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Strategie vs. Taktik: Modelle der Kapitalallokation bei der IPS-Erstellung
von Patrick Oberhaensli, am 26.02.20 16:51
Der erste Schritt vor der aktiven Teilnahme am Finanzmarkt ist die Entwicklung eines massgeschneiderten Investment Policy Statements (IPS) zur Darlegung der Anlagepolitik, wofür die Wegweisung des Brokerage Portfolio Managers verwendet werden kann. Die Schlüsselkomponenten eines IPS können im Detail auch aus meinem Artikel Kick-starting the Investment Journey entnommen werden. Wurden die Vorbereitungen für die Erstellung des IPS einmal getroffen, können wir uns in einem nächsten Schritt der Kapitalallokation widmen. In diesem Artikel werde ich das strategische Vorgehen im Bezug auf die IPS-Entwicklung behandeln.
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Übersicht: Die strategische Kapitalallokation
Die strategische Kapitalallokation (auch Strategic Asset Allocation oder SAA) basiert auf Zielvorgaben und Restriktionen: Das Ziel ist es, eine langfristige Zuweisung des Kapitals in verschiedene Anlageklassen zu gestalten, die den individuellen Bedürfnissen des Investors genügt. Die SAA verlangt die Schätzung von diversen Parametern, welche mit der Anzahl der einbezogenen Anlageklassen zunehmen. Die Parameter umfassen unter anderen Einschätzungen von langfristigen Erträgen und Risiken. Es ist zu beachten, dass ein gewisses Level an Subjektivität nicht vermieden werden kann. Die kurzfristigen Ertrags-Perspektiven sind für SAA nicht relevant. Die taktische Kapitalallokation (auch Tactical Asset Allocation oder TAA) wird die kurzfristigen Perspektiven miteinbeziehen. Um genügend Deckung zu erreichen, Erstellt der Investor dafür taktische Spannweiten um die strategischen Zuweisungen zu erweitern.
Passiv vs. Aktiv
Die Entwicklung der globalen Märkte werden zu Abweichungen von der gewollten strategischen Kapitalallokation führen. Von Zeit zu Zeit wird ein Ausgleich (“rebalancing”) im Rahmen vordefinierter Bedingungen notwendig. Der Entscheid, die Verwaltung gewisser Anlagen auszulagern, etwa durch Mandate oder Anlagefonds, kann hier organisatorisch unterstützend wirken. Investitionen können entweder als “passiv” oder als “aktiv” kategorisiert werden. “Passiv” bedeutet, das Portfolio folgt dem Markt als Benchmark. “Aktiv” bedeutet, dass der Portfolioverwalter versucht, den Markt zu übertreffen.
Anlagedisziplin
Hauptgrund für die Erstellung eines IPS ist die Einhaltung von Anlagedisziplin. Als damals die Aktien der Amerikanischen Grossunternehmen (“large caps”) im März 2009 am Boden lagen, hätten Investoren, welche sich an eine klassische SAA hielten, Aktien gekauft - und bestimmt nicht verkauft. Ein lange anhaltender Aufschwung begann zu dieser Zeit (und geht immer noch weiter in 2019) was uns zu einem Nachteil des SAA-Ansatzes bringt. Im Falle eines langanhaltenden Aufwärtstrends würden Investoren instinktiv zu früh verkaufen. Um sicher zu stellen, dass der komplette Investitionsprozess sauber funktioniert, braucht es zusätzlich ein internes Kontrollsystem (auch Internal Control System oder ICS), welches im IPS referenziert wird.
Die Grenzen des SAA-Modells können nur teilweise durch TAA kompensiert werden: Die TAA lässt zu, Aktien zu bevorzugen, wenn ein anhaltender Aufwärtstrend identifiziert wurde. Die TAA ist jedoch beschränkt, wenn zum Beispiel illiquide Anlagen oder Short-Positionen benutzt werden (sollen). Deshalb ist häufig ein Ansatz bevorzugt, welcher mehr als einfache direktionale Anlageexposition (in liquiden Titeln) abdeckt. Insbesondere sind dies Titel welche nicht direktional sind und etwa durch Optionen oder sogenannte Relative-Value-Positionen gekauft werden können. Letztere sind Anlagen, die durch zwei Instrumente gebildet werden, die stark korrelieren, wobei das eine “long” und das andere zu einem bestimmten Grad “short” gehalten wird. Der Grad der Korrelation ergibt sich dabei aus der Erwartung der Preisannäherung oder umgekehrt der Preisdivergenz. Es gibt auch weitere Möglichkeiten wie zum Beispiel Faktor-Methoden, welche ebenfalls vom SAA-Ansatz abweichen.
Erkenntnisse
Die Erstellung eines IPS is unabdinglich für einen kontrollierten Investment-Prozess. Dies unabhängig davon, welcher Investoren-”Typ” Sie sind oder welche Werkzeuge Sie zum Investieren nutzen. Gleichzeitig ist es aber auch wichtig zu verstehen, dass der klassische Ansatz des SAA-Modells Erneuert werden muss, um dem heutigen Investor zusätzlichen (idealerweise maximierenden) Nutzen zu bringen.
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