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Unter unseren einheimischen Fledermausarten ist der äusserst seltene Riesenabendsegler Nyctalus lasiopterus mit einer Spannweite von bis zu 46 cm und einem Körpergewicht von rund 50 g die grösste. Sein riesiges Verbreitungsgebiet reicht von der Iberischen Halbinsel bis nach Zentralasien. Besondere Schlagzeilen machte die Art, als vor ein paar Jahren festgestellt wurde, dass sie nebst grossen Insekten auch kleine, ziehende Vogelarten erbeuten kann. Wie unsere anderen beiden Abendseglerarten gehört der Riesenabendsegler zu den ziehenden Fledermausarten.
Mit der fortschreitenden Miniaturisierung von GPS-GSM Trackern ist es heute möglich, zumindest grosse Fledermausarten zu besendern und deren Aufenthaltsorte über grosse Distanzen zu ermitteln. Dabei wird der Standort eines Tieres über GPS abgerufen – meist einmal täglich – und über das Handynetz (GSM) gesendet. Dies ermöglicht eine Online-Verfolgung, wobei die Koordinaten z.B. in eine Website eingespeist und von dort abgerufen werden können.
Zur Zugzeit rüstete ein russisches Forscher*innenteam im September 2021 drei Riesenabendsegler (ein junges Weibchen, ein älteres Weibchen und ein junges Männchen) rund 100 km östlich von Moskau mit solchen GPS-GSM Trackern aus und verfolgte deren Aufenthaltsorte über mehr als 20 Tage - solange, wie die Batterie des Senders Energie lieferte.
Die drei Tiere liessen die Langstreckenrekorde ziehender, europäischer Fledermausarten purzeln: Sie legten in dieser Zeit Distanzen von 1'750, 2’135 und 3'360 km zurück. Das Männchen, flog am weitesten, es konnte bis nach Norditalien verfolgt werden, die beiden Weibchen bis nach Polen, beziehungsweise Bulgarien. Während sie in einigen Nächten Zugpausen einlegten, flogen sie in anderen bis über 400 km weit.
Beim Grossen (N. noctula) und beim Kleinen Abendsegler (N. leisleri) sind Zugdistanzen über 1'500 km bekannt. Bisherige Rekordhalterin unter den ziehenden, einheimischen Fledermausarten war die Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii) mit bis zu 2'400 km Zugdistanz.
Link zur Originalpublikation: https://link.springer.com/article/10.1134/S0012496623700746