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Der Voralpen-Express feiert dieses Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt aber, dass die beliebte Zugstrecke bereits vor 1992 bestanden hat. In den folgenden Zeilen nehmen wir die Vergangenheit des Voralpen-Express genauer unter die Lupe.
Text: Carla Ullmann
Foto und Plakat: Aus dem Buch «Bodensee-Toggenburg-Bahn» von Gerhard Oswald
Grafik: sag's
Die Geschichte des Voralpen-Express nahm ihren Anfang mit der Gründung der Bodensee-Toggenburg-Bahn (BT) zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Als 1906 mit dem Gleisbau begonnen wurde, stiessen die Bauarbeiter rasch auf Probleme. Alle, die die Strecke zwischen der Ost- und der Zentralschweiz einmal gefahren sind, wissen um deren landschaftliche Besonderheiten. Die Topografie erschwerte den Bau und dämpfte die anfängliche Euphorie. In der Folge mussten viele Brücken, Viadukte, Tunnels und enge Schleifen gebaut werden. Die Arbeiten gestalteten sich aufwendiger als erwartet, und nur dank der finanziellen Unterstützung der SBB konnte die Strecke von Romanshorn nach Rapperswil 1910 fertiggestellt werden. Die Eröffnung wurde an vielen Bahnhöfen gebührend gefeiert. War die BT-Bahn lange Zeit nur mit ihren roten Zahlen in Verbindung gebracht worden, galt ihr nun das verdiente Lob.
Zusammenarbeit dank Elektrifikation
Die BT-Bahn wurde zu Beginn noch mit Kohle betrieben. Da in den 1920er-Jahren die Kohle- und Schmierstoffpreise stetig stiegen, entschied man sich für den Schritt in die Elektrifikation. Als die Südostbahn, die in der Zentralschweiz verkehrte, im Jahr 1939 ihre Züge ebenfalls elektrifizierte, stand einer erfolgreichen Zusammenarbeit beider Bahnen nichts mehr im Weg. Schon damals sah man den Vorteil, den eine direkte Verbindung von der Ost- in die Zentralschweiz bringen würde. Ermöglicht wurde die sogenannte «direkte Linie» dann in der Blütezeit nach dem Zweiten Weltkrieg: Der Umstieg in Arth–Goldau war nicht mehr nötig, die Verbindung zwischen Romanshorn und Luzern war nun eine direkte. Die Voralpen-Express-Strecke bestand somit bereits im Jahr 1949.
Der Voralpen-Express erhält seinen Namen
1982 führten die Verantwortlichen den Taktfahrplan ein. Die Verbindung zwischen Romanshorn und Luzern wurde nun zweistündlich als Schnellzug und stündlich als Regionalzug aufrechterhalten. Die drei Bahnen SBB, BT und Südostbahn bildeten eine einfache Gesellschaft und hatten je einen Drittel Anteil an der «direkten Linie». In den 1990er-Jahren verdichtete sich das Schienennetz in der Schweiz, sodass das Thema Vermarktung in den Vordergrund rückte. Für eine ideale Vermarktung brauchte es einen einheitlichen Markenauftritt und einen prägnanten Namen. Im Jahr 1992 entschieden sich die drei Parteien für «Voralpen-Express». Das Marketing wurde gemeinsam intensiv vorangetrieben, um den Voralpen-Express in der gesamten Schweiz bekannt zu machen.
Im Jahr 2001 fusionierte die BT mit der Südostbahn zur Schweizerischen Südostbahn AG (SOB), die nun zwei Drittel Anteil an der beliebten Strecke besass. Die Verhandlungen zwischen der SOB und der SBB im Jahr 2012 sind vielen noch heute präsent. Damals kaufte die SOB der SBB den verbliebenen Anteil ab. Von da an ist die SOB die alleinige Inhaberin des Voralpen-Express.
Der Voralpen-Express hat eine turbulente Geschichte hinter sich und war lange Zeit weit von einem Paradeprodukt entfernt. Umso stolzer sind wir, dass sich die Verbindung trotz den anfänglichen Stolpersteinen sowohl bei Pendlern als auch bei Touristen etabliert hat. Indem der Voralpen- Express die Bedürfnisse beider Kundengruppen abdeckt, hebt er sich von anderen Angeboten im Schweizer Schienennetz ab. Somit ist der Voralpen-Express fast schon ein Unikum in der Schweiz. Die Pendlerinnen und Pendler werden fünf Tage in der Woche an den Arbeitsplatz oder zur Schule gebracht. Für sie sind während der Zugfahrt die Steckdose und die Ablage für den Laptop wichtig. Touristen hingegen steigen für Ausflüge und Reisen in den Voralpen-Express und haben andere Bedürfnisse. Sie schätzen die grossen Fenster, die Ablagefläche fürs Gepäck und das Verpflegungsangebot. Die Präferenzen beider Zielgruppen mussten auch aktuell bei der Beschaffung des neuen Rollmaterials beachtet werden. Mit dem Austausch der gesamten Voralpen-Express-Flotte Ende 2019 wird ein neuer Meilenstein in der Geschichte der Bahn gesetzt. Dann wird die einheitliche Flotte in neuem Design auf der Strecke zwischen St. Gallen und Luzern verkehren.