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Über 1000 Jahre Kirchengeschichte erleben – ein Ausflug von Panix nach Viano
Auf den Passrouten zwischen Panix und Viano sind dem „Kunstführer Schweiz“ zufolge nicht weniger als 54 Kirchen, die je etwa vier Kilometer voneinander entfernt sind, zu besichtigen. Alle hier gelegenen Kirchen gelten als kulturgeschichtlich besonders wertvoll – 19 davon finden sich sogar im Verzeichnis der Schweizer Kulturgüter. Die Denkmalpflege hat dafür Sorge getragen, dass diese zum Teil sehr alten Kirchen bis heute gut erhalten geblieben sind.
In vier verschiedenen Zeitperioden wurden die Kirchen erweitert und umgebaut: in der fränkischen und karolingischen Zeit (6. bis 9. Jahrhundert), im Hochmittelalter (9. bis etwa Mitte 13. Jahrhundert), im Spätmittelalter (ab Mitte 13. bis 16. Jahrhundert) und in der Neuzeit (17. bis Mitte 18. Jahrhundert).
Von jenen Kirchen, die bereits in der fränkischen Zeit entstanden sind, sind heute oftmals nur noch Mauern zu sehen. Die alte Pfarrkirche St. Martin in Cazis befindet sich hingegen noch im Originalzustand.
Im Hochmittelalter war eine starke Zunahme des Handels und ein Aufblühen des Handwerkes zu verzeichnen, was eine starke Frequentierung der Passrouten zur Folge hatte. So wurden die Kirchen in jener Zeit grösser und im romanischen Stil gebaut. Die Kirchen St. Cosmas und Damian in Mon sind ein besonders schönes Beispiel hierfür. Die Expansion des Handels im Spätmittelalter führte zu einem Wachstum der oberitalienischen Handelszentren, womit die Passrouten an Wichtigkeit noch einmal zunahmen. Neue und prächtige, im gotischen Stil gehaltene Kirchen wurden erbaut oder bereits bestehende Kirchen im gotischen Stil umgebaut. Typisch für diese Zeit sind auch die wunderschönen Malereien und Schnitzereien, die u. a. in der Kirche S. Vittore in Poschiavo und in der Kirche Mariä Krönung in Tomils zu besichtigen sind.
Eine Folge der Pest, religiöser Auseinandersetzungen sowie des 30-jährigen Krieges war es, dass eine Verwirklichung von Bauprojekten in der Neuzeit zunächst ausblieb. Auch bereits bestehende Kirchen wurden nicht weiter aus- oder umgebaut. Dies änderte sich jedoch im 17. Jahrhundert, als Zahl und Umfang der Neubauten plötzlich schlagartig zunahmen. Es war die Zeit des Barocks, die das Bedürfnis nach grösseren Kirchen und mehr Baugrund erweckte. Die Bauherren nutzten teilweise die bestehende Substanz alter Kirchen und liessen nur wenig von diesen übrig. Ein Beispiel hierfür ist die St. Martins Kirche in Savognin.
So wurde es im Laufe der Zeit üblich, die Stile verschiedener Epochen zu vermischen. Dies hatte jedoch auch zur Folge, dass bestimmte Stilelemente komplett verschwanden. Ein besonders gelungenes Beispiel für eine harmonische Verbindung verschiedener Epochen ist die St. Remigius Kirche in Falera.
Jede Kirche bringt ihre eigene und individuelle Geschichte mit, und es ist ein spannendes Erlebnis für alle Kulturinteressierten, diesen Geschichten nachzuspüren.
Oberstes Bild: St. Remigius Kirche in Falera (© Paul Simpson, Wikimedia, CC)