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Um 1900 wuchs in der überwiegend katholischen Region Frick der Anteil der reformierten Bevölkerung. Es handelte sich dabei vor allem um bernische Familien, deren Väter in jungen Jahren im Ausland als «Schweizer» Stellungen angenommen hatten, nach Jahren wieder zurückkehrten und sich auch in der Region Frick durch den Aufkauf von Höfen niederliessen.
Bereits 1894 war in Frick die «Evangelisch-reformierte Genossenschaft von Frick und Umgebung» gegründet worden. Die reformierte Bevölkerung, als konfessionelle Minderheit eine Diaspora schlechthin, zeigte sich mehrfach aus naheliegenden Gründen von Minderwertigkeitsgefühlen geplagt. Während die katholische Kirche auf der «Burg» seit Jahrhunderten das Dorfbild beherrschte, mussten reformierte Gottesdienste in «peinlicher Enge» im Bezirksschulhaus abgehalten werden. Im Wirtshaus soll von katholischer Seite abschätzig bemerkt worden sein, dass die Reformierten nicht mal ein Stück Boden hätten, auf dem sie nach ihrer Weise beten könnten. Seit 1900 besass die reformierte Genossenschaft Frick aber ein Stück Land, und 1907 beriet sie erstmals über den Bau einer eigenen Kirche, denn das Schulhaus sollte bald an die Gemeinde übergehen und nicht mehr zur Verfügung stehen. Man hielt es immer noch für besser, etwas Einfaches zu haben als von anderen abhängig zu sein. So richtete man an den protestantischen Hilfsverein ein Gesuch zu einer landesweiten Reformationskollekte, die für neue Diasporakirchen eingerichtet worden war. Zwar pulsierte das reformierte Leben in Frick bereits erfreulich, doch umso mehr sollte eine neue Kirche nicht das Gespött der katholischen Mitbürger erregen, sondern wurde erst recht mit der Hoffnung verknüpft, dass sich auch das kirchliche Leben verbessere und vermehre.
1908 wurde ein Bauplatz erworben und der Badener Architekt Otto Bölsterli arbeitete für 150 Franken zwei unterschiedliche Projekte für einen Kirchenbau aus, für welche die Baukommission nach eigenen Erkundungen die Grunderfordernisse aufstellte. Der Hilfsverein allerdings zeigte sich von Bölsterlis Entwürfen nicht befriedigt. So brachte über Pfarrer Richard Preiswerk die Basler Architekten Eduard Vischer & Söhne (von der Familie Vischer-Sarasin) ins Spiel. Deren Projekt fand in der Baukommission sofort Zustimmung und erhielt von der Generalversammlung im Frühling 1909 schliesslich den Zuschlag. Inzwischen hatte man sich auch für einen teureren, dafür höher und schöner gelegenen Bauplatz entschieden, nicht zuletzt erneut, um den Katholiken besser die Stirn bieten zu können, denn auf dem ursprünglich vorgesehenen Platz wäre die reformierte Kirche «von dem ragenden Bau der katholischen Kirche ganz erdrückt worden». In der Tat schien sich die katholische Bevölkerung über den neuen Bauplatz gar nicht zu freuen, und Notar Holliger soll noch jede Menge Schwierigkeiten gemacht haben, auf dass der Bau dort nicht zustande käme, bis Pfarrer Preiswerk mit einer Klage in Aarau drohte. 1909/10 konnte die Kirche erbaut werden und kostete schliesslich ohne Geläut, Bauplatz und Umgebungsarbeiten 50‘000 Franken. Ob sie am Ende sogar zu grösserem Frieden zwischen den Konfessionen beitrug? Jedenfalls konnte während der Einweihung der neuen Kirche im Sommer 1910 von einem freundlichen Verhältnis zwischen den beiden Konfessionen berichtet werden.
|Aussen- und Innenansicht

der neuen reformierten Kirche in Frick
(Schweizerische Bauzeitung, 1911)
Renovationen
1948 wurde die Kirche durch den Architekten Hänni aus Baden renoviert und erhielt dabei weitgehend ihre heutige äussere Erscheinung. Mit dem Bau des Kirchgemeindehauses 1972 wurde auch die kleine Eingangsvorhalle an der Westseite abgebrochen und durch einen mit dem Foyer verbundenen Korridor ersetzt. 1995 folgte eine Innenrenovation mit neuem Steinboden und Veränderungen im Bereich des Chors. Vom ursprünglichen Bau sind folglich fast nur noch die Baumassengruppierung und die wesentlichen Umrisse erhalten geblieben.