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Einmal ist er leibhaftig in die Rolle des Bündner Reformators Johannnes Comanders geschlüpft, der um 1527, unterstützt vom Rat, an der Churer Martinskirche die Reformation initiierte: Fritz Peer, inzwischen pensionierter Gemeindepfarrer, gab seinem Ideal eine Stimme, eingekleidet in einen schwarzen Talar wie damals, mit Pelzkragen. Die Kostüme mietete man am Theater St. Gallen. Zum 450. Todestag 2007 schrieb Peer zu Ehren Comanders das Festspiel «Soli Deo Gloria», das mit vielen Laien, Musik und Projektionen nur gerade einmal aufgeführt wurde. Eine bebilderte Broschüre zeugt noch davon. Das Studium der Biografie und die Lektüre der fünfzig bis sechzig erhaltenen Predigten Comanders, ein Gang ins Bündner Staatsarchiv, um die Manuskripte zu fotografieren, gehörte mit zur Vorbereitung. Mit weissen Handschuhen durfte Fritz Peer in den alten Folianten blättern. Nach seiner Schätzung hat Comander an die 1500 Predigten gehalten, alle fein säuberlich aufgeschrieben, bearbeitet, dann memoriert und frei vorgetragen.
Die Reformation in der Schweiz
Politisch ruhig und korrekt, wie in Bern, wirtschaftlich begründet und kämpferisch blutig wie in Zürich, geprägt durch den internationalen Buchdruck wie in Basel: Die Reformation verlief in der Schweiz sehr unterschiedlich.
Die nachfolgenden Texte skizzieren die Reformation in den grossen Schweizer Städten und blicken auf die heutige Situation der reformierten Kirche. Wo steht diese heute? Die kompletten Texte finden Sie in der «Ref-App».
Wie die Reformation in der Schweiz verlief, können Sie auch hören! Jeder Text enthält eine Hörprobe aus «Zeitreise Reformation – Wie die Reformation die Schweiz geprägt hat». Das Hörbuch erhalten Sie hier.
Wie entstand das moderne Genf mit seinen Banken, Luxushotels, dem Sitz des Roten Kreuzes, den vielen internationalen Organisationen? Am Beginn des grossen Wandels, als die Provinz- und Marktstadt Genf zur Wiege des Calvinismus wurde, steht der Name eines erst 27-jährigen Mannes, eines französischen Glaubensflüchtlings, der 1536 in Genfs Stadtmauern vorübergehend Schutz suchte: Johannes Calvin.
Imposant thront die Kathedrale von Lausanne mit ihren wuchtigen Türmen über der Altstadt der Waadtländer Kantonshauptstadt. Das dreischiffige Gotteshaus ist das meistbesuchte gotische Bauwerk der Schweiz, doch die Reformation hat an der im 13. Jahrhundert errichteten Kathedrale bleibende Spuren hinterlassen: Beim Aposteleingang an der Südseite sind den in Stein gemeisselten Figuren im Zuge der Reformation die Nasen abgeschlagen worden. Bis auf eine Rosette findet sich kein vorreformatorisches Fenster mehr in der Kathedrale. Den Kirchenschatz mit den wunderbaren Bildteppichen und wertvollen Bischofsgewändern beschlagnahmten die Berner. Im Gegenzug stellten sie eine massive Kanzel in die Kirche. Später fügte man im hinteren Teil ein Fenster ein, in dessen Mitte der Waadtländer Reformator Pierre Viret zu sehen ist. Die unübersehbaren Spuren Virets und der Berner machen deutlich: Sowohl die damaligen Herren in der Waadt als auch der Theologe Viret waren entscheidend daran beteiligt, dass die frühere Bischofsstadt zum reformierten Glauben wechselte.
Der katholischen Kirche die Meinung sagen, den Handel mit dem Seelenheil der Menschen anprangern, Priester kritisieren, die verbotene Verhältnisse zu Frauen pflegen und Kinder in die Welt setzen – es gab vor rund fünfhundert Jahren viele Gründe für Reformatoren, laut aufzuschreien. Wer die Missstände in der Kirche einmal erkannt hatte, der musste doch wie Luther oder Zwingli mit aller Kraft für Veränderungen kämpfen, nicht wahr?
Wer durch Basels Altstadt wandert, stösst auf Namen wie Augustiner- und Kartausgasse oder Barfüsserplatz, und ahnt, wie die Buchdruckermetropole am Vorabend der Reformation aussah. 1300 bis 1500 geistliche Personen lebten in ihr, als Priester, Mönche oder Nonnen. Allein am Münster waren neunzig Priester beschäftigt, die an sechzig Altären im Gotteshaus und im Kreuzgang täglich ihre Messen lasen, zum Seelenheil der Verstorbenen. «Der Kirchenbetrieb war wie eine Fabrik organisiert», sagt Lukas Kundert, Münsterpfarrer und Kirchenratspräsident. Vor allem die Zünfte mussten ihn berappen, darum rumorte es im erstarkenden Bürgertum des 15. Jahrhunderts.
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