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SemesterpOST Nr. 6, Herbstsemester 2007
"Kalter Krieg im Kosmos"
Vor 50 Jahren versetzte der erste künstliche Satellit namens "Sputnik" am 4. Oktober 1957 die Welt in einen regelrechten Sputnik-Schock. Nur vier Wochen später katapultierte die Sowjetunion das erste Lebewesen – die Hündin Laika – ins All. Der Sowjetunion war im Herbst 1957 etwas gelungen, wovon die Menschheit bisher nur träumen konnte: Die Eroberung der grossen Weiten des Weltraums. Zudem hatte die UdSSR mit der kleinen, piepsenden Metallkugel und der armen Hündin Laika den erbitterten Wettlauf ins All, der seit Jahren den Kalten Krieg zwischen den Supermächten USA und Sowjetunion prägte, für sich entscheiden können. Es war egal, dass Sputnik lediglich im Sekundentakt monoton ein schrilles Geräusch von sich geben konnte oder Laika bereits kurze Zeit nach ihrem Start einen qualvollen Hitzetod im All erleiden musste. Die Tatsache, dass die Sowjetunion die transkontinentalen Langstreckenraketen und die technischen Mittel für ein solches Unterfangen besass, war eine Weltsensation. Für uns sind diese Ereignisse vor 50 Jahren Anlass, uns in diesem Semester eingehender mit Filmen aus der Zeit des Kalten Krieges sowie mit Filmen zum Raumfahrtfieber zu beschäftigen. In Zusammenarbeit mit der Filmreihe "Science Fiction" des Stadtkinos Basel wird am 18. Oktober 2007 im Kino der sowjetische Stummfilmklassiker "Aëlita" (1924) und am 22. Oktober 2007 die ostdeutschpolnische Produktion "Der schweigende Stern" (1960) gezeigt. Assoz. Prof. Dr. Monica Rüthers und Dr. des. Julia Richers geben gemeinsam am 22. Oktober im Vorfeld eine Einführung in das osteuropäische Kosmos- und Raumfahrtfieber. Im Rahmen des Seminars "Osteuropa im 'Kalten Krieg'" (Heiko Haumann) und des Einführungskurses "Himmelsstürmer – Sowjetische Raumfahrt zwischen Wettrüsten, Technikkult und sozialen Utopien" (Julia Richers) wird es zudem im November eine Filmreihe zu kosmischen und irdischen Filmen aus der Zeit des Kalten Krieges geben. Für das Programm bitte Aushänge beachten.
5. November 2007: Studientag mit Freiburg im Breisgau
Das Thema Film und Neue Medien in Osteuropa wird uns auch am diesjährigen Studientag mit dem Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte der Universität Freiburg i.Br. beschäftigen. Am Montag, 5. November, werden wir in Freiburg über "Film, Fotos, Fernsehen – Neue Medien in der Osteuropäischen Geschichte" diskutieren. Seit vielen Jahren hat sich der fachwissenschaftliche Austausch mit dem dortigen Team um Professor Dietmar Neutatz für Studentinnen und Studenten sowie für beide Lehrstuhlteams immer wieder als äusserst fruchtbar erwiesen.
Am vergangenen Studientag hatten wir im Februar in Basel gemeinsam über "Literatur als Quelle" diskutiert. Damals stand schon fest, sich nun weiteren, so genannten Neuen Medien anzunähern. Dabei werden wir die Schwerpunkte der Theorie- und Quellentexte auf die sowjetische Nachkriegszeit legen. Den genauen Programmablauf, der wie gehabt aus studentischen Vorträgen sowie Plenumdiskussionen über Theorie und Quellen besteht, entnehmen Sie bitte den Aushängen im Historischen Seminar. Interessierte sind herzlich gebeten, an diesem Studientag teilzunehmen. Auskünfte erteilen gern alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Basler wie des Freiburger Lehrstuhls.
Freundes- und Förderkreis Osteuropa
Auch während des Herbstsemesters wird der Freundes- und Förderkreis wieder ein interessantes Programm anbieten. Folgende Daten und Themen sind bereits vorgesehen:
27. September 2007
Workshop "Ein Erbe des Kalten Krieges: Radioaktive Verseuchung im Gebiet der Ex-Sowjetunion" zur Vorbereitung einer Tagung am 26. April 2008: Vorträge von drei Ärzten mit Diskussion, im Institut für Pathologie, Schönbeinstr. 40, 4031 Basel, 18.15-19.30 Uhr
17. Oktober 2007
Pius Frick (Entwicklungsdienst in Lichtenstein) zu allgemeinen (entwicklungspolitischen) Problemen der Republik Moldau.
13. Dezember 2007
Podiumsdiskussion mit Ulrich Schmid (NZZ-Korrespondent) zur Lage in Weissrussland und in der Ukraine.
Über einen Vortrag im November wird noch verhandelt.
Der an der Generalversammlung im Januar 2007 neu gewählte Vorstand hat die Aufgaben neu verteilt. Die verschiedenen Tätigkeitsbereiche der Vorstandsmitglieder wie der Arbeitsgruppen sind auf der Website einsehbar:
www.osteuropa.unibas.ch
Termine
7. November 2007, Buchvernissage "Die Russische Revolution 1917"
An die Bürger Russlands! Die Provisorische Regierung ist gestürzt. Die staatliche Gewalt ist in die Hände des Organs des Petrograder Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten, des Militärischen Revolutionskomitees, übergegangen, das an der Spitze des Proletariats und der Garnison von Petrograd steht. Die Sache, für die das Volk gekämpft hat: unverzüglicher Abschluss eines demokratischen Friedens, Abschaffung des Eigentumsrechts der Gutsbesitzer am Land, Arbeiterkontrolle über die Produktion, Schaffung einer Sowjetregierung – dies alles ist gesichert. Es lebe die Revolution der Arbeiter, Soldaten und Bauern!
Das Militärische Revolutionskomitee des Petrograder Sowjets der Arbeiter und Soldatendeputierten. 25. Oktober 1917, 10 Uhr morgens.
Vor 90 Jahren war dieser schlicht anmutende Aufruf der Startschuss zur Oktoberrevolution, die nach der Kalenderumstellung in Russland heutzutage auf den 7. November fällt. Des Jubiläums wegen schrieben die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Basler Osteuropäischen Geschichte gemeinsam das Studienbuch "Die Russische Revolution 1917" (UTB 2950, erscheint ab 19. September im Buchhandel). Im Mittelpunkt des Buches stehen die Menschen in Russland und ihre Lebenswelten. Von ihnen aus werden in exemplarischen Schilderungen die Ursachen der Revolution von 1917 entwickelt, Alternativen einer möglichen Umwälzung der zaristischen Gesellschaft erörtert und Prägungen der Revolutionäre vorgestellt. Aus der Sicht von Akteuren, ihren Wahrnehmungen, Erfahrungen und Verhaltensweisen in den beiden Metropolen Petrograd und Moskau, in kleineren Städten und in Dörfern, im Zentrum und an der Peripherie des Reiches verfolgen die Autorinnen und Autoren den Verlauf des Jahres 1917, die Hoffnungen, die mit der Revolution verbunden waren, sowie die Ziele der Revolutionäre. Es werden die langfristigen Utopien, die in der neuen Gesellschaft einen "Neuen Menschen" tätig werden sahen, und schliesslich das Schicksal der Revolution in den folgenden Jahrzehnten beleuchtet. Darüber hinaus wird die Resonanz der Revolution in der Welt thematisiert und danach gefragt, was von der Russischen Revolution bleibt, wie sie erinnert wird. Die Pluralität von Sichtweisen kommt zur Sprache, aber auch die Einordnung der Revolution in eine langfristige Perspektive.
Das Erscheinen unseres Buches wollen wir mit einer Buchvernissage gebührend mit Ihnen feiern. Am 7. November 2007 lädt das Slavische Seminar der Universität Basel zum Vortrag des Bochumer Slavistikprofessors Dr. Bernd Uhlenbruch ein (Vortragsort wird noch bekannt gegeben). Er wird uns mit seinem Referat über "Das Konzept der Masse in den Revolutionsfilmen von Eisenstein" ab 16 Uhr auf den Revolutionsabend einstimmen.
Anschliessend werden wir ab 18.30 Uhr mit der Vernissage beginnen, bei der selbstverständlich auch ein Apéro in Form eines russischen Buffets gereicht wird.
Auch hier entnehmen Sie bitte demnächst nähere Informationen unseren Internetseiten (http://osteuropa.unibas.ch/ sowie histsem.unibas.ch/bereiche/osteuropaeische-geschichte/aktuell/) und beachten Sie bitte die Aushänge.
Wir freuen uns auf Ihr Kommen.
15. Juni 2007: Osteuropatag in Bern
Am 15. Juni 2007 fand in Bern der jährliche Osteuropatag aller wissenschaftlichen Osteuropa-Institutionen in der Schweiz statt. Im Rahmen dieses Treffens wurde die Wichtigkeit einer Koordination der Studiengänge Slavistik und Osteuropäische Geschichte zwischen den Universitäten Basel, Bern, Fribourg und Zürich hervorgehoben. Es wurde angekündigt, dass der nächste gesamtschweizerische Graduiertenkurs zum Thema "Sprachkulturen und Sprachpolitik in Osteuropa" am 12. und 13. Juni 2008 in Zürich stattfinden wird. Die Veranstaltung ist interdisziplinär ausgelegt und Doktoranden aus den Bereichen Literaturwissenschaft und Linguistik sowie Geschichte werden daran teilnehmen.
Arbeitsgemeinschaft zur jüdischen und osteuropäischen Geschichte und Kultur
Im Sommersemester stand Pierre Bourdieus Habituskonzept im Mittelpunkt der Arbeitsgemeinschaft, an der wieder mehr als 20 Studentinnen und Studenten teilgenommen haben. Neben den sehr anspruchsvollen Texten Bourdieus, die wir uns in vier thematischen Sitzungen erschlossen haben, gab es wieder eine Reihe von höchst aufschlussreichen Vorträgen. Oxana Nagornaja sprach über russische Kriegsgefangene im Ersten Weltkrieg, Valerie Andres und John Keep berichteten über sowjetische Internierte in der Schweiz und Walter Pietsch gab einen Einblick in die Ständegesellschaft des Königreichs Ungarn. Rolf Malte behandelte Eliten in Polen unter russischer Herrschaft, Christoph Augustynowicz wandte sich Juden in Sandomierz zu und Igor Narskij appellierte, Fotos als Quellen zu nutzen. Abschliessend sprach Irene Aue über das Werk Selma Stern-Täublers.
Im kommenden Herbstsemester stehen theoretische Texte zum "Neuen Mensch" im Lesemittelpunkt der Arbeitsgemeinschaft, die sich wie in den Jahren zuvor mittwochs zwischen 14 und 16 Uhr im Historischen Seminar treffen wird. Hier werden Abhandlungen aus der Sowjetunion, dem Faschismus und dem Zionismus gelesen und einander gegenübergestellt, um einen Einblick in die Diskussionen über die Erschaffung eines neuen Menschen zu erhalten.
Zudem haben wir zahlreiche Nachwuchswissenschaftlerinnen und –wissenschaftler aus dem In- und Ausland gewinnen können, die aus ihren aktuellen Forschungsprojekten berichten werden. Daten und Themen entnehmen Sie bitte dem beiliegenden Kolloquiumsprogramm.
Personelles
Seit Juni 2007 betreut Sabine Rohner im Sekretariat unseren Lehrstuhl. Wir hoffen sehr, dass es ihr in unserem Team gut gefallen wird.
Von Mai bis Juli arbeitete an unserem Lehrstuhl der russische Historiker Professor Dr. Igor Narskij aus Čeljabinsk. Der Schweizerische Nationalfond hatte Narskij ein dreimonatiges Forschungsstipendium gewährt, das er dafür nutzte, sein Buch zur Fotografie als Quelle fertig zu schreiben. Professor Narskij ist einer der international renommiertesten Historiker Russlands und in Basel kein Unbekannter. Seit 2002 leitet er gemeinsam mit Professor Heiko Haumann das "Virtuelle Seminar zur Geschichte Russlands" (http://isem.susu.ac.ru/ sowie isem.susu.ac.ru/welcen) und damit verbunden die Kooperation zwischen den Universitäten Basel und Čeljabinsk. In einem Vortrag im Juni präsentierte Narskij in Basel vor einem grossen Publikum sein neues Forschungsprojekt. Dabei überzeugte sein Plädoyer für eine neue Kulturgeschichte, die er exemplarisch anhand von sowjetischen Familienfotografien aus den 1960er Jahren belegte. Narskijs Buch wird in russischer Sprache im kommenden Jahr veröffentlicht werden. Darin wird es auch ein Kapitel über Basel geben. Die Zusammenarbeit mit Narskij wird indes weiter ausgebaut; so hoffen wir, ihn eventuell auch einmal für einen Lehrauftrag gewinnen zu können.
Hinweise auf weitere Veranstaltungen
17. September 2007
Beginn der Vorlesungen an der Universität Basel; Ende der Vorlesungen am 21. Dezember 2007 (neue Semesterdaten)
3. November 2007
Universität St. Gallen, 9. Arbeitstreffen des Forums Ostmittel- und Südosteuropa (FOSE) zum Thema "Umkämpfte Vergangenheit: Erinnerungskulturen und Geschichtspolitik in Ostmittel- und Südosteuropa"
29. November 2007
"Die Generallinie" – Stummfilm von Sergej Eisenstein und anschliessend Diskussion zur Kollektivierung der Landwirtschaften in der Sowjetunion, im Rahmen des Proseminars "Geschichte der Ukraine" (Jörn Happel), im Übungsraum 1 des Historischen Seminars, Hirschgässlein 21, 4051 Basel, ab 19.00 Uhr
Kontakt
Lehrstuhl für Osteuropäische und Neuere Allgemeine Geschichte
Historisches Seminar der Universität Basel
Hirschgässlein 21
CH-4051 Basel
<email-pii> / www.osteuropa.unibas.ch
Die nächste semesterpOST erscheint im Februar 2008 zu Semesterbeginn.