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Gelenkschmerzen können an verschiedenen Gelenken auftreten. Sie sind dauerhaft oder setzen nur bei bestimmten Bewegungen ein und können von Schwellungen und Erwärmung begleitet sein.
Mediziner unterscheiden zwischen Gelenkschmerzen ohne entzündliche Veränderung (Arthralgie) und Gelenkschmerzen mit entzündlicher Veränderung (Arthritis). Bei Schmerzen in einem Gelenk spricht man von Monarthritis, Schmerzen in zwei bis vier Gelenken bezeichnet man als Oligoarthritis und Schmerzen in mehr als vier Gelenken Polyarthritis.
Gelenkschmerzen können plötzlich und ohne äussere Einwirkungen auftreten. Dann sind sie meist die Folge von Überbelastungen, Fehlbelastungen oder Verschleiss. Manchmal kündigen sich Gelenkschmerzen durch Spannungsgefühl oder Steifigkeit, meistens in den Morgenstunden, an.
Gelenke sind bewegliche Verbindungstücke zwischen den Knochen. Es gibt verschiedene Typen von Gelenken im menschlichn Körper: Finger- und Zehen sind zum Beispiel mit Schaniergelenken ausgestattet. Schaniergelenke ermöglichen Bewegungen auf einer Achse wie die Beugung und Streckung von Gliedmassen.
Bewegungen in alle Richtungen erlaubt beispielsweise ein dreiachsiges Kugelgelenk: Hier befindet sich ein kugelförmiger Gelenkkopf in einer kugelschalenähnlichen Gelenkpfanne. Bänder sind rundherum in einer das Gelenk umschliessenden Kapsel angeordnet. Das Schultergelenk ist zum Beispiel ein Kugelgelenk.
Die Kontaktflächen der Knochen sind mit Gelenkknorpel überzogen. Er wirkt als Puffer zwischen den Knochen und dämpft Belastungen. Durch die glatte Oberfläche des Knorpels können die Knochen widerstandslos gegeneinander reiben. Verstärkungsbänder seitlich des Gelenks dienen dazu, bestimmte Bewegungsabläufe zu führen beziehungsweise zu hemmen, um zu verhindern, dass das Gelenk aus der Achse kippt.
Der Gelenkknorpel selbst hat keine eigene Blutversorgung. Gelenkschmiere (Synovialflüssigkeit), die von der Innenschicht der Gelenkkapsel gebildet wird, versorgt den Knorpel mit Nährstoffen und sorgt dafür, dass die Bewegungen geschmeidig ablaufen. Sie schützt das Gelenk vor Abnutzung.
Neben Schanier- und Kugelgelenken gibt es noch weitere Variationen von Gelenken: Radgelenke, Walzengelenke, Nussgelenke, Ellipsoidgelenke, Sattelgelenke, Gleitgelenke und Amphiarthrosis (sog. Wackelgelenk).
Gelenkschmerzen können vielfältige Ursachen haben. Die häufigste Ursache von Gelenkbeschwerden sind Gelenkveränderungen durch Abnutzung und Fehlstellungen (Arthrose). Aber auch andere Erkrankungen wie entzündliches Rheuma (rheumatoide Arthritis), Schuppenflechte mit Gelenkbeteiligung (Psoriasis-Arthritis), Gicht oder die Bechterew-Krankheit zählen zu den Ursachen für Gelenkschmerzen.
In manchen Fällen verursacht ein Zeckenbiss Schmerzen, die vorrangig an den Kniegelenken auftreten (Lyme-Arthritis durch Bakterien). Gelenkschmerzen können auch durch einen Sturz oder durch Sportverletzungen wie zum Beispiel Verstauchung, Verrenkung oder durch eine Bandverletzung wie Bänderriss oder Bänderdehnung entstehen.
Treten Gelenkschmerzen plötzlich und ohne äussere Einwirkungen wie zum Beispiel durch Sport oder einen Sturz auf, sind meist Überbelastungen, Fehlbelastungen oder Verschleiss die Ursache.
Gelenkschmerzen durch Überbelastung können am seitlichen Ellenbogen (Tennisellenbogen), an der Schulter, der Achillessehne, an der unteren Kniescheibe und am Schambein auftreten. Anfangs sind sie im Bereich des überbelasteten Sehnenansatzes spürbar. Zunächst schmerzt der Bereich nur bei Muskelanspannung, später können die Schmerzen dauerhaft auftreten. Auch Druck auf den Sehnenansatz kann Schmerzen auslösen.
Überbelastungen treten in der Regel durch übermässige sportliche Betätigung, schwere körperliche Arbeit oder durch sich wiederholende gleichförmige Bewegungen auf.
Durch eine Überbelastung kann sich ebenfalls das Gleitgewebe (Sehnenscheide) einer Sehne entzünden (Sehnenscheidenentzündung, Tendovaginitis). In der Regel verursachen anhaltende monotone Bewegungen oder eine dauerhaft falsche Haltung eine Sehnenscheidenentzündung. Bewegt man sich ständig gleich oder nimmt dauerhaft eine falsche Position ein, reibt die betroffene Sehne übermässig stark über den Knochen. Dadurch nutzt sich die Sehnenscheide mit der Zeit ab: ihre Wände rauen auf und entzünden sich.
Chronisch wiederkehrende Gelenkschmerzen entstehen in der Regel, wenn sich Gelenke mit zunehmendem Alter zurückbilden. Der Gelenkknorpel verliert an Elastizität und wird dadurch dünner, starrer und empfindlicher für Einwirkungen von aussen. Wenn dieser Rückbildungsvorgang mit Beschwerden verbunden ist, spricht man von Arthrose.
Die ersten Anzeichen einer Arthrose sind Spannungsgefühl und Steifigkeit in den betroffenen Gelenken. Dann kommt es zu Schmerzen, die meistens bei einsetzender Bewegung oder starker Belastung auftreten. Zunächst stellen sich die Schmerzen nur phasenweise ein, später verursacht das Gelenk dauerhafte Schmerzen. Zusätzlich kommt es zu Muskelschmerzen und das Gelenk wird zunehmend unbeweglicher. Schliesslich kann sich das Gelenk verformen und die Muskulatur bildet sich zurück. Es kommt zu Fehlstellungen des Gelenks.
Darüber hinaus kann es zu einer akut entzündlichen, sogenannten aktivierten Arthrose kommen. Dabei reagieren die Gelenke schmerzhaft auf Druck und sind überwärmt, gerötet und in manchen Fällen geschwollen. Am häufigsten von einer Arthrose betroffen sind besonders beanspruchte Gelenke: Dazu zählen das Hüft-, Knie- und Sprunggelenk sowie der untere Teil der Wirbelsäule. Bei Frauen sind oft die Fingerend- und -mittelgelenke befallen.
Gelenkschwellungen und Gelenkschmerzen sind Symptome, die auf entzündlich-rheumatische Erkrankungen hindeuten. Die häufigste chronisch-entzündliche Gelenkerkrankung ist die rheumatoide Arthritis. Hierbei handelt es sich um eine Autoimmunkrankheit, das heisst körpereigene Antikörper richten sich in diesem Fall gegen die Innenhaut der Gelenke (Synovia). Dadurch kommt es zu einer chronischen Entzündung der Gelenke. Dieser Prozess zerstört zunächst den Knorpel und schliesslich die Gelenke. Wie es zu dieser Autoimmunreaktion kommt, ist bisher nicht bekannt.
Häufig beginnt die rheumatoide Arthritis in den Fingergrund- und -mittelgelenken. Die Fingerendgelenke sind nicht betroffen. Darüber hinaus kann es zu Schmerzen in Zehen, Hand- und Fußwurzel kommen. Im fortgeschrittenen Stadium weitet sich die Erkrankung auch auf andere Gelenke (Handgelenke, Ellenbogen, Knie und Sprunggelenke) aus, nicht jedoch auf Gelenke der Lenden- und Brustwirbelsäule.
Neben den Schmerzen bemerken Betroffene eine Steifigkeit der Gelenke in den Morgenstunden, die über einen längeren Zeitraum anhält. Die Gelenke sind geschwollen und erwärmt, die umliegende Haut kann sich röten. Im Verlauf der Erkrankung versteifen die Gelenke zusehends. Sie können sich ausserdem verformen. Die Muskeln verlieren an Kraft und werden dünner.
Ein akuter Gichtanfall kann massive Schmerzen, Rötungen, Schwellungen und Überwärmungen hervorrufen, die aber meistens nur ein Gelenk betreffen. Ursache ist ein erhöhter Harnsäurespiegel im Blut, der oft nach vermehrtem Alkoholgenuss, Reduktionskost (d.h. Kost mit geringem Energiegehalt, reich an Kohlenhydraten und fettarm) oder zu geringer Flüssigkeitsaufnahme entsteht.
Ein erhöhter Harnsäurespiegel führt dazu, dass sich Harnsäurekristalle vermehrt ablagern – unter anderem in Gelenken und Schleimbeuteln. Es kommt zu schmerzhaften Entzündungen. Meistens ist das Grosszehengrundgelenk von den Schmerzen betroffen, sie können aber auch in Sprunggelenk, Fusswurzel, Knie, anderen Zehen- und Fingergelenken und im Ellenbogen auftreten.
Unter Psoriasis-Arthritis versteht man eine Schuppenflechte mit Gelenkbeteiligung. Dabei kommt es neben chronischen Haut- und Nagelveränderungen mit schuppigen Herden zu Gelenkschmerzen und -schwellungen. Oft treten die Gelenkschmerzen in den Fingergelenken auf, in manchen Fällen sind aber auch grössere Gelenke betroffen.
Eine Psoriasis-Arthritis erfordert die Diagnose durch einen Arzt, der daraufhin eine geeignete Therapie einleiten kann.
Um bei Gelenkschmerzen eine Diagnose zu stellen, wird der Arzt den Betroffenen zunächst ausführlich befragen.
Danach wird der Arzt das betroffene Gelenk untersuchen und überprüfen, ob Schwelllungen und Blutergüsse vorliegen und Druckschmerz besteht.
Mithilfe von Röntgenuntersuchungen lassen sich Veränderungen an den Gelenken feststellen. Darüber hinaus geben Blutuntersuchungen Aufschluss über Entzündungsmarker und Rheumafaktoren. Bei Verdacht auf Schuppenflechte mit Gelenkbeteiligung (Psoriasis-Arthritis) können Szintigraphien (Messungen der Zellaktivität des Knochens) die Diagnose unterstützen.
Besteht der Verdacht auf einen akuten Gichtanfall (Hyperurikämie) oder eine Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis) als Auslöser der Gelenkschmerzen kann der Harnsäurespiegel untersucht werden.
Bei Gelenkschmerzen aufgrund von Sportverletzungen, wie Verstauchungen und Bandverletzungen, ist als Therapie-Massnahme zunächst die sogenannte PECH-Regel anzuwenden: P wie Pause, E wie Eis-Auflage, C wie Compression (Bandage) und H wie Hochlagern. Im weiteren Verlauf ist in jedem Fall eine ärztliche Untersuchung und Behandlung erforderlich.
Bei einer Verrenkung ist es wichtig, das Gelenk in einer schonenden Lage ruhigzustellen. Unter Umständen hilft es, das Gelenk zu kühlen. Sie sollten auf keinen Fall versuchen, das Gelenk wieder einzurenken – dabei besteht die Gefahr ernsthafter Verletzungen. Es sollte immer ein Arzt hinzugezogen werden, der das Gelenk untersucht und behandelt.
Gelenkschmerzen kann eine Gelenk-, Sehnen-, oder Muskelreizung durch Überbelastung zugrunde liegen. Die Therapie bei Überbelastung besteht in erster Linie darin, das Gelenk zu schonen. Stellen Sie daher die überbeanspruchende Bewegung ein und entlasten Sie die schmerzhafte Stelle. Legen Sie den betroffenen Körperteil gegebenenfalls hoch. Auch Kühlen tut meistens gut, in manchen Fällen ist auch Wärme hilfreich.
Das schmerzende Gelenk sollte nicht vollständig ruhiggestellt werden, denn dadurch können die Gelenkkapseln schrumpfen und sich die Muskeln und Sehnen verkürzen, was eine Steifigkeit zur Folge hätte. Wenn die Beschwerden nicht nachlassen, ist ein Besuch beim Arzt erforderlich. Dieser kann eine Schiene anlegen, um das Gelenk zu schonen, oder entzündungshemmende Medikamente verabreichen.
Wenn Sie bei der Arbeit oder beim Sport Gelenkschmerzen bemerken, legen Sie sofort eine Pause ein. Wenn die Schmerzen nach einer kurzen Pause nachlassen, können Sie es erneut versuchen. Wählen Sie am besten eine andere Arbeitsposition. Sollten die Beschwerden wieder einsetzen, sollten Sie diese ärztlich abklären lassen.
Sobald es Hinweise auf eine entzündliche Gelenkerkrankung gibt, sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen. Je früher eine Therapie bei rheumatoider Arthritis einsetzt, desto besser stehen die Chancen, bleibende Gelenkverformungen und Bewegungseinschränkungen zu verhindern. Zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis kommen entzündungshemmende Medikamente zum Einsatz – sie verhindern, dass die Erkrankung weiter fortschreitet und die Gelenke zerstört.
Bei rheumatischen Beschwerden sind die Gelenke geschwollen, schmerzen und sind überwärmt. Daher helfen Kälteanwendungen wie kühle, feuchte Auflagen oder Wickel sowie Kältegelbeutel. Wärme sollte nicht zugeführt werden. Ausserdem ist es sinnvoll, die entzündeten Gelenke trotz Schmerzen zu bewegen. Achten Sie jedoch darauf, auf starke Belastungen, wie Heben, Tragen und Bücken, zu verzichten. Zeitweise tut es gut, das geschwollene Gelenk hochzulegen.
Wenn sich die Beschwerden nicht bessern, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Dieser wird Ihnen schmerz- und entzündungshemmende Medikamente verschreiben oder Spritzen ins Gelenk verabreichen, um die Beschwerden zu lindern und die Beweglichkeit zu verbessern.
Bei einem akuten Gichtanfall sind entzündungshemmende Medikamente erforderlich, um die Schmerzen zu lindern und die Entzündung zu stoppen.