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Unfallbegriff > Unfälle im und auf dem Wasser
Inhalt
Rechtsprechung und Praxis in chronologischer Reihenfolge
Einwirkung des Wassers auf den menschlichen Körper
Urteil 8C_842/2018 vom 06.05.2019 (Volltext): Grundsatz
3.3.2 Die normale Einwirkung des Wassers auf den menschlichen Körper stellt grundsätzlich keinen ungewöhnlichen äusseren Faktor im Sinne des Unfallbegriffs dar. Dementsprechend stellen körperliche Schädigungen, die auf einem freiwilligen Aufenthalt im Wasser zurückzuführen sind, grundsätzlich keine Unfälle dar.
Hingegen liegt ein Unfall vor,
- wenn wegen eines pathologischen Vorgangs (z.B. einer vorübergehenden Benommenheit) Wasser in die Atemwege eindringt.
- Ungewöhnlich ist mithin derjenige Vorgang, bei dem das Wasser plötzlich in den Körper der badenden Person eindringt und eine Gesundheitsschädigung oder den Tod bewirkt.
Ein Unfall liegt stets vor, wenn ein unfreiwilliger Aufenthalt im Wasser zu einer Gesundheitsschädigung führt, so insbesondere bei einem Sturz ins Wasser.
Sturz mit Verbrühung infolge Alkohol
Urteil 8C_842/2018 vom 06.05.2019 (Volltext)
Der Versicherte stürzte beim Duschen - erheblich alkoholisiert - in der Badewanne. Vor dem Sturz oder in dessen Verlauf betätigte er den Wasserhebel, so dass heisses Wasser in die Wanne lief und diese zu füllen beginnt. Das Wasser war so heiss, dass es geeignet war, bei einem Erwachsenen Verbrühungen bis zu Grad 2b zu verursachen. Infolge der Alkoholisierung bleibt er im heissen Wasser liegen.
Resultat: Der Unfallbegriff ist erfüllt; jedoch Kürzung infolge Grobfahrlässigkeit.
4.4.1. Die normale Einwirkung des Wassers auf den menschlichen Körper stellt grundsätzlich keinen ungewöhnlichen äusseren Faktor dar (vgl. oben E. 3.2.2). Warmes oder heisses Wasser kann indessen je nach Temperatur, Einwirkungszeit und Umstände der Einwirkung einen ungewöhnlichen äusseren Faktor bilden und zu Verbrühungen der Haut führen. ... Die ungewöhnlich hohe Temperatur des Wassers macht den alltäglichen Vorgang zu einem einmaligen Vorfall (vgl. E. 3.3.1 hiervor). Der Umstand, dass die Unfähigkeit des Versicherten, sich aus seiner misslichen Lage zu befreien, auf den erheblichen Alkoholkonsum zurückzuführen war, schliesst die Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors nicht aus. Der erheblichen Alkoholisierung wäre allenfalls im Rahmen von Art. 37 Abs. 2 UVG Rechnung zu tragen.
4.4.2. Mit Bezug auf das Kriterium der Plötzlichkeit ergibt sich in sachverhaltlicher Hinsicht, dass der Versicherte rund eineinhalb Stunden in der Badewanne im Wasser lag. Erfahrungsgemäss führt heisses Wasser, das aus dem Wasserhahn fliesst, bereits nach relativ kurzer Zeit zu Verbrühungen. Aufgrund der vom Versicherten erlittenen Verbrühungen muss von einer hohen Temperatur des Wassers ausgegangen werden, was innert kurzer Zeit zur Gesundheitsschädigung führte. Wie bei der Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors schliesst die Alkoholisierung die Plötzlichkeit nicht aus. ...
Taucher beim Auftauchen
Urteil 8C_647/2012 vom 28.09.2012 (Volltext): Trommelfellverletzung
Beim Auftauchen aus drei Meter Tiefe erleidet die Versicherte eine Trommelfellverletzung.
Resultat: Der Unfallbegriff ist nicht erfüllt.
4. Entscheidwesentlich ist, dass rechtsprechungsgemäss der normale Wasserdruck auf den Körper kein relevanter äusserer Faktor ist. Dies gilt namentlich auch für die Druckveränderung, die durch den normalen Bewegungsablauf des Tauchers beim Ab- und Auftauchen bewirkt wird. Von einem äusseren Faktor könnte erst dann gesprochen werden, wenn ein in der Aussenwelt auftretendes Ereignis den normalen Bewegungsvorgang des Tauchers beeinflussen würde (RKUV 2005 Nr. U 539 S. 119, U 203/04 E. 2.2; Urteil U 220/96 vom 13. Juli 1998 E. 5b).
Wasserski
Urteil 725 11 211 / 313 E. 3.3 des Kantonsgericht BL vom 24.11.2011 / SZS 1/14, S. 33
Beim Start verliert der Versicherte die Kontrolle und dadurch die Möglichkeit eines kontrollierten Fahrabbruchs durch rechtzeitiges Loslassen des Seils zum Boot.
Resultat: Der Unfallbegriff ist erfüllt. Der Versicherte muss nicht damit rechnen, dass der Bewegungsablauf in der Weise gestört wird, dass er nicht mehr in der Lage ist, einen unkontrollierten Sturz zu vermeiden.
Lungenriss beim Auftachen
BGE 134 V 72 vom 18.01.2008 E. 4.2.2 (Volltext)
Ohne Fehlreaktion ist der Unfallbegriff nicht erfüllt.
Sodann hat es erkannt, wenn ein Taucher beim Aufstieg zu wenig Luft abgebe und deswegen einen - in jenem Fall letztlich tödlichen - Lungenriss erleide, so sei nicht der (in der Lunge entstandene) Überdruck als solcher auslösendes Moment, sondern die unzureichende Luftabgabe durch den Versicherten während des Auftauchens. Der Mechanismus der Luftabgabe sei ein physiologisches Geschehen, das sich im Körperinnern abspiele. Der Unfallcharakter könne nur bejaht werden, wenn die Fehlreaktion in sinnfälligen äusseren Umständen begründet liege. Es sei aber nicht erstellt, dass ein unerwartetes, schreckendes Ereignis wie beispielsweise ein grosser Fisch oder eine plötzliche starke Wasserbewegung die zur Abwendung eines Lungenüberdrucks erforderliche automatische oder willkürliche Tätigkeit der Atemmuskulatur behindert habe. Das Kriterium eines ungewöhnlichen äusseren Faktors sei daher zu verneinen, weshalb kein versicherter Unfall vorliege.
Turmspringen
BGE 134 V 72 vom 18.01.2008 E. <ip-pii> (Volltext): Trommelfellverletzung
Der Unfallbegriff ist erfüllt.
Auch ausserhalb der unfallähnlichen Körperschädigungen kann es sich ergeben, dass von der Auswirkung eines von aussen betrachtet regulär verlaufenden Geschehens zwangsläufig auf einen tatsächlich ungewöhnlichen Verlauf geschlossen werden muss.
So hat das Eidg. Versicherungsgericht im Jahre 1964 festgehalten, es liege ein Unfall im Rechtssinn vor, wenn das Trommelfell eines Wasserspringers durch den Wasserdruck perforiert wird.
Wasser sei als ungewöhnlicher äusserer Faktor zu bewerten, wenn es eine Gesundheitsschädigung bewirke, indem es plötzlich in den Körper eines Badenden eindringe. Bei dem umstrittenen Turmsprung habe durch das Untertauchen der äussere Druck auf das Trommelfell plötzlich zugenommen, wie ein Schlag gewirkt und eine Perforation verursacht. Wie ein geübter Mineur einmal ein akustisches Trauma erleiden oder wie Wasser in das Mittelohr eindringen und zu einer tödlichen Infektion führen könne, so vermöge auch unter Umständen der Wasserdruck das Trommelfell eines Wasserspringers zu schädigen, zumal wenn dieser vom höchsten Brett abspringe. Ob der Sprung technisch einwandfrei ausgeführt werde oder aber misslinge, sei in diesem Zusammenhang unerheblich (EVGE 1964 S. 65 E. 2d S. 69 mit Hinweis).
Lähmungen beim Auftauchen
Urteil U 203/04 vom 20.12.2004 (Volltext)
Beim Auftauchen habe er im Bereich von 5 Metern unter dem Wasserspiegel Lähmungen in den Armen verspürt, sich an der Oberfläche übergeben müssen und sei bewusstlos geworden.
Resultat: Der Unfallbegriff ist nicht erfüllt.
Das EVG kann kein, für die Annahme eines Unfalles nötiges, in der Aussenwelt auftretendes Ereignis feststellen, welches den normalen Bewegungsvorgang des Tauchers, also das Verhältnis zwischen Körper und Aussenwelt gewissermassen programmwidrig beeinflusse. Einzig der sich ändernde Wasserdruck habe von aussen auf ihn eingewirkt und die nachfolgende Lähmung verursacht. Auch das durch Panik verursachte schnelle Auftauchen stelle keinen äusseren Faktor, sondern auch nur die Folge des Dekompressionstraumas dar.
Freiwilliger Sprung ins Wasser
Urteil U 243/03 vom 17.08.2004 (Volltext)
Nach einem Sprung ins Bassin einen starken Schlag im Rücken verspürt.
Resultat: Ohne besonderes Vorkommnis, wie etwa das An- oder Aufschlagen am Bassinfrand oder am Bassingrund ist der Unfallbegriff nicht erfüllt.
Hinweis: Bei einem unfreiwilligen Sturz ins Wasser ist der Unfallbegriff erfüllt.
Segeln
Urteil U 53/02 vom 27.05.2003 (Volltext)
Der Versicherte wird beim Segeln von einem Segelbaum am Kopf getroffen worden.
Resultat: Der Unfallbegriff ist erfüllt.
Ertrinken
EVG 1964, S. 69
Tod durch Ertrinken: Einströmen des Wassers!
Resultat: Der Unfallbegriff ist erfüllt.
Zirkulationstörung
Meinung von Koordination Schweiz
Tod durch Zirkulationsstörung beim Baden
Resultat: Der Unfallbegriff ist nicht erfüllt.