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Körperliche und psychische Wirkung und Risiken
Benzodiazepine haben vier Eigenschaften, wegen derer sie in der medizinischen Behandlung eingesetzt werden. Die Effekte beruhen auf der Verstärkung der Wirkungen des hemmenden Neurotransmitters GABA.
Sie wirken je nach Art:
Benzodiazepine werden unter anderem bei Angstzuständen, Schlafstörungen, Alkoholentzug, bipolaren Störungen (manische Episode), Epilepsie oder zur Narkoseeinleitung eingesetzt. Die Benzodiazepin-Analoga Zolpidem und Zopiclon werden in erster Linie bei Schlafstörungen eingesetzt. Man unterteilt Benzodiazepine in kurz-, mittel- und langwirkende Mittel. Abhängig von Wirkdauer und Wirkstärke werden manche Benzodiazepine eher als Anxiolytika (Tranquilizer, Beruhigungsmittel), andere eher als Hypnotika (Schlafmittel) eingesetzt.
Zu den Nebenwirkungen von Schlaf- und Beruhigungsmitteln gehören Sedierung, Schläfrigkeit, Beeinträchtigung der Lernfähigkeit, psychomotorische Verlangsamung und eingeschränkte Merkfähigkeit. Auch bei therapeutischen Dosierungen kann es über die angezielte Wirkdauer hinaus zu psychomotorischen und kognitiven Einschränkungen kommen. Solche Wirkungen sind z.B. auch am Folgetag möglich, wenn ein lang wirkendes Benzodiazepin als Schlafmittel eingenommen wurde.
Benzodiazepine können eine Depression verursachen oder verschlimmern. Bei einer längerfristigen Einnahme oder beim Absetzen nach einer langfristigen Einnahme können Angstzustände auftreten. Manche Studien weisen auf einen Zusammenhang zwischen Benzodiazepin-Einnahme und langfristigen kognitiven Einschränkungen sowie einem erhöhten Risiko für Demenz hin.
Paradoxe oder kontraindizierte Wirkungen wie etwa Enthemmung, erhöhte Risikobereitschaft, Erregungszustände mit verstärkter Angst, Schlaflosigkeit, Rededrang etc. sind möglich.
Ein Mischkonsum mit anderen dämpfend wirkenden Substanzen wie etwa Alkohol birgt erhöhte Risiken und die Gefahr von tödlichen Überdosierungen.
Für Personen ab 65 Jahre bergen Benzodiazepine grössere Risiken als für jüngere Personen. Die Wirkdauer verlängert sich, da der Körper Medikamente langsamer abbaut. Ältere Personen reagieren zudem empfindlicher auf die das zentrale Nervensystem dämpfenden Wirkungen. Verwirrtheit, Amnesien, Pseudodemenz, Stürze und Knochenbrüche gehören zu den möglichen Folgen. Ein Absetzen oder eine Reduktion lohnen sich – auch für Personen in stationären Pflegeeinrichtungen. Beweglichkeit, Wachsamkeit, Kontinenz und Wohlbefinden können sich wesentlich verbessern.
Benzodiazepine führen bei längerem Gebrauch zu einer Abhängigkeit. Im Diagnosesystem für psychische Störungen (DSM-5) ist von Substanzgebrauchsstörung die Rede. Man unterscheidet leichte, mittlere und schwere Gebrauchsstörungen, welche von einer Fachperson diagnostiziert werden können. Eine solche kann sich in kognitiven, verhaltensbezogenen und körperlichen Symptomen äussern, zum Beispiel:
Werden Benzodiazepine abgesetzt oder die Einnahme reduziert, können Entzugserscheinungen auftreten. Manche Personen können, auch wenn sie längere Zeit Benzodiazepine eingenommen haben, ohne Schwierigkeiten entziehen, andere haben damit erhebliche Probleme. Der Grund für diese individuellen Unterschiede ist unbekannt.
Mögliche Entzugssymptome sind:
Plötzliches Absetzen kann unter Umständen zu Krampfanfällen führen.
Die Wahrscheinlichkeit, dass Entzugserscheinungen auftreten, ist grösser bei längerfristiger Einnahme, bei höheren Dosierungen und bei lang wirkenden Benzodiazepinen.
Zu den milden Entzugserscheinungen gehört der so genannte Absetzeffekt (rebound): Bei einem Absetzen von Benzodiazepinen ist, auch wenn sie nur kurze Zeit eingesetzt wurden, mit einem vorübergehenden Auftreten von Einschlaf- und Durchschlafproblemen, Angstgefühlen oder Ähnlichem zu rechnen. Solche Symptome ähneln oft stark den anfänglich behandelten Beschwerden und können zu einer Wiedereinnahme des Medikaments führen, insbesondere, wenn Patientinnen und Patienten nicht über dieses Phänomen informiert sind.
Ob Benzodiazepine in der frühen Schwangerschaft zu Anomalien bei Föten führen können, ist umstritten. In der späteren Schwangerschaft, während der Geburt und beim Stillen bestehen Risiken für den Fötus resp. den Säugling (z.B. Schläfrigkeit, Atemdepression, Trinkschwäche).
Benzodiazepine schränken die Fahrfähigkeit ein. Das Risiko für Unfälle erhöht sich bei gleichzeitigem Alkoholkonsum um ein Vielfaches.
Informationen zu Medikamentenmissbrauch und -abhängigkeit
Website BAG
Grenzwerte bei Alkohol und Nulltoleranz für illegale Drogen
Website
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