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Es ist eigentlich schon über eine Woche her. Am Abend ihres Sterbetags schlug ich ein Buch von Ilse Aichinger auf.
An «Zeitlicher Rat» blieb ich hängen, und dachte: kannst du immer noch unterschreiben. Es geht so: «Zum ersten / musst du glauben, / dass es Tag wird, / wenn die Sonne steigt. / Wenn du es aber nicht glaubst, / sage ja. / Zum zweiten / musst du glauben / und mit deinen Kräften, / dass es Nacht wird, / wenn der Mond aufgeht. / Wenn du es aber nicht glaubst, / sage ja / oder nicke willfährig mit dem Kopf, / das nehmen sie auch.»
Vor fünfzehn Jahren, zu ihrem achtzigsten Geburtstag, habe ich in einer Zeitung über die Dichterin geschrieben. Als mein Beitrag erschienen war, ergab sich der schriftliche Kontakt mit der Herausgeberin eines Buches, das ich in diesem Beitrag vorgestellt hatte. Ich klagte ihr, dass die böse Zeitung meinen schönen Text völlig verstümmelt habe. Die junge Dame, was blieb ihr übrig, bat höflich um das Original. Wenig später schrieb sie mir, dass Aichinger sicher der verstümmelten Fassung Vorrang vor der originalen geben würde, wenn man sie fragte. Die Herausgeberin und ich blieben ein wenig in Kontakt, dann trafen wir uns einmal, dann heirateten wir sogar. Zu unseren Gemeinsamkeiten gehört, dass es für uns beide nichts in deutscher Sprache gibt, was das schmale Werk der Dichterin übertrifft. «Das nehmen sie auch»: Wo sie jetzt wohl ist, die Dichterin Ilse Aichinger, die, ich übertreibe ja nicht, als Engel durch mein Leben ging.