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In einem aufrüttelnden, im September 2021 erschienenen Video spricht der Bundesrat Guy Parmelin über eine mögliche Stromknappheit in der Schweiz und ihre Folgen. Doch was hat es damit wirklich auf sich? Unser Spezialist für Risikomanagement, Grégoire Mottier, bietet Ihnen einen Überblick zu diesem Thema.
Stellt diese mögliche Stromknappheit wirklich ein Risiko für die Organisationen des Landes dar? Wir haben versucht, mehr darüber in Erfahrung zu bringen, vor allem durch eine informelle Anfrage an zwei Verteilernetzbetreiber in der Westschweiz. Die Antworten sind nicht zu 100 % eindeutig, aber bereits sehr erhellend.
Bereits heute bestehende Massnahmen
Um einer möglichen Stromknappheit vorzubeugen, wurde eine Organisation zur Stromversorgung im Krisenfall gegründet. Diese Organisation namens OSTRAL kommt im Falle einer Stromknappheit auf Anordnung der wirtschaftlichen Landesversorgung (WL) zum Einsatz. Ziel ist es, eine mögliche Stromknappheit abzuwenden und die Organisationen in die Lage zu versetzen, gegebenenfalls auch Blackouts zu bewältigen.
Die Vorbereitungsmassnahmen drehen sich um drei Schwerpunkte:
- Aufruf zum Energiesparen im Allgemeinen (dies ist optional und appelliert klar an den gesunden Menschenverstand);
- Einschränkungen des Energieverbrauchs durch Verbot von energiefressenden Installationen (z. B. Leuchtreklame);
- Kontingentierung (geplante Rationierung).
Letztere Massnahme richtet sich an sogenannte «Grossverbraucher», deren Jahresverbrauch 100.000 kWh übersteigt. Zum Vergleich: Ein Haushalt in einer 4-Zimmer-Wohnung verbraucht bereits 4.500 kWh pro Jahr! Auf den ersten Blick könnten Kontingentierungs-massnahmen von einem Verteilernetzbetreiber angeordnet werden, wobei die Berechnung über einen Referenzzeitraum erfolgt, der auf dem Verbrauch im gleichen Zeitraum des Vorjahres basiert.
Bislang sind uns keine gesetzlichen Bestimmungen bekannt, die Sanktionen für den Fall vorsehen, dass Grossverbraucher die Kontingentierungsmassnahmen missachten. Falls die Spar- und Kontingentierungsmassnahmen nicht greifen, könnte schliesslich als letztes Mittel ein Lastabwurf (Abschaltung) des Netzes nach Sektoren und Versorgungsgebieten für jeweils einige Stunden erfolgen.
Für Organisationen mit kritischen Installationen
Organisationen mit kritischen Installationen, z. B. Spitäler, sollten eine Kritikalitätshierarchie für ihre von der Stromversorgung abhängigen Tätigkeiten sowie einen entsprechenden Massnahmenplan (Klassifizierung, Notstromaggregate usw.) erstellen. In der Produktion beispielsweise müssen die Produktionsschritte unterteilt werden, um die Unterbrechung kritischer Prozesse zu bewältigen und die Auswirkungen möglicher Abschaltungen zu minimieren.
Sind Stromabschaltungen ab 2025 realistisch?
Kommen wir nun zur Eine-Million-Franken-Frage, die wir den beiden von uns kontaktierten Verteilernetzbetreibern stellten: «Glauben Sie, dass eine Abschaltung 2025 oder später tatsächlich erfolgen könnte?». Die Antworten sind unterschiedlich und reichen von einem «Das würde mich wundern» bis hin zu «Ja, natürlich, und zwar in einem Szenario, das mehrere europäische Länder betrifft». Die Meinungen gingen auch weit auseinander, als wir auf die Folgen einer möglichen Umrüstung des gesamten Fahrzeugbestands der Schweiz auf Elektroautos in den kommenden Jahren zu sprechen kamen.
Fassen wir zusammen, besonders in Bezug auf das Risikomanagement: Ja, eine Stromknappheit mit möglichen Unterbrechungen der Stromversorgung über mehrere Stunden kann in der Schweiz in den kommenden Jahren nicht ausgeschlossen werden. Aus der einfachen Sicht des Bürgers sollten alle Organisationen vorbeugend Energiesparmassnahmen umsetzen, und zwar so schnell wie möglich. Heute kommt es darauf an, dieses Thema in das Risikomanagement der Unternehmen einzubinden, umgehend Sparmassnahmen zu ergreifen und ihre Umsetzung in den nächsten Jahren zu überwachen.
Viel Glück, und vergessen Sie nicht, das Licht auszuschalten!
Quellen
Sehen Sie sich das Videodes Bundesrats Guy Parmelin, von Werner Meier und Michael Frank zum Thema Stromknappheit in der Schweiz an.