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König Harald V. und Königin Sonja von Norwegen besuchen am 5. und 6. April die Schweiz. Es gibt viele Parallelen zwischen den beiden Staaten.
Beide Länder sind nicht in der EU und beide engagieren sich aussenpolitisch stark in den Bereichen Menschenrechte und Friedenssicherung.
Eine ähnliche Bevölkerungsgrösse (4,5 Mio. in Norwegen, 7,3 Mio. in der Schweiz), ein ähnlich grosses Bruttoinlandprodukt pro Kopf (67'352 Fr. 2004 in Norwegen, 61'057 Fr. in der Schweiz), eine fast gleich geringe Arbeitslosenquote von rund 4%.
Und: Sowohl die Schweiz wie auch Norwegen sind nicht Mitglied der Europäischen Union (EU), hingegen gehören beide der Europäischen Freihandels-Assoziation (EFTA) an.
Eine andere europäische Integration
"In der Schweiz weckt die EU Ängste in Sachen Finanzen und Landwirtschaft, in Norwegen in Sachen Fischfang und Landwirtschaft", sagt Stephan Kux, Leiter Standortförderung des Kantons Zürich, gegenüber swissinfo. Kux ist auch Autor einer Studie über die europäische Integration der beiden Länder.
In einem grundsätzlichen Punkt unterscheidet sich aber die Europa-Politik Oslos von jener in Bern: Norwegen gehört seit 1994 dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) an.
Das von der EFTA und der EU signierte Abkommen, das vom Schweizer Stimmvolk 1992 abgelehnt wurde, garantiert den freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Personen.
"Norwegen ist einen wesentlich dynamischeren Weg zur Teil-Integration gegangen, während die Schweiz einen eher statischen Kurs zur sektoriellen Teilnahme befolgt hat", betont Kux.
Ein Weg, der Norwegen ein viel grösseres Wirtschaftswachstum als der Schweiz brachte. "Der hohe Erdölpreis erklärt nur zu einem geringen Anteil das norwegische Wirtschaftswachstum. Die Liberalisierung der Dienstleistungen beispielsweise hatte eine sehr positive Wirkung auf den Finanz- und Versicherungssektor", so Kux.
Gemeinsame Ziele auf internationaler Ebene
Während die beiden Länder in der Europa-Politik verschiedene Wege gehen, "so verfolgen sie auf internationaler Ebene dieselben Ziele, insbesondere in allen Aspekten der menschlichen Sicherheit", sagt Lars Knuchel, Sprecher im Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA), gegenüber swissinfo.
"Es gibt eine enge Zusammenarbeit zwischen Bern und Oslo und einen permanenten Austausch von Erfahrungen." Die Identität der Ansichten führe zu einer Anzahl konkreter Realisierungen: "Zur Schaffung des neuen Menschenrechts-Rates zum Beispiel hat die Schweiz den Anfangsimpuls gegeben. Dann hat Norwegen dazu beigetragen, den Prozess in Gang zu bringen", so der EDA-Sprecher.
In Sri Lanka engagieren sich die Schweiz und Norwegen gemeinsam für die Weiterentwicklung des Friedensprozesses. Dasselbe geschieht in Kolumbien, in Indonesien und auch im Nahen Osten.
Schwache Wirtschaftsbeziehungen
Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern dagegen sind relativ begrenzt: 2005 machten die Schweizer Exporte gerade mal knapp über 1% der norwegischen Gesamtimporte aus. Umgekehrt entsprachen Norwegens Exporte in die Schweiz rund 0,5% der Schweizer Gesamtimporte.
Diese Zahlen wiederspiegeln laut Tony Moré vom Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) nicht ganz die reale Situation. "Wir sehen, dass der Handel mit allen skandinavischen Staaten zuerst via andere Länder läuft, zum Beispiel von Deutschland aus. Mit anderen Worten: Die Handelsbeziehungen zwischen der Schweiz und Norwegen werden teilweise unterschätzt."
Alles in allem überwiegen die Gemeinsamkeiten zwischen der Schweiz und Norwegen: Beide Länder sind nicht in der EU, beide gehören (zusammen mit Island und Liechtenstein) der EFTA an und beide engagieren sich stark für die Frage der Menschenrechte und friedliche Lösungen von Konflikten.
swissinfo, Daniele Mariani
(Übertragung aus dem Italienischen: Jean-Michel Berthoud)
In Kürze
König Harald V. und Königin Sonja von Norwegen besuchen am 5. und 6. April die Schweiz.
Am ersten Besuchstag sind zwei Konferenzen vorgesehen, eine über die Aktivitäten beider Staaten in der Friedenspolitik, die andere zur Sicherheit auf den Strassen.
Am 6. April finden in St. Gallen und Zürich Seminare mit Experten aus beiden Ländern statt. Diskutiert werden Themen wie Nachhaltigkeit und Wirtschaft sowie Gleichberechtigung.
Zudem wird Königin Sonja in Zürich eine Ausstellung zum 100. Todestag des norwegischen Schriftstellersüber Henrik Ibsen eröffnen.
Fakten
2005: Die Schweiz exportiert Güter (vor allem Maschinen und Pharmaprodukte) für 596 Mio. Fr. nach Norwegen, 14,3% mehr als im Vorjahr.
Die Schweiz importiert Güter für 299 Mio. Fr. (+6,4%) aus Norwegen, vor allem Metallurgie-Produkte, Erdöl und Landwirtschafts-Produkte.
Die Schweizer Investitionen in Norwegen belaufen sich auf rund 2 Mrd. Fr., die Schweiz ist der achtgrösste Investor in Norwegen.