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(Fotos und Abbildungen auf dieser Seite stammen aus dem Buch "Wäldi-Hohenrain TG" von Stefan Hochuli, 1990)
Der Hohenrain ist schon seit über dreieinhalb Jahrtausenden besiedelt:
Auf dem höchsten Punkt des östlichen Seerücken-Ausläufers (genau dort, wo später der historische Napoleonturm errichtet wurde), befand sich während der Bronze- und der späteren Hallstattzeit eine der grössten Siedlungen im nördlichen Alpenvorraum.
Höhenkurvenkarte von 1972
Relief heute
Von dieser Fundstelle ist heute allerdings nichts mehr zu sehen: der darunter liegende Glimmersand wurde 15 m tief abgebaut. Die Terrainveränderung ist aus diesen Kartenausschnitten gut ersichtlich.
Auch heute noch wird, nur 2 km entfernt bei Helsighausen, solcher Glimmersand gewonnen.
Der Hohenrain war schon in der Mittelbronzezeit, ca. von 1300-1500 v.Chr., besiedelt.
In der Hallstattzeit liessen sich hier die Kelten nieder; ihren Höhepunkt erreichten sie um 600 v. Chr.
Schon ums Jahr 1900 wurden unmittelbar neben den Fundamenten des historischen Napoleonturms Keramikscherben zusammengetragen. Einzelne Personen haben später auf eigene Faust die Erde durchwühlt - die Fachwelt zeigt aber kein Verständnis für solche archäologische Eigeninitiative und nennt dies kurzerhand "Raubgrabungen".
1931 erfolgte dann die erste planmässige Ausgrabung: Sekundarlehrer Paul Bommer aus Ermatingen pickelte und schaufelte mit seinen Schülern 300 kg Keramikscherben zu Tage und schickte sie nach Frauenfeld (wo sie dann nach dem Waschen nur noch 180 kg wogen...) - sie sind aber bisher nicht wissenschaftlich ausgewertet worden.
Das war noch handfester Geschichtsunterricht! Ist so etwas im neuen Lehrplan noch vorgesehen...?
Unter der Fundstelle lag aber der begehrte Glimmersand (er hatte sich vor 13 Millionen Jahren abgelagert), der wegen seiner mineralischen Qualitäten bald von den Ziegeleien Berg und Istighofen abgebaut wurde, und zwar 15 m tief.
1972 haben sich die Bagger bis unmittelbar vor die Fundstellen gefressen: Mittels Notgrabungen 1973 musste unter grossem Zeitdruck noch gerettet werden, was noch zu retten war:
(Fotos vom Amt für Archäologie TG)
Die 3 Aren grossen Grabungsflächen lagen unmittelbar neben den Fundamenten des Napoleonturms:
Grabungsplan aus den "Thurgauer Beiträgen zur Vaterländischen Geschichte", 1977
Zunächst einen einzigen Dolch aus Bronze als stolzer Zeuge seiner Bronzezeit:
Dann aber vor allem 33'000 Keramikscherben mit einem Gewicht von 550 kg!
Die meisten sind Reste von Töpfen oder Schalen; ein grosser Teil stammt aus einer Grube, die wohl als Abfallgrube gedient hat und bald auch aufgefüllt worden ist.
Die Funde lassen enttäuschend wenig Rückschlüsse über die Siedlung an sich zu. Man stellt sich pfostenlose Grubenhäuser vor; Reste von Wänden mit Lehmverkleidung und einige Feuerstellen deuten darauf hin.
ein Grubenhaus
(Zeichnung: S. Köhler und L. Berger; Archäologie Baselland)
Einige Gruben oder Grubenhäuser sind wohl auch als Vorratsräume oder Keller genutzt worden.