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Hardinxveld-Giessendam – Leerdam – Meerkerk – Montfoort – Gouda – Dordrecht – Meerkerk
(Linge, Merwedekanaal bezuiden de Lek, Hollandsche IJssel, Nieuwe Maas, Merwede; 170 km, 6 Schleusen, 27 Hebe- und Drehbrücken)
Die erste Woche Oktober fahren unsere Freunde Kuno und Christina mit Tochter Lara mit uns. Wir haben für sie eine Route durch das sogenannte grüne Herz der Niederlande ausgesucht und beginnen unsere Reise in Meerkerk.
Der breite, aber ruhige Merwedekanaal bezuiden de Lek (Merwedekanal südlich des Lek) verbindet die Merwede mit dem Lek, gegen welche er je mit einer Schleuse abgeschlossen ist. Dazu zählt der Merwedekanal fünf Hebebrücken und eine drehbare Eisenbahnbrücke.
Nach der Schleuse von Vianen überquert man den Lek, einen weiteren Rheinarm, fährt in die altertümliche, riesige Koninginnensluis ein und dann weiter auf dem Merwedekanaal benoorden de Lek. Nach kurzer Fahrt biegt man hart über Backbord durch eine schmale Schutzschleuse in die kanalisierte Hollandsche IJssel (ausgesprochen «Eissel») ein. Sie heisst hier kanalisiert, weil sie durch die Koninginnensluis auf der einen Seite und durch Waaierschutsluis auf der anderen Seite gegen die Gezeitengewässer Lek und Hollandsche IJssel abgeschlossen ist. Sonst aber hat die Hollandsche IJssel nichts mit einem Kanal zu tun.
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Die kanalisierte Hollandsche IJssel ist ein schmaler Fluss, der sich durch eine holländische Bilderbuchlandschaft schlängelt. Links und rechts Weiden mit schwarz-weiss gefleckten Kühen, hin und wieder ein kleines Städtchen mit sauber herausgepützelten Häusern, die an eine überdimensionierte Puppenstube erinnern und dazwischen gepflegte Villen mit gediegenem Baumbestand.
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Ein weiterer sehenswerter Ort an der kanalisierten holländischen IJssel ist das Festungsstädtchen Montfoort mit grosszügigen Anlegemöglichkeiten längs dem Fahrwasser. Mitten im Städtchen steht die Sankt Johannes-Kirche, dahinter die Überreste einer alten Johanniter-Kommende, wo sich die Johanniter um Arme, Alte und Kranke kümmerten. Dass der Grasstreifen bei den Liegeplätzen von den Eingeborenen als Toilette für ihre vierbeinigen Lieblinge benutzt wird, ist der einzige Wermutstropfen, allerdings ein ziemlich übel riechender. Also, Wanderer, setzest Du in Montfoort Deinen Fuss an Land, halte die Augen offen, sonst trittst Du unweigerlich in dampfende Hundescheisse!
Immerhin sind die Liegeplätze gratis, was in Holland eher selten ist.
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Auf der Weiterfahrt nach Gouda machen wir einen Zwischenhalt im Städtchen Oudewater, 1575 von den Spaniern dem Erdboden gleich gemacht und hernach zur Hauptsache wegen der Seilerei wieder zu wirtschaftlicher Blüte gelangt. Ein hübsches Städtchen, das vor allem wegen seiner Hexenwaage Berühmtheit erlangt hat.
Das Gebäude, welches die Hexenwaage beherbergt, war 1595 als Waaggebäude errichtet worden. Hier wurde die Handelsware gewogen, hauptsächlich Hanf, welcher für die Seilerei gebraucht wurde. Bis ins 18. Jahrhundert wurden auch Personen gewogen, welche man der Hexerei beschuldigte. Man glaubte nämlich, Hexen seien nahezu gewichtslos, sonst könnten sie ja nicht auf einem Besen fliegen. Weil hier immer ehrlich gewogen wurde – was das Leben der «Hexen» rettete! – soll Kaiser Karl V. erlaubt haben, dass sein Wappen in der Fassade mit seinem Wahlspruch «Plus Oultre» angebracht wurde.
Heute ist hier ein Museum über den Hexenwahn untergebracht. Als Attraktion kann man sich auf den ursprünglichen Waagschalen wägen lassen und erhält ein altertümliches «Certificaet van Weginghe», also einen Waagschein. Seit dem 18. Jahrhundert ist das Durchschnittsgewicht der europäischen, ganz zu schweigen von der amerikanischen Bevölkerung dermassen gestiegen, dass von Besen-Flugtauglichkeit nicht mehr die Rede sein kann. Es hat doch alles sein Gutes.
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Wahrscheinlich als Kompensation zu den Hexen-Wägegebühren, welche jetzt nicht mehr anfallen, wird beim Verlassen von Montfoort ein Brückenzoll von 3 Euro 50 erhoben.
Der Brückenwärter lässt elegant einen an einer Angelrute befestigten Holzschuh auf das langsam vorbeifahrende Schiff hinüber schwingen.
Ein Mitglied der Schiffsbesatzung fängt den Holzschuh auf, legt das Geld hinein und der Holzschuh wird wieder eingezogen. Das funktioniert entschieden störungsfreier als eine Chipkarte…
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Vor Gouda passiert man eine Schleuse und befindet sich nunmehr auf Gezeitengewässer. Das merkt man schon ziemlich bald, wenn man am grosszügigen, neuen Schwimmsteg angelegt hat. Der Tidenhub, also der Unterschied zwischen Hoch-und Niedrigwasser, beträgt rund 1.60 Meter.
Gouda (ausgesprochen «Chauda») ist im Ausland vor allem wegen der grossen, runden Käselaibe bekannt. Ihren Wohlstand verdankt die Stadt aber nicht nur dem Käsehandel, sondern auch der Fabrikation von Tonpfeifen, Kerzen und Sirupwaffeln.
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Von Gouda fahren wir auf der (hier nicht kanalisierten) Hollandsche IJssel nach Dordrecht. Das Wetter zeigt sich von seiner holländischen Herbstseite, also nass, kalt und windig.
Dass sich Dordrecht von einer so unfreundlichen Seite zeigt, ist schade, denn die Stadt war einst, wie Jan Werner in seinem Törnführer für Südholland schreibt, für den Süden des Landes das, was Amsterdam für den Norden bedeutete, nämlich die grösste, wichtigste und reichste Hafen- und Handelsstadt des Landes.
«Die Stadt wurde gross und reich dank ihrer Lage am Schnittpunkt zwischen (Hoch-)See- und Flussverkehr; von hier konnte man die auf Seeschiffen herbeigeführten Waren über fünf Flüsse weiter verteilen: auf Merwede, Oude Maas, Noord, Wantij und Kil. Was die Schönheit der Stadt angeht, so gibt es von ähnlichem Rang andere auch, Haarlem oder Leiden etwa, was sie aber für Bootsfahrer über alle anderen hebt, das sind ihre einmaligen Stadthäfen.»
Wir übernachten im Hafen der Königlichen Ruder- und Segelvereinigung. Der Tidenhub beträgt hier noch etwa 90 cm.
Dordrecht ist noch heute einer der am dichtest befahrenen Schifffahrts-Knotenpunkte in ganz Europa, jedes Schiff, das auf dem Rhein nach Antwerpen oder Rotterdam fährt, kommt hier vorbei. Der Schiffsverkehr wird von einer Verkehrsleitzentrale aus überwacht, Schiffe über 20 Meter Länge müssen sich anmelden und die Route angeben, welche sie zu befahren gedenken. In unserem Fall erhalten wir als Antwort: «Kinette, Ihr Fahrwasser ist frei. Keine Besonderheiten. Bleiben Sie standby.»
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Von Dordrecht aus fahren wir am nächsten Tag auf einem der grossen Flüsse der Niederlande, der Merwede, stromaufwärts Richtung Gorinchem (ausgesprochen «Chorkem»). Wir sind hier wieder auf einer der grossen Verkehrsadern Europas.
Mit dem richtigen Schiff, den modernen Kommunikationsmitteln und der notwendigen Erfahrung ist das schlicht und einfach «huere geil!» Für unsere nicht-schweizerischen Leser: Das ist ein nicht-salonfähiger Ausdruck, der, in anständiges, aber leider etwas farbloses Deutsch übersetzt, etwa lauten würde: «Das ist nicht mehr zu toppen!» Denn im Gegensatz zu einer Autobahn gibt es hier keine Leitplanken, keine Elefantenrennen und keine notorischen Überholspur-Heinis, sondern einen breiten Fluss mit natürlichen Ufern und Schiffskapitäne, die miteinander per Funk kommunizieren. Huere geil eben!
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Gorinchem, das malerische Festungsstädtchen, in welchem wir einen ganzen Winter verbracht haben, ist über zwei Schleusen erreichbar. Der «Transit» benützt die grosse Merwedeschleuse, Jachten und kleinere Schiffe, welche den Lingehaven ansteuern, benützen die Jachtenschleuse.
Wir müssen wegen unserer Grösse die grosse Merwedeschleuse benützen und dann von der anderen Seite rückwärts unter der Kornbrücke in den Lingehaven fahren.
Wir haben dieses Manöver schon so oft gefahren, dass es mittlerweile Routine geworden ist. Wenig später legen wir exakt an jener Stelle an, wo wir den Winter 2009/10, im Eis eingefroren, verbrachten.
Aber jetzt ist es nur für eine einzige Nacht, und wir beschliessen den Tag mit einem Rundgang auf den alten Festungswällen.
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Am nächsten Morgen laufen wir gegen Mittag aus dem Lingehaven aus. Trotz Sturmböen und Regenschauern erreichen wir den Ausgangshafen unserer Reise, Meerkerk, wohlbehalten. Kuno, Christina und Lara gehen hier von Bord, während wir bereits am folgenden Tag wieder auslaufen werden. Wir haben mit unseren Freunden Nell und Frits van Geijtenbeek mit ihrer «Shell V» in Rotterdam abgemacht. Mit ihnen wollen wir die alten Hafenstädte Delft, Leiden, Haarlem und Amsterdam anlaufen, bevor wir uns ins Winterquartier zurückziehen. Von dieser Reise wird unser nächster Bericht handeln.
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Frankreich mit seinen idyllischen Wasserstrassen, der kulturellen Vielfalt und der abwechslungsreichen Landschaft hat seinen Reiz. Aber was die Fahrmöglichkeiten betrifft, sind die Niederlande unübertroffen. Ein dichtes Netz von gut unterhaltenen Wasserwegen durchzieht praktisch das ganze Land und man hat bei der Routenwahl alle Möglichkeiten.
Am letzten Abend stellen unsere Freunde fest, dass sie in einer einzigen Woche die ganze Palette von Fahrwassern erlebt haben: Den breiten, aber landschaftlich hübschen Merwedekanal, die schmale kanalisierte Hollandsche IJssel mit ihren schmucken Städtchen, dann die Fahrt auf der Hollandsche IJssel als Gezeitengewässer von Gouda nach Dordrecht, zwei bedeutenden Städten mit je einer gepflegten Altstadt, Dordrecht als einen der am dichtest befahrenen Schifffahrts-Knotenpunkt in Europa überhaupt und schliesslich die breite Merwede, einen Rheinarm mit viel Berufsverkehr.
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Aus dem Logbuch
- Meerkerk. Langes Ufer mit Pollern zwischen Windmühle und Dorf. Stromkästen (nur mit Schlüssel via www.walstroom.nl) Sonst keine Einrichtungen. Gratis. Die üblichen Einkaufsmöglichkeiten im Dorf. Kleiner Markt am Samstagmorgen.
- Montfoort. Langes Grasufer mit Holzpflöcken. Keine Einrichtungen. Gratis. Achtung! Hundekot! Die üblichen Einkaufsmöglichkeiten.
- Gouda. Liegemöglichkeiten auf der Hollandsche IJssel (Gezeitengewässer) oder im Stadtinnern (Turfsingelgracht). Strom (16 Ampère) und Wasser. Kostenpflichtig. Alle Einkaufsmöglichkeiten.Zahlreiche Sehenswürdigkeiten und Museen. Markt
- Dordrecht. Verschiedene Häfen. Teilweise gratis (Wolwevershaven, nur für historische Schiffe), teilweise kostenpflichtig (Koninklijke roei- en zeilvereniging). Alle Einkaufsmöglichkeiten. Zahlreiche Sehenswürdigkeiten.
- Gorinchem. Liegemöglichkeiten entweder im Lingehaven selbst (von der Merwede aus erreichbar über die Jachtensluis) oder am Hafendijk, erreichbar von der Grote Merwedesluis aus. Strom (16 Amp) und Wasser. Kostenpflichtig. Alle Einkaufsmöglichkeiten. Sehenswertes Stadtmuseum. Unser Ausgehtipp: Restaurant Merwezicht beim Hafengebäude, 12 Punkte im Gault Millau; ein in jeder Beziehung erfreuliches Etablissement.