Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03600.jsonl.gz/85

Freier Wille ist mit der Atmung verbunden
Schon 1964 wurde das sogenannte Bereitschaftspotenzial entdeckt, ein neuronales Signal, das eine Sekunde oder mehr vor willentlichen Muskelbewegungen im Kortex gemessen werden kann. Zudem beeinflussen Körpersignale wie der Herzschlag mentale Zustände und können etwa dazu benutzt werden, die Wahrnehmung von Schmerz zu verringern. Forschende der ETH Lausanne wollten nun herausfinden, ob Körpersignale auch willentliche Handlungen beeinflussen.
Um dies herauszufinden haben die Forschenden die Gehirnaktivität mittels Elektroenzephalografie sowie die Atem- und Herzaktivität mit einem Gürtel bei 52 Testpersonen gemessen. Während des Experiments wurden sie aufgefordert, einen Knopf zu drücken. Wann und wie oft sie dies taten, wurde ihnen selbst überlassen.
Die Auswertung der Daten ergab, dass das Bereitschaftspotenzial und die willentliche Handlung (den Knopf drücken) der Testpersonen mit dem inneren Zustand ihres Körpers verbunden war. Allerdings nicht mit dem Herzschlag, sondern mit dem Atemzyklus. Obwohl sich die Testpersonen dieses Zusammenhangs nicht bewusst waren, drückten sie den Knopf öfter während des Aus- als während des Einatmens. Dieses Resultat eröffnet eine neue Perspektive auf den freien Willen: der Atemzyklus könnte Teil des Mechanismus sein, der bewussten Entscheidungen und willentlichen Handlungen zugrunde liegt.
Park, H., Barnoud, C., Trang, H., Kannape, O., Schaller, K., & Blanke, O. (2020). Breathing is coupled with voluntary action and the cortical readiness potential. Nature Communications, 11. doi: 10.1038/s41467-019-13967-9