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Zwei englische Landwirte geben im Interview Auskunft über den Brexit. Einer war gegen den Austritt Grossbritanniens aus der EU, einer dafür. Beide sprechen über ihre Beweggründe und ihre Vorstellungen der Zukunft.
Text: Julia Spahr
Bilder: Beitragsbild: http://publicdomainpictures.net; Bilder der Landwirte: zvg
Julia Spahr: Herr Edwards, Sie sind Landwirt in Eye, Suffolk, und waren gegen den Brexit, warum?
Trevor Edwards: Ich fühle mich als Europäer, wegen der Nähe zum Kontinent. Nach dem Bau des Euro-Tunnels sind wir unseren Nachbarn noch näher gekommen. Ausserdem bestehen mit dem Kontinent wichtige Handelsverbindungen ebenso wie Freundschaften. Ich kann nicht glauben, dass unser Premierminister all das wegwirft wegen einer Mehrheit von 2 Prozent in einem unüberlegten Referendum.
Was machen Sie auf Ihrem Betrieb?
Mein Vater fing in den 1940er-Jahren mit der Produktion von Truten an. Ursprünglich bewirtschafteten wir 110 Hektaren, heute sind es 250, weil wir uns mit Nachbarbetrieben zusammengeschlossen haben. Wir bauen Weizen, Gerste und Raps an. In den 1970er-Jahren haben wir uns auf die Trutenzucht spezialisiert. Heute haben wir 10000 Truten und liefern Bruteier an Bernard Matthews Foods. Das ist eine Firma mit vielen Handlungsverbindungen mit Europa.
Was, denken Sie, sind die Konsequenzen des Brexit für die britische Landwirtschaft?
Ich befürchte, dass der Brexit schädliche Auswirkungen auf die Landwirtschaft haben wird, weil unsere Produkte Teil von globalen Handlungsverträgen werden könnten und wir in der Zukunft beispielsweise einem drohenden südamerikanischen Pouletimport ausgesetzt sein könnten.
Und für Sie als Bauer persönlich, was sind die Auswirkungen?
Seit 2000 habe ich, wie viele andere Bauern, von EU-Umweltsubventionen profitiert. Über fünf Prozent meiner Farm sind in einem Erhaltungsprogramm, wie etwa 6 Meter Gras- und Blumenborde. Diese bringen viele Vorteile für Wildtiere, und mein Interesse an Vogelbeobachtungen wurde belohnt, besonders, was Schleiereulen angeht. Diese Woche haben wir fünf Schleiereulen beringt. Ich fürchte, dass diese Zahlungen wegfallen, was negative Auswirkungen auf all das hätte.
Was werden Sie nach dem Austritt Grossbritanniens aus der EU anders machen?
Ich werde bestimmt weitermachen mit der Landwirtschaft. Ich habe einen 32-jährigen verheirateten Sohn. Er wird den Betrieb in der vierten Generation übernehmen. Allerdings wird er sich jetzt fragen, warum er seine Karriere als Physiotherapeut vor vier Jahren aufgegeben hat.
Ich bin in meinen Sechzigern, und mein Sohn wird sicher neue Formen für das kleine Freizeitbusiness, das wir auf unserem Hof führen, suchen.
Wie haben Bauern in Ihrem Umfeld auf den Brexit reagiert?
Ich war überrascht, wie gespalten die Meinungen der Bauern waren. Dabei brauchen wir doch ausländische Arbeitskräfte, etwa in der Geflügelhaltung oder im Gemüsebau. Unter meinen neun Angestellten habe ich einen Südafrikaner, einen Bulgaren und einen Letten.
Das Resultat des Referendums scheint mir den Wunsch nach einem «little England» abzubilden, das eine krankhafte Angst vor allem Fremden hat.
Es gibt ein altes Sprichwort, das besagt: «Sei vorsichtig bei dem, was du dir wünschst, du könntest es bekommen.» Wenn Schottland und Nordirland Grossbritannien verlassen und in die EU gehen, dann sind wir tatsächlich nur noch ein «little England».
Julia Spahr: Nun zu Ihnen, Herr Southgate, Sie sind Landwirt in Norfolk und haben für den Austritt Grossbritanniens aus der EU gestimmt. Warum?
Alan Southgate: Mich ärgert, dass die Bevölkerung annimmt, Bauern in der EU seien Parasiten, die die EU-Subventionen nehmen, um Nahrungsmittel zu produzieren. Als Konsequenz davon müssen wir unsere Produkte günstig an Händler verkaufen, und die Supermärkte, die ein Nahrungsmittelmonopol haben, können ihre Profite steigern.
Was machen Sie auf Ihrem Betrieb?
Ich betreibe vor allem Ackerbau. Mit Zuckerrüben, Gerste, Weizen und Kartoffeln. Ausserdem lasse ich auf meinen Weiden Schafe und Rinder grasen.
Was denken Sie, sind die Konsequenzen des Brexit für die britische Landwirtschaft?
Ich bin optimistisch und hoffe, dass die Regierung lokale Produkte auch für unsere fast 70 Millionen Einwohner fördern wird.
Wie schätzen Sie die Konsequenzen ein für Sie als Bauer persönlich?
Die EU-Zuckermarktordnung endet im Jahr 2017. Zuckerrüben waren während der letzten 80 Jahre unser rentabelstes Produkt. Auch ohne Brexit hätte ich also nicht gewusst, was danach passieren wird. Ich bin jetzt aber voller Hoffnung, dass ich weiter bauern und nachhaltige Profite erzielen kann.
Werden Sie nach dem Austritt Grossbritanniens aus der EU etwas anders machen?
Ich hoffe, dass ich mehr Zeit für mich haben werde, statt so viele EU-Dokumente auszufüllen. So werde ich beispielsweise öfter in die Schweiz zum Skifahren gehen können.
Wie haben Bauern in Ihrem Umfeld auf den Brexit reagiert?
Die Meinungen meiner Freunde, die in der Landwirtschaft tätig sind, sind unterschiedlich und bilden ungefähr das Abstimmungsresultat des Referendums ab. Ebenso in meiner Familie: Von meinen vier Kindern haben zwei für und zwei gegen den Brexit gestimmt.
Ach ja, was ich noch vergessen habe zu sagen: Ich hoffe, dass wir nach dem Austritt Grossbritanniens aus der EU nicht mehr am Euro Vision Song Contest teilnehmen müssen.
Erschienen am 2. Juli 2016 im «Schweizer Bauer».