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Die Spitzenposition, die sich die Engländer selbst zugeschrieben haben, basiert auf einem historischen Ereignis. Die Geschichte des Wimbledon-Turniers und die des Tennisspiels verknüpften sich nämlich 1877 miteinander. In diesem Jahr erwarb der All England Lawn Croquet Club das abgelaufene Patent für das Tennisspiel, änderte dessen Regeln, um die theoretischen und praktischen Grenzen des modernen Tennis zu definieren, und taufte seine Anlage in All England Lawn Tennis and Croquet Club um. Es handelte sich dabei um das Gelände, auf dem heute das Wimbledon-Turnier stattfindet. Der Veranstaltungsort des traditionsreichen Turniers ist der einzige, dessen Name nicht mit einer legendären Persönlichkeit in Verbindung gebracht werden soll, wie z. B. dem französischen Luftfahrtpionier Roland Garros oder wie der Flushing Meadows Park, wo die US Open stattfinden.
Wimbledon ist das einzige Turnier, das dem unaufhaltsamen technologischen Fortschritt eine lange Nase macht. Mit der Rasenfläche, deren Höhe rigoros auf 8 mm gehalten wird, sind die Wimbledon Championships der einzige Grand Slam, der auf Gras ausgetragen wird. Und wenn Sie so akribisch wie die Engländer sind, schreiben Sie an den Twitter-Account des Head Groundsmann: 140 Zeichen an @Wimbledon Guardian, und Ihre gesamte Neugierde wird befriedigt werden. So viel Tradition, die jedoch in einen durch Innovation geprägten Weg eingebettet ist.
In Wimbledon erfand nämlich Spencer Gore, der erste Gewinner des Turniers, 1877 den Volley. Seine Art und Weise, am Netz zu spielen, war bis dahin völlig unbekannt, sodass ein Komitee gebildet werden musste, um seinen Sieg letztendlich zu bekräftigen. br> br> Geschichte kann jedoch auch trickreich sein: Ein Jahr später verteidigte sich Frank Hadow gegen Gore mit dem Lob, einem Tennisschlag, bei dem der Ball in einer hohen Flugkurve zur Grundlinie des Gegenspielers gespielt wird.
Der amerikanische Champion Jimmy Connors beschrieb sehr aufschlussreich die Atmosphäre in Wimbledon: „New Yorker lieben es, wenn man sein Herz ausschüttet. Doch wenn man sein Herz in Wimbledon ausschüttet, wird einem Einhalt geboten und hinterhergewischt.“ Die Besessenheit für Sauberkeit spiegelt sich im steifen Dress-Code wider, der sowohl auf den Zuschauerrängen als auch auf dem Platz gilt. Wenn Sie wie Ihre Majestät Roger Federer versuchen, die „Ganz-in-Weiß“-Regel zu ignorieren und den Platz mit Schuhen mit orangefarbener Sohle betreten, werden auch Sie vom Schiedsrichter verwarnt werden. Trotz der strikten Regeln kann
Wimbledon aber auch vornehm sein. Wenn Sie einmal einem Match beiwohnen, können Sie die berühmten Erdbeeren mit Sahne (mit einem Glas Pimm`s) kosten, die das Turnier zu dem gemacht haben, was es ist. Oder Sie können sich die Zeit mit einem italienischen Espresso vertreiben, den es nun routinemäßig an den Ständen gibt. Aber wehe Ihnen, wenn Sie den Augenblick mithilfe eines Selfie-Sticks festhalten möchten: Dieser ist an den Ständen verboten!
Was berührt,
ist die Stille
Nach all den Jahren, angefüllt mit Geschichte und Tradition, ist es immer noch schwierig, die Atmosphäre dieses einzigartigen Turniers treffend zu beschreiben.
Vielleicht helfen uns die Worte des spanischen Champions Rafa Nadal dabei, das wichtigste Grand-Slam-Turnier wirklich zu verstehen: „Was berührt, ist die Stille. Das akkurat geschnittene Gras, die Geschichte, die ganz in Weiß gekleideten Spieler, die respektvollen Zuschauer, die ehrwürdige Tradition, die fehlenden Werbeflächen ... all das hüllt einen ein und schottet einen von der Außenwelt ab.“