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Nachruf auf Robert Hofmann
Nachruf auf Robert Hofmann
Traurig und betroffen teilen wir Ihnen mit, dass Dr. Robert Hofmann, Präsident der Schweizerischen Liga gegen den Lärm (heute Lärmliga Schweiz) von 2003 bis 2008 am 31.3.2020 nach kurzer Erkrankung an Covid-19 verstorben ist.
Robert Hofmanns berufliche Tätigkeit war der Erforschung und der Bekämpfung des Lärms gewidmet. Als hochqualifizierter Physiker war er Chef der Abteilung Akustik / Lärmminderung der EMPA. Er gestaltete die Anhänge der Lärmschutzverordnung ganz wesentlich mit, die festlegen, wie die Störwirkung der wichtigsten Lärmarten zu berechnen und wo die Grenzwerte tags und nachts zu setzen sind. Dazu stand er im interdisziplinären Austausch mit Soziolog*innen, Planer*innen und Jurist*innen. Dabei wurde ihm auch ein gerüttelt Mass an Improvisation abverlangt. Der Bund unterliess es nämlich in den 1970er-Jahren konstant, genügende finanzielle Mittel bereitzustellen, um seriöse soziopsychologische Befragungen zur Störwirkung sowie Lärmmessungen zu ermöglichen.
Dazu Robert Hofmann selbst: «Die Schweiz hat für Verkehrslärm ein Grenzwertschema, das zu einem wesentlichen Teil auf Grund von Erfahrungen in einem triaI-and-error Verfahren entstanden ist. Wissenschaftliche Untersuchungen haben mitgespielt, dienten aber nicht selten mehr der Bestätigung der bereits eingeschlagenen Richtung als der Suche nach neuen Wegen.» (Grundlagenpapier: Der geschichtliche Werdegang der Lärmgrenzwerte zuhanden der Eidg. Kommission für Lärmbekämpfung, 2009, S. 47).
Als der Experte für die Beurteilung der Störwirkung durch Lärm wurde Robert Hofmann auch häufig vom Schweizerischen Bundesgericht beigezogen. Im Auftrag des Kantons Zürich erarbeitete er 2006 mit einem Expertengremium den Zürcher Fluglärmindex ZFI. Dieser wies die Anzahl der stark Gestörten rund um den Flughafen nach und war insofern ein innovatives und verfeinertes Instrument für die Beurteilung der Störwirkung des Flughafens Zürich. Der ZFI enthielt auch einen Richtwert, ab welchem die Lärmbelastung mit Hilfe von Korrekturmassnahmen vermindert werden sollte. Die Politik freilich missbrauchte den ZFI, um 2007 eine Volksinitiative mit harten quantitativen Beschränkungen für den Luftverkehr zu bodigen. Da der Kanton Zürich zudem für Korrekturmassnahmen der Lärmbelastung praktisch gar nicht zuständig war, sorgte der ZFI in den Folgejahren regelmässig für mediale und politische Empörung, war aber effektiv zum Vornherein wirkungslos. Robert Hofmann hatte sich 2006 mit grosser Energie an die Arbeit gemacht. In der Tradition der Aufklärung vertraute er auf die Wirkung von wissenschaftsbasierten Fakten, überliess so aber auch der Politik den Lead.
Als Lehrer an der ETH Zürich war er mehreren Generationen von Studierenden Vorbild im Kampf gegen übermässigen Lärm. Er begleitete und beriet die Lärmfachleute auch freundschaftlich während ihrer beruflichen Karriere. Seine sachliche, bestimmte Art - auch wenn sie vielleicht etwas technokratisch rüber kam – wurde an ihm bewundert. Der technische Lärmschutz in der Schweiz, die vielen Ingenieure, die er ausgebildet hat, die vielen Vollzugsbeamten, die von seinem Wissen und Engagement profitieren konnten und nicht zuletzt die EMPA, Abteilung Akustik und Lärmbekämpfung, bleiben ihm zu hohem Dank verpflichtet.
Als er 2003 das Präsidium der Liga gegen den Lärm übernahm, verhinderte er mit Erfolg deren Auflösung. Mit den weitgehend von ihm verfassten und gestalteten SLL-Infos setzte er beharrlich seine Aufklärungsarbeit über den Lärm und die Lärmwirkung fort. Leider gelang es ihm nicht, die schmale Mitgliederbasis auszuweiten und die Liga gegen den Lärm aus ihrem Nischendasein zu befreien. Trotzdem steht er am Anfang des Neustarts der Lärmliga Schweiz ab 2012. Ohne ihn gäbe es diese nicht. Der seinerzeitige Vorstand wird auch nicht vergessen, wie freundschaftlich und beharrlich er den Nicht Physiker*innen akustische Grundlagen vermittelte und sich nicht zu schade war, selbst ausgefallene Fragestellungen zu erörtern.
In Robert Hofmann verlieren wir einen langjährigen und engagierten geschätzten Kollegen. Wir werden ihn sehr vermissen. Seinen Angehörigen entbieten wir unser herzliches Beileid.
Peter Ettler