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Der Autosalon am Lac Leman ist eine der wichtigsten Automessen der Welt. Und das in einem Land ohne eigene Autoindustrie, beengten Strassen und 4.6 Mio zugelassener Fahrzeuge bei 8.3 Mio. Einwohner. Warum das so ist, zeigt ein Blick auf die Anfänge des Genfer Autosalon.
Die bewegte Geschichte des Genfer Autosalon seit 1905
1905 fand der erste Genfer Autosalon vom 29. April bis 7. Mai 1905 im Bâtiment Electoral statt. Die Initianten dieser Ausstellung für Autos und Zweiräder waren Paul Buchet, Generalvertreter von Michelin in der Schweiz, der Genfer Geschäftsmann Albert Vassali und der junge Ingenieur Jules Mégevet, Inhaber einer Zubehörfirma und zugleich Präsident der neu ins Leben gerufenen Schweizer Syndikalkammer der Fahrzeugbranche. Vorsitzender des Organisationskomitees war ACS-Präsident Charles-Louis Empeyta. Mit 59 Ausstellern und über 17’000 Besuchern wurde die Premiere ein voller Erfolg. Wie heute noch üblich, war bei der Eröffnung auch die Landesregierung mit Bundesrat Ludwig Forrer vertreten. Von 1907 bis 1911 musste die Messe jedoch nach Zürich umziehen – der “Benzingestank”, die “Mordsmaschinen, die das gute Volk wie Strassenköter überfahren” und nackte Brüste auf dem Werbeplakat hatten die Genfer verärgert. Die autofeindliche Stimmung und der Erste Weltkrieg sorgten für eine Zwangspause. Erst 1923 findet in Genf wieder der “Salon de l’Automobile” statt, auf dem erstmals auch ausländische Hersteller ausstellen.
Förderung der Automobilindustrie
Standort war erneut das Genfer Wahllokal, und das Präsidium übernahm Robert Marchand, der sich auch in den folgenden Jahren mit viel Elan diesem Anlass zur Förderung der Automobilindustrie in der Schweiz annahm. So wurde nach der erfolgreichen Durchführung am 3. November des gleichen Jahres das permanente Genfer Salonkomitee gegründet, das sogleich mit der Planung des 1. Internationalen Automobil-, Motor- und Fahrradsalons vom 14. bis 23. März 1924 begann. Angesichts der grossen Zahl von Anmeldungen mussten für die Stände mit Automobilen provisorische Hallen auf der Wiese des Plainpalais errichtet werden, während die Zweiräder im Bâtiment Electoral ausgestellt wurden. Die Eröffnungsansprache hielt diesmal Bundespräsident Chuard. Die von 68’000 Leuten besuchte Ausstellung verlieh dem Handel derart Auftrieb, dass die Zahl der Motorfahrzeuge in der Schweiz von 33’000 auf 39’000 anstieg. Ab 1934 rief der Genfer Automobil-Salon ein weltweites Echo hervor. Bis 1939 erhöhte sich die Zahl der Aussteller auf rund 200, und da auch der Palais des Exposition nicht mehr genügend Platz bot, mussten wiederum provisorische Hallen erstellt werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er denn auch 1947 die erste Veranstaltung dieser Art, die wieder ihre Pforten öffnete. Der Erfolg konnte sich sehen lassen, belegten doch 305 Aussteller eine Standfläche von 9’608 m2. Von nun an wuchs die Schweizer Automobilmesse kontinuierlich: 1948 zählte man erstmals mehr als 200’000 Besucher, 1960 wurde die 300’000er Grenze überschritten, und 1967 wurden bereits über eine halbe Million Eintritte registriert. 1972 nahm man erste Studien für den Bau eines neuen Ausstellungsgebäudes ausserhalb des Stadtzentrums in Angriff. Gegen das Projekt kam zwar ein Referendum zustande, aber die Genfer befürworteten schliesslich diese grosszügige Lösung, und am 18. Dezember 1981 wurde das neben dem Flughafen gelegene Ausstellungs- und Kongress-Zentrum PALEXPO eröffnet. Nach und nach wurden beim Palexpo weitere Ausbaustufen realisiert. Im Januar 1987 wurde die neue Halle 5 eröffnet und 1995 folgte rechtzeitig für den 65. Automobil-Salon die 16’000 m2 grosse Halle 7 auf der anderen Seite der Autobahn. Den bis heute bestehenden absoluten Rekord von 747’700 Eintritten verbuchten die Organisatoren 2005 anlässlich der 75. Ausgabe, mit welcher gleichzeitig auch das 100-jährige Jubiläum des Genfer Autosalons gefeiert wurde.
Die Autoshow auf neutralem Boden
Der Internationale Automobil-Salon Genf verdankt seine ausserordentliche Bedeutung nicht zuletzt dem Umstand, dass er nach wie vor alljährlich stattfindet, während vergleichbare Ausstellungen mit weltweiter Ausstrahlung wie die Frankfurter IAA, das Mondial de l’Automobile in Paris oder die Tokyo Motorshow längst zum Zweijahresturnus übergegangen sind. Diese Option wurde zwar in der Vergangenheit auch für Genf geprüft, aber glücklicherweise verworfen. Die bevorzugte Stellung beruht einerseits auf der anerkannt hervorragenden Organisation der Ausstellung und dem internationalen Ruf Genfs, anderseits aber auch auf der einzigartigen Situation der Schweiz. Es gibt nämlich kaum ein anderes Land, in dem sich die Konkurrenz auf dem Gebiet des privaten Automobilhandels derart frei und ohne Kontingentierung entfalten kann.
Der internationale Charakter ist hier deshalb noch ausgeprägter als bei den vier grossen Autoshows in den Herstellerländern (Detroit, Frankfurt, Paris und Tokio), bei welchen die Produkte der eigenen Industrie im Vordergrund stehen. Aus diesem Grund erfreut sich die stets im März stattfindende Ausstellung auch bei Journalisten, Fachleuten, Einkäufern und Vertretern der Automobilindustrie aus der ganzen Welt grosser Beliebtheit. Nirgendwo kann man sich ein vollständigeres Bild über das aktuelle Angebot, neue Trends, den Stand der Technik und künftige Entwicklungen machen als in Genf.? Keimzelle einer automobilen Institution: Das Wahllokal am Boulevard Georges-Favon (hier ein Foto von 1923) bildete seit 1905 die Bühne für die Genfer Autoausstellung.
Von 1907 bis 1911 musste die Messe jedoch nach Zürich umziehen – der “Benzingestank”, die “Mordsmaschinen, die das gute Volk wie Strassenköter überfahren” und nackte Brüste auf dem Werbeplakat hatten die Genfer verärgert. Die autofeindliche Stimmung und der Erste Weltkrieg sorgten für eine Zwangspause. Erst 1923 findet in Genf wieder der “Salon de l’Automobile” statt, auf dem erstmals auch ausländische Hersteller ausstellen. Im Spätherbst 1925 konnte dank der Unterstützung durch die kantonalen und städtischen Behörden sowie aus Genfer Industrie- und Handelskreisen der Bau des neuen Palais des Expositions in Angriff genommen werden. Da absichtlich auf den Monat Juni verschoben, konnte der Salon 1926 erstmals in diesem Gebäude stattfinden. Präsent waren damals 83 Autohersteller aus acht verschiedenen Ländern sowie 25 Motorradmarken.
5 Fragen an André Hefti, den Generaldirektor der Geneva International Motorshow #GIMS
Herr Hefti, 180 Aussteller sind zum 88. Autosalon an den Lac Leman gekommen. Warum lohnt sich ein Besuch, und was sollte man unbedingt gesehen haben?
Neben den grossen Fahrzeugherstellern sind auch wieder mehrere Designer und Supercarhersteller sowie Luxusveredler anwesend, die zum Träumen von schönen Fahrzeugen einladen oder Denkanstösse zur Individualmobilität von morgen geben. In der Halle 3 lädt der Schweizer Uhrmacher TAG Heuer zur Sonderausstellung mit Formel-E- und Formel-1-Wagen ein. Grossen Erfolg verzeichnen jeweils auch die Simulatoren in diesem tausend Quadratmeter grossen Bereich. Neben Elektrofahrzeugen wird Wasserstoff ein grosses Thema sein. Die Erdölvereinigung stellt erstmals am Salon aus und zeigt auf, wie die Tankstelle von morgen aussehen wird.
Einige Hersteller kehren den grossen Automessen dieser Welt den Rücken und suchen nach neuen Konzepten. Woran liegt das Ihrer Meinung nach? Denken Sie, dieser Trend hält an – und falls ja, wie bleibt eine Messe für die Besucher weiterhin sexy?
Es ist kein Geheimnis, dass sich die Hersteller heute zweimal überlegen, ob sie an einer Messe teilnehmen oder nicht. Der Aufwand ist erheblich, und die Marketingbudgets sind nicht unerschöpflich. Ausschlaggebend ist oft die Präsentation einer Neuheit oder einer neuen Firmen- und Entwicklungsstrategie. Der Autosalon ist eine ausgezeichnete Kommunikationsplattform. An den Pressetagen sind rund 10 000 Medienvertreter aus der ganzen Welt zugegen, das heisst, die Berichterstattung ist weltweit gesichert. Insofern bleibt die Messe für Besucher ganz sicher weiterhin sexy; dabei ist, wer etwas zu zeigen hat. Und grundsätzlich birgt jede Veränderung Chancen; so ist jetzt zum Beispiel der neue Stand von Aston Martin in Halle 2, umgeben von zahlreichen Herstellern exklusiver Kleinserien, die zum ersten Mal an der Messe teilnehmen. In Halle 6 wechselte Citroën zu Peugeot, und Jaguar und Land Rover wanderten auf grösseren Flächen auf die andere Hallenseite.
Der SUV boomt, das ist nichts Neues. Nach dem Lamborghini Urus fehlt nun nur noch Ferrari mit einer Geländeversion. Können Sie über den SUV-Boom hinaus weitere Trends am Autosalon 2018 ausmachen?
Nach den Luxus-SUV sind nun ganz klar die kleinen SUV der Grossserienhersteller auf dem Vormarsch.
Elektrifizierung und autonomes Fahren sind bei nahezu allen Herstellern gesetzte Themen. Gibt es darüber hinaus eine überraschende Studie am Salon? Eine spannende Zukunftsvision?
Letztes Jahr war das Highlight das fliegende Fahrzeug von Italdesign in Zusammenarbeit mit Airbus. Dieses Jahr dürfen wir uns auf ein fliegendes Auto der Marke Pal-V freuen. Ein Aussteller, der erstmals in Genf dabei ist. Ausserdem gilt der Automobilsport als treibende Kraft für neue Technologien und Entwicklungen. In diesem Sinne hat die Formel E ihren Platz gefunden. Die FIA präsentiert dieses Jahr das neue Formel-E- Fahrzeug für die Saison 2018/2019.
Sie müssen gegenüber Ihren Ausstellern «neutral» sein, aber Hand aufs Herz: Beim Auto darf man auch mal etwas emotional sein und einen Liebling haben, ohne dass der Nachbarstand gleich neidisch wird. Welches Modell ist Ihr ganz persönliches Highlight am Autosalon 2018?
Ich komme ins Schwärmen, sobald ich einen McLaren sehe oder höre. Und das höchste der Gefühle ist für mich der McLaren Senna.