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(2367 m). Die wichtigsten, immerhin nur dem Touristenverkehr dienenden Pässe sind das Fallerjoch (etwa 2740 m) von Avers-Juf nach Mühlen, der Stallerberg (2584 m) nach Stalla und die Forcellina (2673 m) nach dem Septimer. Die letztere ergibt mit dem Lunghinopass (2635 m) zusammen den kürzesten und oft benutzten Uebergang von Avers nach dem Engadin.
Auch geologisch schliesst sich die Aversergruppe gut an die Adulagruppe an, da sie in der Hauptsache aus ähnlichen zentralmassivischen Gesteinen und Sedimenten zusammengesetzt ist wie diese. Im SW. herrschen vom Bergell bis zum Val d'Emet typische Gneise und Glimmerschiefer, dann folgen bis Sufers und Andeer die sog. Rofnagneise oder Rofnaporphyre, durch Druck schieferig gneisartig gewordene Quarzporphyre, die zur Bezeichnung sowohl ihrer ursprünglichen als gegenwärtigen Beschaffenheit am besten Gneisporphyre genannt würden.
Der grösste Teil der Piz Plattakette besteht aus veränderten Bündnerschiefern mit grössern Einschaltungen von grünen Schiefern, die sich als gequetschte Diabase und Gabbro erweisen und darum oft mit diesen und mit Serpentin vergesellschaftet sind. Dazu kommen triasische Kalk- und Dolomitgesteine ähnlich wie im Klippengebiet von Arosa, nur dass hier die grünen Schiefer fehlen und die Gesteine überhaupt weniger durch den Gebirgsdruck umgewandelt sind. Und wie hier, so sind auch im Oberhalbstein die tektonischen Verhältnisse sehr verwickelte, die Schichtgesteine oft verkehrt gelagert und mesozoische Kalke in Form von Klippen oder Schollen auf jüngere Schiefer geschoben, z. B. am Piz Toissa. An manchen Stellen finden sich auch schöne Marmore und verschiedene Erze, die früher ausgebeutet wurden, so besonders im Gebiet von Ferrera.
In der engern Albulagruppe tritt die NO.-Richtung der Hauptkette und der begrenzenden Thäler des Inn und des Landwassers wieder entschieden hervor, zum Teil auch in den kleinern Gliedern, wie in der Ducankette und den anliegenden Thälern. Auch die Abdachungsverhältnisse entsprechen denjenigen der Alpen überhaupt: steiler nach SO., weniger steil nach NW. Einer der auffallendsten Züge besteht aber darin, dass die Hauptkette trotz ihrer bedeutenden Höhe und zum Teil starken Vergletscherung doch wegsamer ist als irgend eine andere Alpenkette der Schweiz. Es ist auch das wesentlich eine Folge der grossen Thalhöhen bei relativ mässiger Höhe der Kämme und Gipfel, dann freilich auch der Zugehörigkeit des Engadin zu Graubünden. Nicht weniger als drei grosse Bergstrassen führen über den Hauptkamm und verbinden das Engadin mit dem n. Bünden: der Julierpass (2287 m) speziell mit dem Oberhalbstein, der Albulapass (2315 m) mit dem Albulathal und der Flüelapass (2388 m) mit Davos. Dazu kommen als touristisch wichtige Pässe noch der Scaletta- und der Sertigpass (2619 und 2762 m), der erstere, als kürzester Uebergang von Davos nach dem Ober Engadin, vor der Zeit der Alpenstrassen ein wichtiger Saumpfad, der andere ein Hauptzugang zu dem relativ viel besuchten Piz Kesch. Bald werden nun auch die Strassenpässe durch die Albulabahn sehr viel von ihrer Bedeutung verlieren.
Durch den Albula- und Scalettapass zerlegen wir den Hauptkamm und seine n. Vorlagen in die drei Gruppen des Piz d'Err, des Piz Kesch und des Piz Vadret. In der erstern entragen der Piz d'Err (3383 m), der Piz dellas Calderas (3393 m), die Cima da Flex (3287 m) und der Piz d'Agnelli (3209 m) einer mächtigen Zinnenmauer, die mit nackten Wänden zum Oberhalbstein abfällt, während die dem Val Beyer zugekehrte O.-Flanke in einen weiten, mehrteiligen Eismantel gehüllt ist.
Eine formenreiche Gipfelreihe ist ferner dem Engadin zugekehrt, darunter als Zentrum der stolze Bau des Piz Julier (3385 m), dann die schöne Pyramide des Piz Ot (3249 m), die düstere Crasta Mora (2937 m), der Piz Lagrev (3168 m) und der auch als Wasserscheide zwischen den Gebieten des Rhein, der Donau und des Po bemerkenswerte Piz Lunghino (2784 m). Mit diesem vorherrschend granitischen Gebirgsabschnitt verknüpft sich n. vom Piz d'Err das Kalkgebirge der Bergünerstöcke mit dem herrlichen Dreigestirn des Piz d'Aela (3340 m), des Tinzenhorns (3179 m) und des Piz Michel (3163 m). - Ein Berg von vollendeter Schönheit ist der Piz Kesch (3420 m) mit dem flach vor ihm ausgebreiteten Porchabellagletscher. Ihn begleiten als Vorposten neben vielen andern der Kalkstock des Piz Uertsch (3273 m) im SW., der granitgekrönte Piz Griatschouls (2973 m) im O. und der Piz Forun (3056 m) im N. Weiter nw. vorgelagert sind die geradlinig von NO. nach SW. verlaufende Kette des Hoch Ducan (3066 m) und Gletscher Ducan (3020 m), dann der Bogen der Monsteiner Berge mit der Pyramide des Aelplihorns (3010 m) und dem sanften Rücken des Stulsergrates (2680 u. 2626 m.). - Im nö. Abschnitt der Albulagruppe thront der doppeltürmige Piz Vadret (3226 m) inmitten weiter Gletscherfelder, von welchen der Sarsura-, der Grialetsch- und der Scalettagletscher die grössten sind. In drei nach NW. vorspringenden Seitenketten, die das Dischma- und Flüelathal einschliessen, erheben sich als Hauptgipfel das Kühalphorn (3081 m), das vielbesuchte Schwarzhorn (3150 m) und das Weisshorn (3088 m) am Flüelapass und das gegen Klosters vorgeschobene Pischahorn (2982 m).
Geologisch zerfällt die Albulagruppe ebenfalls in drei Teile, in ein Granit-, Gneis- und Kalkgebirge, die aber nicht mit den orographischen Abschnitten zusammenfallen. Eine Granitmasse ist die Errgruppe vom Lunghino- bis zum Albulapass und vom Engadin bis etwas über den Piz d'Err hinaus. Doch zerfällt dieselbe in zwei getrennte Stücke, indem ein von zwei Verwerfungsspalten begrenzter Streifen gefalteter Trias- und Liasgesteine von Stalla in der Richtung über Piz Brascheng, Piz Suvretta und Piz Padella nach Samaden zieht.
Der Granit zu beiden Seiten ist teils ein grüner Zweiglimmer-Granit (Albulagranit), teils ein Hornblendegranit (Juliergranit), untermischt mit Syenit und Diorit. Am Silsersee und im Oberhalbstein lässt sich beobachten, wie er auf Grünschiefer (mit Serpentin- und Gabbrostöcken) und auf Sedimenten (Verrucano, Dolomit, Liasschiefer) liegt und auf diese von O. nach W. überschoben ist. Gneise und krystalline Schiefer (Protogin, Glimmer- und Hornblendegneis, Quarzit-, Glimmer-, Hornblende- und Talkschiefer), ähnlich denjenigen der Silvrettagruppe, setzen die Gruppe des Piz Vadret mit allen ihren Auszweigungen zusammen, dann auch den Zentralstock des Piz Kesch bis zum Piz Forun und ins Val Tisch, überall in steiler Aufrichtung der Gesteinslagen nach Art der Fächer- und Isoklinalfalten. Wesentlich ein Kalk- und Dolomitgebirge sind dagegen die nw. Vorlagen der Err- und Keschgruppe, also die Bergünerstöcke, die Ducan- und die Monsteinerkette, obwohl Gneise deren Unterlage bilden und stellenweise, z. B. am Leidbachhorn über Sertig Dörfli, am Stulsergrat und am Cuolm da Latsch auch bis auf die Kämme steigen. In der Hauptsache bestehen die Sedimente aus Perm- und Triasgesteinen vom Verrucano bis ¶
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zum Hauptdolomit, wobei letzterer oft die Gipfel bildet und überhaupt landschaftlich am meisten hervortritt. Oft fehlen aber manche Triasglieder oder sind doch nicht deutlich zu erkennen. NW. setzen sich diese Formationen in die Strelakette fort, die ihrerseits geologisch wieder mit dem Rätikon zusammenhängt, während andererseits ein auf Verrucano und Rötidolomit ruhender Lias- und Flyschstreifen von den Bergünerstöcken her über die Kette des Piz Uertsch am Albulapass nach dem Engadin zieht und das mittelbündnerische Kalk- und Dolomitgebirge mit demjenigen der Ofenpassgruppe verbindet.
Dieser Albulastreifen bildet ein System n. übergelegter Falten und ist ähnlich demjenigen von Stalla nach Samaden durch zwei ungefähr parallele Verwerfungsspalten von den Nachbargebieten getrennt. Auch im Hauptteil der mittelbündnerischen Trias beobachtet man vielfach verkehrte Lagerung der Gesteine, ältere Schichten auf jüngern, selbst Trias auf Flysch (z. B. auf beiden Seiten des Albulathals von Tiefenkastel bis Filisur), und erklärt sich dies durch grosse liegende Falten oder neuerdings durch von O. nach W. erfolgte Ueberschiebungen, wobei dann der Flysch als Grundgebirge, die Trias als Ueberschiebungsdecke erscheint.
4. Die Silvrettagruppe
im weitern Sinn erstreckt sich als flacher, nach N. geöffneter Bogen an der NO.-Grenze Graubündens von Sargans bis Landeck und wird im S. vom Prätigau und Unter Engadin, im N. vom Montavoner- und Paznaunthal begrenzt. Die zwei ersten dieser Thäler verbindet der Flesspass (2452 m), die zwei andern das Zeinisjoch (1852 m). Das Ganze ist ein typisches Kettengebirge mit fiederförmiger Gliederung und annähernd gleichmässiger Entwicklung beider Abdachungen, immerhin so, dass die Seitenzweige auf der N.-Seite zahlreicher und zum Teil auch etwas länger sind als auf der S.-Seite. Als Silvrettagruppe im engern Sinn bezeichnet man das stark vergletscherte Mittelstück zwischen dem Schlappinerjoch (2190 m) im W. und dem Fimberpass (2605 m) im O. Westl. schliesst sich der Rätikon, östl. das Samnaungebirge an.
Die engere Silvrettagruppe stellt als Ganzes ein zentralmassivisches Gewölbe dar, von dessen wö. streichender Scheitellinie die Gesteinsbänke und Schichten antiklinal nach N. und S. fallen, während sie in der Mittelzone annähernd senkrecht stehen. Die Hauptgesteinsarten sind helle Gneise u. Glimmerschiefer und dunkle Hornblendegneise und Hornblendeschiefer, die vielfach miteinander abwechseln und den Felswänden ein eigentümlich gebändertes Aussehen geben.
Die meist aus weiten Gletschern aufragenden Gipfel sind von hoher Formenschönheit und wechseln in allen Gestalten von massigen Stöcken und scharfkantigen Pyramiden bis zu schlanken Türmen und feinen Nadeln. Im Zentrum steht der Piz Buin (3316 m), ein Aussichtspunkt ersten Ranges und Lieblingsziel der Touristen in diesem Gebiet. Nw. davon folgen in der Grenzkette zwischen der Schweiz und Oesterreich das Signalhorn (3212 m), das Silvrettahorn (3248 m) und die kühn gezackten Seehörner mit dem Gross Litzner (3111 m) und Gross Seehorn (3123 m), sw., teils in der Wasserscheide zwischen Landquart und Inn, teils abseits davon, das Verstanklahorn (3301 m), wohl die schönste Gestalt der Silvrettagruppe, dann die Riesenpyramide des Piz Linard (3414 m), die abschreckend schroffen Plattenhörner (3221 und 3205 m) und der Piz Fliana (3248 m), endlich in dem nach O. verlaufenden Hauptkamm der Dreiländerspitz (3112 m), vom Piz Buin getrennt durch das Eisjoch des Fermuntpasses (2802 m), dann die Jamthalspitzen (3175 und 3169 m), der Gemsspitz (3114 m), der doppelgipflige Augstenberg (3234 m), der Piz Faschalba oder Grenzeckkopf (3051 m), der Piz Tasna (3183 m) und in einer n. Auszweigung das dreigezackte Fluchthorn (3403, 3402 und 3344 m). Von den gegen das Engadin vorspringenden Gipfeln sind der Piz Cotschen (3034 m) und der Piz Minschun (3071 m) die bedeutendsten.
Die Gletscher der Silvrettagruppe sind nach denjenigen der Berninagruppe die ausgedehntesten in Graubünden. Sie nehmen eine Fläche von etwas über 90 km2 ein und bilden von den Quellen der Landquart bis zum Futschölpass (2773 m) ein kaum unterbrochenes, aber mehrfach gegliedertes Eismeer, aus welchem sich der Silvretta- und der Verstanklagletscher nach W., der Tiatschagletscher nach S., der Fermunt- und der Jamthalgletscher nach N. senken. Dazu kommen die Gletscher der Fluchthornkette.
Die Hochgebirgslandschaften im Umkreis dieser Gletscher gehören zu den schönsten und grossartigsten im Gebiet der rätischen Alpen und ziehen denn auch einen immer mehr anwachsenden Touristenstrom an. Ausser verschiedenen hochgelegenen Berggasthäusern erleichtern nicht weniger als 7 Klubhütten die Bereisung dieser herrlichen Bergwelt: die Silvretta-, Vereina- und Linardhütte des S. A. C. auf der W.- und S.-Seite, das Madlenerhaus, die Wiesbadener-, Jamthal- und Heidelbergerhütte des Deutschen und Oesterreichischen Alpen Vereines auf der N.-Seite.
Auch die Pässe, lauter hohe Eisjoche, kommen nur für den Touristenverkehr in Betracht. Der Silvrettapass (3013 m), der Fermuntpass (2802 m) und das Jamjoch (3082 m) verbinden das Val Tuoi und Guarda im Unter Engadin mit den drei grössten Gletschern und den daran gelegenen Hütten, resp. mit Klosters (Prätigau), Pattenen (Montavon) und Galtür (Paznaun). Vom Val Tasna (Unter Engadin) führt der Futschölpass (2773 m) nach dem Jamthal und die Fuorcla Tasna (2857 m) nach dem Fimberthal. Auch die grossen Gletscher sind unter sich durch touristisch vielbenutzte Eisjoche verbunden, so der Fermuntgletscher mit dem Firnbecken La Cudèra und mit dem Silvrettagletscher durch die Fuorcla del Confin ¶