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Ernährungsempfehlungen zur Prävention und Behandlung der Osteoporose
Dietary Recommendations in the Prevention and Treatment of Osteoporosis
Biver E. et al. Joint Bone Spine 2022:online ahead of print.
Die Empfehlungen wurden von einer Arbeitsgruppe erarbeitet, die von der SFR (Société Française de Rhumatologie) und der GRIO (Groupe de Recherche et d’Informations sur les Ostéoporoses) eingesetzt wurde. Die Empfehlungen basieren auf einer Auswahlliste von 15 praktischen Fragen, welche von Patienten am häufigsten gestellt wurden. Wenn in der Literatur ungenügende Daten zu finden waren, wurden die Empfehlungen aufgrund eines fachlichen Konsensus unter Berücksichtigung der aktuellen Praktiken und Expertenmeinungen erarbeitet; alle Empfehlungen wurden mit Evidenzniveau versehen. Die Empfehlungen sind in drei Kategorien unterteilt: positive, neutrale und negative Empfehlungen.
Die positiven Empfehlungen beziehen sich auf eine mediterrane Ernährung und den Verzehr von Milchprodukten in Kombination mit „hochwertigem Eiweiß“ und Kalzium (insbesondere fermentierte Milchprodukte: Joghurt, Käse). Schließlich sind kalziumhaltige Mineralwässer auch eine gute Kalziumquelle, wenn der tägliche Verzehr von Milchprodukten nicht ausreicht, um eine optimale Kalziumzufuhr zu erreichen (Empfehlungen 1, 4, 6, 7).
Für eine negative Auswirkung einer säurehaltigen Ernährung auf die Knochengesundheit (Empfehlung 9) gibt es keine Evidenz. Auch gibt es bei der empfohlenen Menge an Kalzium in der Ernährung weder eine Erhöhung des kardiovaskulären oder Lithiasis-Risikos noch einen negativen Zusammenhang mit dem Lipidprofil (Empfehlung 5).
Die neutralen Empfehlungen gelten für Prä- und Probiotika, Phytoöstrogene, Tee, Kaffee und andere Vitamine als Vitamin D (Empfehlungen 11, 12, 14, 15). Derzeit gibt es nicht genügend wissenschaftliche Daten, um ihre Verwendung bei Patienten mit Osteoporose oder zur Vorbeugung von Osteoporose zu empfehlen.
Die negativen Empfehlungen gelten für unausgewogene westliche Ernährungsweisen, vegetarische und insbesondere vegane Ernährung, Diäten zur Gewichtsreduktion bei normalgewichtigen Personen, Alkoholkonsum, und übermäßigen Limonadenkonsum (Empfehlungen 1, 2, 3, 12, 13).
Kommentar
Gerade in Ernährungsfragen fehlen oft Evidenz-basierte Empfehlungen, was zu Missverständnissen über die Rolle der Ernährung führen kann; das Review/ französische rheumatologische Guidelines ist darum interessant, weil es praktische 15 Fragen, mit welchen wir im Alltag immer wieder konfrontiert sind, aufgrund der aktuellen Datenlage mit Empfehlung beantwortet. Es ist eine Basis für weitere Forschungsarbeiten, um die Leitlinien weiter zu untermauern und zu verfeinern.
Kieferosteonekrose unter einer antiresorptiven Therapie bei onkologischen Patienten
Medication-Related Osteonecrosis of the Jaw in Cancer Patients: Result from the OneFlorida Clinical Research Consortium
Yang G et al., J Bone Miner Res 2022;37:2466
Die Kieferosteonekrose ist eine seltene Nebenwirkung einer Therapie mit antiresorptiven Medikamenten wie Bisphosphonaten oder Denosumab. Die Häufigkeit variiert in der Literatur stark. Das Risiko beträgt zwischen 1–70 Fälle/1’000’000 Patientenjahre in der Osteoporosebehandlung, während das Risiko bei der onkologischen Behandlung mindestens 10-fach höher ist (70–12’000/100’000 Patientenjahre).
In dieser retrospektiven Studie aus Florida wurde bei onkologischen Patienten das Risiko der Entwicklung einer Kieferosteonekrose untersucht. 5689 onkologische Patienten, welche i.v. Bisphosphonate oder Denosumab erhielten, konnten in einer Gesundheitsdatenbank analysiert werden. Das Risiko einer Kieferosteonekrose betrug 0.73% unter i.v. Bisphosphonaten und 0.86% unter Denosumab. Die höchste Rate mit 3.5% hatten Patienten mit einer sequentiellen Therapie von Bisphosphonaten und Denosumab. Als Risikofaktor für die Entwicklung einer Kieferosteonekrose zeigte sich ein zahnchirurgischer Eingriff mit einer Hazard Ratio von 8.57. Alter, Geschlecht und Komorbiditäten waren nicht mit einem erhöhten Risiko assoziiert.
Kommentar
Die Kieferosteonekrose ist mit ca. 1 % eine relativ häufige Nebenwirkung bei onkologischen Patienten unter einer antiresorptiven Therapie mit i.v. Bisphosphonaten oder Denosumab. Der Hauptrisikofaktor ist ein zahnchirurgischer Eingriff unter diesen Medikamenten. Interessanterweise ist das Risiko für eine Kieferosteonekrose bei Patienten mit sequentieller Therapie von Bisphosphonaten und Denosumab deutlich höher als bei einer Monotherapie.
Topische Behandlung von digitalen Ulzerationen mit Cannabidiol
Topical Cannabidiol in the Treatment of Digital Ulcers in Patients with Scleroderma: Comparative Analysis and Literature Review
Spinella A. et al. Adv Skin Wound Care 2023;36:18
Digitale Ulzerationen bei systemischer Sklerose sind sehr schmerzhaft und oft schwierig zu behandeln.
Randomisierung von 45 Patienten mit Sklerose und digitalen Ulzerationen zu einer Behandlung mit Cannabidiol-Tropfen (CBD, 25 Patienten) beziehungsweise zu lokaler Standardtherapie (20 Patienten). Alle Patienten hatten eine Behandlung mit Iloprost-Infusionen, Kalzium-Blockern, und/oder anderen Gefässdilatatoren (Bosentan, Macitentan, Sildenafil). Auch ein chirurgisches Debridement wurde regelmässig vorgenommen. 10%-tiges CBD-Öl (frei von Tetrahydrocannabinol, THC) wurde in Form von 4 Tropfen auf die Ulzerationen appliziert, tägliche Applikation während 2 Monaten.
CBD zeigte sich der Standardbehandlung signifikant überlegen (niedrigerer Schmerzscore, höhere Werte bezüglich Gesundheitsscore und Zunahme der totalen Schlafstunden), zudem brauchten die Patienten in der Kontrollgruppe vermehrt analgetische Therapie.
Fazit
Die topische Applikation von CBD (hier 10%-tige Tropfen ohne THC, welches psychoaktiv wirkt) stellen aufgrund dieser Studie eine sehr gute Alternative zu anderen Schmerzbehandlungen bei digitalen Ulzerationen im Rahmen einer systemischen Sklerose dar. CBD wurde für die Wundbehandlung bereits seit Jahrtausenden appliziert und stellt keine Neuigkeit dar. Hingegen ist dies eine der wenigen Studien, welche den Effekt wissenschaftlich untersucht hat. Cannabidiol ist in der Schweiz erhältlich und legal bei einem THC-Gehalt von < 1%.