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Es geht um sogenannte Arbeiter-Transfer-Programme, mittels derer in Xinjiang Uigurinnen und Uiguren Firmen zugewiesen werden. In einem Bericht, Link öffnet in einem neuen Fenster zeigt die Sheffield Hallam Universität die Verstrickungen der Solarindustrie in solche staatliche Programme auf – auch im Namen der Armutsbekämpfung.
Auch Emily de La Bruyère von der US-Beratungsfirma Horizon Advisory hat dazu einen Bericht verfasst. Arbeiterinnen und Arbeiter müssten eine Umerziehung über sich ergehen lassen, würden ideologisch geschult. Ausserdem würde die Bewegungsfreiheit in vielen Fällen eingeschränkt.
Deutliche Warnsignale
Sie sieht deutliche Warnsignale der Zwangsarbeit. Betroffen sei ein Grossteil der weltweiten Solarindustrie. «China produziert über 80 Prozent des weltweiten Polysiliziums. Rund die Hälfte davon wird in Xinjiang hergestellt.»
Die Wahrscheinlichkeit sei hoch, dass ein Hersteller Polysilizium aus der Region Xinjiang verwende. «Das ist besorgniserregend, da Polysilizium oft gemischt wird, und man nicht weiss, woher es stammt.»
Im Bericht der Sheffield Hallam Universität werden mehrere chinesische Firmen genannt, insbesondere solche, die am Anfang der Produktionskette stehen. Etwa die Hoshine Silicon Industry in Xinjiang, die metallurgisches Silicium herstellt, aber auch GCL-Poly und die East Hope Group, die unter anderem Polysilizium produzieren, oder Modulhersteller wie Jinkosolar.
«Fabrizierte Lügen»
Diese Firmen schweigen oder weisen die Vorwürfe zurück. Jinkosolar etwa schreibt auf der Firmenwebsite, man schütze die Rechte und Interessen der Angestellten. Chinas Regierung wehrt sich gegen Berichte über Zwangsarbeit in der Region und macht ihrerseits dem Westen Vorwürfe.
So sagte die Sprecherin des Aussenministeriums, einige Personen im Westen hätten «dunkle und bösartige Absichten». Sie würden Lügen fabrizieren, wie etwa jene über Zwangsarbeit, um die Industrie in Xinjiang zu unterdrücken.
Stellungnahme des Branchenverbandes Swissolar
In der Schweiz dominieren die chinesischen Solarunternehmen: Mindestens jedes zweite Modul stammt aus China, so eine Schätzung des Branchenverbandes Swissolar. Dem Verband gehören unter anderem die Importeure und Installateure solcher Module an. Konfrontiert mit den Vorwürfen schreibt er auf Anfrage von Radio SRF: «Zwangsarbeit ist absolut inakzeptabel.» Nach momentanem Wissen gäbe es keine «nicht-empfehlbaren chinesischen Module» oder «empfehlbare nicht-chinesische Module».
Die Situation sei komplizierter, da die Vorwürfe wegen Zwangsarbeit eine chinesische Region über verschiedene Sektoren hinweg betreffe.
Der Solarsektor könnte sowohl über die Rohstoffgewinnung und Veredlung (Silizium/Polysilizium) als auch über die Produktion von sogenannten Wafern und Modulen betroffen sein, so der Verband. Nichtsdestotrotz sollte man aus Sicht von Swissolar chinesischen Modulen nicht grundsätzlich den Rücken kehren. Vielmehr sollen die Importeure und Hersteller von ihren Lieferanten Zusicherungen verlangen, dass entlang der gesamten Lieferkette keine Zwangsarbeit vorkomme. Allerdings sei sich der Verband auch bewusst, dass «die Lieferketten komplex sind und dieser Prozess deshalb Zeit braucht».
Es ist nicht die erste Branche in Xinjiang, die in den internationalen Fokus gerät. Auch die Baumwollindustrie geriet wegen Vorwürfen der Zwangsarbeit in die Negativschlagzeilen. Mehrere Modelabels hatten sich daraufhin von Baumwolle aus Xinjiang distanziert.
Verzicht ist schwierig
Für die Solarindustrie sei ein Verzicht auf Xinjiang jedoch schwieriger, sagt de La Bruyère. Denn: China dominiert inzwischen nicht mehr nur die Herstellung von Polysilizium, sondern die gesamte Produktionskette bis hin zu den Panels.
Optimistischer ist Michael Parr, Direktor der Ultra Low Carbon Solar Alliance, einem Konsortium, dass sich für eine klimafreundlichere Solarindustrie einsetzt. Er sagt, China habe die Entwicklung der Polysiliziumbranche in Xinjiang subventioniert, weil es dort sehr grosse Kohlenvorräte und vergleichsweise wenig Umweltschutzauflagen gebe.
Billige Kohlekraft
«Deshalb ist sie dort auch so dramatisch gewachsen», so Parr. Dank billiger Kohlenenergie könne die Industrie dort günstig Polysilizium herstellen. «Je mehr Solarenergie in Europa und den USA genutzt wird, desto mehr Emissionen von Kohlekraftwerken gibt es in der Welt. Welch Ironie!»
Parr hofft auf ein weltweites Umdenken. Und in der Tat: Die von China dominierte Solarindustrie kommt international allmählich unter Druck. So denken die USA wegen der Zwangsarbeitsvorwürfe über Sanktionen nach.
Gibt es europäische Alternativen?
Nebst den dominierenden chinesischen Solarmodulproduzenten gibt es noch kleinere, europäische Hersteller. Diese Firmen konzentrieren sich oft auf Spezialanfertigungen oder auf Solarzellen mit einem hohen Wirkungsgrad, die entsprechend teurer sind als die Module aus chinesischer Massenproduktion.
Zudem nimmt dieser Tage das Schweizer Unternehmen Meyer Burger in Deutschland die Solarzell- und -modulproduktion auf, mit dem Ziel ein rein europäisches Solarmodul herzustellen.
Als Ausgangsmaterial verwendet Meyer Burger Polysilizium des deutschen Chemiekonzerns Wacker. Dieser wiederum bezieht gemäss eigenen Angaben den Quarzsand für die Siliziumherstellung aus Norwegen. Darüber hinaus kauft Wacker Polysilizium auf dem Weltmarkt ein, etwa aus Brasilien oder Malaysia.