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Herrn Youri Agabekov-Žerjavić und seine Frau Branka kenne ich seit mehr als 40 Jahren. Wir sind gute Freunde, deshalb ist es mir eine Freude, ihn den Libra-Lesern, die wohl wenig oder noch gar nichts über ihn wissen, vorzustellen. Zur Zeit der Coronakrise zogen wir für kurze Zeit nach Opatija, wo uns Youri besuchte. Ich nutzte die Gelegenheit, ihm ein paar Fragen zu seinem Leben, seiner Arbeit und seinem Werdegang zu stellen.
Es gibt nur wenige Menschen, die sich mit Architektur und Beleuchtungsgestaltung beschäftigen, aber nichts über den Schweizer Unternehmer Youri Agabekov wissen. Seine Firma Agabekov Lighting Company International in Genf ist eines der wenigen erfolgreichen Unternehmen, die sich mit Innen- und Aussenbeleuchtung, Kulturdenkmälern, Gebäuden, Privathäusern und Geschäften befassen. Das Unternehmen wurde im Jahr 1967 gegründet. Bis vor zwei Jahren produzierte und beleuchtete er selbst mit voller Kraft. Altershalber entschloss er sich jedoch, das Unternehmen Jüngeren zu überlassen. Herr Agabekov ist jetzt als Senior Consultant tätig.
Ich kam 1958 aus Zagreb nach Genf, wo ich Arbeit und Freunde fand, und beschloss, hier zu bleiben. Das Leben in der Schweiz war ganz anders als jenes in Jugoslawien, das zu dieser Zeit ein geschlossenes kommunistisches Land war. Anfangs arbeitete ich als Elektriker. Ich bildete mich weiter und fing bald damit an, «mein» Licht zu entwerfen. Zuerst kümmerte ich mich um die Beleuchtung von Innenräumen. Ich musste Geld finden und Leute engagieren, die mit mir in der neu gegründeten Firma arbeiteten. Es gelang mir, die Exklusivvertretung der niederländischen Firma RAAK zu bekommen, und konnte so deren Beleuchtungskörper verkaufen. Weil die Zusammenarbeit sehr gut klappte, fing ich auch an, für sie zu designen. Dadurch gewann ich an Selbstvertrauen. Ich begann, an verschiedenen simplen Erfindungen zu arbeiten. Meine erste «Erfindung» stammt aus dem Jahr 1972.
Nichts kam über Nacht, aber ich wusste, dass ich auf einem guten Weg war, was sich später auch als richtig erwies.
Dies verdanke ich dem staatlichen französischen Energieunternehmen EDF und Jacques Chirac, dem damaligen Bürgermeister von Paris. Mein Projekt zur Beleuchtung des Pariser Louvre wurde von ihnen in einer öffentlichen Ausschreibung als Bestes gewählt. Es war gross und anspruchsvoll, wurde aber zu einem vollen Erfolg. Deshalb wird der Louvre seit 1993 von Agabekovs Licht beleuchtet. Danach konnte ich einige weitere, wichtige historische Gebäude in Frankreich beleuchten, wie zum Beispiel die Académie Française, dreizehn Pariser Brücken, das Collège de France und den Place Stanislas in Nancy. Später erhielt ich Aufträge für die Beleuchtung des Palasts des Prinzen von Monaco und das mexikanische Parlament. Weiter arbeitete ich in Amerika, Griechenland, Grossbritannien…
Einen Teil dieses Erfolgs verdanke ich meiner Frau Branka, die mich in allem unterstützte, mit mir zusammen arbeitete und immer an meiner Seite war. Wir haben zwei Söhne, die heute erwachsen und erfolgreiche Menschen sind, und fünf Enkelkinder, vier Mädchen und einen Jungen. Sie sind unser ganzer Stolz.
Ich wurde 1936 in Pokrowka in der Ukraine geboren. Meine Mutter war Russin, mein Vater, Ladislav Žerjavić Agabekov war Kroate. Den Namen Agabekov erhielt er von der Komintern, der Kommunistischen Internationalen, und kam als Sowjetbürger nach Russland. In Zagreb wird bald ein Buch über sein Leben veröffentlicht werden, deshalb brauche ich darauf nicht weiter einzugehen. Ich kann nur sagen, dass ich mich, obwohl ich die meiste Zeit in Genf, also in der Schweiz, lebte, in erster Linie als Kroate fühle. Jetzt, gegen das Ende meines Lebens, kehre ich zu meinen Wurzeln zurück. Dies ist wahrscheinlich charakteristisch für Menschen meines Alters.
Mein Herz gehörte immer Kroatien. Mein Vater stammt aus der bekannten Familie Žerjavić. Dr. Juraj Žerjavić war der Bruder meines Grossvaters, nach ihm ist heute eine Strasse in Zagreb benannt. Er war Priester und Mitglied des kroatischen Parlaments. Er war zu seiner Zeit sehr fortschrittlich in Denken und Handeln, und auf ihn bin ich besonders stolz.
In Kroatien konnte ich den Sponza-Palast in Dubrovnik, den Glockenturm des heiligen Anton von Padua in Crikvenica, das Schloss Kulmer und weitere bedeutende kroatische Häuser beleuchten. In einem davon, der Villa Žuži, befanden wir uns heute. Vor zehn Jahren wurde ich von Monsignor Mijo Gabrić nach Zagreb eingeladen, um die Kathedrale von Zagreb zu beleuchten. Diese Einladung nahm ich sehr gerne an. Wir beleuchteten die Fassade und arbeiten weiter daran. Der Eingang der Kathedrale sollte in sanftes, diskretes und warmes Licht getaucht werden, was uns, glaube ich, gelungen ist.
Obwohl ich mein Unternehmen anderen überliess, verliess ich es nicht und vertrete es noch immer. Wir fanden einen Weg, unser Unternehmen in Genf mit dem kroatischen Beleuchtungskörper-Hersteller Dekor in Zabok zu verbinden. Mit ihnen sind wir auf dem besten Weg, eine kroatische Beleuchtungsindustrie zu erschaffen. Ich bin mir sicher, dass uns dies gelingen wird. Mit meiner Erfahrung als Senior Consultant, kombiniert mit ihrer modernen Infrastruktur, ihrer Präzisionsarbeit, einem Team mit 60 Jahren Erfahrung und gemeinsamen Geschäftsbeziehungen können wir Kroatien in diesem Teil Europas oder auch darüber hinaus zu einem der führenden Länder auf diesem Gebiet machen.
Ich denke, das grösste Glück und auch meine grösste Errungenschaft ist meine Familie. Sie gaben mir die Kraft, all die Jahre mit Enthusiasmus zu arbeiten.
Was mich stört – und worauf ich mein ganzes Leben lang empfindlich reagierte – sind Ungerechtigkeit und Lügen.
Genau das, was wir erreicht haben: Gemeinsame Arbeit, ein gemeinsames Ziel, Kinder, Enkelkinder usw.
Ich denke, das Geheimnis liegt im Willen und im Wunsch, zu arbeiten. Einen Teil schulde ich wohl auch meinen Genen – vergessen sie nicht, dass ich Gene aus Russland und solche aus Zagorje habe! (lacht)
Quelle: Libra 49
Interview: Vesna Jelinek
Übersetzung ins Deutsche: Ines Puzić