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Im Frühling wird jeweils feierlich der Kohlemeiler im Ittinger Wald entzündet.
Die Geschichte des Köhlerhandwerks
Seit dem Altertum und bis ins 19. Jahrhundert wurde Holzkohle verwendet für die Gewinnung von Metallen. Da Holzkohle fast vollständig aus chemisch reinem Kohlenstoff besteht, erzeugt sie beim Verbrennen eine grössere Hitze als Holz. Diese Hitze brauchte man, wollte man in den damaligen einfachen Schmelzöfen die notwendige Wärme erzeugen.
Daneben verwendeten die Schmiede grobe Holzkohle für ihre Essen, feinere Holzkohle brauchten die Nagelschmiede, und im Laufe der Zeit wurde sie auch in privaten Haushalten geschätzt für den Betrieb von Bügeleisen oder zum Erhitzen von Wasser. Noch heute arbeiten Gold- und Kupferschmiede mit Holzkohle.
In allen grossen Waldgebieten, sowohl im Jura wie in den Voralpen und Alpen wurde früher das anfallende Holz, das nur mühsam abtransportiert werden konnte, direkt im Wald zu Holzkohle verarbeitet. Die Köhler lebten oft unvorstellbar einfach in abgeschiedenen Wäldern und kamen viele Wochen lang kaum mit einem Menschen in Kontakt. Kein Wunder also, dass sich manche dieser Köhler zu regelrechten Sonderlingen entwickelten.
Auf alten und noch gebräuchlichen Landkarten weisen in vielen Gemeinden Flurnamen wie Cholgrueb, Cholplatz, Cholholz, Choltobel oder Pächloch auf das schwarze Handwerk hin. Cholgrueb und Pächloch deuten an, dass Holz nicht nur in Meilern, sondern auch in Gruben verkohlt wurde. Zur Holzkohlenherstellung braucht es Wasser, deshalb wurden die Meiler oder Gruben immer in der Nähe von Bachläufen angesiedelt.
Auch in Ittingen wurde Holzkohle gebrannt. Ganz in der Nähe der ehemaligen Klosteranlage findet sich der Flurname Kohlhütten. Im amtlichen Vermessungswerk der 1980-er Jahre noch eingezeichnet, ist diese Flurbezeichnung heute aber verschwunden.
Das allmähliche Aus für die Holzköhlerei begann im 19. Jahrhundert, als die Steinkohle die Holzkohle langsam ersetzte und später auch Gas und Elektrizität an Bedeutung gewannen. Der Zweite Weltkrieg löste in der Schweiz nochmals eine starke Nachfrage nach einheimischer Holzkohle aus. 1944 sollen 14 000 Motorfahrzeuge mit Holz oder Holzkohle angetrieben worden sein.
Heute rauchen in der Schweiz Kohlemeiler noch im Entlebuch sowie im Freilichtmuseum Ballenberg regelmässig.
Das Wort Meiler geht auf das lateinische Zahlwort mille, also tausend zurück. Daraus entwickelte sich das Lehnwort Meiler, was etwa „grosse Stückzahl“, in unserem Falle von aufgeschichtetem Holz, bedeuten kann.
Meileraufbau
Im Ittinger Wald werden jedes Jahr 30 bis 50 Ster bester Buchenholz-Spälten zu einem Meiler aufgeschichtet. Zum Köhlern sucht man sich einen windgeschützten, ebenen Platz. Der Wind kann zum grossen Spielverderber werden. Auch Wasser braucht der Köhler immer. Der Rost am Boden sorgt für die nötige Luftzufuhr. In der Mitte bilden drei bis vier miteinander verbundene Stangen oder auch speziell angeordnete Spälten den Feuerschacht, in der Fachsprache Füllihuus oder Quandelschacht genannt.
Das Aufschichten der Holzscheite erfolgt möglichst kompakt, damit das Holz gleichmässig verkohlt. Die unebenen Stellen an der Oberfläche werden sorgfältig mit Kleinholz ausgefüllt. Eine glatte, möglichst kompakte Oberfläche erleichtert das Abdecken des Meilers. Zuerst kommt eine Schicht Tannenreisig, Laub oder Gras direkt auf das Holz zu liegen. Diese Schicht trennt das Holz vom äusseren Mantel, der sogenannten Löschi, welche aus einem Gemisch aus Erde und Holzkohlenabfall von früheren Meilern besteht. Dieser Mantel muss feuerfest, weitgehend luftdicht, verformbar und wasserdampfdurchlässig sein. Die feuchte Löschi aufzubringen ist schwerste Handarbeit.
Holzverkohlung
Um den Verkohlungsprozess in Gang zu bringen, werden brennende Holzkohlestücke von oben ins Füllihuus geschüttet Nach etwa acht Stunden wird dieser Schacht mit einer Metallplatte verschlossen. Im Innern des Meilers kann jetzt der Schwelbrand beginnen. Die Verkohlung erfolgt trichterförmig von innen nach aussen und von oben nach unten. Mit dem sogenannten Anfahren des Kohlemeilers beginnt für den Köhler ein 24-Stunden-Betrieb für etwa 10 bis 12 Tage. Alle zwei bis drei Stunden muss am Meiler gearbeitet werden.
Wie die Holzverkohlung funktioniert
Bei steigender Hitze entweicht bei Temperaturen um den Siedepunkt zuerst Wasserdampf aus dem Meiler, bevor die Zersetzung des Holzes beginnt und flüchtige Stoffe ausgetrieben werden. Im Innern des Meilers herrschen während der Verkohlung Temperaturen von 300 bis 600 Grad Celsius.
Der Köhler kann den Prozess über die Dosierung der Luftzufuhr steuern. Dazu dienen die Luftlöcher in Bodennähe. Damit Wasserdampf und Rauch entweichen können und der Meiler nicht explodiert, werden Zuglöcher in den Mantel gestochen, schaufelstieldick, kranzförmig angeordnet, oben beginnend. Durch diese Löcher entweicht weisser, wasserdampfreicher Rauch. Wird der Rauch blau oder farblos, zeigt das an, dass die Verkohlung in dieser Zone abgeschlossen ist. Das Loch muss deshalb verschlossen werden. Ein bis zwei Handbreit weiter unten werden dann neue Zuglöcher gestossen. In dieser Zeit sackt der Meiler auf die Hälfte seines ursprünglichen Volumens zusammen. Nach Abschluss der Verkohlung wird durch das Verschliessen aller Löcher die Glut zum Ersticken gebracht.
Dann kommt der grosse Augenblick: Mit Karst und Rechen wird die Kohle ausgezogen, auf einen freien Platz gebracht und ausgekühlt, bevor sie in Papiersäcke abgefüllt wird.
Die Holzkohle aus dem Ittinger Wald eignet sich vor allem zum Grillieren und ist im Klosterladen der Kartause Ittingen erhältlich.