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In den letzten 10 Jahren wurden die Auswirkungen von Mobilfunk vermehrt erforscht. Verschiedene Studien wurden von verschiedenen Interessengruppen mit verschiedenen Zielen in Auftrag gegeben. Drei internationale Studien, die von mehreren unabhängigen Forschungsinstituten durchgeführt wurden, haben hohe Wellen geschlagen. Gerne stellen wir Ihnen diese hier vor.
Die REFLEX-Studie (2000–2004)
Diese in vitro Studie wurde von zwölf Forschergruppen aus sieben europäischen Ländern durchgeführt. Die Wissenschaftler gelangten zur Erkenntnis, dass die Bestrahlung durch Mobilfunkstrahlung zu DNA-Einzelstrangbrüchen und DNA-Doppelstrangbrüchen führt. Die Ergebnisse waren mit einer Bestrahlungsdauer von 16 Stunden bei Granulosazellen von Ratten und menschlichen Fibroblastenzellen signifikant, also eindeutig.
Die zeitweise (intermittierende) Exposition zeigte eine stärkere Wirkung als die kontinuierliche Bestrahlung. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass der entstandene Schaden am Erbgut der Zellen nicht auf thermischen Wirkungen beruhen kann, sondern durch nicht-thermale Effekte entstanden sein muss.
Fälschungsvorwürfe gegenüber der REFLEX-Studie
Die aus den Studienergebnissen abgeleiteten Sicherheitsempfehlungen wurden von verschiedenen Interessengruppierungen von Mobilfunkfördern hartnäckig und über Jahre bekämpft. Es wurden massive Fälschungsvorwürfe erhoben. Die Fälschungsvorwürfe fanden ihren Ursprung hauptsächlich bei Prof. Alexander Lerchl. Er ist Biologieprofessor an der Bremer Jacobs-Universität und war als Berater für das Deutsche Informationszentrum Mobilfunk (IZMF) tätig. Diese Organisation wurde von Mobilfunknetzbetreibern in Deutschland gegründet, um die gemeinsamen Interessen der deutschen Mobilfunkindustrie zu fördern und umzusetzen.
Fälschungsvorwürfe wurden wiederholt gerichtlich «verboten»
Obwohl Prof. Lerchl bereits 2015 vom Landgericht Hamburg rechtskräftig auf Unterlassung der Fälschungsvorwürfe verurteilt worden war, setzte er seine Verleumdungskampagne fort.
Das Hanseatische Oberlandesgericht Bremen verurteilte Professor Alexander Lerchl nun Ende Januar 2021 erneut und abschliessend zur Rücknahme und zur Unterlassung seiner Fälschungsbehauptungen gegenüber der REFLEX-Studie. Im Fall einer Zuwiderhandlung des Verurteilten können Ordnungsgelder bis zur Höhe von 250`000 EUR bzw. Ordnungshaft bis zu 6 Monaten verfügt werden. Lerchl hat zudem die Kosten dieses Verfahrens in der Höhe über € 20´000.- zu tragen. Dieses Urteil erfolgte in letzter Instanz und ist nicht anfechtbar!
Im 2011, also sieben Jahre nach der Veröffentlichung der REFLEX-Studie und drei Jahre nach den ersten Fälschungsvorwürfen durch Lerchl, beschloss die WHO, Mobilfunkstrahlung als „möglicherweise krebserregend“ einzustufen. Das gilt bis heute. Inzwischen fordern immer mehr Wissenschaftler Mobilfunkstrahlung als „sicher krebserregend“ einzustufen. Bisher haben sich Mobilfunkförderer erfolgreich gegen diese Einstufung gewehrt und damit den für sie lukrativen Mobilfunkmarkt geschützt und erhalten.
Die NTP-Studie (2016 und 2018)
Ende Mai 2016 wurden erste und im Frühling 2018 die Gesamtergebnisse der bisher grössten Studie zu Mobilfunkstrahlung und Krebs, vorgestellt. Diese Studie wurde von der Regierung der USA im Umfang von 25 Mio. Dollar finanziert. Das Ziel dieser Studie war es, zelluläre Wirkungen von Mobilfunk bei realen Feldstärken von Handys zu erforschen.
Ergebnisse der NTP-Studie
Mobilfunkstrahlung kann zu Tumoren führen. Durch die Mobilfunkstrahlung wurden zwei Krebsarten (Schwannom, Gliom) ausgelöst. Und bei einer zusätzlichen Anzahl von Ratten krebsverursachende Zellveränderungen (Hyperplasie von Gliazellen) festgestellt.
Nach Veröffentlichung der Ergebnisse der NTP-Studie wurde von vielen Wissenschaftler erneut gefordert, die nichtionisierende Strahlung als krebserregend (Kanzerogen gemäss WHO-Stufe 1) einzustufen.
Selbstverständlich wurden auch diese Studien und deren Wissenschaftler seit Veröffentlichung aktiv diskutiert und aus mobilfunkfördernden Kreisen massiv diskreditiert. Auch wenn einige Einzelergebnisse nicht völlig abgesichert sind, werden sie von einer grossen Wissenschaftlergemeinschaft berücksichtigt, weil die Studie nach aktuellstem Stand der Wissenschaft und die Versuche nach GLP («Standartd für gute Laborpraxis») durchgeführt wurden.
Die Ramazzini-Studie (2018)
In der Studie der Ramazzini-Stiftung aus Italien (Falcioni et al. 2018) wurden männliche und weibliche Ratten mit einem Mobilfunksignal auf der Frequenz von 1.8 GHz und mit Intensitäten (Feldstärken) von 0, 5, 25 und 50 V/m bestrahlt.
Diese Exposition ähnelt der von GSM-Basisstationen emittierten Mobilfunkstrahlung und entspricht geschätzten durchschnittlichen Ganzkörper-SAR-Werten von 0.001, 0.03 und 0.1 W/kg. Die Tiere wurden 19 Stunden pro Tag in ihren Käfigen exponiert, beginnend im Mutterleib am 12. Trächtigkeitstag bis zu ihrem natürlichen Tod. Im Vergleich zur NTP-Studie waren die Gruppen grösser (200-400 Tiere), und es wurden insgesamt 2248 Tiere eingesetzt.
Ergebnisse der Ramazzini-Studie
Im Vergleich zur Schein-Expositions-Gruppe wurde bei männlichen Ratten, die bei einem elektromagnetischen Feld von 50 V/m exponiert wurden, eine statistisch signifikante Zunahme der Inzidenz von Herz-Schwannomen (Krebs) beobachtet.
Darüber hinaus wurde im Vergleich zur Schein-Exposition bei Ratten beiderlei Geschlechts eine Zunahme der Inzidenz von Schwann-Zellen-Hyperplasie des Herzens und bei weiblichen Ratten eine Zunahme der Inzidenz von bösartigen glialen Tumoren des Gehirns beobachtet, was jedoch in beiden Fällen statistisch nicht signifikant war.
Die Autoren schlussfolgern, dass eine lebenslange Bestrahlung durch Mobilfunkstrahlung die Inzidenz von Tumoren im Herzen und möglicherweise auch im Gehirn von Ratten erhöhen könnte. Diese Ergebnisse sind konsistent mit den Ergebnissen der NTP-Studie zur Nahfeld-Exposition und bekräftigen diese.
Beachtliche Reaktionen auf die Studienergebnisse. Auch in der Schweiz!
Die für uns in der Schweiz unmittelbar relevante Reaktion auf die NTP- und Ramazzini- Studien kam von der Beratenden Expertengruppe NIS (BERENIS) des Bundesamt für Umwelt (BAFU) in Bern.
BERENIS, Schweiz
Die Berenis schrieb in einer Sonderausgabe ihres Newsletters im November 2018:
- «… wurde in der NTP-Studie ein Anstieg der Karzinogenität für GSM- und CDMA-Expositionsbedingungen gefunden… »
- «Die Ramazzini-Studie hingegen stellte Karzinogenität (Krebsförderung) bei Werten im Bereich der Immissionsgrenzwerte fest»… «es wurde ein dosisabhängiger Trend für bösartige Herz-Schwannome gefunden, was sich mit den Ergebnissen der NTP-Studie deckt»…
National Institute of Environmental Health Science NIEHS, USA
Das National Toxicology Program (NTP) vom National Institute of Environmental Health Sciences (NIEHS, Durham, USA) schrieb in einer Stellungsnahme: «Wir gehen davon aus, dass der Zusammenhang zwischen Mobilfunkstrahlung und Tumoren bei männlichen Ratten real existiert und die externen Experten stimmten darin überein.»
Prof. James C. Lin der University of Illinois, USA
Er gehörte den Kreuzgutachtern (Peer-Review-Panel) der NTP-Studie an. Er schrieb:
- «Die Zahl der Tumoren der Nebenniere, war bei den männlichen Ratten im Vergleich zu den Kontrollen signifikant erhöht, und zwar bei einer spezifischen Absorptionsrate (SAR) von 1,5 und 3 W/kg.» …
- «So war die allgemeine Krebsrate oder Gesamtzahl der Primärtumoren bei den strahlenexponierten Gruppen signifikant erhöht im Vergleich zu den entsprechenden Kontrollgruppen.»
- «Was diese beiden Tierstudien zu Krebs und der Exposition gegenüber hochfrequenter Strahlung so wertvoll macht, ist die Tatsache, dass die beiden Studien jeweils mit guter Laborpraxis durchgeführt wurden und eine bemerkenswerte Übereinstimmung bei der Gesamtzahl der Primärtumoren bzw. den allgemeinen Krebsraten besteht.»