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Das Wohnhaus
Baumaterial. Bauart. Lärchenbalken. Grosse Häuser. Bedachung.
Die Binden. Ungeziefer. Hausinschriften. Alte Häuser. Das Spillbrett.
Heidenhäuser. Der letzte Gasser. Das Dilgerhaus. Kaspar Dilger.
Der grosse Tod. Der Schallerchristi. Der Mord im Rieltji.
Das Wohnhaus ist in den ständigen Niederlassungen überall von den Scheunen, Ställen und Speichern getrennt. Die Gebäude ( Fig. 18 ) sind mit wenig Ausnahmen aus Holz. Nur bei den Wohnhäusern ist der hintere, an den Berg gelehnte Teil, das « Nachhaus », gemauert und heisst auch « Mauerstockx Durch diesen führt entweder von hinten oder seitlich der Hauseingang. Im Nachhaus befindet sich die Küche mit der « Trächa », der offenen Feuerstelle zum Kochen. Bei kleinern Wohnungen führt der Hauseingang durch die Küche in die Stube; bei grössern besteht ein besonderer Gang. Auf einer Seite desselben liegt die Küche, auf der andern der « Sali » —ein Raum, der als Werkstätte dient und zur Not als Schlafstelle benützt werden kann. Durch das Nachhaus gelangt man in die nach der Sonnenseite gelegene Stube. An der hintern, an die Küche angrenzenden Ecke derselben befindet sich der Giltsteinofen, an der vordem Ecke mit den Fenstern steht der Tisch. Von der Stube führt eine Türe in die. nebenanliegende « Kammer », die in der Regel als Schlafstelle für die Kinder dient. Das Ehebett ist in der Stube in der vordem Ecke gegen die Kammer. Bei grossen Familien steht oft noch ein zweites Bett in der hintern Ecke. Wenn die Familien sehr zahlreich sind, so sieht man unter den hohen Bettstellen « Gutschibette » — niedrige, auf Rollen gehende Bettstellen, die des Nachts beim Gebrauch hervorgezogen und über Tag wieder hineingeschoben werden können. So kommt es vor, dass zehn Personen Die Vispertaler Sonnenberge.
und mehr in der Stube und Kammer schlafen — Vater, Mutter, Kinder, Töchter und Söhne, Grosseltern, Onkel und Tanten usf.
Der Wohnstock ist aus glatt gehobelten, 12-15 cm dicken Lärchenbalken gebaut, die aufeinandergefügt und gegenseitig verzapft sind, um sie in der richtigen Lage zu halten. Die Fugen werden beim Bau mit Moos ausgefüllt. Am widerstandsfähigsten ist das Lärchenholz. Die Lärche hat die Eigenschaft, dass der Stamm an den Hängen an der Basis abwärts gebogen ist. Die abwärts gerichtete Seite heisst der « Waldrück ». Wenn der untere, krumme Stamm einer Lärche längs zum Waldrück zersägt wird, so bricht der Balken in der Wand infolge der Last des Daches oft quer entzwei. Man sieht häufig in den neuen Häusern solche quer gebrochene Balken. Der « Waldrück » muss deshalb quer zersägt werden.
An den Ecken und an der Scheidewand werden die sich kreuzenden Balken eingeschnitten und gegenseitig verankert ( Gwätt ). Die Türen und Fensterpfosten sind mit vertikalen Pfosten eingerahmt und oben und unten in den horizontalen Querbalken eingezapft. Zwischen..
Zapfen und Balken muss beim Bau auf jede Fuge der Wand ein Spielraum von etwa 1 cm gelassen werden für die Zusammentrock-nung und Zusammenpressung der Holzwand. Das Holz in der Wand arbeitet ständig, und oft krachen die Balken so stark, dass man mitten in der Nacht vom Schlafe aufgeweckt wird. Die nach aussen vorragenden Balken ( das « Vorgwätt » ) werden bei den Wohn- häusern aussen auf 20 cm eben abgeschnitten; nur bei ganz alten Scheunen und Stadeln ist das Vorgwätt nicht « abgerissen » ( s. Fig.55, s'Chlei Stadelti ).
Ein Haus hat meist mehrere Wohnungen. Das Haus zum « Grossstock » und das « Steinhaus » ( Fig. 19 ) in Törbel haben insgesamt je sechs verschiedene Wohnungen, die ebenso vielen Eigentümern gehören. Ein neu erbautes Haus im Oberdorf daselbst, das ein Bauer für seine Kinder erst kürzlich aufgeführt hat, besitzt sogar neun Wohnungen. Kurzweg wird eine Wohnung als « Haus » bezeichnet. Die grössern Häuser sind nicht nur in verschiedene Stockwerke ( Höhen, « Hehjinen » ), sondern noch senkrecht geteilt. Jede Wohnung hat einen besondern Eingang von aussen. Wenn 3—4 Wohnungen übereinander liegen, so erreicht das Haus eine recht ansehnliche Höhe. Anfänglich bestand es vielleicht nur aus einem Stockwerk; im Laufe der Jahrzehnte, wie die Söhne eine neue Familie gegründet hatten, wurden aber oft noch 1—2 Stockwerke aufgebaut, was bei den aufeinandergefügten Holzbauten leicht möglich ist.
Über der obersten Wohnung baut sich das Dach auf, unter welchem sich der Dachraum ( das « Unnerdach » ) befindet. Die sich allmählich verjüngende Giebelwand ( der « Abrost » ) ist im Wohnstock aus Holz, im Nachhaus gemauert. Das Dach gehört zur obersten Hehji und muss von dieser unterhalten werden. Die Bedachung besteht aus Steinplatten, wozu die leicht spaltbaren Gneisblöcke F. G. Stehler.
gutes Material liefern. In dem holzreichen Zeneggen sieht man bei den alten Gebäuden noch Dächer aus « groben » Holzschindeln. Um die Schindeln festzuhalten, werden sie mit schweren Steinen belastet. Vorerst werden vorn und hinten am Giebel über den Schindeln zwei « Sporrenrafen » befestigt und auf diesen über horizontale Stangen die Schwarsteine gelegt. Die Sporrenrafen sind dann öfters zur Zierde oben hornartig verlängert ( Fig.20 ).
Die Verzierung erinnert an die doppelten Pferdeköpfe der Windfahnen an den Giebeln der Häuser in den norddeutschen Marschen, die in Beziehung stehen sollen mit der heidnischen Auffassung des Gottes Wodan, des Wolkenbeherrschers.
Als Stütze der Decke in den Stuben verlaufen der Länge nach 1—2 dicke Balken, « Binden » genannt, in welche die hölzerne Decke eingefügt ist. In alten Häusern besteht die Decke hie und da nur aus einer einfachen, längs verlaufenden Balkenlage, die dann zugleich den Fussboden des obern Stockes bildet. Dadurch entsteht nicht selten eine recht unangenehme Nachbarschaft, namentlich wenn die Balken offene Fugen lassen, wie das folgende Histörchen von zwei nun toten Nachbarn von Burgen beweist:
In einer solchen Hütte wohnte unten der Zuberjosy, oben der Karlennaz, die nicht im besten Einvernehmen miteinander lebten. Einer plagte den andern. Einmal in der Nacht tröpfelte in der Ecke, wo das Bett stand, von der obern Stube eine unsagbare Flüssigkeit dem Josy durch eine Spalte im Boden auf den Kopf herab und störte diesen im Schlafe. Darüber erbost, nahm der Josy einen Säbel und steckte ihn durch die Öffnung, durch welche es herabtropfte, so dass der Säbel oben fusslang über den Boden hervorragte. Der Naz, nicht faul, nahm einen Holz-schlägel und litzte den Säbel dem Boden eben um, wodurch der Säbel festgeankert war. Gereizt, errichtete der Josy eine Flohleiter ( ein Stock mit umwickelten Lumpen ), auf welcher die Flöhe scharenweise durch den Spalt in die obere Wohnung kletterten und den Naz belästigten. So versauerten sich beide das Leben, bis sie schliesslich vor Uberdruss starben.
Die hölzernen Wohnhäuser bilden übrigens einen Lieblingsaufenthalt von allerlei wenig erwünschten Gästen, worunter sich auch das liebe « Wänteli » ( Bett-wanze ) eingebürgert hat. Am Berge seien sie allerdings weniger häufig als im Tale unten, da die Bergbewohner weniger Blut und eine zähere Haut hätten und widerstandsfähiger seien, gleich wie die amerikanische Rebe gegen die Reblaus. Einmal in einem Holzhaus eingenistet, ist das Wänteli kaum mehr zu vertreiben, da es von Stock zu Stock wandert, besonders im Sommer.
Um die Zählebigkeit der Wanze zu zeigen, wird erzählt, dass man seinerzeit bei der « Aschepfi », einer Wasserleitung am Riedgletscher, eine wegen Ungezieferqual ausrangierte Bettlade als Schleuse benützt habe. Der Gletscher sei aber in den nächsten Jahren über die Schleuse hinweggegangen und habe die Bettlade unter sich im Eise begraben. Nach sieben Jahren sei der Gletscher wieder zurückgegangen, Die Vispertaler Sonnenberge.
und die Bettlade wurde wieder frei. Als man sie nach Hause nahm und wieder verwendete, seien die Wänteli wieder « lebig » geworden.
Andere unangenehme Tierchen, die an warmen Sommertagen oft scharenweise des Nachts in das Haus kommen, sind die « Ohreli » ( Ohrwürmer ), ungerechnet das springende und summende Volk der Flöhe und Fliegen.
Mit dem Alter wird das Lärchenholz auf der Sonnseite ganz schwarz und zäh wie Eisen. Die schwarzen Häuser sehen neben den weissgetünchten Kirchen in der grünen Wiesenlandschaft recht schmuck aus, besonders wenn die Kirche im Verhältnis zu den Häusern steht und nicht durch ihre Grosse das Bild stört. In neuerer Zeit werden übrigens recht hübsche Häuser mit Lauben er- stellt, die an die Bauart des Berner Ober- landes erinnern ( s. Seite 34 ). Oft werden die Bindenköpfe, die an der Aussenwand hervorragen, und die vorragende Dachverschalung zierlich mit Farben bemalt. Man fängt auch an, die Aussenwand mit Sprüchen zu schmücken, so steht am neuen Haus von Ignaz Juon in Törbel:
« Dieses Haus hat Gott gebaut, Ich und meine Frau haben zugeschaut. » Die Haussprüche sind jedoch im Oberwallis meist auf die « Binden » im Innern der Stuben beschränkt. In den neuern Häusern repräsentiert dieser Spruch oft -eine ganze Chronik. Namentlich ist das Allerweltsgenie Isidor Kalbermatten in Törbel neben seinem Beruf als Schneider, Schreiner, Coiffeur und Bauer in der Herstellung zierlicher Inschriften ein Künstler. So schmückte er die zwei Binden der obersten Stube im Wyssschen Hause in Gruberswasen in Törbel mit folgenden Sprüchen:
« Dir, o Herr, übergeb'ich mit frohem Blick die Schlüssel zu des Hauses Glück und giesse des Himmels Segen aus. Schliesse Du doch alles aus, was schaden könnte diesem Haus. Das ist meines Herzens Bitte und bleib in unsrer Mitte. » « Während der grausame Weltkrieg faucht, hab ich für mich und meine Kinder dies Hüttlein gebaut und wohne unter einem Dache froh und still, fügen uns, wie Gott es will. Ludw. Wyss. Marie Schaller 1916. » In der untern Stube daselbst steht:
« Dieses Haus hat lasen bauwen Peter und Josef Juon und die Hausmutter Josefa. 1747. » In der Stube von Dyonis Pfammatter in Zeneggen:
« Gedenk der Armen zu jeder Frist, Wenn Du von Gott gesegnet bist Sonst Dir leicht widerfahren kann, Was Christus sagt vom reichen Mann.
Peter Antoni Pfammatter 1811. » 2«S F. G. Stebler.
Auf der Binde des Pfammatterhauses im Sisetsch in Zeneggen:
« Wer wohl vertraut, Hat wohl gebaut Im Himmel und auf Erden, Wer sich verlässt auf Jesum Christ, Dem soll der Himmel werden.
1721 den 22. Tag Maien. » An einer Scheune am Biel in Zeneggen:
« Der dieses hat lassen bauen, soll auf Gotes Segen trauen. 1812. » In einem Hause im Weiler Zeneggen:
« Dieses Haus hat lasen buwen Johannes Heltner 1803. » Im Haus auf dem Tschuggen in Zeneggen:
« Aus Gottes Gnaden hat Er und Peter Andres das Hus gebuw und Cathrina Carlo sin eheliche Husfrow Meister Jerg Moor 1629. » In diesem Haus wohnte recht und schlecht bis zu seinem Tode der « Tschuggen-toni », der nichts hinterliess als das Haus. Er verordnete vor seinem Tode, dass der Erlös aus demselben für die Beerdigungskosten verwendet werden solle. Einige Bauern erwarben es gemeinsam für Fr. 150 und benützen es heute als Backhaus.
Auf der Binde der Stube von Ferdinand Seh a 11 er in Zenstadlen steht:
« Nächstenliebe und Gottvertrauen Hilft alten Häusern neue bauen. » Im Gemeindehaus in Zeneggen:
« Der Frid Gotes ist in dem Hus so gad es wol us im jar 1611 In Gotes Namen Amen.
Gmeindhus. MNW. CP. IW. HW. AW. » Die ältesten Inschriften auf den Binden stammen aus dem 15., 16. und 17. Jahrhundert, so z.B. im Sisetsch in Zeneggen in der Stube des Ferdinand Schaller das Jahr 1531. Daselbst in der Stube von Benjamin Kenzelmann das Jahr 1575. Auf der Furren in Törbel von Anton Ruf 1508 ( Fig. 21 ). Hier beschränken sich die Inschriften der Binde meist auf die Jahrzahl, der etwa noch der Name des Erbauers beigefügt ist.
Seltener sieht man Binden mit Jahrzahlen aus dem 15. Jahrhundert, die dann aber in gotischen Minuskeln geschrieben sind. Anderwärts ' ) habe ich bereits die Jahrzahl auf der Binde in dem nun in Ruinen liegenden Hause Ludwig Wier in der Oberalben, am Wege von Visp nach Zeneggen, erwähnt. Nur fünf Jahre jünger ist die Jahrzahl auf der Binde im Jungstenhaus auf der Furren in Törbel: 1477 ( Fig.22 ).
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Das Haus ist heute noch bewohnt und wurde im Jahre 1712 um ein Stockwerk erhöht.
Am Lötschberg. Land und Leute von Lötschen. 1907. S. 69.
Die Vispertaler Sonnenberge.
« Als die Zimmerleute beim Bau dieses Hauses beim Abendessen sassen und beratschlagten, wie sie den schweren Firstbaum am besten auf den Giebel bringen könnten, kam der alte Jüngsten, ein alter Mann, der am Stecken ging, und hörte das Gespräch. Unbemerkt nahm er den Balken auf seine Achsel und setzte ihn ganz allein auf den First. Man habe nachher noch, trotz der Härte des Bodens infolge der Dürre, die Fusstritte des Riesen in der Erde sehen können. » Charakteristisch für die alten Häuser ist das « Spillbrett », ein an der Rückwand der Stube in der Türhöhe gesimsartig 10-15 cm vorragender Balken. « Spillbrett » Fig. 23. Heidenhaus mit schiefem Abrost In Furren.
heisst er, weil er unter anderm zur Unterbringung der Spindeln ( « Spillen » ) der Spinnräter benutzt wurde.
Ausser diesen durch eingeschnittene Jahrzahlen datierten Häusern gibt es noch viel ältere, bei denen sich die Verzierung auf einfache Ornamente beschränkt. Die ältesten werden als « Heidenhäuser » bezeichnet, weil sie aus vorchristlicher Zeit stammen sollen. Jedenfalls gibt es solche, die ein Alter von vielleicht tausend Jahren aufweisen. Sie sind teilweise noch aus unbehauenen Stämmen gebaut ( Fig. 24 ) und stammen aus einer Zeit, wo man die Säge noch nicht kannte. Auch die Verzapfungen der aufeinandergelegten Balken durch den Bohrer waren damals noch nicht möglich. Um dem Abrost einen genügenden Halt zu geben, wurde unter dem Firstbaum ein senkrechter Balken eingefügt, die « Bruststud », die aussen verziert ist. Meist trägt sie ein ausgeschnittenes, erhöhtes Kreuz ( Heidenkreuz ) oder eine ähnliche Verzierung. Ein solches, dem Rafaël Zuber gehörendes Heidenhaus steht auf der Furren. Eigentümlich ist an demselben, dass die Balken des Abrostes schief nach oben verlaufen ( Fig. 23 ). Auch die « alte Stube » auf der Batt ist ein typisches Heidenhaus, wird aber jetzt als Scheune benützt. Die Binde ist herausgesägt. An der Längs- und der Giebelwand sieht man noch 6½ cm breite Fugen, in welche die Stubendecke gewölbeartig eingefügt war. Noch heute sagt man der Stubendecke in den Häusern allgemein « die Wölbe », obschon diese ganz eben liegt. Die « alte Stube » auf der Batt war in den Ecken an der Wand 1,8 m hoch und trägt an der Rückenwand über der Türhöhe das « Spillbrett ». An der Vorderwand sind drei Fensterlöcher ( « Glotzjeni » ), deren zwei 30 cm breit und 60 cm hoch sind; eines misst nur 25 cm im Quadrat. Derartige, allerdings umgebaute Heidenhäuser sind auf dem Berge noch eine ganze Anzahl. So sind die Scheunen von Gregor Ruf in Törbel, diejenige von Augustin Lorenz auf den Platten ( Fig. 25 ) umgebaute Heidenhäuser und sind später an ihren heutigen Platz versetzt worden, während eine Heidenscheune in Burgen und jene von Liberatus Fux im Dörfji in Emd noch auf dem alten Platz stehen und noch die verzierte Bruststud unter dem First tragen.
Verschiedene Heidenhäuser werden heute noch bewohnt. Allerdings sind die Fenster vergrössert worden. So das Haus Alois Karlen auf dem Biel, das F. G. Stehler.
alte Wysssche Haus Im Feld ( Fig. 24 ), das Heidenhaus in der Schufle und dasjenige in der Blattmatte, alle in Törbel. An letzteres angebaut steht im Freien ein uralter, primitiver Backofen, auf welchem eine prächtige Esche fröhlich gedeiht.
In dem Haus, das damals als eines der vornehmsten galt, wohnte ein reicher Bürger. Als den Erbauern der Chinbrücke in Stalden ( 1545 ) das Geld ausging, habe der Bauer in der Blattmatte ihnen die Mittel zum Weiterbau vorgestreckt; noch jetzt seien irgendwo im Hause 7 bis 8 Pfund Gold verborgen.
Unter weniger günstigen Aussichten lebte der letzte Gasser im Feld, dessen Haus heute dem Josy Juon und dem Naz Kalbermatten gehört. Er war der Reichste im Lande, und sein Vater Bartholomäus In der Gassen war Landeshauptmann vom Wallis. Der letzte des Stammes verprasste sein Vermögen und vernachlässigte sein Gut. Er trank und ass, was das Zeug halten mochte. Auf seinem geschnitzten Rahmentische stand stets die gefüllte Kanne und daneben lag ein Roggenbrot; „ von der Wölbe " herab hing ein halbes Schwein, von dessen Speck der Prasser nach Lust herunterschnitt. Als er starb, bettelten seine Nachkommen im Lande herum, um ihren Hunger zu stillen.
Eines der bekanntesten Heidenhäuser ist das Dilgerhaus in Hofstetten ( Fig. 26 ). Das Haus trägt auf dem « Obertirner » ( ob der Haustüre ) zwar die Jahrzahl 1838, das ist das Jahr, in welchem das Haus von seinem alten Standort, etwas südlich, hierher versetzt wurde.Vor ungefähr 15-20 Jahren drohte die damals noch mit dem Heidenkreuz geschmückte Giebelwand vornüber zu stürzen, als das Dach abgenommen und ein neuer, moderner Abrost aufgesetzt wurde. Das Dilgerhaus ist trotz der Umbaute im Innern als echtes Heidenhaus zu erkennen. Man tritt von der Südseite in die bis zum Dach reichende Küche mit der offenen Feuerstelle.Von der Küche führt eine 1,45 m hohe Türe in die 5 m im Quadrat messende, geräumige Stube, die zugleich den einzigen Wohnraum im Hause bildet. In der hintern Ecke neben der Türe steht der einfache Ofen, in der vordem nördlichen Ecke die Bettstelle, in der andern der Tisch mit Wandbank. Die Decke wird durch zwei Deckbalken ( Binden ) getragen; diese sind in der Mitte mit eingeschnittenen kreisförmigen und an den Enden mit je zwei halbkreisförmigen Verzierungen geschmückt. Inschrift und Jahrzahl fehlen. Dagegen lässt die ganze Bauart und das « Spillbrett » an der Hinterwand das fast tausendjährige Alter der Hütte erkennen. Die Die Vispertaler Sonnenberge.
Decke ist seitlich und nach vorn und hinten 10 cm abfallend ( gewölbt ). Die Höhe der Stube beträgt in der Mitte zwei Meter. Sie besitzt an der Giebelseite zwei, an der südlichen Wandseite ein Fenster, die ursprünglich kaum Gucklochgrösse besassen und erst beim Umbau vergrössert wurden.