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Im Stadttheater stand am Mittwoch nicht nur Nelson Mandela, sondern auch seine Frau im Fokus. Eine Theaterkritik von Hermann-Luc Hardmeier.
Bild: Nelson Mandela und seine Frau Winnie kämpften auf unterschiedliche Weise gegen die Apartheid. (Foto: Selwyn Hoffmann, Bericht: Hermann-Luc Hardmeier).
Kaum zu glauben. Selbst nach dem zweiten Weltkrieg herrschten in Südafrika immer noch Gesetze und Regeln, die böse Erinnerungen wachriefen. Politische Gegner der Regierung wurden geschlagen und gefoltert. Mischehen zwischen Weissen und Schwarzen waren verboten. Die farbige Bevölkerung musste in getrennten Wohngebieten leben und höhere Bildung war nur den Weissen zugänglich. Die Apartheid und damit die Diskriminierung des Grossteils der Bevölkerung dauerte bis 1994. Das Ende dieses schlimmen Kapitels ist mit einem Namen zwingend verknüpft: Nelson Mandela. Fast auf den Tag genau vor dreissig Jahren wurde er aus seiner südafrikanischen Haft entlassen. Das Stadttheater nahm das Ereignis als Anlass, das Ensemble „TNT Theatre Britain“ mit ihrem Stück „Free Mandela“ einzuladen. Erfrischend an der Inszenierung von Paul Stebbings war vor allem, dass nicht etwas die 27-jährige Haft von Mandela im Zentrum stand, sondern ein anderer Fokus gelegt wurde. Erzählt wurde die Geschichte von Mandelas Ehefrau Winnie. Parallel zum Werdegang ihres Mannes erfuhren die Zuschauer, was ihr wiederfahren war. Während Nelson Mandela darauf bestand, einen gewaltlosen Protest wie Gandhi zu führen, erlebte Winnie Mandela Folter im Gefängnis und entfremdete sich von ihrem Ehemann. Der gewaltlose Weg hatte für sie und einige Anhänger der Apartheid-Gegenpartei ANC bald keine Priorität mehr. Der Dualismus zwischen Erduldung der Demütigungen und Rachegefühlen war ein roter Faden durch das Stück.
Foto: Selwyn Hoffmann
Aktualitätsbezug fehlte
Keine Frage: Nelson Mandela war ein moralisches und politisches Vorbild. Er war der Wegbereiter des versöhnlichen Übergangs von der Apartheid zu einem demokratischen Afrika, das er als erster schwarzer Präsident von 1994 bis 1999 leitete. Ein bisschen schade war, dass die Inszenierung im Stadttheater bei diesem Rückblick verharrte. Dabei wäre es doch extrem spannend gewesen, wenn man die Chance genutzt hätte, und einen Bezug zur Aktualität gezogen hätte. Könnte gewaltloser Protest eine aktuelle Krise lösen? Sollten sich Politiker wie Boris Johnson oder Donald Trump ein Vorbild an Mandela nehmen? Ist in Südafrika mittlerweile eine soziale Gerechtigkeit erreicht? Wo stehen wir 30 Jahre nach Nelson Mandela? Solche Diskussionen führten die Zuschauer in der Pause und anschliessend an die Vorstellung. Das Theaterstück lieferte dazu leider keine neuen Interpretationsansätze. Doch die angeregten Gespräche bewiesen, dass indirekt das Ziel des englischsprachigen Theaters erreicht worden war: Mandela bewegt – auch dreissig Jahre nach seinem Erfolg in Südafrika. Insofern war „Free Mandela“ eine sehr gelungene Vorstellung, welche darüber hinaus durch die starke Leistung der Schauspieler für einen bleibenden Eindruck sorgte.
Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen am Freitag, 14. Februar 2020 in der Zeitung „Schaffhauser Nachrichten“.
Im Rahmen des Geschichts- und Politikunterrichts an unserer Schule besuchte uns Nationalrätin Franziska Ryser und stand einer BM2-Klasse für Fragen zu ihrer Politikkarriere und ihrer Partei zur Verfügung.
Ein sehr spannender Nachmittag. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank für den Besuch!
Mit viel Power heizte Boban Markovic mit seiner Band am Freitagabend den Kammgarnbesuchern ein. Ein Konzertbericht von Hermann-Luc Hardmeier.
Sonnenbrille auf und viel gute Laune im Gepäck. Der serbische Trompeter Boban Markovic rockte mit seiner Band am Freitagabend die Kammgarn, als ob es kein Morgen gäbe. Insgesamt neun Musiker standen auf der Bühne, davon sieben mit einem Blasinstrument bewaffnet. Der Balkan-Brass der Band hatte so eine gewaltige Wucht, dass es kein Entkommen gab. Die Besucher tanzten ausgelassen und feierten den aussergewöhnlichen Sound. Warum die Tanzfläche sofort Feuer fing, ist schnell gesagt. Der Polka-Beat massierte den Herzmuskel wie ein ausser Kontrolle geratener Stromgenerator und die die Blasinstrumente spannten unsichtbare Fäden zu Armen und Beinen der Gäste, welche sie wie ein Tornado auf Ecstasy durcheinander wirbelten. Es herrschte ein muskalischer Klangteppich, wie wenn Miles Davis einen Schluck kochende Lava getrunken hätte. Die Roma-Bläsertruppe spielte sowohl traditionelle serbische Stücke, als auch moderne Eigenkompositionen. Teilweise mit Funk, Jazz und Rock gewürzt. Unglaublich powervolle Songs wechselten sich mit unendlich traurigen Liedern ab. Kein Wunder hat Boban Markovic in seiner Heimat und vor allem am Guca-Festival schon viele Preise wie beispielsweise mehrfach die „Goldene Trompete“ verliehen bekommen.
Bekannt aus dem Film „Underground“
Besonders die zwei Songs „Mesecina“ und „Kalaschnikow“ kennt man auch ausserhalb der Balkan-Brass-Szene. Bekannt geworden sind sie durch den Film „Underground“ von Emir Kusturica. Im Film wird einer Gruppe von Partisanenkämpfern in Jugoslawien nach dem Ende des Nazibesetzung das Kriegsende nicht mitgeteilt. Sie werden von einem Schwarzmarkthändler mit gefälschten Radiomeldungen im Glauben gelassen, es herrsche noch Krieg. Irgendwann haben sie genug, brechen aus ihrem Versteck im Untergrund von Belgrad aus und nehmen Rache. Mit dabei auf ihrer satirischen Odyssee ist stets eine laute und enthusiastische Musikgruppe, welcher der Filmkomponist Goran Bregovic den Sound von Boban Markovic auf den Leib geschneidert hat. Die schwere Thematik wird mit der fröhlichen Musik verknüpft, was unglaublich unterhaltsam auf den Zuschauer wirkt. Dieser Spagat zwischen Traurigkeit und Partystimmung war auch am Freitagabend eines der Markenzeichen und Stärken von Boban Markovics Band. Meist standen dabei die Instrumente im Vordergrund, doch immer wieder überzeugte der Frontmann mit seiner starken Stimme. Elvis vom Balkan wurde Boban Markovic schon getauft, was durchaus passend ist. Weder bei Elvis noch bei Boban Markovic kann man Zuhören, ohne kräftig das Tanzbein zu schwingen. Rock’n’Roll sowie Balkan-Brass ist nicht bloss eine Musikrichtung, sondern eine Lebenseinstellung. Die Besucher genossen den Abend, prosteten sich mit Slivovica zu und forderten von der Band eine Zugabe nach der nächsten.
Von Hermann-Luc Hardmeier. Erschienen am 4. Februar 2020 in der Zeitung Schaffhauser Nachrichten.