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Bild
Titel:
Innerrhoder Landsgemeinde 1897
Thema: Politik
Datum: 25.04.1897
Masse: 17,3 x 23,2 cm
Standort: Sepp Koller, Stockstrasse, Appenzell
Urheber/-in: Foto Hausammann, Appenzell
Beschreibung:
Appenzell Innerrhoder Landsgemeinde vom 25. April 1897. Die Landsgemeinde-Männer haben die rechte Hand zum feierlichen Schwur erhoben. Im Hintergrund das Gasthaus Säntis noch ohne die um 1930 geschaffene dekorative Bemalung von Kunstmaler Johannes Hugentobler. Rechts das Restaurant Bäumli, welches 1837-1901 Wirtschaft zum grünen Baum hiess. In der Bildmitte der 1894 angeschaffte neue Landsgemeindestuhl. Er war genügend breit, sodass die ganze, damals noch neunköpfige Regierung samt Landweibel und Landschreiber darauf Platz fand. Auf dem früheren, kleinen Stuhl hatten während Jahrhunderten nur der Regierende Landammann mit Weibel und Schreiber gestanden.
Geschichte:
Wie im Kanton St. Gallen bestand im Kanton Appenzell Innerrhoden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein tief greifender Gegensatz zwischen Konservativen und Liberalen. Erstere waren eifrige Verfechter einer möglichst weit gehenden Souveränität der Kantone. Christlicher Glaube und Kirche bildeten für sie die höchsten Autoritäten, während die Liberalen den weltlichen Rechtsstaat an oberste Stelle setzten und die Religion als Privatsache betrachteten. In der Zeit des so genannten Kulturkampfs erreichten diese Auseinandersetzungen 1871 bis 1874 ihren Höhepunkt.
Auch 1897 verliefen die Wahlen in die Innerrhoder Kantonsregierung, die Standeskommission, nicht ohne kulturkämpferische Nebentöne. Als neuer Landsfähnrich (Vorsteher des Justiz- und Polizeidepartements) wurde nämlich der Appenzeller Bezirkshauptmann Franz Josef Speck (1854-1920), ein bekennder Liberaler, gewählt. Zusammen mit Landammann Carl Justin Sonderegger (1842-1906) war Speck der einzige Vertreter dieser weltanschaulichen Richtung neben lauter Konservativen und parteilosen Bauernvertretern. Nach Sondereggers Tod galt er als unbestrittener Führer des 1906 gegründeten Freisinnig-Demokratischen Vereins Appenzell. Der konservative "Appenzeller Volksfreund" wollte sich deshalb einige giftige Bemerkungen nicht verkneifen:
"Zum voraus durfte man annehmen, dass bei der Neuwahl eines Landsfähnrichs Herr Hauptmann Speck in Appenzell auf diesen Posten berufen werde ... Von den verschiedenen Kandidaten, die ... für dieses Amt in Betracht fielen, standen in letzter Abstimmung sich der Gewählte und Herr Kantonsrichter Breu gegenüber. Diese zwei Kandidaturen hatten allerdings einen teilweise politischen Beigeschmack; für Herrn Speck traten die Liberalen alle bis auf den letzten Mann ein, während auch von den Konservativen ein ganz beträchtlicher Teil ihm seine Stimme gab, sodass hier absolut ausgeschlossen ist, von einer Parteiwahl zu reden; Herr Speck wird wahrscheinlich diese Wahrnehmung selbst gemacht haben und sich in seinem neuen Amte darnach zu halten wissen, dass er nicht als schroffer Parteimann in die Regierung einzieht; sollte es ihn aber doch gelüsten, den Parteistandpunkt herauszukehren und insbesonders in einer Art kulturkämpferischer Allüren seine Lorbeeren einzustreichen, wird schon dafür gesorgt werden, dass die Hörner nicht zu fürchterlich auswachsen. Übrigens kann man vielfach die Wahrnehmung machen, dass schon mancher, der vor seinem Eintritt in ein engeres Kollegium sich gerierte, als ob vor ihm wie seinerzeit bei Jericho alle bisherigen Stützmauern einbrechen müssten, nachher derart sich mauserte, ... dass er sich ordentlich in den sachten Lauf der Dinge zu schicken wusste. Offen gestanden hätte der 'Volksfreund' Herrn Speck lieber wie bis anhin im Grossen Rate gesehen, wo es oft vielleicht gar nicht geschadet hätte, ein wenig Hecht im Karpfenteiche zu spielen."
Autor: Stephan Heuscher, Appenzell
Literatur:
Appenzeller Volksfreund, Nr. 35, 1. Mai 1897
Grosser, Hermann. Hangartner, Norbert: Appenzeller Geschichte. Bd. 3: Appenzell Innerrhoden von der Landteilung 1597 bis ins 20. Jahrhundert. Herisau, Appenzell 1993, S. 454-461 und 490-492
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