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Der diesjährige Hauptpreis der Pax Art Awards geht an Pe Lang (*1974). Der Künstler begann seine Karriere mit der Produktion von experimenteller Musik durch Klangprojekte, mit denen er in den 1990er-Jahren auf sich aufmerksam machte, bevor er sich auf die bildende Kunst konzentrierte, wobei er von einem Hintergrund in Elektronik und Computerprogrammierung profitieren konnte.
Basierend auf seinem Interesse an physikalischen Gesetzen, schafft er minimale und kinetische Installationen, die die Eigenschaften der verwendeten Maschinen und Materialien erforschen und nutzen. Während Technologie häufig mit negativen Phänomenen der Konsumgesellschaft, Überwachung oder Umweltverschmutzung, assoziiert wird, versöhnt Pe Langs Arbeit mit einer authentischen Wahrnehmung, die auf den innersten Werkmechanismus reduziert ist und der Technologie dadurch eine Aura von Unschuld und Rationalität verleiht. Auf der Grundlage von physischen Gesetzmässigkeiten der natürlichen Welt erzeugt seine Arbeit sowohl willkürliche als auch spielerische, audiovisuelle Ergebnisse, die gelegentlich eine physische Interaktion seitens der Betrachtenden erfordern. Indem er scheinbar banale Fragen stellt, baut Pe Lang in sich geschlossene Systeme, fast schon sich selbst versorgende Universen, in denen sich sowohl unbekannte Gleichgewichte einstellen als auch aufschlussreiche Disparitäten ereignen.
Die Jury war beeindruckt von der konsequenten und eigenständigen Entwicklung seines künstlerischen Œuvres, dass mittlerweile drei Dekaden umfasst. Seine Werke sind geprägt von einer klaren Anordnung, bei der nichts verborgen wird. Mit einer fast schon wissenschaftlichen Herangehensweise entlockt er Form, Farbe, Raum, Rhythmus und Klang immer wieder neue Fragen. Durch das diskrete Surren von Motoren, das sinnliche Rascheln von Papier, das Aufblitzen von Farbstreifen und das mikroskopische Plätschern von Siliziumpunkten entwickeln seine Arbeiten eine magische und poetische Qualität, welche die Betrachtenden zu bezaubern vermag.
Preise
Aurelie Nemours Prize | Artist in residency, Cornell University, Ithaca | Artist in residency, Technorama, Winterthur | Pro Helvetia Award | Jury Selection, Japan Media Arts Festival, Art Division | Residency Exploratorium, San Francisco | Swiss Art Award | Grand Prix Fenêtre | CSEM Artists in labs residency | Premio-Award
Ausstellungen
Gallery Denise René, Paris | Kunsthal Rotterdam | MuDA museum of digital art, Zurich | ZKM I Zentrum für Kunst und Medien, Karlsruhe | HEK (House of Electronic Art), Basel | Chronus Art Center, Shanghai | Ashmolean Museum, Oxford | Fondation Vasarely, Aix-en-Provence | BIAN Biennial, Montreal | ISEA 2016, Hong Kong | Espoo Museum of Modern Art (EMMA) | Museum Haus Konstruktiv, Zurich | Martin Gropius Bau, Berlin | Espace Expression, Miami | National Art Museum of China, Beijing | Trondheim Art Museum | Aarhus Kunsthalle, Denmark | ICC, Tokyo | Boghossian Foundation, Villa Empain, Brussels | Kunsthalle Luzern | Centre d’Art Santa Mònica, Barcelona
Johanna Bruckner
Johanna Bruckners (*1984) künstlerisches Schaffen lebt von einer kaleidoskopischen Vielschichtigkeit aus Bewegtbildern, Ton, Narration, Performance und elaboriertem theoretisch-poetischem Unterbau. Bruckner bewegt sich mit ihrer Arbeit in einer, wie sie beschreibt, Ökologie des Vertrauens und der Fürsorge, in der sich die Vorstellungskraft als zentrales Instrument für die Entstehung einer neuen Realität offenbart. In dieser Realität sind die Grenzen von menschlichen, nicht menschlichen und technischen Körpern fliessend und gehen ineinander über. Auf visueller Ebene zeigt sich dies durch starke, teilweise fast überfordernde Bild- und Klanglandschaften, die sich bei der Betrachtung zu einem nahezu hypnotischen Sog entwickeln.
In einer kritischen Auseinandersetzung zum Verhältnis und zur Interaktion zwischen Körper und neuen Technologien stehen insbesondere die Frage nach utopischen Potenzialen und die Suche nach Alternativen zur bestehenden Gesellschaftsstruktur im Mittelpunkt ihrer Arbeit. Durch ihre Werke spricht Johanna Bruckner auf die emotional durchwobene Körperlichkeit an, die im Internet zwischen Sensation, Technologie und Arbeitsmarkt entsteht. Vordefinierte algorithmische Begegnungen werden zu einem spekulativen Raum für ungereimte, nicht greifbare Intimitäten und Sehnsüchte. Ihre neueren Arbeiten beschäftigen sich mit den gegenwärtigen Entwicklungen in der Molekularbiologie und der Nanotechnologie sowie mit hybriden Lebensformen, die sie wegen ihrer verbesserten Widerstandsfähigkeit gegenüber technologischen, politischen und ökologischen Veränderungen faszinieren.
Die Jury war beeindruckt, wie Bruckner aktuelle Diskurse zu Identitätspolitik, Feminismus, Queer-Theorie, Posthumanismus und die Kapitalisierung von Körperlichkeit und Intimität in ihren Werken auf visuell eindrückliche Weise verhandelt.
Preise
Erste Bank ExtraVALUE Art Award | Anerkennungspreis für Bildende Kunst des Landes Niederösterreich | re:humanism Prize for Art & Artificial Intelligence | Istituto Svizzero Visual Arts Fellowship | City of Zurich studio scholarship for Genoa | Work Scholarship of the City of Zurich SWISSNEX Production Award | Jan Van Eyck Academie Grant
Ausstellungen
Berlinische Galerie, Museum für Moderne Kunst | MAXXI – National Museum of Contemporary Art, Rome | Schirn Kunsthalle Frankfurt | Venice Biennale | Mamco, Museum of Modern and Contemporary Art, Geneva | Galerie EIGEN+ART Lab, Berlin | ZKM I Zentrum für Kunst und Medien, Karlsruhe | Institute for Contemporary Art (ICA), Milano | Galerie Roehrs & Boetsch, Zurich | Haus der Kulturen der Welt, Berlin | Deichtorhallen Hamburg: Sammlung Falckenberg | Kunsthaus Hamburg
Jennifer Merlyn Scherler
Jennifer Merlyn Scherler (*1996) erforscht in their Werken Fragen von Intimität, Identität, Gender-Fluidität, Selbstdarstellung und Nostalgie durch verschiedene Medien und Formate, die sich nicht ausschliesslich auf das Digitale beschränken. Durch Video, LecturePerformance, Sound, Installation, Fotografie oder poetische Textarbeit nimmt Scherlers Arbeit Bezug auf die Internetkultur mit einem besonderen Fokus auf deren Einfluss auf kulturelle Verhaltensweisen.
Scherler untersucht durch their Praxis, wie Interneträume die Offline-Strukturen kultureller Dominanz widerspiegeln. Die Annahme, das Internet sei eine objektivierte und omnipräsente Infrastruktur widerspricht der Realität vieler, insbesondere Gruppen, die aufgrund ihrer Identität, ihres Berufs oder ihrer geografischen Lage ausserhalb der Mainstream-Politik liegen. Scherler reflektiert die Strategien, die diese Randgruppen anwenden, um Ausschlussmechanismen zu umgehen und ihre Präsenz in digitalen Räumen zu behaupten und zu gestalten. Durch den Miteinbezug einer Vielzahl kollektiver Identitäten greift their Arbeit auf Strategien des Lebens, des Trauerns und des Erinnerns zurück. In their Bildsprache finden sich Fantasiewelten, popkulturelle Referenzen, Found Footage und Inhalte aus dem Internet, die Scherler mit persönlichen Reflexionen und Textfragmenten kombiniert. Jennifer Merlyn Scherler kreiert fesselnde Narrative über zeitgenössische Internetkulturen, die die Betrachter:innen in ihren Bann ziehen.
Die Jury war beeindruckt, wie Scherler in their Arbeiten schwierige gesellschaftliche Themen aufgreift und dabei inhaltliche Tiefe sowie eine überzeugende Ästhetik und Form findet.
Preise
Nominiert für Aeschlimann-Corti t Stipendium | Nominiert für den Bally Artist Award
Ausstellungen
Kasko, Basel | Kunsthaus Langenthal | Grand Palais, Bern | Kunsthaus Baselland | Stadtgalerie, Bern | Kunstmuseum Basel – Gegenwart | _rondell Süderstrasse, Hamburg | Wasteland, Zurich | Futur3, Citybox 24, Kiel | sososo.space, Bern | der TANK, Basel | Studio 413, Glasgow | Alte Schreinerei, Bern | Kunsthalle zu Kiel | Kunsthalle Palazzo, Liestal | Kulturhaus Helferei, Zurich | Reflector Gallery, Bern | MATERIAL, Zurich