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Erste Erwähnung, Schongau zur Zeit des Untertanenwesens
|Wallfahrtskirche St. Ulrich Oberschongau|
Die älteste bekannte Namensform von Schongau taucht 831 in den Urkunden als "Scongaua" auf. Der Name stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutet "die schöne Landschaft". Einige Funde aus der jüngeren Steinzeit weisen aber auf eine viel frühere Besiedlung hin, später lebten hier Römer, was Ruinen eines römischen Guthofes und ein Römerweg belegen. 893 besass die Fraumünster-Abtei von Zürich in "Scongewe" Grund und Boden. Die dem heiligen Ulrich geweihte Kirche von "Schongowe" (siehe Bild), welche um das Jahr 1000 erbaut wurde, vergab 1036 Graf Ulrich I. von Lenzburg mit anderen Gütern an den Stift Beromünster. Nach dem Aussterben der Lenzburger (1137) fiel Schongau an die Kyburger und um 1263 an die Habsburger. Während der Zeit der Eroberung des Aargaus besass Wilhelm von Grünenberg die Vogtei Schongau als Pfand von Oesterreich und verkaufte seine Rechte an die Stadt Sursee. Im Jahre 1469 trat die Stadt Luzern in die bisherigen Rechte des Hauses Oesterreich. Schongau bildete mit Ermensee eine luzernische Enklave im Freien Amt Hitzkirch, das eine gemeinsame Vogtei der sieben alten Orte war.
Bis 1798 hatte der Vogt über das Michelsamt bzw. sein Untervogt als Bindeglied zwischen der Obrigkeit und dem Volk die Verwaltung, das Eintreiben der Steuern und die Gerichtbarkeit inne. Bereits 1581 erfolgte eine Teilung der Allmenden und Wälder unter die Dorfteile Ober-, Mittel- und Niederschongau, der Grundstein für die heutigen Korporationsgemeinden wurde gelegt. Der Ortsteil Rüdikon
Die Siedlung Rüdikon dürfte so alt wie Schongau sein, worauf römische Flurnamen schliesen lassen. Durch alle Jahrhunderte hat Rüdikon eine starke Eigenständigkeit bewahrt. Der Name stammt aus alemannischer Zeit und bedeutet "Hof der Nachkommen des Ruodilin". Rüdikon war 1425 ein Glied des Amtes Richensee, das zum Freiamt gehörte. In alten Urkunden wird Rüdikon als selbständige Gemeinde erwähnt. 1591 kam Rüdikon als vierte und letzte Korporation zu den drei andern hinzu. 1808 erfolgte der Wechsel von Rüdikon von der Pfarrei Hitzkirch zur Pfarrei Schongau. Gemäss mündlicher Ueberlieferung wütete am 14. März 1822 in Rüdikon ein grosser Dorfbrand, bei dem sieben Häuser zerstört wurden. Bis zum Jahr 1931 wurde jeden Sonntag während des Vormittagsgottesdienstes und am Weihnachtsabend Dorfwache gehalten. Heute wird diese Brandwache nur noch während des Gottesdienstes in der Weihnachtsnacht als Erinnerung an jene Zeit gehalten, turnusgemäss durch zwei Personen aus zwei Rüdikoner Familien. Dorfwache während des Gottesdienstes an Sonn- und Feiertagen kannten auch die Korporationsgemeinden Ober- und Niederschongau. Entstehung der Einwohnergemeinde Schongau
Auch für Schongau bedeutete die Helvetik (1798 bis 1803) ein Ende des Untertanenwesens. Während der Mediation schlossen sich um 1803 die vier Korporationen zusammen und wurden vom "Steuerhof" (Waisenvogt und drei Beisitzer) verwaltet. Nach der Verfassung von 1814 wurde dem viergliederigen Gemeindevorstand ein fünftes Mitglied, der Gemeindeammann, als Vollziehungsbeamter beigefügt. Seine Wahl war bis 1841 Sache der Regierung. Seit 1818 hat Schongau, wie jede Gemeinde im Kanton Luzern, einen Gemeinderat mit mindestens drei Mitgliedern. Schongau im 19. Jahrhundert
1832 führte Pfarrer Alois Röthelin in Schongau die Strohflechterei und Hanf- und Rosshaarstickerei als Heimindustrie ein. Im stattlichen Bauernhaus Schönboden von Familie Riedweg aus dem Jahr 1786 praktizierte für eine kurze Zeit der Dichter des Rütli-Liedes, Johann Georg Krauer, als Arzt. Bei der Abstimmung über die Schweizerische Bundesverfassung 1848 stimmte Schongau mit 69 annehmenden zu 170 verwerfenden Stimmen. Die Einwohnerzahl von 1850 mit 1077 Personen war über hundert Jahre lang rückläufig (1900: 850 Einwohner, 1950: 726 Einwohner). Seit 1815 besteht ein regelmässiger Postverkehr in Schongau. Um 1890 wurde eine interkantonale Telefonleitung über Schongau nach dem Freiamt gezogen. Die erste Schongauer Telefon-Besprechstation wurde im Jahr 1900 erstellt. Schul- und Verwaltungsbauten
Im Jahr 1807 wurden in Schongau in Ober-, Mettmen- und Niederschongau Schulen geführt, wobei nur die Korporation Niederschongau über ein eigentliches Schulhaus verfügte, während die anderen Schulen in Bauernhäusern untergebracht gewesen sind. Im Herbst 1812 konnte das von den Korporationen Oberschongau, Mettmenschongau und Rüdikon erbaute Schulhaus in Mettmenschongau bezogen werden. Das Schulhaus Niederschongau wurde 1830 der Einwohnergemeinde Schongau für Fr. 1'200.-- überlassen. Mit dem Bezug des neuen Schulhauses in Mettmenschongau, welches 1959/60 für Fr. 676'684.-- (inkl. Landerwerb und Mobiliar) erstellt und am 21.5.1961 einweiht wurde, hat man die Gesamtschule in Niederschongau aufgehoben. Das Schulhaus wurde 1975/96 um ein zweites Gebäude, das die Turnhalle, den Kindergarten, die Gemeindeverwaltung und Zivilschutzeinrichtungen beherbert, für 2 Mio. Franken erweitert. Nach der Einweihung am 20.3.1977 konnte die bisher in einem Privathaus untergebrachte Gemeindeverwaltung in den neuen Räumlichkeiten ihre Tätigkeit aufnehmen. 1989 wurde die Turnhalle mit einem Bühnen-Anbau in eine Mehrzweckhalle umgewandelt. Neubau der heutigen Pfarrkirche mit Pfarrhaus
Zufolge Platzmangels in der Pfarrkirche Oberschongau (vgl. "Sehenswürdigkeiten") wurde - verzögert durch den 1. Weltkrieg, die grosse Grippewelle 1918 und eine Viehseuche 1920 - an Pfingsten 1922 der Neubau der heutigen Pfarrkirche in Mettmenschongau beschlossen. Der Bau entstand unter der grossen Initiative und unter der geistigen Betreuung von Pfarrer Franz Sales Fessler. Dieser legte fertige Pläne von Arthur Betschon aus Baden vor und sammelte Geld; wer wollte, konnte ein Kirchenfenster, eine Glocke, einen Beichtstuhl, ein Gemälde an der Kirchendecke oder ein Orgelregister schenken. Die Bevölkerung zeigte sich gönnerhaft und selbst aus Amerika kam eine Spende von 3000 Franken. Der Einzug in die neue Kirche und das neue Pfarrhaus erfolgte am 22.12.1924. Die offizielle Einweihung fand am 22.7.1925 statt. Ueber den neuen Standort der Kirche stand in einem damaligen Zeitungsbericht:"Es ist ein Ausblick von trunkener Fülle und Schönheit, wo tief zu Füssen bis weithin an den schimmernden Alpenwall das herrliche Land der Heimat ruht." Strassenbau
1959 wurde als erste Strasse in Schongau die Strasse Niederschongau-Mettmenschongau asphaltiert. Weitere Strassenausbauten mit Hartbelag erfolgen in Oberschongau und Rüdikon (1962), von Rüdikon nach dem Luckelhof (1972), von Niederschongau nach Fahrwangen (1974), von Oberschongau nach Bettwil (1975) und nach dem Guggibad (1980). Kanalisationsbau
1983 erfolgte der Anschluss von Mettmenschongau und dem Gebiet Holzweid an die 1974/75 erstellte regionale Abwassereinigungsanlage Hitzkirchertal in Mosen. Später angeschlossen wurden Oberschongau (1984), Rüdikon (1988), Tröleten und Peierhof (1991) und Kretzhof (2001). Der Ortsteil Niederschongau ist seit 1985 via Fahrwangen/Meisterschwanden an die ARA Hallwilersee in Seengen angeschlossen. Leitbild 2002 / 2009
Die im ersten Leitbild vorgegebenen Ziele, konnten bis ins Jahr 2008 grösstenteils umgesetzt werden. Das neue Leitbild, das gleichzeitig mit einem neuen Gemeindelogo daher kommt, ist Identifikation, gibt eine Standortbestimmung und soll für unsere Gemeinde gleichzeitig den Blick richtungsbestimmend in die Zukunft weisen. Leitbild Gemeinde Schongau Heimatkunde / Dorfchronik
Es war der Autor Josef Herzog, der sich in der 1928 publizierten Heimatkunde von Schongau zum ersten Mal mit den bekannten geschichtlichen Fakten unserer Gemeindevergangenheit auseinandersetzte und diese chronologisch zusammenfügte. Das im 2010 veröffentlichte Werk des ortskundigen Autoren Hans Kretz nimmt sich erneut der geschichtlichen Aufarbeitung unserer Gemeinde an. Die Dorfchronik bietet dem Leser eine Fülle beeindruckender Einblicke in vergangene Zeiten und schliesst zugleich die Lücke ab 1928. Das Buch kann ab November 2010 bei der Gemeindeverwaltung Schongau bezogen werden.