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Die Westkarpaten zählen zu den wichtigsten metallogenetischen Zonen Mitteleuropas, die spätestens ab dem 5. vorchristlichen Jahrtausend ein bedeutender Rohstofflieferant hinsichtlich des Metallhandels gewesen sein müssen. Das Flusssystem der Gran (Hron) kann dabei als ideales Einfalltor aus dem Karpatenbecken zu den Lagerstätten der Westkarpaten gelten – dort liegen vier Teilreviere, die auch für eine urgeschichtliche Nutzung in Frage kommen, so die Niedere Tatra (Nízke Tartry), das Veporgebirge (Veporské Vrhy) sowie das Altgebirge (Starohorské Vrhy) mit den bekannten Bergorten Špania Dolina (Herrengrund) und Banská Bystrica (Neusohl) und den Kremnické Hory um Kremica (Kremitz). In letzterem Revier wurden in historischer Zeit vor allem Golderze gewonnen. Im Revier von Schemnitz, das als eines der größten der Slowakei gelten muss, dominieren neben Chalkopyriten vor allem Blei-Silber-Zinkerze, die im Mittelalter vor allem wegen ihrer Silberfülle ausgebeutet wurden.
Die Frage nach einer prähistorischen Nutzung ist aufgrund der reichhaltigen Metallfunde und Metallurgienachweise mehrfach gestellt worden, konnte aber wegen der komplexen, mehrphasigen Lagerstättengenese, auch im Vergleich mit den Lagerstätten Serbiens/Bulgariens sowie der Alpen, nur eingeschränkt beantwortet werden; neueste Untersuchungen zu äneolithischen und frühbronzezeitlichen Metallobjekten bestätigen aber die grundsätzliche Bedeutung seit dem 4. Jt. v. Chr. Wichtiger noch scheint die Bedeutung der Lagerstätten in der frühen Bronzezeit, als nicht nur nebenelementreiches Metall verarbeitet, sondern auch intentionelle Legierungen, vor allem mit Zinn, zunehmend das Bild der verwendeten Metalle bestimmen. Nach archäometallurgischen Untersuchungen dürfte die Ausweitung der geochemischen Signaturen in regionalen Metallbeständen auch mit einer verbreiterten Lagerstättenbasis zusammenhängen. Für die Frage einer prähistorischen Nutzung sind bis heute nur geringe Vorarbeiten geleistet worden, so in Špania Dolina, wo die auf den spätmittelalterlich-neuzeitlichen Halden verteilten Schlägel- und Keramikfunde eine kupfer- bis bronzezeitliche Nutzung nahe legen.
Dennoch mussten Fragen nach der Nutzung der Montanregion selbst sowie nach der Organisation der Ausbeutung der Lagerstätten sowie deren positive Identifizierung als Rohstofflieferant bisher offen bleiben. Auch die Handelswege zwischen der Montanregion und ihrem Umfeld sowie die Einbindung der bekannten Großsiedlungen in den Flusstälern und überhaupt die Struktur der kupfer- und bronzezeitlichen Siedlungsmuster sind größtenteils ungeklärt.
Von 2011-2018 ging das Deutsche Bergbau-Museum Bochum innerhalb eines Verbundprojekts, koordiniert von der Römisch-Germanischen Kommission, diesen offenen Fragestellungen nach.[1] So fanden metallurgische und archäologische Untersuchungen zur Metallverarbeitung der Siedlung Fidvar bei Vràble sowie auf ihre umgebende Mikroregion statt. Einen weiteren Schwerpunkt bildeten montanarchäologische Prospektionen sowie Ausgrabungen der potentiell bronzezeitlich genutzten Erzlagerstätten (Špania Dolina-Piesky, Poniky-Drienok, L’ubietova-Podlipa). Ergänzt wurden die Geländearbeiten durch Probennahmen an bronzezeitlichen Metallartefakten in verschiedenen Museen, die zukünftig die Grundlage für Provenienzstudien bilden.
Die vorliegende Publikation legt die Ergebnisse der montanarchäologischen Forschungen der Projektgruppe aus Bochum vor. Der Titel ist im Verlag Marie Leidorf erschienen und kann direkt über den Verlag oder über den Buchhandel bezogen werden.
Jennifer Garner und Thomas Stöllner (Hrsg.), 2022. Das Grantal und sein Umfeld (Slowakisches Erzgebirge). Nutzungsstrategien eines sekundären Wirtschaftsraums während der Bronzezeit. Der Anschnitt, Beiheft 47 ( = Veröffentlichungen aus dem Deutschen Bergbau-Museum Bochum, Nr. 248). Bochum und Rahden/Westf.: Marie Leidorf.
ISBN-Nr. 978-3-86757-041-1
[1] Das Verbund-Projekt bildet sich aus der Römisch-Germanischen Kommission (K. Rassmann), dem Archäologische Institut der Slowakischen Akademie der Wissenschaften, Nitra sowie die Comenius Universität, Bratislava (J. Batora, M. Cheben), dem Slowakisches Bergbaumuseum Banska Štiavnica (J. Labuda), der Ruhr-Universität Bochum (T. Stöllner), dem Geographisches Institut, Universität Heidelberg (B. Eitel, E. Nowaczinski) sowie dem Niedersächsisches Institut für historische Küstenforschung (F. Bittmann).