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20 Jahre nach dessen Verbot ist das Erstlingsalbum «Debil» der ÄRZTE auch wieder für unter 18-jährige zu haben – remastered und mit Bonusmaterial angereichert.
1984 überrollte eine Schockwelle die deutschen Charts. DIE ÄRZTE gaben ihr Debüt auf Vinyl, genannt «Debil». «El Cattivo» und «Zu spät», die Singlehits daraus, wurden inzwischen zu Klassikern – aber auch zwei Lieder, die bei den Zensurbehörden weniger Anklang fanden: «Schlaflied» und «Claudia hat ’nen Schäferhund». Vorerst wurden die Grauhärigen aber noch nicht aktiv.
1986, zwei Alben später, ging die ÄRZTEmanie nicht mehr an der Zensur vorbei. Nun schlug die deutsche BUNDESPRÜFSTELLE FÜR JUGENDGEFÄHRENDE SCHRIFTEN zu. Das Album «Die Ärzte» und nun auch «Debil» wurden auf den Index gesetzt, d.h. deren Verkauf an unter 18-jährige wurde in ganz Deutschland untersagt. Ebenso war es verboten, die Platten zu bewerben oder die beanstandeten Songs live aufzuführen. Letzteres tat die Band trotzdem, allerdings ohne Gesang. Diesen lieferte das Publikum dafür im Chor. Und «Claudia» war entweder nach der ersten Zeile schon «tot», oder tat das, was die BINDESPRÜFSTELLE verlangte: sie hatte nun einen Mann.
Was später einen tollen Promotionseffekt brachte, war allerdings zuerst für die Band fatal. Ohne Platten im Regal standen DIE ÄRZTE vor dem Aus. Als Flucht nach vorn brachten sie 1987 die EP «Ab 18» auf den Markt – mit sämtlichen verbotenen Songs. Auf dem Inlay druckten sie die Originalschreiben der Behörden ab. Da heisst es z.B. «Der Inhalt des Liedes ‹Claudia hat 'nen Schäferhund› ist jugendgefährdend … durch die gesamte Art der Darstellung, mit dem Tier zu verkehren, wird der Eindruck erweckt, der Koitus mit einem Hund sei besonders befriedigend… ». Die Popularität der ÄRZTE erreichte ihren Höhepunkt. 1989 gab «die beste Band der Welt» ihr Abschlusskonzert und löste sich auf.
Zwei Jahre später kam es zum Neustart mit einem Inserat in der Fachzeitschrift DER MUSIKMARKT mit dem Wortlaut «Beste Band der Welt sucht Plattenfirma». Und mit «Schrei nach Liebe» legten die einstigen Meister der Provokation wieder los, allerdings nun mit ernsthafteren Aussagen.
Am 30. November 2004 wurde nun «Debil» aus der Liste der jugendgefährdenden Medien gestrichen. Im Gegensatz zu früher bemerkte die Behörde nun die «satirische Form» der Lieder, die von «heutigen Jugendlichen aufgrund ihrer Medienerfahrung ohne Schwierigkeit als Fiktion eingeordnet werden» können. Oder mit anderen Worten, früher waren die Jungen dümmer – oder?
«Debil» ist nun als «Devil» wieder erschienen. Frisch, frech und punkig wie damals wird es vielleicht sogar neue ÄRZTE-Fans zu rekrutieren vermögen. Für die alten: Neues ist nicht drauf. «Devil» ist zwar remastered. Die gross angekündigten Rareties sind für Urfans allerdings keine solchen.
Album: «Devil» (Sony-BMG)
www.dieaerzte.de