Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03242.jsonl.gz/70

1501-1833 Ort der Eidgenossenschaft bzw. Kanton der Helvet. Republik. 1833 Trennung in die beiden Halbkantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft. Alte Umschreibungen: stat bzw. statt Basell, burgermeister und rath der statt Basell (1602), Freystand/Freystaat Basel (1798), "Kanton Basel" (ab 1798). Franz. Bâle, ital. und rätorom. Basilea. Amtssprache war Deutsch, Hauptort die Stadt Basel.
Versch. Naturräume prägen das Kantonsgebiet: die Ebene des Oberrheins und die Ausläufer des Schwarzwalds im Norden, das Sundgauer Hügelland und das Tal des Birsig im Westen, der Tafel- und Faltenjura mit den Tälern der Birs und der Ergolz mit ihren Zuflüssen im Süden. Siedlungsgeschichtlich bedeutsam sind die Verkehrswege nach Norden (Rhein) und Westen (Burgund. Pforte) sowie zahlreiche Juraübergänge Richtung Süden.
Zahlreiche Funde sind im spätglazial nicht mehr vergletscherten nördl. Kantonsteil, v.a. in den Tälern der Birs und ihrer Nebenflüsse, zum Vorschein gekommen. Der Faustkeil von Pratteln, ein Einzelfund aus Rohmaterial von Lausen, ist zwischen 100'000 und 300'000 Jahre alt. Vereinzelte Funde des Mittelpaläolithikums (120'000-35'000 v.Chr.) wurden aus Höhlen in Liesberg, Brislach und Pfeffingen sowie von Freilandstationen in Allschwil und Münchenstein zutage gefördert. Eine intensivere Begehung des Gebiets im späten Jungpaläolithikum (ca. 12'000 v.Chr., Magdalénienkultur) ist nachgewiesen in einem Dutzend Höhlen (u.a. Brislach-Kohlerhöhle, Arlesheim-Hollenberg 3) und wenigen Freilandstationen in B. (Bruderholz), Muttenz (Rütihard) und Lausen. In die Mittelsteinzeit (ab ca. 9000 v.Chr.) datieren mehrere Fundstellen im Birstal (Nenzlingen) und im Tafeljura (Muttenz, Pratteln, Lausen), aber auch an Passübergängen (Oltingen-Zig, Eptingen-Chall) im Faltenjura. Die Funde aus der Alt- und Mittelsteinzeit sind nicht nur Überreste der Sachkultur, sondern zeigen auch Aspekte des geistigen Lebens (z.B. Reste von Farbstoffen, Anhänger aus fossilen Schnecken, bemalte Kiesel).
Autorin/Autor: Jürg Tauber
Die Fundorte des Früh- und des Jungneolithikums belegen, dass zu Ackerbau und Viehzucht geeignete Gelände aufgesucht wurden. Frühneolithisch sind bandkeram. Funde von Bottmingen und Allschwil sowie ein Hockergrab in der Ermitagehöhle in Arlesheim (um 5300 v.Chr.). Aus dem frühen Jungneolithikum (ca. 3900 v.Chr.) sind mehr als 120 Freilandstationen auf den fruchtbaren Anhöhen des Tafeljuras sowie ein ausgedehnter Abbau von Silex in Lampenberg (Herstellung geschlagener Silexbeile, die weite Verbreitung fanden) bekannt. Spuren der Horgener Kultur (Spätneolithikum) sind sowohl in Höhensiedlungen (Sissach-Bischofstein, Arboldswil-Kastelenfluh) als auch in Tälern (Reinach-Langrüttiweg) nachgewiesen. Derselben Kulturstufe sind Gräber in Höhlen bei Arlesheim (um 3200 v.Chr.) zuzuweisen. Endneolithisch sind neben Siedlungsspuren in Pfeffingen-Schalberg und Sissach-Bischofstein (Schnurkeramikkultur) Dolmengräber in Aesch (um 2300 v.Chr.) und Laufen sowie Hockerbestattungen und eine Siedlung (?) mit Funden von Glockenbechern in Allschwil.
Autorin/Autor: Jürg Tauber
Die Frühbronzezeit ist im Kantonsgebiet kaum belegt. Die Anfänge einer Höhensiedlung auf dem Wartenberg bei Muttenz sind dieser Periode zuzuordnen, möglicherweise auch ein Beil aus Ettingen-Büttenloch. Die Funde aus der mittleren Bronzezeit konzentrieren sich im unteren (nördl.) Kantonsteil (Muttenz-Wartenberg, Aesch-Fluhstrasse, Pfeffingen-Schalberg). Funde im Quellgebiet von Ergolz und Eibach (Wenslingen, Zeglingen, Oltingen) deuten auf eine gewisse Bedeutung des Erlimoospasses in dieser Zeit hin. Aus der beginnenden Spätbronzezeit stammt das Bronzegiesserdepot von Aesch. Häufig sind Reste von spätbronzezeitl. Siedlungen. Neben Höhensiedlungen wie Sissach-Bischofstein oder Pfeffingen-Schalberg fanden sich zahlreiche Spuren von Talsiedlungen im Birseck, v.a. in Reinach, und in der gleichen Region auch entsprechende Brandgräber (Reinach, Binningen, Muttenz). Anders als für die mittlere Bronzezeit sind nun auch reichl. Funde im oberen (südl.) Kantonsteil nachgewiesen (z.B. Waldenburg-Gerstelfluh, Diegten-Rutenrain, Gelterkinden-Baumgarten).
Autorin/Autor: Jürg Tauber
Die ältere Eisenzeit (Hallstattzeit) ist im Kt. B. sehr spärlich vertreten: Am bedeutendsten sind die befestigte Höhensiedlung Burgenrain (Sissach) und die Talsiedlung in Allschwil-Vogelgärten. Ausserdem befinden sich mehrere Grabhügel mit in der Regel mehrfachen Körperbestattungen in der Hard bei Muttenz und Pratteln. Dort datieren die jüngsten Gräber in den Beginn der jüngeren Eisenzeit (Latènezeit), die auch anderweitig v.a. durch kleine Gruppen von Körpergräbern belegt ist. Mit Ausnahme von Lausen, Diepflingen und Zeglingen konzentrieren sich diese auf den unteren Kantonsteil. Siedlungsreste der Frühlatènezeit finden sich in Gelterkinden (Hausgrundriss, Vorratsgrube), Sissach (Töpfergrube) und Therwil (Vorratsgruben mit verkohltem Getreide). Die Spätlatènezeit ist noch spärlicher vertreten: Bedeutende Funde - wie in Sissach die befestigte Siedlung mit Murus Gallicus auf der Fluh und eine ausgedehnte Siedlung mit Töpferöfen im Talgrund - bleiben die Ausnahme. Erwähnenswert sind die Siedlung auf der Gerstelfluh (Waldenburg) sowie Töpferöfen in Muttenz und Oberwil; sonst gibt es nur Einzelfunde. Wie die latènezeitl. Keramik in röm. Villen zu interpretieren ist, bleibt vorderhand noch unklar; im Fall von Munzach (Liestal) wird eine kelt. Vorgängersiedlung des röm. Gutshofs angenommen. Caesar bezeichnet die damaligen Bewohner des Siedlungsraums B. als Rauriker.
Autorin/Autor: Jürg Tauber
Nach der Gründung der röm. Kolonie Augusta Raurica wurde deren Hinterland mit zahlreichen Gutshöfen aufgesiedelt. Einige datieren in die 1. Hälfte des 1. Jh., andere wurden erst später gegründet. Neben echten Neugründungen dürften einige Gutshöfe auf kelt. Wurzeln zurückgehen. Die bedeutendsten Villen befanden sich vor den Toren von Augusta Raurica (Muttenz-Feldreben, Pratteln-Kästeli, Liestal-Munzach); weiter entfernt liegende waren oft bescheidener (Bennwil, Hölstein). Andere Fundkategorien sind Brandgräberfelder in Allschwil, Reinach und Wenslingen, Tempelanlagen in Bubendorf-Fieleten und Frenkendorf-Schauenburgerfluh sowie die röm. Wasserleitung von Lausen nach Augusta Raurica. Ob alle als "Römerstrassen" bezeichneten Altstrassen tatsächlich röm. Ursprungs sind, ist unsicher. So ist zwar die Begehung des Oberen Hauensteins in röm. Zeit durch einen Inschriftenstein aus Langenbruck und den Fund von Bronzestatuetten in Waldenburg belegt, doch bestehen Zweifel, ob der bekannte Hohlweg in seiner heutigen Form so weit zurückgeht. Nach den Alemannen-Einfällen im späteren 3. Jh. ging die Siedlungsintensität stark zurück. Dennoch blieben neben den Kastellen B. und Kaiseraugst (und wohl auch Liestal) sowie den Wachttürmen am Rhein und den zurückgestaffelten Höhenbefestigungen (Wahlen-Stürmenkopf) etliche Gutshöfe im Hinterland während des 4. Jh. und darüber hinaus bestehen.
Autorin/Autor: Jürg Tauber
Die Zeit um 500 bedeutet im Raum B. nicht das Ende der Antike. Zwar versiegte offenbar die Zufuhr von Luxus-Importwaren und Kleingeld (die Münzreihen der entsprechenden Fundorte enden alle zu Beginn des 5. Jh.), doch zeigen viele Indizien das Verbleiben der galloröm. Bevölkerung links des Rheins an, während rechtsrheinisch in Gräberfeldern wie Kleinhüningen, B.-Gotterbarmweg und Herten (D) vom 5. Jh. an Alemannen nachgewiesen sind. Das Überleben vorgerm. Ortsnamen und die kontinuierl. Belegung der Kastellnekropolen Kaiseraugst und B.-Aeschenvorstadt belegen dies ebenso wie die Tatsache, dass linksrheinisch bis ins mittlere 6. Jh. keine germ. Einflüsse fassbar sind. Erst danach ist eine Germanisierung festzustellen, d.h. die Übernahme germ. Sitten und Tracht durch Romanen sowie eine Zuwanderung fränkisch orientierter Gruppen. Die frühesten Belege dafür finden sich in den Gräberfeldern B.-Bernerring (um 540), Liestal-Radacker und Therwil-Benkenstrasse (2. Hälfte 6. Jh.); alle anderen datierbaren Grabfunde gehören erst dem 7. Jh. an. Kleinere und grössere frühma. Gräberfelder (wobei keines vollständig ausgegraben ist) sind im ganzen Kantonsgebiet bekannt. Von besonderer Bedeutung ist Aesch-Steinacker, wo ein von einem grossen Gräberfeld leicht abgesetzter Adelsfriedhof mit mehreren Kammergräbern in Kreisgräben, Gräbern in einem Vierpfostenbau sowie zahlreichen aussergewöhnl. Beigaben (u.a. Goldfiligranfibel) ausgegraben wurde. Die Grabbeigaben einer Oberschicht zeigen nicht primär eine alemann., sondern eher eine fränk. Orientierung. Neben klassischen fränk. Funden - Ango (Lanze) von B.-Bernerring, Franziska (Streitaxt) von Liestal-Radacker - sind die Trachtteile häufig einem ostfranz.-oberrhein. Formenkreis zuzurechnen.
Kirchen des 7./8. Jh. (teilweise durch Gräber datiert) sowie einzelne Beigaben belegen die Verbreitung des christl. Glaubens. Diese fusst teils auf spätantiker Tradition (Baptisterium und Grabsteine in Kaiseraugst, das durch die Erwähnung des Bf. Iustinian 346 als Bischofssitz ausgewiesen ist, Zwiebelknopffibel mit Christogramm in B.-Aeschenvorstadt), teils wurde sie von einer durch reiche Grabbeigaben erkennbaren Oberschicht getragen. So liegen in der Kirche von Sissach zahlreiche Beigaben führende Gräber einer Adelssippe des 7. Jh., wobei es sich, abgesehen von der ersten Generation ("Stifter"), fast ausschliesslisch um Frauengräber handelt. Dass neben Kirchen mit einer (Aesch-Salbünten) oder ganz wenigen Bestattungen im Kircheninnern auch solche mit zahlreichen Gräbern im Kirchenraum zu finden sind, gründet wohl in versch. Entstehungszeiten und in unterschiedl. Trägerschaften der Kirchen. Neben Eigenkirchen und privaten Stiftungen ist auch an eine bewusste Förderung durch Bischöfe oder Könige zu denken. Letzteres könnte für die Kirche von Aesch-Salbünten mit ihrem grossen Friedhof zutreffen. Sie war Friedhofskirche des hinteren Birseck und löste die einzelnen Reihengräberfelder in Reinach und Aesch-Steinacker ab. Dass ausser der Holzkirche in Buus alle andern frühen Kirchen bereits aus gemörteltem Mauerwerk bestanden, belegt eine starke röm. Tradition.
Gräberfelder und Kirchen zeigen ein dichtes Netz wohl kleinerer Siedlungen an. Die Reste der Siedlungen selbst sind eher spärlich; es handelt sich neben Einzelfunden oft um Grubenhäuser und andere Holzbauten. Besonders wichtig ist Lausen-Bettenach, wo ausgehend von der röm. Besiedlung der mittleren Kaiserzeit eine ungebrochene Kontinuität nachgewiesen werden kann. Mauerwerk des 4./5. Jh. wird überlagert von Siedlungsresten des Früh- und HochMA. Die hohe Befunddichte, die Ortskontinuität sowie Einzelfunde lassen auf eine Siedlung höherer Qualität schliessen (Herren- oder Königshof). Ein anderer Siedlungstypus liegt in Reinach vor. Hier zeigen mehrere Fundstellen zwischen dem 7. und dem 12./13. Jh. eine Verlagerung des Ortskerns.
Schriftl. Quellen geben kaum Einblick in die Siedlungsgeschichte. Mit Ausnahme von B. sind vor 800 nur wenige Orte genannt: In Arlesheim wurde 708 eine curia verschenkt, in Augusta (Kaiseraugst) 752 eine Urkunde ausgestellt. Kaiseraugst ist noch im 7. Jh. als Bischofssitz genannt (615 Ragnacharius, Bf. von Augst und B.) und gab dem Augstgau seinen Namen. Monzacha (Munzach) war um 800 Ort einer Dingversammlung. Spärl. Hinweise in Urkunden, aus späterer Zeit überlieferte Kirchenpatrozinien und archäolog. Funde lassen zwischen dem 7. und 9. Jh. eine nicht nur kulturelle Zugehörigkeit der Basler Region zum Elsass vermuten.
Ein deutlicheres Bild ergibt die Kombination von archäolog. und toponomast. Quellen: Die Siedlungsdichte war relativ gross. Vorgerm. Ortsnamen sprechen für eine Siedlungskontinuität der rom. Bevölkerung. Germ. Ortsnamen belegen einerseits Neugründungen (Eptingen und Reigoldswil), andererseits eine germ. Benennung bestehender Siedlungen (Allschwil, Oberwil, evtl. Binningen). Im Ergolztal findet sich neben einem älteren, rom. Zentrum um Liestal (inkl. Munzach und Lausen-Bettenach) ein jüngeres, germ. geprägtes in Sissach mit seiner Kirche und den beiden als frühma. geltenden befestigten Höhensiedlungen auf der Fluh und auf dem Burgenrain. Bei Letzteren bestehen allerdings für die Datierung ausser bautypolog. Erwägungen keine positiven Hinweise.
In wirtschaftsgeschichtl. Hinsicht ist auf die Töpferofenfunde in Oberwil, Therwil und Reinach hinzuweisen, wo vom 7. Jh. an eine neuartige, sandige Drehscheibenware produziert wurde, welche die bis dahin üblichen rauhwandigen Produkte röm. Tradition ablöste. Wichtiger noch ist die Ausbeutung reichhaltiger Eisenerzlager im Jura, von deren Nutzung zahlreiche, aber nicht direkt datierbare Abbauspuren zeugen. Eine Verhüttung ist u.a. in Lausen-Bettenach nachgewiesen. Eine Eisengewerbesiedlung lag ab etwa 800 bei Munzach. Dort wurde nicht nur Erz verhüttet, sondern das gewonnene Eisen bis zum fertigen Gebrauchsgegenstand weiter verarbeitet.
Autorin/Autor: Jürg Tauber
Aus der Zeit zwischen dem 9. und dem 12. Jh. gibt es für das Gebiet um B. nur wenige Schriftquellen, weshalb über kulturelle, wirtschaftl. und gesellschaftl. Vorgänge, soweit sie nicht archäolog. fassbar sind oder sich aus jüngeren Quellen erschliessen lassen, kaum differenzierte Aussagen möglich sind. Herrschaftl. Strukturen sind im Basler Raum für das 9. Jh. mit der gelegentl. Erwähnung lokaler Machthaber (u.a. Gf. Chadaloh) und Grundbesitzes auswärtiger Klöster nur fragmentarisch bezeugt. Im 10. Jh. gehörte die linksrhein. Umgebung B.s zum Zweiten Königreich Burgund; die Schwäche der königl. Zentralgewalt förderte die Bildung autonomer Adelsherrschaften, namentlich in den dünn besiedelten Waldgebieten des Juras. Die Abtretung B.s an Kg. Heinrich II. um 1006 und der Übergang Burgunds an das Reich unter Konrad II. 1033 änderte an diesen Zuständen nichts, obwohl der Bf. von B. 1041 von Kg. Heinrich III. mit den Grafschaftsrechten im Sisgau belehnt wurde.
Der hochma. Landesausbau erfasste, ausgehend vom vor- und frühma. Altsiedelland, nach und nach die Randzonen der Seitentäler und Hochflächen. Ausser der Erschliessung von Neuland für Siedlungszwecke und zur landwirtschaftl. Nutzung muss dabei auch der Suche und Ausbeutung von Eisenerzlagern, v.a. im Machtbereich der Gf. von Frohburg und im mittleren Birstal, grosse Bedeutung zugekommen sein. Im Zuge des Landesausbaus setzte im 10. Jh. vornehmlich in Rodungsgebieten die Errichtung von Burgen ein (z.B. Altenberg, Vorder-Wartenberg, Ödenburg, Zunzgen). Diese bildeten die Zentren der herrschaftl. Güterkomplexe, die sich im Alt- und Neusiedelland formierten und vom ausgehenden 11. Jh. an in der urkundl. Überlieferung immer deutlichere Spuren hinterliessen. Im 13. Jh. erlebte der Burgenbau seine Blütezeit, im 14. Jh. klang er aus. Zu den urkundlich am frühesten, d.h. bereits um 1100 fassbaren Trägern des Prozesses von Rodung, Burgenbau und Herrschaftsbildung gehörten hochadlige Verwandtschaftsgruppen gräfl. Rangs: Im mittleren Birstal setzte sich das Haus Saugern-Pfeffingen fest, vom Jurasüdfuss her drängten die Gf. von Frohburg in den Sisgau hinein. Die weltl. Herrschaftsrechte des Fürstbf. von B. wurden durch die Gf. von Homberg-Thierstein als bischöfl. Hochvögten ausgeübt. Nicht genauer bestimmen lassen sich die Güter und Rechte der noch vor 1100 ausgestorbenen Gf. von Rheinfelden. Vom Zusammenbruch des Hauses Rheinfelden scheinen die urspr. evtl. edelfreien Herren von Eptingen profitiert zu haben, die im Laufe des 12. und 13. Jh. im Sisgau mehrere burgengestützte Kleinherrschaften errichteten (u.a. Eptingen, Bischofstein, Wildenstein, Gutenfels, Madeln bei Pratteln). Sicher edelfreien Ranges waren die Herren von Ramstein und von Rotberg, deren Güterkomplexe sich am südwestl. Rand des Sisgaus ausdehnten.
Vom Ende des 12. Jh. an beteiligte sich auch der ländl. Kleinadel am herrschaftl. Landesausbau, was die Errichtung zahlreicher Burgen im Rodungsland zur Folge hatte, u.a. Bärenfels, Scheidegg (Gem. Gelterkinden), Schauenburg, Ramlinsburg. Im Laufe des 13. Jh. begann auch der ritterl. Stadtadel B.s, Burgen auf dem Lande zu bauen, u.a. Münchenstein, Angenstein, Landskron (F), Schalberg und Münchsberg (beide Gem. Pfeffingen). Zu diesen Burgen des Stadtadels gehörte meist nur ein kleiner Güterverband, bisweilen eine dörfl. Grundherrschaft.
Im Prozess des Landesausbaus spielten Klostergründungen eine untergeordnete Rolle. Adligen Stiftungen verdankten im 12./13. Jh. im Umfeld des Sisgaus die Klöster Beinwil-Mariastein, Olsberg und Schönthal ihre Entstehung.
Mit landesherrl. Burgen- und Städtegründungen setzte im Basler Raum um 1200 der Territorialisierungsprozess ein. Die Gf. von Frohburg, die im Sisgau Waldenburg, Liestal und Neu-Homberg angelegt hatten, mussten um 1270/80 ihre landesherrl. Ambitionen dem Fürstbf. von B. überlassen, der sich mit der Gründung von Laufen (um 1295) auch im mittleren Birstal festsetzte. Zu den wichtigsten Massnahmen der bischöfl. Territorialpolitik zählte die Integration der meisten autonomen Herrschaftsgebiete im Sisgau und im Birstal in die landesherrl. Lehnsabhängigkeit während des 13. und frühen 14. Jh. In den buntscheckigen Herrschaftsverhältnissen, wie sie um 1300 im Sisgau und im Laufental bestanden, zeichneten sich die späteren Kantons- und Landesgrenzen noch nicht ab.
Die kirchl. Organisation, namentlich die Einteilung des Landes in Dekanate und Pfarreien, wird zwar erst im SpätMA deutlich fassbar, dürfte aber in groben Zügen schon um 1000 bestanden haben. Das ganze linksrhein. Gebiet gehörte vom FrühMA an zur Diözese B. und lag teils im Dekanat Sisgau (heute Kantonsgebiete B.-Landschaft und Solothurn östl. der Birs sowie Rheinfelden), teils im Dekanat Leimental, das ausser dem mittleren Birstal westl. der Birs den südl. Sundgau und das Einzugsgebiet des Birsigs umfasste. Das rechtsrhein. Hoheitsgebiet des Fürstbf. bzw. der Stadt B. gehörte zur Diözese Konstanz.
Autorin/Autor: Werner Meyer
Der Bildung eines kompakten bischöfl. Territorialfürstentums in der Landschaft B. waren im 13. und 14. Jh. enge Grenzen gesetzt, einerseits durch die polit. Präsenz des Hauses Habsburg, unter dessen Lehnsgewalt versch. Herrschaften im Sisgau standen (darunter, bis zum Übergang an B., Muttenz-Münchenstein), andererseits durch autonome Grundherrschaften, die der bischöfl. Lehnshoheit entzogen blieben (u.a. Eptingen, Schauenburg, Wildenstein, Madeln-Pratteln). Um die Mitte des 14. Jh. entstand zudem im Oberbaselbiet ein um die Farnsburg gruppierter Herrschaftsverband der Gf. von Thierstein, zu dem als bischöfl. Lehen nur die Landgrafschaft Sisgau gehörte. Im Birstal stützte sich die landesherrl. Macht des Fürstbf. auf Laufen, im Sisgau v.a. auf die von den Gf. von Frohburg übernommenen Herrschaften: 1245 wurden die Gf. gezwungen, die Herrschaft Birseck an den Fürstbf. abzutreten. 1265 verkauften die Frohburger die Herrschaft Waldenburg, behielten sie aber bis zu ihrem Aussterben 1366 als bischöfl. Lehen. 1303 veräusserte der Homberger Zweig der Frohburger die Herrschaften Liestal und Homberg an den Fürstbf., der diese in landesherrl. Ämter umwandelte, gleich wie 1366 die heimgefallene Herrschaft Waldenburg. Im Birstal stärkte der Fürstbf. seine Machtstellung, als er 1459 die ramstein. Herrschaft Zwingen als erledigte Lehen kassierte und mit einem Vogt besetzte. Im 14. Jh. drohte das an sich noch ungefestigte Gefüge der bischöfl. Herrschaft als Folge wirtschaftl. Zerrüttung auseinander zu fallen. Die wichtigsten Herrschaftsrechte wurden wiederholt verpfändet, z.T. an Habsburg und an die Markgf. von Hachberg.
Eine territorialpolit. Wende trat ein, als die Stadt B., die durch den Loskauf von den stadtherrl. Rechten des Fürstbf. in der 2. Hälfte des 14. Jh. autonom geworden war, zur Erwerbung der bischöfl. Territorien im Sisgau schritt. Nachdem sie bereits 1392 die rechtsrhein. Stadt Kleinbasel gekauft hatte, erwarb sie 1400 pfandweise die Ämter Liestal, Waldenburg und Homberg. (Die Umwandlung der Pfandrechte in festen Besitz sollte erst um 1585 erfolgen.) Bestrebungen B.s, das 1400 gewonnene Territorium zu erweitern, blieben vorerst erfolglos. Pfanderwerbungen bzw. Burgrechtsverträge in Olten (1407-26) und im Laufental (u.a. Stadt Laufen, Herrschaft Neu-Thierstein) gingen jeweils nach wenigen Jahren wieder verloren. Die Stadt verstrickte sich zudem wiederholt in krieger. Konflikte (u.a. Krieg mit Katharina von Burgund um 1410, Schlacht bei Sankt Jakob an der Birs 1444). Erst 1461 erzielte B. mit dem Kauf der Herrschaft Farnsburg von den Frh. von Falkenstein, die 1418 die Gf. von Thierstein beerbt hatten, wieder einen bleibenden Gebietsgewinn.
B.s Verhältnis zur Eidgenossenschaft gestaltete sich im 15. Jh. wechselhaft: Das Bündnis mit Bern und Solothurn im St. Jakoberkrieg brachte B. eher Schwierigkeiten als Hilfe. Im Waldshuterkrieg von 1468 blieb die Stadt neutral. An den Burgunderkriegen 1474-77 beteiligte sie sich als Bündnisglied der Niederen Vereinigung auf der Seite der Eidgenossen, verhielt sich jedoch im Schwabenkrieg von 1499 wiederum neutral. In der 2. Hälfte des 15. Jh. kreuzten sich B.s territorialpolit. Interessen zunehmend mit denjenigen der Stadt Solothurn, die ab etwa 1400 versuchte, im Laufental und im Sisgau Fuss zu fassen, um eine Verbindung mit dem Sundgau zu erhalten. Vorübergehende Besetzungen der Burgen Diegten und Münchenstein blieben ohne Folgen. Dagegen gelang Solothurn 1485 bzw. 1499 die Erwerbung der Herrschaft Dorneck, womit ein längerer Konflikt zwischen B. und Solothurn vorgezeichnet war, da das Dornecker Gebiet in der Landgrafschaft Sisgau lag. Gemäss dem Solothurner Bundesbrief von 1481 reichte der eidg. Hilfskreis bis nach Dorneck. Pfandweise erwarb B. 1470 von den Münch die Herrschaft Muttenz-Münchenstein (1515 in festen Besitz umgewandelt). 1482 bzw. 1487 brachte die Stadt die Herrschaften Diegten und Eptingen an sich und unterstellte diese dem Amt Farnsburg. Westl. der Birs vermochte sich B. vor 1500 nicht festzusetzen. Hier behaupteten sich die Machtpositionen des Fürstbf. und der Gf. von Thierstein-Pfeffingen. 1501, beim Eintritt B.s in den Bund der Eidgenossen, war die Territorialbildung B.s noch nicht abgeschlossen. V.a. fehlte bis zum Erwerb von Pratteln 1525 eine direkte Verbindung zwischen der Stadt und den ehemaligen bischöfl. Ämtern im Oberbaselbiet.
Die Erkenntnis aus dem Schwabenkrieg, dass B. aus eigener Kraft sein Territorium nicht zu schützen vermochte, liess nach 1500 den Gedanken reifen, Anschluss an die Eidgenossenschaft zu suchen. Ausschlaggebend für diesen Entscheid waren die Garantien für den Besitz der Landschaft und die Vorteile des kollektiven Sicherheitssystems, welche die eidg. Bünde unter Wahrung weitgehender Selbstständigkeit boten. Dafür nahm B. im Bundesbrief Beschränkungen der aussenpolit. Handlungsfreiheit in Kauf: das Verbot von eigenmächtiger Kriegsführung und von Separatbündnissen mit anderen Mächten sowie die Verpflichtung zu Neutralität und Vermittlungstätigkeit bei innereidg. Konflikten.
Autorin/Autor: Werner Meyer
Während sich zwischen 1300 und 1500 die Bevölkerung der Stadt B. v.a. durch Zuwanderungen von etwa 6'000 auf 10'000 Seelen vergrösserte, dürfte im gleichen Zeitraum auf der Landschaft - allerdings nach unsicheren Hochrechnungen - die Zahl der Bewohner von 4'000 auf 5'000 zugenommen haben. Das machte auf die einzelnen Dorfsiedlungen eine durchschnittl. Population von 50-150 Menschen aus, verteilt auf jeweils etwa 10-40 Haushalte. In Liestal und Laufen werden je etwa 300-500 Leute gelebt haben.
Um 1300 war der Landesausbau in der Umgebung B.s zur Hauptsache abgeschlossen. Das Wachstum der Bevölkerung, durch Pestepidemien ab 1349 wiederholt gebremst, ging indessen weiter und schlug sich z.T. in der Erweiterung der bestehenden Dorfsiedlungen nieder. V.a. aber setzte nun eine zunehmende Abwanderung nach B. und in die landesherrl. Kleinstädte ein. Dies führte im SpätMA, namentl. zu kriegs- und klimabedingten Krisenzeiten, zur teilweisen Verödung von zuvor landwirtschaftlich genutzten Flächen.
Noch im 13. Jh. kam es im Umfeld von Liestal zu einer Siedlungsverlagerung besonderer Art, indem die nächstgelegenen Dörfer wie Munzach oder Bettenach (Gem. Lausen) verlassen wurden, weil sich die Einwohner, wohl auf landesherrl. Anordnung hin, in Liestal niederliessen und das Land von der neu gegr. Stadt aus bestellten. Für Laufen im Birstal ist ein analoger Vorgang anzunehmen. Das Erdbeben von 1356, dessen Epizentrum 10-15 km südl. von B. zu vermuten ist, dürfte an den vorwiegend in Fachwerk errichteten Bauten der Dörfer und Höfe wenig Schaden angerichtet haben. Betroffen wurden v.a. die Kirchen und Burgen. Letztere erlebten nur teilweise einen Wiederaufbau. Überhaupt wurden im 14. und 15. Jh. viele Burgen, errichtet auf marginalem Rodungsland, verlassen und dem Zerfall preisgegeben, was in manchen Fällen auch zur gänzl. oder partiellen Verödung der Burggüter führte. Auch hochma. Einzelhöfe scheinen dem Wüstungsprozess zum Opfer gefallen zu sein. Mehrheitl. aber blieben im Basler Gebiet die im Früh- und HochMA entstandenen dörfl. Siedlungsstrukturen erhalten, die das Bild der Kulturlandschaft weit über den Ausgang des MA hinaus prägten.
Autorin/Autor: Werner Meyer
Die Stadt B. war vom HochMA an das Wirtschaftszentrum (Fernhandel, Zunfthandwerk) am südl. Oberrhein. Kleinere benachbarte Städte wie Rheinfelden, Mülhausen, Laufen oder Liestal standen deutlich zurück. Der Umfang des engeren Basler Wirtschaftsraums, der als Absatzgebiet der städt. Produktion und als Herkunftsbereich der hauptsächl. Rohstoffe sowie der landwirtschaftl. Versorgungsgüter zu definieren ist, lässt sich nur grob umreissen. Er reichte im SpätMA jedenfalls weiter als das territorialpolit. Einflussgebiet der Stadt, denn er umschloss auch die nördl. Teile des Fürstbistums B., das unter thierstein. und später solothurn. Herrschaft stehende Schwarzbubenland, den österr. Sundgau und das Fricktal sowie den südwestl. Schwarzwald. Damit überlagerte er vielfach die herrschaftlich-politischen Strukturen und deren Grenzen. Das Verbreitungsgebiet einzelner Produktionszweige (z.B. Hafnerei) ist durch Bodenfunde baselstädt. Herkunft nachvollziehbar.
B. verfügte in der engeren Umgebung, die in etwa dem späteren Stadtbann entsprach, über einen eigenen landwirtschaftl. Versorgungsraum, der von den Stadtbewohnern selbst bewirtschaftet wurde (Getreide-, Obst-, Wein- und Gartenbau, Viehhaltung). Allerdings reichten die Erträge nicht aus und mussten durch Anlieferungen aus der weiteren Umgebung ergänzt werden. Wichtigstes Herkunftsgebiet landwirtschaftl. Produkte zur Versorgung der Stadt war der Sundgau, wo die Basler Klöster und viele Bürger über umfangreichen Grundbesitz verfügten. Der Sisgau, das Birseck und das Laufental bildeten im SpätMA ein ausgesprochenes Agrarland, in dem die dörfl. Dreizelgenwirtschaft mit Getreidebau (vornehml. Roggen, Weizen, Dinkel) überwog. In Randzonen, die von Einzelhöfen und grundherrl. Burgen aus bewirtschaftet wurden, herrschte die Viehhaltung (Rinder, Schweine, Schafe) vor, unterstützt durch einen extensiven Getreidebau nach dem Egartensystem. Weit verbreitet war der Weinbau, von dessen einstiger Bedeutung noch viele Spuren im Gelände (Terrassen, Stützmauern) zeugen. Auch in den kleinen Städten wie Liestal, Laufen und Waldenburg überwog die landwirtschaftl. Tätigkeit. Unter Stadtbasler Herrschaft hätte sich eine handwerkl. Produktion, die von den Zünften als unerwünschte Konkurrenz empfunden worden wäre, ohnehin kaum entwickeln können. Archäologisch bezeugte Handwerksbetriebe auf Burgen des 11. und 12. Jh. (u.a. Frohburg, Ödenburg) scheinen sich vom 13. Jh. an auf bescheidenes Heimwerk zurückgebildet zu haben. Der Beschaffung von Grundnahrung diente auch der vorwiegend am Rhein und an der Birs betriebene Fischfang bzw. die im 15. Jh. aufkommende Teichwirtschaft.
Eine erhebl. Bedeutung kam der Waldnutzung zu. In die Eichen- und Buchenwälder trieb man die Schweine zur Mast. V.a. aber hatten die Wälder den grossen Bedarf an Bau- und Brennholz (inkl. Holzkohle) zu decken. Wo die Gewässer keine Flösserei erlaubten, entstanden im 14. und 15. Jh. Sägewerke, in denen das Stammholz auf transportable Grössen zerteilt wurde. Für geflösstes Stammholz gab es in Kleinbasel eine Lände. Ländlich-dörfliches Handwerk blieb auf den lokalen Bedarf beschränkt und wurde oft als bäuerl. Nebenerwerb betrieben. Die an Gewässer gebundenen Mühlen befanden sich nicht selten ausserhalb der Dörfer. Häufig bezeugt sind Schmiede und Baumeister. Der im HochMA weit verbreitete Eisenbergbau scheint nach 1300 weitgehend eingestellt worden zu sein, obwohl bis ins 16. Jh. hinein immer wieder unternehmerische Anläufe zur Wiederbelebung versucht wurden (so im Laufen- und Lützeltal). Längs der Verkehrsachsen über den Oberen und Unteren Hauenstein bildete sich eine Infrastruktur für den Warentransit, von dem auch Liestal und Waldenburg profitierten. Wichtigste Verkehrsader war aber der Rhein, v.a. von B. an flussabwärts. Im Wirtschaftsgefüge der Basler Landschaft spielten neben den Zöllen, die an die Stadt B. fielen, Herbergen, Tavernen und sonstige Dienstleistungsbetriebe für den Transitverkehr eine wichtige Rolle.
Autorin/Autor: Werner Meyer
Im Unterschied zur Stadt B. fiel auf der Landschaft, wo - abgesehen von den unbedeutenden Klosterniederlassungen - das kirchl. Personal im Wesentlichen auf die Leutpriester in den Pfarreien beschränkt blieb, die Geistlichkeit prozentual kaum ins Gewicht. Innerhalb der ländl. Gesellschaftsordnung genossen die Dorfpfarrer aber, sofern sie ihre Pflichten ernst nahmen, ein hohes Ansehen, nicht nur wegen ihrer vielfältigen religiösen Aufgaben, sondern auch wegen ihrer Vertrauensstellung als Schreibkundige und wegen ihrer Funktion im dörfl. Wirtschaftsgefüge (u.a. Haltung des Zuchtstiers und Zuchtebers auf dem Widemgut).
Im Laufe des SpätMA erfuhr die Gesellschaftsstruktur eine Veränderung, indem ein Teil der burgsässigen Grundherren ritterl. Standes aus der Gegend verschwanden oder im städt. Bürgertum v.a. B.s oder Rheinfeldens aufgingen. Mit der Übernahme der Landeshoheit durch B. traten an die Stelle der adligen Burgherren Landvögte aus dem städt., auch zünft. Bürgertum, denen die Untertanen den Huldigungseid zu leisten hatten. Dazu kam, dass versch. Kleinherrschaften (u.a. Wildenstein, Schauenburg) im 15. Jh. in die Hand städt. Achtburger übergingen.
Auf die Sozialstruktur der dörfl. Bevölkerung hatten diese Veränderungen in der herrschaftl. Oberschicht keinen Einfluss. An der Spitze der Dorfbewohner standen nach wie vor die Meier und Untervögte, die als Stellvertreter der Herrschaft die lokale Verwaltung und die Gerichtsbarkeit ausübten. Diese Ämter scheinen mehrheitlich innerhalb von Fam. aus der dörfl. Oberschicht vererbt worden zu sein. Den Meiern und Untervögten standen die Inhaber versch. dörflicher Ämter zur Seite, die teils die Aufsicht über die Nutzungsrechte der Herrschaft und der Dorfbewohner führten, teils den Dorfgerichten angehörten. In den Quellen als Amtleute bezeichnet, fungierten sie u.a. als Gescheidleute (zur Kontrolle der Gemeinmarchen), Geschworene, Huber oder Kirchenpfleger. Der Bannwart überwachte die Ordnung in Wald und Flur. Von den zinspflichtigen Bauern hoben sich die Inhaber von herrschaftl. Lehengütern ab, die vom Untertaneneid befreit waren.
Ansätze zur kommunalen Selbstverwaltung gab es in den Städten Laufen, Liestal und Waldenburg, wobei die Beamten - bezeugt sind Schultheissen, Meier und Vögte, in Liestal und Laufen auch ein Rat - v.a. als Vertreter der landesherrl. Gewalt galten. In Liestal und Waldenburg setzte die Stadt B. nach 1400 zunächst eigene Bürger als Schultheissen ein, was die Liestaler zu (erfolglosem) Widerstand reizte.
Im SpätMA wurde die ländl. Untertanenbevölkerung von einer Migrationswelle erfasst, die der Stadt B. v.a. Dienstboten und Gesellen zuführte. Der Solddienst spielte dagegen eine vernachlässigbare Rolle. Die krieger. Verheerungen, die im 15. Jh. das Land wiederholt heimsuchten (u.a. St. Jakoberkrieg, Schwabenkrieg), führten zu einer Destabilisierung der Wirtschafts- und Sozialstrukturen. Dies äusserte sich u.a. in der Bildung von Banden, die das Land, namentlich das Laufental, terrorisierten. Als sich um 1400 die zweite Judengemeinde in B. (eine erste ist belegt von 1213 bis 1348/49) unter Druck auflöste, fanden einzelne Juden ausser im habsburg. Sundgau und im bischöfl. Laufental auch im Sisgau Zuflucht, wurden aber nach dessen Übergang an B. erneut vertrieben.
Autorin/Autor: Werner Meyer
Die kulturelle Bedeutung der Stadt B. spiegelte sich im MA eher in den engen Kontakten mit anderen oberrhein. Städten als in einer intensiven Ausstrahlung auf die ländl. Umgebung. Direkte Beziehungen mit dem Basler Kulturleben unterhielt bis ins 15. Jh. hinein v.a. der Landadel, der am höfischen Fest- und Turnierbetrieb in der Stadt teilnahm. Als wichtiges Zeugnis ritterl. Kultur und Bildung kann das mehrheitlich um 1480 entstandene Familienbuch der Herren von Eptingen gelten. Überdies ist anzunehmen, dass die kirchl. Wandmalereien des 14. bis frühen 16. Jh., wie sie u.a. für Muttenz, Lausen, Ziefen, Ormalingen oder Oltingen bezeugt sind, unter der Beteiligung städt. Künstler entstanden sind. Inwieweit das Konzil von B. kulturell auch auf die Landschaft ausgestrahlt hat, bleibt offen.
Institutionalisierte kulturelle Bindungen der Landschaft an die Stadt B. ergaben sich aus den kirchl. Strukturen. Das religiöse Leben der Bevölkerung spielte sich zur Hauptsache in den jeweiligen Pfarreien ab, die nach dem Filiationsprozess des HochMA territorial weitgehend mit den Dorfgemeinden übereinstimmten. In der Regel besassen die Filialkirchen im SpätMA auch das Begräbnisrecht, was die Entstehung von Friedhöfen bei den meisten Kirchen erklärt. Bis zum Übergang der herrschaftl. Hoheitsrechte an B. bzw. an Solothurn standen die Kirchen unter dem Patronat der adligen Grund- und Landesherren, die unter Beiziehung von Leistungen der bäuerl. Kirchgenossen für den baulichen Unterhalt und die Ausstattung (Kirchenfabrik) aufkamen. Als Ausdruck der spätma. Volksfrömmigkeit bildeten sich in versch. Dörfern sowie in Laufen und Liestal religiöse Bruderschaften mit gemeinsamem Heiligen- und Totenkult. Auch die - bisweilen nur kurzlebigen - Niederlassungen von Beginen sind in diesem Zusammenhang zu nennen. Bedeutende Wallfahrtsorte gab es in der Landschaft B. nicht. Grosse Anziehungskraft übten Zurzach, Einsiedeln sowie im Elsass Rufach und der Odilienberg aus. Im 15. Jh. entstanden in Meltingen und Mariastein lokale Wallfahrtsorte durch adlige Stiftungen. Unter den Kirchweihen kam derjenigen von Liestal durch ihr bis ins Birstal reichendes Einzugsgebiet eine besondere Bedeutung zu. Ausser Prozessionen und anderen religiösen Riten gehörten zur Kirchweih auch Ess- und Trinkgelage, Tanzereien und Wettkämpfe. Eine Schützengesellschaft gab es in Liestal.
Die Alltagskultur der ländl. Bevölkerung beruhte auf brauchtüml. Traditionen, die weitgehend ohne Schriftlichkeit auskamen und somit v.a. in Sach- und Bildquellen fassbar sind. Eine Elementarschule gab es in Liestal, vielleicht auch in Laufen. Erste Kenntnisse im Lesen und Schreiben vermittelten in den Dörfern die Geistlichen (u.a. Zeugnis von Sissach 1504). Wer die Begabung und die sozialen Voraussetzungen für eine höhere Bildung mitbrachte, musste diese in der Stadt B. erwerben.
Autorin/Autor: Werner Meyer
Im 16. Jh. erreichte B. den Stand einer unabh. Stadtrepublik und eines selbstständigen Territorialstaats. Es geschah dies unter gleichzeitiger polit. Integration in die Eidgenossenschaft, der B. 1501 beigetreten war. Diese Einbindung fiel zeitlich zusammen mit der vollständigen Emanzipation von der bischöfl. Herrschaft. Adlig-patrizischer Einfluss wurde ausgeschaltet, und die Zünfte setzten sich als alleinige Träger der polit. Ordnung in der Stadt B. durch. 1521 sagte sich der Rat einseitig von der bischöfl. Oberhoheit los, und 1529 hob er mit der Durchführung der Reformation auch die geistl. Gerichtsbarkeit des Fürstbf. auf. In der Territorialpolitik dagegen besass B. nicht denselben Handlungsspielraum, um eigene Machtinteressen gegenüber benachbarten Herrschaftsträgern, insbesondere Österreich und Solothurn, durchzusetzen. Die städt. Politik blieb hier in erster Linie auf Erhaltung möglichst stabiler Herrschaftsverhältnisse ausgerichtet. Diesem Zweck dienten Burgrechte mit Gem. unter fürstbischöfl. Herrschaft im Birseck und im Laufental 1525, im Delsbergertal und in den Freibergen 1555 sowie Verträge mit den Fürstbf. 1547 bzw. 1559. B. bemühte sich darum, das Fürstbistum polit. und finanziell an die Stadt zu binden, war aber gleichzeitig an dessen äusserem Fortbestand interessiert, denn der Einfluss auf die nördl. Gebiete des Fürstbistums liess sich bei indirekter Abhängigkeit der Fürstbischöfe leichter aufrechterhalten als durch eine offensive Expansionspolitik.
Wirtschaftl. Verflechtungen und die Abhängigkeit der Stadt von der Versorgung aus den umliegenden Territorien, v.a. aus dem Elsass, zwangen nach der Reformation zu pragmat. Positionen in kirchl. und rechtl. Bereichen. Die konfessionelle Polarisierung, welche sich im Verlauf des 16. Jh. verstärkte, stand den wirtschaftl. und sicherheitspolit. Interessen B.s entgegen. 1585 zahlte die Stadt dafür, dass sich ihr rechtl. Verhältnis zum Basler Fürstbf. nach 1521 nicht hatte bereinigen lassen: B. musste sich im Vertrag von Baden einem eidg. Schiedsspruch beugen, der dem Fürstbf. eine finanzielle Abgeltung für den endgültigen Verzicht auf seine alten Herrschaftsrechte zuerkannte und die Basler Burgrechte mit den Gem. im nördl. Teil des Fürstbistums entkräftete. Immerhin erwarb sich die Stadt B. damit die juristisch nicht mehr anfechtbare Unabhängigkeit vom Fürstbf. und den endgültigen Besitz ihres damaligen Territoriums. Nach einer längeren Phase des Lavierens zwischen ref. und luth. Ausrichtung ordnete sich B. nach 1585 wieder stärker in das reformierte eidg. Lager ein. Während des Dreissigjährigen Kriegs sahen sich die Stadt und ihr Untertanengebiet mehrfach in gefährl. exponierter Lage gegenüber kaiserl., schwed. und franz. Truppenaufmärschen im oberrhein. Raum. V.a. Gem. in den Grenzräumen zum Fricktal und zum fürstbischöfl. Territorium wurden von Plünderungen betroffen. Ein polit. und wirtschaftl. Schutzbedürfnis beförderte 1648 die von den ref. Orten unterstützte Mission des Basler Bürgermeisters Johann Rudolf Wettstein nach Münster. Der Westfälische Frieden brachte für B. eine definitive Klärung seiner staatsrechtl. Zugehörigkeit. Gleichzeitig geriet es durch das franz. Vorrücken ins Elsass in direkte Nachbarschaft zur aufsteigenden westl. Grossmacht, deren Festung Hüningen ab 1681 eine militär. Bedrohung darstellte.
Im 16. und 17. Jh. machte die Stadt B. noch einige kleinere territoriale Erwerbungen: Bettingen 1513, die Herrschaft Ramstein mit Bretzwil 1518, Riehen 1522, Biel und Benken 1526, Arisdorf 1532, Binningen und Bottmingen 1534, Kleinhüningen 1640. Von besonderer Bedeutung war der Kauf von Pratteln 1525, der die Landverbindung zu den oberen Ämtern herstellte.
Das Basler Territorium bestand ab 1640 aus den Ämtern Liestal, Waldenburg, Homburg (Homberg), Farnsburg, Münchenstein, Riehen und Kleinhüningen. Das kleine Amt Ramstein mit der Gem. Bretzwil wurde 1673 mit dem Amt Waldenburg vereinigt. Die überkommene Vogteiverwaltung wurde beibehalten: Die bis zur Staatskrise von 1691 vom Kl. Rat, danach vom Gr. Rat eingesetzten Landvögte waren zuständig für die niedere Gerichtsbarkeit, den Abgabeneinzug sowie militär. und polizeil. Aufgaben. Die Vogteien Waldenburg, Farnsburg, Riehen und Kleinhüningen blieben Mitgliedern des Kl. Rats vorbehalten, die übrigen Vogteien wurden besonders nach 1691 auch an Mitglieder einer breiteren zünft. Führungsschicht vergeben. Der Stadtschreiber von Liestal übernahm die schriftl. Verwaltungstätigkeit in den oberen Ämtern Liestal, Waldenburg, Homburg und Farnsburg. Ab 1738 besorgte ein zusätzl. Landschreiber von Sissach aus die Geschäfte für die Ämter Farnsburg und Homburg. Die unteren Ämter Münchenstein und Riehen waren dem Basler Ratssubstitut (Stellvertreter von Stadt- und Ratsschreiber) zugeteilt, Kleinhüningen dem Stadtschreiber von Kleinbasel. Die Amtsführung der Landvögte unterlag der Kontrolle des Gr. und des Kl. Rats, der auch diesbezügl. Beschwerden der Landleute behandelte. Eine Anzahl von Ratskommissionen befasste sich speziell mit der Landschaft (Deputatenamt zur Aufsicht über Kirchen- und Schulgut, Land- und Waldkommission, ab 1738 auch eine Fabrikkommission).
Die Dorfgemeinden besassen neben ihren wirtschaftl. und sozialen Funktionen in unterschiedl. Umfang Anteil an der Rechts- und Friedenswahrung. Eine Reihe dörfl. Ämter (Untervogt, Geschworener, Gerichtsmann, Gescheidmann, Bannwart, Kirchmeier, Bannbruder, Hebamme) wurde von den Gem. allein oder in unterschiedl. Zusammenwirken mit der Obrigkeit aus Angehörigen des Dorfes besetzt. Die örtl. Gerichte mit Untervögten als Stabhaltern urteilten in zivilrechtl. Sachen und wirkten v.a. als Fertigungsinstanzen bei Handänderungen, z.T. auch als Schlichtungsinstanzen. Appellationen gelangten an den Basler Rat bzw. an seine Kommissionen. Zu einer Vereinheitlichung der Rechtsverhältnisse kam es nur ansatzweise. 1611 wurde erstmals eine Landesordnung für die Ämter Waldenburg, Homburg, Farnsburg und Ramstein aufgestellt (1654 und 1757 erneuert). Die Respektierung rechtl. Besonderheiten in den einzelnen Ämtern war dabei unabdingbar.
Zu offenen Krisen im Verhältnis zwischen städt. Obrigkeit und den Ämtern der Landschaft kam es in den Bauernkriegen von 1525 und 1653 sowie im Rappenkrieg 1591-94. Als Folge der Bauernerhebung von 1525 hob der Rat die Leibeigenschaft auf und stellte den Ämtern Freiheitsbriefe aus. Diese Zugeständnisse wurden aber bereits 1532 wieder zurückgenommen. Insgesamt flossen aus der direkten Verwaltung der Landschaft verhältnismässig bescheidene Einkünfte in die Stadtkasse. Ein bedeutender Aufwand für eine kontinuierl. Intensivierung der Herrschaft wurde nicht geleistet. Merkl. Eingriffe in die polit. Rechte des ländl. Untertanengebiets nahm die städt. Obrigkeit im Anschluss an den Bauernkrieg von 1653 vor: Liestal verlor das Recht, den Rat selber zu bestellen und die beiden Schultheissen aus der eigenen Bürgerschaft zu wählen. Der Rat wurde in ein blosses Gericht umgewandelt und musste die Blutgerichtsbarkeit abgeben. Ab 1674 gelangte allerdings neben dem einen aus B. kommenden Schultheissen jeweils wieder ein Liestaler Bürger in dieses Amt. Aufklärer. Ideen oder systemkrit. Ansätze führten vor der Umwälzung von 1798 weder in der städt. noch in der ländl. Bevölkerung zu veränderten Formen polit. Aktivität.
Das baselstädt. Wehrwesen war zünftisch organisiert. Die Untertanen der Landschaft wurden bei Bedarf zu militär. Dienstleistungen aufgeboten. Der Erhaltung der Verteidigungsbereitschaft sollten period. Musterungen und Schiessübungen dienen. Allerdings genügten weder Bewaffnung noch Ausbildung, um militär. Bedrohungen, z.B. während des Dreissigjährigen Kriegs, wirksam begegnen zu können. Daran vermochten auch die Neuorganisation der Landmiliz (acht Kompanien mit 1'600 Mann zu Beginn des 18. Jh.) und die Schaffung kleinerer Dragoner-, Grenadier- und Artillerie-Einheiten im späten 18. Jh. nichts zu ändern.
Autorin/Autor: Hans Berner
Im Vergleich zur Stadt B. erlebte die Landschaft zwischen dem späten 15. und dem frühen 19. Jh. ein viel stärkeres demograf. Wachstum: Ihre Bevölkerungszahl betrug um 1500 etwa 5'000, am Ende des 17. Jh. rund 17'000 und 1798 26'235. Die zuverlässigste der zwischen Helvetik und Kantonstrennung durchgeführten Volkszählungen, diejenige von 1815, ergab für die Landschaft 28'416, für die Stadt 16'674 Einw. Bis in die 1. Hälfte des 17. Jh. war die Zunahme auf der Landschaft noch möglich durch die Wiedererschliessung von Landressourcen, die vom 14. Jh. an nicht mehr oder nur noch extensiv genutzt worden waren. In der 2. Hälfte des 17. Jh. stiess das Wachstum vorerst an eine Grenze der Tragfähigkeit, die im 18. Jh. durch die Ausbreitung der Heimindustrie (Verlagssystem) wie auch durch Veränderungen in der Agrarverfassung (Einschlagsbewegung) durchbrochen werden konnte. So wies im 18. Jh. das agrarisch am wenigsten leistungsfähige und zunehmend heimindustriell geprägte Amt Waldenburg den stärksten Bevölkerungsanstieg auf (1709 ca. 4'600 Einw., 1798 ca. 7'000). Im gleichen Zeitraum stieg die Bevölkerung im Amt Farnsburg von ca. 7'200 auf 9'500, im Amt Homburg von ca. 1'100 auf 1'500 und im Amt Liestal von ca. 2'800 auf 3'300 Personen. Die stadtnahen, teils nur kleinen Ämter Münchenstein, Riehen und Kleinhüningen erreichten im 18. Jh. solche Wachstumsraten nicht, verzeichneten aber - unter dem Einfluss der wirtschaftl. und demograf. Expansion der Stadt B. - von den ersten Jahrzehnten des 19. Jh. an im Vergleich zur übrigen Landschaft eine überdurchschnittl. Zunahme. Der Bevölkerungszuwachs auf der Landschaft führte im 16. bis 18. Jh. nicht mehr zur Bildung neuer Siedlungen, sondern wurde durch Verdichtung und Erweiterung der bestehenden Dorf- und Stadtsiedlungen aufgefangen.
Autorin/Autor: Hans Berner
Die Landwirtschaft war weitgehend vom Dreizelgensystem bestimmt. Die Bauern in den Dörfern betrieben hauptsächlich Getreidebau, diejenigen auf den Einzelhöfen der Jurahöhen Vieh- und Milchwirtschaft. In Stadtnähe richtete man sich so weit als möglich auf die Belieferung des städt. Markts aus. Günstige Lagen wurden für den Weinbau genutzt. Die Strukturen der dörfl. Nutzungsorganisation (Flurzwang) waren aber starr und für Änderungen wenig günstig. Immerhin verbreiteten sich in der 2. Hälfte des 18. Jh. einige Neuerungen: Einschläge auf der Allmend, Anbau der Brachzelge, Kleesaat und Kartoffel. Dank der Seidenbandweberei fanden viele Tauner eine bescheidene Existenz in der Verbindung von Posamenterei (Seide) mit Selbstversorgung aus ihren kleinen Äckern.
Die Handwerke und Gewerbe der Stadt B. waren den fünfzehn Zünften unterstellt und streng geregelt. Sie arbeiteten auch für die eigene Landschaft mit deren Märkten in Liestal, Waldenburg und Sissach. Auf der Landschaft waren die Handwerke zugelassen, die den lokalen Bedarf deckten (Schmiede, Wagner usw.), aber auch sie gerieten unter die Aufsicht der städt. Zünfte. Das städt. Exportgewerbe entwickelte sich dagegen weitgehend ausserhalb zünft. Schranken. Das Stadtbasler Papiergewerbe und der Buchdruck erlebten in der 1. Hälfte des 16. Jh., der Buckdruck erneut in der 2. Hälfte des 18. Jh. eine Blütezeit. Impulse für das städt. Textilgewerbe, den Transithandel und Export gingen in der 2. Hälfte des 16. Jh. und nach dem Dreissigjährigen Krieg auch von prot. Glaubensflüchtlingen aus Oberitalien und Frankreich aus.
Bereits vom frühen 17. Jh. an beschäftigten Stadtbasler Kaufleute gegen den Willen der Zünfte auf der Landschaft im Verlagssystem Leute, die für den Export Seidenbänder, Strümpfe und Tuche herstellten. 1667 wurde der mehrgängige Bandwebstuhl in B. eingeführt. In der Folge beschloss der Kl. Rat in den 1670er Jahren, dass den zünft. Handwerkern der regionale Markt vorbehalten bleiben sollte und die Kaufleute gegen eine fiskal. Abgabe für ihren Grosshandel weiterhin Textilien produzieren lassen durften.
Abgesehen von vereinzelten Konjunktureinbrüchen wuchs das Textilgewerbe bis ins 19. Jh. hinein. Die Seidenbandfabrikation beherrschte die Stadt B. und versch. Gebiete der Landschaft: 1754 zählte man auf der Basler Landschaft 1'205 Bandstühle, davon mehr als die Hälfte im Amt Waldenburg. Daneben bestanden Strumpf- und Tuchfabriken, und von der 2. Hälfte des 18. Jh. an kam die Indiennedruckerei hinzu (Textilindustrie). Von der Stadt aus wurde ein vielfältiger Grosshandel mit Tuchen, Baumwolle, Eisen und Kolonialwaren betrieben, neben dem internat. Kommissions- und Bankgeschäfte einen zunehmend wichtigeren Platz einnahmen.
Autorin/Autor: Niklaus Röthlin
Mit der Erwerbung der Landschaft wurden deren Bewohner Leibeigene der Stadt B. Es handelte sich in der Hauptsache um eine juristische Formalität; aber bis zur Aufhebung der Leibeigenschaft 1791 blieben die Frondienste, der Fall, der Zehnt und andere alte Abgaben bestehen. Mit zunehmenden absolutist. Tendenzen verstärkte die Stadt von der Mitte des 17. Jh. an ihre Herrschaft über die Landschaft und die Untertanen in vielen Bereichen. Trotz dem Konflikt v.a. mit der ländl. Oberschicht im Bauernkrieg von 1653 und trotz manchen Einschränkungen im Vergleich zu den Stadtbürgern war die Lage der Basler Untertanen erträglich. Die ländlich-bäuerliche Gesellschaft teilte sich auf Grund der Anzahl sog. Züge (Gespanne), eines wichtigen Indizes für die Grösse und Ausstattung der Betriebe, in Voll- und Halbbauern bzw. Tauner, die nur wenig oder gar kein Land besassen. Die verhältnismässig wenigen Vollbauern eines Dorfes bildeten zusammen mit Wirten, Müllern und vielleicht noch Schmieden die Oberschicht. Die vielen Tauner mussten neben der Bewirtschaftung ihrer kleinen Grundstücke weiteren Tätigkeiten nachgehen. Sie arbeiteten als Taglöhner für andere Bauern, aber auch als Posamenter in der Heimindustrie. Die Pfarrer, Landvögte und einzelne untergeordnete Beamte waren Städter, Vertreter der Obrigkeit und damit Aussenstehende.
In der Stadt B. verloren mit dem Zunftregiment ab 1521 und der Reformation 1529 die Adelsfamilien und Achtburger den polit. Einfluss, zogen weg oder gingen in der Bürgerschaft auf. Das polit. und gesellschaftl. Schwergewicht lag indes bald wieder bei einigen Kaufmanns- und reichen Handwerkerfamilien. Im ausgehenden 16. Jh. entstand zudem eine kleine Gruppe, die durch Verwaltungsstellen auf der Landschaft (Landvogteien, säkularisierte Kirchengüter) und durch fremde Dienste zu Wohlstand gelangte. Die zunehmende Oligarchisierung führte zur polit. Krise von 1691, aus welcher erst eine rigide Finanzkontrolle und die Ämterbesetzung durch Los herausführten. Verlieh die Stadt bis in die Mitte des 17. Jh. noch zahlreichen Glaubensflüchtlingen und anderen Zuzügern das Bürgerrecht, so war der Rat später mit Einbürgerungen sehr zurückhaltend und nahm im 18. Jh. zeitweise keine Aufnahmen ins Bürgerrecht mehr vor. Im ausgehenden Ancien Régime beherrschten Kaufleute, Bankiers und Bandfabrikanten die städt. Politik und Gesellschaft.
Autorin/Autor: Niklaus Röthlin
Weniger dank der 1460 gegr. Universität Basel denn als Stadt des Buchdrucks war B. vom ausgehenden 15. Jh. bis zur Reformation ein Zentrum des Humanismus. In der 2. Hälfte des 16. Jh. blühten späthumanist. Wissenschaften nochmals auf, zu einem bedeutenden Teil getragen von Glaubensflüchtlingen aus Italien und Frankreich. Wirkungen des Humanismus sind im Bildungs- und Schulwesen und in kirchl. Reformversuchen zu erkennen.
Die alltägl. Glaubenspraxis war im frühen 16. Jh. weiterhin von traditionellen Formen der Frömmigkeit bestimmt. Ausdruck davon sind zahlreiche private und kollektive Stiftungen sowie kirchenbauliche Tätigkeiten in Stadt und Landschaft. Nach 1520 fanden reformator. Ideen über Druckschriften und Predigten in der Stadt B. zunehmend Resonanz. Auf der Landschaft zeigten sich reformator. Ansätze am deutlichsten in Liestal (Stephan Stör). Beschwerden über die geistl. Jurisdiktion, über Zehnt- und Zinsforderungen der Kirche wurden im Bauernkrieg von 1525 geäussert, vereinzelt kam es auch zu Angriffen auf kirchl. Besitz. Im oberen Baselbiet, v.a. aber im fürstbischöfl. Birseck bildeten sich trotz obrigkeitl. Verfolgung vereinzelte Täufergruppen.
1529 leitete der zuvor in Alt- und Neugläubige gespaltene Rat auf Druck der Basler Bürgerschaft die Neuordnung der kirchl. Verhältnisse ein. Die für Stadt und Landschaft erlassene Basler Reformationsordnung von Johannes Oekolampad wie auch das 1534 eingeführte Basler Bekenntnis folgten in zentralen Punkten der zwinglianisch-reformierten Richtung. Der Rat setzte die Unterordnung der Kirche unter die staatl. Gewalt durch. Das Kirchen- und Schulgut wurde durch vom Rat bestellte Schaffner und das Deputatenamt verwaltet, Bann, Ehegericht, Kirchenrat und Synode vom Rat beherrscht. Die staatskirchl. Organisation liess den Kirchgem. auch auf der Landschaft nur einen bescheidenen Anteil an der kirchl. Verwaltung (Kirchmeier, Bannbrüder). Zentrales Organ der Basler Kirche war der Kirchenrat, dem als Vertreter des Kl. Rats auch die vier Deputaten angehörten. Den Vorsitz hatte der städt. Antistes inne. Aufgrund der Vorschläge des Kirchenrats wählte der Kl. Rat die Pfarrer für die vier städt. und für die ländl. Kirchgemeinden. Generalsynoden der gesamten Geistlichkeit fanden unregelmässig statt. Die Pfarrer der Landschaft waren in die drei Kapitel Liestal, Waldenburg und Farnsburg eingeteilt, denen jeweils ein Dekan vorstand. Trotz ausschliesslich städt. Leitung der Kirche vermochten die ländl. Gemeinden im Alltag eigene Normen und lokales Brauchtum immer wieder erfolgreich gegen obrigkeitl. Regelungsversuche zu behaupten. Die vom ausgehenden 16. Jh. an bestimmende prot. Orthodoxie der Basler Staatskirche wurde im 18. Jh. insbesonders durch pietist. Strömungen in der Stadt und auf der Landschaft aufgeweicht (Hieronymus Annoni, Herrnhuter Brüdergemeine, Christentumsgesellschaft), ohne dass es aber zu einer Umgestaltung der bestehenden kirchl. Organisation gekommen wäre.
Von der Reformation an stand auch die Schule unter der Aufsicht des Rats (Deputatenamt). In der Stadt B. boten die Kirchgemeindeschulen den Elementarunterricht, die Münsterschule (das spätere Humanist. Gymnasium) ab 1589 die Ausbildung in den höheren Fächern. Je eine Mädchenschule gab es in Gross- und Kleinbasel. Auf der Landschaft wurden die sog. Deputatenschulen in Liestal und Riehen von der Reformation an, in Muttenz, Buckten, Waldenburg, Sissach und Bubendorf vom späten 16. bzw. frühen 17. Jh. an ganzjährig geführt und aus dem staatl. Kirchen- und Schulgut unterhalten. Bis zum Ende des 18. Jh. besass eine Mehrheit der Gem. eigene Nebenschulen, die allerdings nur einen rudimentären Unterricht ermöglichten. Reformansätze der Helvetik wurden in der Restaurationszeit z.T. umgesetzt: Die Unterrichtsgesetze von 1817 und 1818 bauten die staatl. Leitung von Schule und Univ. aus. Das Humanist. Gymnasium erhielt vermehrt propädeut. Funktion für das akadem. Studium. Zugleich entstand mit der Realschule ein Schultyp zur Vorbereitung auf prakt. Berufe. Die Univ. B. gewann dank der Berufung einiger hervorragender Persönlichkeiten an Bedeutung.
Literar. und historiograf. Leistungen sind nur in der Stadt B. und hier vornehml. z.Z. des Humanismus und der Reformation zu verzeichnen. Die Auswirkungen der Aufklärung auf das geistig-literarische Leben B.s beschränkten sich auf einen kleinen Kreis. Isaak Iselins (1728-82) publizist. und philanthrop. Tätigkeit blieb einzigartig, und die Univ. war zu keiner Zeit Trägerin des neuen Denkens. Dagegen ragten auf dem Gebiet der Mathematik versch. Angehörige der Fam. Bernoulli und Euler heraus. In der bildenden Kunst übertraf vom 17. Jh. an die Landschaftszeichnung (Matthaeus Merian, Emanuel Büchel) die im 16. Jh. hohes Niveau verkörpernde Malerei (Hans Holbein d.J., Hans Bock d.Ä.) an Bedeutung. Hohe künstler. Ansprüche in der Architektur verwirklichten sich im 18. Jh. in einer steigenden Zahl repräsentativer Bauten von Seidenindustriellen in Stadt und Landschaft.
Autorin/Autor: Hans Berner
Die Basler Oligarchie hatte sich am Ende des Ancien Régime in zwei Lager gespalten: die reformerischen "Patrioten" und die konservativen "Aristokraten". Als Reaktion auf die Franz. Revolution, vermittelt durch einen Vorstoss von Abel Merian am 21.9.1789 und eine Petition der Stadt Liestal im Juli 1790, hob der Gr. Rat am 20.12.1790 die Leibeigenschaft auf, behielt jedoch die meisten mit ihr verbundenen Abgaben bei. In den folgenden Jahren blieb es politisch weitgehend ruhig. In den Wochen um den Jahreswechsel 1797/98 änderte sich die Machtverteilung innert kurzer Zeit zugunsten der Patrioten unter der Ägide des Oberstzunftmeisters Peter Ochs. Am 24.11.1797 passierte Napoleon Bonaparte auf seiner Reise an den Kongress von Rastatt B. und lud Ochs zu Verhandlungen (offiziell über den Anschluss des Fricktals an B.) nach Paris ein. Dort gelangte Ochs zur Überzeugung, dass Frankreich ein Weiterbestehen der aristokrat. Verfassung B.s und der Eidgenossenschaft nicht hinnehmen werde. Am 18.12.1797 wurde ein Vorstoss Peter Vischers zur Gleichstellung von Stadt und Landschaft vom Gr. Rat noch wuchtig verworfen, doch bereits an Neujahr 1798 konnten sich Landschäftler Vertreter ungestraft am sog. Bärenmahl beteiligen, einer polit. Demonstration der Neugesinnten. Als sich in den ersten Januar-Tagen Unruhe auf der Landschaft bemerkbar machte (Arisdörfer Zug, Freiheitsbaum in Liestal), konnten sich die Basler Räte bereits nicht mehr zu einem entschiedenen Vorgehen durchringen.
Volksversammlungen und das Abbrennen der Landvogtei-Schlösser Waldenburg, Farnsburg und Homburg (17.-23.1.1798) brachten das bestehende Regime schliessl. zum Einsturz. Am 20.1.1798 erklärte der Gr. Rat alle Bürger des Standes für gleichberechtigt ("Freiheitspatent"). Vom 6.2. bis zum 18.4.1798 wurde B. von einer in indirekter Wahl gewählten Nationalversammlung und deren Komitees regiert. In die Nationalversammlung wählten die Stadt und die Landschaft je 20 Vertreter, zudem bestimmte Letztere weitere 20 Stadtbürger. Obschon in 45 Plenar- und in unzähligen Komiteesitzungen Altes aufgehoben und Neues (z.B. Reorganisation der Justiz, Aufhebung der meisten Feudalabgaben) in die Wege geleitet wurde, blieb dieses erste produktive Parlament auf Schweizerboden ephemer. Es löste sich nach Inkrafttreten der Helvet. Verfassung (12.4.1798) auf.
Während der Zeit der Helvet. Republik war der Kt. B. in die vier Distrikte B. (Stadt B. und elf Landgem.), Liestal, Gelterkinden und Waldenburg eingeteilt. Die oberste polit. und polizeil. Gewalt im Kanton übte der Regierungsstatthalter aus, der in jedem Distrikt und in jeder Gem. über einen Vertreter (Distrikts-/Unterstatthalter bzw. Agent) verfügte. Als regierendes Fachorgan vollzog die fünfköpfige Verwaltungskammer die zentralstaatl. Vorgaben. In den Gem. wurden Munizipalitäten (Gemeinderäte) von den Einw. gewählt. In den grösseren Ortschaften verwalteten separate Behörden die in der Helvetik von den Einwohnergemeinden getrennten Bürgergemeinden. Eine institutionelle Innovation stellten die Distrikts- und Zentralmunizipalitäten dar, informelle Gremien, zu denen Vertreter der Munizipalitäten zwecks Koordination (z.B. Aufteilung der militär. Lasten) zusammentraten.
B. profitierte in der Helvetik einerseits von seiner Vorreiterrolle bei der Revolutionierung der Schweiz, indem es von den franz. Okkupanten sanfter als andere Kt. angefasst wurde. B.s Staatsschatz wurde teilweise der Helvet. Republik übertragen und nicht von der Grande Nation geplündert. Andererseits litt B. ebenso unter den Truppendurchmärschen, Requisitionen und Einquartierungen. Als sich die Auseinandersetzungen des 2. Koalitionskrieges 1799 der Stadt B. näherten, fielen Häuser und Wälder vor den Toren Kleinbasels der Verschanzung zum Opfer. Auch wenn die kriegsbedingten Aufwendungen vom helvet. Zentralstaat (entgegen der landläufigen Meinung) bar oder mit Schuldtiteln aus verstaatlichten Klostergütern teilweise zurückerstattet wurden, bedeuteten sie eine erhebl. Last für die Bevölkerung. Die Stadt litt stärker als die Landschaft, welche sich bei der Aufteilung der Lasten unsolidarisch verhielt. Diese Erfahrung dürfte ein Mosaikstein zur Erklärung des späteren Verhaltens der Städter gegenüber der Landbevölkerung sein.
Die Realitäten der politisch zerrissenen und an Frankreich ausgelieferten Helvet. Republik entfremdeten die Bevölkerung dem neuen Regime mehr und mehr, wie Aufstände auf der Landschaft im Sept. 1800 (Bodenzinssturm) bzw. in der Stadt B. im Rahmen der landesweiten Reaktion im Herbst 1802 zeigten.
Autorin/Autor: Matthias Manz
Die Kantonsverfassung vom 19.2.1803 wurde von Bonaparte im Rahmen seiner Mediationsakte erlassen. Sie basierte auf einem Vorschlag des Basler Gesandten Hans Bernhard Sarasin und war das erste geschriebene Grundgesetz B.s im modernen Sinne. Der Kanton wurde in fünf Verwaltungsbezirke unterteilt (B., Unterer Bezirk, Liestal, Sissach, Waldenburg). Die Wahl des Gr. Rats (Legislative, 135 Mitglieder) erfolgte in 45 Wahlzünften (15 städt., nach Berufsgruppen gegliederten, sowie 30 geografisch aufgeteilten auf der Landschaft). 45 Grossräte wurden von den Wahlversammlungen direkt gewählt, 90 aus Wahlvorschlägen durch das Los bestimmt. Im ersten gewählten Gr. Rat nahmen 53 Städter und 82 Landschäftler Einsitz. Dieses Verhältnis entsprach in etwa der Bevölkerungsverteilung (36%:64%). Mit der neuen Kantonsverfassung wurde die formelle Gleichheit der männl. Bürger garantiert. Zensusbestimmungen (Mindestvermögen) für das passive Wahlrecht und strukturelle Gegebenheiten (beim Kl. Rat, der Exekutive, das bescheidene Entgelt und die hohe zeitl. Belastung, die faktisch einen Wohnsitz in der Stadt bedingte) führten jedoch zu einer Selektion, welche auf die Dominanz der Stadt über die Landschaft hinauslief: Im 25-köpfigen Kl. Rat sassen nur gerade acht Vertreter der Landschaft. Diesem wichtigen Kollegium standen zwei Bürgermeister vor, welche im jährl. Wechsel amtierten. 1806 und 1812, als B. Direktorialkanton und somit Gastgeber der eidg. Tagsatzung war, bekleideten Bürgermeister Andreas Merian (am Ende des Ancien Régime der führende Kopf der "Aristokraten") bzw. Peter Burckhardt das Amt des Landammanns der Schweiz. Die ehemaligen Zunftvorrechte wurden zwar auf der polit. Ebene nicht wiederhergestellt, doch traten alte Marktprivilegien der städt. Handwerker wieder in Kraft. Die Bevölkerung der Landschaft schickte sich in die Zurücksetzung gegenüber der Stadt - einzig 1804 kam es zu Widersetzlichkeiten, als basler. Landmilizen auf Geheiss der eidg. Tagsatzung zur Niederschlagung eines Aufstandes auf der Zürcher Landschaft gegen die Wiedereinführung der Bodenzinsen und Zehnten (Bockenkrieg) aufgeboten wurden.
Da der 1798 untergegangene Stadtstaat nicht wieder auferstand, musste das Vermögen der Stadt B. aus dem kantonalen ausgeschieden werden. Zwar wurde die aus der Helvetik stammende Zweiteilung in Einwohner- und Bürgergemeinden beibehalten, doch führte in Stadt und Land zumeist dasselbe Gremium (Stadt- bzw. Gemeinderat) die Geschäfte beider Gemeinwesen.
Die fortbestehende Abhängigkeit von Frankreich zeigte sich in den Pressionen, welche Napoleon ausübte, um die Schweiz in den ersten Jahren der Mediationszeit in seinen Wirtschaftskrieg gegen England ("Kontinentalsperre") einzugliedern. Im Kt. B. wurden die wirtschaftl. Folgen der Handelshemmnisse v.a. von der Seidenbandindustrie verspürt, bei welcher wiederum die Heimarbeiter am stärksten betroffen waren. Umgekehrt gab es aber auch Unternehmer, welche davon profitierten (z.B. Christoph Merian).
Im Frühjahr 1809 marschierten franz. Truppen über die Basler Rheinbrücke. Die Regierung war wehrlos und musste gar Land bei Kleinhüningen abtreten, damit Frankreich einen rechtsrhein. Brückenkopf errichten konnte. Im Rahmen der schweiz. Militärkapitulationen mit Frankreich zur Stellung von Soldaten für Napoleons Eroberungskriege förderte B. die Werbung aus der Staatskasse. Ab 1812 wurden zwangsweise Kontingente namentl. für den Russland-Feldzug eingezogen. Als die alliierten Heere die franz. Truppen westwärts vor sich hertrieben, wurde die schweiz. Nordgrenze im Winter 1813-14 von eidg. Truppen besetzt, nachdem die Schweiz sich als neutral erklärt hatte. Da die Schweiz auf franz. Seite gekämpft und auch in der Niederlage ihre Truppen nicht aus Napoleons Diensten zurückgezogen hatte, wurde diese Erklärung von den Alliierten nicht anerkannt. Vom 21.12.1813 an marschierten 80'000 österr., preuss. und russ. Soldaten von Norden durch die Stadt B. und liessen sich hier sowie auf der ganzen Landschaft nieder. Die eidg. Truppen hatten bereits vorher das Feld geräumt. Dies war der Auftakt zu einer Besatzungszeit, die bis zum 20.6.1814 dauerte und insgesamt 800'000 Verpflegungstage gekostet haben soll. Ein Teil der Aufwendungen wurde später wieder erstattet. Der unter den Soldaten grassierende Flecktyphus forderte auch mehrere Hundert zivile Opfer. Ein polit. und gesellschaftl. Höhepunkt blieb, im Gegensatz zu den schweren Lasten, noch lange in Erinnerung: die gleichzeitige Anwesenheit des österr. Ks. Franz I., des russ. Zaren Alexander I. und des preuss. Kg. Friedrich Wilhelm III. am 13.1.1814 in B.
Autorin/Autor: Matthias Manz
Im Zuge der europ. Restauration wurde die Basler Verfassung am 4.3.1814 revidiert. Sie sah einen Gr. Rat von 150 Mitgliedern vor, die auf Lebenszeit amtieren sollten. Je 30 wurden von den städt. bzw. Landschäftler Wahlzünften direkt gewählt, die restl. 90 vom Gr. Rat im Verhältnis von zwei Stadtbürgern zu einem Landbürger kooptiert. Daraus ergab sich eine Stadt-Land-Relation von 90 : 60, wogegen das Bevölkerungsverhältnis (16'700 : 28'400) eine solche von 55 : 95 erfordert hätte. Damit war die Vorherrschaft der Stadt B. auch de jure wiederhergestellt, ohne dass sich die nominell noch über die Mehrheit verfügende Vertretung der Landschaft dagegen gewehrt hätte: Die entscheidende Abstimmung passierte mit 63 gegen 3 Stimmen bei einigen Enthaltungen, aber 67 Absenzen; den Landbürgern fehlte das Selbstbewusstsein, und unter ihren Vertretern mangelte es an Führungspersönlichkeiten, um gegen den Strom der Zeit anzukämpfen. Nachdem der Wiener Kongress am 20.3.1815 das territoriale Schicksal des ehem. Fürstbistums B. bestimmt hatte, nahm der Kt. B. per 28.12. die ehemaligen fürstbischöfl. Vogteien Pfeffingen und Birseck "in Besitz". Mit Vertretern der betroffenen neun Gem. war am 7.11. die Vereinigungsurkunde besiegelt worden. Diese Gem. wurden in einem fünften Landbezirk (Birseck) zusammengefasst und den anderen Landgemeinden gleichgestellt. Einzig beim Kirchen-, Schul- und Landarmengut musste eine Sonderregelung vorgesehen werden. Die Praktizierung der kath. Konfession innerhalb des vorwiegend reformierten Kt. B. wurde garantiert. Durch den Zuzug des Birsecks erhöhte sich die Zahl der Land-Sitze im Gr. Rat um 4 auf 64.
Autorin/Autor: Matthias Manz
Beflügelt von der liberalen Juli-Revolution in Paris verabschiedeten 40 Landbürger im Bad Bubendorf eine Petition, die am 26.10.1830 dem Basler Bürgermeister Johann Heinrich Wieland überreicht wurde und das Begehren nach einer Verfassungsrevision im Sinne von Freiheit und Gleichheit enthielt. Eine zweite Petition forderte eine vom Volk gewählte Verfassungsrevisionskomm. und die Genehmigung der neuen Verfassung durch den Souverän. Der vom Gr. Rat am 4.1.1831 verabschiedete Verfassungsentwurf kam diesen Begehren nur teilweise entgegen. Namentl. wurde anstelle des reinen Vertretungsprinzips die Repräsentation von Stadt und Landschaft mit 75 : 79 festgelegt. Diese Regelung blieb deutl. hinter der Mediationsverfassung zurück. Obschon die revidierte Verfassung am 28.2.1831 in der Volksabstimmung angenommen wurde (auf der Landschaft in drei von fünf Bezirken), verhärteten die Agitation auf der Landschaft und das Beharren auf den bestehenden Machtstrukturen in der Stadt das polit. Klima zusehends. Der Bildung einer ersten provisor. Landschäftler Regierung am 7.1.1831 folgte die militär. Unterdrückung und die gerichtl. Aburteilung der Anführer. Mit der Ausschliessung dieses Personenkreises von einem später erlassenen Amnestiegesetz hatte die Auseinandersetzung mit den Aufständischen um Stephan Gutzwiller (Therwil) neben der Repräsentationsfrage ein zweites Pièce de résistance gefunden, auf welches sich beide Seiten versteiften.
Nachdem Ermahnungen und eine Erkundungsmission von Tagsatzungsrepräsentanten keinen mässigenden Einfluss gehabt hatten, führten erneute gewaltsame Auseinandersetzungen im Aug. 1831 zur nunmehr militär. Intervention der Tagsatzung. Diese vermochte die Parteien zwar auseinander zu halten, nicht jedoch zu versöhnen. Die kant. Behörden und die Stadtbevölkerung fühlten sich zunehmend von der Tagsatzung hintergangen, weil diese den Revolutionären nicht entschieden genug entgegen trete. Als am 23.11.1831 der Stimmbürgerschaft die Frage vorgelegt wurde, wer beim Kt. B. verbleiben oder sich von ihm trennen wolle, rief die aufständ. Landpartei zur Stimmenthaltung auf. Bei einer Stimmbeteiligung von 50,4% in den linksrhein. Landgem. (d.h. ohne Riehen, Bettingen und Kleinhüningen) stimmten 3'621 Personen für den Verbleib, 789 für die Trennung. In 46 Gem. kam keine zustimmende absolute Mehrheit zustande, was der Gr. Rat als Misstrauensvotum interpretierte. Am 22.2.1832 beschloss er, wie angedroht, diesen renitenten Gem. die öffentliche kant. Verwaltung auf den 15.3. zu entziehen. Zwei Tage später, am 17.3.1832, konstitutierte sich der neue Kt. B.-Landschaft. Ein Zug von Basler Standestruppen zum Schutz der stadttreuen Gem. im oberen Ergolz- und im Reigoldswilertal endete mit einer Niederlage in Gelterkinden.
Bereits am 4.5.1832 wurde die von einem Verfassungsrat ausgearbeitete erste Verfassung des Kt. B.-Landschaft von mittlerweile 55 der 78 Landgem. angenommen. Die Wahl der neuen kant. Behörden (Landrat, Regierungsrat, Gerichte) erfolgte im gleichen atemberaubenden Tempo. Die Tagsatzung hob daraufhin die militär. Besetzung auf und anerkannte mit Beschlüssen vom 14.6., 14.9. und 5.10.1832 die Partialtrennung des Kt. B. Der Basler Gr. Rat wies diese Entscheide jedoch zurück. Während sich der neue Kanton auf der Landschaft und gegenüber der übrigen Schweiz immer mehr konsolidierte, wurde die Lage der stadttreuen Gem. und die Position der Basler Behörden innerhalb der Eidgenossenschaft immer prekärer. Die gesamte städt. Bevölkerung fühlte sich gedemütigt. Ein letzter Versuch, den Gang der Dinge zu ändern, führte am 3.8.1833 zu einem Stadtbasler Truppenauszug, der an der Hülftenschanze zwischen Pratteln und Augst in einem Fiasko endete. Auf der Landschäftler Seite fochten auch einige Polen, die nach der gescheiterten Revolution gegen Russland in die Schweiz geflüchtet waren. Viele der überstürzt flüchtenden Basler wurden auf dem Rückzug niedergemacht.
Am 26.8.1833 beschloss die eidg. Tagsatzung die Totaltrennung des Kt. B. unter dem Vorbehalt der freiwilligen Wiedervereinigung. B.-Stadt nahm am 3.10.1833 eine neue Verfassung an. Die Güterteilung zwischen den beiden Halbkantonen erfolgte in den folgenden zwei Jahren unter der Autorität eines eidg. Schiedsgerichts gemäss dem Verhältnis der Bevölkerungszahlen (Stadt : Land = 1 : 2), wobei sich die Stadt B. durch die Tagsatzung bzw. durch Stichentscheide des von ihr bestimmten Präs. Friedrich Ludwig Keller einmal mehr benachteiligt fühlte.
Autorin/Autor: Matthias Manz
Die Erwerbsstruktur auf der Landschaft, in welcher schon um die Mitte des 18. Jh. die Handwerker (29%), die Heimarbeiter (26%) sowie die Tauner (27%) neben den Bauern (18%) eine starke Stellung eingenommen hatten, blieb bis zur Kantonstrennung weitgehend stabil. Doch ergaben sich Umschichtungen in den versch. Regionen. So wurden die Handwerker in den stadtnahen Gem. nach 1798 zur wichtigsten Berufsgruppe. Demgegenüber nahm 1774-1815 die Zahl der Heimarbeiter im Amt Waldenburg stark zu.
Der Wandel in der Agrarwirtschaft vollzog sich in unterschiedl. Rhythmen. In den Gebieten, wo sich die Seidenbandweberei zuerst ausbreitete (Waldenburger Amt), erfolgte die Umstellung auf Gras- und Viehwirtschaft (Vergrünlandung) früher als im Bauerngürtel an der West-, Ost- und Nordgrenze des Kantons. Dort war der Ackerbau im Zelgensystem zu Beginn des 19. Jh. noch dominant und erfuhr eine langsame, aber stetige Intensivierung durch den Übergang zu den neuen Fruchtwechselsystemen (Getreide, Kartoffeln, Klee, Hackfrüchte). Spätestens mit der Krise von 1816/17 war auch im Baselbiet die Kartoffel als zentrales Nahrungsmittel etabliert. In besonderem Masse nahm in der 1. Hälfte des 19. Jh. der Obstbau (v.a. Kirschen) zu. In den ersten Jahrzehnten des 19. Jh. erfolgte auch der Loskauf von Bodenzinsen und Zehnten, der in den 1830er Jahren weitgehend abgeschlossen war.
Die Entwicklung in Handwerk und Industrie wurde dadurch beeinflusst, dass die in der Helvetik eingeführte Gewerbefreiheit 1803 wieder zurückgenommen wurde. Die zünft. Ordnung des städt. Gewerbes blieb bis Mitte des 19. Jh. bestehen und damit auch das Nebeneinander von kleiner und reglementierter Warenproduktion einerseits und innovativerer Finanz- und Exportwirtschaft andererseits. Die industrielle Entwicklung ging denn auch v.a. von der nicht zünftisch reglementierten Seidenbandproduktion aus. So entstand 1824 in der Stadt B. die erste mechanisierte Schappe-Spinnerei (J.S. Alioth & Cie.), die 1830 nach Arlesheim verlegt wurde. Auch die ersten mit Wasser- und Dampfkraft betriebenen Fabriken in den 1830er Jahren gehörten zur Zulieferindustrie (Spinnerei, Zwirnerei) der Seidenbandweberei. Diese beruhte weiterhin vorwiegend auf Heimarbeit, deren Schwerpunkt im oberen Kantonsteil lag. Die Zahl der Bandstühle erhöhte sich von 2'242 im Jahr 1786 auf 4'691 sechzig Jahre später. Die erste mechanisierte Seidenbandfabrik wurde 1836 in der Stadt B. errichtet.
Autorin/Autor: Ruedi Brassel-Moser
Der von der eidg. Tagsatzung 1833 festgehaltene Vorbehalt der "freiwilligen Wiedervereinigung" tauchte als Anliegen im 19. Jh. periodisch auf, v.a. im Zusammenhang mit wirtschaftl. Einbrüchen in der Bandweberei, in welcher die Abhängigkeiten zwischen Stadt und Landschaft B. besonders stark waren (1839 "Gemeindejoggeliputsch", 1861 "Niemalsbeschluss" des Baselbieter Landrats, vom Volk 1864 aufgehoben). Konkreter stellte sich die Frage einer Wiedervereinigung angesichts der verhärteten Fronten aber erst im Zusammenhang mit dem "Vorortsproblem" vor dem Hintergrund der zunehmenden Industrialisierung. Waren in den ersten Jahrzehnten nach der Kantonstrennung v.a. die Posamentergemeinden des Oberbaselbiets wirtschaftlich mit B. verbunden gewesen, so verlagerten sich diese Bindungen auf die Vorortsgemeinden. Dort hoffte man, durch einen Zusammenschluss mit dem Stadtkanton die durch zunehmende Infrastrukturaufgaben entstehende Finanzknappheit mindern zu können. Für die Arbeiterschaft war auch die fortschrittl. Sozialpolitik der Stadt attraktiv.
Im "Jubiläumsjahr" 1933 lancierte der 1914 gegr. Wiedervereinigungsverband in beiden Halbkantonen eine Initiative. Dies weckte, v.a. im oberen Baselbiet, eine starke Gegnerschaft, die sich in der "Volksbewegung für ein selbständiges Baselbiet" organisierte. Die Wiedervereinigungsinitiative wurde im Febr. 1936 nicht nur in der Stadt, sondern - nach heftigen Auseinandersetzungen - auch auf der Landschaft angenommen, wobei der stadtnahe Bez. Arlesheim den Ausschlag gab. Der daraus hervorgehende Wiedervereinigungsartikel erhielt zwei Jahre darauf in beiden Halbkantonen wiederum eine Mehrheit. Die eidg. Räte versagten ihm aber vorerst die Gewährleistung. Diese erfolgte erst 1960 aufgrund einer Standesinitiative, der im Baselbiet erneut eine Volksabstimmung vorausgegangen war (59% Befürworter). 1969 wurde schliesslisch in beiden Halbkantonen über die inzwischen von einem gemeinsamen Verfassungsrat ausgearbeitete Kantonsverfassung abgestimmt. Der Annahme in der Stadt mit einem Zweidrittelsmehr stand nun aber eine Ablehnung auf der Landschaft mit 59% gegenüber. Hauptgrund für den Umschwung im Baselbiet war der inzwischen resolut an die Hand genommene Ausbau einer eigenen Infrastruktur.
Die Wiedervereinigungsfrage war damit vom Tisch. Was in der Folge einsetzte, waren intensivierte Bemühungen um Koordination und Abgeltung von Leistungen, die sich 1974 in beiden Kantonen in einem Partnerschaftsartikel niederschlugen. Über die Kooperation der beiden B. hinaus gewann die internat. Zusammenarbeit in der Regio am Oberrhein (Regio Basiliensis) immer mehr an Bedeutung. Zudem werden Anstrengungen unternommen, die beiden Basler Halbkantone zu Vollkantonen aufzuwerten.
Autorin/Autor: Ruedi Brassel-Moser
Autorin/Autor: Bernard Degen