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Römerstadt Koblenz
(klicken sie das Bild an für Grossansicht)
Das
obere Mittelrheintal ist eine der grossartigsten und ältesten
Kulturlandschaften in ganz Europa und gilt als der Inbegriff der
Rheinromantik. Die grosse Vielfalt und die Schönheit des Mittelrheins
hat auch die UNESCO gewürdigt und den rund 65 km langen Abschnitt
zwischen der alten Römerstadt Koblenz und den Städten Bingen und
Rüdesheim im Jahr 2002 in die Reihe der Welterbestätten aufgenommen.
Seit je her hat dieser Abschnitt des Rheins Maler, Dichter, Denker und
Musiker inspiriert. Kein Wunder, sucht das enge Durchbruchstal des
Rheins durch das Rheinische Schiefergebirge mit seinen Baudenkmälern,
den an schmalen Ufern wie Perlen an einer Schnur aufgereihten Siedlungen
und seinen rebenbesetzten Hängen in Europa doch Seinesgleichen.
Aussergewöhnlich ist auch die Zahl der Burgen, Schlösser und Festungen:
Rund 40 derartige Anlagen zwischen Koblenz und Bingen zeugen von der
strategischen Bedeutung, die der Rhein schon in früheren Jahrhunderten
hatte.
Deutsches
Eck
Durch die Ansiedlung des Deutschen Ordens am Zusammenfluss von Rhein und
Mosel im Jahr 1216 erhielt dieser geschichtsträchtige Platz seinen Namen
„Deutsches Eck“.
Dem Zusammenfluss von Rhein und Mosel verdankt Koblenz auch seinen Namen
– „Castellum apud Confluentes“, lateinisch für „das Kastell bei den
Zusammenfliessenden“. Daraus wurde im Laufe der Zeit schliesslich der
heutige Name Koblenz.
Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal
Im
Jahre 1888, kurze Zeit nach dem Tode Kaiser Wilhelm I., entstand die
Idee, dem Kaiser, der nach drei Kriegen die vollendete Einigung
Deutschlands herbeigeführt hatte, ein Denkmal zu setzen. Drei Jahre
später, 1891, wählte der Enkel des Verstorbenen, Kaiser Wilhelm II., das
Deutsche Eck in Koblenz als geeigneten Ort. Um Platz für das Denkmal zu
schaffen wurde ein Nothafen, der sich zu dieser Zeit an der Moselmündung
befand, zugeschüttet.
1893-1897 schliesslich wurde das Denkmal von Bruno Schmitz, dem
Gestalter des Leipziger Völkerschlachtdenkmals und Emil Hundrieser
errichtet. Am 31.08.1897 war es dann soweit: Das kupfergetriebene
Denkmal Kaiser Wilhelm I. wurde in Anwesenheit Kaiser Wilhelm II.
feierlich eingeweiht.
Am 16. März 1945, kurz vor Ende des 2. Weltkrieges, wurde das Denkmal
durch eine amerikanische Artilleriegranate zerstört. (Tipp: Der
eindrucksvolle Kopf des alten Kaiserdenkmals ist noch heute im
Mittelrhein-Museum in Koblenz zu besichtigen!)
Im Mai 1953 wurde der verbliebene Sockel von Bundespräsident Theodor
Heuss zum Mahnmal der Deutschen Einheit gemacht. Bis 1993 thronte auf
dem verlassenen Sockel ein Flaggenstock mit der deutschen Bundesflagge.
Am 02. September 1993 wurde eine Rekonstruktion des Denkmals auf den
Sockel gehoben, finanziert durch eine Bürgerinitiative und die private
Spende eines Koblenzer Geschäftsmannes.
Das insgesamt 37 Meter hohe Monument – 14 Meter entfallen übrigens
allein auf das Reiterstandbild, das Kaiser Wilhelm I. mit einem Genius
zeigt – ist heute Besuchermagnet für mehr als 2 Millionen Menschen
jährlich und gehört seit 2002 zum Unesco Welterbe Oberes Mittelrheintal.
Festung
Ehrenbreitstein
118
Meter über dem Rhein hat man von der Festung aus den wohl
fantastischsten Ausblick auf Koblenz und den Zusammenfluss von Rhein und
Mosel.
Die Festung Ehrenbreitstein, die größte erhaltene Festung Europas, wurde
in ihrer heutigen Gestalt zwischen 1817 und 1828 erbaut. Ihr Ursprung
reicht aber bis in das Jahr 1000 zurück. Neueste archäologische Funde
weisen eine Besiedelung in vorchristlicher Zeit nach. (Tipp: Einige
Bereiche der Ausgrabungen können besichtigt werden.)
Der Konradiner Ehrenbert liess um das Jahr 1000 eine Burg erbauen, aus
deren Namen „Ehrenbertstein“ im Laufe der Zeit „Ehrenbreitstein“ wurde.
Im 11. Jahrhundert ging die Burg in den Besitz des Trierer Erzbischofs
Poppo über, dessen Nachfolger die Anlage vergrößerte. Im 12. Jahrhundert
wurde der Burgberg um die Burg Helfenstein bereichert, Sitz der späteren
Grafen. Im 15. Jahrhundert erfolgte unter Erzbischof Richard von
Greiffenclau der Ausbau zu einer gegen Artillerie gesicherten Festung.
(Tipp: Besichtigen Sie die beeindruckende, zu Ihrer Zeit grösste Kanone
Europas „Vogel Greif“ im Landesmuseum auf der Festung Ehrenbreitstein,
die noch heute an dieses Jahrhundert erinnert.)
Während des Dreissigjährigen Kriegs verzeichnete die Burg einen regen
Besitzerwechsel. 1797 belagerten französische Truppen die Festung,
konnten aber erst 1799 durch Aushungern eine Übergabe erzwingen. 1801
liessen sie die Festung sprengen. Im Jahre 1815, nachdem durch den
Wiener Kongress die rheinischen Gebiete Kurtriers zum Königreich
Preussen übergingen, befahl König Friedrich Wilhelm I. den Ausbau
Koblenz` zur Festungsstadt, es entstand eine der grössten
Festungsanlagen Europas. Nach dem 1. Weltkrieg sollte der
Ehrenbreitstein gemäss den Bestimmungen des Versailler Vertrages
geschleift werden, glücklicherweise sah die Interalliierte
Militär-Kontrollkommission in Berlin 1922 davon ab, nachdem unter
anderem der US-amerikanische General Allen glaubhaft machen konnte, dass
die Festung nicht mehr kriegswichtig sei. Zunächst besetzten
amerikanische Truppen den Ehrenbreitstein, ihnen folgten in den Jahren
1923 bis 1929 französische Soldaten.
Heute befinden sich auf der Festung neben dem Landesmuseum Koblenz mit
seiner Sammlung technischer Altertümer, der archäologischen Sammlung mit
sehenswerten Funden aus der Region in hervorragender Präsentation sowie
aktuellen Sonderausstellungen auch das Ehrenmahl des Heeres und die
Jugendherberge Koblenz.
Im Sommer empfiehlt es sich, die Festung mit dem Sessellift oder auch zu
Fuss zu erklimmen und an einer der interessanten Festungsführungen
teilzunehmen.
Kurfürstliches Schloss
Kurfürst
Clemens Wenzeslaus war der erste Kurfürst der die ehemalige
Residenzstadt Ehrenbreitstein verliess und das Rheinufer wechselte: Von
1777 bis 1786 liess er das Kurfürstliche Schloss im Stil des
französischen Klassizismus errichten. Infolge der französischen
Revolution musste der Kurfürst 1792 erstmalig vor den französischen
Truppen fliehen, ein paar Jahre später verliess er Koblenz für immer.
In den Jahren 1850 – 1857 amtierte hier als preussischer
Militärgouverneur Prinz Wilhelm – später bekannt als Kaiser Wilhelm I,
dem am Deutschen Eck ein Denkmal gesetzt wurde. Gemeinsam mit seiner
Gattin Augusta residierte er im Kurfürstlichen Schloss. Kaiserin Augusta
beauftragte den Landschaftsplaner Lenné, das Rheinufer zu gestalten –
heute die wunderschönen Kaiserin-Augusta-Anlagen
1944 wurde das Kurfürstliche Schloss bis auf die Außenmauern zerstört,
in den Jahren 1950/51 wieder aufgebaut. Heute wird das Schloss als
Behördensitz genutzt und ist nicht zu besichtigen.
Zur Bundesgartenschau 2011 wird das Kurfürstliche Schloss inmitten des
neu gestalteten Schlossgartens in neuem Glanz erstrahlen. Der Mittelteil
des Schlosses wird dann auch der Öffentlichkeit im Rahmen von
Veranstaltungen und Kongressen wieder zugänglich sein.
Schängelbrunnen
Der
Schängelbrunnen steht im heutigen Rathaushof, umringt von den
Barockbauten des Jesuitenensembles. Er wurde 1941 von Carl Burger
entworfen und ist dem Koblenzer Heimatdichter Josef Cornelius
(1849-1943) gewidmet, der den Text zu dem bekannten Schängellied, der
Hymne der Koblenzer, verfasste.
Der Begriff Schängel findet seinen Ursprung in der 20-jährigen
Zugehörigkeit (1794-1814) der Stadt Koblenz zu Frankreich. Er bezeichnet
die in diesem Zeitraum geborenen deutsch-französischen Kinder, die
oftmals den Namen Jean (deutsch: Johann) trugen. Durch den Koblenzer
Dialekt wurde aus Jean Schang. Über die Zeit entwickelte sich hieraus
schliesslich Schängel, eine Verniedlichung des Schang.
Mit diesem Brunnen hat man nicht nur dem Koblenzer Schängel und seinen
Streichen ein Denkmal gesetzt, sondern auch den Koblenzer Bürgern. Die
Bronzefigur spuckt in unregelmäßigem Rhythmus einen Wasserstrahl mehrere
Meter weit über das Brunnenbecken hinaus. Also, nehmen Sie sich in Acht!
Deutschherrenhaus
Das
Deutschherren- oder Deutschordenshaus in Koblenz war die erste
Niederlassung des Deutschen Ordens im Rheinland überhaupt.
Erzbischof Theoderich von Wied rief die Ritter des Deutschen Ordens 1216
nach Koblenz und schenkte ihnen einen Teil des Geländes des St.
Kastor-Stiftes, das unmittelbar an der Stelle gelegen war, wo die Mosel
in den Rhein mündet, mitsamt dem dort befindlichen
St.-Nikolaus-Krankenhaus. Eine Motivation für die Ansiedlung des Ordens
war in dessen Eignung für die Krankenpflege zu sehen.
Aufgrund der Zerstörungen von 1944 ist von den weiträumigen Bauten des
deutschen Ritterordens lediglich das ehemalige Verwaltungsgebäude – das
Deutschherrenhaus – erhalten geblieben. Hier befindet sich seit 1992 das
Ludwigmuseum mit zeitgenössischer, vorwiegend französischer Kunst.
Kirchen
Kirchen prägen in der Regel das Bild einer Stadt nicht
zuletzt durch ihre herausragenden und von Weitem oft sichtbaren Türme.
Drei romanische Kirchen prägen in Koblenz vor allen Dingen die
Silhouette der Altstadt: St. Kastor, Liebfrauen-und Florinskirche.
Basilika
St. Kastor
Am
Zusammenfluss von Rhein und Mosel begann Erzbischof Hetti von Trier um
817 mit dem Bau der Kirche.
In dem 836 geweihten romanischen Gotteshaus fanden im Jahre 842
Verhandlungen der Gesandten der Söhne Ludwigs des Frommen statt, die
schliesslich zur Teilung des fränkischen Reichs im Vertrag von Verdun
(843) führten.
Der jetzige Bau entstand allerdings vorwiegend Ende des 12.
Jahrhunderts.
Am 30. Juli 1991 hat Papst Johannes Paul II. die Kastorkirche zur
basilica minor erhoben.
Amüsant ist die Geschichte zu dem Brunnen auf dem Platz vor der
Basilika, dem Kastorbrunnen. Der französische Präfekt Doazan ließ 1812
etwas voreilig, in Erwartung des siegreichen Ausgangs von Napoleons
Russlandfeldzug, noch vor Ende des Feldzuges folgende Inschrift in den
dort stehenden klassizistischen Brunnen meisseln:
"A Napoleon le Grand, an.
MDCCCXII Memorable par la
Campagne contre les Riusses sous la Prefecture des Jules Doazan."
(dt.: An Napoleon den
Grossen. 1812 zum Gedenken an den Russlandfeldzug unter der Präfektur
von Jules Doazan).
Bekanntlich endete der Russlandfeldzug mit einer verheerenden Niederlage
Napoleons.
Die siegreichen russischen Soldaten kamen auch in das von den Franzosen
verlassene Koblenz. Der neue, russische Stadtkommandant bewies Humor,
als er am 1. Januar 1814 unter die von Doazan eingemeisselte Lobpreisung
Napoleons seine Bestätigung, natürlich in französisch, hinzufügte:
"Vue et approuvé par nous, le Commandant Russe de la Ville de
Coblence."
(dt.: Gesehen und genehmigt von uns, dem russischen Kommandanten der
Stadt Koblenz)
Damit verewigte er die Erinnerung an Napoleons Niederlage und das Ende
der französischen Zeit in Koblenz.
Liebfrauenkirche
Die
Liebfrauenkirche ist immer schon (neben St. Kastor) die
Stadtpfarrkirche von Koblenz gewesen. Ihre Anfänge reichen ins 5.
Jahrhundert zurück, als die Franken in dem römischen Gemäuer ein
Gotteshaus errichteten.
Unter Verwendung der Fundamente wurde sie mehrmals um- und ausgebaut.
Die Doppelturmfassade im Westen korrespondiert in ihrer repräsentativen
Wirkung mit den Westfassaden der ehemaligen Koblenzer Stiftskirchen St.
Kastor und St. Florin.
Die Liebfrauenkirche hat 4 Glocken in ihrem Glockenturm. In Erinnerung
an die Schliessung der Stadttore und den damit verbundenen Zapfenstreich
wurde das Läuten der Barbaraglocke, der so genannten "Lumpenglocke",
über die Jahre beibehalten. Jeden Abend um 22 Uhr läutet auch heute noch
die "Lumpenglocke". Danach schweigen Geläut und Stundenschlag bis zum
frühen Morgen.
Der alte Pfarrhof der Liebfrauenkirche befindet sich unmittelbar südlich
der Florinskirche.
Florinskirche
Die
Florinskirche war die Kirche des aufgelösten Chorherren-Stiftes St.
Florin und ist heute eine evangelische Gemeindekirche im Stadtzentrum.
Das dreischiffige romanische Langhaus mit den beiden Türmen wurde um
1100 errichtet. Um 1200 erhielten die Türme spätromanische Giebel. Die
Gotik brachte um 1350 einen neuen Chor, der auf dem Stumpf eines
römischen Stadtmauerturms steht. Um 1467 stockte man den Bau zwischen
den Türmen auf.
Nachdem 1794 französische Revolutionstruppen Koblenz besetzt hatten,
wurde St. Florin 1803 säkularisiert und als Magazin genutzt.
Die Kirche sollte 1807 auf Veranlassung Napoleons sogar zu einem
städtischen Schlachthaus mit Verkaufsständen umfunktioniert werden.
Doch dazu kam es nicht, da die Preussen 1815 das Regiment in Koblenz
übernahmen und König Friedrich Wilhelm III. das Gebäude im Jahr 1818 der
evangelischen Militär- und Zivilgemeinde übertrug. Es wurde 1820 als
evangelische Pfarrkirche geweiht und somit zum ersten evangelischen
Kirchengebäude in Koblenz. Im Jahr 1899 erhielten die Türme ihre spitzen
Turmhelme.
Das
Innere des Kirchenschiffs ist harmonisch und klar proportioniert.
Barocke Putten in den Ecken erinnern daran, dass das erst im 16.
Jahrhundert eingezogene Gewölbe nach der Zerstörung von 1688 im Jahr
1708 wiederhergestellt wurde. Im Gewölbe über dem Taufbecken steckt eine
Kanonenkugel. Sie wurde bei der Reparatur des Gewölbes hier eingefügt,
um an die Zerstörung der Stadt zu erinnern.
Bundesgartenschau 2011
Vom
15. April bis 16. Oktober 2011 findet in Koblenz mit der ersten
rheinland-pfälzischen Bundesgartenschau eine farbenfrohe, fröhliche
Grossveranstaltung statt, die weit über die Stadtgrenzen hinaus die
gesamte Region bewegen und diese zu einem starken Anziehungspunkt für
Besucher aus Nah und Fern machen wird. Bereits jetzt sind die
Bauarbeiten voll im gang und lassen auf eine prachtvolle Schau
schliessen.
Fotoalbum
Koblenz