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| Tertullian († um 220) - Über die Auferstehung des Fleisches. (De resurrectione carnis)

62. Cap. Abschluss dieses Punktes.
Dem Streite darüber macht der Ausspruch des Herrn ein Ende: „Sie werden sein wie die Engel“.1 Wenn dies geschieht, indem sie nicht heiraten und weil sie nicht sterben, dann sicher auch dadurch, dass sie keinem der entsprechenden Bedürfnisse des körperlichen Daseins unterliegen. Denn auch die Engel sind einstmals wie die Menschen geworden, assen, tranken und liessen sich die Füsse waschen;2 sie hatten nämlich die äussere Erscheinung von Menschen angenommen, ohne dass ihr eigenes Wesen innen Schaden gelitten hätte. Wenn also die Engel, wie Menschen geworden, zu ihrer frühern geistigen Substanz auch ein leibliches Verhalten annahmen, warum sollten nicht die Menschen, wenn sie wie Engel geworden sind, in derselben Substanz des Fleisches eine geistige Disposition [S. 506] eingehen können, indem sie unter dem engelartigen Gewande von den Gepflogenheiten des Leibes nicht mehr abhängig sind, als damals die Engel unter dem menschlichen Gewande von denen des Geistes? Wenn sie nicht mehr bei den Gewohnheiten des Fleisches verblieben sind, so sind sie darum doch keine Wesen, welche nicht mehr im Fleische verbleiben; denn auch die Engel sind immer noch Geisteswesen geblieben, trotzdem sie nicht bei den Gepflogenheiten des Geistes verblieben. Endlich hat er nicht gesagt: „Sie werden Engel sein“ und damit ihr Menschsein geleugnet, sondern: „Sie werden wie die Engel sein“ und sie dadurch in ihrem Menschsein belassen. Er hat die Substanz keineswegs aufgehoben, als er ihr eine Ähnlichkeit beilegte.
1: Matth. 22, 30.
2: Nach den Erzählungen im Buche Tobias.