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Bereits Mitte März hat eine Expertengruppe des Seco mit einer Rezession gerechnet. Damals hiess es, dass das BIP der Schweiz 2020 um rund 1,5% schrumpfen werde. Dies unter der Annahme, dass der Shutdown Ende April weitgehend aufgehoben und keine Zweitrundeneffekte auftreten würden.
Nun hat das Seco zwei Negativszenarien erarbeitet, die zeigen, dass die Rezession deutlich schwerer ausfallen könnte, als angenommen. Und auch dass die Erholung länger auf sich warten lassen könnte.
Szenario 1: Shutdown bis Ende Mai
Das Seco geht im milderen Szenario davon aus, dass der Shutdown Ende Mai vollständig aufgehoben sein wird. Bis dahin läge die Wertschöpfung bei rund drei Viertel des normalen Betriebs. Unter diesen Annahmen müsse 2020 mit einem BIP-Rückgang in der Grössenordnung von 7% gerechnet werden. Der BIP-Verlust bis Ende 2021 würde rund 90 Milliarden Franken betragen.
Aber auch dank der politischen Massnahmen blieben Zweitrundeneffekte wie Massenentlassungen, Firmenbankrotte oder Kreditausfälle in grosser Anzahl aus, so das Seco. Szenario 1 beschreibt eine sogenannte V-Rezession, in der sich also nach einem starken Einbruch eine rasche Erholung zeigen würde.
Szenario 2: Langsame Lockerung ab Juni
Das Seco hat aber auch eine L-Variante skizziert, also eine Rezession mit schwacher Erholung. In diesem Szenario wird der Shutdown im Juni nur allmählich gelockert, um einen erneuten Ausbruch des Virus zu verhindern. Hier ginge das BIP um 10% zurück.
Entlassungswellen, Firmenbankrotte oder Kreditausfälle häuften sich in diesem Szenario, so das Seco. Die Konjunktur würde deshalb erst langsam wieder anziehen und das BIP-Wachstum 2021 bei 3% liegen. Der Verlust läge bei rund 170 Milliarden Franken.
Die Grafik illustriert die mögliche Entwicklung, ist aber keine explizite Prognose. Grafik: SECO
Das BIP der Schweiz lag 2018 laut BfS bei rund 690 Milliarden Franken. Nach dem letzten Finanz-Crash von 2008 schrumpfte das Schweizer BIP im Folgejahr um 1,6%.
Wie wahrscheinlich sind die Szenarien?
Das Seco schreibt ausdrücklich, dass die Prognoseunsicherheit "aussergewöhnlich" sei, da bislang wenig "harte" Daten zur Verfügung stehen würden. Auch die Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich merkte Mitte März an, dass die Aussichten mit einer "aussergewöhnlich hohen Unsicherheit" behaftet seien.
Nicht eingerechnet in die Szenarien ist eine Finanzkrise. "Die Finanzstabilität ist aber zunehmend gefährdet und es entstehen weitere grosse Risiken, beispielsweise auf dem Immobilienmarkt", hält das Seco fest. Zugleich sind auch die konkreten Pandemie-Massnahmen noch nicht bekannt.
Bis zu 6% Arbeitslosenquote 2021
Die Entwicklung hätte auch starke Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Das Seco rechnet im milderen Szenario mit einer Arbeitslosigkeit von rund 4%, im schlechteren Szenario stiege die Arbeitslosigkeit im Laufe von 2021 auf bis zu 6%.
Die Prognosen sind auch hier mit grossen Unsicherheiten behaftet. Was man aber weiss: Mittlerweile ist für über 26% der 5,1 Millionen Schweizer Erwerbstätigen Kurzarbeit beantragt.
Das Seco schreibt zu Kurzarbeitsentschädigung (KAE): "Die Vollzugsorgane in den Kantonen sind bereits stark gefordert, haben bis zum 5. April 2020 doch schon mehr als 118'000 Unternehmen mit rund 1,34 Millionen Beschäftigten KAE beantragt." Das ist historisch beispiellos.
Des Seco teilte kürzlich die aktuellen Arbeitslosenzahlen mit. Im IT-Bereich liegt die Quote bei 3%
. Im Vergleich zum Vormonat nahm hier die Zahl der Arbeitslosen um 13,4% zu, im Vergleich zum März 2019 um fast 15%.