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2012 reiste Hans Marty als Arzt nach Nepal, um der Pflegefachfrau Yungdrung Magli zu helfen, die dort einen abgelegenen Health Post betreute. Dabei äusserte sie den Wunsch, Ärztin zu werden. Dieses Ziel hat sie 2021 erreicht, doch musste sie auf dem Weg dorthin viele Schwierigkeiten überwinden. Ihren Bericht geben wir hier frei übersetzt und gekürzt wieder.
Ich stamme aus Rigmo, einem kleinen Dorf auf 3700 Meter Höhe, im tibetisch geprägten Distrikt Dolpo. Die Einwohner (Dolpopa) sind Nomaden, die von Landwirtschaft und Handel leben. Schulunterricht gab es in meiner Jugend kaum. Deshalb schickte mich mein Vater mit zehn Jahren in die Internatsschule einer französischen NGO. Dorthin musste er mich zu Fuss in vier Tagen über zwei 5000er-Pässe begleiten. Vier Jahre lang besuchte ich jeweils während der Sommermonate diese Schule. Neben dem Unterricht musste ich meiner Gastfamilie bei der Landwirtschaft helfen und litt oft unter starkem Heimweh. Mit 14 Jahren konnte ich in eine Internatsschule in Kathmandu wechseln, wo ich bald gute Leistungen erreichte. Kurz darauf erfuhr ich, dass meine Schwester nach tagelangem Marsch im einzigen Spital im Dolpo ohne die nötige Therapie an einer postnatalen Blutung verstarb. Da wurde mir klar, dass ich einen Beruf erlernen wollte, mit dem ich den Frauen im Dolpo beistehen könnte.
Erst Pflegefachfrau, dann Ärztin
Weil ein Medizinstudium zu teuer war, machte ich die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachfrau, die ich 2010 als eine der Ersten aus dem Dolpo abschloss. Ich kehrte in mein Heimatdorf zurück und richtete auf eigene Initiative einen kleinen Behandlungsraum ein, wo ich, anfangs unbezahlt, die einheimischen Patienten so gut wie möglich behandelte. Erst im zweiten Jahr erhielt ich von der NGO Dolpo Tulku Charitable Foundation (DTCF) ein Salär. Diese Organisation führt im Winter jeweils eine Klinik für Dolpopa in Kathmandu durch. Dort hatte ich schon während meiner Ausbildung ausgeholfen. Durch die Vermittlung der DTCF kam 2012 Dr. Hans Marty aus der Schweiz nach Rigmo. Er half mir bei der Patientenbetreuung und unterstützte meinen Wunsch, Ärztin zu werden. Zunächst aber machte ich die Zusatzausbildung als «Female Community Health Volunteer» und durchquerte in 100 Tagen zu Fuss, nur begleitet von einem Träger, das ganze Dolpo, um die Bevölkerung in der Betreuung von Mutter und Kind zu instruieren. Oft waren wir bei Regen, Schnee oder heisser Sonne unterwegs und mussten reissende Flüsse und hohe Pässe überqueren.
Die Hoffnung als treibende Kraft
Nach dreieinhalb Jahren als Pflegefachfrau realisierte ich, dass meine Kenntnisse nicht genügten, um die Gesundheitsprobleme der Bevölkerung erfolgreich anzugehen. Ich entschloss mich für ein Medizinstudium und erhielt dafür ein Darlehen der DTCF. Zuvor musste ich zwei Jahre lang als Vorbereitung eine höhere Schule in Kathmandu besuchen. Dann galt es, einen Studienplatz an einer medizinischen Fakultät in Nepal zu finden und das Eintrittsexamen zu bestehen. Anfangs 2016 konnte ich endlich das fünfeinhalb Jahre dauernde Medizinstudium in Pokhara beginnen. Das war für mich oft schwierig, doch schloss ich das Studium 2021 erfolgreich ab. Dr. Marty lud mich für einen Monat in die Schweiz ein, wo ich viel über das dortige Gesundheitswesen lernte. Danach absolvierte ich in Nepal das obligatorische einjährige Internship. Später arbeitete ich in einem Krankenhaus in Kathmandu, weil ich die vorgesehene Weiterbildung in Allgemeinmedizin noch nicht antreten konnte. Jetzt bereite ich mich intensiv auf die dazu notwendige Prüfung vor. Weil die Selektion hart ist, bewerbe ich mich gleichzeitig für einen Weiterbildungsplatz in Grossbritannien und hoffe einmal mehr, dass dieser Schritt gelinge: «So I see hope as that driving force that makes life worth living, dreaming and working for the future. I have never imagined there could be a next village beyond the mountains. I have never imagined I could be a doctor. But the constant hope inside me brought me where I am today. And I want to keep moving with the same hope inside me.»