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Fluggesellschaften arbeiten an Notfallplänen, falls sich das Patt an der ukrainischen Grenze zu einem militärischen Konflikt ausweiten sollte. Der Westen bereitet für den möglichen russischen Einmarsch in der Ukraine schwere Sanktionen vor.
Die Chefs der Luftfahrtbranche sind derweil besorgt über mögliche Auswirkungen auf die Geschäfte mit russischen Unternehmen. Sanktionen könnten die Zahlungen an Leasingfirmen unterbrechen, und jede Vergeltungsmassnahme Moskaus, den Zugang zum russischen Luftraum zu beschränken, könnte den Ost-West-Handel ins Chaos stürzen.
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26 Millionen Quadratkilometer Luftraum
«Wir erwarten eine asymmetrische russische Antwort», sagte eine westliche Quelle, die an der Ausarbeitung von Szenarien beteiligt war, und fügte hinzu, dass es unwahrscheinlich sei, dass der Westen zuerst seinen eigenen Luftraum einschränken werde.
Über Russland verlaufen Luftkorridore zwischen Teilen Europas oder Nordamerikas und Asiens, was seinen 26 Millionen Quadratkilometer grossen Luftraum zu einem wichtigen Handelsknotenpunkt macht.
Der Frachtverkehr ist besonders aktiv. Die US-Fluggesellschaft FedEx teilte am Montag mit, dass sie nicht näher bezeichnete Notfallpläne erstellt.
Über Anchorage nach Tokio?
Ohne Zugang zu den russischen Luftstrassen müssten die Fluggesellschaften nach Ansicht von Experten ihre Flüge nach Süden umleiten und dabei zusätzlich andere Gebiete im Nahen Osten meiden, was zu einer Zeit, in der die Fluggesellschaften unter der Pandemie leiden, schmerzhafte Kosten verursachen würde.
Einigen Berichten zufolge hat die Krise die Idee aus dem Kalten Krieg wieder aufleben lassen, dass europäische Jets über Nordamerika fliegen, um in Anchorage aufzutanken und dann zu Zielen wie Tokio weiterzufliegen, was die Wirtschaftlichkeit solcher Flüge an ihre Grenzen bringen würde.
Bisher wurde der grösste Flughafen Alaskas von keiner Fluggesellschaft kontaktiert, die diese Option, die eine Erhöhung der Bodenabfertigungskapazitäten erfordern würde, in Erwägung zieht, so ein Sprecher zur Nachrichtenagentur «Reuters».
«Phänomenale Waffe»
Das Szenario erinnert jedoch daran, dass Russlands Grösse und Position auf der Landkarte des Luftverkehrs ihm einen Einfluss verschafft, den die Sowjetunion nicht hatte, als die Volkswirtschaften noch weniger integriert waren, so Elisabeth Braw, Senior Fellow am American Enterprise Institute.
«Bislang hat Moskau nicht mit dem Entzug von Überflugrechten gedroht, weiss aber, dass es über eine phänomenale Waffe verfügt», schrieb Braw letzten Monat in einer Kolumne in Defense One.
Selbst wenn es keine formellen Vergeltungsmassnahmen gibt, sind die Auswirkungen auf die wichtigen russischen Überflüge nach Ansicht von Experten schwer vorherzusagen.
«Jede dieser Operationen erfordert eine vorherige Genehmigung, und die wird nicht immer routinemässig erteilt. Und es gibt allen Grund zu der Annahme, dass im Ernstfall einige dieser Anfragen einfach unbeantwortet bleiben könnten», so der Analyst Robert Mann.
Weit unter dem Vor-Corona-Niveau
Russlands 8000 Fluglotsen haben im Jahr 2021 194'296 Transitflüge oder 532 Überflüge pro Tag abgewickelt.
Das ist ein Anstieg von 16 Prozent gegenüber dem durch das Coronavirus beeinträchtigten Niveau im Jahr 2020, aber immer noch 37 Prozent unter dem Vorkrisenverkehr im Jahr 2019, so die Bundesagentur für Luftverkehr.
«Unter normalen Umständen wäre das verheerend, aber der Asienverkehr ist niedriger als normal», sagte die westliche Quelle.
Analysten zufolge verdient Russland beträchtliche Gebühren an den Überflügen.
ANA würde Flüge möglicherweise einstellen
Als die Spannungen in den letzten Monaten zunahmen, äusserten US-Fluggesellschaften die Befürchtung, dass Russland sich weigern könnte, die Überflüge zu genehmigen, wodurch die Verbindungen nach Asien, Indien und in den Nahen Osten unterbrochen würden.
«Im Notfall haben wir keine andere Wahl, als Russland zu meiden und die Südroute zu fliegen», sagte Yuji Hirako, Präsident und Vorstandsvorsitzender von All Nippon Airways (ANA) «Da die Nachfrage nach internationalen Flügen aufgrund der Coronavirus-Pandemie so gering ist, werden wir im Notfall möglicherweise nicht fliegen.»
Im Oktober forderten die US-Fluggesellschaften das Aussenministerium auf, «dringend zu handeln», um zusätzliche Rechte zum Überfliegen Russlands zu erhalten, wie aus einem von «Reuters» eingesehenen Schreiben einer Handelsgruppe hervorgeht. Es wird erwartet, dass sich US-Beamte in den nächsten Tagen mit den Fluggesellschaften treffen werden.
515 Jets aus dem Ausland geleast
Grössere Risiken haben auch Leasingunternehmen im Blick: Domhnal Slattery, Geschäftsführer des Leasinggebers Avolon, sagte, seine grösste Sorge sei die Möglichkeit von Sanktionen gegen SWIFT, die den internationalen Zahlungsverkehr stören würden.
Nach Angaben des Analyseunternehmens Cirium haben russische Unternehmen 980 Passagierflugzeuge im Einsatz, von denen 777 geleast sind. Davon sind zwei Drittel (515 Jets) mit einem geschätzten Marktwert von etwa 10 Milliarden Dollar von ausländischen Unternehmen gemietet.
(gku | reuters)