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Riten und Musik [9]
Das Konzept:
Der Mensch wird nach konfuzianischer Ansicht durch Riten und Musik gebildet. Die Riten ermöglichen ihm eine gewissermassen soziale, die Musik eine individuelle Ethik. Beides geht ineinander über und ist dennoch voneinander unterschieden. Die Schwierigkeiten, ein genaues Verständnis des Konzeptes „Riten und Musik“ zu erhalten liegen einerseits auf der sprachlichen Ebene (chinesische und japanische Urtexte) und anderseits in der Art und Weise der Vermittlung in Form von Lehrgespräche und Legenden, die mehr eine Stimmung oder einen einzelnen Aspekt beschreiben als ein zusammenhängendes Konzept. Es kann versucht werden, durch das Herausgreiffen einzelner Punkte einige Gedanken klar zu machen.
Ein besonderer Aspekt der traditionellen japanischen Musik wird, nach Kikkawa, durch die alte chinesische Ansicht, dokumentiert im "Yüeh-chi" , sehr treffend charakterisiert: Auf die Frage des Herzogs Wen des Staates Wie , warum die alte Musik im Vergleich zur neueren Musik so langweilig und einschläfernd wirke, antwortet Tzu Hsia, ein Schüler von Konfuzius: "Die alte Musik zielt nicht auf das Seltsame oder darauf, die Menschen zu überraschen. Sie schätzt die Harmonie, die Ausgeglichenheit und die Stille hoch.(....) Die alte Musik ist nicht nur eine Kunst, die den Hörsinn befriedigen soll, sondern sie bildet auch eine Grundlage der geistigen Bildung, durch die man sein Selbst regelt, dies auch auf seine Familie ausdehnt und seinem Land dient. Die alte Musik vereint in sich das sinnlich Schöne und das sittlich Gute.(Die neue Musik) ist klanglich als auch in den Tänzen sinnlich, verführerisch, und im schlimmsten Fall, obszön... [10] "
Kikkawa sieht in dieser Ansicht auch den Unterschied zwischen japanischer und europäischer Musikauffassung begründet. Dem Prinzip des Geistes steht das Prinzip der Technik, dem Idealismus der Sensualismus, dem Prinzip der Sittlichkeit das des reinen Ästhetentums gegenüber. Er erklärt damit, dass die Idee hinter der japanischen Musik nicht eine der Unterhaltung, der Abwechslung und des sinnlichen Reizes sei, sondern eine sittliche. Er verteidigt damit auch , dass der japanische Musik von Nichtkennern eine Tendenz zur Langweiligkeit und Schläfrigkeit zugeschrieben wird.
Diese Wirkung wird verstärkt durch die auffällige Ruhe der japanischen Musik . Vorherrschend sind langsame Tempi, Vermeidung von Kontrasten und Überraschungen. Im Yüeh- Chi lautet ein Satz: "Die Musik kommt von innen, daher ist sie ruhig. Die Riten werden von aussen erzeugt daher besitzen sie bun [11] ." Die Musik, so die Interpretation, entspringt von selbst aus dem Inneren des Herzens des Menschen, daher ist sie ruhig. Die Riten entstehen aus der Beziehung zur Aussenwelt, es entstehen künstliche Techniken oder Form. Der Mensch sei seiner natürlichen Anlage nach ein ruhiges Wesen, darum hat auch die Musik, welche aus seinem Herzen stammt, einen ruhigen Charakter. Die Riten, als Gegensatz dazu verstanden, haben daher technische ornamentale oder formale Züge.
Hier liegt auch eine Ablehnung des Manierierten zu Grunde. Die Musik hat nicht zu sinnlich zu sein, zu kunstvoll, zu künstlerisch.
Als Ideal steht nicht die sinnliche Befriedigung des Individuums sondern die Harmonie und Eintracht in der menschlichen Gesellschaft. Ein ähnliches Konzept liegt auch der alten griechischen Musikauffassung z:B. von Pythagoras und Plato zugrunde.
Die Wirkung des Konzepts „Musik als ethische Bildung“
Für die Musik hat dieses Konzept vielfältige Auswirkungen. Wie hat eine Stimme, ein Instrument zu klingen? Welches Tempo ist das richtige? Welcher Aufbau des Stückes ist richtig?
Es gibt eine stattliche Anzahl von Adjektiven im Yüeh-Chi, welche eine schlechte Musik ausdrücken (z.B. sen-kai laute, offene Stimme; han-bun, Stimme mit kompliziertem Klang; teki-sei, schnelle, sinnliche Stimme) und solche die gute Musik ausdrücken (z.B. ren-choku einförmige, klare Stimme; só-sei, eine feierliche, vor Aufrichtigkeit überfliessende Stimme; jun-sei eine fliessende ruhige Stimme).
Zusammenfassend lässt sich sagen: