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Dieses archaisch aussehende Wesen mit den brachialen Greifarmen ist eine Geisselspinne (Amblypygi). Weltweit sind über 200 Arten verbreitet, von denen beinahe alle in tropischen und subtropischen Wäldern beheimatet sind. Das erste Beinpaar dieser faszinierenden Tiere ist stark verlängert und wird als geisselartige Fühler eingesetzt um Beutetiere oder Hindernisse aufzuspüren. Beute wird mit den zu Fangarmen umgewandelten Pedipalpen gepackt. Die Amplygi besitzen keine Giftdrüsen aber es scheint auch so unwahrscheinlich, dass einmal gefangene Beute entkommt.
Mit ihrem stark abgeflachten Körper fällt es ihnen leicht sich unter Steinen zu verstecken und auf Beute zu lauern. Das abgebildete Tier habe ich in Cahuita, Costa Rica fotografiert als ich mit meinem Guide Chris nachts einen Bachlauf hochgestiegen bin um Schlangen und Frösche zu suchen. Die Körperlänge beträgt ca. 20 mm.
Bei meinem ersten Besuch in Costa Rica habe ich Chris auf seiner "Tarantulas Way"-Tour begleitet, die jeweils abends entlang eines Weges nahe dem Cahuita-Nationalpark stattfindet. Auf einer Bananenstaude haben wir diesen Basilisken entdeckt der sich auf einem Blattstängel ausruhte. Um mit meinem Makro-Setup fotografieren zu können muss ich bis auf wenige Zentimeter an das Motiv herankommen, was bei lebenden Tieren in freier Wildbahn häufig eine Herausforderung darstellt. Ich fragte also Chris: "Was denkst Du, komme ich nah genug heran um ein gescheites Foto zu machen?". Chris prüfte die direkte Umgebung auf allfällige Gefahren (Giftschlangen, Nesseln etc...) und antwortete: "Probier mal!"
Ich ergriff den Pflanzenstängel mit meiner linken Hand und zog ihn ganz vorsichtig zu mir heran, bis ich mich mit meiner Kamera in der rechten Hand genügend annähern konnte. Und tatsächlich gelangen mir mehrere Aufnahmen, die ich später mittels manuellem Fokus Stacking zu diesem Bild zusammenfügen konnte. Der männliche Moskito der die mineralienhaltige Tränenflüssigkeit aufnimmt war dabei ein willkommener Bonus.
Und die Moral von der Geschichte? Erstens: "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!" Ich hätte nie gedacht, dass es möglich ist, so nah an ein Reptil heranzukommen ohne es zu verscheuchen, bis ich es probiert habe.
Und zweitens: "Immer einen Chris dabei haben, der sicherstellt, dass euer Enthusiasmus nicht mit einem Besuch beim Arzt endet!"
Geduld oder vielleicht auch etwas Sturheit ist eine der Eigenschaften die ein Wildlife-Makrofotograf mitbringen sollte um erfolgreich zu sein. Diese Grabwespe beobachtete ich, wie sie sich in einer Wildbienen-Nisthilfe in einer der Bohrungen verkroch. Da mich diese ausserirdisch anmutenden Wespen faszinieren wollte ich unbedingt ein Portrait von ihr machen und habe mich vor die Stelle gesetzt an der sie sich versteckte. Mit der Kamera auf die Öffnung fokussiert sass ich dann über eine Stunde da und wartete, dass sich das Tierchen zeigen würde. Mehrmals musste ich die Kamera absetzen um meine Muskulatur zu lockern, aber endlich kam der Moment. Jetzt nur nicht die Belichtung oder den Fokus versemmeln und einige schnelle Fotos machen, in der Hoffnung, dass einige sitzen. In zwei Sekunden auf instagram oder facebook angesehen und weggewischt, aber über zwei Stunden Zeitaufwand um ein solches Foto entstehen zu lassen.
Die letzte Häutung einer Springspinne bringt häufig eine dramatische Veränderung des Aussehens der Spinne mit sich. Auf dem ersten Bild ist ein subadultes Männchen der Art "Viciria praemandibularis" zu sehen, erkennbar an den Verdickungen der Pedipalpen (die Taster neben den Kieferklauen). Dieses Foto habe ich Abends an einer einzeln stehenden Bananenstaude gemacht. Am übernächsten Tag habe ich diese Staude nochmals besucht und das auf dem zweiten Bild zu sehende ausgewachsene Männchen der selben Art fotografiert. Die intensive Rotfärbung und beinahe transparenten Beine lassen vermuten, dass die letzte Häutung kurz zuvor erfolgte. Es besteht also eine sehr grosse Wahrscheinlichkeit, dass die Fotos das gleiche Individuum vor und nach der finalen Häutung zeigen.