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Die Post möchte in Gurmels die Poststelle schliessen und durch eine Agentur in der Landi ersetzen. Geschehen solle das «voraussichtlich im zweiten Quartal 2020», teilte die Post Anfang Juli mit. Nach einem Infoanlass am 9. September für die Bevölkerung von Gurmels hat sich eine «Bewegung für den Erhalt von Poststelle und Zustellungsstandort Gurmels» formiert. Diese spricht sich in einer Petition «gegen die Umwandlung der Poststelle Gurmels in eine Postagentur aus, gegen den Verlust von rund 14 Arbeitsstellen in der Gemeinde Gurmels und gegen den massiven Abbau der postalischen Versorgung in unserer Region». Weiter fordert die Bewegung «neue Verhandlungen zwischen dem Gemeinderat und der Post AG» sowie einen «vollen und entschlossenen Einsatz des Gemeinderats Gurmels für den Erhalt der bisherigen postalischen Versorgung».
Über 1500 Personen aus Gurmels und Umgebung hätten diese Petition innerhalb von sieben Tagen unterschrieben, sagt Rita Gapany den FN. Zum Vergleich: Die Gemeinde Gurmels hat rund 4300 Bewohnerinnen und Bewohner. Die Petition werde heute der Gemeinde übergeben. Ihr Erfolg in der kurzen Sammelfrist unterstreiche den Rückhalt in der Bevölkerung, so Gapany.
Umbauprojekt kommt zuerst
Eine Rentnerin aus Gurmels, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, hat die Petition unterzeichnet, weil sie ihre Selbstständigkeit durch die Entscheidung der Post gefährdet sieht. Sie suche regelmässig die Poststelle auf, um das Guthaben auf ihrem Natel aufzuladen, sagt sie auf Anfrage. Am Infoanlass Anfang September sei ihr geraten worden, zukünftig auf die Post in Murten oder Düdingen zu gehen. «Dafür muss ich aber das Postauto nehmen. Das ist für mich umständlicher, und jünger werde ich ja nicht.» Sie wünsche sich, dass die Post in Gurmels nicht geschlossen werde.
Andere bewerten den Plan der Post, dass die Landi im zweiten Quartal 2020 Postdienstleistungen anbieten soll, als unrealistisch. Roland Roulin aus Gurmels, ebenfalls ein Unterzeichner der Petition, stört sich daran, dass der Auftrag zur Schliessung der Poststelle von oben diktiert werde, «aber man die Konsequenzen nicht anschaut». Die Post scheine ihr Vorhaben nicht seriös vorbereitet zu haben, sagt er. Unter anderem sei die Landi noch gar nicht bereit, eine Postagentur zu betreiben. Diese Ansicht teilt Hugo Raemy aus Liebistorf. Auch er hat die Petition unterschrieben. In der Landi habe es derzeit keinen Platz für einen Schalter, «es ist jetzt schon sehr eng». Auch fehlen Parkplätze, sagt er.
Darauf angesprochen sagt Kurt Hostettler, Geschäftsführer der Landi Gurmels: Die Post sei auf die Landi zugekommen mit dem Wunsch, dort eine Agentur im zweiten Quartal 2020 einzurichten. «Wir hätten den notwendigen Platz übergangsweise für ein Jahr geschaffen, aber das wäre für uns sehr mühsam und aufwendig gewesen», so Hostettler. Die Landi sei froh, erst den Um- oder Neubau zu realisieren, ehe sie Postdienstleistungen anbieten werde. Das Bauprojekt sei schon lange in Planung – noch bevor die Post auf die Landi zukam. «Auch wir befürworten, dass die heutige Poststelle offen bleibt», sagt der Geschäftsführer.
Angesichts der momentanen Platzverhältnisse in der Landi ist die Post von ihrem Zeitplan abgerückt: Wurde in einer Medienmitteilung im Juli die Eröffnung der Postagentur in der Landi «voraussichtlich auf das zweite Quartal 2020» angekündigt, gibt es jetzt einen neuen Termin. «Die Post ist bereit, die Umsetzung, sofern der Umbau der Landi realisiert wird, im Frühjahr 2021 vorzunehmen», schreibt Markus Flückiger, Verantwortlicher regionale Kommunikation Mitte, auf Anfrage.
Die Post hat ihren Mietvertrag für die heutige Filiale für das Jahr 2021 gekündigt. «Die Post hält eingegangene Mietverträge ein», sagt Flückiger. Er versichert, dass die heutige Post in Gurmels unverändert in Betrieb bleibt bis zur Umwandlung in eine Agentur.
14 Mitarbeiter betroffen
Neben den Kunden sind in Gurmels auch 14 Mitarbeiter von den Plänen der Post betroffen: Elf Personen arbeiten im Bereich Zustellung und drei in der Postfiliale. Von Gurmels aus wird die Zustellung der Post für die Gemeinde Gurmels sowie für Kleinbösingen, Jeuss und Salvenach organisiert. Sie sollen zukünftig nicht mehr in Gurmels arbeiten, heisst es seitens der Bewegung.
Das bestätigt Flückiger: «Bis zur Inbetriebnahme der Filiale mit Partner in der Landi stellt die Post die Sendungen wie bisher ab der Zustellstelle in Gurmels zu. Danach werden die in der Zustellung tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die gleichen Funktionen ausüben, einfach ab einem anderen Ausgangsort in der Nähe.» Laut der Bewegung wären mögliche Orte Gümmenen, Murten, Courtepin oder Bösingen. Mit den Filialmitarbeitern werde die Post persönliche Gespräche führen und individuelle Lösungen suchen, so Flückiger.
«Sehr gutes» Engagement
Die Petitionäre fordern mit ihrer Unterschriftensammlung den Gemeinderat zum Handeln auf. Ein Unterzeichner kritisiert, dass der Gemeinderat zu wenig für den Verbleib der Post unternommen habe.
Diese Kritik weist Gemeindepräsident Daniel Riedo zurück: «Wir verhandeln seit September 2017 und konnten die Umwandlung in eine Agentur hinausschieben. Wir versuchen, die beste Lösung für die Gemeinde zu erreichen, und haben alles in unserer Macht Stehende unternommen.» Doch sobald die Post eine Umwandlung in eine Agentur ankündigt, sei «es schon fast gelaufen». Es sei sehr schwierig, dann noch etwas zu machen. Die Post argumentiere mit Berechnungen zur Wirtschaftlichkeit. Das Engagement der Bevölkerung bewertet er als «sehr gut». Es sei auch gut gewesen, dass die Bürger ihre Meinung am Infoabend der Post geäussert hätten. «Für den Gemeinderat von Gurmels gehören die Dienstleistungen der Post zur Grundversorgung in der Gemeinde.»