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In Workshops bei wichtigen Teamentscheidungen verwendete ich sehr gerne Skalenfragen. Sie geben ein gutes Bild ab, wie das Team zu einer Fragestellung steht, welche unterschiedlichen Meinungen vorliegen und lässt alle im Raum partizipieren.
Auf einer Skala von 1 bis 100 bitte ich die Teilnehmenden, eine Zahl zu benennen und Fakten zu schaffen. Das können sehr unterschiedliche Fragen sein:
- Wie gut fandest du den Workshop?
- Wie war für dich die Investition der Zeit gegenüber dem Nutzen des Workshops?
- Wie stark kannst du dich mit den getroffenen Massnahmen identifizieren?
Mit dieser Ausgangslage kann ich dann Anschlussfragen stellen wie:
- Warum bist du bei einer 70?
- Was braucht es für dich für eine 100?
- Was braucht es für dich für eine 80?
- Welche konkreten Massnahmen / Experimente könnten wir lancieren, damit wir als Team je eine Zahl mehr zu 100 rücken?
Ich hab mal irgendwo gelesen, dass diese Aufgabe, unsere Gefühle bezüglich einer Frage auf dieser Skala 1 – 100 einzusortieren, sehr komplex ist. Und seit ich den Strudelwurm von Maja Storch kenne, weiss ich auch warum. (Ich habe Maja Storch live erleben dürfen, kann ich wärmstens empfehlen. So gelacht habe ich selten.)
Der Strudelwurm sieht so aus:
Es gibt immer Hinzu (grün) und Wegvon (rot), wobei die zwei Tendenzen unabhängig voneinander sind. Diese Tendenzen des Unterbewusstseins auf „nur“ eine Skala zu legen (wie ich es oben beschrieben habe) ist sehr schwierig. Dabei wird viel verwischt und dem Strudelwurm mit seinen zwei Polen wird zu wenig Beachtung geschenkt. Durch die Skalenfrage habe ich meine Workshop-Teilnehmenden dazu gezwungen, diese zwei inneren Tendenzen zu homogenisieren und ein Birchermüsli zu machen, das dann weder Fisch noch Vogel ist. Und viele Informationen gehen bei diesem Vorgang verloren. Sehr schade.
Maja Storch hat die Visualisierung der Impressionen des Strudelwurms Affektbilanz genannt. Spannend ist, diese Affektbilanz in einem Workshop zu verwenden und auch zu interpretieren:
- Hinzu: grösser als 70: wir sind dabei (also ich und der Strudelwurm)
- Wegvon: kleiner als 25: wir gehen mit – die hinzu-Variante ist tragbar (für mich und den Strudelwurm)
In der Praxis sieht wende ich es an, indem jede Teilnehmende für sich die Affektbilanz ausfüllt. Also pro Pol einen Wert definiert und diese Wert auch benennt mit Inhalt. Was ist es, was dich abstösst? Was ist es, was die anzieht? Diese Erkenntnisse teilen wir dann unter allen Workshop-Teilnehmendnen. Ich habe bis jetzt nur sehr gute Erfahrung damit gemacht. Wir werden klarer in unseren Aussagen, dürfen allem Raum geben und es hilft, die anderen zu verstehen.
Der wunderbare Effekt der Affektbilanz ist, dass wir unser Unterbewusstsein in die Aussage integrieren können. Und wir gehen von einer Entweder-Oder-Denke hinzu einer Sowohl-Als-Auch Haltung!
Tönt das spannend für dich? Dann probiere die Affektbilanz mal aus und schreib mir im Kommentar deine Erfahrung dazu.