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Augenblicke
Jorge Luis Borges
Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte...
... im nächsten Leben würde ich versuchen,
mehr Fehler zu machen.
Ich würde nicht so perfekt sein wollen,
ich würde mich mehr entspannen.
Ich wäre ein bisschen verrückter
als ich gewesen bin.
Ich würde viel weniger Dinge so ernst nehmen.
Ich würde nicht so gesund leben.
Ich würde mehr riskieren, würde mehr reisen,
Sonnenuntergänge betrachten,
mehr bergsteigen, mehr
in Flüssen schwimmen.
Ich war einer dieser klugen Menschen, die jede
Minute ihres Lebens fruchtbar verbrachten;
freilich hatte ich Momente der Freude...
aber wenn ich noch einmal anfangen
könnte, würde ich versuchen,
nur mehr gute Augenblicke zu haben.
Falls du es noch nicht weißt,
aus diesen besteht nämlich das Leben,
nur aus Augenblicken,
vergiss nicht den jetzigen!
Wenn ich noch einmal leben könnte,
würde ich vom Frühlingsbeginn bis in
den Spätherbst hinein barfuss gehen
und ich würde mehr mit den Kindern spielen,
wenn ich das Leben noch vor mir hätte.
Aber sehen sie...
ich bin 85 Jahre alt und weiss,
dass ich bald sterben werde.
Jorge Luis Borges,
1899-1986,
Argentinischer Schriftsteller
Als ich mich selbst zu lieben begann
Charlie Chaplin
Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich verstanden, dass ich immer und bei jeder Gelegenheit, zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin und dass alles, was geschieht, richtig ist - von da an konnte ich ruhig sein.
Heute weiß ich: das nennt man 'Vertrauen'.
Als ich mich selbst zu lieben begann, konnte ich erkennen, daß emotionaler Schmerz und Leid nur Warnungen für mich sind, gegen meine eigene Wahrheit zu leben. Heute weiß ich, das nennt man 'Authentisch-sein'.
Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, mich nach einem anderen Leben zu sehnen und konnte sehen, daß alles um mich herum eine Aufforderung zum Wachsen war.
Heute weiß ich, das nennt man 'Reife'.
Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, mich meiner freien Zeit zu berauben und ich habe aufgehört, weiter grandiose Projekte für die Zukunft zu entwerfen. Heute mache ich nur das, was mir Spaß und Freude bereitet, was ich liebe und mein Herz zum lachen bringt, auf meine eigene Art und Weise und in meinem Tempo.
Heute weiß ich, das nennt man 'Ehrlichkeit'.
Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich mich von allem befreit, was nicht gesund für mich war, von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen und von allem, das mich immer wieder hinunterzog, weg von mir selbst. Anfangs nannte ich das 'gesunden Egoismus', aber heute weiß ich, das ist 'Selbstliebe'.
Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, immer recht haben zu wollen, so habe ich mich weniger geirrt. Heute habe ich erkannt, das nennt man 'Demut'.
Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich mich geweigert, weiter in der Vergangenheit zu leben und mich um meine Zukunft zu sorgen. Jetzt lebe ich nur mehr in diesem Augenblick,
wo alles stattfindet.
So lebe ich heute jeden Tag und nenne es 'Bewusstheit'.
Als ich mich selbst zu lieben begann, da erkannte ich, daß mich mein Denken armselig und krank machen kann, als ich jedoch meine Herzenskräfte anforderte, bekam der Verstand einen wichtigen Partner. Diese Verbindung nenne ich heute 'Herzensweisheit'.
Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen, Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen zu fürchten, denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander und es entstehen neue Welten.
Heute weiß ich, das ist das Leben!
Charlie Chaplin an seinem 70. Geburtstag
am 16. April 1959
Ich möchte wissen was dich von innen hält
Oriah Mountain Dreamer
Es ist nicht wichtig für mich, wie Du Dein Geld verdienst. Ich möchte wissen, wonach
Du innerlich schreist und ob Du es wagst,
der Sehnsucht Deines Herzens zu begegnen.
Es ist nicht wichtig für mich, wie alt du bist. Ich will wissen, ob Du es riskierst, wie ein Narr auszusehen, um Deiner Liebe willen, um Deiner Träume willen und für das Abenteuer des Lebendigseins.
Es ist nicht wichtig für mich, welche Planeten im Quadrat zu Deinem Mond stehen. Ich will wissen,
ob Du Dein eigenes Leid liebevoll umarmen kannst, ob Du durch die Prüfungen des Lebens offener geworden bist, oder ob Du Dich zusammengezogen und verschlossen hast aus Angst vor weiterer Qual.
Ich will wissen, ob Du mit dem Schmerz
– Deinem und meinem – dasitzen kannst,
ohne gleich zu versuchen, ihn zu verstecken,
zu überspielen oder zu beseitigen.
Ich will wissen, ob Du voller Freude sein kannst
– meiner und Deiner Freude -, ob Du voller Wildheit tanzen kannst, ob Du es wagst, Dich und mich vor Ekstase beben zu lassen – von den Fußsohlen bis zu den Haarspitzen -, ohne uns zur Vorsicht zu ermahnen, zur Vernunft oder die Grenzen des Menschseins zu bedenken.
Es ist nicht wichtig für mich, ob die Geschichte die
Du erzählst, wahr ist. Ich will wissen, ob Du
jemanden enttäuschen kannst, um Dir selbst treu
zu bleiben. Ob Du den Vorwurf des Verrats ertragen kannst und nicht Deine eigene Seele verrätst.
Ich will wissen, ob Du vertrauen kannst und von daher vertrauenswürdig bist. Ich will wissen, ob du die Schönheit auch dann noch sehen kannst, wenn es nicht jeden Tag schön ist, und ob Du Dein Leben aus der Gegenwart Gottes nähren kannst.
Ich will wissen ob Du mit all unseren Schwächen
und Fehlern – meinen und Deinen – leben kannst und trotzdem am Ufer des Sees stehen und zum Silberlicht des Vollmondes hinaufrufen: „JA“
Es ist nicht wichtig für mich,
wo Du lebst und wie viel Geld du hast.
Ich will wissen, ob Du aufstehen kannst nach einer Nacht der Trauer und Verzweiflung – erschöpft und zerschlagen bis auf die Knochen – und tust,
was für die Kinder getan werden muss.
Es ist nicht wichtig für mich, wer Du bist und wie Du hierher gekommen bist. Ich will wissen, ob Du mit mir in der Mitte des Feuers stehen kannst und
nicht zurückschreckst.
Es ist nicht wichtig für mich, wo oder was
oder mit wem Du studiert hast.
Ich will wissen, was Dich von innen hält,
wenn sonst alles wegfällt.
Ich will wissen, ob Du allein sein kannst und
in den leeren Momenten wirklich gern
mit Dir selbst zusammen bist.