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Sanktionen haben dem Import von russischem Erdöl aus der Arktis in den EU-Raum verboten. Seit Inkrafttreten der Sanktionen im Dezember 2022 hat Russland das in seinen drei arktischen Projekten Prirazlomnoye, Novy Port und Varandey geförderte Rohöl über den Suezkanal zu Käufern in Asien umgeleitet. Dies bedeutet ein langer und kostspieliger Weg zu den Kunden und einen dementsprechenden Mehraufwand. Nun bot Rosatom den Ölgesellschaften an, einen Teil der Fracht entlang der Nordseeroute (NSR) umzuleiten. Öl soll auf konventionellen Tankern, ohne Eisklasse, unter Eskorte von Eisbrechern befördert werden.
Die lange Route, verglichen mit der relativ kurzen Transportwegen nach Westeuropa, stellt jedoch die Wirtschaftlichkeit der Projekte in Frage. Als Alternative bietet sich die Nordseeroute an. Nach Berechnungen von Rosatom könnten im Spätsommer und Frühherbst, wenn die Eisausdehnung am geringsten ist, bis zu 500.000 Tonnen Rohöl entlang der NSR nach Asien transportiert werden.
Darüber sprach der Vertreter von Rosatom im Föderationsrat beim runden Tisch „Verkehrspotenziale des nördlichen Seewegs“. Bei den Gesprächen ging es um die Felder «Varandey» (Lukoil) und «Prirazlomnoye» (Gazprom Neft), die sich ausserhalb der NSR befinden. Beim ersten Feld wird die Frachtbasis auf 5,9 Millionen Tonnen geschätzt, beim zweiten auf 3,6 Millionen Tonnen.
„Früher gingen unsere Fahrten in Richtung Westen, jetzt haben wir aber Vorverhandlungen über die Richtung eines Teils dieser Frachtströme nach Osten geführt. Wir konzentrieren uns natürlich auf die Zeit der Schifffahrt und den Einsatz von Tankschiffen. Leider verfügen wir noch nicht über eine grosse Anzahl von Tankern der Eisklasse, daher bieten wir unseren Kollegen den Einsatz konventioneller Tanker mit garantierter Sicherheit unter Verwendung unserer Eisbrecher in der Sommer-Herbst-Schifffahrt an“, zitiert die Analyseagentur PortNews den Leiter der Rosatom Projektbüro zur Entwicklung der Arktis Sergey Chemko.
Russland kaufte gebrauchte Öltanker
Russisches Rohöl wurde vor den Sanktionen des Westens zum grossen Teil mit Tankern von westlichen Reedereien transportiert. Diese, sowie deren Versicherungen, müssen aber Strafen befürchten, wenn russisches Oel transportiert wird.
Russlands Pläne für einen grösseren Fluss von arktischem Rohöl nach Asien sind eine direkte Folge westlicher Sanktionen, bestätigen Experten. Russland hat kürzlich mehr als 100 Öltanker gekauft, um westliche Sanktionen zu umgehen. Diese Käufe weisen auch auf weitere bevorstehende Aktivitäten auf der Nordseeroute hin.
Experten sprechen dem Bericht zufolge von einer Schattenflotte, die sich Russland zusammengestellt habe. Doch auch die Sicherheit gibt Anlass zur Sorge. Es wird vermutet, dass ein Teil der Flotte aus Schiffen besteht, die älter als 15 Jahre sind, dem Alter in dem die grossen Ölgesellschaften sie normalerweise aufgrund von Verschleiss aus dem Verkehr ziehen.
Die gebrauchten Tanker sind zudem ohne Eisklasse und vielfach von durchschnittlicher Qualität. Bezweifelt werden muss auch, ob die Tanker den Polar Code einhalten.
Zu befürchten ist, dass all diese alten Schiffe wahrscheinlich nicht so gewartet wurden, wie sie es sollten. Die Wahrscheinlichkeit eines grösseren Lecks oder Unfalls steigt mit dem Wachstum der Flotte von Tag zu Tag.
Heiner Kubny, PolarJournal