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Es wäre leicht, diese Story als American Dream zu erzählen: von der armen Afroamerikanerin mit karibischen Wurzeln, die bei der alleinerziehenden Mutter aufwächst, einen Missbrauchsfall in der Familie erlebt, in der Schule Mühe hat, Anschluss zu finden. Sich dann reinkniet in etwas, das sie wirklich mag, studiert und dann trotz aller Widrigkeiten Germanistikprofessorin wird. Aber das muss man zum Glück nicht, wenn man mit einer guten Portion linker Grundhaltung ans Werk geht. So macht das Priscilla Layne, die ihre Geschichte der deutschen Comiczeichnerin Birgit Weyhe erzählt, die wiederum eine schöne, vielschichtige Graphic Novel daraus gemacht hat. «Rude Girl» handelt von Layne, die ihre radikale Haltung an verschiedenen Schulen gelernt hat: bei den Marxist:innen, den Feministinnen oder den Skinheads.
Aber es geht sowieso nicht nur um sie: Weyhe und Layne ist ein wahrlich kollaborativer Comic gelungen. Angefangen hatte alles damit, dass Weyhe vorgeworfen wurde, sich in ihren Comics Schwarze Geschichten anzueignen; da war sie erst einmal beleidigt. Bald darauf traf sie Priscilla Layne, wollte deren Geschichte aber unbedingt erzählen. Wie damit umgehen? Mit Dialog – und das ist weniger langweilig, als es klingt. Also setzt sie im Comic zwischen die Episoden aus Laynes Leben reflektierende Metakapitel, in denen sich die beiden darüber austauschen, was warum und auf welche Art erzählt wird: wie etwa die unterschiedlichen Hautfarben umgesetzt werden oder wie Weyhe die komplizierten Familienverhältnisse darstellt. Das ist manchmal lustig, oft erhellend, nie belehrend – könnte es tatsächlich so einfach sein?
Dann natürlich die Musik: Jedes Kapitel beginnt mit einem Plattencover, das in diesem Lebensabschnitt für Layne Bedeutung hatte – The Jackson Five, der «Indiana Jones»-Soundtrack, Laurel Aitken, der Punksampler «Schlachtrufe BRD» oder Belle and Sebastian. Auch das ist schliesslich wichtig.