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Es mag überraschen, doch «seit M13 hatten wir alle Jahre Bärenbesuch in der Schweiz». Das weiss Sven Signer. Er ist zuständig für das Bärenmonitoring bei der Stiftung KORA, einer Stiftung, die sich für die Erhaltung der Wildtiere in der Kulturlandschaft einsetzt. Über zwanzig verschiedene Bären weilten seit 2005 in der Schweiz.
Seit M13 hatten wir jedes Jahr Bären in der Schweiz.
Doch öffentliche Aufmerksamkeit erlangten eigentlich nur deren vier. Nebst JJ2, dem seit 100 Jahren ersten Bären in der Schweiz im Jahr 2005, und M29, der ab 2016 quer durch die Schweiz wanderte, die einzigen zwei Bären, die als Problem- und Risikobären klassifiziert und schlussendlich abgeschossen wurden: Nämlich JJ3 im Jahr 2008 und M13, der vor 10 Jahren, am 7. April 2012 über die Grenze kam und mit seinen Aktionen schon bald für Schlagzeilen sorgte.
Das aufregende Bärenleben des M13
Schon kurz nach seiner Ankunft aus dem Südtirol wurde der Bär von Wildhütern eingefangen und als «auffälliger Bär» mit einem Senderhalsband versehen. M13 fürchtete sich kaum vor dem Menschen. Er drang in ein Ferienhaus ein. Er riss verschiedene Nutztiere. Seine Nahrung suchte er häufig in Siedlungen. Im Unterengadin wurde M13 von der rhätischen Bahn angefahren. Den Unfall überstand der Bär ohne gravierende Verletzungen.
M13 war nie aggressiv gegenüber dem Menschen. Aber wenn ein Bär keine Scheuheit zeigt, kann man nicht ausschliessen, dass es zu gefährlichen Begegnungen kommt.
Doch M13 sorgte auch für positive Schlagzeilen, als zufälliger Helfer der Polizei. Bei einer Exkursion in den Grenzort Spiss im Tirol warf er einen Baum um. Dieser fiel auf einen Strommasten und löste einen Brand aus. Die Polizei, die am Unglücksort nach dem Bären Ausschau hielt, fand jedoch nicht M13, sondern die Leiche eines ermordeten Mannes.
Im November 2012 wurde M13 wegen seines Verhaltens als «Problembär» eingestuft. Einem Mädchen jagte er im Puschlav einen Schrecken ein und selbst mit Vergrämungsaktionen liess er sich kaum mehr aus einem bewohnten Weiler vertreiben.
M13 sei nie aggressiv gegenüber dem Menschen gewesen, sagt Bärenexperte Signer. «Aber wenn ein Bär keine Scheuheit zeigt, kann man nicht ausschliessen, dass es zu gefährlichen Begegnungen kommt.» Im Februar 2013 wurde er als «Risikobär» eingestuft und zum Abschuss freigegeben. Heute steht M13 als Präparat im Museum in Poschiavo.
Kehrt der Bär zurück?
In der Schweiz besteht seit Anfang des 20. Jahrhunderts keine Bärenpopulation mehr. 1904 wurde der damals letzte Braunbär geschossen. Rund um die Jahrtausendwende wurden rund 50 Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt in Italien wieder Bären angesiedelt. Eine Rückkehr in die Schweiz war ab jenem Zeitpunkt nur eine Frage der Zeit. Im Juli 2005 war es soweit. Der erste Braunbär seit über 100 Jahren spazierte durchs Unterengadin.
Wenn die männliche Bären geschlechtsreif sind, wandern sie wieder zu ihrer Ursprungspopulation nach Italien, um sich fortzupflanzen.
Auch viele der anderen Tiere seien im Engadin gesichtet worden. Flächenmässig sei das Alpental aber nur ein kleiner Teil des Streifgebiets. «Zwei Schritte nach links und der Bär ist schon wieder in Italien, einen Schritt geradeaus und er ist in Österreich», erklärt Signer. Deshalb verschwinde der Bär meist gleich wieder.
Den Bären fehlen die Bärinnen
Früher oder später komme der Bär sicher zurück in die Schweiz. In Italien sei die Population bereits auf über 100 Individuen angewachsen. Die Tiere seien gezwungen, sich neue Gebiete zu erschliessen. Doch zumindest bis jetzt hätten alle jungen Bären die Schweiz auch wieder freiwillig «verlassen». Der Grund sei simpel, meint Sven Signer: «Wenn die männlichen Bären geschlechtsreif sind, wandern sie wieder zu ihrer Ursprungspopulation nach Italien, um sich fortzupflanzen.» Denn bis jetzt seien immer nur Männchen losgezogen. Die weiblichen Bären würden immer noch die gleichen Streifgebiete im Trentino besetzen wie vor 20 Jahren. Erst wenn auch Bärinnen in die Schweiz kämen, könne man anfangen von einer Population zu sprechen.
Aber gäbe es in der Schweiz überhaupt genügend Platz für eine Bärenpopulation? Davon sei auszugehen, denn sonst müssten ja alle Bären geschossen werden, die kommen. Aber auch die jüngste Vergangenheit zeige, dass man viel gelernt habe. Die Menschen wüssten besser Bescheid über die Bären, es gäbe heute bärensichere Abfalleimer in den Tälern und auch der Herdenschutz sei heute besser als zu Zeiten von M13. Die Öffentlichkeit und auch die Politik seien dem Bär gegenüber positiv gesinnt. Bärenexperte Signer ist überzeugt, dass Mensch und Bär auch in der Schweiz zusammenleben könnten.