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Christopher Watkin gehört zu meinen Entdeckungen der letzten Zeit. Ich empfehle den zweiteiligen Podcast von Grace in Common (Teil I, Teil II) zur Einführung. Sein neustes Werk «Biblical Critical Theory» wird viel gerühmt. Zur Einführung empfehle ich drei Rezensionen (Christopher Watkin Against the Pagans, Watkin’s “Biblical Critical Theory”, What is Biblical Critical Theory? A Review Article). Es sind zudem einige ergiebige Interviews verfügbar (Michael Bird; Mark Ward; Baker Academic).
Watkin erzählt (Minuten 16-17), dass er in der Bibliothek der von Ranald Macauley, dem Schwiegersohn von Francis Schaeffer gegründeten Organisation «The Christian Heritage» in Cambridge (Interview, weiteres Interview, Rekindling the Vision: Christians in the Post-Christian West), ein Buch nach dem anderen aus dem Regal zog und las. Seine Fragestellung bestand weniger darin, welchem theologischen System dieses zugehörig war, sondern wie er einen vom christlichen Glauben geprägten Denkrahmen entwickeln konnte – als Voraussetzung für einen eigenständigen Standpunkt in seinem Fachgebiet der Philosophie. Francis Schaeffer nennt er als frühen Einfluss, von dem er vor allem das Anliegen und das Muster der Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Philosophie und Kunst übernehmen konnte (bei inhaltlichen Differenzen).
Sehr schön begründet Watkin die Notwendigkeit eines Standpunkts ausserhalb des Textes (gegen die postmodernistische Ansage; ab Minute 20). Es gilt zu lernen, die Fragen, die ein Autor stellt, genau zu erfassen: Was will er beantwortet haben? Sonst besteht die Gefahr eines Rundumschlags. Watkin repräsentiert vorbildlich die Präzision und die Aufrichtigkeit, auch bei fremdartigem Gedankengut mit dem Gegenüber zu ringen. Dies bedeutet – wie er es bei einigen Philosophen selbst erfuhr (siehe seine Einführungen zu Michel Foucault, Jacques Derrida, Gilles Deleuze) – einen Denker hartnäckig zu studieren und über die Zeit in dessen Gedankenführung hineinzukommen. Dies ist wohl zu unterscheiden von der ungeprüften Übernahme unbiblischer Konzepte. Diese kann sich aber gerade dann vollziehen, wer sich einer Auseinandersetzung entzieht.
Watkin hat daraus die Methode der Diagonalisation entwickelt, die er so definiert:
Wenn wir die Wahl zwischen zwei Lagern oder Positionen in unserer Kultur haben, entscheidet sich die Bibel häufig für keines von beiden und präsentiert uns etwas, das reichhaltiger ist als beide, eine subtilere Lösung, die sich keine der beiden Positionen hätte vorstellen können. Immer wieder stellen wir fest, dass die biblischen Figuren die Bandbreite der Optionen, die uns präsentiert werden, überschreiten, nur um bei näherer Betrachtung festzustellen, dass diese Optionen selbst verzerrte und zerstückelte Versionen biblischer Ideen sind. (Biblical Critical Theory, XXXIX)
Ich werde mich bald in die Reihe der Leser einreihen – wie Rebecca McLaughlin oder N. Gray Sutanto. Gelernt aus den bisherigen Audios habe ich vor allem eines: Die unglaublich aufmerksame, das Gegenüber wertschätzende, freudig entdeckende Art und Weise von Watkin. Er möchte keine schnellen Antworten, sondern den Hintergrund und Intention einer Fragestellung genau kennenlernen. Auch die Antworten sind geprägt von einer struktuierten Art und Weise, der es sich lohnt nachzueifern.