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Wer sich selbst und andere kennt, wird auch hier erkennen
orient und okzident sind nicht zu trennen
Dieser Gedichtausschnitt könnte aus der Gegenwart stammen, ist jedoch ein Zitat aus Johann Wolfgang von Goethes „West-östlichen Divan“ aus dem Jahr 1819. In dem Satz steckt viel von dem, was Kultur und Kunst erreichen kann und vielleicht auch muss. Die Welt ist in den Zeiten der Globalisierung und des technischen Fortschritts immer weiter zusammengerückt. Wir bei visitirain sehen uns berufen faszination Iran weiterzugeben und einen Beirag zum Dialog der Kulturen zulesiten. Ausserdem möchten wir durch den Austausch den internationalen Dialog vorantreiben und damit zu einem friedvollem Miteinander beitragen und zwischen orient und okzident Brücken zu bauen. Jede Woche stellen wir auf unserem Blog ausgewählte Gedichte perischsprachigen Dichter vor.
Hafez ist einer der bekanntesten persischen Dichter und Mystiker, der um 1315 in Shiraz geboren wurde. Über sein Privatleben ist relativ wenig bekannt. Der dritte Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns in Shiraz verlor seinen Vater schon in früher Kindheit; in der Folge geriet die Familie schnell in Armut. Als Jüngling verdiente er sein Brot u.a. bei einem Teigmacher, während er gleichzeitig von einem Tuchhändler zum Dichten angeregt wurde. Schon in jungen Jahren befaßte er sich intensiv mit persischer und arabischer Poesie, mit Theologie und Koranexegese. Den Koran hat er in- und auswendig gekannt, wie sein Dichtername »Hafez«, »der (den Koran im Gedächtnis) Bewahrende« bezeugt. Es wird vermutet, dass er zimndest einmal verheiratet war und einen Sohn hatte der als Kind starb. Überliefert ist, dass Hafez mit 60 Jahren in einem Freundeskreis eine 40-tägige meditative Nachtwache begann, an deren Ende er eine Art Bewusstseinserweiterung erlebte. Diesen beschreibt er in seinem Divan folgender maßen:
Jüngst in eines Morgens Dämmer
ward ich meines Grams entbunden,
Ließ man mir im nächt’gen Dunkel
helles Lebenswasser munden
In Europa ist Hafez vor allem durch den "Divan" bekannt, der Goethe stark angeregt hat.
"Längst war ich auf Hafis und dessen Gedichte aufmerksam, aber was mir auch Literatur, Reisebeschreibung, Zeitblatt und sonst zu Gesicht brachte, gab mir keinen Begriff, keine Anschauung von dem Wert, von dem Verdienste dieses außerordentlichen Mannes. Endlich aber, als mir im Frühling 1813 die vollständige Übersetzung aller seiner Werke zukam, ergriff ich mit besonderer Vorliebe sein inneres Wesen und suchte mich durch eigene Produktion mit ihm in Verhältnis zu setzen. Diese freundliche Beschäftigung half mir über bedenkliche Zeiten hinweg und ließ mich zuletzt die Früchte des errungenen Friedens aufs angenehmste genießen." Goethe: Divan, Noten und Abhandlungen (Hamburger Ausgabe, Band 2, S. 253)
Goethe an anderer Stelle:
"Schon im vorigen Jahre waren mir die sämtlichen Gedichte Hafis in der von Hammerschen Übersetzung zugekommen, und wenn ich früher den hier und da in Zeitschriften übersetzt mitgeteilten einzelnen Stücken dieses herrlichen Poeten nichts abgewinnen konnte, so wirkten sie doch jetzt zusammen desto lebhafter auf mich ein, und ich mußte mich dagegen produktiv verhalten, weil ich sonst vor der mächtigen Erscheinung nicht hätte bestehen können. Die Einwirkung war zu lebhaft, die deutsche Übersetzung lag vor, und ich mußte also hier Veranlassung finden zu eigener Teilnahme. Alles was dem Stoff und dem Sinne nach bei mir Ähnliches verwahrt und gehegt worden, tat sich hervor, und dies mit um so mehr Heftigkeit, als ich höchst nötig fühlte mich aus der wirklichen Welt, die sich selbst offenbar und im stillen bedrohte, in eine ideelle zu flüchten, an welcher vergnüglichen Teil zu nehmen meine Lust, Fähigkeit und Willen überlassen war." Goethe: Aus den Tag- und Jahresheften, 1815 (Hamburger Ausgabe, Band 10, 514)
An anderer Stelle schreibt Goethe über Hafez:
Und mag die ganze Welt versinken,
Hafis mit dir, mit dir allein
Will ich wetteifern! Lust und Pein
Sei uns, den Zwillingen, gemein!
Wie du zu lieben und zu trinken,
Das soll mein Stolz, mein Leben sein.
Du bist der Freuden echte Dichterquelle
Und ungezählt entfließt dir Well’ auf Welle.
Zum Küssen stets bereiter Mund,
Ein Brustgesang, der lieblich fließet,
Zum Trinken stets gereizter Schlund,
Ein gutes Herz, das sich ergießet.
"Goethe - Hafis- Denkmal" in Weimar. Erstellt von Fabian Rabsch und Ernst Thevis. Es wurde von der UNESCO gestiftet und anlässlich des Internationalen Jahres des Dialogs der Kulturen im Jahr 2000 vom damaligen Staatspräsidenten der Republik Iran Mohammad Khatami und dem damaligen deutschen Bundespräsidenten Johannes Rau eingeweiht.
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