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Autor: frank stettler
Bereits nach wenigen hundert Metern zeichnete sich ab, dass auch der 34. Kerzerslauf fest in den Händen der afrikanischen Läuferschar sein würde. Zehn Athleten vom Schwarzen Kontinent zogen auf und davon. Nicht dabei war Pius Kirop, der Sieger aus dem Jahr 2010, der zwar gemeldet war, schliesslich den Weg ins Seeland aber nicht gefunden hatte. Die Schweizer Hoffnung Stéphane Joly sah sich früh in die Schranken gewiesen (siehe Kasten). Weiter kristallisierte sich schnell einmal heraus, dass einer aus dem Trio Geoffrey Ndungu, Kadengoi Loitareng und Dickson Kurui – alle aus Kenia – den Sieg davontragen würde.
Loitareng wieder Zweiter
Am Ende setzte sich mit Geoffrey Ndungu ausgerechnet einer durch, der im Grunde auf längeren Strecken als den 15 Kilometern in Kerzers zuhause ist. Im Oktober hatte der 28-jährige Kenianer den Marathon von Dublin für sich entscheiden können. Dabei realisierte er in 2:08:32 Stunden auch gleich eine neue persönliche Bestzeit. Momentan bereitet sich Ndungu für den Marathon in Wien vom 15. April vor. Der Kerzerslauf war ein ideales Training, um an seiner Schnelligkeit zu feilen. Ndungu setzte sich in 43:47 Minuten durch. Dies ist die drittschnellste je in Kerzers gelaufene Zeit. Den Streckenrekord hält weiter Stanley Salil (Ken) mit 43:25 Minuten.
«Ich wusste, was mich in Kerzers erwarten würde, ich habe mich im Vorfeld über das Profil der Strecke informiert», so der Sieger. «Dass der härteste Part zwischen Kilometer acht und zehn kommen würde, hat mich deshalb nicht überrascht. Also hielt ich mich zu Beginn etwas zurück, um ab dem zehnten Kilometer schliesslich voll durchzuziehen.» Nach dem Start sei es eine Art Mannschaftsrennen unter den Kenianer gewesen, so der dreifache Marathon-Gewinner Ndungu weiter, dann aber habe jeder auf sich selber geschaut. Zum zweiten Mal innert Jahresfrist knapp am Sieg in Kerzers vorbeigeschrammt ist Kadengoi Loitareng. 2011 musste er sich in 44:23 Minuten um sechs Sekunden Joseph Kiptum geschlagen geben. Diesmal war es noch knapper. Loitareng verlor auf Ndungu gerade mal vier Sekunden.
Den dritten Rang sicherte sich – wie es sich früh abgezeichnet hatte – Dickson Kurui in 44:29 Minuten. Auch dies reichte für einen Platz in den Top 15 der Bestenliste. Beleg dafür, dass der 34. Kerzerslauf einer der schnelleren Sorte gewesen ist.
Kadengoi Loitareng (l.) musste sich wieder knapp geschlagen geben – diesmal von Geoffrey Ndungu (r.).Bild Aldo Ellena
Stéphane Joly:Ab sofort steht nur noch die Gesundheit im Mittelpunkt
Er sei nicht in Top-Form, hatte Stéphane Joly im Vorfeld des Kerzerslaufes gesagt. Und so war es denn auch. Der Murtenlauf-Sieger 2011 wurde in 48:37 Minuten zwar als Elfter bester Schweizer. Den wahren mehrfachen Schweizer Cross-Meister bekamen die Zuschauer an der Strecke indes nicht zu sehen. «Ich bin mit meiner Zeit nicht zufrieden. Ich habe gehofft, eine Zeit von unter 46 Minuten laufen zu können», so der Jurassier. Die Voraussetzungen dafür waren jedoch nicht gegeben. «Seit zwei Monaten schlage ich mit kleinen Verletzungen herum. Ich konnte nur rund 70 Prozent meines Trainingspensums absolvieren.» Statt in der Woche 180 bis 200 Kilometer zu laufen, waren es zuletzt nur 110 bis 120 Kilometer.
«Meine Form ist nicht katastrophal, aber eben auch nicht gut. Doch ich wollte den Organisatoren nicht im letzten Moment absagen, nachdem ich in den vergangenen Tagen im ganzen rechten Bein Schmerzen hatte. Ich möchte mich beim OK des Laufes entschuldigen, dass ich keine gute Leistung abliefern konnte.» Er hoffe, in einem anderen Jahr mit den Afrikanern rivalisieren zu können. «Das Niveau hier ist viel höher als am Murtenlauf, weil mehr Afrikaner am Start sind.» Doch nun will sich Stéphane Joly, der den Traum von London 2012 im Marathon noch nicht aufgegeben hat, sich vorerst voll und ganz seiner Gesundheit widmen. «Alles andere ist momentan sekundär. Ich hatte noch nie eine solche Verletzung. Es gilt nun abzuklären, woher die Schmerzen im Bein rühren.»fs
«Ich habe mich im Vorfeld über das Profil der Strecke informiert.»
Autor: Geoffrey Ndungu
Autor: Sieger Kerzerslauf