Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03625.jsonl.gz/601

Río de la Plata: auf Entdeckungstour im Delta des Paraná
Der Paraná-Fluss, einer der längsten Flüsse der Welt, mündet nördlich von Buenos Aires gemeinsam mit dem Uruguay-Fluss in den Atlantischen Ozean. Das Mündungsdelta Río de la Plata mit seinen Sümpfen, Inseln und Seitenflüssen bestimmt nicht nur das Umland der argentinischen Hauptstadt, sondern weite Teile des südlichen Uruguays und des nordwestlichen Argentiniens.
In der Sprache der Tupi-Indianer bedeutet Paraná „so gross wie das Meer“, und genau diesen Eindruck hinterlässt der mächtige Fluss beim Betrachter. Nur der Amazonas ist in Südamerika noch grösser, und am Paraná liegen so spektakuläre Sehenswürdigkeiten wie das Itaipú-Stauwerk, bei seiner Fertigstellung das grösste Wasserkraftwerk der Welt. Auch die berühmten Iguazú-Wasserfälle sind nur wenige Kilometer vom Zusammenfluss mit dem Iguazú-Fluss entfernt.
Das Mündungsdelta, der Río de la Plata, ist mit einer Fläche von rund 35.000 km² und einer maximalen Breite von 220 km eher ein Golf als eine Flussmündung. In diesem riesigen Trichter vermischen sich Süss- und Salzwasser und bilden eine einzigartige Wasserlandschaft, die Lebensraum für eine Vielzahl von Tierarten ist. Neben mehreren Schildkrötenarten ist im Río de la Plata auch der seltene La-Plata-Delfin zu finden.
Río de la Plata, der umkämpfte Silberfluss
Der Río de la Plata weckte schon früh die Neugier von Entdeckern, Eroberern und Seefahrern. Der Name des Deltas, zu Deutsch „Silberfluss“, geht möglicherweise auf die in der Region vermuteten Silbervorkommen zurück. Andere Quellen begründen den Namen damit, dass über den Paraná und den Río de la Plata einst das Silber aus dem bolivianischen Potosí verschifft wurden. Auch die Farbe des Flusses hat möglicherweise zur Namensgebung beigetragen: Der Río de la Plata, normalerweise gekennzeichnet durch die bräunliche Farbe des einlaufenden Flusswassers, nimmt an sehr hellen Sonnentagen eine Farbe wie von reinem Silber an.
Erstmals erforscht wurde der Río de la Plata 1512 durch die Portugiesen und wenige Jahre später durch die Spanier. Als erste europäische Kolonie wurde 1536 Buenos Aires an der Flussmündung gegründet. Lange Zeit kümmerte sich die Spanische Krone kaum um den Río de la Plata, bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts Portugal und Grossbritannien Interesse an der Region zeigten. Im 19. Jahrhundert gab es immer wieder militärische Auseinandersetzung um die strategisch wichtige Schifffahrtsroute des Paraná und des Río de la Plata. Auch die erste Seeschlacht des Ersten Weltkriegs wurde hier geschlagen. Die Schlacht vom Río de la Plata zwischen dem Panzerschiff Admiral Graf Spee und britischen Einheiten bildete zugleich die einzige Kampfhandlung des Krieges in Lateinamerika.
Von Buenos Aires ins Mündungsdelta
Ein kleiner Vorortzug bringt Besucher von Buenos Aires nach Tigre, einer Kleinstadt im Mündungsdelta. Tigre ist einer der nördlichen Vororte von Buenos Aires, die sich zwischen den Wasserläufen erstrecken, die der Río de la Plata nördlich der Hauptstadt formt. Tigre, eine kleine 30.000-Einwohner-Stadt, liegt auf einer durch Wasserläufe geformten Insel am Río Luján, und so ist es kaum verwunderlich, dass das Boot hier das gebräuchlichste Fortbewegungsmittel darstellt. An Bord geht es auch für die Besucher weiter, die auf einer Rundfahrt durch das Mündungsdelta einen Eindruck vom Leben in dieser einzigartigen Wasserlandschaft erhalten.
In den Kanälen in und um Tigre spielt sich das Leben auf Stelzen ab. Wohnhäuser und Villen, kleine Supermärkte und Tankstellen sind ausserhalb der Innenstadt auf Holzpfählen gebaut, und selbst an Tigres Markt, dem Puerto de Frutos, dürfen grossflächige Bootsanleger nicht fehlen. Wer sich für einen ganztägigen Ausflug entscheidet, hat die Gelegenheit, weit auf den Río de la Plata hinauszufahren und an der Küstenlinie von Buenos Aires Attraktionen wie das River-Plate-Stadion zu bestaunen. Das Heimatstadion des Fussballclubs River Plate ist zugleich Nationalstadion der argentinischen Fussball-Nationalmannschaft.
Tigre – Erholung von der Grossstadt
Durch ihre einzigartige Lage ist die Stadt Tigre ein idealer Ausgangspunkt für Erkundungsfahrten durch den Río de la Plata. Besonders an den Wochenenden zieht es zahlreiche Hauptstädter in die begrünten Strassen und Kanäle von Tigre, um dem Grossstadttrubel für eine Weile zu entfliehen. Neben Ausflugsbooten, geführten Touren und Restaurants mit Flussterrasse hat das kleine Städtchen aber noch einige weitere Attraktionen zu bieten, die von vielen Besuchern zu Unrecht übersehen werden.
Der Hafen von Tigre diente einst als Umschlaghafen für Obst und Holz, die auf dem Paraná landeinwärts transportiert wurden. Noch heute ist die Holzwirtschaft in Tigre von Bedeutung, und das lokale Kunsthandwerk kann auf dem Stadtmarkt Puerto de Frutos in Form von Holzschnitzereien und Möbelstücken betrachtet werden. In Tigre sind ausserdem viele alte Anwesen aus der Kolonialzeit erhalten, darunter das Haus des früheren argentinischen Präsidenten Domingo Sarmiento. Sarmiento, der bis zu seinem Tod im Jahr 1888 in Tigre lebte, setzte sich besonders dafür ein, mehr Einwohner für den beschaulichen Vorort zu gewinnen.
Tigre hat auch ein eigenes maritimes Museum, das einen Einblick in die Geschichte der Seefahrt und Seekriegsführung in Argentinien bietet. Zu den bemerkenswertesten Stücken des Museums zählen originalgetreue Nachbauten unzähliger historischer Schiffe und die Original-Brücke eines argentinischen Aufklärungsschiffes, das während des Falklandkrieges von britischen Truppen angegriffen wurde. Auch weitere Originalteile von argentinischen Kriegsschiffen sind ausgestellt.
Oberstes Bild: Wohnhaus auf Stelzen im Flussdelta bei Tigre (© http://www.flickr.com/people/davidw/ / Wikimedia / CC)