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Canción sin nombre
Peru, 1988. Das Land wird vom umstrittenen Präsidenten Alan Garcia regiert, dessen Wirtschaftspolitik blutige Konflikte mit Guerillaorganisationen befeuert. Georgina, eine junge Indigene, ist hochschwanger. Mit ihrem Mann Leo lebt sie in einer einfachen Hütte auf den Hügeln Limas und verkauft täglich Kartoffeln auf dem Markt. Dort hört sie die Radiowerbung einer Klinik, die kostenlose Entbindungen anbietet. Georgina bringt da ihre Tochter zur Welt, die sie nie zu sehen bekommt, stattdessen wird sie gewaltsam hinausgedrängt. Auch in den folgenden Tagen steht sie vor den verschlossenen Türen der verwaisten Klinik. Polizei und Behörden wollen der verzweifelten Mutter nicht helfen, erst ein Journalist nimmt sich dem Fall an und kommt einem Kinderhandelsring auf die Spur.
Die Geschichte basiert auf einem Zeitungsartikel über einen Kinderraub von Ismael León, dem Vater der Regisseurin. Bedrückend sind die Szenen, in denen das Paar hilflos durch die Flure behördlicher Einrichtungen irrt und – an institutionellen Hürden scheiternd – ungehört in ihrem Schmerz allein gelassen wird. Pamela Mendozas Spiel ist intensiv, genau wie die mehrdeutigen, in melancholischem Schwarz-Weiss gehaltenen Bilder von Inti Briones. Melina Leóns stilvoller Debütfilm, der 2019 als erster peruanischer Beitrag nach Cannes eingeladen wurde, ist ein atmosphärischer, direkter Blick auf die Wunden der lateinamerikanischen Geschichte und ein erschütterndes Mahnmal.
Sarah Stutte, Filmjournalistin
«Canción sin nombre», Peru 2019, Regie: Melina Léon, Besetzung: Pamela Mendoza, Tommy Párraga, Lucio Rojas, Verleih: Trigon Film, http://www.trigon-film.org
Kinostart: 2. Juli 2020