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Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
Nach der schwierigen Suche nach der alten und heute seltenen Heilpflanze, die im Blog vom 27.05.2018 („Auf der Suche nach dem seltenen Sanikel“) beschrieben wurde, konzentriere ich mich jetzt auf die Heilwirkung.
Die wundheilende Kraft des Sanikels (Sanicula europaea L.) wurde früher für so gross gehalten, dass er selbst Fleischstücke im Topf wieder zusammenwachsen lasse. Diese sonderbare „Heilkraft“ geht wahrscheinlich auf eine Bemerkung von Plinius zurück. Sanikel wurde auch gegen den „bösen Magen“ verwendet. Im Badischen diente eine Abkochung zur Behandlung von Geschwüren.
Walther Zimmermann erwähnt in seiner „Badischen Volksheilkunde“ von 1927 die Kombination Sanikel, Käslikraut (Malve) und Kamille zum Auswaschen von Wunden. Geschwüre wurden, wie der Autor betonte, früher vom Volk mit Abkochungen von Wegerich und Sanikel behandelt (oft wurde noch Lysol zugesetzt).
Wundheilende Kraft
Wie mir eine Nachbarin erzählte, behandelte ihre Mutter bei Schürfwunden immer eine Auflage mit einer Sanikelabkochung. Sie bereitete mit dem Kraut einen Tee, betupfte damit die Wunden oder legte einen mit dem Tee getränkten Verband auf.
Eine 81-jährige Frau aus Schopfheim-Fahrnau erinnerte sich an ihre Schwiegermutter, die mit einer Sanikel-Abkochung Hautwunden behandelte.
Wie mir eine Frau aus Murg berichtete, sammelte sie während und nach dem Krieg sehr oft Sanikel, um Wunden damit zu behandeln. Auch kurierte sie mit einer Sanikel-Abkochung das von einer Kriegsverletzung herrührende offene Bein ihres Mannes.
Früher schätzten bäuerliche Raufbolde den Sanikel. Dazu bemerkte Max Höfler, der verdienstvolle Erforscher der deutschen Volksmedizin: „Der grüne, Gerbsäure enthaltende Saft der Wurzel wird mit gutem Schmalz angerührt, als Salbe verwendet, und berüchtigte Raufbolde tragen die trockene Sanikelwurzel in der Westentasche bei sich, um die beim Raufen erhaltenen Kratzwunden unsichtbar vernarbend zu machen durch das Besteichen mit der angefeuchteten Wurzel.“
Im Mittelalter gehörte das „Heilerchen“ oder das „Heil aller Schäden“ zur Notfallausrüstung jeden Arztes. Auch Soldaten verwendeten den Sanikel zur Wundversorgung. Sogar Barbiere hatten die Pflanze parat, um Schnitte zu versorgen.
Lonicerums, Naturforscher und Arzt lobte 1679 den Sanikel so: „Er ist aller Barbirer Wundkraut und heilet, reiniget und säubert alle Wunden.“
Sanikel
Wichtiges über Sanikel
Blütezeit: Mai bis Juni
Blüte: Die weissen Blüten haben ein besonderes Merkmal: Die 5 Staubgefässe ragen weit aus den Blüten hervor. Die hakig-stacheligen kugeligen Früchtchen gleichen kleinen Kletten.
Verwendete Pflanzenteile: Kraut und Wurzel
Volksnamen: Zorniggel (Pfalz), Bauchwehkraut, Heil aller Schäden, Schörnigel, Schärnickel, Zahnnickel, Kranikelkraut, Tranikelkraut, Bruchkraut, Wundsanikel, Zaunickel.
Vorkommen: Bruno Vonarburg bezeichnete den Sanikel als richtigen Waldschwärmer. Bevorzugt kommt er in Laubwäldern und im Gebüsch vor. Er gedeiht auf humusreichen, feuchten Böden bis 1700 Meter Höhe. In manchen Gegenden des Schwarzwaldes macht sich der Sanikel rar. Persönlich entdeckte ich den Sanikel in der Gegend des Südlichen Schwarzwaldes nur an 2 Stellen (1996 und 2018). Auf dem Bild (Dia) ist der Sanikel von 1996 zu sehen.
Anbau im Garten: Wer Samen hat, kann diesen aussähen oder man besorgt sich Setzlinge. Wichtig sind ein humusreicher Boden und ein schattiger Platz im Garten, am besten unter Sträuchern. Der Sanikel gedeiht durch die richtige Pflege sehr gut und vermehrt sich recht schnell.
Inhaltsstoffe: Saponine, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Flavonoide (mit Rutin), wenig ätherisches Öl, Mineralstoffe, Vitamin C. Früher wurde als Inhaltsstoff auch Allantoin angegeben. In neueren Untersuchen wurde dieser Stoff nicht mehr festgestellt.
Die Inhaltsstoffe wirken laut Ursel Bühring entzündungshemmend, auswurffördernd, antibakteriell, antimykotisch, antiviral, adstringierend und heilungsfördernd bei schlecht heilenden Wunden.
Anwendung von Sanikel
Innerliche Anwendung: Tee, Tinktur: Bronchitis mit festsitzendem Husten, Kommission E: Leichte Katarrhe der Luftwege.
Äusserliche Anwendung: Tee, verdünnte Tinktur: Gurgelmittel bei Zahnfleisch- und Rachenentzündung; Umschläge, Waschungen bei Quetschungen, Zerrungen, Verstauchungen, Fisteln, Hautausschläge, Ekzeme.
Teebereitung: 1-2 Teelöffel Sanikelkraut mit 150 ml kochendem Wasser übergiessen, nach 10 Minuten abseihen. Mehrmals täglich eine Tasse Tee trinken. Den Tee kann man auch mit Honig süssen.
Internet
www.ursel-buehring.de
www.phytoapp.de
Sanikel-Präparate
Sanikel-Salbe
Snicula europ URT DHU
Literatur
Scholz, Heinz; Hiepe, Frank: „Arnika und Tausendguldenkraut“, Uehlin Druck, Schopfheim 1996.
Vonarburg, Bruno: „Natürlich gesund mit Heilpflanzen“, AT Verlag. Aarau 1993.
Hinweis auf einen weiteren Blog über Sanikel
27.05.2018: Auf der Suche nach dem seltenen Sanikel