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Cornelia Escher
Visionäre Architektur- und Stadtentwürfe als Lösungsansätze für neue gesellschaftliche Herausforderungen – darin sah der GEAM (Groupe d’Études d’Architecture Mobile) seine Aufgabe. Seine Gründung 1958 stand am Anfang einer Welle konzeptioneller Architekturen, die in den späten 1960er Jahren ihren Höhepunkt erreichen sollte. Die Gruppe forderte eine «mobile» Architektur, die flexibel an die Bedürfnisse der Bewohner anzupassen sein sollte, zunächst in Reaktion auf das Ende der Congrès Internationaux d’Architecture Moderne (CIAM), die von jüngeren Architekten zunehmend skeptisch beurteilt wurden. Die Kritik des GEAM, zu dessen bekanntesten Vertretern Yona Friedman, Frei Otto und Oskar Hansen gehörten, zielte weniger auf einen Bruch mit den CIAM-Prinzipien als auf die Erneuerung konzeptioneller Ansätze.
Dabei nimmt der GEAM eine Scharnierstellung ein, in der sich das Visionäre aus dem Modernen formt. Anstatt sich in einer fantastischen Bildproduktion und einer architektonischen Science Fiction zu erschöpfen, dienten die Entwürfe der einzelnen Mitglieder dazu, die architektonische und städtebauliche Debatte zu öffnen. Eines der wenigen gemeinsam entwickelten und realisierten Projekte war die Wanderausstellung L’Architecture mobile, eine breit angelegte Plattform, mit der die Protagonisten 1961/62 ihre Ideen und Konzepte unter anderem in Paris, Hannover, Warschau und Amsterdam präsentierten.
2017. 16,5 x 24,5 cm, Klappenbroschur
428 Seiten, 179 Abbildungen
ISBN 978-3-85676-365-7
60.00 CHF / 60.00 EUR
Philibert Delorme und die gesellschaftliche Verantwortung des Architekten in der französischen Renaissance
Niklas Naehrig
Vorwort von Werner Oechslin
Kein anderer Architekt hat das Baugeschehen im Frankreich des 16. Jahrhunderts so sehr geprägt wie Philibert Delorme (um 1514–1570). Von Henri II an den französischen Hof geholt, bestimmte er als oberster Baubeamter das Erscheinungsbild der Monarchie nicht nur im Hinblick auf ihre Repräsentationsbauten. Nach Henris Tod wandte er sich dem Schreiben zu, ja er definierte das Fachbuch der Architektur neu und etablierte den Typus eines politischen Architekten, der seine Tätigkeit konsequent auf das Gemeinwohl ausrichtet.
Diesen Architekten, der sich als genialer Künstler und gleichermassen als verantwortliches Mitglied einer kulturellen wie politischen Elite versteht, charakterisierte Delorme im Premier Tome (erschienen 1567) mit den Worten sage, docte & expert als weise, gelehrt und erfahren. Philibert Delorme beschreibt einen Architekten, der in der Gegenwart einen Standpunkt bezieht und Architektur als Abbild der Verhältnisse sieht – und gelegentlich auch als Wunschbild solcher, die er sich erhofft.
2016. 16,5 x 24,5 cm, Klappenbroschur
388 Seiten, 84 Abbildungen
ISBN 978-3-85676-359-6
58.00 CHF / 54.00 EUR
Martin Tschanz
Die 1855 gegründete Bauschule am Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich, Vorläuferin des heutigen Departements Architektur der ETH, prägte das moderne Berufsbild des Architekten wegweisend: Unter der Leitung von Gottfried Semper wurden Elemente der akademischen Ausbildungstradition in die grundsätzlich polytechnisch orientierte Schule integriert. So bildete sich eine Lehre heraus, die wissenschaftliche, künstlerische und technische Aspekte in sich vereinigt. Die Relevanz der einzelnen Fächer und deren Bezug zum zentralen Unterricht im Architekturatelier waren damals nicht weniger umstritten als heute. Die «technische Richtung», vor allem von dem Architekten Ernst Gladbach vertreten, hatte bald nicht mehr jenes Gewicht, das ihr ursprünglich zugedacht gewesen war. Sie blieb jedoch der zweite Pol der Ausbildung, der den künstlerischen ergänzte.
Wie Gottfried Semper sein Fach verstand, demonstrierte er nicht zuletzt mit seinem 1859 bis 1864 erbauten Hochschulgebäude in Zürich, in dem er die Architektur als integrierende, zwischen den unterschiedlichen Kulturen und Disziplinen vermittelnde Kunst manifest werden liess.
2015. 16,5 x 24,5 cm, Klappenbroschur
340 Seiten, 159 Abbildungen
ISBN 978-3-85676-343-5
58.00 CHF / 54.00 EUR
Oya Atalay Franck
Anders als in Westeuropa und in Nordamerika, wo die Moderne das Ergebnis eines sich über viele Jahrhunderte erstreckenden gesellschaftlichen, kulturellen und künstlerischen Evolutionsprozesses war, kam ihr in der Türkei der Charakter eines nationalen Projekts zu. Dieses Projekt war in sich widersprüchlich, denn die junge Republik verfolgte zwei schwer zu vereinbarende Ziele: die Türkei dem Westen anzugleichen und sie zugleich von ihm zu differenzieren. In der Publikation werden verschiedene Aspekte dieses Vorhabens am Beispiel eines einzelnen Akteurs jener Zeit analysiert – des schweizerisch-österreichischen Architekten Ernst Egli (1893–1974).
2012. 16,5 x 24,5 cm, Klappenbroschur
267 Seiten, 175 Abbildungen
ISBN 978-3-85676-255-1
58.00 CHF / 54.00 EUR
Konstanze Sylva Domhardt
Die Leitsätze der Moderne zu einer «funktionellen Stadt» haben den heutigen gebauten Lebensraum massgeblich geprägt. Aber die Stadt des 20. Jahrhunderts war nie allein Zeugnis rein rationaler Entwurfsentscheidungen. Ihre Räume wurden immer auch bewusst als Orte für eine menschliche Gemeinschaft gestaltet. Die Congrès Internationaux d’Architecture Moderne (CIAM) haben die Stadt weit über ihre funktionalen Aspekte hinausgehend gedeutet. Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg gaben sie ihr ein menschliches Gesicht. In einer unkonventionellen Arbeitsgemeinschaft aus Architekten, Stadtplanern, Künstlern, Historikern und Sozialforschern erhoben sie den öffentlichen Raum als «Heart of the City» zu einem Topos der Planung. Die vielfältigen Analysen und Entwürfe der CIAM spiegeln auf einzigartige Weise einen ideologischen Wandel innerhalb der Moderne.
Ihre in Kongressen und informellen Treffen entwickelte Idee einer «Humanisierung der Stadt» verbreiteten die CIAM durch Publikationen und eine intensive Korrespondenz bis über den Atlantik. Es entstand ein fruchtbarer Austausch, in dem theoretische Konzepte und konkrete Modelle aus Amerika auf die europäische Stadt zurückwirkten. Diesem transatlantischen Dialog und seinem Einfluss auf die städtebauliche Entwicklung Europas sowie die gesellschaftliche Erneuerung nach dem Krieg geht das Buch nach.
2012. 16,5 x 24,5 cm, Klappenbroschur
424 Seiten, 167 Abbildungen
ISBN 978-3-85676-277-3
62.00 CHF / 58.00 EUR
Katrin Eberhard
Komfort, Gesundheit und Kontrolle – die Technisierung des Wohnens in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts folgt diesen Bedürfnissen. Die neue Haustechnik beeinflusst Entwurf, Gestaltung und Wahrnehmung von Gebäuden. Nicht zuletzt durch die aufkommende Elektrizität werden neuartige architektonische Lösungen möglich: Die Klimatisierung der Raumluft lässt grosse Verglasungen und fliessende Grundrisse zu; automatisch versenkbare Scheiben öffnen das Haus zum Garten hin; Personen- und Speiselifte erlauben den Empfang von Gästen sogar auf der Dachterrasse; mit zentral regulierten Lautsprechern kann jeder Raum in ein Musikzimmer verwandelt werden; Telefonanschlüsse für interne und externe Gespräche verstärken auf indirekte Weise die Trennung der Bereiche der Hausherrschaft von jenen des Personals. Das «Equipment» eines Hauses avanciert zum Gesprächsthema und zum Statussymbol.
Vor dem Hintergrund der Kontroverse um den von Le Corbusier geschaffenen Begriff der «Wohnmaschine» analysiert Katrin Eberhard die genannten Hauptmotive an drei charakteristischen Bauten aus dem Ende der 1920er Jahre: die Villa Cavrois von Robert Mallet-Stevens, das Lovell Health House von Richard J. Neutra und das Huis Van der Leeuw von Jan Brinkman und Leen van der Vlugt.
2011. 16,5 x 24,5 cm, Klappenbroschur
264 Seiten, 167 Abbildungen
ISBN 978-3-85676-276-6
52.00 CHF / 48.00 EUR
Martino Stierli
Aus dem Forschungsprojekt Learning from Las Vegas, das die Architekten Robert Venturi und Denise Scott Brown 1968 gemeinsam mit Steven Izenour und Studierenden der Yale University durchführten, resultierte 1972 die gleichnamige Publikation – ein Buch, das eine entscheidende Wende in der Architekturtheorie markierte. Martino Stierli untersucht diese Publikation sowie das Phänomen ihrer Wirkung im Kontext des amerikanischen Architektur- und Städtebaudiskurses der 1960er und 1970er Jahre und stellt sie in einen grösseren kulturhistorischen Zusammenhang.
Martino Stierlis Arbeit wurde ausgezeichnet mit der Goldmedaille der ETH Zürich und dem Theodor-Fischer-Preis 2008 des Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München.
2010. 17 x 25,5 cm, Klappenbroschur
352 Seiten, 227 Abbildungen
ISBN 978-3-85676-249-0
58.00 CHF / 54.00 EUR
Samia Henni
After over 120 years of French colonial rule in Algeria, the growing aspirations for independence culminated in the Algerian Revolution of 1954, which lasted until 1962. In order to combat the uprisings, the French civilian and military authorities reorganised the entire territory of the country, swiftly erected new infrastructures and pursued building policies that were ultimately intended to stabilize French dominance in Algeria. The study describes the architectural responses undertaken in the midst of this protracted and bloody armed conflict. It analyses their origins, evolutions and objectives, identifies the actors involved and reveals the underlying design methods.
Nach mehr als 120 Jahren französischer Kolonialherrschaft führten die wachsenden Unabhängigkeitsbestrebungen 1954 zur algerischen Revolution, die bis 1962 andauerte. Um die Aufstände zu bekämpfen, reorganisierten die französischen Zivil- und Militärbehörden das gesamte Territorium, errichteten in kürzester Zeit neue Infrastrukturen und verfolgten eine Baupolitik, die letztlich die französische Dominanz in Algerien stabilisieren sollte. Die Studie beschreibt die architektonischen Massnahmen während dieses langwierigen und blutigen bewaffneten Konflikts. Sie analysiert ihre Ursprünge, Entwicklungen und Ziele, benennt die beteiligten Akteure und zeigt die zugrundeliegenden Entwurfsmethoden auf.
Englisch
2017. 16,5 x 24,5 cm, Klappenbroschur
ca. 300 Seiten, 73 Abbildungen sw
ISBN 978-3-85676-376-3
48.00 CHF / 48.00 EUR