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Heute ist der Platzspitz ein idyllischer Park im Zentrum von Zürich. In den 1990er-Jahren war er weltweit das Synonym für Drogenelend. Im „needle-park“ existerte eine offene Drogenszene, vor den Augen der Öffentlichkeit wurde gedealt, gespritzt, reanimiert und gestorben. 1992 war der öffentliche Druck so gross, dass die Szene in einer Hauruck-Übung aufgelöst und der Park geschlossen wurde. Die Szene verschob sich nun allerdings ein paar hundert Meter weiter in das Letten-Areal, wo die Situation noch unkontrollierbarer und brutaler wurde. Das gesteigerte Elend führte zu einem Paradigmenwechsel in der Drogenpolitik. Da aus der ganzen Schweiz Drogenabhängige in Zürich verkehrten wurde klar, dass die Lösung des Problems nur auf schweizerischer Ebene machbar ist.
Installiert wurde ein „Runder Tisch“ mit Bund und Kantonen. Er machte den Weg frei für eine neue Drogenpolitik. Diese bereitete die Letten-Schliessung von 1995 vor und führte definitiv zum Verschwinden offener Drogenszenen in der Schweiz.
1994 zählte Zürich 90 Drogentote – das Versagen der bisherigen Drogenpolitik mit der Kriminalisierung und Marginalisierung der Abhängigen war offensichtlich. Die neue Politik ermöglichte nun auch in Zürich (wie schon ein paar Jahre in Basel und Bern) Fixerräume, Heroinabgabe, Dezentralisierung der Drogenhilfe und die Vier-Säulen-Politik des Bundesrates. Sie anerkannte neu ausdrücklich die „Überlebenshilfe und Schadensverminderung“, sie bildete den Rahmen für die neuen Massnahmen.
Zürich ist allerdings bis heute der grösste Handelsplatz harter Drogen und hat weiterhin eine grosse, aber nicht mehr sichtbare Szene. Die zahlreichen Hilfsstrukturen konnten denn auch kaum reduziert werden. Weitgehend verschwunden ist aber das sichtbare Drogenelend.
Quelle: swissinfo