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Nach Olympia ist vor der Heim-WM in St. Moritz. An den ersten drei Weltcupstationen des Winters hinterlassen die Schweizer Bobfahrer einen guten Eindruck. Vor allem Michael Vogt und Melanie Hasler sind an den Weltbesten dran.
Auf den ersten Blick waren die Rennen in Whistler, Park City und Lake Placid wenig aussagekräftig. Nur vier oder fünf Nationen (inklusive Kanada und USA) konnten oder wollten sich die Reise nach Übersee leisten. An der Spitze zeigte sich aber das gewohnte Bild. Die Deutschen kämpften um den Sieg, die Schweizer um die Plätze auf dem Podest. Bei den Männern mischte zudem der startschnelle Brite Brad Hall das Feld der Arrivierten auf (1. Weltcupsieg, drei weitere Podestplätze), bei den Frauen waren die Kanadierinnen sowie die amerikanische Veteranin Kaillie Humphries gewohnt stark.
Drei Podestplätze
Die Schweizer holten durch Melanie Hasler/Nadja Pasternack (2. in Whistler im Zweier) sowie Michael Vogt/Sandro Michel (3. in Park City und Lake Placid im Zweier) drei Podestplätze. «Damit können wir klar zufrieden sein», zieht Bob-Sportchef Rico Peter eine positive Zwischenbilanz. Er relativiert auch die Rumpffelder. Denn die Kandidaten auf einen Platz in den Top 5 waren in Kanada und den USA durchwegs mit von der Partie. Von den grossen Bobnationen fehlten einzig die Letten, die sich aber in einem Umbruch befinden, nachdem ihr schnellster Mann der letzten Jahre, Oskars Kibermanis, unter schweren Problemen mit der Bandscheibe litt und sich einer Operation unterziehen musste.
Auch, dass die weiteren Piloten Simon Friedli und Cédric Follador zum Teil hintere Ränge belegten, lässt sich erklären. Da während Corona keine Rennen in Nordamerika stattfanden, fuhren sie erstmals auf den Olympia-Bahnen von 2010, 2002 respektive 1980. Seine Rolle als klare Nummer 1 im Schweizer Team bestätigte aber auch in seiner fünften Weltcupsaison Michael Vogt. Der bald 25-jährige Schwyzer gehörte mit seinen Anschiebern auch am Start zu den Schnellsten, obwohl sie an die Deutschen wie gewohnt nicht ganz herankamen. Die Plätze 3, 3 und 4 (Zweier) sowie 4, 5 und 10 (Vierer) zeugen von Konstanz, wobei Vogt im Vierer-Rennen in Lake Placid klar auf Podestkurs war, ehe er auf Platz 10 durchgereicht wurde, weil ein Anschieber den Sprung in den Schlitten verpasste und erst nach nervenaufreibenden Sekunden noch nachsteigen konnte.
«Im Grossen und Ganzen bin ich zufrieden», stellt Vogt nach der Rückkehr in die Schweiz fest. «Wir halten mit dem kleinen und dem grossen Schlitten am Start gut mit, und auch das Material läuft gut.» Mehr noch als sonst zählt bei den Bobfahrern aber vor allem die WM, die erstmals seit 2013 wieder im eigenen Land stattfindet. Sieben Jahre ist es mittlerweile her seit dem letzten Schweizer WM-Podestplatz im Bob. Höchste Zeit also, das zu ändern – und in St. Moritz stehen die Chancen schon mal besser als auf anderen Bahnen.
Spezielle Bedingungen in St. Moritz
«Der Fokus liegt klar auf der WM», bestätigt Michael Vogt. Deshalb werden die Schweizer bereits ab dem zweiten Weihnachtstag im Engadin trainieren – sofern das Wetter und die Temperaturen mitmachen. Die einzige Natureisbahn der Welt, die jedes Jahr neu gebaut wird, wurde jedenfalls gerade noch rechtzeitig fertig, muss sich in den nächsten Tagen aber noch festigen.
Eine Spezialität des Olympia-Bobruns von St. Moritz nach Celerina ist die Tatsache, dass die Bahn in der Regel mit zunehmender Sonneneinstrahlung schneller wird. Nicht selten versuchen Teams, sich eine hohe Startnummer zu ergattern, indem sie Weltcups auslassen oder dort nicht mit voller Kraft fahren, um im Ranking nicht zu weit vorne zu stehen. Bei den Männern dürfte sich das Problem weniger stellen, da alle Läufe am Nachmittag stattfinden.
Die Frauen tragen hingegen sechs ihrer acht Läufe (alle vier im Monobob, die Läufe 3 und 4 im Zweier) am Morgen aus. Zumindest für Melanie Hasler ist der Zug für einen hinteren Startplatz allerdings abgefahren. Es lohnt sich deshalb umso mehr, weitere Spitzenplätze herauszufahren, denn die ersten 10 des Rankings können sich in dieser Reihenfolge die Nummern 1 bis 10 aussuchen. Je weiter vorne man also ist, desto weniger muss man mit einer ganz tiefen Nummer vorliebnehmen.
Vor der WM in der letzten Januar- und ersten Februarwoche stehen nach dem Jahreswechsel noch drei Weltcups – in Winterberg und zweimal Altenberg – an.