Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03250.jsonl.gz/2192

Käsereigenossenschaft Albikon - Schalkhausen
Vier unternehmerisch denkende Männer waren es, die im Jahre 1860 den Bau der Käserei Albikon in Angriff nahmen. In der Rechnung über die Baukosten der gemeinsamen Sennhütte zu Albikon co 30. Juli 1860 sind Namen der Bauherren vermerkt: Jsaak Häni, Mühlemacher, Walter Rüegg, Jsaak Häni, jun., alle drei aus Albikon, und Johannes Steiner, Sackgrütli. Die Gesamtbausumme belief sich auf Fr. 1`364.49.
In einem Kaufvertrag von 1886 tritt dann Johann Häni als Besitzer, Milchkäufer und Käser auf den Plan, und er verkaufte 1895 die Käserei an die neugründete Käsereigenossenschaft Albikon-Schalkhausen.
Das erste Protokoll der obgenannten Käsereigenossenschaft lautet wie folgt:
Hauptversammlung d. 19. Mai 1895 im Frohsinn Schalkhausen.
Unter heutigen Datum versamelten sich eine Anzahl Viehbesitzer von Albikon, Schalkhausen und Umgebung zur Besprechung über Ankauf der in Albikon stehenden Kässerei zur Gründung einer Gesellschatskässerei. Wohl zeigte sich, sowol beim Käufer wie bei dem Verkäufer richtige Handelslust aber doch erforderte die fleissig benutzte Diskussion manche Stunden.
Endlich wurde dan aber der Handel doch abgeschlossen nachdem wir den Verkäufer v. Fr. 7`500.— auf Fr. 6`800.— gebracht haben. in Kauf gegeben sämtliche vorhanden Utensilien. Zudem hat der Verkäufer Joh. Häni daselbst den in seinem Hause befindlichen Käsekeller für 10 Jahre pachtweise an die Gesellschaft abgetreten für den jährlichen Pachtzins von Fr. 20.—.
Der Antrit hat mit 1 Mai 1895 statgefunden. Den Dünger, (Mist und Gülle) hat der Verkäufer bis Jacobi 1. J. für sich ausbedungen. Nachdem dan der Kauf abgeschlossen war wurde dan eine Komission aus fünf Mitgliedern nebst einer Rechnungskomission v. zwei Mitgliedern gewählt. In erstere wurden gewählt Jak. Häni Präsident, Jakob Scherrer Aktuar, Walter Reug (Ruegg), Jos. Rupper u. Alb. Gehrig, in die letztere wurden gewählt Joh. Statler und Peter Zuber. Der Komission wurde dan Auftrag erteilt sofortige Anhandnahme der nöthigen Repraturen u. auch der hiefür nöthige Kredit wurde einstimig bewiligt. Nach Beendigung dieser Verhandlungen liess man sämtliche hiezu befreundete mit Namensunterschrift ihre Beistimmung zum Kaufe bescheinigen u. es gab schon die schöne Zahl von 16 Mitglidern. Die Kommission wurde beauftragt für unsere Gesellschaft passende Statuten zu entwerfen und derselben zu Abstimmung vorzulegen. Schluss der Versammlung.
Schalkhausen d. 19 Mai 1895 Jk. Scherrer Aktuar
Innert dreier Wochen wurden die Statuten ausgearbeitet und an der Hauptversammlung vom 11. Juni gutgeheissen. Sie umfassten 35 Artikel und traten am 1. Mai 1896 in Kraft.
Hier der Wortlaut von Artikel 1 und 2.
Art. 1:
Unterm 19. Mai 1895 kauften die unterzeichneten Viehbesitzer von Albikon-Schalkhausen und Umgebung die in Albikon stehende Käserei, samt Wohnung und Schweinestallung als ihr Eigentum; zwecks Hebung und Förderung einer vorteilhafteren Verwertung der im obenannten Kreise produzierten Milch.
Art. 2:
Die Käserei ist nicht auf eine gewisse Anzahl Aktien, sondern auf ein einziges Gesamtanleihen gekauft worden. Gleich nach Reparierung und Schatzung des Käsereigebäudes wird zu Gunsten des Darleihens ein Pfandbrief gesetzlich errichtet, mit solidarischer Haftbarkeit der Mitglieder.
Die 16 Mitglieder aus Albikon, Geiss, Sackgrütli, Schalkhausen, Hof, Mühlefeld und Setzi besassen zusammen 40 Kühe. Es gab noch weitere Lieferanten, die jedoch der neugegründeten Gesellschaft nicht beigetreten waren. Die Milch konnte an drei Sammelstellen angeliefert werden, und zwar im Mühlefeld, in Schalkhausen und Albikon. Der Zahltag fand jeweils vierteljährlich im Restaurant Frohsinn Schalkhausen statt. Das Servitut für die Milchsammelstelle im Mühlefeld wurde 1906 aufgehoben.
Gebäude und Einrichtung der Käserei waren zur Zeit des Kaufes durch die Gesellschaft offensichtlich in einem trostlosen Zustand. Als Pächter stellten die Käser im Laufe der Jahre immer wieder Forderungen nach Verbesserung der Ausstattung. Für die Gesellschaft bedeutete dies ein dauerndes Traktandum. Eine gemeinsame Wasserversorgung existierte noch nicht, daher war in der Käserei auch kein fliessendes Wasser vorhanden. In der ersten Aufzeichnungen ist wiederholt vom "Wasserwerk" die Rede. Damit dürfte richteten die Gesellschafter in Fronarbeit eine offene Wasserleitung in die Käserei ein.
Dann wieder musste das Wasserrad mit einem Dach versehen werden, und in der Schweinestallung erforderten Böden und Decke eine Erneuerung. Später wurde ein neues Kessi installiert, und eine gründliche Entwässerung des Käsekellers konnte nicht mehr länger aufgeschoben werden. Als Käser Hürlimann 1908 auf eigene Rechnung einen Benzinmotor kaufte, übernahm die Gesellschaft die Kosten für die Erstellung eines Maschinenhäuschens und für die entsprechende Transmission.
Nach Einführung der Elektrizität liessen Käser und Gesellschaft 1912 gemeinsam einen Elec Motor einrichten und beschlossen, die "..unnüz gewordenen Kängel und Wasserrad" abzubrechen und die Transmission so gut als möglich zu verkaufen. Die wenigen aufgezählten Beispiele zeigen, dass die Gesellschaft dauernd gefordert war, Reparaturen, Anschaffungen, Verbesserung und Änderungen vorzunehmen. Sorgen andere Art bereiteten jenen Bauern, die wohl bei der Gesellschaftsgründung ihre Beitrittserklärung schriftlich gegeben, aber zum Teil während Jahren keine Milch in die Käserei geliefert hatten. Nach wiederholten erfolglosen Mahnungen musste amtlich gegen die Säumigen vorgegangen werden.
Sorgen mit Panschern
Auch mit Milchpanschern hatten sich Käser und Gesellschaft zu befassen. Der erste Fall, 1898, erlegte sich, indem der Lieferant als nicht schuldig erklärt wurde, weil seine Mutter die Fälschung begangen hatte. Zwei weitere Fälle, fünf Jahre später, endeten ebenfalls auf die gleiche Weise, weil festgestellt wurde, dass bei beiden Vorkommnissen die Knechte der Lieferanten die Michverwässerung vorgenommen hatten. 1906 wurde bereits wieder eine Panscherei aufgedeckt. Käser Traber forderte eine Busse von Fr. 300.—, die Gesellschaft plädierte auf Fr. 250.—.
Schwere Krise
Offenbar befand sich die Käsereigesellschaft ums Jahr 1908 in einer Krise.
Es wurde eine ausserordentliche Versammlung auf den 17. Februar einberufen und Präsident Jakob Scherrer stellte fest: "es seine in letzter Zeit Stimmen laut geworden als ob die Gesellschaft am Auseinanderfallen wäre. Das heisst, es haben sich Mitglieder und Nichtmitglieder dahin geäussert, sie verkaufen die Milch im Frühjahr anders wohin." In der Diskussion ergab sich aber doch: ".. dass jedenfalls fast sämtliche Lieferanten treu zur Fahne halten werden. Eine ungefähre Schätzung der Anzahl vorhandener Kühe ergibt zirka 80 -90 Stück".
Immer wieder tauchte kleine oder grössere Schwierigkeiten auf, was bei dem häufigen Wechsel der Käser nicht verwunderlich war. Um dies zu illustrieren, sei nochmals auf das Jahr 1896 zurückgeblendet: Nachdem erst ein Jahr seit der Gesellschaftsgründung vergangen war, kaufte der damalige Käser Thoma die Milch nicht mehr, und die Gesellschaft sah sich veranlasst, diese auszuschreiben. Von den vier Bewerbern, die sich darauf gemeldet hatten, erschienen am 18. April nur deren zwei zu den Verhandlungen im Restaurant Frohsinn in Schalkhausen:
Jac. Schärer aus dem Aargau und ein Joss aus dem Saland Zürichbiet". Mit Schärer wurde man handelseinig und lt. Protokoll: "… wurde dan gemütlich einige Gläser auf Kosten des neuen Kässers geleert und dan ging alles gemütlich wiederum seinem heimatlichen Herd zu mit der Hoffnung, wieder einen ehrlichen Kässer gefunden zu haben." Aber am 1. Mai morgens um acht Uhr versammelten sich die Gesellschafter erneut, weil Käser Schärer aus dem Aargau die Kaution von Fr. 3`000.— nicht geleistet und schriftlich mitgeteilt hatte, dass er die Milch nicht übernehmen könne. Aktuar Jakob Scherrer schreibt dazu:
" So bleib uns nichts anderes übrig als einen anderen Kässer umzusehen und hat sich dan ein solcher auch wieder gefunden und zwar in der Person von Albert Rueg von Albikon z. Zeit in Lichtensteig. Ob es für die Gesellschaft ein Unglück sei das unser erster Käufer nicht gekommen istdas können wir nicht sagen und wollen hoffen das wir unsrem zweiten Käufer das Jahr in gegenseitiger Zufriedenheit durchbringen können. Die Milch wurde für das ganze Jahr um 11 ½ Rp. verkauft. Vom 1. Mai 1895 bis 1. Mai 1896 wurden 127`895 Liter Milch geliefert."
Nach 1920 wurde über den Verkauf der Käserei laut nachdacht, und 1923 wurde Hütten verkauf in der Kommision ernsthaft in Erägung gezogen, um, wie der Aktuar protololliert: "...uns entlich einmal von den fort während Reparaturen zu Erlösen".
Am 24. Oktober 1923 kam dann der Verkauf an Thomas Schönenberger, der seit 1920 die Käserei in Albikon betreut hatte, zustande.
Als Verkaufspreis ist protokolliert:
"… Fr. 30`000.— für die Liegenschaft und Fr. 5`000.— für das Inventar nebst Trinkgeld."
Damit gingen für die Gesellschaft 28 Jahre Käsereibesitz zu Ende. In dieser Zeitspanne verzeichnete sie elf verschiedene Käser und Milchkäufer: 1895 Thoma, 1896 Rüegg, 1901 Geisser, 1903 Stähli, 1904 Wüthrich, 1905 Traber, 1908 Hürlimann, 1909 Stähli, 1911 Wettstein, 1918 Stutzer, 1920 Schönenberger.
Im April 1924 beschloss die Hauptversammlung der Milchlieferanten, dem Verband als Milchgesellschaft beizutreten. In der Folge finden sich in den Protokollen die Bezeichnung Milchverwertungsgesellschaft, Käsereigesellschaft, Käsereigenossenschaft und eben Milchgesellschaft.
Kaum zwei Jahre nach dem Kauf der Käserei geriet Käser Schönenberger in finanzielle Schwierigkeiten. Die Lieferanten stellten ihm am 14. Oktober 1925die ultimative Forderung, bis zum 25. Oktober einen dritten annehmbaren Milchbürgen zu stellen, andernfalls die Milch ab sofort den Verband geliefert werde. Dem Protokoll zu entnehmen:
"…dass die beiden ersten Bürgen in zwei Raten für die Milch dess Thomas Schönenberger bezahlten."
Am 28. Oktober 1925 wird bereits vom Milchhandel mit dem neuen Käsereibesitzer Albert Graf berichtet. Die zweite Hälfte der Zwanzigerjahre war gezeichnet von der sich anbahnenden Weltwirtschaftskrise, die in den Dreissigerjahren ihren Höchststand erreichte. 1924 stand der Milchpreis noch auf 29 ¾ Rp. und sank dann kontinuierlich bis auf 18 ¼ Rp. im Jahre 1935. Bei dieser Wirtschaftslage kam auch der Käser in arge Bedrängnis, sodass 1935 nach vielen Verhandlungen der der Verband für einige Zeit als Milchabnehmer aktiv wurde. Im nächsten Jahr normalisierte sich das Verhältnis zwischen Lieferanten und Käufer wieder. Bei dieser Gelegenheit einigten sich beide Parteien auf monatliche Auszahlung des Milchgeldes. Dem Drängen des Verbandes auf käufliche Übernahme der Käserei gab die Gesellschaft nicht nach, hingegen liess sich ins Handelsregister eintragen.
Harte Kriegsjahre
Die Kriegsjahre 1939 bis 1945 erforderten manche Anpassung und Umstellung in Bezug auf Personaleinsatz und Arbeitsweise. Aber im übrigen flossen die Jahre für die Gesellschaft mehr oder weniger ruhig dahin. Anlass zu Diskussionen gaben die Kontingentierung, die Rückbezüge, die obligatorische Mäusebekämpfung (!), die Silofrage, die TBC-Bekämpfung, die Anbauschlachtung und selbstverständlich jeweils der Milchhandel.
Auf den 1. Mai 1951 verkaufte Käser Albert Graf seinen Betrieb, den er 26 Jahre lang geführt hatte, und trat ins Lager der Lieferanten über. Seine Nachfolger, Erwin und Pia Fraefel, betrieben das Geschäft mit Elan. Als Neuheit wurde der salzlose Käse, der bei der Kundschaft gut ankam, kreiert. Zudem führten sie einige Neuerungen organisatorischer Art ein. In ihre "Amtszeit" fiel das Jubiläum 100 Jahre Käserei Albikon (1860 – 1960), das im Kreise 16 Jahren Tätigkeit in Albikon verkauften sie ihren Betrieb, um anderswo gemeinsam eine neue Aufgabe zu übernehmen.
Ab 1. Mai 1968 führten Alex und Hanni Brühwiler die Käserei. In den Jahren ihres Wirkens war, versucht durch die Güterzusammenlegung, viel Bewegung, um nicht zu sagen Unruhe, in die Gesellschaft gekommen. In dieser Zeit übte das Käserehepaar oft einen ausgleichenden Einfluss auf die Gesellschafter aus. 1986 sah sich Meister Brühwiler gezwungen, aus gesundheitlichen Gründen seinen Beruf aufzugeben und den Betrieb zu veräussern.
Erste Biokäserei der Schweiz
Seit November 1986 ist Erich Schnelli Inhaber der Käserei Albikon. Mit diesem Datum wude die Milchsammelstelle in Schalkhausen aufgehoben. Dem Trend der Zeit entsprechend, befassten sich Käser und Bauer anfangs der Neunzigerjahre mit dem Gedanken, auf biologischen Landbau umzusteigen.
Nach behutsamen Start entwickelte sich die Produktion von Biokäse zum Füller einer Marktlücke. Dank der Werbung durch die Medien wurde zur Genugtuung von Bauern und Käser Albikon als erste Biokäserei der Schweiz weitherum bekannt.
Es gäbe noch manches aus der Geschichte der Käsereigesellschaft zu berichten; aber mit dem hier skizzierten "Langlauf" dürfte doch deren Entstehung und Entwicklung für die meisten unter uns wieder etwas stärker ins Bewusstsein gerufen worden sein.
Der Käsereigesellschaft Albikon – Schalkhausen ist zu wünschen, dass sie die gegenwärtigen und zukünftigen Umwälzungen im Agrarbereich erfolgreich bewältigen kann.
Namen, Zahlen, Daten
Präsidenten der Käsereigesellschaft
1895 - 1907 Häni Jacob
1907 - 1911 Scherrer Jakob
1911 - 1913 Häni Jacob (jun.)
1913 - 1919 Lenherr Philipp
1919 - 1921 Keller Johann
1921 - 1930 Lenherr Philipp
1930 - 1938 Müller August
1938 - 1942 Scherrer Fridolin
1942 - 1962 Häne Josef
1962 - 1965 Lenherr Philipp (jun.)
1965 - 1971 Marty Martin
1971 - 1986 Schmucki Max
1986 - 1991 Schönenberger
Josef seit 1991 Oswald Beni
Noch zwei interessante Vergleich:
1895 zähte die Gesellschaft 16 Mitglieder
und mehrere Nichtmitglieder
1995 zählte die Gesellschaft 8 Mitglieder
1895 / 96 wurden 128`000 Liter Milch geliefert
1955 / 96 wurden 700`000 Liter Milch geliefert
Von Zeit zu Zeit verwandelte sich die Käsereigesellschaft in eine Reisgesellschaft.
Im Laufe der Zeit steuerte sie folgende Ziele an:
1939 Schaffhausen - Zürich
1947 Glarus - Wägital - Einsiedeln
1949 Susten - Sachseln
1956 Zurzach - Basel
1961 Pilatus
1967 Klausen - Seelisberg
1970 Engelverg - Trübsee
1972 Engadin
1975 Montafon
1977 Grosse Scheidegg
1986 Wallis - Tessin
1990 Schaffhausen
1992 Tirol
1997 Innsbruck - Kitzbühl