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Der Star der Tour de Suisse, die am Samstag mit einem Zeitfahren in Langnau beginnt, heisst Geraint Thomas. Der Brite bereitet sich in der Schweiz auf die Titelverteidigung an der Tour de France vor.
Vor einem Jahr starteten einige Mannschaften praktisch mit dem identischen Aufgebot zur Schweizer Rundfahrt wie im Juli zur Tour de France. Das dürfte vorerst eine Ausnahme geblieben sein, denn in diesem Sommer ist die Konstellation wieder eine andere. Nach dem Rennen in der Schweiz dauert es nur zwei Wochen, ehe die Frankreich-Rundfahrt im Programm steht.
Entsprechend ziehen die meisten Anwärter auf den Tour-Sieg das Critérium du Dauphiné der Tour de Suisse vor, so zum Beispiel der Vorjahressieger Richie Porte aus Australien. Ein Dauphiné-Start erlaubt den Profis eine Pause von drei Wochen, was für die Erholung tendenziell besser ist.
Die grosse Ausnahme bildet Geraint Thomas. Der Brite hatte vor einem Jahr an der Tour de France überraschend seinen Teamkollegen Chris Froome und die gesamte Konkurrenz hinter sich gelassen. Nun rüstet sich der 33-Jährige in der Schweiz für die Wiederholung des Triumphs aus dem Vorjahr. Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Froome wird Thomas als einziger Leader des Teams Ineos (ehemals Sky) zur Tour de France starten.
Zur Tour de Suisse startet Thomas zumindest auf dem Papier als Favorit. Fraglich ist, ob er bereits die Form hat, um die anspruchsvolle Rundfahrt über neun Etappen zu gewinnen. Tendenzen dazu gibt es keine; sein letztes Rennen bestritt Thomas Anfang Mai mit der Tour de Romandie. Die Westschweizer Rundfahrt beendete er im 3. Rang. Seither bereitete sich Thomas mit Trainingslagern auf die kommenden Wochen vor.
Zahlreiche Schweizer am Start
Seine grössten Widersacher im Kampf um den Gesamtsieg dürften die ehemaligen Sieger Rui Costa (2012 bis 2014) aus Portugal und Simon Spilak (2015 und 2017) aus Slowenien sein. Zu beachten gilt es auch den Spanier Enric Mas (letztes Jahr Vierter), Thomas' kolumbianischen Teamkollegen Egan Bernal und den Franzosen Pierre Latour, der an der letzten Tour de France das Trikot des besten Jungprofis gewonnen hat.
Attraktiv präsentiert sich das Teilnehmerfeld dennoch, mit Fahrern wie dem Olympiasieger Greg van Avermaet oder dem dreifachen Weltmeister Peter Sagan, der mit 16 Etappensiegen den Rekord an der Tour de Suisse hält. Zudem ist die Schweizer Delegation gemäss der noch provisorischen Startlisten der 21 teilnehmenden Teams so gross wie seit 2008 nicht mehr.
17 Schweizer dürften in Langnau am Start stehen, was primär daran liegt, dass wie bereits an der Tour de Romandie die Schweizer Nationalmannschaft mit einer Wildcard starten darf. Von den 13 auf der World Tour engagierten Schweizern fehlen einzig der verletzte Silvan Dillier sowie Sébastien Reichenbach und Danilo Wyss, die von ihren Mannschaften nicht aufgeboten worden sind.
Frank als Hoffnungsträger
Der meistgenannte einheimische Anwärter auf eine Spitzenklassierung in der Gesamtwertung ist einmal mehr Mathias Frank. Der Luzerner startet zusammen mit Latour als Leader der Mannschaft AG2R. Frank hatte 2014 mit einem 2. Rang geglänzt, das Resultat seither jedoch nie mehr bestätigen können.
Zuletzt zeigte sich Frank aber gut in Form. An der Tour de l'Ain, einem Rennen über drei teilweise schwierige Etappen, klassierte er sich im 2. Rang. Entsprechend zuversichtlich startet der 32-Jährige zu seinem Heimrennen. "Die Tour de l'Ain zeigte mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ich war beruhigt, als ich mich so gut fühlte", so Frank.
Küng strebt Leadertrikot an
Der zweite Schweizer Hoffnungsträger ist Stefan Küng, der nach dem Rücktritt von Fabian Cancellara so etwas wie das Gesicht der Tour de Suisse geworden ist. Bei seinem dritten Start an der Rundfahrt möchte der Thurgauer Zeitfahr-Spezialist zum dritten Mal nach 2017 und 2018 ins gelbe Leadertrikot eingekleidet werden. Die Organisatoren legen Küng den roten Teppich aus, indem sie die Rundfahrt mit einer kurzen Prüfung gegen die Uhr lancieren.
Insgesamt haben die 147 Teilnehmer bis ins Ziel in Ulrichen VS 1172,7 Kilometer und fast 19'000 Höhenmeter zurückzulegen. Die Entscheidung im Kampf um den Gesamtsieg wird erst in der zweiten Wochenhälfte fallen, wenn die Bergankünfte nach Flumserberg und auf den Gotthardpass sowie die Königsetappe über Furka-, Susten- und Grimselpass im Programm stehen.