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Physiotherapie ist oft ein wichtiger Pfeiler in der Therapie von MS-Betroffenen. Wie in vielen Studien beschrieben, gibt es starke Belege dafür, dass Physiotherapie für die Behandlung von MS zur Verbesserung der Lebensqualität sowie zum Erhalt der Mobilität beiträgt. Darüber hinaus lindert die Physiotherapie Gangstörungen und reduziert Blasenprobleme, insbesondere durch Beckenbodentraining. Auch finden sich einige Hinweise, dass Physiotherapie das Gleichgewicht und die Spastik zu verbessern vermag und Schmerzen (insbesondere Schulter-, Nacken-, Gelenk- und Rückenschmerzen) reduziert werden können. Darüber hinaus gibt es starke Belege dafür, dass Physiotherapie in der Lage ist, Fatigue zu reduzieren. Auch konnte in neueren Publikationen ein präventiver Effekt durch physiotherapeutische Behandlungen aufgezeigt werden. Die vorgenannten Symptome reduzieren nachweislich die Lebensqualität und sind bei Menschen mit MS häufig anzutreffen.
Zugangsbarrieren
Wie eine frühere Studie des MS Registers zeigt, gaben nur 43% der Teilnehmenden des Schweizer MS-Registers an, regelmässig Physiotherapie zu erhalten. Die neuen Ergebnisse des Schweizer MS Registers zeigen: MS-Betroffene mit grösseren körperlichen Beeinträchtigungen und MS-Symptomen wie Gangprobleme oder Spasmen haben häufiger Physiotherapie in Anspruch genommen. Auch eine geringere gesundheitsbezogene Lebensqualität war Grund dafür sich häufiger in physiotherapeutische Behandlung zu begeben. Ebenfalls in dieser Gruppe befinden sich Betroffene, die kürzlich aus einer stationären Rehabilitation entlassen wurden oder eine Invalidenrente erhalten oder beantragt haben.
Trotz der nachgewiesenen Vorteile und nichtvorhandener soziodemografischer Barrieren, ist die Inanspruchnahme von Physiotherapie in der Schweiz und anderen Ländern aber teilweise sehr heterogen. Die neue Untersuchung fand aber keine Belege dafür, dass mangelnde Mobilität, Müdigkeit, Inkontinenz, Transportprobleme oder die Notwendigkeit, dass eine Begleitperson benötigt wird, die Inanspruchnahme von Physiotherapie auf Bevölkerungsebene behindern.
Auf der individuellen Ebene könnten aber verschiedene weitere Hürden wirken:
- mangelnde Vereinbarkeit mit beruflichen Aufgaben
- Vermeidung, mit Symptomen konfrontiert zu werden
- Angst, stigmatisiert zu werden
- mangelndes Bewusstsein über präventive Effekte physiotherapeutischer Behandlung
- Müdigkeit und Erschöpfung bei berufstätigen Personen
- Tendenz, kleinere körperliche Defizite, die eine physiotherapeutische Intervention erforderlich machen könnten, zu untertreiben
- Zeitmangel, Termine wahrzunehmen
All dies sind persönliche und umstandsbedingte Faktoren, die eine Person mit MS daran hindern könnten, physiotherapeutische Versorgung in Anspruch zu nehmen. Das Angebot an Physiotherapeuten in einer Region, war dagegen nicht mit der Inanspruchnahme assoziiert.
Sprachregionen
Die Physiotherapie-Nutzung unterschied sich auch nach Sprachregionen, ist aber unabhängig vom Versorgungsangebot. Es könnte daher spekuliert werden, dass nicht das Angebot, sondern die Überweisungs- und Verordnungspraxis der Ärzte in den nicht-deutschsprachigen Regionen der Schweiz etwas anders sein könnte. Allerdings gibt es derzeit keine Beweise, die diese oder eine andere Erklärung für sprachregionale Unterschiede in der Inanspruchnahme von Physiotherapie in der Schweiz unterstützt.
Weitere spannende Informationen zum Thema Physiotherapie und MS finden Sie regelmässig auf diversen Informationskanälen der Schweiz. MS-Gesellschaft. Beispielsweise im Webinar «Physiotherapie zu Hause», wo die für MS spezialisierte Physiotherapeutin Regula Steinlin Egli zusammen mit einer zertifizierten MS-Therapeutin der FPMS Übungen für zu Hause zeigt.