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Otto Roos, Am Bielersee / Baumstudie, 1917, Öl auf Leinwand, 28 x 35 cm. Privatbesitz
Foto: Kunsthandel (Zürich)
Unter den Basler Kunstliebhabern gab es einige, die Otto Roos offenbar als Menschen sehr schätzte. Solche Menschen wurden von ihm reich beschenkt.
Ein derart Beschenkter war der Musiker Hans Münch. 1893 im damals noch deutschen Mühlhausen geboren, liess sich Münch 1924 in Basel nieder. Die Schweiz kannte er aber schon länger und fühlte sich dem Raum Basel schon früh sehr verbunden. Ab 1912 studierte er am Basler Konservatorium Klavier, Orgel, Violoncello und Komposition. Nach Kriegsende wurde er daselbst Lehrer für Klavierspiel und Chorgesang.
Cuno Amiet, Bildnis des Musikers Hans Münch, 1917, Öl auf Leinwand, 73 x 59 cm. Kunstmuseum Basel (ehemals Sammlung Karl Im Obersteg)
1935 bis 1947 amtierte Münch als Direktor von Konservatorium und Musikschule. Als Nachfolger Hermann Suters – dessen von Otto Roos geschaffene Bronzebüste wir hier im Beitrag vom Januar 2020 besprochen haben – war er von 1925 bis 1945 Dirigent des Basler Gesangsvereins und der Basler Liedertafel.
1935 übernahm Münch von Felix Weingartner die Leitung der Konzerte der Allgemeinen Musikgesellschaft. Dies sicherte ihm die Stellung eines städtischen Musikdirektors.
Münch war ausserdem als Komponist tätig, hauptsächlich von grossen Chor- und Orchesterwerken.
Für seine Verdienste um die Hebung der musikalischen Kultur in Basel wurde ihm von der Universität Basel 1939 die Ehrendoktorwürde verliehen.
Münch hatte also ein erfülltes Musikerleben, das er ganz in den Dienst der Allgemeinheit stellte.
Erholung fand er wohl in der Landschaft, sei es beim Spaziergang in der nahen Umgebung; sei es in Bildern, die es ihm erlaubten, sich nach getanem Tagwerk in deren jeweilige Stimmung zu versenken.
Wenn wir einem Papier in den Akten des Basler Kunstvereins, das mit „Notizen über Bilder v. O. R.“ überschrieben ist, glauben dürfen, hat Hans Münch sein erstes Bild des Künstlers schon im zarten Alter von 16 Jahren zum Geschenk erhalten: Eine Seelandschaft aus dem Jahre 1908, versehen mit einer Widmung: „seinem lieben Hans Münch, 30. Juni 1909“. Laut Aktennotiz handelt es sich um eine Ölstudie in Spachteltechnik. Wir haben es sicher mit einem Frühwerk zu tun. Beim Widmungsdatum kann es sich aber auch um ein Versehen handeln und sollte vielleicht 1919 heissen. Trotzdem lässt sich das Bild bislang leider keiner der zahlreichen Bielerseelandschaften, die wir von Otto Roos kennen, mit Sicherheit zuweisen. Daher folgt hierzu auch keine Abbildung.
Ein weiteres Bild, das Otto Roos Hans Münch praktisch ab Staffelei geschenkt haben muss, ist kürzlich im Kunsthandel wieder aufgetaucht und befindet sich neuerdings in Basler Privatbesitz (Siehe das Hauptbild am Kopf dieses Beitrags). Auf einer historischen Aufnahme aus dem Fotoalbum des Künstlers sieht man noch den zeittypischen Rahmen, der heute nicht mehr existiert.
Otto Roos, Am Bielersee / Baumstudie, 1917, Öl auf Leinwand, 28 x 35 cm.
Foto: Fotoalbum Otto Roos
Es handelt sich auch hier um eine Bielerseelandschaft, rückseitig mit Bleistift betitelt „Am Bielersee“, aber einige Jahre später, 1917, entstanden, und wieder „seinem lieben Hans Münch“ gewidmet, am 16. April 1917. Auch dieses Bild ist gespachtelt Das vermittelt uns immerhin eine Vorstellung von der Faktur der 1908 entstandenen Seelandschaft.
Möglicherweise gab Otto Roos das Bild Hans Münch aus Dankbarkeit über den Erwerb eines anderen, ebenfalls 1917 entstandenen Ölbilds zum Geschenk, das eine „Alte Weide“ vorstellt. Das Bild ist vermutlich kleinformatig. Sein aktueller Verbleib ist unbekannt.
Bild Otto Roos, Alte Weide, 1917, Öl auf Karton, Masse unbekannt. Aktueller Verbleib unbekannt.
Dank einer Skizze von fremder Hand in den Akten des Basler Kunstvereins von 1946 wissen wir, dass wir rechts eine Wolke und über dem Baum blauen Himmel erkennen müssen.
Otto Roos, Rhein mit Hornfelsen, um 1918, vermutlich Öl auf Leinwand, Masse unbekannt. Aktueller Verbleib unbekannt.
Ohne überliefertes Widmungsdatum, vielleicht zur Hochzeit mit Valerie Hausmann oder auch später als Geschenk überreicht hat Otto Roos Musikdirektor Hans Münch ausserdem das kompositorisch und stimmungsmässig sehr ansprechende Bild „Rhein mit Hornfelsen“. Das Bild dürfte 1918 oder 1919 entstanden sein. Auch sein aktueller Verbleib ist unbekannt.
Otto Roos, Petersinsel, 1925, Öl auf Karton, 28 x 40 cm. Privatbesitz
Das obenstehende, erst kürzlich wieder lokalisierte Bild Petersinsel erhielt Hans Münch 1945 zum 20-jährigen Dirigentenjubiläum von der Basler Liedertafel, die er als Nachfolger von Hermann Suter seit 1925 leitete, zum Geschenk.
Nach aktuellem Wissenstand besass Hans Münch zuletzt fünf Gemälde von Otto Roos und nicht vier, wie bisher angenommen.
Darüber hinaus besass Hans Münch noch zwei Zeichnungen von Roos‘ Hand, die Darstellung einer bekleideten Sitzenden von 1915 und die Darstellung eines liegenden weiblichen Aktes von 1917. Beide Zeichnungen dürften vor der Heirat mit Valerie Hausmann erstanden worden sein. Ihr aktueller verbleib ist unbekannt.
Valerie Hausmann brachte übrigens ihrerseits eine Zeichnung von Otto Roos mit in die Ehe – von der wir aber nicht einmal den Titel bzw. das dargestellte Motiv kennen.