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Dass Barack Obama ein ausgezeichneter Wahlkämpfer ist, zeigte er 2007/2008 auf seinem langem Weg ins Weisse Haus. Als Präsident hingegen ist ihm in den letzten knapp vier Jahren zu wenig gelungen. Zu seiner Verteidigung sei erwähnt, dass die desaströse Politik seines Vorgängers bleischwer auf seinen Schulter lastet. So hatte Georg Bush beispielsweise ein Haushaltsdefizit angehäuft, das den USA Luft und Handlungsspielraum nahm.
In diesem Posting geht es um die Rede, die Obama gestern Nacht am Parteitag der Demokratischen Partei in Charlotte (North Carolina) hielt. Wie vor Wochenfrist bei Mitt Romney in Tampa analysiere ich seinen Auftritt strukturiert:
Non-verbal:
Barack Obama ist, pardon der Ausdruck, keine Rampensau. Aber er erlangt auf der Bühne vom ersten Moment an eine starke Präsenz; sie lässt während der 40-minütigen Rede nie nach. Er wirkt jugendlich und gleichwohl reif, demütig und gleichwohl selbstbewusst. Auf diese Weise gelingt es ihm, Nähe zu seinem Publikum, im Stadion wie zuhause vor den Bildschirmen, hinzubringen. Er wird berührbar. Auf der Bühne wirkt er locker und ist gleichwohl konzentriert.
Para-verbal:
Des Präsidenten Stimme ist warm und bestimmt, zuweilen sogar resolut. Sie transportiert Überzeugungskraft und Glaubwürdigkeit. Untersuchungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass bei Obama selbst eine flache Rede gut tönt. Das heisst, er macht das Manuskript lebendig, setzt Zäsuren, moduliert, variert die Lautstärke und baut Spannung auf. Deshalb und wegen seiner tragenden Stimme wird das Zuhören zum Erlebnis. Rhetorisch ist er so gut wie eh und je.
Inhaltlich:
Der erste Satz geht daneben. “Michelle, I love you so much”, dankt er seiner Gattin, die ihn auf der Bühne angekündigt hatte. Dieser erste Satz klingt wie eine Floskel, auch wenn er inhaltlich stimmen mag.
Danach geht es Schlag auf Schlag. Obama erklärt, weshalb es richtig war, die Autoindustrie mit viel staatlichem Geld vor dem Kollaps zu retten. Er greift die Kriege in Irak und Afghanistan auf und vergisst dabei nicht, den Soldaten für ihren Einsatz zu danken. Er erklärt, wie neue Arbeitsplätze geschaffen werden können und wie die Abhängigkeit von Erdöl reduziert werden muss. Wo andere bei Absichtserklärungen bleiben, wird Obama konkret. Auch das macht seine Rede zu einer starken Rede.
Vereinzelt baut er Pointen ein. Sie sitzen und sind perfekt getimt. Etwa als er seine beiden Töchter Malia und Sasha ermahnt: “Morgen geht auch ihr wieder zu Schule!” Da sprach der Vater, der sich um seine Kinder sorgt, weil sie noch spätabends auf den Beinen sind. Ein anderes Mal nimmt er das lamentable Know-how Romneys in der Aussenpolitik aufs Korn. Da sprach der Amtsinhaber, der mit einem Satz die Fettnäpfchen seines Herausforderers in Erinnerung ruft. Zur Freude des Publikums.
In seiner Rede stellt Obama Bezüge her zu Abraham Lincoln und zu seinem ersten grossen Auftritt anno 2004, als er über Nacht landesweit bekannt geworden war. Und er erzählt Geschichten, kleine Geschichten vom Handwerker nebenan, von der Migrantin, die den Aufstieg schaffte. Seine Geschichten sind verständlich und sie gehen ans Herz. Damit erobert der Demokrat das Publikum.
Fazit:
Barack Obama ist ein starker Auftritt gelungen. Es war vermutlich nicht seine beste, aber zweifellos eine sehr gute Rede. Er zielte mit ihr auf den Mittelstand. Mit ihm kann er seine Wiederwahl sichern. Eine simple Aussage kam immer wieder vor: “You have a choice. Sie haben die Wahl!” In meinen Ohren der beste Satz: “Unser Weg ist härter, aber wir gehen ihn zusammen.” Es geht um das Wir, das Volk, es geht um uns. Solche Sätze entfalten beim Lesen keine Kraft. Wenn sie aber von Obama deklamiert werden, wirken sie elektrisierend.
Archivbild Barack Obama: americanlifewire.com