Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03151.jsonl.gz/1952

Projektziele
Mit der Aufweitung Maienfeld / Bad Ragaz können die ökologischen und wasserbaulichen Defizite in diesem Abschnitt behoben werden. Die Massnahme wurde für die Umsetzung in die höchste Priorität eingestuft. Bereits in den 90er Jahren gab es erste Ideen einer Aufweitung auf dem Gemeindegebiet von Maienfeld / Bad Ragaz.
Projektbeschreibung
Es ist vorgesehen, den Rhein in den Gemeinden Maienfeld und Bad Ragaz unterhalb der Tardisbrücke auf einer Länge von drei Kilometern wechselseitig aufzuweiten. Die künftige Gerinnebreite des Rheins soll von heute 85 Metern im Durchschnitt auf rund 170 Metern verdoppelt werden. Der Projektperimeter umfasst insgesamt eine Fläche von insgesamt rund 71 ha und ist im Mittel 248 m breit.
Damit werden nahezu die gleichen Abmessungen wie in den Mastrilser Rheinauen erreicht. Der grosse Flussraum entsteht, weil zwischen km 24 und 24.9 der rechtsufrige Damm um bis zu 80 m in Richtung Nationalstrasse verlegt wird. Auf der anschliessenden Strecke wird die Verlegung bis ca. km 27 mit einer kurzen Überlappungsstrecke auf der linken Seite um bis zu 180 m in Richtung Kantonsstrasse Bad Ragaz – Mastrils umfassen.
Mit der Aufweitung sollen unter anderem die folgenden Projektziele aus dem Entwicklungskonzept
umgesetzt werden:
- Verhinderung von weiteren Rheinsohleneintiefungen und somit Gewährleistung der Hochwassersicherheit
- Keine Grundwasserabsenkungen im Projektperimeter
- Erhöhung der morphologischen Vielfalt und Schaffung von Laichplätzen und Habitaten
für Fische und Amphibien
- Aufwertung des Naherholungsgebiets in der Tourismusregion
Es gibt zahlreiche Randbedingungen, welche den Projektperimeter eingrenzen. Dazu gehören Starkstromleitungen
sowie bestehende und neue Grundwasserschutzzonen, Grundwasserspiegel (generell), der Unterwasserkanal Sarelli sowie landwirtschaftliche Nutzgebiete (Fruchtfolgeflächen).
Das Projekt setzt auf offene Kommunikation. Im Jahr 2013 wurde die Bevölkerung über das Entwicklungskonzept
Alpenrhein und die mögliche Rheinaufweitung in Maienfeld / Bad Ragaz umfassend informiert. Im Dezember 2017 und Juni 2018 fanden weitere Informationsanlässe für die Bevölkerung statt.
Im Mai 2020, respektive Oktober 2020 war ein Informationsanlass für die Bevölkerung geplant, dieser konnte coronabedingt nicht durchgeführt werden.
Übersichtsplan
Erhalten Sie einen Überblick über die Projektstrecke und die Entwicklungsziele des Hochwasserschutzprojekts
Rheinaufweitung Maienfeld / Bad Ragaz.
Projektdokumentation
Die Internationale Regierungskommission Alpenrhein (IRKA) besteht aus den Anrainerstaaten Kanton GR, Fürstentum Liechtenstein, Bundesland Vorarlberg und dem Kanton SG. Die Internationale Rheinregulierung (IRR) ist ebenfalls Mitglied der IRKA.
Ziel der IRKA ist es, wasserwirtschaftliche Fragestellung, Anliegen und Projekte und Anliegen entlang dem Alpenrhein gesamtheitlich und übergeordnet zu lösen. Die IRKA hat in den Jahren 1995 bis 2005 das Entwicklungskonzept Alpenrhein (EKA) erarbeitet. Das EKA dient als Leitbild für die heutigen und kommenden Generationen am Alpenrhein.
rheingeschichte
Erste Aufzeichnungen von Überschwemmungen des Rheins liegen aus dem Jahr 1206 vor. Die Schleppkraft des Rheins war ungenügend und er vermochte sein Geschiebe nicht in den Bodensee zu transportieren. Im 15. Jahrhundert beschränkte sich die Staatsgewalt auf die Organisation der Wuhrtätigkeit und die Entscheidung von Streitigkeiten über die Wuhrpflicht. Im 18 Jahrhundert ereigneten sich 17 Hochwasserkatastrophen.
An der Fassade des Gemeindeamtes Mäder (Vorarlberg) gibt es ein Wandbild mit der Inschrift „Rheinnot 1762-1890“. 1860 kam es am St. Galler Ufer zu einer ganzen Reihe von Dammbrüchen und bei Bad Ragaz zu einer gewaltigen Überschwemmungskatastrophe. Eine der schlimmsten Überschwemmungen ereignete sich am 28. September 1868, als fast das gesamte Rheintal von Sevelen bis zum Bodensee unter Wasser stand. Der Damm brach an drei Stellen. 40 Menschen kamen in den Fluten um.
In einem Bett von 200 bis 300 Metern Breite, beidseits begleitete von Binnengewässer und Binnendämmen mit 500 bis 1000 Meter Abstand, schlängelte sich damals der Alpenrhein durch das Rheintal in Richtung Bodensee. Er lagerte mitgeführtes Geschiebe ab und trat im Schnitt alle drei Jahre über die Ufer.
Dämme 1890 nochmals erhöht
1861 bis 1881 erstellte der Kanton St. Gallen, unterstützt von der Eidgenossenschaft, dem Fürstentum Liechtenstein und dem Kaiserreich Österreich, zwischen Landquart und Au ein regelmässiges Flussbett. Weil das Abflussvermögen des Rheins immer noch ungenügend war, wurden die Dämme bis 1890 erhöht. Unterhalb von Landquart mündeten mehr als 30 Bäche in den Alpenrhein. Bei Hochwasser wurden diese zurückgestaut und verursachten Überschwemmungen. Deshalb wurden viele Seitenbäche zusammengefasst und in Binnenkanälen (z.B. Werdenberger Binnenkanal etc.) abgeleitet.
Entwicklungskonzept Alpenrhein (EKA) 2005
Mit der Korrektion des Rheins und dem Bau der Binnengewässersysteme wurde viele Flächen für die Siedlungsentwicklung und Kulturland gewonnen. Die Überschwemmungen konnte reduziert werden und der Wirtschaftsraum Rheintal konnte sich entwickeln. Die ökologische Vielfalt und die Funktion des Rheins ging dadurch verloren. Erst mit der Ausarbeitung des Entwicklungskonzeptes Alpenrhein (1995 bis 2005) wurde der Rhein ganzheitlich erfasst und betrachtet. Es wurden Lösungen erarbeitet, die eine langfristige und nachhaltige Entwicklung des Rheins zulassen sollen. Neben dem Grundwasser, Energienutzung, Gewässer- und Fischökologie wurden flussbauliche Massnahmen, z.B. Rheinaufweitungen, Vorrangflächen für die Entwicklungsmöglichkeit des Rheins etc., vorgeschlagen. Noch heute verfolgt die dafür zuständige Organisation „Internationale Regierungskommission Alpenrhein (IRKA)“ die Ziele des EKA, in den kommenden Generationen umzusetzen. Eine Massnahme des EKA ist die geplante Aufweitung Maienfeld / Bad Ragaz.
Mehr zur Geschichte der Rheinkorrektion finden Sie hier:
Quellenangaben:
- „Der Alpenrhein und seine Regulierung“, Internationale Rheinregulierung 1892 – 1929
heute: Rheinkorrektion und Binnenkanalgewässer (Werdenberger-, Rheintaler-, Liechsteiner-Binnenkanal)