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Giolitti
(spr. dscho-), Giovanni, ital. Staatsmann, geb. zu Mondovi (Provinz Cuneo), studierte seit 1858 die Rechte in Turin [* 2] und ward hier bereits 1866 zum stellvertretenden Staatsanwalt ernannt, wurde aber dann 1869 von Sella [* 3] als Sekretär [* 4] der Steuerkommission in das Finanzministerium gezogen, in welchem er 1874 unter Minghetti zum Generalinspektor aufstieg, was er auch unter Depretis blieb, bis er 1877 Generalsekretär des Rechnungshofes wurde. Infolge von Meinungsverschiedenheiten mit Seismit-Doda mußte er ausscheiden. Durch Ernennung zum ¶
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Staatsrat eröffnete ihm 1882 Depretis die polit. Laufbahn, worauf ihn sein heimatlicher Wahlkreis ins Parlament sandte.
Am ward
Giolitti von Crispi mit dem Schatzministerium betraut und übernahm nach dem Rücktritt Seismit-Dodas
auch das Finanzministerium, geriet aber mit seinem Bestehen auf Sparsamkeit bald in Widerstreit mit der
hochstrebenden Politik Crispis und den Forderungen des Arbeitsministers Finali, weshalb er schon seine Entlassung
einreichte.
Rudini, kurz darauf an Crispis Stelle getreten, wurde anfangs von
Giolitti unterstützt, dann aber, als er auch zu Steuererhöhungen
griff, heftig angegriffen und gestürzt, worauf
Giolitti selbst mit der Bildung eines neuen Kabinetts
betraut ward, in das er fast nur Abgeordnete und Anhänger der Linken berief. Seit Cavour der jüngste und der erste Ministerpräsident,
welcher an den Einheitskämpfen nicht mehr teilgenommen hatte, wurde
Giolitti mit ungewöhnlicher Feindseligkeit von
der Kammer aufgenommen, weshalb er zu deren Auflösung greifen mußte.
Trotz der Erklärungen Crispis, welcher in volkstümlichen Äußerungen zu überbieten suchte, brachten die Neuwahlen eine
fortschrittliche Dreifünftelmehrheit für
Giolitti, der wiederum durch Ersparnisse und ohne neue Auflagen das Gleichgewicht
[* 6] herzustellen
und außerdem die Besteuerung zu Gunsten der untern Volksklassen abzuändern und Reformen im Justiz- und Unterrichtswesen einzuführen
versprach. Die Unregelmäßigkeiten bei der Banca Romana veranlaßten ihn, an eine Neuordnung des Bankwesens
zu gehen.