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Karl Gottfried, Maler, geb. zu Mühlhausen in Thüringen, kam 1835 nach Berlin und bildete sich
daselbst im Atelier Däges; dann arbeitete er mehrere Jahre unter Cornelius, dessen Richtung er treu blieb
und im protestantischen Sinn weiter ausbildete. 1865 wurde Pfannschmidt zum Lehrer für Komposition und Gewandung an der königlichen Akademie
der Künste in Berlin und zum Mitglied des Senats derselben ernannt. Von seinen durch Adel und Empfindung ausgezeichneten Werken
sind hervorzuheben: Abendmahl in der Altarfläche der Schloßkirche zu Berlin;
die Ausmalung der Apsis im
Mausoleum zu Charlottenburg;
die kirchengeschichtlichen Wandgemälde in der Schloßkirche zu Schwerin und in der Marienkirche
zu Barth in Pommern;
Altargemälde der St. Paulskirche in Schwerin, in Bentzin, Königsberg i. N., Schlobitten, Brandenburg etc.;
Kartons zu Glasgemälde für die Nikolaikirche zu Berlin, den Dom zu Magdeburg, die Garnisonkirche zu Stuttgart.
Hervorragender als in seinen Staffeleigemälden, welche an unharmonischer Buntheit des Kolorits leiden, war Pfannschmidt in seinen cyklischen
Zeichnungen, in denen die edle Größe seiner Formenbehandlung und die Tiefe seiner echt religiösen Empfindung am reinsten
zum Ausdruck gelangen. Die hervorragendsten sind: die Geschichte des Moses, das Wehen des Gerichts, die Geschichte
des Propheten Daniel (1878, Berliner Nationalgalerie), das Vaterunser (1883, das.). Im J. 1884 erhielt er die große goldene
Medaille der Berliner Ausstellung. Er starb in Berlin.
(v. neulat. parochus), in der katholischen Kirche der ordnungsmäßig berufene Priester (Presbyter),
welcher bei einer Kirchengemeinde die Verwaltung des öffentlichen Gottesdienstes und der Sakramente zu besorgen und die Seelsorge
zu führen hat. Der Bezirk, in welchem ihm diese Funktionen zukommen, heißt Pfarrei (Parochie). In der ältesten Kirche bestand
das Einkommen der Pfarrer lediglich in freiwillige Gaben. Bald aber wurde es gebräuchlich, daß sie aus dem
sich bildenden Kirchenamt (s. d.) fixe Einkünfte und nach Ausbreitung der christlichen
Kirche unter heidnischen Völkern auch den Zehnten (s. d.) bezogen.
Auch für Verachtung der Kasualhandlungen wurde Bezahlung (s. Stolgebühren) gewöhnlich. Dazu kamen noch von seiten der Landesherren
Dotationen an Grundstücken und Zinsen. Wo diese Quellen heutzutage nicht mehr zureichen, nimmt man seine
Zuflucht zu dem System der Kirchensteuern oder zum Zuschuß aus Staatsmitteln. In den nordamerikanischen Freistaaten ist das
Einkommen der Pfarrer meist nur kontraktmäßig auf
eine Reihe von Jahren festgesetzt. Der Pfarrer hatte ursprünglich zu beanspruchen,
daß niemand neben ihm in seiner Parochie amtliche Funktionen ausüben durfte.
Später jedoch wurde Ordensgliedern die Befugnis von den Päpsten zur Predigt und Seelsorge erteilt. Die evangelische Kirche sieht
in dem Pfarrer nicht den durch bischöfliche Ordination (s. d.) mit Machtvollkommenheiten ausgestatteten Priester (s. Presbyter),
sondern den minister Verbi divini; als solcher führt er den Namen Prediger, nach seinen Befugnissen als
Seelsorger wird er Pastor (Hirt) genannt. Die Namen Oberpfarrer (Pastor primarius), Diakon, Prediger etc. besagen nicht eine Verschiedenheit
geistlicher Befähigung, sondern bezeichnen nur einen Unterschied des Ranges. Auch in der evang. Kirche, insbesondere in den
großen Städten, ist der Parochialverband vielfach durchbrochen.
Gustav, Dichter, geb. zu Heddesheim bei Kreuznach, studierte in Halle und Bonn
Philologie, wirkte dann als Lehrer am Gymnasium zu Saarbrücken, seit 1834 als Oberlehrer (später mit dem Titel Professor) am
Friedrich Wilhelms-Gymnasium zu Köln, bis er 1863 in den Ruhestand trat. Er starb Pfarrius bewährte sich als einen liebenswürdigen
und harmlosen Sänger der Naturschönheit, besonders der Waldlust, in den Gedichtsammlungen: »Das Nahethal
in Liedern« (Köln 1863; 3. Aufl., Kreuzn. 1869),
»Waldlieder« (Köln 1850, 3. Aufl. 1869) und »Gedichte«
(neue Sammlung, das. 1860). Außerdem veröffentlichte er: »Karlmann«, episch-lyrische Dichtung (Bonn 1844);
»Trümmer und Epheu«,
Novelle (Köln 1852);
»Zwischen Soonwald und Westrich«, Erzählungen (Kreuzn. 1861 u. 1863);
»Schein u. Sein«,
Erzählung (Braunschweig 1863);
»Natur- und Menschenleben«, Novellen (Düsseld. 1869).
Bezirksamtsstadt im bayrischen Regierungsbezirk Niederbayern, an der Rott und der Linie Neumarkt a. d. Rott-Pocking
der Bayrischen Staatsbahn, 370 m ü. M., hat 3 kath.
Kirchen, ein Amtsgericht, Pferdemärkte und (1885) 2471 Einw.
(Pavo L.), Gattung aus der Ordnung der Scharrvögel und der Familie der Fasanen (Phasianidae), kräftig gebaute Vögel
mit ziemlich langem Hals, kleinem, mit einem Federbusch geziertem Kopf, etwas dickem, auf der Firste gewölbten,
an der Spitze hakig gekrümmtem Schnabel, kurzen Flügeln, hohen Beinen, beim Männchen gesporntem Fuß und langem, abgerundetem
Schwanz dessen obere Deckfedern außerordentlich verlängert, mit Spiegelflecken geschmückt und aufrichtbar sind.
Der Stammvater unsers Haustiers, Pfau cristatusL., bis 1,25 m lang, mit fast noch längerer
Schleppe, auf Kopf, Hals und Vorderbrust purpurblau, goldig und grün schimmernd, auf dem Rücken grün, jede Feder kupferfarbig
gerändert und muschelartig gezeichnet, auf den Flügeln weiß, schwarz quergestreift, auf der Rückenmitte tief blau, auf
der Unterseite schwarz, an den Schwingen und Schwanzfedern nußbraun; die Federn, welche die Schleppe bilden, sind
grün mit Augenflecken, die Federn der Haube nur an der Spitze gebartet. Das Auge ist dunkelbraun mit nacktem, weißem Ring, Schnabel
und Fuß hornbraun. Die kleinere Henne ist am Kopf und Oberhals nußbraun; die Nackenfedern sind grünlich, weißbraun gesäumt,
die Federn des Mantels
mehr
lichtbraun, quer gewellt, die der Gurgel, der Brust und des Bauches weiß, die Schwingen braun, die Steuerfedern dunkelbraun
mit weißem Spitzensaum. Der Pfau bewohnt Ostindien und Ceylon, besonders Gebirgswälder, fehlt aber im Himalaja. Große Herden
halbwilder Pfauen sammeln sich bei den Hindutempeln, wo sie von den Priestern gepflegt werden und kaum
weniger scheu sind als die in der Gefangenschaft erwachsenen; aber auch auf Ceylon erscheint der Pfau in Gesellschaften von Hunderten.
Gewöhnlich lebt er in Trupps von 30-40 Stück; er hält sich meist am Boden auf, läuft sehr schnell, fliegt schwerfällig
und rauschend und selten weit, frißt allerlei Sämereien und Gewürm, aber auch Reptilien und selbst
größere Schlangen, nistet unter einem Busch und legt 4-9 (15) Eier, welche von der Henne nur im äußersten Notfall verlassen
werden. Wo er nicht als heilig gilt, werden halb erwachsene Vögel des wohlschmeckenden Fleisches halber gejagt. An die Gefangenschaft
gewöhnt er sich leicht, doch sollen Junge schwer aufzuziehen sein.
Der gezähmte Pfau ist minder prächtig gefärbt als der wilde; es gibt auch prachtvolle weiße, welche die Augen im Schweif
deutlich erkennen lassen, obwohl dieselben ebenfalls ungefärbt sind, und gescheckte. Die weißen werden von Europa nach Ostindien
exportiert und dort zu hohen Preisen verkauft. Man erhält den Pfau mit Körnerfutter, besonders mit Gerste;
doch geht er zuzeiten allen möglichen andern Nahrungsmitteln nach und beschädigt dann Saaten und Pflanzungen.
Das kältere Klima verträgt er sehr gut, er läßt sich im Winter ohne Schaden einschneien und sucht kaum den Stall auf. Man
hält auf einen Hahn vier Hennen, welche um so eifriger brüten, je ungestörter sie sich wissen. Das Gelege
besteht meist aus 5-6 Eiern, welche 30 Tage bebrütet werden. Die Jungen sind ungemein zärtlich und erliegen leicht der Nässe
und Kälte. Man füttert sie mit Quark, Ameisenpuppen, Mehlwürmern und Eigelb, später mit gekochter Gerste etc. Bei
gutem Gedeihen wachsen sie recht schnell, erhalten ihre volle Schönheit aber erst im dritten Jahr.
Der Pfau erreicht ein Alter von 20 Jahren. Er zeigt Stolz und Eitelkeit, ist selbstbewußt und herrschsüchtig und macht sich auf
dem Hühnerhof oft auch durch seine Bosheit unleidlich. Die Stimme ist ein garstiges Geschrei. Der Pfau ist
seit dem Altertum bekannt. König Salomos Schiffe brachten aus Ophir neben andern Kostbarsten auch Pfauen mit; aber die Vögel
verbreiteten sich sehr langsam weiter nach Westen, und zuerst scheinen sie aus dem semitischen Vorderasien nach dem Heiligtum
der Juno auf Samos gelangt zu sein.
Der Pfau wurde wegen des Augenglanzes seines Gefieders, welcher an die Sterne erinnerte, der Vogel der Juno
als Himmelskönigin, und nach der Sage wurde der allschauende Argos nach seinem Tod in einen Pfau verwandelt. Nach der Mitte des 5. Jahrh.
kam er nach Athen, erregte hier die äußerste Bewunderung, und wie Älian erzählt, wurde ein Hahn mit 1400 Mk.
unsers Geldes bezahlt. Alexander d. Gr. lernte den Pfau in Indien kennen, und mit der griechischen Herrschaft breitete sich der
Vogel weiter in Asien aus.
Nach Italien gelangte er vielleicht direkt aus phönikisch-karthagischen Händen, und zur Zeit der Republik tritt Pavus, Pavo
schon als Zuname auf. Später diente der Vogel römischer Üppigkeit, und zu Ciceros Zeiten kam er zuerst
auf die Tafel; Pfauenschweife dienten als Fliegenwedel. Nun begann man auch die Zucht in großem Maßstab auf Pfaueninseln und
in Pfauenparken, und gegen Ende des 2. Jahrh. waren die Pfauen in Rom »gemeiner als die Wachteln«, zumal
man auch
beständig noch Pfauen aus Indien einführte.
Aus Italien gelangte der Pfau ins westliche Europa; das Christentum nahm ihn als Bild der Auferstehung oder der himmlischen Herrlichkeit
in seine Symbolik auf, hob aber auch seine Mängel, die häßlichen Füße und das diebische Gelüst, hervor. Karl d. Gr. befahl,
Pfauen auf seinen Gütern zu züchten. Pfauenfedern wurden ein beliebter Schmuck für Ritter und Frauen;
später kamen Pfauenhüte aus England, und bis ins 16. Jahrh. erhielt sich die Sitte des Altertums, Pfauen im Schmuck ihrer Federn
auf die Tafel zu setzen. Auf solche gebratene Pfauen legten die altfranzösischen Ritter ihre halb wahnsinnigen
Gelübde (voeux du paon) ab. Erst die Zeit der Renaissance drängte den Pfau in die Stellung zurück, welche er jetzt einnimmt.
In China gelten Pfauenfedern noch heute als Rangabzeichen der Mandarinen.
Ludwig, Lyriker und Kunstkritiker, geb. zu Heilbronn, lernte als Kunstgärtner in Frankreich, studierte
dann aber in Tübingen und Heidelberg und trat als Dichter mit einer ersten Sammlung seiner »Gedichte«
(Frankf. 1846) hervor, welche gewisse Eigentümlichkeiten seines Talents: die schlichte, volksliedähnliche Innigkeit der
Empfindung und die Anmut der Form, schon aufwies, deren schönste Lieder freilich erst in spätern Auflagen
(Gesamtausg., Stuttg. 1874) hinzukamen. 1848 gab. Pfau in Stuttgart das Witzblatt »Eulenspiegel« heraus, veröffentlichte: »Stimmen
der Zeit« (Heilbr. 1848) und »Deutsche Sonette auf das Jahr 1850« (Zürich
1849) und ward 1849 in die revolutionäre Bewegung
so tief verstrickt, daß er zuerst nach der Schweiz flüchten und seit 1852 im Exil zu Paris leben mußte. Hier übertrug er in
Gemeinsamkeit mit M. Hartmann die »Bretonischen Volkslieder« (Köln 1853) und widmete sich der Kunstgeschichte und Kunstkritik.
Als reife Frucht seiner Eindrücke und Arbeiten traten die »Freien Studien« (Stuttg. 1866, 2. Aufl. 1874)
hervor, geistvolle Abhandlungen, von denen die hervorragendsten: »Die Kunst im Staat« und »Die zeitgenössische Kunst in Belgien«,
vom Verfasser auch französisch geschrieben wurden.
Nachdem Pfau sich noch längere Zeit in Brüssel, Antwerpen und London aufgehalten, kehrte er 1865 nach Deutschland zurück und
ließ sich in Stuttgart nieder, wo er eine Zeitlang den »Stuttgarter Beobachter« redigierte. In der Folge
veröffentlichte er noch: »Kunstgewerbliche Musterbilder aus der Wiener Weltausstellung« (Stuttg. 1874);
»Kunst- und Gewerbestudien«
(das. 1877);
»Das Ulmer Münsterjubiläum« (Ulm 1878) und eine Sammlung seiner ästhetischen Schriften in 6 Bänden unter dem
Titel: »Kunst und Kritik« (Stuttg. 1888 ff.).