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Seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert tritt der hinkende Bote auf als Namensgeber und Titelfigur von populären Jahreskalendern, die in Basel, Bern oder Strassburg zum Teil bis heute erscheinen. Sein Pendant in der Wirklichkeit waren Kriegsversehrte und Wehrdienstuntaugliche, die als Botengänger eingesetzt wurden oder sich als Kolporteure über Wasser hielten. Anhand dieser Figur erkundet der Autor die kulturgeschichtliche Vermittlung von Behinderung und zeigt auf, wie sich zeitbedingte Menschenbilder und Formen des Umgangs mit behinderten Menschen darin spiegeln.
Schon in der ältesten erhaltenen Darstellung wird der hinkende Bote dem Postreiter gegenübergestellt. Dieser stand gewöhnlich für die schnelle Verbreitung von Neuigkeiten, ein zu allen Zeiten vordringliches Anliegen im Nachrichtenwesen. Dem hinkenden Boten hingegen wurde eine schwankende, ambivalente Funktion zugewiesen. Mit ihm personifizierte man das Sprichwort: «Hinter der guten Botschaft kommt oft die böse nachgeschlichen.» Infolgedessen wurde er mit der unangenehmen Nachricht und dem Hinkefuss, dem Teufel, identifiziert. Wegen seines bedächtigen Gangs konnte er aber auch zum Garanten der zuverlässigen Nachricht werden. So hiess es: «Man muss den hinkenden Boten abwarten.» Er konnte eine Meldung bestätigen, deren Echtheit bezeugen und hintergründiger erzählen. Diese positive Umdeutung der Rolle des Hinkenden, die für die Jahreskalender massgeblich wurde, wird verknüpft mit Betrachtungen über die Chancen und die Schwierigkeiten einer adäquaten Kommunikation mit und über Menschen mit Behinderung.