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Das newe Testament. Doct. Martinus Luther
Luthers Übersetzung ist nicht die einzige aus dieser Zeit. In reformierten Kreisen konsultierte man in Glaubensfragen die Züricher Bibel, deren Übersetzung Ulrich Zwingli besorgt hatte, und die in den Jahren 1524 bis 1529 Christoph Froschauer publizierte.
Die Lutherbibel spielte im protestantischen Alltagsleben eine zentrale Rolle. Ihre Lektüre gehörte für einen frommen Protestanten genauso zum Tagesablauf wie seine Gebete. Die Bibel wurde von vorne bis hinten gelesen, einzelne Teile auswendig gelernt. Als besonderes Zeichen protestantischer Frömmigkeit galt die Zahl, wie oft ein Gläubiger die Bibel vollständig gelesen hatte. Der Rekord soll bei 53mal liegen.
Die Hausbibel war geradezu ein Möbel wie Bett, Stuhl oder Tisch. Sie wurde vererbt und diente dazu, Geburten, Tode und bedeutende Ereignisse zu vermerken.
Die Lutherbibel gab ihren Nutzern scheinbar die Möglichkeit, das „authentische“ Wort Gottes in der eigenen Sprache zu lesen. Tatsächlich war es eher ein Wort Gottes, das Luther durch die Auswahl der zugrundeliegenden Textversion und seine deutende Übersetzung in seinem Sinne interpretiert hatte, was er durch zahlreiche Einleitungen noch verstärkte.
Luthers Bibel war das erste Buch, das von breiten Bevölkerungsschichten gelesen wurde. So haben viele seiner Redensarten Eingang in die deutsche Sprache gefunden. Der Begriff „sein Scherflein beitragen“, um nur ein Beispiel zu nennen, geht auf ein Gleichnis zurück (Mk 12,42): Eine arme Witwe spendet ein Scherflein, damals die kleinste Münze. Doch Gott sieht, was diese Münze für sie bedeutet, und das ist mehr als das Vermögen, das der Reiche aus seinem Überfluss abgibt.