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Die Industrialisierung ermöglichte die Massenproduktion, welche wiederum dazu führte, dass die Gegenstände sehr viel günstiger wurden. Auch das "Proletariat" konnte nun zwischen verschiedenen Artikel wählen und strebte danach, den bürgerlichen Einrichtungsstil nachzuahmen. Es musste versteckt werden, dass die Dinge industriell hergestellt und somit billig waren, dies geschah mittels Dekor. So entstanden die überladenen Gegenstände, welche auch an der Weltausstellung gezeigt und später kritisiert wurden, von denen ich euch im letzten Post bereits erzählt habe.
Der erste, der die industrielle Bauweise nicht zu verstecken versuchte sondern sie als Gestaltungselement nutzte war Michael Thonet. Er entwickelte eine Technik, um massive Holzstäbe in Form zu biegen. Die Stäbe werden unter hohem Druck mit heissem Wasserdampf behandelt und um Eisenformen gezogen. An diesen Formen werden sie getrocknet, nach circa 20 Stunden kann man die Eisenform entfernen und das Holz bleibt in der Form und wird weiter verarbeitet. Bereits 1849 gründet Thonet eine Firma zu Herstellung dieser Bugholzmöbel. Ein Designklassiker den jeder kennt, den Thonet Nr.14, auch "Wiener Caféhausstuhl" genannt.
Aber Thonet war noch nicht fertig...
Der Innovationsgeist hört nicht bei der Herstellungsweise der Möbel auf. Vieles was wir heute von IKEA kennen, hat Thonet zum ersten Mal umgesetzt. Verschickt wurden die Stühle in Einzelteilen um Platz und somit Kosten zu sparen. Mittels Schrauben konnten die Stühle vor Ort schnell und einfach zusammen gesetzt werden. Dank der effizenten Transportweise und der Massenproduktion konnten die Stühle vergleichsweise günstig hergestellt werden und fanden vor allem in Europa und Amerkia zahlreiche Käufer. Noch heute findet man in vielen Cafés solche Stühle und wer selbst gerne einen haben möchte, wird in Brockenhäusern fündig.
Für Beine, Lehnen und Sitzfläche gab es jeweil verschiedene Modelle, welche untereinander kombinierbar waren. Um den Kunden die Vielfalt aufzuzeigen, produzierte die Firma Thonet Kataloge, welche natürlich auch entsprechend gestaltet werden mussten. Zusätzlich begannen einige Firmen, Werbung zu machen. Durch die Massenproduktion wurde nun nämlich nicht mehr nur auf Nachfrage produziert, sondern auf Vorrat. Diesen Überfluss musste man natürlich möglichst gewinnbringend verkaufen.