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Hermann Balzer-Weiss (1847 – 1929) schrieb diese Chronik in Alvaneu-Bad am 25. Februar 1919 auf Briefpapier von Balzer Josef, Postpferdehalterei in Tiefencastel.Originaltext: Der Name der hierseitigen Familie Balzer kommt schon vor 1800 in Schmitten & Alvaneu, später auch in Mühlen, Alvaschein und Stürvis vor. In Schmitten trägt das jetzige Haus von Posthalter Caspar-Ruinelli das Balzer‘sche Wappen.
Mehrere protestantische Familien Balzer, die sich wahrscheinlich bei der Reformation vom obigen Stamm getrennt haben, wohnen in Scharans und Umgebung. Im hiesigen Stamm Balzer traten anfangs des 19. Jahrhunderts namentlich Land.a. Stephan Balzer und Land.a. Joseph Balzer in Alvaneu-Dorf und sodann Land.a. Christ.Anton Balzer, Sohn von Land.a. Peter in Alvaneu-Bad hervor.
Der Autor der Chronik Hermann Balzer-Weiss selbst wurde als ältester Sohn von Bundesstatthalter Jos. Anton Balzer am 7. Mai 1847 in Alvaneu-Bad geboren. Er amtete verschiedene Jahre als Bezirksgerichtspräsident (Albulatal) wie auch als Kreispräsident (Belfort) und war zudem bis zu seinem Tod Verwaltungsrat der Rhätischen Bahn.
Sein Allgemeinwissen war hervorragend. Gar oft stand Hermann Balzer seinen Mitmenschen mit Tat und Rat bei. Die Landwirtschaft war ihm Lieblings- aber auch Sorgenkind. Sie rentierte in den zwanziger Jahren nicht und Subventionen gab es damals auch nicht. Nach seinem Tod verkauften die Nachkommen die Landwirtschaft samt Villa an Bankier Oscar Guth in Zürich.
Danach begann für sie eine harte Zeit. Karl – der älteste Sohn (1883) – verlor am 13. Februar 1933 ganz unerwartet seine treubesorgte Gattin Camilla Balzer-Laim (1886) während einer Unterleibsoperation mit 47 Jahren in Thusis. Sie hinterliess sechs unmündige Kinder. Pia, Fiorina, Martha, Hans und Camilla.
Vorgängig war Camilla Balzer in Alvaneu-Bad langjährige Posthalterin. Nebst dem Tod seiner Frau musste er den Verdienstausfall und damit praktisch auf das gesamte Einkommen seiner Familie verzichten.
Landammann (Land.a.) war ursprünglich der gewählte Richter oder das Oberhaupt der Landsgemeinde einer selbstverwalteten Region. In dieser Form existierte der Begriff seit dem Hochmittelalter, als er den von der Obrigkeit eingesetzten Gerichtsbeamten ablöste.Im Kanton Graubünden verfügten einst die meisten der 39 Kreise über eine Landsgemeinde, walserdeutsch „Bsatzig“ beziehungsweise bündnerromanisch „cumin“, „mastralia“ oder „tschentada“ genannt. Als der Bündner Grosse Rat noch alle zwei Jahre gewählt wurde, fanden auch die Landsgemeinden alle zwei Jahre am ersten Sonntag im Monat Mai statt: Der heutige Turnus ist ein Vierjähriger.
Die meisten Landsgemeinden wurden in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten abgeschafft und die Wahlen an die Urne verlegt. 2009 betraf dies beispielsweise die „Bsatzig“ im Schanfigg. Gemäss Erhebung der Standeskanzlei Graubünden verfügen per Anfang 2014 noch sechs Kreise über eine Landsgemeinde:
Es sind dies Churwalden, Küblis, Luzein, Ruis, Safien und Schams.
Das einst mächtigste Rittergeschlecht Bündens oder gar der gesamten Schweiz war anfangs des 19. Jahrhundert Landvogt Peter von Marmels (Marmorera). Moritz Dosch hat in den Annalen der Deutschen Ritter-Turniere in München erfahren, dass die Ritter von Marmels damals die einzigen Turnierfähigen aus der gesamten Schweiz waren.
Verarmte Nachkommen leben zurzeit noch in Salux. Einen Teil des kriegerischen Sinnes von Marmels im Schwabenkrieg waren damals Anführer und Haudegen bei der Schlacht an der Calven (1499/Vinschgau). Mehrmals ist die Ritterstochter über die Berge ins Veltlin geritten um selbst Wein einzukaufen. Weniger gut verstand sie sich auf’s Haushalten und sparen.
Der Grossvater von Hermann Balzer Land.a. Christian Ant. Balzer konnte 1806 von Comissari Ant. Hercules Sprecher-Bernegg ein österreichisches Lehen der Grafen von Matsch für 19‘000 fl (19‘000 Florentiner oder Gulden aus Gold mit etwa 3.537 Gramm Gewicht) à sFr 90.- (ca. sfr 22‘100.-) kaufen. Er betrieb damit eine Wirtschaft in Alvaneu-Bad und hatte damit viel Kummer und Verdruss.
Christian Balzer starb Ende der Zwanziger Jahre (1820-1830) und hinterliess 2 Mädchen und 3 Söhne (Margreth, Elisabeth, Christian, Peter und Joseph).
Der jüngste Sohn Joseph Anton (1815 in Alvaneu-Bad) war der spätere Bundesstatthalter. Er besuchte daheim die Winterschule, dann die Privatschule von Prof. Mirer Obersaxen in Sargans (später Bischof von St.Gallen) und war schliesslich 1 Jahr auf dem „Advocatur Bureau“ bei Herrn Christ, St.Hilarien, Chur.
Durch Selbst-Studium erweiterte er namentlich in Rechtssachen seine Kenntnisse derart, dass er alsbald im Oberhalbstein und Albula Tal vom Volk und den Behörden geschätzt und vielfach in Anspruch genommen wurde.
Nachdem Hermanns Vater Land.a. Christian Ant. Balzer gestorben und die Mutter Maria Ursula Balzer sich ins Privatleben nach Alvaneu zurückgezogen, übernahm er zusammen mit seinen Geschwistern anno 1836 das durch die Misswirtschaft der Mutter überschuldete Bad-Alvaneu mit der damit verbundenen Landwirtschaft & führte es nach dem Tod der beiden Brüder 1844 alsdann gemeinsam mit seiner Frau Regina geb. Candrian von Bonaduz weiter.
Frau Regina war eine brave, ausgezeichnete, weit herum geachtete Frau, Hausfrau, Mutter & Erzieherin & die Hauptstütze für Bad Alvaneu & für Joseph selbst jeweilen, wenn sie wirklich allzuviel Arbeit & Sorgen sich bei ihm häuften.
Zugleich mit dem Bad-Alvaneu war es nämlich nach dem Tode der Brüder auch die Wirtschaft & Posthalterei in Mühlen, welche anno 1838 dort im Pfarrhaus errichtet worden war, weiter zu führen.
Um das Jahresgeschäft Mühlen behalten zu können, verkaufte Joseph anno 1851 das Bad Alvaneu an Land.a. Jac. M. Laim, Alvaneu, erwarb es dann aber anno 1855 wieder, nachdem er für Mühlen Herrn Ständerat R. Peterelli & Schreiber J. Brügger als Gesellschafter gefunden & dafür besondere Verwalter angestellt.
Anno 1862 wurde die Gesellschaft Mühlen wieder aufgelöst, da inzwischen der ältere Sohn Christian des Bruders Peter Jacobs herangewachsen & die Geschäftsleitung dort mit seiner Frau Regina & dem Bruder Johann übernehmen konnte.
Die Kinder von Bruder Peter Jacob, nämlich Johann, Christian & Maria verloren anno 1843 den Vater & die Mutter Ursula geb. Wasescha, Savognin und kamen damals als kleine Waisen in die Familie von Bundesstatthalter Joseph & seiner Frau Regina & wurden von den Letzteren gemeinsam mit den eigenen Kindern Hermann, Amalie & Peter vielseitig u. derart ohne Unterschied erzogen, dass sich diese Geschwisterkinder stets als echte Geschwister hielten & verhielten.