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Beim beliebten Republikaner
Ein Trip durch das Hinterland präsentiert das andere Amerika. Es ist nicht nur geografisch weit entfernt von New York, Washington oder San Francisco und anderen urbanen Zentren amerikanischen Reichtums. Von der Befindlichkeit her könnte es sich auf einem anderen Planeten befinden.
Da ist der zahnlose Mann an einem Truckstop in Tennessee. Er verdient sich sein Geld mit Gelegenheitsarbeit. Er sieht aus wie Mitte 50, könnte aber 40 sein. Oder der Autowäscher in Topeka in Kansas. «Wie lange fährt man an die Ostküste?», fragt er beim Abtrocknen des Autos. Ob es billige Hotels auf dem Weg dorthin gebe? Da ist der Verkäufer in einem kleinen Laden in Iowa. Er wählte Trump bei den republikanischen Parteiversammlungen im Januar in Iowa. Denn Trump «sagt, wie es ist».
Sie alle, die kleinen Leute längs des Wegs, sind potenzielle Trump-Wähler. Welten trennen sie von den Erfolgreichen. Neu ist dieser traurige Umstand nicht. Es gab ihn schon einmal während der Grossen Depression, als Millionen Amerikaner in die Armut abrutschten. Die Wirtschaftskrise kostete den Republikaner Herbert Hoover die Präsidentschaft.
Im Dorf West Branch auf der fruchtbaren Prärie des östlichen Iowa kam Hoover zur Welt. Bescheiden ist sein Geburtshaus, zwei Zimmer, ein kleines Grundstück. Gut besucht ist die Sehenswürdigkeit nicht. Warum auch? Hoover wird immer jener Präsident sein, der keinen Ausweg aus der Weltwirtschaftskrise fand.
Im Wahlkampf 1928 hatte Hoover den «endgültigen Triumph über die Armut» prophezeit. Dann implodierte der Aktienmarkt und mit ihm Hoovers Präsidentschaft. «Wenn ein Mann von 40 Jahren keine Million Dollar gemacht hat, ist er nicht viel wert», hatte Hoover gesagt. Er war reich, aber 1932 wurde er abgewählt und ersetzt durch den Demokraten Franklin Roosevelt. In Trumps Vokabular wäre Hoover gewiss ein «Verlierer». Sein Geburtshaus mag ein nationales Denkmal sein, Hoover aber rangiert in der Hitparade amerikanischer Präsidenten weit hinten.
Wer den Geburtsort eines beliebten republikanischen Präsidenten sehen möchte, muss von Iowa über den Mississippi-Fluss hinüber nach Illinois fahren. Maisfelder säumen die kleine Landstrasse bis zum Dorf Tampico. Im schmucklosen Kern des Orts und überragt von ausgedienten Getreidesilos befinden sich einige Backsteingebäude, darunter eines mit einem historischen Hinweisschild. Unten ist eine Bankfiliale untergebracht, in der Wohnung darüber kam im Februar 1911 Ronald Wilson Reagan zur Welt, amerikanischer Präsident von 1982 bis 1989 und Ikone der Republikanischen Partei.
Kaum aber wäre Reagan 2016 zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner nominiert worden. Wahrscheinlich wäre er nicht konservativ genug. Trump hätte ihn demoliert. So wie er Jeb Bush demolierte. Dass der Mann aus Tampico ein ewiger Optimist war, hätte ihm womöglich auch nichts eingebracht: Dies sind Zeiten für Pessimisten.
Seine geliebte Republikanische Partei würde Reagan kaum wiedererkennen. Und mit Trump könnte er nicht viel anfangen. Hoover, Reagan, Trump: Von West Branch über Tampico führt die republikanische Strasse jetzt nach New York. Auf ihr kurvt ein Präsidentschaftskandidat herum, den weder Reagan noch Hoover sich hätten vorstellen können.