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Zürich, den 8./12. Februar 1872.
Hochgeehrter Herr!
Ihre geschätzte Zuschrift vom 14. Oktober verfl. J. ist mir sr. Zt. richtig zugekommen. Ich konnte damals nicht sofort auf dieselbe antworten, da ich vorher mancherlei Rücksprachen zu pflegen und auch Schlußnahmen des Ausschusses der Gotthardvereinigung, der sich zu jener Zeit nur sehr selten versammelte, zu veranlaßen hatte. Nunmehr bin ich aber in der Lage, mich im Namen dieses Ausschusses, der heute seine Schlußsitzung gehalten und sich dann aufgelöst hat, gegen Sie vernehmen zu lassen.
Was für's erste Ihren Eintritt in den Verwaltungsrath der Gotthardbahn anbetrifft, so ist Ihnen ohne Zweifel bekannt, daß der letztere aus 24 Mitgliedern besteht und daß 12 derselben durch den Schweizerischen Bundesrath und die ständige Kommission der Gotthardvereinigung, 12 durch das Consortium für die Beschaffung des Baukapitales der Gotthardbahn, und zwar 4 durch die Deutsche, 4 durch die Italienische und 4 durch die Schweizerische Gruppe desselben zu wählen waren. Ich habe nun bei der deutschen Gruppe die Wahl Ihrer verehrlichen Person in den Verwaltungsrath zur Sprache gebracht. Die Antwort, die mir in Folge dieser Anregung zu Theil wurde, ging aber dahin, daß für die von | deutscher Seite zu besetzenden Stellen im Verwaltungsrathe bereits bestimmte Personen, welche den Consortialfirmen angehören, in Aussicht genommen seien und daß daher meiner Anregung, bei den vorzunehmenden Wahlen auch Ihre Person in Betracht zu ziehen, keine Folge gegeben werden könne. Dabei wurde noch hervorgehoben, daß Sie, Hochverehrter Herr! mittlerweile im Elsaß in den Staatsdienst getreten seien und daß es Ihnen um dessetwillen nicht einmal möglich wäre, den Sitzungen des Verwaltungsrathes beizuwohnen, da Sie den jedesmal hiefür erforderlichen Urlaub kaum erhalten dürften.
Die Entschädigung für Ihre Bemühungen und den Ersatz Ihrer Baarauslagen anlangend hat der Ausschuß beschlossen, Ihnen die Summe von frs. 25000 zur Verfügung zu stellen. Ich weiß nicht, ob Ihnen diese Summe als genügend erscheint. Dagegen glaube ich zu Ihrer Kenntniß bringen zu sollen, daß von dem Ausschusse für Anstrebung der Gotthardbahn während der vieljährigen Dauer seiner Wirksamkeit nie ein Honorar bezahlt worden ist, welches auch nur annähernd die Höhe von fs. 25,000 erreicht hätte, und ferner erlaube ich mir, darauf hinzuweisen, daß ohne mein Hinzuthun und zu meinem großen Bedauern Ihre Honorirung für Ihre Bemühungen im Interesse der Gotthardbahn bereits zum Gegenstande gehässiger Erörterungen in der Presse, auf welche mit Namensunterschrift zu antworten ich als meine Pflicht erachtete, gemacht worden ist und daß es mir namentlich auch um | Ihrer Person willen als in hohem Grade wünschbar erscheint, dieß nicht eine neue sachbezügliche Polemik entstehe, welche leicht einen noch widerwärtigern Charakter annehmen könnte, als ihn leider die erste schon hatte. Ich glaube mich daher der Hoffnung hingeben zu dürfen, daß Sie sich mit der von dem Ausschusse beschlossenen Entschädigungssumme einverstanden erklären werden.
Ich sehe Ihren gefälligen rückantwortlichen Eröffnungen sowohl in der Hauptsache als auch hinsichtlich der Art, wie Sie die Entschädigungssumme zu beziehen wünschen, entgegen und indem ich schließlich noch sowohl meine Freude darüber ausspreche, daß die großartige Unternehmung der Gotthardbahn uns mit einander in Verbindung gebracht hat, als auch der Hoffnung Ausdruck verleihe, daß die angenehmern Beziehungen, welche bei diesem Anlaße zwischen uns Platz gegriffen haben, von fortdauerndem Bestande sein mögen, versichere ich Sie meiner vorzüglichen Hochachtung. 1
Herrn Alexander von Sybel
Hochwohlgeboren
Kaiserliches Civilcommissariat
Strassburg.