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Hans Amberg erklärt während Führung in der Stadtbibliothek Winterthur Katalogbenutzung. 1981. Quelle: Bildarchiv Winterthur, Winterthurer Bibliotheken. Online
Per Zufall ist mir eines meiner Hefte aus der Schulzeit wieder in die Hände geraten. Dabei ist mir ein Bericht, den wir als 15jährige Schüler bei unserem Sekundarlehrer Roland Cuendet nach einer Einführung in die Benutzung der Stadtbibliothek Winterthur schreiben mussten, sofort ins Auge gestochen. Die Führung hinterliess bei mir offensichlich einen bleibenden Eindruck: Fünf Jahre später begann ich meine Ausbildung zum Diplombibliothekar in derselben Einrichtung.
Weil der Text ein anschauliches Bild einer Schulführung Mitte der Achziger Jahre in einer klassischen Studien- und Bildungsbibliothek abgibt, möchte ich ihn hier wiedergeben. Ausleihchef Hans Amberg war für sein phänomenales Gedächtnis bekannt: er wusste z.B. von nahezu sämtlichen BenutzerInnen (auch gelegentlichen), den Namen und löste damit regelmässig Verblüffung aus.
„Bericht über unsern Besuch in der Stadtbibliothek [Winterthur im Juni 1985]
Der Leiter des Ausleihdienstes in der Stadtbibliothek, Herr Amberg, führte uns zuerst vor die Ausgabe der Bücher. Er erzählte uns etwas über die Geschichte der Stadtbibliothek:
1660 wurde die Stadtbibliothek gegründet. 1662 wurde der Betrieb mit ca. 1’000 Büchern im Rathaus aufgenommen.
Heute besitzt die Stadtbibliothek 480’000 Bücher, die in vier Stockwerken nach einem bestimmten System geordnet sind. Alle Bücher, die älter sind als 1850, dürfen nur im Lesesaal gelesen werden. Alle andern, neueren Bücher darf man mit nach Hause nehmen. Ein Student, der eine Doktorarbeit schreibt, darf bis zu 20, 30 oder noch mehr Bücher mit nach Hause nehmen. Das Normale sind aber vier, fünf oder sechs Bücher, die man nach einem Monat zurückbringen muss. Die Bibliothekare sind uns sehr dankbar, wenn wir die Bücher unbeschädigt und sofort zurückbringen, damit sie keine Mahnungen verschicken müssen.
In der Freihandbibliothek befinden sich die neuesten, am ehesten verständlich geschriebenen Bücher. Diese Bücher, im ganzen sind es 1’000, kann man direkt aus dem Büchergestell nehmen. Gefällt einem eines, so füllt man einen weiss-rosaroten Zettel aus, bringt diesen mit dem Buch an die Theke und kann es dann mit nach Hause nehmen.
Aber die 479’000 anderen Bücher, von denen man ja sowieso nur einen Teil mit nach Hause nehmen kann, muss man zuerst in der Kartei suchen. Hat man das gewünschte Buch gefunden, so füllt man wieder einen weiss-rosaroten Zettel aus und bringt diesen an die Theke, wo der Bibliothekar einem das Buch mit dem Bücherlift herunterholt.
Als uns Herr Amberg dies alles erklärt hatte, übten wir an Beispielen, die er uns gab. Immer zwei zusammen durften einen Titel in den Schubladenkarteien suchen. Ein Beispiel: „Suche von Konsalik, „Wer stirbt schon gerne unter Palmen…“!“ Wenn man das richtige Kärtchen gefunden hatte, durfte man es ihm zeigen. Die Stadtbibliothek führt neben Büchern auch Compact Dics (CD), für die man aber einen besonderen Plattenspieler braucht. Zum Schluss führte uns Herr Amberg in den ersten Stock, wo alle Bücher gelagert sind. Die Riesenmenge der Bücher machte auf uns grossen Eindruck. Weil es schon halb zehn war, mussten wir uns verabschieden und uns auf den Heimweg machen.
15. August 1985″
Als Dank für die Führung mussten wir einen Dankesbrief schreiben:
„Wülflingen, den 14.6.1986
Sehr geehrter Herr Amberg,
für Ihre interessante Führung durch die Stadtbibliothek möchten ich Ihnen danken. Um den Kunden gut Bescheid über Bücher geben zu können, müssen Sie viel lesen. Ich weiss jetzt vieles mehr über die Ausleihe der Bücher in der Stadtbibliothek und kann jetzt auch selber Bücher auslehnen.
Herzliche Grüsse
Christoph Steiner 3b S.“