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Der allererste Satz, der je über ein Telefon gesagt wurde, war dieser: «Watson, kommen Sie her. Ich muss Sie sehen.» Das war am 10. März 1876. Der Erfinder des Telefons Alexander Bell sprach energisch in den Apparat, den sein Assistent Thomas Watson konstruiert hatte.
Anlass des Telefonats war ein kleines Missgeschick. Die beiden experimentierten bei der Entwicklung des ersten Mikrofons mit Säure und Bell verschüttete diese auf seiner Kleidung. Dass Watson die Stimme seines Chefs hörte, war ein Glücksfall.
Patentstreit und Technologie-Klau
Geklingelt hat das erste Telefon noch nicht. Diese Funktion kam erst später dazu. Revolutionär war die Technik trotzdem: Erstmals war es möglich, mit der eigenen Stimme seine Botschaft an einen anderen Ort zu vermitteln. Im Vergleich zur Telegraphie war das ein wahrer Quantensprung. Der «New York Herald» bezeichnete die neue Apparatur als «beinahe übernatürlich».
Schnell entbrannte ein Streit darum, wer der wahre Erfinder des Telefons war und damit Geld machen durfte. Einen Monat vor dem ersten Telefonat hatte Bells Anwalt als erster das Patent angemeldet. Nur gerade zwei Stunden bevor sein Konkurrent Elisha Gray es ebenfalls versuchte. Als Zweiter blieb Gray erfolglos.
Die Sache hatte einen kleinen Haken: Bell hatte zu diesem Zeitpunkt noch gar kein funktionierendes Telefon entwickelt, die Funktionsweise mit der Säure erwies sich als wenig praxistauglich.
Also kopierte Bell kurzerhand die Technologie seines Widersachers Gray. Die Folge war ein übler Patentstreit. Aus Bells Unternehmen ging später der US Telefon-Riese «AT&T» hervor. Bis heute ist sie eine der wertvollsten Firmen der Welt.
Nervige Erfindung
Mit dem Telefon war es erstmals möglich, Kommunikation einzufordern. Mit dem Klingeln nötigte man den Empfänger dazu, seine Tätigkeit zu unterbrechen und sich ganz dem Anliegen des Anrufers hinzugeben. Wen hat nicht schon mal die Grossmutter in einem ungünstigen Moment angerufen?
Der Philosoph Walter Benjamin bezeichnete das Telefon als «gewaltsames Eindringen in die Privatsphäre». Weil sich Sprache damals noch nicht aufzeichnen liess, war die Kommunikation auch erstmals flüchtig. Bells Geschrei hatte also mit einer heutigen Instagram-Story mehr zu tun, als es auf den ersten Blick scheint.