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In Japan geht heute die Regentschaft von Kaiser Akihito zu Ende. Sie dauerte drei Jahrzehnte und prägte eine ganze Epoche. Es war eine neue Zeit mit einem Kaiser, der sich, anders als sein Vater im Zweiten Weltkrieg, für den Frieden aussprach. Akihitos Ära wurde aber auch von Katastrophen überschattet. Der Rückblick auf einen Kaiser und seine Ära.
Ein Kaiser des Friedens
«Ich empfinde grossen Trost, dass die Heisei-Ära ohne Krieg in Japan zu Ende geht», sagte Kaiser Akihito in einer emotionalen Ansprache an seinem 85. Geburtstag Ende letztes Jahr. «Heisei» so heisst die Ära unter Akihito. Sie wird übersetzt als «Friede nach Innen und Aussen». Eine Epoche also, in der Japan keinen Krieg führte.
Akihitos Regentschaft begann am 7. Januar 1989. In dem Jahr, das die restliche Welt mit dem Fall der Berliner Mauer verbindet oder mit den Protesten auf dem Tiananmen-Platz in Peking. Für Japan aber ist es das Jahr, in dem Kaiser Akihito den Chrysanthemen-Thron besteigt und seinen Vater ablöst: Kaiser Hirohito.
Jenen Kaiser also, in dessen Namen Japan im Zweiten Weltkrieg unzählige Gräueltaten beging. Sohn und Nachfolger Akihito setzte sich dagegen für die Versöhnung mit den asiatischen Nachbarn ein, erklärt Nadaka Ayako. Ayako arbeitet für die grosse japanische Tageszeitung «Asahi Shimbun». Sie berichtet ausschliesslich über den Kaiser und die Kaiserfamilie. «Der Kaiser gedenkt der Kriegsopfer in Japan, aber auch der Kriegsopfer ausserhalb Japans. Also aller Opfer. Dazu hat er auch Schlachtfelder im Ausland besucht.»
Am siebzigsten Jahrestag der japanischen Kapitulation sprach Akihito gar von «tiefer Reue». Einige Beobachter sahen darin eine indirekte Kritik an die Adresse des konservativen Premierministers Shinzo Abe, der sich mit der expliziten Anerkennung von Kriegsschuld schwertut.
Beliebt und volksnah
Direkt politisch äussern darf sich Kaiser Akihito nicht. Beliebt ist er trotzdem, oder womöglich auch deswegen. Journalistin Ayako sieht in Akihito einen volksnahen Kaiser; einer, der sich nicht wie seine Vorgänger im Palast verschanzt, sondern auf die Menschen zugeht. «Die Beziehung zwischen dem Kaiser und der Bevölkerung war früher nicht so freundlich wie heute. Der Kaiser kommuniziert heute direkt mit den Menschen.»
So spazierten Kaiser Akihito und seine Gattin erst vor wenigen Wochen ohne Ankündigung im Park ausserhalb des Palasts, inmitten von Joggern und Spaziergängern, die nicht schlecht staunten, als ihnen das Kaiserpaar zuwinkte.
Kaiserliche Unterstützung in Katastrophenzeiten
Ayakos Zeitung, die «Asahi Shimbun», befragte ihre Leserinnen und Leser kürzlich zu den Aufgaben des Kaisers. Als wichtigste Aufgabe sahen die Befragten die moralische Unterstützung in Zeiten von Katastrophen.
Das überrascht nicht: Ereigneten sich in Akihitos Ära doch eine ganze Reihe von Katastrophen, wie etwa das Erdbeben in Kobe 1995 oder die Dreifachkatastrophe in Fukushima 2011.
«Nach der Erdbebenkatastrophe 2011 äusserte sich der Kaiser zuerst per Video-Botschaft an die Bevölkerung. Doch dann besuchte er mehrere Wochen hintereinander Opfer der Katastrophe», erklärt Ayako.
Damit zeigte er seine Unterstützung in einer besonders schwierigen Zeit. Denn: Wenn Premierminister Katastrophengebiete besuchen, sagt Ayako, dann würden diese von den Anwohnern mit konkreten Forderungen konfrontiert. Beim Kaiser dagegen schätzen die Menschen allein dessen Präsenz und Anteilnahme.
Hochzeit mit einer Bürgerlichen
Die Japaner scheinen Kaiser Akihito den Bruch mit Traditionen nicht übel zu nehmen. Etwa, als er noch als Kronprinz seine heutige Ehefrau, Kaiserin Michiko, heiratete – eine Bürgerliche. Für die Japaner eine absolute Neuheit, erklärt Historiker Akinori Takamori. «530'000 Menschen schauten damals in den Strassen der Parade zur Hochzeit zu. Es gab natürlich auch solche, die gegen die Hochzeit waren, aber die überwältigende Mehrheit fand das toll. Die kaiserliche Familie rückte mit dieser Hochzeit näher an das Volk heran.»
2016 bricht Akihito mit einer weiteren Tradition: Er deutet einen Rücktritt an, weil er fürchtet, mit zunehmendem Alter seine Aufgaben nicht mehr alle ausführen zu können.
Dass ein japanischer Kaiser abdankt, ist seit zwei Jahrhunderten nicht mehr vorgekommen. So durfte Akihito auch nicht einfach so zurücktreten, sondern musste Parlament und Regierung bitten, ihm den Rücktritt zu ermöglichen. Dazu wurde schliesslich ein eigenes Gesetz verabschiedet. Es gilt nur für Akihito. Seine Nachfolger müssen erneut um Erlaubnis fragen, wenn sie nicht bis zum Tod Kaiser bleiben wollen.