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DMZ – GESELLSCHAFT ¦ Daniel Birkhofer ¦
KOMMENTAR
Liebe Mit-Menschen!
Ein Gedanken-Splitter - in nicht abschliessender Form - über die Verwendung von Wörtern und Begriffen in dynamischen, tendenziell eher verunsichernden und "orientierungsloseren" Zeiten, die einen vermeintlichen "Halt" so vermissen lassen ...
Dabei scheint seit ein paar Jahren vor allem das Sprechen über „Meinung“ und die sogenannte "bedingungslose" Meinungsäusserungsfreiheit (alles und jedes kann von jeder und jedem einfach so in den "Raum" gestellt werden - unabhängig zum Beispiel vom Gesinnungs- und Gewissensgehalt und den damit zusammenhängenden Folgen daraus ...) eine grössere gesellschaftliche Relevanz eingenommen zu haben. Zunehmend werden beispielsweise auch wissenschaftliche Beiträge so behandelt als ginge es um blosse Meinungen.
Dieser Umgang mit Sprache (die Sprechweise also) hat den Effekt, wissenschaftliche Aussagen zu delegitimieren (was von manchen ja auch dezidiert so gewollt ist) und somit abzuwerten; dies verstärkt die Tendenz, Fakten zu negieren, kurz: ein solches Sprechen desensibilisiert auch gegenüber Fake News - die Gutgläubigkeits- und Verschwörungstheorieströmungen zeugen davon.
Es entsteht ein Klima der Reizungen und der Fokus wird darauf gelegt, "Reizwörter" mit anderen "Reizwörtern" zu kontern ... Das Sprechen wird neu formatiert und in bestimmte Richtungen gelenkt; die Macht und Verführbarkeit der "bildvermittelnden" Wörter und damit der gezielten Beeinflussung von Denksystemen (Episteme) ist hinlänglich bekannt (siehe zum Beispiel die Suspensthematik in den Filmen von Hitchcock oder in den Gedanken des Philosophen Zizek dazu) ...
Viel wichtiger wäre aber doch gerade, dass es nicht um Meinungen geht, sondern um Einschätzungen, die für "wahr" und "richtig" gehalten werden können im Sinne einer Plausibilisierung, einer Verifikation oder auch Falsifikation (z.B. sensu Popper); gewünscht und gefordert ist eine "Kraft" und damit Haltung einer diskursiven oder deliberativen Argumentation (sinngemäss Habermas) als "Ausweg" aus einer nicht mehr steuerbaren Meinungs- und Stimmungsmache mit seinen bekannten fatalen Folgen -, wenn man dies genau genommen zu "Ende denkt" ...
Oder sinngemäss in den Worten von Hannah Arendt (1968):
Es ist fatal, dass ständig Meinungen als Fakten und Fakten als Meinungen umkodiert werden.
Gefragt sei vielmehr ein "Denken ohne Geländer" und nicht eine auf Närrischem, Unüberprüfbarem und Unwissenheit basierende "Spiegelfechterei" von Meinungs- und Stimmungsmachern - bar jeglicher Fakten, frei flottierenden Wortschwallen, Besserwisserei und Klugscheisserei sowie fernab von denk- und wissensbasierten Grundlagen (wie z.B. Vernunftbasiertheit nach Kant) ...
Gewünscht sei uns allen ein vermehrtes "Denken ohne Geländer" (Arendt), das dem "Unwesen" der blinden "Meinung" einen Raum der Sicht-, Durchschaubar- und Nachvollziehbarkeit bietet - eine Art "Marktplatz" der Integrität und Aufrichtigkeit des gemeinsamen Diskurses (Diskursethik lässt grüssen ...).
Ich wünsche allen einen guten und mit Zuversicht gepaarten Einstieg in eine neue und herausfordernde Woche!
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