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Kaum was los im Zwischenhoch
Nach den Gewittern von gestern und der Nacht sorgte heute schwacher Zwischenhocheinfluss für eine Stabilisierung des Wettergeschehens. Ein kleiner Höhentrog sorgte in den Nachmittagsstunden aber wiederum für eine Labilisierung, so dass sich nochmals Schauer und Gewitter bilden konnten.
Kurzer Rückblick
Die Gewitter von gestern waren nicht allzu zahlreich, brachten aber stellenweise kräftigen Wind. Einerseits waren der Solothurner Jura und später der Aargau betroffen, eine andere Zelle sorgte in der Nordostschweiz für eine Abkühlung. In Egolzwil wurde um Mitternacht eine Windböe mit 121 km/h registriert, die Ausläufer dieser Böenfront erreichten kurz nach Mitternacht auch noch den Flughafen. Ein weiterer Hotspot fand sich vom Urnersee bis ins Glarnerland. Hier wurden Windböen von 95 km/h registriert. Ansonsten frischten die Winde mit Annäherung der Gewitter zwar deutlich auf, ausser in Grenchen (85 km/h) war aber bei rund 65 km/h das Ende der Fahnenstange erreicht. Die untenstehende Slideshow zeigt einerseits die Blitzaktivität der letzten 24 h (im Tessin gewitterte es heute Morgen), zum anderen den Verlauf verschiedener Wetterparameter an der Station Zürich Flughafen im Glattal. Man erkennt die markanten Windspitzen: Die erste war verbunden mit einem Gewitter, welches den Flughafen nur streifte, die 2. Windspitze trat im Vorfeld der Gewitterlinie bei Egolzwil auf, die kurz vor der Reuss die Blitzaktivität einstellte; die Böenfront und der Niederschlag schafften es aber noch bis in die Nordostschweiz. Man beachte auch den markanten Temperaturrückgang von 5 °C innerhalb von 10 Minuten. Die Niederschlagssummenkarte der letzten 24 Stunden verdeutlicht den Schwerpunkt des Niederschlags in der Nordostschweiz und entlang der Alpen.
Feucht am Morgen
Die abendlichen, nächtlichen Gewitter brachten einiges an Feuchtigkeit in die Grundschicht. So war es am frühen Morgen Stellenweise neblig, wie auf dem MeteoSchweiz Kamerabild von Frienisberg gut ersichtlich ist. Noch befinden wir uns im Sommerhalbjahr, und die Sonne kennt kein Pardon mit diesen grauen Vorboten des Herbsts. So war bald darauf in der ganzen Schweiz sonniges Wetter zu verzeichnen, einzig in Graubünden hielten sich Restwolken bis in die Mittagszeit. Allerdings waren die Vorboten des anfangs erwähnten Höhentroges bereits sichtbar, es war nicht vollständig wolkenlos. Hochsommerlich war es trotzdem. Mitte Nachmittag bildeten sich aus den grösseren Quellwolken die ersten Schauer im Jura und der Alpsteinregion. Weitere Schauer und teils auch Gewitter dürften am Abend und in der Nacht folgen.
Höhentrog
Sehen wir Meteorologen im Sommerhalbjahr schwarze Linien mit südwärts gerichteten Ausbuchtungen, so werden wir jeweils etwas unruhig. Diese Isohypsen zeigen nämlich, in welcher Höhe sich eine bestimmte Druckfläche befindet. Es sind die meteorologischen Höhenlinien der Tröge und Rücken. Die Annäherung eines Troges führt zu einer Hebung der Luftmasse, und eine Luftmasse, die gehoben wird, wird tendenziell instabil. Instabil geschichtete Luftmassen im Sommer bedeuten in der Regel Gewitter. Nun sind Gewitter meteorologisch gesehen interessant, aber nicht jeder mag sie, und deshalb macht sich Unruhe breit. Die einen freuen sich auf ästhetische Blitzphotos, die anderen fürchten um ihre Bergtour, und die dritten möchten einfach keinen Regen am Grill. Also gilt es nun abzuschätzen, wie stark die Gewitter werden. Hierbei müssen wir uns fragen, ob die Luft überhaupt genügend feucht für Gewitter ist, ob trockenere oder wärmere Luft herangeführt wird, ob das Strömungsfeld für einen eher aktiveren oder eher schwächeren Trog spricht... und vieles mehr. Aus all diesen Überlegungen leiten wir unsere Prognose ab. Untenstehend finden sich die meteorologische Darstellung der beiden Tröge. Die schwarzen Linien sind die erwähnten Höhenlinien, farbig hinterlegt sind die Temperaturen in der Höhe. Dem geübten Betrachter fällt sofort auf: Der heutige Trog ist einiges weniger spektakulär als der von gestern. Doch weshalb? Vergleichen Sie die Bilder in Ruhe und finden Sie die Unterschiede. Weitere Hinweise finden sich unterhalb der Bilder.
Die Unterschiede
Der Trog ist schwächer, weil...
- Er hat weniger Kaltluft im Gepäck, in der Höhe ist es also etwas wärmer als gestern. Dies hemmt die Gewitterneigung (erkennbar am Temperaturfeld).
- Er kommt mit etwas weniger „Wumms“, die Höhenströmung ist schwächer (erkennbar daran, dass die schwarzen Linien weiter auseinander liegen).
- Das Strömungsfeld ist diffluent. Die schwarzen Linien sind über Frankreich enger beisammen als über der Schweiz. Beim Trog von gestern war das nur auf der Alpensüdseite der Fall (erkennbar an den schwarzen Linien).
- Die Luftmasse im Trogvorfeld ist etwas weniger feucht als gestern – auch wenn die Grundschicht am Morgen feucht war (hier nicht erkennbar).
Alle diese Indizien führen zu dem Schluss, dass die Gewittertätigkeit heute weniger stark ausfallen wird als gestern. Dies wird auch von den Wettermodellen so gerechnet. Die Verifikation erfolgt heute am Nachmittag und Abend.
<tl;dr>
Vorwiegend Sonnig, warm, nur vereinzelt Schauer und Gewitter, bis 28 °C. #Sommer