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Der Kunst wird heute viel zugetraut, vielleicht auch viel zugemutet. Kunst wirke als sozialer Kitt. Ort der Gesellschaftsutopien, der Gesellschaftskritik.
Ist Kunst ein Quartier?
Ist Kunst ein Spielplatz?
Ist Kunst ein Fussballplatz, werden Mannschaften gemacht, hat der Rasen Schlammpfützen oder ist es ein Stadion, braucht Kunst ein Publikum, einen Platz, ein Stadion, kann es zu viel oder zu wenig Zuschauer haben, würden die Zuschauer im Grunde gerne mitspielen, hätten die Fussballer auch gerne einen Schluck Bier und eine Handvoll Popcorn, reichen die Zuschauer untereinander die Popcorntüten weiter, vereinen sich ihre Stimme in den immer selben Liedern und wer hält die Fahnen der Länder, der Kantone, der Städte?
Ist der Problematik der Multikulturalität mit Kunst beizukommen?
Zum Jubiläum des Quartierzentrums Tscharnergut wurden zum Beispiel Künstler eingeladen, um mit den Kindern vom Tscharnergut etwas zu machen.
Wie sieht für die Kinder vom Tscharnergut ein Künstler aus? Trägt er einen schwarzen Hut, einen schwarzen Bart, einen schwarzen Mantel, hat er Pinsel in seiner Manteltasche und eine Staffelei unter dem Arm oder ist sein Bart weiss, sieht er aus wie der liebe Gott oder ein anderer Gott oder kommt er am Fernsehen, gibt er Interviews und fährt in einer Stretch-Limousine?
Haben sich die Kinder vom Tscharnergut auf das Treffen mit den Künstlern gefreut, oder hätten sie lieber einen Fussballer getroffen oder einen Bundesrat?
Sahen die Kinder vom Tscharnergut so aus, wie sich das Künstlerpaar das vorgestellt hatte?
Denken Künstler gleich oft an Kinder wie Künstlerinnen?
Kidswest-Bundesrat wurde 2009 nach der offiziellen Version des Bundesratsfotos realisiert. Das war zur selben Zeit, als die Schweizerische Volkspartei die Masseneinwanderungsinitiative lancierte und das Tscharnergut mit Rabenplakaten aushängte. Die Kinder vom Tscharnergut waren von diesen Plakaten betroffen, weil sie im letzten Projekt mit Künstlern Raben gespielt hatten.
Waren die Künstler, die mit den Kindern vom Tscharnergut Raben gespielt haben, schwarz gekleidet wie Raben, hatten die Kinder Angst vor den Künstlern oder hatten die Künstler Angst vor den Kindern und wer hat sich zuerst in einen Raben verwandelt?
War der auch ein Künstler, der das Plakat von den Raben gemacht hat? Was hat der Künstler mit dem Geld gemacht, das er dabei verdiente? Hat er sich neue Farben und Pinsel gekauft. Oder ein Atelier am Schwarzen Meer?
Warum kann man bei Google unangemessene Bilder melden und niemand hat die Bilder mit den Raben gemeldet? Sind diese Bilder angemessen, ist das Teil der schweizerischen Kultur, ist das Kunst im öffentlichen Raum, Kunst als sozialer Kitt, Ort der Gesellschaftsutopien, der Gesellschaftskritik?
Die Arbeit als Bundesräte hat den Kindern vom Tscharnergut gefallen. Sie durften mit Micheline Calmy-Rey Café trinken, in der Stretch-Limousine vors Bundeshaus fahren und eigene Departemente gründen. Die Kinder vom Tscharnergut haben das Gelddepartement gegründet, das Tierdepartement, das Informatikdepartement, das Departement für Sport, das Kunstdepartement, das Departement für Lesen, Schreiben und Reden, das Kommunikations- und Auslandsbesucherdepartement sowie das Amt der Bundeskanzlerin.
Man hat sich auch mit den Eltern der Kinder vom Tscharnergut getroffen, um ihr Einverständnis für das Bundesratsfoto abzuholen. Man sah, dass viele Eltern nichts verstanden haben. Eine Mutter war in Tücher eingehüllt und hat viel Essen mitgebracht. Ein Vater war ängstlich, weil er fürchtete, man würde seinen Sohn für die Zwecke der Politik missbrauchen.
Warum werden ausgerechnet Kinder und Künstler mit den brennenden, politischen Fragen unserer Gesellschaft beauftragt?
Werden Kinder und Künstler von der Politik ernst genommen?
Was wäre, wenn man jedem Bundesrat ein Kind oder ein Künstler permanent an die Seite stellen würde?
Ist das dann ein Kunst?
Oder Politik?
Was haben die Eltern der Kinder vom Tscharnergut empfunden, an jenem Morgen, als sie ihre Kinder als Schweizer Bundesräte einkleideten, als ihre Kinder als Schweizer Bundesräte am Tisch sassen und ihre Haferflocken löffelten und Zucker in den Tee rührten, und als ihre Kinder als Schweizer Bundesräte zur Tür rausgingen?
Zum Jubiläum von Interpret, dem Schweizerischen Verein für interkulturelles Dolmetschen und Vermitteln, wurden im Tscharnergut Kunstinstallationen aufgebaut. Man hat sich gefragt, wie man das Berufsbild der Dolmetscher der Bevölkerung näher bringen kann, an diesem Ort. Was Sprache ist. Wie der Trialog funktioniert, zwischen Dolmetscher, Fachperson und Betroffenen. Das Fussballspiel hat immer mitgeschwungen. Die Künstler haben Kontakt aufgenommen mit dem FCB. Nebst der Jubiläumsveranstaltung sollte es auch ein Fussballspiel geben. Die Künstler hätten nebst dem FCB gern auch noch den Gäbelbach in ihr Projekt integriert.
Woher kommt der Gäbelbach? Der Gäbelbach kommt aus der Heitere, woher kommt die Heitere?
Wohin geht der Gäbelbach? Der Gäbelbach mündet im Wohlensee, wo liegt der Wohlensee? Haben die Fussballer zusammen mit den Kindern vom Tscharnergut nach dem Spiel ihre Füsse im Gäbelbach gebadet? Sind die Kinder vom Tscharnergut froh, dass sie am Gäbelbach wohnen, oder sind sie froh, dass sie einen Fussballplatz haben? Haben die Kinder Papierschiffe aufs Wasser vom Gäbelbach gesetzt, weil sie meinten, dieser schwarze Bach fliesst bestimmt ins schwarze Meer?
»Erika in Afrika« war ein Stück, das im Berner Schlachthaus Theater gezeigt wurde. Die Autoren haben einen Katalog an Skurrilitäten mitgebracht. Die Idee war, dreimal zu zeigen, wie sich ein Schweizer und eine ausländische Person kennenlernen und versuchen, eine Liebesbeziehung zu starten. Die Autoren haben bald gemerkt, dass die Schweizer sich selber fremd sind.
Wollen die Schweizer wissen, wer sie sind?
Oder wollen die Schweizer lieber Ferien machen im Ausland?
Haben die Schweizer gern Alpenrosen und Heimweh und Schokolade und Käse?
Warum sind überhaupt diese Schwingfeste immer mehr im Trend?
Was suchen die Schweizer am Schwingfest, was suchen die Künstler am Schwingfest?
Ist ein Schwingfest Teil der schweizerischen Kultur, ist das Kunst im öffentlichen Raum, Kunst als sozialer Kitt, Ort der Gesellschaftsutopien, der Gesellschaftskritik?
Oder muss man dafür ins Theater?
War der Schwingerkönig schon mal im Theater?
War der Schwingerkönig schon mal in Afrika?
Heisst die Frau vom Schwingerkönig Erika und hat sich in einen Afrikaner verliebt?
Was suchen die Künstler in der Beziehung vom Schwingerkönig und seiner Frau Erika?
Was suchen die Künstler in der Politik?
Wollen die Künstler eine Aufgabe finden, sollen die Künstler eine Aufgabe finden, können die Künstler eine Aufgabe finden?
Wozu braucht die Schweiz ihre Künstler, wozu braucht die Schweiz ihre Ausländer, wozu braucht die Schweiz ihre Bundesräte?
Hat es in der Schweiz zu viel oder zu wenig Kunst oder Fussballplätze?