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Das Kinematographische Theater Seefeld wurde am 18. Oktober 1922 als erster freistehender Kinozweckbau der Stadt Zürich eröffnet. Zu diesem Zeitpunkt gab es im Stadtgebiet zwölf weitere Stummfilmkinos und sieben «Kinematographen» in auch anderen Zwecken dienenden Gebäuden. Ein freistehender, eigenständiger Kinobau – das Colosseum – befand sich in der bis 1934 noch selbständigen Gemeinde Oerlikon. Bis zur Verbreitung des Tonfilms Anfang der 30er-Jahre wurden in Zürich weitere elf Stummfilmkinos eröffnet.
Von den ehemals 32 Stummfilmkinos blieb die Hälfe baulich erhalten, dekorative und technische Ausstattungen gingen in fast allen Gebäuden allerdings weitestgehend verloren, auch in den neun heute noch oder erneut als Kinos betrieben Bauten. Das Kino im Seefeld ist das einzige Züricher Kino, in dem sich unter einer in den 50er-Jahren angebrachten Innenverkleidung weite Teile der originalen Dekoration, aber auch der historischen Gebäudetechnik und Konstruktion erhalten haben. Der Leerstand des Gebäudes hat im April 2008 eine bautechnische Untersuchung des Kinos ermöglicht, deren Ergebnisse die bisherigen kunstgeschichtlichen Untersuchungen ergänzen: Der Schwerpunkt lag jetzt auf Fragen des Tragwerks, der Lüftungs-, Heizungs-, Bühnen- und Beleuchtungstechnik.
An der Fassade zur Seefeldstrasse findet sich eine aufwendige Dekoration in antikisierender Formensprache: Eine ionische Säulenordnung trägt ein wuchtiges Gebälk mit der Inschrift «Cinema». Die Gestaltung der Fassade scheint einerseits der architektonischen Qualität und Sprache des Quartiers angepasst, zum anderen auf die Repräsentationsarchitektur von Theatern und Opernhäusern Bezug zu nehmen. Die innere und äussere Dekoration steht damit in einem deutlichen Gegensatz zu der für diese Zeit sehr innovativen technischen Ausstattung des Gebäudes. Neben der Möglichkeit zur natürlichen Belüftung mittels kippbarer Fenster im oberen Bereich der Seitenfassaden verfügte das Kino über eine Lüftungsanlage, welche in weiten Teilen noch erhalten ist. Zum Zeitpunkt der Eröffnung des Kinos Seefeld war die Belüftung von Kino- und Theatersälen ein noch seltener, auch Werbezwecken dienender Komfort.
Bild: Silke Langenberg, Zürich