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Die Birs war ursprünglich weit verzweigt. Durch die Kanalisierung wurden natürliche Lebensräume zerstört. Längere Birsstrecken wurden revitalisiert, im Unterlauf befindet sich ein Laichplatz für die bedrohte Nase.
Einzugsgebiet
Die Birs entspringt bei Tavannes im Berner Jura unterhalb des Pierre Pertuis. Der Fluss hat eine Länge von 75 km und fliesst durch die Kantone Bern, Jura, Basel-Landschaft, Solothurn und Basel-Stadt. Wichtige Zuflüsse sind die Trame, die Raus, der Scheltenbach, die Sorne, die Lützel und die Lüssel. An der Stadtgrenze von Basel und Birsfelden mündet die Birs beim Birsköpfli in den Rhein. Das Einzugsgebiet der Birs umfasst 922 km².
Wirtschaftliche Bedeutung und Nutzung
Das Wasser der Birs diente früher zur Bewässerung und wurde für gewerbliche Zwecke wie Wasserkraft, Flösserei, und Fischerei genutzt. Um 1150 baute das Kloster St. Alban einen Birsarm zum St. Alban-Teich aus, und leitete das Wasser zur gewerblichen Nutzung in die Stadt. Für den Hochwasserschutz und zur Landgewinnung wurde die Birs zu Beginn des 19. Jahrhunderts kanalisiert. Später wurde das Vorland der Birs als Trassee für Werkleitungen genutzt. Seit den 1990-er Jahren wurde der Fluss abschnittsweise revitalisiert. Heute werden an der Birs im Kanton Basel-Landschaft acht Kleinwasserkraftwerke betrieben.
Gewässerstruktur und Ufervegetation
Auf Kantonsgebiet Basel-Stadt und Basel-Landschaft ist die Gewässersohle der Birs mehrheitlich natürlich ausgestaltet. Die Böschung ist vorallem in Siedlungsnähe oft stark verbaut, in ländlichen Gebieten und in den revitalisierten Gewässerabschnitten ist das gesamte Ufer natürlicher. Die Uferbereiche sind mehrheitlich ungenügend breit, mit Ausnahme der naturnahen und den revitalisierten Abschnitten. Diverse Seitenbäche sind schlecht mit der Birs vernetzt und teilweise eingedolt. In Zwingen und Grellingen und im Bereich St. Jakob bestehen noch künstliche Bauwerke, welche den Fischen die Wanderung flussaufwärts erschweren. Die Kleinwasserkraftwerke in Laufen, Zwingen, Nenzlingen, Grellingen und Münchenstein verfügen bereits über einen Fischpass. Das Wasserkraftwerk Dornachbrugg ist mit einem Umgehungsgewässer und einer Fischtreppe ausgestattet. Die Ufervegetation ist vorallem in den ländlichen Gewässerabschnitten standorttypisch und sorgt für eine gute Beschattung der Birs.
Fischfauna
Die Birs wird zwischen der Kantonsgrenze zum Kanton Jura und der Mündung in den Rhein grösstenteils der Äschenregion zugeordnet. Einzelne, kürzere Abschnitte liegen in der Barbenregion und die Stauräume oberhalb der Wehre können als Barbenregion bezeichnet werden.
In der Birs kommen die Fischarten Aal, Barbe, Nase, Rotfeder, Egli, Gründling, Äsche, Schneider, Strömer, Alet, Bachforelle, Elritze, Schmerle, Groppe und Bachneunauge vor. Die unterste, artenreichste Strecke in Birsfelden liegt im Einflussbereich des Rheins, aus welchem Fische wie die Rotfeder, das Rotauge, der Aal und die Nase seit der Revitalisierung ungehindert einwandern können. Im Unterlauf der Birs befindet sich ein wichtiger Laichplatz für die vom Aussterben bedrohte Nase. Flussaufwärts im ebenfalls revitalisierten Abschnitt in Münchenstein wurden Äsche, Strömer, Alet, Barbe, Bachforelle, Groppe, Elritze und Schmerle entdeckt. Die Bachforellen und Äschen sind über den gesamten Birslauf von Liesberg bis zum Birskopf in Birsfelden deutlich untervertreten.
Biologische Besonderheiten
Flussabwärts von Zwingen befindet sich das Auenschutzgebiet Zwingen-Brislach von nationaler Bedeutung. An der Birs bei Reinach liegt die Reinacher Heide, ein Naturschutzgebiet von nationaler Bedeutung. Die Kombination von Trockenstandorten und Auenlandschaft macht dieses Gebiet besonders vielfältig. Auf den Magerwiesen gedeihen zahlreiche seltene Orchideenarten, währenddem entlang der Ufer ein ausgeprägter Auenwald wächst. Eine grosse Vielfalt an Schmetterlingen und seltene Schreckenarten kommen hier vor. Die Reinacher Heide ist auch wichtiger Brut- und Rastplatz für zahlreiche Vogelarten.
Revitalisierungsvorhaben
Ab 1997 wurden längere Strecken der Birs im Laufental und im Unterlauf revitalisiert. Die Fischgängigkeit wurde verbessert, indem hohe Abstürze bzw. Schwellen durch fischgängige Blockrampen ersetzt wurden. Bei den Kleinwasserkraftwerken wurden Umgehungsgewässer bzw. Fischtreppen erstellt. Oberhalb Liesberg wurde die Auenlandschaft reaktiviert. In Grellingen befindet sich ein revitalisierter Gewässerabschnitt. Der Abschnitt Reinacher Heide bis Münchenstein, und die Strecke von der Rütihardbrücke bis zur Schänzlibrücke in Muttenz wurde ebenfalls revitalisiert. Die unterste Birsstrecke wurde im Projekt «BirsVital» naturnaher gestaltet.
Gemäss Massnahmenplan des Wasserbaukonzeptes bzw. der Strategischen Revitalisierungsplanung des Kantons Basel-Landschaft sollen zukünftig Revitalisierungen in Liesberg, Laufen, Zwingen, Nenzlingen, Grellingen, Duggingen und in Dornach umgesetzt werden. Eine Revitalisierung der Aue ist in Liesberg und in Münchenstein vorgesehen. Um die Fischgängigkeit gesamthaft wiederherzustellen, sollen künstliche Schwellen unterhalb von Laufen, Grellingen und Münchenstein und ein Wanderhindernis im Bereich St. Jakob saniert werden, und die Fischaufstiegshilfen an den Kleinwasserkraftwerken verbessert werden.
Tobias Walter, 2022