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Kriegsdrama. USA 2006
Alternative Titel -
Regie Clint Eastwood
Drehbuch Iris Yamashita nach einer Story von Iris Yamashita und Paul Haggis
Produktion Clint Eastwood, Steven Spielberg, Robert Lorenz
Ausführender Produzent Paul Haggis
Musik Kyle Eastwood, Michael Stevens
Kamera Tom Stern
Darsteller Ken Watanabe, Kazunari Ninomiya, Tsuyoshi Ihara, Ryo Kase,
Shido Nakamura, Hiroshi Watanabe, Takumi Bando, Yuki Matsuzaki, Nae Yuuki
Länge 140 Min.
US-Kinostart
20.12.2006
CH-Kinostart 22.02.2007
|Humor||Spannung||Action||Gefühl||Anspruch||Erotik|
© Text Marco,
molodezhnaja 17.2.07
© Bilder DreamWorks/Warner Bros., Screenshots molodezhnaja
STORY
Gegen Ende 1944 kommt der japanische General Tadamichi Kuribayashi (Ken Watanabe) auf der Insel Iwo Jima an. Die Japaner befürchten, dass die Amerikaner mit ihrer Pazifikflotte das Eiland einnehmen wollen, um es als Basis für ihre Angriffe auf die Hauptinsel zu nutzen. Kuribayashi ist auch bewusst, dass er zu wenige Männer hat. Er lässt darum Höhlen graben und verzichtet auf eine Befestigung des Strands, damit er genügend Soldaten in den Höhlen stationieren kann. Unter ihnen der junge Bäcker Saigo (Kazunari Ninomiya), sein Kumpel Nozaki (Yuki Matsuzaki) und der Neuankömmling Shimizu (Ryo Kase). Sie vertrauen auf Kuribayashis taktisches Geschick. Doch die anderen Generäle glauben, er sei schwach, zumal er in Amerika gelebt hat. Einzig Baron Nishi (Tsuyoshi Ihara), ein Reiter bei Olympischen Spielen, hält vorbehaltlos zu seinem Anführer. Dann ist es so weit: Hunderte von amerikanischen Kriegsschiffen stehen vor Iwo Jima.
REVIEW
"Letters from Iwo Jima" ist das geradlinigere und zweifellos bessere Werk als Flags of Our Fathers - doch erst zusammen sind die beiden nacheinander gedrehten Kriegsdramen das wohl definitive Stück Film zu jener verlustreichen Schlacht um Iwo Jima im Februar 1945. Clint Eastwood verdient vorbehaltloses Lob dafür, in seinem Alter solch ein grosses und ambitioniertes Projekt gemeistert zu haben, das die Schlacht aus der Perspektive der jeweiligen Gegner zeigt. Beide Filme mögen ihre Schwächen haben, doch vor so einer Leistung kann man sich nur ehrfürchtig verbeugen.
"Flags" litt stark unter seiner Dramaturgie, die gegen Ende immer mehr ausfranste. Ein wenig zu viel Pathos störte ebenso, doch der Film bot einen knallharten und technisch souveränen Abriss der Invasion aus US-Sicht. "Letters" holt die japanische Position nach und tut dies stringenter. Es gibt zwar auch Rückblenden, die trotz ihrer charakterbildenden Funktion nicht wirklich nötig sind, ebenso wie eine gänzlich unnütze Rahmenhandlung - doch weg ist das ständige Hin- und Hergeschneide zwischen Schlacht und didaktischer Kriegsbewältigung an der Heimatfront. "Letters" spielt denn auch fast komplett auf Iwo Jima, was ihm zusätzlichen Fokus verleiht.
Die Invasion selbst sehen wir diesmal eher aus der Distanz, doch blutige Szenen gibt es allemal. Eastwood und Kameramann Tom Stern inszenieren das Geschehen abermals in ausgebleichten Farben, in denen bei Kriegsszenen immer wieder blutige Verstümmelungen in fast nüchterner Direktheit beobachtet werden. Eine Szene in den Höhlen ist besonders krass, sie findet ihr Echo in "Flags" an der Stelle, als die Amerikaner schockiert die Höhlen betreten und etwas Furchtbares vorfinden. Dort wird dem Zuschauer der Anblick erspart, diesmal ist er drin. Es gibt ein paar solcher "dualer Momente", so etwa der Blick am MG vorbei am Strand - doch Eastwood verzichtet auf eine gänzliche Parallelschaltung. So spielen zum Beispiel die Akteure des einen Filmes ausnahmslos nicht im anderen mit. Es sind trotz allem zwei verschiedene Werke.
Daher auch eine komplett neue Schauspielcrew - und was für eine. Angeführt wird sie von Ken Watanabe (Batman Begins, The Last Samurai), einem Veteranen des japanischen Kinos, der als General Kraft und Würde vereint. Eine ungeheure Präsenz. Der Popstar Kazunari Ninomiya von der Band "Arashi" hält mit: Er ist die Identifikationsfigur für die Zuschauer, seine Emotionen, seine Ängste sind glaubhaft. Tsuyoshi Ihara ("Retribution") glänzt als edelmütiger Reiter, Ryo Kase (Honey & Clover) als geheimnisvoller Aussenseiter und Fearless-Gegner Shido Nakamura als kämpferischer Offizier Ito. Es lässt sich kein schlechter Mann in der Truppe ausmachen - und das Gute: Wenn der Film in Japan entstanden wäre, hätte man die US-Akteure aus Kneipen rekrutiert und sie würden nichts taugen. Da Eastwood aber natürlich auf makellose US-Schauspieler zurückgreifen kann, sind auch die wenigen Szenen mit Amerikanern geglückt.
Am technischen Aspekt des Films lässt sich neben den unnötigen Gegenwarts- und Rückblenden-Momenten nur wenig aussetzen, bestenfalls eine leichte Überlänge und zum Schluss eine zu ausplätschernde Montage. Doch Musik, Schnitt, Kamera und Schauspiel erzeugen eine hypnotische Wirkung, eine dramatische und eindringliche Untergangsstimmung, die durchs Band packt. Selbst dann, wenn es inhaltlich nicht so viel Neues zu entdecken gibt. Von der Story her liefern Eastwood und die Autorin Iris Yamashita denn auch nichts Weltbewegendes: Die Figuren sind fast schon Archetypen des Genres, ob sie nun aus Japan stammen oder sonst wo her, und die Schicksale sind Teil jedes Kriegsfilm-Repertoires.
Was jedoch zählt sind hier die einzelnen Momente. Etwa, wenn Ihara einen Brief einer US-Mutter vorliest und die jungen japanischen Soldaten gerührt zuhören. Oder wenn Soldaten Selbstmord begehen und die Angst in den Augen derer, die nicht freiwillig aus dem Leben scheiden wollen, immer grösser wird. Das ist das Souveräne an "Letters": Er deckt das ganze Spektrum an Reaktionen auf den Krieg ab. Er zeigt Helden und Feiglinge, Ehre und Schande, Angst und Mut. Krieg macht aus manchen Männern wirklich Helden - doch wozu, denn bald darauf sind sie tot. Oder vergessen. "Letters" ist dementsprechend ebenso ein Antikriegsfilm wie der Vorgänger und ehrt im gleichen Atemzug die Männer, die in der Schusslinie standen, egal wie sie reagieren. Nur in einer Sequenz, in denen US-Soldaten einen kaltblütigen Mord begehen, ist von Ehre nichts zu sehen. Eastwoods Message dabei scheint zu sein: Auf beiden Seiten gibt es Kriegsverbrecher, denn Krieg bringt auch die schlechteste Seite im Menschen hervor.
Gesehen haben sollte man als Filmfan sowohl "Flags of Our Fathers" als auch "Letters from Iwo Jima". Doch der bessere ist der zweite mit seinem authentischen Japan-Gefühl (O-Ton mit Untertiteln), seinem Top-Ensemble, der technischen Raffinesse und der Story, die von Anfang an direkt auf Untergang deutet. Ein reifer Film. Einer mit kleinen Schwächen und Längen, doch lohnend auf jeden Fall.
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