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Die GC32 Racing Tour 2021 ist am 7. November mit einer Macht-demonstration von Alinghi zu Ende gegangen. Der Titelverteidiger gewann drei der vier Acts und wiederholte seinen letztjährigen Sieg in beeindruckender Manier. Auch die anderen Schweizer Teams machten Eindruck.
Text: Oliver Dufour
Fotos: Pedro Martinez
2019 startete Alinghi mit Pauken und Trompeten in seine erste Saison der drei Jahre zuvor lancierten GC32 Racing Tour. Mit seinem phänomenalen Einstand schockierte das Team um Ernesto Bertarelli Gegner und Zuschauer. Ein Jahr nach seinem Sieg an den letzten Extreme Sailing Series stand es nach vier Podestplätzen an den insgesamt vier Events (je zwei erste und zweite Plätze) als überragender Sieger fest.
Da die GC32 Racing Tour letztes Jahr pandemiebedingt abgesagt werden musste, trat Alinghi Ende Juli als Titelverteidiger an. Dabei wurde sofort klar: Der berühmte schwarzweisse Foiler-Katamaran mit dem roten Klammeraffen im Segel würde erneut schwer zu schlagen sein, denn er machte dort weiter, wo er zwei Jahre zuvor aufgehört hatte. Steuermann Arnaud Psarofaghis und seine Mitstreiter Bryan Mettraux, Nicolas Charbonnier, Yves Detrey und Timothé Lapauw legten sogar noch einen Zahn zu. Sie gewannen mit einer einzigen Ausnahme alle Events und konnten den Pokal zum zweiten Mal in Folge in die Höhe stemmen.
1. August-Feuerwerk
Angefangen hat der Siegeszug Anfang Juli im portugiesischen Lagos. Dort läutete Alinghi mit dem Gewinn des GC32 Lagos Cup 1 seine brillante Saison ein. Aus den 18 Wettfahrten an diesem Wochenende ging das Schweizer Team elfmal als Sieger hervor und verpasste das Podest nur zweimal. Weniger als einen Monat später legten Psarofaghis und seine Jungs im gleichen Revier am GC32 Lagos Cup 2 mit einem weiteren Sieg nach. Diesmal war der Vorsprung aber bereits deutlich kleiner. Lediglich zwei Punkte trennten sie vom zweitplatzierten Black Star Sailing Team um Christian Zürrer. Am Schweizer Nationalfeiertag zündeten sie damit symbolisch ihr eigenes 1. August-Feuerwerk.
Nach der Halbzeit der GC32 Racing Tour stand Mitte September in Villasimius im Süden von Sardinien die Klassen-Weltmeisterschaft auf dem Kalender. Auch hier trat Alinghi nach seinem knappen WM-Sieg gegen Team Tilt im Jahr 2019 als Titelverteidiger und mit entsprechend grossen Ambitionen an. Doch diesmal hatte Alinghi Pech. Nach einer fast unerträglich spannenden Regatta, in der die Schweizer einen Rückstand von sechs Punkten auf das österreichische Red Bull Sailing Team (RBST) wettmachten und sich dann sogar einen Vorsprung von drei Punkten erarbeiteten, wurden sie im Finallauf von einer Havarie ausgebremst, die sie auf den 7. Platz zurückwarf. Da Alinghi und RBST nach 14 Wettfahrten punktgleich in Führung lagen, entschied die Klassierung im Finallauf. Den beendeten die Österreicher auf Rang 4 und standen somit als Sieger fest.
Hagara und Steinacher verabschieden sich mit einem Sieg
Alinghi musste die bittere Pille schlucken. Die Schweizer Bilanz konnte sich dennoch sehen lassen. Hinter Alinghi (2.) platzierten sich Tilt und Black Star auf Platz 3. und 4. Etwas abgeschlagen landete die Swiss Foiling Academy bei ihrer ersten Teilnahme auf Rang 8. Die Nachwuchsseglerinnen und -segler sammelten aber wertvolle Erfahrungen, die ihnen auf ihrem Weg an die Spitze bestimmt von grossem Nutzen sein werden. Den beiden österreichischen Segellegenden Roman Hagara und Hans-Peter Steinacher mag man den Sieg durchaus gönnen. Die Doppelolympiasieger auf Tornado (2000 und 2004) und mehrfachen Welt- und Europameister haben sich mit dem WM-Titel bei den GC32 in der letzten Saison ihrer Karriere nochmals ein Denkmal gesetzt. «Ich bin schon etwas traurig, aber wir wussten, dass der Tag kommen würde», gestand Hagara nach seiner letzten Regatta am 7. November. «Wir hatten in dieser Saison wirklich gute Momente, vor allem natürlich mit dem WM-Sieg in Villasimius, der zu unseren diesjährigen Highlights gehört.»
Mit dem Manor Menor Cup ging Anfang November in der gleichnamigen spanischen Lagune unweit von Murcia und Cartagena die Saison zu Ende. Fest entschlossen, ihren WM-Patzer gutzumachen, nahm die Alinghi-Crew ihr höllisches Tempo wieder auf. An dem wetterbedingt auf zehn Läufe reduzierten Event dominierte der Schweizer Foiler-Kat fünfmal und fuhr viermal in die Top 3. Sein schlechtestes Ergebnis: ein 4. Platz! Die konstante Leistung brachte Arnaud Psarofaghis und seiner Truppe erneut den Sieg ein, diesmal mit 7 Punkten Vorsprung auf das starke Black Star Sailing Team und 8 Punkte auf das Red Bull Sailing Team.
«Wir dürfen uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen»
«Es hat gut getan, die Saison so zu beenden», freute sich der Alinghi-Skipper, «wir haben unser Ziel damit erreicht. Die Saison verlief nahezu perfekt, wir konnten mit Ausnahme der WM alle Events gewinnen. Hier in Spanien wurde jeden Tag mit harten Bandagen gekämpft, es war ein einziger Kampf. Besonders stark mussten wir uns gegen Red Bull und Black Star wehren. Unsere Beständigkeit ist aber eine wirksame Waffe. Wir können uns aus vielen ungünstigen Situationen befreien.»
Auch Alinghi-Coach Nils Frei zeigte sich zufrieden: «Das Team ist technisch und taktisch gut gesegelt. Jetzt geniessen wir kurz unseren Sieg und machen uns dann sofort wieder an die Arbeit, um das eine und andere zu verbessern. Bei einem Sieg ist es wichtig, dass man sich nicht auf den Lorbeeren ausruht.» Das habe sich im Lauf der Saison einmal mehr gezeigt. «Die erste Regatta in Lagos haben wir souverän gewonnen, dann haben sich unsere Gegner aber stetig gesteigert und gegen Saisonende mehrere Laufsiege eingefahren.»
In der Gesamtwertung gewann Alinghi mit einem bisher unerreichten Total von 5 Punkten vor Red Bull (10) und Black Star (12), dem zweiten Schweizer Team auf dem Podest. Team Tilt, das neben der WM kein anderes Rennen bestritten hat, belegt den 7. Schlussrang, Swiss Foiling Academy den 8. Platz. Das Schlusslicht bildete das amerikanischen Boot Argo auf Rang 9. 2022 wird der Kalender der GC32 Racing Tour fünf Events umfassen. Details sollen demnächst bekannt gegeben werden. Die Schweizer Teams werden bestimmt alles daran setzen, die erste Geige zu spielen. Schliesslich haben Alinghi, Black Star und Tilt in den vergangenen Jahren schon oft die Funken sprühen lassen.