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Sie leben unter einer Brücke der Autobahnrastätte Bellinzona-Süd, weil es dort warm ist und sie dort die Toiletten benutzen dürfen. Die Kleider waschen diese Wanderarbeiter in der nahe gelegenen Sementina.
Sie verkaufen auf lokalen Märkten Armbänder mit eingestickten Namen und Anhänger oder selbstgemachtes Kunsthandwerk. Wegen der schweren Wirtschaftskrise und der aussichtlosen Lage in Spanien – im speziellen in Andalusien mit einer Arbeitslosenquote von offenbar über 30 Prozent – versuchen Estella und ihre Cousins sowie deren Kinder auf kleinen Märkten in der Schweiz ihr Glück. Alle auf dem Bild kommen ursprünglich aus Ecuador, leben aber seit 14 Jahren in Südspanien.
Estella, hinter der Autotüre stehend, hat zwei Töchter im Alter von zwölf und dreizehn Jahren. Diese gehen im südspanischen Malaga unter der Woche in eine Tagesschule. Am Wochenende sind die Kinder bei einer Verwandten. Das Heimatland ihrer Mutter haben die Kinder noch nie besucht, auch Estella war seit über zehn Jahren nicht mehr dort. Der Vater der Kinder lebt in Ecuador und hat dort in einer Kleinstadt einen kleinen Laden, der aber zu wenig abwirft, um die Kinder in Spanien zu unterstützen.
70 Euro für die Kinder
Estella konnte am Freitag, 25. Mai, seit langem wieder einmal 70 Euro nach Spanien schicken, denn die Töchter brauchen Schreibzeug, Bücher, Kleider und die Verwandten haben Benzinkosten, müssen Essen bezahlen. Ein namhafter Teil der ecuadorianischen Diaspora lebt seit vielen Jahren dank erleichterten Einreisebestimmungen in Spanien und wurde dadurch zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor für die Zurückgebliebenen. Das Paar links im Bild wohnt unter dem Jahr in Granada in einer Wohnung und hat den elf Jahre alten Kevin einen Monat früher aus dem Schule genommen, weil auch sie kein Auskommen mehr fanden.
Schlafen auf dem Rücksitz der Autos
Estella schläft auf dem Rücksitz ihres angejahrten Ford Escort. Die zwei Männer rechts im Bild nächtigen im Opel, das Ehepaar und die Kinder in einem nicht minder klapprigen Kastenwagen. Alle leben unter der Brücke der Autobahnrastätte Bellinzona-Süd, weil es warm ist und sie mit Billigung der Angestellten dort die Toiletten benutzen dürfen. Die Kleider waschen diese Wanderarbeiter in der nahe gelegenen
Sementina.
Gemäss Estella und ihren Cousins läuft das Geschäft in der Schweiz aber auch miserabel. Der Mann ganz rechts im Bild meinte, er wolle diese Woche nach Zürich fahren, in der Hoffnung, dass der Markt in Zürich besser laufe. Auch Estella hofft: «Meine Kinder gehen in die Schule, sie sollen es einmal besser haben als ich und nicht auf dem Rücksitz eines Autos schlafen müssen».