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Nick Kyrgios dürfte für seine verbalen Entgleisungen bei den US Open gesperrt werden – allerdings erst nach dem Laver Cup.
Sein Sündenregister ist lang und wird immer länger. Jüngst biss Nick Kyrgios in die Hand, die ihn füttert. Angesprochen auf eine 113'000-Dollar-Busse, sagte er: «Es kümmert mich nicht, die ATP ist ziemlich korrupt.» Kyrgios hatte Anfang August in Cincinnati den Schiedsrichter beleidigt, ihm den Handschlag verweigert und in dessen Richtung gespuckt. Zwar ruderte Kyrgios zurück, indem er sagte, er habe die falschen Worte gewählt, aber nur ein wenig: «Was ich sagen wollte, ist, dass die ATP einen Doppelstandard hat. Andere werden für die gleichen Vergehen nicht bestraft.»
Die ATP ermittelt wegen eines Verstosses gegen die Integrität des Spiels. Kyrgios droht eine Sperre. Wie lange diese ausfällt, wird indes wohl erst Ende des Monats entschieden, weil der Australier noch nicht angehört werden konnte. Das bedeutet, dass Kyrgios beim Laver Cup in Genf (20. bis 22. September) spielen wird. Die ATP richtete aus, der Anlass sei zwar Teil des Kalenders, technisch aber nicht Teil der Tour. Der Kontinentalwettbewerb falle deshalb nicht unter ihre Sanktionshoheit. Zudem werden die Grand-Slam-Turniere vom internationalen Tennisverband ITF ausgetragen und nicht von der ATP. Den Organisationen steht es offen, Strafen der jeweils anderen zu respektieren.
Der Laver Cup versteht sich als Fest der Generationen der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Nick Kyrgios nahm an den beiden ersten Ausgaben teil und sagte jüngst, der Laver Cup sei seine Lieblingswoche des Jahres. Dass einer, der demnächst gesperrt wird, bei seinem Turnier spielt, kann auch Roger Federer nicht gefallen. Er hatte den Australier immer wieder verteidigt, sagte in Wimbledon aber: «Er macht sich keinen Gefallen, wenn er alle gegen sich aufbringt. Nick bewegt sich auf dünnem Eis.» Federer wollte sich bei den US Open auf Nachfrage nicht zum Fall äussern.
Seine Meinung kundgetan hat indes Australiens Tennis-Ikone und der Namensgeber des Laver Cups: Rod Laver. «Nick hat leider nichts aus der Vergangenheit gelernt», sagte der 81-Jährige und sprach sich für eine Sperre aus. «Vielleicht ist das die einzige Antwort.» Für Nick Kyrgios wäre es nicht das erste Mal, dass er aus dem Verkehr gezogen wird. Vor drei Jahren war er zunächst für zwei Monate gesperrt worden, weil er bei einem Turnier in Schanghai den nötigen Einsatz hatte vermissen lassen. Die Sperre wurde später auf drei Wochen reduziert, weil Kyrgios sich bereit erklärt hatte, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Er verpasste kein Turnier.
Ein solches Szenario ist für den Laver Cup ausgeschlossen, weil die ATP erst später über eine Strafe befinden wird. Und so unterhaltend Kyrgios spielt, er wäre damit so etwas wie eine dunkle Wolke über dem Tennisfest. Vielleicht aber löst sich das Problem auch von selbst und Kyrgios spielt am Ende doch nicht in Genf. Bei den US Open gab er im Doppel Forfait und machte eine Verletzung am Ellbogen geltend.