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Eine zu früh abgebrochene Behandlung, Pillen, die nur alle zwei Tage eingenommen werden… Zahlreiche Patienten beachten die Verordnungen ihrer Ärzte nicht und gefährden damit ihre Gesundheit. Was sind die Risiken und wie kann man dieses Problem des öffentlichen Gesundheitswesens lösen?
Die Lebenserwartung der Bevölkerung steigt seit dem Kriegsende, insbesondere dank des Rückgangs gewisser Krankheiten. Fortschritte bei der Hygiene und besonders bei Medikamenten haben logischerweise ihren Anteil an dieser Entwicklung. Eine Behandlung ist aber nur dann wirksam, wenn sie korrekt angewendet wird, was augenscheinlich nicht immer selbstverständlich ist.
Was bedeutet Compliance?
Compliance bzw. Therapietreue bedeutet, dass die Patienten sich an die Verordnungen bezüglich einer Kur oder einer Behandlung halten. Diese Therapietreue stützt sich auf die Adhärenz, also die Akzeptanz dieser Behandlung durch den Patienten.
Im Alltag gibt es viele Fehlerquellen für Patienten, denen eine Behandlung verschrieben wurde: Dosierung, Häufigkeit der Einnahme, Zeitplan oder auch damit verbundene Regeln für die Hygiene oder Ernährung. Bei chronischen Krankheiten (Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen, Diabetes etc.) gibt es besonders viele Fehler bei der Anwendung der Behandlung… mit gravierenden Konsequenzen.
Zahlreiche Risiken
Das wichtigste Risiko sind natürlich verlorene Chancen des Patienten. Der falsche Gebrauch von Medikamenten kann zum Beispiel einen Bluthochdruckpatienten einem erhöhten Schlaganfallrisiko und einen Epileptiker einem höheren Anfallsrisiko aussetzen, nach einer Transplantation kann es eine höhere Wahrscheinlichkeit geben, dass das Organ abgestossen wird etc.
Bei den Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat eine in Frankreich durchgeführte Meta-Analyse von 21 Studien gezeigt, dass eine gute Compliance zu einem Rückgang der Sterblichkeit von 50% führte. Hingegen erhöhte ein übermässiger Gebrauch der Medikamente die Wahrscheinlichkeit unerwünschter Effekte deutlich.
Der grössere Rahmen
Es gibt ausserdem epidemiologische Konsequenzen des falschen Gebrauchs von Medikamenten. Bei Antibiotika beobachtet man tatsächlich eine Ausbreitung resistenter Bakterienstämme. Ein Mangel an Impfungen könnte vergleichbare Auswirkungen bei dem Aufkommen mutierter Viren hervorrufen.
Letztlich sind auch die wirtschaftlichen Konsequenzen eines falschen Gebrauchs von Medikamenten nicht vernachlässigbar, wenn man die direkten Kosten (Verschwendung), aber auch die indirekten Kosten wie die Verschlimmerung von Krankheiten und mögliche Krankenhausaufenthalte etc. berücksichtigt.
Mögliche Verbesserungen
Kann man die Therapietreue fördern? Kann man dafür sorgen, dass Kranke die Verordnungen stärker beachten? Verbesserungen sind möglich und stützen sich hauptsächlich auf die therapeutische Unterweisung der Patienten. Ein gutes Verständnis der Behandlung sowie einfache und gut verträgliche Einnahmeregeln stärken die Therapietreue unweigerlich.
Man sollte nie davor zurückschrecken, Apotheker nach genaueren Angaben oder Ratschlägen zu fragen, diese können oft Anwendungspläne und Dosierhilfen anbieten, mit denen man in Ruhe die einzunehmenden Medikamente vorbereiten kann.
Verweis : „Améliorer l’observance médicamenteuse„, Rev. Med. Suisse 2004; volume 0. 23788