Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03625.jsonl.gz/1834

«Mir ging es emotional nicht so gut, ich hatte gerade eine Beziehung hinter mir und sprach mit meiner Freundin über meine Gefühle. Da sagte sie: ‘Oh, Ivana, wo ist das Herz-Emoji mit einem Messer, wenn man es braucht’». Dieser Gedanke ging der 30-Jährigen Grafikdesignerin nicht mehr aus dem Kopf. Noch am selben Abend setzte sie sich an ihren Computer und designte dieses Emoji. «Ich habe mir überlegt, was ich damit anfangen soll. Dann habe ich gesehen, dass man ein eigenes Emoji beim Unicode-Konsortium vorschlagen kann».
Das Unicode-Konsortium ist seit 1991 für die Standardisierung der internetweiten Buchstaben zuständig – so dass etwa ein «a» auf einem Mac in Bern als «a» auf einem PC in Australien angezeigt wird. Seit dem Aufstieg der Smartphones 2010 gehören auch Emojis dazu – das Komitee aus Vertretern der grossen Technologie-Firmen wie Google, Facebook und Apple mit Sitz in Kalifornien entscheidet jährlich über die Vorschläge, die aus aller Welt beim Konsortium reinflattern.
Fast nur positive Herz-Emojis
«Die Vorstellung, dass weltweit alle Menschen mit ihrem Smartphone mein selbst designtes Emoji verschicken könnten – dieser Gedanke hat mich sehr gereizt». Von nichts, kommt nichts - Ivana musste in einem detaillierten Dokument darlegen, warum es jetzt gerade ihr Herz mit Messer-Emoji braucht. «Die gegenwärtigen Herz-Emojis repräsentieren meist positive Gefühle», schrieb die Grafikdesignerin in diesem Dokument, Link öffnet in einem neuen Fenster, «aber Liebe tut weh und wir brauchen ein Emoji, um das auszudrücken.»
Denn: Insgesamt stehen von sechzehn Herz-Emojis nur gerade zwei für negative Gefühle – das schwarze Herz und das zerbrochene Herz. Für Ivana gibt es aber einen klaren Unterschied – auch den musste sie im Antrag anfügen: «Das zerbrochene Herz ist für mich endgültiger, es stellt tiefere Trauer dar als das Herz mit einem Messer. Mein Emoji zeigt eher einen kurzen Moment der Verletzung, von dem man sich schneller wieder erholt.»
Ivana Jovic musste auch das Potenzial ihres Emojis vorhersagen. Das tat sie mit emojitracker.com, einer Website, die zeigt, wie oft ein Emoji auf Twitter eingesetzt wird. Das zerbrochene Herz, das ihrem Vorschlag am nächsten kommt, liegt auf Platz 27 von insgesamt 845 aufgelisteten Emojis. Das zeigt ihr: Herzen, die Schmerz darstellen, werden fleissig gebraucht.
Im zweiten Teil des Dokuments musste Ivana mögliche Ausschlusskriterien beschreiben. Ein Vorschlag, der zu spezifisch ist – ein Labrador zum Beispiel – hat keine Chance, weil es schon ein allgemeines Hunde-Emoji gibt. Auch Vorschläge zu kurzzeitigen Trends oder Vorschläge, die Firmenlogos darstellen, sind aussichtslos. «Mein Emoji ist universell, wir alle kennen Liebesschmerz» – deshalb konnte Ivana all diese Punkte verneinen.
Letzten Sommer schickte Ivana Jovic ihren fünfseitigen Antrag für das «Heart with Knife»-Emoji ans Unicode-Konsortium. Einige Tage später bekam sie eine Dankesmail – diesen Februar wurde dann entschieden, welche neuen Emojis auf unsere Smartphones kommen. «Ich habe ganz fiebrig durch die Liste gescrollt. Dann aber habe ich gesehen, dass mein Emoji nicht ausgewählt wurde».
Eine Begründung bekam Ivana nicht. Sie hat aber einen Verdacht: «Emojis sind wie Instagram. Es geht um das schöne Essen, die schöne Liebe. Ich denke, das hat mit einer Correctness zutun. Weil es sich bei Emojis um einen allgemeinen Zeichensatz handelt, darf er wohl nicht zu negativ sein». Ganz unrecht hat Ivana Jovic mit ihrer Vermutung nicht. Auf der Website von Unicode findet sich versteckt ein Protokoll von der Entscheidung – darin steht: «Unnecessarily violent» - unnötig brutal. Ja, das ist sie halt eben manchmal auch, die Liebe.
PS: Ivana hat übrigens nicht nur das «Heart with Knife»-Emoji erstellt, sondern gleich eine gesamte Serie, Link öffnet in einem neuen Fenster gestaltet. Eingereicht hat sie aber lediglich das Emoji mit dem Messer.
Abonniere den Insider-Newsletter von SRF 3
Stories und Hintergründe zu ausgewählten Themen – direkt in deine Mailbox. Mit dem Insider-Newsletter weisst du mehr über die Highlights von SRF 3. Melde dich jetzt an!