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Der kommt oft am weitesten, der nicht weiß, wohin er geht
(ein Oliver Cromwell zugesprochenes Zitat)
Hinweise zur computergestützten Musikwissenschaft im Falle des Programms ChantDigger
Das auf dieser Website installierte Programm ChantDigger gehört zu den Versuchen, die zusammenfassend heute unter Digital Humanities oder Digitale Geisteswissenschaften rubriziert werden. Ich erläutere so knapp wie möglich, mit welchen Aspekten dieser Ausrichtung ich mich beschäftige.
- Mich interessiert die Frage, wie man Musik absuchbar macht. Ein guter Teil unserer wissenschaftlichen Arbeit wird ermöglicht durch die Tatsache, dass wir mit Texten arbeiten und einschlägiges Wissen recht einfach zusammensuchen können. Dies auch darum, weil wir ganze Corpora von Texten runterladen und absuchen können – für im Mittelalter tätige Musikwissenschaftler etwa den Thesaurus musicarum latinarum samt mannigfache Materialien des Lexicon musicum Latinum medii aevi. Wörterbuch der lateinischen Musikterminologie des Mittelalters bis zum Ausgang des 15. Jahrhunderts, dann aber auch die Gesamtwerke eines Thomas Aquinas, die einem die gesamte Bandbreite der wissenschaftlichen Latinitas im 13. Jahrhundert eröffnen, um hier nur wenige Beispiele zu nennen.
- Dass wir absuchen können, wird seit langer Zeit durch verschiedene Suchwerkzeuge erleichtert. Vor allem nennen möchte ich das tool grep, das unter Unix verbreitet ist (daher auch auf dem Mac!).Mitm einem Suchausdruck wie grep --colour -H -i -n -C 2 "\bditon[a-z]*\b" * lässt sich der Thesaurus musicarum latinarum bequem absuchen (wenn man die Daten auf die Festplatte kopiert hat); ein beliebiger Fund präsentiert sich dann zum Beispiel so (die Matchstellen sind rot eingezeichnet; an Kontext werden jeweils zwei Zeilen vor und zwei Zeilen nach dem Match gegeben)*:
- Ich frage mich, wie analog zu solchen Möglichkeiten Werkzeuge für den musikwissenschaftlichenAlltag gefertigt werden könnten. Grundlegendes ist seit längerer Zeit vorhanden. So finden sich im Center for Computer Assisted Research in the Humanities at Stanford University (CCARH) Repositorien mit elektronischen Daten von Werken der Musikgeschichte etwa seit Bach. Wie man damit umgeht – Programmierkenntnisse vorausgesetzt – wird ausführlich erklärt in Eleanor Selfridge-Field (Hg.), Beyond MIDI. The handbook of musical codes, Cambridge (Mass.) 1997
* Der Fundort: Im TML ist der Text rubriziert unter dem Kürzel TDMUS1 MOBB842. Dabei handelt es sich um Theinred von Dover, Musica, liber primus, aus: Oxford, Bodleian Library, Bodley 842 (S.C. 2575), ff. 1r-18v. Das System gibt aus der TML-Version die Zeilen 125-130 aus.