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Thematische Zuordung Serie 1848–1945:
II. BILATERALE BEZIEHUNGEN
4. China
4.1. Anerkennung der Republik
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Die Lage in China scheint sich zu klären und die Errichtung einer Republik nunmehr ausser Zweifel zu sein. Die Mandschu und Dynastie der Tsing werden verschwinden und so mangelhaft auch die neue Regierung ausfallen mag, sie wird immer noch besser sein als die korrupte Schützlings- und Eunuchenwirthschaft wie sie seit mehr denn 50 Jahren in Peking bestanden hat.
Yuan-Shi-Kai hat sich als ein ausserordentlich gewandter Staatsmann und Diplomat erwiesen, und Leute, die sein Thun und Lassen in der Nähe zu verfolgen in der Lage waren, sprechen ihm selbst den Verdienst zu, loyal und in gutem Glauben zum Wohl des Ganzen gearbeitet zu haben. Wie Sie wissen, war Yuan-Shi-Kai in der Reformbewegung von 1898, als der Kaiser Kwang-Su ihn mit dem Auftrag betraute, die Kaiserin-Witwe Tzu-Hsi gefangen zu nehmen, an seinem Herrscher zum Verräther geworden: an Stelle von der Kaiserin-Witwe wurde Kwang-Su festgenommen und fortan von der Regierung ferngehalten, während Tsu-Hsi zum zweiten mal die Regentschaft an sich zog. Yuan-Shi-Kai wurde somit mit Recht mit Misstrauen verfolgt. Er soll jedoch, in der Überzeugung das Richtige zu thun, bis zum letzten Augenblick für eine konstitutionelle Monarchie eingestanden sein und erst nachgegeben haben, als der totale Mangel an Geld den Kampf gegen die Revolutionäre als aussichtslos erscheinen liess.
Momentan drehen sich die Verhandlungen um den Sitz der Hauptstadt: die Republikaner möchten Peking mit Nanking vertauschen, was sicherlich gerechtfertigt erscheint, indem Nanking central gelegen und weniger der Beeinflussung von aussen zugänglich sein möchte; die fremden Vertreter sind gegen diesen Wechsel.
Die fremden Mächte sind von Anfang an strikte neutral geblieben, was auch vor allem Yuan-Shi-Kai’s Verdienst ist, der sein Möglichstes that, um die Fremden in China zu schützen und so eine Intervention zu verhindern. Japan hat zwei mal, wie ich dies aus bester Quelle erfuhr, versucht, zu Gunsten der Dynastie dazwischenzutreten, wurde aber jedesmal von seinem Alliirten England daran verhindert. Andererseits hat es sich nicht gescheut, den revolutionären Truppen Waffen und Munition zu verkaufen: der Kriegsminister, darüber interpellirt, hat in einer öffentlichen Sitzung erklärt, dass für 3 Millionen Material aus den staatlichen Depots verkauft wurden. Auch über Anleihen an die provisorische Regierung wird verhandelt, immer unter dem Deckmantel des Privatunternehmens und ohne Zuthun des Staates.
Dass es Japan nicht gleichgültig sein kann, eine Republik in China entstehen zu sehen, ist leicht verständlich. Es ist vorauszusehen, dass diese Umwälzung ihren Rückschlag hier haben wird und dass die Monarchie, beim Tode des Mikado, Gefahr laufen könnte, das Schicksal der Tsing zu theilen. Es ist dies das Urtheil von Vielen, mit den hiesigen Verhältnissen seit Jahren bekannten Ausländern. Der Sozialismus hat Fortschritte gemacht, so dass in der letzten Zeit sogar vom Ministerium des Innern der Plan einer, auf dem Buddhismus, dem Shintoismus und der christlichen Lehre zu errichtenden, neuen Lehre verfolgt wird, um erfolgreicher die mehr und mehr um sich greifenden Umstürtzlerideen bekämpfen zu können!!
Was in China werden wird nach der definitiven Einsetzung der Republik, ist schwer zu sagen. Zu befürchten ist, dass die junge Republik, beim gänzlichen Mangel an politischer Bildung bei der grossen Masse des Volkes, einer schweren Zeit entgegen gehe, in der die lokalen und persönlichen Interessen und Ambitionen einander bekämpfen werden, abgesehen von der immer noch möglichen Intervention von seiten der Mächte.
Diese Übergangsperiode einmal vorüber, wird China ein unermesslich reiches Feld für Handel und Industrie bieten, darüber gehen alle Meinungen einig. Die Wahl eines schweizerischen Handelsagenten für Shanghai ist also sehr zu begrüssen und konnte in keinem günstigeren Augenblick vorgenommen werden.
Zum Schluss will ich nicht verfehlen zu erwähnen, dass unser Landsmann, Herr Professor Bridel von der Universität Tokyo, der Übersetzer des neuen schweizerischen Civilgesetzbuches ins Japanische, den Versuch machen will, dieses auch in China zur Basis einer neuen Gesetzgebung zu empfehlen.
- 1
- Politischer Bericht: E 2001 (A), Archiv-Nr. 144.↩