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Reizdarm und kolorektales Karzinom
Peter Bauerfeind
Kolorektales Karzinom
Zur präventiven Wirksamkeit der Koloskopie ergab eine US-amerikanische Studie, dass durch die koloskopische Polypektomie die Mortalität infolge von kolorektalen Karzinomen nach einer mittleren Nachbeobachtungsdauer von 14 Jahren gegenüber einem Kontrollkollektiv um 60 bis 75 Prozent gesenkt werden konnte [1]. Darüber hinaus wurde in einer kanadischen Studie bei den Personen, bei denen die Koloskopie einen negativen Befund ergeben hatte, nach einer Nachbeobachtungsdauer von 10 Jahren im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung eine um 72 Prozent verringerte Inzidenz kolorektaler Karzinome festgestellt [2]. Anlässlich der Screening-Koloskopie wurde gemäss zwei umfangreichen Studien mit 50'149 und 5'597 Teilnehmern in der Gruppe der 50- bis 66-Jährigen in 5,7 beziehungsweise 8 Prozent der Fälle eine fortgeschrittene Neoplasie entdeckt, während in der Gruppe der 40- bis 49-Jährigen mit einer familiären Krebsbelastung in 3,4 Prozent der Fälle eine fortgeschrittene Neoplasie nachgewiesen wurde [3, 4]. Des Weiteren wurde in einer britischen Studie mit 265 mindestens 45-jährigen Patienten, bei denen neu rektale Blutungen aufgetreten waren, in 4,9 Prozent der Fälle ein Adenom und in 5,7 Prozent der Fälle ein kolorektales Karzinom diagnostiziert [5]. Zur Sicherheit der Koloskopie ergaben die Resultate von vier grossen Studien mit über 200'000 untersuchten Personen, dass es pro 1000 Koloskopien nur in 1 bis 2 Fällen zu Komplikationen kommt und die Mortalität weniger als ein Fall pro 10'000 Koloskopien beträgt [3, 6–8]. Die Resultate von zwei Querschnittsstudien, wonach die alterskorrigierte Inzidenz des kolorektalen Karzinoms bei Frauen wesentlich tiefer ist als bei Männern, könnte allenfalls zu einer Anpassung der bis anhin nur das Alter und die familiäre Belastung berücksichtigenden Screeningstrategie führen [3, 9].
Auf der Suche nach verlässlichen Methoden für den nicht-invasiven Nachweis von kolorektalen Karzinomen wurde in einer japanischen Studie mit 21'805 asymptomatischen Personen die Sensitivität des immunochemischen fäkalen Hämokkult-Tests ermittelt, welche für fortgeschrittene Adenome 27,1 Prozent und für invasive Karzinome 65,8 Prozent betrug [10]. Eine neue französische Studie mit 10'673 asymptomatischen Personen zeigt nun, dass der immunochemische fäkale Hämokkult-Test bezüglich der Identifikation von Karzinomen und vor allem von fortgeschrittenen Adenomen eine höhere Sensitivität besitzt als der herkömmliche fäkale Hämokkult-Test [11]. Ausserdem wurde mit dem immunochemischen fäkalen Hämokkult-Test in einer israelischen Studie, an der 1'000 Individuen mit einem erhöhten Neoplasierisiko oder Symptomen teilnahmen, für fortgeschrittene Adenome eine Sensitivität von 67 Prozent und eine Spezifität von 91,4 Prozent verzeichnet, während für Karzinome sogar eine Sensitivität von 87,5 Prozent und eine Spezifität von 94,1 Prozent erreicht wurde [12]. Bezüglich der diagnostischen Zuverlässigkeit des fäkalen DNA-Tests ergaben zwei US-amerikanische Studien mit asymptomatischen Personen im Vergleich zum herkömmlichen fäkalen Hämokkult-Test eine höhere Gesamtzahl an entdeckten Karzinomen und Polypen, wobei sich aber der genetische Test bei der Identifikation von Adenomen lediglich in einer dieser Studien als überlegen erwies [13, 14].
Colon irritabile
Der 5-HT3-Antagonist Alosetron, welcher in den USA – wie später auch Tegaserod – vom Markt zurückgezogen wurde, ist seit November 2002 unter bestimmten Auflagen zur Behandlung von Frauen mit einem chronischen, von Diarrhö geprägten Colon irritabile zugelassen. Die Auswertung der gewonnenen Verträglichkeitsdaten von 21'600 behandelten Patientinnen ergab, dass unter der Therapie mit Alosetron lediglich in 50 Fällen schwerwiegende Nebenwirkungen auftraten, wovon es sich in 14 Fällen um eine ischämische Colitis handelte [15]. Selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer werden neben der Behandlung von Depressionen auch zur Behandlung des Colon irritabile erfolgreich eingesetzt. Vor diesem Hintergrund ist eine neue Fallkontrollstudie von Interesse, die bei der Anwendung dieser Wirkstoffe ein erhöhtes Risiko für eine mikroskopische Colitis zeigte [16].
Das nicht-resorbierbare Antibiotikum Rifaximin, das in einer Doppelblindstudie bei 399 Patienten mit einer in Mexiko, Guatemala oder Indien erworbenen Reisediarrhö eine deutlich schnellere Symptomlinderung bewirkte als Plazebo, scheint auch beim Colon irritabile eine wirksame Behandlungsoption darzustellen [17]. So führte die nur zehntägige Behandlung mit Rifaximin in einer US-amerikanischen Doppelblindstudie mit 87 Patienten mit einem Colon irritabile nach einer Nachbeobachtungsdauer von 10 Wochen zu einer signifikant stärkeren Verbesserung der Symptome als Plazebo [18].
Zur Bedeutung der akuten Gastroenteritis bei der Pathogenese von funktionellen Darmerkrankungen zeigten eine US-amerikanische und eine spanische Studie, dass das Risiko für ein Colon irritabile nach einer durch Escherichia coli hervorgerufenen Reisediarrhö oder einer Salmonellen-Gastroenteritis deutlich erhöht war [19, 20]. Im Einklang mit diesem Ergebnis wurde auch in einer kanadischen Studie im Anschluss an eine Trinkwasserkontamination mit Escherichia coli und Campylobacter jejuni bei den Personen, die an einer Gastroenteritis erkrankten, signifikant häufiger ein Colon irritabile festgestellt als in der Kontrollgruppe ohne durchgemachte Gastroenteritis [21]. Einen gewissen Einfluss der Darmbakterien auf die Entwicklung der funktionellen Dyspepsie lässt eine kleine Studie mit 41 Teilnehmern vermuten, in welcher bei den Personen mit einer Dyspepsie signifikant häufiger eine Enterovirus-Infektion des Magenantrums nachgewiesen wurde als bei den Personen ohne Dyspepsie [22].
Als neuer medikamentöser Behandlungsansatz wurde im Rahmen einer doppelblinden Dosisfindungsstudie mit 129 an chronischer Verstopfung leidenden Patienten die Wirksamkeit von Lubiproston geprüft, das nach einer dreiwöchigen Behandlungsdauer im Vergleich zu Plazebo zu einer signifikanten Zunahme der spontanen Darmentleerungen führte [23]. Ausserdem zeigte eine weitere doppelblinde Dosisfindungsstudie mit 246 Patienten mit einem von Diarrhö geprägten Colon irritabile, dass die zwölfwöchige Behandlung mit dem pflanzlichen Wirkstoff Crofelemer gegenüber Plazebo bei einer zwar nur geringfügigen Verbesserung der Stuhlfrequenz eine signifikante Linderung der Schmerzen bewirkte [24].
Prof.
Dr. med. Peter Bauerfeind
Literatur