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Die Eidgenößischen Repräsentanten im Kanton Tessin
an
den Tit. Staatsrath dieses h. Standes.
Herr Präsident!
Hochgeachtete Herren!
In Antwort auf unsere Zuschrift von gestern Nachmittag, in der wir Ihnen von einem Plane von Tessinern, sich bei einem Einfalle Italienischer Flüchtlinge in die Lombardei zu betheiligen, Kenntniß gaben & Sie einluden, dießfalls sofort eine Untersuchung einzuleiten, theilen Sie uns lediglich eine Abschrift eines Berichtes mit, den Ihnen der Commissär von Lugano über jenen Plan & über die Bewegungen der Italienischen Flüchtlinge abgestattet hat.
Indem wir gewärtigen, daß die Untersuchung, zu der wir Sie eingeladen, möglichst beförderlich geführt & uns das Ergebniß desselben mitgetheilt werde, sehen wir uns noch zu einigen Bemerkungen veranlaßt.
Fürs erste müssen wir es als höchst auffallend bezeichnen, daß, obgleich der Commissär in seinem Berichte sagt, es sei am 26sten, in der Nacht vom 26sten auf den 27sten eine | große Bewegung unter den Lombardischen Flüchtlingen bemerkbar gewesen, uns hierüber erst am 27sten Abends 9 Uhr & nur, weil wir zufällig an Sie geschrieben, in Antwort auf dieses Schreiben eine Eröffnung gemacht wird.
Sodann erscheint es uns nicht minder auffallend, daß, obgleich wir in unserm Schreiben, das wir Nachmittags ¼ vor 3 Uhr an Sie abgehen ließen, bemerkt hatten, 2 junge Stoppani von Ponte-Tresa gedenken sich bei einem Einfalle der Italienischen Flüchtlinge in die Lombardei zu betheiligen & dürften zu diesem Ende hin mit dem Dampfschiffe Abends 4 Uhr abreisen, man diese beiden Personen mit dem Dampfschiffe ungehindert abfahren ließ & sich begnügte, die Hoffnung auszusprechen, daß sie heute zurückkehren dürften.
Endlich hätten wir geglaubt, Sie würden sich durch die in dem Berichte Ihres Commissärs als gewiß angeführte Thatsache, daß seit dem 26sten eine große Bewegung unter den Italienischen Flüchtlingen Statt gefunden, durch die in demselben Berichte ausgesprochene Vermuthung, die Flüchtlinge möchten mit dem Plane umgehen, die Grenze zu überschreiten, um sich in die Gegend des Comersee's zu begeben, & durch die Ihnen von unserer Seite zugekommene Mittheilung, daß Tessiner mit dem Plane umgehen, sich bei einem Einfalle der Flüchtlinge in die Lombardei zu betheiligen, veranlaßt | gefunden haben, in ernste Erwägung zu ziehen, ob nicht im Interesse der Eidgenossenschaft überhaupt & Ihres Cantons insbesonders Maaßregeln zur Verhinderung einer solchen Unternehmung ergriffen werden sollten, und uns dießfällige Eröffnungen zu machen. Von der Annahme ausgehend, Sie dürften sich vielleicht jetzt noch dazu veranlaßt sehen, glauben wir Ihre Aufmerksamkeit noch besonders auf den Aufenthalt Mazzini's in Lugano richten zu sollen, der, wie die Notorietät lehrt & wir uns nun durch mehrwöchentliche, unmittelbare Wahrnehmungen zu überzeugen den Anlaß hatten, als der Mittelpunct der Unternehmungen der im Canton Tessin sich aufhaltenden Italienischen Flüchtlinge betrachtet werden kann.
Genehmigen Sie die Versicherung unserer vollkommenen Hochachtung.
Die Eidgenössischen Repräsentanten
im Canton Tessin:
J. Munzinger
Dr A Escher
Lugano
28 October 1848.