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Einbahnstrasse: Walter Benjamin (15. Juli 1892 - 26. September 1940)
«Im Traum nahm ich mir mit einem Gewehr das Leben. Als der Schuss fiel, erwachte ich nicht, sondern sah mich eine Weile als Leiche liegen. Dann erst wachte ich auf.» Unter dem Titel «Wegen Umbau geschlossen» hat Walter Benjamin diesen Traum in sein Bändchen «Einbahnstrasse» aufgenommen, das er 1928 im Rowohlt-Verlag herausbrachte. Was sich in kleinen Lesestücken und kurzen Skizzen, aber auch in einer «Technik des Schriftstellers in 13 Thesen» oder in einer hintergründig-vertrackten «Reise durch die deutsche Inflation» verbirgt, sind, imaginativ-bildhaft umgesetzt, wesentliche Aspekte von Benjamins Denken. Eines Denkens, das sich den Marxismus auf eine freie, unabhängige Weise anzueignen verstand und in vielem die Postulate vorwegnahm, die später die Soziologie der Frankfurter Schule vertreten sollte. So verspielt das Bändchen daherkam, so eindeutig war seine Botschaft, war der Titel «Einbahnstrasse» doch so zu verstehen, dass die Zeit des fruchtlosen Lavierens vorbei sei und dem Intellektuellen kein anderer Ausweg mehr bleibe als die Einbahnstrasse in Richtung politisches Engagement.
Nach dem Machtantritt der Nazis floh Benjamin nach Paris, wo er seine Arbeit als Mitarbeiter der nach New York transferierten «Zeitschrift für Sozialforschung» weiterführte und seine (unvollendete) Übersetzung von Prousts «A la Recherche du temps perdu» fortführte. Als die Nazis Frankreich besetzten, wollte Benjamin über Spanien in die USA reisen, wurde aber an der Grenze von der französischen Polizei festgehalten und mit der Auslieferung an die Deutschen bedroht. Dem wollte Benjamin entgehen und nahm sich am 27.September 1940 das Leben. Mit Gift und nicht mit einem Gewehr, wie er es in jener seltsam prophetischen Traumsequenz von 1928 vorweggenommen hatte.