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Mit diesem Titel lässt sich das neue Verhältnis zwischen Gruppierungen im Norden und Süden gut darstellen.
Nicht selten sind unsere sogenannten «Partner» an guten Beziehungen zu uns interessiert, weil sie sich davon materielle Unterstützung erhoffen. Diese Motivation ist sehr verständlich, hat jedoch zunächst einmal mit «Partnerschaft» wenig zu tun. Wir Christen der ersten Welt haben uns in unseren Beziehungen zu den «Missionskirchen» oder, wie es heute heisst, den «Jungen Kirchen» der Dritten Welt darauf spezialisiert zu geben – Christen und Kirchen der Dritten Welt, die wir gerne als unsere (Projekt-)«Partner» bezeichnen, haben sich auf das «Empfangen» spezialisiert. Diese Beziehungsstruktur hat viel mit «Patenschaft», aber wenig mit «Partnerschaft» zu tun.
Was bedeutet «Partnerschaft»?
Der Begriff geht auf den lateinischen Begriff «pars», d.h. «Teil», zurück. Partner sind also Teil eines Ganzen. Ein Teil verweist immer auf ein grösseres Ganzes und zwar in zweifacher Weise: Es kann von einem gemeinsamen Ursprung ausgegangen sein und/oder ein Ganzes, eine Einheit anstreben. In einer Partnerschaft kommen beide Momente zusammen, sowohl eine ursprüngliche Einheit als auch das Streben nach Ganzheit. Das Wortfeld von «Teil» – z.B. Teilnahme, Teilgabe, Mitteilung – weist darauf hin, dass Partnerschaft wesentlich ein kommunikatives Geschehen ist.
In die deutsche Sprache ist der Begriff im vorigen Jahrhundert aus dem Englischen gekommen, und zwar aus dem Bereich der Wirtschaftssprache: «Partner», das bedeutet im vorigen Jahrhundert ein Geschäftsteilhaber zu sein, der am Gewinn und Verlust beteiligt ist. Begriffe wie «Geschäfts-», «Tarif-» und «Sozialpartner» deuten heute noch auf die Herkunft des Begriffs aus der ökonomischen Sphäre hin.
Inzwischen wird der Begriff in allen möglichen Bereichen verwendet, um eine bestimmte Beziehungsqualität zum Ausdruck zu bringen: «’Partner’ sind im zwischenmenschlichen Verkehr dann gegeben, wenn und insofern in dieser Beziehung eine gegenseitige freie (wenn auch nicht notwendig von beiden Seiten gleichartige) Beeinflussung vorliegt und die Einwirkung im Geben und Nehmen hin und her geht.»
Wenn wir diese Definition ernstnehmen, dann wird uns deutlich, dass oft von «Partnerschaft» die Rede ist, wo de facto keine Partnerschaft besteht oder sich erst in Ansätzen entwickelt, z.B. im Verhältnis von Nord und Süd.
Auch in den Kirchen ist heute viel von «Partnerschaft» die Rede: man spricht heute nicht mehr von «Missionshilfe», sondern von «Entwicklungszusammenarbeit» oder von «Solidaritätsarbeit». Man will nicht mehr Almosen geben, sondern sich für Gerechtigkeit einsetzen. Und anstelle von «Patenschaft» spricht man lieber von «Partnerschaft».
Patenschaften zwischen Gemeinden hier und Gemeinden in der Dritten Welt gibt es schon lange; so wie der Taufpate als erwachsener und erfahrener Älterer Mitverantwortung für die religiöse Erziehung des kleinen, noch abhängigen Kindes übernimmt, so übernahmen Gruppen und Gemeinden aus den «alten Kirchen» in Europa Mitverantwortung für die sogenannten «jungen Kirchen», die als unmündig, hilfsbedürftig und abhängig betrachtet wurden. Das koloniale Beziehungsmuster – auf der einen Seite die Lehrenden und Gebenden, auf der anderen Seite die Lernenden und Empfangenden – ist auch heute noch lebendig.
Die traditionelle Bevormundung der Christen und Kirchen im Süden, auch wenn sie nicht reflektiert gewollt ist und überwiegend unbewusst geschieht, ist auch heute noch weitverbreitet. Sie findet sich auch dort, wo ganz progressiv von «Partnerschaft» die Rede ist.
Im weltkirchlichen Bereich bedeutet «Partnerschaft» nach wie vor in erster Linie «Hilfe, Nächstenliebe, Mitleid…». «Unsere Partner» – das sind die Empfänger unserer Hilfe. Jedoch ist das wechselseitige Geben und Nehmen ein unverzichtbares Kriterium von Partnerschaft. Einer der grossen Vertreter der katholischen Soziallehre, Oswald von Nell-Breuning, hat sich – auf dem Hintergrund der ökonomischen Herkunft des Begriffes – klar gegen eine caritativ-altruistische Interpretation von «Partnerschaft» ausgesprochen: «Partnerschaft hat… durchaus nicht notwendig Altruismus zur Voraussetzung… Nichts kann für die Partnerschaft tödlicher sein als der Versuch, sie altruistisch zu ideologisieren. Selbstverständlich kann und soll sie auf ethischer Grundlage beruhen, aber ihr Ethos ist nicht dasjenige selbstloser Uneigennützigkeit, sondern das Ethos der Fairness und des gegenseitigen Respektes.»
Von entscheidender Bedeutung für das Funktionieren einer Partnerschaft ist deshalb die Klärung der Interessen der Beteiligten und eine Verständigung darüber, welche Interessen im Rahmen der Beziehung gemeinsam verfolgt werden können. Ohne eine gewisse Überschneidung der Interessen kann eine partnerschaftliche Beziehung auf Dauer nicht aufgebaut werden.
Von entscheidender Bedeutung für das Funktionieren einer Partnerschaft ist die Klärung der Interessen der Beteiligten.
Wenn die Partner in der Dritten Welt vorrangig oder ausschliesslich an materieller Unterstützung in Verbindung mit einigen persönlichen Freundschaften interessiert sind, die Partner im Norden aber vorrangig an einem Austausch, der für beide Seiten Lernprozesse ermöglicht, wird eine stabile Beziehung auf Dauer nur sehr schwer aufrechtzuerhalten sein.
Klaus Piepel