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Chemie | Biochemie | Medizin
Eliane Brägger, 2002 | Bütschwil, SG
Eliane Egger, 2002 | Fischingen, TG
Ein luzider Traum kann als Traum definiert werden, in dem man völlige Klarheit darüber besitzt, dass man träumt und in dem man aktiv in die Traumhandlung eingreifen kann. Diese Arbeit untersuchte den Einfluss von Geschlecht, Alter, Erinnerungsfähigkeit an Träume, Metakognition, Gewissenhaftigkeit und Motivation auf die Lernfähigkeit des luziden Träumens sowie den Einfluss von luzidem Träumen auf das Wohlbefinden, Alpträume und Tagesmüdigkeit. 75 Probanden wurden dazu angeleitet, luzides Träumen innerhalb eines Monats zu erlernen. Fragebogendaten vor und nach dem Versuch zeigten, dass 32% der Probanden das luzide Träumen innerhalb eines Monats erlernen konnten. Die Motivation war insgesamt sehr hoch und es fiel auf, dass vor allem die Menschen mittleren Lebensalters Schwierigkeiten hatte, luzid zu träumen.
Fragestellung
(I) Ist es möglich, luzides Träumen innerhalb eines Monats zu erlernen? (II) Welchen Einfluss hat die Motivation auf das Erlernen des luziden Träumens? (III) Können motorische Fähigkeiten im luziden Traum für den Wachzustand trainiert werden? (IV) Welchen Einfluss hat das luzide Träumen auf das Wohlbefinden? (V) Welchen Einfluss hat das Geschlecht auf das Erlernen des luziden Träumens? (VI) Welchen Einfluss hat das Alter auf das Erlernen des luziden Träumens? (VII) Welchen Einfluss hat die Häufigkeit der Erinnerungen an Träume auf das Erlernen des luziden Träumens? (VIII) Hat luzides Träumen einen Einfluss auf die Müdigkeit am nächsten Tag?
Methodik
75 Probanden im Alter von 10 bis 69 Jahren erhielten eine Anleitung zum Erlernen von luzidem Träumen und füllten zu Beginn und am Ende der Untersuchung je einen Fragebogen aus. Es wurden Daten bezüglich des Geschlechts, des Alters, der Erinnerungsfähigkeit an Träume, der Metakognition, der Gewissenhaftigkeit, der Motivation, des Wohlbefindens, der Häufigkeit von Alpträumen und der Tagesmüdigkeit erhoben. Die Daten vor und nach dem Versuch wurden mit Excel-Formeln und Abbildungen deskriptiv miteinander verglichen.
Ergebnisse
32% der Probanden gelang es, das luzide Träumen innerhalb eines Monats zu erlernen (35.8% der Frauen, 22.7% der Männer). Dabei konnten die drei Methoden «Realitätschecks», «MILD-Technik» und «WBTB» verwendet werden, wobei es niemand mit der Methode «WBTB» erlernte. Die Motivation sank bei den meisten Altersgruppen über den Untersuchungszeitraum. Das Wohlbefinden stieg bei den meisten Probanden an, wobei es bei denen, die das luzide Träumen erlernten, häufiger und stärker anstieg. Bei den 10- bis 29-Jährigen schaffte es etwa der gleiche Anteil luzides Träumen zu lernen wie von der gesamten Stichprobe (32%). Von den 30- bis 39-Jährigen gelang es niemandem und von den 50- bis 59-Jährigen erlernten 50% das luzide Träumen. Die Probanden, die es schon vor dem Versuch beherrschten, erinnerten sich vergleichsweise oft (fast zwei Mal pro Woche) an ihre Träume. Bei den Nicht-Klarträumern stieg die Erinnerungsfähigkeit am stärksten an. Bei denen, die bereits vor dem Versuch luzid träumen konnten, nahm die Müdigkeit nicht zu. 4% derer, die es erlernten und 14% derer, die es nicht erlernten, berichteten eine grössere Müdigkeit bei Versuchsende. 33% der Personen, die bereits luzid träumen konnten, 33% derer, die es erlernten und 28% derer, die es nicht erlernten, gaben bei Versuchsende eine geringere Müdigkeit an.
Diskussion
Die Motivation spielt eine entscheidende Rolle. Das Wohlbefinden stieg bei den Klarträumern über den Versuch hinweg am stärksten. Frauen hatten mehr Erfolg beim Erlernen von luzidem Träumen. Personen, die das luzide Träumen erlernten, erinnerten sich von Beginn an häufiger an ihre Träume. Die Probanden waren durchschnittlich weniger müde nach dem Versuch. Die Untersuchung weist einige Limitationen auf, wie zum Beispiel das Verwenden von Durchschnittszahlenwerte aus den Häufigkeiten «monatlich», «wöchentlich» etc. Deshalb sollten die Fragestellungen in weiteren wissenschaftlichen Untersuchungen genauer erforscht werden, wie zum Beispiel ob das luzide Träumen das allgemeine Wohlbefinden steigert.
Schlussfolgerungen
Die vorliegende Arbeit liefert Hinweise darauf, dass es durchaus möglich ist, das luzide Träumen bewusst zu induzieren, wobei es begünstigende Faktoren gibt. Es könnte ausserdem einen positiven Effekt auf das Wohlbefinden haben. Es ist jedoch weitere Forschung nötig, um die komplexen Zusammenhänge mit möglichen Einflussfaktoren sowie mögliche Konsequenzen von luzidem Träumen besser zu verstehen und das luzide Träumen unter anderem auch als Therapieform effizient und wirksam verwenden zu können.
Würdigung durch den Experten
Dr. Thomas Mäder
Die Berufsmaturitätsarbeit von Eliane Brägger und Eliane Egger befasst sich mit einem aktuellen und relevanten Thema. Sie konnten zeigen, dass man mit den richtigen Methoden lernen kann, innerhalb eines Monats luzid zu träumen. Sie untersuchten bestimmte Faktoren, die diese Lernfähigkeit beeinflussen können und stellten sich zudem die kritische Frage, welche Konsequenzen luzide Träume für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden haben können. Sie weisen in ihrer Arbeit differenziert auf interessante neue Forschungsrichtungen und mögliche personalisierte klinische Anwendungsmöglichkeiten hin.
Prädikat:
gut
GBS St. Gallen
Lehrer: Patrick Weber