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Wenn an den kommenden vier Abenden der eine Roche-Turm in Basel mit Bildern aus der Bevölkerung angestrahlt wird, dann lässt sich der Basler Pharmakonzern so richtig feiern. Denn es ist die Geschichte eines Unternehmens, das vor 125 Jahren mit drei Angestellten angefangen hat, und heute der wertvollste Pharmakonzern der Welt ist.
Start mit Bankrott
Der Start der Vorläuferfirma endete allerdings schon nach kurzer Zeit im Bankrott. Fritz Hoffmann, Spross einer der reichsten Basler Familien, wollte 1894 in das boomende Geschäft mit Medikamenten einsteigen – und zwar mit einem seriösen Produkt. Er lancierte das Wundmittel «Airol», das sich allerdings bei der Berührung mit Blut in eine grünliche, eklige Masse verwandelte. Niemand wollte das Wundmittel.
1896 startete Fritz Hoffmann mit dem Tuberkulosemittel «Sirolin», das sofort einschlug. Im Gegensatz zu allen Konkurrenzprodukten war es nicht bitter, sondern schmeckte nach Orangen. Das kam an.
Bis Anfang der 50er-Jahre spülte das Tuberkulosemittel ansehnliche Gewinne in die Kassen – obwohl bekannt war, dass es kaum wirkte. Doch die ausgeklügelte Werbung und der gute Geschmack des Mittels liessen die Kundschaft zugreifen.
Beinahe nach Deutschland ausgelagert
1910 hätte Fritz Hoffmann sein Unternehmen beinahe ins deutsche Grenzach verlegt. Dort stand bereits eine viel grössere Produktionsanlage. Er gab die Idee aber bei Ausbruch des 1. Weltkrieges auf, da die Kommunikation mit dem Werk in Deutschland kaum mehr möglich war. Stattdessen forcierte er den Aufbau des Standortes Basel. Ohne den 1. Weltkrieg beginge Roche vielleicht ihr 125 Jahr-Jubiläum in Deutschland – und hätte womöglich jahrzehntelang die deutschen Kassen mit Steuergeldern gefüllt und nicht jene von Basel-Stadt.
Die Hoffmanns verlieren die Aktienmehrheit
Nach dem frühen Tod von Fritz Hoffmann (1868 - 1920) geriet die Firma in arge Turbulenzen. Um zu überleben, musste das Aktienkapital verdoppelt werden. Doch die Familie Hoffmann verfügte über nicht genug Kapital. Die Basler Handelsbank wurde grösste Aktionärin, die Hoffmanns waren nur noch Zaungäste. Gegen Ende der 30er-Jahre geriet die Basler Handelsbank selber in eine Krise, weil sie sich mit Geschäften mit Nazideutschland verspekuliert hatte. Die Hoffmanns witterten ihre Chance. Unter der Führung des neuen starken Mannes Emil Barell und Paul Sacher, dem Ehemann von Maya Hoffmann, holten sich die Hoffmann-Erben die Mehrheit zurück.
Vitamin C und Valium
Bis in die 70er-Jahre verdiente Hoffmann-La Roche unter anderem mit dem Verkauf von Vitamin C und dem Beruhigungsmittel Valium gutes Geld. Beide Produkte wurden von jüdischen Wissenschaftlern für den Konzern entwickelt. Beides waren in den ersten Jahren exklusive Roche-Präparate.
Skandale
Roche blieb nicht frei von Skandalen. 1976 explodierte in Seveso (I) das Werk einer Tochterfirma. Hochgiftiges Dioxin entwich und schädigte Mensch und Umwelt. Lange Zeit wollte Roche alles vertuschen. Die Abfallfässer mit dem Gift gingen schliesslich auf eine Odyssee durch halb Europa. Roche stand als verantwortungslose Umweltsünderin am Pranger.
Ende der 90er-Jahre flog auf, dass Roche mit andern Firmen ein Vitamin-Kartell gebildet hatte, um die Preise künstlich hoch zu halten. Die EU verhängte eine Milliardenbusse.
Roche heute
Bis in die 80er Jahre war Roche ein Gemischtwarenladen mit Pharma, Kosmetika, Pflanzenschutzmittel und anderem. Nach und nach trennte sich der Konzern von fast all allem. Heute konzentriert sich Roche auf Pharma und Diagnostik.
Wie die Roche-Erben zusammengehalten werden
Seit die Familie Hoffmann die Aktienmehrheit Ende der 30er-Jahre zurückkaufen konnte, hat nie mehr ein Familienmitglied in der Geschäftsleitung des Konzerns gesessen. Ihre Interessen vertritt die Familie via Verwaltungsrat.
Die Roche-Erben sind über einen Aktionärsbindungsvertrag mit Roche verbunden. Ihre Aktienanteile können sie nicht einfach verkaufen. Damit ist gesichert, dass Roche in den Händen der weitverzweigten Familie bleibt. Sie hält 45 Prozent des Aktienkapitals. Den Aktionärsbindungsvertrag gibt es seit 1948. 2009 wurde er abgeändert. Seither hält Maya Oeri fünf Prozent des Kapitals ausserhalb des Bindungsvertrages. Die Familie behält trotzdem die Kontrolle über den Konzern.