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Ein chinesischer Tycoon, der eine massive Short-Position in Nickel-Termingeschäften aufgebaut hat, sitzt auf riesigen Verlusten, nachdem das Metall innerhalb von zwei Tagen um mehr als 170 Prozent gestiegen ist, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen zur Nachrichtenagentur «Bloomberg» sagen.
Xiang Guangda, der den weltgrössten Nickelproduzenten Tsingshan Holding Group Co. kontrolliert, hat einen Teil der Short-Position seines Unternehmens mittlerweile geschlossen. Er überlegt, ob er aus der Wette ganz aussteigen soll.
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Nickel stieg am Dienstag auf ein Rekordhoch von über 100'000 US-Dollar pro Tonne, was zum Teil auf die Aktivitäten von Tsingshan und seinen Brokern zurückzuführen war. Der Handel in London wurde ausgesetzt.
Während das genaue Ausmass von Xiangs Verlusten unklar ist, beläuft sich Tsingshans Short-Position an der LME auf etwa 100'000 Tonnen Nickel, wie Bloomberg berichtet. Sie könnte sogar noch grösser sein, wenn die über Zwischenhändler eingegangenen Positionen berücksichtigt würden, heisst es.
Filmreifes Marktdrama
Das bedeutet, dass das Unternehmen zum Zeitpunkt des extremsten Anstiegs des Nickelpreises am Montag Tagesverluste in Höhe von weit über 2 Milliarden US-Dollar erlitten hätte. Dies käme zu den Verlusten hinzu, die der Tycoon erlitten hat, seit er die Short-Position Ende letzten Jahres über das eng verbundene Unternehmen Tsingshan aufgebaut hat.
Tsingshan-Vertreter gaben am Dienstag keinen unmittelbaren Kommentar ab.
Es ist die jüngste Wendung in einem plötzlichen Marktdrama, das die Londoner Metallbörse (LME) dazu veranlasste, den Nickelhandel am Dienstag auszusetzen. Die Preise wurden dramatisch in die Höhe getrieben, da die Inhaber von Short-Positionen gezwungen waren, diese zu schliessen, weil sie den Nachschussforderungen nicht nachkommen konnten.
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Clearinghäuser verlangen von Brokern, dass sie täglich Bargeld oder «Margen» hinterlegen, um mögliche Verluste aus den Positionen ihrer Kunden zu decken. Wenn sich der Markt gegen diese Positionen bewegt, fordert die Clearingstelle weitere Mittel an.
Tsingshan selbst hat nach Angaben von Personen, die mit der Situation vertraut sind, Schwierigkeiten, die Einschusszahlungen an seine Makler zu leisten. In den letzten Tagen sei das Unternehmen zunehmend unter Druck geraten.
Glencore auf der Gewinnerseite
Zuvor hatte die 145 Jahre alte LME einem von Tsingshans Brokern – einer Einheit einer staatlichen chinesischen Bank – mehr Zeit eingeräumt, um eine Nachschussforderung in Höhe von Hunderten von Millionen Dollar zu begleichen, die am Montag nicht erfüllt wurde. Diese Zahlungen sind nun erfolgt, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person.
Neben anderen chinesischen Unternehmen baut Tsingshan neue Nickelkapazitäten für Batterien auf. Xiang begann mit dem Aufbau der Short-Position zum Teil, weil er die steigende Produktion absichern wollte, aber auch, weil er glaubte, dass eine beginnende Erholung der Nickelpreise in diesem Jahr abflauen würde.
Stattdessen sind die Preise in die Höhe geschnellt. Eine Rally zu Beginn des Jahres, die auf eine robuste Nachfrage und niedrige Lagerbestände zurückzuführen war, wurde noch verstärkt, als Russlands die Ukraine angriff.
Nickel stieg am Dienstag um bis zu 111 Prozent, der Handel wurde bei Preisen von 80'000 US-Dollar pro Tonne unterbrochen. Nickel wird in Batterien für Elektroautos verwendet und ist damit ein wichtiger Bestandteil im Kampf gegen den Klimawandel.
Der Handels- und Bergbaugigant Glencore war nach Angaben von mit der Angelegenheit vertrauten Personen in den letzten Monaten der dominierende Inhaber von Nickel. Ein Sprecher von Glencore lehnte eine Stellungnahme ab.
Es gibt bisher keine Anzeichen dafür, dass der Verlust die Betriebsfähigkeit von Tsingshan beeinträchtigen würde.
Glencore machte im letzten Jahr so viel Gewinn wie nie zuvor. Unter dem Strich verdiente die Firma im Geschäftsjahr 2021 5,0 Milliarden US-Dollar. Damit ist das Unternehmen nicht mehr weit entfernt vom Rekordgewinn 2017. Im Corona-Jahr 2020 hatte Glencore dagegen einen Verlust von 1,9 Milliarden Dollar geschrieben, weil die Pandemie und ausserordentliche Abschreibungen das Ergebnis belastet hatten.
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(bloomberg/ise)