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Joerie Vansteelant (Belgien) und Eva Nyström (Schweden) gewannen am Sonntag beim 24. Powerman Zofingen die 2012 ITU Powerman Long Distance Duathlon World Championships. Insgesamt 1‘224 Teilnehmer konnten am Powerman Zofingen-Wochenende gezählt werden. Dies ist trotz des verregneten Samstags ein toller Erfolg.
von Raphael Galliger (www.powerman.ch)
Powerman-Logo (powerman.ch)
Aus den 2012 Zofingen ITU Powerman Long Distance Duathlon World Championships machten Joerie Vansteelant und Rob Woestenborghs eine belgische Meisterschaft. Das Duo lief praktisch das gesamte Rennen an der Spitze. Erst beim letzten Wechsel von der Rad- auf die Laufstrecke setzte sich der Titelverteidiger um ein paar Meter ab und baute dann auf den letzten 30 Laufkilometern seinen Vorsprung kontinuierlich aus.
«Ich merkte, dass Rob Woestenborghs gegen Ende der Radstrecke langsam die Energie ausging und ich forcierte gleich zu Beginn der letzten Laufstrecke das Tempo», beschrieb Vansteelant, der seinen WM-Titel verteidigen konnte, die entscheidende Rennphase. «Gegen Ende des Rennens tat mir alles weh und ich fragte mich, wieso ich dies überhaupt meinem Körper antue», so der bald zweifache Vater.
Sein Landsmann Woestenborghs, der nur 60 Kilometer von Vansteelant entfernt wohnt, hatte bisher erst ein Kräftemessen gegen den Duathlon-Champion gewonnen, nämlich beim Powerman Malaysia am 13. November 2011. Nach der Radstrecke hatte das belgische Duo in etwa die gleiche Zeit verbraucht wie Vansteelant im letzten Jahr bei seinem neuen Streckenrekord (6:07.15). Am Ende fehlten Vansteelant 43 Sekunden um den eigenen, im letzten Jahr aufgestellten Streckenrekord zu knacken.
Kampf um Platz 3
Bis Mitte der Radstrecke lag das Franzosen-Duo Thibaut Humbert/Anthony Le Duey stets auf 3. oder 4. Position. Danach schlossen der in Pontresina wohnhafte Hägendörfer Beat Ritter und der Amerikaner Eneas Freyre zum Duo auf. Gegen Ende der Radstrecke fielen Ritter, Freyre und Le Duey zurück und der Däne Soren Bystrup kämpfte mit Humbert um Platz 3, der schliesslich an Bystrup ging.
Bester Schweizer wurde der 35-jährige Ritter auf Platz 5: «Ich habe auf dem ganzen Weg Gott gedankt, dass ich so fit bin und habe mich so selbst nach vorne getrieben!» Da er erstmals in der Elite gestartet sei, habe er sich gewissermassen selbst unter Druck gesetzt. «Da ich Vater dreier Kinder bin, weiss ich nicht, ob ich auch in Zukunft auf die Karte Sport setze.»
Nyström in Front
Nach der ersten Laufstrecke führte die in der Schweiz geborene Holländerin May Kerstens vor der Dänin Susanne Svendsen und vor Melanie Burke (Neuseeland). Nach der ersten von drei Radrunden führte Lucy Gossage (England) vor Svendsen, Kerstens, Burke und der Schwedin Eva Nyström, welche sich danach kontinuierlich nach vorne arbeitete. Bei 74 der 150 Radkilometer übernahm Nyström erstmals von Gossage die Führung und gab sie nicht mehr ab.
«Dieser WM-Titel kommt selbst für mich überraschend, weil ich zu Beginn des Rennens noch weit vom Podest entfernt lag», so die überglückliche 35-jährige Schwedin. Nyström hatte bisher viermal in Zofingen teilgenommen und war dabei zweimal auf Platz 2 gelandet. «Die Tatsache, dass ich mich während den Vorbereitungstrainings jeweils um meinen eineinhalb Jahre alten Sohn Simon kümmern konnte stimulierte mich zu Höchstleistungen.» Bei Velokilometer 35 sah Gossage ihren möglichen Sieg davonschwimmen: «Als mich Eva Nyström mit einem horrenden Tempo überholte, wusste ich, dass ich mich bei meiner Premiere in Zofingen auf Platz 2 konzentrieren musste.» Die Engländerin kommt nächstes Jahr wieder in die Thutstadt, so auch die drittklassierte May Kerstens. Beste Schweizerin wurde die Bernerin Karin Gerber auf Platz 4.
Toller Powerman-Sonntag
Im Gegensatz zum ersten verregneten Powerman Zofingen-Tag war das Wetter am Sonntag fast ideal: Bedeckter Himmel, angenehme Temperaturen um die 14 Grad am frühen Morgen. Zufriedene Gesichter auch im Powerman Zofingen-OK: «Über die Langdistanz haben wir, die 70 Staffelteilnehmer inbegriffen, fast 500 Startende und über die Kurzdistanz sieht es in etwa gleich aus», freute sich OK-Präsident Stefan Ruf.
Im Hinblick auf das 25-jährige Jubiläum im nächsten Jahr soll über die Lang- und Kurzdistanz die 1000er-Grenze dann überschritten werden. Ruf strich vor allem die alle Jahre steigende Frauenbeteiligung heraus. Insgesamt starteten an den beiden Powerman Zofingen-Tagen 1‘200 Leute, davon über 1‘000 am Sonntag. «Hätten wir am Samstag schöneres Wetter gehabt, wäre eine neue Rekordbeteiligung in diesem Jahrtausend möglich gewesen.»
Weltmeisterliche Vorbereitungen
Joerie Vansteelant (Belgien) und Melanie Burke (Neuseeland), die beiden aktuellen Weltmeister hatten vor dem Start beide das gleiche Ziel: «Die Verteidigung des Weltmeistertitel hat oberste Priorität, erst dann kommt ein möglicher neuer Streckenrekord.» Vansteelant sass bis wenige Minuten vor dem Start cool auf einer öffentlichen Parkbank: «Ich habe gut trainiert, bestens geschlafen und bin bereit!»
Derweilen versprach Burke mit scheuer Stimme: «Ich hoffe, dass wenn ich ins Ziel komme AC/DC läuft.» Denn der Titel Thunderstruck ist das Lieblings- und Motivationslied der 30-jährigen Neuseeländerin. «Sollte ich erneut gewinnen spiele ich im Ziel Luftgitarre», versprach Burke vor dem Start. Am Schluss wurde Burke jedoch nur Siebte.
Riesenpech für Uebelhart
Der Pechvogel des Tages wurde am Powerman Zofingen-Sonntag schnell gefunden: Jacqueline Uebelhart. Die 37-jährige Aarwangerin startete gut und lag nach den zehn Laufkilometern an 9. Stelle. Nach wenigen Metern auf dem Velo gab es einen Knall, der Reifen war platt. Nach umgehendem Reifenwechsel und 15 Kilometern auf dem Rad wiederholte sich die ganze Szene und die in Welschenrohr aufgewachsene Aarwangerin musste wegen eines defekten Ventils mit Tränen in den Augen das Rennen aufgeben.
«Sch… einfach Sch…», brachte Uebelhart, die bereits am 29. April dieses Jahres an der Langdistanz-EM in Holland wegen eines platten Reifens aufgeben musste, gerade noch über die Lippen. Die Saison will Uebelhart nach diesem neuerlichen Tiefschlag aber noch nicht aufgeben. «Ich werde am einen oder anderen Rennen der Powerman-Serie auf Fuerteventura, in Italien oder Malaysia noch an den Start gehen», fand Uebelhart wieder Worte.
Im Frühling plagten sie Bänderprobleme an der Achillessehne und eine schwere Grippe. Bei einem Routinecheck beim Arzt wurde sie mit schlechten Blutwerten konfrontiert. Nach Infusionen mit Eisen- und Vitamin B12-Zufuhr ging es mit Uebelhart wieder aufwärts. Bei den Powerman European Championships in Holland musste sie mit einem platten Hinterreifen aufgeben. Ende Juni stürzte Uebelhart in der Gigathlon-Couple-Wertung nach der Solothurner Verenaschlucht derart heftig auf den Kopf, dass sie sich eine Gehirnerschütterung zuzog. Der Belastungstest am Trans Vorarlberg Triathlon vor einer Woche, wo sie auf dem tollen 3. Platz landete, gelang. Und nun am Powerman Zofingen-Sonntag der erneute Dämpfer.
Weitere Tiefschläge
Keinen guten Tag hatten zudem Ulrike Schwalbe und Melanie Burke. Die Deutsche musste wegen Unwohlsein auf der ersten Radrunde entkräftet aufgeben und die Neuseeländerin hatte auf der zweiten Radrunde einen Kettenriss, der ihr rund fünf Minuten kostete. Kein Langdistanz-Glück hatte in Zofingen erneut Susanne Svendsen. Die Dänin, die dieses Jahr mit dem Powerman von Deutschland, Belgien und Oesterreich die letzten drei Langdistanz-Rennen der Serie gewonnen hatte, hielt bis zur ersten Radrunde noch unter den Top-Four mit, hatte dann aber, wie schon inden letzten Jahren Probleme und wurde nur Achte. John Raadschelders, der Präsident der International Powerman Association, war am Morgen noch zuversichtlich, was die Performance der Dänin betrifft: «Sie ist in Topform, weil sie nun das richtige Medikament gefunden hat um ihre Asthma-Probleme in den Griff zu bekommen.»
ITU ist sehr zufrieden
Die Verantwortlichen der International Triathlon Union (ITU) waren mit dem Powerman Zofingen 2012 sehr zufrieden. «Der Anlass war perfekt, dies nicht zuletzt dank den im Vergleich zum Vorjahr vorgenommenen Änderungen und dank dem optimalen Teamwork zwischen der ITU und dem Powerman Zofingen OK», sagte Brian Hinton vom ITU MultiSport Komitee und in Zofingen ITU-Verantwortlicher.
Hinton freut sich bereits auf das 25-Jahr-Jubiläum. «Zum Glück waren wenigstens am Sonntag die Wetterbedingungen ideal, sodass Athleten und auch Organisatoren motiviert ans Werk gehen konnte», so Andreas Galanos, der Technische Delegierte der ITU.
Höhenflüge über Kurzdistanz
Einen wahren Höhenflug erlebt hingegen diesen Sommer Petra Eggenschwiler. Die 24-jährige Laupersdörferin vom TV Welschenrohr wurde beim Powerman Austria am 19. August tolle Zweite, am Weissensteinberglauf in Solothurn am 26. August Dritte und über die Kurzdistanz (10 km Laufen, 50 km vor Natascha von Velo, 5 km Laufen) beim Powerman Zofingen gewann sie souverän vor Alexandra Schaller vom TriBaden/TV Unterstrass und Claudine Hotz (Tempo Sport). Bei den Männern siegte Kamil van Beijnum aus Knutwil vor Gabriele Rolla (Peperoncino Team) und Christian Wittensöldner (Tri Club Zofingen).