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Die Wärmedämmung von Gebäuden ist ein wichtiger Aspekt bei der Einsparung von Energiekosten. Speziell für den grössten Teil der Gebäudehülle, der Fassade, gewann als Dämmstoff vor allem das sogenannte Wärmedämmverbundsystem, kurz WDVS, zunehmend an Bedeutung. Spätestens mit den merklichen Verschärfungen vom Energiegesetz der Schweiz, EnG, in etwas seit der Jahrtausendwende, wurden WDV-Systeme zunehmend wichtiger. Wegen der grundlegenden bauphysikalischen Eigenschaften von Fassaden gehören diese Wärmedämmverfahren zu den anspruchsvollen Wärmedämmtechniken.
Mit dem Wärmedämmverbundsystem, kurz WDV-System wird eine effiziente Wärmedämmtechnik für Gebäudeaussenwände beschrieben. Wie es der Name schon besagt, besteht ein solches WDVS aus unterschiedlichen Materialien bzw. Materialschichten, die ein Verbundstoff-System bilden. Vereinfacht gesprochen wird dabei eine sehr gut energetisch dämmende Schicht auf der bestehenden Fassade angebracht. Das Wärmedämmverbundsystem wird anschliessend verputzt und die Fassade ist nicht mehr von einer herkömmlich verputzten Fassade zu unterscheiden.
Eine dem Wärmedämmverbundsystem sehr ähnliche energetische Dämmung stellt die Perimeterdämmung dar, die um die Aussenwände des Kellerfundaments angebracht wird. Das WDVS wird ausserdem auch oft als Thermohaut oder Vollwärmeschutz bezeichnet. Allerdings sind diese Benennungen eher als übergeordnete Beschreibung der Fassadendämmung zu verstehen, denn auch andere, mit dem WDV-System konkurrierende Wärmedämmungen werden so beschrieben. So beispielsweise die vorgehängte Fassade.
WDV-Systeme erleben vor allem aufgrund ihrer hervorragenden Dämmeigenschaften eine enorme Beliebtheit. Je nach Konstruktion der Fassade können die Energieeinsparungen bis zu 30 Prozent der bisherigen Heizkosten ausmachen. Jedoch gibt es neben der effizienten Dämmung einige Nachteile, die grösstenteils materialspezifisch sind. Entwickelt wurden die ersten Wärmedämmverbundsysteme bereits in den 1950ern. Der deutsche Chemiekonzern BASF entwickelte daraufhin einen synthetisch-organischen Dämmstoff auf der Basis von Polystyrol und nannte es „Styropor“. Längst sind die Nachteile dieser aus Erdöl hergestellten Produkte bekannt. Neben dem hohen Energiebedarf bei der Herstellung belastet auch das Recycling des Dämmstoffs die Ökobilanz massiv.
Natürlich gibt es neben diesen synthetisch-organischen Dämmprodukten auch synthetisch-anorganische Systeme. Diese sind auf mineralischer Basis und bieten weitere Vorteile gegenüber den synthetisch-organischen WDVS. Wegen ihres hohen pH-Werts kommt es zunächst zu keiner Algen- und Moosbildung wie bei den organischen Produkten. Damit kann dieser Aspekt beim weiteren Aufbau von WDV-Systemen eher vernachlässigt werden. Es gibt auch WDVS aus natürlich organischen Materialien wie Holzfase oder Schilf. Diese gehören dann zu den Naturdämmstoffen.
Der generelle Aufbau eines Wärmedämm-Verbundsystems ist dennoch immer ähnlich:
Der Unterputz wird im oberen Drittel mit einer Armierung versehen, die zum Beispiel aus Glasfasern bestehen kann. Dämmplatten und Unterputz, der auch die Aufgabe des Trägerputzes für den Oberputz (sichtbarer Putz) hat, dehnen sich thermisch bedingt unterschiedlich aus. Um Risse im Putz zu verhindern, wird eben dieser Unterputz mit einer Armierung versehen. Es kann sein, dass dabei ein mit Kunststoff vergüteter Unterputz empfohlen wird. Zunächst hat dieser dann ähnlich gute Eigenschaften wie Fliesen-Flexkleber, ist also „elastischer“ und flexibler und reisst nicht so schnell. Wegen der Kunststoffvergütung wird jedoch die spätere Entsorgung beim Erneuern des WDVS
oder einem Gebäudeabriss problematisch.
Der Anstrich muss bei organischen WDVS zusätzlich gegen Algenbildung schützen, während der Anstrich bei mineralischen Dämmsystemen die Bewitterung verlangsamt (durch die natürlichen Witterungseinflüsse verringert sich im Lauf der Jahre der pH-Wert, weshalb es später auch bei solchen Systemen zur Algen- und Moosbildung kommen kann). Ausserdem können so etwaige, ungleichmässige und unkontrollierte farbliche Veränderungen von insbesondere eingefärbtem Putz verhindert werden. Bei den organischen Dämmsystemen muss der Anstrich Biozide enthalten, die jedoch vorzugsweise vermieden werden sollten.
Der notwendige Anstrich führt aber zu einem weiteren Nachteil: die Dampfdurchlässigkeit des WDVS wird dadurch verringert. Dabei sollte eine Fassade einschliesslich des Wärmedämm-Verbundsystems von innen nach aussen immer mehr diffusionsoffen sein, damit es nicht zur Tauwasserbildung kommen kann. Ist nun aber der Anstrich auf dem Oberputz weniger diffusionsoffen als der darunterliegende Oberputz, sammelt sich dieses Kondenswasser genau dazwischen. Im Winter kann dieses Wasser frieren
und es kommt zu Abplatzungen. Aber auch ansonsten kann es zu Schädigungen der Bausubstanz kommen.
Insbesondere im Winter, aber auch zu anderen Jahreszeiten, kommt es zu unterschiedlichen Temperaturen im und ausserhalb eines Gebäudes. Die Folgen sind auch ein unterschiedlicher Wasserdampfdruck sowie eine unterschiedliche Luftfeuchtigkeit (warme Luft kann mehr Feuchtigkeit
aufnehmen, kalte Luft muss sie also abgeben). Bei einer aussenliegenden Dämmung wie dem WDVS sollte der Aufbau von innen nach aussen steigend diffusionsoffen sein, aber gleichzeitig möglichst kein Wasser von aussen aufnehmen. Das führt aber nicht nur zu den bereits genannten Problemen bei den organischen WDV-Systemen. Mineralische WDVS sind aufgrund der notwendigen Eigenschaften auch etwas kostenintensiver. Laut Studien kommt ein Quadratmeter WDVS im Durchschnitt auf 120 bis 130 SFR. Dabei eingerechnet sind aber auch die hohen Entsorgungskosten, die durch organische Systeme dominiert werden. In den letzten Jahren erobern daher auch immer mehr WDVS auf Basis natürlicher Produkte den Baumarkt. Dazu gehören unter anderem Kork, Hanf oder Holzfasern.
Der Vorteil von WDVS Dämmstoffen ist der Umstand, dass sie an den meisten herkömmlichen Hausfassaden angebracht werden können. Davon ausgenommen sind prinzipiell nur solche Fassaden, die nicht „verkleidet“werden sollen, also Fachwerkhäuser, Holzhäuser und denkmalgeschützte Gebäude. Auch bei aufwendig gestalteten, historischen Fassaden ist der Einsatz ungünstig, obwohl WDVS gerade bei Altbauten ihre Vorteile deutlich ausspielen. Ungleichmässige Fassaden, wie sie gerade bei Altbauten dazugehören, können so auch optisch verhältnismässig einfach aufwerten. In jedem Fall stellt ein WDVS eine klare Wertsteigerung dar.
Aber auch bei Neubauten werden Wärmedämm-Verbundsysteme verwendet. Nur ist dann in der Regel die Stärke deutlich geringer als bei Altbauten, da auch die darunterliegende Fassade gegenüber Bestandsgebäuden aufgrund moderner, energetisch sinnvoller Baumaterialien deutlich bessere Dämmwerte aufweist. Wird eine längere Haltbarkeit der WDV-Systeme angestrebt, kann das System auch aufgedoppelt werden.
Bei der Art der Gebäude (Alt-, Bestands- und Neubauten) wird ausserdem vornehmlich nach der Befestigungsmethode unterschieden. Bei Neubauten und neueren Bestandsbauten sind die Fassaden gleichmässig, weshalb hier gut geklebt werden kann. Dieser Klebemörtel wird dann zu 40 bis 100 Prozent auf den Untergrund aufgetragen und die Dämmplatten darauf verklebt. Nur im Falle von eventuell hohen Windlasten (Windsog) wird zusätzlich gedübelt. Bei älteren Bestands- und Altbauten dagegen sind die Fassaden oft so schlecht oder auch ungleichmässig, dass ohnehin nur das Dübeln infrage kommt. So können Unebenheiten besser angepasst werden. Das Gewicht des WDVS liegt dabei im Durchschnitt nicht über 10 kg/qm.
Eine dem Wärmedämmverbundsystem sehr ähnliche energetische Dämmung ist die Perimeterdämmung. Dabei wird ebenfalls ein Verbundsystem angebracht, allerdings erdberührend unterhalb der Bodenkante, also zum Dämmen des Sockels oder der Kelleraussenwände. Der Aufbau als Perimeterdämmung kann noch aufwendiger sein, da oftmals zusätzlich zu horizontalen eine vertikale Drainage-Schicht angelegt wird (Drainage-Platten, die auf die eigentliche Perimeterdämmung kommen). Gegenüber dem
herkömmlichen WDVS muss die Perimeterdämmung auch druckbeständig sein.
WDV-Systeme sind anspruchsvoll aufgebaute Verbundsysteme. Deren Montage sollte daher ausschliesslich vom Fachbetrieb mit ausreichender Kompetenz durchgeführt werden. Schon die geringsten Fehler in der Bauausführung können zum Tauwasserausfall innerhalb der verschiedenen Schichten führen und die Wärmedämmwirkung massiv beeinträchtigten bzw. zu erheblichen Schäden an der Bausubstanz führen.
Weitere Bereiche, in denen bei unsachgemässer WDVS-Montage oft Defizite in der Wärmedämmung sichtbar werden, stellen Anschlüsse dar. Anschlussfugen an Fenster und auch die Perimeterdämmung. An den Anschlüssen dürfen keine Wärmebrücken entstehen. Dasselbe gilt auch bei der Montage von Wärmedämmfenstern, die oft gleichzeitig oder später eingebaut werden sollen. Auch die Planung ist dabei enorm wichtig, da durch das Wärmedämm-Verbundsystem die Fassade so viel aufträgt, dass die
Fenster entsprechend nach aussen zu setzen sind.