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• Carl Icahn kritisiert Tierschutzbemühungen von McDonald's schon seit einigen Jahren
• Icahn verfasste Brief an alle McDonald's-Aktionäre
• ESG-Politik der Wall-Street-Firmen könnte die "grösste Heuchelei" unserer Zeit sein
Carl Icahn gegen McDonald's
Schon seit einiger Zeit setzt sich der Grossinvestor Carl Icahn für eine bessere Behandlung von Tieren ein. Dies zeigt sich vor allem durch seine Bemühungen, den Fast-Food-Konzern McDonald's zu einer besseren Behandlung von Schweinen zu drängen, wie CNBC in Berufung auf das Wall Street Journal berichtet. "Tiere sind eines der Themen, die mich wirklich bewegen", so der Milliardär. Unter anderem setzt sich Icahn für das Ende einer Methode ein, bei der trächtige Schweine in Kisten gehalten werden, damit sie sich nicht bewegen können. Die klare Forderung des Investors: Alle McDonald's-US-Lieferanten sollen auf "kistenfreies" Schweinefleisch umsteigen. McDonald's sei zwar bereit, ab 2024 - und damit erst zwei Jahre später als ursprünglich geplant - völlig auf die Kastenhaltung zu verzichten, jedoch würde die derzeitige Versorgung mit Schweinefleisch in den Vereinigten Staaten die sofortige Erfüllung der Forderung unmöglich machen.
Brief an Aktionäre und Nominierungen für den McDonald's-Vorstand
Am 21. April veröffentlichte Icahn schliesslich einen Brief an alle McDonald's-Aktionäre, in dem er unter anderem die Wall-Street-Firmen für ihre ESG-Investitionspolitik und die Vergütungen in den oberen Rängen kritisiert. In seinem Brief erklärt Icahn, dass das US-amerikanische Unternehmen die Verpflichtung habe, durch sein unternehmerisches Handeln einen positiven und vor allem dringend notwendigen gesellschaftlichen Wandel voranzutreiben. Seiner Meinung nach lasse McDonald's seine Aktionäre und Stakeholder im Stich, indem der Konzern gegen den Tierschutz verstosse, Mängel in der Lieferkette aufweise und dennoch eine hohle Umwelt-, Sozial- und Governance-Agenda ("ESG") vorgebe. Der Tierschutz sei nicht zuletzt auch im Blick auf den Klimawandel und andere Herausforderungen ein zunehmend wichtiges Thema.
Bereits im Februar machte McDonald's durch eine Pressemitteilung bekannt, dass Icahn die zwei Kandidaten Leslie Samuelrich und Maisie Ganzler für den Aufsichtsrat vorgeschlagen habe. "Herr Icahns erklärter Schwerpunkt bei dieser Nominierung bezieht sich auf ein enges Thema im Zusammenhang mit dem Engagement des Unternehmens für Schweinefleisch, das die Humane Society U.S. bereits durch einen Aktionärsantrag eingebracht hat", so die Fast-Food-Kette. "Ich hoffe, dass sich diese ESG-Befürworter in diesem Wahlkampf endlich ebenso energisch für den Tierschutz einsetzen, wie für andere Themen und sich mir und anderen anschliessen, um einen positiven Wandel bei McDonald's für die ganze Welt sichtbar zu machen", so Icahn in seinem Brief.
McDonald's erklärte in seiner Antwort auf Icahns Brief, dass das Unternehmen nur etwa ein Prozent der US-Schweinefleischproduktion beziehe. "Trotz der Fortschritte von McDonald's bei unserer Verpflichtung von Erzeugern zu beziehen, die keine Käfige für trächtige Sauen verwenden, hat Herr Icahn neue Verpflichtungen gefordert. Was Herr Icahn von McDonald's und anderen Unternehmen fordert, ist völlig undurchführbar", so das Unternehmen. Dennoch soll das US-Schweinefleischangebot der Fast-Food-Kette bis Ende 2024 "kistenfrei" sein. Bis Ende dieses Jahres sollen bereits 85 bis 90 Prozent des Schweinefleischs von Sauen stammen, die während der Trächtigkeit nicht in Käfigen gehalten wurden.
ESG-Bemühungen der Wallstreet sind "Heuchelei"
Doch nicht nur McDonald's wird von Icahn für sein Vorgehen kritisiert. Der Investor wolle ausserdem Licht auf "die vielleicht grösste Heuchelei unserer Zeit werfen: Eine grosse Anzahl von Wall Street-Firmen und ihre Banker und Anwälte scheinen aus ESG Kapital zu schlagen, um ihre Gewinne zu steigern, ohne auch nur annähernd genug zu tun, um greifbare gesellschaftliche Fortschritte zu unterstützen", so Icahn. Diese Marktteilnehmer würden durch Verschleierungstaktiken ihre ESG-bezogenen wirtschaftlichen Anreize herunterspielen und ihre angebliche soziale Wirkung fördern. Seiner Meinung nach müsse sich der derzeit geltende "ESG-Status quo" dringend ändern, da die ESG-Bewegung mehr sein sollte als nur ein Marketingkonzept.
E. Schmal/Redaktion finanzen.ch