Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03262.jsonl.gz/768

Wie sah die individuelle Defensiv-Performance in der Vorrunde aus? Dafür schauen wir uns die von Züri Live erfassten Defensivpunkte der Spieler an. Diese werden für gute Defensivaktionen vergeben. Pro Aktion können 0,5 bis 2 Defensivpunkte vergeben werden. Am häufigsten werden 0,5 Punkte vergeben, zum Beispiel für die Beteiligung an einer Balleroberung durch gute Zustellung eines Passweges. 2 Punkte kann es beispielsweise geben für Verhinderung einer klaren Tor- oder gefährlichen Konterchance mit einem Spezialeffort. Separat gezählt werden die Negativpunkte und diese werden zur Zeit (noch) nicht in Defensiv- und Offensivszenen unterteilt. Es gibt beispielsweise Spieler, die viele defensive Pluspunkte gesammelt haben, aber unter Berücksichtigung ihrer defensiven Negativpunkte würde die Gesamtbilanz deutlich schlechter aussehen.
Defensivpunkte geben nur die positive Seite der Defensiv-Performance wieder
Ousmane Doumbia zum Beispiel hat durch seine Mentalität und Explosivität immer wieder starke Defensivszenen, gleichzeitig aber auch häufig Mühe mit seinem Positionsspiel. Sein Defensivspiel ist auf Einzelaktionen ausgerichtet. Blerim Dzemaili profitiert in manchen Aktionen von seiner Erfahrung, in vielen anderen begeht er unnötige „Anfängerfehler“, weil er seine Möglichkeiten auf Super League-Niveau im Alter von 35 und nach den letzten Jahren mit wenig Spielen immer noch teilweise überschätzt. Insgesamt hat Ousmane Doumbia klar am meisten Defensivpunkte gesammelt vor den drei Innenverteidigern mit Mirlind Kryeziu an der Spitze. Nikola Boranijasevic liegt in dieser Wertung vor Adrian Guerrero und der aus der vorderen Reihe an der Spitze liegende Antonio Marchesano bestätigt auch in dieser Saison seine Top-Entwicklung in defensiver Hinsicht in den letzten Jahren.
Stephan Seiler ideal auf der 10-er Position
Gemessen an der Einsatzzeit liegt Stephan Seiler klar an der Spitze mit 27,7 Defensivpunkten pro 90 Minuten. Natürlich muss dieser Wert relativiert werden, denn Seiler hat insgesamt nur 12 Minuten gespielt. Das ist erstens nicht eine repräsentative Zeitspanne und zweitens kann von einem Einwechselspieler mit kurzer Einsatzzeit natürlich auch erwartet werden, dass er mehr Energie in die einzelnen Aktionen stecken und deshalb mehr Punkte pro Zeiteinheit sammeln kann. Trotzdem: auch schon letzte Saison war Stephan Seiler in dieser Wertung an der Spitze. Im Frühling ist seine Sportler-RS zu Ende. Seine grösste Stärke sind Balleroberungen in der gegnerischen Hälfte. Daher und weil er mit Ball vor allem im Kurzpassspiel gut ist, ist die 10-er Position seine Idealposition. Er ist auch der beweglichste Spieler im Kader. Auf dieser könnte er in der Rückrunde beispielsweise als Einwechselspieler bei einer Führung wichtige Impulse bringen. Auch auf einer offensiven Flügelposition kann man sich Seiler bei entsprechender Formation gut vorstellen.
Tosin überzeugt als Einwechselspieler auch defensiv
Hoch ist auch die Anzahl Defensivpunkte pro 90 Minuten bei Aiyegun Tosin und Marc Hornschuh. Tosin hat sich in seinen Einsätzen vor der Winterpause vor allem als Einwechselspieler auch defensiv sehr gut eingeführt. Spielt der Nigerianer von Anfang an, hat er weiterhin lange Phasen, in denen er „abtaucht“. Er lebt von seiner Explosivität in einzelnen Szenen und bringt daher häufig als Einwechselspieler mehr. Hornschuh kam meistens ebenfalls im Verlauf einer Partie rein und sorgte für zusätzliche Stabilität. In der Innenverteidigung hat Lindrit Kamberi den gleichen Wert an Defensivpunkten pro 90 Minuten wie Mirlind Kryeziu. Yanick Brecher liegt klar vor Zivko Kostadinovic – Moritz Leitner hingegen hinter Ante Coric, obwohl der Bayer meist etwas weiter hinten positioniert war. Rodrigo Pollero ist bei den Stürmern an letzter Stelle positioniert. Seine fehlende Antrittsschnelligkeit ist sowohl defensiv wie offensiv ein Manko.
Stürmer mit entscheidendem Defensiv-Beitrag zu nur 0,5 Gegentoren pro Spiel und 18 Punkten in den letzten sechs Partien
Die zentralen Spieler im Mittelfeld und der Verteidigung haben naturgemäss die höchste Anzahl an Defensivpunkten pro 90 Minuten. Am klarsten waren die defensiven Leistungschwankungen in der Vorrunde bei den Zentralen Mittelfeldspielern, die ein wichtiger Faktor für die zwischenzeitliche Baisse gleich nach dem Saisonstart zu sein schienen. Rund um die zweiten Duelle gegen GC und Basel mit jeweils drei Gegentoren hatten diese zusammen mit den Stürmern und hängenden Spitzen noch eine zweite defensive Baisse. Gegen Ende der Vorrunde mit den sechs Siegen in Folge haben sich alle Mannschaftsteile defensiv gesteigert, am meisten die Stürmer. Diese hatten Ende der Vorrunde ihre defensiv klar stärkste Phase.
Kostadinovic kann seine Chance nicht nutzen
Yanick Brecher hatte auf gleicher Höhe mit St. Gallens Zigi und hinter Lausannes Diaw am zweitmeisten Bälle abzuwehren. Er kommt nicht ganz auf die Saving-Quote von Basels Heinz Lindner, hatte aber insgesamt eine gute Vorrunde. Am Anfang und am Ende waren Brechers beste Phasen. Dazwischen gab es vor allem in der 4./5. Runde beim Derby und in St. Gallen auch schlechte Spiele. Zivko Kostadinovic ist grundsätzlich eine solide Nummer 2, aber in der Vorrunde hat er im Cup seine Chance nicht nutzen können. Einerseits wurde er in den drei Partien aus dem Spiel heraus praktisch nie geprüft, andererseits machte er im Penaltyschiessen in Yverdon keine gute Figur.
Innenverteidiger: gemeinsam stark vor der Winterpause
Beim Verteidigertrio Omeragic / Kryeziu / Aliti gab es im Verlauf der Vorrunde unterschiedliche Formkurven, aber in den letzten Partien vor der Winterpause erkämpften sich alle drei gemeinsam relativ viele Defensivpunkte. Lindrit Kamberis Defensivpunkte pro 90 Minuten sprengten nach den ersten Kurzeinsätzen den Rahmen der untenstehenden Grafik, pendelten sich dann aber gegen Ende leicht unter dem Stammtrio ein.
Boranijasevic mit mehr Defensivpunkten als Guerrero
Nikola Boranijasevic lag nach dem 1. Spieltag die ganze Vorrunde hindurch bei der Anzahl Defensivpunkte pro 90 Minuten vor Adrian Guerrero, der am Ende nochmal aufdrehte. Fabian Rohner konnte im Cup bei Yverdon defensiv mit einigen Ballgewinnen und sogar gewonnenen Luftduellen überzeugen. Weil er danach fünf Spiele nicht mehr zum Einsatz kam und der Gleitende Durchschnitt über diese Zeitperiode berechnet wird, fällt seine Kurve danach auf Null, bevor sie mit seinem Kurzeinsatz in Lausanne nochmal leicht ansteigt. Silvan Wallner spielte so wenig, dass er schwer zu beurteilen ist.
Doumbia und Hornschuh als defensives Gewissen
Im Zentrum sammelten Ousmane Doumbia und Marc Hornschuh am meisten Defensivpunkte. Ersterer als Stamm-, der zweite vorwiegend als Einwechselspieler. Rund um den Heimsieg gegen Lugano (1:0) hatte Hornschuh eine defensiv sehr gute Phase. Bledian Krasniqi und Moritz Leitner liegen deutlich dahinter. Blerim Dzemaili konnte sich gegen Ende langsam steigern. Stephan Seiler hatte nur wenig Einsatzzeit, in der er defensiv relativ gesehen viel bewegte.
Marchesano führt vordere Reihe defensiv an
Antonio Marchesano, der das Pressing anführt, wenn er vorne im Sturm spielt, war die ganze Vorrunde durch unter den defensiv besten Forwards beim FCZ. Auch er steigerte sich gegen die Winterpause hin. Tosin führte sich nach seiner Verletzungspause in der Schlussphase auch defensiv stark ein. Die Ausreisser nach oben von Gogia und Pollero in der 16. Runde stammen hingegen von ihren guten Kurzeinsätzen gegen Basel (3:3) in der 12. Runde. Weil gleichzeitig ihre weniger guten Auftritte in der Startformation in Yverdon im Gleitenden Durchschnitt in der 16. Runde aus der Wertung fallen. Kramer (stark) und Gnonto (in kleinen Schritten) steigerten sich defensiv im Laufe ihrer Vorrunde.
Leihe nach Osnabrück liess Ceesay reifen
Über längere Frist seit dem Sommer 2019 gesehen hat sich Antonio Marchesano in Sachen Defensivpunkte pro 90 Minuten kontinuierlich gesteigert. Dasselbe gilt auf tieferem Niveau auch für Blaz Kramer. Tosin hatte in dieser Sparte eher einen rückläufigen Trend, ist jetzt aber vor der Winterpause „explodiert“. Ob er dieses Niveau zu Beginn der Rückrunde weiter halten kann? Auch für Mirlind Kryeziu war die Vorrunde 21/22 seine defensiv klar beste Runde seit Sommer ’19. Assan Ceesays Leistungssprung in Sachen Defensivarbeit fand hingegen bei seiner Leihe nach Osnabrück in der Rückrunde 19/20 statt. Seither hat der Gambier doppelt so viele Defensivpunkte pro 90 Minuten wie vorher. Becir Omeragic hatte vor einem Jahr in der Vorrunde 20/21 leicht bessere Werte als heute. Yanick Brecher erreicht nach einem Abwärtstrend wieder sein Niveau der Rückrunde 19/20.
Schaut man zur Halbzeit der Saison auf die Defensivleistung, dann sieht die Bilanz bei weitem nicht so gut aus wie es die Tabelle weismacht. Wenn die alte Weisheit „defense wins championships“ stimmt, dann scheint der FC Zürich zur Winterpause noch weit von einem Spitzenteam entfernt zu sein. 26 Gegentore – seit der Abstiegssaison hat das Letzigrund-Team nur einmal zur Winterpause mehr kassiert (19/20). Gegen den FCZ wurden in der Liga mit 276 sogar am meisten Abschlüsse abgegeben. Allerdings haben die FCZ-Verteidiger 88 dieser Abschlüsse geblockt – mit Abstand am meisten der Liga. Bezüglich Abschlüsse, die entweder auf oder nebens eigene Tor kamen, liegt der FCZ in der Mitte der Tabelle. Das Zürcher Mittelfeld und die Angreifer haben also die Gegner zu vielen Abschlüssen kommen lassen, speziell die Innenverteidiger haben dann aber noch einiges davon ausgebügelt. Mirlind Kryeziu fungierte am häufigsten als „Wand“ am und im eigenen Strafraum.
Die gegnerischen Torerfolge kamen ausgeglichen zu je einem Drittel durch Standards, Aufbauspiel und Umschaltspiel zustande – wobei die Standardgegentore leicht überwiegen.
Breitenreiter knüpft defensiv bei Rizzo an
Massimo Rizzo hatte im Verlauf der letzten Saison die Gegentore grundsätzlich in allen drei Bereichen verringern können. Mit Ausnahme des Monats April, als Kololli, Tosin, Doumbia, Domgjoni und Dzemaili eine ganze Serie von haarsträubenden individuellen Fehlern unterliefen, die zu unnötigen Umschalt-Gegentreffern und einer schlechten Punkteausbeute führten. Dieser eine „Katastrophen-Monat“ war sicherlich mitentscheidend für den Trainerwechsel im Sommer. Unter André Breitenreiter startete das Team defensiv in allen drei Bereichen grundsätzlich auf demselben Niveau wie lange Zeit unter Rizzo. Positiv: im zweiten Saisonviertel konnte sich der FC Zürich bei gegnerischem Aufbau- wie Umschaltspiel und auch bei Standards leicht verbessern.
Mehr Gegentore bei hoch stehendem FCZ
Bezüglich Positionierung der Mannschaft wird allerdings ein Unterschied ersichtlich. Während die Gegentreffer bei einem hoch stehenden Gegner (also wenn der FCZ selbst tief steht) weiter abgenommen haben, nahmen sie bei tief stehendem Gegner und hoch stehendem FCZ unter Breitenreiter wieder zu. Dies ist also ein Ansatzpunkt für das Zürcher Trainerteam in der Winterpause: wie können diese Gegentore wieder reduziert werden? Dafür gibt es zwei Ansätze: entweder man schafft es, hoch stehend besser zu verteidigen – oder man sollte weniger häufig hoch stehen.
Zunahme der Standardgegentore im Vergleich zu Rizzo
Standardgegentore wurden unter Rizzo reduziert, vor allem wenn man mitberücksichtigt, dass die Hälfte der Eckballgegentore der letzten Saison in den ersten Saisonpartien noch unter Ludovic Magnin gefallen sind. Unter André Breitenreiter hat dementsprechend diese Art von Gegentoren wieder zugenommen. Auf Einwurf hat es allerdings ein Gegentor weniger gegeben als zuletzt im Schnitt pro Halbserie.
Etwas mehr Gegentore aus Aufbauspiel des Gegners bei hoch stehendem FCZ
Bei Aufbauspiel des Gegners hat sich wenig verändert. Die Gegentore bei einem Hoch stehenden FCZ haben aber auch bei Aufbauspiel des Gegners etwas zugenommen.
Deutlich mehr Kontergegentore
Der grössere Effekt zeigt sich beim Umschaltspiel. Die Kontergegentore gegen einen hoch stehenden FCZ haben deutlich zugenommen. Dafür hat der FCZ in der Vorrunde aus einer tiefen Position bei Pressing und Gegenpressing des Gegners insgesamt nur ein einziges Gegentor erhalten. Eindrücklich! Ein Zeichen dafür, dass die Mannschaft den Ball sicher (und häufig auch schnell) hinten heraus spielt. Die vielen unnötigen Ballverluste in der eigenen Hälfte vom letzten April wurden überwunden und eliminiert.
Problemzone Sechserposition – Guerrero und Aliti machen ihre Seite zu
Zu viele Weitschuss-Gegentore waren lange Zeit ein grosses Problem für den FCZ gewesen. Auch diese konnten unter Massimo Rizzo drastisch reduziert werden auf noch insgesamt ein einziges in der letzten Saison! Nun hat man in einer halben Saison bereits wieder vier erhalten. Es zeigt, dass die Problemzone zentral vor dem eigenen Strafraum wieder aufgebrochen ist. Die Zentralen Mittelfeldspieler haben diese zu wenig im Griff. In einigen Situationen fehlt es an Antrittsschnelligkeit und konsequenter Defensivarbeit in der Rückwärtsbewegung (Dzemaili), am Positionsspiel (Doumbia, Krasniqi) oder an der Bissigkeit (Leitner). Dafür haben die Gegentore auf Flanken stark abgenommen. Einerseits hat in der Liga die Anzahl Flanken der Gegner pro Spiel im Vergleich zu letzter Saison um einen Viertel abgenommen. Andererseits werden diese im Strafraum auch besser verteidigt. Über Rechts (die linke Zürcher Seite) haben die Gegner in dieser Vorrunde aus dem Spielaufbau heraus kein einziges Tor erzielt. Die Dreierabwehr in Kombination mit diszipliniert zurückarbeitenden Aussenläufern hat hier hervorragende Arbeit geleistet, speziell das Duo Aliti / Guerrero auf der linken Zürcher Seite.
Gegen GC, YB, Lugano, Vaduz und St. Gallen (!) vorwiegend Standardgegentore
Züri Live hat sich angeschaut, wie die einzelnen Gegner in den letzten zweieinhalb Jahren vorwiegend ihre Tore gegen den FCZ erzielt haben. Am augenfälligsten ist, dass in den beiden Derbies der Vorrunde alle Gegentore auf Standards erzielt worden sind. Gegen Lugano hat der FCZ die letzten fünf Partien kein Gegentor mehr kassiert – und die einzigen Gegentore, die es seit dem 0:4 im „Backofen“ Letzigrund zum Saisonstart 19/20 gesetzt hat, waren Standards. Nicht überraschend, dass man gegen Vaduz die Gegentore vorwiegend auf Standards erhalten hat. Sehr wohl überraschend hingegen, dass dies gegen St. Gallen ebenfalls der Fall ist – mehr als aus dem Umschaltspiel. Das gleiche gilt für YB. Thun, Basel, Luzern oder Sion hingegen haben ihre Treffer gegen den FCZ vorwiegend mit üblichem Aufbauspiel erzielt. Lausanne und Servette hatten den grössten Anteil ihrer Treffer gegen den FCZ aus dem Umschaltspiel – im Falle von Servette waren es am 8. Dezember 2019 im Letzigrund gleich fünf. Auch dies eher speziell, ist doch Servette allgemein eher für kontrolliertes Aufbauspiel bekannt. Gegen den FCZ waren sie hingegen in den letzten 30 Monaten vor allem im Umschaltspiel erfolgreich.
Basel und YB profitieren am meisten von Lücken bei einem hoch stehenden FCZ
Gegen einen tief stehenden FCZ war es in den letzten zweieinhalb Jahren schwierig, Tore zu erzielen. Nur Sion, Xamax und Vaduz haben in der Liga eher aus einer Hohen Position (Aufbauspiel gegen tief stehenden Gegner, Pressing, Gegenpressing) ihre Tore gegen den Stadtclub erzielt. Alle anderen Teams waren erfolgreicher mit Kontern oder Aufbauspiel gegen einen hoch stehenden FCZ – speziell Basel und YB.
Viel Kampfgeist gegen Ende der Vorrunde
Die Erwarteten Gegentore sind im Gleitenden Durchschnitt in der Vorrunde nie unter 1 pro Spiel gefallen. Nach dem 6:2 gegen Sion im Letzigrund, ein Spiel, das auch auf die andere Seite hätte kippen können, hat man die Erwarteten Gegentore pro Partie zumindest wieder unter 1,5 drücken können. Die Anzahl der summierten Züri Live-Defensivpunkte hatte nach dem Tiefpunkt in der 5. Runde (3:3 in St. Gallen) schon zuvor wieder angezogen gehabt und erreicht in den letzten Partien der Vorrunde, als man nochmal viel Kampfgeist in die Partien warf, einen Wert von über 100 pro Spiel. Auffällig, dass man ganz am Anfang und ganz am Ende der Vorrunde kaum Gegentore zugelassen hat. In diesen Phasen waren zwar auch die Erwarteten Gegentore relativ tief, aber vor allem lag die Anzahl Gegentore weit unter den Erwarteten Gegentoren. Mögliche Erklärungen dafür sind die Leistungen von Torhüter Yanick Brecher und der Abschlüsse aus gefährlichen Positionen blockenden Innenverteidiger oder auch das Wettkampfglück in diesen Saisonphasen.
Der Klassenerhalt des FCZ ist bereits zur Winterpause so gut wie gesichert! Eine höhere Punktzahl zu diesem Zeitpunkt der Saison hatte der Stadtclub letztmals vor 13 Jahren unter Trainer Bernard Challandes gesammelt! Und ist am Ende jener Saison mit einem Aegerter, „Tico“ Okonkwo, Abdi, Leoni, Tihinen und Djuric auf dem Platz tatsächlich nicht abgestiegen! Erklärungen für die ersten 18 Runden wurden in den letzten Tagen in allen sich mit der Super League befassenden Medien (und auch in einigen, die dies normalerweise nicht tun) gesucht und gefunden. Trainer Breitenreiter habe „fast jeden Spieler besser gemacht“. Der FCZ spiele den „schönsten und erfolgreichsten“ Fussball, „mutig, offensiv, mit viel Drang zum Tor“, die Spiele seien „ein Spektakel“. Die Jungs hätten einen „super Team-Spirit“. Assan Ceesay oder Mirlind Kryeziu hätten eine fast schon „wundersame Wandlung“ genommen. Der Kader sei ausbalanciert und die individuelle Qualität „so gross wie schon lange nicht mehr“.
Was davon stimmt tendenziell? Was nicht? Was muss man relativieren? Und vor allem: welche Gründe wurden vergessen? Zum Start der Halbzeitanalyse nennen wir die aus unserer Gesamtsicht wichtigsten Erfolgsfaktoren der FCZ-Vorrunde. In den kommenden Tagen und Wochen werden wir mit Hilfe von Zahlen und Analysen unsere Einschätzungen und diejenigen der anderen Medien überprüfen und zusätzliche Erkenntnisse zu gewinnen versuchen.
1. Physis
Dieser Punkt wurde in keinem anderen Medium genannt, ist aus Züri Live-Sicht aber der wichtigste Fortschritt im Vergleich zu den letzten Saisons. Mehrere FCZ-Schlüsselspieler sind auf einem physisch deutlich besseren Niveau als noch in der Saison davor. „Marche sano in corpore sano!“ möchte man da ausrufen. Am augenfälligsten sieht man dies bei Assan Ceesay. Viele dachten, der Gambische Stürmer habe einen „Holzfuss“, wenn er wieder mal zehn Meter am Tor vorbeigeschossen hat. Dem ist aber nicht so. Mit einem „Holzfuss“ schiesst man üblicherweise einen Meter daneben, nicht zehn. Ceesay hat grundsätzlich ein gutes Ballgefühl in beiden Füssen. Seine Probleme waren nicht feinmotorisch, sondern grobmotorisch. Es fehlte die Rumpfstabilität und damit die optimale Koordination seiner grossen Bewegungen. Bereits mit einer leichten Berührung konnte man ihn zudem jeweils aus dem Gleichgewicht bringen. Neuerdings wirkt Ceesay wie ein echter Athlet. Die verbesserte körperliche Stabilität hat insbesondere seine Präzision im Passspiel und Abschluss innert kurzer Zeit stark verbessert.
Zweites Beispiel: Adrian Guerrero. Auch der Neuzugang hat sich im physischen Bereich im Vergleich zu seiner Saison bei Lugano enorm verbessert. Seine spielerischen Qualitäten und guten Standards waren schon im Tessin ersichtlich, aber er verlor letzte Saison noch so gut wie jeden Zweikampf. Nun kann der Spanier nicht mehr so einfach zur Seite gedrückt werden und seine Laufleistung nicht nur vorwärts, sondern vor allem auch im Umschalten in die Defensive ist bisher phänomenal. Drittens: Mirlind Kryeziu. Aus physischen Gründen hatte er in der Vergangenheit immer wieder grosse Leistungsschwankungen gehabt. In den letzten sechs Monaten wirkte er erstmals in jedem Spiel topfit und seine Leistungen waren somit sehr konstant.
Etwas erstaunlich sind diese eklatanten Verbesserungen weil es im FCZ-Staff abgesehen von Trainer und Assistent keine wesentlichen Änderungen gegeben hat. Clichés erweisen sich halt eben doch manchmal als wahr. So das Cliché von den typisch deutschen Tugenden. Den stärkeren Fokus auf Physis und stabile Defensive kann man nicht nur im Breitenreiter-Team, sondern auch bei den ebenfalls von einer deutschen Trainerin gecoachten FCZ Frauen-Mannschaft beobachten. Schweizer Trainer und Ausbildner gewichten diesen Aspekt traditionell weniger stark – ganz speziell Trainertypen wie Ludovic Magnin oder Fabio Celestini. Was passiert, wenn man diese Faktoren zu sehr ausser acht lässt, sieht man aktuell beim FC Luzern, welcher in den letzten Monaten in Sachen Wucht und physische Präsenz eine gegenläufige Entwicklung zum FCZ genommen hat und nun mit dem Trainerwechsel diesbezüglich das Ruder wieder herumreissen will. Man kann auch zu viel davon haben, aber nach den letzten Jahren hat dem FCZ dieses „deutsche“ Element auf jeden Fall schon mal gut getan.
2. Taktik
Auch wenn es unpopulär klingt und einige in und ausserhalb des FCZ nicht gerne hören: der Stadtclub spielt nun schon seit rund vier Jahren immer dann am erfolgreichsten, wenn er tief steht und wenig Ballbesitz hat. Ganz speziell gegen die besten Teams der Liga. Ludovic Magnin hat diese Erkenntnis nur in relativ begrenzten Saisonphasen beherzigt und war dann jeweils auch erfolgreich. Zum Beispiel vor der Winterpause vor zwei Jahren, als man sich mit nur noch acht Punkten Rückstand auf Leader YB auf den 4. Platz vorgekämpft hatte. Als Magnin danach wieder auf Ballbesitz spielen wollte, setzte es vorwiegend Niederlagen. Dasselbe bei Massimo Rizzo: mit tief stehen und wenig Ballbesitz konnte er bis zur Winterpause letzte Saison den FCZ stabilisieren und einige schöne Siege einfahren. Nach der Winterpause wollte er schrittweise seinem Team wieder etwas mehr Ballbesitz verpassen, was unter dem Strich zusammen mit den unglücklichen Personalien Sobiech (verletzt) und Dzemaili (nicht parat für die Super League) erneut zu einer Abwärtstendenz führte.
André Breitenreiter erkannte dies und sein FCZ stand daher zu Saisonbeginn noch tiefer und hatte noch weniger Ballbesitz, als unter Massimo Rizzo ein Jahr zuvor. Aber auch der deutsche Trainer konnte der Versuchung nicht widerstehen und liess sein Team Mitte Vorrunde schrittweise immer höher stehen und mehr Ballbesitz übernehmen. Die Resultate wurden auch bei ihm dadurch sofort etwas schlechter. Der Unterschied zu den Vorgängern war dann aber, dass Breitenreiter schnell die Handbremse zog und die taktischen Änderungen rückgängig machte. So kommt es, dass zur Winterpause 21/22 mit dem FCZ das Team mit dem tiefsten Ballbesitz der Liga mit sieben Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze steht.
Dass der FCZ im Vergleich zu den anderen Teams speziell „mutig, offensiv, mit viel Drang zum Tor“ spiele, ist bei ehrlicher Betrachtung falsch. YB, Basel, Servette und aus dem Spiel heraus auch St. Gallen hatten in der Vorrunde mehr Abschlüsse, als der FCZ, welcher vor allem von seiner Effizienz und Standardqualitäten profitierte. Breitenreiter spricht in seinen heimischen Medien davon, dass der FCZ ein sehr Hohes Pressing betreibe und vom Spielstil mit Atalanta oder Leipzig vergleichbar sei. Davon kann aber auch keine Rede sein. Sein Team liegt statistisch beim Hohen Pressing im Mittelfeld der Liga – nicht nur hinter St. Gallen, YB und Basel, sondern auch GC. Zudem wurde unter Ludovic Magnin beim FCZ mehr Hohes Pressing betrieben, als unter Breitenreiter, wenn man die dafür relevante Kennzahl der „Passes Per Defensive Action“ (PPDA) zu Rate zieht. Dessen Mannschaft hat zudem erst drei Tore aus einem Hohen Pressing erzielt, was selbst unter dem Schnitt der Rizzo-Zeit liegt, wo der FCZ weniger Pressing betrieb, dafür sehr effektiv. Mittlerweile hat Ludo Magnin übrigens seine Amtszeit als Trainer der 1. Mannschaft des FCZ analysiert und kommt in einem Interview mit „24 heures“ zum Schluss, dass der Aufschwung unter Breitenreiter in erster Linie damit zu tun habe, dass dieser auf Umschaltspiel setze, was besser zur Mannschaft passe, als Ballbesitz.
Mit Ausnahme der Cupspiele in Solothurn und Yverdon liess André Breitenreiter seinen FCZ immer in einem 3-4-1-2 oder dem sehr ähnlichen 3-3-2-2 auflaufen. Ob man mit zwei Sechsern oder zwei Achtern / Zehnern spielte, hing dabei natürlich immer auch etwas von der Mittelfeldzusammensetzung des Gegners ab. Nicht nur bei der Formation, sondern auch bezüglich Personal setzte Breitenreiter stark auf Kontinuität. Ein eiserner Kern von neun Spielern spielte praktisch die Vorrunde durch. Deutlich variabler war man hingegen bezüglich Spielweise mit unterschiedlicher Spielauslösung, Positionierung, Pressing und Umschaltintensität. Speziell gegen Basel muss man sich für die Rückrunde etwas überlegen. Beinahe hätte der FCZ gegen die Rotblauen nach dem Hinspiel im St. Jakob Park auch noch das Rückspiel im Letzigrund verloren, weil man zu hoch stand. Der Spielweise und den Qualitäten des FCB kam dies schon in den letzten Jahren immer entgegen und es hat sich auch diese Saison nicht geändert, zumal Torhüter Heinz Lindner mit den Füssen gewisse Fortschritte gemacht hat und Akteure wie Tavares, Millar, Kasami, Frei, Zhegrova, Stocker, Males, Ndoye oder Cabral für Angriff- und Konterspiel gegen einen hoch stehenden Gegner prädestiniert sind. Bei allen sonstigen positiven Entwicklungen muss man sagen: in der Art und Weise wie man gegen den FCB spielen muss, war man letzte Saison unter Massimo Rizzo schon mal einen Schritt weiter.
3. Erfolgsorientiertheit
Eigentlich im Profifussball eine Selbstverständlichkeit, aber nicht unbedingt immer beim FCZ in den letzten Jahren. Unter Trainer Breitenreiter ist der Erfolg das oberste Ziel. Man wählt dementsprechend die erfolgsversprechendste Taktik, Spielweise und Personal. Vor allem werden Ideen, die sich nicht bewährt haben, sofort korrigiert. Der schnelle Lern- und Adaptionsprozess ist eine der grössten Stärken dieses Trainerteams und sicherlich ein Faktor, der zu Optimismus für die kommende Zeit berechtigt. Auch der Aspekt, dass unabhängig von Namen, Alter, Nationalität oder Rendement aufgestellt wird. Eine kleine Ausnahme gibt es dabei mit Blerim Dzemaili. Dieser wird trotz seiner immer noch offensichtlichen Mankos für die Hierarchie im Team ganz offensichtlich als unverzichtbar angesehen und deshalb von Breitenreiter und Co. stark geredet und häufig eingesetzt.
4. Automatismen
In einer Studie des CIES Sports Observatory Neuchâtel vor einigen Jahren wurde herausgefunden, dass personelle Kontinuität bei den Spielern als Erfolgsfaktor eines Fussballteams gelten kann. Der FCZ hatte in dieser Vorrunde eine sehr hohe Kontinuität und damit konnten sich Automatismen etablieren. Dies hat dem FCZ sicherlich im ein oder anderen Spiel gegen einen Gegner mit mehr personellen Wechseln einen mitentscheidenden Vorteil verschafft. Dazu ist der Team-Spirit dieser Mannschaft tatsächlich offensichtlich.
5. Transfers
Seit Sommer 2020 ist die Kaderentwicklung grundsätzlich positiv einzustufen. Spieler, welche die Entwicklung der Mannschaft gebremst haben, konnten abgegeben werden. Gleichzeitig wurden vorwiegend Spieler dazugeholt, die das Team weiterbringen. Eine hundertprozentige Trefferquote hatte man aber auch in dieser Zeit nicht. Namen wie Schättin, Dzemaili, Gogia, Leitner, Buschman oder Pollero sind zumindest mit Fragezeichen zu versehen. Schon seit 2018 hatte sich Auswahl, Qualität und Entwicklung der Leihen von Talenten in die Challenge League stark verbessert und funktioniert seither tadellos. Der FCZ war der erste Super League-Klub, der diesbezüglich das richtige Rezept gefunden hat. Mittlerweile hat YB nachgezogen.
6. Abschlusseffizienz
Weiter verbesserte Abschlusseffizienz (der FCZ war letzte Saison schon effizient gewesen) hat einen grossen Teil zu den 40 Punkten der Vorrunde beigetragen. Pro Partie hat der FC Zürich ein halbes Tor durch Abschlusseffizienz erzielt – 2,4 Tore pro Spiel statt der erwartbaren 1,9 Treffer. Ein Teil der Abschlusseffizienz hat mit der Spielweise zu tun: kommt man durch einen Konterangriff vors gegnerische Tor, hat man mehr Platz und Zeit für den Abschluss. Ein weiterer Aspekt speziell im Fall des aktuellen FCZ ist die Torquote bei Standards. Dazu kommt die oben erwähnte verbesserte Physis (Kondition, Rumpfstabilität), die für einen präziseren Abschluss sehr hilfreich ist. Wie wichtig eine gute Abschlusseffizienz ist. zeigt der Vergleich mit den Saison-Rangierungen in untenstehender Grafik.
7. Detailarbeit
Die Analyse der FCZ-Partien der letzten Monate vermittelt den Eindruck, dass noch mehr als früher an Details gearbeitet wird – von Einwürfen über ballferne Bewegungen bis zur Schusshaltung und verfeinerten Zuteilungsregeln bei Defensivstandards.
Folgerungen und Ausblick
Während man beim Ausscheiden im Cup auch Pech hatte, ist in der Meisterschaft einiges für den FCZ gelaufen. Partien, die normalerweise Unentschieden ausgehen, kippten häufig noch auf die Seite des FCZ – dank Mentalität und (erarbeitetem?) Glück. Der erste Meisterschaftssieg seit Jahren gegen YB war ein Meilenstein – trotz Personalsorgen beim Gegner. Der FC Zürich hat denselben Personalaufwand und etwas tiefere Erträge wie der FC St. Gallen und ist wie dieser vor zwei Jahren zur Halbzeit vorne sehr gut mit dabei. Wie damals trafen diese beiden Teams im letzten Spiel vor der Winterpause aufeinander – beide Male gewann der FCZ. In der Anfangsphase waren die vielen direkt verwandelten Freistösse (in erster Linie von Marchesano) ein wichtiges Element, gegen Ende der Vorrunde die Rückkehr von Tosin und Leistungsexplosion Wilfried Gnontos. Letzteres kompensierte die schon seit Jahren traditionelle Ladehemmung Assan Ceesays in den Wintermonaten. Die nach dem Züri Live-Notenschnitt des Teams besten Spiele der Vorrunde waren die Heimsiege gegen Luzern und YB gegen Ende der Vorrunde und die beiden „Dreier“ gegen Lausanne. Das „schlechteste“ Spiel war der glückliche Heimsieg im ersten Derby.
„Angesichts der Voraussetzungen das Maximum herausgeholt“ klingt im ersten Augenblick etwas nach: „besser kanns gar nicht mehr werden“. Dem ist nicht so. In verschiedenen Bereichen sind in den letzten ein bis zwei Jahren Prozesse in Gang gesetzt worden, bei deren Stossrichtung man sich heute noch nicht mal auf halbem Weg der Entwicklung befindet. Zum Beispiel bei der Kaderentwicklung, den Verbesserungen im physischen Bereich, den Automatismen, der Taktik oder der Detailarbeit auf verschiedensten Gebieten. Der FCZ hat in all diesen Bereichen braches Potential und die Entwicklungsprozesse gehen in die richtige Richtung. Und man lässt sich nicht durch kurzfristigen Aktionismus oder dem Schielen auf die Konkurrenz vom Weg abbringen. Dies alles stimmt zuversichtlich. Dazu kommt der Bezug des neuen „Home of FCZ“ im Heerenschürli.
Im Sturm hat der FCZ neuerdings wieder Alternativen auf der Bank, was gerade auf dieser Position unabdingbar ist. Die Stürmer „Nummer 5 und 6“ Pollero und Koide haben ihre Super League-tauglichkeit bisher allerdings noch nicht nachweisen können. Das 3-4-1-2 nutzt die Laufstärke und Polyvalenz von Nikola Boranijasevic und vor allem Adrian Guerrero optimal aus, denn es ermöglicht immer wieder Überzahlsituationen im Zentrum, sowohl in der Spielauslösung wie in der gegnerischen Platzhälfte. Fabian Rohner, der Alternative zu Nikola Boranijasevic auf rechts ist durch die Detailarbeit unter Breitenreiter durchaus eine interessante Entwicklung zuzutrauen. Seine Einsätze in der Vorrunde waren allerdings noch nicht immer eine Empfehlung. Links steht als Alternative der offensiv von vielen unterschätzte Fidan Aliti bereit. Bezüglich Spielweise bietet sich an, weiterhin tief zu stehen mit wenig Ballbesitz und schnellem direktem Umschaltspiel – gepaart mit situativem Hohen Pressing und Gegenpressing, um den Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen. Breitenreiter bringt zudem gerade gegen Gegner aus der hinteren Tabellenhälfte immer mehr Rhythmuswechsel und Ballbesitzphasen ins Zürcher Spiel ein. Speziell in den Partien gegen Basel sollte man die Lehren aus den Vorsaisons aber beherzigen und wieder tiefer stehen, als man dies in der Vorrunde praktiziert hat.
Die grösste Problemzone der Vorrunde war in einigen Spielen das Zentrale Mittelfeld. Und dies obwohl man hier quantitativ sehr gut bestückt ist. Neben den gesetzten Ousmane Doumbia und Antonio Marchesano kam in diesem Mannschaftsteil Bledian Krasniqi am meisten zum Einsatz. In seiner Entwicklung scheint dieser nun langsam aber sicher bereit zu sein, als echter Stammspieler Verantwortung zu übernehmen. Blerim Dzemaili hat auf der 6-er Position deutlich besser gespielt, als weiter vorne. Er könnte typischerweise bei Rückstand oder unentschiedenem Spielstand für Ousmane Doumbia hereinkommen und mit seinen langen Bällen und Seitenwechseln von hinten heraus für verstärkten Druck sorgen – während weiterhin Marc Hornschuh bei einer Führung als zusätzliches defensives Gewissen einen Bledian Krasniqi ersetzten würde. Moritz Leitner ist aus seiner nach unten zeigenden Leistungskurve der letzten Jahre nicht herausgekommen, Ante Coric hat grosse Schwankungen – beide sind für das Team bisher in der defensiven Phase tendenziell eine Hypothek. Vasilie Janjicic wird wohl auch in der Rückrunde physisch noch nicht bereit für die definitive Rückkehr in die Super League sein. Stephan Seiler und allenfalls Miguel Reichmuth aus der U21 bieten sich hingegen immer mehr als valable Alternativen an.
Wichtig in der Rückrunde kann auch werden, dass man intern auf Eventualitäten der Pandemie-Entwicklung gefasst und vorbereitet ist. Angefangen von der Teilnahme von Assan Ceesay am Afrika-Cup bis zu Entwicklungen mit möglichen vielen Quarantänen und improvisierten Teamzusammenstellungen beim eigenen Team und/oder den Gegnern, die andere Ligen aktuell durchmachen. Einerseits muss man auf der administrativen Ebene im direkten Zusammenspiel mit der Liga und anderen Klubs natürlich versuchen, das Beste für das Team herauszuholen, während man in der Kommunikation nach aussen und die Mannschaft selbst vor allem bereit sein muss, jede Situation als sportlichen Challenge und Chance wahrzunehmen.
Der grösste Misserfolg einer ansonsten starken Vorrunde des FCZ war die Cup-Niederlage in Yverdon. Die Züri Live-Durchschnittsnote ist mit 5,4 die zweittiefste der Vorrunde ex aequo mit dem 2:2 zuhause gegen Servette – und nur um 0,1 besser als dem schlechtesten (wenn auch am Ende sehr glücklichen) Auftritt im ersten Derby. Wie in der 1. Cup-Runde gegen Solothurn setzte Trainer Breitenreiter auf ein 4-3-3 mit offensiver Ausrichtung, und gab Spielern aus der zweiten Reihe eine Chance. Diese konnten sie aber nicht nutzen. In den ersten sieben Minuten startete die ganze Mannschaft schlecht. Die etablierten Spieler konnten sich danach mehr und mehr fangen – im Gegensatz zu denjenigen aus der 2. Reihe (mit Ausnahme von Marc Hornschuh). Der Auftritt im Waadtland war dementsprechend richtungsweisend für die Personalpolitik der restlichen Vorrunde.
Rodrigo Pollero als „Chancentod“
Auch wenn es sich nach dem episch langen Penaltyschiessen so anfühlte, als habe Yverdon auf dem sandigen Platz verdient gewonnen, sammelte bei näherer Betrachtung der FCZ mehr Gründe für ein Weiterkommen. Erstmal: ein klares Chancenplus. Das Expected Goal-Verhältnis war 2,84 : 0,96 zugunsten des FCZ – das Resultat aber 2:2 statt 3:1 nach Verlängerung. Selbst auf 90 Minuten runtergerechnet hatte der FCZ nur gegen Solothurn, Luzern (4:0) und in den beiden Partien gegen Basel mehr Abschlüsse als in Yverdon. Speziell Rodrigo Pollero sündigte mit gleich acht ungenutzten Chancen – klarer FCZ-Saisonrekord. Zum Vergleich: den zweithöchsten Wert an ungenutzten Abschlusschancen hatte Blaz Kramer mit fünf beim 4:0-Heimsieg gegen Luzern. In der letzten Minute der Verlängerung parierte Mirko Salvi den Kopfball Bledian Krasniqis nach hervorragender Balleroberung und Flanke Fabian Rohners von rechts mirakulös.
Einwechselspieler bringen frischen Wind
Neben Krasniqi und Rohner brachten auch Aliti und vor allem Wilfried Gnonto nach ihren Einwechslungen viel Schwung und deutlich mehr Torchancen ins Zürcher Spiel, nachdem der FCZ in der 1. Halbzeit ziemlich schlecht in die Partie gestartet war. Rohner brauchte zwar zu Beginn seines Einsatzes etwas Anlaufzeit, drehte mit Verlauf des Spiels aber vor allem auch defensiv mit vielen Ballgewinnen und sogar gewonnenen Luftduellen immer mehr auf, und verwandelte auch seinen Penalty souverän. Zwar hatte Yverdon vor seinem 1:0-Führungstreffer in der 43. Minute keine Torchance gehabt, aber der FCZ lud den Gegner durch seine zu wenig konkrete Spielweise geradezu zu einer Überraschung ein.
FCZ war nach „Kriens“ gewarnt
In der 1. Cuprunde hatte man in Solothurn davon profitiert, dass der Gegner zu diesem Zeitpunkt noch keine Spielpraxis hatte und kam auch dank einer fokussierten Startphase zur schnellen Vorentscheidung. Die 2. Runde lief gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten der Challenge League, SC Kriens, bereits ziemlich harzig. Das Breitenreiter-Team kam dank einem der vielen direkt verwandelten Freistosstore in der Startphase der Saison und der durch den ehemaligen FCZ-Junior Albion Avdijaj vergebenen Topchance in der 86. Minute weiter.
Uli Forte sehr gut über FCZ-Aufstellung und -Taktik informiert
In Yverdon fiel auf, wie gut Ex FCZ-Trainer Uli Forte sowohl vor der Partie wie auch in der Halbzeitpause über die FCZ-Formation und -Taktik informiert war (beziehungsweise sie vorausgesehen hat). Sowohl zu Beginn der ersten wie der zweiten 45 Minuten war die Yverdon-Formation defensiv exakt auf den FCZ ausgerichtet. Dem Zürcher 4-1-2-3 begegnete Forte mit dem entsprechenden defensiv ausgerichteten Gegensystem, dem 4-2-3-1. Er erwartete den FCZ ganz offensichtlich mit jeweils zwei Spielern auf der Seite, was davor in dieser Saison einzig in Solothurn der Fall gewesen war.
Yverdon heimstark wie der FCZ
Yverdon hatte mit Toptorschütze Koro Koné und dem aus der Meisterschaft mit einer 5 Spiele-Sperre (doppelter Tritt gegen den Kopf von Roberto Alves in Winterthur) belegten Miguel Rodrigues die gewichtigeren Ausfälle zu verkraften, war dafür durch das abgesagte Spiel gegen Stade Lausanne-Ouchy vom Wochenende etwas erholter. Nach dem Amtsantritt von Uli Forte im August hat das Team vom Neuenburgersee die ersten zwei Heimspiele gegen Xamax und Aarau unentschieden gespielt und danach inklusive dem Cup-Spiel gegen den FCZ im Stade Municipal acht Mal in Folge gewonnen.
Malula und Silva eliminieren den FCZ zum zweiten Mal hintereinander
Das Hauptziel des Forte-Teams in der 1. Halbzeit war erstmal die linke FCZ-Seite mit Guerrero und Ceesay aus dem Spiel zu nehmen, was gut gelang. Forte setzt in solchen Fällen immer auf Physis. So stellte er den bulligen Zentralen Mittelfeldspieler Christian Zock an den Rechten Flügel, um die Kreise von Adrian Guerrero zu stören. Den von links häufig zur Mitte ziehenden Ceesay übernahm in der Regel der topmotivierte rechte Innenverteidiger Breston Malula. Der ehemalige YB-Junior hatte genauso wie der Brasilianer Silva bereits vor Jahresfrist mit Chiasso den FCZ aus dem Cup kegeln können. Malula hatte damals kurz vor Schluss mit einem Energieanfall im Mittelfeld gegen Simon Sohm den Freistoss herausgeholt, aus dem dann der entscheidende Handspenalty entstand. Auch Silva (damals allerdings noch nicht im Matchkader) erinnerte sich gut daran und provozierte während dem Penaltyschiessen die zahlreich mitgereisten FCZ-Fans. Von den YB-Leihspielern blieb der spielstarke Eberhard eher blass, Vladi spielte einen entscheidenden Pass in die Tiefe beim 1:0 und vor allem Blum, der gute Perspektiven auf die Super League hat, gelang eine formidable Leistung. Dem Führungstreffer Yverdons kurz vor der Pause ging einer von mehreren unnötigen Ballverlusten Gogias voraus, den das Heimteam zu einem erfolgreichen Konter nutzte bei welchem Kryeziu Nebenmann Guerreros Chancen den Torschützen Beleck noch einzuholen überschätzte, und deshalb falsch stand.
Andy Gogia nutzt seine Freiheiten nicht
U17-Weltmeister Sead Hajrovic hatte im ersten Durchgang Rodrigo Pollero weitgehend im Griff. Rechtsverteidiger Lewin Blum agierte vorwiegend als Feuerwehrmann. Das Thema Feuerwehrmann war ein weiterer wichtiger Baustein für Yverdons Erfolg. Blum, Malula, Ninte und Co. blockten enorm viele Zürcher Abschlüsse – mehrmals in höchster Not. Ausserdem machte die rechte Zürcher Seite, vor allem Andy Gogia, viel zu wenig aus den gewährten Freiheiten in den ersten 45 Minuten. Da Yverdon unter anderem mit einer leicht nach rechts verschobenen Viererkette sehr viel in die Blockade der linken Zürcher Angriffsseite investierte, hatte Zürich über rechts Platz und auch häufig den Ball. Mehrmals konnte der Deutsche Zuspiele aber nicht stoppen, wartete am Ball wahlweise zu lange oder zu kurz und ging im Spiel ohne Ball naiv ins Pressing und in die Zweikämpfe. Von den fünf Partien, in welchen Gogia in dieser Vorrunde in der Startformation stand, erhielt er von Züri Live vier Mal eine ungenügende Note.
Ante Coric zu passiv und unkonzentriert
Der viel zu passive und unkonzentrierte Ante Coric war ein weiterer Akteur, der sich mit einem ungenügenden Auftritt im Stade Municipal einen Ausbau seiner Einsatzzeiten im Verlauf der Vorrunde verbaute. Schon in den ersten Minuten unterliefen ihm zwei schwerwiegende Fehlpässe und er liess nach einem Hajrovic-Fehler alleine vor Salvi eine Topchance leichtfertig liegen. In der 2. Halbzeit regte sich Trainer Breitenreiter an der Seitenlinie lautstark über Coric auf, als dieser den richtigen Zeitpunkt verpasste, im Hohen Pressing Torhüter Salvi zu attackieren.
Kostadinovic schien fürs Penaltyschiessen nicht parat
Torhüter Zivko Kostadinovic vermochte sich ebenfalls nicht zu profilieren. In der regulären Spielzeit kriegte der Waadtländer kaum etwas zu tun und musste in der 92. Minute erstmals eingreifen. In der Verlängerung war sein Positionsspiel mehrmals ungenügend (ähnlich wie manchmal beim Nummer 1-Torhüter Brecher). Vor allem aber wiegt in seinem Fall das Penaltyschiessen schwer. Der 29-jährige hat vor und während dem Spiel die Gegenspieler ganz offensichtlich in ihrem Passspiel und Abschlussverhalten nicht gut studiert – sonst hätte er die richtige Ecke deutlich häufiger geahnt. Mit zunehmender Dauer des Penaltyschiessens wurde Kostadinovic immer verzweifelter und machte es dem gegnerischen Schützen mit zu frühem Bewegen in fast immer die gleiche Ecke zu einfach. So konnte selbst Gegenpart Mirko Salvi seinen schlecht gechossenen Penalty im Netz zappeln sehen. Der aus Yverdon stammende Salvi spielte in seiner bisher besten Karrierephase in Lugano, wo er im Cupfinal 2016 gegen den FCZ im Letzigrund den entscheidenden Fehler beging und einen Ball vor die Füsse von Torschütze Sangoné Sarr fallen liess.
Pollero, Krasniqi und Doumbia im Fokus
Antonio Marchesano und Rodrigo Pollero vergaben ihre jeweils ersten Penaltys deutlich. Davor hatte sich Pollero in der Luft nie durchsetzen können, war im Antritt immer langsamer als seine Gegenspieler und antizipierte darüber hinaus viele Situationen zu spät. Immerhin legte er beim 1:1-Ausgleich nach Idealzuspiel Kryezius gut mit der Brust für Gnonto auf. Bledian Krasniqi, welcher beim fünften Penalty Nerven aus Stahl bewiesen hatte und souverän verwandelte, verschoss seinen zweiten. Kurz vor diesem hatte die hinter dem Tor postierte Zürcher Kurve, die zuvor angespannt das Shootout mitverfolgt hatte, plötzlich zu singen und zu hüpfen begonnen. Krasniqi wurde vor diesem zweiten Schuss sichtlich aufgeregter, als vor dem ersten, und befasste sich damit, Dreck zwischen den Stollen wegzuwischen. Bezeichnenderweise traf nach diesem Fehlschuss auf Yverdon-Seite Ninte mit seinem zweiten Penalty, nachdem sein erster der einzige der 22 Schüsse in diesem Elfmeterschiessen gewesen war, der von einem der beiden Torhüter gehalten werden konnte. Ousmane Doumbia ist Yverdon bis heute dankbar, dass er nach dem Abgang bei Servette ein paar Monate in der Promotion League unter Trainer Anthony Braizat Spielpraxis erhalten konnte. Der Ivorer begann das Cup-Spiel bei seinem Ex-Klub stark, baute dann aber mit zunehmender Spieldauer ab und kam bis zur 100. Minute gar auf eine ungenügende Note.
Guerrero profitiert von Yverdons taktischer Umstellung zur Pause
Situativ positionierte sich der FCZ zwar schon in der 1. Halbzeit zwischendurch im Spielaufbau im üblichen 3-4-1-2 mit Marchesano als Aufbauer auf der rechten Innenverteidigerposition. Auf die 2. Halbzeit hin wechselte man dann definitiv wieder auf diese Formation. Yverdon hatte dies wie erwähnt schon antizipiert und lief nun dementsprechend in einem 3-3-2-2 auf. Ninte kam für Eberhard rein und Zock wechselte auf die zweite Achterposition neben Kabacalman. Vladi bildete mit Beleck ein Sturmduo. Das physische Element verlagerte sich mit Ninte und Zock nun stärker auf die linke Yverdon-Seite. Der in der 1. Halbzeit noch relativ blass gebliebene Adrian Guerrero blühte daher nach der Pause auf – Boranijasevics Leistungskurve verlief dementsprechend umgekehrt.
Dudic verwehrt dem FCZ zwei Penaltys
Letztendlich hatte neben all den anderen Faktoren auch die Spielleitung Einfluss auf den Ausgang der Partie. Yverdons Fouls von hinten wurden durch Ref Dudic lange Zeit etwas zu wenig strikt geahndet. Von drei heiklen Szenen im Yverdon-Strafraum hätte zudem zwei Mal auf Penalty für den FCZ entschieden werden müssen. In der 69. Minute, als Silva am nahen Pfosten den nach einem Guerrero-Corner aufsetzenden Ball mit dem Oberarm nicht nur berührte, sondern regelrecht spielte – und in der 99: Minute, als Malula Guerrero zu Fall brachte.
Streifzug durch Zürich am Neujahrstag 2022. Im Kreis 12 begrüsst den Flaneur hinter dem unverkennbaren hellgrünen Ballfänger das neue "Home of FCZ".
Die Plätze 15 - 17 angrenzend an das Home of FCZ werden neu aufbereitet und elektrische Installationen verlegt. Ein kompletter Gartenbau-Maschinenpark wartet darauf, nach Neujahr loszulegen.
Eine Reihe von Parkplätzen auf Seite Ueberlandstrasse sind für den FC Zürich reserviert.
Erstmals in der Klubgeschichte hat der FCZ eine Heimat für den ganzen Verein. Sicht auf die "Veranda" vor den Trainingsplätzen.
Im Parterre der Sport mit Garderoben, Kraftraum, Physio, Wäscherei - im Obergeschoss die Geschäftsstelle. Das ausgewählte Projekt des Berner Architekten Mühlethaler ist ein Sportgebäude, in welchem auch Büros untergebracht sind. Andere Wettbewerbsteilnehmer hatten den umgekehrten Ansatz verfolgt.
Hier ist der FCZ zuhause. Ein Gangabschnitt des Bürostockwerkes ist als Galerie vom Eingangsbereich aus sichtbar und schafft damit eine weitere Verbindung zwischen den Teams auf dem Rasen und dem Team hinter den Teams in den Büroräumen.
Holz und Beton, bewegende Historie und ein Fundament für die Zukunft. Beschriftungen sind bereits angebracht mit dem Jubiläums-Hashtag "Nieusenandgah" im Eingangsbereich.
Um reinzukommen, muss man sich anmelden - oder einen Badge dabei haben.
Profis, Academy, Frauen, Staff, Physio, Kraftraum, Logistik, Sitzungszimmer, Geschäftsstelle - alles unter einem Dach. Das hat in der Schweiz sonst nur GC. Das FCZ Trainingszentrum im Heerenschürli wird zur neunten "von Dritten betriebenen" Rasensportanlage der Stadt Zürich neben Buchwiesen (SV Seebach), GC Campus Niederhasli (GC), Hönggerberg (Teil SV Höngg), Hönggerberg (Teil TV Höngg), Lengg (FC Seefeld), Letzi (BC Albisrieden), Sunnau (FC Wollishofen) und Steinkluppe (FC Unterstrass). Der grössere Teil des Heerenschürli wird weiterhin durch das Sportamt betrieben.
Optimale Anbindung - Tramendstation direkt vor der Haustür, S-Bahn mit Verbindungen in alle Richtungen des Kantons und darüber hinaus in 5-10 Minuten zu Fuss.
Über die Duttweilerbrücke nähern wir uns nun dem Randgebiet des Kreises 9.
Hier liegt die Stätte, wo die 1. Mannschaft des FC Zürich seit April 2021 ungeschlagen ist. Die Frauen starteten hier im August sowohl in ihre Meisterschafts- wie auch Europacup-Saison.
Im grossen Oval herrscht auch über Neujahr emsiger Betrieb. In Abwesenheit von Menschen verbringen ganze Kolonien von Raben und Möwen in dieser Stadtoase ihre Winterferien.
Als Oase im Quartier war der 2007 eingeweihte städtische Letzigrund ursprünglich auch für die Menschen konzipiert. Ein Stadion für Leichtathletik, Gross-Events und als Quartiertreff am Schnittpunkt zwischen den Stadtkreisen 3, 4 und 9.
Der Wegweiser zum Restaurant Oval hinter der Südkurve war von den Architekten eigentlich für Passanten gedacht, die von der Strasse stufenlos über eine Rampe den Quartiertreffpunkt oberhalb der Haupttribüne erreichen sollten. Durch die Sicherheitsvorkehrungen von Super League-Spielen und den für diese Zwecke erstellten Metallhag und Eingangsschranken wurde diese Verschmelzung von Stadion und Quartier verunmöglicht. Vielleicht wird sich dies in ein paar Jahren ändern.
Natürlich darf auch Kunst auf diesem Streifzug nicht zu kurz kommen. Eines von zwei Wandbildern mit FCZ-Motiven in der näheren Umgebung des Stadions.
Weiter gehts in den Kreis 5.
Der Stadtkreis hatte mit dem Förrlibuck und dem Hardturm historisch zwei der drei Zürcher Fussballstadien beherbergt. Die letzten 15 Jahre hatte es eine Pause vom Fussballzirkus und dafür in den Altjahreswochen auf dem Hardturm Areal eine andere Art von Zirkus zu Gast.
Der Circus Medrano baut nach der letzten Vorstellung am 31. Dezember 2021 seine Zelte am Neujahrstag ab. Wann bauen hier der FCZ und GC ihre Zelte auf?
Zurück über die Hardbrücke. Nächste Station mit dem 8er: Helvetiaplatz. Ohne triftigen Grund. Ist einfach ein schöner Platz in Zürich.
Unweit des Helvetiaplatzes befindet sich das FCZ Ticketing, der Fanshop und das Museum.
Der FC Zürich behält seine Präsenz im markanten Gebäudeanbau an der zentral gelegenen Werdstrasse im Kreis 4.
Der Fanshop konnte in der Vorweihnachtszeit auch aufgrund der Siegesserie der 1. Mannschaft seinen Fanartikelverkauf markant steigern.
Letzte Station Kreis 3: die städtische Saalsporthalle war 15 Jahre lang Standort der 1. Mannschaft.
Muskeln stählen in einem "Pop-Up Showroom". In diesem Container mitten auf der Anlage der Saalsporthalle befand sich bis heute der Kraftraum für die FCZ Profis. Die Garderoben und Staff-Büros waren in einem eigentlichen Kellerloch untergebracht. Pressekonferenzen fanden im frequentierten Eingangsbereich neben dem Znüni-Tisch der Sportamt-Mitarbeitenden statt. Geduscht haben die Profis teilweise zusammen mit Freizeitsportlern wie Joggern aus dem nahen Üetlibergwald.
Der Trainingsplatz: hier hat in der Vor-Corona-Zeit auch Züri Live viele Stunden verbracht mit dem Ziel, etwas über Formstand und Taktik der Mannschaft herauszufinden und möglichst gut vorbereitet die Spiele zu kommentieren - besonders intensiv in der Abstiegssaison 15/16.
Auch Fans haben über die Jahre hinweg bei Trainings oder bei der Abfahrt / Ankunft der Mannschaft der Allmend Brunau immer wieder ihre Aufwartung gemacht - und Spuren hinterlassen. Höhepunkt war das Cup-Spiel auf dem Hauptplatz beim Partnerverein Red Star am 31. Oktober 2018.
Noch sind die Trainingsplätze im neuen FCZ Trainingszentrum im Heerenschürli nicht ready. Aber schon in Kürze werden die Profis in der Allmend Brunau Platz für weitere Amateurteams machen. Neben dem FCZ Trainingsplatz wurde erst vor wenigen Jahren ein weiterer eingegrenzter Platz mit elektronischer Anzeige erstellt. Werden die unzähligen Hunde, welche immer wieder fasziniert zuschauen wie es aussieht, wenn Menschen einem Ball nachjagen, den Unterschied zwischen Profis und Amateuren bemerken?
Der FCZ kassiert zum zweiten Mal in dieser Saison gegen den FC Basel drei Gegentore und ist im Heimspiel nahe an der zweiten Niederlage im Direktduell. Auch das Unentschieden bedeutet, dass eine vorläufig negative Saisonbilanz gegen die Rotblauen resultiert. Fünf der sechs Tore in den beiden Partien erzielte Basel dank der Räume, den sie gegen einen hoch stehenden FCZ vorfanden. Ein Millar, Cabral, Ndoye, Stocker, Kasami oder Tavares befinden sich in solchen Situationen in ihrem Element. Den FC Zürich zeichnet in dieser Saison bisher aus, dass er relativ schnell aus Fehlern lernt. Gegen den FCB versuchte man es aber trotz der 1:3-Niederlage im St. Jakob Park nochmal auf die gleiche Art und Weise. Mehr noch: im Letzigrund griff man die Bebbi sogar noch früher hoch an. Diese nutzten die Offerte drei Mal zur Führung. In den letzten Jahren hatte der FC Zürich gegen Basel immer dann Erfolg gehabt, wenn er tief stand. Diese eiserne Regel hat immer und immer wieder nicht beherzigt – auch in dieser Saison bisher nicht. Für die zwei Direktduelle der Rückrunde wird ganz entscheidend sein, dass der FC Zürich cleverer und erfolgsorientierter auftritt.
Eine der schlechtesten Halbzeiten der Vorrunde
Es gibt durchaus nachvollziehbare Gründe, warum der FCZ seine Strategie im Vergleich zum ersten Spiel nicht geändert hat. Damals hatte man in Basel ein Chancenplus herausgespielt und scheiterte zu grossen Teilen am eigenen Unvermögen beim Abschluss oder letzten Pass. Diesmal führten die Ballgewinne in der gegnerischen Platzhälfte allerdings nicht zu Torchancen, weil man die Bälle schnell wieder verlor. Dem Zürcher Mittelfeldzentrum unterliefen gerade in der 1. Halbzeit zu viele unnötige Ballverluste, das Verhalten im Pressing war nicht clever und gegen den Ball fehlte die Handlungsschnelligkeit. Basel vermochte jeweils zu einfach durch die Mitte durchzulaufen oder zu kombinieren. Die Erste Halbzeit war eine der schlechtesten des FC Zürich in dieser Vorrunde und das Pausenresultat hätte normalerweise eher 0:2 oder 0:3 statt nur 0:1 lauten müssen. Nur MVP Fidan Aliti und Yanick Brecher waren in den ersten 45 Minuten gut.
Die angesprochenen Probleme gingen auch in der Zweiten Halbzeit nicht weg, aber es ging mental ein Ruck durch die Mannschaft. Dies reichte zusammen mit den Einwechslungen, um nach einem an Dramatik kaum zu überbietenden Ende der Partie einen Punkt im Letzigrund zu lassen. Kurz nach dem erknorzten 3:3 im zweiten Derby und dem Cup-Out in Yverdon war die Verwandlung in der Halbzeitpause gegen Basel mit dem Last Minute-Tor Assan Ceesays zum 3:3 der entscheidende Turnaround, welcher den FCZ in der Folge bis zur Winterpause zurück auf die Erfolgsspur brachte. Für einmal wurde der FCB zum „Aufbaugegner“ des FCZ. Nicht wie sonst üblich umgekehrt.
Dank Mentalität zum verdienten Ausgleich in extremis
Neben seiner soliden Defensivarbeit überzeugte Fidan Aliti mit sehr guten Bällen in die Tiefe, Vorstössen mit Ball, Flanken und Doppelpässen über die linke Seite. Wie später gegen YB wuchs der Linksfuss an der schwierigen Aufgabe im Spitzenspiel. Moritz Leitner als Sechser hatte Gegenspieler Males überhaupt nicht im Griff. Dzemaili und Doumbia kümmerten sich als Achter eher schlecht als recht um Kasami und Frei. Nach einer Stunde rückte Dzemaili zurück auf die Sechs und konnte sich in dieser Rolle wie immer in dieser Vorrunde etwas besser präsentieren. Als alleiniger Sechser kann der Routinier seine Übersicht und die Qualitäten mit langen Bällen ausspielen und da der Weg zum eigenen Strafraum kürzer ist, fällt die Langsamkeit in der Rückwärtsbewegung weniger häufig ins Gewicht. Ab der 84. Minute und der Einwechslung von Rodrigo Pollero für Fidan Aliti switchte der FCZ auf eine 4-1-2-3 Formation mit dem eingewechselten Andy Gogia als Linksverteidiger. Bei Standards stürmte am Ende auch Torhüter Yanick Brecher und war bei einem Coric-Freistoss nahe an einem erfolgreichen Kopfballabschluss dran.
Die Nachspielzeit wurde dramatisch. Heinz Lindner parierte einen Weitschuss von Ante Coric spektakulär und spielte dann den sterbenden Schwan, als er und Assan Ceesay gleichzeitig einen aufs Feld geworfenen Ball holen und rausbefördern wollten. War es danach Karma, dass der Österreicher an vorderster Front erst die vermeintliche Entscheidung zum zu Recht durch den VAR aberkannten 4:2 feierte und nur wenige Augenblicke später den 3:3-Ausgleich durch Assan Ceesay hinnehmen musste? Nach dem 2:1-Siegtreffer im ersten Derby erneut ein dramatischer Last Minute-Treffer des Gambiers! Andy Gogia hatte Nikola Boranijasevic den Ball nicht ideal zugespielt, aber gerade die Improvisation des Serben und dessen Rücklage führte dazu, dass der Aufsetzer in den Strafraum für den Gegner praktisch nicht zu verteidigen war.
Die Auftritte des FC St. Gallen sind immer wieder beeindruckend: das Tempo, die Athletik, die Laufbereitschaft und Kompromisslosigkeit. Mit vielen kleineren und grösseren innovativen Herangehensweisen und Prinzipien brechen sie über Jahrzehnte eingeschliffene Spielweisen und Gewohnheiten auf. Sie zwingen ihren Gegnern damit einen Fussball auf, der den Stempel der Unterhaltungsgarantie trägt. Die Liga sollte den Ostschweizern dafür dankbar sein. Das fängt bei der schnellen Ausführung von Einwürfen und Eckbällen an, geht über die unaufhörliche Suche nach dem direktesten Weg zum Tor, bis zu einer verteilten Positionierung, welche beiden Teams viel Platz zum Laufen und Spielen mit Ball bietet – ein wichtiger Grund dafür, warum Spiele gegen St. Gallen so abwechslungreich rüberkommen.
St. Gallen hat den Super League-Fussball verändert
Die Spielweise ist eine moderne Version des ursprünglich Englischen Stils des „Kick and Rush“ und eine komplette Abkehr von der seit den durch Italien dominierten 90er-Jahren gepredigten „Kompaktheit“ im internationalen Fussball. Sie wurde in für Innovationen offenen und mit der notwendigen Geduld für langfristiges Arbeit ausgestatteten österreichischen und deutschen „Retortenklubs“ entwickelt. St. Gallens Peter Zeidler entstammt dieser Trainerschule, welche speziell österreichischen Vereinen im Europacup ungeahnte Höhenflüge ermöglicht hat. In der Schweiz führte der ehemalige Salzburger Trainer Adi Hütter YB auf den langfristigen Erfolgskurs.
Wer schon einmal Zusammenfassungen von englischen First Division-Partien aus den 70er-Jahren gesehen hat, fühlt sich bei St. Gallen-Matches daran erinnert. Wenn man gut hinhört, vernimmt man dabei sogar als ein Echo der damaligen Zeit wieder das leidenschaftliche englische Stehplatzpublikum bei jeder Aktion lebhaft mitgehen. Aber natürlich ist es in der Realität nicht genau dasselbe: die Plätze sind heute besser, ebenso die Athletik und Technik der Spieler sowie die deutlich zahlreicheren taktischen Finessen. Während die Fesseln auf dem Platz also wieder etwas fallen, strahlen derweil die Fankurven mehr denn je römische Kompaktheit aus.
FCZ agiert differenzierter als die Grünweissen
So viel zum löblichen Spielstil. Niemand wird aber behaupten, dass St. Gallen und Peter Zeidler alles richtig machen, sonst würden sie nicht auf der aktuellen Tabellenposition stehen. Die Partie gegen den FCZ zeigte exemplarisch die Probleme des aktuellen St. Galler Spiels auf: es ist zu stereotyp. Wie „Manöggeli“ in einem Computerspiel der 80er-Jahre verhalten sich die grünweissen Spieler überall auf dem Platz genau gleich. Egal ob im Mittelfeld, im Angriffsdrittel oder im eigenen Strafraum. Das St. Galler Pressingverhalten ist auf dem ganzen Platz intensiv. Dabei handelt es sich tendenziell nicht um ein kollektives Pressing, sondern jeweils um eine überfallartige Attacke des ballführenden Gegners durch einen einzelnen St. Galler im Vollsprint. So auch von Boubacar Traoré gegen Blerim Dzemaili im St. Galler Strafraum – das Resultat: Penalty!
Oder in der Angriffszone: wie wenn sich im Zürcher Tor ein Magnet befinden würde, bewegt sich der Ball bei St. Galler Ballbesitz entweder durch Dribblings oder lange Pässe in direkter Linie zum gegnerischen Tor. Und es wird auch aus relativ grosser Distanz schnell der Abschluss gesucht. Querpässe scheinen verpönt zu sein. Anders der FCZ: er passt sich zwar bis zu einem gewissen Grad dem St. Galler Spiel an und hat ebenfalls Zug in seinen Aktionen, geht aber deutlich differenzierter vor. Vor dem 2:1-Führungstreffer beispielsweise wird die gegnerische Abwehr im Angriffsdrittel auch mal mit Querpässen und Diagonalbällen ausgehebelt. Und im eigenen Strafraum verteidigt man nicht gleich wie im Mittelfeld.
Nikola Boranijasevic macht viele kleine, entscheidende Dinge gut
Beeindruckend bei St. Gallen ist die Sprungtechnik von Kwadwo Duah und Elie Youan bei den eingeübten hohen langen Bällen von Ati Zigi in die gegnerische Hälfte. Sie steigen so hoch mit einem hervorragenden Timing, dass den Zürcher Gegenspielern nur das Staunen bleibt. In der Anfangsphase ergibt sich so eine grosse Gästechance. Das Vorgehen kostet aber auch Kraft, die den Stürmern dann oft im Abschluss fehlt. Wenn die Spieler Roboter wären, würde St. Gallen mit seiner Spielweise mit grossem Vorsprung Schweizer Meister. Aber es sind eben Menschen mit begrenzten Ressourcen. Und natürlich haben die Ostschweizer die Abgänge eines Ermedin Demirovic, Silvan Hefti oder Jordi Quintilla bis heute noch nicht richtig kompensieren können. Gegen den FCZ fiel im Verlauf der Partie dann auch noch Leistungsträger Ousmane Diakité verletzt aus. Bei gegnerischen Eckbällen hat sich das Zeidler-Team nach zwei Corner-Gegentoren in Luzern Ende Oktober der grossen Mehrheit der Liga angeschlossen und auf Manndeckung umgestellt.
Obwohl St. Gallen nicht ganz so hoch verteidigt wie noch beispielsweise bei der Heimniederlage gegen GC (0:4), operiert der FCZ sehr häufig mit Hohen Bällen von hinten heraus. Im ersten Spielviertel zeigt sich bei den Zürchern eine grosse Diskrepanz zwischen sehr schlecht in die Partie gestarteten Spielern wie Becir Omeragic und Blerim Dzemaili auf der einen Seite und auf der anderen die herausragend beginnenden Nikola Boranijasevic und Aiyegun Tosin. Blerim Dzemaili war vom Anfangstempo der St. Galler überfordert. Unter anderem führte ein Ballverlust von ihm, als er dem Ball nicht entgegenging, zu einem St. Galler Konter mit dem Pfostenschuss des wirbligen Elie Youan. Nach vier gelungenen Teileinsätzen lief Tosin zum zweiten Mal in dieser Vorrunde in der Startformation auf, baute im Verlaufe der Partie dann aber fortlaufend ab. Nach stürmischer Anfangsphase war von ihm nicht mehr viel zu sehen. Der für Tosin in der 61. Minute eingewechselte Wilfried Gnonto brachte hingegen wieder viel Schwung.
Boranijasevic ist erstmals der Zürcher MVP, profitiert dabei auch etwas davon, dass die linke St. Galler Seite mit Aussenverteidiger Traoré und dem linken 8-er Schmidt nicht immer ganz sattelfest war. Es ist auch eine Belohnung dafür, dass der Serbe schon die ganze Vorrunde hindurch viele kleine, aber nicht unwichtige Dinge immer gut macht – zum Beispiel die Einwürfe. Wie sehr im FCZ auf Details geachtet wird, um das Maximum aus seinen Möglichkeiten herauszuholen, wird unter anderem dadurch illustriert, dass Assan Ceesay die Ausführung des Penaltys übernahm. In einem Team, das nicht lebt, geht man häufig den Weg des geringsten Widerstandes und hält sich an Gewohnheiten. Hier wird hingegen flexibel auf Umstände reagiert. Jedes Spiel, jede Aktion, jede Entwicklung wird ernst genommen und die jeweils bestmögliche Lösung für die jeweilige Situation gesucht.
Alle vier Tore des Spiels auf Standards erzielt
Der 0:1-Rückstand in der 7. Minute durch ein Eigentor von Becir Omeragic war das vierte Gegentor der Vorrunde nach einem Eckball. Gegen St. Gallen und GC gab es in jedem bisherigen Spiel solch einen Gegentreffer. Der Eckball war aus einem anderen Eckball und dieser aus einem Ballverlust des wie meist in den letzten Wochen eher durchschnittlich spielenden Antonio Marchesano in der Angriffszone entstanden. Dass Becir Omeragic den Ball dabei ins eigene Tor lenkte, war kein Zufall. Der Genfer, obwohl Innenverteidiger, gehört eher zu den schwächeren Zürchern in solchen Situationen und verliert ab und zu mal seinen Gegenspieler aus den Augen. Da Mirlind Kryeziu wie immer im Raum eingesetzt wurde, wurde daher Lindrit Kamberi damit betraut, den stärksten Gegenspieler (erst Diakité, dann Nuhu) zu decken. Beim Gegentreffer verlor Omeragic seinen Gegenspieler Guillemenot, der damit die Möglichkeit erhielt, Kryeziu an der Grenze des Erlaubten beim Versuch, den Ball wegzuköpfen zu behindern. Omeragic hätte danach den Ball auch selbst wegköpfen können, war aber darauf auch nicht gefasst. Stattdessen stand er letztendlich abseits des Geschehens an einer Stelle, wo er nichts bewirken konnte – aussser einen Schuss von Kwadwo Duah, welcher klar nebens Tor geflogen wäre, entscheidend ins eigene Gehäuse abzulenken.
Duahs Gegenspieler wäre Ousmane Doumbia gewesen. Der Ivorer gehört normalerweise zu den aufmerksamen Manndeckern bei gegnerischen Eckbällen, aber diesmal liess er sich erwischen. Auf der anderen Seite erzielte der FCZ alle seine drei Tore ebenfalls aus Standardsituationen: ein Penalty, ein Freistoss und ein Corner. Der neben Antonio Marchesano stärkste Offensiv-Kopfballspieler Lindrit Kamberi erzielte nach einem Guerrero-Corner per Kopf sein erstes Wettbewerbstor im Fanionteam. Es war beinahe eine Kopie von Mirlind Kryezius 3:0-Treffer gegen Luzern, ausser dass diesmal der Eckball von links und an den nahen Pfosten geschlagen wurde. Bei St. Gallen lief in dieser Szene etwas mit der Zuteilung schief. Boubacar Traoré war sicherlich die falsche Wahl als Gegenspieler von Kamberi. Insgesamt hat der FCZ in dieser Vorrunde inklusive Cup 41% seiner Tore auf Standards erzielt.
Lindrit Kamberi ersetzt erwartungsgemäss den nach dem Auswärtssieg in Lausanne gesperrten Fidan Aliti. Die erfahreneren Tosin und Dzemaili kommen für die vorerst auf der Bank Platz nehmenden Gnonto und Krasniqi rein.
Bei den Gästen aus St. Gallen sind im Vergleich zum Heimspiel gegen Lugano Guillemenot, Duah, Münst und Schmidt neu in der Startformation. Lukas Görtler fehlt genauso gesperrt wie Basil Stillhart.
Wie gegen den FC Luzern kann der FCZ in der Dezember-Kühlbox der Tuilières früh gegen Lausanne-Sport in Führung gehen – wieder mal durch ein Tor nach einem Einwurf. Es ist der dritte solche Treffer in dieser Saison und der zweite gegen Lausanne. In dieser Vorrunde hat der FCZ eine klare Stammformation von neun Spielern. Dazu kommen je eine Position im Mittelfeld und im Sturm, die nicht fix vergeben sind. Diese beiden Positionen wurden in Lausanne durch die beiden Jungen Gnonto und Krasniqi besetzt, welche sich mit den beiden Toren zum 0:2 dafür bedankten. Mit dem ersten Sieg in Lausanne seit Mai 2014 ist somit eine weitere Negativserie gebrochen. Hohe Niederlagen in Lausanne (1:5, 0:4) waren in der Zwischenzeit jeweils nicht ganz unschuldig an den Trainer-Freistellungen von Uli Forte und Ludovic Magnin gewesen.
Mehr Bewegung Lausannes macht Unterzahl mehr als wett
Anders als im Luzern-Spiel, als der FCZ von Anfang an hoch presste, stand er diesmal tiefer. Insgesamt war es ein Spiel mit wenig Torszenen, welches der FCZ von Beginn weg im Griff hatte. Genau 600 gespielte Pässe (FCZ-Saisondurchschnitt: 357) zeigen wie kontrolliert die Gäste aus der Limmatstadt den Spielaufbau betrieben (Quote angekommene Pässe: 89% (hoch), Anteil Lange Bälle: 7% (tief), Match Tempo: 19,1 (hoch)). Speziell die Innenverteidiger schoben den Ball flüssig von einer Seite zur anderen, bis eine Lücke im Abwehrverbund des meist ebenfalls relativ tief stehenden Gegners aufging. Nach etwas mehr als einer halben Stunde konnte man nach der Gelb-Roten Karte gegen Trazié Thomas (Grobes Foulspiel an Assan Ceesay) in Überzahl spielen, konnte dies aber mit zunehmender Spieldauer zu seinen Gunsten nutzen. Im Gegenteil: FCZ-Ballbesitz war in der Phase vor dem Platzverweis bei 74% gelegen und ging danach kontinuierlich runter bis auf 29% in der Schlussviertelstunde der Partie. Dies weil Lausanne die Unterzahl durch mehr Bewegung mehr als wett machte und der zu Beginn geschonte Cameron Puertas sich zum spielbestimmenden Mann aufschwang. Zudem wurde das Zürcher Zentrum nach der Einwechslung von Moritz Leitner defensiv zu anfällig.
FCZ profitiert von Waadtländer Unordnung direkt nach dem Platzverweis