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2. Unabhängigkeit in der Organisation
In der letzten “Schweizer Versicherung” (Nr. 8, August 2013, S. 8ff.) werden die zentralen Aufgaben des Verwaltungsrates in einer Versicherungsgesellschaft wie folgt umschrieben: Zentrale Aufgabe des VR sei die Oberleitung eines Unternehmens, also die Entwicklung der strategischen Ziele, die Festlegung der für die Zielerreichung notwendigen Mittel und die Kontrolle der Ausführungsorgane der Zielverfolgung.
Mit anderen Worten: Der Verwaltungsrat einer Rechtsschutzversicherungsgesellschaft kann heute kein Abnickergremium mehr sein. Vielmehr muss er die Oberleitung in die Hände nehmen.
Unter diesem Gesichtspunkt sollte der Verwaltungsrat einer Rechtsschutzversicherung nicht die Interessen eines Allbranchenversicherers vertreten.
Die Realität sieht so aus, dass die Verwaltungsräte namhafter Rechtsschutzversicherer, die zu 100% einer Allbranchenmutter gehören, aus Geschäftsleitungsmitgliedern eben dieser Allbranchenmutter bestehen. Oft sind die Geschäftsleiter der Rechtsschutzversicherung sogar in die Hierarchie des Allbranchenversicherers eingebunden, zum Beispiel als Bereichsleiter, die beim Allbranchenversicherer einen direkten operativen Chef haben. Ein operativer Chef aber kann ohne weiteres bestimmen, was sein Bereichsleiter tun und lassen soll. Er gibt Mitarbeiter-Ressourcen vor, bestimmt das Budget, entscheidet über Personal, Standorte, Ziele bezüglich Schadensatz, Kostensatz und Vertrieb. Er entscheidet, ob sein Bereichsleiter IT-Ressourcen erhält oder nicht. Er erteilt Weisungen bezüglich der Produkte, der Strategie, der Reserven etc. etc. Indirekt steuert er beinahe alles genauso, wie wenn es keine eigenständige Aktiengesellschaft gäbe.
Genau dies aber wollte der Gesetzgeber verhindern. Denn wie in aller Welt soll ein Rechtsschutzversicherer mit Überzeugung gegen seinen eigenen Chef antreten?