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„In einer kollektiven Gesellschaft stehen bei den Hochzeitsvorbereitungen und dem Fest nicht die Brautleute selber im Mittelpunkt, sondern die beiden Familien des Brautpaares.“
DER GROSSE TAG: Das Hochzeitsfest, welchem viele Etappen vorausgegangen sind, findet statt.
Frühmorgens versammeln sich Frauen und Männer aus dem Quartier im Hof der Braut und/oder des Bräutigams, um bei der Arbeit mitzuhelfen. Die Männer schlachten den Stier, dessen Fleisch zum Hochzeitsmahl gehört.
Die Frauen helfen beim Kochen. Sie schneiden Zwiebeln, sortieren und waschen den Reis, stampfen die Gewürzmischung. Gekocht wird auf dem offenen Feuer in mehreren grossen Töpfen, die etwa 60 cm Durchmesser haben. Die Vorbereitungen fürs Festessen dauern mehrere Stunden.
Immer mehr Gäste kommen in schönen Kleidern, Frauen zudem mit viel Schmuck und mit Henna verzierten Händen und Füssen. Männer und Frauen feiern mehrheitlich getrennt.
Im Mittelpunkt stehen die Brautmutter und die Mutter des Bräutigams. Die Brautleute sind grösstenteils unsichtbar. Geschenke werden gebracht und präsentiert. Standardgeschenk ist Stoff oder ein Plastikbassin, zusätzlich auch ein paar Kilogramm Reis oder Zucker. Männer bringen ebenfalls Geschenke. Die Bassins respektive Stoffe, die geschenkt wurden, werden zu fast 100% weiterverschenkt. Es gibt Regelungen, wer Anrecht darauf hat.
EHEVORBEREITUNG
Auch heutzutage sind Ehen noch häufig von den Eltern oder einem Onkel arrangiert und werden innerhalb der Verwandtschaft geschlossen. Teilweise werden Mädchen bereits bei der Geburt oder als junge Mädchen versprochen. Sie werden oft vor dem Alter von 18 Jahren verheiratet, in abgelegen Dörfern sogar schon bevor sie 15 Jahre alt sind. Die Männer sind normalerweise 10 bis 15 Jahre älter. Es ist wichtig, dass Mädchen als Jungfrauen in die Ehe treten.
Einige Zeit nachdem der verhandelte Brautpreis überbracht wurde, wird die Ehe in der Moschee unter Anwesenheit einiger Zeugen geschlossen. Das Brautpaar selbst ist nicht dabei. Nach diesem offiziellen Akt, der nur ein paar Minuten dauert, wird das Datum fürs eigentliche Hochzeitsfest festgelegt.
Nach dem grossen Mittagessen wird die Braut abends von ausgewählten Frauen rituell gewaschen und danach von Freunden des Bräutigams abgeholt und in den Hof der Eltern des Bräutigams gebracht. Dort wird sie auf die Beine der sitzenden Schwiegermutter gelegt und mit Hirse bestreut. Danach wird sie in ein Zimmer gebracht, wo sie mehrere Tage bleibt. Tagsüber wird sie die Zeit mit ihren besten Freundinnen verbringen, die sie begleitet haben, nachts mit dem Bräutigam.
Es gibt ein Abendessen für alle Gäste und am Folgetag ein Mittagessen. Das offizielle Fest endet am späten Nachmittag mit dem öffentlichen Geben von Geld für die Mutter der Braut und des Bräutigams. Alles wird fein säuberlich notiert. Das Geld hilft, um die fürs Fest aufgenommen Schulden wieder zu begleichen. Für nähere Verwandte und Bekannte geht das Fest noch einige Tage weiter.
EHELEBEN
Nach der Hochzeit bleibt die Braut im Hof ihrer Schwiegereltern. Sie wird dort für die Schwiegermutter und die Grossfamilie kochen, waschen und andere Hausarbeiten machen. Der Ehemann verlässt die Familie häufig nach einiger Zeit, um wieder an den Ort zurückzukehren, wo er sein Geld verdient. Oft sind Eheleute mehrere Monate pro Jahr getrennt. Polygamie und eine hohe Scheidungsrate gehören zum Leben dazu. Sollte das letztere geschehen, muss die Frau bald wieder verheiratet werden, damit sie keine Last für ihre Eltern ist.
Neben dem Haushalt, den sie für sich und die Schwiegerfamilie führt, ist es Aufgabe der Ehefrau, Kinder zu haben und sie zu erziehen. Sie soll ihrem Ehemann Respekt entgegenbringen.
Der Ehemann hingegen muss für seine Frau und seine Kinder finanziell sorgen. Viele Kinder zu haben ist wichtig. Jungen sind besonders erwünscht, da sie die Altersvorsorge der Eltern garantieren und deren Frauen für die Mutter kochen und arbeiten werden.
Autorin: Die Autorin lebt seit zehn Jahren in Westafrika und arbeitet in einem Entwicklungsprojekt.