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Postulat von Urs Scheuss.
Der Gemeinderat wird aufgefordert,
die Auszeichnung Fair Trade Town anzustreben und
die dafür notwendigen Massnahmen so rasch wie möglich umzusetzen.
Begründung
Aktuell gibt es in der Schweiz 13 Fair Trade Towns. Im Kanton Bern sind die Städte Bern und Burgdorf sowie die Gemeinden Frutigen und Zweisimmen Fair Trade Towns. Initiant in der Schweiz dieser vom Staatssekretariat für Wirtschaft SECO unterstützten Kampagne ist Swiss Fair Trade, Dachverband der Fair Trade-Organisationen der Schweiz.
Unter einer Fair Trade Town versteht man eine Gemeinde, in der Bewohner*innen, ortsansässige Organisationen und Betriebe sich für den Fairen Handel engagieren. In ihren Kaufentscheiden beachten sie soziale und ökologische Kriterien und beziehen vermehrt Produkte aus Fairem Handel mit ein. Um Fair Trade Town zu werden, muss eine Gemeinde fünf Kriterien erfüllen, wovon die ersten beiden von der Stadtverwaltung erfüllt werden müssen:[1]
- Die Stadt bekennt sich mit offiziellem Beschluss dazu, die Auszeichnung Fair Trade Town anzustreben.
- Eine Arbeitsgruppe koordiniert das Fair Trade-Engagement
- Detailhandel und Gastronomie/Hotellerie bieten Fair Trade-Produkte an.
- Institutionen und Unternehmen verwenden Fair Trade-Produkte.
- Durch Öffentlichkeitsarbeit wird der Faire Handel der Bevölkerung nähergebracht.
Konkret kann dies beispielsweise Folgendes bewirken: In der Stadtverwaltung wird Kaffee und Tee aus Fairem Handel getrunken, in der Tagesschule gibt es Reis aus gerechtem Handel zu essen und als Geschenk bei Ehrungen kommen Fair Trade-Blumen zum Einsatz. Die Stadt könnte ihre Mitarbeitenden zum Thema nachhaltige, soziale Beschaffung weiterbilden, zusammen mit dem lokalen Gewerbe eine Infokampagne für die Bevölkerung durchführen oder einen Einkaufs- und Gastroführer mit Betrieben herausgeben und so aufzeigen, wo in welche Produkte aus Fairem Handel erhältlich sind.
Die Umsetzung verursacht keinen hohen Zeitaufwand oder Mehrkosten für die Verwaltung. Da Fair Trade Town kein Label, sondern eine Auszeichnung ist, bleiben die Kosten gering und sind nicht mit bekannten Labeln wie dem „Energiestadt“ Label vergleichbar.
Die Arbeitsgruppe (Kriterium 2) definiert, was unternommen wird. In vielen Geschäften und Gastronomiebetrieben in Biel werden heute schon Fair Trade-Produkte angeboten. Verschiedene Personalrestaurants, eine Mensa und ein Restaurant machen bereits bei Fair Trade Town mit.[2] Der Arbeitsgruppe kommt die Aufgabe zu, das bestehende Angebot aufzuzeigen und die unterschiedlichen Akteure zu vernetzen. Sie übernimmt die Koordination der Aktivitäten sowie die Akquisition neuer Partner, möglichst in Kooperation mit Vereinen und interessierten Institutionen.
Fair Trade Town ist eine internationale Auszeichnung: Bislang gibt es knapp 2000 Fair Trade Towns in 31 Ländern. Die ausgezeichneten Gemeinden beweisen entwicklungspolitische Weitsicht: Sie stärken hier in der Schweiz das Bewusstsein für die Bedeutung des Fairen Handels und leisten damit einen wichtigen Beitrag für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Menschen in Entwicklungsländern und damit zur Bekämpfung der weltweiten Armut.
[1] Die fünf Kriterien im Detail: www.fairtradetown.ch/de/fuenf-kriterien-fuer-eine-auszeichnung
[2] www.fairtradetown.ch/de/bielbienne
Postulat (pdf, en allemand)