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Das Töten von Haien zum Schutz der Schwimmer, Surfer und aller anderen Wassersportler ist ein äusserst emotionales Thema. Wenn es die Menschen im Sommer wieder vermehrt an die Strände zieht, sorgt die Problematik stets wieder für hitzige Diskussionen in Australien.
Jeder Bundesstaat setzt auf andere Methoden zur Bekämpfung der Haie. Ob Netze, mit Haken versehene Bojen oder die direkte Jagd auf Haie: Umweltschützern sind sie alle ein Dorn im Auge.
Doch insbesondere nach tödlichen Haiangriffen - wie beispielsweise im April 2017, als eine 17-jährige Surferin in Westaustralien an den Folgen einer Haiattacke verstarb – werden Forderungen nach effizienten Bekämpfungsmassnahmen laut.
Umstrittene Methoden
Bisherige Keulungsprogramme zielten darauf ab, Haipopulationen in der Nähe von vielbesuchten, städtischen Stränden zu reduzieren, um Tragödien zwischen Haien und Badenden zu verhindern. Dafür werden zum Beispiel sogenannte Drumlines (mit Köder besetzte Haken an Bojen) aufgestellt, an denen die Haie oft qualvoll verenden. Manche Buchten werden auch mit Netzen gegen das offene Meer hinaus abgegrenzt. Befürworter der Hai-Keulung in Australien bekräftigen, dass es in den letzten 70 Jahren an sämtlichen durch Netze geschützten Stränden zwischen Newscastle und Wollongong zu einem einzigen Todesfall kam.
Bekämpfung trifft die Unschuldigen
Gegner der Hai-Bekämpfung sind allerdings der Meinung, dass Drumlines und Netze nichts bringen. Da Haie wandernde Tiere sind, werden leergeräumte Lebensräume schnell wieder von neuen Tieren besiedelt. Somit ist das Töten einzelner Haie unsinnig.
Ausserdem wird argumentiert, dass mit Köder bestückte Drumlines Haie näher an die Küste locken, anstatt sie von den Stränden fernzuhalten, da der Köder die Räuber anzieht.
Obwohl lediglich drei Spezies – der Weisse Hai, der Tigerhai und der Bullenhai – für die Mehrheit aller Haiattacken verantwortlich sind, werden unzählige andere Meeresbewohner ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Delfine, Wale, Meeresschildkröten und Dugongs verheddern sich in den Netzen und sterben qualvoll. Die Beifangquote der Schutznetze beträgt mehr als 60 Prozent.
Dass Netze keine gezielte Methode zur Bekämpfung der Haie sind, zeigen allein schon die Fangzahlen aus dem Sommer 2014/2015: Von den drei potentiell gefährlichen Arten wurden lediglich 44 Exemplare gefangen, während 145 harmlose Meeresbewohner sich ebenfalls in den Netzen verfingen.
Insbesondere gefährdete, harmlose Haiarten wie der Sandtigerhai sind von den Massnahmen stark betroffen. Fangstatistiken aus Queensland zeigen, dass bis zu 97 Prozent der Haie, die an Drumlines verenden, unter Schutz stehen. Selbst das Fangen von potentiell gefährlichen Haien ist sehr kontrovers, da der Weisse Hai selbst stark gefährdet ist und deshalb unter Schutz steht.
Zudem hat die Entfernung von Spitzenprädatoren immense Auswirkungen auf das Ökosystem, da sich Tiere, die in der Nahrungskette weiter unten liegen, plötzlich ungebremst vermehren können.
Andere Lösungen sind notwendig
Mittlerweile sehen die meisten Australier ein, dass das Töten von Haien die Strände nicht sicherer macht und daher der falsche Ansatz ist. Schliesslich nimmt man auch nicht alle Autos von der Strasse, um Verkehrsunfälle zu verhindern. Deshalb wird an Alternativen gearbeitet, wie Haiangriffe mit sanfteren Methoden vermieden werden können.
Einerseits muss die Öffentlichkeit über die von Haien ausgehende Gefahr aufgeklärt werden. Auch wenn Haiattacken äusserst unwahrscheinlich sind, kann falsches Verhalten das Risiko eines Zwischenfalls erhöhen. In der Nacht oder in der Dämmerung wird beispielsweise vor einem Aufenthalt im Meer abgeraten, da Haie genau dann bevorzugt jagen. Surfer sollten zudem Flussmündungen und trübes Wasser nach Regenfällen meiden.
Anderseits müssen Warnsysteme entwickelt werden, welche Badende frühzeitig vor sich nähernden Haien warnen. Häufig werden kostspielige Hubschrauber zur Überwachung der Strände eingesetzt. Über Apps wie „Dorsal“ können Hai-Sichtungen erfasst werden, um Warnnachrichten umgehend an alle Benutzer zu versenden.
Als weitere Alternative zur Vorbeugung von Haiangriffen werden auch Abwehr-Vorrichtungen angeboten, die beispielsweise am Surfboard angebracht werden können und elektromagnetische Wellen ausstrahlen. Diese Wellen sollen das empfindliche Sinnessystem der Haie stören und so neugierige Tiere abschrecken.
Die von Haien ausgehende Gefahr ist winzig
Den Rummel um die Haie haben auch die Medien zu verschulden: Jeder Haiangriff sorgt sofort für Schlagzeilen. Auch furchteinflössende Horrorfilme, in denen Haie als tödliche Bestien dargestellt werden, gibt es zu Genüge.
Doch eigentlich wird nur aus einer Mücke ein Elefant gemacht. Haiattacken mögen zwar zunehmen, doch dies hängt vor allem auch mit der wachsenden Popularität von Wassersportarten und der erhöhten menschlichen Aktivität im Meer zusammen. Wenn sich mehr Leute im Meer aufhalten, treffen Haie und Menschen unausweichlich häufiger aufeinander. Trotzdem sterben in Australien mehr Menschen durch Ertrinken als durch Haiangriffe. Haiattacken fordern jährlich 10 Menschenleben - weltweit. Selbst Moskitos, die jedes Jahr 725‘000 Menschen töten, sind gefährlicher. So gesehen ist die von Haien ausgehende Gefahr minimal. Ein winziges Restrisiko bleibt immer: Das Meer ist nun einmal der natürliche Lebensraum von Haien – dessen sollte sich bewusst sein, wer sich ins Meer begibt.