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Roggen
Der Roggen (Secale cereale) ist anspruchslos, wurzelt tief und kann mit Kälte und Trockenheit umgehen. Im Gegensatz zum Weizen wächst er noch gut auf nährstoffarmen Böden oder solchen mit relativ niedrigem pH-Wert (Schilperoord, 2017).
Der Roggen (Secale cereale) ist anspruchslos, wurzelt tief und kann mit Kälte und Trockenheit umgehen. Im Gegensatz zum Weizen wächst er noch gut auf nährstoffarmen Böden oder solchen mit relativ niedrigem pH-Wert (Schilperoord, 2017).
Es wird angenommen, dass der Roggen direkt aus einem Wildroggen hervorgegangen ist und mit ihm eine Art bildet. Der Wildroggen wird nur 50-80 cm hoch. Die Herkunftsregion von Wildroggen ist die Hochebene von Anatolien. Neben der Türkei, wächst der Wildroggen noch in Armenien, Aserbeidschan und Zentral-Asien. Der Schritt von der Wild- zur Kulturpflanze dauerte beim Roggen länger als bei Weizen, Gerste oder Hafer. Da der Kulturroggen ein Fremdbefruchter ist, kreuzen sich die Pflanzen im Feld immer wieder mit Wildroggen, welcher von Natur aus in unmittelbarer Umgebung der Äcker wächst. Er entwickelte sich erst zu einer vollkommenen Kulturpflanze weiter, nachdem der Roggen ausserhalb seiner Ursprungregion angebaut wurde. Erst während der Römerzeit wurde er in der Schweiz in grösserem Umfang überall angebaut. In den Bergtälern des Wallis war der Roggen das wichtigste Getreide, zusammen mit der Gerste war er es in Graubünden. Der Anbau von Roggen ging in der ganzen Schweiz stark zurück, aufgrund des Rückzugs des Getreidebaus aus den Grenzgebieten des Ackerbaus und durch die zunehmende Bedeutung des Weizenanbaus im Mittelland. Heute ist Roggen für weite Teile Osteuropas und Skandinavien die wichtigste Getreideart. Er übersteht besser als alle anderen Getreidearten, harte, kalte und schneereiche Winter.
Nach dem zweiten Weltkrieg besass der Winterroggen der hochgelegen Ackerbaugebiete der Kantone Wallis, Tessin und Graubünden neben den wertvollen Eigenschaften, die lange Schneedecke ohne nennenswerten Schaden zu überdauern, auch einige Mängel: Die Erträge und die Lagerfestigkeit waren nicht sehr hoch und der Kornausfall wegen schlechten Spelzenschlusses war teilweise beträchtlich. Aus diesem Grund wurde speziell für die höheren Lagen ein Winterroggen gezüchtet. Heute geht es beim Anbau des „Cadiroggens“ vor allem um die Erhaltung einer vielfältigen Landwirtschaft im Berggebiet. Die Landwirte, welche Berggetreide anbauen, bekommen einen höheren Preis, als solche die in tieferen Lagen anbauen, da die erschwerten Produktionsbedingungen mitberücksichtigt werden (Schilperoord, 2017).
Roggen (Secale cereale) kann zwei Meter hoch oder mehr werden. Mit Ausnahme des Maises, ist dies höher als alle anderen Getreidearten. Dank einer tiefen Durchwurzelung, kann der Roggen noch Wasser aus tieferen Erdschichten aufnehmen, auch wenn die obere Schicht bereits ausgetrocknet ist.
Die Roggen- und Weizenähre sind ähnlich gebildet. Pro Stufe findet sich ein mehrblütiges Ährchen wobei normalerweise zwei Körner ausgebildet werden, unter wüchsigen Bedingungen können es aber auch drei sein. Weizen bildet hingegen 4–5 Körner pro Stufe. Die sehr feinen Grannen können während der Reifezeit abbrechen (Schilperoord, 2017). Im Gegensatz zu Weizen und Gerste ist der Roggen ein Fremdbefruchter (Schilperoord, 2012). Zusammen mit Mais, der ebenfalls ein Fremdbefruchter ist, haben sie die grössten Staubbeutel und produzieren am meisten Blütenstaub. Fast sechs Millionen Pollenkörner kann eine Ähre bilden. Um die Mittagszeit bei Sonnenschein, kann es durch den vielen Blütenstaub im Roggenfeld richtig neblig werden. Beim Roggen ist die Auswuchsgefahr am grössten. Beim Auswuchs keimen die Körner auf der Ähre, sobald sie Feuchtigkeit aufnehmen (Schilperoord, 2017).
Im Jahr 2018 lagen die Roggenerträge bei 65 Tonnen. Roggen wird vor allem im Münstertal, in der Surselva und im Domleschg angebaut. Saatgut der Sorte Cadi wird von Johannes Fallet in Sta. Maria im Münstertal angebaut.
Die Bergbauern bauen vor allem die Sorte Cadi an. Die alte Roggensorte Cadi wurde in den fünfziger Jahren in Laax-Falera für das Berggebiet gezüchtet. Sie wird bis zu 220 cm hoch und hat sich im Laufe der Zeit zu einer Sorte entwickelt, welche reich an verschiedenen Ährenformen und Farben ist und so den Charakter einer alten Landsorte angenommen hat. Sie stammt aus einer Kreuzung zwischen einer Deutschen Zuchtsorte mit einer Landsorte aus Falera (Laax). Seit 2010 wird versucht die Standfestigkeit und den Ertrag zu verbessern um das Anbaurisiko zu verringern (Gran Alpin, 2012). Im Jahr 2018 hat Stephan Stutz die Erhaltungszüchtung vom Cadi-Roggen von Peer Schilperoord übernommen.
FiBL. (2010). Merkblatt Biogetreide. (F. f. (FiBL), Hrsg.) Frick.
Gran Alpin. (5. Dezember 2012). Von alten und neuen Sorten. Alvaneu.
Schilperoord, P. (Juni 2017). Kulturpflanzen in der Schweiz – Roggen. (Verein für alpine Kulturpflanzen, Hrsg.) Alvaneu.
Schilperoord, P. (10. Oktober 2012). Projektbericht Erhaltung Cadi Roggen 2012 . Alvaneu.