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Ob Blau die Lieblingsfarbe des am 17. Februar 1740 in Chonches geborenen Horace Bénédict de Saussure gewesen ist? Wir wissen es nicht. Tatsächlich aber beschäftigte ihn, nebst zahlreichen anderen physikalischen Fragen und Naturbeobachtungen, auch der Umstand, dass der Himmel im Gebirge blauer zu werden schien.
De Saussure war von frühester Jugend an von der Bergwelt fasziniert. Vermutlich nicht ganz unschuldig an seiner Vorliebe für naturwissenschaftliche Themen wie Geologie, Botanik oder Philosophie dürfte der Einfluss seiner beiden Onkel Albrecht von Haller und Charles Bonnet gewesen sein. Beides bekannte und renommierte Naturforscher und Wissenschaftler.
«Les montagnes maudites», die verfluchten oder verwünschten Berge, so nannten die Einheimischen das Gebirgsmassiv rund um den Mont Blanc. Der Himmel werde immer dunkler, je höher man steige, irgendwann verschwinde man im Schwarz, hiess es.
Horace Bénédict de Saussure aber wollte die Farbe des Himmels in eine messbare Form bringen: «Es ist eine bekannte Tatsache für alle, die die Gipfel hoher Berge erreicht haben, dass der Himmel dort von einem dunkleren Blau erscheint als in der Ebene. Da aber die Ausdrücke mehr und weniger sich auf unbestimmte Empfindungen beziehen, von denen nur in einer oft trügerischen Einbildungskraft Spuren bleiben, suchte ich nach einem Mittel, um sozusagen eine Probe des Himmels vom Mont-Blanc oder wenigstens der Farbe, die dieser Himmel mir gezeigt hätte, mitzubringen.»
Dies – und um weitere wissenschaftliche Experimente durchzuführen – veranlasste ihn, sich zusammen mit einem Gefolge von 19 Trägern den Weg auf das Dach der Alpen zu wagen. Er war nicht der erste Mensch auf dem weissen Berg. Bereits ein Jahr zuvor hatten Michel-Gabriel Paccard und Jacques Balmat aus Chamonix als Erste den Gipfel bezwungen. Um die Erstbesteigung ging es de Saussure auch nicht. In den rund viereinhalb Stunden rauf auf den Gipfel machte er verschiedene Untersuchungen, um Luftdruck, Feuchtigkeit und das Blau des Himmels zu definieren.
Er erfand kurzerhand den «Cyanometer». Dazu klebte er in einer ersten Version 16 Papierstreifen auf eine Scheibe. Die einzelnen Papierstreifen färbte der Genfer in verschiedene Blautöne, die er vorher durch das Zerreiben von Farbpigmenten des «Berliner Blau» erhielt. Die Farbskala wurde in der Folge mit weiteren Blautönen ergänzt.
Horace Bénédict de Saussure kam zum Schluss, dass die unterschiedliche Farbe des Himmels mit der Feuchtigkeit und Transparenz der Luft zusammenhängen musste. Bergführer erzählten ihm, dass sie sogar tagsüber die Sterne gesehen hatten. De Saussure glaubte ihnen.
Ein Jahr später, 1788, stand er auf dem 3356 Meter hohen Col du Géant, sein Sohn Nicolas Théodore befand sich im Tal in Chamonix und sein Freund Jean Senebier, Pfarrer und ebenfalls Naturforscher, in Genf. Alle drei führten gleichzeitig ihre Messungen durch. Horace Bénédict de Saussure sah in den Ergebnissen seine Theorie des Einflusses der Luftfeuchtigkeit auf das Blau des Himmels bestätigt.
Das Sonnenlicht besteht aus den Spektralfarben Rot, Orange, Gelb, Grün und Blau, die sich uns auch in einem Regenbogen zeigen. In unterschiedlich schnellen Wellenlängen treffen die einzelnen Farben bei ihrem Eintritt in die Erdatmosphäre auf sich in der Luft befindende Gasmoleküle wie beispielsweise Sauer- und Stickstoff. Im Gegensatz zum langwelligen Rot trifft das kurzwellige und schnellere Blau öfter auf diese.
Unser Auge sieht die Spektralfarben aber erst, wenn sie von etwas reflektiert werden. Also beispielsweise von einem Gasmolekül. Mittags ist der Weg von der Sonne zu uns für die Farbwellen kürzer. Morgens und abends länger. Dieser Umstand gibt aber auch den langsameren Farbwellen die Chance, die Gasmoleküle zu treffen und zu reflektieren. Das Ergebnis können rote Sonnenaufgänge respektive -untergänge sein.
Das alles war Horace Bénédict de Saussure noch nicht bekannt. Trotzdem legte er mit seinen Forschungen den Grundstein für Wissenschaftler wie Alexander von Humbold oder Albert Einstein.
Wie roch ein Wikingerdorf des 9. Jahrhunderts? Für eine Nase des 21. Jahrhunderts jedenfalls nicht besonders gut. Das zumindest lässt das angeekelte Stöhnen der Besucher des Jorvik Viking Center in der heutigen englischen Stadt York vermuten, wenn sie sich dem detailliert rekonstruierten Geruch des wohl faszinierendsten Ausstellungsstücks des Museums aussetzen: dem Lloyds-Bank-Koprolithen, einem Stück Winkingerkot.