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Nach erbittertem Ringen ersteigerte VW die Rechte an Bentley. Nun tragen die Investitionen aus Wolfsburg erste Früchte.
Bentley und Rolls-Royce, das war eine über 67 Jahre miteinander verbundene Schicksalsgemeinschaft. 1931 musste Bentley-Gründer und -Besitzer W.O. Bentley Konkurs anmelden; das von ihm 1919 gegründete, auf sportliche Wagen spezialisierte Unternehmen wurde von Rolls-Royce aufgekauft. Fortan führte die Zweitmarke Bentley unter der Regie von Rolls-Royce ein Schattendasein. In den Sechzigern und Siebzigern waren die beiden Marken optisch und technisch identisch, der Unterschied lag nur in Kleinigkeiten. 1998 wurde Rolls-Royce von der Muttergesellschaft, dem englischen Vickers-Konzern, nach einem Bietergefecht zwischen BMW und Volkswagen an VW verkauft. Danach folgte ein erbitterter Rechtsstreit der beiden Kontrahenten um die Namensrechte von Rolls-Royce, die beim britischen Flugzeugmotorenhersteller Rolls-Royce plc lagen. Dieser unterhielt enge Beziehungen zu BMW, und so ging der Zuschlag an den Münchner Autohersteller: Für 40 Millionen Pfund gingen die Namensrechte von Rolls-Royce an BMW. VW hatte nun zwar für 1,2 Milliarden Franken das Automobilwerk von Rolls-Royce in Crewe und den Namen Bentley erworben, aber eben nicht den Namen Rolls-Royce. Die damaligen Konzernchefs von VW, Ferdinand Piëch, und BMW, Bernd Pischetsrieder, einigten sich daraufhin in einem Gentlemen’s Agreement auf einen speziellen Plan. Bis Ende 2002 produzierte VW unter der Lizenz von BMW weiterhin Rolls-Royce mit Motoren von BMW in Crewe. Danach zog BMW mit Rolls-Royce in eine neue Fabrik im südenglischen Goodwood.
An die 750 Millionen Euro haben die Deutschen zwischenzeitlich auf dem Werkgelände investiert, die Produktionsanlagen wurden erneuert, an neuen Modellen gearbeitet. Seit 2004 tragen die marketingtechnischen Massnahmen und Investitionen Früchte: Während Rolls-Royce und Bentley in der Zeit zwischen 1998 und 2002 zusammen zwischen knapp 1400 und 1600 Fahrzeuge pro Jahr verkauften, waren es 2004 sensationelle 6576 Autos – allerdings nur Bentley allein, ein Erfolg, der durch das Sportcoupé Continental GT herbeigeführt wurde. Zum ersten Mal schrieb das Unternehmen schwarze Zahlen. 2005 wird, so wie es derzeit aussieht, ebenfalls ein gutes Jahr; bis und mit August wurden bereits 4262 Fahrzeuge verkauft.
Damit werden wohl auch die Unkenrufe verstummen, die Volkswagen begleitet haben, seit sie Bentley gekauft hatte. Von dem Milliardengrab Bentley war die Rede und davon, dass sich die Konzernchefs Piëch und Pischetsrieder mit dem Einkauf ins Luxussegment ein Denkmal setzen wollten. Tatsache ist, dass der Konzern derzeit mit Umsatzproblemen und Absatzeinbrüchen vor allem bei der Marke VW zu kämpfen hat.