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Die öffentliche Verwaltung sowie die staatlich dominierten Betriebe im Kanton St.Gallen haben im Jahr 2020 Grossaufträge im Wert von rund 306 Millionen Franken nach den wettbewerbsfördernden Kriterien des WTO-Übereinkommens an die Privatwirtschaft vergeben. In der Nummer 95 der Berichtsreihe "Statistik aktuell" publiziert die Fachstelle für Statistik des Kantons St.Gallen die Details dazu.
Das von der Schweiz mitunterzeichnete WTO-Übereinkommen über das öffentliche Beschaffungswesen vom 15. April 1994 hat zum Ziel, die staatlichen Beschaffungen von Gütern und Dienstleistungen als offenen Markt zu gestalten, auf dem sich die privatwirtschaftlichen Anbieter dem Wettbewerb aussetzen müssen. Dies geschieht, indem staatliche Aufträge ab einer bestimmten Grössenordnung öffentlich auszuschreiben sind und Kosten-Nutzen-Überlegungen beim Entscheid über die Auftragsvergabe in den Vordergrund treten.
Grossteil des Vergabevolumens nach offener Ausschreibung vergeben
Knapp 71 Prozent des unter das WTO-Abkommen fallenden staatlichen Beschaffungsvolumens beruht auf Ausschreibungen, auf die sich Unternehmen aus allen Ländern, die das WTO-Übereinkommen unterzeichnet haben, bewerben konnten. Gut 17 Prozent des Auftragsvolumens entfallen auf freihändig (d.h. ohne Ausschreibung) vergebene kleinere Einzelaufträge im Rahmen von grossen Bauprojekten und die restlichen knapp zwölf Prozent auf freihändig vergebene Aufträge, die sich auf die WTO-Ausnahmeklauseln berufen.
St.Galler Unternehmen mit leicht tieferer Erfolgsquote als im langjährigen Schnitt
Im offenen oder selektiven Verfahren erfolgten 248 Ausschreibungen. Bei der Hälfte davon gingen zwischen drei und sieben Offerten ein, bei einem Viertel weniger und einem weiteren Viertel mehr. St.Galler Unternehmen beteiligten sich an gut 92 Prozent aller Ausschreibungen für Bauvorhaben, an 86 Prozent der Ausschreibungen für Dienstleistungen sowie an etwas mehr als 55 Prozent der Ausschreibungen für eine Güterbeschaffung. Dort, wo sich die St.Galler Unternehmen an Ausschreibungen beteiligten, hatten sie im Vergleich mit den ausserkantonalen und ausländischen Konkurrenten bei Bauaufträgen die grössten Erfolgsquoten, gefolgt von Aufträgen aus dem Dienstleistungsbereich. Bei Lieferungsaufträgen lag die Erfolgsquote tiefer als bei der ausserkantonalen Konkurrenz. Insgesamt gingen gut 60 Prozent des gesamten finanziellen Vergabevolumens an Privatunternehmen im Kanton St.Gallen. Dieser Anteil liegt über dem Durchschnitt der letzten 10 Jahre. Dabei ist zu beachten, dass einzelne Grossaufträge die Anteile am Vergabetotal eines einzelnen Jahres stark beeinflussen können.
Unterschiede zwischen Kanton und Gemeinden
Werden die Anteile am gesamten Auftragsvolumen, welche die kantonale Verwaltung und die Gemeindeverwaltungen an St.Galler Unternehmen vergeben, verglichen, zeigt sich, dass im Jahr 2020 die Gemeindeverwaltungen in leicht höherem Mass St.Galler Unternehmen berücksichtigten als die kantonale Verwaltung. Über die Gründe für diesen Sachverhalt können auf Basis der vorliegenden Daten keine Angaben gemacht werden.
Bericht und weitere Materialien herunterladen
- Infografik zur Anzahl Offerten bei öffentlich ausgeschriebenen Vergaben
- Infografik zum Wettbewerbsdruck aus dem Ausland
- Alle Statistiken zum öffentlichen Beschaffungswesen