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Brienz - St. Calixtus / Son Tgalester
In Brienz ist bereits im Jahr 831 ein karolingisches Gotteshaus urkundlich nachgewiesen. Es gab jedoch bereits im 14. Jh. eine dem Heiligen Callistus I. (Papst und Märtyrer) geweihte Kirche. Im Jahre 1513 hat der Bischof von Chur die Erlaubnis erteilt, einen Neubau zu erstellen, worauf die alte Kirche vollständig abgebrochen worden ist und die noch heute bestehende Kirche erbaut.
Sie hat einen wunderbaren gotischen Flügel-Altar aus der Zeit um 1517-1519. Die Kirche ist am 15. September 1519 durch den Predigermönch und Churer Weihbischof Stephan Tschuggli konsekriert worden. (Dokument aus dem Pfarrarchiv) Kaplan war damals Andreas Burka. In der Folge wurde die Kirche Brienz von der Mutterkirche Lantsch am 26.5.1526 abgetrennt. Brienz mit Vazerol bildeten mit Surava eine Pfarrei. 1726 wurde Surava von Brienz abgetrennt.
Der Kapuzinerpater Clemente da Brescia beschreibt in seinem Buch «Storia delle Missioni» die Entstehung der kleinen Rochuskapelle: Am 16. August, dem Fest des Heiligen Rochus, dem Patron gegen die Pest, hatte ein Bauer Heu geführt. Auf die Frage, wieso er nicht das Fest feiern würde, antwortete er dem Kapuziner: «O San Rocco, o san Rochino, il mio fieno è al coperto». In der Nacht darauf schlug der Blitz ein und verbrannte Heu und Stall. Deshalb beschlossen die Brienzer, das Fest des Hl. Rochus als Votivfest zu feiern, ein Brauch, der bis zum heutigen Tag weiter bestehen geblieben ist. Der betroffene Bauer soll das Geld für die Rochuskapelle gestiftet haben.
Die Kapuziner wirkten vom Jahr 1628 bis 1725 in Brienz und das erste Pfarrbuch von Brienz datiert vom Jahr 1627.
Am 31. März 1874, am Tag nach dem weissen Sonntag, ereignete sich eine furchtbare Katastrophe in Brienz. Im Hause von Andreas Bisculm und Andreas Bonifazi war mitten in der Nacht ein Brand ausgebrochen, der sich rasend schnell über das ganze Dorf ausgebreitet hatte. Die Brienzer löschten das Feuer mit Milch, da Wassermangel herrschte. Fast das ganze Dorf brannte ab. Auch die Kirche, das Pfarrhaus und das Schulhaus wurden ein Raub der Flammen. Die Kirchenglocken fielen vom Turm herunter. Der schöne gotische Altar konnte gerettet werden, wurde aber arg beschädigt. Damals war Pfarrer Martin Anton Laim von Alvaneu, ser Marti genannt, im Amt. Gebrochen durch diese Katastrophe zog er heim, wo er am 10. August 1876 starb. Dieser Brand brachte die bis anhin reiche und finanziell gut situierte Gemeinde in die Armut.
Ein weiteres Unglück bahnte sich an. Im Jahr 1878 fing die Felskappe oberhalb von Brienz an zu rutschen. Hermann Balzer, ein Alvaneuer, hatte nach dem Dorfbrand die Brienzer vor dem Rutsch gewarnt. Die Brienzer Bauern wollten es aber nicht wahrhaben und hielten an ihrer Scholle oberhalb des Dorfes fest. Das gottesfürchtige Brienzer Volk vertraute auf Gottes Vorsehung. 1912 fiel die grosse Glocke bei einem Totengeläute vom Turm herunter. Der damalige Pfarrer Jakob Mathias Balzer liess hierauf auf die neu gegossene Glocke die selbst gedichtete lateinische Inschrift schreiben: «Calixt, durch Deine mächtige Hand halte zurück die schlüpfrigen Felsen und beschütze, o heiliger Patron, diesen Ort.»
Die Dorfkirche von Brienz richtet sich nordwärts gegen den Berghang und das Dorf. Ihr Äusseres ist ohne Zierglieder. Das Schiff und der eingezogene Chor liegen unter einem durchgehenden Satteldach. An den Chorseiten angebaut sind eine alte und eine neuere Sakristei. An der Westseite steht ein quadratischer Turm mit oben grösseren Spitzbogenfenstern. Im Innern der Kirche blieben nach dem Brand zwei Bilder von Franz Bayer aus Feldkirch aus dem Jahr 1736 erhalten. Das eine stellt den Heiligen Calixtus dar und das andere St. Luzius.
Um 1720 entstand die Kopie des Innsbrucker Mariahilf-Gemäldes von Lukas Cranach mit Laubwerkrahmen, das am Chorbogen hängt. Die beiden schlichten barocken Seitenaltäre entstanden um 1709.In dem rechten Seitenaltar mit dem Familienwappen à Porta ist ein älteres Gemälde (ca.1630) mit dem Gekreuzigten und dem Hl. Luzius und dem Hl. Antonius von Padua eingebaut.
Der Hochaltar ist einer der bedeutendsten Flügelaltare Graubündens und ist typisch für die Spätgotik. Er zählt gar zu einem der schönsten Flügelaltare seiner Art in ganz Europa. Dieser Altar wurde in der schwäbischen Altarbauwerkstatt von Ivo Strigel erbaut und vermutliche 1519 zur Kirchenweihe bestellt. Im mittleren Baldachin steht eine Anna selbdritt, ihr zur Seite die Hl. Ursula und eine zweite gekrönte Heilige. Aussen stehen der Hl. Rochus und der Hl. Jakobus der Ältere. Über diese Figuren steht der Gekreuzigte mit Maria und Johannes. Fantasievolles Laubwerk und zackige Spitzbogen umgeben diese Figuren. Unten über der Pradella stehen Halbfiguren der Apostel. Auf dem Podium über der Pradella steht vor einem damaszierten Goldgrund zu oberst die in Gold gekleidete Hauptfigur, eine junge Maria mit dem Kind.
Sie wird durch sechs Engel umgeben. Zwei halten eine goldene Krone über ihr Haupt. Zu ihrer Rechten steht die Hl. Katharina mit Krone und Schwert und der Kirchenpatron St. Calixtus mit Tiara und Papststab. Links steht die Hl. Barbara mit Krone und Kelch und der Hl. Sebastian. Die Flügelinnenseiten zeigen links den Hl. Johannes den Täufer und den Bündner Heiligen Luzius als König mit Krone, Szepter und Reichsapfel. Rechts St. Nikolaus mit Goldkugeln (Brot) und Bischofsstab sowie den Bündner Heiligen Florinus im Messegewand mit Beret und Kelch. Die Aussenseite des Altares stellt links die Anbetung der Hirten und rechts die Anbetung der Hl. Dreikönige dar.
Die Kirche wurde 1902 innen renoviert und 1904 erhielt sie eine neue Orgel. 1933 wurde im Turm eine neue elektrisch betriebene Turmuhr eingebaut. 1977-1980 wurde die Kirche innen und aussen restauriert. 2002 wurde der Turm renoviert und 2004/2005 erfolgte eine Aussen- und Innen-Sanierung des Kirchengebäudes. 2016 wurde die Kirche Brienz erneut innen renoviert.
Quellen: Angaben aus dem Brienzer Kirchenarchiv; die Brienzer Chronik von Pfr. Chr. Willi; Kunsthistorischer Führer der Landschaft Belfort von Robert K. Schneider