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Alban, Helene und die Erinnerung
Wie hat die Komponistenwitwe Helene Berg auf die Erinnerung an Alban Berg eingewirkt? Eine Sammelband sucht Antworten.
Seit Constantin Floros die kryptischen Hinweise in der Lyrischen Suite von Alban Berg entschlüsselt hat, welche dessen Liebes-Beziehung zu Franz Werfels Schwester Hanna Fuchs-Robettin dokumentieren, fehlt es nicht an Aufmerksamkeit gegenüber seiner Witwe Helene Berg. Sie hat ihn ja 41 Jahre überlebt, hat sich selbst laut Eintrag im «Meldezettel für Haupt-(Jahres- und Monats-)wohnparteien» unter der Rubrik «Beruf» als «Komponistenwitwe» bezeichnet und sich verpflichtet gefühlt, nicht nur den kompositorischen Nachlass zu betreuen, sondern auch etwas von Albans Lebensgestaltung festzuhalten: «Sie müssen doch sehen, wie Alban lebt …» Dies ist auch die Überschrift über dem grossen Beitrag von Daniel Ender im Kapitel «Erinnerungsräume». Da der ersten Briefausgabe letzten Endes viel Misstrauen entgegengebracht worden war, konzentrierte sich ihre Arbeit begreiflicherweise auf die «Image»-Bildung.
Ihre Bemühungen um die Schaffung einer aktiven Stiftung waren erfolgreich und werden auch gewürdigt. Ihre Art und Weise hingegen, den «auto/biografischen» Anteil möglichst gering erscheinen zu lassen, hat erneut zu kritischen Anmerkungen geführt, dabei aber auch nach Helene Bergs Tod im Jahre 1976 unterschiedliche Beurteilungen zu Tage befördert. Die Konfrontation von wissenschaftlicher Archivarbeit mit den aus dem 19. Jahrhundert übernommenen «geschlechtsattributiven Aufgaben» der Witwen als «Erzieherinnen der Seelen» wird in verschiedenen Beiträgen thematisiert. Der Ruf nach einer Neubeurteilung von Helene Bergs Verhalten wird nicht nur von Anna Ricke erhoben, sondern lässt sich auch aus dem oben erwähnten Beitrag von Daniel Ender mit dem Untertitel «Bergs Wohnräume und die Inszenierung des Authentischen» ableiten. Auch Martin Eybl hat in seinem Aufsatz zur Alban-Berg-Gesamtausgabe die Frage gestellt, warum Helene Berg eine solche trotz dem «breiten Spektrum ihrer Aktivitäten» nicht einmal in Erwägung gezogen hat.
Die Fülle von interessanten Illustrationen und schriftlichen Dokumenten darf nicht unerwähnt bleiben.
Erinnerung stiften – Helene Berg und das Erbe Alban Bergs, hg. von Daniel Ender, Martin Eybl und Melanie Unseld, 210 S., € 29.95, Universal Edition und Alban-Berg-Stiftung, Wien 2018, ISBN 978-3-7024-7574-1
Foto von Helene Berg oben: Georg Fayer, Österreichische Nationalbibliothek /wikimedia commons