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Die frühe Reisebibliothek in Buchform enthält 18 Miniaturbände von 92 mal 68 mm, die in einem tragbaren, mit Leder überzogenen Holzkasten wohlgeordnet untergebracht sind. Der Kasten sieht aus wie ein gewöhnliches altes Buch mit Ledereinband und kann mittels eines Druckknopfs im “Buchschnitt” geöffnet werden. Komplette Sets der Bibliothèque portative sollen angeblich bis zu 49 oder gar 63 Bände enthalten haben, sind aber äusserst rar.
Buchrücken der Bibliothèque portative
Die geöffnete Bibliothèque portative
Gedruckt wurde die Bibliothèque portative in der auf Miniaturbücher spezialisierten Werkstatt von B. Fournier und Sohn in Paris. Die wenigen heute noch vorhandenen Exemplare lassen darauf schliessen, dass die Kunden in der Druckerei die Wahl der Autoren und den Umfang der Bibliothek selbst bestimmen konnten.
Die Sammlung Alte Drucke verdankt die Reisebibliothek dem grosszügigen Legat des deutschen Bankiers Dr. Max Doerner (1884-1959). Mit dieser Schenkung gelangten in den 60er Jahren rund 700 Bände Militaria, historische und kunsthistorische Werke, Werke zur Topographie und Geographie, sowie Werke der schönen Literatur in den Besitz der Sammlung.
Die 18 Bände unseres Exemplars setzen sich wie folgt zusammen: Bernis, Cardinal François-Joachim de Pierres de: Oeuvres; Montesquieu, Charles de Secondat: Considération sur les Causes de la Grandeur des Romains et de leur Décadence; Bernard, Pierre-Joseph: Oeuvres; Nevers, Gérard de: Histoires du petit Jehan de Saintré; Longus: Les Amours Pastorales de Daphnis et Chloé; Grécourt, Jean-Baptiste Joseph Willart: Oeuvres; Saint-Réal, Cesar de: Conjuration des Espagnols contre Venise; Piron, Alexis: Oeuvres choisies (2 Bände); Hamilton, Anthony: Mémoires du Comte de Grammont (2 Bände); Voltaire, François-Marie Arouet: Théatre (5 Bände) und La Pucelle D’ Orléans, sowie Gresset, Jean-Baptiste-Louis: Oeuvres Choisies.
Die Geschichte der Miniaturbücher geht weit zurück, so sind sie bereits unter den mittelalterlichen Handschriften anzutreffen. Das älteste gedruckte Miniaturbuch ist wohl ein Officium Beatae Virginis Mariae, das 1486 von Matthias Moravus in Neapel gedruckt wurde, und das 76 mal 51 mm misst.
Reisebibliotheken in Buchform waren vor allem im 17. und 18. Jahrhundert populär. In Frankreich besass Napoleon mehrere Exemplare, die er auf seine Feldzüge mitnahm.
Links:
Die Bibliothèque portative du voyageur kann im Bibliothekskatalog NEBIS bestellt und im Lesesaal der Spezialsammlungen eingesehen werden.
Materialien zum Donator Max Doerner finden sich in den Beständen der Archive und Nachlässe der ETH-Bibliothek. Das Nachlassverzeichnis ist über die E-Collection zugänglich: http://e-collection.ethbib.ethz.ch/eserv/eth:22283/eth-22283-01.pdf (PDF-Datei).