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Ein Nachruf auf die sieben Gebäude im Dorfdreieck
1 - Bürdelhaus
Das Wohn- und Gewerbehaus wurde um 1810 erbaut und zählte zu den Vertretern der Biedermeierbauten. Markant war das geschweifte Mansardendach. Wegen seines Standorts als Eckbau nahm es eine wichtige Position innerhalb des Dorfkerns ein. Aus diesen Gründen wurde es im Jahr 1981 als erhaltenswertes Kulturobjekt in die Schutzverordnung aufgenommen.
Die Familie Alois und Maria Tiefenauer-Helbling übernahm 1909 den Laden im Dorf von der früheren Besitzerin, welche nebst Spezereien auch Tuch und Stoffe führte. Alois Tiefenauer war zu einem Teil als Sigrist (Sigristä-Wisi) bei der Kirchgemeinde angestellt und arbeitete als Bürdeler und Heuer. Im Jahre 1954 übernahm Tochter Hedi Bürdel-Tiefenauer (1922 – 2012) den Laden und verkaufte Spezereien, Textilien und Frischgemüse. Im Gebäude befand sich früher ein Salzkeller. Nur in diesem Laden konnte man das Salz kiloweise «offen» kaufen. Bei der Renovation des Räblischulhauses im Jahre 1964 übernahm Vater Emil Bürdel die dunklen Wandtäfer aus den Schulzimmern und baute den Estrich innerhalb des Mansardendaches aus.
Mangels Nachfolge schloss Hedi Bürdel im Herbst 1991 das Geschäft. Bis zum Umzug ins Altersheim wohnte sie weiterhin im Haus. In den Ladenräumen war während vielen Jahren das Archiv der Bürgermusik untergebracht. Im Jahre 2012 kaufte die Politische Gemeinde von der Erbengemeinschaft Bürdel das Gebäude. Vier Jahre später entliess es der Gemeinderat aus der Schutzverordnung. Der Abbruch ermöglicht die Verbesserung der Verkehrssicherheit an diesem neuralgischen Punkt im Dorfkern.
2 - Haus Steiner
Die Familie Tremp «Wegmachers» übersiedelte 1935 vom Giessen ins Dorf und übernahm den Spezereiladen der Familie Tissot. Die Tochter Anna Busch-Tremp war bis 1962 Besitzerin dieses Dorfladens. Anschliessend übernahm Christina Steiner-Kälin das Wohn- und Geschäftshaus und führte den Toura-Laden zusammen mit Tochter Anna bis 1973. Nach der Auflösung des Lebensmittelgeschäfts wurden in diesem Lokal von Maria und Karl Steiner-Kamer Pelzkleider wie Mäntel, Jacken oder Hüte verkauft. Die Fuchs- und Nerzpelze waren Produkte aus ihrer eigenen Zucht in der Nerz- und Fuchsfarm in Bilten.
Während die Wohnung vermietet wurde, eröffnete im Februar 1981 Edith Züger-Fäh, im Ladenlokal ihren Coiffeursalon. Hier bediente sie Damen, Herren und Kinder bis zu ihrem Umzug an die Bahnhofstrasse 3 im Oktober 1995. Das leerstehende Ladenlokal in zentraler Lage nutzte Yvonne Rüegg-Rüegg und verkaufte während vier Jahren in der Kinderboutique «Sarabelle» Kinderkleider. Anschlies-send eröffnete Carmen Rentsch-Maurer den «Chäferli-Egge» und verkaufte Kinderkleider und Spielsachen. Die Räumlichkeiten waren bald mal zu klein und sie wechselte den Standort im Jahr 2001 zum benachbarten Haus Kuster. Die Familie Steiner verkaufte in den 1990er-Jahren das Gebäude an Isuf und Fetije Smajli. Während das Ladenlokal leer blieb, waren die Wohnungen bis vor einigen Jahren bewohnt. Auch dieses Gebäude wurde im Jahr 2016 von der Dorfdreieck AG übernommen.
3 - Kaufhaus Kuster
Dieses Gebäude hatte eine lebhafte Geschichte und war das eigentliche Geschäftshaus in Benken. Anfang des 20. Jahrhunderts führte Johann Hofstetter-Thum (1874 –1962) diesen Kolonialwarenladen. Er führte auch einen Verlag und liess Ansichtskarten vom Dorf Benken drucken. Diese Karten zeichnete er mit: Verlag Joh. Hofstetter, Coiffeur, Benken. Damals war es nicht üblich, auf den Ansichtskarten die Jahreszahl aufzuführen, deshalb sind die Dorfansichten nur schwer dem genauen Aufnahmejahr zuzuordnen. Für seine vielseitigen Dienste im damals jungen Turnverein und später für seine väterlichen Worte an die jungen Turner war Johann Hofstetter auch als «Turnvater» bekannt.
Vinzenz und Marie Kuster-Jud übernahmen 1930 vom «Friseur Hofstetter» das Geschäft im Dorf. Vinzenz war gelernter Coiffeur und Schneider. Seine Haupttätigkeit war dann auch das Haareschneiden und Rasieren, Ersteres damals für 80 Rappen und das Zweite für 60 Rappen. Vorwiegend am Samstagabend trafen sich viele Männer beim «Vinzenz», liessen sich rasieren, plauderten und jassten bis spät in die Nacht hinein. Für diejenigen, welche während den Wochentagen keine Zeit fanden, war das Geschäft auch am Sonntagmorgen von der Frühmesse bis 12 Uhr geöffnet. Mit Dominik und Karl Tremp hatte Vinzenz die notwendige Verstärkung in diesen wöchentlichen «Stosszeiten».
Geschäftserweiterung
In den 1940er-Jahren erwarb Vinzenz Kuster die kleine Parzelle (81 m2) nebenan. Auf diesem Grundstück stand ein schmales Wohngebäude. Darin wohnte in den 1880er-Jahren Johann Küng-Tiefenauer (1856 – 1916). Sohn Johann Küng-Vils (1888 –1975) wurde in diesem Haus geboren. Als Schreinermeister betrieb Vater Küng bereits in diesem Gebäude eine Werkstatt, bevor er das Haus in der «Hinterkirch», heute Dorfstrasse 1, erwerben konnte. Anschliessend wohnte die Familie Carl Tremp-Helbling (1867 – 1935) mit den Kindern Luisa, Dominik und Karl in diesem schmalen Gebäude.
Mit der Übernahme dieser Parzelle vergrösserte Vinzenz Kuster sein Geschäftshaus mit einem Anbau und einem grossen Schaufenster. Darin konnte das Kaufhaus Kuster, oft liebevoll «kleiner Jelmoli» genannt, sein Angebot präsentieren. Die ausgestellten Larven während der Fasnachtszeit waren für die Schuljugend ein spezieller Hingucker. Das Ehepaar Kuster-Jud hatte beim Verkauf von Mercerien, Konfektionen und Papeterieartikeln mit der Tochter Martha Fäh-Kuster, schon früh eine tatkräftige Unterstützung. Sie übernahm später das Geschäft. Während die Wohnung im Obergeschoss vermietet wurde, betrieb Martha Fäh-Kuster das Kaufhaus bis Ende 1990.
Von der Versicherungs-Agentur zum Copy-Shop
Ab 1. Januar 1992 mietete die Winterthur Versicherung das Verkaufslokal. Franz Schmucki-Kühne richtete im Ladenlokal eine Agentur ein. Acht Jahre später kaufte er das Gebäude und betreute seine Winterthur-Kunden bis Ende 2005 weiter. In den Jahren 2001 bis 2005 betrieb Carmen Rentsch-Maurer, im Anbau mit dem grossen Schaufenster ihren Kinderkleiderladen «Chäferli-Egge». Anschliessend wurde aus der Agentur der Blumenladen «PassiFLORA». Von 2006 bis 2011 verkaufte Nicole Ziegler Blumen in verschiedenen Kreationen.
Ab Juli 2011 bis September 2016 mietete Werner Gantenbein die Räume für sein grafisches Atelier Print & Copy Store. Nachdem die «Überbauung Dorfdreieck» aktuell wurde, suchte Werner Gantenbein an der Dorfstrasse 28 eine sichere Bleibe.
Zu allerletzt diente das legendäre Kuster-Haus der Gruppe «Funny Painters» als Malatelier. Ein roter Punkt ist nicht nur das Merkmal eines verkauften Bildes, sondern war an der Chilbi 2022 auch der Schlusspunkt für dieses Gebäude.
4 - Kaplanei
Die Kaplanei als zweites Pfrundhaus der Kirchgemeinde Benken wurde 1818 erbaut. Bis 1990 war es insgesamt für 27 Kapläne das Wohnhaus des zweiten Seelsorgers der Pfarrei Benken. Kaplan Jakob Sager bewohnte es ab 1950 mit seiner Köchin Fräulein Staub. Im Erdgeschoss unten rechts befand sich die Pfarreibibliothek, wo man am Sonntagnachmittag nach der Christenlehre interessante, braun eingefasste Bücher ausleihen konnte. In der Stube im ersten Stock erhielten etliche junge Benkner von Kaplan Sager den Ministrantenunterricht.
Jakobs-Gasse
Zur Erinnerung an sein langjähriges Wirken in Benken wurde der Durchgang vor der Haustüre Jakob-Gasse benannt. Am Dorffest 1991 war der Kanton Glarus in dieser Gasse zu Gast. Der Frauenturnverein SVKT schenkte «Drinks à la Fridli» aus und bot Zigerbrütt an. Nach dem Tod von Kaplan Jakob Sager baute die Kirchgemeinde dieses Gebäude im Jahre 1991 für CHF 640 000 in drei Mietwohnungen um. Als erste Frau im Seelsorgeteam der Pfarrei bezog Sr. M. Franziska Dürr, Seelsorgehelferin, im Jahre 1992 eine Wohnung.
Die Kirchgemeinde und die Politische Gemeinde regelten den Verkauf der beiden Liegenschaften Kaplanei und Bürdelhaus vorvertraglich mit der Dorfdreieck AG. Im Gegenzug wurde der Erwerb eines Gemeinschaftsraums im Stockwerkeigentum in der neuen Überbauung ausgehandelt.
5 - Haus Thrier
Die Baujahre der Wohnhäuser im Dorfdreieck sind nicht bekannt. Bekannt ist, dass in den 1940er-Jahren die Familie Kempf Besitzerin dieses Hauses war. Gemeindesenior Beni Glaus-Kempf erinnert sich heute, dass er hier vor rund
70 Jahren «z’Liecht» ging und später die Tochter Theres (1929 – 2015) heiratete.
1952 erwarben Paul und Maria Thrier-Taucher das Haus mit der roten Eternitfassade. Während ihrer Zeit als Heimleiterpaar im Bürgerheim von 1969 bis 1980 vermieteten sie das Wohnhaus unter anderen an die Familie Walker und an den früheren Eintracht-Wirt Christian Kistler-Theiler (1912 – 1986). Im Jahr 1980 nahm die Familie Thrier wieder Wohnsitz im Dorf. Das Gebäude blieb bis zum Verkauf an die Dorfdreieck AG im Besitz der Familie Thrier.
6 - Haus Wick
Dieses Wohnhaus war an der Nordwand mit dem Haus Thrier zusammengebaut. Ende des 19. Jahrhunderts wohnte die Familie Josef Leonz Fäh-Nussle (1814 – 1894) in diesem Haus. Die Tochter Bertha (*1871) übernahm das Haus. Sie unterrichtete Handarbeit an der Schule in Benken. Mit dem Zuzug ihrer Schwägerin Maria Luise Fäh-Fäh (*1887) in den 1930er-Jahren und zusammen mit ihrer jungen Nichte Bertha bildeten sie während Jahren eine Frauen-WG.
Später wurde Bertha Fäh (1920 –1997) Besitzerin dieses Hauses. Sie arbeitete während Jahren als Kaufmännische Angestellte in der Spinnerei Stoffel in Schmerikon. Bertha war ein Mitglied des Kirchenchors und begeisterte Violinespielerin im Orchesterverein. Am Dorffest 1976, dessen Reingewinn für den Bau des Sportplatzes bestimmt war, betrieb der Orchesterverein in der Locanda die Bar «Chez Berty».
Nach dem Tode von Bertha Fäh erwarb im Jahr 1983 Paul Wick-Rickli von seiner Tante dieses Haus. Drei Jahre später erfolgte eine Totalsanierung und es entstanden eine 2 ½- und eine 4 ½-Zimmer-Wohnung sowie ein Bastelraum. Diese Wohnungen wurden von der Familie Wick bis zum Verkauf an die Dorfdreieck AG vermietet.
7 - Haus Glaus
Im untersten Haus im Dorfdreieck waren zwei Wohnungen. Um die Jahrhundertwende war die Familie Küng-Kühne Besitzerin dieses Hauses. Tochter Frieda erbte die Wohnung mit dem Zugang vom Hinterdorf und wohnte zusammen mit ihrem Mann Alois Fäh-Küng und den Kindern Ruedi und Afra hier. 1981 kaufte die benachbarte Familie Glaus diesen Gebäudeteil. Die Wohnung wurde von Julia und Beat Meier-Glaus gemietet.
Im Gebäudeteil mit der Haustüre zum Vorderdorf wohnten Josef und Cresentia Glaus-Kühne. Tochter Karolina, bekannt als Lineli, heiratete im Jahre 1945 Leo Glaus und wohnte mit ihrer Familie über viele Jahre zuunterst im Dorfdreieck. Nachdem die Familie Glaus keinen Eigenbedarf mehr hatte, boten die beiden Wohnungen Asylantenfamilien ein Zuhause, bis auch dieses Gebäude an die Dorfdreieck AG überging.