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Besondere Blutgefäße und Atmungswerkzeuge kommen nur den Nemertinen zu. Eine vom Darm
[* 6] getrennte Leibeshöhle,
wie sie für alle höhern Tiere charakteristisch ist und sich schon bei den höhern Würmern findet, zeigt sich zweifellos
ebenfalls nur bei den Nemertinen, ist in Gestalt von größern oder kleinern Lücken vielleicht bei den Turbellarien vorhanden
und fehlt wiederum den parasitischen Gruppen. Das Nervensystem ist stets sehr einfach und besteht meist
nur aus zwei miteinander verbundenen Ganglienknoten am Vorderende des Körpers und zwei oder vier davon ausgehenden Längsstämmen;
bei einigen Trematoden kommen dazu, in den Lauf der letztern eingeschaltet, noch ein oder mehrere Ganglien, während bei den
Nemertinen die vordern Ganglien auch durch eine Kommissur um den Rüssel herum verbunden sind.
Bei einzelnen Formen ist jedoch kein mit besondern Wandungen versehener Darm, sondern an seiner Statt eine
Hohle von wechselnder Begrenzung vorhanden, in welcher sich die Speisen aufhalten, um von den Zellen des Leibesinnern direkt
aufgenommen und verdaut zu werden. Hermaphroditi sind alle Turbellarien mit Ausnahme der Mikrostomeen; beiderlei Geschlechtsorgane
haben meist eine gemeinschaftliche Öffnung. In manchen Fällen werden sowohl Eier
[* 7] mit dicker Schale (sogen.
Wintereier) als auch solche mit dünner Haut (Sommereier) gebildet; letztere entwickeln sich im mütterlichen Körper, erstere
außerhalb desselben. Die Süßwasserformen und viele im Meer lebende Arten haben direkte
Entwickelung; ihre Jungen sind infusorienähnlich.
Andere hingegen besitzen sonderbar gestaltete Larven mit Wimperlappen. In einzelnen Fällen ist auch ungeschlechtliche Vermehrung
durch Teilung nachgewiesen. Die Größe der Turbellarien schwankt zwischen 2 mm und 5 cm.
2) Die Nemertinen (Schnurwürmer) besitzen eine wesentlich höhere Organisation als die Turbellarien und werden darum auch von
manchen Forschern als eine besondere, den Platoden gleichwertige Gruppe hingestellt. Sie erreichen eine Länge von 5 m und mehr,
besitzen ein verhältnismäßig wohl entwickeltes Nerven- und Gefäßsystem, einen oberhalb des Darms gelegenen Rüssel, welcher
durch eine eigne Öffnung aus dem Körper ausgestülpt werden kann, und sind mit ganz wenigen Ausnahmen geschlechtlich getrennt.
Ihr Körper zeigt eine eigentümliche Gliederung; der Darm besitzt nämlich eine große Anzahl hintereinander gelegener Ausbuchtungen,
welche durch Bindegewebszüge voneinander geschieden werden; diese Art von Kammerung setzt sich aber
nicht auf die äußere Haut fort, vielmehr erscheint diese durchaus einheitlich, ungegliedert. Einige Nemertinen gebären lebendige
Junge, meist jedoch entwickeln sich die in einer Gallerte abgelegten Eier außerhalb des Muttertiers.
3) Als durch Parasitismus zurückgekommene Turbellarien müssen die Trematoden (Saugwürmer) aufgefaßt werden. Sie sind charakterisiert
durch einen, zwei oder mehrere Saugnäpfe, welche zur Anheftung an die Wirtstiere dienen und besonders
bei den Ektoparasiten (d. h. den auf der Außenfläche anderer Tiere lebenden) stark entwickelt sind. Im Grunde des vordern
Saugnapfes liegt der Mund, der mittels einer Speiseröhre in den stets gabelig geteilten und afterlosen Darm führt.
Fast alle Trematoden sind Zwitter und besitzen einen äußerst komplizierten Geschlechtsapparat. Die Eier entwickeln
sich gewöhnlich außerhalb des Muttertiers und liefern Embryonen, welche noch eine oft ungemein verwickelte Metamorphose
(s. Leberegel) durchmachen müssen, ehe sie zu geschlechtsreifen Individuen werden. Die Größe der letztern beträgt höchstens 8 cm.
Man unterscheidet: Distomeen mit höchstens zwei und Polystomeen mit vielen Saugnäpfen.