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Charles Spencer Chaplin
Charles Chaplin gilt als der grosse Mime des amerikanischen Stummfilms. Durch die frühe Scheidung der Eltern in seinem ersten Lebensjahr, die ausbleibenden Alimente des Vaters und der grossen Not der Mutter lernte er bald verschiedene Londoner Armenhäuser kennen. Konfrontiert wie Hunderttausende in der viktorianischen Welt des ausgehenden 19. Jahrhunderts mit dem krassesten Reichtum und der krassesten Armut als Gegenpole. Die Londoner Welt von Charles Dickens und seinem Roman Oliver Twist waren noch gegenwärtig. Diese Erfahrung der Not und Ausgrenzung setzte Chaplin in vielen Stummfilmen virtuos um und verstand es vielfach, sie durch Ironie, Witz und Lebensmut schauspielerisch zu bewältigen.
Kindheit und Jugend
Charles Chaplin wurde am 16. April 1889 vermutlich in London als Sohn von Charles Spencer Chaplin und Hannah Harriet Chaplin-Hill geboren. Beide waren Künstler an den britischen Music Halls. Kurz nach seiner Geburt trennten sich die Eltern. Charles und sein vier Jahre älterer Halbbruder Sydney wuchsen lange Zeit in äusserster Armut bei der Mutter auf, die wegen psychischer Probleme jedoch ab 1896 ihrem Beruf als Schauspielerin nicht mehr nachgehen konnte. Weil sich der Vater regelmässig den Unterhaltszahlungen entzog, kamen Mutter und die beiden Söhne nur mit Mühe und Not über die Runden. Sie wurden zwischendurch immer wieder in Armen- und Waisenhäusern platziert. Mit ständig wechselnden Aushilfsjobs lernte Charles schon früh Mitverantwortung tragen. Er zeigte sich immer wieder als sehr erfindungsreich, das ihm später zugute kam.
Debut als Kinderdarsteller
1894, als 5-Jähriger bekam er erstmals die Chance, vor Publikum mit einer Gesangsdarbietung aufzutreten. Als Neunjähriger wurde er auf Empfehlung seines Vaters für die Music-Hall-Gruppe The Eight Lancashire Lads engagiert. Chaplin erhielt während dieser Tourneen Kost und Logis sowie eine einfache Schulbildung. Weil 1901 der Vater durch seinen Alkoholmissbrauch starb, wurde Charles Halbwaise. Er verliess 1903 die Lancashire Lads und fand danach Engagements an diversen Londoner Bühnen.
Tournee in Nordamerika
1908 folgte Charles seinem Halbbruder Sydney und unterschrieb einen Zweijahresvertrag bei Fred Karno, der mit seinen Theatertruppen die Tradition der komischen Pantomimenspiele fortführte. Dort stieg Charles Chaplin schnell zu einem der Hauptdarsteller auf. Sein erster Erfolg bei Karno war die Rolle des Trunkenbolds Swell in dem Stück Mumming Birds.
Als Filmschauspieler entdeckt
Bei der zweiten Tournee 1913 wurde die amerikanischen Filmindustrie auf ihn aufmerksam. Am 25. September 1913 unterschrieb Chaplin einen Vertrag als Schauspieler bei Mack Sennetts Keystone Studios. Seine Figur des verarmten Landstreichers wurde zu Legende. Trotz der Situationskomik und feinen Pantomime sind seine Filme vielfach auch traurig. Chaplin ist zwar einer, der es geschafft hat, aber in seinen Werken häufig auf der Seite der Schwachen wirkt. Ein Zeichen dafür, dass die Kindheitserfahrungen bei ihm deutliche Spuren hinterlassen haben. Da er mit den chaotischen Arbeitsbedingungen und den ersten Rollen unzufrieden war, entwickelte Chaplin für die folgenden Filme eine neue Figur. Der Legende nach lieh er sich ein altes Paar Schuhe, eine übergrosse Hose, eine Melone und eine zu kleine Jacke. Damit schuf er die Figur des „Tramp“ . Im Juni 1914 liefen die ersten Keystone-Filme mit Chaplin in Grossbritannien an, und Chaplin wurde als „der geborene Leinwandkomiker“ gefeiert. Ende 1914 beendete Chaplin nach 35 Filmen sein Engagement bei Keystone. Im November 1914 unterzeichnete Charles Chaplin einen Vertrag beim Filmunternehmen Essanay.
Selber Produzent und später Filmverleiher
Chaplin drehte im Januar 1915 seinen ersten Film, His New Job. In den neuen Studios in Kalifornien stellte er eine eigene Stammbesetzung zusammen, zu denen Leo White, Billy Armstrong, der spätere Regisseur Lloyd Bacon und der später auch als Solokünstler bekannte Ben Turpin zählten. Auf der Suche nach einer weiblichen Hauptdarstellerin entdeckte Chaplin die 19-jährige Edna Purviance, die schliesslich in 35 seiner Filme mitspielte. Chaplin legte sich zunehmend auf die Rolle des Vagabunden fest, der in seinem sechsten Essanay-Film The Tramp sogar zum Titelhelden wurde. Der neue Vertrag mit Mutual Films machte Chaplin zu einem der bestbezahlten Schauspieler. Einige der Mutual-Filme werden heute zu Chaplins besten Werken gezählt. Während Chaplin The Rink und The Floorwalker erneut das komische Potential ungewöhnlicher Schauplätze aufzeigte, gilt The Pawnshop als ein Musterbeispiel für Chaplins „Komik der Transposition“, in der Gegenstände eine völlig neue Funktion einnehmen. Seine bekanntesten Filme aus der Zeit bei Mutual sind die 1917 fertiggestellten Zweiakter Easy Street und die, Tragikomödie Der Einwanderer. Chaplin bezeichnete im Rückblick diese Zeit als die glücklichste in seiner gesamten Karriere. Nach Ablauf des Vertrags mit Mutual wechselte Chaplin zu First National, wurde dort sein eigener Produzent, behielt die Rechte an seinen Filmen und liess in Hollywood ein Studio nach seinen eigenen Vorstellungen errichten. The Kid, 1921, Chaplins erster Langfilm wurde zu einem Riesenerfolg. Und als Mitbegründer von United Artists besass er nun auch einen eigenen Filmvertrieb.
|Chaplin in jungen Jahren||The Kid, USA 1921||Goldrush, USA 1925|