Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03599.jsonl.gz/2067

Autor: urs hänni
Stéphane Joly, Sie sind im Trainingslager in Marokko. Wo sind Sie genau?
Ich bin in Figuig. Schon öfters habe ich hier trainiert, auch im vergangenen Jahr unmittelbar vor dem Murtenlauf. Der Ort liegt auf etwa 1700 Meter und es hat gute Wege und eine schöne Natur, um zu trainieren.
Wann reisen Sie zurück in die Schweiz?
Am Donnerstag. Ich werde dann 25 Tage in Marokko trainiert haben.
Wie verlief Ihr Trainingslager in Afrika?
Es ging so. Ich plage mich seit einiger Zeit mit einer Verletzung herum und konnte nicht zu 100 Prozent trainieren. Es war eine Wadenverletzung, keine Zerrung, eher eine Verhärtung. Einige Tage konnte ich nur zu etwa 80 Prozent trainieren. Aber ich hoffe, es geht jetzt besser.
Sie nehmen zum ersten Mal am Kerzerslauf teil?
Ja, mit grossem Vergnügen. Ich wollte schon früher mal in Kerzers starten, aber in den vergangenen Jahren kam immer die Cross-Saison in die Quere. Ich habe vier Mal die Cross-Schweizermeisterschaften gewonnen, und nahm auch an den Weltmeisterschaften teil. Dieses Jahr will ich mich aber mehr auf Strassenläufe konzentrieren.
Ihr Ziel ist die Olympialimite im Marathon?
Ja, aber ich weiss noch nicht, wo ich nach dieser Verletzung stehe. Das Training bis 15 Kilometer war kein Problem, aber längere Distanzen haben mir doch Mühe bereitet. Ich habe zu wenig Volumen und weiss noch nicht, ob ich den Marathon laufen kann. Eine Alternative wäre das Rennen über die 10-Kilometer-Distanz.
Da kommen Ihnen die 15 Kilometer am Kerzerslauf gerade recht?
Ja, 15 Kilometer sind kein Problem. Aber ich habe schon im Internet geschaut, wer sich angemeldet hat. Da sind schon zehn Afrikaner auf einem sehr guten Niveau dabei. Bei anderen Läufen in der Schweiz haben nur drei, vier, fünf Läufer ein solches Niveau. Ich denke, der Kerzerslauf ist einer der Läufe mit dem höchsten Niveau.
Wie gut ist Ihre Form im Moment?
Ich bin sicher weniger in Form als vor dem Murtenlauf im vergangenen Jahr. Vielleicht bei 85 Prozent. Aber damals hatte ich auch sehr hart dafür trainiert.
Können Sie sich so ein Ziel für den Kerzerslauf setzen?
Ich will in die ersten zehn laufen und der schnellste Europäer sein. Die Form mag nicht top sein, aber ich habe einen harten Kopf. Ich freue mich jedenfalls auf den Lauf.
Läuft zum ersten Mal in Kerzers: Stéphane Joly.Bild Alain Wicht/a
«Ich denke, der Kerzerslauf ist einer der Läufe mit dem höchsten Niveau.»
Autor: Stéphane Joly
Autor: Leichtathlet
London 2012: Rückschlag für Joly in Fukuoka
Bei seiner ersten Teilnahme am Kerzerslauf wird sich Stéphane Joly der harten Konkurrenz aus Afrika stellen müssen. Dass er damit umzugehen weiss, bewies er vergangenen Oktober beim Murtenlauf. Als erster Einheimischer seit Stéphane Schweikhardt 1998 setzte sich Joly am traditionellen Murtenlauf durch. Damals hatte sich der Jurassier monatelang auf den Gedenklauf vorbereitet, unter anderem ähnlich wie jetzt auch vor dem Kerzerslauf mit einem Höhentrainingslager in Marokko. Hatte Joly im vergangenen Oktober jedoch klar den Sieg im Visier, sind die Ziele für den Kerzerslauf moderater. Ob der Langstreckenläufer seinen Traum von den Olympischen Spielen 2012 in London verwirklichen kann, scheint indes fraglich. Bis im Mai hat Joly Zeit, die Limite im Marathon oder aber über die 10-Kilometer-Distanz zu laufen. Ursprünglich wollte er die Marathon-Limite (2:14 Stunden bei einer persönlichen Bestzeit von 2:15:45) im Januar in Dubai laufen. Dann zog er im Dezember den Marathon von Fukuoka (Jap) vor, musste aber nach 28 Kilometer aufgeben. «Die Frustration war gross. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf», so Joly.fs
Zur Person
Ein Spezialist für Cross-Rennen
Der für Stade Genève laufende Jurassier Stéphane Joly wird im Juli 29-jährig und ist von Beruf gelernter Maler. Seit 2004 ist er Profisportler. Der Langstreckenläufer hat sich insbesondere in der Cross-Szene einen Namen gemacht. Mehrfach war Joly an Europa- und Weltmeisterschaften bester Schweizer. Bei der EM 2009 in Dublin belegte er Rang zehn. 2007, 2008 und 2010 wurde er Schweizer Cross-Meister. Im Vorjahr gewann Joly den Murtenlauf. fs