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Es gibt neue Instrumente, die den KMU dabei helfen, die Standards für Chemikalien einzuhalten. Ein Überblick.
Rund 60% der von der Schweiz exportierten Chemikalien gehen in die Europäische Union (EU). Über die REACH-Verordnung (Registration, Evaluation, Authorization and Restriction of Chemicals) erlegt die EU ihren Herstellern und Importeuren auf, Stoffsicherheitsberichte für in grossen Mengen verwendete Chemikalien vorzulegen.
Diese Regelung gilt für jedes Unternehmen, das Produkte in den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) ausführt. Und gemäss der Chemikalienverordnung (ChemV) gilt sie grundsätzlich auch für Schweizer Firmen, die Chemikalien importieren oder für den Schweizer Markt herstellen.
Sicherheitsbericht ist Pflicht
Ein Sicherheitsbericht ist obligatorisch, sobald chemische Stoffe in einer Menge von zehn Tonnen oder mehr pro Jahr hergestellt, importiert oder oder in den EWR exportiert werden. Betroffene Schweizer Hersteller, Exporteure oder Importeure müssen einen Bericht erstellen, in dem die mit dem betreffenden Stoff verbundenen Risiken und Gefahren im Detail aufgeführt sind. Der Bericht zeigt auf, ob der Stoff die Umwelt oder die Personen (z.B. Konsumenten oder Arbeitnehmende), die entlang der Lieferkette mit dem Produkt in Berührung kommen gefährden kann.
Ein wesentlicher Bestandteil dieses Berichts ist die Berechnung des DNEL-Wertes (Derived No-Effect Levels). Das ist der Grenzwert für die Exposition, unterhalb dessen das Produkt keinerlei Gefährdung für die Gesundheit darstellt.
Ein einfaches Tool für die Berechnung der DNEL
Bisher war die Berechnung des DNEL-Wertes komplex und insbesondere für ein KMU teuer und zeitraubend. Nun gibt es eine kostenlose Lösung. Das Ressort für Chemikalien und Arbeit des SECO hat ein Excel-Tool entwickelt, mit dem sich die DNEL-Werte schnell, automatisiert und verlässlich berechnen lassen.
Das Tool mit dem Namen "Simple European Calculator Of DNEL" (oder SECO-DNEL Tool) ist frei zugänglich und berechnet die DNEL-Werte gemäss den von der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) geforderten wissenschaftlichen und rechtlichen Kriterien. Neben der Berechnung des DNEL-Wertes liefert das Tool eine Darstellung der einzelnen Rechenschritte und eine Zusammenfassung als PDF. Das Tool steht auf der Website des SECO bereits auf Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch zur Verfügung.
"Zusätzlich zur Zeit- und Geldersparnis verhilft das Tool den Unternehmen zu mehr Rechtssicherheit", erklärt das Ressort Chemikalien und Arbeit des SECO, das mit der Angelegenheit betraut ist. "Zum ersten Mal gibt es nun ein von allen nationalen Verwaltungen gemeinsam genutztes Standard-Instrument. Es wird die Bearbeitung der betreffenden Dossiers vereinfachen. Und es ist durchaus denkbar, dass dieses in der Schweiz entwickelte Tool letztlich zahlreichen europäischen Verwaltungen als Referenz dienen wird."
Ein zweites Tool soll Ende 2015 zur Verfügung stehen. Es wurde gemeinsam vom SECO und dem Westschweizer Institut für Arbeit und Gesundheit (IST) entwickelt und soll die Durchführung der Expositionsermittlungen erleichtern, die ein weiteres Schlüsselelement der von REACH geforderten Stoffsicherheitsberichte darstellen.
Informationen
Zum Thema
Neue Kennzeichnung ab Juni 2015
Ab dem 1. Juni 2015 müssen Chemikalien – für den Import oder den Export – nach einer neuen Kennzeichnung namens GHS (Globally Harmonized System) eingestuft werden. Sie ist international gültig und zeichnet sich unter anderem durch die Verwendung der Farbe Rot aus. Für Stoffe ist die GHS-Kennzeichnung bereits seit 2012 obligatorisch, künftig gilt sie auch für Gemische. Bis zum 1. Juni 2017 ist jedoch für den Abverkauf von Gemischen noch die alte Kennzeichnung möglich.
KMU sind von dieser neuen Regelung zum einen im Detailhandel betroffen, zum anderen im Rahmen des betrieblichen Einsatzes von Chemikalien. Im Handel wollen die Konsumenten Produkte mit einer aktuellen Kennzeichnung zur Verfügung haben. Und die Produzenten werden diese Aktualisierung dazu nutzen, ihre Arbeitsanweisungen sowie die mit dem Gebrauch von Chemikalien verbundenen Sicherheitsregeln auf den neusten Stand zu bringen.
Auf der Website www.cheminfo.ch, die ein Ergebnis der Zusammenarbeit verschiedener Bundesverwaltungen ist, finden sich kostenlose Informationen in den drei Sprachen, die dabei helfen, die neue Kennzeichnung zu verstehen und allmählich zu übernehmen.
Letzte Änderung 01.04.2015