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Kartographie
Die SFAR im Dienste der wissenschaftlichen Forschung
Auszug aus: Schweizerische Stiftung für Alpine Forschungen 1939 bis 1970. Erschienen in Zürich 1972
Auf Veranlassung der Stiftung für Alpine Forschung unternahm der bekannte Schweizer Geologe Arnold Heim im Herbst 1949 einen Erkundungsflug über den zentralen Nepal-Himalaya. Lesen wir, was er in seinem Bericht selber darüber schreibt:
"In einer zweimotorigen neuen Dakota (Douglas-Typ) flogen wir am 17. Oktober 1949 von Delhi nach Lucknow. ... Es war 5.08. Den Kurs hatte ich mit E 23° N in Richtung Butwal am Fuss des Gebirges angegeben, 280 Kilometer über die Ebene, dann Richtung Nord-Nordost über Tansing und dem Gandakital folgend bis Tibet.
Vor uns im Osten liegen schwarze Stratuswolken, der Vorhimalaya ist noch teils bewölkt, die höchsten Gipfel aber sind, mit Ausnahme einer weissen Wolke am Dhaulagiri zur Linken, frei. Wir fliegen zwischen diesem Achttausender und dem gegenüberliegenden Matschaputschare in etwas über 4000 Metern. Der Gandaki und seine Schluchten dunkeln noch in tiefem Schatten. Zur Linken steht mächtig der Eckpfeiler des Dhaulagiri vor uns. Die Schichten fallen allgemein etwa 30 Grad nach Nord-Nordosten und bestehen anscheinend aus altem Gneis, der von Schiefer mit Faltungen überlagert wird. Zwischen dem Gneis und den Siwaliks, leider nicht deutlich, geht vermutlich die grösste Überschiebungsfläche der Erde hindurch. Ich sitze mit Photo- und Kinoapparaten neben dem Piloten. Der Flug geht zu rasch für systematisches Beobachten; auch sind wir zu niedrig. Vergeblich verlange ich vom Piloten, höher zu steigen. Er hat, wohl absichtlich, die Sauerstoffapparate nicht in Funktion gesetzt und darf selbst ohne Sauerstoff nicht höher fliegen als 4500 Meter. Schon vor 6 Uhr glauben wir an der tibetischen Grenze zu sein und fliegen dicht über ein weites, ödes Plateau mit seichten Glazialseen, worauf Herden von Yaks und Klangs (Wildesel) weiden. Mein Aneroid zeigt 4500 Meter. Vor uns fliesst ein gegabelter Fluss, wohl der Tsangpo (Brahmaputra), und nordöstlich in blauer Ferne erhebt sich eine unbekannte, etwa 7000 Meter hohe Spitze auf den Bergrücken des Transhimalaya. Umkehren! Wir haben keine Erlaubnis für Tibet. Jetzt erst erstrahlen die Gipfel in voller Klarheit. Wenig ragt der höchste Gipfel des Matschaputschare über die Vorgipfel heraus. Gewaltig, aber mit weniger Eis und bloss mit einem kleinen Hängegletscher nach Osten, stehen jetzt ohne Wolken der Dhaulagiri und als westliche Fortsetzung die Reihe von Gipfeln des Dhaulagiri Himal vor uns. Dann behindern uns wieder niedrige Wolken, bis wir über die indische Ebene hingleiten und nach fast vierstündigem Flug und beinahe 1000 Kilometer Weg bei Lucknow landen.
Es war ein erster, nicht ganz gelungener Probeflug. Zum Beobachten ist die Dakota mit den winzigen runden Fensterchen wenig geeignet. Anderseits ist die Sicht vom Platz des Hilfspiloten aus einseitig und zwischen Propeller, Flügel und Schwanz eingeengt. Die Bewölkung störte im Vorhimalaya. Der Pilot ging nicht hoch genug zum Beobachten und Aufnehmen des Annapurna Himal und von Tibet.
Von der merkwürdigen Erscheinung der exotischen Blöcke, die wir im tibetischen Grenzgebirge gegen den Garhwal-Himalaya festgestellt hatten, war nichts zu erkennen, wohl aber stellte ich weisse, nach Norden fallende Kalkschichten und braungraue Schiefer fest, die vermutlich den Trias- und Juraschichten angehören. Gewiss würde eine Expedition zu Fuss zu prächtigen Ergebnissen führen, worauf dann weitere Beobachtungsflüge um so wertvoller würden. Denn kaum ein anderes Profil im Nepal-Himalaya bietet so gute geologische Einblicke wie das für die geplante Expedition gewählte und nun abgeflogene von Butwal über Tansing und den Kali Gandaki zwischen den genannten Achttausendern hinauf bis zum Tsangpo. Kein anderes Gebiet gestattet auf seiner ganzen Strecke die Möglichkeit des Transportes mit Lasttieren, und kein Übergang mit so niedriger Wasserscheide ist bekannt, der nach Tibet und dem Transhimalaya hinüberführt."
Für die Erschliessung einer abgelegenen Bergregion durch Alpinisten und Wissenschaftler sind die verfügbaren Bilder und Karten sehr wichtig. Dabei ändern die Ansprüche an die Qualität der Unterlagen mit der Zielsetzung der Expedition, wie ein Überblick über die von unserer Stiftung publizierten Karten zeigt.
Einfache Kammverlaufskarten für den Himalaya und die Anden sind in kleinem Massstab gehalten. Sie dienen der groben Orientierung des Bergsteigers und vermitteln einen allgemeinen Eindruck über die morphologische Gliederung grosser Gebirgsregionen. Kammverlaufsskizzen sind anschaulich und leicht lesbar, sie wurden denn auch in Ausschnitten den Expeditionsberichten in Berge der Welt beigegeben.
Zu Anfang ihrer Tätigkeit unterstützte die Stiftung mit beträchtlichen finanziellen Mitteln die topographische Kartierung von ausgewählten, für alpinistische Expeditionen interessanten Berggebieten. Vor allem haben die Karten Sikkim-Himalaya (1:150'000), Garhwal-Himalaya-Ost und Garhwal-Himalaya-West (1:150'000), Jongsang-Nupchu (1:150'000), Rataban-Kosa (1:50'000) und Abi Gamin (1:150'000) besondere Beachtung gefunden. Auf Wunsch der indischen Regierung wurden sie 1959 aus dem Handel gezogen, um eine Verwendung durch die damals gegen Indien vorrückenden chinesischen Truppen auszuschliessen.
Hatte in der Gründungszeit der Stiftung die Landesausstellung 1959 in- und ausländischen Besuchern die hohe Qualität der schweizerischen Landeskarte vor Augen geführt, so fanden nach dem Zweiten Weltkrieg einige schweizerische Sonderleistungen in der Kartierung von Berggebieten internationale Beachtung.
Die Stiftung hat bei der Fertigstellung und Veröffentlichung der Anden-Karte (1965) von Ernst Spiess mitgeholfen. Diese Karte überdeckt das Expeditionsgebiet der 1959 vom SAC organisierten Anden-Expedition unter Leitung von Ruedi Schatz (Panta, Cordillera Vilcabamba, 1:25'000).
Eine Spitzenleistung schweizerischer Kartenkunst stellt zweifellos die Karte des Mount McKinley-Massivs in Alaska dar.