Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03610.jsonl.gz/966

Verspäteter Beitrag zum Humorfestival von Arosa / Schweiz
Verspäteter Beitrag zum Humorfestival von Arosa / Schweiz
Man kann auch ausserkirchlich beichten.
Ich, Tarzisius Caviezel, Stadtpräsident (Landammann) von Davos bekenne heute, am 14. September 2020:
1. Ich bin ein Intimfreund von Gaudenz Domenig, dem Präsidenten des Eishockeyclubs HC Davos. Im November 2019 hat mich mein Freund gebeten, ihm bei der Akquisition des Sponsors Dr. Peter Buser zu helfen. Ich sicherte ihm zu, dass ein von Buser gewünschtes Konzerthaus das Einverständnis der Gemeinde habe. Da mir als hochverdientem Senior alle grossen Respekt zollen, war ich sicher, dass ich allfälligen Widerstand aus der Gemeinde würde brechen können.
2. Am 15. Dezember 2019 strahlte das Schweizer Fernsehen in der Sendung Sportpanorama einen Beitrag der Reporterin Seraina Degen aus, der über Dr. Buser Schlimmes berichtete. Er unterdrücke Frauen und sei ein Sexist. Mein Freund Domenig glaubte diese Geschichte offenbar und begann damit, Buser seinerseits zu beleidigen und zu demütigen. Ich hatte Dr. Buser an der Pressekonferenz vom 30. November 2019 kennengelernt. Das einschlägige Video zeigt, dass ich grosse Sympathie für ihn hatte und ihm erneut zusicherte, das Konzerthaus könne gebaut werden. Eigentlich wäre es da naheliegend gewesen, diese leidige Sendung nicht für voll zu nehmen und Dr. Buser zu konsultieren. Ich tat dies nicht, sei es, weil ich überarbeitet bin oder weil ich müssiggängerisch war.
3. Spätestens am 26. Dezember, als Gaudenz Domenig Buser sogar in die Nähe eines Kinderschänders rückte, wurde mir bewusst, dass ich eine Verantwortung übernommen hatte und aktiv werden sollte. Ich kann mich hier nicht dazu überwinden, zu berichten, ob ich meinen Freund Domenig ansprach.
4. Im Dezember 2019 erfuhr ich auch, dass Dr. Buser dem HC Davos eine Anzahlung von 3.175 Mio. CHF gemacht hatte. In der Folge erklärte Dr. Buser in für mich leicht erreichbaren Mitteilungen (Facebook), er hätte diese Anzahlung nur deshalb gemacht, weil er in meine Zusicherungen in punkto Konzerthaus Vertrauen hatte. Nun regte sich in meinem Herzen Wut und Traurigkeit. Ich hätte da unbedingt aktiv werden müssen, zog es aber vor, den Dingen den Lauf zu lassen, und zu hoffen, das Schicksal würde mir gnädig sein.
5. Ab ca. Mai 2020 begann mich Dr. Buser zu bestürmen, ich möchte Gaudenz Domenig nahelegen, die Angelegenheit zu regeln und den unter falscher Prämisse bezahlten Betrag von 3.175 Mio. CHF zurückzuzahlen. Mir schwante, dass der sehr kämpferische Dr. Buser mich für meine nicht erfüllten Versprechungen zur Rechenschaft ziehen würde. Mitte August bemerkte ich gegenüber dem Rechtsanwalt unserer Gemeinde, Conradin Menn, ich hätte ein Rechtfertigungsproblem. Der ausserordentlich gewandte und einmalig ansehnliche Anwalt verfasste darauf gegenüber Dr. Buser einen von Weisheit strotzenden Brief, der allerdings vom gesamten Publikum zu Unrecht als lächerlich klassiert wurde.
6. Dr. Buser liess nicht locker und erfrechte sich, auf Facebook am 2. September 2020 eine polemische Karikatur von mir zu veröffentlichen. Dabei hätte er wissen müssen, dass Persönlichkeiten von höchster politischer Relevanz wie ich um des Gemeinwohls willen nicht kritisiert werden dürfen. Conradin Menn erklärte mir, wie stets in diesen Fällen, er überlege sich rechtliche Schritte.
7. Ich halte es für ausgeschlossen, dass mich Dr. Buser in dieser Sache weiter belästigt. Meine Kollegen vom Schweizer Nationalrat sind bereits in Vorbereitung einer Motion, den Straftatbestand der Majestätsbeleidung wieder einzuführen.