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Der Europäische Dorferneuerungspreis wird alle zwei Jahre im Rahmen eines Wettbewerbes von einer internationalen und interdisziplinären Jury an Projekte in Europa vergeben, die sich durch besondere Leistungen in Bereichen der Dorfentwicklung auszeichnen. Veranstalterin des Wettbewerbs, der seit 1990 durchgeführt wird, ist die Europäische Arbeitsgemeinschaft Landentwicklung und Dorferneuerung. Das diesjährige Motto lautete „Der Zukunft auf der Spur". Die Preisverleihung findet vom 20. bis 22. September in Langenegg, Vorarlberg, der Siegergemeinde von 2010, statt.
Neben dem „Europäischen Dorferneuerungspreis 2012", der an Vals als Gesamtsieger vergeben wurde, ist Poschiavo für „besondere Leistungen in einzelnen Bereichen der Dorfentwicklung" mit einem Europäischen Dorferneuerungspreis ausgezeichnet worden. Insgesamt wurden 29 Wettbewerbsprojekte aus Österreich, Deutschland, der Niederlande, Tschechien, Ungarn, Luxemburg, Polen, Italien, Slowenien, Slowakei, Belgien und der Schweiz prämiert. Bewertet wurden neben der äusseren Erscheinung vor allem die „inneren" Qualitäten der Dörfer und Gemeinden wie eine angepasste wirtschaftliche Entwicklung, die Schaffung zeitgemässer sozialer Einrichtungen, die Auseinandersetzung mit Architektur, Siedlungsentwicklung, Ökologie und Energieversorgung oder kulturelle Initiativen und Weiterbildungsmassnahmen.
Die Gemeinde Vals im Kanton Graubünden wurde von der Jury nach einer umfassenden Begutachtung vor Ort zum Sieger des Wettbewerbes gekürt. Die Jury würdigte in erster Linie, dass alle Betriebe des Dorfes biologisch wirtschaften und einen Gutteil der Milch- und Fleischprodukte im eigenen Tal vertreiben. Vals beteilige sich als Mitglied der „Allianz in den Alpen" an Vernetzungsprojekten für eine nachhaltige Entwicklung im Sinne der Alpenkonvention. Die Stromversorgung stamme zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen. Besondere Impulse habe das Bergdorf durch die Nutzung der Valser Mineralwasserquellen und den Abbau des Valser Quarzit erfahren. Zahlreiche kleine und mittlere Gewerbe-, Dienstleistungs- und Handwerksbetriebe hätten in den vergangenen Jahrzehnten zusätzliche Erwerbsquellen erschlossen. Mit dem Bau der mittlerweile weltberühmten Therme des Architekten Peter Zumthor sei Mut zu zeitgenössischer Architektur unter Verwendung des lokal vorhandenen Baumaterials Stein bewiesen worden. Weitere Beispiele moderner Architektur seien Teil der Valser Identität geworden. Gleichzeitig würden traditionelle Bauformen nicht nur bewahrt, sondern auch als Inspiration für das zeitgemässe Bauen dienen, wodurch ein einheitliches Erscheinungsbild des Dorfes gegeben sei.Die berühmte Berninabahn in der Gemeinde Poschiavo im italienisch sprechenden Südtal des Kantons Graubünden zähle zum UNESCO-Welterbe und sei eine wichtige Ader für den Tourismus. Die dank behutsamer Massnahmen erhaltene Altstadt und das alte Kloster, in welchem ein Zentrum für Spiritualität, Ökumene und Kultur entstanden ist, seien Orte, die Poschiavo attraktiv machen und gleichzeitig zur Besinnung laden würden. Poschiavo habe mit der Gründung einer Heilkräuter-Genossenschaft sowie der Käserei pionierhafte Arbeit geleistet und die Basis für erfolgreichen Biolandbau gelegt. Im Energiebereich seien Trinkwasserturbinen installiert worden. Ein Erweiterungsprojekt für den Bau eines 1000-Megawatt-Pumpspeicherkraftwerks, bei dem eng mit Umweltorganisationen zusammengearbeitet wurde, sei in Planung und soll in naher Zukunft realisiert werden.