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von
Stefan Haller
31. Dezember 2015
17:19
Das Festungsmuseum Reuenthal besitzt in der weiteren Region im Kanton Aargau über 60 militärhistorische Anlagen von der Tanksperre über Infanterieunterstände, Panzerabwehrwerke, Beobachtungsbunker, Kommandoposten, Sanitätsbunker bis hin zu grossen Infanteriewerken und Artilleriebunkern.
Die meisten dieser Anlagen stammen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Einige sind in späteren Jahren für die militärische Verwendung ausgebaut, modernisiert und mit leistungsstärkeren Waffen versehen worden, einige sind aber auch erst in der Zeit des Kalten Krieges errichtet worden.
Für interessierte Gruppen werden Führungen angeboten. Auskunft: Telefon +41 62 772 36 06 oder <email-pii>
Gut getarnt hinter Holzbeigen, unter einem Wäldchen, befindet sich im Villnacher Balmhübel ein als erhaltenswert eingestuftes militärhistorisches Objekt: Der ehemalige Kommandoposten der Grenzbrigade 5. In der Aktivdienstzeit (1939 bis 1945) wurden auch in unserer Region diverse Führungsanlagen und Infrastrukturbauten errichtet, unter anderem die Telefonschaltstelle Wallbach mit einem später angefügten Kommandotrakt.
Während der Epoche des Kalten Krieges (zwischen 1970 und 1980) wurden im Gebiet Wallbach weitere militärische Objekte erstellt. Erhalten geblieben ist auf der Parzelle 954 ein Exemplar der sogenannten «VOBAG-Unterstände», F5503, die im Kanton Aargau sehr selten sind sowie der Richtstrahl-ASU F5514, wie Titus Bürgi aus Brunegg schreibt. Bürgi ist beim VMFM Ressortleiter für militärhistorische Anlagen.
Bautechnisch interessantes Beispiel
Die ganze Wallbacher Anlage inklusive ihren Annexanlagen ist ein bautechnisch interessantes und verhältnismässig grosses Beispiel eines im Zweiten Weltkrieg errichteten Brigade-Kommandpostens, der komplett unter Fels erstellte wurde und von dem leidglich die Zugangsbauwerke im Waldbereich sichtbar sind.
Der 1940 als Telefon-Schaltstelle errichtete Bau (an die Gemeinde Schinznach angrenzend) wurde 1943 durch einen ausgebrochenen Verbindungsstollen, Kaverne und Frischluftstollen erweitert. Dieser Teil wurde zum Kommandoposten ausgebaut. 1960 wurde der Maschinentrakt erstellt, mit dem Abluftstollen erweitert und eine Netzersatzanlage installiert. Während des Kalten Krieges wurde die Anlage mit einem grossen Dispositiv von vorfabrizierten Unterständen umgeben.
Wandmalerei «Kartoffelanbauschlacht»
Im Zuge der Restrukturierung der Armee (Armee 95) wurde der Kommandotrakt obsolet, die Inneneinrichtung teilweise ausgebaut und die Eingänge und Stollenzugänge vandalensicher verschlossen. Die Schaltstelle für das Brigade-Telefonnetz wurde erst im Jahr 2014 stillgelegt. Die Anlage ist baulich in gutem Zustand, wie Titus Bürgi schreibt, sie ist mit einem Kanalisations- und Wasseranschluss versehen. Die Stromzufuhr befindet sich in einwandfreiem Zustand.
Erwähnenswert ist der Umstand, dass sich im Aufenthalts-/Speiseraum des Kommandotrakts eine Wandmalerei des bekannten Künstlers René Villiger aus Sins befindet. Ihr Titel: «Kartoffelanbauschlacht», die als erhaltenswert eingestuft wird. Solche Malereien in Festungswerken sind zwar nicht selten, sie gelten aber generell als erhaltens- und schützenswert.
Kein Museumsbetrieb geplant
Der Verein übernimmt die militärischen Objekte sowie die auf den Parzellen noch vorhandenen Bauten mit dem Zweck, dieses militärhistorisch wertvolle und im Aargau einzigartige Ensemble für die Nachwelt zu erhalten, originalgetreu zu restaurieren und wenn möglich mittels originaler Ausrüstungsgegenstände einzurichten. Dazu ist es gemäss dem Umnutzungsgesuch notwendig, die Zugänge freizulegen und wieder in den Originalzustand zu versetzen.
Ein regelmässiger Museumsbetrieb ist gemäss Titus Bürgi nicht vorgesehen. Die Objekte würden interessierten Gruppen und Institutionen gelegentlich mittels Führung zugänglich gemacht. «Die Objekte passen sich optimal ins Museumskonzept der Infrastruktur- und Führungsbauten der militärhistorischen Anlagen der VMFM Full-Reuenthal ein. Alle finanziellen Aufwände für den Kauf, die Restaurierung und den Unterhalt der Anlagen müssen aus den Eigenmitteln des Vereins bewältigt werden.»