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Notizen zum Vortrag von Prof. Dr. Dr. Daniel von Wachter "Sozialismus als Rebellion gegen das Christentum"
Fragestellung: Was ist das grundlegende Motiv des Sozialismus? Wie verhält es sich zum Christentum?
Marx in seiner 11. These über Feuerbach: „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“ Implikation: Sozialismus ist keine Theorie. Er dient nicht der Wahrheitssuche, sondern der Änderung der Welt. Er ist also keine irrige ökonomische Theorie.
1. Was ist das grundlegende Motiv des Sozialismus?
- Es gibt zwei Gruppen von Motiven: Triebe und Überzeugungen. Beispiel: Ich bleibe aus Überzeugung zu Hause trotz bester Schneeverhältnisse, um meinen kranken Vater zu besuchen. Beim Sozialismus geht es um die Abschaffung des Eigentums. Es handelt sich dabei um eine Aversion gegen die grundsätzliche Wertordnung und gegen die Schöpfung; es geht um ein Triggering bestimmter Triebe im Menschen. Dabei dient der Sozialismus zur Rechtfertigung des Einzelnen vor sich selbst.
- Ein Einwand dazu lautet: Sie wollen sich für die Armen und die Frauen einsetzen. Das mag im Einzelfall stimmen. In 62 Ländern hat der Sozialismus die Macht ergriffen und die alte Wertstrukturen abgeschafft und weitgehend zerstört. Dies hat im christlichen Europa wie auch in China funktioniert.
- Die inhärenten Widersprüche des Sozialismus sind eine seiner Stärken. Widersprüche unterhalten die Gegner, die sie herausfinden. Es ist erfolgreich, vom anderen Toleranz zu fordern und selbst nicht tolerant zu sein.
- Die Aversion richtet sich gegen Menschen, die daran glauben, dass es Wahrheit bezüglich einzelner Handlungen gibt. Diese Aversion muss sich nicht nach der Wirklichkeit richten, sie ist trotzdem da.
- Der Sozialismus gibt vor Böses abzuschaffen und schafft dabei Gutes ab. Dazu zählt die Fürsorge der Eltern und besonders der Mütter. Der Trieb wurzelt in der Unzufriedenheit angesichts der existierenden Spannung in der Welt zwischen Gutem und Bösem.
2. Wie verhält sich der Sozialismus zum Christentum?
- Das Christentum lehrt im Gebot „du sollst nicht stehlen“ das Eigentum. Es ist dem Einzelnen aufgetragen, mit seinem Eigentum die Welt zu verbessern. Verbesserung geschieht nicht durch den Staat.
- Das Diebstahlgebot ist flankiert durch ein Neidverbot.
- Gott ist nicht nur mächtig, sondern auch gut. Das begründet diese moralische Ordnung. Die moralische Ordnung steht dem Ausleben des Triebs entgegen.
- Im Christentum ist das Streben nach Verbesserung verankert. Im Neuen Testament existieren Tugendkataloge.
- In der Mischung zwischen Gut und Böse enthält die Welt viele Aufgaben an den Menschen sich zu bewähren und zu verbessern.
- Der Charakter des Evangeliums ist nicht an ein Kollektiv, sondern an den Einzelnen gerichtet. Nicht Familien oder Stämme, sondern Einzelne werden gerettet.