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Zur Beschaffung von Kapital nehmen Bund, Kantone und Gemeinden bis heute mittels Anleihen Geld auf. Oft erfolgte die Emission dieser Anleihen in der Schweiz früher unter Leitung ausländischer Bankkonsortien. 1897 schlossen sich die privaten Banken unter Führung der Genfer Privatbankiers zum Kartell Schweizerischer Banken zusammen, um der Konkurrenz aus dem Ausland in diesem lukrativen Markt wirksam zu begegnen. Ab 1902 beteiligte sich auch die Zürcher Kantonalbank an diesem Geschäft. So heisst es im Kantonalbank-Gesetz zu diesem neu aufgenommenen Geschäftskreis: «Übernahme und Vermittlung von Anleihen (…), entweder auf alleinige Rechnung oder gemeinsam mit andern Finanzinstituten.» Mit der Gründung des Verbands Schweizerischer Kantonalbanken von 1907 stellte sich auch für die Kantonalbanken die Frage, ob sie sich für grössere Anleihen öffentlich-rechtlicher Körperschaften dem Kartell der privaten Handelsbanken anschliessen oder ein eigenes Verbandssyndikat gründen sollten. Einige Kantonalbanken bezweifelten, ob ihr Syndikat stark genug wäre, um eine eigene Emissionspolitik zu betreiben. Andere Kantonalbanken – und im Hintergrund natürlich auch die kantonalen Behörden – fürchteten, dass mit dem Beitritt zum Kartell den Kantonen und Gemeinden aufgrund der Monopolstellung ungünstige Bedingungen aufgezwungen werden könnten. So urteilte im Oktober 1908 auch der Bankrat der Zürcher Kantonalbank: «Die Ausschaltung jeglicher Konkurrenz liege selbstverständlich nicht im Interesse der Kantone und Gemeinden. Mit dem Beitritt zum Kartell würden die Kantonalbanken die freie Bewegung aufgeben; sie wären nicht mehr in der Lage die Anleihungsbedingungen zu Gunsten der Kantone zu beeinflussen und ein Gegengewicht zum Kartell zu bilden.»
Ein Kartell mit langer Lebensdauer
Wollen Kantone und Gemeinden Geld am Finanzmarkt aufnehmen, arbeiten sie mit Banken zusammen, welche die Anleihen für sie am Markt platzieren. Bei grösseren Finanzierungsrunden schränkte sich ihre Auswahl ab 1911 jedoch drastisch ein. Es gab in der Schweiz genau noch einen Anbieter: das mächtige Emissionssyndikat. Mit dabei war auch die Zürcher Kantonalbank.
Generalversammlung des Kantonalbanken-Verbandes, 1918.
Wettbewerb nicht willkommen
Als Kompromiss beschlossen die Kantonalbanken einen Beitritt zum Kartell, falls ihnen bei Kantonsanleihen bis zum damals relativ hohen Betrag von 6 Millionen Franken freie Hand gelassen würde. Das Kartell hingegen wollte nur Anleihen bis 2 Millionen Franken freigeben. Die Kantonalbanken – mit Ausnahme der Kantonalbank von Bern, die sich bereits 1902 dem Kartell angeschlossen hatte – bildeten deshalb ab 1909 ein eigenes Syndikat für Anleihen über 2 Millionen Franken. Der danach einsetzende Konkurrenzkampf zwischen Kantonalbankenverbandssyndikat und Bankenkartell war so stark, dass sich die Marge zwischen Übernahme- und Ausgabekurs immer mehr verringerte.
Nach zwei Jahren gelangten die Akteure zur Erkenntnis, dass wohl ein gemeinsames Emissionssyndikat trotzdem die bessere Lösung wäre. Es kam zu einer vertraglichen Übereinkunft mit dem Kartell. Dem Kantonalbanken-Verband wurde bei den gemeinsamen Geschäften eine Beteiligungsquote von 30 Prozent zugestanden, dem Bankenkartell 70 Prozent. Emissionen unter 2 Millionen Franken waren weiterhin frei. Der Freibetrag wurde später sukzessive erhöht. Bei Kantonsanleihen wurde der Kantonalbank des betreffenden Standes eine Vorquote von maximal 30 Prozent zugestanden, ebenso durften die Kantonalbankenvertreter eine Mehrheit im Komitee für die Anleihensverhandlungen stellen. Die Anleihenschuldner, die zwar für künftige Anleihensemissionen wieder einen höheren Preis zahlten, konnten sich immerhin damit trösten, dass die geballte Kraft aller relevanten Schweizer Banken die Platzierung einer Anleihe im Markt wesentlich erleichterte. Zudem sorgte das Emissionssyndikat dafür, dass die Anleihen nicht gleichzeitig auf den Markt gelangten und sich so kannibalisierten.
Erst mit der einsetzenden Deregulierungswelle und auf Druck der Schweizerischen Kartellkommission, die 1989 aufgrund qualifizierter Wettbewerbsbeschränkung unter anderem eine Auflösung der meisten Konventionen unter den Banken empfahl, löste sich das «Grosse Syndikat für Emissionen inländischer öffentlich-rechtlicher Schuldner» Anfang der 1990er Jahre schliesslich auf. Es machte Platz für Ad-hoc-Syndikate, in denen sich fallweise mehrere unterschiedliche Banken zusammenschliessen, um grössere Emissionen gemeinsam zu stemmen.
Vorder- und Rückseite eines der 48 Coupons für die halbjährliche Zinszahlung von 17.50 Franken.
Sobald eine Kantonsanleihe am Markt platziert werden sollte, legten alle am Syndikat beteiligten Banken die Obligationenanleihe innerhalb einer bestimmten Frist zur Zeichnung auf. 1966 waren beispielsweise für eine 5-Prozent-Anleihe des Kantons Wallis von 15 Millionen Franken bei der Zürcher Kantonalbank Titel für rund 1 Million Franken gezeichnet worden, nach Angaben des Bankpräsidiums «ein überraschend guter Erfolg». Mit anderen Worten: Sie war überzeichnet. Aufgrund der Beteiligungsquote konnte die Bank schliesslich Titel im Wert von einer halben Million Franken an die Kunden abgeben. Es gab aber auch den umgekehrten Fall: 1967 erlitt eine 5¼-Prozent-Anleihe des Kantons Freiburg von 30 Millionen Franken einen Misserfolg. Es waren bei der Zürcher Kantonalbank nur Anmeldungen für knapp 800’000 Franken eingegangen. Gemäss Zuteilungsschlüssel des Syndikats musste die Bank zusätzlich noch Obligationen im Wert von 250’000 Franken ins eigene Wertschriftenportefeuille nehmen. Je nach Möglichkeit verkaufte man die Obligationen später doch noch an Kunden oder zog – wie alle anderen Obligationäre auch – bis zum Ende der Laufzeit halbjährlich die Zinsen ein.
Titelbild: Entwertete Obligation des Kantons Zürich von 1944, Laufzeit 25 Jahre.