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Fünf Dinge, die sie auf keinen Fall tun sollten, um glücklicher und erfolgreicher zu werden
Erst der Erfolg, dann das Glück, so die Devise. Das einzige Problem aber ist, dass diese Formel nicht stimmt. Nicht nur stimmt dieser Glaubenssatz nicht, er ist sogar verkehrt. Um erfolgreich zu sein, muss man zuerst glücklich sein. Folgend fünf Möglichkeiten, um etwas glücklicher und somit erfolgreicher zu werden.
In unserer Gesellschaft ist der Glaube daran, dass Glück das Ergebnis von Erfolg ist, weit verbreitet. Der Schlüssel zum Erfolg wiederum ist harte Arbeit. Wenn wir also hart genug arbeiten, so sind wir überzeugt, werden wir erfolgreich sein, und wenn wir dann erfolgreich sind, dann werden wir auch automatisch glücklich sein.
Dieses Glaubensmuster bildet die Grundlage für den wichtigsten Motivator in unserer Gesellschaft: Dem Streben nach Erfolg in der Hoffnung Glück und Zufriedenheit zu finden.
Wir strengen uns an das Umsatzziel zu erreichen, um eine Gehaltserhöhung oder einen Bonus als Belohnung zu erhalten, weil wir überzeugt sind, dass wir nach Erhalt der Belohnung glücklicher sein werden. Wir tun alles in unserer Macht Stehende, um die Karriereleiter hinaufzusteigen, um einen höheren Grad zu erreichen, um in ein prestigeträchtiges Amt gewählt zu werden, weil wir glauben, dass wir in der Folge mit Glück und Zufriedenheit belohnt werden.
Erst der Erfolg, dann das Glück, so die Devise. Das einzige Problem aber ist, dass diese Formel nicht stimmt. Wenn Erfolg glücklich machen würde, dann müsste jeder Angestellte, der befördert wird, jeder Arbeitssuchende, der eine Zusage erhält, und jeder, der jemals ein Ziel erreicht hat, glücklich sein. Dem ist aber nicht so.
Wir empfindet nach einem Erfolg zwar kurzfristig einen Glücksschub, dieser hält aber bei weitem nicht so lange an und ist meist weniger intensiv, als wir uns das vorgestellt haben. Die meisten von uns haben diese Erfahrung in ihrem Leben schon gemcht. Man erklärt dieses Phänomen mit dem Begriff der «hedonistischen Tretmühle» oder der «hedonistischen Anpassung». Gemäss dieser Theorie kehren wir Menschen immer wieder zu unserem Grundniveau der Zufriedenheit zurück, unabhängig davon, ob wir ein Ziel erreicht haben oder eine Niederlage erlitten haben. In meinem Podcast mit dem Titel "Der Fluch der hedonistischen Tretmühle loswerden" beschreibe ich dieses Phänomen detailliert.
Eigentlich kann man sagen, dass mit jedem Erfolg, mit jedem Sieg unsere Erfolgsziele immer etwas weiter hinausgeschoben werden, so dass das Glück zunehmend in weite Ferne rückt.
Wir wissen nun, dass Erfolg uns nicht nachhaltig zu glücklicheren Menschen werden lässt. Was jetzt aber noch wichtiger ist, als diese Erkenntnis, ist die Tatsache, dass es gerade umgekehrt ist.
Weitreichende Forschung auf dem Gebiet der positiven Psychologie und der Neurowissenschaften konnten nämlich eindeutig beweisen, dass die Beziehung zwischen Erfolg und Glück genau andersherum funktioniert. Glück ist gemäss heutigen psychologischen Erkenntnissen nicht das Resultat, sondern die Vorstufe zum Erfolg. Zufriedenheit, Glücksgefühl und Optimismus fördern Leistung und Erfolg. Kurz: Wer glücklich ist, ist erfolgreich.
Aus dieser Erkenntnis können wir ableiten, dass wir als Individuum, aber auch unsere Teammitglieder und Mitarbeitenden möglichst zufrieden und glücklich sein sollten, um erfolgreich zu sein.
Nun ist es aber auch so, dass nicht alle Menschen das gleiche Potential haben glücklich zu sein. Gemäss dem weltberühmten Psychologen Martin Seligmann, dem Godfather der positiven Psychologie, spielt der Charakter eines Menschen die absolut wichtigste Rolle dabei, ob jemand eher optimistisch ist oder nicht. Nichtsdestotrotz können wir Massnahmen ergreifen, damit wir unabhängig von unserem Charakter und unserer Persönlichkeit etwas zufriedener und somit auch erfolgreicher werden.
Folgend 5 wissenschaftlich belegte Möglichkeiten, um glücklicher zu werden
1. Körperliche Bewegung:
In einer Studie[1] aus dem Jahre 2000, welche Shawn Achor in seinem Buch "The Happiness Advantage"[2] zitiert, konnte Erstaunliches nachgewiesen werden. Drei Gruppen depressiver Patienten wurden unterschiedlichen Bewältigungsstrategien zugewiesen - eine Gruppe nahm Antidepressiva ein, eine Gruppe trieb dreimal wöchentlich 45 Minuten lang Sport, und eine Gruppe machte eine Kombination aus beidem.
Nach vier Monaten zeigten alle drei Gruppen ähnliche Verbesserungen ihres Glücksgefühls. Allein die Tatsache, dass sich Bewegung als ebenso hilfreich erwies wie Antidepressiva, ist bemerkenswert, aber die Story ist hier noch nicht zu Ende. Die Gruppen wurden dann sechs Monate später noch einmal untersucht.
Von denjenigen, die nur die Medikamente eingenommen hatten, waren 38 Prozent wieder in eine Depression abgerutscht. Denjenigen in der Kombinationsgruppe erging es mit einer Rückfallquote von 31 Prozent etwas besser. Die grösste Überraschung kam jedoch von der Sportgruppe: Ihre Rückfallquote lag bei nur 9 Prozent!
Kurz gesagt, körperliche Aktivität ist nicht nur ein unglaublich starker Stimmungsheber, sondern auch ein nachhaltiger.
Man muss nicht depressiv sein, um von körperlicher Bewegung zu profitieren. Bewegung hilft bei der Entspannung, steigert die Gehirnleistung und verbessert das Selbstbild und somit das Selbstwertgefühl.
Eine Studie die 2012 im Journal of Health Psychology[3] publiziert wurde ergab, dass Menschen, die Sport treiben, sich in ihrem Körper wohler fühlen, also zufriedener sind, auch wenn sie keine körperlichen Veränderungen aufgrund der sportlichen Tätigkeit feststellen konnten.
Körpergewicht, Körperform und Körperbild wurden bei 16 Männern und 18 Frauen vor und nach jeweils 6 × 40 Minuten Sport und 6 × 40 Minuten Lesen untersucht. Unter beiden Bedingungen veränderten sich Körpergewicht und -form nicht. Verschiedene Aspekte des eigenen Körperbildes verbesserten sich jedoch nach dem Training im Vergleich zu vorher signifikant. Das heisst, die Menschen, welche Sport treiben, haben ein positiveres Selbstbild und sind somit zufriedener. Und wie wir es bereits wissen, somit auch erfolgreicher.
Also, bewegen sie sich regelmässig. Gehen Sie ins Fitnessstudio, Spazieren sie, gehen Sie Radfahren oder Joggen. Auch wenn Sie kein Gewicht verlieren oder sie nicht einen sichtbar grösseren Bizeps davon bekommen, zufriedener werden sie alleweil.
Für Führungskräfte heisst dies, dass wir einerseits unseren Mitarbeitenden die Zeit zur körperlichen Bewegung zugestehen sollten. Wieso nicht von allen Mitarbeitenden z.B. 4 Stunden pro Woche körperliche Aktivität während der Arbeitszeit einfordern? Ich bin überzeugt, dass zufriedene und gesunde Mitarbeitende in 38 Stunden mehr leisten, als frustrierte und Unsitte Mitarbeitende während 42 Stunden.
2. Mehr Schlaf
Es ist wohl allen bekannt, dass Schlaf uns hilft uns zu erholen uns zu regenerieren. Wer gut geschlafen hat, kann sich besser konzentrieren, ist produktiver und effizienter. Untersuchungen haben nun auch gezeigt, dass Schlaf auch wichtig für unser Glücksgefühl ist.
In ihrem Buch "NurtureShock"[4] erklären die Autoren Po Bronson und Ashley Merryman, wie der Schlaf die Positivität beeinflusst: Negative Reize werden von der Amygdala verarbeitet; positive oder neutrale Erinnerungen werden vom Hippocampus verarbeitet. Schlafentzug trifft den Hippocampus härter als die Amygdala. Das Ergebnis ist, dass Menschen mit Schlafentzug angenehme Erinnerungen nicht abrufen können, während sie sich an düstere Erinnerungen problemlos erinnern. Dies erklärt dann auch, weil wir eher schlecht gelaunt und reizbarer sind, wenn wir übermüdet sind.
In einem Experiment[5] des englischen Neurowissenschafter Matthew Walker versuchten College-Studenten unter Schlafentzug, sich eine Liste von Wörtern zu merken. Sie konnten sich an 81 % der Wörter mit einer negativen Konnotation, wie "Krebs", "Krankheit", "Tod" etc. erinnern, aber sie konnten sich nur an 31 % der Wörter mit einer positiven oder neutralen Konnotation erinnern, wie z.B. "Sonnenschein" oder "Korb".
In einer weiteren Studie zusammen mit Ninad Gujar testete Walker welchen Einfluss Schlaf auf die Fähigkeit hat, die Emotionen andere Menschen zu deuten.
Die Versuchsteilnehmenden mussten auf einen Computerbildschirm blicken, auf dem ein Gesicht zu sehen war, das einen ängstlichen, traurigen, wütenden oder glücklichen Gesichtsausdruck in verschiedenen Intensitäten zeigte. Die Aufgabe bestand nun darin, die Intensität jeder Darstellung des Gesichts zu bewerten, z.B. von "neutral" bis" extrem wütend, ängstlich, glücklich, traurig" usw.
Der Test wurde zweimal gemacht. Einmal am Mittag und einmal am Abend. Eine Gruppe wurde angehalten am Nachmittag ein 90minütiges Nickerchen zu machen, die andere Gruppe musste ganz normal weiterarbeiten. Die ausgeruhte Gruppe bewertete die erkannten Emotionen beim zweiten Test am Abend klar positiver als die andere Gruppe.
Je müder ein Mensch ist, desto negativer beurteilen wir die Stimmungslage anderer Menschen. Das wiederum bedeutet, dass müde Menschen schlechter sind bei der Pflege zwischenmenschlicher Beziehungen, man kommuniziert und kooperiert negativer, als in ausgeruhtem Zustand, weil wir die anderen Menschen als negativer wahrnehmen.
Weiter konnte auch festgestellt werden, dass diejenige Gruppe, welche einen Mittagsschlaf machen konnte, generell am Abend eine positivere Stimmung hatten als am Mittag, bei der Gruppe, welche ohne Pause normal ihrer Arbeit nachgegangen war, hatte sich die Stimmung gegenüber dem Mittag signifikant verschlechtert.
Je mehr wir also schlafen, desto weniger empfindlich für negative Emotionen sind wir. Vor allem Führungskräfte sollten sich dies zu Herzen nehmen. Es ist kein Gütesiegel, wenn man vom morgen früh bis in die Nacht hineinarbeitet, im Gegenteil, zu wenig Schlaf ist schädlich für den Erfolg.
Mit diesem Wissen, sollten wir auch z.B. Mitarbeiter- oder Kundengespräche und Sitzungen eher am Vormittag durchführen bzw. so planen, dass wir vermeiden können, dass wir oder auch die Teilnehmenden übermüdet sind.
In diesem Zusammenhang spielt auch das Homeoffice eine wichtige Rolle. Homeoffice erlaubt es den Menschen, mehr zu schlafen, weil sie einerseits den zeitraubenden und ermüdenden Weg zur und von der Arbeit sparen können, anderseits ist es bedeutend einfacher zu Hause einen Powernap zu machen, als irgend in einem Grossraumbüro.
3. Verbringen Sie mehr Zeit mit Freunden/Familie
Bonnie Ware, eine australische Palliativpflegerin, die Sterbende in ihren letzten Tagen begleitet hat, hat in ihrem Buch "The Top Five Regrets of the Dying"[6] was sterbende Menschen rückblickend am meisten bereuen.
Die meisten Menschen bereuen gemäss Ware, zu wenig Zeit mit Freunden und Familie verbracht zu haben.
Auch die Forschung belegt, dass soziale Kontakte für unsere Zufriedenheit von enormer Bedeutung sind, dies gilt auch für introvertierte Menschen. Mehrere Studien haben ergeben, dass die Zeit, die wir mit Freunden und Familie verbringen, einen grossen Einfluss darauf hat, wie glücklich wir uns fühlen.
Harvard-Professor und Glücksexperte Daniel Gilbert erklärt diesen Umstand wie folgt:
"Wir sind glücklich, wenn wir eine Familie haben, wir sind glücklich, wenn wir Freunde haben, und fast alle anderen Dinge, von denen wir glauben, dass sie uns glücklich machen, sind in Wirklichkeit nur Hilfsmittel, um mehr Familie und Freunde zu bekommen"[7].
Im Jahr 1938 begannen Wissenschaftler damit, die Gesundheit und das Wohlergehen von 268 Harvard-Studenten zu verfolgen, die Studie dauert bis heute an. Die Forschung bezog damals ausschliesslich Männer ein, da Frauen in Harvard nicht zugelassen waren. Präsident John F. Kennedy war übrigens einer der ursprünglichen Teilnehmer.
Die Studie wurde über die Jahre ausgeweitet. Heute sind 1'300 Nachkommen der ursprünglichen Teilnehmer daran beteiligt. Die Forschenden haben grosse Mengen an Daten zu der körperlichen und psychischen Gesundheit der Probanden zusammengetragen. Darüber hinaus wurde auch das allgemeine Leben der Probanden betrachtet, einschliesslich von Erfolgen und Misserfolgen in puncto Berufslaufbahn und Eheschliessung.
Die Wichtigste Erkenntnis dieser Studie ist, dass Menschen, die gute soziale Beziehungen pflegen gesünder sind, länger leben und generell erfolgreicher sind als jene Menschen, die sich für einen einsameren Weg entschieden haben.
„Einsamkeit tötet. Sie ist so wirkungsvoll wie das Rauchen oder der Alkoholismus“, [8]so der Studienleiter, Robert Waldinger, Psychiater am Massachusetts General Hospital und Professor für Psychiatrie an der Harvard Medical School.„Gute Beziehungen schützen nicht nur unseren Körper, sie schützen auch unser Gehirn“, so Prof. Waldinger weiter. Gleichzeitig betont Waldinger, dass diese guten Beziehungen nicht unbedingt immer ohne Reibungen sein müssen. "Manche unserer achtzigjährigen Paare konnten tagein tagaus miteinander zanken, doch solange sie das Gefühl hatten, dass sie sich in schweren Zeiten wirklich aufeinander verlassen konnten, wurden diese Streitereien nicht übelgenommen", so Waldinger.
Unser Glücksgefühl wird nicht nur dadurch beeinflusst, dass wir ein gut funktionierendes soziales Netz, eine harmonische Familie und gute Freunde haben, sondern vor allem auch dadurch, dass wir das Gefühl haben, anderen helfen, dienen oder zur Seite stehen zu können. Wir sind glücklicher, wenn wir wissen, dass wir gebraucht werden, wenn wir für andere Menschen von Nutzen sind.
In Unternehmen sollten diese Aspekte ebenfalls miteinbezogen werden. Einerseits muss den Mitarbeitenden genügend Raum für deren Familie und Freunde gelassen werden. Führungskräfte müssen sich bewusst sein, dass ihre Mitarbeitenden ein Leben neben der Arbeit haben und sie nicht frei über die Zeit von ihren Unterstellten verfügen können. Andererseits ist es meiner Ansicht nach ganz wichtig, dass Vorgesetzte sich für das Familienleben ihrer Unterstellten interessieren. Nur wenn ich als Chef weiss, wie es meinen Mitarbeitenden geht, wie deren Gefühlslage ist, kann ich diese erfolgreich einsetzen. Wenn ein Teammitglied Familien-Probleme bewältigen muss, kann ich von diesem in Gottesnamen nicht die gleiche Leistung erwarten, wie wenn bei der Person alles im Lot wäre.
Es ist meine Pflicht als Chef, diese Person entsprechend ihrer momentanen Kapazitäten einzusetzen, sie - wenn diese es wünscht - zu unterstützen und zu beraten oder sogar Zeit zu geben, dass sie sich der Probleme annehmen kann.
Für den Erfolg der Unternehmung ist es förderlicher, wenn sich die Person vorerst um ihre Probleme kümmert, statt halbpatzige oder gar schlechte Arbeit in der Firma zu leisten. Kommt hinzu, dass ein solch emphatischer Approach durch die Mitarbeitenden sehr geschätzt und mittelfristig definitiv honoriert wird.
4. Ehrenamtliche Tätigkeit
In einer Studie, die 2021 im Journal of Happiness Studies[9] veröffentlicht wurde, untersuchten Forscher die Daten von fast 70 000 Personen aus Grossbritannien. Die Teilnehmer beantworteten Fragen zu ihren freiwilligen Tätigkeiten und ihrer psychischen Gesundheit, einschliesslich ihres Leidensdrucks und ihres Funktionierens im täglichen Leben. Die Befragungen fanden alle zwei Jahre von 1996 bis 2014 statt.
Im Vergleich zu Menschen, die sich nicht ehrenamtlich engagierten, waren Menschen, die freiwilligen Arbeit leisteten, zufriedener und schätzten ihren allgemeinen Gesundheitszustand als besser ein. Ausserdem stellten die Forscher fest, dass Menschen, die sich häufig ehrenamtlich engagieren, auch persönlich einen grösseren Nutzen daraus zogen: So berichteten diejenigen, die sich mindestens einmal im Monat freiwillig engagierten, über eine bessere psychische Gesundheit als jene, die selten oder gar nie freiwillig tätig waren.
Es stellt sich nun die Frage, warum die Freiwilligenarbeit gut für die psychische Gesundheit ist. Nach Ansicht von Ricky Lawton, stellvertretender Direktor bei Simetrica Research Consultancy und Hauptautor der Studie, ist wahrscheinlich eine Kombination von Faktoren dafür verantwortlich.
Erstens scheint Freiwilligenarbeit intrinsisch lohnend zu sein - wenn wir anderen helfen, erleben wir in der Regel das, was in der Wissenschaft als "warm-glow giving" bekannt ist, die emotionale Belohnung des Gebens an andere.
Zweitens trägt die Freiwilligentätigkeit wahrscheinlich dazu bei, das Gefühl der sozialen Verbundenheit zu stärken. Insbesondere für ältere Erwachsene kann die Freiwilligenarbeit eine Möglichkeit sein, auch nach dem Eintritt in den Ruhestand mit anderen in Kontakt zu bleiben und sich selbst als nützlich zu empfinden.
Und schliesslich kann Freiwilligenarbeit eine Möglichkeit sein, fachliche Fähigkeiten und Führungsqualitäten zu erwerben, was besonders für junge Erwachsene wichtig ist. In der aktuellen Studie fanden die Forscher heraus, dass Teilnehmer im Alter von 16 bis 24 Jahren und 55 bis 74 Jahren besonders häufig von der Freiwilligenarbeit profitieren, weil sie dabei soziale Kontakte knüpfen und neue Fähigkeiten erwerben können.
In einer Studie über freiwilliges Engagement in Deutschland[10] wurde untersucht, wie es sich auf die Freiwilligen auswirkt, wenn ihnen die Möglichkeit genommen wird, anderen zu helfen:
Kurz nach dem Fall der Berliner Mauer, aber noch vor der deutschen Wiedervereinigung, wurde die erste Welle von Daten des GSOEP (German Socio-Economic Panel) in Ostdeutschland erhoben. Freiwilliges Engagement war damals noch weit verbreitet. Nach der Wiedervereinigung brach ein grosser Teil der Strukturen des freiwilligen Engagements (z.B. firmeneigene Sportvereine) in Ostdeutschland zusammen und die Menschen verloren ihre Möglichkeiten, sich freiwillig zu engagieren.
Ein Vergleich der Veränderung des subjektiven Wohlbefindens dieser Personen mit dem der Kontrollgruppe, deren Freiwilligenstatus sich nicht verändert hatte, stützt die Hypothese, dass Freiwilligentätigkeit zu einer höheren Lebenszufriedenheit führt.
In diesem Sinne fordere ich Sie auf, sich ehrenamtlich zu engagieren. Freiwilligen Arbeit ist nicht einfach selbstlose Zeitverschwendung. Es hilft ihnen neue Fähigkeiten zu erlangen, glücklicher und somit auch erfolgreicher zu werden.
Als Vorgesetzte sollten wir Menschen in unsere Teams holen, die ehrenamtlich tätig sind, auch sollten wir unsere Mitarbeitenden motivieren oder gar Zeit einräumen, damit sie sich in einem Verein, für einen guten Zweck, in der Feuerwehr, der Armee oder in der Politik engagieren können.
5. Üben Sie sich in Dankbarkeit: Glück und Zufriedenheit steigern
Dankbarkeit steht in engem Zusammenhang mit positiven Gefühlen und guten Erfahrungen, und der Grund dafür liegt auf der Hand. Wenn wir dankbar sind, erinnern wir uns an positive Ereignisse und Erfahrungen in unserem Leben. Dies wiederum hat einen direkten positiven Einfluss auf unsere momentane Gefühlslage.
Die Auswirkungen von Dankbarkeit auf die Gesundheit sind wissenschaftlich belegt. Das bekannteste Beispiel ist die diesbezügliche Untersuchung von Robert Emmons von der University of California-Davis und Michael McCullough von der University of Miami. Die beiden Psychologen haben herausgefunden, dass Menschen sich körperlich und geistig besser fühlen, wenn sie sich die positiven erfreulichen Aspekte ihres Lebens bewusst machen[11].
192 Versuchsteilnehmende wurden aufgefordert jeweils am Ende des Tages, auf einer Skala anzugeben wie gut, dass sie sich fühlten. Eine der Gruppen wurde die folgende zusätzliche Aufgabe gestellt: "Es gibt viele Dinge in unserem Leben, grosse und kleine, für die wir dankbar sein können. Denken Sie an die vergangene Woche zurück und schreiben Sie auf den folgenden Zeilen bis zu fünf Dinge in Ihrem Leben auf, für die Sie dankbar sind." Dadurch wurde diese Gruppe dazu gebracht, an positive Dinge zu denken.
Die anderen beiden Gruppen erhielten andere Aufgaben, die nichts mit Dankbarkeit oder positiven Gedanken zu tun hatten. Am Ende fühlten sich die Teilnehmer, die zu einer dankbaren Haltung "gezwungen" wurden, insgesamt wohler in ihrem Leben, blickten optimistischer in die Zukunft und fühlten sich um 10 % glücklicher als die Menschen in der anderen Gruppe.
Im Journal of Happiness Studies wurde eine Studie[12] veröffentlicht, in der anhand von Dankesbriefen untersucht wurde, wie sich Dankbarkeit auf unser Glücksempfinden auswirken kann: Zu den Teilnehmern gehörten 219 Männer und Frauen, die über einen Zeitraum von drei Wochen drei Dankesbriefe schrieben. Die Ergebnisse zeigten, dass das Schreiben von Dankbarkeitsbriefen das Glücksempfinden und die Lebenszufriedenheit der Teilnehmer signifikant erhöhte und gleichzeitig depressive Symptome verringerte.
Es gibt viele Möglichkeiten, sich in Dankbarkeit zu üben, angefangen beim Führen eines Dankbarkeits-Journals, in welches wir bewusst die Dinge notieren, für die wir dankbar sind. Wobei es sich empfiehlt zu erläutern, weshalb wir genau dankbar sind. Man kann sich aber auch mit dem Partner oder einem Freund regelmässig über jene Dinge austauschen, über die wir dankbar sind, oder schreiben sie doch drei Dankbarkeitsbriefe an drei verschiedenen Personen. Wenn sie zu scheu sind, dann können sie dies auch anonym tun.
Zeigen Sie auch als Führungskraft Dankbarkeit gegenüber ihren Mitarbeitenden. Nicht nur am Ende des Jahres, sondern wenn immer sich eine Möglichkeit dazu bietet.
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Quellen:
[1] Babyak, Michael et al (2000): "Exercise Treatment for Major Depression: Maintenance of Therapeutic Benefit at 10 Months"; Psychosomatic Medicine 62:633–638 http://www.uppitysciencechick.com/babyak_dep_exercise.pdf [2] Achor, Shawn (2011): "The Happiness Advantage" https://amzn.to/2XgLFXw [3]Katherine Appleton (2012): "6 X 40 Mins Exercise Improves Body Image, Even Though Body Weight and Shape do not Change"; Journal of health Psychology. https://www.researchgate.net/publication/221821497_6_X_40_Mins_Exercise_Improves_Body_Image_Even_Though_Body_Weight_and_Shape_do_not_Change [4] Po Branson and Ashely Merryman (2011): "NurtureShock – New thinking about children" https://amzn.to/2XaFX9a [5] Walker, Matt and Stickgold, Robert(2004) "Sleep-Dependent Learning and Memory Consolidation"; Neuron (Vol.44, Issue 1, 121-133) https://doi.org/10.1016/j.neuron.2004.08.031
[7] Daniel Gilbert: "What is happiness" (Video 2007) https://bigthink.com/videos/what-is-happiness
[8][8] Cordis, Forschungsergebnisse der EU: " Wissenschaft im Trend: Frohes neues Jahr? Die längste Studie über Glück ist der Schlüssel" https://cordis.europa.eu/article/id/413171-trending-science-happy-new-year-longest-running-study-on-happiness-has-the-key/de
[9] Lawton, Ricky et al. (2021)"Does Volunteering Make Us Happier, or Are Happier People More Likely to Volunteer?" Journal of Happiness Studies . Feb2021, Vol. 22 Issue 2, p599-624 https://web.b.ebscohost.com/abstract?direct=true&profile=ehost&scope=site&authtype=crawler&jrnl=13894978&AN=148892255&h=6%2brcgbviuNi3gpLLnBrguaHjt%2fx1EwJ8o2uwKflOtvW8wQtlU79D3FOSPXCzxpsVgm%2b0b4YbLHXb5n4BgA10fQ%3d%3d&crl=c&resultNs=AdminWebAuth&resultLocal=ErrCrlNotAuth&crlhashurl=login.aspx%3fdirect%3dtrue%26profile%3dehost%26scope%3dsite%26authtype%3dcrawler%26jrnl%3d13894978%26AN%3d148892255 [10]Meier, Stephan und Stutzer, Alois (2004): "Is Volunteering Rewarding in Itself?"; Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit https://ftp.iza.org/dp1045.pdf
[11] Emmons, Robert and McCullough, Michael (Counting Blessings Versus Burdens: An Experimental Investigation of Gratitude and Subjective Well-Being in Daily Life" (2003): Journal of Personality and Social Psychology 84(2):377-89
[12] Toepfer, Steven et al (2012): "Letters of Gratitude: Further Evidence for Author Benefits"; Journal of Happiness Studies 13(1):187-201 https://www.researchgate.net/publication/225805768_Letters_of_Gratitude_Further_Evidence_for_Author_Benefits