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(Dienstag, 20. November 2012)
Wir waren früh am Treffpunkt und musterten die anderen Teilnehmer. Welche Kleider und Schuhe trugen sie? Einige waren in Turnschuhen oder mit Jeans unterwegs. Weshalb hatten sie grössere Rucksäcke mit mehr Gepäck, wo wir doch alles Notwendige dabei hatten? Einer hatte es nicht mal mehr geschafft zu duschen… Ich fragte mich, wie er wohl nach vier Wandertagen ohne Dusche riechen mochte…
Wir wurden mit dem Bus nach Te Anau Downs gebracht, von wo aus ein Schiff uns wegbrachte. Der Skipper fuhr Schlangenlinien, um uns einige touristische Sehenswürdigkeiten zu zeigen. In Glade Wharf endete diese Tour. Wir mussten noch auf dem Steg unsere Schuhe putzen, es könnte ja sein, dass wir irgendetwas einschleppen.
Das Schild zum Start des Milford Track war für Gruppenfotos heiss begehrt, wir gönnten uns erst unser Mittagessen und reihten uns so hinten ein.
Wir folgten dem anfänglich breiten Weg in einen mit Moos bewachsenen Märchenwald. Überall waren verschiedene Moose und andere Pflanzen, wir schauten links und rechts während wir den Weg entlang stolperten. Nach einem letzten Haus, das gut zahlenden Gästen als Lodge diente, führte eine lange Hängebrücke über den Fluss in das Gebiet, wo wir die nächsten Tage verbringen und kaum jemand anders als unsere Gruppe sehen werden.
Die Strecke am ersten Tag war eher kurz, nach ca. eineinhalb Stunden erreichten wir die Clinton Hütte. Ein alter, riesiger Ranger mit schlaksigen Beinen empfing uns bei drei grossen Hütten. Wir suchten uns zwei Betten im ersten Schlafsaal. Die Betten waren nicht etwa Massenlager wie wir es von zu Hause kennen. Jedes Bett stand einzeln an der Wand, jeweils zwei übereinander. So hatte auch jeder genug Platz für sein Gepäck.
Wir verbrachten den Rest des Tages am kalten Fluss mit Lesen und Fotografieren und versuchten den Sandflies auszuweichen.
In der Hütte kam Ross, der Ranger, mit zwei Possums, die er in Fallen gefunden hatte. Später brachte er noch ausgestopfte Stoats zum Anfassen. Er führte uns durch das Gebiet um die Hütten und zeigte uns verschiedene Moose, erklärte Eigenheiten von einheimischen Bäumen und erzählte die Geschichten der umliegenden Berggipfel.
Als es ums Abendessen ging, wurde uns bei einigen klar, weshalb sie so viel Gepäck trugen. Die Koreaner hatten einen Plastiksack als Steamer, in dem sie mit Chemie das Wasser zum Kochen brachten, um Reis und Sosse zu erwärmen. Zwei Veganer hatten frisches Gemüse dabei, das sie zubereiteten. Einige hatten wie wir Campingtöpfe mit getrockneten Fertigmahlzeiten dabei, andere richtige Pfannen oder Wraps. Es war spannend, das geschäftige Kochen zu beobachten.
An unserem Tisch sassen ehemalige Ukrainer, die jetzt in den USA und Australien wohnen. Wir amüsierten uns sehr im gemeinsamen Gespräch. Als sie erfuhren, dass Martin heute Geburtstag hatte, holte einer einen Flachmann mit Cognac zum Anstossen.
Als es dunkel wurde, liefen alle dem Weg entlang zu einem Erdhang, an dem sich Glühwürmchen befanden. Wir kamen gerade richtig, als ein junger amerikanischer Fotograf Infos über diese Tiere weitergab, die er Tags zuvor bei einer Führung gehört hatte.
Um 22 Uhr wurden die Lichter gelöscht, wir schlichen uns leise in den Schlafsaal in unsere Schlafsäcke und hofften, dass niemand richtig schnarchte.