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Dem jungen Kater geht es seit 2 Tagen nicht gut. Er mag nicht fressen, ist lethargisch und hat eine grosse Menge stinkenden Durchfall abgesetzt. Seltsamerweise finden sich beim Abtasten des Bauches mehrere längliche Strukturen, welche sich teilweise verformen lassen - ob dies tatsächlich alles Kotballen im Dickdarm sind? Der Blutuntersuch zeigt keine grösseren Auffälligkeiten, weshalb aufgrund des seltsamen Palpationsbefundes ein Ultraschall der Bauchhöhle durchgeführt wird.
ORIARES, Maine Coon, männlich-kastriert, 2 Jahre alt
Ultraschall
Im Ultraschall findet sich eine abnormale Struktur: Der Dünndarm scheint sich auf einem kurzen Abschnitt zu erweitern und von einer weiteren Struktur ausgefüllt zu sein, welche sonografisch ebenfalls als Darm identifiziert werden kann. Offensichtlich handelt es sich bei dieser "Bull's Eye"-Struktur um eine sogenannte Invagination: Wie ein Strumpf hat sich der Dünndarm an dieser Stelle in sich selbst hinein eingestülpt, blockiert nun das Darmrohr und bewirkt dadurch einen Darmverschluss.
Chirurgie und weiterer Verlauf
In einer Notoperation wird die Bauchhöhle eröffnet und der Dünndarm vorgelagert. Tatsächlich handelt es sich bei der beobachteten Struktur um eine Invagination - der involvierte Darmabschnitt ist aber schon stark verändert, dunkelrot und schlecht durchblutet. Es ist zu befürchten, dass er so stark geschädigt ist, dass er nach einem Lösen der Einstülpung nicht mehr dicht wäre, weshalb der gesamte veränderte Darmabschnitt entfernt wird. Die beiden Enden des Dünndarmes werden dann sorgfältig wieder aneinander genäht, die Bauchhöhle gespült und die Bauchdecke verschlossen.
Schon am selben Abend zeigt der Kater wieder Appetit; in den folgenden Tagen erholt er sich komplett.
Wissenschaftliches
Invaginationen sind ein bekanntes, aber nicht sehr häufiges Problem in der Kleintiermedizin. Meist ist der Dünndarm in sich selbst eingestülpt; ab und zu sieht man aber auch Ileo-Colische Invaginationen, bei denen sich Dünndarm in den Dickdarm hinein einstülpt.
Die Ursache für das Problem ist nicht immer ganz klar (wie auch bei Oriares); ein begünstigender Faktor ist allenfalls ein schwerer Durchfall bei Welpen: Durch die starke Darmaktivitiät ist dieser einem grösseren Risiko einer Einstülpung ausgesetzt.
Wird eine Invagination sehr früh bemerkt, kann allenfalls ein sorgfältiges wieder-Ausstülpen des Darmabschnittes nach Eröffnung der Bauchhöhle die Therapie der Wahl sein. Häufig ist der betroffene Darmabschnitt aber so schwer geschädigt, dass er chirurgisch entfernt werden muss (Enterektomie mit anschliessender Anastomose).
Speziell im Oriares' Fall war, dass er nie erbrochen hatte und nur einmal Durchfall abgesetzt hatte. Typischerweise kommt es bei Darmverschlüssen zu Erbrechen; möglicherweise bewirkte die Invagination bei diesem Kater während einiger Zeit nur einen Sub-Ileus (d.h. nicht-komplette Blockade des Darms), was das sofortige Erkennen des Problems erschwerte.