Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03419.jsonl.gz/1788

Arnaud kennt keine Weihnachten. Auch hat er noch nie was von Schokolade gehört, geschweige denn probiert. Obwohl er täglich Kakao pflückt, weiss er nicht, wie diese schmeckt. Er lebt mit seiner Familie auf einer Kakaoplantage an der Elfenbeinküste.
In diesen dicht bewachsten Wäldern schwirren Kinder umher wie Ameisen. Sie kommen mir auch gleich tüchtig wie diese vor und tragen gefühlt ein mehrfaches ihres Körpergewichtes. Rund 3,2 Millionen Kinder arbeiten auf Kakaoplantagen an der Elfenbeinküste. Kinderarbeit und Kindersklaverei sind hier Alltag. Wie für uns Schokolade.
Arnaud ist nicht alleine auf der Plantage. Zusammen mit seinen 3 Brüdern und 4 Schwestern arbeitet er 12 Stunden am Tag. Zuerst erntet er den Kakao von den Bäumen. Danach trägt Arnaud die gesammelten Früchte zum Hof. Dort öffnet er diese mit einer Machete. Es kommt oft vor, das sich ein Kind bei der Arbeit verletzt. An eine medizinische Versorgung ist jedoch nicht zu denken. Nach dem Öffnen breitet er die Früchte an der prallen Sonne aus. So können die Bohnen trocknen. Wenn sie fertig getrocknet sind, werden diese abgepackt in die USA oder nach Europa verschifft. Erst hier wird aus diesen dann Schokolade, wie wir sie kennen.
Sieben Tage die Woche arbeitet Arnaud. Zur Schule geht er nicht. Wie die meisten Kinder. Er wird nie lesen können. Denn Kinderarbeit und Analphabetismus ist gleich verbreitet. Rund 40 % der Kinder arbeiten und 44 % der Bevölkerung sind Analphabeten. Die Eltern können sich die Schule nicht leisten. Deshalb arbeiten sie. Tragischerweise, meistens für die Eltern.
Neu dazugekommen ist ein Junge aus Mali. Sein Vater hat letzte Woche ein Kind aus Mali gekauft. Er kostete nur 260 Franken. Ein fairer Preis findet der Vater. Der junge Oumar muss noch härter arbeiten als die anderen Kinder. Er schleppt mehr, macht weniger Pause, arbeitet länger. Dies ist das typische Schicksal eines Kindersklaven. Ein Mann versprach ihm, dass er auf den Plantagen Geld verdiene. Doch nun sitzt er hier und wird ausgebeutet. Von einem Lohn ist keine Rede.
Täglich verschwinden in Mali und in Burkina Faso Kinder. Diese werden von Menschenhändler über die Grenze in die Elfenbeinküste gebracht Hier können die Plantagebesitzer diese Kaufen. Auf diesen Arbeiten sie dann als Kindersklaven. Die Unicef schätzt, dass es in der Region rund 200‘000 Kindersklaven gibt.
Doch was tun wir, dass sich etwas ändert? Hoffnung gibt es wenig. Denn seit die Kakao anbauenden Länder im Jahre 2001 das Harkin-Engel Protokoll unterzeichnet haben, welches Kinderarbeit im Kakao Anbau verbietet. Jedoch hat sich an der Situation der Kinder nichts geändert. Die Umsetzung des Protokolls wurde von 2005 auf 2020 verschoben. Jedoch ist man heute immer noch gleich weit wie vor 13 Jahren.
Auf politischer Ebene geschieht nichts. Die Korruption hindert jeglichen Fortschritt. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir unser Konsumverhalten überdenken. Denn die Schweiz isst durchschnittlich 11 Kilogramm Schokolade pro Person und Jahr. Die Nachfrage ist enorm. Leider wird nur 2,5 % der Schokolade aus fairen Verhältnissen gekauft. So sind wir, die Ursache für das enorme Ausmass der Kinderarbeit. Die Wahrheit ist wohl so bitter wie der Kakao selbst. Ein bitterer Nachgeschmack wird bleiben.
Ein Versuch, die Problematik Infografisch darzustellen.