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Wir stehen mitten in den Kulissen der entzauberten Illusion, auf der Rückseite eines in einer grossen Halle aufgebauten Filmsets. Einen ersten kurzen Kameraschwenk später sind wir bereits mittendrin in der historischen Fantasie. Unser Blick heftet sich auf die Hauptdarstellerin Florence Pugh und bleibt ihr in jeder weiteren Szene von Sebastián Lelios «Das Wunder» verfallen. Pugh spielt die englische Krankenpflegerin Lib, die nun ihrerseits in eine erstaunliche Geschichte hineinfällt.
Eine Zehnjährige auf einem abgelegenen irischen Hof soll seit Monaten nichts mehr gegessen haben – und lebt trotzdem weiter. Die Dorfpatriarchen engagieren eine Nonne und die Krankenpflegerin Lib. Sie müssen rund um die Uhr abwechselnd Wache halten und nach zwei Wochen Bericht ablegen. «Das Wunder» spielt 1862, zwölf Jahre nach der von England mitverschuldeten grossen Hungersnot, als eine Million Ir:innen starben, sechs Jahre nach dem Krimkrieg, wo Lib Soldaten gesund gepflegt oder in den Tod begleitet hat. Das fromme Fastenmädchen steht aber auch im Spannungsfeld zwischen Wahn, Glauben und Wissenschaft. Der Pfarrer im Dorfrat hofft, dass man ein Wunder «wie aus der alten Zeit» vor sich hat. Der Arzt wiederum wäre froh, es liessen sich Beweise für eine Ernährungsmöglichkeit abseits fester Speisen finden.