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Der schottische Clan ist mindestens 900 Jahre alt und gehört zu den wichtigsten britischen Adelsfamilien. Seit dem Jahr 1539 stellt ein Zweig des Clans Herzöge und steht somit in der britischen Adelshierarchie direkt unter der Königsfamilie. Sie brachten auch mehrere Barone und Grafen hervor. Viele Angehörige des Russell Clans wurden in den Privy Council aufgenommen, welcher der Geheimrat der britischen Königsfamilie ist. Wie viele schottischen Clans nahm auch der Russell Clan eine wichtige Rolle in der britischen Kolonialherrschaft ein.
Der britische Zweig
Baron Oliver Russell (1869-1935) war Grossmeister mehrerer Freimaurerlogen und war Pro-Grossmeister der Grossloge von England, welche als die älteste Grossloge der Welt gilt. Ein Pro-Grossmeister wird ernannt wenn der Grossmeister aus der Königsfamilie kommt. Der Pro-Grossmeister übernimmt die Rolle des Grossmeisters, wenn dieser aufgrund seiner königlichen Pflichten nicht zur Verfügung steht. Oliver Russell war somit der Stellvertreter von Prinz Arthur, der zu dieser Zeit Grossmeister war. Oliver Russell war eine Zeit lang Vize-König von Britisch-Indien und gründete dort eine eigene Loge. Er gründete auch eine Loge in England. (Quelle)
Olivers Enkel Baron Geoffrey Russell (1921-2011) war Direktor mehrerer britischer Medienkonzerne und General Manager des Luxusgüterverkäufers Fortnum & Mason, der seit über 300 Jahren besteht und traditionell den britischen Adel als Kundschaft hat. Geoffrey wurde in den Privy Council aufgenommen, welcher der Geheimrat der britischen Königsfamilie ist.
Sein Sohn Baron David Russell (*1947) war wie sein Vater im Verlagswesen tätig. Er heiratete Christia Ipsen, die Witwe des russischen Prinzen Rostislaw Romanow (1938-1999), der aus der Zarenfamilie stammte. Rotislaw war in den USA geboren und war in London als Bankier tätig.
Sir George Russell (*1935) nahm leitende Positionen bei zahlreichen grossen britischen Unternehmen ein. Darunter in der Chemie- und Aluminiumindustrie sowie im Finanzwesen und der Fernsehindustrie. Er war Vorsitzender der Fernsehsendern Channel 4 und ITV. 1985 erhielt er ein Orden vom britischen Hochadel und 1992 wurde er zum Ritter geschlagen. Er war Mitglied der Pilgrims Society, ein angloamerikanisches Elitenetzwerk das von der britischen Königsfamilie geführt wird. Über die Gesellschaft kannte er auch unter anderem die Familien Rothschild, Rockefeller und Astor.
Der britische Diplomat John Russell (1914-1984) war ebenfalls Mitglied der Pilgrims Society. Sein Ur-Ur-Grossvater war der britische Herzog John Russell (1766-1839). Ein weiteres Mitglied mit dem Familiennamen Russell war der US-Amerikaner Lindsay Russell. Es aber unklar, ob und wie eng er mit dem Clan verwandt ist. 1902 gehörte er zu den Gründern der Pilgrims Society und war Teil des Exekutivkomitees der Gesellschaft. Er war ein Neffe von Daniel Lindsay Russell (1845-1908), der Gouverneur von North Carolina war.
John Russell (1670-1735), der Sohn eines Barons, war Kolonialgouverneur der britischen Kolonie Bengalen (heutiges Bangladesh). Er war Administrator der East India Company, die zu der Zeit eines der grössten Unternehmen der Welt war und auf ihrem Höhepunkt die Hälfte des Welthandels ausmachte.
Henry Russell (1751-1836) war oberster Richter der britischen Kolonie Bengalen . Er wurde 1812 zum Baron geadelt und 1816 in den Privy Council aufgenommen. Drei seiner Söhne arbeiteten später für die East India Company.
Charles Russell (1786-1856), der Sohn eines Barons, war eine Zeit lang für das britische Militär in Bengalen tätig und wurde nach seiner Rückkehr Anteilseigner der East India Company. Er ging in die Politik und wurde einer der ersten Vorsitzenden der „Great Western Railway“, die später zu einem der grössten Eisenbahnunternehmen in Grossbritannien wurde. Er war zusammen mit seinem Bruder und Lord Hasting, dem Vizekönig von Indien, an einem Korruptionsskandal beteiligt.
John Russell (1792-1878) war zweimal Premierminister Grossbritanniens und er war Präsident des Privy Councils. Somit besetzte er zwei der angesehensten Positionen des britischen Königreichs. Er war der Sohn eines Herzogs und wurde 1861 zum Grafen geadelt. Sein Sohn Graf Frank Russell (1865-1931) war Vorsitzender mehrerer Unternehmen, die in der Industrie und Goldförderung tätig waren.
Thomas Russell (1830-1904) gehörte zu den wichtigsten Akteuren der Handels- und Finanzelite Neuseelands, das damals eine britische Kolonie war und heute noch zum britischen Königreich gehört (Commonwealth Realm). Während der Neuseelandkriege war er Minister für Kolonialverteidigung. Er gründete und leitete die „Bank of New Zealand“, die seither eine der grössten Banken Neuseelands ist. 1874 zog er nach England und führte von dort die Bank und seine Kolonialinvestitionen weiter. Er wurde bald die einflussreichste Figur in den Bankgeschäften der Kolonie Neuseeland in der City of London. 1877 erhielt er einen Orden vom britischen Hochadel. Er war auch mit der Goldförderung in Neuseeland verbunden.
Der britische Finanzier William Anthony Bowater Russell (*1965) war von 2019 bis 2020 Oberbürgermeister der Stadt London. Wie viele Oberbürgermeister übernimmt er eine wichtige Rolle in der City of London (britisches Finanzzentrum). Er arbeitete für die US-Banken First Boston und Merrill Lynch und war eine Zeit lang in Hong Kong tätig.
Der Nordamerikanische Zweig
Der US-Amerikaner Samuel Russell (1789-1862) zog 1819 nach China und gründete dort 1824 das Handelshaus „Russell & Company“. 1834 beendete das britische Parlament das Monopol der „British East India Company“ auf den Handel zwischen Grossbritannien und China, worauf private Unternehmen das entstandene Vakuum im chinesisch-britischen Handel auffüllen konnten. So ging es nicht lange und die Kontrolle über den ostasiatischen Handel, darunter auch der Opiumhandel, ging an elitäre Familien über, die schon vorher mit der „British East India Company“ vernetzt waren oder gar leitende Positionen bei ihr eingenommen hatten. Ihre Handelshäuser wurden „Hongs“ genannt.
Die wichtigsten ausländischen Familien im 19. Jahrhundert im ostasiatischen Handel waren:
- Angehörige schottischer Clans wie Matheson, Jardine, Forbes, Paterson, Livingston, Mackinnon, MacKenzie und Sutherland.
- Die schottische Keswick Familie, die noch heute geschäftlich aktiv ist und Milliardäre sind. Sie sind familiär mit schottischen Clans verbunden.
- Die britisch-deutsche Bankiersfamilie Baring, die in den britischen Adel aufgenommen wurde.
- Die beiden jüdischen Familien Sassoon und Kadoorie, die aus Bagdad stammen. Sassoon wurde in den britischen Adel aufgenommen und Kadoorie heiratete in den schottischen McAulay Clan. Kadoorie und McAulay sind heute noch geschäftlich aktiv und gehören zu den reichsten Familien Hong Kongs.
- Die britische Swire Familie, die heute noch geschäftlich aktiv ist und Milliardäre sind. Sie sind bis heute mit der Keswick Familie verbunden.
- Die dänische Jebsen Familie, die heute noch geschäftlich aktiv ist und Milliardäre sind.
„Russell & Company“ war einer der führenden Hongs und war im 19. Jahrhundert das grösste amerikanische Handelshaus in Ostasien. Zu der Zeit war „Russell & Company“ einer der grössten Opiumhändler der Welt. Das Unternehmen bestand bis 1891 und ging dann an „Shewan, Tomes & Co.“ über, das zu einem der führenden Handelshäuser in China und Hong Kong wurde.
Samuel Russell zog sich 1836 aus dem Unternehmen zurück und kehrte in die USA zurück in seine Heimatstadt Middletown. In dieser lebte auch sein Cousin, der Politiker und Geschäftsmann William Huntington Russell (1809-1862). Dieser war der Gründer von Skull and Bones, eine Studentenverbindung an der Yale Universität, die Studenten für die US-Elite rekrutiert. Zu den Mitglieder gehörten unter anderem Rockefeller, Bush und Harriman. Skull and Bones ist Gegenstand diverser Verschwörungstheorien.
Williams Mutter stammte aus dem schottischen Huntington Clan. Er war zudem ein Nachfahre von Thomas Hooker (1586-1647). Hooker war ein puritanischer Kolonialführer, der die englische Kolonie Connecticut in Nordamerika gründete. Seine Nachfahren gehörten seither zur nordamerikanischen Elite. Zu seinen Nachfahren gehörten unter anderem der US-Präsident William Howard Taft sowie die elitären US-Familien Morgan und Burr.
Samuel und William Huntington Russell stammten von William Russell (1612-1665) ab. Dieser emigrierte 1638 von England nach Nordamerika und gehörte somit zu den Siedlern, die in den ersten 50 Jahre der beginnenden Besiedlung Nordamerikas ankamen.