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Ihr Hauptmotiv ist persönliche Bereicherung, wie eine Studie von KPMG zeigt. Die Beratungsgesellschaft hat 750 Wirtschaftskriminelle weltweit analysiert. Bei zwei Dritteln war der persönliche finanzielle Gewinn einer der wichtigsten Gründe für das Delikt.
Das zweithäufigste Motiv ist die Möglichkeit zum Betrug: "Because I can", nannte es Philippe Fleury, Leiter Forensik bei KPMG, am Dienstag vor den Medien. Es ist bei einem Viertel der Betrüger ein Hauptbeweggrund.
Andere Delinquenten fälschen beispielsweise buchhalterische Zahlen, um die prognostizierten Ziele zu erreichen, um Verluste zu verstecken, oder den eigenen Bonus zu sichern. Einige wenige betrügen nicht aus Eigennutz, sondern um die Firma zu schützen.
FREUNDLICH UND ANGESEHEN
Auf den ersten Blick erstaunen mag das Täterprofil: Wirtschaftskriminelle sind keine dubiosen Schattengestalten. Meist sind es Persönlichkeiten mit überdurchschnittlich gutem Ruf. Sie würden oft als freundlich wahrgenommen, sagte Fleury.
In Wahrheit handle es sich aber meist um arrogante, selbstherrliche Personen mit einem Überlegenheitsgefühl. "Sie denken, sie können das machen, ohne geschnappt zu werden", sagte Fleury.
Weltweit sind zwei Drittel der Delinquenten in einer Führungsposition tätig. In der Schweiz beträgt der Anteil an Kadermitarbeitern unter den Betrügern 55%. Allerdings stammen nur 20 der erfassten 750 Delinquenten aus der Schweiz. Die Datenbasis für die Schweiz ist also sehr dünn.
"Betrug wird nicht durch Mitarbeiter begangen, sondern durch Kader", sagte Fleury. "Das hören die Manager einer Gesellschaft nicht gerne." Aber das Bild sei eindeutig. Um Betrug zu vermeiden, müssten die internen Kontrollen stärker auf die obersten Stufen einer Gesellschaft ausgerichtet werden.
KAUM KONTROLLIERT
Viele Personen, insbesondere Kadermitarbeiter, die Delikte begingen, wurden kaum überwacht: 44% verfügten über uneingeschränkte Autorität, wie aus der Studie hervorgeht. Sie hätten machen können, was sie wollten, sagte Fleury.
Entsprechend sind Wirtschaftskriminelle meist nicht junge, neue Mitarbeiter. Mehr als zwei Drittel sind zwischen 36 und 55 Jahre alt. Es seien Personen in der Mitte ihrer beruflichen Karriere, sagte Fleury. Sie hätten eine Position inne, die es ihnen erlaube, interne Kontrollen zu umgehen. Und sie hätten die Mittel, um überhaupt Betrügereien zu begehen, beispielsweise Zugang zu IT-Systemen.
Meist sind die Delinquenten schon seit einigen Jahren im Betrieb. Rund 40% arbeiten seit mehr als sechs Jahren für ihr Unternehmen. Nach einiger Zeit kenne man die Gesellschaft und sei freier, sagte Fleury. Bei ganz neuen Mitarbeitern sei Betrug fast inexistent.
MEIST MÄNNER
Wirtschaftskriminelle sind nicht nur angesehen und erfolgreich, sondern in der überwiegenden Mehrheit auch männlich. Zwar ist der Frauenanteil leicht gestiegen: Von 13% vor rund sechs Jahren auf 17%. In den allermeisten Fällen werden Wirtschaftsdelikte aber von Männern begangen.
Das könne auf zwei Arten interpretiert werden, sagte Fleury: Die pessimistische Erklärung laute, dass Frauen schlicht seltener Managementpositionen innehätten und daher weniger die Möglichkeit hätten, Delikte zu begehen. Die optimistische Erklärung sei, dass Frauen ehrlicher seien - oder klüger, und deshalb weniger erwischt würden.
Für die erste Interpretation spricht, dass es sich bei den Betrügerinnen grösstenteils um normale Mitarbeiterinnen handelt, während männliche Betrüger meist Kaderangestellte sind. Die Frauen begehen ihre Delikte zudem öfter alleine, während die Männer mehrheitlich in Absprache mit anderen vorgehen.
MITARBEITER BEFRAGT
KMPG hat für die Studie eigene Forensik-Mitarbeiter befragt. Diese hatten sich im Auftrag von Unternehmen mit den Fällen von Wirtschaftskriminalität befasst. Die Mitarbeiter füllten zu jedem Delinquenten einen Fragebogen aus. Insgesamt erfasste KPMG so die Angaben zu 750 Betrügern, 20 davon aus der Schweiz.
Zum Umfang der Wirtschaftskriminalität insgesamt lassen sich aus der neuesten Studie indes keine Schlüsse ziehen. Eine im Februar publizierte Untersuchung von KPMG hatte aber gezeigt, dass Schweizer Gerichte im vergangenen Jahr 91 Fälle von Wirtschaftskriminalität behandelt hatten - so viele wie noch nie.
Das dürfte allerdings nur die Spitze des Eisbergs sein. Denn in acht von zehn Fällen komme es in der Schweiz bei Wirtschaftskriminalität nicht zu einer Anzeige, sagten die Studienverantwortlichen von KPMG am Dienstag. Eine Strafanzeige sei meist nicht im Interesse der Gesellschaft. Denn mit einem öffentlichen Prozess drohe ein Reputationsschaden.
(AWP)