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| Apologeten, Frühchristliche - An Autolykus (Ad Autolycum)

Zweites Buch: Widersinnigkeit des Heldentums und Erhabenheit der christlichen Wahrheit
13. Reflexionen über die Art und Weise der Schöpfung.
Aber auch sein Gedanke, daß er mit den Dingen auf der Erde hienieden beginnt, und von ihnen die Welt entstehen läßt, ist, was die Gottheit betrifft, sehr menschlich, niedrig und kraftlos. Der Mensch nämlich fängt, weil er irdisch ist, von der Erde aus zu bauen an, und er kann nicht ordentlich (fortbauen) und den Giebel nicht aufsetzen, wenn er nicht zuvor das Fundament legt. Die Macht Gottes aber zeigt sich darin, daß er das, was ins Dasein tritt, erstens aus nichts macht und so, wie er will. Denn was bei den Menschen unmöglich ist, ist bei Gott möglich1. Deswegen hat der Prophet zuerst die Erschaffung des Himmels erzählt, der gewissermaßen den Giebel bildet. indem er sagt: [S. 43] „Im Anfang schuf Gott den Himmel“, d. h. durch den Anfang (= den Logos) wurde der Himmel geschaffen, wie wir oben gesagt haben. Er spricht dann von der Erde gleichsam als von einem Fußboden und einer Grundfeste, vom Abgrund d. i. von der Menge der Gewässer, und von der Finsternis, indem der von Gott erschaffene Himmel die Wasser mitsamt der Erde wie ein Deckel in Dunkel hüllte; er spricht vom Geiste, der über dem Wasser schwebte, den Gott der Schöpfung, um sie zu beleben, verliehen hat, gleichwie dem Menschen die Seele2, indem er den feinen Stoff mit dem andern feinen Stoffe vermischte – denn Odem und Wasser sind beide feine Stoffe –, damit der Odem das Wasser, das Wasser aber in Verbindung mit dem Odem nach allen Richtungen hin eindringend die Schöpfung belebe. Der Geist (Odem) allein, der einige Ähnlichkeit mit dem Lichte hat, schwebte zwischen dem Wasser und Himmel, gewissermaßen damit die Finsternis nicht mit dem Himmel, der Gott näher ist, zusammenkomme, bevor Gott sprach: „Es werde Licht!“ Der Himmel hielt also, gleich einem Gewölbe den breiiger Erde gleichenden Urstoff umschlossen. Denn ein anderer Prophet, namens Isaias, spricht über den Himmel in folgender Weise: „Dies ist Gott, der den Himmel gemacht wie ein Gewölbe und ihn übergespannt hat wie ein Zelt zur Bewohnung“3. Der Machtspruch Gottes also, das heißt sein Wort, erhellte, leuchtend wie eine Lampe in einer verschlossenen Wohnung, die unter dem Himmel liegende Erde, indem er das Licht getrennt von der Welt erschuf. Und Gott nannte das Licht Tag, die Finsternis aber Nacht. Der Mensch nämlich hätte ja das Licht nicht Tag und die Finsternis Nacht, ebensowenig die übrigen Dinge benennen können, wenn er nicht die Benennung von Gott, dem Schöpfer derselben, überkommen hätte. Im ersten Abschnitte der Geschichte der Weltschöpfung spricht also die Hl. Schrift nicht von unserm Firmament, sondern von einem andern [S. 44] Himmel, der für uns unsichtbar ist; erst später heißt dieser uns sichtbare Himmel Firmament. Über ihn ist die Hälfte des Wassers hinaufgesetzt, damit es den Menschen werde zu Regen, zu Güssen und zu Tau, die andere Hälfte blieb auf der Erde zurück zu Flüssen, Quellen und Meeren. Da nun das Wasser die Erde, besonders deren Bodensenkungen, noch bedeckte, so hieß Gott durch sein Wort das Wasser sich an Einen Ort sammeln, und es sollte das Trockene, das vorher ebenfalls noch unsichtbar war, erscheinen. Die Erde war also sichtbar geworden, aber noch ohne Gestaltung. Gott gestaltete sie also und schmückte sie mit den verschiedenartigen Kräutern, Samen und Pflanzen.
1: Luk. 18, 27.
2: Es ist also nicht der Hl. Geist, sondern der oben Buch I c. 5 erwähnte Odem Gottes gemeint, also das Lebensprinzip in der Natur.
3: Is. 40, 22.