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Im Urlaub hat der spontane Griff in eine Bring-und-Hol-Bibliothek mich zu einer Wiederbegegnung mit einem Buch geführt, das ich vor langer Zeit in der Schule gelesen hatte: die «Farm der Tiere» von George Orwell. Der englische Autor erzählt in dem dünnen Bändchen von einem Bauernhof. Die Tiere leiden unter dem grausamen und meistens betrunkenen Bauern. Deshalb beschließen sie ihn zu verjagen und selbst die Verantwortung für den Betrieb zu übernehmen. Edle Prinzipien sollen sie bei dieser Aufgabe leiten. Alle Tiere sollen die gleichen Rechte haben; doch schon sehr bald entstehen neue Herrschaftsstrukturen und Abhängigkeiten, und die Tiere leiden mehr als zuvor.
Als Schüler lernte ich die historischen Bezüge kennen. Orwell, der selbst überzeugter Kommunist war, verarbeitet mit dieser Parabel die Geschichte von der russischen Revolution bis zu den Grausamkeiten des Stalinismus. Bei der jetzigen Lektüre ist mir bewusst geworden, dass Orwells warnende Worte weiter Gültigkeit haben. Weltanschauungen und Religionen werden zur Tyrannei, wenn sie sich gegenüber Kritik abschotten, wissenschaftliche Erkenntnisse leugnen und Offensichtliches umbiegen oder vernachlässigen.
«Freiheit ist das Recht, den Menschen zu sagen, was sie nicht hören wollen.» So hat Orwell sein politisches Credo formuliert. Dazu gehört, andere mit Mut auf Missstände hinzuweisen. Es gehört aber auch dazu, das eigene Gedankengebäude von anderen Menschen in Frage stellen zu lassen.