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Dorje, ein sechsjähriger Nomadenjunge, kämpft sich mit seiner Ziegen- und Schafherde durch den Schneesturm. Er hofft, bald das warme Zelt seiner Eltern zu erreichen, wo seine kleine Schwester mit einer Tasse heissem Buttertee auf ihn warten wird. Dorjes Vater ist Anführer der Changpa-Nomaden in Kharnak, einer Region auf den Ausläufern des Changthangs in einer Höhe zwischen 4500 und 5000 Metern.
Weit weg von der Zivilisation leben die Nomaden hier das Leben ihrer Vorfahren. Auf der Suche nach Gras durchstreifen sie mit ihren Schafen, Kaschmir-Ziegen und riesigen Yak-Herden das einsame und karge Hochplateau.
Martina und Thomas Zwahlen haben während vieler Monate das Leben der Nomaden geteilt und die ladakhische Sprache erlernt. Auf den letzten Reisen war ihr kleiner Sohn mit von der Partie. In dieser Live Reportage geben sie einen tiefen Einblick in das Leben der Nomaden, ihrer Bräuche und Feste.
Der sechsjährige Dorje möchte wie sein Vater Nomade werden. Der kalte Winter macht ihm zwar zu schaffen. Aber er versucht tapfer zu sein und auch seine Angst vor dem Wolf und Schneeleoparden zu verbergen.
Gerne lauscht Dorje den Erzählungen des 85-jährigen Grossvaters. Dieser war vor 50 Jahren auf Salzkarawanen unterwegs und hat auf monatelangen Märschen Salz auf dem Rücken von Schafen von Tibet nach Zanskar transportiert und dort gegen Gerstenmehl eingetauscht.
Dorjes Vater will seinen Sohn in den Hauptort nach Leh schicken, wo er eine Schule besuchen und im Internat leben soll. Dorje hat Angst, sein Zelt und seine Herde verlassen zu müssen. Die Angst vor dem Weggehenmüssen wird noch grösser, als bei einer nicht allzu weit entfernten Nomadengruppe die Maul- und Klauenseuche ausbricht. Diese furchtbare Seuche könnte in kurzer Zeit die Herden der Changpa dahinraffen, ihre Lebensgrundlage zerstören und das Ende der Nomaden von Kharnak bedeuten.
Dorje kann aufatmen. Im Mai 2009 eröffneten Martina und Thomas Zwahlen eine mobile Zeltschule für die Nomaden in Kharnak. Schulbildung und Nomadenleben sollen sich so vereinen lassen.