Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03411.jsonl.gz/880

Das Baunscheidtier-Verfahren wird sehr oft auch (fälschlicherweise) die „Akupunktur des Westens“ genannt. Entwickelt wurde die Methode vom Ingenieur und Mechaniker Carl Baunscheidt im 19. Jahrhundert. Ihm wurde nachgesagt, dass er seit seiner Jugend an rheumatischen Anfällen, vor allem am rechten Arm/Handgelenk litt. Eine (der vielen) Anekdoten besagt, dass er beim Spazierengehen stolperte und hingefallen ist. Dabei berührte seine rechte Hand einen Brennesselbusch, worauf sich an der Stelle Quaddeln bildeten. Überrascht stellte er fest, dass die rheumatischen Schmerzen abnahmen, und zwar solange (immerhin ein paar Stunden), wie die Quaddelwirkung anhielt! Daraufhin entwickelte er ein Gerät, welches diese Wirkung künstlich herbeiführen konnte: ein ca. 20-Rappen grosses Metallstück, auf dem sich 20 spitze Nadeln befinden – der Baunscheidt-Kopf.
Beim Baunscheitieren wird zunächst die Haut desinfiziert und danach mit dem Baunscheidt-Kopf auf die zu behandelnde Stelle „geklopft“. Auf die Einstichstelle (die einzelnen Stiche sind ca. 1mm tief; in aller Regel wird nicht blutig gestochen) wird anschliessend ein stark reizendes Baunscheidt-Öl aufgetragen, welches eine ähnliche Wirkung entfaltet, wie die Brennessel auf blanker Haut. Es bilden sich Quaddeln, die eher mehr, als weniger jucken. Das Gefühl ist aber meist nach ca. 20-30min vorbei. Falls es länger anhält und als unangenehm empfunden wird, dann kann die entsprechende Stelle mit lauwarmem Wasser für 2 bis 3 Minuten abgeduscht werden – das Jucken hört dann auf! Auf keinen Fall sollte die Haut an der Stelle gekratzt werden, da ansonsten das reizende Öl in tiefere Hautschichten befördert wird, was dann umso unangenehmer ist.