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Fragen
und Antworten zur Protonentherapie
Was sind Protonen?
Protonen sind positiv geladene Teilchen und die Atomkerne des Wasserstoffs.
Protonen treten mit einer wählbaren Energie in den menschlichen
Körper ein und bewegen sich auf einer geraden Bahn bis zu einer
genau berechenbaren Tiefe. Auf der Bahn geben die Protonen nur wenig
Strahlung ab. Gegen Ende der Reichweite werden die Teilchen langsamer,
bis sie in der berechneten Tiefe in einem Punkt, dem nach dem Physiker
Bragg benannten "Bragg-Peak", zum Stillstand kommen. Hier
wird nun die grösste Strahlenmenge abgegeben. Hinter dem Bragg-Peak
fällt die Strahlendosis innerhalb weniger Millimeter auf Null
ab. Diese physikalische Tatsache ist der Grund für den Einsatz
der Protonen in der Medizin: Man kann Tumouren in der Tiefe bestrahlen,
ohne "über das Ziel hinaus zu schiessen".
Wie wirkt Protonentherapie?
Die Wirkung der Strahlentherapie beruht auf der Ionisation von Gewebemolekülen.
Die ionisierende Wirkung führt zu einer Schädigung des
Zellkerns, der Kernmembran und anderer Zellenbestandteile, was schlussendlich
zu einer Störung des Zellenwachstums führt. Die Zellteilung
wird unterbrochen oder die Zellen sterben ab.
Protonen haben im Vergleich zu den in der konventionellen Strahlentherapie
verwendeten Photonen besondere Eigenschaften. Sie geben ihre maximale
Dosis, die für die Zerstörung der Tumourzellen verantwortlich
ist, am Ende ihrer Bahn ab, d.h. dort, wo sie stoppen (sogenannte
Bragg-Spitze). Die Geschwindigkeit (Energie) wird so gewählt,
dass die Protonen genau am voraus berechneten Ort im Tumourgewebe
stoppen. Hinter dem Tumour, im gesunden Gewebe, wird keine Dosis
abgegeben. Vor dem Tumour beträgt die Dosis deutlich weniger
als bei Photonen. Deshalb wird das gesunde Gewebe bei der Strahlentherapie
mit Protonen optimal geschont. Vorteile sind geringere Nebenwirkungen
und die Möglichkeit, im Tumourvolumen deutlich höhere
Strahlendosen zu plazieren.
Für welche
Tumouren ist Protonentherapie besonders geeignet?
Protonen kommen sinnvollerweise dort zum Einsatz, wo eine höchstmögliche
Präzision der Strahlenabgabe erforderlich ist. Wenn grossräumige
Bestrahlungen medizinisch notwendig sind, bringen die Protonen nicht
unbedingt einen Vorteil. In Zweifelsfragen kann man eine vergleichende
Therapieplanung durchführen und die Entscheidung für eine
Protonen- oder Photonenbestrahlung anhand der berechneten Verteilung
der Strahlendosis fällen.
Welche Erfahrungen
gibt es mit Protonentherapie (Heilungschancen)?
Protonen kommen seit 1954 zu medizinischem Einsatz. Damals hat man
in Berkeley in Kalifornien erstmals Patienten mit den geladenen
Teilchen bestrahlt. Seitdem wurden weltweit über 70'000 Menschen
an verschiedenen Zentren mit Protonen bestrahlt, meist wegen Tumouren
im Auge (Aderhautmelanome), im Hirn, an der Schädelbasis und
Wirbelsäule und im Becken. Die grössten Tumourgruppen
bilden die Augenmelanome (über 30'000) sowie die Chordome und
Chondrosarkome der Schädelbasis und Wirbelsäule. Der eindrückliche
Erfolg der Protonentherapie der Aderhautmelanome mit einer lokalen
Tumourkontrolle von über 98% nach 5 Jahren sowie die Anhebung
der Kontrollraten von etwa 40% auf über 80% für Chondrosarkome
und auf über 65% für Chordome der Schädelbasis untermauern
die These, dass durch eine präzise räumliche Deponierung
die Strahlendosis soweit erhöht werden kann, dass auch relativ
strahlenunempfindliche Tumouren in ihrem Wachstum gestoppt bzw.
vernichtet werden können, ohne dass gleichzeitig eine dauerhafte
Schädigung der gesunden Nachbarstrukturen hervorgerufen wird.
Dieser Grundsatz hat zur Entwicklung der Spot-Scanning-Technik und
der kompakten Gantry am PSI geführt. Ebenso entstehen zur Zeit
auch in anderen Ländern (v.a. in Japan, USA) Protonentherapieanlagen,
die für die Bestrahlung von Tumouren in allen Regionen des
Körpers geeignet sind. Damit werden wir in Zukunft das Spektrum
der Indikationen für Protonentherapie erweitern und solche
Tumouren bestrahlen können, die mit der konventionellen Strahlentherapie
in den Kliniken nicht oder nicht ausreichend therapiert werden können.
Die PSI-Anlage bietet dank der Scanning-Technik besondere Vorteile
für die Präzision der Bestrahlung. Sie ist mit Einsatz der intensitätsmodulierten Therapiemöglichkeit weltweit zur
Zeit nur am PSI realisiert.
Welche Nebenwirkungen
treten auf?
Nebenwirkungen werden eingeteilt in Akutwirkungen und Spätwirkungen.
Sie hängen grundsätzlich sowohl von der Strahlendosis
in den gesunden Strukturen ab als auch von den jeweiligen Organen.
Strahlung wirkt dort, wo sie abgegeben wird. So gibt es keinen Haarausfall,
wenn nicht der Schädel bestrahlt wird. Wenn eine Bestrahlung
z.B. unter Einschluss der Schleimhaut der Blase und des Enddarms
notwendig ist, muss man mit Reizerscheinungen und vorübergehenden
Entzündungszeichen rechnen, die in der Regel innerhalb weniger
Wochen nach Abschluss der Behandlung abklingen. Falls Sie eine Strahlentherapie
benötigen, wird man Sie über die typischen möglichen
Nebenwirkungen genau aufklären. Da die Protonen meist sehr
wenig Strahlung im gesunden Gewebe abgeben, sind die Nebenwirkungen
in der Regel gering und symptomatisch behandelbar. Akutwirkungen
treten während der Behandlung oder unmittelbar danach auf und
klingen in der Regel innerhalb weniger Wochen ab. Spätwirkungen
treten nach Monaten und zum Teil Jahren nach einer Bestrahlung auf
und klingen leider oft nicht völlig ab. Sie erfordern meist
regelmässige Behandlung und können das Wohlbefinden der
Patienten stark einschränken. Daher wird bei der Planung einer
Strahlentherapie grosser Wert auf die Schonung der gesunden Organe
gelegt, vor allem, wenn sie zu Spätreaktionen neigen - z.B.
Nerven, Haut, Hirngewebe. Protonen erlauben auch hier meist eine
weitgehende Schonung dieser Strukturen, so dass die Rate an späten
Komplikationen niedrig ist.
Spürt man
etwas während der Bestrahlung?
Bestrahlung schmerzt nicht, sie brennt nicht, das heisst, die PatientInnen
spüren nichts während der Behandlung. Selten gibt es Situationen,
in denen bestimmte Zentren im Hirn bestrahlt werden müssen,
in denen unsere Sinne beheimatet sind. Dann kann es kurzfistig während
der Bestrahlung zu Sinnesreizungen wie z.B. Lichtblitzen oder Geruchsempfindungen
kommen.
Wie lange dauert
eine Therapie?
Strahlentherapie wird meist über einen längeren Zeitraum
verabreicht. Man bestrahlt mir kleinen Einzeldosen pro Bestrahlungsfraktion,
bis die berechnete Gesamtdosis erreicht ist, die den Tumour zerstören
soll. So dauert die gesamte Behandlung in der Regel zwischen 25
und 37 Bestrahlungstage. Am PSI können 5 Fraktionen pro
Woche verabreicht werden; das bedeutet Therapie während 5 bis
8 Wochen. An einem Bestrahlungstag muss man mit durchschnittlich
einer halben Stunde für die Therapie rechnen. Die meiste Zeit
wird auf die hochpräzise Lagerung verwendet, denn nur so können
wir sicherstellen, dass der Tumour ausreichend bestrahlt und das
gesunde Gewebe wirklich optimal geschont wird. Die eigentliche Bestrahlung
dauert nur wenige Minuten.
Wo wohnen die
Patienten und Patientinnen während der Therapie?
Die Protonentherapie wird - wie überall auf der Welt - meist
ambulant durchgeführt. Unsere Patientinnen und Patienten wohnen
entweder in einem Umkreis von maximal eineinhalb Stunden Fahrtzeit,
oder sie mieten in der Umgebung ein Apartment oder Zimmer. Wir haben
Kontaktadressen und sind bei der Suche behilflich. Wir legen grossen
Wert darauf, dass die Patienten während der Therapie nicht
alleine in einer Wohnung sind, ohne Begleitung und gewohnte Umgebung.
Falls eine ständige Begleitung durch Familienmitglieder oder
Freunde nicht möglich ist, bestehen wir auf einer Unterbringung
in einem nahegelegenen Spital. Falls PatientInnen eine Unterbringung
im Spital benötigen (unter anderem auch während einer
kombinierten Behandlung mit Chemotherapie), ist ebenfalls eines
der Spitäler im Kanton Aargau unser Partner. Andere Spitäler
können in Sonderfällen und bei Bedarf (z.B. bei der Behandlung
von Kleinkindern unter Anästesie) hinzugezogen werden.
Wie kommen Patienten
und Patientinnen ans PSI?
Meist werden PatientInnen durch Kliniken oder Spezialärzte
zugewiesen; oft nehmen aber auch Angehörige oder Freunde oder
die PatientInnen selbst mit uns Kontakt auf. Wir nehmen uns immer
die Zeit, die jeweilige Situation zu besprechen. Eine Protonentherapie
wird bei gegebener Indikation in Absprache mit den auswärtigen
behandelnden Ärzten durchgeführt. Unsere Kapazitäten
sind beschränkt und wir konzentrieren uns auf Indikationen, bei denen die Protonentherapie im Vergleich zur
modernsten konventionellen Strahlentherapie deutliche Vorteile bietet
oder die einzige Therapiemöglichkeit darstellt. Seit 2007 betreiben wir die Protonentherapie über das ganze Jahr und unser Angebot hat sich deutlich erweitert.
Was kostet die
Therapie?
Die Protonentherapie ist heute international noch wesentlich teurer als eine konventionelle
Photonentherapie in einer Klinik. In der Schweiz ist sie kostenmässig mit komplexen Bestrahlungen konventioneller Strahlentherapie vergleichbar. Mit der Kommerzialisierung dieser
neuen Technik werden sich die Kosten denjenigen modernster
Photonentherapien auch bei weniger komplexen Fällen annähern. Da die kurz- und langzeitigen Nebenwirkungen
bei der Protonentherapie aufgrund der Genauigkeit der Bestrahlung
geringer sind, sind die Folgekosten kleiner. Die Protonentherapie
hat deshalb das Potenzial, die Heilung von Krebs zu tiefern Gesamtkosten
anzubieten und damit einen Beitrag zur Reduktion der Gesundheitskosten
zu leisten; dies ist aber heute noch nicht bewiesen und muss durch klinische Studien in der Praxis noch eingehender aufgezeigt werden.
Wird die Behandlung
von den Krankenkassen bezahlt?
Seit dem 1. Januar 2002 gehört die Protonentherapie für
die folgenden Tumouren zu den obligatorischen Pflichtleistungen
der Schweizerischen Krankenkassen:
- Meningiome
- Niedriggradige Gliome (Grad 1 und 2)
- Tumouren im Bereich der Schädelbasis sowie ORL-Tumouren mit
Bezug zu kritischen Strukturen
- Knochen- und Weichteilsarkome
- Tumouren bei Kindern und Jugendlichen (auch Kleinkinder mit Anästhesie), wenn zum Schutz des wachsenden
Organismus eine besonders schonende Bestrahlung angezeigt ist.
Wie kann ich Kontakt aufnehmen? Wer gibt mir Auskunft?
Das Sekretariat des Zentrums für Protonentherapie am PSI stellt
den Kontakt her. Das Sekretariat sowie die ÄrztInnen des Zentrums
geben gerne Auskunft.
Tel. +41 (0)56 310 3524
Fax +41 (0)56 310 3515
oder e-mail: <email-pii>