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Als ehemaliger CEO und heutiger Präsident des Verwaltungsrats von Nestlé hatte Peter Brabeck-Letmathe immer schon enge Beziehungen zum Kanton Freiburg. Der Weltkonzern mit Sitz in Vevey hat Produktionsstätten im Kanton Freiburg, und auch für die neue Nespresso-Fabrik wurde Nestlé in Freiburg fündig.
Beim Auftritt des Wirtschaftsführers gestern vor der versammelten Freiburger Handels- und Industriekammer im Forum Freiburg trat aber ein anderer Brabeck auf, als man es sich gewohnt ist. Es war nicht der dynamische Manager, als der er Nestlé in immer höhere Sphären führte. Es war ein fast andächtiger Auftritt, in dem Brabeck mit einer angegriffenen Stimme und ruhigen Gesten über etwas referierte, das er als «Menschenrecht» bezeichnete: Wasser.
Der Nahrungsmittelkonzern hatte nicht zuletzt durch einen Dokumentarfilm über den Profit mit Trinkwasser einen beträchtlichen Imageschaden erlitten. Brabeck sprach dies an, zeigte aber auf, wie wenig dieser Geschäftsbereich mit dem Mangel an Wasser zu tun hat. «Wasser in Trinkflaschen macht nur 0,0009 Prozent des weltweiten Wasserkonsums aus», sagte er. Nestlé wende heute 1,5 Liter Wasser für einen Dollar Umsatz auf, früher waren es 4,5 Liter.
Übernutzung wird akut
Weltweit würden 13 Prozent des Wassers in Haushalten verbraucht, 18 Prozent in der Industrie und 69 Prozent in der Landwirtschaft. «Es braucht einen Liter Wasser, um eine Kalorie Pflanzennahrung zu produzieren und zehn Liter Wasser für eine Kalorie Fleisch.»
Wie Brabeck sagte, seien heute 4200 Kubikmeter Wasser für jeden Menschen verfügbar, der Verbrauch betrage aber 4500 Kubikmeter pro Person. Schätzungen für 2030 deuten auf einen Verbrauch von 6900 Litern pro Person hin.
Als Nestlé vor acht Jahren das 140-Jahr-Jubiläum feierte, kam ihm die Erkenntnis, dass sein Unternehmen vor allem Wasser braucht, um weitere 140 Jahre zu existieren. Er begann, sich über das Wasser zu informieren, und trat am WEF vor etwa zehn Personen zu diesem Thema auf. Daraus entwickelte sich die Water Ressource Group, die heute der Weltbank angeschlossen ist. Als Botschafter für das Wasser fordert Brabeck nun die UNO auf, Ziele zum Schutz des Wassers zu formulieren: Trinkwasserzugang für alle bis 2025, Toiletten für alle bis 2050, flächendeckende Abwasserreinigung bis 2030 und Umkehr der Übernutzung bis 2030.
«Es ist ein globales Problem, für das es aber nur lokale Lösungen gibt», so der Nestlé-Präsident. Dabei seien insbesondere die Regierungen gefordert: 97 Prozent des Wassers seien in öffentlichem Besitz.
Generalversammlung : Die erhoffte Botschaft des Finanzdirektors blieb aus
V or einem Jahr hatte sich die Handels- und Industriekammer Freiburg (HIKF) neue Statuten gegeben. Dies erlaubte es der Organisation, den Verwaltungsrat umzustrukturieren und einen strategischen Rat einzusetzen, blickte HIKF-Präsident René Jenny an der gestrigen Generalversammlung im Forum Freiburg zurück. Dieser Rat hat im abgelaufenen Jahr drei Arbeitsgruppen eingesetzt, je eine für die Bereiche Steuern, Bodenpolitik und Innovation.
Jenny blickte auf ein Jahr zurück, in dem sich die Freiburger Wirtschaft gut hielt (siehe FN von gestern), bei dem es aber auch Schatten gegeben habe: das internationale Umfeld und den Mangel an Fachkräften, der sich nach der Abstimmung vom 9. Februar noch verstärke. Auf das Freiburger Umfeld bezogen, bildeten die Demografie und die Unternehmenssteuern zwei Schatten, so Jenny.
Etwas mehr Licht auf die Zukunft der Unternehmenssteuern sollte der Freiburger Finanzdirektor Georges Godel werfen. Er benutzt die Anwesenheit eines Grossteils der Freiburger Wirtschaftsführer, um über den aktuellen Stand der Dinge zu informieren. Godel sagte, dass der Kanton Freiburg mehrere Szenarien für die Unternehmenssteuerreform III bereithalte (FN vom 24.7.). Freiburg habe aber im Gegensatz zu anderen Kantonen keine voreiligen Schritte unternehmen wollen. Erst wolle der Staatsrat wissen, wie der Bund allfällige Steuerausfälle kompensiert und ob eine Art Lizenzbox zur Steuererleichterung von Patenterträgen möglich sei. Die Antwort vom Bund erwartet Godel nächste Woche.
Zur Enttäuschung der Unternehmer gab Godel keinen neuen Unternehmenssteuersatz für Freiburg bekannt. Er sagte lediglich, dass dieser unter 15 Prozent liegen werde. Die definitive Bekanntgabe erfolge erst nach der Finanzdirektorenkonferenz vom 12. Dezember, so Godel. uh