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Die Stadt Chur hatte seit der Römerzeit eine ausserordentliche Strahlkraft, was die sprachliche Beeinflussung der Umgebung betrifft. Chur war erneuernde Kraft
für die Verbreitung des Lateinischen, des Churerromanischen und auch für das Alemannische.
Im Verlauf der Zeit verlor das Churerwelsch (Churerromanisch) an Sprachprestige und wurde durch das Alemannische abgelöst. Das Churerwelsche erschien den
Aussenstehenden als Kauderwelsch.
Wie das Churerromanisch getönt hat, weiss man nicht aus primären Quellen, aber es kann auf der Basis verschiedener anderer Quellen und aus dem Vergleich mit
anderen romanischen Sprachen (Bündner Romanisch und Dolomitromanisch) erschlossen, d.h. rekonstruiert werden. Es muss ähnlich geklungen haben wie das Romanisch von Domat/Ems.
Der Einfluss des Alemannischen wirkte sich schon bei sehr frühen Sprachkontakten auf das Churerromanisch aus, indem extreme Lautentwicklungen im
Churerromanisch wieder rückgängig gemacht und indem im Bereich der Lexik Entlehnungen vorgenommen wurden.
Das älteste Churerdeutsch wies noch starke romanische Merkmale auf, insbesondere in der Intonation und im Akzent. Nach und nach blieben aber neben der
romanischen Interferenz bei gewissen Lauten nur noch einzelne Flurnamen und Speisen- und Familien-Bezeichnungen als Relikt der ehemaligen romanischen Wurzeln übrig, so dass heute ganz klar
von einem alemannischen Dialekt gesprochen werden kann.
Robert von Planta (1931): Über die Sprachgeschichte von Chur. In: Bündnerisches Monatsblatt 4/1931, S. 97-118.