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Was sind die einzelnen Teile der Sehbahn?
Als Sehbahn bezeichnet man die neuronale Verschaltung des visuellen Systems, also aller Nervenzellen und -fasern, die für das Sehen zuständig sind. Sie reicht daher von der Netzhaut des Auges bis in das Gehirn.
Anatomisch lässt sich die Sehbahn in sechs Abschnitte aufteilen:
- Sehnerv (Nervus opticus): Es handelt sich um ein Bündel aus Nervenfasern, die von den Ganglienzellen (Zellen der Netzhaut) stammen.
- Sehnervenkreuzung (Chiasma opticum): An diesem Punkt trifft sich ein Teil der Sehnervenfasern.
- Sehstrang (Tractus opticus): Dieser entspricht einer Seite des Gesichtsfelds und umfasst sämtliche ungekreuzten und gekreuzten Nervenfasern
- Seitlicher Kniehöcker (Corpus geniculatum laterale): An diesem Teil des Zwischenhirns (primäres Sehzentrum) endet der Sehstrang (Tractus opticus).
- Sehstrahlung (Radiatio optica): So werden die Nervenfasern bezeichnet, die sich bis zum visuellen Cortex im Gehirn (Sehrinde) ziehen.
- Sehrinde (Area striata): Hier werden alle visuellen Informationen in ein Bild übersetzt und treten ins Bewusstsein ein. Die Sehrinde befindet sich im Hinterhaupts- beziehungsweise Okkzipitallappen des Gehirns, an dem es zu einer Auffächerung der Nervenfasern kommt. Dabei bildet die Makula die schärfste Stelle des Sehens.
Kommt es zu Schäden in den einzelnen Bereichen der Sehbahn, hat dies Sehausfälle zur Folge. Schäden können beispielsweise durch diverse Augenerkrankungen oder neurologische Krankheiten entstehen. Welche dies sind, wird in den folgenden Textabschnitten beschrieben.
Schäden vor der Sehnervkreuzung (Chiasma opticum)
Eine Schädigung kann zum Beispiel die Anteile der Sehbahn betreffen, die vor der Sehnervenkreuzung liegen. Bei den Betroffenen kann dies zu Ausfällen im Gesichtsfeld bis hin zum kompletten Sehverlust am jeweiligen Auge führen.
Gründe für Schädigungen vor der Sehnervkreuzung sind verschiedene Erkrankungen der Sehbahn:
Entzündung des Sehnervs
Bei der Entzündung des Sehnervs (Neuritis nervi optici) unterscheidet man zwischen zwei Arten, der Papillitis und der Retrobulbärneuritis. Mögliche Symptome einer Sehnerventzündung sind eine eingeschränkte Sehfähigkeit, Schmerzen und Gesichtsfeldeffekte, Augenbewegungs- und Farbwahrnehmungsstörungen.
Eine Papillits liegt vor, wenn die Entzündung im Bereich der Austrittsstelle des Sehnervs aus dem Augenbulbus (Papille) auftritt. Besonders häufig sind Kinder von dieser Form der Sehnerventzündung betroffen, einher geht sie oftmals mit Virusinfektionen.
Von einer Retrobulbärneuritis spricht man dann, wenn sich die Entzündung auf die Nervenfasern ausserhalb der Papille erstreckt. Diese Form kommt häufiger bei Erwachsenen vor und tritt oftmals im Kontext neurologischer Erkrankungen (Multiple Sklerose) oder von Autoimmunerkrankungen auf. In einigen Fällen bleiben die Ursachen für das Auftreten unerkannt.
Degenerative Erkrankungen des Sehnervs
Eine weitere Form von Störungen der Sehbahn ist ein sogenannter Gewebeuntergang (Atrophie) der Sehnervenfasern. Man spricht auch von einer Optikusatrophie. Diese kann zahlreiche Ursachen haben:
- Durchblutungsstörungen, beispielsweise durch Diabetes oder Bluthochdruck
- Augentrauma
- Glaukom (Grüner Star)
- Augenentzündungen
- Tumorerkrankungen
Anteriore Ischämische Optikusneuropathie (AION)
Bei dem Sehnervinfarkt (anteriore ischämische Optikusneuropathie) handelt es sich um akute Durchblutungsstörungen im Bereich des Sehnervenkopfs (Papille). Die Ursachen können zum Beispiel verkalkte, arteriosklerotisch veränderte Blutgefässe oder eine Entzündung der Blutgefässe (Arteriitis temporalis) sein.
Typische Symptome der Anterioren Ischämischen Optikusneuropathie sind plötzliche Einschränkungen bis hin zu einem kompletten Verlust des Sehvermögens.
Papillenödem (Stauungspapille)
Von einem Papillenödem spricht man dann, wenn sich am Sehnervenkopf (Papille) Flüssigkeit ansammelt. Die Auslöser für eine solche Stauungspapille können vielfältiger Natur sein. In Frage kommen beispielsweise eine Blutung oder eine Infektion, eine Entzündung oder eine Tumorerkrankung im Gehirn.
Die Symptome äussern sich vor allem in neurologischen Störungen, beispielsweise Sensibilitätsausfällen oder Lähmungserscheinungen. Möglich sind auch Begleiterscheinungen wie Gesichtsfeldausfälle oder eine Minderung der Sehkraft.
Schäden an der Kreuzung der Sehnerven (Chiasma opticum)
Schädigungen an der Sehnervenkreuzung (Chiasma opticum) sind in der Regel druckbedingt und lassen sich zum Beispiel auf gutartige Tumore der Hypophyse (Hypophysenadenom) oder auf Blutgefässerweiterungen (Aneurysmen) zurückführen. Multiple Sklerose oder Traumata sind andere mögliche Auslöser.
Zu den häufigen Beschwerden gehören Gesichtsfeldausfälle, verbunden mit Kopfschmerzen. Liegt ein Tumor der Hypophyse vor, kommt es charakteristischerweise zum sogenannten Scheuklappenphänomen (bitemporale Hemianopsie). Dabei reduziert sich das Gesichtsfeld zu beiden Seiten hin stark. Bei frühzeitiger Therapie besteht eine hohe Chance, dass sich die Ausfälle vollständig rückbilden.
Schäden der Sehbahn hinter der Sehnervkreuzung
Auch hinter der Kreuzungsstelle der Sehnerven kann es zu Schäden an den dort liegenden Anteilen der Sehbahn kommen. Folgende Ursachen sind möglich:
- Traumata/Verletzungen
- Tumore
- Durchblutungsstörungen im Gehirn (Schlaganfall/Hirnblutung)
- Entzündungen
- Augenmigräne
- Gefässerweiterungen
Zu den Beschwerden zählen Einschränkungen im Gesichtsfeld. Diese treten an beiden Augen auf und ziehen sich jeweils zur anderen Seite hin (homonyme Hemianopsie). So kommt es beispielsweise zu einem rechtsseitigen Ausfall an beiden Augen, wenn der linke Sehstrang betroffen ist. Handelt es sich dagegen um Schäden an der Sehrinde, sind Ausfälle der oberen und unteren Gesichtsfeldhälfte möglich.
Sie haben weitere Fragen zu Erkrankungen der Sehbahn? Dann nehmen Sie Kontakt zu unseren Augenärzten in Opfikon auf und vereinbaren Sie einen Termin mit unseren Spezialisten. Defekte im Gesichtsfeld können auf Veränderungen der Sehbahn und damit auf Störungen im Bereich der Augen oder des Gehirns hindeuten. Falls Sie Einschränkungen bemerken, sollten diese stets ärztlich abgeklärt werden. Kommt es ausserdem zu neurologischen Ausfälle, ist eine Behandlung dringend erforderlich.
Quellen
- Kanski-Bowling: Klinische Ophthalmologie, 7. Auflage, Seite 797-875.