Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03613.jsonl.gz/2617

Schizophrene Psychosen

Welche Symptome und Beschwerden kennzeichnen die Krankheit?
Schizophrene
Psychosen verändern das Erleben und das Verhalten der Betroffenen in vielfältiger Art. Sie behindern
die Orientierung in der Gegenwart und die Bewältigung des Alltags. Die Betroffenen fühlen sich in der
Regel nicht gut, sie sind zerstreut, gleichgültig und reizbar. Sie haben Angst, manchmal geht es bis
hin zu Panik. An schizophrenen Psychosen Erkrankte nehmen ihre eigene Person nur schlecht oder anders
wahr, als sie von ihren Mitmenschen gesehen werden. Viele Betroffene sind misstrauisch, ihre Gedanken
kommen anderen Menschen sonderbar, ja bizarr vor. Als Folge davon fühlen sie sich einsam, verwirrt und
wissen oft nicht mehr, wer sie eigentlich sind.
Schizophrene
Psychosen zeigen sich in Halluzinationen, Wahnvorstellungen, aber auch in veränderten Bewegungsabläufen
und Sprachstörungen. Die Wissenschaft unterscheidet Positiv- und Negativsymptome.
Positivsymptome
(Übersteigerungen
des normalen Erlebens)
- Halluzinationen/Illusionen
Diese
Wahrnehmungsstörungen betreffen das Hören, Sehen, Riechen oder Fühlen von Dingen, die nicht wirklich
vorhanden sind. Das können Stimmen, Worte oder Klänge sein, die für andere nicht wahrnehmbar sind. Oder
das Gefühl, verfolgt zu werden, obwohl keine aussen stehende Person den Anlass erkennt. Bei einer Illusion
wird ein Sinnesreiz falsch gedeutet.
- Wahnideen
Wahnideen
sind für aussen Stehende nicht nachvollziehbare
Beurteilungen der Realität. Die Betroffenen haben (für Beobachter) bizarre Vorstellungen, an denen
sie unkorrigierbar festhalten. Beispielsweise ist ein Patient fest davon überzeugt, dass Marsianer die
Erde mit Ufos angreifen. Oft plagt Betroffene das unumstössliche Gefühl, verfolgt, getäuscht, vergiftet
oder bespitzelt zu werden. Als Urheber solcher «Spionagen» erkennen die Kranken die Mafia, die CIA oder
andere Geheimdienste. Zu den Wahnvorstellungen gehört die Überschätzung der eigenen Kräfte, etwa die
Idee, man könne das Wetter oder das Weltgeschehen manipulieren. Man ist überzeugt, eine berühmte Gestalt
zu sein: z.B. Gott oder Napoleon.
- Ich-Störungen
Die
Betroffenen glauben, ihr Inneres sei schutzlos ausgeliefert, d. h. jemand könne ihnen Gedanken eingeben
oder entziehen und verändern. Sie sind beispielsweise davon überzeugt, dass Strahlen ihr Denken beeinflussen
oder, dass alle Menschen ihre Gedanken «mitlesen» können.
- Störungen
des Denkens
Die Gedanken purzeln durcheinander und
den Betroffenen
gelingt es nicht mehr, klar zu denken. Ihr Denken ist umständlich. Die Gedanken lassen sich nur schwer
oder gar nicht logisch verknüpfen.
Dass die genannten
Probleme
die Betroffenen misstrauisch und unsicher machen, ist verständlich. Die meisten ziehen sich gefühlsmässig
zurück und kapseln sich von der Gesellschaft ab, denn andere Menschen können sie sehr oft nicht verstehen.
Das genannte Beschwerdebild ist die Grundlage von Vorurteilen der Gesellschaft gegen Menschen mit schizophrenen
Psychosen. Wer nicht weiss, wer er ist, nicht so rasch wie andere denken kann und zudem noch Dinge erlebt,
die anderen verborgen bleiben, ist «verrückt» und für viele bedrohlich.
Negativsymptome
(Einschränkungen
des normalen Erlebens)
Die Negativsymptome sind Kernsymptome
der schizophrenen Psychose. Sie kommen sehr häufig vor: die Sprache verarmt, Gefühlsänderungen (Affekte)
bleiben aus. Die Kranken wirken gleichgültig. Sie scheinen in ihren Gefühlen hängen zu bleiben. Sie
haben wenig Energie, sind ohne Antrieb und unfähig, Freude, Traurigkeit oder Ärger zu empfinden. Ihre
Möglichkeiten, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen und zu bleiben sind beschränkt und sie leiden
unter mangelnder Konzentration. Es sind gerade diese Negativsymptome, welche für die Probleme in den
sozialen und beruflichen Funktionen entscheidend sind. Denn die Umgebung sieht darin oft nicht Krankheitsmerkmale,
sondern Faulheit oder Disziplinlosigkeit. Die Unterscheidung der Negativsymptome von depressiven Symptomen
kann schwierig sein und ist Sache der Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie.