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Duo für Violine und Violoncello
Die Sonate aus dem Jahre 1920, markiert einen Wendepunkt seines impressionistischen Schaffens hin zu den harmonisch kühneren Werken der Spätphase bis 1932. Die Sonate ist Claude Debussy
gewidmet, der 1918 nach einem schweren Krebsleiden gestorben war. Die Tonsprache hat sich deutlich geändert in Richtung bitonaler und atonaler Klangwirkungen und zu einer melancholischen und
mehr motorischen Linearität. So etwas zu komponieren war nur Ravel möglich und beweist seine Auseinandersetzung mit den Werken von Bartók, Schönberg und Strawinsky. Ravel war schon immer an
fremden Klängen interessiert, zuerst an der spanischen und baskischen Musik aus der Heimat seiner Mutter. Und nicht von ungefähr nannte sich der Freundeskreis seiner jungen Jahre „Die
Apachen“. Vom Lebensgefühl kamen ihm in der späten Schaffensphase jedoch der Jazz und die Zigeunermusik stärker entgegen. Die Uraufführung dieses Duos wurde schlecht aufgenommen und die
Kritik sprach von einem „massacre“; überall schienen „falsche“ Noten zu stehen. Der erste Satz der Sonate wird von Anfang bis Ende von einem äusserst einfachen, kreisenden Motiv getragen, das
jedoch zu schweben scheint in einer eigenartigen Mischung von Klassik, Jazz und Zigeunermusik. Das Motiv ist nichts weiter als ein aufsteigender Moll- und dann absteigender Dur-Dreiklang.
Durch die Unentschiedenheit zwischen Moll und Dur wird für den Höreindruck eine Bluesfärbung erzeugt, da der klassisch gewohnte Dominantklang ausbleibt. Der zweite Satz kann einerseits als
klassisches Scherzo gelten, andererseits treten die Jazz-Elemente und Einflüsse von Bartók deutlicher hervor. Im dritten Satz sind die Techniken der Spätromantik aufgegriffen, sinfonische
Dimensionen in kleiner Besetzung, die Ravel „style dépouillé“ nennt. Der letzte Satz lässt rondohaft alle bisher eingeführten Elemente vorbeiziehen. Als besonderes Merkmal kommen
Zigeunertonleitern und Glissandi hinzu.
Sonate posthum (1897) für Violine und Klavier
Das Autograph der Violinsonate in a-moll trägt das Datum vom April 1897, wurde jedoch erst im Jahre 1973 im Nachlass des Komponisten entdeckt und 1975 im Druck herausgegeben.
Die aus einem einzigen Satz bestehende Sonate gehört zu jenen Werken, die Ravel vor seinem Studium bei Gabriel Fauré komponierte. Wahrscheinlich wurde die Sonate im Konservatorium von Paris
durch George Enescu und dem Komponisten erstmals gespielt; beide waren damals in der gleichen Klasse. Aus unbekannten Gründen wurde das Werk später weder erweitert, noch wieder
aufgeführt.
Auffallend ist die Modernität dieser Sonate, die nur wenige Jahre nach der Komposition von Brahms Klarinettenquintett entstand. Der Aufbau des Werks folgt der klassischen Sonatenform mit der
Exposition des Themas, der Durchführung und der Reprise. Starke lyrische Anlehnungen an Gabriel Fauré sowie Annäherungen an die harmonische Sprache César Francks sind unüberhörbar.
Das Introduktionsthema lässt den Beginn seines 17 Jahre später komponierten Klaviertrios vorausahnen.
"Pavane pour une Infante défunte" für Oboe/Englischhorn und Streichquartett
Die „Pavane pour une infante défunte“ (Pavane für eine dahingeschiedene Prinzessin) ist eines der bekanntesten Werke von Maurice Ravel, das er 1899 noch während seiner Studienzeit am
Conservatoire von Paris unter Gabriel Fauré komponierte. Ravel publizierte 1910 ebenfalls eine Orchesterfassung, die später auch sehr erfolgreich Einzug in die Filmgeschichte fand.
Mit Pavane ist ein alter gravitätischer Tanz gemeint, den eine fiktive Prinzessin am Spanischen Hof tanzte. Ursprünglich in Spanien entwickelt, erlangte dieser elegante Tanz im 16. und 17.
Jahrhundert an den europäischen Höfen grosse Popularität.
Diese antike Miniatur der „Pavane pour une infante défunte“ ist an keine geschichtliche Figur gebunden, entsprang jedoch dem besonderen Interesse Ravels an spanischen Gebräuchen und der
Sensibilität der Iberischen Kultur. (Man denke etwa an seine grossen Meisterwerke wie der „Bolero“ oder die „Rhapsodie espagnole“)
Ravel widmete dieses Werk seiner Patronin, der Prinzessin de Polignac.