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Anders als in anderen Ländern war die Disco-Szene in den USA immer politisch geprägt. Es ging um die Endstigmatisierung von offen gelebter Sexualität, den Kampf gegen Rassismus und Homophobie und generell um mehr Toleranz. Das Epizentrum der amerikanischen Disco-Bewegung stellte dabei ohne Frage New York dar, mit seinen zahlreichen Nachtclubs. Viele dieser Clubs erlaubten queeren Menschen auch einen Safe-Space, wo sie ihre wahre Identität ausleben konnten und sich nicht mehr den gesellschaftlichen Konventionen der Zeit fügen mussten. So war es vor allem die queere Community, welche die ersten grossen Dancefloor-Hits von Legenden wie Donna Summer und Giorgio Moroder aufnahmen. Viele Texte dieser Songs wurden von den queeren Partyganger*innen so umgedeutet, dass sie eine höhere Bedeutung für ihre eigenen Lebensrealitäten bekamen. So wurde zum Beispiel «Free Man» von der Disco-Band «South Shore Commission» zu einer Hymne für die Rechte der LGBTQ+ umgedeutet, obwohl die Band mit dem Song eigentlich die Gleichberechtigung von People of Color besingen wollte.
Doch popularisierten queere Menschen nicht nur diverse Disco-Hits, sondern mischten auch selbst in der Szene mit. Das wohl bekannteste Beispiel hierfür ist die Band «Village People», deren Songs «YMCA» oder «Go West» heute immer noch überall zu hören sind. Was dabei oft verloren geht, ist, dass sich die Band in ihren Texten oft an die LGBTQ+ Community wandte und ihnen versuchte, durch ihre ansteckenden Disco-Hits Mut zuzusprechen. Ein anderes Beispiel für einen queeren Artist, welcher bis heute einen grossen musikalischen Einfluss ausübt, ist Valentino, welcher 1975 die Single «I Was Born This Way» herausbrachte. Auf dem Track singt der geoutete Musiker darüber, dass er trotz der gesellschaftlichen Verachtung die er tagtäglich erleben muss, stolz auf seine Identität als homosexueller Mann ist. «I’m happy, I’m carefree and I’m gay… I was born this way». Der Song wurde später von Carl Bean, einem anderen grossen LGBTQ+ Aktivist, gecovered und in weiten Teilen der USA bekannt gemacht. Der Song galt auch als Inspiration für Lady Gagas 2011 erschienen Track «Born This Way».
Als Chic-Frontman Nile Rodgers Ende der 1970er Jahren eines Nachts in den Clubs von New York unterwegs war, sah er sechs Dragqueens, die sich alle als Diana Ross verkleidet haben. Erfreut von der Tatsache das Ross’ Musik von queeren Leuten aufgenommen und gefeiert wurde, schrieb er zusammen mit Diana Ross den Song «I’m Coming Out». Das musikalische Dankeschön an die queere Community kam schliesslich 1980 auf den Musikmarkt gilt heute noch als eine der grössten Pride-Hymnen überhaupt.
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