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Der Volksmund nennt sie auch: Açaizeiro, Açai–do–Pará
Wissenschaftlicher Name: Euterpeoleracea Mart.
Deutscher Name: Açaífrüchte
Aus der botanischen Familie der: Palmae
Herkunft: Brasilien – Flussufer in Amazonien
Charakteristika der Pflanze
Palme von dünnem, elegantem Wuchs, kann bis zu 25 Metern Höhe erreichen. Grosse Blätter, die in feine, schmale Streifen von dunkelgrüner Färbung aufgefächert sind. Sie können 2 Meter und mehr Länge erreichen. Kleine Blüten, die auf grosse hängende Rispen verteilt sind, von gelblicher Färbung. Sie erscheinen besonders zwischen September und Januar – sind aber auch in geringeren Mengen über das ganze Jahr vorhanden. Eine Spezies, die dem Palmito–Doce (Euterpe ed ulis Mart.) aus dem Atlantischen Regenwald sehr ähnlich ist – die Açai wächst jedoch stets in Gruppen von zwischen 3 und 25 Exemplaren, während der Palmito ein Einzelgänger ist.
Frucht
Die Früchte erscheinen ebenfalls in Rispen und sind von violetter, fast schwarzer Färbung, wenn sie reif sind. Sie sind kirschgross, von gerundeter, ovaler Form, und präsentieren sich rund um einen mittleren, harten Stiel. Auch sie erscheinen während des ganzen Jahres, verstärkt allerdings zwischen Juli bis Dezember.
Anbau
Man kann den Baum verbreiten durch seine Samen oder mittels Einpflanzen von Ablegern. Er entwickelt sich gut in verschiedenen Böden und Klimata, vorzugsweise aber in warmen Regionen. Jede Palme bringt pro Jahr 3 bis 4 Rispen hervor, eine jede mit zirka 3 bis 6 kg Früchten.
Die so genannte Açaizeiro ist eine Palme des tropischen Brasilien und zusammen mit der Buriti–Palme gehört sie zum typischen Erscheinungsbild Amazoniens. Sie entwickelt sich gut, sowohl auf festem Land als auch in den Senken der Várzea – jenen periodisch überschwemmten Gebieten. Der gesamte Baum findet Verwendung im Haushalt der eingeborenen Bevölkerung: Früchte, Blattrispen, Wurzeln, Palmmark, der Stamm und das Gerippe seiner Rispen. Die Flussbevölkerungen vom unteren Amazonas, zwischen Santarém und der Ilha de Marajó, rechnen auf diesen wertvollen Baum und seine Früchte während des ganzen Jahres zur Unterhaltung und Ernährung ihrer Familien.
Die Blätter werden zum Decken der Hausdächer ineinander verwoben – ihre Fasern finden beim Flechten von Hüten, Matten und Taschen Verwendung – letztere zum Sammeln von allen möglichen Früchten und Nüssen. Das Holz des Palmstammes, nachdem es getrocknet ist, kann zu Stützen, Dachbalken und Säulen von grosser Stabilität und Langlebigkeit verarbeitet werden – resistent gegen Insektenbefall. Sogar die trockenen Rispen benutzt man noch als willkommene Besen im Haushalt.
Auch in der Volksmedizin spielt der Açai eine Rolle: frische Früchte verwendet man gegen Magen– und Darminfektionen, die Wurzeln dienen in geraspelter Form als “Wurmmittel”, das Palmenmark – zu einer Paste verarbeitet – wirkt als blutgerinnendes Mittel, wenn man es zum Beispiel auf das Loch eines frisch gezogenen Zahns aufträgt.
Das Wichtigste aber ist das Fruchtfleisch selbst, tief violett, fast schwarz, wenn es reif ist. Es befindet sich in einer kirschgrossen harten Schale, aus der man durch Einweichen den traditionellen und beliebten Açai–Wein herstellt. Und als Saft ist er längst über das brasilianische Territorium hinaus berühmt und als wohlschmeckender Vitaminspender gesucht. Nur in der Stadt Belém werden täglich zwischen 100.000 und 180.000 Liter Saft verkonsumiert!
Obwohl der Baum während des ganzen Jahres auch Früchte trägt, weiss der Eingeborene, dass seine ertragreichste Ernte beginnt, wenn die Zikaden ihr schrilles Gezirpe ertönen lassen und damit die Trockenzeit einleiten. Und dann macht er sich fertig, um den mehr als 20 Meter hohen Stamm zu erklimmen und die Rispen mit seinem Haumesser abzuschlagen: es gehört viel Mut, Kraft und Gleichgewichtssinn dazu, an dem glatten Stamm nur mit Hilfe eines Gürtels aus Pflanzenfasern hinauf zu klettern – dieser Gürtel sichert seine Füsse rechts und links vom Stamm und hält sie zusammen, und damit schiebt er sich Stück um Stück immer höher. Da oben dann, nachdem er nur die reifen Rispen abgeschlagen hat, bringt er den dünnen Stamm der Palme in Schwingungen, wie ein Pendel, bis er von ihr auf die nächste überwechselt – wie ein Affe ein Stück durch die Luft im sicheren Sprung! Manche Besucher können gar nicht hingucken bei diesem kühnen Unterfangen!
Man muss den Açai allerdings am gleichen Tag verarbeiten, den er fermentiert rasch und überdauert nicht einmal 24 Stunden, selbst bei Kühlung. Also beanspruchen während dieser Reifezeit jeden Tag – sieben Tage der Woche – die Verkäufer mit frischen Açai–Früchten sämtliche Bürgersteige rund um den Ver–o–peso–Markt in Belém, noch bevor die Sonnen aufgeht, die sie auf Lastwagen und Booten aus dem Inland noch während der Nacht angeliefert haben.
Nach dem Kauf auf dem Markt werden die Früchte in Saft verwandelt. Man legt sie in lauwarmes Wasser zum Weichwerden, und damit sich das Fruchtfleisch von den Kernen löst. Es wird dann entweder mit der Hand oder entsprechenden Maschinen zerkleinert. Und wie unser Schriftsteller Camara Cascudo schreibt: “Aus der violett blutenden Masse, durchs Sieb geseiht mit fleissiger Hand und mit verschiedenen Wassern verdünnt, ergibt sich der Wein – das Açai–Getränk” Neben seiner kommerziellen Verarbeitung ist es bei vielen Familien im Bundesstaat Pará üblich, den Açai–Wein für ihren persönlichen, täglichen Bedarf herzustellen – und sie verkaufen den Überschuss von ihrer Wohnung aus, indem sie die Kunden mit einer kleinen roten Banderole an der Eingangstür anlocken.
Die Tradition stammt vermutlich von den Indianern Amazoniens, und heute kommt dem Açai eine bedeutende Rolle in der Ernährung der lokalen Bevölkerung zu. Man konsumiert ihn zu jeder Zeit – als Erfrischung oder als Eis – mit oder ohne Zucker – morgens als Milchersatz, ideal auch für kleinere Kinder – bei allen Mahlzeiten, entweder mit Maniokmehl gebunden oder mit Tapioca (Maniokstärke) – ergänzt von Fisch und getrockneten Shrimps, Fleisch und Reis mit Bohnen – aber auch pur, wenn man nichts weiter dazu hat.
Tatsächlich weiss man heute, dass der Açai ein besonders energiereiches Lebensmittel ist, mit einem hohen Kalorienwert, er hat 2,37% Protein und 5,96% ungesättigte Fettsäuren. Neben seiner unbestreitbaren Bedeutung für den Komm