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= buntfarbige Fassung von Steinfiguren und Fassungen
In der Skulptur meint Polychromie (griech. „Vielfarbigkeit“) die buntfarbige Bemalung von Figuren und Reliefs aus Stein, Holz oder Elfenbein, wie sie bereits in der Antike sehr verbreitet war. Auch im Mittelalter wurden Werke der Bauskulptur an Fassaden oder im Inneren von Gebäuden in der Regel polychrom gefasst. Zu einer eigenen aufwendigen Kunstform entwickelte sich die polychrome Bemalung von Skulpturen im Kontext der spätmittelalterlichen Holzschnitzerei: fein abgestufte Inkarnate und lokalfarbige Gewänder wurden hier mit ausgedehnten Goldoberflächen vor allem von Textilien kombiniert. Dagegen zeichnen sich einige Schnitzarbeiten von Tilman Riemenschneider, Veit Stoss oder Hendrik Douverman durch einen Verzicht auf polychrome Fassung aus: die Holzoberflächen dieser Werke sind lediglich mit einer durchscheinenden Lasur überzogen («Holzsichtigkeit»). Da Fassungen häufig übermalt oder entfernt wurden, kann der ursprüngliche Zustand der Polychromie oft nur anhand von Farbspuren rekonstruiert werden.
Analog zur Skulptur wird der Begriff der Polychromie auch für die Architektur verwendet. Er bedeutet hier die vielfarbige Ausstattung eines Innenraumes durch dekorative Malerei, Mosaik, Glasmalerei, Inkrustation oder Keramik. In der Malerei spricht man von Polychromie, wenn Buntfarbigkeit nicht aus illustrativen, sondern aus dekorativen Gründen eingesetzt wird. Als polychrom werden Partien wie Hintergründe bezeichnet, deren Farben keine weichen Übergänge und keinen einheitlichen Gesamtton haben, sondern in kräftigem Wechsel gegeneinander abgesetzt sind.
Literatur: Jahn und Lieb 2008, S. 663 ff.