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1988 wurde Nicholas Winton zu einer britischen Fernsehsendung namens „That’s Life“ eingeladen. Als die Moderatorin das Studiopublikum frage „Ist hier jemand, der sein Leben diesem Mann verdankt“ standen sie fast alle Gäste auf. Organisiert wurde die Aktion von seiner Ehefrau, die kurz davor unter seinen Dokumenten ein Sammelalbum mit Unterlagen von Kindern, denen er 1930 zur Ausreise aus der Tschecholsovakei und zur Flucht nach England verhalf, in der Pflegefamilien organisierte, Einreisegenehmigungen beantragte und fälschte und Bahnbeamte, Polizisten und sogar den Leiter der Gestapo bestach.
Peter Sís erzählt in kurzen Sätzen und symbolreichen Illustrationen, gemalt mit Acryl und Tusche, die Lebensgeschichten zweier Menschen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben und die sich zufällig kreuzen.
Nicholas Winton „Nicky“ wurde 1909 in England geboren und besuchte eine Schule, in der Kinder ermutigt wurden, ihren Interessen nachzugehen. Später reiste er geschäftlich durch ganz Europa. 1938 plante er eigentlich einen Schiurlaub, doch er landete in Prag.
Věra Diamantová (später Vera Gissing, sie im März 2022 gestorben) war zu diesem Zeitpunkt 10 Jahre alt. Sie verbrachte eine glückliche und behütete Kindheit in der Tschechoslowakei. Vera war eines der 669 Kinder, das er vor dem Tod durch die Nazis bewahrte. Über seine Heldentaten erzählte er lange Zeit niemanden. „Ich habe nur gesehen was getan werden musste.“
„Nicky & Vera“ beleuchtet eine bisher in keinem Kinderbuch erzählte Aktion des Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Sís findet dafür Worte und Bilder, die Kindern zumutbar sind. Ein beeindruckend gutes Buch über Menschlichkeit und Heldentum, das definitiv auf jede einschlägige Leseliste wandern sollte.