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Ritter, Katzen, Karikaturen: Künstlerische Spuren von Staatsarchivar Robert Durrer
Der Nidwaldner Staatsarchivar Robert Durrer leistete nicht nur als Kunsthistoriker und Urkundenforscher Pionierarbeit. Er war auch künstlerisch tätig. Und hinterliess seine zeichnerischen Spuren auch auf Akten und Amtsschriften.
Wie die Skizzenbücher aus den Jugendjahren zeigen, beherrschte der Nidwaldner Staatsarchivar Robert Durrer (1867-1934) schon als Jugendlicher die Kunst, Pferde und andere Tiere wohlproportioniert zu Papier zu bringen. Zudem begeisterte er sich für Historisches. Zur Fauna gesellten sich mittelalterliche Krieger und Wappen.
Durrer besuchte die Kunstakademien in Genf und Bern. Anschliessend vervollständigte er an den Klostergymnasien von Einsiedeln und Sarnen seine Lateinkenntnisse. In den Jahren 1889-1893 studierte er in Bern und Zürich Recht und Geschichte. In den Kollegienheften aus jener Zeit finden sich nur recht spärliche Vorlesungsnotizen – dafür ein Gewimmel von Rittern, Pferdchen und Wappen.
Der Zürcher Kunsthistoriker Johann Rudolf Rahn ermöglichte Durrer die Mitarbeit an den Kunstdenkmäler-Statistiken der Kantone Solothurn und Thurgau. Später übertrug er dem jungen Forscher die Inventarisierung der Kunstdenkmäler von Unterwalden. Hier leistete Durrer Pionierarbeit, indem er auch nachmittelalterliche Bauwerke und die ländlich-bäuerliche Architektur als denkmalwürdig beschrieb. Zudem bezog er Kenntnisse mit ein, die er durch das Studium schriftlicher Quellen gewonnen hatte. Dies hatte Vorbildwirkung für die weitere Erforschung und Dokumentation des gebauten Schweizer Kulturerbes.
Durrers wissenschaftliche Arbeit als Geschichtsforscher, Kunsthistoriker, Denkmalpfleger und Archäologe einerseits und seine künstlerische Tätigkeit andererseits profitierten in fruchtbarer Weise voneinander. Von den erforschten Kunstdenkmälern, die er mittels akribischen Illustrationen dokumentierte, liess er sich zu eigenen Entwürfen anregen. Auch als sich die Kunstwelt von der Nachahmung historischer Stile abwandte, blieb Durrer bei seiner Orientierung an hergebrachten Formen. Für die von ihm gestalteten Objekte wie Zunftbecher, Fahnen und Wappen hielt er den «konservativen Charakter» seiner Entwürfe für angemessen.
Trotz aller Vergangenheitsorientierung schien sich Durrer aber ebensosehr für seine Zeitgenossen zu interessieren – etwa, indem er sie scharf beobachtete und mit spitzer Feder karikierte. Besondere Gelegenheit dazu boten ihm offenbar die Sitzungen des Kantonsgerichts, dem er von 1895 bis zu seinem Tod 1934 angehörte. Die Verhandlungen in dieser Behörde müssen ihm reichlich Zeit für Kritzeleien gelassen haben: Im Rahmen des Nacherschliessungsprojekts sind Gesetzesvorlagen wie auch Gerichtsakten zum Vorschein gekommen, auf denen Kantonsrichter Durrer seine unverkennbaren Spuren hinterlassen hat.
Sarah Baumgartner