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Die Ankündigung der Regierung folgt der Veröffentlichung eines Berichts von Bo Bylund an Handels- und Industrieminister Leif Pagrotsky. Bylund war beauftragt, zwischen dem Staat und den Elektrizitätsunternehmen ein Abkommen über die Modalitäten und den Zeitplan für die Stilllegung aller Kernenergieanlagen in Schweden auszuhandeln. Nach der endgültigen Abschaltung von Barsebäck-1 vor fünf Jahren leistete die Regierung eine Entschädigung von rund SEK8 Mrd. (CHF 1,35 Mrd.) für die bis zum Ende der normalen Kraftwerkslebensdauer von 40 Jahren entgangene Stromproduktion. Dasselbe sollte für die damals auf Ende 2003 vorgesehene Stilllegung von Barsebäck-2 gelten. Mitte 2002 entschied die Regierung indessen, das Abkommen neu auszuhandeln, um zu einer globalen Vereinbarung nach deutschem Muster zu kommen. Verhandlungsführer Bylund kam jetzt zum Schluss, dass die Wunschvision, längerfristig die ganze Energieversorgung auf erneuerbare Energiequellen umzustellen, nicht realistisch sei. Schweden könne weder die Wasserkraft, noch die Wind- und Biomassennutzung genügend rasch ausbauen, um auch nur einen Grossteil der Kernenergie zu ersetzen, wenn gleichzeitig der Öl- und Kohleverbrauch vermindert würde. Bylund empfiehlt, künftig den Einsatz von Erdgas für die Stromerzeugung zuzulassen. In diesem Fall könnte ein dritter Kernkraftwerksblock hinter Barsebäck-2 kurz nach 2010 endgültig vom Netz gehen, anschliessend rund alle drei Jahre ein weiterer entsprechend der normalen Lebensdauer von 40 Jahren. So stehe spätestens 2030 kein Kernkraftwerk mehr in Betrieb. In den Verhandlungen stimmten die Kraftwerkseigner diesem Zeitplan nicht zu. Vielmehr drangen sie darauf, die Lebensdauer der noch bestehenden Einheiten auf 60 Jahre zu verlängern.
Die politisch verordnete vorzeitige Stilllegung von Barsebäck-2 und die weiteren Abschaltpläne stiessen auf scharfe Kritik von Seiten der Konservativen, Liberalen und Christlich-demokratischen Partei: "Das ist ein teuerer und schlechter Entscheid. Er wird die Steuerzahler rund SEK 8 Mrd. kosten und den CO2-Ausstoss um 4% erhöhen." Auch der Gewerkschaftsbund LO (Landsorganisationen i Sverige) sprach sich dagegen aus. Die Industrie befürchtet einen höheren Elektrizitätspreis und weist darauf hin, dass Schweden bald Strom aus Finnland importieren und dafür ein weiteres Unterseekabel durch die Ostsee legen müsse. Überrascht und enttäuscht über den Entscheid äusserten sich die Elektrizitätsunternehmen Fortum, Sydkraft und Vattenfall. Sie glaubten, nach zwei Jahren Verhandlung vor einer Einigung zu stehen. Im Interesse einer stabilen Versorgung Schwedens und des ganzen nordeuropäischen Raums würden sie es begrüssen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Bekanntlich befürwortet laut Umfragen die Mehrheit der Schwedinnen und Schweden den Weiterbetrieb der Kernkraftwerke.
Quelle
P.B. nach NucNet, 6. Oktober 2004
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