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Am 3. März 321, also vor 1700 Jahren, führte Kaiser Konstantin den Sonntag als Ruhetag ein, als Tag des unbesiegten Sonnengottes (Sol invictus, ein Ursprung, der sich in Sonntag oder Sunday wiederfindet, während „Dimanche“ – Dies Domini (Tag des Herrn) sich expliziter auf den Herrn, den auferstandenen Christus bezieht). Wir sind dazu eingeladen, diesen Jahrestag in der Fastenzeit, die uns auf Ostern vorbereitet, zu feiern. Zwar war der Sol invictus eine heidnische Gottheit, und Konstantin näherte sich dem Christentum erst Schritt für Schritt, doch bleibt die Tatsache bestehen, dass der Sonntag aufgrund seines jüdisch-christlichen Ursprungs die Geschichte geprägt hat.
Der jüdische Shabbat als wöchentlicher Ruhetag birgt mehrere Dimensionen in sich. Unsere Gesellschaft berücksichtigt den sozialen Aspekt, der in der jüdischen Religion notwendig und gegenwärtig ist: « Sechs Tage kannst du deine Arbeit verrichten, am siebten Tag aber sollst du ruhen, damit dein Rind und dein Esel ausruhen und der Sohn deiner Sklavin und der Fremde zu Atem kommen.» (Exodus 23,12) Diese Ruhepause fällt in den Bereich des Gewinnverzichts, der mit der Achtung der Armen zu tun hat: « Sechs Jahre kannst du in deinem Land säen und die Ernte einbringen; im siebten sollst du es brachliegen lassen und nicht bestellen. Die Armen in deinem Volk sollen davon essen, den Rest mögen die Tiere des Feldes fressen. Das Gleiche sollst du mit deinem Weinberg und deinen Ölbäumen tun». (Exodus 23,10-11) Diese Dimension wird kombiniert mit der Nachahmung Gottes: « Ihr sollt meine Sabbate halten; denn das ist ein Zeichen zwischen mir und euch von Generation zu Generation, damit man erkennt, dass ich, der HERR, es bin, der euch heiligt. (…) Für alle Zeiten wird er ein Zeichen zwischen mir und den Israeliten sein. Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht; am siebten Tag ruhte er und atmete auf. » (Exodus 31,13.17)
Die frühen Christen verlegten den Ruhetag ziemlich schnell vom siebten auf den ersten Tag: « … am ersten Tag der Woche [waren wir] versammelt [waren], um das Brot zu brechen…» (Apostelgeschichte 20,7) Dieser Tag, der zum Gedenken an die Auferstehung Christi gewählt wurde, behält auch die Eigenschaften des Sabbats bei: göttliche Ruhe, mit einer sozialen Auswirkung. Die Verbindung zwischen diesen beiden Dimensionen hat nichts von ihrer Aktualität verloren, wenn auch die wöchentliche Ruhezeit deutlich säkularisiert wurde.
Die Idee, ein Jahr von sieben keine Felder zu bebauen und einen Tag von sieben nicht zu arbeiten, beinhaltet den Verzicht auf Gewinn, um Gottes Willen und zu unserem eigenen Wohl (besonders dem der Ärmsten). Dies schliesst auch unmissverständlich den Respekt gegenüber der Erde ein, damit sie nicht zugrunde geht. Der Verzicht auf den kurzfristigen individuellen Profit ist für das Leben der Menschheit jetzt und für ihr langfristiges Überleben unerlässlich. Daher ist die Aufforderung zur Nachahmung der Handlungsweise Gottes nicht nur ein Relikt aus alten Zeiten, sondern behält seine aktuelle Bedeutung. Was bewegt uns dazu, für uns selber und kurzfristig auf maximalen Gewinn zu verzichten, und zwar aus einer breiten gesellschaftlichen Sicht und damit auch aus einer Umweltperspektive? Ganz allgemein: Wie setzen wir unsere Zeit ein? Diese allgemeine Frage spiegelt sich in der Unterfrage
«Was mache ich aus meinem Sonntag »?
Der Tag des Herrn, die Zeit, die ich mit dem Herrn verbringe, ist letztlich nur im Licht der Liebe Gottes wahrnehmbar. Ich nehme mir Zeit für ihn, als Antwort auf seine Initiative (Schöpfung und Auferstehung), nur, weil ich ihn liebe. Es ist nicht trivial zu sagen, dass die Zeit, die wir für denjenigen aufbringen, den wir lieben, nicht zählen, denn in seiner Gegenwart verschwindet die Zeit (wir nehmen sie nicht mehr wahr, oder sie ist kompakter). Und diese Zeit, die wir mit dem geliebten Herrn verbringen, ermöglicht uns die notwendige Distanz gegenüber dem frenetischen Strudel der Zeit. Die Zeit, die wir uns für den Herrn nehmen, befreit uns und befreit den anderen von den Auswirkungen unserer eigenen Flucht nach vorn. Kurzum, die Zeit wird nur im Licht der Liebe wahrgenommen, die ihr volles Licht in der Liebe Gottes findet.
Ora et labora (« bete und arbeite »): Beides geht Hand in Hand. Unsere Welt braucht ihre monastische Lunge.
+ Charles Morerod OP