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- Von den reformatorischen Ideen beflügelt, schlossen sich viele Frauen der noch jungen Bewegung an.
- Kämpferische Reformatorinnen predigten, veröffentlichten Streitschriften und mischten sich bei theologischen Gesprächen ein.
- Lange Zeit redete man in der offiziellen Geschichtsschreibung nur von Reformatoren – die Frauen gingen vergessen.
- In den letzten Jahren haben sich Historikerinnen vermehrt den Frauen der Reformationszeit gewidmet. Sie spürten deren Schriften auf und publizierten ihre Biografien.
Katharina Schütz Zell
Wer war sie?
Katharina Schütz wurde um 1497 in Strassburg geboren. Sie war gut gebildet und las früh Martin Luthers Schriften. Den Gedanken des «Priestertums aller Getauften» nahm sie ernst und sah sich als Frau berufen, den evangelischen Glauben zu verbreiten. Sie predigte öffentlich und verfasste Streitschriften. 1523 heiratete sie den Reformator Mathias Zell. 1562 starb Katharina Schütz Zell in Strassburg.
Ihre Verdienste
Katharina Schütz Zell lag die Gleichberechtigung von Mann und Frau am Herzen. So führte sie mit Mathias Zell eine partnerschaftliche Ehe. Sie setzte sich für Gewaltfreiheit ein, kümmerte sich um Arme und Kranke und unterstütze Flüchtlinge. Als der Strassburger Rat ihr verbot, ihre Schriften zu drucken, begann die findige Frau, Gesangsbücher zu veröffentlichen. Im Vorwort schrieb sie ihre reformatorischen Gedanken nieder und konnte sie so weiterverbreiten.
Zitat
«Seit ich zehn Jahre alt war, bin ich eine Kirchenmutter, eine Zierde des Predigtstuhls und der Schule gewesen, habe die Gelehrten geliebt, viel besucht und habe mein Gespräch – nicht von Tanz, Weltfreuden, Reichtum oder Fassnacht, sondern - vom Reich Gottes mit ihnen gehabt.»
Wibrandis Rosenblatt
Wer war sie?
Wibrandis Rosenblatt, geboren 1504 in Säckingen, ging als Frau in die Geschichte ein, die drei Reformatoren hintereinander geheiratet hat. Sie hat keine eigenen Schriften verfasst, dafür wirkte sie im Hintergrund. Sie führte den Haushalt von Johannes Oekolampad, Wolfgang Capito und Martin Bucer. Insgesamt brachte sie elf Kinder zur Welt. Wibrandis Rosenblatt starb 1564 in Basel.
Ihre Verdienste
Wibrandis Rosenblatt muss eine begeisterte Anhängerin der neuen Lehre gewesen sein. Sie führte den Haushalt auch in schweren Zeiten und ermöglichte so ihren Ehemännern, die reformatorischen Ideen weiter zu verbreiten. Das Haus eines Reformators war immer voll mit Gästen: Studierende, Flüchtlinge und Notleidende. Wibrandis Rosenblatt managte alles und hielt die Finanzen im Griff.
Zitat
Martin Bucer äussert sich in einem Brief (1542) an Ambrosius Blarer über seine neue Ehefrau Wibrandis Rosenblatt:
«Meine Hochzeit ist vollzogen und ich fürchte für mich nur die allzu grosse Dienstwilligkeit der besten Frau. Meine erste Frau war freier mich zu ermahnen und zurechtzuweisen und nun spüre ich, dass diese Freimütigkeit nicht nur nützlich, sondern notwendig war. Nichts bliebe mir bei meiner jetzigen Frau zu wünschen übrig, als ihre allzu Besorgtheit und Nachgiebigkeit gegen mich.»
Marie Dentière
Wer war sie?
Marie Dentière, geboren 1495 in der belgischen Stadt Tournai, stammte aus einer Adelsfamilie. Ihr Glaube zog sie ins Kloster, wo sie bis 1520 als Äbtissin waltete. Beflügelt von den reformatorischen Ideen, heiratete sie einen Priester und floh mit ihm. Über Strassburg kam Marie Dentière nach Genf. In ihren Schriften rief sie die Frauen dazu auf, sich aktiv in die Geschehnisse einzumischen, die Bibel zu lesen und aufzubegehren. Die Obrigkeit von Genf verbot ihre Schriften. Marie Dentière starb 1561 in Genf.
Ihre Verdienste
Marie Dentière gilt als Feministin ihrer Zeit. Sie war davon überzeugt, dass Frauen dazu berufen seien, Gottes Wort zu verkünden und in die Welt hinaus zu tragen. Sie veröffentlichte das Buch «Verteidigung der Frauen». Darin bezog sie sich auf biblische Frauenfiguren, die mit gutem Beispiel vorangegangen seien, das Evangelium zu verkünden.
Zitat
«Es sind nicht nur Verleumder und Gegner der Wahrheit, die uns allzu großer Kühnheit und Waghalsigkeit beschuldigen, sondern auch Gläubige, die sagen: die Frauen sind zu kühn, indem sie sich schriftlich über die Heilige Schrift austauschen. Denen kann man in aller Ruhe antworten, dass alle diejenigen Frauen, die geschrieben haben und die in der Heiligen Schrift bewandert sind, nicht als zu waghalsig gelten; vor allem, weil mehrere in den Heiligen Schriften lobend erwähnt werden, sowohl für ihre Tugenden, ihre Haltung, ihre Gesten, ihr Beispiel, als auch für ihren Glauben und ihre Lehre.»
(Marie Dentière, aus: «Verteidigung der Frauen», 1539)
Katharina von Bora
Wer war sie?
Katharina von Bora wurde als überzähliges Mädchen niederen Adels mit sechs Jahren im Kloster versorgt. Dort erhielt sie aber jene Bildung, die ihr die Schriften Martin Luthers erschloss. Dessen Aufruf, die Klöster zu verlassen, folgte sie 1523 in einer dramatischen Flucht mit anderen Nonnen. So gelangte Katharina ins evangelische Wittenberg, wo sie von Barbara Cranach aufgenommen und später von Lucas Cranach auch als Luthers Gattin prominent portraitiert wurde.
Ihre Verdienste
Zwar musste auch Katharina von Bora, «die Lutherin», nach dem Tod ihres Mannes hart kämpfen, um ihren Platz im Lutherhaus zu Wittenberg wie auch in der Geschichte zu behalten. Ihrer ökonomischen Fähigkeiten wegen schätzte sie ihr Mann als «Herr Käthe», denn Anwesen und Gesinde hatte sie fest im Griff. Zudem gebar sie sechs Kinder. Sie führte das erste evangelische Pfarrhaus, weshalb sie dann auch zum Vorbild für die Pfarr- und Hausfrau schlechthin stilisiert wurde.
Zitat
Das einzige persönliche Selbstzeugnis Katharina Luthers aus einem Brief an ihre Schwägerin vom 26. April 1546:
«Ich kann weder essen noch trinken. Auch dazu nicht schlafen. Und wenn ich ein Fürstentum oder Kaisertum gehabt hätte, hätte es mir darum nicht so leid getan, falls ich es verloren hätte, als dass nun unser lieber Herr Gott mir, sondern der ganzen Welt diesen lieben und teuren Mann genommen hat. Wenn ich daran denke, so kann ich vor Leid und Weinen (was Gott wohl weiß) weder reden noch schreiben lassen.»
500 Jahre Reformation
Die Reformation ist nicht Geschichte. Sie prägt uns bis heute. Vom 29. Oktober bis zum 5. November 2017 zeigt SRF Kultur, warum Luther, Calvin und Co. nicht passé sind. Alle Inhalte rund um unseren Schwerpunkt finden Sie hier.