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Die Stadt lehnt sich westlich an die HügelPosilipo und Vomero, nördlich an Capodimonte und Capo diChino und
breitet sich in ihrer größten Länge am Meer aus. Durch keine Mauern eingeschlossen, fließt Neapel mit den Hunderten von Landhäusern,
welche außerhalb der Stadt zwischen Reben und Pinien liegen, und den umliegenden Ortschaften zusammen und bedeckt mit den
StädtenPortici, Resina, Torre del Greco, Torre dell' Annunziata und einigen Dörfern, die sich, den Fuß
des Vesuvs entlang, in wenig unterbrochener Kette gegen O. zu anschließen, einen Küstenstrich von über 100 km. Die Lage der
Stadt und ihre Umgebung, die üppige südliche Vegetation, endlich die gefährliche, immer drohende Hauptzierde der Gegend,
der Vesuv, dessen Fuß 7 km von Neapel entfernt ist, vereinigen sich zu einem Gesamtbild von unnennbarem Zauber,
mit welchem nur die Städtebilder von Lissabon
[* 15] und Konstantinopel
[* 16] verglichen werden können, und welches das stehende Wort:
»Veder Napoli e poi morire« veranlaßt hat.
Die mittlere TemperaturNeapels ist 16,6° C., die Mittel der vier Jahreszeiten
[* 17] liegen nicht weit auseinander, und das
Klima
[* 18] könnte daher ein sehr gutes genannt werden, wenn nicht die Temperaturunterschiede des Morgens und Abends oft sehr bedeutend
wären, weil der Nordwest und die Australwinde freien Zutritt an der Küste und bis ins Innere der Stadt haben. Die hygieinischen
Verhältnisse von Neapel waren bis auf die Gegenwart infolge der herrschenden Unreinlichkeit,
des schlechten Trinkwassers etc. ungünstige; seitdem aber im J. 1884 die Choleraepidemie in
Neapel so viele Opfer forderte, ist mancher Schritt zu Verbesserung der Zustände gethan worden. Die Regierung hat einen Betrag
von 100 Mill. Lire zur Assanierung der Stadt bestimmt. Bereits im J. 1885 wurde eine neue Trinkwasserleitung
(aus der Hochebene des Serino) eröffnet. Von fließenden Gewässern berührt nur das wasserarme Flüßchen Sebeto das Gebiet
der Stadt in ihrem östlichsten Teil.
Neapel wird durch den Bergrücken, auf dessen Höhe das KastellSant' Elmo liegt, und der in der
Felseninsel des Kastells dell'
Ovo ins Meer ausläuft, mittendurch in zwei große Quartiere geteilt. Östlich
liegt der ältere und größere Teil, mit dem Hafen und der Bucht, gegen den Vesuv; westlich dehnt sich der neuere, elegantere,
mit dem herrlichen Spaziergang am Meer, nach der kleinern Bucht der Mergellina hin. Administrativ zerfällt die Stadt in zwölf
Bezirke.
Das eigentliche Zentrum, das alte Neapel, ist eng gebaut und finster, von geradlinigen, gut gepflasterten, aber unreinlichen Straßen
durchschnitten. Seit 1884 ist die Assanierung der ungesunden engen Stadtteile, der Durchbruch breiter Straßenzüge sowie
die Anlage neuer Stadtteile (insbesondere auf der Anhöhe des Vomero) in Angriff genommen worden. Die größte und
belebteste Straße ist die Strada di Roma
[* 19] (ehemals Toledostraße), 2¼ km lang, die Pulsader Neapels, welche mit der PiazzaCavour
und dem Corso Garibaldi das eigentliche alte Neapel umschließt und weiter nördlich in die Strada nuova di Capodimonte ausläuft.
Sie zeichnet sich durch ansehnliche Gebäude, besuchte Kaufläden und Kaffeehäuser und einen fortwährenden
lebhaften und lärmenden Verkehr von Fuhrwerken und Fußgängern aus. Zu den schönsten und beliebtesten Straßen gehören ferner
die in neuer Zeit erweiterte, mit der Via diRoma parallel laufende Strada del Duomo, die Strada dei Tribunali, Santa Trinità,
Medina, dann die neuen, breit angelegten Straßen Corso Garibaldi, Strada Foria und Carbonara. Die prächtigste
Straße ist die an der Südseite des Quartiers Chiaja gelegene Riviera di Chiaja mit einer Reihe von Palästen nach dem Meer zu,
der eigentliche Korso der Neapolitaner.
Noch sind zu erwähnen: die Piazza de' Martiri
mit der an die vier freiheitlichen Staatsumwälzungen von 1799, 1820, 1848 und 1860 erinnernden Denksäule und der Largo del
Vasto, beide im Quartier Chiaja;
die Piazza Montoliveto mit der gleichnamigen Kirche und einer Marmorfontäne
mit der Bronzestatue Karls II.;
Von den Gebäuden Neapels haben nur wenige eine architektonische Bedeutung. Außerordentlich zahlreich sind die
Kirchen, etwa 350 an der Zahl, darunter auch eine evangelische. Die größte und reichste Kirche ist der Dom des heil. Januarius
(San Gennaro), im Stadtteil San Lorenzo, von König Karl II. neben der alten KathedraleSanta Restituta, welche
jetzt nur eine große Kapelle des Doms bildet, 1299 angelegt und nach dem Erdbeben
[* 25] von 1456 wie auch später vielfach restauriert.
Er hat ein imposantes gotisches Mittelportal, ist dreischiffig und enthält zahlreiche Grabdenkmäler (von PapstInnocenz IV.
u. a.), einen gotischen Bischofstuhl von 1342, ein altes Taufbecken von
ägyptischem Basalt auf Porphyrbasament, schöne Gemälde und mehrere reichverzierte Kapellen, darunter die Cappella del Tesoro,
ein prächtiger Kuppelbau mit farbigen Marmorsäulen, silbernen Heiligenstatuen, wertvollen Gemälden, dem in Silber und Gold
[* 26] gefaßten Haupte des Schutzpatrons und einem silbernen Tabernakel mit dem wunderthätigen Blute des Heiligen.
Außerhalb der alten Stadt liegen die Kirchen: San Giovanni a Carbonara, nördlich vom Dom (1343
gegründet), mit den Denkmälern des KönigsLadislaus, des Giov. Caracciolo, Ferd. Sanseverino u. a.
sowie der schönen Altarkapelle der Mirabolli;
endlich unterhalb des KastellsSant' Elmo die mit schönen Gemälden ausgestattete KircheSan Martino, mit dem gleichnamigen
ehemaligen Kloster, in welchem gegenwärtig ein Anhang zum Nationalmuseum untergebracht ist, und
von wo man eine der herrlichsten
Aussichten auf Stadt und Umgebung genießt.
Unter den weltlichen Gebäuden Neapels steht obenan das königliche
Residenzschloß an der Piazza del Plebiscito (1600 von Fontana erbaut), ein großartiges Gebäude mit zwei Säulenreihen übereinander,
welche einen weiten Hof
[* 31] einschließen, einer schönen Treppe
[* 32] und reichen Repräsentationssälen, mit Gemälde- und Waffensammlung.
An das Schloß stoßen südlich die Kaserne der Marinesoldaten und das Arsenal mit dem dazugehörigen Hafenbassin
(Darsena).
Das wichtigste derselben ist das die Stadt überragende CastelloSant' Elmo aus dem Jahr 1535, welches
durch seine Gefängnisse für politische Gefangene eine traurige Berühmtheit erlangt hat und eine überaus schöne Aussicht
bietet. Die übrigen sind: das Castello Nuovo am Hafen, 1277 von Karl I. angelegt, früher königlicher Palast, jetzt Kaserne,
mit dem 1470 erbauten schönen Triumphbogen König Alfonsos I. von Aragonien, im Innern mit Kirche und Waffensälen;
das schon erwähnte Castello dell' Ovo, welches, die Südspitze Neapels bildend, auf einer Insel im Meer liegt und durch einen 200 m
langen Steindamm mit dem Land verbunden ist (gegenwärtig Kaserne und Militärgefängnis);
das Castello Capuano, angeblich
schon im 12. Jahrh. erbaut, seit dem 16. Jahrh.
Justizgebäude, mit dem östlich gelegenen, 1484-95 errichteten schönen Renaissancethor, der PortaCapuana;
endlich das Castello
del Carmine, das 1647 nach dem Volksaufstand an der Südseite des Hafens erbaut wurde.
Die Bevölkerung beträgt in der eigentlichen Stadt (1881) 463,172, im Gemeindegebiet 494,314
Einw. und hat sich seit 1861 um 45,000 Einw. (d. h.
um 10 Proz.) vermehrt. Das Volk von Neapel gilt als leidenschaftlich und vergnügungslustig; es charakterisiert sich aber auch
durch Genügsamkeit, Gewandtheit, Sinn für Dichtung und Kunst. Der Bildungsstand der untern Volksschichten
ist allerdings infolge der jahrhundertelangen Vernachlässigung ein geringer, doch wird unter den neuen staatlichen Verhältnissen
für die Hebung
[* 35] der Volksbildung viel gethan.
¶
[* 2] Die Arbeiten zur Assanierung von Neapel sind im Juni 1889 in Gegenwart des Königs von Italien eröffnet worden. Es
kommen hierbei die niedern Stadtteile von Neapel, welche während der Cholera-Epidemie des Jahrs 1884 den größten
Teil der Opfer lieferten, mit einem Flächenraum von 980,686 qm in Betracht.
[* 2] Im J. 1890 sind im Hafen von Neapel 1641 Dampfer von 1,488,853 Ton. und 2069 Segelschiffe von 139,743 T. ein- u. 1637 Dampfer
von 1,504,486 T. nebst 2070 Segelschiffen von 148,765 T. ausgelaufen. Im J. 1890 hat sich eine neue italienisch-englische
Postdampfschiffahrtsgesellschaft gebildet, deren Schiffe
[* 36] unter italienischer Postflagge monatlich drei direkte Eilfahrten
zwischen Neapel, Palermo
[* 37] und London
[* 38] machen und den Weg von Neapel nach London in neun Tagen zurücklegen.