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Es ist ein ungewöhnliches Dokument, das der Freiburger Patrizier François Pierre de Reynold (1709–1759) hinterlassen hat: vier sorgfältig gebundene Hefte mit Abschriften von 518 Briefen, die er zwischen 1732 und 1754 an verschiedene Adressaten geschrieben hat. Die Briefe geben einen breit gefächerten Einblick in das Leben und den Alltag eines Freiburger Patriziers und seines Umfelds im Ancien Régime: Sie handeln vom Studium, der politischen und beruflichen Laufbahn des Schreibers, von seinen Reisen und seinen Beziehungen, von Freizeitvergnügungen, Gesundheit und Medizin. «Die Briefe sind nicht philosophischer Natur, sondern alltäglich und menschlich», sagt die Historikerin Rita Binz-Wohlhauser. «Phasenweise lesen sie sich fast wie ein Roman von Jane Austen.»
Ehrenamtliche Arbeit
Rita Binz-Wohlhauser hat die Korrespondenz von François Pierre de Reynold jetzt zusammen mit Simone de Reyff, Alexandre Dafflon und Walter Haas herausgegeben, in einem 940 Seiten umfassenden Band. De Reyff ist ehemalige Titularprofessorin für französische Literatur, Dafflon ist Historiker und Staatsarchivar und Haas ehemaliger Professor für germanistische Linguistik. Die Arbeit an der Edition haben die vier Co-Autoren in einem Zeitraum von fast vier Jahren ehrenamtlich erledigt; die Veröffentlichung haben Sponsoren finanziert. «Wir brannten alle für das Projekt und sind überzeugt, dass es eine gute Sache ist», erklärte Rita Binz-Wohlhauser gestern vor den Medien.
Dass die Korrespondenz von de Reynold erhalten sei, sei in doppelter Hinsicht ein Glücksfall, sagte Alexandre Dafflon: Zum einen sei es auch für jene Zeit sehr ungewöhnlich, dass jemand über eine so lange Zeit alle seine Briefe fein säuberlich abgeschrieben und aufbewahrt habe. Zum anderen gingen solche privaten Dokumente nach dem Tod des Schreibers oft verloren. Im Fall von de Reynold gelangten die vier Hefte auf unergründlichen Wegen in den Besitz einer Freiburger Familie und kamen dort in den Siebzigerjahren auf Nachfrage von Simone de Reyff wieder zum Vorschein. Nicht erhalten sind hingegen die Briefe, die de Reynold bekommen hat. Zudem gebe es Hinweise, dass zwei weitere Hefte mit Briefkopien existieren könnten, so Simone de Reyff.
Verfasst sind die Briefe grossenteils in französischer Sprache. 64 Briefe sind auf Deutsch geschrieben, einzelne auf Lateinisch und Italienisch.
Der Band «Auprès de mon écritoire» ist für 69 Franken im Buchhandel erhältlich oder zu bestellen bei: www.alphil.ch