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Shiatsu
Obgleich der Begriff Shiatsu erst Anfang des 20. Jahrhunderts geprägt wurde, ist Shiatsu tief in der traditionellen östlichen Medizin verwurzelt.Die Vorgeschichte des Shiatsu lässt sich bis ins China der Zeit um 530 vor unserer Zeitrechnung zurückverfolgen. Im 10.Jahrhundert n. Chr. wurde die chinesische Medizin in Japan bekannt, und seit jener Zeit haben sich Anma-Vibrationsmassage mit den Handtellern sowie Drücken und Massieren bestimmter Punkte zu einem System verbunden, das an unser heutiges Shiatsu erinnert.
Die Entwicklung des Shiatsu in Japan
Die offizielle Anerkennung des Shiatsu in Japan ist hauptsächlich den Bemühungen von Tokujiro Namikoshi. der in Hokkaido im Jahre 1925 ein Institut für Shiatsu-Therapie und im Jahre 1940 das Japanische Shiatsu-Institut (das später in «Japanische Shiatsu-Schule» umbenannt wurde) gründete. Sein Erfolg beruhte einerseits auf seiner außergewöhnlichen taktilen Sensibilität und andererseits auf seinen Bemühungen, Shiatsu mit den Erkenntnissen der westlichen Medizin zu verbinden. Dabei profitierte er sicherlich von dem in Japan zu jener Zeit vorherrschenden allgemeinen Trend zur Verwestlichung.
Shisuto Masunaga war derjenige, der die traditionellen philosophischen und medizinischen Prinzipien der östlichen Medizin wieder in die Shiatsu-Lehre integrierte. Er lehrte zehn Jahre lang am Japanischen Shiatsu-Institut, bevor er in Tokio seine eigene Schule gründete, das Iokai Shiatsu Centre.
Shitsuto Masunaga, der ebenfalls über eine hoch entwickelte taktile Sensibilität verfügte, machte es sich zur Aufgabe, das uralte System der östlichen Medizin mit der westlichen Physiologie in Einklang zu bringen. Sein wichtigster Beitrag zur Entwicklung des Shiatsu bestand darin, das System der klassischen Hauptmeridiane auf die gesamte Körperoberfläche auszudehnen. Außerdem lehrte er, wie man das psychophysiologische Gleichgewicht eines Menschen durch die Arbeit an diesen Energiebahnen beeinflussen kann.
Heute gibt es in Japan zwei deutlich unterscheidbare Shiatsu Methoden: die von Tokujiro Namikoshi entwickelte Methode und Iokai-Shiatsu, dessen Begründer der mittlerweile verstorbene Shitsuto Masunaga ist. Für Namikoshis Shiatsu-Stil ist charakteristisch, dass Druck auf bestimmte Reflexpunkte ausgeübt wird, die mit dem zentralen und autonomen Nervensystem verbunden sind, während Masunagas Stil auf der Arbeit an den Meridianen beruht, die aus der Sicht der östlichen Medizin die Manifestationen der Körper/Geist-Funktion sind. Masunaga führte auch die Dimension der «stützenden (Yin-) und verbindenden oder aktiven (Yang-)Rolle» der beiden Hände ein, weil er erkannt hatte, dass eine Shiatsu-Behandlung wesentlich weniger schmerzhaft, wesentlich nährender und energetisch wirksamer ist, wenn man beide Hände in einem gewissen Abstand auf den Körper des Patienten legt und mit ihnen den Kontakt zum Patienten ununterbrochen aufrechterhält. Auf diese Weise dient die eine Hand als «zuhörende» Hand (die «stützende» oder Yin-Hand), während die andere (die aktive oder Yang-Hand) die Behandlung durchführt.
Zwischen diesen beiden ursprünglichen Hauptrichtungen der Shiatsupraxis liegen die Ansätze mehrerer japanischer Akupunkturschulen, in denen Shiatsu als Voraussetzung für das Studium der Akupunktur gelehrt wird. Letztlich hängt die Wirksamkeit einer Shiatsu-Behandlung jedoch in erster Linie von der Einstellung und von der technischen Fertigkeit des / der Therapeuten / Therapeutin ab sowie auch von seiner Fähigkeit, sich auf den Patienten einzustimmen - also weniger von einem bestimmten Behandlungsstil.
Die Ausbreitung des Shiatsu in der westlichen Welt
Shiatsu ist erst in den siebziger Jahren in den Vereinigten Staaten und in Europa in größerem Masse bekannt geworden, obgleich diese Methode schon seit ihrer Entstehung von einigen Japanern und anderen Asiaten in der westlichen Welt praktiziert wurde. Die Shiatsupraxis in Europa ist hauptsächlich durch die Namikoshi- Methode und die Masunaga-Methode geprägt worden. Außerdem gibt es eine von der Makrobiotik beeinflusste Shiatsu-Richtung, die sich an den Meridianen und Punkten der traditionellen Akupunktur orientiert, aber zusätzlich einige eigene theoretische und philosophische Grundprinzipien entwickelt hat. Bei dieser Shiatsu-Variante werden häufig die Füße eingesetzt, um Druck auf bestimmte Körperbereiche auszuüben und um Dehnungen durchzuführen - die so genannten «Barfuss»-Techniken. Shiatsu, so wie man es in Europa kennt, wird demzufolge also entweder mit Masunagas Iokai-Shiatsu (oft auch Zen-Shiatsu genannt), dem von der Makrobiotik beeinflussten Shiatsu, der Namikoshi-Methode oder mit verschiedenen Mischformen assoziiert.
Interessant ist, dass in Japan, einem Land, in dem die traditionelle chinesische Medizin eine reiche und lange Tradition hat, gerade das am stärksten «westlich» orientierte Shiatsu-System von Namikoshi am populärsten ist und auch von der japanischen Regierung als erstes offiziell anerkannt wurde, ein System, das die Prinzipien der traditionellen chinesischen Medizin bewusst ausklammert.
In Europa und in den Vereinigten Staaten hingegen beziehen alle dort verbreiteten Shiatsu-Stile Aspekte der traditionellen östlichen Medizin mit ein, selbst jene, die sich in erster Linie von Namikoshis Ansatz herleiten.
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