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Die Bestimmung des Geburtstermins
Selbst für sehr erfahrene Züchter ist der Augenblick der Geburt der Welpen stets mit Stress verbunden. Dies gilt umso mehr, wenn der Verdacht besteht, dass die Geburt verzögert oder, dass die Hündin möglicherweise übertragen hat.
Die Ultraschalluntersuchung eignet sich zur Vorhersage des Geburtstermins nur dann, wenn sie frühzeitig im Verlauf der Trächtigkeit durchgeführt wird.
Die tatsächliche Trächtigkeitsdauer variiert nur sehr wenig.
Um den Geburtstermin genau bestimmen zu können, muss man den Zeitpunkt der Ovulation kennen. Unabhängig von der Rasse dauert die Trächtigkeit bei der Hündin im Durchschnitt 63 Tage (nach der Ovulation). Ihre scheinbare Dauer, also der Zeitraum zwischen der Paarung und der Geburt, kann aber zwischen 56 und mehr als 70 Tagen variieren. Zahlreiche Hündinnen akzeptieren den Rüden bereits deutlich vor der Ovulation und können deshalb auch entsprechend früher gedeckt werden.
Aufgrund der langen Überlebenszeit der Spermien in der Gebärmutter (bis zu einer Woche), ist es durchaus möglich, dass eine Hündin frühzeitig gedeckt wird, die eigentliche Befruchtung aber erst eine Woche später stattfindet. In diesem Fall scheint es, dass die Hündin sehr lange trägt. Dies stimmt aber mit der tatsächlichen Trächtigkeitsdauer nicht überein.
Umgekehrt können Hündinnen, die gegen Ende der Läufigkeit gedeckt werden oder einen grossen Wurf erwarten, auch früher als erwartet werfen, wenn ihre Gebärmutter zu stark erweitert ist und die Föten zu wenig Platz haben. Geht man also davon aus, dass eine Hündin in einem Zeitraum von 5 Tagen vor der Ovulation bis 5 Tage nach der Ovulation befruchtet werden kann, so kann der Unterschied zwischen der scheinbaren und der tatsächlichen Trächtigkeitsdauer sehr leicht bis zu 10 Tagen betragen, wenn man lediglich den Zeitabstand zwischen Deckakt und Geburt misst.
Die Auslösung der Geburt
In fast zwei Dritteln aller Fälle werfen Hündinnen während der Nacht. Aus diesem Grund werden gegenwärtig mehrere Methoden zur künstlichen Auslösung der Geburt während des Tages wissenschaftlich untersucht. Diese Studien haben zum Teil sehr viel versprechende Ergebnisse, sie gelten jedoch im Augenblick erst bei sehr wenigen Hunderassen als wissenschaftlich abgesichert. Die Geburt wird dabei mit Gaben von so genanntem "Anti-Progesteron" ausgelöst, die einen Konzentrationsabfall des Schwangerschaftshormons Progesteron einleiten, der jeder Geburt vorausgeht. Kombiniert mit einer Oxytozingabe am folgenden Morgen, gelingt es offenbar, Geburten auf diese Weise am nächsten Tag auszulösen. Diese Substanzen sind anscheinend ungefährlich für die Welpen.
Zumindest bei Beaglen, der in diesem Zusammenhang am besten untersuchten Rasse, wird das Überleben der Neugeborenen durch diese Massnahme nicht beeinträchtigt. Ganz im Gegenteil scheinen diese "Anti-Progesterone" sogar die Reifung der Föten zu fördern und die Geburt unreifer Welpen zu vermeiden. Dies geschieht insbesondere durch eine Förderung der Sekretion von oberflächenaktiven Substanzen in die Lungenalveolen. Die Funktion dieser Substanzen besteht darin, das Einsetzen der Lungenatmung beim Neugeborenen zu unterstützen und somit für eine ausreichende Sauerstoffversorgung zu sorgen.
Abhängig vom Zeitabstand zwischen Paarung und Ovulation, kann die anscheindende Trächtigkeitsdauer variieren. Die tatsächliche Trächtigkeit dauert 62 bis 64 Tage nach der Ovulation.
Kann der Geburtstermin mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung oder durch Röntgenaufnahmen bestimmt werden?
Mit Hilfe der Ultraschalluntersuchung können insbesondere zu Beginn der Trächtigkeit die charakteristischen Merkmale des Embryos oder des Fötus dargestellt werden. Anhand dieser Informationen kann man das Alter der Embryos abschätzen, und daraus den wahrscheinlichen Geburtstermin ableiten. Für bestimmte Rassen gibt es sogar präzise Messdaten über die Entwicklung des Schädeldurchmessers oder der Körperlänge vom Kopf bis zum Rutenansatz während der Trächtigkeit, mit deren Hilfe der Geburtstermin bestimmt werden kann. Allerdings liegen solche embryonalen Wachstumskurven nicht für alle Rassen vor. Röntgenaufnahmen sind zuverlässige Hilfsmittel für das Zählen der Welpen gegen Ende der Trächtigkeit, geben aber keinerlei Hinweise auf den Geburtstermin.
Ankündigende Zeichen
Absinken der Rektaltemperatur. Um den 12 bis 48 Stunden vor der Geburt stattfindenen Temperaturabfall um 1 Grad Celcius festzustellen, muss die Rektaltemperatur zweimal täglich gemessen werden.
Die klinischen Anzeichen
- Beginnende Milchbildung: Das so genannte Einschiessen der Milch, setzt etwa eine Woche vor der Geburt ein. Allerdings schiesst die Milch bei Hündinnen, die bereits Würfe zur Welt gebracht haben, manchmal deutlich früher ein, bei Erstgebärenden oft später.
- Erweiterung der Vulva und der Beckenränder: In der letzten Trächtigkeitswoche kommt es aufgrund eines leichten Anstiegs des Östrogenspiegels zu einer Erweiterung und Anschwellung der Vulva und einer Streckung der Beckenbänder. Die äussere Form der Hündin kann sich verändern.
- Austreten des Schleimpfropfens: Der Schleimpfropfen, der während der Trächtigkeit den Gebärmutterhals verschliesst, tritt etwa 24 Stunden bis unmittelbar vor der Geburt aus. Die aus der Scheidenöffnung fliessende Flüssigkeit ist klar. Allerdings ist dieses Anzeichen nicht immer sehr eindeutig und gilt daher als eher unzuverlässig.
- Abfluss des Plazentapigments: Wenn sich die Plazenten zu lösen beginnen, ergiesst sich Uteroverdin - das Plazentapigment - in die Gebärmutter. Die Hündin zeigt einen dunkelgrünen Scheidenausfluss. Die Geburt hat begonnen.
Verhaltensänderungen
- Kratzen am Boden: Zwischen sieben und einen Tag vor der Geburt, beginnt sich die Gebärmutter leicht zusammenzuziehen. Diese Kontraktionen sind von aussen nicht zu erkennen. Sie leiten aber eine Verhaltensänderung bei der Hündin ein: Sie beginnt, mit ihren Vorderpfoten intensiv auf dem Boden zu kratzen. Dieses Verhalten kann sehr spektakulär sein, hat aber keinerlei nachteilige Bedeutung.
- -Appetitlosigkeit: Die meisten Hündinnen wollen in den Stunden vor der Geburt nicht mehr fressen. Dies ist ein relativ zuverlässiges Anzeichen für die unmittelbar bevorstehende Geburt.
Die hormonellen Veränderungen
Zum Zeitpunkt der Geburt unterliegt die Hündin erheblichen hormonellen Veränderungen. Ohne sie setzen die Wehen nicht ein und die Geburt kann nicht eingeleitet werden. Der Östrogenspiegel steigt leicht an. Die wichtigste Veränderung ist der abrupte Abfall des bis dahin relativ hohen Progesteronspiegels im Blut. Tierärzte stellen so fest, ob sich eine Hündin bereits in der Geburt befindet: Ist dies der Fall, muss die Progesteronkonzentration im Bereich ihres Basiswertes liegen, also unter 2 ng/ml.
Wie kann die nahende Geburt nachgewiesen werden?
Rektaltemperaturmessung: Der plötzliche Abfall der Progesteronkonzentration im Blut zwischen 12 bis 48 Stunden vor Beginn der Wehen stört die Thermoregulation des Organismus, die Rektaltemperatur fällt für einige Stunden ab und steigt anschliessend wieder an. In der Woche vor dem Geburtstermin messen viele Züchter die Rektaltemperatur ihrer Hündinnen routinemässig drei- bis viermal täglich. Im Idealfall wird jeder einzelne Temperaturwert notiert. Etwa 12 bis 24 Stunden vor der Geburt sinkt die Temperatur im Allgemeinen - leider nicht immer - um etwa ein Grad gegenüber der Durchschnittstemperatur der vorangegangenen Tage.
Geburtsverlauf - Die Phasen der Geburt
Eine Geburt bedeutet Stress. Umso wichtiger ist es, Ruhe zu bewahren und an das Motto der Hebammen zu denken: "Die Kunst der Geburt ist Warten zu können".
Die normale Geburtsdauer
Die Gesamtdauer der Geburt ist sehr variabel. Sie ist abhängig von der Rasse, von der Grösse des Wurfes und schliesslich von der Frage, ob die Hündin bereits zuvor geworfen hat oder ob es sich um eine Erstgebärende handelt. In der Regel spielt sich die gesamte Geburt innerhalb von 4 bis 8 Stunden ab. Manchmal dauert sie aber auch sehr viel länger, insbesondere, wen eine Hündin einen zahlenmässig sehr grossen Wurf erwartet. Nicht selten ruht sie sich ein paar Stunden aus, nachdem sie einen Teil der Welpen ausgetrieben hat, oder wenn es sich um eine erstgebärende Hündin handelt. Der durchschnittliche Abstand zwischen der Austreibung zweier Welpen beträgt 20 bis 30 Minuten.
Hierbei handelt es sich aber nur um einen Mittelwert. In der Regel verlängern sich die Abstände gegen Ende der Geburt. Um Komplikationen zu vermeiden, wird empfohlen, einen Tierarzt zu Rate zu ziehen, wenn der Abstand zwischen zwei aufeinander folgenden Welpen drei bis vier Stunden überschreitet, oder wenn die Hündin keinerlei Wehen zeigt. Tierärztliche Hilfe muss auch dann unverzüglich in Anspruch genommen werden, wenn die Hündin Wehen hat, aber kein Welpe ausgetrieben wird.
Die Geburt der Welpen
Die Geburtswehen beginnen mit schrittweise steigender Intensität. Anfangs sind sie von aussen nicht unmittelbar wahrnehmbar. Die Hündin beginnt lediglich zu hecheln und zeigt einen sorgenvollen Gesichtsausdruck.
- Platzen der ersten Fruchtblase (Allantois): Sie platzt im Allgemeinen relativ früh vor der Austreibung des ersten Welpen. Das Abfliessen der Flüssigkeit beobachtet man nicht immer, stellt jedoch fest, dass der Liegeplatz der Hündin nass ist.
- Wehen und Erscheinen der zweiten Fruchtblase: In den Minuten unmittelbar vor der Austreibung ist die Hündin oft sehr erregt. Sie steht auf, dreht sich und wimmert.
Gelegentlich nimmt sie eine gekrümmte Körperhaltung ein, als wolle sie Kot absetzen. Wehen, also starke Kontraktionen des Bauches sind jetzt in Abständen von 30 bis 60 Sekunden zu beobachten, unterbrochen von kurzen Ruhephasen. Nach einer etwas stärkeren Wehe erscheint schliesslich eine grünlich gefärbte Fruchthülle in der Scheidenöffnung. Hierbei handelt sich um die den Welpen umschliessenden Amnionhülle. Wenn sie platzt, ist dies nicht bedenklich. Ist sie dagegen in der Scheidenöffnung sichtbar, und die Geburt geht im Verlauf einer Stunde nicht voran, muss unverzüglich tierärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. In diesem Fall ist der Welpe entweder zu gross, er liegt falsch, oder die Hündin leidet unter einer Wehenschwäche.
Nach einer etwas stärkeren Kontraktion tritt schliesslich der Welpe aus, meist mit einer einzigen Presswehe. Ist dies nicht der Fall, muss man die Hündin aufstellen und den Welpen im Takt mit den Wehen vorsichtig nach unten herausziehen. Bleibt ein Welpe zu lange Zeit im Becken stecken, kann es einen Sauerstoffmangel erleiden und ist oft nur sehr schwer zu reanimieren. Die Amnionhülle wird in der Regel von der Mutter durch Lecken eröffnet. Ist dies nicht der Fall, muss sie von Hand geöffnet werden. Bei Fleischfressern ist die Nabelschnur sehr kurz.
Der Welpe muss sofort nach der Geburt mit der selbständigen Atmung beginnen, da die mütterliche Sauerstoffversorgung nicht mehr zur Verfügung steht. Bleibt er zu lange Zeit in der geschlossenen Amnionhülle, atmet er anstelle von Luft die Amnionflüssigkeit ein. Die Plazenta oder Nachgeburt folgt in der Regel innerhalb weniger Minuten nach der Geburt des Welpen. Dies muss sehr aufmerksam beobachtet werden, da ein Verbleib in der Gebärmutter nach der Geburt zu Problemen führen kann.
Gibt es Faktoren, die die Geburt bei der Hündin stören können?
Stress und Infektionen sind Risikofaktoren für einen normalen Ablauf der Geburt, aber auch für das Überleben der neugeborenen Welpen nach der Geburt. Entscheidend ist, dass die Hündin in einer vertrauten, bekannten und ruhigen Umgebung untergebracht wird, damit sie sich optimal auf die Geburt vorbereiten kann. Deshalb wird empfohlen, eine Hündin spätestens drei Wochen vor dem voraussichtlichen Geburtstermin in einem speziellen Geburtsraum unterzubringen, damit sie sich sicher fühlt und sich an die dort vorhandenen Mikoorganismen gewöhnen kann.
Auf diese Weise wird Stress, der die Kontraktionen der Gebärmutter in erheblichem Masse hemmen kann, so weit wie möglich vermieden, und das Immunsystem der Hündin erhält ausreichend Zeit für die Bildung spezifischer Antikörper gegen die dort vorhandenen Infektionserreger, denen die Hündin zuvor möglicherweise noch nie ausgesetzt war. Da die Welpen nahezu 85% ihres Immunschutzes über das Kolostrum (erste Muttermilch) erhalten, ist dies eine entscheidende Voraussetzung für ihr Überleben.
Geburtsverlauf - Erste Pflege der Neugeborenen
Die ersten Pflegemassnahmen sollte jeder Züchter kennen und perfekt beherrschen. Eine optimale Versorgung der Welpen kann zu einer deutlichen Absenkung der Welpensterblichkeit beitragen.
Freilegen der Atemwege
Der aus seinen Fruchthüllen gelöste Welpe muss sofort frei atmen können. Eine der ersten Massnahmen ist deshalb das Befreien der Bronchien von der Amnionflüssigkeit, die bei der Geburt stets in geringem Mass in die Atemwege gelangt. Hierfür wird der Welpe mit dem Kopf nach unten gehalten, die Maulhöhle mit zwei Fingern vorsichtig geöffnet und der Welpe sanft geschüttelt. Dadurch treten Schleim und Luftblasen aus der Nase und aus der Maulhöhle aus.
Alternativ oder zusätzlich kann man den Schleim auch mit einer Babysaugglocke für Menschen absaugen. Bleibt die Atmung weiterhin schwach, kann man einige Tropfen eines die Atmung anregenden Analeptikums auf die Zunge träufeln. Aufpassen: Die medikamentöse Anregung der Atmung darf erst erfolgen, nachdem der Schleim abgesaugt und die Atemwege freigelegt wurden. Andernfalls aktiviert man die Atmung bei noch verlegten Atemwegen und riskiert, den neugeborenen Welpen zu ersticken.
Achtung: Zu starkes Absaugen kann einen Kehlkopfkrampf und ein Absinken der Herzfrequenz hervorrufen.
Abtrocknen und stimulieren
Im Falle einer schwachen oder gar nicht einsetzenden Atmung muss unverzüglich eine Brustkorbmassage oder eine Reanimation durch Mobilisierung der Gliedmassen durchgeführt werden. Dies muss sehr sanft geschehen, da die oft noch unreifen Welpen sehr verletzlich sind. Für die Brustkorbmassage legt man die Finger an beiden Seiten des Brustkorbes an und komprimiert diesen mit sanftem Druck 100 bis 120 Mal pro Minute. Anschliessend reibt man den Welpen sanft, aber dennoch energisch mit einem trockenen, sauberen Handtuch ab. Das Reiben wirkt als eine hervorragende Stimulation.
Die Welpen fangen häufig erst jetzt an, erste Quietschlaute von sich zu geben. Ein Haarfön sollte dagegen nicht zum Einsatz kommen, da die Gefahr besteht, den Welpen auszutrocknen oder gar zu verbrennen. Der abgetrocknete und normal atmende Welpe wird jetzt zu seiner Mutter zurückgesetzt. In der Regel setzt der Saugreflex unmittelbar ein, wenn man den Welpen direkt an eine Zitze der Mutter anlegt. Ein gesunder Welpe wird sich sofort an der Zitze festsaugen und ist dann nur sehr schwer wieder davon zu trennen.
Desinfektion der Nabelschnur
Wenn die Nabelschnur nicht von selbst reisst, muss sie unverzüglich einen Zentimeter vom Bauch entfernt mit einem Faden abgebunden oder mit einer Nabelklemme abgeklemmt werden. Danach durchtrennt man sie einen weitern Zentimeter davor und desinfiziert den verbliebenen Nabelstumpf.
Wiegen der Welpen
Die Welpen werden unmittelbar nach der Geburt gewogen. Die Überwachung der Gewichtsentwicklung in den ersten Tagen nach der Geburt ist eine gute Möglichkeit zur Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Entwicklung der Neugeborenen.
Kann man einen unreifen, zu früh geborenen Welpen reanimieren?
Die Grundprinzipien der Reanimation bei unreifen, zu früh geborenen Hundewelpen sind dieselben wie in der Kinderheilkunde. Unreife Welpen, häufig durch einen vor dem eigentlichen Geburtstermin durchgeführten Kaiserschnitt oder bei einer vorzeitigen natürlichen Geburt (sehr grosser Wurf, Verletzung, grosse Hitze etc.) geboren, leiden hauptsächlich unter Atemproblemen. Ursache ist ein Mangel an einer körpereigenen Substanz (Lungensurfactant), die das Entfalten der Lunge unterstützt.
Wenn kein Ersatz verfügbar ist, müssen dieselben Massnahmen wie bei allen Neugeborenen eingeleitet werden: Zunächst werden die Atemwege freigelegt, anschliessend wird der Patient mit Sauerstoff versorgt. Die künstliche Beatmung mit einer Sauerstoffmaske oder in einem Inkubator (Brutkasten) mit kontrollierbarer Atmosphäre ist ein entscheidender Schritt bei der Reanimation unreifer Welpen, die häufig unter Atemnot leiden. Schliesslich wird der Welpe sanft aber intensiv mit einem trockenen Tuch abgerieben, um die Herz- und die Lungenfunktion anzuregen. Es lohnt sich in jedem Fall, einem Welpen nach der Geburt sehr viel Zeit, also bis zu 30 Minuten und mehr, zu widmen.
Dystokien - Anomalien der Geburt
Der Begriff Dystokie bezeichnet die Unfähigkeit der Hündin, ihre Welpen normal, ohne Hilfe des Menschen, zur Welt zu bringen. Er umfasst zahlreiche verschiedene Situationen, auf die der Züchter richtig und oftmals sehr schnell reagieren muss, um alle oder einen Teil der Welpen zu retten.
Wehenschwäche
Bei einer Hündin mit Wehenschwäche sind die Gebärmutterkontraktionen zu schwach und haben grosse Abstände. Sie kann ihre Föten, auch bei normaler Grösse nicht auf natürlichem Weg austreiben. Gelegentlich schafft es die betroffene Hündin, einen oder zwei Welpen mit grosser Anstrengung nach mehreren Stunden auszutreiben. In einigen Fällen ist nur aus der Scheidenöffnung abfliessendes, dunkelgrünes Plazentapigment zu beobachten. Zu den bekannten Risikofaktoren für eine Wehenschwäche zählen bestimmte Rassen (z.B. Molosser), bestimmte Linien (Mutter-Tochter) Hündinnen, die bereits eine Wehenschwäche bei einer vorangegangenen Geburt gezeigt haben.
Übergewicht, fortgeschrittenes Alter der Hündin sowie die Grösse des Wurfes (sehr wenige Welpen, aber auch sehr grosse Würfe). Man sollte aber Wehenschwäche nicht mit Gebärmuttererschöpfung verwechseln. Hierbei hört die Hündin nach erfolglosen Kontraktionen auf zu drücken, weil die Gebärmutter erschöpft ist. Es ist dann gefährlich, Wehen zu provozieren, ohne einen Tierarzt zu Rate zu ziehen.
Wie kann die Wehentätigkeit der Gebärmutter unterstützt werden?
Eine einfache Methode ist es, mit der Hündin kurz spazieren zu gehen. Meist setzen danach die Wehen wieder ein. Kalzium steigert die Kontraktionskraft der Gebärmuttermuskulatur. Ein zu geringer Kalziumspiegel im Blut oder Störungen der Kalziummobilisierung im Körper sind die häufigsten Ursachen für eine Wehenschwäche. In vielen Fällen erhalten diese Hündinnen zusätzliches Kalzium über die Maulhöhle (Kalziumglukonat). Subkutane (schmerzhaft) oder intravenöse Kalziumgaben (Gefahr von Herzrhythmusstörungen) dürfen ausschliesslich unter tierärztlicher Aufsicht erfolgen.
Oxytozin ist ein Hormon, dass die Frequenz der Gebärmutterkontraktion erhöht. Einige Züchter setzen Oxytozin in Eigenregie ohne tierärztliche Überwachung ein und injizieren das Hormon subkutan, wenn die Kalziumglukonatgabe nicht ausreicht. Pro Injektion dürfen nicht mehr als 2 bis 3 Injektionen im 30-Minuten-Takt verabreicht werden, um das Risiko einer vollständigen Desensibilisierung der Gebärmutter oder eines Gebärmutterrisses zu vermeiden.
Dystokien infolge von Geburtshindernissen
In diesem Fall schafft es die Hündin trotz Wehentätigkeit nicht, die Welpen auszutreiben. Eine mögliche Ursache ist ein zu grosser Welpe oder eine falsche Haltung des Welpen. Für eine problemlose Geburt sollte der Welpe lang gestreckt liegen. Ein gebeugter Kopf oder gebeugte Läufe können Geburtshindernisse darstellen. Auch eine ungünstige Lage des Welpen kann zu Problemen führen. In 60% aller Fälle treten Welpen mit dem Kopf voran in den Geburtskanal ein. In 40% der Fälle besteht dagegen eine Hinterendlage, die Hintergliedmassen treten zuerst aus. Ungünstige Lagen sind z.B. die so genannte Sitzhaltung (die Hinterläufe liegen bei Hinterendlage unter den Bauch geknickt).
Diese Form der Dystokie ist oft sehr problematisch, da die Gebärmutter sich stark kontrahiert und die Plazenten sich zu lösen beginnen, so dass die Föten letztlich unter Sauerstoffmangel leiden. Liegt ein solches Geburtshindernis vor, darf keinesfalls Oxytozin verabreicht werden, da dies die Kontraktionen zusätzlich anregen und damit die Situation weiter verschlimmern würde. Ohne ein sofortiges, geburtshilfliches oder chirurgisches Eingreifen (Dammschnitt oder Kaiserschnitt), besteht die Gefahr, dass die Welpen tot oder aber sehr schwach und nicht mehr reanimierbar zur Welt kommen.
Welche geburtshilflichen Massnahmen werden bei der Hündin durchgeführt?
Zunächst: Eine unsachgemäss durchgeführte Geburtshilfe kann für den Tod eines im Beckenkanal eingetretenen Welpen verantwortlich sein und die noch in der Gebärmutter befindlichen Welpen beeinträchtigen. Folgende Grundprinzipien gilt es zu beachten: Desinfektion, Gleitfähigkeit des Geburtskanals herstellen und vorsichtig, sanfte Durchführung der Geburtshilfe. Verwenden Sie keinerlei Instrumente, es sei denn, der Welpe ist bereits tot. Es besteht eine sehr grosse Gefahr für Quetschungen des Schädels, und die Gefahr des Abreissens der Rute oder einer Gliedmasse.
Bei einer Dystokie kann ein vom Tierarzt durchgeführter Dammschnitt (chirurgischer Schnitt von der Scheide durch den Damm in Richtung Anus) häufig den Auszug eines im Beckenkanal feststeckenden Welpen ermöglichen und auf diese Weise einen Kaiserschnitt vermeiden. Dammschnitte dürfen jedoch unter keinen Umständen vorbeugend durchgeführt werden, sondern stets nur im Falle eines tatsächlich vorliegenden Geburtshindernisses.
Mütterliche Erkrankungen - Anomalien der Geburt
Der Züchter muss die Entstehung gesundheitlicher Probleme beider Hündin nach der Geburt möglichst schnell erkennen, bevor diese Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Welpen entwickeln können. In dieser frühen Phase ist häufig die Gesundheit der besonders empfindlichen Welpen noch vor der Gesundheit der Hündin in Gefahr.
Die Gesäugeentzündung (Mastitits)
Bei der akuten Gesäugeentzündung handelt es sich um eine Entzündung der Milchdrüsen, die meist infolge eines Aufsteigens von Krankheitserregern durch den Zitzekanal entsteht. Ursache ist oft mangelhafte Hygiene im Zwinger, vor allen ein schmutziger Boden in der Geburtsbox. Betroffene Hündinnen werden rasch sehr schwach und kümmern sich nicht mehr um ihren Wurf.
Das Gesäuge - in der Regel ist einer der beiden hinteren Zitzen betroffen - wird heiss und schwillt sehr stark an. Die Welpen müssen in diesem Fall sofort abgesetzt werden. Das Fieber der Hündin muss gesenkt, und eine Septikämie (Blutvergiftung) mit Hilfe von Antibiotika vermieden werden. Ein Abszess an der Zitze platzt meist sehr schnell auf, wodurch sich das Allgemeinbefinden der Hündin in der Regel sofort bessert. Anschliessend bildet sich Narbengewebe, und der Gesäugebereich ist verloren, ohne dass dies jedoch besondere Auswirkungen auf zukünftige Würfe hat.
Eklampsie
Bei der Eklampsie der Hündin handelt es sich um einen Krankheitszustand infolge eines plötzlichen und dramatischen Absinkens des Kalziumspiegels im Blut nach der Geburt. Betroffen sind hauptsächlich Hündinnen kleiner Rassen, vor allem dann, wenn sie sehr grosse Würfe haben und der Kalziumbedarf für die Milchbildung stark ansteigt. Im Allgemeinen tritt die Erkrankung in Schüben innerhalb der ersten 15 Tage nach der Geburt auf.
Die Hündin wird unruhig, speichelt vermehrt, verliert schliesslich ihr Bewusstsein und entwickelt Zuckungen. Eine solche Krise dauert in der Regel zwischen 5 und 10 Minuten, sie kann aber auch länger anhalten und sich mehrfach wiederholen. Die betroffene Hündin muss unverzüglich zum Tierarzt gebracht werden und intravenöse Infusionen einer kalziumhaltigen Lösung (unter Überwachung der Herztätigkeit) und anschliessend über einige Zeit zusätzliches Kalzium erhalten.
Scheidenausfluss
Scheidenausfluss hält längere Zeit an: Rötlicher Scheidenausfluss (Lochien) nach der Geburt ist normal und kann in geringen Mengen bis zu einem Monat anhalten. Einige Hündinnen verlieren auch mehr als anderthalb Monate nach der Geburt noch vereinzelte Bluttropfen, die an der Scheidenöffnung sichtbar werden. In solchen Fällen kann der Verdacht auf eine Vaginalverletzung oder eine mangelhafte Rückbildung der Verankerungszonen der Plazenten bestehen. Der Tierarzt stellt die Diagnose mit Hilfe von Scheidenabstrichen oder einer Ultraschalluntersuchung. Oft geht dieser Zustand spontan zurück, er kann sich gelegentlich aber auch verstärken und eine Hysterektomie, also eine chirurgische Entfernung der Gebärmutter erforderlich machen.
Gebärmutterblutungen bei der Geburt sind glücklicherweise seltene Ereignisse. Ein typisches Anzeichen ist der Ausfluss von Blutgerinnseln aus der Scheidenöffnung unmittelbar nach der Geburt in zunehmend grösseren Mengen. Es handelt sich um einen Notfall und die Hündin muss umgehend operiert werden (Entfernung der Gebärmutter). Manchmal sind Bluttransfusionen erforderlich. Gebärmutterentzündung nach der Geburt: Wenn einige Tage nach der Geburt ein eitriger und übel riechender Scheidenausfluss auftritt, und sich das Allgemeinbefinden der Hündin sehr schnell verschlechtert, besteht der Verdacht auf eine akute Gebärmutterentzündung.
Eine häufige Ursache sind mangelhafte Hygiene im Zwinger und bei der Geburt, insbesondere, wenn mit schmutzigen Händen Geburtshilfe geleistet wurde. Gebärmutterentzündungen treten aber auch bei einer so genannten Plazentaretention (Nachgeburtsverhaltung) auf, das heisst, eine der Plazenten (Nachgeburten) wird nach der Geburt nicht ausgetrieben. Auch in diesen Fällen müssen die Welpen sofort von der Mutter getrennt werden, um die Hündin behandeln zu können. Häufig muss eine Hysterektomie durchgeführt werden.
Wie kann möglichen Problemen nach der Geburt vorgebeugt werden?
Zahlreiche Faktoren können für gesundheitliche Probleme bei der Hündin rund um die Geburt verantwortlich sein: Die Ernährung, bestimmte Medikamente, die Aktivität der Hündin, Umweltfaktoren oder die hygienischen Verhältnisse im Zwinger. An erster Stelle zu nennen sind hier zwei klassische Fehler: Eine Überversorgung mit Kalzium während der Trächtigkeit, die eine Eklampsie bei der Geburt oder in den Tagen danach auslösen kann, und schlechte hygienische Zustände im Zwinger, die für Gesäugeentzündungen verantwortlich sein können.
Die beste Empfehlung lautet, die Hündin ausgewogen und vollwertig zu ernähren, einen hohen Hygienestandard im Zwinger aufrechtzuerhalten und keinerlei Medikamente zu verabreichen, die nicht ausdrücklich vom behandelnden Tierarzt verordnet sind.
Quelle mit ausdrücklicher Genehmigung:
Fortpflanzung des Hundes "Praktisches Handbuch der Züchter" von "Royal-Canin"