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Kein Schutz vor Sars nach durchgemachter Infektion ?
Eine Meldung über eine Sars Re-Infektion bei 12 Personen in Hongkong beunruhigt die Wissenschaft. Die Mitteilung muss jedoch noch offiziell bestätigt werden.
Normalerweise baut unser Immunsystem im Verlaufe einer Infektionskrankheit eine immunologische Abwehr gegen den Erreger auf. Daher sind wir bei den meisten Krankheiten vor einer Zweitinfektion geschützt. Dies gilt zum Beispiel auch für die Influenza (Grippe). Eine neue Infektion können wir nur erleiden, wenn sich das virus so stark verändert hat, dass unser Immunsystem das neue Virus nicht mehr erkennt.
Die Meldung aus HongKong, wonach 12 Personen ein zweites Mal Zeichen von Sars hatten, beunruhigt. Es gibt zahlreiche Erklärungen für das Phänomen und weitere Abklärungen müssen folgen. Mögliche Erklärungen könnten sein:
- Die Personen erkrankten das erste (oder zweite) Mal an einer anderen Virusinfektion
- Es handelt sich nicht um eine Neuinfektion, sondern um ein Aufflackern nicht ganz abgeheilter Symptome
- Die Steroidbehandlung (Teil der Sars Therapie) hat eine kompetente körpereigene Immunabwehr verhindert
- Es handelt sich um zwei Erkrankungen mit einem nicht ganz identischen Sars Erreger
- Die Immunantwort gegen Sars schützt nicht gegen eine Neuinfektion
Die beiden letzten möglichen Erklärungen wären eine Katastrophe. Es würde bedeuten, dass die Entwicklung eines Impfstoffes sehr schwierig ist, wenn nicht einmal eine natürliche Infektion eine bleibende Immunität hinterlässt. Gegen diese These spricht die – bei Einzelfällen – berichtete Verbesserung des Zustandes nach Gabe von Rekonvaleszenzplasma (Blutplasma von Personen, die Sars erfolgreich ausgeheilt hatten). Über diese Therapie hat das HongKong Medical Journal online berichtet.
Falls sich das Virus tatsächlich schon so stark verändert hat, dass die Immunantwort bei einigen Personen nicht protektiv ist, dann wäre dies auch ein grosses Problem für die Entwicklung einer Imfpung. Ein Impfstoff müsste dann gegen alle möglichen Varianten von Sars schützen, eine Aufgabe die – wie wir von der HIV-Impfforschung wissen – fast unlösbar scheint.
Quelle: NewYork Times, 1. Mai 2003