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An Weihnachten gab er jeweils den Weihnachtsmann und gegen Ende des Essens, als wir Kinder langsam unruhig wurden und aus dem Fenster in die verschneite Landschaft spähten, erhob er sich unauffällig vom Tisch – und kurz darauf klopfte der Weihnachtsmann an die Tür. Nachdem die Geschenke verteilt waren und der Weihnachtsmann einen Cognac bekommen hatte, fragte er mich jeweils: Wo ist denn dieser nette Kerl, dein Onkel?
Er war es auch, der mir den besten Ratschlag meines Lebens gab. Ich war 14 oder 15, als er mir in etwa sagte: Wenn du nicht weisst, was du mit deinem Leben anfangen sollst, ist es ein Fehler, zunächst zu entscheiden, was du tun möchtest, und dann an einen Ort zu ziehen, wo du das tun kannst. Wähle stattdessen einen Ort, der dich interessiert, und gehe dorthin. Deine Karriere wird sich schon irgendwie entwickeln, der Ort nicht.
Der Vorschlag wirkt etwas kontraintuitiv. Sollte man nicht lieber erst mal das finden, was man wirklich will und dann einen Ort suchen, an dem man diesen Job ausüben kann? Was nützt die beste Stadt der Welt, wenn man dort nichts zu tun hat?
Ich erinnere mich nicht daran, ob ich meinen Onkel mit diesen Fragen konfrontiert habe, ich weiss nur noch, dass ich seinen Rat kurz darauf radikal umsetzte. In den nächsten zwanzig Jahren wohnte ich in zehn verschiedenen Städten in sechs verschiedenen Ländern. Zuhause überall und nirgends.
Wenn Ihr Kind sich also nach der Schule oder der Lehre entscheiden muss, weil es schon immer mal in Genf leben wollte, aber die Aussicht auf einen guten Job in seiner Heimatstadt hat, in der es sich aber unwohl fühlt – dann sollte es laut meinem Onkel nach Genf ziehen. Ohne Job. Ihr Kind wird das Problem lösen, wenn es die Energie spürt, die der neue Ort ihm schenken wird.
Ich möchte dem Ratschlag meines Onkels noch meinen eigenen hinzufügen: Wenn du doch in einer miesen Stadt gelandet bist, mach was draus. Denn es gilt immer: Die Party bist du selbst.
Was ist der beste Ratschlag, den Sie je erhalten haben?
Über den Autor Mikael Krogerus
Weitere Weisheiten von Mikael Krogerus:
- War das mit dem Kinderkriegen eigentlich eine gute Idee? Eine vorläufige Bilanz von Vater Mikael Krogerus.
- Was wirklich wichtig ist, hat der Autor schon im Kindergarten gelernt. Heute schickt er nachträglich ein Dankeschön an seine Kindergärtnerin Frau Wolff.