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Der Kollaps von Christian Eriksen in der EM-Partie zwischen Dänemark und Finnland (0:1) am Samstagabend in Kopenhagen ereignete sich vor einem Millionenpublikum. Und dieses wurde am Fernsehen minutenlang Zeuge vom Überlebenskampf des 29-jährigen Dänen.
Das sorgte für scharfe Kritik an den übertragenden Fernsehstationen. Ein BBC-Sprecher bat um Entschuldigung: «Die Berichterstattung im Stadion wird von der UEFA als Host Broadcaster kontrolliert, und sobald das Spiel unterbrochen wurde, haben wir unsere Berichterstattung so schnell wie möglich vom Netz genommen.»
Als Regisseur im Auftrag der UEFA ist der Franzose Jean-Jacques Amsellem für die vier Partien in Kopenhagen verantwortlich. Gegenüber der französischen Zeitung «L'Equipe» nahm er Stellung zu der Kritik.
«Wie Sie sich wohl vorstellen könne, gibt es für diese Art von Zwischenfällen kein Handbuch», sagte Amsellem. «Es gab eine Zeitlupe der Szene, in der wir ihn ganz deutlich fallen sehen. Aber ich habe meine Teams sofort gezwungen, sich nicht auf ihn zu konzentrieren, ihn nicht mehr zu filmen.»
Dies wäre ein Leichtes gewesen, gab der Regisseur des WM-Finals 1998 zu bedenken. «Bei mehr als 30 Kameras im Stadion hätten wir das auch weiterhin tun können, aber wir haben zu keinem Zeitpunkt Nahaufnahmen von ihm gemacht.» Dass er Dänen mit Tränen in den Augen gezeigt habe, sei notwendig gewesen, um ihre Not zeigen zu können. «Wir sahen auch die Emotionen der Finnen und die der Zuschauer, aber ich glaube nicht, dass wir etwas Düsteres gemacht haben.»
Amsellem berichtete weiter, dass seine Crew Anweisungen der UEFA erhalten habe. Der Produzent der Übertragung sei in Kontakt mit dem europäischen Fussballverband gewesen. «Wir wurden angewiesen, keine Nahaufnahmen zu machen und die Herzmassage nicht zu filmen. Aber uns wurde auch gesagt, dass es kein Problem sei, die Emotionen im Umfeld zu filmen.»
Ihm sei es auch darum gegangen, der Welt zu vermitteln, wie sich der Vorfall im Stadion angefühlt habe, erläuterte der 64-Jährige. «Wenn wir eine allgemeine Weitwinkel-Aufnahme machen, zeigen wir damit keine Emotionen. Wir haben die Traurigkeit und die Verzweiflung von Spielern, Betreuern und Fans gezeigt – wir sahen aber auch die Einheit in diesem Moment der grossen Angst. Das musste übertragen werden, ich würde das nicht als Voyeurismus bezeichnen.»
Der Regisseur sagte auch: «Hätte mir jemand gesagt, ich müsse bei der Weitwinkelaufnahme bleiben, dann hätte ich das getan.» Offenbar intervenierte aber niemand. Für Amsellem war letztlich vor allem eines von Bedeutung: «Das Wichtigste ist, offen gesagt, dass es ihm gut geht.» (ram)