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Künstlername: Zé Roberto
Kompletter Name: José Roberto da Silva
Geburtsdatum: 06/07/1974
Geburtsort: Ipiranga (SP)
Position: Mittelfeld
Link: Fehlanzeige
Vereine:
2012: Grêmio Foot-Ball (PR)
10/07/2011: Al Gharafa (Katar)
01/07/2009: Hamburger SV
01/07/2007 bis 30/06/2009: Bayern München
01/07/2006 bis 30/06/2007: FC Santos (SP)
01/07/2002 bis 30/06/2006: Bayern München
1998 bis 2002: Bayer Leverkusen
1998: Flamengo (RJ)
1997 bis 1998: Real Madrid
1994 bis 1997: Portuguesa (SP)
WM-Einsätze Seleção:
WM 1998 Frankreich
WM 2006 Deutschland
José Roberto da Silva oder besser bekannt als Zé Roberto – eine weitere brasilianische Fussballgeschichte ist geschrieben! Vom armen Jungen aus São Paulo, der mit seiner Mutter und 4 Geschwistern in grosser Armut aufwuchs zum Weltfussballer – dem Flankengott mit den flinken Beinen, den scharfen Pässen und exakten Flanken. Zé Roberto spielt derzeit in der Bundesliga beim Hamburg SV und war viele Jahre aus der Stammelf der Seleção nicht mehr wegzudenken.
Zé Roberto – ein weiteres Fussballphänomen – begann erst relativ spät mit dem Fussballspielen. Er wurde am 6.Juli 1974 in Ipiranga geboren, erst mit 7 Jahren, so schreibt er selbst, begann er mit dem Kicken auf den Bolzplätzen – ohne Schuhe, da in der Familie kein Geld für derartige Dinge vorhanden war. Viele Jahre spielte er mit Freunden auf der Strasse und in Hinterhöfen, bevor er seine Vereinskarriere zunächst beim Heimatclub Portuguesa São Paulo begann. Ein erster grosser Schritt war dann schon 1997 direkt nach Europa als grosser Nachwuchsstar zu Real Madrid. Dort blieb er allerdings zu viel in der Reserve sitzen und sein Talent wurde nicht erkannt, nach nur wenigen Monaten wechselte er wieder nach Brasilien zum grossen Club Flamengo in Rio de Janeiro. Dort spielte er vom Januar bis Juni 1998 – und schon ging es wieder ins grosse Fussballgeschäft Europas, direkt nach Bayer Leverkusen. Dort blühte Zé Roberto richtig auf und reifte zur internationalen Klasse. 17 Treffer erzielte der Flügelflitzer in 113 Spielen für die Rheinländer und gerade mit Michael Ballack im Duo spielte er in der Erfolgssaison 2001 mit seinen besten Fussball. Nach 4 Jahren wechselten dann auch beide gemeinsam in den Süden Deutschlands zum FC Bayern München, mit dem sie gleich in der ersten Saison die Deutsche Meisterschaft holten. Zé Roberto ist neben Ballack natürlich zum Stammspieler geworden und genoss in den Münchner Reihen hohes Ansehen. 2005 schaffte Zé Roberto das Double und wurde auch noch mit der brasilianischen Nationalmannschaft im 7. Endspiel seiner Karriere Meister des Confederation Cup 2005 in Frankfurt. Einige weitere Höhepunkte seiner Karriere waren z.B. die Mini-WM 1997 sowie die Copa-Americana-Erfolge 1997 und 1999.
Sein nächstes grosses Ziel war natürlich als dribbelstarker Defensivler die WM in Deutschland 2006 zu gewinnen. Bekanntlich konnte dieses Ziel nicht umgesetzt werden. Die Seleção schied nach katastrophalen Leistungen im Viertelfinal gegen Frankreich aus dem Turnier aus. Anzumerken ist, dass Zé Roberto einer der wenigen brasilianischen Spieler war, der eine überzeugende Leistung geboten hat.
Zé Roberto ist ein ruhiger, besonnener Spieler und verantwortungsbewusster Familienvater. Mit seiner Frau Luciana hat er mittlerweile drei Kinder, die sein voller Stolz sind. Seine Familie steht an oberster Stelle und er geniesst es nach einem trainingsreichen Tag nach Hause zu kommen und sich mit dem Familienalltag fernab des Fussballs zu beschäftigen. So bleibt er ausgeglichen und findet Kraft und Energie im engsten Familienkreis.
Zé Roberto ist gläubiger Christ und vertritt seinen Glauben öffentlich. Sowohl im Internet als auch in dem Film “Fussball-Gott“ spricht er über seinen Glauben, seine Einstellung und erzählt von seinem Leben – lesen Sie selbst:
“Wir wohnten in den Favelas von São Paulo. Viele Fussballfans können sich kaum vorstellen, dass hochbezahlte Fussballer aus so armen Gegenden kommen, aber die ersten Jahre meines Lebens waren tatsächlich ein Kampf ums tägliche Brot. Wir waren zu Hause zu siebt, unsere Wohnung war ziemlich mickrig, und wir hatten noch nicht einmal genug zum Essen. Wenn wir Kinder etwas Süsses wollten, haben wir uns die Bonbons einfach mit Zucker in der Pfanne selbst gemacht. An unserer Haustüre lehnte immer eine alte Gasflasche, weil wir uns kein neues Schloss leisten konnten. Geld für Fussballschuhe gab es natürlich auch nicht, und so wurde ich schon früh zum echten Barfuss-Kicker mit Ballgefühl. Als ich zehn Jahre alt war, verliess mein Vater unsere Familie. Das war ein grosser Schock, und hat bei uns allen einen ziemlichen Knacks hinterlassen. Meine Mutter musste uns nun alle alleine versorgen. Und ich begann zu klauen. Am Anfang war es harmlos, hier und da mal was zum Essen, Orangen und Kekse – eben alles, was gut in die kleine Hosentasche passte. Dann hiess es: Gas geben, um von der Bildfläche zu verschwinden. Meine Schnelligkeit auf dem Platz habe ich wohl noch aus dieser “Sprinter-Zeit“.
Eines Tages gerieten zwei meiner Freunde in die Drogenszene. Wenig später musste ich eine der schrecklichsten Erfahrungen meines Lebens machen. Meine Freunde wurden beide von der Polizei erschossen. Meine Mutter hat mir in dieser Zeit sehr geholfen. Sie hat mich getröstet und mir klargemacht, was für eine Zukunft ich in einem solchen Umfeld hätte. Sie hat mich wieder zum Bolzplatz geschickt und gesagt, dass ich dort besser aufgehoben wäre als auf der Strasse. Ich habe damals entschieden, mich von Drogen und Kriminellen fernzuhalten, und das war meine erste gute Entscheidung als kleiner Junge. Weil wir so arm waren, wusste meine Mutter irgendwann nicht mehr weiter und machte sich auf die Suche nach Hilfe. Nachdem sie vergebens an mehreren Türen um Unterstützung gebeten hatte, ist eines Tages etwas sehr Aussergewöhnliches passiert. Meine Mutter war nach langer Zeit wieder in eine Kirche gegangen, um sich für einen Moment zu besinnen. Als sie nach Hause kam, schien sie irgendwie verändert zu sein. Sie hatte eine für sie unvergessliche Begegnung mit Gott, der ihr seine gnädige und liebevolle Hand zu reichen schien. Sie sprach von Gottes Liebe für uns, und dass wir jetzt alle auf Jesus vertrauen sollten. Natürlich haben wir das damals nicht so ganz begriffen. In Brasilien sind die Menschen alle sehr spirituell und erzählen auch sehr oft von Geistererfahrungen. Aber bei meiner Mutter schien das etwas Anderes zu sein. Von diesem Zeitpunkt an beobachtete ich sie sehr genau. In den folgenden Tagen konnte ich sehen, wie der Glaube an Jesus ihr Leben wirklich veränderte. Sie wurde viel ruhiger und gelassener, und der Glaube schien ihr Kraft zu geben.
Es wirkte beinahe, als ob irgendjemand auf unsere Familie aufpassen würde, denn einige Dinge liefen von nun an besser für uns. Wenn ich anfangs auch sehr skeptisch war, bin ich, je mehr ich sah, wie glücklich meine Mutter auf einmal war, sehr neugierig geworden, was es denn mit diesem Jesus auf sich hat. Bis zu diesem Moment hatte ich mit Gott nie etwas am Hut gehabt. Also habe ich dann eines Tages einfach damit angefangen in der Bibel zu lesen – ich hätte ja vorher nie gedacht, wie spannend sie ist. Ich habe gelernt, dass Gott nicht nur unser Vater sein will – der Vater den ich nicht hatte – sondern, dass er etwas Besonderes mit meinem Leben vorhat. Mir wurde klar, dass ich bei Gott Kind sein darf und er als liebender Vater immer für mich da ist. Er möchte nicht, dass wir irgendwelche Formeln zu ihm sprechen, sondern ihm einfach alles erzählen, was wir auf dem Herzen haben, wie unserem besten Freund. Ich war in meiner Jugend immer sehr besorgt um unsere Mutter gewesen und machte mir viele Gedanken um die Probleme, die wir hatten, doch je mehr ich über Gott nachdachte, desto leichter wurde mir das Herz. So habe ich also angefangen mit Gott zu reden, nicht nur wenn es mir schlecht ging, sondern gerade in guten Zeiten, um ihm für so viel Schönes im Leben zu danken.
Die Josephs-Geschichte im Alten Testament ist eine meiner absoluten Lieblingsgeschichten. Solche Geschichten geben mir Kraft und Mut. Josef hat sein Vertrauen auf Gott nie verloren, selbst als er unschuldig im Gefängnis landete. Und er hat dazu noch die Grösse gehabt, seinen Brüdern, die ihn nach Ägypten in die Sklaverei verkauft hatten, zu vergeben. Josef ist ein echtes Vorbild für mich – so wie er möchte ich leben.
Das war als ich neunzehn Jahre alt war. Der Zeitpunkt meiner Entscheidung war absolut wichtig, denn ich war gerade dabei meinen ersten Profi-Vertrag bei Portuguesa São Paulo zu unterschreiben. Wenn ich damals nicht Christ geworden wäre, wäre mein Leben völlig anders verlaufen. Ich habe sehr oft erlebt, wie Jungprofis vielen Versuchungen erlegen sind. Sie hatten mehrere Frauen gleichzeitig, haben ihr Geld aus dem Fenster geschmissen und ihr Leben vergeudet. Viele sind an ihrer plötzlichen Popularität gescheitert. Ich bin froh, dass ich Jesus mein Leben schon so früh anvertraut habe. Natürlich gab es auch harte Zeiten für meine Frau Luciana und mich. Wir haben uns jahrelang so sehr ein Kind gewünscht. Und als Luciana dann endlich schwanger war, haben wir das Kind nach einer Frühgeburt verloren, später sogar noch ein zweites Mal. Das war wirklich nicht einfach für uns. Wir dachten, dass sie gar nicht mehr Kinder kriegen konnte. Aber trotzdem haben wir in dieser Zeit immer weiter auf Gottes Liebe vertraut und an ihm festgehalten. Und dann ist für uns ein Wunder passiert, als wir von Gott unseren kleinen Endrik geschenkt bekamen. Das hat uns gezeigt, dass Gott unser Vertrauen nie enttäuscht – er prüft uns, ob wir die Geduld haben, ihm auch in schweren Zeiten zu vertrauen.
Das Wichtigste im Glauben ist, dass man sich von Gott geliebt weiss, so wie man ist. Das ist die Grundlage meines Glaubens und das gibt mir Kraft für alle Situationen im Leben. Denn gerade als Profifussballer bist du ständig gefordert, du brauchst immer wieder neue Kraft für die vielen Spiele. „Ich kann alles durch den, Jesus Christus, der mich mächtig macht.“, so lautet mein Lieblingsvers in der Bibel (Philipper 4,13).
Ich hoffe, dass auch du in deinem Leben diese Erfahrung machst und eines Tages von der Liebe Gottes ergriffen wirst. Ein lebendiger Gott, der mein Leben heute und auch in Zukunft in seiner Hand hält.
Dein Zé Roberto“
Dem sei an dieser Stelle nichts mehr hinzuzufügen. Wir wollen aber noch einmal auf den Fussball zurückzukommen, genauer auf die weiteren Stationen Zé Roberto.
Im Jahr 2002 wechselte Zé von Leverkusen zusammen mit Michael Ballack zum FC Bayern München, wo er bis Ende Juni 2006 erfolgreich spielte. Nach 4 Jahren, 110 bestrittenen Bundesligaspielen und 3 Doubles für den FC Bayern München, verlässt Zé Roberto den Club, da sich Club und Spieler nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen konnten. Auf den 01. Juli 2006 und wechselt nach Brasilien zum FC Santos.
Mit dem Pelé-Club verpasste er im Juli 2007 den Copa-Final nur knapp. Trotz eines 3:1 Heimsieges gegen Gremio Porto Alegre im rein brasilianischen Halbfinal-Rückspiel der Copa Libertadores hat der FC Santos mit dem designierten Bayern-Rückkehrer Zé Roberto das Finale der südamerikanischen Champions League verpasst. Zé Roberto traf in der 76. Minute zum Endresultat 3:1. Verpasst hat der FC Santos den Finaleinzug nach der 0:2 Hinspielniederlage aufgrund der Auswärtstorregel.
Auf die Saison 2007/08 wechselte Zé Roberto erneut zurück zu den Bayern. Neu durfte er genau wie in der Seleção – die Position im defensiven Mittelfeld und nicht wie in den Jahren zuvor in der Bundesliga auf dem linken Flügel – spielen.
Zé Robertos Vertrag lief Ende des Monats Juni 2009 aus. Er wollte diesen um zwei weitere Jahre verlängern, Bayern aber bot nur ein Jahr. Der 34-jährige Ausnahmespieler hat den Club deshalb wieder verlassen. In diesen zwei Saisons bei den Bayern absolvierte er 59 Spiele und schoss 9 Tore.
Dann ging alles sehr schnell. Der HSV klopfte bei Zé an und da der Kontrakt bei Bayern München ausgelaufen war, konnte der Mittelfeldspieler sofort ablösefrei an die Elbe wechseln. Zé Roberto unterzeichnete einen Vertrag bis zum 30. Juni 2011. Die Hamburger erwarben dabei die Transferrechte von „Nacional Montevideo“ für die Ablösesumme ca. 4 Millionen Euro.
Bei seinem neuen Club zeigte Zé Roberto vom ersten Spiel an solide und gute Leistungen, so erzielte er an den ersten zwölf Spieltagen fünf Tore und 3 Vorlagen. Leider zwang ihn eine Verletzungen den Rest der Hinrunde auszusetzen. Anfangs Mai 2011 gab der HSV bekannt, dass man sich nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen konnte und den zum Saisonende auslaufenden Vertrages nicht erneuere (Zé wollte einen 2-Jahresvertrag, der HSV hat im nur einen 1-Jahresdeal angeboten).
Am 10. Juli 2011 unterschrieb Zé Roberto beim Al Gharafa Sports Club in Katar einen 2-Jahresvertrag. Es stellte sich heraus, dass das zweite Vertragsjahr nur auf Option ist, von der Zé Roberto keinen Gebrauch machen wollte. Anfang Februar 2012 wurde der laufende Vertrag in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst.
Zé Roberto wechselte im Mai 2012 nach Brasilien, das gab sein neuer Verein Grêmio Foot-Ball Porto Alegrense bekannt.