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Der Jahrgang 2020 im Weingut Egon Müller-Scharzhof
Wieder gab es keinen richtigen Winter. Im Oktober 2019, während der Traubenlese, hatte es nach langer Trockenheit kräftig geregnet und auch November und Dezember waren nass, aber eher mild. Der Januar war weitgehend trocken, erst gegen Ende des Monats fiel nennenswerter Niederschlag aber dann ...
Der Jahrgang 2020 im Weingut Egon Müller-Scharzhof
Wieder gab es keinen richtigen Winter. Im Oktober 2019, während der Traubenlese, hatte es nach langer Trockenheit kräftig geregnet und auch November und Dezember waren nass, aber eher mild. Der Januar war weitgehend trocken, erst gegen Ende des Monats fiel nennenswerter Niederschlag aber dann regnete es durchgehend, bis in den März. Dabei blieb es sehr warm und ab Mitte März schien die Sonne fast ununterbrochen.
Die Vegetation begann sehr früh, die ersten Blüten beim Riesling konnte man am 12. Mai finden. Dann bremste ein kurzer Kälteeinbruch die Natur: Am 12. Mai gab es nach Regen leichten Frost, der in unseren Weinbergen aber nur sehr begrenzt Schäden verursachte. Die Blüte zog sich dadurch aber hin und war erst am 15. Juni komplett beendet.
Am 5. Juni gab es nach längerer Trockenheit den ersten kräftigen Regen und wir mussten mit dem Pflanzenschutz beginnen. Insgesamt war es sonnig und warm aber es gab hin und wieder Gewitter, die sich bis zum Ende des Monats auf überdurchschnittliche 75 mm summierten. Wir hatten nur Schwefel und Kupfer gespritzt und so mussten wir schon am 15. Juni die zweite Behandlung durchführen. Der Regen hörte Ende Juni auf und der Juli war heiß und trocken. Vom 10. Bis zum 13. Juli haben wir zum dritten und letzten Mal gespritzt.
Während des Frühjahrs befand sich Europa wegen der Corona Pandemie im Lock-down. Unser Frühjahrsteam konnte nicht aus Polen anreisen und wir waren in Sorge, die anstehenden Arbeiten termingerecht ausführen zu können. Im Sommer normalisierte sich die Situation und das schöne Wetter tat ein Übriges. Juli und August waren heiß und trocken, aber es gab keine extreme Hitze. Nur um den 10. August gab es ein paar wirklich heiße Tage und stellenweise Sonnenbrand an den Trauben.
Die Trauben entwickelten sich prächtig und man konnte mit einer großen Ernte rechnen. Aufgrund der Hygieneauflagen mussten wir mit einer relativ kleinen Lesemannschaft planen und wir beschlossen, jedenfalls früh mit der Ernte zu beginnen. In der Woche vor dem geplanten Start verschlechterten sich die Wetteraussichten erheblich und anstatt wie geplant am 21. September, fingen wir schon am 20. mit der Lese an. Die Trauben waren reif aber nicht überreif und es gab keine Edelfäule. Der angekündigte Regen kam erst einmal nicht und wir ernteten eine Woche lang bei bestem Wetter Kabinettrauben.
Am 27. September regnete es dann doch und für uns begann ein Pokerspiel. Wir wollten auf Edelfäule warten, aber schöne, fast sommerliche Tage wechselten sich mit Regentagen ab. Botrytis kam, konnte aber nie richtig eintrocknen und langsam begannen die Säurewerte zu fallen. Wir pausierten mehrmals in der Hoffnung auf besseres Wetter, ernteten dann wieder ein paar Tage und schließlich, am 21. Oktober waren wir fertig.
Wenn ich versuche, in der Vergangenheit einen vergleichbaren Jahrgang zu finden, muß ich passen. Allenfalls lassen sich gewisse Parallelen mit 2016 ziehen: Die makellosen, gesunden, reifen Trauben zu Beginn der Ernte, das Pokerspiel um Edelfäule und schließlich die Kapitulation vor der Natur. Wenn wir auch die Spitzen der letzten 3 Jahre nicht erreichen, darf man doch sicher mit sehr guten Kabinett- und Spätleseweinen rechnen.
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Egon Müller: Faszination und Langlebigkeit Das Weingut Egon Müller liegt direkt am Fusse der legendären 27,3 ha fassenden Lage Scharzhofberg in der Gemeinde Wiltingen, südlich von Trier an der Saar. Die imposante und weltberühmte Lage Scharzhofberg gehört zu den bedeutendsten in ganz Deutschland. Sie liegt rund 100 Meter höher als andere Parzellen der Mosel und profitiert auch von den kühleren Temperaturen der Saar. Die teils noch wurzelechten und über 100-jährigen Riesling-Reben wachsen auf verwittertem Schieferboden. Der ton- und eisenhaltige Untergrund bildet einen optimalen Wasserspeicher und setzt die Grundlage der brillanten Egon Müller-Mineralik. Seit 1797 ist das Weingut im Familienbesitz. Egon Müller bewirtschaftet die 12 ha in der 5. Generation. Er bewahrt die Tradition ohne die Moderne auszuschliessen. Die Faszination dieser Rieslinge ist die Summe der unverwechselbaren Aromatik, der feingliedrigen Säure, der enormen Komplexität und der nie plump wirkenden Süsse. Die Qualitäts- und Kabinettweine brillieren durch ihre Langlebigkeit welche 20 Jahre und mehr erreicht. Spätlese und Auslese erreichen ihre optimale Trinkreife ab rund 20 Jahren und werden danach immer besser. Eine im Februar 2014 degustierte Flasche 1964 Spätlese zeigte sich mit einer niemals erwarteten Frische. Leider sind die Mengen dieser handselektionierten Weine verschwindend klein. Einen Direktverkauf auf dem Weingut gibt es nicht. Seit dem 19. Jahrhundert gelten diese edelsüssen Rieslinge als brillanteste und beste ihrer Sorte und sind die Qualitätsbotschafter deutscher Gewächse in aller Welt.