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von Shayan Sadr-Salek
Stellen Sie sich vor, Sie werden über ihre eigene Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken befragt. Im Durchschnitt unterschätzen Leute diese Wahrscheinlichkeit und passen ihre Einschätzung auch nicht an den Durchschnittswert an, wenn Sie darüber aufgeklärt werden.
Allgemein wird die eigene Gefahr von zukünftigen negativen Ereignissen betroffen zu sein unterschätzt. Dabei wird die eigene Einschätzung durch die Offenlegung der durchschnittlichen Gefahr selten korrigiert. Zumeist korrigiert man die Einschätzung der eigenen Gefahr nur dann, wenn man diese überschätzt hat, also wenn man sich seine Chancen im Vorhinein schlechter ausmalt. Umgekehrt ist dies nicht der Fall, wenn man sich seine Chancen im Vorhinein besser ausgemalt hat, womit diese Einstellung Aufklärungen gegenüber resistenter ist. Dieser Einschätzungsfehler kommt häufig bei der Vorhersage finanzieller Gewinne, Beziehungsverläufe, Gesundheit und/oder beruflichen Erfolges. Diese bekannte Voreingenommenheit wird als unrealistischer Optimismus bezeichnet, also die Einschätzung weniger von zukünftigen negativen Ereignissen betroffen zu sein als andere. Dieser Einschätzungsfehler kann über alle Altersgruppen und Kulturen hinweg beobachtet werden.
Nun stellte sich die Forschungsgruppe um Sharot und Kollegen (2012) die Frage, welche Neurotransmitter, damit sind die Botenstoffe zur Übertragung von Gehirnsignalen gemeint, sich hinter der Generierung von optimistischen Überzeugungen befinden. Erste Ergebnisse konnten zeigen, dass der Neurotransmitter Dopamin eine entscheidende Rolle spielt, wenn Ereignisse so eintreffen, wie man sie vorhergesagt hat. Dies hängt eng damit zusammen, dass das dopaminerge Neurotransmitter-System als Belohnungssystem dient. Darum wird erwartet, dass eine höhere Dopamin-Ausschüttung den unrealistischen Optimismus ankurbelt, hauptsächlich dadurch, dass negative Erwartungen unterdrückt werden.
Um dies zu untersuchen, wurde getestet, ob die Verabreichung von Medikamenten (Dihydroxy-L-Phenylalanin oder L-DOPA), welche den Dopamin-Fluss erhöhen, auch die optimistischen Lebenseinstellungen weiter hochschaukeln. Dabei fanden Sharot und Kollegen heraus, dass wenn Studienteilnehmende über ihre Wahrscheinlichkeit jemals an Krebs zu erkranken abgefragt werden, die Probanden während der L-DOPA Verabreichung weniger ihren Optimismus zügeln, als wenn dieselben Probanden in der Vor- oder Nachuntersuchung kein L-DOPA verabreicht bekamen.
Dieser Effekt kann darauf zurückgeführt werden, dass eine erhöhte Dopamin-Ausschüttung die Fähigkeit beeinträchtigt, unerwünschte oder negative Informationen ernst zu nehmen. Zusammengefasst liefern die Ergebnisse den ersten Beweis, dass der Neurotransmitter Dopamin stark auf zukünftige Erwartungen wirkt, indem negative Erwartungen in Bezug auf zukünftige Ereignisse weniger ernst genommen werden. Aufgrund der fehlenden Berücksichtigung negativer Ereignisse, können positive Erwartungen soweit hochsteigen, dass die betroffenen Personen sich nicht über das Ausmass ihrer unrealistischen Erwartungen bewusstwerden.
Literaturangaben:
Sharot, T., Guitart-Masip, M., Korn, C. W., Chowdhury, R., & Dolan, R. J. (2012). How Dopamine Enhances an Optimism Bias in Humans. Current Biology, 22, 1477–1481. https://doi.org/10.1016/j.cub.2012.05.053
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