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Conrad Gessner (1516 – 1565) war einer der bedeutendsten Gelehrten in Europa, der Latein, Griechisch und Hebräisch beherrschte und mit vielen wichtigen Persönlichkeiten korrespondierte. Als Zürcher Stadtarzt behandelte er den an der Pest erkrankten Reformator Heinrich Bullinger, bevor er selbst der Krankheit erlag.
Berühmt wurde Gessner vor allem mit seiner “Historia animalium”, einem Nachschlagewerk, in dem er versuchte, alle bekannten Tiere zu beschreiben. So entstand eine gewaltige Enzyklopädie, in der mehr als 1000 Tiere in Text und mit naturgetreuen Abbildungen porträtiert sind.
Eine Sonderausstellung im Landesmuseum zeigt bis zum 19. Juni das umfangreiche Wirken des Universalgelehrten und Naturforschers. Die Schau ist in enger Zusammenarbeit mit der Zentralbibliothek Zürich entstanden, die Teile von Gessners Nachlass und alle seine über 60 Publikationen besitzt, wie Kuratorin Mylène Ruoss am Dienstag vor den Medien ausführte.
Den passenden Rahmen für die gezeigten Objekte bilden die historischen Zimmer im Landesmuseum, die aus der Zeit um 1500 stammen. Insgesamt werden neun Themen in jeweils einem Raum präsentiert.
So erfahren die Besucherinnen und Besucher etwas über Gessners Persönlichkeit, sein Wirken als Lehrer an der von Zwingli gegründeten Hohen Schule in Zürich und seine umfangreiche Studiensammlung.
Sein Interesse galt auch dem neu entdeckten Kontinent Amerika. So wuchsen in Gessners Garten beim Wohnhaus an der Frankengasse 6 Tomaten und er war der erste Schweizer, der zwei Meerschweinchen hielt. Neben der Zoologie beschäftigte sich Gessner auch mit der Botanik. Vor allem interessierte ihn, wie die jeweilige Pflanze funktioniert.
Als Arzt gab Gessner unter anderem ein Kompendium von Arzneimitteln heraus und er wandte sich gegen Aberglauben und astrologische oder okkulte Praktiken.
Einen eigenen Raum widmet das Landesmuseum dem Buchdruck. Dessen Erfindung führte zu einer kaum mehr überschaubaren Menge an Texten. Für Orientierung sorgte Gessners “Bibliotheca universalis” von 1545. Darin stellte er sämtliche handschriftlichen und gedruckten Werke zusammen, die in hebräischer, griechischer und lateinischer Sprache verfasst worden waren.
Die wertvollsten Objekte, davon die meisten aus dem persönlichen Besitz von Conrad Gessner, präsentiert das Museum in der Schatzkammer. Ergänzt wird die Schau mit einem Dokumentarfilm, Hörstationen, Touchscreens und einer Diaschau.
Neben der Ausstellung im Landesmuseum zeigt das Zoologische Museum der Universität Zürich bis zum 11. September “Tiere von A bis Z – Die Tierbücher Conrad Gessners”. Deutlich wird, wie Gessner das damalige und das antike Wissen zusammentrug, neu ordnete und neues Wissen schuf.
In seiner Enzyklopädie unterschied Gessner in Anlehnung an Aristoteles, vier grosse Gruppen: Vierfüssige lebendgebärende Tiere, vierfüssige eierlegende Tiere, Vögel und Wasserlebewesen. Jeder Gruppe widmete er einen Band und listete die Tiere darin alphabetisch auf. Auch Darwin las noch in Gessners Werk – 300 Jahre später, wie Lukas Keller, Direktor des Zoologischen Museums der Universität Zürich sagte.
Noch stärker als die Ausstellungen im Landesmuseum und im Zoologischen Museum will der Zoo Zürich die breite Bevölkerung mit dem ausserordentlichen Menschen und seinen Leistungen bekannt machen, wie es in einer Mitteilung heisst.
An 13 Stationen verteilt über den Zoo können Besucherinnen und Besucher Gessners Zeichnungen und Beschreibungen, beispielsweise vom “Kamelthier” mit den lebenden Tieren vergleichen. Die Ausstellung “Conrad Gessner: erster moderner Mensch und Vater der Zoologie” dauert bis 23. Oktober.
Ergänzt werden diese drei Ausstellungen durch eine weitere im Botanischen Garten der Universität, einen internationalen Kongress und zahlreiche weitere Veranstaltungen. Ausserdem sind zwei Publikationen erschienen.
(SDA)