Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03363.jsonl.gz/2424

Vorgeschichte
Schon bald nach dem 1. Weltkrieg wurden die Feriengäste und die Einheimischen in Spiez mit musikalischen Darbietungen verwöhnt. Der Verkehrsverein Spiez (VVS) unterstützte im Jahre 1924 zwei klassische Konzerte, nämlich ein Klavierrezital sowie einen Liedervortrag mit Werken der Winterreise von Schubert und Dichterliebe von Schumann.
Mit der Öffnung des Schlosses Spiez für die Öffentlichkeit im Jahre 1929 wurden vermehrt auch kulturelle Veranstaltungen mit Unterstützung des VVS im Schlosspark, im Schlosshof oder im Schloss selber organisiert.
Am Sonntag, 2. Juni 1935, um 16 Uhr spielte der Orchesterverein Spiez unter der Leitung von Fritz Münger im Schlossgarten; es wurde kein Eintritt erhoben. Anfangs Juli 1937 fand am Vorabend des Sommerfestes ein Konzert in der Schlosskirche statt. Ein Solistenensemble mit Gertrud Heubach-Regez, Heidi Kasser, Vreni Seelhofer und Hans Moser sowie der Sopranistin Klara Barben interpretierten Werke von Händel, Purcell, Veracini und Mozart. Zudem sangen der Jugendchor und der gemischte Chor der Blindenanstalt Faulensee sechs Lieder. Diese ca. 30 blinden Sängerinnen und Sänger unter der Leitung ihres ebenfalls blinden Dirigenten Kölliker traten mit grossem Erfolg in der ganzen Schweiz auf und waren berühmt für ihre hervorragende Gesangskultur.
Tradition hatten schon in den zwanziger und dreissiger Jahren die Kurkonzerte in den verschiedenen Spiezer Hotels, sowie die Promenadenkonzerte im Schlosspark während der Sommerzeit, und zwar sonntags sowie auch manchmal donnerstags. Diese Konzerte wurden von den vier Spiezer Hotels Eden, Des Alpes, Belvédère und Terminus organisiert und finanziert. Während der Kriegsjahre erfreute ein 3-Mann-Orchester Gäste und Einheimische im Hotel Terminus. Ebenfalls Tradition hatten die Konzerte des Kirchenchors Spiez. Nach der Renovation der Schlosskirche nach dem 2. Weltkrieg trugen die Sängerinnen und Sänger jeweils Ende Juni einem grossen Publikum die erarbeiteten Werke ihres Jahresprogrammes vor. Diese Konzerte des Kirchenchores unter der Leitung ihres umsichtigen Dirigenten Hans Moser fanden bis Ende der sechziger Jahre statt; wegen Terminkollision mit den «erweiterten» Schlosskonzerten wurde diese Veranstaltung nicht mehr weitergeführt.
Alfred Heubach, Schlossverwalter und Sekretär des Verkehrsvereins Spiez, regte nach dem 2. Weltkrieg im Vorstand des VVS die regelmässige Durchführung von klassischen Konzerten im Schlossareal an. Dem Protokoll vom 4. März 1946 entnehmen wir: «Der Sekretär befürwortet die Durchführung von Konzerten des Berner Kammerorchesters, die als sog. Serenaden an Sommerabenden im Schlosspark abgehalten werden könnten. Die geplanten Konzerte wären eine Grundlage für den späteren Ausbau solcher musikalischer Veranstaltungen. (...)
Mag auch die Verwirklichung der Kammermusik-Konzerte mit einem finanziellen Risiko verbunden sein, so bedeutet die musikalische Veranstaltung eines bekannten Berner Orchesters für Spiez eine wertvolle Propaganda, die mit den Jahren ausgebaut werden kann und deshalb die finanzielle Unterstützung durch den VV und die Gemeinde rechtfertigt.»
Und obwohl (schon damals) nicht alle Vorstandsmitglieder vom Engagement des Verkehrsvereins für klassische Konzerte überzeugt waren, sondern lieber sportliche Anlässe finanziell unterstützt hätten, steht im bereits erwähnten Protokoll: «Der Vorstand beschliesst einstimmig, die Serenaden des Kammer-Orchesters durchzuführen und denkt vorläufig an zwei Aufführungen.»
(Aus der Broschüre "50 Jahre Schlosskonzerte Spiez")
Schlosskonzerte Spiez, die Jahre 1946 bis 1995
Das erste, nun regelmässig durchgeführte und vom Verkehrsverein Spiez unterstützte Konzert fand am 29. Juni 1946 im Schlosshof Spiez statt. Das Berner Kammerorchester (BKO) unter der Leitung von Hermann Müller spielte Werke von Rameau, Gluck, Haydn und Mozart; Solist war der Flötist Willy Urfer. Dieses Orchester wurde 1938 von 17 Lehrerinnen und Lehrern unter dem Namen «Spielkreis für Streichmusik» gegründet; ihr Leiter war Hermann Müller.
Zwei Jahre später gaben sich die Instrumentalisten einen neuen Namen und traten nun als «Berner Kammerorchester» auf. Ihr Dirigent blieb Hermann Müller, und zwar bis zu seinem 70. Geburtstag im Jahre 1972. Im Jahre 1969 wurde er in Anerkennung seines jahrzehntelangen Einsatzes als Musikerzieher am staatlichen Seminar Hofwil-Bern und als Leiter des Berner Kammerorchesters mit dem Kantonalen Musikpreis ausgezeichnet. Nach der Durchführung der ersten Serenade des Berner Kammerorchesters unter dem Patronat des VVS am 29. Juni 1946 stand im «Berner Oberländer»: «Dem Vernehmen nach sind für später weitere Abendmusiken vorgesehen, und wenn einmal die alte Schlosskirche wieder offen ist, lassen sich die verschiedenen Ausführungsmöglichkeiten verbinden.»
In den Jahren 1947 und 1948 gastierte das BKO einmal während des Sommers in Spiez. Am 25. Juni 1949 war das Füri-Quartett zum ersten Male zu Gast im Schloss Spiez, das Füri-Quartett aus Bern, bestehend aus Erich Füri, Violine, Ruth Müller-Fischer, Violine, Martin Brotschi, Viola, und Francoise Füri-Blanc, Violoncello.
In den folgenden Jahren traten mit grosser Regelmässigkeit — und ebenso grossem Erfolg — das BKO und das Füri-Quartett unter dem Patronat des VVS im Schloss, im Schlosshof oder in der Schlosskirche auf. 1955 regte das BKO eine Konzertwoche mit drei bis vier Konzerten an. Als Bedingung nannte der musikalische Leiter Hermann Müller freie Unterkunft und Verpflegung plus Fr. 5.- Taggeld pro Musiker. Dieser Vorstoss wurde vom Vorstand des Verkehrsvereins abgelehnt, da dies eine zusätzliche Belastung der Hotels während der Hochsaison bedeuten würde. Zudem wollte man eine Kollision mit den geplanten Operettenspielen in Thun vermeiden. Hermann Müller bedauerte, einen Ausbau der Schlosskonzerte verpasst zu haben und hielt fest, seine Idee im Jahre 1956 wieder aufzunehmen. Dass die sonst erfreuliche Zusammenarbeit zwischen dem BKO und dem VVS keinen Einbruch erlitten hatte, beweist das Konzert am 25. Juni des gleichen Jahres mit dem Solisten Peter Lukas Graf, Flöte. In den sechziger Jahren hielten der Verkehrsverein und sein Sekretär Alfred Heubach am bewährten Konzertprogramm mit dem Berner Kammerorchester und dem Füri-Quartett fest.
Im Jahre 1969 wurden Dr. Hans Luginbühl, Arzt, und Edy Wyttenbach, Sekundarlehrer, beide wohnhaft in Spiez, musikalische Leiter der Schlosskonzerte. Ein Jahr später übernahm Dr. H. Luginbühl allein die Verantwortung und nahm gleichzeitig Einsitz im Vorstand des Verkehrsvereins, was die Trägerschaft des VVS für die Schlosskonzerte unterstrich.
Um der Konzertreihe neue Impulse zu geben, wurde die regelmässige Zusammenarbeit mit dem BKO und dem Füri-Quartett nicht mehr weitergeführt, damit neue Musiker und Ensembles die Gelegenheit hatten, in Spiez aufzutreten. Die vier bis fünf Konzerte, die nun immer in der Schlosskirche stattfanden, wurden im Monat Juni durchgeführt, um im Frühsommer einen touristischen Schwerpunkt zu setzen. Die Schlosskonzerte hatten sich auch äusserlich ein neues Image gegeben: der Grafiker Fritz Roth, Herzogenbuchsee, gestaltete das Titelblatt des Programmheftes. Eine starke, eigenwillige Interpretation von Musik, die auch heute noch immer gefällt.
Dr. Luginbühl engagierte neue Ensembles und Musiker nach Spiez, die ihr Repertoire über die Klassik hinaus bis zur Moderne ausdehnten. Aus der Vielzahl der Musiker tauchen immer wieder bekannte Namen auf —Künstler, die gerne in Spiez gehört wurden und welche die einmalige Atmosphäre in der akustisch hervorragenden Schlosskirche liebten. So gehören zur Ära Luginbühl das Trio Stradivarius und «ihr» Pianist Werner Giger, Im Jahre 1973 war Aurèle Nicolet zum ersten Male zu Gast in Spiez, ebenfalls im gleichen Jahr die Camerata Bern. Viele heute international berühmte Musiker traten zu Beginn ihrer Karriere auch in Spiez auf, so z. B. Hansheinz Schneeberger, Ursula und Heinz Holliger, Arthur Loosli, Thomas Friedli, Michael Studer, Thomas Füri, Antony Morf und viele andere. Unvergessen bleibe den über 220 Konzertbesuchern der Duo-Abend am 1. Juli 1982 mit dem international berühmten Pierre Fournier, Violoncello, und Gerard Wyss, Piano. Als Dr. Luginbühl 1984 an der Hauptversammlung des Verkehrsvereins Spiez sein Amt niederlegte, wurde ihm zum Dank für sein grosses persönliches Engagement beim Ausbau der Schlosskonzerte die Ehrenmitgliedschaft verliehen.
Nach der Ära Luginbühl übernahm 1985 Gretli Wandeler-Bodmer die Verantwortung für die Spiezer Schlosskonzerte. Um weiterhin das gute Einvernehmen und die Zusammenarbeit mit dem VVS zu garantieren, nahm auch sie Einsitz in dessen Vorstand.
Das Angebot aus der reichen Palette der Kammermusik wurde noch erweitert. Die Kunst des Gesangs fand regelmässig Aufnahme mit Liederabenden für eine, zwei oder mehr Stimmen und Vokalensembles. Mehr Platz wurde auch den Blasinstrumenten eingeräumt, die in gemischten Formationen oder als Eininstrumentenensembles zu hören waren.
Vermehrt wurde wieder die wunderhübsche Orgel der Schlosskirche eingesetzt, junge Gitarristen brachten ihr Können zu Gehör, und mit den «Salonisti» fand auch die gehobene Salonmusik einen Platz im Programm der Schlosskonzerte.
Seit 1985 findet jedes Jahr ein Konzert unter dem Titel «Junge Künstler stellen sich vor» statt. Dabei wird einer Anzahl Studierenden des Konservatoriums Bern die Gelegenheit geboten, in der Schlosskirche vor einem interessierten Publikum aufzutreten. Diese Konsi-Konzerte sind immer geprägt von einer jugendlichen Spielfreude und Spontaneität auf hohem musikalischem Niveau. Sie werden nicht nur von den Studierenden, ihren Lehrern und der Direktion des Konservatoriums, sondern auch von den aufmerksamen Zuhörern sehr geschätzt. Und mit Interesse und etwas Stolz kann die eine oder andere Karriere weiterverfolgt werden, die in der Schlosskirche Spiez begonnen hat. Die 700-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft im Jahre 1991 war auch ein Thema für die Spiezer Schlosskonzerte. In jedem Konzert wurde mindestens ein Werk eines Schweizer Komponisten aufgeführt und alle Interpreten waren Schweizer Musiker, Die Zuhörer lernten viele unbekannte Komponisten kennen und taten dies mit einem erfreulich grossen Publikumsaufmarsch.
Ein besonderes Ereignis im Jahre 1994 war die Premiere des ARIA-Quartetts mit Thomas Füri, Violine, Claudia Dora, Violine, Christoph Schiller, Viola, und Conradin Brotbeck, Violoncello. Sicher auch für die anwesenden Eltern Erich und Françoise Füri-Blanc ein Erlebnis, ihren Sohn Thomas mit seinem Quartett in der Schlosskirche Spiez konzertieren zu hören.
(Aus der Broschüre "50 Jahre Schlosskonzerte Spiez")
Schlosskonzerte Spiez 1996 bis 2005, das 6. Jahrzehnt
Vereinsstruktur
Im 1996 ergeben Abklärungen, dass zur besseren (auch finanziellen) Handlungsfähigkeit des Konzertveranstalters sich neue Strukturen aufdrängen.
Unter dem Präsidium von Gretli Wandeler-Bodmer und ihrem Fünffrauen-Team wird am 5.2.1997 der Verein Schlosskonzerte Spiez gegründet. Die laufende Geschäftstätigkeit übernehmen die Vorstandmitglieder, weitere Vereinsmitglieder sind die ehemaligen Chargenträgerinnen.
Der bis anhin durch den Verkehrsverein Spiez erfolgte Vorverkauf wird dem NOVA Reisebüro, ab 2004 dem Spiezer Gewerbebetrieb Zimmermann AG übertragen. 1998 wechselt das SKS-Präsidium von Gretli Wandeler-Bodmer zur bisherigen Vizepräsidentin Marianne Vogel Kopp.
Aussenwirkung
Das Logo wird aufgefrischt, der frühere Faltprospekt 2001 zu einem Programmheft bis zu 36 Seiten erweitert und nun auch dem SpiezInfo beigelegt. Im Bestreben, die Medienpräsenz voranzutreiben, werden die Print-Medien regelmässig bedient; ein gutes Echo ist v.a. im Berner Oberländer und im Thuner Tagblatt zu vermerken. Zeitentsprechend wird auch eine einfache Homepage aufgeschaltet. Ebenfalls soll ein markanter Plakataushang an den Dorfeingängen die Konzertserie in Erinnerung rufen.
Programmgestaltung
Es werden in dieser Zeitspanne nun jeweils 6 bis 9 vielfältige Musikveranstaltungen organisiert. Die bisher mehrheitlich klassische Ausrichtung (Klavierrezitals, Trios, Streicherformationen etc.) wird aufgeweicht. Neben dem Einbezug von Cross Over-Anlässen, der Einbindung von Volksmusik, Chansons, Klezmer sowie Improvisationen werden auch Auflockerungen mit sprachlichen Elementen und Lesungen geboten. Kinderfreundliche Konzerte werden zu echten KinderKonzerten, der musikalische Nachwuchs des Konservatoriums Bern (nachfolgend Hochschule für Musik) findet in Jung&Leidenschaftlich ein permanentes Podium. 1999 eröffnet erstmals eine Jazz-in-Church-Matinée neuen Zuhörerkreisen die Pforte.
Familien und Kinder werden zu gemeinsamen Festen mit den Freunden des Goldenen Hofes eingeladen. Zwischen 800 bis 1'000 Zuhörer können die Schlosskonzerte pro Saison verzeichnen. Über die Gründe der jährlichen Abweichungen kann der Vorstand nur spekulieren: Beeinflusst das musikalische Angebot, die Bekanntheit der Künstler, das Wetter oder jeweilige TV-Programm den Besucherstrom massgeblich?
Rahmenprogramm
Regelmässig begleiten nun Après-Concert Veranstaltungen oder Pausenapéros für alle das musikalische Geschehen. Damit wird den Besuchern sowohl ein Austausch mit den Künstlern als auch eine lockere Begegnung mit anderen Musikliebhabern geboten. Als besonders geeignete Räume bieten sich dazu der Gartensaal und dessen Terrasse, der Schlosshof wie ebenso der Platz unter den Kastanien an. Für solche Spezialaufwendungen kann der Vorstand erfreulicherweise auch auf freiwillige Zusatzpersonen zählen.
Koordination
Damit keine vor allem akustische Konfliktsituationen entstehen, verlangt die Vielzahl der Anlässe immer mehr nach Absprachen mit anderen Kulturevents in der Bucht. Auch hinsichtlich Administration wird stets die Zusammenarbeit und Koordination mit anderen Kulturträgern in Spiez gesucht. Über einen informellen runden Tisch und wenigstens einen monatlich aufdatierten Kulturkalender hinaus lassen sich indessen keine institutionellen Ergebnisse erzielen. Auch die Zusammenarbeit mit andern Klassikanbietern im Berner Oberland verläuft eher zäh. Lediglich die Verteilung der Beiträge der öffentlichen Hand an die Kulturanbieter findet in der Kulturkommission der Gemeinde ein ständiges Gremium.
Finanzielles
Die Einwohnergemeinde Spiez zusammen mit der Kulturabteilung des Kantons Bern sichern die finanzielle Basis der Konzertreihe verlässlich ab. Die Stiftung Spiezerhof erhöht zur Jahrtausendwende ihren Beitrag von CHF 5'000 auf CHF 7'000, aus der Ärzte-/Zahnärzteschaft Spiez fliesst jeweils ein namhafter Beitrag und auch der Lions-Club Spiez ist ein treuer Sponsor. Neben den Einkünften aus dem Kartenverkauf wird versucht, über Patronate, Inserate und Gönnerschaften auf eine zusätzliche finanzielle Quelle zurückzugreifen und mit einer Reserve die unmittelbare Zukunft der SKS abzusichern. Nicht in der Erfolgsrechnung, die ab 2002 nun mehr als CHF 50'000 budgetiert, erscheint das freie Gastrecht seitens der Stiftung Schloss Spiez.
Schlosskonzerte Spiez 2006 bis 2015, das 7. Jahrzehnt
Vereinsstruktur
2008 wird der Vorstand von fünf Personen auf ein 7er-Team erweitert. Am Einpacktag des Konzertprogramms helfen auch die passiven Vereinsmitglieder regelmässig mit, ebenso im Mai dann an der Tageskasse und bei der Eingangsbetreuung. Der Vorverkauf im Dorf bei Firma Zimmermann AG läuft perfekt. Nach einem Dutzend Präsidialjahre erfolgt 2009 die Stabsübergabe von Marianne Vogel Kopp an Ruedi Bernet. Als Leiter der Musikschule Region Thun bringt er nicht nur seine eigene musikalische Kompetenz, sondern ein weitverzweigtes Netz der Szene ein.
Aussenwirkung
Ein neues, blaues Logo 2010 zieht in der Folge ebenso ein frisches Layout des Programmheftes mit. Die Öffentlichkeitsarbeit wird stetig intensiviert. Im Berner Oberländer werden vor der Saison Hintergrundartikel und Voranzeigen platziert sowie retrospektiv Kritiken. Das findet schliesslich seinen Niederschlag in einer formellen Medienpartnerschaft. Auch über Radio BeO wird versucht, ans Publikum zu gelangen. Mit sorgfältig gestalteten A5-Werbekarten machen die einzelnen Konzertanlässe bei spezifischen Interessengruppen auf sich aufmerksam.
Die Homepage wird professionell betreut und funktional laufend verbessert, so dass nun Programm, Fotos, Pressespiegel jederzeit im Internet ersichtlich sind, auch auf Jahre zurück. Das aktuelle Programmheft wird auch bei Gewerbetreibenden aufgelegt. Dem Plakataushang sowie den Info-Banners im Dorf kommt nach wie vor Bedeutung zu. Diese PR-Arbeiten resultieren zusammen mit der musikalischen Leitung sowie dem übrigen Rahmenprogramm in gegen 600 Std. Freiwilligenarbeit seitens des Teams.
Programmgestaltung
Schriftlich festgehalten werden nun strategische Leitlinien. Jährlich finden 7 bis 9 vielfältige Musikveranstaltungen statt. Inhaltlich soll der Konzertreigen weiterhin auch einem breiteren und nicht rein klassisch ausgerichteten Musikpublikum beliebt gemacht werden. Auch spartenübergreifende Konzerte finden ihren Platz in der Schlosskirche:
- Neben Matinées gibt es Sonntagnachmittagskonzerte, speziell gedacht auch für Familien
- Die Reihe Jung&Leidenschaftlich (vorher über die Hochschule Bern) wird nun in Eigenregie gestaltet, da die jungen Musiker sich ihre musikalischen Auftritte jetzt selbst organisieren
- Wir beherbergen in den alten Gemäuern Künstler mit internationalem Ruf, für einige von ihnen bedeutete die romanische Kirche gar eines der letzten Podien
- Jazz-Formationen kommen im Kirchenraum immer wieder super an und finden lebhafte Resonanz beim Publikum
- Neben klassischen Trios, Quartetten und anderen Kammerformationen mit Werken von der Gregorianik bis in die Moderne ertönen in der Schlosskirche selbst Kuhglockenklänge
- Persönliche Kommentare seitens der Künstler kommen im intimen Raum besonders gut an und gehören fest zum SKS-Konzept
- Halbszenisch gestaltete Opernabende eignen sich für den Raum so gut wie auch Broadway-Klänge
- Literarische Darbietungen werden mit Musik gepaart
- Liederabende wechseln mit grösseren a cappella Auftritten
- Und: Da die Kinder unsere Zukunft sind, finden die Kinderkonzerte unsere besondere Beachtung und münden in manchen Jahren in einem Schlossfest zusammen mit den Freunden des Schloss Spiez
Ganz im Zuge der Zeit richten sich die Schlosskonzerte Spiez nun auch thematisch aus: wir setzen jährliche Mottos wie Liebe, Geschichten, Kontraste, Atmosphären oder Sa/eitensprünge. Ziel ist immer auch, den einmaligen Kirchenraum stets neu und speziell zur Geltung zu bringen. Diesem Zweck dient ebenso ein weiteres sinnliches Element, ein abwechselnd originell gestalteter Blumenschmuck von Blütenmehr, floral-gestalterische Schöpfungen in Symbiose zur Musik.
Gegen die allfällige Kälte in der Schlosskirche helfen nun Wolldecken in Selbstbedienung. Die neuen, auch von unserem Verein gesponsorten Stühle in der Schlosskirche dienen ebenfalls höherem Komfort.
Die jährliche Zuhörerzahl übersteigt in diesem Jahrzehnt erstmals 1000 insgesamt. Allerdings wechselt der Besucheraufmarsch aus unerfindlichen Gründen von Jahr zu Jahr. Die Durchschnittszahlen pro Konzert schwanken von 90 bis 130, mit Spitzenzahlen von 152 oder gar 167 Eintritten.
Rahmenprogramm
Nach wie vor zum «Service» der SKS gehören sowohl informelle Künstlerapéros als auch öffentliche grosse Apéros. Für die Vorbereitung und Durchführung dieses Catering lässt sich erfreulicherweise stets freiwilliges Personal finden.
Auch die nötige Unterstützung seitens Schlosswart sowie vom Sekretariat Schloss wird sehr gerne angenommen.
Koordination/Partnerschaften
Zum 40-Jahre-Jubiläum der Schlosskonzerte Thun wird ein einmaliger Brückenschlag gemacht, der Nachbar-Veranstalter bekommt bei uns Gastrecht für ein Konzert.
Im Hinblick auf den zukünftigen Empfang von Kantonssubventionen wird der Verband KulturSpiez gegründet, das Ziel vorderhand aber verfehlt.
Die Veranstaltungsdaten der Kulturanbieter von Spiez werden weiterhin koordiniert.
2014 wird der Verein Klassikfestival Berner Oberland gegründet. Eine gemeinsam gestaltete Werbekarte der 11 Klassikanbieter mit Zeithinweisen soll einer besseren Vernetzung und Präsenz beim Publikum dienen.
Finanzielles
In den Erfolgsrechnungen wird nun bis zu CHF 60'000 budgetiert. Neu schlagen die verlangten AHV-Abrechnungen zu Buche und erfordern eine Profi-Bewirtschaftung, auch die Suisa erheischt ihren Tribut. Treue Sponsoren sind Medico Spiez, der Lions-Club Spiez, viele private Gönner und Musikinteressierte. Patronate und Inserate helfen mit, die notwendigen Finanzen zu äufnen und werden mit Gegenleistungen abgegolten.
Die Stiftung Spiezerhof unterstützt uns nach Ablegung eines Rechenschaftsberichtes massgeblich und die Stiftung Schloss Spiez gewährt weiterhin grosszügig Gastrecht. Das Eigenkapital als gesunder Grundstock lässt den SKS nach wie vor eine Preisgestaltung zu, die auch finanziell schwächer Gestellten einen Konzert-Eintritt ermöglicht.
Mit der Änderung bei der kantonalen Subventionspraxis bzw. einem neuen Kulturförderungsgesetz könnte sich allerdings ab 2017 eine Finanzierungslücke mit entsprechenden Konsequenzen abzeichnen.
Im grossen kulturellen Veranstaltungskalender, inmitten der immer professioneller und grossformatig auftretenden Festivals konnten sich die SKS erfreulicherweise auch im 7. Jahrzehnt in aller Bescheidenheit behaupten.
(Gret Beusch, Presse und Öffentlichkeitsarbeit)