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Anamnese
Ein 50 jähriger Patient bemerkte vor einem Monat eine lokale Schwellung in der Kniekehle mit zunehmendem Spannungsgefühl im Bereich der Schwellung und der Wade. (Abbildung 1). Kauernde Körperstellung verstärken die Beschwerden. Abklärung wegen Befürchtung einer Beinvenenthrombose.
Klinik
Eine vom Patienten vermutete tiefe Beinvenenthrombose ist aufgrund der klinischen Untersuchung unwahrscheinlich. Am ehesten leidet der Patient unter einer Baker Zyste (= popliteale Zyste) oder an einer seltenen Erkrankung in der Kniekehle wie zum Beispiel einem Weichteiltumor, einer stark erweiterten Arterie oder Vene (= popliteales Aneurysma), einem lokalen Bluterguss oder einer thrombosierten Krampfader. Reisst die Zyste durch eine Prellung oder spontan ein (= Spontanruptur), fliesst die Gelenksflüssigkeit in die Wadenmuskulatur aus. Diese verursacht eine akute schmerzhaft entzündliche Reaktion mit sofortiger Schwellung und zum Teil Hautverfärbung des Unterschenkels. Die Abgrenzung zu einer tiefen Beinvenenthrombose ist klinisch oft nicht möglich und muss mit einer Farbultraschall ausgeschlossen werden.
Abklärung
Die Weiterabklärung erfolgt mit der Farbultraschall Untersuchung, mit welcher die Grösse und Lokalisation der festgestellten Raumforderung bestimmt wird. Sind die Befunde der Ultraschall Untersuchung nicht eindeutig, oder müssen weitere bildgebende Verfahren durchgeführt werden, folgt eine MRI oder CT Untersuchung.
Wie bereits klinisch vermutet, wurde in der Farbultraschall Untersuchung die Diagnose einer Baker Zyste gestellt (Abbildung 2, gelbe Fläche = Zyste).
Definition Baker Zyste
Die Baker Zyste ist eine mit Flüssigkeit gefüllte Aussackung der Kniegelenks Kapsel und Folge einer Erkrankung des Kniegelenkes, wie zum Beispiel einer Arthrose, Arthritis, Meniscus-, Kreuzbandschaden usw.).
Die Erkrankung des Kniegelenks führt zu einer vermehrten Produktion von Gelenksflüssigkeit mit zunehmendem Überdruck und zunehmender Ausweitung der Gelenkkapsel (= Zyste). Die Zyste hat Verbindung mit dem Kniegelenk (= gestielte Zyste) und dehnt sich am Ort des geringsten Widerstandes (= Kniekehle) weiter aus. Benachbarte Strukturen wie Sehnen oder Muskeln können den Zystenstiel einengen und eine Ventilwirkung ausüben, wodurch die Zyste noch stärker gefüllt wird .Je aktiver die Erkrankung im Kniegelenk, desto mehr Gelenksflüssigkeit wird produziert und je grösser wächst die Zyste an.
Therapie
Verursacht die Baker Zyste keine Symptome, kann diese belassen werden. In der Akutphase können entzündungshemmende Schmerzmittel (z.B. Rheumamedikamente, Cortison) zu einer verminderten Produktion von Gelenksflüssigkeit führen und die Zyste nimmt an Grösse ab. Bei Auftreten von Beschwerden (= symptomatische Baker Zyste) richtet sich die Therapie primär nach der Ursache der Erkrankung vom Kniegelenk. Ist die Ursache behoben, ist auch ein Rückgang der Zystengrösse zu erwarten.
Drückt die Zyste auf umgebende Nerven oder Gefässe und die Behebung der Gelenkserkrankung ist vom Patienten nicht erwünscht, oder aus anderen Gründen nicht möglich, muss die Zyste baldmöglichst verkleinert oder entfernt werden. Dadurch werden Komplikationen wie eine Venenthrombose oder eine Nervenschädigung (= Kompartmentsyndrom mit Taubheitsgefühle, Muskellähmungen) verhindert (Abbildung 2 .Druck der Zyste auf die Hauptvene in der Kniekehle, blaue Pfeile).
Die gezielte Punktion der Zyste mit Entleerung derselben und anschliessender Cortison Injektion (starke entzündungshemmenden Wirkung) bringt die Zyste momentan rasch zum Verschwinden. Eine rasche Wiederauffüllung ist aber sehr wahrscheinlich und deshalb wiederholte Punktionen notwendig. Länger anhaltende Erfolge werden durch die operative Entfernung der Zyste erreicht (Resektion) vgl. Abbildung 3. Aber auch in diesen Fällen muss die primäre Ursache schlussendlich therapiert werden.
Dr. med. Bruno P. Schwarzenbach 1. Juni 2015
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