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Yasmina Mark lacht viel. Es ist ein Lachen, das offen und ansteckend ist. Ein Lachen, das ihr nicht vergangen ist, auch wenn sie oft allen Grund dazu hatte. Als schwarze Frau war sie schon mehrfach Diskriminierungen ausgesetzt.
«Als ich zehn Jahre alt war und vorne im Bus sass, sagte mir ein Mann, dass die Schwarzen früher hinten sitzen mussten», erzählt die 19-Jährige. «Mit 16 setzte sich ein älterer Herr zu mir und fragte mich, ob ich nicht mit zu ihm kommen wolle. Er habe gehört, schwarze Frauen seien im Bett aussergewöhnlich gut.»
Als Baby in die Schweiz gekommen
Doch es sind nicht nur diese offensichtlich rassistischen Situationen, die selten vorkommen und die sie so massiv stören. «Schlimmer ist für mich der Alltagsrassismus.
Die Frage beispielsweise, woher ich komme, die impliziert, dass ich nicht als Schweizerin angesehen werde», erzählt sie. «Oder wenn man extrem langsam in gebrochenem Deutsch oder auf Englisch mit mir redet.»
Mark ist in Äthiopien geboren. Mit drei Monaten war sie in einem Kinderheim abgegeben worden, mit fünf Monaten wurde sie von einem Schweizer Ehepaar adoptiert. Aufgewachsen ist sie mit einer jüngeren Schwester in Pfaffhausen und besuchte das Gymnasium in Zürich.
Ihre leiblichen Eltern hat sie nie kennengelernt. Als sie zehn Jahre alt war, reiste die ganze Familie nach Äthiopien, um nach Spuren zu suchen. Erfolglos. «Es ist schon speziell, wenn ein grosser Teil der eigenen Geschichte einfach fehlt. Aber ich habe mich damit abgefunden.»
Es ist schon speziell, wenn ein grosser Teil der eigenen Geschichte einfach fehlt.
Yasmina Mark
Heute pendelt sie zwischen dem Zuhause ihres Vaters und seiner neuen Frau in Pfaffhausen und demjenigen ihrer Mutter, die ebenfalls in Pfaffhausen lebt, hin und her. Den Begriff Adoptiveltern benutzt sie nicht. «Für mich sind es meine Eltern.»
Momentan macht sie ein Zwischenjahr, absolviert Praktika bei verschiedenen Medienhäusern. Ausserdem arbeitet sie ehrenamtlich beim Magazin «Rosarot» der Uni Zürich, das auf queer-feministische Themen spezialisiert ist und zweimal jährlich erscheint.
Zudem ist sie beim Kollektiv Bla*sh, einem Netzwerk von schwarzen Finta-Personen aus der Deutschschweiz, dabei. Finta ist die Abkürzung für Frauen, intergeschlechtliche, nichtbinäre, trans und agender Personen.
«Dort habe ich mich mit zwei Personen vernetzt, und wir planen, einen Podcast auf die Beine zu stellen.» Darin soll es darum gehen, wie es ist, Afrohaare in der Schweiz zu tragen. «Das wollen wir dann mit grösseren Themen wie Feminismus und Antirassismus in Verbindung setzen.» Zwei Themen, die für sie sowieso zusammengehören. «Man kann das nicht trennen. Unterdrückungsmechanismen wirken oft zusammen.»
Die Wut, die Diskriminierungen bei mir freisetzen, gibt mir auch Power, mich zu wehren.
Yasmina Mark
Mit 15 habe sie angefangen, sich für Politik zu interessieren. «Ich habe plötzlich realisiert, dass sie mich sehr betrifft.» Im Lockdown habe sie sich dann mit der Black-Lives-Matter-Bewegung auseinandergesetzt und viel gelesen.
Für ihr Engagement hat sie nun den Young Women in Public Affairs Award erhalten. «Am Anfang war es für mich schwierig, den Preis zu akzeptieren, da ich weiss, dass viele Personen unsichtbare, aktivistische Arbeit leisten.»
Sie sehe es als Gemeinschaftspreis. «Ohne meine Community, meine Familie und meinen Freundeskreis wäre ich nicht zu diesem Preis gekommen.» Trotzdem fühlt sie sich geehrt. «Ich hoffe, dass ich auch viel bewirken kann.»
Bewusstsein schaffen
Sie will vor allem «Awareness» schaffen – Bewusstsein für diese Themen bei Nicht-Betroffenen. «Für sie ist es schwer nachzuvollziehen, wie sich diese Mikroaggressionen, die ich ständig erlebe, anfühlen.» Als queere schwarze Frau sei es gleich dreimal schwierig.
Als Opfer sieht sie sich aber nicht. «Die Wut, die Diskriminierungen bei mir freisetzen, gibt mir auch Power, mich zu wehren.» Sie habe schon früh gemerkt, dass sie gewisse Dinge schwierig fände, etwa den Griff in ihre Haare, ohne zu fragen, ob das für sie okay sei.
«Doch ich konnte nicht wirklich erklären, warum mich das so stört.» Das kann sie mittlerweile. Sich wehren, für sich einstehen, sagen, was sie nicht okay findet und warum.
Dass dieses Engagement bei manchen Leuten auf Widerstand und auch starke Ablehnung stösst, ist ihr bewusst. «Ich höre, dass ich zu radikal bin, dass die Forderungen zu gross sind und die Gesellschaft noch nicht bereit dafür ist.» Verstehen kann sie diese Argumente nicht. «Ich kann nicht nachvollziehen, warum man beispielsweise keine Sprache will, die alle einbezieht», sagt sie.
Nach dem Zwischenjahr will Yasmina Mark an der Fachhochschule Psychologie studieren. Den Beruf stelle sie sich «cool» vor. «Die mentale Gesundheit ist so wichtig wie die körperliche», sagt sie. «Und es braucht unbedingt mehr People of Color in diesen Berufen.»