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Markenbewusstsein in römischer Zeit
In römischer Zeit begannen die Menschen ihre Hausdächer mit gebrannten Tonziegeln zu decken. Sie verwendeten dazu zwei verschiedene Ziegelsorten: Leisten- und Hohlziegel. Die Leistenziegel weisen – der Name sagt es – auf den beiden Längsseiten eine Leiste auf. Solche Ziegel werden auf dem Dach so nebeneinander gelegt, dass Leiste an Leiste stösst. Die Fuge zwischen den Leisten zweier Ziegelreihen wird mit Hohlziegeln überdeckt. So kann auch hier kein Wasser eindringen. In den Ziegeleien produzierte man zudem weitere Arten von Ziegelsteinen, welche man zum Beispiel für die Bodenheizungen benötigte.
Ein kleiner Teil der Ziegel wurde vor dem Brennen mit dem Stempel der jeweiligen Ziegelei versehen. Derartige Fabrikmarken wurden vor allem im militärischen Kontext verwendet. Zum Beispiel kennt man Ziegelstempel der 21. Legion, welche Mitte des 1. Jahrhunderts n.Chr. in Windisch/AG stationiert war und in der Nähe von Lenzburg eine Ziegelfabrik betrieb. Nebst diesen vom Militär fabrizierten Ziegeln sind auch Privat-Unternehmer bekannt, welche eine Ziegelei besassen. Ziegelstempel von Privatziegeleien sind jedoch noch seltener als solche vom römischen Militär.
Auf unserer Grabung fanden wir viele Fragmente von Ziegeln verschiedenster Verwendung. Darunter entdeckten wir auch zwei Exemplare mit Ziegelstempel. Sie wurden im 4. Jahrhundert n.Chr. hergestellt. Vermutlich handelt es sich in beiden Fällen um Leistenziegel.
Der erste Ziegel stammt aus militärischer Produktion. Der Stempel ist nur noch fragmentarisch erhalten. Ursprünglich stand wohl «LEG I MR» auf dem Ziegel. Dies steht für die Legio Prima Martia. So hiess eine Legion, die im 4. Jahrhundert in Kaiseraugst stationiert war. Auf unserem Ziegel erkennt man das I und das M noch sehr gut, die restlichen Buchstaben sind nur noch teilweise lesbar.
In einer spätrömischen Grube fand sich zudem ein Ziegel mit dem Stempel einer Privatziegelei. Der gestempelte Name «AMASONIVS» nennt wahrscheinlich den Namen des Ziegeleibesitzers. Wir kennen mehrere Ziegel des Amasonius aus Basel. Die Produkte mit dem Label «Amasonius» wurden jedoch auch in Kaiseraugst, Rheinfelden und sogar in Biesheim/F gefunden. Die Archäologen vermuten deshalb, dass die Ziegelei des Amasonius irgendwo hier in der Region arbeitete und darum auch die damaligen Bewohner von Basel mit Ziegelprodukten versorgte.
Details
- Objekt: Ziegel
- Datierung: Spätrömisch
- Fundort: Münsterplatz