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Krankheitsbilder
Mehr über häufige Erkrankungen erfahren
Hier beschreiben wir Ihnen verständlich die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten der häufigsten urologischen Erkrankungen – von Blasensteinen bis zur Vorhautentzündung.
Blasenentzündung (Zystitis)
Wir unterscheiden zwischen der einfachen Blasenentzündung (ohne Fieber oder Blut im Urin) und der komplizierten Blasenentzündung (mit Fieber oder eventuell sichtbarem Blut im Urin).
Ursachen
Blasenentzündungen entstehen durch Bakterien, die durch die Harnröhre aufsteigen und sich in der Harnblase vermehren. Dies kann bei Frauen und bei Männern auftreten. Insgesamt sind jedoch Männer seltener von einer Blasenentzündung betroffen, weil ihre Harnröhre länger ist als die einer Frau. Blasenentzündungen werden zum Beispiel durch eine vermehrte Restharnbildung nach dem Wasserlösen begünstigt – was bei Männern etwa aufgrund einer Prostatavergrösserung vorkommt. Blasenentzündungen können aber auch bei Nieren- oder Harnblasensteinen, Tumoren der Blase sowie der Niere entstehen. Wiederkehrende Blasenentzündungen sollten deshalb durch einen Urologen abgeklärt werden.
Symptome
Die Bakterien bewirken zusammen mit der Immunreaktion des Körpers eine schmerzhafte Reizung der Harnblasenschleimhaut beziehungsweise der inneren Blasenwandauskleidung, dem sogenannten Urothel. Mögliche Folgen sind zum Beispiel gehäuftes Wasserlösen, meist in kleineren Portionen, Schmerzen beim Wasserlösen sowie in der Harnröhre und gelegentlich auch sichtbare Blutbeimengungen im Urin. Fieber und Schüttelfrost sind ebenso möglich; diese Beschwerden sprechen aber für eine schwere Entzündung und müssen so schnell wie möglich abgeklärt und behandelt werden.
Diagnostik
Der Urin wird zunächst mittels eines Urinstäbchentests untersucht und anschliessend zur genaueren Untersuchung in ein Labor geschickt, wo eine sogenannte Urinkultur angelegt wird. Im Labor werden die Bakterien angezüchtet und die passenden Antibiotika für die richtige Therapie ermittelt. Um eine mögliche Ursache der Entzündung zu ermitteln, führt der Urologe zudem eine Ultraschalluntersuchung durch. Eventuell muss er zur weiteren Abklärung auch eine Blasenspiegelung oder ein spezielles Röntgen beziehungsweise eine Computertomographie durchführen.
Therapie
Mit einer kurzen Antibiotikatherapie und/oder einer Erhöhung der Trinkmenge heilt eine einfache Blasenentzündung meist rasch aus. Bei einer komplizierten Blasenentzündung ist eine längere Antibiotikatherapie nötig. Zudem muss der oder die Betroffene allenfalls Faktoren korrigieren, die die Entzündung begünstigen (z.B. Erhöhung der Trinkmenge).
Komplikationen
Eine Blasenentzündung kann über die Harnleiter nach oben aufsteigen und eine Nierenbeckenentzündung verursachen. Meist tritt dann auch Fieber oder Schüttelfrost auf. Beim Mann ist die Blasenentzündung häufig mit einer Prostataentzündung oder zum Teil auch mit einer Nebenhodenentzündung verbunden, die mit oder ohne Fieber auftreten kann. Gelegentlich führt die Prostataentzündung zu einem Harnverhalt.
Blasenkrebs (Urothelkarzinom)
Der Blasenkrebs ist eine tumorartige Veränderung der Zellschichten (Urothel), die die Harnblase auskleiden. Die häufigsten bösartigen Harnblasentumoren wachsen oberflächlich und sind weniger aggressiv. In selteneren Fällen können sie aber auch in die Tiefe der Harnblasenwand hineinwachsen und Ableger (Metastasen) bilden.
Ursachen
Hauptrisikofaktoren sind das Rauchen und der berufliche (ungeschützte) Umgang mit Lösungsmitteln, Farben oder Lacken.
Symptome
Oft bereiten kleine Harnblasentumoren keine Beschwerden; blutiger Urin ist meist das Erst- beziehungsweise Hauptsymptom. Weitere Beschwerden können wiederholte Blasenentzündungen oder Reizsymptome der Blase sein.
Diagnostik
Besteht der Verdacht auf Blasenkrebs, muss die Harnblase gespiegelt (sogenannte Zystoskopie) durchgeführt werden. Unsere Urologen führen die Blasenspiegelung in einer Praxis der Uroclinic in Wetzikon, Rapperswil oder Uster in örtlicher Narkose ambulant durch. Dank der heutigen flexiblen Zystoskopie ist eine Blasenspiegelung kaum schmerzhaft.
Therapie
Bei Verdacht auf Blasenkrebs entnimmt der Urologe in einer Operation eine Gewebeprobe aus der Harnblasenschleimhaut, um die Diagnose sicherzustellen. Dazu wird die Blase unter Teil- oder Vollnarkose durch die Harnröhre gespiegelt und das verdächtige Gewebe mit einer kleinen Elektroschlinge entfernt. Diesen Eingriff nennt man auch transurethrale Resektion der Blase oder TUR-Blase. Das Ziel dieser ersten Operation ist es, Informationen über die Krebsart, Aggressivität und Tiefe in Bezug auf die Blasenwand zu erhalten und wenn möglich den Tumor vollständig zu entfernen. Die weitere Behandlung eines Blasenkrebses richtet sich nach der Krebsart, Aggressivität und Tiefe sowie der Gesamtsituation des Patienten.
Bei fortgeschrittenen Harnblasentumoren mit tiefem Einwachsen in die Blasenwand kann die vollständige Blasenentfernung (Zystektomie) eine Heilung bringen. Diesen grösseren Eingriff führen unsere Urologen im Team durch. Muss die Blase vollständig entfernt werden, können die Urologen aus Dünndarm eine Ersatzblase formen, sodass der Patient seine Blase ganz normal weiterhin über die Harnröhre entleeren kann. Bei einer weiteren Operationsmethode nach Entfernung der Harnblase kann alternativ der Urin aus den Harnleitern in ein Stück Dünndarm und schliesslich an die Bauchwand ausgeleitet werden (Urostoma oder Ileum-Conduit). Der Urin wird an der Bauchwand in einem Beutel aufgefangen, den der Patient regelmässig leert.
Abhängig von der Aggressivität, Tiefe und einem möglichen Lymphknotenbefall kann nach der Blasenentfernung eine Zusatzbehandlung sinnvoll sein. Auf jeden Fall führen unsere Urologen, wie bei Krebsleiden üblich, eine Nachbetreuung mit regelmässigen Kontrollen durch.
Komplikationen
Komplikationen treten eher selten auf. Gelegentlich kommt es dort, wo der Tumor entfernt wurde, zu Infektionen oder Nachblutungen.
Blasensteine (Zystolithiasis)
Wenn sich Steine in der Harnblase bilden, muss die Ursache behandelt werden. Die Steine verursachen meistens Beschwerden und können zu Blut im Urin oder Harnwegsentzündungen führen.
Ursachen
Werden Harnwegsentzündungen zum Beispiel durch eine unvollständige Blasenentleerung begünstigt, können Bakterien eine Steinbildung verursachen. Manchmal kommt es auch bei Patienten, die auf eine dauerhafte Versorgung mit einem Blasenkatheter angewiesen sind, zu einer Steinbildung in der Harnblase.
Symptome
Verspürt der Patient keine Beschwerden, werden Blasensteine manchmal nur zufällig entdeckt. Häufig führen Blasensteine aber zu wiederholten Harnwegsentzündungen, Blut im Urin oder Problemen bei der Blasenentleerung. Zu diesen Problemen zählen zum Beispiel häufiger Harndrang oder ein abgeschwächter Harnstrahl.
Therapie
Mittels Ultraschall oder Röntgen kann ein Blasenstein vermutet werden. Bei der Blasenspiegelung wird er optisch sichtbar. Blasensteine können meist in einer kleinen Operation über die Harnröhre, zum Beispiel mittels Laser zerkleinert und danach ausgespült werden. Damit sich nicht erneut Steine bilden, muss aber auch die Ursache der Restharnbildung behandelt werden. Nur sehr selten müssen sehr grosse Blasensteine operativ – mittels Bauchschnitt und Öffnen der Harnblase – entfernt werden.
Komplikationen
Blasensteine können wiederkehrende Blasenentzündungen verursachen, da die Bakterien im Steinmaterial geschützt sind und durch Antibiotika kaum dauerhaft abgetötet werden können.
Blut im Urin (Hämaturie)
Wenn der Urin sich durch Blutbeimengung rosa oder rot verfärbt spricht man von einer sogenannten «Makrohämaturie». Manchmal ist auch nur ein Teil der Urinportion rot – zum Beispiel zu Beginn oder am Ende des Wasserlösens. Wenn der Urin nicht verfärbt ist, aber unter dem Mikroskop Blut nachweisbar ist, bezeichnet man dies als «Mikrohämaturie».
Ursachen
Die häufigste Ursache der Hämaturie sind Entzündungen und Harnsteine. Eine schmerzlose Blutbeimengung im Urin kann durch unterschiedliche Faktoren verursacht werden: Zum Beispiel durch eine Verletzung von Niere, Harnleiter, Harnblase, Harnröhre oder von Geschlechtsorganen – oder durch Tumoren der Harnorgane.
Oft iegt bei einer Blutbeimengung im Urin eine relevante Erkrankung des Harntraktes vor. Bei schmerzhafter Hämaturie handelt es sich in der Regel um Entzündungen oder Harnsteine. Die schmerzlose Hämaturie kann auf einen bösartigen Tumor des Harntraktes hinweisen und muss daher auch vom Urologen untersucht werden.
Symptome
Es besteht die Möglichkeit, dass der Patient völlig beschwerdefrei ist. Es können aber auch Schmerzen auftreten oder Blut im Urin sichtbar sein.
Diagnostik
Der Urin wird zunächst mittels Streifentest beurteilt und zusätzlich im Labor untersucht. Die weiterführende Abklärung durch einen Urologen beinhaltet eine Ultraschalluntersuchung oder eine Blasenspiegelung. Zur Ergänzung der Abklärung führen unsere Urologen häufig eine Computertomographie des Bauchraums durch.
Therapie
Die Behandlung ist abhängig von der Ursache der Hämaturie.
Komplikationen
Unbehandelte Entzündungen oder Infektionen sowie Harnsteine können bis zum Verlust der Nierenfunktion führen. Im Falle eines bösartigen Tumors des Harntrakts ist die Prognose umso besser, je früher er entdeckt und behandelt beziehungsweise entfernt wird.
Erektionsstörungen
Eine Erektionsstörung (auch erektile Dysfunktion (ED) genannt) ist folgendermassen definiert: Die Unfähigkeit, eine Erektion des Penis, die für eine befriedigende sexuelle Aktivität ausreichend ist, zu bekommen oder aufrecht zu halten.
Ursachen
Erektionsstörungen treten mit zunehmendem Alter häufiger auf. Sie können entweder ohne erkennbare Ursache oder als Folge einer anderen Erkrankung entstehen: Wichtige Risikofaktoren sind Gefässschädigungen (zum Beispiel durch erhöhten Cholesterinspiegel, Bluthochdruck oder Rauchen), Diabetes mellitus, Nervenerkrankungen oder Hormonstörungen. Eine Erektionsstörung kann auch als Folge der Einnahme von verschiedenen Medikamenten – zum Beispiel gegen Bluthochdruck oder Antidepressiva – auftreten.
Insbesondere bei jüngeren Männern spielen psychische Faktoren eine Hauptrolle: Der subjektiv empfundene sexuelle Leistungsdruck in unserer Gesellschaft und die Erwartungen, die damit verbunden sind, nehmen zu.
Symptome
Abhängig vom Schweregrad ist die Erektion abgeschwächt oder kommt gar nicht zustande. Zusätzlich kann die Erektionsdauer reduziert sein, und nicht selten treten auch Probleme mit einem vorzeitigen Samenerguss auf.
Diagnostik
Ein ausführliches, vertrauensvolles und sachliches Gespräch mit einem Urologen in unserer Praxis über die Beschwerden und mögliche Risikofaktoren ist wichtig. Die körperliche Untersuchung ergänzen wir bei Bedarf durch eine Blutentnahme und eine Ultraschalluntersuchung.
Therapie
Grundsätzlich bestehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die sich nach Ursache der Erektionsstörung sowie Alter und Präferenz des Patienten richten. Im Vordergrund stehen die medikamentöse Therapie und allenfalls unterstützende psychotherapeutische Massnahmen. Je nach Befund setzen wir auch mechanische Hilfsmittel bis hin zur Implantation einer Penisprothese ein.
Komplikationen
Neben der negativen Auswirkung auf die Sexualität kann eine Erektionsstörung ein ernstzunehmendes frühes Warnzeichen für
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein:
Bis zu 40% der Männer ab 50 Jahren, die sich primär wegen einer Erektionsstörung untersuchen lassen, leiden zusätzlich an einer bisher nicht erkannten Erkrankung wie Bluthochdruck, Erhöhung des Cholesterinspiegels oder Blutzuckers.
In Kombination mit anderen Risikofaktoren – Rauchen, Übergewicht, Stress usw. – führen diese Erkrankungen häufig zu Durchblutungsstörungen: Die feinen Adern in den Schwellkörpern des Penis sind viel früher von Schädigungen betroffen als die Herzkranzgefässe oder Halsschlagadern.
Zur vollständigen Diagnose gehört daher allenfalls auch ein Check-up der Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Harnverhalt / Überlaufblase
Beim akuten Harnverhalt kann die Blase trotz grossem Drang nicht mehr entleert werden. Eine Überlaufblase – auch chronischer Harnverhalt genannt – hingegen bezeichnet eine Harnblase, die über längere Zeit stark gefüllt ist und sich nur noch unkontrolliert und in kleinen Portionen entleeren lässt.
Ursachen
Die häufigste Ursache für einen Harnverhalt beim Mann ist die Prostatavergrösserung. Auch Harnwegsinfektionen, Erkrankungen des Nervensystems und Nebenwirkungen von Medikamenten können einen Harnverhalt auslösen.
Symptome
Beim akuten Harnverhalt handelt es sich um eine urologische Notfallsituation, die äusserst schmerzhaft ist. Bei einer Überlaufblase dagegen verspürt man nur selten Schmerzen, die Harnblase lässt sich aber nicht mehr kontrolliert und nur in kleinen Portionen entleeren.
Diagnostik
Die typischen Beschwerden und eine Ultraschalluntersuchung der Harnwege erlauben dem Urologen eine rasche Diagnose.
Therapie
Um den Harntrakt zu entlasten, legt der Urologe in der Regel als Erstes einen Blasenkatheter ein. Die weitere Therapie hängt von der Ursache des Harnverhalts ab. Bei Männern ist zum Beispiel häufig die Behandlung einer Prostatavergrösserung notwendig.
Komplikationen
Insbesondere beim chronischen Harnverhalt mit Überlaufblase, der kaum Schmerzen hervorruft, können die Nieren wegen des Rückstaus von Urin geschädigt werden. Auch das Risiko für Harnwegsinfektionen erhöht sich dabei deutlich.
Harnröhrenverengung (Urethrastriktur)
Bei der Urethrastriktur unterscheidet man zwischen der erworbenen und der angeborenen Harnröhrenverengung.
Ursachen
Harnröhrenverengungen sind in fast allen Fällen Folge einer Narbenbildung. Diese Narben entstehen durch Verletzungen der Harnröhrenschleimhaut. Die Ursache solcher Verletzungen kann in einem Unfall, in Entzündungen oder in einer vorangegangenen Kathetereinlage durch die Harnröhre liegen.
Symptome
Typischerweise wird der Harnstrahl schwächer und dünner. Hinzu kann das Gefühl einer unvollständigen Harnblasenentleerung kommen.
Diagnostik
Bereits die Harnstrahlmessung kann das typische Bild einer Harnröhrenverengung zeigen. Die Untersuchung kann durch eine Spiegelung von Harnröhre und Harnblase (Zystoskopie) sowie Ultraschall und Röntgenuntersuchungen ergänzt werden.
Therapie
In fast allen Fällen ist eine operative Behandlung notwendig. Die Wahl des Verfahrens hängt vom Schweregrad und der Lage der Verengung ab: Neben einfachen Erweiterungen der Narben können komplexe Eingriffe, bei denen das Harnröhrengewebe ersetzt wird (zum Beispiel mit Schleimhaut aus der Mundhöhle), erforderlich sein.
Komplikationen
Hochgradig verengte Harnröhren können Schädigungen, insbesondere durch den erhöhten Druck in der Harnblase, verursachen. Zudem kann eine unvollständige Entleerung der Blase zu einem erhöhten Risiko für Harnwegsinfektionen führen.
Harnsteine (Urolithiasis)
Harnsteine entstehen immer zuerst in den Nieren aufgrund von Kristallbildungen, die durch Ablagerungen grösser werden.
Ursachen
Wenn die Löslichkeit von Salzen im Urin gestört ist, können sich Kristalle bilden, die zu Harnsteinen anwachsen. Die Ursachen sind sehr unterschiedlich, häufig liegen sie aber in einer zu geringen Trinkmenge, in einseitigen Ernährungsgewohnheiten und in erblichen Faktoren. Bezeichnend ist, dass Harnsteinerkrankungen in den westlichen Industrienationen in den letzten Jahrzehnten deutlich häufiger geworden sind.
Symptome
In der Niere rufen Steine nur selten Beschwerden hervor, können aber die Ursache von wiederholten Harnwegsentzündungen sein. Lösen sie sich aber von den Nierenkelchen und verstopfen den Harnleiter, sind meistens kolikartige, heftige Schmerzen die Folge. Diese machen häufig eine notfallmässige Behandlung erforderlich. Auch kann es zu Verletzungen der Harnleiterschleimhaut und damit zu Blut im Urin kommen.
Diagnostik
Besteht der Verdacht auf eine Harnsteinerkrankung, benötigt der Urologe vor allem Informationen über die Anzahl, Grösse und Lage der Steine im Harntrakt. Die höchste Aussagekraft haben die Ultraschalluntersuchung und die Computertomografie.
Therapie
Häufig kann bei kleineren Steinen (bis ca. 5 mm) und geringen Beschwerden ein Spontanabgang abgewartet werden. Es gibt Medikamente, die die Schmerzen reduzieren und den Spontanabgang fördern. Eine starke Kolik schmerzt aber so heftig, dass meistens eine Behandlung im Spital notwendig und oft die Einlage eines Drainageröhrchens in den Harnleiter erforderlich ist. Die Wahl des Verfahrens, um die Harnsteine definitiv zu entfernen, hängt ab von ihrer Zahl, Grösse und Lage im Harntrakt. In fast allen Fällen können unsere Urologen ein minimal-invasives endourologisches Verfahren anwenden.
Komplikationen
Kommt es bei einem blockierenden Stein zusätzlich zu einer Harnwegsentzündung, kann dies zu einer schweren Blutvergiftung führen. Wiederkehrende Harnsteinbildungen können die Nierenfunktion schädigen. Daher müssen auch die Risikofaktoren für eine erneute Steinbildung untersucht werden. Zudem muss der Patient fast immer die Trinkmenge erhöhen und seine Ernährungsgewohnheiten umstellen.
Hodenhochstand (Maldescensus testis)
Der Hodenhochstand (Maldescensus testis) beschreibt das unvollendete Wandern des Hodens von der Bauchhöhle durch den Leistenkanal in den Hodensack. Die Hodenentwicklung findet beim ungeborenen Kind im Bauchraum statt. Im Rahmen des Reifungsprozesses wandert der Hoden von Bindegewebsstrukturen geführt in den Hodensack. Dieser Vorgang ist bei den meisten Knaben um den Geburtstermin herum abgeschlossen. Nur in wenigen Fällen ist die Entwicklung verzögert, was zu einem Hodenhochstand führt.
Ursachen
Die Hodenentwicklung und -wanderung von der Bauchhöhle über die Leisten in den Hodensack ist hormongesteuert. Neben hormonellen Störungen kommt auch eine einfache zeitliche Verschiebung als Ursache eines Hodenhochstandes in Frage. Letztlich sind die genauen Ursachen nicht bekannt.
Symptome
Meist hat der Patient keine Beschwerden. Gelegentlich kann ein Pendelhoden (siehe unten), der immer wieder in die Leiste hochgleitet, Schmerzen verursachen.
Diagnostik
Die erstmalige Untersuchung erfolgt beim Neugeborenen. Ungefähr 3% von ihnen haben einen Hodenhochstand. Nach dem ersten Lebensjahr weist noch 1% einen Hodenhochstand auf. Der Hoden liegt dabei meistens im Leistenkanal, seltener im Bauchraum.
Vom Hodenhochstand zu unterscheiden ist der Pendelhoden. Dabei pendelt der Hoden durch Muskelzug des Samenstrangs vom Hodensack in die Leistengegend. Im Gegensatz zum Pendelhoden ist der Hoden beim Hodenhochstand nie im Hodensack zu sehen oder zu ertasten.
Therapie
Die Behandlung sollte wegen möglicher Spätfolgen – ein erhöhtes Risiko für Hodentumoren und die Einschränkung der Zeugungsfähigkeit – im ersten Lebensjahr abgeschlossen sein. Mit Hormonen kann versucht werden, die Wanderung des Hodens in den Hodensack zu fördern. Gelingt dies nicht oder liegt der Hoden zu hoch, wird er operativ in den Hodensack gebracht.
Komplikationen
Ein nicht behandelter, hoch stehender Hoden wird seine normale Funktion der Hormonproduktion (männliches Geschlechtshormon) und der Samenzellenreifung verlieren. Zudem besteht ein erhöhtes Risiko für Hodentumorerkrankungen im Jugendlichen- und Erwachsenenalter.
Hodentumor
Ein Hodentumor zeigt sich oft als schmerzlose, harte und unregelmässige Schwellung am Hoden. Dabei ist oft nur ein Hoden betroffen. In vielen Fällen sind die beiden Hoden unterschiedlich gross.
Ursachen
Hodentumoren treten vor allem bei Männern zwischen 20 und 40 Jahren auf. Die Ursachen sind oft unbekannt. Es besteht jedoch ein erhöhtes Risiko bei nicht behandeltem Hodenhochstand, vorangegangener Hodentumorbehandlung des anderen Hodens oder bei familiärer Belastung.
Symptome
Oftmals verursachen Hodentumoren keine Beschwerden. Bei grossen Tumoren können Spannungsschmerzen oder Einblutungen in den Hoden auftreten.
Diagnostik
Der Urologe stellt eine erste Verdachtsdiagnose durch die körperliche Untersuchung und die Ultraschalluntersuchung. Weitere bildgebende Verfahren (Computertomografie) können Fernableger eines Tumors nachweisen. Zudem können im Blut so genannte Tumormarker bestimmt werden, die auf ein mögliches Krebsleiden hinweisen.
Therapie
Die Therapie des Hodentumors besteht in der einseitigen Entfernung des krankhaften Hodens (Semikastration) über einen Hautschnitt in der Leistengegend. In speziellen Fällen wird gleichzeitig eine Gewebeprobe am gesunden Gegenhoden über einen Hautschnitt am Hodensack entnommen.
Abhängig vom Typ des Hodentumors muss in manchen Fällen eine Nachbehandlung mittels Chemo- oder Strahlentherapie durchgeführt werden. Die Prognose von Hodentumoren ist bei rechtzeitiger Behandlung als sehr gut einzustufen: die meisten Patienten können dauerhaft geheilt werden.
Inkontinenz
Harninkontinenz ist der medizinische Ausdruck für eine Blasenschwäche und bezeichnet die mangelnde Fähigkeit des Körpers, den Blaseninhalt ausreichend zu speichern und den Zeitpunkt der Entleerung selbst zu bestimmen. Als Folge kommt es zu unwillkürlichem Urinverlust.
Es gibt verschiedene Formen der Harninkontinenz, die unterschiedlich behandelt werden.
Die häufigsten sind:
- Belastungsinkontinenz: Hier besteht eine Schwäche des Harnröhrenschliessmuskels oder des Beckenbodens
- Dranginkontinenz: Hier ist der überaktive oder instabile Harnblasenmuskel für den unfreiwilligen Urinverlust verantwortlich.
- Mischformen aus Belastungs- und Dranginkontinenz
- Überlaufinkontinenz: Durch eine Abflussbehinderung (zum Beispiel bei einer Prostatavergrösserung fliesst bei dauerhaft voller Blase immer nur etwas Urin unkontrolliert ab.
Ursachen
Die beschriebenen Inkontinenzformen kommen bei Frauen und Männern unterschiedlich häufig vor und können verschiedene Ursachen haben.
Dies sind die typischen Ursachen beim Mann
- Die Belastungsinkontinenz tritt beim Mann sehr selten auf und ist meistens die Folge eines operativen Eingriffs, zum Beispiel der radikalen Prostataentfernung bei Prostatakrebs. Dank der grossen Erfahrung und moderner Operationstechniken können die Urologen der Uroclinic das Risiko für eine Belastungsinkontinenz stark reduzieren.
- Bei der Dranginkontinenz liegen mögliche Ursachen in einer Instabilität des Blasenmuskels, in Entzündungen oder Tumoren. Auch neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Morbus Parkinson usw. können die Beschwerden hervorrufen. Diese Form der Inkontinenz ist die häufigste im höheren Alter.
- Überlaufinkontinenz: Sie kommt bei Männern deutlich häufiger vor als bei Frauen. Ursache ist oft eine Prostatavergrösserung. Auch Nervenschädigungen, wie sie zum Beispiel bei Diabetes vorkommen, können den Harnblasenmuskel so schädigen, dass sich die Blase nicht richtig entleeren kann und hohe Restharnmengen verbleiben.
Diagnostik
Bereits die Schilderung der Beschwerden liefert wichtige Hinweise auf die Form und die Ursache der Inkontinenz. Oft nutzen unsere Urologen auch die Informationen, die sie aus dem sogenannten Blasentagebuch gewinnen: In diesem protokolliert der Patient während mehrerer Tage die Blasenentleerung und den Urinverlust.
Zusätzlich nutzt der Urologe häufig die Ultraschalluntersuchung oder die Blasenspiegelung. Bei Bedarf ergänzt er die Diagnostik um eine Funktionsprüfung von Blase und Schliessmuskel, die sogenannte urodynamische Untersuchung.
Therapie
Die Behandlungsoptionen sind vielfältig und an die Form der Inkontinenz und die individuelle Situation des Patienten angepasst. Sie reichen von konservativen Massnahmen (Blasentraining, Beckenbodentraining, Medikamente) über minimal-invasive Blasenbehandlungen (zum Beispiel Botulinum-A-Toxin-Injektionen) bis zum Einsatz von sogenannten Blasenschrittmachern oder Verschluss-Systemen.
Krampfader Hodensack (Varikozele)
Krampfadern am Hodensack sind Erweiterungen von Gefässen beziehungsweise Venen, die an der Hautoberfläche des Hodensackes sichtbar werden können und zu einer Schwellung um den Hodensack führen. In den sogenannten Venen, die den Samenstrang umgeben, kommt es zu einer Blutstauung.
Ursachen
Die häufigste Ursache für Krampfadern im Hodensack ist ein erschwerter Blutabfluss in die linke Nierenvene, der anlagebedingt sein kann. Dies führt zu einer Schwächung der Klappen in den Venen – ähnlich, wie bei den Krampfadern der Beine. Dadurch verändert beziehungsweise erhöht sich der Druck in den Venen, was zu einer krampfartigen Aussackung des Venengeflechts um den Hoden führt. Es gibt verschiedene Gründe für den erschwerten Blutabfluss. Zum einen kann die linke Vene, die den Samenstrang versorgt, einen Knick an der Einmündung in die Nierenvene aufweisen und dadurch verengt sein. Zum anderen kann die Nierenvene durch die Hauptschlagader oder einen ihrer Äste eingeengt werden. Meist kommt dies auf der linken Seite vor, da dort die anlagebedingten Veränderungen am häufigsten auftreten können. Diese Form der Krampfadern wird als anlagebedingte oder primäre Varikozele bezeichnet.
Sekundäre Varikozelen können durch Raumforderungen (Tumoren) in der Niere oder deren Umgebung verursacht werden. Auch Gefässeinrisse oder Blutgerinnsel sind als Ursache möglich. Diese Art der Krampfadern kann auf beiden Seiten auftreten.
Symptome
Die meisten Männer berichten über ein Druckgefühl im Bereich des Hodensacks. Auch kann es zu Schmerzen beim Laufen und Stehen kommen, während sich beim Liegen die Situation verbessert. Schwellungen des Hodensacks kommen ebenso häufig vor. Zum Teil sind die Krampfadern unter der Haut des Hodensacks sichtbar und erinnern an einen «Sack voller Würmer». In ausgeprägten Fällen kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigt sein.
Diagnostik
Zur Untersuchung wird der Hodensack in verschiedenen Positionen beurteilt, also im Stehen und im Liegen. Zur Abklärung gehören: eine Ultraschalluntersuchung des Hodens mit Gefässdarstellung, die Untersuchung der Durchblutung des Hodengewebes sowie eine Ultraschalluntersuchung der Nieren auf beiden Seiten. Sollte ein unerfüllter Kinderwunsch bestehen, untersucht der Urologe auch das Sperma.
Therapie
Die Krampfadern können verödet (Sklerosierung) oder operativ, mit Hilfe eines Operationsmikroskops, durchtrennt werden (Varikozelenligatur).
Nebenhodentzündung (Epididymitis)
Bei einer Nebenhodenentzündung ist der sogenannte Nebenhodens – meist schmerzhaft – entzündet. Der Nebenhoden liegt dem Hoden an; aus ihm geht der Samenstrang hervor.
Ursachen
Die häufigste Ursache einer Nebenhodenentzündung liegt bei jüngeren Männern in sexuell übertragbaren Erkrankungen durch Erreger beziehungsweise Bakterien. Bei älteren Männern liegen meist Harnwegsinfektionen oder Blasenentleerungsstörungen vor, zum Beispiel Prostatavergrösserungen oder Einengungen der Harnröhre. Auch durch Kathetereinlagen, Blasenspiegelungen oder Verletzungen der Harnröhre kann es zu Nebenhodenentzündungen kommen. Selten gelangen Bakterien über das Blut in den Nebenhoden.
Symptome
Oft kommt es zu Schmerzen mit Druckgefühl und Schwellungen sowie Rötungen des Hodens beziehungsweise Hodensacks. Zum Teil hat der Patient zusätzlich Fieber und Schüttelfrost. Ebenso kann ein Brennen in der Harnröhre oder Ausfluss auftreten.
Wichtig: Bei starken Schmerzen, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, muss man eine Verdrehung der Hodengefässe – eine sogenannte Hodentorsion – in Betracht ziehen und deshalb sofort einen Arzt beziehungsweise ein Spital oder eine Notfallstation aufsuchen.
Diagnostik
Der Hoden beziehungsweise Hodensack muss abgetastet werden. Um eine Vergrösserung des Nebenhodens zu sehen und Eiterherde auszuschliessen, ist eine Ultraschalluntersuchung der Hoden unerlässlich. Während dieser Untersuchung prüft der Urologe die Durchblutung des Hodens und kann so auch eine Verdrehung der Hodengefässe beurteilen. Zur Abklärung gehört die Beurteilung einer Blasenentleerungsstörung: Mittels Ultraschall kann eine Restharnbildung ausgeschlossen werden. Zusätzlich wird der Urin mit Bakteriennachweis und bei Bedarf Bestimmung der Entzündungszeichen im Blut untersucht.
Therapie
In der Regel braucht es eine mehrwöchige Antibiotika-Therapie. Zusätzlich müssen entzündungs- und schmerzstillende Tabletten eingenommen werden. Generell muss der Patient seinen Körper schonen, wozu insbesondere eine Hodenhochlagerung gehört, eventuell auch eine Kühlung.
Sehr selten muss der Urologe, wenn sich Eiterherde im Nebenhoden gebildet haben, einen operativen Eingriff vornehmen.
Penisverkrümmung (Penisdeviation)
Eine Penisverkrümmung ist eine Abknickung des Penis bei der Erektion im Bereich des Penisschaftes.
Ursachen
Meistens sind die Ursachen unklar. Oft liegen bindegewebige oder narbige Veränderungen vor, worauf sich abgegrenzte Verkalkungen, sogenannte Plaques, bilden. Diese Narben oder Verkalkungen können zur Verkürzung und somit zur Abknickung des Penisschaftes in eine Richtung führen. Es werden Mikroeinrisse, genetische und entzündliche Ursachen diskutiert.
Symptome
Die Abknickung des Penisschaftes wird in erigiertem Zustand des Penis sichtbar. Sie kann in verschiedene Richtungen zeigen. Die verkalkten Ablagerung können oft unter der Penishaut ertastet werden. Probleme treten insbesondere beim Geschlechtsverkehr auf: Es können Schmerzen entstehen oder der Geschlechtsverkehr kann mehr oder weniger deutlich erschwert sein. Die Fruchtbarkeit, der Samenerguss oder die Erektionsfähigkeit an sich sind in der Regel nicht eingeschränkt.
Diagnostik
Ist der Penis nicht erigiert, kann der Urologe die Richtung und das Ausmass einer Penisverkrümmung nicht beurteilen. Bei der körperlichen Untersuchung können die sogenannten Plaques am Penisschaft ertastet werden. Zum Teil erkennt der Arzt die Plaquebildung beziehungsweise die Verkalkung mittels Ultraschall. Zur vollständigen Beurteilung muss der Patient eine Bilddokumentation aus drei verschiedenen Perspektiven anfertigen.
Therapie
Eine medikamentöse Therapie kann entzündliche Prozesse stoppen, die weitere Verkrümmung aufhalten und Schmerzen reduzieren. Die Penisverkrümmung kann sich auch spontan zurückbilden, was aber eher selten ist.
Treten Schmerzen auf oder kann der Patient wegen der Verkrümmung keinen Geschlechtsverkehr mehr vollziehen, muss ein operativer Eingriff diskutiert werden. Je nach Krümmung und Länge des Penis setzen wir Techniken zur Raffung oder Verlängerung der Schwellkörperwand ein. Die Erektionsfähigkeit, Fruchtbarkeit oder der Samenerguss werden durch die Operation nicht verändert.
Prostataentzündung (Prostatitis)
Bei der Prostatitis handelt es sich um eine Entzündung der Prostata. Die Prostatitis lässt sich in zwei Formen unterscheiden: die akute und die chronische Form. Die chronische Form wird häufig auch als Beckenschmerzsyndrom bezeichnet. Als chronisch wird eine Prostatitis bezeichnet, wenn die Beschwerden länger als drei Monate andauern.
Ursachen
Die akute Form wird durch eine Infektion mit Bakterien verursacht. Dies kann auf zwei Arten geschehen: durch eine Infektion beim Geschlechtsverkehr – die häufigste Ursache der Prostatitis bei Männern unter 40 Jahren – oder durch eine Infektion des Harntraktes infolge einer Harnabflussstörung – die häufigste Ursache bei Männern über 40 Jahren. Eher selten tritt eine akute Prostatitis nach einer medizinischen Behandlung wie einer Biopsie oder einer Operation der Prostata auf.
Die Ursachen der chronischen Form sind vielfältiger. Eine chronische Prostatitis kann aus einer verschleppt behandelten oder nicht ausgeheilten akuten Form entstehen. Die Prostatavergrösserung mit zunehmenden Alter führt zu Reizbeschwerden in der Prostata und kann dadurch ebenfalls eine Entzündung in der Prostata auslösen. Ebenfalls wird ein Virenbefall als mögliche Ursache diskutiert. Schliesslich können auch Erkrankungen und Dysfunktionen der Organe, die die Prostata umgeben (Harnblase, Beckenbodenmuskulatur, Darm), diese chronisch reizen.
Symptome
Die akute Prostatitis tritt plötzlich mit starkem Krankheitsgefühl, Fieber, Schüttelfrost, Beschwerden beim Wasserlösen wie Harnstrahlabschwächung und Brennen auf. Die akute Prostatitis ist eine schwere Erkrankung, die eine rasche medizinische Versorgung erfordert.
Häufigstes Symptom der chronischen Prostatitis ist der chronische Schmerz im Dammbereich, hinter dem Schambein; teilweise strahlt dieser auch in die Hoden oder den Enddarm aus. Häufig treten Schmerzen beim Samenerguss auf oder die Erektionsfähigkeit geht verloren.
Diagnostik
Ziel ist es, einen möglichen Erreger der Prostataentzündung zu isolieren. Zu diesem Zweck legt die medizinische Fachperson eine Urinkultur vor und nach einer Prostatamassage an. Eine Kultur kann auch aus dem Samenerguss angelegt werden, allerdings besteht bei der Probengewinnung das Risiko einer Verunreinigung. Bei einer akuten Entzündung mit Fieber kann der Erregernachweis auch aus einer Blutkultur gelingen. Im Blut sind bei einer akuten Entzündung Werte wie die weissen Blutkörperchen, das CRP und häufig auch der PSA-Wert erhöht.
Um eine Harnabflussstörung erkennen zu können, erwägt der Urologe eine Harnstrahlmessung und bei unklarer Situation eine Blasenspiegelung oder eine urodynamische Untersuchung. Die klinische Untersuchung des äusseren Genitals und der Prostata ist Bestandteil jeder urologischen Beurteilung.
Therapie
Die akute Form der Prostataentzündung wird primär durch Antibiotika behandelt. Idealerweise werden Antibiotika verwendet, die sich stark in der Prostata anreichern und somit gut wirken. Sobald die Kultur bestimmt ist, muss das Antibiotikum eventuell angepasst werden. Die Behandlung soll mindestens zwei Wochen dauern. Zusätzlich werden entzündungshemmende Medikamente eingesetzt. Dabei haben auch pflanzliche Präparate eine gewisse Bedeutung.
Ist der Harnstrahl schwach oder das Wasserlösen nur unter Anstrengung möglich, können Medikamente, die die Prostata etwas entspannen und den Blasenausgang erweitern Linderung verschaffen. Wenn der Patient nicht auf die Medikamente anspricht, muss der Harn über einen Dauerkatheter oder eine Blasenpunktion abgeleitet werden.
Bleibt das Wasserlösen auch nach der Abheilung trotz medikamentöser Unterstützung erschwert, zieht der Urologe allenfalls eine operative Behebung der Abflussbehinderung in Betracht.
Auch bei der chronischen Prostatitis werden Antibiotika über eine lange Dauer von einigen Wochen bis Monaten eingesetzt. Leider verzeichnet man in diesem Fall oft nur einen vorübergehenden oder gar keinen Erfolg. Pflanzliche Präparate (Sägepalmen- und Roggenpollenextrakte) oder schulmedizinische entzündungshemmende und muskelentspannende Präparate können unterstützend wirken. Warme Bäder oder eine lokale Wärmeapplikation auf den Dammbereich können die Beschwerden ebenfalls lindern. Auch Physiotherapie und Sport können sich positiv auswirken, indem sie zur Verbesserung der Durchblutung und zur Entspannung der betroffenen Muskulatur beitragen.
Komplikationen
Wird eine akute Prostatitis verzögert oder nicht korrekt behandelt, kann dies schlimmstenfalls zu einer lebensbedrohenden Urosepsis führen (Blutvergiftung durch Bakterien aus dem Urogenitaltrakt).
Die chronische Prostatitis ist ein chronisches Krankheitsbild, das spontan oder dank der erwähnten Therapien zurückgehen oder vollständig ausheilen kann. Die Genesung fordert aber von allen Beteiligten Geduld – sowohl vom Patienten als auch vom behandelnden Urologen.
Prostatakrebs
Prostatakrebs ist bei den über 45-jährigen Männern die häufigste Krebserkrankung. Jedes Jahr werden in der Schweiz ca. 6600 neue Fälle diagnostiziert. Prostatakrebs ist auch die zweithäufigste Todesursache bezogen auf die unterschiedlichen Krebserkrankungen des Mannes. Im Frühstadium verursacht der Prostatakrebs selten Symptome. Allerdings sind nur Patienten heilbar, bei denen der Prostatakrebs früh genug erkannt wird. Aber auch bei Patienten mit fortgeschrittenem Krebs stehen vielseitige operative und medikamentöse Therapien zur Verfügung, die das Fortschreiten des Krebses effektiv verzögern und die Lebensqualität des Betroffenen erhalten.
Ursachen
Der grösste Risikofaktor für den Prostatakrebs ist das Altern. Er tritt bei unter 40-jährigen Männern nur sehr selten auf und wird mit zunehmendem Alter häufiger. Wahrscheinlich sind die westlichen Ernährungsgewohnheiten mit einem hohen Anteil an tierischen Fetten und Eiweissen sowie die kalorienreiche Ernährung, verbunden mit Übergewicht, ebenfalls Risikofaktoren. Vor allem die aggressiven Prostatakrebsformen treten zudem familiär gehäuft auf.
Symptome
Im Frühstadium, also solange die Krebserkrankung auf die Prostata beschränkt ist, verursacht Prostatakrebs keine oder nur geringe Beschwerden beim Wasserlösen. Schreitet er lokal fort und wächst in die Harnröhre oder die Blase ein, verursacht er Blutungen. Wächst er weiter und engt die Harnleitermündungen in der Blase ein, verschlechtert dies zunehmend die Nierenfunktion bis hin zum Nierenversagen. Wächst der Krebs gegen den Darm vor, kann dies zu Unregelmässigkeiten beim Stuhlgang und zu Schmerzen führen.
Durch die Bildung von Metastasen in den Knochen verursacht der Prostatakrebs vor allem Schmerzen in den betroffenen Regionen. Bei ausgedehntem Befall in den Lymphknoten kann es zudem zur Lymphabflussbehinderung mit folgender Beinschwellung und auch zur Einengung des Harnleiters mit Nierenstauung und Störung der Nierenfunktion.
Bei weiterer Metastasierung können fast alle Organe befallen werden. Diese Ableger, zum Beispiel in der Lunge oder der Leber, verursachen jedoch häufig keine Schmerzen.
Diagnostik
Bei der ersten Untersuchung zur Prostatakrebsvorsorge tastet der Urologe die Prostata mit dem Finger vom Darm her ab, führt eine Urinuntersuchung durch und beurteilt die Prostata mittels Ultraschall.
Dank einem Eiweiss (Prostataspezifisches Antigen, PSA), das in der Prostata gebildet wird und in tiefer Konzentration auch im Blut nachweisbar ist, können sich Männer mit erhöhtem Krebsrisiko frühzeitig abklären lassen. Das PSA wird nur in der Prostata gebildet und ist somit organspezifisch. Allerdings bedeutet ein erhöhter PSA-Wert nicht, dass ein Prostatakrebs vorliegt; der PSA-Wert steigt auch bei der gutartigen Vergrösserung der Prostata und bei einer Prostataentzündung an.
Nicht bei jedem Mann soll ein erhöhter PSA-Wert weiter abgeklärt werden. Da der Prostatakrebs teilweise sehr langsam wächst, stirbt nur ein Viertel der Patienten mit Prostatakrebs auch daran. Drei Viertel der Patienten leben mit dem Prostatakrebs und sterben dereinst an einer anderen Ursache. Somit ist es sinnvoll, den Prostatakrebs im Frühstadium bei weitgehend gesunden Männern zu suchen, die eine Lebenserwartung von mindestens zehn weiteren Jahren haben.
MRT-Diagnostik und Prostatabiopsie
Die sogenannte multiparametrische MRT-Untersuchung (mpMRT) stellt heute eine nahezu unverzichtbare Untersuchung bei der Früherkennung von Prostatakrebs dar. Mit standardisierten Untersuchungsprotokollen und durch ein einheitliches Klassifikationssystem (sogenannter PI-RADSv2.1 score) werden tumorverdächtige Knoten in der Prostata beurteilt. Es entspricht den aktuellen Empfehlungen der europäischen Fachgesellschaften für Urologie, das mpMRT bei Verdacht auf Prostatakrebs vor einer Gewebeentnahme aus der Prostata durchzuführen. So kann einerseits eine unnötig Biopsien vermieden werden und andererseits die Präzision für die Entnahme in der korrekten Lokalisation im Gewebe erhöht werden.
Die definitive Diagnosestellung erfolgt dann durch die Beurteilung der entnommenen Gewebezylinder aus der Prostata nach der Biopsie.
Kann die Biopsie den Krebsnachweis erbringen, hängt die weitere Behandlung stark von der Ausdehnung und der Aggressivität des Krebses ab. Die Aggressivität wird nach dem sogenannten ISUP-Grading bestimmt: Dabei steht ein Grad 1 für einen wenig aggressiven Krebs, ein Grad 2 bis 3 für einen mässig aggressiven und ein Grad 4 bis 5 für einen aggressiven Prostatakrebs.
Bei einem Verdacht auf eine Metastasierung in den Knochen – aufgrund von Knochenschmerzen oder als Folge der bisherigen Abklärungen –, kann mit einem sogenannten PSMA-Scan (oder auch mit einer Computertomografie und einer Ganzkörperskelettszintigrafie) als weitere Bildgebung ein Befall von Lympknoten, Organen oder Knochen zuverlässig untersucht werden.
Behandlung des Prostatakrebs:
Uroonkologisches Tumorboard:
Vor der Entscheidung über die Behandlung des Patienten mit Prostatkrebs findet in der Regel eine Vorstellung an einem sogenannten uroonkologischen Tumorboard statt. Hier beraten sich Experten aus den Gebieten der Onkologie, Chirurgie, Strahlentherapie, Radiologie und Pathologie über den optimalen Behandlungsplan für den Patienten. Die daraus entstehende Empfehlung besprechen wir dann mit dem Betroffenen und treffen gemeinsam eine Entscheidung über die definitive Behandlung.
Watchful waiting - kontrolliertes Zuwarten:
Da der Prostatakrebs – und insbesondere dessen wenig bis mässig aggressiven Formen – nur langsam wächst, muss der Urologe vor der Planung einer aktiven Behandlung mit dem Patienten sorgfältig erörtern, ob eine sofortige Behandlung nach der Krebsdiagnose notwendig ist. Gross angelegte amerikanische und europäische Studien zeigten, dass ein Überlebensvorteil durch eine aktive Behandlung erst nach 10 bis 15 Jahren im Vergleich zum Beobachten (watchful waiting) auftritt. Dies gilt vor allem für die wenig bis mässig aggressiven Krebsarten mit geringer Ausdehnung. Es gilt, den Vorteil der Krebsbehandlung sorgfältig gegen die Nebenwirkungen einer Behandlung abzuwägen.
Vorteile durch eine aktive Behandlung gegenüber dem Zuwarten zeigten sich bei den Patienten, die körperlich wenig Begleiterkrankungen aufwiesen, bei den unter 70-Jährigen sowie bei den Patienten mit aggressivem Prostatakrebs.
Aktive Behandlung bei lokal begrenztem Prostatakrebs:
Die Uroclinic: Spezialisiert auf minimal-invasive Da Vinci-Operationstechnik
Dank der Weiterentwicklung der operativen Techniken kann der lokalisierte Prostatakrebs heute minimal-invasiv behandelt werden. Dabei werden bei der Operation die umgebenden Strukturen wie die Gefässnervenbündel möglichst geschont, die postoperative Erektionsfunktion erhalten und der innere wie äussere Schliessmuskel zur raschen Wiedererlangung der Kontinenz weitgehend geschont. Insbesondere die roboterassistierte Operationstechnik (Da Vinci-Technologie) ermöglicht durch die Vergrösserung des Operationsfeldes und die feinen Instrumente eine äusserst präzise Operationstechnik. Zudem ist bei dieser Technik der Blutverlust geringer, und der Patient erholt sich wegen der nur kleinen Schnitte rascher. Heute werden deshalb die meisten Prostataentfernungen mit der Da Vinci-Prostatektomie durchgeführt. Wichtig ist, dass das operierende Team den Eingriff häufig und mit der entsprechenden Erfahrung durchführt. Die Uroclinic ist auf diesen Eingriff spezialisiert: Wir führen den Eingriff jährlich fast 100 Mal mit dem gleichen Hauptoperateur in Spitälern in Uster, Männedorf und der Klnik Hirslanden in Zürich durch.
Bestrahlung bei lokal begrenztem Prostatakrebs:
Kommt eine Operation bei lokalisiertem Krebs nicht in Frage oder wünscht der Patient keine Operation, bietet sich die Strahlentherapie als Alternative an. Dabei werden die Prostata und gelegentlich auch die Lymphabflussgebiete für mehrere Wochen lang bestrahlt. Je nach Aggressivität und Ausdehnung des Prostatakrebs lässt sich der Erfolg der Bestrahlung durch eine medikamentöse Hormonentzugstherapie verbessern. Dabei wird das Testosteron medikamentös unterdrückt und zerstört so einen Teil der Prostatakrebszellen und macht sie zusätzlich empfindlicher für die Bestrahlung. Sie sollte risikoadaptiert während 1 bis 3 Jahren durchgeführt werden.
Brachytherapie und HIFU-Therapie
Weitere minimal-invasive Methoden zur Behandlung des lokalisierten Prostatakrebses sind die Brachytherapie und die HIFU-Therapie. Bei der Brachytherapie werden radioaktive Stäbchen in die Prostata eingebracht, um den Krebs lokal zu bestrahlen. Bei der HIFU-Therapie erhitzen Ultraschallwellen den Krebs und zerstören ihn dadurch.
Die Vorteile dieser beiden Methoden liegen in der geringen Belastung des Patienten. Zudem lässt sich die Erektionsfähigkeit mit einer etwas höheren Rate als bei der konventionellen Strahlentherapie erhalten.
Der Nachteil der Brachytherapie: Die Wirkung ist vor allem bei aggressiven und ausgedehnten Tumoren nicht genügend, weshalb ein Krebsrückfallrisiko besteht. Sie sollte deshalb nur bei mässig aggressiven und nicht zu ausgedehnten Tumoren angewandt werden. Zudem kann sie nicht bei vergrösserter Prostata mit entsprechenden Beschwerden beim Wasserlösen eingesetzt werden, da sonst nach der Behandlung sehr störende Beschwerden auftreten, die lange andauern.
Bei der HIFU-Therapie bestehen ähnliche Einschränkungen: Auch sie wird deshalb bisher nur bei wenig bis mässig aggressiven Tumoren eingesetzt. Bei vergrösserter Prostata muss vor der HIFU-Therapie erst die sogenannte TUR-P (Ausschälen der Prostata über die Harnröhre) durchgeführt werden, da sonst nach der Behandlung durch das Anschwellen der Prostata stark störende Beschwerden beim Wasserlösen auftreten.
Zurzeit liegen noch keine Daten zur Effektivität und Sicherheit der HIFU-Behandlung vor (Stand Ende 2021). Auch muss betont werden, dass es bisher keinen Nachweis über die Vergleichbarkeit dieser Behandlung mit den Standardtherapien (Bestrahlung und Operation) gibt.
Active surveillance: Überwachung des Krebses statt sofortiger Behandlung
Wird bei einem Patienten nur ein kleiner Herd eines Prostatakrebs mit nur mässiger Aggressivität diagnostiziert, ist häufig eine beobachtende Haltung (Active surveillance) vertretbar. Dabei wird nicht sofort behandelt, sondern der PSA-Wert in regelmässigen Abständen überwacht und die Prostata in ein- bis zweijährlichen Abständen rebiopsiert sowie mittels Bildgebung (MRT-Untersuchung) kontrolliert. Zeigt sich eine Entdifferenzierung des Tumors oder ein deutliches Wachstum, kann eine Behandlung gemäss obigen Erläuterungen eingeleitet werden. Diese «Active surveillance»-Strategie erspart etwa 50 % der Männer mit wenig ausgedehntem und nicht aggressivem Prostatakrebs eine Behandlung. Allerdings bedeutet das Zuwarten eine gewisse psychische Belastung für den Patienten, muss er doch mit dem Krebs und mit der Ungewissheit über dessen künftige Entwicklung leben.
Therapie des fortgeschrittenen Prostatakrebs
Zeigen sich beim Patienten Ableger des Krebs (Metastasen, meist in den Knochen), kann der Krebs nicht mehr vollständig entfernt werden. In diesem Fall wird zuerst das männliche Geschlechtshormon systemisch durch Tabletten und Spritzen blockiert (klassische Hormontherapie). Zwar lässt sich der Krebs damit nicht heilen, aber zumindest zurückdrängen. So gewinnt der Patient Zeit und Lebensqualität. Leider zeigen diese Medikamente Nebenwirkungen: Hitzewallungen, häufig Gewichtszunahme und Leistungsverlust; zudem muss mit dem Verlust der Erektionsfunktion und der Lust auf sexuelle Aktivität (Libido) gerechnet werden. Langfristig bauen sich die Knochen ab, was mit weiteren Medikamenten (Biphosphonate, Rank Liganden Hemmer) verzögert werden kann. Zudem wird der Knochenerhalt mit Calcium- und Vitamin-D-Tabletten gefördert.
Lokale Probleme wie Blutungen aus der Prostata oder die Einengung der Harnleiter durch Vorwachsen des Krebses können mittels operativer Massnahmen behoben werden. So kann der Urologe eine Einengung der Harnröhre mit einem Ausschälen der Prostata durch die sogenannte TUR-P beseitigen. Eine Blutung lässt sich durch die lokale Verödung der Blutgefässe oder eine lokale Bestrahlung stoppen. Die Einengung der Harnleiter wird durch eine Schienung mit sogenannten Stents beseitigt. Diese müssen allerdings in regelmässigen Abständen gewechselt werden, um eine lokale Verkrustung und Verkalkung zu verhindern.
Schreitet trotz klassischer Hormonentzugstherapie der Krebs fort oder ist bereits bei Diagnosestellung weit fortgeschritten, stehen weitere Medikamente zur Verfügung: Durch die sogenannten "neueren Hormonmedikamente" wie zum Beispiel Abirateron, Enzalutamid, Apalutamid und Darolutamid sowie durch den stadiengerechten Einsatz der Chemotherapie konnten die Behandlungsoptionen bei fortgeschrittenem Prostatakrebs in den letzten Jahren stark erweitert werden und wurden so wesentlich wirkungsvoller.
Weiter kann eine lokale Strahlenbehandlung oder eine Radionuklidtherapie die Beschwerden von Ablegern des Prostatakrebses in den Knochen verbessern.
Die breit ausgebildeten Urologen der Uroclinic beraten Sie innerhalb unseres Teams und mit unseren Partnern wie Onkologen, Strahlentherapeuten und weiteren Spezialisten (sogenanntes uro-onkologisches Tumorboard) umfassend über sämtliche Aspekte der Behandlungsmöglichkeiten und führen die meisten Behandlungen selbst durch. Wir betreuen und behandeln Sie kompetent, menschlich und nach den Erkenntnissen der aktuellen Fortschritte in Medizin und Forschung.
Prostatavergrösserung
Die normalerweise etwa kastaniengrosse Prostata – auch Vorsteherdrüse genannt – umgibt beim Mann die Harnröhre zwischen der Blase und dem äusseren Harnröhrenschliessmuskel. Die Prostata hat zur Aufgabe, die Samenflüssigkeit, die den Hauptteil des Ejakulats beim Samenerguss ausmacht, zu produzieren. Ohne ihr Sekret wären die Spermien weder beweglich noch befruchtungsfähig. Bei fast allen Männern vergrössert sich die Prostata im Laufe des Lebens. Dies kann zu verschiedenen Beschwerden führen.
Ursachen
Die Geschlechtshormone, die im Blut zirkulieren, sowie erbliche Faktoren stimulieren die Gewebezunahme. Dabei wächst die Prostata nicht nur nach aussen, sondern kann auch die Harnröhre einengen. Dies führt zu Beschwerden beim Wasserlösen. Die Veränderungen werden meistens erstmalig im fünften Lebensjahrzehnt bemerkt und nehmen mit dem Alter zu.
Symptome
Die typischen Beschwerden, die durch eine Prostatavergrösserung verursacht werden, sind:
- häufigeres Wasserlösen mit kleineren Portionen
- nächtliches Wasserlösen
- Startschwierigkeiten
- abgeschwächter oder beim Toilettengang unterbrochener Harnstrahl
- das Gefühl der unvollständig Blasentleerung oder Urinnachtröpfeln
Diagnostik
Um das Erleben und die Beschwerden des betroffenen Mannes zu erfassen, verwenden wir häufig einen standardisierten Fragebogen (IPS-Score).
Weitere Bestandteile der urologischen Untersuchung sind:
- Tastuntersuchung der Prostata über den Enddarm
- Urinuntersuchung mit Prüfung auf Blutbeimengungen und Entzündungszeichen
- Ultraschall: Hier können die Grösse und Form der Prostata genau bestimmt werden. Auch die Füllung der Harnblase und die Nieren werden beurteilt.
- Harnstrahlmessung (Uroflowmetrie): Die Dauer der Harnblasenentleerung und das Volumen werden mit einem Urin-Auffangtrichter auf der Patiententoilette gemessen. Eine computerbasierte Apparatur liefert die sogenannte Harnstrahlkurve in Form einer grafischen Darstellung.
Diese Basisuntersuchungen bei Verdacht auf eine gutartige Prostatavergrösserung müssen wir gelegentlich durch eine Blasenspiegelung oder eine urodynamische Untersuchung ergänzen.
Die Bestimmung des PSA-Wertes gehört nicht zu den routinemässigen Untersuchungen bei Prostatavergrösserung, kann aber je nach Fall empfohlen sein.
Therapie
Die Untersuchungsergebnisse, das Ausmass der Beschwerden und der Leidensdruck bestimmen die weitere Behandlung.
Nicht-operative (konservative) Behandlungen:
- kontrolliertes Zuwarten bei geringen Beschwerden und geringer Prostatavergrösserung
- Phytotherapie
- Medikamentöse Behandlungen mit einem Alpha-Blocker, einem 5-Alphareduktasehemmer, Anticholinergika oder Kombinationstherapien
Operative Behandlungen:
- Die transurethrale Elektroresektion (TUR-P), die wir mit moderner bipolarer Hochfrequenz-Technik durchführen und dabei schonend das einengende Gewebe entfernen
- Laserbehandlungen, insbesondere bei Blutgerinnungsstörungen
- offene Schnittoperation bei massiver Prostatavergrösserung
Unsere Urologen erörtern die Notwendigkeit einer Operation und die Auswahl des Verfahrens in der Sprechstunde in der Praxis der Uroclinic ausführlich.
Gegebenenfalls kann auch ein minimal-invasives Vorgehen mit Einlage von Retraktionsankern in die Harnröhre (Urolift©-System) ausreichend sein.
Komplikationen
Komplikationen und Notfallsituationen können entstehen durch:
- Harnwegsentzündungen und die Bildung von Blasensteinen
- Harnverhalt, wenn die Blase gar nicht mehr entleert werden kann
- Blutungen im Urin, die durch Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten (zum Beispiel Aspirin, Marcoumar) begünstigt werden
- Nierenschädigung durch Stauung des Urins bis zu den Nieren, wenn die Blase maximal gefüllt ist.
Verhütung beim Mann, Familienplanung
Die Unterbindung (Vasektomie) ist eine einfache Methode zur dauerhaften Verhütung beim Mann. Im Gegensatz zur Sterilisation bei der Frau, die einen operativen Baucheingriff unter Allgemeinnarkose erfordert, sind die Samenleiter beim Mann im Hodensack leicht zugänglich. Der Eingriff kann in der Regel in lokaler Betäubung durchgeführt werden. Auf Wunsch oder bei komplizierten lokalen Verhältnissen (zum Beispiel Voroperationen) ist selten eine kurze Narkose erforderlich.
In der Schweiz ist die Vasektomie gesetzlich geregelt: Sie darf nur von Ärzten nach einem eigehenden Beratungsgespräch durchgeführt werden. Zudem muss der Mann der Unterbindung schriftlich zustimmen.
Der Eingriff
Unsere Urologen wenden in der Uroclinic die schonende und minimal-invasive «No scalpel vasectomy» an:
Die Genitalregion wird desinfiziert und mit sterilen Tüchern abgedeckt. Die Samenleiter werden aufgesucht und unter die Haut des Hodensacks gebracht. Dann erfolgt die lokale Betäubung. Anschliessend wird die Haut mit einer Klemme eröffnet und ein etwa 1,5 cm langes Stück aus jedem Samenleiter herausgetrennt. Die Enden werden verödet und mit einem Faden unterbunden. Nach sorgfältiger Überprüfung der Blutstillung wird die Haut mit einer selbstauflösenden Naht verschlossen. Ein Pflaster schützt die Wunde.
Der Eingriff dauert etwa 20 Minuten.
Nachkontrolle
Die Unfruchtbarkeit wird nicht sofort nach der Operation erreicht. Es dauert meistens etwa 10 bis 12 Wochen oder rund 30 Ejakulationen, bis die Samenwege von den restlichen Spermien befreit sind.
Zur Kontrolle untersuchen wir eine Spermaprobe mikroskopisch. Bis zum Nachweis der Spermienfreiheit muss die Verhütung weiterhin auf einem anderen Weg erfolgen (Kondome, Pille usw.). Ist die Spermienfreiheit nachgewiesen, gilt die Vasektomie als äusserst sichere Verhütungsmethode.
Vorhautentzündung
Bei der Entzündung der Vorhaut handelt es sich um eine häufige urologische Erkrankung. Oft ist die Eichel von der Entzündung ebenfalls betroffen.
Ursachen
Vorhautentzündungen werden meistens durch Infektionen mit Bakterien, Pilzen oder Viren verursacht. Auch ein Zusammenhang mit sexuell übertragbaren Infektionen ist möglich. Eine bestehende Vorhautverengung erhöht das Risiko für eine Entzündung.
Symptome
In der Regel treten brennende Schmerzen, ein Juckreiz und ein Ausschlag an der Vorhaut und der Eichel auf. Selten ist die Entzündung nur mit wenig Beschwerden verbunden (zum Beispiel bei einem Diabetiker oder älteren Mann).
Diagnostik
Der Urologe erstellt seine Diagnose aufgrund einer körperlichen Untersuchung und der Beschwerden. Insbesondere bei Verdacht auf eine sexuell übertragbare Infektion ist zusätzlich eine Laboruntersuchung erforderlich.
Therapie
Je nach Ursache der Entzündung erfolgt die Behandlung mit Salben gegen Pilze und Bakterien und mit desinfizierenden Penisbädern. Seltener müssen auch Antibiotika oder antivirale Medikamente eingenommen werden.
Eine Vorhautverengung sollte in der Regel, nachdem die Entzündung abgeklungen ist, operativ behoben werden.
Komplikationen
Eine Entzündung von Vorhaut und Eichel kann zu einer Vorhautverengung führen, die erneute Infektionen begünstigt. Wiederholte Entzündungen und schlechte hygienische Verhältnisse können einen bösartigen Penistumor verursachen.
Vorhautverengung
Bei einer Vorhautverengung (Phimose) ist es entweder gar nicht (sogenannte absolute Phimose) oder nur erschwert (sogenannte relative Phimose) möglich, die Vorhaut hinter die Eichel zurückzustreifen. Bis zu einem Alter von etwa 3 Jahren ist das normal, gegebenenfalls kann die Ablösung von der Eichel mit Salben unterstützt werden. Beim Erwachsenen kann die Vorhaut im Lauf des Lebens enger werden und sich nicht mehr zurückziehen lassen.
Ursachen
Die Vorhautverengung kann angeboren sein. Beim Erwachsenen können aber auch Entzündungen, Verletzungen oder Hauterkrankungen zu einer Narbenbildung und Schrumpfung der Vorhaut führen. Oft verengt sich dabei die Vorhaut zunehmend, bis sie sich gar nicht mehr zurückstreifen lässt.
Symptome
Die Vorhaut kann nur schwer oder gar nicht zurückgezogen werden. Beim Zurückstreifen, bei Erektionen oder beim Geschlechtsverkehr treten Schmerzen oder Blutungen auf. Die Entstehung einer Vorhautentzündung ist begünstigt.
Diagnostik
Der Arzt erhebt die Diagnose aufgrund einer körperlichen Untersuchung und der typischen Beschwerden.
Therapie
Beim Erwachsenen behebt der Urologe die Vorhautverengung durch die Beschneidung (Zirkumzision) in der Regel in lokaler Betäubung operativ. Bei Jungen führen wir den ambulanten Eingriff meistens in einer kurzen Vollnarkose durch. Kortisonhaltige Salben bieten im Kleinkindesalter gute Erfolgschancen.
Komplikationen
Die Vorhautverengung erschwert die Hygiene. In der Folge kann es zur Vorhautentzündung und zur Entzündung der Eichel kommen. Eine ausgeprägte Verengung erschwert das Wasserlösen.
Gelegentlich kann die enge Vorhaut nicht mehr über die Eichel nach vorn geschoben werden. Dies nennt sich Paraphimose oder «Spanischer Kragen». Dadurch kann die Eichel anschwellen, und die Durchblutung verschlechtert sich, was meistens zu heftigen Schmerzen führt. Dies ist ein urologischer Notfall, der dringend behandelt werden muss!
Wasserbruch (Hydrozele)
Der Wasserbruch bedeutet eine vermehrte Flüssigkeitsansammlung zwischen Hoden und Hodenhüllen. Gebrochen im wörtlichen Sinne ist nichts.
Ursachen
Im Kindesalter entsteht der Wasserbruch durch eine offene Verbindung zur Bauchhöhle. Beim Erwachsenen führt ein Missverhältnis von Produktion und Abtransport der Flüssigkeit zwischen Hoden und Hodenhüllen zum Wasserbruch. Meist ist eine Entzündung die Ursache.
Symptome
Im Hodensack fühlt man ein- oder beidseitig eine teigig-weiche, meist schmerzlose Schwellung. Bis auf ein Schweregefühl und die störende Vergrösserung bestehen kaum Beschwerden. Seltener kann die Schwellung prall-elastisch sein.
Diagnostik
Die körperliche Untersuchung wird durch Ultraschall ergänzt. Auf diesem Weg kann ein Tumor als Ursache der Vergrösserung mit höchster Sicherheit ausgeschlossen werden.
Therapie
Bei kleinen, nicht störenden Wasserbrüchen ist eine Behandlung nicht nötig. Stört ein Wasserbruch, so wird er mit der operativen Entfernung der Hodenhüllen behandelt. Das Entfernen der Flüssigkeit durch Punktion bringt kaum dauerhaften Erfolg und hat ein hohes Infektionsrisiko.
Komplikationen
Bei grossen Wasserbrüchen kann die Haut durch dauerhafte Feuchtigkeit zwischen Oberschenkel und Hodensack in Mitleidenschaft gezogen werden. Zudem kann das Wasserlassen durch einen Wasserbruch, der unter dem Penis liegt, erschwert werden.
Sexuell übertragbare Infektionen (STI)
Sexuell übertragbare Infektionen (STI) sind Infektionen, die beim Geschlechtsverkehr übertragen werden können. Einzelne STI werden auch bei der Geburt auf das Neugeborene übertragen.
Seit etwa zehn Jahren hat die Ausbreitung der STI eine neue Dynamik entwickelt: Die Anzahl der Neuerkrankungen steigt deutlich an.
Dazu sind neben HIV vor allem Infektionen mit Chlamydien und humanen Papillomviren (HPV), Gonorrhoe (Tripper), Genitalherpes als auch Syphilis zu nennen.
Zu berücksichtigen ist, dass infolge geänderter Sexualgewohnheiten Mundhöhle und Anus zu primären Manifestationsorten von STIs werden – auch bei heterosexuellem Verkehr. Gleichzeitig beobachten wir immer mehr Antibiotikaresistenzen, so dass eine Behandlung schwieriger wird.
Gespräche über das eigene sexuelle Leben sind auch in der urologischen Sprechstunde häufig mit Scham und Tabus verbunden. Wichtig ist, dass eine Kommunikation in diesem Spannungsfeld vertrauensvoll und ohne moralische Vorbehalte stattfindet.
Ursachen
Ursachen sind Viren oder Bakterien, die grundsätzlich bei allen Formen des Geschlechtsverkehrs – vaginal, anal oder oral – übertragen werden können. Häufige bakterielle Infektionen entstehen durch Chlamydien, Mycoplasmen, Ureaplasmen, etwas seltener Gonokokken (Neisseria gonorhea: Gonorrhoe/Tripper) und Treponemen (Treponema pallidum: Syphilis/Lues/harter Schanker). Häufige virale Infektionen sind Conylome (Feigwarzen durch HPV), Hepatitis, seltener HIV.
Symptome
Die Beschwerden können ganz unterschiedlich sein: Sie reichen von gänzlich fehlend über milde grippale Symptome bis zu schweren Krankheitsbildern mit Fieber und einer Verschlechterung des Allgemeinzustandes. Die Infektionen der Harnröhre mit Chlamydien oder Gonokokken verursachen meist Ausfluss und Brennen.
Diagnostik
Die Krankengeschichte und die körperliche Untersuchung ergeben einen Verdacht, der mittels Laboruntersuchung bestätigt oder ausgeschlossen werden muss. Manchmal ist auch eine Untersuchung des Urins und des Blutes angezeigt. Um einen erst verspätet möglichen Nachweis einer Infektion nicht zu verpassen, ist nach Wochen bis Monaten in ausgewählten Fällen eine zweite Laboruntersuchung nötig.
Therapie
Bakterielle Infektionen werden mit Antibiotika behandelt. Virale Infektionen werden mit Virostatika therapiert.
Komplikationen
Bakterielle Infektionen: Gonokken/Tripper können zu Narben der Harnröhre, Chlamydien zu verminderter Fruchtbarkeit bei der Frau (weniger beim Mann) und Treponemen zur Syphilis/Lues führen, die von Hauterscheinungen (harter Schanker) bis zur Zerstörung des zentralen Nervensystems reicht.
Virale Infektionen: Hepatitis-Viren verursachen Leberentzündungen mit Zerstörung des Lebergewebes und erhöhtem Risiko für Leberkrebs. Das Humane Immundefizienz-Virus (HIV) schädigt das Immunsystem, was unbehandelt zu AIDS führen kann.