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Drinnen ist es dunkel, draussen ist es schattig. Obwohl die Sonne noch an der Kornhausbrücke festhängt, sitzt die Wartende im Freien, weil sie zu dem Treffen mit einer Person unbekannten Gesichts verabredet ist. Einziger Anhaltspunkt: T. geht an Krücken. Das schrieb sie in einer Mail.
Die Kellner_innen stellen 33 Tische, nachgezählt, in 3 wie mit dem Lineal gezogene Reihen. Wo sonst, denkt sie, würde man das so machen, in China vielleicht, denkt sie, und denkt dann, dass das ein ziemlich stereotyper Gedanke war eben.
Eine alte und sehr ungepflegte Frau humpelt auf das Café zu. Die Wartende erhebt sich, hebt die Hand zum Zeichen, die Frau sieht weg und humpelt weiter in Richtung der Schiebetüren zum angrenzenden Einkaufszentrum. Wieder setzen.
Der Limmatplatz ist ein Wimmelbild. Es gehen so viele Menschen vorbei, dass es schwer ist, sie alle im Blick zu behalten. Die Auffälligkeit: Um diese Uhrzeit trägt niemand richtige Draussen-Kleidung, alle halten ihre Portemonnaies in den Händen oder unter die Arme geklemmt und laufen in Nikis und Sakkos herum.
Ein älterer Herr widersetzt sich dem Code. Er ist bärtig, sehr bärtig, und in eine dickere Jacke gehüllt, die mindestens zwei Nummern zu gross über seine Schultern herabhängt. Dazu trägt er einen Besen. Der Mann sieht ins Sonnenlicht, das schon bis kurz vor die vorderste Tischreihe auf den Asphalt fällt, schaut zum Eingang und dann die Wartende an, um nach kurzem Innehalten zielstrebig auf ihren Tisch zuzugehen. Vor der Tischkante macht er Halt.
«Ihr müend kei Angst ha, dass d Sunne oi d Auge verbrennt, wenner is Licht lueged! Ihr hend ja kei Ahnig», sagt er und wendet sich zum Gehen. Der Plural muss sich auf die Menschheit als Ganzes beziehen.
Nach zwei Schritten dreht er sich wieder um: «Ihr wüssed ja nöd, dass mir Liechtwese sind. Mir sind us Sternestaub gmacht.»
Er entschliesst sich wieder zum Gehen.
«Ihr sind alli feig, ihr troued oi eifach nöd, is Liecht z luege!»
Damit eilt er grossen Schrittes und mit dem Besen horizontal in der linken Hand liegend ins Sonnenlicht, wo er stehenbleibt, den Besenstiel mit den Borsten nach oben auf den Boden stützt, die Augen aufreisst und die Sonne anstarrt.
Es humpeln noch ein paar Leute vorbei, heute gehen alle an Krücken.