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May gab am Morgen in der Ortschaft Sonning westlich von London gemeinsam mit ihrem Ehemann Philip ihre Stimme ab, Corbyn wählte in Islington im Norden Londons.
"Geben Sie mir Ihre Stimme, um das bestmögliche Abkommen für das Vereinigte Königreich auszuhandeln", sagte die 60-jährige Regierungschefin, die für die Verhandlungen über den Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union eine harte Linie angekündigt hat.
Während May im Wahlkampf auf Reden vor kleinen Gruppen von Anhängern in besonders umstrittenen Wahlkreisen gesetzt hatte, zog ihr 68-jähriger Herausforderer Corbyn Reden auf grossen Open-Air-Veranstaltungen vor.
Die Wahllokale öffneten am Morgen um 07.00 Uhr Ortszeit (08.00 Uhr MESZ) und sollten bis 22.00 Uhr Ortszeit (23.00 Uhr MESZ) geöffnet bleiben. Erst danach sollten Nachwahlbefragungen und Hochrechnungen veröffentlicht werden, deren Aussagefähigkeit wegen des Mehrheitswahlrechts ebenfalls begrenzt sein könnte. Erst am Freitagmorgen wird das Auszählungsergebnis erwartet.
Bei drei Anschlägen in London und Manchester waren in den vergangenen drei Monaten 34 Menschen getötet worden. Mays Tories geniessen zwar traditionell in Sicherheitsfragen einen Vertrauensvorschuss in der Bevölkerung. Im Wahlkampf wurde May jedoch angekreidet, dass mit ihrer Mitwirkung als Innenministerin seit 2010 rund 20'000 Stellen bei der Polizei gestrichen wurden.
Kaum mehr Vorsprung auf Labour
Als May die vorgezogenen Wahlen im April ankündigte, hatten ihre konservative Partei der Torys einen satten Vorsprung vor Labour, zuletzt befand sich Corbyns Partei in manchen Umfragen aber nur noch knapp hinter den Konservativen.
Der Altlinke Corbyn spricht vor allem junge Menschen an. Er will die Kluft zwischen Arm und Reich verringern, die Eisenbahn verstaatlichen und das Gesundheitssystem auf Vordermann bringen. Er gilt vielen aber auch als führungsschwach. Immerhin hat er angekündigt, dass er sich an das Brexit-Votum halten und das Land aus der EU führen wolle.
May gibt sich sozialer
Dass Corbyn in Umfragen zulegen konnte, wurde auch einem Fehler von May zugeschrieben: Sie sah sich schliesslich zu einem Rückzieher bei einer ihrer zentralen Wahlkampfaussagen gezwungen, die Alten stärker an ihren Pflegekosten zu beteiligen.
Rentner hatten daraufhin befürchtet, sie müssten ihre Eigenheime verkaufen, die in Grossbritannien einen besonders hohen Stellenwert haben. Kritiker sprachen von einer "Demenzsteuer".
Bei insgesamt 650 Abgeordneten im Unterhaus ergäbe sich rechnerisch bei 326 Stimmen eine absolute Mehrheit. Der künftige Premierminister wird aber wohl etwas weniger Stimmen brauchen. Denn die gewählten Vertreter der nordirischen Partei Sinn Fein nehmen traditionell ihre Sitze in Westminster nicht ein - aus Protest gegen Grossbritannien. Die katholisch-republikanische Partei hat einen festen Wählerstamm, 2015 holte sie vier Sitze.
Ukip vor dem Untergang
Der rechtspopulistischen und EU-feindlichen United Kingdom Independence Party (Ukip) droht der Kollaps bei der Wahl. Im Parlament waren die EU-Gegner zuletzt nicht mehr vertreten, im März war ihr einziger Abgeordneter aus der Partei ausgetreten. "Die Konservativen werden vermutlich viele Ukip-Wähler abziehen", sagte John Curtice von der Universität Strathclyde in Glasgow.
Eine zentrale Rolle kommt im neuen britischen Parlament womöglich der EU-freundlichen Schottischen Nationalpartei zu, die derzeit 54 der 59 schottischen Mandate hält.
(AWP)