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Die Arzneipflanze Melisse beruhigt auf sanfte Weise ein angespanntes Nervensystem, indem sie dem Herzen Freude, dem Gemüt Heiterkeit und dem Bauch ein wohliges Gefühl schenkt.
Die Melisse, auch Zitronenmelisse genannt, verströmt einen zitronenartigen, warmen Duft, der die Bienen in Scharen anlockt. Es wird deshalb erzählt, dass sie ihren Namen «Melisse» als Futterpflanze der Bienen bekommen habe, abgleitet vom griechischen «melissa» oder «melitta» (Biene) und «meli» (Honig). Sie wird noch heute gerne vor Bienenhäusern gepflanzt, um reichlich Honig zu ernten. Eine andere Erklärung basiert auf dem Namen «Zitronenmelisse», der im Griechischen «meliteia» bedeutet. Nicht nur die Bienen profitieren von der reichhaltigen Gabe der Melisse, auch die Pflanzensammler schätzen ihr üppiges Wachstum. Ihre Blätter lassen sich bis zu dreimal pro Jahr ernten, wenn man sie kurz vor der Blütenbildung pflückt. Danach wird der Geschmack bitter und zusammenziehend.
Am wirksamsten frisch
Die heilige Hildegard von Bingen beschrieb in ihrem Werk «Physica» die Melisse als ein Kraut, das die Wirkung von fünfzehn Kräutern vereint. Sie empfahl sie zur Stärkung des Herzens und der Milz, um Heiterkeit und Freude ins Leben zu bringen. Für Paracelsus war die Melisse von allen Dingen, welche die Erde hervorbringt, das Beste für das Herz. Man nannte sie auch Herzkraut oder Herztrost, da die Melisse das Herz tröstet, die Lebensvitalität stärkt und die Melancholie vertreibt. Von den alten Kräuterheilkundigen ist zudem folgende Aussage überliefert: «Nimm Melisse, wenn dein Herz betrübt, deine Lebenskraft geschwächt, dein Bauch verknotet oder deine Augen müde sind.» Die Nonne Maria Clementine Marti hat diese sagenhafte Wirkung der Melisse verewigt, indem sie 1775 den berühmten «Klosterfrau Melissengeist» erfunden hat.
Die Melisse wirkt beruhigend, wenn nervliche Anspannung das Herz, den Bauch und die Stimmung durcheinanderbringt. Sie entspannt das gestresste Herz, das einen nicht schlafen lässt, entkrampft den Magen und wirkt so gegen Appetitlosigkeit. Das Heilkraut lindert Blähungen, stärkt eine schwache Verdauung, hebt zu tiefen Blutdruck leicht an und vertreibt melancholische Verstimmung.
Die Melisse erwärmt aber auch das Becken, macht Lust auf Liebe und lindert auf sanfte Weise Menstruationsbeschwerden, die durch zu viel Alltagshektik entstehen. Äusserlich angewendet stoppt eine Creme mit Melissenextrakt die Ausbreitung von Fieberbläschen. Man sollte sie bereits bei den ersten Anzeichen auftragen. So können ihre Inhaltsstoffe die Vermehrung von Viren rechtzeitig verhindern und die Bildung der gefürchteten Bläschen stoppen.
Melisse wirkt am besten frisch zubereitet. Den Tee kann man zwei- bis dreimal täglich geniessen, und zwar nach dem Essen. Während der Tee zieht, sollte man die Tasse unbedingt zudecken, damit sich das ätherische Öl nicht im Raum verflüchtigt. Wer an starken Beschwerden leidet, kann wählen zwischen Frischpflanzentinktur, spagyrischer Essenz und ätherischem Öl. Eine Kur von sechs Wochen erfreut das Herz und verbreitet ein wohliges Gefühl im Bauch.
Steckbrief
Familie
Lippenblütler
Aussehen
Die Melisse ist ein buschiger Halbstrauch, der im unteren Teil verholzt und bis zu 90 cm gross wird. Die weissen Blüten sitzen in den Blattachseln und umkreisen den Stängel. Vor dem Blühen duften die herzförmigen Blätter zitronenartig, danach wird ihr Geschmack herb und bitter. Die vierkantigen Stängel verzweigen sich erst nach dem Verblühen.
Standort
Sonniger bis halbschattiger, möglichst windgeschützter Standort. Bevorzugt nährstoffreichen, sandigen Lehm- oder lehmigen Sandboden. Mineralhaltiger Kompost hilft bei der Kultivierung. Wichtig ist ein durchlässiger Boden.
Botanische Einordnung
Mehrjährig und winterhart
Blütezeit
Juni bis August
Verwendung
Gesammelt werden die Blätter vor dem Aufblühen im Juni bis Juli. Die Blätter nur bei unverzweigten Stängeln ernten.