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Mike Zito begeistert im Volkshaus in Basel
Mike Zito ist ein talentierter Gitarrist, hat eine variationsreiche Stimme und einen sehr emotionalen Gesang. Er ist ein begabter Songschreiber mit poetischer Symbolik. Er gewann 2010 den «Blues Music Award» für seinen Song Pearl River vom 2009 erschienenen gleichnamigen Album, das ausserdem als Rock Blues Album des Jahres nominiert war. 2012 kam seine 2011 herausgekommene Scheibe Greyhound erneut ins Finale. Sechs Alben hat er bisher aufgenommen und auf drei weiteren ist er als Gast zu hören. Aktuell ist er auch ein Teil von The Royal Southern Brotherhood, einem Projekt mit Cyril Neville, dem jüngsten der Neville Brothers und Gregg Allmans Sohn, Devon Allman, dem Bassisten Charlie Wooten und dem Schlagzeuger Yonrico Scott. Heraus kommt dampfend heisser Southern Bluesrock.
Der einundvierzig jährige hochtalentierte Sänger und Gitarrist aus St. Louis (MO) war seit seinem neunzehnten Lebensjahr unterwegs, bevor er 1997 seine erste Band gründete. Gleich zu Beginn seiner Karriere hatte er mit den Schwierigkeiten zu kämpfen, die manche Musiker sonst erst im späteren Verlauf ihres Musikerlebens erfahren: Er konnte dem Druck, den er sich teilweise selbst auferlegte, nicht standhalten und floh in Drogen und Alkohol. Seine Karriere schien vorbei, bevor sie begonnen hatte. Walter Trout nahm ihn ins Gebet und brachte ihn zusammen mit seine jetzige Frau auf den Weg zurück. Er zog nach Texas und seither geht es steil bergauf.
Blues Now! hatte ihn im Frühjahr 2011 zum ersten Mal in die Schweiz geholt, damals als Trio mit Rob Lee und Chris Alexander. Nun spielte er ein zweites Mal in dieser Konzertreihe, dieses Mal mit folgendem Lineup:
Mike Zito, Gitarre, Gesang
Andy Irvine, Bass
Rob Lee, Schlagzeug
Jimmy Carpenter, Saxophon
Mike Zito gehört zu den Musikern, deren eigener Blues schon eine Mischung unterschiedlicher Stilarten ist. Bei ihm ist es Louisiana Blues, gewürzt mit rockigen Elementen und Country Anklängen, zuweilen erklingt auch swampiger Deltasound. Darüber hinaus ist er ein neugieriger Musiker, der gerne viele Möglichkeiten auslotet. Entsprechend weiss man nie genau, was einen im Detail erwartet. Mit Jimmy Carpenter kam ein zusätzliches kreatives Element dazu. Der 2010 vom Offbeat Magazin in New Orleans als bester Saxophonist nominierte Carpenter gehört ebenfalls zu den neugierigen, kreativen und musikalisch offenen Künstlern. Eine tolle Kombination.
Roll On eröffnete dann den Abend, ein stampfender monotoner Bluesrock, gefolgt von Greyhound und Judgment Day, beide makellos dargeboten. Schon nach diesen ersten drei Titeln kam überschwänglicher Applaus eines Publikums, das sich sonst eher nach Schweizer Art zurückhaltend zeigt. Zito und Carpenter können beide elaborierte und anspruchsvolle Soli liefern, wissen aber auch, wann es genug ist und ersticken die Songs nicht mit unnötigen Egotrips.
Mike Zito spielt wie ein Magier, seine Soli sprudeln immer noch eine Idee hervor, lösen sich aber nie aus dem Song. Und er singt, dass es unter die Haut geht und ist dabei abwechslungsreich, wechselt Stimmlage und Artikulation. Mal klar und fröhlich, mal klagend, dann wieder dreckig oder voller Soul. Immer Emotion pur. Jimmy Carpenter ergänzt ihn grossartig, weiss im richtigen Moment Akzente zu setzen und legt jederzeit ein geistreiches Solo hin, bringt zuweilen eine Prise Jazz ein, bleibt aber im Blues. Aufgefallen sind eine entstaubte Version von Hound Dog, Please, Please, Please einer kriechender Ballade mit einem ausgedehnten schmachtenden Saxophonsolo, das Zito mit einer klagenden Gitarre weiterführt.
Eine gute Stunde dauerte das erste Set, nach der Pause gab es eine Kostprobe der akustischen Fähigkeiten und auch hier überzeugte er zunächst solo, dann im Duett mit Jimmy Carpenter, ein poetisches Highlight. Über die unvermeidlichen Höflichkeiten gegenüber dem Publikum hinaus schien die Gruppe tatsächlich in grosse Spiellaune geraten zu sein, jedenfalls steigerten sie sich im zweiten Set noch, das mit allen Zugaben immerhin gute anderthalb Stunden dauerte. Darunter eine rockiger Shoe Blues, Carpenter Horn glühte und Zitos Gitarre klang nach Gründerzeit des Rock; Change My Ways, ein gutes Beispiel für seine unkomplizierte Sprache: « Change my ways, that's what you want from me. How can I change something that I just don't see.» heisst es da.
Der Abend endete mit Rock Me Baby, der Zugabe der Zugabe. Ein begeisternder Abend.
Website Mike Zito