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Hinter den Mauern seines Schlosses tobt ein Machtkampf. Von Genf aus spielt König Fahd seinen Bruder Sultan gegen seinen Halbbruder Abdallah aus.Dieser Inhalt wurde am 04. August 2002 - 15:53 publiziert
Nicht nur eine Streiterei unter älteren Prinzen, sondern ein echter Machtkampf spielt sich zwischen Genf und Saudi Arabien ab. Nachdem König Fahd 1996 Opfer eines Gehirnschlages wurde, hat er die Regierungsgeschäfte seinem Halbbruder Prinz Abdallah überlassen.
Nun ist Fahd (81) ein Nachkomme des Stammes der Sudairi, Abdallah (79) hingegen ein Shuraim. Die beiden Blaublütigen haben nicht die gleiche Mutter. Während Abdallah der einzige Sohn seiner Mutter ist, hat Fahd sechs Brüder. An den Schalthebeln der Macht sind seine Brüder Verteidigungsminister Sultan (78), Innenminister Nayef und der Gouverneur der Hauptstadt Riyadh, Salman.
Ideologisch uneinig
Hinzu kommt ein ideologischer Kleinkrieg zwischen den beiden Clans. Die Sudairi folgen bedingungslos den Forderungen der Amerikaner. Abdallah zeigt sich unabhängiger. Weil Fahd die Führung des Landes abgeben musste, scheint sich der Machtkampf zwischen Genf und Riyadh nun zu verschärfen.
So hat Prinz Nayef (65) von der Schweiz aus seit dem 17. Juni eine Reihe von Verhaftungen von El Kaida-Mitgliedern in Saudi-Arabien veranlasst. Darunter Kämpfer aus Afghanistan, die nach den Attentaten vom 11. September unbehindert wieder ins Land gelangen konnten.
4000 männliche Erben
Dazu hat der Rat der Königsfamilie (die Familie Al-Saud zählt über 4000 männliche Erben) vom 25. bis 28. Juni Prinz Sultan zum zweitmächtigsten Mann im Land hinter Abdallah gemacht. Kurz, die Sudairi scheinen die Macht halten zu wollen.
Trotzdem besitzt Abdallah noch einige Spielsteine. Er hat die Macht über die Nationalgarde übernommen. Wie die Internet-Site Intelligence Online berichtet, setzt sich diese aus ultrakonservativen, antiamerikanischen Beduinen zusammen. Sie sind Abdallahs Sohn Muteeb treu ergeben.
Intensives diplomatisches Ballett
Nun wird König Fahd, Repräsentant des Clan der Sudairi, hofiert wird wie nie zuvor. Seit seiner Ankunft in Genf am 20. Mai vollzieht sich ein intensives diplomatisches Ballett.
Die Besuchsliste der Staatsmänner bei König Fahd ist lang: Der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Zayed, der ägyptische Staatspräsident Hosni Mubarak, König Abdallah II von Jordanien, der algerische Präsident Abdelaziz Bouteflika.
Nicht zu vergessen natürlich der prominenteste Besucher, Jacques Chirac, der Frankreich in der arabischen Welt nicht in Vergessenheit geraten lassen will. Und demnächst kommt Scheich Khalifa aus Bahrain auf Visite.
Trotz seines Gesundheitszustandes scheint es, dass ohne König Fahd kein Frieden im Nahen Osten möglich ist.
Auch kein Zufall, dass die Genfer Moschee seit der Ankunft des Königs wesentlich mehr besucht wird. Am letzten Freitag kamen 3000 Menschen zum Gebet.
Fahd überträgt Besitz
König Fahd hat die in 24 Jahren Arbeitszeit erbaute Residenz in Collonge-Bellerive seiner zweiten Frau, Prinzessin Joharah Al-Ibrahim vermacht. Das Überschreiben der Ville dürfte dem Kanton Genf rund fünf Millionen Franken an Handänderungs-Steuern einbringen, schreibt die Zeitung Le Temps.
Das Hauptgebäude des königlichen Wohnsitzes nimmt eine Fläche von 17'105 Quadratmetern ein. Die Zeitung will aber wissen, dass der 30-jährige Abdelaziz, des Königs liebster Sohn, schliesslich den "Palais de l'Aube" erhalten soll.
Bedenkt man das Alter der streitenden Prinzen, so wird der Machtkampf wohl bald schon auf die Söhne übergehen. Wie Muteeb, der Kommandant der Nationalgarde, und Bandar, Botschafter in den USA wollen sich auch die beiden Fahd-Söhne Adelaziz und Mohammed ein Stück des Kuchens sichern.
swissinfo/Ian Hamel
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