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Eine Darmreinigung wird normalerweise durchgeführt, um wichtige ärztliche Untersuchungen wie eine Darmspiegelung vorzubereiten. Alternativmediziner*innen bieten eine Darmreinigung aber auch für andere Zwecke an, beispielsweise zur „Entgiftung“ oder als vorbereitenden Schritt einer Darmsanierung.
Einige Naturheilkundler*innen glauben, dass eine Darmreinigung Giftstoffe ausspült und dadurch die Gesundheit verbessert oder bestimmte Krankheitssymptome gemindert werden können. Die wissenschaftliche Medizin dagegen sieht diesen Ansatz sehr kritisch, da ein gesunder Körper zum einen Abfälle und Schadstoffe selbstständig ausleitet und es zum anderen keine Beweise dafür gibt, dass eine Darmreinigung von Vorteil ist [1]. Im Gegenteil: Eine Darmreinigung kann manchmal schädlich sein und unangenehme Nebenwirkungen wie Krämpfe, Blähungen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen verursachen.
Lesen Sie in diesem Artikel, wann eine Darmreinigung für Sie sinnvoll ist, welche Methoden und Mittel es gibt und wie man eine Darmreinigung durchführt. Ausserdem erfahren Sie, was Sie vor und nach der Darmreinigung essen dürfen.
Kurzübersicht: Darmreinigung
Bei einer Darmreinigung wird der Darm mithilfe von Einläufen oder Abführmitteln vollständig entleert, beispielsweise vor einer anstehenden Untersuchung oder Operation. In der Alternativmedizin möchte man mit einer Darmreinigung den Darm von schädlichen Stoffen reinigen. Meistens führt man eine Darmreinigung dann im Rahmen einer Fasten- oder Entgiftungskur oder während einer Darmsanierung durch.
Wenn ärztliche Untersuchungen oder Darm-Operationen bevorstehen, ist eine Darmreinigung wichtig, aus anderen Gründen aber nicht nötig. Ein gesunder Körper reinigt sich selbst und es gibt keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass eine Darmreinigung entgiftet.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten zur Darmreinigung. Häufig benutzte Methoden sind der sogenannte Einlauf, die Verwendung von Abführmitteln oder Flohsamenschalen. Das Verzehren von Flohsamenschalen und ballaststoffreichen Lebensmittel im Allgemeinen ist die angenehmste und natürlichste Methode, um die Verdauung zu unterstützen.
Was Sie vor und nach einer Darmreinigung essen dürfen, hängt von der Methode ab.
Was ist eine Darmreinigung?
Bei einer klassischen Darmreinigung wird der Darm mithilfe von Einläufen oder Abführmitteln vollständig entleert. Eine Darmreinigung ist beispielsweise vor einer anstehenden Untersuchung wie der Darmspiegelung sehr wichtig, damit Ärzt*innen die Darmschleimhaut gut sehen und beurteilen können.
Gut zu wissen: Bei einer Darmspiegelung (Koloskopie) untersuchen Ärzt*innen Dick- und Enddarm mithilfe eines schlauchförmigen Instruments, dem Koloskop. Diese Untersuchung kann man aus verschiedenen Gründen bekommen: Sie wird beispielsweise zur Darmkrebs-Vorsorge, aber auch zur Abklärung von Darmbeschwerden und unklaren Symptomen eingesetzt [2].
In der Alternativmedizin bedeutet der Begriff Darmreinigung, dass der Darm von schädlichen Stoffen gereinigt wird. Meistens führt man eine Darmreinigung dann im Rahmen einer Fasten- oder Entgiftungskur oder während einer Darmsanierung durch. Bei einer Darmsanierung beispielsweise möchten Menschen ihre Darmflora positiv beeinflussen und die Darmgesundheit verbessern.
Wann ist eine Darmreinigung sinnvoll?
Ärzt*innen ordnen eine Darmreinigung vor Untersuchungen wie der Darmspiegelung oder bevorstehenden Darmoperationen an. Ein sauberer Darm ist hier wichtig, damit mögliche Krankheitszeichen bei der Untersuchung entdeckt werden können. Während einer Operation möchte man verhindern, dass die Bakterien aus dem Dickdarm in andere Körperregionen wandern. Dort könnten sie schwere Infektionen verursachen. Daher ist auch in diesem Fall eine gute Reinigung vorab nötig.
In der Naturheilkunde empfiehlt man Menschen eine Darmreinigung, um dem Körper beim Entgiften zu helfen, die Darmflora wieder in Balance zu bringen oder bestimmte Symptome wie Bauchschmerzen, Blähungen oder Verdauungsbeschwerden zu verbessern. Hierbei ist aber wichtig zu wissen: Eine positive Wirkung der Darmreinigung konnte aus wissenschaftlicher Sicht bisher nicht bewiesen werden [3].
Eine „Entgiftung“ oder „Spülung“ des Darms, wie sie häufig in der Alternativmedizin empfohlen wird, ist nicht nötig. Denn ein gesunder Körper reinigt sich selbst, indem er unerwünschte Stoffe über den Darm, aber auch über Leber, Nieren, Haut und die Atmung ausscheidet. Nur bei echten Vergiftungen, beispielsweise einer Überdosierung von Arzneimitteln, braucht er Hilfe von aussen – in diesem Fall sollten Sie aber sofort medizinische Hilfe holen und nicht auf eigene Faust handeln [1].
Wissenschaftler*innen betonen: Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass eine Darmreinigung entgiftet oder andere positive Wirkungen auf den Körper hat [4].
Kann eine Darmreinigung gefährlich sein?
Eine Darmreinigung kann verschiedene Nebenwirkungen mit sich bringen, die man nicht unterschätzen sollte. Wer eine Darmreinigung eigenständig (also ohne ärztliche Verordnung) durchführt, Abführmittel falsch anwendet oder unter bestimmten Vorerkrankungen leidet, riskiert gesundheitliche Schäden. Diese unerwünschten Nebenwirkungen sind möglich [5]:
- Übelkeit und Erbrechen
- Bauchschmerzen, Durchfall, Blähungen und Krämpfe
- Benommenheit und Kreislaufprobleme durch hohe Elektrolytverluste
- Nierenversagen
- Verletzungen der Darmwand, Leberschäden
Wichtig: Für Menschen mit grossen Hämorrhoiden, Darmerkrankungen (wie Colitis ulcerosa, Morbus Crohn und Darmkrebs), Nierenerkrankungen und Herzproblemen ist das gesundheitliche Risiko besonders gross. Ohne medizinische Notwendigkeit sollten Betroffene keine Darmreinigung durchführen [5].
Wie führt man eine Darmreinigung durch?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten zur Darmreinigung. Häufig benutzte Methoden sind der sogenannte Einlauf, die Verwendung von Abführmitteln oder Flohsamenschalen.
Darmreinigung mit Abführmitteln
Wenn Sie von Ärzt*innen eine Darmreinigung verordnet bekommen, wird Ihnen ein entsprechendes Abführmittel verschrieben, dass Sie dann nach ärztlicher Anweisung einnehmen. In der Regel bekommen Sie dazu einen Infozettel oder ein Faltblatt ausgehändigt, in der alle Schritte genau beschrieben sind. Ausserdem werden Sie vorher in einem Arztgespräch über mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt und können Fragen stellen.
Das Abführmittel muss normalerweise erst am Nachmittag oder Abend vor der Untersuchung eingenommen werden, meistens in Form einer Trinklösung, die Sie in mehreren Zeitabständen zu sich nehmen. Spätestens dann dürfen Sie allerdings nichts mehr essen und nur noch klare Flüssigkeiten trinken – Einzelheiten erfahren Sie beim Aufklärungsgespräch [2].
Tipp: Abführmittel sorgen dafür, dass dem Körper Wasser verloren geht. Achten Sie daher darauf, ausreichend klare Flüssigkeit wie Wasser, Tee oder klare Säfte zu trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen.
In der Alternativmedizin werden beispielsweise Glaubersalz oder Bittersalz als Abführmittel verwendet. Dabei wird das jeweilige Mittel in Wasser aufgelöst und getrunken. Diese Form der Darmreinigung ist häufig der erste Schritt bei Fastenkuren [6].
Darmreinigung per Einlauf
Bei einem Einlauf leitet man Wasser über den Anus in den Darm, um die Darmtätigkeit anzuregen. Sie können die benötigten Utensilien in der Apotheke kaufen und den Einlauf selbst durchführen – Fachleute raten aber aufgrund der Verletzungsgefahr davon ab. Besser ist es, wenn Sie den Einlauf von medizinisch ausgebildetem Personal durchführen lassen [7].
Darmreinigung mit Flohsamenschalen
Mit Flohsamenschalen können Sie Ihre Verdauung auf sanfte und natürliche Weise unterstützen. Flohsamenschalen enthalten viele Ballaststoffe, die beim Kontakt mit Flüssigkeit aufquellen. Im Darm wird dadurch der Druck auf die Darmwand erhöht und die Darmtätigkeit so angeregt [8].
Dazu lassen Sie einen Teelöffel Flohsamenschalen in einem Glas Wasser einige Minuten vorquellen und trinken das Glas dann aus. Am besten trinken Sie direkt ein bis zwei Gläser Wasser hinterher. Wichtig: Seien Sie vorsichtig mit der Menge, besonders dann, wenn Sie im Alltag sonst wenig Ballaststoffe zu sich nehmen. Verwenden Sie zu Beginn maximal zwei Teelöffel Flohsamenschalen täglich und beobachten Sie, wie Sie die Flohsamen vertragen. Wenn Sie unsicher sind, sprechen Sie vorab mit Ihr*er Ärzt*in über die Menge, die Sie einnehmen können [9].
Gut zu wissen: Wenn Sie Flohsamenschalen für die Darmreinigung verwenden, sollten Sie parallel sehr viel trinken (am besten Wasser und ungesüsste Tees), da die Schleimstoffe der Schalen viel Wasser im Darm binden und es schneller zu Verstopfungen kommt.
Was kann ich vor und nach der Darmreinigung essen?
Wenn Sie eine Darmreinigung aufgrund einer ärztlichen Untersuchung wie der Darmspiegelung durchführen müssen, sollten Sie schwer verdauliche Lebensmittel einige Tage vorher meiden. Denn Sie benötigen relativ lange, um den Darm zu verlassen, auch dann, wenn man Abführmittel verwendet. Körner, Kerne und Schalen bleiben leicht an der Darmwand haften und können das Endoskop während der Untersuchung verstopfen. Zu den schwer verdaulichen Lebensmitteln zählen unter anderem Müsli, Körnerbrot und Körnerbrötchen, Nüsse, Tomaten, Weintrauben, Kiwi und Gurken [10].
Drei Tage vor der Darmspiegelung sollten Sie keine Lebensmittel mehr essen, die die gute Sicht bei der Untersuchung beeinträchtigen können. Zu diesen Lebensmitteln gehören Blattsalate, Paprika, Pilze, Zwiebeln und Spinat. Eine leichte Kost mit Grau- und Weissbrot, Kartoffeln, Nudeln und Reis und viel Flüssigkeit bereiten den Darm optimal vor. Tagelanges Fasten ist vor der Untersuchung aber nicht nötig.
Am Mittag vor dem Untersuchungstag nehmen Sie die letzte Mahlzeit zu sich, am besten eine klare Suppe oder Nudeln. Die Trinklösung zum Abführen nehmen Sie am Nachmittag oder Abend ein – je nachdem, wann am nächsten Tag Ihre Untersuchung stattfindet. Ab diesem Zeitpunkt dürfen Sie nichts mehr essen und nur noch klare Flüssigkeiten trinken [2].
Was kann ich nach der Darmreinigung essen? Nach der Untersuchung können Sie normalerweise sofort wieder alles essen, sogar wenn Krebsvorstufen entfernt oder Gewebeproben entnommen wurden. Wer ein Beruhigungsmittel erhalten hat, sollte solange mit dem Essen warten, bis die Wirkung nachlässt [2].
In der Alternativmedizin können Sie vor der Darmreinigung alles essen. Oft wird die Darmreinigung als Start für eine Darmsanierung oder eine Fastenkur genutzt. Je nach Methode kann es sein, dass Sie während und nach der Darmreinigung fasten oder nur bestimmte Lebensmittel zu sich nehmen dürfen. Nach der Darmsanierung setzt man oft auf basische Kost, Präbiotika, Probiotika und probiotische Lebensmittel. Auf Zucker, Fast Food und Genussmittel wie Alkohol oder Zigaretten soll verzichtet werden [11].
Quellen
[1] Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE), „Entgiftungsdiäten“, 2018. https://www.dge.de/ernaehrungspraxis/diaeten-fasten/entgiftungsdiaeten/?L=0 (zugegriffen 26. Januar 2023).
[2] Deutsches Krebsforschungszentrum, „Darmspiegelung: Bilder aus dem Darm“, 16. März 2021. https://www.krebsinformationsdienst.de/untersuchung/darmspiegelung.php (zugegriffen 30. Januar 2023).
[3] R. Mishori, A. Otubu, und A. Jones, „The dangers of colon cleansing“, The Journal of family practice, Bd. 60, S. 454–7, Aug. 2011.
[4] R. Rausch, „Hefezellen oder Laktobazillen – oder nichts von beidem?“, DAZ.online, 11. März 2022. https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2022/03/11/hefezellen-oder-laktobazillen-oder-nichts-von-beidem (zugegriffen 31. Januar 2023).
[5] National Center for Complementary and Integrative Health (NCCIH), „“Detoxes” and “Cleanses”: What You Need To Know“, NCCIH, September 2019. https://www.nccih.nih.gov/health/detoxes-and-cleanses-what-you-need-to-know (zugegriffen 31. Januar 2023).
[6] „Darmreinigung in der Mayr-Kur: Wichtiger Therapiebaustein“, Mayr-Kuren.de. https://www.mayr-kuren.de/darmreinigung-mayr.html (zugegriffen 1. Februar 2023).
[7] Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung, „Darmkrebs – Früherkennung“, Patienten-Information.de, März 2019. https://patienten-information.de/kurzinformationen/frueherkennung-von-darmkrebs (zugegriffen 1. Februar 2023).
[8] European Medicines Agency, „Psyllii semen“, 16. November 2021. https://www.ema.europa.eu/en/medicines/herbal/psyllii-semen (zugegriffen 1. Februar 2023).
[9] Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) e.V, „Was tun bei chronischer Verstopfung?“, 16. Dezember 2014. https://www.dge.de/presse/pm/was-tun-bei-chronischer-verstopfung/ (zugegriffen 1. Februar 2023).
[10] „Darmreinigung: freie Sicht dem Koloskopiker“, AerzteZeitung.de, 19. März 2010. https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Darmreinigung-freie-Sicht-dem-Koloskopiker-213156.html (zugegriffen 1. Februar 2023).
[11] „Heilprinzipien der F.X.-Mayr-Kur: Die vier Bausteine“, Mayr-Kuren.de. https://www.mayr-kuren.de/heilprinzipien.html (zugegriffen 1. Februar 2023).