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von Dr. Marie Hennecke
Wer schon einmal verliebt war, kennt das Problem: Soll man mit offenen Karten spielen und dem oder der Angebeteten gleich seine Liebe gestehen? Oder hält man sich mit eindeutigen Zuneigungsbekundungen lieber zurück und lässt die andere Person erstmal im Unklaren über seine Gefühle? Was ist die bessere Strategie, um vom Gegenüber möglichst attraktiv gefunden zu werden?
Dieser Frage sind Erin Whitchurch, Tim Wilson (beide University of Virginia, USA) und Daniel Gilbert (Harvard University, USA) nachgegangen: An ihrer Studie nahmen 47 Frauen teil, denen die Facebook-Profile von vier Männern gezeigt wurden. Den Studienteilnehmerinnen wurde gesagt, dass sie selbst von den in den Facebook-Profilen gezeigten Männern vorher hinsichtlich ihrer Attraktivität beurteilt worden wären. In einer Bedingung wurde den Frauen gesagt, sie würden die Facebook-Profile der Männer ansehen, von denen sie als nur durchschnittlich attraktiv eingestuft worden waren. In einer weiteren Bedingung wurde ihnen gesagt, sie würden Profile von Männern ansehen, von denen sie als am attraktivsten eingestuft worden waren. In einer dritten Bedingung schliesslich, wurden die Studentinnen im Unklaren darüber gelassen, ob die Männer, deren Profile ihnen gezeigt wurden, sie als attraktiv oder nur durchschnittlich attraktiv beurteilt hatten.
Unter welcher Bedingung fanden die Frauen die ihnen gezeigten Männer nun am anziehendsten? In der Tat fühlten sich die Frauen am stärksten von den – ansonsten identischen – Männern angezogen, wenn sie nicht wussten, wie diese Männer sie beurteilt hatten. Unklarheit erhöhte also im Vergleich zu den anderen beiden Bedingungen die Attraktivität.
Da stellt sich natürlich die Frage nach dem Warum: Wäre es nicht besser, wir würden jemanden nur dann mögen, wenn unsere Gefühle sicher auf Gegenseitigkeit beruhten? Diese Frage wird von den Autoren zwar nicht beantwortet, sie vermuten jedoch, dass die Studentinnen in der Unklarheitsbedingung deutlich mehr über die Männer nachdachten. Möglicherweise folgerten sie dann, dass ihr vieles Nachdenken ein Anzeichen dafür sein müsse, dass sie die Männer auch anziehend fanden. Sollen wir unsere Zuneigung in der «Anbahnungsphase» einer potentiellen Liebesbeziehung also nie offen zeigen, sondern lieber «hard to get» (zu deutsch: schwer zu kriegen) spielen und den anderen zappeln lassen? So einfach ist es vielleicht doch nicht: Bisher haben Whitchurch und Kollegen nur gezeigt, dass Unklarheit bei Frauen «wirkt».
Möglicherweise fühlen sich Männer nicht im selben Ausmass stärker von Frauen angezogen, über deren Gefühle sie im Unklaren sind. Tatsächlich haben Studien anderer Autoren schon vor fast 40 Jahren gezeigt, dass es zumindest bei Männern gut ankommt, wenn eine Frau Interesse an einem Date mit ihnen zeigt, vorausgesetzt sie bekundet gleichzeitig wenig Interesse daran, auch mit anderen Männern auszugehen. Wählerisch zu sein kann eine Frau also in Kombination mit offenen Zuneigungsbekundungen auch attraktiv machen (Waster, Walster, Piliavin & Schmidt, 1973). Ob diese Strategie wirkungsvoller ist als die, den anderen im Unklaren zu lassen, wäre dann noch wissenschaftlich zu prüfen.
Quellen:
Whitchurch, E. R., Wilson, T. D. & Gilbert, D. T. (2011). «He loves me, he loves me not…»: Uncertainty can increase romantic attraction. Psychological Science, 22, 172–175.
Walster, E., Walster, E., Piliavin, J., & Schmift, L. (1973). «Playing hard to get»: Understanding an elusive phenomenon. Journal of Personality and Social Psychology, 26, 113–121
Bitte beachten Sie, dass diese Studie nicht in unserem Labor durchgeführt wurde. Wenn Sie an einer Studie in unserem Labor teilnehmen möchten, finden Sie dazu hier weitere Informationen.