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Der Falklandkonflikt von 1982 zwischen Grossbritannien und Argentinien hallt noch bis heute nach. Auf der einen Seite politisch, da Argentinien auch weiterhin seinen Anspruch auf die Inseln im Südatlantik geltend macht. Aber auch in der Umwelt ist der Konflikt noch sichtbar, vor allem in Rückständen von Munition und anderem Gerät aus der Zeit. Auch auf Südgeorgien, wo der Konflikt seinen Anfang nahm, vermutet man immer noch Hinterlassenschaften. Um diese zu finden und entsorgen, sind Spezialisten der britischen Streitkräfte notwendig.
Nachdem Mitte November die letzte Landmine auf den Falklandinseln offiziell gesprengt worden ist, widmet man sich nun auch verstärkt dem anderen Kriegsschauplatz im Falklandkonflikt, Südgeorgien. Wie von der britischen Kriegsmarine bekanntgegeben wurde, war ein drei-köpfiges Expertenteam für Kampfmittelbeseitigung während einer 10-tägigen Mission bei Grytviken unterwegs und suchte nach übriggebliebenen Munitionsresten, Blindgängern und anderem Militärgerät. Das Team war erfolgreich, denn es entdeckte Munition und Raketenmotoren aus dem Kampf um Grytviken. Diese Teile sind potentiell gefährlich für die auf King Edward Point stationierten Wissenschaftler, aber auch für die Tierwelt und die Touristen. Denn gerade Letztere sind sich häufig nicht bewusst, dass auch auf der Insel Kampfhandlungen 1982 stattgefunden hatten.
Am 3. April 1982 starteten die Kampfhandlungen zwischen britischen Royal Marines und argentinischen Spezialkräften durch einen Angriff argentinischer Sonderkommandos und eines Schiffes, Dabei wurde ein argentinischer Hubschrauber abgeschossen und ein argentinisches Kriegsschiff stark beschädigt, während es aber dennoch einige Salven in Richtung Grytviken abgeben konnte. Darauf ergaben sich die britischen Soldaten und argentinisches Militär übernahm die Kontrolle über die Insel. Knapp Drei Wochen später griffen Sondereinsatzkräfte der britischen Armee zusammen mit Hubschraubern und Schiffen die argentinischen Streitkräfte bei Grytviken von verschiedenen Seiten her an. Dabei wurden die Hügel mit Geschossen von den Schiffen aus getroffen. Während den gesamten Kampfhandlungen wurde zahlreich Munition verschossen, die teilweise heute noch in den Hügeln rund um Grytviken liegen könnte. Da Grytviken das Zentrum Südgeorgiens ist und zahlreiche Touristen hier auch an Land gehen (und teilweise die Hügel hochlaufen), sind solche Räumungsaktionen sehr wichtig.
Das Expertenteam kam mit dem neuen britischen Patrouillenschiff HMS Forth, welches seit April 2020 in der Region im Dienst ist, nach Südgeorgien, sein bereits dritter Besuch des britischen Überseeterritoriums. Das neue Patrouillenschiff ist mit seinen 4.5 Meter Tiefgang zwar ideal für küstennahe Operationen. Doch die Tatsache, dass das Schiff keine spezifische Eisklasse hat, macht es schwierig, in antarktischen Gewässern zu operieren. Um von den Falklandinseln nach Südgeorgien zu fahren, musste ein spezielle Atlas A400M der britischen Luftwaffe vorausfliegen und nach Eisbergen Ausschau halten. Da in der Region immer noch Teile des mittlerweile auseinandergebrochenen Eisbergs A68 treiben, war diese Aktion notwendig. Trotzdem nutzte das Schiff seine Reise auch, um mit dem Fischereikontrollschiff Pharos SG einige Trainingsmissionen durchzuführen. Ausserdem wurde ein 3-Tages-Training bei Husvik, einer anderen alten Walfangstation abgehalten. Die Royal Navy erklärte in einem Statement, dass der Besuch und die Missionen ein voller Erfolg gewesen sei. Mit der Rückfahrt der HMS Forth kehrt nun winterliche Ruhe in der Bucht von Grytviken ein.
Dr. Michael Wenger, PolarJournal