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Teresa Vena
01. März 2024
Der Titel der Veranstaltung hiess «Social Responsibility Sells – Matching Impact and Entertainment» (auf Deutsch etwa: Soziale Verantwortung verkauft sich – Einflussnahme und Unterhaltung verbinden). Anwesend waren Produzenten und Produzentinnen des angelsächsischen und skandinavischen Raumes: die US-Amerikaner Karolina Peysakhov von Pastel sowie Patrick MacManus von UCP (Universal Studios Group), der Brite Patrick Spence von AC Chapter One und die Schwedin Tatjana Samopjan von Fractal Volcano.
Sie alle haben Erfahrung in der Produktion von Serien, die auf realen Tatsachen und Verbrechen beruhen. Patrick Spence feierte grossen Erfolg mit «Mr Bates vs The Post Office». Die Mini-Serie aus vier Episoden wurde im Januar auf dem britischen Sender ITV veröffentlicht. Sie behandelt den seltsamen Fall, bei dem die britische Post wegen einer fehlerhaften Computersoftware fälschlicherweise Hunderte ihrer Anleger wegen Betrug und Diebstahl verfolgte. Dies ereignete sich 2009. Über 700 Personen bekamen Inkassobescheide, einige landeten vor Gericht, obwohl sie angaben, keine Schuld an den fehlenden Geldbeträgen zu haben. Die Post beharrte darauf, dass die Software keine Probleme aufweise. Zehn Jahre sollte es dauern, bis eine Gruppe, angeführt vom titelgebenden Alan Bates sich vor Gericht als Geschädigte Gehör verschaffen konnte. Die Serie hatte einen direkten Einfluss auf die Politik.
Was den journalistischen Medien nicht gelang, erreichte die Serie. Der Premierminister sah sich unter Druck gesetzt und drängt zu einem Gesetzesentwurf, der einen solchen Fall verhindern oder den nötigen rechtlichen Rahmen geben soll. Auf die Frage hin, wieso die Serie einen solchen Einfluss haben konnte, erwidert Spence: «Durch die Fiktionalisierung kann man Emotionen besser vermitteln. Die Hauptrolle übernimmt zudem Toby Jones, eine der grössten Identifikationsfiguren des britischen Fernsehens und Kinos». Natürlich basiere alles auf echten Geschichten. Die Verantwortung gegenüber den realen Charakteren und Opfern sei riesig gewesen, ergänzt Spence.
So geht es auch Patrick McManus bei seinen Projekten. «Dr. Death» (2021) ist eine der Serien, die er produziert hat. Darin geht es um den real existierenden US-amerikanischen Arzt Christopher Duntsch, der unter anderem wegen seines heftigen Drogenkonsums eine Vielzahl von Behandlungsfehlern mit schweren Folgen für die Patienten verursacht hat. Auch in diesem Fall sind Betroffene noch am Leben. «Man muss sichergehen, dass man empathisch ist», sagt McManus, «und vielschichtige Figuren schreibt».
Für ihn wie auch für Karolina Peysakhov steht fest, dass sie Geschichten erzählen wollen, die Missstände in unserer Gesellschaft und vor allem in unseren Systemen aufzeigen. Peysakhov hat unter anderem «Dopesick» (2021) mit hochrangiger Schauspielerbesetzung produziert. Die Serie auf Hulu erzählt vom Schmerzmittel OxyContin, das, so fand man später heraus, einen hohen Abhängigkeitsgrad aufweist. «Trotz Wunsch, eine erfolgreiche Serie zu schaffen, die unterhält, ist es mir wichtig, eine Serie mit humanistischem Anspruch zu machen», sagt sie.
Auf die Frage, was notwendig sei, um eine Serie zu machen, der dies tatsächlich gelingt, antwortete Tatjana Samopjan, die für Fernsehsender viele Drehbücher beurteilt: «Oft sind es Nuancen, die die Integrität und Sensibilität der Macher aufzeigen können. Wenn es nicht funktioniert, frage ich mich, ob die Personen überhaupt genug Lebenserfahrung haben». Für Samopjan kann eine Serie nur dann einen richtigen Einfluss auf die Menschen haben, wenn das Drehbuch über die reine Beobachtung hinaus geht. «Es braucht eine Reflexion über unsere Gesellschaft. Alles andere ist Zynismus. Nur eine Diagnose zu stellen, aber kein Heilmittel vorzuschlagen, erzeugt einen Teufelskreis des Unverständnisses und der Ohnmacht»
Teresa Vena
05 Februar 2024