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Placebowirkung bei chronischen Kreuzschmerzen
Effectiveness of placebo interventions for patients with nonspecific low back pain: a systematic review and meta-analysis
Strijkers R.H.W. et al. Pain 2021;162:2792
Die Autoren fanden im Rahmen einer systematischen Literatursuche und Metaanalyse 21 randomisiert kontrollierte Studien, welche Placebo mit keiner Therapie verglichen: 1 Studie bei akutem Kreuzschmerz (LBP, <6 Wochen), 2 bei subakutem LBP (6–12 Wochen) und 19 bei chronischem LBP (>12 Wochen). Die Auswertung bei chronischem LBP ergab, dass Placebointerventionen gegenüber keiner Intervention im Kurzzeitverlauf für Schmerzintensität (-0.37), Funktionalität (-0.19) und physische Lebensqualität (-2.71) überlegen waren. Diese Effekte waren im mittelfristigen Verlauf nicht mehr signifikant, und der langfristige Verlauf war ungenügend dokumentiert. Freilich ist der Gewinn von 8 Punkten auf einer Schmerzskala 0–100 – trotz Signifikanz – kaum klinisch relevant.
Die Wirkung von Placebointerventionen ist umstritten; die vorliegenden Daten zeigen, dass sie offenbar im Bereich einer geringen Besserung der Symptome und Funktionalität liegen, vergleichbar mit irgendwelchen Therapiemodalitäten bei chronischen Kreuzschmerzen. Bis heute gibt es bei cLBP keinen wirklich erfolgreichen Zugang, nicht einmal Placebo!
Leinsamen als ajuvante Nahrungsmittelergänzung bei rheumatoider Arthritis
The Effect of Flaxseed with or Without Anti-Inflammatory Diet in Patients with Rheumatoid Arthritis, a Randomized Controlled Trial.
Ghaseminasab-Parizi M et al. European J Nutrition 2021:online ahead of print
In früheren Studien wurde ein positiver Effekt von langkettigen ω-3-Fettsäuren auf die Symptome der rheumatoiden Arthritis (RA) festgestellt. In dieser Studie wird die Wirksamkeit von Leinsamen und entzündungshemmender Ernährung bei Patienten mit RA in einer randomisiert kontrollierten Studie untersucht. Es erfolgte eine 12-wöchige Intervention mit Randomisierung von 120 RA Patienten in 3 Gruppen: Leinsamen (30 g/Tag) plus entzündungshemmende Ernährung (AIF-Gruppe), Leinsamen (30g/Tag) plus normale Ernährung (RF-Gruppe) und gerösteter Weizen (30g/Tag) plus normale Ernährung (RW-Gruppe). Vor und nach der Studie wurden der Disease Activity Score 28-Gelenke (DAS28), der Fragebogen zur Beurteilung des Gesundheitszustands (HAQ) in Bezug auf Behinderung und Schmerzen, die Lebensqualität, die Erythrozytensedimentationsrate (ESR), das C-reaktive Protein (CRP), der Rheumafaktor und die antizyklischen citrullinierten Peptide (Anti-CCP) gemessen.
102 Patienten schlossen das Protokoll ab. Leinsamen verringerten den DAS28 in der RF-Gruppe im Vergleich zur RW-Gruppe (-0,87 ±1,11 vs. -0,24 ±0,78; P = 0,014). Schmerzscore (P ≤ 0,001), Morgensteifigkeit (P < 0,05) und Krankheitsgefühl (P < 0,01) nahmen in den AIF- und RF-Gruppen signifikant ab. Messbare Entzündungsmarker (ESR, CRP, Anti-CCP und Rheumafaktor) waren zwischen den Gruppen nicht unterschiedlich.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Leinsamen als hilfreiche unterstützende Therapie für Patienten mit RA eingesetzt werden können.
Kommentar:
Diese Studie zeigt vielversprechende Ergebnisse für die Verwendung von Leinsamen als adjuvante Therapie bei Patienten mit RA. Die Linderung von Schmerzen ist klinisch wichtig, da sie den Verbrauch nichtsteroidaler entzündungshemmender Medikamente verringern kann. Die Menge an α-Linolensäure in 30g Leinsamen wird auf etwa 6,8g geschätzt, wodurch im Körper etwa 340mg EPA und 34mg DHA gebildet werden könnten. Dieses Ergebnis ist besonders interessant, weil in einer Metaanalyse, in der über die positive Wirkung langkettiger ω-3-Fettsäuren auf RA-Schmerzen berichtet wurde, viel höhere EPA- und DHA-Dosen verwendet wurden. Künftige Studien sollten die Auswirkungen der AI-Diät auf die RA sowie die Wirkung von Leinsamen auf Entzündungsmarker genauer untersuchen.
Welche Rituximab Dosierung als Erhaltungstherapie bei ANCA Vaskulitiden?
Dose-dependent Pharmacological Response to Rituximab in the Treatment of Antineutrophil Cytoplasmic Antibody-associated Vasculitis
Springer J et al. J Rheumatol 2021;48:1718
In dieser prospektiven Kohortenstudie wurde bei 28 Patienten mit einer ANCA-Vaskulitis (23 Patienten hatten eine Granulomatose mit Polyangiitis und 5 eine mikroskopische Polyangiitis) die Plasmakonzentration von Rituximab (RTX) und die B-Zelldepletion vor der nächsten jeweiligen RTX Gabe in der Remissionserhaltungsphase untersucht.
Es zeigte sich eine klare Korrelation der Plasmakonzentration und der Zelldepletion mit der Dosis von Rituximab und dem Dosisintervall. In fast der Hälfte der Patienten mit einer Dosis von 500 mg RTX 6-monatlich zeigte sich eine unvollständige B-Zelldepletion.
Konklusion:
Rituximab ist sowohl in der Remissionsinduktion als auch Remissionserhaltung die derzeit beste Therapie der ANCA Vaskulitiden. Die meisten Therapieschemata empfehlen in der Remissionserhaltung 500 mg RTX alle 6 Monate. Diese Studie zeigt nun, dass fast die Hälfte der Patienten mit einer RTX-Dosis von 500 mg eine unvollständige B-Zelldepletion vor der nächsten RTX Gabe haben. Ob diese Erkenntnisse Rückschlüsse auf das klinische Ansprechen haben, bleibt jedoch offen. Im Klinikalltag kommt es durchaus vor, dass mit nur 500 mg RTX 6-monatlich die Krankheit nicht in komplette Remission kommt und es bei diesen Patienten Sinn macht, die RTX Dosis zu erhöhen oder eventuell zumindest in der ersten Phase das Dosisintervall zu verkürzen.
RA in Remission: Stabile versus halbe Dosierung der csDMARDs
Effect of Half-Dose vs Stable-Dose Conventional Synthetic Disease-Modifying Antirheumatic Drugs on Disease Flares in Patients With Rheumatoid Arthritis in Remission
Lillegraven S et al. JAMA 2021;325(17):1755
Diese randomisierte klinische Studie von 160 Patienten mit rheumatoider Arthritis in Remission untersuchte, ob eine Halbierung der Dosis der konventionellen synthetischen DMARDs (csDMARDs) gleich gut abschneidet wie eine stabile kontinuierliche Dosierung bezüglich Entzündungsschüben über 12 Monate.
Ein Schub wurde definiert als DAS > 1.6 (ein kleinerer Wert ist als Remission definiert), ein Anstieg des DAS um 0,6 Einheiten oder mehr sowie mindestens zwei geschwollene Gelenke.
Über 12 Monate trat ein Schub bei 25% in der Halbdosis-Gruppe auf verglichen mit 6% in der stabilen Dosisgruppe. Nebenwirkungen wurden in 44% der Halbdosis-Gruppe und in 54% in der stabilen Dosisgruppe verzeichnet, keine der Nebenwirkungen führte zu einem Abbruch der Medikation.
Fazit:
Nach Remission scheint es sich nicht zu lohnen, die csDMARD-Dosis zu halbieren; im Vergleich zu einer kontinuierlichen Therapie treten deutlich mehr Schübe auf.
Wie es sich mit einer leichten Dosisreduktion bzw. einer Verlängerung der Applikationsintervalle verhält, kann diese Studie nicht beantworten. Für die Praxis gilt: Keine abrupte Dosisverringerung, sondern nur allmählich anpassende Therapie an den Verlauf.