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Bild
Titel:
Almosen-Sammlungen der Kapuziner von Appenzell
Thema: Leute
Datum: --.--.1988
Masse: 17,8 x 15cm
Standort: Josef Küng, Appenzell Steinegg
Urheber/-in: Emil Fässler, Appenzell Steinegg
Beschreibung:
Szenische Darstellung des Steinegger Künstlers Emil Fässler. Dargestellt ist ein Kapuziner, der beim Butter-Bettel von einem jungen Sennen begleitet wird. Dieser trägt auf dem Rücken ein Reff (Traggestell), das mit Butterballen beladen ist. Die kleine Tafel ist reliefartig in Blei gehämmert und farbig ausgemalt.
Geschichte:
Das Almosen-Sammeln hatte bei den Kapuzinern als Bettelorden eine lange Tradition und stand im Sinne des hl. Franziskus im Zeichen "der Nachfolge Christi und der Solidarität mit den Armen". Nebst diesem radikalen Anspruch war die praktische Umsetzung ausschlaggebend. Bei den Almosen handelte es sich für die Kapuziner um eine Art Entlöhnung für ihre seelsorgerlichen Dienste in den verschiedenen Pfarreien. Man könnte auch von einem Naturallohn sprechen, wobei die Naturalalmosen bis Mitte des 20. Jahhunderts wesentlich zum Lebensunterhalt der Kapuziner beigetragen haben.
Es war ein vertrautes Bild, wenn ein oder zwei Kapuziner jedes Jahr, meistens im Frühling oder Herbst, durch die Gemeinden zogen, die katholischen Haushalte aufsuchten, Haus und Hof segneten, sich Zeit nahmen für ein Gespräch und den Kindern religiöse Bildchen, "gewöhnliche" und "schönere", verteilten. Erwachsenen gaben sie einen gesegneten Rosenkranz, Medaillen und andere religiöse Gegenstände (Devotionalien) und den Helfern kleinere Geschenke und später ein Trinkgeld, oft verbunden mit einem Mittagessen.
Gewöhnlich begleiteten ein Klosterbruder, der Mesmer, ein Gehilfe oder ein Vertreter des Gemeinderats den zuständigen Kapuziner, um die Butterballen oder die Feldprodukte zu tragen. Das Sammeln von Almosen verteilte sich auf drei Gebiete: auf Appenzell, das Rheintal und die Region zwischen St. Gallen und Arbon. Während in Appenzell vorwiegend Milchprodukte, vor allem Butter, gesammelt wurden, waren es in den übrigen Gebieten Gemüse, Obst, Honig, Salz, Most und Wein. Dabei gab es früher auch viel "sauren" Wein aus dem Rheintal, den man "gnugsamb für den Messwein brauchen kann, auch für Botten, Pilger, Bettler, Säumer und andere Arbeiter". Das Fleisch spendeten abwechslungsweise das Innere Land, die Rhoden, das Spital und die Kirchhöri Appenzell während je einer Woche.
Das Almosen-Sammeln dürften die Kapuziner seit ihrer Niederlassung in Appenzell 1587 praktiziert haben. Im 20. Jahrhundert wurden die Sammlungen in ähnlicher Weise weiter geführt, hatten aber wirtschaftlich nicht mehr dieselbe Bedeutung. Die Palette der Güter war weniger reichhaltig. Man konzentrierte sich auf einige typische Produkte der verschiedenen Gegenden, so z.B. auf Käse, Butter und Eier in Appenzell Innerrhoden und auf Obst, Gemüse und Most in den Kantonen St. Gallen und Thurgau. Dabei hatten die Kapuziner einen klar festgelegten Sammelplan, der für alle Patres und Brüder verbindlich war und sich auf das ganze Jahr verteilte.
Nebst den Naturalien bekamen die Geldgaben stets ein grösseres Gewicht, so im Dorf Appenzell, wo die Kapuziner der vorwiegend nicht-bäuerlichen Bevölkerung die Neujahrswünsche überbrachten und nebst einem Geld-Almosen nicht selten auch einen Schnaps und Chrömli erhielten. Ausserhalb des Dorfes führten die Kapuziner einmal jährlich die "Mistsammlung" durch und weiterhin den Butter-Bettel. Nach 1950 gingen in Innerrhoden wie ausserhalb die Naturalien stetig zurück und die Geldspenden nahmen eher zu.
Ab Mitte der 1950er-Jahre wurden die Sammlungen gelegentlich kritisch hinterfragt, ja vereinzelt gab es dagegen Widerstand. Die Stallsegnungen waren in bäuerlichen Kreisen eher gefragt, brachten aber oft "materiell gar nicht viel". Hinzu kam, dass sich bei den Kapuzinern ab Mitte der 1960er-Jahre wegen zunehmender Überalterung und fehlendem Nachwuchs bereits personelle Engpässe abzeichneten und einige Aushilfsstellen gestrichen werden mussten. Davon waren auch die Sammlungen betroffen, die in den meisten Gemeinden anfangs der 1970er-Jahre aufgelöst wurden. Bis zur Klosteraufhebung im Jahre 2011 wurden vereinzelt noch Stallsegnungen durchgeführt, Steinach und Mörschwil lieferten weiterhin Obst und Most, und der Pfarreirat von Montlingen überbrachte dem Kloster – bei einem guten Mittagessen – alljährlich Fr. 1’000.-.
Autor: Josef Küng, Appenzell Steinegg
Literatur:
Archiv Kapuzinerkloster Appenzell: Almosensammlungen
Archiv Kapuzinerkloster Appenzell: Pfarrei-Aushilfen
Fuchs, Ferdinand: Kloster Appenzell und Volk. In: Innerrhoder Geschichtsfreund 30 (1986/87), S. 132-137
Fischer, Rainald: Die Gründung der Schweizer Kapuzinerprovinz, 1591-1589. Fribourg 1955
Fischer, Rainald: Die älteste Archivordnung des Klosters Appenzell als Quelle zur ostschweizerischen Wirtschaftsgeschichte. In: Innerrhoder Geschichtsfreund 30 (1986/87), S. 41-77
Küng, Josef: Die Almosen-Sammlungen des Kapuzinerklosters Appenzell im 17. und 20. Jahrhundert. in: Innerrhoder Geschichtsfreund 52 (2011), S. 43-69
Schweizer, Christian: Kapuziner. In: HLS. Version 14.10.2009. URL: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D11708.php (31.01.2013)
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