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Im April stillte Jo Pavey noch ihre Tochter, an eine Goldmedaille war nicht zu denken. Doch die 40-jährige Britin gewann bei der EM in Zürich über 10'000 Meter ihren ersten grossen Titel – in dieser Woche könnte der zweite folgen.
Vor ein paar Monaten kämpfte sich Joanne, genannt Jo, Pavey noch durch schlaflose Nächte. Im letzten Jahr hatte die Britin ihr zweites Kind zur Welt gebracht. An einen Erfolg bei der Leichtathletik-EM war da nicht zu denken. «Ich habe nicht locker gelassen. Aber als ich noch gestillt habe und zum Training ging, waren meine Zeiten schrecklich», sagt Pavey: «Ich lag erschöpft auf dem Boden und fragte mich: Wie um alles in der Welt soll ich laufen?»
Sie schaffte es – mehr noch: Im Alter von fast 41 Jahren gewann die zweifache Mutter in Zürich ihren ersten grossen Titel, EM-Gold über die 10'000 Meter. Auf der letzten Runde im Zürcher Letzigrund-Stadion setzte Pavey sich gegen eine 16 Jahre jüngere Französin durch und lief mit geschlossenen Augen und zusammengebissenen Zähnen als erste über die Linie.
«Es ist komisch, weil ich wirklich nicht gewusst habe, ob ich in diesem Alter noch so rennen könnte», sagte Pavey nach ihrem Triumph, «ich habe es so viele Jahre lang versucht.» Weder bei Europa- oder Weltmeisterschaften, noch bei olympischen Sommerspielen und den Commonwealth Games hatte die Langstreckenläuferin bislang einen Titel gewinnen können. 2012 hatte sie mit EM-Silber in Helsinki ihren bis dato grössten Erfolg gefeiert.
«Ich kann es nicht glauben», sagte sie: «Ich wusste nicht, wie nah die anderen dran waren, also habe ich einfach alles gegeben, damit ich es später nicht bereue». Kurz nach dem Zieleinlauf schmuste Pavey mit ihren Kindern, ihrem 4-jährigen Sohn Jacob und ihrer elf Monate alten Tochter Emily.
Ihre Mutterschaft habe ihre Perspektive verändert, ihr aber keine körperlichen Vorteile verschafft. «Die Leute fragen mich, ob eine Geburt einen stärker macht», sagt Pavey, «aber ich denke, die Nachteile überdecken das. Ich war sehr unfit, als ich schwanger war.» Bis drei Wochen vor der Geburt ihrer Tochter trainierte Pavey.
All die Anstrengungen haben sich gelohnt – und vielleicht gelingt Pavey ein nächstes Wunder. Auch über die 5000 Meter am Samstag ist sie Medaillenkandidatin. Anfang des Monats hatte sie über diese Distanz bei den Commonwealth Games in Glasgow Bronze gewonnen und sich nur knapp zwei Kenianerinnen geschlagen geben müssen.
Pavey ist sich jedoch nur einer Sache sicher: «Ich weiss, dass meine Beine ziemlich schmerzen werden.» (max/AP/syl)