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Die Haushalte konsumieren weniger als erwartet, und die Unternehmen haben ihre Investitionen gekürzt. Der Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit (16 bis 24 Jahre) war so hoch (per Juni bei 21,3%), dass die Regierung die Veröffentlichung der Daten einstellte. Angesichts des Einbruchs des Immobiliensektors haben Chinas grösste Bauunternehmen zudem zunehmend Schwierigkeiten ihre Schulden zu bedienen. In China ist die Immobilienbranche besonders wichtig für die Wirtschaft. Sie macht beinahe 30% des Bruttoinlandprodukts (BIP) aus. In Europa oder den USA sind es lediglich zwischen 10 und 20% des BIP.
Wieso spielt die Lage in China eine Rolle?
China ist die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt und somit von grosser Bedeutung für das globale Wirtschaftswachstum. Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt, dass in diesem Jahr rund 70% des weltweiten Wirtschaftswachstums auf die asiatisch-pazifische Region entfallen. Trotz der erwarteten Verlangsamung der Wirtschaft dürfte China über die nächsten fünf Jahren für stolze 22% des Weltwirtschaftswachstums verantwortlich sein. Das ist mehr als doppelt so viel wie der Beitrag der USA und mehr als das Vierfache des Beitrags des Euroraums.
Die Lage in China erinnert an die US-Immobilienkrise, welche 2008 die globale Finanzkrise auslöste. Die Schwäche des Immobiliensektors dürfte zunehmend auch die chinesischen Banken belasten. Von einer Ansteckung des globalen Finanzsystems gehen wir jedoch, aufgrund der geringeren internationalen Verflechtung von Chinas Finanzindustrie, nicht aus. So ist der chinesische Finanzsektor im internationalen Kontext von deutlich geringerer Bedeutung als der US-amerikanische im Jahr 2008.
Vielmehr dürfte der internationale Handel betroffen sein. Dabei dürfte sich die Schwäche Chinas auf Europa stärker auswirken als auf die USA, da die Handelsverflechtungen insbesondere bei Industriegütern ausgeprägter sind. Für Deutschland ist China das zweitgrösste Exportziel ausserhalb von Europa. Eine schwächere Nachfrage aus China hat auch Folgen für die Schweizer Wirtschaft. China ist, nach Deutschland und den USA, der drittwichtigste Absatzmarkt für Schweizer Unternehmen.
In früheren Krisen hat die chinesische Regierung die Wirtschaft durch staatliche Infrastruktur- und Bauinvestitionen angekurbelt – mit ein Grund für den aufgeblähten Immobiliensektor. Dies ist nun keine Option mehr. Die Regierung hat bisher gezielte Massnahmen ergriffen, um Haushalte und KMU, insbesondere im Technologiesektor, zu unterstützen, zum Beispiel durch Steuersenkungen. Auch die Zentralbank hat Zinssenkungen vorgenommen, die aber bisher wenig Wirkung zeigen. Im Immobiliensektor werden nun auch einige regulatorische Vorgaben gelockert.
Für 2023 strebt die Regierung ein Wirtschaftswachstum von rund 5% an. Selbst wenn dieses Ziel erreicht wird, wird es deutlich unter dem Durchschnitt von 9% in den Jahren 2000 bis 2019 liegen. Zudem wird China langfristig mit einer hohen Verschuldung, einer rasch alternden und schrumpfender Bevölkerung und den geopolitischen Spannungen mit den USA zu kämpfen haben.
Wer in einen Aktienindex für Schwellenländer investiert, hält in der Regel auch chinesische Titel. Der Leitindex MSCI Emerging Markets hat ein China-Exposure von knapp 30%. Weitere 15% des Index sind in Taiwan investiert (siehe Grafik).
Der chinesische Aktienmarkt, gemessen am MSCI China Index, hat von Jahresbeginn bis Mitte September rund 7% in Lokalwährung an Wert verloren. Demgegenüber stiegen die Kurse von Aktien aus Industrieländern im gleichen Zeitraum um rund 14% in US-Dollar.
Für Schweizer Anleger spielt der starke Schweizer Franken eine bedeutende Rolle. Besonders in unsicheren Zeiten wertet sich der Franken auf gegenüber anderen Währungen. Nach Berücksichtigung der Währungsentwicklung beträgt der Verlust des chinesischen Aktienindex also über 10% in Schweizer Franken.
In einem von Unsicherheit geprägtem Umfeld ist es zentral, Anlagen breit zu streuen, denn der weitere Verlauf ist stark abhängig von den Massnahmen aus Peking. So könnte ein Konjunkturpaket, das grösser als erwartet ausfällt, zumindest kurzfristig auch eine Erholung an den Märkten bewirken.
Melanie Rama, Senior Economist
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