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Ankaramalaza
Notizen von Sylvia und Daniel anlässlich ihres Besuchs in Ankaramalaza 2008.
Fotos: Stauffer/Ruprecht 2006-2008, Gestaltung: Kern 2011/15
Während unseres Besuchs in Ankaramalaza von Samstag 7. Juni bis Mittwoch 11. Juni 2008 haben wir oft mit Frau Meltine über die Arbeit des Akany gesprochen.
Wir besuchten mit ihr und anderen Mitgliedern des Akany den Projektleiter Jérôme (der wegen seiner Krankheit leider schon sehr geschwächt war), haben konkrete Fragen gestellt und sind über die aktuellen Pläne und Wünsche des Akany informiert worden.
Die folgenden Notizen sollen wiedergeben, was uns erzählt worden ist und was wir in Ankaramalaza erlebt haben.
Das Dorf Ankaramalaza
Im Jahr 1941 gründete Madame Volahavana Germaine, auch Nenilava (maman grande) genannt, den Ort Ankaramalaza, als Ort für die Heilung von psychisch kranken Menschen.
Seither haben sich in Ankaramalaza viele Kranke niedergelassen. Sie werden von so genannten "Bergers" und "Bergères" (Hirten) betreut. Dies sind Frauen und Männer, die sich im Rahmen der lutherischen Bewegung "le réveil" um Unterhalt und Ernährung der Kranken kümmern. Zurzeit leben ca. 120 bis 140 Kranke in Ankaramalaza.
Mit den Kranken im Dorf lebt die übrige Bevölkerung von Ankaramalaza, Familien mit Kindern, deren Zahl aktuell auf ca. 2000 Personen geschätzt wird. Ca. 450 Personen davon sind Bergers.
Seit dem Tod von Maman Nenilava 1998 werden die Geschicke des "Toby" (Dorf), bzw. "Tobilehibe" (grosses Toby), vom Pfarrer des Dorfes, dem Präsidenten des "Comité" und dem Comité von 30 gewählten Mitgliedern gelenkt.
Frau Meltine über Ankaramalaza: "Ankaramalaza ist wie ein grosses Hospiz für psychisch Kranke. Es gibt viele Heilungserfolge und immer wieder verlassen Menschen geheilt den Ort."
Jeden Tag findet um vier Uhr morgens und um drei Uhr nachmittags der "Culte" zur Heilung der Kranken statt. Der Culte wird von den Bergers geleitet und besteht aus verschiedenen Ritualen und Gesängen, bei denen Zitate aus der Bibel vorgetragen und laut rufend Dämonen verjagt werden. Am Sonntag findet in der Kirche jeweils eine grosse Messe statt.
Neben den Projekten des Akany gibt es in Ankaramalaza seit einiger Zeit auch noch das Projekt Fanantenana (Hoffnung) für Kinder im Schulalter, die aus ganz armen Familien kommen. Diese Kinder, aktuell ca. 80, erhalten ein Mittagessen, ausserdem wird ihnen das Schulgeld bezahlt.
Das Akany
Die Organisation "Akany Ankaramalaza" wurde als nicht-gewinnorientierte Organisation nach madagassischem Recht im Jahr 1989 gegründet.
Aktuell (Juni 2008) arbeiten 12 Personen für das Akany:
- M. RAINIANJANARY Jérôme, chef de projet, direction
- M. Jean-Céléstin, adjoint du chef de projet
- Mme. Meltine, assistante de direction
- Mme. Marcelline, caissière
- M. Simon, secrétaire administrative
- M. TOVANAMILA Justin, responsable pour les malades
- Mme. Jeannette, cuisinière
- Mlle. Nestine, couturière, maîtresse de coupe et couture
- die Bauern: M. RASAFIMANDROSO, M. BANAYE, M. MANJAKATIA, M. Justin Evariste.
Aktivitäten und Ernährung
Die Aktivitäten des Akanay finden immer am Mittwoch und am Freitag statt. An diesen Tagen übernimmt das Akany die Verantwortung für diejenigen Kranken des Dorfes, die an den Aktivitäten teilnehmen. In der Tat nimmt eine klare Mehrzahl der Kranken an diesen Aktivitäten teil.
Die Aktivitäten:
- Arbeit auf den Feldern (Hauptaktivität)
- Nähkurs (mit Mlle. Nestine)
- Alphabetisierungskurs (Monsieur Simon)
Während den Aktivitäten werden die Kranken meist von ihren Bergers begleitet und erhalten ein Essen vom Akany.
Seit einiger Zeit wird Reis angebaut und zwei mal pro Jahr geerntet. Damit ist es möglich, nicht nur am Freitag Reis zu essen wie früher, sondern auch am Mittwoch. Vorher gab es am Mittwoch nur (!) Mais oder Maniok. Am Freitag nehmen jeweils noch mehr Kranke an den Aktivitäten teil, da es zusätzlich zum Reis noch Fleisch gibt.
Das Akany hat vor kurzem einen Speicher "en dur" erstellen können (Wände und Boden aus Zement mit Füllstoffen). Die gelagerte Ernte - vor allem Reis und Mais - ist daher geschützt vor Ratten und Mäusen.
Jede Woche wird den Kranken auch ein Stück Seife abgegeben, damit sie ihre Wäsche waschen können. Am Ende des Jahres gibt das Akany Kleider an die Kranken ab, ermöglicht durch Einnahmen aus der Reisernte, die zum Teil verkauft werden kann.
Die Landwirtschaft
Die Bauern des Akany halten Kühe und pflegen die Fischteiche, die in den Reisäckern liegen.
Die vier Häuser der Bauern befinden sich auf einem Hügel, 10 Minuten vom Zentrum von Ankaramalaza entfernt. Der Hügel wird Ampandroatsiriry genannt, oder auch Mahasoa ("qui donne de la prospérité", der Name den Maman Nenilava dem Ort gab). Ausser den vier Wohnhäusern der Bauern gibt es da einen grossen "Speisesaal", den neuen Speicher, sowie mehrere Hühner- und Entenhäuser und einen offenen Schweinestall. Dieser ganze Weiler ist mittlerweile fast versteckt zwischen vielen Obstbäumen, und die Mitglieder des Akany sind stolz auf diesen Ort, auf dem vorher - wie auf den meisten umliegenden Hügeln - nur Gras und Gebüsch wuchs.
Rund um die Häuser werden Maniok und Ananas gepflanzt, ausserdem gibt es Mandarinen-, Litschi-, Mango-, Bananenbäume sowie Kokospalmen. Der Gemüseanbau wurde eingestellt: Man müsste die Pflanzungen vor den Hühnern schützen, die hier überall herumlaufen.
Auf dem Hügel nebenan werden Kurkuma und roter Pfeffer angebaut. Auf einem dritten Hügel befindet sich die Weide der Zebu-Rinder des Akany.
Im Tal zwischen diesen Hügeln befinden sich mehrere Teiche für die Fischzucht. Sie wurden in unbenutzten Reisfeldern, die ganz unter Wasser gesetzt wurden, angelegt. Einer der Teiche ist jeweils für die weiblichen Fische bestimmt, die gerade ihre Eier legen. Ernährt werden die Fische mit gemahlenem Maniok und mit Reiskleie. Unterhalb der Fischteiche beginnen die Reisfelder des Akany.
Der Stall für die drei Milchkühe - welche in Antsirabe beschafft wurden - befindet sich am Eingang des Dorfes, in der Nähe des Flusses. Abwechslungsweise kümmern sich die Bauern um die Kühe, deren Milch für die Kranken besimmt ist.
Das Akany arbeitet schon seit Beginn mit vier Bauern. Vor längerer Zeit schon konnte das Akany Landwirtschaftsland kaufen und den Landbesitz anschliessend nach und nach ausbauen.
Zehn der zwölf Angestellten des Akany sind auch Bergers: Am Mittwoch- und Freitagnachmittag führen sie das Culte-Ritual mit den Kranken in Ampandroatsiriry durch. Wenn sie nicht mit den Aktivitäten des Akany beschäftigt sind, arbeiten sie mit den Bauern.
Das Akany hatte bereits die Idee, einen dritten Ergotherapie-Tag zu organisieren. Frau Meltine ist sicher, dass die Kranken gern drei Tage pro Woche daran teilnehmen würden. Auch die Bergers wären froh um diese zusätzliche Unterstützung. Im Moment lasse sich ein dritter Tag allerdings nicht realisieren, vor allem weil die Mittel für das Essen für den zusätzlichen Tag nicht vorhanden seien, aber auch weil der Lohn für die Angestellten nur für zwei Tage Arbeit mit den Kranken reiche.
Die Aktivitäten im Detail
Der Alphabetisierungskurs findet jeden Mittwoch- und Freitagnachmittag im "grossen Saal" des Akany statt, in einem einfachen Haus ziemlich im Zentrum von Ankaramalaza. Während unseres Besuchs hat Monsieur Simon ungefähr 15 Personen unterrichtet, alles eher ältere Leute. Laut Madame Meltine sollten viele von ihnen eine Brille haben, um ein Buch (konkret: die Bibel) lesen zu können.
Der Nähkurs findet am selben Ort statt, immer am Dienstag- und Donnerstagnachmittag. Mademoiselle Nestine ist Schneiderin, an ihrem Kurs haben bei unserem Besuch ungefähr zehn junge Frauen teilgenommen, einige haben ihre kleinen Kinder mitgebracht. Die Frauen lernen Kleider zu nähen, wobei die Fortgeschrittenen auch recht komplizierte Dinge nähen, z.B. eine Jacke mit Kragen und Ärmeln. Das Akany besitzt einige Nähmaschinen mit Handrad. Die Stoffe werden in Manakara eingekauft.
Jeden Mittwoch und Freitag arbeiten die Kranken als Ergotherapie in der Landwirtschaft des Akany. Bei unserem Besuch war gerade die Reisernte im Gang. Ungefähr 25 Frauen haben gemeinsam den Reis auf den Feldern geschnitten, in einem erstaunlichen Tempo: ein Feld von ca. 20 m2 war in weniger als 10 Minuten abgeerntet. Die Männer sammelten die Reisähren ein und füllten sie in Säcke, die sie dann nach Ampandroatsiriry trugen. Dort war eine weitere Gruppe bereits daran, den Reis zu dreschen. Weil man Regen befürchtete, wurde im Speisesaal gearbeitet. Draussen wurde gleichzeitig von einigen Frauen Reis zum Trocknen ausgebreitet. Eine weitere Gruppe bereitete schon das Mittagessen zu, zusammen mit Madame Jeanette.
Vor dem Mittagessen musste das ganze Reisstroh ausgeräumt werden. Die Reiskörner wurden in Säcke gefüllt, Tische und Bänke wieder in den Speisesaal zurück gestellt. Vor dem Essen rief Monsieur Simon alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Programms mit Namen auf und notierte die Anwesenden. Alle erhielten ein Stück Seife. Am Tag unseres Besuchs waren 93 Frauen und Männer da, alles in allem haben ca. 120 Personen an diesem Tag in Ampandroatsiriry gegessen.
Weitere Projekte
Neubau der vier Bauernhäuser
Die inzwischen stark gealterten Bauernhäuser sind gemäss Tradition aus Pflanzenmaterial gebaut und das Akany würde sie gerne neu bauen, wenn möglich "en dur".
Kosten um ein Haus (7,5 x 3,5 m) neu aufzubauen:
- en matériaux locaux: 1,6 millions Ar.
- complètement en dur: 10 millions Ar. (4'000 Euro)
- en semi dur, avec un mur en dur à 1 m d'hauteur: 3 millions Ar. (1'200 Euro)
Zusätzlicher Ergotherapie-Tag
Kosten für einen zusätzlichen Ergotherapie-Tag, mit Essen für die Kranken: 80'000 Ar (32 Euro) pro Woche, also ca. 50 sFr. bzw. 200 sFr. pro Monat.
Kosten für einen neuen Stier
1 Million Ar. (400 Euro)
Löhne anpassen
Diese sind sehr tief, zu tief in Bezug auf die aktuellen Lebenshaltungskosten. Allerdings weiss man, dass der Verein die monatlich ausbezahlte Summe nicht erhöhen kann.
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