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| Hilarius von Poitiers († 367) - Zwölf Bücher über die Dreieinigkeit (De Trinitate)

Elftes Buch
42. Über die Herrlichkeit des Menschensohnes.
Die Fügung dieser Herrlichkeit hat er seinen Aposteln mit ganz eindeutiger Wortbezeichnung dargelegt und gesagt: „Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist verherrlicht in ihm. Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, dann hat Gott ihn sowohl in sich (Gott-Vater) verherrlicht, wie er auch alsbald ihn verherrlicht hat.”1 Zuerst haben wir die Herrlichkeit des Menschensohnes, danach die Herrlichkeit Gottes im Menschensohn, in dem Wort nämlich: „Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht worden, und Gott ist in ihm verherrlicht.” Das bezieht sich nämlich zuerst auf die Herrlichkeit des Leibes, die aus der Gemeinschaft mit dem göttlichen Wesen ihre Herrlichkeit entlehnen sollte. Danach folgt der Fortschritt zu erfüllterer Herrlichkeit, der aus dem Wachstum derjenigen Herrlichkeit gewonnen werden sollte, die dem Körper schon gewährt war: „Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, dann hat Gott ihn sowohl in sich verherrlicht, wie er auch alsbald ihn verherrlicht hat.”
Denn dadurch hat Gott ihn in sich (Gott-Vater) verherrlicht, daß Gott in ihm (Christus) schon verherrlicht ist. Denn daß Gott in ihm schon verherrlicht ist, das bezieht sich auf die Herrlichkeit des Leibes, durch die Gottes Herrlichkeit vermöge des Leibes erkennbar geworden ist; Gottes Herrlichkeit soll aber durch die Herrlichkeit des Menschensohnes erkennbar werden.
[S. 271] Dies aber, daß Gott in ihm verherrlicht ist und daß deshalb Gott ihn in sich (Gott-Vater) verherrlicht hat, bedeutet, daß Gott ihn vermöge einer Zunahme2 des in ihm verherrlichten Gottes in sich verherrlicht hat, damit er in Gottes Herrlichkeit übergehe, weil er schon in der Herrlichkeit herrscht, die Gottes Herrlichkeit entstammt. „In sich” nämlich hat Gott ihn verherrlicht, d. h. in demjenigen Wesen, wodurch Gott das ist, was er ist: „damit Gott alles sei in allem”, da er bei seinem Übergang zu Gott hin ganz in derjenigen Fügung bleibt, auf Grund deren er Mensch ist.
Auch hinsichtlich des Zeitpunktes hat er nicht geschwiegen: „Gott hat ihn sowohl in sich verherrlicht, wie er auch alsbald ihn verherrlicht hat.” Er wollte damit für eine spätere Zeit diejenige Verherrlichung vorbehalten, mit der Gott ihn in sich verherrlichen werde, weil er bei dem Weggang des Judas zum Verrat diejenige Herrlichkeit als gegenwärtig bezeichnet hatte, die ihm nach dem Leiden durch die darauffolgende Auferstehung zu eigen sein würde. Damit wird in ihm vermöge der Kraft der Auferstehung Gottes Herrlichkeit erwiesen. Er selbst aber bleibt, um in Gottes Herrlichkeit überzugehen, d. h. in Gott, der auf Grund der gefügten Unterwerfung alles in allem ist.
1: Joh. 13, 31 f.
2: Gemeint ist die Aufnahme der Menschheit Jesu in die Herrlichkeit Gottes.