden, leitet sich daraus schon die entsprechende Therapie ab. Diese Behandlung muß aber durch eine ganzheitliche und auch konstitutionelle Therapie erweitert werden. Die Voraussetzung für ein solches Vorgehen ist eine ganzheitliche und konstitutionelle Diagnose, die für den naturheilkundlichen Behandler selbstverständlich sein sollte.
Besonders bei therapeutisch schwierig zugänglichen Leiden, wie z.B. bei der Allergie oder Neurodermitis, ist es immer sinnvoll, die konstitutionellen Schwachstellen zu suchen und zu therapieren, da für die Behandlung des Leidens, im Sinne der klinischen Diagnose (Allergie/Neurodermitis), meist nur “zudeckende” und am Symptom orientierte Maßnahmen zur Verfügung stehen.
Für eine ganzheitliche Therapie eignen sich spagyrische Präparate in der Praxis am besten. Sie wirken nämlich auf allen drei Ebenen, da durch die spezifischen Schritte der Aufbereitung sowohl die stoffliche, die Informationsebene, als auch die Kraftebene erhalten und z.T. verstärkt sind. Da diese Mittel ihre Wirkung auch auf der Ebene der (Heil-)Kräfte entfalten, kann mit ihnen auch derjenige Organismus therapeutisch beeinflußt werden, dem es an der vitalen Fähigkeit mangelt, auf (Heil-)Informationen reagieren zu können.
Echt spagyrische Mittel sind Kraft-Akkumulatoren, die eine indikationsspezifisch modifizierte Heilkraft enthalten. Zu den chemisch definierten Arzneimitteln haben sie einen Bezug durch ihre stoffliche Basis, zu den homöopathischen Mitteln haben sie einen Bezug durch die intensive Imprägnierung mit der Information der Ausgangssubstanz, zu echt spagyrischen Heilmitteln werden sie aber erst durch die Entwicklung spezifischer Heilkräfte.
Im Gegensatz zur Behandlung mit chemisch definierten Arzneimitteln wird bei der spagyrischen Medizin z.B. ein physiologischer Prozeß nicht simuliert, sondern regeneriert.
Im Gegensatz zur homöopathischen Therapie wird vom Organismus keine Lebenskraft zur Beantwortung des Heilreizes benötigt. Deshalb eignen sich spagyrische Präparate auch für vitalschwache und alte Patienten. Erstverschlimmerungen treten praktisch nie auf, es sei denn, man rechnet bestimmte Entgiftungsreaktionen zu den Erstverschlimmerungen. Sinnvoller wäre es aber, bei solchen Prozessen von Reaktionen zu reden.
Naturheilkräfte
Für die Alchymie sind die Metalle “ins Materielle geronnene kosmische Kräfte”, jede Pflanze ist ein Akkumulator für eine bestimmte kosmisch-biologische Kraft, und die Spagyrik versucht – auf der Basis der alchymistischen Anschauungen und Erkenntnisse – diese ganz spezifischen (Heil-)Kräfte in der Natur zu finden und sie aus den Natursubstanzen zu entwickeln.
Zur Entwicklung der Heilkräfte werden verschiedene Natursubstanzen unterschiedlichen spagyrischen Aufbereitungsmethoden unterworfen.
Beispielhaft möchte ich einen spagyrischen Herstellungsprozeß, der allgemein vielleicht weniger bekannt ist, beschreiben. Es handelt sich dabei um einen laborantischen Prozeß, eine spezielle spagyrische Destillation, auch Kohobation genannt. Dieses Verfahren kann in einem bestimmten Stadium der Arzneimittelherstellung sehr wichtig sein. Mit Hilfe der Kohobation können pflanzliche, mineralische und metallische Zubereitungen auf eine höhere Stufe gebracht werden.
Bei der Kohobation wird z. B. die Lösung eines Salzes in einer geeigneten Glasapparatur destilliert. Das so gewonnene Destillat wird wieder auf den Rückstand – also auf das Salz, das in der Destillierblase verblieben ist – zurückgegeben. Dann wird wieder erneut abdestilliert und mit dem Rückstand vereinigt. Ein Prozeß, der vom chemischen Standpunkt betrachtet undurchschaubar und unverständlich bleibt und den Unterschied zwischen Chemie und Alchymie verdeutlicht. Dieser Prozeß kann in unterschiedlicher Anzahl wiederholt werden. Er führt zu einer Veränderung des Salzes und zu einer Veränderung des Lösungsmittels und Destillats. Das wichtigste, worauf es aber bei der Spagyrik ankommt ist, daß dieser Prozeß zur Entwicklung einer ganz stoffspezifischen Heilkraft führt. Das Lösungsmittel wird vom Salz immer wieder durch Destillation getrennt und dann wieder mit ihm vereinigt. Hier finden wir das Trennen und Vereinigen, das im Wort Spagyrik steckt, wieder. Dies ist ein Prozeß, den man mit dem Ausatmen und Einatmen vergleichen kann. Durch den Kohobationsprozess wird die gesamte Zubereitung “energetisiert”, die Substanz wird einem Atmungsprozeß unterworfen und somit “belebt”. Worum es bei der Kohobation tatsächlich geht, ist schwierig in Worte zu fassen. Man sollte bei solch einer Zubereitung einmal dabei gewesen sein oder sie selbst durchgeführt haben. Wenn man sich in kontemplativer Weise auf solch einen spagyrischen Prozeß einläßt, bekommt man möglicherweise einen intuitiven Eindruck, der mehr erhellt als alles, was man darüber sagen kann.
Zu ganz ähnlichen Zwecken, wie bei der Kohobation, werden auch die sogenannten Rotationen und Zirkulationen angewandt. Es handelt sich dabei um spezielle spagyrische Rückflußdestillationen, die auch nach bestimmten Rhythmen, z.B. dem Tag/Nacht-Rhythmus durchgeführt werden können. Diese Rotationen oder Zirkulationen werden über einen längeren Zeitraum, beispielsweise über 28 Tage, durchgeführt. Sie führen auch zu einer starken Energetisierung, zur Entwicklung und Erhöhung der stoffspezifischen Heilkraft.
Weiterhin gibt es noch sogenannte Calcinationen und Reverberationen – hier wird immer Energie in Form starker oder sehr starker Hitze zugeführt – und darüberhinaus viele weitere Verfahren.
Die spagyrisch hergestellten Mittel homöopathisch potenzieren zu wollen, um dabei eine Verbesserung zu erreichen, entsteht aus einem mangelnden Verständnis der Spagyrik. Wenn spagyrische Zubereitungen homöopathisch potenziert werden, entstehen wieder homöopathische Mittel, die im Vergleich zu den spagyrischen Mitteln ein eingeschränktes Wirkspektrum auf der Ebene der Information haben. Stoff und Kraft wird durch die Potenzierung verdünnt, was erhalten bleibt, ist die Information. Die Information kann fast beliebig vervielfältigt werden. Es ist wie mit einem Tonband: Natürlich ist keine Musik auf dem Tonband. Genauso wenig, wie Musik auf einem Notenblatt ist.
Wenn die homöopathische Potenzierung spagyrischer Zubereitungen in Bereiche jenseits der Stofflichkeit durchgeführt wird, so hat dies immer wirtschaftliche und nie therapeutische Gründe. Das bedeutet aber nicht, daß die spagyrischen Zubereitungen nicht im Sinne einer Dosierung verdünnt werden dürfen oder auch müssen – und zur Deklaration dieser Verdünnung eignen sich die homöopathischen D-Bezeichnungen bzw. das homöopathische Dezimalsystem hervorragend. Es kann also das homopathische Potenzierungsverfahren in der Spagyrik zur exakten Dosierung angewandt werden. Es versteht sich dabei von selbst, daß höhere Potenzierungsstufen, bei denen keine therapeutisch ausreichende stoffliche Basis mehr vorhanden ist, sinnlos sind.
Kombiniert werden können die spagyrischen Präparate sehr gut mit qualitativ hochwertigen Wässern oder mit Heilkräutertees. Diese stellen ideale Vehikel zur Einnahme von spagyrischen Arzneimitteln dar. So kann man z. B. die gesamte Tagesdosis des benötigten spagyrischen Mittels vom Patienten in einen Liter Wasser geben und gut verschütteln lassen, damit auch eine möglichst homogene Verteilung der schlecht wasserlöslichen Bestandteile entsteht; in spagyrischen Zubereitungen sind ja auch z.B. ätherische Öle der Heilpflanzen enthalten. Die Konzentration der ätherischen Öle ist aber so gering, daß sie sich durch das Schütteln sehr homogen im Wasser verteilen. Der Patient wird angewiesen, diese Zubereitungen über den Tag verteilt zu sich zu nehmen. Die Lösungen sollten jeden Tag frisch zubereitet werden.
Ebenso kann man auch mit Tees verfahren, die aus einer – zur Indikation passenden – Drogenmischung hergestellt werden. In der Regel läßt man die Heilkräutertees erkalten und gibt dann die spagyrischen Mittel zu. Es ist für berufstätige Patienten einfach, solche Zubereitungen in einer Flasche mit zur Arbeitsstelle zu nehmen.
Die Spagyrik ist eine uralte Heilkunst. Sie hat aber auch heute noch eine Bedeutung, und diese Bedeutung wird in Zukunft, wenn sich die Menschheit über die materialistisch-mechanistische Einseitigkeit des Denkens hinausentwickelt, noch wesentlich größer werden.
Wenn wir Pioniere dieser Zukunft sein wollen, müssen wir uns wieder mit dieser alten – Kosmos, Erde und Mensch umfassenden – Wissenschaft, der Wissenschaft vom Leben in der Materie, beschäftigen.