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Ein Satz, den mir mein alter Reitlehrer schon in meiner Kindheit beibrachte heißt: „Die Schultern des Reiters parallel zu den Schultern des Pferdes und die Hüften des Reiters parallel zu den Hüften des Pferdes.“
In den letzten Tagen habe ich mit einer guten Freundin Sitzübungen an der Longe gemacht. Der Grund: Sie hatte festgestellt, dass ihr Pferd an der langen Seite immer wieder nach innen in die Bahn drängt. Auch beim Durchreiten der Ecken machte sich das Pferd schief und versuchte in Aussenstellung nach Innen auszuweichen. Sie versuchte das Pferd wieder nach außen in Richtung Hufschlag zu reiten, aber es wollte nicht gelingen. Im Gegenteil, das Pferd drängte immer weiter in die Mitte der Bahn…..
Wie kann es passieren, dass das Pferd an der langen Seite nach Innen in die Bahn drängt, Ecken nicht mit korrekter Stellung und Biegung durchritten werden können und Zirkel und Volten alles andere als rund werden, egal wie sehr man sich bemüht?
Nicht selten liegt es am Verdrehen im Oberköper. Schaut man in die Richtlinien Reiten und Fahren hinein, wird da vom Einknicken in der Hüfte und von verdrehtem Oberkörper gesprochen. Allerdings werden die Auswirkungen nicht gross erklärt – vor allem nicht, wie man das Problem löst und wie es sich im Einzelnen darstellt. Welche Auswirkungen ein solcher Fehler auf den gesamten Sitz und die reiterliche Einwirkung hat, wird einem erst richtig bewusst, wenn es geradeaus nicht mehr geradeaus geht und Zirkel und Volten eher Eier als „Kreise“ sind, da das Pferd in alle Richtungen ausweicht oder schon lange vor Erreichen des Hufschlages in Richtung Bande drängt, sich dabei verwirft, sich heraushebt, zu tief kommt, gegen die Hand geht oder kaum mehr auf die Hilfen des Reiters reagiert.
Man muss es einfach einmal ausprobieren und wird überrascht sein, wie schnell das Pferd aus dem Gleichgewicht kommt, wenn der Reiter beim Reiten auf dem Zirkel oder auch auf der Geraden nur die innere Schulter nach vorne schiebt und oder sich beim nach Hinten drehen der Schulter mit dem ganzen Oberkörper zu weit nach Hinten verlagert. Oft fällt es einem selbst nicht auf. Vor allem dann nicht, wenn man dabei nach vorne schaut. Allein durch das Verdrehen des Oberköpers beispielsweise nach Innen-hinten verändert sich das Zügelmaß. Die innere Hand wirkt rückwärts, blockiert dadurch Hinterbein und Schulter. Meist kommt die Hände zu hoch. Halbe Paraden oder auch ein gefühlvolles Nachgeben mit der Bahn inneren Hand sind nicht mehr möglich. Schulterpartie, Ellbogen, Handgelenke und Becken sind verspannt. Auch die Lage der Schenkel verändert sich automatisch. Viele Reiter schieben dann unbewusst den Bahn-inneren Schenkel sehr weit vor.
Oft macht man in dieser Situation dann genau das falsche: Man verkürzt den äußeren Zügel noch weiter und verdreht sich noch mehr im Oberkörper, um das Pferd zum Hufschlag zurückzureiten. Ergebnis: Das Pferd schiebt noch weiter schief in die Bahn.
Wenn solche Sitzfehler einmal verinnerlicht sind, ist es gar nicht so einfach, sie abzustellen.
Das Problem ist nicht selten, dass einem selbst das Verdrehen überhaupt nicht bewusst ist und man sicher ist, man sitzt gerade im Schwerpunkt. Sich dann zu zwingen, die innere Schulter unabhängig von der innere Hand beispielsweise wieder nach hinten zu führen und die Hüfte vorbzuschieben, so dass auch in der Wendung beides bei Reiter und Pferd parallel ist, ist gar nicht so einfach, denn der verdrehte Sitz ist normal. Man hat anfangs sogar das Gefühl, dass diese Korrektur eher das Gegenteil bewirkt. Wenn man dann im Schwerpunkt und gerade sitzt, kommt es einem richtig „schief“ vor.
Das kann helfen!
Neben Sitzübungen an der Longe, mit denen sich sehr gut eigene Verspannungen und fehlerhafte Haltung korrigieren lassen, hilft auch eine konsequente Sitzkorrektur durch einen guten Ausbilder.
Wenn man seinen Sitz bei täglichen Reiten selbst immer wieder überprüfen möchte, kann man folgende Lektionen reiten:
Die kleine Acht im Schritt geritten ist dabei eine sehr gute Lektion. Wenn man sie im Mittelschritt mit Zügel aus der Hand kauen reitet, wird man bei korrektem Drehsitz – so nannte man das früher – zwei gleich große und gleich runde Bögen reiten können. Dabei sollte man unbedingt darauf achten, den inneren Bügel vermehrt auszutreten. Die Schultern sollten sich parallel zu den Schultern des Pferdes befinden, die Hüfte des Reiters parallel zur Hüfte des Pferdes, die Hände mit lockerem Handgelenk in der richtigen Position gehalten werden, der Oberarm gerade herunterhängen, so dass man dadurch Halbe Parade am äußeren Zügel alle zwei bis drei Schritte geben kann, die mit einem gefühlvollen Nachgeben der inneren Hand enden. Mit der Zeit wird das Pferd in der Rippenpartie geschmeidiger und wird sich in korrekter Stellung und Biegung auf den gebogenen Linien bewegen.
Wird die Acht auch nach regelmäßigem Übung nicht rund, weicht das Pferd immer wieder über Schulter nach außen oder auch mit der Hinterhand traversartig nach Innen aus oder wendet einfach überhaupt nicht ab, weiß man: die reiterlichen Hilfen wirken nicht richtig zusammen.
Eine weitere sehr gut geeignete Lektion ist es, mehrere Volten hintereinander an der gleichen Stelle anzusetzen und Volten in den Ecken zu reiten. Zu Beginn sollte man die Volten mit einer Größe von 10 Metern reiten. Erst im Schritt und wenn diese gleichmäßig rund sind auch im Trab. Bei verbesserter Rippengeschmeidigkeit kann man sie mit der Zeit auf acht Meter verkleinern. Wichtig ist darauf zu achten, dass das Pferd weder über die Schulter auszuweichen versucht noch den Zirkel mit der Hinterhand traversartig durchschreitet, sich nach Aussen stellt und oder/gegen die innere Schulter drückt. Das kann neben Sitz- und Einwirkungsfehlern auch an der einer (noch) vorhandenen Steifigkeit des Pferdes liegen.
Die Volte in der Ecke hat dabei noch eine Besonderheit: Pferde, die noch nicht gerade gerichtet sind oder auch wenn der Reiter sich im Oberkörper verdreht, drängen – vor allem wenn die Hilfen nicht korrekt zusammenwirken – gerade dabei gerne in Richtung Bande. Stellt sich dieser Fehler ein, hat man da auch einen Hinweis, den Sitz nochmals zu überprüfen.
Hat man einen Helfer zur Verfügung kann man solche Momente auf Video aufnehmen, um anschließend zu überprüfen, woran es hängt. Das schult das eigene Auge und man bekommt ein Gefühl dafür, wann sich der Fehler eingestellt hat.
Beim Reiten und Ausbilden eines Pferdes kommen fast immer mehrere Faktoren zusammen, wenn es irgendwo hängt. Also ist es sinnvoll, für sich alleine oder einem guten Ausbilder nach den Ursachen zu suchen – auch wenn heute eher durch tricksen und Zügel hin- und herziehen eher an den Symptomen gearbeitet wird….