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Eine Allergie entsteht aus einer überschiessenden Reaktion des Immunsystems gegen Stoffe, die für den Körper normalerweise ungefährliche sind. Der Körper sollte das sogenannte Allergen unter normalen Umständen ignorieren. Nach einem ersten Kontakt mit dem Allergen kann der Körper eine Sensibilisierung dafür entwickeln. Aufgrund dieser Sensibilisierung gegenüber dem Allergen wird dieses dann beim Zweitkontakt erkannt und löst eine Entzündungsreaktion aus. Um eine allergische Reaktion auslösen zu können, muss also der Körper zuvor bereits einmal mit dem Allergen in Kontakt getreten sein. Die sogenannte Sensibilisierung ist also die Vorstufe und Voraussetzung einer Allergie. Der Körper wird sozusagen hypersensibel für ein bestimmtes Allergen. Ab dem zweiten Kontakt (und bei allen folgenden Kontakten) reagiert das Immunsystem und bekämpft das Allergen. Häufig treten aber nur lokale Reaktionen auf wie beispielsweise eine Rötung an der Einstichstelle oder eine leichte Schwellung. In selteneren Fällen wird eine systemische Reaktion ausgelöst, die den gesamten Organismus betrifft.
Es werden vier verschiedene Allergiereaktions-Typen unterschieden. Typ I ist eine IgE-vermittelte Reaktion, Typ II ist eine zytotoxische Reaktion, Typ III ist eine Immunkomplex-Reaktion und Typ IV ist eine zelluläre T-Zell-vermittelte Reaktion. Die Insektengiftallergie gehört zum Typ I der allergischen Reaktionstypen. Dieser Typ I wird auch als Soforttyp, Frühtyp oder anaphylaktischer Typ bezeichnet, da die Dauer vom Kontakt des Allergens bis zum Auftreten der Symptome wenige Sekunden bis einige Minuten dauert. Wie der Name der Typ I Reaktion bereits beschreibt, bilden sich bei dieser Reaktion bei Erstkontakt allergenspezifische IgE-Antikörper. Diese IgE-Antikörper binden an die Oberfläche von sogenannten Mastzellen, welche viel Histamin enthalten. Mastzellen sind körpereigene Zellen, die der Krankheits-Abwehr dienen. Bei einem erneuten Kontakt mit dem Allergen, sorgen diese IgE-Antikörper auf den Mastzellen dafür, dass die Histamine aus den Mastzellen freigesetzt werden. Die freigesetzten Histamine verteilen sich via Blut im ganzen Körper und verursachen die typischen allergischen Symptome. Zusammenfassend kann man sagen, dass die IgE-Antikörper beim ersten Kontakt mit dem Allergen gebildet werden und das Allergen dann beim zweiten Kontakt erkennen. Da der Körper bereits auf dieses Allergen vorbereitet (also sensibilisiert) ist, kann das Immunsystem direkt dagegen reagieren.
Eine Insektengiftallergie ist auf Bienen-, Wespen-, Hornissen- oder Hummel-Gift möglich. Das Gift von Wespen ist in der Zusammensetzung ähnlich wie das Gift von Hornissen. Das Gift von Bienen ist in der Zusammensetzung wiederum ähnlich wie das Gift der Hummeln. Zwischen Bienen- und Wespengift besteht auch eine geringe Kreuzreaktivität. Dies bedeutet, dass es Betroffene gibt, die nur auf das eine oder das andere Gift allergisch reagieren, bei anderen Personen können aber auch beide Gifte eine allergische Reaktion auslösen.
Die Symptome einer Insektengiftallergie können in unterschiedliche Schweregrade aufgeteilt werden. Der niederste Grad ist die örtliche Reaktion. Hierbei ruft das Insektengift eine starke Rötung oder Schwellung im Bereich der Einstichstelle hervor. Zudem treten häufig auch langanhaltender Juckreiz und Brennen auf. Handelt es sich um eine rein lokale Reaktion, ist der Durchmesser der Schwellung weniger als ein Centimeter und klingt nach spätestens 24 Stunden wieder ab. Zudem können diese Stiche von unangenehmen Empfindungen wie Schwindel, Kopfschmerzen und allgemeinem Unwohlsein begleitet sein. Dadurch unterscheiden sich die Stiche von der normalen Reaktion auf einen Insektenstich. Handelt es sich um eine schwere örtliche Reaktion ist der Durchmesser der Schwellung meist grösser als Zehn Centimeter und dauert länger als 24 Stunden. Bei einer systemischen Reaktion treten zu den bereits beschriebenen Symptomen zusätzlich noch tränende Augen und eine geschwollene Nasenschleimhaut auf. Auch schwerere Symptome wie Atemnot, Schwindel, Übelkeit, Durchfall und Herz-Kreislauf-Probleme sind möglich. Die schwerstmögliche Reaktion bei einer Insektengiftallergie ist der allergische Schock, welcher tödlich enden kann. Erste Anzeichen eines allergischen Schocks können ein Brennen auf der Zunge oder im Rachen sein. Wird der allergische Schock nicht sofort behandelt, kann dies zu Herzrasen, Erbrechen, Atemnot oder Bewusstlosigkeit führen.
Wenn man mit allergischen Symptomen auf einen Insektenstich reagiert, sollte man ein Notfallset mit sich führen. Ein Notfallset enthält ein Antihistaminikum, Kortison und Adrenalin. Aber der beste Schutz vor einer Insektengiftallergie ist die Vorbeugung eines Stiches. Zu den Massnahmen der Prävention gehören gewisse Verhaltensregeln: nicht barfuss im Freien laufen, lange und nicht-bunte Kleidung tragen und beachten, dass gewisse Gerüche (wie Duftstoffe, Essen, Süssgetränke) auf Insekten anziehend wirken.
Eine weitere Methode der Vorbeugung der Insektengiftallergie ist die Hyposensibilisierung. Um das Immunsystem gegenüber dem Allergen zu desensibilisieren, werden dem Körper kleine, langsam ansteigende Mengen von stark verdünntem Insektengift verabreicht. Dadurch soll sich der Organismus an das Gift gewöhnen und bei einem Kontakt nicht weniger heftig reagieren. Allerdings dauert diese Methode drei bis fünf Jahre und ist sehr aufwendig.
Quellen
Allergieinformationsdienst (2018, 15. November). Wie entsteht eine Allergie? https://www.allergieinformationsdienst.de/immunsystem-allergie/entstehung-von-allergien.html
Amboss (2022, 19. Juli). Allergische Erkrankungen. https://www.amboss.com/de/wissen/Allergische_Erkrankungen/
Universitätsspital Zürich (o.D.). Insektengiftallergie, Hymenopterengiftallergie. https://www.usz.ch/krankheit/insektengiftallergie/
Nachdem im Frühling die Covid-19-Pandemie fürs Erste bekämpft schien, haben die Nachrichten über die Affenpocken sehr schnell die Runde gemacht und eine erneute pandemische Katastrophe wurde beinahe erwartet. Heute kann festgehalten werden, dass diese Situation ausgeschlossen ist. Dennoch dürfen die Affenpocken nicht unterschätzt werden, auch aufgrund des unzureichenden Wissensstands in der Bevölkerung. Dieser Artikel soll die Mechanismen der Erkrankung aufzeigen, Übertragungsmöglichkeiten erläutern und auch die Frage der Impfung klären.
Bei den Affenpocken handelt es sich um eine virale Erkrankung, welche nicht nur über die Haut und Schleimhaut, sondern auch indirekt über kontaminierte Gegenstände übertagen werden kann. Die Affenpocken werden auch zu den Geschlechtskrankheiten gezählt, nicht weil die Geschlechtsorgane primär betroffen sind, sondern weil sexueller Kontakt mit einer erkrankten Person die Wahrscheinlichkeit der Übertragung massiv erhöht. Insbesondere gleichgeschlechtlicher Geschlechtsverkehr zwischen Männern erhöht das Risiko einer Ansteckung. Die Gründe dahinter sind bis heute noch nicht final geklärt.
Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Ansteckung und Auftreten von Symptomen, kann bis zu 21 Tage betragen, in der Regel liegt die Inkubationszeit jedoch etwa bei einer Woche. Die Symptome kann man sich als allgemeine schwere Grippe (Erschöpfung, Kopf- und Gelenkschmerzen, Fieber, Schüttelfrost) mit zusätzlichem Hautausschlag vorstellen. Der Hautausschlag besteht vor allem aus kleinen Bläschen und Pusteln, die nach einigen Tagen verkrusten. In der Regel tritt der Hautausschlag nach den Grippesymptomen auf und löst insbesondere in den ersten Tagen des Ausschlags einen heftigen Juckreiz aus.
Von allen Ansteckungen mit Affenpocken betreffen über 90% Männer! Das ist ein möglicher stochastischer Grund, weshalb besonders homosexuelle Männer gefährdet sind. In der Schweiz wurden 500 Fälle erkannt und die Tendenz ist derzeit rückläufig. Die initiale Verbreitung des Virus’ kommt aus Zentralafrika durch die Übertragung von Nagetieren auf den Menschen. Der Name könnte implizieren, dass die Übertragung vom Affen auf den Menschen gelangt ist. Der Affe ist jedoch ein Fehlwirt der Nagetiere. Ein Fehlwirt beschreibt einen Wirt für ein Virus, in dem sich das Virus nicht weiterentwickeln, der es jedoch übertragen kann.
Das Virus der Affenpocken unterscheidet sich vom herkömmlichen Pockenvirus nicht sehr stark. Hierbei gilt es zu beachten, dass das Pockenvirus nicht die Windpocken auslöst. Die Windpocken sind auf das sogenannte Varizella-Zoster-Virus zurückzuführen. Die vorhandenen Impfstoffe gegen das herkömmliche Pockenvirus können auch wirksam gegen Affenpocken eingesetzt werden. In der Schweiz wurde jedoch im Sommer eine Bestellung eines neuen Pockenimpfstoffs getätigt, der spezifischer gegen die Affenpocken gerichtet ist.
Die Impfung dient vor allem der Verhinderung von schweren Krankheitsverläufen und nicht primär dazu, sich gar nicht erst anzustecken. Die Impfung kann prophylaktisch oder nach engem Kontakt mit einer infizierten Person verabreicht werden. Auch wenn die Affenpocken vor allem zu Beginn medial für viel Aufsehen gesorgt und Angst in der Bevölkerung geschürt haben, gibt es keine Impfempfehlung für die breite Bevölkerung.
Dies hat einerseits mit der begrenzten Verfügbarkeit des Impfstoffs zu tun (es konnten 40’000 Dosen bestellt werden) andererseits aber auch mit der ungleichen Verteilung zwischen Mann und Frau. Derzeit wird diskutiert, ob die Impfung Männern vorbehalten sein soll, weil sie in mehr als 90% der Fälle betroffen sind. Dabei gäbe es eine erneute Priorisierung unter den Männern – homosexuelle Männer sind auf der Prioritätenliste aufgrund des erhöhten Erkrankungsrisikos zuoberst.
Frauen müssen sich deswegen jedoch keine Sorgen machen, denn ihr Risiko, an den Affenpocken zu erkranken, ist so gering, dass diese Massnahme tragbar wäre. Dennoch bleibt natürlich eine ethische Debatte, wenn diese Überlegungen durchgesetzt werden würden. Nebst homosexuellen Männern hätte auch Gesundheitspersonal, das aufgrund der Arbeit gegenüber den Affenpocken exponiert wäre, erleichterten Zugang zur Impfung.
Abschliessend kann also festgehalten werden, dass die Affenpocken weiterhin beobachtet werden müssen, jedoch nach aktuellem Stand keine Bedrohung für die breite Bevölkerung darstellen. Eine Impfung ist insbesondere Frauen und heterosexuellen Männern nicht empfohlen und bleibt voraussichtlich homosexuellen Männern, Trans-Personen und exponiertem Gesundheitspersonal vorbehalten.
Neben der alljährlichen Grippeschutzimpfung für Ältere und chronisch Kranke gibt es zahlreiche Wege, die Abwehrkräfte und das Immunsystem im Herbst zu stärken:
Psyche, Körper und Immunsystem sind eng verbunden und beeinflussen einander. Hier ist Stress reduzieren angesagt, das heisst, bewusst abgrenzen von stressigen Situationen, Phasen der Entspannung einplanen und Werkzeuge wie Yoga, Pilates oder auch Meditation einfliessen lassen.
Ausgewogen essen und trinken, am besten mit viel frischem Obst und Gemüse, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten. Verzichten Sie auf industriell hergestellten Zucker, welcher den Boden bereitet für Übergewicht, Zuckerkrankheit, Krebs- und Herz-Kreiskauf-Erkrankungen. Eine abwechslungsreiche Kost versorgt den Körper mit Vitaminen und Nährstoffen.
Herbstliche Spaziergänge (wer möchte auch Walken, Radfahren oder Wandern) stärken unser Immunsystem. Entdecken Sie den Wald wieder: Die Natur erdet uns, beruhigt unsere Psyche, reduziert Stresshormone und stärkt unsere Gesundheit. Sonnenstrahlen sorgen für eine Portion Vitamin D, welches ein wichtiger Faktor für die Funktion unseres Immunsystems ist. Ausserdem schüttet Ihr Gehirn das Glückshormon Serotonin aus und Sie werden mit einer besseren Laune und guter Stimmung belohnt – das wiederum stärkt Ihre Abwehr.
Trinken Sie ausreichend, denn der Körper braucht 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit am Tag. Wasser ist das Elixier des Lebens. Auch Kräutertees (z.B. mit frischer Minze oder Ingwer) können Sie mit dem Wasser abwechseln. Trinken Sie idealerweise stilles Wasser. Es ist bekömmlicher und basischer als kohlensäurehaltiges Wasser. Die Flüssigkeit ist wichtig für die Regulation der Körpertemperatur, für den Transport von Nährstoffen, für den Stoffwechsel in jeder einzelnen Körperzelle und für den Abtransport der Abbaustoffe des gesamten Stoffwechsels.
Eine ausgewogene Schlafhygiene und ausreichend Schlaf (7 bis 9 Stunden) ist ein sehr wichtiger Faktor, sowohl für die Psyche als auch für das Immunsystem. Im Schlaf finden Reparationsvorgänge statt, Fettzellen und Stresshormone werden abgebaut, im Schlaf entfaltet sich eine beeindruckende Schutzwirkung gegen Infektionen. Schlaf ist also keine Zeitverschwendung, sondern gelebte Gesundheitsvorsorge.
Achten Sie auf eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen (A, B, C, D, Folsäure) und Mineralstoffen (Eisen, Kupfer, Selen und Zink). Sie tragen zur Funktion des Immunsystems entscheidend bei und damit zur Abwehr von Erregern von Atemweginfekten.
Regelmässige Händehygiene trägt dazu bei, dass Viren und Bakterien nicht ins Gesicht und in die Schleimhäute von Augen, Mund und Nase gelangen. Mehrmaliges Lüften am Tag sorgt für eine gute Sauerstoffsättigung der Luft und das richtige Klima in Innenräumen.
Versuchen Sie, phasenweise (zum Beispiel an Arbeitstagen) ganz oder teilweise auf Alkohol und Zigaretten zu verzichten. Diese sind Gifte für alle unsere Zellen, stressen unseren Körper und reduzieren damit unsere Immunabwehr.
Der Gang in die Sauna unterstützt das Herz-Kreislauf-System und stärkt unsere Abwehrkräfte. Durch die Wechselwärme werden die Schleimhäute an die Temperatur angepasst durchblutet. So wird der Körper optimal auf die im Herbst kommenden kalten Temperaturen vorbereitet.
Wechselduschen stärken das Immunsystem, kurbeln den Stoffwechsel und die Fettverbrennung an und fördern unsere Durchblutung. Diese in unserer modernen Welt in Vergessenheit geratene Methode der Gesundheitsstärkung dehnt und verengt durch den Wechsel zwischen Wärme und Kälte die Gefässe und Lymphkanäle – wie bei einem Muskeltraining. Gefässwände werden kräftiger, Körperflüssigkeiten fliessen, die Abwehrkräfte werden gestärkt. Wechselduschen beleben also und entgiften, haben einen positiven Effekt auf Wärmeregulierung und unser Herz-Kreislauf-System und machen zudem gute Laune – sie schenken uns also ohne viel Aufwand Gesundheit und positive Energie im Herbst.
Ein bis zweimal Mal im Jahr kann man für mehrere Tage auf feste Nahrung verzichten (Voraussetzung ist das Fehlen von Kontraindikationen), was eine Kaskade an biochemischen Reaktionen auslöst. Durch die Zellentgiftung und Entschlackung profitiert unser Verdauungssystem, unsere psychische Gesundheit, unser gesamtes Immunsystem – also Körper und Geist. Der freiwillige Nahrungsentzug wirkt nicht nur verjüngend und regenerierend auf unsere Zellen, er hat auch einen positiven Effekt auf Blutdruck, Blutzucker, Entzündungen, den Säuren-Basen-Haushalt und unsere Stimmung.
Je stärker wir uns in unserem Umfeld aufgehoben fühlen und je häufiger wir umarmt werden, desto seltener werden wir krank. Ein liebevolles Zuhause und ein positives Umfeld machen uns glücklicher, stärken unsere Psyche und senken somit auch das Risiko von Erkältungen und grippalen Infekten.
Dieser Artikel befasst sich mit dem Einfluss von Salzwasser auf den Menschen. Dabei stehen die Augen und die Haut im Vordergrund. Sowohl salz- als auch chlorhaltiges Wasser, wie es in den meisten Pools vorkommt, haben einen kurzfristig negativen Einfluss auf die Augen. Es ist jedoch wichtig vorwegzunehmen, dass es sich bei beiden Wassersorten nur um kurzfristige Reizungen halten. Salz- oder Chlorwasser schädigen das Auge also nicht nachhaltig oder beeinträchtigen gar die Sehfunktion. Was geschieht, ist das Aufkommen eines unangenehmen Brennens, welches auf den in beiden Wassersorten erhöhten Salzgehalt zurückzuführen ist. Als physiologischer Vergleich dient hierbei die Zusammensetzung von Tränen. Diese sind im Gegensatz zu Schweiss etwa vier Mal weniger salzig. Schweiss mit 4g Salz pro Liter brennt in den Augen, und das ist auch der Grund, weshalb wir Augenbrauen besitzen: Sie schützen die Augen vor herabtropfendem Schweiss von der Stirn. Die Tränenflüssigkeit hat etwa 0.9g Salz (NaCl) pro Liter. Im Blut ist die Salzkonzentration gleich hoch, daher wird die Tränenflüssigkeit im Auge nicht als unangenehm empfunden.
Der Mechanismus des Brennens ist beim Schweiss und beim Salzwasser derselbe. Der hohe Salzgehalt reizt die Bindehaut, welche durch den erhöhten Salzgehalt leicht anquillen und sich röten kann. Abschliessend lässt sich also festhalten, dass Salzwasser keine langfristig schädigende Wirkung hat. Das zeigt sich auch dadurch, dass sich das Tauchen mit offenen Augen im Salzwasser trainieren lässt. Ein einfacher Selbstversuch kann das bei Interesse nachweisen: Wenn Sie an fünf Tagen jeden Tag eine halbe Minute mit offenen Augen im Salzwasser tauchen, wird das Brennen von Tag zu Tag abnehmen. Das ist darauf zurückzuführen, dass sich die Schleimhaut adaptieren kann und den hohen Salzgehalt nicht als bedrohlich einstuft.
Aus zwei Gründen ist eine Schwimmbrille dennoch empfehlenswert. Erstens vermeiden Sie damit das zwar ungefährliche, aber dennoch unangenehme Brennen in den Augen. Zweitens – und das ist der medizinisch relevante Grund – können so keine Bakterien in die Augen gelangen. Denn die obigen Ausführungen, dass das Schwimmen im Salzwasser zwar unangenehm ist für die Augen, jedoch nicht gesundheitsschädigend, gilt nur für sauberes Salzwasser. Bakterien aus dem Salzwasser können durchaus die Schleimhaut besetzen und Infektionen hervorrufen, die medizinisch behandelt werden müssen.
Schauen wir uns nun die Einflüsse des Salzwassers auf die Haut an. Salzwasser hat für unsere Haut mehrere positive Einflüsse; sie ist fast schon ein Wundermittel. Das Salz wirkt leicht entzündungshemmend, was beispielsweise Rötungen von Pickeln minimiert. Zudem löst es abgestorbene Hautschuppen und fördert damit die Regeneration. Aber Salzwasser tötet auch Bakterien ab, womit es die Wundheilung fördert. Der einzige negative Effekt des Salzwassers ist der Wasserentzug. Daher ist es wichtig, dass das Salzwasser nach dem Schwimmen abgeduscht wird und das Salz nicht zu lange auf der Haut bleibt.
Die Einflüsse von Chlorwasser (und auch Süsswasser) auf die Haut und auf die Augen sind marginal. Es gibt jedoch einen spannenden Effekt, der bei langem Wasserkontakt auftritt; gemeint sind die schrumpeligen Hände – beispielsweise nach einem langen Bad. Diese Reaktion beruht auf zwei Komponenten. Einerseits verengen sich die kleinen Blutgefässe der Haut bei langem Wasserkontakt. Dieses Zusammenziehen der Blutgefässe führt dann auch zu einem Zusammenziehen der Haut. Andererseits nimmt die äusserste Hautschicht Wasser auf und quillt dadurch an. Die schrumpelige Haut ist jedoch gesundheitlich komplett unbedenklich.
Der Wasserkontakt ist für die Augen sicherlich nicht nachhaltig ungesund, egal ob Salz-, Chlor- oder Süsswasser. Auch bei der Haut hat die Expositionsdauer eine stark untergeordnete Bedeutung. Wichtig ist jedoch, dass nach dem Baden im Salzwasser das Salz nicht zu lange auf der Haut bleibt, da dies das Austrocknen der Haut fördert.
Kunst für mein System
Kunst kann aktiv wie passiv wirken. Wenn ich aktiv gestalte, hat das grosse Auswirkungen auf mein System: ich verbessere meine Feinmotorik und Koordination, ich trainiere meine beiden Hirnhälften in Logik und Kreativität – idealerweise synchronisiere ich sie sogar – und ich kann meinem Innersten ohne Worte Ausdruck verleihen. Ich werde ruhiger und entspannter, weil ich mehr bei mir bin und weniger in der Ablenkung, im «Aussen»; zudem macht meine Amygdala – das Angstzentrum im Gehirn – Pause. Ich entdecke Neues, und ich lasse meiner Fantasie freien Lauf ohne Angst vor Experimenten. Alles ist erlaubt, alles ist möglich und ich werde zum Schöpfer oder zur Schöpferin.
Kunst für meine Gesundheit
Was hat Malen mit der Gesundheit zu tun? Wenn ich kreativ bin, erschaffe ich etwas. Immer wenn ich Schöpfer oder Schöpferin bin, gebe ich meinem Leben einen Sinn. Ich trage zur Verschönerung der Umgebung bei oder zur Freude der Mitmenschen an meinem Erschaffenen. Das hilft mir, mich wertvoll zu fühlen, indem ich mich wahrnehme und ausdrücke. Wenn ich in die Eigenwahrnehmung gehe und mich ermächtige, kreativ zu sein, reduziere ich Stress und Angst, weil ich nicht fremdbestimmt bin. Ich senke den Level der Stresshormone, was in Verbindung mit dem gesamten Hormonsystem von Schilddrüse und Bauchspeicheldrüse steht, der Blutdruck normalisiert sich, was wiederum das Herz-Kreislauf-System entlastet, und das Immunsystem beruhigt sich, was meine Anfälligkeit für unzählige Erkrankungen wie auch Autoimmunerkrankungen reduziert. Das ist gut für die Gesundheit!
Wenn ich allein male, bin ich ganz bei mir, vertieft in mein Tun. Das kann eine meditative Wirkung haben. Die Gedanken ruhen, die Seele baumelt und ich entspanne mich. Wenn ich in einer Gruppe male, kann ich meine Kreativität mit anderen verbinden, wir kommen in Fluss, was mir das Gefühl von Zugehörigkeit, Gruppenbewusstsein, Verbundenheit und Vernetztheit vermitteln kann. Das ist gut für die Gesundheit!
Kreatives Arbeiten hilft nicht zuletzt, meiner Gefühlswelt ein Gefäss zu geben, da ich mich durch das Malen ausdrücken kann. Emotionen wie Angst, Wut, aber auch Freude finden eine Plattform, werden gesehen und durch den kreativen Akt transformiert in Farbe und Formen. Danach fühle ich mich leichter und freier. Auch das ist gut für die Gesundheit!
Kunst als Informationsträger
Kunst kann auch nutzbar gemacht werden, um Informationen zu transportieren. Es gibt faszinierende Untersuchungen, wie Gemälde und Installationen – als passiver Kunstgenuss – Menschen inspirieren und motivieren können, etwas aktiv anzugehen, beispielsweise im Zusammenhang mit Umweltschutz und Nachhaltigkeit (Klöckner & Sommer 2019).
Andere Studien zeigen, wie Kunst – als aktive Praxis – zum Weg des Ausdrucks für demente Menschen wird und sie zur Sprache kommen lässt (Lee, 2019; Pongan et al., 2020). Wenn der Selbstausdruck stattfinden darf, stärkt das auch die Resilienz (Newman, 2019). Bei Schülern konnte beobachtet werden, dass sich ihre Noten in anderen Fächern verbesserten, wenn sie den Kunstunterricht besuchten (Hardiman, 2019). Aufmerksamkeit wie Gedächtnisleistung waren markant verbessert (ebd.).
Der aktive wie passive Kunstgenuss kann Symptome wie Schmerzen, Depressionen oder neurologische Probleme lindern. Die Lebensqualität wird gefördert. Schon ein Museumsbesuch wirkt nachhaltig positiv, noch mehr aber profitiert man, wenn man selbst künstlerisch aktiv wird.
Therapeutisches Malen
In künstlerischen Prozess werden schöpferische Energien in Farbe und Form transformiert. Gedanken und Gefühle finden ihren Ausdruck ohne Worte und damit auch oft unmittelbarer als über die Sprache oder Schrift. Es kann bei psychischen Störungen helfen, in Kommunikation zu kommen oder aber die Konzentration zu stärken wie auch die innere Unruhe zu bremsen. Verdrängtes und in der Tiefe Abgespeichertes kann zum Ausdruck gelangen. Da wir unter anderem in Bildern denken, ist Malen eine grossartige Möglichkeit, Verdrängtes an die Oberfläche zu bringen, ins Bewusstsein zurückzuholen. Verdrängen raubt unendlich viel Energie. Diese kann transformiert werden, wenn sich über die kreative Betätigung neue Lösungswege eröffnen.
Kunst kann die Selbstheilung in Schwung bringen. Ob ich den passiven oder aktiven Kunstgenuss bevorzuge und von welcher Form ich eher profitiere, hängt auch von mir selbst und meinen Vorlieben ab. Hier gilt es, auszuprobieren, was mir in meiner individuellen Situation eher entspricht und wie ich bestmöglich mithilfe der Kunst den Zugang zu meinem Inneren finden kann.
Quellen
Hardiman, M. (2019). The effects of arts-integrated instruction on memory for science content. Trends in Neuroscience and Education, 14, 25–32. DOI: 10.1016/j.tine.2019.02.002
Klöckner, C.A., & Sommer, L.K. (2019). Does activist art have the capacity to raise awareness in audiences? A study on climate change art at the ArtCOP21 event in Paris. Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts. DOI: 10.1037/aca0000247
Newman, A. (2019): The role of the visual arts in the resilience of people living with dementia in care homes, Ageing & Society, 39(11), 2465–2482. DOI:10.1017/S0144686X18000594
Pongan, E. et al. (2020). Immediate benefit of art on pain and well-being in community-dwelling patients with mild Alzheimer’s. American Journal of Alzheimer’s Disease & Other Dementias, 35. DOI: 10.1177/1533317519859202
Lee, R. (2019). Art therapy for the prevention of cognitive decline. The Arts in Psychotherapy, 64, 20–25. DOI:10.1016/j.aip.2018.12.003
Die Schlaflosigkeit, welche fachsprachlich Insomnia genannt wird, ist eine schwierig zu diagnostizierende Erkrankung, die mehrere Ursachen haben kann. Unterteilt werden die Ursachen in organische und nicht organische. Die nicht organischen Ursachen haben meist eine psychische Komponente. Die Erkrankung Probleme beim Einschlafen, Aufwachen und Durchschlafen sowie den daraus resultierenden Schlafmangel.
Bei Weitem nicht jede Person, die gelegentlich Probleme beim Einschlafen hat, leidet an Insomnia. Schlafstörungen haben dann Krankheitswert, wenn sie als subjektiv krankhaft empfunden werden und eine organische oder nicht organische Ursache diagnostiziert werden kann. Auch das gegenteilige Schlafverhalten, die Schlafsucht, kann die Folge einer Insomnia sein. Diese wird jedoch nicht zur Kategorie dieser Schlafstörung gezählt. Die Insomnie lässt sich auch numerisch begrenzen. Expertinnen und Experten sprechen von einer Insomnia, wenn die oben erwähnten Schlafprobleme dreimal wöchentlich während eines Monats auftreten. Die häufigsten Ursachen sind psychischer Stress, übermässiger Koffein- oder Alkoholkonsum und Schichtarbeit.
Behandlung und Prävention von Insomnia
Es gibt starke Medikamente, die bei einer Insomnia wirksam nachhelfen können. Bevor man zu diesen Medikamenten greift, sollte jedoch eine kognitive Verhaltenstherapie und weitere medikamentfreie Wege ausprobiert werden, denn die Medikamente sind aufgrund ihrer starken Wirkung nicht frei von Nebenwirkungen (Kopfschmerzen und paradoxerweise Müdigkeit am Tag zählen zu den am häufigsten genannten). Zudem ist die Abhängigkeitsgefahr bei diesen Medikamenten überdurchschnittlich hoch. Es kann sich dann eine Situation einstellen, in der die Medikamente die Voraussetzung für den Schlaf bilden. Das geht dann häufig über die eigentliche Wirkung des Medikaments hinaus und hat eine zunehmend psychische Komponente, nämlich die Abhängigkeit vom Medikament. Ein weiterer Nachteil der Medikamente ist die knappe Datenlage bei Langzeitanwendungen. Es ist daher schwierig, überhaupt korrekte Empfehlungen herauszugeben. Die bei Insomnia am häufigsten verschriebenen Medikamente dürfen deswegen nicht langfristig eingenommen werden.
Daher geht es hier vor allem darum, Wege aufzuzeigen die Insomnia zu verbessern, welche keiner Medikamente bedürfen. Vorab möchte ich darauf eingehen, was Sie präventiv machen können, um eine Insomnia zu verhindern oder bei einer bereits existierenden Insomnia die Schlafprobleme zu reduzieren:
Die kognitive Verhaltenstherapie
Die kognitive Verhaltenstherapie umfasst vier Säulen – Ratschläge, Entspannungsverfahren, Schlafrestriktion und Kognition. Die Ratschläge umfassen im Prinzip die oben aufgelisteten Punkte. Entspannungsverfahren sind sehr individuell, da jede Person eine andere Entspannungsmethodik haben kann. Oft wird jedoch Meditation oder Hypnose im Rahmen von Ritualen empfohlen (siehe unten). Die Schlafrestriktion ist ein etwas brutales, aber sehr wirksames Mittel. Dazu muss zuerst der Schlafdruck erklärt werden. Als Schlafdruck wird die körperlich bedingte Schläfrigkeit bezeichnet. Dieser Schlafdruck wird erhöht, je länger man wach ist. Schlaf am Tag reduziert also den Schlafdruck und erschwert das Einschlafen in der Nacht. Daher soll hier bewusst der Schlafdruck stimuliert werden, indem auf Schlafen am Tag verzichtet und die Schlafdauer in der Nacht womöglich sogar verkürzt wird. Die Kognition soll aufzeigen, dass Schlaf alleine nicht über die Leistungsfähigkeit am nächsten Tag entscheidet. Oft entsteht ein grosser mentaler Druck, weil man glaubt, mit weniger Schlaf nicht leistungsfähig genug zu sein. Guter Schlaf fördert zwar die Leistungsfähigkeit, doch es gibt auch weitere (ähnlich wichtige) Faktoren. Dies sind beispielsweise ein gutes Essverhalten, soziale Unterstützung bei der Insomnia und ein Gleichgewicht von Arbeit und Freizeit.
Schlaf-Rituale
Nebst der kognitiven Verhaltenstherapie wird zum Abschluss auf einfache Rituale eingegangen, die starke Abhilfe schaffen können, vor allem wenn die Probleme beim Einschlafen liegen. Diese Rituale fallen in die Kategorie der oben erwähnten Entspannungsverfahren. Das erste Ritual betrifft die Meditation. Es gibt mittlerweile sehr gute Meditations- / Hypnose-Anleitungen auf Audio-Streaming-Diensten, die dabei helfen, sich beim Einschlafen zu entspannen. Meist liegt man dazu bereits im Bett und macht beispielsweise Atemübungen oder nimmt gewisse Körperteile wie beispielsweise den Rücken auf der Matratze sehr bewusst wahr. Wenn man sich darauf einlässt, kann der Entspannungseffekt davon sehr gross sein und dies fördert dann auch das Einschlafen.
Ein zweites Ritual, das die Müdigkeit und das Einschlafen fördern kann, ist folgendes: Stehen Sie, wenn Sie nicht einschlafen können, nach einer gewissen Zeit (optimal wären ca. 20 Minuten, jedoch ohne auf die Uhr zu schauen) auf und verlassen Sie das Schlafzimmer. Versuchen Sie dann, sich aktiv für 15 Minuten zu beschäftigen und legen Sie sich anschliessend zurück ins Bett. Wichtig ist eine aktive und keine passive Beschäftigung. Passiv vor den Fernseher zu sitzen ist also die deutlich schlechtere Lösung, als beispielsweise für 15 Minuten zu malen. Malen ist ein gutes Beispiel, da die Aktivität geistig nicht zu anstrengend sein darf.
Die meisten von uns sind schon mit Antibiotika in Kontakt gekommen. Halsschmerzen oder auch Blasenentzündungen; ein paar Tabletten und die Krankheit scheint vergessen. Doch was machen wir, wenn diese Wundermittel plötzlich ihre Wirksamkeit verlieren? Und wie kann es überhaupt dazu kommen? Antibiotika wirken, wie der Name schon vermuten lässt, anti-mikrobiell. Sie bekämpfen Bakterien, die in unserem Körper Krankheiten auslösen können und helfen so bei der Genesung. Es gibt unterschiedliche Gruppen von Antibiotika, sie können beispielweise nach ihrem Wirkungsmechanismus eingeteilt werden: demnach gibt es bakteriostatische und bakterizide Antibiotika. Bakteriostatische Antibiotika hemmen das weitere Wachstum der Erreger und bakterizide eliminieren diese direkt.
Von «Resistenz» spricht man, wenn ein Antibiotikum für einen Erreger keine Wirkung zeigt. Unterschieden werden die primäre und sekundäre Resistenz. Der sekundären Resistenz liegt, anders als der primären Resistenz, eine Veränderung des genetischen Materials zugrunde. Bei der primären Resistenz wirkt das Antibiotikum nicht, weil der für die Bekämpfung des Erregers gewählte Mechanismus der falsche ist. Ein typisches Merkmal der erworbenen, also der sekundären Resistenz ist ihre Variabilität. Die unterschiedlichen Resistenzmechanismen können zwischen den Bakterien übertragen werden, was zu multiresistenten Keimen führen kann (Bundesministerium für Gesundheit, 2011).
Antibiotikaresistenzen sind im Allgemeinen aber nichts neues und haben seit Mitte des 20. Jahrhunderts stark zugenommen. Vereinfacht gesagt wächst das Resistenzproblem mit jeder Einnahme. Denn unter Antibiotika haben vor allem die bereits resistenten Bakterien die Möglichkeit, zu wachsen und zu überleben (Bundesamt für Gesundheit, 2019). Es gibt unterschiedliche Anpassungsmöglichkeiten der Bakterien, die zu Resistenzen führen: Sie können das Medikament erkennen und ausstossen, die Zellhülle kann undurchlässig werden und so das Eintreten des Antibiotikums verhindern, die Bakterien können das Medikament chemisch verändern und so inaktivieren oder auch die Strukturen des Antibiotikums gezielt verändern.
Das wahrscheinlich bekannteste und älteste Antibiotikum ist Penicillin. Es wurde 1928 vom britischen Mediziner Alexander Fleming zufällig entdeckt. Er experimentierte mit dem Bakterium Staphylococcus Aureus und entdeckte, dass diese Erreger durch grünen Schimmelpilz getötet werden. Folglich isolierte er eine Substanz, die wir heute als Penicillin kennen (Geo, 2017). Die bakterizide Wirkung von Penicillin ist auf seine chemischen Eigenschaften zurückzuführen. Penicillin hemmt ein bakterielles Enzym (D-Alanin-Transpeptidase), das für den Aufbau der bakteriellen Zellwand benötigt wird. Dadurch wird während der weiteren Teilung der Bakterienzelle die Zellwand instabil und der Erreger kann nicht überleben (Netdoktor, 2021).
2019 starben schätzungsweise 1.2 Millionen Menschen aufgrund einer Infektion mit einem antibiotikaresistenten Keim, wobei rund ein Drittel ursprünglich an einer Lungenentzündung litten (tagesschau.de, 2022). Diese Zahlen sollen in den nächsten Jahren rasant ansteigen. Es besteht die Gefahr, dass man den zurzeit noch gut behandelbaren Infektionen, wie Blasenentzündung, Lungenentzündung oder auch Sepsis bereits in naher Zukunft machtlos gegenübersteht (Liebe, 2019). Experten vermuten, dass bis zum Jahr 2050 mehr Personen an den Folgen von Infektionen mit antibiotikaresistenten Keimen sterben als an Krebs.
Der Vollständigkeit halber sollten auch die multiresistenten Erreger (MRE) erwähnt werden. MRE sind Erreger, die gegen mehrere Antibiotika resistent sind. Solche Keime führen nicht zu schwereren Infektionen als nicht-MRE, jedoch erschweren sie die Behandlung aufgrund der Resistenz. Der aktuell bekannteste MRE ist der methicillinresistente Staphylococcus Aureus, auch MRSA genannt. Gesunde Personen sind oft nur Träger von MRE und erkranken selbst nicht daran, sie können diese aber weitergeben. Daher treten sie oftmals in Spitälern und Pflegeheimen auf, wo sich viele Personen mit geschwächter Abwehr befinden. In Deutschland sind etwa 60% der im Krankenhaus ausgelösten Infektionen MRE-bedingt. Typische Risikofaktoren sind Aufenthalte in solchen Institutionen, die nicht länger als 6 Monate zurückliegen, schlecht heilende Wunden, Antibiotikatherapie innerhalb der letzten 6 Monate, Blasenkatheter und allgemeine Faktoren, die das Immunsystem unterdrücken. Zu den Letzteren gehören beispielsweise immunsuppressive Therapien bei Autoimmunerkrankungen oder bei einer Krebstherapie (Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin, 2019, S. 1-2).
Was aber sind die Ursachen der Antibiotikaresistenz? Ein grosser Beitrag zur Antibiotikaresistenz leistet der undifferenzierte Gebrauch. Zu oft werden Antibiotika ohne gesicherte Diagnose eingesetzt. Beispielsweise ist bei einer viralen Infektion der Einsatz von Antibiotika unnötig, da sie nur bei bakteriellen Infektionen nützen. Ebenso problematisch ist das vorzeitige Beenden der Einnahme. Wenn die Symptome nachlassen, bedeutet dies nämlich nicht, dass die Bakterien eliminiert sind. Wird das Antibiotikum also zu früh abgesetzt, so kann dies Resistenzen fördern. Ein weiterer Fehler ist das zu häufige Anwenden von Breitspektrum-Antibiotika, wenn Schmalspektrum-Antibiotika reichen würden. Breitspektrum bedeutet, dass das Antibiotikum die Möglichkeit hat, verschiedene Strukturen und Mechanismen von Bakterien zu bekämpfen. Breitspektrum-Antibiotika sollten für den Ernstfall aufgespart werden, damit sie wirksam bleiben. Ein weiterer Faktor, der schwerer zu kontrollieren ist, sind Antibiotikaspuren und resistente Erreger im Abwasser. Durch das Abwasser können Keime wieder in unser System gelangen und weitergegeben werden (Bundesministerium für Gesundheit, 2011).
Zur Bekämpfung des Resistenzproblems wären neue Antibiotika und Schnelltestmethoden zur Identifizierung spezifischer Keime und deren Resistenzen essentiell. Eine genaue Identifikation des Erregers kann helfen, das genau passende und wirksame Antibiotikum zu finden und somit den Erreger möglichst effizient zu bekämpfen. Die Pharmaindustrie zeigt kein grosses Forschungsinteresse in diesem Bereich, was möglicherweise mit den hohen Entwicklungskosten zusammenhängt, die schwierig zu erwirtschaften sind, da diese Mittel möglichst wenig eingesetzt werden sollten (Bundesministerium für Gesundheit, 2011). Ein Beitrag, den wir alle leisten können, ist das Vermeiden von neuen Infektionen, beispielsweise durch bessere Hygiene und Impfungen (Liebe, 2019).
Quellen
Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ). (Juni 2019). Multiresistente Erreger. RSA und Co. – Was Sie über diese Erreger wissen sollten. Kurzinformation Für Patienten, S. 1-2. Abgerufen am 14. August 2022 von Patienten-Information: https://www.patienten-information.de/kurzinformationen/multiresistente-erreger
Bundesamt für Gesundheit. (2019). Wie entstehen Antibiotikaresistenzen? Von BAG: https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/krankheiten/infektionskrankheiten-bekaempfen/antibiotikaresistenzen/wie-entstehen-antibiotikaresistenzen—.html abgerufen
Bundesministerium für Gesundheit. (2011). DART – Deutsche AntibiotikaResistenzstrategie. Berlin: Bundesministerium für Gesundheit.
Geo. (2017). Wie Alexander Fleming durch eine Schlamperei das Penicillin entdeckte. Von Geo Chronik: https://www.geo.de/magazine/geo-chronik/19648-rtkl-antibiotika-wie-alexander-fleming-durch-eine-schlamperei-das abgerufen
Liebe, S. v. (2019). Penicillin – ein Wundermittel kommt in die Jahre. Abgerufen am 14. August 2022 von BR24: https://www.br.de/nachrichten/wissen/penicillin-ein-wundermittel-kommt-in-die-jahre,R26HHRX
Schrör, S. (2021). Penicillin. Abgerufen am 27. August 2022 von Netdoktor: https://www.netdoktor.ch/medikamente/penicillin/
tagesschau.de. (2022). 1,2 Millionen Tote durch resistente Keime. Abgerufen am 14. August 2022 von Tagesschau.de: https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/antibiotika-resistenz-103.html
Nach Rückenschmerzen sind Kopfschmerzen die zweithäufigste Schmerzform. Dabei unterscheidet man zwischen primären und sekundären Kopfschmerzen. Primäre Kopfschmerzen gelten als eigenständige Erkrankung; dazu gehören Spannungskopfschmerzen, Migräne und Clusterkopfschmerzen. Sekundäre Kopfschmerzen sind wesentlich seltener und treten im Rahmen einer anderen Erkrankung auf; beispielsweise einer Grippe, Bluthochdruck oder einem Schlaganfall. Insgesamt gibt es mehr als 200 Arten von Kopfschmerzen, die man anhand des Schmerzcharakters, des Ortes, der Intensität, der Begleitsymptomatik und des Auslösers differenzieren kann. Bei so vielen verschiedenen Kopfschmerzarten ist es wichtig, die Art des Kopfschmerzes zu identifizieren. Ursachen, Behandlung und Vorbeugung sind nämlich bei jedem Kopfschmerztyp verschieden (Schrör & Seyfried, 2022).
Spannungskopfschmerzen
Spannungskopfschmerzen machen 90% aller Kopfschmerzen aus. Man verspürt in der Regel einen dumpfen, drückenden Schmerz, wie ein enges Band um die Stirn und dem Hinterkopf. Die Schmerzen sind leicht bis mittelstark. Tritt diese Art von Schmerz an mehr als 15 Tagen im Monat auf, spricht man von chronischen Kopfschmerzen. Meistens ergibt sich keine Beeinträchtigung der Alltagsaktivitäten durch Spannungskopfschmerzen, da sie in ihrer Intensität nicht sehr stark sind und meistens keine Begleiterscheinungen auftreten.
Behandeln kann man Spannungskopfschmerzen mit Schmerzmitteln wie Ibuprofen, Naproxen, Paracetamol und Metamizol. Allerdings ist es nicht immer nötig, auf Medikamente zurückzugreifen, da diese Art von Kopfschmerz oft auch von selbst abklingt. Als Auslöser kommen zum Beispiel Stress sowie eine schlechte Schlafhygiene in Frage, es muss aber nicht zwingend einen bestimmten Auslöser geben. Da diese Art von Kopfschmerz bei vielen Betroffenen immer wieder auftritt und sogar einen chronischen Verlauf annehmen kann, werden bei diesen Menschen folgende vorbeugende Massnahmen empfohlen (Universitätsspital Zürich, 2022):
Wichtig zu erwähnen ist, dass bei längerer Einnahme von rezeptfreien Schmerzmitteln wie Ibuprofen, Naproxen und Paracetamol ein sogenannter medikamenteninduzierter Kopfschmerz auftreten kann, welcher sich durch Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen im Monat trotz Schmerzmitteleinnahme äussert. Daher sollte man diese nicht länger als 3 Tage beziehungsweise an 10 Tagen im Monat verwenden.
Migräne
Migräne ist die zweithäufigste Kopfschmerzart. Betroffen sind mehr Frauen als Männer. Dabei entwickeln sich meist einseitige, pulsierende, pochende oder hämmernde Kopfschmerzen von mittelstarker bis starker Intensität. Zusätzlich treten meistens Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Lärm- und Lichtempfindlichkeit bis hin zu Erbrechen auf. Bei manchen Personen zeigt sich vor Auftreten der Kopfschmerzen eine sogenannte „Aura“; diese besteht aus Sehstörungen wie Lichtblitzen, Flimmern und Gesichtsfeldausfällen, aber auch Sprachstörungen, Missempfindungen wie Kribbeln und Taubheitsgefühl bis hin zu Lähmungen können auftreten. Eine Migräne kann einige Stunden bis zu drei Tagen dauern.
Als Ursache der Migräne geht man von einer genetischen Veranlagung aus. Das Risiko einer Migräne kann wiederum durch bestimmte Auslöser, auch als „Trigger“ bekannt, erhöht werden. Dazu zählen Stress, Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus, Wetterwechsel und bestimmten Lebens- und Genussmittel wie Zitrusfrüchte, Bananen, Schokolade, Rotwein, Käse und Nikotin. Auch hormonelle Veränderungen erhöhen das Risiko eines Migräneanfalles, beispielsweise kurz vor der Menstruation durch den Östrogenabfall oder durch hormonelle Verhütungsmittel.
Am besten behandelt man eine Migräne im Akutstadium mittels Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen, Naproxen oder Paracetamol. Es gibt auch Kombinationspräparate, die aus einer Kombination von ASS, Paracetamol und Koffein bestehen. Schwere Migräneattacken können mit sogenannten Triptanen unterbunden werden. Diese gibt es auch als Nasenspray, da es bei starker Übelkeit und Erbrechen schwerfallen kann, Tabletten einzunehmen. Wenn Migräneanfälle häufiger als dreimal im Monat auftreten, besonders lang andauern oder nicht effektiv behandelbar sind, kann man zu Migräne-Prophylaktika, sprich Migräne-Vorbeuger, greifen. Dazu zählen Betablocker (Metoprolol, Propanolol), Flunarizin und Amitriptylin sowie auch bestimmte Antiepileptika (Topiramat, Valproinsäure). Abgesehen davon sollte man sich während einer Migräne am besten in einen ruhigen, abgedunkelten Raum begeben (Schrör & Seyfried, 2022).
Cluster-Kopfschmerzen
Diese Art von Kopfschmerz ist gekennzeichnet durch starke, stechende oder brennende Schmerzen hinter dem Auge, der Stirn und der Schläfe. Cluster-Kopfschmerzen treten immer nur einseitig auf. Die Schmerzen nehmen innerhalb einer Attacke schnell zu, meistens innerhalb von zehn Minuten. Im Vergleich zu einer Migräne gehen die Schmerzen mit einem Bewegungsdrang einher. Begleitend dazu ist das betroffene Auge oft gerötet und tränt; die Nase verstopft oder laufend. Die Schmerzattacken dauern in der Regel zwischen fünfzehn Minuten und drei Stunden an. Bei Betroffenen treten diese Attacken mehrmals täglich auf, können aber auch für mehrere Monate verschwinden.
Eine genaue Ursache für Cluster-Kopfschmerzen konnte bis jetzt nicht erforscht werden, jedoch geht man von fehlgesteuerten biologischen Rhythmen (zum Beispiel dem Tagesrhythmus), genetischer Veranlagung sowie anderen Risikofaktoren aus (Alkohol, Nikotin, flimmerndes Licht). In der Akutbehandlung einer Schmerzattacke haben sich Triptane als Nasenspray oder als Injektion bewährt. Auch das Einatmen von reinem Sauerstoff, beispielsweise über eine Gesichtsmaske, führt bei den meisten Betroffenen zu einer Schmerzlinderung. Ferner wirkt bei ca. 30% der Betroffenen ein lokales Betäubungsmittel in der Form eines Nasensprays mit dem Inhaltsstoff Lidocain. Als vorbeugendes Medikament wird häufig Verapamil, ein sogenannter Kalziumantagonist zusammen mit Prednison, einem Kortikosteroid eingesetzt. Da die medikamentösen und vorbeugenden Therapien nicht bei jedem zu einer Besserung der Beschwerden führen, kommen unter Umständen operative Eingriffe in Frage, wie die okzipitale Nervenstimulation. Dies ist eine elektrische Stimulation der Nerven am Hinterkopf über Drähte, die in der Nähe dieser Nerven unter der Haut implantiert werden. Auch die tiefe Hirnstimulation kann Abhilfe schaffen, wobei feine Elektroden durch eine Operation im Hirn eingesetzt werden und dauerhaft elektrische Impulse an die betroffenen Hirnregionen übertragen.
Wann sollte man bei Kopfschmerzen umgehend medizinische Hilfe aufsuchen?
Bei folgenden Warnsignalen sollte man direkt eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen, da diese Symptome möglicherweise auf eine seltene, aber ernste Erkrankung hinweisen:
Zusammenfassend haben die meisten Kopfschmerzen keine ernste zugrundeliegende Ursache. Jedoch sollte bei häufig auftretenden Kopfschmerzen, die den Alltag beeinträchtigen, oder bei einem der oben genannten Warnsignale eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden. Für die häufigsten Arten von Kopfschmerzen kann man vorbeugende Massnahmen implementieren, um das Auftreten zu verhindern oder zumindest zu reduzieren. Dazu gehören ein regelmässiger Schlaf-Wach-Rhythmus, eine ausgewogene Ernährung, gleichbleibender Koffeinkonsum, eine ausreichende Wasser-Trinkmenge und regelmässige Bewegung.
Quellen
Gaul, C., Pinar, K., & Kraus, U. (2022). Ausdauersport gegen Kopfschmerzen | MigräneLiga e.V. Deutschland. https://www.migraeneliga.de/ausdauersport-gegen-kopfschmerzen/
Kopfschmerzen. (2022). Universitätsspital Zürich. https://www.usz.ch/krankheit/kopfschmerzen/
Schrör, S., & Seyfried, F. (2022, Mai 12). Kopfschmerzen: Formen, Ursachen, Behandlung. NetDoktor. https://www.netdoktor.ch/symptome/kopfschmerzen/
Silberstein, S. D. (2021, Juli). Überblick über Kopfschmerzen—Störungen der Hirn-, Rückenmarks- und Nervenfunktion. MSD Manual Ausgabe für Patienten. https://www.msdmanuals.com/de/heim/störungen-der-hirn-,-rückenmarks-und-nervenfunktion/kopfschmerzen/überblick/über-kopfschmerzen
Ungefähr drei Prozent der Schweizer Bevölkerung leiden an Blutphobie. Dieser Artikel soll Hintergründe dazu liefern und einen möglichen Weg zur Besserung aufzeigen. Die Blutphobie zeichnet sich dadurch aus, dass Betroffene nicht mit Blut umgehen können, egal ob es sich um ihr eigenes Blut handelt oder fremdes. Oft geht die Blutphobie einher mit einer Angst vor Spritzen, Blutentnahmen und Operationen. Die Symptome reichen von Schwindel bis hin zur Ohnmacht.
Der physiologische Hintergrund der Blutphobie ist sehr spannend. Der Körper reagiert dabei mit einer Überreaktion des Parasympathikus, welcher den Körper gewissermassen “herunterreguliert”. Als Folge fallen Blutdruck und Herzfrequenz drastisch ab, was der Hauptgrund für die Ohnmacht (fachsprachlich Synkope) ist. Mit der Überreaktion des Parasympathikus lässt sich die Blutphobie deutlich von der Panikstörung abgrenzen. Denn Panikpatienten reagieren auf ihren Trigger mit einer übermässigen Reaktion des Sympathikus, welcher die gesamten Körperaktivitäten “hochreguliert”. Parasympathikus und Sympathikus bilden gemeinsam – zu einem gewissen Grad als Gegenspieler zueinander – das sogenannte vegetative Nervensystem.
Es gibt verschiedene Subtypen bei der Blutphobie, beispielsweise gibt es Personen, die nur mit fremdem Blut nicht umgehen können. Wenn man jedoch von einer Person ausgeht, die generell nicht mit Blut umgehen kann, gibt es dennoch Mechanismen, die die Symptome lindern können. Einfach gesagt muss etwas getan werden, das dem Parasympathikus entgegenwirkt. Das wird dadurch erreicht, dass man die grossen Muskelgruppen mehrmals kurzzeitig schnell anspannt und wieder relaxiert, wenn man Blut sieht. Die Muskelkontraktionen, zum Beispiel in den Armen und Beinen, führen zu einer Umverteilung der Durchblutung zum Muskel und zu einer Erhöhung des Blutdrucks. Die praktische Umsetzung dieser Blutdruckerhöhung funktioniert am besten mit einem wiederholten kräftigen Faustschluss für die Arme und mit einem Wechselspiel zwischen Anspannen und Relaxieren der Pobacken oder der Waden für die untere Extremität. Dieser Mechanismus ist also ein direkter Gegenspieler zum Parasympathikus, welcher blutdrucksenkend wirkt.
Ein zweiter, sehr einfacher, aber in der Hektik oftmals vernachlässigter Aspekt: Nicht hinschauen! Der visuelle Input ist der massivste Trigger für die Überreaktion. Wenn man an Blutphobie leidet, kann man gerade bei starken Blutungen in eine Art Bann gezogen werden, die es nicht erlaubt wegzusehen, was die Überreaktion verschlimmert.
Nebst der Symptombekämpfung bei einer Überreaktion gibt es jedoch auch eine Kausaltherapie. Eine Kausaltherapie ist eine Therapie, welche das Problem an seinem Ursprung behandelt. Im Falle der Blutphobie wird also die Blutphobie selbst behandelt und es sollen nicht einfach die Effekte der Überreaktion wie bei den gezielten Muskelkontraktionen minimiert werden. Falls Sie selbst von der Blutphobie betroffen sind, kann die folgende Kausaltherapie hilfreich sein. Sie ist jedoch zugegebenermassen etwas unangenehm, da wissenschaftlich gesehen der einzige Weg zur längerfristigen Verbesserung über ein Selbsttraining und die anschliessend erlangte Selbstbeherrschung führt.
Es ist erwiesen, dass die Blutphobie am besten überwunden wird, wenn man sie bewusst und kontrolliert stimuliert und so über die Zeit abschwächt. Das ist gerade zu Beginn eine emotionale Herausforderung und sollte nur in Begleitung einer weiteren Person gemacht werden, da die Überreaktion heftig sein kann. Zu Beginn sollte mit Bildmaterial und nicht mit Situationen, in denen echtes Blut involviert ist, gearbeitet werden, um eine schrittweise, langsame Annäherung zu ermöglichen.
Ein Selbsttraining zur Besserung der Blutphobie könnte wie folgt aussehen:
Woche 1 — An zwei Tagen in der Woche mit Begleitung einer Zweitperson ein Bild einer leichten Blutung (z.B. Schürfwunde) anschauen.
Woche 2 — An zwei Tagen in der Woche mit Begleitung einer Zweitperson ein Bild einer mittelstarken Blutung anschauen (z.B. Schnittwunde).
Woche 3 — An zwei Tagen in der Woche mit Begleitung einer Zweitperson ein Bild einer starken Blutung anschauen (z.B. Operation).
Woche 4 — An zwei Tagen in der Woche mit Begleitung einer Zweitperson ein kurzes Video anschauen, das eine Blutung beinhaltet.
Woche 5 — An zwei Tagen in der Woche OHNE Begleitung einer Zweitperson Bilder zu Blutungen anschauen.
Woche 6 — An zwei Tagen in der Woche OHNE Begleitung einer Zweitperson ein kurzes Video anschauen, das eine Blutung beinhaltet.
Woche 7 — Nun wäre zeitlich der Übertritt zum echten Blut erreicht. Man kann jedoch eine Blutung im persönlichen Umfeld nicht einfach terminieren, weshalb dieser Übertritt zu einer Situation mit echtem Blut gar nicht so einfach ist. Zudem wäre es beim Übertritt zum echten Blut auch wichtig, dass Sie von einer Zweitperson begleitet werden. Falls es keine Situation gibt, in der Sie echtes Blut sehen können, ist es wichtig, dass die repetitiven Stimuli (also die regelmässigen Blut-“Trigger”) nicht einfach verschwinden, da dies einen Rückfall fördert. Eine Möglichkeit wäre, den Umgang mit Blut auf Bild- und Filmmaterial repetitiv weiter zu optimieren, bis sich eine Situation ergibt, in der Sie echtes Blut antreffen.
Diese regelmässige und repetitive Auseinandersetzung mit Blut führt dazu, dass sich die vegetative Überreaktion des Parasympathikus mit der Zeit abschwächt. Für die vermittelnden Nerven stellt sich durch das Training eine Art Gewöhnung an das Blut ein, weshalb die Überreaktion in den meisten Fällen abgeschwächt werden kann. Der kontrollierte Rahmen mit einer Zweitperson als Begleitung zu Beginn ist dazu da, der betroffenen Person die Angst etwas zu nehmen. Diese Methode der aktiven Auseinandersetzung mit der Phobie ist einer Vermeidungsstrategie in jedem Falle vorzuziehen, weil jede Person irgendwann in ihrem Leben Blutungen antreffen wird. Das Ziel der aktiven Auseinandersetzung soll auch nicht sein, dass man Blut danach mag, sondern lediglich, dass man damit in notwendigen Situationen umgehen kann. Falls Sie bei einem Schritt merken, dass er zu gross ist, oder Sie noch nicht bereit sind für den nächsten Schritt, lässt sich der aktuelle Schritt ohne Probleme wiederholen.
Zum Abschluss lässt sich also festhalten, dass sich die Blutphobie durch eine Überreaktion des Parasympathikus auszeichnet und dass es individuelle Ausprägungen gibt. Es gibt zwei Wege die Blutphobie zu kontrollieren – einerseits die Symptombekämpfung durch regelmässige Muskelkontraktionen beim Anblick von Blut, andererseits eine Kausaltherapie. Zur Kausaltherapie soll bemerkt sein, dass individuelle Ausprägungen bezüglich Intensität hier nicht berücksichtigt werden konnten. Falls Sie also beispielsweise mit Blut auf Bildmaterial kein Problem haben, könnten Sie direkt bei der Woche 5 einsteigen. Zudem können Sie den Übertritt zur nächsten Stufe ebenfalls individuell, je nach Ihrem emotionalen Wohlergehen gestalten. Die Anleitung soll lediglich als Vorschlag und grobe Orientierung dienen.
Die physiologischen Hintergründe des Wasserhaushalts
Der menschliche Körper besteht zu ungefähr 60% aus Wasser. Bei einer 70kg schweren Person sind das also näherungsweise 40 Liter! Der absolute Grossteil davon befindet sich in den Zellen; der Wasseranteil zwischen den Zellen macht ungefähr 10 Liter aus. Hinzu kommen ungefähr drei Liter Wasser vom Blutplasma. Genügend Flüssigkeitszufuhr ist unabdingbar für die Gesundheit des Menschen; soviel steht fest. Doch gibt es eine optimale Trinkmenge und wann sollte man im Verlaufe des Tages am besten viel Wasser trinken?
Der Wasserhaushalt wird primär über die Wasserzufuhr und die Niere reguliert. Es gibt jedoch noch einige weitere Player, die den Wasserhaushalt mitregulieren. Die Wasserbilanz beschreibt die tägliche Zufuhr und Ausscheidung. Netto beträgt sie auf einen Tag genau Null. Nebst einer durchschnittlichen Ausscheidung von ungefähr 1.5 Litern Urin pro Tag verlieren wir etwa 0.5 Liter über die Haut und etwa 0.4 Liter über die Lunge, da die ausgeatmete Luft feucht ist.
Durch diese Zahlen wird deutlich, dass Wasser das elementare Zufuhrmittel des menschlichen Körpers ist. Doch wieviel Wasser sollte man täglich zu sich nehmen? Die optimale Trinkmenge beträgt für eine erwachsene Person mindestens zwei Liter pro Tag. Als Leitregel gilt, dass man etwa 30-35ml pro Kilogramm Körpergewicht zu sich nehmen sollte. Diese Zufuhr ist wichtig, weil Wasser das universelle Lösungsmittel, aber auch das allgemeine Kühlungsmittel des menschlichen Körpers ist.
Zudem kann die Niere ihre Entgiftungsfunktion ohne Wasser nicht ausüben. Die Niere scheidet das Kalium im Blut unter physiologischen Zuständen zu gewissen Teilen aus und reguliert den Kaliumspiegel sehr eng. Kann diese Funktion nicht ausgeübt werden, steigt das Blutkalium an. Ein zu hoher Anstieg des Blutkaliums wirkt sich auf das Herz aus, da dadurch die Erregbarkeit des Herzmuskels erhöht wird. Daraus resultiert eine unkoordinierte Reizleitung im Herz und es kommt zum Herzstillstand und folglich zum Tod.
Ist Wassertrinken während dem Essen ungesund?
Wenn die minimale Trinkmenge eingehalten wird, ist die Verteilung der Zufuhr über den Tag eher sekundär. Am besten ist jedoch eine kontinuierliche Zufuhr. Es ist also für den Körper und die Verarbeitung des Wassers deutlich besser, wenn man pro Stunde ein Glas Wasser trinkt, als vier Mal pro Tag eine ganze 0.5-Liter-Flasche davon zu trinken. Viele Experten raten nebst einer kontinuierlichen Zufuhr zu einer überproportional hohen Wasserzufuhr in den ersten zwei Stunden nach dem Aufwachen. Wasser ist so universell vertreten in unserem Körper, dass es in fast alle Funktionen des Körpers irgendwie reinspielt. Daher soll die erhöhte Wasserzufuhr am Morgen einer allgemeinen Aktivierung des Körpers dienen.
Insbesondere in der älteren Generation hält sich der Mythos, dass Wassertrinken während dem Essen ungesund sei. Dies ist aus physiologischer Sicht falsch. Der Grund für den Mythos liegt in der Annahme, dass die zusätzlich zugeführte Flüssigkeit die beim Essen produzierte Magensäure verdünne und dadurch die Nahrungszersetzung für die spätere Verdauung verschlechtere. Die Magensäure ist jedoch einerseits so stark sauer, dass das pH-neutrale Wasser nur einen marginalen Einfluss darauf hat. Andererseits kann sich die Magensäure selbst regulieren. Der Magen kann also die produzierte Magensäure an den Bedarf anpassen. Beispielsweise wird bei erhöhter Magendehnung (also bei Nahrungszufuhr) automatisch vermehrt Magensäure produziert.
Wasserzufuhr während dem Essen hat sogar positive Einflüsse. Es verdünnt den Speisebrei und macht ihn dadurch transportfähiger. Zudem wird der Schluckakt deutlich erleichtert. Das merken Sie bei sich selbst insbesondere dann, wenn Sie beispielsweise eine trockene Scheibe Brot ohne Wasser essen. Irgendwann wird der Schluckakt als unangenehm empfunden und der Drang nach Wasserzufuhr wird grösser.
Abschliessend lässt sich zum Trinkverhalten also festhalten, dass die 2 Liter pro Tag eine Art goldene Regel bilden. Eine regelmässige Verteilung über den Tag mit erhöhter Zufuhr am Morgen verbessert das Trinkverhalten weiter. Bitte verzichten Sie auch nicht auf das Wassertrinken während dem Essen. Dies hat wie oben ausgeführt keine negativen Effekte auf die Verdauung.