Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03168.jsonl.gz/1056

Anlagemethode
Die Strategische Asset Allocation (SAA, Strategische Vermögensaufteilung) ist ein
Portfoliomanagement-Ansatz, bei dem das investierte Kapital auf verschiedene Anlageklassen wie Obligationen, Aktien und Immobilien aufgeteilt wird,
um das Portfoliorisiko zu senken, bzw. eine breite Diversifikation zu erreichen.
Jede Anlageklasse hat spezifische Risiko-/Renditeeigenschaften und verhält sich unterschiedlich über die verschiedenen Wirtschaftszyklen. Wenn z.B. Aktien während einer Rezession sehr schlecht rentieren, sind Staatsanleihen als sicherer Hafen gesucht - somit lässt sich das Portfoliorisiko reduzieren, da die Verluste einer Anlageklasse durch die andere abgefedert werden.
Diverse empirische Studien* belegen, dass die Strategische Asset Allocation den mit Abstand grössten Einfluss auf den langfristigen Erfolg im Investmentprozess hat. Gut 90% des Anlageerfolgs resultiert aus der strategischen Vermögensaufteilung, die Selektion von Einzeltitel trägt jedoch nur ca. 5% zur Performance bei.
Die empirischen Feststellungen machen auch intuitiv Sinn: Ob man in einem breit diversifizierten Portfolio nun
Novartis oder Roche kauft, spielt für die Depotperformance auf Zwölfmonatssicht eine untergeordnete Rolle.
Ob hingegen 20% oder 40% Aktien im Portfolio gehalten werden, oder man einen hohen Fremdwährungsanteil hat, spielt für die Rendite
eine viel zentralere Rolle.
Viele Institute setzen neben der Strategischen Asset Allocation auch eine Taktische Asset Allocation (TAA) ein, um sich bietende Marktchancen durch moderate Unter- oder Übergewichtung einzelner Anlageklassen auszunutzen. Da bei einer TAA relativ häufig umgeschichtet wird, werden aber automatisch auch mehr Gebühren generiert. Aus diesem Grund muss eine TAA langfristig deutlich mehr als 50% richtige Entscheide produzieren, um die Transaktionskosten wieder wettzumachen. Dies wiederum ist ein sehr schwieriges Unterfangen, da die Kursbewegung einzelner Anlageklassen nicht zuverlässig vorhergesehen werden kann. Ein regelbasiertes Rebalancing verspricht hier mehr Erfolg (siehe Rebalancing).
Zahlreiche empirische Studien* belegen, dass es über einen längeren Zeitraum nur sehr wenigen Fondsmanagern gelingt, den zugrundeliegenden Index bzw. Benchmark zu übertreffen.
Dies hat nicht zuletzt damit zu tun, dass aktiv gemanagte Fonds durch den erhöhten Bedarf an Marktanalysen und den damit verbundenen personellen Aufwand, sowie Gebühren von häufigen Umschichtungen, signifikant höhere Kosten verursachen als die passiven Indexfonds.
Nicht selten fallen für Anlagefonds jährliche Managementgebühren von bis zu 2% plus Ausgabe- und Rücknahmekommissionen an.
Bei Indexfonds wie z.B. Exchange Traded Funds (ETFs) liegen die Gebühren je nach Anlageklasse zwischen 0.1 und 0.5%. Ein Fondsmanager müsste
also Jahr für Jahr in der Lage sein, durch Titelauswahl (Stock Picking) den zugrundeliegenden Index um 1.5 - 2.0% jährlich zu übertreffen.
Dies ist insbesondere in hoch liquiden und effizienten Märkten wie Staatsanleihen und Large Cap Aktien quasi ein Ding der Unmöglichkeit, da alle preisrelevanten Informationen jedem Marktteilnehmer jederzeit zur Verfügung stehen und sich so ein Fondsmanager mittels Marktanalysen keinen eigentlichen Wissensvorsprung erarbeiten kann.
Im Small Cap Bereich (Kleinkapitalisierte Unternehmen) wie auch Emerging Markets (Schwellenländer) sollte es einem Fondsmanager aufgrund der Marktineffizienzen theoretisch leicht fallen, den zugrunde liegenden Index zu schlagen, aber auch in diesen Märkten schneidet die grosse Mehrheit der aktiv verwalteten Anlagefonds schlechter ab als ihre Benchmark.
Aufgrund der zunehmenden Popularität von ETFs und dem schlechten Abschneiden von aktiv verwalteten Anlagefonds, haben in den letzten Jahren viele Fondsmanager damit begonnen, indexnäher zu investieren, d.h. nur ein kleiner Teil des Fonds wird tatsächlich aktiv verwaltet. Trotzdem sind die Managementgebühren für aktiv verwaltete Anlagefonds nicht gesunken.
In Zeiten fallender Aktienkurse müssten aktiv verwaltete Fonds besser abschneiden, da sie kaum zu 100% investiert sind (im Gegensatz zum Index), d.h. der relativ grosse Cash-Anteil ist nicht von den fallenden Kursen betroffen und somit sollten die Verluste deutlich kleiner sein als diejenige von Indexfonds.
Ein Performancevergleich von Morningstar zeigt für das Jahr 2008 (Finanzkrise) ein anderes Bild: In der Kategorie "Aktien Schweiz" schneiden von insgesamt 139 Anlagefonds nur gerade vier aktiv gemanagte Fonds besser ab als die Indexfonds. Die Hälfte der Anlagefonds unter den Top Ten sind Indexfonds bzw. ETFs.
Es wäre toll, wenn Marktbewegungen vorhergesehen werden könnten - Ein Investor könnte so an den Märkten partizipieren solange sie steigen und entsprechend verkaufen wenn sie fallen.
Das Problem an diesem Szenario ist, dass die Marktrichtung von zukünftigen Nachrichten bestimmt wird, welche leider unmöglich prophezeit werden können.
Wer sich im Market Timing versucht, also dem regelmässigen Kaufen und Verkaufen von Wertschriften aufgrund einer technischen oder fundamentalen Analyse, läuft Gefahr, die besten Börsentage zu verpassen, was sich verheerend auf die Portfoliorendite auswirken kann. Statistisch gesehen werden sich im besten Fall die falschen und richtigen Entscheide über längere Zeit gegenseitig aufheben. Da aber bei jeder Umschichtung auch Gebühren anfallen, müsste das erfolgreiche Market Timing deutlich mehr als 50% richtige Entscheide produzieren.
Wie wirkt sich das Verpassen der 10 besten Börsentage auf die Rendite aus? Folgendes Chart zeigt, wie sich ein Market Timing-Fehler auswirken kann (klicken für grössere Version):
Auf der Basis des Swiss Market Index Total Return (SMI TR) wird die Kursentwicklung einer Buy-and-Hold-Strategie aufgezeigt. Eine Investition von CHF 100'000 im Jahr 1996 ist bis ins Jahr 2010 auf CHF 254'000 angewachsen. Ist man nun an den besten 10 Börsentagen dieser Periode nicht dabei, wirkt sich das dramatisch auf die Rendite aus. Das Vermögen ist nur noch auf CHF 130'000 angewachsen. Wäre es jedoch gelungen, die 10 schlechtesten Börsentage zu vermeiden, wäre das Vermögen auf stattliche CHF 470'000 angewachsen.
Der in der Praxis realistischste Fall, dass sich durch Market Timing die richtigen und falschen Entscheide etwa aufheben, ergibt folgendes Bild: Werden die 10 schlechtesten wie auch 10 besten Börsentage verpasst, resultiert in etwa dieselbe Rendite wie mit der Buy-and-Hold-Strategie (minus Gebühren für die Umschichtungen).
Fazit: Im Sinne einer Minimierung des Anlagerisikos sollte auf Market Timing verzichtet werden, da die Portfoliorendite durch falsche Entscheide empfindlich beschädigt werden kann.
Könnte man nicht eine Stop Loss Regel (automatisierte Handelsregel wenn ein bestimmter Kursstand unterschritten wird) setzen um die schlechten Börsentage zu vermeiden? Da sich die Kursverläufe mehr oder weniger zufällig entwickeln, ist es in der Praxis sehr schwierig, mit einer Stop Loss Regel einen Mehrwert zu schaffen. Was macht der Investor nun, wenn die Stop Loss Regel ausgelöst hat? Wann steigt er wieder in den Markt ein? Eine Stop Loss Regel ist im Wesentlichen nur ein weiterer Versuch des Market Timings, welcher die Gefahr birgt, die besten Börsentage zu verpassen und somit schlechter abzuschliessen als eine simple Buy-and-Hold-Strategie.
Fazit: Die Risikosteuerung eines Portfolios erfolgt über die Aktien- bzw. Obligationenquote, nicht über kurzfristige Handelsaktivitäten.
Historisch gesehen erzielten Aktien während der letzten 10 Rezessionen besonders attraktive Renditen und
verbuchten im Durchschnitt nur während der Abkühlungsphase negative Renditen.
Die Aktienkurse wiederspiegeln die Gewinnerwartung in der Zukunft. Aus diesem Grund erholen sich Aktienmärkte
meist 3 – 6 Monate vor Ende der Rezession, mit plötzlichen und starken Kursgewinnen. Wer zu diesem Zeitpunkt nicht oder unter-investiert ist,
vergibt sich einen Grossteil der Performance (siehe auch Market Timing).
Folgende Tabelle bildet die vier Wirtschaftszyklen ab und zeigt die Überschussrendite der Aktienmärkte (Rendite über dem risikolosen Zinssatz) während den letzten 10 Rezessionen:
|Expansion||Abkühlung||Rezession||Erholung|
|Überschussrendite||8.55||-8.06||9.92||8.55|
|Volatilität||13.69||17.41||14.55||13.69|
Quelle: Schroders
Im Gegensatz zu einer simplen Buy-and-Hold-Strategie verfolgt das regelbasierte Rebalancing den Ansatz,
die Quoten des ursprünglich definierten Portfolios anhand von Regeln wiederherzustellen. Wenn also eine
Anlage eine festgelegte Bandbreite über- oder unterschreitet, wird eine Umschichtung vorgenommen.
Dies hat den Vorteil, dass immer leicht antizyklisch gegen den herrschenden Trend gekauft oder verkauft wird und
psychologische Faktoren komplett ausgeschlossen werden.
Folgendes Beispiel stellt den Kursverlauf eines Portfolios mit 70% Swiss Bond Index Total Return (SBI TR) und 30% Swiss Market Index Total Return (SMI TR) dar, einmal als "Buy and Hold", d.h. es wird kein Rebalancing vorgenommen, und einmal mit regelmässigem Rebalancing (klicken für grössere Version):
Es fällt auf, dass insbesondere bei fallenden Märkten das kontinuierliche Rebalancing grosse Vorteile hat, da die Aktienquote vor dem Kursrückgang auf dem ursprünglich definierten Wert liegt. Ein regelbasiertes Rebalancing ermöglicht eine leichte Outperformance gegenüber einer simplen Buy-and-Hold-Strategie.