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Psychotherapie (griechisch für: Seelen-Heilbehandlung) ist eine Behandlungsmethode für Menschen mit psychischen und körperlichen Leiden. Seelisches Leiden (oft auch Symptome, Probleme, Störungen genannt) kann sich in jedem Bereich des menschlichen Lebens ausdrücken: in der Partnerschaft, in der Sexualität, in der Arbeitswelt, in der Grundstimmung und im Lebensgefühl. Es äussert sich auf unterschiedliche Art und Weise, etwa als körperliche Beschwerden, depressive Verstimmungen, Ängste, Antriebslosigkeit, Gefühlsdurchbrüche, Süchte, Zwänge. Mit Hilfe der Psychotherapie (bei schweren Symptomen ev. zusätzlich mit Medikamenten) sucht der Patient nach der Veränderung in seinem Leben, seiner Einstellung und seinem Erleben, die sein seelisches Leiden heilt oder lindert.
Psychotherapie ist ein Lernprozess, der auf kommunikativer Zusammenarbeit zwischen Patient und Psychotherapeut beruht, wobei die Beziehung zwischen den beiden massgebend und richtungweisend ist. Weder chemische noch physikalische noch esoterische Wirkstoffe oder Kräfte gehören in den Kreis psychotherapeutischer Mittel. Die verschiedenen therapeutischen Methoden unterscheiden sich unter anderem darin, wie sie dieses Miteinander gestalten: Meist steht das Gespräch im Vordergrund; je nach therapeutischer Ausrichtung dreht es sich mehr darum, die Entstehung eines Problems zu klären, oder es werden neue Bewältigungsstrategien erlernt. Daneben werden, je nach Methode, der Ausdruck des Körpers, Sprache, Gestik, Atmung etc. miteinbezogen, oder die Darstellung von Situationen und Verhalten, der künstlerische Ausdruck, die Bewegung, Träume, spontane Einfälle, der Moment "gerade jetzt" in der Stunde, Erinnerungen aus der Kindheit, aktuelle Ereignisse oder jetzt anstehende Aufgaben.
Zu unterscheiden sind verschiedene Methoden, verschiedene Berufsgruppen und verschiedene Anwendungsformen.
Zu den Methoden: Da viele Menschen psychotherapeutische Hilfe suchen, entwickelte sich im Umfeld der Psychotherapie ein breiter Markt. Es werden gegen vierhundert verschiedenen Formen von Psychotherapie angeboten, die sich teils erheblich, teils nur unwesentlich voneinander unterscheiden. Manche von ihnen sind wissenschaftlich gut erforscht und in der Literatur dargestellt (unter anderem nach den Massstäben von Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit), andere verdienen die Bezeichnung Psychotherapie nicht, sind kaum von magischen Ritualen zu unterscheiden oder müssen schlicht als Betrug bezeichnet werden. In Basel-Stadt und Baselland werden rund zehn verschiedene Formen von den kantonalen Behörden und den psychotherapeutischen Berufsverbänden anerkannt. Kurzbeschreibungen und ausführlichere Darstellungen davon (sowie Links zu den jeweiligen Ausbildungs-Instituten) finden Sie im Abschnitt Richtungen.
Zu den Berufsgruppen: Psychotherapie wird von PsychologInnen und von ÄrztInnen ausgeübt (siehe: Was unterscheidet PsychotherapeutInnen von PsychologInnen und PsychiaterInnen?). In manchen Fällen ist es nötig, eine Psychotherapie durch eine medikamentöse Behandlung zu unterstützen. Dies kann nur durch den Beizug eines Arztes geschehen.
Zu den Anwendungsformen: Die meisten Therapiemethoden werden sowohl als Einzel- als auch als Familien- und als Gruppentherapie angeboten. Siehe unter den einzelnen Methoden im Abschnitt Richtungen der Psychotherapie.
Wer psychotherapeutische Hilfe sucht, ist oft aus zwei Gründen in einer schwierigen Lage: Da ist zum einen die akute oder schon lange andauernde Not, und zum andern der Wunsch, alleine damit zurecht zu kommen. Darüber hinaus gibt es grosse Unterschiede zwischen den psychotherapeu-tischen Modellen, Theorien und Vorgehensweisen. Und schliesslich hängt das Gelingen einer Psychotherapie sehr davon ab, ob Patientin und Psychotherapeutin "einander verstehen", eine "ähnliche Wellenlänge" haben, den "Draht zueinander" finden.
Wenn Sie sich an unseren Kurzbeschreibungen und den ausführlichen Darstellungen (Richtungen) orientieren, diese mit Ihrem Menschenbild und Ihren Auffassungen vergleichen und sich eine bestimmte Therapieform für sich selber vorstellen können, dann können Sie anhand der Suchkriterien (therapeutische Richtung, Angebot, Problembereiche, Ort) auf der Verzeichnis-Website eine Therapeutin suchen und mit ihr ein Erstgespräch führen. Sie werden schnell feststellen, ob Sie sich beim Gespräch wohlfühlen und ob sie sich und der Therapeutin zutrauen, gemeinsam Ihr Problem anzugehen. Allenfalls hilft Ihnen ein zweites, drittes Gespräch bei einer anderen Psychotherapeutin, sich noch klarer zu werden - dies ist ein übliches Vorgehen. Auch Empfehlungen von Bekannten, Überweisungen durch ÄrztInnen oder andere PsychotherapeutInnen können dazu beitragen, geeignete Hilfe zu finden, machen aber das Selber-Wählen keineswegs überflüssig.
Fünf Monate bis fünf Jahre - wäre eine mögliche, ziemlich saloppe Antwort. Seriöser wäre es, zu sagen: Die Dauer einer Psychotherapie hängt von so vielen Faktoren ab, dass jede genaue Antwort irreführend ist.
Der wichtigste Faktor ist wohl die Zielsetzung. Ein genau umschreibbares Problem ist schneller zu verändern als ein komplexes Verhaltensmuster, Grundlagen für eine einzelne Entscheidung sind einfacher zu finden als für eine das ganze Leben betreffende Weichenstellung, ein störendes Symptom kann eher zu verstehen sein als eine diffuse Stimmung, eine Störung auf Grund eines einzelnen Ereignisses leichter heilbar als eine, die durch eine langdauernde Belastung oder Entbehrung entstand. Allerdings stellt sich im Verlaufe einer Psychotherapie oft etwas, was einfach aussah, als komplizierter, mit mehr Gebieten zusammenhängend heraus - wie wenn das ursprüngliche Problem nur die Spitze eines Eisberges gewesen wäre. Dann steht man immer wieder vor der Frage: Was wage ich, was mute ich mir zu, will ich weitergehen? Psychotherapie ist immer ein Veränderungsprozess, und sich auf ihn einzulassen, ist nicht immer angenehm.
Psychotherapie ist ein Heilverfahren; die Dauer einer Psychotherapie hängt folglich auch eng damit zusammen, wie schwer, wie tiefgreifend, wie einschränkend ein Leiden, eine Störung ist, und wie lange sie schon besteht.
In engem Zusammenhang mit der Frage nach dem Ziel einer Psychotherapie steht die nach der Wahl der Methode. Tendenziell dauern tiefenpsychologische Therapien länger als verhaltens-, problem- und lösungsorientierte, Einzeltherapien länger als Paar- und Gruppentherapien - eben weil sie auf so unterschiedliche Ziele ausgerichtet sind.
Natürlich spielt auch das Geld eine Rolle: Wie lange darf eine Therapie überhaupt dauern? Erläuterungen zur Finanzierung von Psychotherapie finden Sie unter dem Titel "Wer bezahlt...?" Es lohnt sich allerdings, diese Frage nicht zum alleinigen Massstab zu machen; oft findet sich im Gespräch mit der Psychotherapeutin eine Lösung, wenn die Notwendigkeit, das Bedürfnis oder der Wunsch klar ist.
Eine mögliche Antwort: Dann, wenn Patientin und Therapeut sich darüber einig sind, dass Symptome, Ängste, Hemmungen etc. in zufriedenstellendem Mass überwunden sind, die Patientin konfliktfreier und selbständiger lebt, wieder Freude empfindet, Beziehungen leichter gestalten kann, sich selber besser begreift und mehr Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten hat - sich auch zutraut, erneut auftretende Schwierigkeiten selber zu verstehen und zu meistern. Dann ist die Hilfe zur Selbsthilfe gelungen. Natürlich sind diese Ziele nur graduell zu erreichen, und oft ist die Erkenntnis, dass ein Ziel zu hoch gesetzt war, traurig, aber befreiend.
Ja. Juristisch gesehen, ist eine Psychotherapie ein Auftragsverhältnis, ein Auftrag kann jederzeit zurückgezogen werden, und Sie schulden der Therapeutin nur das Honorar für bereits erbrachte Leistungen (plus dasjenige für verpasste und zu kurzfristig abgesagte, bereits reservierte Stunden).
Wichtiger ist aber die Frage, weshalb eine Therapie Hals über Kopf beendet werden soll. Hat eine Äusserung des Therapeuten Sie verärgert oder verletzt? Fühlen Sie sich falsch verstanden oder beschuldigt? Halten Sie etwas zurück, was Sie schon lange hätten sagen sollen? Haben Sie den Eindruck, es gehe nicht vorwärts? Versuchen Sie, in der Therapie über Ihre Gefühle und Gedanken zu sprechen, vielleicht sogar mit Hilfe eines Briefes, holen Sie sich notfalls Unterstützung - aber gehen Sie nicht einfach weg. Krisen gibt es in fast jeder gut laufenden Beziehung und auch in Psychotherapien, und sie zu verstehen und gemeinsam zu meistern, bringt einen oft einen grossen Schritt weiter.
Anders liegt der Fall, wenn Ihr Therapeut Ihre persönliche oder sexuelle Integrität verletzt, sich über die Schweigepflicht hinwegsetzt oder in anderer Weise die Standesregeln bricht. Dann ist es sinnvoll, dass Sie sich direkt an die Standeskommission seines Berufsverbandes wenden (Adressen: für den VPB: Mandatsliste, für die ASP: www.psychotherapie.ch, für die FSP: www.psychologie.ch, für die FMH (Verband der ÄrztInnen): www.fmh.ch.
Das Gefühl der persönlichen Bindung, das in einer Psychotherapie wächst, unterscheidet sich je nach der Arbeitsweise: Je sach- und lösungsbezogener das Vorgehen und je geringer die Therapiefrequenz und -dauer, desto mehr emotionale Distanz bleibt möglich; je intensiver und gefühlsbezogener die Therapie, desto wichtiger wird die therapeutische Beziehung. Die Färbung dieses Gefühls (z.B. ob man sich eher abhängig oder eher geborgen fühlt) unterscheidet sich je nach der persönlichen Lebensgeschichte und dem Stadium der Psychotherapie. Aber in allen seinen positiven und negativen Nuancen lohnt es Wahrnehmung und Auseinandersetzung; und das Ziel jeder psychotherapeutischen Behandlung ist, dass Sie Ihre Selbständigkeit und Unabhängigkeit bewahren, sie vergrössern oder sie wieder erringen.
Auch punkto Frequenz gibt es grosse Unterschiede, die wiederum mit den oben genannten Kriterien des Ziels, der Störung, der Methode zusammenhängen, mit dem Gewicht, das jemand diesem Prozess geben kann, und auch mit der Finanzierung. Das alles lässt sich nur im Einzelfall klären. Eine Beratung kann aus einer Stunde alle paar Wochen bestehen, eine Psychotherapie findet etwa ein bis zwei Mal pro Woche statt, eine Psychoanalyse drei bis fünf Mal pro Woche.
Eine Psychotherapiestunde kostet im Raum Basel zwischen 130 und 170 Franken. Einzelne PsychotherapeutInnen gewähren in begründeten Fällen auf Anfrage einen Sozialtarif. Klären Sie zu Beginn mit Ihrer Psychotherapeutin die Kostenfrage. Dies ist Bestandteil des Therapievertrages.
Es gibt drei verschiedene Arten, eine Psychotherapie zu finanzieren: Man bezahlt sie selber, man beansprucht sogenannte freiwillige Leistungen von der Krankenkasse, oder man rechnet sie über die KVG-Grundversicherung ab.
Wer seine Psychotherapie selber bezahlt, wahrt am besten seine Unabhängigkeit, weil keinerlei Berichte an Aussenstehende (z.B. Krankenkassen) nötig werden. Wer ein Budget aufstellen will, kann davon ausgehen, dass in rund 40 Wochen pro Jahr Psychotherapie stattfindet.
Die meisten Krankenkassen richten aus den Zusatzversicherungen freiwillige Beiträge an Psychotherapie aus. Voraussetzung ist, dass die TherapeutInnen auf der Liste des Krankenkassenverbandes santésuisse stehen (diese Bedingung erfüllen alle VPB-Mitglieder) und dass die Notwendigkeit der Psychotherapie periodisch durch einen Bericht belegt wird. Allerdings differieren die Beiträge der Krankenkassen erheblich - genaue Angaben finden Sie unter www.psychotherapie.ch (zuerst "ASP", dann "Kassenleistungen" anklicken). Um Missverständnisse zu vermeiden, lassen Sie sich am besten von Ihrer Krankenkasse eine schriftliche Zusage über die Höhe der Leistungen geben.
Aus der Grundversicherung dürfen die Krankenkassen Psychotherapie bei psychologischen PsychotherapeutInnen nur dann bezahlen, wenn es sich um so genannte "delegierte Psychotherapie" handelt. Dies bedeutet, dass die PsychotherapeutIn unter der Verantwortung eines Arztes arbeitet. In diesem Fall vergütet die Krankenkasse 90 % des fixen Stundenansatzes, und 10 % sind von Ihnen als Selbstbehalt zu tragen. Psychotherapie bei PsychiaterInnen wird wie jede andere ärztliche Leistung über die Grundversicherung abgerechnet, d.h. 10 % des Rechnungsbetrages haben Sie als Selbstbehalt zu übernehmen. Zurzeit kostet eine Sitzung bei einem Psychiater ca. Fr. 170.- bis 200.- pro Stunde.
PsychologInnen haben ein Hochschulstudium in Psychologie abgeschlossen, welches nicht notwendigerweise eine Psychotherapieausbildung beinhaltet.
PsychotherapeutInnen sind PsychologInnen (oder AbsolventInnen eines anderen humanwissenschaftlichen Studiums), die zusätzlich eine psychotherapeutische Spezialausbildung in mindestens einer wissenschaftlich anerkannten, bewährten Therapiemethode abgeschlossen haben (Psychotherapeut ASP / VPB, Fachpsychologe für Psychotherapie FSP). Sie sind dafür ausgebildet, seelisch leidende und kranke Menschen zu behandeln. (Details siehe unter: "Wie sieht die Ausbildung in Psychotherapie aus?")
PsychiaterInnen haben ein Hochschulstudium in Medizin, eine spezialärztliche Weiterbildung in psychiatrischen Institutionen und eine Psychotherapie-Ausbildung abgeschlossen (Spezialarzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie). Sie sind Fachleute für schwere Geisteskrankheiten und deren medizinisch-psychiatrische Behandlung, und sie dürfen Medikamente verschreiben.
PsychotherapeutInnen und PsychiaterInnen machen ihre psychotherapeutische Spezialausbildung oft gemeinsam und sind auf vielen Gebieten gleich qualifiziert.
Die Ausbildung zum Beruf eines psychologischen Psychotherapeuten oder einer psychologischen Psychotherapeutin ist dreistufig:
a.) Die Grundausbildung ist in der Regel ein abgeschlossenes Hochschulstudium in Psychologie.
b.) Daran schliesst sich ein mindestens einjähriges klinisches Praktikum an und
c.) die Spezialausbildung zum Psychotherapeuten oder zur Psychotherapeutin, die etwa 4-5 Jahre dauert.
Die Ausbildung vom Arzt zum Psychiater verläuft nach eigenen Standesregeln.
Die Bestimmungen der Basler Verordnung lauten im Einzelnen:
§8. Die Bewilligung zur psychotherapeutischen Tätigkeit in selbständiger Berufsausübung wird erteilt, wenn sich der Bewerber ausweist über:
a.) Studienabschluss in Psychologie als Hauptfach oder in einer entsprechenden Fächerverbindung an einer schweizerischen oder einer vergleichbaren ausländischen Hochschule. Über die ausnahmsweise Anerkennung einer von dieser Bestimmung abweichenden Grundausbildung befindet die 'Fachkommission Psychotherapeuten' im Einzelfall aufgrund der ihr vorgelegten Unterlagen. Diese Unterlagen müssen den Nachweis einer dem Hochschulabschluss vergleichbaren wissenschaftlichen Ausbildung im psychologischen Fachbereich erbringen.
b.) Ausreichende theoretische Kenntnisse im Gesamtbereich der seelischen Störungen (einschliesslich des Kindes- und Jugendalters) auf wissenschaftlich anerkannter Grundlage.
c.) Eine in der Regel insgesamt einjährige praxisorientierte Weiterbildung in direktem fachlichem Kontakt mit psychisch kranken Personen, davon mindestens ein halbes Jahr in einer psychiatrischen Klinik, Poliklinik oder in einem öffentlichen externen psychiatrischen Dienst. Diese Institutionen müssen als FMH-Weiterbildungsstätten Psychiatrie und Psychotherapie anerkannt oder diesbezüglich gleichwertig sein. Diese praktische Tätigkeit soll den Gesamtbereich psychopathologischer Zustände des Erwachsenen- oder des Kindes- und Jugendalters umfassen. Bei teilzeitlicher Tätigkeit verlängert sich die Gesamtdauer entsprechend, wobei eine Teilzeittätigkeit unter 50 % nicht angerechnet wird.
d.) Eine spezielle Ausbildung zum Psychotherapeuten. Diese muss auf einer wissenschaftlich anerkannten Psychotherapiemethode basieren, deren Wirksamkeit sich über ein breites Anwendungsgebiet erstreckt. Die Ausbildung muss die vertiefte Anwendung der gewählten Methoden auf die eigene Person sowie auf andere Personen unter fachlicher Kontrolle umfassen. Die Fachkommission Psychotherapeuten beurteilt diese Spezialausbildung in qualitativer und quantitativer Hinsicht und berücksichtigt dabei die formulierten Ausbildungsanforderungen der entsprechenden Fachrichtungen.