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Nachruf
Am 1. September, im Alter von 61 Jahren, wurde Walter Keller mitten aus dem Leben gerissen.
Mütterlicherseits ein Halbitaliener, wuchs er in Uster auf. An der Uni Zürich belegte er als brillanter Student die Fächer Volkskunde und Germanistik. Blitzgescheit und mit einem scharfen Blick für kulturelle Phänomene entwickelte er sich dann zu einem agilen Arbeitstier als Verleger, Redaktor, Buchhändler, Galerist und Ausstellungsmacher. Mit Nikolaus Wyss gründete er 1978 die Zeitschrift «Der Alltag, Sensationsblatt des Gewöhnlichen». Er veröffentlichte Rosmarie Buris Autobiografie «Dumm und dick», die ein Bestseller wurde.
«Basta mit dem Jammern über die Kunstkritik in Zürich. Agieren!» Das war die Devise, mit der er Bice Curiger und mich ermutigte, 1984 mit ihm die deutsch-englische Kunstzeitschrift «Parkett» zu gründen, die nun seit dreissig Jahren besteht. Zehn Jahre lang blieb er unser Mitherausgeber. Niemals hätten wir das schöne Abenteuer ohne ihn gestartet.
1991 gründete er, unterstützt von seinem Freund George Reinhart, den Scalo Verlag und einen internationalen Vertrieb mit einem Standbein in New York, an dem sich auch die Verleger Patrick Frey und Andreas Züst beteiligten. Walter Keller publizierte hochwertige Fotobände von Weltklassekünstlern wie Robert Frank oder Nan Goldin. In der ehemaligen Hutfabrik Welti an der Weinbergstrasse eröffnete er eine Buchhandlung und Galerie für Foto und Kunst, die er 2003 an das Limmatquai 18 verlegte. Doch fünfzehn Jahre nach der Verlagsgründung musste er den Konkurs seines gesamten Geschäfts anmelden. 2006, im gleichen Jahr, verlieh im die Stadt Zürich die Heinrich–Wölfflin-Medaille für seine kulturellen Verdienste.
Auch das Fotomuseum in Winterthur verdankt die Existenz wesentlich Walter Kellers Initiative und seiner Fähigkeit, Mitstreiter wie Urs Stahel, den langjährigen Direktor dieser weltweit geschätzten Institution, zu animieren und zu unterstützen.
In den letzten Jahren leitete er erneut eine eigene Fotogalerie an der Oberdorfstrasse 2 und richtete als Ausstellungsmacher vier Ausstellungen im Landesmuseum ein. Die letzte, «Grosses Kino. Die Schweiz als Film», läuft noch bis zum 19. Oktober.
Mutig stellte er sich immer neuen Herausforderungen. Optimistisch überwand er Rückschläge und Verluste und verlor dabei nie seinen Humor. Walter Keller war eine Lichtfigur. Wo er wirkte, entstand und pulsierte Kultur. Tag und Nacht blieb er für seine Freunde verfügbar, die dankbar für die beflügelnde und reiche Zeit mit ihm sind.
Jacqueline Burckhardt