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«Im Kindergarten fragte mich meine Betreuerin, was ich später werden wolle, und ich sagte: ‹Wissenschafterin›. Sie blickte mich an und erwiderte: ‹Meinst du Krankenschwester?›» Die heute 65-jährige Mae Jemison schilderte diese Begebenheit in einer Rede, die sie im Herbst 2021 vor Hunderten von Mädchen und jungen Frauen hielt. Mae Jemison hat ihr Ziel erreicht – und weit übertroffen. Sie studierte Chemieingenieurswissenschaften, später Medizin. 1992 reiste sie als erste afroamerikanische Astronautin an Bord der Raumfähre Endeavour in den Weltraum. Und fand Eingang in die US-amerikanische «National Women’s Hall of Fame».
Dass sie diesen Weg gehen konnte, so erklärt sie es später, habe auch damit zusammengehangen, dass sie im Bewusstsein aufgewachsen war, dass es für sie keine Beschränkungen gab. Dass sie das Recht hatte, sich für alles zu interessieren, und dass man ihr zutraute, auch komplexeste Zusammenhänge zu verstehen: «Mein Onkel Louis blickte mit mir in den Nachthimmel und erklärte mir die Planetensysteme. Nichts war zu kompliziert; für mich war es als Achtjährige vollkommen normal, dass er mit mir Einsteins Relativitätstheorie diskutierte», sagte sie in einem Interview für die National Library of Medicine.
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Von der Erde ab in den Kosmos
Nach ihrer Studienzeit ist Jemison zunächst eine Weile auf der Erde aktiv, etwa in Liberia und Sierra Leone als leitende Ärztin beim Friedenscorps oder als Wissenschafterin bei der Entwicklung eines Impfstoffes gegen Hepatitis B. Den Kosmos aber verliert sie nie aus den Augen und startet 1987 als Astronautenanwärterin bei der Nasa. Sie wird Teil der Spacelab-Mission, während der sie an Bord vor allem Knochenzellexperimente durchführt.
Nach ihrem Ausscheiden aus der Raumfahrtbehörde arbeitet Mae Jemison als Professorin für Umweltstudien, organisiert naturwissenschaftliche Camps für Schüler:innen und tritt sogar in einer Folge der TV-Serie «Raumschiff Enterprise» auf. Immer wieder spricht sie öffentlich davon, dass Frauen ihren Platz in der Wissenschaft und in der sehr männlich konnotierten Raumfahrt einfordern sollen. In den vergangenen sechzig Jahren flogen 566 Menschen ins All – nur 65 davon waren Frauen. Mae Jemisons Wunsch: Dass sie nur die erste in einer viel längeren Reihe sein wird, die den Weltraum einnehmen.