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DogCommunication und die Menschen
Einstein & Nietzsche
erdacht und geschrieben von Regula Erni & Hans Zengeler
DogCommunication und die Menschen
Unterdessen stellte man sich in der Menschenwelt etliche Fragen, ausgehend von dem Ort, an dem Nietzsche lebte, Fragen, die vor allem jene stellten, die nur der Wissenschaft vertrauten, und es war wissenschaftlich völlig ausgeschlossen, daß sich Hunde gegenseitig Mails und SMS’ schicken konnten, ihnen mangelte es einfach an der hierfür notwendigen Intelligenz, das stand so fest, wie das Amen in der Kirche.
Ein gewisser Z., Schriftsteller seines Zeichens und Nachbar
von Max, mailte einer gewissen Frau R., Netzkommunikationsspezialistin und –literatin,
daß eben dieser Nachbar (Max) behaupte, sein Hund habe ihm eine SMS aus
der Schweiz geschickt, er sei mit Einstein (dem Physiker?) auf Reisen. Woraufhin
dieser Nachbar (Max) alsbald abgeholt und ins Psychiatrische Landeskrankenhaus
auf der Reichenau verbracht worden sei, zumal dieser seine Behauptungen strikt
aufrecht erhalten habe.
Gleichzeitig schnappte Nietzsche eine Blindecopy der Email von diesem Schriftsteller auf. Entsetzt wandte er sich an Einstein, der gerade das angeschossene Ohr seines Freundes leckte:
Sie haben Max ins Psychiatrische Landeskrankenhaus gebracht, weil er behauptet hat, dass er von mir eine SMS erhalten hat. Wuff, das darf nicht sein.
Sie beratschlagten kurz, was zu tun sei und setzten dann folgende Nachricht an das Psychiatrische Landeskrankenhaus ab:
Sehr geehrte Damen und Herren,
die SMS, von der Ihnen mein Herrchen Max erzählt hat, ist echt! Ich, Nietzsche, weiß das, weil ich sie schließlich smshaft gebellt habe. Mein Herrchen ist den Nachbarn auf den Keks gegangen, das hat sein Nachbar HanZen in einer Email an re geschrieben und ich habe sie abgefangen, die Email, meine ich, und ich wollte damit nur erreichen, daß Herrchen mich nicht mehr von der Polizei, dem FBI und dem CIA suchen läßt, deshalb habe ich die SMS gebellt - genauso wie ich jetzt, wo ich mit Einstein in der Bahn sitze, diese Email belle.
Einstein sagt, sie müssen lernen, daß es eine Welt der Materie gibt und eine der Antimaterie; wir, Einstein und ich können uns letztere zunutze machen. Bitte schonen sie mein Herrchen und geben sie ihm die Freiheit zurück; es fürchtet sich nicht davor.
Mit den besten Empfehlungen
Nietzsche, normalerweise wohnhaft bei Max,
z.Zt. mit Einstein unterwegs in der Deutschschweiz
worauf dieser Nachrichtenaustausch stattfand:
Sehr geehrter Herr Nietzsche,
Sie sitzen, wie viele andere, dem populären Irrtum auf, die Psychiater seien
mindestens genaus so verrückt wie die Patienten, die sie behandeln. Es ist ja eine hübsche Idee, als Hundchen aufzutreten und eine SMS fürs Herrchen zu bellen, aber wir Psychiater sind nicht verrückt genug, das zu glauben.
Anders gesagt: Es gibt keine SMS oder E-Mails versendenden Hunde. So einfach ist das. Ebenso wenig können Hunde in unserer Sprache bellen. So einfach ist das. Was selbst Herr Max inzwischen eingesehen hat. Nach medikamentöser Behandlung konnte er in die Wirklichkeit entlassen werden.
Und nun, bitte, lassen Sie uns unsere Arbeit tun oder kommen Sie vorbei, wenn Sie Probleme haben, Herr "Nietzsche"
gez.
Prof. Dr. Mammele
Nietzsches Antwort postwendend gebellt:
Sehr geehrter Herr Professor Mammele,
recht herzlichen Dank für das Entlassen von meinem
Herrchen.
Sie, Herr Professor, gehen von der Annahme aus, ich sei ein Mensch, der glaube, ein Hund und Nietzsche zu sein. Die einzige Gemeinsamkeit, die ich mit Nietzsche habe, ist der Name; ich bin aber wirklich und tatsächlich ein Hund.
Ja, Herr Professor, bedauerlicherweise geht ihr Wissen über den menschlichen Geist - aller Empirie zum Trotz – nicht über das Vermuten hinaus. Alles Wissenwollen schließt das Irrenkönnen mit ein. Im Licht dieser Tatsachen betrachtet, wird ihre Ausführung, Psychiater seien nicht verrückt genug, zu glauben, Hunde könnten SMS in menschlicher Sprache bellen, in mehrfacher Hinsicht relativiert - .
Mit freundlichen Grüssen
Ihr
Nietzsche
Sehr geehrter Herr Hund Nietzsche,
Prof. Mammele ist zu einem Kongreß in die USA geflogen und hat mitteilen
lassen, er möchte sich nicht mit Hunden namens Nietzsche unterhalten, Relativitätstheorie hin oder her.
Aufgezeichnet von:
Amalia Löwenzahn, wiss. Ass.
(P.S: i. e. S.: Du scheinst über die Maßen begabt zu
sein, Nietzsche, ich vermute ein paranormales Phänomen. Ob du mir wohl meine Zukunft bellen könntest?)
Sehr geehrte Amalia Löwenzahn
ich bin kein paranormales Phänomen und kein Sterndeuter und nicht ein Wahrsager; ich bin ein Hund und heiße Nietzsche, ich belle SMS und Emails, und wenn ich etwas
über eine Zukunft bellen muss, muss ich die Handfläche sehen.
Mit freundlichen Grüssen
Ihr Nietzsche
Und wie immer in solchen übernatürlichen Fällen tritt die vorletzte aller Wissenschaften auf den Plan, die Parapsychologie:
Sehr geehrter Hund Nietzsche,
das parapsychologische Institut der Universität Freiburg i. Br. möchte Sie und Ihren offenbar ebenfalls e-mail-bellenden Kollegen Einstein zu einer Gastvorlesung an unserem Institut einladen. Thema wird sein: Moderne Kommunikationstechniken des Hundes. An eine Honorierung ist selbstverständlich gedacht. Des weiteren werden Sie in einem hiesigen 5-Sterne-Hotel untergebracht sein, wo es Ihnen an nichts fehlen wird.
Mit der Hoffnung auf eine Zusage (Termin 16.2.04) verbleibe ich
mit freundlichen Grüßen
Dr. phil. Dipl.-Psych.
Hainrich von Schwaigern-Rüdesheim
Institutsleiter
Sehr geehrter Herr Dr. Hainrich, bellte Einstein zurück,
Ihre Einladung ehrt sowohl Nietzsche als auch mich; in
unser beider Namen sage ich: danke!
Selbstverständlich sind wir gerne bereit, über "die
modernen Kommunikationstechniken des Hundes" zu
referieren. Allerdings wäre es nicht sonderlich
sinnvoll, wenn Nietzsche und ich dazu nach Rüdesheim
reisten. Es genügte und wäre uns beiden Recht, wenn sie
und ihr Institut sich am 16.02.2004 an unsere
Anweisungen halten könnten. Sollte die Bereitschaft
dazu in ihren Reihen vorhanden sein, benachrichtigen
sie uns bitte umgehend.
Mit freundlichen Grüssen
Einstein
Kurzmitteilung Hund Nietzsche & Partner
gemeint war nicht Rüdesheim sondern Freiburg i. Br. Sie würden abgeholt und hierher gebracht, wo immer Sie sein mögen. Ihre Sicherheit ist durch Hundeschutz gewährleistet
H. v. Schwaigern-Rüdesheimer
Es macht, sagt Einstein, keinen Sinn, dafür nach Freiburg
zu fahren. Auch nicht mit Hundeschutz. Es geht um moderne Hundekommunikation
und da ist es viel besser, wenn die Distanz zwischen Sender und Empfänger
einige hundert Kilometer beträgt. Wenn sie mit unserem Vorschlag nicht
einverstanden sind, müssen sie sich einen andern Gast suchen.
Mit verbindlichen Grüssen
Nietzsche & Einstein (nagt grad am Rest meines
Knochens)
Verdächtig kleinlaut gab Schwaigern-Rüdesheimer (was für ein Name!) nach:
wauwau, wir machen es so wie Sie wollen, wau wau
H.v. Schwaigern-Rüdesheimer
(auch ein schlauer Hund)
Guten Tag, Herr von Schwaigern-Rüdesheimer, antwortete
Nietzsche,
vor fünf Minuten hat mich eine SMS des M Bouvier von Flandern erreicht. Von Flandern ist bereit, uns zwei südrussische Owtscharkas als Leibwächter zur Verfügung zu stellen, damit wir zu ihnen nach Freiburg i.Br. reisen und mit unseren Freunden von der Fakultät für Dog-Medien- und Kommunikationswissenschaften in
Neuenburg kommunizieren können.
Einstein hat sich damit einverstanden erklärt; unter dem Schutz der südrussischen Owtscharkas hat er schon einmal eine Mission erfüllt.
Ihr
Nietzsche
Kurzmitteilung des Instituts:
In Ordnung. Wir erwarten Sie zum angegebenen Termin
gez. Simone Beller-Rottweiler
(Prof. Schwaigern-Rüdesheimer noch immer in den USA)
An die Herren Hunde Nietzsche & Einstein,
ich möchte Ihnen nur mitteilen: ICH BIN KEIN HUND ICH HEISSE NUR SO.
Mfg
Simone Beller-Rottweiler