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Die Schweizer Panzertruppe hat in der vergangenen 25 Jahren nicht weniger als drei Reformen durchlaufen, mit der Weiterentwicklung der Armee (WEA) erfolgt in diesem Jahr bereits die Nächste. Nachfolgend die Entwicklung der Panzertruppe von 1962 – 2017.
→ Weiterlesen: Die Panzerbrigaden der Armee 95
Michail Kalaschnikow drückte ab, staunte und blickte hinüber zu dem Mann, der neben ihm im Schiessstand lag. «Mein Gewehr schiesst ja auch immer, egal, wie widrig die Umstände sind. Aber so präzise wie Ihres schiesst es nicht.» Der Mann, der an diesem Nachmittag 1996 neben dem legendären russischen Waffenbauer lag, lächelte und freute sich über das gute Zeugnis, das der Russe «seiner» Waffe gerade ausgestellt hatte. Wie Kalaschnikow war auch er Waffenkonstrukteur. Nur trug «seine» Waffe – anders als Kalaschnikows Maschinengewehr – nicht seinen Namen. Wäre es in der Schweiz wie in Russland, dann sagte man dem Sturmgewehr 90 der Schweizer Armee «Brodbeck». Und das fände Eduard Brodbeck, der sich 1996 mit Kalaschnikow zum Schiessen traf, schrecklich.
→ Weiterlesen: Das ist Mr. Stgw 90
Am 15. September 1916 kamen im Ersten Weltkrieg die ersten Panzer auf den Schlachtfeldern an der Somme zum Einsatz. Fünf Jahre später beschaffte sich die Schweizer Armee ihre ersten zwei Panzerwagen. Nicht für einen Einsatz in der Truppe, sondern zu Anschauungszwecken.
Am 18. März 1921 wird das eidgenössische Militärdepartement vom Bundesrat zum Kauf von zwei französischen «Tanks» ermächtigt. 102’000 Schweizer Franken kosten die beiden Renault FT. Mit rund 7 Tonnen Gewicht und einer Spitzengeschwindigkeit von 8 km/h für heutige Massstäbe gepanzerte Leichtgewichte.
→ Weiterlesen: Geschichte der Schweizer Panzer (Video)
Es ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Wenn hierzulande grosse Rüstungsgeschäfte anstehen, dann knallt es. So auch im Falle von «Florida», einem zentralisierten Frühwarn-Radarsystem für die Flieger- und Flabtruppen: Mit neuen, in den Alpen einbetonierten Radaranlagen soll im Kalten Krieg der Luftraum weit über die Landesgrenze hinaus nach feindlichen Flugzeugen abgesucht werden. Die Übermittlung des Erspähten erfolgt elektronisch, die Abwehr mittels Mirage-Kampfjets und Bloodhound-Raketen wird zentral dirigiert. 1965 beschliesst das Parlament die Anschaffung dieses Hightech-Systems aus amerikanischer Produktion, das noch nirgends erprobt worden ist. Kostenpunkt 203 Millionen Franken. Die Linken sowie diverse Militärexperten wie der Oberstkorpskommandant und Strategiefuchs Alfred Ernst opponieren zwar: Zu kompliziert und zu verletzlich sei «Florida», zudem würden tief fliegende Objekte wie Helikopter gar nicht erfasst. Aber die Kritik ist vergeblich. Die Bürgerlichen schliessen die Reihen mit dem simplen Motto: Wer für die Landesverteidigung ist, muss «Florida» akzeptieren. Doch nur kurz nach der Mirage-Affäre folgt damit bereits der nächste Armee-Skandal.
→ Weiterlesen: Parallelen zu heute: «Florida»-Affäre im Kalten Krieg
Die Konzeption vom 6. 6. 66 ist heute kaum mehr dem Namen nach bekannt – erstaunlicherweise, denn immerhin bedeutet sie die wichtigste Weichenstellung für die Schweizer Armee im Kalten Krieg. Mit der Verabschiedung der Konzeption der militärischen Landesverteidigung durch den Bundesrat am 6. Juni 1966 finden jahrzehntelange Auseinandersetzungen um eine adäquate Schweizer Militärdoktrin ein Ende. Im sogenannten Konzeptionenstreit, der fast unmittelbar nach dem Aktivdienst 1939–1945 begonnen und in mehreren Etappen hohe emotionale Wellen geschlagen hat, stehen sich höchste Offiziere gegenüber, die grundsätzlich voneinander abweichende Vorstellungen von moderner Kriegführung haben; und auch ihre Bilder von der Rolle des Soldaten könnten unterschiedlicher nicht sein: Dem Staatsbürger in Uniform steht der zu bedingungslosem Gehorsam erzogene Untergebene gegenüber.
→ Weiterlesen: Militärdoktrin mit langer Verfallszeit
Die Schweizer Armee muss derzeit enorme Anstrengungen unternehmen, um bei Bedarf und übers ganze Jahr verteilt etwa 2300 Soldaten zum Einsatz bringen zu können. Diesen kleinen Bestand nannte zuletzt der scheidende Chef der Armee, André Blattmann, im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise. Mehr Soldaten liegen wegen der verkleinerten Armee nicht mehr drin. Bald gefragt sein könnte die Armee nicht nur wegen ihrer Aufgaben bei der Bewältigung von Migranten- und Flüchtlingsströmen, sondern auch für Schutz-, Kontroll- und Versorgungsaufträge infolge erhöhter Terrorgefahr. Die Armeespitze muss derzeit hinter den Kulissen Prioritäten setzen, welche Einrichtungen im Notfall überhaupt noch bewacht werden können. Als fatal erweist sich vor diesem Hintergrund ein sicherheitspolitischer Fehlentscheid aus dem Jahr 2003. Bundesrat und Parlament schafften damals die Alarmformationen von Zürich, Bern und Genf mit 5000 Milizangehörigen ab.
→ Weiterlesen: Die vermissten Alarmformationen – Der Fehlentscheid
Ursprünglich dienten die Panzerbarrikaden dazu, bei militärischen Angriffen die Weiterfahrt für Panzer zu verhindern oder zu erschweren. Das Bundesamt für Rüstung (Armasuisse), das für die Objekte zuständig ist, schreibt jedoch auf Anfrage: «Panzerbarrikaden sind nicht nur für die Landesverteidigung, sondern können auch dem Grenzschutz oder der Polizei behilflich sein.»
→ Weiterlesen: Alte Sperren gegen den Feind
Es war seine grösste Niederlage. Die Beschaffung von schwedischen Düsenflugzeugen des Typs Gripen, die Ueli Maurer kaufen wollte, ist vor einem Jahr beim Volk durchgefallen. Vor wenigen Tagen gab der SVP-Bundesrat die Schuld seinem Vorgänger und wechselte ins Finanzdepartment. Die Beschaffung neuer Kampfjets obliegt nun dem neuen Militärminister: Guy Parmelin, SVP-Politiker und Weinbauer aus dem Waadtland. Er wird den Kauf umsichtig vorbereiten müssen. Kaum eine andere Beschaffung ist so teuer und so eng mit der Bedrohungslage und dem Konzept der Landesverteidigung verbunden.
Exemplarisch dafür steht der Mirage-Skandal vor über 50 Jahren. Auch damals war ein Weinbauer aus dem Waadtland Militärminister: Paul Chaudet. Im Gegensatz zu heute war in jener Zeit die Bedrohung aber akut. Es herrschte Kalter Krieg. Die Sowjetunion, so schien es, konnte jederzeit angreifen. Man war sich einig: Nur eine starke Armee kann das Land schützen. Armeegegner in der Politik gab es nicht, wie der Militärhistoriker Rudolf Jaun ausführt. Das Militär war mächtig und genoss den Rückhalt der Gesellschaft.
→ Weiterlesen: Mirage: Zu hoch hinaus
Ich habe Stiefel geputzt, die schon sauber waren, Nachtwache gehalten für Material, das nicht hätte bewacht werden müssen, und ich habe Gewehre zu zerlegen gelernt, mit denen ich niemals würde schiessen dürfen. Stundenlang stand ich herum, um darauf zu warten, dass eine Fahne übernommen oder abgegeben wurde. Tagelang sass ich herum, um – ja, weiss Gott warum. Ich frass Frass aus Konserven, die besser für immer ungeöffnet geblieben wären, fuhr auf harten Pritschen in die hintersten Käffer der Schweiz und langweilte mich fast zu Tode. 233 Tage lang. Und jetzt, jetzt vermisse ich den Armeedienst.
→ Weiterlesen: „Die Armee hat mir gutgetan“
Zusammenfassung der Lehren:
Die Lehre aus Morgarten lautet: Passt Euch nicht den andern an, macht aus Euren Besonderheiten Stärken. Auf heute übertragen heisst das: Wir müssen nicht gleich sein, wie alle andern, als kleines Land müssen wir kreativer, flexibler und besser sein. Und dazu brauchen wir eine freiheitliche Ordnung – das ist unsere Chance! […]
Die Lehren aus Marignano lauten: Erstens – Heldenmut nützt nichts, wenn die Waffen veraltet oder nicht in der nötigen Zahl verfügbar sind.
→ Weiterlesen: Ueli Maurer: Ohne Wurzeln kein Baum – Die Lehren