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"Die Kaufleutstube"
"Stadtluft macht frei!" Schaffhausen brauchte tüchtige Leute.
Als der Ort oberhalb des Rheinfalls, günstig am Handelsweg zwischen Konstanz und Basel gelegen, durch die Verleihung des Münzrechts am 10. Juni 1045zur Stadt wurde, zog er in der Folge zahlreiche Handwerker und Händler an.
Am 1. Juli 1411 gewährte Friedrich von Oesterreich (der später als Friedrich mit der leeren Tasche verhöhnt wurde) den Schaffhauser Handwerkern und Händlern das Recht, Zünfte zu bilden. Die Zünfte bestimmten in der Folge fast 400 Jahre lang die Geschicke Schaffhausens.
Was wäre Schaffhausen ohne seine Kaufleute? Sie brachten Waren nach Schaffhausen, zogen andere Händler und Käufer an und bestimmten bis ins 14. Jahrhundert hinein die Politik der Stadt.
Ursprünglich waren die Vertreter des Adels in zwei Gesellschaften aufgeteilt, welche sich auf der "Oberen Stube" (der späteren Herrenstube) und der "Niederen Stube" (der späteren Kaufleutstube an der heutigen Vordergasse 58) zu Besprechungen und gemeinsamen Mahl einfanden.
1394 schlossen sich die beiden Gesellschaften des Adels zusammen und wählten die "Obere Stube" zu ihrem Versammlungslokal. Ein paar Unentwegte blieben indes der "Niederen Stube" treu und bildeten den Kern jener Vereinigung, die sich 1411 als Gesellschaft zun Kaufleuten den Schaffhauser Zünften anschloss. Der prachtvolle Gesellschaftsaal, den die Gesellschaft zun Kaufleuten in der "Niederen Stube" einrichtete, wäre beinahe in Vergessenheit geraten. Nachdem die Gesellschaft zun Kaufleuten das Haus 1876 an die Casino-Gesellschaft verkauft hatte, nahm die Epoche ein Ende, in der im Festsaal "galante, gepudert graziöse Gestalten im Licht bis zur Decke reichender Fenster oder funkelnder Leuchter zwischen hell schimmernden, durch flache Pilaster weitflächig gegliederten Wände und Konsolspiegeln sich in Mozarts Rhythmen wiegten."
Im Festsaal wurde politisiert, denn die Casino-Gesellschaft vermietete den Saal während Jahrzehnten dem Stadtparlament als Sitzungslokal, ehe dieses ins Rathaus zog. Im Sommer 1908 ging das Gebäude für 131 000 Franken an den Buchdrucker Heinrich Meier über, den Verleger des "Intelligenzblattes". Aus dem "Intelligenzblatt" sind die "Schaffhauser Nachrichten" geworden. Im Festsaal, der dem jungen, dynamischen Unternehmen gemäss massiv umgebaut wurde, waren fortan die Setzer und Drucker am Werk. Bis, wiederum bei einem Umbau, die verloren geglaubte Stuckaturdecke ebenso zum Vorschein kam wie der Stuckmarmor an den Wänden. Die Wände im ersten Obergeschoss des Gebäudes an der Vordergasse 58 machen die 1784 fertig gestellte Kaufleutstube zur Besonderheit. Urs Ganter, Kantonaler Denkmalpfleger, stellte fest, dass der Hauptsaal eine für den Kanton Schaffhausen "einmalige Schöpfung" darstellt. "Es handelt sich um das einzige Beispiel der Anwendung von Stuckmarmor in einem profanen Gebäude." Die Stuckdecke, so Urs Ganter, ist ein Beispiel von höchster Qualität des Schaffhauser Stucks am Übergang vom Rokoko zu Louis XVI.
Die "Schaffhauser Nachrichten" fühlten sich zur Renovation des Festsaals verpflichtet. Die GEsellschaft zun Kaufleuten, erfreut über die Wiederentdeckung, übernahm, gestützt durch Subventionen von Stadt, Kanton und Bund, die nicht unerheblichen Kosten für die Rückführung "ihres" Saales in den Originalzustand von 1784 - als Geschenk zur 500-Jahr-Feier im Jahr 2001.
Das Buch zum Saal kann bestellt werden bei Meier Buchverlag Schaffhausen, ISBN-Nr. 3-85801-120-7, CHF 36.00
Telefon 052 633 31 11 oder Fax 052 633 34 01
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