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Im Stück «Lenin» tritt die Schweizer Schauspielerin Ursina Lardi (46) als russischer Revolutionär auf. Wie macht sie das?
work: Was ist das Schwierigste an der Lenin-Rolle?
Ursina Lardi: Für die einen ist Lenin ein Idol, für die anderen ein Massenmörder. Zwischen diesen beiden Extremen spannt sich die Figur auf. Viele haben eine Meinung zu Lenin, wenige ein fundiertes Wissen. Es ist also klar, dass ich, wenn ich Lenin spiele, mir wenige Freunde machen kann. Beide Lager sind entrüstet, fast alle wissen es besser. Das muss man dann aushalten und trotzdem versuchen, einen differenzierten Blick auf die Figur zu bekommen und diesen dann auf die Bühne zu bringen.
Als Frau eine solche Figur zu spielen, wie ist das?
Dass ich als Frau Lenin spiele, war kein Problem, sondern die Lösung. Es ist in diesem Fall sehr wichtig, dass die Entfernung des Schauspielers oder eben der Schauspielerin zur Figur gross ist. Es macht von Anfang an klar, dass es hier um eine Annäherung geht, um ein Nachdenken über Lenin und nicht darum, sich zu identifizieren, also auf irgendeine Weise den «wahren Lenin» darstellen zu wollen.
Wie sind Sie vorgegangen, als Sie sich in die Rolle Lenins hineingearbeitet haben?
Ich habe natürlich sehr viel gelesen, sowohl Texte über Lenin als auch von Lenin.
Das ist sehr interessant, hilft aber auf der Bühne nicht wirklich weiter. Da geht es darum, konkret in den Situationen zu agieren, die das Stück bietet, und darauf zu bauen, dass dann die Figur entsteht. Ich habe mich aber nicht nur mit Lenin auseinandergesetzt, es ist auch unabhängig davon eine Studie über den Verfall und das Sterben eines Menschen. Da habe ich während der Proben versucht, so weit wie möglich zu gehen.
«Viele haben eine Meinung zu Lenin, wenige ein fundiertes Wissen.»
Was bedeutet Ihnen persönlich Lenin? Was die russische Revolution?
Für mich hat die Beschäftigung mit Lenin und der russischen Revolution viele Fragen aufgeworfen und wenige Antworten geliefert. «So wie es ist, kann es nicht bleiben», sagte Lenin. Ein damals wie heute sehr wahrer Satz. Er meinte damit ja nicht nur Russland, sondern die ganze Welt. Es ging um die Weltrevolution, nicht nur um die «Revolution in einem Land». Daraus wurde nichts. Die russische Revolution begann inmitten des Blutbades des Ersten Weltkriegs und endete im Blutbad des grossen stalinistischen Terrors, in Erstarrung und in Isolation. Ganze Heerscharen von Historikern haben die Gründe dieses Scheiterns analysiert. Wird es den kommenden Generationen gelingen, eine gerechtere, bessere Welt zu schaffen? Da möchte ich gerne Milo Rau, den Regisseur des Stückes, zitieren: «Ich mache mir keine Illusionen, aber Hoffnung schon.»
Milo Rau & Ensemble: Lenin, Schaubühne Berlin, Aufführungen bis 10. Dezember 2017.
rebrand.ly/leninberlin.