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Tools und Informationen für Ärztinnen und Ärzte sowie Medizinische Praxis-Fachpersonen zu Risikoerfassung, Beratung und (Früh-)Intervention bezüglich Spiel- und Onlinesucht.
Inhalt
Verhaltenssüchte
Definition
Darunter versteht man exzessiv ausgeübte Verhaltensweisen, die mit einem imperativen Verlangen auftreten und von den Betroffenen nicht mehr vollständig kontrolliert werden können. Sie gehen mit einem Verlust an Handlungsfreiheit einher und sind mit schwerwiegenden negativen Folgen verbunden.
- Das Verhalten wird über einen längeren Zeitraum (mindestens 12 Monate) in einer exzessiven Form gezeigt;
- es besteht unwiderstehliches Verlangen, das Verhalten auszuüben;
- das Verhalten wird als unmittelbar belohnend empfunden;
- das anfänglich belohnende Verhalten wird im Verlauf zunehmend unangenehmer und die negativen Auswirkungen nehmen zu;
- eine Toleranzentwicklung tritt auf, das heisst, es muss mehr konsumiert werden, um die gleiche Wirkung zu erreichen;
- es kommt zu Kontrollverlust, eingeengtem Verhaltensmuster, gedanklicher Beschäftigung mit Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung des exzessiven Verhaltens;
- Entzugserscheinungen treten auf;
- das Verhalten wird trotz (psychisch, sozial, gesundheitlich) schädlicher Folgen fortgesetzt.
Formen der Verhaltenssüchte
Folgende Aufstellung folgt dem Vorschlag der Expertenkommission, die im Auftrag des BAG eine Empfehlung für eine einheitliche Regelung erarbeitet.
- Glücksspiel
- Computer- oder Videospiel
- Sex- und Porno
- Soziale Medien
- Kaufen
- Internet
Mit Ausnahme des Glücksspiels ist der Wissensstand und die Forschung im Vergleich zu stoffgebundenen Süchten noch relativ bescheiden. Bislang fehlende offiziell anerkannte Definitionen (ausgenommen Computerspielstörung), klare diagnostische Zuordnungen und Erfassungsinstrumente führen dazu, dass Prävalenzwerte unterschiedlich ausfallen und vielfach nicht direkt vergleichbar sind.
Spielsucht
“Gambling” oder “Gaming”?
Es gibt zwei Kategorien von Spielen: Glücksspiele und Computerspiele. Diese Unterscheidung ist aus klinischer Sicht wichtig, da die Behandlung von Glücksspiel- und Computerspielproblemen verschieden ist. Für die fachlich diagnostische Beurteilung braucht es eine differenzierte Beurteilung und es ist vorab entscheidend, ob damit Glücksspiel oder Computerspiel gemeint ist. Beim telefonischen Erstkontakt, der meist über Praxisassistentinnen, Praxisassistenten oder administrative Mitarbeitende erfolgt, ist es wichtig, diese Frage zu klären.
Online-Geldspielsucht zeigt Ähnlichkeiten mit der Internetspielsucht auf
Online-Geldspiele sind wie Online-Videospiele auf PC, Konsole oder Smartphones immer, nahezu ortsunabhängig und anonym nutzbar.
Mit den neueren digitalen Möglichkeiten nähern sich die Spielformen des Glücks- oder Geldspiels (Gambling) und des Computer- oder Videospiels (Gaming) insofern an, indem bei Computerspielen zunehmend Elemente des klassischen Geldspiels, wie zufällige, unvorhersehbare Belohnungen, eingesetzt werden. Das führte so weit, dass Länder wie Japan, Holland und Belgien einzelne Computerspiele den Glücksspielgesetzen zuordneten. Die zunehmend verbreiteten Möglichkeiten von monetären Einsätzen (Mikrotransaktionen) führt dazu, dass vor allem jugendliche Betroffene, wie sich in der klinischen Praxis zeigt, für Computerspiele hunderte bis tausende Franken einsetzen.
Glücks-Geldspiel
In der klinischen, nicht auf Geldspiel oder Verhaltenssüchte spezialisierten ambulanten Praxis, sind Geldspielproblematiken eher selten anzutreffen.
Vielfach melden sich bei der Problematik auch Angehörige zuerst, da sie meist früher einem Leidensdruck ausgesetzt sind. Sie sind für die Motivation von Betroffenen aufzuhören in vielen Fällen wesentlich. Auf diesem Hintergrund ist die Beratung und Zusammenarbeit mit Angehörigen, wie auch bei den meisten anderen Verhaltenssüchten, essenziel.
Auch Geldspielangebote werden zunehmend über neue Medien genutzt und sind in diesem Zusammenhang zunehmend einfacher verfügbar. Dies betrifft sowohl den legalen wie den illegalen Bereich. Die Geldspielangebote in der Schweiz haben sich mit dem neuen Geldspielgesetz, das am 1. Januar 2019 in Kraft getreten ist und in der Schweiz ausschliesslich inländische Onlinecasinos zulässt, verändert.
Im Lotterie- und Sportwettenbereich bieten Swisslos und Loterie Romande als Monopolanbieter auch zunehmend online Spielmöglichkeiten an.
Internetbezogene Störungen (IBS)
Für diese Abhängigkeiten finden sich zwischenzeitlich sehr unterschiedliche Begriffe wie: Pathologischer InternetGebrauch (PIG), Internet Addiction Disorder (IAD), Compulsive Internet Use (CIU) und Internetbezogene Störungen (IBS), der zunehmend verwendet wird. Zentrale Bereiche oder Formen internetbezogener Störungen sind:
- (Online)-Computerspiele (Gaming)
- Soziale Medien (Social Media)
- Online-Sex oder Pornografie