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Frauen mit hohen Testosteron-Werten haben in einigen Disziplinen einen Wettbewerbsvorteil. Dies ist das Ergebnis einer von der IAAF veröffentlichten Studie zum sogenannten Hyperandrogenismus.
«Über 400 und 800 m, 400 m Hürden sowie im Hammerwurf und im Stabhochsprung haben weibliche Athleten mit hohem Testosteronspiegel einen Wettbewerbsvorteil von 1,8 bis 4,5 Prozent gegenüber anderen weiblichen Konkurrentinnen mit normalem Androgenspiegel», lautet das Fazit der Untersuchung des Internationalen Leichtathletik-Verbandes IAAF durch die Wissenschaftler Stéphane Bermon und Pierre-Yves Garnier.
Die IAAF gab die Untersuchung in Auftrag, nachdem der Internationale Sportgerichtshof CAS im Juli 2015 eine IAAF-Regel aufgehoben hatte, wonach Athletinnen mit einer männlichen Hormon-Überproduktion, die aber unter dem Androgen-Level eines Mannes liegt, in Frauen-Wettkämpfen starten durften, sofern sie den von der IAAF festgelegten Testosteron-Grenzwert nicht überschritten. Die Südafrikanerin Caster Semenya, die an den Weltmeisterschaften 2009 in Berlin über 800 m allen davon lief, musste aus diesem Grund in den Jahren danach Medikamente zur Reduzierung ihres Testosteronspiegels einnehmen. Sonst wäre sie nicht startbereichtigt gewesen.
Als die indische Sprinterin Dutee Chand auf Grundlage dieses Grenzwertes bei den Commonwealth-Spielen Ende 2014 wegen zu hoher Testosteron-Werte disqualifiziert wurde, klagte sie vor dem CAS und erkämpfte einen Teilerfolg. Die IAAF-Regel wurde für zwei Jahre aufgehoben, um wissenschaftliche Beweise für einen Zusammenhang zwischen erhöhten Testosteron-Werten und gesteigerter Leistungsfähigkeit bei Sportlern zu ermitteln.
Seit der Aufhebung des Testosteron-Grenzwertes gibt es insbesondere im 800-m-Lauf eine Dominanz durch drei intersexuelle Läuferinnen. Semenya, Francine Niyonsaba aus Burundi und Margaret Wambui aus Kenia dominieren in der Disziplin von Selina Büchel nach Belieben und liefen 2016 an den Olympischen Spielen in Rio erwartungsgemäss in dieser Reihenfolge aufs Podest. Als Semenya noch zur Hormonkur gezwungen war, hatten sich ihre Zeiten – wie nun bei Büchel – um die 2 Minuten eingependelt.
Eine Auswirkung auf die Weltmeisterschaften im August in London hat die Studie noch nicht.