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Der Toulouser Weltenbummler und Museumsgründer Georges Labit
Südöstlich des Herzens von Toulouse, der pulsierenden Place du Capitole, findet sich ein ruhiges, reiches Viertel von erlesenem Reiz. Das Quartier Saint-Etienne beherbergte einst Aristokraten und hohe Beamte. Heute ziehen seine italienisch inspirierten und oftmals liebevoll renovierten Hôtels particuliers eine Mischung aus Anwälten, Antiquaren und Betreibern von feinen, teuren Boutiquen sowie deren betuchte Klientel an. Vom heimlichen Zentrum des Viertels, der pittoresken Place Saint-Jacques, führt die von imposanten Portalen gesäumte Rue Ninau zum Square Boulingrin: ein typischer, wenngleich überdimensionierter französischer Stadtgarten mit Kiosk, Fontäne, weissen Statuen und streng geometrischen Blumenbeeten. Noch weiter gen Südosten führt der Weg durch ein ungleich weniger attraktives, mausgrau-verschlafenes Wohnviertel – bis man am Eck zum Canal du Midi dann völlig unerwartet auf eine Villa im maurischen Stil stösst. Diese macht in dieser Umgebung den Effekt einer Bauchtänzerin in einer Prozession von Betschwestern.
Die Villa ist ein Museum – und hatte, was für derlei Bauten selten ist, von Anfang an diese Bestimmung. Sie wurde am 11. November 1893 eröffnet und war eigens für die Sammlung von Georges Labit entworfen worden. Der Toulouser Millionärssohn hatte einen Freund, den Architekten Jules Calbairac, mit der Konzeption eines Baus im Stil der «maurischen» Villen betraut, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Frankreichs Strandbädern en vogue waren. Gleich seiner direkten Inspirationsquelle, der «Villa algérienne» in Arcachon (1865), trägt das Museum über einer mit grünblauen Fayencen gekachelten Kuppel eine Spitze mit Kugel und Halbmond. Elemente der Fassade sollen laut zeitgenössischen Zeitungsberichten von echten maurischen Bauten wie dem Alhambra kopiert worden sein; die Moucharabiehs (Gitterfenster) stammen angeblich gar aus Kairo. Die Marmortreppe mit ihren massiven Brüstungen und andere Details weisen dem Bau allerdings eine unverkennbar westliche Herkunft zu.
Wie kam Georges Labit im – für Museumsgründer zarten – Alter von gerade einmal 31 Jahren dazu, ein solches Projekt zu verwirklichen? Sein Vater, Antoine, hatte es als Gründer des ersten Kaufhauses von Toulouse, der «Maison universelle» an der Rue d’Alsace-Lorraine, in den 1870er Jahren zu Reichtum und Ansehen gebracht. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er deren jüngere Schwester, die nur neun Jahre älter war als der damals zehnjährige Georges. «Tante Hélène» wurde zu dessen Ersatzmutter und Vertrauter, an die er zeit seines kurzen Lebens Freud und Leid herantragen konnte. Mit 17 Jahren scheiterte Labit bei der Baccalauréat-Prüfung; der Vater schrieb ihn daraufhin an der Ecole supérieure de commerce in Paris ein. Der erste Brief des frisch in die Hauptstadt übergesiedelten Provinzlers wiederholt viermal «Ce n’est pas gai» («Es ist nicht fröhlich»). Das Internatsleben mutet Labit militärisch an, die Kälte schlägt zum damaligen Zeitpunkt alle Rekorde: Im Dezember 1879 verzeichnet man minus 24 Grad, die Seine wird zur Schlittschuhbahn.
Doch schon bald lässt sich Georges – wie könnte es anders sein? – von den Reizen der Hauptstadt bezaubern. Eine Briefpassage verrät seine spätere Leidenschaft für die Beobachtung des Strassenlebens. «Paris ist gewiss die beste Schule, die ein junger Mann finden kann. Man wird einwenden, Paris sei die Schule des ausschweifenden Lebens, der Libertinage. Gut möglich, aber wenn es die Hauptstadt der Libertinage ist, so ist es auch jene der Intelligenz und der Arbeit… Diese Art von Leben ist in der Provinz völlig unbekannt. Paris ist ein Unterricht für sich, man sieht hier das Gute und das Böse. Was kann interessanter sein als sich etwa nach dem Abendessen für ein oder zwei Stunden in ein Café an den Boulevards zu setzen und ein Bier zu trinken? Für vierzig Centimes sieht man hier allerlei Typen, Männer und Frauen; es ist ein richtiges Buch, das der einigermassen intelligente Zeitgenosse leicht zu verstehen vermag…»
Was in jener Zeit auch beginnt, sind Georges’ Geldprobleme. Möglicherweise erliegt er den Verlockungen des Glücksspiels. In einem Brief erwähnt er sein «Mitgefühl für gewisse Personen», das ihm lediglich Undank eingebracht habe. Jedenfalls zieht er sich Schulden zu – was seinen Vater dazu veranlasst, ihn durch ein Gericht unter eine Art finanzielle Vormundschaft stellen zu lassen. Ziel dieser recht drastischen Massnahme ist es, die Verschleuderung des mütterlichen Erbes zu verhindern, das Georges Anfang 1883 hätte ausbezahlt bekommen sollen. Seine Biografin Geneviève Lefèvre, auf deren Nachforschungen dieser Beitrag beruht, fragt sich freilich, ob Antoine Labit nicht noch andere Beweggründe hat. Das Kapital von Georges’ Erbe, das er aufgrund der gerichtlichen Verfügung weiter verwalten kann, kommt ihm für seine Geschäfte nicht eben ungelegen. Die Tatsache, dass die ursprünglich befristete Vormundschaft bis zum Ende von Georges’ Leben nicht aufgehoben werden wird, nennt Lefèvre «eigenartig und unverhältnismässig».
Labits Laufbahn als Globetrotter beginnt mit einer Mittelmeerkreuzfahrt, die ihm der Vater – möglicherweise als Trostpflaster – 1883 kredenzt. Es folgt ein dreijähriger Aufenthalt in Wien, von wo aus ihn seine Ausbildung als «freiwilliger Angestellter» in einem Handelshaus unter anderem nach Amsterdam, Brüssel, Köln und Venedig führt. Die Wiener charmieren ihn mit ihrer Fröhlichkeit, Natürlichkeit und geistigen Offenheit. Bis zum Ende seines Lebens wird die kaiserliche und königliche Kapitale seine Traumstadt bleiben. Und eine Art idealisiertes Refugium vor dem ungeliebten Toulouse. «Ich betrachte diese Stadt als die meine», schreibt er etwa 1896, «ich habe ihre Manieren, ihr Temperament». Von der Pracht der Architektur über die Bonhomie der Aristokraten (und sogar des Kaisers) bis hin zur Schmackhaftigkeit der Küche – «ah, diese Suppen! diese Schnitzel! diese Gulaschs! diese unnachahmlichen Mehlspeisen!» – bietet Wien dem Toulouser Gründe zuhauf zum Schwärmen.
In seiner Heimatstadt dagegen fühlt sich Labit – ein klassischer Fall – eingeengt, unverstanden und gedemütigt. Wiewohl er den Vater liebt und achtet, klagt er in seinen Briefen an «Tante Hélène» häufig über die kurze Leine, an der dieser ihn hält. So scheint Antoine Labit fremde Mitarbeiter dem eigenen Sohn vorzuziehen, der, immer wieder hingehalten, in der «Maison universelle» nie je die Stellung erhalten wird, die dem künftigen Erben eines solchen Unternehmens zustehen sollte. Der Geschäftsmann, der sich aus bescheidenen Verhältnissen emporgearbeitet hat, scheint weder willens, seinen Sohn als einen mündigen Partner anzusehen, noch teilt er dessen Weltoffenheit und Kunstliebe. So stossen die Innovationsvorschläge, die Georges von seinen Reisen mitbringt, ausnahmslos auf taube Ohren. «Das ist traurig», bedauert dieser, «denn heutzutage verbreiten sich Ideen rasch. Was heute gut ist, kann es schon morgen nicht mehr sein. Es ist ein Glücksfall, dass wir es mit einer rückständigen Bevölkerung zu tun zu haben wie der unsrigen [gemeint ist die Toulouser Klientel der <Maison universelle>]. Aber das wird sich ändern.»
Wie Antoine Labit seinen Sohn zeitlebens in einem unbequemen Zustand der eingeschränkten Mündigkeit gehalten hat – womöglich aus dem falsch verstandenen Bestreben heraus, ihn zu schützen –, so «säubert» er nach Georges’ Tod dessen Korrespondenz drastisch. Das Verhältnis zum Vater lässt sich so, wie Georges’ Innen- und Intimleben ganz allgemein, nur sehr lückenhaft rekonstruieren. Was jedoch feststeht, ist, dass Antoine die ebenso zahlreichen wie ausgedehnten Reisen seines Sohnes finanziert – wenngleich mit der ihm eigenen Mischung aus Standesbewusstsein (für die bei den Reiseagenturen beglichenen Kosten für Transport und Unterkunft) und Knausrigkeit (für das direkt an Georges ausgehändigte «Taschengeld»).
Seine erste Expedition als frisch ernanntes Mitglied der Société de Géographie de Toulouse führt den Weltenbummler 1888 nach Schweden und Norwegen, auf die Spuren der Lappen. In Trondheim mietet Labit einen Zweiräder und fährt, nachdem er sehr vage Angaben über den Aufenthaltsort der Nomaden erhalten hat, mit einem blutjungen Kutscher ins Grüne: eine Bergregion, die sie im Dauerregen mehr durchschwimmen als durchqueren. Unterwegs schliesst sich ihnen ein englischer Bischof an, der mit seinen holbeinschen Gesichtszügen, seinem Cowboyhut à la Buffalo Bill und seiner Vorliebe für Kalauer einen denkbar reliefreichen Reisegenossen abgibt. Endlich finden sie die Lappen: kleinwüchsige Menschen mit mongolischer Physiognomie, schwarzen Zähnen und Augen, die vom Suff wie vom Leben in verrauchten Zelten rot unterlaufen sind. Herzlich begrüsst, werden die Reisenden mit einem Brei aus Mehl, Käse und Rentierblut verköstigt. Von diesen Hirschen besitzen die Nomaden mehrere Tausend, die sie jeden Morgen mit einem charakteristischen Schrei versammeln, in welchen von den Kindern über die Grosseltern bis hin zu den Hunden so ziemlich alle einzustimmen scheinen: «Seljianalvi». Georges schreit auch «Seljianalvi» mit, was für herzliches Gelächter sorgt.
Diese frühe Reise ist emblematisch für alle späteren, interessiert sich Labit doch für alle Aspekte des täglichen Lebens der jeweils besuchten Bevölkerung – in diesem Fall von der sargförmigen Krippe, in der die Lappen-Kinder bis zum Erreichen ihres dritten Lebensjahrs verwahrt werden, bis zur Bauart und Funktionsweise des aus einem einzigen Baumstamm gehauenen Schlittens der Nomaden. Den Blick des Ethnografen verbindet der Reisende dabei mit einem völlig ungezwungenen, tiefen Respekt für die kulturellen Eigenarten der Anderen, was ihn etwa die «ethnografischen Exhibitionen» von Samojeden in französischen Parks verabscheuen macht. Es scheint, als habe Labits prekäre Position in der Toulouser Gesellschaft, wo er sich belächelt und gelegentlich sogar angefeindet fühlte, sein Sensorium für alle Entwurzelten und Unbeheimateten, für alle Nomaden des Lebens geschärft.
So interessiert er sich für bretonische Riten und Legenden, für die Musik der Zigeuner, die im tiefsten serbischen Wald wohnen, für das Wiedererwachen eines okzitanischen Nationalgefühls im Gefolge des Dichters Frédéric Mistral… Neben Ländern wie Italien, «das für jeden deutschen oder englischen Krämer zugänglich ist», bereist er auch touristisch noch fast unerschlossene Staaten wie Bulgarien, Griechenland oder das Osmanische Reich. Die Launen des Wettergottes («man schwitzt um drei und schlottert um vier»), die Raffgier der Zöllner, die Verlotterung der Wege und der Gestank der statt mit Kopfsteinen mit Müll und Aas gepflasterten Strassen machen die Fortbewegung in solchen Ländern zum Konditionstraining. In Bulgarien sitzt er zusammen mit zahlreichen anderen Fahrgästen einmal vierzehn Stunden lang in einem von säbelschwingenden Gendarmen bewachten Waggon fest, dessen einziger Nachttopf sich im Gepäckabteil befindet – Quarantäne! In Konstantinopel beobachtet er die berühmten Hunde – angeblich ebenso viele wie die anderthalb Millionen Bewohner der Riesenstadt –, die in Rudeln von dreissig bis fünfzig Tieren leben, wie reissende Wölfe aussehen, aber ebenso sanft wie sauber sind.
Japan begeistert ihn mit seinen völlig anderen Theaterformen (die seine langnasigen Mit-Zuschauer zu Tränen langweilen), China stösst ihn mit seinen Myriaden von grindigen, skrofulösen oder leprakranken Bettlern ab, Griechenland steht schon damals kurz vor dem Ruin. Besonders angetan haben es Labit Algerien und Marokko. Durch die Kontraste dieses zugleich rauen und raffinierten, blumigen und dornigen, geschäftigen und gemächlichen Orients fasziniert, erforscht er die damaligen französischen Kolonien bis zur Sahara-Wüste. Und verfasst etliche Zeitungsartikel, in denen er den formidablen Aufschwung, die Sauberkeit und Sicherheit sowie die touristischen und artistischen Trümpfe der Maghrebländer lobt.
In fast allen besuchten Ländern, zu denen neben den genannten auch Deutschland, England, Russland, Spanien, Ungarn sowie die Schweiz zählen (Luzern gilt ihm als die pittoreskeste Stadt in ganz Europa), schiesst Labit Fotografien. Und erwirbt Objekte von ethnografischem und/oder künstlerischem Wert, Kuriosa wie Kunstwerke. Aufgrund seines beschränkten Ankaufsbudgets (wenn man so sagen kann) sind es oft bescheidene Gegenstände, die aber aufgrund ihrer Seltenheit und/oder Qualität rasch an Wert zunehmen. Das Projekt, sie in einem Museum zu präsentieren, wird von der ganzen Familie unterstützt: von «Tante Hélène» natürlich, von Georges’ kleiner Schwester, Marguerite, die diesen vergöttert – und auch, es verdient festgehalten zu werden, von Antoine Labit. Dass dieser bei der Umsetzung des Vorhabens auch seinen Gewinn an Bekanntheit und an sozialer Oberfläche – dank der klassischen Nobilitierung von Geld durch Kunst – mit einkalkuliert haben mag, ist gut möglich. Aber nicht jeder Vater stellt seinem Sohn eine 400 Quadratmeter grosse Villa im maurischen Stil hin, um seine Sammlung zu zeigen.
Die lokale und regionale Presse lobpreist die neue Institution. «Paris hat sein Musée Guimet», steht etwa im Bulletin der Société de Géographie de Toulouse zu lesen, «Brüssel sein Musée Wiertz, Genf sein Musée Revilliod, Toulouse hat nunmehr sein Musée Labit.» In den Jahren nach der Eröffnung reist Georges hauptsächlich durch Europa, um die wichtigsten Museen zu besuchen und von ihnen für das eigene zu lernen: Präsentation der Exponate, Zahl und Bezahlung der Wärter, Öffnungszeiten und Ticketpreise, Aufmachung des Katalogs… Für uns Nachgeborene ist es nicht uninteressant zu erfahren, dass die Museumswärter in den grossen Institutionen Italiens sich ihre Posten von Vater zu Sohn weitervererbten, «ihren» jeweiligen Saal aus dem Effeff kannten und in drei oder vier Sprachen Auskunft geben konnten – wo sie heute, nicht nur im Lande Berlusconis, oft nicht einmal mehr den Weg zur nächsten Toilette korrekt zu beschreiben vermögen.
Labits überraschender Tod am 9. Februar 1899, drei Tage vor seinem 37. Geburtstag, bildet ein Rätsel. Geneviève Lefèvre rapportiert diverse Gerüchte, die damals in Toulouse über die Todesumstände kursierten: Dass eine ehemalige Geliebte (die zu diesem Zeitpunkt freilich schon ins Kloster eingetreten war) Labit aus Rache über seine unmittelbar bevorstehende Hochzeit mit einer anderen entmannt habe, dass er homosexuell gewesen sei und sich vergiftet habe… Die Version der Biografin ist nicht minder romanesk: Der Bruder der besagten Ex-Geliebten, frustriert über den «Einkommensverlust» infolge des Abbruchs der Beziehung zwischen seiner Schwester und Labit, habe diesem einen aus dem Museum entwendeten Giftpfeil in den Bauch gerammt, was dem Sammler einen qualvollen Tod bereitet habe. Stimmt diese Geschichte, wäre das Museum gewissermassen zum Mausoleum des Millionärssohns geworden. Antoine Labit, bereits durch den wenige Monate zuvor erfolgten Tod seiner Tochter Marguerite erschüttert und wenig willens, sich und seiner Frau die Strapazen eines Prozesses zuzumuten, soll dem Mörder genügend Geld gegeben haben, um rasch weit weg von Toulouse zu ziehen.
Nach dem Tod von Hélène Labit, die sechs Jahre nach Marguerite ebenfalls der Tuberkulose zum Opfer fiel, war der alte Geschäftsmann reicher denn je – und ohne eigentlichen Erben. Sein jüngerer Sohn, Louis, war geistig zurückgeblieben und bildete lebenslang einen Pflegefall. So setzte Antoine Labit 1905 ein Testament auf, in dem er neben vielen anderen Bestimmungen der Stadt Toulouse das Museum und dessen gesamten Inhalt vermachte. Doch erst 1919, zwanzig Jahre nach dem Tod von Georges und sieben Jahre nach jenem seines Vaters, nahm die Stadtverwaltung die Schenkung an. Das Museum war in der Zwischenzeit halb verfallen: das Dach undicht, das Gebälk morsch, auf dem Parkettboden Schimmel, die Exponate von der Feuchtigkeit sowie von Insekten und Ratten arg in Mitleidenschaft gezogen.
Erst 1935 wurde das Museum wiedereröffnet – weitere Wiedereröffnungen folgten 1945, 1949, 1971 (nach zwei abermaligen Jahrzehnten der Vernachlässigung) und 1997. Vom ursprünglichen Museum ist nicht mehr viel übrig: Viele Sammlungsstücke haben schlicht und einfach nicht überlebt, andere wurden an andere Museen verteilt – die Fayencen etwa an das Toulouser Musée Paul-Dupuy. Dafür zogen infolge von Umverteilungen der städtischen Sammlungen (die dem Musée Georges-Labit etwa koptische und altägyptische Objekte brachten, darunter eine Mumie), infolge von Schenkungen von Privatleuten und von langfristigen Leihgaben (namentlich des Pariser Musée Guimet) neue Werke in die maurische Villa ein. Die heutige Präsentation hat mit jener von 1893 kaum mehr etwas gemein: Damals glich das Innere einer Privatwohnung, mit Speisesaal, Musikzimmer, Billardraum…
Bei der letzten Wiedereröffnung nach einer tiefgreifenden Umstrukturierung klagten manche, das Museum habe seine Identität verloren. Aber nach Jahrzehnten der Vernachlässigung und des Verfalls war diese Identität ohnehin schon bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Das Haus hat sich in den letzten vierzig Jahren neu erfunden – neu erfinden müssen. Heute ist es das einzige französische Museum für asiatische Kunst ausserhalb von Paris. Und eine exotische Perle in der Toulouser Kulturlandschaft.
Marc Zitzmann