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Aller Anfang ist schwer!
50 Jahre bis zur Institutsgründung
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Die Frage nach der Ausbildung von Journalisten an der Universität Freiburg wurde bereits lange vor der Gründung des Instituts für Journalistik im Jahre 1966 aufgeworfen. Im Jahr 1917 stand die Gründung des Schweizerischen katholischen Pressevereins (SKPV) unmittelbar bevor. In einer der ersten Sitzungen wurde im Protokoll festgehalten, dass zu den „nächsten Aufgaben als zuerst an Hand zu nehmend“ das „Vorgehen für die Schaffung eines journal. Lehrstuhls in Freiburg (moralische Unterstützung)“ genannt. Mithilfe dieses Lehrstuhls sollten katholische Journalisten ausgebildet werden, welche die publizistischen Interessen der katholischen Kirche vertreten konnten. In diesen ersten Bemühungen widerspiegeln sich auch die Zusammenhänge zwischen dem Institut für Journalistik und der katholischen Kirche.
1920 ersuchte der SKPV den damaligen Staatsrat Georges Python und das Rektorat, den Studenten die Möglichkeit zu geben, sich auf den praktischen Journalismus vorzubereiten.
Ein Jahr später, 1921, lag ein Stundenplan für Journalistik vor. Die Idee war ein ausgedehnter Lehrplan über sechs Semester hinweg, der neben dem eigentlichen Studium absolviert und mit einem Diplom abgeschlossen werden sollte. Dieser Vorschlag ging dem SKPV jedoch zu weit. Der SKPV wünschte sich die Errichtung eines journalistischen Seminars und vereinzelte Vorlesungen über Ethik, Sozial- und Rechtsphilosophie, Apologetik, Verhältnis von Kirche und Staat, katholische Politik, Nationalökonomie, neueste Schweizer- und Weltgeschichte inklusive Geschichte des Zeitungswesens und der politischen Parteien sowie über Urheber- und Presserecht.
Es dauerte noch fünf weitere Jahre, bis 1926 ein „privater Kurs“ – sprich Lehrauftrag – in Journalistik angeboten werden konnte. Dozent war Paul de Sury d’Aspremont, der eine klare Zielsetzung hatte: Er wollte katholische Journalisten ausbilden. Seine Vorlesungen hatten einen historischen, berufsethischen und praktischen Charakter. 1932 schliesslich schlug auch er die Schaffung eines Lehrstuhles für Journalistik vor. Doch der Senat distanzierte sich von dieser Idee.
Der Schweizerische Studentenverein (StV) scheiterte mit dem gleichen Vorhaben wenige Jahre später, 1935, ebenfalls. Zu diesem Zeitpunkt äusserte sich unter anderem auch Dr. Carl Doka, später einmal Leiter der deutschsprachigen Abteilung des Instituts, in der katholischen Zeitschrift Schweizer Rundschau skeptisch: Katholische Zeitungen seien kleine Zeitungen und benötigten dementsprechend wenig Personal, vor allem aber Spezialisten. Allgemein wurde die Befürchtung geäussert, dass ein solcher Lehrstuhl einen Dilettantismus in die Fakultät hineintragen würde.
Erneut war es der SKPV, der 1938 nachdoppelte und den Gedanken der Journalistik als allgemeinbildendes Fach aufnahm. Darauf folgte die Ära von Professor Emil Müller-Büchi.
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In der Eingabe des SKPV von 1938 hiess es, dass Juristen und Theologen in Führungspositionen sich auf jeden Fall mit Presseanfragen beschäftigen müssten. Es wurde allerdings klar der Standpunkt vertreten, dass die beste Vorbereitung auf den Beruf des Redaktors der Erwerb einer „gediegenen allgemeinen Bildung und das ernste Hochschulstudium einer auf soziales Wirken vorbereitenden Fächergruppe ist“.
Am 29. August 1941 schliesslich errichtete der Staatsrat des Kantons Freiburg ein Seminar für Zeitungskunde an der Universität Freiburg, welches er der philosophischen Fakultät angliederte. Den Lehrauftrag für dieses Fach erhielt Dr. Emil F. J. Müller-Büchi, der später zum Professor ernannt wurde. Professor Emil Franz Joseph Müller-Büchi (1901-1980), oder Mübü, wie er von seinen Studenten genannt wurde, war Rechtshistoriker und eine Zeit lang Chefredaktor des „Glarner Volksblatt“, bevor er als Redaktor zur KIPA (Katholische internationale Presseagentur) ging, deren Direktor er daraufhin während 13 Jahren war.
Bei der Ausübung des Lehrauftrags nahm Müller-Büchi einen Grundsatz des späteren Instituts vorweg, nämlich die doppelte Aufgabe der Lehre vom Journalismus, die wissenschaftliche und die praktische. Was die wissenschaftliche Zielsetzung anging, wollte er Zeitungskunde in der Blickrichtung auf die Geschichte der politischen Ideen und Parteien betreiben. Das Schwergewicht sollte demnach auf der Erfassung der Zeitung als Quelle zur neueren Geschichte liegen. Die praktische Ausbildung hatte nicht etwa die Herausbildung von Journalisten zum Ziel, sondern eine allgemeine Einführung in Pressefragen. Damit sollten die Grundlagen zu sachkundigen Urteilen in Pressefragen vermittelt und eine Anleitung zur Mitarbeit an Zeitungen gegeben werden, wie es von Angehörigen der verschiedenen akademischen Berufsarten gefordert werden kann. Die praktische Arbeit als Journalisten war für Studierende, die Redaktoren werden wollten, in einem Redaktionsvolontariat in der KIPA vorgesehen.
Ebenfalls Teil dieses Lehrplans ist eine geschichtliche Vorlesung über die katholische Presse, die Müller-Büchi laufend hielt (im Wintersemester 1944/45 z.B. über den Liberalismus der 1830er-Jahre und die Entstehung der katholisch-politischen Presse und Bewegung in der Schweiz). Im Jahre 1943 fasste er eine Erweiterung zur Zeitungskunde ins Auge und bot einen Kurs zum Thema „Journalismus und Radio“ an. Im Sommersemester 1944 besuchten 15 Teilnehmer die Vorlesung, und 14 absolvierten das Praktikum. Im Wintersemester 1944/45 waren es 21 Studenten, welche die Vorlesungen des Seminars besuchten, und 22, die das Praktikum absolvierten.
Das Seminar für Journalistik setzte sich aber auch die Aufgabe, eine zeitungswissenschaftliche Bibliothek aufzubauen und systematisch alle Materialien zur Geschichte der katholischen Presse in der Schweiz zu sammeln. Unterstützt wurde das Seminar dabei durch finanzielle Zuwendungen seitens des Schweizerischen Katholischen Pressevereins und der Vereinigung Katholischer Publizisten der Schweiz.
Auch der spätere langjährige Direktor des Instituts, Professor Florian H. Fleck, erinnerte sich an die Vorlesungen von Müller-Büchi:
„Seine Vorlesungen und Seminare für Zeitungskunde und Publizistik hielt er meistens am späten Nachmittag zwischen fünf und sieben Uhr. Ich kann mich persönlich noch sehr gut erinnern, wie Anfang der 50er-Jahre jeweils dieselben Studenten – Juristen, Ökonomen, Philosophen, ab und zu ein Theologe – zu der Lehrveranstaltung von Mübü kamen und treu abends bis zum Schluss verharrten. Zwischenfragen nahm er freudig entgegen und replizierte sofort trefflich.“
Mitte der 50er-Jahre hörte Müller-Büchi mit dem Journalismus auf. Unstimmigkeiten mit der KIPA scheinen ihn zu dieser Entscheidung bewogen zu haben. In dieser Zeit, 1956, reduzierte Mübü seinen Lehrauftrag auf nur noch eine Stunde in der Woche.
Doch gleichzeitig kam wieder neuer Schwung von Seiten der Studentenverbindungen auf: 1958 wurde erneut die Schaffung eines Lehrstuhls gefordert. Diesmal waren die Reaktionen positiver, und so wurden in der Folge Angebote zu den Bereichen Film, Radio und Fernsehen eingeführt und der Philosophischen Fakultät angegliedert.
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Am 8. August 1960 schrieb Dr. Hans Wili, einer der Gründer des Seminars und damaliger Bundesstadtredaktor, in einem Exposé zuhanden der KIPA:
„Der Ausbau des journalistischen Seminars muss vor allem nach der berufsethischen und berufstechnischen Seite hin erfolgen. Es sind laufend Praktiker aus der Presse (…) zu Vorträgen und Übungen heranzuziehen. Es ist die Frage der Zusammenarbeit mit den interessierten Fakultäten zu prüfen und in die Wege zu leiten.“
Wili schlug vor, dass sich die Zeitungsverleger mit den katholischen Publizisten zu einer Interessen- und Arbeitsgemeinschaft zusammenschliessen sollten. Drei Jahre später, im Mai 1963, wurde die Arbeitsgemeinschaft der katholischen Tagespresse (AKP) unter der Leitung von Dr. Max Gressly ins Leben gerufen. Noch im selben Jahr formulierte die AKP eine Eingabe an die Unterrichtsdirektion und die Universität. Darin wurde auch das Thema, Journalistik als Hauptfach anzubieten, aufgeworfen. Am 8. Juli 1964 erfolgte formell die Gründung des neu konstituierten Seminars für Journalistik.
Nach wie vor war eine breite Allgemeinbildung für künftige Journalisten ein wichtiger Punkt, und so wünschte sich die AKP, dass unter anderem die folgenden Vorlesungen als obligatorisch für Absolventen des journalistischen Seminars erklärt würden:
- Recht und Rechtsgeschichte
- Soziologie
- Literatur- und Musikgeschichte
- Theologische Fragen unserer Zeit
- Staatslehre
- Politische Systeme
- Kunstgeschichte
- Ethik
- Wirtschaft
- Allg. sowie Kultur- und polit. Geschichte
- Philosophie der Gegenwart
- Stand der naturwiss. Forschungen
Für das Jahresbudget von 50‘000 Franken sollten die Verleger selber aufkommen: Der Universität und dem Kanton sollten aus der Verwirklichung der Wünsche der AKP keine zusätzlichen finanziellen Opfer entstehen.
Im Vorlesungsverzeichnis für das Wintersemester 1964/65 wurde in deutscher und französischer Sprache auf die Gründung des Seminars für Journalistik und auf Vorlesungen und Übungen zum Zwecke der theoretischen und praktischen Ausbildung von Journalisten hingewiesen. Diese wenigen Zeilen – ohne Namen von Dozenten oder überhaupt einem Stundenplan zu enthalten – lockten dennoch an die 50 Interessenten an.
Das Seminar hatte seinen Sitz im Keller des Foyer St-Justin an der Route du Jura 1. Als problematisch stellte sich die Gestaltung des Stundenplans heraus, da durch die Studenten der vielen verschiedenen Stufen und Fakultäten kaum zwei aufeinanderfolgende Stunden ausfindig gemacht werden konnten, zu denen alle Interessierten teilnehmen konnten. „Die Übungen mussten auf eine Randstunde festgesetzt werden, um den Teilnehmern den Besuch aller wichtigen Vorlesungen in ihren Hauptdisziplinen zu ermöglichen.“
Im Juli 1965 legte Dr. Hans Wili seine Funktion als Leiter der deutschsprachigen Abteilung nieder. Zu seinem Nachfolger bestimmte das Kuratorium Dr. Carl Doka, Leiter des kulturellen Auslandpressedienstes der Stiftung „Pro Helvetia“.
Das Ausbildungsprogramm des Wintersemesters 1965/66 wurde in der deutschsprachigen Abteilung als „Kolloquium über die Zeitungsredaktion“ durchgeführt. Verschiedene Fachleute führten mit einem Vortrag in das jeweilige Thema ein und diskutierten anschliessend mit den Teilnehmern:
In der französischsprachigen Abteilung sassen zur selben Zeit sehr viele ausländische Studenten in den Vorlesungen. Dies, wegen des starken Kontingentes von Studenten aus Entwicklungsländern. Insgesamt waren unter den Hörerinnen und Hörern über zehn Länder vertreten (aus der Schweiz und Spanien, aus Lateinamerika, Afrika und Asien).
Im Sommer 1965 nahmen beide Abteilungen an einer Besichtigung des Internationalen Presse-Institutes in Zürich sowie der Redaktion und Druckerei des „Tagesanzeigers“ teil. Die französischsprachige Abteilung besuchte zudem das Parlament während der Session.
Von Beginn weg bemühten sich das Kuratorium und die Seminarleitung für die Angliederung des Seminars an eine Fakultät und die Anerkennung als offizielles Universitätsinstitut. Schneller als erwartet, am 29. April 1966, erfolgte schliesslich die Anerkennung der Statuten des neuen Instituts für Journalistik als offizielles Universitätsinstitut durch den Freiburger Staatsrat. Es wurde der Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät unterstellt. „Aus dem wohlwollend geduldeten, vielleicht hin und wieder als ‚wilder Sprössling‘ betrachteten Seminar für Journalistik war das Institut für Journalistik der Universität Freiburg geworden.“ Noch vor Abschluss des ersten viersemestrigen Zyklus war das angestrebte Ziel also erreicht.