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Auch die Anwesenheit von zwei Lotsen hätte in der Unglücksnacht die Flugzeugkollision bei Überlingen nicht verhindern können, sagte die Verteidigung vor dem Bezirksgericht Bülach.Dieser Inhalt wurde am 25. Mai 2007 - 21:22 publiziert
An der Flugzeugkollision vom 1. Juli 2002 bei Überlingen mit 71 Todesopfern sei allein der inzwischen getötete Fluglotse schuld.
Die Verteidigung der angeklagten Skyguide-Mitarbeiter hat am Freitag an ihrer Strategie festgehalten, den inzwischen erstochenen Flugverkehrsleiter als einzigen Schuldigen zu bezeichnen.
Es sei nicht klar, was die Anklage seinem Mandanten überhaupt vorwerfe, sagte der Verteidiger eines angeklagten Skyguide-Experten. Sein Mandant habe keine Kompetenz gehabt, dem in der Unglücksnacht allein arbeitenden Fluglotsen in die Arbeit dreinzureden oder Ratschläge zu erteilen.
Sein Mandant habe davon ausgehen dürfen, dass der Lotse ein kompetenter Profi sei, während er selber nicht über eine abgeschlossene Fluglotsenausbildung verfüge.
Pflicht versäumt
Die Fehler, die zum Zusammenprall des Passagierflugzeugs der russischen Bashkirian Airline und der DHL-Frachtmaschine geführt hätten, habe nicht sein Mandant, sondern der Lotse gemacht. Bei der Kollision starben 71 Menschen, darunter 49 Kinder und Jugendliche.
Der Verteidiger eines operationellen Skyguide-Managers beschuldigte den im Februar 2004 von einem Russen erstochenen Lotsen einer Reihe fataler Fehler. Der Lotse habe von den umfangreichen Wartungsarbeiten an den Skyguide-Systemen gewusst, sich aber vor Arbeitsantritt in der Unglücksnacht nicht im Detail darüber orientiert.
Alles im Griff?
Techniker hätten ihn informiert, dass während die Haupttelefonleitung vorübergehend abgeschaltet würde. Auch habe der Lotse ruhig und nicht überfordert gewirkt.
Er hätte zudem das Problem mit dem nicht funktionierenden Nottelefon der Assistentin zur Lösung überlassen können, um sich auf die auf Kollisionskurs befindlichen Flugzeuge zu konzentrieren.
In seinem Schlusswort bedauerte einer der Angeklagten das Unglück und bat die Hinterbliebenen der Opfer um Entschuldigung, bezeichnete sich jedoch als unschuldig. Der andere Angeklagte verzichtete auf ein Schlusswort.
"Wider das Fairnessprinzip"
Der Verteidiger eines anderen Angeklagten beantragte dem Bülacher Gericht, die Aussagen, die der Fluglotsen vor seinem gewaltsamen Tod gemacht hatte, nicht zu verwerten. Denn die von ihm belasteten Angeklagten seien nie mit dem Lotsen konfrontiert worden.
Eine Verwertung der Aussagen würde das Fairnessprinzip verletzen, begründete der Verteidiger. Der Prozess wird nächsten Dienstag mit weiteren Plädoyers der Verteidigung fortgesetzt.
swissinfo und Agenturen
PROZESS ÜBERLINGEN
Drei Skyguide-Kaderangehörige, zwei Wartungs-Personen und drei weitere Mitarbeiter sind wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Störung des öffentlichen Verkehrs angeklagt, im Zusammenhang mit dem Unglück bei Überlingen, das 71 Leben gefordert hat.
Die Staatsanwaltschaft plädiert für bedingte Haftstrafen zwischen 6 und 15 Monaten. Alle 8 Angeklagten weisen die Verantwortung für die Kollision zurück.
Am 1. Juli 2002 war ein russisches Verkehrsflugzeug mit zahlreichen Schulkindern mit einem Frachtflugzeug im Luftraum über Überlingen kollidiert, für den Skyguide zuständig war.
Ein Verwandter von drei der Getöteten, der russische Architekt Vitaly Kaloyev, rächte sich darauf am damals diensthabenden Skyguide-Fluglotsen. Am 24. Februar 2004 erstach er ihn vor seinem Haus.
Ein Jahr später wurde Kaloyev der vorsätzlichen Tötung schuldig befunden.
SKYGUIDE
Über eine Million Flüge werden jährlich im Schweizer Luftraum registriert. Ob es um Starts, Landungen oder Überflüge geht - die Skyguide AG sorgt im Auftrag des Bundes für eine sichere und wirtschaftliche Abwicklung der zivilen und militärischen Luftfahrt.
Jährlich gibt es in der Schweiz über eine Million Flüge nach Instrumentenflugregeln - Landungen, Starts und Überflüge von grossen und kleinen, zivilen und militärischen Flugzeugen.
Die Skyguide AG hat ihren Hauptsitz in Genf. Sie beschäftigt an 14 Standorten, vor allem den Flughäfen Zürich, Genf, Bern, Lugano und Sitten, rund 1400 Personen, davon 140 Auszubildende.
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