Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03157.jsonl.gz/2393

Die Neugestaltung der Mittagszeit werde eine Umstellung der Lebensweise erfordern, schrieb die Hauszeitung im März 1962. Die bedeutendste Veränderung betreffe die Ernährung, da ein Grossteil des Personals aufgrund der knapp bemessenen Mittagspause sich nicht mehr zu Hause verpflegen könne. Einige würden «die gemütliche Familienatmosphäre im Kreise der Kinder missen», andere müssten nun auf das Mittagsschläfchen verzichten. Insbesondere war aber vom reichhaltigen und ausgiebigen Mittagessen Abschied zu nehmen: «Da das Mittagessen wohl als angemessener und bekömmlicher Lunch, nicht aber als Hauptmahlzeit taxiert werden darf, ist eine gewisse Umstellung in der Ernährung notwendig. Die neue Arbeitszeitregelung verlangt eine kräftigere Mahlzeit am Morgen und die Verlegung der Hauptmahlzeit auf den Abend. Selbstverständlich wird diese Umstellung vor allem für ältere Angestellte eine kürzere oder längere Angewöhnungszeit erheischen. Die mancherlei Vorteile (längerer Feierabend, weniger Arbeitsweg und verringerte ‹Druckperioden› in den Verkehrsmitteln usw.) werden aber einen angenehmen Ausgleich bieten und etwaige Nachteile meist überwiegen.»
Mittagsschläfchen ade
Lange war eine Mittagspause von zwei Stunden üblich, bis der Verband Zürcherischer Kreditinstitute beschloss, in der Stadt Zürich ab Frühling 1962 durchgehende Arbeitszeiten einzuführen, und zwar von 8 bis 16.45 Uhr mit dreiviertelstündiger Mittagspause. Die Zürcher Kantonalbank schloss sich an ihrem Hauptsitz dieser Regelung an, im Wissen darum, dass die neue Arbeitszeit «zu einigen grundlegenden Änderungen im Tagesablauf» führte.
Sandwich über Mittag nicht erwünscht
Um den Mitarbeitenden die Umstellung schmackhaft zu machen, ergriff die Bank einige unterstützende Massnahmen. Da die Hauptbank noch keine Kantine besass, wurden die Mitarbeitenden in zwei Schichten im Restaurant Kaufleuten verpflegt. Für zwei Franken konnten sie einen entsprechenden Bon für ein Mittagessen inklusive Getränk oder Dessert beziehen, für ein vegetarisches Menu verringerte sich der Betrag um 50 Rappen. Die Bank übernahm die anfallenden Mehrkosten. Gemäss einer Umfrage beim Personal wurde die verbilligte Gemeinschaftsverpflegung im Kaufleuten zwar geschätzt und deshalb auch beibehalten. Jedoch verlangte das Personal auch eine generelle Bargeldentschädigung von zwei Franken pro Mittagessen, die nicht an eine Lokalität geknüpft war. Sie wurde schliesslich ab Juli 1963 auch ausbezahlt. Der Personalchef wies in seinem Schreiben an die Angestellten mahnend darauf hin, dass so dem Einzelnen «die Sorge für ausreichende und zweckmässige Mittagsverpflegung» überlassen werde. Eine «blosse Zwischenverpflegung (Sandwich, Patisserie, etc.)» sei auf die Dauer der Gesundheit abträglich. Mit der zweiten Etappe des Hauptsitzneubaus wurde 1970 schliesslich eine eigene Kantine in Betrieb genommen und der Vertrag mit dem Kaufleuten aufgelöst.
Heute setzt sich die Bank im Rahmen ihres betrieblichen Gesundheitsmanagements verstärkt für eine sinnvolle Nutzung der Mittagspause ein. Die Personalrestaurants bieten an den grossen Standorten ein vielseitiges und ausgewogenes Verpflegungsangebot an. Auch mit weiteren Angeboten wie Massagen und Ruheräumen für ein Powernapping kann die Arbeitszeit unterbrochen werden. Das Mittagsschläfchen feiert also ein unerwartetes Comeback …
«Im Zusammenhang mit den im Endausbau einzurichtenden Direktions- und Personalrestaurants findet im Beisein von Vizedirektor Forster eine Geschirrschau statt. Von den vorliegenden Mustern werden die einzelnen Gegenstände separat je Restaurant ausgewählt.»
Das Vereinshaus zur Kaufleuten, um 1915.
Entwürfe für die Verpflegungsbons, 1962.
Küche der neuen Kantine am Hauptsitz, 1970er Jahre.
Titelbild: Neue Kantine am Hauptsitz der Zürcher Kantonalbank, 1970er Jahre.