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Von Michael Sennhauser | 8. Juli 2016 - 12:34
Milo (Eric Ruffin) lebt seit dem Tod der Mutter mit seinem älteren Bruder in der Wohnung in Queens. Freunde hat er keine, dafür eine Obsession für alles, was mit Vampiren zu tun hat. Am liebsten mag er „realistische“ Vampirfilme, wie er sie nennt. The Lost Boys, Near Dark oder Let the Right One in.
Im Treppenhaus trifft er die etwa gleichaltrige Sophie (Chloe Levine), die ihrerseits als Waise bei ihrem gewalttätigen Grossvater lebt. Sophie bevorzugt Twilight, die Bücher und die Filme. Und Milos Faszination für Internet-Videos, in denen Tiere getötet werden, stösst sie eher ab.
Aber die beiden Waisen finden sich. Milo, der es gewohnt ist, von Mitschülern gequält und von den Gang-Jungs des Blocks gedemütigt zu werden, hat einen eigenen Überlebensstil entwickelt. Dazu gehört auch seine Überzeugung, ein Vampir zu sein.
Milo führt akribisch einen Kalender. Jeweils ein Tag im Monat ist markiert, und wenn er seinen Blutdurst gestillt hat, streicht er den Tag sorgfältig ab. Wie der Junge vorgeht, um an Opfer zu kommen, ist wiederum sehr realistisch inszeniert, ohne jegliche Fantasy-Elemente.
Nicht nur in dieser Beziehung ist The Transfiguration eine sehr ernst gemeinte und sorgfältige Weiterentwicklung von Låt den rätte komma in (von dem es ja auch schon ein einigermassen gelungenes US-Remake mit dem Titel Let Me In gibt).
Milo setzt sich wohlüberlegt mit seiner Lebenssituation auseinander, und er hat einen moralischen Standard, der ihm das Leben nicht eben leichter macht. Wenn er tötet, dann aus Überzeugung, aus dem tiefsten Bedürfnis heraus, ohne Begeisterung und mit einem klaren Unrechtsbewusstsein.
Dass Sophie seinen realistischen Vampiren (er geht mit ihr im Kino auch Nosferatu schauen und schwärmt für die fantasievolle Making-of-Dramatisierung Shadow of the Vampire) die romantischen Varianten der Twilight-Serie entgegen hält, erweist sich schliesslich als programmatisch für den ganzen Film, in einem überraschenden und wiederum ausgesprochen realistischen Twist.
Damit ist The Transfiguration dem Genre-Kino zwar genau so verpflichtet wie sein Vorbild, aber letztlich ein Metafilm, eine Studie dazu, wie wir die Elemente des fantastischen Kinos, die Mythen, die Legenden im Alltag verankern und nutzen können – und gleichzeitig die Frage danach, wie weit diese überhaupt möglich ist.
So gesehen ist Milos Selbstentwurf ja auch für ihn nicht mit seinen eigenen gesellschaftlichen Ansprüchen vereinbar. Das Ghetto-Kid wählt nicht die Selbstübersteigerung via Gangsta-Gehabe und auch nicht die Flucht in die Fantasiewelten, sondern die Überadaption. Milo, der einsame Aussenseiter, der schwarze Junge in der weissen Welt sieht sich als genau dieser Aussenseiter, diese Bedrohung, dieses Andere.
In Kombination mit Sophies Romantisierung bricht einem Milos finale Konsequenz als Zuschauer das Herz.
In der Schweiz liegen die Rechte bei Xenix Distribution. Ein Starttermin steht noch nicht fest.
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