Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03606.jsonl.gz/1599

Gemäss neuen Erkenntnissen wirken die Isolation von Gemeinschaften in Höhenlagen sowie die wenigen Kontakte, die sie dennoch haben, als Motoren der Sprachenvielfalt. Eine Studie des Biologischen Instituts der Universität Neuenburg und der Universität Tübingen (D) zeigt, dass anthropologische Faktoren bei der Entwicklung von Sprachen wichtiger sind als Umweltfaktoren.
_____________
Abonniere hier unseren Newsletter! ✉️
_____________
Die Studie untersuchte zwei Arten von Konsonanten, sogenannte ejektive und uvulare. Ejektive Konsonanten sind rar und klingen wie ein «pop». Zu hören sind sie vor allem in Gemeinschaften in höheren Lagen, zum Beispiel in den Anden, im Afrikanischen Graben oder im Kaukasus. Im Deutschen gibt es sie nicht. Uvulare Konsonanten sind ebenfalls selten und werden komplett anders ausgesprochen, sind aber dennoch an ähnlichen geografischen Orten zu hören. «Wir wollten herausfinden, ob diese Laute aufgrund von Faktoren in der Umgebung aufgetreten und erhalten geblieben sind oder ob ihre geografische Verteilung auf indirekte Faktoren wie die relativ isolierte Lage dieser Gemeinschaften in den Bergen zurückzuführen ist», erklärt Steven Moran, Assistenzprofessor an der Universität Neuenburg.
Die Umwelt hat nur indirekt einen Einfluss auf die Verbreitung der Konsonanten in höheren Lagen
Das Forschungsteam stützte sich auf einen multidisziplinären Ansatz: Es verwendete eine Datenbank mit den Sprachen der Welt (Phoible), kombiniert mit dem Katalog der geografischen Verteilung (Glottolog) sowie Daten über Höhenlagen. Mit Computerlinguistik wurde modelliert, wie sich die beiden Lautkategorien im Laufe der Zeit entwickelten. Schliesslich wurde die Fachliteratur eingehend auf das Auftreten dieser Laute analysiert.
Ergebnis: Die Kontakte zwischen Sprachgemeinschaften spielten bei der Verbreitung der beiden Konsonantenarten in höheren Lagen eine dominante Rolle. Die Umwelt hingegen hatte demnach nur indirekt einen Einfluss. Dies widerspricht der 2013 verbreiteten Theorie von Caleb Everett, wonach die trockene Luft und der Luftdruck in Bergregionen das Auftreten dieser Konsonanten erklären.