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Grosse Unterschiede bei der Fütterung von Hund und Katze
Kann man als Halter von Hund und Katze nicht einfach beiden dasselbe Futter geben? Die Antwort ist ebenso einfach wie klar: auf keinen Fall! Vor allem die Gesundheit der Katze würde man dadurch aufs Spiel setzen. Wir erklären, warum das so ist.
Ein Blick zurück auf den Ursprung von Hund und Katze
Warum und wie sich Hund und Katze in der Ernährung unterscheiden, zeigt ein Blick auf deren jeweilige Herkunft. Der Hund stammt vom Wolf ab, der ein Fleischfresser ist, aber je nach Nahrungsangebot auch Früchte, Gräser, Wurzeln und Blätter, wenn‘s sein muss sogar die Exkremente anderer Tiere verzehrt. Er kann sich also bis zu einem gewissen Grad an unterschiedliche Futterarten anpassen, was auch der Hund sehr gut kann.
Die Katze hingegen ist eine reine Fleischfresserin, die von der nubischen Falbkatze abstammt. Sie ist auf die alleinige Aufnahme von Nahrungsmitteln tierischer Herkunft fixiert und angepasst. Im Zusammenleben mit dem Menschen wurde der Hund mehr und mehr zum Allesfresser, da er oft mit kohlehydratreichen Resten menschlicher Nahrung gefüttert wurde, die Energie bereitstellten. So wurden z.B. Meutehunde vor der Jagd für die Verfolgung der Beute mit Brot «fit» gefüttert.
Tiere haben andere Bedürfnisse als wir Menschen
Was bedeutet das also für die Ernährung und die Verdauung bei den beiden Tierarten? Die artgerechte Ernährung von Hund und Katze sollte weder auf Gefühl noch auf menschlichen Vorstellungen basieren. Keinesfalls sollten Ernährungstrends des Menschen auf die Haustiere übertragen werden. Vegetarische und vegane Ernährung sind für Hund und Katze keine geeignete artgerechte Fütterung. Immer häufiger werden unsere Hunde und Katzen fehlernährt, weil diese zunehmend vermenschlicht werden. Vor allem Überernährung führt je länger je mehr dazu, dass die Tiere ein kürzeres und von Krankheiten begleitetes Leben haben.
Der anpassungsfähige Hund
Der Magen-Darm-Kanal des Hundes besteht aus Magen, Dünndarm, Dickdarm mit nicht funktionellem Blinddarm, Kolon und Rektum. Bis aufgenommenes Futter diesen ganzen Bereich passiert hat, dauert es durchschnittlich etwa 24 bis 36 Stunden. Der längste Abschnitt bildet der Dünndarm, wobei sein Volumen jedoch deutlich kleiner ist als das des Magens. Der Dickdarm erreicht in etwa ein Siebtel des Gesamtvolumens des Verdauungstraktes. Anders als der Mensch besitzt der Hund im Speichelsekret keine Amylase (= Enzym, das Stärke spaltet). Diese wird erst weiter hinten im Magen-Darm-Kanal von der Bauchspeicheldrüse in den Darm abgegeben. Die Konzentration des stärkeabbauenden Enzyms Amylase ist beim Hund wesentlich höher als bei der Katze.
Katzen brauchen tierisches Eiweiss
Bei der Katze liegt die Konzentration der Amylase bei etwa einem Hundertstel derjenigen des Hundes, was verdeutlicht, wie viel schlechter die Katze mit Stärke in der Nahrung umgehen kann im Vergleich zum Hund. Kleine Nager, die ursprüngliche Beute der Katzen, weisen nur einen geringen Anteil an Kohlehydraten auf, weshalb eine Anpassung der Katze an die Verdauung von Kohlehydraten auch nicht notwendig war.
Die Katze hat durch ihre Abstammung aber noch weitere wichtige spezielle physiologische Eigenschaften. Ihre Hauptenergie gewinnt sie aus dem Abbau von Aminosäuren (= Bausteine des Eiweisses). Sie braucht also viel tierisches Eiweiss, um ihren Energiestoffwechsel aufrechterhalten zu können. Ebenfalls zwingend benötigen Katzen die beiden Aminosäuren Arginin und Taurin, welche ausschliesslich in tierischen Geweben, etwa in der Maus als ursprünglichem Hauptbeutetier, zu finden sind. Sind diese im Futter für die Katze nicht enthalten, müssen sie synthetisch hergestellt und dem Futter beigemischt werden, damit keine Fehlernährung auftritt.
Zusätzlich muss der Katze auch Arachidonsäure mit dem Futter angeboten werden. Diese Fettsäure findet man ebenfalls nur in tierischen Produkten. Für die Katze sind zudem Vitamin A und Niacin essentiell, d. h. diese müssen in bedarfsgerechten Mengen im Futter enthalten sein. Auch Vitamin A kommt nur in tierischen Geweben vor. Im Gegensatz zum Hund kann die Katze aus der Vorstufe Beta-Carotin, das z.B. in Rüeblis zu finden ist, kein Vitamin A selbst bilden.
Würde man der Katze übrigens wie anno dazumal Mäuse füttern, so müsste eine durchschnittliche ausgewachsene Katze sieben Mäuse innerhalb von 24 Stunden bekommen.
Mit Abwechslung mäkeligem Verhalten vorbeugen
Bei der Aufzucht von jungen Tieren sollte vor allem bei Katzen darauf geachtet werden, dass sie möglichst viele verschiedene Futter angeboten bekommen. Ideal ist es, wenn z.B. zwischen Trocken- und Nassfutter gewechselt wird. Es kann aber auch mal eine aus verschiedenen Einzelfuttermitteln zusammengestellte selbstgemachte Ration sein. Das Ziel ist, dass sich die Tiere immer wieder umstellen müssen. Katzen, die eine stark eingeschränkte Futterauswahl erhalten, können in der Folge eine Fixierung auf dieses Futter entwickeln. Ein anderes Futter akzeptieren sie dann kaum noch, was es bei verschiedenen Krankheiten äusserst schwierig macht, das Tier entsprechend zu füttern.
Wichtig bei Katzen: zum Trinken animieren!
Nicht nur beim Fressen, auch beim Trinkverhalten bestehen zwischen Hund und Katze grosse Unterschiede. Einer davon ist, dass die Katze nicht selbstständig ihre Wasseraufnahme reguliert. In anderen Worten: Sie ist ziemlich trinkfaul. Auch dafür liegt der Grund in ihrer Abstammung: Ihre ursprüngliche Hauptnahrung, kleine Nager, bestehen zu 80% aus Wasser. Somit nahm die Katze über das Verzehren der Beute genügend Wasser auf. Sie kann zudem den Harn sehr stark konzentrieren, das heisst, es werden grosse Mengen an Ausscheidungsprodukten in wenig Wasser ausgeschieden.
Füttert man die Katze nun mit Trockenfutter, sollte man diese zum Trinken animieren. Das kann man tun, indem man mehrere Wasserschalen aufstellt, jedoch nicht in der Nähe des Futters. Auch ein Wasserbrunnen eignet sich gut, da viele Katzen gerne fliessendes Wasser trinken.
Gut zu wissen
Die Ernährung von Hunden und Katzen sollte kein Liebesbeweis sein. Nicht alles, was der Mensch mag, ist auch für das Tier verträglich, z.B. Schokolade, Zwiebeln oder Knoblauch. Statt es mit Kalorien überzuversorgen, sollten Sie dem Tier lieber Zeit widmen und sich mit ihm beschäftigen, denn: Der Ernährungszustand beeinflusst massgeblich das Alter.
Fettleibige Hunde und Katzen leben weniger lang als schlanke. Dicke Tiere werden eher krank oder entwickeln Stoffwechselentgleisungen wie z.B. Diabetes mellitus Typ 2 (= Zuckerkrankheit).