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Ekzeme bei Babys durch Stress in der Schwangerschaft
Die neuesten Forschungsergebnisse über die Auswirkungen von Stress während der Schwangerschaft sowie zu Unterschieden bei der allergischen Wirkung von Pollen innerhalb Europas werden – zusammen mit weiteren neuen Forschungsergebnissen – ab morgen auf Europas führendem Allergie- und Immunologie-Kongress – dem EAACI-Kongress 2012 – in Genf präsentiert.
Stress und Ängste der Mutter während der Schwangerschaft erhöhen das Risiko, dass Neugeborene während der ersten 6 bis 8 Monate nach der Geburt atopische Ekzeme (Neurodermitis) bekommen. Japanische Forscher am Nationalen Zentrum für Kindergesundheit und -Entwicklung in Tokio sind zu diesem Ergebnis gekommen, nachdem sie 896 Mütter mit Kind (474 Jungen und 422 Mädchen) untersucht haben. Das Ergebnis wird auf dem EAACI-Kongress 2012 zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt.
“18,75% der untersuchten Mütter litten überdurchschnittlich an Stress und Angstzuständen, 62,39% zeigten moderate Stress-Symptome und 18,86% fielen in die Gruppe mit geringen Ängsten”, so Dr. Mana Hamaguchi, Klinischer Psychologe am Nationalen Zentrum für Kindergesundheit und –Entwicklung. Im Durchschnitt traten atopische Ekzeme bei 46,76% der Neugeborenen auf. Tests belegten, dass die Kinder von Müttern, die überdurchschnittlich an Stress und Angstzuständen litten, häufiger Ekzeme bekamen. Damit sehen es die Forscher als bewiesen an, dass Angstzustände während der Schwangerschaft das Risiko erhöhen, dass Kinder in den ersten 6 bis 8 Monaten nach der Geburt atopische Ekzeme (Neurodermitis) entwickeln.
Allergene Potenz von Pollen schwankt im Durchschnitt um das 4- bis 5-fache innerhalb Europas
Die neuesten Ergebnisse des Forschungsprojekt “Health Impacts of Airborne Allergen Information Network” (HIALINE-Projekt) werden ebensfalls zum ersten Mal auf dem EAACI-Kongress 2012 der Öffentlichkeit präsentiert. Forscher aus ganz Europa haben das allergene Potenzial von den Pollen untersucht, die die „Top 3“ unter den Verursachern von Heuschnupfen in Europa sind: Gras, Birke und Olivenbaum.
“Überall in Europa fanden wir eine signifikante Korrelation zwischen der Menge der Allergene in der Luft und der Häufigkeit der Pollen. Doch die allergene Wirkung, vereinfacht gesagt die Aggressivität, unterschied sich sehr stark innerhalb Europas, je nach Tag, Jahr und Ort“, so Prof. Dr. Jeroen Buters, Toxikologe and Molekular-Biologe an der Technischen Universität München und Mitglied der EAACI-Arbeitsgruppe Aerobiology & Pollution.
Beim Vergleich der Herkunft zeigten Graspollen die höchsten Schwankungen in der allergenen Wirkung: Graspollen aus Frankreich waren 7-mal stärker als die aus Portugal. Die Wirkung von Birkenpollen ist innerhalb Europas im Vergleich relativ konstant und schwankt nur um das 2-fache. Pollen von Olivenbäumen schwankten in ihrer Wirkung um das 4-fache innerhalb von nur 400km. In Portugal zeigten Messungen, dass spanische Pollen sehr viel aggressiver waren als die „einheimischen“ portugiesischen Pollen. In dem Fall war es so, dass spanische Pollen verantwortlich waren für die allergischen Reaktionen in Portugal.
Atmosphärische Ausbreitung kann Allergien in Gegenden auslösen, in denen bisher keine Allergien auftraten
Die Forscher kommen deshalb zu folgendem Schluss: Allergische Reaktionen wie Heuschnupfen hängen nicht einfach von Pollen ab, sondern von der Menge der Allergene, die diese Pollen transportieren, und die kann bis um das 10-fache variieren, je nach Tag, Ort und Jahr. Die Ausbreitung von hochallergenen bzw. aggressiven Pollen in der Atmosphäre kann dazu führen, dass Allergien in Gegenden neu oder vermehrt auftreten, in denen diese Allergien vorher nicht oder kaum auftraten. Veränderungen in der atmosphärischen Ausbreitung oder ein Klimawandel allgemein könnten damit der Grund dafür sein, dass Menschen neu unter Allergien leiden, die vorher nicht davon betroffen waren.
Asthma und Heuschnupfen sind zunehmende Belastung für die öffentliche Gesundheit in Europa
Asthma und Heuschnupfen sind die unter Kinder am häufigsten verbreiteten chronischen Krankheiten in Europa. Jedes dritte Kind leidet mittlerweile darunter, bei 15% von ihnen handelt es sich um eine schwere Erkrankung. Die direkten und indirekten Kosten werden schon bald die 100 Milliarden Euro-Grenze überschreiten. Massnahmen zur Eindämmung und Prävention von Allergien haben einen direkten Einfluss auf die Lebensqualität und öffentliche Gesundheit in Europa.
Um die Bekämpfung allergischer Erkrankungen zu einer Priorität der europäischen Gesundheitspolitik zu machen, werden auf dem EAACI-Kongress die Repräsentanten einer Reihe von Organisationen Massnahmen gegen chronische Atemwegserkrankungen diskutieren, unter anderen auch Elisabetta Gardini, Mitglied des Europaparlaments. Die Diskussion ist Teil eines live übertragenen Symposiums mit dem Namen “EU Health Priorities: Political and Research Agenda” (Montag, 18. Juni 2012, 10:45 Uhr - 12:15 Uhr).
Zusammenfassung der Forschungsergebnisse:
- 47% der atopischen Ekzeme (Neurodermitis) bei Babys werden durch Stress in der Schwangerschaft ausgelöst
- Fast 40% aller Europäer leiden an Heuschnupfen
- Europas „Top 3“ Allergien: Gras, Birke, Olivenbaum
- Pollen unterscheiden sich nach “Nationalität”: 4- bis 5-fache Unterschiede bei Aggressivität von Pollen innerhalb Europas
- Asthma und Heuschnupfen belasten zunehmend öffentliche Gesundheit in Europa
EAACI-Präsident Prof. Cezmi Akdis: “Wir müssen die Allergie-Epidemie stoppen”
EAACI fordert deshalb verstärkte Forschungsanstrengungen auf dem Gebiet chronischer Atemwegserkrankungen. EAACI-Präsident Prof. Cezmi Akdis, President ruft zum Handeln auf: “Wenn wir die Allergie-Epidemie stoppen oder gar umkehren wollen, müssen wir systematisch und kontinuierlich forschen. Es ist wichtig, die Mechanismen der Krankheiten zu verstehen, aber eine genaue Erhebung von Daten über Allergie-Register würde uns zusätzlich wichtige Informationen verschaffen. Die neuesten Möglichkeiten zur Diagnose und neueste Immuntherapien sollten Patienten über grosse klinische Versuchsreihen näher gebracht werden.“
Weiter macht Prof. Akdis auf die Bedeutung der Forschung zur Präventition aufmerksam, “weil jedes Jahr 2 Millionen Menschen in Europa neu an Allergien erkranken“.
EAACI gründet in Genf Komitee der Patientenorganisationen
EAACI unterstützt die Arbeit von Patientenorganisationen auf der ganzen Welt und hat deshalb ein Komitee der Patientenorganisationen gegründet. Mehr als 25 Länder Europas, Nordamerikas, Südamerikas, des Nahen Ostens, Asiens, sowie Australien und Neuseeland sind darin vertreten. Das Komitee der Patientenorganisationen wird eng mit EAACI zusammenarbeiten, um den Zugang zur Behandlung von Allergien zu erleichtern und das Leben von Allergiepatienten in allen Bereichen zu verbessern.
Über EAACI, European Academy of Allergy and Clinical Immunology
Die European Academy of Allergy and Clinical Immunology, EAACI, ist eine Non-Profit-Organisation auf dem Gebiet der allergischen und immunologischen Krankheiten wie Asthma, Heuschnupfen, Ekzeme, Allergien im Berufsumfeld, Lebensmittelallergien, Arzneiunverträglichkeiten und Anaphylaxie. EAACI wurde 1956 in Florenz gegründet und ist seitdem zur grössten medizinischen Vereinigung im Bereich Allergie und Immunologie in Europa geworden. EAACI hat 7.400 Mitglieder aus 121 Ländern; 42 nationale Allergie-Gesellschaften sind bei EAACI vertreten.
Linkempfehlung
Europäische Akademie für Allergie and Klinische Immunologie (EAACI)
18.06.2012 - dzu