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Vom Deck ihres wunderschönen Segelschiffs aus, vor einer atemberaubenden Naturkulisse, untersuchen Forscher eine opportunistische Seelilie, die sich auf dem Rücken einer Krabbe umhertransportieren lässt.
Vom Achterdeck des polnischen Polarexpeditionsseglers Oceania aus haben Ozeanographen zwischen 2015 und 2020 in den westlichen Fjorden Spitzbergens Fotofallen in 35 Metern Tiefe aufgestellt. „Oceania ist unglaublich seetüchtig und man kann von ihrem Deck aus sehr gut Forschung betreiben“, schildert Kajetan Deja, Ozeanologe am Institut für Meereskunde der Polnischen Akademie der Wissenschaften. „Die Fahrt auf diesem Schiff ist schon irgendwie romantisch und bietet einem einen guten Zugang zum Wasser und der umliegenden Natur.“ Sein Forschungsteam ging die Aufzeichnungen vor kurzem durch und machte dabei eine besondere Entdeckung. Ähnlich wie die Meeresforscher auf ihrem Segelschiff machen Seelilien an den Rücken von sich bewegenden Krabben fest, obwohl diese Filtrierer normalerweise am Boden sitzen.
Diese kuriose und einzigartige Beziehung wurde erstmals am 8. Juli in der Fachzeitschrift Polar Biology beschrieben. Den Autoren zufolge soll die entsprechende Seelilie, Heliometra glacialis, auf diese Weise in neue Gebiete vordringen, die sich durch den Rückzug von Gletscherzungen eröffnen. Eine Seelilie ist trotz ihres Namens und ihres Aussehens keine Pflanze. Vielmehr gehört sie zur Gruppe der Seelilien under Haarsterne (Crinoides), die mit Seeigeln, Seegurken und Seesternen verwandt ist.
Diese Art lebt auf der Nordhalbkugel in den kalten Gewässern der Arktis. „Sie wurde oft auf dem äußeren Schelf der Barentssee, Grönlands und des Nordatlantiks nachgewiesen“, präzisiert Kajetan Deja. Diese Seelilie bevorzugt normalerweise offenes Wasser gegenüber Buchten oder kleinen Fjorden, weil „sie starke Strömungen und Wasserbewegungen benötigt, Bedingungen, die normalerweise nur an den Rändern des Schelfs herrschen“, führt er weiter aus. Dennoch wurden die krabbenreitenden Seelilien von Unterwasserfotofallen auf dem Grund des Mijenfjorden und des Eklanfjorden in Spitzbergen in den Sedimentwolken schmelzender Gletscher entdeckt. Aber weshalb wollen sie dann dorthin?
Zu diesen neu entstandenen Flächen zieht sie ein neues Phänomen: die Unterwasser-Planktonfälle. Kleine Salzwasserorganismen wie Ruderfußkrebse (Copepoden) oder Kieselalgen (Diatomeen) verenden, wenn sie mit dem Süßwasser der Flussmündungen in Berührung kommen. „Die Süßwasserströme zwischen Land und Meer werden durch die globale Erwärmung beschleunigt“, erläutert Agnès Baltzer, Sedimentologin an der Universität von Nantes. Dadurch sinkt das Plankton in der Wassersäule ab. „Heliometra glacialis ernährt sich von frischem, schwebendem organischem Material, von großen Kieselalgen und Zooplankton, hauptsächlich von Copepoden“, erläutert Kajetan Deja.
Das Tier, normalerweise auf einem festen Untergrund fixistiert, filtert das Wasser. „Der typischste Untergrund für diese Art ist Kies gemischt mit Schlamm und Sand“, beschreibt er. Um Nahrung zu finden, kann sie sich aus eigener Kraft fortbewegen, indem sie mithilfe ihrer Cirren läuft oder von der Strömung getragen wird. Warum also sollte es sich auf dem Rücken einer Krabbe festsetzen?
In der Nähe der Gletscherzungen ist der sehr instabile Meeresboden und die Trübung des Wassers a priori nicht günstig für die Seelilie, es sei denn, sie findet eine feste Unterlage wie eine Krabbe. Daraus ergibt sich eine neue Frage: Könnte es sich um eine Symbiose handeln? Es scheint nicht so, denn die Lilie kann sich loslösen und im Gegensatz zu den Meeresforschern der Oceania, die in der Arktis unterwegs sind, kann sie ihr Gefährt jederzeit verlassen.
Camille Lin, PolarJournal
Link zur Veröffentlichung : Deja, K., Dragańska-Deja, K., Wesławski, J.M., 2023. New strategies for the new environment in Spitsbergen fjords (Arctic). Scattering of the feather star Heliometra glacialis (Echinodermata, unstalked crinoid) clinging to a crab. Polar Biol. https://doi.org/10.1007/s00300-023-03171-3
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