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Reptilien sind ausgesprochen wärmeliebende Tiere. Sie verbringen folglich das kalte Halbjahr in einem Winterquartier: In natürlichen Nischen, Holzbeigen, Strohhaufen oder im Boden – beispielsweise in Säugetierhöhlen. Während dieser Zeit befinden sie sich in einer Art Kältestarre. Sie essen, trinken und bewegen sich nicht. Erst wenn die ersten wärmenden Sonnenstrahlen im Frühling die Felsen erhitzen, lassen sie sich darauf ‘auftauen‘, um anschliessend jagen zu können. Sind sie wieder bei Kräften, folgt die Fortpflanzung.
Schweizer Reptilien
In der Schweiz zählen wir die natürlich vorkommenden Familien der Schleichen (Anguidae), Echten Eidechsen (Lacertidae), Nattern (Colubridae) sowie Vipern und Grubenottern (Viperidae) zu den Reptilien.
Von den Eidechsen gibt es in der Schweiz die Zauneidechse, die westliche Smaragdeidechse, die Waldeidechse und die Mauereidechse. Die Blindschleiche ist die einzige Schweizer Schleiche. Zu den einheimischen ungiftigen Nattern zählen wir die Schling-, Äskulap-, Zorn-, Viper-, Ringel- und Würfelnattern. Die giftigen Vipern werden in der Schweiz vertreten durch die Aspisviper und die Kreuzotter.
Die Europäische Sumpfschildkröte hätte eventuell nach der letzten Eiszeit selber einwandern können. Sie wurde jedoch vermutlich eingeschleppt. Die Rotwangenschmuckschildkröte, die Sandotter und weitere exotische Reptilien werden immer mal wieder in der Schweiz ausgesetzt. Glücklicherweise konnten sich bis anhin keine überlebensfähigen Populationen bilden. Wie bei allen anderen nicht-heimischen Tierarten (Neozoen) gilt auch bei diesen: Überzählige Haustiere sind unbedingt an einem professionellen ‘Sammelort‘ abzugeben und nicht in der Natur auszusetzen. Sie könnten invasiv werden oder einheimische Arten mit fremden Krankheiten anstecken.
‘Reptil‘ ist ein Sammelbegriff
Nach eingehenden Untersuchungen des Stammbaums der Wirbeltiere ist sich die Forscherwelt einig, dass es keine natürliche Gruppe der ‘Reptilien‘ gibt. Die einzelnen Untergruppen sind nicht alle nahe miteinander verwandt. Schaut man den letzten gemeinsamen Vorfahr aller ‘Reptilien‘ an, müsste man die Vögel sowie die ausgestorbenen Saurier auch zu ihnen zählen. In der Kladistik (der Stammbaumwissenschaft) nennt man die Gruppe der Reptilien, Vögel und Saurier deshalb Sauropsida. Da der Begriff ‘Reptilien‘ nicht wie Sauropsida für eine einheitliche (monophyletische) Gruppe steht, nennt man ihn ein ‘paraphyletisches Taxon‘. Solche sollten nicht verwendet werden.
Für die Wissenschaft ist dies nicht neu, in der Alltagssprache hält sich das ‘Reptil‘ jedoch hartnäckig. Es bedeutet ‘Kriechtier‘ und beschreibt damit eine Eigenschaft und keine anatomischen Merkmale. Aufgrund letzterer hat man früher Stammbaumeinteilungen gemacht, bevor man unterstützend die DNS-Analyse beiziehen konnte.
Im ungeeigneten Begriff ‘Reptilien‘ werden vier verschiedene Tierordnungen zusammengefasst:
Die Schuppenkriechtiere (Squamata), zu denen alle unsere einheimischen Echsen (Eidechsen und Schleichen) und Schlangen gehören.
Die Brückenechsen (Sphenodontia), von denen es nur noch Sphenodon punctatus auf Neuseeland gibt.
Die Schildkröten (Testudines), die in Halswender und Halsberger eingeteilt werden.
Die Panzerechsen (Crocodylia), zu denen die Echten Krokodile und Alligatoren gehören.
Weitere Informationen:
Unsere Reptilien, Veröffentlichungen aus dem Naturhistorischen Museum Basel, Christophe Berney