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Flöten gehören zu den ältesten Instrumenten der Menschheit. Im Mittelalter sind Funde von Knochenflöten eher selten, doch sind sie in allen Zusammenhängen, von einfachen Alphütten bis zu Burgen anzutreffen. Wegen ihrer Spielweise, ihres speziellen Klanges und ihrer Form werden Flöten oft im religiösen oder kultischen Bereich verwendet und es wird ihnen Heil- und Zauberwirkung nachgesagt.
Während der Ausgrabungen im Kloster St. Johann in Müstair kamen bis heute fünf Knochenflöten und ein Halbfabrikat zum Vorschein. Die Funde stammen aus verschiedenen Epochen der über 1200-jährigen Geschichte des Klosters, wobei zwei Flöten in die erste, karolingische Benutzungszeit im 8./9. Jahrhundert datieren. Die Flöten sind, mit einer Ausnahme, jeweils aus dem Mittelteil des Schienbeins (Tibia) eines Schafes oder einer Ziege gefertigt und 14 bis 15 cm lang. Für den Flötenkörper wurden das obere und untere Gelenkende abgetrennt und die Trennkanten mehr oder weniger sorgfältig abgearbeitet. Die Müstairer Knochenflöten zählen zum Typ der Innenspalt- oder Kernspaltflöten, zu denen auch die heute noch gut bekannte Blockflöte gehört. Diese Instrumente werden in Längsrichtung gespielt.
Da viele Faktoren einen Einfluss auf das Klangspektrum haben und ein Knochen und damit das Instrument einzigartig ist, ist es praktisch unmöglich, den Originalklang durch Nachbau zu rekonstruieren. Bei mittelalterlichen Flöten wurden die Löcher offenbar weniger nach musikalischen Gesichtspunkten als nach der Bequemlichkeit der Fingerhaltung oder der Regelmässigkeit der Anordnung angebracht. Obwohl die untersuchte karolingische Knochenflöte aus Müstair nur zwei Löcher aufweist, ist aufgrund des Klangspektrums die Anordnung der Grifflöcher wohl nicht ganz zufällig.
Bild: Bauhütte Kloster Müstair, Stefanie Steiner-Osimitz