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Anemomēter
(griech., »Windmesser«),
ein Instrument, durch welches die Stärke [* 2] oder die Geschwindigkeit des Windes bestimmt wird. Dies geschieht entweder aus der Anzahl der Umläufe, welche eine kleine, nach Art einer Windmühle konstruierte Vorrichtung in einer bestimmten Zeit macht, oder aus der Hebung, [* 3] welche ein aufgehängtes Pendel [* 4] durch den Druck des Windes aus der perpendikulären Richtung erfährt, oder aus dem Unterschied im Stand einer Flüssigkeit in einer U-förmig gebogenen Röhre, von welcher der eine horizontal umgebogene Schenkel gegen den Wind gerichtet ist. Instrumente der ersten Art, die von Fueß in Berlin [* 5] angefertigt werden, benutzt man vorzugsweise, um die Stärke des Luftzugs in Bergwerken und bei Ventilationen zu bestimmen. Auf meteorologischen Stationen ist am meisten die Wildsche Windfahne verbreitet [* 1] (Fig. 1), bei welcher sich oberhalb der eigentlichen Windfahne eine senkrecht
[* 1] ^[Abb.: Fig. 1. Wildsche Windfahne.] ¶
forlaufend
herabhängende Platte aus Blech befindet, die sich mit der Windfahne dreht und daher stets senkrecht gegen die Richtung des Windes
steht. Aus der Hebung der Platte, die an einem geteilten Gradbogen abgelesen werden kann, läßt sich die Stärke des Windes beurteilen.
Das Robinsonsche
Anemometer ist darauf basiert, daß der Wind auf eine konkave (hohle) Fläche anders wirkt als
auf eine konvexe (erhabene). An dem obern Ende einer vertikalen, leicht beweglichen Achse befindet sich ein horizontales Kreuz,
[* 7] und an den Enden der vier gleich langen Arme sind vier hohle Halbkugeln aus dünnem Kupfer- oder Messingblech in der Art befestigt,
daß ihre Öffnungen, im Kreis
[* 8] herumgehend, nach derselben Seite gerichtet sind.
Bei bewegter Luft wird das Schalenkreuz in Rotation versetzt, und die Anzahl der Umdrehungen kann an einem Zeiger, der durch
ein Uhrwerk mit dem Schalenkreuz in Verbindung steht, abgelesen werden. Oft richtet man dieses
Anemometer so ein, daß es in gewissen
Zeitintervallen die Richtung des Windes sowie die Anzahl der gemachten Umdrehungen selbst registriert. Instrumente dieser Art
werden auch Anemographen genannt. Über verschiedene Konstruktionen, die bei derartigen Instrumenten zur Anwendung gebracht
sind, vgl. Hofmann, Bericht über die wissenschaftlichen Apparate auf der Londoner internationalen Ausstellung im Jahr 1876 (Braunschweig
[* 9] 1878), u. Löwenherz, Bericht über die wissenschaftlichen Instrumente auf der Berliner
[* 10] Gewerbeausstellung
im Jahr 1879 (Berl. 1880). Als Zugmesser eignet sich besonders das von Fletcher, welches auf sehr einfachem Prinzip beruht.
Bläst man mit Hilfe eines Rohrs über das offene Ende eines andern Rohrs, so wird in diesem eine Luftverdünnung hervorgebracht, und die Flüssigkeit, in welche das Rohr taucht, kann um mehrere Zentimeter steigen. Wenn man also ein gerades Rohr durch ein Loch in dem Mauerwerk in den Rauchkanal einführt, so daß der Gasstrom quer an dem offenen Ende des Rohrs vorbeistreicht, so wird in dem letztern ein partielles Vakuum gebildet proportional zu der Geschwindigkeit des Stroms.
Außerdem kommt aber auch die saugende Wirkung des Schornsteins selbst in Betracht, und für den gegenwärtigen Zweck muß man diese beiden Kräfte unterscheiden. Man führt deshalb zwei Röhren [* 11] in den Schornstein, von denen die eine so gebogen ist, daß ihre Öffnung dem Luftstrom entgegengerichtet ist. In beiden Röhren findet nunmehr eine Luftverdünnung durch die Saugkraft des Schornsteins statt; in dem geraden Rohr aber wird dieselbe vermehrt durch die Saugkraft der daran vorbeistreichenden Luft, während sie sich in dem gebogenen Rohr vermindert durch den Druck der hineinblasenden Luft. Die Differenz zwischen der Saugkraft beider Röhren wird also der Wirkung des Luftstroms in dem Kamin zuzuschreiben sein, und es bleibt nur übrig, diese Differenz zu messen, um daraus die Geschwindigkeit des Luftstroms abzuleiten. Fletcher verband nun mit den beiden Röhren d und e [* 6] (Fig. 2) zwei Cylinder a und a' von 10 cm Durchmesser, welche am Boden durch das Rohr b miteinander kommunizieren. Die Cylinder enthalten Äther (der dem Wasser wegen seiner größern Beweglichkeit vorzuziehen ist), und auf diesem schwimmen zwei hohle Metallkörper cc', an deren Mittellinie die Niveaudifferenz mit Hilfe des Nonius [* 12] und sehr feiner Schraubenadjustierung bis auf 0,025 mm gemessen wird. Zur Ermittelung der der abgelesenen Differenz entsprechend den Luftgeschwindigkeit dienen besondere Tabellen.