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Julie Bernath erhält Nachwuchspreis der SAGW
Die Politikwissenschaftlerin Dr. des. Julie Bernath hat den Nachwuchspreis 2017 der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW) gewonnen. Ausgezeichnet wurde sie für einen Beitrag, der den Umgang mit komplexen Opfer-Täter-Identitäten durch das Rote-Khmer-Tribunal in Kambodscha untersucht.
In ihrem Artikel geht Julie Bernath der Frage nach, wie Prozesse der Vergangenheitsarbeit nach massiven Menschenrechtsverletzungen mit komplexeren Identitäten von Opfern umgehen, die gleichzeitig auch Täter waren, oder zumindest in verschiedenen Formen – unter anderem auch, um sich selbst zu retten – in Systemen von politischer Repression und Massengewalt mitgewirkt haben.
Komplexe Opfer-Täter Identitäten
Solche Systeme beruhen auf dem Verwischen klarer Grenzen zwischen Opfern und Tätern. Prozesse der Vergangenheitsarbeit sprechen dies oft nicht direkt an, weil implizit davon ausgegangen wird, dass Opfer unschuldig sind oder sein müssen. Diese Annahme wird in der Forschung zunehmend kritisch hinterfragt. Jedoch wurde dazu noch sehr wenig empirisch geforscht. Dies betrifft insbesondere die Frage, wie sich solche Annahmen und deren kritische Hinterfragung auf Prozesse der Vergangenheitsarbeit auswirken.
Im ausgezeichneten Beitrag greift Julie Bernath diese Fragen am Beispiel des Khmer-Rouge-Tribunals in Kambodscha auf. Der Gerichtshof wurde 2004 von den Vereinten Nationen und der kambodschanischen Regierung ins Leben gerufen, um die noch lebenden Führungskräfte und Hauptverantwortlichen für gravierende Verletzungen des nationalen und internationalen Rechts vor Gericht zu stellen, welche diese während des Khmer-Rouge-Regimes zwischen 1975 und 1979 begangen haben.
Das Beispiel ist besonders interessant, weil das Tribunal auch untere Kader oder Soldaten des Rote-Khmer-Regimes als Opfer anerkannte. Der Artikel untersucht, welche Konsequenzen daraus für die gesellschaftliche Versöhnung und die politische Auseinandersetzung mit der schwierigen Vergangenheit entstehen. Der Aufsatz beruht auf qualitativen Interviews mit Nebenklägern, Zeugen und Mitarbeitern des Tribunals sowie mit zivilgesellschaftlichen Akteuren in Kambodscha.
Doktorarbeit an der Universität Basel
Julie Bernath ist 1987 in Berlin geboren und teilweise in Kambodscha aufgewachsen. Aus diesem Grund hat sie auch den Bürgerkrieg, welcher 1998 zu Ende ging, und die gesellschaftlichen Folgen des Khmer-Rouge-Regimes miterlebt.
Die Recherchen für den Beitrag erfolgten im Rahmen ihrer Doktorarbeit zum Rote-Khmer-Tribunal in Kambodscha, die sie im Fach Politikwissenschaft an der Universität Basel Ende im Herbst 2016 eingereicht hat. Während dieser Zeit war sie auch als Doktorandin am praxisorientierten Friedensforschungsinstitut Swisspeace tätig, das mit der Universität Basel assoziiert ist.
Die Doktorarbeit von Julie Bernath wurde im Rahmen des SNF-finanzierten Forschungsprojekts Resisting Transitional Justice? Alternative Visions of Peace and Justice (2012–2015) durchgeführt und wurde im letzten Jahr durch eine Abschlussfinanzierung der Universität Basel unterstützt. Der mit 10'000 Franken dotierten Nachwuchspreis wurde Julie Bernath am 20. Mai 2017 an der SAGW-Jahresversammlung verliehen.
Originalbeitrag
Julie Bernath
‘Complex Political Victims’ in the Aftermath of Mass Atrocity: Reflections on the Khmer Rouge Tribunal in Cambodia
International Journal of Transitional Justice (2016), doi: 10.1093/ijtj/ijv026