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Viola/Barna: Heidnisches Christentum?
Kurze Buchbesprechung:
Frank Viola / George Barna:
Heidnisches Christentum. Über die Hintergründe mancher unserer vermeintlichen biblischen Traditionen.
1. Auflage (2010)
Heidnisches Christentum. Über die Hintergründe mancher unserer vermeintlichen biblischen Traditionen.
1. Auflage (2010)
Ein Buch, welches die richtigen und unangenehmen Fragen an die heutige Christengemeinde stellt.
Wieviel haben heutige Kirchen mit den Urgemeinden zu Christi Zeiten zu tun?
Inhalt
Das Buch beginnt mit den Hauptwidersachern vom Messias: Den Pharisäern und Sadduzäern. Die Pharisäer als offizielle Deuter der Schrift waren bevollmächtigt, Traditionen zu schaffen. Diese Überlieferung der Ältesten wurden der heiligen Schrift gleichgestellt. Die Sadduzäer machten genau das Gegenteil. Sie entfernten ganze Segmente der Schrift. Zudem leugnen sie die Existenz von Geistern, Engeln, der Seele, eines Lebens nach dem Tod, sowie die Auferstehung.
Die heutige Christenheit macht genau den gleichen Fehler wie damals die Pharisäer und Sadduzäer. (15)
Der Autor geht davon aus, dass die ersten christlichen Urgemeinden, die Kirche der reinsten Form waren. Diese wurden vom heiligen Geist geleitet, wobei sich alle Aktiv am Gemeindeleben beteiligten. Später wurde sie dann zunehmend verdorben. (16)
Diese Gemeinde nennt er organische Gebilde. Kennzeichen dieser Gemeinden waren in den zeitlosen Prinzipien und Lehren aus dem NT. Die Praktiken der heutigen Gemeinden wuren zumeist von den heidnischen Kulturen übernommen. (17)
Der Autor beobachtet, wenn in der heutigen Zeit eine Gruppe von Christen anfängt, das Leben des Herrn nachzueifern, sich ganz natürlich die gleichen Merkmale wie in der Urgemeinde hervortun. "Es gibt vielleicht nichts Schlimmeres, als das obere Ende einer Leiter zu erreichen und festzustellen, dass man an der falschen Mauer hochgeklettert ist. (Joseph Campell, Autor)." Die Menschen wollen mehr von Gott, doch es kommt zu keiner Transformation. Der Christ "schmeckt"in seiner institutionellen Gemeinde, wie eine echte Beziehung zu Gott aussehen kann. (24) All die aktuellen Glaubensformen sind jedoch nichts anderes als das Alte neu verpackt. Dieses Buch soll herausfordern, nicht auf Marketingstrategien zu vertrauen, sondern grundlegend über sein Glaubensleben nachzudenken und es neu umzusetzen. (25)
Es gab drei historische Epochen: das konstantinische Zeitalter, die protestantische Reformation und die Erweckungsperiode. Viele Änderungen wurde zwar von sehr eifrigen , aber schlecht informierten Nachfolgern Christi herbeigeführt. (25) Heute versuchen viele ihre Modelle biblisch zu belegen, indem sie aus dem Kontext gelöste Verse aus der Bibel herausnehmen, um zu "beweisen", dass ihre Methode die biblisch richtige ist. (26)
Nach der Zerstörung Jerusalems durch die Römer 70 n.Chr. Nahmen die judaischen Christen an Zahl und macht ab. Heidnische Christen gewannen die Oberhand und griechisch-römische Philosophen und Rituale wurden in den neuen Glauben aufgenommen. Der frühere Kontakt zu den jüdischen Christen wurde fast vollständig abgebrochen. Ca. 100 n.Chr. war das Christentum eine fast ausschliesslich nichtjüdische religiöse Bewegung. (37)
Im NT finden sich viele Details darüber, dass sich die ersten Christen in Häusern zusammengekommen sind um ihre Versammlungen abzuhalten (vgl. Apg 20,20; Rom 16,3.5; 1Kor 11,16,19) . Das Abendmahl wurde als ganzes Mahl eingenommen (vgl. 1Kor 11,21-34). Die Gottesdienste waren offen und alle nahmen daran Teil (vgl. 1Kor 14,26; Heb 10,24-25). (39)
Geistesgaben wurden von allen Mitgliedern praktiziert (1Kor 12-14). Eine Pluralität von Ältesten beaufsichtigten die Gemeinden (vgl. Apg 20,17.29-29; 1Tim 1,5-7), welche von reisenden Aposteln eingesetzt und unterstützt wurden (vgl. Apg 13-21; alle apostolischen Briefe). Sie verwendeten keine Ehrentitel (vgl Mt 23,8-12) und waren nicht hierarchisch organisiert (vgl. Mt 20,25-28; Lk 22,25-26) (40)
"Als das Christentum die alten Religionen mehr und mehr ersetze, wurde es selber zur Religion.
Alexander Schneemann
Das alttestamentliche Judentum drehte sich um drei Elemente: Tempel, Priester und Opfer. Als Jesus kam, bereitete er den drei Dingen eine Ende. Er ist der Tempel, der ein neues und lebendiges Haus verkörpert. Er ist der Priester, der eine neue Priesterschaft eingeführt hat, und er ist das perfekte und vollendete Opfer. (42) Folglich verschwanden Tempel, Priesterschaft und Opfer des Judentums mit dem Auftreten Jesu Christi. Diese drei Elemente hatte auch Bestandteil des griechisch-römischen Heidentums: Die Heiden hatten ihre Tempel, Priester und Opfer. Erst die Christen haben all diese Dinge entfernt. Nirgendwo im NT besteht ein Zusammenhang zwischen der Gemeinde (gr. ekklesia) mit einem Gebäude. (43) Clemens von Alexandrien (150-215) verwendete als erster den Audruck "zur Kirche gehen". Bis zum Zeitalter Konstantins im vierten Jahrhundert errichteten die Christen für ihre Gottesdienste keine speziellen Gebäude. (44) Christen bessasen während der ersten drei Jahrhunderte keine besonderen Gebäude. (47)
Zwischen dem vierten und sechsten Jahrhundert kam der römische Katholizismus auf. Er integrierte zahlreiche religiöse Praktiken sowohl des Heiden- als auch Judentums. Ausserdem führe er das Berufspriestertum ein. (45)
Kontantin begann mit dem Bau von Kirchengebäuden (50) nach dem Vorbild griechisch-heidnischer Tempel (53), er selber war geprägt von Aberglaube und heidnischer Magie. Er liess seinen ältesten Sohn, seinen Neffen und Schwager hinrichten (51) und behielt den heidnischen Titel Pontifex Maximus (52).
Die christliche Predigt wurde den heidnischen Praktiken der griechischen Kultur entlehnt (127). Griechen und Römer waren süchtig nach heidnischen Predigten (128). Im dritten Jahrhundert konvertierten viele heidnische Redner und Philosophen zum Christentum und behielten das Konzept vom bezahlten Lehrmeister (129). Die Christen wurden zu passiven Zuschauern, es behinderte das geistige Wachstum und förderte die unbiblische Klerus Mentalität (135). Der gegenseitige Austausch über das Wort Gottes kam erst wieder durch die Anabaptisten auf (168).
Das kopflastige Christentum hat seine Wurzeln in Alexandria. Das institutionalisierte Studium basiert auf den heidnische Philosophen und Kirchenvater Origenes (185-254). Es war Schüler und Freund von Plotin, dem Vater des Neoplatonismus. (244) Aristoteles folgend, wurde die Kunst der heidnisch-philosophischen Dialektik (logische Argumentation im Bezug auf die Wahrheit) auf die Hl. Schrift angewandt. (247) Verstand und Intellekt ersetzten geistliche Offenbarungen (248). Jesus hat Mitarbeiter ausgebildet, indem er einige Jahre mit ihnen zusammenlebte. Die Ausbildung war somit eher praktisch. (261)
Jesus der Revolutionär! Die ersten Christen waren auf Christus ausgerichtet. Es bestand keine feste Liturgie, eher formlose Treffen in freiheitlicher Atmosphäre. (286) Das Christentum zeichnete sich als einzige Religion aus, welche ohne Ritus, Klerus und heilige Gebäude auskam. (287) Das geben des Zehnten war keine Praxis des NT, die Taufe war ein äusseres Zeichen, das Abendmahl wurde als komplette Mahlzeit eingenommen, es gab keine Bibelschulen und theologische Seminare. (288)
"Warum übertretet ihr das Gebot Gottes um eurer Überlieferung willen?"
Jesus Christus (Mat 15,3)
Fazit
Dieses Buch ist eine Revolution. Die entscheidenden Themen werden angesprochen. Inwieweit ist die eigene Gemeinde aus der Bibel abgeleitet? Die Autoren konnten aufzeigen, dass die Durchdringung nichtchristlicher Elemente die Gemeinden Weltweit betreffen. Das Christentum ist spätestens seit dem vierten Jahrhundert hochgradig vom Heidentum und römischen Imperialismus geprägt.
Viele Elemente wurden von Plato und Sokrates übernommen. Das Gute hänge vom Wissen des Einzelnen ab. Es ist Nahrung vom Baum der Erkenntis und nicht vom Baum des Lebens. In jüngerer Zeit hält die Philosophie des Pragmatismus Einzug in die Gemeinden. Es zeigt die Tendenz Dinge aufgrund des praktischen Nutzens theologisch zu deuten (Synergien, Besucherfreundliche Gottesdienste, Ganzheitliche Mission etc.). Der Zweck heiligt die Mittel.
Viola & Barna zeigen durch ihre akribische Untersuchung, dass es sich bei den meisten Traditionen um menschliche Erfindungen handelt. Viele derzeitige Praktiken sind lediglich eine Ansammlung von Traditionen der Kirchengeschichte. Die Christen haben leider nichts aus der Geschichte gelernt. Die Praxis und Struktur der heutigen Gemeinden haben kaum eine biblische Grundlage.
Es ist eigentlich erstaunlich, wie viele Menschen jeden Sonntag in die Kirche gehen ohne sich mal die Frage zu stellen ob das was sie tun auf einem biblischen Fundament aufgebaut ist. Die Schrift sagt uns wir sollen alles prüfen und das Gute behalten.
Heikle Themen wie Gottesdienstordnung, Predigt, Amt des Pastors, Musik, der Zehnte, Taufe und Abendmahl werden kapitelweise betrachtet. Dabei vergleicht der Autor die urchristliche Gemeinde mit der aktuellen Situation ohne etwas zu beschönigen. Einen Punktabzug gibt es für das fehlende Kapitel über die philosophische Formulierung der Trinitätslehre. Hier gehe ich davon aus, dass dies dem Autor zu heikel war. Seine Abneigung gegen jegliche hierarchische Strukturen innerhalb der Gemeinde reichen auch soweit, dass sich auch mal der Vater dem Sohn unterordnet (?) (S. 302). Mit solcher unbiblischen Behauptung schiesst das Buch leider über das Ziel hinaus.