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Art – Unterart – Varietät - Form
Text: Ruedi Peter
Anfang des 21. Jahrhunderts waren zwischen 1,5 und 1,75 Millionen Arten beschrieben, davon rund 500.000 Pflanzen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass es sich bei diesen nur um einen Bruchteil aller existierenden Arten handelt. Schätzungen gehen davon aus, dass die Gesamtzahl aller Arten der Erde deutlich höher ist. Die extremen Annahmen reichen dabei bis zu 120 Millionen Arten; am häufigsten werden jedoch Schätzungen zwischen 13 und 20 Millionen Arten angeführt.
Die taxonomischen Einheiten sind die Grundlage für die Beschäftigung mit Lebewesen. Wichtig ist, dass es ähnliche Definitionen gibt. Nur so ist eine Diskussion möglich.
Für den Artbegriff gibt es so viele Definitionen wie Evolutionsbiologen. Schon Darwin stellte fest: „Yet every naturalist knows vaguely what he means when he speaks of a species“. (Übersetzt: Jeder Naturkundler hat eine Meinung, wenn er von einer Art spricht).
Folgende Zitate stammen aus Weberling, Baileys, 1896: „The species is the unit in classification, designating an assemblage of organisms, which, in the judgement of any writer is so marked as homogeneous that it can be conveniently spoken as of one thing.” (Übersetzung: Die Art ist die Einheit der Klassifizierung, die eine gleichförmige Ansammlung von Lebewesen, die im Urteil jedes Forschers als zusammengehörend betrachtet werden).
Wettstein, 1924: „Die Art kann als Gesamtheit der Individuen bezeichnet werden, welche in allen dem Beobachter wesentlich erscheinenden Merkmale untereinander und mit ihren Nachkommen übereinstimmen.“
Plate, 1907 und 1914: „Zu einer Art gehören sämtliche Exemplare, welche die in der Diagnose festgestellten Merkmale besitzen – wobei vorausgesetzt wird, dass die äusseren Verhältnisse sich nicht ändern -, ferner sämtliche davon abweichenden Exemplare, die mit ihnen häufig auftretenden Zwischenformen innig verbunden sind, ferner alle, die mit den vorgenannten nachweislich in direktem genetischen Zusammenhang stehen oder sich durch Generationen fruchtbar mit ihnen paaren.“
Aus diesen Zitaten wird ersichtlich, dass Artdefinitionen subjektiv sind. Jeder Biologe hat seine eigene Definition. Eine allgemeingültige Definition des Begriffs der Art (Spezies) ist bislang nicht gelungen. In der Biologie gibt es verschiedene Art-Konzepte, die zu sich überschneidenden, aber nicht identischen Klassifikationen führen. So bezeichnet der Begriff Art häufig eine Gruppe von Lebewesen, die so viele unverwechselbare morphologische bzw. physiologische Merkmale gemeinsam haben, dass sie anhand der Kombination dieser Merkmale gegenüber jeder anderen Gruppe von Lebewesen als abgrenzbar gelten. Nach einer anderen Auffassung gehören jene Organismen und ihre direkten Nachkommen zu einer Art, die sich miteinander auf natürliche Weise unter Zeugung fruchtbarer Nachkommen fortpflanzen. Eine dritte Auffassung grenzt den Artbegriff auf Organismen ein, die sich eine ökologische Nische teilen. Das morphologische Artkonzept als ältestes, versteht unter einer Art eine Gruppe von Organismen, die sich auf Grund morphologischer Merkmale von anderen Gruppen von Organismen unterscheiden lassen. Eine Weiterentwicklung des typologischen Artkonzeptes stellt das biologische Artkonzept dar, das auch populationsgenetisches Artkonzept genannt wird. Es definiert eine Art als Gruppen sich fortpflanzender Populationen, die von anderen Gruppen durch die Fortpflanzung isoliert sind.
Einige Definitionen:
(in Klammern die gebräuchlichen Abkürzungen).
Art (sp.)
Individuen mit gleichen oder ähnlichen Merkmalen, die eine Fortpflanzungsgemeinschaft bilden. Zu ihrer Charakterisierung sind eindeutige, konstante, morphologisch trennende Kriterien vorhanden. Eine Art liegt dann vor, wenn sie ökologisch, geographisch oder auf andere Weise von verwandten Arten isoliert ist und ein bestimmtes Verbreitungsgebiet besiedelt.
Form (f.)
Eine abweichende Form einer Art, ihre abweichende Form wird nicht vererbt, z. B. Bergformen. Sie haben bei anderen Bedingungen eine andere Form.
Morphologie
Die Form und der Aufbau eines Lebewesens.
Taxonomie
Unterart (ssp., subsp.)
Abweichende Form einer Art, geographisch, ökologisch, oder durch ihre Blütezeit abweichend, kleinräumig im Verbreitungsgebiet einer Art auftretend.
Varietät (var.)
Eine abweichende Form einer Art, ihre abweichende Form wird vererbt, d. h. genetisch festgelegt, z. B. farblich abweichende Varietäten. Kann in jeder Population auftreten, z. B. weiss gefärbte Blüten.
Literatur
Darwin, C. (1859): On the Origin of Species.
Kretzschmar, H., W. Eccarius, H. Dietrich (2007): Die Orchideengattungen Anacamptis, Orchis, Neotinea. - Bürgel.
Pedersen, H. A., N. Faurholt (2007): Ophrys - The Bee Orchids of Europe.- London.
Peter, R. (2002): Gedanken zur Gattung Epipactis in der Schweiz.- Jber. Naturwiss. Ver. Wuppertal 55: 189-251.
Weberling, F., T. Stützel (1993): Biologische Systematik.- Darmstadt.
Internet
http://www.infidels.org/library/historical/charles_darwin/origin_of_species/
Ruedi Peter
Solothurnerstr. 70
4600 Olten
<email-pii>
Aktualisiert 27. 01. 2009