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Anlässlich der Innenrenovation von 1957 ging es unter anderem auch um die alte Orgel auf der Empore, die bereits seit längerem nicht mehr benutzt worden war und von der Kirchenpflege Mönthal als nicht mehr brauchbar eingeschätzt wurde.
Ein von der Kirchenpflege aufgebotener Orgelexperte (Karl Grenacher) muss dieses Urteil gesprochen haben, und so sind denn in einem Brief vom 16. Juli 1956 an den federführenden Architekten Ernst Bossert in Brugg folgende vernichtenden Worte zu lesen:
«In der Beilage findest Du die Expertise über die alte Mönthaler Orgel. Todesurteil, wie zu erwarten.»
Im Folgenden wird zum Neubau einer Kleinorgel angeregt. Gleichentags schrieb der Verfasser obiger Zeilen dem erwähnten Orgelexperten in Wettingen folgende martialischen Zeilen:
«Ihre Beurteilung der alten Orgel in Mönthal ist uns sehr wertvoll, und ich danke Ihnen bestens für Expertise und Anregungen. Ich wollte das Todesurteil nicht aussprechen ohne die Zustimmung eines Orgelfachmanns.
Das Harmonium ist selbstverständlich eine Notlösung. Da wir heilfroh sein müssen, die bauliche Instandstellung des wirklich reizenden ländlichen Raums finanzieren zu können, ist die Neuanschaffung einer Kleinorgel einstweilen ins zweite Glied zurückgestellt. Ich bin aber sehr froh, mit Ihrem Schreiben eine neue Waffe in der Hand zu haben für die anzustrebende Endlösung [sic!]. Sollte sie schon jetzt möglich sein, durch die Stiftung eines noch unbekannten Onkels aus Amerika oder sonst einen Deus ex machina – umso besser. Wir würden uns in diesem Glücksfall gerne erlauben, Sie wieder beizuziehen.»
Der Verfasser beider Briefe war kein geringerer als der Kunsthistoriker Dr. Emil Maurer (1917–2011), der unter anderem den auch heute noch als Referenzwerk geltenden Band über Königsfelden zu den Glasmalereien und dem Klosterschatz in der Reihe von «Kunstdenkmäler der Schweiz» verfasst hatte (1954). Er war von 1948-62 – also während der Zeit der Innenrenovation der Kirche Mönthal – Denkmalpfleger der kantonalen Denkmalpflege des Kantons Aargau und hat in dieser Funktion als Gutachter gewirkt, so auch im Falle der Kirche Mönthal.
Über die markige Sprache in diesen Briefen kann sich die Verfasserin nicht genug wundern: Sie hat während ihres Studiums der Kunstgeschichte an der Universität Zürich unter anderem bei Professor Maurer studiert, der dort 1966 zum ordentlichen Professor für Malereigeschichte berufen worden und bis zu seiner Emeritierung 1982 tätig war. Ihr war er immer als sehr distanzierter und äusserst zurückhaltender, auch sehr trockener Herr erschienen, dem sowohl Kraftausdrücke wie Humor wesensfremd zu sein schienen – umso grösser die Überraschung, nun in der Denkmalpflege des Kantons Aargau auf diese Briefe zu stossen, die zeigen, dass Professor Maurer durchaus zu drastischer Rede fähig war! Und dazu auch Humor besass, wie die launigen Bemerkungen über den «unbekannten Onkel aus Amerika» und den «Deus ex machina» beweisen.