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Ob der Entrepreneur Robert Louis-Dreyfus (1946–2009) seinem Sportsfreund Uli Hoeness nun 5 Millionen Franken Klimpergeld zusteckte oder gar für 15 Millionen bürgte? Für den Schweizer Milliardär mit französischen Wurzeln waren beide Beträge Kleingeld – aber ganz sicher eine nützliche Investition. Zur Jahrtausendwende nämlich, als Louis-Dreyfus Hoeness unterstützt haben soll, hatte dieser schon ein engmaschiges Netzwerk mit einflussreichen Sportwerbetreibenden und spendablen Konzernen geknüpft.
Horst Dasslers Dossiers. Seit zwei Dekaden tüftelte Uli Hoeness an ganz grossen Deals. Mit den Basler Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron baute er in München ein neues Stadion, die Allianz Arena. Am Ende kostete der Fussballtempel 365 Millionen Euro. Audi verdrängte den langjährigen Hauptsponsor Opel. Die Deutsche Telekom buhlte um Werbeflächen auf den Leibchen der Kicker. Aktuell soll die Telekom 25 Millionen Euro für Trikotwerbung zahlen.
Hoeness-Freund Robert Louis-Dreyfus wiederum war als Spross einer französischen Händlerdynastie quasi mit einem goldenen Löffel im Mund aufgewachsen. Monsieur Robert wählte nach seinem Abschluss an der Harvard Business School dennoch den mühsameren Weg ausserhalb der Familienfirma, die mit Getreide, Obst und Gemüse längst schon in der Champions League der Agrarmultis agierte. In London sanierte er die Werbeagentur Saatchi & Saatchi.
Die Beziehung zu Louis-Dreyfus pflegte Hoeness weitsichtig, nachdem der Franzose 1994 als Sanierer beim Sportartikelriesen Adidas angetreten war. Adidas staffiert traditionell schon seit dem WM-Sieg 1954 im Berner Wankdorfstadion die deutsche Nationalmannschaft aus und versorgt auch Bayern München mit Trikots und Schuhwerk. Louis-Dreyfus kannte sämtliche Vertragswerke. In seinem Chefzimmer im fränkischen Herzogenaurach konnte er auch auf die Hinterlassenschaft seines Vorgängers Horst Dassler (1936–1987) mit über hundert Dossiers über aufstrebende, aber auch längst etablierte Funktionäre zurückgreifen. Die Sammlung war von dem früh verstorbenen Dassler angelegt worden, einem beinahe allmächtigen Strippenzieher des Weltsports.
Rekordtransfers. Im Fussballgeschäft bezeichnete sich Louis-Dreyfus einsichtig als «irrational». Als Geldgeber bei Olympique Marseille (OM) schrieb der Mehrheitseigentümer in anderthalb Jahrzehnten bis zu seinem Tod mehr als 200 Millionen Euro ab – und verhedderte sich im Netz der Justiz. «Wegen illegaler Transfergeschäfte» bei seinem Club in der Hafenstadt kassierte Louis-Dreyfus vom französischen Obergericht zehn Monate Gefängnis bedingt und 200 000 Euro Geldbusse.
Einen der teuersten Spielertransfers wickelte Louis-Dreyfus mit seinem Freund Hoeness ab. Angeblich gegen 25 Millionen Euro flossen 2007 aus der Vereinskasse des FC Bayern München nach Marseille als sogenannte Ablöse für den französischen Nationalspieler Franck Ribéry (30) und sorgten so bei OM temporär für eine Verlustminderung. Mit einer Rekordablöse hatte vor fast drei Jahrzehnten schon der damalige Jungmanager Hoeness geglänzt. Als der heutige FC-Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge 1984 zu Inter Mailand wechselte, notierten Chronisten die damals «weltweit zweithöchste Ablösesumme»: knapp elf Millionen D-Mark.
Wie sich die Zeiten geändert haben: Diese Beträge reichen längst nicht mehr für die Jahressaläre der prominenten Bayern-Kicker. Und Rummenigge, der seine Spielerkarriere 1989 bei Servette Genf beendete? Auch er liefert sich gerade Scharmützel mit Steuervögten. Als er im Februar aus Katar heimkehrte und am Flughafen den grünen Ausgang wählte, grätschte ein Zöllner, filzte das Gepäck und fand zwei wertvolle Uhren. «Geschenke», meinte Rummenigge.
Das kann teuer werden. Ex-Nationalkeeper Oliver Kahn hatte auf der Heimreise aus Dubai Einkäufe nicht verzollt. Dies kostete ihn eine Busse von 125 000 Euro.