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Wer dieser Tage bei einem Spaziergang an einem Gewässer – z. B. im Rheindelta – meint, einen Biber gesichtet zu haben, sollte nochmals genau hinschauen, denn es könnte sich auch um eine Nutria handeln – ein nicht ganz bibergrosses, aus Südamerika stammendes Nagetier, das vor allem wegen seines Felles auf vielen anderen Kontinenten eingeführt wurde. Auch in Europa wurde die Nutria häufig in Zuchtfarmen gehalten und vor allem nach dem Zusammenbruch des Pelztiermarktes kam es zu zahlreichen Freisetzungen in die Natur. Heute ist die Nutria in vielen Ländern Europas weit verbreitet, etwa in Deutschland, Frankreich, Italien und Tschechien – nicht ohne Konsequenzen für die hiesigen Gewässer.
Der wassergebundene Pflanzenfresser bewohnt die Ufer von Flüssen, Seen, Teichen und Sümpfen. Je nach Gegebenheiten werden Höhlensysteme angelegt oder Schilfnester gebaut. Die possierlichen Tiere sind Überträger diverser Krankheiten, gelten als anpassungsfähig und siedeln sich auch im urbanen Raum an. Dort erfreuen sie sich wenig scheu der Fütterung durch Tierfreunde, was oft zu einer starken Zunahme der Bestände führt.
Inwieweit Europa generell für die Nutria geeignet ist, wurde im Rahmen einer Studie der Universität Wien untersucht. Die Wissenschafter trugen für ganz Europa die Vorkommensdaten der letzten Jahrzehnte zusammen und identifizierten klimatische Bedingungen, bei denen die Art sich besonders gut halten kann. «Es zeigte sich, dass die derzeit bekannten Vorkommen nicht einmal die Hälfte der potenziell geeigneten Fläche in Europa abdecken und dass somit in den nächsten Jahren mit einer weiteren deutlichen Ausbreitung zu rechnen ist», so Franz Essl, Mitautor der Studie.
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