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Wer in Zürich vom Bellevueplatz weg die Limmat an ihrem rechten Ufer begleitet, kommt bald zu den beiden Gebäuden, die unser Modellbogen zeigt. Die beiden Bauten sind rechtwinklig zusammengefügt. Die Wasserkirche steht in Flussrichtung, das Helmhaus hingegen quer dazu. Hören wir nun, was die Geschichte über diese Bauwerke zu berichten weiss!
Die Wasserkirche stand ursprünglich auf einer Limmatinsel. Man erreichte sie trotzdem trockenen Fusses, nämlich vom nahen rechten Limmatufer über ein Brücklein. Später hat man die Insel durch einen längeren Steg auch mit dem andern Flussufer verbunden.
Eine Sage meldet, dass auf diesem Eiland vor ungefähr 1600 Jahren drei fremde Glaubensboten auf Befehl des damaligen römischen Statthalters Decius enthauptet worden seien. Sie sollen Felix, Regula und Exuperantius geheissen haben. Christen hätten später über der Richtstätte zu ihrem Andenken eine Kapelle errichtet. Ums Jahr 1000 herum muss diese durch eine grössere Kirche ersetzt worden sein. Dieses Gotteshaus versah dann seinen Dienst einige Jahrhunderte lang, wurde aber schliesslich baufällig.
In den Jahren 1479-1488 liess der damalige Zürcher Bürgermeister Hans Waldmann die heutige Wasserkirche bauen. Er beauftragte den Meister Hans Felder. Sein Werk diente den Gläubigen bis zur Zeit der Reformation. Dann hat man den Kirchenraum zum städtischen Bibliotheksaal umgebaut. Später diente er sogar während Jahrzehnten einer Firma zu Lagerzwecken. Erst in den Jahren 1940-1942 wurde die Wasserkirche wieder ihrem ursprünglichen Zweck zugeführt. Das ganze Gebäude ist mustergültig renoviert worden. Gleichzeitig hat man die drei vordersten grossen Fenster mit farbenprächtigen Glasgemälden von Augusto Giacometti geschmückt.
Ältere Berichte melden, dass seinerzeit nahe jener Platte, auf der die drei Glaubensboten ihr Leben verloren, eine heilkräftige Quelle hervorgebrochen sei. Anlässlich der Erneuerung der Kirche hat man diesen Wasserlauf zwischen den Fundamenten zwar gesucht, aber keine Spur mehr von ihm gefunden. Die Quelle muss demnach längst versiegt sein.
Über der Eingangstüre zur Wasserkirche wurde schon sehr früh ein schirmendes Vordach errichtet, ein schützender «Helm», wie man damals sagte. Später wurde er durch einen hölzernen Anbau ergänzt. Das entstandene Gebäude hiess fortan Helmhaus. In seiner offenen Halle soll bis zur Reformationszeit jeweils Gericht abgehalten worden sein. Später fand in der gleichen Halle jeden Freitag der städtische Tuchmarkt statt. Zürichs Frauen konnten sich hier mit Garn, Flachs oder Tüchern eindecken.
Das heutige Helmhaus stammt aus dem Jahre 1791. Die Münsterbrücke, die man 1838 erbaut hat und die den früheren hölzernen Steg ersetzen musste, führt nun nicht mehr wie vordem in die Halle des Helmhauses hinein, sondern dicht an diesem vorbei. Seit 1943 befindet sich im Helmhaus das baugeschichtliche Museum der Stadt Zürich. Die unteren Geschosse des Hauses dienen wechselnden Ausstellungen verschiedenster Art.
Autor: Heinrich Pfenninger
Selbständige Einzelteile: 1
Schwierigkeitsgrad: ab 10 Jahren
Sprache: d