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1700 – Antananarivo – Ankarafantsika
Diese facettenreiche Entdeckungsreise führt uns vom Hochland über die Hügelketten bis zum Nationalpark von Ankarafantsika. Eine interessante Tour zu den Highlights in Madagaskars Westen mit vielen spannenden Erlebnissen erwartet uns.
Der Norden von Madagaskar lässt sich gut mit dem Auto bereisen. Zwischen Antananarivo und dem Nationalpark von Ankarafantsika ist die Landschaft sehr vielfältig. Auf der gut ausgebauten Nationalstrasse RN4 ist diese ca. 450 km lange Strecke in etwa acht Stunden machbar, aber wir werden diese lange Strecke natürlich auf verschiedene Etappen verteilen. Am Anfang dieser Entdeckungsreise ist die bergige Landschaft von Weideflächen geprägt und in den seltenen Tälern befinden sich Reis- und Gemüsefelder. Je weiter man nach Nordwesten gelangt, desto seltener werden die Felder.
Antananarivo – Ankarafantsika
Nach 10 km erreichen wir unweit der Hauptstadt das Städtchen Ambohidratrimo mit einem der 12 heiligen Hügel um Antananarivo. Wörtlich bedeutet es “der Hügel des Adligen Ratrimo“. In einem hölzernen Palast auf diesem heiligen Hügel residierte damals die erste Frau des berühmten Merina-Königs Andrianampoinimerina. Sie hiess Rambolamasoandro, und war ist die Mutter des Königs Radama I., der ab 1810 König des Merina-Volkstammes war. Nach ein paar weiteren Kilometern durchqueren wir das grosse Dorf Andranovelona, wo das Quellwasser des bekannten Flaschenwassers “Eau Vive“ sprudelt. Der Ortsname bedeutet wörtlich “wo lebendiges Wasser sprudelt“, anders gesagt “das belebende und erfrischende Wasser“. Wasser heisst auf madagassisch “Rano“ und die Marke “Eau Vive“ ist sehr beliebt und gehört zu den am meisten konsumierten Mineralwassern auf der ganzen Insel. Nicht weit von diesem Quellort liegt die Bezirkshauptstadt Ankazobe, wörtlich übersetzt “wo grosse Bäume wachsen“. Dieser Name entspricht leider nicht mehr der Wirklichkeit, denn sie stammt aus der Zeit, wo das ganze Gebiet mit Trockenwald bedeckt war. Etwa 40 km nördlich von Ankazobe befindet sich die Forststation Manankazo, die sich mit der Aufforstung der kahlen Flächen in diesem Teil des Hochlandes befasst.
Antananarivo – Ankarafantsika
“Hazo“ bedeutet auf madagassisch “Baum“ oder “Holz“ und dieses Gebiet wurde mit Eukalyptus, Pinien, Zypressen und anderen, fremden, aber raschwüchsigen Baumarten bepflanzt. Viele madagassische Familien leben von der Herstellung und dem Verkauf von Holzkohle, denn 80% der Haushalte benutzen Holzkohle, auch in den übervölkerten grossen Städten.
Entlang der Nationalstrasse wird die Holzkohle von Eukalyptusbäumen in grossen weissen Säcken angeboten, denn dies ist das einzige Brennmaterial, das sich die Madagassen leisten können. Strom und Solarenergie ist leider zu teuer. Einige Organisationen und Projekte versuchen die Holzkohle durch Kuhdung zu ersetzen, sehr praktisch, billig und vor allem umweltfreundlich. Er fehlt dann aber als Dünger in der Landwirtschaft.
Antananarivo – Ankarafantsika
140 km nordwestlich der Hauptstadt Antananarivo, eingebettet in die Hügellandschaft, liegt das Spezialreservat von Ambohitantely. Es besteht aus einem Rest von Trockenwald und dazwischen befinden sich Steppen und Savannen. Dieses Waldgebiet beherbergt einige Lemurenarten, zahlreiche Reptilien wie Chamäleons, Geckos und Schlangen, aber auch verschiedene Vogelarten.
Nach ein paar Kilometern verändert sich die Landschaft schlagartig. Hier beginnt der Aufstieg zum grossen Tampoketsa, ein riesiges kahles Plateau, durchsetzt von ein paar Sträuchern und Gebüschen. Das angenehme Klima des Hochlandes ist jetzt der trockenen Hitze gewichen, dies ist auch der Beweis, dass wir in einer der wärmsten Regionen von Madagaskar eingetroffen sind. Dieses warme Gebiet ist dünn besiedelt und an den Berghängen werden Tabak, Baumwolle und Erdnüsse angebaut, die grasbewachsenen Hänge bieten den fetten und langhornigen Zebus Nahrung.
Antananarivo – Ankarafantsika
Ab dem Städtchen Mahatsinjo, das nur noch 800m über dem Meeresspiegel liegt, geht es jetzt hinab in die Tiefebene und von Weitem sieht man schon die Wasserfläche des langen Ikopa-Flusses, der weiter nördlich in den Betsiboka-Fluss und schliesslich in den Kanal von Mozambik mündet.
Dieser lange Fluss mit einem beeindruckenden Wasserfall unterscheidet sich von den anderen Flüssen auf Madagaskar wegen seiner rotbraunen Farbe: Erosionsmaterial, das er aus dem Lateritboden des Hochlandes abschwemmt und zum Meer hin mitträgt.
Maevatanana heisst die nächste grosse Stadt, wörtlich bedeutet dies “die hübsche Stadt“, aber besonders einladend kann man diese Zwischenstation entlang der Nationalstrasse RN4 nicht bezeichnen. Trotzdem ist die Stadt eine willkommene Rast für diejenigen, die weiter zum Nationalpark von Ankarafantsika oder nach Majunga am Kanal von Mozambik weiterreisen wollen.
Antananarivo – Ankarafantsika
In der Umgebung von Maevatanana, der Hauptstadt der Region Betsiboka, leben viele Goldwäscher. Die Region gilt als ein wichtiges Zentrum der Goldhändler. In den weiten Tiefebenen, der roten Flüsse von Ikopa und Betsiboka, werden hauptsächlich Reis und Tabak angebaut. Die grüne Vegetation und die intensive Landwirtschaft in dieser fruchtbaren Region fallen sofort auf in diesem Trockengebiet. Die Überquerung des Betsiboka-Flusses erweist sich als ein imposantes Erlebnis und ist eine willkommene Abwechslung auf dieser langen Route. Auf der langen Stahlbrücke kann man sich gut vorstellen, wie der sprudelnde, kleine, rotbraune Fluss während der Regenzeit zu einem gewaltigen und reissenden Strom wird. Dieses Naturschauspiel ist ein schönes Fotomotiv auf dieser Nordwestroute!
Nach 110 km treffen wir im nächsten grossen Dorf Ambondromamy ein. Von hier aus führt die RN4 weiter Richtung Nordwestküste zur schönen Blumenstadt Majunga und die RN6 nach Norden bis Antsohihy und weiter bis an die Nordspitze der Insel, nach Antsiranana.
Antananarivo – Ankarafantsika
Wir folgen der RN4 weiter und erreichen nach ca. einer Stunde Autofahrt den Nationalpark von Ankarafantsika, eine ganz besondere Attraktion die dieser Region. Von Weitem schon sehen wir den schönen grossen Trockenwald. Schon seit 1927 ist dieser Wald geschützt und zählt daher zu den ältesten Naturschutzgebieten im Norden der Insel. Im Besucher- und Informationszentrum am Eingang des Naturreservates haben wir einen Überblick über die einzelnen Wanderwege mit verschiedenen Schwerpunkten: der Rundweg für die Lemuren- und Tierfreunde, auch für die Vogelliebhaber, oder die Tour für die botanisch Interessierten zur artenreichen Flora bis zu den spektakulären Baobabs. Die Auswahl ist gross, in diesem Trockenwald kann man mit Sicherheit kurz nach der Abenddämmerung die nachtaktiven Tiere wie die Mausmakis, Chamäleons, Nachtvögel nahe an den Wanderwegen zu Gesicht bekommen.
Dieses Naturschutzgebiet hat auch den Vorteil, dass die Besucher 2 oder 3 Nächte hier verbringen können, denn im Dorf von Ampijoroa befinden sich gute Mitteklasse-Bungalows und Campingmöglichkeiten
September 2020, geschrieben von: Koloina, PRIORI Antananarivo
Redigiert von Peter Elliker www.madagaskarhaus.ch