Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03330.jsonl.gz/1283

Vor dem vierjährigen Amtsjubiläum von Benedikts Nachfolger Franziskus am Montag sagte AIF-Präsident René Brülhart in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP, als er im Herbst 2012 unter Benedikt XVI. anfing, sei es zunächst darum gegangen, "die Herausforderungen zu verstehen".
Der schweizerische Finanzaufseher befasste sich sodann - damals noch als AIF-Direktor - mit der Ausarbeitung eines neuen, an internationalen Normen orientierten Gesetzes gegen Geldwäsche.
Die Vatikanbank steht seit langem wegen ihrer Intransparenz und wegen zahlreicher Skandale in der Kritik. Ihr wird vorgeworfen, in der Vergangenheit unter anderem Geld der italienischen Mafia gewaschen zu haben.
AIF-DIREKTIONSRAT AUSGESCHALTET
Den Gesetzentwurf legte Brülhart Papst Franziskus im Jahr 2013 vor. "Mir kamen viele offene Türen im Vatikan zugute", sagte Brülhart, der als erster Laie der Finanzbehörde vorsteht. Nicht alle könnten zufrieden gestellt werden, er diene "in erster Linie der Einrichtung des Heiligen Stuhls".
Zur alten Garde, die ihm Steine in den Weg legte, äusserte sich Brülhart nicht. Franziskus hatte im Juni 2014 beschlossen, den aus fünf Italienern bestehenden AIF-Direktionsrat komplett auszuschalten. Im Herbst desselben Jahres ernannte er den Schweizer zum Präsidenten der Einrichtung.
Während die Finanzaufsicht zwischen 2011 und 2012 Hinweise auf sieben möglicherweise illegale Geldtransaktionen erhielt, waren es in den drei folgenden Jahren rund 900. Nicht umsonst wird der 1972 geborene, jung-dynamisch wirkende Brülhart bisweilen als "James Bond der Finanzbranche" bezeichnet.
Vor seinem Einsatz im Vatikan hatte er Vermögenswerte des irakischen Diktators Saddam Hussein im Ausland beschlagnahmen lassen. Später leitete er die Anti-Geldwäsche-Behörde des Fürstentums Liechtenstein.
KRIMINELLE KONTEN
Brülharts Aufräumarbeiten im Kirchenstaat waren Ende 2015 abgeschlossen, als seine Behörde zur Kontrolle aller Finanztransaktionen des Instituts für religiöse Werke (IOR), wie die Vatikanbank offiziell heisst, etwa 5000 Konten schliessen liess.
"Nicht alle Konten waren illegal oder mit kriminellen Aktivitäten verbunden", sagte Brülhart. Einige Kontoinhaber hätten aber "nicht mehr der vom IOR gewollten Kundschaft" entsprochen.
Auf die Frage, ob heute noch schmutziges Geld im Vatikan gewaschen werden könne, antwortete Brülhart: "Ich würde es nicht empfehlen." Er fügte hinzu: "Wäre unsere Arbeit nicht seriös, hätten weder die Banca d'Italia noch die Aufsichtsgremien in den USA oder Deutschland Abkommen zur Zusammenarbeit mit uns geschlossen."
cf/
(AWP)