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Mädchen hatten schon immer bessere Noten.
In der Basellandschaftlichen Zeitung vom 15. Oktober 2018 stellte eine Frau Margrit Stamm fest, dass Buben heute oft schlechtere Noten als Mädchen hätten. Der an sich gute Artikel fing mit dem Satz an „Knaben gelten als die neuen Sorgenkinder“ und erweckte den Eindruck, als hätten sich Buben gegenüber früher verändert. Der Artikel zeigt eher unser heute weitgehend gestörtes Verhältnis zur Natur. Darauf schrieb der Verfasser die folgende Gegendarstellung, die aber von der BZ nicht veröffentlicht wurde.
Mädchen hatten immer die besseren Noten, mindestens seit 1936, als der Verfasser seine Schulzeit anfing. In jeder Klasse an der Primar- und dann Sekundarschule, gab es zwei Lager: Das mit den besseren Noten und das mit den schlechteren. Das mit den besseren Noten bestand fast nur aus Mädchen, dass mit den schlechteren fast nur aus Buben, wobei der Verfasser während dieser langen Jahre zum Lager mit den schlechteren Noten gehörte. Selbst noch in der Mittelschule waren die Mädchen meistens besser, wie man den Zeugnissen der Schwester und deren Freundinnen entnahm (In Zürich waren die Mittelschulen damals nach Geschlechtern getrennt). Erst im Studium änderte sich das, als die Buben erwachsen geworden waren, sich mit von ihnen gewählten Themen befassten und die Geschlechter in beiden Lager gut vertreten waren.
Im Zeitalter der politischen Korrektheit muss man die Unterschiede im Verhalten der Geschlechter mit Erziehung und gesellschaftlichen Druck erklären. Man darf nicht auf von der Natur vorgegebene unterschiedliche Anlagen hinweisen. So wird heute "männliches" Verhalten bei Buben - Entschuldigung, ich meinte natürlich unzulässiges Abweichen vom angeborenen Wohlverhalten von uns als geschlechtslos geborenen Menschen - mit viel Pharmazeutika und Coaches, Psychiatern und dergleichen in die richtige Bahn gelenkt. Auch damals wurde man für extremes Fehlverhalten bestraft, vom normalen wilden Buben zum Menschen erzogen, der die Normen der Gesellschaft beachtete, aber immer fühlte man auch das Verständnis der Erwachsenen für die im Jugendalter in alle Richtungen ausschlagenden "männlichen" Eigenschaften. Die Begründung von Frau Stamm in ihrem Artikel ist m.E. unvollständig. Schulerfolg wurde von uns schon damals als Unterwerfung unter Autoritäten, als Anpasserei empfunden, bis man alt genug war zu begreifen, dass man ohne gute Ausbildung später kein gutes Leben haben kann. Manchmal kam schon früher noch das Interesse an einzelnen Fächern als Antriebsmotor hinzu.
Was machten wir anstelle des Auswendiglernens der französischen Verben oder der Regierungs-zeit der römischen Kaiser? Wir bauten Flugzeugmodelle und Schiffe und Rennautos mit Kugellagern als Räder und sassen hinein und steuerten sie bei Wettkämpfen steile Strassen hinunter. Wir konstruierten Raketen, die manchmal sogar hundert Meter weit flogen, statt gleich zu explodieren. Wir bauten uns kleine Radios, mit denen wir bis spät nachts im Bett Musik hörten. Wir machten mit Ofenrohren, Holzplatten und Holzrädern Kanonen und schossen leere Büchsen aufeinander und benützten Karbid als Treibstoff, wir kletterten im nahen Walt auf Buchen und von dort über deren Äste zur Spitze von Tannen, deren Äste erst hoch oben begannen. Selbst als einer von uns vom Gipfel einer Buche samt des Astes auf dem er sass, herunterfiel (ohne irgendwelche schwere Verletzungen) wurde uns das Erklettern der Bäume nicht verboten. Viele traten freiwillig den Pfadis oder Kadetten bei und lernten so, sich in der Natur auch nachts zuhause zu fühlen. Immer wieder wurde auch um die Anerkennung als Alpha-Tier gekämpfelt. Dann kam die Zeit des endlos langen, lauten Musikhörens, das die Eltern zur Verzweifelung trieb, der nächtelangen Diskussionen mit Freunden über die Verbesserung der Welt, des ununterbrochenen Denkens an ein Mädchen, in das man sich verliebt hatte. Aber eben, in der Schule hatten wir die schlechteren Noten als die Mädchen. Und, warum hatte unser einziger die Normen der Gesellschaft immer beachtender, sehr braver Klassenkamerad, der in allen Fächern, auch im Maturitätszeugnis, immer eine 6 hatte, später als Wissenschaftler kein für ihn erfreuliches, kreatives Berufsleben?