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Am Sonntagabend, den 4. Juni 2017, endete die dritte Season der offiziellen Rocket League Championship Series (RLCS) in Los Angeles erneut mit einem europäischen Finale. Das Trio von Northern Gaming konnte sich nach zwei Bronzerängen endlich den Sieg und den Titel des besten Rocket League Teams krallen. Zu Recht.
Willkommen Australien und Neuseeland!
Am eigentlichen Modus der dritten Season hat sich mit einem wesentlichen Unterschied nicht viel geändert: zum ersten Mal ist mit Oceania (OCE), neben Nordamerika (NA) und Europa (EU), eine dritte Region mit dabei. Im Final treten dann nur 2 statt 4 Teams von OCE an.
Die dritte Season startete am 4. März mit den regionalen Open Qualifiers, wovon die jeweils besten 8 Teams in die Gruppenphase weiterkommen würden. Verteilt auf fünf Wochenenden spielten diese 8 Teams in League Play gegeneinander. Die Ränge 1-6 spielten anschliessend am Wochenende vom 6. und 7. Mai in der Regional Championship (Single Elimination), wobei Rang 1 und 2 für das Halbfinale und somit für die Teilnahme an der World Championship gesetzt waren. Denn am Ende würden die 4 Top-Teams von NA und EU sowie die Top 2 von OCE nach Los Angeles gehen können.
Neu ist, dass die beiden besten Teams der jeweiligen Regional Championships in NA und EU automatisch für Season 4 League Play gesetzt sind. Hinzu kommt dann noch der World Champion. Damit soll für Teams (und Fans) ein stabileres Umfeld für erfolgreiche Teams geschaffen werden, was sehr zu begrüssen ist.
Überraschungen bei Underdogs und Favoriten
Die ganz grosse Überraschung in Europa dürfte das Team The Leftovers gewesen sein. Sie hatten sich erst ganz kurz vor Beginn der Qualifikation zusammengesetzt und bestand – wie der Name erahnen lässt – aus übrig gebliebenen Spielern, die kein Team fanden. Zu Unrecht. Sind sie doch keine Unbekannten: Sikii war bereits zweimal im Final (mit Mock-It und Precision Z) und Snaski in beiden Seasons in der Quali mit dabei (mit Supersonic Avengers und Reunited). Bloss Ferra war ein völliger Neuling auf der Bühne der RLCS. Einer so zusammengewürfelten Mannschaft wurde nicht viel Kredit gegeben. Zu Unrecht. Sie qualifizierten sich für League Play, starteten in die ersten beiden Wochen ungeschlagen ins Rennen und führten die Tabelle an. Am Ende platzierten sie sich hinter Northern Gaming auf dem zweiten Rang und sicherten sich so bereits das Ticket an die World Championship.
In Nordamerika war die Überraschung etwas anderer Natur. G2 Esports mit der Rocket League (und Vorgänger SARPBC) Legende Kronovi (Season 1 Sieger mit iBUYPOWER Cosmic) und Rizzo (Season 2 Finalist) platzierte sich in League Play zwar auf Rang 3, tauchte dann aber in der Regional Championship: sie landeten auf dem letzten Platz und verpassten den Weg an die Live Finals. Das war besonders bitter, da die Finals dieses Mal wieder in den USA in Los Angeles stattfanden. In der Folge war der Spruch »G2 died for this« auf vielen Schildern im Publikum und in Kommentaren auf Twitch und Twitter zu finden.
World Championship in der Stadt der Engel
Nach der letzten Austragung in Amsterdam war wieder Nordamerika an der Reihe. Zehn Teams reisten zur 3-tägigen World Championship im The Wiltern Theatre an. Vor ausverkauftem Haus (fast 2’000 Plätze) spielten sie im Double Elimination Turnier vom 2. bis 4. Juni zum dritten Mal um den Titel.
Der Modus sah vor, dass die beiden viertplatzierten von NA und EU gegen die Teams von OCE antraten. Zum ersten Mal würde man nun sehen wo Australien im Vergleich steht. Die Erwartungen waren nicht allzu hoch. Zu Recht. Die Nummer 2 JAM Gaming stand gleich dem europäischen Favorit Northern Gaming (NG) gegenüber und verlor die Serie ohne einen Win. Der Abstand zur Spitze war klar sichtbar. Alpha Sidney, das als ganz klar bestes Team von OCE gegen Denial Esports antrat, schaffte mit einem 3:2 zwar den Coup und rückte eine Runde weiter. Dort war dann aber gegen den Nummer 1 Seed von Europa Mock-It eSports fertig. Auch im Lower Bracket gegen die Leftovers lag klar kein Sieg mehr drin.
Wer siegen will muss verlieren können
Der Titelverteidiger FlipSid3 Tactics startete ohne Veränderungen im Line-Up und siegte in der ersten Serie gegen Selfless Gaming mit 3 zu 2. Im Halbfinal trafen sie dann auf NRG, das beste Team Nordamerikas (bestehend aus Jacob, Fireburner und GarrettG). Diese waren eine Nummer zu gross und FlipSid3 musste sich daraufhin mit dem Überraschungsteam The Leftovers im Lower Bracket duellieren. An dieser Stelle war dann Ende der Fahnenstange für Markydooda, kuxir97 und gReazymeister. The Leftovers gewannen 3-2, flogen dann aber ohne Sieg gegen Northern Gaming aus dem Turnier und belegten den 4. Schlussrang.
Northern Gaming zeigte bis zur Regional Championship eine überragende Season. Die “Dynastie” (wie sie während den Finals oft von den RLCS Castern genannt wurde) bewies, dass der vorgenommene Rosterwechsel nach der letzten Season eine gelungene Sache war: Deevo (vorher bei Mockit Aces, 2. in Season 2) ersetzte miztik, der seinerseits zu Mock-It eSports wechselte. Mit seinen unglaublichen offensiven und defensiven Plays brachte Deevo das Team genau den nötigen einen Schritt weiter (Fun Fact: sein ikonischer double-touch von oberhalb dem Tor wurde in Australien nach ihm benannt). Das Trio remkoe, Maestro und Deevo funktionierte bestens. Da Maestro aber nicht nach L.A. konnte, musste Ersatzmann Turbopulsa ran, der ebenfalls kein Unbekannter war (und eigentlich in ein Startroster gehört). Nach dem Auftaktsieg gegen das australische Team JAM Gaming stand das Duell mit NRG an von denen sie prompt in das Lower Bracket geschickt wurden.
Das Verlangen nach einem Sieg in der RLCS war bei der Mock-It Organisation ebenfalls hoch. In Season 2 verlor Mock-It Aces den Final gegen FlipSid3 Tactics, dies obwohl sie den Vorteil des Winner Brackets hatten und nur eine Best-of-7-Serie gewinnen mussten. Und nun war die Ausgangslage identisch: Mock-It eSports gewann alle Serien, zuletzt gegen NRG, und stand im Final. NRG traf im Lower Bracket wieder auf Northern Gaming, die sich in einen Lauf gespielt haben (9 von 10 Matches gewonnen) und das zweite Duell 4-1 für sich entscheiden konnten. Somit gab es, wie letzte Season, wieder ein rein europäisches Finale. Mock-It würde 2 Chancen zum Sieg haben, da Northern Gaming ihnen zuerst eine Niederlage zufügen muss. Was NG in überraschend dominanter Spielweise machte. Was dann in der zweiten und entscheidenden Best-of-Seven-Serie folgte, war etwas vom wohl technisch und taktisch Besten, das man bisher in Rocket League gesehen hat. Ein wahrer Leckerbissen.
Mock-It holte sich den ersten Sieg und in der Folge wechselten sich die Teams ab. Alle Spieler zeigten beeindruckende Konzentration und Präzision. Die Spiele waren eng und jeder noch so kleine Fehler konnte verheerend sein. Spiel 6 ging mit nur einem Goal an Northern Gaming, die somit den Matchball von Mock-It abwehren konnten. Eine Minute vor Schluss dribbelte sich remkoe elegant um alle Gegner und versenkte den Ball im Tor (Video). Es kam zu einem siebten Match in dem sich beide Teams fast makellos zeigten. Nach 2 Minuten aber eine Unsicherheit von Mock-It: auf einen Torschuss von NG hin wird der Ball zu wenig weit weg gespielt und alle Mock-It Spieler fliegen unkoordiniert vor dem Tor durch die Luft. Da kommt Deevo von der Spielfeldmitte und knallt den Ball rein (Video). Drei Minuten später ist klar, dass dies das entscheidende Tor war und Northern Gaming den Bronze-Fluch ablegen kann und zum ersten Mal World Champion ist. Zu Recht. Was sie gezeigt hatten, war absolute Bestleistung, Rocket League Hochgenuss. Allgemein lässt sich sagen, dass die Leistung aller Teams beeindruckend und voller atemberaubender Spielzüge war. Weitere Feststellung: der Champion ging wieder über das Lower Bracket. Offenbar muss man für den grossen Triumph eben auch mal unten durch.
Die RLCS mausert sich
Die World Championship der dritten RLCS-Season erreichte auf Twitch einen neuen Rekord. Auf dem offiziellen Channel versammelten sich zu Spitzenzeiten knapp 200’000 Zuschauer. Rocket League war am Finaltag auf Twitch das meistgesehene Game, was unter anderen sicher an der Übertragung in 8 verschiedenen Sprachen lag. Das war eine gewaltige Steigerung von den 86’000 Viewern beim Season 2 Finale. Vermutlich hätte die Zahl aber bei einem nordamerikanischen Finale noch etwas höher sein können, da in Europa doch bereits 3:00 Uhr morgens war.
Rocket League eSport nimmt langsam Form an. Im Laufe der Season wurde die wöchentliche Sendung “RLCS Overtime” gestartet, in der Highlights gezeigt, über die Geschehnisse der letzten Runde diskutiert und Interviews mit Spielern geführt wurden. Dies macht es als Rocket League eSports Neuling einfacher, den Einstieg zur RLCS zu finden. Das Interesse dürfte also weiter steigen. Schon im August wird die RLCS in die vierte Runde gehen. Mit weiteren Neuerungen: die Qualifikation wird erweitert und es wird in NA und EU ab League Play zwei Divisions mit je 8 Teams geben (RLCS und “New Division”, ein oft geäusserter Wunsch von Teams und Community). So soll weiter Stabilität hergestellt werden und für aufstrebende Spieler über die neue Division trotzdem einen Weg zum RLCS Pro geboten werden. Also ich persönlich freue mich bereits. Bis dahin gibt es noch die 7-Eleven Summer Series.