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Praktische Umsetzung
Wie können ethische Fragen im Alltag angegangen werden?
Wie können die verschiedenen Ansätze von Ethik sinnvoll kombiniert werden?
Das Dreistufenmodell für ethische Entscheide
Es gibt keinen idealen, allgemein akzeptierten Ansatz von ethischer Entscheidfindung. In der Praxis dürfte sich das folgende pragmatische Dreistufenmodell aus einer Kombination von Massnahmen bewähren:
Durch eine allgemeine Sensibilisierung auf ethische Fragestellungen, die Schulung von ethischen Grundlagen und die gezielte Förderung von Tugenden in Elternhaus, Kindergarten und Schule lässt sich die notwendige Qualität der ethischen Entscheidfindung verbessern. » Tugendethik / » Spirituelle Ethik
Im Rahmen einer säkularen Ethik für die westliche Welt ist zurzeit ein diskursethischer Ansatz der vermutlich glaubwürdigste und pragmatischste Weg für die Klärung von ethischen Fragestellungen. Wichtig ist dabei der Einbezug aller relevanter Stakeholder in den Entscheidprozess sowie deren Sensibilisierung auf ethische Fragestellungen. » Diskursethik
Im Rahmen des ethischen Diskurses wird eine ethische Problemstellung am besten von verschiedenen Seiten her zu beleuchtet, nämlich aus einer deontologischen, einer teleologischen und einer integrativ-holistischen Perspektive.
Was wäre vom Grundsatz her richtig? (Deontologische Perspektive)
Erst werden die verschiedenen Handlungsalternativen aus einer ethischen Perspektive beurteilt – und zwar erst einmal die Handlungen selbst, ohne Berücksichtigung von deren Folgen. Dazu wird der kategorische Imperativ nach Immanuel Kant (1724–1804) herangezogen: "Handle so wie Du möchtest, dass alle anderen auch handeln würden." Es geht also nicht um die Folgen, sondern um die moralische Absicht, die hinter einer Entscheidung steht. » Deontologische Ethik
Fragen: Was würde geschehen, wenn alle anderen (Menschen, Stakeholder, Unternehmen, Kommunen, etc.) auch so entscheiden würden? Wäre es wünschenswert, wenn alle anderen auch so entscheiden würden?
Was wären die möglichen Folgen? (Teleologische / Utilitaristische Perspektive)
Im Gegensatz zum deontologischen Ansatz werden hier nicht die Handlungen selbst, sondern deren Folgen beurteilt. Im Ansatz des Utilitarismus nach Mills (1806–1873) spielt der Nutzen einer Entscheidung die zentrale Rolle, und zwar der Nutzen im Hinblick auf das Glück, das die Menschen als Folge der Entscheidung erfahren. Dieses Glück soll möglichst maximal werden, und zwar in der Gesamtheit für alle Betroffenen ("das grösste Glück der grössten Zahl"). » Teleologische Ethik
Fragen: Mit welcher Entscheidung wären Lebensqualität, Glück und Zufriedenheit aller Betroffenen voraussichtlich am höchsten? Wer sind die Verlierer und was verlieren sie? Wie sind diese Verluste im Vergleich zum Gewinn der anderen Menschen zu gewichten?
Nachhaltig-holistischen Perspektive
Gerade in Zeiten des Klimawandels und sozialer Segregation wird diese Perspektive wichtig. Jonas (1903–1993) z.B. fordert, dass Entscheidungen immer so getroffen werden sollten, dass sowohl menschliches Leben, als auch der ganze Planet erhalten und geschützt werden. Es geht somit um die Nachhaltigkeit bzw. die Langzeitfolgen von Entscheiden.
Fragen: Welches sind die langfristigen Folgen einer Entscheidung für alle direkt und indirekt Betroffenen? Wirkt sich eine Entscheidung nachhaltig positiv auf Mensch und Umwelt aus? Sind die Gefahren für Mensch und Umwelt genügend berücksichtigt und soweit möglich abgesichert?
Konklusion. Die obenstehenden Fragen aus den drei ethischen Perspektiven werden im Rahmen eines ethischen Diskurses erst einzeln und dann in ihrer Gesamtheit diskutiert. Der Entscheid erfolgt wenn möglich im Konsens oder per Abstimmung.
Bei der Diskussion der obenstehenden Fragen gibt es keine absolut richtigen oder falschen Antworten. Bei jeder Frage kann man zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.
Aus deontologischer Perspektive mag eine Handlung wegen zweifelhafter Absicht unmoralisch sein, aus teleologischer Sicht jedoch aufgrund des eintretenden Nutzens ethisch vertretbar.
Aus diesem Grund ist der Einbezug aller Beteiligten in einen kritischen Diskurs solcher Fragestellungen zentral.
Dabei ist eine ethische Schulung und Sensibilisierung der am Diskurs beteiligten Personen eine wichtige Voraussetzung für die Qualität der Entscheide.
Version vom 11. Oktober 2020
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