Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03118.jsonl.gz/1174

Antidepressiva verlangsamen das Krebswachstum in Mäusen, wie eine neue Studie der Uni zeigt.
Bekannte Verfahren mit Krebsmedikamenten sind meist erfolglos, weil Tumorzellen im Laufe der Zeit dagegen resistent werden und für das Immunsystem nicht mehr erkennbar sind. Forschende der Uni und des Universitätsspitals Zürich, unter der Leitung von Pierre-Alain Clavien und Anurag Gupta, haben in den letzten vier Jahren untersucht, welchen Einfluss Serotonin auf Krebszellen hat. Nun steht die Behandlung von Dickdarm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs im fortgeschrittenen Stadium vor neuen Möglichkeiten.
Serotonin beeinflusst Krebswachstum
Der als «Glückshormon» bekannte Neurotransmitter Serotonin gibt nicht nur Informationen an das Nervensystem weiter, sondern beeinflusst auch Emotionen. Bei Personen mit Depressionen ist die Serotoninkonzentration vermindert. Darüber hinaus hat es Auswirkungen auf die Wundheilung und das Krebswachstum. Beim Versuch mit Labormäusen sei festgestellt worden, dass bei den Tieren mit weniger Serotonin Tumorzellen langsamer gewachsen oder verschwunden sind. Bei den Mäusen mit normalem Serotoninspiegel hingegen sind die Tumoren normal weitergewachsen, sagt Gupta.
Angriff auf das Immunsystem
Normalerweise erkennt der menschliche Körper entartete Zellen und eliminiert sie mithilfe der eigenen Immunzellen. Dafür stehen dem Körper die Killer-T-Zellen zur Verfügung. Tumorzellen haben sogenannte Checkpoint-Rezeptoren auf ihrer Oberfläche, die sich an die Killer- T-Zellen klammern können, um deren Funktion zu beeinträchtigen. So können die Tumorzellen dem programmierten Tod entgehen und uneingeschränkt weiterwachsen. Die Anwesenheit dieser Rezeptoren wirkt sich also günstig auf die Tumorzellen aus. Das Unterbinden der Serotoninproduktion würde das Immunsystem bei der Krebsbekämpfung unterstützen, so Gupta.
Kombinierte Therapie
Für die Behandlung von Depressionen werden unter anderem Serotonin-Wiederaufnahmehemmer verwendet, dadurch bleibt das Serotonin im Gehirn länger verfügbar. Das ausserhalb des zentralen Nervensystems liegende Serotonin wird aber vermindert. Die Studie zeigt am Beispiel von Mäusen auf, dass diese Medikamente die Produktion von Checkpoint-Rezeptoren auf den Krebszellen herunterregulieren. Dadurch wird das Krebswachstum gehemmt, da das Immunsystem die Krebszellen wieder erkennen und eliminieren kann. Gupta betont, dass die Verwendung von serotoninhemmenden Medikamenten erst in Kombination mit anderen Krebstherapien die vollständige Wirkung erreiche.
Auslagerung der klinischen Studie
Eine klinische Studie sei nun möglich, denn die benötigten Medikamente und Therapien haben den Qualifizierungsprozess durchlaufen und sind auf dem Markt. Guptas Hoffnung besteht darin, dass Firmen, die die Medikamente herstellen, auf die Forschungsergebnisse aufmerksam werden und sie dann an Menschen testen: «Diese Firmen sind bereit für eine klinische Studie und benötigen keine externe Finanzierung», sagt Gupta. Das Interesse von Kliniken und Patient*innen sei gross. Falls es doch keine interessierten Firmen gäbe und die Forschenden die klinischen Studien selbst durchführen müssten, würde das Suchen von Fachpersonen und Finanzierung gemäss Gupta noch zwei bis drei Jahre dauern.