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Die Klimaverhandlungen in Paris sind vorbei, die Staatengemeinschaft hat sich auf ein Nachfolgeabkommen des Kyoto-Protokolls geeinigt, das «Paris Agreement». Das ist mehr als man erwarten konnte – das Abkommen beinhaltet ein Bekenntnis zum Zwei-Grad-Ziel (oder weniger, Artikel 2.1), und zur Pflicht aller Länder, zu Emissionsreduktionen beizutragen (Artikel 3 und folgende).
In diesen Tagen wurden verschiedene Zusammenfassungen und Kommentare zum Abkommen in Umlauf gesetzt, Analysen, was der Inhalt nun wirklich bedeuten mag, Diskussionen, ob das Erreichte nun viel oder wenig sei; hier interessiert uns aber die Rolle der Landwirtschaft im Abkommen. Verschiedene Organisationen haben nämlich bemängelt, dass die Landwirtschaft im Abkommen keine Rolle spiele. Wir möchten hier darlegen, dass dies kein Problem ist, ja, dass dies in der Natur des Abkommens liegt.
Erstens zielt das Abkommen auf eine wirklich globale, allgemeine Ebene. Es geht darum, ein globales Ziel festzuschreiben und dass alle Länder dazu beitragen sollen. Zudem soll ein institutioneller Rahmen festlegen, wie dies getan werden soll. Auf dieser Ebene ist es nicht wichtig oder sogar kontraproduktiv nahezulegen oder sogar vorzuschreiben, wo Emissionen reduziert werden sollen, ob in der Industrie, im Transportsektor, im Gebäudebereich oder in der Landwirtschaft. Es geht unter anderem darum, dass die Länder überhaupt mal nationale Reduktionsabsichten formulieren, und dass die Regeln festgelegt werden, wie die Umsetzung dieser Absichten überprüft wird. So wird im Abkommen weder die Landwirtschaft, noch der Transportsektor, die Industrie, die Gebäude oder die fossile Energie erwähnt. Alle könnten sich beklagen, dass sie sich nicht wiederfinden; aber wie gesagt, in diesem Abkommen ist dies eben nicht nötig.
Zweitens wird Ernährung und Ernährungssicherheit im Abkommen sehr wohl genannt – aber eben nicht die Landwirtschaft als produzierender Teil davon. Das passt genau zu den Inhalten eines solchen Abkommens. Es wird nicht sektorspezifisch formuliert, sondern in Bezug auf einige grosse Herausforderungen der Menschheit: nachhaltige Entwicklung, Reduktion der Armut, Ernährungssicherheit.
Wichtig ist nun, wie das Abkommen umgesetzt wird. Es geht um die Pläne, wie und wo und wieviel die einzelnen Länder in Zukunft die Emissionen zu reduzieren gedenken – und ob dies dann wirklich geschieht. In der nationalen Klimapolitik sollte die Landwirtschaft nun sehr wohl eine Rolle spielen. Die Kritik am Abkommen von Paris zielt vielleicht schon vorgreifend darauf ab, dass durchaus die Gefahr besteht, dass die Landwirtschaft in der nationalen Klimapolitik nicht gebührend berücksichtigt werden wird. Dazu könnte man nun zum Beispiel mal die 160 schon vorliegenden nationalen Absichtserklärungen anschauen:
Absichtserklärungen (Webseite UNFCCC; englisch)
Ohne Anspruch auf Vollständigkeit haben wir neugierig in ein paar davon geschaut (Argentinien, China, die EU, Indien, Japan, Kenya, Russland, die USA) und gefunden, dass eigentlich alle die Landwirtschaft erwähnen – von diesen „nur“ die USA nicht (aber die USA erwähnen auch andere Sektoren nicht explizit). In der Gesamtbetrachtung wird die Landwirtschaft mehr oder weniger ausführlich erwähnt, und gewisse dieser Absichtserklärungen bleiben sehr vage – aber die Landwirtschaft scheint auf dieser Ebene im Allgemeinen nicht immer vernachlässigt zu werden. Das Fehlen der Landwirtschaft im Abkommen von Paris bedeutet also nicht, dass die Landwirtschaft nun eine weniger wichtige Rolle spielt.
Jetzt geht es aber um die konkrete Umsetzung, und es ist wichtig, dass die Entwicklung kritisch verfolgt wird. Die Gefahr, dass die Landwirtschaft bei der Umsetzung nicht gebührend berücksichtigt wird ist real. Dass sie im Abkommen von Paris fehlt, betrachten wir aber als unproblematisch. AM/AG
Weiterführende Informationen
Klima (Rubrik Nachhaltigkeit)
Merkblatt «Klimaschutz auf Biobetrieben» (FiBL-Shop)