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Zürich 8 October 1875.
Hochverehrter Herr & Freund!
Ihr geschätztes Schreiben1 von gestern sammt den Beilagen zu demselben, welche ich diesen Zeilen anfüge2, wüßte ich nicht besser zu beantworten, als dadurch, daß ich Ihnen den Beschluß mittheile, welchen die Direction gestern in der fraglichen Angelegenheit gefaßt hat. Der Beschluß ist dazu geeignet, Sie über den Stand der Frage vollkommen aufzuklären.3
Wenn Hr. Favre sich gegenüber Ihnen, dem Präsidenten der Berner Conferenz, darüber beschweren darf, daß ihm seit dem 1. August keine Abschlagszalung für die Galerie d'avancement geleistet worden sei, so bildet dieß den sprechendsten Beweis dafür, was überhaupt von seinen Klagen | zu halten ist.4
Ich denke übrigens, nachdem die internationale Commission unter Beistimmung der Schweizerischen Abordnung beschlossen hat, der Gesellschaft erheblich weniger an Subvention auszufolgen, als sie an Hrn. Favre bezalt hat, werde uns von der Bundesbehörde nicht zum Vorwurfe gemacht werden können, daß wir Hrn. Favre zu wenig Geld gegeben haben!5
Auf das System von Vorschüssen an Hrn. Favre über die vertragsmäßigen Abschlagszalungen hinaus dürfen wir uns nach meiner Ansicht um keinen Preis einlassen. Sonst verlieren wir die ohnehin schon theilweise comprommittirte Caution gänzlich.6 Wir sind nicht die Banquiers von Favre & müssen uns wohl hüten, uns zu denselben machen zu lassen. Wenn in dem Vertrage, der zwischen Favre & seinen Commanditären abgeschlossen worden ist, ein Betriebscapital nicht vorgesehen ist, so ver| mag sich unsere Gesellschaft dessen nichts. Es wird in diesem Falle ein Nachtragsvertrag zwischen Favre & seinen Commanditären abzuschließen sein, wie Hr. Rambert bei der Unterredung, die ich letzten Dienstag mit ihm hielt, ohne Anstand anerkannt hat. Die Commanditäre von Favre haben das größte Interesse, zu einem solchen Nachtragsvertrage Hand zu bieten: denn sonst laufen sie Gefahr, ihre Caution von 8 Millionen Franken zu verlieren, welche glücklicher Weise in unsern Händen liegt. Ich halte dafür, daß wir bei der gegenwärtigen Situation vor allem auch darauf Bedacht zu nehmen haben, daß wir die uns zukommende Rechtsstellung in correctester Weise wahren. Favre außer Accord setzen zu müssen & factisch die von ihm hinterlegte Caution aushingegeben zu haben, wäre die allerschlimmste Situation, in welche wir gerathen könnten!
Herzlich
Ihr
Dr A Escher|