Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03279.jsonl.gz/1121

Ich bin 51 Jahre alt und Lehrer für Blinde und Sehbehinderte.
Ende 2012 versuchte ich erstmals, aber ohne Erfolg, Porträts zu malen. 3 Jahre danach beschäftigte mich, ohne zum Pinsel zu greifen, die Frage "wie erstelle ich ein Gemälde, das den inneren Zustand des Seins und seine Verbindung zum Leben zeigt, ohne eine genaue physikalische Darstellung zu sein?"
Und irgendwann im März 2015 nahm ich dann doch wieder einen Pinsel und begann. Es war zuerst ziemlich entmutigend aber dann, wie von Zauberhand, entstanden interessante Charaktere mit Persönlichkeit und Emotionalität. Gegenüber einigen fühlte ich große Affinität, andere fand ich irritierend und fremd. Ich habe keine Ahnung, wer sie sind. Sie erschienen einfach im Moment der Platzierung des Pinsels auf Leinwand zu entstehen. Sie sind mit Namen und dem, was ich mjr unter
ihrem Innenleben vorstelle, betitelt. Etwa einen Monat später begegneten mir die Gesichter meiner Gemälde in den Strassen der Stadt, in der ich lebe. Zuerst lachte ich darüber, war verblüfft und empfand dies als völlig surreal. Danach begann ich, solche Zusammentreffen Tag für Tag zu dokumentieren, machte eine kurze Notiz von Datum und Uhrzeit, hielt fest, was die Betreffenden tragen, wie sie mit der Welt interagieren usw.
Bisher fehte mir allerdings der Mut, meine "Modelle" um eine Foto zu bitten, aber vielleicht gelingt mir dies noch. In der Zwischenzeit, bin ich gespannt, zu sehen, wer auf der Leinwand auftaucht.
Marius Park Juni 2015
3 Portraits von Marius Park, gefunden im Internet)