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Ragusa (gro) Die im spanischen Valencia lebende, aus Argentinien stammende Künstlerin Hyuro (Bild: Die Kunstagentin, Köln) gehört mit ihren fein ziselierten, meist in Schwarz-Weiss gehaltenen Bildern zu den einflussreichsten Vertretern der StreetArt. Zusammen mit vier weiteren international beachteten Künstlern verwandelt Hyuro im September 2016 das im Südosten Siziliens gelegene Ragusa in ein Freilichtmuseum zeitgenössischer Kunst.
Unter Einsatz des Lebens den Abtransport blockiert
Hyuro widmet ihre Arbeit der aus Ragusa stammenden Anarchistin, Feministin und Pazifistin Maria Occhipinti. Sie hatte sich im Februar 1945, 23 Jahre alt und im fünften Monat schwanger, vor Militärfahrzeuge geworfen, um den Abtransport „abtrünniger“ Jugendlicher zu blockieren, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs als Kanonenfutter an wechselnden Fronten verheizt werden sollten.
„Südlichste Kunstaktion Europas“
Bei dem von der im äusserten Südosten Siziliens ausgerichteten FestiWall handelt es sich um die „südlichste Kunstaktion Europas“ heisst es in einem Bericht von Davide Bocchieri im „Giornale di Sicilia“ Zu den künstlerischen Mitstreitern gehören Agostino Iacurci und der deutschstämmige, in Venezuala geborene und aufgewachsene Graffiti-Künstler SatOne (alias Rafael Gerlach), der inzwischen hauptsächlich in München lebt.
Die Dame des italienischen „Anarchafeminismus“
Noch einmal zurück zu Maria Occhipinti: Die 1921 geborene Frau aus Ragusa, die 1996 in Rom das Zeitliche segnete, gilt als die grosse alte Dame des so genannten „Anarchafeminismus“. Das Vertrauen in die moderne Entwicklung ihres Heimatlandes Italien war begrenzt. Die alleinerziehende Mutter entschied sich jedenfalls dafür, ihre Tochter auf ausgedehnten Weltreisen grosszuziehen und ihr das Erleben weitestgehender Freiheit zu vermitteln. Occhipintis selbstverfasste Biografie „Eine Frau aus Ragusa“ erschien 1957. Das Buch blieb unbeachtet – bis es 1976 in zweiter Auflage zum Bestseller wurde und der Autorin den renommierten Brancati-Zafferana-Preis einbrachte.