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Viele meiner Patienten haben ein sogenanntes neurologisches Bild. Ein neurologisches Bild ist ein Sammelname für Symptome, die auftreten, wenn das Nervensystem betroffen ist. Einer der bekanntesten Symptome ist das Zittern bei Patienten mit dem Parkinsonsyndrom. Das Zittern nennt man Tremor. Ein Gehirnkern, die Substantia nigra, produziert bei Parkinsonpatienten kein oder zu wenig Dopamin. Und Dopamin sorgt dafür, dass unsere Bewegungen schön gleichmässig und kontrolliert verlaufen. Aber alle Muskeln können weiterhin, sei es zitternd, eingesetzt werden. Bei anderen neurologischen Bildern sieht man einen Ausfall von einem oder mehreren Muskeln. Dieser Ausfall kann im ganzen Körper stattfinden oder nur lokal. Wenn z.B. die grossen Beinnerven aus der Lendenwirbelsäule, kurz LWS genannt, betroffen sind, kann es zu einem sgn Fallfuss kommen. So auch bei meinem Patienten, der dieses Problem hatte nachdem man eine Verengung in seiner Wirbelsäule, eine Lumbalkanalstenose, operativ behoben hatte. Leider war es für die Fussheber des rechten Fusses zu spät und seitdem hat er Probleme beim Laufen.
Wenn man den Lauf eines Menschen analysiert unterscheidet man folgende Phasen, die abwechselnd mit dem linken und rechten Bein stattfinden (Wir sind schliesslich keine Kängurus): Die Landungsphase (Der Fuss setzt vor unserem Körper mit der Ferse zuerst auf den Boden auf), die Stützphase (Der Fuss "roll"` ab bis auf den Vorfuss), die Abstossphase (wobei der Fuss gestreckt wird) und schliesslich die Schwungphase (wobei der Vorfuss so angehoben wird, dass man wieder auf die Ferse landen kann. Aber obwohl noch ganz minime Aktivitäten der Hebemuskulatur spürbar sind, reicht die freigesetzte Kraft nicht aus, den Fuss anzuheben und somit kann er die Ferse nicht als erstes aufsetzen. In der Schwungphase bleibt der Fuss so weit nach unten hängen, dass er mit den Zehen über den Boden streift und stolpert. Und dabei ist er ein echter Mann. Echte Männer wollen mobil bleiben und zwar so, dass man nicht sieht, dass ihm etwas fehle. Deshalb lief er nach der ersten Rückenoperation lange Strecken an seinem Rollator in der Hoffnung, der Fuss würde sich erholen, was aber nicht passierte.
Jetzt gibt es zwar Hilfsmittel, die den Fuss korrigieren, aber das sind Gestelle, die den ganzen Unterschenkel bedecken und mit dem man aussieht wie ein Ritter aus dem Mittelalter.
Mein Patient, der wie gesagt ein echter Mann ist, wollte das nicht. "Dann kan ich genau so gut ein Schild um meinen Hals tragen mit der Aufschrift: Ich bin gehbehindert. Bitte nicht füttern", sagte er mir als wir darüber sprachen. Wir haben uns dann drüber unterhalten, was ein Hilfsmittel ermöglichen sollte und wie man so etwas mit wenig Material und einfach herstellen könnte. Beim nächsten Besuch überraschte er mich mit der Konstruktion, wie auf dem Foto abgebildet. Die Schnur ist elastisch und vorne auf dem Schuh befestigt und zieht somit den Fuss hoch. Mit einem Knoten hakt man die Schnur ein und damit bestimmt man, wie stark die Schnur den Fuss anhebt. Inzwischen haben wir eine Schnur mit drei Knoten versehen. Ich habe diese Konstruktion "Hartmann-Madou-Orthese". Habt ihr Verbesserungsvorschläge oder andere Ideen? Bitte schreibt mir (<email-pii>).