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Die chinesische Regierung stoppt die "Go out"-Politik, die chinesische Firmen animierte, in ausländische Firmen zu investieren, um eine mögliche Krise zu verhindern. Trotz der Verschuldung im Privatsektor sieht Michael Lai, Investment Director bei GAM, gute Prognosen.
11.10.2017, 10:45 Uhr
Redaktion: sif
Die Regierung musste erkennen, dass der schuldenfinanzierte Übernahmewahn der chinesischen Unternehmen das Banken- und Finanzsystem zu gefährden drohe, meint Michael Lai, Investment Director bei GAM. "Eine mögliche Finanzkrise könnte die wirtschaftlichen Errungenschaften des Landes zunichte machen." So seien Kreditgeber und Regulierungsbehörden gebeten worden, vier renommierte Unternehmen zu überprüfen, die massiv ausländische Firmenanteile aufgekauft hatten. Lai geht davon aus, dass sich solche Massnahmen negativ auf globale M&A-Aktivitäten auswirken werden, da China in den letzten Jahren das einzige Land mit einem Kapitalüberschuss war, während der Rest der Welt noch mit den Nachwirkungen der globalen Finanzkrise zu kämpfen hatte.
Verschuldung im Privatsektor hat geringen Einfluss auf chinesische Wirtschaft Lai sieht die chinesische Krisengefahr eingedämmt: "Die Verschuldung der privaten Unternehmen stellt keine ernsthafte Bedrohung für die chinesische Wirtschaft dar, da die Regierung rasch gehandelt hat, um das Problem anzugehen." Darüber hinaus habe sie sogenannte Debt-Equity-Swaps initiiert, bei denen offene Forderungen durch eine Beteiligung am schuldenden Unternehmen beglichen werden. Dies ziele darauf ab, die Unternehmensverschuldung sowie den Anteil an faulen Krediten im Bankensystem zu senken. "Obwohl diese Anstrengungen noch am Anfang stehen, sind bereits einige Fortschritte erzielt worden", meint Lai. So hat Moody's im Juli seinen Ausblick für den Bankensektor des Landes von negativ auf positiv angehoben. Und das sei nicht der einzige positive Indikator: "Die Gesamtverschuldung von Banken und anderen Kreditinstituten sank von 72,4% des Bruttoinlandproduktes Ende 2016 auf 71,2% Ende März dieses Jahres", erklärt Lai. Darüber hinaus stiegen in China aufgrund der verschärften Aufsicht und der Beschränkung grosser Kapitalabflüsse die Devisenreserven wieder an, was das Vertrauen in den Aktienmarkt stärke.
Die Wirtschaft wandelt sich zu einem neuen Modell "Für die chinesische Regierung ist es wichtig, die teilweise rücksichtslosen Unternehmensausgaben einzudämmen, sagt Lai. Zusätzliche Massnahmen seien jedoch unerlässlich, um das Wachstum der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt aufrechtzuerhalten. China habe den Weg Deutschlands und Japans eingeschlagen und halte das Zinsumfeld künstlich niedrig, um eine rasche Industrialisierung der Wirtschaft zu ermöglichen. "Wir sind jedoch der Ansicht, dass China sein Wirtschaftsmodell nun ändern muss, um langfristiges Wachstum zu sichern, durch eine Umstrukturierung in eine stärker dienstleistungsorientierte Wirtschaft sowie die Verbesserung von Produktkapazitäten im verarbeitenden Gewerbe. Ausserdem sollte die Regierung gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Unternehmen schaffen, damit auch der Privatsektor sein Potenzial ausschöpfen kann", meint Michael Lai.
Zudem müsse der Privatsektor so ausgerichtet werden, dass die Unternehmen sich auf die schnell ändernde Nachfrage der Konsumenten einstellen könnten. "Erfolgreiche Unternehmen wie Tencent und Alibaba zeigen, wie gut dies funktionieren kann", sagt Lai.
Die chinesische Regierung habe die Notwendigkeit erkannt, die Wirtschaft wieder ins Gleichgewicht zubringen, mit einem stärkeren Fokus auf dem Dienstleistungssektor. Mit diesem Vorhaben komme sie gut voran. "Der Dienstleistungssektor hat 2016 bereits zum zweiten Mal in Folge mehr als 50% zum Bruttoinlandprodukt beigetragen. Ziel ist es, 70 bis 80% zu erreichen. Das ist der Durchschnitt in den Industrieländern", sagt Lai.
Die Regierung unternehme noch weitere Schritte, wie die sogenannte Supply-Side-Reform, die strukturelle Ineffizienzen beheben soll. Zudem wurde die Geldpolitik gestrafft und so die Kapitalkosten erhöht. Durch diese Massnahme sollen, gemäss Lai, weniger Mittel in Sektoren fliessen, die ohnehin mit Überkapazitätsproblemen zu kämpfen haben, wie beispielsweise die Stahlindustrie.
Wachstum könnte höher ausfallen als erwartet GAMs Einschätzung nach befindet sich China nach fünf Jahren Deflation wirtschaftlich in einer guten Ausgangslage, da das derzeitige reflationäre Umfeld weiteres Potenzial für Anleger bietet. Die Wirtschaft entwickle sich trotz der restriktiveren Geldpolitik weiterhin stark wie die Erhöhung der IWF-Prognosen für das chinesische Wirtschaftswachstum (6,7% für 2017 und 6,4% für 2018) zeige.
Im zweiten Quartal dieses Jahres betrugt das BIP 6,9%. Damit konnte China das Wachstumstempo des ersten Quartals beibehalten und den Erwartungen einer gewissen Verlangsamung im Markt trotzen. Darüber hinaus sei zu erwarten, dass das BIP-Wachstum 2017 aufgrund der starken Ergebnisse des ersten Halbjahres und einer nachhaltigeren konjunkturellen Dynamik höher ausfallen könnte als erwartet. Dennoch bleiben Herausforderungen bestehen: Kurzfristig kämen diese aus externen Quellen, wie möglichen Zinserhöhungen in den USA oder politischer Instabilität durch Nordkorea. "Wir gehen jedoch davon aus, dass sich die verschiedenen von uns bereits erwähnten Faktoren positiv auf die Marktstimmung auswirken könnten. Anleger in chinesischen Aktien, die sich auf Sektoren konzentrieren, die von der robusten Wirtschaft profitierten, können mit einem diversifizierten Portfolio einige interessante Möglichkeiten nutzen, die sich in diesem Umfeld weiter entwickeln dürften", prognostiziert Michael Lai.
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