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Heinrich ist einer der Menschen, die sich vom mittelalterlichen Denken lösen und neue Wege gehen. Mit seinem Entdeckungswillen fördert er den Aufstieg Portugals zur Seemacht. Geprägt von einem unheimlichen Wissensdrang, greift er ohne religiöse Bedenken auch auf arabische Quellen zurück. Er beweist mit seinen durch ihn veranlassten Entdeckungsfahrten, dass das "Meer der Finsternis" südlich des Kap Bojador nur im Aberglauben der Leute existiert, und dass die Welt dort weder aufhört, noch Höllenglut herrscht und auch keine Seeungeheuer in diesen Breitengraden ihr Unwesen treiben.
Sein langfristiges Ziel ist es, einen Seeweg nach Indien und den Fernen Osten zu finden, um dort Handelsverbindungen aufzubauen, die nicht durch arabische Händler kontrolliert werden. Als oberster Verwalter des Ordens der Christusritter (Nachfolger des Templerordens) finanziert Heinrich seine Forschungen aus Steuergeldern, die er von den einfachen Leuten aus der Provinz eintreibt. 1444 gründet er in Lagos die ein-trägliche monopolistische „Companhia de Lagos“, über die er den Handel mit Afrika kontrolliert, den abscheulichen Handel mit Negersklaven.
Heinrichs Wirken ist für Portugal Segen und Fluch zugleich: Weder Erdbeben (1755) noch Pest, sondern der Aufstieg zur Weltmacht überfordert das kleine Land. Was Portugal bis heute geblieben ist, ist der Traum eins-tiger Pracht und Grösse.
Vasco da Gama (1469 - 1524)
Über Vasco da Gamas Leben ist wenig bekannt. Er entstammt dem portugiesischen Adel. Der erste historische Beleg über Vasco da Gama stammt aus dem Jahre 1480. In diesem Jahr tritt er in den Ritterorden von Santiago ein. Dies sichert seine persönlichen Einkünfte aus der Verwaltung und Bewirtschaftung von Gütern des Ordens.
Da Gama hat gute Beziehungen zum portugiesischen König. 1492 wird er beauftragt gegen französische Handelsschiffe vorzugehen, als Antwort auf Angriffe französischer Piraten auf portugiesische Schiffe vor der westafrikanischen Küste. Aber vieles ist historisch umstritten. Möglicherweise fehlende Seefahrtkenntnisse Vasco da Gamas werden durch die besten Kapitäne und Steuerleute Portugals kompensiert. Andere Autoren gehen davon aus, dass sich Vasco da Gama schon früh als fähiger Seemann und Kapitän ausgezeichnet haben muss. Denn obwohl Bartolomeu Dias bereits um die Jahreswende 1487/88 als erster Europäer die Südspitze Afrikas umsegelt hat, erteilt König Manuel I. von Portugal nicht ihm, sondern da Gama den Auftrag, den letzten noch fehlenden Abschnitt der Gewürzroute nach Indien zu erkunden.
Vasco da Gama verlässt am 8. Juli 1497 den Hafen von Lissabon. Insgesamt gehen vier Schiffe mit 150 - 170 Mann Besatzung auf die Reise. Er segelt mit weit nach Westen ausholendem Kurs durch den Atlantik und löst sich deutlich von der Küste, um bessere Windverhältnisse zu nutzen. Am 4. November erreicht die kleine Flotte die Sankt-Helena-Bucht an der Westküste Südafrikas. Anschliessend umfährt er das Kap der guten Hoffnung. Am 20. Mai 1498 landet Vasco da Gama nahe Calicut. Erstmals erreichen europäische Schiffe Indien auf dem Seeweg. Da Gama schliesst einen Handelsvertrag mit dem Herrscher von Calicut und tritt am 8. Oktober voll beladen mit kostbaren Gewürzen die Rückreise an. Das erste Schiff seiner Flotte erreicht die Heimat am 10. Juli 1499. Da Gama selbst, der sich wegen seines tödlich erkrankten Bruders einige Wochen auf den Azoren aufgehalten hat, trifft am 9. September wieder in Lissabon ein, wo ihm ein triumphaler Empfang bereitet wird.
Das Auftauchen der Portugiesen im Indischen Ozean führt zu einem latenten Kriegszustand mit den arabischen Händlern. Dank ihrer schweren Geschütze können sich die Portugiesen behaupten und ihre Macht als Handels-imperium sichern. 1524 verlässt der zum Vizekönig von Indien ernannte Vasco da Gama in Begleitung seiner beiden Söhne endgültig Lissabon mit Kurs auf Indien. Er stirbt nur drei Monate nach seiner Ankunft am Weihnachtsabend in Cochin. Zunächst wird er in Cochin im Convento Santo António beigesetzt. 1880 lässt der portugiesische Staat die sterblichen Überreste Vasco da Gamas in einem Ehrengrab im Lissaboner Vorort Belém beisetzen.
Aufgaben und Recherchen:
Heinrich der Seefahrer ist ein früher Vertreter der Renaissance in Westeuropa. In welchem Jahrhundert wurde er geboren? Welches ist sein sozialer Hintergrund? Was ist bei diesem Mann eher ungewöhnlich für die damalige Zeit?
Was bedeutet „monopolistisch“? Was ist ein Monopol?
Was gehört zu den dunklen Kapiteln der portugiesischen Geschichte? Es beginnt im 15. Jahrhundert und endet erst im 19. Jahrhundert.
Wieso muss die Erforschung der Westküste Afrikas als Pioniertat bezeichnet werden?
Wie hiess und welche Nationalität hatte der Mann, der als Erster die Südspitze Afrikas erreichte?
Was spricht gegen die These, dass Vasco da Gama kein oder ein unfähiger Seemann gewesen sei?
Wieso Fahren die Schiffe, die in den Süden Afrikas fahren, immer einen grossen Bogen nach Westen?
Wie heisst die Südspitze Afrikas und wieso heisst sie so?
Nicht alle waren begeistert von den Pioniertaten der Portugiesen. Wer nicht?
Wie endet die Geschichte da Gamas?
Poerfolioauftrag:
Stelle auf je einer A4-Seite eine Biografie (Lebensbeschreibung) von zwei weiteren Entdeckern und zwei Kartographen zusammen! Zur Auswahl stehen:
- John Cabot (Entdecker)
- Pedro Alvarez Cabral (Entdecker) -
- Barthelomeo Dias (Entdecker) -
- Amerigo Vespucci (Entdecker)
- Vasco Núñez de Balboa (Entdecker)
- James Cook (Entdecker)
- Paolo Toscanelli (Kartograf)
- Martin Beheim (Kartograf)
- Martin Waldseemüller (Kartograf)
... oder Entdecker und Kartograühen deiner Wahl.
Zusatztext:
Die Geschichte der Sklaverei
Schon die antiken Völker hielten Sklaven, im Orient gab es auch vor dem 15. Jahrhundert Sklaverei und Sklavenhandel. Die Europäer waren bis dato nie wirklich auf Sklaven angewiesen.
Portugal war das erste Land, dem die Arbeitskräfte in der Landwirtschaft ausgingen. Durch seine Besetzungen an der Westafrikanischen Küste hatte Portugal Zugang zu den arabischen Sklavenmärkten. Ab 1444 begann Portugal einen lebhaften Sklavenhandel zu führen. Bald danach begannen auch die Spanier mit dem Sklavenhandel, aber die Portugiesen beherrschten über ein Jahrhundert den gesamten afrikanischen Sklavenmarkt - nach Europa und von Kontinent zu Kontinent. Die arabischen Händler verkauften Sklaven aus Zentralafrika an der afrikanischen Westküste, in Arabien, in Indien und im Iran. Die Europäer hatten bis dahin noch keinen Zugang nach Zentralafrika. In Lateinamerika versklavten die Spanier währenddessen die Ureinwohner, dadurch waren sie nicht auf die Sklaven von den Portugiesen angewiesen.
Probleme brachte die Anfälligkeit der amerikanischen Urbevölkerung hinsichtlich der eingeschleppten Krankheiten. Innerhalb weniger Jahre reduzierten Krankheiten wie Grippe, Pocken oder Typhus die Ureinwohner auf ein Minimum ihrer ursprünglichen Zahl. So waren auch die Spanier auf die Portugiesischen, widerstandsfähigeren "Afrikasklaven" angewiesen.
Seit Mitte des 16. Jahrhunderts beteiligten sich auch die Engländer am Sklavenhandel, gegen die Vorherrschaft der Portugiesen am weltweiten Sklavenmarkt. Besonders am "Absatzmarkt" der Spanier waren die Engländer interessiert. Frankreich, Holland und Dänemark folgten als Mitbewerber. 1713 wurde das allgemeine Recht eingeräumt, dass alle Länder die spanische Kolonien beliefern dürfen.
Durch die rasche Entwicklung der Zuckerindustrie in Brasilien erfolgte in den letzten Jahren des 16. Jahrhunderts ein sprunghafter Anstieg des Sklavenhandels zwischen Afrika und Brasilien. Als man am Ende des 17. Jahrhunderts Gold in Brasilien entdeckte, schnellte die Nachfrage nach Sklaven noch weiter in die Höhe. Zwischen 1700 und 1810 wurden etwa 1'800'000 Sklaven nach Brasilien gebracht.
Mit der steigenden Zahl an Sklaven ergab sich die Notwendigkeit, den Status des "menschlichen Eigentums" auch rechtlich zu definieren. Zeugnis dieser unglaublichen Grausamkeit gibt zum Beispiel der "Code noir", das Schwarze Gesetzbuch, das von Ludwig XIV. 1685 eingeführt worden ist. Der 1685 von Louis XIV. proklamierte und 1723 für die Maskarenen modifizierte "Code noir" ("Schwarzes Gesetzbuch") - ein Gesetz, das die Sklavenhaltung betraf und den Besitzern Rechtssicherheit verschaffte, ihnen aber auch bestimmte Pflichten auferlegte.
http://www.univie.ac.at/igl.geschichte/europa/FR/Lohfink/Sklaverei.htm