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Nach seinem tödlichen Zug durch die Karibik hat der Monstersturm «Matthew» am Donnerstag Kurs auf die Ostküste Floridas genommen. Präsident Obama hat den Notstand im Bundesstaat ausgerufen. In der Nacht zum Freitag (Ortszeit) könnte der Hurrikan der zweitstärksten Kategorie 4 auf Land treffen.
Von Miami im Süden Floridas bis hinauf nach South Carolina wurden mehr als zwei Millionen Menschen aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen - die umfassendste Zwangsevakuierung seit dem schweren Sturm «Sandy» im US-Osten im Jahr 2012. Insgesamt wurde für ein Gebiet mit elf Millionen Menschen eine Hurrikanwarnung ausgegeben.
Experten nannten «Matthew» den möglicherweise gefährlichsten Sturm seit «Andrew», der Florida vor 24 Jahren traf. Er hatte damals schwere Verwüstungen angerichtet und 65 Menschen in den Tod gerissen.
Hurrikan «Matthew» war in der Nacht zum Donnerstag (Ortszeit) mit Windgeschwindigkeiten von 185 Kilometern pro Stunde über die Bahamas gezogen. Zuvor hatte er vor allem in Haiti schwere Überschwemmungen und Zerstörungen verursacht.
Nach Angaben der haitianischen Regierung kamen mehr als hundert Menschen ums Leben. Es habe mindestens 108 Tote gegeben, sagte Innenminister François Anick Joseph am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP. Kurz zuvor hatte ein Abgeordneter gesagt, allein in der Gemeinde Roche-à-Bateau im Süden Haitis habe es mindestens 50 Tote infolge des Wirbelsturms gegeben.
Es wird jedoch damit gerechnet, dass die Zahl der Toten weiter steigt. Im besonders schwer betroffenen Südwesten der Insel sind viele Gebiete weiterhin nur schwer oder gar nicht zugänglich. In der Dominikanischen Republik kamen vier Menschen ums Leben. 25 Häuser wurden zerstört und 54 Dörfer von der Aussenwelt abgeschnitten.
Auch Floridas Gouverneur Rick Scott warnte am Donnerstag, dass der Sturm Menschenleben kosten könne. «Bringt euch in Sicherheit, dies ist eure letzten Chance. Bleibt weg von den Stränden. Der Sturm wird euch töten», beschwor er am Donnerstag die Küstenbewohner. Erwartet würden schwerste Sturmfluten, Überschwemmungen, Zerstörungen, heftiger Regen und Stromausfälle für Hunderttausende Haushalte.
Das Hurrikan-Zentrum in Miami berechnete, dass der Sturm zunächst in Küstennähe an Miami vorbeiziehen und das Auge dann zwischen Fort Pierce und Melbourne das Land streifen könnte - möglicherweise mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 230 Kilometern pro Stunde. Auch die sogenannte Space Coast mit dem Weltraumbahnhof Cape Canaveral galt als besonders gefährdet.
Aber auch wenn das Auge des Sturmes auf seinem Zug nordwärts ganz über Wasser bleiben würde, sei wegen der Küstennähe mit möglicherweise katastrophalen Auswirkungen zu rechnen, warnte das Hurrikan-Zentrum.
Berichte über schwerere Zerstörungen auf den Bahamas gab es zunächst nicht. Dagegen wurden in Haiti nach Angaben von Hilfsorganisationen Tausende Häuser zerstört. «Im Süden der Insel wurden wichtige Gebäude wie Kirchen, Kliniken und Gesundheitsstationen beschädigt. Millionen Menschen in Haiti sind von diesem gewaltigen Sturm betroffen», sagte der Landesdirektor der Hilfsorganisation World Vision, John Hasse, am Mittwoch.
Auch Teile der Hauptstadt Port-au-Prince wurden überflutet. Im Slum Cité Soleil seien die Abwasserkanäle übergelaufen und viele behelfsmässige Hütten weggespült worden, berichtete der Leiter der Malteser in der Region, Ravi Tripptrap. Caterina Becorpi vom Deutschen Roten Kreuz in Haiti sagte: «Zwischen Port-au-Prince und den Départements im Süden stürzte die wichtigste Brücke ein, zahlreiche Häuser und Felder wurden zerstört.»
Sorgen bereitet den Helfern vor allem die Seuchengefahr durch stehende Gewässer und Unrat. «Wir hatten erst kürzlich wieder einen Cholera-Ausbruch, und solche Überflutungen können einen erneuten Ausbruch natürlich begünstigen», sagte die stellvertretende Care-Länderdirektorin Laura Sewell. «Es wird jetzt in den nächsten Stunden und Tagen wichtig sein, sauberes Wasser bereitzustellen.»
Die Wahlbehörde sagte die für Sonntag geplante Präsidentenwahl wegen der Folgen von «Matthew» ab. Ein neuer Termin soll in der kommenden Woche bekanntgegeben werden. Damit ist vorerst kein Ende der seit Monaten andauernden politischen Krise in dem völlig verarmten Karibikstaat in Sicht. (sda/reu/afp)