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Der Basler Konzertsaal, erbaut 1874 bis 1876, zählt zu den ältesten noch erhaltenen Konzerthäusern Europas. Dem Architekten Johann Jakob Stehlin d.J. stand zur Erbauung des Saales nur ein knappes Budget zur Verfügung. Deshalb verzichtete er auf Garderoben und grosszügige Foyers. Er stellte seinen Musiksaal ohne Sockelgeschoss direkt auf die Erde und verband ihn geschickt mit dem bestehenden Casino von Melchior Berri. Der neue Musiksaal war als einfacher, rechteckiger Raum ausgestaltet, nach dem Vorbild des Gewandhauses in Leipzig. Die Zuschauerplätze befanden sich im Parkett und auf seitlichen und rückwärtigen Balkonen ? ganz analog zu barocken Ballsälen. Dem Orchester stand ein gestuftes Podium mit einer Apside zur Verfügung.
Stehlin wusste nicht, dass genau diese Dinge wesentliche Bestandteile für eine gute Akustik waren. Die Architekten mussten damals empirisch vorgehen, indem sie gute Vorbilder kopierten, die Gesetze der Akustik waren noch weitgehend unerforscht. In seinem Buch «Buildings for Music» bestätigt Michael Forsyth 1985 viele der von Stehlin angewandten Elemente als Grundlage für eine gute Akustik. Er nennt den Basler Musiksaal sogar als Beispiel für einen der letzten noch bestehenden Konzertsäle in Europa nach dem klassischen «Schuhschachtel-Prinzip».
Die Akustik des Saales ist hervorragend. Sein Mangel besteht in den ungenügenden Garderoben und Foyers. Für dieses Problem suchte man bereits in den 1930er-Jahren eine Lösung, als das Casino von Berri durch den heutigen Bau ersetzt wurde und man dem Musiksaal im Norden Garderoben und Foyers vorsetzte. Doch diese sind für heutige Bedürfnisse schon wieder zu knapp. Bleibt zu hoffen, dass es gelingt, dieser Perle des Basler Musiklebens eine Zukunft zu geben.
Bild: Sinfonieorchester Basel, Foto Andreas Hidber