Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03594.jsonl.gz/833

Der am 27. Februar 1940 in Duisburg geborene Friedel Rausch war zwischen 1957 und 1971 fast anderthalb Jahrzehnte lang ein bewährter Profifussballer, zuerst während fünf Jahren beim Meidericher SV (heute MSV Duisburg) und danach von 1962 bis 1971 bei Schalke 04. Für die beiden Vereine bestritt Rausch rund 300 Meisterschaftsspiele in der obersten deutschen Liga, ehe er sich unmittelbar nach seinem Rücktritt vom aktiven Fussballsport dem Trainerberuf zuwandte und seine ersten Sporen während fünf Jahren als Nachwuchs- und Assistenztrainer bei Schalke abverdiente.
In der Folge entwickelte sich Rausch zu einer schillernden Trainerfigur, der sich vor allem seiner Motivationskünste wegen einen Namen schuf und einige spektakuläre Erfolge erreichte. Sein Jahr als Cheftrainer des FC Basel 1893, das er 1992 mit dem erklärten Ziel der Rückkehr in die Nationalliga A antrat, verlief indes nicht ganz den Hoffnungen entsprechend. Die Qualifikationsphase in der Westgruppe der Nationalliga B beendete der FCB damals zwar mit dem 2. Rang knapp hinter Yverdon ansprechend, in der Auf-/Abstiegsrunde aber verpasste er mit Rang 4 die Promotion.
Es war damals auch etwas Pech dabei, dass dem mit Spielern wie Thomas Grüter, Christian Reinwald, Reto Baumgartner, Massimo Ceccaroni, Patrick Rahmen, Pierre-André Schürmann, André Sitek, Marco Walker, Oerjan Berg, Mario Uccella, Frédéric Chassot oder Admir Smajic durchaus gut besetzte FCB in der Aufstiegsrunde mit den Grasshoppers und dem FC Luzern, der ein Jahr zuvor mit Trainer Rausch (!) abgestiegen war, zwei noch stärkere Mannschaften vor der Sonne standen.
Dennoch wollte der FCB an sich auch die folgende Saison mit Friedel Rausch bestreiten, doch rund sieben Tage vor Beginn der Meisterschaft 1993/94 überraschte Rausch die Basler Clubverantwortlichen mit einem Angebot des Bundesligisten FC Kaiserslautern, das er annehmen wolle, weshalb er den FCB um Auflösung des Vertrages bat. FCB-Präsident Peter Epting zauberte in den Tagen danach als neuen Trainer Didi Andrey aus dem Hut – womit letztlich allen gedient war: Andrey schaffte mit dem FCB nach langen sechs Jahren prompt den Aufstieg in die Nationalliga A. Und Friedel Rausch erreichte auf dem Betzenberg auf Anhieb die Vize-Meisterschaft in der Bundesliga.
Seinen ersten Posten als Cheftrainer hatte Rausch 1976 bei Schalke 04 angetreten. Es folgten hintereinander Engagements bei Eintracht Frankfurt, Fenerbahçe Istanbul, MVV Maastricht, Iraklis Saloniki, FC Luzern, FCB, Kaiserslautern, Linzer ASK, Borussia Mönchengladbach, 1. FC Nürnberg und als letzte Trainerstation im Jahr 2001 nochmals für kurze Zeit bei Eintracht Frankfurt, bei jenem Verein also, mit dem er 1980 den UEFA-Cup gewonnen hatte.
Fortan lebte Rausch bis zu seinem Tod in der nahen Umgebung der Stadt Luzern – an jenem Ort also, in dem ganz gewiss ebenfalls sehr viele Fans um Friedel Rausch trauern. Denn er war es, der 1989 den FC Luzern zum bis heute einzigen Schweizer Meistertitel geführt hatte. Der zweite grosse Erfolg des FCL unter Friedel Rausch wurde dann allerdings etwas getrübt: Zum einen feierte man zwar den zweiten Cupsieg in der Clubgeschichte, zum anderen aber stieg der FC Luzern in der gleichen Saison in die Nationalliga B ab. Noch einmal stellte er seine Erfahrung dem FC Luzern zwischen 2004 und 2006 als Teamchef zur Verfügung, ehe er sich ganz von jener Bühne verabschiedete, die seit seiner Jugend seine zweite“ Heimat gewesen war: Die Fussballbühne.
Der FC Basel 1893 entbietet Ehefrau Marlies Rausch und den zwei Söhnen, von denen Mark Rausch in der Saison 1992/93 als dritter Torhüter ebenfalls beim FCB unter Vertrag gewesen ist, sein herzliches Beileid. Zu St. Jakob wird man Friedel Rausch als offene, charismatische und mitunter auch - auf durchaus sympathische Weise - eigenwillige Persönlichkeit in Erinnerung behalten.