Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03436.jsonl.gz/2187

Grün, Blau, Violett – Polarlichter machen aus einem dunklen Nachthimmel ein faszinierendes Farbenschauspiel.
Bevor die Menschen eine wissenschaftliche Erklärung für die Polarlichter hatten, versuchten sie, selbst Begründungen dafür zu finden. So entstanden von Ort zu Ort unterschiedliche Mythen und Interpretationen, die sich die Menschen über Generationen hinweg weitererzählten. Während so zum Beispiel viele glaubten, dass die Lichter Unheil ankündeten und das Phänomen als schlechtes Omen deuteten (Skandinavien), dachten andere, man könne über die Lichter mit Verstorbenen kommunizieren (Nordamerika). Wieder andere fassten die Lichter als Zeichen für Fruchtbarkeit oder ertragreichen Fischfang auf (Südostasien). Die Lichter waren für die Menschen also lange ein Mysterium, während wir heute eine logische, wissenschaftlich fundierte Erklärung dafür haben.
Physikalisch erklärt
Der Ursprung der Polarlichter liegt bei der Sonne. Immer wieder werden dort Teile des Sonnenplasmas in alle Richtungen weggeschleudert. Man spricht von sogenannten Sonnenwinden. Diese bewegen sich mit enormer Geschwindigkeit durch das All und können dabei auf die Erdatmosphäre treffen.
Wenn das passiert, wird das Magnetfeld der Erde wichtig: Ohne dieses würden die Energieströme unsere Erde komplett zerstören. Das Magnetfeld dient also als Schutzschild. Während es stark verformt wird, lenkt es die Sonnenwinde entlang der Feldlinien ab und leitet sie zu den Polen um.
Dort dringen die geladenen Teilchen des Sonnenwindes nun in die Erdatmosphäre ein, und kommen mit den Sauerstoff- und Stickstoffteilchen der Atmosphäre in Kontakt. Diese Interaktion hat zur Folge, dass Energie abgegeben werden muss, und dies geschieht in Form von Licht. Dieses Licht ist es nun, das wir als Polarlichter wahrnehmen.
Die Farbe des Lichts hängt davon ab, mit welchem Atom der Atmosphäre die Teilchen des Sonnenwindes zusammentreffen, und in welcher Höhe. So entsteht zum Beispiel bei einer Reaktion mit einem Sauerstoffteilchen in 100 km Höhe grünes und in 200 km rotes Licht.
Polarlichter auch bei uns
Auch wenn sich fast alle Polarlichter über den Polarkreisen (66.5 Grad) zeigen, ist es nicht ausgeschlossen, auch hier in der Schweiz welche zu erleben. In ganz seltenen Fällen, wenn die Sonnenwinde extrem schnell und massiv sind, können diese das Magnetfeld so stark wegdrücken, dass sie an beliebiger Stelle in die Erdatmosphäre eindringen, und ein Polarlicht verursachen können.
Die Schattenseite des Phänomens
Da die Sonnenwinde das Erdmagnetfeld stark ins Schwingen bringen, kann es zu Störungen bei Funk, Stromleitungen und Satellitentechnik kommen. So kam es zum Beispiel 1989 in Kanada zu einem tagelangen Stromausfall.
Trotz dieser möglichen Nebenwirkung werden die Polarlichter für die Menschen wohl immer ein magisches und einzigartiges Ereignis sein.
Von Ranja Emam, G3L