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Wenn auch Telefon nicht zu den besten Filmen von Don Siegel gehört, so ist es doch ein unterhaltsamer, erstaunlich gut gespieltes Charles Bronson Vehikel. Im boomenden Zeitalter von Videotheken und VHS-Kassetten in den 80ern war dieser Cold War Thriller ein regelmässiger Besucher bei mir zu Hause. Ich weiss nicht wie oft ich den Film gesehen habe (es waren doch so einige Male), aber die Atmosphäre des Films und die Idee, jemanden per Telefon aus seinem Alltagsschlaf zu holen und zu geplanten Attentaten gegen Regierungseinrichtungen zu führen, fand ich bei aller Abstrusität äusserst spannend und irgendwie furchteinflössend.
Bronson spielt den KGB-Agenten Borzov, der auf den in die USA geflüchteten Dalchimsky (der immer gern gesehene Donald Pleasence) angesetzt wird. Dalchimsky hat ein Dokument bei sich, mit dem er Schläfer, eingeschleuste Agenten, die in den USA unbescholten ihr Leben führen, per Telefon und einem Code aus ihrem Dornröschenschlaf holen soll. Die Agenten wurden per drogenbeeinflusster Hypnose (tja…) auf ihre Taten vorbereitet. Zu Bronson gesellt sich die Doppel-Agentin Barbara, deren Aufgabe es eigentlich ist, Borzov nach dessen Tätigkeit auszuschalten.
Zum geradlinigen Thriller hat Lalo Schifrin eine passend kompromisslose Musik geschrieben. Nebst kurzen motivischen Fetzen, die Schifrin in- und aneinander führt, besteht sein Score fast gänzlich aus Spannungsmusik. Diese lebt von akkuraten Orchestrationen und gut gemachtem, nicht aufdringlichen Suspense. Russische Geschmacksrichtungen gibt Schifrin mit dem kühlen Klang des Hackbretts, Blech und knapp gehaltenen militärischen Klängen (Snare).
Ebenfalls ist neben dem eingangs zu hörenden KGB-Motiv Dalchimskys Thema, so etwa im zweiten Stück If that is so, zu vernehmen. Als weiteren Bestandteil verwendet Schifrin für die Durchsage der Codewörter (ein Vers aus einem Gedicht von Robert Frost) ein psychedelisches 2-Noten, manchmal 4-Noten-Motiv, etwa als ostinato von der Harfe zu hören (Remember Nikulin, Dalchimsky), von welchem Schifrin im Verlaufe des Tracks immer mehr Spannung aufbaut (Remember Guriyeva/Detonating Device)
Das Actionmaterial ist dichtgewoben in das Spiel aus gestrafften Motivstücken verarbeitet aber nie überkandidelt oder lärmig, bestens eingepasst in die Szenerien des Films. Erst im letzten Track, Ten More Miles/End Credits verlässt Schifrin den eingeschlagenen Weg, wenn Borzov und Barbara nach getaner Arbeit in eine gemeinsame Zukunft aufmachen: Ein hübsches, unterschwelliges Stück für Akkordeon, Querflöte und gefühlvollen Streichern.
Telefon ist sicherlich kein Meisterwerk, weder Film noch Score, aber doch ein blitzsauber gemachtes Stück Thrillermusik zu einem packenden, kurzweiligen Agentenfilm.
Ein ganz anderes Kaptitel stellt Leonard Rosenmans Hide in Plain Sight dar, ein End-70er Film von und mit James Caan. Der Film handelt von einem Vater, der sich auf die Suche nach seinen Kindern macht, nachdem seine von ihm getrennte Frau wegen ihrer Liebschaft zu einer Mafiagrösse in ein Zeugenschutzprogramm kommt.
Für seine einzige Regiearbeit sah James Caan eigentlich kaum oder keine Musik vor, wurde aber vom Studio quasi dazu verdonnert. So schuf Rosenman einen kurzen, knapp 19 minütigen Score, von dem im Film schliesslich nur wenig verwendet wurde.
Hide in Plain Sight beginnt eigentlich erst ab Track 20. Die beiden vorhergehenden Stücke sind source music, die Rosenman eigens für eine Szene komponierte in der die Kinder von James Caans Charakter TV schauen (einmal The Untouchables und dann Flipper). Rosenmans Score ist eine Mischung aus hoffnungsvollen, positiven Klängen (Let’s Go), Suspense- und Action (das gelungene Stück Followed on the Freeway, Tom Hides) und einem leidenschaftlichen Schluss (Finale), welcher das einleitende Thema wieder aufnimmt. Abschliessend gibt es noch 2 Boni in Form von Trailer- und Teasermusik, für die Rosenman auf bestehendes Themenmaterial zurückgriff.
Anscheinend hat Michael Small hierzu auch einen Score geschrieben, der allerdings verworfen wurde.
Diese FSM-CD ist an sich eine etwas kuriose Mischung, bei der eigentlich nur die Entstehungszeiten so ungefähr in Verbindung stehen. So ist Hide in Plain Sight denn auch eher als Auffüller zu betrachten, der Aufhänger ist ohne Zweifel Telefon.
TELEFON / HIDE IN PLAIN SIGHT Lalo Schifrin / Leonard Rosenman Film Score Monthly Silver Age Classics FSM Vol. 14 No. 4 60:43 Min. / 26 Tracks