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Alle modernen HCV-Therapien trumpfen mit Heilungsraten von über 95% für die Genotypen 1 und 4 auf. Man darf sich deshalb fragen, ob überhaupt weitere und nochmals verbesserte HCV-Therapien entwickelt werden sollen. Am Kongress wurden verschiedene Doppel- und Dreifachkombinationen vorgestellt und diskutiert. Einige Moleküle sind in der Entwicklung bereits weit fortgeschritten, andere noch in einem frühen Stadium. Sie versprechen weitere Fortschritte unabhängig vom Genotyp, insbesondere auch für Genotyp 3; höhere Resistenzbarrieren und nochmals eine kürzere Therapiedauer.
An dieser Stelle war ein längerer Artikel über die wichtigsten News vom AASLD (American Association for the Study of Liver Diseases) in San Francisco vom November geplant. Weil bereits nächste Woche in Boston die Retrovirus Konferenz CROI stattfindet und wir von dort berichten werden, beschränken wir uns hier auf das Allerwichtigste in Stichworten. Von der CROI erwarten wir neue Daten im Bereich der HIV/HCV-ko-infizierten Patienten.
- 8 Wochen Therapie mit Sofosbuvir und Ledipasvir zeigt bei Patienten mit Genotyp 1 sehr guten Erfolg. Kürzere Therapiezyklen von 8 Wochen sollten weiter untersucht werden, besonders weil Patienten in naher Zukunft ohne Fibrosesymptome behandelt werden dürften.
- Die Heilungsraten für alle direkt aktiven Substanzen (directly active agents DAA; 2 DAA Substanzen, mit oder ohne Ribavirin) bleiben sehr hoch. Auch im Alltag werden mehr als 90% der Patienten definitiv geheilt. Patienten mit Zirrhose, niedrigen Thrombozyten (Blutplättchen), männlichem Geschlecht und mit Therapien, welche nicht den Richtlinien entsprechen, haben ein höheres Risiko für ein Therapieversagen.
- Beim gegenwärtig nur schwer therapierbaren Genotyp 3 führt die Zugabe von Ribavirin zu Daclatasvir und Sofosbuvir für 12 oder 16 Wochen zu stark verbesserten Ansprechraten innert 12 Wochen bei Patienten mit fortgeschrittener Fibrose oder dekompensierter Zirrhose. Eventuell führt eine Behandlung über 24 Wochen zu noch besseren Heilungsraten (diese Frage ist noch offen).
- Die kurz vor der behördlichen Zulassung stehende Kombination von Elbasvir & Gazoprevir zeigt bei Patienten mit Genotypen 1, 4 und 6 sowie ko-infizierten Patienten sehr gute Heilungsraten. Die Kombination erweist sich auch als sicher bei Patienten unter Drogensubstitutionstherapie.
- Die Kombination Sofosbuvir / Velpatasvir während 12 Wochen wird gut vertragen und führt zu hohen Heilungsraten bei therapienaiven und therapieerfahrenen Patienten mit Genotyp 1, 2, 4, 5 und 6, mit und ohne Zirrhose. Dieselbe Kombination zeigt innert ebenfalls 12 Wochen bessere Resultate bei Genotyp 3 als 24 Wochen Sofosbuvir & Ribavirin.
- Patienten mit dekompensierter Zirrhose sind besonders schwierig zu behandeln. Sofosbuvir / Velpatasvir plus Ribavirin während 12 Wochen führt zu hohen Ansprechraten quer durch alle Genotypen.
- Zu guter Letzt: Eine kleine Pilotstudie mit drei DAA heilte die generell eher einfach kurierbaren Patienten mit Genotyp 1b innert nur drei Wochen. Die Patienten erhielten eine zufällige Kombination aus 3 direkt aktiven Substanzen mit Sofosbuvir, Ledipasvir, Daclatasvir, Asunaprevir oder Simeprevir. Eine grössere Studie muss diese erstaunlichen Ergebnisse bestätigen. Die SODAPI Studie wurde in Hong Kong mit ausschliesslich chinesischen Patienten durchgeführt.
David Haerry / Februar 2016