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<h2>SubmittedText<h2><p>In einem Pilotversuch hat das Bundesamt für Statistik berechnet, welchen Umfang und welchen Wert die in der Schweiz geleistete unbezahlte Arbeit hat. In einem sogenannten Satellitenkonto Haushaltsproduktion wird gezeigt, dass in der Schweiz während rund 8 Milliarden Stunden unbezahlt gearbeitet wird. Zum Vergleich: Für bezahlte Arbeit wurden im selben Zeitraum in der Schweiz rund 6,7 Milliarden Stunden aufgewendet.</p><p>Zwei Drittel der unbezahlten Arbeit haben die Frauen beigetragen. Den grössten Teil (6 Milliarden Stunden) machen Haushaltarbeiten aus, gefolgt von Betreuungsleistungen (1,25 Milliarden Stunden).</p><p>Die Studie schätzt, dass die unbezahlt geleistete Arbeit rund 70 Prozent der von der schweizerischen Gesamtrechnung erfassten Bruttowertschöpfung ausmacht.</p><p>Vor diesem Hintergrund bitte ich den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Wie beurteilt er diese Aufteilung der unbezahlten und bezahlten Arbeit aus rein volkswirtschaftlicher Sicht?</p><p>2. Welche Auswirkungen auf die Steuereinnahmen und die Sozialversicherung hätte es, wenn ein Teil dieser Arbeit künftig bezahlt erbracht würde? (Annahmen: Ein Viertel, die Hälfte, drei Viertel der heute unbezahlt geleisteten Arbeit würde monetarisiert.)</p><p>3. Welche Möglichkeiten sieht er, den Anteil der unbezahlten Arbeit auf ein volkswirtschaftlich sinnvolles Niveau zu senken?</p><p>Trotz des grossen Anteils an unbezahlter Arbeit: Ein Trend zu mehr Haushalthilfen ist auch in der Schweiz spürbar. Es ist ein offenes Geheimnis, dass in diesem Bereich sehr viel schwarzgearbeitet wird. Hauptgründe dafür sind fehlende Aufenthaltsbewilligungen der Haushalthilfen, verschiedene kleine Pensen bei mehreren Arbeitgeberinnen, Überforderung der Arbeitgeberin bei der korrekten Anstellung (Verträge, Versicherungen usw.).</p><p>4. Wie gedenkt er, hier Gegensteuer zu geben? Ist er bereit, die kantonalen Arbeitsämter darin zu unterstützen, Dienstleistungsstellen aufzubauen, welche die Personalführung dieser Haushalthilfen gegen eine Gebühr im Auftrag der privaten Arbeitgeberin übernehmen könnten? Kennt er bereits solche Dienstleistungsfirmen oder -angebote? Sieht er weitere Möglichkeiten, die Schwarzarbeit im Haushaltbereich zu bekämpfen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Resultate der Pilotstudie des Bundesamtes für Statistik geben erstmals einen Einblick in die Grössenordnung der unbezahlten Arbeit. Dies ist nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht, sondern auch gesellschaftspolitisch interessant. Zu den konkreten Fragen:</p><p>1. Unbezahlte Arbeit stiftet in vielen Fällen einen grösseren volkswirtschaftlichen Nutzen als eine Produktion für einen anonymen Markt, besonders im Zusammenhang mit verwandtschaftlichen und allgemein sozialen Kontakten. Volkswirtschaftlich ist es daher sinnvoll, dass nicht alle Güter über den Markt produziert werden. Wichtig ist, dass die Haushalte über die entsprechende Wahlfreiheit verfügen.</p><p>Wegen des durchschnittlich höheren Bildungsniveaus von jüngeren Frauen ist in der Schweiz eine Zunahme der Erwerbsbeteiligung von Frauen und insbesondere von Müttern zu beobachten. Es kann davon ausgegangen werden, dass gewisse unbezahlte Arbeiten vermehrt auf den Markt ausgelagert werden.</p><p>2. Eine Quantifizierung ist schwierig, weil man nicht weiss, welche Tätigkeiten sich überhaupt zu Markttätigkeiten umwandeln liessen. Auf jeden Fall vergrössern sich das Steuer- und Beitragssubstrat wie auch das BIP. Wie sich die Steuerbelastung und die Finanzhaushalte der Sozialversicherungen entwickeln würden, hängt davon ab, ob mit der Monetarisierung auch die Leistungen des Staates und der Sozialversicherungen steigen würden.</p><p>3. Eine generelle Senkung des Anteils unbezahlter Arbeit kann nicht ein politisches Ziel sein, denn es gibt Tätigkeiten, die bewusst im privaten Bereich angesiedelt werden. Unbestritten ist jedoch, dass Schwarzarbeit und die Ausbeutung von illegalen Haushalthilfen bekämpft werden müssen. Der Bundesrat hat seine Bereitschaft dazu mehrfach bekundet. Weiter unterstützt der Staat in Fällen, in denen gesellschaftspolitische Entwicklungen dies erfordern, entsprechende öffentliche Einrichtungen. Beispiele dafür sind die Betreuung von pflegebedürftigen Personen sowie die Anstossfinanzierung für Kinderkrippen.</p><p>4. Bei der konkreten Ausgestaltung der Arbeitsmarktpolitik verfügen die Kantone über grosse Freiheitsgrade. Sowohl im Arbeitslosenversicherungsgesetz als auch im Arbeitsvermittlungsgesetz fehlt eine explizite Grundlage, um Dienstleistungszentren für Haushalte zu fördern. </p><p>Der Bundesrat hat in der Botschaft zum Schwarzarbeitsgesetz Modelle für eine einfachere und schnellere Abrechnung mit den Sozialversicherungen vorgeschlagen. Bei der parlamentarischen Beratung haben die beiden Räte leicht unterschiedliche administrative Entlastungsmassnahmen für die Anmeldung der Arbeitenden bei den Sozialversicherungen beschlossen. Das Differenzbereinigungsverfahren wird in der Frühjahrssession stattfinden. </p><p>Verschiedene Kantone (VS, GE, NE) haben, inspiriert von Frankreich, ein System mit "chèque-emploi" entwickelt, um die Abrechnung der Haushaltarbeit sowie der Bagatellarbeit zu vereinfachen.</p>  Antwort des Bundesrates.