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Zwei Ökonomen der Universität Delaware untersuchten die Gespräche des US-Präsidenten Richard Nixon mit dem damaligen Zentralbankchef Arthur Burns und mit seinem Mitarbeiterstab. Nixon hatte alle Gespräche im Oval Office heimlich aufzeichnen lassen. Diese «Nixon-Tapes» belegen, wie skrupellos der Präsident schon vor der Aufhebung der Golddeckung die Zentralbank zu einer lockeren Geldpolitik nötigte.
Ende Januar 1970 setzte Nixon mit Arthur Burns einen loyalen Republikaner an dieSpitze des Federal Reserve, der Zentralbank der USA. Die Wirtschaft befand sich in einer Rezession und das Fed bekämpfte diese mit einer lockeren Geldpolitik. Doch Nixon wollte mehr. Er verlangte von Burns, die Geldmenge weiter zu erhöhen und die Zinsen zu senken. Das sollte die Arbeitslosigkeit senken und so Nixons Wiederwahlchancen verbessern.
Burns weigerte sich, weil er ein weiteres Ansteigen der Inflation befürchtete. Ab Anfang 1971 erhöhte Nixon den Druck auf Burns. «Ich wäre hocherfreut, der erste Präsident seit dem Krieg zu sein, der das Fedübernimmt, wenn es notwendig ist», sagte Nixon am 5. März 1971 zu seinem Finanzminister John Connally. Dieser drohte Burns, er werde in der Regierung isoliert, sollte er nicht nachgeben.
Burns warnte Nixon
Am 19. März warnte Burns den Präsidenten: «Mit weiteren Zinssenkungen riskieren wir, eine internationale Finanzkrise auszulösen.» Am 8. Juni 1971 äusserte auch der monetaristische Vordenker Milton Friedman gegenüber Nixon seine Bedenken wegen der inflationären Folgen der zu lockeren Geldpolitik. Doch Nixon liess das kalt. Wegen Inflation sei noch kein Präsident abgewählt worden, wegen Arbeitslosigkeit schon, sagte er seinen Mitarbeitern.
Als im Fed-Gouverneursrat eine Vakanz entstand, beauftragte Nixon seinen Finanzminister Connally, „den lockersten Geldpolitiker“ zu suchen, den er finden könne («to find the easiest money man in town»). Nixon: «Ich will einen Mann im Rat, den ich kontrollieren kann.» Burns solle im Dunkeln darüber gelassen werden, wer das sein würde. Zudem beauftragte Nixon seine Mitarbeiter, an die Medien durchsickern zu lassen, die Regierung arbeite an einem neuen Zentralbankgesetz. Das Ziel sei, die Unabhängigkeit des Fed einzuschränken und den Gouverneursrat zu vergrössern, um die Macht von Burns einzuschränken. Burns gab seinen Widerstand auf.
Die Nixon-Tapes zeigen, wie sich Nixon über diegegen aussen hochgehaltene Unabhängigkeit der Zentralbank lustig machte.
Nixon: «Burns kümmert sich darum. Korrekt?»
Burns: «Burns ist auf Kurs.»
Nixon: «Arthur, Sie sind unabhängig!»
Burns lacht.
Nixon: «Unabhängig! Sie kriegen das hin. (...) OK?»
Die expansive Geldpolitik und die hohe Inflation liessen das Vertrauen in den Dollar rasch erodieren. Andere Zentralbanken machten zunehmend von ihrem Recht Gebrauch, ihre Dollar beim Fed gegen Gold einzutauschen. Die Goldreserven der USA flossen immer schneller ins Ausland ab. Am 15. August 1971 hob Nixon schliesslich die Golddeckung des Dollar auf. Das war das Ende des nach dem Zweiten Weltkrieg installierten internationalen Währungssystems von Bretton Woods, mit seinen festen Wechselkursen und dem goldhinterlegten US-Dollar als Leitwährung – und der Anfang der Papiergeld-Ära, die bis heute anhält.
Die Unabhängkeit der Zentralbank war im Weissen Haus zum Witz verkommen, schliessen die Autoren aus der Auswertung der Nixon-Tapes. Die viel zu expansive Geldpolitik war nicht die Folge einer Fehlbeurteilung der Zentralbank, sondern das Resultat der Nötigung des Fed-Chefs durch Nixon, der sich damit die Wiederwahl 1972 sicherte. Erst unter Burns Nachfolger Paul Volcker, ab 1979, bekam das Fed die Inflation wieder in den Griff.