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Antikörper-Entwicklung nach Impfung bei Autoimmunkrankheiten
Antibody development after COVID-19 vaccination in patients with autoimmune diseases in the Netherlands: a substudy of data from two prospective cohort studies
Boekel L. et al. Lancet Rheumatol 2021:online
Ziel dieser holländischen Untersuchung war es, die Auswirkung von verschiedenen Immunsuppressiva auf die Antikörperentwicklung nach COVID-19-Impfung bei Autoimmun-Erkrankungen zu untersuchen.
Untersucht wurden die Seroconversion sowie IgG-Antikörper-Titer in einer prospektiven Kohorte von Patienten mit Autoimmun-Erkrankungen (n=632; RA 41%, PsA 11%, SpA 11% und andere; MTX 35%, TNF-Hemmer 22%, Anti-CD20 4%, Prednison 17%; Impfung mit AstraZeneca 54%, Pfizer 38%, Moderna 8%). Durchschnittsalter 63 Jahre, gesunde Kontrollen n=289.
Die Seroconversion nach der ersten Impfdosis war signifikant niedriger bei den Patienten (49%) gegenüber den Kontrollen (73%); hauptsächlicher Grund war die viel schlechtere Seroconversion unter Therapie mit MTX bzw. Anti-CD20-Therapien.
Nach der zweiten Impfdosis betrug die Seroconversion über 80% bei allen Behandlungsgruppen ausser unter Anti-CD20-Therpie (nur 43% Seroconversion).
Fazit:
Um eine hohe Seroconversion zu erreichen, braucht es zwei Impfungen in vorgeschriebenem Abstand bei Autoimmunerkrankten, insbesondere unter Immunsuppressiva. Unter Anti-CD20-Therapie ist die Seroconversion deutlich geringer, während Methotrexat nur eine geringere Seroconversion nach der ersten Impfung zeigt, jedoch nach einer zweiten Impfung kein Unterschied zu den Kontrollen mehr besteht.
MTX sollte wegen der Gefahr der verstärkten Entzündungsaktivität nicht pausiert werden, wichtig sind zwei Impfdosen im vorgeschriebenen Abstand. Der Typ der Impfung hatte keinen Einfluss auf das Impfresultat.
Es ist bekannt, dass nicht nur die humorale Immunität (gemessen an IgG), sondern auch die zelluläre Immunität wichtig für den Schutz gegen SARS-CoV-2 ist. Es ist deshalb nicht sicher zu beurteilen, inwiefern sich die verminderte Seroconversion unter Methotrexat nach erster Impfung beziehungsweise unter Anti-CD20-Therapie auf den Impfschutz auswirkt. Diese Frage muss in künftigen Studien geklärt werden.
Die vorliegenden Resultate werfen die Frage auf, ob es Sinn macht, eine zusätzliche Booster-Impfung, welche in den USA seit dem 13. August 2021 zugelassen ist, zu einem späteren Zeitpunkt ins Auge zu fassen.
Verträglichkeit einer COVID-17 Impfung bei Patienten mit SLE
Tolerance of COVID-19 vaccination in patients with systemic lupus erythematosus: the international VACOLUP study
Felten R et al., Lancet Rheumatol 2021:online ahead of print
In dieser multinationalen Studie wurde die Verträglichkeit einer COVID-19 Impfung mit verschiedenen Impfstoffen bei Patienten mit systemischem Lupus erythematodes untersucht. 696 COVID-19 geimpfte Patienten mit SLE wurden mittels einem web-basierten Fragebogen mit 43 Fragen im Zeitraum März bis Mai 2021 befragt.
696 Patienten erhielten 1 Impfung, 316 2 Impfungen (57% BioNTech, 22% Sinovac, 10% AstraZenca, 8% Moderna und 2% andere).
Nebenwirkungen nach der Impfung hatten 45% der Geimpften nach der 1. Impfung und 53% nach der 2. Impfung. Die meisten Nebenwirkungen waren mild. Nur bei 8% der Patienten mit Nebenwirkungen erfolgte deswegen eine Arztkonsultation und bei 5 Patienten erfolgte eine Hospitalisation. Die Nebenwirkungsrate war bei den Patienten, die einen mRNA Impfstoff erhielten, höher. Ein Flare des SLE trat in 3% (n=21) der Patienten auf, im Durchschnitt 3 Tage nach der Impfung. Bei 4 von diesen SLE Patienten mit Flares erfolgte deswegen eine Hospitalisation, bei den anderen 17 erfolgte eine ambulante Konsultation. Bei 15 der 21 Patienten mit Lupus-Flare war eine Anpassung der Medikation zur Coupierung des Flares notwendig. Die häufigsten Flare-Manifestationen waren muskuloskelettale Symptome und/oder Müdigkeit. Schwerwiegende Schübe waren sehr selten (2 mit Nephritis, 1 mit Perikarditis).
Fazit:
Die aktuell zur Verfügung stehenden COVID-19 Impfungen verursachen relativ häufig Impfnebenwirkungen bei Patienten mit SLE. Die Nebenwirkungen sind bei den meisten Patienten mild und erfordern nur selten eine Arztkonsultation. Durch die Impfung getriggerte Flares des SLE sind selten und wenn, dann meistens nicht bedrohlich. Da Müdigkeit oder vermehrte muskuloskelettale Symptome die häufigsten Flare-Manifestationen sind, ist die Unterscheidung eines Lupus-Flares von einer normalen Nebenwirkung nicht einfach.
Sicherheit und Effektivität von Tofacitinib vs. Baricitinib bei RA
Efficacy and safety of tofacitinib versus baricitinib in patients with rheumatoid arthritis in real clinical practice: analyses with propensity score-based inverse probability of treatment weighting
Mykiazaki Y. et al. Ann Rheum Dis . 2021;80(9):1130
Die Differenzen zwischen den einzelnen Januskinaseinhibitoren bezüglich Wirksamkeit und Sicherheit sind erst spärlich beleuchtet.
In dieser Registerstudie wurden Daten aus dem japanischen FIRST Register über eine Therapiedauer von 24 Monaten erhoben. Primärer Endpunkt war die Remissionsrate nach 24 Monaten unter Verwendung des CDAI. Sekundäre Endpunkte waren Krankheitsaktivität, Retentionsrate und Sicherheit.
Die Patientencharakteristika waren gleichmässig verteilt und es gab keine Verzerrung durch einzelne dem FIRST-Register angeschlossene Kliniken. Bezüglich CDAI und Remissionsrate nach 24 Monaten war Baricitinib Tofacinitib überlegen. Absolute Therapieversager waren eher in der Tofacitinibgruppe zu finden. Die Autoren schliessen, dass Tofacitinib weniger effektiv sein könnte bei Patienten mit multiplen Vortherapien und das Baricitinib effektiver sein könnte nach 24 Monaten. Bezüglich Nebenwirkungen konnte kein Unterschied gesehen werden.
Fazit für die Praxis:
Diese Registerstudie gibt einen Hinweis auf ein unterschiedliches Wirksamkeitsprofil von Baricitinib und Tofacitinib zugunsten von Baricitinib bei vermutlich gleicher Sicherheit in einer asiatischen Population. Für multiple vorbehandelte RA-Patienten wäre whs. Baricitinib gegenüber Tofacitinib zu bevorzugen. Diese Daten müssten aber in einer head-to-head Studie unter Einschluss verschiedener Ethnien bestätigt werden, um in Guidelines Eingang zu finden.