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Gewalt kommt in Familien in den unterschiedlichsten Formen vor: Physische und psychische Gewalt, Verletzung der sexuellen Integrität, Deprivation und Vernachlässigung. Gewalthandlungen in der Familie sind für alle Familienmitglieder – ob als Opfer und / oder Zeuge von Gewalt – problematisch. Die Studie zeigt, dass trotz eines leichten Rückgangs körperlicher und psychischer Gewalthandlungen in Familien, jedes zwanzigste Kind regelmässig körperliche Gewalt und jedes vierte Kind regelmässig psychische Gewalt erfährt. Jüngere Kinder sind im Gegensatz zu älteren Kinder von Körperstrafen öfters betroffen.
In Bezug auf die psychische und physische Bestrafung von Kleinkinder im Alter von 0 bis 4 Jahren hält die Studie fest, dass 9.7% der befragten Eltern ihr Kind regelmässig körperlich und 32.8% der befragten Eltern ihr Kind regelmässig psychisch bestraften. Ebenfalls zeigt die Studie, dass Eltern, die regelmässig Körperstrafen als Erziehungsmassnahme gebrauchen, sich in einigen demografischen Variablen – wie Wohnregion und Bildungsabschluss – von anderen Eltern unterscheiden. Demgegenüber ist das Alter der Eltern, Geschlecht der Eltern und des Kindes, Herkunft und Kinderzahl kein bedeutsames Unterscheidungsmerkmal. Überdies wenden Eltern, die ihr Kind körperlich bestrafen, häufig auch regelmässig psychische Bestrafungsarten an. Signifikante Unterschiede zeigen sich bei regelmässig psychisch bestrafenden Eltern im Vergleich zu anderen Eltern in Bezug auf Wohnregion, Geschlecht der Eltern und Bildungsabschluss.
Eltern unterscheiden sich auch hinsichtlich ihrer Erziehungsziele. Zählen die persönliche Entfaltung und die Authentizität des Kindes zu den prioritären Erziehungszielen wird seltener körperliche Gewalt als Bestrafungsform angewendet. Demgegenüber erklärt eine elterliche Präferenz für die Erziehungsziele der Angepasstheit und Verhaltenskontrolle in Teilen die sprachregionalen Unterschiede in der Häufigkeit körperlicher Gewalt, und Unterschiede in berichteter körperlicher Gewalt zwischen Familien mit und ohne Migrationshintergrund. Überdies haben Eltern, die physische und/oder psychische Gewalt als Erziehungsmassnahme anwenden, grösstenteils selbst Gewalterfahrungen in ihrer Kindheit gemacht.
Der Austausch mit anderen Eltern zur Erziehungsproblematik stellt für die regelmässig physisch und psychisch bestrafenden Eltern die ansprechendste und hilfreichste Unterstützung in der Erziehung dar. Ferner wird nach Einschätzungen der regelmässig bestrafenden Eltern eine gewaltfreie Erziehung der Kinder am ehesten durch Stressreduktion, einen bewussten Umgang mit den eigenen Emotionen und ein grösseres Bewusstsein für die Konsequenzen des eigenen Bestrafungsverhalten erleichtert.
Weitere Informationen
Institut für Familienforschung und -beratung der Universität Freiburg im Auftrag von Kinderschutz Schweiz (2020). Bestrafungsverhalten von Eltern in der Schweiz. Eine wissenschaftliche Begleitung der Präventionskampagne «Starke Ideen – Es gibt immer eine Alternative zur Gewalt» (Zusammenfassung).
Institut für Familienforschung und -beratung der Universität Freiburg im Auftrag von Kinderschutz Schweiz (2020). Bestrafungsverhalten von Eltern in der Schweiz. Eine wissenschaftliche Begleitung der Präventionskampagne «Starke Ideen – Es gibt immer eine Alternative zur Gewalt».