Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03233.jsonl.gz/1936

Robert Gober (USA, geb. 1954) untersucht aus einer queeren Perspektive die symbolische Ordnung der Nachkriegszeit, insbesondere das Nachleben christlicher Denk-Bilder. Im Zentrum seiner Arbeit steht das kollektive Unbewusste und Verdrängte – das Unheimliche. Ausgangspunkt seiner Arbeiten sind zumeist Gegenstände aus dem Alltagsleben, die einen biografischen Bezug zum Künstler haben. Er thematisiert die Verschränkung von häuslichen und infrastrukturellen Räumen und die sie prägenden Machtstrukturen. Die aktuelle Sammlungspräsentation im Kunstmuseum zeigt beispielsweise Gobers Werk Stuhl mit Röhre das für seine Einzelausstellung 1995 im Kunstmuseum Basel | Gegenwart entstand. Der von einem Leitungsrohr durchbohrte Stuhl ist mit einem Stoff bezogen, der mit einer Fotomontage bedruckt ist. Diese zeigt ein Geflecht aus Seidenbändern und den behaarten Gliedmassen des Künstlers.
Gober hat seine Arbeiten im Verlaufe seiner künstlerischen Laufbahn gelegentlich in musealen Sammlungen präsentiert und sie – einem assoziativen Prozess folgend – mit Kunst- und Alltagsgegenständen aus unterschiedlichsten historischen und geografischen Zusammenhängen in Verbindung gebracht. Diese Präsentation knüpft als Hommage an das Verfahren an. Sie bringt die Kunst Gobers mit Werken aus verschiedenen Epochen in Dialog, die thematische Berührungspunkte zu seiner Praxis bieten. Ein Hauptaugenmerk liegt dabei auf Werken, die die Vorstellungswelt des Katholizismus reflektieren. So treffen frühneuzeitliche Darstellungen von Martyrien und des Leib Christi auf ein Gemälde Maria Lassnigs und eine Skulptur von Richard Artschwager in der Form eines Beichtstuhls.