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Einer muss womöglich nach dem direkten Duell die Heimreise antreten. Wer wird es sein? Robert Lewandowski mit Polen oder Lionel Messi mit Argentinien? Das Aufeinandertreffen verspricht Brisanz.
Robert Lewandowski schaute verdutzt. Er verstehe nicht ganz die Frage, entgegnete er einem Reporter. Daraus wurde dann ein erinnerungswürdiger und fast zweiminütiger pingpongartiger Satzaustausch. Und er drehte sich um: Lionel Messi.
Darum, was Lewandowski nach der Ballon-d'Or-Auszeichnung gesagt haben soll und darum, was Messi auf die angeblichen Aussagen von Lewandowski gesagt haben soll. Und es ging darum, ob Lewandowski Messi denn nach alldem die Hand geben würde beim Spiel an diesem Mittwoch (20.00 Uhr) im Stadion 974 von Katar. «Zwischen mir und Messi ist alles gut. Ich habe nichts gegen ihn, das hatte ich nie.»
Es ist eine Szene zwischen Lewandowski und einem Reporter aus Argentinien kurz vor der WM. Es ist eine Szene, die den Wirbel um den mehrfachen Weltfussballer Messi und den aktuellen Weltfussballer Lewandowski dokumentiert. Nun treffen sie im direkten Duell um den WM-Verbleib aufeinander. Ein Vergleich der beiden Superstars:
Weltfussballer-Ehren:
Messi: Siebenmal wurde er mit dem Ballon d'Or, ausgezeichnet. Das erste Mal 2009. In den drei nachfolgenden Jahren räumte er die Auszeichnung ebenfalls ab, im vergangenen Jahr zum bisher letzten Mal. 2009 und 2019 gewann Messi auch die Wahl zum Weltfussballer, der Titel wurde von 2010 bis einschliesslich 2015 zusammen mit dem Ballon d'Or verliehen.
Lewandowski: Er gewann 2020 und 2021 die Wahl zum Weltfussballer. Dieser Teil seines grossen Fussball-Traumes hat sich erfüllt. Auf den Ballon d'Or als weiterer prestigeträchtiger Auszeichnung muss er noch warten. Im Jahr 2021 wurde er Zweiter – hinter, natürlich, Messi.
Vereins-Ära:
Messi: Er kam als schmächtiger kleiner 13-Jähriger zum FC Barcelona und ging als Lichtgestalt mit Titelgarantie. Viermal gewann er mit den Katalanen die Champions League, zehnmal die spanische Meisterschaft, siebenmal den spanischen Pokal, Messi schoss in 778 Spielen für den FC Barcelona 672 Tore und legte 288 auf.
Lewandowski: Das ist eine grosse Verbindung zwischen den beiden. Lewandowski soll trotz des schon reiferen Alters von 34 Jahren helfen, eine neue Ära beim FC Barcelona zu starten. Um sich den Traum von Barça zu erfüllen, verliess er nach einem zeitweiligen Wechseltheater den FC Bayern, mit dem er alles gewann, was es im Weltfussball zu gewinnen gibt: Es glückte sogar der Sechs-Titel-Coup aus Meisterschaft, Pokal, Champions League, Club-WM und zweimal Supercup.
Nationalteam-Bedeutung:
Messi: Er musste lange um die grosse Anerkennung kämpfen. Dass er nie für einen Club aus Argentinien als Profi spielte, war eine Bürde. Das WM-Scheitern mit wenig Einsätzen 2006, das erneute Aus im Viertelfinale gegen Deutschland 2010. Das verlorene Finale 2014 gegen die DFB-Mannschaft, dazu zwei weitere Pleiten in der Copa América erst im Endspiel: Messi war 2016 schon mal zurückgetreten, kam aber wieder. Im vergangenen Jahr holte er mit der Albiceleste den ersten grossen Titel beim Copa-América-Triumph. Maradonas Heldenstatus würde auch er erlangen – wenn er den WM-Titel holt.
Lewandowski: Der Star ist die Mannschaft – dieser gerne genutzte Slogan gilt bei Polen nicht. Alles im Spiel nach vorne ist auf Lewandowski ausgerichtet. Und wenn er nicht trifft, dann wird es schwer. Als sich der Kapitän dafür starkmachte, einen zweiten Mann neben sich in den Angriff zu bekommen, bekam er ihn. In den letzten beiden WM-Qualifikationen erzielte er 25 Tore in 19 Spielen.
WM-Auftritte:
Messi: Zwei Tore erzielte er, jeweils eins beim 1:2 gegen Saudi-Arabien und beim 2:0 gegen Mexiko. Fast alles hängt wieder an und von ihm ab. Er geht dabei anders als 2018 in Russland vornweg. Messi will als Kapitän sein Team führen.
Lewandowski: Ein Elfmeter-Fehlschuss beim 0:0 gegen Mexiko – und dann erfüllte er sich gegen Saudi-Arabien einen «Traum aus frühster Kindheit». Er erzielte sein erstes WM-Tor. Mit 2:0 gewann seine Auswahl, Lewandowski war an beiden Toren beteiligt.
So ticken sie:
Messi: Viel Spektakuläres ist eigentlich nicht bekannt. Messi ist skandalfrei, seine Ehefrau Antonela Roccuzza kennt er schon seit Kinderzeiten. Mit seinen drei Söhnen kickt er gern. Er wirkt oft eher ruhig, fast introvertiert, reifte aber über die Jahre auch auf dem Platz zu ein charismatischeren Führungspersönlichkeit.
Lewandowski: Er ist ein knallhart kalkulierender Profi, der seinen Modell-Athletenkörper für das Fussball-Business pflegt wie kaum ein anderer. Mit seiner Frau Anna Lewandowska hat er zwei Töchter. Ein Experte oder Freund grosser Sprüche ist er nicht.
dpa