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Freiheit – Freiflug zur Selbstentfaltung
Das Wort „Freiheit“ bedeutet ursprünglich in etwa, dass dir das voll und ganz gehört, was dir am nächsten ist.
Freiheit in der Philosophie
Zahlreiche Philosophen haben sich mit der Freiheit beschäftigt. In der Antike gingen Sokrates und Platon davon aus, dass die Vernunft den Menschen zum Guten führt. Als frei galt ein Mensch daher, wenn er mit Hilfe seiner Vernunft das Beste für sich wählte.
In der Neuzeit standen bei René Descartes die Selbstbestimmung und die Autonomie im Mittelpunkt seiner Betrachtungen. Nach seiner Ansicht wächst Freiheit mit der Zunahme der geistigen Klarheit über die Willensziele. Mit einem starken Willen schafft es der Mensch, sich von Emotionen und Stimmungen zu befreien, die ihn in eine falsche Richtung führen könnten.
Seine philosophischen Nachfolger unterschieden zwischen der Willens- und der Handlungsfreiheit. In meinem Handeln bin ich frei, wenn ich tun kann, was ich will. Die Freiheit im Willen zeigt sich, wenn ich selber für mich entscheiden kann, welche Überzeugungen, Wünsche und Haltungen ich annehmen und leben möchte.
Immanuel Kant spricht von der praktischen Vernunft. Willensfreiheit ist für ihn die Fähigkeit, etwas von selbst anzufangen, also etwas in Eigeninitiative zu tun.
Bei Georg Wilhelm Friedrich Hegel kommt als weiteres Kriterium für die Freiheit des Menschen das Leben in der Gemeinschaft hinzu. Jede Gemeinschaft gibt sich eine gewisse Ordnung. Der einzelne Mensch kann sich in diesem Rahmen frei entfalten, wenn er zum Beispiel der Idee eines Staates folgt.
Auch Jean Jacques Roussou sah die „bürgerliche Freiheit“ dann gegeben, wenn durch Gesetze die Freiheit teilweise beschränkt ist. Dadurch öffnet sich für jeden Bürger ein gewisser Handlungsspielraum.
In den 12 Werte-Feldern der Anthroposophie erhält die Freiheit ebenfalls einen Platz. Ihre Grenzen werden definiert durch die Freiheit des anderen. Meine Freiheit hört da auf, wo die des anderen beginnt. Wenn ich mich für Freiheit entscheide, ist also immer auch an die Gemeinschaft, in der ich lebe, zu denken.
Bedeutung von Freiheit
Anhand von einigen Parametern möchte ich Freiheit von verschiedenen Seiten beleuchten.
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Unendlichkeit
Grenzen stehen der Freiheit entgegen. Echte Freiheit ist nur ohne endgültig fixierte Grenzen möglich.
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Selbstbestimmung
Habe ich Freiheit, bedeutet dies Eigenverantwortung und Selbstbestimmung. Das Gegenteil davon sind enge, determinierte Systeme. Der Raum der Freiheit ist dann mehr oder weniger stark eingeschränkt.
In Gesellschaften stellt sich sehr oft die Frage, wieviel an Regulierungen von Seiten des Staates wir brauchen und wieviel Selbstbestimmung jeder Einzelne bereit ist zu übernehmen.
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Entscheidung
Ist nicht alles genau von außen für uns geregelt, müssen wir immer wieder Entscheidungen treffen. Wir haben die Wahl aus zwei oder sogar noch mehr Möglichkeiten.
Dies kann jedoch eine große Herausforderung bedeuteten. Denn für einen guten und nachhaltigen Entscheidungsprozess müssen wir uns aktiv um vielseitige Informationen bemühen, diese abwägen, um schließlich eine sichere Grundlage für unsere Wahl zu finden.
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Verantwortung
Entscheidungen zu treffen, heißt auch, die Verantwortung für unser Handeln und die Folgen unserer Entscheidung zu übernehmen. Es ist meine Entscheidung, für die ich vollumfänglich gerade stehe, und es gibt keine Verschiebung der Verantwortung zu anderen.
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Nein sagen
In der Eigenverantwortung haben wir die Freiheit, „nein“ zu sagen. Wenn äußere Umstände nicht im Einklang mit meinen eigenen Werten sind, kann Freiheit leben auch bedeuten, sich gegen die Haltung einer Mehrheit und für einen eigenen Weg zu entscheiden.
Innere und äußere Freiheit
Wir können eine innere und eine äußere Freiheit unterscheiden. Für die innere Freiheit sind die eigenen Werte der Maßstab. Frei bist du dann, wenn du unabhängig von den äußeren Umständen nach deinen Werten leben kannst. Du hast die Freiheit, gemäß deiner Integrität zu leben.
Dazu gehört auch, dass du frei über dein Selbst entscheiden kannst und dich nicht zum Opfer deiner Gedanken, Gefühle oder deines Körpers machst.
Die äußere Freiheit hat mit dem Eigentum zu tun. Kannst du über dein Eigentum frei verfügen, gibt dir das eine gewisse Freiheit. Damit erhältst du die Möglichkeit, dich frei zu bewegen und auf diese Weise, dein volles Potenzial zum Ausdruck zu bringen.
Wie frei sind wir wirklich?
In unserer Gesellschaft gibt es einen festgelegten Rahmen, in dem sich alle Bürger bewegen müssen. Vieles ist geregelt. Eine Aussage, die ich einmal gehört habe, als ich erst kurz in der Schweiz lebte, hieß, dass hier alles entweder obligatorisch oder verboten ist. Das schränkt die Freiheit sehr deutlich ein.
Über unser verdientes Geld können wir z.B. nicht zu 100% verfügen, da zahlreiche Steuern und Abgaben davon zu entrichten sind.
Wir haben Sozialsysteme, die die Bürger in Notsituationen unterstützen sollen. Allerdings gibt es nicht die Freiheit zu entscheiden, nicht unterstützt zur werden und dementsprechend keine Beiträge zu leisten.
Bei der Krankenversicherung zeigt sich für mich die Abhängigkeit von einem System am deutlichsten. Es gibt ein offizielles Gesundheitssystem mit seinen Methoden. Jeder, der auf Eigenverantwortung setzt und andere Wege geht, muss trotzdem regelmäßig Beiträge leisten. Ich zahle zum Beispiel seit über 30 Jahren ein, ohne je einen Franken bezogen zu haben. Meine Krankenakten bei verschiedenen Krankenkassen sind komplett leer.
Auto-, Hausrat- oder Haftpflichtversicherungen erlauben immerhin, nicht jedes Risiko abzusichern, sondern mindestens teilweise auf die Eigenverantwortung zu setzen.
Ein anderer Punkt, der das Leben in Freiheit manchmal schwerer macht, ist das soziale Umfeld. Die meisten Menschen bemühen sich, nicht aufzufallen. Wir brauchen Mut, um eigene Wege zu gehen und Dinge anders zu handhaben als eine Mehrheit oder die Menschen in unserem näheren Umfeld.
Freiheit ist also nicht absolut für jeden gleich vorhanden. Wir können uns mit der im vorgegebenen Rahmen möglichen Freiheit begnügen oder wir gehen zumindest teilweise eigene Wege, die ihren Preis haben. Denn Freiheit kann auch bedeuten, Risiken einzugehen, die wir in Eigenverantwortung tragen.
Freiheit durch Verzicht
Freiheit kann auch Verzicht bedeuten. Das habe ich erlebt, nachdem ich meinen letzten Job im Angestelltenverhältnis gekündigt hatte.
Die Kündigung war für mich unabdingbar, da ich Veränderungen an meinem bisherigen Arbeitsplatz nicht mehr mit meiner Vorstellung von Integrität in Einklang bringen konnte. Bereits während der Kündigungszeit wurde mir klar, dass ich nun für mich eine gründliche Standortbestimmung brauchte, um den besten Weg für meine berufliche Zukunft herauszufinden. Ich konnte nicht mehr so weitermachen wie zuvor und ich wollte mir dafür genügend Zeit einräumen muss.
Die regionale Arbeitsvermittlung (RAV) erwartet, dass ein Arbeitnehmer sich möglichst direkt nach einer Kündigung als arbeitslos anmeldet. Um zu sehen, welche Unterstützung ich erhalten könnte, habe ich meinen Termin dort wahrgenommen.
Leider wurde mir sofort klar, dass ich zwar pauschal festgesetzte Bedingungen zu erfüllen hatte, echte Unterstützung für einen für mich passenden Weg war jedoch nicht zu erwarten. Es sollte einfach darum gehen, dass ich möglichst schnell wieder irgendwo einen Job habe. Dazu erhielt ich die beiden Aussagen
- „Zu gut darf man nicht sein. Das will der Arbeitsmarkt nicht!“
- „Sie sind bereits über 50 Jahre alt. Das wird schwierig!“
Was sollte ich damit nun anfangen?
Ich habe mich daraufhin für mich mit meinen Fähigkeiten und mit meiner Lebenserfahrung entschieden und mich beim RAV gleich wieder abgemeldet. Damit konnte ich mir den Freiraum schaffen, um meinen eigenen Weg zu finden. Die Konsequenz war allerdings, dass ich damit auf den Bezug des Arbeitslosengeldes verzichtet habe.
Heute, mit einigen Jahren Abstand, kann ich sagen, dass diese Entscheidung genau richtig gewesen ist. Ich würde es wieder so tun. Lieber schränke ich mich materiell stark ein und kann dafür frei über meinen Lebensweg entscheiden. Diese Freiheit hatte zwar einen Preis. Sie war für mich aber der Beginn meines Freifluges zur Selbstentfaltung und damit den Verzicht für mich reichlich wert.
“Freiheit ist nicht das Fehlen von Verpflichtungen, sondern die Fähigkeit, sich zu entscheiden – und sich zu verpflichten – für das, was das Beste ist.”
Paulo Coelho
Artikelserie „Integrität“
Ursprünglichkeit – Erinnerung an Zuhause
Klarheit – Eindeutigkeit der eigenen Werte
Ehrlichkeit -Parameter für Integrität
Authentizität – ganz sich selbst sein
Vollkommenheit – Schönheit der Schöpfung
Eigenverantwortung – mein Leben selbst in der Hand
Unerpressbarkeit – eigenen Werten verpflichtet
Manipulationslosigkeit – aktiv und passiv
Kompromisslosigkeit – ein Gewinn für beide Seiten
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