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Das Richtiareal in Wallisellen liegt im Entwicklungsgebiet Glattal im Norden Zürichs. Auf einem ehemals industriell genutzten und seit rund zwanzig Jahren brachliegenden Grundstück zwischen Bahnhof und Einkaufszentrum wurden von 2007 bis 2014 insgesamt 1200 Wohnungen sowie eine grosse Anzahl von Restaurants, Cafés und Läden realisiert. Es entstanden 3500 Arbeitsplätze.
Vittorio Magnago Lampugnanis städtebaulicher Entwurf versetzt das neue Quartier auf den ersten Blick in die dichte europäische Stadt des 19. Jahrhunderts und spielt dazu das Gegenüber ganz unterschiedlicher Gebäude aus. Von Anfang an betrachtete er die einzelnen Baufelder nicht bloss als Teil einer Blockbebauung, sondern ging der Idee nach, den traditionellen Stadttypus des Blockrands erneut an der Realität zu überprüfen. Der Masterplan war ein Erlass einheitlicher Regeln für Blockrandgevierte, die der schöpferischen Interpretation durch verschiedene Architekturbüros überantwortet wurden. Das Resultat ist nicht ein Abbild reiner Kohärenz. Die städtebauliche Komposition unterscheidet sich jedoch von einem Plan, der das freistehende Monument in Szene setzt. Lampugnani rückte Ausreisser in die Position des monumentalen Solitärs, um sie in die klassizistisch anmutende städtebauliche Figur einbeziehen zu können. Trotz der Heterogenität der Bauten bleibt das Richtiareal der Gestalt zusammenhängender Blockrandgevierte verbunden.
Für den Favrehof auf dem Diener & Diner überlassenen Baufeld 4 war eine Wohnnutzung vorgesehen. Die möglichen Nutzflächen wurden auf fünf Geschosse und ein zurückversetztes Attikageschoss eines Hofgebäudes verteilt. Grosszügige Durchgänge in den Erdgeschossen integrieren die Innenhöfe in das übergeordnete Konzept vernetzter Aussen- und Grünräume. Zur Richtiarkade hin sind im Erdgeschoss Läden untergebracht.
Alle Etagen- und Maisonettewohnungen sind so um den jeweiligen Hof gruppiert, dass jede Wohnung eine grosszügige Loggia oder eine Dachterrasse besitzt. Die mehr als 40 verschiedenen Grundrisstypen mit 1½ bis 5½ Zimmern bieten für die insgesamt 118 Wohnungen viele Varianten. Die Wohnbereiche sind sogenannte durchgesteckte Räume, zweiseitig belichtet, oder bilden mit der offenen Küche eine Raumschicht längs der Fassade. Ausserordentlich ist die durchgehende Raumhöhe von rund 2,80 Metern.
Die mehrheitlich hell verputzten Fassaden erfahren durch die Fensterformate eine rhythmische Gliederung. Die Schaufenster der Läden sind in Naturstein eingelassen. Dem Thema der geschlossenen, muralen Strassenfassaden an drei Seiten setzen die Fassaden an der Richtiarkade und zum Hof das Thema der Auflösung der Wand entgegen. Durch Loggien gewinnen die Fassaden an räumlicher Tiefe.
Für die Strassenfassade der Richtiarkade gestaltete der Schweizer Künstler Josef Felix Müller im Bereich zwischen den Schaufenstern und den Fenstern der Wohnungen einen durchgehenden Fries, der als Sopraporte auch über den Eingängen der Wohnhäuser wieder erscheint. Im Fries liess er wie bei Trockenmauern Natursteine lose übereinander schichten. Ihn faszinierte, dass hier „ein ganz neues Quartier gebaut“ wurde. Das „Trockenmauern ist in ländlichen Gegenden bekannt und ein Teil der bäurischen Kultur. Bei der Urbarmachung von neuen Kulturflächen wurden Steine auf den Feldern aufgelesen und an den Rändern aufgeschichtet. Dadurch wurden Grenzen markiert, Felder und Weiden vor Wind geschützt. Das Bild der Trockenmauer soll in einfacher Weise an eine grenzüberschreitende Kultur erinnern, die uns verbindet.“
Datum: 2008—2014
Auftraggeber: Allreal-Gruppe
Ort: Escherweg/ Favreweg/ Richtiarkade/ Richtiring, Wallisellen, Schweiz
Bruttogeschossfläche (BGF): 13.930 m²
Programm: 118 Mietwohnungen von 1½ bis 5½ Zimmer, Erdgeschoss mit Gewerbeflächen
Tiefgarage
Totalunternehmer: Allreal Generalunternehmung Zürich
Künstler Fries: Josef Felix Müller