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Wie entstehen Trauma-Folgen?
Bevor wir zu dieser wesentlichen Frage kommen, möchte ich Dir erläutern, wie ein normaler Verbreitungsvorgang – von einem Erlebnis bis zur Erinnerung – abläuft:
Dazu stelle ich Dir die 4 Hauptakteure vor:
- Der Thalamus: Alle Signale vom Körper (Reaktionen von innen) und von den Sinnesorganen (Wahrnehmung von aussen) werden in den Thalamus geleitet. Er sitzt im Zwischenhirn und filtert alle Informationen. Die wichtigen Informationen sendet er ins Bewusstsein, welches auch explizites Gedächtnis genannt wird. Die anderen Signale bleiben im Unterbewusstsein, welches implizites Gedächtnis genannt wird. Was bei wem weitergeleitet wird, kann je nach Prägungen, Glaubensmuster, Erfahrungen usw. bei jeder Person sehr unterschiedlich sein.
- Die Amygdala ist wesentlich an der Konditionierung von Angst beteiligt. Sie spielt eine wichtige Rolle bei der Wiedererkennung von Situationen sowie der Analyse möglicher Gefahren. Ereignisse werden in der Amygdala mit Emotionen verknüpft und gespeichert. Die Amygdala kreiert gewissermassen Gefühle, ohne diese zu bewerten. Sie wird auch „Hot System“
- Der Hippocampus ist die zentrale Schaltstelle des limbischen Systems im Gehirn und ordnet die Ereignisse zeitlich und geografisch ein. Ich vergleiche den Hippocampus gerne mit der Post: Briefe und Pakete werden an den entsprechenden, richtigen Ort transportiert, dort hinterlegt, resp. abgespeichert. So hat alles seinen chronologischen, klaren Ablauf, ist nachvollziehbar und kann auch abgerufen werden. Der Hippocampus spielt ebenfalls eine wesentliche Rolle bei der Überführung der Informationen aus dem Kurzzeitspeicher in den Langzeitspeicher. Er wird auch „Cool System“
- Die Grosshirnrinde ist der Langzeitspeicher unseres Gehirns. Die durch den Thalamus an die Amygdala und den Hippocampus weitergegebenen und dort verarbeiteten Informationen werden schlussendlich in der Grosshirnrinde gespeichert.
Was passiert bei einem Schocktrauma:
Bei einem traumatischen Erlebnis wird unser Gehirn mit Stresshormonen überflutet. Die Nervenzellen im Gehirn können die Eindrücke nicht korrekt aufnehmen und weiterleiten. Die Zusammenarbeit zwischen dem Thalamus, der Amygdala und dem Hippocampus ist gestört. Gefühlszustände, Bilder und körperliche Reaktionen werden in der Amygdala gespeichert, das vollständige Zuordnen des Erlebten im Zusammenhang mit der äusseren Realität kann im Hippocampus jedoch nicht stattfinden. Das bedeutet so viel wie: „Die Post kann nicht an den richtigen Ort zugestellt werden“. Dadurch entsteht eine Amnesie, das heisst, die Erinnerung an die konkrete reale Situation ist nicht vollständig.
Ist die Verarbeitung im Gehirn bei Trauma gestört, so können die Bilder, Geräusche, Gefühle und körperliche Reaktionen nicht zugeordnet werden. Sie verbleiben in der Amygdala, welche als das „Hot System“ bekannt ist und bei möglichen Gefahren immer wieder aufs Neue drauflos „feuert“. Kann das traumatische Ereignis nicht verarbeitet werden, bleibt dies fragmentiert wie einzelne Puzzlestücke, welche sich nicht zusammenfügen.
Ein Seelen-Schock in der Vergangenheit kann zu Vermeidung und Blockaden in der Gegenwart führen
Solange das Trauma nicht verarbeitet ist, überwiegt das emotionale Gedächtnis der Amygdala im Vergleich zum autobiografischen Gedächtnis des Hippocampus. Es besteht ein Nebeneinander von intensiven Erinnerungen einerseits und Erinnerungslücken von den konkreten Geschehnissen andererseits. Die unvollständigen, weil noch nicht zuordenbaren Erinnerungen entwickeln ein Eigenleben, welches sich weitestgehend dem Bewusstsein entzieht. Zahlreiche Reize können als Trigger fungieren und bei Betroffenen intensive emotionale Erinnerungen hervorrufen.
Dies kann als Strategie der Betroffenen zu Vermeidung, Blockaden und Aufschieben führen um sich den Orten, Situationen oder möglichen Gefahren nicht mehr auszusetzen. Im Alltag kann dies sehr belastend, einengend und frustrierend sein, was mir schon einige Kundinnen bestätigt haben.
Wie kannst Du Dich vom Vergangenheits-Schock lösen?
Die gute Nachricht ist, in über 80 % der Fälle gehen die akuten Belastungsreaktionen vorbei. Das Ereignis kann verarbeitet werden. Sei es:
- durch regenerierenden Schlaf
- in einem vertrauensvollen Gespräch
- im Bewusstsein, dass es vorbei ist und ich überlebt habe
- durch Bewegung, insbesondere Spaziergänge
- durch verstehen, was vor sich gegangen ist
Dies ist eine normale Reaktion von unserem intelligenten inneren System
Was passiert, wenn sich ein Holzsplitter in Deinen Finger bohrt? Er wird sukzessive nach aussen befördert, denn er ist ein Fremdkörper und soll weg. Auch ein Trauma ist ein „Fremdkörper“ und deshalb will sich unser System vom Trauma lösen. Mich fasziniert immer wieder aufs Neue, wie genial unser System funktioniert. Das Selbstbewältigungssystem wird aktiv und setzt alles daran, dieses traumatische Ereignis aufzulösen. Doch manchmal gelingt dies nicht von alleine, dann benötigt es fachkundige Unterstützung.
Integration / Verarbeitung des Traumas
Für die Verarbeitung des Traumas ist es notwendig, dass das traumatische Ereignis in einen Gesamtzusammenhang eingeordnet werden kann.
Dies ist durch verschiedene Methoden möglich. Drei davon sind hier aufgelistet:
- Durch gezielte Körperübungen wie das Neurogenes Zittern mit TRE® (Tension and Trauma Release Exercises) von David Berceli* Diese 7 einfachen Körperübungen helfen Dir, Anspannungen und Stress zu lösen. Das neurogene Zittern löst die Übererregung in Deinem autonomen Nervensystem.
*Tension and Trauma Releasing Exercises (TRE)-Methoden wurden von David Berceli entwickelt. Berceli machte die Erfahrung, dass zittern am gesamten Körper eine natürliche Reaktion des menschlichen Organismus auf Schock und traumatische Erlebnisse ist. Zittern dient der Selbstheilung des Organismus, um sein inneres Gleichgewicht wiederzuerlangen.
- Spezielle Abgrenzungsübungen in Form von Klopfen
- Die Bildschirmtechnik, welche auch ich anwende
Wie ich diese Technik verwende und wie Trauma-Folgen aufgelöst werden können, zeige ich Dir gerne in meinem Live-Webinar. Melde Dich kostenfrei an unter: https://claudiajost.ch/online-event/
Fazit:
Während des Traumas befindet sich der gesamte Organismus im Schockzustand. Dies führt dazu, dass die traumatischen Erlebnisse vom Gehirn nicht wie normale Erinnerungen abgespeichert werden können. Kann das Trauma nicht verarbeitet werden, entstehen isoliert abgespeicherte Teile der Erinnerung anstatt eines zusammenhängenden Ereignisses. Als Folge hiervon entstehen Traumafolgestörungen und die damit verbundenen belastenden Symptome.