Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03390.jsonl.gz/2195

Begehrte "Horlogers"
Die Uhrenindustrie in der französischen Franche-Comté trocknet aus. Die meisten Uhrmacher suchen und finden eine Stelle in der benachbarten Schweiz.
Zwar bremst die aktuelle Wirtschaftsflaute diese Tendenz etwas. "Doch", sagt Frédéric Humbert-Droz, Direktor der Uhrmachergesellschaft Réparalux in Besançon, "in den letzten Jahren gingen jeweils etwa 25 von 30 Uhrmacher- Lehrlingen an der Ecole nationale de Morteau gleich nach dem Abschluss in die Schweiz. Der Weg ist nicht allzu weit, die Franche-Comté grenzt an den Schweizer Jura.
Verlockende Löhne
Dieser Massenexodus war die Konsequenz des exzellenten Gesundheits-Zustands der Schweizer Uhrenindustrie in den letzten Jahren. Wegen der hohen Nachfrage und des Mangels an Schweizer Uhrmachern rekrutierte die heimische Industrie viel Personal jenseits der Grenze.
Mit den Schweizer Löhnen kann die Uhrenindustrie in der Franche-Comté am oberen Doubs nicht mithalten. "Selbst mit einem für Schweizer Verhältnisse relativ tiefen Lohn von 4000 Franken pro Monat verdient ein junger Uhrmacher fast doppelt so viel, wie in der Franche-Comté", sagt Humbert-Droz.
Die Schweizer Angebote sind umso interessanter, als die Angestellten in Frankreich wohnen bleiben und als Grenzgänger arbeiten können. Vor allem junge Uhrmacher folgen dem Ruf des Geldes. "Für einen Familienvater ist es hingegen schwieriger, sein Leben total umzukrempeln", sagt Humbert-Droz.
Andere Optionen gesucht
Um ihre Angestellten zu halten, bieten die Uhrmacher in der Franche-Comté nun langfristige Karriereplanungen und eine vielseitige Ausbildung an. "Um ein kompletter Uhrmacher zu werden, braucht man zehn Jahre Erfahrung", sagt Humbert-Droz. "In der Schweiz bekommt ein Uhrmacher nicht unbedingt einen Einblick in alle Gebiete. Bei uns soll er alles lernen."
Der französische Uhrmacher Emile Péquignet hat keine Angst um die Uhrenindustrie in der Franche-Comté. "Es ist schon immer auf und ab gegangen", sagt er. "Als ich meine Werkstatt in den 70er-Jahren gründete, während der Krise der Uhrenindustrie, stellte ich nur französische Uhrmacher ein, die in der Schweiz eben entlassen worden waren."
In den letzten Monaten schwächte sich die Wirtschaftslage in der Schweizer Uhrenindustrie ab. Deshalb präsentiert sich der Arbeitsmarkt in der Franche-Comté nicht mehr ganz so prekär.
Murren über 35-Stunden-Woche
Dass die 35-Stunden-Woche in Frankreich helfe, die jungen Uhrmacher in der Franche-Comté zu halten, sei ein Irrglaube. Im Gegenteil, offensichtlich bevorzugen sie es, in der Schweiz mehr zu arbeiten - und mehr zu verdienen, sagt Thierry Frésard, Chef von Saint-Honoré, einer wichtigen französischen Uhrenmarke.
Mehr oder weniger offen murrt deshalb die Uhrenindustrie in der Franche-Comté über die 35-Stunden-Woche. Damit sei ein Gleichgewicht zwischen den Uhrenindustrien in der Schweiz und Frankreich in weite Ferne gerückt.
swissinfo und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Diskutieren Sie mit!