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Ihre Bedeutung besteht darin, daß sie sich auf die gesamte Nation erstreckt und die uralten Grundsätze
der persönlichen Freiheit der angelsächsischen Zeit mit den ständischen Rechten des normännischen Lehnsstaats verbindet.
Namentlich wurde festgesetzt, daß es zu jeder außerordentlichen Gelderhebung der Einwilligung einer allgemeinen Reichsversammlung
bedürfe, zu welcher alle Erzbischöfe, Bischöfe, Äbte, Grafen, Barone und alle unmittelbaren Vasallen zu berufen seien.
Alle Vorrechte, die der König den Baronen bewilligen würde, sollten von ihnen auch den Untervasallen
zugestanden werden. Die fremden Kaufleute sollten keinen willkürlichen Zöllen und Abgaben unterworfen sein, London
[* 3] sowie alle
Städte und Flecken ihre alten Rechte und Gewohnheiten behalten. Die Gerichte sollten jedermann offen stehen, die Gerechtigkeit
nicht verzögert, verkauft oder verweigert werden. Kein freier Mann sollte gefangen gesetzt, seiner Güter
beraubt oder sonst beschädigt werden, wenn nicht mittels
Urteils von Richtern seinesgleichen und nach den Landesgesetzen.
Der Gerichtshof für gemeinschaftliche Klagen (Court of common pleas, Common bench) sollte fortan nicht mehr der Person des Königs
folgen, sondern stets an einem bestimmten Ort seine Sitzungen halten. Die Forsten und Wasser sollten freigegeben
werden. König Johann schon trachtete, diese Akte kraft der Lossprechung seitens des PapstesInnocenz III. zu brechen, und starb
darüber im Kampf mit der Nation. Unter Heinrich III. wurde die Magna Charta infolge der Geldnot, in welcher sich der
König beständig befand, nicht weniger als siebenmal bestätigt.
Ein zweiter Freiheitsbrief desselben, die Charta de foresta (Charter of the forest), beschränkte die königlichen
Forstrechte. Verloren nachmals auch viele der in der Magna Charta ausgesprochenen Freiheiten und Rechte durch die veränderten Verhältnisse
ihre Bedeutung, so behielt doch das Steuerbewilligungsrecht seinen Wert und wurde von der englischen
Nation mit der ganzen ihr eigentümlichen Zähigkeit festgehalten. Die Verletzung desselben durch die Stuarts rief das Volk zum
Kampf gegen König Karl I. auf und veranlaßte die große englische Revolution. Die wesentlichen Bestimmungen der Magna Charta sind später
in die Declaration of rights aufgenommen worden, welche vom Parlament 1688 dem König Wilhelm III. überreicht
und von diesem bei seiner Thronbesteigung gewährleistet wurde. Der erste Druck der Magna Charta, die ursprünglich lateinisch geschrieben
war, erschien 1507. Die besten Ausgaben lieferten Blackstone in »The GreatCharter and Charter of the forest« (Oxf. 1753) und
Thompson in dem »Historical essay on the Magna Charta« (das.
1829).
Vgl. Lau, Die Entstehungsgeschichte der Magna Charta (Hamb. 1857).