Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03483.jsonl.gz/2037

Hunderte Soldaten helfen in Cressier
Nach der schweren Überschwemmung in Cressier hat die Armee am Wochenende mit einem Hilfseinsatz begonnen.
Nach der schweren Überschwemmung in Cressier NE am vergangenen Dienstag hat die Armee am Wochenende mit einem Hilfseinsatz begonnen. Bis zu 500 Armeeangehörige sollten in den nächsten Tagen für Aufräumarbeiten in Teams rund um die Uhr zum Einsatz kommen.
Die Armee führte erst dringende Sicherheitsarbeiten oberhalb des Dorfes durch, wie ein Videojournalist der Nachrichtenagentur Keystone-SDA vor Ort berichtete. Die Soldaten und Offiziere befreiten mit mehreren Baggern und Hubgeräten den Lauf des Flusses Ruhaut von Geröll, Dreck und Schwemmholz. Das sollte neue Überschwemmungen bei Gewittern verhindern.
Im Dorf selbst griffen die Armeeangehörigen zu Pickel und Schaufel, um Dreck zu beseitigen. Zur schweisstreibenden Arbeit kam eine weitere Erschwernis hinzu: Aufgrund der Coronavirus-Pandemie mussten die Soldaten Gesichtsmasken tragen.
«Die Bevölkerung ist sehr glücklich über diese Hilfe der Armee», sagte Georges-André Lozouet, Sprecher der Organisation für Krisen- und Katastrophenschutz des Kantons Neuenburg, am Sonntag. «Es ist eine grosse Maschinerie, die hier ankommt, mit vielen Ressourcen.»
Nach den schweren Überschwemmungen vom letzten Dienstag hatte der Neuenburger Staatsrat die Unterstützung der Armee angefordert. Für den kurzfristig bewilligten Assistenzdienst im Rahmen der Katastrophenhilfe kommt konkret das Geniebataillon 6 zum Einsatz. Es befand sich im Wiederholungskurs im Kanton Aargau.
Meterhoher Schlamm und Dreck
Zunächst waren 200 Einsatzkräfte vor Ort, wie ein Armeesprecher auf Anfrage sagte. Es könnten bei Bedarf allerdings bis zu 500 Angehörige der Armee in Cressier Hilfe leisten.
Das Neuenburger 1900-Seelen-Dorf war am Dienstag von einem heftigen Unwetter getroffen worden. Zwei Bäche traten über die Ufer und überschwemmten den Ort. Dabei wurden Keller geflutet und Autos mitgerissen. Schlamm und Dreck lagerte sich meterhoch in Häusern und auf den Strassen ab. Verletzt wurde niemand.
Rund 75 Gebäude wurden beschädigt. Betroffen waren laut der Armee auch Wasser-, Strom- und Gasversorgungsnetze.
Dutzende Menschen evakuiert
Dutzende Menschen wurden aus ihren Häusern evakuiert. Am Sonntag waren noch zehn Familien respektive zwischen 35 und 40 Personen andernorts untergebracht, wie Gemeindepräsident Jean Bernard Simonet sagte.
Die Aufräumarbeiten erstreckten sich über die Gemeinden Frochaux, Enges und Cressier. Sie dauern voraussichtlich bis kommenden Mittwoch an.
Die Soldaten unterstützen die Gemeinde auch dabei, den Zugang zu bestimmten Gebäuden freizumachen. Für die Bewältigung der Schäden und der Aufräumarbeiten stehen zudem zivile Einsatzkräfte sowie mehrere Tiefbauunternehmen im Einsatz. Weiter sind Fachleute des Kantons für Strassen- und Brückenbau sowie Geologen vor Ort.
Heftige Gewitter am Montag möglich
Seit dem letzten Wochenende sind mehrere unwetterartige Gewitter über Teile der Schweiz gezogen. Starkregen und Hagel richteten laut den Versicherern etwa an Gebäuden, Fahrzeugen und Hausrat Schäden in der Höhe von über 260 Millionen Franken an.
Für Montag erwarteten Meteorologen gegen Abend vor allem im Jura und im Mittelland teilweise erneut heftige Gewitter mit Unwetterpotenzial. Dabei seien viele Blitze, starker Regen und lokal Hagel sowie in Gewitternähe auch Sturmböen zu erwarten, teilte der private Wetterdienst Meteonews mit.
sda/toko