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Die Verhandlungen schreiten fort – langsam, langsam. In Zahlen: Zu Verhandlungsbeginn umfasste der Textentwurf 54 Seiten und 1617 eckige Klammern (die für strittige Varianten stehen). Am Donnerstag legte die Verhandlungsleitung einen neuen Entwurf vor: Er war noch 50 Seiten lang; die Zahl der Klammern war auf 1718 angewachsen. Am Freitag waren es dann noch 38 Seiten und 899 Klammern. Nun, am Samstag, liegt die Fassung (PDF-Datei) vor, mit der nächste Woche die UmweltministerInnen arbeiten sollen. Sie umfasst – ohne Anhang – 42 Seiten, aufgeteilt in 20 Seiten für ein «Agreement» und 22 für eine «Decision», und enthält 940 Klammern. Die zentralen Fragen bleiben ungelöst; grösster Knackpunkt ist die Geldfrage, und, als Teil der selben, die Frage der Unterscheidung zwischen «Entwicklungsländern» (potenziellen Nutzniessern von Geldtransfers) und «entwickelten Ländern» (potenziellen Zahlern).
In Paris stehen die Treibhausgasemissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger – Erdöl, Erdgas und Kohle – im Vordergrund. Das hat seine Richtigkeit, denn diese machen zwei Drittel aller anthropogenen Treibhausgase aus. Aber selbst wenn der vollständige Ausstieg aus der fossilen Energieversorgung gelänge: Es bliebe das restliche Drittel, allein mehr als genug, um die Erde langfristig unbewohnbar zu machen. Es sind Emissionen der anderen Treibhausgase (Methan, Lachgas und synthetische Gase), vor allem aber CO2-Emissionen aus der Zerstörung von Wäldern und Böden (im Jargon: FOLU – forestry and land use).
Und was diese FOLU-Emissionen angeht, spielt sich seit einem halben Jahr, von den Weltmedien nur rudimentär zur Kenntnis genommen, auf dem südostasiatischen Archipel eine Katastrophe ab. Es kommt in dieser Region zur Trockenzeit regelmässig zu Waldbränden; die diesjährigen Waldbrände aber sind mit 130 000 Brandherden allein in Indonesien verheerend – es handelt sich um eine der bisher grössten Umweltkatastrophen des 21. Jahrhunderts.
Was die Brände besonders schlimm macht: Es brennen in Indonesien und in den umliegenden Staaten nicht nur die Bäume, es brennt vielerorts auch der Boden. Es handelt sich um Torfböden, und Torf ist brennbar. Präziser: Torf brennt im Normalfall nicht, denn Torf gibt es in Mooren, sie sind vollgesogen mit Wasser. Südostasien erlebt nun aber seit einigen Jahren einen Palmölboom. Das Öl ist in der Nahrungsmittel- und Kosmetikindustrie begehrt und kann auch zu biogenem Treibstoff verarbeitet werden. Agrarunternehmen haben, oft illegal, aber von den Behörden geduldet, nicht nur riesige Waldflächen gerodet und durch Ölpalmen-Monokulturen ersetzt; sie legen auch Moore trocken. Brennt es, geben die ausgetrockneten Böden dem Feuer Nahrung.
Abgesehen von der Katastrophe, die das für die heimische Tier- und Pflanzenwelt und natürlich für die Menschen, die ihre Heimat verlieren, und die Millionen, die unter dem Rauch leiden, darstellt, sind die Brände eine CO2-Schleuder sondergleichen: Die Feuer stossen viel mehr davon aus als die gesamte Wirtschaft der USA. In drei Wochen setzen sie mehr davon frei als Deutschland in einem ganzen Jahr.
Warum löscht man nicht? Die Brände «wüten zu sehr für eine menschliche Intervention», sagte Malaysias Umweltminister Wan Junaidi Tuanku Jaafar im Oktober. Dass je die Idee einer internationalen Eingreiftruppe – keiner militärischen, sondern einer feuerbekämpfenden – ernsthaft diskutiert worden wäre, ist mir nicht bekannt.
Detaillierte Informationen gibt es auf der Seite von Global Forest Watch.