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Momentanes Thema im Matheunterricht meines Sohnes: Geld. Kürzlich wurde in der Klasse ein imaginärer Flohmarkt organisiert: Jedes Kind sollte zwei Spielsachen mit in den Unterricht bringen und auf einem Post-It-Zettel anschreiben, wieviel diese kosten. Mein Junior pappte ein gelbes Zettelchen mit der Aufschrift «20 Franken» auf ein Kinderbuch. «Glaubst du wirklich, jemand zahlt zwanzig Franken für ein Buch?», fragte ich. «Klar», meinte er. «Das hat ja schliesslich viele Seiten.» Auch wieder wahr. Und ich als Mutter würde tatsächlich lieber eine Zwanzigernote für Michael Endes «Momo» hinblättern als für ein Star-Wars-Leuchtschwert, das nach spätestens einer Woche nicht mehr leuchtet.
Trotzdem: Mein Sohn hat null Ahnung vom Wert der Dinge. Wobei ich gestehen muss, dass ich auch immer wieder dazulerne, seit ich Kinder habe. Oder besser gesagt, mich gewisse Dinge immer wieder sprachlos machen. Ich meine, 45 Franken für ein Nintendo-Spiel? 100 für einen «Furby»? 120 für ein Paar Kinderschuhe? Hallo? Nun ja, jedenfalls schaffte es mein Sohn letzthin, sich von einem Sechstklässler überreden zu lassen, sein Skateboard gegen einen kaputten Fussball zu tauschen! Immerhin hat ers gemerkt, bevor ich ihm unter die Nase reiben musste, wie blöd das war.
Als ich nach Hause kam, fand ich ein heulendes Häufchen Elend vor, das von sich selbst behauptete: «Ich bin der dümmste Mensch der Welt!» Tja, wo er Recht hat… was ich ihm so selbstverständlich nicht sagte. Und etwas Gutes hat die Geschichte denn auch: Seit wir sein Skateboard wieder zurückgetauscht haben, hütet er es wie seinen Augapfel. Nichtsdestotrotz könnte er wohl nicht sagen, ob ein Päckchen Kaugummi nun zwei oder zwölf Franken kostet, oder ob ein Teddybär teurer ist als ein Velo (wobei ja auch das heutzutage gar nicht mehr so einfach zu sagen ist, wenn man Steiff-Tiere und Velobörsen in die Überlegung miteinbezieht). Und auch mein mantra-artiges Wiederholen des Satzes «Wenn es kaputt geht/du es liegen lässt/es gestohlen wird gibt es kein Neues» bleibt bei meinem Sohnemann erst dann hängen, wenn er eben mal so eine Erfahrung wie die mit dem Skateboard gemacht hat.
Genau deshalb finde ich auch, dass meine Kinder sich ihr Taschengeld verdienen sollten - damit sie den Wert desselben wenigstens etwas einschätzen können. Ich hatte schon unzählige Diskussionen mit anderen Müttern über dieses Thema. Die meisten finden, Sackgeld sollte nichts mit Leistung zu tun haben. Ich finde schon. Schliesslich ist es im Leben auch so: Wer krampft, kriegt Kohle. Ausserdem habe ich mit unserer Taschengeld-Regel ein Druckmittel gegen sie in der Hand (Ja, ich weiss, man sollte seine Kinder nicht erpressen. Aber es ist so viel einfacher und spart so viele Diskussionen): Positives wie Kochen oder Putzen helfen, Zimmer allein aufräumen oder eine halbe Stunde den Dreijährigen einer Freundin bespassen, damit wir in Ruhe Kaffee trinken können, gibt ein Plus auf der «Strichli-Liste», die in der Küche hängt. (Und ja, ein Sechser bei einer Prüfung gibt auch eines. Es gibt nichts, das mehr zum Lernen motiviert als Bares.) Negatives wie Fluchen, Streiten oder Schlagen gibt ein Minus auf der Liste. Jeder Strich ist Geld wert, am Sonntag wird jeweils Bilanz gezogen. Dabei kann schon mal vorkommen, dass einer der beiden auf Null ist - meistens der Jüngere.
Wenn es dann ums Ausgeben des Verdienten geht, sind meine Kinder grundverschieden. Die Grosse weiss meist sehr genau, was sie möchte, und spart, bis sie sich das leisten kann. Der Kleine fragt alle paar Wochen - wenn es genug klimpert in seinem Portemonnaie - ob er mich zum Einkaufen begleiten kann. Dann rast er wie ein Wilder zwischen den Spielzeug-Gestellen herum, zeigt auf diverse Sachen und fragt: «Habe ich genug Geld für das? Und für das? Und für das?» Meistens hat er das nicht, und auch dann kommt von mir immer die gleiche Frage: «Willst du nicht noch etwas sparen und dir dann was kaufen, das du wirklich willst, statt einfach für irgendetwas deine Kohle rauszuhauen?» Seine Antwort ist auch immer die gleiche: «Nein! Ich will jetzt öppis!» So kauft er sich regelmässig irgendwelches Zeug, das er nie wieder anschaut, wenn er ein, zwei Mal damit gespielt hat.
Vor ein paar Tagen wagte ich dennoch mal wieder den Versuch, ihm das Sparen nahezubringen: «Du sagst doch immer, du willst einmal reich werden. Aber reich wirst du nur, wenn du nicht immer gleich dein ganzes Geld ausgibst.» Darauf er: «Weisch, ich will ja gar nicht Geld-reich werden, sondern Spielzeug-reich!» Eins zu null für ihn.