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Laure Gabus
13. Januar 2023
«Über Wasser», Drehbuch und Regie: Jela Hasler, Schweizer Filmpreis 2022 für den besten Kurzfilm. Langfilm - Bernard Lang AG
Alles begann im Dezember 2019 mit einer Meldung des Bundesamts für Kultur (BAK): «In der Kategorie «Bester Kurzfilm» war die Anzahl Filme, die 2019 die Zulassungskriterien erfüllten, sehr niedrig. Aus diesem Grund erfolgt in dieser Kategorie für den Filmpreis 2020 keine Nomination», hiess es in der Medienmitteilung. Als Interessenvertretung des Schweizer Kurzfilms reagierte Pro Short umgehend.
Wie konnte es zur Sistierung dieses öffentlichkeitswirksamen, mit 50'000 Franken dotierten Preises kommen? «Das Problem war, dass es immer zu viele Kurzfilme gab», so Ivo Kummer, Chef der Sektion Film beim BAK. Deshalb verschärfte das Bundesamt die Teilnahmebedingungen.
Eine der Bedingungen ist, einen Preis an einem Festival erhalten zu haben, das auf der Succès-Festival-Liste figuriert, die gekürzt wurde. «Das war absurd», so Jasmin Basic, Präsidentin von Pro Short. «Weshalb konnte ein Film sich nicht mehr über die Selektion für eine nationale Kategorie eines Festivals qualifizieren? Intern fehlte das spezifische Fachwissen, und Pro Short fehlten konkrete Zahlen.»
Pro Short gab also eine erste Studie zur Entwicklung der Teilnahmebedingungen für den Schweizer Filmpreis in der Kategorie «Bester Kurzfilm» von 2013 bis 2020 in Auftrag. Sie brachte zutage, dass die Zahl der teilnahmeberechtigten Filme von 2013 bis 2020 um 75 Prozent zurückgegangen ist, was auf die geänderten Teilnahmebedingungen für Schulfilme und die gekürzte Succès-Festival-Liste zurückzuführen ist.
«Die Festivalliste war zu restriktiv», räumt Ivo Kummer ein. Die Situation und die Kategorie «Bester Kurzfilm» wurden folglich vom BAK überarbeitet im Rahmen einer «Neueinschätzung mit anderen Experten, die grössere Festivals vorschlugen. Das ist ein dynamischer Prozess, eine Art Fine-Tuning», so Ivo Kummer. Jasmin Basic zeigt sich zufrieden: «Wir haben hart gearbeitet, um das wieder in Ordnung zu bringen».
Die Schweizer Filmakademie ist nicht involviert, da gemäss ihrem neuen Co-Präsidenten Samir die Auswahlkriterien seit jeher vom BAK festgelegt werden.
In der Folge gab Pro Short eine zweite Studie in Auftrag, um die Situation des Schweizer Kurzfilms zwischen 2012 und 2019 zu beurteilen. Daraus ging hervor, dass der Kurzfilm sich durch eine starke Diversität, einen hohen Frauenanteil und eine grosse Produktivität auszeichnet: Pro Jahr wurden durchschnittlich 210 Filme mit einer Spieldauer von unter 60 Minuten registriert, Langfilme hingegen nur 111. Allerdings nahm die Anzahl Kurzfilme stetig ab, weshalb eine Befragung durchgeführt wurde, um die Gründe dafür zu verstehen.
Das grösste Hindernis scheint der erschwerte Zugang für Kurzfilme zu den Förderinstrumenten des BAK zu sein. Die Studie verlangt deshalb «Verbesserungen und Vereinfachungen» bei den Förderanträgen. Als Beispiele nennt Pro Short eine selektive Förderung Drehbuch und Projektentwicklung (wie für Langfilme), oder die Möglichkeit, schon vor dem Kommissionsentscheid mit den Dreharbeiten zu beginnen. «Ziel ist es, die Attraktivität zu steigern», so Jasmin Basic. «Es geht nicht darum, alles neu zu erfinden, sondern Dinge zu korrigieren, die aus mangelndem Wissen entstanden sind und entmutigend wirken.»
Beim BAK erklärt Ivo Kummer, sein Amt richte sich nach der Verordnung über die Filmförderung: «Wir behandeln alle Anträge gleich, wir können keine Ausnahmen für Kurzfilme machen.» Die Verordnung anzupassen sei möglich, «doch Gesetzesänderungen brauchen Zeit», gibt er zu bedenken. Unterdessen fordert die Studie von Pro Short die SRG und die regionalen Filmförderungen auf, die Produktion von Kurzfilmen zu stärken.
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