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| Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).

Erstes Buch
XX. Kapitel
97.
[S. 87] 1.1 Wenn viele Leute zusammen ein Schiff ins Meer hinabziehen, so kann man nicht von vielen Ursachen sprechen, sondern nur von einer einzigen, aus vielen Teilen bestehenden Ursache; denn nicht jeder einzelne für sich bringt es fertig, daß das Schiff ins Meer hinabgezogen wird, sondern nur mit den andern zusammen. Ebenso hilft auch die Philosophie, da sie ein Suchen nach der Wahrheit ist, nur mit beim Erfassen der Wahrheit; sie ist also nicht die Ursache des Erfassens, sondern nur zusammen mit den anderen Kräften Ursache und deren Gehilfin. Vielleicht ist aber auch die Mitursache als Ursache zu bezeichnen.
2. Wie aber die Glückseligkeit, die nur eine einzige ist, von den Tugenden herbeigeführt wird, bei denen mehrere vorhanden sind, und wie Erwärmung sowohl durch die Sonne als durch das Feuer und das Bad und die Kleidung bewirkt werden kann, so gibt es auch nur eine einzige Wahrheit, aber vieles, was dazu mithilft, sie zu suchen; gefunden wird sie jedoch nur durch den Sohn.
3. Wenn wir es freilich richtig betrachten, so gibt es dem Wesen nach nur eine einzige Tugend; man nennt sie aber, wenn sie sich auf dem einen Gebiet als wirksam erweist, gewöhnlich Klugheit, auf einem anderen Gebiet Besonnenheit und wieder auf anderen Gebieten Tapferkeit oder Gerechtigkeit.2
4. In der gleichen Weise gibt es also auch nur eine einzige Wahrheit; aber in der Geometrie bezieht sich die Wahrheit auf die Geometrie, in der Musik auf die Musik und in der richtigen Philosophie auf das Griechentum. Unantastbar ist aber allein jene vollgültige Wahrheit, in der wir bei dem Sohne Gottes unterwiesen werden.
1: Zum folgenden vgl. Strom. VIII 31,1.
2: Vgl. Platon, Gesetze XII p. 963 CD; Phaidon p.69 BC.