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Tami Reiss reichts. Die 33-jährige Chefin eines Softwareunternehmens leitet ein 18-köpfiges Team - und entschuldigt sich trotzdem regelmässig für ihre Aussagen. Beendet ihre Sätze mit "macht das Sinn?", obwohl sie weiss, dass sie es tun. Relativiert Anweisungen an ihre Unterstellten mit Einleitungen wie "Ich denke halt einfach, dass...". Tami Reiss ist bewusst, dass sie sich so selbst klein macht. Und ihr ist bewusst, dass sie nicht die einzige ist, sondern dass es vielen Frauen so geht.
Was relativiert, wird rot
Genau deshalb hat sie das Browser-Plug-in "Just Not Sorry" (bisher nur in Englisch) entwickelt. Es lässt sich für Gmail installieren und erkennt, sobald installiert, Formulierungen wie "I think", "just", "actually", "I'm no expert", "does this make sense?" und - natürlich - "sorry" und unterstreicht sie rot. Genau so, wie es passiert, wenn sich ein Tippfehler einschleicht. Fährt man dann mit der Maus über das markierte Wort, erklärt das Programm, warum genau man dieses Wort überdenken sollte. Was wirklich gelöscht wird oder dann doch bleiben darf, entscheidet die Mail-Autorin schlussendlich selber.
Frauen wirken schneller zickig
Oder eben der Autor. Denn: "Natürlich sollen auch Männer die App benutzen", sagt die Erfinderin im Interview mit Bento. Aber vor allem unter Frauen sei die Verwendung dieser relativierenden Wörter verbreitet. "Laut einer Studie werden Frauen schneller als aggressiv und zickig eingestuft." Also versuchen sie instinktiv, das zu verhindern.
Das ist auch Schauspielerin Jennifer Lawrence aufgefallen. In einer Ausgabe von Lena Dunhams "Lenny"-Newsletter schreibt sie, dass sie in Lohnverhandlungen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen auch schon den Kürzeren gezogen habe - aus Angst, als "schwierig" oder "verwöhnte Göre" bezeichnet zu werden. Bis jetzt: "Ich habs satt, meine Meinung auf die liebenswerte Art zu vermitteln, damit man mich mag".
Mehr Anstoss, als Änderung
Ob ein Plug-In, das eine begrenzte Anzahl an geschriebenen Wörtern erkennt, die angestrebte Änderung bringt, ist fraglich. Ob jedes "Sorry" eins zu viel ist, jedes "I think" zu einer Untergrabung der eigenen Autorität führt, sowieso. Aber "Just not Sorry" stiftet zum Nachdenken an und lenkt die Aufmerksamkeit auf ein wichtiges Thema. Das merkt jeder, der einen Tag lang darauf achtet, wie er - oder eben sie - Ideen präsentiert oder Anweisungen gibt. Für unsere Meinung sollten wir uns nicht nur in Mails nicht mehr entschuldigen.