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|ISBN||Beschreibung||Einzelpreis||Anzahl||Preis|
An einem Sommertag kehrt der Protagonist in ein kleines Dorf hoch über dem Meer zurück, wo er einst als Kind einen Sommer verbracht hat. Durch jene Kindertage geistert wie ein Schatten La Matta, die Verrückte. Zwei Kinder verfolgen ihre Spur, um sie «vor ihr selbst zu beschützen und vor solchen, die ihr nehmen könnten, was ihr nicht mehr gehört». Der Charme dieser Erzählung flimmert wie die Hitze eines Sommertags. Geräusche, Düfte und dunkle Gefahren umgeben die Unschuld der beiden Kinder. Durch das Dorf spuken fellinische Gestalten, eine finstere Intrige, aber auch die Fragen, die der Wahnsinn und das damit verbundene grundlose Leiden aufwerfen.
Adrien Pasquali, 1958 im Wallis geboren, 1999 in Paris gestorben, bezeichnete sich selbst als «französischsprachigen Italiener». Er hat neun Romane, verschiedene Erzählungen sowie Essays geschrieben. La Matta wurde 1994 mit dem Prix Lipp ausgezeichnet.
Aus dem Französischen übersetzt von Gabriela Zehnder.
Mit einem Nachwort von Odile Cornuz.
Textauszug:
«La Matta ging den Strand entlang, bis ganz hinunter zum östlichen Ende, dort, wo die Sichel aus Kieselsteinen in einem Haufen vom Berg gestürzter Felsblöcke endete. Zwischen diesen mehr als mannshohen Brocken, in einer Spalte, die auch Schutz war, floss, wer weiss woher, ein Rinnsal aus Süsswasser. Ohne das safrangelbe Kleid, ihr Montagskleid, auszuziehen, nahm La Matta hier ihre wöchentliche Dusche; langsam, mit sichtbarem Eifer rieb sie den Stoff lange auf ihrer Haut. Als ob sie plötzlich auf die Idee käme, das Kleid zu waschen, watete sie bis zu den Schultern ins Meer, und der Stoff umwallte sie, eine fröstelnde Mohnblume mit schwarzem Kopf und gelben Blütenblättern. Mit ihren ausgebreiteten Armen, die Hände weit offen, bearbeitete sie den Stoff ungestüm, drosch im aufgewühlten Wasser auf ihn ein. Sie drehte sich um sich selbst, wie um ihren Kopf abzuschrauben, sie versuchte, mit ihren Schlägen die ganze Oberfläche des Stoffs zu treffen, der wogte und ihr zuweilen am Körper klebte, sie wrang ihn beinahe aus, als wollte sie seine ganze Kraft aus ihm herauspressen.
Dann liess sie sich am Rand der Wellen trocknen; die Farbe ihres Kleides verblasste; der Stoff wurde fast steif, rissig vom Salz, das die Wirkung von Stärke hatte. Regungslos, mit gespreizten Beinen, nahm La Matta jenen unbeteiligten, harten Ausdruck an, den man an ihr fürchtete, die beredte Vergeltung der gewöhnlichen Dinge, die wir uns anschicken wegzuwerfen und die überleben, ohne jeden Vorwurf, und ohne uns auch nur besonders zu beachten. In dieser Haltung, die geradezu unmenschlich war in ihrer endgültigen, unerbittlichen Starre und Fremdartigkeit, verlöschte La Matta in ihrem Kleid, das schliesslich wieder gelb wurde.»