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Für das Schweizer Trio an den am Samstag beginnenden Judo-EM in Minsk wäre das Erreichen einer Top-7-Klassierung bereits als Erfolg zu werten.
Vor vier Jahren gewannen die Schweizer an den ersten Europa-Spielen in Baku, die für die Judokas damals ebenfalls als EM gewertet wurden, Bronze durch Ludovic Chammartin (60 kg). Ein Schweizer Medaillengewinn wäre diesmal als grosse Überraschung zu werten.
Dies in erster Linie wegen der verletzungsbedingten Absage von Evelyne Tschopp. Die Baselbieterin, die im laufenden Olympia-Zyklus als bislang einzige Schweizer Judoka überhaupt und gleich zweimal auf dem EM-Podest stand (2017 und 2018), musste wegen eines Wadenbeinbruchs Forfait geben. Mit Alina Lengweiler (70 kg) fehlt eine weitere Schweizerin wegen einer Knieverletzung.
In Tschopps Limit bis 52 kg ist die Schweiz am Samstag in Minsk mit Fabienne Kocher (Riedikon) dennoch vertreten. Sie wäre auch bei Tschopps Antreten dabei gewesen. Denn an EM und WM sind im Gegensatz zu Olympia zwei Athleten pro Land startberechtigt.
Kocher konnte in diesem Jahr bereits einen Podestplatz auf Grand-Prix-Stufe verbuchen. Der 22-jährige Ustermer Nils Stump (73 kg), der auf Junioren- und U23-Stufe schon EM-Dritter war, schaffte auf gleicher Stufe einen 5. Rang und verbuchte zudem Anfang Februar in Portugal seinen ersten Sieg an einem Continental Open (früher Weltcup).
Dieser wirft allerdings nur am sechstmeisten Punkte für die Weltrangliste ab. Die WM, das Masters sowie Grand Slam bilden die Top 3 der Wertigkeit. Danach folgen gleichauf Grand Prix und Kontinental-Meisterschaften. An diesen erhalten Sieger beispielsweise noch 700 Punkte, während ein Triumph an einem Continental Open mit nur 100 Punkten vergütet wird. Dies wiederum ist 20-Mal weniger als ein Judoka für den WM-Titelgewinn erhält.
Dritter Schweizer Judo-Teilnehmer in Minsk ist Ciril Grossklaus. Der im 90-kg-Limit kämpfende Aargauer ist nach der Absage von Tschopp der einzige Schweizer Judo-Teilnehmer an den Europa-Spielen mit Olympia-Erfahrung. In diesem Jahr war ein 5. Rang an einem Grand Prix sein bisheriges Bestresultat.
Die Judo-Konkurrenzen bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio, im Mutterland dieses Zweikampfsports, werden in die Geschichte eingehen. Sie stellen daher einen enormen Qualifikations-Anreiz für die Athleten dar. Als Olympia-«Vorspiel» werden heuer vom 25. bis 31. August denn auch die diesjährigen WM in Tokio ausgetragen.
Die zweijährige Olympia-Qualifikation für Tokio endet am 24. Mai 2020. Es qualifizieren sich die Top 18 bei beiden Geschlechtern, wobei nur ein Athlet pro Land in Tokio startberechtigt sein wird. Zusätzlich gibt es die Kontinentalquote (Athleten nach Top 18), über die sich maximal ein Athlet pro Land und maximal zwei Athleten pro Kontinent und Gewichtsklasse qualifizieren können. (kün/sda)