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Byzanz, Konstantinopel, Istanbul – drei verschiedene Namen für eine Stadt, die einst Metropole eines Weltreiches war, und deren Entwicklung von der griechischen und römischen Kultur, dem Christentum sowie dem Islam massgeblich geprägt wurde. Nach einer Legende verdankt die Stadt ihre Entstehung einer Weissagung des Orakels von Delphi, nach welcher dem Griechen Byzas aus Megara im 7. Jahrhundert v. Chr. der Rat erteilt worden sein soll, gegenüber „der Stadt der Blinden“, Chalkedon, auf der asiatischen Seite des Bosporus, eine Siedlung zu gründen. Diese Siedlung, die nach dem Namen ihres Gründers Byzantium genannt wurde, gewann aufgrund ihrer günstigen Lage am Bosporus als Handelsstation rasch an Bedeutung. In den folgenden Jahrhunderten musste sich Byzantium immer wieder gegen umliegende Staaten zur Wehr setzen, sei es nun Persien, Athen oder Sparta gewesen. Der Perser Darius konnte zwar Byzantium erobern, aber in der Schlacht von Platäa 479 v. Chr. vertrieb der Spartaner Pausanias die Perser wieder. Pausanias konnte sich kurze Zeit in Byzantium als Herrscher etablieren, wurde dann aber seinerseits von der Bevölkerung vertrieben. 476 v. Chr. erhielt Byzantium eine demokratische Regierungsform. In der Folgezeit war die Stadt praktisch in alle machtpolitischen Auseinandersetzungen der angrenzenden Staaten verwickelt, wechselte nach Bedarf die politischen Seiten und schloss immer wieder neue Bündnisse. Schliesslich wurde Byzantium 73 n. Chr. unter Kaiser Vespasian dem Römischen Reich einverleibt. Nachdem Kaiser Diokletian die Teilung des riesigen Römischen Reiches in ein West- und Oströmisches Reich verfügt hatte, waren die beiden Reichsteile von je einem Kaiser regiert worden. Rivalitäten unter den Kaisern führten zu kriegerischen Auseinandersetzungen, und in der Schlacht von Chrysopolis im Jahre 324 besiegte Konstantin seinen Rivalen Licinius und war fortan Alleinherrscher über das gesamte Reich. Wegen der stetig gewachsenen Bedeutung von Byzanz verlegte er seinen Regierungssitz dorthin und machte Byzanz zur neuen Hauptstadt des Römischen Reiches, die er zu „Roma Nova“ ausbauen wollte. Bereits im Jahre 313 hatten die beiden Kaiser im so genannten Toleranzedikt von Mailand, 313, den christlichen Glauben den übrigen Religionen des Reiches gleichgestellt und auch den Christen freie Religionsausübung gestattet. Kurz vor seinem Tode liess sich Konstantin taufen, und ihm zu Ehren wurde Byzanz in Konstantinopel umbenannt. 391 erklärte Kaiser Theodosius I. das Christentum zur Staatsreligion.
Nach seinem Tode wurde das byzantinische Reich in zwei Herrschaftsbereiche aufgeteilt. Während das Weströmische Reich den Stürmen der Völkerwanderung nicht gewachsen war und 476 mit dem Sieg des germanischen Heerführers Odoaker über den letzten römischen Kaiser Romulus Augustulus sein Ende fand, stieg das Oströmische Reich zur Weltmacht auf. Kaiser Justinian gelang es, Teile Nordafrikas und Spaniens sowie Italien zu erobern, und das Reich erreichte eine Ausdehnung, die etwa jener des ehemaligen Römischen Reiches ähnlich war. Zugleich förderte er Künste und Wissenschaft, und Konstantinopel erlebte eine grosse Blütezeit. Ausserdem wurden grosse Bauprojekte entwickelt, das berühmteste ist der Bau der Hagia Sofia.
Ab dem 7. Jahrhundert sah sich das Reich aber auch mit zahlreichen innen- sowie aussenpolitischen Konflikten konfrontiert: Angriffe der Goten, Slawen und Perser, der so genannte Bilderstreit und Auseinandersetzungen um die Thronfolge erschütterten das Reich. Mit der Islamisierung der arabischen Welt stand an den Grenzen des Landes ein neuer Feind: 674-678 belagerten erstmals islamische Araber Konstantinopel. Ca. 800 Jahre lang konnte sich die Stadt erfolgreich gegen Angreifer unterschiedlicher Provenienz zur Wehr setzen. Aber dem stetigen Vordringen der Osmanen, denen es seit 1326 gelungen war, immer wieder byzantinisches Terrain zu erobern, war das Reich nicht mehr gewachsen. 1453 konnte der osmanischen Sultan Mehmet II. Konstantinopel einnehmen. Mit der Eroberung Konstantinopels hatte auch das Oströmische Reich sein Ende gefunden. Mehmet II. etablierte die osmanische Herrschaft, machte Konstantinopel unter dem Namen Stanbul zu seiner Hauptstadt, der Islam wurde nun „Staatsreligion“ und fast alle Kirchen wurden in Moscheen umgewandelt.
Die wechselvolle Geschichte des Osmanischen Reiches prägte das Schicksal und die Entwicklung Konstantinopels. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, in welchem der osmanische Sultan Mehmed V. an der Seite Deutschlands und Österreich-Ungarns gegen die Entente gekämpft hatte, wurde sein Nachfolger, Mehmed VI., entmachtet und Konstantinopel wurde von den Alliierten besetzt. Unter Mustafa Kemal, später Ata Türk genannt, beginnen die Türken ihren Befreiungskampf gegen die Besatzungsmächte, der 1923 erfolgreich beendet werden konnte. Sultanat und Kalifat wurden abgeschafft, und Mustafa Kemal reformierte den türkischen Staat sowie die türkische Gesellschaft grundlegend. Konstantinopel wurde 1930 offiziell in Istanbul umbenannt und musste zugleich seinen Status als Hauptstadt der Türkei an Ankara abgeben.