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Jetzt macht er es wieder selber: Mehrheitsaktionär Johann Rupert übernimmt bei Richemont erneut die Zügel.
Er gilt als der Warren Buffett Südafrikas: Johann Rupert (59) besitzt über seine drei Beteiligungsgesellschaften Richemont, Remgro und Reinet, die er jeweils mittels Stimmrechtsaktien kontrolliert, ein buntes Firmengeflecht. Dieses reicht von Banken (darunter auch Teile aus der Konkursmasse von Lehman Brothers) über Nahrungsmittel- und Motorenproduzenten bis zu Krankenhäusern (etwa die Klinikgruppe Hirslanden). Wichtigster Aktivposten im Firmenkonglomerat des öffentlichkeitsscheuen Johann Rupert ist seine Mehrheit bei Richemont, dem zweitgrössten Uhrenkonzern, mit Marken wie Cartier, IWC, Jaeger-LeCoultre, Montblanc oder Dunhill. Dort nimmt er jetzt wieder selber die Zügel in die Hand. Der gelernte Investment Banker wurde letztes Jahr vom französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy zum Offizier der französischen Ehrenlegion ernannt. Er gilt als autoritär, durchsetzungsstark und direkt. Der britischen Ex-Premierministerin Margaret Thatcher, die er sonst verehrt, schnitt er etwa bei einer Dinner Party das Wort ab mit dem Spruch: «Stop interrupting me while I’m interrupting you!» Die Börse allerdings schätzt seine harte Hand. Als Ruperts Rückkehr auf den operativen Chefsessel bekannt wurde, schnellte der Kurs der Richemont-Aktie um 5,6 Prozent nach oben.
Die Vertrauten
Für Nelson Mandela war Johanns Vater Anton «my old brother»; entsprechend eng ist die Beziehung zwischen den Familien. Johann sitzt als Berater in Mandelas Kinderstiftung. In Reformpräsident Frederik Willem de Klerk, der die Apartheid abschaffte, fand Johann Rupert früh einen Verbündeten und Gesinnungsgenossen; Rupert war der erste Grossunternehmer im Land, der Schwarze und Weisse gleich bezahlte. Mit Nicky Oppenheimer, dem Oberhaupt des Diamantenimperiums De Beers, ist Rupert befreundet. Ins Investment Banking, zur Chase Manhattan, holte ihn einst Familienfreund David Rockefeller. Auch der Schauspieler Michael Douglas und dessen Frau Catherine Zeta-Jones sind Familienfreunde. Mit Edmond Adolphe de Rothschild und dessen Sohn Benjamin gründeten Ruperts ein gemeinsames Weinprojekt. Nicht immer einfach scheint die Zusammenarbeit mit Modezar Ralph Lauren zu sein, der letztes Jahr mit Richemont eine Uhrenkollektion auf den Markt brachte. Mit Jürgen Schrempp gründete Rupert 2000 die Laureus Stiftung. Der Ex-Daimler-Chef besitzt in Südafrika eine Ranch. Er ist ein enger Freund und Richemont-VR, während Rupert lange Jahre in Daimlers Advisory Board sass. Laureus-Chairman ist Leichtathletiklegende Edwin Moses, Vize ist Ex-Tennisstar Boris Becker. Mit Schrempps Nachfolger Dieter Zetsche ist Rupert ebenso befreundet wie mit Ferrari-Chef Luca di Montezemolo. Ex-SBG-Präsident Nikolaus Senn hat für Rupert die Schweizer Holding aufgebaut und amtete 15 Jahre als Richemont-Präsident. Auch mit Lukas Hoffmann aus dem Roche-Clan hat Rupert Kontakt.
Die Widersacher
Hauptkonkurrent auf dem Uhrenmarkt ist Swatch-Group-Chef Nicolas G. Hayek, der für Richemont auch ein wichtiger Lieferant von Uhrwerken und Spiralen ist. Rupert hat grossen Respekt vor Hayeks Lebenswerk, privat sind die beiden laut Hayek «gut befreundet». Mit Bernard Arnault, Inhaber des Luxuskonzerns LVMH, war Rupert bereits freundschaftlich verbunden, bevor er Konkurrent wurde. Das von Swiss-Designer Tyler Brûlé gegründete Magazin «Wallpaper» belegte Rupert 2005 mit einem Anzeigenboykott. Dort war seine Muttersprache Afrikaans als «eine der hässlichsten Sprachen der Welt» bezeichnet worden.
Die Einflüsterer
Die graue Eminenz bei Richemont ist Franco Cologni, seit über 40 Jahren befreundet mit Rupert und dessen rechte Hand. Als ehemaliger Chef von Cartier, Panerai und Vacheron Constantin sowie langjähriger VR kennt er das Geschäft à fond. Auch Alain Dominique Perrin, der Cartier zu altem Glanz zurückgeführt hat und heute im VR amtet, spielt im Konzern nach wie vor eine wichtige Rolle. Der abtretende CEO Norbert Platt bleibt Richemont ebenfalls als Verwaltungsrat und Berater erhalten. Ruperts Wege kreuzen sich seit Jahren immer wieder mit denjenigen von Cˇedomir Komljenovic´ alias Monty Shadow, dem Gründer von Art Masters. Für Rupert hob der enge Freund und Berater unter anderem die Laureus Stiftung aus der Taufe.
Die Kandidaten
Bereits in der Krise 2002 stieg Rupert als CEO in die Hosen. Wie lange er diesmal das Chefamt selber ausfüllt, lässt er offen. Die besten Chancen auf die Nachfolge dürfen sich Jérôme Lambert, Chef von Jaeger-LeCoultre, sowie IWC-Chef Georges Kern ausrechnen. Beide haben mit der Aufsicht über die Marken Roger Dubuis sowie Baume & Mercier (Kern) bzw. A. Lange & Söhne (Lambert) kürzlich zusätzliche Aufgaben übernommen. Auch Finanzchef Richard Lepeu ist im Rennen – weil bei Richemont die Maisons sehr viel Freiheiten haben, würde es einen Finanzer an der Unternehmensspitze vertragen. Aussenseiterchancen hat Neffe Jan Rupert, in der Konzernleitung für die Produktion verantwortlich.
Die Familie
Vater Anton Rupert, 2006 verstorben, baute aus dem Nichts einen der grössten Tabakkonzerne der Welt, bevor Sohn Johann in Luxus diversifizierte. Seit Bruder Antonij bei einem Autounfall ums Leben kam, kümmert sich Johann auch um die Weingüter der Familie. Schwester Hanneli ist Sängerin. Mit Frau Gaynor hat Johann zwei Töchter (Caroline und Hanneli) sowie einen Sohn (wiederum Anton). Der Familiensitz befindet sich in der Nähe von Stellenbosch, zudem hat Rupert ein Appartement am Genfer Firmensitz, wo er regelmässig anzutreffen ist. In seinem Golfclub am Südrand des Krügerparks (dem nobelsten des Landes) spielt er bisweilen mit Legenden wie Jack Nicklaus oder Gary Player.