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Brausetabletten DarreichungsformenBrausetabletten sind nicht überzogene Tabletten, die vor dem Gebrauch in Wasser aufgelöst werden. Sie enthalten ein Carbonat oder ein Hydrogencarbonat und eine organische Säure. Kommen diese Stoffe zusammen in Kontakt mit Wasser, bildet sich das Gas Kohlenstoffdioxid, was die Tablette zerfallen lässt. Brausetabletten können schneller wirken als gewöhnliche Tabletten und eignen sich auch für Kinder oder Patienten mit Schluckschwierigkeiten. Allerdings sind sie gegen Feuchtigkeit empfindlich, zerbrechen leichter und die Verabreichung ist umständlicher.Definition und Eigenschaften
Eine Brausetablette ist eine nicht überzogene Tablette, die vor der Verabreichung in Wasser aufgelöst oder zerfallen gelassen wird. Die dabei entstandene Lösung oder Suspension wird getrunken oder seltener anders verwendet. So existieren beispielsweise Brausetabletten zur Reinigung von Prothesen oder Erkältungsmittel mit ätherischem Öl zur Inhalation.
Paracetamol-Brausetabletten, zum Vergrössern anklicken. Foto © PharmaWiki
Brausetabletten werden üblicherweise mit ausreichend kaltem - nicht temperiertem - Leitungswasser zubereitet. Einige Medikamente werden aber auch als Heissgetränk verabreicht. Die Lösung kann vor dem Konsum zusätzlich mit einem Löffel gerührt werden. Brausetabletten sollen nicht ohne vorgängige Zubereitung eingenommen werden.Chemische Grundlagen
In Brausetabletten ist einerseits eine Base wie ein Carbonat oder Hydrogencarbonat (z.B. Natriumhydrogencarbonat) als Hilfsstoff enthalten. Andererseits beinhalten sie eine organische Säure wie z.B. die Zitronensäure, Vitamin C oder Weinsäure. Kommen diese zwei Substanzen miteinander in Kontakt mit Wasser, bildet sich das Gas Kohlenstoffdioxid, was zu einer Auflösung der Tablette führt. Das Arzneibuch fordert, dass der Zerfall innerhalb von fünf Minuten stattgefunden haben muss.
- Natriumhydrogencarbonat (NaHCO3) + Säure (H+) → Natrium (Na+) + Wasser (H2O) + Kohlenstoffdioxid (CO2, gasförmig)
Brausetabletten enthalten weitere Hilfsstoffe wie etwa Süssungsmittel, Bindemittel, Schmiermittel, Konservierungsmittel und Farbstoffe. Sie sind wesentlich grösser als gewöhnliche Tabletten, weil sie nicht direkt geschluckt werden.
Zerfall von Brausetabletten, zum Vergrössern anklicken. Illustration © PharmaWikiVorteile
Ein Vorteil dieser Darreichungsform liegt darin, dass die Wirkstoffe bereits gelöst vorliegen. Damit kann unter Umständen ein schnellerer Wirkungseintritt erzielt werden, was beispielsweise bei der Schmerzbehandlung erwünscht ist. Dies wurde etwa für Paracetamol gezeigt.
Brausetabletten sind auch für Patienten mit Schluckschwierigkeiten und für Kinder geeignet. Sie können zudem besser magenverträglich sein.Nachteile
Die Einnahme ist umständlicher und weniger diskret, weil ein Glas oder ein Becher mit Wasser benötigt wird und die Tablette aufgelöst werden muss.
Brausetabletten müssen vor Feuchtigkeit geschützt hergestellt und aufbewahrt werden. Sie werden speziell verpackt, damit sie nicht feucht werden und die Reaktion zu früh beginnt. Häufig werden sie in Röhrchen in den Handel gebracht, die im Deckel ein Trockenmittel enthalten. Sie können auch mit einer Folie umhüllt oder einzeln verblistert werden.
Brausetabletten sind empfindlicher als gewöhnliche Tabletten und können rasch zerbrechen. Der Geschmack der Wirkstoffe kann ein Problem für die Formulierung darstellen.Teilbarkeit
Einige Brausetabletten haben eine Bruchrille und können geteilt werden. Falls sie keine aufweisen, können zwei ungleiche Hälften entstehen. Die übrig gebliebene Hälfte hat im Blister gemäss der Fachinformation eine begrenzte Haltbarkeit von wenigen Tagen.Beispiele
Einige Beispiele von Wirkstoffen, die als Brausetabletten formuliert werden:
- Acetylsalicylsäure
- Codein
- Paracetamol
- Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, z.B. Kalium, Magnesium, Calcium, Zink, Vitamin C und viele weitere
- N-Acetylcystein
- Echinacea
- Ranitidin
- Erkältungsmittel
- Arzneimittel-Fachinformation (CH, D)
- Europäisches Arzneibuch PhEur
- Handbücher der pharmazeutischen Technologie
- Herstellerinformationen
- Schmidt P.C., Christin I. Effervescent tablets - a nearly forgotten drug form. Pharmazie, 1990, 45(2), 89-101 Pubmed
- Weitere Quellen
Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.
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