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1971 waren sie bereits 23. Wie haben Sie sich in den Jahren gefühlt, in denen Sie nicht abstimmen durften?
Das war frustrierend. Ich bin in einem Haushalt gross geworden, in dem meine Mutter viel Verantwortung übernommen hat und sehr selbständig war. Deshalb war es für uns nicht nachvollziehbar, wieso Frauen sich nicht politisch beteiligen sollten.
Wieso kam das Frauenstimmrecht in der Schweiz so spät? Es wurde ja schon 1886 gefordert.
Weil in der Schweiz die Stimmbürger, also die Mehrheit der Männer, dafür stimmen musste. In unseren Nachbarländern konnte das Parlament ein Stimm- und Wahlrecht für die Frauen durchdrücken.
Wovor hatten die Männer Angst?
Es war ganz klar eine Machtfrage. Aber die Diskussionen um das Frauenstimmrecht fanden auch vor dem Hintergrund des Kalten Krieges statt. Viele Männer befürchteten, Frauen könnten sozialistischer eingestellt sein und so die Politik der Schweiz in diese Richtung lenken.
Wie gross war der Druck aus dem Ausland?
Als die Schweiz in den 60er-Jahren der Europäischen Menschenrechtskonvention beitreten wollte, wurde diese politische Ungleichheit zwischen Männern und Frauen ein Problem. Denn ein Teil dieser Menschenrechtskonvention ist das Frauenstimmrecht. Insofern kann man schon sagen, dass der Druck aus dem Ausland eine wichtige Rolle gespielt hat und die Frauen in der Schweiz zumindest in ihrem Kampf ermutigt hat.
Es gab auch Frauen, die dagegen waren. Warum?
Viele argumentierten mit der traditionellen Rollenverteilung: Die Frau gehört in die Küche und ins Haus. Einige von ihnen sagten aber auch, dass ein Stimm- und Wahlrecht allein sie nicht vor Gewalt zu Hause oder vor Unterdrückung am Arbeitsplatz schützen könne.
Ein nachvollziehbares Argument?
Nein. Mit einem Stimmrecht können Frauen ja auch bei den Gesetzen zu ihrem Schutz mitbestimmen.