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Seit 100 Jahren verleiht die Marcel Benoist Stiftung den gleichnamigen Schweizer Wissenschaftspreis. Sie ehrt damit Forschende, die für die Exzellenz des Forschungsplatzes Schweiz stehen. Der Preis ist das Vermächtnis des französischen Rechtsanwalts Marcel Benoist, der einen Grossteil seines Vermögens der Schweizer Regierung vermachte mit dem Auftrag, jedes Jahr «die nützlichste wissenschaftliche Erfindung» auszuzeichnen.
Das Goldene Buch
Es war im Jahre 1864, als Marcel Benoist in einer wohlhabenden Pariser Familie das Licht der Welt erblickte. Über den – wie es im Beschrieb eines Freundes heisst – neugierigen und belesenen Benoist ist heute wenig bekannt. Er führte ein einzelgängerisches Leben, trat kaum öffentlich in Erscheinung und hinterliess weder ein Tagebuch noch andere Schriftstücke. Gewiss ist, dass er nach Abschluss seines rechtswissenschaftlichen Studiums knapp zehn Jahre als Anwalt an einem Zivilgericht im Grossraum Paris tätig war. Danach soll er verschiedene Reisen durch Europa unternommen und Kunstgegenstände gesammelt haben. 1911 begann Marcel Benoist, sein Vermögen, seine Bibliothek und seine Kunstwerke in die Schweiz zu überführen, ab 1914 lebte er hauptsächlich in Lausanne. Was ihn zu diesem Umzug bewogen hatte, ist nicht überliefert.
Vermächtnis an Schweizer Wissenschaftsgemeinschaft
Bekannt ist aber, dass Marcel Benoist ein grosser Humanist war, der zeitlebens das Anliegen verfolgte, das Leben der Menschen zu verbessern, und dafür sein gesamtes Vermögen einsetzte. Ausdruck davon ist die Ursache seines Todes im Jahr 1918: Benoist begab sich in die Armenviertel von Paris, um dort Almosen zu verteilen und damit das Leid zu lindern, das infolge einer Epidemie grassierte. Dabei infizierte er sich selber mit der Krankheit und starb im Alter von 54 Jahren.
Ein weiteres Zeugnis seiner Grosszügigkeit und seiner philanthropischen Ader ist der Schweizer Wissenschaftspreis Marcel Benoist. Vier Jahre vor seinem Tod verfasste der Rechtsanwalt sein Testament und vermachte der Regierung der Schweizerischen Eidgenossenschaft den grössten Teil seines Vermögens sowie seine Kunstsammlung und Bibliothek. Die Vermögenserträge sollten dazu dienen, jährlich einen Preis zu vergeben für «die nützlichste wissenschaftliche Erfindung, Entdeckung oder Studie», die «insbesondere für das menschliche Leben von Bedeutung» ist. Dieser Preis sei an einen Schweizer oder in der Schweiz ansässigen Gelehrten auszurichten.
Das oberste Organ der Marcel Benoist Stiftung ist der ehrenamtlich tätige Stiftungsrat. Präsidiert wird dieser vom Vorsteher oder der Vorsteherin des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung WBF, aktuell Bundesrat Guy Parmelin. Weiter gehören dem Stiftungsrat je eine Vertreterin oder ein Vertreter der beiden ETH und der zehn kantonalen Universitäten, eine Vertreterin oder ein Vertreter des Bundes sowie die französische Botschafterin oder der französische Botschafter in der Schweiz an. Die Führung des Stiftungssekretariats obliegt dem SBFI. Im Patronatskomitee engagieren sich Donatorinnen und Donatoren, die sich zur Stiftung und zum Schweizer Wissenschaftspreis Marcel Benoist bekennen.
Exzellent und relevant soll die Forschung sein
Zur Verleihung des Preises gründete die Schweizer Landesregierung 1920 die Marcel Benoist Stiftung für die Förderung der wissenschaftlichen Forschung. Sie vergibt den Schweizer Wissenschaftspreis Marcel Benoist seither jedes Jahr an international renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – von 1920 bis 2020 erhielten elf Benoist-Preisträger später auch den Nobelpreis.
Die von Benoist formulierten Leitideen sind auch 100 Jahre nach ihrer Niederschrift aktuell: Wissenschaftliche Exzellenz («die nützlichste wissenschaftliche Entdeckung») und gesellschaftliche Relevanz («insbesondere für das menschliche Leben von Bedeutung») zählen nach wie vor zu den wichtigsten Grundpfeilern für eine herausragende Forschung und sind die grundlegenden Kriterien für die Vergabe des Preises. Als Preisträgerin oder Preisträger wählbar sind Forschende, die in der Schweiz leben und zu mindestens 50% an einer Schweizer Forschungsinstitution arbeiten.
Gemeinsame Vergabe mit Latsis-Preis
Im aktuellen Jubiläumsjahr geht der Preis an Rudolf Aebersold von der ETH Zürich und Universität Zürich für seine Pionierarbeit in der Proteomik und der Systembiologie. Der Preis ist mit CHF 250'000 dotiert. 2020 wurde er erstmals gemeinsam mit dem Schweizer Wissenschaftspreis Latsis für Nachwuchsforschende bis 40 Jahre verliehen. Diese mit CHF 100'000 dotierte Auszeichnung erhält die Mathematikerin Maryna Viazovska (ETH Lausanne) für ihren Durchbruch bei der Lösung von Kugelpackungsproblemen. Die wissenschaftliche Selektion der Preisträger wurde vom Schweizerischen Nationalfonds zuhanden der beiden Stiftungen vorgenommen. Die Zusammenarbeit der Stiftungen stärkt den Wissenschaftsstandort Schweiz und verhilft den Preisen zu mehr Sichtbarkeit. Die Zeremonie der Preisübergabe musste aufgrund der Covid-19-Pandemie auf 2021 verschoben werden.
Weitere Informationen
Aurélia Robert-Tissot, SBFI
Wissenschaftliche Beraterin Ressort Hochschulpolitik