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Kennen Sie das, wenn in einem Film ein Musikstück so gut gewählt und platziert wurde, dass man den Song danach nicht mehr hören kann, ohne an diese oder jene Szene zu denken? «Der Räuber und der Prinz» hat einen kongenialen Soundtrack, den man als extra fürs Stück komponierten einschätzt, wenn man die Deutsch-Amerikanische Freundschaft (DAF: eine deutsche Pionierband der elektronischen Musik aus den 80ern) nicht kennt. Die Stücke «Der Räuber und der Prinz» – nach dem das Stück benannt wurde –, «Ich will», «Tanz den Mussolini» und «Prinzessin» sind hier so passend gewählt, dass sie organisch einverleibt wirken und gar nicht mehr vom Spiel auf der Bühne zu trennen sind. Und man kommt nicht umhin, zum mysterös-minimalistischen Electro-Rock, der die Komposition aus Rhythmen und Körpern auf der Bühne so gut untermalt, mitzuwippen.
Schillers Geschichte um Franz und Karl Moor, zwei Brüder, die unterschiedlicher nicht sein könnten und sich verfeinden, wurde in der Theateradaption «Der Räuber und der Prinz» radikal reduziert und in ein abstraktes Spiel mit repetitiven Bewegungsabläufen und eindringlichen Wort- bzw. Satzwiederholungen verwandelt, das nur noch das Plotgerüst mit Schillers «Die Räuber» gemeinsam hat. Das Ensemble hat zusammen mit der Regisseurin eigene, teils fast schon literarische, teils Texte im eigenen Jargon erarbeitet, die das Stück begleiten und vorantreiben. Die Jugendlichen setzen sich dabei mit dem Wunsch nach Zugehörigkeit und dem Verlust des Selbst in derselben auseinander. Wieviel will und kann ich für eine Idee oder einen Anführer opfern, was kann mir das geben und was nicht?
Der metaphorische rote Faden wurde dabei wörtlich genommen und fungiert als Akzent der ansonsten sehr reduzierten Kostümierung (siehe Bilder): Die Räuberbande hat sich als Erkennungszeichen rote Schleifen um Kopf und Ärme geschnallt und benutzt dieselben als blutrote Mordinstrumente. Umgesetzt wurde dies aber alles andere als reisserisch: Auf poetische Art und Weise zaubern die jugendlichen Spielerinnen und Spieler anspruchsvolle Choreographien auf die Bühne und vergessen dabei nie die notwendige Präzision. Alles stimmt, wie in einer durchkomponierten Sinfonie. Und nach einer knappen Stunde ist diese Sinfonie aus Körpern vorbei. Was? Theater, das nur sechzig Minuten dauert? Ja, warum denn nicht? Schon bei letztjährigen Produktion hat die Regisseurin Nina Halpern den Stoff auf die Essenz reduziert. «Der Räuber und der Prinz» dauert keine Minute zu kurz oder lang und vermag sich seinem Thema unaufdringlich und doch mit dringlicher Präzision anzunähern. Stellenweise sitzt man gebannt auf seinem Platz und fragt sich, wo denn jetzt hier bitteschön noch der Unterschied zu professionellem Erwachsenentheater sein soll.
Weitere Aufführungen: FR 15., MI 20., DO 21. und FR 22. Mai, jeweils 20 Uhr, Theaterpavillon Luzern. Regie: Nina Halpern; Regieassistenz: Jules Gisler und Maria Berchtold; Bühnenkonzept und Kostüme: Nina Halpern, Jules Gisler und Silvana Arnold; Lichtdesign: Markus Güdel; Grafik: Louis Krieger; Dramaturgie: Selina Beghetto; Technik: Lukas Schumacher. Spiel: Xenia Bertschmann, Lorena Gasser, Frieda Gysin, Enya Müller, Hanna Neidhart, Julia Steiner, Moritz Suter, Carlo Tschopp, Julienne Wechsler, Fanny Zihlmann.