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Der Reitsport hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt und rückte die Relevanz der Grundausbildung von Pferd und Mensch wieder stärker in den Fokus. Die «Young Riders Academy» (YRA) möchte mit ihrem Programm junge Springreiterinnen und -reiter auf ein progressives System vorbereiten und sie als zukünftige Profis wettbewerbsfähig machen. Gleich zwei Schweizer Talente wurden diesen Februar in das «Education Program» der YRA aufgenommen.
Das Niveau der vierundzwanzig Athletinnen und Athleten der diesjährigen Sichtung war zweifellos hoch. Angereist waren Reiterinnen und Reiter, die trotz ihrem jungen Alter schon Resultate in den höchsten Klassen vorweisen können. Ihre Selektion fand 2022 erstmals in einem neuen Format statt, das als zweitägiges Event am Peelbergen Equestrian Center durchgeführt wurde. Die Auswahl bestand aus einer sorgfältigen Begutachtung des reiterlichen Könnens während der Lockerungsphase, in der Dressurarbeit und im Parcours. Alle Reiterinnen und Reiter wurden ausserdem im Rahmen eines Interviews befragt, um ihre Qualitäten auch in Bezug auf Ausbildung, Ambitionen und Kommunikationsfähigkeit zu beurteilen. Bewertet wurden die jungen Talente von namhaften Grössen aus dem Springsport: Sven Holmberg (Schweden), Otto Becker (Deutschland), Jean-Maurice Bonneau (Frankreich), Emile Hendrix (Niederlande) und Franke Sloothaak (Deutschland).
Umfangreiche und massgeschneiderte Ausbildung
Die Young Riders Academy wurde vom gemeinnützigen Verein «Athenäum», der aus Fachleuten und Vertretern diverser Reitsportinstitutionen besteht, unter dem Patronat des europäischen Pferdesportdachverbands (EEF) und in Zusammenarbeit mit dem International Jumping Riders Club entwickelt. Die weltbekannte Schweizer Uhrenmarke «Rolex» unterstützt das Projekt seit Beginn als grosszügiger Hauptsponsor. Jedes Jahr gibt die YRA fünf bis zehn Reiterinnen und Reitern zwischen 18 und 23 Jahren die Chance, von einer umfangreichen und massgeschneiderten Ausbildung zu profitieren. Das «Sport Program» beinhaltet einen Trainings- und Pensionsaufenthalt von zwei Pferden bei einem internationalen Springreitprofi wie Henk Nooren, Jos Lansink, Gerco Schröder oder Scott Brash. Im «Education Program» absolvieren die Teilnehmenden neben Trainings auch Lehrgänge zu Schlüsselthemen wie Veterinärwesen, Marketing, Wirtschaft und Recht. Alle Fächer werden in Partnerschaft mit der Franklin University of Switzerland und der Swedish University of Agricultural Sciences unterrichtet.
Joana Schildknecht und Gilles Müller sind dabei
Sechs der vierundzwanzig Reiterinnen und Reiter haben es in das «Sport Program» geschafft: Zoe Osterhoff und Philipp Schultze-Topphof (Deutschland), Joseph Stockdale (Grossbritannien), Conor McMahon (Irland), Sofia Manzetti (Italien) und Ignacio Astolfi (Spanien). Fünf Reiter sind neu Teil des «Education Program», darunter gleich zwei Schweizer: Joana Schildknecht und Gilles Müller (Schweiz), Egor Shchibrik (Russland), Alexander Housen (Belgien) und Gaj Riossa (Slowenien). Die Trainergruppe für 2022 wird von Equipenchef Jean-Maurice Bonneau koordiniert und besteht aus Jos Lansink, Franke Sloothaak, Marco Kutcher, den Brüdern Ben, Wim und Gerco Schröder sowie ab diesem Jahr Rob Ehrens
Chancen wahrnehmen
Als der SVPS die Anfrage der Young Riders Academy erhielt, stand für die Verantwortlichen schnell fest, dass Joana Schildknecht und Gilles Müller aufgrund ihrer sportlichen Leistungen vorselektioniert werden. Da die definitive Einladung zur internationalen Sichtung relativ kurzfristig an die nationalen Verbände versandt wurde, mussten sich die beiden jungen Talente schnell entscheiden, ob sie am 7. Februar 2022 daran teilnehmen möchten. Obwohl beide zum gegebenen Zeitpunkt in der Winterpause waren und neben dem Springsport eine Ausbildung absolvieren, haben sie mit der Zusage keinen Moment gezögert.
Reiterlich und menschlich wachsen
Gilles Müller erinnert sich: «Für die Selektion habe ich meine Stute Morgan VDS mitgenommen, die somit nach einer längeren Auszeit in die Saison starten konnte. Weil ich aktuell keinen Youngster im Stall habe, stellte mir der Stall Hauri ein fünfjähriges Pferd zur Verfügung. Für den jungen Wallach war es die erste Erfahrung dieser Art.» Von der YRA erhofft sich Gilles Müller, sein Wissen vertiefen zu können und neue Bekanntschaften zu schliessen. Obwohl er sich mit der aktuellen Situation im Training und seinem Umfeld sehr glücklich schätzt, glaubt er, dass man sich neuen Möglichkeiten immer öffnen sollte, um reiterlich und menschlich zu wachsen.
Junge Vorbilder für den internationalen Springsport
Emile Hendrix, Mitglied der Auswahlkommission, macht deutlich: «Die Zahl der Bewerber wächst von Jahr zu Jahr. Die Konsequenz ist, dass es nicht reicht, nur gut zu reiten. Für die YRA suchen wir nach den Qualitäten, die den Unterschied machen: Talent - ja, aber auch Ehrgeiz, Selbstreflexion und gutes Management.» Das Ziel der YRA ist es, vorbildhafte Botschafter für den internationalen Springsport hervorzubringen und sie auf einer Etappe ihrer Laufbahn zu unterstützen. Wer einmal in die YRA aufgenommen wird, gehört danach quasi zur Familie. Auch ehemalige YRA-Mitglieder sind jederzeit willkommen, um mit den Teams in Kontakt zu treten und ihre Erfahrungen zu teilen. Damit wird das Networking gestärkt und der Gemeinschaftsgeist gefördert - was bei Bedarf die richtigen Türen öffnen kann.
Herausragende Interviews der Schweizer
Cornelia Notz ist seit 2020 Nachwuchsverantwortliche der Disziplin Springen beim SVPS sowie Leiterin des Schweizer Förderprojekts für den Springsport «Suisse Youth Jumping Academy». In ihrer Funktion ist sie für die Betreuung von über 70 jungen Talenten zuständig und kennt Joana Schildknecht und Gilles Müller schon seit Beginn ihrer Karriere. Besonders stolz war sie auf die beiden, als Jean-Maurice Bonneau, Selektionsverantwortlicher der YRA, sie kurz nach der Sichtung im Februar anrief, um sich dafür zu bedanken, dass die Schweiz so vielversprechende Jugendliche nach Peelbergen geschickt hatte. Die zwei hätten herausragende Interviews gegeben und sich als respektvolle und sympathische junge Menschen präsentiert. Man habe nicht an ihnen vorbeigehen können.
Dem Springreitnachwuchs eine Bühne geben
Mit der Aufnahme in die YRA ist für Joana Schildknecht und Gilles Müller ein wichtiger Meilenstein erreicht. «Es zeigt mir, dass ich mit der starken, internationalen Konkurrenz mithalten kann. Ebenso ist es Zeichen, dass ich auf einem guten Weg bin und mich in den letzten Jahren weiterentwickeln konnte», sagt Joana Schildknecht. Der SVPS legt bei der Jugendförderung traditionsgemäss viel Wert auf eine breite Basis. Mit Angeboten wie den Prüfungen der Swiss Team Trophy (STT) oder dem in diesem Jahr erstmals auszutragenden «Zürich Youth Masters» wird dem Springreitnachwuchs eine Bühne geboten. Für Joana Schildknecht und Gilles Müller steht zu Beginn des Sommers in Lugano die erste offizielle Zusammenkunft als Teilnehmer der YRA an. Im Herbst geht es für einen weiteren Lehrgang nach Schweden. Was die Zukunft bringt, wird sich zeigen. Fest steht aber, dass wir von den zwei jungen Hoffnungsträgern des Schweizer Springsports definitiv noch hören werden.
Olga Kuck
Weitere Informationen:
www.ridersacademy.eu