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Marianne wurde als erstes Kind von Samuel und Amanda Spörri-Huber am 1. Juli 1912 in Elberfeld/Deutschland geboren. Die Auslandschweizer-Familie erhielt im Lauf der Jahre weiteren Zuwachs. Marianne schreibt selbst über diese Zeit: “Mein Vater war Redaktor bei der deutschen Schriftenmission. Er war Theologe und vom Pietismus geprägt, den er uns vier Kindern in freier, freudiger Art als Lebensgrundlage vorlebte.“
Nach ihrem Maturitätsexamen wünschte sie sich, wie ihr Vater Theologie zu studieren. Er erlaubte es ihr aber nur, wenn sie sich ein Jahr im Beruf der Kindergärtnerin bewähre. Sie tat es und studierte anschliessend in Bethel, Bonn, Zürich und Basel. Sie schrieb im Rückblick auf diese Jahre: „Als ich studierte, war der Kirchenkampf in vollem Gang. Pfarrer Wilhelm Vischer aus Basel war eben an der Theologischen Schule in Bethel/Deutschland abgesetzt worden wegen unliebsamer Äusserungen gegen Hitler. Als ich im 3. Semester in Bonn studierte, war es das zweitletzte Semester von Karl Barths Lehrtätigkeit dort. Man lebte in ständiger Spannung, wann die Nazis zuschlagen würden. Barth war in Hochform, kämpferisch und sehr wach nach allen Seiten. Er beeindruckte mich stark und ich hatte das Glück, ihn in Basel gegen Ende meines Studiums wieder zu hören.“ In ihrer Baslerzeit arbeitete Marianne nebenbei durch Vermittlung von Eduard Thurneysen im CVJT mit und hielt dorthin noch lange Zeit Kontakte.
Mitte 30-iger Jahre begegneten sich Marianne Spörri und Willi Meister erstmals in Zürich, als Mitglieder der CSV, der christliche Studentenvereinigung.
Marianne beendete ihr Theologiestudium mit dem sog. Fakultätsexamen an der Uni Zürich im Jahr 1937. Dann arbeitete sie unter den schwierigen Verhältnissen des Hitler-Regimes in der Gebietsmission der Evangelischen Gesellschaft im deutschen Ruhrgebiet. Gegen Ende 1938 wurde ihr ein Jugendlager von der GESTAPO aufgelöst. Sie konnte sich nur durch eine Geldbusse vor der Verhaftung schützen und wurde an einer Gerichtsverhandlung verwarnt.
In jener Zeit reiste Willi Meister mit zwei goldenen Ringen zur ihr und ihrer Familie nach Elberfeld.
Am Silvester 1938 verlobten sie sich dort und Willi reiste allein in die Schweiz zurück. Anfangs Kriegsjahr 1940 hatte Willi grösste Mühe seine Braut aus Deutschland wieder in die Schweiz zu bekommen. Sie planten im April in Schaffhausen zu heiraten. Sogleich wurde die junge Theologin für Stellvertretungen angefragt. Aus der Rückschau schreibt Marianne dazu: „Im Krieg konnte man uns Frauen plötzlich brauchen! Kaum in der Schweiz hatte ich einige Wochen eine Vertretung in Obererlinsbach/AG, da der dortige Pfarrer als Feldprediger einberufen war. Predigen durfte ich allerdings nicht. Ich hatte nur den kirchlichen und den Schulunterricht zu erteilen und etwas Besuchsdienst zu machen. Freie Kost und Logis im Pfarrhaus waren selbstverständlich, an Honorar dachte niemand, ich auch erst in späteren Zeiten. Kurz darauf wurde ich nach Obstalden/GL gerufen und bekam das volle Pfarramt, durfte sogar am Palmsonntag die von mir unterrichteten Kinder konfirmieren. Aber für die Austeilung des Abendmahls holten sie einen Mann aus dem Unterland.“
Wie geplant fand im April die Hochzeit statt, wobei Marianne bis zum letzten Moment nicht sicher war, ob ihr Willi wirklich beurlaubt würde. Es war zur Zeit von Hitlers Überfall auf Norwegen. Trotz der angespannten Kriegslage erhielt Willi einen 14-tägigen Urlaub im Militärdienst. In Spina im Bündnerland genossen sie zusammen die Flitterwochen. Von Juli bis Bettag war Marianne dann wieder in Obstalden tätig, weil der Ortspfarrer krank war.
Die ersten Ehejahre verbrachte das junge Paar in Schaffhausen, wo ihnen die beiden Töchter Regula und Ursula geboren wurden. 1944 zogen sie nach Neunkirch um, wo Willi als Sekundarlehrer amtete. Hier kamen Christoph und Barbara zur Welt. Kurz nach dem Engagement in Obstalden wurde Marianne von der „Frauenhilfe“ in Schaffhausen in den Vorstand und als Referentin angefragt. 1941 trat sie ihren Dienst an und blieb aktiv dabei bis ins Jahr 1980: Vorträge, Mütterabende, Erziehungskurse, Mütterferien, Mitarbeit in Eheberatung und Seelsorge. Dazu kamen 17 Jahre als Redaktorin der Zeitschrift „Unser Blatt“ der „Schweizerischen Evangelischen Frauenhilfe“.
Im Jahr 1963 kam für Marianne Meister-Spörri mit 11 anderen Theologinnen ein grosser Tag! Sie alle hatten seinerzeit das Zürcher Fakultätsexamen gemacht und erhielten nun endlich auch in Zürich die Ordination.
Als die Kinder im Kantonsschulalter waren, zog die Familie nach Schaffhausen um, wo der Vater an der Mädchenrealschule bis zur Pensionierung tätig war. In all den Jahren nahmen sie beide regen Anteil am Leben und an den Wegen ihrer nun erwachsenen Kinder, deren Lebensgefährten und Familien. Mit grosser Freude pflegten sie die Kontakte zu ihren 8 Enkelkindern und bald noch 3 Urenkeln.
Bis zu ihrem Lebensende war Marianne geistig wach und bildete sich ihre Anschauungen und Meinungen in kirchlichen und politischen Fragen, die sie auch dezidiert zu vertreten wusste.
Kurz nach dem mit etwas Bangen erwarteten Umzug in die Alterswohnung in der Résidence erlitt sie in der Nacht einen Hirnschlag. Sie erwachte nicht mehr aus der Bewusstlosigkeit. Drei Tage lag sie so im Kantonsspital umsorgt vom lieben Pflegepersonal und treu gehütet von ihrem Willi. Alle vier Kinder konnten noch in Ruhe von ihr Abschied nehmen. Am Samstag um die Mittagszeit durfte sie, begleitet von ihrem Mann und zweien ihrer Kinder in Gottes Frieden entschlafen.
Im Blick auf ihren Glauben sagte sie in einem Interview ca. drei Jahre vorher:
„Mein heimatlicher Pietismus öffnete sich (während der Studienzeit) für die Aufnahme der Theologie Karl Barths. Im weiteren Verlauf meines Lebens hat sich beides gewandelt. Ich habe der Charismatischen Bewegung neue Impulse zu verdanken und stehe heute positiv und dankbar zu persönlichen Gotteserfahrungen im täglichen Leben, streng gebunden allerdings nicht nur an die Eingebungen des Heiligen Geistes, sondern vor allem an die Bitte, Jesus Christus treu nachfolgen zu dürfen.“
Zusammengestellt von Christoph Meister