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«Mein Mann und ich waren 43 Jahre lang nie allein»
Frieda Ziegler aus Brunnenthal, Messen SO, hat als Bauerntochter nicht nur den Zweiten Weltkrieg erlebt, sondern auch die Entwicklungen in der Landwirtschaft der letzten 80 Jahre.
«Ich ging etwa das vierte Jahr in die Schule, als ich die Handorgel eines Angestellten hin und wieder spielen durfte. Später hat mein Vater mir eine eigene gekauft. Für 15 Franken. Die war riesig. Das war noch im Emmental. Dort habe ich die ersten 13 Jahre meines Lebens verbracht. Geboren wurde ich in den Wynigen Bergen. In Kappelen bei Wynigen besuchte ich die Schule. Mein Vater und sein Bruder hatten zusammen ein Heimet. Als mein Onkel dann auch eine Familie hatte, zogen wir nach Wengi. Es hiess, der jüngere Bruder könne bleiben, weil er die jüngeren Kinder habe. Es sei besser, wenn jener mit den älteren Kindern wegziehe. Das war 1939, als im Herbst der Krieg begann.
Wir hatten in Wengi einen Bauernhof. Mein Vater aber litt unter starkem Heimweh. Es war für alle eine schwere Zeit. Dann kam der Krieg. Mein Vater musste als Zivildienstleistender einrücken und mein Grossvater kam zu uns auf den Hof. Zum Melken hatten sich drei Höfe zusammengeschlossen. Damals molk man noch von Hand. Auch die Pferde mussten in den Dienst. So haben wir mit ‹Guschti›, mit Rindern, die noch nicht gekalbert hatten, gemäht. Ich erinnere mich gut, wie ich als 13-Jährige die ‹Guschti› anhalftern musste. Das Gleiche habe ich ja schon vorher mit den Pferden gemacht. Auch im Emmental habe ich viel mit Pferden gearbeitet. Mit den ‹Guschti› aber war es schon ein Problem. Später durften wir die Militärpferde benutzen, die man uns in den Stall gegeben hatte. Für die Ernte durften wir Polen anstellen. Denn in der Nähe gab es ein Interniertenlager. Die haben uns dann geholfen, Kartoffeln auszugraben.
Nachts hörte man die Bomber
Als ich aus der Schule kam, ging ich ein Jahr nach Montreux. Ich hatte aber stark Heimweh. Um uns herum tobte der Krieg. Manchmal mussten wir alles verdunkeln. Und nachts hörte man die Bomber. Die Amerikaner, die nach Italien flogen. Ich erinnere mich auch, als zwei Bomber notlandeten, einer in Utzenstorf, einer in Jegenstorf. Die wussten, sie sind in der Schweiz und beantragten dann Asyl. Als ich zurückkam, ging mein Bruder ins Welschland. Weil der Melker im Dienst war, musste ich meinem Vater melken helfen. Wir hatten noch einen weiteren Angestellten. Der musste dann frühzeitig in die Rekrutenschule. So habe ich den Krieg erlebt. Als es dann hiess, sie hätten Frieden geschlossen, die Deutschen hätten sich ergeben, war das eine grosse Erlösung für alle.
Im Winter ging ich manchmal abwarten. Wenn eine Frau ein Kind geboren hatte oder wenn jemand krank war, ging ich 14 Tage aushelfen. Im Sommer musste ich zu Hause helfen. Gelernt hat man damals nichts. Ich hätte eigentlich noch in die Bezirksschule gehen wollen nach Schnottwil. Aber das gab es gar nicht. Die Mutter sagte, sie könne mich nicht nur in die Schule schicken, ich müsse zu Hause helfen. Dann wollte ich Köchin werden, das gab es aber auch nicht. Die Bäuerinnenschule, die durfte ich absolvieren. Das war ein halbes Jahr im Winter. Dort habe ich meinen Mann kennengelernt. 1952 haben wir geheiratet.
Meine Eltern haben ausschliesslich von der Landwirtschaft gelebt. Hier führten sie noch die Post, die Schwiegermutter hat dabei mitgeholfen. Später habe ich auch ausgeholfen. Ich habe oft die Post ausgetragen. Den Postsack vorbereiten, das Geld einpacken, das hat mir eine Frau von der Post gezeigt. Gejätet haben wir damals ebenfalls von Hand. Zuckerrüben ausgedünnt, heute würde man das biologisch nennen.
Landrover beendete die Feldarbeit mit dem Pferd
1960 haben wir einen Landrover gekauft. Traktor hatten wir noch keinen. So habe ich im gleichen Jahr noch die Autoprüfung gemacht, damit ich den Rover fahren durfte. Ich war die erste Frau in Brunnenthal, die Auto gefahren ist. Bis dahin hatten wir alles mit den Pferden gemacht. Die Kartoffeln beispielsweise brachten wir dann mit dem Landrover nach Hause. (...)»
Aus: Vanessa Simili: Vom Eiergeld zur AHV, Bern 2022. Publikation hier erhältlich.