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Chicago – The Windy City am Michigansee bietet jede Menge kulturelle Highlights
Chicago, die heute drittgrösste Stadt der Vereinigten Staaten, ist weltberühmt für seine stilbildende moderne Architektur. Neben den vielen Wolkenkratzern – die übrigens in Chicago erfunden wurden – gibt es in der Stadt eine aufregende Kultur- und Musikszene, mehrere Universitäten und erfolgreiche und traditionsreiche Teams der typisch amerikanischen Sportarten Baseball, Basketball und natürlich American Football.
Zweifelhaften Ruhm erreichte der Gangsterboss Al Capone, der während der Prohibition in den 1920er-Jahren illegalen Alkoholhandel in Chicago betrieb und einen blutigen Bandenkrieg anzettelte.
Architektonische Höhepunkte Chicagos
Zu den vielen architektonischen Highlights gehört auf jeden Fall der Willis Tower (bis 2009 Sears Tower), der nach seiner Eröffnung im Jahr 1974 über 30 Jahre lang das höchste Gebäude der Welt war. In 412 Metern Höhe befindet sich eine Aussichtsplattform mit gläsernen Balkonen, durch deren Glasböden man bis auf die Strasse blicken kann – jedenfalls sofern man einigermassen schwindelfrei ist. Von dem „nur“ 343 Meter hohen Freiluft-Aussichtsdeck des John Hancock Centers hat man einen fantastischen Panoramablick über die Michigan Avenue in Chicagos City und den angrenzenden Michigansee.
Unbedingt ansehen sollte man sich auch das Reliance Building von 1895, einen Vorläufer moderner Wolkenkratzer in Stahlskelettkonstruktion, erbaut im Architekturstil der sogenannten Chicago-Schule. Die Harold Washington Library ist das grösste öffentliche Bibliotheksgebäude der Welt und wurde nach dem ersten farbigen Bürgermeister Chicagos benannt. Das imposante Backsteingebäude mit riesigen Skulpturen an den Ecken des Kupferdaches wurde im Stil der postmodernen Architektur gebaut und 1991 eröffnet.
Als „Magnificent Mile“ bezeichnet man die elegante Einkaufsmeile in der Michigan Avenue, die nördlich des Chicago Rivers gelegen ist. Die breite Avenue wird von einer interessanten Mischung aus modernen Wolkenkratzern und historischen Gebäuden mit zahlreichen exklusiven Geschäften gesäumt. In dieser Strasse befindet sich auch das Wrigley Building – die Zentrale des bekannten Kaugummiproduzenten mit seinem prägnanten Uhrenturm.
Besonders auffällig ist der Water Tower aus dem Jahr 1869, ein Sandsteinturm im neugotischen Stil, mit vielen Zinnen und kleinen Türmen errichtet, der trotz oder vielleicht auch gerade wegen seines etwas kitschigen Erscheinungsbildes zu einem Wahrzeichen Chicagos geworden ist. Es ist eines der ältesten erhaltenen Gebäude der Stadt, die 1871 durch einen Brand fast vollständig zerstört wurde.
Bedeutende Kunstsammlungen und Museen
Das Art Institut of Chicago liegt unmittelbar am Millenium Park und beherbergt wertvolle Werke aus insgesamt 5000 Jahren Kunstgeschichte. Zu den bekanntesten moderneren amerikanischen Kunstwerken des Art Institute zählen das Gemälde „Nighthawks“ von Edward Hopper sowie Grant Woods „American Gothic“, das einen Farmer mit Mistgabel neben seiner Tochter in einer eindrucksvollen Porträtdarstellung zeigt. Aber auch Werke der europäischen Kunst, wie etwa von Monet, Picasso, Rembrandt und van Gogh, sind hier zu bewundern.
Das Museum of Science und Industry präsentiert technische und wissenschaftliche Errungenschaften mit einem Schwerpunkt im 20. Jahrhundert. So ist hier die Raumkapsel Apollo 8 zu sehen, die eine wichtige Rolle bei den Mond-Missionen der NASA Ende der 1960er-Jahre gespielt hat. Ein besonders eindrucksvolles Exponat ist der stromlinienförmige Eisenbahnzug „Silver Streak“ von 1930, der damalsTemporekorde brach und zu einem Meilenstein des modernen Industriedesigns wurde.
Jeder Stadtteil hat seinen einzigartigen Charakter
Der Stadtkern von Chicago heisst auch „Loop“; benannt ist der Innenstadtbereich nach der Hochbahntrasse, die sich in einer nahezu rechteckigen Schienenführung um die Häuserblocks im Zentrum windet. Die Räder der Züge verursachen in den engen Kurven das charakteristische Kreischen. Eine Fahrt um den Loop in Chicagos Innenstadt entlang der imposanten Gebäude ist eine ganz besondere Sightseeing-Tour, die man keinesfalls versäumen sollte. Ein Tipp für diejenigen, die sich nicht sattsehen können: Man kann auch mehrfach nacheinander im Kreis fahren – auf jeder Runde gibt es immer wieder etwas Neues zu entdecken.
Nördlich des Stadtzentrums befindet sich in einer ehemaligen Arbeitergegend das Szeneviertel Wicker Park. Hier gibt es Boutiquen mit ausgefallenen Klamotten, Galerien und Studios junger Künstler, gemütliche Cafés, trendige Bars und preiswerte Restaurants mit einem überwiegend jüngeren Publikum. Dieses angesagte Viertel ist gut mit der blauen Linie der Hochbahn zu erreichen, mit der man am besten bis zur Haltestelle „Damen“ fährt.
Ein ausgesprochen bunter und multikultureller Stadtteil ist Pilsen. Früher wurde dieses Gebiet überwiegend von osteuropäischen Einwanderern und vor allem von Tschechen bewohnt, die ihr Quartier nach der tschechischen Stadt benannt haben. Heute ist der Stadtteil von lateinamerikanischen Immigranten geprägt, in der Mehrheit von mexikanischen Einwanderern. Die angebotenen kulinarischen Spezialitäten Mexikos, aber auch das hier gelegene Mexican Fine Arts Center Museum mit der grössten mexikanischen Kunstsammlung in den USA machen den Besuch in Pilsen zu einem echten Erlebnis.
Chicagos besondere Lage eröffnet ungeahnte Perspektiven
Trotz aller kultureller und architektonischer Highlights – ohne den riesigen Lake Michigan, der fast wie ein Meer wirkt, wäre Chicago wohl nur halb so schön. Einen besonders weiten Blick über den See hat man vom Navy Pier. 1916 erbaut, beherbergt er heute ein Erholungs- und Erlebniszentrum mit einem Vergnügungspark und zahlreichen Läden und Restaurants.
Ausgesprochen eindrucksvoll ist eine Bootstour auf dem Chicago River. Vom Boot aus hat man einen unvergleichlichen Blick auf die vielen interessanten Gebäude entlang der Wasserläufe. Empfehlenswert ist es, eine Tour zu wählen, die auch kurz hinaus auf den Michigansee führt, denn dort geniesst man vom Schiff aus ein wundervolles Panorama der gesamten Skyline Chicagos.
Im Reisegepäck sollte warme Kleidung nicht fehlen, denn Chicago wird nicht umsonst „Windy City“ genannt. Über den Michigansee weht das ganze Jahr hindurch ein kühler Wind in die Stadt und in den Wintermonaten werden hier häufig sogar Minusgrade in zweistelliger Höhe gemessen. Chicago ist nicht in wenigen Tagen zu erkunden, dazu gibt es hier einfach zu viele Sehenswürdigkeiten. Wer aber einmal in dieser wunderschönen und liebenswerten Stadt war, möchte meist gerne wiederkommen.
Oberstes Bild: Buckingham Fountain in Chicago (Bild: Fascinating Universe, Wikimedia, CC)