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Die USA haben Anklage gegen den schweizerisch-russischen Doppelbürger Vladislav Osipov erhoben, wie das US-Justizministerium am Freitag in einer Mitteilung bekanntgab. Osipov ist ein Vertrauensmann von Viktor Vekselberg und vertrat bislang dessen Interessen im Verwaltungsrat der in Zürich kotierten Immobilienfirma Züblin. Nach Bekanntgabe der Anklage gab Osipov den sofortigen Rücktritt aus dem Züblin-Verwaltungsrat.
Die USA werfen dem Schweiz-Russen Hilfe zur Umgehung von Sanktionen und Geldwäsche vor. Ein Haftbefehl ist ausgestellt. Oispov gilt als flüchtig, sein Linkedin-Profil ist gelöscht. Eine zweite Person, ein 52-jähriger Brite, den die USA im gleichen Zusammenhang angeklagt haben, wurde in Spanien festgenommen.
Im Zentrum der Anklage stehen diverse Transaktionen rund um die 90 Millionen Franken teure Yacht «Tango». Sie gehört Viktor Vekselberg, der seit 2018 auf der Sanktionsliste der USA steht. Vekselberg ist unter anderem Aktionär beim Winterthurer Industriekonzern Sulzer und beim Stahlkocher Swiss Steel.
Yacht mit Jacuzzi
Vekselbergs 78 Meter lange Yacht wurde im April des letzten Jahres von den spanischen Behörden beschlagnahmt – inklusive Jacuzzi und Heimkino. Gemäss Anklageschrift datiert ihr Bau auf 2011 und war eine Auftragsarbeit eigens für Viktor Vekselberg. Aber Vekselbergs Vertrauensmänner, unter anderem der angeklagte Osipov, sollen von Anfang an versucht haben, die wahre Eigentümerschaft zu verbergen.
Die USA werfen den beiden Angeklagten vor, bereits im 2011 Falschinformationen an US-Finanzinstitute gemacht zu haben. 2018, nachdem Vekselberg auf dem US-Sanktionsradar auftauchte, seien diese Bemühungen intensiviert worden. Die USA sprechen deshalb von einer «Verschwörung zum Betrug gegen die Vereinigten Staaten».
Die USA beziffern den Wert der Leistungen, die nur durch den Mantel der Verhüllung ermöglicht wurden, auf mehrere Hunderttausend US-Dollar. Hätten die involvierten Finanzinstitute und Dienstleister gewusst, wer der tatsächliche Nutzniesser der Leistungen gewesen wäre, hätten sie diese Leistungen nicht erbracht, so die Anklageschrift.
Decknamen «Fanta»
Die Staatsanwaltschaft stützt sich in ihrer Anklage unter anderem auf E-Mails an und von Osipov, in denen das undurchsichtige Firmensystem definiert und Anweisungen zu anstehenden Zahlungen gegeben werden. Das Schiff lief dabei teilweise unter dem Decknamen «Fanta», insbesondere bei der Rechnungsstellung, damit niemand Verdacht schöpfen kann.
In einem besonders dreisten Fall liess ein Yachtangestellter 58 Luxus-Bademäntel in den USA machen. Auf jedem der Bademäntel war das «Tango»-Logo, aber auf der Rechnung wurde auf Geheiss von oben der Deckname «Fanta» vermerkt.
Für die Involvierten gilt die Unschuldsvermutung. Osipov hat auf eine schriftliche Anfrage der «Handelszeitung» nicht reagiert. Via Züblin lässt er aber ausrichten, dass er sich mit allen ihm zur Verfügung stehenden Rechtsmitteln zur Wehr setzen wolle. Züblin selbst hält mit Stellungnahme vom Sonntag fest, dass das Unternehmen nicht in das Verfahren involviert sei und dass Osipov den sofortigen Rücktritt vom Verwaltungsrat erklärt habe, «m einen allfälligen Reputationsschaden für die Gesellschaft zu vermeiden».
In der Anklageschrift gibt es keine Hinweise, dass Zahlungen über die Schweiz liefen. Anders ist der Sachverhalt im Verarrestierungsbefehl des FBI, welcher dazu führte, dass die Superyacht von den spanischen Behörden überhaupt erst beschlagnahmt wurde. Die US-Justiz nennt aber keine Banknamen. (ise)