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– 21.01.2020 –
Vorgeschichtlich ist dazu folgendes Ereignis erwähnenswert: Der vermutlich erste Luftangriff während des Ersten Weltkriegs fand 1914 in Belgien statt. Am 6. August um 3 Uhr morgens warf der deutsche Zeppelin LZ 21/„Z VI“ Bomben über Lüttich ab. Dabei wurden neun Zivilisten getötet.
Die Schweizer Luftwaffe wurde bis anfangs der Zwanzigerjahre vorwiegend zur Aufklärung eingesetzt. Daneben ging es vor allem um die „Eroberung der dritten Dimension“, das Fliegen im Verband und das Absetzen von Meldungen.
Es war General Henri Guisan persönlich, der den systematischen Waffeneinsatz Luft – Boden und das dazugehörige Training ausdrücklich befahl.
Am 15. Juli 1942 führten Teile der 7. Division auf der Schwägalp eine Demonstration der Fähigkeiten der Gebirgskampftruppen durch. General Guisan hatte neben einigen Heereseinheitskommandanten auch die Militärattaches der Achsenmächte eingeladen. Die Infanteristen überzeugten durch Können und vorbildlichen Einsatz. Die Treffsicherheit der fliegenden Besatzungen überzeugte dagegen gar nicht, da viele Bombeneinschläge ausserhalb der Ziele lagen und die MG- und Kanonen-Garben eine grosse Streuung aufwiesen (zur Ehrenrettung der Piloten muss bemerkt werden, dass die Flugzeuge erst seit wenigen Wochen entsprechend ausgerüstet waren).
Oberst Magron, der zuständige Schiessoffizier der Fliegertruppen, begründete diesen Misserfolg mit der fehlenden Ausbildung der Piloten. Der General erteilte daraufhin den folgenden Befehl: “Alle Besatzungen von Kampfflugzeugen sind im Waffeneinsatz zur Unterstützung der Erdtruppen im Gebirge auszubilden. Mit der Ausbildung ist umgehend zu beginnen. Der Kriegsgenügende Ausbildungsstand der Flieger ist baldmöglichst, spätestens bis Ende März 1943 zu erreichen und dem OBA zu melden”.
Oberst Magron orientierte umgehend den Kommandanten der Flieger- und Flab-Truppen und ersuchte um den Auftrag, einen Fliegergebirgsschiessplatz rekognoszieren und die geeigneten Vorabklärungen an die Hand nehmen zu dürfen. Noch im gleichen Monat erfolgte die Suchaktion nach einem geeigneten Gelände aus der Luft. Am 31. Juli 1942 wurde das Gebiet südlich der Axalp im Raum Lütschenalp-Brau-Tschingel-Oltschiburg-Bühlen-Wandelhorn-Schwarzenberg-Wildgerst-Schwarzhorn-Gerstenhorn-Ebenfluh-Lütschental auf seine Eignung hin fliegerisch beurteilt und als beste Lösung befunden. Diese grossräumige Geländekammer ermöglichte die verschiedensten Ziellagen und geografischen Ausrichtungen. Die Ausbildungsmöglichkeiten zum „Flieger-Einsatz im Reduit“ waren damit eindeutig gegeben. Einen weiteren Vorteil dieser Gegend stellte die unmittelbare Nähe des Militärflugplatzes Meiringen dar.
Schon am nächsten Morgen wurden die ersten Ziele am „Grätli“ ausgelegt, und der Schiessoffizier Hauptmann Viktor Hug führte Zielanflüge durch, um die fliegerisch-taktische Eignung der Ziellagen zu verifizieren. Am Nachmittag erfolgten die ersten scharfen Einsätze mit der 20 mm Kanone des C-35.
In der ersten Septemberwoche 1942 wurde ein erstes formelles Versuchsschiessen durch Piloten des Ueberwachungsgeschwaders (UeG), mit zwei Flugzeugen C-35 und drei Morane D-3800, durchgeführt. Es bestätigte sowohl die bisherigen Abklärungen bezüglich Eignung des Geländes für die zielgerichtete Ausbildung der Flugzeugbesatzungen, als auch bezüglich der Anforderungen an die Sicherheit. Umgehend wurden die weiteren Vorkehrungen getroffen, um eine provisorische Bereitschaft für den Beginn des Schiessbetriebs zu gewährleisten.
Am Mittwoch 7. Oktober 1942 begann die Ausbildung der Piloten der Fliegerstaffel 20 im Rahmen eines Trainingskurses (TK) für den Erdkampfeinsatz im Gebirge auf der Axalp. Mit den zwei unterschiedlichen Ziellagen war es möglich, den Anflug, die Zielerfassung im coupierten Gelände sowie den Wegflug in der Geländekulisse und das Verschwinden in die Deckung zu trainieren. Die erste Ausbildungsperiode dauerte vom 07. Oktober 1942 bis 30. April 1943. An 97 Schiesstagen kamen 186 Piloten der 18 Fliegerkompanien (bzw. Staffeln) zum Einsatz. Damit war der Auftrag des Generals vom Juli 1942 erfüllt.
Die zweite Schiessperiode dauerte vom 18. Oktober 1943 bis zum 5. Mai 1944.
Ziele der Ausbildung
Optimale Waffenwirkung auf feindliche Stellungen durch
– Ausnützung der Geländekulisse für uneingesehenen Anflug
– überraschenden Angriff aus der Deckung
– rasches Degagement in die Deckung des Geländes
Für die Angriffsphase gilt der Grundsatz: Wirkung kommt vor Deckung.
Die Transporte von Personal und Material zwischen dem Flugplatz Meiringen und dem Schiess-Kommando-Posten (KP) waren sehr aufwändig und zeitraubend. Aus diesem Grund erfolgten (erfolgreiche) Versuche, mit dem Flugzeug Fieseler-Storch (Fi 156), auf einem nahe gelegenen Schneefeld zu landen und zu starten. Im gleichen Jahr wurde ein Berghaus als KP (und Notunterkunft) gebaut und sofort in Betrieb genommen. Ab Ende Oktober 1944 diente es auch als eigentlicher KP des Schiessleiters.
Hptm Viktor Hug war der erste Schiessleiter auf der Axalp. Er hatte auch die „fliegerische Erschliessung“ des Gebietes „Hinter Horn“ als Start- und Landepiste für den Fieseler Storch mit positivem Ergebnis durchgeführt. Bis zum Bau der Seilbahn vom Talboden bis zum KP blieb dieser Flugbetrieb aktiv. Viktor Hug wurde 1946 weltberühmt durch die erste Bergrettung vom Gauligletscher (US Dakota-Absturz im November 1946) zum Flugplatz Meiringen mit Fieseler Storch.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der bewährte Fliegerschiessplatz Axalp ausgebaut und erweitert. Neue Ziellagen wurden erstellt, um für alle Waffen die entsprechenden Übungen durchführen zu können. Das sehr coupierte Gelände erlaubte Angriffswinkel von 0° bis 30° Stechwinkel. Im Dezember 1949 erfolgte der erste Schiessflug eines Düsenflugzeugs vom Typ De Havilland DH-100 Vampire.
Der „exotische“ Fliegerschiessplatz Axalp weckte auch die Neugier ausländischer Luftwaffen. Am 17. und 18. Februar 1950 besuchten der britische Generalfeldmarschall Montgomery und der britische Generalluftmarschall Lord Tedder eine entsprechende Demonstration. Die beiden kriegserfahrenen Offiziere zeigten sich sehr beeindruckt von den fliegerischen Leistungen. Der dissuasive („abschreckende“) Zweck dieser Einladung war damit erfüllt.
Ab 1956 wurden die ausländischen Militär- und Luftattachés sowie hohe Offiziere regelmässig zu solchen Flieger-Demonstrationen eingeladen. Dieses „Gewohnheitsrecht“ wurde immer mehr ausgebaut und die Anzahl der Gäste nahm ständig zu. Auch die in- und ausländische Presse zeigte sich sehr interessiert an den Vorführungen. Am 15. April 1965 wurde unter dem Patronat von Bundesrat Chaudet und Korpskommandant Studer zu einer eigentlichen Pressedemonstration eingeladen.
Anfangs 1958 wurde das Kampfflugzeug Hunter eingeführt und dessen hohe Feuerkraft steigerte die Attraktivität für die Besucher zusätzlich.
Alle Erdkampfstaffeln (VENOM und HUNTER) mussten jedes Jahr mindestens eine „Axalp-Woche“ als Erdkampf-Trainingskurs (TK) ab Meiringen absolvieren. Selbstverständlich konnten auch die MIRAGE- und TIGER-Piloten mit Bord-Kanonen den scharfen Schuss trainieren. Das Gleiche gilt seit 1997 auch für die HORNET-Piloten. Jeder Pilot muss noch heute über seine Schiessresultate akribisch Buch führen.
Im Sommer 1959 wurden grössere Anpassungen auf dem Schiessplatz an die Hand genommen:
Auf der Krete Tschingel/Axalphorn wurde ein neuer Schiess-KP gebaut und daneben ein Helikopterlandeplatz eingerichtet. Der Bau und die Inbetriebnahme (23. März 1960) einer permanenten Personen-Seilbahn bewirkte eine grosse Erleichterung für den Schiessbetrieb. Dies ermöglichte den direkten Transport von Personen und Material zwischen der Talsohle (Stegmatte Höhe 570 m ü.M.) und dem neuen Schiess-KP (Höhe 2’243 m ü.M., Höhendifferenz 1’673 Meter). Die Fahrzeit zwischen dem Flugplatz und der Seilbahn Talstation beträgt ca. zehn Minuten, und der Schiess-KP ist somit vom Flugplatz aus in einer halben Stunde sicher zu erreichen. Diese neue Transportmöglichkeit erhöhte die Flexibiltät des ganzen Betriebs enorm.
Der Einsatz und die Wirkungsweise der Luftwaffe waren in der „Feldarmee“ lange Zeit zu wenig bekannt. Aus diesem Grunde fanden alljährlich (Mai und Oktober) zwei grosse Demonstrationen im scharfen Schuss (Wurf) auf der Axalp statt. Im taktischen Doppelpatrouillen-Verband (vier Flugzeuge) erfolgte der Abwurf von Bomben (50 bis 400kg). Anschliessend zeigte man die Wirkung von 8 cm Raketen (16 er Salven) auf Panzer-Attrappen, und zum Abschluss zerstörte man mit den vier Kanonen supponierte Fahrzeugkolonnen.
Auf dem Höhepunkt des kalten Krieges in den 70 er Jahren wurden koordinierte Geschwader-Angriffe mit bis zu 24 Flugzeugen Venom und Hunter vorgeführt. Dazu kamen noch die taktische Aufklärung mit Fotodokumentation durch die Mirage-Aufklärer und die Demonstration der Flugeigenschaften der Mirage-Jäger. Die Erdkampfeinsätze erfolgten unter einem „Raumschutz-Schirm“ zusätzlicher Mirages.
Mitte der 60-er Jahre wurden die Alouette III Helikopter eingeführt. Die „höheren“ Gäste kamen dadurch zu einem weiteren spektakulären Erlebnis im Gebirge. Das Demonstrationsprogramm konnte mit diesem neuen „Gerät“ durch Rettungsübungen (mit Seilwinde) und Feuerlöscheinsätze erweitert werden. Mit den Jahren nahm das Ausmass der Helikopter-Transporte derart zu, dass die Helipiloten diese Aktionen seither als „Big Lift“ (bis 600 Personen) bezeichneten.
Die Bevölkerung und Behörden aus dem Raume Brienzersee und Haslital erhielten für die Demo 1986 gezielt Einladungen zum Besuch des Fliegerschiessplatzes und der Demonstrationen. Dadurch konnte die Akzeptanz der Institution Axalp gefestigt werden. Ab diesem Zeitpunkt suchten und fanden immer mehr zivile Besucher den Weg (anderthalb Stunden) vom Weiler Axalp über den „Tschingelweg“ in die Region des KP. Im Laufe der Zeit wurden mobile Toiletten und Verpflegungsstände eingerichtet.
Bis in die heutige Zeit ist der „Kanonenparcours“ „6a bis f“ eine der spektakulärsten Vorführungen. Vier Zweierpatrouillen schiessen mit Kanonen auf drei verschiedene Ziele aus drei verschiedenen Richtungen und verschwinden nach der Schussabgabe hinter den angrenzenden Bergen in Deckung.
1990 fanden zum letzten Mal zwei grosse Demonstrationen pro Jahr auf der Axalp statt. Anlässlich der Herbst-Demonstration zeigte das neue Jet-Schulflugzeug HAWK erstmals den Einsatz mit der 30 mm Kanone. Bei dieser Gelegenheit demonstrierte ein Super Puma den Brandbekämpfungs-Einsatz mit einem „Bamby Bucket“ mit einem Fassungsvermögen von 2’500 Liter Löschwasser.
An den beiden Tagen 5. und 6. Oktober 1994 musste das „Schlachtross“ HUNTER Abschied von der Axalp nehmen. In einer 16 er Formation erfolgte der letzte Überflug. Nach 36 Jahren erfolgreichem Einsatz in der Flugwaffe wurde dieses klassische Flugzeug aus dem Betrieb genommen. Auch die Jäger-Version der MIRAGE (MS) wurde zum letzten Mal in einem simulierten Luftkampf gegen TIGER eingesetzt.
Demonstrations-Programm ab 1994 (nach Ausmusterung Hunter)
- Präsentation Pilatus PC-21 Trainer
- Angriffe mit Bordkanonen aus verschiedenen Richtungen mit taktischen Degagements mit F/A-18C und F-5E Tiger II im Patrouillen-Verband
- Einsatz Fallschirmaufklärer der Fsch Aufkl-Kp 17 mit Pilatus PC-6 Turbo-Porter
- Rettungs- und Feuerlöscheinsatz mit dem Eurocopter EC-635
- Demonstration Prinzip Luftpolizeidienst (LPD) durch F/A-18 und Zivilflugzeug
- Demonstration Flugeigenschaften Eurocopter AS532 Cougar
- Demonstration Flugeigenschaften Eurocopter EC-635
- Demonstration Flugeigenschaften der F/A-18 Hornet
- Defilee von 9 Aerospatiale Alouette III und 4 Eurocopter Cougar im Verband
- Defilee von F/A-18C Hornet und F-5E Tiger II (4 x F/A-18C Hornet und 8 x F-5E Tiger II)
- Vorführung Patrouille Suisse
Eine politische Neubeurteilung der militärischen Bedrohungslage brachte die Erkenntnis, dass auf den weiteren Einsatz von Luft-Boden Waffen verzichtet werden kann und daher die HUNTER-Flugzeuge nicht mehr gebraucht werden. Als eine von vielen Konsequenzen mussten die Piloten der Patrouille Suisse auf den TIGER wechseln. Schon ab dem ersten Jahr (1995) bildete die Vorführung der PS den krönenenden Abschluss einer jeden Demonstration auf der Axalp.
Der Gebirgsschiessplatz Axalp wurde seit seiner Eröffnung 1942 regelmässig jeweils von Oktober bis Mai vor allem für die Schiessausbildung und das Schiesstraining aller Piloten benutzt. Die jährliche Fliegerschiess-Demonstration war immer nur ein „Fenster“ für die eingeladenen Gäste und die zahlreichen Fliegerfans.
Das erstmalige „Auftreten“ des F/A-18 HORNET im Herbst 1998 markierte eine neue Ära in der Schweizerischen Luftwaffe. Die ausserordentliche Leistungsfähigkeit und Vielseitigkeit begeisterte Piloten und Zuschauer und kommt in dieser Umgebung speziell zur Geltung. Markant war und ist die hohe Kadenz der 20 mm Gatling-Kanone.
Seit dem Herbst 2005 wird die Flugshow durch den mittleren Cougar-Transporthelikopter eröffnet. Es ist sehr beeindruckend, wie ein derart schweres, aber starkes „Fluggerät“ auch im Hochgebirge zu manövrieren in der Lage ist.
Am 11. und 12. Oktober 2006 nahmen erstmals zwei ausländische Kampfflugzeuge an der Schiessdemonstration teil. Es handelte sich um eine Dassault Mirage F1CR der französischen Luftstreitkräfte Armée de l’Air. Möglich wurde dies durch den Pilotenaustausch zwischen Frankreich und der Schweiz für Training und Ausbildung. So flog an diesem Anlass ein Schweizer Pilot eine der beiden Mirages F1CR, ein französischer Pilot die Schweizer F/A-18 Hornet.
Mit der Zeit entwickelte sich der zahlenmässige Aufmarsch von Zuschauern zur Axalp in die Tausende. 2010 wurde die Zufahrtsstrasse zur Axalp für den öffentlichen Verkehr gesperrt, aber ein umfangreicher „Shuttle-Betrieb“ von und nach Brienz eingerichtet (nur für Frühaufsteher geeignet).
Im Herbst 2011 musste die Fliegerdemo abgesagt werden, da die Armee dringend zu Hilfeleistungen nach dem Unwetter vom 10. Oktober 2011 ins Berner Oberland und ins Wallis gerufen wurde.
Im Herbst 2016 ereigneten sich leider zwei tragische Flugunfälle bei unserer Luftwaffe. Ein Kamerad stürzte im Sustengebiet mit dem F/A-18 ab und auf dem Gotthardpass zwei Piloten mit dem Super Puma. Aus Pietätsgründen wurde deshalb die Fliegerdemonstration auf der Axalp abgesagt.
Anlässlich der Demonstration 2017 wurde das Jubiläum 75 Jahre Schiessplatz gefeiert.
Wildschutzgebiet
Der Fliegerschiessplatz Ebenfluh liegt vollumfänglich im Eidg. Natur- und Wildschutzpark Faulhorn. Um die Reaktion der Wildtiere zu überprüfen, fand am 21. und 22. August 1942 in Anwesenheit von Direktor Zimmerli vom Eidg. Amt für Jagd- und Fischerei und des Bezirkswildhüters Fuchs im Gebiet Grätli und Hinterhorn ein Versuchsschiessen statt. Das Resultat war die Feststellung, dass das Wild wenig Notiz vom Schiessbetrieb nahm. Die Tiere flüchteten nicht, sondern zogen sich lediglich um ca. 300 – 500 Meter von den Zielen zurück. Aufgrund dieser Ergebnisse wurde die Bewilligung zur Benützung des Geländes als Fliegerschiessplatz erteilt.
Text: Rudolf Wicki
red.th