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Die Honigbienen sind eine Gattung (Apis) aus der Familie der Echten Bienen (Apidae), wovon nur eine Art, die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) in der Schweiz und in umliegenden Ländern heimisch ist.
Foto: Die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) ist eine ursprünglich einheimische Wildbienen-Art. Sie kommt heute nurmehr selten als Wildbiene vor, die überwiegende Anzahl ihrer Völker befindet sich in Menschenhand. (Foto: © Jürg Sommerhalder)
Die Honigbienen
Weltweit umfasst die Gattung je nach taxonomischem Standpunkt sieben bis zwölf staatenbildende Arten, von denen die meisten nur in Asien heimisch sind. Alle Honigbienenarten legen Honig als Nahrungsvorrat an. Allerdings ist die Honigmenge bei den meisten so gering, dass sie für den Menschen uninteressant ist. Von allen Apis-Arten hat die Westliche Honigbiene die weltweit grösste imkerliche Bedeutung erlangt.
Die Westliche Honigbiene – als Wildtier in der Natur gefährdet
Die Westliche Honigbiene existiert in der freien Natur Europas als Wildtier, wenn auch nur mehr in stark fragmentierten Reliktpopulationen. Spezialisiert auf den Lebensraum Wald bewohnt sie Baumhöhlungen, Fels- und Erdnischen. Die Hauptgründe für ihre Dezimierung ab dem 19. Jahrhundert sind der Verlust alter Laubbaumbestände (Altbäume), der Wandel der Landwirtschaft (Grosskulturen, ausgeräumte Landschaft) und die Belastung durch Umweltgifte. Es fehlen hohle Bäume als Nistplätze wie auch eine Blütenvielfalt, die über die ganze Bienensaison konstant Nektar liefert.
Die Geschichte der Imkerei
Unsere Kultur ist seit Zehntausenden von Jahren eng verwoben mit dem Geschick der Honigbienen. Schon in der Steinzeit räuberten unsere Vorfahren ihren Honig, und schon etliche Tausend Jahre vor unserer Zeitrechnung ging der Mensch dazu über, Bienen als Nutztiere zu halten. Ungefähr zu Beginn unserer Zeitrechnung etablierte sich dann in Mitteleuropa vor allem die Zeidlerei: Diese Ausprägung der Imkerei beruhte auf dem mehr oder weniger naturnahen Prinzip, Honigbienen in (auch künstlich) ausgehölten Baumstämmen im Wald zu halten.
Im frühen Mittelalter war die Zeidlerei (Waldbienenzucht in lebenden Bäumen) ein hochangesehener Berufsstand, machte sie der Bevölkerung mit dem Honig doch den damals einzigen verfügbaren Süssstoff zugänglich und sorgte ausserdem durch die Gewinnung von Bienenwachs für Licht in den Häusern.
Zum Ende des Mittelalters, ungefähr ab dem Jahr 1500, neigte sich die erste Blüte der Imkerei in Europa ihrem Ende zu: Innovationen wie die massenhafte Herstellung von Süssungsmitteln aus Zuckerrohr (und wenig später aus Rüben), das Aufkommen von Bier anstelle des honig-basierten Mets sowie die Ablehnung von Kerzen durch den Reformator Zwingli liessen den Stellenwert der Bienen-Erzeugnisse an Bedeutung verlieren.
Dies verhinderte jedoch nicht die technologische Weiterentwicklung der Imkerei: Neben der Haltung von Bienen in Baumhöhlen hatte sich schon früh im Mittelalter die Haltung von Bienen in handgeflochtenen Körben und gezimmerten Holzkästen etabliert. Diese Technik erleichterte den Imkern nicht nur die Entnahme von Honig und Wachs, sondern machte sie auch mobil und ermöglichte ihnen die Wanderimkerei in offenen Heidegebieten, bspw. im heutigen Norden Deutschlands. Daraus entwickelte sich ungefähr zur Mitte des 19. Jahrhunderts die bis heute praktizierte Magazin-Imkerei mit herausnehmbaren Holzrahmen.
Diese neue Technik revolutionierte die Honigbienen-Haltung: Sie ermöglichte nicht nur das detaillierte Studium der Vorgänge innerhalb eines Bienenstocks, sondern erlaubt auf Basis dieser neu gewonnen Erkenntisse auch den gezielten Eingriff in diese Prozesse. So etwa kann das natürliche Schwarmverhalten der Honigbienen unterbunden werden, das der Imker normalerweise nicht gerne sieht: Erstens halbiert es zumindest die Grösse eines Volks und zweitens kostete es den Imker rund die Hälfte des Honigbestandes im betroffenen Stock. Solche und ähnliche Eingriffe steigerten die imkerliche Effizienz während der letzten 150 Jahre massiv.
Wanderimkerei und Bestäubungsleistung
Während die Wanderimkerei in früheren Zeiten die Gewinnung von Honig in fernab des Waldes gelegenen Gebieten zum Ziel hatte, kompensiert sie heute auch den Umstand der zunehmend von Wildbestäubern befreiten, hoch industrialisierten Agrar-Landschaften. Eines der eindrücklichsten Beispiele hierfür ist wohl das kalifornische Central Valley. Hier wird nebst Exportschlagern wie Pfirsichen, Aprikosen, Datteln, Erdbeeren und Baumnüssen auch ein Grossteil der weltweiten Mandelernte erzeugt. Zur nur zwei Wochen dauernden Mandelblüte im Frühjahr werden jeweils 1.5 Millionen Bienenvölker – und damit drei Viertel aller domestizierten Honigbienen der gesamten USA – nach Kalifornien gebracht. Ohne sie würden 80% der weltweiten Süssmandelernte ausfallen.
Auch in unseren Breiten verarmen Agrar-Räume in Bezug auf die Artenvielfalt zunehmend, so dass domestizierte, in offenem Gelände gehaltene Honigbienen für die landwirtschaftliche Bestäubungsleistung in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend an Bedeutung gewonnen haben.
Ökologische und tierschützerische Aspekte
Der jahrhundertelange Eingriff des Menschen in die natürliche Lebensweise der Honigbiene hat zu einigen Nebenwirkungen geführt. Die zunehmende Anzahl an domestizierten Honigbienenvölkern hat die wildlebenden weitgehend verdrängt. Und in seinem Bestreben, möglichst sanftmütige und produktive Hochleistungsbienen zu erzeugen, hat der Mensch geografische Hon
igbienen-Rassen aus verschiedenen Ländern miteinander gekreuzt. Diese wiederum vermischten sich mit wildlebenden Völkern, sodass die ursprünglichen, an die spezifischen klimatischen Bedingungen verschiedener Regionen angepassten geografischen Wild-Rassen ausgelöscht wurden. Von Gegnern der klassischen Imkerei kommen die Vorwürfe, dass Honigbienen nicht artgerecht gehalten werden, und dass durch die Anwendung vom Menschen definierter Selektionskriterien in der Vermehrung die natürliche Selektion ausgeschaltet wurde und das Genom der ursprünglichen, wilden Honigbiene geschwächt habe.