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Obstbäume blühen in diesem Jahr sehr früh
Die Birn- und Apfelbäume stehen in Blüte, während die Kirschbäume an manchen Orten bereits am Verblühen sind. In diesem Jahr konnte die Blütenpracht in der Schweiz sehr früh beobachtet werden. An einigen phänologischen Stationen wurde die Blüte sogar noch nie so früh beobachtet wie in diesem Jahr.
Die weisse Pracht blühender Obstbäume erfreut machen Wanderer und Spaziergänger. Der optimale Zeitpunkt für eine solche Blustwanderung ist jedoch von Jahr zu Jahr verschieden, da die Entwicklung der Bäume von der Temperatur und dem Wetter in den Wochen vor der Blütezeit abhängt. Der zweitwärmste März seit Messbeginn mit viel Sonnenschein, ein milder Februar und hohe Temperaturen in der ersten Aprilhälfte führten in diesem Jahr zu einer sehr frühen Obstbaumblüte.
In den tieferen Lagen der Schweiz unterhalb von 600 m blühten Kirschbäume im Mittel der Periode 1981-2010 am 17. April, die Birnbäume am 23. April und die Apfelbäume am 29. April. Wie die bisher vorliegenden Daten aus dem phänologischen Beobachtungsnetz von MeteoSchweiz zeigen, blühten die Obstbäume im aktuellen Jahr 16 bis 18 Tage vor diesen mittleren Daten. Die Kirschbäume begannen auf der Alpennordseite Ende März zu blühen, die Birnbäume ab Anfang April und die ersten Apfelbäume ab dem 5. April. Die meisten der Beobachtungen können als „sehr früh“ klassiert werden.
So früh wie noch kaum je während der ganzen Beobachtungsreihe
Bisher liegen bei der Blüte der Kirschbäume die Beobachtungen von 34 Stationen mit mindestens 30 Beobachtungsjahren vor. An 7 dieser Stationen fand die Blüte im Jahr 2017 so früh wie noch nie während der ganzen Beobachtungsreihe statt. Weitere 9 Stationen meldeten die zweit- oder drittfrüheste Blüte. Noch mehr Rekorde gab es nur im Frühling 1990, während dem 15 dieser 34 Stationen die früheste Blüte der Kirschbäume aufwiesen. Bei den Birnbäumen meldeten 3 Stationen (von bisher 27 vorliegenden) in diesem Frühling einen neuen Rekord, während 12 den zweit- oder drittfrühesten Beginn beobachteten. Bei den Apfelbäumen liegen erst Resultate von 14 Messstationen mit mindestens 30 jährigen Datenreihen vor. Davon meldeten 4 einen neuen Rekord. Auch bei den Birn- und Apfelbäumen sticht das Jahr 1990 mit den meisten Rekorden hervor.
Auf der Alpensüdseite blühten die Kirschbäume zu einem durchschnittlichen Zeitpunkt, während die Birn- und Apfelbäume bis zu 10 Tage früher blühten als im Mittel.
Abbildungen 2: Mittleres Datum der Blüte von Kirsch- und Birnbäumen gemittelt über 34 beziehungsweise 27 Beobachtungsstationen mit mindestens 30-jährigen Beobachtungsreihen. Die Blüte im aktuellen Jahr (rot) gehört zu den frühesten, die je beobachtet wurden.
Obstbaumblüten sind stark frostgefährdet
Mit den frostigen Nachttemperaturen dieser Woche ist die Gefahr gross, dass die Blüten der Obstbäume erfrieren und es zu Ernteverlusten kommen kann. Die Frosthärte der Pflanzen hängt von ihrem Entwicklungsstadium ab. Im Winter ertragen unsere Bäume sehr tiefe Temperaturen problemlos, aber je weiter sie sich entwickeln, umso mehr nimmt ihre Frosthärte ab. Am geringsten ist sie während dem Aufbrechen der Knospen, der Blüte und der Blattentfaltung. Es genügen Temperaturen, die wenige Grad unter Null liegen, um die Blüten zu schädigen oder sie sogar absterben zu lassen.
Viele Obstbauern in der Nordwestschweiz haben in der letzten Nacht ihre Kulturen mit Frostkerzen geschützt: Die tiefsten Temperaturen lagen im Mittelland bei -2 bis -4 °C. Um bei -4 °C die Temperatur auf der Fläche eines Fussballfeldes über der Gefriergrenze zu halten, braucht es 300 bis 350 Paraffin-Kessel (Artikel Aargauer Zeitung: Chriesibauern legen Nachtschicht ein und heizen dem Frost ein).
Laut Daniel Schnegg vom Fachbereich Spezialkulturen im Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg spielt für Schäden auch die Dauer der tiefen Temperaturen eine Rolle. Schlimm sei es für die Obstkulturen, dass für die nächste Nacht noch tiefere Minimumtemperaturen angesagt sind.
Auch weiteren Frühlingspflanzen früher als normal
Nicht nur die Obstbäume, sondern auch andere Frühlingspflanzen entwickelten sich in diesem Jahr sehr früh. Der Frühlingsindex ist eine berechnete Grösse, die aus den phänologischen Phasen Blüte oder Blattentfaltung von 10 repräsentativen Frühlingspflanzen über die ganze Schweiz berechnet wird. Er zeigt die Entwicklung des Frühlings der verschiedenen Jahre im Vergleich zum langfristigen Mittel. Eine erste, provisorische Berechnung des Frühlingsindex mit den vorliegenden Phänostationen zeigt, dass der Frühling 2017 zu den frühesten gehört, wenn neben den Obstbäumen alle bisher 9 vorliegenden Frühlingsphasen betrachtet werden. Es ist jedoch zu beachten, dass bisher nur die Daten der phänologischen Beobachtungsstationen, welche online über die Beobachtungsplattform „PhaenoNet“ (www.phaenonet.ch) eingegeben werden, für die Berechnung des Frühlingsindex verwendet werden konnten. Die definitive Bewertung des Frühlings 2017 wird Ende Mai vorliegen, wenn auch die Daten der Blattentfaltung der Buche vorliegen und die Daten der Stationen mit konventionellen Beobachterformularen in die Berechnung des Frühlingsindex eingeschlossen werden können.
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