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Wieviel Internetgeschwindigkeit braucht der Mensch?
Gerade im Zusammenhang mit dem vermehrten Arbeiten im Homeoffice stellen Kunden öfter die Frage, wie schnell ihre Internetgeschwindigkeit eigentlich sein soll. Denn plötzlich merken viele, dass ihr Abonnement den geänderten Anforderungen nicht mehr entspricht. Denn wenn von einem Anschluss aus wegen des Lockdowns im Homeoffice ständig Videokonferenzen abgehalten und mehr Streaming-Dienste genutzt werden, kommt der Internetzugang gern an seine Grenzen.
Datenübertragungsrate, Bitrate, Bandbreite
Deshalb vorab kurz etwas zur Begriffsdefinition. Es geht in diesem Beitrag um die Datenübertragungsrate und nicht etwa um die Bandbreite. Leider werden diese beiden Begriffe gerne fälschlicherweise synonym verwendet. Die Datenübertragungsrate bezeichnet die Datenmenge in Bit pro Sekunde (Bit/s), also die Anzahl Bit, die pro Zeiteinheit übertragen wird. Währenddessen die Bandbreite ein Intervall in einem Frequenzspektrum beschreibt. Die Masseinheit der Bandbreite ist demzufolge die gleiche wie für die Frequenz, das Hertz (Hz). Die erzielbare Datenübertragungsrate (auch Datenübertragungsgeschwindigkeit, Datenrate, Bitrate, Datentransferrate oder schlicht Internetgeschwindigkeit genannt), hängt von der verfügbaren Bandbreite und natürlich von der verwendeten Technologie ab. Verglichen mit einem Gartenschlauch entspräche der Querschnitt des Schlauches der Bandbreite und der Wasserdurchfluss der Datenübertragungsrate.
Was ist schnelles Internet?
Als 1990 der Zugang ins Internet für Private ausschliesslich mit Einwählmodem erfolgte, galt eine Gerätegeschwindigkeit von über 4800 Bit/s als das Nonplusultra. Später mit ISDN waren 128 kBit/s absolut Highend. Um die Jahrtausendwende konnte dank Kabelmodems mancher anspruchsvolle Consumer mit bis 1 Mbit/s ins Internet. Das galt damals als extrem schnell. Grossunternehmen (wirklich grosse!) verfügten damals über Internetanschlüsse von etwa 50 Mbit/s. 2 Mbit/s waren für KMU schon eher die Ausnahme, weil extrem teuer. Heute im Jahre 2021 gilt ein Abo mit 10 Gbit/s als sehr schnelles Internet und 1 Gbit/s immerhin noch als schnell. Alles darunter gilt heute eher als mässige Leistung.
1998 formulierte übrigens Jakob Nielsen das «Nielsen Gesetz der Internetbandbreite» (Nielsen’s Law of Internet Bandwidth), wonach die Internetgeschwindigkeit für Privatkunden jedes Jahr um 50 % steigt. Natürlich ist das nicht ein Naturgesetz, sondern eher eine empirische Beobachtung. Der aufmerksame Leser merkt: Auch Nielsen verwechselt Bandbreite mit Übertragungsrate. Nichtsdestotrotz, seit Anfang der 80er-Jahre stimmt’s, denn der Bedarf an Internetgeschwindigkeit steigt nach wie vor exponentiell an.
Interessant in diesem Zusammenhang ist ein anderes, besser bekanntes Gesetz, das Gesetz von Moore (engl. Moore’s law). Formuliert durch den Mitgründer von Intel, Gordon Moore. Es besagt, dass sich die Anzahl Transistoren in integrierten Schaltkreisen etwa alle zwei Jahre verdoppelt. Auch das mooresche Gesetz ist natürlich kein Naturgesetz im eigentlichen Sinne, sondern eine interessante, beobachtete Gesetzmässigkeit.
Benötigte Internetgeschwindigkeit
Die Internetgeschwindigkeit, die ein Haushalt benötigt, ist sehr individuell. Denn es kommt darauf an, ob einerseits mehrere Personen das Internet benutzen und wie viele Geräte angeschlossen sind. Andererseits ist entscheidend, ob man Echtzeitdienste (im Privathaushalt wohl meistens Videostreaming) benutzt oder nicht. Während man bei der Nutzung von E-Mail, dem Download von Dateien oder dem Betrachten von Webseiten gewissermassen Zeit gegen Bitrate tauschen kann, ist nämlich das bei Live-Streaming nicht möglich. Wenn die Bitrate für ein UHD-Video nicht reicht, dann ruckelt es ganz einfach. Da hilft nur ein leistungsfähigeres Internet-Abo.
Netflix beispielsweise hat auf seiner Website Empfehlungen zur Internetgeschwindigkeit Folgendes publiziert:
- Mindestanforderung: 1.5 Mbit/s
- Video in Standardauflösung (SD): 3 Mbit/s
- Video in High Definition (HD): 5 Mbit/s
- 4K Video (UHD): 25 Mbit/s
Die Anforderungen von Netflix können als grobe Richtlinie recht gut auf andere Streamingdienste übertragen werden und sind als absolute Minimalanforderungen zu verstehen.
Wer hingegen nicht in Echtzeit unterwegs ist, also E-Mails schreibt, auf Webseiten surft und ab und zu etwas herunterlädt, benötigt nicht so hohe Internetgeschwindigkeiten. Als Richtlinie kann folgender Vergleich dienen: Ein Download von ca. 500 MByte, z. B. ein typisches Software-Update dauert mit einem Internetanschluss von 25 Mbit/s ca. 160 Sekunden, bei 1 Gbit/s noch 4 Sekunden und bei 10 Gbit/s sagenhafte 0.4 Sekunden. Empfehlungen, welche Internetgeschwindigkeit die richtige ist, haben wir in diesem (aktualisierten) Beitrag zusammengefasst.
Speedtest
Ist man mit seiner Internetgeschwindigkeit nicht zufrieden oder vermutet, dass der Provider nicht liefert, was er verspricht, greift man gerne zu einem Speedtest. Damit lässt sich überprüfen, was Sache ist. Eine Internetsuche liefert auch schnell hunderte von Speedtests. Aber Achtung, ein unbedarft angewandter Test schafft mehr Verwirrung als Nutzen. Im Beitrag Speedtest – so geht’s lesen Sie, was ein Speedtest nützt und was man dabei beachten sollte.Zurück zum Blog