Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03618.jsonl.gz/2226

Die Beziehungen zwischen der Schweiz und Ägypten haben eine lange Tradition. Für den schweizerischen Handel mit dem Nahen Osten und Afrika spielt Ägypten seit je eine wichtige Rolle. Bereits 1909 wurde eine Handelsvertretung eröffnet.
Bilaterale Beziehungen Schweiz–Ägypten
Schwerpunkte der diplomatischen Beziehungen
Eine Reihe bilateraler Abkommen regelt die Beziehungen zwischen den beiden Ländern: Entschädigung der Schweizer Interessen (1964), Investitionsschutz (1973), Doppelbesteuerung (1987), Luftverkehr (1995) und Rechtshilfe (2000). Ein Freihandelsabkommen zwischen Ägypten und der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) wurde am 27. Januar 2007 unterzeichnet und ist seit 2008 in Kraft. Im Jahr 2012 folgte ein neues Abkommen über den Schutz und die Förderung von Investitionen. Im Januar 2013 wurde ein bilaterales Rahmenabkommen über Zusammenarbeit und humanitäre Hilfe unterzeichnet, das seit November 2014 in Kraft ist.
Wirtschaftliche Zusammenarbeit
Ägypten ist für die Schweiz ein wichtiges Partnerland in Afrika und insbesondere in der Region Mittlerer Osten und Nordafrika.
Ägypten war sowohl 2019 als auch 2020 der grösste Handelspartner der Schweiz in Afrika. Die Schweiz ist der zehntgrösste Handelspartner für Ägypten. Im Jahr 2019 erreichte das gesamte Handelsvolumen zwischen den beiden Ländern 1,3 Milliarden CHF. Im Vergleich zu 2018 ist das gesamte Handelsvolumen um 14,2% gestiegen, wobei die Schweizer Exporte nach Ägypten deutlich zugenommen haben (+24,7%).
Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation
Forschende und Kulturschaffende aus Ägypten können sich beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) um Bundes-Exzellenz-Stipendien bewerben.
Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe
Die Schweiz unterhält seit über 40 Jahren (1979) ein Programm zur wirtschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit mit Ägypten. Ägypten ist Schwerpunktland der Internationalen Zusammenarbeit der Schweiz.
Nach der Revolution vom 25. Januar 2011 erweiterte die Schweiz ihre Unterstützung für Ägypten und ist seither in drei zentralen Bereichen engagiert:
- Demokratische Prozesse und Menschenrechte
- Wirtschaftliche Entwicklung und Beschäftigung
- Migration und Schutz
Die aktuelle Schweizer Kooperationsstrategie 2017-20 für Ägypten beruht auf diesen drei Pfeilern. In diesen Rahmen unterstützt die Schweiz Ägypten durch bilaterale, multilaterale und regionale Programme und Projekte. Aktuell bestehen Kooperationsprojekte in verschiedenen Bereichen wie Migration, Schaffung von Arbeitsplätzen, Förderung des Privatsektors und makroökonomischen Reformen, Stabilisierung des Bevölkerungswachstums sowie Abfall-, und Wasserwirtschaft. Das indikative Budget für die Periode 2017-2020 beträgt 86 Mio. CHF und wird in Rahmen eines «Whole of Government Approaches» umgesetzt von SECO, DEZA, Staatssekretariat inkl. AFM und SEM.
Das neue Kooperationsprogramm für die Periode 2021-24 ist aktuell in Erarbeitung. Es wird sich an der Strategie zur Internationalen Zusammenarbeit 2021-2024 sowie der MENA Strategie 2021-2024 ausrichten. Der Fokus des neuen Programmes liegt auf 4 gemeinsamen Prioritäten: Rechtsstaatlichkeit, Arbeitsplätze, Migration und Klimawandel. Die Projekte der engagierten WOGA Partner tragen zu diesen Prioritäten bei. Die thematischen Bereiche (Governance und Menschenrechte, Wachstum und Einkommen, Migration und Schutz) werden beibehalten. Die Schweiz wird sich verstärkt in der Schaffung von Arbeitsplätzen und der Berufsbildung engagieren und dabei insbesondere auf die Einbindung von Jugendlichen, Frauen und Migranten achten. Das finanzielle Engagement der Schweiz wird etwa im gleichen Rahmen bleiben.
Frieden und Menschenrechte
Im Rahmen der Kooperationsstrategie unterstützt die Schweiz beim ersten Pfeiler die Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen, die Vernetzung und den Kapazitätsausbau von lokalen Organisationen, namentlich solcher, die Folter und Willkürjustiz bekämpfen, sowie die Umsetzung eines Dialog- und Konsultationsprozesses zwischen den Behörden und der Zivilgesellschaft.
Kulturaustausch
Zwischen der Schweiz und Ägypten herrscht reger kultureller Austausch, namentlich in den Bereichen Musik, Theater und Film. 1988 eröffnete die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia in Kairo ihr weltweit erstes Auslandbüro. Seit 1949 gibt es das Schweizer Institut für Ägyptische Bauforschung und Altertumskunde in Kairo. 2017 feierte die Schweiz die Entdeckung der Tempel von Abu Simbel vor 200 Jahren durch den Schweizer J. L. Burckhardt. 2018 wurde die App Swiss Trail eingeführt, die zwanzig Bauwerke in Kairo unter Schweizer Einfluss auflistet. Jedes Jahr werden an Filmfestivals wie dem CIFF, dem Panorama of the European Film und dem Ismailia International Film Festival Schweizer Filme gezeigt.
Schweizerinnen und Schweizer in Ägypten
Ende 2020 lebten 1389 Schweizerinnen und Schweizer in Ägypten.
Geschichte der bilateralen Beziehungen
Die Schweiz war Schauplatz wichtiger Etappen auf Ägyptens Weg in die Unabhängigkeit. So fand 1923 in Lausanne eine Friedenskonferenz statt, an der die türkische Republik auf alle Rechte bezüglich Ägyptens verzichtete. 1924 anerkannte die Schweiz die Unabhängigkeit Ägyptens und unterzeichnete 1934 einen Freundschaftsvertrag.
1935 eröffnete die Schweiz in Kairo eine Kanzlei, die 1945 durch eine Gesandtschaft (ab 1957 Botschaft) abgelöst wurde. Dank ihrer Neutralität vertrat die Schweiz in Ägypten während des Zweiten Weltkriegs und in den folgenden Jahrzehnten die Interessen mehrerer Staaten. Seit 1979 bis heute vertritt die Schweiz noch die Interessen des Iran in Ägypten.