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Stürzende Linien entstehen, wenn Sie Ihre Kamera nach oben kippen. Punkte, die weiter entfernt liegen rücken näher zusammen.
Stürzende Linien richtig einsetzen
- Beim Kippen der Kamera nach oben (oder unten) wird das Gebäude verzerrt. Die Linien, die in Wirklichkeit parallel laufen, scheinen sich weit oben (oder unten) zu treffen. Diesen Effekt nennt man stürzende Linien.
- Entweder Sie setzen stark stürzende Linien als Gestaltungselement ein (ideal 45 Grad Kameraneigung) oder Sie vermeiden diese ganz. Nur leicht stürzende Linien werden von unserem Auge als störend empfunden, extrem stürzende entfremden das Motiv und sprechen unser Auge an.
- Tolle Effekte bringen stürzende Linien, wenn Sie sich an einer Gebäudeecke befinden und die Kamera nach oben richten. Gehen Sie dann möglichst nahe an das Gebäude. Das ergibt ungewollte Perspektiven.
- Wenn Sie stürzenden Linien zuhause am PC korrigieren möchten, wählen Sie beim Fotografieren einen etwas grösseren Bildausschnitt. So haben Sie nach dem Entzerren mit dem Bildbearbeitungsprogramm noch genügend Reserve zum Zuschneiden. Unter Umständen kann ein 2×2-Panoramafoto eine gute Lösung sein.
- Achten Sie darauf, dass Sie die Kamera waagrecht zum Objekt halten. Eine leichte Drehung der Kamera verzerrt das Ganze noch mehr.
- Stürzende Linien können Sie vermeiden, wenn Sie den Bildsensor Ihrer Kamera parallel zum Motiv ausrichten. Dazu wird es nötig sein, dass Sie einen erhöhten Standpunkt (in der 2. Etage eines benachbarten Hauses) einnehmen müssen. Oder mit einem speziellen Tilt-Shift-Objektiv arbeiten.
Architekturbilder komponieren und Bildaufbau
- Planen Sie genügend Zeit, um sich mit dem Motiv auseinanderzusetzen. Gehen Sie langsam um das Objekt herum. Gibt es einen speziellen Blickwinkel, einen besseren Standort?
- Welche Gebäudeseite wirkt mit dem aktuellen Licht, dem Hintergrund am besten?
- Prüfen Sie unterschiedliche Perspektiven. Stellen Sie die Kamera auf den Boden und beziehen Sie den Vorplatz mit ein. Positionieren Sie das Gebäude in der oberen Hälfte oder im oberen Drittel des Bildes. Das unterstreicht die Mächtigkeit eines Gebäudes.
- Wählen Sie das passende Bildformat: Mit dem Hochformat unterstreichen Sie die Mächtigkeit eines Gebäudes, eines Turmes. Hochformat ist eher für dramatische Bilder, für den Ausdruck von Stärke und Macht. Das Querformat eignet sich, wenn Sie Ruhe, Geborgenheit und Sicherheit ausdrücken wollen.
- Blauer Himmel und kleine Wolken geben einen willkommenen Kontrast zu geometrischen Formen der Architektur-Objekte. Wenn Sie mit dem Polarisationsfilter arbeiten, wird der Himmel kräftig blau, die weissen Wolken heben sich perfekt von diesem ab und die Reflexionen an den Fenstern werden minimiert. Bei extremen Weitwinkelobjektiven (weniger als 24mm KB) führt der Polarisationsfilter je nach Winkel zur Sonne zu fleckigem Himmel.
- Wenn kleine Schäfchenwolken über den Himmel ziehen, können Sie mit einem ND-Graufilter eine Langzeitbelichtung arrangieren. Durch die längere Verschlusszeit (der Filter schluckt 10 Belichtungsstufen Licht) werden die weissen Wolken am Himmel verwischt. Ein nicht alltäglicher Effekt, der für Überraschung sorgt! Statt mit 1/125s fotografieren Sie mit 2s Verschlusszeit bei gleicher Blende.
- Achten Sie auf die Linienführung: Mit Diagonalen bringen Sie Tiefe in ein Bild.
- Lassen Sie Linien aus den Bildecken laufen – oder besser noch leicht neben der Ecke – , wenn Sie Dynamik wünschen.
- Kontrollieren Sie, ob Linien parallel zum Bildrand verlaufen. Das zuschaltbare Gitternetz im Sucher (Bei Nikon: Menü – Individualfunktionen – Gitterlinien) oder in der Live-View hilft Ihnen dabei.
- Wenn Sie Ihr Bild mit Vordergrund, einer mittleren Ebene und Hintergrund komponieren, bringen Sie Tiefe ins Bild.
- Welche Bildelemente sollen mit ins Bild? Oder auf keinen Fall sichtbar sein?
- Arbeiten Sie abstrakte Details aus einer Fassade heraus: Die Fensterfront, Nottreppen mit dem Schattenspiel, die Struktur des Fassadenmaterials usw.
- Drehen Sie die Kamera und weichen Sie auch einmal vom normalen waagrechten Bildausschnitt ab.
Motivideen für Architekturfotografie
- Statische Objekte mit Lichtspuren als Kontrast: Vorbeifahrende Fahrzeuge bei einer Langzeitbelichtung.
- Vorbeieilende Menschen mit etwas längerer Verschlusszeit verwischen lassen.
- Mit einem starken ND-Graufilter und langer Belichtungszeit – zum Beispiel: 30s oder mehr – können Sie die sich bewegenden Menschen auch am Tag aus dem Bild zaubern.
- Verwenden Sie Polarisationsfilter zum Reduzieren von Reflexionen auf Glas oder Wasser und für sattere Farben.
- Spiegelungen in Fenstern und Fassaden oder auf Wasserflächen einsetzen. Wasserflächen sind in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden meist ruhiger. Wenn Sie möglichst starke Reflexionen einsetzen wollen, verzichten Sie auf den Polarisationsfilter.
- Versuchen Sie, zwei Seiten des Gebäudes einzufangen. Das gibt Tiefe ins Bild.
- Beim Rundgang durch die Stadt mögliche Objektive und passende Uhrzeit (Lichteinwirkung) notieren und später besuchen.
- Schattenspiele als Gestaltungselement einsetzen.
- Auch einmal ganz nahe herangehen. Details suchen.
- Nahe an die Fassade und Kamera extrem nach oben kippen. Wenn Sie an einer Hausecke stehen und die Kamera stark nach oben kippen, werden die stürzenden Linien zum perfekten Gestaltungselement.
- Machen Sie mit unterschiedlichen Perspektiven, Brennweiten, Standorten verschiedene Aufnahmen. Kombinieren Sie Ihre besten Bilder zu einem Bildtableau.
- Die Vorplätze von Gebäude in die Gestaltung miteinbeziehen. Plätze weisen oft Linien auf, die zum Gebäude laufen und die Augen führen – zum Beispiel Steinplatten.
- Gebäude im oberen Drittel unterstreicht die Mächtigkeit.
- Menschen als Kontrast zum Gebäude ablichten.
- Die Reduktion auf Schwarz-Weiss-Bilder lassen Linien und Muster von Bauten besser wirken.
- Sammeln Sie Motive aus einer Motivgruppe: Treppen, Fenster & Türen, Kirchen, Brücken, Leuchttürme usw.
» Architekturfotografie Teil 1: Kameraausrüstung, Kameraeinstellungen und Lichtverhältnisse
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