Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03107.jsonl.gz/160

Schweizer Spieler in den Juniorenligen Nordamerikas - NCAA, USHL, FPHL
Einige wenige Schweizer Spieler schafften bis jetzt über eine dieser Ligen den Sprung in die NHL (siehe unten).
Erst kürzlich realisierten zwei weitere Schweizer den erfolgreichen Schritt in die oberste Liga: Akira Schmid (Goalie bei den zurzeit überaus erfolgreichen New Jersey Devils) und Tim Berni (Verteidiger bei den Columbus Blues Jackets) spielten beide in der AHL, besitzen aber einen NHL-Vertrag. Während Schmid ab November schon 8 Einsätze in der höchsten Liga mit einer Save Percentage von beachtlichen 93.2 % leistete, debütierte Tim Berni am 6. Dezember und absolvierte bis jetzt 7 Spiele, vor allem auch weil im Team nicht weniger als 4 (!) Verteidiger verletzt sind. Er erhielt dabei bis zu 21 Min. Eiszeit. Schmid wurde trotz seiner guten Leistungen eben erst wieder in die AHL zurückversetzt, da die verletzten Goalies wieder zurück sind.
Im ersten Teil unseres Überblicks beschränken wir uns auf die zwei wichtigsten College-Ligen und eine Minor-Profiliga:
NCAA Division I - National Collegiate Athletic Association
Die NCAA Division I ist die höchste Stufe der universitären Sportprogramme in den USA (NCAA)
Sie ist die grösste Sportorganisation für den College Sport in den USA, nicht nur für Eishockey. Es gibt 3 Divisions, und allein schon in der Division I sind 351 Universitäten mit insgesamt ca. 176’000 sogenannten Student Athletes angeschlossen, davon sind mehr als 1’700 Eishockeyspieler registriert. Hier startete auch Tyler Moy seine Karriere und der mögliche Nr. 2 Pick für den 2023 Draft, der 18-jährige Kanadier Adam Fantilli, spielt ebenfalls in dieser Division. Auch sechs Schweizer Eishockeyspieler versuchen sich hier zu empfehlen:
Stefano Bottini, der 20-jährige Flügel aus Lugano debütierte in dieser Saison beim Team Canisius College, nachdem er im letzten Jahr in der BCHL in 51 Einsätzen 28 Punkte erzielte. Die British Columbia Hockey League gilt als sechstbeste Entwicklungsliga in Nordamerika.
Matthew Verboon, der 22-jährige Schweizerisch-Kanadische Flügel/Center aus Genf ist bereits in seiner vierten Saison bei der Mannschaft der Colgate University. Er durchlief auch alle Stufen der U16 bis U20 mit der Junioren-Nati und scorte in dieser Saison bereits 16 Mal in 18 Einsätzen.
Nicolas Müller, der 23-jährige Flügel/Center durchlief die Juniorenabteilungen bei Basel und wechselte danach im Alter von 16 Jahren (!) bereits in die schwedische Liga zu MODO Hockey, wo er in seinem letzten Jahr zweitbester Scorer war. Er spielte zwei Vorbereitungsspiele mit der Nationalmannschaft und ist jetzt bereits in seiner vierten Saison in der Mannschaft der Michigan State University.
Dean Schwenninger, der 21-jährige Center startete im November in seine erste Saison in der NCAA bei Stonehill College, nachdem er letztes Jahr noch in der North American Hockey League (NAHL) scorte. Er stammt aus der Organisation des EV Zug und spielte 3 Jahre in der EVZ Academy.
Ray Fust, der 20-jährige, grossgewachsene Flügel ist der Sohn von Lausanne-Sportchef John Fust und wechselte auch auf diese Saison hin in die NCAA zum Team der University of Nebraska-Omaha. Der in Bellinzona geborene Schweizerisch-Kanadische Doppelbürger, der die Juniorenstufen bei Lausanne durchlief, verbringt bereits sein viertes Jahr in Nordamerika.
Cédric Fiedler, der 21-jährige Verteidiger besitzt den Schweizer- und den US-Pass und spielte in der Junioren-Nati U16 bis U20. Er ist bereits im dritten Jahr in der NCAA beim Team der Western Michigan University.
USHL - United States Hockey League
Die United States Hockey League ist die wichtigste Junioren-Eishockeyliga in den USA (USHL)
Sie ist die wichtigste Junioren-Eishockey-Liga der USA.
In dieser reinen Amateurliga dürfen nur Spieler spielen, die 20 Jahre und jünger sind. Die 16 Teams sind im Westen und im Zentrum der USA beheimatet. Hier debütierte auch Akira Schmid. Unter den fast 500 Spielern sind auch zwei Schweizer dabei:
Kevin Pasche, der 19-jährige Goalie aus Lausanne spielt seine zweite Saison für die Omaha Lancers mit einer Fangquote von 89.2 %, damit ist er an 15. Stelle unter den Torhütern. Er bestritt mit der Junioren-Nationalmannschaft 32 Spiele in den U16- bis U20-Teams.
Eino Rissanen, der 20-jährige Finnisch-Schweizerische Doppelbürger aus dem Jura ist ebenfalls Torhüter und kam letzte Saison sogar zu einem Einsatz beim HC Ajoie. Er startete sein Nordamerika-Abenteuer diesen Herbst bei den Madison Capitals in der USHL, wechselte Mitte November aber in die North American Hockey League (NAHL) zu den Anchorage Wolverines.
FPHL - Federal Prospects Hockey League
Die Federal Prospects Hockey League mit zwei Schweizer Akteuren (FPHL)
Es gibt nicht weniger als 6 professionelle Eishockey-Ligen in Nordamerika und Kanada.
Die FPHL ist eine unabhängige Liga mit 10 Teams aus dem Nordosten, dem mittleren Westen und dem Süden der USA. Sie dient vielen Nachwuchsspielern, die den Juniorenligen altersmässig schon entwachsen sind, als Einstieg ins Profi-Niveau, wobei sich der Zuschauerschnitt ungefähr auf Swiss-League-Niveau bewegt. Wir finden auch hier zwei Schweizer:
Vincent Dekumbis, der 25-jährige Stürmer aus Fribourg spielt schon seit 2013 in nordamerikanischen Ligen und stieg in dieser Saison bei den Port Huron Prowlers ins Profihockey ein.
Fabian Lehner, der ebenfalls 25-jährige Debütant in dieser Liga, hat schon mehrere Jahre Erfahrung in der MyHockey League, der höchsten Schweizer Amateurliga, mit dem SC Lyss und dem EHC Basel, bevor er zu den Watertown Wolves kam.
Wie stehen die Chancen der jungen Schweizer?
Die NCAA Division I hat 62 Uni-/College-Teams und die USHL weitere 16. Wenn wir von 25 Spielern pro Team ausgehen, bedeutet das, dass hier über 2’000 Junioren um die heiss begehrten Plätze in der NHL kämpfen.
Unter den über 1’700 Spielern NCAA befinden sich zurzeit zwei Schweizer unter den Top 100 Scorern: Nicolas Müller an guter 55. Position mit 18 Punkten aus 20 Spielen und Matthew Verboon an 70. Stelle mit 16 Punkten aus 18 Spielen.
Trotzdem liegt vor diesen jungen und talentierten Spielern noch ein langer und steiniger Weg. Trainingsbedingungen, lange Reisezeiten bei gleichzeitigen, schulischen Belastungen verlangen Durchhaltewillen und hohe Eigenverantwortung. Dabei darf nicht vergessen werden, dass diese jungen Sportler erst um die 20 Jahre alt sind. Wer diesen Weg erfolgreich besteht, ist charakterlich gestärkt für das nächsthöhere Niveau. Und zudem besteht eine breite Liga wie die NHL nicht nur aus Supertalenten, viele zuverlässige und seriöse Teamplayer werden auch in den besten Mannschaften gebraucht.
Für Schweizer Spieler, die den Karrieresprung innerhalb der nordamerikanischen Ligen nicht schaffen, bietet sich nach Abschluss des Uni-Studiums allenfalls auch eine Rückkehr in die Swiss League, oder gar in die National League an.