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Die ersten Kartoffeln aus der neuen Ernte sind etwas Besonderes: Sie sind ganz zart und delikat, haben eine sehr dünne Haut und sollten möglichst frisch zubereitet werden – denn lagern kann man sie nicht. "Die Qualität ist in diesem Jahr sehr gut", lobt Ernst König, Geschäftsführer der Branchenorganisation Swisspatat. Obwohl die Kartoffeln wegen des langen Winters erst relativ spät gesetzt werden konnten, holte das Wachstum in den warmen Apriltagen wieder auf. Im langjährigen Vergleich haben die Frühkartoffeln – sie haben charmante Namen wie Lady Christl, Agata, Lady Felicia oder Charlotte – rund eine Woche Verspätung. Die frühesten der Frühkartoffeln stammen aus den mildesten Regionen nördlich der Alpen, vom Genfer- und vom Bodensee. Sie werden unter Folie produziert, für die Produzenten ist es ein Risikogeschäft, denn das Wetter kann die Kartoffelpracht im Nu zerstören. Falls alles glückt, werden sie mit höheren Preisen belohnt: 95 Rappen gibt es aktuell für ein Kilogramm schalenlose Frühkartoffeln, für biologisch produzierte Frühkartoffeln sogar 2 Franken. Für ein Kilogramm Lagerkartoffeln hingegen erhält der Produzent je nach Sorte lediglich zwischen 45 und 50 Rappen. Allerdings sind bei den Lagerkartoffeln auch die Erträge höher.
Kartoffeln aus der Wüste
Die Kartoffelproduktion in Ägypten ist aus ökologischen Gründen nicht unbedenklich: Für die Bewässerung der Kartoffelfelder werden fossile Wasservorräte unter der Wüste abgepumpt. Das zeigte ein Beitrag der Fernsehsendung "Einstein" vom 8. April 2010. Ägypten ist eines der trockensten Länder der Welt, die Wasserversorgung ist für viele Menschen prekär. Denn der Nil, der einem grossen Teil der Bevölkerung als Wasserquelle dient, ist stark verschmutzt mit Industrieabwässern, die ungefiltert entsorgt werden. Die Verwendung der fossilen Wasservorräte als Trinkwasser würde die Nutzung über viele hundert Jahre ermöglichen, glauben Experten. Die intensive Verwendung in der Kartoffelproduktion führe aber dazu, dass nach rund 50 Jahren die Süsswasservorräte erschöpft seien und dafür salziges Grundwasser vom Meer her nach oben drücke.
Quelle: www.einstein.sf.tv
Pro Woche kommen momentan zwischen 200 und 300 Tonnen schalenlose Kartoffeln auf den Markt. In dem knappen Monat, während dem die schalenlosen Frühkartoffeln Trumpf sind, macht das gut 1'000 Tonnen. Kein Vergleich zu den 10'000 Tonnen Frühkartoffeln, die jedes Jahr importiert werden, vor allem aus Israel und Ägypten (siehe Kasten). Erst recht kein Vergleich zu den 320'000 Tonnen Schweizer Lagerkartoffeln.
Anspruchsvolle Vermarktung
Der Branche machen die Frühkartoffeln nicht nur Freude. Den Grossverteilern und Kunden ist das spezielle Handling, das bei den heiklen Knöllchen nötig ist, zu wenig vertraut. Man müsste die Frühkartoffeln in Prinzip behandeln wie Frischgemüse, sagt König, nur werde das leider nicht getan. "Die ersten zwei, drei Tage läuft es jeweils gut", sagt König. Und dann würden die ersten Kartoffeln, die noch nicht verkauft seien, braun, es gebe Ausfälle und Retouren.
Die Folge davon ist, dass das Angebot an Frühkartoffeln tendenziell zu hoch ist. Manche Produzenten, die Freiland-Frühkartoffeln anbauten, würden deshalb ihre Kartoffeln im Sommer weiterwachsen lassen und sie im Herbst als Lagerkartoffeln verkaufen. "Damit haben wir dann aber bei den Lagerkartoffeln ein Überangebot", sagt König. Diese "späten Frühkartoffeln", beispielsweise die Sorte Agata, seien dann zwar optisch sehr schön, aber für die Lagerung schlecht geeignet. Bei Swisspatat soll deshalb in einer Arbeitsgruppe diskutiert werden, wie der Umgang mit den Frühkartoffeln künftig optimiert werden kann.