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Immer häufiger begegnet der Spaziergänger den übergrossen, weissen Folienballen in der Landschaft. Diese "Dinosauriergelege" liefern Winterfutter, vor allem für Kühe. Die Ballen an den Wegrändern enthalten angewelktes Gras, das zu Ballen gepresst und mit Plastikfolie umwickelt wurde. Anschliessend vergären Milchsäurebakterien den Zucker im Gras zu Milchsäure, der gleiche Prozess der Kabis zu Sauerkraut werden lässt. Dadurch sinkt der pH-Wert ab, was die Silage konserviert.
Das Gras sollte nicht zu trocken und nicht zu feucht sein, wenn es zu Ballen gepresst wird. Denn mit dem Anwelken werden die Lebensbedingungen für die Milchsäurebakterien verbessert, die Bedingungen für die Gärschädlinge verschlechtert. Bessere Lebensbedingungen für die Milchsäurebakterien fördern die Milchsäuregärung und verbessern die Qualität der Silagen. Ausserdem entstehen weniger Gärsaftverluste und die Tiere fressen angewelkte Silage lieber und in grösseren Mengen.
Für Luft gilt: Zutritt verboten
Da der Zuckergehalt in Grünpflanzen mit durchschnittlich 2 bis 4 Prozent in der Trockensubstanz eher knapp ist, ist es wichtig, dass der enthaltene Zucker vor allem den Milchsäurebakterien zur Verfügung steht. Sie sollte deshalb nicht durch Buttersäurebakterien oder andere, unerwünschte Bakterien Konkurrenz erhalten. Dies ist dann der Fall, wenn zum Beispiel zuviel Erde durch falsch eingestellte Erntemaschinen oder von Mäusehäufen in das Futter gelangt oder das Futter zu feucht aufgenommen wird. Die mögliche Folge sind Fehlgärungen, die zu vermehrter Bildung von Buttersäure und Essigsäure anstelle von Milchsäure führen. Hefen und Schimmelpilze können nur bei Luftzutritt wachsen, deshalb müssen die Hoch- und Flachsilos luftdicht abgedeckt werden. Bei Siloballen muss vermieden werden, dass Luft durch Löcher in der Folie eingelassen wird.
In den Siebzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts wurden in England die ersten Silagesäcke eingesetzt. Dieses Verfahren war nicht immer erfolgreich, da zum Teil viel Restluft in den Säcken vorhanden war und zudem die Säcke nicht genügend gut verschlossen werden konnten. In den Jahren 1984/1985 wurden ebenfalls in England die ersten Ballen mit Strechfolie eingewickelt. In der Schweiz kamen die Siloballen Mitte der Achtzigerjahre auf. Die ersten Versuche mit Ballensilagen wurden an der Forschungsanstalt für Nutztiere (RAP) in Posieux im Jahr 1990 durchgeführt.
Ist weisse Farbe ein Muss?
gb. Die Forschungsanstalt für Agarwirtschaft und Landtechnik (FAT) hat 15 verschiedene Folientypen eingehend getestet. Dabei zersetzen sich hellgrüne Folien etwas schneller als die übrigen Folien. Wenn Ballen mit diesen Folien mehr als sechs Monate im Freien gelagert werden sollen, empfiehlt die FAT eine stärkere Umwicklung. Dunkle Folien erwärmten sich deutlich schneller als helle Folien. Diese Erwärmung erhöht die Durchlässigkeit für Gärgase vorübergehend, was auch die Silagequalität beeinflusst. Dennoch kommt die FAT zum Schluss, dass farbige Folie heute in der Regel ein gutes Qualitätsniveau aufweisen. Sie fügen sich auch besser ins Landschaftsbild ein, als weisse Folien.
Immer mehr Silage statt Gras und Heu
In den letzten Jahren verdrängen die Rund- und Quaderballen zunehmend die Hoch- und Flachsilobereitung. Überhaupt wird heute mehr siliert als früher. Silage kann einfacher verfüttert werden, Produktion und Verbrauch können besser mechanisiert werden. Ausserdem wurden die Siloverbotszonen in verschiedenen Regionen aufgehoben. Früher gab es in der Schweiz die Silozonen und die Siloverbotszonen. In den Gegenden, wo Hartkäse hergestellt wurde, durfte keine Silage verfüttert werden. Heute gibt es keine Zonen mehr und der Landwirt kann theoretisch selber entscheiden, ob er seine Milch weiterhin an eine Käserei liefert oder die Milch als Industriemilch verkauft. Da viele Landwirte jedoch an den Käsereigenossenschaften beteiligt sind, können sie nicht so einfach aus den Genossenschaften aussteigen.
Das kosten die Verfahren
gb. Insgesamt können die Kosten beim Silieren je nach den eingesetzten Maschinen, Einrichtungen, Lagereinheiten und der Betriebsgrösse stark variieren. Das zeigen Berechnungen der Forschungsanstalt für Agrarwirtschaft und Landtechnik (FAT). Verfahren mit Hochsilo und Handentnahme sind am günstigsten. Leicht höhere Kosten weisen die Verfahren mit Rund- und Quaderballen auf. Flachsilos werden konkurrenzfähiger, wenn der Bau mit viel Eigenleistung erledigt wird.
Konkret hat die FAT verschiedener Verfahren zur Herstellung von Grassilage bei 20 Schnitthektaren Silagebereitung verglichen: Dafür braucht es Investitionen von rund 20,000 Franken (Quaderballen: befestigter Lagerplatz und Klemmzange) bis 100,000 Franken (Metallsilo mit Untenentnahmefräse). Die Verfahrenskosten lagen in einem Bereich von 25 (Ladewagen mit Hochsilo) bis 38 Franken (Metallsilo mit Entnahmefräse) je Dezitonne Trockensubstanz. Wenn man die Verfahrenskosten für Rundballen auf 100 Prozent setzt, sind Hochsilos mit Handentnahme rund 10 Prozent günstiger, Hochsilos mit Entnahmefräse sind bis zu 26 Prozent teurer, Flachsilo-Varianten 12 bis 21 Prozent teurer und Metall-Hochsilos kosten 32 Prozent mehr als Rundballen.
Wieviel wird überhaupt siliert?
Genaue Zahlen, wieviel Futter siliert wird, gibt es für die Schweiz nicht. "Die Menge schwankt recht stark von Jahr zu Jahr," sagt FAT-Forscher Rainer Frick. Ueli Wyss von der Forschungsanstalt für Nutztiere hat die Mengen an Gras- und Maissilage für 1980 auf 0,6 Millionen Tonnen Trockensubstanz geschätzt, für 1985 auf 0,7 Millionen Tonnen, für 1990 auf 0,8 Millionen Tonnen. Der Anteil Heu am Futterverbrauch wurde für dieselben Jahre jeweils etwa dreimal höher eingeschätzt. Im Jahr 2000 wurde 58 Prozent der Milch von Betrieben geliefert, die Silage verfüttern. Der Anteil des silierten Futters, der derzeit in Ballen gelagert wird, schätzt Wyss auf 10 bis 20 Prozent der gesamten Silage. Eine grobe Schätzung durch die FAT anhand des Silofolienverbrauches ergab für die Schweiz pro Jahr über eine Million Siloballen. Die Silagebereitung stieg in den letzten 50 Jahren kontinuierlich an. Gemäss Bundesamt für Landwirtschaft wird der Kostendruck in der Landwirtschaft die Silagebereitung auch zukünftig ansteigen lassen.
Flexibler mit Ballen, –
Siloballen haben gegenüber den Hoch- und Flachsilos zahlreiche Vorteile: Die Herstellung und Verarbeitung von Siloballen ist flexibler und kostengünstiger, sofern der Maschineneinsatz überbetrieblich oder im Lohn erfolgt. Die erforderlichen Maschinen (Ballenpresse, Folienwickelgerät, Ballenlader, Ballenladewagen) wäre für einen Einzelbetrieb zu teuer. Die Futterkonservierung und Fütterung ist voll mechanisierbar, so dass die mühsame und zeitaufwendige Handarbeit weitgehend entfällt.
Hochsilos dagegen erfordern sehr hohe Investitionen, um einen vergleichbaren Mechanisierungsgrad zu erreichen. Das Befüllen der Flachsilos bedingt sehr grosse Erntemengen pro Tag, damit das Flachsilo in einem oder zwei Tagen gefüllt werden kann. Wenn das Flachsilo nicht zügig eingefüllt wird, werden die Gärschädlinge gefördert. Die Witterungsverhältnisse sowie die Betriebsstrukturen – Parzellierung und Hanglagen – erschweren die Verbreitung der Flachsiloanlagen. Zudem ist der Landwirt auch hier auf eine leistungsfähige, überbetriebliche Mechanisierung angewiesen. Hoch- und Flachsiloanlagen erfordern hohe Anfangsinvestitionen, während Rundballen in der Praxis fast nur jährliche Kosten verursachen. Silagebereitung mit Rundballen erlaubt eine abgestufte Nutzung der Wiesen. Die Silage wird in kleineren Portionen verpackt, die weniger Nachgärungen zur Folge haben. Siloballen sind transportierbar und somit gut handelbar. Aufgrund der kleineren Verarbeitungseinheit gegenüber Flach- und Hochsilos können Siloballen gut bei der Verwertung von Restflächen sowie für kleine Tierbestände eingesetzt werden.
Rezyklierung von Siloballenfolie
gb. Die Forschungsanstalt für Agrarwirtschaft und Landtechnik rechnet, dass die Bauern jährlich 12,000 bis 20,000 Tonnen Polyethylen (PE) verbrauchen. Durch eine offene Verbrennung von Folien im Freien oder in privaten Heizungen könnten gesundheitsschädigende Stoffe und Aerosole wie zum Beispiel Russ entweichen. Der Schweizerische Bauernverband setzt sich deshalb dafür ein, dass die Folien rezykliert werden. Verschiedene Institutionen betreiben Sammelstellen für Kunststoffe. Informationen betreffend Entsorgungsmöglichkeiten sind bei den Gemeinden erhältlich. Die gesammelten Folien werden im Recyclingbetrieb zu Granulat aufbereitet und als Sekundärprodukt verkauft.
– aber viel Abfall
Siloballen haben auch Nachteile. Zum Beispiel ästhetische: Die Ballen sind bisher meist weiss (siehe Kasten) und stören deshalb das Landschaftsbild. Der hohe Folieverbrauch, die Entsorgung der Folien, die leichte Verletzbarkeit der Folien, der Maschinenbedarf für den Umschlag der Siloballen, die höheren Fremdkosten, die Abhängigkeit vom Lohnunternehmer sowie die ausschliessliche Eignung für Grassilage sind weitere Nachteile der Rundballen.
Gehäckseltes Futter ergibt bessere Silage
Die Nährstoffzusammensetzung der Futtersilage hängt stark von der botanische Zusammensetzung und dem Alter des Grases ab. Generell ist zu sagen, dass die gewünschte Milchsäuregärung in allen Silierverfahren (Hoch-, Flachsilo oder Ballensilage) gleich abläuft. Unterschiede kann zum Teil der Zerkleinerungsgrad des Futters bringen. Wenn das Futter kurz gehäckselt und in Hoch- oder Flachsilos einsiliert wird, findet in der Regel eine stärkere Milchsäuregärung statt. So gibt es entsprechend geringere Verluste, als bei Futter, welches unzerkleinert in Ballen einsiliert wird. Heutzutage sind Ballenpressen jedoch standardmässig mit Schneidewerkzeugen ausgerüstet. Weil die Sauerstoffzufuhr bei der Ballenherstellung rasch und wirkungsvoll unterbunden werden kann, treten in der Regel bei der Ballensilage wenig Verluste auf. Bei ungenügender Pressdichte bilden sich jedoch Schimmelpilze im Balleninnern. Verletzungen beim Transport, bei der Lagerung oder Schäden durch Mäuse und Vögel stellen ein echtes Qualitätsrisiko bei den Siloballen dar.