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Die 150'000 Mitglieder der konservativen Tories werden bald eine neue Parteichefin bekommen: Innenministerin Theresa May. Mit der Wahl zur Parteichefin ist May auch Premierministerin von Grossbritannien.
So positioniert sich Theresa May zu den wichtigsten Fragen:
Brexit
- Stand an der Seite David Camerons im Pro-EU-Lager. Sie hielt sich im Wahlkampf aber zurück und mied jede Profilierung. Trotzdem betonte sie: «Brexit bedeutet Brexit.» Mit ihr als Premierministerin werde es kein zweites Referendum zum EU-Austritt geben. Sie würde den EU-Austritt aber nicht vor Ende Jahr beantragen.
Migration
- Hat sich hier als Hardlinerin positioniert. Als amtierende Innenministerin musste sie David Camerons Versprechen umsetzen, die jährliche Einwanderung auf unter 100‘000 Personen zu senken. May reagierte scharf: Um sich niederlassen zu können, müssen Nicht-EU-Bürger neu nachweisen, dass sie jährlich über 35‘000 Pfund verdienen – 8000 Pfund mehr als der britische Durchschnitt. Zudem lässt sie EU-Ausländer im Ungewissen, ob sie nach dem EU-Austritt in Grossbritannien bleiben können.
Politische Ausrufezeichen
- Im Widerspruch zu ihrem Pro-EU-Standpunkt hat sie sich wiederholt für den Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Menschenrechtskonvention ausgesprochen. Von dieser Haltung ist sie nie ganz abgerückt. May hat sich in Vergangenheit wiederholt für Gleichstellung und die Homo-Ehe eingesetzt.
Karriere und Privates
- Die 59-Jährige amtet seit 2010 als britische Innenministerin. Das Amt gilt als sicherer Karrierekiller. May konnte es bisher aber nichts anhaben. Niemand war länger Innenministerin als sie. Sie besuchte eine staatliche Schule, bevor sie in Oxford studierte. May stieg noch vor ihrem 30. Geburtstag in die Politik ein und arbeitete lange bei der englischen Notenbank. Sie gilt als strenge und entschlossene Politikerin, die gerne mit Margaret Thatcher verglichen wird. May ist kinderlos, verheiratet und bezeichnet sich als gläubige Christin.
Einschätzung von Grossbritannien-Korrespondent Martin Alioth:
|«Wenn Theresa May am Mittwoch in 10 Downing-Street einzieht, wird sie sofort alle Geschäfte übernehmen. Dass sie vor der Brexit-Abstimmung eher für den Verbleib in der EU war und kein Vitriol gegen Brüssel verspritzte, dürfte in den Austritssverhandlungen eher von Vorteil sein. Nachteilig könnte ihr Mangel an Wirtschaftserfahrung sein, war sie doch seit sechs Jahren Innenministerin. Aber im Innern der konservativen Partei eignet sich May als Kompromisskandidatin. Sie ist niemandes Feindbild, hat aber auch keinen eingeschworenen Fanclub. Diese nüchterne Verträglichkeit ist dieser Tage selten. Was den oft gemachten Vergleich mit Margareth Thatcher betrifft, so ist dieser allerhöchstens äusserlich zulässig. Thatcher war eine radikale, oft skrupellose Reformerin mit einem ideologischen Rückgrat. May hat als Pfarrerstochter klare ethische Grundüberzeugungen, ist aber keine Ideologin. Sie ist berechenbar, erfahren und pannenresistent. Vielleicht ein wenig Blaustrumpf und vielleicht etwas grau. Aber wie man hier sagt «a safe pair of hands» – ein sicherer Wert. Das braucht das Vereinigte Königreich in der heutigen Lage dringend.»|