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Vaterschaftsanerkennung: Welche Regelungen gelten in der Schweiz?
Eine ausdrückliche Vaterschaftsanerkennung des leiblichen Vaters ist nur dann nötig, wenn ein unverheiratetes Paar Kinder hat. Doch was passiert, wenn sich ein Mann weigert, seine Vaterschaft anzuerkennen? Informieren Sie sich hier über die Gesetzlage bei einer Vaterschaftsanerkennung.
Bei unverheirateten Paaren ist eine gesetzliche Vaterschaftsanerkennung notwenig! Foto: iStock, Thinkstock
Wann kommt eine Vaterschaftsanerkennung in Frage?
Nur ein leiblicher Vater kann die Anerkennung einer Vaterschaft erklären, wobei eine Ehe mit einer anderen Frau als der Kindesmutter der Anerkennung nicht entgegen steht. Minderjährige bedürfen der Zustimmung der Eltern und auch unter Beistandschaft stehende Personen benötigen die Zustimmung von Vormund oder Beistand. Wenn eine Mutter zum Geburtszeitpunkt eines Kindes verheiratet ist, so wird gesetzlich vermutet, dass der Ehemann der Vater des Kindes ist. Eine ausdrückliche Anerkennung der Vaterschaft durch den Ehemann ist in diesem Fall nicht erforderlich. Die Vaterschaft des als rechtlicher Vater geltenden Ehemannes geht auch vor, wenn ein anderer behauptet, der leibliche Vater zu sein. Die Änderung der rechtlichen Vaterschaft ist nur mit einer Anfechtung vor Gericht möglich. Wenn jedoch die Mutter bei der Geburt nicht verheiratet ist, so ist zur Erlangung der rechtlichen Vaterschaft eine ausdrückliche Anerkennung erforderlich. Die Vaterschaftsanerkennung kann nach der Geburt, aber auch bereits zuvor erfolgen. Eine Anerkennung ist nicht mehr möglich, falls ein anderer Mann bereits die Vaterschaft anerkannt hat. In diesem Fall muss die erste Kindesanerkennung angefochten werden.
Die Rechtswirkungen der Vaterschaftsanerkennung
Bei einer rechtsgültigen Anerkennung gilt die Vaterschaft ab der Geburt des Kindes und gegebenenfalls auch rückwirkend, falls die Anerkennung nach der Geburt erfolgt. Daher können Vater und Kind ab dem Geburtszeitpunkt Rechte und Pflichten (beispielsweise das Erbrecht, sowie Unterstützungs- und Unterhaltspflicht) geltend machen. Die Anerkennung schliesst einen Unterhaltsvertrag ein, der durch die Vormundschaftsbehörde zu genehmigen ist. Zudem erwerben Kind und Vater einen Anspruch auf persönlichen Kontakt. Die Anerkennung wirkt sich nicht auf die Nationalität oder den Namen des Kindes aus: Kinder unverheirateter Mütter übernehmen den mütterlichen Nachnamen. Bei einer späteren Eheschliessung der Eltern erhält das Kind den dann gewählten Familiennamen. Ausnahmen hinsichtlich des Kindesnamens bestehen nur bei ausländischem Wohnsitz oder ausländischer Staatsangehörigkeit des Kindes.
Möglich ist aber auch, dass das Kind den Ledignamen des Vaters erhält, wenn die Kinderschutzbehörde bereits das Sorgerecht auf beide Elternteile übertragen hat und beide Eltern innerhalb eines Jahres einen entsprechenden Antrag stellen. Nach Vollendung des zwölften Lebensjahres kann der Familienname des Kindes nur mit dessen Zustimmung geändert werden. Wenn die Mutter unverheiratet ist, so steht ihr zwar grundsätzlich das alleinige Sorgerecht für das Kind zu. Durch eine gemeinsame Erklärung der beiden Elternteile zu Unterhalt und Betreuung, die von der Vormundschaftsbehörde genehmigt wird, können die Eltern das Sorgerecht gemeinsam wahrnehmen. Ein gemeinsames Sorgerecht setzt nicht ein Zusammenleben der Eltern voraus. Bei unverheirateten Eltern mit Schweizer Staatsbürgerschaft behält das Kind auch nach einer Anerkennung durch den Vater das mütterliche Bürgerrecht. Heiraten die Eltern später, so erhält das Kind, falls es den väterlichen Nachnamen trägt, das Gemeinde- und Kantonswahlrecht des Vaters. Ist die Mutter Ausländerin und der Vater Schweizer, so erhält das Kind mit der Anerkennung der Vaterschaft das Gemeinde- und Kantonswahlrecht des Vaters und damit das Schweizer Bürgerrecht.
Wo kann die Anerkennung der Vaterschaft erfolgen?
Die Vaterschaft kann auf dem Zivilstandsamt anerkannt werden. Zuständig sind die Ämter am Wohnort oder Heimatort von Mutter oder Vater sowie am Geburtsort des Kindes. Im Ausland lebende Schweizer können die Anerkennung am Geburtsort oder gewöhnlichen Aufenthaltsort des Kindes oder an ihrem Wohnort oder Heimatort in der Schweiz vornehmen. Beim Zivilstandsamt sind Identitätsausweis oder Pass, eine Wohnsitzbescheinigung, bei einem schon geborenen Kind ein Geburtsschein (ausgestellt vom Zivilstandamt des Geburtsortes) und ein höchstens sechs Monate alter Personenstandsausweis von Mutter und Vater vorzulegen, der beim Zivilstandsamt der Heimatgemeinde erhältlich ist. Bei ausländischer Nationalität sind gegebenenfalls weitere Dokumente erforderlich, über die das Zivilstandsamt Auskunft gibt. Ausländische Väter, die das Kind bereits in der Schweiz anerkannt haben, müssen die Rechtsfragen zur Vaterschaft entsprechend den rechtlichen Regelungen vornehmen, die in ihrem Heimatland gelten. Aufgrund von Abkommen mit Österreich, Deutschland und Italien informieren die Schweizerischen Zivilstandsämter die in den genannten Ländern zuständigen Behörden über eine Kindesanerkennung.
Was geschieht bei der Ablehnung einer Vaterschaft?
Kind und Mutter besitzen einen Anspruch auf Feststellung des Vater-Kind-Verhältnisses. Wenn ein Mann, der von der Mutter als Vater bezeichnet wird, das Kind nicht anerkennt, so kann gemäss Artikel 261 ZGB auf Feststellung der Vaterschaft geklagt werden. Erkennt der von der Mutter bezeichnete Mann das Kind nicht innerhalb eines Monats an, so setzt die Vormundschaftsbehörde einen Kindesbeistand ein, der durch Vaterschaftsklage die Feststellung des Kindschaftsverhältnisses sowie eine Unterhaltsregelung anstrebt. Gerichtlich wird der bezeichnete Mann zu einem Vaterschaftstest aufgefordert. Sollte ein Ehemann eine Vaterschaft nicht anerkennen, so kann er noch vor der Geburt, spätestens aber fünf Jahre nach der Geburt, eine Vaterschaftsklage erheben. Spätere Vaterschaftsklagen sind nur noch in Ausnahmefällen möglich. Klagen mit dem Ziel der Aberkennung der Vaterschaft können nicht von der Mutter, sondern nur vom Ehemann eingereicht werden. Will also der Ehemann seinen väterlichen Pflichten nachkommen (auch trotz Kenntnis darüber, dass er nicht der leibliche Vater ist), so kann dies die Mutter nicht verhindern. Allerdings kann das Kind in einem solchen Fall bis zu einem Jahr nach seiner Volljährigkeit eine Vaterschaftsklage erheben, wenn die Eltern geschieden wurden oder getrennt leben.
Vaterschaftsanerkennung in der Schweiz
Bei verheiraten Eltern:
• Vermutung der Vaterschaft des Ehemannes
• keine ausdrückliche Anerkennung der Vaterschaft erforderlich
Bei unverheirateten Eltern:
• ausdrückliche Anerkennung erforderlich, um rechtliche Vaterstellung zu erhalten
• auch vor der Geburt möglich
Voraussetzung der rechtlichen Vaterschaft
• leiblicher Vater
• Minderjährige: Zustimmung der Eltern notwendig
Rechtswirkungen der Vaterschaft
• (ggf. rückwirkend) rechtswirksam ab Geburtszeitpunkt
• Unterstützungs- und Unterhaltspflicht
• Erbrecht
• Anspruch auf persönlichen Kontakt