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DER IRANISCH-DEUTSCHE SCHRIFTSTELLER SAID IST GESTORBEN
17.05.2021 Der am 27. Mai 1947 in Teheran geborene iranisch-deutsche Schriftsteller und Journalist SAID (Bild, bürgerlich: Said Mirhadi) ist am 15. Mai 2021 in München gestorben. Er lebte seit 1965 im deutschen Exil. SAID schrieb Lyrik und Prosa in deutscher Sprache, aber auch Kinderbücher und Hörspiele. SAIDs Grundthemen waren vor allem Liebe und Exil. Mehrfach wurde er für sein schriftstellerisches Werk, aber auch für sein Engagement für politisch Verfolgte ausgezeichnet. SAID war Mitglied und von 1995 bis 1996 Vizepräsident und von 2000 bis 2002 Präsident des PEN-Zentrums Deutschland, dessen Beauftragter er vorübergehend auch für das Writers in Prison Committee war (von 1995 bis 1996).*
Foto: Kritzolina, 2014, https://commons.wikimedia.org/wiki/Creator:Kritzolina (Ausschnitt) - Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en - Datei: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Au%C3%9Fer.dem_pr%C3%A4sentation_nr._24_im_Lyrik_Kabinett.JPG
SAID (1947-2021)
Es erreicht uns die traurige Nachricht, dass unser langjähriges Mitglied und ehemaliger Präsident SAID am 15. Mai verstorben ist.
Sein vielseitiges Schaffen wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. 1997 mit der Hermann Kesten-Medaille, dem Adelbert-von-Chamisso-Preis (2002), dem Literaturpreis des Freien Deutschen Autorenverbands (2010), dem Verdienstkreuz am Bande (2014) und dem Friedrich-Rückert-Preis (2016) .
Wir werden ihn schmerzlich vermissen als Literat, als Brückenbauer zwischen den Kulturen, als Freund.
Für das PEN-Zentrum Deutschland e.V.:
Regula Venske
Der Dichter und Schriftsteller SAID ist am Samstag im Alter von 74 Jahren an Herzinfarkt gestorben. Der gebürtige Iraner war im Alter von siebzehn Jahren nach Deutschland gekommen und hatte in München Politikwissenschaften studiert. Wegen seiner politischen Aktivitäten konnte er erst nach dem Sturz der Monarchie und der Errichtung der Islamischen Republik 1979 in den Iran zurückkehren. Als das islamische Regime mit der Unterdrückung Andersdenkender begann, suchte er in Deutschland Exil: "Die Machthaber wechseln, der Terror bleibt", schrieb SAID später.
Im doppelten Exil
SAID war ein großer Dichter, der immer alles kleinschrieb, außer seinen eigenen Namen. Darin lag weniger Überheblichkeit als der Wille zur Selbstbehauptung: "schreit euren namen / laut und deutlich — denn hier, / auf dem sklavenmarkt, / versteigert man den, / der schweigt."
SAID gehörte zur ersten Generation der Autorinnen und Autoren, die als nichtdeutsche Muttersprachler mit ihren Texten auch in der deutschen Literaturszene Gehör fanden — ein langer, mühseliger Weg.
Stefan Weidner
Grenzüberwinder wollte er sein
Nach Deutschland kam er aus Zorn über sein Land, aber hier wurde er zu einem der wichtigsten Vermittler der iranischen Kultur. Seine auf Deutsch geschriebene Lyrik fand ein begeistertes Publikum.
Andreas Platthaus
Dichter der Liebe und gegen den Tod
"Wenn Sie sich instrumentalisieren lassen wollen, gehen Sie in die Partei", sagte der iranisch-deutsche Dichter Said, der jetzt gestorben ist.
Lisa Forster, dpa
Das Wort war eine Zuflucht
Mit 17 Jahren kam er aus dem Iran nach München und blieb als politischer Schriftsteller, der verfolgten Kollegen half. SAID schrieb mit an der deutschen Literaturgeschichte. Nun ist er mit 73 Jahren gestorben, wie ein enger Freund dem BR bestätigte
"In seiner Sprache wurden Worte zu Bildern"
Das Exil war für ihn so etwas wie ein rettender Engel, aber auch eine permanente Fremde. Das Exil wurde zu einem der zwei grossen Leitthemen in seinem Werk. Das andere ist die Liebe. SAID deutete das Exil auch immer im Rahmen einer nicht-konfessionellen Spiritualität. Er wurde zwar als Muslim geboren, verstand sich aber nicht als Muslim. Im Rahmen dieser Spiritualität spielte das Exil eine wichtige Rolle. SAID stellte das Exil als den prinzipiellen Daseinsort des Menschen dar. Will heissen: Jeder Mensch lebt in seinem Exil, aus das ihn nur eine persönliche Frömmigkeit hinausführen könne.
Reinhard Schulze, Emeritierter Professor für Islamwissenschaft, in einem Interview von Felix Münger für Radio SRF
Videos:
Grenzgänger zwischen den Kulturen
Exilland Deutschland - Eine Erfahrung
Die Gesichter des Iran. Antonia Bertschinger und SAID zu Gast bei Juri Steiner, 25.3.2012
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