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Als Vorbereitung für meinen Vortrag «mit dem Wohnmobil in Nordirland» vom nächsten Sonntag habe ich mich mit Geschichte und Politik befasst, Anita hingegen hat gestrickt…
Heute findet im englischen Parlament der «Super Saturday» statt, wo es um einen geordneten oder harten Brexit geht. Aber was steckt genau dahinter? Um dies alles zu verstehen, muss man etwas die Geschichte von Nordirland wissen. Oder es gibt auch Menschen, die sich nicht dafür interessieren und lieber einen wollenen Pullover aus echter irischer Wolle stricken.
Seit dem Unabhängigkeitskrieg 1921 sind Irland und Nordirland getrennt. Irland ist eigenständig, Nordirland gehört zum Vereinigten Königreich (aber nicht zu Grossbritannien, den Grossbritannien wird nur die Insel genannt, auf der England, Schottland und Wales liegen. Das ist genau das gleiche Missverständnis wie die Olympiade. Die Olympiade ist nur der Zeitraum zwischen den Olympischen Spielen, aber nicht der Anlass selber, aber das wissen ja nicht mal die Sportler, die dort Teilnehmen… ).
In Nordirland leben die «Katholiken» und die «Protestanten». Da geht es nicht unbedingt um Religionsunterschiede, sondern um verschiedene Wurzeln.
Etwa 40% der Bevölkerung sind Katholiken, d.h, mit ursprünglich irischen Wurzeln, die schon ewig auf dieser Insel gelebt haben. Irland ist katholisch, darum sind das die «Katholiken». Die «Protestanten» stammen von den ursprünglich eingewanderten Engländer und Schotten ab, diese Volksgruppe macht ebenfalls ungefähr 40% der Bevölkerung aus.
Im Nordirlandkonflikt zwischen 1969 bis 1998 ging es im Wesentlichen um den Anschluss zu Irland (Katholiken) oder den Verbleib in der englischen Monarchie (Protestanten), es hatte also nichts mit Religion zu tun. Am Karfreitag 1998 wurde ein Friedensabkommen unterzeichnet und seit da herrscht unentschieden.
Und nun kommt der Brexit ins Spiel. Tritt das Vereinte Königreich aus der EU aus, muss die Aussengrenze geschützt werden. Die Grenze zwischen Irland und Nordirland wollen aber weder die Katholiken noch die Protestanten zurück (die übrigens bei der ersten Abstimmung beide gegen einen Ausstieg aus der EU waren). Der Gegenwärtige Deal zwischen Boris Johnsen und der EU verlagert die Grenzkontrolle auf das Meer zwischen England und der irischen Insel. Eigentlich die einzig vernünftige Lösung. Die Engländer finden das gut, die Iren auch, die Katholiken sowiso. Problem mit dieser Lösung haben nun die Protestanten von Nordirland. Wenn die Aussengrenze quasi auf dem Meer gezogen wird, heisst das, dass Nordirland näher an Irland heranwächst und die Chancen für einen längerfristige Wiedervereinigung von Nordirland und Irland grösser wird. Aber gegen die Wiedervereinigung wehren sich die ursprünglich eingewanderten Protestanten vehement und darum bekämpfen sie auch diesen Deal mit allen Mitteln.
Wir Wohnmobilisten sind in diesem Fall eher auf der Seite der Katholiken, denn für uns wäre die Grenze zwischen England und der irischen Insel das viel kleinere Problem.
Und währen Abstimmungen, Protestanten, Katholiken, Europäer, Engländer und Politiker keine Lösung finden, können andere seelenruhig mit der in Irland gekauften irischen Schafswolle einen fantastischen irischen Pulli stricken, der echt toll aussieht und mehr Freude wie die ganze Politik bereitet.
20.10.2019 - Der Pullover passt gut zur Patchwork Familie....;-))
Thoberman
21.10.2019 - Sehr verwirrend das Ganze... Der Pullover ist ein Traum! Mich freut auch das Lebenszeichen der Grünen bei euch. Zirbelige Grüße Richard