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Venenleiden und Medikamente
Sind Venenmittel wie Tabletten und Salben gegen Krampfadern sinnvoll?
Defekte Venenklappen von Krampfadern können weder mit Tabletten noch mit Salben repariert werden. Im günstigsten Fall lindern Medikamente die Begleiterscheinungen vom Krampfaderleiden und können eine zusätzliche Unterstützung zur chirurgischen-, kathetertechnischen-, Kleber -, oder Verödungstherapie von Krampfadern sein. Sinnvoll kann eine medikamentöse Therapie auch sein, wenn invasive Massnahmen nicht angewendet werden können, sei dies aufgrund von einem schlechten Allgemeinzustand des Patienten oder fehlenden Möglichkeiten anderer therapeutischer Massnahmen.
Trotz breiter Informationsarbeit werden Krampfadern auch heute noch erst dann als behandlungsbedürftig angesehen, wenn Komplikationen wie zum Beispiel schwere, müde Beine, Flüssigkeitsansammlungen (Ödem), unruhige Beinen, Fuß- und Wadenkrämpfen, Juckreiz, Hautveränderung, Venenthrombosen, Venenentzündungen, „offene Beine“ usw. auftreten.
Durch frühzeitige adäquate Massnahmen können sowohl Beschwerden als auch Komplikationen vom Krampfaderleiden in den meisten Fällen vermieden werden.
Gibt es ein „Wundermittel“ in der medikamentösen Therapie vom Krampfaderleiden?
Ein Mittel, das Krampfadern heilen kann, ist bislang nicht bekannt. Verschiedene Wirkungsweisen von aktiven Inhaltsstoffen haben eine Wirkung bei Beschwerden beim Krampfaderleiden. Eine Heilung, Verzögerung oder Prophylaxe vom Krampfaderleiden ist bis heute jedoch nicht möglich. Trotzdem werden in der Werbung Tabletten und Salben gelegentlich als „wahre Wundermittel“ angeboten.
Bei den medikamentösen Therapien werden verschiedene Wirkungsgruppen angeboten, wie zum Beispiel venentonisierende Mittel, welche aktivierend auf die Venenwände wirken und die Spannkraft der Venen steigern, mit Förderung vom venösen Rückfluss zurück ins Herz. Ödem-Protektiva vermindern die Durchlässigkeit der Venenwände und somit einen Austritt von Flüssigkeit ins Gewebe. Medikamente mit vermehrter Ausscheidung von Flüssigkeit durch die Nieren (= Diuretika) haben bei der Behandlung von Ödemen (Wassereinlagerung) der Beine den besten Erfolg, jedoch muss mit zum Teil beträchtlichen Nebenwirkungen gerechnet werden. Deshalb sind diese speziell entwässernden Medikamente (Diuretika) nur ärztlich rezeptiert erhältlich.
Was sind die wichtigsten aktiven Wirkstoffe der natürlichen, pflanzlichen Venenmittel?
Bei den natürlichen pflanzlichen Venenmittel ist eine Vielzahl von aktiven Inhaltsstoffen bekannt.
Zu den wichtigsten Wirkstoffgruppen, deren Wirkung in placebo-kontrollierten Studien erbracht wurden, gehören Folgende:
Das Aescin, auch als Roßkastaniensaponine bekannt (Bsp. Venostasin), welches Schwellungen, Prellungen und Blutergüsse nach Sportverletzungen und Operationen sowie Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe und Schwellungen bei müden Beinen verringert. Auch wird Aescin bei Behandlungen gegen Hämorrhoiden und Entzündungen von oberflächlichen Venen eingesetzt. Nach einer mehrwöchigen Einnahme verringert die Einnahme des Wirkstoffs Aescin die Schmerzen in den Beinen, Wasseransammlungen und auch den Umfang der Beine.
Calciumdobesilat (Bsp.Doxium) wirkt gefäßabdichtend auf die Venenwände und steigert die Festigkeit der kleinen Blutgefäße. Zudem wird eine erhöhte Bereitschaft der Blutplättchen zur Verklumpung verringert und die Fließeigenschaften des Blutes dadurch optimiert. Ein weiterer Effekt ist die verbesserte Verformbarkeit der roten Blutkörperchen, indem diese flexibler werden und dadurch in die kleinsten Gefäße gelangen und das Gewebe optimaler durchbluten. In Studien wurde bewiesen, dass mit Calciumdobesilat der Knöchel- und Wadenumfang der Venenleidenden signifikant abnimmt und die typischen Beschwerden wie Muskelkrämpfe, Schmerzen, schwere und müde Beine, verbessert wurden.
Rutoside (Oxerutin) (Bsp.Venoruton) gehört zu den Flavonoiden, welche eine antioxidative Wirkung und eine Affinität zur Venenwand in nachgewiesener Weise haben. Die Ansatzpunkte der Rutoside sind u.a. die Blutgefäße und der Darm. In zahlreichen Studien nahmen die Beinvolumina der Betroffenen beträchtlich ab. Schwellungen, Schmerzen, Wadenkrämpfe und schwere unruhige Beine wurden gelindert.
Wie die Rutoside zählen auch Diosmin und Hesperidin (Bsp.Daflon) zu den Flavonoiden. Diosmin und Hesperidin verbessern den Spannungszustand der Venen, vermindern die Durchlässigkeit der Venenwände und haben antioxidative Eigenschaften. Die Wirksamkeit der beiden Wirkstoffe wurde in mehreren Tests bestätigt. Der Knöchelumfang der Betroffenen war signifikant vermindert, mit Linderung der Beschwerden von müden, geschwollenen Beinen und verminderter Flüssigkeitsansammlungen in den Beinen.
Viele weitere „Venen aktive Mittel“ stehen zur Verfügung, die im Hinblick auf eine allgemeine „Venentherapie“ unterstützend wirken und oft auch in ihrer Kombination eine Wirkung erzielen wie zum Beispiel roter Weinlaub (Bsp. Antistax), als auch ätherische Öle, Mäusedorn usw. welche in Salben erfrischend auf müde Beine wirken (Bsp. VenoRelax).
Alle genannten natürlichen Venenmittel wirken auf andere therapeutische Maßnahmen lediglich unterstützend und können „invasive“ Verfahren nicht ersetzen, nur ergänzen.
Haben die natürlichen Pflanzenmittel gegen Venenbeschwerden auch Nebenwirkungen?
Prinzipiell kann jede Substanz beim Menschen eine Nebenwirkung hervorrufen. Alle in der Schweiz zugelassenen pflanzlichen Venenmittel sind durch staatliche Aufsichtsorgane kontrolliert und bewilligt. Nebenwirkungen sind deshalb selten und falls eine solche auftreten sollte, in einer milden Form. In den meisten Fällen ist die Nebenwirkung rasch abnehmend, wenn die Produkte nicht mehr angewendet werden. Im Vergleich zu den Tabletten bergen Cremes und Salben vor allem Nebenwirkungen in Form von Hautallergien. Neben den aktiven Inhaltsstoffen können auch Konservierungsmittel nach längerer Anwendung zu Allergien führen. Bei weit fortgeschrittenen Hautveränderungen beim Krampfaderleiden ist besondere Vorsicht geboten. Ist die Haut chronisch geschädigt und eine Allergie tritt auf, kann dies rasch grössere Komplikationen wie Entzündungen (Ersyipel) auslösen und durch rasches Fortschreiten über die Lymphgefässe (Lymphangitis) zu einer Blutvergiftung (Septikämie) oder „offenen Beinen“ führen. Diese schweren Komplikationen können zu langwierigen Therapien führen. Abgeraten wird insbesondere vor der Herstellung sogenannter „Eigenrezepturen“ mit Heilkräutern und deren Salbengrundlagen (Bsp. Chäslichrut).
Sind Venensalben / Cremes überhaupt sinnvoll?
Venensalben als auch Cremes enthalten meist die Wirkstoffe Aescin (Rosskastanien Extrakt) oder Heparin. Oft werden diverse ätherische Öle aus Rosmarin, Latschenkiefer, Salbei oder Arnikablüten oder weitere aktive Substanzen wie Weinrebe, Mäusedorn, Schachtelhalm, indischer Wassernabel usw. kombiniert. Venenmittel alleine reichen zur Therapie von Krampfadern nicht aus. Aber sie können Beschwerden wie Schwere-, Spannungsgefühl, Wadenkrämpfe, Schwellungsneigungen usw. rasch lindern und haben somit auch einen wichtigen Stellenwert bei der Therapie von Symptomen.
Wir wirkt Aspirin auf die Thrombose Prophylaxe der Venen? Andere Medikamente und Massnahmen sinnvoller?
In randomisiert-kontrollierten Studien ist die Wirkung von Aspirin (Blutplättchenhemmer) als Prophylaxe einer tiefen Beinvenenthrombose gering bzw. nicht wirksam, auch wenn Aspirin prinzipiell „blutverdünnende“ Eigenschaften besitzt. Ganz im Gegensatz auf den arteriellen Blutkreislauf, in welchem der Therapieeffekt von Aspirin gegen Embolisationen klar nachgewiesen wurde. Bei oberflächlichen Venenentzündungen (Phlebitis) kann Aspirin als Entzündunghemmer eingenommen werden und wirkt dann schmerzlindernd. Bei der Einnahme von Aspirin muss dessen Nebenwirkungen berücksichtig werden, dies insbesondere bei Reisen (Magen- Darm Trakt , Asthmaanfälle). Zudem besteht bei der Einnahme von Aspirin eine erhöhte Blutungsneigung (Blutplättchenhemmer).
Als Thromboseprophylaxe einer tiefen Beinvenenthrombose wirken niedermolekulare Heparin Spritzen (Bsp. Fraxiparine) oder Blutverdünnungstabletten. (Bsp. Marcoumar, Xarelto). Eine effektive und nebenwirkungsfreie Massnahme gegen tiefe Beinvenenthrombosen bei längeren sitzenden Reisen oder Bettlägerigkeit ist die Aktivierung der Beinmuskeln und der Beingelenk, welche den venösen Rückfluss stark aktivieren und somit einen Stau sicher verhindern. Das zusätzliche Tragen von Kompressionsstrümpfen kann den Rückfluss noch zusätzlich verbessern und die zum Teil lästigen Schwellungsneigungen deutlich reduzieren.
Sollen bei geschwollene Beinen Medikamenten eingenommen oder Kompressionsstrümpfe getragen werden?
Bei allen geschwollenen Beinen muss in erster Linie die Ursache der Schwellung therapiert werden. Führen diese Massnahmen nicht zum erwünschten Erfolg, können Kompressionsstrümpfe getragen werden, welche zu einer Abschwellung führen. Ist die Schwellung massiv, muss vorgängig eine Entstauungstherapie zum Beispiel mit pneumatischen Manschetten und / oder elastischen Verbänden durchgeführt werden. Das alleinige Tragen von Kompressionsstrümpfen bringt in diesen Fällen kaum den erwünschten Erfolg. Sind die Beine einmal entstaut, muss anschliessend eine konsequente Schwellungsprophylaxe durchgeführt werden. Das heisst, die Strümpfe werden bereits am Morgen bei entstautem Bein angezogen.
Während den Sommermonaten, in denen das Tragen von Kompressionsstrümpfen nicht erwünscht oder störend wirkt, kann auch der Versuch von Venenmittel durchgeführt werden. Diese sind in ihrer Effizienz den Kompressionstrümpfen aber deutlich unterlegen.
Wasseraustreibende Medikamente (Diuretika) sind dann anzuwenden, wenn das Tragen von Kompressionsstrümpfen oder die Einnahme von Venentabletten keine deutliche Linderung erzielen. Alle Diuretika haben den Nachteil, dass nicht nur die Entwässerung am Bein stattfindet, sondern der gesamte Körper entwässert wird und vermehrt mit Nebenwirkungen wie tiefer Blutdruck (Schwindel), vermehrter Ausscheidung von Kalium, Calcium usw. gerechnet werden muss.
Dr. med. Bruno P. Schwarzenbach 1. Juli 2015
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