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Barnabé Rochas: Eine Beschreibung von Tengor

Blick von den Königsgärten auf die Stadt mit dem ehemaligen Königspalast (Sitz der Regierung), die Mündung des Mondego und das Hafenviertel
Wenn der Reisende Tengor auf der Karte betrachtet, kann er deutlich fünf Stadtviertel unterscheiden. Dies sind im Nord-Westen die Königsgärten und das Regierungsviertel mit dem ehemaligen Königspalast, südlich schliesst sich das Hafenviertel mit dem grossen Seehafen an, im Osten der Stadt liegt die Unterstadt, wo die Handwerker und die Armen leben, und, vor der Küste, die Insel Mondos, im Nord-Osten schliesslich, an das Regierungsviertel angrenzend liegt am leichten Abhang hinauf zum Penzilli-Gebirge, das Villenviertel der Stadt. Die Stadt wird vom Hauptarm des Mondego-Flusses in der Mitte entzweigeteilt.
Die Königsgärten sind der am höchsten gelegene Stadtteil von Tengor. Von den Gärten fällt das Gelände steil ab ins Hafenviertel, zieht sich flach entlang den Abhängen des Penzilli-Gebirges durch das Villenviertel hin, bevor es in der Unterstadt dann abflacht und von dort mehr oder weniger flach bis zur Küste verläuft. Gegen das Gebirge hin werden die Abhänge naturgemäss immer steiler, bis sie felsig und schliesslich ganz und gar unwegsam werden. In den Königsgärten findet der Reisende den Neuen Hesidentempel. Er beherbergt die alte Königliche Bibliothek und steht als Wahrzeichen für den Wiederaufbau und die neue Blüte der Stadt.
Der nach wie vor imposanteste Bau des Regierungsviertels ist der ehemalige königliche Palast. Hier regierte noch bis zu seinem Sturz (1927) der Vierte Grosskönig von Tengor. Zur Zeit residiert in den Gebäuden des Palastes die Tengoreer Regierung, sowie die historische Garde, die an Festtagen noch zur Parade auf dem Tengoreer Markt, dem ehemaligen Heersammlungsplatz, auftritt.
Im Hafenviertel Tengors leben die Hafenarbeiter, die Matrosen und Schiffer, die Fischer und Bauern, die sich ihren Lebensunterhalt mit der Seefahrt, der Fischerei und dem Anbau von Reis auf den gewaltigen Anbauterrassen ausserhalb der Stadt verdienen. Von hier ging in den Zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts auch der Aufstand aus, der schliesslich 1927 den damaligen letzten Grosskönig seine Regentschaft kostete. Eine Steinsäule, auf einer grossen Metallplatte montiert, erinnert noch heute an den Aufstand und die Folgen.
Im Osten des Marktes befindet sich das grösste Viertel der Stadt, die Unterstadt, wo sich alle Handwerksbetriebe Tengors befinden. Hier findet der Reisende Schmieden, Gerbereien und Färbereien, Schreinereien, Tischlereien, Drechslereien, eine grosse Wagnerei und schliesslich auch, an der Küste, einige Schiffsbaubetriebe.
Das Villenviertel mit seinen prächtigen, wenn auch marode gewordenen Bauten, war nach den politischen Unruhen in Tengor (1924) lange Jahre verlassen - da die Reichen, von den Arbeitern gedroschen, die Stadt verlassen mussten - wird aber in jüngster Zeit langsam wieder von wohlhabenden Bürgern besiedelt, und gewinnt stetig etwas von seinem alten Glanz zurück.
Der Reisende wird sich in Tengor schnell zurechtfinden, zwischen dem Gebirge und der Küste, östlich und westlich des Flusses, liegt Tengor in einer üppigen Landschaft überschaubar eingebettet. Dies wird vor allem den Reisenden klar, die den Gang hinauf in die Königsgärten nicht scheuen und von dort die Aussicht hinunter auf die Stadt und das Meer geniessen.
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