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R. Gérard Doscot
Der Verfasser des Nachrufs "Hommage à Jean Cocteau" in der Kreis-Novemberausgabe 1963 (Seite 21) war R.G.D. Dasselbe Kürzel stand ab 1958 für mehr als vierzig Buchrezensionen in der Rubrik "Chronique des Livres". Ein anderes Pseudonym war R. Gérard, mit dem der gleiche Autor 34 Kurzgeschichten zeichnete. Und bereits ab 1957 liess die Redaktion viele seiner Zeichnungen unter einem dritten Pseudonym "G. Scot" erscheinen.
Der bürgerliche Name dieses Künstlers und Autors lautete R. Gérard Doscot, wobei er zwei Vornamen verwendete, Roger oder Raoul. Wie sich aus Briefen im Nachlass von Eugen Laubacher / Charles Welti (Redaktor des französischen Teils des Kreis) ergab, lebte Professor Doscot in Paris als Historiker und Schriftsteller. Viele Zeichen deuten darauf hin, dass auch R.G.D. identisch ist mit Roger Gérard-Doscot (1923-1968), der unter anderem Portraits von berühmten Frauen des 18. Jahrhunderts veröffentlichte und in den 1960er Jahren bei der Sammlung "Ces femmes qui ont fait l'histoire"1 und im Projekt "Le temps retrouvé"2 mitarbeitete. Obwohl Doscot verheiratet war, schien er aus seiner Homosexualität nie ein Geheimnis zu machen.
Diese Angaben stammen von Jacques Brosse, der im Mercure de France die Sammlung "Le temps retrouvé" initiierte und zudem festhielt, dass Doscot schweizerischer Abstammung war. Er tat dies in einem Brief an den belgischen Forscher André Tourneux, der uns (Ernst Ostertag und Röbi Rapp) davon in einer Mail vom 26. Dezember 2006 berichtete. Laut Nachlass Eugen Laubacher / Charles Welti sandte Doscot unter anderem sein Buch über Madame Du Barry an Laubacher als Geschenk. Das bestätigt die Angaben von Jacques Brosse (Portraits berühmter Frauen des 18. Jahrhunderts). Der Du-Barry-Band war - wir fanden ihn im Nachlass - die Erstausgabe von 1965, erschienen bei Editions Rencontre in Lausanne unter dem Titel "Madame Du Barry - une maitresse de Louis XV"; als Autor firmierte R. Gérard Doscot.
Doscot war mit Abstand einer der besten und fruchtbarsten Autoren des französischen Teils der Zeitschrift. Er schrieb brillantes Französisch und brachte seine Geschichten und Novellen trotz vieler Ausschmückungen und detailreichen Schilderungen stets in eine klare Form. Seine Texte zu lesen war reines intellektuelles Vergnügen und ist es noch immer, dies nicht zuletzt wegen den geschickt eingestreuten Anspielungen auf Werke zeitgenössischer Kunst, sei es in Literatur, Film, Theater oder Poesie. Doscot trug wesentlich zum hohen literarischen und künstlerischen Niveau der dreisprachigen Zeitschrift bei und auch zu deren Nähe zum aktuellen Kunst- und Kulturschaffen ihrer Zeit. Im letzten Kreis-Heft vom Dezember 1967 nahm er, bereits von seiner Krankheit gezeichnet, Abschied mit der Erzählung "Prière", der Klage auf einen toten Geliebten3.
Ernst Ostertag, April 2005, Februar 2018
Quellenverweise
- 1
Erschienen bei Éditions Rencontre, Lausanne
- 2
Erschienen im Verlag Mercure de France, Paris
- 3
Der Kreis, Nr. 12/1967, Seite 21 ff