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Erschöpfungszustände und ein ratternder Kopf sind keine Phänomene des 21. Jahrhunderts. Früher kannte man dafür unter anderem die Begriffe Melancholie und Neurasthenie. 1974 verwendete Herbert Freudenberger erstmals den Terminus Burnout. Der Psychologe verstand darunter den «Zustand erschöpfter physischer und mentaler Ressourcen».
Die Diagnosestellung ist komplex, da viele Symptome auch Teil anderer Krankheiten sind. Im weltweit anerkannten Klassifikationssystem der Weltgesundheitsorganisation WHO fällt Burnout unter die Ziffer ICD-10 Z.73: «Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung». Der Diagnoseschlüssel inkludiert ebenso «Körperliche oder psychische Belastung» und «Mangel an Entspannung oder Freizeit».
Aufgrund der komplexen Definition des Krankheitsbildes ist es schwierig, verlässliche Aussagen zur Burnout-Häufigkeit zu machen. Doch es zeigt sich, dass Erschöpfungszustände zunehmen. In Deutschland etwa erhielten 2009 rund 621’000 Patienten eine Diagnose, die unter den ICD-10 Z.73 fielen, 2017 waren es schon knapp eine Million.
In der Studie «Stress bei Schweizer Erwerbstätigen» des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO gaben 25% der Schweizer Erwerbsbevölkerung an, sich bei der Arbeit emotional verbraucht zu fühlen. Stress gilt als Burnout-Treiber. Dauerhafte Überbelastung, beispielsweise aufgrund von Termindruck, kann zum totalen Shutdown führen.
Gemäss SECO verursacht Stress jährlich Kosten in der Höhe von 4.2 Milliarden Franken, davon entfallen 2.4 Milliarden auf Fehlzeiten und Produktionsausfall. Laut des Reports «Health at a Glance: Europe 2018» der OECD ziehen psychische Erkrankungen in der EU jährlich Kosten in der Höhe von 600 Milliarden Euro nach sich.
Ein neueres Phänomen ist das Burnout bei Millennials und jüngeren Generationen. Bei einer Umfrage des amerikanischen Markt- und Meinungsforschungsinstituts Gallup gaben 28% der erwerbstätigen Millennials an, sich regelmässig oder konstant ausgebrannt zu fühlen.
Das Magazin Harvard Business Review geht davon aus, dass Burnout-betroffene Arbeitnehmer in den USA jährliche Kosten in der Höhe von 125 bis 190 Milliarden US-Dollar verursachen. Die Kosten werden wohl zunehmen, da Millennials bis 2025 über 70% der erwerbstätigen Bevölkerung ausmachen.
Über die Gründe für die Burnout-Gefährdung junger Arbeitnehmerinnen und -nehmer wird aktuell besonders viel spekuliert. Auslöser ist der Essay «Wie Millennials zur Burnout-Generation wurden» von Anne Helen Petersen, der im Januar auf Buzzfeed erschienen ist. Die Autorin vermutet, dass auch die Tendenz der Selbstoptimierung ein Stressor sein könnte, da wir selbst unsere Freizeit vermeintlich ideal organisieren und nutzen müssen.
In eine ähnliche Richtung gehen die Forschungsergebnisse von Thomas Curran und Andrew P. Hill. Die beiden Briten veröffentlichten 2017 eine Studie, die belegte, dass Millennials perfektionistischer sind als vorgängige Generationen. Ein überhöhter Anspruch an sich selber wiederum kann zum Stressfaktor werden und damit Nährboden für ein Burnout sein. Für Freudenberg galt «extremes Leistungsstreben, um besonders hohe Erwartungen erfüllen zu können» als Teil des Burnout-Verlaufs.