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Die Geschichte des Schweizerischen Pfadfinderbundes (Bubenbund) 1910 - 1945
von Dominik Stroppel
Erste Pfadfindergruppen entstanden in der Schweiz in den Jahren 1910 (Knaben) und 1911 (Mädchen). Im Herbst 1913 gründeten Vertreter der bereits bestehenden Kantonalverbände Genf, Waadt, Neuenburg, Bern, Basel, Zürich und St. Gallen/Thurgau in Bern den Schweizerischen Pfadfinderbund (SPB). Das genaue Gründungsdatum ist allerdings unklar. Es liegt zwar eine Einladung zur konstituierenden Generalversammlung am 17. September vor, die Satzungen von 1918 nennen aber den 5. Oktober 1913 als Gründungsdatum.
Der erste Ausmarsch der Pfadfinder der Abteilung Glockenhof (Zürich), 1912
Der Einfluss des SPB war in den ersten Jahren nach der Gründung gering und beschränkte sich auf gewisse Kontroll- und Verwaltungsaufgaben. Die Kantonalverbände behielten ihre volle Unabhängigkeit; ein Vorkanton erledigte die laufenden Geschäfte des Bundes. Erster Präsident des Pfadfinderbundes war William Borel, der Präsident der Genfer Pfadfinder, der schon das zuvor bestehende Comité central romand präsidiert hatte. Auf seinem Entwurf beruhten die ersten Satzungen.
1918 gab sich der SPB neue Satzungen, die einen siebenköpfigen gesamtschweizerischen Vorstand und einen Zentralpräsidenten vorsahen. Als Zentralpräsident amtete vom 23. März 1918 an Walther von Bonstetten, einer der Begründer der Pfadfinderschaft in Bern.
1923 gelang es der Führung des Schweizerischen Pfadfinderbundes, ein Gebäude bei Kandersteg zu erwerben, das in der Folge unter internationaler Trägerschaft zu einem Internationalen Pfadfinderheim ausgebaut wurde. Dessen Leitung übernahm ab 1925 der Pfadfinder-Alpenklub (PAC).
Inspiriert durch die Weltpfadfindertreffen 1920 in London und 1924 in Kopenhagen führte der SPB 1925 in Ostermundigen ein erstes Bundeslager durch. Im gleichen Jahr wurde in Bern ein ständiges Sekretariat geschaffen. Weitere Bundeslager fanden später in Genf (1932) und in Zürich (1938) statt.
Bei der Reorganisation des Pfadfinderbundes im Jahr 1927 wechselte Walther von Bonstetten ins neugeschaffene Amt des Bundesfeldmeisters. Nachdem das Projekt eines Führerfortbildungslagers mehrfach im Sand verlaufen war (bereits 1923 musste ein geplantes Fortbildungslager abgesagt werden), wurde die Durchführung eines solchen Ende 1927 definitiv beschlossen. Es fand im Sommer 1928 unter der Leitung von Louis Blondel in Greng am Murtensee statt.
Im Jahr 1931 war der SPB ein erstes Mal Ausrichter eines internationalen Pfadfinderlagers. Schon 1926 hatte der 3. Internationale Kongress im Internationalen Pfadfinderzentrum Kandersteg stattgefunden; nun war Kandersteg, wo der Pfadfinder-Alpenklub kurz zuvor das Gelände der Lötschbergtunneldeponie erworben hatte, auch Austragungsort des erstmals durchgeführten Rover-Moots.
An der Delegiertenversammlung 1934 in Baden wurde der Genfer Louis Blondel als Nachfolger des zurücktretenden Walther von Bonstetten zum neuen Bundesfeldmeister gewählt.
Seit 1933 waren verschiedentlich Führerfortbildungskurse des SPB in Kandersteg durchgeführt worden; mit der Einweihung eines festen Kurszentrums auf dem Gelände des Internationalen Pfadfinderheims im Sommer 1937 wurde Kandersteg zum ständigen Austragungsort sämtlicher Fortbildungskurse des SPB.
Der Ausbruch des Krieges beeinflusste auch die Pfadfinderbewegung in der Schweiz: Pfadfinder wurden im Hilfsdienst eingesetzt, viele Pfadfinderinnen unterstützten das Rote Kreuz. Auch die Organisation der landwirtschaftlichen Hilfslager wurde anfänglich durch Pfadfinder und Pfadfinderinnen sichergestellt. Schon in den letzten Kriegsjahren, vor allem aber unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges engagierten sich SPB und BSP in der Durchführung von Lagern für kriegsgeschädigte Kinder.
An der Delegiertenversammlung 1945 wurde, nachdem es schon seit 1924 einzelne Gruppen mit behinderten Pfadfindern gegeben hatte, mit den 'Pfadfindern Trotz Allem (PTA)' offiziell der neue Zweig der behinderten Pfadfinder geschaffen. Der Walliser Arzt und Pfadfinderführer Hans Voûte übernahm die Leitung der PTA-Beratungsstelle.
aus: Dominik Stroppel: Der Schweizerische Pfadfinderbund 1918 - 1945 (Dissertation an der Universität Zürich) Das Buch ist im Handel nicht mehr erhältlich (vergriffen), kann aber beim Verein Zentralarchiv + Museum der Pfadibewegung Schweiz und in allen grösseren Bibliotheken (Zentralbibliothek Zürich, Staatsarchiv Zürich, Sozialarchiv Zürich, Landesbibliothek Bern, etc.) ausgeliehen werden.