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«Die Gemeinden im Seebezirk sind bei ihrer Wasserversorgung mit vier Problemen konfrontiert», sagte Ueli Minder an der Delegiertenversammlung des Trinkwasserverbundes Bibera (TWB) am Mittwochabend in Jeuss. Der Präsident der Delegiertenversammlung zählte auf: die Wassermenge, die Qualität, der Brandschutz und die Notversorgung. Ein gemeinsames Vorgehen der Gemeinden sei bei der Trinkwasserversorgung notwendig.
«Dieses Jahr war sehr trocken, deshalb haben die Quellen im Seebezirk wenig Wasser», erklärte Minder. Aus diesem Grund habe der TWB die Wasserförderung um fünf Prozent gesenkt. «Wir wollen unsere Schächte nicht übernutzen», so Minder. Der zweite Punkt – Qualitätsprobleme – sei vor allem für jene Gemeinden ein Thema, welche Wasser nur aus Quellen nahe der Oberfläche beziehen. Drittens sei die Sicherstellung des Brandschutzes an einigen Orten schwierig. Bei Bränden benötige die Feuerwehr viel Wasser und einen hohen Druck. «Da an den Hängen immer weiter nach oben gebaut wird, ist bei den letzten Häusern nicht mehr genügend Druck in der Leitung.»
Ausserdem erinnerte Minder daran, dass die Gemeinden zu einer Notversorgung verpflichtet sind. «Wenn eine Quelle verschmutzt ist, eine wichtige Leitung bricht oder sabotiert wird, haben viele Gemeinden im Seebezirk keine Alternativen parat, um frisches Trinkwasser in die Häuser zu liefern.»
Aus diesen Gründen sollten sich die Gemeinden bei der Wasserversorgung zusammentun. «Die Zukunft liegt in der Zusammenarbeit», appellierte Minder. Ideal wäre eine Ringleitung im Seebezirk, die das Trinkwassernetz aller Gemeinden verbinde. So könnte bei Bedarf gegenseitig Wasser geliefert werden.
Emotionales Thema
2008 haben acht Gemeinden im Seebezirk den TWB gegründet. Die Gemeindeversammlung von Cressier stimmte damals gegen eine Mitgliedschaft. In den vergangenen Jahren sprach sich der TWB immer wieder für einen Beitritt von Cressier und Courgevaux aus. Die Mitgliedschaft der zwei Gemeinden ist die Voraussetzung für eine Erweiterung des TWB in Richtung Münchenwiler, Greng und Clavaleyres.
«Cressier passt mit seinem Reservoir gut zu unserem Konzept mit dem Tschenett-Reservoir in Courtepin», sagte Minder. Bei einem allfälligen Beitritt zum TWB müsste eine Leitung von Cressier nach Jeuss gebaut werden. «Diese würden wir bezahlen», sagte Minder. «Ein Beitritt wird Cressier finanziell nicht belasten.»
Die Gemeinde Courgevaux sei wegen ihres grossen Trinkwasservorkommens interessant, so Minder weiter. «Wir möchten der Gemeinde Wasser abkaufen.» Dass beide Gemeinden bislang einen Beitritt ablehnen, führte Minder auf den emotionalen Wert des Themas Trinkwasser zurück: «Die Gemeinden wollen diesen Bereich nicht aus der Hand geben – trotz aller Vorteile eines Verbunds.»
Unabhängigkeit erhalten
Gegenüber den FN wollten sich aus Cressier weder der für das Trinkwasser zuständige Gemeinderat José Carvalho noch Syndic Jean-Daniel Pointet zum Thema TWB äussern.
Auch für den Syndic von Courgevaux, Eddy Werndli, steht ein Beitritt zum TWB nicht auf der Tagesordnung: «Wir haben genug Wasser und sind unabhängig. Unsere Gemeinde liefert Trinkwasser an Greng und Münchenwiler. Eine zwischengeschaltete Stelle braucht es nicht.»