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Neue Studie zu den Folgen eines deutschen Kernenergie-Ausstiegs
Seine Studie mit dem Titel "Zur Bedeutung der Kernenergie für die Volkswirtschaft und Umwelt. Zur Abschätzung der Kosten eines Ausstiegs" wurde am 15. Dezember 1998 in Bonn von der Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke (VDEW) vorgestellt. Die bereits im August dieses Jahres beim Bremer Energie-Institut in Auftrag gegebene Studie vergleicht zwei Szenarien über den Zeitraum 1996 bis 2030. Im ersten Szenario werden die bestehenden Kernkraftwerke nach 25 Betriebsjahren, spätestens aber bis Ende 2004 stillgelegt. Im zweiten Szenario werden die Kernkraftwerke nach 40 Betriebsjahren stillgelegt und nicht durch neue ersetzt. In beiden Szenarien wird mit gleichbleibendem Stromverbrauch gerechnet, und der Ausfall des Atomstroms wird durch bessere Ausnutzung des vorhandenen Kraftwerksparks, neue fossile Kraftwerke, die Erhöhung der Stromerzeugungskapazität aus erneuerbaren Energiequellen und den Ausbau der Wärme-Kraft-Kopplung wettgemacht. Für den Ersatz der Kernenergie durch Strom aus fossilen Energiequellen ist unterstellt, dass dies bei Szenario 1 im Verhältnis 70 zu 30 durch Steinkohle und Erdgas geschieht, bei Szenario 2 zu 100% durch Steinkohle.
Szenario 1 würde gegenüber Szenario 2 Mehrkosten von DM 88 Mrd. verursachen. Hierbei handelt es sich um einen saldierten Wert über den gesamten Betrachtungszeitraum. Zudem würden bei Szenario 1 bis zum Jahr 2030 insgesamt 1,85 Mrd. t mehr CO2 emittiert. Dies entspricht dem Zehnfachen der jährlichen CO2-Emissionen des deutschen Verkehrssektors. Das Gutachten zeigt ausserdem, dass ein rascher Ausstieg aus der Kernenergie den angestrebten technischen Wandel behindert. Bei einem schnellen Ersatz der Kernkraftwerke kann nur auf vorhandene Kraftwerkstechniken zurückgegriffen werden. Diese würden dann für lange Zeit - mindestens 30 bis 40 Jahre - im Einsatz bleiben und künftige Veränderungen eher behindern als fördern.
Auch die Beschäftigungsbilanz eines schnellen Ausstiegs ist nach der Bremer Studie negativ. Zwar entstehen aufgrund der hohen Investitionen zum Ersatz der Kernkraftwerke kurzfristig neue Arbeitsplätze. Unmittelbar danach tritt aber eine deutlich grössere, entgegengesetzte Beschäftigungswirkung ein. Der Grund: Durch die Stilllegung noch funktionsfähiger Kernkraftwerke und den Bau neuer Kraftwerke als Ersatz entstehen Mehrkosten, die sich in einem höheren Strompreisniveau niederschlagen. Diese Entwicklung hält über einen längeren Zeitraum an und reduziert in der Spitze in den Jahren 2017 und 2026 jeweils die Zahl der Beschäftigten um bis zu 150'000 Personen. Dabei ist der Export von Arbeitsplätzen durch verstärkte Stromimporte nicht berücksichtigt.
Mitte 1998 waren in Deutschland 37'700 Arbeitsplätze unmittelbar mit dem Betrieb der Kernkraftwerke verbunden. Die Stromwirtschaft beschäftigte rund 8'000 überwiegend hochqualifizierte Fachkräfte als eigenes Betriebspersonal. Etwa 22'600 Kernenergie-Arbeitsplätze entfielen auf Unternehmen, die im Auftrag der Stromversorger tätig sind. Rund 6'000 Arbeitsplätze gab es in Unternehmen, die sich mit der Herstellung von Brennelementen und der Entsorgung radioaktiver Abfälle sowie mit dem Export kerntechnischer Produkte beschäftigen. Hinzu kamen laut VDEW 1'100 Gutachter, Sachverständige und Forscher, die dem Bereich Kernenergie zuzuordnen sind.