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Heiko Idensen, Hannover
Um- und Unordnungen digitaler Diskurstechniken:
Von universalen Hypertext-Utopien zu pragmatischen Kollaborationstools im Netz
"keys: social web, soziale Textfilter, Verschwinden des Autors,
gemeinschaftliche Textproduktion, soziale Schreibräume, CSCW
Vorspiel vor dem WEB - Rauschen der Kanäle
Avantgarde. Postmoderne. Softmoderne. Hardmoderne. Netzmoderne ...
"Wem gehört das Internet?"
"Wer regiert das Internet?"
"Intertext, Hypertext, Cybertext: Wer spricht, schreibt, liest, programmiert, wer klickt?"
"Wer ist der Autor eines Macro-Virus?
"Wo verlaufen die Machtlinien in der digitalen Wissensordnung?"
Seit Hypertext sich über das WWW zum Massenmedium (zum bevorzugten Ort
des Denkens, zum globalen Handlungs- und Handelsraum ...) entwickelt, scheint
der Traum eines universellen Text-Universums, in dem Lesende und Schreibende
gleichermaßen navigieren, recherchieren, annotieren, exportieren, kopieren
und pasten, filtern, auswählen, attachen, forwarden, bookmarken, sich einwählen,
die Verbindung unterbrechen ... (kurz: schreiben und lesen) technologisch
so einfach realisierbar - und doch kulturell so weit entfernt (wie das kommunistische
oder futuristische Manifest - oder eben die Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace)
- eben nicht auf breiter gesellschaftlicher Basis als Kulturtechnik eingeführt."
Projekte: Netz/Werk/Kultur/Theorie - Kolloquium und GVOON und
Die Imaginäre Bibliothek und Heiko Idensen: Texte & Hypertexte.
Doris Köhler, Bremen
Den Link übersetzen - aus afternoon wird nachmittags
"Ich werde über die Übersetzung von Michael Joyces 'afternoon, a story', die
Probleme und Lösungswege berichten. Und - wenn möglich - die deutsche
Übersetzung präsentieren. "
Doris Köhlers Projekte: Interstory. Digitales Erzählen
Dirk Schröder, Konstanz
Der Hyperlink als Herme und Seitensprung
"Eine kleine Bilanz: was hat Hypertext tatsaechlich gebracht? Zu welchem Zweck
werden Hyperlinks in Texten genutzt und was haben Verknüpfungsstruktur
und Erzähltechnik miteinander zu tun? Welche Unterschiede bestehen zwischen
dem Einsatz von Links in Hyperfiction, in wissenschaftlichen Arbeiten und
in Lernsoftware? Ein auf den ersten Blick banales Thema, das aber schnell
weitreichendere Fragen aufwirft. "
Dirk Schröders Websites: digiLit , Mailingliste Netzliteratur
und lias Literaturserver am See sowie die Textgalerie.
Johannes Auer, Stuttgart
Der Leser als DJ oder was Internetliteratur mit HipHop verbindet
(mit finalem TanGo)
Johannes Auer leitet die Online-Projekte der Stadtbücherei Stuttgart, die in
Zusammenarbeit mit Reinhard Döhl und andern Autorinnen und Autoren
entstehen. Ein Aufsatz zum Thema Schreiben und Lesen im Internet findet
sich daselbst.
Martina Kieninger, Montevideo
Online Chat mit Martina Kieninger zum Thema "Internet und Literatur".
Am 22. 8. 1998 schrieb Martina Kieninger in einer E-Mail:
"Zum Thema Internet-Roman und Hypertext
liesse sich jetzt ein ganzer Sack voll sagen, zum Beispiel, dass niemand
wirklich parallel lesen kann, dass es genau der Witz der Romanschreiberei
ist, parallele Handlungsstränge zu einem fortlaufendenErzählfaden zu
ver - oha: UraltMetaffer: verspinnen. Durch Einschübe, cuts,
Nebenerzählungen ein ritardando einzulegen, oder au contraire zu
beschleunigen. Tempo machen. Klavierspiel aufm Lesergefühl.
Ich glaube inzwischen, dass es für
jeden Erzählstoff hinreichend und notwendig und eineindeutig nur eine
Lösung gibt hinsichtlich Anordnung des Erzählmaterials (Dialoge,
Exkurse, Personen, Landschaftsbeschreibungen, Einkaufszettel,
Fernsehprogramme, Wettervorhersagen, Sternbilder, Mondaufgänge, etc. ).
Wenns nun - meiner Überzeugung nach - 1 und nur 1 optimale Lösung gibt,
dann will ich die zweitbeste einfach nimmer lesen - auch im Netz nicht."
Martina Kieningers Projekte als Autorin: wanzntanzn und tanGo.
Claudia Klinger, Berlin
Webseiten sterben nicht - vom Autor zwischen Netz und RL
Zahlreiche Projekte zu kooperativer Autorschaft, das Cyberzine Missing Link
und Zugänge zu diversen anderen Projekten findet man auf
Claudia Klingers Homepage, der speziell fürs Symposium eingerichteten
Zugangsseite sowie in der Textgalerie.
Rolf Todesco, Zürich
Hyperkommunikation: Schrift-Um-Steller statt Schriftsteller
Verschiedene Essays und Projekte von Rolf Todesco, dem Mitorganisator der
MMK, finden sich auf seiner Homepage sowie auf der Website der Fachstelle
für Weiterbildung an der Universität Zürich.
Peter Berlich, Baden
"Das Digitale Kloster"
"Der sogenannte 'Cyberspace', ursprünglich selbst ein literarischer Topos,
ist unversehens real und selber zum Austragungsort von Literatur geworden.
Er hat dabei seine eigene Wirklichkeit bewahrt, die sich von der unseren
nicht nur unterscheidet und abgrenzt: Sie bringt ironischerweise auch ihre
eigene Transzendenz mit hervor.
Willkommen, Adepten, Auguren, Touristen und Zen-Meister in meinem
Digitalen Kloster!"
Peter Berlichs Erzählmaschine: Core
Martin Auer, Wien
"Klick mich, ich bin interaktiv!"
Martin Auer ist freier Schriftsteller und Kinderbuchautor in Wien.
Seine Projekte im Netz: Lyrikmaschin e und verschiedene andere Projekte
für Erwachsene und für Kinder.
Oliver Gassner, Vaihingen
"noise 99"
Oliver Gassner wird ein neues Projekt vorstellen. Sein Hauptprojekt [OLLI],
eine umfassende Website zur Literatur im Internet, ist unter
http://www.carpe.com bzw. http://www.carpe.com/lit/ zu finden.
Zwei seiner Arbeiten als Autor: "tango rgb" und "kwadrant c/y"
Susanne Berkenheger, München
"Hilfe!" - Ein Hypertext aus vier Kehlen
Susanne Berkenheger wird ein neues Projekt präsentieren. Verschiedene
Projekte der Autorin finden sich auf ihrer Homepage WarglaOuargla.
Als Jurorin des Internet Wettbewerbs 1998 von Zeit und IBM hielt sie
die Laudatio im ZKM in Karlsruhe.
Reinhold Grether, Konstanz
Netzliteratur und das globale Imaginäre
"Selbstreflexion des eigenen Mediums gehört zu den fast unbestrittenen
Abgrenzungsmerkmalen von Kunst. Das Internet stellt eine global verteilte,
beschleunigt sich verdichtende virtuelle Zweitwelt dar, die auch von
Kunstwerken penetriert wird. Es soll deshalb danach gefragt werden,
wie Netzliteratur/ Netzkunst das Medium ihres Erscheinens reflektieren
und ob und welche Begriffe eines globalen Imaginären dabei ins Spiel
kommen."
Grethers Projekt: Die Weltrevolution nach Flusser
Bernd Wingert, Karlsruhe
Der Leser - im Weinberg oder im Steinbruch?
"Die Metaphorisierung der Lesesituation, die ich im Titel mit 'Weinberg'
und 'Steinbruch' vorgenommen habe, legt den Verdacht nahe, es ginge mir
nur um konzeptionelle Klärungen oder um griffige Modellierungen, wie sie
in der Programmatik und Theorie zu Hypertexten (HTen) und Hypermedien
vielfach vorgenommen wurden. Für eine Zusammenschau solcher Modelle
und 'Leserrollen' sei auf einen schönen Aufsatz von Ortheil verwiesen, der
zudem den Vorteil hat, in einem Schweizer Publikationsorgan erschienen
zu sein. 1]
Es geht mir um solche Modelle, aber auch um die wirklichen, echten,
hautnahen und gelegentlich frustrierenden Erfahrungen, die ich als Leser
von HTen bisher gemacht habe. In diesem Zusammenhang steht das Bild
des Weinberges für eine Lesesituation, in der der Leser (bzw. die Leserin)
in einem bekannten Gelände im vorhinein (weitgehend) bekannte
(Lese-) Früchte pflückt und sich daran labt. 2] Im Vergleich zur faktischen
HT-Lsesituation enthüllt die Metapher ihren verschleiernden Charakter darin,
daß im HT das Wo und Was des Pflückens gerade nicht im vorhinein bekannt ist.
Natürlich trifft auch die Metapher 'Steinbruch' die Charakteristik des
risikobehafteten Leseweges im HT nicht ganz; zwar kann man im HT per Klick
ins 'exit' befördert und so von weiterem Lesen ausgeschlossen werden und
insoweit 'abstürzen'; aber blaue Flecken holt man sich dabei nicht.
Es geht mir in meinem Beitrag um die Klärung solcher Leseerfahrungen, um u.a.
die Frage zu prüfen, ob und (falls ja) in welchem Sinne HTe Ezählmodelle liefern
können. Dabei bezieht sich der Hauptteil meiner Erfahrungen noch auf Disketten-
(statt auf Online-)Werke. Aber dies wird sich ändern.
1] Hanns-Josef Ortheil: Wanderungen im Wortmassiv. Lesen und Schreiben im
elektronischen Zeitalter. Neue Zürcher Zeitung, Nr. 19, vom 24./25.1.98, S. 50.
Dieser Artikel verdankt sich einem Seminar, das Heiko Idensen und Ortheil
zusammen durchgeführt haben.
2] Wer 'Weinberg' zusammen mit 'Text' verwendet, kommt nicht umhin aufzudecken,
daß diese Assoziation schon besetzt ist: Ivan lllich: Im Weinberg des Textes. Als das
Schriftbild der Moderne entstand. Frankfurt a.M.: Luchterhand Literaturverlag 1991."
Uwe Wirth, Frankfurt
Wen kümmert's, wer liest?
Uwe Wirth wird einige Thesen aus seinem Aufsatz 'Literatur im Internet.
Oder: Wen kümmert's, wer liest?' vorstellen. Der Aufsatz findet sich im Buch
'Mythos Internet' (1997), herausgegeben von Stefan Münker und Alexander
Roesler, Seiten 319 337 - und im World Wide Web auf
http://www.rz.uni-frankfurt.de/~wirth/LITIMINT.htm.
Christiane Heibach, Frankfurt
"Creamus ergo sumus". Ansätze einer Multimedia-Ästhetik
"Bezeichnet man das Internet als 'virtuellen Raum', so wird damit zweierlei betont:
zunächst ist der Raum, in dem sich die kommunikativen Prozesse und Projekte
befinden, nicht mit dem zu vergleichen, was wir normalerweise als Raum empfinden.
Der virtuelle Raum des Internet konstituiert sich aus den Verbindungen zwischen
Mensch und Maschine bzw. zwischen Menschen durch die Maschine.
Zum anderen grenzt sich 'Virtualität' explizit gegen 'Realität' ab. Dennoch
besteht zwischen beiden keine Opposition, im Internet finden sich alle Lebensbereiche
des 'real life' wieder, in einer Art verdichtetem Mikrokosmos, in dem - verstärkt durch
technische Modifikationen - ganz bestimmte Tendenzen der gesellschaftlichen
Entwicklung betont werden. Dazu gehören vor allem die schon durch den
Poststrukturalismus diagnostizierten Veränderungen von hierarchischen Strukturen
zu rhizomatischen Netzen, die den absoluten Standpunkt zugunsten der
Perspektivenvielfalt aufgeben, das in den Naturwissenschaften, von den
Sozialwissenschaften mittlerweile übernommene strukturelle Paradigma des
komplexen Systems, das sich durch Prozesse definiert, sowie der Zerfall klarer
kategorialer Abgrenzungen, wie sie sich vor allem im Bereich der künstlerischen
Internetprojekte zeigen.
Aus letzterem formt sich langsam eine neue Ästhetik des Virtuellen, die die Literatur-
und Kunsttheorien vor sehr viel größere Probleme stellt, als diese Disziplinen bisher
wahrhaben wollen. Die Oszillation von verschiedenen semiotischen Zeichensystemen,
der kommunikativ-appellierende Charakter, die enge Beziehung zwischen visueller
Manifestation und technischer Struktur erlauben es nicht mehr, mit den traditionellen
Abgrenzungs- und Zuordnungsmechanismen der bisherigen ästhetischen
Kategorienbildung an diese Phänomene heranzugehen."
Michael Charlier, Essen
Rückbau in Babylon -
Literatur ohne Lettern von der Armenbibel bis Myst
"Der historische Teil wäre natürlich der kleinste - es ginge mir darum,die
Dimension herzustellen und den heutigen Punkt, an dem wir uns um das Ende
der Schriftkultur sorgen, in Beziehung zu den Anfängen dieser Kultur zu
setzen. Babylon kommt hier gleich doppelt ins Spiel: Einmal, weil die neuen
narrativen Medien, so es sie denn gibt, eine unverkennbare Tendenz zu
Sprachlosigkeit aufweisen, dann aber auch, weil der berüchtigte Turmbau eines
der beliebtesten Sujets für Geschichten ohne Worte in der bildenden Kunst
darstellt. Weitere Stichworte wären
- Die Biblia Pauperum als Buch für Analphabeten
- Der Totentanz als wortloses Essay
- Kirchenfenster im Zentrum eines multimedialen Environments."
Referat von Michael Charlier beim Pegasus-Symposium im ZKM (21.11.98):
Was ist neu in der Netzliteratur?
Wer von den Teilnehmenden wünscht, dass Angaben geändert oder weitere Informationen
auf dieser Seite erscheinen, kann dies Beat Suter mitteilen.
|Letzte Änderungen:
15.12.98 > Impressum