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Festival Rümlingen 2014 – Neue Musik – Theater – Installation
Biografien
Peter Ablinger, geboren 1959 in Schwanenstadt, Österreich, studierte Grafik und Jazz-Klavier, bevor er ab 1979 Kompositionsunterricht bei Gösta Neuwirth und Roman Haubenstock-Ramati erhielt. 1982 zog er nach Berlin, wo er 1988 das Ensemble Zwischentöne gründete. 1998 erhielt er der Förderpreis des Kunstpreis Berlin. 2005 war er Preisträger der österreichischen Gesellschaft für elektronische Musik, 2008 bekam er den Andrzej-Dobrowolski-Kompositionspreis für sein Lebenswerk, 2010 den Deutschen Klangkunstpreis und 2011 den ad libitum Kompositionspreis. Neben seiner kompositorischen Tätigkeit, die auch Installationen und Musiktheater bis hin zur Oper umfasst, initiierte und leitete Peter Ablinger verschiedene Festivals. Es geht ihm um musikalische Situationen, in denen die Wahrnehmungsfähigkeit des Hörers oft stark unter- oder überfordert wird, um ihn dazu anzuregen, seine Aufmerksamkeit und Wahrnehmung von Wirklichkeit zu schärfen. Peter Ablinger ist Mitglied der Akademie der Künste Berlin und Research Professor an der Universität Huddersfield.
Carola Bauckholt, geboren 1959 in Krefeld, war von 1976 bis 1984 Mitarbeiterin am Krefelder Theater am Marienplatz. In dieser Zeit studierte sie zugleich bei Mauricio Kagel an der Musikhochschule Köln. Sie ist Mitbegründerin des Thürmchen Verlags und des gleichnamigen Ensembles. Als Komponistin war sie Preisträgerin zahlreicher Wettbewerbe und Stipendiatin an namhaften Künstlerhäusern in Deutschland und Italien. 2013 wurde sie zum Mitglied der Akademie der Künste in Berlin gewählt. Ein zentrales Moment ihrer Werke ist das Nachdenken über das Phänomen der Wahrnehmung und des Verstehens. Ihre Kompositionen vermischen oft Elemente aus visueller Kunst, Musiktheater und konzertanter Musik. Dafür bedient sie sich gerne geräuschhafter Klänge, die oft mit ungewohnten Mitteln erzeugt werden und nicht in ein vorgegebenes Kompositionsraster eingearbeitet, sondern in ihrer freien Entfaltung beobachtet und fortgeführt werden.
Jacques Demierre wurde 1954 in Genf geboren. Er studierte an der Universität Genf, am Conservatoire Populaire (Klavier, Jazzklavier, elektroakustische Musik) und am Konservatorium Genf (Musiktheorie). Über Avantgarde Rock und Jazz kam er zur Improvisation. Als Pianist spielte er mit Dorothea Schürch, Radu Malfatti, Hans Koch, aber auch mit Martial Solal, Han Bennink, Joëlle Léandre, Carlos Zingaro und Ikue Mori. Er gibt regelmässig Solokonzerte und arbeitet im Trio mit Lucas Niggli und Barry Guy sowie mit Urs Leimgruber und Barre Phillips. Demierre bewegt sich auch als Komponist im Grenzgebiet zwischen Jazz, freier Improvisation und zeitgenössischer Musik; so interessiert ihn in seinen Kompositionen, wie man die notierte und improvisierte Musiktradition zusammenbringen kann. Als freier Journalist arbeitet Demierre für die Zeitschrift Contrechamps.
Daniel Ott, geboren 1960 in Grub, wuchs im Kanton Appenzell und später in der Nähe von Basel auf. 1980 erhielt er sein Klavierdiplom und unterrichtete anschliessend Klavier und Musik in den Regionen Basel und Graubünden. Gleichzeitig war er am Aufbau verschiedener freier Theatergruppen beteiligt und zog u.a. mit einem Strassentheater per Wagenbühne und Pferden durch die Schweiz. 1983–85 führten ihn Theaterstudien nach Paris und London, von 1985 bis 1990 studierte er Komposition bei Nicolaus A. Huber an der Folkwang-Hochschule Essen sowie bei Klaus Huber an der Musikhochschule Freiburg im Breisgau. Seit 1990 ist Daniel Ott freischaffend tätig als Komponist, Pianist und Darsteller mit Arbeitsschwerpunkt Neues MusikTheater und mit interdisziplinären und raum- bzw. landschaftsbezogenen Arbeiten. 1990 gründete er das Festival Neue Musik Rümlingen, 1995–2004 war er Lehrbeauftragter für Experimentelle Musik an der Hochschule der Künste Berlin. Seit 2005 lehrt er als Professor für Komposition und Experimentelles Musiktheater an der Universität der Künste Berlin. Seit Herbst 2012 ist er zusammen mit Manos Tsangaris designierter Künstlerischer Leiter der Münchener Biennale für Neues Musiktheater ab 2016.
Mario Pagliarani wurde 1963 in Mendrisio geboren. Er studierte Violoncello, Komposition und Elektronische Musik am Konservatorium in Mailand und führte seine Studien mit Kursen bei Salvatore Sciarrino fort. Bereits 1987 erhielt er den Preis «Musica Ticinensis», dem weitere wichtige Auszeichnungen folgten. Er erhielt Kompositionsaufträge u.a. vom Chor des Radio Svizzera Italiana, von den Musikfestwochen Luzern, Pro Helvetia, dem Basler Musik Forum und dem Orchrestre de la Suisse Romande. Mario Pagliarani lebt und arbeitet im Tessiner Ort Vacallo an der Grenze zwischen der Schweiz und Italien. Seit 2004 Aufbau und Künstlerische Leitung des Festivals «La Via Lattea» im Kanton Tessin. 2008 erhielt er für «La Via Lattea» den renommierten Prix Meret Oppenheim.
Manos Tsangaris wurde 1956 in Düsseldorf geboren. Er studierte von 1976 bis 1983 an der Musikhochschule Köln bei Mauricio Kagel Komposition und Neues Musiktheater und bei Christoph Caskel Schlagzeug. Tsangaris erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien, u.a. wurde ihm im März 1997 der Kunstpreis Berlin der Akademie der Künste Berlin (Musikförderpreis) verliehen. Manos Tsangaris schreibt seit den 1970er Jahren Gedichte, die 1986 erstmals im Thürmchen Verlag veröffentlicht wurden, seit 1988 Ausstellungen mit Theater-Apparaten und Zeichnungen. Seit 2009 lehrt er als Professor für Komposition an der Dresdner Musikhochschule. 2011 wurde er zum Direktor der Sektion Musik der Akademie der Künste Berlin gewählt. Er gründete er das «Internationale Institut für Kunstermittlung» und forscht auf dem Gebiet der szenischen Anthropologie. 2012/13 war Tsangaris Artist in residence der Züricher Hochschule der Künste, seit Herbst 2012 ist er zusammen mit Daniel Ott designierter Künstlerischer Leiter der Münchener Biennale für Neues Musiktheater ab 2016.
Hans Wüthrich,geboren 1937 in Aeschi (BE), studierte am Konservatorium Bern Klavier bei Sava Savoff und Musiktheorie bei Sándor Veress. 1967–73 erhielt er Kompositionsunterricht bei Klaus Huber und promovierte etwa zeitgleich an der Universität Zürich in deutscher Sprach- und Literaturwissenschaft, Philosophie und Musikwissenschaft. 1971–85 war Wüthrich Lehrbeauftragter für Sprachwissenschaft an den Universitäten Zürich und Basel. 1974 gründete er das Ensemble «mixt media basel», das sich besonders Werken im Zwischenbereich von Musik und Theater widmet. Von 1985 bis 2002 war Wüthrich Dozent für Musiktheorie, Analyse und Gehörbildung an der Musikhochschule Winterthur-Zürich. Er erhielt den Kompositionspreis der Stadt Zürich 1972, Kompositionspreise an den «Internationalen Kompositionswettbewerben Boswil» 1974, 1976 und 1978, im Jahre 1984 den «Grand Prix Paul Gilson de la Communauté radiophonique des programmes de la langue française» und 1991 den Spartenpreis für Musik des Kantons Basel-Landschaft. Seit 2002 ist Wüthrich freischaffend. Er lebt in Arlesheim (CH) und Murg-Oberdorf (DE).
Sylwia Zytynska,geboren 1963 in Warschau, studierte Klavier, Cello und Perkussion in Warschau und Krakau. Es folgte ein Schlagzeugstudium an der Musikhochschule Basel. Seither konzertierte sie als Solistin und Kammermusikerin auf vielen Bühnen der zeitgenössischen Musik. Mehr als zehn Jahre war sie festes Mitglied des Ensemble 13 in Karlsruhe. Eine intensive Improvisationsarbeit verbindet sie mit Marianne Schuppe (Stimme) und Alfred Zimmerlin (Cello). Ihr besonderes Interesse für Musiktheater, Neue Musik und Performances führte sie 1991 zum Festival Neue Musik Rümlingen, bei dem sie seither in der Programmgruppe mitwirkt. Sylwia Zytynska unterrichtet ausserdem seit 1985 Schlagzeug an der Musikschule Basel. Sie war Composer of the week beim «Musikmonat 2001» in Basel und erhielt im selben Jahr den Kulturpreis der Alexander Clavel-Stiftung. 2004 gründete sie die Kinderkonzertbühne gare des enfants, mit der sie 2009 den Lily Waeckerlin-Preis für Jugend und Musik und 2012 den PriCülTür der Basler Programmzeitung erhielt. Sie ist Mitbegründerin des 2012 ins Leben gerufenen Vereins Zuhören Schweiz.