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Ausgerechnet vor dem Playoff-Final hat der sonst untadelige Einzelrichter Reto Steinmann einen Fehler gemacht. Der SCB rekurriert richtigerweise gegen die Sperre von Tristan Scherwey.
Um nicht etwa den Verdacht billiger Polemik aufkommen zu lassen, sei als Einleitung ein Dialog aus einem Theaterstück des weltberühmten englischen Dramatikers William Shakespeare wiedergegeben.
God save your majesty!
I thank you, good people—there shall be no money; all shall eat and drink on my score, and I will apparel them all in one livery, that they may agree like brothers, and worship me their lord.
The first thing we do, let's kill all the lawyers.
Nay, that I mean to do.
Schwarzer Humor ist eine Besonderheit der Briten. Diese kurze Phrase «First thing we do, let’s kill all the lawyers» («Lasst uns zuerst die Anwälte umbringen») erfreut sich im englischsprachigen Raum grosser Beliebtheit und wird gelegentlich mit «but we might have to start with the judges» («aber wir sollten mit den Richtern beginnen») ergänzt.
Nicht nur im Eishockey gibt es also eine Ablehnung gegen Juristen und Richter. Im Eishockey hat der Zorn gegen die Gerichtsbarkeit einen guten Grund: Wenn das Volk den Eindruck bekommt, dass die Juristen den Ausgang eines Wettbewerbes beeinflussen, dann murrt es.
Unser Eishockey hat die am besten funktionierende Gerichtsbarkeit in Europa. Alle Ligen beneiden uns um die schnelle und kompetente Aburteilung von Missetätern. Aber Einzelrichter Reto Steinmann und Chefankläger Stéphane Auger stehen auf dünnem Eis. Vor allem in Zeiten der Playoffs.
Unsere Gerichtsbarkeit, basierend auf TV-Beweisen, macht das Eishockey, einen Sport, der den Körperangriff im Rahmen seiner Reglemente erlaubt, sicherer. Die konsequente Bestrafung von Angriffen (Checks) gegen den Kopf ist von zentraler Bedeutung.
Jedes Urteil von Einzelrichter Reto Steinmann löst Emotionen aus. In Zeiten der Playoffs erst recht. Das liegt in der Natur der Sache. Und Reto Steinmann hat über die Jahre seine Arbeit sehr gut gemacht und sich nie von Emotionen beeinflussen lassen. Wenn je ein Funktionär seinen Job nach bestem Wissen und Gewissen gemacht hat – dann er. Seine Urteile, die er in der Regel auf Antrag von Chefankläger Stephane Auger fällt, sind gut begründet. Sie haben Hand und Fuss.
Aber es gibt eine feine Linie, die nun Reto Steinmann unbeabsichtigt und im Sinne der Sache überschritten hat. Die Spieler sollen den Titelkampf unter Aufsicht der Schiedsrichter entscheiden. Ein Playoff-Finale ist denkbar ungeeignet, um mit gut gemeinten «Erziehungsurteilen» das Hockey besser zu machen.
Die Sperre gegen Justin Krueger ist berechtigt. Ein Check gegen den Kopf ist immer illegal. Auch dann, wenn er zufälligerweise oder unbeabsichtigt erfolgt. Deshalb rekurriert der SCB gegen diese Sperre nicht.
Die Sperre gegen Tristan Scherwey ist hingegen nicht gerechtfertigt, weil er den üblichen Rahmen von Checks in einem Playoffspiel nicht sprengt und es keinen Angriff auf den Kopf ist. Die Begründung («Scherwey könnte den Puck spielen und den Körperkontakt vermeiden») mag juristisch korrekt sein – in der Hockey-Praxis ist sie gerade absurd, ja hanebüchen.
Denn ein Spieler hat in jedem Zweikampf diese Option. Absurd ist auch, dass dieses Vergehen (das eigentlich keines ist) gleich streng bestraft wird (eine Spielsperre) wie der Check von Justin Krueger gegen den Kopf von Marcus Paulsson. Richtigerweise rekurriert der SCB gegen die Sperre von Tristan Scherwey.
Mit diesem strengen Urteil im «Fall Scherwey» hat sich Reto Steinmann keinen Gefallen getan. Es ist nicht möglich, künftig jeden ähnlichen Check im Laufe dieses Finals zu bestrafen. Das würde zu einer vollständigen «Verjuristerei» führen, dem Eishockey schaden und den Volkszorn unnötig erhitzen. Wie wir es drehen und wenden: Wir haben es hier mit einem krassen Fehlurteil zu tun. Es sind wohl solche Urteile (im richtigen Leben, nicht im Eishockey), die William Shakespeare zum eingangs erwähnten Dialog inspiriert haben.
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