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Liebes Geld, wir müssen über Risiko reden.
Immer wenn es darum geht, Geld zu verwahren und anzulegen, stellt sich sofort die Frage nach dem Risiko. Der Begriff scheint einfach, ich kann Ihnen aber versichern, dass jede und jeder etwas Anderes darunter versteht. Es gibt in der Finanzwelt und in der Wissenschaft viele Definitionen zum Risiko, aber nur ein Mass, das sowohl der Profi als auch der Laie verwendet. In der Interpretation dieses Masses herrschen viele nicht zielführende Denkmuster vor, die zu falschen Erwartungen und Enttäuschungen führen.
Was ist überhaupt Risiko?
Beginnen wir mit den individuellen Einschätzungen. Wir haben drei unserer Kunden gefragt, was Risiko für sie bedeutet. Die Antworten in Abbildung 1 zeigen verschiedene Dimensionen des Begriffs. Interessant ist die Dualität zwischen einer negativen und positiven Erwartung, die auch im Anlagekontext eine zentrale Rolle spielt.
Der Duden definiert Risiko als möglicher negativer Ausgang bei einer Unternehmung, mit dem Nachteile verbunden sind. Im Kontext von Anlagen definiert das Gabler Wirtschaftslexikon das Investitionsrisiko als "Unsicherheit hinsichtlich der Vorteilhaftigkeit einer Investition".
So wird das Risiko einer Anlage definiert und gemessen
Bei Aktien unterscheidet man zwei Arten von Risiken, die auf ein Unternehmen wirken. Zum einen sind das die unternehmensspezifischen Risiken, die nur für das jeweilige Unternehmen gelten: Managementfehler, Rechtsfälle, Produktrückrufe etc. sind Beispiele dafür. Dann gibt es ein allgemeines (systematisches) Marktrisiko, das alle bzw. sehr viele Unternehmen gleichermassen trifft, typischerweise eine Rezession oder eine kriegerische Auseinandersetzung. Während das unternehmensspezifische Risiko durch Diversifikation auf mehrere Aktien quasi eliminiert werden kann, bleibt das Marktrisiko auch bei einem Portfolio mit vielen verschiedenen Aktien bestehen.
Bei Obligationen sind die wichtigsten Risiken das Ausfallrisiko sowie das Zinsrisiko. Wenn Sie einem Land oder einem Unternehmen mittels Obligation einen Kredit geben, besteht die Möglichkeit, dass der Kredit nicht zurückbezahlt wird. Dieses Ausfallrisiko wird bei stabilen Ländern als nicht vorhanden eingestuft, weswegen der Zins einer solchen Staatsobligation vereinfacht als risikoloser Zinssatz gilt. Dieser Zinssatz ist seit geraumer Zeit negativ, in der Schweiz liegt die Rendite für 10-jährige Bundesobligationen bei rund -0.8%. Sie bezahlen also pro Jahr fast ein Prozent "Strafgebühr" damit Sie dem Schweizer Staat einen Kredit geben dürfen. Absurd, aber Realität. Damit sind wir beim Zinsrisiko. Wenn die Zinsen steigen, werden neue Obligationen attraktiver. Bestehende Obligationen verlieren an Wert, weil sie einen tieferen Zins abwerfen. Gegenwärtig ist das Zinsänderungsrisiko dominierend, weil die Zinssätze schon sehr tief (negativ) sind, dass viele die Meinung vertreten, tiefer geht es nicht mehr.
Die Volatilität als zentrales Risikomass im Portfolio
Um das Risiko eines Portfolios zu bestimmen, wird gemessen, wie stark die Kurse über einen bestimmten Zeitraum vom Mittelwert abweichen. Dafür wird die sogenannte Standardabweichung berechnet, die als (historische) Volatilität die weitaus bekannteste Risikokennzahl ist und eine einfach vergleichbare Indikation der Schwankungsstärke liefert. Wenn also vom Risiko eines Portfolios gesprochen wird, meint man in der Regel die Stärke der Schwankungen.
Der Schweizer Aktienmarkt SPI zeigte zwischen Januar 2004 und Oktober 2018 eine durchschnittliche, jährliche Volatilität von rund 12% und gehört damit im Vergleich zu anderen Aktienmärkten zu den eher defensiven (weniger Schwankungen) Märkten. Zum Vergleich, der deutsche DAX wies im gleichen Zeitraum eine Volatilität von über 17% aus und der S&P 500 eine von über 13%.
Gemeinhin wird verstanden, wenn die Volatilität hoch ist, bedeutet dies ein höheres Risiko und umgekehrt. Demnach sollte man versuchen, möglichst wenig Schwankungen im Portfolio zu haben.
Ist das die richtige Schlussfolgerung?
Anlagerisiko: Diese 2 Fehlinterpretationen sollten Sie dringend vermeiden:
1. Weniger Volatilität ist besser
Vergleichen Sie die Anlage A und Anlage B in der Abbildung 2. Die Anlage A hat kaum Schwankungen, d.h. eine sehr tiefe Volatilität, Anlage B hingegen ist sehr volatil. Erinnern wir uns an die eingangs zitierte Definition von Risiko: "Unsicherheit hinsichtlich der Vorteilhaftigkeit einer Investition".
Wenn Sie Ihr Vermögen aufbauen möchten z.B. für den Ruhestand, sind Sie auf Rendite angewiesen. Die höchste Rendite lässt sich mit Aktien erwirtschaften, diese aber weisen hohe Schwankungen auf (vgl. Anlage B). Wenn Sie Ihr Geld hingegen auf einem Sparkonto lassen, das kaum Schwankungen aufweist, werden Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Rendite erwirtschaften. Nach Abzug der Inflation schon gar nicht, auch historisch nicht. Hier ein interessanter Artikel dazu: https://www.handelszeitung.ch/konjunktur/sparen-hat-sich-noch-nie-gelohnt
Wenn Ihr Anlageziel darin besteht, nach einer gewissen Zeit mehr statt weniger Geld zu haben, dann ist das Risiko, dieses Ziel zu verfehlen, massiv grösser, wenn Sie das Geld auf dem schwankungsfreien Konto lassen.
Fazit: Volatilität für sich alleine ist kein gutes Mass für eine Risikobeurteilung weil es die Vorteilhaftigkeit einer Anlage ausser Acht lässt.
2. Volatilität muss man einfach in Kauf nehmen.
Die Stärke der Schwankungen in einem Portfoliokontext ist relativ und kann mittels der Streuung auf verschiedene Anlagen und Anlageklassen (Diversifikation) deutlich reduziert werden. Noch wichtiger ist ein langer Anlagehorizont.
Wie Sie Abbildung 3 entnehmen können, liegt die historische Rendite von Aktien und Obligationen bei einem kurzen Anlagezeitraum in einem sehr grossen Streuungsbereich. Konkret lag die jährliche Aktienrendite im S&P 500 Index zwischen 1950 und 2018 zwischen +61% und -43%. Das Risiko, einen schmerzhaften Verlust zu erleiden, wenn man nur ein Jahr investierte hätte, war bedeutend. Umgekehrt war das Risiko, einen Verlust zu erleiden, wenn man über einen Zeitraum von zwanzig Jahren investiert war, gleich null. Die schlechteste 20-Jahresperiode hätte immer noch eine durchschnittliche, jährliche Rendite von 4% gebracht, die beste 20-Jahresperiode eine von stattlichen 18%.
Das Schwankungsrisiko lässt sich mittels Diversifikation einfach und signifikant reduzieren. Gleichzeitig nimmt die Schwankungsbreite über einen langen Zeitraum ab, das Risiko eines Verlustes lässt sich über einen langen Anlagezeitraum sehr stark einschränken oder gar eliminieren. Volatilität ist damit relativ zu Zeit und Diversifikation.
Fazit: Ein langer Anlagehorizont und ein diversifiziertes Portfolio sind das A und O eines erfolgreichen Vermögensaufbaus.
Zugabe: Sehen Sie zu diesem Thema ein Kurzvideo von Fintool: Wie sehen die Aktienrisiken aus, wenn man den Anlagehorizont verlängert. Ein eindrückliches Beispiel aus den USA
Und jetzt, was bedeutet das für mich?
Wer Vermögen systematisch aufbauen und dabei eine vernünftige Rendite erwirtschaften möchte, kommt um den Finanzmarkt nicht herum. Die beste Rendite bringen Aktien, das ist unbestritten. Aktien unterliegen auch den im Vergleich stärksten Kursschwankungen. Um diese Kursschwankungen abzufedern, ist ein langfristiger Anlagehorizont unabdingbar.
Wer jetzt nicht langfristig investiert und sein Geld auf dem zinslosen Konto lässt, nimmt ein grosses Risiko in Kauf, keine Rendite zu verbuchen bzw. unter Miteinbezug der Inflation sogar reale Kaufkraft zu verlieren.
Wir zeigen in vier kurzen Abschnitten worauf es wirklich ankommt, damit ein systematischer Vermögensaufbau erfolgreich ist.
Lesen Sie dazu: Die DNA der erfolgreichen Vermögensverwaltung.
Vermögen baut sich nicht von selber auf. Starten Sie jetzt mit Ihrem Vermögensaufbau, diversifizieren Sie Ihre Anlagen und nutzen Sie den flexiblen Sparplan für regelmässige Einzahlungen. So erreichen Sie Ihre Anlageziele und reduzieren das Risiko konsequent.