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China dreht an den Preisen für Hightech-Metalle. Elektronikprodukte könnten sich massiv verteuern.
Sie hören auf so merkwürdige Namen wie Yttrium, Praseodym, Dysprosium oder Ytterbium und sind so rar, dass ihre Preise durch die Decke schiessen, besonders seitdem China den Export kappt, zuletzt um 40 Prozent, wie es heisst. Dabei sind sie in der Hightech-Industrie unabdingbar. Es geht um Seltene Erden, eine Gruppe von 17 Metallen aus der dritten Gruppe des Periodensystems sowie die sogenannten Lanthanoide beziehungsweise von deren Oxiden. 2009 deckte China über 96 Prozent des Exports dieser Seltenen Erden (Rare Earth Elements, kurz REE) ab, Indien als zweitwichtigstes Herkunftsland stellt nur etwa 2,25 Prozent. Dass die beiden Schwellenländer die wichtigsten Quellen für die Seltenen Erden sind, hängt zum Teil auch damit zusammen, dass die Erze meist hochgiftig sind und Umweltschutz in China und Indien ziemlich kleingeschrieben wird.
Das Reich der Mitte birgt aber auch die meisten Vorkommen, gefolgt von Grönland, wobei dessen Abbau sehr teuer sein dürfte und noch nicht erforscht ist. Grosse Vorkommen wurden auch in Kanada und Australien entdeckt, ebenfalls in Südafrika, das mit Gold, Diamanten, Platin, Chrom und Palladium ohnehin reich gesegnet ist und von den Industrienationen deshalb heiss umflirtet wird. Bereits erschlossene Vorkommen Seltener Erden befinden sich in Indien, Brasilien und Malaysia, allen voran aber in den USA, bis in die 1990er noch wichtigste Schürfnation. Da der Abbau aber zu unrentabel geworden ist, wurde er fast komplett eingestellt. Molycorp Minerals will ihn nach Chinas Kappung der Exportquote nun wieder reaktivieren, aber unter anderem wegen fehlender Förderpatente muss das Bergbauunternehmen dafür laut Wikipedia rund eine halbe Milliarde Dollar in die Hand nehmen. Nachdem der Preis in den vergangenen drei Jahren teils um den Faktor 15 gestiegen ist, könnte sich das lohnen. Doch für 2015 wird erwartet, dass die Seltenen Erden global so weit exploriert werden, dass sie nicht mehr ganz so selten sind. Und wenn im Einzelfall doch, wird sich vielleicht ein Weg finden, die reichen Vorkommen auf dem Mond anzuzapfen, ohne dass es gleich immense Ressourcen verschlingt. Eine Möglichkeit wäre ein Weltraumlift, wie ihn Frank Schätzing in seinem 1328-Seiten-Schmöker "Limit" beschreibt. Dieser ist übrigens kein Phantasieprodukt des deutschen Erfolgsautors und auch nicht Science Fiction, sondern soll nach Plänen der LiftPort Group mit neuen Materialien tatsächlich gebaut werden, allerdings nicht wie ursprünglich versprochen, 2018, sondern erst 2031.
Mehr Kontrolle über die Produktion
Nachdem China im Oktober 2010 die Exportquote für Seltene Erden gesenkt hat, für Yttrium, Thulium und Terbium sogar auf Null, könnten sich Elektronikprodukte massiv verteuern, wenn nicht bald andere Quellen aufgetan werden, warnte Robert Castellano, Präsident der amerikanischen "The Information Week". Auf dem letzten G20-Treffen in Seoul war Chinas Quasi-Embargo auf Seltene Erden neben dem laufenden Währungskrieg eines der brennendsten Themen. Grund für das Embargo auf Seltene Erden und Hightech-Metalle ist der, dass China nicht nur als Rohstoffquelle herhalten will, sondern auch mehr Kontrolle über die Produktion gewinnen will, munkelt man.
Das Blatt schätzt, dass China (Stand heute) mit 103'300 Tonnen etwa 90 Prozent der weltweiten Kapazitäten für die Seltenerdenoxide hält. Der Anteil soll zwar bis 2014 zurückgehen, mit 67,2 Prozent dann aber immer noch beträchtlich sein. Dabei wird die Schürfmenge Chinas bis dann nur um 10,4 Prozent auf 114'000 Tonnen steigen, die des Rests der Welt sich dagegen fast verfünffachen, von 11'500 auf 55'800 Tonnen, so die Berechnungen des IT-Magazins.
Cer oder Cerium mit dem Symbol Ce und der Ordnungszahl 58 aus der Gruppe der Lanthanoide ist so ein seltenes Hightech-Metall, das unter anderem bei hochwertigen Keramiken und als Poliermaterial verwendet wird, oder auch in den Wänden von sich selbst reinigenden Backherden. Der Preis als Material für Isolatoren soll im letzten Jahr um 1300 Prozent in die Höhe geschossen sein. Beim Polieren der Glasscheiben von Festplatten, von LCD-Panels und High-Brigthness-LEDs ist Cer auch unverzichtbar.
Europium ist ein seltenes chemisches Element, das in Verbindung mit Phosphor in Plasmabildschirmen und in Kaltkathodenröhren (CRTs) als Hintergrundbeleuchtung für Notebooks verwendet wird. Der Preis soll innerhalb der letzten zwölf Monate um 170 Prozent gestiegen sein, so "The Information Network".
Die grosse Nachfrage bei Magneten für Festplatten, Windturbinen und Hybridautos hat den Preis für Neodymium im letzten Jahr um 420 Prozent in die Höhe getrieben. Andere Beispiele finden sich viele.
Nicht zu den Seltenen Erden gehörend, aber ebenfalls knapp sind Gallium und Indium, zwei Elemente der Borgruppe. Ersteres wird vor allem als Halbleiter Galliumarsenid in Leuchtdioden und Solarzellen verwendet, Indium meist als Indiumzinnoxid oder in Verbindung mit Gallium ebenfalls. Geschätzt werden die beiden Metalle unter anderem wegen ihres geringen Schmelzpunktes und des breiten Temperaturspektrums, in dem sie flüssig bleiben (156,6 bis 2.000° bei Indium, 29,76 bis 2.204° bei Gallium). Indium verfügt dabei auch noch über eine sehr hohe Leitfähigkeit. Das Element ist in der Erdkruste mit 0,05 ppm (Parts per Million) ähnlich selten wie Gold. Zwischen 2002 und 2005 ist der Preis von 60 auf 935 Dollar pro Kilogramm in die Höhe geschossen. Die wichtigsten Vorkommen finden sind in Kanada, China und Peru. Neu entdeckte Lagerstätten im Erzgebirge haben den Preis etwas gemildert, aber wegen der immensen Nachfrage in der LCD- und Solarindustrie sollen die Vorräte in dem sächsischen Mittelgebirge nur wenige Jahre anhalten. Wie der 'Spiegel' berichtet, geht die Deutsche Rohstoff AG im Nordteil des Bundeslandes dem Hinweis von ehemaligen DDR-Geologen nach, dass sie dort Lagerstätten mit Molybdän, Wolfram und Germanium gefunden haben.
Weit seltener als Gold oder Platin ist Iridium, in der Erdkruste nur zu 1 ppb (Milliardstel Teil) vorhanden. Verwendet wird es wegen der hohen Widerstandsfähigkeit unter anderem als Platin-Iridium für Trauringe oder Schmuckverschlüsse, aber auch als UV-Schutzschicht auf hochwertigen Sonnenbrillen oder Displays. Da die meisten Vorkommen nicht in China sind, ist die Abhängigkeit auch nicht so gross wie bei anderen Elementen oder Erzen. (Klaus Hauptfleisch)