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Glencore und Gertler
Dass sowohl der Tages-Anzeiger als auch die Süddeutsche Zeitung und das Erste Deutsche Fernsehen – in einer Sondersendung am Sonntagabend – den Glencore-Dokumenten aus den 13,4 Millionen Dateien der „Paradise-Papers“ eine besondere Bedeutung beimessen, hat entscheidend mit dem israelischen Geschäftsmann Dan Gertler zu tun. Der skandalbelastete Rohstoff-Konzern und der schillernde Diamantenhändler stehen sich seit langer Zeit sehr nahe.
So bezeichnete der Schweizer Ökonom, Kriegsreporter und Afrika-Experte Kurt Pelda den „grossen Investor im kongolesischen Bergbau“ bereits 2009 als „strategischen Partner“ des Zuger Giganten, „wenn es um Investitionen in kongolesische Minen geht“.
Ich selber verglich Dan Gertler in einer "Schmährede" aus Anlass der Verleihung des Black Planet Award im Jahr 2012 mit der Hauptfigur in Joseph Conrads Kongo-Roman „Heart of Darkness“. Als „Mittelsmann zwischen einheimischer Elite und Globalkapital“, spiele er „für die Glencore eine ähnliche Rolle“, wie „Mr. Kurtz“ Ende des 19. Jahrhunderts für die Brüsseler „Société Anonyme pour le Commerce du Haut Congo“ gespielt habe.
Historische Zeugnisse
Die „Paradise-Papers“ liefern zusätzliche schriftliche, teils amtliche Beweise für die enge Beziehung zwischen Glencore und Gertler. Und weiter zeigen sie, dass die „strategische Partnerschaft“ stark auf Korruption gebaut hat. Denn Gertler war derjenige, der kongolesische Amtsinhaber bestach. Alles deutet darauf hin, dass der Schweizer Konzern jeweils für das „Schmiermittel“ aufkam.
Die Protokolle und Unterlagen von zwei Krisensitzungen des Verwaltungsrates der Katanga-Kupfermine vom Juni und Oktober 2008 sind historische Zeugnisse, die jetzt durch die „Paradise-Papers“ zugänglich gemacht wurden. Sie werfen ein grelles Licht auf das Verhältnis zwischen einzelnen westlichen Wirtschaftszentren und Afrika. In den genannten Medien wurde folgender Sachverhalt hervorgehoben.
Der Kongo verlangte im Frühsommer für Bergbauverträge mehr Geld, aber Glencore wollte nicht mehr bezahlen. Der Verwaltungsrat der Katanga-Kupfermine löste das Problem, indem er Gertler als Vermittler einsetzte. Dieser hatte engste Beziehungen zu den beiden mächtigsten Männern des afrikanischen Staates, dem Minister für auswärtige Lizenzen. Katumba Mwanke, und dem Präsidenten Joseph Kabila. So soll der Israeli dem Kongolesen 2006 die Kampagne für die Wiederwahl finanziert haben. Nach gut zwei Wochen war das Problem Mitte Juli gelöst – zugunsten der westlichen Interessenten.
Business is neutral
Als der Verwaltungsrat im Oktober erneut mit aus seiner Sicht überrissenen Forderungen konfrontiert wurde, löste Gertler das Problem wieder zur vollen Zufriedenheit des Verwaltungsrates – und natürlich von Glencore. Der Schweizer Konzern sparte Hunderte von Millionen Dollar für zukünftige Lizenzausgaben ein. Der israelische Partner kam zu einem 45 Millionen schweren Anteil an der Katanga-Mine. Seit Juli 2007 ist Glencore deren Hauptanteilseignerin.
Im letzten Februar übernahm sie die Anteile Gertlers an den gemeinsame Minen, um zu ihm Distanz zu markieren. Dieser wies in aller Gelassenheit darauf hin, dass er weiterhin Lizenzgebühren aus Glencore-Minen beziehe. Aus der strategischen Partnerschaft ist möglicherweise eine taktische, aber kaum eine Nichtbeziehung geworden.
Nach den Enthüllungen der „Paradise-Papers“ kann es keine Zweifel mehr geben, dass Glencore derselben skrupellosen Philosophie folgt wie der des ursprünglichen Firmen-Gründers Marc Rich. Bemäntelt wird sie mit der Floskel „Business is neutral“. Man könnte ironisch fragen: Zu wessen Gunsten?
Der Historiker Josef Lang gehörte 1982 bis 1994 dem Zuger Stadt- und darauf bis 2004 dem Kantonsparlament an. 2003 bis 2011 vertrat er die Grünalternativen im Nationalrat. Mit den Zuger Rohstoffmultis, insbesondere der 1997 gegründeten Marc Rich, die 1994 in Glencore umbenannt wurde, befasst er sich seit 40 Jahren.
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