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Die Aramäische Sprache
Die aramäische Sprache ist eine der ältesten Sprachen der Welt. Mit 3.000 Jahren ist Aramäisch somit nach Chinesisch und Griechisch die älteste noch gesprochene Sprache der Welt. Sie gehört zur nordwestsemitischen Sprachfamilie, die eng mit dem Hebräischen verwandt ist.
Die aramäische Sprache entwickelte sich im Lauf des 1. Jahrtausends v. Chr. mehr und mehr zu einer Weltsprache, die bis Ägypten, ja bis Pakistan gesprochen wurde. Im Altpersischen Reich war Aramäisch eine der offiziellen Staatssprachen. Es entwickelte sich später zur Lingua franca des Nahen Ostens und verdrängte die akkadische Sprache. Das Aramäische überlebte den Fall von Ninive (612 v. Chr.) und Babylon (539 v. Chr.) und blieb die Amtssprache der Perserdynastie der Achämeniden (559-330 v. Chr.) Frühe aramäische Inschriften wurden in einem grossen Gebiet gefunden, das sich von Ägypten bis China erstreckt. Die ältesten Texte stammen aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. Dieses Gebiet war immer ein Schmelztiegel der Völker. Griechen, Römer, Byzantiner, Perser, Araber, Türken – alle herrschten teils Jahrhunderte lang in dieser Gegend.
Die Aramäische Sprache war zurzeit Jesu die Handelssprache im gesamten Orient. Jesus und seine Jünger sprachen Aramäisch. Teil des Alten Testaments, insbesondere der Bücher Daniel und Esra, sowie ein grösser Teil der rabbinischen Literatur (z.B. Talmud) wurden in dieser Sprache geschrieben. Zu den aramäischen Dialekten gehören Altaramäisch, Reichsaramäisch, Westaramäisch (einschliesslich Palästinisch und Galiläisch) und Ostaramäisch (einschliesslich Syrisch). Im Syrischen oder Ostaramäischen entwickelte sich auch eine umfangreiche Literatur, besonders vom 3. bis 7. Jahrhundert. Weitere Zeugen dieser Sprache sind die Inschriften und Fragmente aus Papyrus und Pergament in den großen Museen und Bibliotheken der Welt.
Die Heutige Sprache „Turoyo“
Die syrisch-orthodoxen Aramäer, oder die West-Aramäer sprechen einen aramäischen Dialekt, genannt Turoyo. Turoyo wird nur gesprochen, nicht aber geschrieben. In der Liturgie wird das sog. Alt-Aramäische verwendet. Das «Kthobonoyo» d. h. «Buchsprache oder Hochsprache» wird in der Liturgie verwendet.
Heute überlebt das Aramäische in östlichen und westlichen Dialekten zumeist als Sprache von Christen, die als verstreute Gemeinden in Syrien, im Libanon, der Türkei, im Irak und Iran leben. Syrisch dagegen hat etwa eine Million Sprecher im Nahen Osten und in den USA.
Zu den aramäischen Dialekten gehören folgende Sprachfamilien:
1- Das Nabatäisch-Aramäische, die aramäische Schriftsprache eines arabischen Staates, der mit dem Zentrum in Petra wirtschaftlich für den Weg nach Arabien wichtig und vom 4. Jh. v. Chr. bis über die Zeit seiner Eroberung durch die Römer (106 n. Chr.) hinaus bedeutsam war.
2- Das Palmyrenisch-Aramäische, das ebenfalls in einer Karawanenstadt geschrieben, wohl auch gesprochen wurde, die Petra den Rang ablief.
3- Das Jüdisch-Palästinensische Aramäisch ist das Idiom, das das Hebräische als gesprochene Sprache verdrängt hat. Es war die Sprache Jesu «galiläisch-aramäisch»; in welcher die Heilige Schriften und das jerusalemischen Talmuds niedergeschrieben worden ist, und bis an dem heutigen Tage im Gottesdienst abgehalten wird.
4- Das Samaritanisch-Aramäische: Die Absonderung Samarias in religiöser und politischer Hinsicht erklärt die Entstehung eines solchen gesonderten Idioms.
5- Das Christlich-Palästinensische: ist die Sprache der Melkiten in Palästina; sie wurde außer in Nordpalästina auch in Teilen des Ostjordanlandes gebraucht.
6- Das Neuwest-Aramäische: In einigen Dörfern des Antilibanon, in Malula, Bacha und Dschubb Adin hat sich das Aramäische des westlichen Typus bis in die Gegenwart erhalten.
Das Aramäische wird im Anschluss an die griechische Benennung der Aramäer «syrisch» genannt. Das Syrische wird von den syrisch-orthodoxe Kirchenvätern und den Orientalisten die «Edessenische» oder «die Mesopotamische» Sprache genannt. Das Syrische im engeren Sinne, der Dialekt von Edessa, scheint den aramäischen Dialekten der Tigrisländer etwas näher gestanden zu haben als denen des mittleren Syriens und Palästinas. In Edessa wurde dieser Dialekt sicher schon lange vor Einführung des Christentums als Schriftsprache verwandt. Besondere Wichtigkeit erlangte er aber, seit die Bibel in ihr zuallererst verfasst war, und Edessa immer mehr die Hauptstadt der rein aramäischen Christenheit wurde. Mit dem Christentum drang die Sprache von Edessa auch ins persische Reich. Schon im 4. Jh. dient sie, die nunmehr die «syrische» schlechtweg, den christlichen Aramäern am Tigris als Schriftsprache.
Die Blütezeit des Syrischen reicht bis ins 7. Jh. Die Aramäer gehörten damals dem römischen, teils dem persischen Reiche an. Dazu kamen die kirchlichen Spaltungen, namentlich durch die unseligen Christologischen Auseinandersetzungen. Die persischen Aramäer entschieden sich meistens für die nestorianische, die römischen für die orthodoxe Lehre. Diese kirchliche Spaltung verhinderte die gleichmäßige Ausbildung der aramäischen Schriftsprache, die in zwei Dialekten, dem östlichen und westlichen, vorliegt. Die Eroberung der aramäischen Länder durch die Araber brachte der herrschenden Stellung des Syrischen ein jähes Ende. Zwar blieb es in Edessa noch einige Zeit lebendig, und in abgelegenen Gegenden erhielten sich aramäische Dialekte lange, teilweise sogar bis auf den heutigen Tag, aber das Syrische verlor rasch seine Stellung als Umgangssprache der Gebildeten in weiten Ländern.
Was heisst „Syrisch“
Der Begriff 'Syrisch', wie es im Namen der Kirche gebraucht wird, hat keinen direkten Bezug zur heutigen politischen Bezeichnung des arabischen Staates 'Syrien'.
Die Kirche stützt sich auf die kirchengelehrten Bar Salibi (+1171), Michael Rabo (+1199) und Bar Hebräus (+1286). Ihnen zufolge leitet sich der Name 'Syrer' von Syros, dem Sohn Agnurs und Nachfahren Japhets ab, der drei Söhne Syros, Kilikos und Phönikos hatte. Agnur durfte ca. im 3. Jahrtausends v.Chr. aus dem Osten ausgewandert und sich am Ufer des Mittelmeers im Taurus (syrisch Sur) niedergelassen haben. Nach ihm herrschten seine Söhne über das Land, welches nach ihnen genannt wurde - Syrien nach Syrus, Kilikien nach Kilikos und Phönikien nach Phönikos. Die obengenannten Theologen und Historiker stützen sich ihrerseits auf einen in der Historie des antiken Historikers Dikilios zitierten syrischen Beweis.
Auch die Griechen bezeichneten das von Syros beherrschte Gebiet 'Syria' und seine Bewohner, die mehrheitlich Aramäer waren, 'Syrer' Mit Alexander dem Großen (336-323 v.Chr.) fand diese Bezeichnung für die ethnischen Aramäer große Verbreitung. Der Begriff «Syrer» (Suryoye) hat sich aber erst mit der Christianisierung der aramäischen Gebiete endgültig durchgesetzt. Die zum Christentum bekehrten Aramäer wollten sich von den heidnisch gebliebenen Aramäern unterscheiden und so übernahmen sie die Bezeichnung «Syrer» (Suryoye). Damit wurde der Ausdruck «Aramäer» zum Synonym für «Heiden» und «Syrer» zum Synonym für «Christen ».