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Der Playofffinal 2014 zeigt uns wieder einmal die schier unglaublichen Fortschritte des Schweizer Eishockeys. Nur Felix Hollenstein und Walter Scheibli sind verlässliche Grössen geblieben.
Im Sommer 1996 gibt es eine logische, risikolose Prognose: Kloten wird mit Leitwolf Felix Hollenstein wieder Meister. Viermal hintereinander haben die Klotener den Titel geholt und es gab keine Anzeichen für das Ende der bis heute letzten Dynastie unseres Hockeys.
Aber Kloten ist seither nie mehr Meister geworden. Doch Felix Hollenstein ist immer noch dabei. Jetzt als charismatischer Bandengeneral. Er kann als dritter Schweizer Trainer seit 1962 die Meisterschaft gewinnen. Die zwei anderen sind Bibi Torriani (1962 mit Visp) und natürlich Arno Del Curto (2002, 2005, 2007, 2009 und 2011 mit dem HC Davos).
Im Sommer 1996 ist Walter Scheibli die Stimme von Radio 24 und der populärste Sportreporter im Grossraum Zürich und hat bei den ZSC-Fans bereits Kultstatus. Dass Felix Hollenstein Kloten treu bleiben und im Frühjahr 2014 sogar Klotens Cheftrainer sein könnte, das war 1996 denkbar. Dass Walter Scheiblis Popularität 2014 ungebrochen sein würde, das war 1996 auch denkbar. Alles andere nicht.
Marc Crawford gewinnt 1996 im Alter von 35 Jahren mit Colorado den Stanley Cup. Er ist der vielversprechendste junge Bandengeneral der NHL. Ein möglicher neuer Scotty Bowman. Dass er 2014 in der Schweiz an der Bande eines Teams namens ZSC Lions stehen würde, das war schlicht nicht denkbar.
Arno Del Curto wird im Sommer 1996 Trainer des HC Davos. Dass er der erfolgreichste Trainer des 21. Jahrhunderts werden würde, das war schlicht nicht denkbar.
Bei der B-WM 1996 verpassen die Schweizer den Wiederaufstieg in die A-Gruppe. Dass wir 2013 im WM-Final stehen würden, das war schlicht nicht denkbar.
Der arg verschuldete ZSC hat im Frühjahr 1996 unter Trainer Larry Huras gerade noch die Playoffs geschafft. Dass der «Zett» im 21. Jahrhundert eines der erfolgreichsten und mächtigsten Hockeyunternehmen Europas werden, ein NHL-Team besiegen und ausgerechnet Kloten 2014 unter der Bezeichnung «ZSC Lions» im Playofffinal fordern würde, das war schlicht nicht denkbar.
Im Sommer 1996 ist Martin Gerber beim NLB-Team SC Langnau noch nicht einmal die Nummer 1. Dass er 2014 im Alter von fast 40 Jahren als Stanley-Cup-Sieger und mehrfacher Dollarmillionär bei den Kloten Flyers im Playofffinal gegen die ZSC Lions der wichtigste Grund für die Klotener Titelhoffnungen sein würde, das war schlicht nicht denkbar.
Wenn wir wissen, was vor 18 Jahren war, dann reicht die Fantasie wohl nicht aus, um sich vorstellen zu können, was in 18 Jahren in den Playoffs 2032 sein wird. Erstmals seit 2014 lautet die Finalpaarung wieder einmal ZSC Lions gegen Kloten Flyers.
Felix Hollenstein ist Ehrenpräsident der Flyers und der erste Schweizer, der als Spieler, Trainer und Präsident mit dem gleichen Klub Meister geworden ist. Walter Scheibli (99) sagt in der Loge des Hallenstadions zu Walter Frey (89): «Dass wir alten Hockey-Chläuse das noch erleben dürfen…»
Der EHC Visp, längst im HC Wallis aufgegangen, ist unter Trainer Mike Babcock (68) als Titelverteidiger in den Viertelfinals am EHC Biel mit Stanley-Cup-Sieger und Dollarmultimillionär Reto Berra (45) im Tor gescheitert. HCD-Trainer Arno Del Curto (75) setzt Präsident Reto von Arx (56) unter Druck und sagt in der Onlineausgabe der «East Mountain Post» (früher «Südostschweiz»): «Entweder investieren wir jetzt eine Million in Transfers oder ich trete als Trainer zurück.»
Verbandspräsident Adrian Fetscherin übergibt Klotens Captain Kay Schweri (35) den Meisterpokal und sagt im TV-Interview tief gerührt: «Heute ist mein Traum in Erfüllung gegangen.» Am Rande der Meisterparty verrät Berns streitbarer Stadtpräsident und Nationalrat Marc Lüthi (SVP) zu später Stunde, dass er sich nochmals zur Wiederwahl stellt. «Der Chübel gehört nach Bern. Ich verlasse die politische Bühne erst, wenn wir in Bern den ersten SCB-Titel seit 2013 geholt haben.»
Ach, die Fantasie reicht nicht einmal für eine sichere Prognose für den Ausgang des Playofffinals von 2014. Trotzdem ein Tipp: Die ZSC Lions werden Meister. In sechs Spielen.