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6. August 1984: Carl Lewis holt zwei Tage nach dem Triumph über 100 Meter auch im Weitsprung die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Los Angeles. Der Anfang einer unfassbaren Karriere eines athletischen Ausnahmetalents.
Carl Lewis ist 23 Jahre alt, als die Olympischen Spiele in seinem Heimatland beginnen. In seiner Kindheit war der im Bundesstaat New Jersey aufgewachsene Lewis immer bei den Kleinsten, nun bringt er für die anstehenden Wettkämpfe 86 Kilogramm bei einer Körpergrösse von 1,91 Meter mit.
Und Lewis hat einen Plan: Er will vier Olympische Goldmedaillen gewinnen, in den gleichen Disziplinen wie sein Vorbild Jesse Owens, der bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin Deutschlands Diktator Adolf Hitler die Festspiele verdirbt. Über 100 Meter, 200 Meter, 4x100 Meter und im Weitsprung.
Drei Jahre zuvor ist es Carl Lewis als zweitem Athleten in den College Meisterschaften gelungen, den 100-Meter-Sprint sowie den Weitsprung zu gewinnen. Sein Vorgänger: Jesse Owens.
Bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau hat ihm der Boykott der USA einen Strich durch die Rechnung gemacht, jetzt soll in Los Angeles nichts mehr schiefgehen.
Im 100-Meter-Lauf distanziert der Amerikaner vor 90'000 Zuschauer seinen Landsmann Sam Graddy um die Rekordzeit von 20 Zehntelsekunden, Lewis siegte in 9,99 Sekunden. Drittplatzierter wird dabei ein gewisser Ben Johnson, mit dem sich Lewis vier Jahre später in Seoul ein episches Duell liefern wird.
Sein eleganter und flüssiger Laufstil verzaubert alle Technikexperten. Dabei scheint er auf den ersten 50 Metern nicht auf Augenhöhe mit seinen Konkurrenten zu sein, doch dann dreht Lewis mit grossen Schritten auf und zeigt seinen Gegner die Sporen.
Zwei Tage später folgt sein zweiter Streich. Im Weitsprung, seiner selbst ernannten Lieblingsdisziplin, fliegt er im Los Angeles Coliseum 8,54 Meter weit. Schlappe 30 Zentimeter Abstand hat der Zweitplatzierte.
Im Weitsprung bleibt er 65 Mal unbesiegt, ehe Mike Powell der imposanten Serie in einem legendären Duell an der WM 1991 mit einem (immer noch gültigen) Weltrekord-Sprung über 8,95 Meter ein Ende setzt.
Mit den Siegen im 200-Meter Rennen sowie in der 4 x100 Meter-Staffel katapultiert sich Lewis zum Superstar der Spiele und egalisiert den Rekord seines Idols Jesse Owens tatsächlich.
Er wird im selben Jahr sogar von den Chicago Bulls und den Dallas Cowboys gedraftet, – wohl vor allem aus marketingtechnischen Gründen – bleibt aber vernünftigerweise der Leichtathletik treu, wo er die Szene jahrelang dominieren sollte. Nach den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta, wo er zum vierten Mal hintereinander Gold im Weitsprung holt, bringt er es insgesamt auf neun Olympiasiege und acht Weltmeistertitel und gibt danach sein Karriereende bekannt.
1999 wird er vom Weltleichtathletkiverband IAAF als «Leichtathlet des Jahrhunderts» geehrt. Später wird bekannt, dass Lewis wie so viele andere Athleten verbotene Substanzen zu sich genommen hat. Wegen Dopings gesperrt wird Carl Lewis während seiner erfolgreichen Laufbahn jedoch nie.