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Estland: Regierung setzt Arbeitsgruppe zur Prüfung der Kernenergieoption ein
Die neu geschaffene Arbeitsgruppe wird die Möglichkeit der Einführung der Kernenergie in Estland analysieren und ihre Schlussfolgerungen und Vorschläge der Regierung bis spätestens September 2022 vorlegen. Die Arbeitsgruppe wird vom Umweltminister Tõnis Mölder geleitet und umfasst Vertreter mehrere Ministerien.
Laut Mölder muss die Arbeitsgruppe den Energiebedarf und die Energiesicherheit des Landes in den nächsten zwanzig Jahren bewerten gewährleisten. Sie muss abklären, ob in Estland ein Bedarf an Kernenergie besteht und inwieweit dieser in das bestehenden Stromnetz passt.
«Um die Energiesicherheit, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit Estlands zu erhöhen und die Klimaziele für 2050 zu erreichen, wäre die Einführung der Kernenergie eine der möglichen Lösungen. Die Kernenergie könnte unabhängig vom Wetter rund um die Uhr Strom liefern, aber der Prozess ihrer Einführung wäre sehr langwierig und würde eine enorme Investition des Staates erfordern. Die schwierige Frage, was mit den ausgedienten Brennelementen zu tun ist, sollte ebenfalls gelöst werden», sagte Mölder. Sollte Estland beschliessen, ein Kernkraftwerk zu bauen, könnte es mehrere Jahrzehnte dauern, bis es kommerziell betriebsbereit ist. Es wäre nicht vor 2035 bereit. Estland könnte gemäss Mölder die Einführung kleiner, modularer Reaktoren (Small Modular Reactor, SMR) der Generation IV in Betracht ziehen. Es müsse auch geprüft werden, ob die Entwicklung des Kernkraftwerks vom Staat oder vom privaten Sektor durchgeführt werden soll und welche Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit zwischen dem privaten und dem öffentlichen Sektor bestehen könnten. Darüber hinaus müssen das Know-how und der Arbeitskräftebedarf für die Entwicklung der Kernenergie erfasst werden, erklärte Mölder weiter.
Laut Mölder erfordert die Einführung der Kernenergie ein soziales Abkommen und klare Antworten auf die «berechtigten Fragen und Befürchtungen der Öffentlichkeit». «Ein wissenschaftlich fundierter Ansatz allein reicht nicht aus, auch die allgemeine Bereitschaft von Mensch und Gesellschaft ist erforderlich», stellte der Umweltminister fest.
Die estnische Fermi Energia arbeitet seit 2019 an einem Projekt zum Einsatz eines SMR in Estland. Das Unternehmen hat im März 2021 die EUR 2,5 Mio. mittels Crowdfunding aufgebracht, die erforderlich sind, um das offizielle Planungsverfahren für den Einsatz eines SMR im baltischen Land zu beginnen. Es hat bisher noch keine Technologie für sein Projekt ausgewählt. Mit den meisten führenden SMR-Entwicklern wurden jedoch Kooperationsvereinbarungen unterzeichnet.