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In Deutschland leben wenigstens 40'000 Jungen und Männer mit dem Klinefelter-Syndrom (KS). Die Zahl in der Schweiz ist noch unbekannt jedoch auch markant. Jährlich werden etwa 800 Jungen (D) mit diesem Syndrom geboren, bei dem ein zusätzliches X-Chromosom in den Körperzellen vorliegt (Chromosomensatz im klassischen Fall: 47, XXY).
Ein Hauptsymptom des Klinefelter-Syndroms ist die Unterentwicklung der Hoden. Daraus resultiert eine noch nicht zu behebende Unfruchtbachkeit des Mannes, da sich keine befruchtungsfähigen Samenzellen bilden. Oft werden auch nur geringe Mengen des männlichen Geschlechtshormons Testosteron gebildet. Dies kann zu einer Brustentwicklung und im Alter zum Knochenschwund (Osteoporose) führen. Bartwuchs und Körperbehaarung sind häufig nur spärlich ausgebildet.
Manche haben bis auf ihren unerfüllten Kinderwunsch keine Probleme. Andere tragen bereits in der Kindheit psychische Probleme aus, haben Lernschwierigkeiten und tun sich schwer beim Finden eines Partners. Organische Beschwerden und psychosoziale Störungen unterschiedlicher Art sind oft Auswirkungen des Klinefelter-Syndroms, können aber durch eine gezielte Unterstützung oft gebessert, beseitigt oder gar vermieden werden.
Die Mehrzahl der Männer mit Klinefelter-Syndrom führt ein vollkommen normales Leben. Sie ergreifen den Beruf ihrer Wahl, heiraten und können, wenn bei den Partnern der Wunsch dazu besteht, Kinder adoptieren oder alternative Möglichkeiten wählen.
Viele Betroffene machen immer wieder die Erfahrung, dass Sie in der Fachliteratur wahre "Horrordarstellungen" über das Klinefelter-Syndrom lesen. Hier ein Beispiel:
"Bei diesen oft geistig unterentwickelten Männern bestehen abnorm kleine Geschlechtsorgane. Meist sind sie unfruchtbar. Die Körperbehaarung ist nur spärlich ausgebildet oder fehlt völlig. Häufig bestehen eine weibliche Brustentwicklung und Osteoporose (krankhafte Knochenentkalkung)." (Quelle: Isolde Richter: Lehrbuch für Heilpraktiker. Urban & Schwarzenberg 1993)
Richtig hingegen ist:
das Klinefelter-Syndrom ist keine geistige Behinderung. Allenfalls der - wenig über einen Menschen aussagende - Intelligenzquotient kann leicht vermindert sein
Der Penis ist von normaler Grösse; nur die kleineren Hoden sind ein Merkmal des Klinefelter-Syndroms
Männer mit Klinefelter-Syndrom sind unfruchtbar
Männer mit Klinefelter-Syndrom sind keine haarlosen Wesen. Selbstverständlich haben sie eine Kopf- und Schambehaarung und alles andere. Nur die sekundären Geschlechtsmerkmale (Bartwuchs, Brust- und Beinbehaarung, aufsteigende Schambehaarung) bleiben beim Testosteronmangel aus. Der Testosteronmangel und seine Folgen lässt sich durch eine entsprechende Therapie mit Erfolg behandeln.
Männer mit Klinefelter-Syndrom bekommen unter Umständen eine Gynäkomastie, einen Zuwachs an Drüsengewebe der Brust. Doch eine weibliche Brust entwickeln sie nicht!