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Fallensteller mit unheimlich vielen Talenten
Das Museum für Kunst und Geschichte widmet Daniel Spoerri eine grosse Retrospektive
In Freiburg wird erstmals eine Übersicht des umfangreichen Schaffens von Daniel Spoerri gezeigt. Parallel zur Retrospektive im Museum für Kunst und Geschichte wird im Espace Jean Tinguely – Niki de Saint Phalle der «Giardino» des Künstlers in der Toskana präsentiert.
VON RUTH SCHMIDHOFER HAGEN
Daniel Spoerri – da denkt manch einer wohl als erstes an die «Fallenbilder» der 60er Jahre. Doch auf seinem Weg schuf der heute 75-Jährige ganz unterschiedliche Dinge. Diese Vielfältigkeit seiner Arbeit bewog den Künstler zu folgender Aussage: «Ich gehe meinen mir eigenen Weg, stelle aber dabei je länger je mehr fest, dass ich eine Art Muster webe, und dass ich letzten Endes der einzige bin, von dem mit Fug erwartet werden kann, dass er weiss, was das ist, was er macht.»
Tänzer, Regisseur, Herausgeber
In Galati, Rumänien, geboren, kam Daniel Spoerri im Alter von 12 Jahren mit der Mutter und fünf Geschwistern nach Zürich, wo sein Onkel Theophil Spoerri Rektor der Universität war. Als 19-Jähriger begann er eine Ausbildung an der Theatertanzschule Zürich und lernte Jean Tinguely und Eva Äppli kennen. Nach weiteren Tanzstudien in Paris wurde er 1954-57 erster Tänzer am Stadttheater Bern.
Spoerris Interesse an zeitgenössischem Theater – bereits in Paris lernte er Eugène Ionesco und Gherasim Luca kennen – führte zu einer langsamen Ablösung vom Tanztheater. Ende der 50er Jahre brachte Spoerri Stücke von Ionesco, Tardieu, Beckett und Picasso zur Aufführung. Damit machte er das Kleintheater an der Berner Kramgasse zu einer Avantgardebühne.
1957 zog Spoerri als Regieassistent zu Gustav Rudolf Sellner nach Darmstadt, wo er sich mit Experimenttheater beschäftigte. In diese Darmstädter Zeit fällt auch seine erste Tätigkeit als Herausgeber. 1957 bis 1959 gab er die Zeitschrift «material» heraus. Vier Nummern später trieb es Daniel Spoerri nach Paris, wo er die «Edition MAT» schuf, die erste Edition von Kunstwerken in der Art, wie sie später unter dem Begriff «Multiple» erfasst wurden.
Anfang der 60er Jahre entstanden die ersten Fallenbilder: «Gegenstände, die in zufälligen, unordentlichen oder ordentlichen Situationen gefunden werden, werden in genau der Situation, in der sie gefunden werden, auf ihrer zufälligen Unterlage befestigt. Verändert wird nur die Ebene, indem das Resultat zum Bild erklärt wird.»
1964 stellte Daniel Spoerri in der Galerie J in Paris die «Wortfallen» – in Zusammenarbeit mit Robert Filliou entstanden – aus. Das waren Versuche, Sprichwörter und Redewendungen sichtbar zu machen.
Ende der 60er Jahre zog sich Daniel Spoerri auf die ägäische Insel Symi zurück, um der Routine zu entgehen. Er beschäftigte sich mit der Alltagskultur der Inselbewohner und der Ursprünglichkeit der mediterranen Natur. Dies bestärkt ihn, die bisher mehr logisch-intellektuelle Vorgehensweise aufzugeben – zugunsten einer intuitiven und emotionalen Kreativität.
1961 stellte Spoerri mit dem Stempel «Attention Oeuvre d’Art» Lebensmittel als Kunstwerke aus, verkaufte sie jedoch zu Ladenpreisen. Mit dieser Aktion hat er die «Eat Art» begründet, die künstlerische Auseinandersetzung mit Essbarem, dem Kochen, dem Essen, dem Verdauen und der mit diesem Bereich verbundenen Kultur. Daniel Spoerri betrieb im Laufe der Zeit auch verschiedene Restaurants, richtete Bankette aus, die er mit künstlerischen Aktionen verband.
Spaziergang
in der Toskana
1991 hat Daniel Spoerri in Seggiano in der Toskana die Arbeit an seinem «Giardino» begonnen. Es gelang ihm, seine Künstlerfreunde zum Mitwirken an seinem Projekt zu gewinnen.
Der Skulpturenpark, den der Künstler auf dem Gelände seiner Stiftung in Seggiano gestaltet hat, umfasst heute rund 80 Werke von seinen Freunden und ihm selbst und ist somit ein wichtiger Ort für Skulptur geworden. Im Espace Jean Tinguely – Niki de Saint Phalle ist eine Werkauswahl aus dem «Giardino di Daniel Spoerri» zu sehen. Verschiedene Dokumente und Briefwechsel verdeutlichen, wie die Zusammenarbeit jeweils zustande kam.
Indem Daniel Spoerri Kunstwerke in die Natur stellt, will er sie nicht mit Monumenten beherrschen. Es geht ihm um den Dialog von Kunstwerken mit der Natur, mit ihrer Struktur, mit der Fauna und Flora, mit Geräuschen und Düften.
Museum für Kunst und Geschichte, Murtengasse, Freiburg. Bis 30. Oktober. Öffnungszeiten: Di.-So. 11-18 Uhr, Do. 11-20 Uhr.
Espace Jean Tinguely – Niki de Saint Phalle, Murtengasse, Freiburg. Bis 30. Oktober. Öffnungszeiten: Mi.-So. 11-18 Uhr, Do. 11-20 Uhr.