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Wer unverfälschten Rhum Agricole verkosten möchte, greift in der Regel auf die Produkte aus Martinique oder Guadeloupe zurück. Guadeloupe besteht aus drei grösseren Inseln, wobei die zwei Hauptinseln Basse-Terre und Haute-Terre nur durch eine schmale Meerenge voneinander getrennt sind und ein seltsames Ensemble darbieten. Die Rumproduktion ist ein bedeutender Wirtschaftszweig in dem französischen Übersee-Département und seit dem 19. Jahrhundert, als die ersten Destillerien eröffneten, fest in der Kultur verankert. Noch viel älter ist der Zuckerrohranbau, der zusammen mit dem Kaffeeanbau für den Import afrikanischer Sklaven sorgte. Beim Spaziergang durch die Strassen von Guadeloupe sieht man oftmals Stengel der Zuckerrohrorpflanzen herumliegen, die beim Transport zu den Fabriken und Destillerien vom Lastwagen gefallen sind. Die meisten von ihnen sind schräg abgeschnitten, was darauf schliessen lässt, dass die Ernte manuell mit einer Machete stattfand. Etwa zehn Rumhersteller sind auf Guadeloupe heimisch. Der bekannteste von ihnen nennt sich Damoiseau und ist seit 1942 in einer Destillerie tätig, die unter einem anderen Namen Ende des 19. Jahrhunderts errichtet wurde. Die Damoiseau-Produkte besitzen 50% des nationalen Marktanteils. Die älteste noch in Betrieb befindliche Rumfabrik wurde 1895 von Henri Longueteau eröffnet und trägt seitdem den Nachnamen der Inhaberfamilie. Weitere renommierte Marken sind Bellevue, Karukera, Montebello, Reimonenq und Bielle. Der Fokus liegt klar auf dem Rhum Agricole, wobei einige Betriebe auch herkömmlichen Rum aus Melasse herstellen und diesen dann als „Rhum traditionnel“ oder „Rhum industriel“ kennzeichnen. Ebenfalls verbreitet ist die Praktik, die Rums als VS, VSOP, XO, Vieux oder Très Vieux zu deklarieren, was sofort an Cognac denken lässt. Hauptabnehmer all jener Sorten ist Frankreich.
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