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Sedativum, Analgetikum, Muskelrelaxans für Rind, Pferd, Hund und Katze
ATCvet-Code: QN05CM92
Zusammensetzung1 ml Injektionslösung enthält:
Fachinformationen Wirkstoffe (CliniPharm)
Eigenschaften / WirkungenXylasin 2% enthält den Wirkstoff Xylazin. Xylazin ist ein α2-Adrenozeptoragonist, der zentrale und periphere α2-Adrenozeptoren stimuliert. Durch die Erregung zentraler α2-Adrenozeptoren entfaltet Xylazin eine deutliche schmerzhemmende Wirkung. Neben der α2-adrenergen Wirkung hat Xylazin auch α1-adrenerge Wirkungen. Xylazin bewirkt eine Muskelrelaxation durch Hemmung von intraneuronalen Übertragungen der Nervenimpulse im Gehirn.
Die analgetischen und muskelrelaxierenden Eigenschaften von Xylazin sind stark speziesabhängig. Eine ausreichende Analgesie kann in der Regel nur in Kombination mit anderen Arzneimitteln erreicht werden.
Bei vielen Tierarten kommt es nach Verabreichung von Xylazin zuerst zu einer kurzzeitigen arteriellen Blutdruckerhöhung, gefolgt von länger andauernder Hypotension und Bradykardie. Diese gegenläufigen Wirkungen auf den arteriellen Blutdruck hängen mit den α2- und α1-adrenergen Wirkungen von Xylazin zusammen.
Daneben wurde die Beeinflussung verschiedener endokriner Wirkungen durch Xylazin beschrieben: die Hemmung der Insulin-Ausschüttung (bedingt durch die α2-Rezeptoren in den β-Zellen der Pankreas) und die Verminderung der ADH-Produktion (Polyurie).
PharmakokinetikNach intramuskulärer Injektion wird Xylazin rasch resorbiert, der Wirkungseintritt erfolgt schnell. Maximale Plasmaspiegel werden üblicherweise innerhalb von 15 Minuten nach Applikation erreicht und sinken dann exponentiell. Xylazin ist eine hoch fettlösliche organische Base und verteilt sich schnell und ausgiebig im Gewebe (Distributionsvolumen 1,9 - 2,7). Wenige Minuten nach intravenöser Verabreichung wird Xylazin in hohen Konzentrationen in Niere, Leber, Gehirn, Hypophyse und Zwerchfell gefunden. Dieses zeigt den schnellen Übergang aus dem Blut in die Gewebe. Die intramuskuläre Bioverfügbarkeit ist nicht vollständig und variiert von 52 - 90% beim Hund bis 40 - 48% beim Pferd. Xylazin wird weitgehend metabolisiert und schnell ausgeschieden (± 70% über den Harn, ca. 30% über den Darm). Die rasche Elimination von Xylazin erfolgt wahrscheinlich eher durch die weitgehende Metabolisierung als durch die schnelle renale Ausscheidung von unverändertem Xylazin.
IndikationenSedativum, Analgetikum und Muskelrelaxans für Rind, Pferd, Hund und Katze.
Prämedikation in Kombination mit einem Anästhetikum.
Allgemeine HinweiseXylasin 2% kann je nach Tierart intramuskulär, subkutan oder langsam intravenös appliziert werden:
Rind
Bei intravenöser Anwendung von Xylazin reduziert sich die für i.m. Applikation empfohlene Dosis entsprechend der individuellen Reaktion des Tieres auf ½ bis 1⁄3. Der Wirkungseintritt wird durch die intravenöse Applikation beschleunigt, wogegen die Wirkungsdauer normalerweise verkürzt wird.
Falls notwendig, lässt sich die Wirkung von Xylazin durch eine zweite Applikation vertiefen und/oder verlängern. Die verabreichte Gesamtdosis sollte die Dosis IV jedoch nicht übersteigen.
Pferd:Einmalige Verabreichung von 0,6 - 1,0 mg Xylazin/kg KGW langsam i.v. (3 - 5 ml/100 kg KGW).
Erreicht wird eine dosisabhängige, leichte bis starke Sedation mit individuell unterschiedlich ausgeprägter Analgesie und Muskelrelaxation.
Für schmerzhafte Eingriffe beim Pferd muss Xylasin 2% in Kombination mit anderen Präparaten angewendet werden. Die Prinzipien der Anästhesiologie sind hierbei zu beachten.
Kombinationsmöglichkeit mit anderen Präparaten:A. Operation am stehenden Tier (kleinere und kurze Eingriffe)
B. Für Operationen am liegenden Tier als Prämedikation vor einer Allgemeinanästhesie
Hund:Einmalige Verabreichung von 0,5 - 3,0 mg Xylazin/kg KGW (Körpergewicht) (0,025 - 0,15 ml/kg KGW).
Dosisabhängige, leichte bis starke Sedation und Muskelrelaxation sowie individuell unterschiedlich ausgeprägte Analgesie (30 - 120 Minuten).
Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Präparaten:
Katze:Einmalige Verabreichung von 0,5 - 4,0 mg Xylazin/kg KGW i.v., i.m. oder s.c. (0,025 - 0,2 ml/kg KGW).
Dosisabhängige, leichte bis starke Sedation und Muskelrelaxation sowie individuell unterschiedlich ausgeprägte Analgesie (30 - 120 Minuten).
Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Präparaten:
Analeptika führen zu einer Abkürzung oder Abschwächung unerwünscht langer oder tiefer Sedation.
AnmerkungDie von den meisten Herstellern der vorgenannten Präparate gegebenen Hinweise in den entsprechenden Gebrauchsanweisungen werden durch diese Ausführungen nicht berührt.
ÜberdosierungBei einer Überdosierung können Herzarrhythmien, Hypotension sowie ausgeprägte ZNS- und Atemdepression auftreten. Krämpfe wurden ebenfalls nach Überdosierungen beschrieben. Xylazin kann mit α2-Adrenozeptorantagonisten antagonisiert werden.
Zur Behandlung der atemdepressiven Effekte von Xylazin wird eine mechanische Atemunterstützung mit oder ohne Atemstimulans (z.B. Doxapram) empfohlen.
Anwendungseinschränkungen
KontraindikationenNicht anwenden bei:
Vorsichtsmassnahmen
Rind:
Pferd:
Hund, Katze:
Anwendung während der TrächtigkeitObwohl Laborstudien in Ratten keine Hinweise auf teratogene oder fetotoxische Wirkungen ergaben, sollte Xylazin in den ersten beiden Trimestern der Trächtigkeit nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Bewertung durch den behandelnden Tierarzt angewendet werden.
Insbesondere bei Rindern und Katzen soll Xylazin nicht in den späteren Stadien der Trächtigkeit, ausser bei der Geburt selbst, angewendet werden, da Xylazin Uteruskontraktionen und somit vorzeitige Wehen auslösen kann. Nicht bei Rindern anwenden, die Eizellen transplantiert bekommen, da der erhöhte Uterustonus die Chancen einer Implantation verringern kann.
Unerwünschte WirkungenVetVigilance: Pharmacovigilance-Meldung erstatten
Generell können die für α2-Adrenozeptoragonisten typischen Nebenwirkungen wie Bradykardie, reversible Arrhythmien und Hypotension auftreten.
Auswirkungen auf die Thermoregulation können auftreten. Diese kann sich abhängig von der Umgebungstemperatur in erhöhter oder erniedrigter Körpertemperatur zeigen.
Atemdepression und/oder Atemstillstand können vor allem bei Katzen auftreten.
Rind:Beim Rind kann Xylazin eine vorzeitige Geburt einleiten und das Einnisten der Eizelle vermindern.
Rinder, die hohe Dosierungen von Xylazin erhalten haben, können manchmal über bis zu 24 Stunden Durchfälle zeigen.
Weitere Nebenwirkungen sind Atemgeräusche, starke Speichelbildung, Hemmung der Pansenmotilität, Zungenlähmung, Wiederkäuen, Pansentympanie, Nasengeräusche, Hypothermie, Bradykardie, vermehrtes Harnen, reversibler Penisvorfall.
Bei Rindern sind die Nebenwirkungen im Allgemeinen nach intramuskulärer Verabreichung ausgeprägter als nach intravenöser Verabreichung.
Pferd:Schwitzen ist häufig ein Zeichen für das Nachlassen der Sedation.
Ausgeprägte Bradykardie und eine verminderte Atmung werden vor allem bei Pferden berichtet.
Nach einer Verabreichung an Pferde wird meist vorübergehend ein Ansteigen, gefolgt von einem Abfall des Blutdruckes beobachtet.
Vermehrter Harnabsatz wird berichtet.
Muskelzittern und Bewegungen nach akustischen oder körperlichen Stimuli sind möglich. Selten werden heftige Reaktionen beim Pferd nach Anwendung von Xylazin berichtet. Ataxie und reversibler Penisprolaps können auftreten.
In sehr seltenen Fällen können Pferde nach Verabreichung von Xylazin milde Koliksymptome zeigen, da die Darmmotilität vorübergehend herabgesetzt werden kann. Vorbeugend sollten Pferde kein Futter erhalten, bis die Sedation komplett abgeklungen ist.
Hund und Katze:Während des Einsetzens der sedativen Wirkung von Xylazin zeigen Hunde und Katzen häufig Erbrechen, vor allem wenn sie gerade gefüttert worden sind.
Nach einer Injektion von Xylazin können die Tiere eine starke Speichelbildung zeigen.
Andere Nebenwirkungen bei Hunden und Katzen sind: Muskelzittern, Bradykardie mit AV-Block, Hypotension, Atemdepression, durch laute Umgebungsgeräusche stimulierte Bewegungen, Hyperglykämie und verstärktes Harnabsetzen bei Katzen.
Bei Katzen bewirkt Xylazin Uteruskontraktionen und kann eine vorzeitige Geburt auslösen.
Bei Hunden sind die Nebenwirkungen stärker ausgeprägt nach subkutaner als nach intramuskulärer Verabreichung und die Wirkung ist weniger vorhersagbar.
In seltenen Fällen wurde bei empfindlichen Hunderassen mit grossem Brustkorb (Dogge, Irischer Setter) von Aufblähungen berichtet.
In anästhesierten Tieren kommen in sehr seltenen Fällen vor allem während und nach der Erholungsphase Kreislauf- und Atemstörungen (Herzstillstand, Atemnot, verlangsamte Atemfrequenz, Lungenödem, Hypotension) und neurologische Anzeichen (Krämpfe, Schwäche, Erkrankungen der Papillen, Muskelzittern) vor.
Rind, Pferd:Essbares Gewebe 1 Tag
Milch: keine
WechselwirkungenDie gleichzeitige Anwendung von Xylazin mit anderen ZNS depressiv wirkenden Substanzen (Barbiturate, Narkotika, Anästhetika, Tranquilizer, etc.) kann deren ZNS-depressive Wirkung verstärken. Die Dosierungen dieser Substanzen sind eventuell entsprechend zu vermindern. Aus diesem Grunde sollte Xylazin vorsichtig in Kombination mit Neuroleptika oder Tranquilizer verwendet werden. Aufgrund möglicher ventrikulärer Arrhythmien sollte Xylazin nicht in Verbindung mit Sympathomimetika wie Epinephrin verwendet werden.
Die gleichzeitige Gabe von bestimmten potenzierten Sulfonamiden und α2-Adrenozeptoragonisten kann kardiale Arrhythmien mit letalem Ausgang erzeugen. Obwohl solche Wirkungen mit diesem Tierarzneimittel nicht berichtet worden sind, wird empfohlen, keine Trimethoprim/Sulfonamid enthaltenden Arzneimittel intravenös bei mit Xylazin sedierten Pferden anzuwenden.
Sonstige HinweiseArzneimittel für Kinder unerreichbar aufbewahren.
HaltbarkeitBei Raumtemperatur (15 - 25°C) in der Originalpackung lagern. Nicht im Kühlschrank lagern. Vor Frost schützen.
Das Präparat darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit 'EXP' bezeichneten Datum verwendet werden.
Aufbrauchfrist nach erster Entnahme: 28 Tage. Der Gummistopfen sollte nicht mehr als 20 Mal durchstochen werden.
InkompatibilitätenDa keine Kompatibilitätsstudien durchgeführt wurden, darf dieses Tierarzneimittel nicht mit anderen Tierarzneimitteln gemischt werden.
Besondere Vorsichtsmassnahmen für den AnwenderBei versehentlicher Selbstinjektion oder Einnahme ist unverzüglich ein Arzt zu Rate zu ziehen und die Packungsbeilage oder das Etikett vorzuzeigen. Verzichten Sie angesichts der Möglichkeit einer Sedierung und Blutdruckveränderung auf das Steuern eines Fahrzeugs.
PackungenDurchstechflaschen zu 10, 25 und 50 ml.
Informationsstand: 02/2016
Dieser Text ist behördlich genehmigt.