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Infrastrukturmassnahmen wie neue Velostreifen stellen deshalb keine "Fördermassnahme" für irgendetwas dar. Sie erfüllen nur (auf minimale Art) die Bedürfnisse eines Verkehrsmittels, für dessen Benutzung sich eine erhebliche Anzahl der Bernerinnen und Berner in Freiheit entschieden hat. Weil es schnell ist. Weil es praktisch ist. Weil es gut tut.
Die Bedürfnisse des Transportmittels Velo wurden jahrzehntelang ignoriert. In erschreckender Absenz rationaler Analysen zur Flächeneffizienz, Transportgeschwindigkeit, zur Gesundheitswirkung und zur Ökologie urbaner Verkehrsmittel wurde die „autogerechte Stadt“ gefordert und gebaut (funktioniert hat sie notabene nie).
Umso wichtiger ist es, die effektive Nachfrage nach Veloinfrastrukturen aufzuzeigen. Wir haben dies mit einer Stichprobenerhebung bei den neuen Velostreifen auf der Könizstrasse zwischen Loryplatz und Weissensteinstrasse getan. Und mit einem Modal-Split-Vergleich aller Verkehrsmittel ergänzt. Die Zahlen bestätigen: Das Velo deckt auf dieser Route einen grossen Teil der Mobilitätsnachfrage ab.
Modal Split (Fahrzeuge)
Die Zahlen beruhen auf einer Stichprobenerhebung am 23.05.2016. Dargestellt ist die Anzahl Fahrzeuge und die Fussgänger, welche die Strasse an dieser Stelle zwischen 17:00 und 18:00 in beide Richtungen benutzt haben.
Die Anzahl Velos liegt nur unwesentlich tiefer als jene der Autos. Nicht verwunderlich nimmt der ÖV in dieser Darstellung nur eine marginale Rolle ein, obwohl damit sehr viele Personen transportiert werden können. Von grossem Interesse bezüglich Effizienz der urbanen Verkehrsmittel ist deshalb auch die Anzahl transportierter Personen, dargestellt in nachfolgender Grafik.
Zur Berechnung der Personenanzahl wurde beim Autoverkehr die Anzahl Autos mit dem durchschnittlichen Besetzungsgrad für den Fahrtzweck "Pendeln" multipliziert, also mit 1.1. Für Zufussgehende und Velofahrende wurden die Werte nur geringfügig erhöht (Kinder im Veloanhänger und im Kinderwagen).
Die grösste Veränderung ergibt sich beim ÖV. Anhand von ein paar Stichproben im Bus zwischen den Haltestellen Loryplatz und Fischermätteli wurde ein durchschnittlicher Besetzungsgrad von 40 Personen pro Bus während der Abendspitzenstunde angenommen. Dieser Wert ist aber ungenauer als die Zählungen bei den anderen Verkehrsmitteln.
Bezüglich ÖV zeigt sich ein weiterer interessanter Aspekt der umgesetzten Massnahmen: Die nun realisierten beidseitigen Velostreifen (anstelle einer langen Parkplatzreihe) sorgen für einen flüssigeren Verkehrsablauf zwischen Velo und Bus, da letztere die Velos nun deutlich besser überholen können.
Nun, was für ein Fazit kann aus dieser kurzen Erhebung gezogen werden? Lokal erreicht der Veloverkehr bereits heute sehr gute Werte. Das Ziel, Bern zu einer Velostadt zu machen, ist also keineswegs aus der Luft gegriffen. Was es dafür aber braucht, sind gute Routen mit hervorragender Infrastruktur. Massnahmen wie auf der Könizstrasse machen dafür einen guten Anfang.
Velo-Rushhour auf der Könizstrasse, 23.05.216