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Beschreiben Sie Ihre aktuelle berufliche Tätigkeit und was Sie daran besonders schätzen.
Ich bin momentan als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem ethnografischen Forschungsprojekt am Kompetenzzentrum für Mehrsprachigkeit (Institut für Mehrsprachigkeit, Universität/PH Freiburg) tätig. Wir untersuchen darin, unter welchen Bedingungen Sprachkompetenzen im Prozess der öffentlichen Berufsvermittlung eine Rolle spielen. Als Mitarbeiterin in diesem Forschungsprojekt bin ich intellektuell gefordert. Ich setze mich vertieft mit gesellschaftlichen Fragen auseinander, die sich über die Sprache artikulieren und Einblicke in unterschiedliche Bereiche der Gesellschaft ermöglichen. Durch die Anstellung am Institut für Mehrsprachigkeit komme ich zudem in Kontakt mit anderen (internen und externen) ForscherInnen und Forschungsansätzen, was zu meiner Horizonterweiterung beiträgt. Kontakte und das Bilden von Netzwerken sind grundlegende Bestandteile der akademischen Arbeit; so bin ich beispielsweise Vorstandsmitglied der Vereinigung für angewandte Linguistik in der Schweiz (Vals-Asla) und reise regelmässig an nationale oder internationale Konferenzen.
Wie sind Sie zu Ihrem heutigen Beruf gekommen?
Das Verfassen der Lizentiatsarbeit machte mir dermassen Spass, dass ich mich ernsthaft mit der Idee auseinander zu setzen begann, in die Forschung einzusteigen. Schnell merkte ich, dass dies mit einem Doktorat verbunden sein würde. Ich suchte ziemlich lange erfolglos nach einer Stelle, absolvierte dann ein einjähriges Praktikum bei einer Forschungsstelle des Bundes, bis ich schliesslich Doktorandin am Institut für Sprachwissenschaft wurde. Durch meine Bewerbungsgespräche ergaben sich jedoch auch Kontakte, welche dann als Doktorandin im Rahmen von Konferenzbesuchen vertieft wurden. Einen derartigen Kontakt knüpfte ich mit Prof. Alexandre Duchêne, der mir gegen Ende meiner Anstellung in Bern eine Forschungsstelle am Institut für Mehrsprachigkeit anbot. Daraus entstand dann meine jetzige Beschäftigung.
Welche Fächerkombination haben Sie an welcher Uni studiert?
Abgeschlossen habe ich mit einem Lizentiat (lic.phil.) in Soziologie, Englischer Linguistik und Englischer Literatur an der Universität Basel.
Was hat Sie zu einem Studium der Sprach- und Literaturwissenschaften bewogen?
Ich war nach der Matur unentschlossen, was ich studieren sollte und machte längere Sprachaufenthalte in Südkorea und England. Nach einem halben Jahr in England, entschied ich mich für ein Studium an der Universität Basel. Soziologie war gesetzt, die Wahl fürs Nebenfach Englisch traf ich ziemlich naiv: Ich mochte die englische Sprache und las gerne. Zu meinem Schrecken musste ich dann auch Linguistik studieren! Zum Glück. Im Endeffekt interessierte mich die Linguistik viel mehr, insbesondere die Soziolinguistik.
Was ist das Wichtigste, das Sie aus Ihrem Studium für Ihre berufliche Tätigkeit mitgenommen haben?
Die Fähigkeit, sich mit komplizierten Texten, abstrakten Theorien und komplexen Argumenten auseinanderzusetzen, eigene Ideen kohärent zu formulieren und unter Zeitdruck produktiv zu sein.
Welche Tipps geben Sie angehenden Studierenden der Sprach- und Literaturwissenschaft mit auf den Weg?
Aus eigener Erfahrung würde ich sagen, dass Durchhaltevermögen und Neugier die wichtigsten Elemente eines Studiums sind. Gewisse Pflichtveranstaltungen erschienen mir anfangs total unnötig, eröffneten mir aber neue Ideenwelten, denen ich sonst nicht begegnet wäre. Des Weiteren würde ich die Empfehlung aussprechen, möglichst viel zu lesen und sich aktiv in den Seminaren einzubringen; nur durch das Verstehen der Materie und durch das Diskutieren von Zusammenhängen wird es interessant.
Weitere Bemerkungen zu Ihrem Studium, Ihrem Beruf?
Forschen zu dürfen ist ein grosses Privileg, das gegenüber der Gesellschaft, der Politik und der Wirtschaft kontinuierlich legitimiert werden muss. Das ist nicht immer einfach, schärft aber auch das Bewusstsein für die Entscheidung, diesen Weg einzuschlagen. Diese Entscheidung sollte auch darum bewusst gefällt werden, weil der akademische Weg kein einfacher ist: unsichere Arbeitsverhältnisse, niedere Löhne, Wettbewerbsdruck. Gleichzeitig schätze ich den Beruf wegen der intellektuellen Herausforderungen, der Flexibilität und der zahlreichen internationalen Kontakte.
Ende 2014