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7 Gründe, um Barcelona mehr als nur einmal zu besuchen
Aktualisiert: 16. Juli
(1) Eine Kirche, welche die Seele der Stadt aufbewahrt
Die Kathedrale Santa Maria del Mar ist eine gotische Kirche im Viertel La Ribera, dem ältesten Teil Barcelonas. Sie wurde im 14. Jahrhundert erbaut, dank dem großen Einsatz der Fischer, Matrosen und Tagelöhner des Stadtviertels rund um den alten Hafen Barcelonas. Mit ihrer Namensgebung ehrt die Kirche das Meer, das für diese Menschen das tägliche Brot bedeutete (Unser tägliches Brot gib uns heute!) und der mittelalterlichen Stadt Ruhm und Reichtum bescherte. Die Kathedrale sollte man morgens besichtigen, wenn sie lichtdurchflutet ist. Und am besten, nachdem man einen ihr gewidmeten Roman gelesen hat.
Ildefonso Falcones Buch "Die Kathedrale des Meeres" beschreibt das Leben im mittelalterlichen Katalonien und die Lebensgeschichte des jungen Sklaven Arnau, auf seinem Weg vom mittellosen Steinträger zu einem der angesehensten Bürger der Stadt. Er ist Teil eines großen Plans: der Errichtung einer Kathedrale, die den Himmel stürmen soll. Das historische Buch endet im Jahre 1384, dem Jahr ihrer Kirchweihe. Auf den Türen des Hauptportals der Kathedrale ist eine schöne Figur eines Lastenträgers dargestellt. Eine Hommage an die Hunderten von Mittellosen der Stadt, welche die Steine für ihren Bau heranschafften. Somit auch für Arnau.
Figur eines Lastenträgers von La Ribera
Barcelona wurde durch den Handel berühmt und reich. Peter IV. von Aragon ließ im Jahr 1380 ein Gebäude für die Händler errichten. Man sollte unbedingt den durch den Architekten Pere Arie fertiggestellten gotischen Saal besichtigen, um die Atmosphäre der florierenden Stadt zu spüren. So groß ist der Raum, dass im Jahre 1708 in Barcelona hier die erste Oper aufgeführt wurde: La Serenata von Antonio Caldera.
(2) Dem jungen Picasso im Schulkorridor begegnen
Im selben Komplex befindet sich auch Barcelonas alte Kunstakademie: La Reial Acadèmia. 1895 schaffte der 14-jährige Picasso hier die Aufnahmeprüfung, mühelos in nur einem Tag. Das Gebäude wird von Touristen kaum beachtet. Zu Unrecht. Es ist wunderbar, einige Momente in den Sälen und Korridoren zu verweilen, wo sich der junge Künstler in der klassischen Bildsprache ausbilden liess. Auch Jean Miró war hier ein Schüler.
Picasso, 1895
Ein Korridor in der Kunstakademie
Nach der Akademie La Reial bietet sich ein Besuch im Picasso-Museum an. Dort sind die frühen akademischen Werke Picassos ausgestellt. Unterwegs zum Museum streift man die Carrer de la Plata, eine kleine Strasse, wo Picasso Picasso sein erstes Atelier hatte. Hier malte er eine seiner bekannten Stadt-Veduten, "Die Dächer und Santa Marta" (1900). Neben den Bildern aus der Barcelona-Periode sind im Museum auch die Werke der Blauen Periode ausgestellt.
(3) Einen Katzensprung in Barcelonas Fin de siècle machen
Die Serviertöchter des Café Els Quatre Gats (Die vier Katzen) sind morgens ziemlich laut, zumindest, bis der Klatsch vom Vortag ausgetauscht worden ist. Der Kaffee ist aber hervorragend.
Der wahre Grund für einen Besuch ist allerdings ein kunsthistorischer: Um die Jahrhundertwende eröffnete hier eine Einrichtung – zugleich Hostel, Bar und Kabarett –, die schnell zu einem Treffpunkt der Künstler der Moderne wurde: Pablo Picasso, Ramon Casas, Pere Romeu, Santiago Rusiñol und Antoni Gaudi verkehrten hier. Die „Modernisme Català“, die katalanische Moderne, manifestierte sich in der bildenden Kunst, Literatur, Musik und vornehmlich in der Architektur. Von Antoni Gaudi sind in Barcelona etliche berühmte Bauten zu besichtigen, unter anderem La Pedrera, Park Güell, die Casa Batlló, Casa Milà sowie die noch unvollendete Kirche Sagrada Familia. Den meisten Besuchern Barcelonas weniger bekannt ist jedoch der zweite grosse Architekt des Modernisme, Lluis Domènech i Montaner. Den besuchen wir in einem Spital.
Werbung für die Eröffnung des Quatre Gats. Die Plakate sind von Picasso.
Maler Ramon Casas and Pere Romeu auf einem Tandem
(4) Für einmal gerne ins Spital gehen
Das architektonische Juwel von Lluis Domènech i Montaner ist das Spital de la Santa Creu i Sant Pau. Das mittelalterliche Krankenhaus des Heiligen Kreuzes war zur Jahrhundertwende zu klein geworden um weiterhin der Stadt zu dienen. Die Spende des Geschäftsmanns Pau Gil schuf die Möglichkeit, eine große und moderne Krankenhauseinrichtung im Eixample, einem Vorort von Barcelona, zu bauen.
Spital de la Santa Creu i Sant Pau: Haupteingang
und ein Flügel des Spitals:
Der Architekt schuf hierfür ein neues Gewand im katalanischen Jugendstil, dem Modernisme. Die revolutionäre Idee war, ein Spital zu bauen, wo sich die Patienten wohl fühlen. Die Ausrichtung der Gebäude zur Nord-Süd-Achse des Geländes ermöglicht die maximale
Sonneneinstrahlung auf die Fassaden der Pavillons. Es präsentiert sich ein farbenfroher Komplex, der überhaupt nicht an ein Spital denken lässt, umsäumt von zahlreichen Parks und Gärten voller medizinischer Heilpflanzen, wie Lorbeer, Rosmarin und Lavendel, und im Sommer schattenspendender Kastanien-, Linden- und Orangenbäume. Auch die Innenräume des Spitals projizieren eine optimistische, krankheitslindernde Welt.
ein Korridor und ein Patientenzimmer des Spitals
(5) Tee trinken und hinter den Fassaden schauen
Wie in anderen europäischen Zentren des Jugendstils entwickelte sich Modernisme in Barcelona zum Symbol der wirtschaftlichen Macht eines aufstrebenden Bürgertums. Deswegen überrascht es nicht, hier viele wunderbare Residenzen zu finden. Ein sehr schönes Beispiel ist Casa Fuster, das Domench i Montaner für den berühmten Jurist Marià Fuster zwischen 1908 und 1910 baute.
Heute ist es hier ein elegantes Hotel
beherbergt. Empfehlug: geniessen Sie
einen 5 o'clock Tee in der Bar des Hotels.
Sie können vielleicht ein Buch des katalanischen Schriftstellers
Salvador Espriu mit sich nehmen.
Er auch lebte in diesem historischen
Gebäude am Kopf des Passeig de Gràcia.
Casa Fuster
Entlang dieser eleganten Einkaufsstrasse findet man weitere Meisterwerke von Montaner und Gaudi. Es lohnt sich vor allem, das Casa Battló auch von innen zu besichtigen, um eine wunderbare Welt der modernistischen Formgebung und Gestaltung zu entdecken. Hier umgab sich Gaudi mit den besten Handwerkern seiner Zeit und arbeitete unter anderem mit Schmiedeeisen, Holz, Glasscheiben, Keramikfliesen, Ornamenten aus Stein. An jeder Ecke des Hauses gehen Schönheit und Funktionalität Hand in Hand.
Interieur und Innenhof des Casa Battló
(6) Musik mit den Augen erleben
Das gutsituierte Bürgertum des katalanischen Fin de siécles war der Auftraggeber nicht nur für die weltoffene, innovative Privatresidenzen sonder auch für die moderne Architekturen des öffentlichen Lebens. Durch die Spenden wohlhabender Kaufleute und Industrielle bekam Barcelona 1908 auch ein imposantes Konzerthaus. Wie das Spital de la Santa Creu i San Pau gebaut ist es vom Architekten Domenich i Montaner. Dessen Grosser Konzertsaal ist eines der markantesten der Welt und begeistert nicht nur akustisch sondern auch visuell. Hier lauschen die Augen mit. Während unserer Katalonien Reise steht Giacomo Puccinis Oper Madame Butterfly auf dem Programm des Konzerthauses.
Grosser Konzertsaal im Palau de la Música Catalana
7) Tapas "non plus ultra" geniessen. Oder lieber auf Galizisch bestellen?
Barcelona ist bekanntlich eine gastronomische Hochburg. Das ganze Spanien lässt sich hier kulinarisch bereisen. Wenn man dafür weniger Zeit hat, bestellt man am besten Tapas aus verschiedenen Regionen. Eine tolle Adresse ist El Nacional, eine elegante Markthalle mit einer bunten pflanzlichen Welt.
Die erste Adresse für diejenigen, die etwas mehr ausgeben möchten und Fisch mögen, ist das Botafumeiro (Carrer Gran de Gràcia, 81). Hier sollte man sich Zeit nehmen und noch nicht an den nächsten Tag und die nächsten Highlights von Barcelona denken.
benvinguts a Barcelona - herzlich willkommen in Barcelona
11. – 17. November 2023