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Alexander Skrjabin begann seine kompositorische Tätigkeit wie so viele seiner Zeitgenossen in der Nachfolge Chopins und Liszts, um sich aber bald als bedeutender Neuerer zu erweisen. Eine Art Scharnierposition nimmt in dieser Entwicklung die 2. Sinfonie ein. Komponiert im Sommer/Herbst 1901, gelangte sie im Januar 1902 in St. Petersburg zur Uraufführung. Das Publikum reagierte weitgehend mit Unverständnis; selbst der Premierendirigent Ljadow, ein anerkannter Komponist, meinte: „Der Teufel weiss, was das ist!“
Probleme bereitete vor allem Skrjabins avancierte Harmonik, die sich in der Nachfolge Wagners zunehmend vom traditionellen Dur-Moll-System löst. Formal dagegen knüpft die Sinfonie sehr wohl an das klassisch-romantische Modell an. Die herkömmliche Viersätzigkeit ist klar erkennbar, wobei die langsame Einleitung grösseres Gewicht erhält und einen zusätzlichen eigenen Satz ausbildet. Ihre Bedeutung erwächst aus einem Leitthema, das in den Sätzen 2 und 4 andeutungsweise wiederkehrt, bevor es im Finale zur triumphalen Geste gesteigert wird.
Insgesamt also ein Weg vom Dunkel ins Licht oder, wie es hier angemessener wäre, vom Kampf zum Sieg. Die Sätze 1 und 2 sowie 4 und 5, jeweils pausenlos ineinander übergehend, verwirklichen dieses Konzept: In beiden Fällen findet ein Umschlag statt, einmal von der Lähmung zum Aufbegehren, im anderen Fall vom offenen Konflikt zum finalen Triumph. Als unabhängig davon erweist sich der zentrale 3. Satz, eine Naturidylle, die denn auch als einzige ohne das Leitthema auskommt.