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Naheliegend: Die Besorgnis über Menschenrechtsverletzungen könnte dazu führen, dass bestimmte Unternehmen auf eine schwarze Liste gesetzt werden, und zwar über die bereits verschärfte gesetzliche Sanktionsliste hinaus.
Insbesondere Unternehmen, die als direkte Unterstützer der Invasion oder als eng mit ihr verbunden gelten, werden wahrscheinlich in Ausschlusslisten aufgenommen werden.
Darüber hinaus wären auch Unternehmen betroffen, die die russische Regierung finanzieren oder unterstützen, z. B. Unternehmen, die Militärausrüstung verkaufen oder in der Öl- und Gasindustrie oder der Gewinnung anderer Rohstoffe tätig sind. Diese Liste könnte viele Unternehmen umfassen, dürfte sich aber erheblich mit den Sanktionslisten der Regierungen überschneiden.
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Maria Drew ist Research Director für Responsible Investing bei T. Rowe Price. Sie ist seit 4 Jahren bei T. Rowe Price und verfügt insgesamt über 24 Jahre Anlageerfahrung. Bevor sie zu T. Rowe Price kam, arbeitete sie bei Goldman Sachs Asset Management, wo sie neun Jahre als Aktienanalystin, Portfoliomanagerin und ESG-Spezialistin tätig war.
In Europa gibt es neben den von der Regierung verhängten Sanktionen bereits unmittelbare Entscheidungen von Unternehmen, die russische Vermögenswerte besitzen. So hat BP angekündigt, sich aus seiner Beteiligung an Rosneft zurückzuziehen, und Shell hat mitgeteilt, sich aus Joint Ventures mit Gazprom und anderen involvierten Unternehmen zurückzuziehen.
Auch die Norges Bank Investment Management, die den norwegischen Staatsfonds in Höhe von 1,3 Billionen Dollar verwaltet, hat schnell gehandelt. Sie kündigte an, alle ihre Investitionen in Russland einzufrieren. Die Norges Bank ist eine führende Stimme im ESG-Bereich, sodass diese Haltung ein wichtiger Wegweiser für den Rest des Marktes sein wird.
Potenzielle Beschleunigung des Übergangs zu erneuerbaren Energien
Auch wenn es noch einige Jahre dauern kann, könnte dieser Konflikt zu einer Beschleunigung der Energiewende beitragen, insbesondere in Europa. Die Stabilität der Energiesysteme hängt von drei Kriterien ab, die als «Energie-Trilemma» bekannt sind: Versorgungssicherheit, Kosten und Umweltauswirkungen.
Die ersten beiden Kriterien waren bisher Argumente für die Aufrechterhaltung der Öl- und Gasversorgung, doch die Entscheidung Russlands, in die Ukraine einzumarschieren, hat dies auf den Kopf gestellt.
Versorgungssicherheit wird noch lange ein Thema sein
Der jüngste sprunghafte Anstieg der Öl- und Gaspreise mag zwar von kurzer Dauer sein, die Sorge um die Versorgungssicherheit wird den Westen aber noch länger beschäftigen. Auf Russland entfallen 12 Prozent der weltweiten Ölproduktion und 18 Prozent der weltweiten Erdgasproduktion.
Aufgrund ihrer Nähe ist die Abhängigkeit der EU von russischen Öl- und Gaslieferungen weitaus grösser. Im Jahr 2020 gingen mehr als die Hälfte der russischen Ölexporte und etwa 85 Prozent der Erdgasexporte nach Europa.
Der Preisschock und die Sorge um die Versorgungssicherheit durch Russland könnten die Umsetzung des EU-Green-Deals erleichtern. Bemerkenswert ist, dass die EU-Länder, die sich am stärksten gegen die Verabschiedung des Abkommens gesträubt haben, auch zu den Ländern gehören, die am stärksten von Russland abhängig sind.
Alternativen sind da
Es ist sehr schwierig, die Energieversorgung schnell zu ändern, ohne höhere Kosten zu verursachen und die Wirtschaft zu schädigen. Allerdings ist die EU heute viel besser positioniert, um dies zu tun, da kostengünstigere Alternativen zu fossilen Brennstoffen zur Verfügung stehen, der Energieverbrauch innovativer geworden ist und man befürchtet, dass die Abhängigkeit von ausländischer Energie als Druckmittel eingesetzt werden könnte.
All dies führt dazu, dass die Europäische Union weitere triftige Gründe hat, die Energiewende energischer und schneller voranzutreiben. Dies bedeutet Investitionen in erneuerbare Energien, aber – was vielleicht noch wichtiger ist – auch Investitionen in Energieeffizienz (intelligente Geräte, umweltfreundliche Gebäude und so weiter), Elektrifizierung und andere Praktiken, die die Abhängigkeit von Erdöl und Erdgas verringern können.
Kernenergie statt russisches Erdgas?
Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine beobachten wir bereits, dass einige Länder ihren Weg zur Verringerung der Abhängigkeit von russischem Öl und Gas überdenken. Die deutsche Regierung hatte sich beispielsweise gegen die Aufnahme der Kernenergie als Übergangsbrennstoff in die EU-Taxonomie gewehrt, doch die jüngsten Ereignisse könnten sie dazu veranlassen, ihren Standpunkt zu überdenken.
Die Verlängerung der Laufzeit bestehender Kernkraftwerke ist eine der möglichen Optionen, um die Abhängigkeit Europas von russischem Gas zu verringern.