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Where Are You, João Gilberto?
Regie: Georges Gachot
Der 1931 geborene João Gilberto ist eine der rätselhaftesten Figuren in der jüngeren Geschichte populärer Musik. Ende der 1950er-Jahre kreierte er zusammen mit Antônio Carlos Jobim den Bossa Nova und feierte mit «Chega de saudade» und «One Note Samba» erste Welterfolge. Als er 1963 in New York «The Girl from Ipanema» aufnahm, schuf er damit den bis heute wohl bekanntesten und meist gespielten brasilianischen Song überhaupt. Von da an war Gilberto mit seiner verzweifelt sanften Stimme und seiner Gitarre, die kaum einer so rhythmisch spielte wie er, zu einem Gott der Música Popular Brasileira geworden. Im Lauf der Jahrzehnte mutierte er immer mehr zu einer geheimnisumwitterten, sagenhaften Gestalt und zog sich zurück. Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte er 2004 in Tokio; seither erschienen zwar noch neuere Einspielungen von ihm, doch gesehen hat ihn seit 2010 niemand mehr. Es heisst, er lebe als Nachtmensch in Rio und verlasse seine Wohnung nie. Vom Ehrgeiz gepackt, dem Mythos auf den Grund zu gehen und João Gilberto auch persönlich zu treffen, machte sich im Herbst 2010 der deutsche Journalist Marc Fischer auf zu einer Recherchereise nach Brasilien. Fischer, Jahrgang 1970, gilt als einer der frühesten Vertreter des Popjournalismus in Deutschland; er publizierte ab 1990 im 1996 eingestellten Magazin Tempo, später in Der Spiegel, Stern und Die Zeit. Doch Fischer endete tragisch. Er schrieb zwar eine umfangreiche Reportage über seine vergeblichen Bemühungen, João Gilberto zu treffen, brachte sie 2011 unter dem Titel «Hobalala: Auf der Suche nach João Gilberto» bei Suhrkamp heraus, nahm sich aber im April jenes Jahres in Berlin das Leben – wenige Tage, bevor das Buch erschien. Jahre später hat sich nun Georges Gachot, bekannt geworden durch seine Brasilien-Filme «Maria Bethânia» (2005), «Rio Sonata» (2010) und «O Samba» (2014) die Rechte am Buch gesichert und macht sich seinerseits auf Spurensuche: nach Marc Fischer und João Gilberto. Herausgekommen ist eine so tragische wie spannende Detektivgeschichte, in die ganz beiläufig die Musik des Vaters des Bossa Nova einfliesst. Luiz Zanin Oricchio schrieb in O Estado de São Paolo: «Ein reizender und berührender Film. Er offenbart die Liebe eines Fremden für die Dinge eines Landes, die im heutigen Brasilien nicht mehr anzutreffen sind.»
Die Premiere am 12. September findet in Anwesenheit des Regisseurs Georges Gachot statt. Das Gespräch führt der Journalist Geri Krebs.
Weitere Vorstellungen im Oktober.