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(franz., spr. -schío, ital.
Aggio), Aufgeld, der Betrag, um welchen der Preis (Kurs) einer Geldsorte den Nennwert derselben übersteigt. Den Betrag, um welchen
dieser Preis hinter dem Nennwert zurückbleibt, nennt man Disagio (Abzug). Sind Preis und Nennbetrag einander
gleich, so steht die Geldsorte pari. Agio und Disagio werden in der Regel in Prozenten vom Nennbetrag, bei Münzen
[* 3] bisweilen auch
im absoluten Betrag ausgedrückt. Zuweilen wird auch das Agio mit plus (+), das Disagio mit minus (-) bezeichnet.
Eine Abweichung des Kurses vom Nominalgehalt entstand früher durch eine fiskalische Ausbeutung des Münzregals, wenn man zu
einem leichtern Münzfuß überging, d. h. aus alten
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forlaufend
Münzen eine größere Zahl neuer mit gleicher Benennung prägte, welche ebenso wie jene gesetzliches Zahlungsmittel
waren. Infolgedessen wurden für Zahlungen nach außen nur die schwereren Münzen verwendet und für diese beim Umtausch gegen
neue Münzen ein Agio entrichtet. Die gleiche Wirkung konnte eine durch den Verkehr bewirkte allmähliche Verschlechterung der
Münzen haben. In den Kulturländern der Gegenwart kommen fiskalische Ausbeutungen der genannten Art nicht mehr vor, auch wird
dafür Sorge getragen, daß Münzen, welche über ein bestimmtes Maß abgenutzt sind, dem Verkehr entzogen werden.
Ein Agio bildet sich heute einmal durch die Verwendung verschiedener Metalle zu Kurantmünzen, dann durch Emission
von Papiergeld. Hat ein Land Doppelwährung, sind also Gold
[* 5] und Silber in einem bestimmten Verhältnis zu einander ausgeprägt
und in beliebigen Mengen gesetzliches Zahlmittel, so wird, wenn der Weltmarktpreis mit jenem Verhältnis nicht übereinstimmt,
die Münze, deren Metall höher geschätzt wird, ein Agio erhalten. So ist im französischen Münzsystem Gold
zu Silber im Verhältnis von 1:15,5 ausgeprägt, d. h. aus 15,5
kg Feinsilber werden ebensoviel Franken ausgebracht wie aus 1 kg Feingold.
Nun stand der Goldpreis vor 1848 höher, 1 kg Gold galt soviel wie 15,75 kg Silber. Infolgedessen wurde für Zahlungen nach auswärts
das wertvollere Gold verwendet, die silbernen 5-Frankstücke bildeten die Hauptverkehrsmünzen, und die
Goldmünzen hatten ein Agio bis zu 1½ Proz. Als in den 50er Jahren mit Entdeckung der kalifornischen und australischen Goldfelder
der Goldpreis sank, so daß 15,2-15,3 kg Feinsilber schon soviel
galten wie 1 kg Feingold, wurden Silbermünzen gegen ein zur Ausfuhr nach Asien
[* 6] gesucht, und es strömte
wieder Gold nach Frankreich zurück, wo es, zur Münze umgewandelt, zu dem gesetzlich bestimmten Verhältnis als Zahlungsmittel
genommen werden mußte.
Nach 1870 trat wieder das umgekehrte Verhältnis ein, doch schützte man sich durch Suspension der Silberausprägung dagegen,
daß Gold gegen Agio aufgekauft und dem Land entzogen wurde. Werden in Ländern der einfachen Währung Goldmünzen
in beschränkter Menge ausgeprägt und dieselben an Staatskassen zum sogen. Kassenkurs angenommen oder gewohnheitsmäßig
tarifiert, so können dieselben bei einer Änderung des Goldpreises ebensowohl Agio wie Disagio erhalten.
Dasselbe ist überhaupt bei allen zwischen einfacher und Doppelwährung sich bewegenden Zuständen der Fall. Überhaupt
ist das Agio eine Folge davon, daß eine bestimmte, nur in verhältnismäßig beschränkter Menge vorhandene Geldsorte für bestimmte
Zwecke besonders gesucht wird. Als Mitte der 70er Jahre in Deutschland
[* 7] bei ungünstiger ZahlungsbilanzGold für die Ausfuhr
nach England und Amerika
[* 8] begehrt wurde, bezahlte man dasselbe mit einem von 1 Proz. Das
Agio kann dann besonders hoch steigen, wenn bei herrschender Geldknappheit rasch größern Zahlungsverpflichtungen
nachgekommen werden muß, ohne daß vorhandene Bankvorräte dem Verkehr erschlossen werden. So wurde auch die französische
Ausstellung von 1878 zu einer Ursache, den Kurs der zum Besuch derselben nötigen französischen Münze zu steigern.
Ferner kann in rechtsunsichern Zeiten, wie in Paris
[* 9] im Mai 1848, der Goldpreis infolge davon über pari
sich erheben, weil Gold sich leichter verbergen und transportieren läßt als Silber und deswegen dem letztern vorgezogen wird.
Weit größer als bei Münzen sind die Kursschwankungen bei dem Papiergeld. Für dasselbe kann Agio gezahlt werden,
wenn dem emittierenden
Staat volles Vertrauen geschenkt und das nur in beschränkter Menge vorhandene Papier für Aufbewahrung
und Versendung von Geld gesucht wird.
Doch findet hier das Agio schon bald eine Schranke in der Verbesserung der Transporteinrichtungen, der Geld- und Kreditinstitute
oder auch in der Geneigtheit zur Mehremission. Weit häufiger als ein Agio tritt bei dem Papiergeld (s. d.)
ein Disagio ein, wenn dasselbe in einer im Verhältnis zum Staatskredit und zum Verkehrsbedarf zu großen Menge ausgegeben wird.
Hat nun das PapiergeldZwangskurs, so daß es für die Preisbemessung dient, so spricht man nicht von einem Disagio des Papiergelds,
sondern von einem Agio, welches für Münze gezahlt wird.
In einem andern Sinn bezeichnet man auch als den Betrag, um welchen eine Geldsorte eine für gewisse Rechnungen übliche Summe
übersteigt. So erhielt man inFrankreich früher für 1 kg Feingold, aus welchem 3444 4/9 Frank ausgeprägt wurden, 3434,44
Fr., indem 10 Fr. zur Deckung der Prägekosten zurückbehalten wurden. Den in Prozenten bemessenen Überschuß
des Goldpreises über 3434,44 (heute 3437) Fr. nennt man ebenfalls Agio. Ähnlich ist es bei dem Silber, für welches als Einheit
218,89 Fr. angenommen werden, während aus 1 kg Feinsilber 222 2/9 Fr. ausgemünzt werden. Endlich spricht man auch
wohl von einem der Wechsel und Effekten, insbesondere auch der Aktien, wenn deren Kurs über pari steht. In vielen Ländern (Frankreich)
wendet man jedoch statt Agio die Bezeichnung »Prämie« an.