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Poesie der verlorenen Zeit
Das mittelformatige Fotobuch, dessen Hardcover eine über den Rücken verlaufende Schwarzweiss-Fotografie einer Landstrasse zeigt, präsentiert das faszinierende Werk der bisher unbekannten Autodidaktin Anne-Marie von Wolff (1893–1974). Gegen 200 oft quadratische Schwarzweissfotos aus der Mitte des 20. Jahrhunderts sind in identischer Breite mit weissem Rand meist zu zweit auf einer Doppelseite angeordnet. Sie zeigen den Alltag des auf mehrere Lokalitäten und Sommerfrischen verteilten Familienlebens aus der Perspektive einer Aussenseiterin, die wegen Epilepsie und Tuberkulose keine Schule besuchen durfte und überhaupt nur selten ins Freie gelassen wurde. Dazwischen liegen Textseiten mit Überlegungen der Herausgeberin (und Urgrossnichte der Fotografin) sowie mit Ausschnitten aus Gesprächen mit Familienmitgliedern. Manche Foto-Doppelseiten enthalten einzelne, poetisch wirkende Textzeilen; und eingefügt sind einzelne randabfallende Farbfotos der Herausgeberin von leeren Räumlichkeiten. Die Bildauswahl und die Kombinationen auf den Doppelseiten sind durchwegs subtil und poetisch; die Layouts ebenso schlicht wie elegant. Ein Archivbuch, das zugleich eine Familiengeschichte aus der untergegangenen Welt einer gesellschaftlichen Schicht erzählt.