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Die Stadt Zürich war an der Sklaverei und dem Sklavenhandel finanziell beteiligt und so mitverantwortlich für die Versklavung tausender Afrikanerinnen und Afrikaner. Die Unterstützung erfolgte durch Staatsanleihen, den Handel und Plantagen.
Die Verbindungen Zürichs zur Sklavenwirtschaft waren «vorhanden, vielfältig und relevant», wie Frank Schubert, Mitautor einer Studie der Universität Zürich, am Dienstag vor den Medien sagte.
Diese Verbindungen waren Ausdruck einer Tradition einer langen Verflechtung und Vernetzung mit der aussereuropäischen Welt. Im Jahr 1727 kaufte die Stadt gemäss der Studie 120 Aktien der englischen South Sea Company, einer Sklavenhandelsgesellschaft.
Das Unternehmen hatte bis 1739 ein Monopol auf den Import versklavter Arbeitskräfte in die spanischen Kolonien Südamerikas. Während der Zeit der Zürcher Beteiligung verschleppte es 8636 Afrikanerinnen und Afrikaner dorthin.
Gleichzeitig verschiffte die Company 27'858 Sklavinnen und Sklaven im inneramerikanischen Sklavenhandel. Die Zürcher Beteiligung an der Company sei zwar weitaus kleiner gewesen als etwa jene Berns, sagte Schubert. Laut Studie hielt die Stadt Bern 1300 Anteile. Doch Zürichs Anteil sei grösser gewesen als jener des englischen Königs.
Zürich investierte auch über die halbstaatliche Zinskommission Leu & Co. in die Sklavereiwirtschaft. Die 1755 gegründete Kommission hatte laut Studie den Auftrag, Staatsgelder gewinnbringend im Ausland anzulegen. Auch das Bürgertum investierte in Leu-Obligationen.
Von 1757 bis 1798 lieferte die Zürcher Kommission Geld an die dänische Krone, welche dieses zum Ausbau und der Sicherung ihres Kolonialbesitzes brauchte. Auf den dänischen Antillen arbeiteten damals mehrere tausend Sklavinnen und Sklaven. Drei Mal investierte der dänische König direkt in den Sklavenhandel und brachte so neue Sklavinnen und Sklaven auf die Inseln.
Neben der Stadt Zürich war auch die Zürcher Wirtschaft mit der Sklaverei verbunden. So beteiligte sich etwa ein Hans Konrad Hottinger mit seiner Firma Hottinger & Cie in den Jahren 1791 und 1792 an Sklavenschiffen. Hottinger erhielt für jene Geschäfte, die sich nicht auf den Sklavenhandel beschränkten, zudem «regelmässig» Kredite der Zinskommission Leu & Co.
Daneben war auch die Zürcher Textilindustrie strukturell mit der Sklavenwirtschaft verbunden. Im 18. Jahrhundert waren in Zürich gefertigte Indienne-Stoffe ein zentrales Frachtgut im Sklavenhandel. Die Tücher wurden in Westafrika gegen Sklavinnen und Sklaven getauscht. Sie waren eines der wenigen europäischen Produkte, die dafür akzeptiert wurden, wie Studien-Mitautor Schubert sagte.
Dazu kam im 19. Jahrhundert die Baumwolle für die Zürcher Textilindustrie «nahezu ausschliesslich» vom amerikanischen Kontinent und damit aus Sklavenproduktion. Den Textilfabrikanten war dieser Umstand bekannt. Sie glaubten aber, dass ohne Sklavenarbeit die Baumwollwirtschaft zusammenbrechen würde, sagte Schubert.
Die Textilindustrie war auch Ausgangspunkt der hiesigen Maschinenindustrie. Das Unternehmen Escher, Wyss & Cie. etwa entwickelte sich von einer Baumwollspinnerei zu einer Maschinenfabrik. Die Ursprünge dieses Industriezweigs sind damit mit der Sklaverei verknüpft, wie die Studie festhält.
Die Studie beleuchtet auch die Verbandelungen der Familie Escher mit der Sklavereiwirtschaft. So habe Alfred Escher nur indirekt mit der Kaffeeplantage mit über 80 Sklaven seines Onkels auf Kuba zu tun gehabt. Allerdings half er seinem Vater Heinrich ab 1846 bei deren Verkauf. Betrieb und Verkauf der Plantage dürfte zum Vermögen beigetragen haben, das Alfred Escher von seinem Vater 1853 erbte.
Den Verkauf der Plantage fädelten die Eschers dabei so diskret wie möglich ein. Denn ab den 1830er- bis 1860er-Jahren kam es in den Medien erstmals zu einer Debatte über die Beteiligung der Familie am Sklavenhandel. «Mitte des 19. Jahrhunderts galten Sklaverei und Sklavenhandel in Zürich als verwerflich», sagte Schubert. (sda)
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