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Man erzählte, dass es vor undenklichen Jahren im Kanton Bern in der Schweiz Sitte war, einen Bären auf öffentliche Kosten zu halten, und dass man dem Volk die Meinung beigebracht hatte, wenn es keinen Bären hätte, würde es verloren sein. Einstmals trug es sich zu, dass der damalige Bär krank wurde und zu plötzlich starb, um gleich einen anderen an seine Stelle setzen zu können. Während dieses Zwischenreichs, sah das Volk, dass das Korn wuchs und der Wein grünte und Sonne und Mond fortfuhren auf- und unterzugehen und alles seinen Gang nahm, wie zuvor. Sie schöpften aus diesen Umständen Mut und beschlossen, keinen Bären mehr zu halten; „denn“, sagten sie, „ein Bär ist ein sehr gefrässiges, kostbar zu erhaltendes Tier, und wir mussten ihm die Klauen ausreissen, damit er die Bürger nicht beschädigte“.
Die Geschichte des Bären von Bern wurde zur Zeit der Flucht Ludwigs des Sechzehnten in einigen französischen Zeitungsblättern erzählt, und die Anwendung auf die Monarchie konnte in Frankreich nicht missverstanden werden; allein der Adel von Bern soll es auf sich gezogen und seitdem das Lesen der französischen Zeitungen verboten haben.
So wie keine ausserordentliche Macht in die Hände eines Einzelnen gelegt werden sollte, so sollte auch keiner Person öffentliches Geld zugeeignet werden, mehr als ihre Dienste dem Staat wert sind. Es tut nichts zur Sache, ob ein Mann Präsident, König, Kaiser, Senator oder bei welchem anderen Namen, den Schicklichkeit oder Torheit angeben, oder Anmassung annehmen kann, er genannt wird: er kann nur einem gewissen Dienst im Staat leisten, und der Dienst eines solchen Einzelnen im gewöhnlichen Gang der Geschäfte, ein solcher Dienst mag nun monarchisch, präsidentisch, senatorisch oder genannt und betitelt sein, wie er will, kann nie den Wert von zehntausend Pfund des Jahres übersteigen.
Quelle: T. Paine, Die Rechte des Menschen. In zeitgenössischen Übertragung von D.M. Forkel. Bearbeitet und eingeleitet von Theo Stemmler, Frankfurt a.M 1973.