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Siedlung Grabenacker Oberwinterthur
Die Wohnsiedlung Grabenacker in Oberwinterthur wurde 1945 bis 1948 durch die HGW (Heimstätten-Genossenschaft Winterthur) im damals weitgehend unbewohnten Zinzikerfeld errichtet. 117 Reihen-Einfamilienhäuser und drei Mehrfamilenhäuser mit viel Grünraum darum herum bilden diese Gartensiedlung. Die Überbauung zeigt die Sprache der Nachkriegs-Architektur.
Winterthur ist eine Stadt, die beispielhaft das Prinzip des gemeinnützigen Wohnungsbaus mit der aus England stammenden Idee der Gartenstadt verbindet. Bereits seit den 1860er Jahren entstanden auf Initiative von Industriellen wie Heinrich Rieter und Charles Brown idyllisch anmutende Siedlungen für die Arbeiter, die sich angemessene Wohnungen kaum leisten konnten. Das Engagement der Fabrikpatrons sollte den sozialen Frieden sichern und aus Proletariern treue Werkarbeiter und Staatsbürger machen. Der Bevölkerungszuwachs zu Beginn des 20. Jahrhunderts und die beiden Weltkriege führten zu einer verheerenden Wohnungsnot. Die Arbeiter reagierten mit Eigeninitiative und gründeten Wohnbaugenossenschaften. Viele der neuen Siedlungen waren mit eigenen Gärten ausgestattet, die in schwierigen Zeiten eine Selbstversorgung gewährleisten sollten. Die Genossenschaften bemühen sich bis heute um die Erstellung und Erhaltung von günstigem und attraktivem Wohnraum für Familien und Kleinverdienende.
Mit der Siedlung Grabenacker nahm sich die Heimstätten-Genossenschaft, die bereits seit 1923 aktiv im Wohnungsbau im günstigen Mietbereich war, erneut ein Grossprojekt an. Auslöser für das Projekt war die grosse Wohnungsnot: Der Leerwohnungsbestand betrug damals 0,04 Prozent. Was praktisch null bedeutete. Obwohl für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg eine Krise prognostiziert worden war, erlebte die Wirtschaft eine Hochkonjunktur, und der Zustrom von Arbeitskräften in die Industriemetropole Winterthur hatte eine weitere Wohnungsverknappung zur Folge. Diese Situation führte im Grabenacker (aber auch anderswo in der Stadt) zu einem regelrechten genossenschaftlichen Wohnbauboom, der von Stadt, Kanton und Bund kräftig subventioniert wurde. Dafür stellte die öffentliche Hand aber auch Bedingungen, etwa an das Maximaleinkommen der Mieter, die Bewohner- und Kinderzahl pro Wohnung oder an die Gestaltung von Grünflächen.
Dörflich, aber auch modern wurde die Siedlung von den Architekten Edwin Bosshardt und Edwin Badertscher gestaltet. Während Letzterer etwa die Reihenhaussiedlung am Wolfensberg (1942), das Schwimmbad Oberwinterthur (1957/58) oder die Überbauung Sonnenblick (1960–63) erbaute, entwarf Bosshardt die Zwinglikirche (1938–40), den Kindergarten Mattenbach (1949/50) sowie typische Bauten aus den 1960er-Jahren, wie die Winterthur Leben (1961–64), das Altersheim Adlergarten (1964–68) oder das Zentrum Römertor (1969–71). Der Grabenacker ist jedoch noch von einem anderen Stil geprägt: Die Siedlung atmet den Landi-Geist, mit kleinen Häuschen und offener Siedlungsweise: Licht, Luft, Sonne waren damals die prägenden Schlagworte. Gestaltung und Anordnung der Siedlung zeigen auch heute noch einen heimatlich-dörflichen Charakter, mit vielen kleinen Zwischen- und Verbindungswegen und Dorfplätzen.
Zum heimeligen Bild tragen auch die Satteldächer, Sprossenfenster und das verputzte Mauerwerk bei – sowie viele Balkone, die geradezu nach Blumenkistchen mit Geranien schreien. Im Inneren waren die Genossenschaftswohnungen zweckmässig und schlicht konzipiert, aber auch vergleichsweise modern eingerichtet: Tapezierte Wände, elektrischer Herd, eigene Waschküche, WC und Bad in jedem der Häuschen gehörten zum Standard – damals noch keine Selbstverständlichkeit! Und es war in guter Qualität gebaut worden im Grabenackerquartier: Erst 1990 mussten Küchen, Bäder und Fenster saniert werden, ab 2005 kam es zu ersten Dachaus- und -aufbauten mit einzelnen Lukarnen. Insgesamt jedoch gibt es in diesem Siedlungsensemble kaum störende Eingriffe. Was seinen denkmalpflegerischen Wert natürlich erhöht.
(Nach einem Text von Alex Hoster)
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