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1850 mitten in der Blütezeit des Gipsgewerbes versetzte die Kartoffelkrankheit die wenig bemittelte Bevölkerung in bittere Not. Diese wurde durch den Ausfall des Herbstes noch verschärft. Im Oktober 1850 schlossen sich 52 Personen zur Gründung des „Hülfsvereins „ zusammen. Entsprechend der zeitlichen Situation wurde in den Statuten festgehalten dass „Rechtschaffenheit, christliche Zucht und Sparsamkeit“ zu mehren sind. Der Not entsprechend wurde der Verein in Untersektionen aufgeteilt. Section für Sabbatheilung, Armenpflege, eheliches und häusliches Leben und Jugendbildung, mit dem Ziel, der Not und dem Übel direkt entgegenzuwirken. Im Vordergrund stand die Hilfe für die Armen, „die sich eine schlechte Kindererziehung zu Schulden kommen lassen“ oder „die Förderung der Lesekultur durch gute Volksschriften“. In den Anfängen wurden auch den christlichen und moralischen Verpflichtungen grosse Bedeutung geschenkt.
1852 entstand die Krankensuppen-Organisation, welche den Kranken und unbemittelten Personen kostenlos Suppe abgab. Schon im ersten Jahrzehnt seit der Vereinsgründung durfte eine Verbesserung der allgemeinen Situation festgestellt werden. Dies ging wiederum aber mit einem Erlahmen des Vereinseinsatzes einher. Mit der Umbenennung in „Gemeinnütziger Verein“ wurde die Neugestaltung angepackt. Ein Weiterbildungsangebot für junge Männer stiess auf grosses Interesse und wurde rege genutzt.
Erste Anschaffungen von Krankenmaterialien- Matratzen und Teppiche- erfolgten 1881. Auch die „Mannebadi“-Wartung lag in der Verantwortung des Vereins. Um die Not zu lindern wurden vom Verein Kartoffeln abgegeben, Kostgelder übernommen sowie
Wolle und Stoffe für Kleidung angeschafft und den Bedürftigen abgegeben. Der „Bote“ veröffentlichte im Auftrag des Vereins
einen Artikel zur besseren Volksernährung.
1889 wurde die Einführung der Krankenpflege, speziell bei Epidemien, geprüft. Gefördert und unterstützt wurde vermehrt die Abgabe von Krankensuppe. Eine der vielfältigen Aufgaben des Vereins war die Erstellung der Frauenbadi, die nach jahrelanger Diskussion 1901 am Mühlekanal realisiert werden konnte. Verschiedene Varianten der Krankenpflege wurden geprüft. Für die Krankenpflege wurde aus Kostengründen mit der Zürcher Pflegeschule eine Vereinbarung für Notfälle getroffen. Später wurde mit dem Diakonissenhaus Riehen zusammen gearbeitet. 1908 wurde die erste Krankenschwester eingestellt. Die unentgeltlichen Pflegeeinsätze belasteten die Rechnung jedoch stark, sodass 1916 erstmals ein Krankenpflegetarif von einem Franken pro Jahr eingeführt werden musste. Das neue Krankenpflegereglement schrieb erstmals Sonderregelungen wie kostenlose Krankenpflege vor und fixierte weitere Tarife. Seit den 1920er Jahren wurden jeweils nach den Hauptversammlungen Vorträge über Gesundheit und andere Themen abgehalten.
Ab 1953 übernahmen die Institutionen Pro Juventute, Pro Infirmis, AHV und Liga gegen Tuberkulose Lasten der gemeinnützigen Vereine. Im gleichen Jahr führte Schwester Lene Stamm über 3000 Krankenbesuche durch. 1955 wurde die Hauspflege eingeführt. Es entstand der „Kranken-und Hauspflegeverein Schleitheim“. Vom bisherigen „Gemeinnützigen Verein“ wurden die Volksbiblio-thek und der Frauenarbeitsverein aus dem Verein ausgegliedert und neue Statuten eingeführt. 1956 konnte die erste Hauspfle-gerin eingestellt werden. Der Mitgliederbeitrag betrug acht Franken. Ein Autokauf ohne Einwilligung des Vereins führte 1960 zur Kündigung des Arbeitsvertrags mit dem Diakonissenhaus Riehen.
Glücklicherweise konnte der Verein die Krankenschwesterstelle durch erstmalige Direktanstellung wieder besetzen. In den 1970er Jahren zeigte sich eine überdurchschnittlich starke Beanspruchung der Hauspflege. Die immer bessere Gesundheitsversorgung ermöglichte vielen Personen ihr Leben bis ins hohe Alter zu Hause zu verbringen. Die Einführung des Krankenversicherungs-gesetzes erforderte in den 1990erJahren viel Engagement und organisatorische Massnahmen seitens des KHS. Mit einer umfas-senden Broschüre informierte der KHS die gesamte Bevölkerung über den „Kranken-und Hauspflegeverein“. Neben neuen Statuten erhielt der KHS erstmals den offiziellen Spitex-Auftrag vom Gemeinderat.
Ebenfalls führten der KHS zusammen mit dem Krankenhilfsverein Beggingen 1992 den Mahlzeitendienst im Randental ein. Mit Beggingen bestand schon seit Jahren eine enge partnerschaftliche Zusammenarbeit. Mit der Anschaffung des Spitexautos 1995 erhöhte sich die Flexibilität und Unabhängigkeit der Krankenschwestern. Im Turnhallenschulhaus entstand der erste Spitex-Stützpunkt. Mit den Klettgauer Vereinen wurde eine lose Zusammenarbeit mit Informationsaustausch aufgebaut. Die Anzahl der Mitarbeiter in der Pflege, Haushilfe und Mahlzeitendienst sowie die Aufgaben nahmen stetig zu. Der Spitexstützpunkt wurde aus Platzgründen auch bald an den heutigen Ort am Gemeindehausplatz gezügelt.
Durch das neue Alters-und Pflegegesetz im Jahr 2011 standen dem Verein wieder Änderungen bevor. Dem Zusammenschluss mit den übrigen Klettgauer Gemeinden zu einer einzigen Spitex stimmte die Mitgliederversammlung nicht zu. Fast der gesamte Vorstand musste deshalb neu konzipiert werden. Um die Gesetzesänderungen umzusetzen wird der neue Vorstand politisch und gesetzesmässig bis heute stark gefordert.
Auch nach fast 165 turbulenten Vereinsjahren ist der KHS also immer noch jung und dynamisch geblieben. Mit seinen drei wichtigen Dienstleistungen Pflege, Haushilfe und Mahlzeitendienst übernimmt er die Verantwortung für die Mitmenschen im Dorf.