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Interview mit
Korpskommandant a.D. Josef Feldmann
Josef Feldmann wurde 1927 in Amriswil im Thurgau geboren. Vor seiner militärischen Karriere als Berufsoffizier arbeitete er als Mittelschullehrer. Feldmann war ab 1963 in der Generalstabsabteilung tätig und beendete seine Karriere 1989 als Kommandant des Feldarmeekorps 4.Der Korpskommandant a.D. hat sich während des Kalten Krieges in seiner Funktion als Unterstabschefs Front sowie als Kommandant des Ostschweizer Feldarmeekorps 4 intensiv mit der Bedrohungslage und der Möglichkeit eines Angriffes auseinandergesetzt. In Bezug auf die Gesamtverteidigung verfügt Herr Feldmann unter anderem durch die 1986 und 1989 durchgeführten "Dreizack"- Manöver, in welchem das Feldarmeekorps 4 die Zusammenarbeit mit der zivilen Verteidigung probte, über besondere Kenntnisse.
Zur Zeit der Interview-Anfrage befand sich Herr Feldmann gerade in Spanien im Urlaub. Er erklärte sich allerdings freundlicherweise dazu bereit, das Gespräch in einem Videoanruf zu führen. Ich möchte Herrn Feldmanns Sohn, Pascal Feldmann, der durch sein Vermitteln das Interview ermöglichte, dafür danken. Das Gespräch fand am 5. September 2020 statt.
Leider setzte die verwendete und zuvor getestete Aufnahmesoftware während der Tonaufnahme aus. Aufgrund dieses technischen Defektes bricht die Tonspur der Aufzeichnung nach ca. 13 Minuten ab. Nach dem Gespräch, als ich entsetzt feststellte, dass der Ton fehlte, begann ich die Inhalte des Gesprächs aus dem Gedächtnis zu notieren. Ich entschuldige mich in aller Form für den technischen Fehler, der mir sehr unangenehm ist.
Während dem Teil des Gespräches, der leider der Aufnahme entging, erzählte Herr Feldmann, dass seine grösste Motivation während der Dienstzeit die Präsenz der Bedrohung sowie der schweizerische Wille zur Verteidigung gewesen sei. Während des Kalten Krieges sei die Möglichkeit einer Invasion als wahrscheinlich gewertet worden, wobei sich die Bedrohung während seiner Dienstzeit nicht veränderte. Die Bedrohung sei aus östlicher Richtung angenommen worden, wobei durch die Existenz von Nuklearwaffen die Richtung der Bedrohung an Bedeutung verlor.
In der Frage nach der strategischen Ausrichtung der Schweizer Armee war Josef Feldmann ein Anhänger der mobilen Verteidigung. Er stuft die Konzeption vom 6.6.1966 als entscheidend ein, da sie die Frage nach der Ausrichtung klärte und die Streitigkeiten im Generalstab beruhigte.
Einer möglichen Beschaffung von Nuklearwaffen stand Herr Feldmann aufgrund der Dissuasionswirkung positiv gegenüber, die Unterzeichnung des Atomsperrvertrages habe allerdings eine geringere Handlungsfreiheit zugelassen.
Unter Korpskommandant Feldmanns Kommando wurden 1986 und 1989 die "Dreizack"-Manöver durchgeführt. Diese waren grossangelegte Gesamtverteidigungsübungen, in denen das Feldarmeekorps 4 die Zusammenarbeit mit den zivilen Organisationen der Gesamtverteidigung probte. Auf die Frage, wie er die Gesamtverteidigung bewerte, antwortete er mir, die Gesamtverteidigung habe funktioniert, gezeigt habe dies auch das Manöver Dreizack. Eine Schwäche der Gesamtverteidigung wäre die unterschiedliche Umsetzung in den verschiedenen Landesteilen. In der Nord-Ost-Schweiz hätte sie beispielsweise besser funktioniert, in der Westschweiz schlechter.
Den Fall der Berliner Mauer 1989 nahm Herr Feldmann als Erleichterung wahr und ahnte, dass der Kalte Krieg nun zu Ende gehen würde.
Die Frage, ob die Schweizer Vorbereitungen während des Kalten Krieges im Ernstfall die gewünschte Wirkung erzielt hätten, beantwortete er positiv. Die Vorbereitungen hätten funktioniert, der Zusammenhalt sei sehr gut gewesen.
Josef Feldmann stellt sich vor
Josef Feldmann über seine militärischen Laufbahn
Wie Josef Feldmann den Zweiten Weltkrieg wahrnahm
Die Aufgaben als Unterstabschef Front
- Das Gespräch mit Herrn Feldmann fand am 5. September 2020 via Skype statt.