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Erwachsenwerden ist Mist! Kredite, Perspektiven, Kinderwagen, Tod - wer will sich schon mit so etwas auseinandersetzen? Wer würde nicht lieber für immer Kind bleiben: geheime Banden gründen, mit dem Traum durchs Leben gehen, eines Tages der neue James Bond zu sein, und sich mit immer neuen Gefühlswallungen und wartenden Lippen in die nächste Jugendliebe stürzen, die so stark ist, dass es dich vielleicht umbringt. Kein Wunder, dass Roy Stride an diesem turbulenten Lebensabschnitt festhalten möchte.
"In den meisten Songs geht es um den Verlust der Unschuld," sagt er. "Früher habe ich mir das Erwachsenwerden so vorgestellt, dass ich von einem Tag auf den anderen aufhören müsste, Kind zu sein, und plötzlich Mädchen entdecken würde. Ich schätze, es passiert so mit 23, dass du erkennst, dass es keinen echten Moment des Erwachsenwerdens gibt, dass du nicht plötzlich verwandelt wirst und denkst "Oh, jetzt bin ich erwachsen'! Ich denke, ich werde es nie sein und vermutlich auch sonst niemand."
Und Roys Band SCOUTING FOR GIRLS sind der lebende Beweis dafür, dass es sich lohnt, den Kontakt zum inneren Kind aufrecht zu erhalten. Die Band besteht aus Freunden, die sich schon kannten, bevor sie ein Wort wie "Schamhaar' buchstabieren konnten. Da ist Bassist Greg Churchouse, mit dem Roy im Londoner Vorort Ruislip zur Schule ging. Mit ihm machte er seine ersten musikalischen Gehversuche, als die zwei sich im Alter von 11 nach Schulschluss einschließen ließen, um auf dem Schlagzeug ihres Musiklehrers zu spielen. Mit Greg besuchte Roy sein erstes Konzert: Suede, 1995 in Watford. Es war Greg, den Roy so lange nervte, bis er sich mit 14 zu Weihnachten anstatt einer Megadrive-Konsole eine akustische Gitarre schenken ließ und mit ihm die erste Band gründete. Und es war Greg, der mit Roy zur Uni ging und sich seiner zweiten Band Cape anschloss. Und dann ist da noch Schlagzeuger Peter Ellard, dessen gemeinsame Vergangenheit mit Roy sogar bis zur Grundschulzeit zurückgeht.
Für Cape hatte Roy nie Songtexte geschrieben. Eine lose Ahnung davon, worum es in einem Song gehen könnte, reichte ihm, um die Texte jeden Abend zu improvisieren. Für SCOUTING FOR GIRLS schrieb er plötzlich zwei Stücke am Tag: lebhafte, dynamische Piano-Pop-Tracks, die die Zeit und die Themen von Kindheit und Jugend wieder aufleben lassen: Mädchen (wie die verführerische Verabredung zu einem heimlichen Treffen in "She's So Lovely': "Come see me, discreetly, she says she's got a trick or two to teach me!'), verspielter Witz ("Elvis Ain't Dead' ist die Geschichte eines frustrierten Verlassenen, der auf die Rückkehr seiner Geliebten hofft und diese Hoffnung auf die "Alles-ist-möglich'-Einstellung von Elvis-Lebt-Theorien stützt) und Luftschloss-gleiche Kindheitsträume ("James Bond' beschreibt den festen Glauben von Drummer Pete, eines Tages der neue 007 zu sein.) Charmante, naive, herzliche und großartige Musik; eine kindliche Version der Kinks oder von Coldplay, die nicht zu erwachsen ist, um mit Schleudern zu schießen oder sich heimlich mit Mädchen zum Knutschen hinter Fahrradständern zu verabreden. Musik, die die Komplexität erwachsener Beziehungen durch leuchtende, unschuldige Augen betrachtet.
"Gute Popmusik ist meistens voll Gefühl," so Roy, "und die größten Gefühle bringt das Leben, wenn du dich verliebst, oder wenn die Liebe vorbei ist. Abgesehen noch vom Tod, der ähnliche Gefühle verursacht, wenn du jemanden verlierst. Das ist zeitlos. Es ist eine Mischung aus Phantasie und eigenen Erfahrungen. "Elvis Ain't Dead', zum Beispiel. Ich habe einen Artikel über einen Typen gelesen, der völlig überzeugt davon ist, dass Elvis noch lebt, und ich habe mir jemanden vorgestellt, der wirklich an alles im Leben glauben kann."
Roy tauschte also Gitarre gegen Klavier (weil es besser zu den Songs passte), überzeugte die meisten Cape-Mitglieder, bei seinem neuen Pop-Projekt mitzumachen und wurde schon bald von der Londoner Konzertpolitik ernüchtert. Was SCOUTING FOR GIRLS noch fehlte, war ihr eigenes Baumhaus. Und sie fanden einen Club über einer Bar in Harrow, in dem sie billige Clubabende veranstalteten, Filme zeigten, Süßigkeiten verteilten und mit einigen anderen gleich eingestellten Bands auftraten.
Über MySpace verbreitete sich die Nachricht schnell und bald schon kamen Leute aus dem ganzen Land, um bei den Parties dabei zu sein. Viele wurden Mitglieder im Wolf Cub Club, den SCOUTING FOR GIRLS für ihre Fans gründeten. Alle Mitglieder - und das waren schon bald etwa 2.000 - erhielten eine kostenlose CD, einen Clubausweis, ein Abzeichen und ein kleines Buch mit Erste-Hilfe-Tipps, Lagerfeuerliedern, Oscar Wildes ?Happy Prince', ärztlichen Ratschläge zur Heilung von gebrochenen Herzen und einem Geheimcode zum Senden verschlüsselter Nachrichten an andere Clubmitglieder.
"Manchmal schicken sich die Leute verschlüsselte Nachrichten," sagt Roy, "aber das ist so eine Sache. Es ist zwar ziemlich einfach, Nachrichten zu verschlüsseln, aber ein verdammtes Stück Arbeit, den Code wieder zu knacken!"
Natürlich kann sich eine Band, die Songs und Verstand hat, nicht lange vor der Industrie verstecken, und so erlangten SCOUTING FOR GIRLS mit den Konzerten 2006 im Großraum London große Anerkennung. Im Februar 2007 wurde der Chef von Epic zu einer Probe eingeladen. Noch an Ort und Stelle nahm er die Band unter Vertrag. Es dauerte keine Woche, bis es ins Studio ging.
"Schreiben ist für mich schon fast eine Sucht," sagt Roy. "Am Wochenende habe ich meine Gitarre im Studio [Helioscentric Studios] gelassen, um mir etwas Freizeit zu gönnen. Aber jetzt kann ich es kaum erwarten, wieder rauszufahren und weiter zu schreiben."
Bei allem Hunger und dem Ehrgeiz, eine ergreifende Melodie nach der anderen zu schreiben, bleibt Roy mit beiden Beinen auf dem Boden, ganz egal wie groß seine Aufregung um die Zukunft der Band auch wird. "Um ehrlich zu sein, müssen wir uns immer noch kneifen, um es zu glauben. Es war ein echter Sturm. Aber wir haben immer gewusst, dass wir genau das wollten, ob nun mit oder ohne Vertrag."
Die mit großer Vorfreude erwartete limitierte Debüt-EP "It's Not About You', die am 25. Juni 2007 in Großbritannien veröffentlicht wurde, brachte der Band höchste Aufmerksamkeit von Seiten der großen Radiosender und ebnete den Weg in die Köpfe und Herzen der Nation. Die erste Single ?She's So Lovely' kam Anfang September 2007 heraus, erreichte Platz 2 der britischen Charts und hielt sich 51 Wochen. Auch die Nachfolgesingles brachten es auf Spitzenplätze: "Elvis Ain't Dead' (Platz 1), "Heartbeat' (Platz 2) und "It's Not About You' (Platz 7).
Das Debütalbum führte die britischen Charts im Januar 2008 an, erreichte Doppel-Platinstatus und wurde bisher schon in Australien, Neuseeland, Italien, den Niederlanden, Belgien, Irland, Spanien und vielen Ländern Asiens herausgebracht. Die Veröffentlichung in Deutschland ist für den 6. Februar 2009 auf dem Label COLUMBIA Berlin geplant. Der Sturm hat gerade erst begonnen!