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Die Familie
Die Augsburger Patrizierfamilie wird noch im 17. Jahrhundert Rehlinger und Rechlingen geschrieben. Ihre Mitglieder sind schon im Spätmittelalter im Fernhandel führend. Sie gehören zu den reichsten Bürgern der Reichsstadt. Die Reformation spaltet die Familie. Nach 1548 tritt der katholische Stamm politisch in den Vordergrund und stellt in den nachfolgenden 100 Jahren während 60 Jahren den Stadtpfleger, wie der Bürgermeister in Augsburg genannt wird. 1604 wird die Familie in den Reichsadel aufgenommen. Im Dreissigjährigen Krieg ergibt sich die Situation, dass der erfolgreiche protestantische Handelsmann Marx Konrad von Rehlingen die schwedische Seite finanziert, während der katholische Bernhard von Rehlingen als Stadtpfleger amtet und zwischen 1632 und 1635 der schwedischen Besatzung weichen muss. Die Familiengeschichte des weitverzweigten Geschlechtes ist allerdings kaum erforscht.[1]
Lebensdaten
Dionysius von Rehlingen wird 1610 in Augsburg geboren.[2] Er entstammt der begüterten Ratsherrenfamilie der Rehlinger zu Haldenberg. 1626 tritt er ins städtische Augustinerchorherren-Stift Heilig Kreuz ein. Während seines Studiums in Dillingen muss er 1633 vor den Schweden flüchten. Da auch Augsburg besetzt ist, geht er vorerst nach Seckau in der Steiermark und dann nach Berchtesgaden, wo er Subdekan ist. Zurück im befriedeten Augsburg wird er 1646 Dekan von Heilig Kreuz. Er ist Doktor der Theologie und der Philosophie und Professor. Die Zeitgenossen beschreiben ihn zudem als begnadeten Mathematiker.[3] 1658 wird er zum Propst des vom Dreissigjährigen Krieg arg mitgenommenen Chorherrenstifts Wettenhausen gewählt. Hier wirkt er 34 Jahre. Seine vorerst der Klosterwirtschaft und der geistigen Erneuerung gewidmete Aufbauarbeit schliesst er mit dem 1670 begonnenen Um- und Neubau der Klosteranlage ab. Sein Wirkungskreis beschränkt sich nicht nur auf Wettenhausen. 1669−1683 ist er Visitator der Augustinerchorherrenstifte im Bistum Augsburg. Sein Rat und seine Vermittlung ist bei geistlichen und weltlichen Fürsten geschätzt. Genannt werden Papst Alexander VII. zu dessen Zeit als Nuntius in Deutschland,[4] Erzherzog Sigismund Franz von Österreich als Fürstbischof von Augsburg,[5] der kaiserliche Generalissimus Karl von Lothringen[6] und die Kaiser Ferdinand III. und Leopold I.[7] Kaiser Leopold I. ernennt ihn 1679 zum kaiserlichen Rat und Hofkaplan. «Einen Mann mächtig in Wort und in Werck / in Rath und That» nennt ihn sein Nachruf. Der verdienstvolle Prälat ist bis ins hohe Alter aktiv und stirbt mit 82 Jahren am 15. Februar 1692 in Wettenhausen.
Porträts
Zwei Stichporträts des Wettenhausener Prälaten vermitteln uns eine gute Vorstellung seiner Person. Auf dem hervorragenden Brustbild «en face» des Augsburger Stechers Elias Hainzelmann, welches als Frontispizkupfer in einem Werk von Tobias Lohner SJ erscheint, blickt uns ein Gesicht entgegen, das sofort Vertrauen erweckt. Der Stich zeigt den Prälaten im Alter von gegen 60 Jahren.[8] Er trägt weder Perücke noch Kopfbedeckung, hat einen gepflegten Oberlippenbart mit gestutztem Kinnbart in der Mode des 17. Jahrhunderts und ist nur durch das Brustkreuz als Prälaten ausgezeichnet. Der zweite Stich in Halbkörperdarstellung ist von unbekannter und nicht mehr so meisterlicher Hand gefertigt. Er stellt den Probst wie im Stich von Hainzelmann dar, aber mit deutlich gealterten Gesichtszügen. Mit der linken Hand weist er auf das im Hintergrund dargestellte neue Kloster Wettenhausen hin.
Wappen
Auf beiden Porträts ist das Wappen der Rehlingen zu Haldenberg dargestellt. Es ist geviertet und zeigt in allen Feldern in Blau zwei silberne Spitzen, die aber in 2 und 3 mit silbernen Rosen besteckt sind. Im Herzschild ist das Wappen der Reichsabtei Wettenhausen angebracht.[9] Die Helmzier der Wappen verweist auf den Familienadel. Rechts sind es drei gestutzte silberne Pfähle, links zwei blaue Hörner mit den rosenbesteckten silbernen Spitzen. Begleitet wird das Wappen von Schwert und Krummstab und der Mitra, die dem Propst von Wettenhausen seit dem 16. Jahrhundert zusteht. Die linke Helmzier und die Wappen in 2 und 3 entsprechen dem Stammwappen Rehlinger im Augsburger Bürgerbuch von 1550.
Pius Bieri 2012
Literatur:
Häberlein, Mark: «Rehlinger», in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 281-282 [Onlinefassung];
(http://www.deutsche-biographie.de/pnd119406160.html)
Fischer, P. Michael SJ: «Leich-Predigt», Augsburg 1692.
Veith, Franciscus Antonius: Bibliotheca Augustana, Alphabetum X, Seite 197−199. Augsburg 1793.
[2] Sein Bruder Johann Christoph von Rehlingen-Haldenberg ist nach 1668 Oberstleutnant und Kämmerer in salzburgischen Diensten. Gemäss Veit in: Augustana Band X (1793) stirbt dieser 1693 mit 80 Jahren. Nach F. Martin (Salzburger Heimatkunde 1933) ist dessen Geburtsdatum 1618. Er heiratet (1670) Isabella Maria von Knöringen. Als Vater Johann Christoph und Dionysius nennt Martin einen Johannes Rehlinger. In «RootsWeb» ist Johannes Rehlinger (1577−1654) aufgeführt. Dieser heiratet 1608 die Augsburgerin Magdalena Rentz (1585−1650). Der Grossvater des Dionysius von Rehlingen wäre damit der Ratsherr Christoph III. Rehlinger (1542−1598), der 1574 Haldenberg erbt. Anders sieht es die Salzburgwiki. Nach ihr ist der Vater Franz Anton von Rehlingen-Haldenberg, die Mutter eine Magdalena Renz von Sauldorf. Für beide fehlen die Lebensdaten.
[3] «SS. Theologiae & Philosophiae Doctor; mathematicis speculationibus, qua expertissimus Mathematicus».
[4] Fabio Chigi (1599−1667) wird 1655 als Alexander VII. zum Papst gewählt. Er ist 1639−1649 Nuntius in Köln und Teilnehmer der Friedensverhandlungen in Münster.
[5] Erzherzog Sigismund Franz von Österreich (1630−1665), ist schon 1646, mit 16 Jahren, Fürstbischof von Augsburg, später auch von Gurk und Trient. Er hält sich vorwiegend in Innsbruck auf, hat keine höheren Weihen und überlässt die Leitung dem höheren Augsburger Klerus.
[6] Karl V. von Lothringen (1643−1690), Generalissimus der kaiserlichen Armee, Schwager von Kaiser Leopold I.
[7] Ferdinand III. von Österreich (1608−1657), 1637 zum Kaiser gewählt. Als Nachfolger wird sein Sohn Leopold I. (1640−1705) gewählt.
[8] Das Werk «Instructio practica octava, Institutiones Theologiae mysticae» von Tobias Lohner SJ erscheint zwar erst 1695 in Dillingen, die Widmung an «Dionysio, Libero Baroni de Rehlingen & Haltenberg & c.» ist aber 1680 datiert. Die Vorlage des Malers A. Waldenmair für das Titelkupfer muss aus den Jahren 1675−1680 stammen.
[9] Viermal geteilt von Rot, Gold, Schwarz und Gold. Anmerkung: Die Wappendarstellung (Rot, Schwarz, Gold, Rot) in der Wikipedia ist völlig falsch.
|Dionysius von Rehlingen (1610−1692), Reichspropst in Wettenhausen|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|1610||Augsburg Bayern D||Reichsstadt Augsburg|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|1658–1692|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|15. Februar 1692||Wettenhausen Bayern D||Propstei Wettenhausen|
|Kurzbiografie|

1658 wird der Augustiner-Chorherr Dionysius von Rehlingen zum Propst des im Dreissigjährigen Krieges arg mitgenommenen Chorherren-Reichsstift Wettenhausen gewählt. Der hervorragend gebildete und gute Mathematiker (zu dieser Disziplin zählt auch die Baukunst) widmet sich in Wettenhausen vorerst der Aufbauarbeit und der geistigen Erneuerung. 1670 beginnt er mit dem grossen Klosterneubau und verpflichtet dafür Vorarlberger Baumeister und Wessobrunner Stuckateure. Er ist damit einer der ersten Prälaten, die nicht mehr die «Welschen» bevorzugen. Dass er beim Neubau nicht nur in der Planung, sondern auch im Programm der Ausstattung wichtigster Beteiligter ist, kann bei seinem Bildungsweg als sicher gelten.
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