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Das Tapeziererhandwerk ist erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Basel bekannt geworden. Vorher wusste man in unserer Stadt «sehr wenig von den französischen Bettren, dem Sessel- und Matratzenmachen». Da aber bei vornehmen und «mittelmässig bemittelten Persohnen» der Geschmack an solchen Möbeln merklich zunahm, liessen verschiedene Bürgersfamilien, angesichts der stark übersetzten alten Handwerke, ihre Söhne den neuen Beruf erlernen, um ihnen den Verdienst zu verschaffen, der bis anhin fremden Tapezierern zugefallen war. Im Jahre 1758 zählte die Stadt vier einheimische Meister, Joachim Weitnauer, Joh. Rud. Fäsch, Ludwig Krug und Joh. Jak. Haas, die ihren Beruf ordnungsgemäss und mit «ziemlichen Kosten» erlernt hatten! Sie rühmten sich «E. E. Bürgerschaft wie in der Arbeit wohl versorgst, also auch in dem Lohn leydenlich gehalten zu haben». In einer dem Rat 1758 eingereichten Eingabe verlangten sie darum, dass fremden Tapezierern in der Stadt jegliche Arbeit inskünftig verboten werde und dass diejenigen Bürger, die fremde Tapezierer den hiesigen vorzogen, mit einer Geldstrafe belegt werden sollten. Sie erklärten gleichzeitig, unter sich eine Meisterschaft nach dem Beispiel Strassburgs aufrichten zu wollen. Der Rat wies das Begehren an die Zünfte zum Goldenen Stern und zum Himmel, damit diese die Tapezierer wie auch die Meisterschaft der Sattler hierüber anhöre.
Beide genannten Zünfte unterliessen es aber, ein bezügliches Bedenken abzugeben. Jahrelang ruhte die Angelegenheit. Erst auf eine erneute Bittschrift der Tapezierer wegen ihrer Sicherstellung vor Eingriffen sowohl fremder Tapezierer als anderer hiesiger Handwerker, erkannte die Obrigkeit 1782, dass die Tapezierer vorerst ihre Handwerksgerechtsame vorlegen und sich einstweilen in Geduld fassen sollten. Das Tapezieren und die damit in Verbindung stehenden Verrichtungen seien einstweilen keine zünftige Handwerksarbeit, sondern eine freie Kunst, jedoch nur in Rücksicht der hiesigen Bürger und nicht der Fremden. Aus diesem Grunde wurden die Tapezierer auch keiner bestimmten Zunft zugewiesen. Sie wandten sich der Zunft zu, wo sie durch Gunst und Familienbeziehungen Aufnahme erhoffen konnten. Die Mehrzahl fand – wie zwei Jahrzehnte vorher die Perückenmacher – zur Ausübung ihrer politischen Rechte zu Safran Unterschlupf. Jedenfalls war die 1758 in Aussicht gestellte Handwerksorganisation 1791 noch nicht vollzogen, denn eine damals von den Meistern eingereichte Beschwerde wies der Rat an die vier Zünfte, «wohin sie zünftig sind».
Vor dem Aufkommen der Papiertapeten wurden zur Bekleidung der Wände Tapeten aus seidenen und halbseidenen, grossgemusterten Damasten, aus feinem, gepresstem und vergoldetem Leder oder aus Wolle mit eingewirkter Arbeit (Gobelins) verwendet. Die Papiertapeten, deren Herstellung sich in Frankreich zuerst ausgebreitet und vervollkommnet hat, kamen erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Gebrauch. Anfangs wandte man, um dergleichen Papiere mit bunten Figuren herzustellen, wie bei der Spielkartenfabrikation Patronen an; bald aber sah man, dass sie ungleich vollkommener durch Aufdrucken von Farben vermittelst hölzerner Model erzeugt werden konnten. Unter den wenigen safranzünftigen Tapezierern des 18. Jahrhunderts haben wir wohl kaum Hersteller von Tapeten selbst, als vielmehr Tapezierer im heutigen Sinn zu erblicken.