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Vor fünf Jahren feierte die Wissenschaft eine grossartige Entdeckung: Dinosaurierknochen einer neuen Art in einem Flussbett in Alaska. Die damalige Forschungsgruppe gab der neuen Art den Inupiat-Namen «Alter Weidegänger», Ugrunaaluk kuukpikensis. Doch es blieben Zweifel, ob es bei dem Fund tatsächlich um eine neue Art gehandelt hatte. Eine neue Analyse sämtlicher Knochenfunde zeigt nun, dass es wahrscheinlich keine eigene, neue Art ist, sondern ein Jungtier von Edmontosaurus, einer weitverbreiteten Gattung von pflanzenfressenden Entenschnabelsauriern.
Die internationale Forschungsgruppe um Ryuji Takasaki und Anthony Fiorillo kommt in ihrer Analyse der Schädelknochen zum Schluss, dass die als vorgängig neue Art beschriebenen Fundstücke, doch zu einer der zwei Edmontosaurus-Arten gehörte, notabene zu einem Jungtier. Die Forscher stützen sich dabei auf die anatomischen Vergleiche und phylogenetischen Analysen, die sie an den Teilen vorgenommen hatten. «Zwar wollten neueste Studien zeigen, dass eine neue Art von Hadrosauriern (Entenschnabelsaurier) in Alaska gefunden worden war, doch unsere Forschungsarbeit zeigt, dass diese arktischen Saurier zur Gattung Edmontosaurus gehören, einer häufigen und anerkannten Gattung von Entenschnabelsaurier, die einst vom kanadischen Alberta bis ins nördliche Colorado vorkamen», erklärt Ryuji Takasaki.
Doch obwohl die Forschungsgruppe die systematische Einteilung in eine neue Art widerlegt, ist der Fund sehr bemerkenswert. Denn zum einen sind nicht viele Dinosaurierfunde in der Arktis verzeichnet, vor allem aufgrund der starken Vergletscherungen im Laufe der Jahrmillionen. Diese haben wahrscheinlich zahlreiche Fossilien, falls vorhanden, ins Meer gespült. Zum anderen zeigen die Analysen, dass die Gattung Edmontosaurus viel weiter nördlich verbreitet war, als bisher angenommen. Dadurch entpuppt sich die Sauriergattung als ökologische Generalisten. «In anderen Worten, Edmontosaurus war ein sehr erfolgreicher Dinosaurier, der sich an eine breite Palette von Umweltbedingungen anpassen konnte», meint Anthony Fiorillo. «Es ist nicht unrealistisch, die mit heutigen Dickhornschafen, Wölfen oder Pumas zu vergleichen, wenn es um Ausbreitung und Anzahl geht.» Auch der Vergleich mit Rentieren ist nicht falsch, da die Saurier auch Pflanzenfresser waren und wahrscheinlich die kalten Jahreszeiten mit magerer Kost durchbringen mussten.
Die Forscher fanden in ihrem Vergleich noch einen anderen bemerkenswerten Hinweis: Die Fossilfunde ähneln sehr stark den Fossilien einer auf Hokkaido, Japan, gefundenen neuen Art, Kamuysaurus. Takasaki und seine Kollegen vermuten, dass der Vorfahre der beiden Arten einst in Asien gelebt hatte und dann im Laufe der Zeit über die Landbrücke zwischen Russland und Nordamerika eingewandert war. Das würde bedeuten, dass die Anpassungen von Edmontosaurus an die kalten Regionen des damaligen Alaskas sich zuerst gebildet hatten und das Tier sich erst danach an die wärmeren Klimabedingungen weiter südlich angepasst hatte. Ronald Tykoski vom Perot Museum in Dallas, USA, und Mitautor der Studie, meint, dass der Fund durchaus bemerkenswert war. Aber er sagt auch: «Die Studie ist ein Paradebeispiel, warum Paläontologen aufpassen müssen und wie individuelles Wachstum und die Lebensphase eines Fossilfundes in die Analysen miteinbezogen werden müssen.» Auf jeden Fall zeigt der Fund aus dem nördlichen Alaska, dass Dinosaurier eine viel grössere Anpassungsfähigkeit hatten, als bisher angenommen und sie auch in der Arktis die Welt beherrscht hatten.
Quelle: Perot Natural History Museum, Dallas (TX) / Takasaki et al (2020) PLOSOne EPub
Link zum wissenschaftlichen Artikel: https://doi.org/10.1371/journal.pone.0232410