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Im Sommer am Wasser
Während der grossen Sommerhitze weilt die Ringelnatter gerne in der Frische eines Weihers. Auf die geringste Bewegung hin flüchtet sie, pendelnd schwimmend und nur den Kopfüber Wasser haltend. Diese Natter lebt in den ruhigen und klaren Gewässern der Kanäle und Sümpfe in der Ebene. Im frühen Alter ernährt sie sich von Kaulquappen. Wenn sie erwachsen ist, fängt sie grössere Amphibien und auch Fische. Da sie fähig ist Kleinsäuger zu fangen, verlässt sie momentan feuchte Biotope und bewältigt grössere Verschiebungen; das erklärt ihre Anwesenheit in den Weihern von Savièse und Ayent.
In ruhigem, ausschweifendem Flug folgt die grösste unserer Libellen, die Grosse Königslibelle, wie ein glitzerndes Schmuckstück den sonnenbeschienenen Ufern des Sees von Montorge. Plötzlich startet sie pfeilgeschwind mit dem Geräusch klirrender Flügel, um eine Artgenossin zu verdrängen, welche die Vermessenheit hatte, in ihren Raum einzudringen.
So beeindruckend sie auch sind, Nattern und Libellen sind nicht gefährlich. Man darf also ohne Furcht die Flüge der Plattbauchlibelle — so benannt wegen ihres abgeflachten Hinterleibs — verfolgen, die kahlen Ufern entlang fliegt und sich von Zeit zu Zeit auf ein Schilfrohr setzt, das aus dem Wasser schaut, um den Wächter zu spielen. Bei aufmerksamem Beobachten kann man die zarten Jungfern entdecken, die kleinen Libellen mit perlschnurartigem Körperbau. Einige Becherazurjungfern, vor allem aber zahlreiche Grosse Pechlibellen, beleben mit ihrem leichten Flug das Ufer, während draussen bei den Seerosen die Grossen Granataugen mit Eierlegen beschäftigt sind. Die Herbstarten zeigen sich kaum oder sind im Reifeflug über ihrem Jagdgelände wie die Gemeine Heidelibelle mitten unter den Schmetterlingen am Südhang des Hügels von Montorge. Von Ende Juli bis im August legen Blutrote Heidelibellen zu zweit auf feuchtem Schlamm Eier, wobei das Männchen den Hals seiner Gefährtin mit den Afterzangen festhält. Er beschützt sie so vor den Störungen des Liebesbesuches eines Konkurrenten.
Weil ihr mit kleinen Luftsäcken ausgerüsteter Körper bei Sonnenschein leichter wird, fliegen Libellen kaum bei bedecktem oder windigem Wetter. Dann muss man die Vegetation sehr aufmerksam mit den Augen absuchen, will man ihre Verstecke finden. Als ich an einem eher kühlen Augusttag mit Christian Keim das Moor von Essertes oberhalb von Hérémence durchquerte, lernte ich, dass man die Odonaten auch mit dem Gehör feststellen kann. Nichts flog unter den Wolken, aber nervöse Geräusche in den Seggen meldeten hier ein Torf-MosaikjungfernPaar, dort eine Alpen-Mosaikjungfer beim Eierlegen.
Die Suche nach Luftinsekten darf nicht ein Vorwand sein, um Amphibien zu zertreten. Im Juli bis August verlassen junge Frösche und Kröten den Weiher. Sie bewegen sich vorwiegend bei Tagesanbruch und in der Dämmerung fort, während sie sich tagsüber in der Vegetation verstecken. Ihre grosse Zahl rechtfertigt es nicht, dass man ein Massensterben durch Zertreten anrichtet; ihr bevorstehendes Leben ist immer noch schwer genug.
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