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Koenigsberg in Ost Preußen den
10 Januar 1872.
An
den Präsident der Direction
der St Gotthardt Eisenbahn Gesell
schaft Herrn Dr Alfred Escher
Hochwolgeboren
Zürich.
Hochgeachteter Herr.
Eine Mittheilung des Herrn Admiral Karrer in Sumiswald bei Bern veranlaßt mich, mich an Sie, hochgeehrter Herr, mit der ganz ergebenen Anfrage zu wenden, ob die Engagirung eines ersten Technikers für das St Gotthardt Eisenbahn Unternehmens noch eine offene Frage ist, und wenn dieß der Fall ist, welche Forderungen an diesen gestellt und welche Befugnisse demselben eingeräumt werden. Den Mittheilungen, welche ich Herrn Karrer über meine Eisenbahn Bau und Betriebsprojes gemacht habe, und welche nach seiner Antwort in Ihren Händen sich befinden werden, | will ich noch hinzufügen, daß ich dem Eisenbahn Bau und Betriebe viele Jahre meiner amtlichen Thätigkeit zugewendet, mich auch durch Reisen in Deutschland, Belgien, Frankreich, Italien, Schweiz, England Norwegen und Schweden wie dem Stande der Eisenbahn Unternehmungen gut unterrichtet erhalten habe. Seit 1864 bin ich technisches Mitglied der hiesigen königlichen Regierung und hatte speciell die Wasser Bausachen und insbesondere die Hafenbauangelegenheiten von Pillau Königsberg und Memel zu bearbeiten und die Ausführungen zu controlliren. Während des Krieges fungirte ich ¾ Jahre lang als technisches Mitglied des Kaiserlichen Civil Commissariats im Elsaß.
Bewußt, meine Pflichten als Beamter stets erfüllt zu haben, habe ich jedoch | in meinen Verhältnissen den Gehorsam nicht so weit aus dehnen können, daß ich bezüglich meiner Ansichten über technische Dinge mich dem Willen des OberLandesbau Directors Hagen ohne Weiteres unterordnete.
Die Folgen der Vertheidigung desselben sind leider die gewesen, daß der Herr Minister die Controle der Hafenbauten von Pillau, Königsberg und Memel nach meiner Rükkehr aus dem Elsaß mir entzogen hat. Ich unterlasse es, mich weiter über die Sache auszusprechen, glaube aber, daß jeder Unbefangen darüber Unterrichtete mir das Zeugniß geben wird, daß in der Sache mir Unrecht geschehen ist.
Ich befinde mich nun zwar im Übrigen in meinen weltlichen Verhältnissen wohl, dürfte auch bei ruhiger Überlegung noch nicht veranlaßt seyn, den Entschluß zu fassen, meine auf 42jährige Dienstzeit basirten Ansprüche an den Staat aufzugeben, unter | gewissen Verhältnissen könnte ich indessen doch dazu gelangen.
Wenn ich mich daher mit der obigen Bitte an Sie, hochgeehrter Herr, wende, so geschieht dieß einerseits in der Absicht, eine Gelegenheit zu einer Aenderung meiner Verhältnisse nicht ungenutzt vorübergehen zu lassen, andererseits aber auch in dem Wunsche, auch meinerseits an dem großen internationalen Unternehmen mit zu wirken.
Sie wollen meine Bitte nicht ungütig aufnehmen.
Mit vorzüglichster Hochachtung empfehle ich mich Ihnen, hochgeehrter Herr, auf das Ergebenste
Oppermann
Geheimer Regierungs und Baurath.