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Die Welt ist ungerecht, die Güter der Erde sind ungleich verteilt. Mit einer einzigen, aber gewichtigen Ausnahme: der Zeit. Jeder Mensch hat pro Tag genau 24 Stunden zur Verfügung. Die Aussage: «Ich habe keine Zeit!», ist deshalb falsch. Die gestresste Managerin hat exakt gleich viel Zeit wie Sie oder ich oder der Stadtstreicher auf dem Bahnhofplatz. Richtig müsste es heissen: «Ich setze meine Zeit anders ein, setze andere Prioritäten.»
Ebenso irrt sich die Moderatorin am Radio, die von Juni bis September halbstündlich verkündet, wie gross der Zeitverlust im Stau vor dem Gotthardtunnel sei. Das Schöne an der Zeit ist, dass man sie nicht verlieren kann. Eine Stunde zwischen Wassen und Göschenen dauert gleich lang wie zwischen Strand und Bar.
Solange wir leben, verlieren wir keine Zeit. Umgekehrt können wir allerdings auch keine sparen, etwa indem wir schneller fahren, laufen, arbeiten, essen. Oder indem wir weniger schlafen, das Wohnzimmer vom Roboter saugen lassen oder drei Dinge aufs Mal tun.
Es gibt nur eine Schraube, an der wir drehen können: Was wir mit unserer Zeit tun. Wir können sie im Stau verbringen oder in der Natur. Wir können sie für mehr Gerechtigkeit einsetzen oder dafür, mehr für uns selber rauszuholen. Wir können streiten oder beten. Wir können sie vor dem Fernseher totschlagen oder im Gespräch mit anderen Menschen zum Leben erwecken.
Wie verbringen Sie Ihre Zeit?
Thomas Uhland, Katholische Kirche Region Bern