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Die Zeit der Lerchen - Von Uhren und Arbeit
Vom Schatten und Fluss der Zeit
Was haben ein Monolith und eine Wasserdiebin gemeinsam? Beide zählen zu den ältesten Zeitmessgeräten der Welt. Vermutet wird, dass bereits Steinzirkel wie Stonehenge zur Vorhersage von Tagundnachtgleiche oder Sonnenwende erbaut wurden. Belegt ist allerdings, dass vor 4000 Jahren in Ägypten und Mesopotamien die ersten Zeitmessgeräte entwickelt wurden.
Zu Beginn waren Schatten- und Sonnenuhren
Dabei haben sich zwei Arten entwickelt. Die Schattenuhren, welche den Sonnenstand als Hilfsmittel verwenden, und noch bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zur Richtung mechanischer Uhren benutzt wurden. Und Wasseruhren, welche sich ähnlich der bekannten Sanduhr, an dem regelmässigen Abfluss des Inhalts orientieren. Daher auch der griechische Name Klepsydra, was so viel wie Wasserdiebin bedeutet. Sie hatten im Gegensatz zu Sonnenuhren einen klaren Vorteil bei Nacht oder bewölktem Wetter und waren relativ ortsunabhängig.
Generell leistete das antike Griechenland einen wichtigen Anteil, etwa mit der Entwicklung der ersten Wasseruhr samt Zifferblatt und Zeiger, sowie dem ersten Wecker, welcher die Schüler Platos morgens zum Studium wachrüttelte.
Neben der Sonnen- und Wasseruhr entwickelte sich mit der Zeit eine Vielzahl an weiteren Systemen. Darunter Quecksilberuhren, Feueruhren, Kerzenuhren, Öllampenuhren, Räucherstäbchenuhren und astronomische Uhren. Während in China bereits zur Zeit der Han-Dynastie Wasseruhren eingeführt wurden, galt allerdings der islamische Orient über lange Zeit als Hochburg des meisterhaften Uhrwerks.
Uhren bestimmten den Arbeitsalltag im mittelalterlichen KlosterIn Europa taten sich dann mittelalterliche Mönche als die ersten Uhrmacher hervor, denn ihnen war die Tageseinteilung für Gebet ein besonderes Anliegen. In Deutschland wurden dann im 15. Jahrhundert Uhren mit Minuten- und Sekundenanzeige entwickelt. Pendeluhren wurden im fortschrittlichen Italien entwickelt. Später folgten lange Zeit Taschenuhren, bis zur Entwicklung von Armbanduhren im 19. Jahrhundert, die bis heute ein persönliches Schmuckstück geblieben sind.
Die genaueste Zeitmessung bieten heute Atomuhren, die zur Kalibrierung von Uhren und anderen Zeitmessgeräten benutzt werden.
Die Zeitzone (Mittel-)Europa
Seit der Entwicklung der mechanischen Uhr um das 14. Jahrhundert verfügten Schweizer Orte oft über ihre eigene Zeit. Diese Uhren richteten sich oft am Sonnenstand und teilten den Tag in zwei Teile à zwölf Stunden ein, beginnend mit Mittag sowie Mitternacht.
In den ländlichen Teilen der Schweiz blieb die Bedeutung der Tageseinteilung bis ins 19. Jahrhundert grundlegend erhalten. Die Tageszeit wurde anhand einer Sonnenuhr, oder mithilfe von Geländeerhebungen abgelesen. So finden sich heute noch Bergnamen wie Nünistock, Mittaghorn, Einshorn, Pizzo di Mezzodi oder Dents du Midi.
Eine nationale Zeit für die Eisenbahn
Die Folge der lokalen Uhrzeit hatte dann allerdings zur Folge, dass Passagiere im Zugverkehr während ihrer Reise rund um den Bodensee die Uhren mehrmals der lokalen Zeit anpassen mussten. Während der Industrialisierung nahm der Faktor Zeit durch den Ausbau von Bahn-, Post- und Telegrafienetz an Bedeutung zu.
Das System der heutigen Zeitzonen wurde 1884 auf der Konferenz von Washington beschlossen und der Nullmeridian von Greenwich gesetzt. Während die Anrainerstaaten rund um die Schweiz die mitteleuropäische Zeit bereits umgesetzt hatten, schloss sich der Bundesrat erst zehn Jahre später an. Die Befugnis lag allerdings bei den Kantonen, welche sich aus eigenem Interesse dem einheitlichen Zeitsystem anschlossen. Bis dahin galt übrigens eine Zeitdifferenz von 18 Minuten zwischen dem östlichen Val Müstair und dem westlichsten Punkt in Genf.
Ein Flickenteppich der ZeitzonenInteressanterweise hat das internationale Zeitzonensystem heute für einige Sonderlichkeiten geführt. So etwa liegen Spanien wie auch Polen trotz unterschiedlicher Längengrade in der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ). Die USA verfügt auf dem Festland über fünf, die Volksrepublik China nur über eine einzige Zeitzone, obwohl beide Länder über eine ähnliche Breite verfügen. In Südamerika ist es durch eine kleine Reise möglich, gleich zweimal Sylvester zu feiern. Und gewisse Länder wie Iran und Indien verfügen über eine halbstündige Zeitverschiebung.
Die biologische Uhr
Dabei bedient sie sich der Tierwelt und teilt den Schlaftypen eine Vogelart zu. Lerchen und Eulen, also Früh- und Spätaufsteher, sind die beiden Extreme. Die berühmte grosse Masse dazwischen wird den Tauben zugeteilt.
In der Chronobiologie werden die Unterschiede genauer untersucht. Dabei bestimmt scheinbar das Diktat der Frühaufsteher, von der Schule bis hin zu Führungspositionen. Stereotypische Eigenschaften helfen im Volksmund schon länger der persönlichen Einschätzung. Nachteulen sind kreativ, Frühaufsteher hingegen ehrgeizig. Das hat sich in der Managementpraxis durchgesetzt.
Ein abgeschlossener Schlafrythmus hilft der ErinnerungLaut Schlafforscher Till Rosenberg beginnt der Nachteil bereits in der Schule. Denn der biologische Schlaf von etwa sieben Stunden ist wichtig, damit das Gehirn in der Nacht das am Tag vorher Gelernte einordnen und abspeichern kann. Eine kürzere Nacht verhindert somit nicht nur einen optimalen Memorisierungprozess. Durch den Schlafmangel benötigen Spätaufsteher am Morgen länger, um wach zu werden, können dabei in eine Art Mikroschlaf fallen und etwa Fragen nicht richtig hören.
Wochenarbeitszeit im Wandel
Apropos Zeit. Diese verändern sich, und wir uns schliesslich mit ihnen. In der Schweiz beträgt die wöchentliche Arbeitszeit durchschnittlich 41.8 Stunden bei einem Pensum von hundert Prozent. Während sich hierzulande die Teilzeitarbeit an grosser Beliebtheit erfreut, hat etwa Island auf die Vier-Tage-Woche an 35 Stunden gewechselt.
Dabei war die Wochenarbeitszeit vor 200 Jahren doppelt so hoch. Zur Zeit der Industrialisierung war ein Arbeitstag an 15 Stunden der Regelfall, zumindest in den Fabriken. Historisch betrachtet war im 19. Jahrhundert der Höchststand der Arbeitszeit erreicht, welcher seither einen stetigen Rückgang verzeichnet. Die Forschung bezeichnet den Höchststand als die sogenannte Fleissrevolution.
Eine langwierige Einigung um die Zeitmessung am ArbeitsplatzAllerdings spielte auch die Zeitmessung eine entsprechende Rolle, denn die Uhrzeit verdrängte zunehmend die Orientierung an der Tageszeit. So etwa streikten Fabrikarbeiter 1837 gegen eine Glocke, die Beginn und Ende des Arbeitstages anzeigte.
Punkto Arbeitnehmerrechte hatte sich im Kanton Glarus allgemein viel getan. Das Glarner Gesetz von 1848 beschränkte die tägliche Arbeitszeit für Erwachsene in Spinnereien auf maximal 15 Stunden, und galt damit als europäische Pionierleistung.
Nach dem Ersten Weltkrieg war die 48 Stunden-Woche eines der Hauptanliegen der Gewerkschaften und zählte zu den neun Forderungen des Landesstreiks von 1918.
Allgemein kann heute von einer klareren Trennung von Freizeit und Arbeit gesprochen werden. Der Arbeitsalltag vor der Industrialisierung war hingegen eher unscharf getrennt. Auch etwa war das Vergnügungs- und Freizeitangebot im Gegensatz zu heute viel geringer.
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