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Was heisst «Illettrismus»?
Der Begriff Illettrismus wird auf zwei verschiedene Arten gebraucht: einerseits für das gesellschaftliche Phänomen mit all seinen Aspekten und andererseits für die Situation der einzelnen Betroffenen. Die Ursachen und die Folgen sind auf beiden Ebenen zu finden.
Der Begriff Illettrismus bezeichnet ein komplexes Phänomen, das sowohl mit den Entwicklungen der letzten Jahrzehnte als auch mit den geltenden Normen unserer Gesellschaft verbunden ist.
Illettrismus beschreibt die Situation von Menschen, die trotz langjährigem Schulbesuch nicht über jene Lese- und Schreibkompetenzen verfügen, die es ihnen ermöglichen, den privaten und beruflichen Alltag selbstständig gestalten zu können. Ihre Situation unterscheidet sich aber deutlich von der von Analphabetinnen und Analphabeten, die nie die Möglichkeit hatten, eine Schule zu besuchen.
Seit der Einführungen der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien sind die Anforderungen an unsere Schriftsprachfähigkeiten enorm gestiegen. Es ist viel schwieriger geworden, diese immer und überall erfüllen. Für Menschen, die Mühe haben, ist die Teilnahme am sozialen, kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Leben eingeschränkt worden. Das Risiko, von vielen Bereichen ausgeschlossen zu werden, ist in den letzten Jahrzehnten gestiegen.
Sehr wenige Menschen – darunter auch die Betroffenen selbst – sind sich bewusst, dass deutschsprachige Menschen Schwierigkeiten mit _esen und Schreiben haben könnten. Das Phänomen Illettrismus ist noch stark tabuisiert. Dieses Tabu ist ein weiteres Hindernis für den Zugang zum lebenslangen Lernen.
In der Schweiz haben etwa 16% der Erwachsenen zwischen 16 und 65 Jahren Mühe, einen einfachen Text zu verstehen: einen Geschäftsbrief, einen Busfahrplan, eine Agenda usw. Etwa die Hälfte von ihnen ist in der Schweiz geboren (Bundesamt für Statistik, 2006)
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