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„Heute ist die theoretische Begründung des Markfundamentalismus weitgehend widerlegt. Meine früheren wissenschaftlichen Arbeiten über die Auswirkungen von unvollkommener und beschränkter Information und unvollkommenem Wettbewerb verdeutlichten mir die Grenzen der Leistungsfähigkeit von Märkten. Im Verlaufe der Jahre habe nicht nur ich diese Erkenntnisse auf die Makroökonomik ausgedehnt. Meine Arbeiten zur öffentlichen Finanzwissenschaft betonten die Notwendigkeit eines Gleichgewichts zwischen Staat und Markt. Es ist also ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Markt und Staat zu suchen und eine Politik der sozialen Gerechtigkeit und der Vollbeschäftigung zu betreiben.
Es ist ausserordentlich riskant, spekulatives Kapital ungehindert hin und her fliessen zu lassen. Man hat erkannt, dass der oftmals kurzfristige Horizont der Wall Street unvereinbar ist mit wirtschaftlicher Entwicklung, die eine langfristige Strategie und Planung erfordert.
Ausserdem setzt sich allmählich die Einsicht durch, dass es nicht nur eine Form von Kapitalismus gibt, nicht nur ein „richtiges“ wirtschaftliches Rahmenmodell. So existieren zum Beispiel andere Formen der Marktwirtschaft – wie etwa die schwedische Variante, die anhaltendes und robustes Wachstum erzeugt hat -, die eine ganz andere Gesellschaft hervorgebracht haben, mit einem besseren Gesundheits- und Bildungssystem und weniger Ungleichheit. Auch wenn das schwedische Modell in andern Ländern nicht so gut funktioniert oder für ein bestimmtes Entwicklungsland ungeeignet sein mag, beweist sein Erfolg, dass alternative Formen erfolgreicher Marktwirtschaft bestehen können.“ (Aus Joseph Stiglitz: Die Chancen der Globalisierung, 2008, Seite 12-15).