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Der Künstler Gottfried Honegger würde dieses Jahr seinen hundertsten Geburtstag feiern. Mit der ETH Zürich verbinden ihn nicht nur seine beiden grossen Skulpturen auf dem Campus, sondern auch ein gemeinsames Projekt mit zwei Mathematikern. Eine neue Ausstellung führt zurück ins Jahr 1970, als die Forscher noch nicht an kompakten Laptop sassen, sondern an Grosscomputern, die ganze Räume füllten.
Computerzeichnung von Gottfried Honegger, 1970/71 (© Künstler und Galerie Römerapotheke)
Gottfried Honegger (1917–2016) gilt als einer der prominentesten Vertreter der Konkreten Kunst in der Schweiz. Ausgehend von seiner Tätigkeit als Werbegrafiker entwickelte er im Laufe mehrerer Jahrzehnte eine eigenständige Ausdrucksweise in Zeichnungen, Gemälden und Skulpturen, die wesentlich auf der Rekombination geometrischer Formen beruht. Zwei seiner Werke prägen heute weithin sichtbar den öffentlichen Raum der ETH Zürich: Volume 18 (Campus Zentrum) und Struktur 28 (Campus Hönggerberg).
Im Gegensatz zu anderen Vertretern der Konkreten Kunst wandte sich Honegger von der Vorstellung ab, die gesamte Komposition kontrollieren zu müssen. Er setzte bewusst auf den Zufall als Mitschöpfer seiner Werke und entwickelte eine ganz eigene Methode: „Vorgegebene Elemente und zufälliges Eintreffen“. Dabei würfelte er Farben, Muster, Formen aus und trug diese in ein quadratisches Raster ein. Auf diese Weise entstand nach und nach ein zufallsgeneriertes Bild.
Im Jahr 1969 kam Gottfried Honegger in seinem Wohnort Gockhausen (bei Zürich) ins Gespräch mit Peter J. Huber, damals Professor für mathematische Statistik an der ETH Zürich. Huber erzählte ihm von den Möglichkeiten der Grosscomputer an der Eidgenössischen Technischen Hochschule und schlug ihm vor, das manuelle Würfeln in ein automatisiertes Programm zu übersetzen. Er vermittelte den technisch interessierten Künstler an seinen damaligen Doktoranden Beat Kleiner, der am Grossrechner CDC 1604-A ein statistisches Forschungsprojekt durchführte.
Auf Grundlage von Honeggers Zufallsmethode programmierte Kleiner in der Sprache FORTRAN eine Anwendung, die ein vorgegebenes Raster mit zufällig ausgewählten geometrischen Formen füllte. Diese wurden von einem Stiftplotter des Herstellers Calcomp zu Papier gebracht. Der Einsatz des Computers anstelle des Würfelbechers liess mühelos Hunderte solcher Zeichnungen entstehen.
Vom 11. Mai bis 29. September 2017 sind einige von Honeggers Computerzeichnungen im ETH-Hauptgebäude zu sehen. Die Ausstellung „Der Zufall hat es gut gemeint“ – Max Frisch und Gottfried Honegger geht der Frage nach, welche Rolle der Zufall in der Kunst, in der Literatur und im Leben spielt. Neben Zeichnungen und Skulpturen präsentiert das Max Frisch-Archiv Briefe, Fotos und Werke aus dem Nachlass vom Honeggers engem Freund Max Frisch.
Ausstellungsbereiche:
- Max Frisch-Archiv an der ETH-Bibliothek
H-Stock, Lesesaal Sammlungen und Archive
- ETH Zürich, Department of Mathematics
G-Stock, Ausstellungsvitrinen vor dem Raum G1
Rahmenprogramm:
- 10. Mai 2017, 18 Uhr
Vernissage mit Thomas Strässle und Michael Gnehm
Ort: Max Frisch-Archiv an der ETH-Bibliothek
- 28. Mai 2017, 17 Uhr
Max Frisch: „Der Mensch erscheint im Holozän“ – Szenische Lesung in Honeggers ehemaligem Atelier
Ort: Atelierhäuser am Waldrand, Ewa und Stefan Rotzler, Meisenrain 75-79, Gockhausen
Zutritt: CHF 50,- / Infos und Anmeldung per E-Mail an info (at) a2w (punkt) ch
- 28. Juni 2017, 18 Uhr
Führung: „Gottfried Honegger und die ETH: Volume 18, Computer Art und Max Frisch“
Ort: ETH Zürich, Hauptgebäude, vor der Nordfassade (Tannenstrasse)
Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Max Frisch-Archivs.
Konzeption: Agnese Quadri und Tobias Amslinger