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Dem Kinde einen Namen zu geben, der allen Generationen innerhalb der Familie passt, ist nicht möglich. Hört man als Grosseltern die Wahl, die getroffen wurde zum ersten Mal, soll man nickend schweigen, auch wenn man nicht einverstanden ist. Bevor aber ein solches Unglück geschieht, empfehlen wir, den werdenden Eltern die Statistik des Bundes vor Augen zu führen. Das Kind hiesse dann nicht nach einem Stadtteil («Brooklyn», wie ein Kind von David Beckham) und auch nicht nach einer Frucht («Apple», Kind von Gwyneth Paltrow), aber dafür müsste es sich in der Schule auch nicht rechtfertigen für die überbordende Fantasie seiner Eltern.
Im Jargon der Beamten tönt die Auswertung der Vornamen so:
«Seit 1987 wertet das Bundesamt für Statistik (BFS) im Rahmen der Analyse der Statistik der natürlichen Bevölkerungsbewegung die Vornamen der in der Schweiz geborenen Kinder aus. Diese Vornamen werden dem BFS jedes Jahr von den Zivilstandsämtern zusammen mit den demografischen Daten zu den Lebendgeburten in ihrem Zuständigkeitsgebiet übermittelt.»
Die männliche Vornamen-Hitparade 2014 tönt so:
Noah (338)
Leon (313)
Luca (288)
Levin (280)
David (265)
Elias (259)
Julian (259)
Tim (246)
Die weibliche Vornamen-Hitparade 2014:
Mia (312)
Lara (294)
Emma (293)
Laura (277)
Anna (271)
Sara (245)
Lea (244)
Leonie (234)
Hier ist nun der Moment, mit einem Irrglauben aufzuräumen: Anhand des Vornamens lässt sich nichts über die Intelligenz eines Menschen aussagen. Ausser er heisst Kevin, wie eine Leipziger Studie behauptet. Für die Schweiz gibt es keine vergleichbaren Daten.
Ronnys, Cindys und Mandys werden oft belächelt, verspottet und von Lehrern schlechter benotet, wie «Spiegel.de» schreibt. Eine neue Auswertung der Uni Leipzig zeige jetzt, dass alles nur halb so schlimm sei, denn die Namensverlierer schafften es trotzdem an die Hochschule. Nur für Kevins gebe es keine Entwarnung.
Kevins und Mandys haben schon viel einstecken müssen. Eine Studie nach der anderen habe gezeigt: Wer so heisse, habe es schwer in der Schule. Die befragten Lehrer trauten dem kleinen Kevin weniger zu als dem kleinen Jakob oder dem kleinen Maximilian. Ein teilnehmender Lehrer habe dazu sogar einmal geschrieben, dass Kevin kein Name sei, sondern eine Diagnose.
Die Sprachwissenschaftlerin Gabriele Rodriguez kenne all diese Ergebnisse und halte jetzt im Ostdeutschland-Teil der «Zeit»dagegen: Mandy, Peggy und Ronny hätten demnach zu Unrecht ein schlechtes Ansehen. Denn allein an der Universität Leipzig wären schon 380 Peggys, 217 Ronnys und 379 Mandys eingeschrieben gewesen. Ihre Statistiken würden beweisen, dass es viele Akademiker gebe, die solche stereotypen Vornamen tragen würden, sagte sie der Wochenzeitung.
Allein der Name sage nicht unbedingt etwas über die Herkunft aus: Englische Namen beispielsweise seien mal ein Trend der Mittelschicht gewesen. Vor allem in Ostdeutschland, sagte die Erziehungswissenschaftlerin Astrid Kaiser der «Zeit». Eltern würden nach Namen suchen, die aus dem Land ihrer Träume kämen. Viele Eltern in der DDR sehnten sich früher nach dem Westen, vor allem nach den USA, und hätten ihre Kinder Robby oder Sandy genannt. Dann hätten Menschen aus den unteren Schichten begonnen, diese Namen zu imitieren. Das Ost- und das Unterschichten-Phänomen hätten sich irgendwann vermengt.
Wer Sandy heisse, komme daher heute für viele automatisch aus einem armen Elternhaus. Viele würden die arme Sandy deswegen für dumm halten. Hinter dem Kevin-Peggy-Cindy-Robby-Spott stecke also eigentlich Sozialschichten-Arroganz. Die Mandys, Peggys und Ronnys der Republik würden die Zahlen vielleicht feiern, andere hingegen müssten noch weiter für ein besseres Image kämpfen: Bislang hätten erst 18 Kevins in Leipzig studiert, berichtet «Spiegel.de».