Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03548.jsonl.gz/493

Sie wolle die Bedeutung des Begriffs «Betty» verändern, sagte Crystal Moselle in einem Interview über ihre gleichnamige Serie. Als Betty wird in Skater- und Surf-Kreisen eine Frau bezeichnet, die den Jungs und Männern auf dem Bord zusieht, aber nicht selber fährt. Und es scheint, Moselle ist auf gutem Weg mit ihrer Mission.
«Betty» wirft einen Blick in das Universum von skatenden Frauen in New York. Die Serie entwickelte sich aus Moselles Film «Skate Kitchen» und wurde im Mai 2020 erstmals auf HBO ausgestrahlt. Vor wenigen Tagen wurde die zweite Staffel von «Betty» veröffentlicht.
Moselle beleuchtet mit ihren Arbeiten keine neue Welt, aber eine, die wenig Visibilität erhält. Tatsächlich fahren Frauen schon seit den 60er-Jahren Skateboard, eine der Pionierinnen heisst Patti McGee. Die heute 76-Jährige gilt als erste Pro-Skateboarderin und gewann 1964 die erste amerikanische Skateboard-Meisterschaft für Frauen.
Auch Cara-Beth Burnside gehört zu den weiblichen Vorbildern in der Skaterinnen-Szene. Sie war 1988 als erste Frau auf dem Cover des Skater-Magazins Trasher, hatte 1994 als erste Frau einen Signature-Skateschuh (auf eigene Initiative) und gründete mit Hoopla ein eigenes Skateboard-Label, um den Sport inklusiver zu machen.
Es war mitunter auch Burnside zu verdanken, dass einer der grössten Skate-Wettbewerbe – an den X Games – einerseits eine Ausgabe für Frauen erhielt und andererseits weibliche wie männliche Teilnehmer*innen ein identisch hohes Preisgeld gewinnen können. Zuvor erhielt der beste Skater 50’000, die beste Skaterin 2000 US-Dollar.
Es gäbe fünf oder sechs Skateboarderinnen, die davon leben können, sagte Mimi Knoop der Vogue vor drei Jahren, vor zehn oder 15 Jahren wären es noch eine bis zwei gewesen. Die Skaterin gründete mit Kollegin Burnside die Marke Hoopla und war auch bei den Gesprächen mit den X Games prägend.
Bei den Männern sieht es besser aus. Hier gibt es mehrere Fahrer, die Millionen-schwer sind. Dazu gehört zum Beispiel Nyjah Imani Huston, der schon als 19-Jähriger so viel Preisgeld gewonnen hatte wie kein anderer vor ihm. Bis 2018 waren es laut The Daily Telegraph acht Millionen US-Dollar. Ein alter Hase ist Tony Hawk, er gilt mit einem Vermögen von über 140 Millionen US-Dollar als reichster Skateboarder.
Dass Skateboarding seit 2021 eine Disziplin der Olympischen Spiele ist, dürfte den Profi-Skaterinnen helfen, einen weiteren Schritt Richtung Wirtschaftlichkeit zu machen. Sponsoren wie Adidas und Nike wären interessierter, weil der wahrgenommene Wert gesteigert werde, glaubt Knoop.
Ähnlich sieht das die Pro-Skaterin Alexis Sablone. In einem Interview sagte die 35-Jährige, dass professionelle Skateboarderinnen mittlerweile eher ihren Lebensunterhalt damit bestreiten könnten und dass diese Tatsache auch den Olympischen Spielen zu verdanken sei. Sablone nimmt für Amerika an den Olympischen Spielen in Tokio teil, die am 23. Juli beginnen.
Foto: Patty Segovia-Krause