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Mit «Antigone Jr.» bricht der queere New Yorker Choreograph Trajal Harrell eine Lanze für den tragisch-dramatischen Tanz. Er präsentiert eine zeitgenössische Tanzversion von Sophokles’ «Antigone» und konzentriert sich dabei auf die erste Szene der antiken Vorlage, die das Verhältnis von Antigone und ihrer Schwester Ismene und deren tragisches Schicksal darstellt. Wie auch «M2M» ist «Antigone Jr.» Teil von Harrells Serie «Twenty Looks or Paris is Burning at The Judson Church». Die einzelnen Teile stehen vor dem Hintergrund einer fiktiven Begegnung zwischen den reduziert kühlen Anfängen des postmodernen Judson Dance Theater in New York in den frühen 1960er Jahren und dem, was sich zeitgleich in Harlem in der exaltierten Voguing-Szene abspielte. D.h. in der Ballroom-Szene der marginalisierten homosexuellen Subkultur von New York Harlem. Mit diesem Gedankenexperiment fordert Harrell dazu auf, die Kontexte des zeitgenössischen Tanzes zu überdenken. Im Duo mit dem Tänzer Thibault Lac als Ismene übersetzt er die Essenz der griechischen Tragödie in Voguing. Sie singen, stolzieren, posieren und performen die These, dass ein Voguing Ball der Ästhetik des antiken Theaters erstaunlich nah ist. «Antigone Jr.» ist einzigartig und geschlechtslos, ein intimes Tanzstück über das Zuviel von Identität und Geschichte.