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Das Croquis der Bülacher Altstadt von 1888 zeigt die Wasserversorgung mit Brunnen, Hydranten, Schächten usw.
Interessanterweise sind an diversen Orten Brunnen eingetragen, die heute nicht mehr da stehen. Einige wurden gemäss dem Plan, verglichen mit der heutigen Situation, um ein paar Meter verschoben oder auf die gegenüberliegende Strassenseite versetzt, andere wurden ganz entfernt.
Aus dem Neujahrsblatt Nr. 25 der Lesegesellschaft Bülach aus dem Jahr 1976 ist zum Thema Wasserversorgung und Brunnen folgende Passage zu entnehmen:
"Ergänzend könnte ich noch darauf hinweisen, dass zu jener Zeit noch nicht in allen Häusern eine Wasserversorgung bestand. Es war deshalb Aufgabe der Frauen, täglich das Wasser in grossen kupfernen Eimern (Gelten) am Brunnen zu holen. Den gefüllten Eimer trugen sie dann auf dem Kopf, der mit einem Kissen gepolstert war, mit sicheren Schritten über die Strasse nach Hause. Ein Fussgängerstreifen wurde damals noch nicht benötigt. Auch das Vieh wurde mangels einer Wasserversorgung im Stall zweimal täglich zur Tränke an den Brunnen getrieben."
Lesegesellschaft Bülach (1976). Neujahrsblatt Nr. 25 1976. "Gruss aus Bülach". Selbstverlag der Lesegesellschaft Bülach
Auf der Ansichtskarte (links) von 1950 ist links vom Rathaus Brunnen ein zweiter Brunnen zu erkennen. Das Rathaus, die reformierte Kirche und alle umliegenden Gebäude wurden in den vergangenen Jahrzehnten aufwändig renoviert. Auch der 4-röhrige Rathaus Brunnen wurde schon etlichen Verjüngungskuren unterzogen.
Gleich links vom Brunnen, dort wo sich heute die Filiale des Interdiscounts befindet, gab es das Fahrradgeschäft Meier. Die Ehefrau des Inhabers, Frau Velo-Meier genannt, hielt im kleineren Brunnen Fische. Von Zeit zu Zeit fehlten immer mal wieder ein paar davon. Das waren wohl freche Bubenstreiche, wie mir zu Ohren getragen wurde.
Um etwa 1950 waren die Ecken des damaligen Surberbrunnens noch abgestützt. Zu entdecken ist der Nachbrunnen, der später verschwand. Sein Verbleib ist unbekannt.
2016 sind die Häuserzeilen im Städtli renoviert aber originalgetreu erhalten. Sogar der Brunnen vor der heutigen Metzgerei Angst ist im Original von 1848 mit Stock noch zu bestaunen.
Gegenüber dem ehemaligen Gasthof Kreuz ging es um 1905 noch etwas beschaulicher zu und her. Zu jener Zeit wurden jeden Herbst die Vorfenster sämtlicher Fassaden des Gasthofes gewaschen. In den 1960er Jahren musste der Brunnen der Verbreiterung der Strasse weichen.
2016 ist die Situation kaum mehr wieder zu erkennen. Der 2014 errichtete Neubau mit der Filiale der Zürcher Kantonalbank und die dahinter gelegene Überbauung an der Seematt geben diesem Teil Bülachs ein komplett neues Gesicht.
Der Kreuzbrunnen 1919. Er erhielt in der Zwischenzeit einen neuen, hellen Stock und wurde offenbar, der helleren Farbe nach zu urteilen, einer Renovation unterzogen. Der grössere Trog und der Stock wurden in Nussbaumen neu platziert. Die Herkunft des kleinen Beitrogs ist unbekannt.
Die Ansichtskarte 'Gruss aus Bülach' von 1915 zeigt auf beiden Bildern den Kreuzbrunnen. Damals gab es im Städtli eine hohe Restaurantdichte. Das Bild links oben zeigt den Gasthof zum Kreuz, das Bild rechts unten die Wirtschaft zum Hirschen, die demnach direkt gegenüber dem Kreuz lag, in etwa dort, wo heute die Filiale der Firma Fust untergebracht ist. Hier dürfte es sich allerdings um eine fehlerhafte Beschriftung handeln, denn die Wirtschaft zum Hirschen befand sich weiter oben in der Herti, fast beim Bahnhof.
Ca. 1958: An der Ecke der ehemaligen Bankstrasse (heutige Winterthurerstrasse)/Schaffhauserstrasse (heutige Bahnhofstrasse) stand bis in die 1960er Jahre ein grosser Brunnen mit zwei Trögen. Auch er musste der neuen Strassenführung weichen.
2016 ist von der damaligen Häuserzeile lediglich noch das Haus mit dem Geschäft von Kleider Keller übrig geblieben. Vom Brunnen fehlt jede Spur.
1950 standen an dieser Ecke noch zwei Bauernhäuser.
1960 war der Beitrog des einst mächtigen Brunnens bereits entfernt.
Oben: Dieses Bild wurde vom Bülacher Kunstmaler Jean Kern um 1950 gemalt. Rechts des Bauernhauses steht bereits das damals neue Gebäude der Post, heute 'Alte Post'.
Links: Postkarte 'Bülach, Dorfstrasse' von 1940. Der Name Dorfstrasse wurde in Bülach nicht verwendet und auch nicht gerne gehört. War man doch seit dem Mittelalter eine Stadt.
Die Situation am ehemaligen Untertor 1949 mit dem grossen Brunnen mit Beitrog. Die beiden Häuser rechts wurden 1972 abgebrochen um dem Ausbau der Schaffhauserstrasse Platz zu machen.
2016 aus ungefähr gleichem Winkel aufgenommen: Der Brunnen ist verschwunden. Der grosse Trog steht heute beim Stadtweiher. Der kleinere Beitrog ist ganz verschwunden. Ein anderer Brunnen wurde als Ersatz auf der nördlichen Seite des Kreisels, vor der ehemaligen Schmiede platziert.
An der Bahnhofstrasse 42 (rechter Bildrand), vor dem Geschäft von Brunner's Bodywear (früher Tuchgeschäft Hans Albrecht) stand einst der Hertibrunnen. Hier kamen all abendlich die Hertibauern und –bäuerinnen zum Austausch des aktuellen Tagesgeschehens zusammen. Links unten im Bild ist der Brunnen mit den beiden Verrucano Findlingen vor der UBS Filiale zu erkennen. Er dient auf der gegenüberliegenden Strassenseite quasi als Ersatz für den Hertibrunnen.
Das einzige, bis heute aufgetauchte, Bild mit dem alten Hertibrunnen (rechter Bildrand) ist diese kitschige, kolorierte Postkarte mit Vollmond. Der Schatten des Telefonmast an der Hausfassade zeigt aber an, dass zur Zeit der Aufnahme die Sonne geschienen haben musste.
In den 1920er Jahren (1922 oder 1927) wurde der alte Hertibrunnen entfernt und durch den abgebildeten, kleineren Brunnen ersetzt. Dieser wurde direkt auf dem Platz, aus gelblichem Mörtel, gegossen. 1961 wurde er wiederum abgerissen und zerstört.
Hanspeter Albrecht, der einstige Geschäftsinhaber des Tuchgeschäftes Hans Albrecht, erinnert sich an zwei Episoden um den Brunnen.
"Jeden Samstag Abend stellte mein Vater sein Auto neben den Brunnen und ich musste es mit Shampoo waschen, dann mit dem Eimer mit Brunnenwasser abspülen und trocken ledern, alles auf dem Trottoir. Das war in meiner Primarschulzeit, bis 1961."
"Ich erinnere mich auch an die Winterzeit. Wir schaufelten allen Schnee in den Brunnen, höher als das Brunnenrohr, und nach einigen Stunden hatte es wieder Platz für neuen. Nur an ganz kalten Wintertagen wurde das Wasser vom Gemeindearbeiter abgestellt."
Hanspeter Albrecht, Bülach
Die neusten Informationen zeigen, dass der alte Hertibrunnen höchstwahrscheinlich noch existiert, leider aber ein trübes Dasein im Höragenwald fristet. Lesen Sie die Zeilen aus der Ährenlese von 1921. Dort ist zu entnehmen, dass dieser Brunnen die Jahreszahl 1857 trug. Ein grosser Trog mit genau dieser Jahreszahl ist im Wald nahe der Kaserne abgestellt und versinkt immer tiefer im Waldboden. Kann das nur ein Zufall sein?
Hier in der Müsegg stand früher ebenfalls ein grosser Brunnen. Ersatz für den ehemaligen, über 100 Jahre alten Brunnentrog ist dieses schmucke Stück aus Granitblöcken gemauert (mehr Infos dazu hier).
Auch vom ehemaligen Müseggbrunnen scheint es keine Bilder zu geben.
In den 1960er Jahren wurden etliche Brunnen aus dem Städtli entfernt, damit mehr Platz für die Strassen da war. Neben den bereits erwähnten Standorten beim Gasthof Kreuz, in der Herti, der Müsegg oder an der Ecke Bahnhofstrasse/Winterthurerstrasse fehlt heute auch der Brunnen an der Kasernenstrasse (ehemalige Mühlegasse).
Auch im Niederflachs soll es früher für die Bauern einen Brunnen gegeben haben. Ein Nachfolger wurde an der Ecke Fabrikstrasse/Kasernenstrasse aufgestellt, zwischenzeitlich aber wieder entfernt.