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JONATHAN WILSON
Rare Birds
Bella Union
«Rare Birds» ist das dritte Soloalbum des umtriebigen Produzenten und Sessionsmusikers (n.a. Father John Misty, Jackson Browne, Chris Robinson, Roy Harper, Roger Waters). Das Einflussspektrum hat sich zeitlich etwas nach vorne verschoben. Neben den 1970er Jahren sind nun auch Einflüsse aus den 1980er Jahren zu vernehmen. «Over The Midnight», beispielsweise, von dem es auch ein Video gibt, ist eine etwas zu lang (8 Minuten) geratene 1980er Romantik-Pop-Nummer, irgendwo zwischen Peter Gabriel, Genesis, The Blue Nile und Phil Collins. Wilson sagt über «Over The Midnight» folgendes: «I Wanted To Write A Song About A Sacred Place For Lovers.» Der (Wunsch)Traum einer geschützten Umgebung? Anscheinend ist «Rare Birds» grösstenteils ein Werk über gescheiterte Beziehungen. Wilsons neues Album ist aber, wie auch schon sein letztes «Fanfare» (2013), üppig und vielschichtig ausgefallen. Musikalisch reicht die Palette von Pop über Art-Pop, Countryrock, Folk, Softpop, Rock bis hin zu psychedelischen Einschüben. Keiner der dreizehn Songs ist kürzer als viereinhalb Minuten. Offensichtlich ist immer wieder die Nähe zu Peter Gabriel und Pink Floyd, mit dessen Roger Waters er ja wiederkehrend zusammenarbeitet. Zum Beispiel auf der aktuellen «Us And Them» Tour. In «Me» klingt Wilson dann auch mal wie eine Mischung aus David Bowie und John Lennon. Im Titeltrack greift er zurück auf Gitarrensolos, die auch Neil Young gefallen würden. Manchmal verliert sich der aus North Carolina stammende Wilson ein wenig. Nicht nur «Over The Midnight» ist zu lang geraten, auch «Loving You» (8 Minuten und 28 Sekunden) dürfte etwas kürzer sein und weniger belanglos klingen. Der Song und dessen fade Ethno-Pop-Einschübe plätschern etwas vor sich hin. Dem gegenüber stehen feine Tracks wie der coole groovende Auftakt «Trafalgar Square», das erhebende «There’s a Light», die feine Countryrock-Nummer «Hi-Ho The Righteous», die behutsame Pianoballade «Mulholland Queen» oder das berührende «Sunset BLVD» mit der Zeile «As Long As I Can See The Light». Es gibt immer Hoffnung. Auch darauf, dass Wilson beim nächsten Mal wieder zu den Stärken seiner ersten beiden Alben zurückkehrt.