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YB feiert als erster Klub 4 Meistertitel in Serie
Die zweite Hälfte der 1950er Jahre waren goldene Zeiten für den BSC Young Boys. 1960 feierten die Berner unter Trainer Albert Sing als erster Schweizer Klub den vierten Meistertitel in Folge - eine Serie, die im Schweizer Fussball bis ins neue Jahrtausend unerreicht blieb. Die Fans nannten die grossen Spieler dieser Zeit «Wädu», «Geni», «Hene» und «Wächseler».
In der zweiten Hälfte der 1950er Jahre war der 1898 gegründete BSC Young Boys das Mass aller Dinge im Schweizer Klubfussball. Unter dem deutschen Trainer Albert Sing feierten die Young Boys vier Schweizer Meistertitel in Folge. Dazu holten die «Gelbschwarzen» 1953 und 1958 auch noch den Schweizer Cup nach Bern.
Als imposantes Heimstadion diente YB das Wankdorfstadion, dessen Kapazität im Hinblick auf die Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz von 30'000 auf 60'000 Plätze aufgestockt worden war. Das Stadion war in dieser Zeit eine fast uneinnehmbare Festung: YB blieb vom 8. Dezember 1957 bis zum 6. März 1960 oder während 819 Tagen im eigenen Stadion ungeschlagen.
28 Jahre hatten die Berner seit dem letzten Meistertitel von 1929 warten müssen, bevor sie 1956/57 endlich den ersten Titel in der damaligen National-Liga A feiern durften. In den Jahresberichten des Schweizerischen Fussballverbandes fanden die Erfolge von YB in den 1950er Jahren grosse Bewunderung:
«Seitdem unsere oberste Spielklasse aus 14 Mannschaften gebildet wird, ist es das erste Mal, dass es ein Meister auf 45 Totalpunkte brachte. Es ist auch sehr selten, dass eine Mannschaft vom Beginn bis zum Schluss der Meisterschaft ununterbrochen die Spitze halten kann. Wir gratulieren dem BSC Young Boys recht herzlich zu seinem grossen und verdienten Erfolg.»
Im Jahr darauf verlief die erste Saisonhälfte ausgeglichener, am Ende resultierte 1958 - zum 60. Geburtstag des Klubs - aber sogar das erste und bis heute einzige Double der Klubgeschichte:
«Der FC Chiasso wurde mit einem Punkt Vorsprung auf die Young Boys inoffizieller Herbstmeister. Da es bereits im ersten Spiel der Rückrunde zu einer Direktbegegnung Chiasso-YB kam und die Berner das Spiel knapp für sich entscheiden konnten, wurden sie Leader, welche Stellung sie sukzessive stark ausbauen konnten. Bereits in der drittletzten Meisterschaftsrunde erneuerte der Berner Sportclub Young Boys seinen Erfolg der Vorsaison und wurde Schweizerischer Fussballmeister 1957/58 mit 43 Punkten.»
Für die Saison 1958/59 hielten die Chronisten folgenden Saisonverlauf fest:
«In der 20. Spielrunde betrug der Abstand zwischen dem Leader YB und den beiden Zweiten (GC und Lausanne) bereits 6 Punkte und der dritte aufeinanderfolgende Meisterschaftssieg war jetzt wirklich nur noch eine Frage der Zeit. In der 23. Runde wurde der BSC Young Boys zum drittenmal hintereinander Schweizerischer Fussballmeister und der FC Grenchen Zweiter dieser Meisterschaft. Der Erfolg der Young Boys bedeutet eine ganz ausserordentliche Leistung.»
Das war aber noch nicht alles, denn zum zweiten Mal in der Geschichte des Schweizer Fussballs feierte YB drei Meistertitel in Serie - und durfte auch den zweiten Pokal definitiv in seinen Besitz nehmen:
«Auch der zweite Wanderbecher, um den höchsten schweizerischen Fussballtitel, geht damit in den endgültigen Besitz der Young Boys über, und die NL wird den dritten Wanderbecher in Auftrag geben. Was keinem andern schweizerischen Fussballklub bis anhin gelang, wiederholten die Berner nach 48 Jahren schweizerischer Fussballgeschichte. 1911, als noch die alte, ehrwürdige Serie A bestand, gewann der FC Young Boys, wie er damals noch hiess, seine beiden Finalspiele gegen Servette und Zürich und feierte den dritten Titel in Folge.»
Doch die Berner fügten in der Saison 1959/60 einen vierten Meistertitel hinzu und setzten eine Marke, die bis ins Jahr 2013 unerreicht bleiben sollte:
«Die Propheten, die aus dem Schwächeanfall der Young Boys zu Beginn der zweiten Runde ein Abgleiten in der Rangliste erwarteten, hatten sich getäuscht. Young Boys steuerte von jetzt an mit einer imponierenden Regelmässigkeit auf die vierte aufeinanderfolgende Meisterschaft zu. (...) Bereits am 29. Mai, d.h. nach dem 24. Meisterschaftsdurchgang war der BSC Young Boys zum vierten aufeinanderfolgenden Male schweizerischer Fussballmeister. Es war sein 10. Meisterschaftssieg in der Geschichte des Schweizer Fussballs. Zu dieser ausserordentlichen Erfolgsserie beglückwünschen wir den grossen Berner Club recht herzlich. Unsere Gratulationen gehen in erster Linie an die Spieler, an Trainer Albert Sing, der seit 9 Jahren mit besonderem Erfolg die Mannschaft führt, und an die Clubleitung.»
Der grosse Baumeister der erfolgreichsten Zeit von YB war der Schwabe Albert Sing, erst als Spielertrainer, ab 1957 nur noch als Trainer. Unvergesslich bleiben aber auch die Glanztaten des Torhüters Walter «Wädu» Eich - und vorne stürmten Dribbelkünstler und Scharfschützen wie Eugen «Geni» Meier, Toni Allemann und der Deutsche Ernst «Wächseler» Wechselberger. Geni Meier ist bis heute der treffsicherste Spieler aller Zeiten im Dress der Young Boys. Der offensive Mittelfeldspieler bestritt 321 Spiele in der damaligen National-Liga A für YB und erzielte dabei beeindruckende 247 Tore - das ergibt einen Treffer alle 116 Einsatzminuten.
Folgende Spieler kamen bei jedem der vier Meisteritel zu mindestens einem Saisoneinsatz: Heinz «Hene» Schneiter und «Geni» Meier (je 101 Spiele), Heinz Bigler (93), Walter Eich (91), Gilbert Rey (77), Niklaus Zahnd (68), Willy Steffen (60), Marcel Flückiger (42), Léon Walker (34) und Peter Allenbach (6).
Die Leistungen des BSC Young Boys sind aus heutiger Sicht bemerkenswert, musste die Mannschaft mit einem heute vergleichsweise kleinen Kader immer wieder die Mehrfachbelastung Meisterschaft, Schweizer Cup, Nationalmannschaft und vor allem Meistercup bewältigen. Den grössten Erfolg auf europäischem Parkett durften die Young Boys 1959 mit dem Halbfinal im Meistercup gegen Reims feiern.
Nach 28 nun 26 und 32 Jahre des Wartens
In den folgenden Jahren konnte YB nicht mehr an die Erfolge anknüpfen. 1961 landeten die Berner noch einmal auf Rang 2, der Rückstand auf Meister Servette betrug aber beträchtliche 10 Punkte. 1964 trat Trainer Sing schliesslich ab und seine Nachfolger hatten ein schweres Erbe zu verwalten. YB klassierte sich zwar meistens in der vorderen Hälfte der Tabelle, an die Ligakrösusse Zürich und Basel kamen die Berner aber nie heran.
Es dauerte bis ins Jahr 1977, ehe YB wieder einen Titel erringen konnte. Unter Trainer Kurt Linder wurde der Cup zum fünften Mal nach Bern geholt. Und bis zum nächsten Meistertitel in der Saison 1985/86 mussten sich die Fans 26 Jahre lang gedulden. Noch länger war die Durststrecke bis zum 12. Meistertitel der Klubgeschichte im Jahr 2018 - legendäre 32 Jahre!