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Die Frage nach der guten, der idealen Übersetzung lässt sich ganz leicht beantworten: Das, was das Original intendiert, wird im Übertragungsprozess umfänglich verstanden und in der Zielsprache adäquat und lückenlos wiedergegeben. Umberto Eco nennt das in seinem gleichnamigen Buch zum Übersetzen: «Quasi dasselbe, mit anderen Worten».
Es ist doch ganz einfach, im Lotto zu gewinnen: Man muss nur die richtigen Zahlen ankreuzen.
Es ist doch ganz einfach, die gute Übersetzung anzufertigen: Man muss nur die richtigen Wörter hinschreiben.
Nur: was sind denn die richtigen Wörter?
Ein paar Grundregeln
Natürlich gibt es Grundregeln, Leitsprüche, an die wir uns halten können, Dinge, die gute Übersetzer können müssen, und andere, die sie vermeiden sollten. Dies reicht von der Fähigkeit, Sprichwörter und Sinnsprüche der Ausgangssprache zu erkennen und in die Entsprechung in der eigenen Sprache zu übertragen, bis hin zu der Erkenntnis, dass sich die Satzmelodien in den verschiedenen Sprachen unterscheiden und nicht immer wortgetreu wiedergeben lassen (müssen).
Vor allem aber: jedes Buch hat seine eigenen Besonderheiten. Diese herauszuschälen und zu beachten, ist vorrangige Aufgabe einer guten Übersetzung. Dazu gehören etwa sprachliche Eigenheiten, das gesellschaftliche, historische und soziale Umfeld der Entstehung oder auch die wirtschaftlichen Bedingungen, unter denen Original und Übertragung entstehen. Nichtbeachtung dieser bestimmenden Faktoren kann meines Erachtens nicht zu einer guten Übersetzung führen. Auch Vorgaben durch den Verlag, wie eine Übersetzung klingen soll, können den Weg zu ihr nur behindern.
Die Liste mit Dos und Don’ts liesse sich fortsetzen, und kluge Köpfe haben sich ausgiebig über die besonderen Herausforderungen des literarischen Übersetzens ausgelassen. Ich verweise neben Umberto Eco auf Dieter E. Zimmers «Redens Arten» oder auf Karl Dedecius’ «Vom Übersetzen». Der Punkt ist: eine Checkliste genügt nicht. Denn der Weg zur guten Übersetzung führt über Fragen, über die bei jedem Buch neu (und keineswegs immer gleich) entschieden werden muss: Was mache ich mit Dialekten, die ich niemals ortsgetreu übertragen kann (Hamburg ist nicht New York, Bayern nicht Texas)? Was mit Soziolekten – spricht eine weisse Amerikanerin Hochdeutsch, der schwarze Amerikaner aber «Strasse»? Wie sieht es mit Anspielungen und rhetorischen Formen aus, mit Ironie und Sarkasmus? Will ich Wortwörtlichkeit, bilde ich also das Original mit all seinen grammatikalischen und syntaktischen Eigenheiten so genau wie möglich nach (weil diese Eigenheiten ja von Bedeutung sein könnten)? Oder suche ich nach einer Wirkungsäquivalenz, ohne z.B. der Reihenfolge der Wörter im Original sklavisch ergeben zu sein?1 Verlangt der Text in der Übertragung Verfremdung (um die Andersartigkeit des Textes zu bewahren) oder Angleichung (damit wir den Sinn besser verstehen)? Also: möglichst dem Original entsprechend oder möglichst deutsch, möglichst lesbar? Und was ist überhaupt übertragbar, was geht verloren, wo kann ich es andernorts retten?
Dass es auf all diese vielen Fragen nicht die eine, wahre Antwort geben kann, ist ja allein schon an ihrer schieren Menge erkennbar. Und es wird noch deutlicher, wenn ich betrachte, wie viele unterschiedliche Erzählweisen es auf der Welt gibt. Zudem: schon allein die Vorstellung,…