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Vor der Kirche Stein befinden sich zwei grosse Granitblöcke. Einer trägt eine Tafel mit der Inschrift: «Dem Wohltäter Hermann Herensberger (1863–1933) aus Dankbarkeit. Die Reformierte Kirchgemeinde Stein.» Wer war dieser Hermann Herensberger? Und warum bezeichnet ihn die Kirchgemeinde als ihren Wohltäter? Die Antwort lautet: Der Neubau des Pfarrhauses, des kirchlichen Zentrums und die diversen Renovationsarbeiten konnten nur finanziert werden, weil die Kirchgemeinde vom Nachlass von Hermann Herensberger profitierte.
Man weiss nicht viel über die Person von Hermann Herensberger. Geboren wird er 1863 im Kanton Thurgau, als eines von fünf Kindern von Heinrich und Anna Herensberger. Irgendwann lebt er in Zürich, und 1907 zieht es ihn nach Stein und Fricktal, vermutlich, weil seine verwitwete Mutter dort lebt. Sie taucht 1914 in der Steuerliste der evangelisch-reformierten Kirchgenossenschaft auf, muss also der Genossenschaft gleich nach der Gründung beigetreten sein. Hermann Herensberger wird erstmals 1920 in der Steuerliste aufgeführt.
Herensberger – seine Berufsbezeichnung lautet «Privatier» – kauft in Stein und Umgebung Land und Liegenschaften; das Fricktal war Ende des 19. Jahrhunderts noch eine arme Agrarregion, die Bodenpreise waren entsprechend tief. Er ist alleinstehend und hat keine Nachkommen. Aus welchen Gründen er sich der reformietren Kriche so verbunden fühlt, dass er ihr sein Vermögen vermacht, ist nicht bekannt. Jedenfalls verfasst er 1932 ein Testament, in dem er seine beiden noch lebenden Schwestern auf den Pflichtteil setzt und seinen gesamten restlichen Nachlass – vor allem Land und Liegenschaften – der Evangelischen Kirchgemeinde Stein hinterlässt. Am 28. November 1933 stirbt Herensberger 70-jährig im Bezirksspital Rheinfelden. Der Gedenkstein wird 1963, zu seinem 100. Geburtstag, angebracht. Herensbergers Grab wird jahrzehntelang von der Kirchgemeinde gepflegt, bevor es 1999 einer Trottoirerweiterung an der Schulstrasse weichen muss.
Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte erweist sich diese Hinterlassenschaft als wahrer Schatz für die Kirchgemeinde. Nur aufgrund von Landverkauf und -tausch sowie einigen Zukäufen verfügte sie überhaupt die nötigen finanziellen Möglichkeiten, um die verschiedenen Neu- und Umbauprojekte realisieren zu können.Wie in vielen Gemeinden war auch in Stein die Kranken- und Hauspflege lange an Kirche und Konfession gekoppelt. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts existierte der aus dem Frauenverein hervorgegangene katholische Krankenpflegeverein. 1958 gründeten die Reformierten dann den Hauspflegeverein, der den Mitgliedern bei Bedarf Hilfe im Haushalt vermittelte. Das Interesse war gross: An der Gründungsversammlung nahmen gegen 100 Personen teil. Der Verein finanzierte sich durch die Mitgliederbeiträge sowie den Erlös von Bazars und Versteigerungen, die während den Generalversammlungen durchgeführt wurden. Gegen Ende der Sechzigerjahre gingen die Mitgliederzahlen zurück, und der Ruf nach professioneller, überkonfessioneller Hilfe wurde laut. 1970 wird der reformierte Hauspflegeverein aufgelöst. Das Vermögen wird unter den Nachfolgevereinen in den verschiedenen Gemeinden aufgeteilt.