Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03390.jsonl.gz/2918

Können grosse Vulkanausbrüche die Gletscher retten?
Bisher ging man davon aus, dass grosse Vulkanausbrüche zu einem Massengewinn und zu einem Vorstoss der Gletscher weltweit führen. Michael Zemp, Glaziologe am GIUZ, und Ben Marzeion, Klimawissenschafter an der Universität Bremen, haben untersucht, ob das auch unter dem aktuellen Klimawandel noch gilt.
Bei einem Vulkanausbruch werden enorme Mengen an Asche und Schwefelgasen in die Atmosphäre geschleudert. Diese vulkanischen Aerosole schatten das einfallende Sonnenlicht ab und beeinflussen damit das globale Klima. Das kann zu einem Massengewinn und einem Vorstoss von Gletschern führen. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts hat dieser Effekt jedoch aufgrund der stark ansteigenden Treibhausgaskonzentrationen an Bedeutung verloren.
Die vorliegende Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen Gletscherveränderungen von 1961 bis 2005 und Beobachtungen von durch den Menschen freigesetzten Treibhausgasen, vulkanischen und Sonnenaktivitäten sowie einem Phänomen im Zusammenhang mit der Meerestemperatur namens El Niño-Southern Oscillation. Der globale Massenverlust der Gletscher wurde hauptsächlich durch den Anstieg der anthropogenen Treibhausgase verursacht, unterbrochen von nur wenigen Jahren mit Massenzunahme nach großen Vulkanausbrüchen.
Wenn der Mount Pinatubo 2036 wieder ausbrechen würde
Mit steigenden Treibhausgaskonzentrationen nimmt jedoch die Relevanz von Vulkanausbrüchen ab. In der Arbeit wird dies am Beispiel des Mount Pinatubo, einem Vulkan auf den Philippinen, illustriert. Der Ausbruch im Jahr 1991 war der grösste Vulkanausbruch des 20. Jahrhunderts und konnte das Schmelzen der Gletscher auf globaler Ebene für ein Jahr stoppen. In einem Modellierungsexperiment wiederholten die Autoren den Pinatubo-Ausbruch 1856, 1901, 1946, 1991 und 2036 in 45-Jahres-Intervallen.
Dieses Experiment zeigt deutlich die schwindende Bedeutung von Vulkanausbrüchen für den globalen Nettohaushalt der Gletscher. Während die hypothetischen Eruptionen im 19. Jahrhundert über einige Jahre hinweg zu deutlichen Perioden globalen Massenzuwachses führten, könnte eine Wiederholung des Pinatubo-Ausbruchs im Jahr 2036 den Eisverlust durch anthropogene Antriebe bei weitem nicht kompensieren. Für dieses Zukunftsszenario wäre für einen effektiven globalen Massengewinn der Gletscher ein Ereignis mit der zwei- bis dreifachen Strahlungswirkung der Pinatubo-Eruption erforderlich.
Literatur
Zemp, M., & Marzeion, B. (2021). Dwindling relevance of large volcanic eruptions for global glacier changes in the Anthropocene. Geophysical Research Letters, 48, e2021GL092964.
Weitere News
- Grasland-Ökosysteme werden mit zunehmendem Alter widerstandsfähiger
- Which glaciers are the largest in the world?
- Unlocking Environmental Narratives
- Relationships to nature go both ways – care and attention for nature bring satisfaction and joy for Swiss Alpine farmers
- «Ober mal wett hürate?» oder die Geographie der Schweizerdeutschen Grammatik
- Mischwälder schlagen Monokulturen
- Graslandgemeinschaften sind nach langer Trockenheit resistenter für spätere Dürren
- Überwachung der Artenvielfalt per Satellit rückt in Reichweite
- Vom Winde verweht? Wie kleine Vögel ins Winterquartier ziehen
- Wähle selbst deinen Weg!
- Den Boden in tropischen Regionen aufwerten
- Klima und Boden entscheiden über die Ausprägung von Pflanzenmerkmalen
- Getting the big picture of biodiversity
- Stimmungen und Gefühle über Twitter erfassen
- Ist unsere Geschichte in die Grammatik geschrieben?
- New model simulates the tsunamis caused by iceberg calving
- Deep forest soils produce greenhouse gases as temperatures climb
- Global glacier retreat has accelerated
- Die zweite Welle endete 1918 fatal
- Doch früher als gedacht
- Locked-in and living delta pathways in the Anthropocene
- Daheim ins Nachtleben stürzen
- Produktivität von Wäldern kann trotz grosser Artenvielfalt sinken
- Alltägliche Mobilität und gesundes Altern
- Wo die Wasserreserven der Gebirge am stärksten bedroht sind
- Himalaya-Seen verstärken die Gletscherschmelze
- Spielerisch zu besseren Daten
- Warum Parc Adula gescheitert ist
- Schwarzes Rätsel im Amazonasfluss
- Mit intelligenten Navis auch den Weg zurück finden
- Die emotionalen Verflechtungen von Smartphones in Feldstudien
- Von Feuern und Ozeanen
- Eis am Stiel in der Bodenforschung
- Gletscherschmelze lässt die Ozeane immer stärker ansteigen
- Sind finanzielle Anreize für die Bauernschaft eine Motivation, Land zu schützen?
- Was Landschaften für unser Wohlbefinden leisten
- Eisschild wächst von unten
- Schwarzer Kohlenstoff altert in Böden und Flüssen vor dem Transport ins Meer
- Erfassung von Mobilitätsmustern mittels Telefonverbindungsdaten
- Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden
- Unbegleitete minderjährige Asylsuchende in der Schweiz - Erfahrungen aus Bildungseinrichtungen
- Ängstlichkeit und räumliches Vorstellungsvermögen beim Kartenlesen
- Regulativer Pluralismus an der Goldminenfront in Burkina Faso
- Neue Analysemethode erlaubt besseres Verständnis von Bewegungsmustern von Tieren aus Tracking-Daten
- Wer ist verantwortlich für die negativen Auswirkungen des anthropogenen Klimawandels?
- Kein Gletschermassenverlust im Karakoram-Gebirge seit den 1970er Jahren
- Das Mega-Event Syndrom
- Gletscher verlieren mehr Eis als je zuvor
- Veränderungen der globalen Landoberflächenvegetation
- Eine literaturbasierte Schätzung organischen Feuerrückständen (Kohle) in Böden weltweit
- Neoliberale Sparpolitik und Seniorenbetreuung als käufliches Gut
- Der Umgang mit natürlichen Ressourcen im Schutzgebiet und indigenem Territorium des Bolivischen Amazonas