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Am 1.10.1869 führte die österr.-ungar. Postverwaltung in Wien die Korrespondenzkarte ein, später umbenannt auf Postkarte. Ihr Erfolg war überwältigend, weil diese Karte nur das halbe Porto eines Briefes kostete und einfacher zu beschreiben war. Deutschland, Grossbritannien, Belgien und die Schweiz schlossen sich 1870 der stürm. Entwicklung an. Geschickte Hoteliers, Bäder und Handelshäuser setzten die neuen Postkarten als Werbeträger ein. Weil die immer grösser werdenden Abbildungen die Grussbotschaften schliessl. auf den Kartenrand verdrängten, beschloss die schweiz. Oberpostdirektion 1905, die Kartenvorderseite zu halbieren. Die rechte Seite wurde der Marke, dem Stempel und der Adresse zugeteilt, die linke dagegen war der Korrespondenz vorbehalten. Diese Anordnung blieb seither unverändert. Somit entwickelte sich aus der Korrespondenz- bzw. Postkarte zuerst die Bildpostkarte und sukzessive die A. Die ersten beiden Kartenarten werden bis heute ausschliessl. von der Post verkauft, da sie ein aufgedrucktes Postwertzeichen (Marke) aufweisen. Dagegen werden die A. privat hergestellt und vertrieben. Wie rasant sich die Neuerung in der Schweiz durchsetzte und zum eigentl. Volksmedium avancierte, belegt die Zahl von ca. 22 Mio. A., die 1902 gedruckt wurden. Solch hohe Auflagen waren nur mögl. dank der Erfindung neuer Druckverfahren und Schnelldruckmaschinen. Die wichtigsten Reproduktionsverfahren zur Herstellung von Postkarten und A. waren: Holzschnitt, Stahlstich, Steindruck, Lichtdruck, Photochrom-, Bromsilber-, Farbraster- und Offsetdruck. Die ersten A. dienten Unternehmen, Hotels und Kurorten als Reklame, dann folgten Ortsansichten, Glückwünsche zu allen Anlässen, schliessl. eine Vielfalt von Motiven. A. waren stets auch Sammlerobjekte. Insbes. das Bildmaterial der A. von 1880-1940 ist aus hist. wie aus kunsthist. Sicht von grosser Bedeutung.
Literatur
– W. Till, Alte Postkarten, 1983 (21992)
– K. Käppeli, Schweizer A. 1894-1925, 1985
Autorin/Autor: Kurt Moritz Käppeli