Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03381.jsonl.gz/1599

Von den drei in dem Gewässer des Birsigs flehenden Weiherschlössern ist Benken das oberste, Binningen das unterste im Tale. Zwischendrin steht Bottmingen. Im Gegensatz zu Benken findet sich das Schloss zu Binningen bereits 1299 erwähnt. Im weitern Gegensatz zu Benken war das Binninger Wasserhaus nicht der Sitz der Dorfherrschaft. Das Dorf Binningen stand unter der Herrschaft des Bischofs von Basel. Das Weiherschloss war mit den zugehörigen Gütern der Mühle, der Schleife, dem Weiher, den Baumgärten, den Äckern und Matten Eigengut seiner Besitzer. Nach der Burg zu Binningen nannte sich kein Rittergeschlecht, wohl aber nach dem Dorfe eine bürgerliche Familie.
Im 14. Jahrhundert war das Binninger Schlossgut im Besitze der Basler Achtburger Münzmeister, einer vornehmen Patrizierfamilie, ursprünglich bischöfliche Beamte, denen das Amt den Namen gegeben hatte. Unter den Münzmeistern, die sich seit dem 14. Jahrhundert in die beiden Linien mit den Zunamen Sürlin und Eriman teilten, erfuhr Binningen mannigfache Schicksalsschläge. Dreimal wurde das Schloss vom Feinde verbrannt. Das erstemal im sogenannten Safrankrieg von 1374 zwischen dem Bischof von Basel und dem Freiherrn von Bechburg, der einen Safrantransport baslerischer Kaufleute auf dem Obern Hauenstein angefallen und geraubt hatte. Das zweitemal im Kriege Basels mit der Herrschaft Österreich im Jahre 1409. Und das drittemal gab die grosse Auseinandersetzung Basels mit dem ihm traditionell übel gesinnten umwohnenden Adel, der im Anschluss an die Schlacht bei St. Jakob an der Birs ausgebrochene St. Jakoberkrieg, die Veranlassung zu einem Anschlag der Feinde Basels auf Binningen.
Nach einem Aquarel von Albrecht Kauw 1660
Von den Münzmeistern ging das Weiherhaus in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts an das reiche Achtburgergeschlecht der Grieb über. Die Tochter eines dieser Junker Grieb, nachmaligen Rektors der Basler Universität, vermählte sich mit Nikolaus Escher vom Glas aus Zürich, dem Sohne des bei Marignano gefallenen Jakob Escher. Dadurch erhielt der Zürcher Junker Anteil am Weiherhaus Binningen, und seine Nachkommen nannten sich Escher von Binningen. Die Escher verschwanden aber bald wieder aus dem Bereich des Binninger Schlossgutes, und die Grieb blieben allein in dessen Besitz.
Die Schlossherrschaft umfasste das Schlossgut, während die Oberherrlichkeit über das Dorf dem Bischof von Basel als Landesherrn zustand. Nun versuchte zu Anfang der 1520er Jahre Basel sich in den völligen Besitz des in seiner unmittel baren Nachbarschaft befindlichen Dorfes und Schlosses zu setzen. Für das Dorf trat es mit dem Bischof von Basel, für das Schlossgut mit den Grieb in Unterhandlung. Da war es nun wieder der alte Widersacher Basels in allen seinen territorialen Unternehmungen, Solothurn, das allen Ernstes daran dachte, sich selbst in Binningen festzusetzen. Diese Festsetzung fremden Herrschaftsgebietes unmittelbar vor den Toren der Stadt blieb aber Basel doch erspart. Es wusste sich den Bischof günstig zu stimmen, so dass dieser einwilligte, dass Basel die Dorfleute zu Binningen und Bottmingen einen Eid schwören liess, niemals einen Herrn anzunehmen ohne des Bischofs oder der Stadt Wissen und Willen. Damit war den Aspirationen Solothurns der Riegel geschoben. Einige Jahre später (1534) gingen dann Binningen und Bottmingen in den völligen Besitz Basels über.
Nach einer Zeichnung von Emanuel Büchel 1760
Schon bevor Basel unbeschränkter Herr zu Binningen geworden war, wachte es namentlich im Hinblick auf die Anschläge Solothurns darüber, in welche Hände das Binninger Schloss kam. Vorübergehend besass es selbst das Weiherhaus. Aber die Stadt legte hier so wenig als in Benken Wert auf den direkten Besitz des Schlosses. Es begnügte sich damit, jedem künftigen Eigentümer die Verpflichtung aufzuerlegen, das Schloss nur an einen Basel genehmen Käufer zu veräussern. Unter dieser Bedingung wurde zunächst Damian Irmi, aus reichem und vornehmem Basler Stadtgeschlecht, Schlossherr zu Binningen. Dieser hatte in jungen Jahren in Bologna die Rechte studiert und dann in der Schlacht bei Marignano unter dem Basler Banner mitgefochten.
Der neue Schlossherr sollte sich aber seines Besitztumes nicht allzulange freuen. Nach dem Ausbruch des zweiten Kappelerkrieges schloss er sich dem Basler Auszuge an und fiel 1531 in dem für die Reformierten unglücklichen Gefecht am Gubel. Damian Irmi hinterliess bloss Töchter, in deren Namen das Weiherschloss von ihrem Vormunde verkauft wurde. Erwerber wurde Christoph Offenburg, der seines Vorfahren, des berühmten Staatsmannes und Freundes Kaiser Sigismunds, Henman Offenburg, wenig würdige Nachkomme. Ein richtiger Vertreter einer im Nieder' gange befindlichen Gesellschaftsklasse. Der letzte seines Geschlechtes, der zu Basel im Rate sass, und schliesslich auch der letzte Vertreter des Patriziates im Rate, bis er seiner Trunksucht wegen durch Ratsbeschluss in seinen Amtsbefugnissen als Ratsherr stille gestellt wurde.
Nach einer Zeichnung von Emanuel Büchel 1752
Bald nach seiner Stillstellung im Rate verkaufte Christoph Offenburg sein Binninger Weiherhaus zwei zugewanderten Niederländern, Georg von Brugg und Joachim van Berchem. Hinter diesen beiden als vornehme Junker sich in Basel präsentierenden Fremden steckte niemand anders als Sohn und Schwiegersohn des berüchtigten Ketzerführers David Joris. Dieser selbst hatte es verstanden, unter dem Namen Johann von Brugg sich in Basel einzuschleichen und unerkannt von da aus seine weitverbreitete Sektierergemeinde zu leiten. Es ist hier nicht der Ort, über David Joris und seine Lehre zu sprechen. Er galt, so lange er lebte, in der Stadt als ein seines reformierten Glaubens wegen flüchtiger Niederländer, der mit seinen Angehörigen in Basel Schutz suchte. Dieser wurde ihm gerne gewährt. Das junkerliche Leben, das der Flüchtling mit seinem Anhang dank den bedeutenden ihm zur Verfügung stehenden Geldmitteln seines Schwiegersohnes van Berchem führte, erhöhte noch sein persönliches Ansehen in der Basler Bürgerschaft. Das wahre Wesen der ganzen Gesellschaft wurde erst nach dem Tode des Hauptes bekannt, worauf die Herrlichkeit, da des David Joris Lehren auch in Basel als "greuliche Irrlehren" galten, ein rasches Ende mit Schrecken nahm.
An den Sohn und Schwiegersohn dieses verkappten Ketzerhauptes verkaufte nun also Christoph von Offenburg 1545 das Weiherschloss Binningen. Damit kam in das Weiherhaus eine Gesellschaft, wie vorher und nachher nie mehr. Als Stadt' wohnung erwarb David Joris alias Junker Johann von Brugg für sich und seine Familie den Spiesshof am Heuberg. Als Sommerwohnungen vor der Stadt kauften die Joristen hinzu neben dem Weiherschloss Binningen das Landgut St. Margarethen in Binningen, das Weiherhaus zum obern mittlern Gundeldingen, ein neues Land' haus im Holee und das Rote Haus am Rhein. Im Spiesshofe und im Binninger Schloss führte David Joris nun zwölf Jahre lang bis zu seinem Tode ein Doppel' leben "als ehrsamer, kirchlicher, vornehmer Basler Bürger und als heimlich wirkender verehrter Meister seiner zahlreichen Anhänger". "Eine gewaltige Korrespondenz und eine Menge geistlicher Traktate ging von Binningen oder vom Spiesshofe aus an die weit herum zerstreuten Gläubigen." Gleichzeitig trat aber sehr bald "an Stelle der frühern Askese, sehr im Kontrast zur täuferischen Predigt, ein reicher Haushalt, äussere Behaglichkeit, schöne Kleidung und gutes Essen; die Keller enthielten gewaltige Weinvorräte; bei aller äussern Sittlichkeit und Würde war der wirkliche Wandel nur allzumenschlich
Nach dem Tode des David Joris enstand bald Hader und Zwist in der Familie. Der Schwiegersohn Joachim van Berchem zog mit seiner Mutter nach Binningen, der Sohn Jörg von Brugg wohnte in Gundeldingen. Der andere Schwiegersohn Blesdyck bekämpfte nun seine früheren Glaubensgenossen, und in Binningen fanden heftige Auftritte statt. Als die Ketzerei des verstorbenen Familienhauptes ruchbar wurde, wurden die Niederländer 1559 einem Verhör unterzogen, und in Binningen, in Gundeldingen, im Holee, im Roten Hause und in den Stadtwohnungen wurden Haussuchungen vorgenommen. Es entspann sich ein Ketzerprozess, der damit endigte, dass der Leichnam des David Joris ausgegraben und verbrannt wurde, während die Joristen zu einer hohen Geldbusse verurteilt wurden und ihren Irrglauben abschwören mussten. Sie hausten dann noch einige Zeit im Binninger Schloss, bis sich eine gute Gelegenheit bot, das stark verschuldete Besitztum zu verkaufen.
Als Käufer trat auf der Freiherr Nikolaus von Hattstatt, und 1574 wurde der Kaufverbrieft. Er umfasste das Schloss Binningen mitsamt dem Weiher, den Häusern, Scheunen, Ställen, "wie die in einer ringkmuren begriffen", der Behausung neben dem Wirtshaus zu Binningen, zwei Weingärten, einem Baumgarten, dem Burggarten, dazu ansehnlicher Besitz an Mattland, Ackerland, Holz und Reben. Der neue Schlossherr zu Binningen gehörte dem elsässischen Adel an. Seine Herrschaft Hattstatt dehnte sich in der Gegend zwischen Rufach und Colmar aus. Neben dem Binninger Schloss bezog der Freiherr auch eine Stadtwohnung, den Hattstatter Hof in Kleinbasel (Lindenberg 12). Ein bewegtes Leben lag hinter ihm, als er sich nach Binningen und Basel zurückzog. Im Solddienst der Fürsten seiner Zeit, der Könige von Frankreich und Schweden, des deutschen Kaisers, des Königs von Spanien, des Prinzen von Oranien war er schliesslich zum Obersten aufgestiegen. Das unstäte Leben hat bewirkt, dass er unbeweibt und ohne eheliche Nachkommen gestorben ist. Als der letzte seines Geschlechtes setzte er die Stadt Basel, deren Bürger er geworden war, zum Erben eines Teiles seines Vermögens ein. So kamen das Binninger Schloss mit dem Hattstatter Hof 1585 an Basel. Die Stadt gab das Schloss zunächst Basler Bürgern in Pacht und verkaufte es schliesslich den beiden Söhnen eines aus Fischingen zugewanderten Neubürgers Eckenstein. Nach über zwanzigjährigem Besitztume veräusserten dann die Gebrüder Eckenstein Binningen an den Grafen Rudolf von Sulz.
Die Grafen von Sulz stammten aus dem Württembergerlande und sind als Inhaber des wichtigen kaiserlichen Hofrichteramtes in Rottweil und der Landgrafschaft im Klettgau in der Geschichte bekannt.
Ihre unmittelbaren Nachfahren auf Binningen rekrutierten sich namentlich aus Zweigen süddeutscher und österreichischer Adelshauser, die sich der Reformation angeschlossen hatten und darum gerne sich im Gebiete des reformierten Standes Basel in herrenmässiger Weise niederliessen. In dieser Weise sehen wir Georg Waldner aus dem elsässischen Adelsgeschlechte, das sich nach seiner hinter Thann in den Vogesen befindlichen Stammburg von Freundstein nannte. Die Waldner hatten frühe die Reformation angenommen und waren seit Generationen mit Basel verbunden.
Schon nach wenigen Jahren, 1629, folgte dem Georg Waldner von Freund' stein ein Spross eines ebenfalls zur Reformation übergetretenen Zweiges des alten oberösterreichischen freiherrlichen Geschlechtes der von Polheim und Wartenburg. Freiherr Wolf Karl von Polheim war der Schwiegersohn des Freiherrn von Mörsberg, ehemaligen Schlossherrn zu Bottmingen. Durch diesen war er auf die Binninger Schlossbesitzung aufmerksam gemacht worden. Mit dem Freiherrn von Polheim kam eine jener altadeligen Familien nach Binningen, deren hohe angestammte Allüren mit den ihnen noch zur Verfügung stehenden Mitteln nicht übereinstimmten. Dieses Miss' verhältnis führte nicht zuletzt zu Zuständen und Auftritten im Binninger Schlosse, die den Binninger Dorfleuten wie den Basler Bürgern gewiss genug zu reden gegeben haben. Aus der Ehe des Freiherrn von Polheim mit der Mörsbergerin entstammte eine Tochter, die sich mit einem ebenfalls oberösterreichischen Standesgenossen, einem Freiherrn von Hohenfeld zu Aistersheim und Almegg vermählte. Bezeichnenderweise lautete der Ehevertrag ,,freyherrlichem Gebrauch nach" und sah als Morgengabe u. a. vor "einen vollkommenen mit Diamanten versetzten ansehentlichen Frauenzimers Geschmuckh", ausserdem "eine Gutschen samt sechs darzue gehörichen Pferden". Für die künftige Entwicklung der Dinge wurde namentlich bedeutsam die Bestim mung des Ehevertrages, dass der Hohenfelder seinem Schwiegervater von Polheim eine grössere Geldsumme zuschiessen sollte, die auf das Schloss Binningen sichergestellt wurde. Nun geschah es, dass dem Freiherrn von Polheim sein einziger Sohn an Lungenschwindsucht starb und der alte Herr infolgedessen von seinem Schwiegersohne verlangte, dass er mit seiner Frau im Binninger Schloss Wohnung nehme. Zunächst ging alles leidlich gut. Da starb die Freifrau von Polheim, und bald hernach vermählte sich der verwitwete Freiherr wieder mit einer Freiin von Windischgrätz. Schon das hatte der Schwiegersohn von Hohenfeld nicht gerne gesehen. Als nun aber gar noch die neue Ehe des Freiherrn von Polheim nicht unfruchtbar blieb, so fürchtete der Hohenfelder für seine Guthaben bei seinem Schwiegervater. Er verlangte darum die Herausgabe des mütterlichen Erbes seiner Gemahlin und die Rückzahlung seiner auf Binningen zugeschossenen Gelder. Der alte Freiherr von Polheim wollte aber hievon nichts wissen. Und so entspannten sich Streitigkeiten, die mit wachsender Leidenschaft ausgefochten wurden. Der Umstand, dass die beiden Parteien unter einem Dache wohnten, verschärfte noch die Lage. Es kam zu ungeheuerlichen Auftritten, wobei Schwiegervater und Schwiegersohn sich gegenseitig mit dem Degen zu Leibe gingen und, nach den Aussagen des Freiherrn von Polheim vor Gericht, der Freiherr von Hohenfeld sich seines Schwiegervaters dadurch zu ent' ledigen gesucht haben soll, dass er in die Schlossbrücke ein Loch aussägen liess, durch das der alte Herr in den Weiher hätte stürzen sollen. Es folgte sich Prozess auf Prozess, bis schliesslich der Hohenfelder die Sache so weit gebracht hatte, dass er schonungslos seinem Schwiegervater das Schloss auf die Gant bringen konnte, auf der er das Besitztum zu seinen eigenen Handen erwarb.
Dem Hohenfelder war es aber nicht darum zu tun, sich in den Besitz der Schlossherrschaft zu setzen, vielmehr darum, wieder zu seinem auf das Schloss vorgeschossene Geld zu kommen. So verkaufte er das Weiherhaus gleich weiter an den Landammann des Zehngerichtenbundes Herkules von Salis. Von 1662 bis1738 blieben nun Schloss und Schlossgut zu Binningen im Besitze der Salis. An die Zeit, da die Salis Schlossherren zu Binningen waren, erinnert heute noch in der Kirche zu St. Margarethen der mit dem Saliswappen bemalte ehemalige Kirchenstuhl der Schlossherrschaft. Ein besonderes Denkmal haben sich die Salis in Binningen gesetzt durch die Schenkung eines Grundstückes an geeigneter Stelle zur Erbauung eines Pfarrhauses. Noch heute belehrt eine über der Pfarrhaustüre angebrachte Steininschrift den Eintretenden, dass das Pfarrhaus "an diesen Ort, so die Herren Gebrüder Von Salis freywillig übergeben, von grund auss auffgerichtet und in diesen Stand gesetzt worden im Jahre Christi 1708". Wenige Jahre vor dem Tode des letzten Salis zu Binningen, des 1732 ermordeten Podestà zu Tirano im Veltlin, hören wir von der zum Schloss gehörigen Wirtschaft zum Wilden Mann, die von der Schlossherrschaft verpachtet wurde.
Den Salis folgte ein Vetter des ermordeten Podestà aus dem bernischen Junkern geschlecht der May von Rued. Dieser Junker May hatte vielerlei Schwierigkeiten mit seinen Miterben und mit dem Pächter des Schlossgutes, so dass er vorzog, sein Binninger Besitztum 1739 an den Basler Bürger Lukas Schönauer weiter zu verkaufen. Streitigkeiten mit der Gemeinde Binningen veranlassten Schönauer bald in einer Eingabe an den Rat zu der Bemerkung, es ergehe ihm wie es insgemein allen Bürgern gehe, die auf der Landschaft Güter haben, man habe nichts als Nachteil und Schaden von seiten der Leute, die in Waldungen, Wiesen und Feldern und wo es nur möglich, Schaden anrichten. Seine Erben verkauften dann kurz vor dem Ausbruch der Revolution im Jahre 1797 das Schlossgut an eine Korporation Binninger und Bottminger Bürger, die es zerstückelten.
Damit waren die Zeiten der Binninger Schlossherrschaft vorbei. Nach einigen Handänderungen kam das Schloss 1817 an Niklaus Singeisen. Ein gebürtiger Liestaler, war Singeisen als Vertrauensmann der Baselbieter Ratsherr des Kantons Basel geworden. Nach der Erwerbung des Binninger Schlosses bürgerte er sich in Binningen ein und hatte bis zu seinem Tode im dortigen Schloss seinen Wohnsitz. Führer in den 1830er Wirren zwischen Stadt und Land, wurde Singeisen nach deren Beendigung Präsident des Landrates und dann Regierungsrat des neuen Kantons Baselland. Singeisens Absicht war es gewesen, im Binninger Schlosse ein Sommerkasino zu betreiben. Die Tavernenwirte in Binningen erhoben jedoch Einsprache gegen ein solches Unternehmen, und der Gemeinderat hatte nur insofern nichts dagegen einzuwenden, als im geplanten Kasino keine Speisen und Getränke verabfolgt würden. Nach dem Tode Singeisens ging das Binninger Schloss an seine zwei Töchter über. Die überlebende Tochter starb 1870, so dass das ehemalige Weiherhaus über 50 Jahre in Singeisenschem Besitze gewesen ist. Vor ihrem Tode vermachte sie das Schloss einem gewesenen Offizier im Freiwilligen corps des Giuseppe Garibaldi, Luigi Franzoja, mit Substitution Garibaldis selbst. Franzoja verkaufte das Schloss 1873 weiter. Es ist seither ein Wirtschaftsbetrieb darin eingerichtet worden, und es hat des öftern die Hand geändert.
Die Anlage des ehemaligen Binninger Weiherschlosses hat seit dem 18. Jahre hundert mannigfache Veränderungen erfahren. Im Grundriss gesehen, bestand dieses gegen Osten aus einem hohen vierstöckigen Wohnbau mit Treppengiebeln und zwei runden, mit Spitzhelm bedeckten Ecktürmen. Dieser Schlossteil ist, wie die dicken Mauern erweisen, mittelalterlich. Ein im Grundriss viereckiges Treppentürmchen mit einem Abtritterker bildete auf der Südseite der Gesamtanlage den Übergang zu den niederer gehaltenen, ehemals wohl Stallungen, Scheune und Schöpfe bergenden Gebäulichkeiten, die den Schlosshof im Süden und Westen und Norden umfassten. Der Westbau stammt aus neuerer Zeit als der Ostbau. Der alte Toreingang führte von Norden her direkt in den Ostbau und bestand aus einem mit Volutengiebeln gezierten Vorbau. Der geschilderte Gebäudekomplex stand in einem vom Birsig abgeleiteten Weiher, und die ganze Weiherhausanlage war mitsamt den zugehörigen Ökonomiegebäulichkeiten durch eine grosse Ringmauer ein" gefasst.
In dieser Weise haben Kauw und später Büchel das Binninger Weiherschloss noch gesehen. Schon zu Büchels Zeit ist dann zwischen 1739 und 1752 der Rundturm der Nordostecke des Wohnbaues eingestürzt und nicht mehr wiederaufgebaut worden. Es folgte seit 1760 die Abtragung zweier Stockwerke des hohen Wohn' baues und damit der Treppengiebel. Im Zusammenhang damit steht die entsprechende Erniedrigung des stehengebliebenen Südosteckturmes und dessen Abschluss durch eine Zinnenbekrönung, die Abtragung des Treppenturmes und die Verlegung des Toreinganges im Jahre 1775 von der bei Kauw und Büchel noch gezeichneten unmittelbar in den Wohnbau führenden Stelle in die Verbindung zwischen Oft" und Westbau, so dass das Tor nun unmittelbar in den Schlosshof führte. Der ehemalige Schlosshof ist heute mit einem Glasdach eingedeckt und zur Schenkstube umgestaltet. Der Weiher wurde schon im I8. Jahrhundert aufgefüllt.
1960 ging das Schloss an die Gemeinde Binningen, die ihrerseits im Jahre 1963 grössere Renovationen, hauptsächlich am Äusseren des Hauses, vornahm und dabei danach trachtete, das "alte Weiherschloss " wieder anzudeuten.
Bibliographie