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Die Schweiz hat sich seit dem 19. Jahrhundert doppelt so stark erwärmt wie der Globus, zumindest gemäss den offiziellen Daten. Die Menschen in unserem Land spüren aber bisher kaum etwas von den schlimmen Folgen, zu denen die Erwärmung angeblich führt: Es stimmt nicht, dass es immer mehr Naturkatastrophen wie Felsstürze oder Überschwemmungen gibt.
Nur eine unübersehbare Folge beunruhigt viele: das Schwinden der Gletscher. Weil sie damit die Gefühle des Volkes ansprechen können, werben die Aktivisten, die den Ausstieg der Schweiz aus den fossilen Energien fordern, für ihre Gletscher-Initiative. Der Titel ist ein Etikettenschwindel, denn wir könnten, selbst wenn wir in der Schweiz mit hohen Kosten als Vorbild vorangingen, den Gletscherschwund nicht aufhalten. Vor allem aber stellt sich die Frage: Gehen die Gletscher tatsächlich aufgrund einer menschengemachten Klimaerwärmung zurück?
Die Landschaft, in der wir leben, ist von Gletschern geformt: In den immer wiederkehrenden Eiszeiten machten sie das Gebiet der heutigen Schweiz zur Eiswüste. Nach dem Ende der bisher letzten Eiszeit vor 12‘000 Jahren stieg die Temperatur aber stark an; im Optimum (!) des Mittelholozäns vor 8000 bis 4000 Jahren lag sie um bis zu 4 Grad über den heutigen Werten.
Die Gletscher zogen sich deshalb schnell zurück. Davon zeugen archäologische Funde, etwa auf dem Schnidejoch zwischen Berner Oberland und Wallis, das in den letzten Jahrhunderten unpassierbar war, und vor allem der berühmteste unserer Zeit: 1991 fanden Wanderer auf dem Tisenjoch in Südtirol im Gletschereis eine Mumie – die Welt kennt sie jetzt als Ötzi. Der Mann wollte vor rund 5250 Jahren über den Pass steigen, wurde aber ermordet. Seine Leiche verschwand danach, weil sich das Klima abkühlte, für Jahrtausende im Eis.
Wir leben in einer Zwischeneiszeit; in den 1970er-Jahren warnten Forscher vor dem Anbruch einer neuen Eiszeit. Die Gletscher gingen in den letzten Jahrtausenden zeitweise stark zurück, so um das Jahr 218 v.Chr., als Hannibal mit Elefanten über die Alpen zog. Sie stiessen aber auch immer wieder weit vor, besonders vom 16. bis ins 19. Jahrhundert. Die Fiescher beteten deshalb, mit dem Segen des Papstes, seit 1678 gegen das bedrohliche Vorrücken des Aletschgletschers, ab 1862 gar mit Prozessionen. Erst 2009 baten sie den Papst, gegen das Abschmelzen des Gletschers beten zu dürfen.
Das heisst: Zum Ende der Kleinen Eiszeit in der Mitte des 19. Jahrhunderts erreichten die Gletscher in den Schweizer Alpen wohl die weiteste Ausdehnung seit Tausenden von Jahren. Dass sie seither zurückgehen, mag viele schmerzen, lässt sich aber mit den natürlichen Schwankungen leicht erklären.