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Der wichtigste Fotograf des letzten Jahrhunderts ist zwar schon tot, seine Bilder werden aber noch lange überleben.
Sein Vater war ein erfolgreicher Textil-Fabrikant. Dass Henri einmal den Betrieb übernehmen würde, schien klar. Also besuchte er eine weiterführende Schule, das Lycée Condorcet, um schliesslich, via einer der Eliteschulen in die Geschäftsleitung einsteigen zu können. Doch daraus sollte nichts werden ...
Ohne seinen Abschluss abzuwarten, studierte er stattdessen ein Jahr Malerei bei André Lhote, einem Anhänger des Kubismus. Ein Einfluss, der in seinem späteren Schaffen deutlich wurde, sich wahrnehmbar in Cartier-Bressons Empfinden und seiner Beobachtung für Bildkomposition niederschlug.
Seinen Prozess des Fotografierens beschrieb er mal so:
1930 machte sich Henri Cartier-Bresson auf zu seiner ersten Reise. Fast ein ganzes Jahr verbrachte er an der Elfenbeinküste. Kurz nach seiner Rückkehr entdeckt er dieses Bild von Martin Munkácsi in einer Ausgabe des Magazins Arts et Métiers Graphiques.
In den folgenden Jahrzehnten reiste Bresson durch die Welt. Niemals ruhend, aber auch niemals gehetzt. Er hielt explizit fest, dass die Bewegung keine Hast sei, dass der Akt des Reisens in sich Genuss darstelle.
Seine Kamera legte er nicht mehr aus der Hand. Für manche seiner ikonischsten Bilder blieb er nicht mal stehen. Er nahm seine Umgebung stets mit voller Aufmerksamkeit wahr. So sehr, dass er Augenblicke erfasste, ohne das Gespräch zu unterbrechen und teils photographierte, ohne dass seine Umgebung das wahrnahm.
Mit seinem unnachahmlichen Gespür, seiner Sensibilität für seine Umgebung wurde Henri Cartier-Bresson innert Kürze zum wichtigsten Fotografen seiner Zeit. Seine Bildbände wurden zu «Bibeln» seiner Zunft.
Die Leica mit 35mm-50mm-Objektiv war sein Instrument der Wahl, da sie der natürlichen Wahrnehmung des menschlichen Auges am nächsten komme. Die glänzenden Teile des Apparates deckte er mit schwarzem Klebeband ab und bedeckte seine Hand oft noch mit einem Stofftaschentuch. All dies, um den Akt des Fotografierens noch unauffälliger zu gestalten.
Ende der 40er-Jahre gründete er mit einem Freund die Agentur Magnum, die die Rechte seiner Bilder in Zukunft verwaltete. Sie gilt heute als eine der wichtigsten der Branche.
Jegliche Entwicklungsarbeit überliess er stets den Mitarbeitern der Agentur. Da er seine Negative nie nachbearbeitete, jeweils den ganzen Ausschnitt entwickeln liess, gab es keinen Grund mehr, nachträglich noch einzugreifen.