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Tirano FAV / FS
Tirano ist nicht nur Endstation der Berninabahn, sondern auch der Ferrovie Alta Valtellina, die später durch die FS übernommen wurde.
Die FAV (Ferrovia Alta Valtellina) wurde 1902 gegründet und die Bahn führte von Sondrio, dem Hauptort des Veltlins, nach Tirano. 1932 wurde die Strecke mit Drehstrom elekrifiziert. 1970 wurde die Strecke von der italienischen Staatsbahn übernommen und später mit 3kV Gleichstrom elektrifiziert.
Weitgehend unbekannt ist die Tatsache, dass der Bahnhof Tirano auch Ausgangspunkt einer Trolleybus-Güterlinie war, welche von der Elektrizitätsgesellschaft AEM (Azienda Elettrica Municipale) aus Milano für den Kraftwerkbau betrieben wurde. Die Streckenlänge betrug zeitweise über 60 Kilometer.
Schon vorher gab es bereits eine Trolleybus-Güterlinie der Italienischen Armee, die in extrem kurzer Zeit im Jahr 1918 gebaut wurde um die italienische Front in den Alpen zu versorgen - bei Fertigstellung war der Krieg allerdings vorbei. Über dieses interessante und einmalige Thema folgt mehr zu einem späteren Zeitpunkt.
Tirano: Fotoreportage vom 15. August 1947
In meiner Sammlung befindet sich ein Dutzend kleinformatige Schwarzweiss-Fotos einer unbekannten Person, welche an diesem Tag ein paar Stunden den Bahnhof Tirano erkundet hat. Die Person war nicht allein, denn zu dieser Sammlung gehört auch ein Bild, das anders beschriftet und auf anderem Papier entwickelt wurde.
Insgesamt eine interessante Ausbeute: Fahrzeuge von der Berninabahn, der FAV, der FS und der AEM...
Der Fotograf hat gerade noch einen ausfahrenden Berninazug erwischt.
Im Vordergrund ist die Drehstrom-Fahrleitung der FAV gut zu erkennen mit zwei "Luftweichen"
Die Komposition bestehet aus einem der zu diesem Zeitpunkt schon grün/crème lackierten BCe 4/4 31, 32, 33, 34 mit einem von sechs noch gelben BC. Links ist noch ein Hochbordwagen zu sehen.
Im Vordergrund die komplizierten "Luftweichen" der FAV-Drehstrom-Fahrleitung.
Stimmungsbild am Gleis 2. Der Lokführer blickt kritisch auf den Fotografen. Gut erkennbar sind die Drehstrom-Bügel der E550 097
Hier dieselbe Lok von der Seite. Gut erkennbar ist der Stangenantrieb auf fünf Achsen (soviele für so wenig Lok...) und die beiden Stromabnehmer, wie wir sie auch von den Loks der frühen Simplonbahn kennen.
Hier die Lok 440.3 mit den drei Wagen MR13, T25 und T27 - so stehts in sorgfältiger Handschrift auf der Rückseite der kleinen Foto.
Endstation! Die 440.1 hat soeben einen Güterzug aus Sondrio in den Bahnhof gezogen. Sie wird nun abgekuppelt und nach einer Pause wird sie noch andere Dienste leisten.
Mit diesem Loktyp begann das elektrische Zeitalter der FAV, als sie 1932 den Drehstrombetrieb aufnahm.
Hier die Seitenansicht des Vierkupplers. Interessant ist auch die asymetrische Form des Lokkastens.
Hier macht sich die Lok 440.2 bereit für die Rückfahrt nach Sondrio. Es gibt noch einen kleinen Schwatz.
Hier ist noch eine Dampflok der FAV abgestellt, die Nummer 6 mit dem Namen "Valtellina". Der Fotograf hat auf der Rückseite des Fotos notiert: "Henschel 20 345.1924" vermutlich die Produktionsnummer und das Jahr.
Hier der dreiachsige Trolley-LKW Nr. 7 der sogenannten "Filovia" an der Verladerampe im Bahnhof Tirano. Er ist mit Zementtransportbehältern beladen und wird bald die lange Fahrt zur Staumauer-Baustelle unter die Räder nehmen.
Die Strecke führte von Tirano über Bormio nach Boscopiano und war 66 km lang! Unterwegs gab es noch eine Abzweigung nach dem 12 km entfernten Digapoli.
Mehr über diese Gütertransportachse für den Staudamm-Bau und die Fahrzeuge zu einem späteren Zeitpunkt. Wer jetzt schon mehr wissen möchte, findet bei Wikipedia unter dem Stichwort "filovia" mehr (in italienisch).