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Datierung
1997/2007
Bildmasse
2 Teile, je 200 x 200 cm
Technik/Material
Gobelin
Nennung
Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung der Künstlerin
Inv.-Nr.
SK16011
Parcours à angles droits
Vera Molnar (1924, Budapest, HU) gilt als Pionierin der Computerkunst. Ihre Werke hat sie vor dem Hintergrund der konstruktiv-konkreten Bewegung und inspiriert von Kasimir Malewitsch, Piet Mondrian und Josef Albers entwickelt. Bereits Ende der 1950er-Jahre schuf die Medienkünstlerin eine Art Computerersatz, ihre eigene «Machine imaginaire», die auf selbst erdachten Algorithmen basierte. Damit legte sie den Grundstein für eine dezidiert künstlerische Beschäftigung mit dem Computer. Diese animierte sie vorerst zum seriellen Arbeiten. In der Folgezeit verwendete sie Computerprogramme zur Entwicklung formaler Systeme sowie Zufallsgeneratoren, welche die Syntax der Konfigurationen, Linien und Farbwerte ihres zeichnerischen und malerischen Werks vorgeben.
Die Handzeichnungen von elementaren geometrischen Gebilden übersetzt Molnar in selbst geschriebenen Programmierungen, die den Zufall als zentrales Gestaltungsprinzip integrieren. Mit dem Computer als Hilfsmittel analysiert sie innerhalb ihrer Serien und auf der Grundlage einfacher mathematischer Regeln, wie sich Wahrnehmungsprozesse durch minimale Verschiebungen, Umgestaltungen und Variationen verändern können. Ihre auf strenger Regelmässigkeit beruhenden seriellen Arbeiten beschränken sich auf wenige Formen und eine reduzierte Farbpalette. Die serielle Aneinanderreihung von annähernd gleich grossen Kreisen oder Quadraten generiert Linearität und erzeugt, durch die Abfolge von Drehungen, Überlagerungen oder Streckungen des Formats, im Auge des Betrachters Bewegungsmomente.
Bis hin zur aktuellen Software-Kunst, die sich seit 2000 entwickelt und zunehmend ausdifferenziert hat, hinterfragte Vera Molnar immer wieder die Unschärfen programmierter Systeme, die Transparenz des Computercodes und die ästhetischen Grenzen des Formalen. Die rasante Entwicklung von dynamischen Informationssystemen findet sich bereits in den frühen Arbeiten der 1960er-Jahre vorweggenommen. Auf humorvolle Weise provoziert die Künstlerin mit der Einführung eines Zufallsfaktors («1 % Unordnung», so der Titel einiger Werke) Störungen im System. So liegt in der Formulierung eines fragilen Gleichgewichts von Ordnung und Unordnung eine wesentliche Qualität der Kunst Vera Molnars.
Dominique von Burg