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(Freitag, 17. November – Montag, 20. November 2017)
Früh waren wir bereit, alles gepackt. Das grosse Gepäck blieb im Zimmer, den Rest nahmen wir mit uns auf die Reise. Um 4.30 Uhr trafen wir die Gruppe unterhalb des Plaza de Armas.
Erster Stopp war das Haus der Träger. Die Organisation Llama Path hatte es sich im Jahr 2003 zum Ziel gemacht, die Position der Träger zu Stützen und ihnen bessere Bedingungen zu bieten. So hatten sie Massenlager zum Übernachten, gute Kleidung und sonst noch so einige Vorteile für sie und die Famile.
Weiter ging die Fahrt für ca. 1.5 Stunden bis zum Frühstücksrestaurant. Nach einer Stunde Pause brauchten wir noch ca. 30 Minuten bis zum Punkt, von wo aus wir bei sonnigem Wetter losliefen. Jose Ruiz und Aiben waren unsere beiden Guides für diese Wanderung. Als Erstes hiess es Pass zeigen und dann durften wir über eine Brücke in den Nationalpark. Es begann mit einer steilen Steigung. Das sollte ja heiter werden…
Nach einer halben Stunde gab es 10 Minuten Pause und so weiter bis wir eine Inkastätte namens Patagliata erreichten. Dort wurde uns erklärt, dass ein Mann namens Hiram Bingham im Jahr 1915 den InkaTrail sowie die verschiedenen Stätten entdeckte. Er begann, diese nach Ort, Aussehen oder geschätzter Funktion zu benennen. So heisst Patagliata zu deutsch „obere Stadt”. Es gab verschiedene Wege während den Inkas, insgesamt ca. 42‘000 km in ganz Südamerika.
Administrative Wege waren schmal, für schnelle Läufer gedacht, die Nachrichten überbringen sollten. Handelswege waren breiter, denn Lamas können im Gegensatz zu Pferden keine grossen Lasten tragen, nur ca. 25 kg. Die religiösen Wege waren den Besseren vorbehalten, die auf Pilgerfahrt waren. Der vor uns liegende Weg war von der dritten Sorte.
Nach wenigen Stunden (und vielen Pausen) erreichten wir einige Häuser, zwischen denen unser Essenszelt aufgebaut war. Die Träger erwarteten uns mit einem Getränk sowie kleinen Becken mit Wasser. Jeder von uns erhielt einen nummerierten Waschlappen für den Trek, Hände waschen vor dem Essen muss sein. Dann tischten sie auf: Vorspeise, Suppe und 4 verschiedene Platten für den Hauptgang.
Während dem Essen hatte leichter Regen eingesetzt, nach 10 Minuten laufen entschied ich mich dann auch für meine Regenhose. Wir wurden von den Jungs nun losgelassen, das heisst wir durften in unserem Tempo loslaufen. Die meisten starteten schnell und machten viele Pausen. Franziska und ich fanden unser gemütliches Tempo und zogen dies durch, während wir einen nach dem anderen überholten.
Im heutigen Camp namens Ayapata angekommen hatte der Regen aufgehört. Die Porters applaudierten bei jedem, der das Tagesziel erreichte. Ich hatte extra meine Sportuhr mitgebracht, sie zeigte 12.76 km und 860 Hm Aufstieg.
Wir richteten uns in unserem Zelt ein und begannen, uns mit den anderen zu unterhalten. Es waren Schweden, Amerikaner, eine Kanadierin, eine Spanierin sowie ein Australier dabei. Zwischen 1.5 Wochen und 6 Monaten Urlaub war alles dabei. Eine bunt gemischte Gruppe zwischen 23 und 37 Jahren.
Unsere Guides stellten die Truppe von Llama Path vor. Ein Chef, ein Sous Chef, ein Head Porter sowie 14 Träger waren Teil des Teams. Die Träger waren zwischen 19 und 57 Jahre alt, jeder von ihnen trägt jeweils ca 20-25 kg. Das beinhaltet unsere Zelte, das Essenszelt, Geschirr sowie alles Essen. Franziska und ich hatten uns entschieden, einen zusätzlichen Porter zu bezahlen, damit wir weniger tragen mussten.
Dann begann die Happy Hour. Mit Tee und heisser Schokolade sassen wir im Zelt, assen Popcorn und lernten uns kennen. Zum Abendessen wurde erst eine Kürbissuppe serviert, anschliessend gab es Poulet, Reis, Spinatwähe, Kartoffeltortillas, gefüllte Peperoni sowie flambierte Bananen zum Nachtisch. Das Essen war sehr lecker!
Im Dunkeln räumten wir das Essenszelt, da schliefen die Porters. Neben dem Zeltplatz war ein kleines Gebäude mit Plumpsklos (ein Loch im Boden). Daran mussten wir uns für die nächsten Tage gewöhnen. Ich hatte (dank Indien?) kein Problem mehr damit, nur der Gestank war mir eher unangehehm.
Kaum lagen wir im Zelt begann es wieder zu regnen. Ich dachte, ich hätte mich langsam daran gewöhnt, suchte dann aber trotzdem meine Oropax und fand so etwas Schlaf. Mitten in der Nacht wachte ich auf, der Regen hatte aufgehört, trotzdem war der Weg zur Toilette eher kalt. Der grosse, schwere Schlafsack (der für uns getragen wird) war jedoch sehr warm.
3 Porters weckten uns um 5 Uhr mit heissem Cocatee (koffeinhaltig). Wir hatten eine halbe Stunde zu packen, dann war das Frühstück bereit: süsses Brot, Pancakes, Früchte und flüssiger Porridge. Das Wetter war strahlend schön, es wartete ein toller Tag auf uns.
Wir starteten die Wanderung mit dem grössten Anstieg von ca. 1000 Hm. Franziska und ich starteten wieder am Schluss, arbeiteten uns stetig über den steinigen Weg nach oben. Der letzte Teil bestand aus Treppenstufen, es war sehr intensiv. Als ich den Dead Woman‘s Pass erreichte, war ich erstaunt, die Erste zu sein. Franziska kam nur wenige Minuten nach mir.
Dann tröpfelte einer nach dem anderen ein, 30 Minuten nach uns kam der letzte. Wir machten einige Fotos und machten uns wieder auf den Abstieg von ca. 700 Hm. Wir entschieden uns für eine schnellere Geschwindigkeit, so hatten die Beine weniger Zeit, wackelig zu werden. Unten angekommen, erwarteten uns die Porters mit Getränk, Händewaschwasser und Mittagessen.
Der Nachmittg begann steil, mit grossen Stufen, es waren weitere 500 Hm zu überwinden. Ab hier sollen es 80-90% des Orinialtreks sein, der auch dem Unesco Welterbe untersteht. Jedes Jahr gibt es einen Marathon über die gleiche Strecke, die wir in 4 Tagen machen. Der Rekord liegt bei 3:45 h!
Wo es hoch geht, geht es wieder runter, also wieder geschätzte 400 m nach unten.
Unterwegs machten wir einen Abstecher zu einer weiteren Inkasite, es führten 100 zusätzliche Stufen nach oben. Wir genossen die Steinmauern und die Lamas und sahen den Nebelwolken beim Rasen zu. Unsere Truppe war sehr interessant und lustig, wir hatten eine gute Zeit.
Der heutige Tag endete mit offiziell (Suunto Uhr) 11.5 km / 1190 m hoch / 903 m runter. Ich hatte mehr Hm erwartet, basierend auf der Karte.
Uns wurde wieder das gleiche Zelt zugewiesen, unsere Duffelbags sowie unsere Schlafsäcke lagen schon drin.
Nach dem Einrichten plauderten wir bei Popcorn und Frittiertem, bis es kein Milo Pulver mehr hatte (eine Art Nesquick), das schien tragisch zu werden.
Beim Abendessen setzte Regen ein, entsprechend sank meine Laune dann etwas, aber beim Verlassen des Zeltes war wieder klarer Sternenhimmel zu sehen.
Leider schien meine neue Exped Matte wirklich nicht zu funktionieren, schade. Ich hatte sie extra für meinen Rücken mitgebracht. Als ich nachts erwachte, war der Himmel klar, weit entfernt leuchteten Blitze.
Regen weckte mich, schade. Um 6 Uhr gab es wieder Cocatee, wir liessen unser Gepäck im Zelt und frühstückten. Mit Regenklamotten ausgerüstet starteten wir bei leichten Regen. Bei einer längeren Pause, in der Jose uns etwas über die Kultur erzählte, begann ich zu frieren und meine Laune sank. Als sich dann später zufällig die Gelegenheit bot, übernahm ich die Führung und lief ohne Halt weiter, bloss nicht anhalten und weiter frieren.
Gegen Mittag hatte der Regen aufgehört und wir erreichten eine weitere Inka Site namens Intipata. Die Jungs erklärten uns, dass die Inkas sehr praktisch waren (gefällt mir!). Ihr Gott war überall, daher konnten sie mit der Bibel zum Beispiel nichts anfangen. Schwarz ist die purste Farbe. In dunklen Höhlen konnten sie mit Mutter Erde in Kontakt treten. Im Himmel suche sie die schwarzen Stellen zwischen den Sternen.
Die Inka Flagge ist der Pride Flagge sehr ähnlich, hat jedoch eine Farbe mehr.
Das Camp war nur noch wenige Minuten entfernt und bald gab es Mittagessen. Die Wolke öffneten sich, die Sicht wurde besser.
Als wir bei Llama Path diesen Trip buchten, hatten wir irgendwo gehört/gelesen, dass es Schokoladenkuchen gab. Immer mal wieder hatte ich dann eine entsprechende Bemerkung gemacht, bis Jose heute sagte, dass er wegen mir mit der Küche reden müsste. Im Vertrauen meinte er dann zu mir, dass der Kuchen jedesmal zum Abschluss (vor Ort!) gebacken wurde, als Überraschung. Und ich hatte dies wohl versaut.
Die Inka Site Wiñaywayna lag gleich neben dem Camp. Es ist der Name einer Blume und bedeutet „für immer jung”. Die verschiedenen Terassen dienen dazu herauszufinden, was wann angebaut werden sollte. Sie wurde erst Jahre nach der Entdeckung des Inkatrails gefunden, im Jahr 1945. Wir spazierten weiter bis zu einem Wasserfall, wo ein junges Pärchen gerade duschte. Ich sehnte mich eh nach einer Dusche und war mit Versprechen auf ihr Shampoo innert Minutenfrist ausgezogen. In Unterwäsche stand ich also schon im Wasser, als der Rest unserer Truppe kam. Zwei Jungs taten es mir gleich, es war herrlich!!
Im Camp gab es dann den lang ersehnten Kuchen, dann galt es Ernst. Für den letzten Abend waren Dankesreden sowie Trinkgeldvergabe für die Crew angesagt. Mir wurde die Ehre zuteil, zum SousChef und zum ChefTräger zu sprechen. Ob mein Spanisch das Drittbeste war oder ob ich sonst einfach zuviel plauderte, sollte ich nie erfahren.
Als Team sammelten wir das Trinkgeld für alle zusammen, um es dann nach vorgegebenem Schlüssel auf die einzelnen Positionen zu verteilen. Obwohl wir zwei 25% mehr gaben, kamen knapp 3/4 des empfohlenen Betrages zusammen. Wir zwei waren enttäuscht, dass die anderen so wenig gegeben hatten, obwohl die Truppe wirklich tolle Arbeit geleistet hatte.
Nach dem Essen gab es also die drei Reden, anschliessend bedankte sich Jose, dass wir Llama Path gewählt hatten. Dann hiess es packen und früh zu Bett, Tagwache war sehr früh morgen.
Mitten in der Nacht hörte ich einen leisen Wecker im Zelt nebenan. Es war noch stockdunkel um 3 Uhr, als wir uns auf den Weg zum Checkpoint machten. 10 Minuten laufen und wir erreichten das momentane Ziel. Da viele Gruppen früh zum Machu Picchu wollen, mussten wir früh am Tor stehen, dass wir vorne waren, als es dann um ca. 5.30 Uhr aufging.
In schnellem Tempo liefen wir zum Sonnentor, wo sich zwischen den Wolken das erste Mal Machu Picchu zeigte. Wir klickten die ersten Fotos und liefen dann näher, während die Wolken immer weniger wurden.
Als wir beim Eingang des Areals mal wieder so richtig flach (betoniert) wurde, brach Begeisterung aus in der Gruppe. Auch die Toiletten mit Sitz waren gerne genutzt.
Wir spazierten zwei Stunden mit den Guides durch die stattlichen Mauern und lernten, dass die falsche Aussprache verheerend sein kann. „Matschu Pitschu” heisst grosser Penis, der Ort hier wird „Matschu Pictschu” genannt. Täglich kommen 3500 Touristen hierher, 2500 am Morgen und 1000 am Nachmittag. Da die Stadt sich senkte, mussten die Menschenströme limitiert werden. 70% der Ruinen sind Original, 28% wurden restauriert, 2% wurden zerstört, als der angebliche Entdecker Hiram Bingham, Historiker, nicht Archäologe, illegal die Ruinen freilegen wollte. Unesco verbietet den Wiederaufbau dieses Teils, sonst gelte es als gebaut, weil unklar ist, wie genau es vorher ausgesehen hat. Heute sind die wichtigsten Steine nummeriert, dass die Stätte im Falle eines Erdbebens wieder aufgebaut werden kann.
Gemäss einem Scan von National Geographic liegen 40 % der Stätte unter der Oberfläche, als Basis für die Terassen, als Wasserabflusssystem oder als Höhlen und Gänge.
Auf diesen über 100 Terassen lebten damals ca. 2000-2500 Menschen. Ob es sich bei einigen der Häuser um Tempel (für Sonne, Erde, Wasser) handelte oder eher um Studienhäuser für Agrikultur, ist unklar. Rund um Cusco gibt es über 1000 ähnliche Plätze, einige grösser als Machu Picchu, aber keiner so bekannt.
Schon während der Führung war ich sehr müde und hungrig. Wir sahen uns noch ein zwei andere Dinge an, dann traten Franziska und ich den Weg ins Tal an. Der Bus fuhr die typischen Serpentinen nach unten. Wir unterhielten uns mit Guido, einem anderen Guide, er brachte uns ins Restaurant, wo wir unsere Guides trafen. Nach einer kurzen Tour durch die sehr touristische Ortschaft, die gefühlt aus Restaurants und Souvenirläden bestand, kehrten wir für Drinks und Essen zum Treffpunkt zurück. Nach und nach kam der Rest des Teams, bis sich die Guides verabschieden mussten. Unser Zug fuhr erst zwei Stunden später. Zu Zweit hatten wir ein Upgrade gebucht, dafür war nichts mit schlafen. Nach Getränk und Focaccia trat ein farbig verkleideter Teufel auf, während die Lautsprecherstimme etwas Geschichtliches erzählte. Ich weiss nicht mehr was, denn ich musste mit dem Teufel im Mittelgang tanzen (ja, meine Waden schmerzten dann auch). Anschliessend folgte eine Modeschau für Alpacaprodukte, bis wir unseren Zielort erreichten. Dort trafen wir unsere Freunde wieder und im Bus ging es nach Cusco.
Nach einem letzten Gruppenfoto und vielen Umarmungen kamen wir zurück in unser Hotel. Wir hatten das Zimmer neben der Rezeption, also keine weiteren Treppen vor uns. Eine herrliche Dusche später lagen wir in richtigen Betten. Es braucht nicht viel……
Ach ja, uns wurde gesagt, dass der InkaTrek zu den 5 härtesten Treks der Welt gehört…. keine Ahnung, ob das stimmt, aber wir sind stolz auf uns (und meine Waden erinnern mich ununterbrochen daran:-p)