Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/146452

<h2>SubmittedText<h2><p>Obwohl das Flugfeld Locarno-Magadino in unmittelbarer Nähe zum international und national bedeutenden Naturschutzgebiet und Vogelreservat der Bolle di Magadino liegt, sieht die Revision des Sachplans Infrastruktur Luftfahrt (SIL) vor, die Piste um 170 Meter zu verlängern, dies zusammen mit weiteren Ausbauten. Die Revision ermöglicht eine stärkere Nutzung des Flugfeldes, auch mit Jets. Über das Schutzgebiet hinweg sind siebenmal mehr Starts durch Jets vorgesehen. Jets mit Düsenantrieb sind aber sehr viel anfälliger auf Kollisionen mit Vögeln.</p><p>Im Handbuch stellt die Internationale Zivilluftfahrtorganisation fest, dass "alle Vögel auf Flugplätzen und in ihrer Umgebung eine Bedrohung für die Sicherheit der Flugzeuge" darstellen. Im Airport Planning Manual wird empfohlen, dass bis in 8 Kilometern Entfernung von Flugplätzen keine Vogelreservate liegen sollen, und das International Birdstrike Committee postuliert in den Recommended Practices, dass Flughäfen einen Einfluss auf alle Planungen und Landnutzungen im Umkreis von 13 Kilometern um Flughäfen haben sollen. </p><p>Am Flughafen Zürich-Kloten läuft nach Medienberichten eine Auseinandersetzung zwischen dem Flughafen, den kantonalen Behörden und Naturschutzorganisationen um den Abschuss von Greifvögeln, welcher mit der Begründung stattfindet, es gelte eine Gefahr für Flugzeuge abzuwenden. Das zeigt, wie schwierig das Zusammenleben von Flugzeugen und Vögeln, die sich den Luftraum teilen, sein kann. Es ist deshalb nicht sinnvoll, Flugplätze in unmittelbarer Nähe zu Natur- und Vogelschutzgebieten auszubauen.</p><p>Ich bitte deshalb den Bundesrat um Beantwortung folgender Fragen: </p><p>1. Erachtet er es nicht auch als wenig sinnvoll, das Flugfeld Locarno-Magadino stark auszubauen, nachdem der weit höher gewichtete Regionalflughafen mit Linienverkehr Lugano-Agno nur rund 20 Kilometer oder 30 Minuten entfernt liegt und dessen Passagierzahlen von 2007 bis 2012, im Gegensatz zu allen anderen Schweizer Flughäfen, um 11 Prozent abgenommen haben?</p><p>2. Wie würde er vorgehen, wenn es wegen des Ausbaus des Flugfeldes Locarno-Magadino zu einem gravierenden Birdstrike käme?</p><p>3. Würde er den Flugbetrieb mit Jets in Locarno-Magadino einschränken, wenn er im vollen Wissen um die Probleme zwischen dem Flugfeld und dem international und national bedeutenden Naturschutzgebiet den Ausbau ermöglicht und sich dieser als zu gefährlich erweist?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Ausgangslage</p><p>Mit dem Objektblatt Sachplan Infrastruktur der Luftfahrt (SIL) Locarno legt der Bundesrat den baulichen und betrieblichen Rahmen für die Entwicklung des Flugplatzes behördenverbindlich fest. Die Erarbeitung des Objektblatts Locarno ist weit fortgeschritten. Zurzeit werden die Stellungnahmen aus der Mitwirkung der Bevölkerung und der Anhörung der Behörden ausgewertet. Die Genehmigung des Objektblatts durch den Bundesrat soll noch dieses Jahr erfolgen.</p><p>1. Der Entwurf des Objektblattes Locarno lässt in der Tat eine Verlängerung der Hauptpiste um 170 Meter auf 970 Meter zu. Dieser Ausbau kann aber nur realisiert werden, wenn gleichzeitig flankierende Massnahmen getroffen werden, die sicherstellen, dass keine Ausweitung des Verkehrs mit Jets und mehrmotorigen Flugzeugen erfolgt und der Flugbetrieb in den besonders heiklen Vogelzugphasen Rücksicht auf die Avifauna nimmt.</p><p>Im Verhältnis zwischen den Flugplätzen Locarno und Lugano besteht eine Arbeitsteilung. Lugano dient in erster Linie dem Linien- und Businessverkehr, während in Locarno ein Grossteil der zivilen und militärischen Flugausbildung der Schweiz stattfindet. Das Verhältnis Passagiere pro Flugbewegung belegt dies deutlich: In Locarno beträgt es im Mittel der letzten zehn Jahre 1,1 und in Lugano 7,9.</p><p>Der Flugplatz Locarno ist für die Region wirtschaftlich bedeutend. Gemäss den Angaben aus dem Rapporto di pianificazione del Piano di utilizzazione cantonale parco del Piano di Magadino sind insgesamt 200 Personen auf dem Flugplatz beschäftigt. Der Umsatz, den die 15 auf dem Flugplatz ansässigen Betriebe generieren, wird auf rund 30 Millionen Franken geschätzt. Diesem Umstand hat das UVEK bei der Erarbeitung des Objektblatts im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung ebenfalls Rechnung getragen.</p><p>2./3. Auf dem Flugplatz Locarno wird seit 1939 geflogen. Zu Spitzenzeiten in den Achtzigerjahren fanden einschliesslich der Flüge des Militärs und mit Segelflugzeugen mehr als 75 000 Flugbewegungen pro Jahr statt. Dabei kam es nur vereinzelt zu Kollisionen mit Vögeln, die jedoch zu keinen nennenswerten Zwischenfällen geführt haben. Es besteht kein Grund zur Annahme, dass sich dies durch die geplante Entwicklung, die deutlich unterhalb dieser Spitzenwerte liegt, ändern wird.</p><p>Durch eine Verlängerung der Piste wird der Startpunkt nach Osten verschoben. Dies hat zur Folge, dass die Flugzeuge die Bolle di Magadino in grösserer Höhe als heute überfliegen, was das Vogelschlagrisiko tendenziell vermindert.</p><p>Kann die Sicherheit des Flugbetriebs nicht sichergestellt werden, so müssen geeignete Massnahmen getroffen werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob das SIL-Objektblatt einen Ausbau des Flugplatzes zulässt oder nicht.</p>  Antwort des Bundesrates.