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Schwellensituationen im Silbersarkophag des Heiligen Franz Xavier in Goa
Der Themenkomplex "Schwelle" lässt sich auf vielschichtige Weise am Grabmal des Heiligen Franz Xavier in Goa/Indien erörtern. Der Körper des 1552 gestorbenen jesuitischen "Asien-Apostels" selbst ist seit 1614 in der Lage, die große "Schwelle" des Ozeans zu überwinden, denn seitdem liegt sein rechter Oberarm in der römischen Mutterkirche des Ordens, Il Gesù, während der größte Teil seines Leichnams noch immer in Bom Jesús in Goa weilt. Der jesuitische Redner und Gelehrte António Vieira (1608-97) beschreibt diese Polilokalisierung des Heiligenleichnams als etwas sehr Positives, denn so könne Franz Xavier – mit dem einen Arm im Abendland und dem restlichen Körper im Orient – den ganzen Globus in einer großen Umarmung umfassen.
Konzentrieren möchte ich mich in meinem Beitrag zum Panel "Plus Ultra" auf den Silbersarkophag des Heiligen, der von in Goa ansässigen indischen christlichen Goldschmieden zwischen 1635 und 1642 hergestellt wurde. Nicht nur wird der im Sarkophag ruhende Heilige auf den 32 umlaufenden silbernen Reliefplatten nahezu ausschließlich in "Schwellensituationen" gezeigt: Die frommen Betrachter konnten die atemlos voranschreitende Bilderzählung stoppen, indem sie einzelne Silberplatten herauszogen, wodurch ihnen der Blick durch die Öffnung auf den zunächst noch unverwesten Leichnam gestattet wurde. Da man sich die incorruptabilitas als Folge des Überfließens der visio beatifica, der ewigen Gottesschau des Heiligen, vorstellte, bedeutete dieser Blick zugleich ein visuelles Überschreiten der Schwelle in das Himmlische Jerusalem.