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Am 20. April 2010 kamen auf der Bohrinsel Deepwater Horizon rund 11 Menschen bei einer gewaltigen Gasexplosion ums Leben.
Dokumentarfilm von N24
Ereigniskette auf Problemebene [1a, 1b]
Am 20. April 2010 kamen auf der Bohrinsel Deepwater Horizon rund 11 Menschen bei einer gewaltigen Gasexplosion ums Leben. Zwei Tage später versank die Plattform rund 70 km vor der Küste des US-Bundesstaates Louisana im Meer. Über drei Monate strömten mehr als 500 Millionen Liter Öl in den mexikanischen Golf. Dies führte zu einer der grössten Umweltkatastrophen. Auslöser der Explosion war ein Gas-Blowout, der jedoch nicht plötzlich stattfand, sondern sich schon drei Wochen vorher angekündigt hatte. Die Katastrophe ereignete sich aufgrund gravierender Sicherheitsmängel und eklatanter Kommunikationsfehler. Dazu gehört ebenfalls die Nichtbeachtung der Warnsignale. Techniker hatten im Vorfeld der Katastrophe auf die Mängel und Warnsignale hingewiesen. Beachtet wurden sie nicht.
Folgereaktion des Unternehmens auf Problemebene [1a – 2a]
Unmittelbar darauf versprühte das betroffene Unternehmen BP Millionen Liter der toxischen Chemikalie Corexit, das dafür sorgen sollte, dass sich das Öl fein im Wasser verteilt. Forscher fanden jedoch heraus, dass die Öl-Corexit-Verbindung viel giftiger ist als unbehandeltes Öl. Soweit zur realen Krise und zum Folgeverhalten der BP.
Kommunikation als Folgereaktion auf Problemebene [1a – 2b]
Die Medien informierte das Unternehmen kurz nach dem Unfall aktiv und vermittelte in der Folge den Eindruck der Offenheit und Transparenz. Realiter fokussierte das Unternehmen seine Informationen auf eigene Schutzmassnahmen wie die Errichtung von Ölbarrieren oder die Entsendung von Rettungsschiffen. Die Zahlen und Fakten über den Unfall und die Folgen wurden verheimlicht respektive bagatellisiert. Stattdessen richtete der Konzern eine Vielzahl von themeneigenen Social-Media-Kanälen ein, die den User über neue Entwicklungen informieren sollen. Zur Kontrolle des Informationsflusses und der Themensetzung steigerte das Unternehmen sein Suchmaschinenmarketing und kaufte sich bei Google und Yahoo auf die entsprechenden Seiten und Rankings. Die Kosten: 10‘000 US-Dollar täglich.
Darstellung in den Medien, öffentliche Meinungsbildung [2b – 3a – 3b]
Doch die Verharmlosungs- und Ablenkungsversuche bewirkten das Gegenteil: Die Medien recherchierten und konterten mit Fakten und Zahlen. Die öffentliche Meinung schlug um: Der Eindruck von einem maximal gewinnorientierten Unternehmen, das auf Kosten der Umwelt und seiner Mitarbeiter handelt, festigte sich zunehmend.
Folgereaktionen Bezugsgruppen [4a – 4d]
Das US-Justizministerium bestrafte den Konzern mit einer Busse von 4,5 Milliarden US-Dollar. Zusätzlich hat BP gemäss Wikipedia für die Bewältigung der Folgekosten der Ölpest 38,1 Milliarden Dollar Rückstellungen gebildet (Stand November 2012). Der Aktienwert der BP brach in der Folge um mehr als die Hälfte ein.
Verlauf der Aktie BP ab 2010 (wallstreet online)
Verfügte BP nicht über ausreichend Ressourcen, so wären die Konsequenzen dieser Reaktionen der Stake- und Shareholder unweigerlich die Liquiditätskrise gewesen. Der Spielfilm Deepwater Horizon dürfte diese Umweltkatastrophe zu einem Evergreen (siehe S. 233) der Krisen machen, womit für BP die Krise noch nicht ausgestanden ist.