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In jeder Sprache der Welt gibt es Wörter und Begriffe, zu denen keine deckungsgleiche Übersetzungen existieren. Das Wort Schadenfreude etwa: Das Konzept existiert überall auf der Welt, doch es war den Deutschen vorbehalten, das Lexem dafür zu kreieren. Oder das Verb to tartle aus dem schottischen Dialekt. Sinngemäss bedeutet es, zu zögern, weil man sich nicht gleich an den Namen des Gegenübers erinnern kann. Oder der französische frotteur (ein Herr, der Freude daran findet, in Menschenmassen seinen Beckenbereich an Damenpos zu reiben): Weltweit kennen Frauen solche Typen. Die Franzosen haben aber ein eigenes Substantivum dafür.
Um eine Gesellschaft zu entschlüsseln, so der Erzähler im Roman Shame von Salman Rushdie, muss man deren unübersetzbare Wörter betrachten. Und deshalb beginnen wir gleich mit …
Das beste Schweizer Wort überhaupt! Das Schweizer Wesen in a nutshell! Nichts ist schweizerischer als dieser Ausdruck. Und nein, standhalten oder to hold up sind keine deckungsgleichen Übersetzungen davon.
Andere Nationen mögen vielleicht als innovativer oder kreativer gelten, doch wenn die Schweizer etwas umsetzen, dann verhebts. Schweizer Präzisionsmechanik, die ausgewogene Anlagestrategie, die Bratwurst am Grümpelturnier (auch so ein schönes Schweizer Wort), die Wanderschuhe vom Vater, die neue Frisur deiner Arbeitskollegin, das Alibi von Samstagnacht: Das alles verhebt.
Ha! Das Konzept des Duals gibt's (fast) nur noch in schweizerdeutschen Dialekten.
Ursprünglich bedeutete das mal Aas. Heute ist es eines der schönsten Universal-Adjektive überhaupt. Aber Achtung: E cheibe schöni Gritte ist nicht dasselbe wie e schöni cheibe Gritte (mit dem Ersteren wäre eine sehr schöne Frau gemeint, mit dem Letzteren eine etwas, öh, widerborstige Dame, die schön ist). Ach ja, cheibe ist auch noch ein Universal-Verb (springen, rennen, flüchten usw.) und Cheib ein Substantiv. Es gibt den Chreis Cheib in Zürich und dummi Cheibe gibt es überall.
Und ausserdem gibt es noch diesen Satz hier:
«Dä cheibe Cheib cheibet cheibemässig dä Cheib durab.»
Im Berndeutschen ein Gemisch zwischen Heimweh, Fernweh, Sehnsucht – einfach ein bisschen, naja, melancholischer. Vielleicht ist sie am ehesten mit dem portugiesischen saudade verwandt.
Gewiss, auch in anderen Ländern kennt man die Freude, sich für wenig Geld etwas Kleines zu gönnen – meist vom Kiosk. Doch nur die Schweizer haben eigens dafür ein Verb.
… ist handlich, aber auch bequem. Und angenehm. Und je nach Landesteil auch ziemlich sympathisch und umgänglich. Das alles. In einem Wort. Ein gäbiges Wort, dieses gäbig.
Nicht einmal allen Schweizern ist der Unterschied zwischen den Bernischen äuä und äuäää ganz klar. Somit ist dies ein hervorragendes Wort, um jedem nur des Hochdeutschen mächtigen ein Fragezeichen ins Gesicht zu schreiben.
«Äuä scho? Äuäää!»
Streng genommen bedeutet dies ein Hundebegräbnis; im übertragenen Sinn aber eine Veranstaltung, die den Besuch nicht lohnt. Hundsverlochete gibt es weltweit. Die Schweizer waren ehrlich genug, dem einen Begriff zu schenken.
«Geht es dir auf eine Weise noch?» Nein, das ist schlicht und einfach kein Deutsch (versucht es gar nicht auf eine andere Sprache). «Gaht's enart no?» ist aber perfektes Ostschweizerdeutsch, und beispielhaft für den Einsatz des helvetischen Betonungsworts (siehe auch huere, uhuere, uu, uhuene etc.).
Auf Hochdeutsch trötzeln, nur ist töibele viel körperlicher. Auf Englisch wäre das to throw a tantrum, bloss ist töibele eindeutiger aufs Kleinkind-Alter beschränkt. Rund um die Welt töibeln die Kinder; in der Schweiz aber mit eigenem Tätigkeitswort.
In welchem Fall? Im Falle eines Falles? Nein, einfach so, imfall. Eine unverfroren selbstgerechte Art, ein angebrachtes Argument zu betonen. Nur so, imfall.