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<h2>SubmittedText<h2><p>Kostenbewusste grosse Konzerne, aber auch der Bundestag der Bundesrepublik Deutschland, haben ihre Informatiksysteme, oder zumindest die Server, auf das freie Betriebssystem Linux umgestellt. Die Nutzung des freien Informatikbetriebssystems anstelle von Microsoft-Systemen ermöglicht der Wirtschaft enorme Einsparungen. Die Vorspurfunktion des deutschen Bundestages hatte eine starke Signalwirkung für die Wirtschaft und die Gesellschaft.</p><p>Ich ersuche um Beantwortung folgender Fragen:</p><p>1. Wie sind die Einschätzungen und Optionen bezüglich der Nutzung des Betriebssystems Linux seitens der Informatikdienste des Parlamentes und der Bundesverwaltung?</p><p>2. Ist vorgesehen, die freie Software für Parlamentsmitglieder einzuführen oder wenigstens Alternativinstallationen zur Verfügung zu stellen?</p><p>3. Ist vorgesehen, wenigstens die Server mit dem freien Betriebssystem zu versehen?</p><p>4. Ist den Informatikdiensten und den Ratsbüros bewusst, dass die Wahl des Informatiksystems des Parlamentes eine wichtige Signal- und Vorspurfunktion für die Wirtschaft und die Gesellschaft darstellt?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Die Informatik und die Telekommunikationstechnik geben der Bundesverwaltung Instrumente in die Hand, um ihre Kernaufgaben möglichst gut und möglichst wirtschaftlich zu erledigen. Kriterien für den Einsatz von Systemen und Software wie Linux in der Bundesverwaltung sind deshalb der benötigte Funktionsumfang, Sicherheit, Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit über die gesamte Lebensdauer einer Lösung.</p><p>Das Betriebssystem Linux wird bereits heute in der Bundesverwaltung eingesetzt. Der Internetauftritt der Bundesverwaltung ist zum grössten Teil mit "open source software" und Linux als Betriebssystem realisiert. Insgesamt werden rund 5 Prozent aller Server unter Linux betrieben. Die Arbeitsplätze sind im Rahmen von Nove-it mit Windows und Microsoft Office standardisiert worden. Eine allfällige Ablösung hätte weitreichende Konsequenzen (Interoperabilität innerhalb der Bundesverwaltung und mit externen Stellen, Migrationsaufwand, Umschulung der Mitarbeiter usw.) und steht zurzeit, kurz vor Abschluss des Programms Nove-it, nicht zur Diskussion. Die Option wird aber im Rahmen von Testinstallationen und in speziellen Umgebungen weiterverfolgt.</p><p>Um zudem Chancen und Risiken freier und offener Software ("free and open source software", Foss) abzuschätzen und Entscheidgrundlagen für deren künftigen Einsatz bereitzustellen, erarbeitet das Informatikstrategieorgan Bund (ISB) gegenwärtig eine Foss-Strategie als Teil der Informatikstrategie der Bundesverwaltung. Sie wird Ende 2003 vorliegen.</p><p>Die Parlamentsdienste sind nicht den Vorgaben der allgemeinen Bundesverwaltung für den IKT-Einsatz unterworfen. Zu den speziellen Fragen der Parlamentsinformatik hat deshalb der Bundesrat die Stellungnahme des Büros des Nationalrates eingeholt. Dieses hat sich am 27. August 2003 wie folgt geäussert:</p><p>Antwort des Büros des Nationalrates vom 27. August 2003</p><p>Das Büro des Nationalrates bezieht sich in der Antwort auf die obigen Fragen ausschliesslich auf die Informatiksysteme des Parlamentes, welche durch den Dienst für Informatik und neue Technologien (DINT) betrieben werden. Der DINT prüft periodisch den Einsatz von "open source"-Programmen, zum letzten Mal im Januar/Februar 2003. </p><p>Zu Frage 1: Linux wird beim DINT schon vereinzelt auf Servern eingesetzt. Ein flächendeckender Einsatz ist zurzeit nicht möglich, da für das Parlament wichtige Softwarepakete mit Linux nicht kompatibel sind. Zudem ist zu beachten, dass es mittlerweile unterschiedliche Linux-Derivate (Distributionen) gibt, deren Kompatibilität untereinander beschränkt ist.</p><p>2. In der Sitzung vom 16. Mai 2003 hat die Verwaltungsdelegation entschieden, vorläufig auf den Einsatz von "open source"-Software zu verzichten. Dieser Entscheid fiel einerseits aufgrund der Tatsache, dass Linux für den Einsatz auf Notebooks nicht besonders geeignet ist, da es eingebaute Peripherien zumeist nicht oder nur schlecht unterstützt, andererseits aufgrund der Resultate des Prüfberichtes "Vergleich MS Office - StarOffice" vom 1. Februar 2003 durch einen unabhängigen Experten. Nachfolgend ein Auszug:</p><p>- Die einzig wirkliche Alternative zu MS Office ist Open-Office oder "StarOffice" (kommerzielle Version von Open-Office, welche von der Firma Sun vertrieben wird). StarOffice stellt in den Bereichen Textverarbeitung, Präsentation und Tabellenkalkulation eine zu MS Office weitgehend gleichwertige Funktionalität zur Verfügung. Das Handling unterscheidet sich jedoch zum Teil signifikant von MS Office (z. B. Serienbrieffunktionalität). Bei StarOffice fehlen eine zu MS Outlook äquivalente Funktionalität und Funktionen, welche die Zusammenarbeit in Teams unterstützt.</p><p>- Grundsätzlich könnten sowohl Support und Schulung für beide Produkte angeboten werden. Die meisten aktuellen Anwender verfügen über Kenntnisse über MS Office, bei StarOffice sind diese meist nicht vorhanden. Dies führt zu einem entsprechenden Einführungsaufwand und geringeren Selbsthilfemöglichkeiten unter Kollegen und im Team.</p><p>- MS Office arbeitet mit komplexen eigenen Formaten für die Speicherung der Daten. Es sind keine Import/Export-Funktionen für die Übernahme von StarOffice-Dokumenten vorhanden. StarOffice arbeitet mit dem auch im Bereich der Bundesversammlung eingesetzten XML-Format. Microsoft hat eine Unterstützung für XML für die kommende Version angekündigt. Umfang und Qualität dieser Unterstützung können heute aber noch nicht abgeschätzt werden. StarOffice bietet eine ausgefeilte Import/Export Funktion für MS-Office-Dokumente, um den Datenaustausch mit den mit MS Office ausgestatteten Büroumgebungen zu ermöglichen. Die Import Funktion kann komplexe Strukturen (z. B. Animationen oder eine in Word eingebettete Excel-Tabelle) nur begrenzt und Makros überhaupt nicht verarbeiten. Probleme bestehen auch beim Exportieren von StarOffice Dokumenten in das Word-Format.</p><p>- Die Stabilität der beiden Pakete ist vergleichbar. MS Office bietet eine zusätzliche Unterstützung für die Wiederherstellung von Dateien nach einem Systemabsturz, welche StarOffice nicht bietet. Aufgrund der weiten Verbreitung von MS Office sind Office-Umgebungen auch häufig das Ziel von Viren (insbesondere Outlook). Eine wirtschaftlich interessante Alternative zu Outlook ist aber nicht vorhanden.</p><p>- Die Wartung beider Produkte ist vergleichbar. StarOffice kann nicht aufgrund seiner "open source"-Strategie als besser eingestuft werden, da zusätzlich mögliche eigene Eingriffe im System eine unrealistische Einarbeitung in den "source code" voraussetzen und langfristig Inkompatibilitäten mit neuen Versionen des Produktes nach sich ziehen.</p><p>- Beide Produkte sind grundsätzlich im Umfeld der Bundesversammlung einsetzbar. Die Integration von StarOffice müsste aber erst noch realisiert werden (z. B. Neuprogrammierung von Makros). StarOffice verbindet sich mit dem jeweils eingesetzten Standard-Mail-System. Für die Integration von Daten (z. B. Adressen für Serienbriefe aus einer Datenbank) aus anderen Anwendungen steht StarBase als Datenübernahme-Tool zur Verfügung, welches aber zum Teil umständlich in der Bedienung ist.</p><p>- Attraktiv an StarOffice ist die kompakte Speicherung der Dokumente im XML-Format, welche den Datenaustausch mit anderen Systemen vereinfacht. Zu beachten ist jedoch, dass damit die Integration von MS Office im Bereich der Bundesversammlung weit fortgeschritten ist und dass XML nur die technische, nicht aber die weitaus aufwendigere inhaltliche Ebene der Integration vereinfacht.</p><p>- Die Installation, Pflege und Wartung einer "open source"-Variante für die Ratsmitglieder-Informatikinfrastruktur hätte unweigerlich zur Auswirkung, dass der DINT im Bereich Support zwei bis drei zusätzliche Stellen mit entsprechenden Fachspezialisten besetzen müsste.</p><p>3. Der DINT setzt vereinzelt Linux als Serverbetriebssystem ein (s. Antwort zur Frage 1) und wird dies auch weiterhin vermehrt tun, wenn es die Technik und die Organisation zulässt.</p><p>Der Betrieb einer heterogenen Informatikinfrastruktur bringt aber zwangsläufig auch einen beträchtlichen Mehraufwand mit sich. Der DINT verfügt im Bereich System und Kommunikation über drei Stellen, welche für den 24-Stunden-Betrieb von 65 Servern (Datenbank-, Kommunikations-, Transaktions- und Datenservern) mit total drei Terabyte Daten verantwortlich sind. In ihrem Zuständigkeitsbereich liegt auch ein redundantes Datennetzwerk mit etwa 180 LAN-Komponenten (Switch, Hub, Routers). </p><p>Da die Anforderungen an die Verfügbarkeit der Informationen auf unseren Systemen überdurchschnittlich hoch und die personellen Ressourcen im DINT knapp bemessen sind, wird auf eine zunehmende Heterogenität der Serverumgebung vorläufig verzichtet.</p><p>4. Das Büro des Nationalrates, die Verwaltungsdelegation sowie die Informatikverantwortlichen der Parlamentsdienste sind sich dieser Tatsache schon länger bewusst. Als Folge davon werden betroffene Mitarbeiter gezielt auf alternativen Betriebssystemen geschult. Damit soll mittelfristig eine Grundvoraussetzung geschaffen werden, um "open source"-Software vermehrt einsetzen zu können.</p><p>Insbesondere wurde auch darauf geachtet, dass das "wirkliche (elektronische) Kapital" des Parlamentes, d. h. die Daten und nicht die Systeme, in einem neutralen, von Softwareherstellern unabhängigen Format (SGML und XML) gespeichert wird.</p>  Antwort des Bundesrates.