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Der Aufstieg der Volkswagen AG von den Anfängen bis heute, Teil 3
Mit der Eröffnung der „Autostadt“ in Wolfsburg ging VW ab 2000 neue Wege in der Öffentlichkeitsarbeit. Das Kompetenzzentrum für Dienstleistungen ist nicht nur mit einem Freizeitpark und einem Automuseum verbunden, sondern bietet Besuchern und Kunden auch die Möglichkeit, ihren Neuwagen persönlich abzuholen oder sich in einzelnen Pavillons ausführlich über die komplette Fahrzeugpalette des Unternehmens zu informieren.
2002 präsentierte VW das erste „Ein-Liter-Auto“ und unterstrich damit seinen Willen, die Technik- und Marktführerschaft im Segment sparsamer Fahrzeuge zu übernehmen. Die Studie gelangte aber aus wirtschaftlichen Gründen nicht zur Serienfertigung. Unter dem neuen Chef Bernd Pitschetsrieder, der zuvor von BMW nach Seat gegangen war, erlebte Volkswagen eine weitere Krise. Das Geschäftsjahr 2003 brachte einen Gewinneinbruch von mehr als 50 Prozent, so dass umfassende Neustrukturierungen nötig wurden.
Dies ist ein Bericht über Volkswagen AG in drei Teilen. Hier das Inhalstverzeichnis:
Die Gründe waren vor allem in den hohen Produktionskosten zu suchen. Der Konzern hatte nach eigener Aussage im Durchschnitt elf Prozent höhere Personalaufwendungen als die anderen deutschen Produzenten. Weitere Faktoren waren die von Kritikern bemängelten hohen Dividenden, zu hohe Abfindungen und Gehälter im Management. Ausserdem verkaufte sich der Golf V (2003) wegen der schlechten Konjunkturlage nicht so gut wie vorgesehen. Weil auch die Kapazitäten für den Phaeton nicht ausgelastet waren, entschied sich VW, in der Gläsernen Manufaktur auch den Bentley Continental Flying Spur zu montieren.
Mitte der 2000er Jahre kaufte Porsche mehr und mehr Anteile an Volkswagen und wurde 2005 grösster Aktionär (20 Prozent). Der Sportwagenhersteller wollte damit eine feindliche Übernahme durch VW verhindern. 2007 besass Porsche 30,9 Prozent der Anteile und ging gegen das alte VW-Gesetz vor. Dieses wurde schliesslich im gleichen Jahr vom Europäischen Gerichtshof für rechtswidrig erklärt.
2005 ging die nächste Generation des Passat in die Produktion und brachte den gewünschten Erfolg. Weitere Produktionsstätten im Ausland entstanden, so in Russland und in den USA (Chattanooga/Tennessee), wo jährlich 150’000 Passat vom Band laufen sollen. Das erste Werk in Westmoreland war 1988 geschlossen worden. 2008 stand VW zum ersten Mal „auf dem Treppchen“. Im ersten Halbjahr setzte der Konzern 3,31 Millionen Fahrzeuge ab und zog damit an Ford (3,22 Millionen) vorbei auf den dritten Platz der weltgrössten Hersteller.
Es folgte ein weiterer Aktienankauf durch Porsche. Anfang 2009 hielt das Unternehmen mehr als 50 Prozent der Stammaktien von VW. Ein integrierter Autokonzern sollte entstehen, so die Vorstellungen des Porsche-Vorstands. Am Ende gab es allerdings massive Finanzierungsprobleme, so dass die Übernahme scheiterte. Eine Allianz zwischen VW und Suzuki, vereinbart 2009, gaben die Asiaten nach zwei Jahren wieder auf.
Die vergangenen Jahre waren geprägt von verschiedenen Übernahmen anderer Firmen durch die Volkswagen AG. Über die Audi-Tochter Lamborghini erwarb VW 90,1 Prozent Anteile von Giorgio Giugiaros „Italdesign“, aus dessen Feder die ersten Generationen des Golf, des Sciroccos, Passats und Audi 80 stammten. Ausserdem stiegen die Wolfsburger mehrheitlich bei MAN und – ebenfalls über Audi – beim italienischen Motorradhersteller Ducati ein. Auch die Querelen mit Porsche fanden ein Ende: Da die Fusion 2011 endgültig scheiterte, kaufte VW für 4,5 Milliarden Euro alle restlichen Anteile an Porsche auf.
Wegen der besonderen Geschichte der Gründung durch die Nationalsozialisten, der Beschäftigung von Zwangsarbeitern während des Krieges und der besonderen Stellung des Landes Niedersachens im Unternehmensgefüge nimmt Volkswagen im Vergleichen zu allen anderen Automobilherstellern in Deutschland eine Sonderstellung ein. Der Konzern bemüht sich um eine Aufarbeitung der Kriegsereignisse und um ein starkes soziales Engagement.
1998 zahlte VW 20 Millionen DM in einen humanitären, privaten Fonds ein, aus dem bisher mehrere Tausend Menschen Entschädigungen für ihre Tätigkeit als Zwangsarbeiter erhielten. Damit nahm VW eine Vorreiterrolle in der deutschen Industrie ein. Auf dem Wolfsburger Firmengelände wurde zudem eine Erinnerungsstätte für die Zwangsarbeiter errichtet.
Zwei neue Firmengründungen sollten helfen, die Zukunft für den Wirtschaftsstandort Wolfsburg zu sichern und die hohe Arbeitslosigkeit abzubauen. 1999 wurde gemeinsam mit der Stadt die Wolfsburg AG ins Leben gerufen. Sie soll neue Wirtschaftsfelder erschliessen, um den Arbeitsmarkt zu beleben. In der Auto 5000 GmbH – einer hundertprozentigen Tochterfirma – lässt VW den Touran und den Tiguan fertigen. Ein grosser Teil der Mitarbeiter wurde mittlerweile in ein Arbeitsverhältnis der VW AG übernommen.
Trotz der Erfolge mit dem Golf oder dem Passat, trotz der zugekauften Nobelmarken Bugatti, Bentley oder Lamborghini wird Volkswagen wohl noch lange als Hersteller des Käfers in Erinnerung und im Bewusstsein der Öffentlichkeit bleiben. Der Käfer, als „Herbie“ auch im Film verewigt, gehört einfach zu den kultigsten Pkw, die je gebaut wurden.
Oberstes Bild: VW Käfer als Lightmobil (© Eric Staller, Wikimedia, CC)