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Minigürteltiere
Hebt man jetzt einen Blumentopf oder eine Platte im Garten hoch, krabbeln sie zu Dutzenden und in allen Grössen davon. Als Kinder nannten wir sie Gürteltiere, allen Belehrungen der Erwachsenen zum Trotz.
26. Mai 2020 — Marianne Haffner
Natürlich wussten wir, dass Kellerasseln nichts mit den gepanzerten Säugetieren in Amerika zu tun haben. Aber sehen sie denen auf den ersten Blick nicht irgendwie ähnlich? Kellerasseln sind, wie man auf den zweiten Blick meinen könnte, auch keine Insekten, sondern Krebstiere. Innerhalb dieser gehören sie, wie etwa Hummer oder Langusten, zur Klasse der Höheren Krebse. Die meisten Krebse leben im Wasser, denn sie atmen ausschliesslich mit Kiemen. Kurze Ausflüge an Land kann sich nur leisten, wer über eine mit Wasser gefüllte Kiemenkammer verfügt, wie beispielsweise unsere Flusskrebse. Im Gegensatz dazu sind die Kellerasseln vollkommen zum Landleben übergegangen. Zwar haben diese Landasseln noch winzige Kiemen unter den Beinplatten, doch viel wichtiger sind die Luftröhren an den flachen Hinterleibsextremitäten, mit denen sie direkt aus der Luft Sauerstoff aufnehmen können. Sogar für die Eiablage müssen Kellerasseln nicht ins Wasser. Gleich nach der Paarung häutet sich das Weibchen und bildet eine Tasche auf der Bauchseite. Darin sondert es eine Flüssigkeit ab und legt bis 70 Eier in dieses winzige Aquarium. Nach über einem Monat schlüpfen die Jungtiere und werden freigesetzt. Sie sind viel kleiner als die Erwachsenen. Deshalb eilen, hebt man draussen einen Blumentopf, Kellerasseln in allen Grössen davon. Einige bleiben liegen und man befürchtet, man hätte sie erdrückt. Doch keine Angst: Die Totgeglaubten sind entweder in Schreckstarre auf dem Rücken verharrende Asseln oder es sind abgestreifte Häute. Denn wenn Asseln wachsen, müssen sie ihr hartes Aussenskelett abwerfen und ein neues, grösseres bilden. So häuten sich die Jungen etwa 14-mal, bis sie Erwachsenengrösse erreichen. Meist fressen sie die leeren Panzer auf, denn diese bestehen hauptsächlich aus Mehrfachzucker (Chitin), einem wertvollen Nährstoff. Recycling ist auch sonst ihr Motto, denn Kellerasseln ernähren sich von abgestorbenen organischen Materialien, bilden Humus und sind deshalb ganz wichtige Akteure im Stoffkreislauf der Ökosysteme. Wahrscheinlich rührt ihr wissenschaftlicher Name Porcellio scaber, was ungefähr «unsauberes Schweinchen» heisst, von ihrer Vorliebe für verrottendes Material. Ihrem deutschen Namen werden sie aber nur gerecht, wenn der Keller feucht ist – und lagern dort Kartoffeln oder Gemüse, so sind das für Kellerasseln willkommene, verrottende Pflanzenteile.