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Forschende der Uni Zürich untersuchen, wie Muttermilch unsere Abwehrkräfte stärkt.
Das Stillen eines Neugeborenen mit Muttermilch ist unter anderem essentiell für die Entwicklung des Immunsystems des Kindes. Muttermilch besteht grösstenteils aus Nährstoffen, wichtigen Antikörpern und Mehrfachzuckern. Letztere beide Komponenten werden für die Schutzwirkung der Muttermilch verantwortlich gemacht.
Das Zusammenspiel dieser Komponenten und die Mechanismen, die zu einer Immunwirkung führen, werden derzeit von einer Forschungsgruppe unter der Leitung des Humanbiologen Thierry Hennet an der Universität Zürich erforscht. «Ursprünglich widmete ich mich nur der Untersuchung von komplexen Zuckermolekülen in Bezug auf deren Immunfunktion», so Hennet. Davon ausgehend wurde er auf die schützende Funktion von Muttermilch aufmerksam und erforscht nun die Wirkung von Mehrfachzuckern auf «gesunde» Bakterien im Darm des Kindes.
Schutz vor Infektionen
Die Erforschung dieses komplexen Zusammenspiels wird durch die enorme Anzahl von Untersuchungsobjekten erschwert. Denn Muttermilch enthält zwischen 100 und 200 verschiedene Arten von Mehrfachzuckern und der Darm beherbergt über tausend verschiedene Bakterienstämme. Hennet erklärt seine Vorgehensweise mithilfe eines analogen Beispiels: «Es ist, als ob man eine Fremdsprache zu verstehen versucht. Man probiert Wörter zu entziffern und rätselt, welche Bedeutung sie haben könnten.» Eine Methode sei, aus dem Kontext Wörter herauszupicken und diese zu übersetzen. Anschliessend könne man auf den Satz oder den ganzen Text zurückschlies-sen. Um der Wirkung der Muttermilchbestandteile auf den Grund zu gehen, identifiziert Hennet also zunächst die Moleküle. Als Nächstes werden die Mehrfachzucker künstlich hergestellt und schliesslich auf Reaktionen untersucht.
Einige Erfolge konnte das Forschungsteam schon verzeichnen. So gelang es ihnen herauszufinden, dass gewisse Milchmehrfachzucker das Wachstum des Darmbakteriums E. coli begünstigten, welches schädliche Darmbakterien abwehren kann. Der Mehrfachzucker wird nämlich nicht direkt verdaut und fördert dadurch im jungen Darm Antikörper, die das Kind schliesslich gegen Magen-Darm-Infektionen schützen.
Gegenstand umstrittener Fragen
Sollten die Funktionen weiterer Bestandteile der Muttermilch entschlüsselt werden, könnte man umstrittene Fragen rund um das Stillen klären, so Hennet. Von besonderem Interesse sei beispielsweise, wie lange ein Kind gestillt werden sollte. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, Kinder die ersten 18 Monate nach ihrer Geburt zu stillen. Aber: Obwohl etwa das Brustkrebsrisiko für stillende Mütter kurzzeitig sinkt, ist langzeitiges Stillen mit vielen Nachteilen für Frauen verbunden. Häufig treten Entzündungen auf, Ernährungseinschränkungen ziehen sich weit über die Schwangerschaft hinaus und wer nicht abpumpt, muss nonstop beim Kind sein. Dies kann wiederum teilweise im Konflikt mit der Arbeit stehen.
So könnten diese Erkenntnisse auch für Gleichstellungsfragen von Bedeutung sein. Hennet ist sich der gesellschaftlichen Relevanz seiner Forschung bewusst: «Es ist von hoher Wichtigkeit, dass Mütter richtig informiert sind und Entscheidungen darauf basieren können, ohne Druck aus der Wissenschaft, Medizin oder anderen Kreisen ausgesetzt zu sein.»