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Anders als in Frankreich, wo die maximale Einwohnerzahl der schönsten Dörfer auf 2000 beschränkt ist, sind es in Spanien 15'000, weshalb auch kleine Städte wie das strahlend weisse Vejer de la Frontera bei Cádiz in Andalusien dazugehören. Wir haben eine kleine Auswahl dieser pueblos bonitos getroffen, angeordnet von Norden nach Süden.
Liérganes, Region Cantabria
Liérganes in der nordspanischen Region Kantabrien ist für seine Thermalquellen und Kurhotels bekannt. Doch Liérganes mit rund 2000 Einwohnern, gut 20 Kilometer südlich der regionalen Hauptstadt Santander, steht auch auf der Liste der schönsten Dörfer Spaniens. Es hat seinen ursprünglichen Charakter weitgehend erhalten.
Das historische Zentrum El Mercadil besteht aus zwei- bis dreistöckigen Häusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert, gebaut aus sichtbaren Steinquadern. Balkone aus Holz, oft üppig mit Blumen geschmückt, zieren die Fassaden. Dazu gibt es Paläste, Kirchen und Kapellen, einige Bars und Restaurants. Beliebtes Fotosujet ist der Puente Romano über den Fluss Miera, allerdings nicht in römischer Zeit, sondern 1603 erbaut.
Ujué, Provinz Navarra
Ujué liegt auf 800 Metern Höhe auf einem Bergrücken in den Ausläufern der Pyrenäen in der Provinz Navarra, gut 50 Kilometer südlich der Provinzhauptstadt Pamplona. Zuoberst auf dem Hügel thront, von weitem sichtbar, die mächtige Kirche Santa María mit zwei mit Zinnen bewehrten Festungstürmen. Ihr Bau begann vor rund tausend Jahren; die Befestigungsmauern stammen aus dem 14. Jahrhundert. Deshalb finden sich in der Iglesia de Santa María romanische und gotische Stilelemente.
Die Häuser im historischen Kern schmiegen sich eng an die Kirche; zusammen mit den kopfsteingepflasterten Strassen ergibt sich ein pittoreskes Bild. Doch wie viele mittelalterliche Orte abseits der Zentren leidet Ujué an der Landflucht; innert 60 Jahren ging die Einwohnerzahl von 1000 auf 200 zurück. Indem Häuser zu Ferienwohnungen umgebaut werden, versucht man, etwas Tourismus anzulocken und so den Schwund zu stoppen.
Atienza, Provinz Guadalajara
Atienza in den nördlichen Bergen der Provinz Guadalajara in der zentralspanischen Region Kastilien-La Mancha ist eine bedeutende architektonische Zeugin des Barock und der Renaissance. 1970 drehte der preisgekrönte griechisch-zypriotische Regisseur Michael Cacoyannis hier «Die Trojanerinnen» mit Katherine Hepburn und Vanessa Redgrave. Atienza mit seinen zwei Reihen von Stadtmauern, die sich an den Hügel anpassen, hat tatsächlich etwas von der mythischen Stadt aus der Odyssee. In den prächtigen, symmetrisch angelegten Altstadtgassen rund um die Plaza de España und Plaza El Trigo stehen die alten, mit den Wappen der führenden Familien verzierten Herrenhäuser. Die riesige Plaza Mayor stammt aus dem frühen 17. Jahrhundert.
Die Burg oberhalb des Städtchens mit seinen knapp 500 Einwohnern wurde von den Arabern errichtet und nach der Rückeroberung durch die Christen umgebaut.
Villanueva de los Infantes, Provinz Ciudad Real
Villanueva de los Infantes befindet sich im Südosten der Provinz Ciudad Real in der Region Kastilien-La Mancha und im Zentrum des Campo de Montiel, einer uralten Kulturregion von der Grösse des Kantons Bern. Campo de Montiel ist ein landschaftliches Mosaik aus Landwirtschaft, Wald und Buschland sowie ausgedehnten Naturschutzgebieten. Dort leben seltene Tierarten wie der iberische Luchs und der Kaiseradler.
Im Ort sind die vielen Kirchen, Herrenhäuser und Paläste aus dem 16. und 17. Jahrhundert sehenswert. Villanueva de los Infantes hat auch eine reiche kulturelle Geschichte. So starb hier der barocke Dichter und Satiriker Francisco de Quevedo (1580-1645). Und einer der bekanntesten Romanhelden der Literaturgeschichte, Don Quijote von Miguel de Cervantes (1547-1616), hielt sich ebenfalls hier auf.
Baños de la Encina, Provinz Jaén
Andalusien, die südlichste Region Spaniens, ist etwa doppelt so gross wie die Schweiz. Das Städtchen Baños de la Encina in der Provinz Jaén im kargeren Norden der Region liegt am Fuss der Sierra Morena. Dieses Mittelgebirge trennt Andalusien von Kastilien im Norden und der Extremadura im Nordwesten.
Dominiert wird Baños de la Encina von einer riesigen Burg, die ursprünglich von den muslimischen Kalifen erbaut und vor mehr als 1050 Jahren fertiggestellt wurde. Während Jahrhunderten war der Ort mit heute gut 2500 Einwohnern als Tor nach Andalusien zwischen Muslimen und Christen hart umkämpft, bis er 1275 endgültig an die Christen fiel. Zwei monumentale Kirchen untermauern diese Dominanz: die gotische Iglesia di San Mateo mit einem Turm aus der Renaissance und die 400-jährige Wallfahrtskirche von Jesús del Llano mit ihrer barocken Sakristei mit überschwänglichen Darstellungen von Heiligen, Engeln und Naturmotiven.
Vejer de la Frontera, Provinz Cádiz
Zu den idyllischen Postkartenbildern Andalusiens gehören die Pueblos Blancos, die weissen Dörfer: Strahlend weisse Häuser, die Strassen geschmückt mit Blumen, Fähnchen und oft auch mit riesigen Tontöpfen. Vejer de la Frontera unweit von Cádiz ist vielleicht das schönste Exemplar. Die Stadt mit rund 13'000 Einwohnern erinnert mit ihren verwinkelten Gassen an eine arabische Medina und wird von einer maurischen Burg dominiert. Die ganze Altstadt liegt etwa 200 Meter über dem Rest der Siedlung. Sie ist von einer Stadtmauer eingefasst und kann durch vier Tore betreten werden.
Vejer wurde 1976 zum kunsthistorischen Ort erklärt und erhielt 1978 den ersten nationalen Preis für Stadtverschönerung. Der berühmte feine Sandstrand El Palmar an der Costa de la Luz am Atlantik liegt auf dem Gemeindegebiet von Vejer und ist nur gut zehn Kilometer vom Stadtzentrum entfernt.