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Nein! Schokolade lindert Stress, spendet Trost und bringt unser Gehirn auf Trab. Wer sie nicht tafelweise verschlingt, wird auch nicht dick davon. Im Gegenteil.
Die Wiege des Kakaobaums (Theobroma cacao) liegt in Südamerika am oberen Amazonasbecken. Von dort führte der Siegeszug des Kakaos, zunächst nach Mittelamerika. Bei den indigenen Völkern der Olmeken, Tolteken, Mayas und Azteken war der Kakaotrunk fester Bestandteil religiöser Zeremonien. Der Beginn der planmässigen Kultivierung des Kakaobaums geht auf die Mayas um das Jahr 600 auf der Halbinsel Yucatan zurück.
Der Kakaobaum hat eine geogra sch genau begrenzte Wachstumszone. Sie liegt zwischen dem 23. Grad südlich und dem 23. Grad nördlich des Äquators und verteilt sich auf drei Erdteile: Mittel- und Südamerika, Asien und Afrika.
In unserem Kulturkreis ist Schokolade traditionell ein Geschenk der Liebe und Zeichen der Zuwendung. Und manchmal genügt ein kleiner Biss, um selbst aufgebrachte Gemüter zu beruhigen. So wie im Liebesfilm «Chocolat» aus dem Jahr 2000. Um die unerwünschte Zuwanderin und ihre lasterhaften Produkte loszuwerden, zertrümmert der sittenstrenge Bürgermeister ihre Chocolaterie, stürzt dabei in das Ladenfenster und kommt unfreiwillig mit der himmlischen Süssigkeit in Kontakt. Noch benommen vom Sturz, leckt er sich seine mit der sündigen Masse verschmierten Lippen sichtlich genussvoll ab. Das Naschen der Schokolade bleibt nicht folgenlos. Im weiteren Spielfilmverlauf wandelt sich der Bürgermeister vom Saulus zum Paulus. Die Ortsfremde und ihre verführerischen Schokoladenpralines dürfen bleiben. Was war mit Monsieur Comte de Reynaud geschehen ?
«Schokolade assoziieren wir meist mit positiven Gefühlen», resümiert Jonathan Arntz. Der Psychotherapeut hat sich intensiv mit den subjektiven Auswirkungen von Schokolade beschäftigt. Demnach triggert Schokolade in uns positive Erfahrungen, wenn sie uns in der Kindheit zum Trost oder als Belohnung gegeben wurde.
Auch Silke Restemeyer, Ökotrophologin bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), ist dem neurologischen Geheimnis auf der Spur.« Essen wir Schokolade in besonderen Situationen wie etwa zum Trost oder als Belohnung, gewinnt sie an emotionaler Bedeutung. Diese Gewohnheit verankert sich im Gehirn. Sobald nun Schokolade in einer entsprechenden Situation gegessen wird, reagiert das Belohnungssystem und schüttet Dopamin aus.»
Die süsse Droge kann aber noch mehr. Dunkle Schokolade und Vollmilchschokolade sollen sogar Stress senken, verlautbarte jüngst die Uni Bern. Die Forscher liessen Männer im Alter von 20 bis 50 Jahren eine halbe Tafel Schokolade vernaschen; dann setzten sie sie in einem fingierten Vorstellungsgespräch unter Druck. Der Test zeigte: Wer zartbittere Schokolade gefuttert hatte, hatte im Vergleich zur Kontrollgruppe niedrigere Stresswerte. Folglich senken die Kakaobestandteile (Flavonoide) die Ausschüttung von Stresshormonen.
Bereits im Juli 2012 bestätigte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die Ergebnisse eines sogenannten «Health Claim». Demnach gilt als bewiesen, dass Kakaoavanole zu einem normalen Blutfluss beitragen. Um diesen gesundheitsfördernden Effekt zu erreichen, müsse man täglich 200 Milligramm Kakaoavanole zu sich nehmen, etwa in Form von 10 Gramm avanolreicher dunkler Schokolade mit mindestens 60 Prozent Kakaoanteil. Die Resultate sind allerdings mit Vorsicht zu geniessen: Auftraggeber der Studie war die Schweizer Barry Callebaut-Gruppe, weltweit grösster Schokoladen- und Kakaohersteller.
Die Ergebnisse einer weiteren umfangreichen Studie wird Schokoholics besonders freuen: Die Annahme, dass Schokolade dick macht, gehört demnach in das Reich der Märchen. So zumindest lauten die Forschungsergebnisse der US-Amerikanerin Beatrice Golomb von der University of California. Im Gegenteil, so Golomb: «Die Inhaltsstoffe von Schokolade kurbeln unseren Stoffwechsel kräftig an. Wer täglich Schokolade isst, neigt weniger zu Übergewicht – sofern er sie nicht tafelweise verschlingt .»
Andere Untersuchungen attestieren, dass Schokolade unsere grauen Zellen auf Trab bringt. Sie wirkt leistungssteigernd auf das Gehirn, besonders bei Senioren. Wie das US-amerikanische Fachjournal «Neurology» berichtet, kann regelmässiger Kakaokonsum ältere Menschen dabei unterstützen, ihre kognitiven Leistungen zu verbessern. Die dafür zuständigen Panzenstoffe Flavonoide und Methylxanthine sind besonders in dunkler Schokolade in grösseren Mengen enthalten und sollen auch die Orientierung sowie das logische Denken fördern. Liebhaber dunkler Schokolade haben es insgeheim schon immer gewusst: Was so himmlisch schmeckt, muss gut für Leib und Seele sein! Doch auch bei der Speise der Götter ist es eine Frage der Dosis und der Qualität.
Was die dunkle Schokolade kann, können Nüsse allemal. Die Kraftpakete sind eine kernige Alternative zu süssem Naschwerk. Ungesalzene Nüsse wie Hasel- und Walnüsse, Mandeln und Pistazien enthalten ungesättigte Fettsäuren, Proteine, Kalium und Magnesium. Und sie sättigen. Fünf bis zehn Stück reichen meist, um den Heisshunger zu stillen.
Vor allem die Walnuss liefert Powernahrung für das Gehirn und ist ein natürlicher Appetitzügler. Dabei ist sie mit einem Fettanteil von 60 Prozent eine Kalorienbombe. Und dennoch kann ihr Verzehr das Abnehmen sogar unterstützen. Beweise für diese kühne These liefern Studien des Beth Israel Deaconess Medical Centers und der Harvard Medical School. Die Gewichtsabnahme erklärt sich durch eine erhöhte Aktivität eines «Insula» genannten Hirnbereichs, der unmittelbar das kognitive System und unser Hungergefühl steuert. Entscheidend ist allerdings, dass die Nüsse nicht zusätzlich, sondern als Ersatz für andere Lebensmittel in den Speiseplan eingebaut werden.
Die in Walnüssen reichlich enthaltene mehrfach ungesättigte Fettsäure Alpha-Linolensäure (besser bekannt als Omega-3-Fettsäure ) wirkt entzündungshemmend und schützt vor Rheumaerkrankungen, Krebs, hohem Blutdruck sowie Diabetes. Weitere gesunde Inhaltsstoffe sind Kalium, Zink und Pantothensäure (Vitamin B5). Die empfohlene tägliche Verzehrmenge beträgt 30 Gramm; dies entspricht einer Handvoll Nüsse.
Aber auch die anderen Nüsse haben es in sich. Cashews punkten mit einem hohen Anteil der wichtigen Spurenelemente Phosphor und Zink und die Linolsäure der Erdnuss, streng genommen keine Nuss, sondern eine Hülsenfrucht, ist gut für die Haut. Allerdings weisen Erdnüsse einen relativ hohen Gehalt an Arachidonsäure auf, die Entzündungen verursachen kann. Auch hier gilt also: In Massen geniessen. Haselnüsse wiederum gelten dank ihres hohen Lecithin-Gehaltes als eine Art natürliche Gedächtnispille. Und ihr hoher Anteil an Vitamin B-Komplex wirkt sich positiv auf die Blutfettwerte aus. Das ebenfalls reichlich enthaltene Vitamin E sowie die Mineralstoffe Kalzium, Phosphor und Eisen sind gut für die Nerven und die allgemeine Vitalität.
Die Mandel ist Lieferant von guten Fetten und reichlich Vitamin-B-Komplex. Streng botanisch betrachtet ist auch sie keine Nuss, sondern gehört zu den Steinfrüchten. Heute werden Mandeln aufgrund ihres hohen Folsäuregehaltes besonders Schwangeren empfohlen. Für die Menschen im Mittelalter symbolisierte die Mandel die unbefleckte Empfängnis. Sie sehen – naschen muss nicht Sünde sein.
Schokoladen-Avocado-Trüffel für ca. 20 Trüffel
1 reife Avocado
300 g ungesüsste Bitterschokolade
2 EL Agavensirup
2 EL Kakaopulver
1. Das Fruchtfleisch mit einem Löffel aus der Schale kratzen und in eine Schüssel geben. Mit einer Gabel zu einer glatten Creme pürieren.
2. Schokolade fein hacken und in der Mikrowelle oder einem heissen Wasserbad schmelzen.
3. Die geschmolzene Schokolade, den Agavensirup sowie 1 EL Kakaopulver unter die Avocadocreme mischen und alles gut mit der Gabel verrühren.
4. Die Trüffelmasse im Kühlschrank ungefähr 15 Minuten durchkühlen, bis sie etwas fester geworden ist.
5. Mit einem Esslöffel jeweils etwas Trüffelmasse abstechen und von Hand zu Kugeln rollen.
6. Den restlichen Kakao durch ein Teesieb über die Trüffel stäuben oder die Trüffel in Kakaopulver wälzen.
Mandel-Leinsamen-Kekse für ca. 12 Kekse
250 g gemahlene Mandeln
1 TL Natron
90 g Leinsamen
6 EL Agavensirup
2 EL Rapsöl
1 TL Vanillepulver
1 Prise Meersalz
• einige Tropfen (Bitter-)Mandelaroma
• falls nötig etwas Wasser
1. Den Backofen auf 180 Grad vorheizen.
2. Gemahlene Mandeln, Natron und Leinsamen mischen. Dann Agavensirup, Rapsöl, Mandelaroma, Vanillepulver und Salz zugeben. Wenn der Teig krümelt, noch etwas Wasser beifügen.
3. Den Teig zu kleinen Bällchen rollen und diese auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen. Die Bällchen in der Mitte etwas eindrücken. Etwa 10 Minuten backen, bis sie ein leicht braune Farbe annehmen.
Buchtipp
Emelie Holm «Süsses ohne weissen Zucker», AT Verlag, 2015, Fr. 23.90
Fotos: Jenny Grimsga