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17.05.2019 - "IMO2020". Reduktion der Schwefeloxidemissionen bei der Hochseeschifffahrt: Hintergründe und Auswirkungen
Der hauptsächlich verwendete Treibstoff für Hochseeschiffe (sogenannter "Bunker") ist schweres Heizöl, das als Rückstand aus der Rohöldestillation gewonnen wird. Rohöl enthält Schwefel, der nach der Verbrennung im Schiffsmotor zu Emissionen führt. Schwefeloxide (SOx) sind schädlich für die menschliche Gesundheit, verursachen Atemwegsbeschwerden und Lungenerkrankungen. In der Atmosphäre kann SOx zu saurem Regen führen, der Pflanzen, Wälder und Wasserarten schädigen kann und zur Versauerung der Ozeane beiträgt. Es muss deshalb versucht werden, diese SOx -Emissionen von Schiffen zu senken und damit die Luftqualität zu verbessern und die Umwelt besser zu schützen.
Konkret heisst das: ab dem 1. Januar 2020 wird der Grenzwert für Schwefel in Treibstoff, der an Bord von Schiffen verwendet wird, die ausserhalb von ausgewiesenen Emissionskontrollbereichen fahren, auf 0,50 % m/m (Masse pro Masse) gesenkt. Entweder die Schiffe werden ab 2020 mit schwefelärmerem Treibstoff betankt, oder sie werden mit Abgasreinigungsanlagen, sogenannten «Scrubber» auf dem Schiff selber ausgerüstet.
Diese Scrubber gibt es in drei Formen: "Closed-Loop-Filter" (Abgase werden gewaschen und Schadstoffe in einem Tank gesammelt, der im Hafen zur entsprechenden Weiterbehandlung entleert wird), "Open-Loop-Filter" (Abgase werden gewaschen und das Waschwasser wird zusammen mit den darin enthaltenen Schadstoffen ins Meer eingeleitet) und "Hybridfilter“ (die entweder für den Betrieb im offenen oder geschlossenen Kreislauf eingestellt werden können).
Insgesamt gesehen ist der umweltfreundlichste Filter der geschlossene Kreislauf ("Closed-Loop"), da solche Anlagen weder in die Atmosphäre noch in das Wasser emittieren, sofern die Abfälle nach der Sammlung in den Häfen behandelt werden. Open-Loop-Filter erfüllen zwar die Anforderungen der Schwefelrichtlinie und reduzieren die Emissionen in die Atmosphäre aus der Schifffahrt, ihre Verwendung führt jedoch zu Schwermetallen, Schwefel usw., die zusammen mit Waschwasser im Meer landen. China, Hong Kong und Singapur haben bereits festgelegt, keine Schiffe mit Open-Loop – Filteranlagen an Bord in ihre Häfen einlaufen zu lassen. Es ist davon auszugehen, dass andere südostasiatische Länder und Japan ebenfalls nachziehen werden.
Sei es eine Umrüstung der Schiffe mit Filtern oder die Verwendung von schwefelärmerem Treibstoff: in beiden Fällen steigen die Betriebskosten zu Gunsten des Umweltschutzes signifikant. Deshalb ist schon jetzt seitens der Reedereien klar signalisiert worden, dass die Einführung eines Zuschlags ("surcharges") spätestens ab dem Zeitpunkt der Betankung mit schwefelarmem Treibstoff (sprich: bereits 60 bis 90 Tage vor dem Stichdatum 01.01.2020) unumgänglich sei, um diese entstandenen Mehrkosten aufzufangen, was den Gesamttransport auf dem Seeweg ab 2020 verteuern wird. Einige Reedereien haben bekanntgegeben, ihre Zuschläge bereits vor dem Stichdatum 1. Januar 2020 zu erhöhen, da ihnen bereits 2019 erheblich höhere Betriebskosten aufgrund der Umstellung entstehen.
Durch die Umrüstung der Schiffe werden sich erstens kurzfristig die Gesamtkapazitäten auf den Weltmeeren verringern, da der Einbau der Scrubber ca. 60 Tage pro Schiff in Anspruch nimmt. Zusätzlich und langfristig wird die Ladekapazität der Schiffe nach der Umrüstung geringer sein als vor dem Umbau, da sowohl scrubber wie auch Low Sulfur -Tanks mehr Platz auf den Schiffen benötigen.
Viele Experten gehen von folgendem Folgeeffekt durch die IMO2020-Vorschrift aus: Vermehrte Verwendung der Langsamfahrt ("slow steaming") führt dazu, dass die Reichweite der Schiffe steigt. Um die "Transit Times" an den Schlüssel-Häfen einhalten zu können und damit wettbewerbsfähig zu bleiben, könnten Reedereien dazu gezwungen sein, einzelne Häfen auf ihren fixen Routen auszulassen.
Textquelle: SPEDLOGSWISS
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