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Bergjahr 1996 in Alaska und im Yukon
Beachtenswerte bergsteigerische Erfolge, aber auch Tragödien und Abenteuer, die für die Berge Alaskas wie für diejenigen des benachbarten kanadischen Yukon-Territoriums typisch sind, haben das dortige Bergsteigerjahr 1996 gekennzeichnet. Die Berge sind meist extrem abgelegen, oft nur mit Flugzeug oder Helikopter erreichbar und umgeben von einer schwer zu durchdringenden nordischen Wildnis, unbewohnt, unerschlossen, ein Test selbst für die Härtesten.
Während das Hauptziel der Alpinisten aus aller Welt mit grossem Abstand immer noch der Mount McKinley ist, sind an oft weniger begehrten Bergen einige bemerkenswerte und auch originelle Besteigungen durchgeführt worden. 1997 sind es zudem 60 Jahre her seit Bradford Washburn und Bob Bates im Sankt-Elias-Gebirge den Gipfel des Mount Lucania erreicht haben und 100 Jahre seit dem Graf der Abruzzen die Erstbesteigung des Mount Saint Elias geglückt ist.
Wintererstbesteigung des Mount Saint Elias Der erste bergsteigerische Grosserfolg wurde am 29. Februar 1996 vom Mount Saint Elias ( 5489 m ) gemeldet. Joe Reichert, ein Mountaineering Ranger vom Denali National Park, Dave Briggs aus Portland ( Oregon ) und Gardner Heaton aus Jackson ( Wyoming ) gelang an diesem Tag die erste Winterbesteigung des Berges. Die drei wurden am 13. Februar mit einem Flugzeug am Fuss des Berges abgesetzt und nutzten eine für die Gegend aussergewöhnliche Schönwetterperiode erfolgreich aus. Frühere Versuche durch andere Bergsteiger scheiterten jeweils an den langen Schlechtwetterperioden mit sehr intensiven Schneefällen, die dadurch entstehen, dass vom Golf von Alaska herkommende warme und feuchte Luftmassen auf die trockene und kältere Luft aus dem Landesinnern stossen.
Das Saint-Elias-Gebirge nordöstlich vom Mount Logan mit dem Mount King George im Hintergrund. Es handelt sich um das Gebiet, das die Polen auf dem Weg zum Mount Logan durchqueren mussten.
Elias vorbeikamen, trafen sie auf eine mexikanische Expedition, die diesen Berg anging, am 12. Juni aber ebenfalls einen Teilnehmer, den 25jährigen Luis Villalobos, in einer Lawine verlor. Inzwischen versuchten die kanadische Polizei und die Parkverwaltung die Polen zu erreichen, um mehr über den Todesfall zu erfahren. Während eines Hilfefluges zu den Mexikanern entdeckten sie dann zufällig das Camp der Polen auf einer Moräne und fanden sie in gutem physischem Zustand, ausgerüstet mit Nahrungsmitteln für mehrere Tage, aber ohne Karte für dieses Gebiet von Alaska. Ihre Karte endete an der kanadischen Grenze. Die Parkwärter gaben ihnen eine Karte und erklärten ihnen den Weg zu einer Lodge am Chitina River. Um aber auf diesem Weg nach McCarthy zu gelangen, hätten sie den recht breiten und reissenden Nizina River queren müssen. Sie erreichten die Lodge am 19. Juni und wurden von einem Beamten der amerikanischen Einwanderungsbehörden und einem kanadischen Mountie-Polizi-sten empfangen und nach Haynes Junction zur kanadischen Parkverwaltung zurückgeflogen. Dort wurde ein Gerichtsdatum festgelegt. Als ob die rund 400 km nicht genug gewesen wären, erwanderten die drei in der Zwischenzeit noch den Chilkoot Trail in Südostalaska.
Durchquerung des Harding-Eisfeldes Völlig auf seine Gefährten angewiesen, um das Harding-Eisfeld in den Kenai Mountains zu traversieren, war der querschnittgelähmte Alaskaner Jesse Owens. Vor 19 Jahren wurde er ALPEN-Nachrichten e « a Das Harding-Eisfeld in den Kenai Mountains vom Iceworm Peak aus gesehen beim Langlaufen von einem Motorschlitten erfasst. « Ich liebe die Berge und die Wildnis », gesteht Owens, « das war der Grund, weshalb ich als 19jähriger nach Alaska kam. » Um in der Wildnis herumziehen zu können, entwickelte der gelähmte Owens einen kleinen Wagen, den er für die Tour durchs Harding-Eisfeld mit Skis ausrüstete. Diesen Wagen hatte er bereits einmal am Kilimandscharo getestet. Acht erfahrene Bergkameraden unterstützten ihn Anfang Juni bei der erfolgreichen Durchquerung des 826 Quadratmeilen grossen Eisfeldes, das, entlang des Golfes von Alaska gelegen, berühmt ist für Stürme von Orkanstärke und dicke Nebelsuppen.
Grossbetrieb am Denali Hektische Betriebsamkeit herrschte auch in der Saison 1996 vor allem an der West Buttress des Mount McKinley. Insgesamt 1148 Bergsteiger, aufgeteilt in 305 verschiedene Gruppen, versuchten sich an 14 verschiedenen Routen, 943 Alpinisten an der West Buttress. Die Erfolgsquote lag bei 43 %, sechs Bergsteiger verloren das Leben.
Schwieriger Mount Hunter Mount Hunter erwies sich erneut als unfreundlicher Berg, keine der 20 Gruppen erreichte den Gipfel. Vier Bergsteiger verloren in Lawinen das Leben, darunter auch zwei Deutsche, die eigentlich den Mount McKinley beteigen wollten, sich aber nicht vor-registriert hatten und den Mount Hunter als Alternative wählten.
Die Parkverwaltung wird 1997 keine Ausnahmen mehr erlauben, wenn Bergsteiger, die den Mount McKinley und den Mount Foraker zum Ziel haben, sich nicht mindestens 60 Tage vor Beginn der Besteigung registrieren. Eine Gebühr von $ 15O.00 muss bezahlt werden. Diese Bedingungen gelten für die andern Berge innerhalb des Denali National Park nicht.
Bradford Washburns härtestes Bergerlebnis Im kommenden Juli sind es 60 Jahre her, seit Bradford Washburn und Bob Bates den damals höchsten noch unbestiegenen Berg Nordamerikas, den Mount Lucania ( ca. 17150 Fuss ) im nördlichen Teil des Sankt-Elias-Gebirges im kanadischen Yukon Territorium nahe an der Grenze zu Alaska, erstbestiegen haben. Es war eine Expedition, die ganz anders als geplant ablief, und die Besteigung des Berges selbst war der harmlosere Teil des Unternehmens. Die Probleme begannen bereits mit dem Flug. Der berühmte Buschpilot Bob Reeves sollte die Bergsteiger von Valdez her, das die Gruppe mit dem Dampfschiff erreicht hatte, immer zwei auf einmal, einfliegen. Washburn und Bates starteten als erste. Bei der Landung sank das Flugzeug bis zum Bauch im weichen Schnee ein, und es dauerte fünf Tage, bis die Maschine wieder startklar und eine Startbahn bereit war.,Verständlicherweise weigerte sich Reeves unter diesen Voraussetzungen zurückzukehren. Washburn und Bates blieb nichts anderes übrig, als die Berge zu queren, um zur Siedlung Burwash Landing am nördlich des Gebirges gelegenen Kluane-See zu gelangen. Dazu mussten sie über einen Pass zwischen Mount Lucania und Mount Steele ( 16664 Fuss ), dessen Gipfel erst einmal, 1935 von einer Gruppe unter Walter Wood, erreicht worden war. Da die beiden damit ohnehin am Mount Lucania aufstei- gen mussten, entschlossen sie sich, ein zusätzliches Hochlager etwa 1300 Meter unter dem Gipfel zu errichten. Am 9. Juli, nach nicht ganz neun Stunden Aufstieg, erreichten sie den Gipfel. Es war ein leichter Erfolg geworden, technisch unschwierig bei guten Schneeverhältnissen. Was darauf folgte, entwickelte sich jedoch zum Überlebenskampf.
Sie traversierten anschliessend den Mount Steele und begannen, Nahrungsmittel und Material zurück zu lassen, da sie von einer früheren Expedition her von einem Nahrungsmitteldepot unten am Steele-Glet-scher wussten. Doch dieses Depot war von Bären geräumt worden. Eine Büchse Erdnussbutter war alles, was sie noch vorfanden. Die direkteste Route zur Zivilisation erforderte die Überschreitung des Donjek River. Dafür hätten sie eigentlich Pferde benötigt, doch war ihnen bekannt, dass der Fluss schon zu Fuss gequert worden war. Das warme Wetter hatte den Donjek River aber gewaltig anschwellen lassen. So blieb ihnen nichts anderes übrig, als den Donjek weiträumig zu umgehen. Aus dem erwarteten 50-Meilen-Marsch wurde nun ein 120-Meilen-Parcours. In einem Interview mit der Anchorage Daily News erzählt Bates: « Wir zählten die getrockneten Bohnen, die wir noch hatten und teilten diese auf. » Mit einer Pistole mit defektem Visier gelang es Bates, einen Hasen und ein Eichhörnchen zu schiessen. Schliesslich erreichten sie eine Stelle am Fluss, wo sie diesen mit Hilfe von Seesäcken als Schwimmhilfe queren konnten.
Nun galt es, die ganze Umwegstrecke wieder zurückzulaufen. Während einer Pause hörten sie ein seltsames Geräusch, das wie Glöckchen klang. Tatsächlich, 10 Tage nach der Besteigung des Lucania stiessen sie auf eine Gruppe Männer, die weidende Pferde einsammelte. Nun folgte, was Washburn « den schlimmsten Tag in meinem Leben » nennt, der Ritt nach Burwash Landing. Sie mussten 35 Meilen auf einem Packsattel reiten, der V-förmig zugespitzt war.
100 Jahre Mount-Saint-Elias-Besteigung 1897 wurde der Mount Saint Elias vom Graf der Abruzzen, Luigi Amedeo di Savoia, erstmals bestiegen. Es war ein Erfolg, auf den der Graf stolz sein konnte, handelte es sich doch um einen technisch schwierigen und witterungsmässig anspruchsvollen Gipfel, der zudem von seiner historischen Bedeutung her, seiner schönen pyra-midenähnlichen Form und als Namensgeber eines gewaltigen Gebirges einen besonderen Ehren-rang unter den Gipfeln der Welt einnimmt.
Als erster hatte 1886 Frederick Schwatka versucht, mit einer von der New York Times gesponserten Expedition den Mount Saint Elias via den Tyndall-Gletscher zu besteigen. Sie erreichten eine Höhe von 7200 Fuss.
1888 gingen Engländer, geführt von Harold und Edwin Topham, den Mount Saint Elias an. Sie folgten vorerst dem Lybbey-Gletscher, der aber in einer gewaltigen Steilwand endet. Danach stiegen sie ebenfalls über den Tyndall-Gletscher auf und erreichten eine Höhe von 11400 Fuss.
Ein altes Laden-gebäude im Dorf McCarthy, wo die Tour der Polen endete.
1890 erkundete eine wissenschaftliche Expedition der National Geographie Society unter I. C. Rüssel eine Route von der Yakutat-Bucht zum Newton-Gletscher, der zu den oberen Flanken des Berges führt. Auf diesem Weg wurden die Nordseite des Mala-spina-Gletschers und der Seward-Glet-scher traversiert. Dabei wurde erstmals der Mount Logan, der zweithöchste Berg Nordamerikas, gesichtet. I.C. Rüssel kehrte 1891 zurück. Diesmal landete er wie seine Vorgänger näher am Berg, stieg aber den Agassiz-Gletscher hoch und erreichte den seither nach ihm benannten Rüssel Col auf 14500 Fuss.
1897 war schliesslich der Graf der Abruzzen erfolgreich. Zunächst querte er den mächtigen Malaspina-Gletscher zum Seward-Gletscher und ereichte, im oberen Teil der ersten Route von I. C. Russell folgend, über den Newton-Gletscher den Gipfel. Die ganze Expedition hatte zwei Monate gedauert.
Chlaus Lötscher, Homer, Alaska c V o Q