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TAPS zeigt zwei Talente vereint, die es später zu Weltstars schafften: die jungen Sean Penn (für den es seine erste Kinorolle war) und Tom Cruise (in seiner erst zweiten Filmrolle) spielen neben Timothy Hutton, der hier frisch nach seinem Oscar für Ordinary People agierte, und den gestandenen Mimen Ronny Cox und George C. Scott. Der Film erzählt von einer ehrenwerten Militärakademie, die geschlossen und in Eigentumswohnungen umgestaltet werden soll. Die Kadetten wollen das nicht hinnehmen und verschanzen sich in der Kaserne. Es beginnt eine Zerreissprobe unter den Kadetten, die es bald nicht nur mit ihren besorgten Eltern zu tun bekommen. Als die Polizei und schliesslich die Nationalgarde auflaufen, gibt es sogar Tote.
Maurice Jarre war damals durchaus eine spezielle Wahl für TAPS… und auch wieder nicht, weiss man doch ob seiner Affinität zu Märschen, sei es in Lawrence of Arabia, The Man Who Would Be King, A Passage to Indiaund anderen. Und so beginnt TAPS (Deutscher Titel Die Kadetten von Bunker Hill) denn auch passenderweise mit „Taps“, einem traditionellen Stück mit Ursprung aus dem amerikanischen Bürgerkrieg, das meist von der US-Armee bei Begräbnissen oder auch bei Sonnenuntergang gespielt wird. Dieses Stück verwendet Jarre danach nur noch anlehnungsweise in seinem eigenen Hauptmotiv, gepaart mit Klavier/Synthieelementen. „Main Title“ ist ein solcher Track für Trompete und Klavier, dazu kommen Horn und Fagott, die das Hauptthema übernehmen. Von diesem gibt es etliche kleinere, grössere und manchmal kaum erkennbare Variationen, ad nauseam sozusagen („Honor“, „We’re Here“, „Defense Preparations“, „I Cried for 15 Minutes“), während andere den Schlusstitelmarsch („End Credits“) leicht und leise anklingen lassen („Memories“, „What Will the General Do?“). Man könnte umgekehrt sagen, dass Jarre aus seinem Schlusstitel, der Marsch stand also ziemlich sicher als erstes auf dem Papier, den gesamten Score ableitet und ihn mehr oder weniger Bruchstückweise (oder instrumental „entkleidet“) aufbereitet. Clever.
Zu hören sind auch recht pfundige (oft hauptsächliche perkussive) Actionsequenzen in „One Minute to Comply“ und „ , aber auch spannungsvolle Tracks wie der zweite Teil von „One Minute to Comply“, der Beginn von „Betrayal“ oder die verstörenden „The National Guard“ und „Tanks Approaching“.
Natürlich finden weitere Märsche im Scoreablauf („Black Jack March/Semper Fidelis March“ und „Scopio March“) Platz. Für den Hörgenuss wäre es vielleicht besser gewesen diese in die Bonussektion zu plazieren, allerdings begleiten sie das Konzept von Jarre passend.
TAPS ist keine Musik, die man immer und immer wieder in den Player schiebt, dazu fehlt ihr die Abwechslung und die „Melodik“ früherer Jarre Werke. Hier beschränkt sich der Franzose wirklich auf das Allernötigste.
Kritzerlands TAPS entspricht übrigens exakt der Varèse Club Scheibe, welche erst 2010 erschien. Wer sie damals verpasst hat, Jarre Fan ist, der kann hier also nochmals zugreifen.
Eine schöne Premiere feiert der kurze Score zu The Only Game in Town, George Stevens (Giant, A Place in the Sun) letzter Film mit Elizabeth Taylor und Warren Beatty in den Hauptrollen. Der Film spielt in Las Vegas, sinnigerweise wurde er in Paris gedreht. Trotzdem kommt, nicht zuletzt wegen Jarre, Las Vegas Feeling auf. Mit „The Only Game in Town“ tauchen wir (nach den Bonustracks von TAPS) sogleich in funkig-jazzige Klänge der Stadt der vielen Neonreklamen ab, im selben Track noch hören wir eines der Themen, gespielt vom Tenorsaxophon und der Trompete. Im rhythmischen „The Big Gamble“ starten Perkussion, Klavier, E-Gitarre ehe die Blechbläser sich dazu gesellen. „Do You Really Want to Know“ nimmt in ruhiger Art das Thema des Anfangstracks wieder auf, während der sechs minütige „Dice Table“ Spannung mit Bassfiguren (typisch 1970er) und im zweiten Teil vorherrschender Perkussion sowie wiederum Blech verbreitet. „End Title and Cast“ beschliesst den rund 20 minütigen Ausschnitt eines trotz seines Staraufkommens eher unbekannten Films.
Leider ist auch hier das Booklet wieder gar kurz ausgefallen. Kritzerland bringt immer wieder wunderschöne Sachen heraus und hat sich zu einem der besten Labels gemausert. Wenn jetzt nur noch die Präsentation stimmen würde…