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Es ist die ungewöhnliche Geschichte einer gewöhnlichen Melodie. Komponiert hat sie in den frühen 1820-er Jahren der Basler Musikpädagoge Ferdinand Samuel Laur nach einem Gedicht von Friedrich Schlegel. Zunächst verbreitet sich das unscheinbare Chorstück in der Schweiz, dann in Frankreich als Schul-, Trink- und Vaterlandslied, bis es sich um 1870 mit sesothischen Versen aus der Feder des Missionars François Coillard versehen in einem Schulbuch der südafrikanischen Kronkolonie Basutoland wiederfindet. Mit seiner Anfangszeile „Lesōthō fatše la bo ntat’a rōna“ – „Lesotho, Land unserer Väter“ wird das Lied 1967 schliesslich zur Nationalhymne des unabhängig gewordenen Königreichs Lesotho. Unterdessen ist es dort ein fester Bestandteil der staatlichen Eigenständigkeit geworden und wird mit viel Selbstbewusstsein gesungen, aber durchaus auch mit Skepsis diskutiert, ist das Lied doch letztlich auch ein Relikt der europäischen Imperialismus- und Erziehungskultur in Afrika.
Auf das weit gereiste Lied gekommen sind die Kolleginnen und Kollegen des Musikwissenschaftlichen Seminars eigentlich ganz per Zufall, haben sie doch vor einiger Zeit zwei kleinere Pakete per Post erreicht, die – nebst Dokumenten zu ausgewählten Ereignissen des hiesigen Musiklebens und kleinen, gedruckten sowie handschriftlichen Notenbüchern – auch einige lose Autographen enthielten. Bei näherem Hinsehen handelte es sich dabei um zwölf vierstimmige Chorlieder des Komponisten Ferdinand Samuel Laur (1791–1854), der als Chorleiter, Gesangslehrer, Komponist und Musikpädagoge tätig war und das Musikleben Basels insbesondere in den zwanziger und dreissiger Jahren des 19. Jahrhunderts prägte. Laur gründete und leitete ab 1824 den Basler Gesangverein, dirigierte den Universitätschor und organisierte das in Basel stattfindende Schweizerische Musikfest 1840.
Aus der Postsendung ist ein veritables Forschungsprojekt gewachsen, aus dem nun eine Ausstellung resultiert, die am kommenden 28. September um 18.15 Uhr im Ausstellungsraum der UB eröffnet wird. Begleitet wird die Ausstellung durch eine umfangreiche und reich bebilderte Begleitpublikation, welche auf den Vernissagentermin hin im Christoph Merian Verlag erscheinen wird. Die beiden Projektleiter, Prof. Matthias Schmidt und Andreas Baumgartner, werden vor Ort von ihren Entdeckungen und Forschungsreisen berichten.
Einen besonderen Hinweis verdient auch der Themenabend vom 24. Oktober, an dem u.a. Mitglieder des Chors «Black Is Beautiful» aus Lesotho unsere Gäste sein und verschiedene Versionen der Nationalhymne Lesothos sowie traditionelle Gospels für uns singen werden. Ein besonderer Leckerbissen ganz bestimmt!
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