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- Seit dem 18. April 2022, seit Russlands erster gewaltsamer Aufklärung im Donbass, schützt der Siversky Donezk die ukrainischen Verteidiger. Jetzt, am 10. Juni 2022, haben die Russen das Wasserhindernis bei der Stadt Svyatogorsk gleich zweimal überwunden.
- Die aktuelle Lagekarte zeigt rot den russischen Frontbogen. Svyatogorsk liegt nordwestwärts direkt am Fluss. Die weisse Fläche mit ausgedehnten Wäldern wird von der Ukraine gehalten. Die russischen Übersetzstellen liegen beide südwestlich der Stadt.
Gelungene Täuschung
Die Angreifer profitierten meteorologisch und taktisch gleich doppelt:
- Im Juni führt der Siversky Donezk weniger Wasser als im April. Zugute kommt den Russen auch das trockene Wetter. Jedenfalls ist der Wasserstand gesunken, und wie die folgende Aufnahme zeigt, gelang den Angreifern die Flussüberquerung ohne Brückenschlag.
Der vordere Panzer watet durch den Fluss, der nicht gerade den Eindruck eines reissenden Gewässers macht. Gemäss russischen Meldungen liess die Strömung im Juni spürbar nach. Der hintere Panzer hält sich am nordöstlichen Ufer zum Flussübergang bereit. Ob die Russen darauf achteten, dass immer nur ein Fahrzeug watet, ist nicht bekannt. Auf dem vorderen Panzer ist silbern leuchtend eine Vorrichtung erkennbar, die seine Fähigkeit zum Schnorcheln andeutet.
- Taktisch gingen die Verteidiger den Russen auf den Leim. Diese täuschten ihren Angriff nordostwärts von Svyatogorsk vor, worauf die Ukrainer ihre an diesem Abschnitt nicht unbegrenzten Kräfte gegenüber dem Ort Tetyanivka konzentrierten. Sie errichteten ihr Abwehrdispositiv am Ufer gegenüber Tetyanivka und erwarteten die Russen dort. Derweil wählten diese zur Annäherung den auf der Fotografie sichtbaren Wald. Sie stiessen zu zwei rekognoszierten Watstellen vor und setzten auf das rechte Ufer über, wo sie Brückenköpfe errichteten. Ob es sich um eigentliche Furten handelt, geht aus den vorliegenden Quellen nicht hervor.
An die Europastrasse E-40?
- Die Lagekarte lässt das nächste taktische Ziel leicht erkennen. Südsüdöstlich von Svyatogorsk–Tetyanivka öffnet sich zwischen den grossen Wäldern eine Passage. Mitten im Engnis liegt der Ort Syderove, der zum Bezirk Kramatorsk gehört (auf der Karte markiert der breite rote Strich die Bezirksgrenze). Gelingt es einem Angreifer, den Engpass Syderove zu sprengen, steht ihm der Weg in das Herzen des Donbass offen. Bekanntlich bildet der ukrainische HQ-Standort Kramatrosk das operative Ziel der russischen Offensive im Zentralsektor.
- Die Europastrasse E-40, in ukrainischer Nomenklatura die Schnellstrasse M03, schneidet die Lagekarte unten links diagonal. Slaviansk, der E-40-Knoten, ist nicht sichtbar. Doch die Distanz von Syderove nach Slaviansk beträgt nur 13 Kilometer, nach Kramatorsk jedoch 504.
- Als zweite Achse an die E-40 (M03) eröffnet die doppelte Flussüberquerung die Route durch das scheinbar offenere Gelände nach Südwesten. Die Russen haben südlich des Siversky Donezk auch die Stadt mit dem schwierigen Namen Bogorodichnoye (auf der Karte noch ukrainisch) in Besitz genommen. Nach Süden führt die Regionalstrasse T-05-21 zur Europastrasse. Aber topografisch begünstigt in diesem Frontabschnitt das Gelände ganz klar den Verteidiger.
“Mühsam ernährt sich …”
Salopp gesagt, erinnert die Schlacht um den Donbass im Zentralsektor an die Soldatenweisheit: “Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.” Den Russen ist ein weiträumiger operativer Durchbruch nirgendwo gelungen. Sie kämpfen sich Tag für Tag, Kilometer um Kilometer vor – wenn überhaupt.