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Der S. prägte und veränderte den Alpenraum im 20. Jh. stark. Einerseits schuf er eine neue wirtschaftl. Grundlage für weite Teile der Bevölkerung (Wintersport, Tourismus), andererseits trug er zur Urbanisierung und den entsprechenden Problemen wie Siedlungsdruck, Verkehrsaufkommen oder steigende Bodenpreise bei.
Spuren der ersten Skier reichen bis in die Steinzeit zurück, die ältesten Überreste wurden in den Moorböden Skandinaviens (Ski von Kalvträsk, Schweden, 3200 v.Chr.) gefunden. Die Geschichte des modernen S.s hat ihren Ursprung in der norweg. Provinz Telemark. Um 1800 brachten norweg. Studenten die traditionellen Bauernskier in die Hauptstadt Christiania (heute Oslo), von wo aus das vermeintlich neue Sportgerät seinen Siegeszug nach Mitteleuropa, Amerika und Australien antrat. Für deren Popularität sorgte auch der norweg. Polarforscher Fridtjof Nansen, als er 1888 Grönland auf Skiern durchquerte. Auch der Schweizer Skipionier Christoph Iselin aus Glarus liess sich von Nansens Abenteuerbericht anstecken. Um die Überlegenheit des norweg. Skis gegenüber dem einheim. Schneereifen aufzuzeigen, organisierte Iselin mit dem norweg. Ingenieur Olaf Kjelsberg im Jan. 1893 am Pragelpass ein Rennen. Die einheim. Schneereifen und Fassdauben, die Jäger, Förster und Bauern seit Jahrhunderten benutzt hatten, waren klar unterlegen.
Autorin/Autor: Reto Müller
In den 1890er Jahren verbreitete sich der S., der bis anhin v.a. in den europ. Mittelgebirgen betrieben worden war, auch im Alpenraum. Die neue Schuhbefestigung des Österreichers Mathias Zdarsky ermöglichte die Stemmschwungtechnik. Dies war ein Bruch mit dem traditionellen norweg. Telemarkstil und bedeutete die Geburtsstunde des heutigen alpinen Skilaufs. Um 1900 gründeten auch in der Schweiz Skisportler nach dem Vorbild der österr. und dt. Kollegen erste Skiclubs (1893 Glarus, 1900 Bern, 1901 Zürich). 1904 schlossen sich 15 Vereine, die bereits rund 700 Mitglieder vertraten, im Schweiz. Skiverband (SSV, heute Swiss-Ski) zusammen. Neben Skitouren organisierten die Clubs Kurse und Rennen. Norweg. Studenten wurden von den Vereinen als Skilehrer engagiert, allen voran Leif Berg und Thorleif Björnstad, die ihre Skitechnik im Auftrag des SSV in der ganzen Schweiz verbreiteten.
Die Frage der richtigen Skilauftechnik prägte die Entwicklung des Rennsports. Bei den ersten Skirennen in der Schweiz (1902 in Glarus und auf dem Gurten bei Bern) mass man sich - nach dem Vorbild der Wettkämpfe in Christiania - noch in einer Vielzahl von kombinierten Disziplinen. Das erste Rennen mit einer grossen Abfahrt und somit der Vorläufer des alpinen Rennsports war der 1911 vom Engländer Arnold Lunn initiierte Roberts-of-Kandahar-Challenge-Cup, eine Abfahrt von der Wildstrubelhütte nach Crans-Montana. In der 1921 am Lauberhorn durchgeführten engl. Meisterschaft wurde nur noch die Abfahrt ausgetragen. Die von Lunn ausgelöste sog. Kandahar-Revolution stiess bei den traditionellen Skiclubs auf wenig Gegenliebe. Im Gegensatz zu den nord. Disziplinen Langlauf und Skispringen, fehlten die alpinen Skidisziplinen an den ersten Olymp. Winterspielen 1924 in Chamonix, 1928 in St. Moritz und 1932 in Lake Placid. Auch bei der Gründung des Internat. Skiverbands 1924 in Chamonix war vorerst nur die norweg. Tradition des Skilaufens vertreten. Die neuen alpinen Disziplinen Slalom und Abfahrt wurden erst 1930 am Skikongress in Oslo anerkannt und 1936 an den olymp. Spielen in Garmisch-Partenkirchen eingeführt. Die ersten alpinen Skiweltmeisterschaften fanden 1931 in Mürren statt.
Autorin/Autor: Reto Müller
Während die Skipioniere im 19. Jh. noch auf Spott und Häme stiessen, entwickelte sich der S. im 20. Jh. rasch zu einer beliebten Winteraktivität. In den 1920er Jahren waren bereits über 100 Clubs mit rund 7'000 Mitgliedern im SSV organisiert (2010: ca. 820 Vereine und rund 100'000 Mitglieder). Um 1900 entdeckten auch die Tourismusorte in den Alpen das wirtschaftl. Potenzial des Wintersports, der den Kurorten neben dem Sommer eine zweite Saison ermöglichte. Bereits 1904 buhlten Stationen wie St. Moritz, Arosa, Davos, Engelberg, Grindelwald, Les Avants, Château d'Œx, Interlaken oder Zweisimmen um das neue Gästesegment. Aus der anfänglich grossen Zahl von skiproduzierenden Schreinereien (z.B. Richard Staub in Zürich, Josef Jakober in Glarus) entstanden auch einige grössere Skiproduzenten wie Authier, Schwendener, Attenhofer oder Stöckli. Nur Stöckli konnte im internat. Wettbewerb bestehen, wobei in Nischenmärkten (Tourenbindungen, Exklusivskis) weiterhin Schweizer Produzenten mitwirken.
Einen wichtigen Beitrag zur Verbreitung des S.s leistete die Armee. Zwar setzte diese im Gegensatz zu den Nachbarländern relativ spät auf den Ski als Fortbewegungsmittel, aber der Erfolg der Gotthardtruppen bei Skiveranstaltungen brach die anfängl. Skepsis im Eidg. Militärdepartement. Ab 1904 bot der SSV Kurse für das Militär an und mit dem Aufbau der Gebirgstruppen ab 1911 fand der Ski im 1. Weltkrieg definitiv Einzug in die Armee. Hier lernte eine breite Bevölkerungsschicht das Skifahren kennen, womit der Grundstein für die rasante Weiterentwicklung des S.s gelegt war. Während und nach dem 2. Weltkrieg bürgerten sich Skilagerwochen für Schulkinder und die Förderung des S.s durch den militär. Vorunterricht ein. Die Entwicklung hin zum Breitensport und zum Massentourismus begann jedoch erst mit dem Bau von techn. Aufstiegshilfen. Der erste Skilift wurde 1934 in Davos erstellt. Mit dem massiven Ausbau der Bergbahnen ab den 1950er Jahren wurde der S. in vielen Alpentälern zum wichtigsten Wirtschaftszweig. Die Schattenseiten dieser Entwicklung sind eine einseitige wirtschaftl. Abhängigkeit, grosse Eingriffe in das sensible alpine Ökosystem und eine veränderte Siedlungsstruktur (Verstädterung, Zweitwohnungsbau). Trotz immer schlechter werdenden klimat. Voraussetzungen vermag der S. nicht zuletzt dank Innovationen in den 1980er und 90er Jahre (Monoski, Skating-Langlaufski, Snowboard, Carving-Ski) immer noch Massen anzusprechen.
Autorin/Autor: Reto Müller