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Warum die Flughafen Zürich AG in Nepal einen umstrittenen Flughafen bauen will, und wie das Projekt das Klima, den Wald und seltene Tierarten bedroht.
Man kann ihn auf Satellitenbildern erkennen: den 800 Kilometer langen und bis zu 12 Kilometer breiten Waldstreifen, der sich durch den Süden Nepals zieht. Mittendrin, in circa 75 Kilometern Luftdistanz zur Hauptstadt Kathmandu, soll nun der zweite internationale Flughafen des Landes gebaut werden. Die Regierung hat dafür 80 Quadratkilometer Land – mehr als die sechsfache Grösse von London Heathrow – eingezont.
Anfang September hat die Regierung bekannt gegeben, dass die Flughafen Zürich AG als mögliche Investorin für das Projekt mit dem Namen Nijgadh in die engere Auswahl gekommen ist. Sonja Zöchling, Mediensprecherin des Zürcher Flughafens, bestätigt auf Anfrage, dass die AG Ende Mai ihr Interesse am Projekt bekundet hat und dass Anfang 2020 Gespräche folgen sollen. Da das Wachstum in Kloten begrenzt ist, investiert die Flughafen Zürich AG vermehrt in Flughäfen im Ausland – ausserhalb der Schweiz ist sie derzeit an acht Flughäfen in Südamerika beteiligt.
Protest vor Schweizer Botschaft
Mit dem Flughafen in Nepal könnte ihr erstes Projekt in Asien folgen. Unter anderem wegen der drohenden Waldrodung finden dagegen jedoch seit längerem Proteste statt. Und wegen des Engagements des Flughafens Zürich wurde Ende September, am letzten Tag der globalen Klimastreikwoche, auch vor der Schweizer Botschaft in Nepal protestiert. «Ich war überrascht, dass ein Investor aus der Schweiz, einem fortschrittlichen Land, dieses schädliche Projekt unterstützen will», sagt Haushala Thapa, Lehrerin und eine der Organisatorinnen des Protests vor der Botschaft. «Wir brauchen einen zweiten internationalen Flughafen, aber nicht auf Kosten von 2,4 Millionen Bäumen.»
Die Zahl stammt aus einem Bericht, den die Regierung in Auftrag gegeben hatte, um die Umweltschäden des Projekts abschätzen zu können. Die Studie, die der WOZ vorliegt, ist laut Thapa eher eine Gefälligkeitsstudie für die Regierung, weil sie zum Schluss kommt, das Projekt solle trotz der drohenden Schäden realisiert werden.
Laut Manoj Gautam, Umweltschützer und Direktor des Jane-Goodall-Instituts in Nepal, ist mit Nijgadh einer der letzten ungeschützten und unberührten Abschnitte des gesamten Waldgürtels bedroht. «Es ist absolut inakzeptabel, dort einen Flughafen zu bauen», sagt er. Der Wald diene seltenen Tierarten wie Tigern, Elefanten und Leoparden als Habitat. Die Rodung des Waldes würde ausserdem das Problem der Überschwemmungen verschärfen. «Die Leute, die in dieser Region leben, leiden heute schon unter den Folgen jahrzehntelanger Abholzung», so Gautam.
Gegen das Flughafenprojekt gibt es nicht nur Proteste, sondern seit Anfang November auch ein Gerichtsverfahren. Pro Public, ein Nonprofitforum von JuristInnen, hat den Fall vor den obersten Gerichtshof Nepals gebracht. Laut Sanjay Adhikari, Rechtsstudent und Mitglied bei Pro Public, verstösst das Projekt gegen mehrere Verfassungs- und Gesetzesartikel, etwa gegen den «Forest Act». Die Regierung dürfe nämlich nur dann Wald roden, wenn es keine Alternativen gäbe und keine bleibenden Schäden entstünden, so Adhikari. Weil Machbarkeitsstudien aus den Jahren 1995 und 2011 unter Verschluss gehalten würden, kritisiert Adhikari das Vorgehen der Regierung zudem als «undemokratisch und intransparent». Auch die Veröffentlichung der Umweltstudie der Regierung musste Pro Public auf dem Rechtsweg erkämpfen.
Die Flughafen Zürich AG hat sowohl Kenntnis von den Protesten als auch vom Verfahren. Der umstrittene Umweltbericht liegt dem Flughafen Zürich aber nicht vor. «Die genauen Auswirkungen auf die Umwelt und die entsprechenden Kompensationsmassnahmen sind derzeit noch nicht bekannt», teilt Zöchling mit. Der Flughafen Zürich plant, nächstes Jahr eine eigene Machbarkeitsstudie durchzuführen, in die auch Umweltaspekte einfliessen sollen. «Sie sind für uns, nebst allen anderen, auch ein wichtiger Faktor.»
Rodung auf Raten?
Für die Regierung Nepals handelt es sich beim Flughafen Nijgadh um ein «National Pride Project» und damit ein Projekt höchster Priorität. Sie will in erster Linie den Flughafen in Kathmandu entlasten. Rajan Pokhrel, Direktor der Zivilluftfahrtsbehörde, teilt auf Anfrage mit, dieser sei aufgrund seiner geografischen Lage inmitten der Stadt nicht mehr ausbaubar. Die PassagierInnenzahlen befänden sich aber in stetigem Wachstum. Die Kritik an der Fläche des Flughafens und den drohenden Umweltschäden weist Pokhrel zurück. Von den 80 Quadratkilometern würden «in einer ersten Phase» nur 25 zur Konstruktion des Flughafens gebraucht, der Rest diene als Schutzzone für den Luftraum um den Flughafen. «Dadurch sind Flora und Fauna nicht stark betroffen», sagt Pokhrel.
Im Fazit des Umweltberichts steht jedoch, dass die Regierung 80 Quadratkilometer eingezont habe, weil der Flughafen grosses Expansionspotenzial habe. So steht es auch in zwei weiteren offiziellen Projektbeschrieben – der Flughafen könnte einst der grösste Südasiens werden. Eine Nachfrage bei der Zivilluftfahrtbehörde, ob zu einem späteren Zeitpunkt doch die ganze Fläche gerodet werde, blieb unbeantwortet.