Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03593.jsonl.gz/2359

Von Kyoto aus erreichen wir Hiroshima mit dem Zug in knapp 2.5 Stunden. Wir gehen zu Fuss vom Bahnhof in den Friedenspark. Und auf dem Weg liegt der schöne, alte Park „Shukkeien“, 2-11 Kaminoboricho, der wirklich einen Abstecher wert ist. Das denken wir wohl nicht als einzige, denn während unseres Besuches stossen wir auf zwei Pärchen mit Fotografen-Entourage, welche in traditioneller Kleidung Hochzeitsfotos von sich machen lassen.
Ein Besuch im Friedenspark von Hiroshima scheint wirklich Pflicht für alle Japaner und sehr viele Touristen zu sein. Entsprechend gross ist der Besucherandrang, der sich allerdings gut über den Park mit seinen verschiedenen Plätzen verteilt.
- Kenotaph: Im Inneren des nachgebildeten Sattels eines Tonpferdes (galt in der früheren Geschichte Japans als Grabbeilage) verbirgt sich eine Schriftrolle mit den Namen aller Opfer. Wenn man durch das Monument hindurch schaut, erblickt man die „Ewige Flamme“, welche so lange weiter brennen soll, bis die letzte Nuklearwaffe auf der Welt vernichtet ist.
- Kinderdenkmal: basiert auf der Geschichte von Sadako Sasaki (Reiseführer und Museum sind sich diesbezüglich nicht ganz einig, ich halte mich in diesem Fall an die Ausführungen des Museums). Sie war zum Zeitpunkt des Atombombenabwurfs zwei Jahre alt und wuchs danach als scheinbar gesundes Mädchen heran. 1954 wurde bei ihr im Alter von elf Jahren Leukämie diagnostiziert, eine bei Überlebenden des Atombombenabwurfes häufig auftretende Krebserkrankung. Sadako hörte von der alten japanischen Legende, nach welcher derjenige, der 1000 Origami-Kraniche falte, von den Göttern einen Wunsch erfüllt bekäme. Bis sie 1955 starb, faltete sie mehr als 1000 Stück und erlangte weltweite Anteilnahme und Bekanntheit. Mitschüler sammelten Geld und mit Hilfe von weiteren Spenden konnte 1958 das Kinderdenkmal errichtet werden. Mich beeindruckte bei unserem Besuch, wie heute noch ganze Schulklassen hierher kommen und in einer kleinen Zeremonie Texte und Lied vortragen und ihre Ketten von gefalteten Papier-Kranichen übergeben.
- Atombombenkuppel: Das Gebäude der ehemaligen Industrie- und Handelskammer wurde am 6. August 1945 durch die Atombombe schwer beschädigt, blieb als Ruine erhalten und gilt heute als weltweites Mahnmal.
- Friedensglocke: Diese darf von jeder Person geläutet werden, die für ein Verbot aller Atom- und Wasserstoffbomben einsteht.
- Friedensmuseum: Hier wird die ganze Geschichte vom Abwurf der ersten Atombombe und seinen Folgen aufgezeigt. Ich war froh, dass die Bilder fast ausschliesslich in schwarz-weiss gezeigt wurden. Das Grauen ist so schon fassbar genug. Weiter sieht man verformte Gegenstände, Videofilme, Nachbildungen sowie Funktionsweisen einer Atombombe. Im Anschluss kann man sich im Gästebuch eintragen und auch nachlesen, was andere (teilweise prominente) Besucher geschrieben haben.
Ein sehr geschichtsträchtiger Tag liegt hinter mir und was ich gesehen und gelesen habe, beschäftigt mich noch einige Zeit. Das Wetter heute passt zu diesem Tag: es ist bedeckt.