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Mit Schulbildung gegen Kinderarbeit in Ziegelfabriken
Das Don-Bosco-Jugendzentrum ermöglicht Kindern von Ziegelfabrikarbeitern eine Schulbildung. Im Distrikt Jhajjar gibt es circa 500 Fabriken, in denen Arbeitsmigranten unter dem Mindestlohn Ziegelsteine produzieren. Um das Familieneinkommen zu verbessern, helfen die älteren Kinder ihren Eltern bei der Arbeit. Das Jugendzentrum offeriert eine Alternative dazu, indem Schulbildung und ein kostenloses Mittagessen angeboten werden. Das Essen ist dabei von grosser Wichtigkeit: die Eltern sparen Verpflegungsgeld und kompensieren dadurch teilweise die Verdienstausfälle des Kindes.
Land/Ort: INDIEN– Jhajjar
Projektnummer: INN 16-123-20
Projektziel: Das Jugendzentrum Passor Village soll weitergeführt und kontinuierlich mehr Kindern einen Schulbesuch sowie nahrhafte Mahlzeiten ermöglichen.
Projektwirkung: Die Ziegelfabrikkinder erhalten dank dem Schulbesuch eine Chance auf dem regulären Arbeitsmarkt.
Mittelbedarf: 25 660 CHF pro Jahr
Die Ziegelsteinfabriken und deren Arbeiter
Im Distrikt Jhajjar des Bundesstaates Haryana gibt es über 500 Ziegelfabriken, welche die konstante Nachfrage der Baufirmen in den nahegelegenen Grossstädten wie Delhi decken wollen. Die Ziegelproduktion ist ein wichtiges Standbein dieses Distrikts und bedeckt den Himmel während der Betriebssaison mit Staub und Industriedunst. Deshalb sind Augen- und Atembeschwerden sowie Lungenerkrankungen besonders häufig.
In der unmittelbaren Umgebung des Don-Bosco-Jugendzentrums Passor Village in Jhajjar gibt es 32 Ziegelfabriken – sogenannte Bhattas. Das Gros der Fabrikarbeiter ist in einem anderen Bundesstaat heimisch und nimmt, auf der Suche nach einer Einkommensmöglichkeit, das Leben als Arbeitsmigrant in Kauf. Während der sechs- bis achtmonatigen Trockenzeit arbeiten sie in den Fabriken, erstellen in Handarbeit und Akkord Ziegelsteine bis der Regen einsetzt und die Fabrik zur Ruhe kommen lässt. Dann kehren die Familien zurück in ihre Heimat, bis sie mit dem Ende des Regens in die Bhattas zurückkommen – immer in eine andere, da die Fabrikbesitzer ein zu starkes Gemeinschaftsgefühl verhindern möchten. So müssen die Salesianer Don Boscos jährlich bei neuen Menschen Überzeugungsarbeit leisten.
Die Situation der Kinder
Der Lohn für die Arbeit in der Fabrik ist dürftig und unter dem Mindestlohn: es wird pro Ziegelstein abgerechnet, wobei pro Ziegelstein etwa ein Rappen bezahlt wird. Das enorme Angebot an Arbeitswilligen drückt den Lohn auf einen schändlichen Betrag. Um das spärliche Familieneinkommen aufzubessern und einen Beitrag für die Familie zu leisten, helfen die älteren Kinder und Jugendliche ihren Eltern bei der Produktion mit. Dies mag auf kurze Sicht ein Gewinn für die Familie sein, auf lange Sicht jedoch wäre der ganzen Familie mehr gedient, könnten ihre Sprösslinge eine Schulbildung absolvieren.
Durchschnittlich arbeiten in einer Ziegelsteinfabrik rund 100 Familien, wobei mit vier Kindern pro Familie gerechnet wird. Diese mehr als zehntausend Kinder in der unmittelbaren Umgebung des Jugendzentrums werden als temporäre Arbeitsmigranten von den staatlichen Institutionen nicht erreicht. Sie erhalten nicht nur keine Bildungsmöglichkeiten, auch Trinkwasser, Sanitäranlagen und Elektrizität gibt es in den improvisierten und behelfsmässigen Hütten auf dem Gelände der Ziegelfabriken nicht.
Für die Kinder der Fabrikarbeiter bietet das harsche Umfeld der Bhattas keine idealen Voraussetzungen für eine positive Entwicklung. Da viele Kinder unterernährt und somit anfällig für Krankheiten sind, versuchen einige der älteren den Hunger mit dem Konsum von Drogen zu vergessen. In diesem Jahreszyklus aus schlecht bezahlter Arbeit der Eltern, Unterernährung der Kinder und verpasster Bildung intervenieren die Salesianer Don Boscos mit dem Jugendzentrum Passor Village.
Schulbildung im Jugendzentrum
Die Salesianer Don Boscos haben inmitten der Ziegelfabriken ein Jugendzentrum errichtet, mit welchem sie den Kindern eine Chance auf Bildung eröffnen. Dadurch werden sie als Erwachsene zu einer Wahl auf dem Arbeitsmarkt befähigt und müssen nicht den Fussstapfen ihrer Eltern als Arbeitsmigranten in die Bhattas folgen.
Das Interesse am Angebot des Jugendzentrums ist enorm, von den Kindern als auch den Eltern, welche sich bereits nach Abendschulen und Alphabetisierungskursen erkundet haben. Das momentane Angebot umfasst neben der Schule einen Krippendienst sowie ein nahrhaftes Mittagessen. Alle Dienste sind kostenlos, damit die Eltern den Ausfall der Arbeitskraft ihrer Kinder verkraften können.
Die informelle Schule bietet den Kindern einerseits die Möglichkeit eine Schule zu besuchen. Andererseits bietet die Schule ein Brückenangebot an, welches sich an Jugendliche richtet und ihnen die Möglichkeit bietet, Verpasstes aufzuholen um somit den Übertritt in eine reguläre Schule ermöglicht. Der Schulunterricht findet an sechs Tagen statt, wobei ein Schulbus den sicheren Transport zwischen den Fabriksiedlungen und dem Jugendzentrum gewährleistet. Auf dem Gelände des Jugendzentrums gibt es – ganz in der Manier von Don Giovanni Bosco – einen grossen Spielplatz mit vielen Freizeitbeschäftigungen.
Momentan besuchen 200 Kinder die Schule. Ergänzt wird das Angebot des Jugendzentrums durch eine Kinderkrippe, welche den Kleinsten ein kindgerechtes Umfeld abseits der Ziegelsteinfabriken bietet, sowie eine Krankenstation. Neben der Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen versucht das Jugendzentrum das Gemeinschaftsgefühl unter den Arbeiterfamilien zu stärken, beispielsweise mit dem Bhatta Mela («Quartierfest») oder mit Gesangs- und Tanzwettbewerben. Zusätzlich werden mit Workshops soziale und bildungsrelevante Themen behandelt.
Feldschulen
Durch den Transport mit einem Schulbus können Kinder aus den Bhattas in einem Umkreis von 2 km zum Schulunterricht im Zentrum geholt werden. Es gibt aber auch viele Bhattas ausserhalb dieses Radius. Die Salesianer wollen auch diese Kinder erreichen und haben ein neues Konzept einer Feldschule eingeführt. Dabei kommen nicht die Kinder ins Zentrum, sondern der Lehrer geht in die Bhattas. 12 Bhattas im Umkreis von 4 km können so erreicht werden. Dies bringt viele Vorteile: Die Kinder können in der Nähre der Eltern bleiben und werden nicht aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen. Zudem können die Eltern noch mehr in die Brückenangebote und Ernährungsprogramme involviert werden. Die Mütter bereiten abwechselnd das Mittagessen für die Kinder zu und sind dem Lehrer bei der Aufsicht behilflich.
Kurserweiterung für die Eltern
Weiter soll das Angebot im Zentrum auch für die Eltern ausgebaut werden. Sensibilisierungs- und Aufklärungskurse zur Wichtigkeit von Bildung werden vermehrt angeboten. Die Kurse umfassen unter anderem spezielle Kurse zu Familienplanung, Bildung und Hygiene, Sparsamkeit und Kleinkredite, Rechte der Arbeiter, Bildung über die politische Landschaft und Selbsthilfegruppen für Frauen mit Gewalterfahrung. Diese Angebote stehen allen Eltern offen, dienen aber primär der Frauenförderung.
Helfen auch Sie mit, dass Kinder aus Ziegelsteinfabriken eine Schule besuchen können. Spenden Sie mit dem Vermerk INN-16-123-20 und geben Sie diesen Kindern und Jugendlichen eine Perspektive! Herzlichen Dank für Ihre Grosszügigkeit!
Haben Sie Fragen? Kontaktieren Sie unsere Projektleiterin Désirée Schöpfer.