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Brisbane war im Rahmen eines neuen Vergabeverfahrens vom IOC zum «bevorzugten Bewerber» erklärt worden und stand daher als einziger Kandidat zur Wahl. Eine Überraschung blieb beim Votum der Vollversammlung auch deshalb aus, weil das Bewerbungsdossier auf breiten Zuspruch stiess. Brisbane erhielt 72 der 80 Stimmen.
Rückhalt der Bevölkerung
Somit steht auch offiziell fest, dass Australien zum dritten Mal Olympia-Gastgeber wird. 1956 fanden die Sommerspiele in Melbourne statt, 2000 in Sydney. «Wir wissen, was nötig ist, um erfolgreiche Spiele zu veranstalten», sagte der vor der Wahl zugeschaltete australische Premierminister Scott Morrison.
Spiele in drei verschiedenen Städten haben bisher nur die USA durchgeführt. Für Brisbane, das in seinen Olympia-Plänen laut Umfragen einen breiten Rückhalt bei der Bevölkerung geniesst, ist es ein Erfolg im zweiten Anlauf. 1992 hatte Barcelona den Vorzug vor Paris, Belgrad, Brisbane, Birmingham und Amsterdam erhalten. Gegen den australischen Bewerber sprach damals aus Sicht des IOC, dass Brisbane im Vergleich zu anderen Bewerbern klein war.
Profiteur des Kulturwandels
Durch den Kulturwandel beim IOC, weg vom Gigantismus hin zu umweltverträglichen Spielen, ist der Nachteil von damals inzwischen ein Vorteil. Wobei der prosperierende Ballungsraum von Brisbane inzwischen auch mehr als 2 Millionen Einwohner hat und in seiner Grösse mit München, Wien und Mailand vergleichbar ist.
Mit dem Einbezug der indigenen Bevölkerung sowie dem Fokus auf grüne Spiele sammelte die Metropole aus dem australischen Bundesstaat Queensland auch bei der Future Host Commission Pluspunkte, die im Dialog mit den Interessenten die Vorauswahl traf. Aufgrund der Reiseeinschränkungen wegen der Pandemie erfolgte der Informationsaustausch in den letzten anderthalb Jahren indes zu einem grossen Teil über den digitalen Weg.
Vergleichsweise tiefe Kosten
Auch weil in Brisbane die meisten Wettkämpfe in bereits bestehenden Sportstätten stattfinden, ist die eine Flugstunde nördlich von Sydney gelegene Stadt im neuen Wahl-Verfahren bereits im Vorfeld in die Pole-Position gerückt. Mit veranschlagten etwas mehr als drei Milliarden Franken sind die zur Hälfte vom australischen Staat gedeckten Kosten vergleichsweise tief. Zum Vergleich: Tokio budgetierte für die Spiele 2020 mit umgerechnet rund sieben Milliarden Franken, rechnet inzwischen aber mit mehr als dreimal so hohen Ausgaben.
IOC-Präsident Thomas Bach bezeichnete die Bewerbung von Brisbane als «unwiderstehlich». Auch Ralph Stöckli, Chef de Mission von Swiss Olympic begrüsst die Wahl: «Abgesehen davon, dass Brisbane eine tolle Stadt ist, finde ich es positiv, hat das IOC schon jetzt den Ausrichter bestimmt. Das IOC hat Brisbane zudem bereits bei der Ausarbeitung der Kandidatur massgeblich unterstützt. Beides gibt Planungssicherheit und führt dazu, dass die Kosten für die Kandidatur deutlich gesenkt werden konnten. Das ist der richtige Weg – der Weg, wie ihn das IOC in seiner Agenda 2020+5 selber vorgeschlagen hat.»
Leichter Beigeschmack
Zumindest einen Beigeschmack hinterlässt die Tatsache, dass der australische IOC-Vizepräsident John Coates das neue Vergabeverfahren federführend entwickelt hatte – und der erste Sieger nun ausgerechnet sein Heimatland ist. Das IOC bestritt einen Interessenskonflikt. Coates habe bei keinem Entscheid mit abgestimmt.
Nach Tokio sind Paris 2024 und Los Angeles 2028 die nächsten Gastgeber der Sommerspiele. Die Winterspiele 2022 finden in Peking statt, 2026 sind Mailand und Cortina d’Ampezzo die Ausrichter.