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Am Boden sass ich, und mein Bauch sagte mir: «So, jetzt sitzt du schön in der Scheisse. Das Mäuerchen, von dem du an dieser Stelle geschrieben hast, wirst du lange, lange nicht selber bauen.» Mein Kopf sträubte sich gegen das Bauchgefühl und meinte: «So schlimm wird das nicht sein, vielleicht verstaucht, nicht mehr.»
Ich stand auf und rieb mein stark schmerzendes Handgelenk. Ich schaute zur Leiter, die auf die Heubühne führt und von der ich soeben heruntergefallen war. Tausendmal bin ich sie hoch- und heruntergeklettert, nie ist etwas passiert, bis auf jenen Nachmittag Anfang Juni. Das Heu musste eingebracht werden; flink wie ein Wiesel gings die Leiter hinauf und hinunter; plötzlich fiel ich, und beim Fallen dachte ich an den Betonboden und an meinen Hinterkopf. Ich fing den Fall mit meinem Hintern und den Händen auf.
Ja, das Handgelenk tat weh, aber ich arbeitete weiter, bis es nicht mehr ging, weil die Hand ihren Dienst nicht mehr tun konnte. Tags darauf trat ich ins Gesundheitssystem ein: Arztbesuch, Röntgen, Spitalbesuch, Computertomografie, abwarten, MRI und zum Schluss das Ergebnis: ein Kahnbeinbruch, der wochenlanges Stilllegen des linken Handgelenks und des Daumens mit einem Gips zur Folge hat, welcher in dieser Hitze gleichsam auch die Funktion einer Sauna übernimmt.
Was ist die rechte Hand ohne die linke?
Immerhin ist es nur das linke Handgelenk, trösten mich gutmeinende Leute. Vermutlich machst du einfach wieder zu viel, und der Unfall bremst dich nun ein wenig aus, meinen andere.
Ich kann das alles nicht mehr hören. Es stimmt, dass ich viel mache! Warum freut man sich nicht einfach an Menschen, die aktiv sind, vielleicht einmal überaktiv? Warum meinen viele, diese Menschen sollten ausgebremst, verlangsamt oder sogar lahmgelegt werden? Warum sind Geduld und Gelassenheit besser bewertet als Ungeduld und Unruhe, die an- und weitertreiben? Mich und die Dinge, die getan werden sollten!
Natürlich bin ich froh, dass es das linke Handgelenk ist. Doch was ist die rechte Hand ohne die linke? Gerade eben verzweifelte ich fast beim Versuch, einhändig Bostitch-Klammern in den Tacker zu füllen. Die Klammern spickten stattdessen über den Bürotisch, meine Nerven begannen zu flattern; am liebsten hätte ich das Heftgerät den Klammern hinterhergeworfen. Die Diktierfunktion, die ich nun zum Schreiben brauche, nimmt mir zwar das Tippen ab, aber meist schreibt sie anderes, als ich gesagt habe.
«Ich ziehe jedoch den Hut vor Menschen, für die Versehrtheit zum Alltag gehört, ein Leben lang.»
Jede Verrichtung wird mühsam und dauert lange. Die mir aufgezwungene Langsamkeit frisst die Zeit weg, die durch das Wegfallen nicht mehr machbarer Arbeit freigespielt werden müsste. Die langen Sommertage werden durch das langsame Tun zu viel zu kurzen. Für Gelassenheit und Innehalten bleibt keine Zeit.
Etwas lehrt mich die Sache: Wie ohnmächtig und verletzlich ich mich mit einem versehrten Körperteil fühle. Als ich den Gips wechseln musste, kam mir die Hand wie ein aus dem Nest gefallenes Vögelchen vor, so schwach, hilflos und nicht zu mir gehörend.
Meine Versehrtheit geht vorüber. Ich ziehe jedoch den Hut vor Menschen, für die Versehrtheit zum Alltag gehört, ein Leben lang.