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Einen Berg, der den Namen »Gotthard« trägt ist auf keiner Karte zu finden – es gibt ihn nicht. Und trotzdem weiss »Jede und Jeder« wo er ist und was damit bezeichnet wird. Viele Gedanken werden geweckt, wenn das Wort »Gotthard« fällt. »Gotthard«, Berg der Mitte, Barrikade zwischen Nord und Süd, Brücke zwischen den Kantonen Graubünden, Tessin, Wallis und Uri, Festung, Zuflucht, Réduit – der Innbegriff des Schweizerischen Widerstandes im Zweiten Weltkrieg, Handel, Not, Reichtum, Wasser- und Wetterscheide, Tragik und Triumph der Technik.
Heute vor 130 Jahren begannen die Feierlichkeiten zur Einweihung des damals längsten Eisenbahntunnels der Welt – dem »Gotthard-Scheiteltunnel« der Gotthardbahn. An der viertägigen Feier nahmen über 600 Gäste aus ganz Europa teil. Nicht teilgenommen hat die seiner Zeit wohl mächtigste und einflussreichste Persönlichkeit der Schweiz – Johann Heinrich Alfred Escher vom Glas. Alfred Escher war Politiker, Wirtschaftsführer und ein Eisenbahnpionier – gründete das »Eidgenössische Polytechnikum«, die »Schweizerische Kreditanstalt«, die »Schweizerische Lebensversicherungs- und Rentenanstalt«, die »Schweizerische Nordostbahn« und die »Gotthardbahn«. Seine Nichtteilnahme war wahrscheinlich damit begründet, dass er nicht nur Freunde, sondern auch Gegener hatte und ihm die aufgetretenen finanziellen Schwierigkeiten bei der »Schweizerischen Nordostbahn« wie auch beim Gotthardprojekt angelastet wurden.
Der reich geschmückte Festzug erreicht am 22. Mai 1882 nach der Tunneldurchfahrt und dem »Abstieg« aus Richtung Airolo den ebenfalls geschmückten Bahnhof Bellinzona.
Nicht teilnehmen konnte auch der Unternehmer, Louis Favre. Seine Firma erhielt den Zuschlag für die Untertunnelung des Gotthardmassivs und siegte damit über sechs Mitbewerber. Sein Angebot war das günstigste und Favre versprach eine kürzere als die geplante Bauzeit. Doch das Versprechen konnte er nicht einhalten. Noch vor seinem Tod am 19. Juli 1879 zeichnete sich ab, dass mit massiven Kostenüberschreitungen und längeren Bauzeiten zu rechnen waren. Trotz, gemäss Geschichtsschreibung, eigentlich unhaltbaren Arbeitsbedingungen und mangelhafter Unterkünfte wurde Louis Favre von seinen Arbeitern am Tag des Durchschlages, der am 29. Februar 1980 erfolgte, ehrenvoll gewürdigt. Die Planung und Durchführung der Arbeiten gelten für damalige Verhältnisse als technisches Meisterwerk und sind grösstenteils auf den Ingenieur Louis Favre zurückzuführen.
Louis Favre (* 28. Januar 1826; † 19. Juli 1879) schuf den Aufstieg vom Handwerker zum Unternehmer, Ingenieur und Tunnelbauer. Mit viel Risiko – mit finanziellen und zeitlichen Versprechungen – hat er die Ausschreibung für den Erbau des »Gotthard- Scheiteltunnels« gewonnen. Er musste nicht nur Streitigkeiten mit der Gotthardbahngesellschaft bewältigen, Auseinandersetzungen mit den Arbeitern austragen, er zahlte auch mit seinem Leben und seine Familie verarmte nach erheblichen Nachzahlungen, die seine Firma infolge Kosten- und Bauzeitüberschreitungen zu begleichen hatte.
Auch 199 Arbeiter konnten die Einweihung des »Gotthard-Tunnels« nicht miterleben – sie fanden während den Bauarbeiten auf unterschiedlichste Weise den Tod. Zu Ehren und im Gedenken an die verünglückten Arbeiter schuf der Tessiner Künstler Vincenzo Vela zum Anlass der 50-Jahr Feier der Tunnel-Fertigstellung ein Denkmal mit der Inschrift: «Vittime del lavoro». Das Denkmal, welches der Künstler auf eigenen Antrieb und unentgeltlich geschaffen hat, steht in der Nähe des Bahnhofs in Airolo.
Im Buch »Unser Gotthard« von Karl Lüönd und Karl Iten wird nicht allein der Bau des »Gotthard-Scheiteltunnels« geschildert, sondern es wird die Geschichte »Gotthard« erzählt, der Bau der Autobahn behandelt und aus der Sicht von 1980 in die Zukunft geschaut.
Das Buch wird mit einem Vorwort von Dr. Hans Hürlimann – Bundesrat und Vorsteher des »Eidgenössischen Departement des Innern« vom 5. Dezember 1973 bis 31. Dezember 1982 – eingeleitet. Als Anhang werden unter dem Kapitel »Die schönsten Wanderungen und Ausflüge im Gotthardgebiet« Hinweise auf Sehenswürdigkeiten und Informationen zu den Ortschaften gegeben sowie auf Feste und Gebräuche aufmerksam gemacht.
Bild-Quellen:
Bild A: Wikipedia
Bild B: Fotografie aus dem Buch »Unser Gotthard«
Bild C: Wikipedia
Bild D: Wikipedia
Bild E: Umschlag des Buches »Unser Gotthard«