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Text: Mark Nonkes, World Vision
Flinke Fingern nähen aus verschiedenen Stoffstücken edle Designerjeans zusammen – und das im Eiltempo. Die Frauen arbeiten tief über ihre Nähmaschinen gebeugt. Über ihnen blendet das grelle Licht der Neonröhren. Unter den 20 Frauen ist auch Bithi – als sie angefangen hat, hier zu arbeiten, war sie gerade mal 12 Jahre alt. Bithi ist eines von Tausenden von Kindern aus Bangladesch, die in Kleiderfabriken arbeiteten, anstatt in die Schule gehen zu können.
Alltag in der Fabrik
Jeden Tag half Bithi, mindestens 480 Paar Hosen für 83,3 Taka, umgerechnet 1 Franken, herzustellen. Elende Armut und ein kranker Vater zwangen Bithi's Familie, die beiden ältesten Töchter in die Kleiderfabriken zu schicken, um Designerkleidung zu nähen, die in Geschäften in Kanada, den Vereinigten Staaten und anderen Ländern mit hohem Einkommen verkauft werden sollten. «Am ersten Tag fühlte ich mich schlecht. Es war nicht gut. Ich fühlte mich zu klein. Um mich herum waren nur ältere Frauen. An diesem ersten Tag habe ich geweint», erinnert sie sich. Das war vor acht Jahren, als Bithi 12 Jahre alt war. Jetzt ist es Routine. Tränen vergiesst Bithi keine mehr.
In gewisser Weise ist Bithi dankbar für die Arbeit. Sie arbeite in einer guten Fabrik, sagt sie. Ihr Chef, der 24-jährige Muhammad Shoel Rana, sagt, Bithi sei eine gute Arbeiterin. Er beförderte sie schnell von der Fabrikhelferin zur Schneiderin.
Seine Fabrik ist klein und erhält Aufträge von anderen grösseren Bekleidungsfabriken. Über Kinderarbeit wird hier nicht gesprochen, wie an so vielen anderen Orten Bangladeschs auch nicht. Das Thema wird stillschweigend unter den Teppich gekehrt.
Bithi träumt
Für Bithis Mutter, die 39-jährige Feroza, war es nicht einfach, ihre Töchter zur Arbeit zu schicken. «Wir hatten nichts zu essen, nicht einmal Reis. Wenn ich an diese Tage zurückdenke, muss ich weinen», erinnert sich Feroza. Die achtköpfige Familie lebt in einem kleinen Ein-Zimmer-Haus. Feroza schickte ihre Töchter in die Fabrik als ihr Mann krankheitsbedingt bettlägerig wurde. Arbeiten konnte er nicht mehr. Eineinhalb Jahre kümmerte sich Feroza um den Haushalt, zog die sechs Kinder auf und führte nebenbei ein Taschengeschäft. Das kleine Einkommen, dass sie da verdiente, reichte nicht aus. Essen bekam die Familie oft von freundlichen Nachbarn oder Familienmitgliedern. Viele Nächte aber weinten sich die Kinder vor Hunger in den Schlaf.
Feroza entschied sich, das zu tun, was auch ihre Eltern vor ihr taten: Ihre Töchter in die Fabrik schicken, um Geld zu verdienen. «Ich war traurig, aber ich musste realistisch sein», sagt sie.
Bithi besuchte zuvor die Non-formal Primary Education School, die Teil des World Vision-Projekts für Strassenkinder ist. Früher besuchte sie das Zentrum täglich auf dem Heimweg von der Arbeit. Es war der Höhepunkt ihres Tages, sagt sie.
Wenn Bithi gleichaltrige Mädchen in ihren blau-weiss karierten Schuluniformen sieht, schmerzt sie das. Früher träumte sie davon, Ärztin zu werden. Den Traum hat sie aufgegeben. Heute hat sie einen neuen Traum: auf eigenen Füssen zu stehen.
Die Ausbeutung von Kindern verstösst gegen die weltweit gültigen Kinderrechte. Statt durch Arbeit ihre Kindheit zu verlieren, brauchen Kinder eine Chance auf Bildung und Ausbildung. Mit einer Patenschaft ermöglichen Sie einem Kind genau das: eine Zukunft mit Perspektive.