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Die meisten Begriffe einer natürlichen Sprache haben unscharfe Grenzen. Bspw. können wir zwischen jungen und alten Menschen unterscheiden, wir können aber nicht angeben, mit wie vielen Jahren, Tagen und Stunden ein junger Mensch zu einem alten wird. Die Grenze, möchte man sagen, ist eben unscharf: eine Sekunde macht nicht den Unterschied aus zwischen jung und alt. Doch mit dieser Charakterisierung von unscharfen Grenzen hat man sich scheinbar unversehens zu einem Paradox verpflichtet.

Inhalt und Ziel des Forschungsprojekts
Unproblematisch an dieser Konzeption von unscharfen Grenzen ist, dass, wenn ein 20-jähriger jung ist, es auch ein um eine Sekunde Älterer sein muss. Doch da eine Sekunde nie den Unterschied ausmachen kann, wird man nach 1’576’800’000 solcher Schritte einen 70-jährigen jung nennen müssen, was paradox wäre.
Wie also lassen sich unscharfe Grenzen denken, ohne dass man unzählige Paradoxien (die für jeden unscharfen Begriff erneut auftreten) heraufbeschwört? Das Hauptziel dieses Projektes ist es, eine Konzeption von unscharfen Grenzen zu formulieren, die das Paradox vermeidet, die weder die Realität und Anwendbarkeit dieser Begriffe in Abrede stellt (Nihilismus), noch den gordischen Knoten mit dem Schwert zerschlägt, indem sie behauptet, dass die fraglichen Begriffe eben doch scharfe Grenzen hätten, nur wüssten wir nicht, wo diese anzusetzen seien (Epistemizismus).
Die Beantwortung dieser Frage ist eng verknüpft mit i) zentralen Fragen der Sprachphilosophie sowie ii) der Methodologie der Philosophie. In dieser Hinsicht übernimmt iii) die Philosophie Wittgensteins eine zentrale Rolle für das Projekt, der als wichtiger Akteur des linguistic turn entscheidend zum Verständnis der menschlichen Sprache, und der Methodologie der Philosophie beigetragen hat. Seine Reflexionen zur Rolle und Natur semantischer Regeln werden benutzt, um die Paradoxie zu bannen.
Wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontext des Forschungsprojekts
Unscharfe Grenzen spielen nicht nur im Alltag eine zentrale Rolle, sondern auch in vielen Wissenschaften. Ausserdem sind sie zentral für den juristitischen und den ethischen Diskurs: Ab wann zählt ein Fötus als Mensch und darf nicht abgetrieben werden? Was ist normales Flirtverhalten, was sexuelle Belästigung? Dieses Projekt wird die ethischen Fragen nicht zu beantworten suchen, versteht sich aber als Grundlagenarbeit dazu, indem es den Blick dafür schärft, welche Fragen sinnvoll gestellt werden können.