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Der Abbau von Holz ist ein langsamer Prozess, der je nach Holzart und Mikroklima (Temperatur, Feuchtigkeit) unterschiedlich viel Zeit in Anspruch nimmt. Auf jeden Fall benötigen die Holzzersetzer aber Jahrzehnte bis Jahrhunderte, bis von einem Baumstamm nichts mehr als Erde übrig bleibt. Der Holzabbau lässt sich in drei hauptsächliche Phasen einteilen:

In der Besiedlungsphase dringen Pionierinsekten in den frisch abgestorbenen
Holzkörper ein. Das sind Arten, die sich häufig baumartenspezifisch von der
Rinde oder vom Splintholz ernähren. Zu diesen primären Xylobionten
gehören vor allem verschiedene Käferfamilien wie die bekannten
Borkenkäfer (Scolytidae) oder die Bock- und Prachtkäfer (Cerambycidae,
Buprestidae) sowie die Holzwespen (Siricidae). Da Holz eine ziemlich
karge Nahrung darstellt, verläuft die Larvenentwicklung von Käfern und
Holzwespen häufig über mehrere Jahre, z.T. unterstützt von
symbiontischen
Pilzen.

Die Pioniere aus dem Reich der Insekten lösen erste Teile der Rinde vom Holz und erschliessen durch ihre Bohr- und Frasstätigkeit das Holz für weitere Insekten und für Pilze. Das umgesetzte Material (Bohrmehl, Kot) kann von nachfolgenden Organismen leichter verarbeitet werden. Die Insekten locken Spechte an, die durch ihre Frasslöcher das Eindringen von Pilzsporen fördern und auf diese Weise den Holzabbau beschleunigen. Bereits in dieser ersten Phase beginnt auch der mikrobielle Abbau des Holzes. Die Besiedlungsphase dauert typischerweise ungefähr 2 Jahre.

Foto: Thomas Reich (WSL)

In einer zweiten Phase beginnt das Holz sich zu zersetzen, Zweige
und Äste fallen ab, die Rinde löst sich ganz vom Stamm. Pilze und Bakterien beginnen
das Holz abzubauen. Das Insektenspektrum in dieser Zersetzungsphase
ändert sich.

Es finden sich Insekten ein, die entweder auf vorhandene Bohrgänge angewiesen sind, bereits teilabgebautes Holz benötigen, sich als Räuber von primären Xylobionten ernähren oder von Pilzen leben. Wiederum sind es viele verschiedene Käferfamilien, die in dieser Phase dominieren, z.B. Feuerkäfer (Pyrochroidae), Schröter (Lucanidae), Schwarzkäfer (Tenebrionidae) und Schnellkäfer (Elateridae).
Ausserdem entwickeln sich viele Fliegen- und Mückenarten in den Gängen und im Mulm. Diese Gruppe von Insekten wird sekundäre Xylobionten genannt. Zu Beginn der 10-20 Jahre dauernden Zersetzungsphase sind auch einige primäre Xylobionten noch vorhanden.

Foto: Markus Bolliger (BAFU)

In der Humifizierungsphase zerfällt das Holz und geht
langsam in Boden über. Das Substrat besteht zu einem grossen Teil aus
Kot der bisherigen Besiedler. Neben verbleibenden sekundären
Xylobionten leben jetzt an Gliederfüssern vor allem Fliegenlarven
(Diptera), Springschwänze (Collembola) und Milben (Acari) im Mulm.

Die eigentlichen Bodenlebewesen (verschiedene Würmer, Schnecken, Asseln, Tausendfüsser, Fadenwürmer) steigen in das Moderholz auf. Diese "Mesofauna" zerkleinert die Partikel und macht sie für Mikroorganismen besser zugänglich. Die meisten leben von den tertiären Xylobionten, nämlich den Pilzen und Bakterien. Es sind v.a. die Pilze, die letztlich Zellulose, Lignin, etc. abbauen und den Mulm in Humus überführen. Auch gewisse Fliegenarten können diese Stoffe aufschliessen.
Während allen Abbauphasen kommen immer auch räuberische und parasitische Arten vor, die sich von anderen holzbewohnenden Organismen ernähren.

Foto: Ulrich Wasem (WSL)