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Tradition und Moderne vereint
Für viele Bluesfreunde steht der Chicago Blues für den Blues schlechthin. Tatsächlich erlebte er zwischen Ende der Vierzigerjahre und Ende der Fünfzigerjahre eine Blütezeit, bevor er von den sich neu bildenden Stilarten verdrängt wurde und in eine Krise fiel. Natürlich ging er nicht unter, muss sich aber heute als ein Stil von vielen sein Publikum mit anderen Spielarten des Blues teilen. Blues Now! holte am 26. Juni 2015 die Cash Box Kings auf die Bühne des Volkshauses, die sich seit rund zehn Jahren der Musik widmen, die von einer langen Liste grossartiger Interpreten in jenen Jahren entwickelt worden war. Sie spielen wenige Songs aus der Zeit und eigenes Material.
Die Band wurde von Joe Nosek, einem leidenschaftlichen, jungen Harmonikaspieler und Sänger gegründet, der als Jugendlicher in Chicago von der letzten Generation der alten Garde dem Blues begegnete. Der Frontman hatte anfangs des Jahrhunderts die Idee, den Blues der 40er und 50er Jahre weiter zu pflegen und zu entwickeln. Die Band, die er gründete, hat sich inzwischen gewandelt. Von den Gründungsmitgliedern sind heute nur noch Nosek und Kenny «Beedy Eyes» Smithdabei, der äusserst begabteSchlagzeuger und Sohn des legendären Willie «Big Eyes» Smith. Er ist auch Mitglied einer ähnlichen Formation: The Living History Band, die sich ebenfalls der Pflege des Chicago Blues verschrieben hat und wie die Cash Box Kings auch in wechselnder Besetzung zusammen findet. In Basel sass allerdings der zwar erfahrene, französische Drummer Pascal Delmas an den Trommeln, der mit der Band schon verschiedentlich unterwegs war, aber nicht die Klasse Smiths bieten konnte. An Stelle von Chris Boeger agierte der französische Bassist Fred Jouglas. Beide spielen in der französischen Band The French Blues EXPLOSION. Vervollständigt wurde die Band durch Joel Paterson, den jungen Gitarristen, der aktuell als einer der besten der Chicagoer Szene gilt. Er war im April am Bluesfestival Basel mit seinem Trio zu erleben und konnte dort grosse Sympathien und Bewunderung entgegen nehmen und den Sänger Oscar Wilson. Dieser ist ein waschechter Southside-Chicagoer, der mit vielen Grössen von klein auf bekannt war, die im Haus seiner Mutter ein- und aus gingen. Wilson pflegt die Kunst des Geschichten Erzählens meisterlich und fand damit auch im Volkshaus sofort den Draht zum Publikum.
Zwei Sets spielten die Kings und begannen mit klassischem Chicago Blues. Das blieb erwartungsgemäss auch der rote Faden, der sich durch beide Sets zog. Dazwischen hangelten sie sich mühelos durch Delta Blues Songs, Rockabilly, Mambo, New Orleans Klänge und Swing; auch den Lou Reed Song «I'm Waiting For The Man» hatten sie im Repertoire, den sie prachtvoll interpretierten. Souverän führte der 62 jährige Oscar Wilson den Saal fast durch das ganze Programm, nur für die Einleitung beider Sets spielten die Kings jeweils ohne ihn. Er liess uns wissen, dass ihn ein kaum verheilter Bruch des Fusses einschränke, den er «. . .ich alter Trottel» bei eine Motorrad Fahrversuch geholt hatte. Ein charmanter Unterhalter. Im grossen und ganzen gab es die Songs, der drei Alben «Holler and Stomp», «Holding Court» und «Black Toppin‘»zu hören. Joel Paterson begeisterte mit teilweise jazzig angehauchten, in jedem Fall anspruchsvollen und abwechslungsreichen Soli, Joe Nosek steuerte sein Harpspiel bei, lieferte ebenfalls das eine oder andere Solo ab. Doch die Qualität der Band liegt hauptsächlich im Zusammenspiel, das überzeugt. Was für eine Stilart sie auch anfassten, es groovte immer und war gleichzeitig unterhaltend. In Memoriam B.B. King lieferte Oscar Wilson im letzten Drittel des zweiten Sets seine Version von «Thrill Is Gone» ab, an der King bestimmt seine Freude gehabt hätte. Den vier bzw. fünf Musikern aus der Windy City gelingt es mühelos, Tradition und Moderne zu verbinden und so eine Brrücke zwischen Vergangenheit und Zukunft des Blues zu bauen.