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... wele Transport!
Bild und Geschichte 24
… wele Transport!
Wie ich schon mehrmals erwähnt habe, wurde in der «Alpinen Tragwirtschaft» alles, was es unter 50 Kilo zu transportieren galt (Holz, Käse, Mist, Roggenbrot, Chriss, Pägglete…) auf dem Rücken getragen. Für verschiedene Waren, gab es auch verschiedene Traggeräte: an Rückentraggeräten gab es das Räf, die Gafolla und die Tschifra; auf dem Räf transportierte man z.B. Käse oder Brot, mit der Gafolla z.B. Äste oder Reisig, das Hauptrückentraggerät war aber die Tischfra, natürlich wurde nicht der Mist und der Käse in der gleichen Tschifra transportiert: die unterschied sich je nach Gewicht der Transportguts in der Grösse und Sauberkeit; es gab Löüp-, Mischt-, Chrisstschifra; eine mittelgrosse, relativ saubere diente für allgemeine Transporte (Kleingeräte, Werkzeug, Kleider und bei den Frauen auch d Spiis und Getränke, die Männer trugen in der Regel einen Rucksack; ein Mann und an Tischfra passten irgendwie aus «Standesgründen» nicht zusammen.)
War das Transportgut schwerer als 50 Kilo nahm man den Boguschlitto (Hornschlitten, siehe Abb.), ds Wägi (Einachserkarren) oder engagierte ein Transportunternehmen mit Maultieren fer ds Söümmu. Der Boguschlitto war nicht nur im Winter das Haupttransportmittel; wenn das Gelände steil genug war (und das ist ja im Oberwallis recht häufig der Fall) wurde er auch im Sommer benutzt. Mit ihm wurde das Korn aus dem Stadel, teilweise auch das Heu aus den weit abgelegenen Scheunen und im Winter vor allem Holz aus dem Wald oberhalb des Dorfes ins Zentrum geschleppt. Im Sommer war es ein mühsames Gezerre, aber im Winter gabs doch ab und zu eine jauchzende Schussfahrt – gefährlich war es immer, aber was war zur damaligen Zeit nicht gefährlich!
Im Dorf selber oder wo es einen einigermassen fahrbaren Weg gab, verwendete man ds Wägi, einen schweren, zweirädrigen Karren, mit zunächst eisenbeschlagenen Rädern. Uns Kinder schickte man mit ihm ins Konsum, um einen Sack Gläck (Viehkraftfutter) zu holen, mühsam schleppten wir den schweren Karren hinauf, luden gemeinsam (meistens meine ältere Schwester und ich) den 50 Kilo schweren Sack auf und rasant gings zurück. Der Wagen hatte vorne, ähnlich wie beim Bogenschlitten, zwei Arme zum Lenken, dann bestand er aus einer einachsigen Holzpritsche, und hinter waren zwei «Holzschuhe» montiert, mit denen man bremsen konnte. Bremsen konnte man auch noch mit den Schuhsolen, aber wenn man den Wagen mal schön ausbalanciert, meine Schwester vorne am Lenken ich hinten auf dem Gläcksack, in Schwung brachte, bekam man am Ende der Dorfstrasse, bei der Abzweigung zum Haus ein tüchtiges Tempo und mehr als einmal sind wir in Nachbars Gänterli gedonnert. Was mich noch heute erstaunt ist, dass uns niemals etwas Schlimmeres passierte.
Ging der Transport aufwärts, musste man einen Säumer engagieren, z.B. wurden die gelesenen Trauben von St. German zunächst immer (vgl. Abb.) mit dem Maultier (später kamen dann die ersten Traktoren, aber den Bau der Strasse 1963, habe ich nicht mehr erlebt) nach Ausserberg transportiert.
Das Maultier wurde auch noch für Bauarbeiten und manchmal zum Misttransport in weit abgelegene Wiesen verwendet. Dafür hatte der Säumer abgerundete Holzkisten, die unten eine Klappe besassen. Am Ziel angekommen, wurde ein Holzzapfen gezogen, die Klappe öffnete sich und der Mist rieselte auf die Wiese; fürs Aufladen wurde die Klappe wieder verschlossen, so war es nicht nötig, das Maultier jedes Mal, wie es bei anderen Transporten üblich war auf- und abzubasten.
Spasshalber, aber nicht minder zynisch, wurde uns die Rätselfrage gestellt: «Was ist die leichteste Arbeit in der Landwirtschaft? Das Misttragen! Da geht man die Hälfte der Zeit leer!»
Bürchen, 23. 4. 20
Bildquelle: links, Rübel, Abb. XLV