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oder Infusionstierchen (Infusoria), eine Klasse von Urtieren, die sich von den Wurzelfüßern (s. d.)
vornehmlich durch eine feste, äußere Haut
[* 3] (Cuticula) und damit durch eine bestimmte Körpergestalt unterscheiden. Die Aufgußtierchen haben
den Wert von Zellen (s. d.); sie besitzen innerhalb des von
der Zellmembran umgebenen protoplasmatischen Körpers einen Kern und meist auch eine pulsierende Vakuole. Die Zellmembran
weist an einer bestimmten stelle eine Öffnung auf, die als Mund fungiert und direkt in die Leibessubstanz hineinführt;
die nicht verdauten Überreste der Nahrung werden durch eine andere (After-)Öffnung wieder nach außen
befördert.
Als Bewegungsorgane finden sich eine größere oder geringere Anzahl beweglicher Haare,
[* 4] Wimpern oder Geißeln, die verschieden
verteilt und besonders in der Umgebung des Mundes stark entwickelt und zahlreich gefunden werden. Diese bilden systematische
Unterscheidungsmerkmale. Die Aufgußtierchen wurden nach 1670 von Leeuwenhoek entdeckt; ihr Name rührt daher, daß
man sie in oft erstaunlicher Zahl auftreten sah, wenn tierische oder pflanzliche Reste mit Wasser übergössen und an einen
warmen Ort gestellt wurden.
Allerdings wurden damals, und noch 1838 von Ehrenberg in dessen klassischem Werke: «Die Infusionstierchen als vollkommene
Organismen» (Lpz. 1838), alle mikroskopischen Wasserbewohner, besonders auch niedere Pflanzen und Rädertiere
unter diesem Namen zusammengestellt;
erst spätere Untersuchungen, namentlich von Dujardin, Claparède und Lachmann, Stein,
Balbiani u. s. w., führten eine genauere Kenntnis der und Ausmerzung fremder Formen herbei.
Auch gegenwärtig zählt man ihnen noch eine Anzahl kleinster Wesen zu, die vielleicht den Pflanzen näher als den Tieren verwandt
sind, die sog. Geißeltierchen (s. d.)
oder Geißelträger (Flagellata), denen die eigentlichen Aufgußtierchen oder Wimperinfusorien (s. d.,
Ciliata) als zweite Ordnung gegenüberstehen.