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Der nächste Crash kommt in China
Eurokrise, Eurokrise, Eurokrise. Nichts beschäftigt die Finanzmärkte mehr als das bisweilen grotesk inkompetente Verhalten der europäischen Spitzenpolitiker in der Verarbeitung und Bekämpfung ihrer Krise. Und das seit Monaten. Nächste Woche treffen sie sich wieder zu einem Gipfel. Es ist etwa der zwanzigste in den vergangenen zweieinhalb Jahren – irgendwann haben wir mit dem Zählen aufgehört. Wetten wir, dass auch dieser Gipfel zu nichts führen wird?
Sprechen wir einmal von einem anderen Thema. Sprechen wir von China. Und, schliesslich ist es heiss und bald Wochenende, nehmen wir’s nicht ganz ernst.
Haben Sie schon mal vom Skyscraper Index (Wolkenkratzer-Index) gehört? In Teilen der Finanzwelt ist er auch als Erection Index bekannt. Dieser basiert auf einer Studie der Ökonomen von Barclays Capital, die eine ausgeprägte Korrelation zwischen dem Wunsch eines Landes, das höchste Gebäude der Welt zu bauen, und der Krisenanfälligkeit dieses Landes – oder Region – feststellt. Klingt plausibel: Ein Bauboom in einem Land führt irgendwann zu Grössenwahn – und dann kommt der Absturz.
Hier eine grafische Darstellung des Barclays Skyscraper Index, neu aufbereitet von den Kollegen bei Business Insider:
Einige Beispiele dazu aus der Weltgeschichte:
- Der Prunkbau der Milwaukee City Hall (fünftes Gebäude von links) wurde kurz vor dem US-Eisenbahncrash von 1893 fertiggestellt.
- Das Metropolitan Life (213 Meter hoch) und das Singer Building (186 Meter) in New York entstanden kurz vor der Börsenpanik von 1907.
- Chrysler Building (318 Meter, 12. Gebäude von links) und Empire State Building (381 Meter, 13. Gebäude von links) markierten die Grosse Depression.
- Die Fertigstellung der Petronas Towers (452 Meter, drittes Gebäude von rechts) in Kuala Lumpur 1997 ging mit dem Ausbruch der Asienkrise einher.
- Die Bauarbeiten an Taipeh 101 (509 Meter, zweites Gebäude von rechts) begannen 1999, dem Höhepunkt der Technologieblase.
- Und schliesslich, der bisherige Höhepunkt an Megalomanie, Burj Khalifa in Dubai mit 828 Metern Höhe, der 2010 nur dank der Finanzhilfe des Emirs von Abu Dhabi fertig gestellt werden konnte, weil im Nachgang der Weltwirtschaftskrise von 2008/09 in Dubai das Geld ausgegangen war.
Vielleicht steht nun eine Fortsetzung des Wettrüstens an. In China, genauer gesagt in der Stadt Changsha in der Provinz Hunan, soll unter dem Projektnamen Sky City One ein neuer Wolkenkratzer mit 220 Stockwerken und 838 Metern Höhe entstehen – das wären rein zufälligerweise zehn Meter mehr als der Burj Khalifa in Dubai. Gebaut werden soll das gute Stück von der chinesischen Baufirma Broad Group, und ihr Ziel soll es sein, das Monster in 90 Tagen hochzuziehen. Die Bewilligung der Behörden steht noch aus.
Hier, for your amusement, ein netter kleiner Film, der den Bau eines dreissigstöckigen Hotels in Changsha innerhalb von 15 Tagen zeigt:
Wenn sich der Verlauf der Geschichte weiterhin reimt, könnte Sky City One also den Anfang vom Ende des chinesischen Infrastrukturbooms einläuten.