Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03206.jsonl.gz/2121

Basel, 2012 n. Chr. - Ausgrabungen auf dem Münsterhügel
Wo graben wir?
Die archäologischen Untersuchungen finden in der Martinsgasse, auf dem Münsterplatz und in der Rittergasse statt.
Warum graben wir?
Durch archäologische Untersuchungen kann die Besiedlung des Münsterhügels 3000 Jahre zurückverfolgt werden. Hier hinterliessen Menschen bis zu drei Meter mächtige Kulturschichten, die Informationen zur Geschichte Basels liefern. Die Sanierung und Erneuerung der Werkleitungsbauten erfordert Bodeneingriffe, welche Teilbereiche dieses einzigartigen archäologischen Archivs zerstören. Die Archäologische Bodenforschung führt deshalb Rettungsgrabungen und baubegleitende Untersuchungen durch.
Bisherige Resultate der Ausgrabung:
Die Ausgrabungen erbrachten interessante Erkenntnisse zur Besiedlungsgeschichte des Münsterhügels: Auf dem Martinskirchplatz kamen Keramikscherben und Feuerstellen aus der frühesten Besiedlungsphase, der Spätbronzezeit (1300 –800 v. Chr.) zum Vorschein. Vor der Martinskirche wurden Teile der um 270/280 n. Chr. errichteten spätrömischen Umfassungsmauer ausgegraben, in welcher auch von älteren Gebäuden stammende und wieder verwendete Bauteile (Spolien) verbaut waren. Die Reste eines repräsentativen Steingebäudes mit komfortabler Fussbodenheizung (hypocaustum) datieren ebenfalls in spätrömische Zeit. Aus der Zeit zwischen dem 7. und 8. Jh. stammt ein frühmittelalterliches Steinplattengrab, das in der wahrscheinlich zu Beginn des 5. Jh. n. Chr. aufgegebenen und verfüllten Hypokaustanlage entdeckt wurde. Interessant ist die Nähe des Grabes zur Martinskirche, der ältesten Pfarrkirche Basels, denn die Bestattung könnte in Zusammenhang mit einer frühmittelalterlichen Kirche stehen, deren mögliche Existenz in der Forschung diskutiert wird. Von dem vom 11./12. Jh. bis 1816 auf dem Martinskirchplatz bestehenden Friedhof wurden weitere 175 Gräber dokumentiert.
Auch auf dem Münsterplatz wurden 26 Gräber archäologisch untersucht, die hauptsächlich aus der Zeit zwischen dem 10. und 12. Jh. stammen. Es war damals üblich, die Toten ohne jegliche Grabbeigaben zu bestatten. Die Nutzung des Platzes als Friedhof begann wahrscheinlich bereits um 800 n. Chr., als Bischof Haito einen Vorgängerbau des heutigen Münsters errichten liess. In der Nähe der Galluspforte des Münsters wurde eine ungewöhnliche Grube freigelegt. Sie war mit durch Hitzeeinwirkung rötlich verfärbtem Lehm verfüllt und hatte einen besonderen Verwendungszweck: 1493 wurde darin die Papstglocke, welche der Gegenpapst Felix V. während des Konzils von Basel (1431–1448) gespendet hatte, umgegossen, weil diese 1489 beim Läuten geborsten war.
Die archäologischen Untersuchungen an der Rittergasse erbrachten weitere Erkenntnisse zur spätkeltischen Befestigungsanlage. Erstmals konnte der Graben in seiner vollen Breite von 30 Metern erfasst und dokumentiert werden. Von dem einst imposanten, mindestens 12 Meter hohen Wall wurden an einer Stelle die untersten Lagen der Frontsteine sowie Spuren der Balkenarmierung im Innern freigelegt. Dieses Wall-Graben-System schützte um 80 v. Chr. die keltische Siedlung auf dem Münsterhügel, erfüllte aber auch repräsentative Zwecke. Aus römischer Zeit wurde unter anderem der Keller eines frührömischen Streifenhauses aus dem 1. Jh. n. Chr. entdeckt. Er hatte zur Lagerung von Lebensmitteln gedient. Auf seinem Boden lagen Scherben einer aus Lyon/F importierten Amphore, die höchstwahrscheinlich Fischsauce (garum) enthalten hatte – ein beliebtes Würzmittel der römischen Küche. Nicht weit entfernt stiess man an der Rittergasse 5 auf ein mittelalterliches Kellergemäuer, welches anzeigt, dass sich die Baugrenzlinien und der Verlauf der Strasse geändert haben.
Wie lange graben wir?
Die Ausgrabungen laufen voraussichtlich bis Ende Herbst 2012.
Hinweis
Der Infocontainer ist jeweils montags bis freitags von 8.00 bis 16.30 Uhr zugänglich.
Literatur
Eckhard Deschler-Erb und Andrea Hagendorn: Auf dem Münsterhügel. Die ersten Jahrtausende. Archäologische Denkmäler in Basel 5, Basel 2007.