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Hernien sind Bruchlücken in der Bindegewebsschicht (medizinisch: Faszie), welche im Bereich des Rumpfes die Bauchhöhle mit den inneren Organen umfasst und diese von den äusseren Schichten der Bauchwand, bestehend aus Muskulatur, Unterhautgewebe und Haut, trennt. Solche Bruchlücken entstehen typischerweise an Schwachstellen, wie beispielsweise in der Leiste, am Nabel oder im Bereich von alten Operationsnarben. Ebenso können eine Schwangerschaft oder starke Gewichtsschwankungen zu einer Erschlaffung der Faszie führen, was sich in extremen Fällen auch wie eine Hernie präsentieren kann. Die Bruchlücke alleine ist eigentlich ungefährlich. Sie kann jedoch zu Beschwerden wie Schmerzen führen. Je nach Grösse und Lokalisation besteht die Gefahr, dass sich ein Stück Darm oder anderes Gewebe darin einklemmt. Falls ein Stück Darm oder anderes Gewebe eingeklemmt wird und sich nicht wieder in den Bauchraum “zurückdrücken” lässt, so kann dies zu einer Minderdurchblutung des eingeklemmten Gewebes führen, welches unter Umständen in einer notfallmässigen Operation befreit werden muss.
Das gleichzeitige Vorliegen von Faszienschwächen oder Hernien und einem grösseren, oft überhängenden Haut- und Gewebsüberschuss am Unterbauch ist häufig. Technisch können beide Probleme gut in einem kombinierten Eingriff korrigiert werden. In vielen Fällen wird der Eingriff zusammen mit einem Viszeralchirurgen (Bauchchirurgen) durchgeführt.
Grundvoraussetzung für den Eingriff sind eine gute Bildgebung der Hernie (meist eine Computertomographie) sowie ein stabiles Gewicht. Eine abgeschlossene Familienplanung wird ebenfalls empfohlen.
Rahmenbedingungen
Die Operation findet immer in Vollnarkose und unter stationären Bedingungen statt. Die Hospitalisationsdauer beträgt in der Regel 4 bis 5 Tage.
Operationsdauer
3 bis 4 Std.
Operationstechnik
Die Operation verläuft meist in 3 Schritten:
- Die Operation beginnt wie bei einer klassischen Bauchstraffung mit einem Hautschnitt horizontal oberhalb der Schamregion, welcher meist mindestens von der einen zur anderen Beckenkammspitze verläuft, manchmal sogar etwas darüber hinaus. Das Unterhautgewebe wird anschliessend zentral bis zu den Rippenbögen von der darunterliegenden Muskelfaszie abgelöst. Der Bauchnabel wird umschnitten und an seinem Stiel belassen.
- Anschliessend wird die Ausdehnung der Hernie beurteilt und verschlossen. Dies benötigt oft eine Eröffnung des Bauchraumes und Lösen von Verklebungen und Narben um den Darm herum. Die Bruchlücke wird mit Nähten verschlossen und meist mit einem synthetischen Netz verstärkt.
- Der Hautverschluss erfolgt gleich wie bei einer klassischen Bauchdeckenstraffung (Abdominoplastik). Der Haut- und Gewebeüberschuss wird abgeschätzt und entfernt. Der Operationstisch wird in der Hüftregion etwas geknickt, damit die oberen und unteren Wundränder ohne Spannung angenähert werden können. Die Wundränder werden anschliessend mit tiefen und oberflächlichen Nähten verschlossen und der Bauchnabel durch einen Hautschnitt auf anatomisch korrekter Höhe durch die gestraffte Haut ausgeleitet und neu eingenäht.
In gewissen Fällen, insbesondere bei grossen Nabelhernien, muss der Nabel komplett entfernt werden. Er kann jedoch, falls erwünscht, gleichzeitig oder zu einem späteren Zeitpunkt rekonstruiert werden.
Nahtmaterial
Sowohl die tiefen als auch die oberflächlichen Nähte werden mit resorbierbarem (selbstauflösendem) Nahtmaterial durchgeführt.
Nachbehandlung
Da es sich um grosse Wundflächen handelt, werden mehrere Wunddrainagen eingelegt. Diese werden entfernt, sobald die Fördermenge nur noch gering ist (Richtwert: unter 30 ml über 24 Std.).
Ein Bauchgurt oder Kompressionsmieder muss für mindestens 6 Wochen nach der Operation Tag und Nacht getragen werden.
In der Regel dürfen Sie unmittelbar nach der Operation aufstehen. In den ersten Tagen sollte dies jedoch in leicht gebückter Haltung erfolgen. Insbesondere nach Straffung der Muskelfaszie sollte die Bauchwand bei Tätigkeiten, welche die Bauchmuskulatur beanspruchen (Aufstehen, Niessen, Husten etc.), mit Händedruck gestützt werden.
Die Verbände werden bei Bedarf regelmässig gewechselt. Nach der Spitalentlassung können die Verbände, wenn sie trocken und sauber bleiben, bis zur ersten Nachkontrolle in der Sprechstunde belassen werden. Über die meisten Verbände dürfen Sie duschen.
Leichte körperliche Arbeit, inklusive Autofahren, kann meist nach ca. 4 Wochen zumindest teilweise wieder aufgenommen werden. Das Heben von Lasten über 5 kg sowie sportliche Aktivität wird in der Regel frühestens nach 6 Wochen (bei einer Raffung der Muskelfaszie sogar erst nach 12 Wochen) empfohlen.
Nachkontrollen
Routinemässige Nachkontrollen durch unsere Wundexpertinnen und das Ärzteteam erfolgen in unserer Praxis. Die Häufigkeit der Kontrollen richtet sich nach dem Heilungsverlauf. Auf Wunsch kann auch Ihr Hausarzt/-ärztin und/oder die Spitex in die Nachsorge eingebunden werden.
Physiotherapie/Narbenpflege
Bei grossen Wundflächen und langen Hautschnitten ist die Wundheilung für Ihren Körper eine besondere Herausforderung. Hierbei spielen Flüssigkeitseinlagerungen (Ödeme) durch Lymphstau eine wesentliche Rolle. Physiotherapeutische Massnahmen wie Lymphdrainage und Narbenmassage können den Heilungsverlauf stark positiv beeinflussen und gehören bei uns zur standardmässigen Nachbehandlung.
Hier finden Sie weitere Informationen zur Physiotherapie nach Straffungsoperationen.
Wie bei jeder Operation bestehen auch bei der Bauchwandrekonstruktion sowohl chirurgische wie auch narkosebedingte Risiken. Begleiterkrankungen wie Diabetes, Übergewicht, Immunschwächen sowie Rauchen erhöhen das Risiko von chirurgischen Komplikationen wesentlich.
Allgemeine Risiken jeder Operation sind
- Nachblutung
- Infektion
- Thrombose (inklusive Lungenembolie)
Die häufigsten chirurgischen Komplikationen einer Bauchwandrekonstruktion sind
- Wundheilungsstörungen
- Hämatom
- Serom
- Infektion
- unschöne oder asymmetrische Narben
- Dog ears
- Durchblutungsstörungen bis hin zum vollständigen Verlust des Nabels
- Bleibende Gefühlsstörung der Haut
Seltene Komplikationen
- Hautnekrose
- erneute Hernienbildung
- Verletzung des Darmes
Muss ich vor der Operation meine eigenen Medikamente absetzen?
Die meisten Medikamente können Sie vor und nach der Operation weiter einnehmen. Gewisse Medikamente wie Blutverdünner (Aspirin, Marcoumar) können das Komplikationsrisko erhöhen und sollten für die Operation pausiert werden. Wir bitten Sie, bei der Operationsvorbesprechung eine Liste mit all Ihren Medikamenten und den Dosierungen mitzubringen.
Muss mein Hausarzt spezielle Abklärungen vor der Operation veranlassen?
Vor der Operation muss in jedem Fall geklärt werden, ob bei Ihnen Begleiterkrankungen (insbesondere Herz-, Kreislauf- und/oder Lungenprobleme) bestehen, welche mit einem erhöhten Narkoserisiko verbunden sind. Eine aktuelle Blutuntersuchung (nicht älter als 2 Monate) mit Hämoglobin, Gerinnungsparameter, Leber- und Nierenwerten sowie Ernährungsparameter (Eiweiss, Spurenelemente) ist in jedem Fall erwünscht.
Wir bitten Sie, möglichst ausführliche Informationen zu Ihrer medizinischen Geschichte in die Sprechstunde mitzubringen, damit wir gemeinsam mit Ihrem Hausarzt notwendige Untersuchungen besprechen und veranlassen können.
Muss ich vor der Operation mit dem Rauchen aufhören?
Wir empfehlen in jedem Fall, mindestens 6 Wochen vor der geplanten Operation mit dem Rauchen aufzuhören. Eine der häufigsten Komplikationen Bauchwandrekonstruktion sind Wundheilungsstörungen. Im schlimmsten Fall kann dies zum Absterben grösserer Areale der Haut im Bereiche der Wundränder führen und somit einen direkten Wundverschluss verunmöglichen. Der Hauptgrund hierfür ist eine schlechte Durchblutung der Haut und des Unterhautgewebes. Nikotin als chemischer Stoff wirkt unter anderem gefässverengend. Dies führt dazu, dass die Durchblutung im Operationsgebiet zusätzlich eingeschränkt und somit das Komplikationsrisiko erheblich erhöht wird.
Was passiert, wenn ich ein Serom entwickle?
Ein Serom ist eine relativ häufige Komplikation nach sämtlichen Operationen mit grossen Wundflächen. Das Serom selber ist ungefährlich, dessen Behandlung kann jedoch ärgerlich und mühselig sein. Kleine Flüssigkeitsansammlungen können einfach belassen werden, bis der Körper sie von selber abbaut. Bei grösseren Flüssigkeitsmengen sollte die Flüssigkeit mit einer Nadel abpunktiert werden. Dies erfolgt im Rahmen einer Sprechstundenkonsultation und ist in der Regel schmerzlos. In manchen Fällen bedarf es jedoch wiederholter Punktionen über mehrere Wochen. Eine Kompressionsweste kann eine rasche Verklebung der Wundflächen bewirken.
Kann die Naht der Muskelfaszie reissen und ist das gefährlich?
Unmittelbar nach der Operation wird die innere Bauchwand bzw. die Muskelfaszie rein durch die Nähte und gegebenenfalls durch das synthetische Netz gehalten. Im Verlaufe der ersten Wochen bis Monate vernarbt jedoch das gesamte Areal, sodass langfristig die Bauchwand nicht durch die Naht oder das Netz, sondern durch das dicke Narbengewebe gehalten wird. Der Vernarbungsprozess dauert mindestens 3 bis 4 Monate. Während dieser Zeit kann die Naht bei starker Belastung der Bauchwand reissen oder sich aufdehnen. Dies geschieht sehr selten. Wenn die Bauchwand nur mit einer Naht gerafft wurde, ist dies fast immer komplett ungefährlich, wird aber wohl einen Einfluss auf das kosmetische Resultat haben. Bei einer komplexeren Rekonstruktion mittels Netzplastik muss abgeklärt werden (z.B. mittels Computertomographie), ob eine Lücke in der Bauchwand entstanden ist, da hier die Gefahr einer Einklemmung des Darmes besteht.
Darf ich nach einer Bauchwandrekonstruktion noch schwanger werden?
Grundsätzlich ist eine Schwangerschaft auch nach einer Bauchwandrekonstruktion mit synthetischem Netz möglich. Die meisten Netze, die heutzutage verwendet werden, lösen sich mit der Zeit grösstenteils oder sogar ganz auf und werden durch körpereigenes Narbengewebe ersetzt. Wir empfehlen jedoch, die Straffungsoperation erst nach abgeschlossener Familienplanung durchzuführen, da durch eine Schwangerschaft die Gewebe unweigerlich wieder neu erschlaffen.
Ich hatte schon einmal eine Abdominoplastik. Kann ich eine Bauchwandrekonstruktion mit nochmaliger Straffung haben?
Prinzipiell ist dies in den meisten Fällen möglich. Die Operationstechnik der ersten Operation muss jedoch bekannt sein. Das Risiko für Komplikationen wie Wundheilungsstörungen, Absterben des Nabels etc., sind bei einer Zweitoperation erhöht.
Ich hatte früher eine Operation am Bauch und habe eine lange Narbe. Kann ich dennoch eine Bauchwandrekonstruktion mit Straffung haben?
Dies hängt vom Verlauf der Narbe ab. Unter Umständen muss die übliche Operationstechnik angepasst werden. Die Entscheidung, ob die Schnittführung wie bei der klassischen Abdominoplastik möglich ist, muss von Fall zu Fall abgeschätzt werden.
Wie lange kann ich nach der Operation nicht arbeiten?
Dies hängt von der Arbeitstätigkeit ab. Körperlich leichte Arbeit, wie z.B. Bürotätigkeit oder Autofahren, kann normalerweise zumindest teilweise nach etwa 4 Wochen wieder aufgenommen werden. Schwere körperliche Arbeit und sportliche Tätigkeiten werden frühestens nach komplettem Abschluss der Wundheilung (Richtwert 6 Wochen) empfohlen.
Insbesondere wenn Sie Kleinkinder haben ist es empfehlenswert, dass Sie während der Erholungszeit Unterstützung für Haushalt und Kinderbetreuung sicherstellen.
Bekomme ich für die Zeit nach der Operation ein Arbeitszeugnis?
Ja, sofern es sich um einen medizinisch indizierten Eingriff handelt, welcher von der Krankenkasse übernommen wird.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten einer Bauchwandplastik?
Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Bei einer nachgewiesenen, versorgungsbedürftigen Hernie wird dieser Teil der Operation in der Regeln von der Kasse übernommen. Damit die Hautstraffung (also die eigentliche Abdominoplastik) übernommen wird, muss (wie bei einer regulären Abdominoplastik) ein medizinisch bedingter Krankheitswert, und zwar spezifisch hinsichtlich des Gewebeüberschusses, vorliegen. In jedem Fall muss vorgängig eine Kostengutsprache ärztlich eingeholt werden. Nicht selten jedoch muss ein Teil der Operationskosten vom Patienten selber übernommen werden.
Wenn ich aufgrund einer Komplikation behandelt, hospitalisiert oder eventuell nochmals operiert werden muss, werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen?
Ja, sofern es sich um eine medizinische Komplikation wie zum Beispiel eine Infektion handelt.
Korrekturen von “ästhetischen Komplikationen” werden nicht übernommen.