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M.A. in Volkswirtschaftslehre der Universität Zürich, Doktorand am Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik der Universität St. Gallen und ehemaliger Praktikant bei iconomix.
Themenbereich: Wachstum und Entwicklung, Buch-Besprechungen
«The Great Gatsby» ist nicht nur ein Romanklassiker von Fitzgerald oder ein Film mit Di Caprio, sondern auch Ökonomie: Die Beziehung zwischen Ungleichheit und Aufstiegschancen.
In vielen Volkswirtschaften ist das Einkommen ungleich verteilt: Ein kleiner Prozentsatz der Gesellschaft erhält das grösste Stück des Einkommenskuchens. Als kleiner Trost gilt gemeinhin der amerikanische Traum: «Wer fleissig ist und gerissen und das nötige Glück hat, kann oben ankommen.»
Aber ist die Tellerwäscherkarriere wirklich ein Lichtblick in einer von Ungleichheit geprägten Gesellschaft? Um diese Frage zu beantworten, kann man die Ungleichheit der Einkommensverteilung mit der Intergenerationenmobilität in einer Gesellschaft vergleichen.
Die Intergenerationenmobilität ist quasi das Mass für die Wahrscheinlichkeit, dass der amerikanische Traum wahr werden kann. Man spricht auch von der vertikalen sozialen Mobilität. Je tiefer diese ist, desto weniger Kinder aus ärmeren Familien schaffen den Aufstieg in eine höhere Einkommensschicht. In der untenstehende Grafik wird die Elastizität der Intergenerationenmobilität des Einkommens (Y-Achse) verwendet. Diese sagt aus, um wie viel Prozent sich mein Einkommen erhöht, wenn das Einkommen meiner Eltern um 1 Prozent steigt.
Als Mass für die Einkommensungleichheit wird der Gini-Koeffizient herangezogen (X-Achse). Je kleiner der Gini-Koeffizient, desto gleichmässiger ist das Einkommen in der Bevölkerung verteilt. Ein hoher Gini-Koeffizient bedeutet hingegen, dass ein kleiner Teil der Bevölkerung den grössten Anteil am gesamten Einkommen hat.
Wie die Grafik zeigt, besteht ein positiver Zusammenhang zwischen den beiden Grössen. Die ernüchternde Botschaft lautet also: Je grösser die Ungleichheit in einem Land, desto schwieriger ist auch der Aufstieg aus einer tiefen in eine hohe Einkommensklasse. Die hohe Einkommensungleichheit wird also in den meisten Ländern nicht – wie dies oft in den USA behauptet wird – durch eine höhere soziale Mobilität kompensiert.
In Ländern wie Dänemark ist das Einkommen vergleichsweise gleichmässig verteilt und die Abhängigkeit vom Einkommen der Eltern tief. Anders sieht es in Brasilien aus: Die Ungleichheit in der Einkommensverteilung ist immens und die Aufstiegschancen sind gering. Auch die Schweiz ist keine Musterschülerin bezüglich Aufstiegschancen. Sie liegt ungefähr gleichauf mit den USA und Argentinien – obschon das Einkommen bei uns etwas gleichmässiger verteilt ist.
Alan Krueger, der Wirtschaftsberater von Barack Obama, nannte diesen im Jahr 2012 von Miles Corak entdeckten Zusammenhang publizitätswirksam die «Great-Gatsby»-Kurve. Jay Gatsby, der Protagonist des Buchklassikers von F. Scott Fitzgerald, gilt im Roman als die Personifizierung der Leistungsgesellschaft und als vermeintlicher Beweis für die Existenz des amerikanischen Traums.
Zum Thema:
- The Economist. Don’t Worry, old Sport. Über die Kernaussage der Great Gatsby Kurve. (auf Englisch – 22.07.2013)
- The Economist. Nomencracy. Wie Nachnamen Aufschluss über die soziale Mobilität geben. (auf Englisch – 09.02.2013)
- The White House. What is The Great Gatsby Curve? Erklärt in einer animierten Grafik die Great-Gatsby Kurve. (auf Englisch – 11.06.2013)
- Die Weltwoche. Schichtwechsel. Über die gemäss dem Autor doch nicht so schlechte soziale Mobilität in der Schweiz. (2005)
- Miles Corak. Inequality from generation to generation. Das Wissenschaftliche Papier von Miles Corak. (2012)
Für das iconomix-Team
Patrick Keller
M.A. in Volkswirtschaftslehre der Universität Zürich, Doktorand am Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik der Universität St. Gallen und ehemaliger Praktikant bei iconomix.