Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03209.jsonl.gz/617

Hier finden Sie Kurzberichte über durchgeführte Anlässe des Rittersaalvereins.
Gut 20 Mitglieder des Rittersaalvereins folgten der Einladung zur Besichtigung des in Kirchberg gelegenen Herrenhauses, bekannt unter dem Namen Tschiffeli- oder Dubois-Gut. Unter kundiger Führung von Samuel Sommer, ehemaliger Mitarbeiter der kantonalen Denkmalpflege, fand eine eingehende Besichtigung des Herrenhauses und der Gartenanlage statt.
Johann Rudolf Tschiffeli kaufte 1761 das heruntergekommene Landgut «Kleegarten» und baute es in den folgenden Jahren zu einem Muster-Landwirtschatsbetrieb um, indem er mit neuen Kleesorten, Gips und Mergel den Boden düngte und damit dessen Ertragsvermögen in kurzer Zeit erhöhte. Die höheren Erträge erlaubten eine Vergrösserung des Viehbestandes. Dank der Stallfütterung des Viehs im Sommer konnte mit dem Bau von Jauchegruben zusätzlich wertvoller Dünger produziert werden. Die Grundlagen der ersten Agrarrevolution waren geschaffen.
Mit der Gründung der ökonomischen Gesellschaft im Jahre 1758 (heute Ökonomische Gemeinnützige Gesellschaft OGG) sorgte Tschiffeli für eine vertiefte Diskussion seiner Ideen. Seine Schriften fanden eine weltweite Verbreitung.
Tschiffeli liess durch den bekannten Architekten Niklaus Sprüngli die beiden am alten Riegbau angegliederten Pavillons erstellen. Im Jahr 1770 verkauft der Besitzer das Gut an Hauptmann Ludwig Philibert Sinner. Dieser lässt durch Architekt Ahasver Carl v. Sinner, einem entfernten Vetter, den alten Riegbau zwischen den Pavillons ersetzen: Erbaut wurde ein nobler zweigeschossiger „Corps de Logis“ mit Walmdach. 1811 geht der Besitz an Philippe Heinrich Dubois von Le Locle über. Von ihm erwirbt 1830 Heinrich Roth, selber Grundbesitzer und Gemeindepräsident von Ersigen, das Gut. 1840 wird im östlichen Pavillon eine Bierbrauerei eingerichtet.
1959 kauft Alphonse Schoch den Kleehof. Nach einer umfassenden Renovation steht der Bau unter Schutz von Bund und Kanton.
Einen herzlichen Dank gebührt Frau Beatrice Schoch, heutige Eigentümerin des Hauses, für die zuvorkommende Gewährung des Hauszutritts.
Für den Rittersaalverein: Werner Kugler
Der ehemalige Oberförster und Domänenverwalter der Burgergemeinde Burgdorf führte die kleine Teilnehmerschar zusammen mit dem Leiter von Stadtgrün Burgdorf, Herr Alain Spart, über das Wallensteintäli und das Schönenbüeli. Thematisiert wurde die fortschreitende Abnahme der Biodiversität in der Schweiz und weltweit. Anhand von gelungenen Projekten konnten den Anwesenden die in den letzten Jahren getätigten Anstrengungen vor Augen geführt werden.
Alle im Raum tätigen Eigentümer (Behörden, Private, Landwirte, Interessengruppen etc) müssen von der Notwendigkeit zum Handeln überzeugt sein. Dem Austausch von Wissen und Erfahrungen unter den Akteuren muss eine vorrangige Priorität eingeräumt werden. Aufwertungsbiotope bedingen zur Entfaltung ihrer Wirkung der Vernetzung von Strukturen.
Diskutiert wurden die von Stadtgrün Burgdorf entlang der Tennisplätze angelegte Hecke, der von der Burgergemeinde gepflegte, parallel zum Obertalweg verlaufende Waldrand sowie der seit über 40 Jahren nicht mehr bewirtschaftete dem Waldrand anschliessende Wald.
In dem auf dem Schönenbüeli gelegenen Grüebli wurde die vom Naturschutzverein untere Emme angelegten Feuchttümpel begutachtet. Hier fehlt das Vernetzungselement, weshalb im Biotop kein grösserer Austausch unter Amphibienpopulationen möglich ist.
Ein wichtiges Element in der Biodiversitätsförderung stellen die Buntbrachen dar. Hier haben Kleintiere, Vögel und Insekten einen Lebensraum, welcher durch die Bewirtschaftung nicht gestört wird. So können sich störungsempflndliche Arten wie die Feldlerche niederlassen.
Vielen Dank an die beiden Exkursionsleiter
Das in Wynigen direkt neben der Dorfkirche gelegene Haus zum Wilden Mann gehört unbestrittenermassen zu einem der schönsten Gebäude im Ort. Die beiden Eigentümer – Silas Bürgi-Zentner und Alain Zentner haben in enger Zusammenarbeit mit der kantonalen Denkmalpflege mit viel Liebe zum Detail dem Gebäude ein gepflegtes Gepräge gegeben.
An einem von Silas Bürgi-Zentner geschickt konzipierten 2 ½ stündigen Rundgang wurde den 18 anwesenden Mitgliedern des Rittersaalvereins die Kostbarkeiten des Gebäudes vor Augen geführt: Die Architektur des Gebäudes mit der streng geometrischen Gliederung der Struktur von der Strassenseite aus betrachtet, die beiden grosszügig bemessenen Gewölbekeller, das liebevoll gestaltete Entree, die stilgerecht eingerichtete Gaststube sowie die übrigen Räumlichkeiten.
Der nicht aus der Gründungszeit stammende Anbau bietet Platz für Konzerte und Veranstaltungen.
Alle Teilnehmenden waren von den Ausführungen tief beeindruckt und nehmen Bilder mit, welche in der heutigen auf Funktionalismus hin gestalteten Gebäuden nicht mehr zu finden sind.
Vielen Dank für das schöne Erlebnis und die gespendete Erfrischung, Herr Silas Bürgi-Zentner.
Mehr Informationen: www.hauszumwildenmann.com
Für den Rittersaalverein: Werner Kugler
Der regenreiche Sommer 2021 führte in den drei Jurasüdfussseen zu Höchstwasserständen. Überschwemmungen mit hohen Sachschäden konnten dank dem Jahrhundertbauwerk der beiden Juragewässerkorrektionen (1868 – 1891 bzw. 1962 – 1973) vermieden werden.
Die im Schloss Nidau gezeigte, permanente Ausstellung erzählt in anschaulichen Tafeln die visionäre Idee und Geschichte der Gewässerkorrektion auf. Unser Museumsführer brachte den 13 anwesenden Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Rittersaalvereins die Überzeugungskraft und die Mühen des Arztes und Visionärs, Johann Rudolf Schneider aus Meienried, zur Realisierung des Projektes in eindrücklichen Worten näher.
Mit der Einleitung der Aare in den Bielersee, dem Bau des Nidau-Bürenkanals sowie den Uferbefestigungen der Zihl und der Broye senkte sich das Niveau der drei Seen um zwei Meter. Diese können nun - dank des in Port gelegenen Stauwehrs - ihre Aufgabe als Rückhaltebecken bei Hochwasser erfüllen und den Aargau vor Überschwemmungen bewahren. Gleichzeitig mit der Gewässerregulierung wurde das moorige Seeland trockengelegt und dient heute als eine wichtige Gegend zur Versorgung der Bevölkerung mit Gemüse.
Eine spezielle Rolle in der ganzen Geschichte spielt die Emme. Um mehr darüber zu erfahren, wird allen ein Besuch der Ausstellung im Schlossmuseum Nidau wärmstens empfohlen.
Für den Rittersaalverein: Werner Kugler