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Warum gibt es so viele Chinesen?
Chinas Einkommen pro Kopf ist immer noch bescheiden im Vergleich zu den westlichen Ländern. Aber weil die Bevölkerungszahl so gross ist, hat die Wahl des neuen Politbüros eine grössere Bedeutung als die US-Wahlen. Obama und Romney mögen zwar sehr unterschiedliche Vorstellungen zur Wirtschaftspolitik haben, aber die Frage, wie die neue Führung in Peking in Zukunft Wachstum und Stabilität erreichen möchte, überragt alles, was sich im Westen abspielt.
Wer sich für China interessiert, kommt deshalb nicht umhin, sich mit der Demografie des Landes zu beschäftigen. Immer wieder fragt man sich, wie es möglich ist, dass auf so engem Raum so viele Menschen leben können. Wie konnte es soweit kommen?
Das überdurchschnittliche Bevölkerungswachstum hat zum einen mit der natürlichen Ausstattung des Landes zu tun. Gebiete, die über Jahrhunderte Reis anbauten, erzielten eine höhere landwirtschaftliche Produktivität als Weizengebiete. Der Ertrag pro Hektar war in China im 17. und 18. Jahrhundert deutlich höher als in Europa, wie neue Forschungen zeigen (z.B. hier).
Ebenso wichtig aber war etwas ganz anderes, das auf den ersten Blick überhaupt nichts mit China zu tun hat: die Eroberung Amerikas durch die Spanier. Die Spanier entdeckten im 16. Jahrhundert in Mittelamerika eine ausgesprochen nahrhafte Nutzpflanze und verbreiteten diese über die Philippinen in ganz Asien: die Süsskartoffel. Sie erlaubte der chinesischen Landwirtschaft, Gebiete zu erschliessen, die bisher zu unwirtlich waren, worauf die Bevölkerung im 18. Jahrhundert förmlich explodierte.
Wie die folgende Grafik zeigt, nahm die Bevölkerungszahl Chinas zwischen 1700 und 1800 von 138 auf 381 Millionen Menschen zu. Das ist ein absoluter Rekord für die vorindustrielle Zeit.
Aufgrund dieses aussergewöhnlichen Wachstums erreichte der Anteil Chinas an der Weltbevölkerung im Jahr 1800 den hohen Wert von 37 Prozent. Seither ist er wieder gesunken, wie die folgende Grafik zeigt.
Die Frage, warum es so viele Chinesinnen und Chinesen gibt, hat also eine denkbar einfache und kurze Antwort: Kolumbus.