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Jedes Land pflegt eigene diplomatische Traditionen. Was heisst das für das Protokoll, wenn es einen solchen internationalen Anlass vorbereitet?
Das Protokoll verschickt die Einladungen, nimmt Kontakt zu den Berner Behörden auf, bietet die verschiedenen Partner (Fedpol, BBL, Parlamentsdienste, etc.) auf, stellt den Kontakt mit dem Nuntius für seine Ansprache her, erstellt ein protokollarisches Szenario und orchestriert den gesamten Ablauf. Am Anlass selbst empfängt das Protokoll die Gäste der Bundespräsidentin bzw. des Bundespräsidenten und reiht die Missionschefinnen und Missionschefs in der richtigen Reihenfolge gemäss Rangordnung (ordre de préséance) in der Wandelhalle auf. Die Protokollchefin fungiert als Sprachrohr: sie kündigt der Bundespräsidentin bzw. dem Bundespräsidenten das jeweilige Land an und bittet in Nationalratssaal die Rednerinnen und Redner ans Rednerpult.
Gilt dieser Vorgang auch in diesem Jahr, trotz der Einschränkungen wegen der Coronavirus-Pandemie?
Nein, dieses Jahr stellt die Organisation des Neujahrsempfangs wegen der Pandemie eine besondere Herausforderung dar. Die Grusslinie kann nicht in der Wandelhalle durchgeführt werden. Deshalb musste das Protokoll ein alternatives Programm erarbeiten.
Sie haben als Protokollchefin bereits an mehreren Neujahrsanlässen teilgenommen. Ist Ihnen ein Ereignis speziell in Erinnerung geblieben?
Am 12. Januar 2022 werde ich das zweite Mal an einem Neujahrsempfang teilnehmen. 2021 fiel der Neujahrsempfang leider dem Coronavirus zum Opfer. In lebhafter Erinnerung bleiben mir die Diskussionen mit dem iranischen Botschafter im Januar 2020 über die Begrüssungsart gegenüber Bundespräsidentin Sommaruga. Da der Botschafter sich weigerte, der Bundespräsidentin die Hand zu geben, musste eine diplomatische Lösung gefunden werden. Diese fand sich darin, dass auch Bundesrat Cassis als Vertreter des EDA dem Botschafter nicht die Hand gab, sondern ihn auf dieselbe Weise begrüsste, wie dies auch die Bundespräsidentin tat: mit der Hand auf dem Herzen.