Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03303.jsonl.gz/1536

Golf
Golf in der Schweiz
In der Schweiz ging der Anstoss zur Gründung von Golfvereinigungen - wie könnte es anders gewesen sein? - von Briten aus. Aber auch andere reiche Touristen forderten die Schaffung von Golfplätzen. Die Hoteliers der grossen Häuser gehorchten. In der Festschrift zum 100jährigen Bestehen der Association Suisse de Golf (ASG) werden als erste Clubs genannt: St. Moritz (1891), Samedan (1893), Maloja (1897), Montreux (1900) und Luzern (1902). Die Statistik nennt für das Jahr 1914 22 Millionen Logiernächte von Golfspielern aus England, den USA, Deutschland, Frankreich und Russland. Die ASG wurde 1902 gegründet.
Golf gehörte auch in der Schweiz den Reichen. Man darf dabei nicht ausser Acht lassen: Nicht nur Golf war früher den Eliten vorbehalten, sondern auch Tennis, Reiten, Rudern, Radrennen, lange Zeit auch Handball, Fussball, Skifahren, Curling u.a. Die schweizerische Arbeiterschaft war während Jahrzehnten genötigt, eigene Sportvereine zu unterhalten und entsprechende Verbände zu gründen (Stichwort dazu: Satus-Bewegung). Zwar setzte sich bereits Baron Pierre de Coubertin, Gründer des internationalen Sportes durch die Wiederbelebung der Olympischen Spiele, 1900 für eine Popularisierung des Golfsportes ein, „dieser interessante, gesunde Sport sollte allen Gesellschaftsschichten zugänglich sein“. Das war zu seiner Zeit nicht mehr als ein frommer Wunsch.
Selbstredend waren die führenden Männer im Golfsport Offiziere der Schweizer Armee. Sie wurden zu Beginn des Ersten Weltkrieges zu den Fahnen gerufen und unterbrachen die Golftätigkeiten. 1920 wurde die ASG wiederbelebt. 1921 gab es in der Schweiz 21 Parcours. Erneut ruhten die Golfaktivitäten wegen des Zweiten Weltkrieges. Immerhin zählte man 1946 in 21 Clubs offiziell 849 Golfer. 1968 waren es 29 Golfplätze und um die 4'000 lizenzierte Spieler. Die Zahl der Plätze war 1984 dieselbe, doch wies die ASG bereits einen Bestand von 11'100 Golfern aus. In ihrer Festschrift erklärt die ASG, in den 90er Jahren habe sich der Golf begonnen „zu demokratisieren“. Als Zeugnis werden ehemalige populäre Sportgrössen genannt, die sich dem Golfspiel verschrieben haben, darunter Namen wie Bernhard Russi, Pirmin Zurbriggen, Maria Walliser, Ferdy Kübler, Jakob Hlasek. Dies habe bewirkt, stellt der Berichterstattet in der Festschrift der ASG fest, dass gelegentlich die Schweizer Presse über Golfaktivitäten in der Schweiz berichte. Doch dauerte es bis zum 7. Mai 1998, dass sich der Dachverband endlich durchrang, mit der Association Suisse des Golfeurs Indépendants (ASGI) nach dem Vorbild der deutschen Vereinigung clubfreier Golfer eine Organisation zugunsten schweizerischer, unabhängiger Golfspieler anzuerkennen und ihr Patronat zu übernehmen. Die ASGI rechtfertigte seither ihre Existenz durchaus, hat eine stürmische Entwicklung durchgemacht und zählte Ende 2004 mehr als 11'000 Mitglieder. Gegen 45'000 Golfer und Golferinnen sind Mitglieder in einem der 85 ASG-Golfclubs. Etwa 30'000 Schweizer und Schweizerinnen sind weder Mitglied eines ASG-Clubs noch der ASGI und huldigen als völlig ungebundene Golfer diesem immer beliebteren Spiel.
Dennoch hat der schweizerische Golfsport sich, nicht zuletzt wegen einer an Sturheit grenzenden Beharrlichkeit der Verantwortlichen der ASG sein Image als „Sport der Reichen, der alten Herren und der Snobs“ bewahrt. Es wäre wohl an der Zeit, die Augen zu öffnen und den Realitäten eines „Volkssportes Golf“ Rechnung zu tragen. Erhalten wir jedoch die Hoffnung aufrecht, dass auch in der Schweiz das Modell des „Pay and play“ gefördert wird und unnötige Monopole fallen.