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Amelie Dobler spielt die Bella in «die Schöne und das Biest». Da ihr Freund in Basel wohnt, ist sie auch mal hier anzutreffen und das folgende Interview entstand nach ihrem Auftritt im Musical-Theater Basel und im römischen Amphitheater in Xanten Ende August. Was leider in einem schriftlichen Interview nicht rüber kommt ist das Lachen und die Fröhlichkeit von Amelie, welche sie trotz der beim Openair geholten Erkältung verbreitet.
In deinem Lebenslauf steht, du bist Bernerin. Du sprichst aber nicht berndeutsch, sondern hast einen französischen Akzent?
Ja, ich bin in Bern geboren, meine Eltern zogen dann aber nach Fribourg und Lausanne und ich bin dort aufgewachsen. Ich werde oft darauf angesprochen und muss dies wohl bei Gelegenheit im Lebenslauf ändern.
In deinem Lebenslauf hab ich gelesen, das du als Kind Unterricht in Mime Corporel (Anm: spezielle Form der Pantomime) erhalten hast? Ist dies für ein Kind, welches die Liebe oder Eifersucht noch nicht erlebt hat, nicht etwas schwierig?
Ja natürlich. Aber es war ganz klar auf Kinder ausgerichtet. Unser Lehrer hat dies immer als eine Art Spiel mit Tanz auf Musik gemacht. Es war Improvisieren, etwas lustig darstellen und alles mit viel Bewegung. Es hat mir viel Spass gemacht. Als Erwachsener hatte ich bisher leider keine Pantomime mehr in der Ausbildung sondern nur reines Schauspiel.
Du hast einen Abschluss an der Mountview School of Arts in London für Musicals?
Nein, nicht einen Abschluss. Ich habe dort zwar im Sommer studiert, den Abschluss habe ich dann aber am Konservatorium in Lausanne in der Sparte Jazz gemacht.
Und jetzt bist du am Konservatorium in Wien? Was studierts du dort?
In Wien studiere ich Musical. Vorher war nur Jazz und Gesang und nun habe ich das ganze Spektrum von Schauspiel, Gesang und Tanz. Ich habe noch ein Jahr zu studieren und im Juni 2011 mache ich dann meinen Abschluss
Und das geht zusammen mit der Tournee von die Schöne und das Biest?
Jein, nicht wirklich. Ich habe die Schule gefragt, ob ich die Tournee machen darf. Da ich dabei wichtige Erfahrungen sammle, durfte ich von der Schule aus das Studium pausieren und kann danach wieder fortfahren.
Wie weit haben deine Eltern deinen künstlerischen Werdegang beeinflusst? Normalerweise muss frau doch einen richtigen Beruf lernen und Musicaldarstellerin gilt als «nichts Rechtes»?
Ja, da hast du recht, dies war für meine Eltern nichts «richtiges». Am Anfang war es ein Kampf. Ich habe immer zu ihnen gesagt, ich will das Studium und ich will Musik machen. Sie entgegneten immer, es sei kein richtiger Beruf. In der Schweiz, speziell auch in der welschen Schweiz und für die Generation meiner Eltern, sind Musicals kein anerkannter Beruf. Inzwischen werden es ja zum Glück immer mehr und mehr Leute, die es zu ihrem Beruf machen. Ich musste viel kämpfen, aber nachdem ich die Aufnahmeprüfung am Konservatorium in Lausanne bestanden habe, haben sie eingewilligt und ich konnte das Studium machen.
Thomas Dobler spielt im Moment im «Birds Eye», einem Jazzclub in Basel. Ist er mit dir verwandt?
Wir kennen uns, er hat am Konservatorium in Lausanne unterrichtet. Meine Wurzeln sind aus dem Appenzell und dort heissen viele Dobler. Wir sind vermutlich schon irgendwie verwandt.
Wie bist du zur Produktion Die Schöne und das Biest gekommen? Wieviele Vorstellungen hast du bereits hinter dir?
Das Casting war mittels Plakat ausgeschrieben und die Audition wurde auch an meiner Schule in Wien durchgeführt. Weitere Auditions liefen noch in Hamburg. Ich habe gedacht, ich mache mal mit um Erfahrungen zu sammeln und habe bestanden. Bis jetzt sind 40 Shows gespielt und vom Oktober bis Ende Januar werden auch noch einige hinzu kommen.
Ist es einfach für dich, kreuz und quer durch Europa zu reisen? Nach Basel bist du ja nach Xanten ans andere Ende von Deutschland gereist. Bekommst du etwas von den Orten mit?
Ja klar. In diesem Sommer konnten wir immer die Stadt besichtigen, in welcher wir gerade gastieren. Dadurch das wir nicht mehr proben müssen und die Vorstellungen am Abend sind, haben wir dazu Zeit. Und wir sind auch immer länger wie ein Tag in einer Stadt, in Linz waren es gar drei Wochen. Ich will immer wissen wo ich bin und probiere auch immer gerne das lokale Essen.
Überall bekommt deine Darstellung der Bella nur die besten Kritiken, auch dem Journalisten von imScheinwerfer hat deine Leistung ausserordentlich gut gefallen. Besteht die Gefahr, dass dir das Lob zu Kopfe steigt?
Oh ja, klar. Ich muss aufpassen (lacht). Es ist eine kleine Produktion, aber ich muss schon aufpassen um am Boden zu bleiben. Ich bin ja noch jung und will noch einiges spielen.
Um deine Seelenverwandschaft mit dem Biest im Stück zu zeigen wird ein Ballett getanzt, allerdings nicht von dir. Hat es sich nicht ergeben das du im Stück tanzt oder machst du es nicht gerne?
Es hat sich vom Stück her so ergeben. Ich hätte es schon gerne gemacht, aber ich wie auch das Biest haben unsere Kostüme und damit ist es schlicht unmöglich, Ballett zu tanzen. Ich tanze gerne, wenn ich auch nicht Baletttänzerin bin. Die Tänzerin im Stück kann dies viel besser wie ich, sie ist übrigens auch Schweizerin.
Wo und was möchtest du gerne einmal spielen? Würdest du dir eine Oper zutrauen?
Es gibt nicht «die Rolle» welche ich schon als Kind spielen wollte. Ich habe als Kind zum Beispiel nie etwas von Musicals gehört. Dazu fehlt oder fehlte in der Schweiz die Musicalkultur. Das erste Musical, von dem ich gehört habe, war Cats. In der Zwischenzeit hat es natürlich schon die eine oder andere Rolle, welche ich gerne einmal spielen möchte. Und Opern mag ich sehr, allerdings bin ich und vor allem meine Stimme noch zu jung dazu. Ich spiele in einem klassischen Chor in Wien und höre auch gerne mal eine Oper.
In der Deutschschweiz erwacht so langsam die mundart Musicalszene aus ihrem Schlaf und einige grosse Produktionen sind im Kommen oder laufen bereits. Wie ist es in der französischen Schweiz?
Katastrophal. Ich denke es gibt dort nichts. Es wurde letztes Jahr Les Misérables in Lausanne aufgeführt, aber ohne Erfolg. Ich denke, so schnell wird dort nicht wieder ein Musical in Angriff genommen, was ich schade finde.
Amelie, ich danke dir für das Interview.
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