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Genf, 23. April 2006

Lieber Reinhard,
herzlichen Dank für Deine Rückmeldung. Du schreibst, dass meine Mail an Dale zu lange ist weil man insbesondere am Bildschirm dazu neigt, nicht alles zu lesen. Dennoch sollte ich sie belassen weil es "zeigt, dass man sich mit der Thematik schon lange und fundiert beschäftigt".
Ich frage mich jedoch, was man in zehn Jahren erreicht hat. Die Umwelt ist zwar Dauerthema aber alles wächst dauernd: die Produktion und der Verbrauch von Gütern, die Erschöpfung der Rohstoffe, die Zersörung der Natur, die Umweltverschmutzung inklusive Kohlenstoffausstösse samt Klimawandel.
Nur die Meinungsführer und -innen sind nicht weiser geworden. Es wird eifrig nach "Lösungen" gesucht aber nichts wird grundsäzlich hinterfragt.
So zum Beispiel bei China:
Im Radio hörte ich von den ernsten Trockenheitsproblemen im Norden von China und dessen Pläne, diese mit Wasserzufuhr aus dem nässeren Süden zu bekämpfen.
Erstens jedoch wird dieses Wasser dann im Süden fehlen.
Zweitens wird es viel zu lange dauern bis die "Lösung" zu Stande kommt - Jahrzehnte.
Drittens braucht es enormen Aufwand, sprich Grundstoffe, um die Bauwerke zu erstellen.
Viertens kommt es den Verantwortlichen nicht in den Sinn, dass die vorgeschlagene "Lösung" die Umweltprobleme erst noch verschärfen wird.
Und fünftens vergisst man, dass man Probleme zu allererst an deren Ursprung anpacken sollte, vorbeugen statt heilen. Aber das würde bedeuten, das Wachstum zu stoppen. Und Wachstum ist den Ökonomen ein heiliges Gut.
Herzliche Grüsse ... Helmut