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Trichotillomanie gehört zu den Impulskontrollstörungen und beschreibt das zwanghafte Ausreissen von den eigenen Körperhaaren aus nicht-kosmetischen Gründen. Impulskontrollstörungen sind durch wiederholte Handlungen ohne rationale Motivation gekennzeichnet, die nicht kontrolliert werden können und die meist die Interessen des betroffenen Patienten oder anderer Menschen schädigen. Bei der Trichotillomanie werden die Haare zumeist vom Kopfhaar, den Augenbrauen oder Wimpern ausgerissen, die Störung kann sich jedoch an allen Stellen mit Körperbehaarung zeigen. Trichotillomanie tritt häufig erstmals in der Pubertät auf, kann sich aber auch bereits im frühen Kindesalter oder erst im Erwachsenenalter entwickeln. Die Symptome können Monate bis Jahre, bei einigen sogar ein Leben lang bestehen. Betroffene Personen erleben zumeist ein starkes Gefühl der Anspannung oder Ängstlichkeit, welches durch das Ausreissen der eigenen Haare gelindert werden kann. Es sind 1-2% der Bevölkerung von dieser Erkrankung betroffen. Im Kindesalter tritt die Erkrankung bei Jungen und Mädchen gleich häufig auf, im Erwachsenenalter kommt Trichotillomanie vorwiegend bei weiblichen Personen vor.
Symptome
Personen, die an Trichotillomanie erkrankt sind, reissen sich ihre eigenen Haare aus. Die Stelle und Intensität variiert zwischen den betroffenen Personen. Das häufige Ausreissen kann zu kahlen Stellen oder ausgedünntem Haar führen. Es ist Betroffenen möglich, mit der Zeit die Stelle zu wechseln, wo sie das Haar ausreissen. Während einige Personen die Handlung automatisch ausführen, sind sich andere dieser bewusst. Häufig findet ein Verlauf statt, bei dem das Ausreissen anfänglich noch bewusst geschieht und zunehmend automatisiert wird. Das zwanghafte Haarausreissen hängt nicht mit dem eigenen Aussehen zusammen. Bei vielen Betroffenen geht ein Gefühl der Spannung oder Ängstlichkeit voraus, welches durch das Ausreissen der Haare gelindert werden kann. Einige Betroffene verspüren daraufhin ein Gefühl der Befriedigung. Es wird vermutet, dass bei der Trichotillomanie nicht das Ausreissen der Haare, sondern die anschliessende orale Beschäftigung mit den Haaren im Vordergrund steht. Betroffene sind meistens unfähig, dem Impuls des Haarausreissen zu widerstehen. Während die Reissepisoden bei einigen Betroffenen nur von kurzer Dauer sind, erleben andere stundenlang anhaltende Episoden. Betroffene reissen sich die Haare in der Regel nicht in der Öffentlichkeit aus und verleugnen, verheimlichen oder banalisieren die Symptomatik.
Das Haarausreissen geht gehäuft mit anderen Ritualen einher. Gewisse Personen suchen nach einer bestimmten Haarsorte, die sie daraufhin ausreissen. Andere rollen ihre Haare erst zwischen den Fingern, beissen darauf oder verschlucken es sogar nach dem Ausreissen. Manche Betroffene erleben es als genussvoll, auf dem Haar herumzukauen, es zu zerteilen oder die Wurzel abzubeissen. Das Verschlucken der Körperhaare, die sogenannte Trichophagie, kann körperliche Beschwerden verursachen. Die Haare bilden einen Knoten, der im Magen oder Verdauungstrakt stecken bleiben kann. Dies zieht eine Vielzahl an Komplikationen nach sich. Betroffene fühlen sich beim Essen zu früh satt, leiden an Übelkeit, Erbrechen oder Schmerzen und erleben Verdauungsprobleme.
Weitere Symptome, die Betroffene der Tichotillomanie gehäuft zeigen, sind das wiederholte Zupfen an der Haut, das Kauen auf den Nägeln oder Wangen sowie weitere körperbezogene repetitive Handlungen. Einige Betroffenen reissen zudem anderen Menschen oder Tieren die Haare aus. Ein weiteres Begleitsymptom ist das Ziehen von Fäden aus Decken, Kleidern oder anderen Textilien.
Das zwanghafte Haarausreissen und der damit verbundene Kontrollverlust können zu einer starken Belastung für Betroffene führen. Dazu kommt häufig eine Scham bezüglich des eigenen Aussehens, das unter der Erkrankung leidet. Betroffene greifen vermehrt zu Perücken oder Accessoires, um den Haarverlust zu verstecken. Gewisse Personen wechseln bewusst die Stelle des Haarausreissens, damit es weniger auffällt. Betroffene Personen vermeiden zudem häufig Situationen, in denen der Haarverlust gesehen werden kann. Zu einer Diagnose der Störung kommt es, weil sich Betroffene so viele Haare ausreissen, dass sie an Haarausfall leiden, weil sie das Ausreissen erfolglos zu unterdrücken versuchen, wenn sie eine Belastung durch das zwanghafte Haareausreissen erleben oder wenn ihre Funktionsfähigkeit beeinträchtigt wird.