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Die UNO hat das Jahr 2014 offiziell zum Internationalen Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe erklärt.
In der Schweiz haben sich verschiedene Organisationen, die sich in ihrer Arbeit um die Anliegen der bäuerlichen Familienbetriebe in der Schweiz oder im Ausland kümmern, zusammengefunden, um das Jahr 2014 vorzubereiten.
Wer wir sind, erfahren Sie hier.
Ziele
Warum ein internationales Jahr der Familienbetriebe?
- Um die Bedeutung der bäuerlichen Familienbetriebe bewusst zu machen.
- Um zukunftsfähige Perspektiven zur Weiterentwicklung der bäuerlichen Familienbetriebe aufzuzeigen.
Wir freuen uns, dass Sie sich für das Internationale Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe interessieren. Auf dieser Website finden Sie Informationen zum Thema und zu Projekten in der Schweiz. Wir aktualisieren diese laufend.
Nachgefragt bei Olivier De Schutter
Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für das Recht auf Nahrung.
Wie definieren Sie einen landwirtschaftlichen Familienbetrieb?
De Schutter: Die Definition eines Familienbetriebs variiert von Land zu Land und sogar von Region zu Region. In Brasilien zum Beispiel stützt sich der Begriff des Familienbetriebs auf ein Gesetz (Gesetz Nr.11.326 vom 24.Juli 2006), das vier Anforderungen stellt: eine maximale Fläche (wobei die Kriterien je nach Gliedstaat verschieden sind); ein arbeitsbasiertes Kriterium (die Arbeit auf dem Betrieb muss überwiegend von Familienmitgliedern erbracht werden); ein Einkommenskriterium (das Familieneinkommen muss überwiegend aus den betrieblichen Tätigkeiten stammen) und ein Geschäftsführungskriterium (die Familie muss die Führung innehaben). Das Flächenkriterium allein ist für die Definition eines Familienbetriebs folglich von beschränktem Nutzen. Entscheidender scheint die Frage zu sein, wem die Produktionsmittel gehören und wer auf dem Betrieb arbeitet: Ein Familienbetrieb liegt dann vor, wenn er in den Händen der Personen ist, die den Alltagsbetrieb sicherstellen. Die Frage der Definition umfasst auch ideologische Dimensionen, deren Bedeutung nicht zu unterschätzen ist.
Welche Rolle spielen landwirtschaftliche Familienbetriebe Ihrer Meinung nach?
De Schutter: Die bäuerlichen Familienbetriebe spielen bei der Verwirklichung des Rechts auf angemessene Nahrung in jedem Land der Welt eine wichtige Rolle. Einerseits sind die nachteiligen externen Auswirkungen (im Umwelt- und Sozialbereich) der grossen industriellen Betriebe nicht im Preis der Produkte integriert, welche diese auf den Märkten absetzen. Gewisse Ökonomen würden übrigens auch die Konkurrenz, welche diese für die kleineren Betriebe mit geringeren Skaleneffekten darstellen, zu diesen externen Auswirkungen zählen. Andererseits generieren die kleinen und mittleren Betriebe, die mitunter als "Familienbetriebe" bezeichnet werden, ihrerseits positive externe Effekte: ländliche Entwicklung, Schaffung von Arbeitsplätzen sowie der Erhaltung der Landschaft und der Ökosysteme, für die sie bessere Voraussetzungen bieten. Diese Leistungen, die sie zugunsten der Gemeinschaft erbringen, müssen besser entlöhnt werden.
Wie sehen Sie die Zukunft dieser Betriebe?
De Schutter: Obschon Familienbetriebe häufig sehr produktiv sind, wenn man die Produktivität als Ertragsmenge bezogen auf eine bestimmte Fläche misst oder wenn man die totale Faktorproduktivität in Betracht zieht, sind sie in der heutigen Low-Cost-Landwirtschaft im Allgemeinen weniger wettbewerbsfähig: Die Skaleneffekte, die sie erzielen können, sind geringer, und sie sind beim Zugang zu den Märkten generell eher benachteiligt, bedingt durch die Transaktionskosten, welche für den Käufer anfallen, der sich bei ihnen eindecken will. Deshalb müssen diese Betriebe unterstützt werden, etwa durch angemessene Finanzhilfen, spezifische Kreditlinien, durch die Förderung der Gründung von Genossenschaften, durch geeignete Beratungsprogramme, welche diese Betriebe ermutigen, ihr Potenzial zur Entwicklung nachhaltiger landwirtschaftlicher Praktiken noch besser auszuschöpfen und durch eine Regelung der Vertragslandwirtschaft, die ihrer schwachen Verhandlungsposition gegenüber den Ernteabnehmern – den Rohstoffhändlern – Rechnung trägt.
Nachgefragt bei Bundesrat Schneider-Ammann
Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung
Was ist für Sie ein bäuerlicher Familienbetrieb?
Schneider-Ammann: Der bäuerliche Familienbetrieb ist das Rückgrat einer multifunktionalen und nachhaltigen Landwirtschaft. Die Bauernfamilie denkt langfristig und erbringt die vielfältigen Leistungen flexibel und mit grossem Engagement. Diese Unternehmensform lässt viel Spielraum für eigenverantwortliches Handeln und die optimale Abstimmung von Berufs- und Familienleben.
Welche Rolle haben bäuerliche Familienbetriebe aus Ihrer Sicht?
Schneider-Ammann: Bäuerliche Familienbetriebe sind Unternehmen im ländlichen Raum: Sie produzieren Nahrungsmittel und eine breite Palette weiterer Produkte und Dienstleistungen. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Wertschöpfung und sind verlässliche Partner für die übrige Wirtschaft. Mit ihrer Arbeit prägen sie die Kulturlandschaft, bieten Raum für die biologische Vielfalt und tragen damit zur Attraktivität des ländlichen Raums bei.
Welche Zukunft sehen Sie für die bäuerlichen Familienbetriebe?
Schneider-Ammann: Ich bin überzeugt, dass der bäuerliche Familienbetrieb das Fundament der Schweizer Landwirtschaft bleibt. Bäuerliche Familienbetriebe werden mit der Zeit mitgehen: in Bezug auf Technik und Innovation, mittels flexibler Konzepte um neue Marktchancen zu nutzen, durch das Bilden von Netzwerken und das gekonnte Verbinden von Tradition und Moderne. Von ihnen werden weiterhin wichtige Impulse für die sozio-ökonomische Entwicklung der ländlichen Räume ausgehen.