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Lohnt es, sich kooperativ zu verhalten? Nicht aus ethischer Sicht – sondern aus rechnerischer. Die Spieltheorie belegt, unter welchen Bedingungen Kooperation erfolgreich ist und damit Vertrauen entsteht.
Es gibt Menschen, die sind immer kooperativ. Manche nie. Manche verhalten sich nach dem Prinzip „Wie du mir, so ich dir“. Doch wer ist am erfolgreichsten? Mit einer einfachen Spielanlage lässt sich zeigen, wann kooperatives Verhalten erfolgreich ist (Quellenangabe am Schluss):
Die Spielanlage „Kooperation“
Sie stehen vor einem Automaten und haben eine Münze in der Hand. Auf der anderen Seite des Automaten steht ein Gegenüber in der gleichen Situation.
Sie können nun Ihre Münze in den Automaten werfen (=kooperieren), oder die Münze für sich behalten (=betrügen). Wenn Sie die Münze einwerfen, legt der Automat eine zweite dazu und gibt die beiden Münzen Ihrem Gegenüber aus. Umgekehrt funktioniert das genauso.
Wenn Ihr Gegenüber nun also kooperiert, spuckt der Automat Ihnen zwei Münzen aus. Haben Sie selber betrogen, besitzen Sie Ihre eigene Münze noch, haben insgesamt also drei Münzen. Haben Sie jedoch auch kooperiert, erhalten Sie einfach die zwei Münzen.
Hat das Gegenüber betrogen während Sie kooperierten, haben Sie eine Münze verloren.
Betrügen schliesslich beide, erhält niemand von beiden eine Münze.
Es ergeben sich folgende Varianten:
ich kooperiere/Gegenüber koopiert: +2/+2
ich betrüge/Gegenüber koopiert: +3/-1
ich koopiere/Gegenüber betrügt: -1/+3
ich betrüge/Gegenüber betrügt: 0/0
Die Mitspieler/innen
Nehmen wir an, eine ganze Menge Menschen mit unterschiedlichen Strategien spielt dieses Spiel turniermässig (über jeweils 10 Runden) gegeneinander. Die Strategien der verschiedenen Charakteren sind dabei:
Der Immer-Nette kooperiert immer, egal was das Gegenüber tut.
Die Betrügerin betrügt immer, egal was das Gegenüber tut.
Der Nachäffer tut immer, was das Gegenüber in der vorherigen Runde tat („Wie du mir, so ich dir.“).
Der Nachtragende kooperiert, bis das Gegenüber betrügt. Von diesem Moment an betrügt der Nachtragende immer.
Die Analysierende betrügt in den ersten vier Runden einmal. Wenn das Gegenüber trotzdem immer kooperativ bleibt, nutzt sie das aus und betrügt von da an immer. Im anderen Fall verhält sie sich wie „Nachäffer“.
Der Spielverlauf
Das Turnier beginnt. Selbstverständlich übernehmen im Laufe des Turniers die Mitspieler/innen zunehmend die Strategien, die sich als erfolgreich erweisen. Welche Strategie wird sich durchsetzen?
Kurz: „Wie du mir, so ich dir“ – der Nachäffer – setzt sich durch.
Er ist kooperativ, aber auch konfliktbereit. Er lässt sich nicht über den Tisch ziehen. (Nicht so wie der immer-Nette. Der ist sehr schnell aus dem Spiel.)
Doch da gibt es drei Probleme für den Nachäffer. Spielvarianten, in denen er nicht mehr am erfolgreichsten ist.
Erstes Problem: Kurzspiele
Spielen die Spieler/innen nur wenige Runden gegeneinander, zum Beispiel fünf, ist die Betrügerin erfolgreicher im Turnier.
Lerne: Sollen sich Menschen kooperativ verhalten, müssen sie wissen, dass die Zusammenarbeit, das Zusammenspiel über längere Zeit andauern wird. Wir sollten also längerfristige Beziehungen aufbauen.
Zweites Problem: Keine Win-Win Situationen
Es muss, wie in dieser Spielanlage, möglich sein, dass beide Seiten gewinnen, wenn sie kooperieren. Entstehen in diesem Fall jedoch Nullsummenspiele (+1/+1), setzen sich die Betrügerinnen durch.
Lerne: Wir müssen win-win-Situationen ermöglichen, um Menschen zur Kooperation zu bewegen.
Drittes Problem: Fehler, viele Fehler
Die Schwäche des Nachäffers ist, dass er nicht mit Fehlern umgehen kann. Treffen zwei Nachäffer aufeinander und einer wirft aus Versehen keine Münze ein, betrügt also versehentlich, beginnt ein Teufelskreis, in dem immer jemand betrügt.
Die Schwäche lässt sich mit etwas Nachsicht bereinigen: Wenn Nachäffer nur „zurück-betrügt“, wenn das Gegenüber zweimal betrogen hat, dann ist er auch dann am erfolgreichsten, wenn Fehler passieren.
Überschreitet die Zahl der Fehler jedoch eine kritische Grösse, gewinnt am Ende die Betrügerin.
Lerne: Verhalten wir uns nach dem Prinzip „Wie du mir, so ich dir“ – jedoch mit Nachsicht. Bleiben wir in unserer Kommunikation klar und verhindern so Fehler.
Der Beweis – Quellenangabe
All das und noch mehr findet sich zum Ausprobieren und Nachprüfen auf der fantastischen Webseite „Evolution of trust“: Hier geht’s zur Webseite.
Teams können die Prinzipien spielerisch selber erleben. Mehr unter den Weiterbildungsangeboten.