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Europäische Pilotenverbände warnen vor Sicherheitsrisiken durch übermüdete Flugkapitäne und Co-Piloten. Sie stützten sich bei ihrer Kritik auf eine Umfrage mit fast 7000 Teilnehmenden aus über 30 Ländern, die vom europäischen Piloten-Dachverband ECA in Auftrag gegeben wurde.
Demnach haben drei von vier befragten Pilotinnen und Piloten in einem Zeitraum von vier Wochen mindestens einen Sekundenschlaf im Cockpit erlebt. Darüber hinaus berichteten 73 Prozent der Teilnehmenden, dass sie sich zwischen ihren Flugdiensten nicht ausreichend von der Müdigkeit erholen konnten.
Fast jeder fünfte Pilot verlängert die Dienstzeit
In Ausnahmesituationen kann der Kapitän per Kommandantenentscheid die maximal zulässige Dienstzeit der Crew an Bord verlängern, um beispielsweise zeitraubenden Umwegen wegen schlechten Wetters Rechnung zu tragen. Fast jeder fünfte Pilot hat diesen Entscheid in den vier Wochen vor der Umfrage zweimal oder öfter genutzt.
Sechs von zehn Pilotinnen und Piloten äusserten Bedenken, eine Verlängerung der Dienstzeit für ihre Crew zu verweigern, was auf Druck durch den Arbeitgeber hinweist. Nur elf Prozent gaben an, dass ihre Fluggesellschaft aufgrund von Müdigkeitsberichten betriebliche Änderungen zur Verbesserung der Sicherheit vorgenommen habe.
Fluggesellschaften, die unter der Sicherheitsaufsicht mehrerer Länder stehen – insbesondere Irland, Malta, Spanien und das Vereinigte Königreich – schneiden bei vielen der im Bericht behandelten Aspekte am schlechtesten ab. Das Vereinigte Königreich befindet sich auf dem letzten Platz. 45 Prozent der dortigen Pilotinnen und Piloten gaben an, immer oder regelmässig nicht genügend erholt ein Flugzeug fliegen zu müssen.
In der Schweiz, Deutschland und Österreich liegt diese Zahl zwischen 25 und 30 Prozent. Laut dem Aviatik-Portal «Aerotelegraph» ist aber auch das immer noch viel. Einen kleinen Lichtblick für die Schweiz gibt es dennoch: Hierzulande gaben knapp 33 Prozent der Befragten an, dass das Müdigkeitsrisiko bei ihrer Fluggesellschaft meistens nicht oder nicht gut gehandhabt wird. Das klingt zwar nach viel, ist aber der beste Wert unter allen europäischen Ländern.