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GENF – Alle 15 Minuten wird ein Elefant erschossen. Der Elfenbeinhandel ist einer der Hauptgründe für diese erschreckende Lage. Um den globalen Durst nach dem «weissen Gold» zu stillen, wird das Aussterben der afrikanischen Elefanten in der freien Wildbahn innerhalb der nächsten 10 Jahre riskiert. Die internationalen gesetzlichen Vorschriften müssen strenger werden und diese bezeichnende Tierart unter vollständigen Schutz stellen! Die Entscheidung darüber wird diesen Sommer in Genf gefällt.
Afrikanische Elefanten sind stark bedroht durch den Klimawandel, den Verlust von Lebensräumen, die wachsende Bedeutung der menschlichen Spezies auf dem Planeten und den unstillbaren Durst einiger Länder nach Elfenbein. Laut der «Great African Elephant Census» (GEC) Zählung aus dem Jahr 2016 wurde in 15 Ländern Afrikas im Zeitraum von 2007 bis 2014 jeden Tag alle 15 Minuten ein Elefant wurde getötet (144 000 getötete Elefanten insgesamt). Wenn die Wilderei im gleichen Ausmass weitergeht, wird die Tierart in der freien Wildbahn innerhalb von zehn Jahren ausgestorben sein!
Der internationale Elfenbeinhandel wird durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen (CITES) reguliert. Keine andere Art verursacht so viele Diskussionen wie der Afrikanische Elefant. Einige Länder des südlichen Afrika wollen den Elfenbeinhandel liberalisieren, während die Mehrheit der Länder im Verbreitungsgebiet der Elefanten, organisiert in der African Elephant Coalition (AEC), sich für ein absolutes Verbot ausspricht. Dies ist der einzig wirksame Weg, die Art zu erhalten. Die AEC schlägt daher vor, auf der nächsten CITES-Vertragsstaatenkonferenz (CoP18), die vom 16. bis 28. August 2019 in Genf stattfindet, alle afrikanischen Elefanten in den CITES-Anhang I aufzunehmen – das entspricht dem höchsten Schutzstatus, den eine Tierart im internationalen Recht zugesprochen bekommen kann.
Solange der internationale und nationale Elfenbeinhandel weiterhin erlaubt oder toleriert wird, werden Elefanten niemals in Sicherheit sein. Wilderei und illegale Beschlagnahmungen von Elfenbein nehmen zu, auch im südlichen Afrika, wo Elefanten bisher relativ sicher waren. Eine 2018 in Botswana durchgeführte Studie ergab, dass die Wilderei seit 2014 um fast 600% zugenommen hat. Der Druck auf die Art nimmt zu. Dennoch möchten einige Länder, einschliesslich Sambia, Botswana, Namibia und Simbabwe, ihren Schutz weiter schwächen. Sie richten diesbezüglich Vorschläge an die nächste CITES-Vertragsstaatenkonferenz.
Gemäss Fondation Franz Weber, die sich seit über 40 Jahren für den Schutz des Afrikanischen Elefanten einsetzt, eine komplette Unsinnigkeit! Für Präsidentin Vera Weber ist klar: «Wir wissen, dass es eine Lösung gibt und dass sie bereits funktioniert hat. Alle afrikanischen Elefanten müssen in den CITES-Anhang I aufgenommen werden. Andernfalls wird diese für den afrikanischen Kontinent so bezeichnende Art ausgelöscht werden.» Diese Lösung wird von der AEC befürwortet, einer Allianz von 32 afrikanischen Staaten, welche sich seit Jahrzehnten für den Schutz ihrer Dickhäuter einsetzt. Die AEC hat einen entsprechenden Vorstoss eingereicht, der in diesem Sommer von der CoP18 geprüft wird.
«In dieser Situation muss das Vorsorgeprinzip Vorrang erhalten», so Rechtsanwältin Anna Zangger, «die CITES-Vertragsparteien dürfen angesichts dieses Massakers nicht untätig bleiben. Wenn der Handel sich negativ auf eine Tierart auszuwirken scheint, und selbst schon bei geringfügigen Zweifeln darüber, muss diejenige Massnahme getroffen werden, die der Erhaltung der Art am zuträglichsten ist. In diesem Fall ist die einzige vernünftige Entscheidung, die die CoP18 treffen kann, die Empfehlung der African Elephant Coalition».
Entwicklung des Elefantenschutzes
Die Geschichte gibt der African Elephant Coalition (AEC) Recht. Das einzige Mal in den letzten 40 Jahren, dass Elefantenpopulationen durchatmen konnten und sich zu erholen begannen, war das Jahrzehnt nach dem Beschluss der CITES-Vertragsstaatenkonferenz von 1989 (CoP), dem obersten Organ der Konvention, alle afrikanischen Elefanten in den CITES-Anhang I aufzunehmen und damit den Elfenbeinhandel vollständig zu verbieten. Leider wurden 1997 und 2000 vier Elefantenpopulationen (Südafrika, Botswana, Namibia und Simbabwe) in den CITES-Anhang II herabgestuft, und ihr Schutz wurde so erheblich geschwächt. Diese uneinheitliche Auflistung führt zu Rechtsunsicherheit und schafft Schlupflöcher, die von Elfenbeinschmugglern ausgenutzt werden.
Medienmitteilung vom 11. Juni 2019 (pdf)