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Krüsi Fritz - Konstrukteur
Fritz Krüsi, Konstrukteur von Weltrang und Wegbereiter des modernen Holzbaus[Bearbeiten]
Wo heute rund um den Globus spektakuläre Holzbauten realisiert werden, ist oftmals eine Krüsi-Maschine beteiligt. Wer kennt diese Maschinenfabrik? Wer kennt diesen Fritz Krüsi?
Ganz knapp hinter der Gemeindegrenze von Speicher, im Gebiet der Landscheide, hat am 24. September 1934 Fritz Krüsi als Sohn des Ehepaars Fritz und Emma Krüsi-Bodenmann das Licht der Welt erblickt. Schon früh musste er in der Landwirtschaft und in der väterlichen Werkstatt anpacken. Dadurch wurde er auch mit Werkzeugen und dem Reparieren von einfachen Geräten und Landmaschinen vertraut. Das regte auch seine Neugier und seine Phantasie an. Er behauptete schon damals, es werde dereinst die Zeit kommen, wo Menschen den Mond betreten werden. Man lachte ihn aus. Fritz besuchte die Primar- und die Sekundarschule in Speicher. Nicht ganz unerwartet begann er 1950 eine Lehre als Mechaniker und Schlosser. Nach dem Lehrabschluss arbeitete er im Kanton Bern, kehrte aber schon nach zwei Jahren zurück in den Familienbetrieb. Im Gegensatz zum Verkauf von Landmaschinen interessierte ihn vielmehr die Verbesserung von Maschinen. Genügte eine Maschine den Vorstellungen seiner Kunden nicht, baute er sie um oder gar neu. Er konstruierte den „Krüsi-Motorheuer“, mit dem man Zetten, Wenden und „Mädlen“ konnte.
1956 heiratete er Amalia Knes, die ihm drei Töchter schenkte. Amalia unterstützte Fritz in seiner Tätigkeit und war für ihn auch für technische und später für unternehmerische Entscheidungen eine wichtige Gesprächspartnerin. Für sein Talent als Konstrukteur sah er im Familienbetrieb zu wenig Freiraum und Unterstützung. Zum Missbehagen seines Vaters beschloss er, sich selbständig zu machen. Im Januar 1961 richtete er im Anbau des damaligen Restaurants Rank seine Werkstatt ein. Das Inventar bestand aus zusammengesuchten alten Geräten. Um den Kredit von 5000 Franken abzuzahlen, musste er vorerst Dreh-, Fräs- und Bohrarbeiten für andere Firmen übernehmen und auf das eigene Konstruieren verzichten. Diese ersten Jahre waren sehr hart. Fritz Krüsi erinnert sich:“Es blieb mir nichts anderes übrig, als buchstäblich Tag und Nacht, samstags und sonntags zu arbeiten, denn ich musste ja auch noch eine Familie unterhalten. Alles was ich herauswirtschaften konnte, ging fortwährend für die Anschaffung von neuen, päziseren Werkzeugen und Einrichtungen drauf.“ 1962 kam ein Säger aus Gais in Krüsis Werkstatt mit der Sorge, die auf der Gattersäge eingeschnittenen Bretter seien an den Enden verschmutzt und würden im nachfolgeneden Hobelprozess die Messer schnell stumpf werden lassen. Krüsi konstruierte eine automatische Doppelablängsäge mit verstellbaren Sägeblättern: die „AS-14“ war geboren. Diese Maschine war dann schnell sehr gefragt. Dieser Einstieg in die Holzbearbeitung prägte von nun an seine Tätigkeit und Krüsi entwickelte sich zu einem der bedeutenden Konstrukteure für Holzbearbeitungsmaschinen im Zimmereisektor. Da es in Speicher zu eng wurde, suchte er eine grössere Lokalität. Er wurde in Schönengrund fündig: ein Wohnhaus mit einer vollständig eingerichteten 60m2 grossen Schlosserei. Entsprechend dem Wunsch eines Zimmermanns aus Schwellbrunn, die Zapfen an den Balkenenden schneller und präzieser zu schneiden, entwickelte Krüsi 1966 eine mechanisch gesteuerte Zuschnittmaschine, die „ZA-66“. Diese wurde dann immer wieder verbessert und erweitert. Um 1980 hatte Fritz Krüsi mit seinen mechanisch gesteuerten Holzbearbeitungsmaschinen eine Qualität und Fertigungspräzision erreicht, die kaum mehr zu überbieten war.
So gut Krüsis Maschinen auch waren, die Werkzeugmaschinen-Technik stand in den 1980er-Jahren vor einer grundlegenden Neuentwicklung. Das Zeitalter des Computers war angebrochen, die Informationstechnik drang in nahezu alle Lebensbereiche vor. 1985 besuchten Fritz Krüsi und Hermann Blumer, ein international führender Holzbauexperte, die weltweit wichtigste Messe der Holz- und Forstwirtschaft „ Ligna“ in Hannover. Blumer schaute sich vergebens nach einer EDV-gesteuerten vollautomatischen Abbundmaschine um. Nach seinen Vorstellungen sollte eine solche Maschine den Holzbalken rundum, vollautomatisch und computergesteuert bearbeiten, schlicht ein Alleskönner sein. Nach einer eher schlaflosen Nacht sah Blumer die Maschine vor seinen Augen: Ein Ständer mit einem Arm, der vorne einen beweglichen Motor hat und wie eine Hand die Werkzeuge aus einem Magazin ergreift. Die Werkstücke werden zur Maschine gefahren. Alles was abgeschnitten wird oder an Spänen und Sägemehl entsteht, fällt in einen Trichter oder wird abgesaugt. Auf der gemeinsamen Heimfahrt nach Waldstatt etwickelten Krüsi und Blumer die Anlage in lebhaftem Gespräch weiter.
Hermann Blumer und Urs Iseli erinnern sich
Zu Hause fertigte Krüsi erste Skizzen an und legte Blumer die beste Variante vor. In monatelanger Tag- und Nachtarbeit suchte Krüsi einen Weg, wie solche Bearbeitungsmotoren mit einem Werkzeugwechselsystem konstruiert werden könnten. Diese Herausforderung trieb ihn an und bereitete im viele schlaflose Nächte. Endlich fand er die Lösung und die Fabrikation konnte in seinem Werk in Schönengrund aufgenommen werden. Ein wichtiger Mitarbeiter war damals Urs Iseli, der heutige Geschäftsführer der Maschinenbau Krüsi AG. 1988 war der erste Prototyp fertig: Komplexe Werkstücke bis zu 21 m Länge konnten computergesteuert montagefertig bearbeitet werden: sägen, fräsen, hobeln, kehlen, falzen, bohren und nuten. Dies alles in einer unvorstellbaren Präzision.
Nach anfänglicher Skepsis in der Fachwelt bezüglich dem Nutzen einer solchen Allzweckmaschine setzte sie sich dann doch durch und ermöglichte spektakuläre Holzbauten wie das Centre Pompidou in Metz, das Golfclub House in Korea und das Tamedia Gebäude in Zürich, sowie mehrstöckige Wohn- und Geschäftshäuser.
Heute arbeiten weltweit zahlreiche Holzbaufirmen mit dieser patentierten Krüsi- Maschine. Damit hat Fritz Krüsi aus dem Appenzellerland dem Holzbau den Weg in die Zukunft geebnet und der Region zu weltweiter Anerkennung verholfen. Fritz Krüsi verstarb im Jahre 2017.
Text und Videoaufnahmen: Heinz Naef, Oktober 2017 Fotos: z.Vfg
Quellen:
- Fritz Krüsi, Konstrukteur von Weltrang,herausgg. vom Verein für Wirtschaftshistorische Studien Zürich 2014
- R. Brühwiler: Holz kann die Welt verändern, Appenzellerverlag 2013