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Auch die zweite Maihälfte war geprägt von wiederholten Schneefällen bis in den Bereich der Waldgrenze und winterlichen Verhältnissen im Hochgebirge. Ende Mai waren die Schneehöhen in hohen Lagen vor allem im Norden deutlich überdurchschnittlich. Mit den wiederholten Schneefällen besonders im Hochgebirge waren Lawinen teils leicht auslösbar. Entsprechend gab es auch verschiedene Lawinenauslösungen, wobei bei einem Unfall am Tödi (GR) zwei Personen ums Leben kamen.
Sonnige Tage waren in der zweiten Maihälfte rar. In der Höhe gehörte Neuschnee zur Normalität. So wurde zum Beispiel in der Region Davos jeden zweiten Tag im Mai Neuschnee gemessen, das ist aussergewöhnlich. Die Nullgradgrenze lag meist im Bereich von 1500 bis 2500 m, erst zum Monatsende wurde es wärmer (Abb. 1). Im Wallis, am Alpennordhang sowie in Nordbünden fielen vom 12. bis 28. Mai verbreitet 80 bis 150 cm Schnee (Abb. 2).
Vom 12. bis 26. Mai fiel fast täglich Schnee, am meisten vom 15. bis 23. Mai (Abb. 3).
Längere Sonnenphasen gab es erst zum Monatsende. So schien vom 26. bis 31. Mai oft die Sonne und die Nullgradgrenze stieg erstmals seit mehr als zwei Wochen wieder auf über 3000 m.
Bis zum 25. Mai wurden täglich Lawinenbulletins mit einer Gefahrenkarte erstellt, was ausserordentlich lang war. Somit wurden im Winter 2020/21 174 Lawinenbulletins mit einer Gefahrenkarte herausgegeben. Die Lawinengefahr wurde besonders im Westen, am nördlichen Alpenkamm und am Alpenhauptkamm oft mit erheblich (Stufe 3) eingeschätzt (Abb. 4).
Abb. 4: Verlauf der Lawinengefahr vom 12. bis 25. Mai 2021
Trockene Lawinen wurden oft in den oberflächennahen Schichten ausgelöst (Abb. 5), rissen teils aber auch tiefer in der Schneedecke an (Abb. 6).
Wie viel Schnee in der Höhe noch lag, zeigt eindrücklich ein Video von einer Staublawine am Mönch (Abb. 7).
Abb. 7: Diese Lawine am Mönch (BE) wurde vermutlich durch einen Eisabbruch verursacht. Es ist schön zu sehen, dass sie in der Sturzbahn viel Schnee mitriss und sich somit zu einer veritablen Staublawine entwickelte (Video: A. Balmer, 20.05.2021).
Obwohl die Durchfeuchtung der Schneedecke aufgrund der eher tiefen Temperaturen nur zögerlich in grössere Höhenlagen voranschritt, wurden in der zweiten Maihälfte auch nasse Lawinen beobachtet. Folgende nasse Lawinen wurden dem SLF vom 12. bis 28. Mai gemeldet:
Grössere Abgänge waren eher die Ausnahme, eindrücklich waren sie zum Teil trotzdem (Abb. 8).
Nasse Lawinen wurden zunehmend auch an hochliegenden Nordhängen beobachtet, meist waren dies aber oberflächliche Lawinen. Nasse Lawinen, welche tief in der Schneedecke anbrachen, waren vorerst noch eher selten.
Es wurden sechs Lawinenunfälle registriert, wobei insgesamt elf Personen erfasst wurden. Am 14. Mai kamen in der Tödi-Westwand zwei Personen ums Leben.
Bei einer sehr grossen Lawine an den Fünffingerstöcken (Innertkirchen, BE) gab es eine grosse Suchaktion. Glücklicherweise wurde niemand verschüttet (Abb. 11).
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.