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Die alpinen Unglücksfälle der Jahre 19321934
Von Walter Siegfried.
Der Tod hat in der Berichtsperiode der Jahre 1932—1934 in den Bergen wieder reiche Ernte gehalten. Vom Knaben, der seine erste Kletterkunst an einem Felsblock übte, von den vielen, die ihr Leben liessen beim Suchen nach einer lockenden Blume im Gefels, von den Männern in der vollen Kraft ihres Wirkens bis zum alten Bergsteiger, der seine Kräfte noch einmal erproben wollte, von ihnen allen weiss, die vorliegende Zusammenstellung wieder zu berichten.
Das Interesse weiter Bergsteigerkreise wendet sich je länger je mehr auch auf die sich mehrenden Unglücksfälle in den ausseralpinen Gebieten, als deren schwerstes das Unglück der deutschen Expedition von 1934 am Nanga Parbat hier ehrend erwähnt werden soll. Es wäre sehr wertvoll, auch diesen, namentlich den zünftigen Alpinisten beschäftigenden Unglücksfällen nachzugehen und sie allein mit den schweren Bergkatastrophen im Alpengebiet zu bearbeiten. Dies geschieht in dieser engen Beschränkung zum Teil im « Alpine Journal » des englischen Alpenclubs, zum Teil im « Alpinisme », der Zeitschrift des G. H. M. ( Groupe Haute Montagne ) des französischen Alpenclubs. Es sei auf diese Zeitschriften an dieser Stelle aufmerksam gemacht, sie bringen grössere Unglücksfälle oft in sehr detaillierter Art und Weise und interessanter Klarstellung von Ursache und Wirkung. Der S.A.C. ist nicht eine Vereinigung ausschliesslicher Alpinisten und Bergsteiger schärfster Richtung wie die Kreise um die eben erwähnten Zeitschriften. So bleibt auch meine Statistik weiter gefasst in der Annahme, dass sie weitere Kreise beschäftigen soll. Möglichst vielen, seien sie nun bergsteigerisch aktiv oder nur Gelegenheitsturisten, muss die vorliegende Zusammenfassung wieder die grossen Gefahren der Bergwelt veranschaulichen; so nur wird ihr Zweck erreicht, ein Mittel der Warnung zu sein.
Die Zahl der Toten ist, wie wir sehen werden, wieder eine sehr grosse. Mit Ausnahme des Jahres 1932, wo ein leichtes Zurückgehen sichtbar wird, hat sie die Höhe der Vorjahre erreicht, sie im Jahre 1934 noch überschritten. Es sei von vornherein bemerkt, dass die Unglücksfälle im Winter gegenüber denjenigen des Sommers stark zurückgegangen sind. Es hängt dies mit der durchschnittlich grossen Schneearmut der Wintermonate der Berichtsjahre zusammen. Sehr gehäuft haben sich dagegen namentlich in den Jahren 1933 und 1934 die schweren Bergkatastrophen. Es muss festgestellt werden, dass heute mit einer grenzenlosen Sorglosigkeit und furchtbarem Leichtsinn in die Berge gegangen wird. Wohl hat das Schicksal in diesen Jahren auch manchen erprobten Mann, Führer oder Führerlosen, erreicht; vor allem sind es aber sowohl im Hochgebirge als auch in der Voralpenregion die Nichtskönner, die Nichts-und Besserwisser, die Gelegenheitsturisten, die Waghälse, welche die Kolonnen unserer Statistik füllen.
Und nicht einmal in der Liste der Toten wird diese Leichtfertigkeit der heutigen Bergsteigerei so ersichtlich wie in den Protokollen der Rettungsstationen des S.A.C. Es lohnte sich der Mühe, diese Tätigkeitsberichte zu veröffentlichen, um zu zeigen, wie zu ungezählten Malen aus allen Wänden und Gletschern unseres Schweizerlandes moralisch und technisch unqualifizierte 1 ) Siehe « Die Alpen », Jahrgang 2, Heft 12; Jahrgang 5, Heft 12; Jahrgang 9, Heft 12.
« Bergsteiger » heruntergeholt werden müssen. Diese Leute wissen nicht, dass sie nicht nur ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen, sondern namentlich auch dasjenige der Rettungsmannschaften. Es ist der Ort, einmal anerkennend auf die grossen Leistungen der Männer unserer Rettungskolonnen aufmerksam zu machen und des Werkes der Rettungsstationen dankbar zu gedenken als einer der besten Institutionen des S.A.C.J.ahr für Jahr mehrt sich die Zahl der Expeditionen, und wenig dankbar ist oft ihr Tun. Die Pflicht verlangt es, vermisste Turisten zu suchen; kommen diese dann plötzlich irgendwie zum Vorschein, so wird die Bezahlung der Rettungskosten abgelehnt mit der Begründung, dass der Gedanke, « dass so grossen Bergsteigern » etwas zugestossen sein könnte, töricht gewesen seil An jedem Menschenwerk haften Unzulänglichkeiten. So sollten auf der andern Seite auch die Überforderungen der Geretteten und der Angehörigen der Opfer der Berge durch die Rettungsmannschaften verschwinden. Jede Arbeit ist ihres Lohnes wert, aber aus einer Rettungsaktion ein Geschäft zu machen, ist zum mindesten unschön. Viel Arbeit und Kosten könnten gespart und Zeitgewinn erzielt werden, wenn jeweils die Absicht der Bergfahrt im Hüttenbuch festgelegt oder in einer Talstation bekanntgegeben würde. Das Studium der Akten des Rettungswesens des S.A.G. veranlasst mich zu diesen Gedanken, man gestatte mir, dass ich ihnen hier Ausdruck gebe zum Zwecke eines reibungsloseren Handelns unserer Rettungsstationen.
Die « Abstürze beim Klettern » haben in den drei Berichtsjahren stark zugenommen. Es entspricht dies der Tatsache, dass das Klettern je länger je mehr als reiner Sport betrieben wird. In den Voralpen namentlich, aber nun auch im Jura wird nicht nur zum Training, sondern als Selbstzweck geklettert. Mit Hammer und Eisenstift, Seil und Karabiner werden die Kalkwände angegangen, als gelte es einer Übung der Leichtathleten auf der Aschenbahn. Die Frequenz der Hütten in den reinen Klettergebieten nimmt stark zu, einst herrlich einsame Kletterzähne wimmeln von Kletterschuhen. Von den Folgen dieser Erscheinung berichtet uns die Statistik in aufsehenerregender Weise. Leider kann nur in einem gewissen Prozentsatz der Fälle der wirkliche Grund des Absturzes bekanntgegeben werden, da es sich einerseits vielfach um Alleingänger handelt und anderseits auch durch Kameraden meist keine klare Auskunft erteilt werden kann. Trotzdem ist es sehr interessant und lehrreich, die nachfolgende Statistik genau zu durchgehen, um so mehr, da es unmöglich ist, auf alle die vielen Unglücksfälle noch besonders einzugehen. Auch treten die Möglichkeiten des Gefahrenmomentes und die Örtlichkeiten in der statistischen Aufstellung am klarsten heraus.
Berichtet wird nur über die tödlichen Bergunfälle in der Schweiz, im Mont-Blanc-Gebiet und in der benachbarten Haute-Savoie. Die andern französischen und italienischen Alpengebiete liegen dem grossen Kreis des S.A.C. wohl ferner, und die abgestürzten todesmutigen Ostalpensteiger zu zählen, wird von hier aus je länger je mehr unmöglich.
Statistik 1932.
Nr. DatumUnfallstelleName der VerunglücktenBemerkungen 1Jan. Col de BalmeMaurice Bischoff, 36j., Lawine bei Tauwetter Vevey 2»Alp « Dreckloch », Dr. H. P. Winterhalter, Lawine bei Tauwetter K1önta127j., Zürich 3»La Montagne de Léon Cagnaux, 49j.Absturz eines Alleingängers Marcelly ( Hauteaus unbekannter Ursache Savoie ) Nγ. DatumUnfallstelleName der VerunglücktenBemerkungen 4Febr. WildstrubelLorenz, 20j., Montreux Tod durch Erhängen im Seil beim Abstieg in der schweren Felswand zwischen Fluhsee und Siebenbrunnen 5 März MönchDr. Deutschländer, 35j., Absturz mit Schneebrett Berlin Führer Fiegel, 27j., Tirol 6»Piz Foraz, Val Werner Ganter, 26j.,Schneebrett und ausgelöste Plavnastud. ing., MünchenLawine 7»Ganna-Franco, Domenico Paolucchi,Tod im Schneesturm B1eniota119j., Olivone 8»RoccabellaArmin Höpfner, Augs- Lawine, verursacht durch Aus- burgrutschen 9»St. Bartholomäus- Unbekannter TuristVerirrt. Sturz über eine Fels- berg ( Gotthardwand gebiet ) 10April Monte Rosa,Delsanto, 26j., Grenoble Absturz in eine Gletscher- Grenzgletscherspalte 11 Mai Piz FlianàMichael Franz, 36j., Abbruch einer Wächte am LindauNordwestgrat 12»SchiltElsi Ris, 24j., Glarus Absturz einer sicheren Berg- gängerin beim Blumenpflücken, vermutlich Steinschlag 13»HeidelpassFrl. Wolber, St. Gallen Grundlawine 14»Dent de Jaman Louis Ramseyer, 19j., Absturz beim Abseilen durch MontreuxAusbrechen des Sicherungs- blockes 15»RossalplispitzLydia Meyer, 31j., Zürich Absturz durch Ausgleiten auf steiler Halde 16Umgebung der Hans Eppstein, 18j.,Absturz durch Verirren bei Ruckhubelhütte BaselNacht 17Juni Dent de Ruth René Barraud, 40j.,Absturz auf steiler Grashalde Bussigny 18»SigriswilergratWerner Dolder, 16j., Absturz beim Klettern Heimenschwand 19»Trident Verraux Stöcklin, MontreuxAbsturz beim Klettern durch Ausbrechen eines Blockes 20»GerihornSchulthess, BernAbsturz auf steiler Grashalde 21Juli Gr. Mythen,Mina Rüegg, 25j., Luzern Absturz beim Blumenpflücken NordwandAnna Rüegg, 23j., Luzern unmittelbar unter dem My- thenweg 22»Furggelikopf bei Dintheer, FrauenfeldAbsturz durch Verirren im WallenstadtNebel 23»Mönch, Nollen Max Seemüller, Schüler, Absturz eines unfähigen Al- St. Gallenleingängers 24»Finsteraarhorn Hofrat Walter Wirtwein, Absturz in eine Gletscher- Mannheimspalte 25»Gitschen, OstJakob Lutz, 25j., Wolf- Absturz durch Ausgleiten des wandhaldenVordermannes beim Ab- wärtsklettern 26»GrammontJakob Büchel, 23j.,Absturz beim Klettern in Lausanneeinem schweren Couloir 27»ChamossaireWilliam Andersen, 19j., Absturz beim Blumenpflücken Lausanne 28»FlimsersteinMarcel Bernheim, stud., Absturz. Mangelhafte Aus- 20j., Strassburgrüstung 29»Aiguille du Dru, Hans Klopfer, 20j.,Absturz beim Klettern durch NordwandBayernAusgleiten des Führenden Mathias Krinner, 25j.,auf einer Platte Bayern Nr. Datum Unfallstelle Name der VerunglücktenBemerkungen 30Juli Aiguille Verte Roger Gevouassaud, 25j.,Steinschlag im Abstieg im Bergführer, ArgentièreCouloir Whymper M. Faye, 35j., Lyon 31 » Aiguille de l'M Albert Simon, 29j., BergSteinschlag führer, Lavanchez 32 » Gais Alpins ( Ro- Engler, 22j., La Tour-deAbsturz durch Ausbrechen chers de Naye ) Peilzdes Standplatzes 33 » Ortstock Emil Schärer, 30j., Rüti Absturz beim Klettern ( Zürich ) 34Aug. Wasserfluh ( Jura ) Hedwig Hunziker, 20j.,Absturz beim Klettern in Suhreinem Couloir 35 » Munt Pers Nelly Ronner, St. GallenTod durch Steinschlag 36 » Matterhorn, Hermann Imhoff, 28j.,Absturz in der Nähe der « Ga- Zmuttgrat Sionlerie » auf vereistem Fels Jules de Torrente, 25j., Sion Michel de Kalbermatten, 26j., Sion 37 » Wandfluh Frau Jeanneret, BielAbsturz durch Misstritt 38 » Pilatus, Klimsen- Max Frei, 22j., LuzernAbsturz beim Klettern hörn 39 » Fontaine à Moïse Cotentin Evionnaz, 45j.Absturz beim Spazieren in b. Salantefelsigem Gelände 40 » Matterhorn, Hans Mittasch, 23j.,Absturz auf vereisten Felsen ZmuttgratPirmasens 41 » Faulfirst ( Alvier ) Ulrich Schlegel, 16j.,Absturz durch Ausrutschen Burgerauauf steiler Geröllhalde 42 » Breitenbodenalp Hermann Tännler, 22j.Absturz b. Edelweisssuchen b. Meiringen 43 » Fällenwände Turist aus KonstanzAbsturz b. Edelweisssuchen ( Alpstein ) 44 » Roggenfluh ( Jura ) Leo Frund, 28j., KlusAbsturz in felsigem Gelände durch Verirren 45 » Aiguille de Bernardo Magnino, 32j.Absturz aus unbekannter Ur- Bionassaysache 46 » Aiguille Verte Victor Perrin, 57j.,Steinschlag Tiefosse 47Schlossberg Willy Amstutz, 19j.,Absturz aus unbekannter Ur- Goldausache 48 » Grand Parey Georges de Mirbach, 37j.,Tod durch Einsturz einer GenfSchneebrücke auf dem Glacier de la Golette 49Sept. Kistenpass J. Speich, 71j., CassarateVerschollen 50 » Düssistock Frau Reiss, BaselAbsturz einer bergungewohn- ten Turistin nach Verirren im Fels 51 » 6. Kreuzberg Hans Moser, Winterthur Absturz beim Klettern im Güttlerriss 52 » Jägihorn Zleitner, stud., BaselAbsturz aus unbekannter Ur- sache 53Okt. Mont Dore, Elisabeth Pache, 14j.,Absturz beim Klettern in Vallorbe Vallorbebrüchigem Fels 54Dez. Leistkamm Karl Gustav Hamsun,Absturz durch Ausgleiten auf 23j., Malmösteiler Schneehalde 55 » Furna ( Prättigau ) Prof. Otto Tanner, 48j.,Tod durch Sturz beim Ski- Schaffhausenfahren Statistik 1933.
1Jan. Gestelengrat Grety Frieden, 23j., Thun Verschüttung durch ange- tretenes Schneebrett 2 » Dundelegg Bernhard Süss, LuzernSturz beim Skifahren 3 » Oberes Mönchsjoch K. J. Hepburn, 21j., ReiSturz eines « Spaziergängers » gatein eine Gletscherspalte Nr. Datum Unfallstelle Name der VerunglücktenBemerkungen 4Jan. Stätzalp Marie Grashom, 24j.,Lawine Hamburg 5 » Col d' Anterne Henri Northon, 34j., EngLawine ( Haute-Savoie ) land Miss Sieber, 26j., England 6 März Haggenegg Max Rümbeli, 27j., OerliTod durch Sturz beim Ski- ( Mythen ) konfahren 7 » Suvrettatal Georg Heitz, St. MoritzLawine 8 » Jungfraufirn Emanuel Lagger, VispSturz in eine Gletscherspalte 9April « Der Vater » am Walter Baumgartner,Absturz durch Ausgleiten Kl. Mythen 22j., Zürichbeim Klettern 10 » Bellavista Umberto Balestreri, Präs.Sturz in eine Gletscherspalte ital. akad. Alpen-Clubs 11 » Rossberg Hermann Küng, WädensAbsturz bei Nacht über eine wilFelswand 12 Mai Crast'Agüzza-Sattel Prof. Max Meuret, OffenSturz in eine Gletscherspalte burg 13 » Salève ( Grande Louis Maradan, 23j., FreiAbsturz beim freien Abseilen Arêteburg 14Juni Sternmätteli, Cyrill Scholtz, 16j., Basel Absturz auf mit Neuschnee Pilatusbedecktem Feld 15 » Monte Rosa Dr. Anliker, BernSturz in eine Gletscherspalte 16 » Aig. des Deux Jaques Boudin, 26j.,Lawine AiglesFrançais 17Juli Zindelspitz Karl Burkhard, Horgen Absturz aus unbekannter Ur- sache 18 » Kühbodenhorn Hans Erni, 36j., LuzernAbsturz eines Alleingängers ( Ostgratbeim Klettern durch Ausbrechen einer grossen Felsplatte 19 » Dent de Veisivi Frl. v. Steiger, 19j., Basel Absturz beim Abwärtsklettern in felsigem Gelände 20 » Bäregg ( Grindel- Mr. Baxter, 25j., EnglandAbsturz. Mangelhafte Aus- waldrüstung ( Tennisschuhe ) 21 » Gais Alpins ( Ro- André Burnier, 21j., CorAbsturz eines Alleingängers chers de Naye ) sierbeim Klettern 22 » Laquingletscher Paul Rossier, 24j., CorAbsturz auf steilem Eishang seaux Paul Monod, Gilamont s. Vevey 23 » Gais Alpins ( Ro- Monod, 19j., ChernexAbsturz beim Klettern chers de Naye ) 24 » Tomlihorn Severin Bammert, Luzern Absturz beim Erklettern einer ( Pilatusfür den Twisten zu schweren Wand 25 » Lisengrat ( Säntis ) Holländischer TuristAbsturz eines bergungewohn- ten Turisten durch Ausgleiten 26 » Gardy ( Cornettes Flückiger, 25j., LausanneAbsturz im Nebel de Bise ) 27 » Matterhorn Amilcar Cretier, 26j.Absturz auf vereisten Platten Basile Ollietti, 22j.am Pic Tyndall oder am Antonio Gaspard, 21j.,«Linceul » Bergführer 28 » Toten Plangg Plinio Genoni, 19j.,Absturz beim Blumenpflücken ( Gr. MythenZürich 29 » Pointe Marcelly Henri Falda, 20j., GenfTod durch Blitzschlag 30Aug. Fuorcla Prievlusa Werner Keller, FrauenAbsturz durch Ausgleiten im feldMoment des Losseilens zwecks Seilverlängerung Nr. DatumUnfallstelleName der VerunglücktenBemerkungen 31Aug. Piz RosegSlater, 54j.,Absturz in steilem Eiscouloir Powell, 47j.,infolge Ausrutschens oder Howson, 44j.,Steinschlag White-Thomson, 30j ., alles Engländer 32»Aig. DoréesMarc Bloch, stud., ParisAbsturz des einen Turisten Paul Pinsard, stud., Paris beim Abseilen. Tod des andern durch Erschöpfung im Schneesturm 33»Denti della Vecchia Dr. Rosa Kölliker, 27j.,Absturz aus unbekannter Ur- Solothurnsache 34»MatterhornFerdinand Schneider,Absturz aus unbekannter Ur- Wiensache 35»AllmenflühOtto Karl Fliedner, 23j.,Absturz eines Alleingängers ( Kanderstegstud., Madridaus unbekannter Ursache 36»Säntis ( Nordwand Albert Haas, 27j., OberTod durch Steinschlag des Oehrliach 37»Gr. WindgälleEmil Brander, 21j.,Absturz eines Alleingängers Zürichin eine Gletscherspalte 38»Arête de 1'Argen- Ed. Meystre, 42j., LauAbsturz b. Edelweisspflücken tinesänne 39»Salève ( RocheHenri Debourgogne, 18j.,Absturz beim Klettern in PourrieGenfStadtschuhen 40»MatterhornKröner, MünchenTod durch Steinschlag ( Nordwand ) 41»AlpsteinHans Jucker, Winterthur Absturz b. Edelweisspflücken 42»NiesenHans Schertenleib, 19j.,In der Nacht verirrt; Absturz Zollikofenauf steiler Grashalde 43»WeisshornFranz Lochmatter, BergAbsturz des Führers infolge führer, St. NikiausAbrutschens des Seils beim Hermann Hotz, 53j.,Abseilen Indien 44»LyskammLouis Favre, Bergführer Absturz auf sehr schwerem ( NordwandSprecher, ItalienWeg aus unbekannter Ur- sache 45»Mont BlancCapo,Tod aus Erschöpfung nach Cuschera, beide Italiener mehreren Biwaks am Peute- reygrat 46»Glacier de Bionas- Simone Bera, 24j., ParisSturz in eine Gletscherspalte say 47»Glacier de Tête Francis Tuaz-Torchien,Absturz in eine Gletscher- Rousse17j.spalte 48»GréponHans Moser, 21j., Genf Absturz beim Klettern 49Sept. Zinal-RothornVaucher, 34j., GenfAbsturz im Abstieg auf steiler Eishalde beim Bergschrund am « Le Blanc » 50»BietschhornPaul Lehmann, 39j., Bern Absturz beim Traversieren ( Westgrateiner steilen Eisflanke 51»Piz SolJules Saladin, 36j.,Absturz eines Alleingängers Zürichbei Nacht und Nebel 52»VerrauxRené Rochat, 17j., VeveyAbsturz aus Ungeschicklich- keit 53»MatterhornDr. Hugo Rall,Absturz offenbar aus Ermü- ( Schweizergrat ) Hans Wieland, beide aus düng oberhalb der Schulter Stuttgart 54»Hohlicht imStrange, EnglandAbsturz beim Abstieg in steilen ZmuttalGras- und Felsbändern 55»Bohnern beiHermann Hermanson,Absturz über eine Felswand Grindelwald30j., Schwedenbeim Spazierengehen 56»Miroir d' Argentine PerrinSteinschlag, verursacht durch Seilgefährten 57»MatterhornMax Faust, 51j., StettenAlleingänger. Vermisst ( Schweizergrat ) bei Meersburg Nr. DatumUnfallstelleName der VerunglücktenBemerkungen 58Sept. Schwarze Fluh Aebi Henri, 61j., Frei- Absturz auf einer Sektionstur ( Freib. Alpenburg 59Okt. MatterhornErich Gilbrecht, 26j., Verschollen Berlin Johann Locher, 25j., Bludenz Joh. Janszewski, 21j., Cladbeck 60»WeisstrickRosa Mühleisen, 28j.Absturz mit einem aus- ( Bannalpbrechenden Block 61»HaggenspitzWilly Halbheer, 30j., Absturz aus unbekannter Ur- ( Kl. MythenBaumasache 62»Freiheit-Westgrat Ernst Graboh, 24j.,Absturz des einzig nicht an- ( AlpsteinZürichgeseilten Turisten im Ab- stieg 63Dez.B.lindenthaiLéon Schmidt, 29j.,Lawine Reckingen 64Gantrischgebiet Karl Förster, 16j., Berner Absturz am Birrenhubel in Pfadfinderverharschtem Couloir Statistik 1934.
1Jan. Tête de Vernan Jean Bérard, GenfSchneesturm, Lawine ( Haute-Savoie ) 2»HundsrückOtto Aeberhard, 26j.,Schneesturm, Lawine Bern 3»Plan sur Joux Frl. Dubois, 20j., Kur- Schneesturm, Lawine ( Haute-Savoie ) gast in Mégève 4Febr. Alp Scharmoin Frau Caracciola, 30j., Lawine unterhalb Urden- Berlin fürkli 5 März CrevasalvasEhepaar Schimmelpfeng, Verschollen ( eine Person im 50j. u. 45j., BerlinFrühling gefunden ) 6»Urdental ( Arosa ) Deutscher, 32j., Duis- Absturz im Nebel am Steil- burghang 7»Helliwangdohle, Rolf Fischer, stud.,Lawine. Abfahrt im Nebel HörnlihüttenZürich gebiet, Arosa Theodor Greulich, stud., Wettingen 8»GuiderstockJohann Wolffers, 19j., Im Schneesturm erfroren ( GlarusHolland 9»BerninahäuserGiovanni Marffina,Tod zweier Arbeiter der Ber- Pontresinaninabahn durch eine La- Giovanni Cortesi,wine Poschiavo 10April Parsenn Willy Dobiasch, München Sturz beim Skifahren 11»Mont BlancRudolf Dorn,Tod durch Erschöpfung Friedrichshafen 12 Mai. Kl. Simelistock Hermann Annaheim,Absturz mit sich lösender ( Engelhörner25j., ThunPlatte Marcel Rérat, Thun 13»RigiErnst Schenkel, 25j.,Absturz auf steiler Grashalde Zürichin ungenagelten Halb- schuhen 14»WiggisFritz Kundert, 19j.,Absturz beim Blumenpflücken Netstal 15Juni GletschhornTheodor Gautschi, 21j., Absturz beim Abrutschen auf Eugen Keller, stud.,steilem Hang in unüber- Gustav Keller, stud.,sichtlichem Gelände ( alle aus Reinach ) 16 » Vioms b. Thusis 13j. KnabeAbsturz beim Klettern 17 » Cornettes de Bise Jean Zehnder, 42j.,Tod durch Blitzschlag Lausanne Nr. Datum Unfallstelle Name der VerunglücktenBemerkungen 18Juni Pilatus ( Bandweg ) Josef Ant. Kurmann,Absturz infolge Ausgleitens 22j., Luzern 19 » Brienzer Rothorn Frl. Ida Schaub, 36j.Absturz auf steilem Schnee- ( Nordseitefeld 20 » Mont Jalouvre M. Derippe, 23j.,Absturz aus unbekannter Ur- Annemassesache 21Juli Pointe des Ancre- Roger Cavin, 24j.,Absturz beim Klettern auf naz ( Muveran- Staiger, 21j ., beide auseinem Band massiv ) Lausanne 22 » Fergenkegel, Süd- Jakob Gees, Bergführer,Absturz des Vorankletterndern wand Klostersaus unbekannter Ursache 23 » Bäregg ( Grindel- Arnold Misteli, BaselTod durch Herzschlag wald ) 24 » Signal de Mala- Rudolf Peter, VeveyAbsturz beim Klettern traix 25 » Salève Elzio Fornara, 19j.,Absturz eines Dreierseils durch GenfAusgleiten des an zweiter Stelle Kletternden auf einem Band 26 » Pilatus Peter Paul Gätiens,Absturz aus unbekannter Ur- Hamburgsache 27 » Couloir du Miage Georges Felix, 18j.Absturz aus unbek. Ursache 28 » Gelmerhütte Frau Mimi Gassmann,Tod durch Ausgleiten auf dem BernHüttenweg 29 » Kaiseregg Pius Gremaud, 16j.Absturz b. Edelweisssuchen 30 » Salève ( Passage Germaine Pary, 24j.,Absturz beim Blumenpflücken du SarrautGenf 31Aug. Col du Passet Frl. Gabriele Curchaud,Absturz in die Barberine ( Emosson47j., Lausanne 32 » Jungfrau Wilhelm Krauss, 26j.,Absturz aus unbekannter Ur- Nürnbergsache Karl Mayer Friedrichshafen 33 » Dents de Bouque- Stanislas d' Okolski, 19j.,Absturz durch Steinschlag tinsLausanne 34 » Argentière- Frl. Pickowa, 22].,Absturz aus unbekannter Ur- Massiv Tschechoslowakeisache 35 » Grosshorn Rudolf Bühler, 21j.,Absturz mit einem Schnee- Luzernbrett Robert Bischoff, 42j., Bergführer, Wengen Rudolf Brunner, 47j., Bergführer, Wengen 36 » Dent de Lys Gaston Gavillet,Absturz im Abstieg auf stei- Lausannelem, nassem Grashang 37 » Umgebung der Butwies, HollandAbsturz durch Abweichen Geltenhüttevom Wege. Ungenagelte Schuhe 38 » Weissensteinhorn Hans Walther, 17j.,Absturz aus unbekannter Ur- Zürichsache 39 » Roc d' Orzival ( Val Marcel Rausch, 18].,Absturz beim Klettern d' AnniviersGrimentz 40 » Matterhorn Foganilo,Tod von schlecht ausgerüste- Ghota, beide aus Turinten Bergsteigern durch Ab-Innocente Longo,Sturz,Erschöpfung und Er-Josef Longo, Bergamofrieren 41 » Dôme ( Mont Franz Kainzlauer, 30j.,Tod aus unbekannter Ursache BlancÖsterreich 42 » Krachenhorn Bolinger, 16j., ZürichAbsturz aus unbek. Ursache 43 » Dents Blanches W. van Lennep, HollandAbsturz beim Klettern 44t Dôle ( Jura ) Samuel Vuille, PranginsAbsturz beim Klettern Nr. DatumUnfallstelleName der VerunglücktenBemerkungen 45Aug. WeisshornEugen Reichling, HorgenAbsturz durch Steinschlag, ( OstgratSeilriss 46»Val d' Anniviers Knabe Otto GattlenAbsturz b. Edelweisspflücken 47»Rocher des Gail- Corbaillot, 36j., GenfAbsturz beim Klettern lands 48»Grandes Jorasses Haaringer, MünchenAbsturz einer Zweierpartie ( Nordwandbeim Klettern 49»Glacier des Ros- Henri Guerin, 16j ., franz.Absturz in eine Gletscher- sonsPfadfinderspalte 50»Mont Blanc ( Col L. Rorgna, 25j., TurinLawine de 1a Rrenva ) C. Alberico, 25j., Turin 51»Mont Rlanc ( Col Paul Wond, 21j.,Absturz zweier für diese Tur de FresnayJohn Hoyland, 19j.,ungenügender Turisten auf Englandsteilem Firnhang 52Sept. Gletschhorn ( unte- Willy Sauter, BaselAbsturz auf steilem Firnhang res Gletschjoch ) Emil Schmutz, Basel 53»GalenstockRudolf Vögeli, 47j.,Absturz einer Fünferpartie Leonhard Diehm, 59j.,durch Ausgleiten des an Hans Lehmann, 28j.,zweiter Stelle gehenden alle aus RaselRergsteigers auf dem ver- eisten Südgrat 54»SchwalmernPfarrer Henzi, 69j., HilAbsturz eines Alleingängers Nordgratterfingenbeim Klettern 55»Urdener Fürkli Frau Vortisch, 62j., LörIm Nebel und in der Nacht ( Alp Schamoin ) rachverirrt, Tod durch Er- schöpfung 56»Gegend des Jaun- Herbert Walz, 24j., UlmAbsturz durch Ausgleiten auf passeseinem Felsband 57»RigiAlbert Gysier, Hj., Arth Absturz aus unbek. Ursache 58»Reuti-Hasliberg Lina Rurri, 73j.Absturz in einer Geröllhalde 59»SchafharnischKüpfer, DürrenastAbsturz aus unbek. Ursache 60»Aig. d' Argentière Rev. Frank Lenwood,Absturz einer unfähigen Partie 60j., Englandauf falscher Route 61»LyskammGuido Fontano, ItalienAbsturz mit der Wächte Costante Stella, Italienzwischen Ost- und West- Chiara, 55j., Rergführer, gipfel Hüttenwart der Gnif- fettihütte, Alagna 62»AgassizjochDenecke, HamburgTod durch Steinschlag 63»DrusenfluhHermann Weiss, 24j.,Absturz beim Klettern Jos. Timmer, 20j., Hard 64Okt. Grand Risse de Jean Mudry, 23j.,Absturz beim Klettern MontanaTh. Herbosch, Belgien 65»Nünenen ( Gant- Robert Malherbe, 29j.Absturz durch Ausrutschen rischketteauf steiler, mit Neuschnee bedeckter Grasflanke 66»Eckstöcke ( Glarus ) Ludwig Luchsinger, 22j.Absturz beim Abwärtsklettern Frau Babette Luchsinger 67Dez.T.remolaschlucht Erica Berlinger, ZürichLawine Werner Ruppaner, Zollikon Zusammenstellung.
Unglücksfälle Tote 1932 55 61 1933 64 78 1934 67 89 Total 186 228 Die Unglücksfälle im Winter.
Aus der letzten Tabelle ist ersichtlich, dass die Unglücksfälle im Winter sich in kleinerem Rahmen gehalten haben. Machten in der Berichtsperiode der Jahre 1926—1928 die Zahl der Toten im Winter gegenüber der Gesamtzahl 28,1 % aus, so waren es in den Jahren 1929—1931 23 % und diesmal bloss 18 %.
So erfreulich diese Tatsache ist, so soll sie uns zu keinen falschen Schlussfolgerungen und Hoffnungen veranlassen.
Die Lawinengefahr war in den durchschnittlich schneearmen und sonnenreichen Wintern der zu besprechenden Jahre unbedingt geringer. Sobald die Verhältnisse gefährlich werden, haben wir auch sofort wieder die Unglücksfälle.
Meistens sind es « Nur-Skifahrer » und keine Bergsteiger, die der Lawine zum Opfer fallen. Eine Ausnahme macht die Partie Dr. Allwein am Piz Foraz. Es ist Schicksal, dass ein Schneebrett vom steilen Grat sich löst im Moment, wo im darunterliegenden Hang eben angestiegen wird. Eine Lawine entsteht, begräbt die Skifahrer und tötet einen Studenten aus München.
Die beiden Unglücksfälle im Januar 1932 ereigneten sich bei Tauwetter und dadurch bedingtem gefährlichem Schnee.
Die drei Lawinenunglücke im Januar 1934 haben die gleiche Genese. Einige Tage vor der Tur Wetterumschlag mit Regen und viel nassem Neuschnee. Am Tage der Tur kurze Aufhellung, Erwärmung. Dann Einsetzen eines Schneesturmes, Unsichtbarwerden und Unkenntnis der Geländeverhältnisse und Antreten der tödlichen Lawine im steilen Hang. Nur Nur-Skifahrer können bei solchen Verhältnissen vom sichern Grat am Hundsrück in die Flanke ausweichen.
Unkenntnis der besondern Schneeverhältnisse und fehlende Überlegung führte zum Absturz der Führerpartie mit einem Schneebrett am Mönch. Beobachten — Denken — Sprechen gilt als naturwissenschaftliche Arbeitsmethode. Beobachten — Denken — Handeln auch eine Maxime für den Bergsteiger und Skifahrer!
Völlige Ignoranz der Schneeverhältnisse auch bei den zwei Damen am Gestelengrat. Fünf Tage scharfer Bise jagen feinen Pulverschnee in den Leehang. Unfehlbar wird dieses Schneebrett im Westhang angetreten und führt zum Tode einer Turistin. Auch stets begangene Skirouten wie das Urdenfürkli können durch besondere Schnee- und Windverhältnisse gefährlich werden. Letztere sind zu berücksichtigen, sonst wird das Unglück unvermeidlich.
Ich glaube kaum, dass wir bei dem grossen Skivolk mehr Kenntnis und Erfahrung voraussetzen dürfen, wenn schneereichere Winter diese in erhöhtem Masse wieder fordern.
Ebensowenig verwunderlich sind die stets sich wiederholenden Abstürze unangeseilter Skifahrer in Gletscherspalten. Wir verzeichnen 6 solcher Fälle, und sie verschonen auch nicht gute Bergsteiger wie den jungen Italiener Ba-lestrieri, Präsidenten des Italienischen Akademischen Alpenclubs, und den Leiter der Sektionstur des S.A.C. Bern auf dem Monte Rosa. Beide Unglücksfälle ereigneten sich an Stellen, die ich neben anderen in der letzten Unfallstatistik folgendermassen beschrieb: « Wer im Sommer Gletscher begangen hat wie die Gletscher des Berninagebietes, wer von der Dufourspitze im Abstieg das obere Plattje überquert, wer an all diesen Orten die riesigen Klüfte, die Löcher, in die man stellenweise ganze Häuser hineinstellen könnte, gesehen hat, der erschaudert im Gedanken, wie der Skifahrer diese Gebiete durchfährt. » Die Versuchung und die Lust, die weiten Gletschergebiete auf Ski ungehemmt durch Seilsicherung zu durchfahren, ist zu gross, als dass man dieser Bewegung des heutigen Skiturismus Einhalt zu gebieten vermöchte. Die Gefahr, die man dabei läuft, muss jeder nach seinem eigenen Verantwortungsgefühl in Rechnung stellen. Soll aber einmal mit möglichster Sicherheit gefahren werden, so bilden mindestens zwei Zweierseile einigermassen Garantie. Eine einzige angeseilte Zweierpartie wird die Gefahr für den Abgestürzten in der verlassenen Hochregion nicht bannen. Unglück am Crast'Agüzza-Sattel 1933.
Bemerkenswert ist der Tod des Walliser Skifahrers Lapper auf dem wohl am meisten befahrenen Gletscher der Alpen, dem Jungfraufirn. Beim Aufstieg von der Konkordiahütte zum Jungfraujoch, beim Proviantholen, stürzte er unangeseilt in eine Spalte, über die wohl viele vor ihm fröhlich hinweggefahren waren.
Als Beispiele grossen Leichtsinnes seien noch die Tur eines deutschen Ehepaares von 50 und 49 Jahren erwähnt, das trotz Warnung und schlechtem Wetter vom Julierpass über die Fuorcla Grevasalvas ins Engadin gelangen wollte. Die Frau war eine schlechte Skifahrerin und war mit einer Kombination von Ski und Schneereifen ausgerüstet. Sie sind verschollen. Ferner die Besteigung der Roccabella bei Bivio durch junge unerfahrene deutsche Skifahrer. Sie gingen ebenfalls trotz ernsten Abmahnens unbesonnen die steile Nordwestwand an, in der sie eine Lawine durch Ausrutschen verursachten und stürzten. Dass man im Schneesturm leicht erfriert, wenn man in Badehosen Mitte März bei unsicherem Wetter einen Gipfel von 2521 m besteigen will, ist klar ( Unglück Nr. 8, 1934 ).
Die Zahl der tödlichen Skistürze ist im Verhältnis zu der Masse der Skifahrer stets noch klein.
Die Unglücksfälle im Sommer.
Beim Blumenpflüeken und Spazierengehen in felsigem Gelände sind in den 3 Jahren 24 Personen verunglückt. Ursache dieser Abstürze sind mangelnde Erkenntnis der Gefahr, schlechte Ausrüstung, namentlich, was das Schuhwerk anbetrifft, und Verirren meist durch Überraschung durch Nacht und Nebel. Die Zahl dieser Unglücksfälle hält sich seit Jahren ungefähr stets auf der gleichen Höhe und scheint als schicksalsmässiger Tribut an die Berge in Kauf genommen werden zu müssen. Auch die Aufklärung in den Schulen verhindert nicht, dass wieder 4 Knaben unter 16 Jahren bei diesen Opfern sind. Einen grossen Prozentsatz bilden die Frauen. Es sei gleich an dieser Stelle vorweggenommen, dass das weibliche Geschlecht unter den Opfern der Bergwelt je länger je stärker vertreten ist. Die weiblichen Toten, 30 an der Zahl, machen in diesen Jahren 13,1 % der Gesamtzahl aus. Diese Tatsache hängt unbedingt damit zusammen, dass die Bergsteigerei bei den Frauen in den letzten Jahren gewaltig zugenommen hat. Viele Unglücksfälle sind grossem Leichtsinn zuzuschreiben, namentlich dort, wo grössere Turen oder Skituren allein von Frauen unternommen werden. Es brauchen die Wetterverhältnisse nur noch schlecht zu werden, dann ist die Widerstandskraft rasch erschöpft und die Möglichkeit gegenseitiger Hilfeleistung gering. Nicht weniger leichtsinnig ist es von einer 19jährigen, mit ihrem 17jährigen Bruder ohne Seil und Pickel auf die Dent de Veisivi aufzubrechen. Dieser tüchtigen Kletterei ist eine solche Partie nicht gewachsen. Ebensowenig konnte einer Frau am Düssistock ihr minderjähriger Begleiter nützen, als die Regennacht die Verstiegenen überraschte.
Es scheint, dass insbesondere die reine Kletterei das weibliche Geschlecht anzieht. Es haben denn auch sowohl im Jura wie im Alpengebiet mehrere Frauen bei der Ausübung dieses Sportes ihr Leben verloren.
Viele Opfer fordern Jahr für Jahr die Voralpen. Stets sind es von Pfingsten weg die Sonntage, welche unsere Chronik stark belasten. Haben sich doch z.B. sämtliche Unfälle im Mai des Jahres 1932 allein über die Pfingsttage ereignet. Und immer sind es dieselben Gebiete, dieselben Berge, welche Opfer fordern. In der Berichtsperiode treten neben den andern Gebirgsstöcken vor den Toren der Städte vor allem der Pilatus, der Salève und die Kette der Rochers de Naye mit den mörderischen « Gais Alpins » besonders hervor. Was da an Unterschätzung der effektiven Gefahren geschieht, ist nicht mehr zu beschreiben. Man durchgehe die Statistik in dieser Hinsicht, und man wird erschrecken, was da an jungen Leuten umkommt durch Ungeschicklichkeit, durch Ausgleiten beim Klettern, durch Ausrutschen auf steilen nassen Grasflanken oder auf mit Neuschnee bedeckten Felsen, durch Ausbrechen schlecht behandelter Griff-blöcke, durch Abgleiten falsch angelegter Abseilschlingen, bei mangelhafter Abseiltechnik und durch Wetterunbilden.
Die Zahl der Sonntagsturisten ist so gross und rekrutiert sich derart aus allen Altersklassen und Schichten der Bevölkerung, dass sie durch keine Institution, die aufklärend und vorbeugend wirken könnte, mehr erfasst wird. Nur Tod und Todesursache ist noch registrierbar. Der S.A.C. und alle übrigen alpinen Vereinigungen scheinen mir aus den eben geschilderten Gründen machtlos. Und doch zwingt das Leid um die vielen wertvollen jungen Menschenleben unbedingt zur Hilfe. Ich glaube, allein die Schule kann diese noch bringen. So gut die Gefahren des Strassenverkehrs nun systematisch behandelt werden, so könnte in den obersten Klassen aller Schulen auf die Gefahren der Berge warnend und eindringlich aufmerksam gemacht werden. Nur durch die Schule ist generationsweise zu Stadt und Land die ganze Bevölkerung zu erfassen. Ich wende mich an die vielen Lehrer, Mitglieder des S.A.C., auch in dieser Richtung ihre ideale Pflicht zu tun und ihren ältern Schülern jeweils einige ernste Worte über die Gefahren der Berge mit auf ihren weitern Lebensweg zu geben! Denn hier kann etwas geschehen, weil es sich um die Bekämpfung hauptsächlich subjektiver Gefahren handelt.
Der krasseste Fall von jugendlicher Unkenntnis der Gefahr, der Absturz eines alleingehenden altern Schülers aus St. Gallen am Nollen des Mönch, einer erstklassigen Eistur, leitet über zu den Unglücksfällen im Hochgebirge.
Im Jahre 1932 ereigneten sich im Gegensatz zu den folgenden 2 Jahren wenig schwere Bergunfälle im Hochgebirge. Das Unglück am Finsteraarhorn, bei dem ein deutscher Herr in einer Gletscherspalte ums Leben kam, war die Folge von Unvorsichtigkeit und völlig falscher Seilhandhabung der Dreierpartie nach dem Unfall. Dieser deutsche Turist war der einzige Überlebende eines Bergunglücks am Finsteraarhorn im Juli 1931. Es scheint sich bei ihm um eine Überschätzung seines bergsteigerischen Könnens gehandelt zu haben.
Im Gegensatz hiezu steht das Unglück der ausgezeichneten französischen Führerpartie an der Aiguille Verte. Sie hatte den schweren Aufstieg von der Argentiereseite her hinter sich und war im Abstieg im Couloir Whymper begriffen. Ein Steinschlag warf die Bergsteiger in die Tiefe. Der Steinschlag, die grosse objektive Gefahr jeder Bergtur, verursachte allein in diesem Jahre im ganzen 6 Todesfälle, u.a. auch denjenigen eines weitern Bergführers an der Aiguille de l'M. Der Steinschlag ist namentlich im Mont-Blanc-Gebiet in den spätern Sommermonaten sehr zu fürchten.
Schwere Opfer forderte nicht nur im Jahre 1933 das Matterhorn. Es ereigneten sich in der Berichtsperiode an diesem unheilvollen Berg 9 Unglücksfälle, bei denen 19 Menschenleben zu beklagen waren. Mit einer einzigen Ausnahme handelt es sich um die übliche Unterschätzung der Schwierigkeiten und Gefahren. Wohl waren die drei jungen Bergsteiger aus Sitten, die im August 1932 am Zmuttgrat ihr Leben lassen mussten, gute Alpinisten. Es herrschten aber in diesem Sommer sehr schlechte Bedingungen an jenem Grate, denen sie eben nicht gewachsen waren. Späte Schneefälle im Jahre förderten auf der Nordseite des Berges eine starke Vereisung der Felsen. So werden die abwärts geschichteten Platten oberhalb der Türme ein gefährliches Hindernis, bei dessen Überwindung jede Sicherungsmöglichkeit auf Seillängen fehlt. Die Partie der drei Walliser kam sehr langsam vorwärts, sie brauchte 8 Stunden allein bis zum Schneegrat. Die schweren Verhältnisse führten zu rascher Ermüdung, und so waren die Bergsteiger den grössten Schwierigkeiten, die ihrer warteten, nicht mehr gewachsen. Es wird einer auf den vereisten Felsen ausgeglitten sein, der dann die andern mit in die grausige Tiefe riss. Sie zerschellten furchtbar in den Steilwänden der Tiefenmattenseite. Ein deutsches Zweierseil stürzte einige Tage vorher tiefer unten am Zmuttgrat aus demselben Grunde, wobei der eine der Turisten merkwürdigerweise mit dem Leben davonkam.
Ermüdung scheint auch bei den zwei Stuttgartern im Jahre 1933 die Ursache des Absturzes oberhalb der Schweizerschulter, also schon auf leichterem Gelände, gewesen zu sein. Eine Radtur führte sie in anhaltender Fahrt über Österreich und Italien nach Zermatt. Ohne Ruhetag wurde sofort die Besteigung begonnen, von der sie nicht mehr zurückkommen sollten. Verschollen sind die drei Deutschen, die im selben Jahre noch im Oktober das Matterhorn angingen. Sie brachen trotz mehrfacher Warnung bei drohender Wetterlage auf und wurden nicht mehr gesehen.
Die grösste Missachtung des Berges leisteten sich die 7 Italiener, die im Jahre 1934 von Breuil aus das Matterhorn traversieren wollten. Führerlos, schlecht ausgerüstet, viel zu leicht bekleidet — die Bekleidung soll bei einigen nur aus Polohemd und Berghose bestanden habenbrachen sie an einem Vierer- und einem Dreierseil von der italienischen Hütte auf. Von der Dreierpartie kehrte ein Teilnehmer während des Aufstieges wegen Übelkeit um. Die beiden andern stürzten in die Südwand ab, als sie die Leiter am Fusse des Gipfelaufbaues erkletterten. Die Viererpartie erreichte bei schlechter werdendem Wetter den Gipfel, wo sie biwakierte. Am nächsten Morgen starb kurz nach Beginn des Abstieges, ca. 100 m unterhalb des Gipfels, ein Turist an Erschöpfung und Erfrierungen. Die drei andern kletterten des vielen Neuschnees wegen sehr langsam weiter, übernachteten in der Solvayhütte, biwakierten nachher in der dritten Nacht wieder im Freien, wobei dann ein weiterer Mann an Erschöpfung zugrunde ging. Kann man ein solches Beginnen überhaupt noch Bergsteigen nennen?
Der Unterschätzung der Steinschlaggefahr der Nordwand erlag der Münchner Kröner. Diese Wand sollte zum zweitenmal « gemacht » werden, obschon die Verhältnisse für dieses Unternehmen im Jahre 1933 die denkbar schlechtesten waren. Zwei Versuche wurden durch Steinschlag zurückgewiesen, der dritte wurde dennoch ertrotzt. In der Eiswand oberhalb des Bergschrundes, die den Einstieg in die Felsen vermittelt, traf ein grosser Stein den stufenschlagenden Kröner. Der leblose Körper konnte vom gut sichernden Stösser aufgefangen werden, ohne dass dieser stürzte. Auch Stösser lebt nun nicht mehr. 1935 auf tollkühner, durch überhängenden Eisbruch schwer gefährdeter Route am Morgenhorn erfiel er mit seinem Kameraden als weiteres Opfer der todes-verachtenden deutschen Bergsteigerei. Zur Diskussion steht nach derartigen Unglücksfällen jeweils nur noch die Frage, ob die obligatorische Turenunfallversicherung des S.A.C. für die Folgen solchen Wagens aufzukommen hat, ob da deren schöne Devise « Alle für Einen » noch Geltung haben kann. Ausser Frage steht, dass das vielumkämpfte Obligatorium und damit die ganze Wohl-fahrtseinrichtung der Versicherung nicht durch solche Einzelfälle gefährdet werden darf!
Als letztes Unglück am Matterhorn sei der Absturz zweier sehr guter italienischer Bergsteiger mit ihrem Führer Gaspard erwähnt. Nachdem sie den ersten direkten Südwandaufstieg zum Pic Tyndall ausgeführt hatten, stürzten sie im Abstieg auf der normalen italienischen Route auf vereisten Platten. Eine qualifizierte Partie erlag hier der objektiven Gefahr des Berges, ohne sie besonders herausgefordert zu haben.
Noch nie war die Zahl der ihrem Berufe zum Opfer gefallenen Bergführer so gross wie in dieser Berichtsspanne. Es mag aus dieser Tatsache sicher geschlossen werden auf die grossen objektiven Gefahren der Bergwelt. Und diese stehen unter Beweis, wo Steinschlag wie an der Aiguille Verte und an der Aiguille de l'M, wo schwere Klettereien wie an der Südwand des Fergenkegel oder an der Nordwand des Lyskamm, wo vereiste Felsen wie im eben besprochenen Fall am Matterhorn oder wo Tücken einer Seilschlinge wie beim Tode des grossen Lochmatter am Weisshorn zum Tode führten. Freizusprechen von Unvorsichtigkeit sind aber auch Führer nicht, wie der unter den Winter-unfällen schon besprochene Absturz mit einem Schneebrett am Mönch erhellte, wie namentlich die 2 traurigen Unglücksfälle im Jahre 1934 am Lyskamm und am Grosshorn zeigen. Es wurden zwei italienische Turisten mit einem Bergführer am Lyskamm vermisst. Man fand zwischen Ost- und Westgipfel am Rande der weitausgebrochenen Wächte einen Pickel stecken, an dem eine Mütze hing. Die Schlussfolgerung liegt nahe, dass sich die ganze Partie zur Rast auf die grosse Wächte gesetzt hatte. Man entdeckte die zerschellten Leichen am Fusse des Berges. Das Unglück am Grosshorn, das zwei Bergführern aus Wengen mit ihrem 21jährigen Turisten das Leben kostete, ist die Folge der Missachtung der Schneebrettgefahr. Der Juni und die erste Hälfte des Monats Juli 1934 zeichneten sich durch langanhaltendes schönes Wetter aus; der Frühlingsschnee verfirnte bis auf grosse Höhen, und die harten Firnpartien boten prächtige Anstiegsmöglichkeiten. Dann folgten lange Schlechtwetterperioden bis weit in den August hinein mit vielen Schneefällen auf den Gipfeln. Kurze Aufhellungen liessen die Schichten jeweils oberflächlich verhärten, kurz die Niederschlagsverhältnisse begünstigten so die Entstehung der für die Auslösung von Schneebrettern sehr gefährlichen Paulkeschen Schwimmschneeschicht. Die Gipfelhänge am Grosshorn sind äusserst steil, wie ich aus eigener winterlicher Erfahrung weiss, und in den steilen Nordhang geriet nun die Wengener Partie, weil sie Wächten am Grate ausweichen musste. Hier hätte nun unbedingt die Gefahr erkannt und umgekehrt werden sollen, wenn schon die Beendigung der schönen Überschreitung von Mittaghorn, Grosshorn, Breithorn zur Mutthornhütte und ihre Belohnung lockte und man die Eltern in dieser Hütte ihres Sohnes wartend wusste. Auf der Schwimmschneeschicht glitt der ganze Hang mit den drei unglücklichen Bergsteigern ins Leere, und erst tausend Meter tiefer, auf dem Schmadrigletscher, kam der Sturz zur Ruhe.
Auf die vielen Unglücksfälle aller Führerlosen in dieser Besprechung noch besonders einzugehen erübrigt sich, da in den Bemerkungen zur Statistik Unfallursache und Hergang nach Möglichkeit schon beschrieben sind. Jeder wird daraus lesen können, was er daraus lesen will.
Immerhin ist es notwendig, auf einige weitere der schweren Bergkatastrophen der Jahre 1933 und 1934 noch zu reden zu kommen, haben doch dabei, wie in einigen der schon besprochenen, oft ganze Seilschaften von 3 und 4 Mann ihr Leben verloren.
Drei junge Bergsteiger aus Reinach besteigen im Juni das Gletschhorn. Im Abstieg in der Westflanke verlocken sie die Schneefelder zum Abrutschen, und fröhlich geht die Fahrt zutal. Trotzdem das Schneefeld steiler wird und sich zur Kehle verengert, deren untere Partien nicht zu beurteilen sind, wird weiter abgefahren. Und nun gibt 's auf einmal kein Halten mehr, trotz aller verzweifelter Gegenwehr wird plötzlich die Fahrt zur Todesfahrt. Das Schneefeld bricht in der Kehle in Felsen ab, und die Körper zerschellen. Dieses Unglück muss als typisches Beispiel der Fahrlässigkeit festgehalten werdenWiederum von der Albert-Heim-Hütte aus besteigen 5 Mitglieder der Sektion Angenstein den Galenstock auf schwierigem, wenig begangenem Weg. Sie erreichen glücklich den Gipfel und wähnen offenbar die Schwierigkeiten alle hinter sich. Wie liesse sich sonst erklären, dass 5 gute Bergsteiger an einem einzigen Seil über den mit etwas Schnee bedeckten steilen, vereisten Südgrat abzusteigen beginnen und dass keiner der 5 sichert, so dass beim Ausrutschen des an zweiter Stelle Gehenden die ganze Seilschaft mit in die Tiefe gerissen wird. 3 Tote, alles Familienväter, und 2 Verletzte mussten geborgen werden. In diesem Fall ist unbedingt ein Fehler in der Sicherung gemacht worden. Es muss vom guten Bergsteiger die Anwendung und Beherrschung dieser Technik bis ins letzte verlangt werden; denn auf vereistem Grat, in steiler Eis- und Firnwand ist die Gefahr des Absturzes der ganzen Seilpartie beim Falle eines Seilgefährten viel grösser als im Fels. Es ist zudem noch kein Zweifel, dass die Technik des sichern Gehens und der Sicherung im Eis viel schwieriger ist als bei der Felskletterei. Aus der mangelhaften Beherrschung dieser Technik heraus erklären sich so viele Unfälle guter Kletterer im Eis und im Schnee.
Zum drittenmal in demselben Jahre überschritt frühmorgens eine Unglücks-partie die Schwelle der Albert-Heim-Hütte. Beim Abstieg vom Gletschhorn am untern Gletschjoch stürzte sie auf steilem Firnhang. 2 Tote waren zu beklagen. Neben andern haben die Unglücksfälle am Laquingletscher, am « le Blanc » am Zinalrothorn und am Bietschhorn-Westgrat sicher dieselbe Ursache. In den beiden letztgenannten Fällen stürzte jeweils nur ein Mann zu Tode, während die Mitbeteiligten mit Verletzungen davonkamen. Am Bietschhorn-Westgrat können die beiden Traversen der steil nach Süden abfallenden Eis-oder Firnhänge vermieden werden, indem man Wetternd dem ganzen Grate folgt. Die Felstürme, die dabei überwunden werden müssen, kosten etwas mehr Zeit, bieten aber im Eise unsichern Turisten weniger Gefahr als die leichter erscheinende Umgehung, um so mehr, da die fortgeschrittene Tageszeit mit der starken Besonnung die besprochenen Hänge weich und rutschig werden lässt.
Ein schweres Unglück gleicher Art ereignete sich im Jahre 1933 auch am Piz Roseg. 4 Engländer, alles Lehrer am Eton College, stiegen am Nachmittag von der untersten Terrasse des Gipfelaufbaues in dem sehr steilen schmalen Firnfeld ab, das schräg abwärts zu den Felsen hin begangen werden muss. Das Firnfeld verengert sich couloirartig nach unten, wird steiler und bricht über Felspartien ab. Tief unten fliesst der Sellagletscher. Die Nachmittagssonne lässt in diesem Westhang die dünne Schneeschicht erweichen, die trügerisch auf der Eisunterlage liegt. Diesen Verhältnissen sind die 4 berggewohnten Turisten zum Opfer gefallen. Schlecht haben wohl die mit Weichschnee ver-pappten Steigeisen gefasst, ein Mann rutschte aus und riss die schlecht gesicherten Kameraden mit in den Tod. Dieser Absturz ereignete sich auf der im Bündner Führer von der Tschiervahütte aus als « gebräuchlich » erwähnten Route. Trotzdem Marcel Kurz sie in einer Anmerkung als « ausserordentlich gefährlich » bezeichnet, wird sie stets begangen. Es ist der von objektiven Gefahren am meisten bedrohte « Normalweg », den ich je an einem Berg beschritten habe. Eisstürze und Steinschlag bedrohen ihn auf lange Strecken, und sehr heikel ist im Abstieg das Wegstück, dem die Engländer zum Opfer fielen. Der technisch etwas schwerere Nord- oder Eselsgrat sollte unbedingt vorgezogen werden.
Diese Katastrophe hatte ein Nachspiel, indem bei der Berichterstattung im « Alpine Journal » in einer Fussnote die Handlungsweise einer schweizerischen Führerpartie als nicht korrekt bezeichnet wurde, die am Tage nach dem Unglück am Unfallsort drei Pickel im Schnee steckend fand und, Absturzspuren erkennend, den Aufstieg trotzdem fortsetzte, um erst nach ihrer Rückkehr Rettungs-, d.h. Bergungsmassnahmen zu veranlassen. Der englische Alpenclub blieb bei seinem Urteil, obschon zur Rechtfertigung darauf hingewiesen wurde, dass ein tödlicher Absturz an dieser Stelle unbedingt angenommen werden konnte und Bergungsversuche der Steinschlaggefahr wegen doch erst am nächsten Morgen möglich gewesen wären, zu welcher Zeit sie denn auch wirklich unter grosser Gefahr der Rettungsmannschaften stattfanden. Für zukünftige ähnliche Fälle glaube ich, ein sofortiges Abbrechen der Tur als richtiger betrachten zu müssen. Ist eine Partie vermisst und Angehörige warten auf Nachricht, dann ist die erste Unfallsmeldung um so wertvoller, je rascher sie erfolgt. Abgesehen davon, dass durch möglichst schnelle Rettungsmassnahmen doch vielleicht ein Menschenleben noch gerettet werden könnte.Zum Schluss seien einige Unglücksfälle aus dem Mont-Blanc-Gebiet noch besonders erwähnt. Die objektiven Gefahren namentlich des Steinschlags und der Lawinen, aber auch der zerrissenen Gletscher und der Witterungsverhältnisse, forderten wie stets ihre Opfer ( siehe im übrigen die Statistik ).
4 Italiener suchten Ende Juli 1934 die gefürchteten Eis- und Lawinenstürze der Brenvaflanke dadurch zu umgehen, dass sie abends 9 Uhr vom Rifugio Torino aufbrachen, um Mitternacht den Col de la Fourche de 1a Brenva überschritten und um 2 Uhr schon im Eiscouloir standen oberhalb des Lawinenkegels der Basispartie des Col de 1a Brenva. Eine Schneelawine wischte zu dieser nächtlichen Stunde das eine Zweierseil in die Tiefe.
Der Sommer des Jahres 1934 mit seinem vielen schlechten Wetter eignete sich nicht zu grossen Fahrten. Es stürzten auch beim Versuch, die Nordwand der Grandes Jorasses zu besiegen, 2 Münchner ab, wobei zwar nur einer die Liste seiner hier tödlich abgestürzten Vorgänger ergänzte.
Wie mussten sich die schlechten Verhältnisse und die Schwierigkeiten der berühmten Wege im Mont Blanc erst rächen, wenn sie von Unfähigen angegangen wurden. Am Peutereygrat biwakierte im schlechtesten Wetter eine italienische Berggesellschaft zu mehreren Malen. Schliesslich erkämpften sich zwei davon den Weg über den Mont-Blanc-Gipfel zur Vallothütte, wo sie Proviant für ihre auf der Südseite des Mont Blanc de Courmayeur wartenden, erschöpften Kameraden zu holen gedachten. Während diese von Courmayeur aus gerettet wurden, starben die zwei wackeren Turisten beim Wiederaufstieg zum Mont Blanc an Erschöpfung. Unvermeidlich war der Untergang der beiden 19- und 21jährigen Engländer Hoyland und Wand, die zu ihrer ersten Berg-kampagne mit zu grossen Plänen in den Mont Blanc gezogen waren. Nur die Mer de Glace-Seite des Grépon, nur die Brenvaflanke und der Peutereygrat sollten gemacht werden. Ohne vorher eine Tur ausgeführt zu haben, brachen sie von der Gambahütte bei unsicherer Wetterlage zum Col Fresnay auf mit Richtung Peutereygrat. Wenn sie im Aufstieg zum Col nicht schon abgestürzt wären, hätte sie der kurz darauf einsetzende Schneesturm in den höheren Felsen sicher erledigt. Für Neulinge im Bergsteigen sind solche Fahrten nicht! Verantwortungslos ist der Versuch eines 60jährigen Engländers, dessen Bergerfahrung auf wenige Jahre zurückging, die Aiguille d' Argentière zu besteigen und dazu eine Dame und einen Herrn einzuladen, die von den Bergen noch weniger verstanden. Bald hatten sie sich denn auch verstiegen, und als erster stürzte der « Führer » ab. Ein gütiges Geschick wollte es, dass nur dieser bei dem schweren Sturz das Leben lassen musste.
Solche Beispiele leichtsinniger, unerfreulicher Bergsteigerei liessen sich aus unserer Statistik noch weiter vermehren. Noch in keiner Berichtsperiode wie in der vorliegenden beherrschte diese Art der Bergunfälle so sehr die Chronik. Es ist so, wie ich eingangs sagte, es wird mit grenzenloser Sorglosigkeit und furchtbarem Leichtsinn in die Berge gezogen. Es fehlt die Sachkenntnis, es fehlt die ernsthafte Schulung, es fehlt das Verantwortungsgefühl und es fehlt vor allem die Achtung vor den Bergen. Es ist der Geist der Zeit, der auch die gesunde Bewegung des Alpinismus und unsere grosse Alpenwelt nicht unberührt lässt.