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Kambodschas Tempelanlagen und Skulpturen zählen zum herausragenden Kulturerbe. Angkor Vat, der wohl berühmteste Tempel im alten Kambodscha, ist zugleich das grösste sakrale Bauwerk der Welt und vermittelt bis heute eine Vorstellung der einstigen Pracht. In der Sprache der Khmer bedeutet «Angkor» königliche Stadt und «Wat» Tempel. Die Entdeckung der im Dschungel versunkenen Anlage durch die französischen Kolonialherren im 19. Jh. kam einer Sensation gleich. Das Staunen galt – und gilt immer noch – einer vergangenen Hochkultur, die vom 9. bis zum 13. Jh. dauerte.
Die Ausstellung im Museum Rietberg steht unter dem Patronat der Unesco und war zuvor in Bonn und Berlin zu sehen. Sie wurde auf höchster politischer Ebene eingefädelt und sei die bisher teuerste Ausstellung, die das Museum Rietberg je gezeigt habe, so Direktor Albert Lutz.
Diese erste grosse Schau über die alte Kultur Kambodschas im deutschsprachigen Raum erlaubt eine faszinierende Zeitreise, deren zeitlicher Bogen sich vom 7. Jh. bis in die heutige Zeit spannt. 140 kunstvoll gearbeitete, zum Teil lebensgrosse Figuren aus Stein, Bronze und Holz, daneben kostbare Silberarbeiten und Malereien vermitteln einen guten Eindruck von der Eleganz, dem Machtbewusstsein und der Spiritualität im Kunstschaffen der Khmer. Eigenschaften, die sich auch in ihrer kolossalen Bautätigkeit widerspiegeln.
Ihren Wohlstand verdankten die Khmer dem Handel und der Landwirtschaft (u. a. erzielten sie durch ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem bis zu drei Reisernten pro Jahr). An der Spitze der Gesellschaft stand ein König, der in der Angkor-Periode (9.–13. Jh.) sogar Götter-Status besass. Das Reich von Angkor erstreckte sich über weite Gebiete Vietnams und Thailands und entwickelte sich zur beherrschenden Macht Südostasiens.
Verheissungsvolle Orte
Die Tempelanlagen folgten einer kosmologischen Konzeption, wobei die Erde ein von Gebirgsketten umgebenes Viereck verkörpert. Jenseits davon dehnen sich die mythischen Ozeane aus, in der Mitte des Vierecks befindet sich der Berg Meru, Sitz der Götter. Die gigantischen Ausmasse lassen sich anhand des eigens für die Ausstellung gebauten Holzmodells nachvollziehen, das jedoch lediglich den Tempel im Stadtzentrum darstellt. Die Tempelanlagen wurden nicht etwa als Mausoleen gebaut, sondern als verheissungsvolle Orte, an denen sich die Könige nach dem Tod mit dem göttlichen Prinzip vereinen sollten. Sie widerspiegeln die Sehnsucht der (kurzen) menschlichen Existenz nach Dauerhaftigkeit und Erlösung.
Die frühesten überlieferten Werke der Khmer stammen aus dem 6. bis 8. Jh. Es sind buddhistische wie auch hinduistische Heilsgestalten in der Tradition der indischen Kunst die jedoch bereits einen eigenen, unverkennbaren Stil zeigen.
Berühmtes Angkor-Lächeln
Den Schwerpunkt der Ausstellung bilden die monumentalen Stein- und Bronzefiguren, die während der Angkor-Periode in den Tempeln verehrt wurden. Im 12. Jh. gewann der Buddhismus gegenüber dem Hinduismus an Einfluss. Die von König Jayavarman VII. (1181–1220) in Auftrag gegebenen Tempelbauten orientieren sich an den Idealen von Mitgefühl und Weisheit, wie sich an den imposanten Gesichtertürmen des Bayon-Tempels erkennen lässt. Das berühmte «Angkor-Lächeln» auf den ausdrucksvollen Gesichtern – ein weltentrücktes Lächeln, das innere Ruhe und Harmonie verkörpert – gilt als Inbegriff der späten Angkor-Zeit.
Nach dem Tod von König Jayavarman VII. kam es zu einer Stagnation, und im 15. Jh. verliessen die Khmer-Könige Angkor gänzlich. Während die Holzbehausungen verschwunden sind, haben die Tempelanlagen die Zeit überdauert. Seit ihrer Entdeckung in der Mitte des 19. Jhs. sorgen die kunstvollen Bildhauerarbeiten, die detailgetreuen, lebendig erzählenden Reliefs und die eleganten Skulpturen für Staunen.
In den frühen 1990er Jahren, als sich Kambodscha nach der Schreckensherrschaft der Roten Khmer politisch zu stabilisieren begann, wurden die Tempel für Reisende wieder zugänglich, und nun kann auch erneut geforscht werden. Seither steht die Kultur des Khmer-Reiches erneut im Bewusstsein der Weltöffentlichkeit.
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Museum Rietberg, Gablerstrasse 15, Zürich; bis 2. Dezember 2007