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Schon eine Woche ist es her, seit ich in Lenzerheide an der Heimweltmeisterschaft gestartet bin und habe es nun doch noch geschafft, meinen Rennbericht zu schreiben.
Über das Endresultat gibt es nicht viel zu schreiben, nur dass ich über meinen 39. Rang sehr enttäuscht war. Aus diesem Grund musste ich mich in den Tagen nach der Weltmeisterschaft mental etwas sammeln und versuchen, mich an die erfolgreichen Momente dieser Saison zu erinnern. Nach längerer Reflektion kam ich trotzdem zum Schluss, dass das Rennen auf der Lenzerheide viele positive Punkte hatte und von diesen möchte ich jetzt etwas erzählen und den Leser/die Leserin so in die Vorbereitung eines Athleten mitnehmen.
"Dies war auch die Saison, in welcher ich nach meiner erfolgreichen Beinverlängerungsoperation wieder mit dem Training anfangen konnte und ich am Weltcuprennen auf der Lenzerheide noch als Zuschauer am Streckenrand stand."
Vor vier Jahren habe ich als Junioren-Fahrer erfahren, dass auf der Lenzerheide, in der Saison 2018, die Weltmeisterschaften stattfinden werden. Dies war auch die Saison, in welcher ich nach meiner erfolgreichen Beinverlängerungsoperation wieder mit dem Training anfangen konnte und ich am Weltcuprennen auf der Lenzerheide noch als Zuschauer am Streckenrand stand. Obwohl ich damals noch an keiner Weltmeisterschaft gestartet und mein grösster Erfolg ein 21. Rang am Junioren-Weltcup in Dänemark war, wünschte ich mir nichts mehr, als an dieser Heimweltmeisterschaft starten zu können.
"Mein grosses Ziel im Hinterkopf war auch damals noch die Heimweltmeisterschaft."
In der Saison darauf startete ich zum ersten Mal in der U23-Kategorie und nachdem ich das Gymnasium abgeschlossen hatte, war der UCI MTB Weltcup auf der Lenzerheide eines meiner ersten Rennen als „MTB-Profi“. Dieses Rennen beendete ich mit einer Runde Rückstand auf dem 73. Rang. Obwohl ich in jenem Jahr noch an keiner Weltmeisterschaft teilnehmen durfte, war ich mit meiner ersten U23-Saison sehr zufrieden, denn ich konnte mich schrittweise nach vorne arbeiten und mich im WHEELER Pro Team sehr gut einleben. Mein grosses Ziel im Hinterkopf war auch damals noch die Heimweltmeisterschaft. Auch das WHEELER Pro Team unterstützte uns Fahrer tatkräftig und man wollte so viele Teamfahrer wie möglich an die Heimweltmeisterschaft bringen. Diese wertvolle Unterstützung war mit ein Grund dafür, dass ich damals weiter für dieses Team fahren wollte.
"Nach diesem super Rennen und der sehr erfolgreichen Saison 2017 wollte ich nicht nur an der Heimweltmeisterschaft teilnehmen, sondern ich wollte dort auch mit einem starken Resultat abschneiden."
Im Gegensatz zu meinem 73. Rang am UCI MTB Weltcup auf der Lenzerheide in der Saison 2016 fuhr ich in der Saison 2017 dort mein stärkstes Rennen der Saison und beendete das Rennen auf dem tollen 15. Rang und qualifizierte mich damit für meine erste Weltmeisterschaft, meine erste Europameisterschaft und zugleich wurde ich für die kommende Saison in die U23-Nationalmannschaft aufgenommen. Nach diesem super Rennen und der sehr erfolgreichen Saison 2017 wollte ich nicht nur an der Heimweltmeisterschaft teilnehmen, sondern ich wollte dort auch mit einem starken Resultat abschneiden. Damit machte ich mir natürlich mehr Druck für die kommende Saison und die Heimweltmeisterschaft, aber mit diesem Druck motivierte ich mich zusätzlich und absolvierte die vielen Trainingseinheiten, welche mich noch schneller und besser machen würden.
"Habe ich mich im Winter wirklich richtig vorbereitet und kann ich meine Leistung noch einmal steigern?"
Mit dem Start in die Saison 2018 fanden bald auch die Qualifikationsrennen für die Heimweltmeisterschaft statt. Habe ich mich im Winter wirklich richtig vorbereitet und kann ich meine Leistung noch einmal steigern? Solche Fragen gingen mir damals durch den Kopf. Das Qualifikationskriterium war mindestens ein Top-15 Ergebnis an einem UCI MTB Weltcup. Beim ersten Rennen der Saison 2018 in Stellenbosch (RSA) verpasste ich dieses Ergebnis noch, aber mit dem 22. Rang war der Start in die Saison geglückt. In Albstadt (GER) stürzte ich am Start und verpasste die Top-15 erneut, aber ich wusste, dass ich sehr gut in Form war und eine Woche später am Rennen in Nové Město (CZE) gelang mir der Exploit und ich kämpfte bis zur letzten Runde um ein Top-5 Ergebnis mit und am Ende beendete ich das Rennen auf dem sehr guten 8. Platz. Yeah, bestes Weltcup-Ergebnis und zugleich das Qualifikationskriterium erreicht. Einige Wochen danach wurden die Selektionen bekannt gegeben und ich war tatsächlich bei der Heimweltmeisterschaft auf der Lenzerheide dabei. Beim Weltcup-Finale in La Bresse (FRA) gelang mir noch einmal ein super Rennen und ich fuhr nahezu gleich schnelle Runden wie der spätere Sieger. Trotz diesen Rundenzeiten und meinem 8. Rang in Nove Mesto war ich noch lange in keiner Favoritenrolle, aber ich wusste, wenn alles optimal verläuft, kann ich an der Weltmeisterschaft vorne mitfahren.
Auf Grund dieser geschilderten Schlüsselstellen meiner bisherigen Karriere wurde in weniger als vier Jahren aus dem Ziel an der Heimweltmeisterschaft teilnehmen zu können, das Ziel, vor Heimpublikum sogar auf dem Podest zu stehen. Dieses ambitionierte Ziel setzte ich mir selber und ich spürte, dass mich viele Personen auf diesem Weg unterstützten und auch diese wollte ich auf keinen Fall enttäuschen.
Jetzt stehe ich mit mehr als 100 Athleten aus der ganzen Welt in der zweiten Startreihe und warte auf den Startschuss. Nur noch fünf Minuten! Die Wochen vor dem Rennen verliefen wie gewünscht und die Beine fühlten sich beim Einfahren super an. Jetzt kann das Rennen beginnen.
"Neunzig Minuten Vollgas!"
„Riders, the start will be within the next fifteen seconds“. Noch einmal tief einatmen, den Startknopf auf meinem Bike-Computer drücken und den Blick nach vorne auf die Startgerade richten.
Der Startschuss ertönt und das Rennen beginnt. Neunzig Minuten Vollgas! Der Start gelingt mir super und angefeuert von den Tausenden von Zuschauern erreiche ich die erste Schlüsselstelle in den Top-15. Optimal positioniert und genau so wie ich es mir vorgenommen habe. Vor diesem Start hatte ich am meisten Respekt und jetzt habe ich diesen perfekt gemeistert. In diesem Moment löste sich der ganze Druck und die Anspannung bei mir, doch plötzlich funktionierte nichts mehr. Meine Beine fühlten sich immer noch kraftvoll an und ich hörte die tobenden Fans im Hintergrund, aber ich war in meiner eigenen Welt und konnte nichts Entscheidendes mehr machen.
"Ich bin nun um viele Erfahrungen reicher geworden und kann auf eine tolle Saison zurückblicken."
Nach etwas weniger als 90 Minuten erreichte ich das Ziel. Normalerweise gebe ich dem Nationaltrainer direkt nach dem Rennen ein kurzes Feedback, doch bei diesem Rennen wusste ich überhaupt nicht, was genau in den letzten neunzig Minuten passiert ist. Ich habe mich noch nie so komisch gefühlt, der Wille und der Kampfgeist waren da, aber es ging einfach nichts.
Normalerweise kann ich solche Rennen gut abhaken und nach vorne schauen, aber bei diesem –für mich so wichtigen Rennen- hat es etwas länger gedauert. Ich bin nun um viele Erfahrungen reicher geworden und kann auf eine tolle Saison zurückblicken. Dies alles gibt mir auch die nötige Kraft, weiterhin meine hochgesteckten Ziele zu verfolgen.
Ich hoffe, dass ich ihnen mit diesem Blog-Post zeigen konnte, was das Rennen auf der Lenzerheide für mich bedeutet hat und wie viel Schweiss, Blut und Tränen für die Vorbereitung in dieses Rennens geflossen sind. Vielen Dank an meine Familie, mein Team, die Sponsoren, Freunde und alle anderen Personen, welche mich auf diesem Weg begleitet und an mich geglaubt haben und mir auf dem Weg zu diesem ambitionierten Ziel geholfen haben. Das war einfach unglaublich und es ist sehr motivierend, wenn ich sehen kann, welche Schritte ich in den letzten vier Jahren machen konnte.