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Theres Urech-Grazioli und Konrad Urech in Zusammenarbeit mit Andreas Heege, 2020
Die Engadinerin Annina Vital wurde am 30. Juni 1910 als Tochter von Jon Vital (1879–1954) und Emilia Vital-Vital (1884–1976) in Chur geboren. Sie verbrachte ihre Kindheit und Jugend zusammen mit ihrer vier Jahre jüngeren Schwester Ines in St. Moritz, wo ihr Vater Lehrer war.
Sie besuchte 1926 in Bern zunächst die Kunstgewerbeschule und wechselte 1927 an die Keramische Fachschule, die damals in der Felsenburg am Klösterlistutz untergebracht war. Dort schloss sie im April 1930 mit dem Diplom als keramische Malerin ab. Keramikfachlehrer war zu ihrer Zeit der deutsche Keramiker Johann Jakob Hermanns (1879–1937), der 1913 Mitbegründer der Berner Sektion des Schweizerischen Werkbunds war. Anschliessend folgten ihre Wanderjahre. Sie arbeitete bei der „Desa“ in Steffisburg, in Rheinfelden und schliesslich in der Töpferei Meister in Dübendorf-Stettbach. In Marburg a/Lahn arbeitete sie in leitender Stellung in der Töpferwerkstatt Ketzerbach «bei Fräulein [Elizabeth] Schäfer» (Siepen 1923). Über drei Monate verbrachte sie 1931 zudem in Paris, wo sie unter anderem die Akademie des berühmten Bildhauers Aristide Maillol besuchte, der sie durchaus zur Plastikerin ausbilden wollte. Sie aber zog es vor, der Keramik und der Keramikmalerei treu zu bleiben und liess sich stattdessen in Bulle bei Peter Messerli noch zusätzlich zur Dreherin ausbilden.
1933 richtete sie an der Reichsgasse 44 in Chur eine eigene Töpferwerkstatt ein, die sie bis 1953 selbständig führte. Hier experimentierte sie mit Glasuren, Farben und Maltechniken und entwickelte mehr und mehr den ihr eigenen Stil. In einer unglaublichen Vielfalt an Formen, Farben und Techniken im Erarbeiten von Gebrauchs- und Schmuck-Keramik, aber auch von Zeichnungen, Gemälden, Buchillustrationen, Wandmalereien, Skulpturen, Fresken und Öfen sowie Mosaiken zeigte sich ihre schöpferische Gestaltungskraft. Der Ton für ihre Kunstwerke stammte von der Firma Landert in Embrach (ZH).
Aus Annina Vitals Zeit in Chur kennen wir nur wenige absolut datierte Stücke, die sich chronologisch eindeutig einordnen lassen. Das sind einerseits Keramiken, die in einem Artikel des Jahres 1940 abgebildet wurden und andererseits die sieben Stücke, die 1953 vom Rätischen Museum angekauft wurden (Inv. H1970.251–257). Vermutlich war Annina Vitals Umzug in diesem Jahr der Auslöser, dass Prof. Joos, der damalige Konservator des Rätischen Museums in Chur, sieben Keramiken erwarb.
Eine besondere Beachtung verdient das Markenzeichen von Annina Vital, das sie auf allen ihren Schöpfungen angebracht hat. Die meist schwungvoll gezeichnete Marke ist als Verbindung ihrer Initialen A und V unmittelbar zu erkennen.
Schliesslich übersiedelte Annina Vital 1953 nach 20 Jahren künstlerisch erfolgreicher Tätigkeit in Chur zusammen mit ihren Eltern in ein kleines Atelierhaus nach Dornach in der Nähe des Goetheanums. Ihr Kundenkreis erweiterte sich in Dornach durch die zahlreichen Goetheanum-Besucher weit über die Grenzen der Schweiz hinaus.
2018/2019 wurde das künstlerische Lebenswerk von Annina Vital in einer Gedenkausstellung zu ihrem 30. Todestag im KunstSchauDepot der Stiftung Trigon in Dornach gewürdigt. 2021 wird vor allem ihr keramisches Werk in einem Aufsatz präsentiert werden (Urech-Grazioli/Urech/Buess 2021, in Vorb.).
Bibliographie:
De Martinis, Marika (1982): Annina Vital, eine bemerkenswerte Bündner Künstlerin. Bündner Jahrbuch 1982, 17–25.
Schmid, Martin (1940): Eine Churer Töpferei. Bündnerisches Haushaltungs- und Familienbuch 1940, 19–23.
Siepen, Bernhard (1923):Töpferwerkstatt Ketzerbach, in: Kunst und Kunstgewerbe, Blätter für Wertarbeit, Nürnberg Nr. 3, 1923, 68–70.
Urech, Otto (1990): Annina Vital 1910–1988 (Nachruf). Bündner Jahrbuch 32, 1990, 148–149.