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"...die von der Natur zwischen uns aufgerichtete Alpengrenze" – Mythos Brennergrenze
Seit dem Ersten Weltkrieg und der Heroisierung der "Dolomitenfront" hat die Nordgrenze Italiens eine starke symbolische Bedeutung. Auf beiden Seite der Grenze wurde ein Blut und Berge Mythos betrieben, den nicht zuletzt Autoren wie Luis Trenker zwischen Rom und Berlin bedienten. Unter dem Faschismus (und besonders nach dem "Anschluss" Österreichs 1938) sollte diese Grenze durch eine Vielzahl von Massnahmen gesichert werden. Die deutschsprachige Bevölkerung südlich des Brenners gefährdete diesen "ewigen" Grenzanspruch. Daher betrieb man Assimilierung, später Majorisierung und letztlich Umsiedlung der SüdtirolerInnen. Daneben wurde ein massiver militärischer Sperrwall errichtet, der "Vallo alpino del Littorio" und auch durch Architektur wollte man das Gebiet in Besitz nehmen – nicht zuletzt symbolisch durch Denkmäler. Beinhäuser (Ossarien) wurden ab 1938 am Brenner, Reschen und im Pustertal errichtet. In diesen kleinen "Totenburgen" halten italienische Gefallene – umgebettet aus allen Frontabschnitten – "Grenzwacht". Alle auf ehemals österreichisch-ungarischem Territorium gelegen, schreiben diese "Heldendenkmäler" einen Besitzanspruch nach der Devise "Italien ist dort, wo italienische Gräber sind" fest. Die Ossarien im Südtirol nehmen sich allerdings im Vergleich mit den Ossarien an Italiens Ostgrenzen sehr bescheiden aus. Ein Grund dafür könnte sein, dass die faschistische Politik gegenüber den Slawen viel brutaler und aggressiver war, als jene gegenüber den Südtiroler. Das Referat will Denkanstösse aus mentalitätsgeschichtlicher und kulturgeschichtlicher Sicht geben, wobei Symbole, Rituale und Zeremonien eine prominente Rolle spielen.