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Er wird 1620 in Riedlingen geboren. Studium, Profess und Priesterweihe während den Wirren des Dreissigjährigen Krieges sind nicht dokumentiert. Sein Vorgänger und Förderer Abt Christoph Rassler, der nur fünf Jahre älter ist, setzt ihn 1665 als Prior ein. Als er am 4. April 1675 zum Abt gewählt wird, herrscht wieder einmal Krieg. Es sind kaiserliche Truppen im Holländischen Krieg, die sich in Zwiefalten einquartieren und im folgenden Jahr mit Truppendurchzügen die Klosterherrschaft schwer schädigen. An ihre Gegner, die Franzosen, die St. Peter, St. Trudpert und Ebersmünster bereits besetzt haben, muss Zwiefalten hohe Kontributionen zahlen. Diese Erfahrungen sind der Grund, dass Abt Johann Martin nach dem Friedensschluss 1679 die beiden Schlösser Girsberg und Untercastell als Zuflucht im Thurgau erwirbt.[1] Er setzt jetzt den Klosterneubau fort, erweitert 1680 vorerst das Münster um eine südliche Kapellenreihe und erteilt 1684 an Michael Thumb den Auftrag für den Ostflügel mit Kapitelsaal, Bibliothek, «Museum»[2] und Priorat. Michael Thumb und sein Palier Franz Beer sind ihm vom Neubau des Benediktinerinnenklosters Mariaberg bekannt, dessen Visitator Zwiefalten ist und wo der spätere Chronist des Klosters, Pater Arsenius Sulger, Beichtvater ist.[3] Der Ostflügel ist 1686 bezugsbereit.
Im gleichen Jahr eröffnet Abt Johann Martin das Kollegium in Ehingen, ein Gymnasium, das dann später zum Lyzeum erweitert wird. Die Lehrkräfte werden von Zwiefalten gestellt.
Nach neun Jahre Ruhe ist 1688 wieder Krieg. Die Franzosen brennen Ehingen nieder. Zwiefalten wird zwar durch Leistung hoher Kontributionszahlungen verschont, muss aber kaiserliche Durchmärsche und Einquartierungen erdulden. Trotzdem kann es 1689 seine achttägige sechste Säkularfeier der Klostergründung durchführen. Zehntausende von Gläubigen nehmen am Barockspektakel teil. Ein Jahr später findet die feierliche Translation der Reliquien des heiligen Aurelius nach Zwiefalten statt, ein weiteres religiöses Volksfest mit mehrtägigen Etappen und Theateraufführungen.[4]
Am 11. März 1692 stirbt Abt Johann Martin Gleutz im Alter von 72 Jahren. Er findet sein Grab in der 1664 geweihten Äbtegruft unter der Benediktuskapelle im Coemeterium.[5] Er wird als väterlicher, vom Konvent geschätzter Abt geschildert.
Sein Amtswappen finden wir am Haupteingang des Westflügels. Das gespaltene Schild zeigt das Wappen von Zwiefalten[6] in Allianz mit dem Wappen des Abtes, welches in Silber über einem grünen Dreiberg einen aufgerichteten roten Löwen zeigt, der in den Pranken einen grünen Pfauenstoss mit goldenen Augen hält. Die Überschrift IM AZ bedeutet Johann Martin, Abt von Zwiefalten. Die Jahreszahl 1680 heisst, dass der Westflügel erst zur Amtszeit von Abt Johann Martin vollendet ist.
Pius Bieri 2011
Lindner, Pirmin: Fünf Professbücher süddeutscher Benediktinerabteien. Band III. Kempten und München 1910.[7]
Holzherr, Karl: Geschichte der ehemaligen Benediktiner- und Reichs-Abtei Zwiefalten. Stuttgart 1887.
[2] Museum: Studiensaal.
[3] Pater Arsenius Sulger (1641–1691, Profess 1659, Theologiestudium in Salzburg) ist Verfasser der «Annales imperialis monasterii Zwiefaltensis», die posthum 1698 in Augsburg veröffentlicht werden. Das Werk ist Hauptquelle der Geschichte Zwiefaltens. Sulger, seit 1680 in Mariaberg, muss Thumb und Beer in Zwiefalten empfohlen haben.
[4] Der Leib des heiligen Aurelius kommt im 9. Jahrhundert von Mailand nach Hirsau, dem Mutterkloster Zwiefaltens. Nach der Aufhebung von Hirsau in der Reformation kommt die Reliquie in den Besitz der Grafen von Zimmern, dann an die Fürsten von Hohenzollern. Diese übergeben den Schrein dem Kloster Zwiefalten, das ihnen dafür Schulden erlässt. Bis 1956 bleibt der Reliquienschrein in Zweifalten, seither ist er wieder in der Kirche des heiligen Aurelius in Hirsau.
[5] Nach Reinhold Halder in der Kapelle des hl. Benedikt und der hl. Scholastika in der neuen südlichen Kapellenreihe.
[6] In Grün zwei schräglinks laufende goldene Balken, aussen von zwei und innen von drei goldenen Sternen begleitet. Die Wappen der Barockzeit zeigen anstelle der zwei Balken eine eine sechsfache Schräglinks-Teilung von Gold zu Grün.
[7] Kurztext Pirmin Lindner:
42.) Joh. Martin Gleutz (Gleiz) aus Riedlingen, erwählt 4. April 1675; vor seiner Wahl war er Granarius, Subprior, 10 Jahre Prior. ✝ 11. März 1692, 72 Jahre alt. Das Wichtigste unter seiner Regierung war, dass er den Neubau des Klosters durch Baumeister Mich. Tum (richtig: Thumb) begann, in Folge der Kriegsunruhen erlitt derselbe eine lange Verzögerung und bis 1690 waren vollendet: die Bibliothek, das Museum, die Hauskapelle, das Priorat und die Recreationszimmer. — Im Canton Thurgau erwarb der Abt zwei nahe beieinander gelegene Schlösser: Giersperg und Castel. — An der Klosterschule wirkten zwei ausgezeichnete Professoren, P. Beda Sommerberger lehrte die classischen Sprachen und P. Ulrich Rothleister (richtig: Rothheusler) Theologie. – Die übrigen wichtigeren Begebenheiten waren: Eröffnung des Gymnasiums zu Ehingen 29. Jänner 1686 und dessen Besetzung mit Religiosen von Zwiefalten; die Feier des 600jährigen Jubiläums seit der Gründung des Klosters, Sept. 1689, aus welchem Anlass in einer Festschrift, betitelt «Deo gratias», diese beschrieben wurde nebst den gehaltenen Festpredigten; die Übertragung der Reliquien des hl. Vitalis (4. Sept. 1685) und hl. Aurelius (ehedem zu Hirsau) 1. April 1690. (Sulger, II., Seite 309–354; Holzherr, S. 138-143).
|Abt OSB Johann Martin Gleutz (1620–1692) von Zwiefalten|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|1620||Riedlingen D||Vorderösterreich|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Reichsabt OSB||1675–1692|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|11. März 1692||Zwiefalten D||Abtei Zwiefalten|
|Kurzbiografie|

Abt Johann Martin Gleutz, durch die Wirren des Dreissigjährigen Krieges geprägt und schon in seinen ersten Regierungsjahren wieder mit einem neuen Krieg konfrontiert, kauft als Zuflucht für Kriegszeiten die Schlösser Girsberg und Untercastell im Thurgau.
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