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Die Ausgangslage für Super Bowl XXXVI war klar und eindeutig: Die New England Patriots wurden bei den Buchmachern als krasse Aussenseiter gehandelt. Die Prognosen sahen sie mit 16 Punkten Rückstand verlieren. Ein Sieg des Teams aus Boston gegen die gut geschmierte Angriffsmaschinerie der St. Louis Rams war schlicht undenkbar. Doch Super Bowl XXXVI brachte keine Kanterniederlage, sondern ein bis zum Schluss spannendes Spiel und die nach Super Bowl III zweitgrösste Überraschung in der Super Bowl-Geschichte.
Zwar lief die Rams-Offense wie erwartet auf Hochtouren und erspielte total 427 Yards – die Patriots-Offense hingegen «nur» 267 Yards –, doch konnten sie diesen Feldvorteil gegen die von Head Coach Bill Belichick hervorragend eingestellte Defense der Patriots nicht in Punkte ummünzen. Im Gegenteil: Die Verteidiger der Patriots eroberten dreimal den Ball, aus welchen New England seinerseits 17 Punkte machte.
Die Rams gingen im ersten Viertel durch ein 50 Yards-Field Goal ihres Kickers Jeff Wilkins in Führung. Doch in der Mitte des zweiten Viertels erzielten die Patriots den ersten Turnover: Cornerback Ty Law fing einen Pass von Rams-Quarterback Kurt Warner ab und lief unberührt 47 Yards der Seitenlinie entlang zum Touchdown. Anderthalb Minuten vor dem Ende der ersten Halbzeit dann der zweite Ballverlust der Rams: Warner fand mit einem 15 Yards-Pass Wide Receiver Ricky Proehl an der 40 Yard-Linie der Patriots, doch dieser verlor beim anschliessenden Tackle den Ball, welcher von den Patriots erobert werden konnte. Patriots-Quarterback Tom Brady – der die Saison nach als Backup für den später verletzungsbedingt ausgeschiedenen Drew Bledsoe begonnen hatte – führte sein Team mit schnellen Spielzügen übers Feld und fand 21 Sekunden vor dem Ende der ersten Hälfte Wide Receiver David Patten frei in der Endzone.
Die Defense der Patriots hatte die Offense der Rams auch in der zweiten Hälfte gut im Griff und so bauten die Patriots ihren Vorsprung im dritten Viertel durch ein Field Goal ihres Kickers Adam Vinatieri auf 17:3 aus. Und im vierten Quarter kam es noch besser: Bei einem vierten Versuch und Goal an der 3 Yard-Linie der Patriots lief Warner selber, fumbelte aber beim Tackle den Ball, welcher von Safety Tebucky Jones aufgenommen und übers ganze Feld zum Touchdown für die Patriots zurückgetragen wurde. Doch der Spielzug wurde wegen einer Holding-Strafe annulliert und zwei Spielzüge später erlief Warner aus zwei Yards den Touchdown für die Rams. Statt 24:3 hiess es plötzlich wieder 17:10. Und anderthalb Minuten vor Ende konnten die Rams dann doch noch ausgleichen: Warner fand mit einem 26 Yards-Pass Wide Receiver Ricky Proehl und dieser tauchte zum 17:17 in die Patriots-Endzone. Die erste Verlängerung in der Super Bowl-Geschichte drohte.
Doch in dieser Situation schlug die grosse Stunde von Tom Brady: Ohne Timeouts und mit anderthalb Minuten auf der Uhr komplettierte er, angefeuert vom Publikum, welches längst Partei für den krassen Aussenseiter ergriffen hatte, drei Pässe zu Backup Running Back J.R. Redmond, bevor er nach einem unvollständigen Pass 23 Yards zu Wide Receiver Troy Brown und anschliessend 16 Yards zu Tight End Jermaine Wiggins passte. Sieben Sekunden vor Schluss standen die Patriots somit an der 30 Yard-Linie der Rams, wo Brady den Ball spikte. Kicker Adam Vinateri machte es anschliessend besser als Bills-Kicker Scott Norwood elf Jahre zuvor und verwandelte das 48 Yards-Field Goal bei auslaufender Uhr mit traumwandlerischer Sicherheit. Super Bowl XXXVI wurde so zur ersten Super Bowl, welche erst mit dem allerletzten Spielzug entschieden wurde.
St. Louis Rams
17
3
0
0
14
New England Patriots
20
0
14
3
3
SLR – FG – Wilkins 50 Yards
NE – TD – Law 47 Yards-Interception Return (Extrapunkt Vinatieri)
NE – TD – Patten 8 Yards-Pass von Brady (Extrapunkt Vinatieri)
NE – FG – Vinatieri 37 Yards
SLR – TD – Warner 2 Yards-Lauf (Extrapunkt Wilkins)
SLR – TD – Proehl 28 Yards-Pass von Warner (Extrapunkt Wilkins)
NE – FG – Vinateri 48 Yards