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Lausanne hat als eine der ersten Städte in Europa eine Elektrizitätszentrale zur Abgabe von Licht an Abonnenten geschaffen. Schon 1882 entstand hier die «Société suisse d'électricité» die eine vom Wasser des Bret getriebene Turbinen- und damit verbundene Dynamoanlage einrichtete. Diese Zentrale hatte bis zu 2000 Glühlampen zu speisen und arbeitete bis 1901 regelmässig fort. 1894 konstituierte sich die Société des tramways lausannois mit zwei (später drei) Gasmotoren nach System Crossley zu je 140 PS und einer Akkumulatorenbatterie Pollak mit 650 Stundenamperes, die ausschliesslich für den Betrieb der Strassenhahnen verwendet wurden. Um der Stadt die Verfügung über eine den gegenwärtigen und zukünftigen Bedürfnissen genügende elektrische Kraft zu Beleuchtungs- und motorischen Zwecken zu sichern, erwarben die städtischen Behörden 1898 eine der Rhone bei Saint Maurice zu entnehmende Wasserkraft von 14000 PS und beauftragten eine besondere Gesellschaft mit deren Umwandlung in elektrischen Strom und dessen Ueberführung nach Lausanne. So entstand eines der bedeutendsten Wasser- und Elektrizitätswerke von ganz Europa.
Die in Saint Maurice erzeugte elektrische Kraft wird als Dauerstrom mit einer Spannung von 22000 Volts (der höchsten bis jetzt für eine Kraftübertragung in Anwendung gekommenen Spannung überhaupt) durch eine 56 km lange Leitung nach Lausanne geführt. Heute arbeiten im Werk 5 Turbinen zu 1000 PS mit einem Fall von 32 m. In Lausanne nimmt den Strom eine Transformatorenstation (die sog. Usine transformatrice) auf, die in Pierre de Plan nö. der Stadt auf einer Anhöhe rechts der Strasse Lausanne-Bern steht.
Von hier durchziehen die Stadt zwei von einander unabhängige unterirdische Kabelnetze (eines für die Beleuchtung und eines für Kraftzwecke) mit einer Spannung von je 3000 Volts; fünf Nebenstationen verteilen den Strom in die einzelnen Strassen und Quartiere, wo ihn metallene Transformatorenhäuschen mit drehbarem Mantel aufnehmen und seine Spannung auf 216 Volts herabsetzen. Das Beleuchtungsnetz ist zur Speisung von 27000 Glühlampen von je 16 Kerzen eingerichtet.
Die öffentliche Beleuchtung zählte Ende 1903 78 Bogen- und 93 Glühlampen, die private dagegen 26354 Glühlampen (worunter 87 Nernstlampen) mit 1180 Kilowatts und 136 Logenlampen. Der Strom für Kraftzwecke treibt neben den städtischen Strassenbahnen mit einem Stundeneffekt von 1400000 Kilowatts noch 145 Motoren und 56 zur Heizung oder zu medizinischen Zwecken dienende Apparate (330 Kilowatts), die zusammen eine Arbeit von 2714 Kilowatts erfordern. Das jetzt im Betrieb stehende primäre und sekundäre Kabelnetz hat eine Länge von 68664 m. Die Station von Pierre de Plan sendet ausserdem noch durch zwei Luftleitungen Licht nach den Nachbargemeinden Lutry, Paudex, Pully (im O.), Renens (mit dem wichtigen Bahnhof Renens), Crissier und Écublens (im N. und W.) und Kraft nach der Zementfabrik Paudex und der Fabrik für chemische Produkte in Monthey.
Die Stadt Saint Maurice bezieht ihre elektrische Beleuchtung direkt vom Zentralwerk an der Rhone. Bis Ende 1902 betrug die von der Gemeinde Lausanne an das ganze Unternehmen vorgeschossene Summe 8026688 Fr., von denen die Konzessionsgebühren 438785 Fr. und die Einrichtung der Zentrale 1805784 Fr. erforderten. Dieser ganze elektrische Betrieb hat am seine regelmässige Arbeit aufgenommen und bis jetzt folgende finanzielle Ergebnisse geliefert:
|Einnahmen Fr.||Ausgaben Fr.||Differenz Fr.|
|1901 (vom 1. August an)||183073||218273||-35200|
|1902||405807||615105||-209298|
|1903 (nach Budget)||726500||702200||+24300|
|1904 (nach Budget)||890300||726900||+163400.|
Den Sicherungsdienst gegen Feuersgefahr besorgen eine dem städtischen Polizeiwesen unterstellte Feuerwehrkommission und ein aus Freiwilligen rekrutiertes und seit 1882 militärisch organisiertes Feuerwehrbataillon von 526 Mann, das von einem höhern Offizier geleitet und verwaltet wird. Es umfasst neben dem Stab eine für den Dienst in der Stadt selbst bestimmte Kompagnie von 369 Mann und eine aus 8 Zügen bestehende Kompagnie von 151 Mann für den Dienst in den Aussenquartieren. Die Feuerwehrmänner sind beim schweizerischen Feuerwehrverein versichert und besitzen eine eigene Hilfskasse, die von der Feuerwehrkommission verwaltet und nur in ganz besondern Fällen in Anspruch genommen wird, sowie eine 1884 gegründete Alterskasse, die an solche Feuerwehrmänner Renten auswirft, die nach erreichtem 50. Altersjahr während voller 20 Jahre ununterbrochen im aktiven Dienst gestanden haben.
Verwaltungsbehörden.
Als Hauptort des Kantons Waadt, des gleichnamigen Bezirkes und Kreises, sowie verschiedener anderer Verwaltungseinheiten ist Lausanne der Sitz einer grossen Anzahl von Verwaltungen und beherbergt in seinen Mauern neben den städtischen Behörden die Kreisbehörden (Friedensrichter, Untersuchungsrichter in Strafsachen und Schiedsgericht), dann die Bezirksbehörden (Statthalter, Bezirksgericht, Kataster- und Hypothekarkontrolle, Einnehmer) und endlich die kantonalen Behörden (Grosser Rat, Staatsrat, Kantonsgericht, Staatsanwaltschaft, kantonale Verwaltung überhaupt).
Lausanne ist ferner Sitz des Bundesgerichtes, einer Kreisdirektion der Bundesbahnen, der Direktion des 5. Zollkreises, des 2. Postkreises und des 1. Telegraphenkreises. Waffenplatz der ersten Armeedivision. Die Stadt gehört zum 43. eidgenössischen Wahlkreis und in kantonaler Hinsicht zum 2. Kirchenkreis, 1. Strassenverwaltungskreis, 3. Militärkreis, 3. Eichkreis und 4. Forstkreis. Die Gemeinde umfasst den 9. und 10. kantonalen Schuldbetreibungskreis, einen Zivilstandskreis, eine Militärsektion, sieben Viehschauerkreise und 18 Wahlsektionen. Pfarrgemeinde der Landeskirche (7 Pfarrer) und der deutsch-reformierten Landeskirche (2 Pfarrer) mit einem Kirchenrat; Freie Kirche mit 5 Pfarrern und einem Rat der Alten, anglikanische Kirche mit einem Reverend, römisch-katholische Kirche mit einem Verwaltungsrat und 4 Pfarrern, deutsche evangelische Kirche mit einem Rat und einem Pfarrer.
Spitalwesen.
Im 13. Jahrhundert bestanden in der Diözese Lausanne sehr viele Klöster verschiedener Orden, die sich mit der Pflege von Kranken befassten. 1275 kaufte das Kapitel Lausanne in der Cité einen Platz an, auf dem der damalige Bischof Guillaume de Champvent an Stelle eines schon früher bestehenden Spitales 1282 einen neuen Spital in grösserem Umfang aufbauen liess, der fünf Jahrhunderte später zum Kantonsspital werden sollte. Inzwischen stand er unter der bischöflichen Verwaltung, wurde von Brüdern des Heiliggeistordens besorgt ¶
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und diente hauptsächlich den Armen. Daneben bestanden noch der kleine Hôpital de Saint Jean und die Infirmerie de la Madeleine, die 1443 zum Hôpital de Saint Roch erweitert wurde. Der Hôpital de Saint Jean l'Évangéliste gehörte ursprünglich dem Kapitel Lausanne, kam 1228 an das Kloster auf dem Grossen St. Bernhard und wurde 1603 um den Preis von 450 Dukaten Eigentum der Stadt. Er stand in der Unterstadt. Kurze Zeit vor der Reformation (1528) übernahm der Rat von Lausanne gegen den Willen des Bischofs die Oberaufsicht über den Hauptspital (und seine Einkünfte), den die Stadt auf Anraten des Arztes Tissot abtragen und 1766 durch einen nach den Plänen des Architekten Rudolf de Crousaz-de Mézery ausgeführten Neubau ersetzen liess.
Der 1803 neu gegründete und der Eidgenossenschaft angegliederte Kanton Waadt wollte neben andern Reformen auch das Spitalwesen ordnen und kaufte 1806 zu diesem Zweck der Gemeinde Lausanne ihren Spital ab. Zunächst wurden nun im selben Gebäude die Kranken, Irrsinnigen, Sträflinge und jugendlichen Verbrecher untergebracht, sodass zu jener Zeit ein Aufenthalt im Spital als Schmach galt und im Volk auch lange Zeit nachher noch als solche empfunden wurde. 1810 kam dann endgiltige Ordnung in die kantonalen Spitalverhältnisse, indem an der Rue de la Mercerie in Lausanne der Kantonsspital mit 100 Krankenbetten, auf dem Champ de l'Air (im Gebäude des heutigen landwirtschaftlichen Institutes) eine Irrenanstalt für 40 Insassen und eine Versorgungsanstalt für 30 Unheilbare geschaffen wurden. 1827 führte man die Sträflinge in die jetzige Strafanstalt und 1847 die Knabenkorrektionsanstalt nach Les Croisettes über, während die Besserungsanstalt für Mädchen bis 1869 im Spital verblieb. Da der Sanitätsrat von 1868 an den Bau eines grösseren und günstiger gelegenen Spitales verlangte, beschloss der Grosse Rat 1874, auf einem dem Staat gehörenden Grundstück am Calvaire einen neuen Spital mit 200 Krankenbetten und 4 Isolierpavillons errichten zu lassen, der mehr als 2 Millionen Fr. kostete und 1883 eingeweiht wurde. Er zählt heute 470 Krankenbetten (407 im Hauptgebäude und 63 in den Nebengebäuden) und bietet jedem Kranken 30-40 m3 Luft.
Mit ihm vereinigt sind die Frauenklinik und eine Hebammenschule. Jene ist 1874 im einstigen Lazaret für ansteckende Krankheiten zu Montmeillan eingerichtet und 1883 in einen der Pavillons (Einrichtung nach System Tarnier, das jeden Frauensaal für sich isoliert) am Calvaire übergeführt worden. Da der Raum allmählig zu klein geworden, wird gegenwärtig ein Neubau für die Frauenklinik geplant. Den Bedürfnissen der Studierenden und angehenden Hebammen dient eine Poliklinik, die vom Professor für Geburtshilfe und Frauenkrankheiten an der Universität und einer in der Frauenklinik wohnenden Hebamme geleitet wird.
Im 16. Jahrhundert wirkte in Lausanne der geniale Chirurg Franco, dessen Erfolge in der Augenheilkunde zahlreiche Kranke aus allen Ländern anzogen. Dieser gute Ruf hielt auch unter Fabrice de Hilden noch im 17. Jahrhundert vor, während im 18. Jahrhundert der Rat von Bern an alle Gemeinden der Waadt die Einladung richtete, ihre Augenkranken nach Bern zu senden. Erst als 1840 Dr. Recordon zusammen mit seiner Frau in seiner Wohnung eine ophthalmologische Gratisklinik einrichtete, erlangte Lausanne seinen Ruhm als Heilort für Augenkranke wieder.
Diese Klinik ist der erste Ausgangspunkt für die Blindenanstalt geworden, deren Gründung der Grossmut von W. Haldimand und Fräulein de Cerjat zu verdanken ist und die 1844 eröffnet wurde. Sie nimmt sowohl Augenkranke als blinde Kinder auf, lässt diesen eine besondere Erziehung und Schulung angedeihen und besorgt ihnen zugleich passende Arbeit. 1855 richtete man in der Anstalt, deren Ruf schon weithin gedrungen war, eine Werkstätte ein, an deren Kosten W. Haldimand 75000 Fr. beisteuerte, und 1873 konnte sie einen Neubau beziehen.
Die einzig auf Schenkungen und Legate angewiesene Anstalt umfasst heute 1) eine Erziehungsanstalt für blinde Kinder beider Geschlechter im Alter von 5-18 Jahren;
2) einen Augenspital mit 45 Krankenbetten;
3) eine Korb- und Bürstenmacherwerkstätte, in der solche Blinde beschäftigt werden, die nach dem Austritt aus der Anstalt keine regelmässige oder passende Arbeit finden oder deren Lehrzeit noch nicht vorüber ist, ferner alle übrigen männlichen Blinden, die sich zum Erlernen eines Handwerkes eignen;
4) das sog. Asile Recordon als Heimstätte und Arbeitssaal für ehemalige Zöglinge der Anstalt. Wenn die Umstände es erlauben, können in der Anstalt auch solche Blinde Aufnahme erhalten, die ihr Augenlicht erst in späterem Alter verloren haben und nun ein Handwerk lernen wollen. In der Anstalt befindet sich ferner eine kleine Buchdruckerei nach System Braille, die bisher eine Bibel und verschiedene Lehrbücher für die blinde Jugend gedruckt hat. Im Augenspital werden jährlich 500-600 Kranke verpflegt und 2500-3000 öffentliche Gratiskonsultationen erteilt. Die Anstalt, die seit ihrer Gründung 376 ¶