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Orpheus Descending
Schauspiel
Stückinfo
Im kleinen Bäckerladen am Highway scheint das Leben stehen geblieben zu sein. Der letzte Rest von Drama findet in Klatsch und übler Nachrede statt: Die Liaison der schönen – und verheirateten – Ladenbesitzerin Lady glüht noch nach, auch wenn sie viele Jahre zurückliegt. Ihr Mann, bitter und todkrank, hat damals aus Rache Feuer gelegt im Weinberg von Ladys Vater, welcher dabei ums Leben kam.
Dann – plötzlich – ist er da. Der schöne Fremde in der Jacke aus Schlangenhaut: wild und unberechenbar. Wie Orpheus in die Unterwelt tritt der junge Musiker Val über die Schwelle von Ladys Laden. Von diesem Moment an dreht sich alles um ihn. Die exaltierte Vorstadt-Schlampe Caroline verfolgt ihn hartnäckig; Vee, die Frau des Sheriffs, zeigt ihm, und nur ihm, ihre Gemälde und erzählt von ihren geheimsten Wünschen; und selbst Lady, die ihn – man könnte fast meinen wider Willen – einstellt, hält sich offensichtlich lieber in seiner Nähe auf als im ersten Stock, dem Reich ihres siechenden Ehemannes.
Doch Val, der Künstler, bleibt in dem amerikanischen Provinznest ein Fremder und die Männer rotten sich zusammen, um den unerwünschten Rivalen zu vertreiben.
«Orpheus Descending» («Orpheus steigt herab», ua 1957) ist die spätere Fassung von Tennessee Williams’ erstem kommerziell produzierten Thea-terstück: «Battle of Angels», ua 1940. Dieser Kampf zwischen Gut und Böse wurde verfilmt unter dem Titel «Der Mann mit der Schlangenhaut» mit Marlon Brando und Anna Magnani. Der junge Williams war da schon der grosse Geschichtenerzähler und Menschenschilderer, den man von späteren Stücken wie «Endstation Sehnsucht» kennt. Besonders aber sind die phantastischen, märchenhaft-mythischen Elemente, die sich ganz selbstverständlich in diese frühen Stoffe einfügen.