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Die neuere Literatur interpretiert den Völkerbund und die Internationale Arbeitsorganisation (IAO) zunehmend als Pioniere der global governance, die durch vielfältige Informationstätigkeiten sowie auch durch institutionelle Ressourcen zum sozialen Frieden beitrugen. Dieser Beitrag untersucht den Umgang mit dem Thema Alkoholismus in Völkerbund und IAO in der Zwischenkriegszeit. Trotz der Relevanz, die das Thema Alkoholismus für Fragen der Arbeitssicherheit und der öffentlichen Gesundheit hatte, und trotz mehreren Vorstössen von NGOs waren die zwei Organisationen nicht bereit, die Alkoholfrage anzugehen, Informationen darüber zu sammeln oder zu versuchen, die Schwellen zum Suchtverhalten zu definieren. Die Gründe für diese Untätigkeit sind darin zu sehen, dass die Alkoholfrage soziale und wirtschaftliche Konflikte an die Oberfläche brachte und zudem potenziell ein identitätsstiftendes Element der europäischen Alltagskultur in Frage stellte. Erst mit der Medikalisierung der Alkoholfrage in der Nachkriegszeit konnte Alkoholismus Gegenstand von global governance werden.
Erschienen in: traverse 2013/2, S. 7