Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03355.jsonl.gz/2476

Wenn das Schweizer Biathlon-Team am Wochenende in Östersund in die neue Weltcup-Saison startet, dann tut es dies vor dem Hintergrund einer deutlich veränderten Erwartungshaltung. Diese beruht primär auf der markanten Leistungssteigerung im letzten Winter und auf der Schweizer Weltcup-Premiere Mitte Dezember in Lenzerheide.
Mit Blick auf den 25. November, wenn in Östersund in Mittelschweden die 47. Weltcup-Saison lanciert wird, werden innerhalb des Schweizer Biathlon-Teams unweigerlich Erinnerungen wach an den letztjährigen Saisonstart. Damals hatte Niklas Hartweg im allerersten Rennen in Kontiolahti, einem Einzel über 20 km, für einen veritablen Coup gesorgt und mit Rang 2 seinen ersten Podestplatz auf höchster Stufe bejubeln dürfen. Im Zuge dieses Erfolgs realisierten die Schweizer Biathletinnen und Biathleten in den nachfolgenden Wochen einige Bestmarken – und so stand letztlich im März die erfolgreichste Saison für Swiss-Ski im Biathlon zu Buche. Neben vier Weltcup-Podestplatzierungen, dem Sieg in der U25-Wertung der Männer durch Niklas Hartweg und neuen Bestwerten in den Nationen-Rankings (Rang 5 für die Männer, Rang 6 für die Frauen) resultierten auch in den Weltcup-Einzelwertungen mehrere Schweizer Bestleistungen.
«Dass die Erwartungen an uns gestiegen sind, lässt sich nicht wegdiskutieren. Natürlich erhoffen wir uns auch in dieser Saison den einen oder anderen Podestplatz, aber es gilt zu bedenken, dass die Leistungsdichte an der internationalen Biathlon-Spitze enorm gross ist», so Lukas Keel. Der Sarganserländer, seit Sommer 2021 Chef Biathlon bei Swiss-Ski, würde eine Saison mit ähnlichen Resultaten wie im Vorwinter als Erfolg werten. «Wir dürfen nicht vergessen, wo wir noch vor anderthalb Jahren standen.» Niklas Hartweg sagt, er werde mit dem grösser gewordenen Druck so umgehen, dass dieser ihn beflügeln kann. Der Schwyzer hat letzte Saison mit vier Weltcup-Podestplätzen (je zwei in Einzel- und Mixed-Staffel-Rennen) sowie als Elfter im Gesamtweltcup die grösste öffentliche Aufmerksamkeit innerhalb des Schweizer Teams auf sich gezogen. «Ich will mich ständig verbessern, denn Stillstand bedeutet Rückschritt», so Hartweg mit Blick auf die anstehende Wettkampfsaison.
Dass die Erwartungen an uns gestiegen sind, lässt sich nicht wegdiskutieren.
Personelle Kontinuität, inhaltliche Anpassungen
Das Schweizer Team blickt – abgesehen von einzelnen gesundheitlichen Rückschlägen und damit einhergehenden Zwangspausen – grundsätzlich auf eine zufriedenstellende, ruhige Saisonvorbereitung zurück. Hervorzuheben ist die Tatsache, dass es an der Spitze des Betreuer-Teams keine personellen Veränderungen gab. Sandra Flunger, die Nationaltrainerin der Frauen, nimmt bereits ihre sechste Saison bei Swiss-Ski in Angriff, derweil Remo Krug (Nationaltrainer Männer) und Kein Einaste (Athletik-Trainer) in ihr zweites Jahr in der Schweiz gegangen sind.
«Die Zusammenarbeit innerhalb unseres Trainerteams funktioniert prima und ist sehr eng, wir ergänzen uns optimal», sagt Flunger. Dass man in unveränderter Besetzung die Saison habe vorbereiten können, sei ein grosser Pluspunkt, so die Österreicherin. Die letzte Saison schon sehr gute Abstimmung untereinander habe nochmals optimiert werden können. «Der Spirit innerhalb unseres gesamten Teams ist sehr positiv.» Im Vergleich zu den letzten Jahren wurden im Trainingsprogramm da und dort Anpassungen vorgenommen. So wurde phasenweise das Augenmerk entweder primär auf das Lauftraining oder auf zeitintensives Schiesstraining gelegt; alle Trainingslager absolvierten die Frauen und Männer gemeinsam.
Heim-Premiere Mitte Dezember
Nach dem Auftakt in Östersund und dem Weltcup in Hochfilzen steht für den Schweizer Biathlonsport Mitte Dezember ein absolutes Highlight an: Erstmals gastiert die Biathlon-Weltelite anlässlich eines Weltcups in der Schweiz – in der Roland Arena in Lantsch/Lenz, wenige Geh- oder Velo-Minuten vom Zuhause einiger Athletinnen und Athleten entfernt. Der Weltcup, bei dem an den vier Wettkampftagen vom 14. bis 17. Dezember rund 30'000 Fans erwartet werden, ist ein Meilenstein in der Schweizer Biathlon-Geschichte – und gleichzeitig die Generalprobe für die Weltmeisterschaften im Februar 2025.
«Die Olympia-Medaille meiner Schwester Selina 2014 war unheimlich wichtig für den Biathlonsport hierzulande. Seither wissen die Leute in der Schweiz, was Biathlon ist», sagt Elisa Gasparin, die mit der Erfahrung von 13 Weltcup-Jahren routinierteste Athletin innerhalb des Schweizer Teams. «Unser Sport wird medial viel besser abgedeckt. Aber die Medaille gerät nach zehn Jahren langsam in Vergessenheit. Umso wichtiger sind diese grossen Heim-Events.»
WM-«Hexenkessel» in Tschechien
Anders als in den anderen Schneesportarten von Swiss-Ski stehen für die Biathletinnen und Biathleten auch 2024 Weltmeisterschaften an – und dies gar an einem besonders stimmungsvollen Ort, nämlich im tschechischen Nové Město na Moravě. In der dortigen Vysocina-Arena um den Schiessstand herrscht jeweils eine Stimmung wie in einer Fussball-Fankurve, eine Art «Hexenkessel». Anfang März, anlässlich des Weltcups, waren an den vier Wettkampftagen insgesamt 84'000 Fans auf den Tribünen und entlang der Strecke gezählt worden.
Ende Saison reist der Weltcup-Tross erstmals nach fünf Jahren wieder zu Wettkämpfen über den Atlantik. Im März 2024 stehen zunächst Rennen in Soldier Hollow im US-Bundesstaat Utah an, ehe das Weltcup-Finale im kanadischen Canmore über die Bühne geht. Spätestens dann wird man sehen, ob das Schweizer Team die gestiegenen Erwartungen hat erfüllen und den Aufwärtstrend hat fortsetzen können.