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Als Composer in Residence bei Lucerne Festival konnte er seine Dreifach-Begabung ausspielen und passte nicht nur deshalb ausgezeichnet zum diesjährigen Motto «Diversity».
Die Musik des britischen Komponisten ist äusserst «sophisticated» und von diversen Einflüssen geprägt. Seine Inspiration entzündet sich etwa, wenn er mit seinen mächtigen Pranken in die Tasten greift und Stücke der grossen Meister spielt.
Mit seiner Übersicht über das Repertoire fühlt sich Thomas Adès manchmal beim Komponieren so, als ob er mehrere Radios um sich herum hätte, die ihm zusätzliche musikalische Ideen zuspielen. Neben seinen eigenen Klangideen baut er gerne auf älterer Musik auf, hinterfragt sie, denkt sie weiter oder amalgamiert sie in seine brillante und hintersinnige Tonsprache. So ist die in Luzern uraufgeführte «Air» für Violine und Orchester eine Umformung der Passacaglia: Den üblichen Ostinatobass erhebt er in elysische Geigenhöhen und macht ihn so zu einer sich verselbstständigenden Ostinatomelodie.
Im Gespräch erzählt der 51-jährige Brite ausserdem, wie er während seiner Schulzeit gemobbt wurde - weil er Männer liebt. In der Musik aber fand er einen Ort der Freiheit und entdeckte in der Musikgeschichte Seelenverwandte wie Pjotr Iljitsch Tschaikowsky. Wie prägend diese Erfahrungen waren und wie viel Autobiografisches in Werken wie seiner tragikomischen Kammeroper «Powder Her Face» oder seinem Erfolgsstück «Asyla» steckt, verrät er ebenfalls in diesem sehr persönlichen Interview.