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1895 wird Adolf Wölfli als ehemaliger Verdingbub in die Bernische Kantonale Irrenanstalt Waldau eingewiesen. Dort wird Dementia paranoides diagnostiziert. Nach 1900 beginnt er, sich künstlerisch zu betätigen. Er zeichnet, malt, dichtet und komponiert Musik bis zu seinem Tod in der Anstalt im Jahre 1930.
Sein Werk besteht aus zwei Teilen, erstens aus Zeichnungen und zweitens aus seinem erzählerischen Werk mit über 25`000 Seiten Prosatexten, Gedichten, Musikkompositionen und Illustrationen.
Hier interessiert vor allem sein zeichnerisches Werk. Es umfasst Bleistiftzeichnungen, entstanden in den Jahren 1904 – 1906, und farbige Einblattzeichnungen aus den Jahren 1916 – 1930. Gefördert wird Adolf Wölfli in seinem Schaffen durch den Anstalts-Psychiater Walter Morgenthaler. Dieser veröffentlicht 1921 eine Monografie über Wölfli mit dem Titel: „Ein Geisteskranker als Künstler“.
Darin macht Morgenthaler auf den Wert künstlerischer Beschäftigung als Heilmittel in der Betreuung psychiatrischer Patienten aufmerksam. Das Buch ebnet aber nicht nur den Weg für die Kunsttherapie in der Psychiatrie, sondern hat auch nachhaltige Wirkungen auf die bildende Kunst, später unter den Begriffen Art brut oder Outsider Art bekannt.
Die Bleistiftzeichnungen von Adolf Wölfli bilden den bildnerischen Grundstein für das gesamte spätere Werk. Sie sind meistens symmetrisch gestaltet und enthalten symbolische Formen wie Kreis, Oval und Stern. Seine farbigen Einblatt-Zeichnungen stellen Wölflis Brotkunst dar – meistens auf Bestellung und alleine zu Verkaufszwecken gemacht.
Die etablierte Kunstszene wird 1947 auf das bildnerische Schaffen von Adolf Wölfli aufmerksam. Jean Dubuffet, ein französischer Künstler, lernt dessen Werk kennen, gründet die Compagnie de l` art brut, und widmet Wölfli eine seiner ersten Ausstellungen in Paris. Seit den 60er Jahren werden Wölflis Werke international in den renommiertesten Museen und Galerien ausgestellt.
Heute gilt Adolf Wölfli als einer der prominentesten Vertreter der Art brut oder Outsider Art. Sein Werk beeinflusst viele Kunstschaffende, so u.a. Meret Oppenheim, Jean Tinguely und Bernhard Luginbühl.
Als ehemaliger Waldau-Künstler dient er noch heute als geistiger Urvater für die derzeit an der Kunstwerkstatt Waldau tätigen Kunstschaffenden mit Psychiatrie-Erfahrung.