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Pflanzräder, und die Locheisen sinken in den Boden ein und machen bei genügendem Maschinengewicht in geraden Reihen Löcher von einer Tiefe gleich der Locheisenlänge. Auf jedes Pflanzrad kann man 7 bis 12 Locheisen von 10 bis 15° Länge aufschrauben und überdies die einzelnen Pflanzräder und die Räder des Vordersteuers in der Querrichtung verschieben, so dass Reihenweite, Pflanzenentfernung und Lochtiefe regelbar sind. In schwerem Boden kann die Maschine durch Erde oder Steine in einem aufgesetzten Kasten auch noch belastet werden. Es ist klar, dass gleiche Lochtiefe der Maschinenbreite nach nur dann erzielt werden kann, wenn der Boden eben genug ist, und wenn keine Steine oder harten Stellen vorkommen, welche die ganze Maschine bei genügendem Widerstande heben. Frischer Mist dürfte dagegen kaum schädlich sein, weil doch nur ein Eindrücken stattfindet.
Fig. 18.
Statt der Locheisen verwendet Unterilp in Düsseldorf löffelartige Spaten, wie sie Fig. 18 zeigt. Je vier Spaten sind entsprechend den Pflanzrädern bei Ring’s Maschine unter sich verbunden und können auch auf ihrer Achse verschoben werden, um die Reihenweite zu ändern. Die Entfernung der Pflanzstellen in den Reihen ändert man dadurch, dass man die Spaten näher oder entfernter von der Achse an ihre Arme anschraubt. Für sehr kleine Pflanzenentfernungen macht man 5 statt 4 Spaten für jede Reihe. Der Tiefgang lässt sich durch Belasten vermehren, wenn das Gewicht des Kutschers auf der Maschine nicht ausreicht. Die hinteren Fahrräder, welche bei der Arbeit in der Luft schweben, kann man so tief stellen, dass die Spaten, wie in Fig. 18, ganz aus dem Boden gehoben werden und das Umwenden und Transportiren ohne Schwierigkeiten möglich ist. Das Steuern erfolgt ähnlich wie bei der Drillmaschine durch ein Vordersteuer. Vorn hat man aber nur ein Rad und zum richtigen Anschluss an die schon fertigen Reihen auf jeder Seite der Maschine einen Zeiger, deren einer sich stets über bewegen muss. Unterilp macht übrigens auch Maschinen ganz ohne Vordersteuer.
Sitzungsberichte
Eingegangen 26. September 1885. Hannoverscher Bezirksverein.
Sitzung vom 20. Februar 1885. – Vorsitzender: Hr. F. Fischer. Schriftführer: Hr. Ernst Müller. Anwesend 56 Mitglieder.
Hr. Dr. F. Fischer macht Mitteilungen über die Entwicklung und wirtschaftliche Lage der Zucker- und Spiritusindustrie, welche vervollständigt demnächst veröffentlicht werden. In der folgenden Verhandlung heben die Hrn. v. Borries, F. Fischer, H. Fischer, Frank und Raydt die Missverhältnisse hervor, welche durch die Besteuerung der Rüben, des Rohstoffes, einerseits und die Zollrückvergütung bei Ausfuhr des fertigen Productes andrerseits entstehen, weil dabei jetzt die noch früher giltigen Productionsverhältniszahlen zugrundegelegt sind, die sich mittlerweile geändert haben. Hr. Heeren weist dagegen darauf hin, dass der Staat immerhin im vorigen Jahre die Summe von 40 und einigen Millionen Mark erzielt habe, während Hr. Ebell auf die gute Wirkung aufmerksam macht, welche allerdings die Rübensteuer für die Landwirtschaft gehabt habe; es sei die deutsche Rübe weitaus die zuckerreichste, und infolge der intensiven Bearbeitung sei der Boden besser geworden; der Ertrag an Körnerfrucht von Rübenboden betrage gegen früher das zwei-, ja sogar mitunter das dreifache (z. B. in der Magdeburger Gegend). Als veränderte Besteuerungsweise glaubt Hr. Ebell die Besteuerung des Rohproductes vorschlagen zu können. s Auf eine Anfrage des Hrn. Riehn, wie sich in Nordamerika die Rübenzuckerindustrie stelle, erwidert Hr. Dr. F. Fischer, dass die früher errichteten Fabriken sämmtlich, bis auf eine, zugrunde gegangen seien, wegen des geringen Zuckergehaltes der Rüben und der schwierigen Arbeiterverhältnisse; aber auch diese eine Fabrik arbeite nur spärlich. Hr. Ecker bestätigt diese Angaben und fügt hinzu, dass der Zuckergehalt der Rüben dort höchstens 9 pCt. betrage, was an dem zu feuchten und zu warmen Klima liege. 15 Zuckerfabriken, die vor zwei Jahren gebaut worden seien, haben ihren Betrieb wieder eingestellt. Hr. v. Borries hebt noch hervor, dass, sobald das Ausland infolge der Zollrückvergütung einen Gegenstand billiger erhalte, als die Herstellungskosten im Inlande betragen, das Inland jedenfalls um den Unterschied geschädigt werde. Zu den Herstellungskosten tragen auch die Eisenbahnfrachten bei. Da der Personen
der Bezirksvereine.
verkehr bei den jetzigen Tarifen nicht zur Verzinsung des Anlagekapitales beitrage, diese vielmehr durch den Güterverkehr allein getragen werde, so seien die Gütertarife verhältnismässig hoch und steigern die Herstellungskosten der Ausfuhrartikel zugunsten des inländischen Personenverkehres. Das sei kein gesundes Verhältnis. Gemildert könne dieser Uebelstand durch die Einführung der Omnibuszüge für den Personenverkehr werden, da bei diesen die Betriebskosten 40 bis 50 pCt. geringer als bei den gewöhnlichen Personenzügen ausfallen. Hr. Frank weist bei dieser Gelegenheit darauf hin, dass die Post durch die verschiedenen freien Transporte jährlich 20 Millionen Mark Zuschuss von der Eisenbahn bekomme.
Im Fragekasten findet sich die Frage: »Ist bei Klaviersaiten für den Ton, besonders inbezug auf seine Reinheit, die Querschnittsform von Einfluss, das heisst, wird der Ton derselbe sein, wenn die Saite rund, 6-, 8- oder vieleckig ist? Namentlich gilt diese Frage für besponnene Saiten, weil sie sich angeblich besser auf vieleckigen Draht bespinnen lassen sollen.« Hierzu bemerkt Hr. Eilert, dass auf vielkantige Saiten ein deutsches Reichspatent erteilt sei, und wird dem Fragesteller empfohlen, den fraglichen Einfluss der Querschnittsform durch Versuche festzustellen.
Sitzung vom 27. Februar 1885. – Vorsitzender: Hr. F. Fischer. Schriftführer: Hr. Ernst Müller. Anwesend 49 Mitglieder.
Hr. Sonnemann macht Mitteilungen über ein neues Verfahren zur Verzierung von Glasgefässen. Man bringt in die Form ein aus Metall gebildetes Netzwerk, über welches hinweg sich dann das Glas presst. Das an der Oberfläche befindliche Metall kann noch besonders verziert (gebeizt usw.) werden. Die vorgezeigten Gefässe entstammen der Hütte des Hrn. Hecker in Petersdorf in Schlesien.
Hr. H. Fischer macht auf ein älteres Verfahren aufmerksam, von welchem sich eine Probe in der technologischen Sammlung der hiesigen technischen Hochschule befindet. Es ist bei dieser Probe ein dünnes Netzwerk aus Silber in ein Glas eingesetzt und dann ein anderes Glas hineingeblasen, so dass hierdurch das Netzwerk in dem Hohlraume vollständig von der äusseren Luft und ihren Einwirkungen abgeschlossen ist, somit stets rein bleibt, während bei der neueren Methode aussen liegende Metallteile angegriffen werden.
Hr. Sonnemann führt alsdann noch eine »Signalflöte« vor, wie sie in neuerer Zeit vielfach in England von den Constablern,
Band XXIX. No. 47. 21. November 1885.
Hannoverscher Bezirksverein: Cement und dessen Verfälschung. 921
»M. H. Es wird Ihnen bekannt sein, dass in der Cementindustrie die Hochofenschlacke seit mehreren Jahren einen grossen Kampf hervorgerufen hat. Der Verein deutscher Cementfabrikanten, und hauptsächlich der Vorstand dieses Vereines, haben es sich zur Aufgabe gemacht, die deutsche Cementindustrie gegen die nachteiligen Folgen zu schützen, welche durch das Mischverfahren einiger Cementfabriken entstehen mussten. Der deutsche Cement hatte sich im Ausland eines guten Rufes zu erfreuen, und ist unsere Ausfuhr in Cement ganz bedeutend. Durch die von einigen Cementfabriken vorgenommene Zumischung von Hochofenschlacke zum fertigen Cement hatte die ausländische Concurrenz die beste Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass die deutschen Cementfabriken ihren PortlandCement verfälschten. Wie also schon erwähnt, hat der Verein deutscher Cementfabrikanten öffentlich gegen das Mischverfahren Protest eingelegt und dasselbe scharf verurteilt. Es sind glücklicherweise nur wenige Cementfabriken, welche dem Mischverfahren huldigen, und diese gehören dem Verein auch nicht an. Eine Fabrik, die Vorwohler, erklärt es ganz offen, dass sie zu ihrem Portland-Cement Hochofenschlacke zusetze, und geht von der Behauptung aus, dass sie ihren Cement durch diesen Zusatz verbessere. Einige andere Fabriken mischen heimlich (was übrigens nicht verschwiegen bleiben kann) und geben dann an, wenn ihnen ihr Verfahren vorgehalten wird, dass sie nur Versuche mit Hochofenschlacke gemacht hätten. Es ist nun schon viel hin und her gestritten worden über die angebliche Verbesserung des Cementes durch Zumischen von Hochofenschlacke, und sind hierüber vielseitige Untersuchungen angestellt. Die meisten derselben haben ergeben, dass der normal fabricirte Portland-Cement durch Zumischen von Hochofenschlacke verschlechtert werde. Professor Tetmajer in Zürich will bei seinen Untersuchungen das Gegenteil gefunden haben. Der Vorstand des Cementfabrikanten-Vereines hat denn auch bereits im August v. J. in der deutschen Bauzeitung eine Erwiderung veröffentlicht und das Mischverfahren als eine Verfälschung des Portland-Cementes bezeichnet. Er hat eine Reihe von Sätzen aufgestellt, und sind dieselben in der diesjährigen Generalversammlung einstimmig angenommen worden”). Auf Veranlassung des Vereines deutscher Cementfabrikanten haben die Herren Professor Fresenius und Dr. Fresenius in Wiesbaden eine grosse Anzahl von Untersuchungen ausgeführt, um Verfälschungen von Portland-Cement nachzuweisen. Eine sehr wichtige Probe giebt die Ermittlung des specifischen Gewichtes. Ein normaler Portland-Cement hat ein specifisches Gewicht von 3,10 bis 3,15. Ein verfälschter Cement wird stets unter 3,0 bleiben. Um das specifische Gewicht des Cementes zu bestimmen, hat Dr. Schumann ein Volumenometer construirt, welches sich bei allen Untersuchungen sehr gut bewährt hat. Die Herren Fresenius haben mit dem Schumann'schen Apparat auch gearbeitet und haben bestätigt, dass der verfälschte Cement stets ein niedrigeres specificisches Gewicht als ein reiner Portland-Cement habe. Wir haben auf unserer Fabrik im vorigen Jahre auch verschiedene Cemente untersucht und geprüft, von denen wir wussten, dass Hochofenschlacke beigemischt war. Die Lehrter Zuckerfabrik hatte durch einen Maurermeister Cement kaufen lassen, der keine befriedigende Resultate ergab und im Verdachte stand, verfälscht zu sein. Der Vorstand
1) Z. 1885 S. 712. *) Den Wortlaut dieser Sätze s. Z. 1885 S. 715.
der Zuckerfabrik ersuchte uns, diesen Cement zu prüfen. Die Untersuchung ergab ein specifisches Gewicht von 2,97. Die Zugfestigkeit nach 28 Tagen, nach den Normen geprüft, betrug nur 9,88/". Auf meine Veranlassung sandte dann die Zuckerfabrik eine Probe Cement an die Kgl. Prüfungsstation nach Berlin zur weiteren Prüfung. Aus dem Prüfungszeugnis habe ich dann später ersehen, dass die Zugfestigkeit nach 28 Tagen nur 9,2kg und die Druckfestigkeit 85,41*5/°" war. Die normale Festigkeit war also lange nicht erreicht. Wir untersuchten dann einen zweiten Cement von einer anderen Fabrik und fanden ein specifisches Gewicht von 2,8. Die Zugfestigkeit, nach den Normen geprüft, war 12,2*é. Ein dritter Cement hatte ein specifisches Gewicht von 2,95 und eine Zugfestigkeit nach 28 Tagen von 16*é. Hierauf wurde ein Cement aus unserer Fabrik geprüft; derselbe hatte ein specifisches Gewicht von 3,15. Die Zugfestigkeit nach 7 Tagen mit 3 T. Sand und 1 T. Cement betrug bereits 16,6ks und nach 28 Tagen 22,6kg. Wir mischten dann zu diesem Cemente 33 pCt. Hochofenschlacke und fanden ein specifisches Gewicht von 2,97; die Zugfestigkeit nach 7 Tagen betrug nur 12*é und nach 28 Tagen 17,2kg. Es sind von uns noch weitere Untersuchungen gemacht, und haben wir stets bestätigt gefunden, dass die reinen Cemente ein höheres specifisches Gewicht haben, als die verfälschten. Es wurden von mir ferner Probekörper auf dem Zerreissungsapparate geprüft, und waren die Festigkeiten nach 28 Tagen mit 3 T. Sand und 1 T. Cement aus der Lehrter Fabrik 258/a". Bei einigen Probekörpern aus reinem Cement ohne Sandzusatz betrug die Zugfestigkeit 755/". Eine sehr wichtige Beobachtung haben die Portland-Cementfabriken Stern und Dr. Delbrück in Stettin gemacht; und wenn sich diese Beobachtungen noch weiter bestetigen, dann dürfte den Schlackenfreunden das Mischverfahren bald verleidet werden. Es ist nämlich dort bei den Untersuchungen festgestellt, dass die verfälschten Cemente sehr empfindlich gegen Frost sind und von diesem zerstört werden, wogegen reine Cemente vollständig unversehrt bleiben. Es wird lhnen bekannt sein, dass in Zukunft die Druckfestigkeitsprobe für Portland-Cement im allgemeinen massgebend sein soll. Ein Apparat ist von Hrn. Schickert in Dresden construirt, und ist derselbe schon vielfach im Gebrauche. Nach den jetzigen Normen soll die Druckfestigkeit nach 28 Tagen Erhärtung der Probekörper, von 1 T. Cement und 3 T. Normalsand, 1505/a" betragen. Es ist vielfach festgestellt, dass die verfälschten Cemente eine so hohe Druckfestigkeit nicht haben«.
Im Anschluss an den Vortrag spricht Hr. Dr. F. Fischer sein Bedauern darüber aus, dass noch einige Fabriken dem Cemente gemahlene Schlacke zusetzen, da das Ansehen der deutschen Cementindustrie darunter leiden müsse. s Hr. Müller weist hin auf die Feinheit des Schickert'schen Druckapparates zum probiren des Cementes auf seine Widerstandsfähigkeit gegen Druck. Die Hebelübersetzung betrage dabei 1 : 50. Hr. Manske erwähnt einen Rammapparat von Professor Tetmajer, der von Nagel & Kaemp in Hamburg ausgeführt wird. Derselbe dient dazu, den Cementkörpern, die zerrissen oder zerdrückt werden sollen, eine grössere und gleichmässigere Dichtigkeit zu geben, als dies durch Einstampfen von Hand geschehen kann. Hr. Herhold begrüsst das Erscheinen des Schickert'schen Druckapparates als einen grossen Fortschritt. Bislang seien die Cementproben in der Zerreissmaschine nur auf absolute Festigkeit geprüft worden, während der Cement fast ausschliesslich auf rückwirkende beansprucht werde; er müsse daher auch auf diese Festigkeit geprüft werden. Hr. H. Fischer spricht sein Bedenken darüber aus, dass man sich ein sicheres Urteil über die Festigkeit mit Hilfe des Druckapparates schaffen könne. Es entstehen seines Erachtens bei einem solchen Apparate leicht Fehler dadurch, dass bei geringen Unebenheiten des Probekörpers die Druckebene nur in einzelnen Punkten trage. S Hr. Müller erwidert hierauf, dass bei dem besprochenen Apparate die Druckflächen sehr genau eben geschliffen seien, und dass die obere frei beweglich sei. s Hr. v. Hodenberg bemerkt, dass es ratsam sei, nach wie vor den Cement auch auf Zugfestigkeit zu untersuchen, da diese bei Betonarbeiten sehr in Betracht komme. Hr. Schuster fragt an, wie es mit der Wetterbeständigkeit des Cementes bestellt sei, der für Stuck- und Bildhauereizwecke
durch Zusätze rasch bindend gemacht sei. In Oldenburg seien vor 10 Jahren die Figuren vor dem Museum nach kurzer Zeit so sehr verwittert gewesen, dass sie abgetragen werden mussten. Hr. Manske erwidert hierauf, dass der Cement für Bildhauereiarbeiten meistens zu fett verarbeitet werde. Man müsse in diesem Falle gutem Cement etwas Kies zusetzen; dann entständen keine Fettrisse. Hr. Sasse bemerkt, dass man bei solchen Arbeiten sehr vorsichtig zu Werke gehen müsse, da der Cement bei seiner Erhärtung schlecht das Licht vertragen könne; auch sei es ratsam, ihn dabei häufig mit Wasser zu begiessen. Es folgen innere Angelegenheiten des Bezirksvereines. Sitzung vom 13. März 1885. – Vorsitzender: Hr. Dr. F. Fischer. Schriftführer: Hr. F. Baertl. Anwesend 40 Mitglieder. Hr. Beurmann erhält das Wort zu einem Vortrag über die Construction der Eisenbahnwagen, insbesondere der Trucks, auf der Centraleisenbahn in Mexiko. Die Centraleisenbahn, welche Mexiko mit den Ver. Staaten von Nordamerika verbindet, gehe durch ungewöhnlich verschiedenartig gestaltetes Hochgebirge und seien daher sehr scharfe Bahncurven zur Ausführung gekommen; demzufolge habe sich eine Wagenconstruction herausgebildet, im wesentlichen aus 2 Trucks (Untergestellen) bestehend; jedes derselben laufe auf 2 Achsen, die 1,5" von einander entfernt stehen; in der Mitte der Achsen liege 1 Querträger, der mit starken Federn und einem Pfannenlager versehen sei. Das Obergestell, 11 bis 16" lang, liege in diesen 2 Pfannenlagern und könne sich leicht nach allen Seiten bewegen, wodurch bei der Fahrt die Stösse kaum bemerkbar seien. Zum Schlusse legt der Vortragende noch eine Anzahl Photographien der schwierigsten Stellen der Centralbahn vor. «In der anschliessenden Besprechung bemerkt Hr. v. Borries, dass die Amerikaner durch die schwachen Bahncurven und den anfangs schlechten Eisenbahnoberbau dazu gedrängt worden seien, leicht nach allen Richtungen bewegliche Eisenbahnwagen auszuführen. Jetzt seien die Bahnen besser, und sei es behaglich, auf denselben zu fahren. Die Brüsseler Schlafwagengesellschaft habe auf den rheinischen Bahnen ähnliche Wagen laufen. Den Trucks sei der Vorwurf zu machen, dass sie sich beim Entgleisen leicht quer stellen und dann sofort von der Bahnstrecke abgedrängt werden. Die im Fragekasten vorgefundene Frage: »Wie stellen sich die Kosten der Magnesiumbeleuchtung gegenüber der Gasbeleuchtung?« wird von Hrn. Grabau dahin beantwortet, dass Erfahrungen darüber bis jetzt fehlen, weil noch keine praktische Lampe vorhanden sei. Hr. Dr. F. Fischer bemerkt dazu, dass Roskoe und Frankenthal die Leuchtkraft von 108 Stearin = 78 bis 806 Magnesiumdraht gefunden haben. In 1 Minute brenne 1" Draht ab = 120"é = 70 Normalkerzen. Vergleiche man dagegen einen Siemensbrenner von 100 Kerzen mit 0,35 bis 0,45°" stündlichem Gasverbrauche,
so sei danach 1*é Magnesium = 50° Leuchtgas = 8 % nach hiesigem
Preise, gegenüber 80 % für ersteres. Der Magnesiumdraht müsse beim Brennen schräg vorgeschoben werden; wegen leichten Verlöschens sei eine Laterne nötig, die jedoch durch die sich bildende weisse Magnesia schnell beschlage und die Leuchtkraft herabdrücke. Versuche, Magnesiumbronze herzustellen, seien auch als gescheitert zu betrachten, weil die Zinkbronze besser und viel billiger sei. » Sitzung vom 27. März 1885. – Vorsitzender: Hr. Dr. F. Fischer. Schriftführer: Hr. F. Baerth. Anwesend 55 Mitglieder. Hr. Dr. Raydt hält einen Vortrag:
»Ueber die Verwendung flüssiger Kohlensäure, )
besonders zur Herstellung kohlensäurehaltiger Getränke, unter Vorführung eines Apparates.« Der Vortragende berichtet zunächst über den jetzigen Stand der durch ihn ins Leben gerufenen neuen Industrie der gewerblichen Verwendung flüssiger Kohlensäure. Die Zahl der regelmässigen Abnehmer dieses Artikels hat im verflossenen Jahre bedeutend zugenommen und ist fortgesetzt in starkem Wachsen begriffen; sie beträgt zur Zeit etwa 2500, von denen allein auf Berlin über 700 kommen. Der Ausbreitung im Westen Deutschlands sowie in Frankreich, Belgien und Holland war es sehr förderlich, dass im vorigen Sommer in Burgbrohl im Rheinland eine neue Fabrik für flüssige Kohlensäure errichtet wurde, welche die dort aus einem Bohrloche von etwa 50" Tiefe völlig rein und luftfrei mit grosser Gewalt aus der Erde strömende »natürliche« Kohlensäure verwendet. Schätzungsweise beträgt das Gewicht der täglich aus dem einen Bohrloch ausströmenden Gasmenge, von welcher bis jetzt nur ein Teil benutzt wird, 50008, entsprechend etwa 2500 000 Gas. Nach Vollendung des Bohrloches und bei späterer Gelegenheit, als einmal die Glocke, mit welcher die Quelle bedeckt ist, abgerissen wurde, warf die Kohlensäure das Wasser, mit welchem sie heraufkommt, in kräftigem natürlichem Springbrunnen gegen 16" hoch. Das Wasser, ein stark eisenhaltiger Mineralbrunnen, wird zugleich zu der bei Compression der Kohlensäure sehr wichtigen Kühlung benutzt.
!) Z. 1884, S. 400.
deutscher Ingenieure.
An die verbreitetste Verwendung der flüssigen Kohlensäure zum Bierausschank hat sich diejenige zum Spunden, Klären und Abziehen des Bieres angeschlossen. Insbesondere haben die von Hrn. Prof. Dr. Lintner, dem Director der Brauerschule und Versuchsbrauerei in Weihenstephan, angestellten Versuche sehr günstige Resultate ergeben. Der Redner teilt näheres hierüber mit. Ausserdem sind zahlreiche andere technische Anwendungen der flüssigen Kohlensäure in Entwickelung begriffen. Von allen ist aber nächst derjenigen zur Bierpression die Verwendung zur Fabrikation von Mineralwasser, Schaumwein und Brauselimonade die verbreitetste. Der Redner bespricht zunächst einleitend die anderen bisher üblichen Methoden zur Herstellung kohlensäurehaltiger Getränke und beschreibt und zeigt dann unter Vorführung eines von der hiesigen Firma Heuser & Co. in bester Ausführung gelieferten Apparates die Fabrikation von künstlichem Selterswasser. Dieselbe vollzieht sich in einfachster und reinlichster Weise. Der flüssige Zustand liefert ausser dem fertigen völlig reinen Gase den zum Imprägniren des Wassers erforderlichen Druck. Durch Oeffnen des Flaschenventiles strömt das Gas in den Kessel und stellt hier in wenigen Sekunden den gewünschten Druck von 5 bis 6 Atm. her; ein stark entlastendes Sicherheitsventil beseitigt jede Gefahr. Vom Kessel aus» wird die Kohlensäure dem Mischgefässe zugeführt und imprägnirt das Wasser innerhalb weniger Minuten. Die gesammten Herstellungskosten belaufen sich für 80 auf 3,95 /Z, so dass die DrittelliterFlasche sich auf 1°/s Pfg. stellt, beim Verkaufe zu 25 Pfg. also ein ganz netter Nutzen abfällt. Ausser der Einfachheit, Bequemlichkeit und Reinlichkeit des Verfahrens ist besonders wichtig, dass die Kohlensäure, um bei dem angewandten Drucke flüssig zu werden, völlig luftfrei sein muss, während bei dem gewöhnlichen Verfahren häufig lufthaltige Kohlensäure verwendet wird, welche nur ein schlechtes Fabrikat liefern kann; der Luftgehalt macht sich z. B. durch das explosionsartige Herausschleudern des Wassers beim Oeffnen der Flaschen geltend. Ferner ist es für die gute Imprägnirung von Wichtigkeit, dass durch die Expansion der Kohlensäure aus dem flüssigen Zustand erhebliche Kälte entwickelt wird, während bei allen anderen Apparaten, seien es Pump-Apparate, »Selbstentwickler« oder Apparate nach dem Systeme Beins, das Gas sich erwärmt und dadurch das Imprägniren erschwert. Der Redner bespricht die Aufnahmefähigkeit von Wasser und Alkohol für Kohlensäure bei verschiedenen Temperatur- und Druckverhältnissen, erörtert ferner die Bearbeitung, welche manche sogenannte natürliche Mineralwasser,
wie der Birresborner- und der Apollinarisbrunnen, erfahren, und
erwähnt schliesslich, dass bereits einige 40 Fabrikanten kohlensäurehaltiger Getränke mit flüssiger Kohlensäure arbeiten und grosse Mengen davon verbrauchen. «. Es folgt die Berichterstattung der Realschul-Commission und Beschluss einer dem Hauptvereine vorzuschlagenden Resolution.