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Für eine hochstehende berufliche Musikausbildung im 16. und 17. Jahrhundert gab es mehrere Anlaufstellen, wie z.B. die zunftartig organisierten Musikergemeinschaften grösserer Städte oder die Kapellen an grossen Kirchen und Höfen unter Führung eines anerkannten «Meisters». Dieser Konstellation verdanken wir den einzigen Madrigaldruck von Heinrich Schütz (1585 – 1672), der im Mai 1611 in Venedig erschienen ist. Schütz, noch unsicher, ob er ganz auf die Musik setzen sollte, erhielt von seinem Landesherrn Moritz von Sachsen ein Stipendium, das ihm ab 1609 eine dreijährige Ausbildung in Venedig beim ehrwürdigen Giovanni Gabrieli (ca. 1554/57 – 1612), dem europaweit berühmten Domorganisten von San Marco, ermöglichte.
Schütz reihte sich in eine illustre Gruppe von Studenten aus nordeuropäischen Ländern ein, von denen etliche diese Lehrjahre bei Gabrieli mit einer gedruckten Madrigalsammlung abschlossen, wobei die von Schütz sicher zu den spektakulärsten zählt. Die Werke nach zeitgenössischen Texten von Giovanni Battista Guarini und Giambattista Marino zeigen trotz ihrer grossen Expressivität kompositorische «Normalität im Bereich des Aktuellen» (Konrad Küster). Schütz orientierte sich aber nicht nur an Gabrieli, sondern mehr noch an anderen Meistern der italienischen Madrigalkunst der vorangegangenen Jahre. Die fünfstimmigen Werke verlangen noch keinen Generalbass, enthalten aber in Details der harmonischen Behandlung schon Elemente der «seconda pratica». Ein Merkmal Schütz’scher Kunst ist aber bereits hier klar zu erkennen: die intensive Auseinandersetzung mit dem (italienischen) Text, die zu einer dichten und faszinierend ausdrucksvollen Tonsprache führt.
Erstmals bei den FAMB zu Gast, wird das Ensemble LES ARTS FLORISSANTS unter der Leitung von Paul Agnew diese Kostbarkeiten eines 25-jährigen Hochbegabten präsentieren, deren Erfolg ihren Schöpfer schliesslich dazu brachte, sein Leben ganz der Musik zu widmen.
Thomas Drescher