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Für jemanden, der sein Heimatland anscheinend niemals verlassen hat, verfügte Rembrandt Harmensz. van Rijn über einen erstaunlich grenzenlosen Horizont. Als Künstler, Sammler und Bürger kam er mit Kunstwerken, Gebrauchsgegenständen und Menschen aus allen Teilen der damals bekannten Welt in Kontakt. Rembrandts Neugierde auf alles Fremde und sein unstillbarer Appetit als Sammler waren schon zu seinen Lebzeiten legendär und inspirierten ihn auf einzigartige Weise in seinem Schaffen.
Amsterdam, sein Lebensmittelpunkt, bot dafür ideale Voraussetzungen als Sitz und Heimathafen der Niederländischen Ost- und Westindienkompanien sowie weiterer Handelsgesellschaften. Die Stadt war im 17. Jahrhundert ein wahrhafter kultureller Schmelztiegel. Der Anblick von Gesandten und Handelsreisende aus fernen Gegenden gehörte in der jungen Niederländischen Republik zum Alltag.
Die Ausstellung konzentriert sich auf einen der folgenreichsten Stränge dieser Konstellation: Der Orient – verstanden als nicht eindeutig definierter geographischer Sammelbegriff für diverse aussereuropäische Kulturen des Ostens – regte Rembrandts Fantasie sein gesamtes künstlerisches Leben hindurch an. Er befeuerte die Vorstellung des Malers von den Schauplätzen biblischer Historien, einem seiner bevorzugten Genres. In Selbstbildnissen zeigte sich der Künstler mehrfach in exotischer Kostümierung. Seine Kopien nach am Hof der Grossmoguln entstandenen Miniaturen bilden eine noch nie dagewesene Anerkennung asiatischer Kunst durch einen holländischen Künstler, und schliesslich war er ein begeisterter Käufer von japanischem Papier, das er gerne für seine Radierungen verwendete.
Die Werkauswahl beschränkt sich nicht auf die Person Rembrandts. Neben Schöpfungen seiner Künstlerkollegen und Schüler werden auch Publikationen und andere Quellen zum damaligen Verständnis des Orients gezeigt. Erst durch diesen breiteren Kontext wird anschaulich, was an Rembrandts Verhältnis zum Osten einerseits zeittypisch war und worin sich andererseits seine Einstellung zu diesem Kulturraum von derjenigen seiner Zeitgenossen unterschied. Rembrandts Orient untersucht die Reaktionen der Künstler des Goldenen Zeitalters in Holland aber noch aus einem anderen Grund: Indem sie ihre eigene Lebensumgebung mit Vorbildern aus dem Osten kontrastierten, trugen sie massgeblich zur Herausbildung und Definition jener spezifisch europäischen Identität bei, die bis zum heutigen Tag immer wieder neu verhandelt wurde und wird.
Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem Museum Barberini, Potsdam (13. März bis 27. Juni 2021), und steht unter der Schirmherrschaft der Botschafterin des Königreichs der Niederlande in der Schweiz, I.E. Hedda Samson.
Geniessen Sie einen Einblick in die Ausstellung in unserem virtuellen Rundgang.
Der Podcast Rembrandt, habibi! wird von der Autorin und Herausgeberin Amina Aziz fürs Kunstmuseum Basel produziert und ergänzt die Ausstellung Rembrandts Orient um eine explizit postkolonialistische Perspektive. Der Podcast umfasst fünf Folgen à je 20 bis 30 Minuten und lässt neben Amina Aziz verschiedene Akteur*innen der Kulturbranche zu Wort kommen.
Wöchentlich wird eine Folge publiziert. Abrufbar sind sie unter diesem Link: Rembrandt, habibi!
Rembrandt Harmensz van Rijn wurde in Leiden als Sohn eines Müllers geboren. Nach Abschluss der Lateinschule immatrikulierten ihn seine Eltern an der Universität Leiden. Rembrandt brach die Schule bald ab und wurde Malerlehrling bei Jacob van Swanenburch in Leiden und später bei Pieter Lastman in Amsterdam. Zurück in Leiden machte er sich zusammen mit Jan Lievens als unabhängiger Künstler selbständig. Zu dieser Zeit malte Rembrandt vor allem biblische Szenen in einem präzisen Stil und mit lebhaften Farben.1634 heiratete Rembrandt Saskia Uylenburgh. Sie hatten einen Sohn, Titus, im Jahr 1641. Ein Jahr später starb Saskia Uylenburgh. Später, 1654, hatte Rembrandt eine Tochter mit Hendrickje Stoffels. Inzwischen hatte er enorme Schulden angehäuft und war gezwungen, sein Haus und seinen Besitz zu verkaufen. Er starb 1669 und wurde in der Amsterdamer Westerkerk beigesetzt.