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Als Trainer hat man viel mit Athleten zu tun und deren Eltern. Eltern sind ein Segen in einem Leichtathletikverein.........wenn sie sich darauf beschränken die Kinder ins Training zu schicken. Das dem oft nicht so ist, habe ich des Öfteren erfahren müssen. Der Ehrgeiz der Kinder wird leider oft von den Eltern bei weitem übertroffen. Zum Glück gibt es auch "normale" Eltern, die sich darüber freuen, dass die Kinder gerne Sport machen. Janneke Hermanns war eine durchschnittliche Athletin, die sich aber leidenschaftlich dem Sport (Leichtathletik ) widmete. Auch ihr Vater hat gerne und viel trainiert. Er hatte sich dem Triathlon, dem Ironman, als sportliches Ziel gesetzt. Daher auch sein Spitzname im Familienkreis: Ironman Hermans. Radfahren für einen Holländer ist meistens kein Problem. Das Schwimmen schon eher. Papa Hermanns ausgesprochene Stärke war jedoch das Laufen. Er war ein ausgesprochen ausdauernder Läufer, nicht schnell, aber sehr ausdauernd. Wenn er mal anfing zu laufen mit seinen Varusknieen, im Volksmund O-Beine genannt, war er nicht mehr zu halten und von weitem schon durch seinen Laufstil als Ironman Hermanns indentifizierbar. Meistens lief er nach der Arbeit um etwa 19 Uhr los und war dann für mindestens zwei Stunden unterwegs. An einem schönen Donnerstagabend stand unsere Hauptperson in voller Montur, inklusive rotem Schweissband, gerade bereit sein Lauftraining zu starten als geklingelt wurde an der Haustür. Als er die Tür öffnete, war keiner da. Jedenfalls nicht unmittelbar vor der Tür. Wohl aber an der anderen Strassenseite wo drei etwa elfjährige Lausbuben grinsend zu ihm hinüberschauten. Es sah danach aus, dass Ironman Hermans das Opfer des klassischen Klingelstreichs geworden war. Dieser Streich, auch bekannt unter fantasievollen Namen wie Klingelmännchen, Klingelmäuschen, Blinde Mäuse, Klingelpost, Schellemännchen oder Schellkloppe wird meistens von männlichen Jugendlichen praktiziert, die dies, aus psychologischen Gründen, fast ausnahmslos in Dreiergruppen in Angriff nehmen. Dabei gilt es, eine, normalerweise willkürliche, Türklingel zu betätigen und sich dann aus dem Staub zu machen, bevor der Bewohner die Tür öffnet. Als ausgesprochene Mutprobe gilt es, "sich entdecken" zu lassen und sich dann erst davon zu machen. Schon im dunklen Mittelalter gab es Varianten dieses Streichs, sei es, dass man nach dem Klingeln oder anklopfen (Klingeln, sicherlich elektrische, gab es damals kaum) wartete, bis der der Bewohner die Tür öffnete, wonach man ihm den Kopf abhieb. Dieses sehr einseitige Vergnügen wurde dann aber aus irgendeinem Grund verboten. Das Klingeln ohne Absicht, jemand zu besuchen, blieb aber und aber wurde 1872 in England und Irland sogar per Gesetz, den "Town Police Clauses Act" , verboten. In Deutschland gilt dieser Streich als Ordnungswidrigkeit, ausser wenn die Polizei das macht.Davon hatten unsere Klingelstreicher im Falle von Ironman Hermanns allerdings keine Ahnung. Für sie war es eine angenehme, aus Langeweile oder sich gegenseitigem Herausfordern geborene, Abendbeschäftigung, die sich aber alsbald zum Albtraum entwickelte. Denn anstatt zu schimpfen und zu drohen, er würde ihre Eltern benachrichtigen, setzte sich Ironman in Bewegung und joggte ruhig, er musste ja noch aufwärmen, in Richtung des Dreigespanns, die darauf schleunigst davonrannten und um die nächste Strassenecke verschwanden. Soweit war für die drei alles planmässig. Was sich aber änderte, als sie zurückschauten und ihr Klingelopfer locker um die Strassenecke rennen sahen.........auf sie zu. Also mussten sie notgedrungen noch ein Stück weiter davonrennen. Leider, für sie, hatte Papa Hermanns keine feste Laufroute und an dem Tag hatte er sich kurzerhand dafür entschieden, den Fluchtweg der drei als ideale Trainingsrunde zu sehen und zu benutzen. So eine Trainingsrunde ohne festgelegtem Parcours und Tempo, nennt man in Fachkreisen "Fartlektraining", Fahrtspieltraining. Der Läufer nimmt die Route wie sie sich präsentiert und überwindet sogar kleinere und grössere Hindernisse, in diesem Fall mit drei unfreiwilligen Tempomachern, auch Pacemakers oder Hasen genannt in den obenerwähnten Fachkreisen. Sie rannten und rannten wie verrückt, aus der Strasse heraus, zwischen den Feldern in Richtung Nachbardorf, wo sie sich in Sicherheit hofften. Hermanns fand das Nachbardorf aber auch interessant und irgendwann ging dem ersten der drei Klingelmäuse die Puste völlig aus und er sank in sich zusammen in ängstlicher Erwartung des unermüdlichen Verfolgers. Der lief aber an ihm vorbei ohne ihn zu beachten, immer weiter hinter den verbleibenden zwei Tempomachern her. Auch der zweite erschöpft zusammengesunkene Tempomacher wurde komplett ignoriert. Als dann der Dritte und letzte Übeltäter etwa 5 Kilometer von ursprünglichen Tatort entfernt am Strassenrand in sich zusammensank, hielt Ironman Hermans bei ihm an, tippte ihn gezielt aber sanft auf die Stirn, sagte "Klingelmäuschen spiele ist lustig , nicht?" drehte sich weg und verfolgte seelenruhig sein "Fartlektraining", allerdings nunmehr ohne Tempomachern.
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