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Durch das Erhitzen gerinnt das Eiweiß, zugleich aber gehen färbende und kratzend schmeckende Samenbestandteile in das Öl
über, und das kalte Pressen liefert deshalb zwar weniger, aber reineres Öl (Speiseöl, Jungfernöl) als das heiße Pressen.
MagereSamen preßt man meist nur einmal, fette aber zweimal, indem man die zuerst erhaltenen Preßkuchen
zwischen Zahnwalzen zerbricht, auf einem Stampfwerk oder Kollergang
[* 8] in Mehl
[* 9] verwandelt und dies erhitzt. BeimPressen schlägt
man das Samenmehl in starke wollene Tücher oder füllt es in Säcke und umgibt diese noch mit einem Gewebe
[* 10] aus Pferdehaar.
Früher wandte man hauptsächlich Keilpressen an, jetzt häufiger hydraulische, deren Preßraum man mit
einem doppelwandigen Gehäuse umgibt, in welchem Dampf zirkuliert, um das Preßgut gelind zu erwärmen. In den Preßkuchen
bleiben stets noch etwa 6 Proz. Öl zurück; die man nur durch ein Lösungsmittel gewinnen kann. Als solches kommen namentlich
Schwefelkohlenstoff und flüchtige Bestandteile des Erdöls in Betracht. Man hat auch zerquetschte Samen
ohne vorherige Pressung wie im ersten Fall extrahiert und benutzt hierzu Apparate, deren Teile vollkommen geschlossen sind,
so daß Verluste durch Verflüchtigung des Lösungsmittels möglichst vermieden und die Arbeiter durch Dämpfe nicht belästigt
werden.
Die Extrahierung geschieht
systematisch, das vollkommen entölte Samenmehl wird durch Behandlung mit
Wasserdampf von dem Lösungsmittel befreit, aus der erhaltenen Öllösung verjagt man durch Wärme
[* 11] das Lösungsmittel, welches
in geeigneten Kühlapparaten wieder verdichtet wird. Bei Anwendung von Schwefelkohlenstoff verbraucht man 0,75 Proz. vom gewonnenen
Öl. Das Samenmehl ist fettfrei, aber immer noch ein gutes Viehfutter. Die Rentabilität der Extraktionsmethode
ist wesentlich davon abhängig, daß man für das Samenmehl ebenso lohnenden Absatz finde wie für die Preßkuchen.
Das extrahierte Öl ist sehr rein, aber nicht als Speiseöl verwendbar, weil es durch Aufnahme eines Bestandteils der Samenschale
einen scharfen Geschmack besitzt. Das durch Pressung gewonnene Öl ist durch eiweißartige, schleimige und
färbende Stoffe verunreinigt und für manche Zwecke wenig geeignet; bei hinreichend langem Lagern scheidet sich ein Teil dieser
Verunreinigungen als Öltrübe (Lagertrub) ab; zu einer vollständigen Reinigung aber muß das Öl raffiniert werden.
wenig über 250° färben sie sich
dunkler und entwickeln erstickend unangenehm riechende Dämpfe, Gase
[* 16] und Akrolein, welches die Augen heftig
angreift.
Diese Zersetzung erfolgt unter Aufwallen, welche man gewöhnlich, aber unrichtig, das Sieden der Öle nennt. Bei Rotglut
liefern die fetten Öle ein mit heller Flamme
[* 17] brennendes Leuchtgas
[* 18] (Ölgas).
[* 19] Durch Licht
[* 20] werden die Öle gebleicht; an der Luft
werden manche Öle dickflüssiger und ranzig (s. Fette), besonders wenn sie mit Eiweißstoffen und Wasser
verunreinigt sind. Andre fette Öle absorbieren an der Luft energisch Sauerstoff und erstarren zu einer firnisartigen Masse.