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Polnische Periode
Die Lubliner Union (auch Union von Lublin) bildete sich aus dem Königreich Polen und dem Großfürstentum Litauen. Sie wurde am 1. Juli 1569 geschlossen und formte über zwei Jahrhunderte einen neuen Staat, „Polen-Litauen“ (polnisch: Rzeczpospolita Obojga Narodów; belarussisch: Retsch Paspalitaja). Während dieser Periode kam es zu gemeinsamen Kämpfen gegen Russland und Preußen, zu über zehn Verträgen und Vereinigungen, aber auch zu Widersprüchen und Streitigkeiten.
Innerhalb der Union strebte das Großfürstentum nach Unabhängigkeit und Absonderung. So konnte das Großfürstentum Litauen seine Staatsgrenzen, Verwaltungsbehörden, sein Gerichtswesen und seine nationale Währung im Rahmen der Union bewahren. Im Jahr 1588 wurde die Erhaltung des litauischen Statutes (Kodifikation des Rechts im Großfürstentum Litauen) juristisch abgesichert, woraufhin viele Verordnungen der Union von Lublin außer Kraft traten.
Polen-Litauen war in seiner offiziellen Staatsform eine Konföderation, welche einen gemeinsamen Staatschef (den König), sowie ein gemeinsames Parlament (den Sejm) hatte. Die Macht des Königs war jedoch stark begrenzt. In der Legislative besaß der König lediglich ein Initiativrecht, d.h. er konnte Gesetzesentwürfe zur Abstimmung vorzulegen. Des weiteren genehmigte er Verordnungen des Sejm und redigierte Gesetze, wobei Tribunale seine Gerichtsgewalt beschränkten. Der König hatte keinerlei Verfügungsgewalt über die Staatskasse.
Das Parlament, der Sejm, bestand aus drei Ständen. Dem König, dem Senat, welcher aus katholischen Bischöfen und Würdenträgern beider Staaten bestand, und der Abgeordnetenkammer (polnisch: Izba Poselska). Zur Izba Poselska, dem Unterhaus, gehörten Abgeordnete aus verschiedenen Landkreisen. Diese Abgeordnetenkammer entwickelte sich im Laufe der Zeit zum Hauptbestandteil des Sejm und verdrängte das Oberhaus, den Senat, zunehmend.
Das Sejm befasste sich vor allem mit Fragen der Wirtschaft, der Staatsverwaltung und der Gesetzgebung. Beschlüsse des Sejm hatten jeweils unterschiedliche Beschlusskraft. Entweder waren sie für das gesamte Staatsgebilde bindend, oder jeweils nur in Bezug auf Polen oder Litauen.
Die Unfähigkeit und Schwäche der Zentralgewalt die politische Lage im Staat zu kontrollieren, führten schließlich zu einem Bürgerkrieg und einer Staatsintervention.
In den Jahren 1769 bis 1770 besetzte Österreich einen Teil Ostpolens und der Ukraine, während Preußen den nordwestlichen Teil Polens besetzte. Im August 1772 setzten Österreich, Polen und Russland einen Vertrag zur Teilung Polens auf. Dies führte dazu, dass das Russische Kaiserreich einige östliche Städte des heutigen Weißrusslands erhielt.
Im Jahr 1788 verkündete der Sejm des durch die Teilung übrig gebliebenen Reststaates eine ewige Union zwischen Polen und Litauen. Am 3. Mai 1791 verabschiedete er eine neue Verfassung des Staates Polen-Litauen. Sie war die erste moderne Verfassung Europas und enthielt einige der fortschrittlichsten Elemente jener Zeit, wie das Prinzip der Volkssouveränität sowie der Gewaltenteilung. Auf Grundlage dieser Verfassung hätten enorme Veränderungen im politischen und gesellschaftlichen Leben stattfinden können. Jedoch kam es zu Protesten von Reaktionären gegen die Verfassung. Daraufhin wurde im Frühling 1792 die „Konföderation von Targowica“ in der gleichnamigen polnischen Stadt von polnischen Magnaten gegründet. Ihr Ziel war es, die 1791 verabschiedete Verfassung außer Kraft zu setzen und die Goldene Freiheit, welche dem Adel außerordentliche Rechte und Privilegien einräumte, zurückzugewinnen. Da die Reaktionäre nicht allein auf die eigenen Kräfte zählen konnten, baten sie die russische Kaiserin Katharina ll. um Hilfe. Diese schickte über 100.000 Soldaten als Verstärkung, infolgedessen ein schneller Sieg erzielt werden konnte.
Im Juli 1792 bekannte sich der polnische König August lll. zur Konföderation von Targowica und erklärte den vierjährigen Sejm für aufgelöst. Dies besiegelte den Sieg der Reaktionäre und führte zu einer erneuten, zweiten Teilung Polens. Russland und Preußen unterzeichneten im Januar 1793 einen Vertrag gemäß dem Russland den zentralen Part des heutigen Weißrusslands sowie die Ukraine erhielt. Preußen hingegen erhielt polnisches Gebiet und Städte wie Danzig und Thorn (polnisch: Torun).
Im März 1794 kam es zu einem von Tadeusz Kościuszko angeführten Aufstand, der sich gegen die Konföderation sowie die militärischen Interventionen Russlands und Preußens richtete. Kościuszko entstammte der belarussischen mittleren Adelsschicht, setzte sich jedoch für die Freiheit der Bauern ein. Der Aufstand verlief anfangs erfolgreich, da er von der breiten Masse der Bauern und der ärmeren Bürgerschaft unterstützt wurde. Trotz allem konnte er den übermächtigen preußischen und russischen Armeen kaum Widerstand leisten. Nach der Zerschlagung des Aufstandes teilten im Oktober 1795 Österreich, Preußen und Russland Polen zum dritten Mal untereinander auf. Das Russische Kaiserreich erhielt Litauen, Kurland, sowie das westliche Belarus. Somit fiel nach der dritten Teilung Polens das gesamte heutige belarussische Territorium an Russland.
Im 18. Jahrhundert kam es auf belarussischem Territorium zu einer Urbanisierung. Obwohl die Mehrheit der Bevölkerung aus einfachen Bauern bestand, wurden stetig neue Städte gegründet. Die Mehrheit dieser Städte unterlagen dem Magdeburger Rechts. Dies förderte vor allem die Entwicklung des Handels und des Handwerks. Mitte des 18. Jahrhunderts zählte Belarus um die 112 Städte. Mehrmals in der Woche wurde in diesen Städten und Dörfern Markt gehalten. Belarussische Kaufmänner verbanden durch ihren Handel mit Städten wie Warschau, Posen, Danzig, Twer und Moskau den Westen mit dem Osten Europas.
Die zahlreichen Kriege jedoch, die zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert auf belarussischem Territorium geführt wurden, hatten gravierende Folgen und führten zu einer Vernichtung der Produktivkräfte, vor allem der Bauernschaft, zu einem generellen Bevölkerungsrückgang und einem Erliegen des Handels. Lebten im Jahr 1650 noch 2.9 Millionen Menschen auf belarussischem Territorium, waren es 1670 nur noch knapp die Hälfte. Der Russisch-Polnische Krieg zwischen 1654 und 1667 vernichtete allerdings nicht nur den Großteil der Bevölkerung, sondern auch wertvolles Ackerland welches auf Jahre unbrauchbar wurde.
Erst gegen Mitte des 18. Jahrhunderts hatte sich das Land wieder erholt. Ende des Jahrhunderts lebten auf belarussischem Territorium wieder mehr als 3.6 Millionen Menschen. Die Bauern blieben jedoch nach wie vor rechtlos, was bedeutete, dass jeder Gutsbesitzer seine Bauern verkaufen, tauschen oder sogar töten konnte. Gegen die Unterdrückung durch die höheren Stände versuchten die Bauern zu kämpfen, es kam zu meist kleineren lokalen Aufständen. Der größte dieser Aufstände wurde 1743-1744 von Wassil Waschtschilo angeführt, er fand im Osten von Belarus, in Kritschew, statt. Zum Lager dieses Aufstandes gehörten circa viertausend bewaffnete Kämpfer. Der Aufstand wurde allerdings blutig niedergeschlagen.
Der Aufbau des Landes als Teil des Russischen Imperiums allerdings schritt weiter fort, Städte wie Minsk, Schklow und Ostrowo entwickelten sich zu bedeutenden Handelszentren.