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In Gesellschaften, deren Verständigungen und Verfahren von Rechnern, Netzwerken, Programmen und Daten gestützt werden, stellt sich seit vielen Jahrzehnten immer wieder die brisante Frage nach der Autonomie von Maschinen, Systemen, Nutzergruppen und Organisationen. Sie war präsent bei den ersten rechnergestützten Automatisierungsprojekten der 1950er Jahre, bei der Entwicklung von Betriebssystemen in den 1960er Jahren, im Zusammenhang der Kooperation von Computeranlagen seit den 1970er Jahren und besonders prominent in der Zeit, als der Computer fürs Personal um 1980 auch zu einem Personal Computer wurde und ganz neue Formen nutzerspezifischer Abgrenzungsmöglichkeiten bot. Der Netzhype der 1990er Jahre gab ebenso Anlass zur Diskussion neuer rechnergestützter Autonomieformen wie das Konzept eines «autonomic computing» im frühen 21. Jahrhundert. Und gegenwärtig kann man sich den Auseinandersetzungen über die Verheissungen und Schrecknisse selbstfahrender Automobile und selbstlernender Algorithmen kaum entziehen.
Das Projekt zu den Autonomien in der digitalen Gesellschaft versucht, diese Debatten über die Autonomie von Maschinen, Systemen, Nutzergruppen und Organisationen als historische Anlässe soziotechnischer Selbstvergewisserung zu deuten. Dabei werden einerseits die Selbstprogrammierung öffentlicher Verwaltungen von ihrer Automatisierung bis zum New Public Management und andererseits die Selbstprogrammierung lernfähiger Algorithmen von der medizinischen Diagnostik über Logistik und Marketing bis zur Wahlkampfsteuerung untersucht.
Hinweise
Computergeschichte als Irritationsquelle (Gugerli/Zetti) in Hessler und Weber (im Erscheinen)
David Gugerli, Daten (demnächst als Preprint)