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An der Küste Kaliforniens lebten einst tausende von Seeottern, bevor sie nahezu ausgerottet wurden. In den letzten Jahrzehnten konnten sich die kleinen Raubtiere jedoch wieder in ihren ehemaligen Lebensräumen ausbreiten. Amerikanische Forschende zeigen nun in einer Studie, welche positive Nebeneffekte diese Rückkehr mit sich bringt.
Die Geschichte ihrer Beinah-Ausrottung
Die indigenen Völker, die an der Pazifikküste lebten, schätzten seit langem das Fell der Seeotter. Diese kleinen Räuber besitzen nämlich das dichteste Fell der Tierwelt. Die Jagd der Indigenen auf die Otter war nachhaltig – im Gegensatz zu jener der späteren Neuankömmlinge: Mit der Entdecken und Erkunden der Aleuten durch russische Seeleute anfangs des 16. Jahrhunderts begann das «Ökodrama». Die Seeotterbestände wurden ausgebeutet, um an das begehrte Fell zu gelangen. Erst ab dem Jahr 1911 wurde der internationale Handel mit Seeotter- sowie Robbenfellen durch ein Abkommen beschränkt. Bis dahin war die Zahl der Seeotterpopulationen jedoch bereits massiv geschrumpft – es blieben nur noch spärliche Grüppchen übrig.
Die Rückkehr der kleinen Räuber
Heute haben die Seeotter ihren einstigen Lebensraum in Kalifornien wieder zurückerobert. Sie leben in den Mündungsbereichen von Flüssen, die von wasserarmen Landschaften und Salzwiesen geprägt sind. Auf Grund der Abtragung der Salzwiesen durch den steigenden Meeresspiegel sowie durch den verstärkten Flusswasserabfluss gilt dieses Ökosystem als bedroht.
Wo sich allerdings die Otter in den 1980er Jahren wieder angesiedelten, waren die Landflächen vergleichsweise wenig von Erosion betroffen. Diesem Effekt ging das Forschungsteam in einer systematischen Langzeituntersuchung nach: Dabei wurden das Vorkommen der Seeotter sowie die Erosionsprozesse an den Uferbereichen und deren mögliche Einflussgrössen so präzise wie möglich erfasst. Dafür sperrten sie einige Stellen gezielt von den Tieren ab.
Wie die Otter das Ökosystem beeinflussen
Aus den Untersuchungen ging hervor, dass die von den Tieren belebten Gebiete tatsächlich um 80 bis 90 Prozent weniger erodierten als die abgesperrten Bereiche. Dieser Effekt sei auf die Jagd und die Nahrung der Seeotter im Marschland zurückzuführen. Die kleinen Raubtiere fressen grosse Mengen an Krabben, welche die Erosion fördern: Sie wühlen in den Uferbereichen und fressen dort die Wurzeln der Salzwiesen-Pflanzen. Die Pflanzen bzw. ihre Wurzeln wiederum sorgen für Stabilisation der Landschaft. Die Seeotter regulieren also die Krabbenpopulationen, wodurch sich die Vegetation erholen kann: Die Ufer werden vor Abtragung geschützt. Die Rückkehr der Seeotter kann den vorhergehenden Verlust jedoch nicht rückgängig machen.
Der Wiederaufbau dieser Uferbereiche und Maßnahmen zur Stabilisierung der Sümpfe würde den Menschen viel Geld kosten. Die Seeotter stabilisieren sie hingegen kostenlos im Austausch für einen Krabben-Schmaus.
– Brian Silliman, Seniorautor der Studie
Als grundsätzliche Botschaft ihrer Studie sehen die Wissenschaftler, welche weitreichenden Positivwirkungen die Rückkehr von einst verschwundenen Raubtieren auf Ökosysteme haben kann. Womit sich auch die Frage stellt, welchen anderen Ökosystemen ähnliche Vorteile erwachsen könnten, würde ein ehemaliger Teilhaber der Lebensgemeinschaft wieder zurückkehren.
Wissenschaft.de: Seeotter: Comeback schützt vor Erosion
National Geographic: Nach gnadenloser Pelzjagd: Seeotter kehren an die US-Westküste zurück