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Verwirrungen, komplizierte Intrigen und das Spiel im Spiel: Seine Experimentierfreudigkeit liess Alain Resnais zum Grossmeister des französischen Autorenfilms werden. «Mich interessiert, ob man dies und jenes auch im Kino zeigen kann. Ich suche immer nach etwas Neuem», so der Bretone aus Vannes. Alain Resnais, der über mehrere Jahrzehnte mit vielen Grössen des französischen Films zusammenarbeitete, drehte anspruchsvolle und intellektuelle Filme, deren Ästhetik sie dennoch zu einem Kinovergnügen werden liess.
Mitbegründer der Nouvelle Vague
Zu seinem Ruf als Experimentalist und intellektueller Filmemacher ist er vor allem in den 60er-Jahren gekommen. In dem Science-Fiction-Film «Je t'aime, je t'aime» verwirrte er Frankreichs Publikum und Fachpresse mit seinem komplizierten Spiel mit Zeit- und Realitätsebenen, und in «Provence» von 1976 konfrontierte er die Zuschauer mit dem Sterben und den Fantasien eines kranken Schriftstellers. Er selbst jedoch lehnte diesen Ruf stets ab. Er sah sich als Anstifter, Lenker, Verbinder von Teilen, als der grosse «Monteur».
Je älter er wurde, desto grotesker und verrückter wurden seine Filme. Mit seinen strukturalistischen Gedankengängen führt er den Zuschauer an den Abgrund der Komik. In «Das Leben ist ein Chanson» (On connait la chanson) wechseln die Schauspieler zwischen Dialogen und Playback. Sie singen im Originalton die Chansons von Charles Aznavour, Edith Piaf und Johnny Hallyday. Für diese originelle und geniale Gesellschaftskomödie über die heile Welt der Lieder und die Wunden des Lebens erhielt Resnais 1998 gleich sieben «Césars», darunter den für den besten Film des Jahres.
Beginn mit Dokumentarfilmen
Resnais wurde als Filmemacher geboren. Mit 13 Jahren drehte er seinen ersten 8-Millimeter-Streifen, zwischen 1946 und 1947 stieg er dann auf 16 Millimeter um, und konzentrierte sich auf Dokumentarfilme über Maler wie van Gogh und Gauguin und über Kunstthemen wie den Verfall der afrikanische Kunst. Als berühmtester Dokumentarfilm gilt seine Studie über die Pariser Nationalbibliothek «Toute la mémoire du monde» (Das ganze Gedächtnis der Welt).
Als Spielfilmregisseur debütierte Resnais mit «Hiroshima, mon amour» nach einem Drehbuch von Marguerite Duras. Dieser Film über das Grauen nach dem Abwurf der Atombombe ist zu einem Kultfilm geworden wie auch «Letztes Jahr in Marienbad». Für diesen in den Schlössern Nymphenburg und Schleissheim sowie in der Münchner Residenz gedrehten Film schrieb der verstorbene «Neue-Roman»-Autor Alain Robbe-Grillet das Drehbuch. Mit diesem gewagt surrealistischen Oeuvre gewann Resnais 1961 den Goldenen Löwen des Festivals in Venedig.
Mehrere Auszeichnungen für sein Lebenswerk
Resnais wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. So wurde noch bei der diesjährigen Berlinale Resnais' Spielfilm «Aimer, boire et chanter» mit dem Silbernen Bären und dem Alfred-Bauer-Preis als ein Film geehrt, der neue Perspektiven eröffnet. Im Jahr 2006 erhielt er in Venedig zudem den Silbernen Löwen für die beste Regiearbeit für seinen Film «Coeurs» («Herzen»). Andere bekannte Filme Resnais' sind «Letztes Jahr in Marienbad» und «Smoking/No Smoking».
In den vergangenen Jahren wurde der Altmeister der Nouvelle Vague, der insgesamt knapp 50 Filme drehte, auf den Filmfestivals in Cannes, Venedig und Berlin für sein Lebenswerk ausgezeichnet.