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Das Wappen der politischen Gemeinde Wädenswil zeigt eine goldene Schnalle auf rotem Grund. Dieses Motiv ist mehrere Jahrhunderte alt und erscheint erstmals auf dem Siegel des Freiherrn Walter II. von Wädenswil aus dem Jahre 1240. Walter – und nach ihm noch mancher Vertreter der freiherrlichen Familie – führten in seinem Siegel eine übereck gestellte, rautenförmige mit Edelsteinen gezierte Schnalle mit waagrecht verlaufendem Dorn. Das Geschlecht derer von Wädenswil gliederte sich in zwei Linien. Die eine lebte in Berner Oberland (Unspunnen, Frutigen, Mülinen); die anderen bewohnte die Stammburg am Zürichsee. Beide Familien führten dasselbe Wappenbild, die Mantelschnalle, jedoch in verschiedener Farbe. Die Wappenfolge im Haus zum Loch in Zürich, welche aus dem beginnenden 14. Jahrhundert stammt, zeigt als Wappen der Zürcher Linie der Herren von Wädenswil eine silberne Schnalle blauem Grund, während der Berner Zweig – nach den farbigen Darstellungen im Turme von Erstfeld und im Bubenberghaus in Bern zu schliessen – die Schnalle auf rotes Feld setzte.
Siegel von 1240.
Am 17. Juli 1287 gingen Burg und Herrschaft Wädenswil samt allen Rechten durch Kauf an das Johanniterhaus Bubikon über. Das erste Siegel des Johanniterhauses Wädenswil, das am 30. November 1332 auftaucht, zeigt das Brustbild Johannes des Täufers. Erst das am 21. August 1335 erstmals verwendete Siegel der Komturei Wädenswil weist neben den bekannten kirchlichen Motiven auch ein heraldisches Motiv auf, einen Schild, der als Figur eine rautenförmige, übereck gestellte Schnalle mit Dorn in der einen waagrechten Diagonale zeigt. Die Johanniter als Rechtsnachfolger der Edlen von Wädenswil haben offensichtlich das Wappen Ihrer Vorgänger übernommen. Sie brachten aber in den neuen Schilden einige Änderungen an. So wurden die Edelsteine, welche die Schnallen in den Siegeln der Freiherren zierten, in den Komturei-Siegeln weggelassen. Vermutlich hat man die Farben des Schildes gewechselt. So dürfte mit grosser Wahrscheinlichkeit eine silberne Figur in Rot Verwendung gefunden haben, in Anlehnung an das Ordenswappen, das auf rotem Grund ein silbernes, durchgehendes Kreuz zeigte. – Der im ersten Komturei-Siegel bezeugte Willen der Anknüpfung an den Schild der Freiherren von Wädenswil einerseits, die Abkehr von den vier oder acht Edelsteinen, einem spezifischen Merkmal der freiherrlichen Schildfigur, andererseits, lässt sich abermals erkennen am zweiten Siegelstempel der Komturei, mit dem das Haus Wädenswil um 1342 seine Urkunden und Verträge bekräftigte. Trotzdem man die kirchliche, spitzovale Form beigehielt, verwendete man für dieses zweite Siegel nur noch unkirchliche Motive: In einem Zweipass stehen untereinander das Ordenswappen (Figur: durchgehendes Kreuz) und das Hauswappen (Figur: rautenförmige, übereck gestellte Schnalle ohne Edelsteine).
Wappenbuch des Conrad Grünenberg. 1483.
Chronik von Johannes Stumpf, 1547.
Um 1530, also in den letzten Jahren, da die Johanniter in Wädenswil amteten, erfuhr das Herrschaftswappen eine Änderung, indem man in der rautenförmigen Schnalle den waagrechten Dorn durch einen senkrechten, von unten nach oben stechenden, ersetzte. Diese neue Form findet sich auch auf dem zürcherischen Rundschreiben aus den Jahren 1532 und 1544. Die Schnalle mit dem senkrechten Dorn wurde von Zürich, das 1549 den kleinen geistlichen Staat am oberen Zürichsee erwarb und in eine Landvogtei umwandelte, übernommen und zum Landvogteiwappen bestimmt. Neben diesen amtlichen Darstellungen sind aus der Zeit zwischen 1550 und 1798 eine ganze Reihe halbamtliche und private Wappen-Abbildungen erhalten. Die Schnalle erscheint auf einem Silbertaler von 1558, auf Mandatsholzschnitten (1580-1628) und auf den von verschiedenen Zürcher Glasmalern geschaffenen Ämterbüchern. Aus all diesen Darstellungen geht hervor, dass die Stadt Zürich als Wappen ihres neuen Untertanengebietes den Schild übernahm und anerkannte, der in der letzten Zeit, da die Johanniter Wädenswil besassen, diesen zugelegt worden ist. Verschiedene spätere Zeichner brachten am Wappenschild Änderungen an. So zierten einige die Schnalle mit kelchartigen Blattgebilden; andere «schmückten» die ursprünglich einfachen Rautenecken mit lanzettförmigen Blättern. Vom 17. Jahrhundert an liessen sich die Zeichner und Maler bei der Darstellung der Wädenswiler Schildfigur von keiner Norm mehr einengen und häufig nur von den Tücken des Materials, von den Launen ihrer Phantasie oder gar vom Zufall leiten. Fest bleibt aber im allgemeinen Wirrwarr die Grundform der goldenen, übereck gestellten rautenförmigen Schnalle ohne Edelsteine mit senkrechtem, von unten nach oben stehendem Dorn in Rot.
Die Herrschaft Wädenswil bildete in weltlichen Dingen ein Ganzes. Kirchlich zerfiel sie aber in die beiden Pfarrsprengel Wädenswil (mit dem Gebiet der späteren Gemeinde Schönenberg) und Richterswil (mit dem Dörfchen Hütten). Die Kirchgemeinden führten eigene Wappen, die sich vom Herrschaftsbild durch verschiedene Brisüren unterschieden. Die älteste Darstellung eines Wädenswiler Gemeindewappens datiert aus den Jahren 1485 / 1486. Der Zürcher Chronist Edlibach zeigt als solches eine Schnalle mit einem Dorn, der von unten nach oben stösst, während das Herrschaftswappen damals noch den waagrechten Dorn kannte. Aber nicht nur in der Führung des Dorns unterschied sich das Wappen der Gemeinde von demjenigen der Herrschaft; man wählte offenbar für die beiden Wappen auch verschiedene Farben. Während das Johanniterhaus Wädenswil für sich und seine Herrschaft einen Schild mit silberner Schnalle in Rot verwendete, führte die Kirchgemeinde Wädenswil eine goldene Schnalle in Rot, die Kirchgemeinde Richterswil die silberne Figur in Blau. Einen Unterschied zwischen den Wappen der Herrschaft und demjenigen der Gemeinde Wädenswil machte 1548 auch der Chronist Johannes Stumpf. In seiner Beschreibung des Zürichgaus notierte er, «die gantz gemeind und besonder dz under dorff Wedischwyl» führte als Wappen «ein gelwe rincken auff drey grünen bergen in rotem väld». Der stumpfschen Neuschöpfung des Wädenswiler Wappens, die auf falscher Quellendeutung beruhte, begegnet man in späterer Zeit nur noch vereinzelt. Etwas modernisiert setzte sie der Zürcher Kartograph Hans Konrad Gyger im Jahre 1667 als Gemeindewappen von Wädenswil in seine zürcherische Landkarte. In Wädenswil selbst wurde das vom Chronisten Stumpf geschaffene Wappen kaum gebraucht. Auf einer Wappenscheibe der «Fagty Wädischwil» vom 1572, die ohne jeden Zweifel aus dem Säckel der Herrschaftsleute bezahlt worden ist, erkennt man jedenfalls die goldene, rautenförmige Schnalle mit aufwärtsstechendem Dorn nicht auf oder über einem grünen Dreiberg, sondern frei schwebend in Rot.
Im Jahre 1566 hat der Zürcher Glasmaler und Zeichner Jos Murer eine Zürcherkarte angefertigt und in Holz schneiden lassen, auf welcher er die Städte, Grafschaften und Herrschaften einzeichnete, «welche in der Stadt Zürich Gebiet und Landschaft gehörig sind». Soweit sie ihm bekannt waren, hielt Murer auf der Karte auch die Wappen der Herrschaften und Gemeinden fest. So findet sich auch neben der Kirche von Wädenswil eine Wappendarstellung, die als Schild der Kirchgemeinde Wädenswil-Schönenberg angesprochen werden muss. In Anlehnung an das Herrschaftswappen zeigt dieser Schild ebenfalls eine übereck gestellte Raute. Ihr aufwärtsstrebender Dorn beginnt jedoch nicht in der unteren Rautenecke, sondern im geometrischen Mittelpunkt der Figur, von einem waagrecht verlaufenden Träger aus. Diese Wappenkonstruktion taucht in den folgenden zweihundert Jahren nicht mehr auf. Erst in der Zeit des Kirchenneubaues, in den Jahren 1766/67, griff man wieder auf diese völlig vereinzelt dastehende, nachweislich fehlerhafte Schnallenform von Jos Murer zurück. Man deutete die Schnalle mit dem senkrechten, auf einem Querstift sitzenden Dorn nach der Karte Murers als Kirchgemeindewappen und brachte es daher auf Kirchenstühlen und Kirchstuhlzetteln (Bescheinigung für den Kauf eines Kirchenorts) an. Als Schlosserarbeit erscheint dasselbe Wappen an den schmiedeisernen Gittern über den Kirchentüren und als Steinhauerarbeit auf den Sonnenbrunnen von 1814.
1765 schmiedete Schlossermeister Heinrich Diezinger das mit dem Gemeindewappen gezierte Portal der reformierten Kirche Wädenswil.
Die politische Umwälzung von 1798 schuf aus dem Gebiet innert der Grenzen der Kirchgemeinde die politische Gemeinde Wädenswil. Als die neu gewählte Munizipalität im Sommer des Jahres 1800 einen ellipsenförmigen Siegelstempel in Auftrag gab, welcher der Munizipalität, dem Sekretariat und dem Gemeindeammann dienen sollte, einigte man sich im wesentlichen auf die Wappenform, welche beim Kirchenbau gestaltet worden war. Dieses erste offizielle Gemeindesiegel von Wädenswil, dessen Hersteller unbekannt ist, lässt sich kontinuierlich nachweisen vom 14. Juli 1800 bis in den Oktober 1813 hinein. Ein zweiter, grösserer Prägestempel, der ebenfalls schon unter der Helvetik verwendet wurde, stammte aus der Werkstätte der Graveure Brupbacher. Er ist zeitlich nachzuweisen auf den von Wädenswil ausgegangenen Aktenstücken vom 15. Oktober 1800 bis zum 21. Dezember 1827 und zeigt in einem Hochovalem unter der Legende WÄDENSCHWEIL, eine allegorische Darstellung: Die als Frauengestalt verkörperte Gerechtigkeit, die links hingelagert ist, hält in der ausgestreckten Rechten die Waage, während sie die Linke auf ein seitlich von ihr stehendes kubisches Postament stützt, auf dem sich der gallische Hahn, der Rufer der Freiheit, posiert hat. Die quadratische Vorderseite des Postaments ist heraldisch geschmückt: Im roten Feld (senkrechte Schraffur) steht die rautenförmige, übereck gestellte Schnalle mit waagrechtem diagonalem Querstift, auf dem der aufwärts stechende halblange Dorn sitzt.
Der 1767 aufgegriffene Dreiberg ist in diesen beiden Siegeln aus der Helvetik nicht zur Verwendung gelangt. Er wird erst wieder zu Ehren gezogen für einen Trockenstempel für das GEMEINDEAMMANNAMT WÄDENSCHWEIL, der vom 4. Dezember 1831 bis zum 29. Oktober 1858 nachgewiesen werden kann. Das Siegel zeigt in einem mit Blumengewinden, Lorbeer und Palmzweigen geschmückten Wappenschild in Rot über grünem Dreiberg eine silberne, rautenförmige, übereck gestellte Schnalle mit waagrechtem, diagonalem Querstab und aufwärtsstechendem halblangem Dorn. Die Rautenecken sind mit Krönchen ausgestaltet. Einem bekränzten Schild zeigt auch ein zweiter Stempel, den der GEMEINDERATH WÄDENSCHWEIL zwischen 1831 und 1848 verwendete. Allerdings fehlt auf diesem von Graveur Heinrich Brupbacher geschaffenen Wappen der Dreiberg.
Versteigerung der Kirchenörter, Quittung von 1766.
Formular der Kirchenschreiberei für Kirchenörter, um 1825.
Stempel der Kirchengutsverwaltung Wädenswil, um 1910.
Signet seit 1974.
Im Verlaufe des 19. Jahrhunderts waren mehrere Varianten des Wädenswiler Gemeindewappens aufgetaucht. Diese zeichnerisch und ästhetisch unbefriedigenden Formen finden sich etwa auf Briefköpfen der Behörden, auf Vereinsfahnen, Gebührenmarken, Anschlagbrettern oder Biertellern, bringen aber keine neuen, wertvollen Momente mehr bei.
Auf Anregung der Gemeindewappenkommission der Antiquarischen Gesellschaft Zürich wurde die Gemeindewappenfrage in den 1920er Jahren neu geprüft. Man forderte auch für das Wädenswiler Wappen die in der Wappenkunst übliche Einfachheit, Deutlichkeit und Erkennbarkeit auf weite Sicht. Man liess daher die neuere Darstellung mit dem Querstift wieder fallen und einigte sich auf die ältere Form des Vogteiwappens. Mit Beschluss vom 7. Dezember 1933 legte der Gemeinderat von Wädenswil die heute gebrauchte Wappenform fest: In Rot eine goldene Schnalle mit senkrecht aufstrebendem Dorn.
Peter Ziegler