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Ein Ultramarathon ist ein Lauf, der länger als ein klassischer Marathon (42,195 km) ist bzw. länger als das offizielle Zeitlimit für einen Marathon (sechs Stunden) dauert. Das heisst, Ultramarathon-Läufe sind bis zu 5000 km lang und können bis zu zehn Tagen dauern.
Da Ultraläufer in der Vorbereitung auf einen Ultramarathon deutlich mehr Trainingskilometer zurücklegen als Marathonläufer, kommt es bereits während des Trainings zu einer starken Belastung des Bewegungsapparats. Obwohl Gelenke, Muskeln und Sehnen beim Training durch das grosse Laufvolumen stark belastet werden, ist dies Voraussetzung dafür, dass es während des Wettkampfs nicht zu Überlastungsschäden kommt.
Bei sehr langen Läufen wie Kontinentaldurchquerungen (ca. 5000 km) kommt es zu einer Anpassung des Bewegungsapparats: Sehnen und Gelenkknorpel werden dicker. Diese Anpassungen sind eine Zeit lang nach Abschluss des Laufs noch nachweisbar, bilden sich dann aber zurück.
Bei längeren Läufen haben etwa 50-60% der Läufer Probleme am Bewegungsapparat, vor allem beim Sprung- und beim Kniegelenk. Die am häufigsten geschilderten Beschwerden sind femoropatellare Beschwerden, Schmerzen der Achillessehne, der Patellarsehne (Jumper's Knee) und der Sehne des hinteren Schienenbeinmuskels, das iliotibiale Bandsyndrom (Läuferknie, Tractussyndrom), das mediale Schienbeinkantensyndrom (Shin Splints) sowie der Fersensporn (Fasziitis plantaris).
Aufgrund des exzentrischen Belastungsmusters führt längeres Laufen praktisch unweigerlich zu einer Muskelschädigung, die als "Muskelkater" empfunden wird. Das Ausmass der Schädigung ist stark vom Trainingszustand abhängig. Um das Ausmasses der Schädigung zu bestimmen, kann die CK (Creatinkinase) im Blut gemessen werden. (Referenzbereich: Frauen: <145 U/l, Männer: <170 U/l.) Die höchste Aktivität der CK wird etwa eine Stunde nach Beendigung der Laufbelastung gemessen, der Wert ist aber noch 36-72 Stunden nach dem Lauf erhöht. Je nach Intensität, Länge und Topografie des Laufs können CK-Werte bis zu 300 000 U/l gemessen werden. Werte von 10 000-200 000 U/l sind nach einem harten Wettkampf durchaus normal.
Das Ausmass des Muskelschadens kann weder durch die Einnahme von NSAR (nicht-steroidale Antirheumatika), BCAA (Branched-Chain Amino Acids) oder Antioxidantien beeinflusst werden. Die beste Strategie ist die Prävention durch entsprechendes Training in der Vorbereitung auf den Lauf.
von Beat Knechtle und Pantelis T. Nikolaidis
Haben wir Ihr Interesse geweckt?
Dann lesen Sie den Originalartikel "Der Einfluss eines Ultramarathons auf den Bewegungsapparat" online.
Die Autoren
Beat Knechtle
wurde 1964 in Appenzell, Schweiz, geboren. 1991 machte er sein Staatsexamen an der Universität Zürich, wo er 1996 zum Dr. med. promoviert. 2002 absolvierte er seine Facharztprüfung zum Facharzt FMH für Allgemeinmedizin und habilitierte 2009 PD Dr. med. an der Universität Zürich. Sort ist er seit 2015 Titularprofessor.
Beat Knechtle bestreitet seit 21 Jahren Triathlon-Wettkämpfe, die länger sind als die klassische Ironman-Distanz (3.8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42.2 km Laufen). Dabei hat er bisher 30 doppelte, 27 dreifache, 4 fünffache und 6 zehnfache Ironman-Triathlons gefinisht. Außerdem hat Knechtle mehrere Streckenrekorde, nationale Rekorde sowie einen Weltrekord aufgestellt und etliche Siege und Podestplätze erzielt. 2002 wurde er im Guinnessbuch der Rekorde mit der höchsten Anzahl erfolgreich gefinishter Ironman-Triathlonstrecken in einem Jahr eingetragen. Des Weiteren hat er am meisten dreifache Ironman Triathlons weltweit gefinisht und dabei am meisten Podestplätze erzielt.
Pantelis Nikolaidis
wurde 1979 in Aachen, Deutschland, geboren. 2001 hat er seinen B.Sc. in Sports Science an der Universität Athen beendet. Danach folgte 2005 der M.Sc. in Exercise Physiology an der Universität Prag und 2008 der PhD in Exercise Physiology ebenfalls an der Universität Prag.
Seit 2008 ist er im Exercise Physiology Laboratory, Nikaia, Griechenland und seit 2017 auch am Laboratory of Exercise Testing, Hellenic Air Force Academy, Dekelia, Griechenland tätig. Sein wissenschaftlicher Fokus liegt auf der sportlichen Leistungsfähigkeit bei Teamsportlern und Ausdauersportlern.