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Wort zum Sonntag
Autor: Jakob Hertach/Kipa
Wer kommt in den Himmel?
Eine Frau lebte im Überfluss und genoss viel Ansehen bei ihren Mitmenschen. Als sie starb und in den Himmel kam, wurde ein Engel zur ihr geschickt, um sie in ihr Haus zu begleiten. Sie gingen an vielen herrschaftlichen Villen vorbei, und die Frau dachte jedesmal, diese sei für sie bestimmt. Als sie die Hauptstrassen des Himmels hinter sich gelassen hatten und in die Vorstädte gelangten, wurde die Umgebung immer bescheidener, bis sie schliesslich am äussersten Rand der Vorstadt an ein Haus kamen, das kaum mehr als eine Hütte war.
«Dort ist dein Haus», sagte der Engel, der sie begleitete. «Wie?», sagte die Frau, «das dort? Dort kann ich unmöglich wohnen.» «Es tut mir leid», sagte der Engel, «doch aus dem Material, das du uns heraufgeschickt hast, konnten wir kein besseres bauen.»
Dieses Problem hat auch jene Person beschäftigt, die Jesus fragte: «Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?» Hinter der Frage steckt die Annahme, das Reich Gottes sei nur für Juden bestimmt und die Heiden – die Nichtjuden – seien davon ausgeschlossen. «Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen, hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen» (Lk 13,22-30).
Jesu Antwort muss den Fragesteller regelrecht schockiert haben. Denn in das Reich Gottes komme niemand einfach so, ohne sein eigenes Dazutun.
Diese Antwort zeigt, dass wir immer unterwegs sind und uns weiterentwickeln – bis an unser Lebensende. Denn wenn wir nicht mehr vorwärts schreiten, geht es unweigerlich rückwärts mit uns. Wir leben in einer Zeit, in der viele Menschen stehen bleiben, weil ihnen Entwicklungen zu schnell gehen. Deshalb schalten sie einen Marschhalt ein, um sich neu zu orientieren.
Jesus nennt auch das Ziel: «Und man wird von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen. Dann werden manche von den Letzten die Ersten sein und manche von den Ersten die Letzten.» Das Reich Gottes ist voll von Überraschungen, wenn wir das Sprichwort «Schau vorwärts, nicht zurück» zum Lebensinhalt machen.
Jakob Hertach (1937), Seelsorgehelfer und Journalist, lebt in Dielsdorf ZH.