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Der Märjelensee
Von Ph. Gösset ( Section Bern ).
Der Märjelensee befindet sich in der Höhe von 2367 m am linken Ufer des Aletschgletschers, 800 m nördlich vom Eggishorn, zwischen diesem und den Strahlhörnern.
Ganz abgesehen von der äußerst schönen Lage des See's, dürften seine Eigenschaften wohl bei keinem anderen See zu treffen sein. Der Märjelensee ist sehr wahrscheinlich ein Unicum.
Er bietet folgende Eigenthümlichkeiten:
Auf drei Seiten des See's befindet sich Festland, auf der vierten Seite ist er durch eine hohe Wand von Gletschereis abgeschlossen. Der Abfluß findet kehrum nach zwei ganz verschiedenen Thälern, Aletsch und Fiesch, statt, und zeitweise entleert sich der See so zu sagen plötzlich.
Der natürliche Ausfluß des See's ist der durch den Aletschgletscher in die Massa. Wie sich dieser unsichtbare Abflußkanal durch den Gletscher windet und sich mit dem unter dem Eise fließenden Hauptstrom des Schmelzwassers vereinigt, ist bis jetzt nicht erforscht worden; nur so viel ist sicher, daß dieser vom Abfluß des Märjelensee's ausgefressene Tunnel in Folge der Bewegung des Gletschers seine Lage und seine Form ändert und sich zuletzt gänzlich verschließt. Von diesem Augenblick an bildet der Aletschgletscher einen undurchdringlichen Damm, und das Wasser steigt im Seebecken, bis es einen neuen Abfluß gefunden hat.
Sobald der Wasserspiegel die Höhe der Märjelenalp erreicht hat, ist diese neue Abflußstelle gefunden, und der See fließt in das Fiescherthal.
Währenddem der See sich anfüllte, das heißt, während der Zeit, wo der Abflußkanal durch den Aletschgletscher sich allmälich verschloß, hatte der Abfluß gegen Westen stattgefunden; vom Moment an, wo der See voll wird, findet der Abfluß in der diametral umgekehrten Richtung statt, nämlich gegen Osten.
Wie lange der See voll Wasser bleibt, und wie oft er sich entleert, ist nicht genau bekannt.
Vor zwanzig Jahren hieß es allgemein im Wallis, der Märjelensee entleere sich alle sieben Jahre; in den letzten Jahren wurde behauptet, alle drei Jahre.
Welcher Behauptung war Glauben zu schenken? Oder waren etwa beide Behauptungen, je nach dem Eisstande des Aletschgletschers, richtig? Es scheint offenbar, daß der Märjelensee sich um so leichter Bahn durch den Gletscher brechen kann, je weniger mächtig dieser ist. Schließlich konnten auch beide Behauptungen unrichtig sein.
Dem Vernehmen nach sollte der Ausbruch des Märjelensee's für das Rhonethal eine wahre Kalamität sein. Das Wasser erreichte die Massa und dann die Rhone unweit von Brig in den meisten Fällen, bevor die Nachricht vom Ausbruch des See's eingetroffen war. Dem ersten Sennen, der diese Nachricht in 's Rhonethal brachte, wurde ein Paar neue Schuhe geschenkt.
Währenddem das Wasser sich durch und unter dem Aletschgletscher Bahn brach, hörte man ein „ donnerartiges Getöse " und sah an vielen Stellen das Wasser aus den Spalten hoch in die Luft spritzen; das Rhonethal wurde in kurzer Zeit auf eine bedeutende Distanz unterhalb der Einmündung der Massa in die Rhone unter Wasser gesetzt, und die Kulturen erlitten großen Schaden.
Aus Obigem geht hervor, daß der Märjelensee bei den Oberwallisern keinen guten Ruf hat; es ist dies um so begreiflicher, wenn in Betracht gezogen wird, daß die Bauern hier meistens arme, sogar sehr arme Leute sind, die vorzüglich von dem leben, was auf ihrem Grund und Boden gedeiht. Tritt eine Mißernte in Folge einer Ueberschwemmung ein, so ist die Lage dieser Leute eine höchst bedauerliche. Es ist daher begreiflich, wie sehr, besonders vor der Rhonekorrection, der Thalbewohner die Ausbrüche des Märjelensee's befürchten mußte; für ihn mußte der kleine Hochgebirgssee einem der Drachen gleichen, mit denen Scheuchzer seine Beschreibungen der Alpen belebte ' ).
Als ich den Märjelensee zum ersten Mal sah, machte er auf mich einen ganz anderen Eindruck^ als ich erwartet hatte. In erster Linie schien mir der See viel zu klein, um bedeutenden Schaden verursachen zu können. Er war gänzlich mit Wasser angefüllt; die geringe Breite des Beckens und der Mangel an verticalen Felswänden längs der Seehalden ließen mich annehmen, der See sei nicht tief. Der breite Rücken des Aletschgletschers senkte sich sanft mit geringem Gefälle in 's dunkelblaue, wenig durchsichtige Wasser. Ich ahnte damals nicht, daß derjenige Theil des Gletschers, der unter Wasser ist, ganz anders aussieht, wie der sichtbare Theil, daß das Eis hier unter dem Wasserspiegel eine verticale Wand bildet, die ein und ein halb Mal so hoch ist wie die Plattform-Mauer des Münsters in Bern.
Ph. Gösset.
Die zwei folgenden Male, als ich das Eggishorn und seine Umgebung besuchte, in den Jahren 1884 und 1885, war der See bis an zwei große Pfützen leer und der Weg nach der Concordiahütte führte mitten durch das Seebecken.
Der Boden des See's ist die Grundmoräne einer ehemaligen Abzweigung des Aletschgletschers, welche Abzweigung zwischen den Strahlhörnern und den » Märjelensee und Aletschgletscher vor dem Ausbrach vom 4. September 1887. ( Nördl. Ufer, Weg nach der Concordiahütte. ) Eggishorn floß und sich über die niedere Einsattlung, wo gegenwärtig die Hütten der Märjelenalp stehen, bewegte, um sich schließlich mit dem Fieschergletscher zu vereinigen. Ungefähr 120m ob dem Hochwasserstand des See's sind am südlichen Berghang der Strahlhörner die Spuren der Ufermoräne dieses ehemaligen Gletscherarmes deutlich erkennbar.
Im Juli 1887 war der Märjelensee mit Wasser angefüllt. Ich hatte den See somit in vier verschiedenen Jahren zwei Mal voll und zwei Mal leer getroffen.
Der Wasserspiegel erreichte am 6. August die Grenze der Vegetation, und es schien, als könne er nicht höher steigen; mehrere hundert Eisblöcke von 2-8 m Breite schwammen herum und änderten Platz, je nach der Richtung des Windes. Die Eisblöcke waren meistens schon lange im Wasser und mußten ganz bedeutende Dimensionen haben, da von einem schwimmenden Stück Eis nur ungefähr der zehnte Theil der Gesammtmasse über Wasser ist.
Derjenige Theil der Eisblöcke, der unter Wasser ist, schmilzt rascher ab, wie der Theil, welcher Luft und Sonne ausgesetzt ist. Dies ist an der Form der Eisberge — denn so sehen sie im Kleinen aus — leicht ersichtlich.
Die Temperatur des Wassers war, bei 10° Lufttemperatur, in der Tiefe von 15 Centimeter 2° C, in der Tiefe von 1 Meter 0°. Das Wasser war bis in die Tiefe von l,20m durchsichtig.
In der Nacht vom 6. auf den 7. August trennte sich ein Stück Eis von 60m Länge und 25 m Breite von der Mitte der Wand des Aletschgletschers und fiel in den See; der Wasserspiegel stieg in dieser Nacht laut Aussage des Senns der Märjelenalp um 30om; etwas weniger wie die Hälfte dieser Steigung ist dem Einfluß des Gletscherabbruchs, welcher zwischen 60,000 und 70,000 Kubikmeter hatte, zuzuschreiben.
Es schien wahrscheinlich, daß der See bald austreten würde, und ich freute mich, Gelegenheit zu haben, endlich einen Ausbruch des Märjelensee's zu sehen — und zu hören.
Der volle See wurde gezeichnet und photographisch aufgenommen. Unterdessen stieg das Wasser bis Ende des Monats August täglich um einige Centimeter und bald dachte Niemand mehr daran, daß die Entleerung dieses Jahr noch stattfinden würde.
Am 3. September bestieg Herr Borchardt bei schlechter Witterung die Jungfrau und langte Abends 8V2 Uhr in vom Regen total durchnäßten Kleidern in der Concordiahütte an. Nach einer Rast wurde aufgebrochen und der Märjelensee Nachts um 12 Uhr 10 Minuten am 4. September erreicht. Der Führer des Herrn Borchardt machte Letzteren darauf aufmerksam, daß der Wasserspiegel des See's bis ungefähr drei Meter unterhalb der Vegetationsgrenze gesunken sei. Während des Vormittags traf die Nachricht in Eggishorn ein, der Märjelensee habe sich während der Nacht entleert.
So viel ich vom Sennen derMärjelenalp in Erfahrung bringen konnte, entleert sich der See selten oder nie gänzlich. Im östlichen Theil des Beckens bleibt immer ein Teich von zwei Meter Tiefe. Längs der Eiswand bleibt ebenfalls Wasser; einzig im Jahre 1878 entleerte sich dieser westliche Theil des Beckens vollständig. Im Jahr 1887 blieben wieder zwei große Pfützen, die eine am östlichen Ende des See's, die andere am Fuße der Eiswand des Aletschgletschers.
Die Wirkung des Wassers auf diese Eiswand Der Märjelensee.
konnte nur in einer gewissen Entfernung beobachtet werden, ausgenommen da, wo die Wand den Fuß der Strahlhörner und den Fuß des Eggishorns berührt. Bei vollem See scheint die sanft geneigte Oberfläche des Aletschgletschers sich auch unter Wasser fortzusetzen. Bei leerem See kommt eine verticale Eiswand zum Vorschein und zeigt, wie das Seewasser auf das Gletschereis gewirkt hat; auch hier ist das Nämliche vorgegangen, wie bei den herum-schwimmenden ( jetzt gestrandeten ) Eisblöcken. Die Abschmelzung ist unter Wasser rascher vor sich gegangen wie an der Luft; die verticale Wand ist die directe Folge dieses rascheren Abschmelzens. Die Eiswand ist in ihrer Mitte am höchsten; sie ist an dieser Stelle compact, ohne Abflusscanäle des Märjelensee's im Aletschgletscher.
Spalten und Oeffnungen auf einer Front von circa 100 m Breite. Rechts und links von der Mitte befindet sich eine Zone von 70m Breite, wo die Gletscherspalten von der Eisfläche bis zum Fuße des sichtbaren Theils der Wand vom Wasser ausgewaschen und vergrößert worden sind, bis sie unmittelbar nach dem Ausbruch des See's zwei gigantischen Orgeln glichen.
Nach wenigen Tagen war ein guter Theil dieser merkwürdigen, sehr hohen Eisgalerien eingestürzt. Das Eis war hier mehr porös und weniger widerstandsfähig wie an den übrigen Theilen der Wand geworden. Die Spalten waren tiefer und auch der Länge nach besser ausgewaschen worden wie anderswo im Gletscher. Diese zwei Zonen sind die Ausbruchsstellen des Märjelensee's.
Zwischen diesen zwei Zonen und den Ufern waren die Abflußkanäle in ihrer Entstehung begriffen und man sah deutlich, wie die Spalten, die oben in mehreren Fällen nur einige Centimeter Breite hatten, durch den Schmelzproceß in rechtwinklige Stollen umgewandelt werden.
Die Stollenhöhe war hier nicht bedeutend; in der Kegel betrug sie selten mehr wie 8 m, während einzelne der wirklichen Ausflußgalerien in den Mittelzonen über 30™ hoch waren.
Der Seeboden sinkt von Osten gegen Westen sehr bedeutend; im Seebecken selbst befindet sich eine schwache, nur 2 m hohe Erhebung des Bodens, über welche der Fußweg nach der Concordiahütte führt. Der östliche Theil des See's kann sich wegen dieser unbedeutenden Terrainbewegung niemals ganz entleeren.
Folgende Zahlen sind theilweise der Excursionskarte des S.A.G. für 1885 und 1886, theilweise einer vom Kanton Wallis erstellten Vermessung entnommen.
Wasserspiegel bei Hochwasser: 2367™; Aletschgletscher, Mitte: 2430 m; Einzugsgebiet des Märjelensee's: 2,844km2 ( rund 3 Quadratkilometer ); Oberfläche: 452,400>2; Tiefe des östlichen Beckens: 14 m; Tiefe bei der Uebergangsstelle zwischen beiden Becken: 12 m; Tiefe des westlichen Beckens: 47Größte Tiefe am Rande des Aletschgletschers: 50Länge: 1500 m; Breite: 300 m; Breite beim Aletschgletscher: 550 m; Kubikinhalt: 10,400,0008.
In folgender Tabelle sind einige Angaben über den Wasserstand des Märjelensee's zusammengestellt worden; wie unvollständig diese sind, beweist der Umstand, daß ich in Brig und Fiesch für den Zeitraum von 1820-1862 kein Material vorfand, ferner, daß in den letzten 26 Jahren in sechs Jahrgängen unbekannt ist, ob der See sich entleert habe oder nicht!
Ueber die Zeitdauer des Anfüllens ist fast nichts Positives bekannt; dieselbe kann aus der Angabe vom Steigen des Wasserspiegels vom 15.17. September 1887 deßwegen nicht berechnet werden, weil damals.: * Ph. Gösset.
die den See umgebenden Berghänge fast gänzlich von Schnee entblößt waren und die Wasserzuflußmenge gerade zu dieser Zeit ihr Minimum erreicht hatte. Der einzige Anhaltspunkt, den wir hinsichtlich der Anfüllung des See's besitzen, ist, daß eine Entleerung im Januar 1883 stattfand, und daß der See am 13. Juli des nämlichen Jahres voll Wasser war.
Angaben über den Wasserstand des Märjelensee's.
1813 Anfangs Aug.
Entleerung des See's Imhasli, Senn. Märjelenalp 1820 August Entleerung Imhasli, Senn, Märjelenalp 1840Entleerung Ant. de Torrente 1859Entleerung Ant. de Torrente 1862 25. October voll E. v. Fellenberg 1863
1864 Juli Sehr rascheEntleerung; E. Cathrein d. Schiff verschwindet unter dem Gletscher 1864 6. August leer G. Studer, J.S.A.C.. II, 205 1865
1866 9. Juli voll H. Dübi 1867
1868
1869 9. August voll Ph. Gösset 1870
. 1871Entleerung Jos.Imboden,Pfr. in Fiesch 1872Entleerung Botschaft d. Bundesrathes an den Kanton Wallis vom 18. Juli 1884 1873Entleerung: Der See ent-E. Cathrein leert sich in 8Stunden; unter donnerartigem Getöse werden gewaltige Wassersäulen aus deu Gletscherspalten getrieben.
1874halbvoll; Entleerung E. Cathrein 1875halbvoll; Entleerung E. Cathrein ..f Der Märjelensee.
1876halbvoll; Entleerung E. Cathrein, Jos. Imboden, Pfarrer in Fiesch 1877 5. August voll H. Körber 1877 16. September sehr voll E. v. Fellenberg 1878 18. u. 19. Juli Gänzliche Entleerung Zen Ruffinen in 3072 Stunden 187991880 25. Januar voll H. Carey, Echo des Alpes, ( 16e Année, page 38 ) 1881 26. Juli voll H. Dübi 1882 9. u. 10. Juni Entleerung F. A. Forel, Jahrb. S.A.C.
xvni, 255 1883 Januar Entleerung E. Cathrein 1883 13. Juli voll H. Dübi 1883 12. September voll E. v. Fellenberg 1884 5. Juli See beinahe voll; ganz v. Morlot, Kontroiingenieur überfroren, Eisdecke einige Meter tief eingesunken 1884 22. August leer Ph. Gösset 1885 24. August leer Ph. Gösset 1886 Mitte August mehr wie halbvoll Fuss- X. Imfeid weg nach Concordia-Hütte unter Wasser 1886 September voll E. Cathrein 1887 27. August Wasserspiegel 0,80™ ü.
Ph. Gösset Vegetationsgrenze 1887 1. September Wassersp. sinkt 0,15™ Senn der Märjelenalp 1887 2.
Wassersp. sinkt 1,00™ Senn der Märjelenalp 1887 3.
Wassersp. sinkt 3,00™ W. Borchardt 1887 4.
Entleerung in ungefähr Senn der Märjelenalp 10 Stunden 1887 5.
Wassersp. sinkt 0,03 m Ph. Gösset 1887 15. u. 17. Sept.
Wassersp. steigt i.wstl.
Ph. Gösset Becken 0,16™ i. 43 Std.
Beim ersten Anblick schien nichts leichter zu sein, als eine Tabelle der in den letzten 26 Jahren erfolgten Entleerungen des Märjelensee's aufzustellen.
Praktisch war die Sache, wie obiges Resultat nachweist, mit Schwierigkeiten verbunden, und zwar hauptsächlich deßwegen, weil diejenigen officiellen Quellen, in denen ich hoffte, die glaubwürdigsten Angaben zu finden, nur äußerst wenig Material darboten.
Die Tabelle zeigt nur, wie unregelmäßig der See sich entleert; es können soweit keine sichern Schlußfolgerungen über den Einfluß des Eisstandes des Aletschgletschers auf die Frequenz der See-Entleerun-gen gemacht werden.
Der Aletschgletscher ist gegenwärtig in der Ueber-gangsperiode zwischen Abnahme und Zunahme des Volumens begriffen. Er nimmt zu auf dem linken Ufer bei der Concordiahütte und beim Märjelensee; er nimmt ab zwischen dem Aletschwald und den Aletsch-hütten.
Die genauesten Angaben über irgend eine Entleerung des Märjelensee's sind die von 1878. Der Ausbruch begann Morgens 8 Uhr. In den ersten acht Stunden sank der Wasserspiegel um lm; 402,000 m8 Wasser flössen aus; es entspricht dies einer Durchflußmenge von 10,9 m8 per Secunde.
In den folgenden 13V2 Stunden sank der Seespiegel um 3 Meter; Wasserausfluß 1,530,000 m3 oder 31,4 m3 per Secunde.
Der See entleerte sich in den nun folgenden 9 Stunden gänzlich mit 7,770,000 m8 oder 236,6 m8 per Secunde.
Die Entleerung hatte 30Va Stunden gebraucht; im Ganzen waren 9,300,000™8 Wasser aus dem See geflossen und war die mittlere Durchflußmenge 84,7 m8 per Secunde.
Die Rhone stieg in Brig um l,50 m und in Sitten um 0,90 m. Glücklicherweise war der Wasserstand der Rhone im Moment des Ausbruchs ein niedriger.x ) Im September 1883 wurde seitens des Cantons Wallis ein Project behufs Tieferlegung des Märjelensee's ausgearbeitet.
Ein Abflußcanal von 540™ Länge sollte vom See gegen das Fiescherthal ausgegraben, der Wasserspiegel um 12,50 m tiefer gelegt und dadurch der See um 4,900,000 m8 vermindert werden. Nach Erstellung des Kanals hätte der See nur noch einen Inhalt von 5,400,000 m3 gehabt. Gegenwärtig muß das Seebecken voll werden, bevor der Abfluß in 's Fiescherthal möglich ist. Nach Ausführung des Kanals würde der See, sobald er ungefähr halbvoll ist, seinen Abfluß nach Osten finden. Entleerungen durch den Aletschgletscher würden aber gleichwohl immer dann stattfinden, wenn der Gletscher porös geworden ist.
Durch die Tieferlegung des See's würde die Gefahr vor Ueberschwemmungen im Oberwallis also nicht beseitigt, wohl aber bedeutend vermindert.
Der Kostenanschlag beträgt Fr. 149,500.
Im März 1884 sandte der Staatsrath von Wallis dem Bundesrath ein Subventionsgesuch für die HälfteVgl. Jahrbuch XIV, S.A.C., pag. 549 u. ff. F. v. Salis, der Märjelensee im Wallis.A. d. Bed.
23 der Baukosten ein; dieses wurde im nämlichen Jahre von der Bundesversammlung bewilligt; die andere Hälfte der Kosten soll vom Staat Wallis und von den interessirten Gemeinden getragen werden. Ein 11 ebereinkommen in dieser Hinsicht ist noch nicht getroffen worden.