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A Sweet Home: Alex Kayser 1949 – 2015
Ich lernte den Kunstfotografen Alex Kayser 1998 in New York kennen, als ich auf der Suche nach einem Trainee Job als Architekt war.
Alex wohnte seit 1972 in Manhattan. Er war in den 1970er- und 80er-Jahre Teil der legendären Rock’n’Roll-Zeit in New York City: Studio 54, Max’s Kansas City, CBGB, Mudd Club, Palladium und viel andere Clubs waren sein zweites Zuhause.
Er lebt und arbeitete ohne Kompromisse; bis zum Schluss. Einziger Einschnitt in seinem Leben war der Alkoholentzug mit Ende Dreissig.
Als Kunstfotograf machte er keine Werbeaufnahmen, das sei Prostitution. Er fotografierte lieber Leute wie Andy Warhol, Mick Jagger, Phillip Johnsen, Salvador Dalí, David Hockney, Gilbert & George und viel andere. Die Idee seiner Arbeit als Fotograf war das schnelle Erfassen einer Situation. Das Spielen und Ausprobieren war ebenfalls ein wichtiger Aspekt. Die Nachbearbeitung musste schnell gehen, das Rohe, Unverfälschte war ihm sehr wichtig.
Auch seine zweite Leidenschaft, der Computer und seine Möglichkeiten, war ein bedeutender Teil in seinem Leben. Er begriff Ende der 1980er-Jahre sehr schnell, welches Potenzial in dieser Technologie steckte.
Im Jahr 1992 baute Alex zusammen mit seiner damaligen Freundin Renate Sturmer das interaktive Kunstobjekt «Stuka». Der Name setzt sich aus Sturmer & Kayser zusammen. Der Touchscreen wurde in New York am 495 Broadway im Swiss Institut ausgestellt. «Stuka» wurde über das Internet aus dem Loft von Alex am 211 West Broadway mit Uptdates bestückt. Alex faszinierte an diesem Kunst-Projekt am meisten, wie die Besucher auf die damals absolut neue Technologie des interaktiven Screens reagierten.
«Stuka» brachte Alex grosse Aufmerksamkeit und interessante Aufträge, wie das AT&T Projekt «Mobile 2000», welches die Smartphon-Technologie von heute vorwegnahm. Auch in der Schweiz fand «Stuka» durch die Präsentation an der Art Basel Beachtung. Alex baute daraufhin für die Bergbahnen Laax und für die Uhrenfirma Swatch deren erste Webseiten.
Von 1998 bis 2000 führte Alex zusammen mit seiner Freundin Joy Rider †, einer begnadeten Sängerin, den Rhythm Club. Der Club war direkt gegenüber seinem Loft in TriBeCa. Alles war illegal ohne Bewilligungen, einfach machen, das war oft sein Motto. Es funktionierte, die Polizei hatte Freibier und bezahlte keinen Eintritt… Alex erzählte mir viel aus den 1970er- und 80er-Jahren, als alles noch authentischer gewesen sei. Er vermisste das alte TriBeCa mit den Handwerkergeschäften, Pubs & Bars, wo sich Künstler, Handwerker und Anwälte trafen und zusammen Bier tranken.
1999 lebte ich ein halbes Jahr in New York. Ich arbeitete für Alex und unser neugegründetes Büro in Kriens. Ich half im Rhythm Club und baute ein 3D-CAD-Modell vom Club. Das war im sehr wichtig. Der Club und das Haus gibt es heute nicht mehr. Durch das ArchiCAD-Video (1.05 Min.) aus dem Jahr 1999, unterlegt mit einem Song von Joy Rider, lebt der Rhythm Club weiter.
Die Arbeit mit Alex war immer extrem fordernd, er hatte ein unbestechliches Auge. Er sagte oft: Der hat mir noch nie eine interessante Frage gestellt… Er war einer, der alles sehr genau anschaute mit seinen grossen Augen. Er konnte es nicht verstehen, dass so viele Menschen so oberflächlich durchs Leben gehen, und dadurch auch keine interessanten Fragen stellen können…
Ab 2001 wohnte ich bei Alex in seinem Loft, wenn ich jeweils für drei Wochen im Herbst in New York war. Das rote Backsteinhaus mit Feuerleiter, den überhohen Räumen, dem massivem Eichenboden und an bester Lage im Süden von Manhattan am 211 West Broadway & Franklin Street, mit der Subway Station Nr. 1 und 9 direkt vor dem Haus: Ein Glücksfall! Das grosszügige Loft war ein Treffpunkt für viele, und für mich ein zweites Zuhause.
Für Alex war es wichtig, dass er nie aus seinem Loft ausziehen musste. Er lebte bis am Schluss in seinem geliebten Loft: A Sweet Home…
Tipps:
- Film: Alex Kayser, Swiss Memoria by Tom Gibbons (8:11 Min.)
- Sonntags Blick 22. April 1984: Der Maler mit der Kamera (PDF)
- Heads by Alex Kayser 1984
- Artists‘ Portraits by Alex Kayser 1981
- Du 1975 Nr. 415: Zehn amerikanische Photographen: porträtiert von Alex Kayser (PDF)