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Amtsinhaber Paul Biya dürfte als Staatspräsident Kameruns wiedergewählt werden. Der 85-Jährige würde somit sein 37. Amtsjahr antreten. Biya selber betreibt kaum Wahlkampf, doch die Mitglieder seiner Partei ziehen durchs Land und werben für den Langzeitautokraten.
Auf Parteilinie getrimmte Beamte
So auch in einem kleinen Dorf in der Nähe von Souza. Hier werden die Mitglieder der kamerunischen Regierungspartei RDPC mit Trommeln und Tanz willkommen geheissen.
Unter ihnen ist der 45-jährige Mathurin Mbarga. Er ist Beamter und RDPC-Parteimitgleid. Das ist in Kamerun meist ein Synonym. Er hat also ein Interesse daran, dass Paul Biya an der Macht bleibt.
«Paul Biya ist mein Vater», sagt er. «‹Tritt ab, du bist alt!› – Das sagt man doch keinem Vater.» Mbarga repetiert, was ihm am Partei-Meeting beim traditionellen Chief zu Hause eben instruiert wurde. Wie will er die Leute überzeugen, damit sie für den alten Autokraten Biya stimmen? Es wäre respektlos, den Präsidenten abzuwählen, sagt der Beamte. Alles habe seine Zeit. «Paul Biya wird selbst entscheiden, wenn er soweit ist.»
Langzeitherrscher seit 1982
Paul Biya regiert das Land seit 1982 diktatorisch. Ihm werden Vetternwirtschaft und Korruption vorgeworfen. Seine Amtsgeschäfte führt er gern von einem Luxushotel in Genf aus. Biya lebt diskret und geniesst seinen Reichtum eher still und fern der Heimat. Wie andere Länder am Golf von Guinea ist Kamerun als ölreiches Land politisch vergleichsweise stabil. Die Beziehungen zu westlichen Regierungen sind gut, besonders zur ehemaligen Kolonialmacht Frankreich. (srf)
Dorfbewohner mit Essen und Geld gekauft
Ein Drittel aller Kameruner lebt in Armut. Es gibt keine Pressefreiheit und das Land droht in einem Bürgerkrieg zu versinken. In den englischsprachigen Gebieten Kameruns haben Separatisten die Waffen gegen den Staat ergriffen.
Staatspräsident Biya ist oft ausser Landes, die meisten Kameruner haben ihn in den 36 Jahren seiner Regierung noch nie gesehen. Dennoch sitzen drei Dutzend Personen auf Plastikstühlen im Dorf und hören sich die Propaganda der Regierungspartei an. Sie alle leben vom Kautschukanbau für die staatliche Entwicklungsgesellschaft.
Allerdings seien seine Mitbürger nicht hier, weil sie Biya wählen wollten, meint der 22-jährige Serge Tchenko. «Sie kamen, weil sie etwas zu essen brauchen. Uns wurde gestern gesagt, es werde hier viel zu essen geben – und Geld.»
Lobgesänge auf die Regierungspartei
Und tatsächlich: Als die Regierungspartei-Karawane 20 Minuten später weiterzieht, liegen 60'000 Franc CFA, etwa 100 Schweizer Franken, auf dem Tisch vor den Dorfbewohnern. Der Dank aus dem Publikum kommt prompt: «Gott beschütze euch! Amen!» ist von den versammelten Dorfbewohnern zu hören.
Vielleicht wird Paul Biya nun doch die eine oder andere Stimme im Dorf erhalten.