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Die Institution des G.s bildete sich in den eidg. Städteorten zwischen dem 14. und dem frühen 16. Jh. heraus (Räte). Das in diesem Zeitraum wachsende polit. Gewicht der Bürgerschaft gegenüber Stadtherren und adeliger bzw. patriz. Führungsschicht verlangte nach einer breiteren Abstützung der Regierungsgewalt. Zur Sanktionierung wichtiger Entscheidungen wurde der Kleine Rat, der die tägl. Regierungsgeschäfte besorgte, erweitert um 60-200 Angehörige aus der Bürgerschaft, zumeist aus den Vorständen von Zünften und Gesellschaften. Der so gebildete G. repräsentierte nach aussen die städt. Gemeinde (Stadt) als ganze ("Rät und Burger") und verkörperte die höchste Gewalt. Der G. tagte stets in Gemeinschaft mit dem Kl. Rat und wurde meist auch von diesem einberufen. Die Stellung des G.s war in den eidg. Städteorten grundsätzlich vergleichbar: Bei ihm lagen in der Regel Entscheidungen über Krieg und Frieden, Vertragsabschlüsse, Wahlen für gewisse Ämter sowie die Steuer- und Münzgesetzgebung. Bezüglich Zusammensetzung, Wahlverfahren, Kompetenzen und Häufigkeit des Zusammentretens zeigen sich allerdings von Ort zu Ort auch Unterschiede. Unter Einschluss des Kl. Rats hatte der G. in Luzern 100 Mitglieder, in Solothurn 101, in Schaffhausen 86 und in St. Gallen 90. In Zürich, Bern, Freiburg, Basel und Genf wies der G. 200-300 Mitglieder auf und hiess deshalb auch "Rat der Zweihundert". In Basel erfuhr der G. in der Folge der polit. Krise von 1691 nicht nur eine zahlenmässige Verstärkung, sondern auch eine Aufwertung als oberstes Staatsorgan ("Mehrere Gewalt"). In Genf hielt sich bis zum Beginn der Neuzeit der conseil général als Versammlung der Bürger (Gemeindeversammlungen). Erst 1526 wurde unter Anpassung an die Verhältnisse in den verbündeten eidg. Städten ein "Rat der Zweihundert" gebildet. In Lausanne entstand der G. 1517 gegen den Willen des Bischofs; er überstand die Eroberung der Waadt durch Bern 1536, wurde jedoch in seinen Kompetenzen eingeschränkt. Stellte im SpätMA der G. noch eine relativ breite Vertretung der städt. Bürgerschaft dar, ergab sich im Verlauf der frühen Neuzeit überall eine Verengung des Zugangs zu den Ratsstellen (Aristokratisierung).
Auch in den Länderorten entstanden im SpätMA unterschiedl. Formen des erweiterten Rats. Bei wichtigen Geschäften nahm jedes Mitglied des engeren Rats einen oder zwei Ratsherren aus seinem Wahlkreis mit, um so den Zwei- bzw. Dreifachen Rat bilden zu können. In den beiden Appenzell bestand in der Frühneuzeit ein dreistufiges Vertretungssystem mit einem Gr. zweifachen Rat, einem G. und einem Kl. Rat. Die Räte der Länderorte wurden nicht an der Landsgemeinde, sondern von den lokalen Verbänden (Viertel, Ürten, Rhoden usw.) gewählt.
Literatur
– HbSG 1, 548-557
– P. Blickle, «Friede und Verfassung», in Innerschweiz und frühe Eidgenossenschaft 1, 1990, 93-134
Autorin/Autor: Hans Berner