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Der Expeditionssommer 1995 im Karakorum (Pakistan)
II notiziario delle ALPI
iouvelles des ALPES
Nach dem leichten Rückgang, der 1994 beobachtet werden konnte, gleichen die Zahlen des Expedi-tionssommers 1995 an den Bergen von Pakistan wieder denen von 1993: 58 Expeditionen wurden durchgeführt. Davon hatten 29 einen Achttausender als Ziel. Am K2 kamen acht Alpinisten ums Leben.
Abgesehen von den Expeditionen zu hohen Bergen haben 823 Personen Trecks in sogenannte « restricted zones » ( bewilligungspf lichtige Gebiete ) unternommen. Was die « offenen » Trekking-Gebiete betrifft, verfügt man über keine Besucherzahlen, da es für diese Regionen keine Bewilligungen braucht.
Zugangsbeschränkungen und Bussen Die Abteilung Sport und Tourismus der pakistanischen Regierung, die die Bewilligungen für Expeditionen und Trekkings in Pakistan ausstellt, wendet seit diesem Jahr eine Politik an, mit der die Zahl der Expeditionen an jeden Achttausender auf sechs beschränkt wird. Weiter hat sie Ausbildungskurse für potentielle Expedi-tions-Begleitoffiziere organisiert, die aus den Reihen der Armee, des pakistanischen Alpenclubs und der « Adventure Foundation of Pakistan » rekrutiert wurden. Bei dieser Ausbildung wird Nachdruck auf die Umweltschutzmassnahmen, die in Zukunft zunehmend strenger angewendet werden sollen, gelegt. So wurden 1995 bereits 12 Expeditionen gebüsst, weil sie Zelte und Seile am Berg zurückgelassen hatten. Diese Massnahmen erscheinen als zu hart. Priorität sollte vielmehr dem weitaus dringenderen Problem der Beseitigung des Abfalls, der von verschiedenen Expeditionen in den Basislagern zurückgelassen wird, zukommen.
Expeditionen Achttausender und Gasherbrum IV Die Zahl der Expeditionen, die Pakistan im Sommer 1995 besucht haben, ist wieder ungefähr gleich wie vor zwei Jahren, nachdem sie 1994 zurückgegangen war. Von den 58 Expeditionen mit 384 Bergsteigern, die zwischen Mai und September unterwegs waren, haben sich 29 den Achttausendern zugewandt. Davon gingen je sechs an die folgenden Berge: K2, Gasherbrum I, Broad Peak, Nanga Parbat; fünf hatten den Gasherbrum II als Ziel. Die Grosse der Gruppen lag im allgemeinen unter sechs Teilnehmern. Der Grund dafür sind wohl -zumindest teilweise - die höheren Gebühren, die zur Zeit für mehr als sechs Alpinisten zählende Expeditionen verlangt werden. Nur 22 Gruppen ( 37umfassten mehr als sechs Bergsteiger. Dies dokumentiert verglichen mit 1994 eine Veränderung: Im letzten Jahr waren von total 50 Expeditionen 60% grosse Gruppen.
14 ausländische Alpinisten und zwei pakistanische Träger sind in der vergangenen Saison ums Leben gekommen. Am K2 ( 8611 m ) starben acht Alpinisten. Dies entspricht 13 % der insgesamt 45 Bergsteiger der sechs Expeditionen, die diesen Berg angingen. Proportional gesehen ist diese Tragödie damit noch grosser als jene von 1986, als 13 von insgesamt 97 Bergsteigern ( elf Expeditionen ) verunglückten. 1993 und 1994 hat der K2 je vier Menschenleben gefordert. Die verschiedenen Ereignisse haben die Gründe für die so hohe Todesrate am Abruzzen-Sporn des K2 recht deutlich aufgedeckt: - Die ausserordentliche Gewalt der Stürme, die den oberen Teil des Berges plötzlich erreichen können.
Blick vom Sia Kangri auf Gasherbrum I ( in der Mitte ) sowie Gasherbrum II, IM und IV ( linksDie Fehleinschätzung der Zeit, die man benötigt, um vom letzten Lager oberhalb der Schulter auf den Gipfel auf- und wieder ins Camp abzusteigen.
Der lange, steile und gefährliche Abstieg von der Schulter bis zum grössere Sicherheit bietenden Gletscher weiter unten.
1995 wurde der K2 von zwei amerikanischen und zwei spanischen Gruppen sowie von einem niederländischen und einem australisch-neuseeländi-schen Team besucht. Bergsteiger aus vier dieser Expeditionen haben den Gipfel erreicht. Unter den acht Alpinisten, die ums Leben kamen, sind vier Spanier, ein Amerikaner, ein Kanadier, ein Neuseeländer und eine Britin ( vgl. MB 10/95, S.446 ).
Am 5. Juli kam Jordi Angles Soler, Mitglied der spanischen ^-Expedi-tion « Terrassa », durch unbekannte Umstände ums Leben. Am 13. August verliessen zehn Bergsteiger, die zu drei verschiedenen Expeditionen gehörten, das höchste Lager ( ca. 7900 m ), um Richtung Gipfel aufzubrechen. Es handelte sich dabei um P. Hillary und B. Lindsay Grant ( Neuseeland ), J. Lakes ( Kanada ), die Britin Alison Hargreaves, R. Slater ( USA ) und die Spanier L. Ortiz, J. Olivar, J. Escartin, J. Garces und L. Ortas.
Hillary kehrte unterhalb des « Bottleneck » ( Flaschenhals, ca. 8100 m ) um, Jeff Lakes einige Stunden später und weiter oben. Lakes stieg allein ins Lager 4 ab, wo er in seinem Zelt von einer Lawine überrascht wurde. Er verbrachte die Nacht vom 13. auf den 14. August auf dieser Höhe, versuchte am nächsten Tag ohne Erfolg, seine Ausrüstung auszugraben, und begann dann seinen Abstieg über den Abruzzen-Grat zum Camp 2 - ohne Steigeisen, Pickel, Der Broad Peak ( 8047 m ) vom Südgrat des K2 ( auf ca. 7000 m ) aus gesehen Klettergurt oder Abseilgerät! Er überlebte den Abstieg, kam am 15. August um halb zwei morgens in Camp 2 an, dehydriert und erschöpft, aber ohne Erfrierungen. In derselben Nacht starb er im Schlaf, vermutlich an Erschöpfung. Erste Meldungen, wonach Lakes sich am 13. August bereits früh im Abstieg befunden hatte, um dann wieder aufzusteigen und den in Not geratenen Bergsteigern zu helfen, stimmen demnach nicht. Am 13. August um sechs Uhr abends erfuhr man im Basislager per Funk, dass Hargreaves, Slater, Grant, Ortiz, Olivar und Escartin den Gipfel erreicht hatten. Das sollte die letzte Nachricht der Alpinisten sein. Spät am Abend des gleichen Tages entdeckten die zwei Spanier Garces und Ortas, die die Nacht vom 13. auf den 14. August in ihrem höchsten Camp ( auf ca. 8000 m ) verbrachten, das Licht von Stirnlampen absteigender Bergsteiger in der Zone des Bottleneck. Doch das Lager erreichte keiner der sechs Alpinisten. Als die Spanier am 14. August weiter über die Südrippe ( die sie bereits im Aufstieg begangen hatten ) abstiegen, entdeckten sie die Leiche von Hargreaves auf ca. 7400 m in der Südflanke des K2; von den anderen Bergsteigern keine Spur.
Am 13. August, gegen 18 Uhr, beobachteten andere Bergsteiger mit dem Feldstecher vom Broad Peak aus eine Gruppe von Alpinisten unterhalb des Gipfels des K2, die gegen die stürmischen Windböen ankämpften. Anzunehmen ist, dass die sechs Bergsteiger am K2 ihr Leben wegen der überaus starken, stürmischen Winde und der damit verbundenen Kälte verloren haben ( vgl. MB 10/95, S.446 ).
Die sechs Expeditionen an den 8047 m hohen Broad Peak ( zwei aus Deutschland, je eine aus den USA, aus Spanien, aus Japan und Korea ) brachten alle einige ihrer Teilnehmer auf den Gipfel; ein Koreaner verlor aber sein Leben. Am Gasherbrum I ( Hidden Peak, 8068 m ) waren drei Expeditionen ( aus Spanien, China und aus der Slowakei ) erfolgreich, während die drei anderen ( aus den USA, aus Tschechien und Korea ) ohne Erfolg blieben. Dem 17 Teilnehmer umfassenden Team aus China war das Glück besonders hold, da ihm sowohl die Besteigung des Gasherbrum I als auch jene des Gasherbrum II ( 8035 m ) gelang. Letzterer wurde durch Mitglieder einer Gruppe von sieben Schweizern unter der Leitung von Karl Kobler aus Bern erfolgreich bestiegen ( vgl. MB 11/95, S.486 ). Weitere Versuche am Gasherbrum II wurden von zwei deutschen Teams sowie von einer österreichischen und einer japanischen Gruppe unternommen. Den schwierigeren Gasherbrum IV ( 7925 m ) gingen zwei Gruppen aus Slowenien und Korea an; dabei kam ein slowenischer Alpinist ums Leben.
Fünf Expeditionen besuchten den Nanga Parbat ( 8125 m ): zwei japanische, von denen eine ( zehn Teilnehmer ) den Gipfel erreichte; die weiteren Gruppen stammten aus den USA ( drei Teilnehmer ), aus Italien ( vier ) und aus Grossbritannien ( fünf ).
Alpen-Nachrichten a. < Andere Massive Im Trango-Massiv waren sechs Teams unterwegs; vier davon schafften die Besteigung des « Nameless Tower » ( 6251 m ). Einige neue Routen wurden eröffnet. Weitere Versuche wurden in diesem Gebiet von Japanern und von einer russisch-amerika-nischen Gruppe unternommen. Letztere versuchte auch, die Besteigung des Muztagh Tower durchzuführen.
An folgenden Bergen blieben die Besteigungsversuche verschiedener Gruppen erfolglos ( in Klammern die Herkunft der Alpinisten ): Chogolisa ( USA ), Masherbrum ( USA ), Diran ( Japan ), Spantik ( Team von fünf Schweizern unter der Leitung von Martin Stettier aus Frutigen ), Lupghar Sar ( Korea ), Latok II ( D ), Kunyang Chish ( Japan ), Bobisghir ( GB ), Baintha Brak ( F ), Skil Brum ( I ), Buni Zorn ( Japan ).
Andere Expeditionen bestiegen erfolgreich die Gipfel Haramosh ( GB, zwei Tote ), Rakaposhi ( Kolumbien ), Spantik ( F ), Tirich Mir ( Korea, zwei Tote; Japan; GB ) und Istor-O-Nal ( A ).
Einfluss der Gesetze Die neue Politik, die darauf abzielt, eine zu hohe Fréquentation der Achttausender zu vermeiden, scheint im grossen und ganzen viele Alpinisten dazu gebracht zu haben.
schwierigere Routen an weniger hohen Bergen zu erkunden. Das Interesse für die unzähligen unbestiegenen Gipfel scheint aber zur Zeit noch sehr klein zu sein.
Trekking Neben den Expeditionen zu hohen Bergen haben 129 Gruppen ( 823 Personen ) Bewilligungen für Wanderungen in bewilligungspflichtige Gebiete ( ( restricted zones> ) erhalten. 93 dieser Gruppen ( 485 Personen ) besuchten dabei das Gebiet des Baltoro-Glet-schers. Die pakistanischen Behörden führen keine Statistik über die Ausländer, welche die offenen Gebiete ( ), für die es keine Genehmigung braucht, besuchen.
Genaue Informationen über die einzelnen, bewilligungspflichtigen oder uneingeschränkt offenen, Gebiete erhält man bei der Abteilung Sport und Tourismus der pakistanischen Regierung in Islamabad.1 Trevor Braham, Lausanne ( üGovernment of Pakistan, Sports and Tourism Division ( Tourism Wing ), 13-T/U, Commercial Area F-7/2, Islamabad, Pakistan Der Baintha Brak I ( 7285 m ) vom Uzun-Brak-Gletscher aus gesehen
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