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Nationaler Forschungsschwerpunkt (NFS) Evolving Language
Das Forschungsprojekt befasst sich mit den Ursprüngen individueller Unterschiede von Sprachbegabung, und zwar mit verschiedenen Aspekten der Sprachverarbeitung, einschliesslich, der phonologischen, lexikalischen und syntaktischen Verarbeitung der Muttersprache. Diese Frage wird auf verschiedenen Ebenen mehrsprachiger Spracherfahrung (d.h. bei Monolingualen, Bilingualen und Polyglotten) behandelt. Es wird dabei von der Idee ausgegangen, dass hohe Begabung, normale Variabilität und zumindest einige Funktionsstörungen (z.B. Legasthenie) auf einem Kontinuum dargestellt werden können. Ziel ist es, die verschiedenen Faktoren, welche individuelle Sprachunterschiede und die damit verbundenen Fähigkeiten beeinflussen, durch eine systematische Erforschung der Sprache und der mit ihr verbundenen Fertigkeiten auf tieferem bis höherem Niveau zu identifizieren, und zwar sowohl mit Blick auf das Verhalten als auch mit Hilfe von Neuro-Bildgebung. Unsere Hypothese lautet, dass multiple sprachliche (z.B. grammatikalische Sensibilität) und allgemeine nicht-sprachliche kognitive Fähigkeiten (z.B. feinmotorische Kontrolle, akustische Verarbeitung, Lernen komplexer Sequenzen, Verarbeitungsgeschwindigkeit) individuelle Unterschiede hinsichtlich verschiedener Aspekte des Spracherwerbs und -gebrauchs erklären. Wir wollen zudem die relativen Beiträge von erfahrungsabhängiger Plastizität und von Veranlagung zu solch individuellen Unterschieden bestimmen, und zwar wiederum auf verschiedenen Ebenen der Sprachverarbeitung (z.B. auditive vs. phonetische Segmentierungsfähigkeiten).
Das Projekt ist Teil des Strangs "Variabilität" des NFS "Evolving Language", in dem sich Forschungsgruppen aus den Geisteswissenschaften (Linguistik, Philosophie), der Biologie, den Neurowissenschaften, der Psychologie und der Informatik mithilfe interdisziplinärer Ansätze mit den dynamischen Veränderungen von Sprachstruktur und ihrer Evolution; den biologischen Voraussetzungen von Sprache, einschliesslich der damit verbundenen Frage, ob und wie Neurotechnologien zur Beeinflussung von Sprachfähigkeiten eingesetzt werden könnten oder sollten; sowie der sozialen Bedeutung von Sprache und wie sich diese durch neue Kommunikationsmittel verändern dürfte, befassen.
Der NFS stellt Innovationen und Transfermöglichkeiten in medizinische Bereiche (z.B. Diagnose und Behandlung von Sprachstörungen) und bei der Anwendung digitaler Instrumente (Mensch-Maschine-Kommunikation, künstliche Intelligenz, komplexe Spracherkennung) in Aussicht.