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Wenig Landreserven sind in Basel kein Ding neuster Generationen. Bereits vor 1800 wurde die Fläche knapp – zumindest für einige Bauvorhaben. Der junge Basler Martin Bachofen stieg 1748 in die Fabrik seines Vaters ein. Die Firma produzierte Seidenbänder und handelte damit. Das Geschäft florierte wohl – ein repräsentativer Bau musste her. Stilistisch angesagt war die Architektur des auslaufenden Barocks. Für eine grosszügige Anlage mit mehreren Gebäuden und Gartenanlage fehlte in der Stadt aber schlicht der Platz, weshalb der Basler Architekt Samuel Werenfels Bachofens «Präsentationsbau» in Sissach anlegte.
Die Anlage bestand bei ihrer Errichtung 1776 aus einem zweigeschossigen Hauptbau und zwei rechtwinklig dazu gesetzten Flankenbauten; zusammen fassten sie den sogenannten kopfsteinbesetzten «Ehrenhof». Die offene Seite in Richtung Süden wurde mit einem ansehnlichen schmiedeeisernen Zaun und Gittertor geschlossen. Die Nordfassade des Hauptbaus umfasst sieben Achsen mit einem dreiteiligen übergiebelten Mittelrisalit. Die Gebäude verfügten über mächtige schiefergedeckte Walmdächer mit kleinen und grossen Lukarnen. Zwei Schornsteine bilden den oberen Abschluss. In den Flankenbauten befanden sich die Gärtner- und Pächterwohnungen. Zur Anlage gehörte auch eine Orangerie. An der westlichen Zufahrt finden wir eine an den Flankenbau angebaute Scheune. Dazu gehört ein kleiner Turm mit Spitzdach.
Im Norden und Süden der Anlage erstellte der Berner Architekt Niklaus Sprüngli das, wofür in der Stadt kein Platz war: einen Barockgarten. Hielt sich der Bau des Schlosses noch an den letzten Zipfeln des Barocks fest, so ging das Umland mit der Zeit und wurde bereits um 1805 im Süden und 1817 im Norden zu einem englischen Garten umgebaut. Der spätere Besitzer Albert Hübner aus Mülhausen nahm wiederum Änderungen an der Gesamtanlage vor, insbesondere aber vergrösserte er den Garten 1872 zu einem englischen Landschaftspark. Der nördliche Zugang erhielt ein Pförtnerhäuschen. Eine Fasanerie, gar ein Pavillon auf einer Insel, eine Voliere und Gewächshäuser kamen dazu, sind uns leider aber nicht erhalten geblieben.
Als einen «typischen Basler Landsitz» beschreibt die Baselbieter Denkmalpflege das Schloss Ebenrain. Insbesondere der zurückhaltende Basler Barock würde die Bauten als solchen auszeichnen. Trotz der Transformation der Gartenanlage von französischer hin zu englischer Gestaltung – oder eben gerade wegen diversen zeit- und ortstypischen Adaptionen von Baustilen geniesst das Schloss Ebenrain – heute in Besitz des Kantons Basellandschaft – höchsten Schutzstatus. Das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung ISOS stuft die Gebäude als bedeutend, sowohl was die architektonisch-historische, als auch räumliche Qualität anbelangt. Die Bewertung verlangt den Erhalt der Substanz. Das bedeutet: Bauten, Anlageteile und Freiräume müssen integral erhalten bleiben. Eingriffe gröberer Art sind faktisch verboten.
Freilich klassifiziert das ISOS neben der Gesamtanlage die Bauten im Einzelnen. Etwa das Pförtnerhäuschen im Norden wird nicht genauer beschrieben. Wir finden, als Abschluss – oder Beginn der Anlage, bildet es doch einen wesentlichen Anhaltspunkt, auch wenn es im Detail nicht so präzise wie die restlichen Anlageteile ausgeführt ist. Als Gegenstück zum nördlichen Zugang fungiert die Platanenallee im Süden. Der Ehrenhof wird dabei auf ansteigendem Gelände optisch unendlich verlängert. Na, wenn das mal keine gute Standortwahl war, nicht?
Text: Simon Heiniger / Architektur Basel
Schloss Ebenrain
Adresse: Itingerstrasse 13-17a, 4450 Sissach
Architektur: Samuel Werenfels (Basel)
Barocke Gartenanlage: Niklaus Sprüngli (Bern)
Baujahr: 1774-1776
Umbau Schloss und Garten: 1803/1817 + 1872, Édouard André (Paris)
Renovation/Sanierung: 1934-1942 + 1986-1989
Funktion: Parkanlage und Hof öffentlich, Tagungsräume
Fotos & Filmaufnahmen:
– © Simon Heiniger / Architektur Basel
Quellen:
– Heusser Sibylle, Büro für das ISOS (2008), ISOS Sissach, Bundesamt für Kultur BAK, Sektion Heimatschutz und Denkmalpflege, (keine ISBN vorhanden).
– Kantonales Inventar der geschützten Kulturdenkmäler Basel-Landschaft