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Der Lehrplan 21 ist nicht eine Harmonisierung der kantonalen Lehrpläne, wie im Bildungsartikel vorgesehen. Mit seiner „Kompetenzorientierung“ (nach Weinert, OECD 1999) wird der Volkschule ein fremdes „Unterrichtsverständnis“ von oben übergestülpt. Die „Kompetenzorientierung“ ist auf der Unterrichtsebene das „selbstgesteuerte Lernen“, bei dem die Schüler auf sich selber zurück geworfen werden, nur noch die Hälfte lernen und der Lehrer aus dem Lernprozess gedrängt wird. Das mit dem „selbstgesteuerten Lernen“ geförderte Einzelkämpfertum verunmöglicht den Klassenunterricht und die Bildung einer Klassengemeinschaft, weil jeder Schüler mit einem andern Tempo unterwegs ist, einen anderen Lernstand hat und dadurch Leistungsschere und Stofflücken ständig weiter auseinanderklaffen.
Der Psychologe Weinert konstruierte 1998 für die OECD eine „Kompetenzorientierung“, die nun mit dem Lehrplan 21 daherkommt und unser humanistisches Bildungssystem an die Wand fährt. Pisa zeigt klar auf, dass Länder, die das traditionelle Bildungssystem hochhalten - wie die asiatischen - auf den Spitzenplätzen landen, während Länder, die die Kompetenzorientierung eingeführt haben – wie GB, Neuseeland, Finnland usw. -, seither immer weiter abstürzen. Zahlreiche kompetenzorientierte Experimente wie der „selbstgesteuerte“ Wochenplan usw. lassen auch die Schweiz seit Pisa 2012 in allen Fächern abstürzen: 20% der Schulabgänger sind kaum vermittelbare funktionale Analphabeten.
Das humanistische Bildungssystem orientiert sich an der Natur des Menschen, Wissen wird von einer Generation an die nächste weiter gegeben. Je mehr Wissen ein Lehrer hat, desto mehr kann er an seine Schüler weitergeben. Bisher haben die Lehrpläne in der Volksschule garantiert, dass die Schüler bis Schulende genügend grundlegendes und umfassendes Wissen gehabt haben, um einen nahtlosen Übergang in die Berufsausbildung oder ein weiterführendes Studium zu ermöglichen. Lernen, Lernziele und Lehrmittel sind altersgerecht, strukturiert und vom einfachen zu schwierigen aufgebaut. Die Lehrer vermitteln den vorgegebenen Stoff im direkten Klassenunterricht so effizient wie möglich, damit alle Schüler die Lehrplanziele erreichen können. Um alle mitnehmen zu können, werden möglichst homogene Klassen gebildet. Ob das nötige Wissen in ausreichender Qualität vorhanden ist, wird mit einem effizienten und transparenten Prüfungs- und Notensystem ermittelt. Die Methoden- und Lehrmittelfreiheit ermöglicht jedem Lehrer, die bestmöglichen Methoden zu wählen, um die vorgegeben Stoffziele erreichen zu können.
Die OECD-„Kompetenzorientierung“ ist das pure Gegenteil der humanistischen Bildung. Sie will nur diejenigen Kompetenzen fördern, die in der globalen Wirtschaft angeblich benötigt werden. Deshalb sind die Lehrpläne mit Tausenden von Kompetenzschritten ausgestattet, die eine „massgeschneiderte“ Auswahl an Kompetenzen ermöglichen sollen. Es wird nicht mehr umfassend, sondern nur noch exemplarisch gelernt, überfordernde Aufgaben stehen neben unterfordernden. Die Methode „Kompetenzorientierung“ kommt vor dem Stoff oder dem Lerninhalt, deshalb besteht auch Methoden- und Lehrmittelzwang. Klassenunterricht ist verpönt, die Lehrer sind nur noch „Lernbegleiter“ und dürfen nicht mehr unterrichten. Der Schüler soll alleine, selbstbestimmt und „selbstgesteuert“ mit den obligatorischen LP21-Selbstlern-Lehrmitteln lernen. Was, wann, wie und ob er lernt, kann er selber bestimmen. Die Kompetenzorientierung geht von der Idee aus, dass je weniger der Schüler auf den Lehrer angewiesen sei, desto selbstbestimmter könne er lernen. Dass das „selbstgesteuerte Lernen“ viel länger dauert und der Schüler dabei weniger als die Hälfte des bisherigen Wissens erwirbt, wird in Kauf genommen. Die Kompetenzorientierung trägt der Tatsache nicht Rechnung, dass Lernen in erster Linie ein in zwischenmenschlicher Prozess ist, in dem die Lehrer einen der wichtigsten Plätze einnimmt.
Bericht eines Vaters über die Folgen der Umstellung auf die „neuen“ Lernmethoden, die mit dem Lehrplan 21 in allen Schulhäusern ab der 1. Klasse eingeführt werden:
Meine Tochter besuchte den normalen Klassenunterricht (direkte Instruktion) mit Deutsch und Mathe in der 1. und 2. Primarklasse. Das war sehr gut und effizient.
In der 3. Klasse (ab September 2016) wurden anstelle des Klassenunterrichtes neue Lernmethoden mit Kompetenzorientierung, Integration/Inklusion und selbstgesteuertem Lernen eingeführt. Jetzt wurde von den Lernbegleitern (nicht mehr Lehrer) nur noch Arbeitsblätter mit Aufgaben verteilt.
"Wann beginnt der Unterricht dieses Schuljahr?" fragte mich meine Tochter nach eineinhalb Wochen mit den neuen Lernmethoden . Es war eine absolute Zeitverschwendung, ein Alptraum. Mein Kind braucht dringend Lehrer, die sie unterrichten.
Ich suche gerade einen Job in der Nähe einer Schule, die noch Wert auf Klassenunterricht legt. Wir sind Bildungsflüchtlinge geworden und wir müssen Job/Umzug alles unter einem Hut bringen, nur um meine Tochter nach fast einem Jahr ohne Bildung endlich wieder Bildung zu ermöglichen.
Ich bin von Beruf Informatiker, aber die Computer in den Klassenzimmern machen es den Eltern unmöglich, ihren Kindern zu helfen. Kinder würden Schulbücher für strukturiertes Lernen brauchen. Ich möchte nur andere Eltern warnen, wie dramatisch die Umstellung und Verschlechterung mit den neuen Lernformen, der Arbeitsblätterverteilung und dem Lernen am Computer gegenüber dem bewährten Klassenunterricht ist. Mein Kind sollte ab September 2017 acht Stunden pro Woche in allen drei Hauptfächern selbstgesteuert lernen. Ein Alptraum!