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FZR
Seit je her waren die Schwellen, Strudel und Fälle des Rheins gefürchtet und nur erfahrene Zunftleute kannten die Tücken der Strömung.Trotz aller Vorsicht kamen immer wieder Leute ums Leben. Eine solche Stelle gibt es auch in Ryburg unterhalb der Mündung des Möhlinbachs wo heute das Kraftwerk Ryburg-Schwörstadt steht. In diesem Gebiet, bei der römische Wachtanlage, dem „Bürkli“(1) und bei der ehemaligen „Bachtale“(2) wurde immer wieder ein Geist in Menschengestalt gesichtet.
In den Dörflein Ryburg, dem verschwundenen Niederryburg und auch das im Forst gelegene Rappertshäusern lebte einst das Keltenvolk der Rauriker(3) und später Römer, Helvetiern und Alemannen bis das Gebiet von den Franken christianisiert und dann unter österreichische Herrschaft(4) gelangte.
Viele dieser Leute lebten vom Fischen und bis zum Beginn des Kraftwerkbaus 1927 sogar vom Flössen von Baumstämmen. Nun muss man wissen, dass sowohl die Kelten als auch die Römer Baumkulte und sogar eigene Götter dafür hatten. So ist es nicht verwunderlich, dass auch ein Naturgeist auftauchte. Möglicherweise wurden eben diese ehemaligen Götter während der Christianisierung zu Geistern. Rituale und Geschichten helfen mit, die finstere, brache Jahreszeit zu überbrücken.An der Bucht zwischen der Bachmündung und des Bürklis wurden die Boote ins Wasser gelassen, Holzstämme gewassert, Kleider gewaschen, die Netze geflickt, gebadet. Man muss daran denken, dass der Wasserspiegel vor dem Kraftwerkbau tiefer lag und ein natürlicher Felsvorsprung in den Rhein ragte, welche “Fuchsmauer“ genannt wurde.
Ende des 19. Jahrhunderts, also vor etwas mehr als hundert Jahren wurde der Geist von den beiden Fischern Jörg (Schuhmacher) und Noppli (Familiennamen nicht mehr bekannt) gesehen. Diese beiden Gesellen tranken bei ihrer nächtlichen Arbeit manchmal etwas viel vom vergorenen Saft der Bäume und hielten sich gegenseitig scherzend wach. In den nebligen Herbstnächten glaubten sie häufig, eine Gestalt über dem Wasser zu sehen. Sie überspielten den Schauder aber jeweils mit Spott über den Bürkligeist, von dem sie schon gehört hatten. Er war der Schutzpatron der Flösser (Rheingenossen) und Fischer, der bei ihrer nicht ungefährlichen Arbeit über sie gewacht hatte.
Eines Nachts, die Netze blieben lange leer und sie mussten länger als üblich auf dem Fluss ausharren, schliefen die beiden aber ein. Sie trieben schon gefährlich nahe an die Felsen, da erklang ein durchdringender Hornstoss welcher die beiden aufschrecken liess.
Als sie ihre Augen öffneten, sahen sie direkt vor sich im Bug ihres Kahns eine aus dem Nichts erschienene, in Fell gekleidete Gestalt – es musste der Bürkligeist sein. Dieser rief Ihnen zu, die Ruder zu packen und schleunigst zu länden. „Wenn ihr weiter über mich spottet, werde ich euch das nächste Mal in euren Träumen lassen und ihr werdet im Gewild umkommen“. Zuerst verstanden sie nicht, dass ihnen der gute Geist das Leben gerettet hatte. Als Gegenleistung mussten sie ihm versprechen, ihn künftig jedes Jahr ins Dorf zu holen, damit er für 20 Tage unter den Lebenden sein konnte und die Botschaft ihrer Vorfahren verkünden und mit Rat und Tat wirken konnte. Seine Reden enden jeweils mit dem Satz:
„ ... und wenn d’ emol nümm wyter weisch, denn chunnsch zu mir, em Bürkligeischt!“
Und so wird es auch bis heute gemacht. Am 19. Tag vor Beginn der Fastenzeit rufen ihn die Tambouren mit Trommeln zu sich ins Dorf und begleiten ihn am Aschermittwoch wieder heim. Einige Leute erzählen, die Beiden hätten die Vorkommnisse nur erfunden um Andere von ihren Fischgründen abzuschrecken. Andere erzählen, der Bürkligeist hätte den Fischern und Flössern bei Begegnungen von seinem Schnaps zu trinken gegeben und sie wären darauf in tiefen Schlaf versunken. Man sagt ihm auch nach, dass er zuweilen als Fuchs durchs Dorf streift.
Quellen
(1) Das Bürkli, die Ruine der römischen Anlage ist heute noch zu sehen. Sie wurde 1903 von (Pfarrer) S. Burkart und Dr. Karl Stehlin beschrieben und um 1940 restauriert.
(2) Die „Bachtale“ wurde beim Bau der Kläranlage 1978 zugeschüttet.
(3) vergl. die Ausgrabungen von Werner Brogli (Steinplatten-Gräber, etc.)
(4) Maximilian I. (1493 – 1519) erteilte an die vorderösterreichischen Rheinanliegergemeinden beidseits des Rhein Rechte in Bezug auf die Schiffahrt, Fischer und Flösserei. Unter anderem auch namentlich an Ryburg. 1684 wurde nur noch von einer Ryburger Flösserfamilie berichtet. Maria-Theresia hat die Rechte später nochmals bekräftigt. (Vergl. Die Arbeit von Karl Thomann, Wallbach 1997 „Flösserei“; Brogle Felix, 1952, Dissertation Univ. Basel „Die Flösserei der oberrheinischen Gebiete Laufenburg – Basel“).
Diese Geschichte wurde aufgeschrieben am 4.11.2005 von Werner Erni, Möhlin, nach Berichten von Ernst Studer-Moser, 11. März 1902 -29. Juli 1979 und diversen vorliegenden und nachfolgend aufgeführten Texten. "Meiner Meinung nach, beschreibt die Legende frühere Lebensweisen und auch die landschaftliche Veränderung in Ryburg. Es ist aber auch ein lebendiger Brauch (Vergl. Fasnachtzunft Ryburg). Die Fasnachtzunft hat die Geschichte etwa um die Zeit des zweiten Weltkrieges aufgegriffen und führt heute noch die Zeremonie mit der Gestalt in Holzmaske durch. Die Geschichte wurde, meines Wissens nach, erst einmal in der Fricktaler Zeitung veröffentlicht (in der Fricktaler Zeitung vom 19.8.1994 von Frau Heidi Müller-Acklin, Batastrasse 1, Möhlin). Von Robert Delz, damaliger Möhliner Gemeindeschreiber wurde um 1940 ein Gedicht über ihn verfasst."