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1880 bis 1925 - in jenem Zeitraum korporationsstudentischer Blütezeit prägten Studentenverbindungen das Bild traditioneller Universitätsstädte ebenso wie die Inhalte sogenannter "Studentenromane": eine Gattungsform mediokren Niveaus im Dienste der Verklärung wilhelminischer Burschen-ideale? Oder literaturhistorisch bisher unerschlossenes Zeitzeugnis verborgener Facetten der Burschen(selbst)herrlichkeit? Anhand einer Auswahl von 30 repräsentativen Werken - unter anderen auch jenen von Walter Bloem - wird die Romanform gattungstheoretisch definiert und auf wiederkehrende Merkmale untersucht. Thematische Einzelbetrachtungen widmen sich zum einen korporationsimmanenten Bezügen wie den Fecht- und Trinkritualen, zum anderen sind sie soziohistorisch verortet, wobei das Verhältnis zu Frauen und Sexualität sowie zu jüdischen Kommilitonen Schwerpunkte bilden. Zuletzt wird die in den Werken präsentierte Rezeption des Weltkrieges ausgewertet, um ebenso deren realhistorische Tragfähigkeit zu diskutieren. In den Romanen zeichnet sich ein Darstellungsspektrum ab, das neben wohlwollend-selektiven auch reflexiv-kritische Betrachtungen korporationsspezifischer und allgemein-gesellschaftlicher Tendenzen umfasst und einen bislang unterschätzten literaturgeschichtlichen Gehalt offenbart.
Autorentext
Stefan Greiwe studierte Chemie und Germanistik an der Ruperto Carola Heidelberg. Dort promovierte er mit vorliegender Arbeit am Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturgeschichte. Seit Ablegen der Staatsprüfung für das gymnasiale Lehramt ist er als Lehrer im berufsbildenden Schulwesen tätig.