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Das Bruderholz als Basels südlichstes Wohnviertel zeichnet sich durch eine attraktive Hang- und Hügellage aus. Die Hanglage trennt das Quartier von der Stadt ab. Das Bruderholz ist nach dem knapp 100 Meter hohen Hügelzug benannt, der sich vom Gundeldingerquartier mehrere Kilometer südwärts hinzieht und dabei auch das Birs- und das Leimental voneinander trennt. Der Hügelzug gehört landschaftlich zum Sundgauer Hügelland.
Bis um 1600 war das Bruderholz vorwiegend bewaldet. Im 16. Jh. und 17. Jh. wurde der Hügel teilweis gerodet und landwirtschaftlich nutzbar gemacht. Der fruchtbare Lössboden auf dem Hügelzug eignete sich gut für den Ackerbau. Die Hochebene wurde bis gegen 1920 landwirtschaftlich genutzt mitsamt dem Gebiet, auf dem das Quartier gebaut wurde. Die steilen Hangschultern blieben bewaldet, da die Bewirtschaftung schwierig und der Lössboden erosionsanfällig ist. Noch 1915 bot das Bruderholz das Bild einer Wiesen- und Ackerlandschaft.
Als Entwässerungsgraben des Bruderholzes dienten drei grosse Einschnitte, welche Richtung Gundeldingen zogen. Die markanteste Einkerbung war die Wolfsschlucht. Einst muss hier ein stark strömender Bach hinunter geflossen sein, denn die Schlucht diente als grösster Entwässerungsgraben für das Bruderholz. Wahrscheinlich versickerte das Gewässer auf Höhe des heutigen Gundeldingerfeldes.
Auf den Lösslehmäckern des Bruderholzes wurde bis 1800 viel Getreide angebaut. Die wichtigste Pflanze der Begleitflora war die Kamille, die zusammen mit dem Klatschmohn die Farbakzente setzte. Ab 1760 wurden an Stelle der Ackerbrachen vermehrt Kartoffeln angepflanzt. Damit wurde eine Begleitflora gefördert, die das Hacken besser ertrug. Diese neuen Arten waren jedoch eintöniger grün gefärbt. Unter den neuen Arten fanden sich der Vielsamige Gänsefuss und viele Knötericharten. Botanische Besonderheiten, nämlich niedrig wachsende Pflanzenarten, siedelten sich in den einjährigen Schlammfluren an.
Durch die Ackerbearbeitung mit dem Einbeetpflug entstanden Wölbäcker (gewölbte Ackerflächen), an deren Rändern sich im Sommer tiefe, vernässte Furchen bildeten. In diesen Gräben wuchsen Pflanzen mit unbekannten Namen wie Kleinling, Getreidemiere oder Mäuseschwanz. Güterzusammenlegungen, veränderte Bodenbearbeitungsmethoden und der Einsatz von Düngemitteln und Herbiziden liessen diese Lebensräume zum Verschwinden bringen. Heute sind solche Kleinlingsgemeinschaften nur noch selten zu beobachten. Zwischen 1900 und 1928 verschwanden auch die meisten Bauernhöfe, die sich auf dem Plateau angesiedelt hatten.
Die bauliche Entwicklung des Bruderholzes begann in den frühen Jahren des letzten Jahrhunderts. Basel plante nach dem Bau des Gundeldingerquartiers mit dem Bruderholzquartier eine selbstständige Stadteinheit, eingebettet in Naturelemente, selbstversorgend und ausgestattet mit modernster öffentlicher Erschliessung. Im Jahre 1900 entstand ein Strassenplan. 1904 wurden Bauvorschriften für das Bruderholzplateau erlassen und der in der Nähe des Margarethenparks gelegene Hangfuss entlang der Gundeldingerstrasse mit Wohnbauten erschlossen. 1915 erfolgte die Eröffnung der Strassenbahnlinie.
Den ersten baulichen Akzent setzte der 1926 fertiggestellte Wasserturm. Er wurde auf Grund der zunehmenden Besiedelung des Bruderholzes erbaut und dient noch heute der Wasserversorgung der Häuser, welche auf dieser Anhöhe liegen. Unweit des Wasserturms befindet sich der höchste Punkt des Bruderholzes, die sogenannte «Batterie». Sie wurde 1815 als Verteidigungsschanze gebaut und trägt noch heute diesen Namen.
Charakteristisch für das Bruderholz ist das verschlungene, kurvenreiche Strassennetz mit einer für städtische Verhältnisse lockeren Bebauungsstruktur. Diese steht im Kontrast zum symmetrischen Rastermuster des angrenzenden Gundeldingerquartiers. In den 1980er-Jahren setzt mit dem Trend zur baulichen Verdichtung eine Umgestaltung des Bruderholzes ein: Villen und Einfamilienhäuser mit ihren parkähnlichen Gärten und altem Baumbestand werden abgerissen, die Bäume gefällt, die Gärten mit Mehrfamilienhäusern ersetzt – mehr oder weniger zufällig und ohne Quartierplanung.
Kritik an dieser Entwicklung äusserte der Neutrale Quartierverein Bruderholz: Was einmal ein Stadtteil mit einer Wohnlandschaft aus der Zeit der Gartenstadtbewegung war, sei zur wahllos zusammengewürfelten Häuseransammlung geworden, in der jeder wirke, wie er gerade wolle und könne; beschränkt höchstens durch Grenzabstände, Traufhöhen und Ausnützungsziffern.
Nach wie vor land- und forstwirtschaftlich genutzt werden die auf der Hügelkuppe gelegenen südlichen Bereiche des Bruderholzes, zum Beispiel durch den Bauernhof Klosterfiechten. Das Bruderholzquartier ist heute jedoch ein ausgesprochenes Wohnquartier. Ruhe und viel Grün bewirken eine Wohnqualität, die in der Stadt Basel selten anzutreffen ist. Durch die Bebauungsweise erhält das Bruderholz auch als Erholungsraum, der von Basel aus in kurzer Zeit zu erreichen ist, eine wichtige Funktion für Stadtbewohner. Mit seinem ländlichen Charakter bietet es einen Kontrast zur städtischen Umgebung.
Im Quartier liegen auch zwei Familiengartenareale. Im Rahmen der Teilzonenplanrevision sollten Anteile dieses Areals sowie eine landwirtschaftlich genutzte Fläche von der Grün- in die Bauzone überführt werden, um eine Überbauung zu ermöglichen. Gegen die geplante Freigabe dieser zwei Grünzonen wurde 2006 das Referendum ergriffen und vom Stimmvolk angenommen. 2012 wurden Pläne der Christoph Merian Stiftung bekannt, die Familiengartenareale und angrenzende Landwirtschaftsflächen um den Hof Klosterfiechten zu überbauen. In der Abstimmung zur Zonenplanrevision 2014 wurde diese geplante Stadtrandentwicklung Ost vom Stimmvolk definitiv abgelehnt.
MJ