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Aus der Gründungszeit des Landwirtschaftl. Vereins Wädenswil
Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1981 von Peter Ziegler
Am 8. August 1981 feierte der Landwirtschaftliche Verein Wädenswil mit einer Jubiläums-Schiffahrt auf dem Zürichsee sein 125jähriges Bestehen. Im nachstehenden Rückblick werden die Gründung und wichtige Ereignisse aus den ersten Vereinsjahren beschrieben.
Am 6. Dezember 1856 beschlossen einige Bauern im «Seehof»
Wädenswil, einen landwirtschaftlichen Verein zu gründen. Bereits am 14. Dezember 1856 fand im Gemeindehaus «zur Sonne» die Gründungsversammlung des «Vereins für Landwirtschaft und Gartenbau» statt. Dem ersten Vorstand gehörten an: Fabrikant Louis Rensch, zum Felsenhof (Präsident), Buchdrucker Arnold Rüegg
, zum Florhof (Aktuar), Landwirt Hotz, zur Hoffnung (Quästor), sowie die Landwirte Heinrich Eschmann im Oedischwend und Franz Tobler im Ort.
Die Anfänge des neuen Vereins waren vielversprechend. Schon 1857 zählte er 54 Mitglieder. Laut Statuten wollte der Verein die Landwirtschaft in jeder Weise fördern und durch Erfahrungsaustausch die Kenntnisse und Einsichten erweitern. Als einige der ersten Massnahmen wurden ein Pflug und neun Drainiergeschirre angeschafft, die man den Mitgliedern gegen geringen Zins zur Verfügung stellte. Im Wissen um die Notwendigkeit einer systematischen Bodenbearbeitung propagierte der Landwirtschaftliche Verein schon bald nach seiner Gründung eine zweckmässige Düngung. Um 1868 diskutierte man über eine grosse Neuheit: den Jauchewagen. 1876 kaufte der Vorstand Kunstdünger en gros ein und gab ihn den Mitgliedern verbilligt ab. Gleich ging man bei Saat- und Futtermitteln vor.
Eine wichtige Rolle kam den Ausstellungen zu. Schon im Gründungsjahr 1856 beteiligte sich der Verein an einer Landwirtschafts- und Industrie-Ausstellung in Bern und wurde mit Urkunde und silberner Denkmünze ausgezeichnet. Dies ermutigte, im Gemeindehaus «zur Sonne» eigene Ausstellungen für landwirtschaftliche Produkte durchzuführen.
Der Landwirtschaftliche Verein betätigte sich auch auf dem Gebiet der Viehzucht. Er führte 1859 Prämierungen für Zuchtstiere ein und 1878 solche für Kühe. Er organisierte neu den seit 1803 bestehenden Wädenswiler Viehmarkt
und ermöglichte ab 1886 die gemeinsame Sömmerung von Jungvieh im Wäggital.
Die Gebäude der Obst- und Weinbaugenossenschaft Wädenswil, kurz nach der Firmengründung 1895. Im Hintergrund links das «Schloss», heute Sitz der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Obst-, Wein- und Gartenbau.
Obst- und Weinbau waren weitere Gebiete, denen der Landwirtschaftliche Verein Wädenswil Beachtung schenkte. 1862 diskutierten die Mitglieder, ob überschüssiges Obst nach Deutschland exportiert werden könne. Der Qualitätsverbesserung dienten Obstausstellungen im Dorf und Prämien für gutes Tafelobst; seit 1882 wurden Baumwärterkurse organisiert. Schon 1868 beratschlagten die Wädenswiler Bauern, wie man der zunehmenden Kunstweinfabrikation mittels Gesetzen zu Leibe rücken könne.
Mitglieder des Landwirtschaftlichen Vereins Wädenswil waren immer wieder unter den Initianten neuer Organisationen zur Förderung landwirtschaftlicher Bestrebungen: Der Verein hatte massgeblichen Anteil daran, das die interkantonale und spätere Eidgenössische Versuchsanstalt für Obst- und Weinbau 1889 ihren Sitz in Wädenswil nahm, 1895 schlossen sich 12 Wädenswiler Landwirte und Mostproduzenten zur Obst- und Weinbau-Genossenschaft
zusammen; um Schwankungen in der Butter- und Käseproduktion auszugleichen und die Organisation zu verbessern, wurde 1907 die Molkerei-Genossenschaft
Wädenswil ins Leben gerufen.
(Nach dem Aufsatz «Hundert Jahre Landwirtschaftlicher Verein Wädenswil», von Albert Hauser, im «Anzeiger vom Zürichsee», 16. März 1957)