Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03580.jsonl.gz/1792

«Was arbeitest du eigentlich?» Mit dieser Frage werden die meisten Leute zwischen 18 und 65 Jahren öfter konfrontiert. Bei mir folgt auf die Antwort – «ich bin Logopädin» – oft ein ziemlich ratloses «aha», gefolgt von einem «gell, das ist irgendwas mit …».
Darum habe ich ein Quiz erstellt, bei dem Interessierte ihr Wissen zum Thema Logopädie im Frühbereich (ca. zwei- bis fünfjährige Kinder) testen können. Bei manchen Fragen sind mehrere Antworten korrekt. Viel Spass!
1. Was ist der Unterschied zwischen Sprachtherapie und Sprachförderung?
a) Das ist im Prinzip das Gleiche.
b) Sprachtherapie gibt es erst ab dem Schulalter, Sprachförderung schon vorher.
c) Jedes Kind braucht Sprachförderung. Sprachtherapie hingegen richtet sich speziell an Kinder mit sprachlichen Schwierigkeiten, welche sie in ihrer Entwicklung blockieren.
d) Sprachförderung findet im Gegensatz zur Sprachtherapie auch im Alltag statt, z.B. im Austausch mit Bezugspersonen oder beim Erzählen von Bilderbüchern.
2. Was sind mögliche Ziele in der Logopädie?
a) Eine immer korrekte Aussprache.
b) Die Kommunikationsfähigkeit und damit die Partizipation des Kindes zu verbessern.
c) Dass ein stotterndes Kind so schnell wie möglich mit dem Stottern aufhört.
d) Die Sprachstörung weg zu therapieren.
3. Wichtig für den Therapieerfolg ist, dass die Eltern …
a) informiert sind, worum es in der Therapie geht.
b) durch regelmässige Gespräche in den Prozess der Therapie miteinbezogen werden.
c) täglich mit den Kindern üben.
d) während der Logopädiestunde dabei sind.
4. Was macht man in der Logopädie, wenn ein Kind noch gar nicht spricht?
a) Da kann man nicht viel machen.
b) Man spricht die Wörter immer wieder langsam und deutlich vor und lässt es nachsprechen.
c) Man stellt dem Kind ganz viele Fragen.
d)Man versucht, die Kommunikation über das Spiel anzubahnen und geht dabei vom Entwicklungsstand und den Interessen des Kindes aus.
5. Kinder, die mehrsprachig aufwachsen, …
a) lernen mehrere Sprachen normalerweise ohne Probleme.
b) brauchen keine Logopädie.
c) haben oft ein sprachliches Durcheinander. Es ist besser, wenn das Kind am Anfang einsprachig aufwächst.
d) können sich sprachlich nur dann gut entwickeln, wenn die Regel «eine Person – eine Sprache» strikt eingehalten wird (z.B. Vater spricht immer Englisch, Mutter immer Deutsch).
Lösung: Die richtigen Antworten: 1c+d / 2b / 3a+b / 4d / 5a
Erläuterungen zu den Fragen
1. Kinder mit einer Spracherwerbsstörung sind meist nicht in der Lage, die Sprachförderangebote ihrer Umwelt (Kita, Kindergarten, Eltern …) aufzunehmen. Sprachtherapie ermöglicht, dass auch diese Kinder von der Förderung profitieren können.
2. Viele Leute denken beim Stichwort «Logopädie» sofort an Lispeln oder andere Schwierigkeiten mit der Aussprache. Logopädinnen arbeiten jedoch häufig an anderen Sprachbereichen, wie dem Wortschatz, dem Satzbau oder dem Sprachverständnis.
Bei einem stotternden Kind, geht es oft zuerst darum, diesem Stottern den Schrecken zu nehmen. Das Ziel, das Stottern so schnell wie möglich wegzukriegen, würde noch mehr Druck beim Kind aufbauen und könnte das Stottern sogar noch verstärken.
Bei einer Therapie wird der Entwicklungsstand des Kindes erfasst. Es geht darum, einen nächsten Entwicklungsschritt anzuregen, und nicht darum, etwas «weg zu therapieren».
3. Normalerweise sind die Eltern bei der Erstabklärung dabei. Während der Therapie ist ihre Anwesenheit jedoch nicht mehr nötig. Die Ablösung von den engsten Bezugspersonen ist ein wichtiger Entwicklungsschritt für das Kind – gerade auch für die Sprachentwicklung. Die meisten Eltern verstehen auch ohne Worte, was das Kind gerade braucht oder möchte. Das gibt dem Kind jedoch keine Motivation, sprachlich weiterzukommen.
5. Für Kinder ist es kein Problem, von Geburt an mit mehreren Sprachen konfrontiert zu sein. Das heisst aber nicht, dass es diese Sprachen später alle genau gleich gut sprechen wird. Wie gut es eine Sprache erlernt, hängt unter anderem davon ab, wie wichtig diese in seinem Alltag ist, um sich mitteilen zu können.
Das Prinzip «eine Person – eine Sprache» wird heute nicht mehr so eng gesehen. Viele Menschen sprechen mehrere Sprachen in ihrem Alltag, was auch die Kinder mitbekommen.
Meret Blattner, Logopädin