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Sperrstelle 1304 - Wartau
Obwohl im Zweiten Weltkrieg ausserhalb des Reduit gelegen, entstand in der Gemeinde Wartau beim Weiler Plattis der erste gegen Norden gerichtete Sperrriegel. Von Januar 1940 bis Ende 1942
entstand hier bis zum Rhein eine 2 km lange Sperre, bestehend aus BBB Betonhöckern, einem 1.5 km langen Panzergraben, neun Strassenbarrikaden und einer Bahnbarrikade. Am östlichen Abschluss
der Sperre wurde das Infanteriewerk A6023 Plattis errichtet. Mit seinen Maschinengewehren und der Panzerabwehrkanone wirkte es direkt auf die davor liegenden Sperranlagen. Flankiert wurde
das Infanteriewerk von einer in Fels gehauenen MG Kaverne (A6024, Flankierwerk Plattis).
Obwohl nicht direkt zur Sperre bei Plattis gehörend, war die Batterie Ost der Festung Magletsch
integraler Bestandteil
dieser Sperrstelle. Mit seinen beiden 7.5 cm Bunkerkanonen sollte die Batterie Ost auf das Vorfeld der Sperre wirken und den aufgestauten Gegner unter Feuer nehmen.
In den späten 1950er Jahren begann man auch im Raum der Sperrstelle Wartau fünf Unterstandskavernen für die Infanterie zu erstellen. Solche wurden während des Krieges in diesem Raum nicht
gebaut und die Füsiliere mussten sich auf behelfsmässige Unterstände stützen. In den 1960er Jahren nahm die Bedrohung durch Luftlandungen zu. Der rückwärtige Raum der Sperrstelle war
topologisch bestens für solche Landungen geeignet. Diesem Umstand begegnete man dadurch, dass in der Ebene und den Hügeln rund um die Sperrstelle 90 Unterstände (Typ U4, U12) eingegraben wurden.
Damit erhielten die hier eingesetzen Truppen eigentliche Stützpunkte, von denen aus sie die Sperranlagen verteidigen konnten.
Die Sperrstelle bei Plattis wird auch im "Bericht des Generaladjutanten über den Aktivdienst 1939-45" erwähnt. So hatten diverse Landesverräter die Festung Sargans ausgekundschaftet, unter ihnen der Gefreite
Herrmann Vinzens und der Soldaten Hermann Grimm. Auf Seite 253 ist zu lesen, dass der Verräter Grimm eine "Skizze über Lage und Schussfeld des Grossbunkers bei Plattis .... zu liefern gehabt hat
".
Für diesen und anderen Verrat wurden die beiden Nazi-Spione mit dem Tode bestraft und hingerichtet.
Sperrstelle 1305 - Magletsch
Hauptwerk dieser Sperrstelle ist das Artilleriewerk Magletsch
mit all seinen eigenen Waffenständen und den umgebenden
Unterständen für die Aussenverteidigung. Ebenso zur Sperrstelle gehörte das MG Werk A6022 Wartau. Mit seinen beiden MG deckte es die südöstliche Umgehung des Artilleriewerks ab.
Die Schwachstelle des ganzen Dispositives war aber die Aussenverteidigung nordwestlich der Festung. Im Gegensatz zum dichten Netz von Unterständen beim Artilleriewerk klaffte hier aussen eine
grosse Lücke, durch welche ein Gegner die Festung infanteristisch hätte umgehen können. Diesem Umstand begegnete man dadurch, dass man als erstes auch hier in den 1950er Jahren für die Infanterie
sieben neue Unterstandskavernen aus dem Fels brach. In den 1960er Jahren verdichtete man dann das Dispositiv durch 32 Kugelbunker (Unterstand Typ U4). Damit entstand dann auch in der offenen westlichen
Flanke der Festung ein dichter Riegel von Sperranlagen.
Die Gegend in dieser Sperrstelle diente und dient auch heute noch teilweise als Ausbildungsgelände für die Truppe. Zahlreiche Schiessstände werden noch rege genutzt. Dies gilt aber nicht
mehr für die Anfang der 90er hier erstellten vier Ausbildungs-Sprengobjekte.
Verteidigt wurde der ganze Abschnitt im Zweiten Weltkrieg durch 680 Mann Infanterie des Inf Bat 284. Im Kalten Krieg war es Aufgabe des St. Galler Füs Bat 134, die beiden Sperrstellen zu besetzen.
Die Übersichtskarte der Sperrstelle zeigt die wichtigsten hier eingesetzen Truppeneinheiten aus dem Zeitraum 1978 bis 1986. Neben dem Füs Bat 134 gehörten dazu die Fest Abt 28 (Besatzung
Festung Magletsch) und die Werkkompanie 37, welche die Aussenbunker besetze.
Eigentlicher Schwachpunkt des Dispositivs war der Mangel an atomsicheren Unterständen. Von den hier total fast 150 Unterständen boten bis auf vier oder fünf keinen Schutz vor chemischen oder
atomaren Kampfstoffen. Den Truppen der Festung Sargans standen im Gegensatz zu ihren Kameraden von den Grenzbrigaden nur eine handvoll ASU zur Verfügung. Ein unangenehmer Umstand, welcher sich
zum Glück nie ausgewirkt hat.
Bat KP A6031 Gretschins
Ab Anfang der 1960er Jahre marschierten die Bauarbeiter wieder auf. Alle Infanterie Batallione der Brigade erhielten ihren eigenen verbunkerten Kommandoposten. Einige Batallione erhielten komplett
neue Anlagen, bei anderen wurden bestehende Bunker oder Unterstände ergänzt und ausgebaut. So auch beim Bat KP A6031 in Gretschins für das Füs Bat 134.
Hier wurde der bestehende Unterstand U6 der Aussenverteidigung des AW A6020 Magletsch ausgebaut. In der bestehenden Kaverne brach man alle Installationen und Einbauten ab und machte eine neue
Raumeinteilung, so dass am Ende die Büros und zwei Unterkünfte für je 6 Mann PLatz fanden. Vorgelagert an die bestehende Kaverne wurde eine neue Kaverne ausgebrochen. Hier wurde die Unterkunft
für die Werkbesatzung, sanitäre Anlagen und ein kleiner Filter- und Maschinenraum eingebaut. Die beiden Zugänge zu dem neuen KP erhielten je eine Gasschleuse und am Werkeingang entstand noch
eine Eingangsverteidigung. Diese Eingangsverteidigung hatte als Besonderheit ein kleines Stollensystem, welches mit drei Waffenstellungen (Solitär) verbunden war. Solche Aussenverteidigungs-Solitär
gab es bei einigen Bat KP, jedoch nur in Gretschins sind diese direkt mit dem KP verbunden.
Möblierungsplan und Schema Luftleitungsführung Bat KP A6031 [ Friends only ]
Interessant ist die Tatsache, dass dieser Bat KP - so wie einige andere auch - zwar eine Lüftung mit Filtergruppe und ein Klimagerät erhielt, jedoch keine eigene Notstromversorgung. Es gab
aber bei der Brigade auch Bat KP Konfigurationen mit einer eigenen Notstromversorgung (Motorengruppe MWN). Je nachdem an welches Strom-Netz der KP angehängt war, verzichtete man darauf. Der
KP Gretschins war an das Stromnetz des AW Magletsch angehängt und konnte somit im Notfall von der dortigen Notstromversorgung profitieren.
Der Bat KP war noch bis 2010 klassifiziert, wurde aber schon lange nicht mehr von der Truppe genutzt.
Die Sperranlagen heute
Die Sperre bei Plattis ist zusammen mit der Festung Magletsch heute im Inventar der militärischen Denkmäler des Kantons St. Gallen. Besonders sein 1.5 km langer Tankgraben ist ein ökologisches
Ausgleichsgebiet und wird heute von zahlreichen Fischen und Vögeln bewohnt. Der grösste Teil der Unterstände vom Typ U4 sind inzwischen rückgebaut worden und es nur noch vereinzelte Anlagen
zu finden. Die U12, in diesem Bereich, sind alle leegräumt und zugeschweisst worden.
Seit 2012 ist der KP Gretschins in der Obhut des Verein AFOM
und kann bei Sonderführungen besichtigt werden. Auch das
Infanteriewerk Plattis wurde durch den Verein übernommen. Der ehemals komplett leer geräumte Bunker wurde vom Verein in mühevoller Arbeit wieder restauriert und in seinen früheren Zustand versetzt.
Besichtigungen dieser Anlage werden für Gruppen durch den Verein ermöglicht.
Die meisten Unterstände in diesem Raum sind entweder zugeschweisst oder wurden rückgebaut. Einige Unterstandskavernen wurden von Privaten übernommen und dienen heute als Käselager oder Abstellkammer.