Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03134.jsonl.gz/1129

Er erinnert sich an die Anfänge von CRB: Obwohl das Bedürfnis nach Rationalisierung im Bauwesen vorhanden war, musste zu Beginn viel Überzeugungsarbeit geleistet werden.
Diego Peverelli, dipl. Architekt HfG Ulm. 1964–1969 technischer CRB-Mitarbeiter im Bereich Baunormung; 1969–1976 Co-Redaktor der Zeitschrift «Werk»; 1982–1997 Redaktor CRB-Bulletin; 1973–2014 Lehrtätigkeit an der École d’Architecture de l‘Université de Genève, an der École Nationale Supérieure d‘Architecture de Strasbourg sowie als Gastdozent an der Bauhaus-Universität Weimar.
Herr Peverelli, wie sah CRB Anfang der 60er-Jahre aus?
Als ich meine Tätigkeit im Januar 1964 begonnen habe, hiess die junge Institution noch «BSA SIA Zentralstelle für Baurationalisierung». Kurze Zeit später kam der Schweizerische Baumeisterverband SBV als dritter Trägerverband dazu, und die Zentralstelle erhielt den heutigen Namen. Sie bestand aus dem ersten Geschäftsführer Heinz Joss, einer Halbtagssekretärin und mir.
Welche Ziele hat der Verein damals verfolgt?
Von Anfang an bestanden enge Kontakte zu ähnlichen Institutionen in Deutschland, Österreich, Grossbritannien, Frankreich, Italien, Schweden und Dänemark. Die Arbeitsthemen der Zentralstelle wurden durch diese internationalen Erfahrungen auf dem Gebiet der Rationalisierung und der Baunormung beeinflusst. Einer der ersten Tätigkeitsbereiche ergab sich aus einem internationalen Projekt für modulares Bauen, das den schnellen Wiederaufbau Europas zum Ziel hatte. Daraus entstand das modulare Masssystem «Modul-Ordnung im Hochbau». Es diente als Instrument für die Masskoordination und zur Vereinheitlichung der Produktion von Bau- und Gebäudeteilen in der Bauindustrie. Diese Modul-Ordnung zu propagieren und zu erläutern, war eine der ersten Aufgaben der Zentralstelle.
Können Sie sich noch an die ersten Produkte erinnern?
Die erste Norm, die ich bearbeitete, war die Norm über Zeichnungsformate. Dann folgten die erwähnte Modul-Ordnung sowie die Normen zu Geschosshöhen, Sanitärräumen und keramischen Wandplatten. Eine Norm über bauliche Massnahmen für Gehbehinderte existierte bereits. Diese ersten Normen wurden hauptsächlich für die Anwendung im Entwurfsprozess erarbeitet. Parallel dazu begann die Entwicklung einer Systematik als Grundlage für einen Baukostenplan sowie für eine Anwendung mit EDV. Wenig später hatten die Baumeister, die darunter litten, dass die gleichen Arbeiten unterschiedlich ausgeschrieben wurden, die Idee für den Normpositionen-Katalog NPK, und die ersten Hefte zur Beschreibung der Baumeisterarbeiten entstanden. Damit verlagerte sich die Tätigkeit von CRB von der Bauplanung in Richtung Bauausführung.
Wie ist es damals gelungen, die unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bringen?
Obwohl eine im Auftrag des BSA 1961 bei Architekten durchgeführte Umfrage klar gezeigt hatte, dass in der Praxis ein Bedürfnis für eine Baunormung und Rationalisierung der Bautätigkeit vorhanden war, gab es doch Widerstände. Die Architekten und Ingenieure waren zunächst skeptisch gegenüber diesen Ausführungsrichtlinien. Sie wurden als Einengung der eigenen kreativen Arbeit empfunden. Durch eine intensive Erläuterungsarbeit ist es aber gelungen, die Bauschaffenden von den Vorteilen zu überzeugen, und die Tätigkeit von CRB fand immer mehr Zustimmung, auch von der öffentlichen Hand.
Die Herausgabe des BKP und der ersten NPK-Kapitel spielte dabei eine zentrale Rolle. Damit wurde ein Instrumentarium geschaffen, das die Projektadministration stark vereinfachte.
Sie haben CRB bis in die 90er-Jahre eng begleitet. An welche Meilensteine erinnern Sie sich?
Die Erarbeitung der ersten NPK-Hefte in Arbeitsgruppen, in denen Vertreter der Architekten und Unternehmer der spezifischen Branchen ihre praktischen Erfahrungen einbrachten, war ein wichtiger Schritt. Ein weiterer Meilenstein war dann der Übergang zur computerunterstützten Arbeitsweise zu Beginn der 80er-Jahre. CRB begann mit der Entwicklung einer einheitlichen, für den Hoch-, Tief- und Untertagbau gültigen, EDV-gerechten Datenbibliothek, des sogenannten NPK Bau 2000. Und dann erinnere ich mich auch an die Einführung des NCS-Farbsystems in der Schweiz, das war 1982.
Von 1982 bis 1997 waren Sie Redaktor des CRB-Bulletins. Wie hat sich die Mitgliederzeitschrift entwickelt?
Die Zentralstelle hatte bereits 1964 ein Informationsbulletin herausgegeben, ein einfaches, mit der Schreibmaschine geschriebenes Mitteilungsorgan. Daraus hat sich dann in den 80er- und 90er-Jahren eine Zeitschrift für Architekten, Ingenieure und Unternehmer entwickelt mit interessanten Beiträgen zur Schweizer, teilweise auch zur internationalen Architekturlandschaft. Heute ist das Bulletin ein Informationsorgan, das die Tätigkeit und die Produkte von CRB erläutert – diese technisch immer anspruchsvollere Entwicklung verständlich darzustellen, ist schwierig, aber wichtig.
Entspricht das heutige CRB dem, was die «Gründer» in den Anfängen daraus machen wollten?
Ja, CRB ist immer noch eine sehr wichtige Institution. Es hat noch die gleichen Aufgaben: zur Rationalisierung im Bauwesen beitragen sowie die Verständigung und den Informationsaustausch erleichtern. Damals war Pionierarbeit gefragt – dies gilt heute in Zeiten der Digitalisierung sicher immer noch. CRB hat in den letzten 60 Jahren ein umfangreiches, branchenübergreifendes Fachwissen angesammelt, das den Bauschaffenden in drei Sprachen zur Verfügung steht.