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Zürich
Rechberg
Rechberg
Zürich/ ZH
Modern interpretierter Barock
Das stattliche Haus zum Rechberg, heute Staatskanzlei, wurde 1770 eingeweiht, der angefügte Park etwas später. Das Grundstück lag damals ausserhalb der mittelalterlichen Stadtbefestigung und bestand im Wesentlichen aus einem steilen Rebberg, der oben bis zu den Schanzen aus dem 17. Jahrhundert reichte. Es war eine aussergewöhnliche Idee, in diesem steilen Gelände einen barocken Park anzulegen. Ebenso ungewöhnlich war es, dass er hinter dem Palais, nicht an der repräsentativen Frontseite seinen Platz haben sollte. Die beherzte Initiative für dieses Unternehmen geht auf Anna Werdmüller zurück, Tochter des damals wohl reichsten Zürchers und selber erfolgreiche Textilhändlerin.
Ausstattung
Sie liess an den schmalen Hof ein quadratisches Parterre ansetzen, welches durch eine hohe Stützmauer seinen Abschluss fand. Vom Hof zu diesem Parterre führen zwei kurze geschwungene Treppen, die sich um einen Brunnen ranken und jeweils von einer Skulptur flankiert werden. Vor die Stützmauer wurde ein ovaler Springbrunnen mit Frauenskulptur platziert und auf der linken Parkseite eine Orangerie errichtet. Rechts neben der heutigen Anlage wurden damals vier weitere bepflanzte Nebenterrassen angelegt.
Auch die Hauptterrassen waren gut ausgestattet. Auf der ersten befanden sich ein kleiner Pavillon und am anderen Ende eine Gartenlaube. Hier wollte man sich aufhalten und promenieren. Die weiteren Terrassen waren mit hohen säulenartig geschnittenen Eiben bepflanzt. Auf der obersten stand ein gemauerter Pavillon. Und so wird es wohl in jener Zeit der imposanteste Zürcher Garten gewesen sein.
Um 1850 begannen erste Umgestaltungen. Die obersten Terrassen wurden reduziert und aus dem Rest des Schanzenwalls eine Aussichtsplattform gemacht. Im weiteren erfuhr der Park anglisierende Eingriffe, etwa indem das Parterre und die erste Terrasse neue Beete mit gerundeten Konturen und einer freien Bepflanzung im Landschaftsgartenstiel erhielten. Man ging mit der Zeit und machte Konzessionen an den neuen Geschmack. 1899 wurde zudem am rechten Hang ein Gewächshaus errichtet.
Doch bereits 1936/37, während der Restaurierung des Palais, wollte man dem Park wieder ein klares Format geben und ihn in den barocken Zustand zurückbauen. Allerdings geschah dies nur teilweise und eher halbherzig. 1958 gab es noch mal Eingriffe im oberen Teil, wo einige Bäume gefällt und die Reste des Schanzenwalls abgetragen sowie die jetzige einfache Aussichtskanzel angelegt wurde.
Moderne Interpretation
2012/13 kam es dann zur vierten Erneuerung des Rechbergparks, dem viele Diskussionen und Rekurse vorangegangen waren. Den beauftragten Landschafts-architekten von Hager Partner AG ging es darum, „den Garten seine 250-jährige Geschichte erzählen zu lassen und trotzdem neue Akzente zu setzen.“
Die Umsetzung dieses Anspruchs hat die Anlage ruhiger und direkter werden lassen. Die Eibenkegel, Hecken und Kübelpflanzen können als Referenz an den ursprünglichen Entwurf des 18. Jahrhunderts gelten. Auch die Kieswege, Spaliere und Zäune interpretieren den ursprünglichen Barockgarten.
Andererseits sind die Aussichtskanzel aus Rohbeton, die verspielten Buchsreihen auf der zweiten Terrasse, die bemalten Pflanzenkübel sowie die Holzbänke eindeutig die Sprache unserer Zeit. Auch die Schmuckbeete, die heute eher launig bepflanzt werden, orientieren sich nicht an historischen Vorbildern, sondern folgen lediglich ästhetischen Ideen. So hat die aktuelle Gestaltung durchaus Bezug auf die barocke Grundidee genommen, aber dennoch moderne Interpretationen hinzugefügt.
Geteilte Bewertung
Und doch ist es kaum ein Ort, an dem sich Besucher lange aufhalten. Es sind nur wenige, die hier in Musse verweilen. Der Park ist zu einem Durchgangsort geworden, einem der kürzesten und effektivsten Wege von den Hochschulen ins Stadtzentrum. Folglich trifft man oft Studenten mit Rucksack oder Aktenmappe. Lediglich auf den beiden oberen Etagen stehen einige Bänke, die zum Lesen einladen und von denen man einen vorzüglichen Blick auf die Stadt und den gegenüberliegenden Zürcher Hausberg, dem Uetliberg, hat.
Das heutige Urteil über den Park ist geteilt. Einige rühmen ihn als einen der schönsten spätbarocken Gärten. Andere meinen, dass er es nicht verdiene, so hochgelobt zu werden, weil es zu viele gestalterische Kompromisse gab. So störe etwa das Gewächshaus und sollte abgebrochen werden. Dennoch bleibt festzuhalten, dass trotz aller Veränderungen die Hauptelemente des spätbarocken Parks erhalten blieben und sich seine Raumwirkung auch heute noch erleben lässt.
Adresse
8001 Zürich, Hirschengraben 40
Öffnungszeiten: frei zugänglich / Eintritt frei