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Frédéric Belser
GRÜN
Wellenlänge 530 - 490 Nanometer (nm)
Schwingungszahl 590 - 650 Billionen
Grün ist eine Sekundärfarbe und ist komplementär zu rot. Rot ist heiss, trocken, aktiv, männlich. Blau ist kalt, nass, passiv, weiblich, geistig. Grün steht in der Mitte, angenehme Temperatur, feucht, beruhigend ohne zu ermüden (Operationstücher, -schürzen).
Goethe sagt über die beruhigende Wirkung von grün, das man nicht weiter wolle, nicht weiter könne. Deswegen werde für Zimmer, in denen man sich meist befinde, die grüne Tapete am häufigsten gewählt.
Haben wir zu jeder Farbe eine spezielle Empfindung ?
Nein, es gibt viel mehr Gefühle als Farben. Wir verbinden mit jedem Gefühl mehrere Farben.
Wieso können Farben unterschiedliche Gefühle auslösen?
Die Erinnerung kommt zurück in dem wir z.B. eine Farbe wahrnehmen ausgelöst durch die momentane Stimmung und den dazugehörigen Zusammenhang. Uns verbindet mit jeder Farbe vielfältige Erfahrungen und Erinnerungen.
Ist die betrachtete Farbe real oder als symbolische Farbe gemeint?
Alle Farben können automatisch unbewusste Reaktionen oder Assoziationen auslösen. Kleines Beispiel am Grün: bei Erdbeeren denkt man automatisch an Unreife. Die Farbe der Unreife wird verallgemeinert zur Farbe der Jugend, die Grünschnäbel. Junge Vögel haben um den Schnabel ein grünes Häutchen, weshalb man Grünschnabel sagt. Eine weitere Redensart ist "so unausgegoren wie grüner Wein."
Im Strassenverkehr wirkt grün positiv. Auch in Gebäuden signalisieren grüne Schilder freien Durchgang. Notausgänge sind grün beleuchtet. Auch in der Alltagssprache ist die Ampelfarbe übernommen worden: ich gebe Dir grünes Licht. Im Märchen sind die Nixen grün. Warum eigentlich sind die Marsmenschen grün ?
Grün ist auch die Farbe der Erholung: man fährt ins Grüne. Mit dem grünen Daumen verbinden wir eine begabte gärtnernde Person.
Wie entsteht eine symbolische Farbzuordnung?
Häufig sind es jahrhundertalte Überlieferungen. Grün als Symbolfarbe des Neids, man sagt "grün vor Neid". Menschen, die sich ärgern oder ängstlich sind: " je me fais de la bile": diese Menschen werden gallenkrank (Galle ist gelbgrün). Kulturelle Unterschiede, verschiedene Lebensweisen bedingen unterschiedliche Farbwirkungen.
In Europa ist grün die normale Landschaftsfarbe. Für Wüstenvölker aber ist es die Farbe des Paradieses.
Grün ist auch die Farbe des Lebens (aus der Erfahrung des pflanzlichen Wachstums). Daher ist die Farbe auch weiblich. Aus der chinesischen Kultur kennen wir die Zuordnung zum weiblichen Prinzip Yin = grün, Yang = männlich, gelb.
Grün ist die Grundfarbe der Flaggen aller Staaten islamischen Glaubens, die Farbe des Propheten und der Arabischen Liga. Das heilige Grün ist kein weibliches Grün.
Grün ist auch die Farbe der Hoffnung. Papst Pius V. legte 1570 die "liturgischen Farben" fest: weiss, rot, violett und grün. Grün ist die Farbe der gewöhnlichen Sonntage.
Giftgrün
Im Mittelalter trugen die Damen nie grüne Kleider. Die grün gefärbten Stoffe waren giftig resp. krankmachend. Die grüne Malfarbe enthielt Arsen.
Grün als die Lieblingsfarbe Napoleons wurde ihm zum Verhängnis. Die grünen Wandtapeten sonderten im feucht-warmen Klima in St. Helena Gift ab und der Empereur starb an einer schleichenden Arsenvergiftung. Als Malerfarbe wurde Grün zur Farbe des Giftes.
Warum verwendete der englische Maler Turner in seinen Bildern kein Grün?
Auch Grünspan ist giftig. Die Redensart "am grünen Tisch" kommt daher, dass die Arbeits- und Spieltische mit billigen, grünen Filzunterlagen überzogen waren. "Dasselbe in grün" bezieht sich auf den Unterschied von deutschen und französischen Jasskarten symbolisierend "es ist ein Unterschied der nichts ändert".
Früher war das schönste, reinste Grün das Smaragdgrün. Als Malerfarbe heisst es Schweinfurter Grün oder französisches Grün. Ein Grünrock ist ein Jäger, aber auch der Teufel. Der Teufel als grüner Jäger armer Seelen ist ein sehr altes Motiv.
Grün in der Mode war keine noble Farbe. Eine mögliche Erklärung: grüngefärbte Stoffe waren preiswert und dazu erschienen sie abends im Kerzenlicht blass und eher bräunlich.
Psychologische und symbolische Wirkungen
Grün ist komplementär zu rot. Aber in unserem Empfinden und in unserer Farbsymbolik ist fast immer Blau der Gegenpol zu Rot. Die Polarität rot-blau zeigt sich in vielen Dimensionen und immer steht Grün in der Mitte. Rot ist heiss, trocken, aktiv, Blau ist kalt, nass, passiv. Grün ist beruhigend, wirkt sicher, steht zwischen dem männlichen Rot und dem weiblichen Blau (Dr. Eva Heller, Psychologin und Soziologin).
Die Umweltschützer und die Iren:
Die politische Farbe Grün erschien mit der Gründung der Partei 1980. Grün für Umweltschutz, grüne Farbe der Neutralität, Farbe der Natur). Parteiunabhängig werden heute auch Umweltschützer als "Grüne" bezeichnet, auch "Greenpeace".
Das "Grüne E" wurde 1948 als Fahne der Europäischen Bewegung entworfen.
Eine spezielle Bedeutung hat Grün in Irland. Es ist die Nationalfarbe der "Grünen Insel". Grün ist in Irland ausserdem die Farbe des Katholizismus. Heute ist in Irland ein "Grüner" ein Katholik. Die Protestanten als Besetzer unter Willhelm von Oranien bemalten ihre Häuser mit oranger Farbe, was sich bis heute hielt.