Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03344.jsonl.gz/669

Der Motor wird hochgezogen. - PHOTOPRESS/Pius Koller
Es war am Samstag den 9. Dezember 1899 als der Transport-Nauen MS "Flora" um vier Uhr morgens Buochs Richtung Seeburg mit einer Ladung Baumaterial verliess. Der transportierte Sand oder das Kies waren für die Erweiterungsbauten des Hotels Seeburg vorgesehen. An diesem Tag wehte ein starker Nordwind über dem Vierwaldstättersee. Auf der Überfahrt kam es beim Kreuztrichter mitten auf dem See zum Schiffsunglück. Alle fünf Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben. Unfallursache ungeklärt Weshalb das Schiff gesunken ist, bleibt unklar. Entweder war es überladen oder die schlechte Witterung brachte das Schiff in Seenot. In Frage kommt eine Explosion an Bord oder ein technischer Defekt. Damalige Augenzeugen haben ausgesagt, dass der Nauen nicht überladen war. Unterwasser-Bilder haben bestätigt, dass der Motor nicht durch eine Explosion zerstört wurde. Meilenstein der Technikgeschichte Für das Verkehrshaus der Schweiz ist die Bergung des Motors eine einmalige Gelegenheit, ein wichtiges Objekt der Motorengeschichte in die Sammlung aufzunehmen. Der Petrolmotor ist deshalb von grossem Interesse, weil er technikgeschichtlich den Übergang von der Dampfmaschine zum Benzinmotor darstellt. Gegenüber den im 19. Jahrhundert bereits ausgereiften und erfolgreichen Dampfmaschinen versprachen die Petrolmotoren sowohl bezüglich des Personalaufwandes als auch bezüglich des Brennstoffverbrauches einen ökonomischeren Betrieb, da kein dauerndes Beheizen des Kessels notwendig war. Ab 1893 wurden bei der Firma Saurer, die vorerst nur stationär verwendeten Petrolmotoren, auch auf Schiffen eingesetzt. Bei der Maschine der 1899 gesunkenen MS Flora handelt es sich um einen 12-PS-Zwei-Zylinder-Petrolmotor der Firma Saurer. Das Ende der kurzen Blüte der Petrolmotoren erfolgte noch vor 1900. Der Brennstoff Petrol erlebte innert kurzer Zeit einen Preisanstieg, während das Benzin nicht nur billiger wurde, sondern auch einen höheren Wirkungsgrad aufwies. Umfassende Vorarbeiten Das Flora-Wrack wurde im Jahr 2000 von Daniel Bernhard und dem Tauchteam Blue Water Search auf 66 Metern Tiefe entdeckt. Wracks auf dem Seegrund sind im Eigentum des Kantons. Die Luzerner Kantonsarchäologie und das Verkehrshaus haben nach einem umfangreichen Bewilligungsverfahren vereinbart, dass der Motor Eigentum des Verkehrshauses wird. Dies machte für den Berufstaucher Roger Eichenberger von der Firma Divework GmbH in Gersau den Weg frei, um in einem ersten Schritt den Motor mit einem ferngesteuerten Roboter (ROV) vom Schlick zu befreien. Bei mehreren Tauchgängen mussten Gurten und ein Joch für die Bergung am Motor festgemacht und die Schrauben, die den Motor festhalten, entfernt werden. Aufgrund der Tauchtiefe konnte jeweils nur rund 15 Minuten am Wrack gearbeitet werden. Schwierig gestaltete sich die Loslösung des Motors, da niemand genau wusste, wie dieser am Schiffsrumpf festgemacht war.
Keine Artikel in dieser Ansicht.