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Bühler-Egg Eduard, Industrieller, 1833-1909
Nach dem frühen Tode seines Vaters musste Eduard Bühler mit 23-jährig die Leitung des Familienbetriebes übernehmen. Auf seine Initiative wurde der Betrieb 1859 in zwei Spinnereien aufgeteilt. Sein Onkel Johann Heinrich Bühler führte die obere Fabrik unter dem bisherigen Namen J.J. Bühler & Söhne weiter. Die untere Fabrik erhielt den Namen Ed. Bühler & Co. Eduard Bühler und seine Nachkommen führten das Unternehmen weit über 100 Jahre weiter.
Eduard Bühler kam am 24.8.1833 zur Welt und verstarb am 10.2.1909 in Winterthur. Er war Sohn des Heinrich, Spinnereibesitzers und Enkel des Johann Jakob Bühler, dem Firmengründer. Er heiratete 1861 Fanny Egg, die Tochter des Johann Ulrich Egg, Kaufmann von Winterthur. Nach dem Besuch der Industrieschule in Winterthur und einer mehrjährige Ausbildung in der Baumwollbranche in Le Havre (Normandie), England, Nordamerika und Kuba trat er 1856 in die Firma J.J. Bühler & Söhne ein. Mit dem Tode seines Vaters 1856 kam Eduard Bühler in eine schwierige Situation. Im Alter von erst 23 Jahre hatte er die Interessen seiner Mutter und seiner zwei Schwestern zu vertreten.
Ihm gegenüber standen sein Onkel Hansheinrich mit seinen drei Söhnen. Obwohl alle in einem recht guten Einvernehmen lebten beantragte Eduard die Teilung der Firma. Er wolle im Frieden auseinander gehen, bevor allenfalls Streitigkeiten ausbrechen könnten. 1857 erwarb Eduard Bühler das Haus „Zum Grundstein“ samt Hinterhaus und einem Garten „an der Promenade“ (beim heutigen Reinhart-Museum), womit das Unternehmen Sitz in Winterthur nahm. Im Erdgeschoss wurde das Büro eingerichtet und im Hinterhaus das Garn- und Tuchlager platziert. Im zweiten Stock wohne er selbst und im dritten Stock bezog seine Mutter Barbara Bühler-Guyer (1803-1881) jeweils ihr Winterquartier.
1858 wurde das Unternehmen zwischen Bühler-Egg und seinem Onkel Johann Heinrich (1804-66) aufgeteilt. Bühler gründete im gleichen Jahr die Firma Ed. Bühler & Co. in Winterthur mit der unteren Spinnerei in Kollbrunn. Die obere Spinnerei wurde durch die andere Familie unter dem bisherigen Namen J.J. Bühler & Söhne weitergeführt. Eduard eröffnete 1859 eine mechanische Weberei in Weinfelden (um 1900 ca. 350 Arbeitskräfte). Er heiratete am 30. April 1861 Fanny Egg, die zweite Tochter von Oberst und Grosskaufmann Johann Ulrich Egg zum „Sonnenhof“ an der Technikumstrasse (heute Technikum-Erweiterungsbau) und Stephanie Greuter. Ihr natürliches Wesen trug viel für das Wohlergehen des Betriebes und der Familie bei. Gemeinsam mit ihrer Schwiegermutter nähte und strickte sie das ganze Jahr hindurch mit den Dienstboten für Unterstützungsbedürftige. 1866 erwarb Eduard Bühler-Egg von Jakob Andreas Biedermann verschiedene Grundstücke im Lind. Zusammen ergaben diese Landstücke einen grossartigen Park. In diesen liess er sich von 1867 bis 1869 nach den Plänen des Basler Architekten Friedrich von Rütte (1829 – 1903) ein Landhaus an der Lindstrasse 8 bauen. Als Bauführer kam Ernst Jung von Basel nach Winterthur. Jung blieb in Winterthur und baute in der Folge viele Villen und Arbeitersiedlungen. 1871 war Bühler Mitbegründer, bis 1883 Verwaltungsrat, 1871-81 Präsident des leitenden Ausschusses der Schweiz. Lokomotiv- und Maschinenfabrik. Er war Mitinitiator der Tösstalbahn.
Sein Sohn Eduard Bühler (1862-1932) beteiligte sich in den 1920er Jahren an der Spinnerei Textil AG in Schwanden (GL), zu der auch eine Spinnerei in Landeck (Tirol) gehörte. Seine Tochter Fanny Sulzer-Bühler (1865-1948) schrieb in den 1930er Jahren ihre Erinnerungen an die Familie nieder (1973 publiziert). 1932 traten Eduards Söhne Hans (1893-1967), Gatte der Marguerite geb. Volkart und ab 1922 Besitzer des Schlosses Berg am Irchel, sowie Robert in die Geschäftsleitung ein. Im selben Jahr schloss die Firma infolge der Weltwirtschaftskrise die Weberei in Weinfelden. 1960 kaufte sie die Spinnerei Rikon AG in Zell (ZH) für die Verarbeitung von Kunstfasern. 1968 wurde die Bühler Holding AG errichtet, 1970 das Stammhaus in die Ed. Bühler AG umgewandelt. 1971 ging die Unternehmensleitung an Hans' gleichnamigen Sohn (1921-86) über. Wegen Verlusten stellte die Bühler Holding AG 1983 den Betrieb in Rikon ein und trennte sich 1988 von der Fabrik in Landeck. 1989 kaufte die Schmid AG, Gattikon (Verwaltungsratsdelegierter Adrian Gasser), die Betriebe in Kollbrunn und Schwanden. Schwanden wurde geschlossen, Kollbrunn wegen angeblichem Messingkäferbefalls 1990 stillgelegt, nach einer Modernisierung wieder geöffnet, 1994 aber während eines Arbeitskonflikts definitiv geschlossen.
Eduard Bühlers Leben war gekennzeichnet durch seine sprichwörtliche Gründlichkeit. Tage und Wochen waren streng nach einem festen Fahrplan organisiert. Dazu gehörte auch die Essenszeit von 12.15 und 19.00 Uhr. Dreimal in der Woche , am Dienstag, Donnerstag und Samstag ging er in den „Göggel“ (Rheinfels), wo er von 20 bis 22 Uhr sein Schöppchen trank und mit den Göggelfreunden politisierte. Da er sehr belesen war und zwar auch englische und französische Publikationen waren seine Ansichten sehr geschätzt. Diese Göggelabende waren ihm heilig. Jede andere Einladung zu diesen Terminen wurden abgelehnt. Immer mit dabei war zum Beispiel Dr. Theodor Ziegler-Rothpletz (1832-1917), sein Freund und glänzender Anwalt, noch heute „berühmt“ durch seine unglückliche Mitwirkung in der Nationalbahnaffäre.
Nebst dem Lesen waren die Pferde seine zweite Passion. Anfänglich war es das Reiten, später das Wagenfahren, wie sich Bühler gut und gerne fortbewegte. Er bekannt, dass er sich mit Ross und Wagen in schnellem Tempo durch die Gassen fuhr. Kamen ihm Passanten in den Weg, pfiff er mit zwei Fingern so schrill, dass er sofort freie Bahn hatte.
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