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Zwar stammt der älteste archäologische Fund von Celerina aus der Eisenzeit, doch so weit zurück reicht unsere Reise in die Vergangenheit nicht. Wir beginnen mit unserer „Geschichte von der Geschichte“ im Mittelalter: 1139 wurde das Dorf erstmals urkundlich erwähnt und kann heute auf eine bewegte Geschichte zurückblicken.
Als „Ad Slatannum“ taucht die neue Siedlung zum ersten Mal in einer Urkunde von 1139 auf und verweist praktischerweise auf ihren Standort: „beim Schlattain“, wobei Schlattain der Bach aus der Val Saluver ist. Vertiefen wir uns detektivisch in diese sprachliche Spurensuche, erfahren wir, dass „Schlattain“ wiederum wohl langobardischen Ursprungs ist und entweder für „seletta“ (= der kleine Inn), „slahta“ (= Geschlecht) oder „slâte“ (= Bodensenke; später auch: feuchte Wiesen, Sumpfgras) steht. Andere Quellen glauben an eine keltische Bedeutung: „der Graue“ als Verweis auf die Farbe des Gebirgsbachwassers.
Wie aber kam es, dass die Siedlung überhaupt urkundlich benannt werden musste? Nun, 1139 erwarb Konrad der I. von Biberegg, Bischof von Chur, das Gebiet von Zuoz bis Silvaplana. Ein grosses Gebiet also, aus dem reichlich Steuern einzutreiben waren, darunter auch Fleisch und Fisch. Da diese leicht verderblichen Waren vor ihrem Transport nach Chur gekühlt und entknocht werden mussten, liess Konrad I. auf dem heutigen Celeriner Gemeindegebiet im Hang beim Schlattain einen Keller (lat.: cellarium; rätorom.: schler) anlegen. Dies bewirkte eine Flut von Namen über die nächsten Jahrhunderte: von „Ad Slatannum“ zu „de Sclatanio“ zu „Zalerina“ (rätorom.: Tschlarina) zu „Schellarin“ (Tzlarina) zu „Celarina“ zu „Celrina“ zu „Cellerina“ – was schliesslich im heutigen Celerina (Schlarigna) mündete.
Im Mittelalter bildete das Oberengadin einen Kreis, d. h. eine politische und religiöse Einheit. „Weiden, Alpen und Wälder waren Gemeingut und durften von allen Bürgern des Kreises genutzt werden“, heisst es dazu in der umfassenden Monografia da Schlarigna von Gian Paul Ganzoni. „Überall konnten sie ihr Vieh sömmern, wie es gerade kam.“ Auch in der Nähe der anderen Dörfer, die mit der Zeit aber die exklusive Nutzung ihrer Gebiete forderten. 1538 wurden daher für „Samedan, Bever, Celerina, Pontresina und anderen zugehörigen Gemeinden“ Grenzsteine gesetzt und von diesem Zeitpunkt gab es die „Gemeinde Celerina“.
Die Farben Gold und Rot beherrschen mit ihrer Leuchtkraft das Wappen von Celerina und zwei Bildelemente verweisen auf historisch bedeutende Wirtschaftszweige der Gemeinde: In der oberen goldenen Hälfte deutet ein rotes Mühlrad auf die nun nicht mehr existierenden Mühlen für den einstigen Korn- und Erbsenanbau hin. Der untere rote Teil wird von einem rostsilbernen bzw. weissen Kellergewölbe mit zwei Bögen dominiert, das sich auf das Vorratslager von Konrad I. bezieht. Die Wahl der Farben beruht auf dem Wappenschmuck der Kirche San Gian. Mit der Neugestaltung des Wappens 1980 wurden Gelb, Rot und Weiss als offizielle Gemeindefarben benannt.
Dreimal suchten Feuersbrünste die Celeriner Heim. Besonders schlimm traf es das Dorf 1631, als in der Nacht vom 30. auf den 31. Mai zahlreiche Häuser den Flammen zum Opfer fielen: Geschuldet war das Unglück der Unachtsamkeit von Kindern, die ein Herdfeuer nicht sorgfältig genug bewachten. Um die zerstörten Dorfteile wiederaufzubauen, reisten Zimmerleute, Schreiner und Maurer sogar bis aus Deutschland an. Unternehmen Sie einen Spaziergang durch den urigen Dorfkern und entdecken Sie an die Inschrift „erbaut 1631“ an vielen Sgraffito-verzierten Fassaden!
Über 5500 Arbeiter packten mit an, als um die Jahrhundertwende eine Eisenbahnstrecke im wahrsten Sinne „durch“ die Alpen hindurch gebaut werden sollte: Denn damit der Zug von Thusis bis zur Endstation Celerina gelangen konnte, mussten 39 Tunnels gebohrt sowie 55 Brücken und Viadukte über wilde Schluchten und reissende Flüsse geschlagen werden. Die Jungfernfahrt auf der Albulalinie von 1903 führte also nicht ins mondäne St. Moritz (deren Einwohner hatten sich nicht auf einen Bahnhofsstandort einigen können), sondern ins beschauliche Celerina. Erst ein Jahr später wurde auch St. Moritz mit der Bahn erschlossen.
1906 wurde mit dem Bau einer weiteren Bahnstrecke begonnen – diesmal nicht durch, sondern über die Alpen: Die Berninalinie führt von St. Moritz bis hinauf zum Berninapass und hinunter nach Tirano. Die Planer platzierten die kleine Station am unteren Dorfrand am Rande des Stazerwaldes und gaben ihr zur Unterscheidung von der Station Celerina der Albulalinie den bis heute gültigen Zusatz «Staz».
Gestern wie heute repräsentieren Albula- und Berninalinie eine beeindruckende bau- und ingenieurstechnische Meisterleistung. Beide Strecken, von denen eine durch und die andere über die Alpen führt, zählen seit 2008 zum UNESCO Weltkulturerbe.