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Die Kinder der Burger wurden in den städtischen Knaben- und Mädchenschulen auf dem Schlossberg unterrichtet. Hintersässenkinder besuchten die Schule in Hofstetten. Zudem nahm die Schule des Waisenhauses an der Bernstrasse Burgerkinder und Auswärtige gegen Kostgeld auf. 1791 waren etwa die Hälfte der im Waisenhaus unterrichteten Knaben sogenannte Kostgänger. Die Lateinschule bot den Anschluss an die höheren Schulen in Bern, dies in erster Linie im Hinblick auf eine geistliche Laufbahn.10
Obschon die politische Partizipation für Thuner nur lokal möglich war, stand ihnen bereits im Ancien Régime eine intellektuelle Karriere offen – unter anderem als Geistliche oder Lehrer. So wurde der Pietist Johann Jakob Dachs (1667–1744) aus Thun Pfarrer am Berner Münster. Der Thuner Samuel Hopf (1726–1787) war Pfarrer an der Nydeggkirche in Bern. Er und seine Familie blieben der Stadt Thun aber sehr verbunden, was Schenkungen an das Waisenhaus und an die Predigerwitwenkiste, eine Vorsorgeeinrichtung für verwitwete Pfarrfrauen, belegen. Hopf war ein verdienter Naturwissenschaftler. Auch als Lehrer an der bernischen Hohen Schule gab es gebürtige Thuner: Johann David Kocher (1764–1843) zum Beispiel war 1797–1805 Professor für Philosophie. Rudolf Abraham Schiferli (1775–1837) gehörte 1799 zu den Gründern des medizinischen Instituts in Bern und lehrte dort Chirurgie. Eine akademische Laufbahn verfolgte auch Johann Heinrich Beckh (1773–1811), der von 1805 bis zu seinem Tod im Jahr 1811 als Professor für Physik und Chemie an der Akademie in Bern amtierte.11
Titelseite der Publikation von Johann Heinrich Koch, 1764. Der Apotheker, Botaniker und Zeichner war ein wichtiger Mitarbeiter Albrecht von Hallers (1708–1777).
Er gehörte der Naturforschenden Gesellschaft Zürichs an und war Ehrenmitglied der bernischen Oekonomischen Gesellschaft, die diese bedeutende botanische Abhandlung publizierte.
Mehrere Thuner pflegten Kontakte zur europaweit bekannten Oekonomischen Gesellschaft Bern; zu nennen ist insbesondere der Apotheker Johann Heinrich Koch (1706–1787). Der Arzt Jacob Rubin (1720–1785) war Mitglied der schweizerischen Kosmographischen Gesellschaft in Zürich. Diese strebte unter dem Schutz des renommierten Professors und Gründers der Physikalischen Gesellschaft Zürich Johannes Gessner (1709–1790) «eine genauere Kenntnis der Schweiz» an. Rubin sammelte auch Material zur Thuner Geschichte. Zudem verkehrten einige Thuner mit der Helvetischen Gesellschaft. Die in Thun ansässigen Berner Patrizier dürften das geistige Leben ebenfalls beeinflusst haben. Emanuel Friedrich Fischer (1732–1811) beispielsweise, der Erbauer der Campagne Bellerive im Gwatt, war Subscribent der Oekonomischen Gesellschaft.12
Lokale Organisationen wie Lesegesellschaften sind hingegen keine bekannt. Immerhin gründeten angesehene Bürger, unter ihnen Johann Heinrich Koch und Jacob Rubin, 1785 die Bibliothek im Rathaus. Das Manual der Bibliothekskommission enthält eine Liste von Büchern. Diese sollten zusätzlich zum Grundbestand, der aus einer Schenkung stammte, angeschafft werden. Auf der Liste finden sich historische und medizinische Werke, aktuelle Wochenschriften, Hallers Staatsromane, aktuelle Reiseliteratur über die Schweiz, zeitgenössische Poesie und Prosa sowie religiöse Schriften. Heinrich Stähli (1734–1803), Dekan des Oberländer Kapitels, bat zudem die Oekonomische Gesellschaft Bern um eine vollständige Ausgabe ihrer Abhandlungen für die Thuner Bibliothek.13
Die Gründung der Bibliothek sowie die oben erwähnten Karrieren und Kontakte verweisen auf die Teilnahme der geistigen Elite Thuns am intellektuellen Leben ihrer Zeit, auch wenn in Thun selbst im Ancien Régime noch keine Aktivitäten in Form von gesellschaftlichen Lesezirkeln oder Aufklärungsgesellschaften nachweisbar sind. In vielen bernischen Regionen, beispielsweise im Emmental oder in Nidau und in der damals noch bernischen Stadt Aarau, existierten im 18. Jahrhundert Zweiggesellschaften der bereits erwähnten Oekonomischen Gesellschaft Bern. In Thun wurde eine solche jedoch erst in den 1820er-Jahren gegründet.