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Nach der neuschneereichen letzten Berichtsperiode stellte sich wieder weitgehend trockenes Wetter ein. Nur zu Beginn und am Ende des Wochenbericht-Zeitraums fielen einige Zentimeter Schnee. Der schwache Schneedeckenaufbau blieb erhalten. Auch diese Woche kam es zu spontanen und durch Personen ausgelösten Lawinen, welche in tieferen Schichten anbrachen.
Das Wetter war geprägt durch einen Mix von Sonne und Wolken und wenig Niederschlag. Die Nullgradgrenze pendelte zwischen 1800 und 2800 m (Abbildung 1). Der Anstieg der Nullgradgrenze in der Nacht auf den 22. Dezember führte gebietsweise zu Regen bis auf 2300 m.
In der Nacht auf Mittwoch fielen im Jura 5 bis 10 mm Regen, in den Alpen oberhalb von rund 1500 m lokal wenig Neuschnee. Nachdem sich die Wolken am Morgen auch im Osten rasch aufgelöst hatten, war es verbreitet sonnig.
Abgesehen von einigen Wolkenfeldern war es recht sonnig. Die Nullgradgrenze sank stufenweise von 2500 m auf knapp 2000 m. Der Wind blies meist schwach bis mässig aus südlichen Richtungen.
Eine Warmfront aus Westen leitete einen Wetterumschwung ein. Am Sonntagabend fiel bereits etwas Niederschlag, am Montag war es tagsüber bewölkt. In der Nacht auf Dienstag fiel im Norden verbreitet Niederschlag, im Süden blieb es trocken. Die Schneefallgrenze lag zwischen 2200 und 2500 m.
Oberhalb von rund 2500 m fielen bis am Dienstagmorgen folgende Schneemengen :
Am Dienstag floss hinter der Warmfront milde und mässig feuchte Luft in den Alpenraum. Dies führte zu einem raschen Temperaturanstieg, wie z.B. in Abbildung 2 an der Station Alp Piänetsch (Hinterrhein, GR).
Die Schneeoberfläche kann sich bis maximal 0 °C erwärmen. Bei noch mehr Wärme schmilzt der Schnee. Dann wird sie feucht, bleibt aber bei 0 °C. Um zu wissen, ob dies tatsächlich geschah, muss die gesamte Energiebilanz berechnet werden. Im vorliegenden Fall wurde die Anfeuchtung auch vielerorts von den Beobachtern gemeldet (Abbildung 3).
In der nur teils klaren Nacht auf Mittwoch bildete sich gebietsweise eine brüchige Kruste an der Oberfläche. Tagsüber war es meist bewölkt.
Auch in dieser Berichtsperiode blieb das markante Altschneeproblem bestehen, das bereits im vorangehenden Wochenbericht beschrieben wurde. In weiten Teilen des Schweizer Alpenraums waren tiefer in der Schneedecke schwach verfestigte Altschneeschichten vorhanden. In diesen Schichten brachen Lawinen spontan an (Abbildung 4) oder wurden von Personen ausgelöst (Abbildung 5).
Abbildung 6 zeigt die bestätigten Altschneelawinen und markante Gefahrenzeichen (wie z.B. grossflächige Wumms) während dieser Berichtsperiode. Erfolgt ein Bruch in der Schneedecke, setzt sich die Schneedecke. Dieses Absacken wird oftmals mit einem Wumm-Geräusch wahrgenommen. Im Flachen bleibt die Schneedecke nach dem Bruch liegen, bei einer Steilheit ab 30° kann sie als Lawine niedergehen. Ein Wumm- Geräusch besagt also, dass die Schneedecke eine Schwachschicht enthält und diese durch unser drauftreten grossflächig gebrochen ist. Es sollte als Warnzeichen zur Vorsicht mahnen.
In Abbildung 6 wird deutlich, dass sich das Altschneeproblem nicht auf die inneralpinen Gebiete beschränkt. Vielmehr betraf es den zentralen und östlichen Alpennordhang oberhalb von rund 1800 m, sowie das Wallis und Graubünden oberhalb von rund 2000 bis 2400 m. Es liess sich zudem auf Schattenhänge (Expositionen West-Nord-Ost) eingrenzen. An Südhängen und aus den schneereichen Gebieten des Alpensüdhanges war der Schneedeckenaufbau günstiger; von dort wurden keine Altschneebrüche gemeldet.
Auch in Schneeprofilen und Stabilitätstests wurden ausgeprägte Schwachschichten beobachtet und damit das Altschneeproblem bestätigt, wobei die Schwachschichten meist nicht bodennah, sondern im Mittelteil der Schneedecke lagen. Oft handelte es sich dabei um die inzwischen eingeschneite Schneeoberfläche vom November. In Abbildung 7 (links) wurde eine markante Schwachschicht in rund 50 cm Höhe festgestellt. Mit dem Rutschblock brach diese und das Schneebrett glitt ab (Abbildung 7, rechts). Rezept für ein Altschneeproblem: siehe letzter Wochenbericht.
Im Lawinenbulletin wurde über die ganze Berichtsperiode vor Altschnee gewarnt. Im Osten blieb die Gefahrenstufe gebietsweise bis am Samstag, 19.12., im Westen bis zum Berichtsende am Mittwoch, 23.12. auf Stufe 3. Aber auch in den meisten anderen Gebieten wurde mit dem Gefahrenbeschrieb «Tiefer in der Schneedecke sind vor allem an Schattenhängen ausgeprägte Schwachschichten vorhanden. Lawinen können von einzelnen Wintersportlern ausgelöst werden und gefährlich gross werden.» vor dem Altschnee gewarnt - einfach bei Stufe 2. Einzig im schneereichen Süden stellten die gut überdeckten Schwachschichten im Altschnee kein ernsthaftes Problem mehr dar.
Mit dem Wetterumschwung zum 22.12. hin, stieg die Lawinengefahr besonders im Westen wieder an. Mit starkem Westwind entstanden leicht auslösbare Triebschneeansammlungen. Mit der hohen Schneefallgrenze führte der Regen zu einer Zunahme der Gleitschneeaktivität in mittleren Lagen.
Das Altschneeproblem ist problematisch: Es ist oft schwer zu erkennen, selbst für Geübte. Zeichen für Instabilität (z.B. Wummgeräusche) sind nicht zwingend vorhanden. Die Schwachschicht ist meist weit verbreitet, im Gegensatz zum Triebschnee, der meist lokal eingegrenzt werden kann. Eine Auslösung kann sich über mehrere 100 m ausbreiten und grosse Teile der Schneedecke mitreissen. Und grosse Lawinen sind noch gefährlicher als kleinere. Dann bieten auch gängige Vorsichtsmassnahmen, wie einen Hang mit Abstand befahren, oft nicht mehr den gewünschten Schutz. Siehe dazu auch den Artikel „Fürchtet den Altschnee “.
Der beste Umgang mit dem Altschneeproblem ist damit defensives Verhalten und Geduld. Viel Geduld, denn das Altschneeproblem kann uns noch wochenlang begleiten.
Vom 16. bis zum 23.12. wurden 5 Lawinenunfälle gemeldet. Eine Person verlor dabei ihr Leben.
Der nächste Wochenbericht erscheint am Donnerstag, 31. Dezember.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.