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Steuerrechtlicher Wohnsitz der natürlichen Person
Freiburger Nachrichten vom 7. April 2006
Natürliche Personen sind aufgrund persönlicher Zugehörigkeit steuerpflichtig, wenn sie ihren steuerrechtlichen Wohnsitz oder Aufenthalt in der/im Schweiz/Kanton haben (Art. 3 DBG und DStG FR). Als steuerrechtlicher Wohnsitz gilt der Ort, an dem sich die Person mit der Absicht des dauernden Verbleibens aufhält.
Hält sich eine Person abwechslungsweise an verschiedenen Orten auf, befindet sich der steuerrechtliche Wohnsitz an demjenigen Ort, zu welchem die stärksten wirtschaftlichen oder persönlichen Beziehungen bestehen. In diesen Fällen ist die Zuweisung des Besteuerungsrechts nicht immer klar, was zu mehreren Bundesgerichtsurteilen führte.
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts steht die Besteuerung des Einkommens und des beweglichen Vermögens unselbständig erwerbender Personen dem Kanton zu, in welchem sich deren Steuerdomizil befindet. Darunter ist in der Regel der zivilrechtliche Wohnsitz zu verstehen, d.h. der Ort, an dem sich die betreffende Person mit der Absicht des dauernden Verbleibens aufhält (Art. 23 Abs. 1 ZGB) bzw. wo der Mittelpunkt ihrer Lebensinteressen liegt. Das Hinterlegen der Schriften und das Ausüben der politischen Rechte bilden blosse Indizien für den steuerrechtlichen Wohnsitz. Hält sich eine Person abwechslungsweise an zwei Orten auf, namentlich wenn Arbeits- und sonstiger Aufenthaltsort (z.B. Wochenaufenthalter) auseinander fallen, ist für die Ermittlung des Steuerwohnsitzes darauf abzustellen, zu welchem der beiden Orte die stärkeren Beziehungen bestehen. Der Lebensmittelpunkt bestimmt sich dabei nach der Gesamtheit der objektiven, äusseren Umstände, aus denen sich die Lebensinteressen erkennen lassen.
Mittelpunkt der Lebensinteressen bei Wochenaufenthalter
Als «Wochenaufenthalter» gilt eine Person, welche während der Woche in einer Wohnung, einem Zimmer, Hotelzimmer usw. am Arbeitsort wohnt und nur an den Wochenenden zu ihrer Familie in einen anderen Kanton zurückkehrt.
Kehrt die steuerpflichtige Person regelmässig, d.h. an jedem freien Wochenende und an den Feiertagen an den Familienort zurück, so befindet sich der Lebensmittelpunkt am Familienort. Der steuerrechtliche Wohnsitz wird somit am Familienort begründet und die Person gilt als Wochenaufenthalter. Ferner werden auch die emotionalen Beziehungen am Arbeits- oder Familienort mit einbezogen. Dabei spielen Freundeskreis, Vereinszugehörigkeit, Ausübung der Hobbys und allgemein die soziale Integration eine Rolle. Die Beurteilung hängt auch von den Lebensverhältnissen ab, in welchen sich die jeweilige Person befindet. Eine Unterscheidung wird zwischen Alleinstehenden, Verheirateten und Konkubinatspaaren gemacht. Bei Alleinstehenden wird mit zunehmendem Alter die Bindung zum Familienort tendenziell immer mehr gelockert und dementsprechend eine stärkere Bindung an den Arbeitsort angenommen. Für eine Besteuerung als Wochenaufenthalter wird dementsprechend das Erfordernis der regelmässigen Rückkehr an den Familienort besonders streng gehandhabt. Die Beweislast der Rückkehr an den Familienort liegt beim Steuerpflichtigen.
Die Beziehung zu den Eltern und Geschwistern tritt bei Verheirateten und Konkubinatspaaren in den Hintergrund. Für die Ermittlung des Mittelpunktes der Lebensinteressen bei getrenntem Arbeits- und Familienort ist daher auf die Beziehung zum Ort des jeweiligen Partners abzustellen. Besteht eine gemeinsame Wohnung am Arbeitsort, so wird grundsätzlich der Arbeitsort zum Mittelpunkt der Lebensinteressen und folglich zum Hauptsteuerdomizil.
Gilt jemand als Wochenaufenthalter, so können steuerlich höhere Gewinnungskosten geltend gemacht werden. Als Gewinnungskosten sind die Mehrkosten des auswärtigen Wochenaufenthaltes abziehbar, nämlich die Fahrkosten zwischen Wohn- und Arbeitsort, die Mehrkosten auswärtiger Verpflegung und auswärtiger Unterkunft.
Dank den höheren Gewinnungskosten kann sich eine Abklärung für die Besteuerung als Wochenaufenthalter sicherlich auszahlen.