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Während langer Jahre war die ehemalige Villa des Käsebarons Lehmann in einem kleinen, beschaulichen Dorf in der Nähe von Bern versteckt hinter einer hohen Hecke. Erhaschte man dennoch einen Blick in den grossräumigen Garten, wähnte man sich im Märchen von Dornröschen. Nichts als undurchdringliches Dickicht, hinter dem sich ein etwas heruntergekommenes Herrschaftshaus befand. Längst war der Zugang zum Haupteingang der klassizistischen Villa aus dem Jahre 1844 zugewachsen. Dies hielt den aktuellen Besitzer nicht davon ab, sich für den herrschaftlichen Putzbau mit der reichen Sandsteingliederung, der ursprünglich zu einem Gebäudekomplex mit Käsemagazin und Waschhaus gehörte, zu interessieren.
Das in den 50er-Jahren rückseitig angebaute stattliche Sandsteinhaus mit der symmetrisch, in axialer Aufteilung angeordneten 4-achsigen Fassade strahlt den Charme einer längst vergangenen Zeit aus. Besonders augenfällig sind in der klar gegliederten Fassade die Brüstungsund Sturzgesimse aus Sandstein und das über zwei Fensterfronten axial erhöhte Dach, das dem Treppenvorplatz im Dachgeschoss günstige Lichtverhältnisse verschafft.
Laut der kantonalen Denkmalpflege ist das Erscheinungsbild des schützenswerten Gebäudes im Wesentlichen durch drei Bauphasen in den Jahren 1844 und 1920 (zusätzliche Räume und Nasszellen im Obergeschoss) sowie 1950 (Erweiterungstrakt mit Terrassenanbau und Gartenzimmer) geprägt. Der Kernbau aus dem Gründerjahr mit der unveränderten Raumstruktur und dem grösstenteils original erhaltenen Interieur strahlt dabei eine ganz besondere Grandezza aus.
Von Anfang an war klar, dass die Sanierung der Fassade zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen würde. So richtete sich das Hauptaugenmerk der Umbauarbeiten auf das Innere des denkmalgeschützten 12-Zimmerhauses mit den dicken Sandsteinmauern. Im Erdgeschoss entstand ein Asian Spa & Massagecenter, das das Besitzerpaar selber betreibt. Im Ober- und Dachgeschoss befinden sich die privaten Räume der neuen Besitzer, die inzwischen mit einer Türe von den Praxisräumen abgetrennt sind. Für die ehemaligen Bediensteten-Zimmer im Dachgeschoss wurde im angrenzenden Estrichbereich – der wunderschöne Dachstuhl ist noch original erhalten – eine zusätzliche moderne Nasszelle eingebaut. Ein weiteres Badezimmer im Obergeschoss dagegen prunkt noch mit kostenintensiv aufgefrischten, zeittypisch geformten Lavabos und Armaturen. Die Küche erhielt eine zeitgemässe, moderne Ausstattung. Ein besonderes Bijou ist der zweifarbige Plattenboden, der zur Freude der Eigentümer erhalten werden konnte.
Dank des in den Fünfzigerjahren des letzten Jahrhunderts errichteten Flachdachanbaus profitieren die neuen Besitzer von zusätzlichen Räumen. Etwa von einem lichtdurchfluteten Gartenzimmer sowie einer grossen Terrasse im ersten Geschoss. Diese gibt den Blick frei auf die grosszügige, parkähnliche Gartenanlage, die auch als Wellnessoase für die Kundschaft der Gesundheitspraxis dient. Sowohl im asiatisch gestalteten Garten mit dem original thailändischen Pavillon wie auch im Innern des Hauses
trifft man auf Schritt und Tritt auf Buddha, Tara, Ganesha und Brahma, den Schützern des Hauses. Letztgenannter Gottheit ist auch ein willkommenheissender Tempelschrein im Eingangsbereich des Gartens gewidmet. Vor der Gestaltung der Umgebung war allerdings eine umfangreiche Rodung des stark verwilderten Aussenraumes nötig. Die klar gegliederte Anordnung der Räume im ganzen Haus, die alle miteinander verbunden sind, ist unter anderem von Vorteil für den Praxisbereich im Erdgeschoss.
Die Philosophie der Bauherrschaft, möglichst viel von der Originalsubstanz der Gründerzeit zu erhalten, ist dem Burgdorfer Architekten Kaspar Huggler, in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege, aufs Schönste gelungen. Besonders augenfällig sind die hölzernen Kasettendecken und Wandfüllungen sowie die vielen eingebauten Wandschränke mit den liebevollen Details aus der Gründerzeit. Das Holzwerk wurde dabei von den nicht mehr originalen Farbschichten befreit und mit dem typischen hellgrauen Farbton der damaligen Berner Herrschaftshäuser versehen. Original erhalten sind nebst den aufgefrischten Parkettböden auch die Tür- und Fensterbeschläge mit den wunderschönen Espagnoletten aus Messing. Wieder ins rechte Licht gerückt wurde ein weisser Kachelofen in einem der Behandlungszimmer im Erdgeschoss. Da dieser nicht mehr funktionstüchtig ist, dient er allerdings nur noch als reizendes Anschauungsobjekt. Grundsätzlich erwies sich die allgemeine Bausubstanz in einem guten Zustand – das Dach wurde beispielsweise vor ein paar Jahren instand gestellt und isoliert. Daher mussten nur gerade die sanitären und elektrischen Leitungen ersetzt werden. Besonders ins Auge fallen dabei die original belassenen Aufputzleitungen sowie die massiven Gussradiatoren unterhalb der energetisch optimierten Fenster. So freuen sich heute die Eigentümer über jedes noch so kleine, charmante Detail aus der Gründerzeit.