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Die Schadenanalyse zeigt auch die wachsende Bedeutung der Betriebsunterbrechung (BI) als Folge der Schäden in der Sachversicherung und unterstreicht, dass die bedingten Betriebsunterbrechungen (CBI) im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht haben. Von CBI-Schäden spricht man, wenn eine versicherte Gefahr nicht die eigenen Anlagen des Versicherungsnehmers, sondern seinen kritischen Lieferanten oder einen Grosskunden betrifft. Die Kosten, die mit den Auswirkungen von Betriebsunterbrechungen nach einem Schaden verbunden sind, können die endgültige Rechnung nach einem Vorfall erheblich erhöhen. Der durchschnittliche Schaden in der Sachversicherung beträgt heute mehr als 3,8 Mio. €, verglichen mit 3,1 Mio. € vor fünf Jahren. Bei Grossschäden (> 5 Mio. €) ist der durchschnittliche Sachversicherungsschaden, der eine BI-Komponente enthält, mehr als doppelt so hoch wie der durchschnittliche Sachschadenanspruch.
Die Zahl der Cyber-Schäden ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen, auch wenn sie nicht zu den zehn häufigsten Schadensursachen gehört. Dies ist auf die Zunahme von Bedrohungen wie Ransomware-Angriffen zurückzuführen, spiegelt aber auch das Wachstum der Cyber-Versicherung wider. AGCS war sowohl 2020 als auch 2021 in mehr als 1.000 Cyber-Schäden involviert, verglichen mit weniger als 100 im Jahr 2016. Die Schadenhäufigkeit hat sich jedoch allmählich stabilisiert, wenn auch auf hohem Niveau.
Das Erbe von Covid-19 und die Ukraine-Krise
Der Bericht untersucht auch die Auswirkungen der jüngsten Schadenereignisse wie der Pandemie und der Ukraine-Krise auf die Versicherung. Die Verluste der Versicherungswirtschaft durch Covid-19 werden auf rund 44 Mrd. USD geschätzt, wobei der Grossteil der Covid-19-bedingten Schäden aus der Veranstaltungsausfallversicherung und aus BI-Schäden von Unternehmen stammt, die von Schließungen betroffen sind. Die Pandemie hatte aber auch Folgewirkungen wie überlastete und gerissene Lieferketten, erhöhte Inflation und Finanzinsolvenzen zur Folge.
Zusätzlich dürfte der Einmarsch Russlands in die Ukraine für die globale Versicherungswirtschaft einen erheblichen, aber überschaubaren Schaden bedeuten. Die Exponierung der Versicherer gegenüber dem Konflikt ist durch Kriegsausschlüsse begrenzt, die in den meisten Sach- und Unfallversicherungsverträgen Standard sind. Die erwarteten versicherten Schäden durch den Krieg in der Ukraine sind laut AGCS mit einer mittelgrossen Naturkatastrophe vergleichbar, aber Spezialmärkte wie die Luftfahrtversicherung könnten dennoch unverhältnismässig stark betroffen sein.
Schadenkosten auch infolge Inflation unter Druck
„Die Versicherungsansprüche von Unternehmen aufgrund höherer Sach- und Vermögenswerte, komplexerer Lieferketten und der zunehmenden Konzentration von Risiken an einem Ort – zum Beispiel in von Naturkatastrophen bedrohten Gebieten – haben sich in den letzten fünf Jahren verschärft“, sagt Thomas Sepp, Globaler Schaden-Chef und Vorstandsmitglied der AGCS. „Auch die Zukunft sieht in nächster Zeit nicht rosiger aus. Unternehmen und ihre Versicherer haben zwar bewiesen, dass sie die Auswirkungen der Pandemie gut verkraften können, doch der anhaltende Krieg in der Ukraine, ein sprunghafter Anstieg der Kosten und der Häufigkeit von Betriebsunterbrechungsschäden sowie das anhaltend hohe Niveau von Cyber-Schäden schaffen neue Herausforderungen. Darüber hinaus werden die Auswirkungen der weltweit steigenden Inflation in vielen Bereichen der Versicherungswirtschaft zu spüren sein und die Schadenkosten weiter unter Druck setzen.“
Die Inflation übt aus mehreren Gründen Druck auf die Schadenkosten aus. Insbesondere Sach- und Bauschäden sind der höheren Inflation ausgesetzt, da Umbauten und Reparaturen an die Material- und Arbeitskosten gekoppelt sind, während Engpässe und längere Lieferzeiten die Kosten von Betriebsunterbrechungen (BI) in die Höhe treiben. Auch andere Versicherungszweige, wie z.B. die Managerhaftpflicht, die Berufshaftpflicht und die allgemeine Haftpflicht sind durch steigende Rechtsverteidigungskosten und höhere Abfindungen anfällig für Inflationsdruck.
„Die Wiederbeschaffung kostet mehr und dauert länger und das bedeutet, dass sowohl der Sachschaden als auch der Betriebsunterbrechungsschaden wahrscheinlich deutlich höher ausfallen wird", sagt Sepp. „Die Aktualisierung der Versicherungswerte für alle neuen Verträge ist daher ein dringendes Anliegen für Versicherer, Makler und Versicherte. Wenn dies nicht geschieht, laufen unsere Kunden Gefahr, im Schadensfall nicht vollständig entschädigt zu werden, während die Versicherer Gefahr laufen, die Risiken zu niedrig zu bewerten. Auf dem Versicherungsmarkt gab es bereits eine Reihe von Ansprüchen, bei denen eine erhebliche Lücke zwischen dem vom Versicherten angegebenen Wert und dem tatsächlichen Wiederbeschaffungswert bestand.
Der Bericht und weitere Materialien stehen unter www.agcs.allianz.com zum Download bereit.