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Ich, der HERR, habe dich gerufen in Gerechtigkeitund halte dich bei der Hand. Jesaja 42,6
Ein Ich und ein Du stehen sich im Text gegenüber. Als Du angeredet wird vermutlich der persische König Kyros II. (wie in Jesaja 44,28 und 45,1). Er machte Persien zu einem Weltreich, nachdem er das babylonische Reich übernommen hatte. Den verschiedenen Völkern in seinem Herrschaftsgebiet liess er eine gewisse Freiheit, die eigene Religion zu behalten. Für die Juden in der babylonischen Verbannung war dies besonders wichtig. Kyros erlaubte ihnen, nach Jerusalem zurückzukehren und dort den Tempel wieder aufzubauen. Es war der Anfang einer guten Epoche in der Geschichte Israels.
Im Bibeltext ist der mächtigste Mann der Welt allerdings nur der Befehlsempfänger. Ganz am Anfang steht ein betontes Ich. Wer hier spricht, ist «der Gott» (42,5), der einzige Gott, der sich dem Volk Israel mit seinem Namen bekanntgemacht hat. Er und kein anderer bekommt zu Recht die göttliche Ehre.
Der Text hat den Ton eines Bekenntnisses. Zuoberst steht nicht der Grosskönig, auch wenn sein Weltreich noch so mächtig sein sollte. Zuoberst steht Gott mit seinem guten Willen für die Menschen. «Ich, der HERR, habe dich gerufen zum Heil. Ich habe dich bei deiner Hand ergriffen. Ich habe dich geformt. Ich habe dich dazu gemacht, eine Verpflichtung für die Menschen, ein Licht für die Völker zu sein.»
Von Andreas Egli