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«Die Rolle erfüllte mich mit Ehre»
Der Widnauer Student Daniel Leuthe schlüpfte in einem Musical der Pädagogischen Hochschule in eine anspruchsvolle Rolle. Der 26-Jährige spielte Paul Grüninger, den St. Galler Polizeikommandanten und Flüchtlingsretter.
Während des zweiten Weltkriegs half Paul Grüninger mehreren hundert jüdischen und anderen Flüchtlingen im Rheintal über die Grenze und rettete sie vor der Verfolgung der Nazis. Daniel Leuthe, der eine Zweitausbildung zum Lehrer macht und im ersten Jahr studiert, näherte sich beim Üben des Musicals dem Charakter des Flüchtlingsretters.
Name: Daniel Alter: 26 Wohnort: Widnau Beruf: Student an der PHSG in Rorschach
Du hast die Hauptrolle gespielt im Musical «Die Furtigen», das die PHSG im Frühling aufführte. Wie kam es dazu?
Daniel Leuthe: Ich bin sehr musikinteressiert. Bei der Wahl der Freifächer erkundigte ich mich über die musikalischen Angebote der PH Rorschach. Dabei weckte das Stichwort «Musical» mein Interesse und ich habe mich angemeldet. Alle, die an einem Solo interessiert waren, sollten zwei Singvideos einreichen. Anhand dieser Videos teilten die Dozierenden die Rollen zu.
Warum hast du ausgerechnet Lust auf ein Musical bekommen?
Im Juli 2019 hatte ich die Chance, mit der Widnauer Gesangsschule House of Voice nach New York zu fliegen und dort viel Neues zu lernen. Beispielsweise übten wir mit einem Gesangslehrer, der Künstlerinnen und Künstler am Broadway unterrichtet, wir hatten einen Auftritt in der Rockwoodhall und ich durfte mit dem Künstler Todd Alsup ein Lied aufführen. An einem Abend besuchten wir das Musical Wicked am Broadway. Das war das erste Musical, das ich gesehen hatte und es fasziniert mich. So entstand meine Bewunderung für das Singen, kombiniert mit Schauspiel.
Wie hast du dich auf die Rolle vorbereitet?
Ich las mich in die Geschichte Paul Grüningers ein und setzte mich mit dem zweiten Weltkrieg auseinander, was mich traurig machte und mir die düstere Seite der Menschheit zeigte. Zugleich ist in den Medien der Krieg in der Ukraine sehr präsent und der Alltag ist begleitet von viel Unsicherheit. Dadurch konnte ich Parallelen ziehen zwischen der Vergangenheit und meiner Realität. Die Recherche hat mich gelehrt, dass wir alle dafür verantwortlich sind, Menschen in Not zu helfen. Das gab mir ein Gefühl der Stärke und Ehre, Paul Grüninger zu spielen.
Was gibt dir Sicherheit, wenn du vor Publikum auftrittst?
Bereits als Teenager nahm ich Gesangsstunden im House of Voice in Widnau. Seither gehe ich jede zweite Woche in den Unterricht. Diese Routine half mir, selbstbewusst auf der Bühne zu stehen und mich mit der Musik und dem Charakter zu verbinden, wenn ich performe.
Wie hast du dich in der Grüninger-Rolle auf der Bühne gefühlt?
In den ruhigen Momenten vor der Show versuchte ich gedanklich den Paul Grüninger in mir zu wecken und mir vorzustellen, wie die Situation für ihn damals gewesen sein musste. Ich versuchte Gefühle wie Schmerz und Leid aber auch Durchhaltevermögen auf der Bühne darzustellen. Mit der Zeit merkte ich, dass ich einige ähnliche Einstellungen habe. Mein Lebensmotto ist es, Menschen zu helfen, ihnen zuzuhören und beizustehen. Das gibt mir ein gutes Gefühl. Paul Grüninger half Menschen in Not, obwohl er wusste, wie gefährlich die Situation war. Er hat viel verloren - wurde verurteilt, weil er Gesetze übertreten hatte und lebte bis zu seinem Tod in Armut - aber durch seine Taten rettete er Menschenleben und gewann dadurch so viel mehr. Diese Menschen und deren Nachfahren sind ihm wahrscheinlich heute noch dankbar.
Was wird dir von Paul Grüningers Geschichte in Erinnerung bleiben?
Dass ich für Dinge einstehen muss, die ich für richtig halte. Auch wenn es andere als falsch betrachten. Solange jemand mit guten Absichten handelt, kann es selten falsch sein. Wichtig ist es auch, sich Herausforderungen zu stellen. So lernt man sich auf eine neue Art kennen und kann daran wachsen.