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Die meisten der sich „Cosmeceuticals“ nennenden Anti-Age-Präparat machen unter dem Deckmantel einer seriös anmutenden Aufmachung Versprechungen, die frei erfunden sind und die offensichtlich den Kunden täuschen sollen. Indem sie vorgaukeln, auf einer Stufe mit Arzneimitteln zu stehen, werden Wirkungen in Aussicht gestellt, die es gar nicht geben kann. So sollen oral eingenommene Ampullen, die ein aus Rinderspalt hergestelltes Pulver enthalten (das sich „Versiol“ nennt), in den Hautzellen märchenhafte Verjüngungseffekte bewirken. Das Wundermittel soll angeblich die Kollagenproduktion anregen und die Haut straffen, Falten reduzieren und sogar bei Cellulite die Dellenbildung verringern. Diese Verheißungen sind komplett aus der Luft gegriffen. Warum eine Kollagenneubildung auf diese Weise mit Sicherheit nicht stattfinden kann, werden wir im Weiteren erläutern.
Wie produziert der Körper Kollagen?
Kollagen ist das mit Abstand im Körper am häufigsten vorkommende Protein (es bildet etwa 30% der Proteinmasse). Streng genommen handelt es sich um eine ganze Gruppe von Strukturproteinen, die sich vom Aufbau her gleichen. Man unterteilt diese Proteingruppe in 28 Untergruppen von Kollagenen, die sich in der Zusammensetzung und von ihrer Eigenschaft voneinander unterscheiden. Wie alle Proteine besteht auch Kortison aus Aminosäuren. Proteine werden in der Zelle anhand eines in der DNA (Desoxyribonukleinsäure) verankerten Aufbauplans auf Anregung (Aktivierung) hin produziert. Beim Kortison handelt es sich um eine sogenannte Tripel-Helix, bestehend aus jeweils drei ineinander gewundenen, spiralförmigen Molekülketten, die über Wasserstoffbrücken fest miteinander verbunden sind. Jede Helix hat als Bausteine etwa 200 bis 1000 Aminosäuren. Die einzelnen Helices werden gen-gesteuert sequenziert, transkribiert und aufgebaut. Mach der Zusammenlegung von jeweils drei Strängen zu einer Tripelhelix wird das entstandene Pro-Kollagenmolekül in mehreren Schritten umgewandelt, um in den extrazellulären Raum gebracht werden zu können. Hier durchläuft es mehrere Zwischenstufen, um sich zum Schluss unter Einsatz von Enzymen zu grösseren Verbänden, den Kollagenfibrillen, zusammenzuschliessen. Die Fibrillen vernetzen sich ihrerseits und bilden somit die Kollagenfasern. Dies alles ist ein hochkomplexer, sehr präzise ablaufender biochemischer Prozess, der durch sehr fein aufeinander abgestimmte Mechanismen und Wechselwirkungen gesteuert wird.
Kann eine Kollagenneubildung angeregt werden?
Das Kollagengeflecht in der Haut erneuert sich grundsätzlich leider nicht. Das Kollagen und das Elastin, die zusammen dien Bindegewebsfasern bilden, sind sehr langlebige Proteine, die praktisch ein Leben lang halten. Im Laufe der Zeit altert die Haut. Das Bindegewebe der Lederhaut nimmt Schäden vor allem durch das UV-Licht. Dadurch schrumpft das in jungen Jahren noch räumlich durchlässig durchflochtene Netzwerk von Bindegewebsfasern (das von Gewebsflüssigkeit durchdrungen ist) nach und nach zusammen und verklumpt. Das Bindegewebe wird dadurch zwar fester, doch vom Volumen her viel dünner und auch weniger elastisch. Die Haut ist so vor mechanischen Belastungen weniger gut geschützt. Die Fibroblasten, spezielle Zellen in der Unterhaut, produzieren aber nicht fortlaufend neues Kollagen, sondern nur dann, wenn das Bindegewebe verletzt wurde und die Schutzfunktion der Haut beeinträchtigt ist. Nach einer tiefen Hautverletzung z.B. infolge eines Schnittes oder einer Schürfung werden die defekten Stellen durch Kollagenneubildung wieder instandgesetzt: Es bildet sich Narbengewebe, das eine hohe Festigkeit aufweist, durch Wucherungen jedoch meist unförmig und auch wenig elastisch ist. Kollagenneubildung ist ein Vorgang, der in der Regel durch eine äußeren Reiz ausgelöst wird, und etwa folgendermassen abläuft: Ausgelöst durch Botenstoffe werden sogenannte Transkriptionsfaktoren aktiviert, die sich an die entsprechende Gen-Sequenz ansetzen und die Zelle zum Ablesen des entsprechenden Gens anregen, in den Fibroblasten somit den Aufbau des Kollagens aus den einzelnen Aminosäuren in Gang setzen. Eine Kollagenneusynthese kann also indirekt stimuliert werden, indem bewusst kleine Verletzungen zugeführt werden. Diesen Mechanismus macht man sich z.B. bei einer Fettabsaugung zunutze, indem subcutan kleine Wunden zugefügt werden. Auch die Needlig-Technik, bei der flächig winzige Nadelstiche versetzt werden, setzt auf diese Wirkung. Dass oral eingenommene Mittel hingegen eine Kollagenproduktion ankurbeln könnten, gehört hingegen definitiv in den Bereich der Fabel.
Was von oralen Kollagen-Präparaten zu halten ist
Wie schon erwähnt, bietet die Kosmetikartikelbranche inzwischen diverse Mittel an, die den Inhaltsstoff „Verisol“ enthalten und die angeblich erwiesenermassen die Kollagenproduktion in der Haut steigern sollen. Von unabhängiger Seite her durchgeführte Tests haben jedoch ergeben, dass die versprochenen Resultate gleich Null sind. Wie begründen nun die Hersteller die angebliche Wirkungsweise des oral eingenommenen „zerstampften“ Rinder- Kollagens? Das tierische Kollagen aus Rinderspalt wurde zunächst durch ein Isolierverfahren zu etwa 90% in seine Aminosäuren zerlegt, etwa ein Zehntel davon jedoch in Form von grösseren molekularen Teilstücken belassen. Diese Teilabschnitte des Kollagenmoleküls sollen nun nach Behauptung der Hersteller ihrerseits nicht verstoffwechselt werden, sondern sie würden als solche (oh Wunder!) zu den Fibroblasten gelangen. Hier würden sie als „Abbauprodukte“ interpretiert und somit die Zellen dazu anregen, vermehrt Kollagen zu produzieren. Es sind abenteuerliche Erklärungsmodelle, die jedem ernsthaften wissenschaftlichen Standard Hohn sprechen. Gleichwohl werden solche Märchen vom Laien gerne geglaubt, denn wer lässt sich nicht gerne in der Hoffnung auf eine einfache Hautverjüngung anschwindeln? Leider bleibt es dabei regelmässig bei der Hoffnung, denn ein Ergebnis wird mit solchen Mitteln nicht erzielt. Eine spürbare Wirkung wird sich allenfalls im Portemonnaie bemerkbar machen, denn diese Quacksalber-Mittel sind komplett überteuert.