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Vorwort
Im September 2018 durfte ich 2.2 Parias flavomaculatus (NZ18) aus Deutschland übernehmen. Da es sich um echte Nachzuchten handelt, habe ich auf Kotproben verzichtet. Es handelt sich meiner Ansicht nach um die schönsten Vertreter des Parias-Komplexes. An die Farbenpracht kommt höchstens noch Parias malcolmi heran. Diese sind jedoch nicht ganz so bunt wie die schultzei. Bei Erhalt wiesen die Tiere eine Grösse von ca. 16-18cm auf, gewogen habe ich sie nicht.
Beschreibung
Familie: Viperidae (Vipern)
Unterfamilie: Crotalinae (Grubenottern)
Gattung: Trimeresurus
Untergattung: Parias
Art: Parias schultzei (Palawan Bambusotter)
Verbreitung: Ausschliesslich auf Palawan
P. schultzei ist eine mit 80 bis 120cm eher grosse Grubenotter mit einem sich vom Hals deutlich absetzenden, dreieckigen Kopf. Die Grundfärbung von P. schultzei ist grün mit schwarzen Balken und einem gelben streifen, welcher sich auf beiden Seiten über die gesamte Körperlänge zieht und optisch die Rückenschuppen (Dorsale) von den Bauchschuppen (Ventrale) trennt. Ober- und unterhalb des gelben Streifens ist oft zusätzlich ein hellblauer Streifen zu sehen, welcher jedoch nicht bei allen Tieren gleich stark ausgeprägt ist. Ebenfalls sehr markant sind die zusätzlichen roten (manchmal auch orangenen) Stellen, welche sich zwischen den schwarzen Balken befinden und nicht immer gleich stark ausgeprägt sind.
P. schultzei ist ausschliesslich auf Palawan zu finden. Daher auch der deutsche Trivialname Palawan Bambusotter. P. schultzei ist vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Am Tage verstecken sich die Tiere im Geäst, in Gebüschen oder am Boden z.B. unter Rindenstücken. In der Dämmerung machen sie sich auf die Suche nach einem geeigneten Lauerplatz und verharren dort oft stundenlang (in der für sie typischen Position) in S-Form mit dem Kopf nach unten und lauern auf Beute. Das Beutetier wird bevorzugt von Oben gepackt. Aufgrund ihrer arboricolen Lebensweise haben sie einen stark ausgeprägten Greifschwanz.
Wird ein Beutetier in ihrer unmittelbaren Umgebung wahrgenommen, schlagen sie blitzschnell zu und behalten die Beute in der Regel solange im Maul bis die Wirkung des Giftes einsetzt und beginnen dann mit dem Fressen.
P. schultzei ist ein eher aggressiver Vertreter des Parias-Komplexes und beisst recht schnell schon bei geringer Störung zu. Jungtiere suchen auch schon mal das Weite, wenn sie gestört werden. Trotzdem lassen sich die Tiere mit dem Haken gut händeln. Allgemein gilt es natürlich die Tiere so wenig wie möglich zu stören.
Haltung
Jungtiere
Ich ziehe meine Jungtiere in modifizierten BraPlast-Dosen auf, welche in einem Rack stehen. Die Deckel der Dosen wurden vollflächig durch Gaze ersetzt. In die Front wurden 3-4 Reihen Löcher gebohrt. Denn; eine gute Belüftung (und dementsprechend ein relativ schnelles Abtrocknen nach dem Sprühen) ist Grundvoraussetzung für eine lange und erfolgreiche Haltung dieser wunderschönen Bambusottern. Der Bodengrund besteht lediglich aus Haushaltpapier. Viele Halter setzen mittlerweile bei ihren Aufzuchtbecken auf Plastikgitter als Klettermöglichkeit. Ich verwende lieber nach wie vor kleine Äste, welche ich aus Lianen zurechtschneide. Weiter darf natürlich ein Wassergefäss nicht fehlen.
Ich halte die Tiere bei 25-27 Grad tagsüber und bei ca. 20-23 Grad nachts. Gesprüht wird 4-5 Mal in der Woche. Durch die vollflächige Gaze im Deckel der Dosen trocknen diese in 4-6 Stunden wieder ab.
Ich tränke alle meine Parias-Arten jeden Tag mit einer Pipette. Die schultzei nehmen dies gerne an und trinken so fast täglich. Das Trinken nach dem Sprühen konnte ich hingegen bei dieser Art noch fast nie beobachten, was ich jedoch auf das gute Trinkverhalten mit Pipette zurückführe. Sie koten und urinieren jedenfalls regelmässig und häuten sich problemlos an einem Stück.
Adulte Tiere
Die adulten Tiere werde ich in Becken mit den Massen lxbxh 120x60x80 (Weibchen) und 80x60x80 (Männchen) halten. Der Bodengrund besteht aus einem Gemisch aus Blumenerde und Cocoshumus und ist um die 20-25cm tief. Als Klettermöglichkeiten greife ich auf Lianen und Korkäste sowie Korkrinde als Ablageflächen zurück. In allen Parias-Becken kommen ausnahmslos lebende Pflanzen (Epipremnum und Ficus) zum Einsatz, da diese ein gutes Klima unterstützen. Die diversen Mulden/Wannen der Lianen eignen sich zudem perfekt als Wassersammelstellen. Dazu habe ich die Mulden/Wannen dünn mit Aquariensilikon bestrichen. Auch die adulten Tiere werden bei 25-27 Grad tagsüber und bei ca. 22-23 Grad nachts gehalten und 4-5 Mal in der Woche gesprüht.
Wie bei allen (oder zumindest bei den meisten) Trimeresurus ssp. sollte auf eine ausreichende Belüftung geachtet werden, da es ansonsten zu Lungenerkrankungen kommen kann. Ich habe bei meinen Becken grosszügige Lüftungsflächen vorgesehen um Stickluft und eine dauerhaft zu hohe Luftfeuchtigkeit zu vermeiden. Becken mit weniger grossen Lüftungsflächen statte ich zusätzlich mit kleinen PC-Lüftern aus. Diese lasse ich alle 2 Stunden für ca. 5-10 Minuten laufen.
Die Becken werden mit UV-B Leuchtstoffröhren beleuchtet. Dies dient jedoch eher dem Pflanzenwuchs. Für einen lokalen Wärmeplatz werden MH-UV Spots eingesetzt.
Ernährung
Bei diesem Thema scheiden sich die Geister. Viele befreundete Halter und Züchter sind sich einig, dass sich der Parias-Komplex in freier Wildbahn wohl eher nicht regelmässig von Nagern ernährt (ähnlich dem Tropidolaemus-Komplex), sondern eher von Echsen und Fröschen. Wie schon Dick Visser (Asian Pitvipers – Breeding Experience & Wildlife, 2015) beschreibt, werden sich vor allem Jungtiere in erster Linie von Fröschen und Geckos ernähren. Bei älteren Tieren könnten ebenfalls Vögel zur Beute zählen. Trotz dieser Einsicht füttern alle befreundeten Halter nur Nager oder ab und zu Vögel und scheinen gute Ergebnisse zu erzielen in Bezug auf Lebenserwartung und Nachzuchten. Es wird auch damit argumentiert, dass die Tiere über Grubenorgane verfügen und deshalb sicher Nager fressen. Allerdings haben auch Tropidolaemus ssp. Grubenorgange und dort kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass die Tiere genau so gut auf Echsen reagieren wie auf Nager.
Ich selbst verfüge noch nicht über genügend Erfahrung in der Haltung von Parias sp. um mir abschliessend darüber ein Urteil bilden zu können, ob die Tiere nicht doch komplett mit Echsen und Fröschen gefüttert werden sollten. Meine Jungtiere machen jedoch den Anschein, als könnten Sie mit Babymäusen überhaupt nichts anfangen. Deshalb muss man den Tieren das Fressen von Nagern “antrainieren”. Ein für mich eigentlich eindeutiger Indikator dafür, dass wir die Tiere nicht mit dem korrekten Futter versorgen. Dazu aber unten im Abschnitt “Jungtiere” mehr…
P. schultzei sind Lauerjäger, welche sich nicht wirklich viel bewegen. (Eine Ausnahme bildet vielleicht die Suche nach einem geeigneten Lauerplatz am Abend oder die Suche nach einem geeigneten Paarungspartner). Somit dauert auch der ganze Verdauungsvorgang etwas länger als bei Tieren, welche einen grösseren Bewegungsdrang haben (wie z.B. Elapiden). Es ist ratsam die Tiere nicht allzu oft zu füttern. Eine Überfütterung kann bei den Tieren ernsthafte Folgen wie Verdauungsprobleme oder Verstopfungen nach sich ziehen – erst recht, wenn diese nur mit Nagern gefüttert werden. Zudem verfetten die Tiere sehr schnell. Ein Fütterungsintervall bei adulten Tieren von 6 bis 8 Wochen hat sich bei mir bewährt. Sollte mit Amphibien und/oder Echsen gefüttert werden, so kann der Intervall sicherlich verkürzt werden.
Jungtiere
Wie bei den meisten Jungtieren im Trimeresurus-Komplex machen einem auch die Palawan Bambusottern das Leben schwer, wenn es ums Füttern geht. Sie sind die mit Abstand schwierigsten Fresser, welche ich je in meinem Bestand hatte. Es war einfacher T. purpureomaculatus ans Futter zu bekommen und diese gelten als sehr heikel. Viel Geduld und Zeit sind deshalb gefragt um die Tiere ohne Stopfen ans Futter zu kriegen. Meine Jungtiere schnappen zwar nach der Beute, wenn diese jedoch zu gross ist, wird diese umgehend wieder ausgespuckt. Obwohl die Jungtiere grössenmässig bereits ganze Babymäuse vertragen würden, wird nur geschluckt, was ins Maul passt und dort auch kleben bleibt. Es muss also mit sehr kleinem Futter begonnen werden. Ich verwende dazu Fleischstücke von Rattenoberschenkeln oder Beine von Babymäusen. Man ärgert die Tiere bis sie zubeissen und verharrt dann sofort regungslos bis sie damit beginnen das im Maul klebenbleibende Fleischstück mit der typischen “Kaubewegung” herunterzuschlucken. Verharrt man nach dem Biss nicht regungslos bis die Tiere mit dem Schlucken beginnen, so wird die Beute (in den meisten Fällen) sofort wieder ausgespuckt. Eines, der vier Tiere (ein Männchen) hat dabei das Futter auch schon mal über Nacht im Maul behalten und nicht geschluckt. Dieses Verhalten erachte ich als eindeutigen Indikator dafür, dass sich Jungtiere in der Regel nicht von Nagern ernähren. Es entspricht einfach nicht der Natur, dass sich eine Spezies gegen den natürlichen Instinkt zu fressen wehrt. Zumindest nicht dann, wenn es sich um eine, im natürlichen Futterspektrum der Tiere vorkommende, Beute handelt.
Man muss den Tieren also das Schlucken von Nagern “antrainieren”. Ich bezweifle nicht, dass dies ein gangbarer Weg ist… ob sich jedoch die (mutmasslich) falsche Fütterung nicht doch auf die Lebenserwartung der Tiere auswirkt?
Da ich mangels Alternative und rückwirkend betrachtet vor der Anschaffung ehrlicherweise wohl zu wenig Recherche betrieben habe, habe auch ich damit begonnen die Tiere auf Nager zu trainieren. Die Tiere fressen aber auch heute, 2 Monate nach erhalt, noch schlecht. Mittlerweile fressen drei der Tiere zwar recht grosse Stücke, im Vergleich zur erreichten Körpergrösse (ca. 22cm) müssten sie jedoch bereits mindestens ganze Babymäuse fressen. Zum Vergleich; meine V. gumprechti sind ungefähr zur gleichen Zeit auf die Welt gekommen, waren damals noch etwas kleiner als die schultzei, sind jetzt um die 26cm gross und fressen bereits behaarte Nager.
Da eines der Tiere immer noch nicht richtig frisst, habe ich mir zum Testen (und um das Tier mal richtig gut zu füttern) Jungferngeckos besorgt. Ich bin davon ausgegangen, dass das Tier ohne zu zögern zugreifen wird. Zu meiner grossen Überraschung wurde der Gecko zuerst ganz ignoriert. Nachdem er in die Nähe der schultzei kam, biss diese zwar zu, liess aber sofort wieder los und ignorierte den Gecko danach wieder. Auch ein späteres Aufsuchen des toten Futtertiers konnte nicht beobachtet werden. So entfernte ich am nächsten Morgen das tote Futtertier enttäuscht aus der Aufzuchtbox. Andere Geckoarten habe ich danach mangels Angebot nicht mehr getestet. Eine Alternative wäre gewesen, noch mit kleinen Fröschen zu testen, aber da das Tier anschliessend wieder Mäuseteile gefressen hat, hatte ich zu wenig Motivation mich um entsprechende Frösche zu bemühen. Ich werde diese 4 Tiere nun weiterhin mit Nagern aufziehen und mich in der Zwischenzeit nach entsprechenden Fröschen zum Testen umsehen. Sollten Frösche angenommen werden, so werde ich für künftige eigene Nachzuchten (fingerscrossed) eine Froschzucht aufbauen. Diese kann dann auch für das Aufziehen von Parias flavomaculatus und Parias sumatranus verwendet werden. Ich möchte meine eigenen Nachzuchten bis zu einem gewissen Alter dann vollständig mit kleinen Fröschen und Geckos (wenn sie angenommen werden) aufziehen. Bedenken, dass die Tiere später einmal keine Nager annehmen werden, habe ich nicht. Ich glaube, dass die Tiere ab einer gewissen Grösse Nager nicht verschmähen werden.
Bericht wird laufend ergänzt…
Stand: 06.11.2018/cr