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Verhüttung:
Die gesonderte Behandlung der unterschiedlichen Erze und die Darstellung der verschiedenen chemischen Vorgänge von den Erzen bis zu den Metallen würde hier zu weit führen. Ebenso soll hier auch die moderne Verhüttung mit ihren verfeinerten, raffinierten Methoden unbeachtet bleiben. Aus diesem Grund befassen wir uns hier nur mit dem früher meistgesuchtesten Erz des Schwarzwaldes, dem silberhaltigen Bleiglanz und seiner mittelalterlichen Aufbereitung:
Das geförderte Erz wurde zunächst einmal von Hand geschieden, das heißt, taubes Gestein wurde vom Erz abgeschlagen. Es erfolgte somit eine Anreicherung.
Danach wurde das so angereicherte Erz gepocht (zerkleinert). Hierzu wurden zumeistmit Wasserkraft betriebene Stößel verwendet, die das Erz mehr oder weniger pulverisierten.
Dieses Pulver wurde gewaschen und die leichteren Gesteinsanteile wurden dabei abgeschwemmt. Es handelte sich hier um eine vergleichsweise primitive Flotation, in welcher das schwere Erz von den leichteren, unbrauchbaren Gesteinen abgeschieden wurde. Durch die Unvollkommenheit dieser Trennmethode finden wir in den Schwemmfächern der Schwarzwaldflüsse in der Rheinebene, aber auch in den langen Erlen in Basel immer noch erhebliche Schwermetallkonzentrationen vor. Nach der Trocknung wurde diese Schlämme auf speziellen Röstherden geröstet. Durch die Hitze wurde der Schwefelgehalt des Bleiglanzes (PbS) ausgetrieben: Eine wüste Umweltverschmutzung, denn der Schwefel ging als SO2 in die Luft und zerstörte in der unmittelbaren Umgebung die Wälder, soweit sie durch den Grubenbetrieb ohnehin nicht gerodet waren. Nach dem Röstvorgang lag nun Bleioxid vor.
Röststadel (nach Agricola)
Dieses Oxid wurde durch den Schmelzvorgang in einem weiteren, speziellen Ofen mit Holzkohle reduziert und es bildete sich elementares Blei, in welchem das begehrte Silber diffus verteilt war.
Schmelzöfen (nach Agricola)
Auf sogenannten "Treibherden" wurde dieses Blei wieder verflüssigt und mit einem Blasebalg wurde Luft und damit Sauerstoff auf die Oberfläche aufgeblasen. Hierdurch oxidierte das Blei wieder zu Bleiglätte (Bleioxid). Das Silber überstand diesen Vorgang schadlos und verblieb im restlichen, flüssigen Blei. Die weiße Bleiglätte wurde fortlaufend mit einem Eisenwerkzeug abgezogen. So wurde das Blei immer weniger, während sich das Silber am Boden des betreffenden Gefäßes anreicherte. Ganz zuletzt, als nur noch ein dünnes Häutchen Blei übrig war, sah man darunter das Silber. Man konnte nun zwei Oberflächen sehen und hatte den so genannten“Silberblick”. Diesen Ausdruck verwendet man in der Umgangssprache heutzutage in anderer Hinsicht......
Das Bleioxid wurde nun wieder mit Holzkohle reduziert und zu Verglasungen, Bleirohren, Gewehrkugeln u.a. verwendet.
Das Silber wurde zu den Münzstätten gebracht und dort vermünzt. Zur Vermünzung des Silbers wurde im Mittelalter zunächst ein dünnes Silberband hergestellt, welches knapp 15 mm breit war. Dieses wiederum wurde in quadratische Stücke geschnitten und anschließend mit einem runden Münzstempel geprägt. Auf diese Weise entstanden Münzen mit vier kleinen Ecken, die so genannten "Vierzipfler" des Mittelalters. Später waren die Münzen rund und besaßen einen geriffelten Rand, und das vielleicht aus folgendem Grund: Es gab manchmal Gauner, welche diese "Zipfel" abschnitten und wenn sie genug davon hatten, verkauften sie das Silber. Wurde ein "Pfennigschroter" erwischt, dann musste er mit drastischen Strafen rechnen. In Straßburg zum Beispiel wurden "Pfennigschroter mit dem Kessel gerichtet". Das bedeutet, sie wurden an den Füßen aufgehängt und kopfüber in kochendes Wasser getaucht....................
Mittelalterliche Münzen aus Schwarzwaldsilber:
. . "vierzipfeliger" Lindwurmpfenning, 13. Jhdt. Freiburger Rappen um 1290 Basler Vierer, Seite 1 Basler Vierer, Seite 2
Im Jahr 1342 gründeten der österreichische Herzog, die Städte Zürich und Basel sowie der Basler Bischof zur Vereinheitlichung der Münzen und den damit verbundenen wirtschaftlichen Erleichterungen den Rappenmünzbund - eine Währungsunion 600 Jahre vor dem Euro!Unter Anderem regelte ein strenges Gesetz den Umgang mit dem Schwarzwald- und Vogesensilber und dessen Reinheit. Der Bund wuchs bis zum Jahr 1403 auf 80 Mitglieder an (zumeist Städte). Das Gewicht der Pfennigmünze betrug etwa 0,15 Gramm Silberfeingewicht. Jede Münzstätte prägte Münzen mit gleichem Gewicht und ähnlicher Reinheit. Jede Stätte hatte aber ihr eigenes Prägezeichen. Freiburg zum Beispiel hatte als Zeichen einen Adler, der im Volksmund auch als "Rabe" bezeichnet wurde. Daraus entstand die Bezeichnung "Rappen" - auch heute noch die kleinste Münzeinheit der Schweiz.
einige Partnerstädte des Rappenmünzbundes:
Die heutige Verhüttung findet nicht mehr am Ort der Gewinnung statt. Vor einigen Jahren arbeitete die Grube Gottesehre bei Urberg auf Fluorit. Das Material wurde auf der Straße in den Hafen von Rheinfelden gebracht, von dort nach Karlsruhe verschifft, wo es flotiert und weiterverarbeitet wurde. Nachdem inzwischen auch die Grube Käfersteige die Abbautätigkeiten eingestellt hat, ist die Grube Clara bei Wolfach nunmehr die einzige Grube im Schwarzwälder Revier, die noch in Förderung steht. Die Abbaue sind durch Stollen mit einem solch grossen Querschnitt erschlossen, dass Lastwagen hineinfahren können. Über einen gewendelten Förderstollen fahren diese direkt zum Abbauort, wo sie beladen werden. Sie transportieren die Erze nach Kirnbach, direkt südlich von Wolfach, wo sie gebrochen und zu einem verkaufsfähigen Mehl gemahlen werden. Dort kann man an Wochentagen gegen eine Gebühr auch heute noch Mineralien sammeln, die direkt aus der Grube kommen. Die Grube Clara ist, was die Anzahl der verschiedenen Mineralien anbelangt, eine der reichsten Gruben der Welt. Viele Mineralien wurden dort entdeckt und viele können auch nur dort gefunden werden.
In den übrigen Grubenbezirken müssen sich die Mineraliensammler auf Haldenfunde beschränken. Einige Mutige wagen sich (illegal) in die manchmal noch offenen Stollen hinein. Die fündigen Stellen sind aber zumeist von früheren Besuchern ausgeräumt. Eine derartige Stollenbefahrung ohne ausreichende Erfahrung und einwandfreie, immer wieder überprüfte Spezialausrüstung ist aber gefährlich. Mit Kletterausrüstung und entsprechender Klettertechnik gilt es, Schächte und Abbauhohlräume zu überwinden. Das Mitführen von geeignetem, zuverlässigen Licht und Ersatzteilen ist lebensnotwendig. Nicht zu unterschätzen ist auch die Gefahr, die von Versatzmauern (lose aufgesetztes Gestein) oder von brüchig gewordenen Nebengesteinspartien ausgeht. Besonders am Mundloch kann der Frost das Gestein sprengen und ein Einbruch kommt normalerweise ohne jede Vorwarnung. Wer einen Stollen von Innen besichtigen will, dem stehen mehrere gesicherte Besucherbergwerke zur Verfügung:
Teufelsgrund Münstertal, Finstergrund Wieden, Eisenbergwerk Neuenbürg, Hella-Glückstollen Neubulach. Im Suggental und im Eberbächle bei Freiamt sind private Vereine daran, die mittelalterlichen Stollen aufzuwältigen. Einmal im Jahr führen sie im Rahmen eines Tages der offen Tür auch Fremde in die Stollen. Im Museumsbergwerk Schauinsland arbeitet die Forschergruppe Steiber an der Aufwältigung der alten Stollen und Schächte. Dort können Gruppen gegen einen Beitrag unter Anderem an neuen, sicheren Fahrten einen 50 m tiefen Schacht abklettern und in eingeschränktem Mass nach Mineralien suchen.
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