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(Abfahrtsgeld, Abzug, Abschied, Nachsteuer, Freigeld, Weglassung, Detractus), eine Abgabe, welche von in fremdes
Gebiet übergehendem Vermögen erhoben wird. Der Abschoß kam in zwei Formen vor:
1) als Erbschaftsgeld (detractus realis, census hereditarius, gabella hereditaria, quindena), welches von an Ausländer
fallenden Erbschaften und Schenkungen zu entrichten war;
2) als Abfahrts- oder Nachsteuer (detractus personalis, gabella emigrationis), welche von Auswanderern nach der Höhe des von
ihnen weggeführten Vermögens erhoben wurde. Dieselbe wurzelte in den frühern
mehr
Leibeigenschaftsverhältnissen und der durch dieselben bedingten Rechtsgestaltung. Im Verkehr zwischen deutschen Ländern wurden
beide Abgabenarten durch die deutsche Bundesakte aufgehoben und zwar ohne Entschädigung, auch wo Private zur Erhebung berechtigt
waren. Aber auch im Verkehr zwischen andern Ländern sind sie meist durch internationale Vereinbarungen beseitigt. Das Erbschaftsgeld
wird allerdings entrichtet, sofern die Steuer nach Maßgabe der Gesetzgebung über die Erbschaftssteuern
auch von einheimischen Erben zu entrichten ist. Im übrigen trägt der Abschoß, wo er sich noch vorfindet, mehr den Charakter der
Retorsion.
oder Erbschaftsgeld (census hereditarius, gabella hereditaria, quindena, detractus realis,), eine Abgabe,
welche von einer in das Ausland gehenden Erbschaft entrichtet wird. Man unterscheidet die Abgabe, welche von dem Nachlasse
eines im Inlande gestorbenen Ausländers, soweit der Nachlaß im Inlande sich befand, erhoben wird (gabella hereditaria, censushereditarius), und die Abgabe, welche von dem Nachlasse eines Inländers erhoben wird, soweit dieser an
Fremde und folgeweise in das Ausland gelangt (jus detractus).
Die Deutsche Bundesakte vom 8. Juni 1815 sichert im Art. 18 die Freiheit von aller Nachsteuer (jus detractus, gabella emigrationis),
«insofern das Vermögen in einen andern deutschen Bundesstaat übergeht». Der Bundesbeschluß vom 23. Juni 1817
stellt die Tragweite
dieser Bestimmungen näher fest. Das Preuß. Allg. Landrecht ordnet den Gegenstand in II, 17, §§. 102 fg.
Das inländische Abfahrts- und Abschoßgeld wurde für Preußen durch Gesetz vom 21. Juni 1810 aufgehoben.
Die Allerhöchste Kabinettsorder vom 11. April 1822 bestimmte aus Anlaß der Regelung der Beziehungen zu den Staaten der Nordamerikanischen
Union, «daß auch gegen andere Staaten, in denen das jus detractus nicht mehr zur Anwendung kommt, forthin
weder Abschoß noch Abfahrtsgeld erhoben werden soll».
Vgl. ferner preuß. Verfassungsurkunde vom 31. Jan. 1850, Art. 11 («Abzugsgelder
dürfen nicht erhoben werden»).
Im ehemaligen Hannover sollte die Erhebung nur noch zum Zwecke der Retorsion (s. d.) zulässig sein. Im
ehemaligen Kurhessen wurde das Recht nach Herkommen und gesetzlicher Bestimmung nur vergeltungsweise ausgeübt. Für das ehemalige
Herzogtum Nassau wird Abschoß nicht mehr erwähnt. In Frankfurt a. M. bestand für Erben, welche angefallenes Vermögen wegbringen
wollten, die Abgabe des zehnten Pfennigs. In den neuern Provinzen Preußens gilt nach dem Gesetz vom 20. Dez. 1800 die
preuß. Verfassung. – In Bayern steht das Recht, Abschoß zu erheben, gegenwärtig nur noch dem Staate zu. Jedoch soll die Erhebung
nicht mehr stattfinden, selbst soweit mit auswärtigen Staaten Verträge nicht geschlossen sind. – In Sachsen ist die Nachsteuer
durch Art. 29 der Verfassungsurkunde beseitigt; der Abschoß im Inlande wurde durch Patent vom 24. Mai 1814 aufgehoben.
Gegenüber dem Auslande besteht der Abschoß, soweit nicht Staatsverträge vorliegen, nach Meinung einiger Rechtslehrer noch in Geltung,
nach der Ansicht anderer nur für den Retorsionsfall. – In Württemberg soll der Abschoß noch in Geltung gestanden haben, das
Gesetz vom 24. März 1881 läßt jedoch eine nachteiligere Behandlung der Ausländer bei der Besteuerung von Erbschaften nur unter
den Voraussetzungen des Retorsionsrechts zu. – Für Baden ist noch in dem Gesetz vom 26. März 1852, §. 1, bestimmt , daß,
wenn Vermögen ausgeführt wird in einen Staat, dem gegenüber Freizügigkeit nicht besteht, eine näher
bestimmte Abgabe für die Staatskasse in Ansatz zu bringen sei. – In Hessen ist durch Finanzgesetz vom 20. Juni 1836 die Nachsteuer
bei Auswanderungen und Vermögensexportationen aufgehoben. – Wegen des dem Code civil und dem bad. Rechte bekannten droitd’aubain vgl. Heimfallsrecht. – Für Reichsangehörige in ihren Beziehungen zu Bundesstaaten wird Befreiung
von Abschoß aus dem Reichsangehörigkeitsgesetze abgeleitet. In einer Reihe von Staatsverträgen ist die Beseitigung derartiger
Beschränkungen festgestellt, so in den Verträgen mit Salvador vom 13. Juni 1870, Costa-Rica vom 18. Mai 1875, den Vereinigten Staaten
von Amerika vom 11. Dez. 1871 (Art. 10, Abs. 3) u. a. Soweit in einzelnen Staaten des Reichs der Abschoß noch anerkannt
ist, hat er in der Regel nur für den Retorsionsfall Bedeutung.