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Johannes Chrysostomus Dahinden
Inhaltsverzeichnis
Lebensdaten
Profess: 6. September 1894
Priesterweihe: 27. Mai 1897
Lehrer an der Stiftsschule: 1897–1926
Kapellmeister: 1898–1899, 1900–1905, 1918–1920
Spiritual in Maria-Rickenbach: 1926–1936
Spiritual in Leiden Christi: 1936
Beziehungsnetz
Verwandtschaft
Sohn des Johann Dahinden, Lehrer und Organist, und der Anna Felder.
Lebensbeschreibung[1]
P. Chrysostomus war der Sohn von Lehrer und Organist Dahinden, der in Schüpfheim lange Jahre hindurch Jugend und musikalisches Leben lehrte. Der kleine Hansli war sangeskundig und übte sich schon als kleiner Bub im Klavier-, Orgel- und Geigenspiel. Diese offensichtliche musikalische Veranlagung war wohl auch ein Grund, weshalb er im Herbst 1885 mit dreizehn Jahren der Stiftsschule Engelberg anvertraut wurde, wo P. Ambros Schnyder als Meister des Orgelspiels bereits einen hohen Ruf genoss. Dieser nahm nun den kleinen Entlebucher in eine strenge Schule und liess ihn schon von der dritten Klasse an regelmässig beim Gottesdienst die Orgel spielen. Wenn man die alten Jahresberichte mit ihren Notentabellen, genau nach dem Rang geordnet, durchgeht, und dabei den Namen Dahinden immer in den obersten Reihen erblickt, so kann man sich ungefähr ein Bild von der Arbeit machen, die er zu meistern hatte. Dabei muss er ein fröhlicher, im Auftreten strammer und mit einem Zug ins Elegante ausgezeichneter Student gewesen sein.
Nach den beiden Lyzealjahren, die er in Einsiedeln verbrachte, folgte er der ersten Liebe, kehrte wieder nach Engelberg zurück und schlüpfte in Kutte und Skapulier. Am 6. September 1894 legte er als Fr. Johannes Chrysostomus die einfache Ordensprofess ab, oblag dann drei Jahre lang den theologischen Studien und erhielt am 27. Mai 1897 die Priesteweihe. Im Herbst des gleichen Jahres kam er als Lehrer an die Schule, der er bis im Januar 1926 ununterbrochen seine Treue bewahrte, wirkte alsdann mehr als zehn Jahre als Spiritual bei den Klosterfrauen in Maria-Rickenbach und schliesslich noch ungefähr neun Monate in gleicher Eigenschaft im Kloster vom Kostbaren Blut zu Leiden Christi.
P. Chrysostomus widmete also nahezu dreissig Jahre seines Lebens der Schule. Er war ein idealer Lehrer für die unteren Klassen, meinte ein ehemaliger Schüler. "Sein Unterricht war anregend und gründlich, und neben der Schule nahm er sich unser an, als wäre er auch für die gesellschaftliche Seite unseres Engelberger Aufenthaltes verantwortlich. Er war unser Bergführer, wenn wir in die Alpen zogen, unser Schlittschuhlehrer, wenn das Eisbahnleben begann, auch unser Anwalt beim gestrengen Herrn Präfekten, dessen durchdringender Blick unsere geheimsten Gedanken zu erforschen schien." Wenn er auch verschiedene Fächer lehrte, so lag doch seine Stärke in den beiden klassischen Sprachen des Altertums. Mit rührender Gewissenhaftigkeit bereitete er sich für jede Stunde vor, verlangte dann aber auch von seinen Schülern ganze Arbeit und vor allem sauber geführte Hefte. Nachlässigkeiten in dieser Hinsicht bereiteten ihm bittere Enttäuschungen.
Wenn P. Chrysostomus Namenstag hatte, wurde alles aufgeboten, um den Anlass feierlich zu begehen. Der Höhepunkt solcher Festlichkeiten wurde im Jahr 1918 erreicht, als das Schulzimmer der sechsten Klasse von allem, was an Schule erinnern konnte ausgeräumt und zu einem phantastischen Festsaal mit geradezu orientalischer Beleuchtung umgestaltet wurde. Reden in allen möglichen Sprachen wurden gehalten, Musik der verschiedensten Stilgattungen erklang, vom Einzugsmarsch der Sänger aus Wagners "Tannhäuser" bis hinab zum gewöhnlichen Foxtrott. Da war des Lehrers Herz wieder glücklich und für manchen losen Studentenstreich entschädigt. Im Kondolenzschreiben eines früheren Schülers steht der Satz: "Dass der Verstorbene in der Schule für seine Güten nicht immer das verdiente Echo fand, war schade. Es ehrt aber eigentlich auch seinen Edelsinn, dass er in den Studenten nicht jene Arglist suchte, die gelegentlich mit ihm Schabernack trieb."
Die besten und schönsten Anlagen von P. Chrysostomus erblühten jedoch auf dem Gebiet der Musik. Eifriges Studium der Klassiker von Jugend auf verlieh ihm ein sicheres und feines Urteil in allen musikalischen Belangen, aber auch Ernst und Verantwortungsgefühl in seinen Leistungen. Ob er nun für sich musizierte, ob er als Klavier- und Orgellehrer wirkte, ob er den Taktstock führte oder das Amt des Stiftsorganisten versah, überall bewies er dieses Verantwortungsgefühl. Deshalb bewegten sich die Werke, die er spielte oder aufführte, im Rahmen des Möglichen, verrieten aber auch immer Kultur und durften sich als Arbeit eines ernst zu nehmenden Musikers zeigen. Dreimal trug er die Lasten eines Kapellmeisters, zum ersten Mal 1898/99, also gleich ein Jahr nach der Primiz; ein Beweis, dass man seine musikalische Tüchtigkeit erkannte und zu schätzen wusste. In welcher Gesinnung er das Amt antrat, zeigt ein Eintrag im Kapellmeisterbuch: "Mein Bestreben soll sein, im Geiste meines Vorgängers (P. Ambros) fortzufahren und stets den Ausspruch der hl. Regel vor Augen zu haben: Operi Dei nihil preponatur (dem Dienste Gottes soll nichts vorgezogen werden). Nun stelle ich mein ganzes Wirken unter den mächtigen Schutz der Mutter Gottes und des hl. Vaters Benediktus." Auch die beiden folgenden Amtsperioden von 1900 bis 1905 und 1918 bis 1920 sind von diesem Geist getragen. Es schwebten ihm immer hohe Ziele vor Augen; er begnügte sich nicht damit, dieses oder jenes Fest mit irgend einer Musik auszustatten, sondern suchte stets die Feststimmung durch ein geeignetes Werk zu vertiefen. Auch seine Konzert- und Theateraufführungen verrieten das Bestreben, das musikalische Niveau bei den Mitwirkenden und Zuhörern zu heben. So schrieb er anlässlich der "Elias"-Aufführungen (Fastnacht 1919) ins Kapellmeisterbuch: "Hauptsache ist, unseren eigenen Leuten und Studenten ein Werk vorgeführt zu haben, das in der Musikliteratur einen Ehrenplatz einnimmt."
Er scheute auch keine Mühe, das Schultheater mit guter Musik zu beleben und versuchte, jede Fastnacht, wenn es irgendwie die Kräfte erlaubten, eine Oper oder doch wenigstens ein Singspiel aufzuführen. "Zar und Zimmermann" von Lortzing, "Stradella" von Flotow, "Das goldene Kreuz" von Brüll und gar Webers "Freischütz" waren Leistungen, an die man sich immer wieder mit Freuden erinnert. Der reiche Erfolg, den ihm solche best gelungenen Aufführungen einbrachten, mochten ihn für manchen Verdruss, den nun einmal das Kapellmeisteramt mit sich bringt und der seiner sensiblen Natur erst recht zusetzen musste, in etwa entschädigen.
In den Jahren, da P. Chrysostomus nicht an der Spitze des musikalischen Lebens in Engelberg stand, wirkte er als ausgezeichneter Stiftsorganist. In dieser Eigenschaft gab er sein Bestes, um dem Gottesdienst eine stimmungsvolle Weihe zu verleihen. Er spielte Bach, Rheinberger und auch neuere Komponisten mit vollendeter Sicherheit und feinem künstlerischen Geschmack. In weiten Kreisen genoss er den Ruf eines vorzüglichen Orgelkenners und wurde immer wieder als sachverständiger Berater und Experte für neue Orgelwerke herzugezogen. Bis zu seiner Ernennung als Spiritual von Maria-Rickenbach wirkte er auch als Klavierlehrer. Wenn ihm auch in der Regel nur besser veranlagte und fortgeschrittenere Schüler zugeteilt wurden, bedeutete für den feinsinnigen Musiker diese Aufgabe doch eine harte Geduldprobe; denn er selber war ein Pianist, dem selten ein Tönchen daneben ging. Seine Lieblinge waren vor allem Mozart und Chopin.
P. Chrysostomus schuf ausser "St. Benedictus", einem Oratorium für Frauenchor und Klavier, und dem Weihnachtsspiel "Herodes", keine Werke grösseren Stiles. Doch komponierte er zahlreiche Gelegenheitskompositionen für häusliche Feste, für Akademien und ähnliche Anlässe. Sein tiefes und reiches Gemüt befähigte ihn besonders für Weihnachts- und Marienlieder. Aber auch humoristische Sachen gelangen ihm ausgezeichnet, so z.Z. das "Schnupferliedli" oder das "Bassgige-Lied".
Als P. Chrysostomus im Januar 1926 vom Abt Basil Fellmann zum Spiritual von Maria-Rickenbach ernannt wurde, nahm er mit schwerem Herzen Abschied von Schule und Klosterzelle. Aber er lebte sich mit überraschender Leichtigkeit in den neuen Wirkungskreis ein und wirkte fast zehn Jahre. Schon im Herbst 1935 musste er sich einer Operation unterziehen, die seinen Kräften stark zusetzte und ihn merklich altern liess. Als im Sommer 1937 die Beschwerden sich steigerten, suchte er bei seinen Ärzten in Luzern Rat und Erleichterung. Die Diagnose lautete auf Krebs im rechten Backenknochen. Sofort wurde die Operation vorgenommen, aber das Übel war schon zu weit fortgeschritten. Das Befinden des Patienten verschlimmerte sich von Woche zu Woche, bis der Tod ihn am 17. Oktober 1937 von seinem Leiden erlöste.
Werke
- Surrexit sicut dixit, in: Chorwächter 43, 1918, S. 39-42.
- Emitte Spiritum tuum et creabuntur, in: Chorwächter 43, 1918, S. 67-74.
- Mitarbeit Titlisgrüsse (Musikalisches).
Professnummer
- Nr. 680
Einzelnachweise
- Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Nachruf in den Titlisgrüssen 18, 1931/32, S. 28-34 und 74-78.
Bibliographie
- Nachruf P. Chrysostomus Dahinden, Titlisgrüsse 18, 1931/32, S. 28-34 und 74-78.
- Musikerbiografie im Entlebucher und Emmentaler Musikarchiv.