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Das EU-Parlament diskutiert über die Abschaffung der Zeitumstellung. Wird die Vorlage angenommen, dann würden die Uhren im Oktober 2021 ein letztes Mal umgestellt. Danach würde dauerhaft Sommer- oder Winterzeit gelten, je nachdem, wie das EU-Parlament entscheidet.
Umfragen zeigen, dass eine Mehrheit der EU-Bürger eine dauerhafte Sommerzeit bevorzugen würde. Christine Blume forscht am Zentrum für Chronobiologie der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel und der Universität Basel. Sie beschäftigt sich hauptsächlich mit dem menschlichen Biorhythmus.
Christine Blume
Kognitive Neurowissenschaftlerin an der Universität Basel
Blume ist Psychologin und hat zusätzlich Neurobiologie und Pharmakologie in Camebridge studiert. Sie arbeitet seit 2019 am Zentrum für Chronobiologie der Universiären Psychiatrischen Kliniken Basel und der Universität Basel. Sie beschäftigt sich hauptsächlich mit dem menschlichen Biorhytmus.
SRF News: Was würde eine dauerhafte Sommerzeit für die Menschen bedeuten?
Christine Blume: Konkret bedeutet es, dass die Sonne im Winter eine Stunde später aufgehen würde. Sie würde auch eine Stunde später untergehen, im Vergleich zur Winterzeit. Die Forscher sind sich nicht ganz einig, welche Effekte das auf die Gesundheit hat.
Es gibt keine Studie, die direkt untersucht, was passiert, wenn die dauerhafte Sommerzeit eingeführt wird.
Aber es gibt Befürchtungen, dass es negative Effekte haben könnte.
Welche denn?
Es könnte negative Effekte auf die Stimmung oder auch auf Krebserkrankungen haben.
Wie hoch schätzen Sie die möglichen negativen Folgen ein?
Ich glaube, es ist nicht wahrscheinlich, dass es starke negative Effekte gibt. Keine Studie hat direkt untersucht, was passiert, wenn die dauerhafte Sommerzeit eingeführt wird. Das müsste eine ganz gross angelegte Studie sein. Alles was wir haben, sind indirekte Befunde und die deuten darauf hin, dass es sein könnte, dass es negative Effekte geben könnte. Aber selbst wenn die kommen sind sich die Forscher nicht einig, wie gross die sein werden.
Zwei bis drei Prozent mehr Symptome für Winterdepression: Man muss berücksichtigen, dass die untersuchten Städte auf der Höhe von Oslo oder sogar noch weiter nördlich lagen.
Was wären denn mögliche Vorteile einer dauerhaften Sommerzeit?
Die Vorteile sind in der Lebensqualität zu suchen. Wahrscheinlich war dies der treibende Faktor hinter dem Ergebnis dieser EU-weiten Umfrage. Die Menschen geniessen es im Sommer einfach, eine Stunde länger Tageslicht zu haben.
Eine Erfahrung aus Russland gibt es schon
In Russland wurde 2011 die dauerhafte Sommerzeit eingeführt. Viele klagten über negative Folgen für die Gesundheit, sie hatten Schlafstörungen oder Depressionen. Deshalb wurde der Entscheid 2014 wieder zurückgenommen. Jetzt gilt die permanente Winterzeit in Russland.
Zeigt das Beispiel aus Russland, dass die dauerhafte Sommerzeit starke negative Folgen haben kann?
Wenn man sich diese Studie genauer anschaut, sieht man, dass die Effekte nicht so stark sind. Zum einen haben die Forscher einen Anstieg von Symptomen von Winterdepression von ungefähr zwei bis drei Prozent gefunden. Man muss allerdings berücksichtigen, dass die Städte, die dort untersucht wurden, hauptsächlich oberhalb des 60. Breitengrades lagen, das heisst, auf der Höhe von Oslo oder sogar noch weiter nördlich. Deshalb ist es schwierig, daraus abzuleiten, was die Effekte für Zentraleuropa oder die Schweiz wären.
Das Gespräch führte Janis Fahrländer.