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Manchmal beginnen die Probleme im Rahmen der Dysphagie-Therapie bereits bei der Mund- und Kieferöffnung. In einem Kommentar erreichte mich eine Frage, ob es dazu Tipps gibt.
„Mein Patient hat Probleme mit dem Beißreflex, er kriegt den Kiefer zur Zeit kaum geöffnet, nur wenn ich ihn zum Lachen bringe. Ich versuchs über Vertrauen und viel Zeit. Vielleicht liegt es auch am erhöhten Tonus, den er fürs Kopfhebeb benötigt. Haben Sie einen Tipp für die Kieferöffnung?“
Antwort
Bei der Kieferöffnung ist es hilfreich, einen Blick auf die Kaumuskulatur zu werfen: Sie besteht aus vier Muskeln.
- Musculus masseter:
zuständig für den Kieferschluss,
- Musculus temporalis:
zuständig für den Kieferschluss und das Zurückziehen des Unterkiefers,
- Musculus pterygoideus medialis:
zuständig für den Kieferschluss und
- Musculus pterygoideus lateralis:
zuständig für das Öffnen des Kiefers, das Vorschieben des Unterkiefers und für die Mahlbewegungen (seitwärtsbewegung des Unterkiefers).
Für die Steuerung der Kaumuskulatur ist der Nervus Trigeminus, konkret: einer seiner Äste, der Nervus Mandibularis.
Die für den Kieferschluss zuständige Muskulatur ist kräftig, entwicklungsphysiologisch muss sie das auch sein, denn Zerbeißen und Zerkauen sind bei harter und zäher Nahrung nur mit viel Kraft zu bewerkstelligen.
Entspannung
Entspannung ist daher ein wichtiger Faktor. Die Kaumuskulatur durch Ausstreichen, Dehnungen und vielleicht Wärme zu entspannen hilft, die Öffnung des Kiefers vorzubereiten.
Massagen, die am Nacken beginnen und sich über den Hinterkopf dem Gesicht nähern, können dabei ebenfalls positiven Einfluss haben.
Therapie
Therapiekonzepte nach Castillo Morales und Affolter haben sich bei einem hartnäckigen Beißreflex als hilfreich erwiesen. Grob zusammengefasst geht es darum, die gewünschte Bewegung – also das Öffnen des Kiefers – durch Berührungen und andere Reize zu stimulieren.
Soweit das möglich ist, sollte der Patient sich selbst im Gesicht und an den Lippen berühren. Wenn nötig mit Unterstützung durch den Therapeuten. Im Verlauf können dabei auch Gegenstände wie Zahnbürste und Löffel eingesetzt werden. Oft kommt es dabei schon zu einer reflektorischen Mund- und Kieferöffnung.
Wichtig ist, dass der Patient die Berührungen möglichst selbst durchführt. Die propriozeptive Wahrnehmung bringt Sicherheit.
Auch olfaktorische Reize haben einen positiven Einfluss. Man könnte zum Beispiel den Finger des Patienten in Marmelade tauchen und ihn dann nah an den Mund führen.
Reflexe wie der Beißreflex werden übrigens durch leichte Berührungen eher unterstützt, in diesem Fall sind sie daher besonders ungünstig. Starke Berührungen sind besser.
Wenn der Eindruck entsteht, der allgemeine Tonus des Patienten behindert die Kieferöffnung, dann kann es nach Bobath möglich sein, den Tonus durch Lagerung zu beeinflussen. Maximale Auflagefläche sorgt für maximale Entspannung. Daraus abgeleitet kann man Patienten auch im Liegen, in Seitenlage mit Stützkissen und Decken gelagert therapieren. Bei Dysphagie-Patienten ist das Ziel zwar häufig, eine minimale Auflagefläche zu erreichen, aber bei erhöhtem Tonus kann das Gegenteil auch hilfreich sein.
Weitere Tipps sind in den Kommentaren natürlich gern gesehen! Was machst du bei einem Beißreflex mit deinen Patienten?