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Viele internationale Studien zeigen eine besondere Vulnerabilität von Transmenschen im Bereich Gesundheit auf. Vor diesem Hintergrund hat das BAG 2012 die Transgender-Bevölkerung in die Umsetzung des NPHS aufgenommen.
Eine meist unsichtbare Bevölkerungsgruppe in der Gesundheitspolitik
Viele internationale Studien zeigen eine besondere Vulnerabilität von Transmenschen im Bereich Gesundheit auf, insbesondere bei HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen. Eine Meta-Analyse von 29 Studien aus Nordamerika schätzt die HIV-Prävalenz bei Transfrauen (male to female) in US-amerikanischen Grossstädten auf 11,8 bis 27,7% und sogar auf bis zu 35% bei Transgender-Sexarbeiterinnen. Transmänner (female to male) seien nur zu 2 bis 3% betroffen.
In der Schweiz liegen bisher keine offiziellen epidemiologischen Daten zu sexuell übertragbaren Infektionen in der Transgender-Bevölkerung vor. In Zusammenarbeit mit der Stiftung Agnodice hat das BAG die Transgender-Bevölkerung in die Umsetzung des NPHS aufgenommen. Dies betrifft mehrere Ebenen des Programms:
- Aufnahme der Variablen «Transgender» in die Ergänzungsmeldungen für meldepflichtige STI.
- Aufnahme der Variablen «Transgender» in das Tool für freiwillige Beratung und Testung BerDa.
- Aufnahme der Variablen «Transgender» in Projekte mit Bezug zur Sexarbeit.
Transmenschen und Sexgewerbe
Die 2008 von der Stiftung Agnodice durchgeführte Befragung von Transgender-Sexarbeiterinnen in Lausanne zeigt ein besorgniserregendes Bild hinsichtlich der Risiken dieser Bevölkerungsgruppe und weist auf spezifische Vulnerabilitätsfaktoren hin. Hauptrisiken sind ungeschützter Sex im Rahmen ihrer Arbeit und die gemeinsame Nutzung von Spritzen für die Injektion von Hormonen oder Silikon zur Verweiblichung ihres Körpers.
Als Sexarbeiterinnen tätige Transfrauen sind stark marginalisiert und werden häufig Opfer von Erpressung und Gewalt – auch von Polizeigewalt. Problematischer Drogen- und Alkoholkonsum unter dem Druck der Kunden ist weit verbreitet. Ihre psychische Gesundheit ist besonders gefährdet. Die Depressions- und Suizidversuchsrate liegt bei ihnen im Durchschnitt höher als in der Allgemeinbevölkerung. Sie haben eine ganz spezifische Kundschaft, die einen weiblichen Körper mit funktionierendem Penis sucht, der zu Erektion und Ejakulation fähig ist. Laut der Umfrage haben die 50 Transgender-Sexarbeiterinnen, die daran teilgenommen haben, jährlich etwa 30’000 Sexualkontakte.
Seit 2012 sensibilisiert das BAG die im Bereich der HIV-/STI-Prävention tätigen Partnerorganisationen dafür, Transgender- Sexarbeiterinnen systematisch in ihre Projekte miteinzubeziehen. Transmenschen, darunter auch Transgender-Sexarbeiterinnen, gilt ein besonderes Augenmerk im Rahmenkonzept «Migration und Vulnerabilitätsfaktoren 2016+».
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Letzte Änderung 06.12.2018