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Ja, tatsächlich. Einmal würde ich gern den Mut haben, nur dieses eine einzige Wort als meinen täglichen Blogbeitrag zu veröffentlichen. Einfach so. Ohne Überschrift, ohne Verabschiedung, ohne Lizenzhinweis. Einfach nur dieses eine Wort. Vielleicht würde ich – nein, das geht nicht, im Reader ist ja auch weißer Text zu sehen. Also dann: wirklich nur ein einziges Wort posten. Oh, das Wort wäre für manche sicher auch noch Stein des Anstoßes, sicher, weil es als Schimpfwort gesehen wird/werden soll. Für mich aber ist es kein Schimpfwort, kann es kein Schimpfwort sein. Mir ist das Wort und das, was es bezeichnet, sehr, sehr wichtig. Positiv wichtig, um exakt zu sein. Aber ein Blogbeitrag, der aus nichts als nur einem einzigen, gar noch zweifelhaften, anrüchigen Wort besteht? Welchen Sinn hätte das für mich (Mut beweisen) und für die Lesenden? Würde ich nicht doch zu viele damit verschrecken? Aber: Geht es mir denn darum, möglichst viele “Follower” zu sammeln? Ist es nicht vielmehr dieses Getriebensein zur Entäußerung, der Zwang zum Schreiben und Veröffentlichen?
Zuvörderst ist der Druck in mir, mich schriftlich auszudrücken. Was, wenn ich damit beginne? Gedacht, getan: Ich nehme ein Blatt Schreibmaschinenpapier und schreibe das Wort oben links hin. Auf mehreren anderen Blättern Schreibmaschinenpaier plaziere ich das Wort jeweils anders. Dann sehe ich mir die Sammlung der Schriftstücke an. Und versuche herauszufinden, welche Wortposition mir am gefälligsten erscheint. Hochformat muß es sein, und dann von der Mitte aus nach rechts geschrieben, etwas unterhalb der Mitte des Papiers. Da paßt das Wort am besten hin. Da sieht es für mich am verstehbarsten aus. Da gehört es hin, für mich. Dieses eine Wort in normaler Schriftgröße; nicht größer oder fett, nicht kursiv geschrieben, in keiner außergewöhnlichen Schriftart. Einfach dort hingeschrieben. Und wie könnte ich das hier im Blog so gestalten? Ich müßte mit
<p style="margin-left:50%;margin-top:600px%;margin-bottom:480px">Wort</p>
einen Absatz mit absonderlichen Rändern definieren, um den Beitrag aussehen zu lassen wie ein Blatt Schreibmaschinenpapier. Natürlich wäre das möglich. Und dann stünde eines Tages hier im Blog kein Beitrag im herkömmlichen Sinne, sondern nur ein einziges, nur dieses eine einzige unaufgeregt gesetzte/geschriebene Wort. Und es wäre nichts und alles zugleich. Ich hätte Mut bewiesen, gerade diesem Wort eine so hervorgehobene Stellung einzuräumen, ihm einen so prominenten Platz zu geben. Und die Hobby- und Küchenpsychologen, die dieses Wort sähen, könnten gar trefflich über meine Absicht und meinen Gemütszustand und meine geistige Haltung und über die Sinnhaftigkeit eines solchen Einwortbeitrages streiten. Oder nur nachdenken, nur nachdenken könnten sie auch. Wie auch all die anderen, die sich den Nichtbeitrag mit einem einzigen Wort als Inhalt ansehen.
Wenn ihr – jaja, ihr! – auf einem Blatt weißen Papiers der Größe DIN A4 nur ein einziges Wort hinschreiben dürftet, irgendeines, das nicht zu lang ist, eines, das ihr frei bestimmen könnt: Stellt euch dieses eine Wort vor, wie es wo auf einem Blatt stehen muß. Und dann laßt es (zumindest in eurer Vorstellung) auf euch wirken, dieses für euch selbst positiv wichtige Wort irgendwo auf dem Papier. Mein Blatt Schreibmaschinenpapier hängt jetzt erstmal beim Eßtisch an der Wand, ein reinweißes Blatt mit einem schnörkellosen Wort darauf. Stellt euch euer Wortblatt/Blattwort vor, wie es euren Lieblingsplatz zieren könnte.
Irgendwann wird das von mir entworfene Blatt als Kunstwerk irgendwo in einem meiner Blogs auftauchen, wahrscheinlich als Bild; und es wird unkommentierbar sein und nur zufällig gefunden werden können. Irgendwann, wenn ich den Mut habe, mich zu diesem Wort zu bekennen. Und wenn ich den hatte, wird das Blatt auch signiert sein, also erkennbar sein, daß es dieses, mein Blatt ist. Oder ich habe vielleicht doch nie den Mut dazu, ist der Druck zur Verwirklichung dieser Idee am Ende doch nicht groß genug. Wer weiß? — Und alle die, die jetzt hoffen, daß ich das Wort nenne, wenn sie in einem Kommentar danach fragen, hoffen vergeblich, genau wie alle die, die versuchen, mir Zustimmung zu entlocken, wenn sie das Wort selbst in einen Kommentar schreiben. Nein, ich verrate es heute nicht und morgen nicht, auch nicht per Mail oder sonstwie, nein.
Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen dieses verrückten Gesabbels.
P.S.: Am 09.05.2019 waren positiv die in Leipzig im Laden abgeholte zweite Möchskutte (perfekt passend und online bestellt), ein kurzes Gespräch mit einer wildfremden Person in der S-Bahn, vier gekochte Eier mit Senf und einem Hefeweizen am Abend.
Die Tageskarte für morgen ist die Acht der Münzen.
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