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Welchen Beitrag können Atomkraftwerke zur Verkleinerung des CO2-Ausstosses leisten?
Atomkraft wird eingesetzt um Strom zu erzeugen. Dementsprechend können Atomkraftwerke auch nur dort zu einer Verringerung beitragen, wo bei der Erzeugung von elektrischer Energie CO2 emittiert wird. Dies ist insbesondere bei Kohle- Oel- und Gaskraftwerken der Fall. Wenn mit fossilen Energien betriebene Kraftwerke zur Erzeugung von Strom ersetzt werden durch AKW's, so sinkt der CO2-Ausstoss tatsächlich. Leider ist der Einsatz von Atomenergie aber problematisch, so dass man das CO2-Problem nicht losgelöst von allen anderen Problemen und Risiken betrachten darf. Siehe Vor- und Nachteile von Atomkraftwerken.
Wie gross ist der maximal mögliche Beitrag von AKW's zur Reduktion von CO2?
Der weltweite Energiebedarf wird von der internationalen Energieagentur (IEA) laufend erfasst und auf dieser Basis für die nächsten 25 Jahre vorausgesagt. In ihrem letzten Bericht vom Herbst 2006 prognostiziert die IEA eine starke Zunahme des CO2 Ausstosses bis ins Jahre 2030 als Folge eines steigenden Energiebedarfs der Weltbevölkerung. In einem alternativen Szenario wurde untersucht, wieweit durch rigorose Massnahmen der Politik dieser CO2-Ausstoss verringert werden könnte. Zu diesem Massnahmen zählte die IEA auch die massive Förderung des Baus von Atomkraftwerken.
Von allen erwähnten Massnahmen zur Reduktion von CO2 billigt die IEA der Förderung von Atomkraftwerken allerdings nur die kleinste Wirkung (10%) zu. Da die IEA als Atomenergie-freundlich gilt, ist dies doch sehr bemerkenswert.
Die folgende Graphik zeigt die unterschiedlichen Effekte, welche die IEA für die weltweit vorgeschlagenen Massnahmen zur Reduktion des CO2-Ausstosses ausgerechnet hat.
Folgendes fällt auf:
- Fast 80% des gewünschten Effektes wird durch Erhöhung der Energieeffizienz erzielt (36% durch eine verbesserte Effizienz beim Einsatz von fossiler Energie, 29% durch Erhöhung der Energieeffizienz von Elektrogeräten und 13% durch Erhöhung der Effizienz bei der Stromerzeugung).
- 12% der gewünschten CO2-Reduktion wird durch die starke Förderung von erneuerbaren Energien erzielt.
- Nur gerade 10% der gewünschten CO2-Reduktionen können durch massiven Ausbau der Atomkraft erzielt werden.
Dieses Resultat erstaunt insbesondere dann, wenn man bedenkt, dass einige bekannte Politiker (z.B. George W. Bush, Tony Blair bzw. Gordon Brown) die globale Erwärmung (Klimawandel) vor allem durch den Bau von neuen Atomkraftwerken in den Griff bekommen wollen.
Warum spricht die Politik über Atomkraftwerke anstatt über Energieeffizienz?
Anstatt sich primär mit den Effizienzsteigerungen zu befassen, welche ca. 80% der CO2-Reduktionen bewirken könnten, propagiert man den Bau von AKW's, welche maximal 10% der benötigten Wirkung erzielen können. Hier werden eindeutig die Schwerpunkte falsch gesetzt!
Die Steigerung der Energieeffizienz hat leider keine Lobby (ausser Umweltverbände), die Nuklearindustrie hingegen schon. Wer effizientere Autos fordert, hat sofort die Automobilindustrie gegen sich (Stichwort Arbeitsplätze), wer hingegen AKW's propagiert kann Wahlkampfspenden aus der Atomindustrie bzw. der von Elektrokonzernen erhoffen.
Es ist auch interessant zu sehen, welche Länder bzw. Politiker zur Zeit die Klimaveränderung mit Atomkraft bekämpfen wollen: Es sind dies vor allem die USA, England, Frankreich, sowie China und Indien. Interessanterweise alles Atommächte...
Warum überhaupt Atomkraftwerke?
Lässt man alle anderen Aspekte ausser Acht und fokussiert alleine auf die Reduktion von CO2, dann können AKW's tatsächlich einen Beitrag leisten. Das Problem der globalen Erwärmung sollte man aber in einem grösseren Zusammenhang sehen: Es geht darum, dass wir nicht mehr Ressourcen verbrauchen, als uns zusteht und dass wir sowohl zukünftigen Generationen aber auch allen anderen Wesen auf der Erde ein Überleben ermöglichen. Wir müssen endlich lernen, einen nachhaltigen Lebensstil zu führen.
In diesem Zusammenhang sind AKW's überhaupt keine Lösung, sondern nur die Verschiebung des einen Problems (CO2-Ausstoss) auf ein nicht weniger schlimmeres, anderes Problem (radioaktive Abfälle, Betriebs-Risiko der Anlagen, nukleare Proliferation).
Fazit
Atomkraft kann höchstens einen sehr kleinen Beitrag zur Reduktion des weltweiten CO2-Ausstosses beitragen. Man kann dies aber auch nur dann ernsthaft in Betracht ziehen, wenn man die Augen vor den vielen Problemen verschliesst, welche die Atomenergie zusätzlich schafft.
Unser Energieverbrauch hat bisher Jahr für Jahr zugenommen. Politik und Wirtschaft sorgten dafür, dass jeweils entsprechende Energiemengen verfügbar waren. Das Angebot folgte zwingend der Nachfrage. Nachhaltigkeit war selten ein Thema.
Hier müssen wir unser Verhalten ändern: Wir dürfen nur noch soviel Energie verbrauchen, wie wir auch auf nachhaltige Art und Weise produzieren können. Die Nachfrage muss nun dem Angebot folgen und nicht mehr umgekehrt. Dann sind Scheinlösungen wie die Förderung von Atomenergie automatisch vom Tisch.