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Fabiola berichtet von ihrem Auslandpraktikum in Gambia.
Kürzlich hatten zwei Mitarbeiterinnen (ich nenne sie Judith und Amie) und ich den Auftrag, ein bestimmtes Dokument beim Schuldepartement zu organisieren. Dafür reisten wir in einem «Gäligäli» (Sammeltaxi), für umgerechnet 32 Rappen in die etwa 20 km entfernte Stadt Brikama.
Ganz westlerisch im Denken, hatte ich angenommen, dass Judith oder Amie einen Termin mit dem PEO (hauptverantwortlicher Bildungsbeauftragter), bei welchem wir vorsprechen sollten, vereinbart hatten. Dem war jedoch nicht so; er sollte erst eine Stunde später in sein Büro zurückkehren.
Judith meinte, wir könnten in der Zwischenzeit in den nahegelegenen Copy Shop gehen, um das Formular, welches der PEO unterzeichnen sollte, auszudrucken. Sie hatte dieses bereits als E-Mail erhalten und es in ihrem Smartphone gespeichert. Prima Idee! So schlenderten wir in der sengenden Hitze zum nächsten Copy Shop.
Dies war ein kleiner Raum, spartanisch ausgestattet mit halbwegs intakte Stühlen, drei Tischchen, zwei Computern und ein paar Beigen mit Papier, welche sich auf dem sandigen Boden befanden. Ausserdem waren bei unserer Ankunft fünf Männer im Raum anwesend.
Judith wollte gerade das gespeicherte Dokument ausdrucken lassen, als sie realisierte, dass sie kein Guthaben mehr auf ihrem Smartphone hatte und somit nicht ins Internet gelangen konnte.
In den folgenden eineinhalb Stunden(!)
- ging Judith ihr Handy aufladen
- fand Judith heraus, dass dieses nicht mit dem Computer des Shops kompatibel war
- sendete sie das Dokument an meine E-Mail-Adresse, damit wir es via mein Telefon auf dem Computerbildschirm anschauen konnten
- fingen zwei der anwesenden Herren im Shop an, über einem kleinen, offenen Kohleofen, den für Westafrika so typischen Grüntee namens Ataya aufzubrühen
- lehrten Amie und die zwei Männer mich einige neue Ausdrücke in Mandinka (lokale Sprache)
- nahm Judith unzählige Änderungen an jenem Dokument vor
- kam ein Wanderverkäufer in den Shop, welcher Wundermedizin (Eucalyptusöl) – direkt aus Indien importiert – anpries und
- nach langem hin und her über den Nutzen des Heilmittels auch verkaufte
- wurde das gewünschte Dokument endlich ausgedruckt
Wohl noch nie in meinem Leben hatte ich mit so viel Wonne über eine Stunde lang auf ein paar Seiten Papier gewartet.
Als wir den «PEO» schliesslich in seinem Büro antrafen, erklärte uns dieser, dass wir bei ihm an der falschen Adresse seien und unser Anliegen nur in der Hauptstadt Banjul würden vortragen können 😊.