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von Trevor Molife – Purple Africa – Zimbabwe
“Rume rimwe harikombi churu” ist ein berühmtes Sprichwort in meiner Heimatsprache Shona. Es bedeutet: “Eine einzelne Person, egal wie groß, umrundet keinen Ameisenhaufen alleine”. Genauso verhält es sich mit sozialem Wandel und jeder Art von Arbeit, die man mit der Hoffnung auf eine positive Wirkung in Angriff nimmt. Es ist fast unmöglich eine Wirkung zu erzielen, ohne mit anderen zusammenzuarbeiten.
Das bringt mich zurück zu der Zeit, als ich den kanthari-Kurs gerade abgeschlossen hatte. Ich war nach meiner Rückkehr nach Simbabwe begeistert und wollte mein Projekt Purple Hand Africa ins Leben rufen. Ich wollte meinen Traum verwirklichen und eine positive Veränderung für die LGBTQI+ Gemeinschaft herbeiführen. Mein Ziel war und ist, dass die LGBTQI+ Simbabwer zu mitwirkenden Bürgern werden und auch sie Veränderungen in allen Schichten der Gesellschaft bewirken können. Allein und ohne viel Engagement von anderen Organisationen in diesem Bereich, oder von Mitgliedern der Gemeinschaft selbst, ist es nicht möglich, diese Aufgabe zu bewältigen.
Ein Anfang war gemacht, ich identifiziere mich als schwuler Mann und habe Freunde, die wiederum Freunde in LGBTQI+ Kreisen haben. Nicht zu wissen, was andere Organisationen und Personen bereits tun, hätte mich ins Haifischbecken geworfen. Ich wollte nicht ins Feld kommen und nur die Arbeit von anderen Aktivisten und Organisationen replizieren. Am Ende des Tages führt das zu einer Konkurrenzsituation, nicht zu einer Zusammenarbeit. Daher suchte ich zunächst Partnerschaften mit Organisationen wie GALZ (einer Vereinigung für LGBT-Menschen in Simbabwe), Writers’ Cafe und Trans and Intersex Rising Zimbabwe (TIRZ). Alles gemeinschaftsorientierte Organisationen, was mir dabei half, mehr Teilnehmer für mein Projekt zu gewinnen. Ausserdem bekam ich eine klare Vorstellung davon, was bereits vor Ort passiert und welche Lücken im Dienstleistungsangebot bestehen.
Ich bin froh, dass ich von anderen kantharis unterstützt werde. Da ist Gumisayi Bonzo. Sie führt die Organisation „TransSmart”, die mit Trans-Menschen in Simbabwe arbeitet. Dann gibt es noch Arthanas. Sein Projekt ist nicht auf die LGBTQI+ Gemeinschaft fokussiert, er hat aber angeboten, als Moderator für einige unserer Sitzungen zu kommen. Diese ersten Schritte halfen dabei, dass Purple Hand Africa seinen ersten erfolgreichen Community Art Workshop durchführen konnte. Das war ein fruchtbarer und wichtiger Schritt, der die Türen für weitere Partnerschaften öffnete. Diese Partnerschaften trugen dazu bei, dass das Projekt eine landesweite Reichweite bekam. Was wiederum dabei half, die Lücke in der Versorgung der LGBTQI+-Gemeinschaft mit Dienstleistungen für psychische Gesundheit zu schließen. Diese Schritte hätten wir nicht geschafft, wenn wir versucht hätten, sie allein zu gehen.
Durch die Freundschaften, die wir mit Verbündeten aus der Mainstream-Community geschlossen haben, konnten wir unsere Aktivitäten auf das „Storytelling“ ausweiten. Dies geschah nach unserer Interaktion mit Vera. Sie ist Community Managerin von Moto Republik, ein kreativer Hub und ein Co-Working Space für Künstler, kreative Unternehmer und Aktivisten in Harare. Sie erzählte uns von deren ZW9 Accelerator Programm. Wir nutzten die Chance und bewarben uns. Der Erfolg bei dieser Bewerbung hat uns dann geholfen, unser storytelling Project zu starten. Das Projekt gibt LGBTQI+ Menschen die Macht, ihre eigene Geschichte zu besitzen und sie mit der eigenen Stimme zu erzählen. Sie lernen für sich selbst einzustehen und nicht andere für sich sprechen zu lassen.
In diesen Zeiten von Corona hat sich das Leben verändert. Die Finanzierungsströme haben sich plötzlich so verändert, dass nur noch Nothilfe geleistet wird. Große Geldgeber haben begonnen, mehr an Koalitionen zu geben. Diese neigen dazu, mehr Lücken abzudecken als Organisationen, die in einzelnen Bereichen arbeiten. In diesen Zeiten ist es daher wichtig, dass wir zusammenarbeiten, um den Ameisenhaufen von COVID umzingeln zu können.
Im letzten Jahr hat uns die Zusammenarbeit mit Partnerschaften innerhalb der Mainstream-Non-Profit-Organisationen immens geholfen. Das hat sich vor allem in der Partnerschaft mit Dragonflies Everywhere gezeigt. Durch sie haben wir den Zugang zu Experten für die Programmgestaltung und die Moderation unserer Workshops mit anschließender Einzelcoaching-Unterstützung für die Teilnehmer erhalten. Während dem Lockdown sind unsere Teilnehmer, alles marginalisierte Personen, mit einzigartigen Herausforderungen konfrontiert. Durch unser Training können sie besser damit umgehen. Dann gibt es noch ein grossartiges Netzwerk von kantharis. Sie alle arbeiten an verschiedenen Themen. Wir können jederzeit um Unterstützung und Wissensaustausch bitten, wo wir sonst vielleicht zu kurz kommen könnten. In diesen sich verändernden Zeiten habe ich gelernt, dass Kollaborationen eine größere Wirkung und Veränderung bewirken. In der Welt des sozialen Wandels ist das dringend nötig.
Während dieser Zusammenarbeit konnten wir eine vielfältige Gruppe von Teilnehmern für unsere Projekte gewinnen. Wir arbeiten mit verschiedenen Fachleuten, die das Leben der Teilnehmer auf einzigartige und ganzheitliche Weise bereichern. Diese Erfahrung hat uns geholfen, Projekte mit einer durchgängigen Wirkung zu entwerfen. Wir haben jetzt sogar persönliche Entwicklungspläne für unsere Teilnehmer eingeführt. Durch unser grosses, ständig wachsendes Netzwerk von Mitarbeitern und Mentoren, werden die Teilnehmer bei der Erreichung ihrer individuellen Lebensziele unterstützt.
Wir haben gelernt, dass man durch Zusammenarbeit an Wissen gewinnt und Lücken in der eigenen Arbeit erkennen kann. Durch die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen haben wir nun die Gewissheit, eine langfristige und breitere Wirkung erzielen zu können. Das wird uns helfen, in kleinen Schritten den Weg zur ultimativen Vision der Organisation gehen zu können – einem inklusiven Simbabwe, das Vielfalt begrüßt.