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Meyer-Burger-Verwaltungsratspräsident Remo Lütolf glaubt zudem, dass nach einer Zuwahl Kerekes' im obersten Führungs- und Aufsichtsgremium von Meyer Burger nicht mehr offen und konstruktiv gearbeitet werden könnte, wie er an einer Telefonkonferenz am Montag sagte. Hauptgrund für die ablehnende Haltung zu Kerekes' Kandidatur sind - neben den offenbar fehlenden Qualifikationen für den Posten - denn auch Interessenskonflikte.
Als Mitglied des Gremiums bekäme Kerekes Zugang zu intimen Informationen der Gesellschaft, was zu unlösbaren Interessenskonflikten führen würde, hiess es in der Medienmitteilung von Meyer Burger vom Montag. Gegenüber Medienvertretern sprach Lütolf insbesondere von derivativen Geschäften mit Meyer-Burger-Wertpapieren, die von Sentis respektive der Gesellschaft nahestehenden Personen getätigt worden seien.
Der Meyer-Burger-Verwaltungsrat verweist in der Begründung, weshalb kein Sentis-Mann in den Verwaltungsrat gewählt werden soll, im Weiteren auf das Aktienrecht: Mit der Zuwahl eines erklärten Interessensvertreters eines aktivistischen Aktionärs würde dieses verletzt, weil es vorsehe, dass jeder Verwaltungsrat sich allein für die Interessen des Unternehmens und nicht für Partikularinteressen einzusetzen habe.
Auf der Sanktionsliste
Zweifel gegenüber einer Zuwahl von Kerekes bestehen aber auch aus einem weiteren Grund: So gehört die Sentis-Gruppe, deren Co-Geschäftsführer Kerekes ist, dem russischen Investor Petr Kondrashev. Dieser steht gemäss Angaben von Meyer Burger auf der sogenannten Putin-Liste des US-Finanzministeriums. Diese Liste von russischen Regierungsmitgliedern und Oligarchen wurde nach den angeblichen russischen Manipulationen der US-Wahl und der Annexion der Krim von den US-Behörden zur Vorbereitung von Sanktionen erstellt.
Kerekes selbst steht laut Lütolf nicht auf der Liste, er werde jedoch dem "identifizierbaren Kandidatenkreis" jener zugeordnet, die darauf landen könnten. Aus Risikoabwägungen ist es gemäss des Meyer-Burger-Verwaltungsrats daher klüger, kein Vertreter von Sentis im Verwaltungsrat zu haben.
Meyer Burger hat bereits geraume Zeit mit aktivistischen Aktionären zu kämpfen. Sentis ist mit 8 Prozent Aktienanteil Meyer Burgers grösster Aktionär. Ihm haben sich weitere Aktionäre angeschlossen, die zusammen nach aktuell vorliegenden Informationen rund 11 Prozent des Meyer-Burger-Kapitals auf sich vereinen.
Sentis äusserte sich in den vergangenen Monaten mehrfach kritisch zur Strategie von Meyer Burger und forderte auch schon den Rücktritt von CEO Hans Brändle. An einer ausserordentlichen Generalversammlung will die Aktionärsgruppe um Sentis nun mit Mark Kerekes einen eigenen Vertreter in den Verwaltungsrat wählen lassen.
Ruf- und geschäftsschädigendes Verhalten
Wenn Kerekes an der ausserordentlichen Generalversammlung im Oktober gewählt würde, dann würde dies nach Angaben von Remo Lütolf die Umsetzung der neuen Strategie ernsthaft gefährden, zumal diese stark mit CEO Hans Brändle verknüpft sei. Lütolf meinte aber auch, dass es ohnehin ein unhaltbarer Zustand wäre, wenn ein Vertreter einer Gruppe im Verwaltungsrat Einsitz nähme, die sich wiederholt ruf- und geschäftsschädigend für die Firma verhalten habe.
Mit Sentis leben muss Meyer Burger aber auch, wenn Kerekes nicht gewählt würde. Man stehe mit dem grössten Aktionär Sentis regelmässig in Kontakt, obwohl das Vertrauensverhältnis schon extrem angeschlagen sei. Dieses könne sich aber normalisieren, wenn Sentis "mit den permanenten Angriffen und Medienaktivitäten aufhöre", so Lütolf. Sentis besitze zwar eine wesentliche Beteiligung an Meyer Burger. So hoch, dass Sentis dadurch die Rolle des alleinigen richtungsweisenden Ankeraktionär zukomme, sei diese aber nicht.
Der Meyer-Burger-Verwaltungsratspräsident strahlte diesbezüglich an der Telefonkonferenz sogar eine gewisse Zuversicht aus: "Ich darf feststellen, dass bei Sentis ein gewisses Verständnis für die neue Strategie eintritt", sagte er.
Meyer Burger will sich aus dem margenschwachen Massengeschäft zurückziehen und seine Technologieführerschaft mit der Beschränkung auf exklusive Partnerschaftsvereinbarungen schützen. In der Vergangenheit sind technologische Errungenschaften von Meyer Burger oft kopiert worden.
jr/tt
(AWP)