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Die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre gehört zu den am besten erforschten Themen der modernen Wirtschaftsgeschichte. Dennoch ist noch vieles unklar. Ein Grund ist, dass die Forschung lange Zeit einseitig auf makroökonomische Fragestellungen ausgerichtet war. Untersuchungen zur Mikrostruktur der Märkte, der Rolle von Ratingagenturen oder der Entwicklung einzelner Finanzintermediäre waren dagegen selten. Seit der jüngsten Finanzkrise (2007-09) hat sich zwar eine gewisse Verschiebung in den Forschungsprioritäten ergeben. Denn es ist seither deutlich geworden, dass mikroökonomische Faktoren wie die Funktionsweise des Schattenbankensystems, die Anreize im Finanzsektor oder die Risikoperzeption der Akteure ebenso wichtig waren für die Entstehung der Krise wie die lange Niedrigzinsphase oder die Ungleichgewichte des globalen Kapitalverkehrs. Dennoch ist unser Bild immer noch stark von der makroökonomischen Diskussion beeinflusst.
Mit unserem Forschungsprojekt möchten wir an das neu erwachte Interesse an der Mikroperspektive anknüpfen. Im Zentrum steht die Frage, wie drei grosse schweizerische Versicherungsunternehmen – die „Schweizer Rück“, die „Winterthur“ und die „Zürich“ – mit den Turbulenzen der 1930er Jahre umgingen. Wir untersuchen einerseits die Unternehmensfinanzierung, die Politik der Gewinnverteilung und die Kapitalanlagepolitik, die wir unter dem Begriff der betrieblichen Finanzpolitik (Corporate Finance) zusammenfassen, anderseits die internen Entscheidungsprozesse, die hauptsächlich durch die Corporate Governance beeinflusst wurden. Das Ziel der Arbeit ist es, durch den Vergleich besser zu verstehen, warum die Versicherungsunternehmen in ganz unterschiedlicher Weise von der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre betroffen waren.