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Die perkutane tibiale Nervenstimulation (PTNS) ist eine sogenannte Neuromodulationsbehandlung, bei der ein Nerv am Schienbein (Fachbezeichnung: Nervus tibilias) "neuromoduliert" wird. Neuromodulation bedeutet, dass die Wirkweise von Nerven beeinflusst wird und damit das Verhalten von Organen oder Körperfunktionen. Im Fall der Nervenstimulation dieses Nerven kann die Funktionsweise der Harnblase und des Schliessmuskel für Harn und Stuhl postitiv beeinflusst werden.
Hauptanwendungsgebiet der PTNS ist der unwillkürliche Harnverlust bei überaktiver Blase (Dranginkontinenz). Die PTNS kann eine Beruhigung der Harnblase erreichen in bis zu 60% der Fälle. Sie ist eine sehr gute Behandlungsmöglichkeit für Patienten, die die Medikamente gegen Dranginkontinenz (Anticholinergica) nicht vertragen oder bei denen die Medikamente gegen die Dranginkontinenz nicht ansprechen. Sie ist auch eine gute Wahl bei Patienten, bei denen eine Botox-Therapie nicht möglich ist oder nicht gewollt wird.
Die Neuromodulation des Nervus Tibialis (PTNS) wirkt auch bei Dranginkontinenz des Stuhlgangs (unwillkürlicher Stuhlgang).
Ein weiteres Anwendungsgebiet der PTNS ist das chronische Beckenbodenschmerzsyndrom (Fachbegriff: pelvic pain syndrome-PPS) bzw. chronische Prostatitis. Die PTNS führt zu einer Berühigung des Beckenbodens und Abnahme der krampfartigen Schmerzen.
Mit Hilfe einer extrem dünnen Akkupunkturnadel wird ein ganz feiner elektrischer Stromimpuls an den Scheinbeinnerv herangebracht. Dieser Stromimpuls führt zu einem verstärkten Nervenreiz, der im Rückenmark im gleichen "Schaltzentrum" umgeschaltet wird wie die Nerven, die für die Harnblase und den Schliessmuskel zuständig sind: das sogenannte "sakrale Miktionszentrum".
Diese minimal invasive Methode wird ambulant durchgeführt. Die Therapie dauert 12 Wochen mit 1 Sitzung pro Woche von 30 Minuten Dauer. Das Ansprechen der Therapie zeigt sich bei den meisten Patienten nach der 4. bis 6. Sitzung. Für Patienten die auf die Behandlung ansprechen, empfiehlt sich eine Erhaltungstherapie alle 3 Wochen. Alternativ kann hier auch auf das Heimprogramm gewechselt werden und anstatt der Akkupunkturnadel eine Klebeelektrode verwendet werden. Nachteilig ist bei den Klebeelektroden, dass die Stromabgabe geringer und ungenauer ist, so dass oft eine geringeres Ansprechen beobachtet wird. Das kann ausgeglichen werden über eine häufigere Behandlung.
Die Neuromodulation des Schienbeinnerven (PTNS) ist ein minimalinvasives Verfahren und extrem risikoarm. Die häufigsten Nebenwirkungen werden durch den Einstich der Akkupunkturnadel verursacht und sind vorrübergehend: leichte Rötung und kurzer Schmerz an der Einstichstelle, selten Entzündung an der Einstichstelle. Bei starker Reaktion auf den Einstich kann man die Beschwerden mit einem kräftigen Mückenstich vergleichen.
Sehr selten kommt es zu einem Drücken in der Magengegend während der Behandlung. Diese lässt sofort nach Ende der Behandlung nach. Die PTNS löst keine Magengeschwüre aus.
Leider ist die Neuromodulation PTNS in der Schweiz nicht weit verbreitet und nur wenige Zentren führen diese routinemässig durch. Wissenschaftlich hat das Verfahren die drei härtesten Prüfungen der urologischen Fachwelt für Therapiemethoden erfolgreich bestanden - und das vor über 10 Jahren:
Leider gibt es noch keine Leistungspflicht der Krankenkasse. Der Antrag wurde gestellt und das Prüfverfahren läuft. Die meisten Krankenkassen übernehmen aber die Kosten der Behandlung, wenn vorher eine gut begründete Kostengutsprache gestellt wird unter Verweis auf die klaren Empfehlungen der international führenden Fachgesellschaften.
Bei Hauterkrankungen im Bereich des Unterschenkels, bei Herzschrittmacher oder Defibrillator, bei bestehender oder geplanter Schwangerschaft und nach Operationen an Gefässen oder Nerven im Unterschenkelbereich kann diese Behandlung nicht durchgeführt werden.