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Auf dem Jahrmarkt in Kommern:

Im 15. Jahrhundert versuchten reisende Gaukler, "Gymnastiker", Händler und Quacksalber durch bildliche Reklameschilder das Publikum auf ihre Darbietungen aufmerksam zu machen. Diese Schilder die durch eine Abfolge von Bildern oft schon eine kleine Geschichte erzählten, können ebenso als Vorläufer des Bänkelsangs gesehen werden wie die im 16 Jahrhundert zahlreich aufkommenden Flugschriften mit Holzschnitten und Erzähltexten. Der Bänkelsang selbst wird sich im Verlauf des 18 Jahrhunderts zu einer typischen Schaustellung auf Jahrmärkten und Messen entwickelt haben.
Auf einer "Bank", einem erhöhten Podest stehend, trugen die Bänkelsänger unter Musikbegleitung in Wort und Bild Ereignisse vor, um das Publikum zum Kauf von Druckerzeugnissen anzuregen. Noch während der Bänkelsänger seine Geschichte erzählte und dabei mit dem Stab auf die Beider zeigte, begannen seine Frau, seine Kinder oder andere Helfer mit dem Verkauf der gedruckten Texte.
Wiederkehrende Themen im Vortrag und in den Textheftchen waren Liebesgeschichten, die stets unglücklich ihren Anfang nehmen, meist tragisch enden, nur selten einen glücklichen Ausgang haben. Katastrophen und Unglücksfälle (Überschwemmungen, Brände, Hungersnöte, Schiffsuntergänge, Grubenunglücke...) bildeten einen weiteren Themenkreis des Bänkelsangs. Die umfangreichste Themengruppe aber stellen Raub und Mordtaten dar. Häufiges Thema ist der Kindermord. Der Schilderung der grausamen Verbrechen folgte die gerechte Strafe für den Mörder - der Bänkelsänger wurde damit zum Moralisten.
Wichtigstes Requisit des Bänkelsängers waren die "Moritatenschilder". Da die Leistungsfähigkeit der menschlichen Stimme und auch die Lautstärke der Drehorgel angesichts des wachsenden Lärmpegels auf den Rummelplätzen begrenzt waren, blieben die Schilder das wirksamste Lockmittel. Johann Wolfgang Goethe hat deren Wirkung so beschrieben: "Die großen Schilder der Bänkelsänger drücken sich weit tiefer ein als ihre Lieder, obwohl auch diese die Einbildungskraft mit starken Banden fesseln."
Im 19 Jahrhundert entwickelte sich der Bänkelsang zum Varieté im großen Stil. Die Schaustellungen wurden größer, die Schilder optisch attraktiver. Kino und Radio bereiteten jedoch im frühen 20 Jahrhundert dem Bänkelsang ein Ende. Ein brandenburgischer Drogist erkannte die Gelegenheit, kaufte im richtigen Augenblick ehemaligen Bänkelsängerfamilien Schilder und Orgeln ab und ging um 1938 auf die Reise. "Deutschlands letzter Bänkelsänger" Ernst Becker hat seine letzte Vorstellung 1966 in Neustadt / Holstein gegeben.
In der Schweiz gibt es heute eine kleine Gruppe von Künstlern, die die Tradition des Bänkelsangs auf Sänger-, Drehorgel- und Kleinkunstfesten pflegen. Der in Bern lebende Peter Hunziker ist einer von ihnen.
Dieser Text warb auf einer Tafel für meine Auftritte am Historischen Jahrmarkt in Kommern 22.4. - 1.5. 2000