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Verner Panton oder Wie die Pop-Art ins Wohnzimmer einzog
Verner Panton (1926-1998), der dänische Architekt und Designer, war in seiner Zeit ein Pionier, übertrug er doch den Stil der Pop-Art auf Möbel, Textilien, Leuchten und komplette Innenraumgestaltungen. Sein Werk beeinflusste viele Nachfolger, so dass man ihn getrost zu den prägenden Gestalten der Designgeschichte des 20. Jahrhunderts zählen kann.
Panton studierte von 1944 bis 1951 zuerst an der Technischen Hochschule in Odense, danach an der renommierten Königlich Dänischen Kunstakademie in der Hauptstadt Kopenhagen. Im Anschluss stieg er als Assistent beim Designstudio des Stararchitekten Arne Jacobsen ein und hatte dort Gelegenheit, an dessen bekanntestem Möbelstück, dem Stuhl „Ameise“, mitzuarbeiten. Panton trieben allerdings andere Vorstellungen von Design voran, als es der auf Holz und schlichte Eleganz fixierte Skandinavienstil seiner Zeit vorgab. Er bevorzugte schon früh künstlich hergestellte Werkstoffe und starke Farben. 1952 verliess er Jacobsen, packte seine Koffer und fuhr drei Jahre lang mit seinem VW-Bulli kreuz und quer durch Europa, wo er viele, später sehr nützliche Kontakte knüpfte.
Nach Dänemark zurückgekehrt, eröffnete er 1955 sein erstes eigenes Studio und begann mit der Produktion seiner Entwürfe, die er zum grossen Teil während der ausgedehnten Europa-Tour angefertigt hatte. Mit dem „Wire Cone Chair“ von 1958 erregte er erstmals internationales Aufsehen. Er arbeitete mit zahlreichen renommierten Möbelherstellern zusammen, stattete Hotels, Restaurants und Gaststätten mit kompletten Inneneinrichtungen aus und präsentierte u.a. die ersten aufblasbaren Sitzmöbel der Welt.
1964 heiratete Panton in Basel Marianne Pherson-Oertenheim, die er zwei Jahre zuvor auf Teneriffa kennen gelernt hatte. 1965 begann der Möbelhersteller Thonet in Wien mit der Produktion des „S-Chair“ (oder Modell 275), dem ersten Freischwinger aus dem für das Unternehmen typischen, gebogenen Schichtholz. Zwei Jahre später konnte die Öffentlichkeit dann endlich den Stuhl begutachten, der nicht nur am engsten mit dem Namen Panton verknüpft ist, sondern ihn auch trägt: DEN Panton-Stuhl, einen S-förmigen Freischwinger aus Kunststoff. Der Designer hatte den Entwurf schon Jahre vorher ausgearbeitet, aber die Herstellung scheiterte immer wieder daran, dass zu jener Zeit noch keine geeigneten Kunststoffe auf dem Markt waren. Dies gelang erst dem bekannten Haus Vitra. Für Verner Panton bedeutete der Stuhl den endgültigen Durchbruch in der Designszene, und er führte dazu, dass er weltweit bekannt wurde.
Ein weiterer Meilenstein in Pantons Karriere war 1969 der Entwurf für das Interieur des Spiegel-Verlagshauses in Hamburg, darunter besonders die Kantine. Bei einer notwendigen Erweiterung des Baus 1998 blieb sie noch im Originalzustand erhalten. Erst als der Verlag 2011 in ein neues Gebäude in der Hafencity zog, musste sie zerlegt werden. Ein Teil dient im Neubau bis heute als Snackbar, der Rest wanderte in das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe.
Trotz mehrerer Auszeichnungen mit bedeutenden Designpreisen liess der Einfluss Pantons in den 1970er Jahren stark nach, leider aus einem sehr profanen Grund: In Folge der Ölkrise setzte in den Industriestaaten ein neues Bewusstsein im Umgang mit Kunststoff ein. Was bis dahin noch modern und futuristisch wirkte, war auf einmal Schnee von gestern. Trotzdem liess Pantons Schaffenskraft nicht nach. In den 1990ern erlebte er ein starkes Revival, heimste weitere Preise ein und gestaltete sogar für den Möbelgiganten Ikea einen Stuhl.
1998 verlieh die dänische Königin Panton das Ritterkreuz vom Dannebrog-Orden für sein Lebenswerk. Kurz vor einer geplanten umfassenden Retrospektive im Koldinger Kunstmuseum Trapholt, im September des selben Jahres, starb Verner Panton. Er hatte noch sehr aktiv an der Ausstellung mitgearbeitet, die nur zwölf Tage nach seinem Tod feierlich eröffnet wurde.
Pantons Stil war geprägt von modernen Materialien und klaren, satten Farben. Schon seine ersten Entwürfe nahmen viel von dem vorweg, was in den 1970er Jahren als „psychedelisches Design“ auf den Markt kam. Seine Objekte hatten häufig etwas Skulpturales, auch wenn es sich nur um simple Gebrauchsgegenstände handelte.
Seine eigene Vorgabe war, Räume und Möbel als Funktionsgegenstände miteinander verschmelzen zu lassen. Ein Objekt sollte seiner Meinung nach auch noch nutzbar sein, wenn man es auf den Kopf stellte. Und mit seinen heute legendären Konzepten für Innenraumgestaltung versuchte er, die konventionelle Teilung eines Raumes in Wände, Fussboden und Decke aufzulösen und zu einer Einheit zusammenzuführen. Für viele gelten seine Innenräume deshalb als der Höhepunkt seiner Arbeit. Er selbst charakterisierte sein Schaffen mit folgenden Worten: „Der Hauptzweck meiner Arbeit ist, die Leute anzutreiben, ihre eigene Vorstellungskraft zu nutzen.“
Oberstes Bild: © Thomas Hernandez – Shutterstock.com