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Der Matratzenboom - Stories aus den Jahren 1987 bis 1991
Erster Flug First - Höhenmatte (17.03.1990)
Von Stauffer Roland
Am frühen Nachmittag Start von Grindelwald-First. Via Waldspitz, Reeti, Schynige Platte nach der Höhenmatte in Interlaken. Fluggerät war ein legendärer "Trilair" von "Ailes de K". Für diesen Flug nach Interlaken war von Bucher Edi ein Preis von Fr. 200.-- und einer Flasche Champagner ausgesetzt geworden. Post Roli holte sich den Preis ab und dem Vernehmen nach sei sein Kopfweh am Tag danach nicht bloss auf den langen Aufenthalt in der Höhe zurück zu führen gewesen.
Blätz und das schlechte Material (1990)
Von Blätz
Während Blätz's besten Akrojahren waren Stalls und Vrillen non-stopp und ohne auszuleiten über 1000 oder 2000 Meter Höhendifferenz an der Tagesordnung. Blätz mal wieder an einem Abendflug. Über 1000 Meter Höhendifferenz Vrillen links, Vrillen rechts, diverse Stalls... und landet perfekt. In dem Moment wo der Schirm auf den Boden fällt, fällt auch ein Traggurt auch auf den Boden! Blätz erblasst! Es ist ein Stahl-Karabiner mit einem mechanischen Konstruktionsfehler, denn diese Karabiner haben an beiden Enden ein Gewinde. Wenn der Stahlkarabiner 2/10mm gegeneinander verschoben wird, klemmt das Gewinde. So hat der Pilot beim Zudrehen das Gefühl, dass der Karabiner geschlossen ist. Der Karabiner war also gar nie richtig geschlossen und biegt sich während den Stalls und Vrillen von der Belastung auf. Der Traggurt hing noch an den Gewinderillen. So kann der Gurt nach der Landung, wenn er nicht mehr belastet wird, schön aushängen. Damals flog man noch meist ohne Rettungsschirm!!
Toni Wyss Fluglehrer -> hatte eine halbe Herzbarakke (1990)
Von Blätz
Post-Roli, Post-Hänsel und Blätz haben sich folgenden Spass mit Wyss Toni erlaubt: "Startleiter" Blätz meldet den Flugschüler Hans beim Fluglehrer Toni, welcher die Schüler während dem Flug per Funk begleitet und am Landeplatz einweist, zum Start an. Sein Programm lautet: Stallpunkt suchen. Toni ahnt natürlich nichts vom heimtückischen Vorhaben, dass sich Post-Roli (Lokalmattador und Akropilot) als Flugschüler Hans mit Hänsels Ausrüstung ausgibt und startet. Kurz nach dem Start funkt Toni seinem Schüler und sagt. " Hänsel, we tu mi verschteischt waggele eis mit de Beinen". Roli "waggeled" natürlich wie verrückt! Toni: "also de chaischt afan bremsen, brems no me, bremsen, gimmu numen, bremsen, bremsen..." Roli reagiert nicht besonders. Toni: "so chom hans, gimmu, bremsen, bremsen". Nun zieht Post-Roli den Schirm voll in einen Fullstall. Toni bleit ganz ruhig und sagt:"loslassen Hans, loslassen". Roli lässt los und leitet den Schirm aus. Aber innerhalb der nächsten drei Sekunden leitet Roli den Schirm wieder voll in den Fulsstall ein. Am Funkgerät hörte man Toni nur noch schreien: "loooooslaaan, loslan, looooslaan, hänsel t armen uehi, loosslan, loslan !" Während Roli bis auf 50 Meter über Boden die schönsten Vrillen und Fullstals fliegt. Tonis Geschrei, welches man mit dem aufsteigenden Wind von Schwarzigen noch auf der First ohne Funk hört, lässt nach und es wird ruhig, als Post-Roli den Schirm ausleitet. Einige Sekunden herrscht Funkstille. Als Toni seinen "Flugschüler" im Landeanflug hat, erkennt er die roten Hosen, wie sie auch Post-Roli hat. Frage an Blätz: " ischt das Post-Roli " ? Blätz: Äämm, dr nägscht ischt startbereit" ! Toni wiederholt seine Frage. Blätz: "ja". Toni: "das ischt also e schissdräck, i han e halbi härzbaracka käben". Toni erholt sich auf diesen Schreck mit einem guten Schnaps von Post-Roli !!!
Dauerflüge im Grindelwaldtal (1990)
Von Stauffer Roland / Hauswirth Thomas
5.8.1990: Schläppi Markus verfehlte den Ueberflug des Eigergipfels bloss etwa um 10 - 15 m. Er stellte dafür mit 5 h 50 Min einen neuen Rekord im Dauerfliegen im Grindelwaldtal auf. Eine Woche später, am 12.08.1990 startete Post-Roli um 1127 Uhr auf dem Startplatz First, mit dem Ziel, den Dauerflug von Schläppi Markus zu überbieten. Dank sehr guter Thermik erreichte Roli am Reeti eine Flughöhe von ca. 3850 mÜM. Nach ca. 3 1/2 Stunden über dem Firstgebiet flog er über das Schwarzhorn, mit einer Flughöhe von ca. 4'000 müM, und von dort aus an die Chrinnenhörner.
Am Wetterhorn kämpfte sich Roli etwa 90 Minuten lang ab, bevor er den Gipfel überfliegen konnte. Den Mettenberggipfel erreichte er nach 5 3/4 Stunden Flugzeit. Er war sich damit gewiss, einen neuen Rekord erflogen zu haben. Sein Ziel war es aber auch, den Dauerflug Rekord soweit als möglich hinaus zu dehnen. Während der "Wartezeit" überflog er also die Gipfel des Ankenbällis und des kleinen Schreckhorns, bevor er schliesslich via Ostegg zum damaligen Landeplatz Gletschertal gelangte. Dort landete er nach 7 h 03 Minuten überglücklich und äusserst durstig. Er wurde durch etwa 12 Gleitschirmkollegen erwartet, welche ihn beobachtet hatten und nun natürlich genau wissen wollten, wie dieser Rekordflug aus Pilotensicht verlaufen sei. Roli hatte einen Flug erlebt, welcher noch heute jeden Piloten mit Stolz erfüllen würde.
Edi the Eagle Bucher und der saubere Schnitt (1989/1990)
Von Blätz
Uebrigens Edi war der erste Tandem Pilot in Grindelwald. Als Edi zu einem weiteren Flug auf First ansetzt und Richtung Walspitz fliegt, wird ihm die damalige Flugleistung zum Verhängnis. Er bleibt mit dem Passagier in einer Tanne hängen, natürlich zuoberst auf dem Gipfel. Nachdem er und sein Passagier heil vom Baum runter geklettert sind, entscheidet sich der kühl und radikal kalkulierende Edi für die schnelle Variante: Der Schirm wird in der Mitte mit einem Messer getrennt, damit er ihn so besser von der Tanne runterholen kann. Ein paar Tage später ist der Schirm wieder sauber zusammengenäht und repariert. Nun kann Edi die Bäume auch wieder von oben betrachten.
Schläppi Markus und der Handschuh (1988/1989)
Von Blätz
Schläppi Markus: Nachdem Markus sein "10 Duck" ausgelegt hat und starten will, bemerkt er dass ein Handschuh fehlt. Er denkt sich, der wird schon wieder auftauchen und startet in Mürren Richtung Lauterbrunnen. In der Luft stellt er fest, dass sich sein Handschuh in einer Kammer seines Schirmes versteckt hat. Das passierte beim Auslegen, da er die Handschuhe vorne in die Jacke gestossen hatte. Wer Markus kennt, weiss dass er nicht nur ein Geradeausflieger ist. Kurzentschlossen macht er einen seiner super Wingover und schon fliegt der Handschuh vorne aus der Kammer raus. Als ob das nicht schon Kunststück genug wäre, stimmt auch das Timing perfekt, der Handschuh fliegt direkt auf ihn zu und er fängt ihn ganz cool ! Das ist Märkel und sicher nur ein einziges Mal möglich!!
Blätz: Not macht erfinderisch (1987/1988)
Von Blätz
Blätz Ueltsch absolviert die Lehre als Maschinenmechaniker am Eigergletscher. Natürlich fliegt er mit dem Delta vom Eigergletscher nach Hause. Im Winter wird ihm immer wieder der tiefe Schnee und der Rückenwind zum Verhängnis, so dass er nicht immer auf der flachen Piste starten kann. Da er aber auf jeden Fall einen Feierabendflug machen will, muss er sich also etwas einfallen lassen. Seine Idee ist: Mit Rückenwind muss man einen Klippenstart machen ! Und eine Klippe befindet sich ja direkt neben seiner Arbeitsstädte, die Felswand Richtung Salzegg. Das Problem ist nur, vor der Klippe hat es ein bis zwei Meter Pulverschnee auf einer Breite von drei Metern, dann kommt die Felswand. Doch er weiss sich zu helfen: Er nimmt kurzerhand einen ca. 30 cm breiten und drei Meter langen Holzladen und legt ihn auf den Pulverschnee. So kann er mit viel Konzentration und zwei drei Schritten, mit dem 40 kg schweren Delta und Rückenwind, über diesen Laden stolpern und auch dieses Hindernis ist überwunden. Blätz gelingt so der Klippenstart und kommt doch zu seinem Feierabenflug!!