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Prof. Dr. em. Christian Pfister, Wirtschafts-, Sozial- und Umwelthistoriker
Sonntag, 10. April 2016 – 11.00 Uhr
Alte Kaserne Winterthur, Technikumstrasse 8, 8400 Winterthur
Kein Vulkanausbruch der letzten 750 Jahre war so gewaltig wie jener des Tambora im April 1815. Er bescherte West- und Mitteleuropa 1816 einen Sommer, in dem es alle Monate in die Täler schneite, worauf Nahrung unerschwinglich teuer wurde und die Staaten einander den Getreidehandel sperrten. Die ungarische Tiefebene stand sechs Monate unter Wasser und in Indien mutierte die Cholera von einer endemischen zu einer epidemischen Seuche, die sich – mit langfristigen Folgen – global verbreitete.
Der Vortrag schildert die Ereignisse anhand von Schlüsselpersonen: Thomas Stanford Raffles, der Gouverneur des damaligen Niederländisch-Indiens, beschreibt den Vulkanausbruch und seine Folgen für die lokale Bevölkerung, während der St. Galler Pfarrer Peter Scheitlin in seiner «Armenreise» (1817) die kontrastierenden Auswirkungen der Teuerung in der Ost- und Westschweiz schildert. Der Walliser Ingenieur Ignaz Venetz nutzte die raschen Gletschervorstösse der folgenden Jahre für die Entwicklung seiner Eiszeittheorie, während Mary Shelley, die den Sommer 1816 mit einer Gruppe von exzentrischen Engländern am Genfersee verbrachte, durch das wochenlange melancholische Wetter zur Niederschrift ihrer unsterblichen Geistergeschichte «Frankenstein» animiert wurde.
Musik junger Künstlerinnen und Künstler sowie ein Gespräch mit dem Wissenschaftler ergänzen die Veranstaltung.
Unkostenbeitrag: Fr. 15.- (SchülerInnen Fr. 5.-). Ein Kaffee und Gipfeli inbegriffen.
Präsentation
Die Präsentation können Sie hier herunterladen.
Audioaufzeichnung
Um das Gespräch zu hören, klicken Sie hier.
Dokumentation
Eine interessante Dokumentation der Universität Bern über die Forschung zum indonesischen Vulkan Tambora finden Sie hier.