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Ein Brand, der für sich selbst spricht, ist ein guter Brand. Im Falle des MNG genügen drei Buchstaben, um als starke Marke wahrgenommen zu werden. Und tatsächlich: Das Mathematisch-Naturwissenschaftliche Gymnasium Rämibühl hat ein klares Profil, das auf dem Bildungsplatz Zürich seinesgleichen sucht.
29. Juni 2022
Die Oberrealschule. Ein Relikt aus alten Zeiten, bestimmt für männliche Jugendliche, die ein Flair für Zahlen, Kurven, Algorithmen und Rechenoperationen hatten und damit auch umzugehen wussten. Sie waren die Mathematiker, die eine besondere Gabe hatten und über Kräfte verfügten, von denen ein profaner Lateiner nicht einmal zu träumen wagte. Sie alle gingen ins Rämibühl – in die Oberrealschule, die heute MNG heisst.
Die Geschichte der gymnasialen Bildung im Kanton Zürich reicht weit zurück. Der Stein, der alles ins Rollen brachte, war paradoxerweise die Julirevolution in Paris. Sie ebnete 1830 den Weg für die liberale Bewegung in der Schweiz, die sich unter anderem auch für die Volksbildung stark machte. Innert kürzester Zeit erschuf die neu gegründete liberale Zürcher Demokratie ein umfassendes staatliches Bildungswesen, bestehend aus Volksschule, Lehrerseminar, Universität – und Gymnasium. Dieses verstand sich als Kaderschmiede der erneuerten Republik und sollte die Zukunft einer aufgeklärten, gebildeten Bürgerschaft sichern.
Am 22. April 1833 war es endlich so weit: Die erste Zürcher Kantonsschule wurde in den Anlagen des Chorherrenstifts beim Grossmünster eröffnet. Sie bestand aus einer «Industrieschule», aus der das heutige Mathematisch-Naturwissenschaftliche Gymnasium und das Wirtschaftsgymnasium hervorgegangen sind, und einem «Gymnasium», das sich am humanistischen Bildungsideal orientierte und Latein und Altgriechisch in den Mittelpunkt stellte. Die neue Schule war von der Kirche losgelöst und stand erstmals nicht nur Schülern aus der Stadt offen, sondern auch solchen aus der Zürcher Landschaft.
1835 bezog die Kantonsschule einen Neubau auf dem Rämibollwerk an der damaligen Stadtgrenze. Da die Schülerzahlen kontinuierlich stiegen, platzte aber auch dieses Gebäude schon bald aus allen Nähten. Die Chemie- und Physiklabors wurden an die Universität ausgelagert, bis die zuständige Kantonsratskommission 1905 schliesslich ein Einsehen hatte und einen Neubau in Verbindung mit dem Chemiegebäude der Universität vorschlug. Dieser wurde nach einer Volksabstimmung dann auch umgehend realisiert. Während die Industrieschule den Standort wechselte, blieb das Gymnasium im alten Haus – doch das Gespenst der Raumnot geisterte weiterhin durch die heiligen Hallen der gymnasialen Bildung.
Dauerhaft gelöst wurde dieses Problem erst mit der Einweihung der Kantonsschule Rämibühl am 3. Mai 1971. Über 50 Jahre ist es nun her, seit das grösste Schulareal der Schweiz ihre Tore öffnete und zum Sitz der drei Schulen MNG, LG (Literargymnasium) und RG (Realgymnasium) wurde. Die damalige Oberrealschule war bis dahin verstreut auf verschiedene Gebäude in der nahen Umgebung – jetzt hatte sie ihre Heimat gefunden. Und was für eine: Die grosszügige Schulanlage zwischen Rämibollwerk und Hoher Promenade ist ein Paradebeispiel für die harmonische Verbindung von Natur und Architektur – genau so, wie es der Architekt Eduard Neuenschwander vorsah.
Wer den Schulcampus Rämibühl betritt, würde kaum glauben, dass er drei eigenständigen Schulen Platz bietet. Rund 2500 Schüler*innen gehen hier ein und aus – in Gebäuden, die so gut in die parkähnliche Landschaft eingebettet sind, dass man sie kaum wahrnimmt. Eine grüne Lunge in unmittelbarer Zentrumsnähe, die Bildung auf hohem Niveau möglich macht, weil sie alle Beteiligten mit dem notwendigen Sauerstoff versorgt.
Das MNG ist das einzige rein mathematisch-naturwissenschaftliche Gymnasium der Schweiz. Dies bedeutet nicht, dass andere Fachgebiete deswegen vernachlässigt würden – der Fokus aber liegt ganz klar auf den MINT-Fächern. «Unsere Positionierung hat sehr viel mit unserer Geschichte zu tun», bestätigt Rektor Daniel Reichmuth, «als ehemalige Industrie- und Oberrealschule galten wir schon immer als DIE Schule für Mathematik und Naturwissenschaften. Bis heute verfügt auch keine Privatschule über ein Profil, das mit unserem vergleichbar wäre.»
Signalwirkung hat auch der programmatische Name MNG. «Das Interesse an unserem Angebot ist gross», sagt Prorektorin Adriana Mikolaskova.
«Längst hat sich auch unter Expats herumgesprochen, dass sich unsere Gymnasien auf einem hohen Bildungsniveau bewegen, und weil sich viele von ihnen für eine betont naturwissenschaftliche Ausbildung ihrer Kinder interessieren, ist unser Name bestimmt ein Vorteil. Es zeigt sich, dass das MNG speziell interessierte Schüler*innen anzieht, von denen später weit mehr als die Hälfte ein Studium an der ETH beginnen.» Adriana Mikolaskova
Das Interesse an den MINT-Fächern scheint fest eingebrannt zu sein in der DNA der Schule. «Wir stellen immer wieder mit Freude fest, wie gross das Interesse der Schüler*innen an unserem Angebot ist», sagt Prorektor Samuel Byland. «Ihre Neugierde, ja Begeisterung ist für uns eine grosse Motivation. Bei uns muss niemand Angst haben, als Nerd, Streberin oder gar Spinner abgestempelt zu werden. Wir werten nicht, sondern stehen aus Überzeugung zu unseren Vorlieben und Leidenschaften.»
Einen weiteren wichtigen Aspekt spricht Prorektorin Susanne Kalt an: «Was am MNG auffällt, ist die gute soziale Durchmischung. Wir haben Schüler*innen aus den unterschiedlichsten Schichten. Natürlich gibt es viele Eltern, die sehr gut ausgebildet sind, aber bei weitem nicht alle. Viele sind auch zugezogen und haben eine andere Muttersprache als Deutsch. Das ist jedoch kein Problem – MINT hält alle zusammen.»
Das Interesse am MNG scheint auf jeden Fall ungebrochen zu sein. Dazu Daniel Reichmuth: «Wir hatten früher 4 x 7 Parallelklassen mit rund 20 Schüler*innen, heute sind es 4 x 8 Parallelklassen mit durchschnittlich 22 Schüler*innen. Hinzu kommen zwölf Klassen des Kunst und Sport Gymnasiums, das uns angegliedert ist. Insgesamt ist die Anzahl Schüler*innen in den letzten zehn Jahren von 818 (2012) auf 970 (2022) gestiegen, was uns manchmal an unsere Grenzen bringt.»
Das K+S Gymnasium Rämibühl und das MNG sind zwei Kulturen unter einem Dach, obwohl die Schüler*innen beider Abteilungen von den gleichen Lehrkräften unterrichtet werden. Wer eine Sonderbegabung in den Bereichen Musik, Tanz oder Sport hat, kann sich für einen Platz am Kunst und Sport Gymnasium bewerben. Die Schüler*innen werden auch hier klassisch unterrichtet und absolvieren dasselbe Pensum wie an jedem anderen Gymnasium, allerdings verteilt auf fünf statt auf vier Jahre. «Der Freiraum für Trainings, Wettkämpfe oder Konzerte ist gegeben», sagt Susanne Kalt, «wir stehen in Kontakt mit den verschiedensten Verbänden und versuchen, nach Möglichkeit auf die Bedürfnisse der Schüler*innen einzugehen.»
Ein Blick auf die Namenslisten vergangener Jahrgänge zeigt, dass das K+S schon einige bekannte Namen hervorgebracht hat. Neben Eishockey-Goalie Leonardo Genoni waren unter anderen auch die Stabhochspringerin Angelica Moser und die Tennisspieler Marc-Andrea Hüsler oder Dylan Dietrich am K+S Gymnasium Rämibühl. Erfolgreich ist auch die Cellistin Chiara Enderle, die als Solistin bereits Erfahrungen mit verschiedenen Orchestern im In- und Ausland gesammelt hat.
Die Mehrheit der Schüler*innen am K+S ist jedoch im Sport zuhause. Das Spektrum der Disziplinen ist umfassend: Reiten, Skaten, Judo, Karate, Leichtathletik, Tennis, Fussball, Eishockey. «Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei weitem», bestätigt Daniel Reichmuth, «deshalb sind die Aufnahmekriterien entsprechend streng. Im Sport halten wir uns an die Vorgaben von Swiss Olympic, im Tanz gibt Dance Suisse den Takt vor, und in der Musik müssen die Kandidat*innen beim Vorspielen zeigen, wie gross ihr Potenzial ist.»
Eine Schulleitung, zwei Schulkulturen, viele Projekte und eine Menge Ideen. «Was uns auszeichnet», sagt Adriana Mikolaskova, «ist die schlanke Struktur, die uns extrem beweglich und handlungsfähig macht. Ich habe es am MNG praktisch noch nie erlebt, dass ein Projekt an administrativen Hürden gescheitert wäre. Wenn wir von etwas überzeugt sind, setzen wir das auch um. Ein gutes Beispiel dafür sind unsere interdisziplinären Projekte, in denen wir aktuelle Themen aus den verschiedensten Fachrichtungen und Blickwinkeln beleuchten.» Ein anderes Grossprojekt ist das Swiss Young Physicists Tournament (SYPT), bei dem das MNG federführend ist. Eine zentrale Rolle spielt dabei Samuel Byland, der dem SYPT als Präsident vorsteht:
«Wir verfügen am MNG über ein sehr gut ausgestattetes Physiklabor, das experimentierfreudigen Jugendlichen jederzeit offensteht. Damit bieten wir Teilnehmenden aus den Zürcher Mittelschulen beste Bedingungen, um am nationalen Wettbewerb zu reüssieren und sich damit für die internationalen Wettkämpfe zu qualifizieren.»
Es gäbe noch viel zu sagen über das MNG. Viel lieber lässt die Schule aber Taten für sich sprechen. Wir dürfen gespannt sein, wann und womit sie wieder von sich reden macht.