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Zur Zeit der Römer befand sich in nächster Nähe unserer heutigen Wohngemeinde, in Vindonissa (Windisch) eine bedeutende Ortschaft. Neben Aventicum und der Rheinfestung Augusta Raurica war Vindonissa der bedeutendste römische Truppenplatz. Als noch vorhandener Zeug steht auf dem Parkplatz in Wil eine Kopie eines Römischen Meilensteins. Im 5. Jahrhundert vermochte allerdings das innerlich zermürbte römische Weltreich dem Ansturm der germanischen Völker im Norden nicht mehr zu widerstehen. Mit den Alemannen, die die Nord- und Ostschweiz einnahmen, erscheint dann jene Bevölkerung, der wir, wenn auch nicht unvermischt, heute noch angehören. Die Germanenstämme waren in Gaue gegliedert. Zwischen Aare und Reuss lag der Aargau. Die Nordostschweiz aber war vom Thurgau eingenommen, der im Westen von Reuss und Aare begrenzt war. Turgi, die mundartliche Form von Thurgau (in den östlichen Kantonen übrigens immer noch gebräuchlich) bezeichneten namhafte Historiker als die äusserste Westgrenze des Gaues.
Als anno 1712 (2. Villmergerkrieg) wieder einmal ein Bruderkrieg ausbrach, schreibt der Chronist nebenbei:
«Im Turgi, in einer wilden, unangebauten Gegend, nordöstlich vom Dorfe Gebenstorf, im Thalgrunde der Limmat gelegen, stand damals ein einzelnes Haus, das dem Hans Jakob Meyer, dem Fährmann, gehörte.»
Wasserkraft und Industrie
Doch gegen die Mitte des 19. Jahrhunderts, als sich Turgi und Wil noch ausschliesslich von der Landwirtschaft ernährten, änderten sich die Verhältnisse schlagartig. In den zwanziger Jahren warf ein Heinrich Bebie von Engstringen, als er in Geschäften nach Basel wanderte, seinen Blick auf das Talbecken, das von allen Seiten die Flüsse unseres Landes zusammenfliessen lässt und ihm, der Ausnützung der Wasserkraft wegen, als günstiger Umstand für die Ausführung industrieller Unternehmungen vorschwebte. Von ihm ermutigt, legten dann auch die Brüder Heinrich, Kaspar und Rudolf Bebie im Jahre 1826 den ersten Grundstein zu einem Spinnereigebäude In Turgl. Bereits 1833 erfolgte der Bau der zweiten Fabrik, dessen Umstand das Dorf Turgi eigentlich seine Entstehung verdankt.
Je mehr Turgi emporwuchs und zu Bedeutung gelangte, desto gespannter wurde das Verhältnis zu den Gemeindegenossen in Gebenstorf. Der neue Industrie- und Verkehrsort, der sich an Weltgewandtheit bereits weit voraus wusste, denn am 9. August 1847 konnte die «Spanisch-Brötli-Bahn» von Zürich nach Baden eröffnet, 1856 die Strecke Baden-Turgi-Brugg und 1859 die Linie Turgi-Waldshut dem Verkehr übergeben werden, und auch längst die meisten Steuern zahlte, empfand es als Demütigung, sich der nun an Zahl überlegenen Bauern von Gebenstorf fügen zu müssen. Die Folge davon war ein jahrzehntelanger Kampf, der schliesslich zur völligen Trennung von Gebenstorf und Turgi führte. Die Bildung einer eigenen Schulgemeinde war zwar das Vorspiel dazu. Doch reichten viele Streitpunkte noch weiter zurück. Nach diversen stürmischen Gemeindeversammlungen und nach dem dritten Gesuch 1880 seitens Turgi an den Grossen Rat, entschied sich dieser dann 1883 mehrheitlich, Turgi und Wil von Gebenstorf politisch zu trennen.
Die eigenständige Gemeinde
Am 9. Februar 1884 fand die erste Einwohnergemeindeversammlung zur Wahl des Gemeinderates statt. Ein überladenes Gemeindewappen konnte nie recht genügen, bis 1922 eine Neues von der Gemeindeversammlung angenommen wurde: ein rotes Schild schräg geteilt durch die Limmat, links oben ein Zahnrad, rechts unten eine Ähre als Sinnbilder der Industrie und der Landwirtschaft.
Als anfangs der achtziger Jahre in der Spinnerei eine Krise eintrat, nahm der Schwiegersohn der Gründerdynastie, Peter Zai, mit Anspannung aller Kräfte die Umgestaltung an die Hand und vermochte sie auch wirksam zu heben.
Neben der Spinnerei entstand ein kleines elektrisches Kraftwerk, dem bald ein zweites in der Schiffmühle folgte. Er baute eine Kraftübertragungsleitung von der Schiffmühle nach Turgi, was den Bau einer Metallwarenfabrik ermöglichte, übrigens das einzige Industrieunternehmen, das nicht am Wasser steht, durch Wilhelm Egloff von Niederrohrdorf. Bald warf sich dieser Feuerkopf, Peter Zai, auch als leidenschaftlicher Politiker im ganzen Aargau bekannt, gefürchtet und befehdet, auf ein neues Gebiet durch die Gründung eines elektrotechnischen Werkes (Elektrochemie), das er auch, zum Teil mit eigenen Erfindungen, siegreich durch alle Schwierigkeiten hindurchriss. Die Spinnereien gingen im Jahre 1963 an die Brown Boveri in Baden über, die dazu in Ennetturgi ein neues Fabrikgebäude erstellten und damit ihr Teilgebiet Elektronik nach Turgi und Ennetturgi (Gemeinde Untersiggenthal) verlegten.
Der Gründer der Metallwarenfabrik «W. Straub-Egloff & Co.» (seit 1967 von der BAG übernommen und im Jahre 1972 abgebrochen), Wilhelm Egloff, hatte bereits in den neunziger Jahren ein im Vogelsang (Gemeinde Gebenstorf) stehendes Spinnereigebäude mit schlechtem Geschäftsgang erworben. Zuerst wollte der Besitzer Aluminiumblech verarbeiten, entschloss sich dann aber für die Herstellung von Beleuchtungskörpern. Das Unternehmen hat sich in der Folge mit der Herstellung von Leuchten einen weltweiten, bekannten Namen geschaffen.
Die ersten Läden in Turgi waren von den Fabrikanten selber oder ihren Angestellten eingerichtet worden. Erst nach und nach hatten sich andere Geschäftsleute im wachsenden Dorfe niedergelassen.
Turgi, ein kleines Zentrum
Obwohl die Elektrochemie, die BAG, die Stroppel AG und ein Teil der Brown Boveri-Elektronik nicht im Gemeindebann Turgi selbst etabliert sind, jedoch ihr Geschäftsdomizil mit Turgi benennen, vermochte die immer intensiver werdende Industrialisierung das Geschäftsleben in Turgi selbst - als Einkaufszentrum einer kleineren Region - sehr positiv zu befruchten, sodass heute ein leistungsfähiges Gewerbe fast aller Branchen, inklusive ausgezeichnet geführten Gaststätten auch den verwöhnten Kunden und Gast zu befriedigen vermag.
Unser Dorf, in dessen Kern noch 1712 und wahrscheinlich noch viele Jahre nachher nur ein einzelnes Haus stand, hat sich also seit den Jahren der gesunder Industrien zum Produktions-, Gewerbe- und Eisenbahnknotenpunkt von fast 3000 Einwohnern emporgeschwungen.
Die Gemeinde wurde im Grossen und Ganzen immer von fortschrittlichen Behörden geleitet, so dass auch dank der Aufgeschlossenheit der Einwohnerschaft die sich stellenden Probleme ohne besondere Schwierigkeiten immer wieder gemeistert werden konnten. Im Turgi lässt sich friedlich und gut leben. Als Erholungsraum stellt sich der nahe Wald oder die Limmat ideal zur Verfügung.
Nach einer längeren Durststrecke konnten in den letzten Jahren wesentliche Infrastrukturprojekte realisiert werden, welche Turgi als Wohnort und als Arbeitsort nach wie vor interessant machen.
Mit dem Kauf und mit der Renovation des Bauernhaus an der Limmat können den Vereinen und auch privaten Personen Räumlichkeiten angeboten werden, welche mit auch zum kulturellen Leben im Dorf einen Beitrag leisten. Mit dem Einrichten des Jugenkafi und des Büros für die Jugendarbeit konnte auch die Jugend im Dorf berücksichtigt werden.
Mit dem Bau des neuen Bahnhofes wird nicht nur die Erschliessung an den öffentlichen Verkehr, sondern auch der Zugang zum Bahnhof bedeutend verbessert.
Die neu gestaltete Bahnhofstrasse ist zur Freude aller Benützer gut gelungen und ermöglicht allen Verkehrsträgern sich frei zu bewegen.
Der Dorfpark konnte erneuert werden und ist heute Begegnungsort für Jung und Alt.
Die Erweiterung der Gemeindeschule passt sich sehr gut in das Ensemble mit dem alten Schulhaus ein und bietet für die nächste Zeit genügend Schulraum für die Schule von Turgi.
Die Sportanlage bei der Bezirksschule konnte wieder in einen Zustand gebracht werden, welcher diesen Namen verdient.
Und ein langer Wunsch nach einem Abdankungsgebäude konnte mit der Ergänzung des Friedhofes verwirklicht werden.
Das alles konnte zu vernünftigen Kosten realisiert werden, so dass trotz den vielen Investitionen die finanzielle Lage als gut bezeichnet werden kann.
Benützte Literatur: Haller, Chronik von Turgi