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Zurück zu seinen Wurzeln – das will der Berner Sohan Lal, indem er über 5000 Kilometer mit seiner Rikscha zurücklegt, von Bern bis nach Neu Delhi.
Wegen der Liebe kam Sohan Lal (40) vor dreizehn Jahren in die Schweiz. Seine Frau, eine Bernerin, hat er 2001 in Neu Dehli auf der Strasse kennengelernt. Bereits kurze Zeit später war den beiden klar, dass sie zusammengehören, und so landete Sohan im Jahr 2004 in Bern. «Ich kam mit nichts nach Bern, ohne Ausbildung, ohne zu wissen, was ich machen soll», erinnert sich Sohan. Der gebürtige Inder spricht fliessend Hochdeutsch mit indischem Akzent, ab und zu schleicht sich auch ein berndeutsches Wort ein. Vor zwei Wochen startete er in ein grosses Abenteuer: Mit der Rikscha fährt er von seiner Wohnung im Breitenrain bis nach Neu Dehli.
Weihnachten in Indien
Sohan war schon immer fleissig. In Indien wuchs er gemeinsam mit fünf Geschwistern und den Eltern in einem Slum von Neu Delhi auf. «Mit neun Jahren fing ich als Schuhputzer an, um Geld zu verdienen». Er sei nie in die Schule gegangen, Englisch habe er auf der Strasse von den Touristen gelernt. Mit 16 Jahren kaufte er sich seine erste Rikscha. Mit den Jahren baute er sich sein eigenes Transportunternehmen mit Rikschas, Tuktuks und Taxis auf. Auch als Reiseführer betätigte er sich. «Ich verdiente am meisten Geld in meiner Familie», sagt Sohan. Er gab seiner Familie immer wieder Geld, unterstützt sie. «Doch dadurch wurden sie faul». Auch als er in der Schweiz ankam und sich langsam eine neue Existenz als selbstständiger Rikschafahrer aufbaute, schickte er immer wieder Geld nach Indien. «Ich hoffte darauf, dass sie dank meiner Unterstützung weiterkommen, doch das war leider nicht der Fall».
2013 hörte er auf, Geld zu schicken. Seitdem sei die Beziehung zu seiner Familie schlecht. «Einzig zu meinem Vater habe ich noch Kontakt. Er lebt auf dem Land, mit seinem Bruder, meine Geschwister besuchen ihn nicht», bedauert Sohan. Wenn er dann in dreieinhalb Monaten, also kurz vor Weihnachten, in Neu Delhi ankomme, werde er ihn besuchen und etwas Zeit mit ihm verbringen. «Meine Familie wird über die Feiertage nach Indien fliegen, damit wir gemeinsam feiern können.» Sohan ist Hindu, beschreibt sich aber als nicht stark gläubig. «Ich respektiere alle Religionen».
Traum geht in Erfüllung
Es sei schon immer sein Traum gewesen, mit der Rikscha von Bern in seine Heimat zu fahren. 5500 Kilometer liegen vor ihm, es geht durch zehn Länder, darunter Österreich, Serbien und Bulgarien. Bis Athen fährt er mit der Rikscha, danach fährt er mit dem Schiff nach Mumbai. «Alles zu fahren würde zu lange dauern und wäre auch zu gefährlich» erklärt Sohan seine Route. Zwei Jahre habe er die Reise vorbereitet.
Dies notabene, während er praktisch ununterbrochen gearbeitet hat: «Im Sommer arbeite ich bei schönem Wetter sieben Tage pro Woche als selbstständiger Rikscha-Fahrer in Bern. Im Winter arbeite ich in der Gastronomie». Er wünsche sich für die Zukunft mehr Zeit mit der Familie, so Sohan. «Als ich geboren wurde, hatte ich nichts, jetzt habe ich eine super Familie, ein super Haus und eine super Arbeit», das wisse er sehr zu schätzen.
Zum Schluss verrät Sohan dem Bärnerbär noch seinen Lieblingsplatz in Bern: «Bei sonnigem Wetter fahre ich mit meiner Rikscha an die Aare und lasse bei der Marzilibrücke meine Beine ins Wasser baumeln». Annina Häusli