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Wilhelm Backlund, der Festverzinsliche, Devisen und Rohstoffe bei Varma Mutual Pension Insurance verwaltet, tut alles, um sich an die Nebenwirkungen des EZB-Aufkaufprogramms für Unternehmenspapiere anzupassen, das im Juni begann. Insgesamt betreut die Gesellschaft 42 Milliarden Euro.
Bank of America Merrill Lynch hatte bereits davor gewarnt, dass die EZB-Aussage, sie halte mehr als zwei Drittel der geeigneten Unternehmensanleihen in der Eurozone, ein Katalysator sein könne: Dieser dränge Investoren aus dieser Anlageklasse und lasse sie nach besserer Liquidität und Preisen Ausschau halten.
Backlunds Antwort auf das EZB-Kaufprogramm war "hauptsächlich, die Festverzinslichen-Investments als Ganzes zu reduzieren". Vor dem Start des EZB-Programms habe Varma noch einige "schrittweise Umschichtungen hin zu einer höheren Allokation auf Schwellenländer und Hochzinsanleihen unternommen. Letzteres mit ziemlichem Widerwillen, würde ich sagen, weil wir das Verhältnis von Risiko zu Belohnung nicht als attraktiv ansehen", sagt er im Interview mit Bloomberg.
Halten von Wertpapieren «verrückt»
Während das EZB-Aufkaufprogramm die sichersten Wertpapiere im Bereich der Unternehmensanleihen stützt, dürfte der Cashflow bei einer Vielzahl dieser Anlagen weiter schrumpfen.
Für Investoren ist das Halten von Wertpapieren unter diesen Bedingungen verrückt, wie Juuso Rantala, Portfoliomanager bei Aktia Asset Management in Helsinki erklärt. Der Vermögensverwalter betreut rund 1,7 Milliarden Dollar an Investment-Grade-Papieren. Sein Ziel ist es, dem negativen Zinsumfeld, das Teile von Skandinavien und der Eurozone zu dominieren begonnen hat, zu entfliehen.
"Es gibt absolut keinen Grund, warum wir Anleihen mit einer negativen Rendite am kurzen Ende kaufen müssten, das ist einfach verrückt", sagt Rantala. Die beste Möglichkeit, um mit kurzlaufenden Unternehmensanleihen Erträge zu erzielen, seien Hybrid-Papiere, nachrangige Anleihen und so genannte zusätzliche Tier-1- und Tier-2-Papiere. Auch wenn diese nicht die Bedingungen des EZB-Aufkaufprogramms erfüllen, so sind viele doch mit einem Investment-Grade-Rating benotet.
Investoren besitzen rund 465 Milliarden Euro an Unternehmensanleihen mit negativen Renditen - was das Elffache dessen ist, was sie zu Beginn des Jahres in den Beständen hatten, wie aus Schätzungen von BofAML aus dem vergangenen Monat hervorgeht.
Renditen im Keller
Die starke Nachfrage nach Festverzinslichen hat zudem auch die Renditen in den riskanteren Ecken des Marktes in den Keller gedrückt. Der BofAML-Index für weltweite Hybrid-Bonds, die von Firmen ausserhalb des Bankensektors begeben wurden, lag vergangene Woche knapp unter 3 Prozent - verglichen mit etwas über 4 Prozent im Januar.
Backlund glaubt, dass die EZB auch über den März 2017 hinaus wohl Unternehmensanleihen aufkaufen wird. Dieses Datum hat die Notenbank bislang selbst als Schlusspunkt gesetzt. Doch weitere Zinssenkungen seien derzeit unwahrscheinlich, angesichts der Tatsache, dass das Niveau bereits "so niedrig" liege.
Der EZB-Rat wird seine nächste zinspolitische Sitzung am 8. September abhalten. Bei der letzten Zusammenkunft im Juli hatten die Währungshüter den Refinanzierungssatz bei null und den Einlagensatz bei minus 0,4 Prozent belassen.
(Bloomberg)