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Natalia erzählt uns ihre Geschichte. «Wir kommen aus Sieverodonetsk (Сєвєродоне́цьк). Wir waren gezwungen, unsere Heimatstadt zu verlassen, als der Krieg am 24. Februar begann. Die ganze Stadt war unter Beschuss. Zwei Wochen lang versteckten wir uns in einem Luftschutzbunker, weil unser Wohnblock beschossen wurde. Alle Fenster wurden zerstört, nicht einmal die Schule wurde verschont. Kein Gas, kein Strom, keine Möglichkeit zu fliehen. Gott sei Dank, konnten wir dann doch evakuiert werden. Der Krieg ist schlichtweg grausam. Jetzt bin ich hier, in Sloviansk, mit meinen Kindern. Ich hatte einen guten Job, wir hatten ein schönes Zuhause. Aber wir mussten es verlassen, weil es unmöglich wurde, dort zu leben».
Das Zentrum für Vertriebene, in dem wir Natalia trafen, befindet sich in den Räumlichkeiten einer Kirche. Einige von Ihnen stammen aus Popasna
(Попасна), wo die FSD bis Dezember letzten Jahres ihr Minenräumprojekt durchführte. Drei Monate später helfen unsere Minenräumer Alexej und Igor denselben Menschen, indem sie große Säcke mit Getreide, Reis und anderen Grundnahrungsmitteln liefern.
Eine andere Kirche in der Nähe von Sloviansk wurde zu einem vorübergehenden Zuhause für Kinder und ältere Menschen.
Heute gibt es zum Mittagessen traditionelle ukrainische Gerichte: Borscht und Buchweizen. Die Grundlage der traditionellen Borscht ist Rinderbrühe mit Karotten, Zwiebeln, Kartoffeln und Tomatensauce. Die Borscht, die in der Kirche angeboten wurde, war jedoch vegetarisch, Fleisch ist mittlerweile ein Luxusgut. Die Menschen sind dennoch dankbar, dass sie eine warme Mahlzeit und ein Dach über dem Kopf haben, nicht einmal die Kinder beschweren sich.
Sloviansk und das benachbarte Kramatorsk sind die einzigen Städte in den Bezirken Donezk und Lugansk, von denen aus Flüchtende einen Evakuierungszug gen Westen nehmen können. Andere Bahnhöfe sind entweder teilweise zerstört oder unter ständigem Beschuss. In den Bahnhofsansagen schallt es immer: «Nur wenn die Lage stabil ist, wird der Zug in Kramatorsk ankommen». Es gibt also gar keine Garantie, dass ein Zug überhaupt kommt, um die bangenden Menschen abzuholen. Wenn die Lage instabil ist, halten die Züge nur an einem anderen Bahnhof, der 200 Kilometer entfernt ist.
Manchmal evakuieren Freiwillige Menschen aus abgelegenen Dörfern und bringen sie direkt zum Bahnhof. Wenn sie erst am Abend ankommen, müssen die Menschen oftmals die ganze Nacht dort ausharren. Die Bedingungen sind ziemlich hart. Was auch immer herumliegt, wird zum Bett zweckentfremdet. Mütter müssen manchmal die Windeln ihrer Babys auf ihren eigenen Knien wechseln.
Die Mitarbeiter der FSD lieferten Plastikbecher, Tee, Kekse, Windeln und Babynahrung an den Bahnhof, um zumindest die dringendsten Bedürfnisse zu stillen.
Mukachevo (Мукачево) ist eine ukrainische Stadt in der Nähe der ungarischen und slowakischen Grenze. Vor dem Krieg war diese Region ein beliebter Ort zum Skifahren, für nationale Feierlichkeiten und alte Traditionen. Seit dem Konflikt dient sie als Zufluchtsort für Flüchtende aus der ganzen Ukraine. Im Laufe der letzten Wochen ist die Bevölkerung massiv angestiegen. Es gibt dreimal so viele Binnenvertriebene wie Einheimische. Einige Menschen ziehen weiter nach Westen, aber die Mehrheit bleibt in der Stadt. Die meisten müssen in Notunterkünften untergebracht werden, andere werden von Einheimischen aufgenommen.
Für Hunderte von Binnenvertriebenen beginnt der Alltag mit dem Anstehen für humanitäre Hilfe in den Koordinationszentren für Binnenvertriebene. Das Zentrum in Mukachevo ist eines von vielen, die von der FSD in Form von Nahrungsmitteln (in diesem Fall hauptsächlich Buchweizen und Reis), Tee und Hygieneartikeln unterstützt werden.