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Ein Porträt von Nicolas Lindt
„Im Leben lernen“
Eine Zusammenstellung von Zitaten aus Portraits und Interviews mit dem Autor
"Ich kam auf die Welt im Zeichen des Widders, wuchs in Meiringen, Hannover und Küsnacht auf - und begann, sobald ich schreiben konnte, zu schreiben. Ich verfasste Geschichten, Gedichte, hoffnungsvolle Romananfänge, ich gab eine Schülerzeitung heraus, ich führte Tagebuch und entdeckte auf diese Weise die Welt und mich selbst. Das Schreiben war von Anfang an mein Erkenntnisweg."
"Mit sechzehn notierte ich in mein Tagebuch: Eines Tages will ich Schriftsteller werden und mit meiner Familie auf eine irische Atlantikinsel ziehen. Ich stellte mir das sehr wildromantisch und grossartig vor - aber ich wusste irgendwie auch, dass das Leben vorher noch einige andere Dinge mit mir vorhatte."
Noch während der Schulzeit - in Zürich - wandte sich Nicolas Lindt dem Schreiben für Zeitungen zu. Die Protestbewegung der 60er- und 70er-Jahre, ihr revolutionärer Geist beflügelte ihn, er schrieb über Woodstock, Flower power, die Rolling Stones und Bob Dylan, und das jugendliche Feuer, das in ihm war, prägte auch seine Berichte.
Eine literarische Zeitschrift, die Lindt mitbegründete, blieb nicht das einzige unkonventionelle Zeitungsprojekt, an dem er beteiligt war. "Etwas Neues lancieren", sagt der Schriftsteller heute, "ist ein Bedürfnis, das ich damals schon hatte. Wenn ich es nicht ausleben konnte, war ich unglücklich."
Eine Reise nach Nordirland öffnete ihm die Augen für die politische Dimension des Lebens, und er sah sich schon früh als Kämpfer für eine bessere Welt. Die Gymnasialzeit empfand er als Durststrecke, und ein Studium ergreifen wollte er nie. "Ich bin kein Theoretiker", sagt Nicolas Lindt, "ich wollte immer nur auf meine Art lernen. Ich wollte im Leben lernen."
Als knapp Zwanzigjähriger zog er in die Stadt und ging, mit dem Ziel, Filme zu machen, zum Schweizer Fernsehen. Er wurde Reporter bei der Tagesschau und hatte eine vielversprechende Laufbahn vor sich, doch gab er sie auf zugunsten seines glühenden Engagements für die Revolution. Nicolas Lindt beschreibt diese für ihn so wichtige politische Zeit in seinem Buch "Die Befreiung - mein Weg zu einem persönlichen Denken".
Darin schildert er auch, wie sein Weltbild Anfang der 80er-Jahre bis ins Innerste erschüttert wurde - und wie auch die Stadt für ihn ihren Reiz verlor. Er zog sich für ein Jahr in die Berge zurück - ins hinterste Glarnerland -, wo er zu sich selbst und zu seinem Jugendtraum, dem Schreiben zurückfand. Die ersten Prosatexte entstanden, Erzählungen mit authentischem Hintergrund, Kurzgeschichten und Porträts; die ersten Bücher folgten und mit ihnen die ersten Lesungen, wo sich eine weitere Begabung von ihm entfaltete: die Kunst des Vorlesens.
Seit 1989 ist Nicolas Lindt freier Schriftsteller und Erzähler. Journalistisch tätig ist er seit damals nicht mehr. Inhaltlich nähert sich der Autor mehr und mehr dem unerschöpflichen Thema der Liebe. "Andere schreiben Krimis, mich aber reizt die Liebe und vor allem ihre Entstehung. Das finde ich tausend Mal spannender", sagt er, "und ich meine das auch als Leser. Es gibt viel zu viele Tote in der Literatur."
1996 gestaltete Nicolas Lindt erstmals, für die Hochzeit eines Freundes, ein Trauritual. "lch traute das Paar", erzählt er, "unter einer alten Linde, deren Aeste ein schützendes Dach über uns bildeten. Das Erlebnis dieser Trauung - andere, ähnliche Erfahrungen kamen hinzu - liess mich erkennen, dass offenbar eine Berufung in mir darauf wartete, gelebt zu werden."
Innert weniger Jahre hat sich die Zahl der von ihm getrauten Paare vervielfacht; und hinzugekommen ist, dass Lindt - nach wiederholten Anfragen - heute auch Taufrituale und Abschiedsfeiern gestaltet. Der Schriftsteller war zunächst überrascht von der Herausforderung, die das Leben ihm stellte. Doch sie bedeutet ihm viel.
"Ich habe diese Aufgabe nicht gesucht, nicht bewusst jedenfalls. Aber schon bald wurde mir klar: Es ist eine Lebensaufgabe - genau wie das Schreiben."
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Seine Lebensgefährtin und er haben 1987 geheiratet. 4 Kinder sind aus der Ehe entstanden. Seit vielen Jahren lebt die Familie in Wald im Zürcher Oberland, das zwar nicht am einst erträumten Atlantik liegt, aber mitten in der Natur und im Bannkreis der Berge. Der Autor beginnt seinen Tag stets auf die gleiche Weise:
"Ich steige mit dem Hund in die Walder Berge, im Sommer und auch im Winter, bei jedem Wetter. Ich brauche den Blick von da oben. Es ist meine Morgenandacht."