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Hans-Georg Möller
In der Mitte des Kreises
Daoistisches Denken
Insel Taschenbuch 2001
Möller 30
Das Dao ist weniger deskriptiv, weniger beschreibend zu verstehen, und mehr deskriptiv oder vorschreibend. Die antike chinesische Philosophie im Allgemeinen und die daoistische im Besonderen ist auf Erfolg ausgerichtet, sie ist wirkungszentriert und nicht wahrheitszentriert. Es ging in der Hauptsache um die Entwicklung von effektiven Strategien und Verhaltensweisen. Nicht die Frage, was etwas ist, stand letztlich im Vordergrund, sondern die Frage, wie etwas am besten zu erreichen ist.
Möller 97
Die Unterscheidung Leben/Tod korrespondiert mit anderen Unterscheidungen, sie wird analog zu hell/dunkel, Sonne/Mond, Anfang/Ende, Heraustreten/Hineintreten, voll/leer, Himmel/Erde, aber auch analog zu den Unterscheidungen der Jahreszeiten und vor allem zu der Unterscheidung wachsein/träumen vorgestellt.
Stets ist bei diesen Unterscheidungen ihre sozusagen ultimative Einheit mitgedacht. Hell und dunkel, Tag und Nacht oder die Jahreszeiten bilden in ihrem Wechsel ebenso ein komplementäres Ganzes wie Leben und Tod, es sind jeweils aneinander anschließende Phasen, die einen zeitlichen Kreislauf bilden.
Möller 124
Dem Mensch ist die Erde Gesetz.
Der Erde ist der Himmel Gesetz.
Dem Himmel ist das Dao Gesetz.
Dem Dao ist der eigene Lauf ( ziran ) Gesetz. Laozi 25
Das dao selbst hat nur das ziran, das Von-selbst-so-sein" zum Gesetz. Die perfekte Geschehensform hat nur ihren eigenen Lauf zum Antrieb und zur Regel. Das dao ist eine Konzeption der Immanenz, des Minismus und der Autopoiesis. Seine Mechanik ist ganz und gar natürlich, weil sie nicht transzendent in einer höheren Instanz verankert ist, kein irgendwie Anderes noch "dual" neben sich hat und als geschlossener Organismus sich selbst erschafft und erhält.
Möller 144
Seite 150
Zhuangzi 2: Jedes Dafürhalten und jede Abneigung, jedes Bejahen (shi) und jedes Verneinen (fei) ist einer bestimmten Position verpflichtet, die Vorlieben hängen davon ab, wer man ist. Menschen und Tiere haben unterschiedliche Geschmäcker. Aller Streit der Worte ergibt sich aus dieser Struktur des prozessualen Geschehens und der Unterscheidungen (fen) darin. Die Namen sind nichts anderes als die Manifestationen der Unterschiedenheit in der Welt der Dinge, und die Sprache, die mit den Namen operiert, ist nichts anderes als das Wechselspiel derselben Unterscheidungen.
Bejahen und Verneinen sind die Grundoperationen der Sprache und verdanken sich, daoistisch gesehen allein den unterschiedlichen Positionen, den unterschiedlichen Namen im Ganzen.
Möller 153
Präsenz und Nicht-Präsenz
Die Grundstruktur, die der philosophische Daoismus immer wieder ins Spiel bringt, ist im Bild des Rades durch die beiden Komponenten Nabe und Speichen und deren Beziehung zueinander dargestellt. Oder anders gesagt, die Nabe und die Speichen im Bild des Rades stellen im wesentlichen als konkrete Illustration die zwei abstrakten Komponenten daoistischen Denkens und deren Relation zueinander dar. Diese beiden abstrakten Komponenten der Struktur daoistischen Denkens, auf denen die daoistische Bild und Vorstellungswelt aufgebaut ist, werden durch zwei Worte benannt, die nicht nur in der daoistischen Philosophie, sondern in der chinesischen Philosophie insgesamt zu den am häufigsten verwendeten zählen und die auch in der chinesischen Alltagssprache - im alten wie im neuen China - sehr geläufig sind. Diese beiden Worte heißen you und wu.
You bedeutet als Werk soviel wie "da sein" oder "vorhandensein" bzw. "haben" oder "besitzen", es kann sowohl die Existenz als auch den Besitz von etwas anzeigen. Als Substantiv hat you die Bedeutung von Dasein, Existieren, oder Sein.
Wu ist die Verneinung von you, kann also "nicht da sein" oder "nicht haben" ausdrücken. Dementsprechend bedeutet es als Substantiv Nicht-Dasein, Nicht-Existenz oder - als Verneinung des "Seins" - auch einfach das "Nichts".
Möller 175
Ein präsentes Ding lässt sich, aus dieser "zeichentheoretischen Perspektive" betrachtet, gleich-gültig zweiteilen. Jedes Ding hat seinen Namen und seine "Sache". Der Name ist nicht eine zur Sache nachträglich hinzu kommen der menschliche Erfindung, sondern er gehört genauso zum Dinge wie die "Sache" selbst... Signifikat und Signifikant, Bezeichnendes und Bezeichnetes, Name und Sache sind auf dieselbe Weise präsent und begründen die Präsenz des Dings, dass durch sie gebildet wird der Name ist nicht nur eine beliebige Repräsentation des Dings, sondern gehört gleichberechtigt mit zur Sache oder der Form des Dinges zur Präsenz des Dinges hinzu...
Semiotik der Präsenz: das Zeichen als eine gleich-gültige Zweiheit von Signifikat und Signifikant,
Semiotik der Repräsentation Zeichen als nicht gleich-gültige Zweiheit.
Hans-Georg Möller
Luhmann Explained
From Souls to Systems
Open Court 2006
page 10
From a systemic point of view, the bodily and the communication systems have the same degree of “individuality” as the psychic system and these individualities do not converge or exist in a hierarchical relation. Unlike Old European philosophies, there is no mind-body dualism.
There is rather a mind-body-communication trinity, and within this trinity no system can “take control”. It was common in Old European philosophy to claim that the “intellect” should somehow rule over the body. Given the systemic “individuality” of systems, they are unable to exert controll over each other.
Konzepte