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Schwangerschaftsdepression erhöht Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall
Etwa jede fünfte schwangere Frau leidet an einer Schwangerschaftsdepression. Neuen Forschungsergebnissen zufolge haben diese langfristige Auswirkungen auf ihre kardiovaskuläre Gesundheit.
Herzinfarkt, Schlaganfall und andere kardiovaskuläre Erkrankungen sind die Hauptursachen für eine erhöhte Sterblichkeit im Zusammenhang mit Schwangerschaften. Es ist wichtig, diese Risikofaktoren bei werdenden Müttern zu identifizieren, um entsprechende Vorbeugungsmassnahmen ergreifen zu können.
Eine entscheidende Rolle spielen dabei Schwangerschaftsdepressionen, wie amerikanische Forscher anhand von Daten von 119.422 werdenden Müttern zeigen konnten (1).
Koronare Herzerkrankung am stärksten erhöht
Insgesamt entwickelten die Teilnehmerinnen der Studie innerhalb von zwei Jahren nach der Entbindung mit einer kumulativen Risikorate von 0,8% eine schwere kardiovaskuläre Erkrankung. Frauen mit Schwangerschaftsdepressionen waren im Vergleich zu nichtdepressiven Schwangeren deutlich stärker gefährdet. Die adjustierte Hazard Ratio (aHR) betrug 1,83 für koronare Herzerkrankungen, gefolgt von Arrhythmien oder Herzstillstand (aHR 1,60) und Kardiomyopathien (aHR 1,61).
Auch Hypertonie, Herzinsuffizienz und Schlaganfälle traten nach einer präpartalen Depression häufiger auf.
Zusammenhang galt vor allem Frauen ohne Vorerkrankungen
Berücksichtigte man jedoch vorbestehende Angststörungen, schwächten sich die Zusammenhänge bei einigen kardiovaskulären Erkrankungen etwas ab. Bei anderen zeigte sich dann keine signifikante Verbindung mehr, zum Beispiel bei Myokardischämien oder Schlaganfällen. Das lässt darauf schliessen, dass pränatale Depressionen allein das Risiko für diese CVD-Diagnosen nicht erhöhen.
In Bezug auf den Kofaktor Schwangerschaftshypertonie zeigte sich, dass bei Frauen ohne Bluthochdruck in der Schwangerschaft ein stärkerer Zusammenhang zwischen Schwangerschaftsdepression und Schlaganfall sowie Arrhythmien und Herzstillstand bestand. Frauen mit präpartaler Depression und gleichzeitiger Hypertonie erkrankten nach der Geburt häufiger an Herz- und Kreislaufproblemen als diejenigen ohne Depression.
Die Autoren empfehlen, bei der Ermittlung des kardiovaskulären Risikostatus von Patientinnen auch die schwangerschaftsspezifischen Risikofaktoren, einschliessliche pränataler Depressionen, zu berücksichtigen.
Mögliche Mechanismen von Schwangerschaftsdepression und Herzleiden
Aus Studien mit nicht schwangeren Frauen lassen sich mehrere Mechanismen für einen kausalen Zusammenhang zwischen Schwangerschaftsdepressionen und kardiovaskulären Erkrankungen vorschlagen. Eine Theorie ist etwa, dass Entzündungen eine Rolle spielen. So könnte chronischer psychischer Stress bei einer Depression zu einer anhaltenden Aktivierung des Sympathikus und einem proinflammatorischen Zustand führen. Die Entzündung fördert dann auch die endotheliale Dysfunktion, die eine Vorstufe der Atherosklerose darstellt.
Andere Kausalmechanismen umfassen die Auswirkung einer psychischen Störung auf die körperliche Inaktivität, die zu kardiovaskulären Erkrankungen beitragen kann.