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«Paris ist heuer mehr der Siegfahrer, ich bin der Konstantere»
Beat Feuz verpasst den erhofften Medaillengewinn in der WM-Abfahrt in Are als Vierter knapp. Danach verzichtet er zwecks Schonung seines lädierten Knies auf die Reise zu den Weltcup-Rennen in Bansko.
Die in Schweden erlebte Enttäuschung hat er verarbeitet. Auch körperlich fühlt er sich nach den letzten zwei Wochen gut erholt. «Ich bin ausgeruht.»
Feuz stand einzig in der ersten Abfahrt der Saison in Lake Louise nicht auf dem Podest. In Kvitfjell, wo am Freitag und Samstag Abfahrten stattfinden, kann er den erneuten Sieg in der Disziplinen-Wertung sicherstellen. Nach sechs von neun Saisonrennen führt der Abfahrts-Weltmeister von 2017 mit 100 Punkten Vorsprung vor dem Südtiroler Dominik Paris.
Im Interview mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA spricht Feuz auch über die Aussagen von Carlo Janka, die während den Weltmeisterschaften in Are für Diskussionen gesorgt hatten.
Beat Feuz, Sie reisten nicht nach Bulgarien, wo dann letztlich der Super-G auch gar nicht ausgetragen werden konnte. War Ihr Verzicht wirklich nur eine Vorsichtsmassnahme, um dem Knie die nötige Erholungszeit zu geben - oder stecken vielleicht grössere Probleme dahinter?
«Nein, nichts Grösseres. Es war einfach so, dass ich das Knie zuletzt immer öfters gespürt habe. Der Januar mit den Klassikern sowie anschliessend die WM-Speedrennen bis Mitte Februar waren intensiv.»
Wird Ihr Knie also die Belastungen in dieser Woche mit drei Rennen innert drei Tagen ertragen?
«Ja. Kvitfjell und dem Weltcup-Finale in Andorra sollte nach dieser Pause nichts im Wege stehen. Ich werde fit am Start stehen - so wie das auch im Januar der Fall gewesen ist.»
An Kvitfjell haben Sie spezielle Erinnerungen.
«Dort habe ich meinen ersten Weltcupsieg gefeiert (am 11. März 2011 - Red.). Speziell war zudem, dass ich tags darauf mit einem neuerlichen Podestplatz gleich die Bestätigung nachliefern konnte. Ich freute mich, dass ich damals neben 'Top Shots' auf dem Podest stand.»
Mittlerweile sind Sie in der Abfahrt selbst der Fahrer, den es zu schlagen gilt. Was wird in den zwei Abfahrten in Kvitfjell der Schlüssel zum Erfolg sein?
«Einerseits habe ich ein Zeichen gesetzt, indem ich nicht nach Bansko ging. Ich bin ausgeruht, während die anderen Fahrer mehr Stress hatten. Andrerseits gilt es, sich gut auf die Bedingungen in Norwegen einzustellen. Dort wird es nicht so warm sein wie zuletzt bei uns.»
Was halten Sie von der Abfahrt in Kvitfjell?
«Geheimnisse gibt es definitiv keine, da wir dort oft fahren. Es handelt sich bestimmt nicht um die schwierigste Abfahrt, aber auch nicht um die leichteste. Ich schätze Kvitfjell als eine der schönsten Abfahrten im Weltcup. Sie beinhaltet alles, was eine Abfahrt ausmacht: steile Passagen, Sprünge, Gleiterstück. Da sie nicht so selektiert und nicht so lang ist wie andere Pisten, ist wohl ein sehr enges Rennen zu erwarten. Jeder Fehler ist also einer zu viel.»
Kennen Sie drei Rennen vor Saisonende Ihren Vorsprung in der Abfahrts-Wertung?
«Nur, dass ich hundert Punkte vor dem Zweitplatzierten Dominik Paris liege.»
Genau. Sie befinden sich also auf bestem Weg, die kleine Kristallkugel erneut zu gewinnen.
«Das ist mein grosses Ziel und wäre natürlich auch eine grosse Bestätigung. Umso mehr, als ich die WM-Medaille knapp verpasst habe. Aber Paris ist definitiv auch ein heisser Anwärter. Er kam im Laufe der Saison immer besser in Schuss. Er ist heuer mehr der Siegfahrer, ich bin der Konstantere. Es wird sich zeigen, wer am Schluss die Nase vorn haben wird.»
Wie schnell konnten Sie die Enttäuschung in der WM-Abfahrt, die auf stark verkürzter Strecke und bei schwierigen Bedingungen durchgeführt worden ist, abhaken?
«Fast sofort. Ich habe nicht gross Gedanken daran verschwendet, wie es hätte anders kommen sollen. Ich habe nach dem Rennen meine Meinung kundgetan. An dieser hat sich nichts geändert. Ich habe alles gegeben und war nicht weit weg von einer Medaille. Mit einer perfekten Fahrt hätte es mir gereicht. Doch einer muss eben Vierter werden. Nun traf es für einmal mich.»
Was haben Sie nach Ihrer Rückkehr von der WM getan?
«In den ersten Tagen ging es darum, Energie zu tanken und dass das Knie regenerieren konnte. Ich hatte schon in Are gespürt, dass das nötig werden würde. Deshalb mein Verzicht, nach Bansko zu reisen. Dafür gab es zwei Ski-Trainingstage in Kirchberg im Tirol.»
Während der WM in Are beschrieb Carlo Janka die Situation im Speed-Team der Männer als negativ. Es gebe da keine Emotionen, und die Stimmung sei wie tot. Erzählen Sie uns, wie Sie die Situation sehen.
«Es ist wahrscheinlich etwas komplexer, als es dargestellt worden ist. Auf eine Art und Weise verstehe ich beide Seiten. Ich weiss, was Janka meint. Der Zeitpunkt seiner Aussagen war aber sicher ungünstig. Ich will mich da während der laufenden Saison nicht einmischen. Das ist ein Thema, welches man Ende Saison und intern regeln sollte.»
Täuscht es, oder haben viele der Schweizer Abfahrer in dieser Saison nicht die erwünschten Fortschritte hingelegt?
«Das gilt es differenziert anzusehen. Klar haben wir nicht zehn Siegfahrer im Team. Aber unsere Abfahrts-Mannschaft, sofern sie denn komplett wäre, stünde gar nicht so schlecht da. Doch wir haben - wie andere Teams allerdings auch - mit vielen Verletzungen zu kämpfen.»