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1624
P. Adelrich (Josef) Rothweiler von Donaueschingen
Geburtsjahr: 1766 |
Todesjahr: 1848
Professbuch:
Band B, Nr. 490
Kapitel:
13. Professen unter Abt Beat Küttel 1780-1808.
P. Adelrich (Josef) Rothweiler von Donaueschingen
Professjahr: 1787
Professbuchtext:
P. Adelrich (Josef) Rothweiler von Donaueschingen. Geboren den 8. Januar 1766. Er studierte vor seinem Eintritte Philosophie in Freiburg i. Br. Profeß 21. November 1787. Priester 29. Mai, Primiz 13. Juni 1790.
Vor der Revolution war er Unterarchivar. Das Exil verbrachte er zunächst in Bludenz, dann aber ging er im Spätherbst 1798 mit P. Dekan nach Ottobeuren. Später (Dezember 1799) weilte er im Kloster Deggingen, von wo er nach Benediktbeuren und von da nach Kremsmünster und Admont ging. Von dort kehrte er den 14. Februar 1806 nach Einsiedeln zurück. Kurze Zeit war er, vom Dezember 1811 bis August 1812, Pfarrer in St. Gerold. Seines exaltierten Wesens wegen konnte er nur mehr zum Chordienst verwendet werden. «Seine natürliche Mimik, sein reicher Anekdotenkram und seine außerordentlich lebhafte Schilderung von Lebensereignissen gewährten großes Vergnügen in den Erholungsstunden»508
. Den 14. Juni 1840 konnte er seine Sekundiz feiern. Er starb den 29. Juni 1848 im 83. Lebensjahre an Altersschwäche. «Er war von mittlerer Statur, im Gesichte trug er noch die Spuren der Pocken. Er hatte ein hitziges Temperament, das ihn bis zum letzten Augenblick nicht verließ. Noch als Jubilat und Senior hüpfte und sprang er. Widerspruch konnte er nicht leiden, und in seiner Hitze zog er über jeden, ohne Ansehen der Person, los. Wenn man ihm widersprach und die einfältigsten Einwände machte, so sprach oder wüthete er Stundenlang und wurde deswegen oft ganz heiser. Wegen dieser seiner Hitze konnte man ihm keine Aemter anvertrauen. Er war eine Zeitlang Pfarrer von St. Gerold, aber bald hatte er das Oel ganz verschüttet. Wegen der Fertigkeit seiner Zunge kostete ihn das Predigen nicht viel. Sein Vortrag und auch die Sache selbst waren im Anfang ganz schön, dann aber geriet er in Hitze und wurde mehr ein Schwätzer als ein Prediger. Meistentheils brach er während der Predigt in Tränen aus. Bei den Einsiedlern, die ihn kannten, erregte er Lachen, bei den Fremden Weinen und Zerknirschung. Einmal nannte er den Judas einen Scheisskerl. An einem Charfreitag brachte er Christus nur bis zum Thore aus Jerusalem. Auch in den Beichtstuhl durfte er nicht mehr und hörte nur im Zimmer die Beicht, welche ihm beichten wollten. Denn in seiner Hitze brachte er oft die Sünder fast zur Verzweiflung und wüthete so, dass die aussen stehenden wohl merkten, was innen vorgehe. Einmal sagte er einem, er solle die Schuhe ausziehen und zum Teufel gehen. Im Zimmer stund er oft auf, führte den Büsser vor das Crucifix und hielt ihm da die Standrede. Ein Tiefdenker war er nicht und liebte besonders Geschichtchen und Anekdoten, die er alle kannte. Auch ein Liebhaber von Gedichten war er, doch nicht von solchen à la Klopstock oder Schiller, die verschmähte er gänzlich. Er verfertigte auch mehrere Gedichte. Seine Briefe waren oft in gebundener Sprache. Einige Gelegenheits-Gedicht sind im Druck vereinzelt erschienen; er machte auch viele Epithaphia, wovon unser Gottesacker zeugt. Wenn er auch einige gute Stücke machte, so verdient er doch mehr den Namen eines Reimmachers als den eines Dichters. In den letzten Jahren konnte er nicht mehr lesen. Er erhielt das Privileg, allzeit die Missa de Beata zu nehmen und statt des Breviers betete er gewissenhaft einige Rosenkränze. Auch die geistliche Lesung liess er sich von andern vorlesen. In Beobachtung der Ordnung war er pünktlich. Er hasste besonders, wenn man polternd die Türe schloss, mit dem jagte man ihn in Harnisch. Er liebte auch die Musik, aber nur die zarte, liebliche. Er schlug häufig das Clavier, konnte aber nicht einen Takt recht schlagen. Als Spassmacher war er beliebt und auch in seinem Zorne ergötzte er die Gesellschaft. Ueberhaupt war er im Reden unerschöpflich. Verstand aber einer seine Sache nicht und verlangte er Explicationen, so wartete er mit dem Titel auf: Dummer Teufel oder Kühmelker»509
.
Schriften:
a) Gedruckte:
1. Zum heiligen Schutzengel. Gedicht mit 11 Strophen. Vide «Pilger» 1849, S. 361.
2. Maria, hilf doch mir.
3. Auf die Reliquien des hl. Felix in Schmerikon.
4. Lied auf die Primiz des hochw. Herrn Stephan Bisig. 1817. X 177. - Do 105.
5. Viele andere Lieder und Gedichte in fliegenden Blättern.
b) Ungedruckte:
1. Eine Anzahl Gelegenheitsgedichte, in denen oft viel Humor und Witz, oft aber auch frostige Albernheit vorherrscht. (Wurden nach seinem Tode vernichtet.)
2. Beitrag zur Geschichte der Flucht der Einsiedler Patres im April 1798, aus dem Munde des P. Adelrich Rothweiler am 1. März 1845 geschrieben, von P. Gall Morel. Revolutionsakten im Archiv.
3. Predigt auf den Pfingstmittwoch, den 15. Mai 1799 in Eidern bey Ottobeuren gehalten (bei den Predigten von P. Marian Herzog. I. S. 253-58. Mser. M E.
4. Festpredigt auf die Engelweihe. 8 °. 62 S. Stiftsarchiv Einsiedeln ohne Sign.
5. Privatakten A.OC 18.