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Die Lawinenküche wartete diese Wochenberichtsperiode mit ganz besonderen Spezialitäten auf. Der Südföhn fand als Fallwind vor allem in Nordhängen noch leckeren, …äh ich meine lockeren, Schnee zum Verfrachten. Diese Triebschneeansammlungen waren ziemlich „scharf“, um in der kulinarischen Sprache zu bleiben, aber meistens eher klein. Und dann gab es noch einen hitzigen Mix aus Nass- und Gleitschneelawinen an einer üppigen Saharastaub Würze.
Pünktlich zum Start dieser Wochenberichtsperiode setzte am Freitag, 11. März der Südföhn ein und hielt mit zwischenzeitlich schwächeren Phasen bis am Dienstag, 15. März an. Dieser Föhn versalzte die günstigen Verhältnisse der vergangenen Wochenberichtsperiode zunehmend. Er stiess auch den Lawinenwarnern sauer auf, weil es doch recht schwierig abzuschätzen war, wo der Föhn überhaupt noch Schnee verfrachten konnte.
An den sonnenexponierten Hängen lag kaum noch verfrachtbarer Schnee und auch nicht im Hochgebirge, wo die Schneedecke schon vor der Föhnphase stark windgeprägt war. Deshalb vermochte der Föhn vor allem in den Nordhängen noch Schnee zu transportieren. Dort erreichte er als typsicher Fallwind auch Stellen, wo noch lockerer Schnee lag. Diese Triebschneeansammlungen waren zwar meist nicht sehr gross, da sie aber auf den kantig aufgebauten Altschnee abgelagert wurden, waren sie sehr auslösefreudig. Entsprechend wurden etliche Personenlawinen registriert, welche sich vor allem auf die Föhngebiete des Nordens konzentrierten (vgl. folgende Bildstrecke sowie Abbildung 1).
Abb. 1: Durch Personen ausgelöste Lawinen (Zahl und Farbe entspricht der Lawinengrösse: 1 = kleine Lawine, 2 = mittlere Lawine) in dieser Wochenberichtsperiode.
Es wurden bei einigen Lawinen auch Personen erfasst und teils einige Meter mitgerissen. Verschüttet oder verletzt wurde aber niemand.
Das Menü 2 kam in dieser Wochenberichtsperiode aus der Sahara. Ein Sturm über Marokko wirbelte viel Sand auf, welcher von einer starken südwestlichen Höhenströmung direkt zu den Alpen verlagert wurde. Der sepia-Filter auf dem Smartphone konnte nun getrost ausgeschaltet werden, denn die weisse Winterwelt wurde orange-beige-braun eingefärbt und die Bilder erhielten so natürlicherweise einen Retro-Look.
Und ja, marokkanisches Essen ist heiss – so kletterte mit dieser milden Höhenströmung auch die Nullgradgrenze verbreitet auf über 3000 m (Abbildung 2).
Von Dienstag, 15. März bis Donnerstag, 17. März wurde die Schneedecke vor allem in den oberflächennahen Schichten rasch durchfeuchtet und es gingen zahlreiche nasse Lockerschneelawinen nieder. Diese waren aufgrund der Einfärbung vom Schnee durch den Saharastaub sehr gut sichtbar (Abbildung 3).
Auch hier war wieder viel Salz in der Suppe für den Lawinenprognostiker. Es war sehr schwierig, die verschiedenen Einflüsse des Wetters auf die Schneedecke abzuschätzen: milde Temperaturen, trüber Himmel mit reduzierter Sonneneinstrahlung aber auch reduzierte nächtliche Abstrahlung sowie veränderte Albedo der Schneeoberfläche durch den Saharastaub.
Die Gefahr für Nass- und Gleitschneelawinen wurde mit einer Doppelkarte jeweils im Tagesverlauf als mässig, am Donnerstag im Norden auch als erheblich eingeschätzt (siehe Gefahrenverlauf unten).
Wenn sich Saharastaub auf dem Schnee ablagert, wird der Schnee oft sehr markant bräunlich eingefärbt. Hat der Schnee aber auch einen Einfluss auf Lawinensituation? Eine oberflächennahe mit Saharastaub verunreinigte Schneeschicht absorbiert mehr kurzwellige Strahlung, d.h. es gelangt mehr Energie in die Schneedecke. Dieser Effekt dürfte in der aktuellen Wochenberichtsperiode vermutlich zur raschen Erwärmung und Durchfeuchtung der oberflächennahen Schneeschichten beigetragen haben. Dieser und weitere Effekte sind in anderen Wochenberichten (5. bis 11. Februar 2021 und 26. bis 31. März 2021) sowie in einem Schwerpunktthema Saharastaub beschrieben.
Neben den oben ausgeführten Spezialitäten wurden diese Woche aber auch Klassiker wie Gleitschneelawinen im Menüplan geführt. Diese nahmen mit der Erwärmung wieder markant Fahrt auf und so gingen zahlreiche mittlere und auch grosse Gleitschneelawinen ab, die allermeisten nördlich einer Linie Rhone-Rhein (Abbildung 4 bis 6).
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.