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(zVg)
Im Nachhinein erscheint vieles in neuem Licht. Als Marc B. Bundi, ein aus Sagogn stammender Künstler und Graphic Designer, im November 2019 seine Installation «Werte» in der Galerie Cularta in Laax aufbaute, ahnte wohl noch niemand etwas von der Aktualität, die seine Materialwahl plötzlich besitzen würde. Aus 1785 WC-Rollen baute er eine 1,7 Meter hohe Pyramide, 230 Kilogramm schwer. Einen Tag lang dauerte der Aufbau. Das Objekt sollte an die Maslowsche Bedürfnispyramide erinnern, jenes Modell, das das menschliche Streben in Stufen unterteilt von der Deckung elementarer Bedürfnisse wie Hunger und Durst über soziale Anerkennung bis zur Selbstverwirklichung. Auf die Idee gekommen war Bundi durch die Beschäftigung mit seinen eigenen Werthaltungen der materiellen Welt gegenüber: Welchen Wert haben die Dinge, die ich besitze, eigentlich für mich? Und weshalb? Brauche ich jedes Jahr ein neues Handy, wie es mir die Werbung weismachen will? Das Thema begleitet ihn schon länger. 2007 begann Bundi damit, ein Jahr lang jeden Tag sechs Gegenstände aus seinem Umfeld zu zeichnen. 2195 Gegenstände und Menschen zeichnete er ab, darunter 113 Schuhe und 130 Personen.
Im Nachhinein erscheint vieles in neuem Licht. Und so auch das von Bundi angestossene Nachdenken über den Wert alltäglicher Dinge wie eben WC-Papier. In den Anfängen der Corona-Pandemie war just dieses Gut schnell ausverkauft, sein Wert stieg mit der Nachfrage, wenn auch aus völlig irrationalen Gründen. Es war ja nicht so, dass der Shutdown zu einer verstärkten Verdauungstätigkeit geführt hätte. Die rückwirkende Neubetrachtung dieses Wertewandels brachte dem Künstler Bundi unter anderem die Nennung in einem Artikel in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» ein – fast im selben Atemzug mit Joseph Beuys. Nur hatte die Pandemie eben auch negative Auswirkungen: Eine für den Winter geplante Ausstellung in Chur, in der die Installation vertreten sein würde, musste kurzfristig verschoben werden. Sie soll nun vom 6. März 2021 und bis am 10. April 2021 dauern.