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Von der dezidiert vorgetragenen Aufforderung, das Land zu verlassen – und wie es kam, dass dieselbe ihre Wirkung letztlich aufgrund eines Zufalls nicht voll zur Entfaltung bringen konnte.
Vor noch gar nicht so langer Zeit fand ich in meinem Briefkasten ein kleines Paket. Arglos öffnete ich die anonyme Einsendung und fand darin ein Zellophanbeutelchen mit einem nicht näher zu identifizierenden Inhalt vor sowie ein Zettelchen, auf dem mir per Schreibmaschine mitgeteilt wurde, dass für mein Bleiben in der Eidgenossenschaft durchaus kein Anlass bestehe, sondern dass ich vielmehr zusehen sollte, Land zu gewinnen. Vorausgesetzt, mir liege etwas an meiner irdischen Existenz.
Die wenig freundliche Aufforderung veranlasste mich, den Inhalt des Zellophanbeutelchens nicht eingehender zu untersuchen, sondern stattdessen die Zusendung beim nächstgelegenen Polizeiposten abzuliefern und mich über das weitere Vorgehen beraten zu lassen.
Selbstverständlich stellte sich mir die Frage, welchem Mitmenschen meine Anwesenheit in der Schweiz ein solcher Stachel im Fleisch sein konnte, dass er sich die Mühe machte, mir ein entsprechendes Typoskript zu liefern. Und die Mühe war in der Tat gross, denn der ebenso besorgte wie wehrhafte Eidgenosse schien nicht unbedingt ein Freund des schriftlichen Ausdrucks zu sein. Der Hinweis, dass ich dreckiger Ausländer schon genug von diesesm Land «profidiert» hätte, war mir allerdings genauso wenig Anlass zur Belustigung wie die nicht anders als abenteuerlich zu nennende Verwendung (wohl eher: Schändung) des Kommas im Allgemeinen. Und sogar die augenscheinlichen Mängel bei elementarsten Satzstellungsregeln nahm ich eher beiläufig zur Kenntnis.
Übrigens gehe ich davon aus, dass der Absender in Tat und Wahrheit eine Absenderin war, die vermutlich mit der Anruferin gleichzusetzen war, die mir anlässlich zweier vorgängig erfolgter anonymer Anrufe unter Verwendung von Fäkalsprache ihre Unzufriedenheit mit mir als Person zur Kennntnis zu bringen beliebte.
Jedenfalls sass ich etwas später im Büro eines nicht unfreundlichen, aber auch nicht sonderlich interessierten Polizeibeamten. Er gab sich reichlich unverbindlich, und mein Hinweis, der Inhalt des Zettels sei meines Erachtens nicht als Beleidigung, sondern als Drohung aufzufassen, erschütterte ihn in einem eher überschaubaren Mass. Nun ja, er hatte in solcherlei Dingen ja bestimmt auch deutlich mehr Routine als ich.
Nun, dass die Sache im Sand verlief, brauche ich wohl nicht eigens zu erwähnen. Doch die ganze leidige Geschichte hatte doch auch noch eine kleine Pointe, die ihr einen gewissen Unterhaltungswert verleiht. Als ich nämlich mit dem Polizeibeamten im Gespräch war, merkte ich, dass ihm immer unwohler wurde. Bis er mir plötzlich mitteilte, dass er es kaum mehr aushalte und das Paket auf den Fenstersims legen sowie das Büro durchlüften müsse. Denn ganz offensichtlich bestand die Zuwendung, die mir die Person machen zu müssen glaubte, aus Exkrementen (welcher Natur wurde mit nie mitgeteilt).
Nun, bedauerlicherweise laborierte ich just zu dem Zeitpunkt an einem höchst hartnäckigen Schnupfen herum, so dass ich schlicht und einfach nichts riechen und nichts schmecken konnte. Ich würde sagen: Für mich war das Timing deutlich besser als für die Person, die mir die Aufforderung, zu Gehen, zukommen liess.
Autobiografische Notiz
Ich wurde 1970 in Bern geboren und besuchte daselbst alle Schulen bis zum Hochschulabschluss. Ich habe bis heute immer in Bern gelebt.