Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03269.jsonl.gz/1708

Nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 stand die Welt eine Weile still. Mehr als 3000 Tote, die Grausamkeit der Anschläge, die Angst - all das sass und sitzt bei einigen noch immer tief. Aber auch in der Wirtschafts- und Finanzwelt hat sich seit dem 11. September einiges verändert: Mit den Türmen des World Trade Centers waren immerhin zwei Symbole für die Macht der grössten Volkswirtschaft der Welt eingestürzt - zu Staub geworden. Dieser waberte noch Tage später über Manhattan und dem Financial District. Aber dort arbeitete man sowieso nicht. Vier Tage lang blieb die New Yorker Börse an der Wall Street geschlossen. Am 17. September, dem Montag nach dem Unglück, nahm man den Handel an der New York Stock Exchange wieder auf.
Der Dow Jones war in Folge der Anschläge rapide abgestürzt. Er zog die Aktienmärkte weltweit mit sich - doch nicht für lange. Schon im Dezember jenes Jahres war der amerikanische Leitindex wieder auf das Niveau vor 9/11 geklettert. Trotzdem lässt sich nicht leugnen, dass es mit der Finanzwelt nach 2001 deutlich bergab ging. Wie gross der Anteil des 11. September daran jedoch wirklich war, ist schwer zu sagen. Die Terroranschläge geschahen, nachdem ein Abwärtskurs nach dem Platzen der Dotcom-Blase schon begonnen hatte. Die Ereignisse dürften diesen aber deutlich verstärkt haben.
Konsumklima brach ein
Das Konsumklima in den USA brach in Folge der Anschläge ein. Es landete auf einem Stand, des es zuvor Mitte der neunziger Jahre erreicht hatte. Bedenkt man, dass die US-Wirtschaft zu zwei Dritteln vom Konsum abhängt, werden die Folgen einer solchen Entwicklung klar. Der damalige Fed-Vorsitzende Alan Greenspan läutete daher die Zeit des billigen Geldes ein. Zwar hatte er bereits vor den Anschlägen begonnen, den Leitzins der Notenbank zu senken. Doch ging es danach noch deutlich weiter nach unten. Zwischen 2001 und 2003 sank der Leitzins von 6,5 auf 1,0 Prozent - was zwar dazu führte, dass die Wachstumszahlen der USA zwar vorerst akzeptabel blieben. Doch die private Verschuldung trieb das in die Höhe. Und die hatte immerhin einen wesentlichen Anteil beim Entstehen der Finanzkrise ab 2007.
Die Unternehmen hatten in Folge der Anschläge vor allem unter den immer strenger werdenden Sicherheitsregeln zu leiden. Die Sicherheitskosten bei Transport und Logistik erhöhten sich enorm. Die Industrie, die durch die Anschläge aber wohl am härtesten getroffen wurde, war die Luftfahrtbranche. Der weltweite Flugverkehr reduzierte sich 2001 um 2,7 Prozent - vor allem Airlines in den USA litten darunter enorm. United, US Airways und Delta wurden mit rund 15 Milliarden Dollar vom Staat gestützt. Noch immer erholen sie sich von dem Schock. Wie sehr die Fluglinien zu kämpfen hatten, zeigt der Blick auf den Dow Jones US Airlines Index: Lag er am Tag vor den Anschlägen noch bei etwa 190 Punkten, so befindet er sich jetzt - ein Jahrzehnt später - bei etwas über 50 Punkten.
Aber auch weltweit zeigten sich die Auswirkungen in der Luftfahrt. Strengere Sicherheitsvorkehrungen, wie etwa der Einbau neuer Cockpittüren oder gründlichere Sicherheitschecks, gingen bei allen ins Geld. Fluggesellschaften, die ohnehin schon zu kämpfen hatten, gingen in der Folge unter. Das wohl prominenteste Beispiel: Die Swissair im Jahr 2002.
(vst)