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Die Klassifikation der Risiko-Organe zeigte bisher bei Gehirn und Rückenmark die grösste Gefahr, dass sie mit Prionen infiziert werden. Das zweitgrösste Risiko besteht bei lymphatischen Organen (Milz, Lymphknoten, Gaumenmandeln), während alle anderen Organe ein sehr kleines Risiko haben beziehungsweise bisher als risikofrei galten.
Diese Klassifikation basierte auf Experimenten, bei denen Rinder mit Prionen gefüttert und in unterschiedlichen Zeitabständen getötet wurden. Danach wurde die Prionenkonzentration in verschiedenen Organen gemessen. Das Resultat war immer, dass Prionen nur im Zentralnervensystem und in lymphatischen Organen nachgewiesen werden konnten.
Bereits vor mehreren Jahren hatten Forscherinnen und Forscher am Institut für Neuropathologie der Universität Zürich gezeigt, dass sogenannte «follikulär dendritische Zellen» (FDCs) und B-Lymphozyten für die Vermehrung von Prionen in lymphatischen Organen verantwortlich sind. Während diese FDCs und B-Lymphozyten bei gesunden Tieren und Menschen nur in lymphatischen Organen zu finden sind, können sie sich aber auch in anderen Organen niederlassen, wenn diese entzündet sind. Somit stellte sich die Frage, ob in solchen entzündeten Organen in der Folge auch Prionen auftreten können.
Eine Forschungsgruppe um Prof. Adriano Aguzzi, den Direktor des Instituts für Neuropathologie, ist dieser Frage nachgegangen und konnte ihre Ergebnisse am 20. Januar in der Online-Ausgabe der Zeitschrift «Science» veröffentlichen (die Printversion erscheint Mitte Februar).
In Tierversuchen mit Mäusen wurden fünf Entzündungsmodelle in drei normalerweise prionenfreien Organen durchgespielt: Niere, Bauchspeicheldrüse und Leber. Das Ergebnis war ernüchternd: In allen Organen konnten nach der experimentellen Infektion massive Prionen-Ansammlungen nachgewiesen werden.
Die Forscherinnen und Forscher schliessen daraus, dass die gegenwärtige Risiko-Klassifikation nur dann gültig ist, wenn das betroffene Tier zwar mit Prionen infiziert ist, ansonsten jedoch gesund ist. Falls eine zusätzliche Entzündung vorhanden ist - sei es durch einen Virus, ein Bakterium oder eine Autoimmunerkrankung - erweitert sich das Spektrum der prionenhaltigen Organe wesentlich. Wichtig ist daher gemäss den Forschenden, die mit Mäusen gewonnen Erkenntnisse in einem nächsten Schritt bei landwirtschaftlichen Nutztieren wie Schafen und Rindern zu überprüfen. Sollten sich die Ergebnisse dabei bestätigen, müsste die Risikoeinschätzung der entsprechenden tierischen Produkte angepasst werden.