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Im Leben mancher berühmter Männer, deren Erbe aktuell gehalten wird, gab es lange Schatten. In den letzten Jahren stand insbesondere Karl Barth im Schaufenster. Die Biografin Christiane Tietz beleuchtete seine jahrzehntelange Dreiecksbeziehung. Sogar rein Roman “Zu dritt” (Rezi “Stoff für Zoff”) ist auf dem Markt erschienen.
Bei C. S. Lewis sah die Ausgangslage etwa anders aus. Er lebte ebenfalls über Jahrzehnte mit einer älteren Frau unter demselben Dach. Was ursprünglich als Versprechen nach dem Tod seines Freundes Paddy in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs eingelöst worden war, entwickelte sich zu einer Liebesbeziehung. Wer Lewis’ Biografie kennt, weiss um den frühen Tod seiner Mutter und das Loch, das deren Tod in seinem Leben hinterlassen hatte (Überrascht von Freude).
Trevin Wax hat sich in einem Artikel der Thematik vorbildlich angenommen. Die frühen Biographen (Carpenter, Sayer, Green/Hooper) beschreiben diese als rein platonisch. Spätere Autoren (Wilson, Jacobs, MacGrath, Zaleski) räumen eine sexuelle Beziehung in den 1920ern ein. Sayer und Hooper korrigierten ihre Position später.
In den späteren Jahren war die Mitbewohnerin mit ihrer Launenhaftigkeit eine schwere Belastung für Lewis. Wir lesen darüber indirekt in seiner “Dienstanweisung an einen Unterteufel”, aber auch in seinen Briefen (Bd. 2; Bd. 3; deutsche Auswahl).
Trevin Wax widmet sich in einem ausgewogenen Artikel dieser Angelegenheit. Er stellt am Schluss diese bedenkenswerten Fragen:
Hätten wir das gleiche Maß an geistlicher Einsicht und Leidenschaft von C. S. Lewis in seinen späteren, geheiligten Jahren erhalten, wenn er nicht die läuternden Feuer der Prüfung durch Mrs. Moore erlebt hätte?
Würden die Wärme und Menschlichkeit, die für Lewis so charakteristisch sind, in seinen Werken durchscheinen, wenn er nur ein einfaches Leben als Junggeselle gekannt hätte?
Wäre Lewis, wenn er das Leben mit einer Frau, deren Anwesenheit mehr eine Last als ein Segen war, nie ertragen hätte, so scharfsinnig und einfühlsam in Bezug auf die menschliche Natur, die verschiedenen Arten der Versuchung und den Sieg der Heiligung über innewohnende Sünde und Selbstsucht gewesen?
Wäre Lewis der Mann geworden, dessen Werk auch heute noch vor Güte und Wahrheit strotzt, wenn er ein Leben in The Kilns genossen hätte, umgeben von den Menschen, deren Gesellschaft er bevorzugte, ohne jegliche Spannungen oder Disharmonien?