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Am 12. April 1798 wurde vom Aarauer Rathaus die neue Helvetische Republik ausgerufen, die Helvetische Verfassung in Kraft gesetzt und Aarau zur provisorischen Hauptstadt erklärt. Bis Mitte September 1798 blieb Aarau Hauptstadt der damaligen Schweiz. Das nationale Parlament tagte im Aarauer Rathaus und die Helvetische Regierung im Haus im Schlossgarten.
Eine Bürgermotion, die am Freitag beim Aarauer Parlament eingegeben wurde, will an diese Zeit erinnern und den 12. April zu einem jährlichen Feiertag in Aarau erklären lassen. Die Stadt soll unter dem Motto «Tag der Republik» beziehungsweise «Tag der Revolution» Aktivitäten initiieren und unterstützen, sagt Mit-Motionär Stephan Müller im SRF-Interview.
Stephan Müller
alt Einwohnerrat Aarau
Stephan Müller sass früher im Stadtparlament von Aarau. Müller ist Szenograph und steht unter anderem hinter der Bürgermotion für eine Städtische Feier des 12. Aprils.
SRF: Stephan Müller, weshalb soll die Stadt Aarau speziell an den 12. April 1798 erinnern?
Der 12. April ist der Tag, als vor 221 Jahren Peter Ochs aus dem Aarauer Rathaus die Helvetische Republik ausrief. Dieser Moment hatte eine weitgehende Bedeutung für die ganze Schweiz. Und wenn er schon in Aarau stattfand, finden wir, sollte man daraus auch etwas machen.
Ist es nicht komisch, wenn Aarau ein Ereignis, welches auf die ganze Schweiz ausstrahlte, für sich reklamiert?
Nein. Wir können das ja so gestalten, dass wir die ganze Schweiz zu diesem Ereignis einladen, sei es mit Reden oder Gästen.
Die Helvetische Republik war eine wirre Zeit, es gab viele Umwälzungen. Einige Kantone wurden von den einmarschierenden Franzosen regelrecht geplündert, es gab blutige Konflikte. Ist es nicht unsensibel, diesen 12. April zum Feiertag zu erklären?
Aarau war vor der Helvetik Untertanengebiet der Berner, befreite sich dann aber damals von den Bernern. Die Helvetische Republik hat also eine unterschiedliche Bedeutung, je nachdem von wo in der Schweiz aus man sie betrachtet. Das erste halbe Jahr, als Aarau die Hauptstadt war, beschloss das Parlament viele fortschrittliche Sachen. Die Wirren kamen erst später. Dann wurde es quasi zu einem Bürgerkrieg, das muss man natürlich mitbedenken. Aber die Anfangszeit, die Aufbruchszeit nach dem 12. April, war davon nicht geprägt.
Der 12. April veränderte auch das damalige Gebiet des heutigen Kantons Aargau. Der Kanton Baden wurde beispielsweise gegründet. Weshalb haben Sie die Stadt Baden nicht mit ins Boot geholt und damit Ihr Anliegen breiter abgestützt?
Den Aargau gibt es erst seit 1803. Wenn man von 1798 ausgeht, spielt der Aargau in der heutigen Form keine Rolle.
Bei einem Feiertag denkt man an Essen, Trinken, Feiern. Wie stellen Sie sich den Feiertag anlässlich des 12. Aprils 1798 vor?
Wir denken an zwei Teile. Natürlich darf der Tag den Charakter eines kleinen Festes haben mit Bratwurst und Bier. Es soll aber auch einen Teil haben, wo man darüber nachdenkt, wie man die Demokratie weiterentwickeln könnte. Das können Workshops, Reden oder Symposien sein. Wie genau der Tag begangen werden soll, müsste man noch diskutieren.
Das Gespräch führte Stefan Brand.