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(reload vom 19.10.06)
Die Franzosen machen es sich einfach
In Frankreich bekommt jede staatliche Institution den Namen „de France“, wie wir durch Massimo Rocchi lernen durften. So heisst die Nationalelf „équipe de France“, die staatlichen Wasserwerke „eau de France“, die Gaswerke „gaz de France„, die Elektrizitätswerke „électricité de France“ = EDF und so auch folgerichtig das Fussballstadion in Paris „stade de France“. Es war Vorbild für den Benennung des neuen Stadions in Bern als „Stade de Suisse Wankdorf“. Ganz neu ist diese Methode nicht, wir kennen sie bereits von „idée suisse“ als Namen für die Rundfunkanstalten (vgl. Blogwiese) .
Sonst heisst die Regel in der Schweiz: Wenn es keinen einfachen französischen Namen gibt, mit dem alle gut leben können, dann nehme man im Zweifelsfall immer eine englische Bezeichnung. So kannten wir bisher:
Swissmint (keine Kaugummiproduktion sondern eine Münzstätte)
Swisstopo (keine Lottoannahmestelle sondern das Bundesamt für Landestopographie)
Meteoswiss (der bekannte 26sprachige Wetterdienst)
SwissMedics (Nicht der Interessenverband für die schrumpfende Anzahl Schweizer Ärzte gegen die massiv anwachsende teutonische Ärzteschaft, sondern eine Medikamentenkontrollstelle)
HoppSwiss: Die Interessensvereinigung Schweizer Stabhoch- und Hochspringer, nicht zu verwechseln mit „HopeSwiss“ = Das Portal der Hoffnung, auch für Schweizer (www.HopeSwiss.ch ist tatsächlich noch zu haben!)
SwissRe: Interessensvereinigung der rückkehrwilligen Auslandsschweizer
Nun hörten wir im Herbst 2006, dass die „Schweizerische Landesbibliothek“ umgetauft werden sollte.
Wie nennt man eine Bibliothek?
In Frankreich stand man vor einigen Jahren vor einem ähnlichen Problem. Die gewaltige neu gebaute Universitätsbibliothek in Paris, ein Lieblingsprojekt von François Mitterand, der auch seinen Namen dafür zur Verfügung stellte, brauchte einen weiteren, griffigen Namen und wurde darum kurz und einfach „Bibliothèque nationale de France“ genannt. Kurz BnF, denn „doppelt gemoppelt“ hält besser. Zu „nationale“ gehört halt immer noch „de France“, denn es könnte ja sonst jemand diese Bibliothek einer anderen Nation zuordnen, nehmen wir an.
Viele Namen sind besser als einer
Dieser Pleonasmus liesse sich wunderbar auch in der Schweiz verwenden: Bibliothèque nationale de Suisse. Neu soll sie jedoch nur „Schweizerische Nationalbibliothek“ heissen, um sich an internationale Gepflogenheiten anzupassen. Auf Französisch heisst sie bereits heute Bibliothèque nationale suisse BN, auf Italienisch Biblioteca nazionale svizzera BN und auf die räto-romanisch Version wurde zu Gunsten der Englischen Version Swiss National Library SNL verzichtet, jedenfalls auf der Webseite. Biblioteca naziunala svizra (BN) wäre es sonst.
Warum nicht SwissLib?
Wir finden das alles viel zu sperrig und zu umständlich. Warum so viele Namen verwenden, wenn es ein griffiges „SwissLib“ auch täte? Oder ist diese Bezeichnung etwa schon von der föderalen Vereinigung Schweizer Liberale, den „Freisinnigen“, die nicht frei von Sinnen sind, gebucht? Nein, die heissen anders, aber „Swisslib“ ist schon vergeben als Bezeichnung einer mehrsprachigen Mailing-Liste die sich in ihrer Charta so definiert:
Public
Cette liste de discussion s’adresse à tous les spécialistes en information documentaire, qu’ils soient bibliothécaires, documentalistes ou archivistes, exerçant leur profession en Suisse. Les professionnels travaillant hors de Suisse sont bien entendu les bienvenus !
Langue
Les langues utilisées sur cette liste peuvent être indifféremment le français, l’allemand, l’italien ou l’anglais.
(Quelle: )
Es gibt diese Charta auch auf Deutsch, ganz klar. Wenn Sie nun versuchen, die deutsche Übersetzung zu finden, steht auf dieser Seite
„Übersetzung folgt so rasch wie möglich“
Also bleiben wir bei SNL und BN und SNB für Schweizer Nationalbibliothek. Die Schweizer Nationalbank SNB wird damit sicher kein Problem haben. „SB“ sollte man die Bibliothek lieber nicht nennen, denn das steht schon für „Selbst Bedienung“, und dann wären irgendwann keine Bücher mehr im Haus. Die Schildermaler werden es uns danken, wenn wie auch in Zukunft mehr zu schreiben haben als nur einen Namen.
Noch ein paar highlights im Swiss-Land Schweiz:
SwissAward:
(…) ein Preis, der herausragende Persönlichkeiten auszeichnet, die durch Mut, Innovation, Kreativität oder Eigenwilligkeit in der Schweiz positiv aufgefallen sind.
Warum gibt es nur extra einen Preis für sowas? Will man damit vielleicht einen Anreiz schaffen, weil da was fehlt?
SwissMem: Das sind nicht die Schweizer Meisterschaft im Memory-Spielen sondern der Verband der schweizerischen Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM-Industrie)
SwissLife: Schweizer Rettungsschwimmerverband
Swisscontrol: Die fanden den Namen zu unhandlich und haben ihn gleich eingedeutscht in „Skyguide“.
Und zum Schluss der unvollständigen Liste:
Doch kein „Federal Executive Commttee“ als Bundesrat?
Swissgrid: Nicht mit „SwissGrips“ zu verwechseln, den gibt es noch nicht auf Denglisch . Swissgrid steht für die Schweizer Landeskoordinaten.
Nachsatz:
Auf diese wunderbare Quelle wurden wir erst durch den Kommentar von Bürli aufmerksam:
Keine englischen Namen mehr
Neben der Vereinheitlichung hat die Arbeitsgruppe vor allem die Anglizismen der Bundesämter im Visier. So nennt sich das Bundesamt für Polizei nun Fedpol, die Eidgenössische Münzstätte heisst Swissmint, und das Bundesamt für Landestopografie liess sich in Swisstopo umtaufen.
Künftig sollen solche Kreationen nicht mehr möglich sein. Darüber hinaus prüft die Arbeitsgruppe, das eine oder andere Amt zur Aufgabe des trendigen Namens zu bewegen. Das verlangt auch ein parlamentarischer Vorstoss von SP-Nationalrat Didier Berberat, der vom Nationalrat oppositionslos angenommen wurde. Nur so lasse sich vermeiden, glaubt Berberat, dass der Bundesrat demnächst «Federal Executive Committee» heisse.
Die Landesregierung lässt sich den Frühlingsputz 25 Millionen Franken kosten – inklusive neues Briefpapier und der Überarbeitung der Internetauftritte. Langfristig dürfte sich die Vereinheitlichung allerdings auszahlen, indem nicht mehr jeder Amtsdirektor peppige Namen und fantasievolle Logos ausarbeiten lassen darf. So kann der Bund Jahr für Jahr sieben Millionen Franken sparen.
(Quelle: tagi.ch)