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Samstag, 4. März 2023, 14 – 17 Uhr im Breitsch-Träff Bern
Eine Veranstaltung im Rahmen des Jubiläums 20 Jahre Wiedergründung der PdA Pop Bern
Europas Wirtschaftsboom der Nachkriegszeit (1945-1975) zeichnete sich durch hohe Produktivität, Dauerbeschäftigung, hohe Durchschnittslöhne und ausgebaute Sozialversicherungssysteme sowie einen hohen Grad an Konsum aus. Firmen gaben einen Teil ihrer massiven Gewinne an die Werktätigen und ihre Familien ab und kauften sich so deren Konsens zum Kapitalismus.
Die Ölkrise von 1973 setzte dem stetigen Wirtschaftswachstum ein Ende. Die Unternehmensgewinne sanken, Arbeitslosigkeit nahm zu, öffentliche Ausgaben wurden gekürzt. Um die Profite der Reichen zu sichern, griffen Europas Regierungen zu Arbeitsmarktderegulierung. Arbeitsplätze mit existenzsichernden Löhnen und sozialer Absicherung wurden und werden durch befristete Arbeitsverträge, Teilzeitstellen, Arbeit auf Abruf, Null-Stunden-Verträge, Temporärarbeit und Scheinselbstständigkeit ersetzt. Workfare-Programme, in denen Erwerbslose unbezahlt für ihre Sozialleistungen arbeiten müssen, tragen zusätzlich dazu bei, die Arbeitskraft der Werktätigen auszubeuten und die Löhne und Sozialleistungen der organisierten Belegschaft zu untergraben. Auch die Migrationspolitik wird zur Aushebelung der Errungenschaften der organisierten Arbeiterschaft benutzt.
Die Finanzkrise von 2008 und die weltweite Covid-19-Pandemie haben die Situation zusätzlich verschärft. Immer mehr Arbeiterfamilien haben kein ausreichendes Auskommen. Um prekär Beschäftigte davon abzuhalten, sich mit nicht-prekär Beschäftigten zu organisieren, wenden Regierungen und Arbeitgeber Taktiken des Teilens und Herrschens an. Sie schaffen unterschiedliche Kategorien von Lohnabhängigen mit unterschiedlichem gesetzlichem Status und ungleichen Arbeitsbedingungen und Löhnen.
Diese Veranstaltung mit Natalie Benelli, Doktor der Sozialwissenschaften, zeigt auf, wie sich die Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiterinnen und Arbeiter und ihrer Familien in den letzten 50 Jahren in den westlichen kapitalistischen Ländern, einschliesslich der Schweiz, verändert haben, was dies bedeutet und was wir dagegen tun können.