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25.02.2019 - Ruth Vuilleumier
25.02.2019
Ruth Vuilleumier
Schweizer Pioniere: Der bekannte Alfred Escher
Schweizer Pioniere: Der bekannte Alfred Escher Wer ist nicht schon an ihm vorbeigehetzt, ohne ihn zu beachten – an diesem bärtigen Herrn in luftiger Höhe auf dem Brunnen am Bahnhofplatz, den Blick weitsichtig zur Bahnhofstrasse gerichtet, die rechte Hand geballt, als wollte er gleich zur Tat schreiten. 1889 wurde für Alfred Escher dieses Denkmal errichtet, doch danach wurde es still um ihn.
Dank des 200-Jahr-Jubiläums schreibt und streitet man über Alfred Escher (1819–1882) und entdeckt dabei seine unglaubliche Energie und Weitsicht, die unseren Staat bis heute prägten. Für seine Visionen setzte er alles in Bewegung: wurde Politiker, Eisenbahnpionier, Gründer einer Bank, einer Versicherung und einer Hochschule. Kein Wunder, dass er schon zu Lebzeiten eine streitbare Persönlichkeit war und auch angefeindet wurde.
Eine unangepasste Familie
Alfred Escher entstammte einer alten, einflussreichen Zürcher Familie, die in Zürich in Ungnade gefallen war. Sein Urgrossvater floh aus Zürich, der Grossvater versuchte sein Glück in Russland und hinterliess Schulden. Sein Vater Heinrich Escher (1776–1864) kurbelte das Amerikageschäft nach Europa an, was ihm Reichtum, aber in der Heimat auch Ablehnung brachte und ihn zum Aussenseiter machte.
Alfred Escher wuchs die ersten Jahre im «Neuberg» am Hirschengraben auf. 1831 zog die Familie ins neuerbaute «Belvoir» ausserhalb der Stadt. Die Familie lebte hier abgeschieden und Alfred erhielt Unterricht von Privatlehrern. Erst das Gymnasium brachte ihn mit Schulkollegen in Kontakt, wo er sich mit grossem Einsatz und Aktivismus hervortat. Er studierte Jurisprudenz und promovierte 1842 an der Universität Zürich. Er wollte eine wissenschaftliche Laufbahn als Rechtsgelehrter einschlagen. Gleichzeitig war er politisch engagiert und verfasste wiederholt Artikel für die Neue Zürcher Zeitung.
Es folgte ein rasanter Aufstieg: Mit 26 Jahren war Alfred Escher zürcherischer Grossrat und Tagsatzungsgesandter, mit 29 Zürcher Regierungsrat und kurz darauf 1848 Nationalrat und Nationalratspräsident. Dem Nationalrat gehörte er bis zu seinem Tod an.
Die Eisenbahn eröffnet neue Wege
Seine weitläufigen Kontakte zeigten ihm, dass überall im benachbarten Ausland Eisenbahnen gebaut wurden. Und er setzte alles dran, dass die Schweiz den Anschluss nicht verpasste. Man war sich zwar einig über die Notwendigkeit von Eisenbahnen, aber nicht über deren Umsetzung. Escher erkannte, dass die Bahn nur privatwirtschaftlich gefördert werden konnte, ansonsten würde das Projekt an den unterschiedlichen Vorstellungen der Kantone scheitern. 1852 verhalf er dem Eisenbahngesetz in seinem Sinne zum Durchbruch. In kürzester Zeit entstanden konkurrierende Eisenbahngesellschaften, so auch die Schweizerische Nordostbahn, der Escher vorstand. Der verkehrstechnische Rückstand gegenüber dem Ausland wurde in kürzester Zeit aufgeholt.
Der Eisenbahnbau, insbesondere das Gotthard- Tunnel-Projekt, war mit so grossem Kapitalbedarf ver- bunden, dass nur das Ausland dafür aufkommen konnte. In der Schweiz fehlten entsprechende Institutionen. Um sich vom Ausland unabhängig zu machen, gründete Escher 1856 die Schweizerische Kreditanstalt und 1857 die Rentenanstalt.
Mit dem Erfolg der Eisenbahn brauchte es auch Fachkräfte. So kämpfte Escher an vorderster Front mit, das Eidgenössische Polytechnikum (ETH) zu schaffen, um den technisch-industriellen Anforderungen zu genügen. Und er begleitete es als Vizepräsident bis zu seinem Lebensende.
Die wichtigsten Orte der Schweiz waren bald durch das Schienennetz verbunden, doch es fehlte eine Nord-Süd-Verbindung. Alfred Escher bevorzugte anfänglich eine Alpentransversale beim Lukmanierpass, überzeugte sich dann vom Gotthard-Projekt. Dafür setzte er alles in seiner Macht Stehende ein. Er beriet sich mit Ingenieuren und anderen Fachkräften, führte Verhandlungen mit ausländischen Behörden. An der internationalen Gotthardkonferenz 1869 fiel die Entscheidung zugunsten der Gotthardlinie. 1871 wurde die Gotthardbahn-Gesellschaft gegründet, die Escher präsidierte.
Demokratie versus Patriarchat
Doch die Zeiten änderten sich, eine jüngere Generation strebte nach mehr Demokratie und akzeptierte das eigenwillige Vorgehen Eschers nicht mehr. Die Kritik an ihm wurde immer lauter. Die Kostenüberschreitungen von etwa 11 Prozent beim Bau der Gotthardbahn lastete man ihm an und drängte ihn, als Präsident zurückzutreten. Zum Durchstich des Gotthardtunnels 1880 wurde er nicht eingeladen. Als das Gotthard-Projekt 1882 vollendet war, lud man ihn zur feierlichen Eröffnung ein. Doch Escher war gesundheitlich zu angeschlagen und konnte nicht daran teilnehmen, er starb noch im gleichen Jahr.
Eine jüngere Generation hatte den Patriarchen ins Abseits gedrängt. Doch sieben Jahre nach seinem Tod wurde das Denkmal zu Ehren von Alfred Escher feierlich eingeweiht.
Alfred Escher Alle Bilder: zvg
|VeranstaltungenDie Alfred Escher-Stiftung, die Gottfried Keller-Gesellschaft und die Universität Zürich haben zur Koordination der Jubiläumsveranstaltungen den Verein «200 Jahre Alfred Escher & Gottfried Keller» gegründet. Der Verein betreibt eine Website mit Informationen zum Jubiläumsjahr 2019: www.spurenderzukunft.ch.|