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So lief ich ihm hinterher. Bald landete ich in einem kleinen Hof, wo eine recht alte Dame aus dem Wasser, das über Holzfeuer erhitzt wurde, einen Tee machte. So wie meine Kindheit bei der Grossmutter bei Tainan. Das ist wohl die alte Hausherrin? Sie kümmerte sich nicht um meine Anwesenheit. Hu weiste mir einen Platz hin. Ich folgte. Ich nickte meinen Kopf zu den Menschen, die ich grüssen sollte, auch wenn sie mir unbekannt sind oder unbekannt bleiben. So ist die Höflichkeitsform der traditionellen chinesischen Gesellschaft. So wurde ich erzogen, so werde ich weiter bleiben. Wie man sich als ein Gast verhält gehört zu der wichtigsten Beziehung in solcher Kultur.
Die Menschen grüssten zurück oder nicht. Hu stellte mich als eine gute Freundin von Yu vor. Durch Yu und ihn darf ich dort sein, mitessen und mitsitzen. Eine junge Dame aus Sichuan gab mir einen Bambussprossen, „Probiere Mal, bittere Bambus. Es gibt nur in diesem Saison, nach Qingming vor Gu Yu.“ Ich nahm ihre Freundlichkeit gerne an. „Hm, richtig bitter. Aber mir schmeckt es.“ „Ja, das ist so frisch, nicht wahr?“
Niemand fragte mich, weshalb ich dort mitessen konnte. Menschen kamen, sassen, assen und wieder gingen. Als ob alles so selbstverständlich wäre, dass ein Fremder einfach dazu gehört, weil diese Person zu einem Freund gehört. „Woher sollte der Koch wissen, wie viel er kochen sollte?“ Hu lachte, „So viel wie er denkt.“ „Hat er keine Angst dass das Essen als Rest bleibt?“
„Weshalb?“ fragte er zurück.
Weshalb? Ich weiß nicht. Ich dachte an meine Mutter, die immer schimpft, wenn der Kühlschrank voll war. Und ich dachte an die Einladung im Europa, wo jeder Gast ein Stück Fleisch zugewiesen bekam und ich immer bei der höflichen Nachfrage des Gastgebers für einen Nachschlag ablehnen musste. Vielleicht weil das Essen eine andere Funktion hat? Als Sozialwissenschaftlerin wurde ich sehr neugierig. Aber meine Rolle als Gast ermöglichte mir nicht so viele Frage zu stellen. Teilnehmende Beobachtung kann man auch nur unternehmen, wenn man bereits verschiedene Rolle vereinen kann!
„Man isst hier, schläft hier und trinkt hier. Der Hausherr ist so großzügig!“ sagte ich später zu Yu. Er lächelte und sagte mir, „Weiß Du, Du muss wissen, wie oft, wie viel und wie lange.“ Wow! Meine Augen leuchteten, ein Feld für eine Ethnographie! Wie kann man das Zusammenleben in einem Balance leben, so dass Geben und Nehmen als energetische Akte ausgeglichen bleiben? Es muss sehr viel Fingerspitzengefühl geben!
Die Dame aus Sichuan schenkte mir zwei per Hand gemalte Verpackungspapier von Pu Er Fladen. Ich bewunderte die Schönheit und Ihren Einsatz für Ihren Tee. Hu lächelte mit einem Vorbehalt, „Eigentlich sollte man die Energie besser für Teeproduktion und Tee-Urteilsvermögen aufwenden.“ Was will er mir sagen?
„Hast Du ihr nicht geholfen Tee auszusuchen oder Ratschläge zu geben?“
„Wenn man bewusst ist, dass man wenig weiß, würde man andere Menschen fragen.“ er rauchte eine Zigi, „Eine selbstbewusste Frau will nicht immer Ratschläge von einem alten Mann hören.“ Bewusst oder selbstbewusst? Und ich selbst?
„Was für Tee willst Du jetzt trinken?“
„So wie Du es wünscht. Ich kann nur von Dir lernen.“ Ich meine es aus meinem Herzen.
Bei Nachmittagstee wurde die Dame aus Menghai gesprächiger. Von ihr erfuhr ich, wie Yiwu Tee und gelagerter Tee von Fachmenschen in Menghai wahrgenommen werden. Die Menschen aus Menghai hätten früher nie Tee aus Yiwu getrunken. Und gelagerter Tee gehört nur zur Literatur. Sie hat es von Hu gelernt, Tee aus Yiwu zu schätzen und zu kennen. Und von Lin Cang? Sie rauchte eine Zigi und sagte, es sei nicht interessant. Der Lin Cang Tee sei nur für Business und für die eigene Bildung. (Der Grund schreibe ich später in anderem Beitag.) Diese Dame führt ein Manufaktur, das Sheng Pu Er zu Shou Pu Er verarbeitet und Teefladen presst.
In Yiwu wird der Fladen anders gepresst. Während man in Yiwu oft nur mit Stein arbeitet, wird der Tee in Menghai oft zuerst in einem manuellen Maschine geformt und dann mit Stein gefestigt. Sie sagte mir, so würde die Fladen regelmäßig aussehen anstatt eine Fladen zu hoch, die andere zu flach.
Ich wollte ihr nichts widersprechen. Einerseits hat sie recht. So wollen auch viele Handwerker ihre Arbeit zur Perfektion bringen. Die per Hand gemachte Sache sollen so perfekt wie aus einer Maschine. Andererseits schätze ich die Unregelmäßigkeit der Menschlichkeit. Wozu soll ich meine Menschlichkeit verraten? Das Streben nach Gleichmut macht einen Sinn, weil wir eben Menschen sind.
„Wie lernt Ihr Euch kennen? Hier?“ Ich möchte gerne wissen, wie sie zueinander finden, oder wie sie zu Yu finden. Sie sagten, Teehändler treffen sich immer dort, wo Informationen ausgetauscht sind. Mit der Zeit weiß man mit wem man austauschen soll, mit wem man nur Spaß machen sollte. Oder man weiß wen man meidet. „Yu redet nicht mit dir, wenn er dich unsympathisch findet.“ Hu rauchte seine Zigi und atmete aus, „Ich verschwende auch nie meine Zeit.“ Die Dame nickte ihren Kopf. So ist es doch eine Ehre für mich, mit ihnen Tee zu trinken. Sie stimmte meine Aussage zu. Es war ihnen nicht einmal verlegen. „Du verstehst Tee. Das macht Freude.“ sagte er, „Wir hockten oft um Tee miteinander zu trinken, aber eigentlich wollen wir nur weiter kommen mit Tee. Wenn man dadurch inspiriert wird, ist es großartig.“
Teehändler wissen, wo sie richtige Informationen finden und mit wem sie ihre Ideen verwirklichen können. Allein sind sie meistens zu klein, um gegen die Kapitalisten an guten Tee zu kommen. So schließen paar Teehändler zusammen, teilen Wissen und Informationen aus und führen gemeinsame Projekte aus. Somit können die kleinen Produzenten guten Tee mit tollen Ideen produzieren. Sie achten jeden Schritt, von Ernte, Produktion (die richtige Person für das Erhitzen, die richtigen Schritte für das Trocknen und Rollen etc.) bis zum Fladenpressen. Gerne helfen sie sich gegenseitig aus, betreuen gegenseitig Freunde (wie mich) und teilen die schwer zu ergatternden Teeblätter wie von Bo He Tang oder Mao Er Duo, miteinander. (Ich kann in diesem Jahr Pasha Varietät aus Lao Ban Zhang in Shui Tang anbieten ist auch auf diese Zusammenarbeit zurückzuführen.) Wenn das Wohlwollend zwischen Menschen vor allem bei Händler im Vordergrund steht, können so wunderbare Geschichte entstehen! Wir machen guten Tee!
Da braucht man viel Vertrauen in Menschen und in der Vorstellung, dass jeder einen Platz verdient in dieser Welt und wir haben alle genug zu essen!
Als ein Gast streckte ich meine Ohren und Augen. Lernen, lernen und Lernen. Als die Geräusch von der Gruppe im Hof laut hoch steigerte, wusste ich, dass ich nun wieder eine andere Funktion einnehmen musste. Hu sagte zu mir, „Oh, Du muss Dich fertigmachen. Die Teestunde sind vorbei.“
Als meine Teefreunde mich wiedersahen, sagte jemand zu mir, „Du sieht erholt aus!“
Ja, zum ersten Mal fühlte ich mich in Yunnan angekommen. Ich war in Yunnan, anstatt die Reiseführerin in Yunnan. Ich konnte mein Dasein einfach als ein Teeliebhaber in Yunnan geniessen, atmen und trinken. Es war meine Sternstunde, meine Ferien und meine Teatime.