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Zu den Schlüsselelementen eines jeden Bauvorhabens gehören das Abklären der eigenen Bedürfnisse, der Einbezug der Anliegen anderer Betroffener und diese dann bei der Umsetzung zu berücksichtigen. Das Gebäude muss den Erfordernissen des Betriebs entsprechen und sich zugleich optimal in die Umgebung einfügen (Nachbarschaft, Boden, Landschaft usw.).
Bis heute gibt es kein spezielles Planungsinstrument für den Bau landwirtschaftlicher Gebäude, das sowohl den notwendigen Überblick als auch die vielen Entscheidungen, die im Sinne der Nachhaltigkeit getroffen werden müssen, unterstützt. Der Leitfaden soll den Akteuren Hand bieten, um für erfolgreiche und nachhaltige Bauprojekte die wesentlichen Elemente zu identifizieren und zu berücksichtigen.
Die Nachhaltigkeit landwirtschaftlicher Bauten wird verbessert.
Die richtigen Fragen stellen
Die Experten verwendeten das klassische Drei-Säulen-Modell (Umwelt / Ökonomie / Soziales), um die Kernthemen und Schlüsselfragen zur Nachhaltigkeitsbeurteilung landwirtschaftlicher Bauten zu bestimmen. Dieses Bewertungsraster bietet eine Hilfestellung, um das Bewusstsein für die Herausforderungen zu schärfen und dadurch bereits bei der Projektidee die richtigen Fragen zu stellen.
Ein Bauvorhaben erfordert viele Entscheidungen, angefangen bei der Frage, ob überhaupt gebaut werden soll oder nicht. Weiter muss der Fokus auf bestimmte Punkte gelegt werden, um beispielsweise die richtige Melkausrüstung, eine emissionsmindernde Bodenausführung oder eine für die Landschaft harmonische Lösung zu finden. Diese Doppelperspektive zwischen Gesamtsicht und gezielter Auswahl ist unerlässlich und hilft, das Nachhaltigkeitsziel während des gesamten Prozesses im Auge zu behalten.
Der Leitfaden soll den Akteuren helfen, die Tragweite von Entscheidungen zu beurteilen. Hierfür wurden Krite rien und Indikatoren festgelegt, die für die Evaluierung der Nachhaltigkeit des Projekts geeignet sind. Ebenso galt es, Synergien und Zielkonflikte zwischen den Kriterien zu ermitteln: zum Beispiel die Synergien zwischen Materialverbrauch und der Realisierung von einfachen, kostengünstigen und statisch optimierten Bauten. Des Weiteren entstehen je nach Tierhaltungssystem Synergien und Zielkonflikte zwischen den Auflagen des Tierschutzes und der Luftreinhaltung. Anhand des Leitfadens kann der Projektträger die Auswirkungen seiner Entscheide auf andere Aspekte darlegen.
Nachhaltige Baumaterialien
Ein nachhaltiges Baumaterial ist definiert durch:
– den schonenden Umgang mit Ressourcen (Herkunft, Menge, Herstellung) – seine Zusammensetzung (erneuerbares Material) – seine lokale Verarbeitung – die Möglichkeit des Recyclings beim Rückbau.
Nachhaltige Baumaterialien können im gesamten Gebäude eingesetzt werden: für die Tragkonstruktion, Böden, Wände, das Dach oder auch für die Wärmedämmung.
Bei Gebäuden, in denen Tiere untergebracht sind, müssen sie ausserdem für ein gesundes Raumklima sorgen und dürfen während ihres Lebenszyklus keine schädlichen oder giftigen Stoffe freisetzen.
Die wichtigsten Materialien für nachhaltiges Bauen sind
– Holz, das natürlich, erneuerbar und vielseitig ist – Lehm in Form von Bausteinen und Dachziegeln oder als Verputze – Naturfasern für die Isolierung (Hanf, Holzwolle oder -fasern, Kork usw.) – rezyklierte Baumaterialien (z.B. beim Beton).
Auf Bestehendem aufbauen
Der Leitfaden dient als Referenzgrundlage, um wichtige Informationen zum Projekt aufzunehmen und die Folgen bestimmter Entscheidungen zu erkennen. Weiter fördert er den Dialog zwischen den beteiligten Akteuren. Ausserdem sind ein einfacher Zugang zu wichtigen und belastbaren Informationen sowie eine kompetente Begleitung ausschlaggebend, um fundierte Entscheidungen zu ermöglichen. Nebst einer Hilfestellung zur Evaluation soll der Leitfaden allen Akteuren, die das Projekt mittragen, langfristig auch Zugang zu Referenzinformationen ermöglichen.
Im gesamten Bauprozess eingreifen
Der Einbezug der Nachhaltigkeit beginnt bereits mit der Projektidee, bei der die Betriebsstrategie sowie Wünsche und Erwartungen der Familie zu berücksichtigen sind. Anschliessend gilt es, mit allen Akteuren während des ganzen Prozesses gemeinsam auf Kurs zu bleiben (Planung, Ausführung, Nutzung, Weiterentwicklung), um die zu Beginn angedachte Nachhaltigkeit zu erreichen. Somit ist klar, dass diese während des ganzen Bauprozesses zu berücksichtigen und zu beurteilen ist.
Einfach zu handhabender Leitfaden
Für die am Planungsprozess und an der Bauausführung beteiligten Akteure ist entscheidend, über ein einfaches, leicht verständliches und benutzerfreundliches Instrument zu verfügen. Dementsprechend setzt sich die Auswahl der Kriterien und Indikatoren aus einer Mischung qualitativer und quantitativer Daten zusammen, die nicht zu viel Recherche erfordert, um zur gewünschten Information zu gelangen. Der Leitfaden ist so aufgebaut, dass er problemlos von allen Akteuren auf ihre Situation angepasst genutzt werden kann. Dieser Aspekt ist umso wichtiger, als es sich um ein freiwilliges Vorgehen handelt.
Zum jetzigen Zeitpunkt liegen die folgenden Ergebnisse vor:
– Ein Bewertungsraster mit 21 Themen, die auf die drei Säulen der Nachhaltigkeit verteilt sind. Jedes Thema beinhaltet Leitfragen, Kriterien und Indikatoren sowie nützliche Referenzen (bestehende Instrumente, Ansprechpartner). – Bei den Kriterien wurden verschiedene Synergien und Zielkonflikte ermittelt. – Wichtige Eigenschaften des Instruments: Benutzerfreundlichkeit, Variantenstudien, Aufzeichnung der Entscheidungen, Hinweis auf bestehende Instrumente und Verbindungen zwischen den Beteiligten.
Prototyp und künftige Entwicklung
Die nächsten Schritte bis zum Herbst 2023 zielen darauf ab, einen Prototyp zu entwickeln und Benutzertests durchzuführen, die vorerst mit einer kleinen Gruppe und dann in grösserem Umfang erfolgen. Für diese Testphase signalisierten die Akteure bereits ihr Interesse, beispielsweise im Rahmen eines regionalen Entwicklungsprojekts im Berner Jura. Eine operationelle Version des Tools (Webplattform) ist für eine spätere Projektphase vorgesehen, für die noch Finanzmittel gesucht werden.
Beratung und Begleitung beim Bauprojekt
Die Landwirtin und der Landwirt stehen eindeutig im Zentrum des Bauprozesses, da sie sich letztlich für die Entscheidungen und die Finanzierung des Projekts zu verantworten haben. Deshalb sollte die Nachhaltigkeitsbewertung nicht im Alleingang durch die Bauherrschaft erfolgen. Die Begleitung durch ein kompetentes Team in einem klaren und reibungslosen Prozess ist von zentraler Bedeutung. Der Beratungsansatz für eine sinnvolle Nutzung des Leitfadens ist wichtig und kann unter Einbezug der Erfahrungen der Akteure entsprechend angepasst werden. Alle Beteiligten sollen die Möglichkeit haben, die Nutzung des Leitfadens in ihre Arbeitspraxis zu integrieren. Nicht zuletzt leistet das Erheben und Verbreiten bewährter Verfahren und guter Beispiele, insbesondere durch Weiterbildungen, einen zusätzlichen Anreiz, um die Nachhaltigkeit bei landwirtschaftlichen Bauten zu verbessern.
Autoren
Claude Gallay, Agridea, Bauten und Landtechnik, Lausanne
Beat Steiner, Agridea, Bauten und Landtechnik, Lindau
Marc Gilgen, Agridea, ländliche Entwicklung, Lausanne
Danielle Albiker, Agridea, ländliche Entwicklung, Lindau
Weitere Informationen url.agridea.ch /nachhaltiges-bauen oder url.agridea.ch/kom