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Geruchsorgane
spielen bei sehr vielen
Tieren eine sehr große Rolle, indem sie ihnen einmal bei der Auswahl der Nahrungsmittel,
[* 2] bei Verfolgung der
Beute und Vermeidung der Gefahr behilflich sind, dann aber auch zu Führern und Erregern
der Geschlechtsthätigkeit werden.
Bei den niedersten
Tieren
(Urtieren, Hohltieren,
Stachelhäutern,
Würmern) lassen sich besondere
Geruchsorgane nicht nachweisen, wenn es auch nicht zweifelhaft sein kann, daß viele derselben riechen.
Bei den
Gliedertieren sind die
Fühler Sitz der
Geruchsorgane, welche hier in Gestalt feiner Fäden und
Haare
[* 3] oder Röhrchen, Grübchen und
Zäpfchen
auftreten, unter denen besondere
Nerven
[* 4] in eigener Art enden. Für die
Insekten
[* 5] ist es ein ziemlich allgemein geltendes Gesetz,
daß die Männchen größere und weit höher entwickelte Fühler und damit zahlreichere
Geruchsorgane besitzen als
die Weibchen, namentlich dann, wenn diese sich langsamer bewegen oder sich an versteckten Orten aufhalten.
Auch die Fühler der Weichtiere (Schnecken)
[* 6] sind der Sitz eines Spürsinnes.
Bei den Landschnecken finden sich an dem vordern
Ende der größern Fühler zwischen besondern Epithelzellen eine große Anzahl feiner Sinneszellen (Kölbchen und Stiftchen),
an welche die Endigungen eines
Nervs treten, der sich vom Fühlernerv (Augennerv) abzweigt.
Andere Forscher suchen
den Sitz des
Geruchs der Schnecken in dem sog. Semperschen Organ, einer Anzahl drüsiger, am Mundrand
gelegener Läppchen; manche auch in der sog. Fußdrüse. Bei manchen
Nacktschnecken findet sich am Vorderende des Atmungsorgans
eine mit gangliösen Zellen besetzte Hautfalte, die auch als ein
Geruchsorgan aufgefaßt wird. Bei
Wasserschnecken finden
sich an der
Basis der Kiemen gefranste Organe (Nebenkiemen), die zum
Spüren dienen sollen, ebenso bei
Kopffüßern an der
Basis der
Tentakel hinter den
Augen in Gestalt zweier feiner Höhlungen, die von zahlreichen Falten und
Vorsprüngen
durchzogen sind.
Was die Wirbeltiere angeht, so hat man beim Lanzettfisch ein mit Sinneszellen ausgebildetes Grübchen
am vordern Ende als
Geruchsorgan deuten wollen, doch ist es sehr fraglich, ob diese
Auffassung berechtigt ist. Die Rundmäuler
sind die einzigen Wirbeltiere mit einem unpaaren
Geruchsorgan, sie sind monorhyn, während alle übrigen amphirhyn sind.
Ihr
Geruchsorgan ist ein einfacher, oben auf dem
Kopf mit einer kurzen
Röhre beginnender Hautsack, in
den hinten die beiden
Geruchsnerven eintreten. Ausgekleidet ist derselbe mit einer gefaltenen Riechhaut und kommuniziert beim
Inger mit der Mundhöhle,
[* 7] bei den Neunaugen aber nicht. Bei allen andern Fischen ist
¶
mehr
das
Geruchsorgan innen doppelt mit Falten versehen, steht aber nur bei den Lurchfischen mit der Rachenhöhle hinten (durch
hintere Nasenlöcher oder Choanen) in Zusammenhang. Die Riechnerven der Fische
[* 9] sind meist sehr ansehnlich und das Geruchsorgan
dieser Tiere scheint demgemäß recht hoch entwickelt zu sein. Die geschwänzten Amphibien schließen sich im
Bau ihrer
Geruchsorgane ganz an die Lurchfische an und ihre Choanen liegen meist sehr weit nach vorn. Bei einigen Salamandern treten die
ersten schwachen Anlagen von Muscheln
[* 10] auf.
Das Geruchsorgan der Blindwühler ist komplizierter gebaut, es besitzt eine knöcherne Nasenscheidewand (septum narium) und zwei Paar Riechnerven, schwächere obere und stärkere untere. Bei den ungeschwänzten Lurchen sind drei Nasengänge jederseits vorhanden und ist das Geruchsorgan überhaupt durch Bildung eines Faltensystems ziemlich verwickelt, auch haben diese Tiere an den äußern Nasenlöchern bewegliche Hautdeckelchen, mit denen sie dieselben verschließen können.
Bei den Reptilien ist eine knorplige oder knöcherne Nasenscheidewand vorhanden und die Riechhaut wird durch gewundene Knorpelleisten vergrößert und gestützt. Die äußern Nasenlöcher finden sich weit vorn an der Schnauzenspitze und vereinigen sich bei den Krokodilen, die, wie die im Wasser lebenden Schlangenformen, hier auch Deckelvorrichtungen besitzen, zu einer gemeinsamen Öffnung. Die hintern Nasenlöcher sind bei vielen Schlangen [* 11] vereinigt, sonst doppelt und finden sich meist im Gaumen ziemlich weit nach vorn.
Bei den Krokodilen liegen sie aber sehr weit nach hinten unter dem Hinterkopf, sodaß der Nasenkanal eine bedeutende Länge hat. Bei den Vögeln liegen die äußern Nasenlöcher ziemlich weit nach hinten an der Schnabelwurzel, nur beim Kiwi-Kiwi liegen sie als seine Spalten an der Spitze. Bei den Sturmvögeln vereinigen sie sich zu einer kurzen Röhre oben auf dem Schnabel, und manchen Scharben fehlen sie ganz. Eine knorplige oder knöcherne Nasenscheidewand ist stets vorhanden, und die hintern Nasenlöcher vereinigen sich zu einer gemeinsamen Öffnung oder liegen doch dicht beieinander. Es sind drei häutige, knorplige oder knöcherne Muscheln vorhanden: bei den Raubvögeln sind die hintersten, bei Hühner- und zahlreichen Schwimmvögeln die mittelsten und bei Singvögeln die vordersten die größten. Der Kiwi-Kiwi hat eine Siebplatte.
Bei den Säugetieren liegen die äußern Nasenlöcher an der Spitze der (bisweilen rüsselartig verlängerten) Schnauze, nur nicht bei den Waltieren, wo sie sich oben auf dem Kopf befinden und bei den Delphinen zu einem Spritzloch sich vereinigt haben. Die Nasenflügel sind durch Muskeln [* 12] beweglich, und das Flußpferd und die Seehunde haben hier Deckelklappen. Bei Säugetieren mit verlängerter Schnauze finden sich außer den gewöhnlichen Nasenknorpeln noch besondere knorplige Einlagerungen.
Die riechende Oberfläche wird, besonders bei Hunden, vielen Nagetieren und in Herden lebenden Wiederkäuern, durch eine starke Faltung, ja spiralförmige Aufrollung der Muscheln, namentlich der untern, sehr bedeutend vergrößert, und es kommt ein ganzes System von engen Kanälen zu stande. Die Nasenhöhlen kommunizieren mit verschiedenen Höhlungen anderer Schädelknochen, der Stirn- und Keilbeine (ganz besonders bei Elefanten) und der Oberkiefer. Die hintern Nasenlöcher liegen ziemlich weit nach hinten, und bei einigen Säugetieren (Wiederkäuer) [* 13] kommunizieren sie noch durch besondere (Stensonsche) Kanäle mit der Mundhöhle. Diese Kanäle entspringen in besondern Erweiterungen in Gestalt von Nebennasenhöhlen, die von der eigentlichen Nasenhöhle vollkommen getrennt sind. Diese Nebenhöhlen heißen Jakobsonsche Organe und finden sich angedeutet schon bei den Blindwühlern und Reptilien. Die physiol. Bedeutung ist wahrscheinlich die, die Nahrung in der Mundhöhle unter bessere Kontrolle zu bringen. - Über das Geruchsorgan des Menschen s. Nase. [* 14]
Litteratur. Scarpa, Anatomicae disquisitiones de auditu et olfactu (Pavia 1789);
Rosenthal, Dissertatio de organo olfactus quorundam animalium (Jena [* 15] 1802);
Blumenbach, Prolusio de sinibus frontalibus (Gött. 1779): Gradiolet, Recherches sur l'organe de Jacobson (Par. 1845);
Kölliker, Über die Jacobsonschen Organe des Menschen (Würzb. 1877);
Zuckerkandl, Normale und pathol.
Anatomie der Nasenhöhle (Wien [* 16] 1882).