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3. Vietnam – Zweitgrößter Kaffee-Exporteur aus dem fernen Osten
Hätten Sie gewusst, dass in Südostasien Kaffee angebaut wird? Viele verorten die kaffeeproduzierenden und –exportierenden Länder zunächst nach Mittel- und Südamerika, allenfalls noch nach Afrika. Ost- und Südostasien dagegen ist wohl eher für seine Teevielfalt bekannt. Das stimmt, und doch wird in verschiedenen südostasiatischen Ländern Kaffee seit fast 200 Jahren angebaut. Beeinflusst durch die Kolonialisierung und die Kolonialmächte vor allem aus den Niederlanden und Frankreich, schafften es die Kaffeepflanzen auch bis in diesen Teil der Erde.
Nach Vietnam wurde die Arabicapflanze erstmals um 1857 durch französische Missionare gebracht, weil diese auch in der Ferne nicht auf ihren täglichen Kaffee verzichten wollten. Seitdem wird Kaffee im vietnamesischen Hochland im Süden des Landes angebaut, vor allem rund um Buôn Ma Thuot, die Hauptstadt der Provinz Dak Lak, gelegen im zentralen Hochland. Zu den weiteren Anbaugebieten zählen hauptsächlich die Provinzen Kontum, Gia Lai, Lam Duong und Buon me Thuot.
Besonders die Region um die Stadt Da Lat auf 1.500 Höhenmetern bietet optimale Bedingungen für die Kaffeepflanze, die mit ihrem gemäßigten Klima und der Infrastruktur sehr an europäische Städte erinnert. Dies war wohl auch der Grund für die französischen Missionare, sich dort niederzulassen. Besucher der 400.000 Einwohner Stadt bezeichnen sie sogar als ‚Le Petit Paris’.
Bis zu 95 Prozent der Kaffeepflanzen wachsen auf kleinen Farmen, nur wenige auf großen Plantagen. Dazu zählen Highlands Coffee, Vinacafe, aber auch Trung Nguyen. Letztere ist die beliebteste Kaffeemarke in Vietnam, die auch bekannt ist für den umstrittenen Kopi Luwak, den sogenannten Katzenkaffee. https://www.nzz.ch/gesellschaft/kaffee-in-vietnam-aus-dem-katzendarm-in-die-kaffeetasse-ld.1294894
Nach wie vor handelt es sich bei den Pflanzen um fast 95 Prozent Robustakaffee, der hauptsächlich zu Instantkaffeepulver verarbeitet wird, und nur zu 5 Prozent um Arabica. Warum es sich trotzdem lohnt, vietnamesischem Kaffee eine Chance zu geben, lesen Sie hier.
Eine Kaffeefarm für jede Familie – die vietnamesische Erfolgsstory
Mit 14 Prozent gilt das kommunistische Land als zweitgrößter Kaffeeexporteur hinter Brasilien. Die Erfolgsgeschichte des vietnamesischen Kaffees begann allerdings erst, als die Industrie in Vietnam privatisiert wurde. Ähnlich zu China gehört in Vietnam das Land dem Staat, das die Bauern für eine Dauer von 50 Jahren pachten können. Jede Familie kann so bis zu 1,2 Hektar bewirtschaften. Im Vergleich zu anderen kaffeeanbauenden Ländern können die vietnamesischen Kaffeebauern gut von ihren Kaffeepflanzen leben, nicht selten ist es sogar die wichtigste Einnahmequelle für eine Familie. Anders als zu anderen kaffeeanbauenden Ländern verbleiben bis zu 95 Prozent der Erlöse im Land.
Trotz der Subventionierung durch die Regierung ist der Kaffeeanbau auf 630.000 Hektar begrenzt, da dem Land immer wieder Preisdumping vorgeworfen wird.
Denn viele Kaffeebauern nutzen die Kaffeeernte wie ein Bankkonto und hoffen auf einen möglichst hohen tagesaktuellen Preis, besonders, wenn sie Geld brauchen. Eine individuelle Preisgestaltung ist also möglich.
Kaffeeernte und Kaffeekultur in Vietnam
Heute wächst auf 600 Höhemetern 80 Prozent der vietnamesischen Kaffeeernte. 2016 waren das 1,4 Millionen Tonnen Rohkaffee, der vor allem nach Deutschland, die USA und Japan exportiert wurde.
Die Haupternte findet zwischen September und März statt. Gepflückt wird per Hand und die Aufbereitung erfolgt meist sonnengetrocknet bzw. immer mehr auch als honey process, bei der ein Teil der Kaffeekirsche (die Mucilage) beim Trocknen an der Bohne verbleibt.
Auch wenn anders als zu Äthiopien und Brasilien, nur 5% des geernteten Kaffees im Land verbleiben, gibt es in Vietnam eine stark ausgeprägte Kaffeekultur, die sich vor allem rund um den Phin Filter aus Metall und die wichtigste Zutat für den starken und zumeist dunkel gerösteten Robustakaffee, die gesüßte Kondensmilch, dreht.
Ca phe sua (heiß), ca phe sua da (eisgekühlt), Hanois Spezialität ca phe trung (Eier-Kaffee), ca phe sua cha (Joghurt-Kaffee) und Co. kennen viele aus dem Vietnamurlaub. Aber auch hierzulande kann man diese vietnamesischen Kaffeespezialitäten zumeist in asiatischen Restaurants probieren.
Der überwiegende Anteil vietnamesischer Kaffees schmeckt sehr flach und weist oft unerwünschte holzige Noten vor. Hochwertiger Kaffee dagegen ist eher selten zu finden und schmeckt dann nach Schokolade und Nuss.
Die Geschichte des Kaffeeanbau in Vietnam seit den 1950er Jahren
Einen enormen Anstieg des Kaffeeanbaus und eine hohe Nachfrage erlebte Vietnam bis Mitte der 1950er, bevor es mit dem Ausbruch des Vietnamkriegs zu einem großen Einbruch kam. Seit Ende des Kriegs wurde der Kaffeeanbau stark subventioniert durch staatliche Förderungen, leider zu Ungunsten der Qualität.
Ab 1975 wurde systematisch Kaffee angebaut. Zu einem großen Anteil handelte es sich dabei um Robusta, die robustere Kaffeepflanze, die mehr Erträge bringt, weniger anfällig gegen Krankheiten und Umwelteinflüsse ist, in niederen Höhenlagen wächst, dafür aber eine geringere Qualität vorweist.
Der hohe Koffeinanteil ist seitdem vor allem bei Kaffeemischungen und im Instantkaffee erwünscht, da er dem Kaffee ein kräftig-würziges Aroma verleiht. Vielen Kaffeetrinkern in Übersee ist oft nicht bewusst, dass sich in ihrer Kaffeemischung Robusta aus Vietnam verbirgt.
In Zeiten der Kaffeeknappheit war Robusta vor allem eine beliebte Beigabe bei sogenanntem Ersatzkaffee, der aus Pflanzen oder Getreide hergestellt wurde.
Besonders die ehemalige DDR war interessiert am Rohkaffee aus Vietnam, da es Ende der 1970er zu Versorgungsschwierigkeiten mit Kaffee gekommen war. Tauschgeschäfte von Waffen und LKW aus der DDR gegen Rohkaffee und Energierohstoffe aus den Partnerländern waren an der Tagesordnung. Kaffee war Mangelware und zunächst nur als Import über die Sowjetunion möglich. Viele Ostdeutsche ließen sich aufgrund der prekären Situation um das Konsumgut Nummer 1 Kaffeepäckchen von der Westverwandtschaft zuschicken.
Weitgehend parallel mit dieser Kaffeekrise entwickelte sich eine Zusammenarbeit zwischen der DDR und Vietnam. Die geplante Partnerschaft – die DDR lieferte Infrastruktur und die technische Ausrüstung für die Unterstützung beim Kaffeeanbau - ging allerdings nicht auf, da man nicht mit den langen Wachstumszeiten des Kaffees von bis zu acht Jahren bis zur Erntereife der Kaffeekirschen gerechnet hatte. Erst 1990 hätte es die ersten Ernten gegeben. Bekanntlich das Jahr, in dem sowohl der eiserne Vorhang fiel, als auch die DDR-Regierung das Handtuch werfen musste.
Vietnamesischer Kaffeeanbau heute
Die vietnamesische Kaffeeindustrie erlebte nach 1990 einen Aufschwung vor allem durch die Verbesserung der Bewässerungsmethoden. Zwar geht auch der Klimawandel nicht spurlos an den vietnamesischen Kaffeefarmen vorbei, das zumeist in verkleinerten Flächen durch die ansteigenden Temperaturen und in Krankheiten wie dem Kaffeerost resultiert.
Allerdings bewegt sich auch im Land etwas. Vietnamesischer Kaffee ist nicht mehr nur mit Robusta, Instantkaffee und schlechter Qualität gleichzusetzen. Minderheiten wie die K’ho in der Region Da Lat, die verstärkt wieder auf den Anbau von Arabica-Pflanzen setzen, zunehmend mit verschiedenen Aufbereitungsarten, wie honey processing, experimentieren und Röstereien wie Han Coffee Roasters, eine vietnamesisch-stämmige Kaffeerösterei aus Berlin, zeigen nicht nur, dass Direct Trade – Direktbezug vom Bauern - möglich ist, sondern, dass eine junge Generation an Kaffeebauern heranwächst, die Qualität wieder vor Quantität stellt.