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Wilhelmine Reichard, genannt Minna, war die erste Ballonfahrerin Deutschlands.
Minna, geborene Schmidt, war die Tochter eines herzoglich-braunschweigischen Mundschenks. Im Alter von 18 Jahren heiratete sie den Physiker Gottfried Reichard. Sie hatten acht Kinder und teilten darüber hinaus die Leidenschaft für die Luftschifffahrt. Sie bauten zusammen einen Gasballon, mit dem sie gemeinsam in Berlin starteten. Ein Jahr später, heute vor 210 Jahren, fuhr dann Minna als erste Frau Deutschlands alleine in einem Ballon von Berlin nach Genshagen, das rund 30 Kilometer südlich liegt. (Übrigens: Weil ein Ballon leichter als Luft ist, fährt man darin. Im Flugzeug dagegen, das schwerer als Luft ist, fliegt man.)
Trotz mehrerer Bruchlandungen stieg sie immer wieder in den Ballon und startete von allen grösseren deutschen Städten aus. Sie nutzte die Fahrten auch für wissenschaftliche Zwecke und führte diverse Wetterbeobachtungen und Temperaturmessungen durch. Einmal stieg sie schliesslich so hoch, dass sie auf Grund des Sauerstoffmangels das Bewusstsein verlor. Der Ballon platzte und stürzte ab. Mit den Resten des Ballons blieb sie in jungen Fichten hängen und zog sich einige Verletzungen zu. Aber sie überlebte. Fünf Jahre später stieg sie wieder mit dem Luftschiff in die Höhe.
Das Geld, das sie mit ihren Ballonfahrten verdiente, investierte sie in die chemische Fabrik ihres Mannes und führte diese nach seinem Tod weiter. Wilhelmine Reichard war also alles andere als eine nervenschwache Frau. Sie bewies vielmehr Nervenstärke, indem sie immer wieder in den Ballon stieg, wissenschaftliche Untersuchungen durchführte und Geld für das Unternehmen ihres Mannes sammelte. Mutig und modern war Minna. Eine Pionierin eben.