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Gefährde ich mich, wenn ich beim Spazierengehen einem Jogger zu nahe komme? Die Frage liegt nahe: Wenn ein Jogger Corona hat, und vor mir herjoggt, keucht und schnauft, dann produziert er doch sicher mehr Tröpfchen als ein normaler Spaziergänger, und verteilt sie auch weiter in seiner Umgebung. Das gleiche gilt für eine Radfahrerin. Also, fragt man sich: Ist das nicht gefährlich? Insgesamt gibt es dazu leider kaum gute Daten. Kürzlich hat aber eine Studie für Wirbel gesorgt, die scheinbar aussagte, dass Jogger und Radfahrer, wenn sie Corona-krank sind, wahre Virenschleudern seien, und die üblichen zwei Meter Abstand in solchen Fällen nicht reichen. Vor allem im Windschatten von Joggern würden noch über viele Meter weit Tröpfchen in der Luft hängen, die der Jogger ausgeatmet hat.
Und stimmt das, zieht ein Jogger eine Tröpfchenwolke hinter sich her? Tatsächlich sind die Tröpfchen, die ein Jogger ausstösst so leicht, dass sie wie eine Wolke in der Luft hängen bleiben, während er weiter läuft. Und die erwähnte Studie scheint zu zeigen, dass sie auch dann noch in der Luft hängen, wenn ein Jogger schon zehn Meter weiter ist, beim Radfahren waren es sogar 15 Meter. Aber die Kritik an dieser Untersuchung kam schnell und war deutlich, denn: Das war eine Untersuchung, bei der kein einziges Experiment gemacht wurde, sie beruht auf einer Simulation. Solche Simulationen werden gerne gemacht, um die Performance von Sportlern genauer zu untersuchen. Aber es ist wirklich die Frage, ob man aufgrund einer solchen Simulation vor dem Windschatten von Joggern oder Radfahrerinnen warnen sollte.
Ja, und kann ich mich nun anstecken, wenn ich in den Windschatten eines Joggers gerate? Ich kenne bisher keine Studie, die das wirklich gut untersucht hat. Aber ein paar Überlegungen dazu: Eine wichtige Frage ist, wieviel Virus man aufnehmen muss, damit eine Infektion überhaupt stattfindet. Es ist inzwischen klar, dass man eine gewisse Dosis Virus braucht, um krank zu werden. Wieviel Virus genau und welche Faktoren dabei noch eine Rolle spielen - Immunabwehr, Aufnahmeweg - ist aber noch nicht geklärt. Und: Generell ist die Gefahr grösser, wenn ich mich in einem geschlossenen Raum mit einem Infizierten aufhalte als wenn ich ihm draussen begegne. Draussen hilft mir der Luftaustausch und verdünnt die Virenlast schnell und das Risiko für eine Ansteckung sinkt.
Wie wäre es denn mit Masken für Sportler? Für Sportler gilt das Gleiche wie für uns alle. Mit einer Maske schütze ich andere davor, dass ich sie unwissentlich anstecke. Keiner wird Joggen oder Radfahren, wenn er oder sie sich wirklich krank fühlt. Aber: Etwa die Hälfte aller Ansteckungen passiert dann, wenn jemand zwar infiziert aber noch nicht richtig krank ist. Um diese Ansteckungen zu verhindern, könnten Masken durchaus Sinn machen, eben für den Zeitraum, in dem man sich noch gesund fühlt, das Virus aber schon in sich trägt und verbreiten kann. Das spricht fürs Maske zu tragen, oder auch einen Schal vorm Gesicht, im Zweifel immer dann, wenn man anderen nahe kommt.
Katrin Zöfel
Wissenschaftsredaktorin
Katrin Zöfel ist studierte Biologin. Sie arbeitet seit 2016 in der SRF-Wissenschaftsredaktion in Basel.