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Glarus den 2. Dec. 1864.
Mein theurer Freund!
Wie ich Dir schon bei meinem letzten Besuche in Belvoir andeutete, werde ich wegen zahlreicher Geschäfte, die mir hier noch obliegen, ehe ich zu einer voraussichtlich langen Abwesenheit verreisen kann, nur wenige Tage der nächsten Bundesversammlung beiwohnen; ich gedenke Mittwoch Abends in Bern einzutreffen u. darauf Sonntags oder Montags nach Genf zu verreisen. Unter diesen Umständen sehe ich mich veranlaßt, mich schriftlich an Dich zu wenden, um Dir einen Wunsch unsers, um den Wiederaufbau von Glarus sehr verdienten Landsmannes, Architekt Simon in St. Gallen, vorzutragen. Derselbe eröffnete mir nämlich, daß die Budgetkommission | seinen mit dem Bundesrathe abgeschlossnen Vertrag, betreffend das Postgebäude in St. Gallen, beanstande; er wünscht nun, daß Du als Berichterstatter diese für ihn so penible Angelegenheit so schonend als möglich behandeln mögest. Er behauptet, nur durch Unkenntniß des Bundesgesetzes in seine jetzige fatale Stellung gekommen zu seyn, indem ihm ursprünglich ein hypothekarisches Anleihen in Aussicht gestellt worden sey oder er wenigstens die Geldanerbietungen des Hrn. Näff, welchem an dem Postgebäude sehr viel gelegen gewesen, in diesem Sinne verstanden habe. Nun liege ihm an dem letzten Vertrage durchaus nichts; viel lieber sey ihm, wenn die Eidgenossenschaft das Gebäude ankaufe oder wenn der Miethvertrag ganz aufgehoben werde, so daß er Dritten das Gebäude veräußern könnte. Daß er aber gegenwärtig das dem Bunde schuldige Kapital nicht abbezahlen könne, werde Jedermann leicht begreifen. Ich bin überzeugt, | daß Du dem Wunsche des Hrn. Simon gerne entsprechen u. eine so delikate Materie, die natürlich für seinen Kredit nicht ohne Bedeutung ist, so schonend als nur immer möglich behandeln werdest.
Noch füge ich bei, daß ich Mittwochs im Bernerhof absteigen werde, was Du Hrn. Kraft vorläufig bemerken kannst. In der Hoffnung baldigen Wiedersehens grüßt Dich herzlich
Dein treuer Freund
Dr. J J Blumer.