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Bäderfahrten sind die älteste Form des Tourismus. Die Engadiner Edel-Destination St. Moritz zum Beispiel bekam schon in der Bronzezeit, vor rund 3500 Jahren, ein Bad: Damals wurde die Mauritiusquelle erstmals gefasst.
Tausend Jahre später nutzten die Römer Heilquellen in ganz Europa, die sie «Aquae» («Wässer» oder «Bäder») nannten. Viele Orte haben ihre entsprechenden Namen bis heute behalten: Baden im Aargau (einst «Aquae Helvetiae»), Leukerbad im Wallis, Baden-Baden in Deutschland, Baden bei Wien oder Bath in England, um ein paar berühmte Beispiele zu nennen. Andere schärften ihr touristisches Profil später mit hinzugefügten Namenszusätzen wie Bad Zurzach, Bad Ragaz oder Yverdon-les-Bains.
Fröhlich scheint es im Mittelalter zugegangen zu sein, wie Darstellungen von Männlein und Weiblein belegen, alle unbekleidet, die sich gemeinsam in dampfenden Holzbottichen tummelten, oft zum Missfallen religiöser und politischer Behörden. Ab dem 15. Jahrhundert wurde es seriöser: Ärzte begannen, die medizinische Wirkung von Thermalquellen zu erkunden. So weilte der berühmte Arzt Paracelsus 1535 in St. Moritz und pries danach die Heilkraft der Quellen.
Im Lauf der Jahrhunderte wurden viele Quellen für Badegäste erschlossen, schon 1382 z.B. die Taminaquelle im heutigen Bad Pfäfers SG, Bad Fideris im bündnerischen Prättigau (1464), das Gurnigelbad im Bernbiet (1591), das Schwefelbad an der Lenk im Simmental (1690) oder Schinznach Bad im Aargau (1691).
Fester Platz im Schweizer Tourismus
Teilweise richtig mondän zu und her ging es in der Belle Époque ab etwa 1870 bis zum dramatischen Einbruch 1914 mit Beginn des Ersten Weltkriegs. Doch schon Anfang des 20. Jahrhundert war die Konkurrenz zu gross geworden, und viele Kurorte kamen in Bedrängnis. Deshalb gründeten 16 Vertreter von Bädern wie Gurnigel, Tenigerbad GR oder Knutwil LU, Leukerbad VS, Yverdon VD oder Bad Ragaz SG Mitte Dezember 1924 in Baden die Vereinigung Schweizerischer Badekurorte (VSB). Ein Hotelier aus Rheinfelden wurde zum ersten Präsidenten gewählt. In Rheinfelden werden am 18. April 2024 auch die Feierlichkeiten zum hundertjährigen Bestehen der Vereinigung stattfinden, die heute «Heilbäder und Kurhäuser Schweiz» (HKS) heisst.
«Der Verband wollte die Infrastruktur der Bäder verbessern und diese als touristische Destinationen und gleichzeitig als Einrichtungen zur Hebung der Volksgesundheit fördern», heisst es dazu bei der HKS, die in Luzern domiziliert ist. Seither haben die Bäder wieder einen festen Platz im Schweizer Tourismus.
Die Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre, der Zweite Weltkrieg und die schwierigen Nachkriegsjahre waren weitere Herausforderungen. Der Tourismus musste praktisch neu lanciert werden. Die Heilbäder begannen, sehr eng mit der Schweizerischen Zentrale für Verkehrsförderung (heute Schweiz Tourismus), mit dem Schweizer Hotelierverein (heute hotelleriesuisse) und mit dem Schweizerischen Fremdenverkehrsverbund (heute Schweizer Tourismusverband STV) zusammenzuarbeiten.
Wellness wird zum Mega-Trend
Ab den 1970er-Jahren entwickelten immer mehr Menschen ein gesteigertes Gesundheitsbewusstsein. Badekurorte und Kurhotels mussten sich einem neuen, eher jüngeren Gästesegment anpassen und den Klinikmief durch Hotelflair ersetzen. Die Werbeslogans wurden frecher: «Fit statt fett durch eine Kur im Schweizer Heilbad» lautete einer. Geradezu zum Klassiker wurde die Aussage «Vorbeugen ist besser als Heilen».
Schliesslich wurde Wellness in den 1980er-Jahren zum neuen, bis heute anhaltenden Mega-Trend. Um Wildwuchs im Angebot zu verhindern, wurden neue medizinische, bauliche und technische Mindestanforderungen erarbeitet und für alle Badekurorte verbindlich erklärt.
Zwei Verbände, ein Ziel
Im Januar 1987 wurde im Hotel Zürich eine weitere Vereinigung ähnlicher Einrichtungen gegründet, die Interessengemeinschaft ärztlich geleiteter Kurhäuser der Schweiz IGKS, die sich fünf Jahre später zum Verband Schweizer Kurhäuser (VSK) transformierte.
Dass es für die Vertretung von Heilbädern und Kurhäusern zwei Verbände mit praktisch identischen Zielen gab, schien jedoch nicht sehr sinnvoll. Deshalb gründeten der VSB und der VSK, der seinen Marktauftritt 2003 unter den Namen «Wohlbefinden Schweiz» gestellt hatte, zusammen mit hotelleriesuisse und Schweiz Tourismus die Marketingkooperation Wellfeeling. 41 Wellnesshotels, 61 Kurhäuser und 16 Heilbäder gaben danach eine gemeinsame Broschüre heraus. Einige Jahre später wurden die Werbeauftritte und die Webseite ganz zusammengelegt.
Schliesslich genehmigen die Mitglieder von Wohlbefinden Schweiz und der Schweizer Heilbäder im April 2013 den Zusammenschluss unter dem neuen Namen «Heilbäder und Kurhäuser Schweiz» HKS.
Auszeit für 9.09 Franken
Zum hundertjährigen Bestehen lanciert der Verband einen «Glückspass». Er kostet 100 Franken, ist vom 18. April bis Ende November 2024 gültig und kann in elf ausgewählten Thermen eingesetzt werden. «Mit dieser Aktion wollen wir Interessierten die Möglichkeit zu einer kurzen, aber intensiven Auszeit geben», sagt HKS-Geschäftsführerin Ladina Bruggmann. Wer es schafft, in diesen sechseinhalb Monaten alle elf an der Aktion beteiligten Bäder von der Ostschweiz bis ins Wallis zu besuchen, bezahlt pro Eintritt nur neun Franken und neun Rappen.