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Bezug auf die Zusammensetzung zwei Hauptarten unterscheiden, nämlich kalkreicher Sandstein oder Kalksandstein (Schlämmprodukt der Kalknagelfluh) und silikatreicher (granitischer) Sandstein (Schlämmprodukt der bunten Nagelfluh). Der Kalksandstein, auch etwa subalpine Molasse oder Appenzellersandstein genannt, reicht nicht weiter n. als bis zur grossen nördlichen Antiklinale. Der silikatreiche (granitische) Sandstein, mit zahlreichen roten Feldspatkörnchen, oft auch mit vielen dunkeln Körnern, ist am besten entwickelt zwischen der n. Antiklinale und der Nagelfluhzone St. Gallen-Hörnli in einer kaum 2 km breiten Zone, die sich von St. Margrethen im Rheinthal bis nach Bollingen am Zürichsee verfolgen lässt.
Vorzüglicher Baustein Steinbrüche bei St. Margrethen, Peterzell, Wattwil, Bildhaus am Ricken, Uznaberg, Bollingen. Als weitere Abänderung ist zu nennen der ebenfalls geschätzte, schon der Meeresmolasse angehörende Plattensandstein, der bei St. Gallen, namentlich aber bei Staad und Wienachten in zahlreichen Brüchen ausgebeutet wird. Zahlreiche Uebergänge zwischen Sandstein und Mergeln (Mergelmolasse, Schiefermergel etc.). Typische Knauermolasse ist selten. In jeder Hinsicht von besonderem Interesse ist die Seelaffe (subalpiner Muschelsandstein), ein äusserst hartes und zähes, blaugraues, grobkörniges, in Säure fast vollständig sich auflösendes Trümmergestein, das zahlreiche Muscheltrümmer (namentlich von Austern und Cardien), daneben auch Haifischzähne enthält. Die Seelaffe gehört schon der tieferen Abteilung der Meeresmolasse an, liegt jedoch noch über der Zone der Platten von Buchen und Wienachten und lässt sich aus dieser Gegend über den Rossbühl bis zur Martinsbrücke an der Goldach, ja in etwas veränderter Fades vielleicht bis an die Urnäsch verfolgen.
Die am wenigsten widerstandsfähige Felsart des Molassegebietes sind die Mergel. Für die untere und obere Süsswassermolasse rechtfertigen die gelbliche, rötlichgelbe, rote, violette, graue, gelblichgraue, schwärzliche, grünliche und bläuliche Farbe vollauf den Namen «bunte Mergel». Im Gegensatz hiezu sind die Mergel der Meeresmolasse fast stets blaugrau.
Die Kalkeinlagerungen sind für unser Molassegebiet nur von sehr untergeordneter Bedeutung. Kohlenvorkommnisse (Braunkohle, Pechkohle) sind ziemlich häufig, aber nur selten von überhaupt nennenswerter Mächtigkeit und Ausdehnung. Es sind folgende Oertlichkeiten zu nennen: Rufi im Gaster, Kohle bis 60 cm mächtig, seit 1824 mit wiederholter Unterbrechung abgebaut;
Alp Oberkäsern am Speer, Schrennli bei Neu St. Johann, Tobelmühle bei Altstätten, bei Sturzenegg über dem linken Ufer der Urnäsch, in der Nähe von Zweibrücken ob dem Wattbach, unter dem Schaugenbädli an der Goldach (die letztgenannten drei Vorkommnisse wurden im Kleinen ausgebeutet), ferner ob dem Weierchen bei St. Georgen nahe St. Gallen und am linken Ufer der Glatt bei Niederuzwil.
Auch die Seelaffe ist von Kohlenspuren begleitet.
An Pflanzenabdrücken sind im st. gallischen Gebiet die untere Süsswassermolasse und die Meeresmolasse reicher als die obere Süsswassermolasse. Fundstellen: St. Margrethen, Steingrübli und Menzeln bei St. Gallen etc. Die besterhaltenen Pflanzen fanden sich jedoch in den beim Bau des Bürgerspitals in St. Gallen zum Vorschein gekommenen Molassefindlingen, deren Stammort leider auch jetzt noch unbekannt ist. An Land- und Süsswasserschnecken (Helix, Melania, Clausilia, Planorbis, Unio etc.) mag die obere Süsswassermolasse eher reicher sein als die untere.
Sehr reich an Arten sowohl als Individuen ist die Fauna der st. gallischen Meeresmolasse. Mehrere hundert Spezies von Zweischalern und Schnecken. (Reichhaltige Sammlung im Naturhistorischen Museum in St. Gallen.) Seltener sind Krebse, Seeigel, Schwämme etc. Haifischzähne sind in der Seelaffe (Muschelsandstein) ziemlich häufig, in der übrigen Meeresmolasse recht selten (Steingrübli, rechtes Wattbachufer). Von Säugetieren sind zwei schweineartige Tiere (Sus wilensis und Hyotherium medium) aus den Niederuzwiler Kohlen zu nennen. Eigentümlich und noch nicht genügend erklärt ist in der Meeresmolasse das Auftreten von fingerdicken vertikalen Zylindern von oft bedeutender Länge; ganz besonders auffällig aber sind die Schraubensteine (Spiralsteine), zapfenzieherartig und regelmässig gewundene, fingerdicke Gebilde, von denen ein kürzlich aufgefundenes Exemplar fünf volle Umgänge zeigt.
Die tektonischen Verhältnisse sind teilweise schon im Art. Appenzell A. R. des Lexikons angedeutet. Die Grenzlinie zwischen horizontaler und gehobener Molasse ist des allmähligen Ueberganges wegen nicht genau festzustellen. Sie verläuft ungefähr von der S.-Seite des Schnebelhorns durch das Thal von Libingen, über Oberhelfenswil und Wolfertswil nach Gossau und Bernhardzell. Die gehobene (dislozierte) Molasse zeigt drei Falten, bezw. drei Antiklinalzonen (Faltengewölbe) und zwei Synklinalzonen (Mulden). [Vergl. den Anfang des Profiles St. Gallen-Bernardino im Art. Alpen des Lexikons]. Die Schichten streichen im Allgemeinen von ONO. nach WSW. Die am besten ausgeprägte und am weitesten ununterbrochen zu verfolgende n. Antiklinallinie verläuft von Berneck im Rheinthal über Kappel im Toggenburg nach Schmerikon am Zürichsee. Ihre Abweichung von der OW.-Richtung nach S. beträgt durchschnittlich 30 °.
Die Gewölbebiegung ist erodiert, wie auch bei den beiden südlichen (zum Teil geneigten und isoklinalen) Falten. Der mittlern Antiklinalzone gehört in unserm Kanton die Gegend von Altstätten-Hinterforst und diejenige s. von Ebnat bis Rieden und Kaltbrunn an; die südlichste Falte verläuft im Gebiet der Stockberg-Speerkette. Die interessante Tatsache, dass an der Grenze zwischen Molasseformation und Kalkgebirge die Molasseschichten unter die Eozän- und Kreideschichten des Säntis und Mattstocks einfallen, lässt sich durch die Annahme von Ueberfaltungsdecken einfacher erklären, als durch intensive Faltung mit reduziertem Mittelschenkel und abgewitterter Gewölbebiegung.
Nächst der Faltung ist die Thalbildung das wichtigste Moment in der topographischen Gliederung unseres als welliges Bergland erscheinenden Molassegebietes, das durch die Querthäler der Linth, Thur, des Necker, der Urnäsch, Sitter, Steinach, Goldach und des Rhein in Stücke zerschnitten wurde. Die sekundären, rechtwinklig auf die Querthäler stossenden Seitenthäler sind orographisch Längsthäler, in geologischem Sinne Isoklinalthäler, was im Toggenburg ebenso deutlich zu ersehen ist, wie in der Umgebung von St. Gallen. Die stehen gebliebenen Kämme zeigen, soweit sie der gehobenen Molasse angehören, durchaus einseitigen Bau. N. von der grossen nördl. Antiklinale kehren sie die Steilabfälle (Schichtköpfe) nach SSO., die weniger stark geneigten und daher als schiefe Ebenen erscheinenden Hänge (Schichtflächen) nach NNW. (Eggersriethöhe, Kapf-Freudenberg, Bernegg, Solitüde oder Menzeln, Rosenberg bei Herisau, ¶