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Der starke Mann mit pinken Nägeln: Für Künstler Nicola Genovese ist das keineswegs ein Widerspruch. Er widmet sich dem Mythos Mann sowie der Fragilität der konstruierten Maskulinität und öffnet einen Raum, um über die neue, zeitgenössische Männlichkeit nachzudenken.
VON GIANNA BÄRTSCH
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Gianna Bärtsch: Wie definierst du Männlichkeit?
Nicola Genovese: «Die Männlichkeit» gibt es nicht. Im Moment, in dem wir von der Männlichkeit sprechen, validieren wir, dass es nur die eine gebe und alles Abweichende unmännlich sei. Mein Ziel ist es, die Schattierungen der «traditionellen», weissen, heterosexuellen Männlichkeit in Ausstellungen und Performances zu thematisieren. Aus meiner Perspektive, der eines in Italien geborenen Mannes, nehme ich mir die italienische Männlichkeit als Beispiel der klischeehaftesten Form von Maskulinität vor und versuche in einen Dialog mit der Öffentlichkeit zu treten.
Was haben Stoff, Metall und Keramik mit Männlichkeit zu tun?
Als Skulpteur und Künstler erkunde ich die Ambivalenz von Materialien und vereine sie zu abstrakten Skulpturen. Leggings schmiegen sich an Metall, ein Kissen versucht sich mit Keramik zu verbinden. Hart trifft auf Weich, Fragil auf Unzerbrechlich. Während meiner Performance werden die Skulpturen zu Kostümen und Requisiten aktiviert. Mithilfe der Skulpturen zeige ich die Ambivalenz der Männlichkeit auf und möchte damit auf der Bühne das ganze Konstrukt ins Wanken bringen.
Deine Performances finden in Theatern oder Ausstellungsräumen statt. Wie muss ich mir diese vorstellen?
Ich entwickle parodische Charaktere und schlüpfe in die Rolle des stereotypischen, weissen, heterosexuellen Mannes, der aus der klischierten Männerrolle ausbrechen will. Im einen Moment verhalte ich mich wie ein Macho, kurz darauf bewege ich mich auf eine Weise, die als «entmannend» wahrgenommen wird. Doch nur weil ich pink angezogen bin, bin ich nicht weniger gefährlich oder weniger gewalttätig.
Ist die Männlichkeit in einer Krise?
Die Krise existiert nicht, so wenig wie die eine Männlichkeit. Deshalb spreche ich in meinen Projekten auch in Anführungszeichen von der «Männlichkeit in der Krise» und somit als konstruiertem Konzept. Zu behaupten, in einer Krise zu stecken, dient nur dazu, wieder mehr Macht zu erlangen. Meiner Meinung nach ist das Wort Krise an einen spezifischen Wendepunkt geknüpft, der schliesslich einen Wandel einleitet. An diesem Punkt möchte ich mit meiner Kunst ansetzen.
Wie reagiert das Publikum auf deine Soloperformances?
Ich kreiere einen Raum aus Unbehagen, Ironie und Ernsthaftigkeit. Die Aufführungen verlangen vollste Aufmerksamkeit – das Prosecco-Glas hat da keinen Platz. Die Irritation wirkt nach, doch das Feedback ist positiv.