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Studienreise nach Strassburg der französischsprachigen Deputation des Berner Grossen Rates
Die französischsprachige Gruppe lernt die Zweisprachigkeit im Elsass kennen
Für zwei Tage begab sich die Gruppe der Grossräte und Grossrätinnen des Berner Juras und des französischsprachigen Biels nach Strassburg, um die elsässische Praxis der Zweisprachigkeit kennen zu lernen. Das Forum für die Zweisprachigkeit organisierte das Programm und begleitete die Delegation.
Studienreise nach Strassburg der französischsprachigen Delegation des Berner Grossen Rates
Einmal pro Legislatur unternimmt die französischsprachige Gruppe des Grossen Rates eine Studienreise. Annelise Vaucher, die Präsidentin der Gruppe, bat das Forum für die Zweisprachigkeit, das Programm für diesen Anlass zu organisieren.
Kurz nach ihrer Ankunft in der «Hauptstadt Europas» besuchten die 13 anwesenden Räte den Europarat, die älteste europäische Organisation, die 47 Mitgliedsstaaten umfasst - darunter auch die Schweiz - und dieses Jahr ihr 60-jähriges Bestehen feiert. Eine Vertreterin der Abteilung für Sprachen, Philia Thalgott, stellte die Sprachenpolitik des Europarates vor und sprach über die Mehrsprachigkeit der Organisation: 42 offizielle Sprachen sind vertreten, fünf davon (Französisch, Deutsch, Englisch, Italienisch und Russisch) werden bei den Diskussionen im Rat verwendet.
Die Deputation im Europarat
Regionalsprache und Zweisprachigkeit in der Schule
Die zweite Verabredung des Nachmittags führte ins «Maison de la Région Alsace». Dort wurden die Mitglieder der Gruppe von Paul Higi empfangen, einem Vertreter des Regionalrats des Elsass. Paul Higi präsentierte den Berner Parlamentariern in einem Überblick die regionale Politik der Sprachen und der Zweisprachigkeit, die im Rahmen einer Vereinbarung mit dem französischen Bildungsministerium umgesetzt wird. Er wies insbesondere auf die 79 Regionalsprachen hin, die von 10 Millionen Franzosen gesprochen werden. Die Situation im Elsass ist einzigartig, denn die Regionalsprache reicht über den Rhein hinaus und bis in die Schweiz und betrifft 60,5% Grenzpendler. 10% der Schulen (45 Grundschulen mit 19'000 Kindern zwischen 3 und 11 Jahren) wenden zurzeit ein zweisprachiges Schulsystem an: 12 Stunden wird in Französisch unterrichtet, 12 Stunden in Deutsch, einige davon in Elsässisch. 12 Gymnasien bieten ausserdem eine zweisprachige Matura an. Auch wenn sich die Situation von jener im Kanton Bern unterscheidet, gibt es mindestens zwei Parallelen: Es besteht in der Gesellschaft eine grosse Nachfrage nach dieser paritätischen Ausbildung; allerdings bereitet die Ausbildung entsprechender Lehrpersonen im aktuellen Bildungssystem Schwierigkeiten.
Annelise Vaucher mit Paul Higi
Paul Higi stellte überdies die Aktivitäten des Amtes für Sprache und Kultur im Elsass vor, einer Vereinigung, die vom Regionalrat ins Leben gerufen worden war und die sich ausserschulischen Belangen und der Vermittlung der Sprache widmet, vornehmlich des Elsässischen.
Am nächsten Tag stand eine Verabredung mit der René Schickele-Gesellschaft (Elsass und Ost-Lothringen) auf dem Programm. Deren Präsident, François Schaffner, sprach über die Aktivitäten des Amtes für die 1,8 Millionen Einwohner/innen der Region. Er erinnerte daran, dass die Dialekte in der Region seit über 15 Jahrhunderten gesprochen werden und auch Standarddeutsch regulär verwendet wird, neben der Landessprache und unabhängig von den geschichtlichen Ereignissen.
François Schaffner
Nachdem er hervorgehoben hat, dass in diesem Sommer 19 zweisprachige Klassen die bestehenden ergänzen, erklärte François Schaffner, dass diese Klassen in der Region als Integrationsfaktor für Kinder mit unterschiedlichem Hintergrund angesehen werden, nicht als ein System, das einer Elite vorbehalten ist.
Die zweitägige Erkundung der Vor- und Nachteile der elsässischen Zwei- und Mehrsprachigkeit haben der Deputation sicherlich einen neuen Blick auf die im Kanton Bern gelebte Zweisprachigkeit geboten.