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Als progressive Myopie bezeichnet man ein stetes Wachstum des Augapfels über das vollendete 20. Lebensjahr hinaus. Dies hat eine immer stärker werdende Kurzsichtigkeit zur Folge. Die progressive Myopie ist oft schon im jugendlichen Alter (ab 12 Jahre) mit hohen Myopiewerten von -6 dpt und mehr verbunden und verschlechtert sich oft bis ins höhere Erwachsenalter. Ab dem 40-50 Lebensjahr kann es dann oft zu einer Verlangsamung bzw. zum Stillstand der Augenausdehnung kommen. Wenn es bis in dieses Lebensalter zu keinen Netzhautschäden gekommen ist, verringert sich das Risiko an einer Myopie-assoziierten Netzhauterkrankung zu erkranken (Beachte: es können dann aber andere altersbedingte Netzhauterkrankungen dazukommen). Eine progressive hohe Myopie muss also nicht zwangsläufig zu Netzhautdegenerationen und partieller Erblindung führen. In 40-50% der Fälle sind hohe Myopien mit mehr als -10D gutartig. Die Sehschärfe kann bei entsprechender Korrektur erhalten werden.
Aber mit zunehmender Augenausdehnung erhöht sich auch das Risiko einer Netzhauterkrankung. Aufgrund der zunehmenden Augenlänge kann es zu einer Überdehnung der Netzhaut kommen, was letztlich zu kleinen Rissen der Netzhaut führen kann. Diese Risse ermöglichen das Eindringen von Flüssigkeit zwischen die Neuroretina (Photorezeptoren/Amacrinzellen/Bipolarzellen/Ganglienzellen) und dem retinalen Pigmentepithel (unterstützt den Stoffwechsel der Netzhaut und das Photorezeptor-Recyling) und kann im schlimmsten Fall zu einer Netzhautablösung führen. Erste Anzeichen hierfür sind verzerrtes Sehen (Metamorphopsien), Sehen von Blitzen (Photopsien), plötzliches Auftreten von rot-schwarzen Flecken vor den Augen (Russregen) oder ein schwarzer Vorhang, der von unten nach oben aufsteigt. Damit einhergehende Veränderungen der Netzhaut können bis zur Erblindung führen.
Es ist deshalb dringlich anzuraten, den Augenarzt zu kontaktieren und die Augen regelmässig untersuchen zu lassen.