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Mit der «Low-dose Radiation Research Act of 2015» wird das Office of Science des amerikanische Department of Energy (DOE) beauftragt, zusammen mit der National Academy of Sciences (NAS) eine Studie zum Wissensstand über die gesundheitlichen Folgen niedriger Strahlendosen durchzuführen. Als «niedrig» werden dabei Dosen unter 100 mSv bezeichnet. Weiter soll eine Agenda mit Forschungsschwerpunkten vorgeschlagen werden, um identifizierte Herausforderungen gezielt anzugehen. Gestützt auf die Studienergebnisse soll der Energieminister ein Fünfjahres-Forschungsprogramm ausarbeiten.
Die Ziele des Gesetzesentwurfs sind mit Forderungen vergleichbar, die renommierte Medizinphysiker bereits im März 2013 mit einem Brief an das White House Office of Science and Technologie richteten. Die Fachleute wiesen darauf hin, dass die mangelnden Kenntnisse über die Folgen niedriger Strahlendosen für die Gesundheit die Entscheidungsfähigkeit im Land behinderten. Ein vertieftes Verständnis würde bei der Gefahrenabschätzung helfen, sei es beim Treffen angemessener Gegenmassnahmen bei radiologischen Ereignissen wie Fukushima-Daiichi, sei es im Zusammenhang mit Dekontaminierungsarbeiten oder mit der stark zunehmenden Anwendung ionisierender Strahlung in der Medizin. Die Fachleute brachten zudem ihre Befürchtung zum Ausdruck, dass in den amerikanischen Universitäten, Laboratorien und Industrien Wissen verloren gehen könne. Auch stellten sie fest, dass die Anstrengungen des DOE zur Erforschung der Effekte niedriger Strahlendosen heruntergefahren wurden.
Gemäss dem amerikanischen Nuclear Energy Institute (NEI) weisen neuere wissenschaftliche Ergebnisse darauf hin, dass gesundheitliche Risiken niedriger Strahlendosen geringer sein könnten als bisher angenommen. Das United Nations Scientific Committee on the Effects of Atomic Radiation (Unscear) kommt in einem White Paper vom Dezember 2012 zum Schluss, dass das Verständnis über die biologischen Auswirkungen niedriger Strahlendosen zwar zugenommen habe. Aber das Komitee machte sich weiter für die Fortführung der Forschungsaktivitäten auf diesem Gebiet stark. Im White Paper wird das LNT-Modell (linear no-threshold) nicht abgelehnt. Jedoch sei bei der Extrapolation radiologischer Effekte niedriger Dosen auf grosse Populationen Vorsicht geboten.
Forschung in Europa
Europa verfolgt mit der Multidisciplinary European Low Dose Initiative (Melodi) eine ähnliche Stossrichtung wie die USA. Die Forschungsplattform wurde 2010 von 15 Instituten, Universitäten und Behörden aus verschiedenen Ländern Europas gegründet. Die Melodi koordiniert und fördert Forschungsarbeiten in Europa, die sich mit dem Risiko bei der Aufnahme niedriger Strahlendosen befassen. Die Plattform unterzeichnete beispielsweise im Dezember 2013 mit drei Partnern eine Absichtserklärung, mit der gemeinsam eine strategische Vision in der europäischen Strahlenschutzforschung erarbeitet werden soll.
Quelle
M.A. nach «Low-Dose Radiation Research Act of 2015», und NucNet, 20. Januar 2015