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Peter-Boy,
ein Hundeleben
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Auf den Nachmittagsspaziergängen kamen sie oft an einer Kuhweide vorbei. Manchmal hielten sie an und schauten den Tieren zu. Peter-Boy dachte an die Kühe auf der Alp. Er beobachtete – wie seine Mutter das getan hätte –, wie sich die Kühe verschoben, allesamt in eine Richtung.
Unablässig hatten sie ihr Maul am Boden und grasten die Weide ab, Schritt für Schritt, wobei sie einmal das linke und dann das rechte Vorderbein vorgestellt hatten, um besser auf den Boden zu reichen. Sie gingen gemächlich, es gab keine Hast, aber unablässig bewegten sich ihre schweren Körper, diese wiegenden Körper mit den breiten Rippenböge und den tiefen Flanken.
Wenn sich eine hinlegte, dauerte es nicht lange, und die ganze Herde hatte sich hingelegt, indem sie zuerst die Vorderbeine einknickten und auf die Knie gingen.
Dann lagen sie da wie kleine Erderhebungen. Sie mahlten mit den Zähnen, die langen schwarzen Wimpern halb geschlossen. Manchmal kamen sie näher, den Kopf auf halber Höhe, die Nüstern aufgebläht; sie zogen die Luft ein, um Boys Geruch zu prüfen, seinen und den der Menschen. Peter-Boy spürte dann ihre Wärme und Behäbigkeit, ihre grosse Gelassenheit. Ihr braunes Fell dehnte und bewegt sich unter den Kontraktionen des Pansens, der verdaute und arbeitete und eben diese Wärme erzeugte.
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Dann gab es Zeiten, in denen sie mit dem Zelt unterwegs waren, vierzehn Tage oder drei Wochen lang. Das waren die besten Zeiten. Dann ging es über Berg und Tal, immer unterwegs, immer in Bewegung.
Auf diesen Wanderungen sah er viele Tiere, die immer so lebten, wie er die vier Tage nach der Katastrophe gelebt hatte, nämlich in der freien Natur: Gämsen, Störche, Fischreiher, Hasen, Murmeltiere. Er sah auch wieder Schafherden und natürlich Kuhherden. Einmal schoss ein Fuchs aus einem verlassenen Stall, als sie die Stalltür öffneten und hineinschauten.
Am Abend suchten die Menschen eine geeignete Stelle zum Schlafen. Peter-Boy legte sich einfach hin und schon war sein Bett gemacht. Die Menschen mussten erst noch das Zelt aufstellen, die Schaumstoffmatten auslegen, die Schlafsäcke ausrollen. Wie kompliziert. Und trotzdem glaubten die beiden, sie wären was für welche Naturmenschen und würden jetzt leben wie die ersten Menschen. Auf solchen Touren sprachen die beiden auch über den Zustand der Welt und wie man ihn verbessern könnte. Für Peter-Boy war klar: Die Menschen brauchten zu viel zum Leben, sie brauchten Schuhe, Löffel und Tische, und um Löffel, Tische und Schuhe zu machen, brauchten sie wieder Maschinen. Sogar Heizungen brauchten sie.
Wenn das Zelt eingerichtet war, sassen sie vor dem Zelt, assen etwas, Trockenfrüchte, Trockenfleisch, Brot. Und immer sprang auch etwas für ihn ab. Obwohl es eigentlich so war, dass er zu fressen kriegte, sobald sie wieder in ein Dorf kamen; so musste man sein Fressen nicht mittragen. Meistens blieben sie nicht lange draussen sitzen, da auf fast zweitausend Metern gegen Abend bald Wind aufkommt. Da wurde es Theo und Ida bald zu kalt. Wie gesagt, sie hielten nicht viel aus.
Um sechs standen sie auf, spätestens um sieben waren sie wieder unterwegs. In der Nacht war es ihm überlassen aufzupassen.
Er legte sich aufs Ohr und hörte trotzdem sofort, wenn sich etwas näherte. Einmal war es eine Wildsau, sie hatten auf ihrem Weg gezeltet. Einmal zelteten sie auf einer grossen Ebene und merkten nicht, dass Pferde darauf weideten, das heisst, er hatte sie schon gehört und gerochen, aber die Menschen wussten es wieder einmal besser und machten sich dann in der Nacht in die Hosen, als die Pferde sich für das Zelt interessierten.
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Sie kamen auf Alpen und Maiensässen, die ihn an seine Kindheit erinnerten. Aber hier waren die Hütten und Ställe verlottert, die Dächer mit den zentnerschweren Steinplatten eingeknickt. In den Futterkrippen lag noch Heu, mit Staub und Dreck vermischt, Kühe würden es nicht mehr fressen. Aber immer noch roch es nach Stall, nur dass die Wärme der Tiere fehlte, das beruhigende Mahlen der Zahnplatten, die mit Wiederkäuen beschäftigt sind, das Prusten der Nüstern.
In solchen Ställen übernachteten sie manchmal, so mussten sie das Zelt nicht aufstellen.
Immer noch reizte ihn das Spiel mit den Murmeltieren, das er schon als kleiner Hund gespielt hatte. Ihre Pfiffe elektrisierten ihn. Ein kurzes Zögern, um die Richtung zu orten, aus der der Pfiff kam, dann sprang er in den Abhang hinein, fing mit den Vorderbeinen sein Gewicht auf, den Schwung des Körpers, streckte sich, in der Fläche und jagte den Gegenhang hinauf, während das Murmeltier, das seine Herde gewarnt hat, vor seiner Höhle auf den Hinterpfoten hockte und abwartete, ob der Angriff auch wirklich der Herde galt, die inzwischen verschwunden war, sicher ist sicher, bis es dann, mit einem letzten verächtlichen Blick auf den Hund in die Höhle abtauchte. Peter-Boy steckte die Schnauze ins Loch, um ein bisschen zu drohen, aber er wusste natürlich, dass er auf verlorenem Posten war.
Vorläufiges Ende!