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Sie waren heute alle unterwegs, die Samichläuse, Schmutzli und Engel, mit und ohne Esel. Sie haben Kinderherzen erfreut, Gaben und auch Ratschläge verteilt. Wegen dem Corona-Virus fanden aber auch keine Clausumzüge statt, wie beispielsweise das Küssnachter Klausjagen. Ganz anders war es im Jahre 1957 in Brig VS, als ich auserkoren wurde, den Samichlaus zu spielen. Ich war Samichlaus.
Der Samichlaus kann es gut mit den Kinder, die ihn bewundern.
Eine der besonderen Aufgaben der Pfadfinderabteilung St.Sebastian war die jährliche Organisation des Samichlauses. Verschiedene Gruppen besuchten die Familien. Ich fühlte mich geehrt, als man mich zum Samichlaus ernannte. Der Pfadiführer sagte, ich sei gross und ein Naturtalent und ich solle mit zwei Schmutzli die Familien an der Furkastrasse besuchen.
Der Samichlaus von Adligenswil verlässt die Kirche.
So viel der Ehre war für mich überraschend. Ich dachte eher an die Rolle des Schmutzli. Und so wurde ich eingekleidet und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Und es kam eine gewisse Schadenfreude auf, denn an der Furkastrasse lebte mein Musiklehrer, der immer wieder vergeblich versuchte, mir das Handorgelspiel beizubringen.
Der Samichlaus von Adligenswil lobt den Knaben.
Doch da kam kurzfristig die Aufforderung an meine Gruppe, die 1. Primarschulklasse zu besuchen. Und so machten wir uns auf den Weg zum Knabenschulhaus. (Es gab damals in Brig ein Knaben- und ein Mädchenschulhaus. Die Mädchen hatten eine Viertelstunde früher Schulschluss, damit sie ungehindert und ohne Belästigung der Knaben nach Hause gehen konnten. Wer hinter den nächsten Häuserreihen auf uns wartete, waren natürlich die Mädchen.)
Der Lehrer empfing uns, mich und zwei Schmutzli, und weihte mich in die Geheimnisse der Schüler ein. Wer hat Gutes getan, wer musste mit der Rute vom Schmutzli bestraft werden.
Der Samichlaus von Buchrain mit dem Schmutzli auf dem Weg zu den Kindern
Einer der Schmutzli läutete mit einer Glocke den Einmarsch ins Schulzimmer ein. Demütig und mit erhobenem Haupt schritt ich vor die Klasse, begrüsste sie und nahm auf einem Podium Platz. Nach und nach las ich aus dem grossen Buch vor und bat die einzelnen Knaben zu mir. Ich muss die Rolle des Samichlauses gut gespielt haben. Denn der Lehrer war zufrieden und das Leuchten der Augen der Knaben sprach Bände.
Doch da wurde mir plötzlich schwarz vor den Augen. Die Bischoftsmütze Mitra drückte mir auf die Schläfe. Da griff ich kurzerhand zu einer Notlüge: «Liebe Buben, ich muss hier kurz unterbrechen und draussen nach dem Esel sehen. Er hat heute morgen nichts gegessen und das macht mir grosse Sorgen.» Die Knaben glaubten es und der Lehrer schüttelte lächelnd nur den Kopf.
Vor der Türe habe ich mich dann erholt und bin wieder ins Schulzimmer gegangen, um meine erzieherische Arbeit zu beenden.
Die Trychler ziehen durch Buchrain LU und begleiten den Samichlaus
Die Besuche der Familien an der Furkastrasse waren berauschend. Vor allem der Besuch bei meinem Musiklehrer und seiner Familie. Er hat mich nicht erkannt und spielte mir sogar mit seiner Handorgel ein Weihnachtslied vor. Ich lobte ihn für sein musikalisches Talent. Er müsse sicher ein guter Musiklehrer gehabt haben.
Übrigens: Vor über 1700 Jahren wurde Nikolaus geboren.
Der Nikolaus soll der Legende nach aus Patara, in der Nähe von Antalya stammen und im Jahre 280 bzw. 286 geboren sein. Die Verantwortung des Bischofsamtes wurde ihm schon als junger Mann übertragen. Am 6. Dezember 345 verstirbt Nikolaus und wird in Myra, Demre beigesetzt. Ab dieser Zeit geschehen Wunder.
Es gibt Berichte über die Genesung unheilbar Kranker an der Grabesstätte, und Nikolaus wird immer stärker verehrt. Noch heute ist der heilige Nikolaus in der katholischen Kirche der Schutzpatron der Kinder und der Seeleute.
In Erinnerung an seine guten Taten wird er jedes Jahr am 6. Dezember geehrt. Die Gebeine des Heiligen Nikolaus wurden Ende des 11. Jahrhunderts von italienischen Kaufleuten vor den Eroberungszügen der Muslime in Sicherheit gebracht.
Als Gabenbringer der Kinder ist Nikolaus seit dem Jahr 1555 bekannt. Damals beschenkte der Nikolaus die Kinder mit Kletzenbrot, Nüssen und Dörrobst sowie warmer Bekleidung und anderen nützlichen Dingen. Nikolaus half Menschen, die sich in Not und Bedrängnis befanden und wegen seiner menschlichen Grösse haben sich die Weihnachtsbräuche an seine Person gekoppelt und entwickelt. Seit dem 17. Jahrhundert grassiert der Brauch, dass der Nikolaus mit einem Begleiter „Schmutzli“ die Kinder beschenkt oder tadelt.
Fotos: Josef Ritler