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Kultur
L.A.: Kulisse unserer Träume
Die junge Schauspielerin Mia (Emma Stone) und der Jazzmusiker Sebastian (Ryan Gosling) haben eines gemeinsam: sie wollen ihren Traum verwirklichen. Aber als ihre Liebesgeschichte schließlich beginnt, finden sie sich bald in einer pragmatischen Lösung wieder: Sebastian tourt mit einer modernen Jazzband und hat sich damit arrangiert, Mia schreibt ihre Theaterstücke und hofft weiterhin auf ihren Durchbruch. Nebenbei hetzt sie von Audition zu Audition und schwört jedes Mal, dass dies die letzte Audition war. Der zu Unrecht als bloßes Musical abgetane Film "La La Land" hat durchaus Tiefgang, auch wenn man das an der Anfangsszene im Stau auf der Autobahn in L.A. noch nicht vermuten würde. Die Szene, die als Zitat von Godards Weekend angelegt ist, entfaltet sich unvermutet in eine Massenszene, in der alle Autofahrer plötzlich zu tanzen und zu singen beginnen und hinter dem Verladedeck eines Lastwagens eine ganze Percussionsgruppe auf ihren Einsatz wartet. Tanzen und singen werden die Schauspieler im Verlauf des Films "La La Land" noch mehrmals und zwar jedes mal wenn sie träumen, träumen, von der Verwirklichung ihres Lebenstraumes. Und bald fragt man sich auch selbst: was genau war eigentlich noch mein Lebenstraum?
"The Rope-a-Dope Tactics"
Die große, amerikanische und bunte Familie singt und tanzt am Highway, bis sich Sebastian und Mia das erste Mal begegnen: bei einem Überholmanöver auf der verstopften Autobahn. "La La Land" ist in fünf Jahreszeitenkapitel gegliedert und der "Winter of our discontent" hat nach der Highwayszene gerade erst begonnen. In einer Parallelmontage werden dann die beiden unterschiedlichen Leben von Sebastian und Mia gezeigt: sie lebt in einer Mädchen-WG und in der Badezimmer-Szene tanzen alle in bunten Kleidern durch die Räume. Sebastian hingegen wird von seiner Schwester auf sein infantiles Single-Künstlerleben hingewiesen, sie glaubt, er hänge in den Seilen, aber in einem witzigen Dialog erklärt er ihr dann seine "rope-a-dope tactics": "I want to hang in the ropes. It’s not that life got me hanging in the ropes, I leave it there, until it gets tired and then im gonna hit back", verspricht er, der "Phoenix aus der Asche", der "shang-haied" wurde.
Natürlich in L.A.!
"La La Land" ist nicht nur eine Hommage an "Denn sie wissen nicht, was sie tun" (Originaltitel: Rebel without cause, 1955) und Ingrid Bergmann, deren Porträt über Mias WG-Bett hängt, sondern auch an die Traumkulisse L.A.s, etwa wenn Mia an dem bekannten L.A. Murial vorbeihuscht oder Männer in Anzügen als Hommage an Peter Sellars "Der Partyschreck" (Originaltitel: The Party, 1968) in einen Swimming Pool springen und eine Live-Band am Swimming Pool "Take on Me" von A-ha oder "Tainted Love" von Soft Cell spielt: die 80er als Jahrzehnt der Hoffnung? Oder der zerbrochenen Jugendträume? Die Tanzenden in knalligen, zuckerfarbenen, gelben, roten, blauen und grünen Kleidern zeigen nicht nur den schlechten Zustand des öffentlichen Straßennetzes von L.A., sondern auch die bunten Lichter der Großstadt, Palmen, Sonnenauf- und -untergänge und prickelnden Champagner: "Somewhere there’s a place where I’m gonna find whom I’m gonna be". Natürlich in L.A.!
Traumkulisse L.A.
"They worship everything, but value nothing: that’s L.A." heißt es an einer anderen Stelle über die Traumstadt und als sich die beiden Liebenden im Rialto-Kino zur Recherche endlich den James-Dean-Film ansehen wollen, reißt das Zelluloid genau in dem Moment, als sie sich küssen wollen. Kurzerhand springen sie dann in Sebastians Coupé und fahren an den Originalschauplatz zum Griffith Park Observatory. Auf diese Weise verschwimmt Traum und Wirklichkeit, Fiktion und Realität und unter dem künstlichen Sternenhimmel des Observatoriums küsst es sich genau so gut wie unter dem echten von L.A. "La La Land" ist ein zauberhafter Film über’s Verliebtwerden und -sein, die Liebe im Frühling, Schmetterlinge im Bauch und den siebten Himmel. Aber auch über den "Winter der Liebe". "La La Land" erinnert uns an die Zeit in der wir selbst noch Träume hatten und die Kraft und Energie sie auch zu verwirklichen. "Here's to the ones who dream/Foolish as they may seem/Here's to the hearts that ache/Here's to the mess we make", ein wunderbares Lied, die Gläser zu heben und auf die Jugend und einen ganz besonderen Film anzustoßen.