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Heute leidet immer noch fast jeder achte Mensch an Hunger oder Unterernährung. Die Mehrheit dieser 800 Millionen Menschen leben im ländlichen Raum. Damit die Ernährungssicherheit entscheidend verbessert werden kann, müssen die Investitionen in die Landwirtschaft und die Ernährungssysteme wesentlich gesteigert werden. Nicht alle Investitionen tragen dabei jedoch in gleichem Masse zur Verbesserung der Lebensbedingungen der ärmsten Bevölkerungsschicht, zur Stärkung der Agrarsysteme und zum Schutz der natürlichen Ressourcen bei. Um den Herausforderungen, die mit dem Bevölkerungswachstum, dem sich verändernden Konsumverhalten und dem Klimawandel einhergehen, entgegentreten und somit Hunger und Unterernährung erfolgreich bekämpfen zu können, muss verantwortungsvoll investiert werden.
Im Ausschuss für Welternährungssicherheit (Committee on World Food Security, CFS) leitete die Schweiz die Verhandlungen zur Ausarbeitung von Grundsätzen für verantwortungsvolle Investitionen in die Landwirtschaft und die Ernährungssysteme (Responsible Agricultural Investments, RAI), welche vom CFS im Oktober 2014 an seiner 41. Sitzung verabschiedet wurden.
Die Grundsätze entstanden in einem partizipativen Verfahren, in dessen Rahmen alle relevanten Akteure (Regierungen, Zivilgesellschaft, Privatwirtschaft, internationaler Organisationen, privater Stiftungen und Forschung) mitwirkten. Deswegen tragen diese Grundsätze eine breite Trägerschaft.
Diese Grundsätze sollen verantwortungsvolle Investitionen fördern, die die Ernährungssicherheit verbessern, und dazu beitragen, dass das Recht auf eine angemessene Ernährung im Kontext der nationalen Ernährungssicherheit vermehrt anerkannt wird. Dieses freiwillige Instrument richtet sich an alle Akteure, die Investitionen in landwirtschaftliche Ernährungssysteme tätigen und bieten Orientierungshilfen für die Praxis an.
Die 10 Grundsätze auf einen Blick
- Zur Ernährungssicherheit und Ernährung beitragen.
- Zu einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung ohne Ausgrenzung und zur Beseitigung der Armut beitragen.
- Die Gleichstellung von Mann und Frau wie auch die Selbstbestimmung der Frauen fördern.
- Die Jugend zur Mitarbeit anregen und ihre Autonomie stärken
- Die Boden- und Landnutzungsrechte, Fischgründe und Wälder sowie den Zugang zu Wasser verwalten.
- Die natürlichen Ressourcen erhalten und nachhaltig nutzen, die Resilienz verbessern und die Katastrophenrisiken mindern.
- Das Kulturerbe und traditionelle Wissen wahren und die Diversität und Innovation fördern.
- Sichere und gesunde Landwirtschafts- und Ernährungssysteme unterstützen.
- Für alle zugängliche und transparente Gouvernanzstrukturen und Verfahrens- und Einsprachemechanismen durchsetzen.
- Zwischenfälle bewerten und ihnen abhelfen und die Rechenschaftspflicht begünstigen.
Bereits 2012 hat das CFS die Freiwilligen Leitlinien für die verantwortungsvolle Landgouvernanz (Voluntary Guidelines on Responsible Governance of Tenure of Land, Fisheries and Forests, VGGT) verabschiedet. Diese Leitlinien setzten sich für eine gerechte Landgouvernanz ein, d.h. den ärmsten ländlichen Bevölkerungsgruppen in Entwicklungsländern den Zugang und Kontrolle zu Land und anderen natürlichen Ressourcen gewähren. Die RAI-Prinzipien sind komplementär zu den VGGT Leitlinien.