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Seit 250 Jahren lassen sie sich von der Vorsehung Gottes lenken. Von Frankreich aus haben sich die Sœurs de la Providence auf der ganzen Welt verbreitet. Seit fast 170 Jahren wirken sie als «Lindenbergschwestern» auch in Basel. Das Claraspital beispielsweise fusst auf ihrem Wirken.
«Unsere Kongregation hat wie das Christentum in einem Stall angefangen.» Mit diesem Satz beginnt die Basler Schwester Marie-Catherine gerne ihre Erzählung über die Entstehung der Schwesterngemeinschaft. Der junge Pfarrer Jean-Martin Moyë wollte den armen Mädchen der Landbevölkerung in Lothringen die Chance geben, Lesen und Schreiben zu lernen, und er beauftragte eine junge Frau, die mittellosen Mädchen unter einfachsten Bedingungen zu unterrichten. Marguerite Lecomte stellte sich dieser Herausforderung erstmals am 14. Januar 1762 in einem ungenutztem Schweinestall. Schnell war aus den Lehreinheiten im Schweinestall eine richtige Schule geworden. Moyë wurde klar, dass der Bedarf solcher Schulen enorm war und schickte immer mehr Schwestern in verschiedene Regionen Frankreichs.
Ihr Leben und ihre Tätigkeiten haben die Frauen nach den vier Grundsätzen Moyës gerichtet: Armut, Nächstenliebe, Einfachheit und Vorsehung. Heute, 250 Jahre später, wirken die Schwestern der Vorsehung, die ihren Namen aus der Dorfbevölkerung erhalten haben, fast überall auf der Welt. Ihr Mutterhaus, welches den geografischen Sammelpunkt der Schwesterngemeinschaft bildet, befindet sich im lothringischen Portieux.
Waisenanstalt und Krankenstation
Nach Basel kamen die ersten Schwestern 1843. Hier eröffneten sie eine katholische Mädchenschule, welche aber einige Jahrzehnte später, als Folge einer Volksabstimmung, geschlossen werden musste. Danach gründeten die Schwestern ein Wohnheim für arme Hausangestellte und Fabrikmädchen, eine Krankenstation und eine «Waisenanstalt». Aus der Krankenstation mit den zwei Spitalbetten entstand das Claraspital. Die Lindenbergschwestern arbeiteten ausserdem erfolgreich an der Einführung von Religionsunterricht an Schulen, den sie an allen Primarschulen der Stadt übernahmen. Der Name Lindenbergschwestern stammt vom ehemaligen und gegenwärtigen Wohnsitz der Schwestern, dem Lindenberg.
Auf die Frage, welchen Zielen die Schwestern der Vorsehung heute weltweit nachgingen, erzählt Schwester Hildegard, dass der Grundsatz immer noch «vers les pauvres» lautet und dass heute wie gestern dort geholfen werde, wo am meisten Not herrscht. Zur Zeit wird beispielsweise in Vietnam für die Eröffnung von Kindergärten gekämpft, und in Frankreich werden Menschen im Gefängnis und auf der Strasse unterstützt.
Hilfe in Altersheimen
Die fünf Basler Schwestern vom Lindenberg, welche eigentlich pensioniert sind, arbeiten heute hauptsächlich für die Verminderung von Not in Alters- und Pflegeheimen. «Wir helfen nicht mehr in Schulen, sondern im Altersheim», berichtet Schwester Hildegard stolz. Dort besuchen die Schwestern Menschen, die alleine sind, feiern Gottesdienste, leiten Altersnachmittage und helfen überall mit, wo Unterstützung nötig ist, auch in der Cafeteria. Nebenbei arbeiten die Schwestern in verschiedenen Pfarreien mit. «So ist die Zeit ziemlich gut ausgenutzt», fügt Schwester Hildegard lachend an.
Über die Zukunft der Sœurs de la Providence machen sich die Lindenbergschwestern keine Sorgen, obwohl sie vermuten, dass es in Europa keinen Nachwuchs geben wird. «Es geht weiter, aber auf eine andere Art», da sind sich Schwester Hildegard und Schwester Marie-Catherine einig. In Asien gebe es viele junge Schwestern, die das Werk weiterführen werden. Moyë habe betont, wenn die vier Säulen seiner Grundsätze eingehalten würden, werde sich auch die Konstitution halten. Gehalten hat sie jetzt schon 250 Jahre.
Anna Stübe
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