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Bei der Methode der genetischen Verwandtschaft wird die genetische Differenzierung zwischen Populationen oder Individuen derselben Art gemessen. Je geringer die Differenzierung ist, desto grösser die Ähnlichkeit oder Verwandtschaft. Findet über längere Zeit kein oder kaum Austausch zwischen isolierten Populationen statt, ist der Genfluss also gering, nimmt die genetische Differenzierung zu. Diese Methode eignet sich gut um den Austausch über längere Zeiträume zu messen, weil genetische Differenzierung ein langfristiger Prozess ist.
Beispiel: Die Ausbreitung der Sumpfschrecke im Oberaargau
Die Sumpfschrecke (Stethophyma grossum) lebt in Feuchtgebieten und besiedelt beispielsweise nasse Wiesen und Gewässerufer. Sie gilt als guter Indikator für intakte Feuchtgebiete und ist heute in der Schweiz gefährdet, weil viele Feuchtgebiete in den letzten Jahrzehnten entwässert wurden.
Die WSL untersuchte im Oberaargau den Einfluss der Landschaftsstruktur auf die genetische Verwandtschaft und die Ausbreitung der Sumpfschrecke. Im Oberaargau leben Sumpfschrecken häufig in Feuchtwiesen entlang von Wiesengräben, Bächen und den drei Flüssen Rot, Langete und Önz. WSL-Forschende erfassten 37 Populationen (Bestände) und untersuchten sie auf ihre genetische Verwandtschaft. Populationen, die nahe beieinander und im gleichen Flusstal liegen, sind genetisch ähnlich und stärker miteinander verwandt als Populationen in unterschiedlichen Flusstälern. Die Studie zeigt, dass die Ausbreitung der Sumpfschrecke hauptsächlich innerhalb von und nicht zwischen Tälern erfolgt.
Genetische Methoden erweitern somit das Grundlagenwissen über die Ausbreitung von Tieren, die schlecht beobachtet werden können. Diese Information ist wichtig um geeignete Massnahmen für die Förderung gefährdeter Arten zu planen und umzusetzen.