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Einmal Held gegen Held Prügel bitte 😂🤪
Das klassische Story-Schema der Sechziger und Siebziger Marvel Comics begann stets mit einem Missverständnis. Der Titelheld geriet mit einem anderen Superhelden in ein Techtelmechtel, wobei sich die beiden wie pubertierende Teenager benahmen und sich zuerst sprücheklopfend und anschliessend handgreiflich prügelnd gegenseitig eins auf die Nuss gaben. Man kann es schon so salopp ausdrücken, denn es war so!
Pissing Contest
Dann kam natürlich die Aufklärung, das Missverständnis wurde beiseite geräumt und die beiden Helden konzentrierten sich darauf, dem wirklichen Superschurken aufs Maul zu hauen. War das erst einmal getan, trennten sich die beiden, nicht aber vorher nochmal sprücheklopfend einen sogenannten «Pissing Contest» zu veranstalten. So war’s halt damals. Die guten alten Zeiten eben.
Diese Formel ging bestens auf, und bei Marvel wurden unzählige Geschichten genau nach diesem Prinzip produziert. Schon ganz zu Beginn des Marvel Zeitalters, in den frühen Sechzigern, konnte man diese Tendenz erkennen, wie zum Beispiel Amazing Spider-Man #1 oder auch Avengers #1 aufzeigen.
Das bewährte Muster
Die gemeinsamen Abenteuer in den klassischen Serien Marvel Team-Up und Marvel Two-in-One aus dem Bronze Age der Comics (Siebziger Jahre) sind Paradebeispiele für diese Formel. Beide Reihen wurden aus dem einzigen Grund aus dem Boden gestampft, um populären Superhelden möglichst viel Zeitschriftenstand-Präsenz zu geben. Und es ist bezeichnend, dass beide Serien ausserhalb der offiziellen Marvel-Chronologie agieren, also sogenannte «non-canonical» Geschichten erzählen. Dieser Begriff wurde erst später geprägt, als sich Marvel Chronisten die Mühe gaben, den unzähligen Comic Abenteuern einen Sinn und in sich geschlossenen Rahmen zu geben.
Wir dürfen nicht vergessen, dass die Geschichten für ein Zielpublikum geschrieben wurden, das sich hauptsächlich aus Zehn- bis Fünfzehnjährigen rekrutierte. Solche Plots waren perfekt für ein Schulkind, das seine Fantasien im Geist ausleben und sich abreagieren wollte. Erst später wurden Marvel Comics gezielt auch für ein «älteres» Publikum geschrieben, und das Durchschnittsalter stieg um einige Jahre an.
Der Wunsch nach einer Kontinuität und in sich schlüssige logische Abfolge der Geschichten stieg mit zunehmendem Alter der Leserschaft. Und dennoch. Eben genau aus diesem Grund sind die Team-Up Geschichten so erfrischend. Es war genau wie beim Konkurrenten DC, wo man sich damals einen Dreck um Kontinuität scherte. Die Hauptpersonen erfuhren am Schluss jedes Hefts eine Art Reboot, um in der nächsten Nummer wieder frisch ans Werk zu gehen, neue Verbündeten verdreschend – und dann in verbundener Zweisamkeit Superschurken zur Strecke bringend. Einfach genial!
Mein Geheimtipp für Sammler sind die zwei oben erwähnten unterbewerteten Serien aus den Siebzigern. Ich jedenfalls habe diese Reihen in meiner persönlichen Sammlung.Captain Collectors Sammlerweisheiten