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Dorothee Degen-Zimmermann lässt fünfzehn Zürcher Frauen zu Wort kommen, die auf unterschiedlichste Art und Weise darum kämpften, selbstbestimmt leben zu können.
«Ich habe geweint, als ich die Arbeit aufgeben musste», sagt Lide Hort-Pensa. Freiwillig kündigte die Italienerin ihre Stelle in der Spinnerei Streiff 1971 nämlich nicht – ihr Mann zwang sie dazu. Seit 25 Jahren hatten sie beide in der Textilfirma im Aathal gearbeitet und gemeinsam mit der Schwiegermutter und dem 1950 geborenen Sohn in einem der Kosthäuser gelebt. Lide Hort-Pensa war von der Schwiegermutter nie akzeptiert worden – «chäibe Tschingg» hatte diese sie beschimpft. Und ausgerechnet jetzt, nach deren Tod, sollte sie zu Hause bleiben, weil ihr Mann eine warme Mahlzeit auf dem Tisch erwartete, wenn er von der Arbeit heimkam?
Mutig, eigenwillig, lebensbejahend – diese Eigenschaften ziehen sich durch die Biografien der fünfzehn Zürcherinnen, die Dorothee Degen-Zimmermann nun in einem Buch porträtiert. Sie alle kämpften auf unterschiedlichste Art und Weise darum, selbstbestimmt leben zu können. Dabei könnten die zwischen 1924 und 1945 Geborenen unterschiedlicher nicht sein: Lide Pensa hatte ihre Heimat nahe Bergamo in Norditalien mit knapp 21 Jahren und gegen den Willen ihrer Eltern verlassen, um mit andern jungen Frauen aus der Umgebung für die vom Krieg verschont gebliebene Schweizer Textilindustrie zu arbeiten, während Erika Hug die Unternehmensleitung des traditionsreichen Zürcher Musikhauses scheinbar in die Wiege gelegt worden war.
Für viele bedeutete der selbst erkämpfte Weg Verzicht – auf Ehemann, auf Familie, auf Geborgenheit. Doch war dieser Verzicht bewusst gewählt: «Die helfende Frauenrolle hat mir nie gepasst», sagt Leni Altwegg, die heuer neunzig wird. Ausserdem sei sie «zu wenig fromm und zu politisch» gewesen, sie, die 1965 als erste Frau regulär zur Pfarrerin gewählt worden war und die in der Folge den Kampf um Gerechtigkeit für die Benachteiligten und Unterdrückten zu ihrem Lebenswerk machte: 1968 stand sie während des Prager Frühlings auf dem Wenzelsplatz, 1980 führte ihre Parteinahme für die Zürcher Jugendlichen zu einer Reihe empörter Kirchenaustritte. Dreissig Jahre lang reiste sie alle zwei Jahre nach Südafrika und engagierte sich als Teil eines weitgespannten Widerstandsnetzes erst gegen das Apartheidregime und später als Wahlbeobachterin für einen demokratischen Wandel.
«Euch zeig ich’s!», so der Titel des Buchs. Das könnte gut als Motto der darin porträtierten Frauen gelten, steht aber ebenso für die Absicht der Autorin, die soziale, politische und wirtschaftliche Veränderungskraft sichtbar zu machen, die diese Frauen in ihrem Alltag ausstrahlten. Eine Einleitung zu den verschiedenen Porträts sucht man im Buch vergebens. Und das ist auch gut und richtig so. Diese Frauenleben stehen für sich selbst.