Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03438.jsonl.gz/2145

Situationsanalyse: Dieses Projekt konzentriert sich auf den Norden und Nordwesten von Bangladesch, wo die Situation um die Wasserressourcen und die Versorgung mit sanitären Anlagen am prekärsten ist. Die Wasserprobleme entstehen einerseits durch ein «Zuwenig», andererseits durch ein «Zuviel» an Wasser: So ist die Wasserknappheit in den trockenheitsanfälligen Gebieten durch den schnellen Rückgang von Grundwasser verursacht, welche durch extreme Wettervariabilität und Klimaveränderung verstärkt wird. Hinzu kommt eine flächendeckend schlechte sanitäre Infrastruktur im Land und damit auch die fehlende Möglichkeit für angemessene Ausübung von Hygiene, welche mit hohen Risiken für Krankheiten einhergeht. In den Überschwemmungsgebieten hingegen sind die Menschen mit heftigen und immer häufiger auftretenden Naturkatastrophen konfrontiert: Wirbelstürme haben in den letzten Jahren zugenommen, und Überschwemmungen und Flutwellen verursachen Bodenerosion, welche die Nahrungssicherheit und das Leben der Bevölkerung bedrohen.
Wasser: Die grösste Herausforderung stellt sich durch die saisonalen Schwankungen und der damit einhergehenden flächendeckend schlechten Wasserversorgung. Grosse Gebiete im Norden von Bangladesch, welche unter zunehmender Grundwasserverarmung leiden, werden durch die Übernutzung von Bohrbrunnen und intensive Bewässerung in der Landwirtschaft verstärkt. Die Bohrbrunnen sichern Trinkwasser eigentlich nur für drei Monate im Jahr (Juli-September). In den übrigen Zeiten leben die Einheimischen nach einer Art «Wasserknappheitsprinzip», d.h. sie verbrauchen weniger Wasser, indem sie weniger Trinkwasser verwenden, sich weniger häufig waschen oder gar ganz aufs Baden verzichten. Dies wiederum erhöht die Gefahr von Krankheiten, die aufgrund mangelnder Hygiene entstehen. Die schwierige Wassersituation wird dadurch verschärft, dass ca. 15 Prozent aller Bohrbrunnen privates Gut sind, was die Nutzung für «Nicht-Privilegierte» verunmöglicht. Bei den öffentlichen Brunnen dagegen sind deren Instandhaltung und Verwaltung und damit das Nicht-Funktionieren der Brunnen das Problem. Nebst den Brunnen gibt es die öffentlichen Wasserreservoirs, die durch Regenwasser gespeist werden, Regierungsgut sind und in Zeiten der Wasserknappheit genutzt werden. Diese öffentlichen Wasserreservoirs werden jedoch oft an reiche Grossgrundbesitzer verpachtet, welche den Zugang während wasserknapper Monate auf ein Minimum für den privaten Nutzen reduzieren.
Sanitäre Infrastruktur und Anlagen / Hygiene: 70 Prozent aller Haushalte in der Projektregion haben keinen Zugang zu Latrinen; Alte, Behinderte und Kinder unter acht Jahren benutzen in der Regel keine Toiletten. In den Monaten, in denen das Wasser knapp ist, können die Toiletten wegen fehlendem Spülwasser überhaupt nicht benutzt werden.
Schulen / Gesundheitszentren / Märkte: Die meisten Schulen, Gesundheitszentren und Märkte im Projektgebiet haben nur limitierten oder gar keinen Zugang zu Wasser und sanitären Anlagen. In den Schulen gibt es kein Wasser, um sich die Hände zu waschen; auch fehlt das Bewusstsein über die Notwendigkeit von Hygiene. Wenn die Kinder Wasser trinken wollen oder zur Toilette müssen, gehen sie oft nach Hause (und danach kommen sie oft nicht mehr zurück). Die Situation mit sanitären Anlagen zu Hause ist keineswegs besser als in der Schule, aber die sozio-kulturelle Situation in Bangladesch untersagt das Benutzen von «fremden» Toiletten oder die persönliche Hygiene in der Öffentlichkeit. Mädchen und Frauen sind von diesen Gegebenheiten besonders betroffen, da sie so gezwungen sind, an rund 3 - 5 Tagen pro Monat (20 Prozent der Schulzeit) im Schulunterricht wegen der Monatsblutung mehrheitlich oder ganz zu fehlen. Fast ein Drittel der Schülerinnen antwortet auf eine Umfrage, dass die Monatsblutung ihre Schulleistung beeinträchtigt.
Bewässerung: Die Kleinbauernfamilien haben meist limitierten Zugang zu Bewässerungswasser. Die Bewässerung geschieht meist via Dieselpumpen, welche von Grossgrundbesitzern betrieben und an die Kleinbauern verpachtet werden. In der Pflanzsaison machen die Kosten für die Wasserbeschaffung mehr als 30 Prozent des Totalaufwandes aus.
Caritas-Engagement in der Vergangenheit: Caritas Schweiz hat in der Vergangenheit schon verschiedene Wasserprojekte in Bangladesch durchgeführt. Das gegenwärtige Projekt baut auf dem Wasserkonsortium-Projekt II (2014-2017) auf, welches erfolgreich abgeschlossen wurde.