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Schiffsumbau auf der Werft
Unsere Kinette lief 1922 in Leimuiden als Frachtschiff unter dem Namen «Hoop op welvaart» von Stapel. Vermutlich noch vor dem zweiten Weltkrieg wurde die Achterkajüte verlängert. Das kann man auch heute noch deutlich sehen: Der alte Teil der Achterkajüte besteht aus genietetem Stahl, bei der später gebauten Verlängerung wurden die Stahlplatten geschweisst. Als das ehemalige Frachtschiff 1996 zum fahrenden Wohnschiff umgebaut wurde, wurde der gesamte Rumpf unter der Wasserlinie restauriert und auf dem vorderen Teil des Schiffes, dem ehemaligen Laderaum, wurde ein langes, klassisch geschwungenes Stahldach aufgeschweisst. Der hintere Teil der Achterkajüte war also der einzige Teil des Schiffes, welcher sich noch in seinem Originalzustand von 1922 befand. Wie auf den Bildern im letzten Bericht ersichtlich, hatten wir alle Wandverkleidungen herausgerissen, mit Ausnahme der Verkleidungen auf Fensterhöhe.
Dahinter, so glaubten wir, war alles in Ordnung.
Glaubten wir.
In der ersten Märzwoche regnete es in Holland lange und ausgiebig, während es in der Schweiz – wie wir in der niederländischen Tagesschau sahen – noch ausgiebiger schneite. Als wir nach einer solchen Regennacht am Morgen auf unsere Schiff kamen, hatte es ein wenig Wasser in der Bilge der Achterkajüte (Bilge = tiefster Teil des Schiffsrumpfes). Ganz offensichtlich war dieses Wasser irgendwo hinter den Fensterverkleidungen hereingesickert. Um uns Klarheit zu verschaffen, demontierten wir nun auch noch die Fensterverkleidungen. Es stellte sich heraus, dass hier der Rost in den letzten achtzig Jahren still und heimlich gefressen hatte, und dass früher die Rostlöcher jeweils mit Kitt und Farbe behandelt worden waren.
Nachdem wir mit Piet de Bock das weitere Vorgehen diskutiert hatten, entschlossen wir uns zur Radikallösung: Heraustrennen der Seitenwände des gesamten hinteren Teils der Achterkajüte und Einschweissen neuer Stahlplatten.
Diese Arbeiten wurden zügig an die Hand genommen und nahmen lediglich vier Tage in Anspruch. Glücklicherweise spielte das Wetter mit, denn bei Regen hätten diese Arbeiten nicht ausgeführt werden können.
So wurde aus der ursprünglich geplanten kleinen Renovation der Achterkajüte eine Totalsanierung, die unser Budget ziemlich über den Haufen warf. Dank der speditiven Arbeit der Werft hielt sich zumindest der zeitliche Schaden in Grenzen. Auch in dieser Phase arbeiteten wir nach Kräften mit, auch wenn wir die Arbeiten mit Trennscheibe und Schweissgerät den Fachleuten überlassen mussten.
Dank dieser Erfahrungen betrachten wir heute ein Stahlschiff mit völlig anderen Augen. Wir realisieren, wie unser Blick geschult wurde, und wie wir schon an kleinen Veränderungen der Farb- und Stahlstruktur verdeckte Rostschäden erkennen können.
Wie bereits im letzten Bericht erwähnt, hatten wir hinter den herausgerissenen unteren Seitenwänden nicht nur Rost, sondern auch viel verschenkten Platz entdeckt. Dahinter hätten doch, so fanden wir, noch zusätzliche Dieseltanks Platz. Kurz entschlossen liessen wir von der Werft zwei Dieseltanks von zusammen 760 Liter Kapazität schweissen.
Diese sind für die Zentralheizung bestimmt, so dass wir endlich eine saubere Trennung von Heizöl und Diesel vornehmen können. Beides ist ja der gleiche Treibstoff, sie unterscheiden sich nur in der Farbe. Allerdings ist das rote Heizöl viel billiger als der weisse Diesel. Aber man kann sich bei den Zollbehörden viel Kummer einhandeln, wenn man mit Heizöl fährt. Da wir den kommenden Winter auf dem Schiff verbringen wollen, ist zudem der zusätzliche Heizölvorrat sicher kein Nachteil.
Weil die Werftarbeiter grad so schön am Schweissen waren, liessen wir uns ein für die Vorderkajüte ein grosszügiges Oberlicht machen, das wir an Stelle der bisherigen Aircondition einsetzen werden. Dadurch wird der Salon im Vorderschiff viel heller.
Ein weiteres Problem, das uns etwas Kopfzerbrechen bereitete, war die Dusche. Vor achtzig Jahren, als die Achterkajüte gebaut wurde, waren die Menschen noch nicht so grossgewachsen. Jedenfalls beträgt die Stehhöhe in der Achterkajüte zwischen 1.70 m und 1.75 m. Das ist auf einem Schiff nicht weiter ungewöhnlich und man gewöhnt sich schnell daran. Aber gebückt duschen? Das wollten wir unseren Gästen nicht zumuten. Zudem passte keine Standard-Duschwanne in unsere geplante Nasszelle. Wir liessen deshalb in einer nahe gelegenen Werkstätte eine Duschwanne aus rostfreiem Stahl schweissen. Piet de Bock hatte die Idee, die Duschwanne dort zu plazieren, wo der alte Motor gestanden hatte, bevor die Achterkajüte verlängert worden war. Das Motorfundament hatte man einfach stehen lassen. Mit dem Schneidbrenner wurde aus diesem nicht mehr benötigten Motorfundament soviel herausgeschnitten, dass die Duschwanne in die Bilge versenkt werden kann. Damit haben wir eine Stehhöhe von über 1.80 m in der Dusche erreicht.
Aber bereits zeichnete sich ein weiteres, diesmal gröberes Problem ab. Die Duschwanne, die wir hatten schweissen lassen, hat die Masse 85 x 85 cm. Das erachteten wir als Minimalgrösse. Was wir schlicht und einfach nicht bedacht hatten, war, wie wir dieses Teil überhaupt in die Achterkajüte bringen wollten. Das Oberlicht misst 78 x 78 cm und der Niedergang vom Steuerhaus 80 x 80 cm. Andere Möglichkeiten gibt es nicht. Wie die nachstehende Foto beweist, hat es die Werft dennoch geschafft – und zwar, ohne die Duschwanne zu verändern.
Die Preisfrage lautet: Wie kam die Duschwanne in die Achterkajüte? Mailen Sie uns, wenn sie eine Antwort haben! Der erste Einsender mit der richtigen Antwort wird in unserem Logbuch eingetragen und auf unserer Homepage im nächsten Bericht, zusammen mit der Lösung, lobend erwähnt.
Mittlerweile sind auch die beiden zusätzlichen Heizöltanks eingebaut. Als Nächstes werden sie mit Entlüftungs- und Einfüllstutzen versehen, die Zentralheizung kann montiert und die Nasszelle aufgebaut werden.
Über den Fortschritt der Arbeiten werden wir im Bericht Nr. 12 erzählen. Wir sind immer noch zuversichtlich, dass wir vom 21.–23. April am Treffen der Dutch Barge Association in Gorinchem teilnehmen können, auch wenn wir vor einigen Tagen zusätzlich das Projekt «Bugstauraum» (für Eingeweihte: unser «Schüürli») beschlossen haben. Doch darüber das nächste Mal.