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Geschichte
Über 100 Jahre elektrischer Licht- und Kraftstrom in Weiach
Die Einführung der Elektrizität in der Industrie und den Wohnungen am Ende des 19. Jahrhundert brachte grosse Erleichterungen im täglichen Leben. Da kam natürlich auch in unserer Gemeinde der Wunsch auf, die elektrische Kraft einzuführen.
Der erste Anlauf für die Einführung der Elektrizität in Weiach in den Jahren 1900 bis 1902 mit mehreren Kommissionssitzungen, Wassermessungen in den Dorfbächen, Werkbesichtigungen und Verhandlungen mit den damaligen Elektrofirmen Joh. Jakob Rieter & Cie, Winterthur sowie Motor Aktiengesellschaft für angewandte Elektrizität, Baden ergaben keine Lösung.
Neun Jahre später am 13. Februar 1911 wählte die Gemeindeversammlung wieder eine Kommission zur Abklärung des Bedarfs an elektrischer Kraft in Weiach. Die Gemeindeversammlung am 26. März beauftragte die Kommission mit der EKZ Verbindung aufzunehmen und dann die elektrische Kraft möglichst rasch in Weiach zu installieren.
Die Kommission mit Präsident Adolf Funk, zur Mühle, Robert Meierhofer, Sägerei und
Albert Meierhofer ging tüchtig an die Arbeit. Bei bestehenden Werken wurden Erkundigungen eingeholt, für den Netzbau Fachleute zugezogen, ein Bauplatz gekauft, mit der EKZ-Direktion harte Tarifverhandlungen geführt betreffend Selbstverwaltung, Statuten entworfen etc.
Am 27. Mai 1912 erteilte die Gemeindeversammlung der zu gründenden Genossenschaft
die alleinige Konzession zur Abgabe von elektrischer Energie auf dem Gebiet der Gemeinde Weiach.
Die Genossenschafts- Statuten wurden im August genehmigt und der Vorstand gewählt. Am 10. Oktober 1912 vergab die GV die Erstellung des Sekundärnetzes, die Hausinstallationen und die Strassenbeleuchtung an die Firma Kummler und Matter AG in Aarau. Baumeister Meier in Glattfelden erhielt den Auftrag das Transformatorenhaus für Fr. 2450.-- zu bauen. Nun wurde zügig an dem Werk gearbeitet bis zu dem grossen, historischen Tag mit dem Übergang
vom Kerzenlicht und Petrollampen zum elektrischen Licht in Weiach
am 24. Dezember 1912
Protokollauszug:
Nachdem die Herren Ingenieurs Maag der Maschinenfabrik Oerlikon und Joos von der EKZ die Apparate im Transformatorenhaus und die Leitungsanlage mittels eigens mitgebrachten Apparaten geprüft und einige kleine Unstimmigkeiten behoben, setzte Herr Joos um 16.30 Uhr die Anlage unter Strom.
Zur allgemeinen Freude und zur grossen Genugtuung der anwesenden Ingenieurs sowie des Personals der beteiligten Installationsfirmen und nicht zuletzt der Betriebskommission funktionierte die Anlage tadellos und ohne die geringste Unterbrechung konnte dieselbe unter Strom belassen werden, sodass die beiden Ingenieurs, nachdem sie dem anwesenden Personal der EGW nochmals die nötigsten Instruktionen wiederholt hatten, der Betriebskommission die Anlage übergeben.
Nach einigen kurzen Stunden, die die beiden Herren im Beisein der Betriebskommission und 2 Mitglieder des Vorstandes im" Sternen" zubrachten, reisten sie mit dem 8 Uhr Zug von Weiach ab.
Dank dem grossen Einsatz von Chefmonteur Stirnimann konnten die verspätet gelieferten Ausleger für die Strassenbeleuchtung noch rechtzeitig montiert werden und so das Dorf während den Feiertagen erstmals beleuchten. Die Ausleger wurden von Herrn Albert Meierhofer, Direktor der Broncewarenfabrik Turgi (ein Weiacher) der EGW geschenkt.
Möge das Werk gedeihen und den Einwohnern zum Segen gereichen.
In diesen kurzen Sätzen von Aktuar Robert Meierhofer kam der grosse Aufwand für die Planung und den Bau des Werkes in das neue Elektrozeitalter in unserer Gemeinde nicht zum Ausdruck.
Allein zur Behandlung der nötigen Geschäfte vom 28. März bis Ende Jahr 1912, wie die Gründung der EGW, die Statutengenehmigung, die Vorarbeitung der Bauarbeiten, die harten Tarifverhandlungen mit der EKZ-Direktion etc. wurden 9 Betriebskomissions- und 12 Vorstandssitzungen sowie 5 Generalversammlungen einberufen. Damals wurden auch an Sonntagen Sitzungen und Generalversammlungen durchgeführt.
Zur Freude über das helle Licht in den Wohnungen und Ställen kamen aber auch die finanziellen Sorgen für die Hausinstallation und die Stromkosten. Die Einwohner hatten wenig Bargeld. Der Vorstand richtete darum bereits am 2. September 1912 ein Gesuch an die Gemeinde für folgende Beträge an die einzelnen Hauseigentümer:
- für 2 Lampen: Fr. 20.-
- für 3 Lampen: Fr. 25.-
- für 4 Lampen: Fr. 30.-
- für 5 Lampen: Fr. 35.-
- über 5 Lampen: Fr. 40.-
Diesem Gesuch wurde zugestimmt, denn bereits im Februar/März erhielten 77 Hausbesitzer im Dorf von der EGW für 748 Lampen Fr. 2905.-- an Installationskosten ausbezahlt. Trotzdem, einige Hausbesitzer konnten die letzten Raten erst nach drei Jahren abzahlen, für die Restschuld wurden immer 5% Zins verrechnet.
Nach und nach wurde das Netz ausgebaut, so wurden 1915 die Sägerei im Sagital und der Höbrig sowie das Bahnhofgebiet mit dem Rheinhof angeschlossen. 1918 wurde die Leitung zu den Berghöfen und Baltisser im Steinbruch gebaut. Als letztes erhielten 1938 das inzwischen abgebrochene Bahnwärterhaus auf der Höh und Chälenstrasse 20 das elektrische Licht installiert.
Die Bauabrechnung abgeschlossen per 30. Juni 1913 ergab für das Freileitungsnetz (2,37 km) und der Transformatorenstation Anlagekosten von Fr. 21'089.60, Zähler und Mobiliar Fr. 2'740.75, Hausinstallationen bei den Abonnenten Fr. 19'680.10. Für die Strassenbeleuchtung zu Lasten der Gemeinde mit 30 elektrischen Leuchten, wovon 11 Stangen separat berechnet wurden betrugen die Kosten Fr. l'758.60.
Für die Strassenbeleuchtung wurde ein Einschaltplan für die Beleuchtungszeit ausgearbeitet. Fest waren die Ein- und Ausschaltzeiten morgens 05.00 Uhr und abends 22.00 Uhr, bei Tageshelle wurden die Schaltzeiten für jeden Monat separat festgesetzt. Das ergab bei 30 Lampen ä 60 Watt und einer Brenndauer von jährlich 1650 Stunden einen Stromverbrauch von 2970 kWh. Dafür wurde ein Pauschalbetrag von Fr. 1000.-- verrechnet pro Jahr, die Bedienung inbegriffen.
Der Strompreis war damals sehr hoch, der Vorstand beschloss am 10. Oktober für Lichtstrom 45 Rp. und Kraftstrom 16 Rp. pro kWh zu verrechnen. Abonnenten mit Bügeleisen zahlten 42 Rp, weil sie Tagesstrom brauchten, und die Motoren durften nur bei Tageshelle betrieben werden. Der Kilowattpreis von 45 Rp. entsprach etwa dem damaligen Gemeindestundenlohn von 40 bis 50 Rp.
Im ersten Betriebsjahr 1913 kaufte die EGW von der EKZ 17'295 kWh Strom. Das Stromgeschäft, der Dreschereibetrieb und das Holz fräsen ergab 1913 einen Reingewinn von Fr. 911.60.
Vieles hat sich geändert in diesen 90 Jahren, das Freileitungsnetz mit den Holzmasten im Dorf ist wieder weitgehend abgebrochen und die Leitungen sind im Boden verkabelt.
Ein Leben ohne elektrische Energie ist für uns heute kaum denkbar.
© 2002 W. Baumgartner
Das Buch zur Geschichte der EGW
Das Buch umschreibt eindrücklich wie unsere Vorfahren erst im zweiten Versuch es geschafft haben, die elektrische Energie in Weiach einzuführen. Mit viel Mut und Elan konnten am 24. Dezember 1912 die Petrollampen durch Glühbirnen ersetzt werden. Erfahren Sie vieles Interessantes der faszinierenden Geschichte der EGW.
Die Chronik kann in der Gemeindeverwaltung bezogen oder mit dem unten stehenden Formular für 20.00 SFr. zuzüglich Versandkosten bestellt werden.