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Scheidenriss
Ein Scheidenriss ist sehr selten. Bei einer unkomplizierten vaginalen Geburt ist das Risiko verschwindend gering. Wenn überhaupt, ist er meist die Folge einer Zangengeburt oder Saugglockengeburt. Weitere Risikofaktoren für einen Scheidenriss sind ein tiefer Dammriss oder ein zu kleiner Dammschnitt (Episiotomie). Zu starkes Pressen während der Geburt, eine geringe Dehnungsfähigkeit des Scheidengewebes (z.B. durch Vernarbungen) sowie Angst und Verkrampfung der Gebärenden erhöhen das Risiko für einen Scheidenriss. Nicht zuletzt spielt auch das Kind eine Rolle: Ein grosses Kind, eine ungünstige Kopfhaltung sowie eine Steisslage (Beckenendlage) oder Querlage.
Um das Scheidenriss-Risiko bereits vor der Geburt zu senken, können Sie gezielt Ihre Beckenbodenmuskulatur trainieren. Auch eine tägliche Dammmassage in den letzten drei bis fünf Wochen vor der Geburt kann das Gewebe elastischer machen. Während der Geburt helfen feucht-heisse Kompressen auf dem Damm – und eine gute Entspannung!
Der Scheidenriss kann mehr oder weniger stark bluten und sehr schmerzhaft sein. Bei einer schwachen Blutung kann das Blut ins Körperinnere ablaufen; der Scheidenriss wird dann oft erst bei einer nachgeburtlichen Untersuchung durch den Frauenarzt erkannt und muss von anderen, nach der Geburt auftretenden Blutungen abgegrenzt werden, z.B. einer Uterusatonie (nicht ausreichendes Zusammenziehen der Gebärmutter), Plazentaretention (Plazenta accreta, unvollständige Ablösung des Mutterkuchens), Dammriss und Blutgerinnungsstörungen.
Durch eine chirurgische Naht wird ein einfacher Scheidenriss gleich nach der Geburt verschlossen. Dabei werden die beiden Seiten des Risses mit resorbierbaren (sich selbst auflösenden) Fäden und unter Lokalanästhesie wieder aneinander genäht. In der Regel verheilt ein Scheidenriss innerhalb weniger Tage.
Sollte nicht nur ein einfacher Scheidenriss, sondern ein Scheidenabriss von der Gebärmutter (Kolporrhexis) vorliegen, muss wahrscheinlich eine chirurgische Versorgung über eine Bauchöffnung (Laparotomie) erfolgen. Ein Scheidenabriss blutet häufig sehr stark und kann lebensbedrohend sein. Da viele Arterien im Gebiet der Gebärmutter durch den Riss beschädigt werden, muss manchmal sogar der Uterus entfernt werden, um das Leben der Patientin zu retten.
Ein Labienriss, also ein Riss der Schamlippen, schmerzt in der Regel sehr stark, weil die Schamlippen viele Nervenendigungen tragen. Wenn ein Labienriss während des Kopfaustritts des Kindes entsteht, sieht man häufig im Nacken des Neugeborenen einen sogenannten Blutkragen. Ein längsverlaufender Labienriss muss nicht immer chirurgisch geschlossen werden, ein querverlaufender Labienriss dagegen schon.
Letzte Aktualisierung : 03.2018, BH