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Autonomes Leben
Der Forschungsschwerpunkt Autonomes Leben verfolgt zwei Hauptziele: zu klären, unter welchen Bedingungen jemand sein Leben über die Zeit hinweg und unter kontingenten, nicht kontrollierbaren und sich wandelnden Umständen autonom führen kann, und zu untersuchen, ob und, wenn ja, in welcher Weise nicht nur Einzelne, sondern auch Kollektive sich selbst bestimmen können.
Die zeitgenössische Diskussion hat sich darauf konzentriert, Bedingungen zu spezifizieren, die jemanden zu einem bestimmten Zeitpunkt als autonom ausweisen. Weiterhin hat sie sich auf die Autonomie von Individuen konzentriert. Dabei bleibt unberücksichtigt, dass die Idee der Selbstbestimmung nur sinnvoll auf jemanden angewendet werden kann, der sich als jemanden begreift, der sich über die Zeit hinweg, nämlich durch ein Leben hindurch, bestimmt. Und es wird nicht beachtet, daß das menschliche Leben ein Leben mit anderen ist und daher individuelle Autonomie in einem inneren Zusammenhang mit kollektiver Selbstbestimmung stehen muß. Die intrapersonale zeitliche und die interpersonelle soziale Seite der Autonomie treten in den Vordergrund, wenn Autonomie als Ideal des spezifisch menschlichen Lebens betrachtet wird. Denn das macht es notwendig darauf zu reflektieren, wie Autonomie eine bestimmte Art der zeitlichen Einheit des Lebens und wie sie eine bestimmte Art der sozialen Einheit begründet.
Der Forschungsschwerpunkt Autonomes Leben will den Begriff der Autonomie so entwickeln, daß durchsichtig wird, wie Menschen nicht nur punktuell autonom handeln und entscheiden, sondern ihr Leben autonom führen und ihr autonomes Leben als gemeinsames führen.