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Menschen sind Migranten. Auch früher verliessen Menschen ihre Heimat und suchten anderswo eine neue Existenz. DNA-Analysen von uralten Knochen zeigen, dass dies auch für die Vorfahren der heutigen Iren gilt: Vor tausenden von Jahren kamen sie aus Anatolien an die windumtoste Nordwestecke Europas – und brachten die Kulturtechnik der Landwirtschaft mit.
Forscher um Dan Bradley vom Trinity College in Dublin sowie der Queen's University Belfast, die ihre Studie in den «PNAS» publizierten, haben die Skelette von insgesamt vier Personen untersucht: Eine Frau, die vor etwa 5200 Jahren in Ballynahatty in der Nähe von Belfast lebte, und drei Männer, deren 3500 bis 4000 Jahre alte Überreste auf der Insel Rathlin im Norden von Irland gefunden wurden.
Die Frau – eine Bäuerin, deren Skelett bereits 1855 ausgegraben wurde – stammte gemäss den Ergebnissen der Gen-Analyse von Menschen aus dem Nahen Osten, genauer Anatolien, ab. Diese Gegend gilt als eine der Wiegen der Landwirtschaft. Die Völker dort wanderten vor 5500 Jahren entlang der Küste des Mittelmeeres gegen Westen und erreichten schliesslich über die Iberische Halbinsel Irland.
Neben der Landwirtschaft und der Viehzucht brachten die Einwanderer auch die genetische Veranlagung für schwarze Haare und braune Augen mit, wie sie auch die Frau aus Belfast hatte.
Genetische Daten aus anderen Teilen Europas bestätigen diese Wanderungsbewegung: Vor etwa 7000 bis 5000 Jahren wanderten Populationen von Menschen aus sesshaften Kulturen nach Europa ein und verdrängten die bis dahin dort lebenden nicht sesshaften Völker.
Die Entschlüsselung des Erbguts der drei Männer ergab, dass auch sie Nachfahren von Einwanderern waren. Diese zweite Einwanderungswelle, die vor etwas mehr als 4000 Jahren stattfand, hatte ihren Ursprung aber in einer anderen Gegend: Die Ur-Heimat dieser Menschen war die pontisch-kaspische Steppenlandschaft nördlich des Schwarzen Meeres.
Im Gegensatz zu den Menschen aus Anatolien sahen diese Migranten allerdings nicht wie Südeuropäer aus, sondern hatten vermutlich helles Haar. Zudem trugen sie in ihren Genen Anlagen für blaue Augen. Damit ähnelten sie den Menschen, die zu dieser Zeit in Mittel- und Nordeuropa lebten. Dies ist ein Indiz dafür, dass ihre Wanderroute quer durch Europa führte.
Das Erbgut der drei Männer aus der Bronzezeit ist eng mit jenem verwandt, das sich bei heutigen Iren, Schotten und Walisern – also den Inselkelten – findet. Die genetische Ausstattung eines der Männer wies überdies eine Laktose-Verträglichkeit auf. In der heutigen irischen Bevölkerung haben 90 Prozent ebenfalls eine solche Toleranz gegenüber Milchzucker – keine andere Population, von den Skandinaviern abgesehen, verträgt Milch so problemlos.
Weltweit ist Laktoseintoleranz bei Erwachsenen die Norm; die Gen-Mutation, die es den Betroffenen erlaubt, Milchzucker problemlos zu verdauen, hat sich in Europa parallel zur Ausweitung der Landwirtschaft und nach Einführung der Tierzucht und Milchwirtschaft ausgebreitet. (dhr)