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Secondo Püschel (1931–1997) wächst als Sohn des Bildhauers Bruno Püschel in Zürich auf, wo er von 1947 bis 1950 an der Kunstgewerbeschule angewandte Malerei bei Otto Morach studiert. Im Anschluss daran beginnt Püschel als freier Kunstmaler zu arbeiten. Mit seinem Vater gründet er 1950 die Künstlerkolonie Südstrasse in Zürich, wo er sein Leben lang wohnt und arbeitet. Obwohl Püschel mit Zürich sehr verbunden ist, unternimmt er zahlreiche längere Reisen in Europa (Frankreich, Dänemark, Italien, Spanien, Norwegen), Nordafrika (Sahara), den USA und Sri Lanka. Diese Impressionen dienen ihm immer wieder als Motive für sein künstlerisches Schaffen. Er widmet sich vorwiegend der Malerei in Öl und Acryl, doch fertigt er auch zahlreiche Zeichnungen, Lithografien, Radierungen, Holzschnitte und Gouachen an. Eine besondere Ehrung wird ihm 1991 mit der Verleihung des Kunstpreises der Gemeinde Zollikon zuteil.
Der schriftliche Nachlass von Secondo Püschel wird 2011, nach Auflösung der Secondo-Püschel-Stiftung, dem Schweizerischen Kunstarchiv geschenkt. Dieser Teilnachlass besteht aus einer Vielfalt von Dokumenten: Enthalten sind private Briefe von seiner Familie und Freunden, aber auch geschäftliche Korrespondenz mit Galerien und Kunsthistorikern. Zahlreiche Fotografien, die von der Kindheit Püschels bis in die 1990er-Jahre reichen, geben Einblick in Leben und künstlerisches Umfeld des Malers. Von Püschels reger Ausstellungstätigkeit in den 1960er-, 1970er-, 1980er-Jahren im In- und Ausland zeugen viele Einladungskarten und Zeitungsartikel. Insbesondere seine Ausstellungen im Helmhaus Zürich und in der Graphischen Sammlung der ETH Zürich sind ausserordentlich gut dokumentiert. Vereinzelt führt Püschel zu diesen Ausstellungen auch Gästebücher, die sich ebenfalls im Nachlass befinden. Überdies hält Püschel einen Teil seines Werks und Schaffens in eigens angefertigten Werklisten und Werkskizzen fest, nicht selten auch mit Angabe des gewünschten oder erzielten Verkaufspreises.
Besonders interessant sind die Skizzen und mathematischen Berechnungen zu seinem selbstgebauten Fernrohr – das Beobachten des Weltalls wurde prägend für Püschels Werk, das sich im Laufe der Zeit vom Gegenständlichen löst und in eine abstrakt expressive und sinnliche Farbgestaltung übergeht. Auf einem Blatt hinterlässt Püschel diesbezüglich folgende Notiz: „Am Nachthimmel (bis in den Morgen) Spazierenschauen. (Normalerweise könnte man auch mit dem Hund gehen. Ich verwende das Teleskop.) Irgendwann beginnt etwas stärker zu interessieren, es beisst an. Die Mallust ist da. Es können Bilder geschehen.“ Auf vielen dieser Notizblätter finden sich auch humorvolle Gedankensplitter, die Einblick in die Welt- und Kunstanschauung des Malers geben. Doch an einer andern Stelle meint er: „Ein besonderes Interesse habe ich an der Wirkung meiner Bilder und diese ist nicht mit Worten zu erklären.“
Signatur
SIK-ISEA, Schweizerisches Kunstarchiv, HNA 284
Konzeption und Durchführung
Michael Schmid, lic. phil., Projektleitung
Helen Würsch, Mitarbeiterin Schweizerisches Kunstarchiv, Einführungstext und Auswahl Dokumente
Kontakt
Schweizerisches Kunstarchiv
T +41 44 388 51 04
<email-pii>
Publiziert am 06.12.2013