Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03146.jsonl.gz/383

Die Insel Awaji liegt zwischen der grössten der vier Hauptinseln Japans, Honshu, und der kleinsten der vier Inseln, Shikoku in der Seto Inlandsee. Bekannt geworden ist der Name der Insel durch ein eher trauriges Naturereignis, dem grossen Hanshin-Awaji-Erdbeben 1995. Das Epizentrum lag auf der Insel. Die grössten Zerstörungen waren in der gegenüber liegenden Stadt Kobe zu verzeichnen. Awaji selbst ist sehr ländlich, aber die Autobahn, die die Insel nicht sehr malerisch durchzieht, ist die wichtigste Verkehrsverbindung zwischen der japanischen Hauptinsel und dem östlichen Shikoku bzw. der Stadt Tokushima. Immerhin sind die beiden Hängebrücken im Norden und bei Naruto im Süden recht beeindruckend gestaltet. Das öffentliche Verkehrsmittel ist der Bus.
Der Hauptgrund, warum wir schon länger nach Awaji wollten, hat den Namen Tadao Ando, dem berühmten japanischen Architekten, der dort zwei Bauten errichtet hat: Das Awaji Yumebutai (淡路夢舞台), eine Parkanlage, Konferenzzentrum und Hotel, sowie den Wassertempel Honpoku-ji (本福寺). Beide liegen nur wenige Kilometer voneinander entfernt im Nordosten der Insel. Als Ando-Fans wollten wir das irgendwann mal näher betrachtet haben. Wir haben ja auch schon einige Bauten in Japan von ihm gesehen. Awaji hat natürlich noch einiges mehr zu bieten, die Insel ist ja gar nicht so klein. Aber dazu später.
Nach unserer Ankunft im Westin Awaji sowie der Wiederherstellung des Frischegefühls (=Duschen) erkundeten wir also das Hotel- und Parkgelände, das direkt am Meer liegt. Das Wort Yumebutai(夢舞台)bedeutet übersetzt in etwa „Traumbühne“ (夢=yume=Traum und 舞= butai=Bühne). Ich würde sagen: Stimmt, Ando-san konnte da seinen Traum austoben, ein vollkommen braches Gelände völlig frei zu beplanen. Das ist vermutlich der Traum jedes Architekten…
Der Architekten Geister scheiden sich bei Ando wohl, nicht jede(r) mag seinen Stil, aber immerhin hat er einen hohen Wiedererkennungswert. Seine Bauten sind aussergewöhnlich schönem Sichtbeton (er hat seine eigene Mischung), und charakteristisch sind die Betonplatten mit sechs Vertiefungen der Betonarmierungen.
Die Betonplatten haben die Grösse der japanischen Tatami-Matten, also der Reisstroh-Matten, mit denen traditionelle japanische Fussböden ausgelegt sind.
Das Gelände ist gross und besteht aus mehreren Bauten: Dem Konferenzzentrum und dem Hotel, dem Hundert-Stufen-Garten (Hyakudan-en), einem Forum mit ein paar Restaurants, Läden und Galerien, Garten und Park, einem grossen Gewächshaus und einem Amphitheater.
Alles ist – ebenfalls Ando-typisch – vom Element Wasser geprägt. Entweder sind es ruhige Oberflächen oder es plätschert stufenförmig herunter. In Awaji Yumebutai ist alles vertreten. Viele Elemente Ando‘scher Architektur erkennt man wieder. Dazu gehören viele verschiedene Ebenen und viele Stufen, Pfeiler und Säulen in eckiger und runder Form, ovale Foren, sich kreuzende Linien und vieles mehr. Von unserem Besuch im „Osaka Sayamaike Museum“ gibt es noch einen Blogeintrag von 2010 mit ergänzende Bildern. Der Vergleich ist spannend. 😉
Thom und ich durchwanderten alles gemütlich und fotografierten. Am späten Nachmittag war nicht mehr viel los, und die Restaurants schlossen. Im Amphitheater tranken wir noch ein im Shop gekauftes lokales, feines Awaji-Bier plus ein paar Zwiebel-Reiscracker (ebenfalls eine lokale Spezialität) und gingen dann zurück ins Hotel. Um 17 Uhr fing es schon an zu dämmern. Das ist ein bisschen der Nachteil von Ferien im Winter: Die Tage sind etwas kurz. An diesem Tag hat es uns aber nicht sehr gestört, denn wir waren wirklich sehr müde von der ganzen Reise. Die Sekundenschläfchen fingen bereits an, sich bedrohlich zu häufen… Also bald ins Bett und am nächsten Tag einigermassen ausgeschlafen sein – je nachdem, wie es der Jetlag so zulassen würde.
Hier noch der Blick aus unserem Zimmer. Der runde Bau vorne gehört zum Konferenzzentrum.
Und eine kleine Kappelle zum Heiraten gibt es auch. Hochzeitsarrangements sind in Japan ein ganz grosses Ding, von dem viele Hotels gut leben.