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The Resto Diaspo
Das Resto Diaspo war ein Restaurant im Industriequartier von Zürich. Eröffnet wurde es 1963 von Aktivist*innen der globalen Mehrheit und diente als Treffpunkt für die Diaspora Gemeinschaft des Viertels sowie für Radikale, Filmemacher*innen, Dichter*innen und Musiker*innen.
Zu Beginn der Protozone4 griff die Installation die ritualisierte Sozialität des Restaurants auf und war als Setting gedacht, in dem der Geist des Resto Diaspo zum Leben erweckt werden sollte. Doch das Resto schloss unerwartet und ist noch immer mit den Umständen konfrontiert, die zu diesem Schritt führten.
Die ursprüngliche Idee der Installation war es, die Kraft und die Aufmerksamkeit, die einer Ausstellung zuteil wird, umzuverteilen. Nun arbeiten wir stattdessen an der Frage, warum diese Umverteilung in unserem Fall gescheitert ist? Wie reproduzieren wir das, was wir als BIPoC systemisch erleben, gegenüber anderen BIPoC? Wie können wir dazu beitragen, die Dringlichkeit der Aussagen und die Bedeutung der Stimmen derjenigen sichtbar zu machen, die systematisch unsichtbar gemacht werden?
Als Ausstellung innerhalb der Ausstellung zeigt die Resto Diaspo Installation die Werke der mitwirkenden Künstler*innen Rosida Koyuncu, Meloe Gennai und Roble / RO X.
Rosida Koyuncu – Cabin19Bis – Sans Frontières (2019), Video (11:17 min)
(Übersetzt aus dem Türkischen) Jedes Jahr werden in Genf Umkleidekabinen in der Mitte des Sees (im Bains des Pâquis) von Künstler:innen dekoriert. Die Aktion beginnt am 1. Dezember und jeden Tag wird eine Kabine geöffnet. Dieses Jahr gibt es insgesamt 24 Kabinen. Ich habe die 19. mit dem Thema “Sans Frontières” gestaltet. Ausgestellt sind Fotos und Geschichten von Menschen, deren Leichen gefunden wurden oder nicht gefunden werden konnten, sowie Gegenstände, die an diejenigen erinnern, die nach Europa wollten und in den Gewässern der Ägäis ihr Leben verloren.
Sie sagen, dass es in der Schweiz keinen Platz für Geflüchtete gibt und schicken sie in unterirdische Lager. Ich habe ein Foto aufgehängt, das den Namen eines grossen Einkaufszentrums in Genf zeigt (Balexert). Alle kennen diesen Ort, aber niemand weiss, dass sich darunter ein unterirdisches Lager befindet. Nachdem die Besuchenden die Beschreibung unter dem Foto lesen, schauen sie das Video, das die unterirdischen Lager zeigt. Das Video heisst “Untergrund”. Auf die Frage was sich im Untergrund befände antwortet jeder „Ein Parkhaus“ und sobald klar wird, was sich unterhalb des Kaufhauses wirklich befindet, sind sie überrascht.
Am Tag, als meine Kabine geöffnet wurde, habe ich meinen Körper in Strumpfhosen gehüllt und mit Lehm eingerieben. Anschliessend bin ich durch die Menschen bis hin zur Kabine hindurch gelaufen und habe eine Zeremonie abgehalten. Die auf meinem Körper aufliegenden Strumpfhosen und der Lehm symbolisieren meine Grenzen und ich habe sie aufgesprengt. Während der Performance wurde ich von einer Rahmentrommel und lauten Rufen begleitet und bin so zum Wasser gelaufen.
Rosida Koyuncu – Life isn’t a quiet river | Zehra Doğan (2021), Video (11:17 min)
“Life isn’t a quiet river” ist eine Videoarbeit der kurdischen exilierten Künstlerin und Journalistin Zehra Doğan, das die Freundlichkeit der Solidarität in Zeiten politischer Unsicherheit erforscht. Im Jahr 2016 wurde Doğan als politische Gefangene wegen einer Zeichnung inhaftiert. Ihr Kunstwerk, das die Zerstörung der mehrheitlich kurdischen Stadt Nusaybin darstellt, und ihre anschließende Verhaftung lösten eine weltweite Diskussion über die Bedeutung der Meinungsfreiheit aus. Der Kurzfilm stützt auf die Kraft des Schreibens und zeigt, wie Doğan über das Mitgefühl von Anhänger:innen aus aller Welt nachdenkt, die ihr während ihrer 600-tägigen Haft Briefe geschrieben haben. Der Film wurde im Sommer 2020 in Zusammenarbeit mit vielen von Doğans Künstlerfreund:innen im Exil gedreht, als sie durch Europa reisten.
Meloe Gennai, Emmanuel Yoro – queer colonialism (2021), 6 graphic poetry posters
“queer colonialism” ist eine textbasierte Arbeit von Meloe, die in einer Phase der Selbstverwirklichung und Identitätsbildung rund um afro-abstammende Trans-Identität und autistische Kulturen entstand. Sie ermöglicht es Meloe aktuelle Missstände zu benennen: die Aneignung von Trans-Kulturen durch (queere) Cisgender-Personen; die Formen der Verleugnung ihres Weißseins von weißen Queer- und Trans-Personen durch die Betonung ihrer “Minderheiten”-Identitäten und die daraus resultierende Ausbeutung und Gefährdung von rassifizierten Trans-Körpern. Der Text ist ein Pamphlet, eine Manifestation der selbstbestimmten Existenz, die durch die Zusammenarbeit mit Emmanuel Yoro noch verstärkt wird. Letzteres ist Ausdruck der Reflexion über die individuellen Überschneidungen und gemeinschaftlichen Bindungen, die trotz der Aufrechterhaltung unterdrückender und ausbeuterischer weißer und/oder cisgeschlechtlicher Vorherrschaftslogiken geschaffen werden. Emmanuel Yoros Werk ist eine Begegnung mit dem Text, in dem sich der Künstler selbst wiedererkennt.
Collective X – blackity black black (2020), poetry zine in collaboration with Meloe Gennai, Deborah Macauley, Cassandra Press, Luma Westbau
Blackity Black Black ist ein Fanzine mit Poetry-Beiträgen von Kami, Titilayo Adebayo, Jean F., Meloe Gennai, Marilyn Umurungi, Emmanuel Yoro und Yara Dulac Gisler. Als Reaktion auf den ausdrücklichen Wunsch der afroamerikanischen Künstlerin Kandis Williams und Cassandra Press, lokale schwarze Dichter zu veröffentlichen, beauftragten Deborah MacCauley und Joëlle Gbeassor das Collective X (IG: _x-collective_x_) und Meloe Gennai, dies zu ermöglichen. Der Name des Zines wurde nach dem gleichnamigen Gedicht von Titilayo gewählt. Der Kunstraum Luma Westbau leistete Unterstützung und Emmanuel Yoro steuerte sein Wissen über Design und Collagekunst bei, um diese Plattform für begabte junge schwarze queere Dichter:innen zu schaffen.
Roble / RO X – NASAB (2021), Video (18:22 min)
Wir sprechen im Rückführungszentrum jeden Tag über unsere Situation als illegale Einwander:innen, denn das ist das Leben, das wir führen und seine Härte, die wir täglich ertragen. Manchmal bringt es uns zum Lachen, manchmal macht es uns fertig. Oft deprimiert es uns und gibt uns ein ohnmächtiges Gefühl der Leere; eine Schicksalsgemeinschaft ohne Hoffnung und Zukunft, eine Gruppe von Menschen ohne wirklichen Sinn und Zweck im Leben.