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Die M. begannen gemäss der aktuellen Geschichtsschreibung 1494 mit dem Neapelfeldzug des franz. Kg. Karl VIII. und endeten 1559 mit den Verträgen von Cateau-Cambrésis und der Anerkennung der Pax Hispanica in Italien. Die Eidgenossenschaft bzw. deren einzelne Orte waren infolge der in versch. Abkommen vereinbarten Entsendung von Söldnertruppen in die Kriege während deren gesamter Dauer involviert. Aktiv - als mit den anderen europ. Mächten um die Vorherrschaft in Norditalien ringender Staat - griff die Eidgenossenschaft jedoch nur in der Zeit zwischen der franz. Eroberung Mailands 1499 und der Schlacht von Marignano 1515 in das Geschehen ein. Die M. spielten eine wesentl. Rolle für die Bildung der Eidgenossenschaft und deren Staatsverständnis, waren ausschlaggebend für die Entwicklung eines neuen Nationalbewusstseins und markierten den Höhepunkt der militär. Machtentfaltung der Eidgenossenschaft.
In den letzten Jahrzehnten des 15. Jh. hatten die einzelnen eidg. Orte versch. Interessen in Norditalien verfolgt. Besonders Uri strebte eine territoriale Ausdehnung in die nördl. Gebiete des Herzogtums Mailand an, um den Gotthardpass und andere Alpenübergänge, die zu den lombard. Märkten führten, unter seine Kontrolle zu bringen. Die Vorstösse der Urner fanden von Mal zu Mal die Unterstützung anderer Innerschweizer Orte oder von Zürich, das auch Interesse an den Bündner Pässen zeigte. Bern blickte auf die Handelswege im Westen, während der Bf. von Sitten und die Drei Bünde expansionist. Absichten auf das Val d'Ossola bzw. das Veltlin hegten (Ennetbirgische Feldzüge). Im Laufe des 15. Jh. versuchten die Orte und ihre Verbündeten mehrmals, sich südlich der Alpen festzusetzen, aber nach mehreren Waffengängen mit unterschiedl. Ausgang blieb die Leventina, die seit 1439/41 Uri unterstand, vorderhand die einzige dauerhafte Erwerbung. Den unterschiedl. Interessen der einzelnen Orte entsprachen gegensätzl. Haltungen gegenüber den europ. Grossmächten, die sich ab dem späten 15. Jh. auf den ital. Schlachtfeldern gegenüberstanden: Bern und einige andere Orte standen auf der Seite Mailands und waren wegen ihrer Beziehungen zu Savoyen und ihrer Expansionsbestrebungen im Waadtland antifranzösisch eingestellt. Uri und weitere Stände aus dem Alpenraum versuchten dagegen, die guten Beziehungen zu Frankreich aufrechtzuerhalten, und bezogen gegen Mailand und Habsburg Position.
Der Neapelfeldzug Karls VIII. 1494 und die Erbansprüche Ludwigs von Orléans, des späteren Kg. Ludwigs XII., auf das Herzogtum Mailand provozierten Reaktionen der ital. Staaten, des Heiligen Stuhls, des Ks. Maximilian I. und Ferdinands von Aragon. Diese lösten eine Kette von Ereignissen aus, in welche die eidg. Orte hineingezogen und immer mehr zu Hauptakteuren wurden, obwohl sie weder zu Anfang eine einheitl. Politik verfolgten noch später eine solche entwickelten. Die Parteibildungen und die Positionen der einzelnen Orte wie der eidg. Tagsatzung änderten nach der jeweiligen inneren und äusseren Konstellation. Die Ausrichtung hing von diversen Faktoren ab, z.B. dem Willen, sich auf dem ital. oder europ. Schauplatz zu profilieren, von kon- oder divergierenden Interessen zwischen den einzelnen Orten, den dominierenden Kräften innerhalb der einzelnen Orte und schliesslich auch den Bündnisangeboten der Kriegsparteien, die üppige Pensionen und Provisionen anboten, um sich die Unterstützung der Schweizer Söldner zu sichern.
Autorin/Autor: Paolo Ostinelli / PTO
Während des Neapelfeldzugs Karls VIII. bewog Frankreich zahlreiche eidg. Orte durch Geldzahlungen oder territoriale Zugeständnisse zur Entsendung von Truppen, die sich u.a. auch an der versuchten Eroberung des Herzogtums Mailand beteiligten. Da dieses Bündnis aber von mehreren Orten - v.a. auch von Bern und Zürich - abgelehnt wurde und Anwerbungen oft auch ausserhalb der offiziellen Kanäle erfolgten, kämpften auch im Heer des Mailänder Hzg. Ludovico Sforza (il Moro) Schweizer Söldner. 1495 nutzten Uri, Schwyz und Unterwalden eine Unaufmerksamkeit des Herzogs an der Nordgrenze seines Territoriums aus, um auf eigene Initiative die Täler Blenio und Riviera zu besetzen. Die rigorose Verfolgung eigener Ziele, ohne Rücksicht auf die Position der Tagsatzung, war für viele Orte während der M. typisch.
Nach seiner Thronbesteigung errang Ludwig XII. einen diplomat. Erfolg. Da viele Eidgenossen wenig Sympathien für Ludovico Sforza hegten und Ks. Maximilian I. wegen des Schwabenkriegs feindlich gegenüberstanden, gelang ihm im März 1499 der Abschluss eines Vertrags mit den eidg. Orten, der ihm für zehn Jahre das alleinige Recht zur Anwerbung von Schweizer Truppen sicherte. Im Sept. 1499 eroberte Frankreich Mailand und im April 1500 wurde Ludovico Sforza nach dem "Verrat von Novara" gefangengenommen. Nach einer Reihe von Kämpfen, in denen eidg. Kontingente auf beiden Seiten beteiligt waren, unternahmen plündernde Schweizer Söldner mehrere Raubzüge durch die Lombardei. Die Riviera, das Bleniotal und Bellinzona wurden annektiert und vom franz. König im Vertrag von Arona (1503) als Vogteien von Uri, Schwyz und Nidwalden anerkannt.
Die Problematik der Reisläuferei hatte inzwischen in der Schweiz eine neue Dimension angenommen, nicht nur weil die Tagsatzung versucht hatte, sich mit dem sog. Pensionenbrief von 1503 Kompetenzen der Orte anzueignen, sondern auch weil die enormen Menschenverluste der erfolglosen Feldzüge Luwigs XII. in Süditalien in allen Bevölkerungsschichten Unmut auslösten. Da sich der franz. König gegenüber der Eidgenossenschaft wenig sensibel zeigte und seine Vormachtstellung in Norditalien die jüngsten eidg. Eroberungen im Süden der Alpen in Frage stellte, verbreitete sich eine antifranz. Stimmung, die dazu beitrug, dass der 1499 geschlossene und 1509 abgelaufene Vertrag nicht mehr erneuert wurde. Dank der grossen Überzeugungskraft Matthäus Schiners schloss die Eidgenossenschaft vielmehr im März 1510 ein Bündnis mit Papst Julius II., das diesem die Anwerbung von Söldnern gestattete. Der Papst sah nach der Schwächung Venedigs, das 1509 bei Agnadello eine Niederlage erlitten hatte, in Frankreich das Haupthindernis für die angestrebte Hegemonie des Kirchenstaats in Italien.
Die Eidgenossenschaft trat zwar der vom Papst 1511 gegr. Heiligen Liga nicht bei; die Beteiligung von Schweizer Reisläufern an deren Feldzügen und die Auflösung des Vertrags mit Ludwig XII. kamen aber doch einer expliziten Unterstützung gleich. Die ersten vom Papst und seinen Verbündeten finanzierten, aber nicht koordinierten Unternehmungen endeten in Raubzügen durch die südl. Voralpengebiete (1510 Chiasserzug, 1511 Kaltwinterfeldzug). 1512 entschied die Schlagkraft der Schweizer Kontingente den Pavierzug, der zur Kapitulation von Cremona, Pavia und Mailand sowie zur Vertreibung der Franzosen aus der Lombardei führte. Die dadurch erlangte Position der Stärke nutzte die Eidgenossenschaft, um im Konzert der europ. Mächte mitzuspielen und die Einsetzung Massimiliano Sforzas, des Sohnes Ludovico Sforzas, als Hzg. von Mailand zu erwirken. Für diese Protektion verlangten die eidg. Orte und die Drei Bünde grosse Gegenleistungen in Form von Geldzahlungen und Gebietsabtretungen (Lugano, Locarno, Maggiatal, Domodossola, Veltlin, Drei Pleven).
Den Höhepunkt an militär. Macht erreichten die Eidgenossen 1513 mit dem Sieg in der Schlacht bei Novara, der ihre Herrschaft über Mailand vorderhand sicherte und ihnen die Bewunderung vieler zeitgenöss. Kommentatoren eintrug. Kurz zuvor waren bereits die franz. Garnisonen aus den Kastellen von Lugano und Locarno verjagt worden. Von diesen Erfolgen beflügelt, zogen die Eidgenossen gegen Frankreich, das auch im Norden angegriffen worden war; der Dijonerzug der Eidgenossen endete mit einem Kapitulationsentwurf, der die endgültige Anerkennung der eidg. Eroberungen in Italien vorsah, von Ludwig XII. aber nie ratifiziert wurde. In der Zwischenzeit hatte sich die Bündniskonstellation verändert: Spanien erhob Anspruch auf Mailand, Venedig hatte sich Frankreich wiederangenähert und Leo X. nahm vorsichtig die Hegemonialbestrebungen seines Vorgängers Julius II. wieder auf. Die Eidgenossenschaft geriet in eine diplomat. Isolation. Auch wurde in der Lombardei offenbar, dass die Eidgenossen das eroberte Gebiet zwar besetzen und dort auch Steuern und Abgaben einziehen konnten, ihnen aber die Fähigkeiten zur dauerhaften Regierung eines so komplexen Staats wie Mailand abgingen.
Der neue franz. Kg. Franz I., welcher der Wiedereroberung Mailands grosses Gewicht beimass, ging militärisch und diplomatisch in die Offensive. Er überquerte überraschend die Alpen beim Col d'Argentière (Mont-Blanc-Massiv) und zog dann durch die Markgrafschaft Saluzzo weiter gegen Mailand; damit machte er die strateg. Vorteile der weiter nördlich stationierten eidg. Truppen zunichte. Er untergrub den ohnehin losen Zusammenhalt der eidg. Orte, indem er Bern, Freiburg, Solothurn und Biel überzeugte, von einem Kampf gegen ihn abzusehen und stattdessen mit ihm einen Sondervertrag abzuschliessen (Frieden von Gallarate vom 8.9.1515). Da die übrigen Orte - in ihrer Auffassung durch Matthäus Schiner bestärkt - unbeirrbar an der Verteidigung der lombard. Eroberungen festhielten, kam es am 13. und 14. Sept. 1515 zur Schlacht von Marignano. Die Niederlage der Eidgenossenschaft bedeutete den endgültigen Verlust Mailands. In den folgenden Monaten waren die untereinander zerstrittenen eidg. Orte nicht fähig, sich auf Gegenmassnahmen zu einigen.
Autorin/Autor: Paolo Ostinelli / PTO
Die direkte Beteiligung an den Mailänderkriegen endete formell mit dem Ewigen Frieden vom 29.11.1516. Diesem folgte 1521 ein Bündnisvertrag mit Frankreich, der auch die Stellung von Schweizer Truppen vorsah. Die Eidgenossenschaft zählte fortan - auch nach dem Ende der Kämpfe um die Hegemonie in Italien - zum Einflussbereich Frankreichs. Mit der 1516 erfolgten Annerkennung der eidg. Herrschaft über Locarno, das Maggiatal, Lugano und Mendrisio (1521 endgültig erworben) wurden die Gebietsaufteilung und die südl. Grenzen der Eidgenossenschaft festgelegt. Graubünden erhielt das Veltlin, Chiavenna und Bormio, während das Val d'Ossola an Mailand zurückfiel. Gegen Ende der M. festigte sich die konstitutionelle Struktur der dreizehnörtigen Eidgenossenschaft, und die Überwindung der wiederholt auftretenden Krisen stärkte das Zusammengehörigkeitsgefühl.
Die M. hinterliessen in der Gesellschaft tiefe Spuren. Einerseits zogen die Nachbarländer Mitglieder der Führungsschichten, aber auch viele einfache Soldaten an, deren geistiger Horizont sich oft infolge der vielfältigen neuen Erfahrungen erweiterte. Andererseits beeinflussten die konkreten Kriegserfahrungen die ständigen Auseinandersetzungen um die Pensionen und Provisionen bzw. um das Phänomen der Fremden Dienste überhaupt. Das Ende der militär. Überlegenheit der eidg. Söldner, die Niederlagen und die hohen Menschenverluste veränderten die Einstellung gegenüber dem Krieg. Sie dämpften die Kriegsbegeisterung und das Klima der Gewaltverherrlichung, die an der Wende vom 15. zum 16. Jh. geherrscht hatten.
Autorin/Autor: Paolo Ostinelli / PTO
Autorin/Autor: Paolo Ostinelli / PTO