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Restaurierung einer historistischen Fassade im «Gundeli»
Als in den 1980er Jahren die historistische Fassade an der Güterstrasse 120 in einem knalligen Hellblau gestrichen wurde, nahm man das im Gundeldinger Quartier mit grossem Befremden wahr. Die Intensität der Farbe hat heute allerdings bereits nachgelassen. Bei der Restaurierung der Fassade des Nachbarhauses Güterstrasse 122 – erbaut 1903 von E. Ott – war es der Bauherrschaft und den Architekten ein Anliegen, die Farbgebung sorgfältig nach denkmalpflegerischen Vorgaben zu erarbeiten.
Sorgfältiges Vorgehen bei der Farbgebung
Die ursprüngliche Farbgebung der Fassade wurde durch einen Restaurator untersucht. Das Resultat ergab, dass der Originalverputz in den letzten 110 Jahren nur einmal überstrichen worden war. So konnte der ursprüngliche Farbton, ein helles Grau mit einem dezenten Blaustich, klar bestimmt werden. Die Bauherrschaft liess vor der Restaurierung den genauen Zustand von Verputz, Steingewänden und Fenstern untersuchen. Die originale Substanz der Fassade sollte soweit als möglich erhalten werden, weshalb man vorsah, den Verputz mit Mineralfarbe zu überstreichen und die Steingewände zu reinigen. Die Eichenfenster sollten mit Dichtungen versehen, repariert und mit Ölfarbe gestrichen werden. Nach dem Aufstellen des Gerüsts zeigte sich allerdings, dass der Deckputz aus der Bauzeit in schlechtem Zustand war und teilweise ersetzt werden musste. Dem handwerklichen Können von Baumeister und Maler ist es zu verdanken, dass die Wirkung der neuen Verputz- und Farboberflächen der ursprünglichen Gestaltung sehr nahe kommt.
Repräsentative Fassade als Willkommensgruss
Mit dem wiederhergestellten hellgrauen Anstrich hat die Fassade einen vornehmen und repräsentativen Charakter erhalten. Vergleicht man das blau gestrichene Nachbarhaus mit der restaurierten Fassade des Hauses Güterstrasse 122, realisiert man, welch grosse Bedeutung die Farbe in Bezug auf die Erscheinung eines Hauses hat. Obwohl die beiden Fassaden die gleichen Stilelemente und Verzierungen aufweisen, erhalten sie aufgrund der unterschiedlichen Farbgebungen einen jeweils anderen Ausdruck. Während das Blau der Güterstrasse 120 dem Haus einen fast burlesken Charakter verleiht, gibt das helle Grau dem benachbarten Gebäude eine vornehme Erscheinung. Damit wird wieder ersichtlich, welche städtebauliche Bedeutung die Häuser hinter dem Bahnhof an der Güterstrasse zur Zeit ihres Entstehens hatten: Sie sollten in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof einen repräsentativen Auftakt zum neuen Gundeldinger Quartier darstellen. Damals befanden sich an der Güterstrasse auch Hotelbauten, die den ankommenden Reisenden eine Unterkunft anboten. Mit der Restaurierung der Fassade am Haus Güterstrasse 122 ist es gelungen, die ursprüngliche Intention der damaligen Bauherrschaft wieder zum Leben zu erwecken.
Reto Bieli, Daniel Schneller
Weitere Beispiele
Dieser Beitrag stammt aus dem Jahresbericht der Kantonalen Denkmalpflege 2012, in dem Sie weitere Beispiele für gelungene Restaurierungen finden.