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Für die Zuschauerinnen und Zuschauer aus unterschiedlichen Altersgruppen spielte Dylan und seine fünfköpfige Band vorwiegend Titel aus seinem letzten Album «Rough and Rowdy Ways».
Der 82-Jährige stand im ausverkauften und bestuhlten Auditorium Stravinski auf der Bühne. Der Platz im Publikum war für gerade mal 1500 Personen beschränkt worden. Sonst haben üblicherweise 4000 Menschen Platz. In der Geschichte des Festivals war bisher nur Keith Jarrett bei gleicher Bestuhlung aufgetreten.
Alte Hits spielte die amerikanische Ikone in Montreux nicht. Das neuste und 39. Studioalbum Dylans, das sowohl akustischen Folk als auch elektrischen Blues enthält, zeugt auch von seiner legendären, poetischen Prosa. 2016 erhielt der Lyriker den Literaturnobelpreis.
Das 20. Jahrhundert definiert
«Es war phänomenal. Er hat sich aus dem Süden der USA zurückgemeldet», sagte ein Besucher nach dem Konzert zu einer Reporterin der Nachrichtenagentur Keystone-SDA vor Ort. Im Gegensatz zu früheren Konzerten seien die Stücke unverkennbar gewesen, fügte der Besucher an.
«Er ist für die Popmusik das, was Jean-Luc Godard für den Film ist: Ein Mensch, der das 20. Jahrhundert definiert hat. Das finde ich sehr bewegend», sagte ein weiterer Fan. Dylan hatte seine Karriere Anfang der 1960er Jahre begonnen. Seitdem verkaufte er mehr als 125 Millionen Alben.
Der Chef des Fernsehsenders TV5 Monde und Kenner der Ikone, Yves Bigot, fasste auf Anfrage von Keystone-SDA den Abend nüchtern zusammen: «Super gut, genial.»
«Kein Schnickschnack»
Andere Stimmen klangen skeptischer: «Was ich bedaure, war der Mangel an Interaktionen mit dem Publikum, das machte das Konzert monoton», sagte eine Zuschauerin.
Wie bei seinen jüngsten Konzerten in Frankreich, die auf ein gemischtes Echo stiessen, zog Dylan sein Konzert durch. Er spielte ein Stück nach dem anderen, mal stehend, mal hinter seinem Klavier sitzend. Auch hielt er kaum inne, wenn der Applaus lange anhielt. Dann blätterte er durch seine Partitur. Der 82-Jährige wandte sich nur ans Publikum, um seine Musiker kurz vorzustellen und ein «Thank you» auszusprechen.
«Vor dem Publikum zu stehen, ist sein Maximum an Interaktion», sagte eine Konzertbesucherin und ihr Begleiter kommentierte: «Mit ihm gibt es keinen Schnickschnack.»
Keine Fotos und Videos
Mit Dylan gibt es auch kein Handy im Saal. Der Superstar, der als einer der einflussreichsten Musiker des 20. Jahrhunderts gilt, verhängte ein Foto- und Videoverbot. Die Besuchenden mussten am Eingang ihre Handys in einer Hülle versiegeln lassen, Fotografen waren ebenfalls keine zugelassen. Das Publikum kam dieser Forderung bereitwillig nach.
Dylans aktuelle Europatournee umfasst rund 20 Termine mit Montreux als einzigen Stopp in der Schweiz. Dylan war letztmals 2012 in Montreux gewesen - am letzten Festival, das Gründer Claude Nobs noch miterlebt hat. 1990, 1994, 1998 und 2001 trat er in Montreux ebenfalls auf - jedes Mal mit vielbeachteten Konzerten.