Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03585.jsonl.gz/2608

Die Stiftung Sucht Schweiz führt alle vier Jahre eine Studie zur Gesundheit und zum Gesundheitsverhalten von 11- bis 15-jährigen Jugendlichen durch. Aus diesen Zahlen gewinnt der Staatsrat auch Erkenntnisse zu Freiburger Fällen von Mobbing an Schulen und Cybermobbing von Minderjährigen. Daraus und aus weiteren Quellen kann er ein einigermassen genaues Bild auf eine Anfrage der Grossräte Olivier Flechtner (SP, Schmitten) und Rose-Marie Rodriguez (SP, Estavayer) vermitteln.
Jungen sind öfter Täter
Die letzte Studie kommt zum Schluss, dass im Kanton einer von zehn Jugendlichen in der befragten Altersklasse wiederholt Opfer von Mobbing wird. Mädchen und Jungen jeglichen Alters seien ungefähr gleich betroffen. Weniger häufige Belästigungen seien vergleichsweise stärker verbreitet, geht aus der Studie hervor.
Die Anzahl der Täterinnen und Täter von Mobbing liegt unter den 10 Prozent der betroffenen Opfer. Dies deutet darauf hin, dass die Täterschaft oft mehrere Opfer mobbt. Dabei zeigt sich auch, dass Jungen etwa fünf Mal häufiger als Mädchen ihre gleichaltrigen Mitschülerinnen und Mitschüler belästigen.
Deutlich weniger häufig sind die Jugendlichen dieser Altersklasse von wiederholtem Cybermobbing betroffen. Darunter fällt das Schicken von Sofortnachrichten, Posts, E-Mails und SMS sowie das Posten von Beiträgen und Webseiten, in denen sie belästigt beziehungsweise gemobbt werden. Auf die Frage, ob die Jugendlichen in den letzten Monaten mindestens einmal auf digitalen Kanälen belästigt wurden, liegt der Anteil aber bei über 10 Prozent. In der Altersklasse der 13-Jährigen liegt die Zahl der Belästigten bei den Mädchen klar höher als bei den Jungen.
Öfter traurig
Die Studie stellt ebenfalls fest, dass ein signifikanter Zusammenhang besteht zwischen Mobbing über elektronische Nachrichten und dem Auftreten von Angst, Traurigkeit oder Nervosität mindestens einmal pro Woche. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie häufiger traurig sind, ist bei Schülerinnen und Schülern, die Opfer von Cybermobbing wurden, um das Vierfache höher als bei Schülerinnen und Schülern, die solches nicht erlebt haben.
Wie der Staatsrat schreibt, geht die Umfrage bereits auf das Jahr 2014 zurück. Die Ergebnisse einer neuen Befragung von 2018 sollen bald publiziert werden. Er ergänzt, dass 2019 die kantonale Opferberatungsstelle 68 Kinder betreute, die Opfer von Erpressungen, Belästigungen, Drohungen und Nötigungen geworden waren.
Schlüsselrolle von Reper
In seiner Antwort verweist der Staatsrat auf zahlreiche kantonale Strukturen, die sich im Rahmen ihrer Tätigkeit auch mit Mobbing bei Jugendlichen beschäftigen. So übernimmt der gemeinnützige Verein Reper auf ein Mandat des Kantons zahlreiche Aufgaben im Zusammenhang mit der Prävention und der Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden.
An den obligatorischen Schulen spielen im deutschsprachigen Kantonsteil die Sozialarbeiter zusammen mit der Jugendbrigade und den schulpsychologischen Diensten, Eltern und Schulbehörden eine wichtige Rolle bei der Umsetzung von Projekten. Im französischsprachigen Teil ist die Schulmediation zuständig.
Wie der Staatsrat weiter schreibt, ist das Thema Cybermobbing Bestandteil der Lehrpläne beider Sprachregionen. Auch bei der Sonderpädagogik und in Mittelschulen hat das Thema seinen Platz. Lehrpersonen und Schulbehörden aber auch Verantwortliche von Vereinen werden in Ausbildungs-und Kursprogrammen regelmässig auf Mobbing und Cybermobbing sensibilisiert.
Zum Thema
Mobbing ist nicht strafbar
Weder im Strafgesetzbuch noch in der Strafgesetzordnung gibt es eine Bestimmung zu Mobbing, schreibt der Staatsrat in seiner Antwort zum Vorstoss. Es sei nur strafbar, wenn eine Straftat vorliege, etwa bei Körperverletzung, Tätlichkeit, Erpressung, Ehrverletzung, Beschimpfung, Drohung oder sexueller Nötigung. Strafrechtlich nicht verfolgbar sind aber Schubsen, Ignorieren, Augenverdrehen oder Auslachen. Hingegen seien Unterstützungsmassnahmen für Opfer von Mobbing wertvoll, so der Staatsrat.