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Als Katar im Mai 9 Mrd. Dollar bei einer internationalen Bondemission einsammelte, zahlte das Land den Banken mehr als dreimal so hohe Konsortialgebühren wie zuvor.
Der Schritt unterstreicht, dass die Regierung wohl alles unternehmen wollte, um sicherzustellen, dass sie so viel Geld von so vielen Ecken der Welt wie möglich bekommt. Gleichzeitig jedoch hat sie damit möglicherweise auch einen Präzedenzfall für andere potenzielle Kreditnehmer aus der Gruppe der sechs Nationen geschaffen, die den Gulf Cooperation Council bilden.
Saudi-Arabien beispielsweise steht kurz davor, erstmals die internationalen Anleihen-Märkte anzuzapfen, nachdem der Zusammenbruch der Rohölpreise zu einem starken Anstieg des Haushaltsdefizits geführt hatte.
«Wir befinden uns in einer anderen Zeit»
Katar, der Gastgeber der Fussball-Weltmeisterschaft 2022, hatte den Umfang des Bankenkonsortiums um zwei Drittel ausgedehnt, als es im Mai die grösste Anleihe aller Zeiten der Region begab. Das Geld soll in die Infrastruktur des Landes fliessen. Als die Regierung in Doha den Zuschlag für die Weltmeisterschaft vor fünfeinhalb Jahren erhalten hatte, bewegte sich Öl noch auf einen Höchstpreis zu.
"Wir befinden uns jetzt in einer ganz anderen Zeit", sagt Mohammed Elmi, Vermögensverwalter für Schwellenländer bei Federated Investors U.K. in London, der Anleihen von Katar erworben hatte. "Die Notwendigkeit ist viel grösser, rauszugehen und einen Jumbo-Deal zu machen. Und das hat natürlich seinen Preis."
Die Konsortialgebühren, die Katar an seine zehn Banken zahlte, lagen bei 21 Basispunkten - oder 19 Mio. Dollar, wie aus Daten von Freeman Consulting Services in New York unter Berufung auf Pflichtmitteilungen hervorgeht. Zum Vergleich: 2011 hatten die damals sechs beteiligten Banken bei einer Transaktion den Daten zufolge nur sechs Basispunkte an Gebühren erhalten.
Durch die Einbindung von zwei zusätzlichen japanischen Banken - SMBC Nikko Securities und Mizuho Financial Group - in ein Syndikat, das bereits Mitsubishi UFJ Financial Group enthielt, war es Katar im Mai möglich, fast 30 Prozent eines Teils der Emission in Asien zu platzieren, verglichen mit 5 Prozent im Jahr 2011.
Ein Sprecher des Finanzministeriums wollte auf Nachfrage von Bloomberg keinen Kommentar abgeben.
Anders Geld einsammeln als früher
Golf-Staaten, die während des Öl-Booms kaum auf Hilfe von aussen angewiesen waren, bauen jetzt die Art und Weise, wie sie sich selbst finanzieren, um. Der Ölpreis ist von rund 110 Dollar je Barrel im Jahr 2011 auf zuletzt etwa 50 Dollar je Barrel gefallen.
Ihr gemeinsames Haushaltsdefizit wird bis 2021 auf 900 Mrd. Dollar anschwellen, zeigen Prognosen des Internationalen Währungsfonds.
Saudi-Arabien hatte HSBC-Banker Fahad Al Saif abgeworben, um eine Art Schuldenagentur auf die Beine zu stellen - für die Platzierung von mindestens 10 Mrd. Dollar an Bonds irgendwann in diesem Jahr. Informierten Kreisen zufolge wurden mit HSBC, Citigroup und JPMorgan Chase drei ausländische Banken als globale Koordinatoren angeheuert.
Auch wenn die Golf-Staaten mehr für Anleihen zahlen, heisst das nicht, dass die Banken auch mehr einnehmen. Das liegt daran, dass die Gebühren auf eine grössere Gruppe von Finanzdienstleistern verteilt werden.
Die Banken sind offenbar dennoch stark interessiert, weil sie sich in Stellung bringen wollen für möglicherweise lukrativere Deals wie Beratungen zu Privatisierungen oder Börsengängen.
"Danach zu urteilen, was wir gehört haben, liegt die grosse Anziehungskraft für die Banken darin, Beziehungen mit den Regierungen aufzubauen", bestätigt Jeff Nassof, Director bei Freeman.
(Bloomberg)