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J a n u a r
Nun erklärte der Professor folgendes:
„Ich möchte Sie bitten, das aufzuschreiben, was Sie dort sehen.“
Die Schüler waren verwirrt, aber begannen mit ihrer Arbeit.
Die Schüler waren verwirrt, aber begannen mit ihrer Arbeit.
Am Ende der Stunde sammelte der Professor alle Antworten ein und begann sie laut vorzulesen. Alle Schüler ohne Ausnahme hatten den schwarzen Punkt beschrieben – seine Position in der Mitte des Blattes, seine Lage im Raum, sein Größenverhältnis zum Papier etc.
Nun lächelte der Professor und sagte:
„Ich wollte Ihnen eine Aufgabe zum Nachdenken geben. Niemand hat etwas über den weißen Teil des Papiers geschrieben. Jeder konzentrierte sich auf den schwarzen Punkt – und das gleiche geschieht in unserem Leben. Wir haben ein weißes Papier erhalten, um es zu nutzen und zu genießen, aber wir konzentrieren uns immer auf die dunklen Flecken.
„Ich wollte Ihnen eine Aufgabe zum Nachdenken geben. Niemand hat etwas über den weißen Teil des Papiers geschrieben. Jeder konzentrierte sich auf den schwarzen Punkt – und das gleiche geschieht in unserem Leben. Wir haben ein weißes Papier erhalten, um es zu nutzen und zu genießen, aber wir konzentrieren uns immer auf die dunklen Flecken.
Unser Leben ist ein Geschenk, das wir mit Liebe und Sorgfalt hüten sollten und es gibt eigentlich immer einen Grund zum Feiern – die Natur erneuert sich jeden Tag, unsere Freunde, unsere Familie, die Arbeit, die uns eine Existenz bietet, die Wunder, die wir jeden Tag sehen …….
Doch wir sind oft nur auf die dunklen Flecken konzentriert – die gesundheitlichen Probleme, der Mangel an Geld, die komplizierte Beziehung mit einem Familienmitglied, die Enttäuschung mit einem Freund usw.
Die dunklen Flecken sind sehr klein im Vergleich zu allem, was wir in unserem Leben haben, aber sie sind diejenigen, die unseren Geist beschäftigen und trüben.
Nehmen Sie die schwarzen Punkte wahr, doch richten Sie ihre Aufmerksamkeit mehr auf das gesamte weiße Papier und damit auf die Möglichkeiten und glücklichen Momente in ihrem Leben und teilen sie es mit anderen Menschen!
2. Wer braucht schon Schnee, wenn es Draussen so aussieht.
Mir gefällt der Schnee ungemein. Die dazugehörende Kälte aber nicht.
23. Am Samstag haben sich wieder einige aus der ALS-Familie zu einem privaten Treffen in Aarau getroffen.
Wegen Erkältung, Grippe und andern ALS bedingten Ursachen mussten einige dem Treffen fernbleiben. Trotz der kleinen Gruppe hatten wir es sehr gut zusammen. Wir haben geredet, gegessen, getrunken 🍸🍺 🍷☕ und gelacht. Diese privatorganisierten Treffen sind eine Ergänzung zu den in verschiedenen Kantonen stattfindenden ALS Selbsthilfe- sprich Paralleltreffen. Bei den privaten ALS-Familie-Treffen kommen ALS Betroffene, Angehörige, Pflegende und ALS Interessierte aus diversen ALS Selbsthilfe-/Parallelgruppen usw. zusammen. So traurig es auch ist, ist es doch eine Bereicherung, mit solch unterschiedlichen Personen ins Gespräch zu kommen.
Ich freue mich schon aufs nächste Treffen, welches voraussichtlich im März stattfinden wird. Ort und Datum werden frühzeitig über den WhatsApp-Chat der ALS-Familie mitgeteilt.
F e b r u a r
12. Gestern Abend besuchten Piet und ich den Nachtumzug in Einsiedeln. Damit ich nicht kalt bekam, packte mich mein Mann vorgängig in mehrere Schichten von Kleidungsstücke ein. Zudem nahm er eine Thermoskanne mit heissem Wasser und eine Wärmeflasche mit ins Auto. In Einsiedeln angekommen wurde dann das heisse Wasser in die Wärmeflasche umgefüllt und mir unter die Kleider gesteckt. Danach glich ich einer schwangeren Bergente. Der Unterschied; die kann wenigstens laufen. Diese Einpackerei hat sich aber gelohnt. Zusammen mit dem ausgeschenkten Glühwein und dem Kaffeeschnaps wurde mir nie kalt. Der Umzug war eine Augenweide. Die Farben und die Lichter kamen in der Dunkelheit wunderschön zur Geltung. Alte Bräuche und moderne Sitten kamen gleichermassen zum Zug. Geisslechlöpfer, Guggenmusiker, Trychlergruppen, AC/DC Imitatoren usw. machten diesen Umzug zu einem der besten, welche ich bisher besucht habe.
15. Es ist einfach herrlich, wenn die Sonne so strahlend vom Himmel herunterschaut. Mein Herz, meine Seele fängt an zu atmen. Ich freue mich so sehr auf den Frühling. Wieder nach Draussen zu können, ohne frieren zu müssen, ist so schön. Ich würde jetzt am liebsten einen Luftsprung oder einen Rollisalto machen. Leider beherrsche ich keins von Beiden. Muss wohl noch ein bisschen üben.
Gestern war auch schon so schönes Wetter. Da liess ich es mir nicht nehmen, in die Nachbargemeinde zu rollen und dem Schülerfasnachtsumzug beizuwohnen.
Gestern war auch schon so schönes Wetter. Da liess ich es mir nicht nehmen, in die Nachbargemeinde zu rollen und dem Schülerfasnachtsumzug beizuwohnen.
Heute Nachmittag rolle ich mal in den Garten und schaue mal, welche Blümchen bereits die Köpfchen zum Boden hinausstrecken. Ich freue mich und bin glücklich.
M Ä R Z
9. Seit längerem habe ich gesteigerte Reflexe im rechten Innenohr, an der Zunge und im Gaumen. Ein falscher Kontakt und schon wird der Würgereiz ausgelöst. Da ich alle drei Monate einen Termin bei der Dentalhygienikerin habe, bringen wir die Behandlung mit würgen und spucken über die Runden. Wir haben einmal versucht, mit einer Lutschtablette die Zunge und den Gaumen unempfindlich zu machen. Das war dann nicht so gut. Durch die Betäubung konnte ich den abfliessenden Speichel nicht mehr kontrollieren und ich habe mich verschluckt. Stellt euch mal vor, ihr würdet auf dem Zahnarztstuhl liegen. Etwas läuft in die Luftröhre, weil sich die Klappe durch die Lähmung nicht rechtzeitig geschlossen hat. Reflexartig fangt ihr an zu husten um den Speichel aus der Luftröhre zu befördern. Gar nicht so einfach, wenn das Zwerchfell ebenfalls geschwächt ist. Also was macht ihr? Ihr versucht euch aufzurichten. Was natürlich nicht funktioniert. Die hierfür benötigten Bauchmuskeln habt ihr schon lange verloren. Ihr habt Glück, wenn ihr den Kopf noch auf die Seite legen könnt und somit dem Zahnarzt Zeit verschafft, die Rückenlehne hochzufahren. Wir haben danach auch nie mehr Betäubungsmittel eingesetzt. Letzte Woche war es dann wieder soweit. Ich hatte wieder einen Termin bei der Dentalhygienikerin. Nur diesmal ging es nicht nur um die Zahnreinigung, diesmal musste auch ein Zahn geflickt werden. Und da musste der Zahnarzt ran. Ein schwieriges Unterfangen für den Zahnarzt und sehr unangenehm für mich. Vorsorglich habe ich bei der ALS Klinik St. Gallen, sprich bei Bea Goldmann um Rat nachgefragt. Die Idee, den Speichelfluss vorgängig mit einem Medikament zu reduzieren hat dann auch gut geklappt. Der Zahnarzt hat dann auch noch zusätzlich punktuell einen Betäubungsspray eingesetzt. Dank dem Feingefühl des Zahnarztes habe ich auch diese Prozedur wieder einmal hinter mich gebracht.
16. Obwohl meine Agenda zurzeit mit Terminen vollgekritzelt ist, lasse ich es mir nicht nehmen, Streifzüge durch die Natur zu machen oder mich einfach im Garten in die Sonne zu legen. Immer mehr Frühlingblumen öffnen ihre Köpfe und die Forsythien-Sträucher fangen an zu blühen. Ich liebe diese Zeit im Garten. Dort hole ich mir die nötige Energie um mich danach wieder meiner Arbeit widmen zu können. Diese Energie brauche ich unteranderem für den Aufbau- resp. Ausbau der Gruppe von Selbstvertretung Uri voranzutreiben. Die Arbeit nimmt doch einige Zeit in Anspruch. Selbstvertretung Uri will, dass sich Menschen mit Beeinträchtigung ihrer Rechte und Möglichkeiten bewusstwerden und sich auch im Rahmen ihrer Möglichkeiten selbständig oder mit der Gruppe dafür einsetzen. Jede Person mit und ohne Beeinträchtigung soll sein Leben so eigenständig / selbstständig gestalten dürfen wie eben möglich. Als letztes Jahr Jemand gesucht wurde, diese Gruppe aufzubauen und sich ausser mir niemand gemeldet hat, ist es nun an mir diese Gruppe weiter auszubauen. Was mir die Arbeit erleichtert, ich habe mich schon immer selber für meine Belange eingesetzt und das möchte ich nun weitergeben. Ich muss mich noch in vieles einlesen und mich mit dem Thema SelbstvertreterInnen / Selbstvertretung vertraut machen. Es ist eine interessante Aufgabe und solange ich die Kraft dazu habe, werde ich auch weitermachen.
20. Der Frühlingsanfang zeigt sich von seiner schönsten Seite. Kaum hat die Sonne die ersten Blüten an den Ziersträuchern und Obstbäumen geöffnet, nehmen die Bienen bereits ihre Arbeit als Bestäuber und Nektar-Sammler auf. Unser Aprikosenbäumchen wird von ihnen regelrecht belagert. Bin ja mal gespannt, wie viele Aprikosen es dieses Jahr zu Naschen gibt.
21. Am Samstagnachmittag fand bereits zum 3. mal unser privat organisierte ALS-Familie-Treffen statt. Das Wetter hat gepasst um gemütlich zusammen zu sitzen, etwas Kleines zu essen, ein Gläschen zu heben und miteinander zu plaudern und zu lachen. Obwohl wir uns in kurzer Zeit von vieren aus unserer Reihe verabschieden mussten, so nahmen doch 16. Personen am Treffen teil. Uns allen ist bewusst, wie kurz unsere Lebenszeit ist, darum finden diese privaten Treffen auch in kurzen Abständen statt. Wie viele Personen sich jeweils zu den Treffen anmelden ist unterschiedlich und spielt auch überhaupt keine Rolle. Das nächste Treffen findet vorrausichtlich im Mai statt. Das nächste Treffen werde ich organisieren und findet irgendwo im Urnerland statt. Mal schauen, welche Restaurant unsere Bedürfnisse der Barrierefreiheit erfüllen.
22. Letzte Woche hatte ich wieder Besuch von einer Frau, welche ebenfalls von der Krankheit ALS betroffen ist. Solche Besuche, Besuche von Selbsthilfegruppen und Treffen wie letzten Samstag, können so wertvoll sein. Das Gefühl, nicht alleine mit der Krankheit fertig werden zu müssen, gibt Kraft und nimmt ein wenig die Angst vor der Hilflosigkeit. Wenn man von einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 3 - 5 Jahre nach Diagnosestellung ausgeht, sollte man sich rasch ein Netz von Helfern aufbauen. Der Verein ALS Schweiz ist eine gute Anlaufstelle um Informationen, Beratung und Hilfe einzuholen. Hilfe bietet auch ParaHelp Notwil. So wurde auch mein Besuch von Frau Susanna Richli, ALS Care Beraterin von Notwil begleitet. Ich finde der Austausch zwischen den Betroffenen, den Angehörigen, den Betreuenden und Fachpersonen sehr wichtig. Diese Vernetzung findet auch im Kanton Uri (Einwohnern 36'000 +) statt. Der Durchschnittlich von 2 - 3 ALS Betroffenen liegt im weltweiten Vergleich von 2 - 3 auf 100'000 gering höher. Aber eben, Statistiken. Es gib sehr schnelle Verläufe von wenigen Monaten und sehr langsame Verläufe von über 10 Jahre. Aussuchen kann man sich den Verlauf nicht.
27. Endlich sind die zwei unteren Bilder in etwa so, wie ich sie haben wollte. Nicht ganz einfach, wenn man die Finger und Hände kaum noch steuern kann. Mit der PC Maus zu zeichnen erfordert ein wenig Übung, viel Geduld und Zeit. Von Manchem habe ich mehr vom Andern etwas weniger.
A P R I L
1. .................... das war ein ohne Worte April-Scherz 🤓
In der Zwischenzeit erfreue ich mich an den Fotos aus dem Garten.
26. Die Regenwolken bedecken den gesamten Himmel über mir. Sie lassen der Sonne keine Chance, ihre wärmenden Strahlen zu mir zu schicken. Es scheint, als hätte sich der Frühling zu sehr verausgabt und müsste jetzt eine Zwangspause einlegen. Vielleicht sollte ich diese Gelegenheit, im Haus bleiben zu müssen, nutzen um wieder mal über mein Leben nachzudenken. Ich war schon immer eine aktive und selbständige Person. Das hat sich auch mit der ALS-Erkrankung nicht geändert. Die Aktivitäten haben einfach geändert. So habe ich früher viel Zeit in Sport investiert. Es gab eine Zeit, da war ich an 3 Abenden in der Woche in der Sporthalle. Mal als selber Aktive, mal als Leiterin der Damenriege, mal als J&S Leiterin und als Volleyballtrainerin. Heute bestehen meine sportlichen Aktivitäten aus Physiotherapie und Atem-, Sprechübungen. Denkt aber nicht dies sei weniger anstrengend. Meine Muskeln sind mittlerweile von der Krankheit so geschwächt, dass ich meine Arme nicht mehr selber hochstrecken kann. Das Töfffahren war früher ein fester Bestandteil bei schönem Wetter. Mit meinem Mann zusammen habe ich viele Töfftouren unternommen. Herrlich dieses Gefühl von Unabhängigkeit und Selbständigkeit. Frei wie der Wind. Bei schönem, warmen Wetter begebe ich mich noch heute auf Touren und lasse mir den Wind um die Nase wehen. Einfach der Untersatz hat sich geändert. Ich bin von Zweiräder auf Vierräder umgestiegen. Ein Rollstuhl ersetzt nun die Harley. Es war schon hart einzugestehen, nicht mehr auf den Sattel der Harley hochzukommen. Ich habe früher auch immer gerne über alles Mögliche diskutiert. Meine Interessen waren breit gefächert. Auch heute bin ich nach wie vor vielseitig Interessiert. Doch es ist nicht mehr so einfach mich einzubringen. Meine Sprechbehinderung und meine Atmungsschwäche lassen keine langen Diskusionen mehr zu. Meine Stimme hat an Kraft eingebüsst, meine Worte sind leiser geworden. Manchmal ist das sehr frustrierend, die eigene Meinung, die Argumente nicht hörbar, nicht kraftvoll vorbringen zu können. Dass manche Worte, Sätze beim Gegenüber falsch oder zu hart ankommen verbessert die Situation auch nicht. Leider muss ich oft zu einfach formulierenden Sätzen greifen und kann meine Worte nicht so wählen und umgarnen wie ich es gerne möchte. Das Gefühl falsch verstanden zu werden ist frustrierend und macht mich traurig. Mein Selbstwertgefühl leidet, ich leide. Dass ich die blumige Sprache beherrsche, zeigen meine Beiträge im Tagebuch. Ich kämpfe für meine Eigenständigkeit und für andere, welche sich in derselben Situation befinden. Deshalb angagieren ich mich auch im Gruppenaufbau der Selbstvertretung Uri.
M A I
3. Das frustrierende an der Krankheit ALS ist für mich, dass ich nicht weiss, wie ich sie bekämpfen kann. Will ich einen Kampf gewinnen, muss ich die Schwäche, die Achillesferse des Gegners kennen. Die Krankheit ALS ist immer noch nicht lesbar und somit auch nicht besiegbar. Ich würde vieles unternehmen um diese Krankheit loszuwerden. Was ich machen kann ist, meine psychische Gesundheit zu pflegen. Es fällt mir nicht immer einfach, mit dieser Krankheit leben zu müssen. Mit dem Wissen, dass sie mir ein verkürztes Leben beschert, macht mich manchmal schon traurig. Für mich als eigenständige Frau ist es oft frustrierend, Dinge nicht mehr selber erledigen zu können. Sicher kann ich immer noch vieles selber organisieren und ich kann auch gut delegieren. Doch lieber möchte ich die zu erledigenden Sachen selber machen. Es ist für mich nicht immer einfach, zu erklären, wie ich Dies oder Jenes haben möchte. Ich bin ein ordnungsliebender Mensch (Natur ausgenommen). Ich habe genaue Vorstellungen wie etwas auszusehen hat und wie bestimmte Dinge gemacht werden sollen. Ich musste jedoch lernen auch mal ein Auge zuzudrücken und öfters mal den Fünfer gerade sein zu lassen. Fällt mir nicht immer gleich leicht. Ich kann mir aber sicher sein, dass mein Umfeld, meine Betreuer stets das Beste für mich wollen. Die Suche nach der Besiegbarkeit der Krankheit geht weiter und ich arbeite mit.
12. Heute war es sonnig und warm. Was das für mich bedeutet, wissen inzwischen wohl die meisten meiner TG-Leser. Raus aus dem Haus und ab in die Natur. Nur, so schnell geht's dann doch nicht. Zuerst unterziehe ich mich dem allmorgendlich stattfindenden Pflegeritual mit dem Pflegedienst. Danach folgt die Tagesablaufbesprechung mit der Assistenzperson. Dann folgt 1 Stunde Physiotherapie. Und schon ist es Zeit für das Mittagessen. Aber dann hält mich niemand mehr auf. Ich starte meinen Rolli und schon bin ich unterwegs. Wenn ich meinen Touren eine Überschrift geben würde, würde sie heute wie folgt lauten. « Immer schön den Wildblumen nach.»
14. Rosenspiel zum Muttertag
In unserem Garten haben auch Blumen Platz, welche dem Unkraut zugeordnet werden. Gibt es ein schöneres, glänzenderes Gelb als das der Butterblume? Oder gibt es eine wiederstandsfähigere Blume als das Gänseblümchen? Ich bin überzeugt, wenn diese Blumen nicht den Unkrautstempel tragen würden, könnten die Gärtnereien nicht genügend von diesen Blumen anbieten.
Im Frühling fragte mich eine meiner Assistentinnen, wo ich die Polster mit den saftigen, grünen Blättern und den kleinen, gelben Blüten herhabe. Sie habe sich schon letztes Jahr in diversen Gärtnereien umgeschaut, doch keines gefunden. Ich musste lachen und habe mich gefreut, dass auch andere an Unkraut Gefallen finden. Ich gab ihr dann etwas von meinem gelben Unkrautpolster ab.
Die Liebe zu den Blumen, dem Garten, hat mir meine Mutter mitgegeben. Als ich heute im Garten sass und den Wildbienen zuschaute, wie sie im Rasen von einer weissen Kleeblüte zur andern flogen, kam mir meine Mutter in den Sinn. Sie hatte die Gabe vierblättrige Kleeblätter aufzuspüren. Ja, manchmal vermisse ich sie schon. Ich träume äusserst selten von Menschen, welche für mich nicht mehr greifbar sind. Umso mehr freute mich der Traum vor ca. 3 Wochen, als meine Mutter mit einem kleinen Hochbeet bei mir im Garten erschien und mich fragte, ob sie ihres zu meinen Hochbeeten stellen dürfe. Die Verbundenheit zu meiner Mutter besteht immer noch.
Im Frühling fragte mich eine meiner Assistentinnen, wo ich die Polster mit den saftigen, grünen Blättern und den kleinen, gelben Blüten herhabe. Sie habe sich schon letztes Jahr in diversen Gärtnereien umgeschaut, doch keines gefunden. Ich musste lachen und habe mich gefreut, dass auch andere an Unkraut Gefallen finden. Ich gab ihr dann etwas von meinem gelben Unkrautpolster ab.
Die Liebe zu den Blumen, dem Garten, hat mir meine Mutter mitgegeben. Als ich heute im Garten sass und den Wildbienen zuschaute, wie sie im Rasen von einer weissen Kleeblüte zur andern flogen, kam mir meine Mutter in den Sinn. Sie hatte die Gabe vierblättrige Kleeblätter aufzuspüren. Ja, manchmal vermisse ich sie schon. Ich träume äusserst selten von Menschen, welche für mich nicht mehr greifbar sind. Umso mehr freute mich der Traum vor ca. 3 Wochen, als meine Mutter mit einem kleinen Hochbeet bei mir im Garten erschien und mich fragte, ob sie ihres zu meinen Hochbeeten stellen dürfe. Die Verbundenheit zu meiner Mutter besteht immer noch.
J U N I
17. Ein Sonnentag reiht sich an den anderen. Perfekt um die Ferien Zuhause zu verbringen. In den vergangenen zweieinhalbwöchigen Ferien habe ich nicht nur Blumen ausgeschnitten. Sonne geniessen nahm die meiste Zeit in Anspruch. Am Morgen hiess es, rein in die kurze Hose und raus in den Garten. Mein Mann werkelte ebenfalls draussen. Er musste noch ein paar Anpassungen an unseren grossen, neuen Parkplatz vornehmen. Es ist schön geworden und die Blumenkisten mit dem blühenden Lavendel runden das Ganze ab. Nebst diesen Arbeiten machten wir auch Besuche in der Ostschweiz. Dort wohnen die meisten von Piets Geschwistern. Als diese vom neuen Parkplatz erfuhren, liess der Gegenbesuch zu unserer Freude nicht lange auf sich warten. Es ist schön, ein positives Feedback von den Geschwistern zu erhalten. Es ist ihr Elternhaus und wir werden es in Ehren halten, es hegen und pflegen. Es gäbe wahrscheinlich einige Ereignisse aufzuzählen, welche in den über 100-jährigen Mauern stattgefunden haben. Meine Geschichte mit dem Haus begann im Jahre 1985. Damals, drei Monate nach dem Tod meiner Schwiegermutter, zog mein Mann mit mir und unserem Sohn in sein Elternhaus. Ich liebe dieses Haus mit der grosszügigen Umgebung. Hier darf ich schalten und walten und meine Ideen einbringen und verwirklichen. Es ist mein Paradies auf Erden.
20. Am Samstag nahm ich wieder am ALS-Paralleltreffen (Selbsthilfegruppentreffen) in Zürich teil. Paralleltreffen heisst in unserem Fall, dass die Betroffenen und die Angehörigen das Treffen in zwei verschiedenen Räumen abhalten. Unsere Gruppe wurde in letzter Zeit recht durchgerüttelt. Es gibt Lücken in unserem Reigen. Es ist nicht immer einfach, trotzdem an den Treffen teilzunehmen. In meiner 16- jährigen ALS-Laufbahn müsste ich schon so viele ALS-Gspänli ziehen lassen. Mir kommt es vor, kaum lichten sich die Reihen, schon nehmen Neubetroffene Platz. So auch beim letzten Treffen. Wir, die alte Garde (mit langsamen Verläufen) versuchen mit unserer Erfahrung ihnen ein wenig Licht für den ALS-Weg mitzugeben. Wie gerne würde ich ihnen sagen, habt keine Angst, es wird alles wieder gut. Ich würde das auch gerne zu mir, meinem geliebten Mann und meinem geliebten Sohn sagen. Es wäre langsam an der Zeit, der Amyotrophe Lateralsklerose den Wind aus den Segeln zu nehmen.
Morgen ist der internationale ALS Gedenktag. Jedes Jahr wird am 21. Juni weltweit mit diversen Veranstaltungen auf die Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose aufmerksam gemacht. Meine Gedanken werden Morgen meinen Gspänli gehören, wo immer sie sich Alle aufhalten.
Morgen ist der internationale ALS Gedenktag. Jedes Jahr wird am 21. Juni weltweit mit diversen Veranstaltungen auf die Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose aufmerksam gemacht. Meine Gedanken werden Morgen meinen Gspänli gehören, wo immer sie sich Alle aufhalten.
22. Am Montagabend besuchte ich eine Veranstaltung von Procap Uri. In einem zweistündigen Vortrag wurde den Teilnehmern das neue Kinder- und Erwachsenschutzrecht (KESB) nähe erläutert. Das Referat hielt Rechtsanwalt Martin Boltshauser, Leiter Rechtsdienst Procap.
Für uns Alle ist es wichtig, unsere Rechte zu kennen und auch zu verstehen. Damit wir bei Notfällen nicht unnötig in die Mühle von Behörden geraten, ist es sinnvoll, vorausschauend Massnahmen festzulegen. Eine Patientenverfügung und ein Vorsorgeauftrag kann eine solche Massnahme sein. Mit diesen Vorkehrungen nehmen wir unsere Selbstbestimmung für Notfallsituationen wahr.
Für uns Alle ist es wichtig, unsere Rechte zu kennen und auch zu verstehen. Damit wir bei Notfällen nicht unnötig in die Mühle von Behörden geraten, ist es sinnvoll, vorausschauend Massnahmen festzulegen. Eine Patientenverfügung und ein Vorsorgeauftrag kann eine solche Massnahme sein. Mit diesen Vorkehrungen nehmen wir unsere Selbstbestimmung für Notfallsituationen wahr.
28. Jetzt muss ich mit dem Rollstuhl nicht mehr auf der Strasse in unser Auto einsteigen. Bis auf wenige Arbeiten ist unser neuer Parkplatz fertiggestellt.
Jetzt muss ich mich noch entscheiden, ob ich auf der extra dafür freigehaltenen Erdfläche eine Mager- oder eine Fettwiese realisieren werde. Während bei den Fettwiesen an die 40 Pflanzensorten vorkommen, sind es bei Magerwiesen an die 200. Da ich auch ein Wildbienenhäuschen aufstellen will, wäre es gut, wenn es mit der Magerwiese klappen würde. Das werde ich aber erst in 2 - 3 Jahren sehen. Also, vorher abtreten kommt nicht in Frage. Die ALS muss sich also noch gedulden. Ziele zu haben ist sicher nicht schlecht.
29. Im Garten sind die Beeren reif. Also Beeren ablesen und zu Konfitüre, Gelee oder Beerenessig verarbeiten. Ich? Nein. Ich würde ja liebend gerne, doch dafür müsste ich meine Arme einsetzen können. Hier kommen meine guten Helfer zum Einsatz. Ich bin bei dieser Arbeit der Kopf, der die Helfer anleitet und mit Rezepten unterstützt. Gestern waren die Johannesbeeren an der Reihe. Dieses Jahr haben wir die Beeren im Steamer entsaftet. Das hat super funktioniert. Der Saft wurde dann zu Gelee verarbeitet und aus den ausgelaugten Beeren wurde Johannesbeeressig hergestellt. Auch wenn ich solche Dinge nicht mehr selber machen kann, so freue ich mich doch, bei der Herstellung dabei zu sein.
Unser Chriäsibäum ist noch zu klein um mit den Früchten Konfitüre herstellen zu können. Die drei Kirschen wanderten gleich in den Mund.