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Beim Betrachten meines Umfelds ist mir neulich etwas aufgefallen: Ich bin eigentlich mit fast keinem Stadtzürcher befreundet. Mein Freundeskreis hier in der Limmatstadt besteht zu einem grossen Teil aus Aargauern, Zürcher Oberländern, Ostschweizern und einer kleinen Bernbieter Diaspora.
Wir sind im Prinzip alle Zugewanderte. Und das hat neulich zu folgender Diskussion geführt: Was wäre aus uns geworden, wenn wir in der Heimat geblieben wären? Die meisten Antworten: nichts mit Medientätigkeit.
Zu Hause hätten wir wohl etwas Bodenständigeres gemacht. Ich zum Beispiel wäre Coiffeuse geworden. Ich hatte bis 24 eigentlich keine Ahnung, was ich werden wollte. Leider musste ich mich zehn Jahre vorher für irgendwas entscheiden: Ich schnupperte Salonluft. Die eine Lehrstelle erhielt ich nicht, weil die Tochter einer Kundin sich ebenfalls für den Job beworben hatte. Vitamin B hat mein Leben geprägt.
Ich war ob dieser schieren Ungerechtigkeit und Vetterliwirtschaft derart empört, dass ich das Land verliess – na ja, zumindest überschritt ich den Röstigraben. Ich wurde Au-pair in Genf, entschied mich danach für die Handelsmittelschule und landete mit 20 in einer Redaktion.
Wäre all das nicht passiert, würde ich heute wohl noch in Thun leben. Ich würde meine Eltern häufiger zu Gesicht bekommen und wäre vielleicht schon verheiratet und Mutter. Das klingt für mich wie ein Horrorfilm. Aber ganz ehrlich: Womöglich wäre ich nicht unglücklicher ...