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Soeben hat das Bundesamt für Statistik (BFS) in einer Studie die „anhaltenden Unterschiede zwischen Frauen und Männern bei der Erwerbslosenquote“ [1] aufgelistet. Das Amt hält sich bei der die Interpretation dieser Unterschiede zurück. Es scheint jedoch evident, dass die immer noch deutlich stärkere Zuständigkeit der Frauen für Haus- und Betreuungsarbeit einen grossen Teil der Differenzen erklärt.
Auf dem Arbeitsmarkt sind in der Schweiz heute rund 4,6 Mio. Personen registriert. Davon sind 2,1 Mio. Frauen und 2,5 Mio. Männer. Die Frauen machen somit rund 45.7% der Erwerbsbevölkerung [2] aus. Frauen arbeiten jedoch häufiger Teilzeit und kommen deshalb auf einen viel tieferen Anteil am Erwerbsvolumen [3]. Obwohl die Frauen in den letzten Jahren aufgeholt haben, liegt ihre Erwerbsquote weiterhin unter derjenigen der Männer, und dies in jeder Alterskategorie. Bei den Jungen (15 bis 24 Jahre) jedoch sind die Differenzen gering, ab dem Alter 25 öffnen sie sich dann und verändern sich nur mehr geringfügig [Abbildung 1].
Die primäre Erklärung für die ab Alter 25 frappant zunehmende Abweichung ist einfach: mit der Elternschaft ist ein signifikant häufigerer (vorübergehender) Verzicht von Frauen auf Erwerbsarbeit verbunden.
Überproportionale Erwerbslosigkeit der Frauen
Trotz tieferer Erwerbsquote stellen die Frauen 50.4% der Erwerbslosen (2011). Ihre Erwerbslosenquote ist also höher: Sie beträgt 4,4%, die der Männer 3,7% (2011). Dass diese Differenz zumindest teilweise durch die unterschiedliche Zuständigkeit für Betreuung zu erklären ist, zeigt eine Betrachtung nach Familienstatus. Bei allein lebenden Männern beträgt die Erwerbslosenquote 4.2%, bei allein lebenden Frauen liegt sie bei 2,9%. Sind Kinder da, sieht es ganz anders aus: Die Erwerbslosenquote bei Frauen, die in einem Paarhaushalt mit Kind(ern) leben, betrug 4,0%, diejenige der Männer 2.2% (Werte 2011). Der Unterschied bei der Erwerbslosenquote zwischen Männern und Frauen nimmt mit steigendem Alter der Kinder ab. Diese Zahlen zeigen [Abbildung 2], dass sich Frauen aus familiären Gründen häufiger aus dem Arbeitsmarkt zurückziehen als Männer.
Vor der Stellensuche häufiger „im Haushalt“ und eingeschränkt mobil
2011 waren 52.7% der Frauen vor dem Beginn der Erwerbslosigkeit erwerbstätig. 22,6% absolvierten zuvor eine Ausbildung und rund 21.1% arbeiteten im Haushalt. Bei den Männern betragen die entsprechenden Werte 69.5%, 22.9% und 2,1%. Erwerbslose Frauen suchen eine Stelle hauptsächlich in ihrer Wohnregion. Ein Viertel der Frauen sind bereit, wegen einer neuen Stelle umzuziehen (bei den Männern sind es knapp 37%). Die Gründe dieser eingeschränkten räumlichen Mobilität wurden in dieser Studie nicht erfasst. Stark zu vermuten ist, dass auch hier die familiäre Situation hauptverantwortlich ist.
Beschäftigungsgrad und familiäre Situation
Die familiäre Situation bestimmt den Umfang des Erwerbspensums resp. den Wunsch danach. So besetzen 80.2% der erwerbstätigen Frauen zwischen 25 und 54 Jahren, die in einem Paarhaushalt mit Kind(ern) leben, eine Teilzeitstelle. Und 67.6% der erwerbslosen Frauen im selben Alter suchen eine Teilzeitstelle. Alleinlebende hingegen sind mehrheitlich vollzeiterwerbstätig oder auf der Suche nach einer Vollzeitstelle. Auch bei den Frauen in einem Paarhaushalt ohne Kinder arbeitet der überwiegende Teil der Erwerbstätigen Vollzeit. Anders sieht es bei den Allleinerziehenden aus. Die Mehrheit (63.1%) der Erwerbstätigen arbeitet Teilzeit. Das bedeutet zusammenfassend, dass für Frauen zu betreuende Kinder und/oder ein erwerbstätiger Partner die Hauptgründe für eine Teilzeitstelle sind. Für erwerbslose und erwerbstätige Männer hingegen ist – unabhängig von der familiären Situation – Vollzeit der Normalfall.
Fazit: die neue BFS-Studie liefert eine Fülle von Daten zum Thema Erwerb und Geschlecht, die hier längst nicht alle aufgelistet sind. Was die Daten aber sicher bestätigen: Solange die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für eine gerechtere Verteilung der unbezahlten und bezahlten Arbeit nicht geschaffen sind, bleiben Frauen im Erwerbsleben benachteiligt.
Um eine bessere Vereinbarkeit von Erwerbs- und Betreuungsaufgaben zu erreichen, braucht es familienverträgliche Arbeitszeiten, die Lohngleichheit zwischen Mann und Frau, angepasste Schulmodelle und genügend bezahlbare Infrastrukturen für die familienergänzende Kinderbetreuung mit pädagogischen Konzepten sowie ausreichend Personal mit qualifizierter Ausbildung. Ebenso braucht es den Ausbau von Tagesstrukturen und Spitex für die Betreuung von alten und pflegebedürftigen Menschen.
[1] BFS: Frauen und Erwerbslosigkeit: Anhaltende Unterschiede zwischen Frauen und Männern bei der Erwerbslosenquote. BFS Aktuell, August 2012. Bestellnummer 1283-1100.
[2] Die Definitionen von „Erwerbstätigen“ und „Erwerbslosen“ entsprechen in der BFS-Studie und im vorliegenden Beitrag den Empfehlungen des Internationalen Arbeitsamtes ILO und weichen von den monatlich ausgewiesenen Arbeitslosenzahlen des Seco ab. So beträgt etwa die Erwerbslosenquote gemäss ILO (Durchschnitt 2011) 4 %. Die entsprechende Erwerbslosenquote gemäss Seco liegt bei 2,7 %. Zu den definitorischen Unterschieden siehe BFS-Studie S. 8 und 26.
[3] Einen gerafften statistischen Überblick zu wesentlichen Unterschieden männlicher und weiblicher Erwerbsarbeit bietet: 14.06.2011: Frauen bewegen die Schweiz, SGB 2012. S. 85f