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Die Bittermelone (= Bittergurke, Momordica charantia) stammt aus China und Indien und zählt zu den Kürbisgewächsen (Cucurbitaceae). Hauptsächlich in Indien wird sie als Gemüse genutzt, oft in gebratener Form, da so der bittere Geschmack vermindert werden kann. Neben der Nutzung als Lebensmittel wird die Bittermelone in der Volksmedizin seit langem bei verschiedenen Indikationen verwendet: sie soll gegen Verstopfung, Magenbeschwerden, Leberbeschwerden und virale Infekte wirken. Ein Presssaft aus den Blättern wird äusserlich gegen Insektenstiche, Sonnenbrand und kleinere Wunden eingesetzt. Im Amazonasgebiet wird ein Tee aus den Blättern der Bittermelone gegen Diabetes zur Anwendung.
Neuerdings werden auch in Europa Bittermelonen-Präparate als Alternative und Ergänzung zur herkömmlichen antidiabetischen Behandlung propagiert. Wissenschaftliche Untersuchungen schreiben die blutzuckersenkende Wirkung dem Phytosterolin Charantin zu, einem Gemisch aus zwei Glycosiden. In vier kleineren, nicht-randomisierten und nicht-doppelblinden Studien zeigte die Bittermelone eine moderate hypoglykämische Wirkung, sie senkte also den Blutzuckerspiegel. In vitro – also im Reaganzglas – wurden auch antivirale und antineoplastische Wirkungen nachgewiesen.
Als unerwünschte Wirkungen werden beschrieben: hypoglykämisches Koma, Konvulsionen und Kopfschmerzen. Die chronische Anwendung eines Fruchtextraktes war bei diabetischen Ratten tödlich, bei Mäusen führte ein Extrakt zu Fertilitätsstörungen.
Literatur:
_Schrott; Heilpflanzen der ayurvedischen und der westlichen Medizin; Springer Verlag 2012; p401
_Hanssen et al.; Biogene Nahrungsergänzungsmittel; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart 2008; p47
Quelle:
http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=2008&NMID=2008&LANGID=2
Kommentar & Ergänzung:
Die Bittermelone / Bittergurke kommt immer wieder ins Gespräch als Heilpflanze gegen Diabetes und es wäre sehr wünschenswert, wenn sich hier eine wirksame Option für die Phytotherapie bei Diabetes ergeben würde. Davon ist die Bittermelone aber noch weit entfernt.
Wenn eine Patientenstudie klein, nicht-randomisiert und nicht doppelblind ist, dann ist sie kaum etwas wert. Auch wenn es vier Studien auf diesem tiefen Qualitätsniveau gibt: daraus lassen sich keine verlässlichen Aussagen über die Wirksamkeit gewinnen.
Und in-vitro Untersuchungen sagen noch sehr wenig aus über eine Wirkung beim Menschen.
Siehe auch:
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch