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In der Diagnostik nach der ICD-11 bei selektivem Mutismus darf vorausgesetzt werden, dass
1. ein normales oder nahezu normales Niveau des Sprachverständnisses vorhanden ist.
2. eine Kompetenz im sprachlichen Ausdruck, die für eine soziale Kommunikation ausreicht, gezeigt wird.
3. es einen Beleg dafür gibt, dass das betroffene Kind in einigen Situationen normal oder fast normal sprechen kann und spricht.
4. Ergänzend merkt die WHO an, dass das mutistische Verhalten länger als 4-6 Wochen in vorhersehbaren Situationen (Kinderkrippe, Kindergarten, Schule) dauern sollte.
Ein normales oder nahezu normales Sprachverständnis ist die Fähigkeit, Sinn und Bedeutung von Lautäußerungen zu erfassen. Hierzu ein Beispiel: Sie sagen „Auto“ zu Ihrem 3-jährigen Buben und er läuft los und holt das Spielzeugauto. Holt Ihr Sohn aber immerzu den Ball, könnte dies ein Hinweis auf eine Hörverarbeitungsproblematik sein.
Für die soziale Kommunikation benötigen wir nicht unbedingt einen umfangreichen Wortschatz. Die ICD-11 will damit sagen, dass auch ein möglicherweise eingeschränkter Wortschatz zu einer gelungenen Kommunikation führen kann.
Ein weiteres Kriterium zur Diagnostik sind die Beobachtung der Erzieherinnen, Pädagogen und vor allem der Eltern. Durch diese ist rasch belegbar, in welcher Situation das Kind wie mit wem spricht – ob es Blickkontakt hält, ob es eine versteinerte Mimik zeigt, sich versteckt oder gar bei Ansprache erstarrt. Weitere Merkmale können sein, dass es auf Mimik und Gestik in der Kommunikation ausweicht, einem Elternteil ins Ohr flüstert oder in der Öffentlichkeit auch gegenüber den Eltern verstummt.