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Episode 6
KÄGI FRET
Christelle Wick
Als Exportschlager des Toggenburgs ist es in aller Munde: eine dreilagige Waffel mit feinstem Schokoladeüberzug, entstanden während 52 Stunden in einer Spezialmaschine. Denn das Geheimnis der Schweizer Schokolade ist, dass sie auf der Zunge zart schmilzt. Zu den «Kolonialwaren» Kakao und Zucker fügte 1875 der Westschweizer Tüftler Daniel Peter gezuckerte Kondensmilch hinzu und kreierte so die erste Milchschokolade. Der Erfolg war derart gross, dass bis zum Ersten Weltkrieg zwei Drittel der Produktion exportiert werden konnten.
Die Geschichte der Toggenburger Schokoladewaffel begann 1934, als der Konditor Otto Kägi senior an der Bürgistrasse in Lichtensteig eine Liegenschaft mit Restaurant erwarb, um dort Waffeln und andere Backwaren herzustellen. Kaum war nach dem Krieg die Butterrationierung aufgehoben, lancierte er seinen ersten Grosserfolg: die Toggenburger Butterbiscuits. Auf seinem Fahrrad lieferte er Schachteln voller Butterbiscuits in die Umgebung aus. Dabei konnte er bald auf die Hilfe seiner drei Söhne Otto, Eugen und Alfred zählen, die später das Unternehmen als «Kägi und Söhne AG» übernehmen sollten.
Auch seine dreilagigen Waffeln mit Crèmefüllung waren sehr gefragt. Nach dem Kauf eines riesigen Waffeleisens konnte er die Tagesproduktion um das Sechsfache steigern. Dies zwang ihn, 1950 eine Fabrikanlage an der Wilerstrasse zu bauen, wo noch heute produziert wird. Den internationalen Durchbruch schaffte er, als er nach einer Sendung von Kostproben ab 1956 nach Nordamerika exportieren konnte.
Bildlegende:
«Toggi» hiessen die in die USA exportierten Kägi-fret.
Der kulinarische Dauerrenner ist das Kägi-fret. Sein Name setzt sich aus dem Familiennamen Kägi und der Endung des französischen Wortes «gaufrette» für Waffel zusammen. Es entstand 1958 nach langem Tüfteln, und wie die anderen Süssigkeiten war es sofort auch im Export beliebt. Ob legendär oder tatsächlich geschehen: Es wird erzählt, dass Fred Hubbs, der amerikanische Importeur der Gebrüder Kägi, eines Abends in Hollywood dem Filmstar Marilyn Monroe ein «Swiss-fret» gereicht haben soll, worauf sie nicht genug davon kriegen konnte.
Seit 25 Jahren gehört die Kägi AG einer Investmentfirma. Das klassische Kägi-fret wird seit über 80 Jahren produziert und erinnert manchen an die süsse Zwischenverpflegung beim Skifahren oder an den Besuch bei der Grossmutter. Heute gibt es aber auch Kägi-fret in neuen Geschmacksrichtungen wie Rum, Kokosnuss oder gar Erdbeere. Mit dem Grüntee-Kägi-fret hat die Firma erstmals ein Produkt geschaffen, das gezielt den Absatzmarkt in einem Land, nämlich Japan, erschliessen soll. Es ist zu hoffen, dass dies gelingt.