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Region
Seit dem 1. Januar 2013 haben die ehemaligen Gemeinden Safien und Tenna innerhalb, und Valendas und Versam ausserhalb des Aclatobels das Gemeinsame und Verbindende gefunden und bilden zusammen die Gemeinde Safiental.
Bereits um 1882 hat man erkannt, dass grosse Projekte nur gemeinsam möglich sind. Dies ermöglichte erst den Bau der Safier Talstrasse um 1882/85 mit der Öffnung des wilden Aclatobels für den Fahrverkehr. Denn historisch gesehen orientierte sich Safien früher über die „Stäga“ (Glaspass) am Marktflecken Thusis oder über den „Löchlibärg“ (Safierberg) am Säumerort Splügen, während Valendas nächst Ilanz der stattlichste Ort in der Gruob / Foppa war.
Das Gebiet von der Grossalp zuhinterst im Safiental bis hinaus nach Valendas wurde ursprünglich von Romanen bewirtschaftet. Auf diese Tatsache weist ein talaus immer dichter werdender Teppich romanischer Flurnamen hin, vom Piánätsch, dem Stafel auf der Grossalp, bis Palmaartscha, einer Gadenstatt westlich von Valendas. Safien, um 1314 als „Stosavia“ erstmals urkundlich erwähnt, wurde seit dem Mittelalter in vier „Pürten“ oder Nachbarschaften unterteilt: Malönnia (heute Thalkirch), Camana, Zalön (Platz) und Gün mit Salpänna (Neukirch). Die Hoheitsrechte übten nacheinander die Freiherren von Vaz, die Werdenberg-Sargans, die Herren von Rhäzüns und die Markgrafen von Trivulzio in Mailand aus. Für Grund und Boden war der weitaus grösste Teil der Safier dem Kloster Cazis zinspflichtig. Valendas, welches schon 765 in der Tello-Urkunde als „Valendanum“ erscheint, bildete im Mittelalter den Kern der Herrschaft Valendas, zu der ausser den Höfen Carrera, Brün, Turisch, Dutjen und Praada bis in die erste Hälfte des 17. Jahrhundert auch Versam gehörte.
Die urkundlich 1384 erstmals genannte „Kirchhöre zu Valendaus“ umfasste ehemals auch das Gebiet der heutigen Gemeinden Versam und Tenna. Seit dem Ende des 12. Jahrhunderts wanderten deutschsprachige Siedler aus dem Oberwallis, sogenannte Walser, in wenig bewohnte Hochtäler Bündens ein. Um 1300 stiessen Walser Kolonisten aus dem Rheinwald über den Löchlibärg und liessen sich im inneren Safiental nieder. Im Laufe des 14. Jahrhunderts rückten sie immer weiter vor bis hinaus nach Versam und auf die Valendaser Höfe. Hier trafen sie auf Walser, die von Obersaxen gekommen waren. Die Germanisierung griff im 15. Jahrhundert schliesslich auf das Dorf Valendas über. Gemeinsam ist den vier Gemeinden seit jener Zeit die walserdeutsche Sprache. Auf die unterschiedlich verlaufene Besiedlung weist die von Valendas taleinwärts abnehmende Entrundung hin: In Valendas stehen "scheeni hiischer" (schöne Häuser), in Safien aber "schööni hüüscher".
Als eine der ersten Gemeinden Bündens trat Valendas mit Versam schon 1523 zur Reformation über. Um die gleiche Zeit dürfte auch Tenna den neuen Glauben angenommen und sich von der Mutterkirche gelöst haben. Wenig später fasste die Reformation auch in Safien Tritt. Geblieben ist der heute noch fast ausschliesslich protestantischen Bevölkerung die damals einsetzende Vorliebe für alttestamentliche, biblische Vornamen wie Abraham, Anna, Daniel, Elisabeth, Johannes, Josua, Magdalena und andere.
Safien, Tenna, Valendas und Versam waren seit jeher von der Entvölkerung stark betroffen. Im 17. und 18. Jahrhundert folgten viele Burschen der Werbetrommel, die sie zum Solddienst in französische, holländische oder neapolitanische Regimenter rief. Im 18. und 19. Jahrhundert übten immer mehr Safier und Valendaser fern der Heimat den Beruf des Zuckerbäckers und Cafetiers aus, wobei die Städte der österreichisch-ungarischen Donaumonarchie ein beliebtes Ziel waren. Ab etwa 1830 setzte die Auswanderung nach Übersee ein. Im Frühjahr 1847 zogen allein aus der kleinen Streusiedlung Arezen im vorderen Safiental 28 Personen nach Amerika, um sich am Oberlauf des Mississippi neue Heimstätten zu schaffen. Ab 1875 brachen immer wieder Safierinnen und Safier nach Neuseeland auf, wo sie sich rings um den Mount Taranaki der Landwirtschaft widmeten.
Die Ergebnisse der Volkszählungen widerspiegeln den Verlust, den die Bevölkerung seit Generationen erlitt. Zählte man 1850 in Safien, Tenna, Valendas und Versam 1798 Personen, so sank deren Zahl bis 1980 auf den Tiefpunkt von 994 Personen. Wurde anno 1870 an siebzehn Orten unterrichtet, so werden heute nur noch in Safien Platz, auf Tenna, in Versam und Valendas Schulen geführt. Dafür bewältigen einige OberstufenschülerInnen zweimal pro Tag den längsten Schulweg im Kanton.
Der Bevölkerungsschwund scheint vorläufig stabil zu bleiben, leben heute rund 950 Personen in der Gemeinde Safiental.
Autor: Peter Michael-Caflisch, Arezen