Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/62428

<h2>SubmittedText<h2><p>Zwischen 2001 und 2004 ist eine von fünf Lehrstellen aus dem welschen Lehrstellenangebot verschwunden. Nun geht es darum, rasch alle notwendigen Massnahmen zu ergreifen. Um Bilanz zu ziehen, darf man nicht wie vorgesehen das Jahr 2009 abwarten. Es ist dann viel zu spät, um den im Bereich der dualen kaufmännischen Lehre angerichteten Schaden wiedergutzumachen, einem Sektor, der der Schweiz ganz besonders am Herzen liegt.</p><p>In Anbetracht des Ernstes der Lage stelle ich dem Bundesrat folgende Fragen:</p><p>1. Ist er nicht auch der Ansicht, dass man der Sache dringend auf den Grund gehen und eingestehen muss, dass der eingeschlagene Weg in eine Sackgasse und damit zum Verschwinden der Lehre in der Schweiz führt?</p><p>2. Ist er bereit, das Ausbildungskonzept rasch zu überarbeiten und dabei die Anforderungen und Vorschläge aus den Bildungskreisen und den betroffenen Berufsschulen zu berücksichtigen?</p><p>3. Ist er bereit, im Rahmen des vorgesehenen Projektes innovative und flexible Ausbildungslösungen zuzulassen, die die Wiederaufnahme der Beziehungen mit den Ausbildungsunternehmen ermöglichen würden, die im Bereich der Ausbildung der Jugend von morgen aktiv mitwirken möchten, dazu aber unter den gegebenen Umständen nicht bereit sind?</p><p>Die Zeit drängt und es ist nicht sinnvoll, weiterhin den Kopf in den Sand zu stecken! Ein Blick in die Statistiken genügt und es ist umso wichtiger, da angekündigt wird, dass es im nächsten Jahr noch weniger Lehrstellen gebe!</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die neue kaufmännische Grundbildung wertet die Rolle der Lehrbetriebe auf: Sie erhalten mehr Gewicht in der Ausbildung und beim Qualifikationsverfahren. Wie in der Berufsbildung üblich wurden auch bei der kaufmännischen Grundbildung Leitlinien und Inhalte der Reform von den zuständigen Berufsverbänden definiert und zusammen mit Bund und Kantonen erarbeitet. Die Innovationen wurden in einer breitangelegten, sechsjährigen Pilotphase erprobt und evaluiert. Daran beteiligten sich elf Kantone aus allen Sprachregionen, über zwanzig Branchen und mehrere Tausend Lernende. Die Evaluation der Pilotphase zeigte, dass alle Beteiligten die Neuerungen als positiv einstuften, sobald die Umstellungsschwierigkeiten überwunden waren.</p><p>Wie erste Erfahrungen zeigen, profitieren die Unternehmungen von der neuen kaufmännischen Grundbildung. Dem anfänglichen Mehraufwand steht mittelfristig ein grösserer Nutzen gegenüber. Insbesondere die Lehrbetriebe verfügen über besser qualifizierte und aufgrund abnehmender Schulanteile häufiger präsente Lernende.</p><p>1. Der Gesamtbestand der Lehrverträge in den kaufmännischen Berufen hat sich von 2001 bis 2004 gesamtschweizerisch um 11 Prozent und in der Westschweiz um 13,6 Prozent verringert. Die Angebotsentwicklung ist dabei je nach Region unterschiedlich. Der Bundesrat teilt die Auffassung des Interpellanten nicht, wonach der Rückgang der Lehrverhältnisse dramatisch und ausschliesslich auf die Reform der kaufmännischen Grundbildung zurückzuführen sei. Die Gründe für den Rückgang der Lehrverträge sind vielfältig: Das Lehrstellenangebot widerspiegelt die langfristigen Bedürfnisse des Arbeitsmarktes. Insbesondere strukturelle Veränderungen wirken sich auf den Lehrstellenmarkt aus. Konjunkturelle Schwankungen haben insofern einen Einfluss, als es in der dualen Berufsbildung auch Aufträge braucht, um Lehrlinge ausbilden zu können.</p><p>2. Die neue kaufmännische Grundbildung ist auf Lehrbeginn 2003 gesamtschweizerisch eingeführt worden. Dadurch sind zusätzliche Kreise mit den Neuerungen konfrontiert worden. Die Implementierung in den einzelnen Kantonen ist auf Kurs. Sie verläuft jedoch unterschiedlich bezüglich Form, Qualität und anfallender Probleme. 2006 finden erstmals Abschlussprüfungen nach neuem Reglement statt.</p><p>Der erste reguläre Durchgang der neuen kaufmännischen Grundbildung wird von Beginn weg einer eingehenden Evaluation unterzogen. Ziel ist es, allfällig notwendige Verbesserungen so rasch als möglich in das Modell zu implementieren, um die Attraktivität der kaufmännischen Lehre zu steigern. Die bisherigen Ergebnisse der begleitenden wissenschaftlichen Evaluation lassen keine Hinweise auf schwerwiegende Mängel der Reform zu. Rasche grundsätzliche Korrekturen drängen sich nicht auf. Veränderungen am gültigen Ausbildungs- und Prüfungsreglement werden - wie üblich bei Berufsreformen - in einem breitabgestützten Verfahren vorgenommen.</p><p>Jedoch haben Bund, Kantone und Organisationen der Arbeitswelt aufgrund der Erfahrungen bei der Umsetzung beschlossen, auf Sommer 2005 eine Task Force einzusetzen. Diese hat den Auftrag, im Rahmen der bestehenden Reglemente Entlastungsmassnahmen für Lernende, Lehrbetriebe und Schulen auf Lehrbeginn 2006 einzuführen.</p><p>3. Das neue Berufsbildungsgesetz baut auf dem Prinzip der Verbundpartnerschaft auf. Es weist Bund, Kantonen und Organisationen der Arbeitswelt klare Verantwortlichkeiten zu. Als entwicklungsoffenes Rahmengesetz bietet es den Akteuren optimale Entfaltungsmöglichkeiten. Es ist Sache der Organisationen der Arbeitswelt, neue Bildungsangebote zu konzipieren und bestehende weiterzuentwickeln. Die Anpassung des aktuellen Reglementes "Kauffrau/Kaufmann" an das seit 2004 in Kraft stehende neue Berufsbildungsgesetz ist auf 2009 vorgesehen. Mit den Revisionsarbeiten wird 2006 begonnen. Dabei werden die Ergebnisse der die Implementierung begleitenden wissenschaftlichen Evaluation wichtige Grundlagen liefern.</p>  Antwort des Bundesrates.