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Die Zielsetzung von 15 Medaillen wurde zwar knapp verpasst. Trotzdem waren die Winterspiele in Peking mit sieben Goldmedaillen für die Schweiz erfolgreich wie nie. Neben Höhepunkten gab es aber auch Enttäuschungen.
Sieht man auf den Medaillenspiegel, auf dem Gold und Silber höher gewichtet wird als Bronze, gab es für die Schweiz mit Rang 8 sogar die erfolgreichsten Winterspiele aller Zeiten. Die bislang beste Schweizer Gold-Silber-Bilanz von Sotschi 2014 wurde mit sieben Mal Gold und zwei Mal Silber egalisiert. Die Schweiz hat aber in Peking mehr Bronzemedaillen geholt (5) als vor acht Jahren (2).
Das tröstet darüber hinweg, dass die offizielle Zielsetzung von 15 Medaillen und eine Egalisierung der bisherigen Rekordspiele von Calgary 1988 und Pyeongchang 2018 knapp verpasst wurde. Doch neben vielen Highlights gab es es auch einige Enttäuschungen.
Die 5 grössten Highlights:
Doppelgold 1 durch Gisin und Holdener
Die beiden Skifahrerinnen Michelle Gisin mit Gold und Wendy Holdener mit Silber sorgten für einen Schweizer Triumph in der Kombination. Die Euphorie in der Schweiz war gross. Die beiden Direktbeteiligten waren zunächst aber erstaunlicherweise nicht nur happy. Holdener ärgerte sich, dass es nicht zum ersten Olympia-Einzelgold reichte. Gisin war noch immer darüber angesäuert, dass sie nicht für die Abfahrt nominiert wurde und wie sie bei dieser Entscheidungsfindung behandelt wurde.
Letztlich waren es jedoch für beide sehr erfolgreiche Winterspiele. Holdener holte auch noch Bronze im Slalom und ist mittlerweile im Besitz von fünf Olympia-Medaillen. Gisin fuhr im Super-G zu Bronze und auch sie hat nun bereits drei Olympia-Medaillen.
Doppelgold 2 durch Regez und Fiva
24 Stunden nach Gisin und Holdener sorgten Ryan Regez und Alex Fiva im Skicross für den nächsten Schweizer Doppelsieg. Damit kam es für die Schweiz zu einer Premiere: Noch nie gab es an den gleichen Winterspielen gleich zwei Doppelsiege. Es war beeindruckend, mit welcher Dominanz die beiden Schweizer in ihren Läufen auftraten. Regez ist der zweite Schweizer Olympiasieger im Skicross nach Mike Schmid 2010.
Der König und die Königin in der Königsdisziplin
Die Königsdisziplin im Skisport ist die Abfahrt und da Beat Feuz bei den Männern und Corinne Suter bei den Frauen Olympia-Gold gewinnen konnten, stellt die Schweiz auch das Königspaar dieser Olympischen Spiele. Feuz kann seine Karriere nach Silber und Bronze in Pyeongchang damit verdientermassen vergolden, Suter gelang nach WM-Gold 2021 das prestigeträchtige Double.
Gremaud macht ihren Medaillensatz komplett
Auf Bronze im Big Air liess Freestyle-Ski-Star Mathilde Gremaud in Peking Gold im Slopestyle folgen. Damit besitzt die Freiburgerin nun einen kompletten Olympia-Medaillensatz, gewann sie doch 2018 bereits Silber im Slopestyle. Und sie war auch die Einzige, die Chinas Superstar und Mediendarling Eileen Gu, die zweimal Gold und einmal Silber (hinter Gremaud) holte, schlagen konnte.
Gut-Behrami und Odermatt schliessen Lücke
Lara Gut-Behrami hat zuvor schon alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Nur an Olympischen Spielen klappte es noch nicht. Marco Odermatt dominiert den Weltcup nach Belieben, nur an Grossanlässen wollte es für den Nidwaldner nicht funktionieren. Doch diese Lücken konnten die beiden Skistars nun schliessen.
Gut-Behrami holte Gold im Super-G, daneben glänzte sie auch noch mit Bronze im Riesenslalom. Und Odermatt schlug nach zwei Enttäuschungen (Abfahrt, Super-G) bei seiner letzten Chance dieser Spiele doch noch zu, hielt dem Druck im Riesenslalom stand und gewann. Entsprechend gross war die Erleichterung und Freude bei beiden.
Die 5 Enttäuschungen:
Der Medaillenklau an Fanny Smith
Eigentlich hat die Schweiz ja 15 Medaillen gewonnen und somit auch die offizielle Zielsetzung von Swiss Olympic erreicht. Fanny Smith holte im Skicross Bronze. Doch dann wurde Smith von der Rennjury wegen einem Manöver im Finallauf auf den 4. Platz zurückversetzt und der Westschweizerin damit die Medaille geklaut.
Dieses Vorgehen der Jury stiess nicht nur bei Smith und in der Schweiz auf Unverständnis, sondern auch in der internationalen Wahrnehmung. Smith hat angekündigt, juristische Schritte gegen diese Entscheidung zu prüfen.
Curling-Teams verspielen ihre Medaillenchancen
Die eigentlich so starken Curler gehören zu den grossen Schweizer Verlierern an den Olympischen Spielen in Peking. Vor vier Jahren fuhren sie noch zwei Medaillen ein durch das Männer-Team um Skip Peter De Cruz und das Mixed-Team Jenny Perret/Martin Rios. Dieses Mal scheiterten De Cruz und Perret/Rios schon in der Round Robin deutlich. De Cruz reagierte nach dem letzten Spiel sehr emotional und musste auf dem Eis weinen.
Der ganze Druck auf eine neue neuerliche Medaille lag deshalb auf den Schultern des Frauen-Teams um Skip Silvana Tirinzoni. Doch dieser schien sie nach einer grandiosen Round Robin mit Rang 1 zu erdrücken, in den Medaillenspielen ging dann nicht mehr viel, sowohl der Halbfinal gegen Japan wie auch auch die Partie um Platz 3 gegen Schweden gingen nach fehlerhaftem Spiel verloren.
Klatsche für die Alpin-Snowboarder
In guten Olympia-Jahren (2006, 2014) waren die Schweizer Snowboarder für drei Medaillen gut. Und das war primär den Alpin-Snowboardern zu verdanken, die von den insgesamt zwölf Schweizer Snowboard-Medaillen zwischen 1998 und 2018 deren sieben sicherstellten. Doch in China waren sogar die Viertelfinals eine zu hohe Hürde für das Schweizer Team. Eine heftige Klatsche.
Die Ehre der Snowboarder rettete schliesslich Freestyler Jan Scherrer. Hätte er in der Halfpipe mit Bronze nicht für eine heftige Überraschung gesorgt, wären die Schweizer Snowboarder erstmals überhaupt ohne Olympia-Medaille geblieben.
Tiefe Nacht im Nordisch-Bereich
Es ist noch nicht lange her, da hagelte es für die Schweiz im Nordisch-Bereich fast schon Medaillen. Langläufer Dario Cologna und Skispringer Simon Ammann wurden allein je viermal Olympiasieger. Und Selina Gasparin holte 2014 als erste Schweizer Biathletin eine Olympia-Medaille.
Doch in Peking war einzig Langläuferin Nadine Fähndrich an der Spitze konkurrenzfähig und in den Medaillenkampf involviert. Letztlich wurde sie sie im Sprint Fünfte und verpasste Edelmetall knapp. Im Langlauf, im Skispringen und Biathlon mussten viele Enttäuschungen verarbeitet werden.
Mit Cologna tritt nun auch noch das Aushängeschild im Langlauf ab, auch der Rücktritt von Ammann steht im Raum. Ohne diese Vorbilder wird es kaum einfacher. Und in der Nordischen Kombination, die in China für die attraktivsten und spannendsten Nordisch-Wettbewerben sorgte, war nicht mal ein Schweizer am Start.
Die derzeit grössten Nordisch-Zukunftshoffnungen sind weiblich. Mit Biathlon-Juwel Amy Baserga und den Langlauf-Talenten Siri Wigger und Alina Meier.
Wunden lecken statt Medaillen im Eishockey
Die Schweizer Frauen wollten eine Medaille gewinnen, die Männer hatten mit der Halbfinal-Qualifikation das selbe Ziel. Am Ende sind beide Eishockey-Equipen jedoch gescheitert. Die Frauen waren durch ihren Vorstoss in den Halbfinal nahe dran, dort dann aber trotzdem weit weg weg und gegen Kanada und Finnland chancenlos.
Die Männer enttäuschten mit drei Niederlagen in der Vorrunde und waren im Viertelfinal gegen den späteren Olympiasieger Finnland mehrheitlich überfordert. So blieb der Sieg im Achtelfinal gegen Tschechien die einzige Positivmeldung. Die Ansprüche sind nach den Erfolgen in den letzten Jahren mit zwei WM-Silbermedaillen höher.