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Freizeitdrogenkonsum
Der Begriff «Freizeitdrogenkonsum» leitet sich vom englischen Begriff «recreational drug use» ab und bezeichnet jegliche Art des Konsums von legalen und illegalen psychoaktiven Substanzen, der gelegentlich oder regelmässig in der Freizeit stattfindet. Der Begriff wird somit in Abgrenzung zu abhängigem Konsum definiert. Er wird seit Mitte der 2000er Jahren vermehrt anstelle des Begriffs «Partydrogenkonsum» verwendet. Im Zuge der 2010er Jahre etablierten sich in verschiedenen Schweizer Städten ambulante Drug-Checking-Angebote nach dem Modell des Drogeninformationszentrums Zürich (DIZ). Die Zielgruppen sind hierbei breiter gefasst als bei den Drug-Checking-Angeboten im Nachtleben, weshalb der Begriff «Freizeitdrogenkonsum» passender erschien.
Die dem Freizeitdrogenkonsum zugrundeliegenden Motive und Konsumgewohnheiten variieren stark. Die primären Konsummotive sind Genuss, Entspannung, Aktivierung oder Bewusstseinserweiterung. Meist wird eine unmittelbare Wahrnehmungsveränderung bezweckt, um positive Emotionen zu verstärken oder negative Affekte zu verdrängen. Somit fallen das Glas Wein beim Essen, der Joint beim Chillen, die MDMA-Pille beim Feiern unter diesen Begriff. Der Erstkonsum erfolgt meist in einem öffentlich-sozialen Freizeitsetting aufgrund von Neugier oder dem Bedürfnis nach sozialer Enthemmung. Auch die Identifikation mit einer Peer-Gruppe, deren Lifestyle mit Substanzkonsum verbunden ist, kann Anlass zum Konsum bieten. Bei wiederholtem Konsum rücken bestimmte Funktionen des Konsums aufgrund der Substanzwirkung in den Fokus, beispielsweise Konsum, um sich zuhause zu entspannen, Stress abzubauen, um Probleme zu verarbeiten oder um das Sexualleben zu intensivieren. Der Substanzkonsum zur Leistungssteigerung im Setting Schule und Arbeitsplatz sowie der Konsum zur Selbstmedikation sind weitere Formen. Diese Beispiele zeigen die Unschärfe des Begriffs «Freizeitdrogenkonsum» auf und verdeutlichen, dass Freizeitdrogenkonsumierende keine einheitliche Gruppe darstellen.
Auch wenn sich der gelegentliche Konsum von legalen und illegalen psychoaktiven Substanzen meist nicht unmittelbar negativ auf das gesellschaftliche Leben der Konsumierenden auswirkt, kommt es in seltenen Fällen vor, dass Freizeitdrogenkonsumierende in einen abhängigen Konsum rutschen, die Kontrolle über ihren Konsum verlieren und der Substanzkonsum nicht mehr Mittel zum Zweck, sondern alleiniges Ziel wird. Sobald diese Konsummotive, die allesamt mit einer hedonistischen motivationalen Erwartungshaltung verbunden sind, wegfallen, alltägliche Aktivitäten keine Freude mehr bereiten und der Konsum lediglich der Verminderung von Craving und Entzugssymptomen dient, wird von einer Substanzabhängigkeit oder Sucht gesprochen.
[erstellt am 23.01.2022]
Quellen
Infodrog (Hrsg.) (2017): Freizeit. SuchtMagazin 43(1). Bern: Infodrog. https://www.e-periodica.ch/digbib/view?pid=sum-003%3A2017%3A43%3A%3A4, Zugriff 04.02.2022
Praxis Suchtmedizin, Freizeitdrogenkonsum. https://www.praxis-suchtmedizin.ch/praxis-suchtmedizin/index.php/de/designerdrogen/allgemeine-infos/freizeitdrogenkonsum, Zugriff 23.01.2022
Zitiervorschlag
Infodrog (JJJJ). Freizeitdrogenkonsum. Präventionslexikon: https://www.infodrog.ch/de/wissen/praeventionslexikon/freizeitdrogenkonsum.html, Zugriff 05.02.2023.