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Die Österreichische Apothekerzeitung publizierte vor einiger Zeit eine gute Zusammenfassung der Wirkung von Mariendistel (Silybum marianum) bzw. deren Wirkstoffe Silymarin / Silibinin:
„Lebererkrankungen können mit Ausnahme bestimmter viraler Hepatitiden nicht kausal, sondern nur symptomatisch behandelt werden, darüber sollte auch die große Zahl auf dem Markt befindlicher Leberpräparate nicht hinwegtäuschen. Prominentester Vertreter in dieser Sparte sind Silymarin-Präparate, deren Wirkstoff aus Mariendisteln gewonnen wird. Sie werden sowohl bei toxischen Leberschäden als auch als Adjuvans bei chronisch-entzündlichen Lebererkrankungen angewendet. Silymarin scheint die RNA-Polymerase in den Leberzellen zu stimulieren und damit die Eiweißproduktion zu steigern. Der Wirkmechanismus ist jedoch nicht vollständig geklärt. Ferner wird angenommen, dass Silibinin, der Hauptbestandteil des Silymarin, die Zellmembran der Leberzellen stabilisiert, sodass Gifte diese schlechter durchdringen können. In einer klinischen Doppelblind-Studie konnte die Überlebensrate von Patienten mit alkoholbedingter Leberzirrhose durch die Gabe von Silymarin deutlich erhöht werden.“
Quelle:
Oe Apo 7 / 2011
http://www3.apoverlag.at/dynasite.cfm?dsmid=103020&j=8&a=1138
Kommentar & Ergänzung:
Mariendistel gehört zu den gut verträglichen Heilpflanzen, die sich auch für Langzeitanwendung eignen. Um eine Wirkung zu erreichen, braucht es aber ausreichende Mengen an Silymarin / Silibinin.
Das ist nicht zu erreichen mit Mariendisteltee (Silimarin / Silibinin ist schlecht wasserlöslich) oder Mariendisteltinktur (zu tiefer Gehalt an Silimarin / Silibinin).
Woher stammt die Mariendistel?
Mariendistel ist in Südeuropa, Kleinasien und Nordafrika heimisch. Sie ist in Nordamerika und Südamerika sowie in Südaustralien eingebürgert und kommt in Mitteleuropa verwildert auf Schuttunkrautfluren und Viehweiden vor. Mariendistel wird auch als Zierpflanze in Gärten kultiviert und als Arzneipflanze angebaut.
Wikipedia umschreibt die medizinische Anwendung der Mariendistel so:
„ Der Wirkstoffkomplex Silibinin soll leberschützend (hepatoprotektiv)[1], leberstärkend, entgiftend und den Gallenfluss sowie die Zirkulation anregend wirken.“
(Quelle: Wikipedia)
Begriffe wie „leberstärkend“, „entgiftend“ und „Zirkulation anregend“ sind zu nebulös und zu vage, um eine nützliche Aussage zu machen.
Ob Mariendistel wirklich den Gallenfluss anregt, ist ungeklärt.
„Lebervergiftungen (beispielsweise durch den Verzehr von Knollenblätterpilzen hervorgerufen) sowie Hirnödeme können mit Silybin (synonym Silibinin, Silymarin I), das aus den Früchten der Distel gewonnen wird, behandelt werden. Silymarin soll die Struktur der äußeren Zellmembran der Hepatozyten derart verändern, dass Lebergifte nicht in das Zellinnere eindringen können. Sie wirken als Radikalfänger stabilisierend und schützen die Hepatozyten durch das Verhindern der Membranlipid-Oxidation. Weiterhin hemmt Silychristin (syn. Silymarin II) die Peroxidase und Lipogenase. Silymarin soll die Aktivität der nukleolären Polymerase A stimulieren, so dass es zur gesteigerten ribosomalen Proteinsynthese kommt. Dadurch soll die Regeneration der Leber erhöht werden.
Weitere Wirkstoffe der Pflanze sind: Bitterstoffe, Biogene Amine, Gerbstoff, Farbstoffe, in geringem Anteil auch ätherische Öle, unbekannte scharfe Substanzen und Harze.“
(Quelle: wikipedia)
Das ist soweit nachvollziehbar.
„Weitere Anwendungen: Gallenbeschwerden, dyspeptische Beschwerden, Migräne, Reisekrankheit, evtl. Trigeminusneuralgie, Krampfadern, Pfortaderstauung.“
Diese Angeben sind ungeklärt und sehr spekulativ.
„Mariendistelfrüchte werden auch im Bereich der Nutztierfütterung eingesetzt, wobei hier vor allem die lebertherapeutische Wirkung im Vordergrund steht.“
(Quelle: Wikipedia)
Das schadet den Tieren ganz bestimmt nicht, aber warum haben die das nötig?
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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