Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03210.jsonl.gz/618

Zwei Milliarden Menschen weltweit haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Zusätzlich verfügt rund die Hälfte der Weltbevölkerung über eine nur ungenügende sanitäre Versorgung. Oft ist in diesem Zusammenhang von einem moralischen Versagen die Rede, denn wie so oft ist die Motivation zu handeln grösser, wenn sich Dinge vor der eigenen Haustüre abspielen. Während der Corona-Pandemie wurde die Tatsache, dass grundlegende sanitäre Einrichtungen (wie zum Händewaschen) vielerorts schlicht nicht vorhanden sind, wieder in Erinnerung gerufen. Es widerspiegelt eine starke globale Ungleichheit, die sobald wie möglich behoben werden will.
Internationale Bemühungen
2015 wurden die Sustainable Development Goals (SDGs) von den Vereinten Nationen verabschiedet. Sie enthalten 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung im sozialen, ökologischen und ökonomischen Bereich, die bis zum Jahr 2030 erreicht werden sollen. Der sechste dieser hochgesteckten, globalen Vorsätze beschäftigt sich mit der Gewährleistung von sauberem Wasser und der Sanitärversorgung. In der vom 22.-24. März durchgeführten UN-Wasserkonferenz in New York stand dieses Ziel denn auch im Fokus. Es war das erste Treffen der Vereinten Nationen seit 1977, das sich lediglich um die internationale Wasserkrise kümmerte.
Die Zeit dafür war längst gekommen. Amina Mohammed, die stellvertretende UN-Generalsekretärin, machte deutlich, dass die derzeitige Fortschrittsrate vervierfacht werden müsse, soll die Frist bis zum Jahr 2030 eingehalten werden.
Herausgehoben wurden bei der Wasserkonferenz Kinder, deren Bildungsmöglichkeiten bedeutend eingeschränkt sind, wenn kein sauberes oder gar kein Wasser vorhanden ist. Sie können nicht zur Schule gehen, sondern verbringen stattdessen viel Zeit damit, Wasser zu holen. Treten Dürren auf, leiden Kinder zusätzlich an Unterernährung und Wachstumsproblemen.
UNICEF arbeitet bereits in über 100 Ländern am Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen. Besonders die Zusammenarbeit mit Schulen und Gesundheitseinrichtungen sei unentbehrlich, denn sie erlaube direkte lebensrettende Unterstützung sowie eine merkliche Verbesserung der Situation für die Kinder.
Die Bilanz der UN-Wasserkonferenz
Eines der wichtigsten Ergebnisse der gerade zu Ende gegangenen UN-Wasserkonferenz ist die «Wasser-Aktionsagenda». Sie sammelt freiwillige Verpflichtungen von Staaten im Rahmen des beschleunigten Fortschritts im nachhaltigen Umgang mit Wasser. Die Schweiz hat sich selbst fünf Verpflichtungen auferlegt. Unter anderem die Zusammenarbeit mit der UNESCO im grenzüberschreitenden Wassermanagement und die „Blue-Peace“-Initiative, die die Verknüpfung von Wasserdiplomatie mit der Entwicklungsarbeit vorsieht.
Organisationen wie die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) und die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) haben am Rande der Konferenz ebenfalls Zusagen gemacht. Unter anderem soll die Koordination des Wassermanagements verbessert werden und ein globales Netzwerk von Wasseranalyselabors entstehen.
Viele Stimmen fordern zunehmend eine effektive, grenzübergreifende Wasserversorgung. Das macht durchaus Sinn: Rund 40 Prozent der Weltbevölkerung bevölkern dieselben Flusseinzugsgebiete. Ausserdem sind die Nachhaltigkeitsziele zwar schön ordentlich in die verschiedenen Sektoren separiert, doch stehen sie eigentlich im engen Zusammenhang miteinander. Ressourcenübernutzung, Biodiversitätsverluste, Nahrungsmittelknappheit etc. spielen auch bei der Zukunft des Wassers eine wichtige Rolle.
Nur ein Tropfen auf den heissen Stein?
Wir befinden uns mitten im von der UN-Generalversammlung definierten Wasseraktionsjahrzehnt (2018-2028), das sich unter anderem mit Themen wie dem globalen Druck auf die Wasserressourcen und den drohenden künftigen Dürren und Überschwemmungen befasst. Sicherlich vorteilhaft daher, dass während der Konferenz die politische und gesellschaftliche Aufmerksamkeit auf die Wasserproblematik gelenkt werden konnte.
Die Zukunftsaussichten dürften mit dem Abschluss der Wasserkonferenz gleichwohl durchzogen sein. Man hat Pläne, immerhin. Allerdings sind die Verpflichtungen der Staaten freiwillig. Man muss deshalb erfahrungsgemäss davon ausgehen, dass nicht alle Länder ihr Nötiges dazu beitragen werden. Wie sich die Zukunft gestalten wird, werden wir sehen. Wie bei den meisten Krisen, die uns derzeit beschäftigen, werden die Jahre bis 2030 aber wegweisend sein.
Quellen und weitere Informationen:
UN: Billions without clean water and sanitation
UNICEF: Africa to drastically accelerate progress on water, sanitation and hygiene
Bundesministerium Österreich: Wasserkonferenz
Medienmitteilung Schweizer Regierung: Ein Aktionsplan als Ergebnis der UNO-Wasserkonferenz
EDA: 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung
Kommentare (0) anzeigenausblenden