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Anfrage über die Unterstützung Jugendlicher in ihrem Coming-out
Archiv: 27. Juni 2006
Anfrage von Patrick Graf und Mitunterzeichnende
Auch nach der Annahme des Partnerschaftsgesetzes auf Bundesebene, dessen gesetzlicher Umsetzung im Kanton und dem geplanten gleichzeitigen Inkrafttreten auf den 1. Januar 2007 ist das Thema Homosexualität nicht einfach «vom Tisch». Heute und wohl auch in Zukunft haben viele homo- und bisexuelle Jugendliche Probleme mit ihrem Coming-out, also mit ihrer eigenen und der gesellschaftlichen Anerkennung ihrer sexuellen Orientierung. Studien haben festgestellt, dass gesundheitliches und psychisches Wohlbefinden von Jugendlichen, welche Probleme mit ihrem Coming-out haben, wesentlich grösser sind als diejenigen anderer Jugendlicher in der gleichen Alterskategorie. Bei solchen Jugendlichen ist auch die Suizidalität deutlich höher.
Es ist darum sehr wichtig, dass Jugendliche in ihrer Schulzeit ein neutrales und objektives Bild der Homosexualität vermittelt bekommen. Damit wird ihr Comingout wesentlich erleichtert. Homo- und Bisexualität sind heute wissenschaftlich und gesellschaftlich als Formen der sexuellen Orientierung anerkannt. Die Weltgesundheitsorganisation hat diese längst von der Liste der Krankheiten gestrichen, womit sie als gleichwertige und gesunde Varianten menschlicher Sexualität anerkannt sind.
Es ist dringend notwendig, Jugendliche darin zu unterstützen, ihre eigene sexuelle Identität und Orientierung zu finden. Eine Pathologisierung der Homo- und Bisexualität, zum Beispiel als «fehlerhafte Erscheinung, die therapierbar ist», verunsichert junge Menschen zusätzlich in ihrem schwierigen Selbstfindungsprozess und unterstützt damit die gefährlichen Tendenzen zu erhöhter Viktimisierung, Depression, Suizidalität, Substanzmissbrauch und HIV-Infektion bei solchen Jugendlichen.
Wir bitten die Regierung daher um die Beantwortung der folgenden Fragen:
- Ist der Regierungsrat auch der Auffassung, Homo- und Bisexualität seien ‐ im Sinn von Artikel 8 Absatz 2 der Bundesverfassung und der internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) der Weltgesundheitsorganisation ‐ gleichwertige Varianten sexuellen Verhaltens und sexueller Identität und seien deshalb vor Diskriminierung und Pathologisierung zu schützen?
- Ist der Regierungsrat bereit, gegenüber den Lehrkräften klar zu signalisieren, dass die Schule Homo- und Bisexualität als gleichwertige sexuelle Orientierungen darzustellen, Jugendliche nach Möglichkeit in der Anerkennung ihrer Sexualität und Identität zu unterstützen und jede Pathologisierung der Homosexualität zu vermeiden hat?
- Kann der Regierungsrat garantieren, dass jede Schülerin und jeder Schüler im Kanton Luzern in seiner Schullaufbahn mindestens einmal mit dem Thema «Homo- und Bisexualität» als gleichwertige und gesunde Formen sexueller Orientierung konfrontiert wird?
- Kann der Regierungsrat garantieren, dass Homo- und Bisexualität als gleichwertige Lebensweisen sowie eine entsprechende Gesundheitsförderung in der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung der pädagogischen Hochschule aufgegriffen werden?
- Welche Möglichkeiten sieht der Regierungsrat, dass allen Schülerinnen und Schülern in der Oberstufe eine stufengerechte Broschüre (oder ein ähnliches Produkt) über die verschiedenen sexuellen Orientierungen zur Verfügung steht, welche sie in einem allfälligen inneren und äusseren Coming-out unterstützt?
- Welche Möglichkeiten sieht der Regierungsrat, entsprechende Bemühungen der Homosexuellen Arbeitsgruppen Luzern (HALU) oder privater Schulprojekte zu fördern oder zu unterstützen?
- Welche Möglichkeiten einer Gesundheitsförderung für junge Lesben, Schwule und Bisexuelle plant der Regierungsrat (z.B. durch die Unterstützung der «lesbischwulen Jugendgruppe whynot Luzern»)?
Patrick Graf, Katharina Meile, Adrian Borgula, Nino Froelicher, Peter Lerch, Sibylle Lehmann, Margrit Steinhauser, Marlis Inderbitzin-von Flüe, Daniela Kiener, Silvana Beeler-Huber, Daniel Pflugshaupt, Trix Dettling Schwarz, Trudi Lötscher-Knüsel, Peter Beutler