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Später verschwanden viele von ihnen: Pflegekinder, die von Erika H. (links im Bild) aufgenommen worden waren.Bild: Joël Hunn
Die St. Galler Adoptionsvermittlerin Alice Honegger vermittelte Säuglinge von «gefallenen Müttern» ins Ausland – teils mit Wissen der Behörden.
Veröffentlicht am 13. Oktober 2023 - 06:00 Uhr
Ein «uneheliches» Kind brachte Frauen in den 1950er- und 1960er-Jahren oft in grosse Not. Sie gerieten in den Fokus der Behörden, sie wurden in Heime, Anstalten und ins Frauengefängnis gesteckt und «administrativ versorgt». Gleichzeitig drängte man sie dazu, ihre Babys zur Adoption freizugeben.
Jetzt belegen Recherchen des Beobachters erstmals, was mit den Babys passierte: Eine unbekannte Anzahl wurde an kinderlose Paare im Ausland verschachert. Strippenzieherin war auch da die umstrittene Adoptionsvermittlerin Alice Honegger.
Bekannt und von verschiedenen Forschungsarbeiten bestätigt ist, dass die St. Gallerin 50 Jahre lang den Kinderwunsch von Schweizer Ehepaaren erfüllte – mit ethisch fragwürdigen Methoden. Das weisen verschiedene Forschungsarbeiten nach. Ab den 1970er-Jahren brachte sie Hunderte Babys unter illegalen Umständen aus Sri Lanka in die Schweiz. Die Einträge auf den Adoptionsurkunden waren oft frei erfunden, Frauen in Sri Lanka unterschrieben sie gegen Bezahlung, obschon sie gar nicht die leiblichen Mütter waren (siehe «Fragwürdige Adoptionen werden untersucht», unten).