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In der Abenddämmerung kam ein Mann ins Dorf und sagte, er sei der Prophet. Die Bauern aber glaubten ihm nicht. "Beweise es!", forderten sie. Der Mann zeigte auf die gegenüberliegende Festungsmauer und fragte: "Wenn diese Mauer spricht, glaubt ihr mir dann?" "Bei Gott, dann glauben wir dir", riefen sie. Der Mann wandte sich der Mauer zu, streckte die Hand aus und befahl: "Sprich, oh Mauer!" Da begann die Mauer zu sprechen: "Dieser Mann ist kein Prophet. Er täuscht euch. Er ist ein Lügner."
Das Kapitel Ein gutes Bild handelt vom Sinn der Bildgestaltung im Hinblick auf die Kommunikation, als Ziel soll der Betrachter unsere Bilder verstehen. Dies impliziert nebst der Form auch einen mit dem Bild zu transportierenden Inhalt, ein weiters Feld, um welches sich der Fotograf redlich bemühen darf.
Bisher war dieser Inhalt im Begriff Bildidee jeweils implizit mitgemeint, so findet er sich z.B. indirekt in der Empfehlung, nur diejenigen Themen zu fotografieren, für welche man sich auch persönlich interessiert. Um besagten Ideen-Transport dreht sich dieses Kapitel.
Kommunikation: Ein Sender, ein Medium,
Zeichen und sehr unterschiedliche
Interpretationen bei den Empfängern.
Die notwendigen Elemente eines einfachen Kommunikationsmodells sind
Dies ist das elementare Grundgerüst (gewissermassen das Skelett) eines einfachen Kommunikationsmodells. Bei Bedarf wird es sich leicht erweitern lassen.
Reale menschliche Kommunikation ist ein komplexer Vorgang zwischen zwei Individuen, bei welchen beide Teilnehmer sowohl Sender als auch Empfänger sind. Kommunikation ist an eine Situation gebunden, welche zusammen mit der übertragenen Information zur Gesamtinformation beiträgt, man spricht in diesem Zusammenhang vom Kontext.
Jede Kommunikation benutzt Sprache, bestehend aus einem spezifischen Zeichenvorrat sowie einem darauf anzuwendenden Regelset (Grammatik), verwendbar mit den jeweils dafür geeigneten Medien. Daraus ergeben sich unterschiedliche Sprachformen:
Der Mensch ist ein auf vielen Ebenen kommunizierendes Wesen, das manchmal auch spricht.
Ray L. Birdwhistell
Sprachformen können in Kombination auftreten und sich gegebenenfalls unterstützen (oder auch nicht). So wird z.B. gesprochene Sprache zumeist von Mimik begleitet, welche es erlaubt, den gesprochenen Inhalt sicherer zu interpretieren (Melancholie, Ironie: Ich sage etwas, aber was es bedeutet ist etwas ganz anderes), ein Text unterstützt das Bild, aber auch: Ein Handyklingeln stört den Kinofilm.
Wenn anhand einer Untersuchung oder Diskussion Erkenntnisse gewonnen werden, so basieren diese auf einer als gegeben betrachteten und somit nicht weiter hinterfragten Basis (wertfrei). In der Mathematik äussert sich dieser Umstand jeweils in der Einleitung, welche standardgemäss lautet Gegeben sei.
Beruht dieser Umstand auf Beobachtung und handelt es sich um einen Schluss vom Speziellen zum Allgemeinen, so spricht man von Modellbildung. Praktisch alle Themen beruhen auf Modellbildung, dazu gehören unter anderem
Jedes Modell ist die Abbildung eines äusseren Umstandes, reduziert um im Hinblick auf die nachfolgenden Betrachtungen unwesentliche Aspekte. Daraus folgt unmittelbar, dass Modelle einen spezifischen Gültigkeitsbereich aufweisen. Ein wichtiger Aspekt ist deshalb: Was im Modell nicht enthalten ist kann daraus nicht geschlossen werden. Die analytische Methode (nach Kant) verläuft der Modellbildung entgegen gesetzt vom Allgemeinen zum Speziellen und gelingt im Rahmen des vom Modell umschriebenen Mechanismus. Dieser analytische Schritt liefert daher per se nur Informationen, welche im Modell begründet sind. Für die Praxis hat dies folgende Bewandtnis: Werden die impliziten Modellgrenzen ungenügend wahrgenommen, verwandelt sich das gerne geschriebene q.e.d von quod erat demonstrandum (was zu beweisen war) zum nicht weniger verbreiteten quo errat demonstrator (worin der Beweisende irrt).
Damit einher geht aber auch, dass verschiedene Modelle voneinander abweichende Erkenntnisse liefern oder sich gar widersprechen können. An unterschiedlichen Kommunikations- und Zeichenmodellen mit davon abgeleiteten Theorien inklusive gegenseitiger Kritik mangelt es nun wahrlich nicht. Für dieses kurze Kapitel hab ich deshalb eine (erste) kleine Auswahl getroffen und versucht, diese soweit sinnvoll auf die Aspekte der Fotografie begrenzt darzustellen. Die Auswahl lässt sich später bei Bedarf erweitern.