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Ewigkeit oder ÄON.
Lieber Peter. Du hattest mich gebeten, dir einige meiner Gedanken zum Thema "ewiges Leben" zu schreiben. Das will ich gerne tun. Einige kennst du schon. Zum Beispiel, dass es im griechischen Urtext des Neuen Testaments den Begriff "ewig" - so wie wir ihn volkstümlich verstehen - garnicht gibt. Dort, wo wir in den betreffenden Texten "ewig" lesen, steht immer das griechische Wort ÄONISCH und wo wir "Ewigkeit" lesen, steht AION. Und AION sollte eigentlich besser mit "Zeitalter" und ÄONISCH "zu einem Zeitalter gehörend" übersetzt werden.
Ein ÄON ist in der Regel ein sehr langer Zeitraum. Er wird von vielen Bibel-Lesern als eine Zeitspanne von "tausend Jahren" verstanden. (Du weisst ja, Peter, dass sich die meisten Ausleger der Bibel dabei auf den Text im letzten Buch des NT beziehen, der sogenannten "Offenbarung des Johannes" Kapitel 20, Verse 2-6.) Tausend Jahre sind lang. Aber auch sie haben einen Anfang und ein Ende. Selbst wenn wir nun im gleichen Buch der Offenbarung in Kapitel 22, Vers 5 von vielen aufeinander folgenden
ÄONEN ("Ewigkeiten") lesen, so sind es dennoch "nur" aneinander gereihte Zeitalter. Diese Zeiträume dauern eventuell auch je 1000 Jahre lang. Sie kämen einer "Ewigkeit" sehr nahe und sind es - wegen ihres Anfangs und Endes - doch nicht. Eine "richtige" Ewigkeit wäre ja "ewig".
Ewiges Leben oder äonisches Leben
Mit der obenstehenden Begriffserklärung des Wortes "ewig" kommen wir nun zum "ewigen Leben", das uns in vielen Stellen des Neuen Testamentes durch den Glauben an das Erlösungswerk von Jesus Christus versprochen wird. Die dazu bekanntesten Aussagen finden wir im Johannes-Evangelium - wie zum Beispiel in Kapitel 3,16 oder 5,24 oder 6,40 und 6,47.
Dort steht klar: Wer an Jesus als Erlöser glaubt, dem wird "ewiges" Leben (besser: äonisches Leben) als ein feststehendes Versprechen geschenkt. Das neue Leben fängt mit dem Moment des Glaubens an und gilt - dies ist vielen bibelgläubigen Lesern nicht bewusst - für heute und EINEN ÄON, den nächsten Äon. Dieser beginnt nach der Wiederkunft von Jesus und endet nach 1000 Jahren (siehe Offenbarung Kapitel 20, 2-7). Das Leben während dieser Zeit ist äonisches Leben, kein "ewiges" Leben. Wer die Aussage von Jesus im Johannesevangelium Kapitel 11, 25 aufmerksam durchliest, entdeckt das geschenkte, scheinbar "ewige" Leben in differenzierterer Form. Ich übersetze dir nun, Peter, den Text direkt aus dem Griechischen und ergänze ihn mit grossen Buchstaben zum besseren Verständnis: "Jesus spricht zu ihr (zu Martha): Ich, ich bin die Auferstehung und das Leben. Der an mich (besser: in mich hinein) Glaubende wird leben, auch wenn er sterben (genauer: "weg-ertoten") würde. DIESES LEBEN GILT FÜR UNSER ZEITALTER BIS ZU SEINER WIEDERKUNFT. Und jeder, der lebt (DANN ein Lebender ist) und in mich hinein glaubt (ein Glaubender bleibt), würde keinesfalls sterben in den Äon hinein." Zitat Ende. Ich verstehe diese Aussage von Jesus so, dass er zuerst LEBEN und dann ein WEITERLEBEN verspricht.
Mit diesem Text aus dem Johannesevangelium merkte ich, Peter, dass das äonische Leben nicht nur für heute, sondern auch im nächsten Äon eine spezifische Bedeutung hat - es kann IN jenem Äon als "Lebender" durch weiteren Glauben fortgeführt werden.
Wer also eine Glaubensbeziehung mit Jesus vertieft, kann dann wirklich nicht mehr sterben. Aber offenbar ist es auch im nächsten Äon möglich - siehe Offenbarung 20, 7-9 - nur mit "Religion" zu leben und dabei ohne Herzensbeziehung mit Gott - um dann, mit der letzten satanisch geführten Rebellion, ein nur oberflächlich gelebtes äonisches Leben wieder zu verlieren.
Die Stufen des äonischen Lebens.
Versuchen wir nun, lieber Peter, auf die Abstufungen des äonischen Lebens einzugehen.
Die erste Stufe hat noch nicht viel mit dem Glauben an Jesus Christus zu tun. Im Römerbrief, 2.Kapitel Vers 7, lesen wir, dass den Menschen, die im Ausharren mit guten Werken Herrlichkeit, Ehre und Unvergänglichkeit suchen, äonisches ("ewiges") Leben gegeben wird. Aber, aber - "ewiges Leben" ohne Glauben an den Erlöser? Wehrt sich da nicht unsere evangelischevangelikale Theologie, lieber Glaubensbruder Peter? Jedoch spricht nicht nur die Römerbrief-Stelle, sondern auch der Text im Matthäus-Evangelium, Kapitel 25, 31-46, von Menschen, die nur durch gute Werke in das äonische ("ewige") Leben eingehen. Jesus erläutert dort seine Lehre bis zum Gericht über die Nationen und endet mit der Aussage, die das äonische ("ewige") Leben der
äonischen ("ewigen") Strafe gegenüberstellt (25,46). Wenn aber äonisch nicht "ewig" bedeutet, dann gibt es auch keine ewige Strafe - eine Strafe, wie sie die meisten Christen als "ewige Verdammnis" lehren! Aber dies ist momentan nicht Teil unserer Betrachtung. Gehen wir einen Schritt weiter mit der Frage, wer das äonische Leben erhält und durch welchen Weg.
Die nächste Stufe des äonischen Lebens...
...dürfte diejenige durch das Halten des Gesetzes sein. Wir lesen zwar wiederholt in den Briefen des Apostels Paulus (z.B. Römerbrief 3,20 und Galaterbrief 2,16), dass durch das Gesetz kein Mensch gerechtgesprochen werden kann. Wer heute immer noch - nach der Geistesausgiessumg an Pfingsten vor ca.2000 Jahren - durch Werke des Gesetzes und nicht durch den Glauben an Jesus das Heil sucht, der hat die Gnade des Heils-Geschenkes verloren.
Da aber das Gesetz Gottes heilig und wegweisend zur Gnade ist (siehe Römer 7,12 und 7, 22-27), hat es Jesus zu seiner Zeit gelehrt und durch das Halten der Gebote äonisches Leben in Aussicht gestellt.
Das lesen wir klar in der Begegnung von Jesus mit einem suchenden Schriftgelehrten. Der Evangelist Lukas berichtet uns davon im Kapitel 10, 25-28. Der Sucher fragt: "Was muss ich tun, um das äonische Leben zu ererben (besser: "als Losteil erlange")? Die Antwort von Jesus war, dass er ihn an das größte Gebot im Gesetz verwies, an das Gebot der Liebe. Dazu ergänzte er: "Tue dies und du wirst leben"! Ein weiterer Texthinweis von dem Evangelist Matthäus zitiert Jesus zur Frage eines reichen Jünglings wegen des äonischen Lebens. Jesus beantwortet sie kurz und bündig (Kapitel 19,17): "Willst du zum (äonischen) Leben eingehen, so halte die Gebote!" Nun denke ich mir, dass diese beiden Menschen im letzten Gericht noch einmal vor dem Herrn stehen werden. Haben sie seinen Rat beherzigt, gehen sie ins äonische Leben des nächsten Äons ein, denn Jesus versprach es ihnen ja... Aber den "Glauben" an die begnadigende Erlösung, wie wir Christen es heute verstehen, hatten sie nicht. Noch nicht, davon werden sie wohl später hören...
Weitere Stufen des äonischen Lebens...
...erkennt man meiner Meinung nach grundsätzlich gemäss der Aussage im Römerbrief 1,17: "Aus Glauben heraus in Glauben hinein". Der vor Gott durch den Glauben Angenommene ("Gerechte") wird seines Glaubens leben. Er sollte ihn aus einer stetigen Erneuerung heraus leben. Das heisst weiter auf dem Grundglauben auf Jesus aufbauen oder - mit anderen Worten - tiefer in ihn hineinglauben. Wenn allgemeine deutsche Bibelübersetzungen von "an Jesus glauben" sprechen, dann sollte meistens "in Jesus hinein glauben" heissen. Das können wir gut an der bekanntesten Stelle im Johannesevangelium nachlesen (3,16): "Denn so hat Gott den Kosmos geliebt, dass er seinen einzig-gezeugten Sohn gab, damit alle Glaubenden an ihn (eigentlich "in ihn hinein
Glaubenden") nicht verloren gehen (eigentlich "nicht weggelöst" werden), sondern äonisches Leben haben." Andere Stellen gebrauchen die gleiche Wortwahl, die wir anstatt "glauben an" besser mit "glauben in hinein" übersetzen - siehe Johannesevangelium 3,36 und 7,38 und 11,25 und 14,1 und viele mehr...
Ab dieser Glaubensstufe gilt das Versprechen von Jesus, dass der Gläubige äonisches Leben hat - und es gemäss seines Gaubens leben soll.
Vertieftes äonisches Leben.
Was macht der mit dem Versprechen des äonischen Lebens Beschenkte nun? Glaubt er einfach nur im Sinne der "Errettung von der Hölle" und kommt nun "in den Himmel"? Oder vertieft er seinen Glauben und forscht zum Beispiel nach, was die Bibel über den Himmel aussagt? Liest er Gottes Wort, sucht er darin nach Wahrheiten für sein nun neues äonisches Leben? Vielleicht schreibe ich dies nun mit zu scharfen Worten - aber ahnen wir nicht beide, lieber Peter, dass viele Gläubige nicht in einer täglich "lebendigen" Beziehung mit Jesus leben? Stillstand scheint Wachstum zu ersetzen. Weltlicher Geist (oder als Gegenteil ein frommer Aktivismus) scheint stärker zu sein, als eine spürbare Nähe zu Jesus. Sollte das geschenkte äonische Leben nicht in Echtheit des Glaubens
wahrzunehmen sein? Es sollte.
Im Johannesevangelium Kapitel sechs gibt Jesus uns ein Beispiel einer wachstümlichen Verinnerlichung - im Bilde des "gegessen-werdens"...eine nicht nur damals schwer zu verstehende Botschaft! Wenn man den Text ab den Versen 6,47 bis 6,58 genau liest, merkt man, wie Jesus das übliche Wort "essen" (griechisch PHAGEIN) in den Versen 49,51,52,53 mit dem wort "kauen" (griechisch TROGOON) ab Vers 54 ersetzt. Kauen ist intensiveres essen. Intensives Kauen setzt intensiveren Geschmack frei. Jesus will als "Brot des Lebens" gegessen werden in einer wachstümlichen Beziehung - weder oberflächlich gedankenlos oder gar "geschmacklos". Bleibt ein Glaubender mit Jesus verbunden, wird die Gnade des sich von ihm beschenken-lassens immer größer. Paulus zitiert eine Aussage des Herrn (im ersten Brief an die Korinther 12,9): "meine Gnade genügt zur Vollendung - auch in aller Schwachheit...".
Die grosse Gefahr des äonischen Lebens...
...ist die, dass es in den ersten Stufen wieder abgetötet werden kann. Ernste Texte wie aus dem Römerbrief 11,17-22 oder aus dem Hebräerbrief 6,1-8 und 10,26-31 lassen uns nachdenklich werden. Bei einem nicht vertieften Glauben besteht Gefahr für das äonische Leben. Ich gehe jetzt nicht in Einzelheiten ein, Peter, wie die Gefahren alle heissen. Die einschlägigen Texte dazu hast du öfters schon im Neuen Testament gelesen. (Wenn du es wünschst, kann ich in einem späteren Brief an dich, in dem ich auf das Thema "äonisches Leben versus äonische Verdammnis" eingehen möchte, auch auf diese warnenden Texte hinweisen).
Das äonische ist erst dann "äonisch-ewig", wenn es endgültig dem Tod enthoben ist. Dazu schreibe ich dir noch einige Gedanken.
Die höchste Stufe des äonischen Lebens.
In dieser Stufe erhält das äonische Leben einen anderen Begriff. Im ersten Korinther Brief Kapitel 15,51 bis 57 lesen wir von dem Geheimnis der Verwandlung. Sie geschieht als Vollendung eines in-Jesushinein-Glaubenslebens bei Jesu Wiederkunft. Er ist das Haupt seines Körpers, die Glaubenden seine Glieder. Die Glaubenden werden in die Herrlichkeit des Hauptes verwandelt, bis in den atomaren Aufbau ihres Körpers (siehe den griechischen Ausdruck EN ATOMO, den Paulus gebraucht). Wenn wir stets mehr mit dem Haupt als Glieder seines Körpers zusammenwachsen, und das äonische Leben in uns ausreift, dann erreicht es das Stadium des "unertötlichen" Lebens des Hauptes. Das kann entweder in diesem jetzigen Äon oder in den nächsten Äonen geschehen. Sicher ist es zuerst mit der inneren und dann auch mit der äußeren Verwandlung des glaubenden Menschen verbunden. Von der inneren Verwandlung in das Herrlichkeits-Stadium des Herrn lesen wir im 2.Korintherbrief 4,16-18. Vers 18 endet mit der Zusage des inneren äonischen Wachstums. Und von der äußeren Verwandlung spricht der Text in 1.Korinther 15,51-55: Dort wird dem Glaubenden Unsterblichkeit durch die Verwandlung versprochen. Diese Unsterblichkeit heisst eigentlich "Unertötlichkeit". Erst in diesem Zustand hat der Tod keine Macht mehr und erst dann kann gerufen werden: "Wo ist, o Tod dein Stachel? Wo ist, o Tod, dein Sieg?"
Das äonische Leben ist durch den Sieg des Herrn Jesus Christus über den Tod errungen worden. Dieser Sieg wird auch durch seine Leibesglieder miterrungen und dieser Sieg wird in die Äonen der Äonen - eben bis in die "richtige Ewigkeit" als unertötliches Leben Bestand haben.
Ich hoffe lieber Peter, dass ich dir mit dieser kurzen Abhandlung geholfen habe, deine eigene Wortstudie zu bereichern.
Mit herzlichem Gruss, dein Glaubensbruder Andrea.