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06.01.2023 | Carnegie Mellon University | News WSL
Die Welt könnte in diesem Jahrhundert über 40 Prozent ihrer gesamten Gletschermasse und 80 Prozent aller einzelnen Gletscher verlieren. Je nachdem, wie erfolgreich die Bemühungen zur Eindämmung der Klimakrise sind, könnte es auch «nur» ein Viertel sein. Dies berichtet ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL heute im Fachjournal Science. Das Ziel ist es, Diskussionen zur Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen, wie sie beispielsweise auf der jüngsten Klimakonferenz der Vereinten Nationen (COP 27) stattfanden.
Das von David Rounce von der Carnegie Mellon University, USA, geleitete Team hat neue Berechnungen zum weltweiten Verlust der Gletscher im Laufe dieses Jahrhunderts unter verschiedenen Klimaszenarien erstellt. Diese zeigen: In einem Szenario mit ungebremster Investition in fossile Brennstoffe werden bis 2100 mehr als 40 Prozent des Gletschervolumens verschwunden sein werden, respektive mehr als 80 Prozent der Anzahl der Gletscher.
Selbst in einem emissionsarmen Szenario, in dem der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf +1,5 ° C gegenüber dem vorindustriellen Niveau begrenzt ist, verschwindet ein Viertel des Eisvolumens und fast jeder zweite Gletscher. In den Alpen kann selbst in diesem günstigen Szenario weniger als ein Drittel des Eises erhalten werden. Ein Grossteil der verschwindenden Gletscher ist relativ klein, aber dennoch kann sich ihr Verlust negativ auf die lokale Hydrologie, Gletschergefahren, den Tourismus und kulturelle Werte auswirken.
Die Modellierungs-Studie bietet einen detaillierten Einblick in die künftige Entwicklung der Gletscher weltweit, aber auch lokal. Die Autoren hoffen, dass die schmelzenden Gletscher die Politik dazu anspornen wird, die maximale Temperatur-Veränderung deutlich unter der 2,7 Grad-Marke zu halten, die mit den aktuellen Zusagen der Nationen voraussichtlich erreicht wird. Regionen mit kleineren Gletschern, wie die Alpen, die südamerikanischen Anden oder die Rocky Mountains werden massiv von einem Temperatur-Anstieg um mehr als 2 Grad betroffen sein. Bei einem Anstieg von über 3 Grad verschwindet dort das Eis fast vollständig.
Gletscher reagieren mit starker Verzögerung auf Klimaveränderungen. Sie können als sehr langsame Flüsse betrachtet werden. Eine Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen wirkt sich daher nicht sofort auf die Gletscher aus: Selbst wenn ab heute kein CO2 mehr in die Atmosphäre gelangt, dauert es zwischen 30 und 100 Jahren, bis sich die Gletscher stabilisieren.
Die aktuelle Studie beschreibt die Reaktion jedes einzelnen der über 200'000 Gletscher weltweit. Sie basiert auf der genauen Beschreibung der einschlägigen Schmelzprozesse und detaillierten Datengrundlagen zur Eisdicke, der Eisschmelze seit dem Jahr 2000, sowie der Schuttbedeckung des Eises. Dank neusten Klimaszenarien des IPCC, welche verschiedene Wege für die Entwicklung der globalen Gesellschaft vorgeben, wird aufgezeigt, wo durch Klimaschutz wieviel Gletschermasse «gerettet» werden könnte und wie sich der Verlust auf den Anstieg des Meeresspiegels auswirkt.
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