Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03458.jsonl.gz/135

Alternative Finanzierungen – die neue «Artenvielfalt»
Wenn es um «Alternative Finanzierungen» geht, tauchen regelmäßig Begriffe wie «Peer-2-Peer-Lending», «Crowdfunding» oder «Invoice Trading» auf. Die Gemeinsamkeit dieser Finanzierungsmodelle liegt in der Einwerbung von Finanzmitteln – ONLINE – über das World Wide Web.
Unter Crowdfunding (Schwarmfinanzierung) versteht man das systematische Einwerben relativ kleiner Geldbeträge (funding) bei vielen Internetnutzern (crowd) zur Finanzierung eines privat- oder gemeinnützigen Projekts[1]. Beim Crowdfunding stellen Künstler, Aktivisten, Veranstalter und Unternehmer (nachfolgend Kapitalsuchende oder Initiatoren) ihre Projekte im Internet vor und nennen die benötigte Summe sowie die erwartbare Gegenleistung für die potentiellen Geldgeber[2]. Die Projekte werden über die jeweilige Crowdfunding-Plattform, einzelne Websites sowie Social Networks, Blogs, Microblogs und andere Kanäle vorgestellt und beworben. Dank des viralen Effekts («Schneeballsystems») ist eine kostengünstige und zeitnahe Ansprache vieler potenzieller Geldgeber ebenso möglich wie die schnelle und kostengünstige Bereitstellung der Geldmittel[3]. In den USA wird Crowdfunding seit 2003 als Finanzierungsalternative genutzt[4], der Durchbruch erfolgte jedoch erst in den Jahren 2008 (Indiegogo) und 2009 (Kickstarter). Die klassischen Formen des Crowdfunding (Donation-, Reward-, Lending- und Equity-based[5]) werden mittlerweile in weitere Sub-Kategorien aufgeteilt.
Mit Ausnahme des «Balance Sheet Lending» lassen sich alle Finanzierungsmodelle in Abb. 1 dem sog. «Crowdfunding» zuordnen. Im Gegensatz zu den «Peer-2-Peer-(Crowd-)Lending-Varianten»[9] bei denen die Plattform lediglich die Kreditvergabe zwischen Kreditgebern und -nehmern koordiniert und letztlich vermittelt, wird beim «Balance Sheet Lending» die Plattform selbst bzw. ein von ihr zwischengeschaltetes Special Purpose Vehikel zum Kreditgeber und agiert als Garant für Zinszahlungen und Tilgungen. Deswegen liegt in diesem Fall keine Schwarmfinanzierung vor. Die Kreditvergabe der Plattform erfolgt bei diesem Finanzierungsmodell in aller Regel an Unternehmen (Balance Sheet Business Lending) und nicht an Privatpersonen (Balance Sheet Consumer Lending).
Fintech entlastet Bilanzen der Banken
Aus dem Gegen- ist ein Miteinander geworden: Bis vor wenigen Monaten wurden die Schlagzeilen der Finanzmedien von «Disruptionen» beherrscht, von «angreifenden FinTechs», «Banken unter Druck» und dem Kampf «David gegen Goliath». Der unbedarfte Zeitungsleser musste fast davon ausgehen, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis die Banken allesamt verschwunden sind und die FinTechs ihren Platz eingenommen haben. Mittlerweile klingt die Berichterstattung zur Finanzbranche jedoch deutlich weniger martialisch, denn die Lage ist im Herbst 2017 eine gänzlich andere. Immer häufiger ist nun von «Kooperationen», «Zusammenschlüssen» und «gemeinsamen Zielen» zu lesen.
Ohnehin beginnen die Grenzen zwischen etablierten Finanzdienstleistern und FinTechs langsam zu verschwimmen, was sich auch daran erkennen lässt, dass immer häufiger die Seiten gewechselt werden. Roland Folz, langjähriger Manager der Deutschen Bank, ist seit Februar Chef des FinTechs Solarisbank; der ehemalige DAB-Vorstandschef Markus Gunter führt seit gut einem Jahr das Startup N26; während Dirk Elsner – vormals als FinTech-Blogger und Berater unterwegs – heute für Innovation und Digitalisierung bei der DZ Bank tätig ist. Aber es arbeiten nicht nur Banker für FinTechs oder junge IT- und Finanz-Spezialisten für Banken – vor allem zwischen den Unternehmen gibt es eine wachsende Zahl von Kooperationen.