Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03354.jsonl.gz/1948

Pflanzenkohle ist kein Dünger, sondern vor allem ein Trägermittel für Nährstoffe sowie Habitat für Mikroorganismen. Um ihre bodenverbessernden Eigenschaften rasch und effizient zur Wirkung zu bringen, muss die Pflanzenkohle zunächst aufgeladen und biologisch aktiviert werden. Neben der Vermischung der Pflanzenkohle mit Kompost gibt es zahlreiche andere Methoden der Aktivierung und Herstellung Terra Preta ähnlicher Substrate.
Pflanzenkohle ist äußerst porös und besitzt eine enorme spezifische Oberfläche von teilweise über 300 m2 pro Gramm. Aufgrund der hohen Porosität vermag die Pflanzenkohle bis zur fünffachen Menge ihres Eigengewichtes an Wasser und den darin gelösten Nährstoffen aufzunehmen. Diese Eigenschaft nennt man die Adsorptionskapazität (AK) der Pflanzenkohle, die einerseits von der pyrolysierten Biomasse und andererseits von der Pyrolysetemperatur abhängt. Im Bereich von 450°C bis 700°C entstehen Pflanzenkohlen mit der höchsten Adsorptionskapazität.
Eine weitere wichtige Eigenschaft zur Erklärung der besonderen Nährstoffdynamik der Pflanzenkohle ist die hohe Kationenaustauschkapazität (KAK). Die KAK der Pflanzenkohle ist ein Maß für die Fähigkeit, positiv geladene Ionen (Kationen) an der Oberfläche der Pflanzenkohle zu binden und bei entsprechenden Verhältnissen wieder für Pflanzen und Mikroorganismen verfügbar zu machen. Die KAK hängt ebenfalls von der Oberfläche der Pflanzenkohle ab, ist aber eine chemische Größe, die durch Sauerstoff und Bodenkontakt zunimmt und erst nach einiger Zeit ihren Höchstwert erreicht. Eine hohe KAK verhindert das Auswaschen von mineralischen wie organischen Nährstoffen und sorgt insgesamt für eine höhere Nährstoffverfügbarkeit. Eine hohe KAK bindet zudem auch toxische Moleküle, wodurch das Bodenleben geschützt wird.
Die hohen AK und KAK der Pflanzenkohle führen dazu, dass sich die Pflanzenkohle hervorragend als Nährstoffträger eignet. Die von der Pflanzenkohle aufgenommenen Nährstoffe wiederum führen dazu, dass Mikroorganismen ideale Lebensräume in und um die Pflanzenkohle finden, was wiederum der gesamten mikrobiellen Belebung des Bodens und damit dem Potential für Symbiosen von Mikroorganismen und Pflanzenwurzeln zugute kommt.
Würde man Pflanzenkohle unbehandelt in den Boden einarbeiten, würden deren hohe Adsoptionsleistung und die wachsende KAK dazu führen, dass verfügbare Nährstoffe und Wasser im Boden von der Pflanzenkohle aufgenommen und fixiert würden. Dies wiederum würde zumindest in der Anfangszeit (einige Monate bis zu einem Jahr) und je nach Nährstoffgehalt des Bodens zur Hemmung des Pflanzenwachstums führen. Um dies zu verhindern, sollte die Pflanzenkohle vor der Eintragung in den Boden:
Es gibt viele verschiedene praktikable Verfahren zur Aufladung von Pflanzenkohle und damit zur Herstellung von Terra Preta ähnlichen Bodensubstraten. Je nach Standort, Kultur, Klima, und vorhandener Technik können diese jeweils angepasst und modifiziert werden. Viele dieser Verfahren sind historisch gewachsen oder entsprechen der guten landwirtschaftlichen Praxis. Es gibt kein allgemein gültiges Patentrezept (auch wenn bereits Patente angemeldet wurden…), sondern nur die folgenden grundlegenden Prinzipien:
Die folgenden vier Verfahren stellen Beispiele für eine praktische Umsetzung der Pflanzenkohle-Aktivierung für landwirtschaftlich relevante Mengen dar. Alle Verfahren lassen sich auch für den Kleingarten und sogar Balkon adaptieren:
Die Aufladung von Pflanzenkohle durch Zusatz und Vermischung mit Kompost stellt wahrscheinlich die beste Möglichkeit zur Herstellung von Terra Preta ähnlichen Substraten dar. Im Kompost ist die mikrobielle Belebung am höchsten, die Nährstoffe sind bereits in komplexen organischen Verbindungen eingebaut und das fertige Substrat kommt dem Humus des Bodens bereits sehr nahe. Allerdings ist Kompost nicht gleich Kompost, und die meisten verfügbaren Komposte sind qualitativ unbefriedigend. Schlechte Komposte müssen vom Boden erst langwierig „verdaut“ werden und führen zur Blockierung von Nährstoffen und zu mikrobiellem Ungleichgewicht. Wenn man sich über die Qualität des Komposts nicht sicher ist, sollte man zur Aufladung der Pflanzenkohle lieber auf eine der folgenden Varianten zurückgreifen. Guter Kompost muss eine Krümelstruktur ähnlich der von humuser Erde aufweisen und darf nicht schlecht riechen.
Am besten gibt man die Pflanzenkohle dem Kompost bereits beim Aufsetzen der Miete im Verhältnis von 10% zur Biomasse zu, wodurch die Nährstoffeffizienz des Komposts deutlich verbessert wird (siehe Abb). Häufiges Wenden ist sowohl für die Oxigenierung als auch für die homogene Nährstoffverteilung für die Aktivität der Mikroorganismen wichtig.
Der mit Pflanzenkohle hergestellte Kompost kann nach dem Ende der Rotte wiederum zur Aufladung von weiterer frischer Pflanzenkohle dienen. Zur Aktivierung der Pflanzenkohle kann aber auch reifer Kompost verwendet werden, der nicht mit Pflanzenkohle kompostiert wurde.
Schichten Sie die Pflanzenkohle im Volumenverhältnis von etwa 1:1 auf den reifen Kompost und feuchten Sie beides gut an. Vermischen Sie Pflanzenkohle und Kompost möglichst mit einem
Kompostwender. Dieser Vorgang kann mehrmals wiederholt werden, bis das Verhältnis von 1:1 erreicht wird. Die Mischung sollte mindesten 2 Wochen vor der Einarbeitung in den Boden erfolgen und
während dieser Zeit mindestens zweimal gewendet und immer gut durchfeuchtet werden.
.
Eine Mischung verschiedener Mistarten ist einer einzelnen Mistart vorzuziehen. Es sollte auf einen möglichst hohen Strohanteil geachtet werden. Da es sich bei der folgenden Methode nicht um eine Kompostierung handelt, sollte der Mist mindestens 1 Jahr gelagert sein. Am besten allerdings ist, wenn die Pflanzenkohle bereits im Stall als Einstreu für den Mist verwendet wird. Alternativ ist es auch möglich, die Pflanzenkohle regelmäßig in die Jauchegrube zu streuen.
Das Verhältnis Pflanzenkohle zu Viehmist sollte etwa 4 zu 1 betragen. Je nach Kultur und Nährstoffbedarf der Fläche kann dieses Verhältnis auch verkleinert werden.
Anstatt NPK-Düngern sollten vorzugsweise organische Flüssigdünger zur Aufladung verwendet werden. So eignet sich beispielsweise Harngülle ausgezeichnet zur Aufladung von Pflanzenkohle.
Bei Variante C kommt es nicht zur mikrobiellen Besiedlung, diese geschieht dann erst im Boden. Im biologischen Anbau ist die Variante mit mineralischem Handelsdünger nicht gestattet.
Die aktivierte Pflanzenkohle oder Terra Preta ähnlichen Substrate sollten oberflächlich in den Boden eingearbeitet werden. Falls die entsprechende Technik nicht verfügbar ist, kann das Substrat auch lediglich auf dem Boden verteilt werden. Die durch Würmer besorgte Durchmischung im Boden dauert dann etwas länger.
Fertige Terra Preta ähnliche Substrate, die mehr oder weniger nach einer der obigen Methoden hergestellt wurden, finden Sie in der Schweiz bei EM-Schweiz und in Deutschland bei Triaterra. Pflanzenkohle könnten Sie in Großmengen bei Swiss Biochar und in kleineren Mengen bei Growbox bestellen. Growbox vertreibt
zudem fertige Terra Preta Substrate in 30l-Säcken für den Schweizerischen
Markt.
Pflanzenkohle ist kein Dünger, sondern vor allem ein Trägermittel für Nährstoffe sowie Habitat für Mikroorganismen. Um ihre bodenverbessernden Eigenschaften rasch und effizient zur Wirkung zu bringen, muss die Pflanzenkohle zunächst aufgeladen und biologisch aktiviert werden. Neben der Vermischung der Pflanzenkohle mit Kompost gibt es zahlreiche andere Methoden der Aktivierung und Herstellung Terra Preta ähnlicher Substrate.
Via: http://www.ithaka-journal.net/wege-zu-terra-preta-aktivierung-von-biokohle