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Als die beiden Schweizer Grossbanken in den 90er Jahren spürten, das Bankgeheimnis als solches sei nicht mehr lange zu verteidigen, zauberten sie das Bank-Kundengeheimnis aus der Tasche. Dieser Krüppel des stolzen Bankgeheimnisses sollte nie richtig laufen lernen. Jetzt, wo das Bankgeheimnis schon kein Thema mehr ist, scheint auch das Bank-Kundengeheimnis vorzeitig verstorben zu sein. Wer ihm begegnet, möge dies melden.
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Tagesarchiv für 7. Dezember 2011
Der Fluglärm rund um Kloten ist unangenehm genug, aber kein Mensch redet von der Luftverschmutzung. Fahre ich mit der Hand über die Metallstange unseres Südbalkons, fühlt sie sich klebrig an. Die chemischen Verbindungen in den Abgasen der Flugzeuge sind toxisch; sie vergiften. Wie der Mediziner Rafael Dudziak, vormals Direktor der Klinik für Anästhesiologie am Universitätsklinikum Frankfurt, sagt, „mehren sich seit 20 Jahren gesicherte Berichte über die Zunahme von Erkrankungen der Lunge und des Herzens sowie der Sterblichkeit in den durch Start- und Landephasen betroffenen Gebieten.“ Die Langzeitwirkung von Schadstoffen in der Luft, die zum Tode führen, wird mittlerweile grösser eingestuft als die reine Lärmeinwirkung. Die Universität Cambridge hat 2010 einen Bericht abgeliefert, der von rund 8000 Toten pro Jahr aufgrund der Flugzeugabgase berichtet. Die chemischen Partikel sind weder sichtbar noch geruchsintensiv, weil sie in der Luft extrem verdünnt auftreten. Sie werden von den betroffenen Einwohnern eingeatmet, ohne dass diese es merken. Auf Luftwege und Lungenbläschen wirken ein: Schwefeldioxyde, Schwefeloxyde, Stickstoffoxyd und Stickstoffdioxyd sowie Aerosole aus den Triebwerken wie Schwefelsäure und Salpetersäure. Dudziak sagt: „Die Industrie gibt Millionen für Schutzanzüge für ihre Mitarbeiter aus. Menschen, über deren Köpfen Flugzeuge starten und landen, hilft bisher niemand.“
Keine Regierung, kein Bundesamt für Gesundheit, kein kantonaler Gesundheitsbeauftragter klärt die Bevölkerung auf. Das Recht auf körperliche Unversehrtheit wird Hunderttausenden von Menschen in aller Stille verwehrt.
Bernard-Henri Levy, Frankreichs umstrittenster, aber agilster Grossdenker und –schreiber, hat es geschafft. Er ist zum Mann der „action directe“ geworden, zum Journalisten-Philosophen, der mit seinen Telefonen die Welt verändert. Derlei kann Peter Sloterdijk noch nicht von sich sagen. Sloterdijk bringt niemand zum Sturz, wie von und zu Guttenberg, sondern darf nur erklären, warum der Sturz stattgefunden hat und was dies bedeutet.
In der Schweiz hat Frank A. Meyer im Auftrag des Ringier-Konzerns, nicht immer segensreich, gleiches im Sinn gehabt und verwirklicht. Auf seiner Spur wandelt „Weltwoche“-Verleger Roger Köppel, dem die politische Atemnot seines Mentors Christoph Blocher jedoch zu schaffen macht. Eine Regierungsrätin zum Rücktritt getrieben zu haben, können sich auch mindere Chefredaktoren gutschreiben lassen.
Noch weit davon entfernt ist jener Roger Schawinski, dessen Ankündigungen stets mehr Gewicht haben als die darauf folgenden medialen Leistungen. Merke: Ein Schawi macht noch keinen Levy.
Niemand, der ernsthaft Nachrichten aufnimmt, spricht dem Schweizer Radio und Fernsehen gute Nachrichtensendungen zu. SRF-Direktor Rudolf Matter betrachtet dennoch ZDF und ARF nicht als starke Konkurrenten, „da wir eine schweizerisch geprägte Sicht auf das Geschehen im In- und Ausland bieten“. Matter vergisst, dass auf jeden Fall 30% aller Deutschschweizer, seien sie aus dem In- oder Ausland, mehr oder weniger global denken. Dort interessiert die Information, weniger die Haltung. Bei Omis und Opis in den Tälern mag dies anders sein. Matter bestätigt: „Wir wollen ein TV für das Volk sein.“ Die Elite ist anderswo eingeschaltet.
Aus Deutschland passt die Information: „Nur 12% aller Deutschen verstehen die ‚Tagesschau‘ voll und ganz.“ Meine persönliche Beobachtung: Vieles, was bei uns gesendet wird, kommt falsch an, wie die folgende Diskussion unter Zuschauern beweist.
Beim ARD und ZDF haben die 30-40Jährigen einen Zuschaueranteil von weniger als 10%. Sie sind zu den grossen Privatsendern abgewandert, wo auch viele Schweizer zu finden sind.
Gleich zwei prominente Schweizer haben das Tempo der Globalisierung in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts unterschätzt: Der Zolliker Unternehmer und Politiker Ueli Bremi, der dies schon 1995 erkannte und Oswald J. Grübel, der dies vor wenigen Tagen erst in einem Vortrag vor den Studenten der Uni St. Gallen bestätigte. Wie literarisch sich heute jene Bankiers ausdrücken, die während zehn hoch spekulativer Jahre viel Geld „machten“, beweist auch Grübel, der sagte: „Wir haben in der Finanzkrise in den Abgrund geschaut, Donnerwetter gesagt und sind dann ein paar Schritte zurück gegangen.“ Die seither über 10 000 Milliarden Euro, USD und CHF verbrannten Finanzmittel Privater und der Staaten sind ihm keine Bemerkung wert. Grübel hat vielmehr Angst, wir würden zu wenig wagen.