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Dolly ist längst tot und steht ausgestopft im schottischen Nationalmuseum in Edinburgh. Doch als das erste Klonschaf am 5. Juli 1996 im Roslin-Institut in der Nähe von Edinburgh zur Welt kam, veränderte das die Biologie nachhaltig.
Wilmut und Campbell – die kreativen Väter
An Dollys Geburtstag schauen involvierte Forscherinnen und Forscher nostalgisch zurück: Dollys Erbe und der «kreative Geist des damaligen Teams» inspiriere die Forschung bis heute, lässt sich etwa Bruce Whitelaw, Professor für Veterinär-Biotechnologie am Roslin-Institut, zitieren.
Es brauchte damals Hunderte von Anläufen, bis dem Team um Ian Wilmut und Keith Campbell die Erzeugung von Dolly gelang. Das Klonen funktionierte so: Aus den Eizellen von erwachsenen Schafen entfernten die Forscher die Zellkerne. Aus den Euterzellen des zu klonenden Tiers stellten sie im Labor Zelllinien her.
Dolly steht am Anfang neuer Forschungszweige
Daraus entnahmen sie bei jedem Versuch eine einzelne Zelle und verschmolzen diese mit der entkernten Eizelle – in der Hoffnung, dass der Kern der Körperzelle in der neuen Umgebung in ein embryonales Stadium zurückfallen würde.
Nach sieben Tagen setzten die Forscher die so befruchtete Eizelle in die Gebärmutter eines Leihschafs ein. Doch die Embryonen starben in der Regel ab – bis Dolly das Licht der Welt erblickte.
Dieser «Meilenstein der Biologie» hat in den letzten 25 Jahren eine Reihe weiterer Entwicklungen in Gang gesetzt:
Stammzellenforschung: Die Klontechnik befeuerte das Wissen und die Forschung rund um die Stammzellen des menschlichen Körpers. Stammzellen sind noch undifferenzierte Zellen, die in ihrer weiteren Entwicklung zu einem bestimmten Gewebe oder Organen heranreifen.
Embryonale Stammzellen können sich in jede beliebige Körperzelle entwickeln, sogenannte «pluripotente» Stammzellen sind schon in eine bestimmte Richtung ausdifferenziert. Die Versuche rund um «therapeutisches Klonen» haben zur Entdeckung sogenannter «induzierter pluripotenter Stammzellen» IPS geführt.
Dabei werden Körperzellen im Labor zu Stammzellen rückprogrammiert, so dass aus ihnen – theoretisch – Ersatzgewebe für Kranke gewonnen werden kann. Der Japaner Shinya Yamanaka erhielt für die Entdeckung der IPS 2012 den Nobelpreis für Medizin.
Xenotransplantation: Mit dieser Hoffnung wurde Dollys Geburt sehr früh verbunden: tierische Organe – insbesondere Schweineherzen – genetisch so zu manipulieren und dann zu klonen, um sie als Ersatzorgane für Patienten mit Herzinsuffizienz nutzen zu können.
Im Roslin-Institut forschen Wissenschaftler zurzeit an einem Schwein, das mit Gene-Editing (Genom-Editierung) resistent gegen eine Atemwegserkrankung werden soll.
Genom-Editierung: Mit der Genschere CRISPR/Cas-9 können Bausteine der DNA-Doppelhelix präzise ersetzt und/oder entfernt werden. Mit der Klontechnik haben die Genschere und die Genom-Editierung direkt nichts zu tun. Doch mit Dolly wurden zum Teil ähnliche Ziele verfolgt: das Erbgut etwa von Nutztieren gezielt zu manipulieren.
Kommerziell ist Klonen kein Erfolg
Heute spielt das Klonen in der Wissenschaft kaum mehr eine Rolle. Mit der Genom-Editierung haben Forschende heute ein viel effizienteres Werkzeug zur Verfügung.
Auch in kommerzieller Hinsicht hat sich das Klonen etwa von Haustieren nicht im grossen Stil durchgesetzt. Selbst am Klonen wertvoller Superbullen in der Landwirtschaft haben Züchter das Interesse verloren.
Die Erzeuger von Dolly braucht das nicht zu grämen: Das erste Klonschaf hat sich seinen Platz in den Geschichtsbüchern auf ewig gesichert.