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Krystyn Ostrowski – des Mäzens der studierenden polnischen Jugend am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Die Generation am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat ihm viel zu verdanken. Er stiftete sein gesamtes Vermögen für die Ausbildung der polnischen Jugend. Die in polnischen Emigrantenkreisen bekannten Rapperswiler Stipendien wurden dank eines Vermächtnisses von Krystyn Ostrowski im Polnischen Nationalmuseum eingerichtet. Mehr als 400 Personen, darunter viele Frauen, haben davon profitiert.
Auf der Website des Museums habe ich mit freundlicher Genehmigung der Autorin, Professorin Anna Cetera-Włodarczyk (vielen Dank), den Artikel vollständig wiedergegeben; im Folgenden habe ich Abschnitte des Artikels verwendet.
Krystyn Piotr Celestyn Józef Ostrowski (1811–1882) wurde auf dem Familiengut in Ujazd bei Tomaszów Mazowiecki geboren. Er war Dichter, Dramaturg, Übersetzer, Publizist und Aktivist im Exil. Er stammte aus einer Familie, die seit Generationen hohe Ämter bekleidet hatte. Sein Vater, Antoni Ostrowski, war Kastellan und Senator sowie der Gründer der Stadt Tomaszów Mazowiecki; er gilt auch als Pionier der industriellen Entwicklung. Zusammen mit seinen Söhnen nahm er am Novemberaufstand teil; er war Kommandant der aufständischen Nationalgarde. Nach der Niederschlagung des Aufstandes wurde das Ostrowski-Gut beschlagnahmt, und die Familie ging ins Exil. Im Laufe der Zeit gelang es den Ostrowskis durch familiäre Absprachen und juristische Verfahren, ihr Vermögen weitgehend wiederherzustellen, sodass Krystyn seinen literarischen Vorhaben frei nachgehen konnte.
Krystyn Ostrowski absolvierte die Piaristenschule in Żoliborz und anschliessend die Warschauer Universität (Fakultät für Recht und Verwaltung). Danach ging er ins Ausland: nach Genf, Paris und Brüssel. Er kehrte nach Warschau zurück und nahm als Kanonier am Novemberaufstand teil. Während des Novemberaufstandes debütierte er mit patriotischen Gedichten, die er auch im Exil schrieb und verbreitete. 1831 wurde er in den Offiziersrang erhoben und mit dem silbernen Virtuti Militari-Kreuz ausgezeichnet. Nach der Niederschlagung des Aufstandes ging Ostrowski nach Belgien, wo er in den Jahren 1832-1836 in der Armee diente und unter anderem am Belgisch-Niederländischen Krieg und an der Belagerung von Antwerpen teilnahm. Nach seinem Ausscheiden aus der Armee liess er sich 1839 in Paris nieder. (Er lebte kurzzeitig in Versailles, wo er in der Redaktion einer Zeitung arbeitete). Danach schrieb er jedoch vor allem Theaterstücke, die er an französischen Bühnen aufführen liess, wobei er die kühl aufgenommenen Inszenierungen meist selbst finanzierte. Anders als seine geschäftstüchtige Familie zeigte Krystyn von Anfang an starke literarische Neigungen. Er arbeitete an Übersetzungen (meist aus dem Französischen und ins Französische, seltener aus dem Englischen und Italienischen). Er übersetzte unter anderem Werke von Adam Mickiewicz (Oeuvres poétiques complètes, Bd. 1 – 1841; Bd. 2 – 1845). Ferner übersetzte er Dante ins Polnische und Französische sowie die Dramen von Honoré de Balzac, Casimir Delavigne, Alfred de Musset und Alfred de Vigny. In Aufrufen, Memoranden an die Behörden und in der Presse stellte er weitreichende Programme für die politische Reform des Kontinents vor, darunter die Schaffung einer slawischen Föderation und der Vereinigten Staaten von Europa. Zweimal (1840 und 1844) bewarb er sich erfolglos um den Lehrstuhl für slawische Literatur am Collège de France (beim ersten Mal war sein Konkurrent Adam Mickiewicz). Nachdem er vom Galizien- und Januaraufstand erfahren hatte, kehrte er nach Polen zurück. Im Sommer 1863 liess er sich in Paris nieder, und 1876 zog er, angewidert von Frankreich und seiner Politik, nach Lausanne in die Schweiz.
Erteilen wir Zygmunt Miłkowski, der Ostrowski gut kannte, das Wort:
“Er war eine interessante Persönlichkeit – interessant wegen der Art von Dienst, den er für die polnische Sache geleistet hat. Er gehörte zu den Menschen, die der polnischen Sache dienten – mit ganzem Herzen, mit Leidenschaft, die aber nicht nur einfachen Bürger sein wollten. So war Władysław Plater, und so war Krystyn Ostrowski. (…) Sie gehörten keiner Emigrantenpartei an, sie vertraten unterschiedliche Positionen und handelten jeder auf seine Weise. Als junger, gut aussehender und reicher Graf besass er alle Prädikate und Voraussetzungen, um die Herzen der Frauen zu erobern. Hat er nicht ein einziges Herz gewonnen? Das kommt vor, aber selten, vor allem bei jungen und wohlhabenden Grafen“.
Den Mangel an romantischen Neigungen Ostrowskis erklärte Miłkowski mit dessen glühender Liebe zum Vaterland. Allerdings kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Auswirkungen seines Handelns in keinem Verhältnis stehen zu seinem langjährigen Engagement und seinen enormen Ausgaben. Vielleicht hat er dies mit der Zeit auch selbst erkannt, was seine Verbitterung, seinen Rückzug aus den Pariser Kreisen und seinen Wohnortwechsel erklären würde. „Ostrowski wurde bitter, mürrisch, hasste Frankreich und die Franzosen, und zog schliesslich mit der Absicht in die Schweiz, mit dem Rest seines Vermögens im Vaterland von Wilhelm Tell ein arbeitsreiches Leben zu führen.
Zygmunt Miłkowski äusserte sich auch zu Ostrowskis weltabgewandter Natur:
“Er isolierte sich so sehr, dass er nicht einmal im sozialen Umfeld nach Menschen suchte. Überliefert sind keine näheren Beziehungen in seinem Leben, keine Freundschaften mit Personen beiderlei Geschlechts. Eine Dame, die mir in den Achtziger Jahren erzählte, dass sie ihn lange Zeit gut gekannt hatte, versicherte mir, dass er Frauen mied, dass er «Angst vor dem schönen Geschlecht» hatte. Daran mag etwas Wahres sein.“
Ostrowski hatte nur eine einzige Schwäche: Er liebte Vögel.
So erinnert sich Miłkowski an seinen letzten Besuch im Hause Ostrowskis:
„Am Ausgang, als ich durch das Vogelhaus herauskam, meldete ich mich zu Wort:
– Was für Vögelchen hier!
– Ich mag Blumen… entgegnete er, „und das sind lebende, fliegende Blumen, die die echten noch übertreffen, weil sie schnattern und mir Gesellschaft leisten. …
Es handelte sich um einen Vogelblumenladen, ausgestattet mit den schönsten Vogelarten der Erdenkugel, aber eben deshalb unangenehmen, weil sie einen nicht gerade wohlriechenden Geruch verströmten und die Möbel, Gemälde, Vorhänge und das Klavier verkleckerten. Aber das war Ostrowski egal.
Er wollte dem Vaterland dienen. Dieser fehlgeleitete Wunsch brachte ihm einen Misserfolg nach dem anderen ein. Erst gegen Ende seines Lebens hatte er zweimal Erfolg: einmal, als er den Vorsitz bei den Feierlichkeiten zum Jahrestag des Novemberaufstands führte, und ein zweites Mal, als er schriftlich Stipendien für die polnische Jugend festlegte.“
Sein beträchtliches Vermögen, vermehrt durch erfolgreiche Kapitalanlagen, stiftete er einem Stipendienfonds für polnische Jugendliche beim Rat des Landesmuseums in Rapperswil. Ebenfalls in die Rapperswiler Sammlung gelangten seine Bibliothek, seine Kunstsammlungen und seine Handschriften, die allerdings im Zeiten Weltkrieg fast vollständig zerstört wurden. Zuvor hatte er einen Teil seiner Bibliothek auch der Wissenschaftlichen Gesellschaft in Krakau geschenkt.
Ostrowski wurde in Lausanne begraben, sein Herz ruht in der Familiengruft der Ostrowskis in Ujazd.
Anna Buchmann
Quellen:
Anna Cetera-Włodarczyk, Polskie przekłady Shakespeare’a w XIX wieku, Część I. Zasoby, strategie, recepcja [Polnische Shakespeare-Übersetzungen im 19. Jahrhundert, Teil I. Ressourcen, Strategien, Rezeption]. Warszawa 2019.
Miłkowski, Zygmunt (Jeż, Teodor Tomasz), Sylwety emigracyjne (Gestalten der Emigration), Lwów 1904, Słowo Polskie.