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ratgeber Erziehung
Birgit Ruhe-Kollmeyer
Wenn das Kind die Schule schwänzt
Der Klassenlehrer unseres Sohnes (15 J.) hat uns vor ein paar Tagen darüber informiert, dass unser Sohn seit 6 Wochen öfter Schulstunden schwänzt. Erst waren es nur die Mathestunden, dann aber auch andere Fächer. Die Schule hat bisher nichts unternommen und überlässt es zunächst uns, das zu regeln.
Dazu ist noch zu sagen, dass unser Sohn seit diesem Schuljahr nicht gut mit seinem Mathelehrer auskommt. Was sagen Sie dazu? N.Z.
Es kann sehr gut sein, dass die Schwierigkeiten mit dem Mathelehrer in Zusammenhang mit dem Schuleschwänzen stehen. Vielleicht hat Ihr Sohn versucht, den Problemen aus dem Weg zu gehen. Da das Ausfallenlassen der Mathestunden anscheinend keine Konsequenzen hatte und vermutlich angenehm war, hat er eventuell dadurch auch andere Fächer geschwänzt.
Sie sollten mit Ihrem Sohn reden und ihm Gelegenheit geben, seine Sicht der Dinge zu schildern. Fragen Sie ihn, wie es ihm zurzeit mit seinem Mathelehrer geht und warum er nicht regelmässig in den Unterricht geht.
Machen Sie ihm klar, weshalb Sie es wichtig finden, dass er an allen Schulstunden teilnimmt und dass er einen anderen Weg finden muss, mit seinen Problemen umzugehen. Zeigen Sie ihm, dass Sie bereit sind, ihn dabei zu unterstützen. Vermutlich würde ein Gespräch mit dem Lehrer Klärung bringen.
Finden Sie auch heraus, was Ihr Sohn tut, wenn er nicht zur Schule geht. Ist er allein oder mit anderen Jugendlichen zusammen? Ist er mit Jugendlichen zusammen, die regelmässig schwänzen, so dass er vielleicht auch schwänzt, um dazuzugehören?
Mit dem Klassenlehrer sollten Sie in Kontakt bleiben. Vor allem, wenn das Problem anhält, ist eine gute Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule wichtig. Auch die Schule könnte signalisieren, dass ein Fernbleiben vom Unterricht nicht geduldet wird.
Wenn ein Jugendlicher über längere Zeit die Schule schwänzt, kann ein Verhaltensvertrag für die Anwesenheit in der Schule hilfreich sein. Der Jugendliche muss sich dabei nach jeder Schulstunde eine Unterschrift vom jeweiligen Lehrer holen. Solch ein Vertrag ist wirksam, wenn er mit Vergünstigungen verknüpft wird (z. B. länger telefonieren, aufbleiben, in den Ausgang gehen).
Hat sich durch einen Vertrag die Teilnahme am Unterricht stabilisiert, schleicht man ihn aus, indem der Jugendliche nur noch jeden 2. Tag, dann jede Woche eine Unterschrift benötigt.
Danach sind Stichproben wichtig und der Austausch zwischen Eltern und Lehrern. Und vor allem sollte der Jugendliche Anerkennung bekommen, wenn er es schafft, das positive Verhalten aufrechtzuerhalten. Mit Ihrem Sohn sind aus meiner Sicht klare Absprachen bezüglich des Schwänzens wichtig, aber auch, dass Sie ihm zeigen: Wir sind bei Problemen für dich da; wir sind deine Anlaufstation.
Die Psychologin Birgit Ruhe-Kollmeyer ist beim Familieninstitut der Uni Freiburg zuständig für Prävention und Beratung. Sie ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und wohnt im Greyerzerland.