Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03544.jsonl.gz/2996

Wer in der heutigen Schweiz vom 11.11. spricht, denkt dabei an den Fasnachtsstart oder den Martinimarkt, aber kaum mehr an das Ende des ersten Weltkrieges. Im Ausland ist der 11.11. ein Gedenktag. Am 11.11.1918 wurde im Wald von Compiègne, im Eisenbahnwagen von Marschall Foch, der Waffenstillstand unterzeichnet.
Im Völkerringen von 1914-18 mussten 9,7 Millionen Soldaten und 10 Millionen Zivilisten ihr Leben lassen. Der Krieg forderte zudem 21 Millionen Verwundete und richtete verheerende Zerstörungen an. Der erste Weltkrieg gilt als "die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts". Die harten Bedingungen des Waffenstillstandes und der von Rache geprägte Vertrag von Versailles boten keine stabile Grundlage für ein friedliches Europa. 20 Jahre nach dem Friedensschluss brach der Zweite Weltkrieg aus als Fortsetzung des Ersten.
Die Schweiz hat sich 1914-18 aus dem Krieg heraushalten können. Unsere Armee war an keinen Kämpfen beteiligt. Die über 3000 Schweizer Soldaten, die während der Grenzbesetzung im Dienst starben, fielen nicht auf dem Schlachtfeld. Im Ausland wurden die Gefallenen als Helden gefeiert, die ihr Leben als Beitrag zum Sieg hergegeben hatten. In der Schweiz starben die Soldaten bei Unfällen und Krankheiten. Verheerend wirkte die Spanische Grippe, die mit dem Kriegseintritt der USA Europa ereichte.
Auf der Forch erinnert das Zürcher Wehrmännerdenkmal an die im Dienst verstorbenen Zürcher Soldaten. In der Tradition der Unteroffiziersvereine ist das Denkmal ein Zeichen des Dankes an die Weltkriegsgenerationen, die es unter grossen Entbehrungen geschafft haben unser Land aus dem Krieg herauszuhalten.
Die Truppen, die im November 1918 heimkehrten hätten einen freundlichen Empfang verdient, doch die Stimmung im Land war angespannt: Hunger, Elend und Krankheit prägten den Alltag. Das Ende des Krieges wurde zwar als Erleichterung empfunden, aber die Soldaten erlebten vor allem in den Städten üble Szenen des Undanks.
Das Wehrmännerdenkmal ist vier Jahre nach Kriegsende eingeweiht worden. Dass es einem breiten Bedürfnis entsprach, den Opfern zu gedenken und den Veteranen zu danken, zeigten die 30'000 Teilnehmer der Eröffnungsfeier. Bis in die 1970er Jahre war die Forch Treffpunkt der Aktivdienstveteranen. Die Unteroffiziersvereine führten hier regelmässig Gedenkveranstaltungen durch. Der letzte Sternmarsch mit 200 Teilnehmern fand 1989 statt. Seither gab es nur noch kleine Anlässe, meist im privaten Rahmen.
Gedenkanlass auf der Forch
Am Sonntag, 11.11.2018 hat der Kantonale Unteroffiziersverband Zürich + Schaffhausen zum 100. Jahrestag des Kriegsendes auf der Forch eine Kranzniederlegung durchgeführt.
Ein Teil der Sektionen war mit Fahnendelegationen präsent. Ein Bläserquintett der Brassband Maur sorgte für die musikalische Umrahmung der Feier und die Compagnie 1861 des UOV Uster stellte die Ehrengarde. Ebenfalls zu dieser Sektion gehörte die Fahnenwache in Originaluniformen von 1918, die zusammen mit dem aktuellen KUOV-Fahnenzug des UOV Zürcher Oberland die Kranzniederlegung auf der obersten Stufe des Denkmals begleitete.
Kantonalpräsident Oberstleutnant Thomas Amstuzbegrüsste um 14 Uhr die 130 anwesenden Gäste. Brigadier Markus Ernst, Präsident der Standortgemeinde Küsnacht erinnerte in seiner Ansprache an die heute unvorstellbaren Schwierigkeiten, welche 1914-18 gemeistert werden mussten. Divisionär Rolf André Siegenthaler, Stellvertretender Chef Kommando Operationen verwies auf die Bedeutung des Denkmals und die Besonderheit, dass es nicht auf Anordnung der Regierung errichtet wurde, sondern auf Initiative "von unten". Es war die UOG Zürich, die 1920 die Initiative ergriff und das Projekt in nur zwei Jahren durchzog. Die 1839 entstandene UOG Zürich gilt als erster Unteroffiziersverein unseres Landes. An der diesjährigen Feier wurde die Vereinsfahne von Wachtmeister Willy Hensler getragen, der als Archivar das Erbe der UOG bewahrt. Rolf André Siegenthaler war wie schon sein Vater und sein Grossvater UOG-Mitglied.
Als Dritter wandte sich Feldprediger Hptm Gerold Schmid an die Versammlung. Er zitierte aus dem alten Testament den Propheten Jeremia:«der Gerechtigkeit Frucht wird Friede sein, und der Ertrag der Gerechtigkeit wird ewige Stille und Sicherheit sein…» Die Werte Friede, Gerechtigkeit und Handeln gehören zusammen. Der Friede wird uns nicht geschenkt, er muss erarbeitet und gepflegt werden. Die Jahre 1914-18 waren für die Schweiz eine Zerreissprobe. Mit dem Gedenken an die Opfer die der Krieg auch in unserem Land gefordert hat und verbunden mit der Hoffnung, dass die Schweiz weiterhin ein Hort des Friedens und der Gerechtigkeit sein dürfe und vor Krieg im Innern und Äussern verschont bleibe, kündigte Hptm Schmid die Gedenkminute an, die vom Bläserquintett mit einem Choral umrahmt wurde. Die würdige Feier schloss mit dem gemeinsam gesprochenen Unser Vater.
Für den SUOV, Wm Andreas Streiff, Präsident UOV Uster