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desEnfants(Le) (Kt. Waadt,
Bez. und Gem. Lausanne).
847 m.
Haus; 2,5 km nw.
Cugy und 6,5 km nö.
Lausanne, mitten in den Waldungen
des südlichen
Jorat. Daneben eine bemerkenswert alte
Eiche. Im Sommer beliebtes Ausflugsziel von ganzen Gesellschaften, besonders
aus
Lausanne; in der Nähe liegen noch mehrere andere solcher von Spaziergängern häufig besuchten
Waldhäuser, so das
Chalet
aux
Bœufs im SO.,
Chalet à Boverat im O.,
Les Saugealles im N. und die ehemalige Abtei Montherond mit
Kirche am
Talent im NW.
entspringt mit zwei Quellarmen, ö. der
Ecorcheresses in 870 m und 2 km n.
Plain Fahyn in 980 m, entwässert ein schmales und wenig fruchtbares Thal, durchfliesst
Perrefitte und mündet nach 6,5 km langem
Lauf von W.-O. bei
Münster in 534 m.
545 m. Kleine Kirche, mitten im Friedhof von
Münster, 1 km s. der Ortschaft
an der Strasse nach
Perrefitte. An dieser Stelle stand ursprünglich ein ganzes Dorf mit eigener Gemeindeverwaltung, das nach
Urkunden aus dem 13. Jahrhundert den Namen Sarrière oder Zcholiers trug und dessen Kirche eine Filiale derjenigen von
Münster
war und durch einen eigenen Geistlichen versehen wurde, dem Chalières,
Perrefitte und
Champoz unterstanden.
Dekanat Salignon.
Das Dorf hatte viel zu leiden: im Schwabenkrieg wurde es von den Kaiserlichen geplündert und in
Brand
gesteckt;
1439, 1595, 1608, 1611 und 1634 trat die Pest auf und zwar im letztgenannten Jahre derart verheerend, dass dadurch
das Dorf völlig vernichtet wurde.
Die wenigen Ueberlebenden zogen fort, die
Häuser zerfielen, der ganze
Ort verschwand endlich
völlig vom Erdboden, und nur die kleine Kirche blieb bestehen. Um das Grundeigentum der untergegangenen
Siedelung entstand unter den Nachbargemeinden ein langer Streit, der nach endlosen Prozessen endlich dahin entschieden wurde,
dass der grössere Teil an
Münster, der kleinere an
Perrefitte fiel.
Die Kirche dient heute dem Gottesdienst der deutschen
reformierten Gemeinde von
Münster.
(Le) (Kt. Bern,
Amtsbez.
Münster, Gem.
Court). Thalschaft des
Berner Jura, zwischen dem
Graitery im
N. und dem
Envers du Montoz im S., senkt sich von O.-W. und mündet am Eingang zu den
Schluchten von
Court auf das Birsthal
aus. Bergweiden und einige Aecker, an den Hängen des
Graitery und Montoz prachtvolle Tannenwälder. Wird von einem in 1068 m
an der Grenze gegen den Kanton Solothurn
entspringenden
Wildbach entwässert, der zuerst nach N. fliesst, dann in scharfem Knie nach W. abbiegt
und nach 6,3 km langem
Lauf etwas unterhalb
Court in 665 m von rechts in die
Birs mündet.
Sein Einzugsgebiet umfasst 390 ha. Man zählt
im Thal von Le Chaluet 12
Höfe mit 59 Ew., die zum grössern
Teil Wiedertäufer sind. Dem Thal folgt auf seine ganze Länge die Strasse
Court-Gänsbrunnen
(SaintJoseph)-Welschenrohr (Rosière)-Balsthal.
Le Chaluet ist ein Teil der grossen Molassemulde, die, zu beiden
Seiten von Jurafalten begrenzt, von
Tramelan im W. bis Oensingen
im O. reicht und der Reihe nach von der
Trame, der
Birs (bis
Court), dem
Wildbach Le Chaluet und der
Dünnern
entwässert wird.
Die dieser Mulde folgende Strasse bildet zugleich den kürzesten Fahrweg zwischen dem Hochplateau der
Freiberge und
Olten.
Ehemals Eisen- und
Glashütten. Als im 17. Jahrhundert Bern
die Wiedertäufer aus seinen Landen vertrieb, fanden
sie
Schutz beim Fürstbischof von Basel,
auf dessen Gebiet sie sich nunmehr ansiedelten. So liessen sie sich zum Teil auch
im Thal
von Le Chaluet nieder, dessen bisher unbebauten Boden sie als treue und ergebene Untertanen der
Bischöfe in
Frieden urbar
machten.
Sitz der grossen Anglo-Swiss Condensed
MilkCo., deren Fabriken auf der ganzen
Erde zerstreut sind. Hauptfabrik in Cham mit 350 Arbeitern;
kauft die Milch von 8000 Kühen der Umgegend auf. Eine bedeutende Papierfabrik beschäftigt nahe an 200 Arbeiter.
Die auf eine Anhöhe 1784 erbaute und 1867 renovierte Kirche ist mit ihrem schlanken
Turm weitherum sichtbar. Sie ist eine
der schönsten Dorfkirchen der
Schweiz und birgt Malereien von P. M. von Deschwanden († 1881) aus
Stans und Reinhard aus
Luzern
(† 1824). Entwickeltes Unterstützungswesen, so eine Alterskasse, zwei Krankenkassen, Waisenhaus. Oeffentliche
Gartenanlagen.
Alte Urkunden erwähnen ein Geschlecht «von
Kam», dem zahlreiche wohlthätige Stiftungen zugeschrieben werden.
Cham ist eine der ältesten Siedelungen des Kantons Zug;
erscheint schon 857 als Chamo in pago Thurgauense und 858 als curtis regia
in der von Ludwig dem Deutschen zu Gunsten seiner Tochter Hildegard, der Aebtissin vom
¶
forlaufend
Frauenmünster zu Zürich,
aufgesetzten Schenkungsurkunde der Villa Cham. ^[Note:] Diese blieb bis 1477 im Besitz und unter der Verwaltung
des Fraumünsters, kam dann durch Kauf an Zug
und wurde von dieser Stadt verwaltet, bis sich der Ort 1798 als eigene politische
Gemeinde constituierte. Doch zahlte Cham der Stadt Zug noch einen Collaturzins,^[Berichtigung: ein Kollaturrecht.]
von welcher Verpflichtung es sich erst 1873 durch eine fixe Summe loskaufte. Heimat des religiösen Schriftstellers Franz
Suter (1654-1691), des Professors an der Universität Freiburg
im Breisgau J. Caspar Hildebrand († 1772), des Schriftstellers
und Philosophie- und Theologieprofessors G. J. Suter († 1860) und des Landammannes Hildebrand (1835-1891).
Pfahlbauten neolithischen Alters zu St. Andreas und beim Bachgraben. In der benachbarten Pfahlbaustation des Koller ist ein Kupferbeil,
bei der Ziegelei St. Wolfgang ein Bronzebeil gefunden worden. Römische Münzfunde besonders bei St. Andreas und im Städtli.
entspringt an der O.-Grenze des Kantons in den Waldungen der Gemeinde Gy in 472 m,
bildet auf eine Strecke von 900 m die Landesgrenze, erreicht nach 4,3 km langem Lauf die weite Sumpfebene von Sionnet und vereinigt
sich in 431 m mit dem Paradis.
Chambet und Paradis bilden zusammen die zwei Quellarme der Seimaz.
Oberer Abschnitt
eine mit schönen Bäumen bestandene Terrasse, unterer Abschnitt ziemlich steil zum See abfallend und mit Reben bepflanzt. 36 Häuser, 267 reform.
Ew. Grabfeld aus der neolithischen Zeit.
(Kt. Waadt,
Bez. Yverdon).
530 m. Gem. und kleines Dorf, auf einem aus den Sumpfebenen der Orbe sich erhebenden Hügel; 2,7 km
w. der Station Yverdon der Linie Lausanne-Neuenburg. 30 Häuser, 137 reform. Ew. Kirchgemeinde Montagny.
Landwirtschaft. Etwas Weinbau. Mühle. Am O.-Ende des Dorfes ein modernes Schloss. Gehörte zuerst zur HerrschaftMontagny und
bildete später ein unabhängiges Territorium. Am Fuss des Mont de Chamblon sind am Rande der Sümpfe unter einer Lage von
Torf Altertümer aus der Steinzeit aufgefunden worden. Der Hügelzug bildet eine Neocominsel mitten im
weiten Molasse- und Alluvialboden der Thalsohle; sein W.-Hang ist bewaldet. Am N.-Hang und auf dem höchsten Punkt Fossilien
des Hauterivien und Valangien. Bemerkenswerte siderolithische Höhlen, in denen einst Skeletstücke von tertiären Säugern
(aus dem untern Oligocän) gefunden worden sind. Am N.- und NO.-Rand des Mont de Chamblon entspringen eine
ganze Reihe von grossen Quellen, deren beträchtliche Wasserführung (zusammen ca. 10000 Minutenliter) dem räumlich nur
beschränkten Einzugsgebiet des Hügels in keiner Weise entspricht und die daher anderweitigen Ursprungs sein müssen. In
der That kommen sie von den 4 km entfernten Jurahängen zwischen Baulmes und Vuittebœuf her, gehen unter dem Molassezug
von Champvent durch und treten infolge des hydrostatischen Druckes als Ueberfallsquellen aus den senkrechten Spalten und
Verwerfungen des Valangien am Mont de Chamblon zu Tage.
Den Beweis dafür hat Prof. Schardt durch 1898 und 1899 unternommene Färbungsexperimente mit Fluorescin erbracht. Nach Einschütten
von 2 kg dieser Substanz in den Trichter, in welchem der die Sümpfe von Baulmes entwässernde Bach verschwindet,
zeigten die grossen Quellen am Mont de Chamblon (Granges Décoppet, Moulinet und Moulin Cosseau) der Reihe nach die charakteristischen
Färbungserscheinungen; die 12-14° warmen Quellen des Moulin Cosseau allerdings, in weniger starkem Grad und erst 10 Stunden
nach den übrigen. Von hier bezieht die Stadt Yverdon ihr Trinkwasser.
896-960 m. Zwei Häusergruppen, durch den die Grenze zwischen den
Gemeinden Sembrancher und Orsières bildenden Wildbach von einander getrennt, am rechten Ufer der Dranse
d'Entremont, am untern Rand der Waldungen von Le Larzey, 2 km s. des Städtchens Sembrancher und 12 km sö. der Station Martinach
der Simplonbahn.
Chamoille de Sembrancher: 19 Häuser, 89 kathol. Ew., in kleiner Mulde und rings von Baumgärten
umgeben;
Chamoille d'Orsières: 14 Häuser, 84 kathol. Ew., auf steilem und weniger fruchtbarem Hang.
5½ Stunden nw. Chamoson. 1 km weiter ö. eine ehemals ausgebeutete Eisenerzgrube, Chamoson geheissen, bestehend aus einem
in die Oxfordschiefer eingelagerten Gang von Magneteisenstein mit pyritischen Fossilien des Divésien (mittleren Oxfords).
2727 m. Felsspitze aus Jurakalk, im Grat zwischen dem Grand Muveran und
Haut de Cry und zwischen den beiden Thälern von Derbon und Chamosenze. An ihrem Fuss die mageren Alpweiden Chamosenze mit
Hütten in 1920 m. Der Name wird, wie alle auf en und enze endigenden Ortsnamen des Wallis,
Chamozince ausgesprochen.
(Kt. Wallis,
Bez. Conthey).
649 m. Gem. u. grosses Pfarrdorf, auf dem Schuttkegel der Losenze, 4 km n. der
Station Riddes der Simplonbahn. Hinter dem Dorf der von den Quellbächen der Losenze entwässerte mächtige Felsenzirkus, der
nö. des Dorfes mit der grossen jurassischen Kalkwand Paroi du Gruz endigt. Postablage, Telegraph, Telephon; Postwagen nach
Riddes. Gemeinde, mit Grugnay u. Saint Pierre de Clages: 249 Häuser, 1717 kath. Ew.; Dorf: 184 Häuser, 1272 Ew.
Wein-, Obst- und Gemüsebau, Viehzucht. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts Ausbeute einer Eisenerzgrube, deren Produkte in die
Giesserei von Ardon wanderten. Das von dem jetzt eingedämmten WildbachLosenze oft überflutete und 1235 durch Feuer gänzlich
zerstörte Dorf liegt über einem weiten Gebiet fruchtbarer Aecker, Wiesen und Rebberge. Gehörte bis 1832 zu
Ardon, dessen Geschicke es stets teilte; seither eigene politische und Kirchgemeinde mit Filiale zu Saint Pierre de Clages,
dessen Kirche eine der ältesten des ganzen Landes ist. Im Mittelalter waren die vereinigten Herrschaften Chamoson und Ardon
Eigentum der Bischöfe von Sitten, die hier zwei feste Burgen errichtet hatten. Auf einem Felsen ö. Chamoson
stand die Veste Chavey, zu deren Zerstörung der mit dem Wallis
in Fehde liegende Graf Peter von Savoyen 1266 neun
¶
forlaufend
Tage gebrauchte. Das Meieramt über die Herrschaft versahen im Namen der Bischöfe zunächst die Edeln von Chamoson; 1415 erkaufte
sich die Hoheitsrechte der Graf Ludwig von Savoyen, von dem sie 1476 nach der Eroberung des Unterwallis durch die Oberwalliser
an den Bischof Walter Supersaxo und damit wieder an die Curie zurückfielen. Wohnung der Meier war ein
mitten im Dorf selbst stehender Burgturm. Einige alte Bronzefunde;
die Gräber von Combaz stammen aus der Bronze- u. Eisenzeit;
römische Gräber bei Trémasières und römische Münzen bei Combaz. 1050: Villa Camusia;
(Le) (Kt. Waadt,
Bez. Aigle).
2116 m. Gipfel, aus unterm Jurakalk bestehend; fällt mit hohen
Felswänden zum Ormontsthal ab, während er sich gegen den Col de Bretaye (1810 m) in langem, mit Alpweiden bestandenem Rücken
senkt. Von NO. gesehen gleicht der Bergstock einem liegenden Löwen mit erhobenem Haupte. Das Panorama vom Chamossaire, dem
Waadtländer Rigi, zeichnet sich weniger durch allumfassende Fernsicht, als durch harmonische Pracht in
engeren Grenzen aus; seine Glanzpunkte sind die Dent du Midi, Mont Blanc Gruppe, Waadtländer Alpen, das hinter dem Col de Cheville
in seiner vollen Grossartigkeit emporsteigende Weisshorn von Randa, die Diablerets und die Gruppe der Jungfrau. In voller Pracht
prangt der Chamossaire im Juni und anfangs Juli, wenn die bis zum Gipfel reichenden Alpweiden einem einzigen
grossen Blumengarten gleichen, in dem jeder Schritt ein Veilchen, eine Anemone, eine Orchis oder sonst eines dieser lieblichen
Bergkinder zu vernichten droht.
«Die Flora ist nicht gerade reich an seltenen Arten... Wo aber findet man solche
dichten Blumenteppiche?» sagt Eugen Rambert. Vom Col de Bretaye aus kann der Berg über diesen langen
Rasenhang in einer Stunde bequem erstiegen werden. Ein Ausflug auf den Chamossaire gehört zu den Lieblingstouren der in
Villars, Chesières, Gryon und den Ormontsthälern zu Tausenden zusammenströmenden Sommergäste; 30-40 Personen und mehr finden
sich oft zu gleicher Zeit hier oben ein.
Auch im Winter ist die Besteigung eine angenehme und leichte, die Aussicht aber eine noch schönere als im Sommer. Von Chesières
und Villars aus 3½ von Ormont Dessus und Le Sépey 4½ und von Gryon 4¼ Stunden. Die obersten Partien des Chamossaire bestehen
aus einer zerstückelten, zertrümmerten und zu einer Breccie von oft spätiger Textur verkitteten Decke
aus Dogger, die auf Liasschiefern ruht und mit diesen zusammen über die im W., N. und O. zu Tage anstehende Flyschunterlage
aufgeschoben erscheint.
Zwischen den einzelnen Fetzen der Kalkdecke sind in die tonigen Liasschiefer mehrere kleine Seen mit unterirdischem
Abfluss eingesenkt. Es ist so der Chamossaire ein typisches Sammelgebiet von unterirdischen Wässern, die nw. vom Bergstock
in den Quellen von Le Coussy mit einem Ertrag von 2000-3000 Minutenlitern zu Tage treten und die DörferLeysin und Feyday mit
Trinkwasser versorgen. Chamossaire = Gemsenberg. Vergl. das geologische Profil zum Art. Bex.
del'Air (Kt. Waadt,
Bez. u. Gem. Lausanne).
550 m. Häusergruppe und Gartenanlagen, ö. Lausanne an der Strasse nach Bern.
Ehemals Irrenheilanstalt;
siedelte 1873 nach dem neuen Gebäude Bois de Céry über. Heute kantonales landwirtschaftliches Institut
mit Milchkontrolstelle und zentraler Weinbau-Versuchsstation. Landwirtschaftliche Winterschule. Meteorologische Beobachtungsstation.
Weiler, in einer Erweiterung der engen und
wilden Kluse der Gorges de l'Areuse, 10 km wsw. Neuenburg.
Zwei Gruppen von zusammen 10 Häusern mit 145 reform. Ew. In Champ du Moulin Dessus
(690 m) Schulhaus und Station der Linie Neuenburg-Pontarlier;
(Kt. Bern,
Amtsbez. und Gem. Biel).
443 m. Neu entstehendes nö. Aussenquartier von Biel, im spitzen Winkel zwischen den beiden
Zweigen der Strasse Mett-Biel, deren einer zur katholischen Kirche führt und deren anderer s. des Schützenhauses
auf die Strasse Bözingen-Biel ausmündet.
1455 m. Dorf, auf gut angebautem Plateau, dem fruchtbarsten im Val
d'Entremont;
am rechten Ufer der Dranse, 22 km sö. der Station Martinach der Simplonbahn und 1,5 km n. Liddes. 44 Häuser, 177 kathol.
Ew. Roggen-, Bohnen- und Kartoffelbau, Viehzucht. 400 m weiter nach O. über dem Ufer des Wildbaches von Amont mehrere erratische
Blöcke.
Das Dorf soll nach dem Ausspruch der dortigen Bauern seiner fruchtbaren Aecker wegen so genannt
worden sein (le champ y donne).
Prachtvolle Aussicht auf den Mont Vélan, dessen breite Eispyramide von hier aus das Thal
abschliesst.
Zur Reformationszeit
errichtete man hier aus den Altarsteinen der geplünderten Kirchen La Madelaine, Saint Gervais und Saint Jeanles Grottes ein
neues Hochgericht. In Champel starb auch der spanische Arzt und Philosoph Michel Servet auf Calvins Geheiss den Feuertod. 1815 lagerte
auf den Höhen um Champel die Armee des österreichischen Generals Frimont.
und grosses Pfarrdorf, im Val d'Illiez, auf einem kleinen Flyschplateau, dem Plateau de la Fin, das sich an den Neocomsattel
des Thalgrundes anlehnt; am linken Ufer der Vièze und am Eingang zu den verschiedenen kleinen zwischen Dent du Midi im O.
und Pointe de Chésery im W. ausstrahlenden Thälern. 12 km sw. der Station Monthey der Linie Le Bouveret-Saint
Maurice. Postbureau, Telegraph, Telephon; Postwagen Monthey-Champéry. Zollamt. Gemeinde, mit Chevalet, Les Parzes und Vièzes: 173 Häuser, 727 kathol.
Ew.; Dorf, aus verschiedenen nahe beieinander stehenden und teilweise eigene Namen führenden Häusergruppen bestehend: 64 Häuser, 284 Ew.
Hornvieh- und Pferdezucht.
Das Zentrum der Siedelung bildet eine einzige, ca. 600 m lange Gasse, die zu beiden Seiten von Holzhäusern
und Gasthöfen gesäumt ist. Wenig hinter Champéry endigt die Fahrstrasse des Val d'Illiez, deren Bau 1851 beschlossen, 1853 begonnen
und 1865 vollendet wurde. Die Häuser von Champéry bestehen aus Holz und zeigen alle die Eigentümlichkeit,
dass ihr sehr steiler Giebel sich vorn in der Mitte zu einer spornartig vorspringenden Spitze verjüngt, unter der ein geneigtes
Holzkreuz den Eintretenden begrüsst. Die Frauen des Dorfes tragen einen malerischen Kopfschmuck und bedienen sich bei ihren
Feldarbeiten der Männerkleidung. Seit 1857 das erste und heute noch bedeutendste Gasthaus eröffnet
worden, hat sich Champéry zu einer der besuchtesten Fremdenstationen des Wallis
entwickelt.
In weltlicher wie kirchlicher Hinsicht stand das Dorf einst unter der Herrschaft des Priorates von Val d'Illiez, von der sich
frei zu machen von jeher das Bestreben der Champérolaner war. 1723 erhielten sie einen eigenen Filialpriester
(ein «rectorat»),
1727 wurde die Kapelle zur Kirche umgewandelt und teilweise von der Mutterkirche zu Illiez unabhängig; seit 1857 eigene
Kirchgemeinde. Die politische Unabhängigkeit erlangte die Gemeinde Champéry 1839. In der Mitte des Dorfes die dem h. Theodul,
dem ersten Bischof des Wallis,
geweihte Pfarrkirche mit eigenartigem Turm; 1898 in romanischem Stil umgebaut. Champéry
ist die Heimat des Vikars Clément († 1810), der als erster 1784 die Dent du Midi erstieg und eine Bibliothek und bemerkenswerte
Sammlungen anlegte.
Der Ort wird zum erstenmal in einer mittellateinischen Urkunde des Jahres 1140 erwähnt; 1286 schenkte das Freifräulein
de Lugrin zweien seiner Bewohner die Freiheitsrechte. Seit 1901 hat Champéry eine Trinkwasserversorgung,
zu welchem Zwecke die am Ausgang des Thälchens von
La Barmaz im 1200 m sprudelnde Quelle La Laitière gefasst worden ist.
Das Gefälle zwischen der Quelle und dem Reservoir liefert die zur elektrischen Beleuchtung des Dorfes und seiner Nachbarschaft
nötige Kraft. Vergl. Arth. de Claparède: Champéry et leVal d'Illiez. Genève 1886. - F. O. Wolf. VonSaint Mauricebis zumGenfersee. (Europ. Wanderbilder. 149/150;Wallisund Chamonix. 9). Zürich
[1889].
(Lac) (Kt. Wallis,
Bez. Entremont).
1465 m. Kleiner Alpensee; in grünem, zwischen Mont Catogne im N., La Breya und
Clochers d'Arpette im S. und W. eingebetteten Hochthal; von ovaler Gestalt mit 1,5 km Umfang; ringsum von blumenreichem
Rasen eingefasst, in dem zahlreiche Granitblöcke liegen; Alphütten und Gasthöfe. Ein nahe dem Ufer aus dem Wasser aufsteigendes
Inselchen und die mit wechselnden Schattenwirkungen im See sich spiegelnde mächtige Berggruppe des Grand Combin
erhöhen noch die liebliche landschaftliche Szenerie. Dem See fliesst ein kleiner Bach zu; sein Abfluss mündet beim Dorf
Som la Proz in die Dranse de Ferret, 1 km oberhalb ihrer Vereinigung mit der Dranse d'Entremont. Zu- u. Abfluss sind künstlich
erstellt worden. Der Lac de Champex ist ein typischer Moränensee. Die hohen Moränenzüge des einstigen
Arpettegletschers nw. u. eine Seitenmoräne des einstigen Ferretgletschers s. vom See haben den Boden des Thales von Champex
derart aufgefüllt, dass sein oberster Abschnitt nunmehr zum Val Ferret entwässert wird. Ohne diese Moränenwälle hätte
sich in der Depression nur ein blosser Sumpf bilden können. Die Fauna des Sees ist von Prof. Th. Studer
studiert worden, der hier das Vorkommen zweier Fische, der Ellritze (Phoxinus laevis) und des Alets (Squalius cephalus),
eines Copepoden (Cyclops affinis), einer Cladocere (Alona quadrangularis), zweier Rotiferen (Polyarthra platyptera u. Anuraeacochlearis), von Peridineen (Ceratium hirundinella) und, aus dem Pflanzenreich, eine Menge von Diatomeen
und Desmidiaceen festgestellt hat.
Aus dem kalkfreien Wasser erklärt sich das gänzliche Fehlen von Mollusken. Abseits von
der durch den Zu- und Abfluss verursachten beständigen Strömung haben sich im ruhigen und klaren Wasser zahlreiche Binsen
und Schilfrohre angesiedelt, zwischen denen eine reiche Algenflora (besonders Spirogyra und Ulothrix)
gedeiht.
Zum Lac de Champex führen drei Wege: von Orsières aus in 1½ Stunden ein Maultierpfad;