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Ihr bestes Ergebnis im Präsidentschaftsrennen waren bisher 1,3 Prozent. Der ungewöhnliche US-Wahlkampf gibt diesmal aber sogar den Libertarians Hoffnung auf einen Aufschwung - weil Donald Trump und Hillary Clinton so unbeliebt sind.
Im Schatten von Demokraten und Republikanern schwingt sich eine dritte Partei auf, die zwar nicht auf Sieg spielt, aber sich als ernstzunehmende Alternative präsentieren will und vielleicht die Rolle als Zünglein an der Waage einnehmen könnte: die Libertarians. Auf ihrem Parteitag in Orlando (Florida) wählten sie am Sonntag den ehemaligen Gouverneur von New Mexico, Gary Johnson, zu ihrem Kandidaten.
Zwischen Demokraten und Republikanern
Die Libertarians stehen für einen schlanken Staat, aber auch für soziale Gerechtigkeit und aussenpolitische Zurückhaltung - liegen politisch also irgendwo zwischen Demokraten und Republikanern. Der vor allem von Polit-Querulant Donald Trump dominierte Wahlkampf in seiner bisher vorgetragenen Form treibt ihnen ungeahnte Sympathien zu.
«Unser bisher bestes Ergebnis bei einer Präsidentschaftswahl waren 1,3 Prozent der Stimmen», sagt Carla Howell, politische Direktorin der Libertarians, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Einer Umfrage der Monmouth University zufolge liegen sie derzeit zwischen zehn und elf Prozent.
«Dieses Jahr ist für uns definitiv ein gutes Jahr», sagt Carla Howell. Die Zahl der zahlenden Parteimitglieder sei seit Januar um 30 Prozent auf 14'500 gestiegen, die Zahl der registrierten Wähler auf über 400'000. Die Summe der Parteispenden, die bei früheren Wahlen um diese Zeit bei rund 1,5 Millionen Dollar gelegen haben, habe sich verzehnfacht.
Kein Vergleich zu Clinton und Co.
Das alles ist freilich nichts gegen die Zahlen der grossen Parteien: Hillary Clintons Demokraten etwa haben weit über 40 Millionen Mitglieder, die frühere Aussenministerin und Trump werden am Ende des Wahlkampfes bis zu einer Milliarde Dollar an Spenden ausgegeben haben. Dennoch sind die Libertarians optimistisch: «2016 wird eine ganze andere Melodie gespielt», sagt Howell.
Der Wind für die dritte Partei scheint sich in der Tat ein wenig gedreht zu haben. «Die Übertragung des Parteitages der Libertarians hat in früheren Jahren so viele Zuschauer angesprochen wie eine Dokumentation über Türgriffe aus dem 18. Jahrhundert», schreibt der «Boston Herald» in einem Kommentar.
Ungewohntes Medieninteresse
Heute ist das anders. «Wir haben ein Medieninteresse wie noch nie», jubelt Carla Howell. Allerdings gilt: Auch wenn fast jedes US-Medium die kleine Partei würdigt - von einer Dauer-Berichterstattung wie über Trump und Clinton ist sie noch weit entfernt.
Gary Johnson gilt vielen als der beste Präsidentschaftsbewerber, den die Republikaner nicht aufgestellt haben. Der Mann, der acht Jahre für die Republikaner als Gouverneur arbeitete, hofft vor allem auf Stimmen aus der Anti-Trump-Bewegung der Konservativen.
Stimmen aus beiden Lagern holen
Dort war die Suche nach einer unabhängigen Alternative zu dem schrillen Immobilien-Milliardär erfolglos geblieben - ein Ex-Republikaner könnte aus Sicht von manchen also die Rettung an der Wahlurne sein.
In einem Wahlkampf, in dem Donald Trump mit 60 Prozent so unbeliebt ist wie keiner seiner Vorgänger und Hillary Clinton nicht viel besser abschneidet, setzt Johnson auf Stimmen aus beiden Lagern. Vielleicht könnten sogar ein paar Anhänger von Clintons Konkurrent Bernie Sanders ins Johnson-Lager wechseln. Nicht umsonst macht der sich für mehr Freiheit im Umgang mit Schusswaffen und für weiche Drogen stark.
Zünglein an der Waage
Die Hoffnungen werden indes ausgerechnet von den Leuten gedämpft, die Johnson und seine Libertarians jetzt bei zweistelligen Prozentsätzen sehen - den Meinungsforschern. «Es gibt viele Wähler die jetzt auf eine dritte Partei setzen. Am Ende wollen sie dann aber doch nicht ihre Stimme verschwenden», sagt Monmouth-Wahlexperte Patrick Murray.
Die Hoffnung bleibt für die Libertarians, das Zünglein an der Waage zu spielen. Vorbilder gibt es: Im Jahr 2000 staubte der Kandidat der Grünen, Ralph Nader, in Florida fast 100'000 Stimmen ab - die Meinung, er habe damit die Präsidentschaft des späteren Klimaschutz-Aktivisten Al Gore verhindert, hält sich hartnäckig.
(sda/ccr)