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Nach knapp 20 Live-Auftritten bekamen Morning Parade vor zwei Jahren ihren Plattenvertrag. Die fünf Musiker aus England sind aber ihr Debüt langsam angegangen und haben im März ihr erstes Album veröffentlicht. Wir haben Sänger Steve Sparrow zum Interview getroffen.
hitparade.ch: Während eurer Amerika-TTour spielt ihr vier Shows am berühmten South By Southwest (SXSW) Festival in Texas. Freut ihr euch darauf?
Steve: Ja, wir freuen uns sehr! Wir beginnen unsere Tour in New York und gehen entlang der Ostküste. Nach dem SXSW folgt die Westküste, wo wir unter anderem in San Francisco und Seattle spielen. Insgesamt gibt es 18 Konzerte, das wird super!
hitparade.ch: Euer Debüt-Album "Morning Parade" erschien in der Schweiz am 5. März. Warum habt ihr die Scheibe nach euch benannt?
Steve: Wir hatten verschiedene Titel-Ideen. Zuerst dachten wir an "Us And Ourselves" oder an "Under The Stars". Unser Album sollte aber nicht wie eine unserer Singles oder einer unserer Songs heissen. Das alles führte dazu, dass wir schlicht keinen besseren Namen für unsere CD wussten.
hitparade.ch: Der erwähnte Song "Under The Stars" wurde bereits im November 2010 veröffentlicht. Stammen die restlichen Songs ebenfalls aus dieser Zeit, oder handelte es sich dabei ursprünglich um eine Demo?
Steve: "Under The Stars" war eine Art Demo für unser Label. Wir dachten dabei nicht unbedingt an eine Single oder einen Radio-Song, sondern veröffentlichten ihn, um erstes Feedback zu erhalten. Plötzlich wurde das Lied von den Radios entdeckt und überall gespielt. Mit einer so schnellen Entwicklung hatten wir nicht gerechnet.
Auf der CD sind noch andere Stücke aus derselben Zeit. Den ältesten Song "Headlights" schrieb ich sogar noch früher, gerade nach meinem Universitäts-Abschluss. Zuerst wollte ich ihn gar nicht auf dem Album haben, doch das Label bestand darauf.
hitparade.ch: War es nach dem unerwarteten Erfolg schwer, sich an die neue Situation zu gewöhnen?
Steve: Es war vor allem schwierig, weil die Leute mehr als nur "Under The Stars" von uns hören wollten, wir aber noch kein Album veröffentlicht hatten. Es dauerte ganze zwei zusätzliche Jahre, bis endlich weiteres Material von uns erschien.
hitparade.ch: Hattet ihr zu Beginn Mühe, genügend Songs für eure Konzerte zusammenzubringen?
Steve: Nein, wir hatten genügend Material im Stil von "Under The Stars", also passend für eine energiegeladene Show.
hitparade.ch: Halfen die Fan-Reaktionen nach euren ersten Gigs, Entscheidungen zu treffen bezüglich des Albums?
Steve: Je länger wir an der CD arbeiteten, deto bewusster wurde uns, dass ein Album und eine Live-Show nicht das Gleiche sind. Die Konzert-Energie lässt sich nicht einfach auf eine Platte bringen. Aus dem Lautsprecher hört sich alles anders an als live. Wir verbrachten darum viel Zeit mit Songwriting und der Produktion, um herauszufinden, welche Art von Band wir eigentlich sind.
hitparade.ch: Seid ihr zufrieden mit eurem Album?
Steve: Rückblickend gesehen können wir von uns sagen, gute Arbeit geleistet zu haben. Ich war damals ein totaler Wirbelwind und hatte eigentlich keine Ahnung, was um uns herum passiert. Wir waren zwar vom Alter her nicht unbedingt die Jüngsten, aber was die Erfahrungen im Musik-Business angeht, entsprachen wir einem Kind. Zudem standen wir unter grossem Druck und darum sind wir sehr zufrieden mit dem Ergebnis.
hitparade.ch: Vor nicht allzu langer Zeit konntet ihr nur von einem solchen Erfolg träumen. Fühlt es sich manchmal so an, als würde jetzt alles zu schnell gehen?
Steve: Von der Musik leben zu können, habe ich mir nie zu erträumen gewagt. Es ist der ermüdendste Job, den ich jemals ausübte. Ich stecke so viel Energie in die Musik und trotz des Aufwandes bin ich glücklicher als je zuvor. Es ist schön, morgens gerne aufzustehen, weil man Freude an seiner Arbeit hat!
hitparade.ch: Kannst du dich noch an Vorstellungen und Träume erinnern, die du in der Anfangsphase eurer Band hattest?
Steve: Ich erinnere mich an eine lustige Geschichte aus der Zeit, als ich "Under The Stars" schrieb: Wir hatten damals alle noch Jobs, und ich schrieb oft während der Arbeit, was sehr mühselig war. Phil, mit dem ich damals schon zusammenarbeitete, lachte mich immer aus, wenn ich plötzlich mit meinem Diktaphon die Flucht ergriff, um in einer ruhigen Ecke neue Ideen festzuhalten. Alle hielten mich für verrückt!
hitparade.ch: Was ist eurer Meinung nach der schwierigste Teil im Entstehungs-Prozess eines Albums?
Steve: Ganz klar, sagen zu können: "Jetzt ist die CD fertig!" Es gibt immer noch eine Idee, noch ein Lied, noch etwas zu ändern. Vor allem im Mixing-Prozess,in den verschiedene weitere Personen involviert sind. Irgendwann muss aber der Zeitpunkt kommen, wo es genug ist - und der ist nicht einfach zu finden.
hitparade.ch: Woher stammte die Idee, das Album-Cover nach und nach zu enthüllen, abhängig von der Anzahl Tweet-Erwähnungen eurer Fans?
Steve: Die Idee stammte von Dominic Louth, dem Digital-Marketing Manager von EMI Records. Ich finde die Idee sehr cool, eine gute Art, unsere Musik bekannt zu machen.
hitparade.ch: Bezüglich des Songs "Carousel" sagtest du Folgendes: "Wir wollten die Lieder gleichzeitig eindringlich, verwirrend und euphorisch wirken lassen. Zudem mussten wir jedoch Acht geben, es nicht zu übertreiben, weil die Songs auch live spielbar sein sollten." - Ist es im Entstehungsprozess die Hauptidee, ein Album zu kreieren, welches live auch gut funktioniert?
Steve: Als wir mit dem Songwriting begannen, starteten wir mit der "Live"-Idee. Bei der effektiven Aufnahme mussten wir es jedoch umgekehrt machen und uns jeweils fragen, ob der Song auch live funktioniert. Einiges konnten wir zum Beispiel mit dem vorhandenen Equipment live nicht spielen. Nach der Fertigstellung der CD investierten wir sehr viel Zeit ins Proben der neuen Lieder - eine ziemliche Herausforderung! Glücklicherweise können wir die meisten Songs live nun zufriedenstellend umsetzen.
hitparade.ch: Dann habt ihr auch neues Equipment gekauft?
Steve: Ja, haben wir! Chad und ich kauften einige neue Pedale und grössere Speicherkarten für neue Samples.
hitparade.ch: Ihr schreibt auf eurer Homepage, dass "Headlights" während 15 Minuten in einem Hotelzimmer entstanden ist. Geschieht das bei allen Songs so schnell?
Steve: Manche Songwriter sagen, die besten Lieder entstehen in so kurzer Zeit. Bei uns ist es unterschiedlich. Für "Under The Stars", unseren bisher erfolgreichsten Song, benötigte ich zum Beispiel 5 Monate.
Das Schreiben von "Headlights", "Born Alone" und "Half Litre Bottle" geschah hingegen ziemlich schnell. Es scheint, als ob sich Lieder in Dur einfacher schreiben lassen.
hitparade.ch: Was kannst du aus der Schweizer Hitparade kommentieren?
Gotye feat. Kimbra - Somebody That I Used To Know
Steve: Da dauerte es eine Weile, bis der Erfolg in UK ankam. Als ich das Video sah, hatte es bereits unzählige Klicks. Der Song gefällt mir sehr, erinnert mich ein wenig an Peter Gabriel.
Christina Perri - Jar of Hearts
Steve: Meiner Meinung nach einer der besten Pop Songs diesen Jahres. Es ist schön, eine Ballade von einer weiblichen Stimme zu hören.
Adele - Someone Like You
Steve: Offensichtlich einer der grössten Songs ever! Wenn man bedenkt, wie viele Leute den Song gekauft haben, um beim Hören zu weinen…