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© Text Marco,
molodezhnaja 14.6.07
© Bilder criterion, Screenshots molodezhnaja
|Early Spring

Soshun; Früher Frühling; 早春 (Japan, 1956)
Länge: 145 Minuten. Japanisch mono mit englischen Untertiteln.

Nach seinem künstlerischen und kommerziellen Erfolg mit Tokyo Story im Jahr 1953 nahm Altmeister Yasujiro Ozu eine kurze Auszeit, um danach gestärkt und voller Tatendrang sein filmisches Spektrum zu erweitern, ohne dabei seinen Stil zu verraten. Er drehte ab 1956 mindestens einen Film pro Jahr und schuf Alterswerke, von denen einige mindestens einen so guten Ruf erlangten wie Ozus bekannteste Filme. Criterion widmet dieser späten Phase von Ozus Schaffen die dritte "Eclipse"-Box, die ab "Early Spring" seine Filme bis zu seinem Tod 1963 umfasst - ausser der allerletzten Arbeit The Autumn Afternoon sowie den 59er-Filmen Good Morning und Floating Weeds, die bereits auf Criterion-Disks erschienen sind.
Den Auftakt des Sets bestreitet also "Early Spring", ein Film, ganz typisch Ozu, und doch etwas anders. Das Studio Shochiku bat Ozu, sich etwas mehr auf jüngere Figuren zu verlagern, um ein neues Alterssegment im Publikum erschliessen zu können. Dem Wunsch kam Ozu nach, ohne jedoch die Weisheit, Subtilität und Gemächlichkeit aufzugeben, welche die grossen Ozu-Figuren stets auszeichneten. Im Zentrum steht das junge Paar Shoji (Ryo Ikebe) und Masako Sugiyama (Chikage Awashima), in dessen Ehe es seit dem Tod des gemeinsamen Sohnes kriselt.
Shoji beginnt eine Affäre mit seiner lebensfrohen Bürokollegin Chiyo (Keiko Kishi), die von allen Goldfisch genannt wird. Damit riskiert er seine Ehe und Ozu hat sein Leitmotiv des Films. Oder besser gesagt ein Leitmotiv, das eine Figur spät im Film formuliert: "Sei gut zu deiner Frau". Natürlich ist dies eine sehr vereinfachte Feststellung, denn beide Eheleute haben Probleme, der Tod des Kindes nahm sie mit und sie leben sich in der kalten Arbeitswelt Tokios auseinander. Und doch bleibt Ozu simpel: sei gut zu deiner Frau. Punkt. Bestechend einfach.
Oder doch nicht ganz, denn etwas früher im Film klingt es noch ernüchternder: "Wir sind auch nicht glücklich, aber wir leben weiter". Das klingt nach Resignation und Fügung im Dienste des Zusammenhalts. Und tatsächlich ist "Early Spring" trotz seiner für Ozu-Verhältnisse recht emotionalen und impulsiven Figuren ein relativ düsterer Film. Ehebruch ist eines der handfesteren Themen, das Ozu anpackt, wo er sich sonst eher auf Generationskonflikte oder gesellschaftliche Veränderungen fokussiert. Jenes sind breiter gefächerte Ideen. Ehebruch dagegen ist sofort fassbar und die Dramatik des ganzen Films daher im Nu etabliert. Das ist ungewöhnlich für den Regisseur.
Junge Akteure, handfestes Problem, ja sogar eine Kamerafahrt durch einen Bürokorridor - das klingt nach einem neuen Ozu, nach Tokyo Story verändert. Doch der Mann bleibt sich trotzdem treu, "Early Spring" trägt oft bis ins Detail die Handschrift des Meisters. Von den simplen Kameraeinstellungen auf Augenhöhe über die Ozu'sche Sprechposition, bei der der Körper statisch bleibt und der Kopf sich zum Dialogpartner bewegt, bis hin zu den Alltagsproblemen, den Gesellschaftsumwälzungen, dem durch Simplizität bestechenden Ende und der ruhigen Montage: alles ist da, raffiniert wie eh und je.
Stilistisch entzückt "Early Spring" daher jeden Ozu-Fan. Auch mir gefiel er dahingehend gut, doch was ich besonders schätzte, war die Lebensnähe. Ozu hatte sich schon vor dem Krieg der Arbeiterschicht gewidmet, nun kehrt er zu ihr zurück und illustriert den repetitiven Arbeitsalltag der "Salarymen", die monotonen Pendlerströme und nicht zuletzt die Abstumpfung durch diesen Trott. Das hat Hand und Fuss und trotzdem Ozus naturalistisch-minimalistische Poesie. Diese Kombination war für mich persönlich erfrischender, als der etwas dogmatisch inszenierte Tokyo Story. Als ob Ozu nun sagen konnte, doch, stilistisch bin ich derart versiert und ikonographisch, da kann ich mit dem Format mal etwas spielen. Der Film wirkt daher lockerer. Ob sich das auf die Qualität niederschlägt, ist diskutabel. Ich würde daher nicht sagen, er sei besser als andere Ozu-Werke ... aber zugänglicher. Und wer dachte, damit habe Ozu seine düsterste Stunde hinter sich, der sollte den Nachfolger Tokyo Twilight anschauen.
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Tokyo Twilight

Tokyo boshoku; 東京慕色 (Japan, 1957)
Länge: 141 Minuten. Japanisch mono mit englischen Untertiteln.

Melodramatik ist das Kryptonit der Cineasten. Deckt sich ein Film Sentimentalität ein, mit kalkulierenden Tragödien, um beim Zuschauer maximalen Effekt zu erzeugen, dies im "schlimmsten" Fall auch noch mit Tränen unterlegt, dann findet bei den meisten Kritikern ein automatisierter Abwertungsmechanismus statt. Ähnlich etwa, wenn europäische Kritiker in einem Film eine US-Flagge sehen. Schlagartig sinkt der Goodwill. Innert Sekunden revidiert man seine Meinung. Daran hatte auch Yasujiro Ozu zu nagen. Nicht an der US-Flagge, aber an seinem Einsatz von Melodramatik.
Klassische Ozu-Filme zeichneten sich seit je her durch Minimalismus, Naturalismus und Subtilität aus. Für so etwas vermeintlich Profanes wie Melodramatik blieb da kein Platz. Doch bereits in Early Spring hatte er mit diesem ihm zuvor weitgehend fremden Mittel experimentiert. "Tokyo Twilight" repräsentiert Ozus deutlichsten Flirt mit der Melodramatik und entsprechend schroff war der kritische Konsens in Japan. Nicht wenige Cineasten taten das Drama als eines von Ozus schlechtesten ab.
Eigentlich nicht einzusehen, denn stilistisch ist der Meisterregisseur noch ganz derselbe. Die Bilder und der Inhalt sind ungleich düsterer, vielleicht sogar so finster wie sonst in keinem anderen Ozu-Film, doch das Framing und der Schauspielstil sind gewohnt Ozu-esk, trotz unglücklicher Menschen und winterlichem Ambiente ist Ozus Stil jederzeit erkennbar. Wo er hingegen Neues wagt, ist die Story. Sie dreht sich um den nicht sonderlich sensiblen Banker Shukichi Sugiyama (Chishu Ryu), dessen Frau ihn vor Jahren verlassen hat und der daher seine Töchter alleine grossziehen musste. Die ältere, Takako (Setsuko Hara), ist unglücklich verheiratet und hat ein Kind. Die jüngere, Akiko (Ineko Arima), ist latent unzufrieden und vertreibt ihre Melancholie mit ihrem Geliebten Kenji (Masami Taura).
Doch eines Tages wird sie schwanger und setzt einen Prozess in Gang, der die Familie auseinander brechen lässt. Die Saat dazu ist schon früh gestreut, immerhin fehlt die Mutter in dieser "Nuclear Family", doch durch Akikos Abdriften reift der Konflikt zu voller Blüte. Ozu ist dabei pickelhart und tischt dramatische Ingredienzien auf, die man auch in einem Pilcher-Roman entdecken würde. Doch dies mit ungeheurer Eindringlichkeit und Wahrheit. Grösstes Lob reserviere ich dabei nicht für Ozu, sondern für die Schauspieler.
Die meisten davon gehören zu Ozus Stammcrew. Daher hat man sie regelrecht als Archetypen im Kopf: der sanfte Vater, die Tochter, die Klatschtante - Ozus Welten ähneln sich, ebenso die Figuren, vor allem, wenn sie durch dieselben Akteure verkörpert werden. Doch hier weichen alle, obwohl in ihren typischen Parts, von der Norm ab. So etwa Papa Chishu Ryu. Man kennt ihn als stets lächelnden, netten, etwas introvertierten Mann. Hier entwickelt gerade seine In-sich-Gekehrtheit enorme Kälte. Er wirkt abweisend und doch fordernd. Die ältere Tochter, gespielt von der stets bezaubernden Setsuko Hara, kommt damit etwas besser klar, doch auch sie härtet ab. Kein Vergleich zur aufkeimenden Lebenslust in Late Spring.
Den bleibendsten Eindruck dürfte jedoch die junge Ineko Arima hinterlassen, deren Leid und Orientierungslosigkeit einfährt. Das Tragische dabei ist, dass Ozu zwar ein wenig Grund für Optimismus am Schluss bereit hält, doch dass er diesmal die Hoffnungslosigkeit dominieren lässt. "Die Liebe zwischen Eltern und Kind ist der natürlichste Instinkt von allen", wird einmal gesagt, doch selbst dieser Instinkt versagt hier. Ein besonders zynischer Schnitt etwa zeigt Akiko in der Abtreibungsklinik. Sie betritt die Operationsecke - der nächste Cut zeigt Takakos spielendes Baby. Melodramatik auf gehobenem Niveau, inszeniert, als erster Nachkriegsfilm des Regisseurs, vor klirrender Winterkälte. In ihr reifen Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit. Ozu auf Bergmans Spuren. Und für mich ein starker Film. Vielleicht gerade wegen der gescholtenen Melodramatik.
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|Equinox Flower

Higanbana; Sommerblüten; 彼岸花 (Japan, 1958)
Länge: 118 Minuten. Japanisch mono mit englischen Untertiteln.

Welch Freude es ist, nach Ozus düsterstem Film Tokyo Twilight in einen Pool voller Farbe einzutauchen: Für "Equinox Flower" hat das Studio Shochiku dem Meisterregisseur aufgebrummt, in Agfacolor zu drehen - Ozu war, wie schon beim Wechsel von Stummfilm auf Tonfilm auch beim Sprung von Schwarzweiss zu Farbe etwas zögerlich. Daher brauchte es Druck von oben, der primär darauf abzielte, die neue Shochiku-Schönheit Fujiko Yamamoto in edlen Farben abzubilden. Ozu liess sich jedoch nicht lumpen und setzte das neue Filmmaterial gleich von Beginn weg fulminant ein. Die "Pillow Shots" (Szenen-einbettende Stillleben) und das klassische Framing sind immer noch da, jetzt jedoch gefüllt mit einer reichhaltigen Farbpalette - und genussvollen Tupfern von knalligem rot, etwa in Form von Handtaschen, Teekrügen oder roten Blumen. Ein Flair, das Ozu bei fast allen seinen Farbfilmen beibehielt.
Mit der Farbe kehrte auch die Freude in den Film zurück: "Equinox Flower" dürfte neben Good Morning einer von Ozus amüsantesten Filmen sein, obwohl der Stoff geradeso gut Richtung Tragödie hätte abdriften können. Im Zentrum steht der sich stets widersprechende Patriarch Wataru Hirayama (Shin Saburi), der durch seine Töchter mit der Moderne konfrontiert wird: Die jüngere, Hisako (Miyuki Kuwano), kleidet sich westlich und träumt nicht davon, sich der Tradition zu beugen. Und die ältere, Setsuko (Ineko Arima), weigert sich, eine arrangierte Ehe einzugehen. Dafür möchte sie den einfachen Arbeiter Masahiko Taniguchi (Keiji Sada) heiraten. Um den Vater zu überzeugen, spannt Setsuko ihre hübsche Freundin Yukiko (Fujiko Yamamoto) ein.
Anders als viele andere Ozu-Väter vor ihm, muss Wataru lernen, sich zu beugen. Die Moderne hat das Ozu'sche Familiengebilde eingeholt - das zeigt sich nicht nur in einem Radio, das im Wohnzimmer steht und der Ehefrau (Kinuo Tanaka), die dem Gatten widerspricht, sondern besonders in den "rebellischen" Kindern. Dass sein Denken am Aussterben ist, sieht Wataru, grantig gespielt von Shin Saburi, relativ früh ein - doch sein Stolz lässt dieses Eingeständnis nicht zu. Vielmehr verbringt er den Film damit, sich zu widersprechen und schönen jungen Frauen die Art von Kumpel zu sein, die er den eigenen Töchtern nicht zu sein vermag. Gerade Saburis Spiel macht "Equinox Flower" so amüsant, denn er ist beinahe eine Parodie eines Familienvaters und sein Scheitern, wenn es denn kommt, Grund zur Freude, statt zur Trauer.
Shochiku hatte Ozu schon bei Early Spring empfohlen, auf ein jugendlicheres Publikum abzuzielen, doch so richtig setzte er dies erst mit "Equinox Flower" um. Zwar interessieren ihn die Generationskonflikte immer noch, er analysiert immer noch die Dynamik innerhalb der Familie, doch der Fokus geht Richtung Jugend. Und dies erst noch auf wohlwollende Art. Und mit Optimismus. In seinen nächsten Filmen schritt Ozu weiter auf diesem Pfad: Good Morning stellt sogar kleine Kinder ins Zentrum. Ich für meinen Teil geniesse diese Epoche in Ozus Schaffen sehr, auch oder gerade wegen den Kontrasten und den Parallelen zu seinem Schwarzweiss-Schaffen (vgl. zum Beispiel das erste Bild hier mit dem ersten oben dran). "Equinox Flower" ist kaum Ozus tiefgründigster oder stilistisch wegweisendster Film, aber eine erfrischende Tragikomödie, vorzüglich gespielt und lustvoll inszeniert.
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|Late Autumn

Akibiyori; Spätherbst; 秋日和 (Japan, 1960)
Länge: 129 Minuten. Japanisch mono mit englischen Untertiteln.

1959 drehte Ozu bereits ein Remake seines Floating Weeds, ein Jahr darauf doppelte er mit seinem vierten Farbfilm "Late Autumn" nach, der ein Semi-Remake von einem seiner persönlichen Lieblingsfilme darstellt: Late Spring. Der Clou bei der Sache ist, dass wir nun eine Generation weiter sind: Versuchte im Original noch Chishu Ryu seine Tochter Setsuko Hara zu verkuppeln, ist es diesmal Hara, die ihre Tochter an den Mann bringen möchte. Hara spielt die verwitwete Akiko, ihre Tochter Ayako wird von Yoko Tsukasa ("Yojimbo") verkörpert.
Der passende Mann für Ayako taucht in der Person von Goto (Keiji Sada) auf. Und um die beiden rascher zusammen zu bringen, beschliessen Akikos Freunde, erst einmal auch sie wieder zu verheiraten, damit die Tochter mitziehen kann. Ihre Wahl fällt auf Hiriyama (Ryuji Kita). Diesen Plot entwickelt Ozu noch eine Spur langsamer als gewohnt, die komödiantischen Szenen der Verkuppler ziehen die Ereignisse etwas in die Länge. Die Schwere von Late Spring weicht einem leichteren Seherlebnis, doch dadurch geht auch die Einzigartigkeit verloren. "Late Autumn" wirkt etwas beliebig.
Alles andere als beliebig ist dagegen der technische Bereich. Die Agfacolour-Bilder sind etwas natürlicher als beim beinahe pastellenen Equinox Flower und die Kompositionen gehören zu den schönsten in Ozus ganzem Schaffen. Das einzige, was mir nicht passte, waren die Frontalshots auf Augenhöhe, bei denen die Akteure geradeaus in die Kamera schauen. Die gibts in fast allen Ozu-Filmen und sie verleihen ihnen den typischen Look, doch hier sind es schlicht zu viele. Im Kontrast dazu stehen die Räume. In kaum einem Ozu-Werk werden die Wände und Winkel so fulminant zelebriert wie hier. Der Regisseur hatte immer ein fantastisches Auge für das Anrichten eines Bildes, doch hier wächst er manchmal über sich hinaus.
Da "Late Autumn" als Drama etwas zu leicht und als Komödie etwas zu behäbig ist, gebe ich dem Film die bisher tiefste Bewertung des Sets. Es handelt sich nichtsdestotrotz um einen liebenswerten, unterhaltsamen und inszenatorisch veredelten Film, der nicht minder Ozu-typisch ist als die anderen Beiträge der Box. Und das macht ihn schon mal ganz automatisch zum sehenswerten Werk für jeden Fan des Regisseurs.
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|The End of
Summer

Kohayagawa-ke no aki; Der Herbst der Familie Kohayagawa; 小早川家の秋 (Japan, 1961)
Länge: 103 Minuten. Japanisch mono mit englischen Untertiteln.

Wenn man die ganze Box am Stück geschaut hat, ist es eine richtige Wohltat, wenn jeweils die Credits anlaufen. Wie bei Woody Allen, wo jeder Film mit simplen (alphabetischen) Credits beginnt, begleitet von Jazz-Musik, fängt ein Ozu-Film identifizierbar mit einer einfachen Leinwand an, auf der die Namen eingeblendet werden - begleitet von ansprechender klassischer Musik. Schon da bringt Ozu den Zuschauer zum Abschalten, einen Gang zurücksetzen. Er beruhigt und holt uns in den Rhythmus seiner Filme. Und der ist fast in all seinen Filmen ähnlich: Frei von unnötiger Dramatisierung, dicht an alltäglichen Beobachtungen und Konversationen. Das gilt auch für seinen zweitletzten Film, "The End of Summer".
Das unaufgeregte Familiendrama vereint etliche von Ozus Stammschauspielern in einer weitgehend bekannten Geschichte. Aus Ozus Schaffen sticht die Story jedenfalls nicht gross heraus. Im Mittelpunkt steht die Familie Kohayagawa, die eine kleine Sake-Brauerein betreibt. Der alte Vater Banpei (Ganjiro Nahamura) interessiert sich aber nicht mehr gross für das Geschäft und besucht lieber seine Geliebte Tsune Sasaki (Chieko Naniwa). Derweil sucht die ganze Sippe nach einem Gatten für die jüngste Tochter, Noriko (Yoko Tsukasa), und möchte gleichzeitig auch die verwitwete Tochter Akiko (Setsuko Hara), eine allein erziehende Mutter, an den Mann bringen.
Ein wenig kommt man sich ja jeweils vor wie bei Jane Austen, wenn es nur darum geht, Ehen zu schliessen und familiäre Konflikte zu lösen. Wobei "The End of Summer" selbst für Ozu-Verhältnisse eher konfliktarm ist. Der Film hat einen ruhigen, einnehmenden Fluss, doch er mäandriert leicht hin und her. Zwar ist die Struktur durchaus klar und der Plot konvergiert in einem einschneidenden Familienereignis, das sich schon lange zuvor ankündigt, doch trotzdem wirkt das Ein- und Ausblenden aus dieser Sippschaft etwas zu beliebig, zumal Ozu sich schon anderswo dem Zerfall einer Familie und die "Stabsübergabe" von den Alten zu den Jungen gewidmet hat.
Reizvoll ist das allemal, schliesslich haben wir es mit Ozu zu tun. Sein Framing ist nicht so erlesen wie Late Autumn, aber immer noch ansprechend. Und an den Akteuren gibt es sowieso nichts zu mäkeln, denn Ozu gehört zu den besten Schauspielführern überhaupt. Sie leben diese Charaktere mit all ihren Details. Und Ozus mit Humor und Melancholie gespickte Geschichte, die er mit seinem Dauer-Drehbuchpartner während eines feuchtfröhlichen Frühlings in Nagano geschrieben haben soll, trägt die Crew mit Leichtigkeit von einer guten Szene zur nächsten. Auch wenn mich persönlich der Film etwas unberührt liess, abseits vom filmhistorisch-analytischen Interesse, so bildet er doch einen würdigen Abschluss für die "Eclipse"-Box. Die ganze Serie anzuschauen, hat Spass gemacht, und Ozu ist mir etwas mehr ans Herz gewachsen, weshalb ich seinen Late Spring rückwirkend aufgewertet habe. Das Gefühl bleibt, dass der Regisseur etwas überschätzt sei, doch mögen muss man ihn einfach.
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