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(Maurits Cornelis Escher, Treppauf und Treppab, 1960)
(Sinnbild des menschlichen Trachtens)
Vorankommen
Von Bernhard Benz
Man muss nicht, aber man kann – mit einer Befugnis, die man sich selbst zuzumessen die Freiheit hat und sie demzufolge auch selbst verantwortet – M. C. Eschers Lithografie „Treppauf und Treppab“ durchaus gleichnishaft oder sinnbildlich interpretieren.
Im Blick steht uns vor allem die eigentümliche Treppenebene oben auf dem dargestellten Gebäude. Die kapuzentragenden Figuren am äusseren Treppenrand scheinen endlos zirkulierend stets aufwärtszusteigen, jene am inneren Rand in gleicher Weise abwärts; doch ein anderes Ziel, als trotz unablässiger Voranbewegung auf derselben Treppe im gleichen Geviert ohne objektiv nennenswerte Niveauveränderung zu verbleiben, erreichen beide Gruppen nicht.
Symbol des menschlichen Trachtens? Soll man in den beiden Gruppen die Optimisten, die stets strebend Bemühten, die Anstrengungsbereiten, die Emporkömmlinge einerseits, die Pessimisten, die sich gehen Lassenden, die Faulen und Erschöpften, die Resignierenden anderseits dargestellt wähnen, die aber allesamt zu lebenslangem Gleichlauf verurteilt scheinen und deren essentielle Bestimmung grosso modo nicht erheblich voneinander unterschieden werden kann? Da müsste man jetzt auf die subjektive Gemütsdisposition des Individuums zu sprechen kommen, darauf, dass Heiterkeit und Lebensfreude bzw. Trübsinn und Lebensüberdruss dem Einzelnen ein qualitativ u. U. himmelweit von dem eines andern verschiedenes Daseinsbehagen gewähren bzw. bescheren. In dieser Hinsicht aber lässt die eschersche Figurengestaltung den Auslegungswilligen im Stich, denn alle Umgänger wirken gleichförmig in sich gekehrt, einzelgängerisch, mit einem durch den Rand der eigenen Kapuze begrenzten Horizont. Zwei immerhin scheinen den „Ausgang aus der selbstverschuldeten (?) Unmündigkeit“ gefunden und genommen zu haben: der eine blickt – gelassen? verwundert? – zu den Kreisläufigen hinauf, der andere hockt – unschlüssig? ratlos? – auf der unteren Treppe, und beider Ausbruch hat ihnen vielleicht auch nicht viel geholfen …
Nun, die zirkuläre Dachtreppe beruht auf einem grafischen Trick und steht somit jeder sinnlich wahrnehmbaren Sachverhaltswirklichkeit entgegen. Dem gilt es schliesslich hinwiederum noch anzufügen, dass wir Menschen uns wohl grossmehrheitlich auch mittels Illusionen, utopischer Vorstellungen, trügerischer Einschätzungen, Empfindungen, Urteile und Versprechungen – in der Regel auf den (augenblicklichen, vermeintlichen) eigenen Vorteil bedacht – durch unseren Lebenslauf tricksen, auch aus halb bewusster Not, sowohl vor den andern als auch vielleicht mehr noch vor uns selbst die fatale Gewissheit des ewigen Kreislaufs der Natur bzw. des objektiven Leerlaufs unseres darein verfügten Existenzleins (dürftig) zu verhüllen.