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Datierung
1970/71
Bildmasse
150 x 150 cm
Technik/Material
Lack auf Acrylglas
Nennung
Sammlung Museum Haus Konstruktiv
Schenkung Celia Ascher
Inv.-Nr.
SK94003
Struktur Nr. 1
Eines der weltweit grössten Zentren für Architektur, Design und digitale Kultur, Het Nieuwe Instituut in Rotterdam, erstrahlt allabendlich in leuchtend bunten Farben. Eine computergesteuerte Lichtinstallation verwandelt die 170 Meter lange Kolonnade des Instituts in eine sich laufend verändernde Bühne für Farben. Geschaffen hat sie 1993 Peter Struycken (1939, Den Haag, NL), ein Pionier der computerprogrammierten Kunst in den Niederlanden.
Struycken begann bereits 1969, den Computer in seine künstlerische Arbeit einzubeziehen. Auch als er 1980 den Auftrag erhielt, eine Briefmarkenserie mit dem Konterfei der niederländischen Königin Beatrix zu entwerfen, setzte er einen Rechner ein: Er digitalisierte ihr Porträt und übersetzte es in eine Struktur aus Punkten, die umso abstrakter erscheint, je näher man das kleine Bild betrachtet. Damit blieb sich Struycken, der zuletzt in den frühen 1960er-Jahren figurative Werke geschaffen und sich seither der Arbeit mit Strukturen, Licht und Farbe verschrieben hat, auch in dieser besonderen Auftragsarbeit treu.
Sein Weg von der Figuration in die gegenstandsfreie Kunst lässt sich buchstäblich Schritt für Schritt nachvollziehen, wobei er die meisten dieser Schritte zwischen 1957 und 1962 tat, während seiner Studienzeit an der Koninklijke Academie van Beeldende Kunsten in Den Haag: Auf expressive Landschaftsbilder, Porträts und Akte folgte 1961/1962 eine Reihe von Landschaften und Tierdarstellungen, die ihr Motiv in grosse geometrische Farbflächen gliederten. 1962 schliesslich wagt Struycken den künstlerischen Sprung in die Ungegenständlichkeit, und auch seine Werktitel beziehen sich künftig nicht mehr auf Dinge der Aussenwelt, sondern auf rein innerbildliche Qualitäten: auf das Verhältnis von Form und Farbe etwa oder auf die dynamische Wirkung seiner schwarz-weissen Strukturen, die eine deutliche Nähe zur Op-Art aufweisen. Mitte der 1960er-Jahre erweitert Struycken sein Schaffen um strukturelle Reliefs und stereometrischen Plastiken.
Von der 1966 begonnenen Serie «Structuur», in der pixelartige Bildelemente eine systematische Formveränderung durchlaufen, ist es nur noch ein Schritt zu den ersten computerprogrammierten Arbeiten. Auch die 1971 entstandene «Struktur Nr. 1» in der Sammlung des Museum Haus Konstruktiv basiert auf Berechnungen eines Computers. Sie ist Teil einer Werkreihe, in der sich die strukturelle Veränderung von Bild zu Bild vollzieht.
Struycken hat von 1964 bis 1976 an der Kunsthochschule in Arnheim gelehrt. Als Mitbegründer und Leiter des Studiengangs Umweltkunst sowie als Dozent an diversen anderen Kunsthochschulen hat er zahlreiche Künstler und Künstlerinnen der nachfolgenden Generation geprägt. Mit seinen oft schwerelos erscheinenden, Licht, Farbe und Struktur thematisierenden Installationen bewegt Struycken sich immer wieder an den Schnittstellen zwischen Kunst, Technologie und Architektur.
Britta Schröder