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| Ambrosius von Mailand (340-397) - Exameron

Der fünfte Tag. Siebte und achte Homilie. (Gen 1,20-23)
XIX. Kapitel. Die Turteltaube ein Vorbild keuschen Witwenstandes.
63.
Wer nun gab der Turteltaube diese Gesetze? Frage ich nach einem Menschen: niemand, Denn kein Mensch hätte das gewagt, nachdem selbst Paulus es nicht gewagt hat, die Beobachtung der Witwenschaft zur Gesetzesvorschrift zu erheben. So spricht er denn: "Ich will also, daß die jüngeren [Witwen] heiraten, Kinder gebären, als Hausfrauen walten, dem Widersacher keine Gelegenheit geben". Und an einer anderen Stelle: "Gut ist es für sie, wenn sie so bleiben; wenn sie aber nicht enthaltsam sind, mögen sie heiraten; denn es ist besser heiraten als brennen". Nur als Wunsch spricht Paulus bei den Frauen aus, was bei den Turteltauben steter Brauch ist. Und an der anderen Stelle mahnt er sogar die jüngeren zur Heirat, indem unsere Frauen kaum instande sind, die Keuschheit der Turteltauben zu beobachten. Gott also senkte den Turteltauben diesen Trieb ein, gab ihnen diese Kraft der Enthaltsamkeit; denn nur er vermag ein allgemein bindendes Gesetz hierzu zu geben. Die Turteltaube entbrennt nicht vor blühender Jugend, läßt sich durch keine lockende Gelegenheit verführen. Die Turteltaube kennt keine Verletzung der ersten Treue; denn sie weiß die Keuschheit zu wahren, die sie bei der ersten Verbindung, die ihr beschieden war, gelobte.