Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03410.jsonl.gz/1118

Die am häufigsten detektierten Substanzen in den Flohkrebsen waren das Antidepressivum Citalopram, der UV-Filter Benzophenon, das Metall-Korrosionsschutzmittel Benzotriazol und das Insektizid Thiacloprid. Von letzterem ist bekannt, dass es toxisch auf Flohkrebse und andere wirbellose Tiere wirken kann.
Nebst Thiacloprid fand Munz drei weitere Insektizide, und zwar Imidacloprid, Acetamiprid und Clodthianidin. Obwohl diese in den Wasserproben nur in geringen oder gar nicht messbaren Konzentrationen vorhanden waren, kamen sie überraschend häufig in den Gammariden vor – die Organismen schienen die Substanzen im Körper anzureichern.
Um diesen Anreicherungsprozess genauer zu verstehen, sammelte Munz weitere Gammariden in naturnahen, unbelasteten Gewässern. Sie setzte die Tiere in einem künstlichen Rinnensystem belastetem Wasser aus, um herauszufinden wie viele Spurenstoffe sich innerhalb eines Monats in Flohkrebsen anreichern. Mit diesem Experiment unter semi-realistischen Bedingungen erhielt sie Vergleichsdaten zu den Feldproben und gewann ein besseres Verständnis für die Akkumulations-Prozesse.
Doch die Resultate erklären noch nicht vollständig, wie die hohe Anreicherung von Insektiziden in den Flohkrebsen zustande kommt. Das will Juliane Hollender mit einer ergänzenden Forschungsarbeit nun untersuchen. «Möglich ist, dass die Gammariden diese Stoffe nicht nur durch das Wasser, sondern auch durch die Nahrung aufnehmen», sagt Hollender, «sie verzehren beispielsweise Falllaub, das ebenfalls belastet sein könnte.» Aus diesem Grund gewinnt beim Wasser-Risikomanagement das so genannte Biomonitoring immer mehr an Bedeutung, bei dem die Anreicherung von Stoffen in Lebewesen gemessen wird. Das von Munz entwickelte Verfahren ist laut Hollender ein wichtiger Baustein, um nachzuweisen, wie sich die Wasserbelastung auf Organismen auswirkt.