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Heute entscheidet sich, ob Thurgauer Volksschüler in Zukunft nur noch Englisch in der Primarschule lernen werden. Der Grosse Rat berät in zweiter Lesung über eine Änderung des Volksschulgesetzes, welches die Abschaffung des Frühfranzösisch vorsieht.
Der Thurgauer Grosse Rat hatte am 3. Mai nach einer langen Debatte in erster Lesung beschlossen, den Französischunterricht in der Primarschule zu streichen. Das Parlament traf mit 68 gegen 53 Stimmen auf eine entsprechende Änderung des Volksschulgesetzes ein. Thurgauer Kinder sollen erst in der Sekundarschule Französisch lernen.
Der Kanton weicht damit vom Modell 3/5 mit zwei Fremdsprachen in der Primarschule ab, das die meisten Kantone kennen. In 22 der 26 Kantone wird eine erste Fremdsprache in der dritten, eine zweite in der fünften Primarschule eingeführt. Eine der beiden Fremdsprachen muss eine Landessprache sein.
Der Thurgauer Entscheid stiess schweizweit auf grosses Medienecho. Mitte Mai präsentierte der Kanton eine Reihe von Verbesserungen in der Hoffnung, den Französischunterricht in der Primarschule in letzter Minute noch retten zu können. Mit den Vorschlägen reagierte das Departement für Erziehung und Kultur auf Kritik an der Qualität des Französischunterrichts.
Überforderte Kinder dispensieren
Vorgesehen ist, dass Kinder, die mit dem Französischlernen überfordert sind, einfacher dispensiert werden können. Weiter soll der Halbklassenunterricht im Fach Französisch für verbindlich erklärt werden, und es soll ein neues, besseres Lehrmittel zum Einsatz kommen.
Als vierte Massnahme schlägt der Kanton vor, dass die Französisch-Noten für den Übertritt in die Oberstufe nicht mehr direkt zählen, sondern nur noch in die Gesamtbeurteilung einfliessen. Die Verbesserungen können laut Kanton rasch umgesetzt werden, ohne dass zusätzliche Kosten entstehen.
Volk entscheiden lassen
Heute berät der Thurgauer Grosse Rat die Vorlage ein zweites Mal, und es dürfte zu einer erneuten Redeschlacht kommen. Ob die Vorschläge des Kantons ausreichen, um den Grossen Rat umzustimmen, ist offen. Die Verfechter des Frühfranzösisch wollen die Vorlage dem Referendum unterstellen; dazu sind 30 Stimmen des 130-köpfigen Parlaments notwendig. Dann hätte das Volk das letzte Wort.
Das Zürcher Stimmvolk lehnte am 21. Mai eine Initiative ab, welche die zweite Fremdsprache in die Oberstufe verbannen wollte. Welche der beiden Fremdsprachen hätte verschoben werden sollen, liessen die Initianten offen. Diese politisch heikle Frage hätte der Zürcher Bildungsrat lösen müssen. Der Regierungsrat hatte aber bereits früh klar gemacht, dass Französisch als erste Fremdsprache in der Primarschule unterrichtet werden sollte. (sda)