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(Die politischen Kommentatoren der Romandie haben beispielsweise nach jeder verlorenen bundesweiten Volksabstimmung die Angewohnheit, die Restschweiz als Agglomeration von Zürich zu bezeichnen.) Diese Verbriefung einer geänderten Selbstwahrnehmung der sozialen Organisation produzierte auch eine Reihe ideologischer Effekte. So schrieb der Tagesanzeiger, die grösste Tageszeitung der Schweiz, beispielsweise:
"Die Schweiz ist kein *Heidiland. 70 Prozent der Bevölkerung wohnt in Kernstädten und Agglomerationen, allein im Grossraum Zürich leben eine Million Menschen. In der Bundesverfassung, die eine Schweiz von 1874 abbildet, ist diese verstädterte, urbane Schweiz bis jetzt nicht präsent. Die Städte sind mit keinem Wort erwähnt, ein blinder Fleck in der Bundespolitik, wie Joseph Estermann, der Stadtpräsident von Zürich, sagt. Heute seien es vorwiegend ländliche Muster, die in Bern zählten, der urbane Raum werde allenfalls als Problem, aber nicht als eigener Wert wahrgenommen. Die Schweiz sei doch kein Land von Berglern, so Estermann. Wir sind nicht mehr alle Geissenpeter.
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Ausschnitt aus: Artikulation im hybriden *Raum
Freitag Jan
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Im 19. Jahrhundert führte die Industrialisierung und* touristische Erschliessung der Alpen zu einer Verschiebung in der semantischen Kodierung. Der *utopische Gehalt, insbesondere in der Gesellschaftskomponente, schwächte sich zu einer idyllischen Bergwelt ab. Alltagsentlastung und Heilung wurden gegenüber dem 18. Jahrhundert verstärkt betont: "Nach wie vor werden alljährlich die ungezählten Tausende zu ihr [der Alpenwelt] emporpilgern wie zu einer Heilstätte und sich dort die Arznei holen für das, was das moderne Leben an ihnen verbrochen hat und verbrechen wird" (Noë 1887: 696). Diese Funktionalisierung akzentuiert für das Berggebiet das *Diskursmuster Natur-Freizeit-Erholung.
Heimatfilme, Bildbände, Postkarten und populäre Bergromane haben die Botschaft einer heilen und in nationalen* Diskursen oft auch *heimatlichen Bergwelt popularisiert. Das "wir" im Einleitungszitat ist beredtes Zeugnis einer kollektiven Verankerung dieses Alpenbildes. Touristische Werbeprospekte arbeiten noch bis heute mit den gängigen *Metaphern: Das "liebliche Ferienparadies" des Thunersees ist gemäss Ferienprospekt von 1994 umgeben von "blumigen Wiesen, kühlen Wäldern und felsigen Schluchten", wo eine "Fülle schöner Wandermöglichkeiten inmitten einer beinahe unberührten Fauna und Flora" besteht (Verkehrsverband Thunersee 1994). Durch diese von Tourismusfachleuten inszenierte Postkartenidylle und entsprechende touristische Angebote werden die Erwartungen der Reisenden nach einem schönen Landschaftsbild und einer gelebten ländlichen Kultur kanalisiert. Dabei reicht die Inszenierung von der Destinationsbezeichnung wie beispielsweise "*Heidiland", über Bauvorschriften und alpine Architektur im Chaletstil, die Kleidung des Servicepersonals bis hin zu folkloristischen Events.
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Ausschnitt aus: Von der Bergeslust und anderen Selbstverständlichkeiten kulturtopographischer *Räume
Stremlow Matthias