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Svenja Mastroberardino: Hallo Stefan. Das war ja eine echte Gala von Roger Federer in Cincinnati. Mit seinen überzeugenden Auftritten hat er sich in eine hervorragende Ausgangslage für die US Open gebracht. Gehört er für dich in New York zu den ganz grossen Favoriten?
Stefan Bürer: Natürlich. Wer als Nummer 2 der Welt mit einem Turniersieg in der Tasche und dabei Siegen gegen die Nummern 3 und 1 nach New York kommt, muss zwingend zu den Favoriten gehören. Oder siehst du das anders?
S.M.: Roger gehört definitiv zum Kreis der Favoriten, zu gut hat er seit den French Open gespielt. Dennoch bin ich skeptisch, was den ganz grossen Coup, sprich den Turniersieg, angeht. Auf Hardcourt wartet er bei den Majors seit 2010 (Australian Open) auf einen Finaleinzug, bei den US Open stand er zuletzt 2009 im Endspiel. Was macht dich so zuversichtlich, dass es ausgerechnet in diesem Jahr klappen könnte?
Es geht nie nur um die nackten Resultate, sondern auch um die Art und Weise, wie einer gewinnt.
S.B.: Nun, ich glaube einfach, dass es für ihn momentan keinen grossen Unterschied macht, ob er auf Rasen oder Hartbelag spielt. Viel wichtiger ist bei ihm das Selbstvertrauen. Nach Cincinnati wird er diesbezüglich nahe an 100 Prozent sein. Und dann ist er richtig gefährlich - gefährlicher noch als in Wimbledon, wo er ja immerhin auch im Final stand.
S.M.: Bezüglich Selbstvertrauen gebe ich dir recht. Es ist ja aber nicht so, dass er in den letzten Jahren nie in Cincinnati gewonnen hätte. Viermal hat er seit 2009 triumphiert, bei den US Open hat es aber trotzdem nie mehr zum Sieg gereicht...
S.B.: Das ist zwar richtig, aber es geht ja nie nur um die nackten Resultate, sondern auch um die Art und Weise, wie einer gewinnt. Und wenn Federer ein Turnier gewinnt, dabei keinen Satz abgibt, nicht ein einziges Mal gebreakt wird und sowohl Murray als auch Djokovic nicht nur schlägt, sondern sie dominiert, dann sind das andere Vorzeichen, als wenn er wie im Vorjahr einen Ferrer im Final in 3 Sätzen schlägt.
S.M.: Da kann ich dir nicht widersprechen :-). Du gehst aber mit mir einig, dass «Best of Five», gerade gegen einen Djokovic, nochmals eine ganz andere Hausnummer ist, oder? Die letzten drei Grand-Slam-Duelle gegen Djokovic hat Federer allesamt verloren, auf Hardcourt wartet er gar seit 2009 auf einen Sieg gegen die Weltnummer 1...
S.B.: Schön, dass du mir nicht widersprichst ;-). Um dann gleich mit dem Hammerargument zu kommen: «Best of Five». Ja, da hast du natürlich recht, der Djoker ist über 5 Gewinnsätze noch zäher als sonst. Das wird also sicher extrem schwierig für Federer, aber eben nicht unmöglich. Und vielleicht muss ja Roger am Ende gar nicht gegen Djokovic spielen…
An die beiden letzten Halbfinal-Duelle gegen Djokovic in New York dürfte Federer nicht gerne zurückdenken.
S.M.: Auch wenn er das nie sagen würde denke ich, dass Roger darüber nicht unglücklich wäre. Die langsameren Bedingungen in Flushing Meadows liegen Djokovic mehr als jene in Cincinnati. Und an die beiden letzten Halbfinal-Duelle gegen den Serben in New York dürfte Federer auch nicht gerne zurückdenken. Du auch nicht, oder? :-)
S.B.: Nein, das war eher unschön, vor allem, weil er zweimal hintereinander nach Matchbällen noch verlor. Einmal hätte ja eigentlich auch gereicht ;-) Und natürlich wäre Federer nicht unglücklich, wenn ihm jemand die Arbeit abnehmen würde. So, wie es letztes Jahr Nishikori im Halbfinal getan hat. Da war ja eigentlich alles aufgelegt für Roger. Aber aus drei Gründen hat es leider nicht geklappt: erstens traf er auf einen Cilic in der Form seines Lebens, zweitens war Federer spielerisch nicht ganz auf dem Niveau von jetzt und drittens verkrampfte er sich wohl beim Gedanken: jetzt habe ich nur noch Cilic und Nishikori vor mir…
S.M.: Ja, der letztjährige Halbfinal war für Federer und seine Fans ein Schock. Wobei ich absolut deiner Meinung bin: Gegen den Cilic von damals hätte kein Spieler gewonnen. Der hat die Partie seines Lebens gemacht und wie man so schön sagt «Lights-Out»-Tennis gespielt. Hoffen wir für Federer, dass sich dieses Szenario nicht wiederholen wird. Und für alle Schweizer Tennis-Fans, dass du mit deiner Prognose richtig liegst :-).
S.B.: Du gibst schon auf, Svenja? ;-) Und zu meiner «Prognose»: Da ich ja weder Mike Shiva noch Madame Etoile bin, hüte ich mich davor, zu sagen: Federer gewinnt die US Open. Ich sage nur: er hat eine gute Chance, sie zu gewinnen!
S.M.: Aufgeben? Ich? Von wegen! :-) Aber deinem letzten Satz kann ich mich nur anschliessen. Freuen wir uns auf spannende US Open!
Sendebezug: SRF info, sportlive, 23.08.2015, 19:00 Uhr