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Die Herausforderung beim Zutritt in Gesundheitseinrichtungen ist, einerseits das Risiko von Übertragungen so gering wie möglich zu halten und andererseits betroffene
Menschen in ihrem Recht auf Barrierefreiheit durch Begleitung ihrer "tierischen Assistenz" nicht zu limitieren.
Ausgangslage
Weltweit sind über 200 Krankheiten bekannt, die bei Mensch und Tier vorkommen und wechselseitig übertragen werden können. Diese Krankheiten werden «Zoonosen» genannt. Als Erreger dieser
Krankheiten kommen Viren, Bakterien, Pilze, Einzeller und Parasiten in Frage. Die meisten dieser Erkrankungen verursachen keine schwerwiegenden Beschwerden. Einige können aber erhebliche Probleme
verursachen und sogar lebensbedrohlich für den Mensch sein, z.B. wenn es sich um Multi-restistente Infektionserreger handelt. Als "Multi-resistente Erreger (MRE)" bezeichnet man in der Medizin
Keime (Bakterien oder Viren) die gegen mehrere Antibiotika beziehungsweise Virostatika unempfindlich sind, ihre Bekämpfung also sehr schwierig ist.
Assistenzhunde können (wie alle Hunde) theoretisch Träger dieser Keime sein, die sich durch Kontamination (z.B. mit Lebensmittel, Körperflüssigkeit, Verletzungen oder durch Parasiten wie Zecken,
Läuse, Flöhe, etc.) übertragen. Daher sind Hunde normalerweise nicht erlaubt in Gesundheits- und Lebensmittelbereichen.
Dennoch gelten Assistenzhunde (= Führ-, Signal-, Service-, Warn- oder Geleithunde) als "Hilfsmittel im Sinne des Gesetzes" analog einem Blindenstock, Rollstuhl oder Hörgerät.
Bestimmungsgemäss steigern sie die Teilhabe, Selbstbestimmung, Unabhängigkeit und Mobilität betroffener Menschen. Darüber hinaus reduzieren sie Ängste und Unsicherheit, verbessern die
Selbstsicherheit und tragen so in einem nicht unerheblichen Masse zur Selbstständigkeit und Wohlbefinden von behinderten oder chronisch kranken Menschen bei.
Die (inter-)nationalen Gleichstellungsrechte räumen der "tierischen Assistenz" ein generelles gesetzliches Zutritts- und Aufenthaltsrecht ein. Nur wenige, hygienisch hochsensible Bereiche, die
auch dem allgemeinen Publikum nur eingeschränkt zugänglich sind (z.B. Operations- und Überwachungsbereiche in Kliniken), sind davon ausgenommen. Ein unfreiwilliger Verzicht auf ihr Hilfsmittel
diskriminiert betroffene Menschen deutlich in ihren Rechten.
KEINE EINWÄNDE AUS HYGIENISCHER SICHT
Dass aus hygienischen oder infektionspräventiven Überlegungen heraus keine Einwände gegen die Mitnahme von Assistenzhunden in medizinische oder ähnliche Einrichtungen bestehen, wurde
zwischenzeitlich in verschiedenen Veröffentlichungen klargestellt. Unter anderem von der namhaften deutschen Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) sowie vom Robert
Koch-Institut (RKI). Grundsätzlich sind Übertragungen von Infektionskrankheiten durch Tiere innerhalb des Spitalbereichs selten dokumentiert. Dem RKI sind keine Berichte oder Bekanntmachungen
bekannt, wonach Hunde in Krankenhäusern Krankheitserreger auf Patienten oder Personal übertragen haben.
Das Institut weist darauf hin, dass Übertragungen vom Hund auf den Menschen zwar denkbar sind, es sich jedoch um ein theoretisches Risiko handelt, welches im Rahmen der Wahrnehmung von Rechten
und Bedürfnissen betroffener Menschen durch geeignete betriebsinterne Vorgaben beherrschbar ist.
Bereits 1996 wurde dem deutschen Blindenverband von fachlich kompetentester Stelle (Prof. Dr. med. H. Rüden vom nationalem Referenzzentrum für Krankenhaushygiene Deutschland) bestätigt, dass die
Mitnahme von Führhunden aus fachlicher Sicht ohne weiteres gestattet werden kann. Eine Übertragung von Infektionskrankheiten durch Verletzungen oder Kontamination sei unwahrscheinlich, eine
Übertragung durch Arthropoden (z.B. Zecken, Läuse, Flöhe) als gering einzustufen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft richtete darauf hin ein Rundschreiben an alle Mitgliedsverbände.
Im Jahr 2005 hat SWISSNOSO, das nationale Zentrum für Infektionsprävention in seinem Bulletin einen Beitrag veröffentlicht (Band 12, No.4, S. 32), welcher grundsätzlich Meinung von Professor
Rüden widerspiegelt und bestätigt, dass aufgrund der strengen gesundheitlichen Kontrollen der Tiere und des geringen Kontakts mit Drittpersonen "generell von einem geringen Risiko für
Übertragungen von Zoonosen ausgegangen werden kann“.
Jahr 2015 hat die Society for Healthcare Epidemiology of America (SHEA) eine Expertenempfehlung zum Umgang mit Tieren im Gesundheitswesen veröffentlicht und dabei alle zu beachtenden
Hygieneanforderungen ausführlich beschrieben.
Die neuste Studie in diesem Bereich ergab, dass von bärtigen Männern ein weitaus höheres Infektionsrisiko ausgeht und Hunde im Vergleich sogar als sauber anzusehen sind (Ärztezeitung).
EMPFEHLUNGEN
Dass aus hygienischen oder infektionspräventiven Überlegungen heraus keine Einwände gegen die Mitnahme von Assistenzhunden (= Führ-, Signal-, Service-, Warn- oder Geleithunde) in
Gesundheitseinrichtungen bestehen, wurde vorangehend erläutert. Für den Zutritt in Krankenhäuser, (Zahn-)Arztpraxen und vergleichbare hygienisch sensible Einrichtungen sollten jedoch ein paar
Regeln beachtet werden. Die diesbezüglichen Empfehlungen von SwissHelpDogs lauten:
1. Grundlagen
Der Aufenthalt von Tieren in Gesundheitseinrichtungen sollte generell nicht erlaubt werden. Ausgenommen sind nachweislich in Ausbildung befindliche oder bereits ausgebildete Hunde, die eine
behinderte Person führen oder begleiten (=Assistenzhunde), da ihnen gemäss den gesetzlichen Grundsätzen zur Behindertengleichstellung besondere Zutritts- und Aufenthaltsrechte zustehen. Diese
Empfehlung regelt den Umgang mit sämtlichen Assistenzhunden (= Führ-, Signal-, Service-, Warn- oder Geleithunde) aus hygienischer/infektions-präventiver Sicht für den Zutritt in
Krankenhäuser, (Zahn-)Arztpraxen und vergleichbare Einrichtungen.
2. Abgrenzung
Oftmals werden Assistenzhunde und Therapie- oder Besuchshunde (= Sozialhunde) mit Assistenzhunden verwechselt oder gleichgesetzt. Es bestehen jedoch klare Unterschiede, die unter nachstehenden
Links nachgelesen werden können. Der wichtigste Unterschied im Zusammenhang mit Hygiene ist, dass ein Assistenzhund im Gegensatz zum Therapiehund keinen bzw. nur geringen Kontakt zu Drittpersonen
hat.
Für den Zutritt in Gesundheitsbereiche sollten folgende Voraussetzungen/Regeln beachtet werden:
A)
Das Mensch-Hund-Team muss über eine entsprechende Legitimation verfügen, welche gewährleistet, dass der Bedarf an tierischer Assistenz nachgewiesen ist und
entsprechende Ausbildungs-, Gesundheits- und Hygienevorgaben eingehalten werden, zum Beispiel:
Mensch: Ausweis von einer Blindenführhundeschule, LeCopain oder SwissHelpDogs
Hund: Hundemarke von einer Blindenführhundeschule, LeCopain oder SwissHelpDog
B)
Der Hund muss für die Umwelt (Patienten/Besucher/Mitarbeiter) durch das Tragen einer Kenndecke oder eines Führgeschirrs klar als "Hund mit besonderer Funktion" erkennbar sein. Dabei
reichen Halstuch oder Klettpatches nicht. Beispiele von Kenndecken sind <hier> zu finden
C)
Der Hund muss gepflegt und sauber sein. Bei wetterbedingten Verunreinigungen muss der Hund vor dem Gebäude bzw. in der Eingangsschleuse gründlich
abgetrocknet/gereinigt werden.
D)
Selbstverständlich hat jegliche Versäuberung des Hundes ausserhalb des Gebäudes zu erfolgen
E)
Der Hund muss an der Leine geführt werden und steht unter Aufsicht bleiben
F)
Physischer Kontakt zu Mitarbeitern oder anderen Patienten ist zu vermeiden
4. Der Zutritt & Aufenthalt mit Assistenzhund muss in folgende Bereiche gewährt werden:
Eingangshallen, Empfang, Loge
Cafeterien
Warteräume, Korridore, Aufenthaltsräume
Ambulatorien, Notaufnahmen
offene, dem allgemeinen Publikumsverkehr zugängliche Bettenstationen/Patientenzimmer
5. Der Zutritt & Aufenthalt mit Assistenzhund muss in folgende Bereiche NICHT gewährt werden:
in Operations- oder Überwachungsbereiche
zu Risikopatienten
zu Patienten/Zimmernachbarn mit nachgewiesener Allergie
zu Patienten/Zimmernachbarn mit veränderter Wahrnehmung/rationaler Unzugänglichkeit
in andere, dem Publikumsverkehr nur eingeschränkt zugängliche Bereiche
6. Untersuchungen/Behandlungen mit Assistenzhund muss mit folgenden Auflagen ermöglicht werden:
Kein Zutritt in Bereiche/Untersuchungsräume, die nicht in Strassenschuhen betreten werden
Kein Zutritt in Räume, in denen vertiefte bildgebende Verfahren vorgenommen werden (MRl, CT etc.)
7. Besuche mit Assistenzhund in Patientenzimmer muss mit folgenden Auflagen ermöglicht werden:
Der Betroffene meldet mit entsprechenden Nachweisen beim Empfang an, damit die Station informiert werden kann
Risiko-Patienten (Isolation, Neonatologie etc.) dürfen nicht mit einem Assistenzhund besucht werden
Mitpatienten haben keine sachlichen Einwände (sachlich = nachgewiesene Allergie, nichtsachlich = „mag keine Hunde“)
Hund darf nicht im Korridor/Zimmer alleine gelassen werden
Hund darf nicht in Kontakt mit offenen Wunden kommen
8. Stationäre Aufenthalte mit Assistenzhund muss mit folgenden Auflagen ermöglicht werden:
Den Eintritt mit Hund wann immer möglich voranmelden (bei Notfällen natürlich nicht möglich)
Gesundheitszeugnis von Tierarzt (Impfstatus, Ausschluss Hautläsionen/Parasiten), nicht älter als 6 Monate
Schriftliche Gewährleistung einer Drittperson, welche bestätigt, dass der Hund regelmässig bewegt und versäubert wird, wenn der Patient dazu nicht selbst in der Lage ist sowie dass der Hund
nötigenfalls (z.B. bei Zustandsverschlechterung) umgehend in Obhut genommen werden kann
Hund darf nur kurzfristig alleine im Zimmer gelassen werden (z.B. während Duschen)
Hund darf nicht in Kontakt mit offenen Wunden kommen
keine Rohfleisch-Fütterung während dem Aufenthalt (keine Kühlmöglichkeit, zieht Insekten an)
9. Informationen für Mitarbeiter
sachlichen Einwände (z.B. von Zimmergenossen) = nachgewiesene Allergie, nicht-sachlich = „mag keine Hunde“
Darf der Assistenzhund nicht ins Patienten-Zimmer (sachliche Einwände!) > Besuch im Aufenthaltszimmer organisieren
Bei Notfallaufnahme/Verlegung: Rücksprache mit der Station/verantwortlichen Person halten
Bei stationärer Aufnahme: Nach Möglichkeit ein Einzelzimmer zur Verfügung stellen
Behandlung/Untersuchung ohne Hilfshund > ruhiger, geschützter Warte-Platz (unter Aufsicht) zur Verfügung stellen
den Hund „draussen anbinden“ oder irgendwo im Gang platzieren ist keine Option!
der Assistenzhund darf nicht ohne Einwilligung des Hundeführers berührt werden
10. Hygienemassnahmen
Gemäss Bulletin des Nationalen Zentrum für Infektionsprävention SWISSNOSO (Band 12, No.4, 2005, S. 32) lauten die Hygienemassnahmen:
Für Personal Händedesinfektion vor und nach Kontakt mit Assistenzhund
Standardreinigung für Räume, in denen sich der Hund aufgehalten hat.
Das Urteil des deutschen Bundesverfassungsgerichts dürfte auch für die Schweiz wegweisend sein:
Eine Arztpraxis darf einer blinden Frau nicht aus hygienischen Gründen verbieten, mit ihrem Assistenzhund ins Wartezimmer zu gehen. Das Verbot, Hunde in die Praxis
mitzunehmen, sei zwar scheinbar neutral formuliert. Tatsächlich benachteilige es die blinde Frau aber in besonderem Masse. Ohne ihren Hund müsse sich die Frau Unbekannten anvertrauen, sich
anfassen und führen lassen. Dies komme einer Bevormundung gleich. Das Benachteiligungsverbot solle es Menschen mit Behinderung aber ermöglichen, so weit wie möglich ein selbstbestimmtes
und selbstständiges Leben zu führen, so die Richter.
Die Universitären Psychiatrischen Dienste Bern (UPD) haben uns mitgeteilt, dass der Zutritt für Assistenzhunde zu den öffentlich zugänglichen Bereichen der UPD ab sofort erlaubt ist und die
entsprechenden Stellen informiert wurden.
Am Haupteingang wurde unser "Hunde verboten - Assistenzhunde willkommen"-Aufkleber angebracht.
Wir danken dem UPD für die Unterstützung und prompte Umsetzung!
Das Universitätsspital Zürich hat uns schriftlich bestätigt, dass keine Einwände gegen die Mitnahme von Assistenzhunden bestehen. Dies gilt auch für stationären Aufenthalt. Die
entsprechende interne Hygiene-Richtlinie liegt uns vor.
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