Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03410.jsonl.gz/2511

In exakt zwei Jahren finden in Pyeongchang die Olympischen Winterspiele 2018 statt. Wie gut werden dann Südkoreas Sportler abschneiden? Es droht das schlechteste Ergebnis eines Gastgebers seit 30 Jahren.
Acht Medaillen holte Südkorea an den letzten Olympischen Winterspielen vor zwei Jahren in Sotschi. Drei davon waren aus Gold, alle auf Eis erlaufen (zwei im Short Track, eine im Eisschnelllauf).
Wie sieht die Situation zwei Jahre vor den Spielen im eigenen Land aus? Aufgrund der Resultate Olympischer Spiele, Weltmeisterschaften und Weltcup-Wettbewerben der letzten beiden Winter ist klar: Auf Eis werden die Einheimischen deutlich besser abschneiden als auf Schnee. Nebst Short-Track-Athleten und den Eisschnellläufern haben aber noch weitere Sportler realistische Chancen auf einen Medaillengewinn.
Ein koreanischer Schlitten auf dem Podest in Pyeongchang – absolut möglich. Der 30-jährige Won Yun-Jong hat in Whistler eben erst den allerersten Weltcupsieg Südkoreas gefeiert, im Zweierbob zeitgleich mit dem Schweizer Duo Rico Peter/Thomas Amrhein.
Won begann seine Karriere 2010, ein Jahr bevor die Olympischen Winterspiele an sein Heimatland vergeben wurden. Sein Sieg in Whistler war mitnichten eine Sensation. Wons Aufstieg verlief in den letzten Jahren kontinuierlich, zuvor fuhr er in diesem Winter schon drei Mal aufs Weltcup-Podest.
Gerade im Bob-Sport ist es oft der Fall, dass einheimische Piloten mehr als die Gegner die Gelegenheit zu Trainingsfahrten auf der eigenen Bahn erhalten. Das kann ein entscheidender Vorteil sein, wenn es in zwei Jahren um Hundertstelsekunden geht.
Was auf den Bob-Piloten Won zutrifft, gilt auch für Yun. Er ist zwar erst 21 Jahre alt, spielt im Konzert der Grossen aber bereits die erste Geige. Im letzten Winter wurde Yun 8. an der WM. In der laufenden Saison raste er im Weltcup vier Mal aufs Podest, zu einem Sieg reichte es noch nicht.
Als Baron Pierre de Coubertin 1894 die Olympischen Spiele neu lancierte, nannte er die sportlichen Festspiele ein «Treffen der Jugend der Welt». 122 Jahre später könnte in Pyeongchang ein junger Langläufer für Furore sorgen: Magnus Kim.
Die Kombination aus Vor- und Nachnamen deutet darauf hin, dass es sich beim 18-Jährigen um einen Doppelbürger handelt. Kim ist in Korea aufgewachsen, mit 12 Jahren zügelte er nach Norwegen zu seinem Vater. Dort liess er sich vom Wintersport-Virus anstecken. An den norwegischen Junioren-Meisterschaften holte er sich letztes Jahr den Titel im Langlauf-Sprint, der Koreaner setzte sich dabei gegen 474 (!) norwegische Gegner durch.
Als er noch in Asien lebte, wurde Kim koreanischer Junioren-Meister im Short Track. Später in Skandinavien gewann das Multitalent auch die norwegischen Junioren-Meisterschaften im Biathlon, doch an den Olympischen Spielen 2018 will er im Langlauf antreten. Seine Ambitionen sind gross: «Ich will in Pyeongchang gewinnen!»
Der 28-Jährige gehört zu den besten hundert Slalomfahrern der Welt – als aktuelle Weltranglisten-Nummer 99 reicht das trotzdem nicht, um für internationale Schlagzeilen zu sorgen. Jung ist für das beste südkoreanische Ergebnis aller Zeiten verantwortlich, vor zwei Jahren wurde er 25. in Are. Weltcup-Punkte gab's wegen des zu grossen Rückstands auf Sieger Marcel Hirscher aber nicht.
Jung gewann zwischen 2010 und 2012 drei Mal in Folge den Far East Cup, es ist auf zweithöchster Stufe das asiatische Gegenstück zum Europacup. In Vancouver und in Sotschi schied er im Slalom jeweils aus, im Riesenslalom wurde er vor zwei Jahren in Russland 41.
In diesem Winter startete Jung noch nicht im Weltcup. Sein Landsmann Kjung Sung-Hyun trat in Kitzbühel und Schladming zum Slalom an und verpasste jeweils den Sprung in den zweiten Lauf. Man muss kein Prophet sein, um zu sagen, dass Südkoreas Alpine keine Medaillen gewinnen werden.
Gefühlt sind die Südkoreaner schon seit ewiger Zeit auf den Schanzen dieser Welt dabei – aber in aller Regel sieht man sie bloss im ersten Durchgang springen. Choi ist bereits 33-jährig und war wie Simon Ammann bereits in Nagano 1998 ein erstes Mal an Olympischen Spielen dabei. Damit enden die Parallelen aber.
Chois Karriere-Highlight liegt schon mehr als zehn Jahre zurück: 2005 an der WM in Oberstdorf wurde er auf der kleinen Schanze 22. In all den Jahren schaffte er es nur vier Mal in die Weltcup-Punkte. Dennoch könnte Choi 2018 noch einmal an Olympischen Spielen teilnehmen, denn der Skisprung-Nachwuchs fehlt. An den letzten Junioren-Weltmeisterschaften nahm kein einziger Südkoreaner teil.
Nomen est omen: Im Alter von erst elf Jahren wurde die Eiskunstläuferin vor einem Monat südkoreanische Meisterin. Die in Singapur aufgewachsene You schickt sich an, in die grossen Fussstapfen der Eiskunstlauf-Legende Kim Yu-Na zu treten. Die Olympiasiegerin von 2010 war nach ihrer Silbermedaille 2014 zurückgetreten.
Kims Triumph in Vancouver habe sie als Sechsjährige inspiriert, ebenfalls Eiskunstläuferin zu werden, wird überliefert. Ihr Idol hat You nun schon ein erstes Mal überflügelt: Kim wurde «erst» mit 12 Jahren erstmals Landesmeisterin.
Die Träume von einer koreanischen Medaille an den Heimspielen haben allerdings einen grossen Haken: You Young wird 2018 noch zu jung sein für eine Teilnahme. Sie wird in Pyeongchang noch nicht 14 Jahre alt sein, doch Eiskunstläuferinnen müssen für eine Olympiateilnahme mindestens 15 Jahre alt sein. Wobei es nicht unvorstellbar scheint, dass findige Funktionäre eine Ausnahmeregelung erreichen können.