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Grand Hotel Couronne et Poste
Um das Hotel «Couronne et Poste» ranken sich Dichtung und Wahrheit. Von der einstigen Nobelherberge von Brig ist nichts mehr übrig geblieben. Alte Fotografien lassen aber das einstige Flaggschiff der Briger Hotellerie erahnen, welches 1951 einem Brand zum Opfer fiel und durch einen eher bescheidenen und bereits 1975 wieder abgebrochenen Nachbau ersetzt wurde. Seither befindet sich an seiner Stelle das jetzige UBS-Gebäude. An das «Couronne» erinnern heute ein angrenzendes Restaurant gleichen Namens und der neugestaltete Sebastiansplatz nach der Unwetterkatastrophe von 1993. Der Standort des einstigen Grand Hotels kann anhand eines dortigen Podestes zumindest wieder reliefartig abgelesen werden.
Den Ausführungen von Dr. Roland Flückiger-Seiler in seinem Beitrag für das Jubiläumsbuch «800 Jahre Brig» folgend, wird das Haus 1840 erstmals in einem Reiseführer erwähnt. Der Zürcher Autor, Johann Jakob Leuthy, bemerkt darin, «es enthalte schöne Salons und viele prachtvoll meublirte Zimmer». Ausserdem stünden dort «in billigen Preisen» immer Pferde und gedeckte Wagen in Bereitschaft. Der vom Simplon stammende Besitzer Johann Josef Escher wusste also, dass sich Brig als «Etappenort» eignete, um über die napoleonische Strasse nach Italien zu reisen. Der Reisebuchautor Hermann Alexander Berlepsch schrieb 1856: «Dieser Gasthof wurde durch genannten Besitzer (gemeint war der Sohn von Johann Josef Escher) tüchtig restauriert. (…) Bei dem Mangel guter und bequem eingerichteter Hotels in diesem Kanton verdient jede Verbesserung Beachtung.» Ganz in der Tradition anderer Autoren, die in Brig offenbar eine Art Oase im tristen Wallis sahen. So schrieb einer über Brig zu Beginn des 19. Jahrhunderts: «Voyez quel tableau riant la ville de Brigue présente au milieu d’un pays sauvage.» Sogar Goethe notierte 1779 in seiner «Reise nach Italien» über Brig: «Wir haben ein ganz artiges Wirtshaus und, was uns zu grossem Vergnügen dient, in einer geräumigen Stube ein Kamin angetroffen.» Damit dürfte allerdings nicht das erst später gebaute «Couronne» gemeint sein, welches in der «Belle Epoque» vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs seinen Zenith erreichen sollte. Es wurde zum «Stell-dich-ein» von gekrönten Häuptern, Dichtern und Politikern, unter ihnen beispielswiese der spätere englische Premierminister Winston Churchill. Es gab keinen wichtigen Anlass in Brig, der nicht im Couronne stattgefunden hätte, so zum Beispiel die legendären Briger Bälle. In der Zwischenkriegszeit geriet das Grand Hotel immer mehr unter Beschuss der Verkehrsplaner und der damaligen Architekturszene, welche für diesen Baustil nur noch Verachtung empfand. So bezeichnete der Präsident der Eidgenössischen Denkmalpflege nach dem Brand von 1951 das «Couronne» als «unschönen Hotelkasten». Folgerichtig wurde alles entsorgt, auch das wertvolle Interieur. Heute kann man über die Ignoranz dieses Zeitgeistes bis in die 1960er-Jahre nur noch den Kopf schütteln.