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Inhalationsnarkotikum für Hunde, Katzen, Kleinnager und Vögel
ATCvet: QN01AB08
ZusammensetzungSevofluran 100 %
Fachinformationen Wirkstoffe (CliniPharm)
Eigenschaften / WirkungenSustane Sevolurane ad us. vet. ist ein schwach und angenehm riechendes Inhalationsanästhetikum zur Einleitung und Aufrechterhaltung einer Narkose. Es wirkt auf das Zentralnervensystem und führt zum Bewusstseinsverlust. Bei anästhetischer Konzentration hat es keine arrhythmogenen Eigenschaften.
Elektroencephalographische Parameter unterscheiden sich nicht zu denjenigen unter Halothan- oder Isoflurannarkose. Sevofluran hat eine dämpfende Wirkung auf die Atmung. Wie andere Inhalationsanästhetika senkt Sevofluran den Blutdruck dosisabhängend. Aufgrund einer peripheren Vasodilatation, eines geringeren peripheren Gefässwiderstands und des verminderten kardialen Outputs nimmt die Herzfrequenz zu.
Sevofluran hat einen Siedepunkt von 58.5 °C bei 760 mmHg und einen Dampfdruck von 200 mmHg bei 25 °C. Es ist volatil, nicht brennbar und nicht explosiv.
PharmakokinetikInfolge der geringen Löslichkeit von Sevofluran im Blut nimmt die Konzentration in den Alveolen während der Einleitung rasch zu und bei der Ausleitung rasch ab. Ein geringer Anteil von Sevofluran (ca. 2 %) wird metabolisiert.
Bei Ratten konnte die ersten 24 Stunden nach einer Anästhesie ein leichter Anstieg von Fluoriden im Harn nachgewiesen werden. Die Ausscheidung verläuft biphasisch. Die dominante Fraktion wird rasch über die Lunge ausgeschieden. Die Ausscheidung der langsamen Fraktion aus Hirn, Blut und vor allem Fettgewebe verläuft ähnlich wie die Ausscheidung von Halothan. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Elimination des geringen metabolisierten Anteils keinen negativen Einfluss auf die Leber und die Nieren hat.
IndikationenSustane Sevoflurane ad us. vet. ist zur Einleitung und Aufrechterhaltung einer Inhalationsnarkose bei Hunden, Katzen, Kleinnagern (Ausnahme: Meerschweinchen!) und Vögeln geeignet.
Dosierung / AnwendungTechnische Ausrüstung: Sustane Sevoflurane ad us. vet. soll grundsätzlich mit einem Verdampfer verabreicht werden, der speziell für Sevofluran ausgelegt und kontrolliert ist.
Üblicherweise wird Sauerstoff als Trägergas verwendet. Die Kombination mit Raumluft ist möglich. Bei der Narkoseeinleitung ist eine Kombination mit N2O/O2 möglich.
Folgende minimalen alveolären Konzentrationen (MAC) werden zur Narkoseeinleitung bzw. Erhaltung empfohlen (Angabe in Volumenprozent)
Diese Dosierungen sind als Circa-Angaben zu verstehen. Die Konzentrationen müssen immer dem Zustand des Patienten angepasst werden. Sevofluran nicht bei Meerschweinchen anwenden (s.u.)!
Hund: Die Narkoseeinleitung mit Sevofluran erfolgt ruhig, ohne Abwehrbewegungen und ohne Speicheln. Zur Prämedikation kann aber auch eingesetzt werden: Xylazin/Butorphanol + Thiopenthal, Romifidin oder Medetomidin + Propofol, Opioid + Propofol. Anschliessende Erhaltung mit Sevofluran bei anfänglich 3 bis 7 %. Nach fünf bis acht Minuten kann dann auf rund 3 % Sevofluran reduziert werden. Nach Beendigung der Zufuhr des Inhalationsanästhetikums können die Hunde nach 3 bis 15 Minuten extubiert werden. Zweidrittel der Patienten sind nach 10 Minuten in Sternallage.
Katze: Eine Prämedikation erfolgt z.B. mit Medetomidin oder Xylazin mit nachfolgender Einleitung z.B. durch Propofol. Katzen können aber auch mit 7.5 - 8 % Sevofluran über die Maske eingeleitet werden, wobei nach einer Minute eine Anästhesietiefe erreicht sein sollte, so dass die Konzentration auf 5 % reduziert und nach weiteren drei Minuten intubiert werden kann. Dieses Vorgehen ist v.a. für Katzen, die nicht prämediziert werden können geeignet.
Kaninchen: Die Einleitung mit der Maske bewirkt massive Abwehrbewegungen und wird nicht empfohlen. Obwohl Sevofluran schwach riechend ist, reagieren die Kaninchen oft mit einer Apnoe. Eine Prämedikation ist sehr zu empfehlen.
Ratte: Die Einleitung der Anästhesie erfolgt mittels Ganzkörperkammer in einer Konzentration von 6 - 8 %, für die Erhaltung reichen 3 - 3.5 % aus.
Chinchilla: Für die Einleitung reicht eine Konzentration von 6 % aus. Die Erhaltung der Narkose benötigt 4 %.
Hamster: Die Einleitung erfolgt vorzugsweise in der Boxe mit 8 % Sevofluran. Die Anästhesieerhaltung benötigt 3.5 %.
Maus: Die Einleitung in der Boxe oder Röhre erfolgt bei 8 % und die Erhaltung bei 4 %.
Vögel: Je nach Vogelart wird die Anästhesie mit der Maske oder der Ganzkörperkammer eingeleitet. Es besteht auch die Möglichkeit einer Luftsackperfusion. Für die Einleitung werden (5 -) 8 % und für die Erhaltung 3 - 5 % Sevofluran benötigt.
Anwendungseinschränkungen
KontraindikationenDa Meerschweinchen unter Sevoflurananästhesie oft Schwierigkeiten mit der Atmung aufweisen, soll Sevofluran bei dieser Spezies nicht verwendet werden.
Sustane Sevoflurane ad us. vet. ist nicht getestet bei trächtigen Tieren.
Nicht bei Tieren anwenden, die der Lebensmittelgewinnung dienen. Sustane Sevoflurane ad us. vet. darf bei Tieren mit bekannter Überempfindlichkeit gegen Sevofluran oder anderen halogenisierten Produkten nicht angewendet werden.
VorsichtsmassnahmenSevofluran ist atemdepressiv. Die Atmung muss unablässig überwacht werden und im Notfall durch Zugabe von Sauerstoff und/oder künstlicher Beatmung unterstützt werden.
Unerwünschte WirkungenVetVigilance: Pharmacovigilance-Meldung erstatten
Sevofluran senkt den Blutdruck dosisabhängig. Die Ursache ist eine periphere Vasodilatation und die Senkung des peripheren Gefässwiderstandes. Die Kontraktilität des Herzmuskels wird unwesentlich herabgesetzt.
Dosisabhängig wird die Atemfrequenz und das -volumen reduziert. Da die Empfindlichkeit des Atemzentrums und damit die Reaktionsmöglichkeit auf einen erhöhten CO2-Gehalt gesenkt wird, steigt der arterielle CO2 Druck an. Wie bei allen Inhalationsanästhetika kommt es zu einer cerebralen Vasodilatation, was zu einem erhöhten Blutfluss und als Folge davon zu einem erhöhten intracranialen Druck führt.
Bei alten oder geschwächten Tieren kann eine Anpassung der Sevofluran-Konzentration erforderlich sein. Eine intensive Überwachung der Anästhesie ist bei diesen Patienten zwingend erforderlich.
Sevofluran kann mit dem Atemkalk interagieren, wodurch ein toxisches Produkt (Compound A) entsteht, das nephrotoxisch ist. Dieses Produkt wurde nur nachgewiesen bei langen Anäshesien mit niedrigem Gasfluss (low- flow) und ausgetrocknetem, erwärmtem Atemkalk. Je nach Typ des Atemkalks variiert die Menge des gebildeten Compound A. In Studien konnten beim Menschen aber keine bleibenden Nierenschäden nachgewiesen werden. Ein Überhitzen des Atemkalks kann vermieden werden durch regelmässiges Fluten des geschlossenen Narkosesystems mit frischem Sauerstoff. Ist der Atemkalk ausgetrocknet, ist es möglich , dass der erwartete Indikator in Form der Farbveränderung des Atemkalkes nicht sichtbar wird. Atemkalk soll regelmässig ausgetauscht werden, unabhängig vom Zustand des Farbindikators, um eine angemessene CO2-Absorption zu gewährleisten.
Sonstige HinweiseFür längere Narkosen darf nicht mit einer offenen Atemmaske gearbeitet werden.
Operationssaal und Aufwachräume müssen ausreichend beflüftet sein.
Das Nachfüllen und Entleeren von Verdampfern hat mit grösster Vorsicht zu erfolgen. Verschüttetes Anästhetikum muss sofort beseitigt werden. Achtung: Das Anäshetikum verdampft bei Raumtemperatur und der Dampf darf nicht eingeatmet werden.
Zum Schutze der Umwelt sollte abgeführtes Narkosegas über einen Kohlefilter geleitet werden.
Medikament für Kinder unerreichbar aufbewahren.
Lagerung bei 15 bis 30 °C.
PackungenFlaschen zu 250 ml
HerstellerMinrad Inc., Bethlehem, PA, USA
Informationsstand: 10/2008
Dieser Text ist behördlich genehmigt.