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Am Heiligen Abend saßen wir in gemütlicher Runde im Kreise der Familie zusammen und warteten gespannt auf die Bescherung. Nachdem natürlich zunächst die Kinder ihre Geschenke hastig auspackten, kam dann auch ich an die Reihe. Meine Frau überreichte mir einen Briefumschlag. „Aha“, dachte ich, „ein Gutschein“ und öffnete den Umschlag. Ich war überrascht und ein wenig entsetzt zugleich. Die Familie hatte mir einen Tandemsprung geschenkt. Ich möchte dazu bemerken, dass ich mich nicht unbedingt als besonders ängstlich einschätze, aber so in freiem Fall aus den Wolken der Erde entgegen schweben, fliegen oder sonst wie – das war schon hart an der Grenze.
Dennoch freute ich mich letztlich und fieberte spannungsvoll dem Tag entgegen, an dem ich mir nichts dir nichts aus einem Flugzeug hüpfen würde. Im Gepäck einen Menschen, der das Fallschirmspringen hoffentlich perfekt beherrschen würde. Und dieser Tag kam.
Von Düsseldorf in den Himmel
Am vereinbarten Tag fuhren wir nach Düsseldorf. Von dort sollte das Spektakel seinen Anfang nehmen. Ich wurde von einem freundlichen Piloten begrüßt, der mir kurz erklärte, dass er lediglich dafür sorgen würde, dass ich wohlbehalten in die Lüfte steigen würde. Der wichtigste Mann, mein Begleiter in der Luft, erschien jedoch kurz darauf. Er schien zumindest eine gewisse Menschenkenntnis zu besitzen, denn er erkannte sehr wohl, dass ich ein wenig aufgeregt, um, nicht zu sagen, dass ich Angst hatte. Er wirkte beruhigend auf mich ein und meinte, dass er bereits über eintausend Absprünge hinter sich gebracht hätte und dass, wie ich sehen könnte, er immer wohl behalten auf die Erde zurückgekehrt sei. Auch seine Mitstreiter, mit denen er aus dem Flieger gesprungen war, seien ohne jeglichen Schaden davongekommen. Ein wenig beruhigter folgte ich nun der sorgfältigen Einweisung mit den erforderlichen Verhaltensregeln meines Tandempiloten. Hier wurden der vollständige Ablauf und der freie Fall nach dem Absprung besprochen, so dass ich letztlich sehr gut vorbereitet in vollständiger Montur in das Flugzeug steigen konnte.
Aus 4000 Metern der Erde entgegen
Der Flugpilot zog die Maschine in einem etwa zwanzig Minuten andauernden Steigflug bis auf eine Höhe von etwa 4000 Metern. Ich hatte während dieser Phase ausreichend Zeit, das Unternehmen noch abzusagen. Aber das kam natürlich nicht infrage. Als wir die erforderliche Höhe erreicht hatten, nickte mir mein Tandembegleiter kurz zu. Dieses bedeutete wohl, es würde losgehen. Und dann ging es los. Wir hüpften aus dem Flieger. Atemberaubend und unglaublich, was sich in den ersten Sekunden so im Kopf abspielte. Man konnte irgendwie keinen klaren Gedanken fassen, dennoch erlebte ich bereits jetzt Faszination pur. Nun ging es in rasantem Tempo, die Fallgeschwindigkeit beträgt hier etwa 200 km/h, in freiem Fall in Richtung Mutter Erde. Der reine Wahnsinn. Meinen Tandempilot bemerkte ich irgendwie gar nicht, so begeisterten mich diese 50 Sekunden absoluter Freiheit in der Luft. Plötzlich öffnete sich der Fallschirm und der freie Fall ging in ein sanftes Schweben über, wobei sich offenbar auch das Tempo deutlich reduzierte. So schwebten wir etwa 10 Minuten durch die Lüfte, wobei ich nun das beeindruckende Feeling vollständig genießen konnte. Ich fand sogar die Zeit, mit meinem Begleiter ein kleines Pläuschchen zu halten. Alle meine Bedenken waren dem Glücksgefühl und der Faszination gewichen. Wir landeten punktgenau im Zielgebiet und hatten wieder festen Boden unter den Füßen. Nach unserer Rückkehr erhielt ich eine „Mutbescheinigung“ in Form einer Urkunde und war sichtlich stolz auf mich. Ein wahrhaft einzigartiges Erlebnis dieser Tandemsprung, das sicherlich immer in Erinnerung bleiben wird.