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CORONER
R.I.P.
Punishment For Decadence
No More Color
Century Media/Sony Music
lg. Ende April legt Century Media endlich die ersten drei und mittlerweile schwer erhältlichen Alben der Zürcher progressiven Thrash-Metal Institution sowohl als LP wie auch als CD neu auf (leider ohne Bonus-Material). 1987 konnte das Trio, welches noch auf dem Demo “Death Cult” (1986) an den Vocals auf die Unterstützung vom Tom G. Warrior (ex-Celtic Frost, Triptykon) zählen konnte, mit “R.I.P.” (1987) eine erste Duftmarke setzen und mit für die damalige Zeit bereits rechts avantgardistischem Thrash-Metal aufwarten. Songs wie “Reborn Through Hate” halten sich nach wie vor im Live-Set der Band, doch konnte “R.I.P.” trotz sehr gutem, atmosphärischem und abwechslungsreichem Songmaterial noch nicht aus der grossen Masse der Veröffentlichungen in diesem Genre herausstechen. Augenscheinlich war allerdings insbesondere das Talent von Gitarrist Tommy Vetterli (später bei Kreator aktiv), wenn man bloss Tracks wie das von klassischer Musik beeinflusste Instrumental “Nosferatu” hört. Mit dem Nachfolger “Punishment For Decadence” aus dem Jahre 1988 änderte sich die Ausrichtung von Coroner insofern, als man progressiver wurde und viel mehr Breaks oder auch jazzige Rhythmen in die Musik eingebaut wurden. Das Tempo und die Stimme von Ron Broder (zugleich Bass) zementierten allerdings das Fundament von Coroner im Thrash Metal. Die Band konnte in spielerischer Hinsicht stark zulegen. Songs wie “Masked Jackal”, “Skeleton On Your Shoulder” oder “Arc-Lite” zeigen diese Entwicklung deutlich auf. Sehr gelungen ist auch die eigenwillige Interpretation des Jimi Hendrix-Klassikers “Purple Haze”. 1989 ging es dann mit dem sehr kompakten und nur aus acht Songs bestehenden dritten Album “No More Color” weiter, der als erster grosser Bandklassiker zu betrachten ist. Insbesondere die Schlagzeugarbeit von Marky Edelmann hat sich zusehends weg von gewöhnlichen Takten entwickelt und diente als Basis für die technisch-progressiven Thrash-Metal Songs auf dem Album. Schon der brutale Opener “Die By My Hand” wartet mit allen Trademarks der Scheibe auf. Weitere Highlights sind “Read My Scars”, “Mistress Of Deception”, “Tunnel Of Pain” oder das abschliessende und sphärische “Last Entertainment”. Bis zur Auflösung im Jahre 1996 haben Coroner leider nie die verdiente Anerkennung erhalten, was sich allerdings seit der Reunion im Jahre 2011 zu ändern scheint – Coroner spielen auf grossen Festivals und ziehen zahlreiche Fans in ihren Bann. Jetzt muss nur noch ein neues Album einer der international wegweisendsten Schweizer Bands (neben Hellhammer/Celtic Frost und The Young Gods) her.