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Name: martin Permalink: http://tierrechtsforen.de/1/7406/9491

Datum: 22.05.11 20:37
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> das ging bei mir dann vom einen auf den anderen Tag,
Das darfst du aber nicht zu laut sagen. Sonst wirst du von Kaplanisten und anderen Reformisten darüber belehrt, dass du nicht existierst. (Um Missverständnisse zu vermeiden: Das war Ironie.)
> zu erwähnen, dass mein Anspruch an mich als vegan lebendes
> Individuum sich vermutlich mit dem euren an euch deckt,
Wobei es eigentlich nicht "unser" Anspruch ist, sondern die auf Donald Watson zurückgehende Definition.
> Also, ich hab' Singers "Praktische Ethik" als einziges Werk
> von ihm und übrigens auch als so ziemlich einziges Werk der
> Tierrechtsszene
Um Tierrechte geht es dort, wie auch sonst bei Singer, nicht. Eher um Tierschutz.
> und ja, auch wenn ich gerade bei Singers
> Interview-Kommentaren reichlich geschockt bin, über so viel
> inkonsequenz, neuerdings(?!),
Inkonsequent ist er nicht und auch nicht neuerdings. Seine utilitaristische "Tiere haben kein Lebensinteresse"-Position hat er von Anfang an (also seit Anfang der 1970er) vertreten und nie wesentlich geändert. Insofern ist er recht konsequent, nur ist er kein Tierrechtler und kein Veganer, wie immer wieder behauptet wird.
> Aber ein großer Punkt den das Buch
> für mich geleistet hat, und auf den ich momentan den größten
> Teil meiner Ethischen Ideologie aufbaue ist die Idee der
> "Interessengleichheit".
Ein sinnvolles Prinzip, dass er allerdings weder erfunden noch gepachtet hat. Sich darauf zu beziehen geht auch ohne Singer.
> Sprich: Ich glaube nicht, dass es irgendein Recht für
> irgendjemanden, beispielsweise auf "Leben" gibt, aber jedes
> Wesen, dass dieses "Interesse teilt" (was natürlich überaus
> abstrakt anmutet) hat das gleiche Recht wie jedes andere
> Individuum auch,
In dem ersten Satzteil scheint etwas zu fehlen. Du meinst wohl, es gibt kein gott- oder naturgegebenes Recht. Das ja, aber wenn ein Lebewesen ein Interesse hat, sollte es dann wiederum auch ein Recht darauf bekommen.
> So, und nun kommt noch die (in euren Ohren vermutlich
> speziezistische) Überlegung dazu, dass Individuen abhängig
> von ihrem Bewusstsein, vor allen Dingen, unterschiedliche
> Interessen haben, und man diese von Individuum zu Individuum
> anders gewichten muss,
Warum sollte das speziesistisch sein? Diese Position ist eigentlich Standard unter Tierrechtlern. So würde niemand ein Wahlrecht für nichtmenschliche Tiere fordern, weil sie eben kein Interesse an Politikpartizipation haben. Gleiheit heißt sowohl gleiches gleich zu behandeln (z.B. Lebensinteresse) als auch ungleich ungleich (z.B. Wahlrecht).
> Anwendung findet meine ich vor allem Fälle wie:
> Abtreiben muss prinzipiell erlaubt sein.
Nunja, dass Abtreibung nicht grundsätzlich verboten werden sollte, meinen alle vernünftigen Menschen (ein paar Theisten ausgenommen). Die Frage ist jedoch, bis zu welchem Alter des Fötus es erlaubt sein soll. Hier gehen die Meinungen auseinander.
> Ich würde, gäbe es garkeine andere Möglichkeit der Ernährung
> (sehr unwahrscheinlicher Fall), jagen gehen.
Was hat das mit der Interessengleichheit zu tun?
> Es ist keine unheimliche Tragödie, wenn ich versehentlich mit
> meinem Fahrrad auf dem Weg irgendwohin nach einen Regen, mal
> einen Regenwurm oder eine Schnecke überfahre.
Genauso wenig, wenn du einen erwachsenen Menschen überfährst. Der Grund ist allerdings nicht unterschiedliches Interesse, sondern dass beides ein Unfall ist.
> der das gern kommentieren möchte, falls nicht, würde ich euch
> zumindest darum bitten mir, Bücher/AutorInnen zu nennen, die
> eine glaubwürdige Ethik vertreten und meinem grob skizierten
> Modell überlegen sind, in euren Augen.
Sieh dich hier mal um, aber lies vorher die Texte zu den Büchern, da nicht alle Empfehlungen sind und auch die Empfehlungen kritisch betrachtet werden dürfen und sollen.