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Hauptstadt: Gitega
Einwohnerzahl: 12,5 Millionen
72 % der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze
Lebenserwartung: 62 Jahre
Interventionsbereich: Ernährungssouveränität, Gleichstellung der Geschlechter und Gleichberechtigung, Konfliktprävention, Umwelt
HDI: Rang 187 von 191 Ländern
Alphabetisierungsrate: 85 %
Burundi, ein Binnenstaat mit rund 12,5 Millionen Einwohnern, liegt in Ostafrika in der Region der Grossen Seen und grenzt an Ruanda, die Demokratische Republik Kongo und Tansania. Das Land liegt am Tanganjikasee und hat aufgrund seiner Höhenlage (1700 m) ein gemässigtes Klima. Burundi ist eines der ärmsten Länder des afrikanischen Kontinents. Etwa 90 % der burundischen Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft, die der wichtigste Wirtschaftszweig des Landes ist. Die wichtigsten Anbauprodukte sind für den Export bestimmt, wie z. B. Tee, Kaffee oder Baumwolle, während andere Nahrungsmittel auch für die Versorgung der eigenen Bevölkerung angebaut werden. Das Bruttoinlandsprodukt des Landes hängt zu 50 % von der Landwirtschaft ab. Die wirtschaftliche Lage des Landes ist schlecht. Burundi erlebte in den Jahren 2015 und 2016 eine dramatische Rezession. Im Zuge der wirtschaftlichen Erholung zwischen 2017 und 2018 blieb die Wachstumrate bei nur 1 %, sodass das Land hinter der Entwicklung in den Nachbarländern zurückblieb.
Für die Bevölkerung hat die Subsistenzlandwirtschaft vorrangige Bedeutung vor allen Bemühungen um eine Entwicklung im grösseren Massstab, oft aus Gründen der geringen Produktivität und der fehlenden Infrastruktur, welche die Haushalte daran hindert, Ernährungssouveränität zu erlangen und sie in Armut hält. Es sei daran erinnert, dass Burundi auf dem Welthunger-Index 2013 mit einem Wert von 38,8 den ersten Platz belegte.
Die Bevölkerung besteht hauptsächlich aus zwei ethnischen Gruppen, den Tutsis und den Hutus. Wie die Nachbarländer war auch Burundi eine Kolonie. Die Anwesenheit der Kolonialherren schürte latente Konflikte zwischen den Bevölkerungsgruppen. Nach der Errichtung einer konstitutionellen Monarchie im Jahr 1962 im Zuge der Unabhängigkeit und deren Ablösung durch ein diktatorisches Regime unter Präsident Micombero (Tutsi) ab 1966 brach, ausgelöst durch die Hutu-Mehrheit, die sich gegen die Vorherrschaft der Tutsi erhob, ein Bürgerkrieg aus. Der im Land herrschende Bürgerkrieg von 1993, hat auch die Wirtschaft des Landes schwer geschädigt. Seitdem ist das Land chronisch instabil, und es besteht eine latente Gefahr weiterer ethnischer Konflikte. Im Jahr 2015 kam es erneut zu schweren politischen Unruhen im Land. Nach der dritten Amtszeit von Pierre Nkurunziza führten die auf seine Wahl folgenden Gewalttätigkeiten dazu, dass mehrere hunderttausend Burunder in die Nachbarländer flohen.
Die Armut betrifft vor allem die Landbevölkerung: Fast 1,7 Millionen Menschen leiden unter Ernährungsunsicherheit. Wegen der fehlenden Infrastruktur hat die burundische Regierung Mühe, die Landwirtschaft zu modernisieren und Kleinbauern zu unterstützen. Dennoch könnte sich das Land dank seiner land- und weidewirtschaftlichen Produktion selbst mit Nahrungsmitteln versorgen, da es über fruchtbares Land und einen guten Zugang zu Wasser (zahlreiche Seen und Flüsse) verfügt.
Aufgrund des starken Bevölkerungswachstums und der extrem jungen Bevölkerung − mehr als 50 % der Bevölkerung sind unter 15 Jahre alt − auf einer begrenzten Siedlungsfläche (Burundi ist das am zweitdichtesten besiedelte Land Afrikas), erlebt Burundi eine dramatische Verschlechterung des Zustands seiner Umwelt. Ebenso wie in der Demokratischen Republik Kongo nutzt auch die Bevölkerung in Burundi in grossem Umfang Brennholz für den häuslichen Bedarf wie Kochen und Heizen. Dies führt zu einer raschen Abholzung der Wälder. Auch die Bodenerosion ist aufgrund des Raubbaus erheblich. Dies verursacht irreparable Umweltschäden und hat erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität der Bevölkerung.
Nach mehreren Phasen der Rezession und einer dramatischen wirtschaftlichen Situation, die vor allem durch die politische Instabilität verursacht wurde, zogen sich viele Investoren aus dem Land zurück, und mehrere westliche Länder setzten die internationale Hilfe aus, was jede Entwicklungsperspektive noch schwieriger machte. Obwohl die Regierung fast 50 % ihrer finanziellen Ressourcen verlor, weil diese von aussen kamen, wollte sie dennoch die wirtschaftliche Entwicklung des Landes stärken und seine Abhängigkeit vom Ausland beenden.
Da die burundische Bevölkerung extrem jung ist und die Mehrheit der Erwerbsbevölkerung zwischen 10 und 14 Jahren alt ist, führt das Problem der Jugendarbeitslosigkeit (65 % im Jahr 2017) zu ernsthaften Spannungen und einem Anstieg der Gewalt. Die Armutsquote in ländlichen Gebieten ist nach wie vor hoch (72,9 % im Jahr 2018), was auf das sehr niedrige Einkommensniveau der Bevölkerung, insbesondere von Frauen und jungen Menschen, zurückzuführen ist. SeCoDév hat beschlossen, sich in den Bereichen Ernährungssouveränität sowie Erziehung und berufliche Bildung zu engagieren.