Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03413.jsonl.gz/501

August 2023
Lac Léman – DS Cygne; später Bielersee – DS Stadt Biel
Die «Cygne» und ihr Schwesterschiff Mouette nehmen 1875 ihren Dienst auf. Beide sind 36.90 Meter lang, 9.40 Meter breit und können 250 Passagiere mitnehmen. Mit ihren oszillierenden 2-Zylinder-Nassdampf-Verbundmaschinen erreichen sie nur eine Geschwindigkeit von 20 km/h, was jedoch für den Lokalverkehr genügt.
Foto: Das Dampfschiff Cygne wird von der Firma Escher Wyss erbaut. Hier befindet sich das, sich Ursprungszustand befindliche Schiff, in einem Stilllager an einer Mole.
Am 23. November 1883 kollidiert die «Cygne» in einer Sturmnacht bei schlechter Sicht mit dem Raddampfer Rhône (I) (Baujahr 1856). Letzterer ist von Evian nach Ouchy unterwegs, während die «Cygne» wegen den hohen Wellen von Ouchy anstatt nach Evian direkt nach Thonon fahren will. Der Zusammenstoss fordert elf Todesopfer und die «Rhône» versinkt innert wenigen Minuten. DS Cygne erreicht Ouchy, mit stark beschädigtem Bug, mit eigener Kraft.
Foto: Bei diesem Bild handelt es sich nicht um die «Cygne», sondern um das DS Chillon. Herzlichen an Dank an den aufmerksamen Leser, der uns auf diesen Fehler aufmerksam gemacht hat.
Drei Jahre später kollidiert die «Cygne» mit dem Dampfer Léman (III), jedoch entstehen keine grösseren Schäden. Im Frühling 1986 bestellt die CGN für das DS Cygne bei Escher Wyss für CHF 10‘200 einen neuen Kessel, welcher im Folgejahr eingebaut wird. Immer wieder sind Reparaturen an der Dampfmaschine und am Kessel nötig. 1895 muss ein Zylinder ersetzt werden. 1909 wird das Schwesterschiff Mouette ausser Dienst gestellt und zwei Jahre später kommt das Aus für «Cygne». Der Aufwand für die Reparaturen ist zu gross und gleichzeitig kann das kleine Schiff den starken Andrang im Lokalverkehr nicht mehr bewältigen.
Foto: Unter dem festen Dach achtern besass der Dampfer Cygne Vorhänge zum Schutz der Passagiere.
Das DS Cygne kann schliesslich auf den Bielersee verkauft werden. Im Januar 1910 wird das Schiff nach La Neuveville überführt, um es den besonderen Verhältnissen der neuen Umgebung anzupassen. Mit einer Teleskopeinrichtung am Kamin soll das Schiff kanaltüchtig werden. Die «Stadt Biel» verkehrt fahrplanmässig seit dem 14. Mai 1911. Die Tragkraft kann auf 300 Personen erhöht werden.
Foto: Das «neue» Dampfschiff Stadt Biel befindet sich hier in Erlach (Ansichtskarte mit Poststempel vom 28. Juli 1911).
Die «Stadt Biel» ist ein Sorgenkind. Die Reparaturen häufen sich. Im Jahr 1924 ist der Zustand alarmierend. Der Kessel wird durch einen Occasionskauf vom Vierwaldstättersee ersetzt (Steuerbordkessel der «Stadt Basel»). Das Schiff bleibt drei Jahre ausser Dienst und verkehrt dann noch von 1927-1932. Als Ersatz werden die beiden Dieselmotorschiffe Seeland und Jura angeschafft.
Foto: Ebenfalls in Erlach befindet sich die «Stadt Biel», zusammen mit dem MS Jolimont, auf dieser Ansichtskarte (Poststempel 28. April 1921). Der Karren mit der Kohle ist zum Umlad auf das Schiff bereit.
Während den 21 Bielersee-Dienstjahren 1912-1932 (die Zahlen von 1911 fehlen) hat die «Stadt Biel» 126‘935 Kilometer zurückgelegt, das entspricht einem Jahresmittel von genau 6‘000 Kilometern. Erstaunlicherweise wird das beste Resultat von 15‘491 km im letzten Betriebsjahr erreicht!
Foto: Mit voller Kraft voraus! Die «Stadt Biel» befindet sich hier kurz vor der Ausserdienststellung.