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Heisse Drähte:
Karte der Telegrafenlinien, Wurster & Comp., 1858
Die Deutschen waren schneller gewesen. 1849 erfuhr der Bundesrat via Berner Regierung vom Telegrafen, der in Preussen bereits erfolgreich eingesetzt werde. Man sah die Nützlichkeit des neuen Mediums zwar ein, doch der junge Bundesstaat hatte andere Prioritäten. Es brauchte eine Petition der Wirtschaft, bis sich das Parlament Ende 1851 auf ein Gesetz einigen konnte. Das Telegrafenwesen wurde zur Bundesaufgabe erklärt. Schon Mitte 1852 war die erste Linie von Zürich nach St. Gallen betriebsbereit. Laut dieser Karte von 1858 gab es 11 «Hauptbureaux» und rund 110 «Zwischenbureaux». Angeschlossen waren sämtliche Kantonshauptorte sowie wichtige Standorte der Industrie und des Handels. Das Telegrafennetz war in der industrialisierten Nordostschweiz besonders dicht. Im Gegensatz dazu fehlten Anschlüsse im westlichen Berner Oberland, im Oberwallis und weiten Teilen Graubündens noch völlig. Neben dem staatlichen, rot eingezeichneten Netz entstand ein privates, schwarz eingezeichnetes der Eisenbahnen. Die Liniensignaturen sind leicht verständlich gestaltet: Für jeden real vorhandenen Draht wurde auf der Karte eine Linie eingetragen. Wenn man die Karte also ernst nimmt, gab es beispielsweise keine direkte Verbindung zwischen Trogen und St. Gallen. Dafür hätte das Morsesignal entweder einen Umweg über Altstätten und Appenzell oder über Rheineck und Rorschach nehmen müssen. Die Quizfrage ist nun: Waren die Telegrafisten überfordert oder vielmehr der Kartograf?
Bibliografische Angaben
Karte der schweizerischen Telegraphenlinien und Bureaux. Winterthur: Top. Anstalt von J. Wurster & Comp., 1858.
Bildauswahl und Text
Abteilung Karten und Panoramen, Zentralbibliothek Zürich