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Der in Peking geborene Guan Hu zählt in seiner Heimat zu den renommierteren Filmemachern. Beinahe jede chinesische Film-Auszeichnung von Bedeutung hat der 52-Jährige schon gewonnen. Für den Rest war er, gefühlt, mindestens einmal nominiert.
Ob er sich zu Beginn des letzten Jahres ernsthafte Chancen ausgemalt hat, dass sein Kriegsfilm «The 800» die internationalen Kino-Charts auf Platz eins beenden könnte, darf bezweifelt werden.
Das liegt selbstverständlich auch daran, dass in China die Kinos länger geöffnet waren als anderswo auf der Welt (sprich den USA). Zudem wurden die Veröffentlichungstermine beinahe sämtlicher Hollywood-Blockbuster Stück für Stück aus dem Kalenderjahr geschoben.
470 Millionen US-Dollar eingespielt
Die Tatsache, dass die gut 470 Millionen US-Dollar, die «The 800» eingespielt hat, letztmals im Jahr 1995 für die Spitze gereicht hätten, sollte man hingegen nicht belächeln. Sind dies doch immerhin fast 110 Millionen mehr, als Christopher Nolans «Tenet» erwirtschaften konnte.
Virtuos wie Nolans «Dunkirk»
Nolan ist kein schlechter Anhaltspunkt, wenn man «The 800» in den Kontext westlicher Blockbuster einordnen will.
Ähnlich wie der britisch-amerikanische Filmemacher dies 2017 mit «Dunkirk» tat, inszeniert Guan Hu seinen Kriegsfilm in erster Linie als bildgewaltiges und ohrenbetäubendes Spektakel. Auch er macht dies virtuos.
Inhaltlich erzählt der Film die historisch verbürgte Geschichte der viertägigen Belagerung des Sihang-Lagerhauses in Shanghai im Herbst 1937. Eine Division der chinesischen Nationalrevolutionären Armee verteidigt dieses gegen die sich auf dem Vormarsch befindende Kaiserlich Japanische Armee.
Um die Moral der chinesischen Bevölkerung zu stärken, teilt der Befehlshaber Xie Jinyuan der Aussenwelt mit, dass seine Division 800 Soldaten zähle – anstelle der wahrheitsgetreuen Zahl von 452. Da Shanghai zu diesem Zeitpunkt von diversen Kolonialmächten in einzelne Konzessionen aufgeteilt ist, sehen sich die Japaner gezwungen, ihre Angriffe mit Vorsicht auszuführen.
Zweidimensionale Figuren
Was auf diese Ausgangslage folgt, ist ein spektakulär inszenierter Kriegsfilm im IMAX-Format, der in Sachen Produktionswert mühelos mit Nolans «Dunkirk» oder Sam Mendes’ «1917» mithalten kann.
«The 800» ist aber auch patriotische, um nicht zu sagen nationalistische, Propaganda im höchsten Masse. So sehr, dass Mel Gibsons «Braveheart» im Vergleich fast schon an eine JUSO-Kampagne erinnert.
Zweidimensionale Figuren sprechen davon, dass es die grösste Ehre überhaupt sei, für sein Vaterland zu sterben. Deserteure retten ihre Ehre, indem sie beim Versuch, eine chinesische Flagge zu verteidigen, ihr Leben lassen.
Patriotismus, Militarismus – Themen, die im chinesischen Blockbuster-Kino keine Seltenheit sind. Man findet sie beispielsweise in «Wolf Warrior 2», dem erfolgreichsten Film in China überhaupt. Er lässt die chinesische Marine hochleben. Oder auch im siebterfolgreichsten Spektakel wird die rote Fahne geschwungen. Er entstand zum 90. Geburtstag der Volksbefreiungsarmee.
In diese Art von Filmen reiht sich auch «The 800» ein. So lässt sich der erfolgreichste Kinofilm des vergangenen Jahres als packende Unterhaltung mit sehr fadem Beigeschmack zusammenfassen.