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09.09.2002 - Unwetter mit Überschwemmungen auf dem Bodanrück
So etwa um 19:50 Uhr sah ich ein letztes Mal auf das Radarbild, dann aus dem Fenster, was bestätigte, dass sich bei Radolfzell ein kleine, aber kräftige Zelle befand. Die Zelle war in kurzer Zeit stark gewachsen und schien in Zusammenhang mit einer Konvergenzlinie zu stehen, was mich zuversichtlich machte, dass sich ein Chasing lohnen würde. Ich fuhr mit meinem Bruder nach Konstanz und von dort auf die Schnellstrasse Richtung Singen. Schon zu diesem Zeitpunkt sah man über dem See seltsame Wolkenformation, sprich unterhalb der Wolkenbasis hingen weit hinunter zerfetzte Wolken. Zuerst dachte ich an Virgen, aber wenn es sich um Fallstreifen gehandelt hätte wären die weiter herunter gekommen und hätten nicht so abrupt auf einer bestimmten Höhe aufgehört. Unterwegs zwischen Konstanz und Allensbach, etwa auf der Höhe von Hegne war ich dann ziemlich sicher, dass es sich um eine Wallcloud handelte mit vielleicht einem Kilometer Durchmesser, vielleicht sogar mehr. Die Wolkenunterseite war sehr dunkel, strukturiert und wies deutliche Rotation auf. Unterhalb von ihr waren schnell aufsteigende Wolkenfetzen zu sehen. Die Wallcloud lag schätzungsweise über dem Homberg. Zeit der Beobachtung war zwischen 20:10 Uhr und 20:20 Uhr. Leider kenne ich das Strassennetz in dieser Gegend nicht so gut, sonst wäre ich bei Allensbach rechts abgebogen, denn nun fuhren wir wieder von der Wallcloud weg. Mein Bruder konnte sie noch eine zeitlang beobachten und meinte sogar dass sich die Wolkenfetzen im Zentrum rascher bewegten als aussen und die Wolkenfetzen noch schneller aufstiegen. Dann verloren wir sie aus dem Blickfeld.
Wir fuhren auf der Schnellstrasse bis zur Ausfahrt Radolfzell und von dort über Güttingen in Richtung Dettingen. Schon in Güttingen war zu sehen, dass das Gewitter sehr kräftig sein musste. Auf den Strasse lagen Steine, viele Blätter lagen am Boden und im Hintergrund ein Blitzfeuerwerk mit 20-30 Blitzen/Minute. In Liggeringen musste dann bereits die Feuerwehr ausrücken. Wir fuhren weiter Richtung Dettingen. Zwischendurch immer wieder kräftiger Platzregen und auf der über dem Überlinger See immernoch sehr hohe Blitzaktivität. Bei Dettingen gings dann erst richtig los! Extremer Regen, überall Erde, Steine, Blätter und Äpfel auf der Fahrbahn. Wahrscheinlich hatte es kurz zuvor gehagelt. Viele Autos hielten irgendwo an. Ich entschied mich nach Wallhausen, was direkt am Überlinger See liegt, zu fahren, um das abziehende Gewitter zu beobachten. Es blitzte nun auch wieder in kürzeren Abständen. Zwischendurch wurde es fast taghell, trotzdem hörten wir kein Donnergrollen. In Wallhausen regnete es in Strömen. Das Wasser drückte aus der Kanalisation und es kamen braune Bäche die Strasse herunter. Vereinzelte fielen kleine Hagelkörner von Himmel. Das Wasser stand stellenweise ca. 20 cm hoch. Nun fuhren wir dem Überlinger See entlang bis nach Litzelstätten, wo das Unwetter seinen Höhepunkt erreichte. Es hagelte sehr stark, die Körner waren zwar "nur" noch etwa 1 bis 1,5 cm gross. Es sprudelte aus dem Kanalisationen und blitzte fast in Sekundentakt. Es handelte sich um eine rückseitige Neubildung, wie sich bei einem nachträglichen Blick auf das Dopplerradar herausstellte.. Das Hauptgewitter tobte bereits über der Region Überlingen. Die Strasse war teilweise unpassierbar, denn das Wasser stand bis zu einem halben Meter hoch! Glücklicherweise stand an der kritischen Stelle jemand, der darauf aufmerksam machte. Mit einem gewöhnlichen Fahrzeug käme man da nicht mehr raus.
Nun machten wir uns wieder auf die Rückfahrt. Die Blitze waren wirklich beeindruckend. Man sah riesige Wolkenblitze, abwechslungweise mit Erdblitzen. Ausserdem durften wir den seltenen Perlschnurblitz bewundern. Es war ein kurzes, sehr kräftiges Aufleuchten und danach sah man für ein, zwei Sekunden mehrere Kugeln entlang der Blitzbahn aufgereit. Bereits in Wollmatingen hörte der Regen vollständig auf und die Strassen waren trocken, obwohl nur 3 km von Litzelstätten entfernt. Auf dem Heimweg sah man es noch recht häufig blitzen, doch dann nahm die Aktivität stark ab.
Die Bilder sind leider von sehr schlechter Qualität. Ich stelle sie trotzdem hinein, da sie doch einen Eindruck von der Heftigkeit des Gewitters hinterlassen. Die Fotos wurden alle zwischen 20:35 Uhr und 20:45 Uhr zwischen Wallhausen und Litzelstätten am Überlingersee aufgenommen.