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Krishna ist dort, wo es schön ist
Eine Begegnung mit dem Mönch und Leiter des Krishna Tempels in Zürich
Zwischen dem Wald- und Stadtrand Zürichs, in der Nähe der Kirche Fluntern, befindet sich ein anderes Land. Steht man dort vor dem roten Haus, in dem es sich befindet, sieht man Leute, die man in der Umgangssprache als «Hindus» bezeichnen würde. Der raue Herbstwind weht durch ihre bunten Saris und lässt die goldenen Pailletten klimpern. Kinder spielen Fangen, wie alle Kinder der Welt eben Fangen spielen. Ich öffne die Tür zum Tempel und trete ein. Ein warmer Geruch nach Essen und Räucherstäbchen umfängt mich. An einem Tisch sitzen zwei ältere Männer und eine Frau, einer der Männer hat einen Teller mit dampfenden Essen vor sich. Aus einem anderen Raum tönt Musik und Gesang, an der Decke glitzert ein Kronleuchter und in den Ecken und Winkeln der Eingangshalle stehen Blumen, Kerzen und tanzende Skulpturen. Ein junger Mann kommt mir entgegen, stell sich als Krishna Premarupa vor und begrüsst uns zum Sonntagsfest. Er trägt ein oranges Gewand, sein Kopf ist bis auf einige Strähnen am Hinterkopf rasiert. Er ist jünger, als ich mir den Tempelpräsidenten vorgestellt habe.
Nachdem ich meine Schuhe ausgezogen habe, folge ich ihm die Treppe hinauf in den ersten Stock. Er trägt Socken und ich weiss auch nicht genau, weshalb mich das erstaunt. Das Haus war früher im Besitz der Bankerfamilie Bär, bis es 1980 von der Tempelgemeinschaft übernommen und renoviert wurde. In einem der Zimmer befindet sich auch ein Büro. «Die Leute denken manchmal, wir Mönche würden so etwas nicht brauchen», sagt Prema. «Aber wir leben ja nicht hinter dem Mond.» In einem weiteren Zimmer begegnen wir einem alten Mann, der seltsam unbeweglich an einem Tisch sitzt und in einem Buch liest. Erst beim zweiten Hinschauen merke ich, dass es sich um eine Puppe handelt. Prema lacht. Es komme immer wieder vor, dass sich Leute bei ihm erkundigen, weshalb der alte Mann im Studierzimmer sie nicht gegrüsst habe. Bei der Figur handelt es sich um eine Nachbildung des Gründers der ISKCON, der internationalen Gemeinschaft für Krishna-Bewusstsein, Abhay Charan Bhaktivedanta Swami Prabhupada. Die Wände des Zimmers bestehen aus Büchern und über den Büchern sind Bilder angebracht, die den Lebensweg Krishnas aufzeigen. Krishna als Kuhhirte. Krishna und die Hirtenmädchen. Krishna und seine Geliebte Radha.
Diese Reportage erschien 2013 im Magazin Transhelvetica.