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Mauritius-Taube
Nesoenas mayeri
© 1992 Markus Kappeler
(erschienen in der WWF Gedenktaler Kollektion)
Die Mauritius-Taube (Nesoenas mayeri) kommt einzig auf der Insel Mauritius im Indischen Ozean vor und gilt als eine der seltensten und gefährdetsten Vogelarten der Erde. Wegen der hübschen hellrosa Färbung von Kopf, Hals und Unterseite wird sie auch «Rosentaube» genannt.
In ihrem Verhalten unterscheidet sich die Mauritius-Taube kaum von den anderen Familienmitgliedern. So ist sie hinsichtlich ihrer Nahrung wenig wählerisch: Sie nimmt Blätter, Knospen, Blüten, Früchte und Samen einer Vielzahl einheimischer wie eingeführter Pflanzenarten zu sich. Ihr Nest, eine einfache Konstruktion aus dürren Zweigen, bauen Männchen und Weibchen gemeinsam im Geäst eines Baums. Und das Gelege besteht gewöhnlich aus nur zwei Eiern.
Als sich im 16. Jahrhundert die ersten europäischen Siedler auf Mauritius niederliessen, da erwies sich das üppige tropische Inselparadies als ausserordentlich zerbrechliches Ökosystem. Schon nach wenigen Jahren waren viele der einzigartigen Insellebewesen für immer verschwunden - darunter der legendäre flugunfähige Dodo (Raphus cucullatus)
.
Beinahe hätte dieses Schicksal auch die Mauritius-Taube ereilt. Schon seit 1830 wird ihr Bestand als «kritisch» eingestuft. In den fünfziger Jahren unseres Jahrhunderts fanden dann erstmals genaue Bestandsabklärungen statt. Sie ergaben eine Populationsgrösse von 40 bis 60 Tieren. 1976 überlebten sogar nur noch 23 der rosafarbenen Tauben, und zwar allesamt im Südwesten der Insel im Bereich eines etwa 2,5 Hektar grossen Wäldchens aus Japanischen Rotzedern.
Die bedrohliche Situation der Mauritius-Taube ist auf mehrere Ursachen zurückzuführen. Von diesen dürfte die grossflächige Rodung der Wälder auf Mauritius und damit die Zerstörung des Lebensraums der Taube wohl am schwersten wiegen. Der ursprüngliche Wald, der einst die gesamte Insel bedeckt hatte, war 1980 auf einige wenige Restflächen zusammengeschrumpft.
In starkem Mass leiden die einheimischen Vogelarten seit jeher auch unter dem Einfluss der vielen vom Menschen eingeführten oder eingeschleppten Tierarten. Zu nennen sind vor allem der Javaneraffe (Macaca fascicularis)
, die Hausratte (Rattus rattus)
, der Indische Mungo (Herpestes edwardsi)
, die Hauskatze und der aus Indien stammende Hirtenstar (Acridotheres tristis)
. Diese Fremdlinge nehmen den ursprünglichen Inselbewohnern Nahrung und Nistplätze weg, machen Jagd auf sie und rauben ihre Eier und Nestlinge.
Schwerwiegend sind auch die Auswirkungen der Wirbelstürme, die von Zeit zu Zeit weite Teile von Mauritius verwüsten. Untersuchungen haben gezeigt, dass der Bestand der Mauriius-Taube durch die Wirbelstürme der Jahre 1960, 1975 und 1979 jeweils etwa halbiert wurde. Die Bejagung der Mauritius-Taube durch den Menschen scheint deren Artbestand hingegen nie ernsthaft gefährdet zu haben. Dies ist auf die Überzeugung der Inselbevölkerung zurückzuführen, dass das Fleisch der Taube ungeniessbar sei, weil diese gelegentlich auch die giftigen Früchte des Fangame-Baums verzehrt.
Die Mauritius-Taube ist schon seit vielen Jahren gesetzlich geschützt. 1974 wurde auch der grösste Teil ihres letzten Rückzugsgebiets unter Schutz gestellt. Und seit der Mitte der siebziger Jahre wird ferner die Zucht der Art in Menschenobhut betrieben. Die ersten zwölf Mauritius-Tauben, die man 1976 aus der freien Wildbahn fing, wurden auf Mauritius einerseits und im Jersey Zoo (auf der gleichnamigen Insel im Ärmelkanal) andererseits in grossen Flugkäfigen untergebracht. Nachdem die anfänglichen Haltungs- und Zuchtprobleme gelöst waren, gediehen beide Zuchtgruppen prächtig. Schon bald konnten weitere Zuchtgruppen in anderen Zoologischen Gärten, darunter im Vogelpark Walsrode (D), gegründet werden. Heute leben in Menschenobhut rund 150 Mauritius-Tauben.
Dieser erfreuliche Zuchterfolg ermutigte die Projektbetreuer dazu, im Botanischen Garten von Pamplemousses im Norden von Mauritius eine neue Kolonie freifliegender Tauben zu gründen. Der Ort schien für diesen Versuch besonders vielversprechend, weil dort eine grosse Zahl mächtiger Bäume den Vögeln ganzjährig genügend Nahrung, Schlaf- und Nistplätze bietet und die Störungen minimal sind. Im März 1984 wurde das erste Paar freigelassen, es folgten weitere, und 1992 konnte die erste erfolgreiche Brut verzeichnet werden. So besteht heute die berechtigte Hoffnung, dass die Mauritius-Taube dem traurigen Schicksal ihres ehemaligen Inselmitbewohners, des Dodo, entgehen wird.
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