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abschnitt 1. begrifflicher ansatz: definition der schlüsselbegriffe
über die verschiedenen bedeutungen des begriffs "forschung"
Im Bereich der in der Bildung eingesetzten NIT ist der Begriff der Forschung sicherlich derjenige, welcher am meisten zur Kontroverse einlädt. Aus guten Gründen möchten manche, dass sein Gebrauch auf die durch wissenschaftliche Publikationen belegte Grundlagenforschung über die Bildung beschränkt wird. Im strengen Sinn ist die Forschung also weder ein Experiment, das getätigt wird, "um zu sehen", was los ist, noch die Förderung einer Idee oder eines Produktes. Aber es ist unmöglich zu ignorieren, dass dieser Begriff in einem weiteren Sinn benutzt wird von jenen, die sich auf den Weg der technischen und/oder pädagogischen Innovation begeben. Im übrigen akzeptiert man es, diese Pionierarbeit als "Experiment" oder Aktionsforschung zu betrachten. Genauso unmöglich ist es, die Forderungen jener "Forscher" zu überhören, die sich zur "Entwicklungsforschung" bekennen. Die Konzeption und Entwicklung einer technischen Anlage setzt den Bezug auf aus der Grundlagenforschung hervorgegangenen Modelle voraus (Lern- oder Unterrichtsmodelle). Kurz, was wäre die Welt der Forschung über die Bildungstechnologien ohne diesen Schwarm von Akteuren, die jeder auf seiner Ebene arbeiten, um zu erneuern, zu erfinden, zu entdecken und zu bestätigen?
Wenngleich uns bewusst ist, dass die uns anvertraute Aufgabe sich implizit auf die Bestandsaufnahme der grundlegenden Forschung über die Bildungswissenschaften beschränkt, so haben unsere Besuche an Ort und Stelle uns davon überzeugt, dass letztere nicht existieren könnte ohne die beträchtlichen kollektiven Bemühungen, welche die gesamte Gemeinde erbringt, die durch die NIT und das Problem ihrer Integration in die Unterrichtspraxis betroffen ist. Darum haben wir beschlossen, ein Gesamtbild des Gebietes zu erstellen, indem wir die Bezeichnungen "Grundlagenforschung", "Aktionsforschung", "Bilanzforschung" oder "Entwicklungsforschung" den Arbeiten vorbehielten, die unseres Erachtens der einen oder anderen Kategorie unterstehen, ohne dass wir hierdurch eine Hierarchie zwischen diesen Kategorien aufstellen wollten.
Grundlagenforschung
Die Grundlagenforschung befragt die Gültigkeit der Fakten, Modelle oder Theorien, die ihrer jeweiligen Disziplin eignen. Zu diesem Zweck errichtet der Forscher ein Beobachtungsdispositiv, das seinen Beschreibungen die grösstmögliche Objektivität gewährleistet. Danach unterzieht er seine Beobachtungen der Analyse und der Kritik. Nachstehend in diesem Bericht behalten wir den Begriff der "Grundlagenforschung" den auf anerkannten Medien veröffentlichten Forschungen vor (diese Frage dürfte keine allzu grossen Schwierigkeiten aufwerfen, wenn man die üblichen Kriterien akzeptiert: Zeitschriften und Werke mit Lektüreausschuss). Diese interne "Qualitätskontrolle" durch seinesgleichen ist eine der Originalitäten der akademischen Forschung und gewährleistet deren Unabhängigkeit. Traditionell geschieht der Grossteil der Grundlagenforschung in den Universitäten (oder in Zusammenarbeit mit ihnen). Dies gehört zu ihren vorrangigen Aufgaben.
Aktionsforschung
Wie bei den meisten Arbeiten der Bildungsforschung sind auch diejenigen über die NIT nicht vollkommen unabhängig von der Praxis an Ort und Stelle. Dieses Problem ist offensichtlich, wenn die Praxis der Lehrkräfte der hauptsächliche Untersuchungsgegenstand ist; darum besteht oft die Notwendigkeit, diese Praktiken kontrollieren zu können. Faktisch ist es schwierig für einen Forscher, der beispielsweise den über elektronische Mailboxen verlaufenden Kommunikationsprozess zwischen Klassen untersuchen möchte, zu dem einen oder anderen Zeitpunkt nicht der Versuchung zu erliegen, in den konkreten Installationsvorgang der für diese Kommunikationsweise nötige Telematikvorrichtung einzugreifen. Muss man so weit gehen zu beschliessen, dass diese Phase der Forschung durch die wissenschaftliche Gemeinde nicht anerkannt wird oder dass sie umgekehrt den selben Validationsmodellen unterliegt wie jene die der Grundlagenforschung unterliegen? Wir denken nicht so; die Erfahrung, die wir mit diesen Problemen haben, beweist uns, dass die interessantesten und produktivsten Projekte konstruiert werden, indem man auf allen Ebenen des Dispositivs alle Energien mobilisiert.
Entwicklungsforschung
Zu dieser "interventionistischen" Versuchung kommt noch der starke Zwang hinzu, den die technischen Entwicklungen auf die Forschung im Bereich der NIT ausüben. Wenn der Forscher sich nicht die Mittel gibt, die materiellen Bedingungen zu schaffen, welche die Schüler benötigen, um Zugang zu gewissen Technologien zu haben und diese unter guten Bedingungen zu nutzen, kann manchmal die Existenz selbst des Projekts in Frage gestellt sein. Würde man einem Physiker vorwerfen, am Bau eines Teilchenbeschleunigers teilzunehmen, damit er die Struktur des Atoms studieren könnte? Verallgemeinert heisst dies, dass die Bildungsforschung ohne die technischen Entwicklungen nicht mehr auskommt, und dies aus mindestens drei Gründen:
Gewisse Entwicklungsarbeiten können als Grundlagenforschung eingestuft werden, und zwar nicht nur in der Informatik (was offensichtlich scheint), sondern auch in der Psychologie oder der Pädagogie. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn die Methode darin besteht, ein formales Modell eines Theoriekorpus zu konstruieren (z.B. ein Modell der von einem Schüler erzeugten Fehler bei einer bestimmten Aufgabe). Indes führt diese Praxis oft zu einem Missverständnis. In der Tat bietet in dieser Art der Forschung das konstruierte Softwareprogramm einen wesentlichen wissenschaftlichen Wert, ist aber nicht für die effektive Nutzung in der Klasse konzipiert. So kann man in ihm technisch sehr fortschrittliche Module finden, die aber kein vollständiges System bilden oder über keine robuste Schnittstelle verfügen, um mit dem Anwender zu interagieren.
- Der erste Grund liegt darin, dass die modernen Gesellschaften den Informationstechnologien den Anspruch zuweisen, eine wesentliche Rolle im Unterricht und in der Bildung zu spielen. Dieser Anspruch ist vielleicht missbräuchlich, aber das muss nachgewiesen werden, und nur die Forschung kann dies tun.
- Der zweite Grund ist mit der Tatsache verknüpft, dass diese Technologien (unabhängig vom Willen der Lehrer) das konventionelle Wissen und Know-how (Lesen, Schreiben, Rechnen, ...) verändern und dass es gerade eine der Aufgaben der Schule ist, letzteres zu vermitteln.
- Der dritte Grund schliesslich betrifft die Praxis des Forschers. Die Forschung braucht immer raffiniertere Untersuchungsgegenstände und Instrumente. Die neuen Technologien ermöglichen dem Bildungsforscher, neue Experimentieranlagen zu entwickeln, mittels deren er die Praxis genauer beobachten und seine Beobachtungen besser formalisieren kann.
Bilanzforschung oder "survey"
Die Integration der NIT in das Bildungswesen verlangt den Körperschaften eine gewaltige finanzielle Anstrengung ab. Natürlich wird diese Anstrengung von den Politikern und den Steuerzahlern bewertet, die von den Projektentwicklern manchmal Rechenschaft verlangen. Die Entscheider haben also auch den Bedarf, Bescheid zu wissen über die Art und Weise, in der die öffentlichen Gelder verwendet werden: Sie verlangen von den Akteuren dieser Integration Bilanzen. Diese Bilanzen haben auch eine wichtige Regel- und Kontrollfunktion der Projekte. Aus diesem Grund haben wir gedacht, dass es unabdingbar sei, diese Untersuchungen zu erwähnen und sie als ein Schlüsselelement des Integrationsprozesses der NIT in den Unterricht zu betrachten. Das durch diese Untersuchungen gestellte Grundproblem sind die Mittel, die aus Schulen, Regionen, ja Ländern erhaltenen Ergebnisse zu vergleichen. Mehrere internationale wissenschaftliche Publikationen widmen sich dieser Frage in den USA (Becker, 92) und Europa (Collis & Carleer, 93). In diesen Forschungen, die sich mit einer bedeutenden Zahl örtlicher Erfahrungen befassen, haben die Autoren an den verschiedenen Orten die selben Bewertungskriterien angewandt. Diese methodologische Vorsicht erlaubt interessante Vergleiche, die sowohl für die Wissenschaftler wie auch die Entscheider von Nutzen sind.
Entwicklung von Diensten und/oder Strukturen
Schliesslich sei noch erwähnt, dass die von der Europäischen Union unterstützten Forschungsprogramme bei der Definition von einer institutionellen Finanzierung unterliegenden Projekten die spontane Tendenz des NIT-Sektors zur Entwicklungsforschung oder Aktionsforschung verstärken. Diese Programme zwingen die akademischen Teams fast dazu, Projekte vorzulegen, die eher zum Beruf des "Ingenieurs" als des Forschers gehören. Im Fall des vierten Rahmenprogramms sollen beispielsweise Teams zusammengestellt werden, die fähig sind, die Einrichtung von Telematikanlagen zu begleiten und deren Effizienz oder Angemessenheit im Rahmen einer Ausbildung zu bewerten. Die Dimension der akademischen Forschung ist so gut wie abwesend; manchmal wird sie von den Experten dieser Programme sogar gefürchtet. Die Erfahrung der Vergangenheit hat den Nutzen dieser Projekte für die Förderung und Stimulierung der Entwicklungssektoren belegt (siehe insbesondere das Projekt JITOL), wenn auch für manche diese Forschungen weit davon entfernt sind, den geltenden Kriterien für wissenschaftliche Publikationen von hohem Niveau zu genügen.
- Grundlagenforschung
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- Aktionsforschung
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- Entwicklungsforschung
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- Bilanzforschung oder "survey"
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- Entwicklung von Diensten und/oder Strukturen
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Nationales Forschung Programm 33 - 29 JAN 1996
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