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Hanna Rutishauser
Das Geländer
1988
Aus: Hanna Rutishauser. Das Geländer. 1988
Wenn der Winter zurückgeht, wird es schwieriger, den Entscheid aufzuschieben. Im November habe ich gesagt: In einem Jahr. Noch ohne Namen zu nennen, zurückgelehnt im Sessel eines Cafés oder im Tram, wenn der Regen gegen die Scheibe fiel, sagte ich: Eine Stadt viel leicht, Europa jedenfalls, in einem Jahr bin ich weg.
Kurz vor Jahresende hat sich zuerst in meinem linken, dann wechselnd auf das rechte Auge eine Bindehautentzündung eingestellt, die seither hartnäckig und trotz den Tropfen aus der Apotheke abwechslungsweise im einen oder andern Auge sitzt und fast täglich Bekannte dazu veranlasst, mich daraufhin anzusprechen. Das sieht nicht gut aus, sagen sie mit besorgter Stimme und beugen sich vor, hast du das schon lange? und geben Ratschläge und wissen von andern, die dasselbe, und zu spassen jedenfalls sei damit nicht. Schmerzen habe ich keine, kaum Juckreiz. Immer häufiger vor dem Spiegel halte ich mich auf über die Ungleichseitigkeit in meinem Aussehen, gut drei Monate schon. In dieser Zeit muss erstmals die Erinnerung an die Ponta de Sagres wiederaufgetaucht sein, im Spätherbst vielleicht schon, vor dem Spiegel unter der Neonröhre das Meer vor Sagres auf drei Seiten unbegrenzt, Schwarzes Wasser und Gleissen und die Horizontlinie sehr weit.