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Georg Huntemann fasst das Unbehagen, das ich bei der Lektüre von Karl Barth spüre, in Worte (in: Der verlorene Massstab, VLM: Liebenzell, 1983):
Das Unbestimmte (z. B. angesichts der Endzeit), das Formalistische (der sogenannte Christomonismus), das Spannungslose (der fast horizontalisierende, quasi-allversöhnungstheologische Triumphalismus), die sich um Entscheidungssätze oft geradezu herumdrückende Weitschweifigkeit des Ausdrucks (eine Art theologischer Lyrik in der kirchlichen Dogmatik) schwächten Barths Lebenswerk. …
Das Bekenntnis zur Offenbarungsethik in der Theologie Karl Barths leidet wie seine Theologie in all ihren Aussagen unter der Unbestimmtheit des 'Wortes Gottes', die mit seiner ausdrücklichen Verneinung der Verbalinspiration zusammenhängt. Es gibt für Karl Barth kein unfehlbares, irrtumsloses Gotteswort. Selektive und symbolisierende Exegese sind auch bei Barth die sich daraus ergebenden Konsequenzen. Barth, der sich – je später, je leidenschaftlicher – als Gegner lutherischer Theologie verstand, ist gerade eben dem lutherischen Materialprinzip 'alles was Christum treibt' (allerdings mit einer gehörigen Portion Neukantianismus) erlegen. Die Wahrheit ist Christus – meint Barth. Aber was wissen wir von Christus, wenn nicht durch das unfehlbare Wort von ihn, über ihn und zu ihm hin. Hier hat ihn der theologisch-bürgerliche Liberalismus nicht freigelassen. Barths Exodus aus dem 19. Jahrhundert soff im Schilfmeer des Kritizismus ab. Von daher versteht sich sein 'Formalismus', der sich sehr oft zu einer gewissen Leerformelhaftigkeit seiner Theologie steigern konnte. In die Leerräume dieser Leerformeln konnten dann viele Schüler Barths eindringen, um sie mit ihrer Theologie der Revolution, der Hoffnung oder der konsequenten horizontalen Allversöhnung auszufüllen.
Ich schliesse mich aber auch dem Statement von Ron Kubsch an:
Das Bekenntnis: »Ihn in seiner Menschlichkeit und als Schriftsteller zu lieben, ist nicht eben leicht. Dafür kann man als sein Leser dankbar und respektvoll bei ihm in die Schule gehen.«, beschreibt übrigens trefflich mein Verhältnis zu Karl Barth.
Ron wies vor einiger Zeit auf den sehenswerten Beitrag von David Wells über die Popularität Barths unter (Post-)Evangelikalen hin.