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Oristano
29.06.2017 Oristano
Bis zehn Uhr arbeite ich an einem Rechtsfall, der Dringlichkeit hat. Danach beginne ich mit der Erkundung von Oristano. Auf der Touristeninformation gibt man mir einen Stadtplan und erklärt mir die Sehenswürdigkeiten. Ich besuche die Piazza Martini mit den vier Köpfen, die Wasserbehälter aus Keramik tragen, dann den Hauptplatz der Stadt, die Piazza Eleonora d'Arborea. Die Chiesa San Francesco ist geschlossen. Ich besuche die Cattedrale, die innen sehr prunkvoll erscheint und eine besonders reich geschmückte Capella della beata Vergine del Rimedio aufweist. Gleich daneben steht das erzbischöfliche Seminar, das Seminario Archescovile. Das ehemalige Kinderheim Hospitalis Sancti Antoni beherbergt eine interessante Ausstellung zum Karneval in Oristano, „Sartiglia“ genannt. Verkleidete Reiter sprengen hinternübergebeugt aus dem niedrigen Portal des Ratssaals nach draussen, wo sie sich ein Rennen liefern. Mein nächster Stopp ist bei den Ueberresten der mittelalterlichen Stadtmauern. Ueberall stehen besondere Keramikerzeugnisse, auf einer lasergeschnittenen Stahltafel mit der Inschrift „Oristano Citta della ceramica“. Ich laufe rund um die Stadt, entlang der ehemaligen Stadtmauern (von denen ausser den 15 Metern beim Hospitalis Sancti Antoni nichts mehr übrig ist) zur Torre Portixedda, einem mittelalterlichen Rundturm. Unweit davon ist die Piazza Roma mit einem Turm mit quadratischem Grundriss, wie viele Türme hier, auf der Innenseite offen. Im Conad Supermarkt kaufe ich mir etwas zum Essen und verzehre dies gleich auf einer Bank im Stadtzentrum. Nun lande ich wieder bei der Piazza Eleonora d'Arborea und laufe zur Piazza Corrias, wo ich das “Antiquarium Arborense Museo Archeologico Giuseppe Pau“ besuche. Bereits vor dem Museum stehen antike Anker und der Bug eines nuraghischen Schiffes. Drinnen gibt es verschiedene anthropomorphe Statuen aus prähistorischer Zeit, eine „sardonische“ Maske, ein stark verwitterter Steinlöwe aus Tharros, Bleibarren mit der Marke des Kaisers Hadrian, einen Basalt-Epitaph eines Juden „Reuben“ aus Tharros (ich kann diese Lesart nicht nachvollziehen), einen Stein mit Phallen und einer vulgären Inschrift und sandsteinerne Sarkophagdeckel aus Tharros. Im oberen Stock ist die Sonderausstellung „Il tesoro dell'Avvocato”. Dies bezieht sich auf die Sammlung von AvvocatoEfisio Pischedda, der viele – phönizische, punische und römische - Keramiken und Gegenstände aus Tharros und Umgebung gesammelt hat. Ebenfalls hier ist ein Modell von Tharros im Massstab 1:200. Nebenan ist die Pinakothek mit ein paar wenigen Gemälde der Sakralkunst und einem Modell von Oristano im 14. Jhdt. Auf einer Galerie sind zahlreiche Amphoren, die aus dem Meer geborgen wurden, ausgestellt. Hinter der taktilen Sektion (für die Blinden) finde ich noch einen Sandsteinaltar aus Tharros mit eigenartigen Zacken. Nach einer Mittagspause laufe ich zur Piazza Roma und zur Chiesa San Sebastiano Martire, danach zum Parco pubblico. Interessant ist, dass es hier eine Wasserausgabestelle gibt, wo man für wenig Geld die Mineralwasserflaschen nachfüllen kann. Weiter gibt es hier eine abgezäunte Sektion für die Hunde, damit nicht der ganze Park mit Hundedreck verunreinigt wird. Gute Idee! Die Chiesa di San Francesco ist jetzt offen, sie hat eine grosse Kuppel, wohl dem Pantheon in Rom nachgebildet wurde. Die Chiesa e Monastero del Carmine bleibt geschlossen, doch die Chiesa di Santa Chiara ist jetzt offen. In der fast völlig schmucklosen Kirche sitzen die Nonnen vorne beim Altar und schweigen. Ob sie auf die Messe warten?