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Quelle: 3S Swiss Solar Solutions AG
«Das kommt doch sowieso alles aus China! …Oder?» Wenn es um Solaranlagen geht, hört man diesen Satz täglich. Doch stimmt das auch? Ein vertiefter Blick ins Detail zur Herkunft von Solarkomponenten.
TEXT: LUKAS MEISTER
Wir schreiben das Jahr 1979, die erste netzgekoppelte Solaranlage der Welt wird installiert. In Würenlingen im Kanton Aargau installiert ausgerechnet das Eidgenössische Institut für Reaktorforschung (EIR, das spätere Paul-Scherrer-Institut) auf einem Geräteschuppen die ersten Solarmodule. Sie leistete aus heutiger Sicht bescheidene zwei Kilowatt. Die Solarmodule dazu stammten aus den USA, den Wechselrichter hatte das Institut selber entwickelt. Nicht einmal das Elektrizitätswerk hatte von dieser Installation erfahren, geschweige denn die Öffentlichkeit. Heute undenkbar, zumindest ersteres. Das sogenannte Burgdorfer Modell, nämlich als Kommune den lokalen Produzenten von Solarstrom etwas für die Produktion zu vergüten, wurde, wie der Name bereits sagt, in Burgdorf erfunden und später in die sogenannte KEV umgebaut und international kopiert. Auch das im Jahr 1992 gebaute Solarkraftwerk auf dem Mont Soleil war lange Zeit die grösste Solaranlage der Welt. Bis ins Jahr 2000 war die Schweiz weltweit führend in Sachen Solarstrom pro Einwohner und Solartechnik und -Forschung überhaupt. Aber was ist heute?
DER BOOM AB 2008
Die in der Schweiz entwickelten und hergestellten Diamantdrahtsägen des Thuner Herstellers MeyerBurger ermöglichten der Solarbranche, das teure Silizium für Solarzellen in immer dünnere Scheiben zu schneiden und damit Solarmodule günstiger zu produzieren. Deutschland und Spanien investierten in grosse Förderprogramme und wurden damit zum Massenmarkt. Die Europäische Solarindustrie blühte auf.
Doch wegen umfassenden Industrie-Förderprogrammen des chinesischen Staates begannen nach und nach Firmen, ihre Produktion nach China auszulagern, weil Boden und Arbeitskräfte dort ungleich günstiger zu haben waren. In China hatte das Wirtschaftswachstum aber ebenfalls zu einem Energiehunger geführt und die Hersteller produzierten zunehmend nicht nur für den europäischen Markt, sondern auch für China. Die dar-aus folgende Industrialisierung führte zu einem beispiellosen Ausverkauf der Heimat, eine Massenabwanderung der Solarproduzenten aus Europa nach China.
Unter dem extremen Preisdruck verschwanden reihenweise Solarfirmen.
Prominente Schweizer Beispiele dafür sind 3S Swiss Solar Solutions AG und MeyerBurger in Thun und der Bieler Wechselrichterhersteller Sputnik Engineering (Solarmax). Sogar unter den chinesischen Herstellern von Solarmodulen war der Preisdruck so gross, dass einige davon in Insolvenz gerieten.
DIE KRUX MIT DER ABHÄNGIGKEIT
Dass Europa und insbesondere die Schweiz in den Jahren von 2008 bis heute in der Solarindustrie immer mehr in der Bedeutungslosigkeit verschwanden, interessierte nur wenige. «Hauptsache billig,» war das Credo, womit China als Massstab gesetzt war. Wohin dies geführt hat sehen wir heute: Die Solarmodule, die in der Schweiz installiert werden, stammen zu über 70 Prozent aus China; Bloss 5 Prozent der hierzulande installierten Solarmodule werden auch in der Schweiz hergestellt.
Ein Hauptgrund für die Installation von Solarpanels ist häufig, sich unabhängiger zu machen von anderen Energieträgern und den Import von Öl und Gas zu reduzieren. Dass die Abhängigkeit ausgerechnet bei Produkten der Solarenergie mindestens ebenso hoch ist, trübt etwas die Euphorie zum Solarboom.
Liegt die Produktion von Solarmodulen zu 70 Prozent in China, so ist es bei der Herstellung von Zellen, also dem wichtigsten Einzelteil eines Solarmoduls, noch extremer. Die eingesetzten Solarzellen werden zu 98 Prozent in China hergestellt; Lediglich 0,2 Prozent stammen noch aus europäischer Produktion. Solarmodule ohne chinesische Bestandteile sind somit zumeist Wunschdenken.
KEHRT NUN DER TREND?
Die politischen Geschehnisse der vergangenen zwei Jahren haben auf alle Abhängigkeiten von Konsumgütern ein zum Teil neues Licht geworfen. Sei es russisches Erdgas oder eben chinesische Solarzellen, langsam dämmert es vielen Akteuren, dass sie diese Abhängigkeiten kritisch betrachten sollten. Die europäische Union hat angekündigt, in den nächsten 30 Jahren 400 Milliarden in eine europäische Solarindustrie zu investieren. Hierzu soll die gesamte Produktionskette von der Zellherstellung bis zur Modulfertigung unter hohem Aufwand zurück nach Europa geholt werden. Nach dem Credo «im Nachhinein ist man schlauer», wäre es wohl günstiger gewesen, die Branche in den Boomjahren gar nicht erst abwandern zu lassen. Durch einfache Mittel können viele Arbeitsplätze und die dazugehörige Wertschöpfung in der Region behalten werden. Beispielsweise könnten Solaranlagen der öffentlichen Hand ausschliesslich mit Solarmodulen «Made in Europe» gebaut werden. Schliesslich werden diese ja auch nicht mit chinesischen Steuergeldern finanziert.
Es liegt in der Verantwortung des Solar-Anbieters, dem Kunden überhaupt eine Auswahl zu bieten in Bezug auf die Herkunft der Produkte. Ganz am Ende der Kette entscheidet allerdings nur jemand über die Herkunft der Produkte: Der Kunde mit dem Hausdach