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Gut oder Börse? Studie zum ethischen Börsenhandeln
Ist Handeln an der Börse ethisch vertretbar? Diese Frage hat CRIC, Verein zur Förderung von Ethik und Nachhaltigkeit in der Geldanlage, im Auftrag der Alternativen Bank Schweiz untersucht.
Würden Sie ein Kinderheim auf das kontaminierte Land einer ehemaligen Giftmülldeponie bauen? Oder anders gefragt: Möchten Sie mit Ihrem Ersparten auf eine Institution bauen, nämlich die Börse, von der Sie wissen, dass ebendiese unter anderem mit «toxischen» Wertpapieren zu sozialer Ungerechtigkeit beiträgt? Nachhaltige Geldanlagen gewinnen in der Schweiz immer mehr an Bedeutung. Damit soll man Gutes tun können und obendrein noch finanziell profitieren. Dabei wird wie selbstverständlich vorausgesetzt, dass es ethisch legitim ist, sich der Börse als Instrument für soziale und ökologische Zwecke zu bedienen. Ist das wirklich so? CRIC, der Verein zur Förderung von Ethik und Nachhaltigkeit in der Geldanlage, hat diese Frage für die Alternative Bank Schweiz (ABS) untersucht.
Für marktwirtschaftliches Wirtschaftssystem zentral
In der Studie leitet CRIC her, dass der Handel an der Börse für ein marktwirtschaftliches Wirtschaftssystem von zentraler Bedeutung ist. Dank der Börse können sich Unternehmen Kapital beschaffen und die Investorinnen und Investoren, die Kapital zur Verfügung stellen, können am Gewinn eines Unternehmens teilhaben. Theoretisch werde auf diesem Weg freies Kapital optimal jenen Anlagetiteln von Unternehmen zugewiesen, die im Verhältnis zum Risiko die höchste Rendite versprechen. «Optimal» heisse auch, dass die Anlagetitel bezüglich Risiko immer zu gerechten Preisen gekauft und verkauft werden. So viel zur Theorie.
Beitrag ans Gemeinwohl bestimmt Legitimität
In einer ethischen Analyse prüft CRIC sodann, ob diese optimale Zuweisung tatsächlich funktioniert und fragt, ob dadurch auch ein Beitrag an das Gemeinwohl entsteht. Der Verein kommt zum Schluss, dass gerechte Preise nur dann ermittelt werden, wenn alle Akteurinnen und Akteure zur gleichen Zeit über die gleichen Informationen verfügen können. Diese Bedingung werde aber nicht immer erfüllt, weil sich einige Akteurinnen und Akteure illegal und unethisch verhielten. Auch Marktmanipulationen würden die Bildung von gerechten Preisen verhindern. Dies spreche aber nicht generell gegen die Börse. Inwiefern Spekulation an der Börse ethisch vertretbar sei, hängt gemäss CRIC in erster Linie von den Auswirkungen auf Unbeteiligte ab. Diese seien für Investorinnen und Investoren im Voraus nur schwer erkennbar. Und schliesslich stelle sich die Frage der Verteilungsgerechtigkeit: Für die Legitimität des Börsenhandelns sei zentral, dass diese gegeben sei. Alle müssten die gleichen Chancen und Möglichkeiten haben, mit der Börse Gewinne zu erwirtschaften und diese müssten anschliessend gerecht verteilt werden. Die positiven und negativen Effekte sollten gerecht auf alle fallen, die von diesen Effekten betroffen seien.
Empfehlungen für mehr Ethik
Ausgehend von der ethischen Analyse empfiehlt CRIC allen Akteurinnen und Akteuren an der Börse unter anderem
- die eigene Rolle beim Börsenhandeln ethisch zu reflektieren.
- Beteiligungsmöglichkeiten für kleinere und weniger professionelle Investorinnen und Investoren zu schaffen.
- das Bewusstsein für die individuelle Mitverantwortung für das System Börsenhandeln zu bilden.
Jetzt nachhören
Anfang Juli haben Dr. Klaus Gabriel, Geschäftsführer bei CRIC, und Michael Diaz, Mitglied der ABS-Geschäftsleitung, in Olten die Ergebnisse der Studie präsentiert und diskutiert.