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Wir treffen jeden Tag Vorhersagen oder verlassen uns auf die Vorhersagen von anderen. Wie wird das Wetter? Wer gewinnt das nächste Fussballmatch? Wie entwickelt sich der weitere Kursverlauf der Credit Suisse Aktie? Zu vielen Dingen wie dem Wetter geben wir selber Vorhersagen ab und wenn wir zu einem Thema vielleicht nichts Näheres wissen, können wir sicher sein, dass ein (selbsternannter) Experte uns seine Einschätzung mitteilt. Die Frage ist nur, auf welchen Experten soll ich mich verlassen? Wie gelingen gute Vorhersagen?
Mit dieser Frage beschäftigt sich seit einigen Jahren der Psychologe Philip Tetlock von der University of Pennsylvania. Seine Haupterkenntnis aus zahlreichen Untersuchungen lautet, dass Vorhersagen eine Kunst sind, die jedoch zu einem gewissen Grad erlernbar ist. Die Studien von Tetlock und Kollegen mit tausenden von Vorhersagen zeigen zwar, dass viele Experten in ihren Vorhersagen kaum besser als der Zufall abschneiden. Allerdings gibt es eine kleine Gruppe von Experten, sogenannte „Superforecaster“, welche zuverlässig gute Vorhersagen abgeben.
Superforecaster zeichnen sich durch folgende Eigenschaften aus:
• Intellektuell aufgeschlossen und gleichzeitig bescheiden („open-minded and intellectual humble“). Dies bedeutet, dass ihre Überzeugungen nicht in Stein gemeisselt sind und sie bereit sind dieses auf Basis neuer Erkenntnisse anzupassen („thoughtful updaters“).
• Ein ausgeprägtes Zahlenverständnis („numerate“).
• Fleiss und ein leicht überdurchschnittlicher Intelligenzquotient. Sprich, man muss kein Genie sein, um gute Vorhersagen abgeben zu können, harte Arbeit ist jedoch unerlässlich.
Nach Tetlock lassen sich ferner zwei Expertentypen unterschieden: Igel und Füchse.
Füchse wissen viel von einem Sachgebiet, Igel vieles von verschiedenen Sachgebieten. Über viele Vorhersagen hinweg zeigte sich, dass Igel die besseren Vorhersagen abgeben. Vorhersagen über komplexe Sachverhalte verlangen folglich eine differenzierte Betrachtung und keine Einengung auf ein einziges Themengebiet.
Neben Eigenschaften, die man für gute Vorhersagen mitbringen muss, lassen sich gewisse Dinge auch durch Training erreichen bzw. verbessern:
• De-Biasing: Dies bedeutet, dass Experten hinsichtlich klassischer Denkfallen geschult werden.
• In Teams können Superforecaster sogar noch besser abschneiden. Allerdings muss dieses Team aktiv moderiert werden, um unerwünschte Symptome wie Gruppendenken oder soziales Faulenzen vorzubeugen.
Wie wird man nun zum Superforecaster? Kann man gute Vorhersagen einfach trainieren? Ja und nein. Die vorgestellten Trainingsmethoden sind nämlich nur dann fruchtbar, wenn auch das „Forecaster“ MIndset stimmt. Die Bereitschaft undogmatisch zu denken und auf Basis neuer Erkenntnisse alte Überzeugungen zu revidieren ist neben einer gewissen Grundintelligenz das Fundament guter Vorhersagen.
Weiterführende Informationen und Quellen:
Tetlock, P., & Gardner, D. (2016). Superforecasting: The art and science of prediction. Random House.