Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03434.jsonl.gz/2218

Einer der bemerkenswertesten Physiker unserer Zeit, Prof. Chen Ning Yang, feiert am 22. September 2007 den 85. Geburtstag. Ihm zu Ehren findet eine Konferenz in Singapur statt [1], die seine Person, sein Werk und seinen Einfluss auf die Physik unserer Tage gebührend würdigen wird. Geboren 1922 in China, studierte er Physik zuerst an der Tsinghua Universität in Kunming, ging dann als Stipendiat dieser Hochschule 1946 an die University of Chicago, um seine Physikstudien bei E. Teller fortzuführen. Nach seiner Promotion 1948 schloss er sich noch für ein Jahr der Arbeitsgruppe um E. Fermi an, bevor er 1949 ans Institute for Advanced Studies, Princeton, NJ, wechselte, wo er 1955 eine Professur annahm. Ab 1965 bis zu seiner Emeritierung 1999 lehrte er dann an der State University of New York, Stony Brook.
Bekannt wurde C.N. Yang vor allem durch seine Arbeiten zur schwachen Wechselwirkung. Dazu kam es wie folgt: Bis 1956 galt als gesichert, dass alle physikalischen Gesetze der Paritätserhaltung, also der Spiegelsymmetrie, genügen. Auch die Experimente der aufstrebenden Kernphysik bestätigten diese Regel. Erste Zweifel kamen allerdings auf, als neue Elementarteilchen mit Hilfe von Beschleunigern erzeugt wurden. So zeigten Untersuchungen von R.H. Dalitz 1955, dass einige dieser Teilchen bei ihrem Zerfall ein unerklärliches Emissionsverhalten aufwiesen. An einer Tagung über Hochenergiephysik in Rochester 1956 wurde dieses Problem auch in einem Referat von C.N. Yang behandelt. Der anwesende R. Feynman brachte die vom Experimentator M. Block geäusserte Vermutung ein in die Diskussion, dass die von Dalitz implizit angenommene Paritätserhaltung angezweifelt werden müsse. Unterstützt wurde er dabei von E. Wigner, der 1927 die Paritätserhaltung für die elektromagnetische Wechselwirkung formuliert hatte und nunmehr bereit war, den schmerzlichen Schritt eines Symmetriebruchs in Betracht zu ziehen. Yang und sein Kollege T.D. Lee bekundeten, dass sie das ebenfalls erwogen hätten, aber nicht weiter gekommen wären.
In [2] wird nun lebhaft geschildert, wie beiden anscheinend der Durchbruch gelang: Als Yang 1956 seinen Kollegen Lee an der Columbia University besuchte, suchten beide zur Mittagszeit vor einem chinesischen Restaurant verzweifelt nach einem Parkplatz und mussten verkehrswidrig parkieren. Der doppelte Ärger über die ungelöste Parkplatzsuche und die Paritätsproblematik (in der Reihenfolge?) schien so gross gewesen zu sein, dass beim Hinsetzen im Restaurant der Erkenntnisdurchbruch gelang: nur Prozesse der starken und der elektromagnetischen Wechselwirkung erhalten die Parität, nicht jedoch die der schwachen Wechselwirkung. Lee und Yang schlugen dann eine Reihe von Experimenten vor und konnten schliesslich noch 1956 Frau Chien-Shiung Wu am National Bureau of Standards zu ihrem berühmten Experiment gewinnen, die Elektronenemission beim β-Zerfall von Co 60 zu messen. Die im starken Magnetfeld bei Temperaturen im Milli-Kelvinbereich polarisierten Co 60 Kerne sollten Elektronen in gleicher Intensität in und entgegen der Ausrichtung der Kernspins emittieren, falls der β-Zerfall spiegelsymmetrisch wäre. Das Experiment ergab jedoch eine stärkere Emission in Richtung des angelegten Feldes, was durch Feldumpolung verifiziert wurde. Ein nachgeschobenes Experiment mit Co 58, einem Positronenemitter, ergab bestätigend das umgekehrte Emissionsverhalten.
Eine Reihe weiterer, eleganter Experimente folgte in raschen Abständen, die die Paritätsverletzung in der schwachen Wechselwirkung bestätigten. Für ihre Arbeiten bekamen Lee und Yang den Nobelpreis 1957.
Die SPS entbietet Prof. Yang ihre besten Wünsche zu seinem Ehrentag und für all die kommenden Jahre zum Wohle der Physik, zu der er so viel beigetragen hat.
B. Braunecker
[1] Conference in Honor of CN Yang’s 85th Birthday: Statistical Physics, High Energy, Condensed Matter and Mathematical Physics (31 October-3 November 2007), http://www.ntu.edu.sg/ias/home/cny85+home.htm
[2] Anthony Zee: „Magische Symmetrie, Die Ästhetik der modernen Physik“, Insel Taschenbuch 1501, 1990
[Veröffentlicht: Oktober 2007]