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Du kennst mich. Noch bevor ich geboren war, sahen mich deine Augen.
aus Psalm 139
Vor wenigen Tagen hatte meine jüngere Schwester Geburtstag und jedes Jahr denke ich an eine besondere Erfahrung, die ich im Zusammenhang mit ihrer Geburt gemacht habe. Meine Schwester war eine Nachzüglerin. Mein jüngerer Bruder war sieben Jahre alt, ich war neun Jahre alt als meine Eltern uns eröffneten, dass wir ein Geschwisterchen bekommen würden. Wir hatten sogar noch ältere Geschwister.
Der Geburtstermin war für die erste Märzwoche errechnet worden und mein Bruder und ich waren aufgeregt. Am Morgen des 17. Februar sagte meine Mutter jedoch: Kinder, ich muss ins Krankenhaus, das Baby kommt.
Sie nahm ihre Tasche, setzte sich ins Taxi und liess uns in der Obhut der Tante. Knappe drei Stunden später schon kam der Anruf aus dem Krankenhaus: Eine kleine Schwester ist da.
Wen wir nicht informieren konnten, war mein Vater. 1972 hatte man kein Mobiltelefon. Als er abends von seiner Vertretertour heimkam und wir ihm die freudige Nachricht mitteilen konnten packte er uns ins Auto. Auf der Wöchnerinnenabteilung standen wir vor dem Babyfenster und blickten ins Zimmer, in dem die Neugeborenen in ihren Bettchen schliefen.
Eine Schwester sagte: Sie wollen sicher wissen, welches ihr Kind ist. Ich gehe ins Säuglingszimmer, sehe nach dem Namensschild und bringe es ihnen. Mein Vater deutete mit seiner grossen Hand auf ein Baby und sagte: «Das ist meine Tochter.» Die Schwester verschwand im Säuglingszimmer, ging von Bettchen zu Bettchen und las die Namensschilder auf deren Rückseite. Sie nahm genau das Baby aus dem Bett, von dem mein Vater gesagt hatte: «Das ist meine Tochter.»