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Die Anfänge der weltumspannenden Wärtsilä Corporation, mit Hauptsitz in Helsinki, Finnland gehen auf das gleiche Jahr zurück, in dem Gebrüder Sulzer AG in Winterthur gegründet wurde, nämlich auf das Jahr 1834
In diesem Jahr wurde im finnischen Städtchen Värtsilä, in der heute zu Russland gehörenden Provinz Nordkarelien ein Sägewerk gegründet, das zwei Jahre später vom Industriellen Nils Ludvig Arppe (1803-1861) übernommen wurde. 1851 gründete Arppe eine Eisenhütte und aus seinem Nachlass ging 1898 der Konzern Wärtsilä AB hervor. 1935, also noch vor dem Finnisch-Sowjetischen Winterkrieg (1939-40) wurde der Hauptsitz der Firma nach Helsinki verlegt.
Nachdem ein Lizenzvertrag mit der zum Friedrich Krupp Konzern gehörenden Germaniawerft in Kiel abgeschlossen wurde, begann der Bau von Dieselmotoren und die erste Maschine wurde 1942 abgeliefert. Im Jahr 1983 wurde eine eigene Schiffswerft in Turku, Finnland in Betrieb genommen. In der gleichen Zeit wurden auch die Werften der Valmet AB übernommen, jedoch 1989 war der ganze Schiffbau bankrott und wurde eingestellt.
In den Jahren nach 1980 wurden noch viele weitere, im Schiffsantrieb tätige Firmen aufgekauft, wie Stork Werkspoor Amsterdam, SACM Mühlhausen, GMT Grandi Motori Trieste, Nohab Diesel, Deutz MWM Marine Service (2005). Heute bietet die Firma eine vielfältige Auswahl an Produkten für die Schifffahrt an, wie zwei- und vier-takt Dieselmotoren, Dieselgeneratoren, Verstellpropeller, Ruderpropeller, Waterjets, Automation, Schiffsdesign und vieles mehr (siehe
www.wartsila.com).
1995 begann auch die Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Motorenhersteller Cummins.
In 1997 hat der gesamte Dieselbau in Winterthur, die NSD New Sulzer Diesel, mit Wärtsilä und Fincantieri fusioniert. Die neue Firma wurde danach in Wärtsilä NSD Corporation umbenannt. Im Jahr 2000 wurde die Firma endgültig in Wärtsilä Schweiz AG umbenannt und der traditionsreiche Name Sulzer in der Schifffahrt lebt nur noch in der Geschichte weiter. Im Dezember 1988 wurde der letzte Grossdieselmotor in Winterthur gebaut und getested, ein 8RNF68M, der dann als Stationärmotor in ein Dieselkraftwerk auf den Bahamas eingebaut wurde.
Wärtsilä war ursprünglich nur in der Fabrikation von kleineren, schnelllaufenden Viertaktmotoren tätig, aber mit dem Kauf der New Sulzer Diesel gelang der Durchbruch in den Markt für grosse, langsamlaufende Dieselmotoren, der heute von MAN-B&W und Wärtsilä beherrscht wird.
Noch vor dem Verkauf der Dieselaktivitäten hatte Sulzer im Jahre 1983 ihr Design radikal von der bis anhin bewährten Umkehrspülung auf die Längsspülung umgestellt. Die Längsspülung (mit einem Abgasventil im Zylinderkopf wie bei B&W) war eine physikalische Notwendigkeit, wollte man grössere Bohrung/Hubverhältnisse und damit bessere Wirkungsgrade erreichen. Diese neuen Maschinen gehörten zur RTA-Serie, die zuerst mit Zylinderdurchmessern von 380 mm bis 840 mm gebaut wurden, später auch mit 960 mm Bohrung. 1991 begannen auch die ersten Experimente mit elektronischer Einspritzung auf einem 4-zylinder Versuchsmotor
Im Oktober 1995 wurde das neue Diesel Technology Centre an der Sulzer Allee im ehemaligen, grossen Werksgelände der Gebrüder Sulzer AG in Oberwinterthur eröffnet. Hier werden heute Versuche gefahren auf dem grossen 4-zylinder RTX-4 Versuchsmotor, Grundlagenforschung betrieben, Trainingskurse für Betreiberpersonal durchgeführt und Präzisionsteile für die Brennstoffeinspritzung gefertigt und getestet. Gegenwärtig ist der Versuchsmotor auf 2-stufige Turboaufladung umgebaut, um Versuche zur NOx-Reduktion in den Abgasen zu fahren. In der Trainingshalle steht auch noch ein nicht mehr betriebsfähiger Demonstrationsmotor mit teilweise geöffnetem Triebwerk und abmontierten Zylinderköpfen, um Besuchern die Bauweise eines moderen Dieselmotors näherzubringen.
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Photo: Diesel Technology Centre (courtesy of Wärtsilä Switzerland Ltd.)
Photo: Versuchsmotor RTX-4 (courtesy of Wärtsilä Switzerland Ltd.)
Der erste mit elektronischer Einspritzung arbeitende Motor, ein 6RT-flex 58T-B mit 11'275 kW bei 93 U/min wurde im September 2001 in den Bulkcarrier “GYPSUM CENTENNIAL“ eingebaut und in Betrieb genommen. Diese Motoren sind im Prinzip gewöhnliche, langsam laufende zwei-takt Kreuzkopfmotoren, aber mit einem radikal geänderten Brennstoffeinspritzsystem, das auf dem “common rail system“ basiert (die älteren Schiffsingenieure werden das noch von der Doxfordmaschine her kennen). Eine Brennstoffförderpumpe erzeugt einen Druck von ungefähr 850 bar in der “common rail“ (ein gemeinsames Brennstoffrohr für alle Zylinder). Von der “common rail“ wird der Brennstoff durch elektronisch/ hydraulisch gesteuerte Kontrollventile zeit- und mengengenau auf die Einspritzventile verteilt. Diese elektronische Einspritzung ergibt verbesserte Abgas- und Brennstoffverbrauchswerte. Auch ergeben sich stark verbesserte Werte bei sehr kleinen Umdrehungen während des Manöverierens (für mehr technische Details, siehe die beigefügte Broschüre). Der weltgrösste Dieselmotor ist heute der 14-zylinder Wärtsilä RT-flex96C mit einer Leistung von 80,080 kW (108,920 bhp) und mit einer Zylinderbohrung von 960 mm. Der erste Motor dieses Modells wurde im September 2006 in Betrieb genommen und dient auch zum Antrieb der weltgrössten Containerschiffe der Emma Maersk-Klasse.
Heute arbeiten ungefähr 560 Personen im Diesel Technology Centre in Oberwinterthur und in den Büros von Wärtsilä in Winterthur in Forschung und Entwicklung, Marketing und Service, während jedoch die Produktion der Motoren fast zu 100 % in den grossen Schiffbauländern des Fernen Ostens stattfindet. In Europa und Südamerika werden nur noch sehr wenige Motoren hergestellt, da in diesen Ländern der Schiffbau sehr stark zusammengeschrumpft ist.
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Diagram: Schematic diagram of RT-flex injection (courtesy of Wärtsilä Switzerland Ltd.)
Broschüre: Wärtsilä RTA96C Engine Technology Review (courtesy of Wärtsilä Switzerland Ltd.)
Juli 2010
Fotos