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In älteren Berufs- und Laufbahntheorien wurde eine relativ starke Gewichtung auf den individuellen Aspekt der Berufswahl gelegt. Zahlreiche empirische Auswertungen mit dem Datensatz verdeutlichen jedoch, dass sich ein modernes Konzept der Berufsfindung als Sozialisationsprozess eher zu bewähren scheint (Neuenschwander, 2018). So zeigten beispielsweise Neuenschwander, Hofmann, Jüttler & Schumann (2018) in ihrer Untersuchung zur Frage, unter welchen Bedingungen das gewünschte Berufsfeld im siebten Schuljahr rund zwei Jahre später in der beruflichen Grundbildung realisiert wird, dass berufliche Vorbilder eine zentrale Rolle einnehmen. Ihr Berufsfeld hat zusammen mit dem Typ des beruflichen Interessens und dem Berufsfeld der ersten Schnupperlehre der Jugendlichen einen Einfluss auf die Umsetzung des gewünschten Berufsfeldes in der nachobligatorischen Berufsausbildung. Die Berufsfelder der Vorbilder hatten den grössten Effekt. Besonders die Eltern scheinen im Berufswahlprozess wichtig zu sein: Mit rund 39% wurden die Eltern als erstes oder zweites Vorbild am häufigsten genannt.
Ausserdem zeigte sich in der Auswertung von Neuenschwander, Fräulin, Schumann und Jüttler (2018) zur Frage, ob Leistungserwartungen der Eltern und Lehrpersonen sowie Leistungen der Schülerinnen und Schüler in den Fächern Deutsch und Mathematik in der Primarstufe die Bildungsverläufe (Berufsbildung vs. Gymnasium) erklären, dass Leistungs- und Ausbildungserwartungen von Bezugspersonen den Berufswahlprozess der Jugendlichen stark beeinflussen. Die stufenweisen logistischen Regressionsanalysen verdeutlichten, dass das Geschlecht, der sozioökonomische Status, die Leistungserwartungen der Eltern gegenüber den Deutschleistungen ihres Kindes im fünften Schuljahr und die schulischen Leistungserwartungen der Lehrpersonen – ebenfalls gemessen im fünften Schuljahr – den (Aus-)Bildungsweg der Jugendlichen vorhersagten: Mädchen, Jugendliche mit hohem sozioökonomischen Status, hohen von den Eltern an sie herangebrachten Leistungserwartungen im Fach Deutsch und hohen von ihrer Lehrperson an sie herangebrachten schulischen Leistungserwartungen hatten eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit für einen Übertritt in eine gymnasiale Ausbildung nach der neunten Klasse. Die Leistungen der Schülerinnen und Schüler in den Fächern Deutsch und Mathematik hatten über die Leistungserwartungen der Eltern in den entsprechenden Fächern sowie über die schulischen Leistungserwartungen ihrer Lehrpersonen einen signifikanten indirekten Effekt auf die (Aus-)Bildungsentscheidung Berufsbildung versus Gymnasium.