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Typhus und Paratyphus sind hoch fieberhafte, bakterielle Allgemeinerkrankungen. Sie manifestieren sich demnach an vielen Organen, nicht nur am Darm. Die früher hohe Sterblichkeit (10 bis 30%) konnte dank Antibiotikatherapie auf rund 1% reduziert werden. Daneben lässt sich die Infektionsgefahr durch geeignete Hygienemassnahmen wesentlich reduzieren; Kochen, Pasteurisieren sowie der Gebrauch von Desinfektionsmitteln tötet die Erreger, die Salmonellen, ab.
Die beiden Krankheiten treten denn auch vornehmlich in Ländern mit ungenügenden Hygienestandards und schlechter Versorgung mit reinem Trinkwasser auf. Es ist indessen in der Schweiz noch 1963 zu einer Typhusepidemie in Zermatt gekommen, die durch verunreinigtes Wasser ausgelöst wurde. Seither werden Typhus- und Paratyphusfälle in der Schweiz nur noch sporadisch, rund 30 Mal jährlich, gemeldet.
Verbreitet ist Typhus noch in Entwicklungs- oder Schwellenländern, hauptsächlich in Südostasien, Teilen Afrikas (vor allem Nordafrika) und Südamerikas, weshalb man ihn auch zu den Tropenkrankheiten zählt. Schätzungen gehen davon aus, dass weltweit jährlich über 20 Millionen Menschen an Typhus erkranken und mehr als 200‘000 daran sterben; für Paratyphus sind die Zahlen bedeutend niedriger. Nach Europa werden die meisten Fälle von Typhus anlässlich von Reisen in Indien, Nepal und Pakistan eingeschleppt, Paratyphus wird meist aus der Türkei oder aus Indien „mitgebracht“.
fortwährendes oder wiederholtes Vorkommen einer Krankheit in einem geographisch begrenzten Gebiet (Endemiegebiet). Der Krankheitserreger ist in dieser Region dauernd vorhanden. Adjektiv: endemisch.
Gehäuftes Vorkommen einer Krankheit in einem begrenzten Gebiet während einer bestimmten Zeit (geographisch und zeitlich limitiert). Adjektiv: epidemisch.
Der Körper ist Umwelteinflüssen ausgesetzt, z.B. Krankheitserregern, Schadstoffen irgendwelcher Art oder Strahlung.
Die Zeitspanne vom Moment der Ansteckung mit Krankheitserregern bis zum Ausbruch der ersten Symptome.
Verunreinigung, Verseuchung. Adjektiv: kontaminiert.
Widerstandsfähigkeit eines Krankheitserregers gegenüber Medikamenten, Umwelteinflüssen, chemischen Substanzen oder Flüssigkeiten. Adjektiv: resistent.
Salmonellosen
Neben den Erregern von Typhus und Paratyphus gibt es eine beträchtliche Zahl von weiteren Salmonellenarten, welche häufig vorkommende akute Brechdurchfälle (Gastroenteritis) verursachen, deren Auswirkung jedoch im Wesentlichen auf den Darm beschränkt bleibt. Alle diese Krankheiten werden als Salmonellosen bezeichnet.
Flecktyphus
Flecktyphus, epidemisches Fleckfieber, ist eine völlig andere Krankheit. Erreger sind nicht Salmonellen, sondern Rickettsien, die durch infizierte Läuse übertragen werden. Schlechte Hygienebedingungen, z.B. unter Frontsoldaten und Lagerinsassen, begünstigen die Infektion. Die Krankheit hat eine hohe Sterblichkeit. Epidemien gab es in Europa zwar noch im 19. Jahrhundert, in den vergangenen Jahren wurde aber in der Schweiz kein Fall von Flecktyphus mehr registriert.
Erreger von Typhus und Paratyphus sind Salmonella Typhi und Salmonella Paratyphi A, B und C. Diese Bakterien überleben lange in Wasser oder feuchten Medien und weisen teils eine ausgeprägte Resistenz gegenüber Galle auf. Letzteres ist von Bedeutung für das Vorkommen von Dauerausscheidern, bei denen Salmonellen jahrelang in Gallenblase und Gallengängen überleben können und mit dem Stuhl ausgeschieden werden.
Infektionsquelle ist ausschliesslich der Mensch und meist sind es Dauerausscheider. Die Ansteckung erfolgt über den Verdauungstrakt, wenn kontaminierte Esswaren oder Getränke konsumiert werden. Die Verschmutzung von Wasserquellen kann zu Epidemien führen, wie das Beispiel von Zermatt gezeigt hat. Typhuserreger sind auch imstande Kläranlagen zu passieren. Ausserdem reicht eine relativ geringe Anzahl von aufgenommenen Bakterien aus für eine manifeste Infektion. Besonders gefährdet sind abwehrgeschwächte Menschen (Beispiele s. bei Abwehrschwäche, Immundefekt).
Die Erreger der beiden Krankheiten gelangen in die Lymphe und ins Blut und von dort in andere Organe, was zu einer Allgemeinerkrankung führt. Ferner besitzen sie die Fähigkeit in Zellen des menschlichen Organismus einzudringen, darin zu überleben und sich zu vermehren.
Der Verlauf von Typhus und Paratyphus ist sehr ähnlich. Bei Paratyphus ist er in der Regel milder und kürzer, doch kommt es fast immer zu heftigem Durchfall, während bei Typhus zu Beginn Verstopfung ebenso häufig ist. Eine Infektion kann aber auch symptomlos bleiben oder mit atypischen, milden Symptomen einhergehen, wobei Betroffene gleichwohl den Erreger ausscheiden.
Die Inkubationszeit dauert eine bis drei Wochen (Extremwerte: zwei Tage bis zwei Monate). Währenddessen vermehren sich die Bakterien in den Zellen verschiedener Organe. Sobald sie von dort erneut ins Blut gelangen (zweite Bakteriämiephase) treten zunächst langsam ansteigendes Fieber sowie unspezifische Allgemeinsymptome auf und ca. eine Woche später die typischen Typhuszeichen:
Nach etwa zwei Wochen kommt es zur langsamen Entfieberung und Rekonvaleszenz. Rückfälle sind möglich, aber heute bei adäquater Antibiotikatherapie seltener und sie nehmen einen leichteren Verlauf als die Ersterkrankung.
Nach der Genesung besteht nur eine vorübergehende Immunität von ca. einem Jahr.
Dauerausscheider: Bis zu 5% der unbehandelten Typhuspatienten scheiden nach Heilung mit dem Stuhl während mehr als einem Jahr noch Bakterien aus – gelegentlich lebenslang. Sie bleiben damit für ihre Umgebung eine potentielle Ansteckungsquelle und dürfen nicht in Berufen arbeiten, die für die Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln verantwortlich sind.
Sie entstehen bei schwerem Verlauf und bei unbehandelter Krankheit.
Da der Typhuskranke apathisch da liegt, besteht das Risiko des Wundliegens und des ungenügenden Durchatmens. Hautpflege, gute Lagerung – wenn möglich auf weicher Spezialmatratze –, Atemtherapie zum Verhüten von Lungenentzündung und passives Durchbewegen der Gelenke gegen Versteifung sind unterstützende Massnahmen der Therapie, an denen Angehörige von Typhuskranken beteiligt sein können.
Pflegende sollen auf exakte Händehygiene achten und dazu auch alkoholische Desinfektionsmittel verwenden.
Bei Verdacht ist eine ärztliche Behandlung in jedem Fall angezeigt.
Die Diagnose wird gesichert mittels Nachweis und Typisierung von Bakterien im Stuhl, allenfalls in Urin oder Blut.
Durch geeignete Antibiotika lässt sich der Krankheitsverlauf mildern und die Heilung beschleunigen. Allerdings hat insbesondere Salmonella typhi in manchen Regionen, besonders in Schwellenländern, Resistenzen gegenüber einigen Antibiotika entwickelt.
Dauerausscheider werden über längere Zeit hin (min. drei Wochen) mit Antibiotika behandelt. Wenn dies nicht zum Erfolg führt, kann eine Entfernung der Gallenblase erwogen werden.
Typhus und Paratyphus zählen zwar heute zu den Tropenkrankheiten, sollten aber besonders wegen der intensiven Reisetätigkeit auch in unseren Breitengraden nicht ausser Acht gelassen werden.
Verhüten einer Infektion besteht in der Expositionsprophylaxe; für Reisen in Risikogebiete ist zudem eine Impfung empfehlenswert (s. unten).
Die Expositionsprophylaxe wird gleich gehandhabt wie bei anderen mit Nahrung, Wasser oder Getränken übertragbaren Krankheiten. Also:
Eine Impfung wird vor Reiseantritt in Risikogebiete empfohlen. Die Expositionsprophylaxe, also das Vermeiden der Aufnahme von Typhuserregern, bleibt aber auch dann unverzichtbar.