Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03306.jsonl.gz/1828

mehr
den Seebach (Abfluss der Hüttwilerseen) bei Ochsenfurt; von links die vom Hörnli kommende und 2,5 km n. Frauenfeld mündende Murg mit der Lauche, dem Thunbach und der kleinen Lützelmurg.
Für Einrichtung elektrischer Kraftanlagen scheinen die thurgauischen Gewässer nicht besonders geeignet zu sein. Sie haben zu wenig Stosskraft und zu wenig Gefälle. In trockenen Sommern führen etliche Bäche und Flüsse überhaupt nur spärlich Wasser. Man beabsichtigte, Elektrizitätswerke an der Thur und der Murg anzulegen, musste aber infolge ungünstiger Gutachten davon wieder absehen. Die thurgauischen Gemeinden beziehen demnach die Elektrizität meist von auswärts.
Frauenfeld hat einen Kraftlieferungsvertrag mit der Gesellschaft «Motor» in Baden (Beznau-Werk) abgeschlossen, welche bis ins Hasli-Müllheim Leitungen erstellt. Dann hat sich eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Arbon für ein Elektrizitätswerk «Bodensee-Thurthal» gebildet, welche von Arbon abwärts Leitungen erstellt und von einem grossen auswärtigen Stromlieferanten Kraft bezieht. Ein paar Gemeinden besitzen schwächere kleine Elektrizitätswerke für ihren lokalen Bedarf an Licht und Kraft; so Steckborn, Emmishofen, Kreuzlingen, Romanshorn und Egnach.
Die thurgauischen Flusswasser werden dagegen vielfach durch Kanäle zu kleinern und grössern gewerblichen und industriellen Anlagen geleitet, wo sie als Triebkraft und in anderer Weise dienstbar gemacht sind. Trink- und Brauchwasser ist in guter Qualität vorhanden, ebenso Wasser für Feuerlöschzwecke. Die meisten Gemeinden besitzen Reservoirs, Hauswasserversorgung und Hydranten. Kreuzlingen, Romanshorn und Münsterlingen haben Seewasserversorgungen, die unfiltriertes Bodenseewasser liefern. Weil aus einer Tiefe von 30-40 m gefasst, soll dieses chemisch und bakteriologisch ebenso rein sein, wie filtriertes See- und Quellwasser. Zur Zeit ist eine auf der Grundlage des Siegfried-Atlas in 1:25000 beruhende Quellenkarte des Thurgaues im Entstehen begriffen, die sowohl rein wissenschaftliche Zwecke verfolgen als auch in praktischer Hinsicht für künftigen vermehrten Quellwasserbedarf der Gemeinden vorsorgen soll.
4. Allgemeiner Landschaftscharakter.
Abgesehen vom See und Rhein und deren Ufern kann von eigentlichen Naturschönheiten und Naturwundern im Thurgau nicht gesprochen werden. Dafür trägt er in hohem Grade den Stempel der Lieblichkeit, des Wohlgeordneten, der Fruchtbarkeit, des äusserst fleissig bebauten und geschäftlich klug bewirtschafteten Bodens. Leider ist der Weinstock nicht mehr wie ehedem (bis in die 70er Jahre des 19. Jahrhunderts) eine Quelle des Wohlstandes. Wer zur Sommerszeit von einem der vielen Aussichtspunkte den Blick über die üppigen Wiesen und Felder, wo Weiler an Weiler und Dorf an Dorf sich reiht, über den Obstbaumwald, die Rebenhänge, die bewaldeten Kuppen schweifen lässt, oder wer das Gelände im Frühjahr, wo die Bäume mit einem wahren Meer schneeweisser Birnen- und rötlichweisser Apfelblüten überschüttet sind, durchwandert, oder endlich im Herbst die Fülle zitronengelber und rotwangiger Früchte und die Trauben aus dem Laub herauswinken sieht, der muss sich gestehen, dass ihm ein gesegnetes Fleckchen Erde zu schauen vergönnt ist. So anziehend und fruchtbar indes die meisten Thäler und Höhen sind, bilden doch die Ufer des Untersees, mit denen einzelne Striche am Obersee (vorab Kreuzlingen) wetteifern, den Glanzpunkt des Kantons.
Nicht umsonst haben seit alten Zeiten Schloss an Schloss sich gereiht an diesen Ufern mit ihrem herrlichen Baumwuchs, ihren üppigen Gärten, fruchtbaren Weinreben, stillen Wäldern und Schluchten, mit dem Ausblick auf den See und die teils sehr nahe liegenden, teils im Dunst verschwimmenden jenseitigen Ufer. Kurorte: Ermatingen, Mannenbach, Glarisegg-Steckborn, Mammern. Vergegenwärtigt man sich alle diese Anmut und dieses Gedeihen, so erkennt man, dass das thurgauische Volkslied «O Thurgau, du Heimat, wie bist du so schön!» nicht ohne Grund entstanden ist.
[Dep.-Sekr. F. Ribi.]
5. Geologie.
Das ganze Gebiet des Kantons weist hauptsächlich zweierlei Bildungen auf: Tertiäre, vertreten durch die nichtdislozierten Schichten der obern Süsswassermolasse, und quartäre, zu welchen einerseits die einige Kantonsteile geradezu charakterisierenden diluvialen und andrerseits die alluvialen Ablagerungen gehören.
Die Molasse deutet auf eine Deltabildung hin. In diesem Hörnli-Delta, das zur Breite die Entfernung Uetliberg-Untersee, zur Länge die Strecke Hörnli-Höhenzüge bis Rafz hat, kommen folgende Sedimente in Betracht: a) die Mergel, welche hinsichtlich ihrer Zusammensetzung und Farbe eine grosse Mannigfaltigkeit aufweisen. Sie sind grösstenteils sehr kalkreich (Ausbeute bei Eschikofen) und enthalten oft nicht nur kohlige Trümmer von Pflanzen, sondern auch Reste von Land- und Süsswasserkonchylien (bituminöse Mergel). - b) Der Sandstein. Als Farbe herrscht Grau vor; der Struktur nach ist er fein- bis grobkörnig. Das Bindemittel, der kohlensaure Kalk, tritt in verschiedenen Quantitäten auf; nicht selten finden sich Stellen, wo es konzentriert ist (Knauermolasse). Der geringen Festigkeit wegen wird der Sandstein selten als Baustein verwendet. Bei Kehlhof-Berg befindet sich ein Steinbruch, der als Spezialität Ofenplatten liefert. - c) Der Süsswasserkalk wurde trotz der geringen Mächtigkeit der Lager früher als sog. Wetterkalk an manchen Orten namentlich im hintern Thurgau, ausgebeutet. - d) Die Nagelfluh kommt vornehmlich im hinteren und westl. Teil des Kantons zur Geltung. Auffallend ist die Abnahme der Geröllgrösse in nordwestl. Richtung, sowie eine Verminderung in der ¶
mehr
Zahl der Nagelfluhbänke, an deren Stelle Sandsteine und Mergel treten. Die Linie Bischofszell-Sulgen-Strasse nach Kreuzlingen bezeichnet die nordöstl. Grenze des Vorkommens der Nagelfluh. Der jenseits dieser Linie gelegene Kantonsteil präsentiert sich in meist sanften hügeligen Formen, bedeckt von diluvialen Ablagerungen. Im diesseits der genannten Linie gelegenen Gebiete, dessen Anhöhen vielfach Nagelfluhbänke aufweisen, die dem Einfluss der Atmosphärilien besser widerstehen als Sandsteine und Mergel, erheben sich teilweise recht scharf ausgeprägte Berggruppen. - e) Sehr häufig ist das Vorkommen von Molassekohle in Form von Flötz- und Nesterkohle. Eine Ausbeute fand eine Zeit lang statt in Herdern, Wellhausen, Murkart, Littenheid. Genauere Untersuchungen haben ergeben, dass das Vorhandensein abbauwürdiger Kohlenlager überhaupt höchst unwahrscheinlich ist. - f) Hinsichtlich der Flora und Fauna kann ein reiches Vorkommen von fossilen pflanzlichen und tierischen Vertretern erwähnt werden. Bekannte Fundorte sind Stettfurt, Herdern, Steckborn, Berlingen, Tägerwilen, Bernrain u. a.
Die diluvialen Bildungen liefern in ausgezeichneter Weise nicht nur Beweise für die einstige Vergletscherung des thurgauischen Bodens überhaupt, sondern namentlich auch für die mechanische Tätigkeit der Gletscher, welche zur Thalbildung beigetragen hat. Als Zeugen der Eiszeit seien erwähnt:
a) die Glazialschotter. Diese fluvioglazialen Bildungen sind in mehr oder weniger ausgeprägter Weise reich verbreitet und werden stellenweise auch ausgebeutet. Die Umgebung von Bischofszell z. B. weist nicht nur Schottermassen der jüngeren Eiszeit auf, sondern am rechten Ufer der Sitter auch den Deckenschotter von Hohlenstein. Niederterrassenschotter findet sich in der Umgebung von Rickenbach bei Wil. - b) Von den Drumlins- und Moränenlandschaften haben namentlich die ersteren eine grosse Verbreitung.
Man findet solche im Gottshaus südöstl. Bischofszell, dann nördl. Bischofszell-Zihlschlacht, jenseits des Deckenschotterplateaus vom Hohlenstein, östl. der Thur und südl. der Bahnlinie Frauenfeld-Romanshorn. In den Gemeinden Sulgen, Erlen, Leimbach und Donzhausen sind Drumlins zerstreut. Weitere typische Landschaften beobachtet man in dem Gebiet Märwil-Tobel-Affeltrangen-Lommis-Thürn-Sedel-St. Margarethen, ferner in der Gegend Engwang-Wigoltingen-Pfin, im Kemmenthal von Siegershausen über Hugelshofen bis Märstetten, dann zwischen Vorder- und Hinterhorben bis Wilen-Nunforn und endlich in der Umgebung von Kefikon.
Moränenlandschaften finden sich in den Gebieten zwischen Schlattingen und Unter Stammheim, von Nussbaumen, um die Seen nach Uerschhausen, ferner von Eschenz-Kaltenbach-Etzwilen-Stein-Oeningen. Das ganz beträchtliche Gletschermaterial, das sich in den meisten Thälern ablagerte, war im Stande, Wasserläufen eine andere Richtung zu geben (Thur bei Schwarzenbach, Thunbach, Lützelmurg), Thäler zu sperren und Seen (Hüttwilerseen, ehemaliger Frauenfeldersee), sowie eine grosse Zahl von Sümpfen (Torfmooren) zu bilden. - c) Erratische Blöcke, deren Heimat zum weitaus grössten Teil im Einzugsgebiet des Rheingletschers zu suchen ist, liegen im ganzen Kanton zerstreut umher.
Die bis jetzt gefundenen sind meist von geringer Grösse, solche von mehr als 1-2 m3 Inhalt gehören schon zu den grossen. Einer der bemerkenswertesten Blöcke ist der «graue Stein» oberhalb Ermatingen (subalpiner Muschelsandstein). Ausser diesem leicht erkennbaren Gestein, das im ganzen Kanton Fundstellen aufweist, kommen noch vor Kalksteine der alpinen Jura-, Kreide- und Eozänformation, dann häufig auch grünliche, talkige Quarzschiefer oder grünliche, gneisartige Verrucanogesteine; ferner roter Verrucano, Granite vom Val Puntaiglas und Julier, seltener subalpine Molasse, Kalknagelfluh u. s. w. - d) Gletscherschliffe sind selten. Zwischen Münchwilen und Sirnach wurde im Jahr 1876 ausgezeichnet geschliffener Kalk gefunden. - e) Die Flora der Eiszeit. Fundorte fossiler interglazialer und glazialer Pflanzen sind, abgesehen von einer Stelle in Niederwil bei Frauenfeld, noch keine nachgewiesen. Dagegen ist in Torfmooren und an geschützten Stellen von Moränen noch eine bedeutende Zahl lebender Vertreter der alpinen Flora erhalten geblieben.
Das Studium der erwähnten glazialen Ablagerungen bietet ein Mittel, den Lauf wenigstens des letzten Gletschers zu bestimmen. Vom sanft welligen Oberthurgau aus, der eine allgemeine Bedeckung mit Grundmoräne aufweist, arbeitete sich die Eismasse lappenförmig durch die Molasse hindurch und zwar in der Weise, dass sich ein nördl. Arm in das Gebiet des jetzigen Untersees erstreckte, während der südl. die S.-Grenze des Kantons bestrich und der mittlere sich zwischen dem Otten- und Braunauerberg hindurch drängte. Von diesem letztern Arm zweigte sich ein Lappen ab und zog sich zwischen dem Braunauerberg im S. und dem Sonnenberg im N. bis zur Murg im W. hin. Ein zweiter Lappen bewegte sich durch das Kemmenthal, während der Hauptstrom in die Thäler des untern Thurgau führte. In den südlichsten Gebieten findet sich Erratikum, das auf eine zeitweise Bedeckung durch den Säntisgletscher schliessen lässt.
Der Thurgau ist durchzogen einesteils von ausgedehnten Thalböden, andernteils aber durchfurcht von tief eingeschnittenen, schluchtartigen Thälern. In den letztern weisen die Bäche ein starkes Gefälle auf und konzentrieren sie ihre ganze Wirkung auf das Einsägen in die Tiefe.
Während also die Entstehung der tiefeingeschnittenen, schmalen Thäler das Werk der erodierenden Tätigkeit des fliessenden Wassers ist, muss dagegen bei der Bildung der breiten Thäler grösstenteils Gletschererosion mitgewirkt haben.
Zu den alluvialen Ablagerungen gehören die Flussanschwemmungen, die sich im Murg- und Thurthal vorfinden, dann die Schuttkegel oberhalb Frauenfeld von Wellhausen bis Eschikofen und am Untersee von Eschenz bis Emmishofen. Tuffbildungen finden sich nicht selten. Manche Gegenden sind namentlich in regnerischen Jahren reich an Erdschlipfen.
[Dr. J. Eberli.]
6. Klima.
Der Kanton Thurgau hat seit langen Jahren ein dichtes Netz von Regenmessstationen, so dass wir über die Niederschlagsverhältnisse dieses Gebietes sehr gut orientiert sind. Folgende Tabelle gibt die jährliche Niederschlagsmenge reduziert auf die Periode 1864/1903 für eine Auswahl dieser Regenmessstationen:
|mm||mm|
|Romanshorn||942||Weinfelden||963|
|Amriswil||984||Frauenfeld||963|
|Kreuzlingen||844||Nieder Neunforn||813|
|Haidenhaus||966||Wängi||963|
|Eschenz||820||Aadorf||1006|
|Diessenhofen||804||Eschlikon||1123|
|Bischofszell||1016||Dussnang||1289|
¶