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Einmal mehr erschüttert ein Missbrauchsskandal das nordamerikanische Eishockey. Der Beschuldigte ist dieses Mal Clark Donatelli, ehemaliger Headcoach der Wilkes-Barre/Scranton Penguins, dem AHL-Team der Pittsburgh Penguins. Er soll nach einem gemeinsamen Abendessen mit seinem Assistenztrainer Jarrod Skalde und dessen Frau im November 2018 diese sexuell belästigt und dann auch missbraucht haben. Das geht aus der Anklageschrift hervor, die dem kanadischen TV-Sender TSN vorliegt.
Skalde und seine Frau erheben aber nicht nur Vorwürfe gegen Donatelli, sondern auch gegen die Organisation der Penguins. Sie werfen den Penguins und deren damaligem Assistenz-General-Manager Bill Guerin (mittlerweile General Manager der Minnesota Wild) vor, die Whistleblower-Gesetze des US-Bundesstaats Pennsylvania verletzt zu haben.
Zwar habe Donatelli die Organisation kurz nach den Anschuldigungen von Jarrod Skalde verlassen – er trat aus «persönlichen Gründen» zurück, wurde aber nicht offiziell entlassen. Die Penguins sollen Skalde aber auch aufgefordert haben, den sexuellen Missbrauch seiner Frau gegen aussen zu verschweigen, damit nichts an die Öffentlichkeit gerät. Und sie haben ihn im Sommer 2020 entlassen. Weil er den Übergriff von Donatelli gemeldet hat, glaubt Skalde. Wegen Corona-Sparmassnahmen, sagen die Penguins.
«Von den 21 Angestellten in der sportlichen Leitung der Wilkes-Barre/Scranton Penguins hat das Management im Sommer 2020 nur Mr. Skalde entlassen», heisst es in der Anklageschrift. Bereits zuvor seien dem Assistenztrainer Zuständigkeitsbereiche entzogen worden.
Die Skaldes hätten zudem in Erfahrung gebracht, dass Donatelli nicht zum ersten Mal mit solchen Vorwürfen konfrontiert worden sei. Gemäss der Anklageschrift habe es «unzählige andere Episoden» von unangebrachtem Verhalten seitens des Cheftrainers gegeben – sexueller und anderer Art. Das Management der Penguins hätte darüber Bescheid gewusst, die Tatsachen aber ignoriert, weil Donatelli ein «erfolgreicher Coach» gewesen sei.
Donatelli selbst gab zu Protokoll, dass er zu betrunken gewesen sei, um sich an die Vorfälle vom November 2018 zu erinnern. Er habe sich aber später noch bei Jarrod Skalde und dessen Ehefrau entschuldigt und versichert, dass er sich in Therapie begeben werde. Eine Entschuldigung seitens der Penguins-Organisation habe es dagegen nie gegeben. (abu)