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Die Halbwaise Molly lebt zufrieden und behütet mit ihrem Vater, einem angesehenen Landarzt, in dem kleinen Ort Hollingford. Ausser ihrem Vater, den das junge Mädchen abgöttisch liebt, braucht Molly eigentlich nichts weiter, um glücklich zu sein. Doch Dr. Gibson ist überzeugt, dass Molly durch den Verlust der Mutter die nötige weibliche Führung fehlt und beschliesst, erneut zu heiraten. Mit der Ankunft der „neuen Mama“, die eine Tochter aus erster Ehe mit in den Haushalt bringt, ändert sich Mollys Leben von Grund auf. War bisher ihre grösste Sorge, wie sie es einrichten kann, möglichst viel Zeit mit ihrem vielbeschäftigten Vater zu verbringen, sieht sie sich nun konfrontiert mit einer unerwünschten Stiefmutter, einer ungestümen Stiefschwester, belastenden Geheimnissen, dem Klatsch einer Kleinstadt und nicht zuletzt mit der Zuneigung für einen jungen Mann, der für sie nur freundschaftliche Gedanken hegt.
Elisabeth Gaskells letzter Roman beleuchtet eindrucksvoll die Hierarchien, sozialen Werte und Befindlichkeiten im England des frühen neunzehnten Jahrhunderts. Mit feiner Ironie zeichnet Gaskell, die häufig in einem Atemzug mit Jane Austen genannt wird, ein detailliertes Bild einer Gesellschaft im Umbruch. „Wives and daughters“ wurde 1999 mit grossem Erfolg unter der Regie von Nicholas Renton für die BBC als vierteilige Miniserie verfilmt.
Überarbeitete Fassung der Übersetzung von August Kretzschmar mit zusätzlichen Anmerkungen.
Portrait
Elizabeth Gaskell wurde 1810 als Elizabeth Stevenson in London geboren, aufgewachsen ist sie in Knutsford (Cheshire) bei ihrer Tante. Die junge Frau heiratete 1832 William Gaskell, einen unitarisch freikirchlichen Geistlichen und Universitätsdozenten in Manchester, mit dem sie fünf Kinder hatte. Während sich ihr Mann für die Bildung der Arbeiter engagierte, ist in Elizabeth Gaskells Korrespondenz immer wieder von den sozialen Härten des Frühkapitalismus die Rede. Ihr Erstlingsroman "Mary Barton" verhalf ihr zur Bekanntschaft mit Dickens, für dessen Zeitschrift "Household-Words" sie von nun an literarische Beiträge lieferte. Ihr Erfolg brachte dem nicht gerade reichlich ausgestatteten Haushalt der Gaskells eine finanzielle Entlastung; nun konnte die Schriftstellerin Reisen unternehmen und in den literarischen Salons von London verkehren. Ein halbes Dutzend Romane und rund vierzig Erzählungen entstanden, außerdem eine Biographie von Charlotte Bronte. Sie starb 1865.