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IT3-Index: wie berechnen, wie benutzen
Der IT3-Index bezeichnet die in der Verdauung und dem Stoffwechsel der Tiere wirksamen Omega-3-Fettsäuren.
Grundsatz bei Tieren mit Beispiel der Milchkühe:
Ziel jeder Fütterungsplanung ist es, den Milchkühen eine bedarfsgerechte Futterration zusammen zu stellen. Nur so ist es möglich, entsprechende Milchleistungen mit den gewünschten Inhaltsstoffen zu erhalten, eine gute Fruchtbarkeit und die Gesundheit der Tiere zu gewährleisten sowie optimale Nährstoffverwertung sicher zu stellen. Neuerdings werden neben der Energie- und Proteinversorgung weitere zusätzliche Faktoren in der
Rationsplanung diskutiert und z. T. auch bei der Berechnung berücksichtigt. Ein Beispiel ist die Fettsäurenzusammensetzung der Milch, die über die Fütterung beeinflusst werden kann. Hier sind es insbesondere die Omega-3-Fettsäuren, deren positiver Effekt im Zusammenhang mit besseren Verarbeitungseigenschaften und Vorteilen in der menschlichen Ernährung diskutiert werden. Grasreiche Futterrationen im Frühjahr, insbesondere in höheren Lagen, ergeben natürlich hohe Gehalte an Omega-3- und -6-Fettsäuren in der Milch (Leiber et al., 2005) während diese Werte bei der Winterfütterung viel tiefer sind. Zahlreiche Studien zeigen, dass z.B. durch die Zufütterung von reiner Leinsaat oder deren technisch aufbereitete Formen gleich hohe Omega-3-Gehalte in der Milch erreichbar sind wie bei der Grasfütterung (Normand, 2005; Chilliard, 1995).
Funktion von Omega-3:
Omega-3- oder n-3-Fettsäuren haben vielfältige und bedeutende Funktion im Organismus vonTieren und Menschen. Es werden ihnen verschiedene vorteilhafte Wirkungen auf die Gesundheit zugeschrieben. In aktuellen Ernährungsrichtlinien wird daher eine höhere Aufnahme empfohlen. Da bei der so genannten westlichen Ernährungsweise (oder Tierfütterung) n-6 Fettsäuren in weit höherem Umfang als n-3 Fettsäuren aufgenommen werden und diese teilweise kompetitiv zu den n-3 Fettsäuren wirken, wird gleichzeitig ein Verhältnis von n-6 zu n-3-Fettsäuren in der Diät von max. 5 empfohlen.
Eine Erhöhung des Anteils an n-3 Fettsäuren in Lebensmitteln ist daher aus ernährungsphysiologischer Sicht wünschenswert und kann im Fall von Lebensmitteln tierischer Herkunft durch Einsatz von Leinsamen in der Fütterung erreicht werden. Leinsamen sind eine natürliche Quelle für a-Linolensäure (ALA, C18:3n-3), eine n-3 Fettsäure, die auch als Vorläufersubstanz für die körpereigene Synthese von längerkettigen, hochgradig ungesättigten n-3 Fettsäuren wie Eicosapentaensäure (EPA, C20:5n-3) und Docosahexaensäure (DHA, C22:6n-3) dient. Beim Einsatz von Leinsamen in der Fütterung kann durch Kochen und Extrusion der Leinsamen die Verfügbarkeit des Öles erhöht werden, ohne dass das Fettsäurenmuster verändert wird. Gleichzeitig wird eine Minimierung toxischer Wirkungen von cyanogenen (HCN) Verbindungen aus den Leinsamen erzielt.
Berechnung des IT3-Index:
Dieser Index fasst die Wirkung der Omega-3-Fettsäuren in der Verdauung der Tiere zusammen. Dabei werden bei der Berechnung folgende Parameter berücksichtigt: der Rohfettgehalt des jeweiligen Futtermittels, der Anteil Fettsäuren am Rohfett, der Anteil Omega-3-und -6 Fettsäuren (als Antagonist), der frei verfügbare Ölanteil (Biodisponibilität) und ein Oxidationskoeffizient (Chesneau, 2006). Zur Interpretation des Resultates der Gesamtration werden weitere Kennwerte wie RP- und NEL-Gehalt der Ration sowie der Anteil an löslichem Stickstoff (APDN/APDE-Verhältnis) herangezogen.
Basis für die Berechnungen sind die für alle Futtermittel - sowohl für Grundfutter wie auch für Kraftfutter - ermittelten IT3-Werte.
Berechnungsformel : g L(1) × % MDG(2) × % AG(3) × (% O3 – (% O6 /4))(4) ×
( 1/Coef Oxydation)(5)
- Rohfettmenge im Futter: ätherisches Extrakt nach Hydrolyse.
- Menge Fettsäuren im Fett: Werte gemäss Literatur (z.B. Tables de composition INRA)
- Freigesetzte Öle : gemäss Methode « détermination de la teneur en matière grasse libre des laits secs réengraissés » aus « Le recueil Produits Laitiers – Chimie III – 18 (Serres, 1993) »
- Omega-3 und Omega-6 Gehalt : proportional
- Oxydationskoefizient : 2 x Peroxyd-Index + 1 x Anisidin-Index = Totox-Index
Auswertungtabelle
|Totox-Index||Oxydationskoefizient|
|<20||1|
|20-30||2|
|30-40||3|
|40-50||4|
|>50||5|
2 Regeln für die Anpassung des Futterplans:
Mit der gezielten Erhöhung der IT3-Werte durch Einsatz von Futterkomponenten mit hohen IT3-Gehalten (z.B. Ölsaaten) ist eine leicht erhöhte Energiekonzentation (0.035 MJ NEL pro IT3 Einheit) und ein APDN/APDE-Verhältnis > 1 in der Ration anzustreben.
Empfehlungen
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Ab einem Gesamtwert von IT3 = 60 g /Tier/Tag ist der minimale Bedarf an Omega-3-Fettsäuren für das Tier gedeckt.
IT3 = 80: positive Wirkung auf die Tiergesundheit und die Fruchtbarkeit ausüben.
IT3 = 100-120: positive Beeinflussung der Milchleistung, Milchqualität und der Käseausbeute. Dies entspricht den Anforderungen des Pflichtenhefts TradiLin.
Ein Rationswert über 150 ist für Hochleistungskühe und Mastbullen in der Endmast zu empfehlen.
Der Einbezug der Omega-3 Fettsäuren in die Futterberechnung für Milchkühe ist ein neues Planungsinstrument zur Verbesserung des Herdenmanagements. Mit einer gezielten Rationsplanung und entsprechender Rationsgestaltung und -ergänzung (z.B. mit
Leinprodukten oder anderen Omega-3-reichen Produkten) ist es zudem möglich, eine gleichbleibende Milchqualität speziell in Bezug auf die Fettsäurenzusammensetzung unter besonderer Berücksichtigung der Omega-3 und 6-Fettsäurengehalte über das ganze Jahr zu produzieren. Die praktische Relevanz dieses Zusatzaspektes in der Fütterungsplanung und entsprechender Fütterung wird nicht zuletzt von der monetären Honorierung dieser Milch abhängen.
Literatur
Agridea, (2007): FUPLAN IT3 7.0 Excelanwendung inklusiv Anleitung und Beispielen
Chesneau, G. (2006): L.indice pratique IT3, Journées de la recherche Valorex, Rennes
Chilliard, Y. (1995): Effet de l.apport d.un concentré enrichi en matières grasses sur les performances de vaches laitières. Renc. Rech. Ruminants, 2 : 215-218, INRA, Theix
Leiber, F., Kreuzer, M., Nigg, D., Wettstein H.-R. and Scheeder, M.R.L. (2005): A study on the causes for the elevated n-3 fatty acids in cows. milk of alpine origin. Lipids 40 no. 2: 191-201
Normand, J. (2005) : Le lin améliore la qualité nutritionnelle des viandes. Journées 3R, Institut de l‘Elevage, Paris