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«Die globale Pandemie aber auch die erschwerten Bedingungen seitens meines Studiums haben mich dazu veranlasst, mich genauer mit meinen Zukunftsplänen auseinanderzusetzen und den Entscheid zu treffen, vom Spitzensport zurückzutreten», liess sich Oliver Hegi am Montag in einem Communiqué des Verbandes zitieren.
Auf einen möglichen Start an den Olympischen Spielen in Tokio im Sommer 2021 wird Hegi deswegen ebenso verzichten wie auf die Heim-EM Mitte April in Basel. Die Doppelbelastung liess dem Perfektionisten keine andere Wahl. Halbe Sachen waren nie das Ding des oftmals eigensinnigen, aber womöglich talentiertesten Schweizer Kunstturners seiner Generation. Die berufliche Zukunft hat Vorrang.
Die Verschiebung der Sommerspiele aufgrund der Coronavirus-Pandemie spielte Hegi nicht in die Karten. Im letzten Herbst begann er an der ETH Zürich ein Physikstudium, weshalb er seinen Trainingsmittelpunkt von Magglingen ins regionale Leistungszentrum nach Niederlenz verlegte. Das reduzierte Training liess die seriöse Vorbereitung auf einen Sechskampf nicht mehr zu. «Für zwei Geräte wäre eine Vorbereitung unter grossen Belastungen noch möglich gewesen», so Hegi. In Tokio sind aufgrund der Modusänderung - eine Mannschaft besteht nur noch aus vier Turnern - aber vor allem Mehrkämpfer gefragt. Und die Konkurrenz im Schweizer Team ist gross.
EM-Titel am Reck als Höhepunkt
Hegi gehörte seit seiner Aufnahme in Nationalkader 2012 zu den wichtigsten Teamstützen der Schweizer Männer-Riege, die sich in den letzten Jahren in der erweiterten Weltspitze etablierte. An den letzten vier Weltmeisterschaften erreichte die Mannschaft unter der Führung von Bernhard Fluck, von dem sich der STV im letzten Sommer im Unfrieden getrennt hat, immer den Team-Final. Höhepunkt war der Gewinn der Bronzemedaille mit der Mannschaft an der Heim-EM 2016 in Bern sowie die Olympia-Qualifikationen mit dem Team für Rio de Janeiro (2016) und Tokio.
Seinen persönlich grössten Erfolg feierte der 28-Jährige aus Schafisheim an den Europameisterschaften in Glasgow, als sich Hegi am Königsgerät Reck zum Europameister kürte und sich am Barren auch noch die Bronzemedaille sicherte. Ein Jahr zuvor war ihm in Cluj-Napoca noch Pablo Brägger vor der Sonne gestanden; der Doppelsieg der beiden am Reck ging als Sternstunde in die Schweizer Sport-Geschichte ein.
Mit seinem Sieg in Glasgow wurde Hegi auch einer breiteren Öffentlichkeit ein Begriff, nachdem er jahrelang im Schatten anderer gestanden hatte. Die grossen Schlagzeilen lieferten zuvor Giulia Steingruber, die sich von 2013 bis 2016 jedes Jahr zur Europameisterin küren liess und 2016 Olympia-Bronze und 2017 WM-Bronze gewann, oder Lucas Fischer, Christian Baumann und Pablo Brägger, die für die ersten EM-Medaillen bei den Männern nach einer jahrelangen Durststrecke gesorgt hatten.
Mit Hegi verliert das Schweizer Kunstturnen eine seiner charismatischsten Figuren. Zu Beginn seiner Karriere stand sich der Hochbegabte oft selbst im Weg. Missriet ihm eine Übung, kam es nicht selten vor, dass Hegi den Kopf in den Sand steckte und der ganze Wettkampf zum Desaster wurde. Diese Schwäche konnte der x-fache Schweizer Meister und Turnfestsieger von 2019 im Laufe der Jahre aber ausmerzen. Auch in Zukunft will Hegi mit dem Turnen eng verbunden bleiben, in welcher Form bleibt aber noch offen. «Ganz nach dem Motto: Einmal Turner, immer Turner.»