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ich mische mich als Schulschwänzer in die Debatte um das Turbo-Gymnasium (G 8) ein. Statt 9 Jahre 8 Jahre zum Abitur. Ich habe die Wellen-Theorie des Lichts, das Huygenssche Prinzip nicht mitbekommen. Wenn wir Physik hatten, dann ging ich ins Kino. Mit 13 sah ich James Dean. Meine offizielle Erziehung endete mit 18, als ich durchs Abitur flog. Danach wurde ich ein glücklicher Mann.
Der Schriftsteller Peter Handke hat einmal gesagt, warum er keinen Führerschein hat. Er sagte: ?Ich will mich nicht mehr prüfen lassen.? Das Prüfen ist der Horror überhaupt. Wenn man geprüft wird, ist man automatisch ein Mensch zweiter Klasse. Als ich 17 war und alles den Bach hinunterlief, konnte ich nur noch an mich glauben. Der Lehrkörper glaubte nicht an mich. Meine Eltern glaubten nicht an mich.
Mein Rat an die Schüler von heute ist ? schwänzt die Schule, lernt Eichelhäher von Eulen zu unterscheiden, guckt Bussarde an, die am Himmel kreisen, sitzt an kleinen Flüssen und guckt, wie die Forellen hochspringen. So wurde ich zwar kein Schriftsteller, aber immerhin der Kolumnist der BILD-Zeitung.
Lasst unsere Kinder aufwachsen wie Blumen.
Herzlichst
Ihr F. J. Wagner
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Dem haben sie doch ins Hirn geschissen! Nur weil er seine beschissene Meinung (meine beschissene Meinung) inne Bild abseiern kann, muss das doch nciht für alle gelten. Jawollja, wir stellen bald Blumenkinderingenieure ein, die während Physik im Kino waren und Bruce Willis angeschaut haben.
Kann dem mal einer mit dem Spaten übers Hirn ziehen, bitte?!?
Und obwohl die "BamS" heute noch einmal referiert, was dafür verantwortlich ist, dass der Sänger "um sein Leben bangen" müsse*, verschweigt die "BamS", wer dafür verantwortlich ist – und schreibt stattdessen nur:
Am Samstag wurde bekannt (…)
*) Die "BamS" lässt übrigens keinen Zweifel daran, dass "Bild" den gebürtigen Libanesen ohne sein Einverständnis geoutet hat:
Wir wollen nicht nachtreten. Aber wir wollen's auch nicht unerwähnt lassen: Es ist in diesem Jahr bereits die zweite Niederlage der "Bild"-Zeitung.
Nachdem "Bild" vor drei Monaten erst, bei der hessischen Landtagswahl, die "Kriminelle Ausländer raus!"-Kampagne der hessischen CDU und ihres Vorsitzenden Roland Koch nach Kräften (und über dieGrenzendesjournalistischZumutbaren hinaus) unterstützt hatte, verlor die CDU zwölf Prozentpunkte.
Und gestern nun ist auch das Volksbegehren gegen die Einstellung des Flugbetrieb auf dem Berliner Flughafen Tempelhof gescheitert. Dabei hatten auch hier "Bild" und die anderen Springer-Zeitungen monatelang nach Kräften (und über die Grenzen desjournalistisch Zumutbaren hinaus) versucht, ihren Lesern weiszumachen, dass sie am gestrigen Sonntag unbedingt für den Erhalt von Tempelhof als Flughafen stimmen sollen — und wollen. Aber genutzt hat es wieder nichts: Zwar stimmten 60,2 Prozent der Wähler mit "Ja", doch weil es für einen Erfolg des Volksbegehrens nicht nur die Mehrheit der abgegebenen Stimmen, sondern auch mindestens ein Viertel aller Stimmberechtigten brauchte, waren es am Ende, bei einer Wahlbeteiligung von gerade mal 36,1 Prozent, doch zu wenig: statt 25 Prozent nur 21,7 Prozent — oder, um es mit "Bild" zu sagen:
Tolles Ergebnis des 1. Volksentscheids in der Hauptstadt! 530 231 Berliner haben gestern für den Erhalt des City Airports Tempelhof gestimmt! (…)
Ach ja: Die wahlentscheidende "21,7 Prozent"-Zahl sucht man in der heutigen "Bild" vergeblich. Sogar aus der offiziellen Tabelle des Statistischen Landesamts Berlin wurde sie von "Bild" rausgekürzt:
Happy End
: Wie BILD Ausländerfeindlichkeit fördert
Das Gute an Blogs wie ?Politically Incorrect? ist, dass sie Prozesse, die früher weitgehend im Privaten stattfanden, an Stammtischen und in Diskussionen am Arbeitsplatz oder im Freundeskreis, mit einem Mal sichtbar machen. Nun kann man gelegentlich zusehen, wie die latente, oft subtile Fremdenfeindlichkeit der ?Bild?-Zeitung Wirkung zeigt. Wie sie neuen Treibstoff für alte Ressentiments liefert, Irrglauben mit Missverständnissen und Viertelwahrheiten erhärtet.
Happy End
: Kuschel-Kurs der "Bild" gegenüber Lidl
Foto: screenshot bild.de
Kuschel-Kurs der "Bild" gegenüber Lidl Bierfreunde helfen einander
Lidl bemüht sich nach dem Spitzelskandal weiter um Schadensbegrenzung. Und nicht nur "Bild" kämpft mit. Aus Krisen-PR wird Hofberichterstattung.
Vor einem Monat kam der Bespitzelungsskandal bei Lidl ans Licht, seitdem bemüht sich der Discounter um Krisen-PR und Charmeoffensiven. Eine Lehre dabei: So was funktioniert besonders gut, wenn man treue Medienhäuser an seiner Seite weiß. Eines davon sitzt schräg über die Rudi-Dutschke-Straße und heißt Springer. "Lidl stellt sich den Fragen der Mitarbeiter und Kunden" steht als Überschrift über einem am 28. April 2008 um 4.00 Uhr früh online gestellten Text auf Welt Online: "Die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit haben das Vertrauen von Mitarbeitern und Kunden zu Lidl belastet. Das Unternehmen möchte umfassend und offen informieren", heißt es weiter unter der Rubrik "Welt Dialog". Dass dieser "Welt Dialog" ein Anzeigen-Sonderformat ist, der Beitrag nebst drei weiteren wie normale Redaktionsbeiträge auf Welt Online stehende Texte sich bereits am Sonntag als ganze Lidl-Werbeseite in der Welt am Sonntag fand, steht dort nicht.
Wieso eigentlich? Schließlich hat die Welt anders als ihre Boulevardschwester Bild immerhin überhaupt einigermaßen vollständig berichtet, auch wenn man sich anders als das Gros der deutschen Presse mit einer eigenen Meinung zur systematischen Überwachung der MitarbeiterInnen in rund 100 Lidl-Filialen auffällig zurückhielt: Ein Kommentar war der gedruckten Welt, die für sich stets beansprucht, zu den meinungsbildenden Blättern zu gehören ("Tempelhof: Arroganz der Macht!"), der Lidl-Skandal nicht wert. Anders die Welt am Sonntag: Hier kommentierte der stellvertretende Chefredakteur Romanus Otte.
Doch der Hauptgewinn für treue Dienste geht wie immer an Bild: Als der Stern den Skandal publik machte, druckte Deutschlands angeblicher Agenda-Setter Nummer eins 23 dürre Zeilen im Innenteil - dem Rest des nicht Springer-hörigen Boulevards wars deutlich mehr wert: "Lidl Skandal: Mitarbeiter bis aufs Klo bespitzelt!", lautete zum Beispiel die Schlagzeile auf Seite 1 der Berliner Bild-Konkurrenz Kurier. Übertroffen wurde so viel Rücksichtnahme an einem Donnnerstag - dann und montags sind ja auch immer die Discounter-Sonderangebotsanzeigen im Blatt - nur noch von Springers Berliner Zweitblatt BZ: Das informierte zwar auf seinem BZ-Einkaufszettel darüber, dass bei Lidl die "Katzenvollnahrung Premium, sortiert" für nur 25 Cent pro 100 Gramm zu haben war - zur Bespitzelung stand im ganzen Blatt kein Wort. Allein die BamS legte etwas nach: "Viele Discounter bespitzeln ihre Mitarbeiter", hieß es da zum "Spitzelverdacht" bei Lidl, der am 30. März längst kein Verdacht mehr war.
Bei Bild war dann erst mal Ruhe im Karton. Dass der Skandal den Lidl-Umsatz einbrechen ließ, der Discounter die Kameras abbaute: Die LeserInnen der gedruckten Bild-Ausgabe erfuhren davon nichts. Dafür kam am vergangenen Montag für sie gleich der nächste Schock: "Neuer Preis-Schub bei Lebensmitteln", titelte das Blatt in der Großereignissen vorbehaltenen Buchstabengröße. Quelle? Die Lidl-Chefs Klaus Gehrig und Frank-Michael Mros. Im fast ganzseitigen Interview erklärten sie nochmal, von allem nichts gewusst zu haben, "genau so fassungslos" zu sein "wie alle anderen auch" - und verkündeten eine "Dankeschön-Zahlung" von 300 Euro für die MitarbeiterInnen, die "in dieser Situation so zum Unternehmen gehalten haben". Das Geld können diese gut gebrauchen, denn "es wird einen Preisschub bei Lebensmitteln in den nächsten Monaten geben", so Gehrig. Und dann kamen viele nette Fragen ("Wo kauft der Lidl-Chef ein?", "Welche Lidl-Produkte sind die größten Renner"), dass der nächste Bild-Adventskalender in Kooperation mit Lidl oder eine Wiederauflage der Billigbier-Aktion beider Partner wie zur WM 2006 im Kasten sein dürfte.
Mitverdienen tut Bild am Lidl-Skandal so oder so: Am vergangenen Freitag spendierte Lidl eine weitere Anzeigenseite, auf der sich "betroffene Mitarbeiter zu den Vorwürfen gegen Lidl" äußern - als wäre die Bespitzelung in den betroffenen Filialen nicht längst zugegeben. Anreißer: "Jetzt sprechen Lidl-Mitarbeiter". Schöner hätte das auch die Redaktion nicht formulieren können - von Bild lernen heißt eben siegen lernen. Nur Bild selber patzt: Diese Seite fand sich am Montag (28.4.08) noch im Angebot von Bild.de, doch was Anzeige oder redaktioneller Text ist, kann man nicht erkennen.
Und Lidl-Chef Klaus Gehrig ist weiter auf Charme-Tour durch die Medien. Zwei Stunden lang stand er der Baden-Württemberg-Welle von SWR 1 Rede und Antwort. Motto: "Wir müssen uns einmischen."
Denken wir, was Bild schreibt, oder schreibt Bild, was wir denken? Ob Pooth-Pleite, Fußball oder Hartz IV: Medienwissenschaftler Carsten Reinemann analysiert, wie ein Blatt Themen setzt und andere Medien folgen.
Carsten Reinemann, Medienwissenschaftler an der Universität Mainz, forscht über Wandel und Bedeutung der Bild-Zeitung. Wir haben mit ihm über Marktmacht, Populismus und die Selbstbezogenheit der Medienwelt gesprochen.
sueddeutsche.de: Bild erreicht täglich fast zwölf Millionen Leser. Hat die Zeitung ein Meinungsmonopol?
Carsten Reinemann: Nein. Die Zahl der Leser ist immens, aber entgegen aller Behauptungen lesen heute weitaus weniger Leute Bild, als das zum Beispiel noch in den sechziger Jahren der Fall war. Wenn man den Bevölkerungszuwachs durch die Wiedervereinigung wegrechnet, dann hat die Reichweite beträchtlich abgenommen.
sueddeutsche.de: Kann man Bild auch als Fiktion lesen? Als unterhaltsame Soap Opera mit wiederkehrenden Akteuren, mit Uschi Glas als "Mutter der Nation" und der Pooth-Pleite als Cliffhanger?
Reinemann: Das kann man natürlich so sehen. Aber ich denke, das ist eine sehr intellektuelle Betrachtungsweise, die weder dem entspricht, was diejenigen, über die berichtet wird, dabei empfinden, noch der Wahrnehmung der meisten Leute. Viele glauben das, was in Bild steht. Natürlich muss man auch zwischen den Berichterstattungsbereichen unterscheiden. Wenn über den drohenden Kollaps aufgrund eines bevorstehenden Meteoriteneinschlags berichtet wird, dann weiß jeder, dass das nicht unbedingt das ist, was wir tatsächlich zu erwarten haben. Aber wenn es um Politik oder Sport geht, dann wird das für bare Münze genommen.
sueddeutsche.de: Wird mit den Schlagzeilen - zum Beispiel über die Pooth-Pleite - der Volkszorn bedient?
Reinemann: Die Frage ist, ob er nur bedient wird oder ob das nicht ein bisschen mehr ist. Man kann natürlich mit einer publizistischen Macht, wie sie die Bild-Zeitung hat, tatsächlich Stimmung erzeugen. Wenn man sich anschaut, was Anfang dieses Jahres mit dem Thema "Ausländerkriminalität" passiert ist: Bild hat ab Weihnachten bis weit in den Januar hinein fast jeden Aufmacher mit diesem Thema gestaltet. Und auf der anderen Seite werden Themen zurückgehalten und verschwiegen, die vielleicht nicht so unbedingt ins Konzept passen.
sueddeutsche.de: Auf wessen Seite steht Bild?
Reinemann: Es gibt natürlich verschiedene Muster in der Berichterstattung, die sich gerade im Bereich der Politik ganz deutlich zeigen. Wir haben in den letzten zwanzig Jahren zunehmend die Tendenz, die Politik nicht nur für die Lösung von Problemen verantwortlich zu machen - was eigentlich eine Selbstverständlichkeit ist -, sondern sie auch zunehmend als Ursache des Problems anzusehen. Und es wird vermehrt ein Kontrast zwischen der Bevölkerung und der Politik aufgebaut. Also: Wir da unten und die da oben. Und da stilisiert sich Bild als Vertreter von Volkes Stimme, als Anwalt der Benachteiligten.
sueddeutsche.de: Und mischt dabei kräftig in der politischen Debatte mit?
Reinemann: Die Parteien, die von Bild unterstützt werden, können sich tatsächlich nicht beklagen. Aber es ist nicht so, dass Bild alleine, als einzelnes Medium, einen wahlentscheidenden Einfluss hat. Dafür ist die deutsche Medienlandschaft zu vielfältig.
sueddeutsche.de: Einer Ihrer Aufsätze heißt: "Guter Boulevard ist immer auch außerparlamentarische Opposition". Wie muss man das verstehen?
Reinemann: Es gibt natürlich diese Selbststilisierung der Bild als außerparlamentarische Opposition. Bestimmte Themen werden von Bild immer wieder angegangen. Zum Beispiel die zurückgenommene Diätenerhöhung. Hier ist durch die Berichterstattung in Bild eine breitere Gegenöffentlichkeit entstanden. Man kann auch im Zusammenhang mit Hartz IV sehen, dass bestimmte Kleinigkeiten geändert wurden. Aber es ist nicht so, dass alleine auf Grund der Bild-Berichterstattung die großen Politikentwürfe zurückgenommen werden. Es ist eher so, dass die Politik den Einfluss dieses Blattes überschätzt und deswegen reagiert.
sueddeutsche.de: Bild ist zum Leitmedium der Meinungsmacher aufgestiegen. Was hat sich verändert?
Reinemann: Bild ist inzwischen die Tageszeitung, die von anderen Medien am häufigsten zitiert wird. Auch unter politischen Journalisten wird ihr der größte Einfluss auf andere Medien und auf die Politik zugeschrieben. Und das bedingt, dass man innerhalb des Journalismus darauf achtet, was Bild bringt. Es werden aber nicht nur Themen übernommen, sondern zuweilen auch der Zungenschlag. Außerdem wird die selektive Auswahl von Fakten nicht kritisch hinterfragt, und das ist tatsächlich ein Problem. Denn Bild ist immer noch das am häufigsten durch den Presserat gerügte Medium. Und man muss sich nur die Dinge auf BILDblog anschauen, dann sieht man doch, dass man da etwas genauer hinsehen muss.
sueddeutsche.de: Also macht Bild die Schlagzeilen, und die anderen Medien übernehmen diese unreflektiert?
Reinemann: Das ist in vielen Fällen so. Es fängt morgens mit der Übernahme der Bild-Schlagzeilen in den Radionachrichten an - insbesondere natürlich bei den privaten Radiosendern. Aber das geht eben auch in weite Teile der Tagespresse hinein, und es wird problematisch, wenn nicht mehr gesehen wird, dass man bestimmte Entwicklungen auch anders interpretieren kann.
sueddeutsche.de: Keiner liest Bild, aber jeder kennt die Themen. Wie erklären Sie sich dieses Phänomen?
Reinemann: Das hat sich geändert. Bild ist inzwischen auch in den besser gebildeten Schichten angekommen. Man isoliert sich nicht mehr, wenn man die Bild in der Bahn aufschlägt und auch nicht in Kreisen, die Bild früher in der Tasche verborgen und erst im Büro gelesen haben. Dieser Wandel wird an vielen Dingen deutlich. Zum Beispiel scheut sich niemand davor, wirtschaftliche Kooperationen mit Bild einzugehen. Der Weltbildverlag, der von der Deutschen Bischofskonferenz getragen wird, hat mit Bild zusammen die Volksbibel gemacht. Die Scheu vor Bild hat nachgelassen, und das liegt auch daran, dass Bild sich verändert hat. Es ist nicht mehr das reine Sex & Crime-Blatt der achtziger Jahre. Natürlich hängt es aber auch damit zusammen, dass Bild als Medium, noch sehr, sehr viele Leute auf einmal erreicht, und somit eine gewisse Macht in einer zunehmend zersplitterten Medienlandschaft hat.
sueddeutsche.de: Bild produziert handfeste Skandale, aber wenn in den eigenen Reihen etwas passiert, gibt es kein großes Rauschen im Blätterwald. So war die Aufregung über das 13-jährige "Seite-1-Mädchen" von recht kurzer Dauer. Wie gefährlich ist die fehlende Kontrolle?
Reinemann: Es gibt ja schon lange - auch durch BILDblog - den Versuch, eine kritische Öffentlichkeit zu schaffen und auch innerhalb des Journalismus ein kritisches Bewusstsein für die Macht der Bild-Zeitung zu wecken. Aber das hat meinem Gefühl nach relativ wenig Effekt. Trotz der journalistischen Fehlleistung und trotz der ethischen Fragen, die man an das Blatt stellen kann, wird es dennoch von Politikern und vielen anderen gesellschaftlichen Akteuren nach wie vor als das Medium gewählt, dem man Interviews gibt. Das hängt mit dem Eindruck zusammen, dass Bild Einfluss hat, und man es sich mit dem Blatt nicht verscherzen will.
sueddeutsche.de: Wie wäre die EM-Stimmung ohne Bild-Zeitung gewesen?
Reinemann: (lacht) Also ich glaube, eine gute Stimmung hätten wir auch ohne Bild gehabt.
Doch so ein Kulturkampf hinterlässt Spuren. Und wenn wegen einer solchen Reform nun die Schüler tatsächlich mehr Fehler machen als vorher, war sie sicher mehr schlecht als recht.
"Bild"-Redakteur Hans-Jörg Vehlewald bezieht sich auf die Forschungsgruppe Deutsche Sprache (FDS), die er immerhin zu Recht "reformkritisch" nennt, und schreibt:
Die Fehlerquote in Aufsätzen und Diktaten hat sich teilweise massiv erhöht. So stieg die Zahl falsch geschriebener Wörter in Aufsätzen (4. Klasse) um 80 %, in Diktaten der Unterstufe (Gymnasium) um 110 %, in Abituraufsätzen sogar um 120 % im Vergleich zu früheren Jahrgängen.
Die Fehlerzahl bei s-Lauten habe sich etwa verdoppelt, so die Auswertung vorliegender Studien. Bei Groß- und Kleinschreibung sei die Fehlerquote gar um 176 % angestiegen.
Das sind große Prozentzahlen — eindrucksvoll und ohne jede Aussagekraft, wenn man nicht dazu schreibt, worauf sie sich beziehen. Der Preis der "Bild"-Zeitung zum Beispiel ist um 566 Prozent gestiegen! (Verglichen mit 1965.) Was "Bild" nur als "frühere Jahrgänge" verbrämt, ist in Wahrheit entscheidend: Bei den Diktaten der Unterstufe handelt es sich konkret um die Jahre 1970/1972. Und um festzustellen, dass die Zahl falsch geschriebener Wörter in Abituraufsätzen "sogar um 120 %" gestiegen ist, hat die "Studie" deutsche Zahlen von 2000-2002 mit Schweizer Zahlen von 1962-1978 verglichen.
Der Linguist Anatol Stefanowitsch weist im FDS-kritischen Bremer Sprachblog darauf hin, dass es in den siebziger Jahren radikale Reformen im Deutschunterricht gab, die einen "drastischeren Einschnitt" in die Ausbildung von Schülern darstellte als die sogenannte Rechtschreibreform, und urteilt:
Es gibt deshalb keinen Grund anzunehmen, dass die Unterschiede bei den Fehlerquoten in Schülerdiktaten von damals und heute irgendetwas mit der Rechtschreibreform zu tun haben. Genausogut könnte man die Unterschiede auf die Ölkrise 1973, den Boykott der Olympischen Spiele in Moskau 1980, den Gewinn der Fußballweltmeisterschaft 1990 oder Roman Herzogs "Ruck"-Rede 1997 zurückführen.
Die Forschungsgruppe Deutsche Sprache selbst hat sich alle Mühe gegeben, diese Lücken in ihrer Argumentation zu verschleiern. Aber sowohl aus der am Montag veröffentlichten Kurzfassung der Studien, die offenbar die Grundlage für den "Bild"-Artikel ist, als auch aus einem Vortragsmanuskript ihres Autors Uwe Grund [pdf] hätte "Bild"-Redakteur Vehlewald erkennen können, dass seine Aussage "Wegen Rechtschreibreform machen Schüler mehr Fehler" nicht gedeckt ist.
Frank Bsirske lässt Lufthansa bestreiken und fliegt mit ihr gratis 1. Klasse in den Urlaub
Wie abgehoben ist der Ver.di-Chef? Von HORST CRONAUER
Der Arbeiterführer flog kurz vor Beginn des Streiks mit seiner Frau Bettina Jankovsky in die Südsee. 1. Klasse mit Lufthansa ? also der Airline, die er gerade bestreiken lässt. Kurios: Die Flüge sind gratis ? als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Unternehmens muss er nichts bezahlen!
Für knapp 5 Wochen hat sich der Gewerkschafter in den Urlaub verabschiedet. Am 8. Juli startete das Ehepaar Bsirkse in Berlin. Gebucht war die Business-Class nach Frankfurt. Von dort mit einer Boeing 747-400 nach Los Angeles im 1.-Klasse-Oberdeck.
An Bord werden die Passagiere verwöhnt. Das Menü bietet u. a.: Kaviar oder Thunfisch in Miso-Sauce als Vorspeisen, kalte Gurken-Joghurt-Suppe. Als Hauptgericht stehen gegrillte Jakobsmuscheln in Kapern-Rosinen-Sauce mit Blattspinat zur Wahl. Salatbüfett, Dessert- und Käse-Auswahl. Alles kreiert von Starkoch Ray Lim aus Peking.
Dazu wird Champagner gereicht. Das Bord-Unterhaltungsprogramm bietet Dutzende Filme, CDs, Spiele, damit keine Langweile aufkommt. Schlafsitze sind selbstverständlich. So werden die gut 11 Stunden von Frankfurt nach Los Angeles zum Genuss.
Wer so edel reisen will, muss bei einer normalen Buchung mindestens 10 000 Euro pro Person für einen umbuchbaren First-Flex-Tarif bezahlen!
Von Kalifornien flogen die Bsirskes weiter in die Südsee. Ein Inselparadies mit im Moment 28 Grad Höchsttemperatur, das Meer lockt mit 26 Grad zum Baden oder Schnorcheln.
Viele Luxus-Resorts bieten Zimmer, die direkt über dem türkisblauen Wasser der Traumbuchten liegen. Palmen, endlose Sandstrände ? ein paradiesisches Panorama.
Die Ver.di-Pressestelle bestätigte gestern, dass Bsirske im Urlaub ist. Wie und zu welchen Konditionen er gereist ist, konnte sein Sprecher nicht sagen.
Am 11. August wollen Bsirske und seine Frau wieder in Deutschland sein. In der Buchung steht auch wie beim Hinflug: 1. Klasse mit Freitickets.
Ob sie pünktlich in Deutschland ankommen, hängt davon ab, ob der Lufthansa-Streik bis dahin beendet ist ...