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Als Ebbe und Flut wird das regelmäßige Steigen und Sinken des Wasserspiegels der Ozeane bezeichnet. Schon in der frühen Menschheitsgeschichte wurde dies in Zusammenhang mit dem Stand des Mondes gebracht. Tatsächlich ist hauptsächlich die Anziehungskraft des Erdtrabanten für die Entstehung verantwortlich. Vereinfacht gesagt zerrt die Schwerkraft des Mondes an der Erde. Die feste Erdkruste gibt ihr nicht nach, aber das Wasser der Meere folgt dieser Kraft. Auf der Seite der Erde, die dem Mond am nächsten steht, sammelt sich Wasser und bildet einen Flutberg.
Auch auf der anderen Seite der Erde entsteht ein Flutberg oder Hochwasser. Sehr oft wird dies mit der Fliehkraft erklärt. Richtig ist, dass die Anziehungskraft des Mondes von der ihm naheliegenden Seite der Erde bis zur anderen Erdseite erheblich abnimmt. Wird das Wasser auf der einen Seite noch stark angezogen, lässt diese Anziehung am Mittelpunkt der Erde bereits nach. Auf der dem Mond gegenüberliegenden Seite ist die Anziehungskraft zu gering, um das Wasser anzuziehen. Es entsteht ebenfalls ein Flutberg des zurückbleibenden Wassers. Nicht ganz so hoch wie der erste. Zwischen diesen Flutbergen zieht sich das Wasser zurück und Niedrigwasser oder Ebbe bildet sich. Der Umriss der Erde wird in Richtung des Mondes in die Länge gezogen.
Die Erdrotation
Würde lediglich die Schwerkraft des Mondes auf das Wasser der Ozeane wirken, wäre Ebbe und Flut ein statischer Zustand. In Wirklichkeit ziehen die Gezeiten in einem Rhythmus von zwölf Stunden und fünfundzwanzig Minuten über die Erde und ihre Meere hinweg. Dieser einmalige Wechsel der Gezeiten wird Tide genannt. Die Zeitspanne von etwas mehr als einem Tag für einen zweifachen Wechsel von Ebbe und Flut ergibt sich aus der Kombination von Erddrehung und gemeinsamer Drehung von Mond und Erde. So lange dauert es, bis die Erde dem Mond wieder die gleiche Stelle zuwendet. In dieser Zeit wird einmal die erste Flut auf der dem Mond zugewandten Seite erreicht und einmal die zweite, etwas niedrigere Flut auf der dem Mond abgewandten Seite der Erde.
Die Anziehungskraft der Sonne
Auch die Anziehungskraft der Sonne wirkt auf die Ozeane ein. Doch obwohl unser Fixstern um ein Vielfaches größer ist als der Mond, fällt ihre Anziehungskraft schwächer aus. Die Sonne ist zu weit von der Erde entfernt. Trotzdem beeinflusst sie die Gezeiten. Stehen Sonne, Mond und Erde auf einer einzigen gerade Linie, wirkt ihre Anziehungskraft zusätzlich auf die Flutberge ein und erhöht diese. Eine Springtide mit besonders großem Unterschied zwischen Ebbe und Flut entsteht. Bilden Sonne und Mond einen rechten Winkel mit der Erde als Scheitelpunkt, wirkt sie der Anziehungskraft des Mondes entgegen und Flut und Ebbe unterscheiden sich kaum. Es kommt zu einer Nipptide.
Die unterschiedliche Beschaffenheit, Größe und Lage der Meere und Kontinente sorgen dafür, dass die Gezeiten der einzelnen Ozeane und Küsten unterschiedlich ausfallen. Während die Tiden auf großen Meeren kaum zu erkennen sind, kann der Wasserstand zwischen Ebbe und Flut an Küsten bis zu vierzehn Meter variieren.