Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03179.jsonl.gz/264

Können Sie sich Jesus Christus, Martin Luther, Huldrych Zwingli oder Jean Calvin als Tangotänzer vorstellen? Die evangelische Pfarrerin Almut Neumann aus Mitlödi/GL hat damit keine Probleme. Sie lädt in der Pfingstnacht ab 21.00 Uhr zu einer öffentlichen religiösen Tangofeier ein und hat dazu die beiden Tangotänzer Carlos Mateos und Stéphanie Chanton aufgeboten.
Dazu sollte man wissen, dass der Tango im Hafenviertel von Buenos Aires entstanden ist als illegitimes Kind des Wiener Walzers, musikalisch unterstützt vom Bandoneon vulgus Ziehharmonika. Es waren, ganz im Sinne des Neuen Testaments, die ausgestossenen Europäer, die Bordellmädchen und Zuhälter wie deren Kunden, die den sozialen Humus für den Tango bildeten. Die Oberklassen fanden ihn meist vulgär.
Die schweizerische reformierte Kirche, im verzweifelten wie hoffnungslosen Bemühen, ihre Kirchen wieder zu füllen, greifen nun auf die argentinische Bordellmusik zurück. Pfingsten, eigentlich das grösste christliche Fest nach Weihnachten, wurde von den meisten Christen ohnehin nie ganz verstanden. Ein Macho-Tanz, belebt durch nackte Oberschenkel, wird der Glarner Pfarrerin die Pfingstnacht zum Himmel machen.