Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03283.jsonl.gz/2554

« ZurückWeiter »
-“ Flor einnähen, um den Dunst desselben auf das Auge einwirken zu lassen.
§ 23.
Die Elektricität wird oft mit Erfolg gegen Augenkrankheiten in Anwendung gezogen. Bekannt ist, dass sie die Verrichtungen des animali– schen und vegetativen Lebens steigert, und das dieselben vermittelnde Gefässsystem zur vermehrten Lebensäusserung antreibt. Die Wirkung der Elektricität scheint mehr dynamisch zu seyn, wohingegen der Galvanismus mehr die Mischung des Theiles umstimmend einzuwirken scheint. Wenn man einem Körper, dessen Communication mit allen äussern leitenden Substanzen aufgehoben ist, elektrische Materie zuführt oder raubt, so giebt man ihm das elektrische Bad. Man bedient sich dabei am besten eines durch eine gläserne Handhabe isolirten, im Winkel durch Umbeugung ei– nen Haken für die Leitungskette bildenden und mit einer Birne von Holz oder Metall an seiner Spitze versehenen Drathes; die hölzerne wirkt äusserst gelinde. Die Augengegend ist für die Elektricität vorzüglich empfindlich.
- § 24.
Um den Galvanismus bequem anzuwenden, hat man eine Binde gewählt, welche auf jedem Auge ein flaches metallenes Schälchen befestigt, in dessen Oehr der leitende Drath des einen Poles befestigt wird, so, dass auf dem einen Auge der
eine, auf dem andern der entgegengesetzte Pol
einwirkt. Diese Armirung mit beiden Polen ist unzweckmässig, da das Leiden der beiden Augen gewöhnlich dasselbe, die Einwirkung der entgegengesetzten Pole verschieden ist, so, dass das eine Auge in dem Grade sich verschlimmern muss, als das andere Fortschritte in der Heilung macht. Man mittle zuvor aus, welcher Pol für den
vorliegenden Zustand der passende ist, und nur
diesen wende man an. Die negative Wasserform, der – Pol wirkt gleich dem Lichte, die Sensibilität und die thierischen Verrichtungen steigernd; auch zeigt die Erfahrung, dass dieser Pol bessere Wirkung bei sensibeln Störungen des Auges äussert, als der +Pol. Wenn man sehr stark wirken will, so bringt man den –Pol auf der Hornhaut oder auf den Augenliedern an; selten ist es jedoch angezeigt, diese Stellen zu wählen. Meistens sucht man die Augennerven durch die 3 Aeste des 5ten Paares zu erregen. Man leite den –Pol über die Augenbraune in die Gegend des foramen supraorbitale, oder an die innere Fläche der Nase, oder des Oberkiefers in der Gegend der Backenzähne, oder an die Schläfe. Den andern Pol bringe man ganz entfernt an, z. B. an
der in ein Gefäss mit Wasser getauchten Hand.
Die Dauer der Wirkung ist verschieden. Die Coustruction der Säule richtet sich nach der individuellen Reizbarkeit des Kranken und erheischt 15–4o Lagen. § 25. Um den negativen Pol leicht an der Stelle
anzubringen, wo man dessen Anwendung wünscht,
nimmt man eine etwas concave Metallplatte, die, - um nicht oxydirt zu werden, an ihrer innern
Fläche Ä oder, um die Haut nirgends unmittelbar zu berühren, auf ihrem Rande, so wie
Fläche wird ein in Salzwasser, Lackmusbrühe oder Rindsgalle getränktes, doch nicht zu nasses Stück dünnen Schwammes gelegt, und mittelst des durch den Bügel der Platte durchgezogenen
Bandes an der gehörigen Stelle befestigt, so dass die Platte den Schwamm mit einiger Festigkeit an den zu galvanisirenden Theil andrückt. In das an der äussern Fläche des Schwammes befindliche Oehr wird nun die Kette vom negativen Pole eingehängt. Zur Wirkung auf das Auge selbst bedient man sich am zweckmässigsten einer kupfernen, inwendig vergoldeten, äusserlich lackirten Augenwanne, von deren Mitte ein metallener Stab ausgeht, der, um isolirt zu seyn, grossentheils in einer Glasröhre steckt, und am untern Ende ein Oehr zum Einhängen der Kette hat. Die Augenwanne wird mit lauem Wasser gefüllt, das offene Auge in die Wanne gebracht und die Kette geschlossen"). Man hat vorgeschlagen, mit einem dünn zugespitzten Conductionsstabe, die Hornhaut zu betupfen, wodurch man starke Wirkungen erhält. Allein die berührte Fläche ist zu klein, die Wirkung nicht vertheilt, kann nur augenblicklich an– gewendet werden, und bewirkt leicht Verdunklungen der Linse und Trübungen, der Hornhaut. Um ein leichteres galvanisches Spiel hervorzubringen, kann man zwei Platten der entgegengesetzten Metalle, z. B. Zink und Silber, an jeder Seite eines, zwischen der innern Fläche der Wange und der obern Kinnlade anbringen, und miteinander vereinigen. § 26. Obgleich es keinem Zweifel unterliegt, dass jede Krankheit ihre Individualität hat, so ist es doch schwierig, ein nosologisches System zu schaffen, da dieses die Anordnung der Gegen
O stände nicht allein den Formen der Krankheit nach, / sondern auch nach dem Wesen derselben gestaltet werden muss. Wie es der Naturhistoriker macht, der, um die Körper zu determiniren, die äussern Formen und Umrisse auffasst, und dann durch vergleichende Anatomie geleitet, die Functionen, die Würde und Höhe des Individuums bestimmt, also verfährt der Nosologe, indem er das Wesen und die Form der Krankheit berücksichtiget. Die wesentlichen Erscheinungen müssen von den un– wesentlichen geschieden werden, wie der Naturforscher unwesentliche zufällige Erscheinungen von den wesentlichen absondert. So wie jeder belebte Körper verschiedene Metamorphosen erleidet, eben so verhält es sich bei Krankheiten. Eine Menge von Erscheinungen treten allmählig auf, nach und nach verschwinden dieselben, nur eine von ihnen wächst gewaltig; unter ihrem Vergrössern verschwinden die andern. Endlich zeigt sich das, was in der frühern Krankheit nur Ä Erscheinung angedeutet war, vollkommen ausgebildet, vollkommen individualisirt, kurz als eigenthümliche Krankheit, welche wir, da sie sich aus einer an– dern entwickelt, Nachkrankheit heissen. Da nun die Metamorphosen in Krankheiten so schnell sich „folgend sind, und da durch das Band des Lebens kein System leidet, ohne das andere in Reflex zu ziehen, so wird es um so schwieriger, eine methodische Zusammenstellung aufzufinden. Wir möchten hier beinahe den Satz aufstellen: das Kapil– larsystem ist der einzige und ursprüngliche Sitz aller Krankheit. Dasselbe steht der Entwicklung der Wärme, allen Se – und Excretionen, der Nutrition, durch die Secretionen der Assimilation und Animalisation vor. Allein dieses System selbst und alle Aeusserungen desselben sind dem Nervensysteme untergeordnet; das Nervensystem hat Centralpuncte, das Gehirn und die Ganglien; durch Affection dieser Centralpuncte vermag das Gefäss– system auf die Thätigkeit des Nervensystemes bedingend einzuwirken.
*) Handbuch der neuesten Entdeckungen in der Heilmittellehre von Burdach. S. 226.
Aus diesem Kreise ergiebt sich, wie schwicrig es ist, ein nosologisches Gebäude aufzustellen.
Es giebt keine Function ohne Organ; Organisation und Verrichtung bedingen sich wechselseitig; also verhalten Ä Kräfteverhältniss, Structur und Mischung belebter Theile gegen einander. Jede Kraftäusserung ist mit Veränderung der Mischung verbunden. Oft aber finden wir auffal– lende Veränderungen des Kräfteverhältnisses, ohne in Mischung und Structur bedeutende Veränderungen wahrnehmen zu können, und umgekehrt, so dass sich im Krankheitsprocess bisweilen das dynamische Leiden, bisweilen das organisch-chemische Leiden, bisweilen das physisch – mechamische Leiden gewaltsamer ausspricht. Auf dieses stützt sich die Eintheilung der Augenkrankheiten und der Gang, welchen der Verfasser zu verfolgen sich vorsteckt.
§ 28.
Es entstehen demnach drei Klassen der Krankheiten. Die erste Klasse begreift die dynamischen Krankheiten in sich, in welchen das Kräftever– hältniss vorzüglich gestört ist. Die zweite Klasse enthält die Ä Krankheiten, in welchen Structur und Mischung vorzüglich abnorm ver– ändert auftritt. Die dritte Klasse umfasst die mechanischen Krankheiten, die Störungen der mechanischen Verhältnisse der Theile unter sich. In keiner dynamischen Krankheit wird die Structur unverletzt bleiben. Nach der Beschaffenheit der Structur der Theile richtet sich auch die Art der Reaction der Organe; aber das, was als Leidendes vorherr