Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03389.jsonl.gz/3286

Désirée Good - Die Wrestlerinnen von La Paz
Preisträgerin World Photo 2013
Hoch oben, am Ende des Talkessels von La Paz, auf 4000 Metern liegt die zweitgrösste Stadt Boliviens, El Alto. In dieser Stadt leben Zuwanderer aus der indigenen Landbevölkerung. Die Stadt gilt alseine der kriminellsten in Bolivien. Neben dem Fussball, der für die Bevölkerung Boliviens essenziell ist, gibt es die Ringkämpfe. Dieser Volkssport nennt sich «Lucha Libre» (Freistilkampf) und wird meistens inszeniert und choreografiert. Viele der Protagonisten sind Frauen. Die Kämpfe werden heute hauptsächlich in El Alto gezeigt. Während drei Monaten hat Désirée Good eine junge Kämpferin Namens «Lady» (23 Jahre alt) in ihrem Umfeld fotografiert.
Désirée Good über ihre Arbeit
«Spannend finde ich, wie der Ringkampf zu einem Ventil wird, mit viel Humor negro, werden jegliche moralische Vorstellungen unterlaufen. Beispielsweise der Schiedsrichter unterstützt den Bösen, Männer kämpfen gegen Frauen und so weiter. Die Bolivianer haben das einst entstandene Lucha Libre aus Mexiko zu ihrem eigenen kulturellen Volkstheater transformiert. Es steht sich Gut und Böse gegenüber, der Tod und Clowns, sowie Batman und die Cholita, so nennt man indigene Frauen in ihren traditionellen, aus Spanien stammenden Trachten. Die Aufführung, trotz allem Drama und Slapstick, ist ein Akt von Gewalt. Man erkennt einen Luchador (Kämpfer/-in) an seinen blauen Flecken und Narben auf der Stirn. Ich begleitete «Lady», die ihr Studium abgebrochen hatte und nun vier mal die Woche mit ihren Mitstreitern um die Wette kämpft. Auch ihr jüngerer Freund hat angefangen zu kämpfen. Gegen den Willen ihrer Eltern macht sie weiter mit dem Ziel internationalen Erfolg zu haben.»
Zur Person
Désirée Good, geboren 1982 in Zürich, studierte Fotografie an der Zürcher Hochschule der Künste. Zwischendurch verbrachte sie einige Zeit an der School of Visual Art in New York und verlängerte ihr Studium in Zürich zusätzlich mit dem Nachstudiengang Kulturanalysen und Medientheorie. Ihre bisherigen Werke wurden im «NY Times Magazine», im «Spiegel», im «Photographie Magazin» sowie in vielen weiteren nationalen und international bekannten Publikationen veröffentlicht.