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Petroleum
(Erdöl, Erdnaphtha, oleum petrae). Vor einer kurzen Reihe von Jahren war
Petroleum unter diesem oder häufiger
unter dem entsprechenden deutschen Namen Steinöl (oleum petrae) nur ein Apotheken- und Droguerieartikel von geringer Bedeutung
und mäßigem Verbrauch zum Auflösen harziger Stoffe, zu Einreibungen in der Tierheilkunde, zum Aufbewahren
leicht oxydierbarer Metalle wie
Kalium und
Natrium. Es kamen solche
Öle durch russische Händler vom Kaspischen Meere (bei
Baku), vom Schwarzen Meer, aus Italien.
Diese Öle waren damals wesentlich teurer, als das seit der Entdeckung der großen amerikanischen Lager gebräuchliche Öl, das bekanntlich durch sein massenhaftes Vorkommen in Nordamerika und den Geschäftseifer der Amerikaner in wenig Jahren ein Welthandelsartikel von eminenter Bedeutung geworden ist, vom stärksten Einfluß auf die Verhältnisse des Groß- und Kleinhandels, der Technik und der häuslichen Ökonomie. Das großartige Auftreten am Markte ließ diesen altbekannten Stoff sogar als einen ganz neuen Artikel erscheinen.
Natürlich war diese Änderung der Dinge nur dadurch möglich, daß für das Erdöl eine neue ausgedehnte und nachhaltige Verwendung gefunden war, nämlich als ein guter und wohlfeiler Beleuchtungsstoff. In Nordamerika sind die unterirdischen Lager dieses Naturprodukts von erstaunlicher Mächtigkeit; der hauptsächlichste Öldistrikt ist der Westen Pennsylvaniens; aber die Region seines Vorkommens erstreckt sich viel weiter und zieht sich von Westkanada durch Neuyork und Pennsylvanien westlich nach Ohio und Kentucky, dann weiterhin südlich nach Westvirginien.
Auch in Kalifornien gibt es reiche, noch wenig in Angriff genommene Ölschätze. Selbstfließende Ölquellen sind in Nordamerika immer bekannt gewesen; sie fanden kaum andre Benutzung als daß die Indianer mit dem Öl die Glieder einrieben gegen Rheumatismus; sie wurden sogar nicht selten als großer Übelstand befunden, da sie die fließenden Wässer verunreinigten. Nachdem aber einmal der Spekulationsgeist der Amerikaner sich auf den Gegenstand geworfen, wurden Bohrbrunnen zu vielen Tausenden angelegt; 1860 und 1861 waren die tollen Jahre des Ölfiebers mit ihren oft so drastisch geschilderten Scenen von Spekur lation ^[richtig: Spekulation], Schwindel, Glück und Unglück.
Man triff- ^[richtig: trifft] auf Öl in einer Tiefe von 24-200 m; in der Regel ist eine überlagernde Felsschicht zu durchbrechen. Das freigewordene Öl dringt immet ^[richtig: immer] in Vermischung mit Wasser und häufig in Begleitung großer Mengen brennbarer Gase heraus; bildet zuweilen hochspringende Fontainen, die später aufhören. Wo keine Selbstergießung mehr stattfindet oder von Anfang an nicht bestand, werden die Pumpen angesetzt, bis auch diese nichts mehr fördern, worauf das Bohrloch verlassen wird, wenn es sich nicht etwa nachgehends wieder füllt.
Das Geschäft Nordamerikas in diesem Artikel ist riesenhaft gewachsen und noch fortwährend in Zunahme. Im Jahre 1861 wurden
im ganzen erst 1194682 Gallonen ausgeführt, 1868 schon 99½ Mill.; 1869 gewann
man in Pennsylvanien allein 4215142 Barrel, jedes Barrel zu 43 Gallonen. Die Bradfordregion in Pennsylvanien
liefert allein jetzt aus 1300 Quellen täglich 10000 Barrels. Als täglichen Durchschnittsertrag rechnete man schon vor 10 Jahren 10000 Barrels
oder 20000 Ztr. Dazu kommt noch die Ölernte der Staaten Ohio, Kentucky und Westvirginien, zusammen
mit etwa 1/7 der Förderung Pennsylvaniens, und die ebenfalls sehr beträchtliche Ausbeute Kanadas. Die
amerikanische Gesamtproduktion an
Petroleum belief sich:
|1871 auf||222276264||Gallonen|
|1876 "||377029044||"|
|1878 "||636865401||"|
|1879 "||829149762||"|
|1880 "||1093361682||"|
Die Ausfuhr von rohem und raffiniertem P. aus Amerika betrug (excl. des dortigen Konsums) im Jahre 1880: 658454664 Gallonen. Durch Übereinkunft der beiderseitigen Handlungsbehörden ist für den amerikanisch-europäischen Handel das Gewicht an Stelle des Hohlmaßes getreten und bestimmt worden, daß die Gallone 6½ engl. Pfd., das Barrel mithin 200 engl. Pfd. Inhalt haben muß. - Das amerikanische P. ist als Ware so vorherrschend, daß sich das über den Artikel überhaupt zu Sagende am besten an dieses knüpft, indes die anderweitigen Vorkommnisse nachgehends noch besonders aufgeführt werden.
Die Erdöle sind Gemenge verschiedner Kohlenwasserstoffe, ihrer chemischen Zusammensetzung nach einer fortlaufenden Reihe (Sumpfgasreihe) angehörend und je nach dem Vorherrschen der einen oder der andern Glieder dieser Reihe auch verschieden im Ansehen, spezifischer Schwere und Flüssigkeitsgrad. Ebenso gehören Bergteer und Asphalt zu derselben Reihe und unterscheiden sich nur durch den reichlichen Gehalt der höheren Glieder jener Reihe und, was den Asphalt anlangt, den gänzlichen Mangel der niedrigeren. Welchen Ursprung die Erdöle und ihre Verwandten haben, darüber herrscht völlige Ungewißheit. Man vermutet nur, daß große unterirdische Lager organischer ¶
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vorhistorischer Reste von Seetangen, Muschel- und Korallenbänken in langsamer Destillation durch Erdwärme die Gase und Öle hergeben möchten. In Steinkohlenlagern die Quelle zu suchen, scheint weniger annehmbar, da die Destillationsprodukte der Steinkohle doch wieder anders geartet sind. Je nachdem die Rohstoffe in der Erdkruste mehr oder weniger angehäuft sind, muß die Zersetzung entweder schon beendet sein oder noch fortdauern; daher ist in manchen Lokalitäten nur eine einmalige Ausbeute thunlich, während in andern Fällen das Weggenommene sich immer wieder ersetzt, daher eine noch beständig fortgehende Neubildung angenommen werden muß. Die Erdöle sind je nach den Gegenden ihres Vorkommens fast immer verschieden; manchmal bestehen solche Verschiedenheiten selbst in näherer Nachbarschaft.
Aus Amerika kommen zwei Hauptsorten, pennsylvanisches als die beste, und canadisches, worunter auch die Öle der übrigen Vereinsstaaten mit begriffen sein mögen, welche alle, gleich dem canadischen, den Gütegrad des pennsylvanischen nicht erreichen. Eine dritte Sorte, das westvirginische, ist zu Beleuchtungszwecken gar nicht tauglich, sondern nur zu Schmiermitteln (s. Globeöl). Das rohe pennsylvanisehe Öl ist heller, ins Dunkelgrüne spielend, dünnflüssiger, weniger übelriechend und leichter als das kanadische; sein spezif. Gewicht ist 0,815 bis 0,820. Es gibt einen höheren Ertrag an Leuchtöl als jenes, welches dunkelbraun ist, überaus widerwärtig riecht und ein spezif. Gewicht von 0,832 bis 0,835 hat.
Alle diese Öle sind zum unmittelbaren Verbrauch in Lampen unbrauchbar; sie enthalten hierzu teils zu flüchtige, feuergefährliche,
teils zu schwere, die Flamme trübende Bestandteile und nur das ist brauchbar, was die Mitte zwischen beiden hält. Die ganze
Rohmasse ist demnach vermöge ihres Gehalts an sehr flüchtigen Ölen sehr leicht entzündlich und daher
feuergefährlich. Es kommt auch in jüngster Zeit, der Feuergefährlichkeit wegen, nur noch ein geringer Anteil solchen Rohöls
aus Amerika zur Verschiffung, der Hauptmenge wird vielmehr vorher der leicht brennbare Bestandteil durch Destillation entzogen,
oder es wird gleich raffiniertes Brenn
petroleum dargestellt und in den Handel gebracht. Ein nicht unbeträchtlicher
Anteil aber wird erst in Europa vollends raffiniert.
Die vollständige Verarbeitung des Rohstoffs ergibt folgende Produkte. Der leichtflüchtigste Anteil des frisch der Erde entquollenen
Petroleums wird Rhigolen genannt; es kann nur in Amerika gewonnen werden, da es schon bei 30° C. in lebhaftes Sieden
gerät. Die nach diesem zunächst überdestillierenden Kohlenwasserstoffe führen den Namen
Petroleumäther, es ist dies
eine leichte und sehr leicht feuerfangende, bei 50-60° siedende Flüssigkeit von 0,655-0,660 spezif. Gewicht, die zum Ausziehen
fetter Öle und sonst als Lösungsmittel für Harze und Fette dient und auch in Apotheken geführt wird. Ein
Petroleumäther
von 0,655 bis 0,670 wird Gasolin genannt und in den sogenannten Luftgasapparaten als Leuchtstoff verwendet. Die Partie von
0,670-0,700 spezif. Gewicht wird unter dem
Namen Ligroin zum Brennen in besonderen Lampen verwendet.
Die bei circa 80° C. überdestillierenden Teile von 0,700-0,715 spezif. Gewicht bilden das
Petroleumbenzin des Handels.
Dasselbe dient als kräftiges Auflösungsmittel für Fette, Harze und Kautschuk, zum Verdünnen von Ölfarben,
zu Fleckwasser statt des gewöhnlichen Benzins aus Steinkohlen, das es wohl in dieser Hinsicht, nicht aber zur Bereitung von
Teerfarben vertreten kann.
Bei einer Temperatur von 120 bis 150° folgt das sog. künstliche Terpentinöl, wenn es überhaupt gesondert
dargestellt wird. Es ist nicht flüchtig genug, um als Fleckwasser zu dienen, als Leuchtöl noch zu leicht entzündlich,
löst Harze nicht gut auf, und dient daher nur zum Verdünnen von Leinölfirnissen, zum Reinigen der Buchdruckformen u.
dgl. Die Hauptware endlich, das Leuchtöl oder Brenn
petroleum, geht bei der Hitze
von 150-250° C. über.
Bei Temperaturen über 300° folgt dann noch ein dickes schweres Öl, das beim Kaltwerden butterartig erstarrt, das Schmieröl. Außer zu Wagen- und Maschinenschmiere benutzt man diesen Stoff neuerdings häufig zur Darstellung eines schönen Leuchtgases und sind namentlich die Gasapparate für kleinern Bedarf, wie sie die Fabrik von Hirzel in Leipzig liefert, sehr beliebt geworden. Das Öl, sowie es in bemessener Menge auf den glühenden Boden der Retorte tropft, löst sich augenblicklich in ein schön brennendes Gas auf, das beim Durchstreichen durch eine Säule von Koaks seine Teerteile abgibt und dann völlig rein ist. Das Schmieröl hat auch einen Gehalt an paraffinartiger Masse, die neuerdings vollkommen farb- und geruchlos abgeschieden und unter dem Namen Vaselin (s. d.) verkauft wird, jedoch weicher als das Braunkohlenparaffin ist. -
Das Brenn
petroleum ist farblos oder bloß gelblich und zeigt bei darauf fallendem Tageslichte einen bläulichen Schimmer.
Das farblose wird mit der Zeit von selbst wieder gelblich. Nicht allein das Brenn
petroleum, sondern auch
die leichter flüchtigen Produkte werden, bevor sie in den Handel kommen, einer Reinigung unterworfen. Die Flüssigkeiten
werden zu dem Zwecke erst mit einigen Prozent englischer Schwefelsäure zusammengearbeitet, dann durch Absetzenlassen von
der Säure getrennt und mit Wasser gewaschen. Dieselbe Prozedur wird dann noch einmal unter Anwendung
von Ätznatronlauge statt der Säure wiederholt und so werden alle brenzlichen sauren und alkalischen Destillationsprodukte
entfernt. -
Das P. bildet jetzt den meist verbrauchten flüssigen Leuchtstoff; und wenn es gut gereinigt ist, gibt es eine schöne, dem Gaslicht ähnliche, Flamme und ist bei nur gewöhnlicher Vorsicht so ungefährlich wie Solaröl. Eine Feuergefährlichkeit ist aber vorhanden, wenn dem Stoffe die flüchtigen Bestandteile entweder nicht gehörig abdestilliert, oder wenn ähnliche feuergefährliche Stoffe, wie z. B. Photogen, betrügerischer Weise wieder zugesetzt werden, eine Prozedur, die man zu vermuten starke Ursache hat. Durch solchen Gehalt an flüchtigen Stoffen wird das Öl nicht nur feuerfangend, ¶
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sondern unter Umständen auch explosiv, namentlich wenn bei Lampen die Ölbehälter nicht mehr vollgefüllt sind, indem dann die leichten Dämpfe sich mit der überstehenden Luft mischen und mit ihr eine Art Knallgas bilden. Andre Zumischungen von geringern Ölen beeinträchtigen nur die Leuchtkraft des P.; kommt es aber vor, daß ein mit Photogen versetztes und dadurch leichter gewordenes Öl auch noch mit schweren Stoffen wie Solaröl oder Schmieröl u. dgl. versetzt wird, um die Schwere wieder herzustellen, so hat man dann einen gefährlichen und zugleich schlechtbrennenden Leuchtstoff. Es müssen solche Mischkünste wohl häufig vorkommen, da selbst von Regierungen darauf bezügliche Warnungen ergangen sind.
Gutes P. darf sich mit einem brennenden Span nicht entzünden lassen, dieser muß vielmehr beim Untertauchen verlöschen.
Noch zuverlässiger ist die Probe, wenn das Öl vorher erwärmt wird, wobei die Regel gilt, daß gute Ware sich erst in einer
Wärme von 48-50° C. entzünden lassen darf. Man erwärmt daher die Probe bis auf 37° C., etwa durch
Stellen auf einen Topf mit stark warmem Wasser, in welches man noch den Finger tauchen kann, und geht dann mit dem Fidibus
von oben nach der Ölfläche herunter; entzünden sich die Dämpfe schon oder gar das flüssige
Petroleum selbst bei Berührung
mit dem Feuer, so ist es zu verwerfen.
Man hat auch verschiedne kleine Apparate konstruiert mit Lampe und Thermometer, durch die man ermitteln kann, bei welcher
Temperatur erhitztes Öl überhaupt Feuer fängt. Läßt sich dasselbe schon unter 48° C. entzünden, so ist es schlecht
raffiniert oder mit Naphtha versetzt. Tritt Entzündung erst über 66° C. ein, so enthält es durch zu
starke Destillation oder Zusatz schwere Öle. Das spezifische Gewicht eines guten
Petroleums soll ferner nicht niedriger als
0,795 und nicht höher als 0,804 bei 15° C. sein. Mit dem gleichen Volumen konzentrierter Schwefelsäure von 50° Bm. geschüttelt,
soll das P. die Säure nicht dunkel färben, obwohl es dabei selbst heller zu werden pflegt. Man unterscheidet
im amerikanischen Handel folgende Sorten:
|Entzündungstemperatur der Dämpfe|
|Water white||65,5° C.|
|Prime||65,5° "|
|Astral oil||52,8° "|
|Royal daylight||48,9° "|
|Standard-oil||43,3° "|
Von den nebensächlichen Verwendungen des P. ist besonders seine Brauchbarkeit zur Vertilgung und Vertreibung von Insekten und überhaupt Ungeziefer jeder Art, wo immer es sich findet, zu erwähnen; man gibt es jetzt sogar auf Zucker oder in Kapseln innerlich gegen den Bandwurm. Als Brennstoff statt der Steinkohlen, namentlich auf Dampfschiffen, hat man es einzuführen gesucht und die dazu nötigen besondern Öfen mehrfach konstruiert. Es ist aber nach großen Anläufen in der Sache wieder Stille eingetreten; der Hauptanstoß scheinen doch die gegen Steinkohle wesentlich höhern Kosten zu sein. - Das amerikanische Produkt erleidet durch den Transport nach New York oder Philadelphia eine Verteuerung, die die an den Quellen geltenden Preise fast verdoppelt. Es ist ernstlich das kolossale Projekt in Vorschlag gekommen, diesem Übelstande durch ein von dem Innern nach der Küste zu führendes mächtiges Ölrohr abzuhelfen. Die hauptsächlichsten Importplätze für die amerikanische Ware sind Antwerpen, Bremen, London, Havre, Marseille, Hamburg, Stettin, Amsterdam und Danzig. - Nach den großen Erfolgen der Amerikaner war es natürlich, daß man auch in Europa nach neuen Ölquellen forschte, resp. die bekannten Gelegenheiten besser auszunutzen anfing.
Ein allerdings nur kleiner Öldistrikt im Hannoverschen (Amt Burgdorf), wo schon seit Jahrhunderten kleine Quantitäten Erdöl gewonnen wurden, hat auf diese Veranlassung einen wesentlichen Aufschwung genommen und es wurden dort mit Erfolg neue Bohrungen angelegt. Nicht weit von dort, in der Nähe von Peine sind in neuester Zeit die Bohrungen noch erfolgreicher gewesen und ist dort unter dem Namen Ölheim eine ganz neue Kolonie entstanden, in welcher P. in großem Maßstabe gefördert und destilliert wird. - Ein viel größeres, nur zum kleinsten Teil erst eröffnetes, Ölterrain liegt in Galizien längs dem nördlichen und nordöstlichen Fuße der Karpathen auf einem zwei bis drei Meilen breiten Landstreifen, der fast das ganze Land durchzieht und dann noch weiter durch die Bukowina und in die Moldau und Wallachei sich fortsetzt.
Neu ist übrigens das Bekanntsein dieser Vorkommnisse auch nicht, denn wenigstens in der Umgegend von Boryslaw ist die Gewinnung von Erdöl viel älter als die Entdeckung desselben in Amerika. Es finden sich da auf kleinem Räume mehrere Tausend teils im Betriebe stehende, teils als erschöpft verlassene, roh angelegte, mit Holz gestakte Brunnen, an welchen 5-6000 Menschen beschäftigt sind, mit Zieheimer und Haspel den aus Wasser und Erdöl bestehenden Inhalt heraufzuschaffen.
Die Tiefe der Brunnen wechselt zwischen 8-40 m. Eine neu angelegte Grube ergiebt meistens schon bei drei bis vier Meter Tiefe so viel Öl, daß vorläufig nicht tiefer gegangen wird; in der Regel nimmt der Zufluß in wenigen Tagen schon sehr ab, und es wird dann die Grube um einige Fuß weiter vertieft, worauf sich wieder mehr ansammelt. So geht es mit dem absatzweisen Vertiefen fort, so weit es eben gehen will. Die Ausbeute ist sehr verschieden; manche Brunnen geben nur zwei bis drei, andre 30-50 Ztr. Öl in der Woche.
Die galizischen Öle sind lokal sehr verschieden an Farbe und sonstiger Beschaffenheit; im allgemeinen sind sie um so leichter, aus je größerer Tiefe sie stammen. Man erhält daraus 50-60% raffiniertes P. von 0,800-0,810 spez. Gewicht, das bei guter Bearbeitung den guten amerikanischen Sorten in nichts nachsteht. Die dort in loco vorhandenen kleinern Raffinieranstalten arbeiten aber meistens nicht normal, sondern lassen die zuerst übergehenden leichten Öle bei der Ware und bessern das spezif. Gewicht dadurch auf, daß sie eine Partie schwerer Öle nachlaufen lassen. In demselben Terrain mit dem Erdöl findet sich auch der zweite wertvolle Artikel ¶