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Batterie und Wehrmännerdenkmal

Oberer Batterieweg
Tram 15 - Airolostrasse / Bus 37 - Bedrettostrasse
Mit der Flucht Napoleons von Elba kehrte die Kriegsgefahr zurück nach Europa. Wie bereits früher wurde die französische Festung Hüningen mit ihren Geschützen zu einer Bedrohung für Basel. Auch bedrohten französische Truppen im Raum Porrentruy das Leimental. Lange verlief über das Bruderholz die Grenze zu jenen Teilen des Fürstbistums Basel, die im April 1792 besetzt und im März 1793 als Teil des neuen Departement Mont-Terrible Frankreich einverleibt worden waren.
Erst mit dem Wiener Kongress fielen im März 1815 diese Reste des ehemaligen Fürstbistums zurück an die Schweiz, in diesem Fall an den Kanton Basel. Die erneute Bedrohung aus Frankreich machte Massnahmen zur Verteidigung nötig. Während der Beschiessung der Stadt durch die Festung Hüningen stand Basel im Kampf gegen die Franzosen im Lager der Alliierten. Die 6.Eidgenössische Brigade unter Oberst Lichtenhahn begann um Basel Befestigungen zu bauen.
La Superbe - die Batterie
Zu diesen Fortifikationswerken gehörte auch eine Schanze auf dem Bruderholz die im Mai 1815 entstand. Die quadratische Schanze für schwere Geschütze wurde sehr präzise angelegt und bekam daher den Übernamen "la Superbe". Allgemein setzte sich aber wegen der Funktion als Stellung für Artillerie der Name "Batterie" durch, der bis heute gebräuchlich ist. Der Standort der Schanze war wohl gewählt, nämlich an jenem Punkt der mit 364,99 Meter der höchste des Bruderholz war.
Ein Blick vom Wasserturm aus auf die Batterie offenbart ihre vollendete Form, die ihr den ersten Beinamen "la Superbe" gab. Im stadtseitigen Wall (Teerplatz am rechten Bildrand) wurde 1925 das Wehrmännerdenkmal errichtet.
Musketenschüsse auf dem Bruderholz
Von der Schanze Richtung Binningen wurde das Gelände mit Laufgräben befestigt, die nach dem definitiven Erlöschen von Napoleons Stern wieder zugeschüttet wurden. Die Batterie indes blieb weiterhin bestehen und geriet 1831 in den Brennpunkt der Kantonstrennung. Die Schanze lag nämlich genau auf jener Linie wo der Bann von Basel auf jenen von Bottmingen stiess. Bottmingen gehörte zur Landschaft wo auch die eine Hälfte der Batterie lag.
Wieder war das Bruderholz mit seinem Grenzverlauf ins Auge der Militärs geraten. Am 13. Januar 1831 zogen die Basler (Standeskompagnie, Miliz, Freikompagnie) aufs Bruderholz, wo die Landschäftler Stellung bezogen hatten. Bis zum Mittag hatten die Basler nach einigen Scharmützeln Binningen und St.Margrethen genommen. Sie stiessen vor zur Batterie die nicht besetzt war. Einige Landschäftler wurden durch die Standestruppe aus dem nahen Wäldchen verjagt.
Nach der Trennung 1833 wurde die Banngrenze zur Kantonsgrenze, womit die Batterie nun zur Hälfte in Basel-Stadt und zur anderen Hälfte in Basel-Landschaft lag. Erst nach einer Korrektion verläuft die Grenze seit 1954 um die Schanze herum, so dass sie vollständig auf Basler Boden liegt. Im Inneren der Schanze fand man bei späteren Arbeiten einen alten Grenzstein aus jenen Tagen in denen die Trennlinie noch mitten durch als Festungswerk aus Napoleons Tagen verlief.
Schützengräben werden Abenteuerspielplatz
Erneut kehrte Kriegsgott Mars während der Grenzbesetzung 1914-1918 auf die Batterie zurück. Schweizer Truppen bauten die alte Schanze und ihr Umfeld zu einem Stützpunkt aus. Wie hundert Jahre zuvor wurden Gräben ausgehoben. Es entstanden Feuerlinien, Sappen und Unterstände. Als die Armee die Stellung wieder verliess, wurde die kriegsmässig ausgebaute Batterie zum Treffpunkt der Basler Buben. Um "Kriegerlis" zu spielen kam sogar Jungvolk aus Kleinbasel den weiten Weg aufs Bruderholz.
Südwestliche Ecke der quadratischen Schanze vom Oberen Batterieweg aus gesehen. Nach dem Bau im Mai 1815 erhob sich die Schanze noch ohne die heutigen Bäume auf ihren Wällen in einem unbebauten Gelände mit weitem Schussfeld. Lediglich ein Wald lag in ihrer Nähe.
Der Grenzbesetzung 1914-1918 verdankt das Bruderholz ein anderes Souvenir. Während die Gräben wieder verschwanden entstand bei der Batterie das Basler Wehrmännerdenkmal. Das Monument erinnert an die während Grenzbesetzung und Aktivdienstes 1939-1945 verstorbenen Basler Soldaten. Aus einem Wettbewerb 1923 ging der Entwurf "Wächter" des Bildhauers Louis Weber (1891-1972) und des Landschaftsarchitekten Eduard Preiswerk-Haller (1867-1924) siegreich hervor.
Das Wehrmännerdenkmal von Louis Weber
Eine Stützmauer, mit einer Terrasse gekrönt, wurde in den der Stadt zugewandten Wall der Schanze eingefügt. In die Mauer wurde ein Relief von Webers Hand eingelassen. Unter dem Schriftzug "Unseren Wehrmännern zum Gedächnis der Grenzbesetzung MCMXIV - MCMXVIII" zeigte die Reliefplatte drei überlebensgrosse und kräftige Männer in antik-spärlicher Bekleidung. Der Wächter in der Mitte gebot mit seiner erhobenen rechten Hand Halt dem Krieg der das Land bedrohte.
Mit Speeren in Händen ist er links und rechts von je einem Kameraden flankiert, deren Körpersprache ein wenig an Torhüter erinnerte die schützend vor ihrem Goal stehen, womit der Sinn durchaus treffend verbildlicht wurde. Die drei Hüter des Vaterlands mussten aber schon früh Standhaftigkeit beweisen. Wenig patriotische Nachtbuben dunkler Identität beschmierten kurz vor der Enthüllung das Relief mit Farbe, die mühevoll rechtzeitig vor der Zeremonie entfernt werden konnte.
Auf dem Bruderholz fanden sich zur Einweihung am späten Nachmittag des 10.Mai 1925 nebst Vertretern aus Politik und Militär 20'000 Baslerinnen und Basler ein. Über 1000 Wehrmänner waren aufmarschiert, begleitet von den Basler Bataillonsfahnen die zuvor im Gundeldingerschulhaus abgeholt wurden. Ebenfalls mit ihren Fahnen waren zahlreiche Vereine und Verbände aufgezogen und die Polizeimusik begleitete den Umzug vom Gundeldinger Quartier zur Batterie.
Unter den Gästen war Oberstkorpskommandant Isaak Iselin (1851-1930), ein treibender Geiste hinter dem Denkmal. Eine für damalige Tage besondere Einlage waren die drei Flieger die bis zur Eröffnung der Zeremonie über dem versammelten Volk kreisten. So glanzvoll die Einweihung war, so traurig war das Fortleben des Monuments. Vandalen zerschlugen zunehmend Gesichter und andere Partien der Wächter. Bis 1939 war das Wehrmännerdenkmal schauerlich heruntergekommen.
Das Basler Wehrmännerdenkmal im Nordwall der Batterie. Die heutige Ausführung geht auf 1957 zurück zeigt kein Figurenrelief mehr wie die Urfassung Louis Webers von 1925. Stattdessen erinnert eine Bronzetafel an die Verstorbenen Wehrmänner.
Anfangs 1939 stellte Eugen Dietschi (1896-1986) im Basler Grossen Rat den dringenden Antrag auf eine Sanierung des Wehrmännerdenkmals auf der Batterie. Vorerst lagen aber keine konkreten Pläne vor. Dann kam der Zweite Weltkrieg und die Prioriäten gingen in andere Richtungen. Erst 1955 entsann man sich im Rathaus nach einem Antrag von Otto Schönmann (1912-1970) des Monuments. Es sollte eine ergänzende Inschrift zum Aktivdienst 1939-1945 hinzukommen.
Die Bronzetafel von Numa Rick
Da die Schäden irreparabel waren, entschloss man sich die halbplastischen Figuren ganz zu entfernen und eine neue Gestaltung der Monuments anzugehen. Dies war auch im Sinne des Schöpfers Louis Weber, der am liebsten das Relief durch vollplastische Figuren ersetzt hätte, die vor der Stützmauer im Wall der Schanze standen. Dies war einerseits der Obrigkeit zu teuer. Ferner hatte sich auch der Basler Geschmack geändert - Schlichtheit war Trumpf.
Das Baudepartement beantragte 1955 die Entfernung der drei Wächter zugunsten einer Bronzetafel mit der Inschrift "Zur Erinnerung an die während der Grenzbesetzung und im Aktivdienst verstorbenen Basler Wehrmänner - 1914-1918 / 1939-1945". Der Grafiker Numa Rick (1902-1973) gestaltete das Schriftbild des Texts auf der Bronzetafel und unter der führenden Hand des Hochbaudepartments war die Neugestaltung des Wehrmännerdenkmals bis Ende 1957 umgesetzt.
In der Folgezeit war die Batterie mit ihrem Denkmal Schauplatz patriotischer Feiern. Zum Beispiel zur Bundesfeier am 1.August 1959, als Kanoniere des Artillerie-Vereins Basel-Stadt mit historischem Geschütz das Denkmal zur Feier flankierten. Allmählich wich aber das Martialische und die Batterie wurde zum Ort von Veranstaltungen für Jugend und Freizeit. Der 1926 eröffnete Wasserturm hat heute dem Monument und der Schanze den Rang als Ausflugsort abgelaufen.
Interne Querverweise zum Quartier Gundeldingen-Bruderholz:
>> Herkunft des Namens Hechtliacker
>> Anfänge des Rundfunks in Basel und das Radio Studio Basel
>> Das Thomas-Platter-Haus an der Gundeldingerstrasse
>> Rundgang im Wasserturm auf dem Bruderholz
Surftipp zum Bruderholz:
>> Website des Neutralen Quartiervereins Bruderholz
Beitrag erstellt 11.02.06 / Nachgeführt 17.04.08
Quellen:
August Bernoulli, Basel in den Dreissigerwirren, Band I - Die erste Revolution bis zur neuen Verfassung, 85. Neujahrsblatt der GGG, Verlag Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1907, Seiten 56 und 57
Eduard Chapuisat, Abschnitt "Der Weg zur Neutralität und Unabhängigkeit - Die Schweiz 1814 und 1815" in Schweizer Kriegsgeschichte, Heft 9 verlegt durch das Oberkriegskommissariat, Bern, 1921, Seite 86
Eugen Dietschi, Das Bruderholz - 50 Jahre Neutraler Quartierverein Bruderholz, ohne Verlag, ohne Verlagsort, 1975, Seiten 4 bis 7 und 12 bis 15
Georg Germann, Bauten und Bilder aus Basels Kulturgeschichte, herausgegeben von Peter Heman, Basel, Verlag Peter Heman, Basel 1986, ISBN 3-85722-010-5, Seite 186
Fritz Meier, Basler Heimatgeschichte, Lehrmittelverlag des Kantons Basel-Stadt, Basel, 5.Auflage 1974, Seite 253
Wilhelm Vischer, Basel in der Zeit der Restauration - I die Jahre 1814 und 1815, 83. Neujahrsblatt der GGG, Verlag Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1905, Seite 55
Gustav Adolf Wanner, Rund um Basels Denkmäler, Verlag Basler Nachrichten, Basel, 1975, Seiten 98 bis 101