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Unser letzter Tag in San Francisco ist angebrochen. Wir wollen unseren Besuch mit einer Küstenbootsfahrt abschliessen. Gesagt, getan: wir heuern auf einem rot-weissen Boot an und ziehen uns aufs Hinterdeck zurück. Hier haben wir viel Platz für uns alleine und eine tolle Rundumsicht. Per Kopfhörer erfahren wir mehr über die Geschichte von San Francisco und der Bucht. Besiedelt war sie ursprünglich von Indianern, entdeckt wurde sie zufällig, als sich ein spanisches Entdeckerboot losriss und durch den Eingang, den Golden Gate, hindurch in die Bucht getrieben wurde. Vorher war der Durchgang durch die Wälder und den Nebel verborgen geblieben. Ab da gab es aber kein Halten mehr, das Goldfieber griff um sich, die Bucht wurde von Goldgräbern und Spaniern erobert und besiedelt, die Indianer verjagt.
Ein sehr einschneidendes Ereignis war das starke Erdbeben von 1906. Ganze Quartiere fielen zusammen und eine grosse Feuersbrunst weitete sich rasend schnell aus. Die Menschen lebten in Zelten bis ihre Häuser wieder aufgebaut waren. 1989 bebte die Erde erneut, zum Glück nicht so stark wie 1906. Doch auch damals mussten die Menschen wieder in Zelten wohnen bis ihre Häuser erneut aufgebaut waren.
Der Golden Gate wurde strategisch und militärisch zu einem wichtigen Ort. Davon zeugt noch eine Festung auf der einen Seite. Joseph B. Strauss hatte 1932 die geniale Idee, einer Hängebrücke über den Eingang zur Bucht, den Golden Gate, zu bauen. Von 1933 bis 1937 dauerte die Bauzeit der 2737m langen Brücke. Im Mai 1937 wurde sie eingeweiht. Ihre Farbe erhielt sie dank der Bevölkerung. Die orange Farbe war als Grundierung gegen Rost und Erosion gedacht. Doch bevor mit dem grauen Endanstrich begonnen werden konnte, wehrte sich die Bevölkerung dagegen. Das Orange gefiel zu gut und so beschloss der Architekt, die Farbe zu belassen, zumal sie sich gut in die Umgebung einpasste. So wird noch heute täglich die Brücke orange angestrichen: 60 Tage dauert ein Gesamtanstrich und wenn dieser fertig ist, beginnen die Maler wieder von vorne, immer mit der gleichen orangen Farbe, wohl gemerkt.
Wie die letzten Tage auch, verschleiert sich Lady Bridge hinter Nebel, nicht mehr vollständig zwar, aber nur gerade soviel, dass ich ihre wahre Grösse und Schönheit in etwa erahnen kann.
Das Schiff kehrt unter der Brücke und fährt Richtung Alcatraz, der berüchtigten Gefängnisinsel. Noch heute schwebt eine unheimliche Stimmung über den Gebäuden und Wassertürmen auf der Insel. Die Gefangenen wurden per Schiff hierher gebracht und in enge Zellen gesperrt. Sie hatten kaum Kontakt zu den anderen Insassen oder zu den Wärtern, durften bei guter Führung eine Stunde am Tag im Hof an die frische Luft, und die Besuchszeit der Angehörigen beschränkte sich auf zwei Stunden im Monat. Mit drei Lügen wurden die Gefangenen von Fluchtgedanken abgehalten:
- Das Wasser in der Bucht sei so eisig kalt, dass man darin sofort erfrieren würde. Stimmt nicht! Das Wasser ist im Durchschnitt 13 Grad warm.
- Die Distanz zum Festland sei zu weit, das würde keiner schaffen. Stimmt nicht! Schwimmend erreicht man die Bucht in 45 Min.
- In der Bucht wimmle es von Haien, die Schwimmer angreifen würden. Stimmt nicht! Es gibt zwar viele Haie, doch von solcher Art, die für Menschen harmlos sind.
Nun fährt unser Schiff der Küste entlang und wir können nochmals die Stadtansicht vom Wasser her bestaunen. Die Vielfältigkeit San Franciscos spiegelt sich in ihrer Skyline. Der Financial District mit den gigantischen Hochhäusern, die nach neusten Erkenntnissen erdbebensicher konstruiert sind, die schicken Villen des Nobs, die einfacheren Häuser des North Beach und die vielen Piers der Fisherman‘s Whaf.
Das Schiff dreht unter der Oakland Bay Bridge, auch sie ist eine Hängebrücke. Die Bewohner dieser Seite der Bucht wollten eine der Golden Gate Bridge ebenbürtige Brücke. Sie ist in der Konstruktion ähnlich, besteht aus zwei doppelstöckigen Hängebrücken, ist grau angestrichen und wurde 1936 eröffnet. Im Laufe der Jahre wurde sie mehrmals erneuert und umgebaut (1959, nach dem Erdbeben von 1989, 2013). Eine weitere Attraktion wurde der Brücke 2013 hinzugefügt: ein Lichtspiel von über 25‘000 LED-Lämpchen erleuchtet die Brücke jede Nacht in einem andern Muster.
Der Rest unserer Rundfahrt führt der Küste San Franciscos entlang und bietet uns die Möglichkeit, uns von dieser eindrücklichen Stadt zu verabschieden.