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Halls Creek - Canning Stock Route
Halls Creek - Canning Stock Route
Reisedauer: 11. August - 16. September 2017
gefahrene Kilometer: 3 562 km
Auf den Tag genau 6 Monate nach unserem Abflug von Kloten ZH standen wir vor unserem wohl grössten, aufregendsten, längsten und v.a. abge-legensten Abenteuer in Australien, der Canning Stock Route, kurz CSR. Mit einer Länge von 1 850 km gilt die CSR als die längste und abgelegenste Route der Welt und wird deshalb auch als die einsamste Strasse der Welt bezeichnet. Mit der West Gibson Desert, Little Sandy Desert und Great Sandy Desert werden 3 Wüsten durchquert. Ausgekundschaftet und festgelegt wurde die einstige Viehroute anf. des 20 Jh. (1906 -1910) von Alfred Canning, dessen Ziel es war, eine Route zu erforschen, auf der man Rinderherden von den Weidegründen im Norden hinunter in die Goldfields treiben konnte. Dort hatte der schnelle Bevölkerungsanstieg zu einer explodierenden Nachfrage an Lebensmittel wie Rindfleisch geführt. Eine verlässliche Wasserversorgung war dafür unabdingbar, weshalb es sich A. Canning zur Aufgabe machte, alle 25 km eine Wasserquelle zu finden oder einen Brunnen zu bohren. Der Verlauf der CRS orientierte sich dann an diesen 52 sogenannten Wells, welche an der Strecke errichtet wurden. Wenige verfügen heute noch über Wasser und einige sind kaum mehr als Brunnen zu erkennen. Nur gerade rund 30 mal die Viehherden über die Canning Stock Route getrieben, das letzte mal 1958. Seither liegt die Strecke offiziell „brach“, was jedoch nicht unbenützt heisst, den für 4 WD Begeisterte ist dieser 4 WD Track zur Kultstrecke geworden und 1968 erstmals in der gesamten Länge von einem Geländewagen befahren. Die erste und einzige Tankmöglichkeit befindet sich in einer Aboriginal Community namens Kunawarritji, wo gleichzeitig auch die Wassertanks mit verlässlichem Trinkwasser aufgefüllt werden können und wir zu unserer grossen Überraschung auch unseren angesammelten Müll entsorgen konnten. Mit einer immensen Vorfreude, aber auch dem nötigen Respekt und Aufregung, starteten wir am 14. August 2017 in dieses Abenteuer. Mit im Gepäck volle Diesel- und Wassertanks und in jeder erdenklichen Ritze Essensvorräte verstaut. Zu unserer eigenen Sicherheit brachten wir von zuhause ein Satellitentelefon mit und das wir dieses unvergessliche Abenteuer mit Schweizer Freunden, den SwissNomads, Reni und Marcel teilen durften, überzeugte uns endgültig, dass es nur gut kommen kann. Wir erlebten atemberaubend schöne Tage und wohl die ruhigsten Nächte unter vielen tausend Sternen. Und wer denkt, die Wüste sei öd und kahl, irrt gewaltig, den es gab Tage, in denen sich die Wüste in ein Blumenmeer verwandelte oder mit richtig grünen und schattenspendenden Bäumen und Büschen bewachsen war. Die intensiv roten Sanddünen aber auch das gelbe Spinifex im späten Sonnenlicht liessen unsere Kameras und Smartphones immer wieder heiss laufen. Sorgenlos und mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 21.7 km/h cruisten wir tagelang mit unseren treuen und zuverlässig rollenden Landcruiser dahin und erfüllten uns damit einen grossen und gemeinsamen Traum. Während den 3 Wochen begegneten wir insgesamt 53 Autos und 8 Motorräder. Auch das Essen wurde nicht frischer und weniger bunt, aber es fehlte uns an nichts und wir fühlten uns einfach sehr privilegiert, dass alles überhaupt erleben zu dürfen. Leider sollte es nicht so bleiben und wir mussten von unserem mitgebrachten Satellitentelefon unerwartet und fast ohne Vorwarnung Gebrauch machen. Conny drohte, das rechte Augenlicht zu verlieren, plötzlich auftauchend und ohne vorangehende Vorkommnisse. Nach Rücksprache und Anraten ihres Schweizer Augenarztes, sofort einen Augenarzt zu konsultieren, reduzierten sich die mitgebrachten Notfall-nummern „nur“ noch auf jene der Royal Flying Doctors. So konnte Conny am nächsten Mittag nach Perth „in Sicherheit“ ausgeflogen werden. Die Operation der Netzhautablösung verlief erfolgreich und auch das Augenlicht liegt hoffentlich nur noch wenige Tage entfernt. Zurück bleibt eine sehr einschneidende und lehrreiche Erfahrung, aber auch eine grosse Dankbarkeit. Sei diese an Roger, Reni und Marcel für deren schnelles Handeln und deren grossartige und liebenswürdige Unterstützung aber auch an viele Menschen verschiedener Herkunft, die für Conny im richtigen Moment genau am richtigen Ort arbeiteten. Und LAST BUT NOT LEAST: Danke für eine unbezahlbare Freundschaft und das Glück, unsere Australischen Freunde Marino und Carolyn in Perth zu haben, die Conny auffangen konnten, als sie durch ein schwarzes Loch zu fallen drohte, den Roger und unsere Freunde mussten am airstrip zurückbleiben und danach noch mit möglichst klarem Kopf die letzten 4 Tage auf der Canning Stock Route zurücklegen. Nach total 21 Tagen auf der CSR schlussendlich in Wiluna und somit am Ende der Canning Stock Route angekommen, endete dann auch die in jeder Hinsicht unvergessliche, gemeinsame und sehr intensive Zeit mit den SwissNomads. Entsprechend emotional war der Abschied, denn es ist weder einfach noch selbstverständlich, eine solche „Fahrgemeinschaft“ für so ein herausforderndes und intensives Vorhaben zu finden. Ein HERZLICHES DANKESCHöN an Reni und Marcel, mit euch haben sich auch unsere Ängste und Sorgen halbiert! Die verbleibenden 1 100 km von Wiluna nach Perth scheint Roger mit Redland geflogen zu sein, den bereits tags darauf kam er wohlauf bei Conny, Marino und Carolyn in Perth an, wo wir uns nun etwas ausruhen, genesen, orientieren und wieder vorausschauen dürfen.
Mehr Bilder findet man in der Galerie, unter Ozeanien - Australien