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Zur Zeit nehme ich an einem Wettbewerb teil. Unter anderem wird Folgendes gefragt: Ungefähr wie viele Arten höhere Pflanzen sind auf Kuba zu finden? Zur Auswahl stehen: 800, 3000, 7000 und 12'000. Leider habe ich auch nach intensiver Suche nirgends die richtige Lösung gefunden. Vielleicht können Sie als Fachmann mir weiterhelfen.
D.R., P.TG
Antwort: In verschiedenen Länderbeschreibungen wird die Zahl der Pflanzenarten auf Kuba mit "an die 8000" angegeben, so dass wahrscheinlich die Zahl 7000 der Wahrheit heute am nächsten kommt. Auf Kuba wächst nicht allein ein hervorragender Tabak, sondern dort, im randtropischen Bereich (niederschlagsreiche Sommer, trockene Winter), gibt es noch einige von Savannen durchsetzte Feuchtwälder. Allerdings ist die ursprüngliche Pflanzenvielfalt stark dezimiert worden. Die Pflanzen des Kulturlandes sind insbesondere Opfer der Herbizidwirtschaft geworden allerdings haben wir Europäer diesbezüglich nicht auf Kuba herabzuschauen...
Bei einem eigenen Besuch auf der Insel (1996) habe ich mir ein Bild vom ökologischen Versagen (auch) der Kubaner machen können. Die Landschaften sind geplündert, und der primitiv bemalte, rund 200 m breite und 180 m hohe Felsen im Valle de las Dos Hermanas bei Viñales in der Provinz Pinar ("Mural de la Prehistoria") wurde von etwa einem Dutzend alpinistisch ausgerüsteten Arbeitern gerade gejätet...
Wie es um die ursprüngliche Vegetation einmal bestellt war, lässt der weitgehend intakte Humboldt-Nationalpark bei Baraguá am Golfo de Ana Maria im Südosten der Insel (Provinzen Holguin und Guantánamo) mit seinen Feucht-, Nebel- und Trockenwäldern sowie Mangroven erkennen, ein Hinweis auf die ehemals grandiose Vegetation. Dort hatte Fidel Castro ein Staudammprojekt gestoppt, dem eine der ökologisch wertvollsten Regionen zum Opfer gefallen wäre. Das Nationalpark-Projekt wird von der Frankfurter Tropenwald-Stiftung "Oro Verde" gefördert.
An die ehemals faszinierende Pflanzenwelt erinnern im Übrigen noch einige subtropische Baumriesen, die vereinzelt stehen geblieben sind, und der Botanische Garten etwa 25 km ausserhalb von Cienfuegos ("100 Feuer"), der gelegentlich von Wirbelstürmen geprägt wird. Die hier anzutreffende Ansammlung von Pflanzen war ursprünglich das Zuckerrohr-Experimentierfeld eines reichen Amerikaners und dann Studienort für Harvard-Studenten inszenierte Natur also, die immerhin darauf hindeutet, welch günstige Verhältnisse für eine vielfältige Vegetation auf der unabhängigkeitsbewussten Zucker- und Tabakinsel vorherrschen.
Walter Hess
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