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Schweizer Fahne oder Schweizerfahne?
An den Olympischen Spielen konnten wir sie mit Entzücken zücken, die Schweizer Fahne. Oder Schweizerfahne? Der Sprachpfleger über Ableitungen von geografischen Eigennamen.
Wir sind nicht allein mit diesem Problemchen. Auch in Deutschland gibt es Fügungen à la Schweizer Fahne, beispielsweise Hamburger Hafen, Lüneburger Heide. Niemand würde wohl Hamburger direkt mit Hafen verbinden: «Hamburgerhafen»? Nein, das fällt durch, dies aufgrund klarer Regeln.
Ableitung, örtlich
Der Hamburger Hafen ist der Hafen von Hamburg, nicht der Hafen der Hamburger (obwohl dies gewissermassen auch zutrifft), es wird in zwei Wörtern geschrieben. Ebenso Schweizer Käse: der Käse der Schweiz, nicht derjenige der Schweizer. Bei den Ableitungen Hamburger, Schweizer und so weiter handelt es sich, nebenbei erwähnt, um Adjektive, obwohl sie grossgeschrieben werden.
Ableitung, persönlich
Bezieht sich eine Ableitung nicht auf Länder oder Städte, sondern auf Personen(gruppen), wird zusammengeschrieben. Das klassische Beispiel dafür ist die Schweizergarde, also die Garde der Schweizer (nicht der Schweiz).
Die Witze über Appenzeller heissen Appenzellerwitze, weil die Menschen im Zentrum stehen. Würden sich die Witze um das Appenzellerland drehen, wären es tatsächlich Appenzeller Witze.
Einheitlichkeit nicht gewünscht
Man kann sich somit bei solchen Fügungen nicht auf eine einheitliche Form einigen. Das eine steht sinnvollerweise neben dem andern: Die Schweizergarde erhält wohl bald einen fixen Schweizer Botschafter. Leider kann oft kaum zwischen Geografie und Personen unterschieden werden, im Zweifelsfall ist Getrenntschreibung geboten: Walliserdialekt / Walliser Dialekt (Dialekt des Wallis oder Dialekt der Walliser?); Schweizervolk / Schweizer Volk, Schweizerbürger / Schweizer Bürger, Schweizerfranken / Schweizer Franken. Für mich die plausibelsten Schreibweisen sind Walliserdialekt, Schweizer Volk, Schweizer Bürger, Schweizer Franken und Schweizer Fahne. Man darf das auch anders sehen.
Die «unlogischen» Ausnahmen
Für geografische Eigennamen sind die obengenannten Regeln nur bedingt anwendbar. Da gibt es den Genfersee (obwohl es eigentlich der See von Genf ist und nicht jener der Genfer), den Bielersee, die Zürcherstrasse et cetera.
Aber auch bei Typen- oder Sortenbezeichnungen wird traditionellerweise häufig zusammengeschrieben: Burgunderwein, Perserteppich und – mit einer kannibalischen Note – Bündnerfleisch!
Zur Person: Mark Salvisberg war unter anderem als Werbetexter unterwegs. Der Absolvent der Korrektorenschmiede PBS überarbeitet heute täglich journalistische Texte bei einer Tageszeitung.
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