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Wasserwechsel im Meerwasseraquarium - wie viel, wie oft und wie?

Hier gibt es eine detaillierte Anleitung für Neueinsteiger.
Die mathematische Theorie
A = Abfallstoffe eines Tages
Tage = Rhythmus des Wasserwechsels in Tagen
%W = Prozentuale Menge des Wasserwechsels pro Mal
GO = Maximale Wasserbelastung ausgedrückt in A
GU = Maximale Wasserbelastung nach einem Wasserwechsel
GM= Mittlere maximale Wasserbelastung ausgedrückt in A
Z = Wasserwechselzyklen bis zum Erreichen der maximalen Wasserbelastung
ZT = Tage bis zum Erreichen der maximalen Wasserbelastung
7Tage 5%W GO=140A GU=133A GM=136.5A Z=200 ZT=1400
14Tage 10%W GO=140A GU=126A GM=133A Z=98 ZT=1372
28Tage 20%W GO=140A GU=112A GM=126A Z=46 ZT=1288
28Tage 30%W GO=93.3A GU=65.3A GM=79.3A Z=27 ZT=756
28Tage 40%W GO=70A GU=42A GM=56A Z=19 ZT=532
Bei den ersten Berechnungen gehe ich jeweils von einem Total von 20% Wasserwechsel pro Monat (28Tage) aus. Es zeigt sich, dass nur ein Wasserwechsel pro Monat die beste durchschnittliche Wasserqualität ergibt.
Anmerkung: Bei einem wöchentlichen Wasserwechsel dauert es zwar länger bis die maximale Belastung mit Abfallstoffen erreicht wird, doch die Verschlechterung in den letzten Zyklen ist nur noch sehr gering.
Interessant ist die Verbesserung der Durchschnittlichen Wasserqualität bei einer Erhöhung der prozentualen Menge des Wasserwechsels pro Mal. Eine Verdopplung auf 40% bewirkt theoretisch mehr als eine Halbierung der Belastung. (Reduktion auf nur 45% der durchschnittlichen Abfallstoffe)
Die Realität
In der Realität spielen jedoch noch verschiedene andere Faktoren eine Rolle.
Einerseits sind oft noch andere Systeme im Einsatz, die Abfallstoffe entfernen, wie z.B. ein Abschäumer. Diese dürften bei einer hohen Belastung mit Abfallstoffen mehr entfernen, weder bei einer geringen Belastung. Aus der Sicht der obigen Wasserwechseleffizienzformel bleibt die Menge A = Abfallstoffe eines Tages somit nicht konstant.
Andererseits verändert sich die Wasserqualität mit der Zeit auf Grund der bestehenden Belastung auch ohne die tägliche Zufuhr von Abfallstoffen. Eine grössere Zeitspanne zwischen den einzelnen Wasserwechseln könnte sich somit auch etwas negativer auswirken.
Ein wichtiger Punkt ist die Konstanz der Wasserqualität.
Je grösser die Zeitspanne zwischen den einzelnen Wasserwechseln ist, desto grösser ist die Schwankung der absoluten Wasserbelastung mit Abfallstoffen. Hinzu kommt die relative Schwankung bei einem Wasserwechsel, welche mit steigender prozentualer Menge des Wasserwechsels pro Mal auch zunimmt. Dies ist aus meiner Sicht ein wichtiger Faktor, welcher je nach verwendetem Salz und Wasser den maximalen prozentualen Anteil pro Wasserwechsel vorgibt.
Konstanz und Effizienz stehen somit im klaren Widerspruch zu einander!
Die Erfahrung
Umfragen meinerseits haben gezeigt, dass viele Meerwasseraquarianer einen Wasserwechsel in der Grössenordnung von 20% pro Monat machen. Nur wenige unterschreiten 15% und der etwas häufiger anzutreffende obere Grenzwert liegt bei rund 40% Wasserwechsel im Monat.
Die Wechselzyklen sind jedoch sehr unterschiedlich.
Welches Meerwassersalz verwenden?
Kein Markenmeersalz bildet die Spurenelemente naturgetreu ab. Auch die Mengenangaben der Hersteller weichen signifikant von der Realität ab.
Ich vertrete 2 Theorien:
1. Im Durchschnitt haben die Markensalze die beste Spurenelementmischung. D.h. man sollte möglichst oft die Marke wechseln, damit man von keinem Spurenelement langfristig viel zu wenig oder viel zu viel hat.
2. Eine konstante Wasserqualität ist für empfindliche Fische das Wichtigste. Somit sollte man sich für eine Marke entscheiden, diese testen und sobald alles gut läuft nicht mehr wechseln.
Wie handhabe ich es? Ich habe ein bevorzugtes Salz, welches ich wenn immer möglich kaufe. Dieses Salz macht somit gut 90% meines Bedarfs aus. Daneben kaufe ich ab und zu ein anderes Markensalz zum Testen.
Wasserwechsel wie durchführen?
Ich fülle ca. 20% der Wassermenge in den Anmachbehälter. Danach kommt das gesamte Salz hinzu und schliesslich wird mit möglichst hohem Druck das restliche Wasser aufgefüllt. Auf diese Art löst sich das Salz bei kleinen Eimern (22Liter) schon praktisch ganz auf. Danach kann ca. 2x mit einer grossen Kelle umgerührt werden, bis sich das Salz restlos aufgelöst hat. Frühestens nach 15 Minuten pumpe ich das Wasser aus dem auf dem Boden stehenden Eimer ins Aquarium hinein. Dies dauert 1-2 Minuten und ich achte dabei, dass mögliche nicht aufgelöste Salzkristalle nicht von der Strömung direkt auf niederen Tieren zu liegen kommen.
Bei grösseren Becken verwende ich ein grosses Fass, welches ich auf ein Brett mit Rollen stelle. So kann ich es dann trotzdem noch vom Wasserhan zum Aquarium schieben. Da sich 5kg Salz nicht während dem Auffüllen mit Wasser auflösen und ich weder eine so lange Kelle habe, noch die Geduld zu rühren, bis alles aufgelöst ist, greife ich zu einer Pumpe um im Fass eine Strömung zu erzielen. Das kann gut und gerne auch mal eine Stunde dauern.
Ben Kimmich
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