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STIFTUNG
Die lange Vorgeschichte von SON
Erst 1997 entstand die heutige Stiftung. Die Zusammensetzung des damaligen Stiftungsrats lässt erahnen, wie komplex die Vorgeschichte verlief. Neben der damaligen Orchester-Gesellschaft Biel (OGB) waren im Stiftungsrat auch vertreten der Schweizerische Musikerverband (SMV), der Schweizerische Musikpädagogische Verband (SMPV), das Tonhalle-Orchester Zürich, der Verband der schweizerischen Berufsorchester (VESBO) sowie die Carlo und Irene Fetzer-Stiftung. Wie kam es zu dieser breiten und auffälligen Trägerschaft? Die Wurzeln von SON reichen weit zurück ins frühe 20. Jahrhundert!
1927 wurde das Städtebundtheater gegründet. Der Dreispartenbetrieb mit Schauspiel, Oper/Operette und Ballett war in den Städten Biel und Solothurn heimisch und bespielte von hier aus auch die assoziierten Städte Grenchen, Langenthal, Burgdorf und weitere Orte. Weil die Unternehmung über Jahrzehnte unter starkem finanziellem Druck stand, wurden die benötigten professionellen Instrumentalistinnen zu prekären Bedingungen und vor allem nur saisonal angestellt. So kam es, dass ausgewiesene Künstler die Sommermonate als Hilfsarbeiter in schlecht bezahlten Jobs in Hotelküchen, Steuerverwaltung oder Lagerhäusern überleben mussten.
1957 markiert den Ausbruch aus dieser leidigen Situation. Auf Initiative eines Musikers und mit der Unterstützung des damaligen Tourismusdirektors von Biel war auch die Stadt Biel bereit, einen Versuch mit Sommerkonzerten zu starten, und dieser schlug ein. Wöchentlich wurden sechs Konzerte sowie sonntags ein Apéro-Konzert veranstaltet, vorerst am See, später vor allem in Stadtpark. Das Publikum dankte diese unentgeltlichen Feste mit hoher Präsenz. Gleichzeitig stiessen die Berufsmusiker rasch an ihre künstlerischen Grenzen. Wollte man aus dem Bereich leichter Unterhaltungsmusik aussteigen und auch komplexere, orchestrale Werke darbieten, musste die Stammbesetzung dringend erweitert werden. Zwei Institutionen zeigten sich nachhaltig solidarisch: Dank einer Spezialfinanzierung durch den SMV konnten jeweils im Juli und August bis zu zwanzig Volontäre mitwirken, die nicht nur den Klangkörper vergrösserten, sondern zu Beginn der Arbeit durch Spezialproben mit ihren jeweiligen Stimmführern auch weitergebildet wurden. Und das prominente Flaggschiff der schweizerischen Orchester, das Tonhalle-Orchester Zürich, beteiligte sich bei der Finanzierung durch die Überweisung des Ertrags einer Platteneinspielung. Schnell wurden diese Orchesterpraktika zu einer begehrten Einrichtung, deren Zugang erst durch das Bestehen eines selektiven Probespiels eröffnet wurde. Massgeblich verantwortlich für den künstlerischen Erfolg war der damalige Chefdirigent Armin Jordan.
Um 1970 herum kam es zu einer grossen Flurbereinigung. Während auf Ende 1970 das Städtebundtheater aufgelöst wurde und praktisch alle Mitwirkenden ihre Stellen verloren, konnte die ein Jahr vorher, 1969, gegründete Orchestergesellschaft Biel (OGB) die Musikerinnen des Theaters auffangen und mit ihnen das nun voll professionelle Sinfonieorchester gründen, während die Amateure sich zum Bieler Kammerorchester zusammen fanden. Künstlerisch geformt wurde das Orchester fortan in erster Linie durch den Dirigenten und Komponisten Jost Meier.
Die OGB stand implizit unter dem inneren und äusseren Druck, sich trotz beschränkter Verhältnisse mit anderen und finanziell ungleich stärkeren schweizerischen Sinfonieorchestern messen zu müssen. Diesen Druck schüttelte es mit einer Rückbesinnung auf frühere Erfahrungen ab, indem es sich die Aufgabe eines Ausbildungsorchesters zu eigen machte. Die Sommerkonzerte wurden mithilfe junger Musikerinnen und Musiker weitergeführt, und mit der Zeit bildete sich ein Ausbildungsmodell unter dem Label ABC aus: Kurse und Konzerte nach bewährtem Muster im Juli stehen für A, ein vierwöchiges Orchesterpraktikum in der OGB im August für B, ein Saisonpraktikum in Konzert und Theater für C.
Damit hatte sich die OGB derart positioniert und gefestigt, dass der SMV es 1995 nicht mehr für gerechtfertigt hielt, das Orchester weiterhin zu unterstützen. Das hingegen stellte die Sommerkonzerte in Frage. Folgerichtig gründeten die oben genannten Institutionen nur zwei Jahre später, 1997, die Stiftung SON. Dass auch der SMV wieder mittrug, unterstreicht den wichtigen Aspekt der Ausbildung für junge Musikerinnen und Musiker. Und die aktive Präsenz des VESBO könnte eine Wegmarke zu einem gesamtschweizerischen Engagement von TOBS und SON in Ausbildungsfragen sein.
Notizen Edi Benz, Redaktion Marc van Wijnkoop Lüthi