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|The following web exhibition accompanies the current exhibition by the Deutsches Plakat Museum at Triple Z (ehemalige Lohnhalle der Zeche Zollverein), Essen, Germany. Text and pictures were kindly provided by Rene Grohnert, director of the museum and curator of the exhibition.|

1987, Blind Chance
[Film Polski]
1988, Ein kurzer Film ueber die Liebe
[Polfilm]
1988, Meister und Margareta
[Teatr Polski, Bydgoszcz]
1990, Inner state
[Studio Filmowe TOR]
1990, Die Waffen der Frauen (Working Girl)
[Polfilm]
1993, Zwei Monde (Two Moons)
[Skorpion Film]
1993, Drei Farben: Blau
[Studio Filmowe TOR]
1993, Fortepian (The Piano)
[Solopan Film]
1994, Zigaretten sind Scheisse
[Landeskampagne gegen Nikotinmissbrauch]

Fantasie auf grossen Flaechen.

Plakate von Andrzej Pagowski
Rene Grohnert
Plakate sind fast immer Fantasie-Flaechen. Zum einen fliesst die Fantasie des Plakatgestalters in das Sujet ein, zum anderen ist es der Plakatkonsument, dessen Fantasie durch das Betrachten der Plakate sein Recht auf Eigenleben einfordert - wenn man Glueck hat. In dieser Beziehung haben wir mit den Plakaten von Andrzej Pagowski grosses Glueck. Seine Plakate scheinen zu grossen Teilen ganz aus Fantasie zu bestehen.
Andrzej Pagowski wurde 1953 in Warschau geboren, entwarf sein erstes Plakat noch im Studium und gewann dafuer eine Medaille - das war 1978. Seit dieser Zeit hat ihn das Plakat nicht mehr losgelassen und so entstanden bis zum heutigen Tag ueber 1.000 Plakate. Ein beachtliches Werk. Aber die Quantitaet ist nicht entscheidend sondern die Qualitaet, und die liegt bei Andrzej Pagowski vor allem in der Realisierung von eigenwilligen Bildideen, in der Uebersetzung von Woertlichem und Unausgesprochenem, von Uebertragenem ebenso wie von scheinbar Unaufloeslichem in eine emotionale - und eben fantasievolle - Bildsprache. Dieser Uebersetzungsprozess ist es, der letztlich ueber das visuelle Erscheinungsbild des Plakates entscheidet. Andrzej Pagowski - um im Bild zu bleiben - uebersetzt nicht wortgetreu sondern virtuos.
Zur Umsetzung seiner Bildideen bedient er sich einer breiten Palette von technischen Moeglichkeiten. Ueber den Einsatz von Zeichnung, Fotografie oder von Computer unterstuetztem Design entscheidet er von Fall zu Fall - je nach Aufgabe. Kombinationen aus diesen Elementen sind haeufiger als man auf den ersten Blick vermutet, denn die Plakate verlassen selten den Eindruck des Handgemachten. Diese Art der Gestaltung erleichtert die emotionale Ansprache des Plakatbetrachters. Das scheinbar Handgemachte ist im polnischen Plakat traditionell verankert, die Zeichnung auf hohem kuenstlerischem Niveau eine Voraussetzung fuer diese Art der Gestaltung.
Mit dem Einsatz der Schrift geht Pagowski ebenfalls sehr variabel um. Es sind ebenso Hand- wie Computerschriften - auch in Kombination - zu finden. Jeglicher Mitteleinsatz - also auch der der Typographie - richtet sich nach den jeweils speziellen Anforderungen.
Stand die erste Generation der polnischen Gestalter in Konkurrenz zu anderen Plakatzeichnern oder -malern, so steht die zweite und dritte Generation auch in Konkurrenz zu neuen Entwurfsmoeglichkeiten, wie sie der Computer seit Mitte der 1980er-Jahre bietet. Diese neuen Moeglichkeiten werden von Pagowski aber nicht fuer die Abloesung von der Tradition genutzt, sondern zur Weiterentwicklung der 'handgemachten' Formensprache eingesetzt. Ganz unmerklich mischen sich neue Elemente in die Gestaltung der Plakate ein, ohne den Gesamteindruck von Kontinuitaet zu brechen.
Die oftmals surrealen oder scheinbar naiven Bildwelten taeuschen dem Betrachter eine gewisse Zufaelligkeit und Spontaneitaet, ja Harmlosigkeit vor, hinter der aber kuehl kalkulierte Wirkungsabsicht steht. Es ist der zweite Blick, der den Betrachter dann unvorbereitet in das Thema hineinzieht. Damit steht Pagowski nicht nur in bester Tradition des polnischen Plakats, sondern er bestimmt dessen Entwicklung seit vielen Jahren an entscheidender Stelle mit.
Thematischer Schwerpunkt seiner Arbeiten ist der Plakatentwurf fuer das Theater - hier besonders zu erwaehnen sind seine Arbeiten fuer das „Teatr Wielki" in Warschau - und den Film. Aus seiner Hand stammen Plakate u.a. fuer Filme von Andrzej Waida, Roman Polanski und Neil Jordan. Plakatarbeiten fuer den Film werden aber immer seltener. Dies hat vor allem damit zu tun, dass auch in Polen die grossen Filmverleiher das Corporated Design ihrer Filme durchsetzen. In ganz Europa sieht man praktisch zur selben Zeit die gleichen, nur sprachlich angepassten, Filmplakate zum Neustart eines Streifens. Schade dass man hier nicht erkennt, welches, auch werbliches, Potenzial in einer regional spezifizierten Variation eines Themas stecken kann.
Auffallend an diesen Plakaten ist der bildliche Einsatz der menschlichen Hand. Wir sind es gewohnt, den Signalen der Haende unseres Gegenuebers zu folgen. Mit Gesten werden verschiedene Signale ausgesendet. Ob einladend, abweisend, geoeffnet, geschlossen oder zitternd, die Sprache der Haende bedarf in aller Regel keiner verbalen Uebersetzung. Haende werden aber bei Pagowski nicht nur gestisch eingesetzt, sondern sie werden ueberformt und so zu Zeichen fuer ganze Figuren gewandelt.
Neben den Haenden wird der Kopf einer Figur zur fantasievollen Verfremdung genutzt. Das Gesicht eines Menschen ist ein besonderer Bereich, so besonders, dass wir einen eigenen Teil des Gehirns zur Gesichtererkennung besitzen, ja sogar verschiedene Gruppen von Nervenzellen auf die Erkennung von maennlichen oder weiblichen Gesichtern spezialisiert sind. Leicht vorstellbar also, warum man so stark auf bildliche Manipulationen am Gesicht oder am Gesichtsausdruck reagiert, man hat wegen der hoch spezifizierten Erkennungsreflexe des Gehirns gar keine Moeglichkeit, nicht darauf zu reagieren. Masken etwa, die wie eine zweite Haut wirken, Augen, die aus einem Mund starren, verdeckte Gesichter oder gesichtslose Koepfe fordern unsere Nerven ungebremst heraus die eigene Fantasie projiziert sofort eigene Bilder, fuehrt das Gesehene im Kopfe fort und entscheidet sich spontan dafuer oder dagegen, ist abgestossen oder fasziniert, selten gleichgueltig. Die Plakate provozieren, wollen beim Betrachter ebenso eine emotionale Reaktion hervorrufen wie die Auffuehrungen, fuer die sie werben.
Lassen Sie sich von den Fantasie Flaechen provozieren, beruehren und verfuehren. Geniessen Sie die fremd-vertrauten Bildwelten des Andrzej Pagowski.
Die Ausstellung zeigt insgesamt 57 Plakate aus den Jahren 1987-2006. Es handelt sich um Plakate fuer den Film, das Theater sowie um Plakate fuer politisch und sozial engagierte Themen.

1997, Tango
[Teatr Wspolczesny, Warschau]
1998, Luegner
[Teatr Wspolczesny, Warschau]
2002, Anatevka (Fiddler on the Roof)
[Panstwowy Teatr Zydowski, Warschau]
2003, Wir wollen in der Union leben
[Media i Marketing Polska]
2004, Das Neue Russische Kino
[Filmoteka Narodowa]
2005, 9. Ludwig-van-Beethoven-Osterfestival
[Ludwig-van-Beethoven-Verein, Krakow]
2005, XI. Landesfestival der Angenehmen und Unangenehmen Kuenste
[Teatr Powszechny, Lodz]
2005, Steppunterricht
[Teatr Powszechny, Lodz]
2006, A Good Women. Ein Sommer in Amalfi
[Solopan Film]
Andrzej Pagowski Biographie
|1953||geb. in Warschau, verh. 4 Kinder|
|1973-1978||Studium an der staatlichen Universitaet der bildenden Kuenste in Poznan, u.a. bei Waldemar Swierzy. Studienabschluss mit einem Plakatprojekt.|
|1978||Erstes Plakat „Ehemann und Ehefrau" gewinnt eine Bronzemedaille auf der Internationalen Biennale fuer Grafik Design in Brno.|
|1979-1989||Selbstaendige Taetigkeit, ueberwiegend Plakatentwuerfe|
|1990||Gruendung von "STUDIO P"|
|1992-1998||Art Director des Playboy Magazine in Polen|
|1993||Gruendung von „STUDIO P" als Werbeagentur: Entwurf von Illustrationen und Cartoons, Entwurf von Schallplatten, CD- und Buchhuellen. Es entstehen Buehnenbilder fuer Theater und Fernsehen. Drehbuch und Regie fuer Werbefilme und Musikvideos, Entwurf von Marken und Signets. Entwurf und Durchfuehrung von Werbekampagnen, zahlreiche Auszeichnungen fuer Kalenderproduktionen, u.a. in Zusammenarbeit mit Franciszek Starowieyeski und Wiktor Sadowski|
|2004||Gruendung der Agentur KreacjaPro in Warschau:

Arbeiten u.a. fuer die polnische Post, Radiopolski, VISA, ING Bank und Discovery Channel
|1978||Internationale Biennale fuer Grafik Design, Brno Bronzemedaille|
|1983||Polnische Plakat Biennale, Katowice Silbermedaille|
|1985||Ausstellung/Wettbewerb Musikplakate, Lodz erster Preis|
|1980-1993||Wettbewerb der besten Theater und Filmplakate, Los Angeles sechs erste und zahlreiche zweite und dritte Preise|
|1982-1987||Internationaler Filmplakat-Wettbewerb, Chicago eine Gold-, zwei Silbermedaillen|
|1993||Plakat Biennale, Warschau Silbermedaille (Gruppe Werbeplakate)|
|1996||Plakatwettbewerb zum 1.000jaehrigen Bestehen von Gdansk erster Preis|
|2000||Museum on the Seam, Jerusalem, Plakatwettbewerb „Coexistence" Wahl in die Ausstellung mit einem Plakat|