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Heute vor 24 Jahren gewinnt Thomas Frischknecht in Atlanta bei der Mountainbike-Premiere an den Olympischen Spielen im Cross-Country die Silbermedaille.
«Es war nicht nur für mich ein Meilenstein, sondern generell für die Sportart», sagt Frischknecht im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Die Olympischen Spiele brachten eine ganz andere Aufmerksamkeit mit sich.» Zuvor war der heute 50-Jährige in der Schweiz eher als Rad-Querfahrer bekannt, obwohl er im Cross-Country schon viele Erfolge gefeiert hatte – unter anderem wurde er von 1990 bis 1992 dreimal hintereinander Vize-Weltmeister.
Das war auch dem Umstand geschuldet, dass hierzulande in den 90er-Jahren der Strassenradsport dank Alex Zülle oder Tony Rominger zahlreiche Schlagzeilen schrieb. «Die Tour, der Giro, die Vuelta waren wichtig, nicht was wir im Mountainbike machten», blickt Frischknecht zurück. Mit Atlanta änderte sich sein Bekanntheitsgrad markant. Zwar ist er keiner, der besonders gerne im Rampenlicht steht, «das gehört aber dazu, um in einer solchen Sportart als Spitzensportler zu überleben. Wenn du im Sportpanorama bist, hast du, was die Persönlichkeitswahrnehmung betrifft, mehr erreicht, als wenn du zehn Rennen gewinnst. Zuvor war das Mountainbike oft übergangen worden.» Insofern waren die Olympischen Spiele 1996 für ihn ein Türöffner.
Von daher hat er das damalige Olympia-Rennen noch in «sehr, sehr guter Erinnerung». Zunächst sah es nicht nach einem Podestplatz für Frischknecht aus. Die Italiener Luca Bramati und Daniele Pontoni legten los wie die Feuerwehr, der spätere Olympiasieger Bart Brentjens aus den Niederlanden ging das horrende Tempo mit. Frischknecht befand sich in einer Gruppe dahinter. Bramati und Pontoni büssten jedoch für den Effort, worauf der Zürcher auf der letzten halben Runde den Franzosen Miguel Martinez stehen liess und die Ziellinie als Zweiter passierte. «Es war ein hartes Rennen. Ich fuhr clever, der 2. Rang war an diesem Tag das Maximum», so Frischknecht.
Die Olympia-Medaille hängt nun in der Stube auf den Hörnern eines Steinbock-Geweihs, das er am Swiss Bike Masters gewonnen hat. Mittlerweile ist sie allerdings schwarz, «man würde nicht mehr Silber darunter erwarten». Mehr erinnert bei ihm zu Hause nicht an die grossartige Karriere, auch weil die Tochter die Bändel der 15 WM-Medaillen zerschnitten hat, um diese als Münzen zum Spielen zu gebrauchen.
Zwar ist Atlanta für Frischknecht der wichtigste Erfolg, jedoch nicht der schönste. Das ist der WM-Triumph 2003 in Lugano im Marathon, da er zu Hause gewann und im Sprint seinen Erzrivalen Brentjens bezwang. «Es passte damals alles zusammen», begründet Frischknecht. Es war für ihn der zweite WM-Titel nach jenem 1996 im Cross-Country. Diesen erhielt er jedoch erst nachträglich zugesprochen, nachdem der Franzose Jerôme Chiotti zugegeben hatte, gedopt zu haben. «Das war eine Genugtuung, dass Ehrlichkeit am längsten währt», sagt Frischknecht.
Allerdings hätte er ohne die EPO-Ära wohl den einen oder anderen Grosserfolg mehr gefeiert. «Ich wurde mehrere Male beschissen. Es war eine schwierige Zeit», sagt Frischknecht dazu. Dachte er nie ans Aufhören? «Ich war einmal nah dran. Ich realisierte aber, dass für mich der Lifestyle als Mountainbike-Profi, mein eigener Chef zu sein, genügend lohnenswert war, um über die Probleme in der Sportart hinwegzusehen.»
Von daher waren für ihn nicht nur die Resultate der Massstab. Mit den EPO-Tests – diese wurden bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney erstmals offiziell vorgenommen – erfüllten sich dann seine Hoffnungen auf Besserung. «Ich fuhr von einem Monat auf den anderen wieder an der Spitze, nachdem ich vorher kaum einmal in die Top Ten gekommen war», erzählt Frischknecht. In Sydney befand er sich gar auf bestem Weg zum Gewinn der Goldmedaille, ehe er am Ende dehydriert einbrach, weil er früh im Rennen einen Bidon verloren hatte. Deshalb musste er sich mit Platz 6 begnügen. Die Zeit nach dem EPO-Test sei für ihn wie eine zweite Karriere gewesen, sagt Frischknecht. Schliesslich hat er von 2001 bis 2005 jedes Jahr eine WM-Medaille geholt – 2005 wurde er im Marathon ein zweites Mal Weltmeister.
Dem Mountainbike ist er auch nach dem Ende als Profisportler treu geblieben. Er managt das Scott-SRAM MTB Team um Olympiasieger Nino Schurter. Frischknecht kann als Pionier bezeichnet werden, der massgeblich dazu beigetragen hat, dass die Schweiz aktuell die Nummer 1 der Sportart ist.