Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03507.jsonl.gz/960

So bekommt man chronisches Aufstossen und Blähungen in den Griff
Für die verschiedenen Behandlungsoptionen bei chronischem Aufstossen, Blähungen und abdomineller Distension gibt es bislang kaum robuste Evidenz. Experten haben deshalb im Auftrag der American Gastroenterological Association (AGA) Empfehlungen zusammengestellt.
Das Aufstossen hat Krankheitswert, sobald der Patient sich in seinen täglichen Aktivitäten beeinträchtigt fühlt und die Symptome an mehr als drei Tagen pro Woche auftreten.
Begleitend finden sich häufig andere Störungen wie Reflux-Krankheit, funktionelle Dyspepsie und Gastroparese. Auch Schwangerschaft und psychische Beschwerden (z.B. Angst) wirken begünstigend, schreibt ein Expertenteam für die American Gastroenterological Association (AGA, 1).
Als Aufstossen bezeichnet man ein hörbares Ausströmen von Luft aus dem Ösophagus oder Magen in den Pharynx.
Beim Aufstossen zwischen gastraler und supragastraler Erkrankung unterscheiden
Anamnese, körperliche Untersuchung und pH-Metrie erleichtern die Differenzierung zwischen gastraler und supragastraler Erkrankung. Letztere geht vom Ösophagus aus und die Symptome sistieren, wenn der Patient schläft, abgelenkt wird oder spricht. Im Rahmen der Krankengeschichte ist in beiden Fällen besonders auf psychische Auslöser, belastende Lebensereignisse und andere Stressoren zu achten.
Gegen die supragastrale Manifestationsform helfen am besten Verfahren, die die Darm-Hirn-Achse positiv beeinflussen. Dazu zählen kognitive Verhaltenstherapie, Atemschulung, Logopädie und zentral wirksame Neuromodulatoren. Patienten mit Reflux-Krankheit sollten zusätzlich einen Protonenpumpenhemmer erhalten.
Bei Blähungen und abdomineller Distension zuerst ernährungsbedingte Ursachen abfragen
Als Aufstossen bezeichnet man ein hörbares Ausströmen von Luft aus dem Ösophagus oder Magen in den Pharynx.
Als sehr störend erlebt werden auch chronische Blähungen und abdominelle Distension. Die Diagnose orientiert sich an den Rom-IV-Kriterien. Diese fordern eine Manifestation an mindestens einem Tag pro Woche. Ausserdem dürfen betroffene Patienten nicht die Bedingungen für andere Ursachen wie Colon irritabile, funktionelle Obstipation, Dyspepsie oder Diarrhö erfüllen. Differenzialdiagnostisch ist zunächst ein Mangel an Kohlenhydrat-spaltenden Enzymen (z.B. Laktase) auszuschliessen. Dies gelingt mittels diätetischer Restriktionen und/oder Atemtests.
Auch viele Süssstoffe (Sorbitol etc.) können eine übermässige Bildung von Darmgasen verursachen, betonen die Autoren. Manchmal steckt hinter den Beschwerden eine bakterielle Überwucherung des Dünndarms (small intestinal bacterial overgrowth, SIBO). Sie kann bei zahlreichen organischen Erkrankungen auftreten, darunter Diabetes, Mukoviszidose, Parkinson und Sklerodermie.
Bildgebung und Endoskopie beim Aufstossen nicht routinemässig indiziert
Diagnostischer Goldstandard – wenngleich aufwendig – ist die Kombination von Dünndarmsekret-Aspiration und Bakterienkultur. Einfacher durchzuführen sind Atemtests und eine probatorische Antibiotika-Therapie. Zum Ausschluss einer Zöliakie, die sich ebenfalls in Blähungen manifestieren kann, eignen sich serologische Tests, z.B. auf Transglutaminase-Antikörper. Ist das Ergebnis positiv, sollte die Diagnose mittels Dünndarm-Biopsie gesichert werden.
Eine bildgebende oder endoskopische Abklärung ist bei Blähungen und abdominaler Distension nicht generell indiziert. Patienten mit Alarmzeichen, rasch zunehmenden Symptomen oder auffälligen Befunden in der körperlichen Untersuchung sollten diese jedoch angeboten werden. Auch von einer routinemässigen Kontrolle der Magenentleerung raten die Autoren ab.
Lediglich bei begleitender Übelkeit und Erbrechen ist sie zu erwägen. Eine Diagnostik der Darmmotilität sowie radiologische Untersuchungen des Kolontransits sind nur indiziert, wenn therapieresistente Beschwerden eine neuromyopathische Genese nahelegen. Nicht selten sind Blähungen oder abdominale Distension mit einer erschwerten Darmentleerung oder Obstipation verbunden. Dann kann die anorektale Untersuchung eine Beckenboden-Erkrankung ausschliessen.
Neuromodulatoren können für Linderung sorgen
Alimentäre Modifikationen führen bei Blähungen und abdominaler Distension häufig zum Erfolg. Allerdings sollten insbesondere stark eingreifende Umstellungen wie die Low-FODMAP (fermentierbare Oligosaccharide, Disaccharide, Monosaccharide und Polyole)-Diät nur unter Aufsicht einer Ernährungsberatung stattfinden.
Zu beachten ist dabei das erhöhte Risiko für Essstörungen. Von Probiotika rät das AGA-Team darüber hinaus ausdrücklich ab. Sie können nicht nur intestinale Gasansammlung de novo verursachen, sondern auch ein «nebliges Gefühl» im Kopf auslösen. Liegt eine Beckenbodenstörung vor, hilft eventuell eine Biofeedback-Therapie.
Beste Evidenz für zentral wirkende Neuromodulatoren
Eine medikamentöse Option zur Behandlung von Blähungen und Distension sind zentral wirkende Neuromodulatoren, z.B. Antidepressiva. Sie können die viszerale Überempfindlichkeit verringern, die Wahrnehmungsschwelle erhöhen und oftmals begleitende psychische Komorbiditäten günstig beeinflussen.
Den stärksten Effekt zeigen selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer wie Duloxetin und Venlafaxin.
Wirkstoffe, die die Obstipation lindern (z.B. Linaclotid), kommen bei entsprechender Konstellation ebenfalls in Betracht. Nicht zuletzt können psychologische Verfahren wie Verhaltenstherapie und Hypnose auch erfolgreich gegen die unerwünschte Gasansammlung und Distension eingesetzt werden.