Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03607.jsonl.gz/442

In den 1940er-Jahren wurden praktische Haushaltstipps in der Illustrierten «Lectures du Foyer» veröffentlicht. Beispielsweise, wie man einen Spiegel mit Seife putzt.
Schweizerisches Nationalmuseum / ASL
Mit Text und Bild, wird's im Bad nie wild!
Text oder Bild? Was ist wichtiger? Darüber wird bis heute häufig diskutiert. Dass sich die beiden Formen der Kommunikation nahezu perfekt ergänzen, zeigt ein Blick in die Vergangenheit.
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Als der amerikanische Werber Fred Barnard diesen Satz Anfang des 20. Jahrhundert zu Papier brachte, ahnte er sicher nicht, was er damit anrichten würde. Bis heute wird diese «Weisheit» von der Gesellschaft verwendet. Dabei wollte Barnard damit nur die Werbung mit Bildern in Strassenbahnen ankurbeln. Dass er dabei tief in die Trickkiste griff, verriet der Amerikaner später, als er zugab, den Slogan als chinesisches Sprichwort verkauft zu haben.
Seit Jahrzehnten wird im Marketing und vor allem im Journalismus darüber gestritten, was wichtiger ist: Bild oder Text. Man könnte Tage lang über diese Frage philosophieren, grundsätzlich lässt sich jedoch sagen, dass es beides braucht, um eine vollständige Information zu transportieren. Ein Bild ohne Legende ist schwierig zu verstehen und ein Text ohne Bild ist bloss eine «Bleiwüste». Das Zusammenspiel von Bild und Wort ist jedoch nicht nur bei brisanten politischen Reportagen oder dem Interview mit einem Star wichtig. Auch bei ganz alltäglichen Themen sollten sich Fotografien und Texte ergänzen.
Saviez-vous? Elfenbeinketten sollte man mit Pinsel und Milch reinigen. Praktischer Haushaltstipp aus der Zeitschrift «Lectures du Foyer», 1940er-Jahre.
Schweizerisches Nationalmuseum / ASL
Ein gutes Beispiel dafür ist eine in den 1940er-Jahren veröffentlichte Serie in der Illustrierten «Lectures de Foyer». Unter der Rubrik «Saviez-vous?» wurden mittels Bild und Text regelmässig praktische Haushaltstipps veröffentlicht. Die Ratschläge und Anweisungen waren beliebt und auch in anderen Zeitschriften ein fester Bestandteil des Inhalts. Das «Lectures du Foyer» wurde vom Zürcher Verlag Conzett & Huber herausgegeben. Wer die Zeitschrift abonnierte, erhielt nicht nur regelmässig Lesestoff, sondern war auch gegen Unfall versichert. Dieses Geschäftsmodell stammte ursprünglich aus Grossbritannien und kam über Deutschland auch in die Schweiz.
Hinter dem Unternehmen, das später auch die renommierte Kulturzeitschrift «DU» herausgab, stand die Zürcher Frauenrechtlerin Verena Conzett-Knecht. Die Verknüpfung von Versicherung und Zeitschrift hatte bei ihr eine hohe Priorität, denn Anfang des 20. Jahrhunderts existierte noch keine obligatorische Kranken- und Unfallversicherung in der Schweiz. Sie wurde erst 1912 von der Stimmbevölkerung angenommen. Die Vereinigung von Unterhaltung und Absicherung durch ein Produkt hatte jedoch auch wirtschaftliche Gründe. Diese Kombination war eine Massnahme zur Kundengewinnung und -bindung.
Waren die praktischen Haushaltstipps vielleicht eine «getarnte» Präventionskampagnen, um Unfälle bei der Hausarbeit zu verhindern und so die Kosten für Versicherungsleistungen zu senken? Man weiss es nicht. Sicher ist aber, dass Verena Conzett-Knecht und andere Verlegerinnen und Verleger schnell erkannt haben, dass die Informationen dann am besten aufgenommen werden, wenn sie durch mehrere sich gegenseitig ergänzende Formen der Kommunikation vermittelt werden.
Ihr Kommentar