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Homeschooling-Selbstportraits von Künstlerinnen- Teil 2
«Jedes Quäntchen, das wir an Unschuld verlieren, müssen wir mit einem Kilo Können gutmachen.»
Pipilotti Rist
Ein Selbstportrait ist etwas vom Persönlichsten das ein Künstler von sich preisgibt. In ihm zeigt er sich ungeschönt, gibt sich dem Betrachter preis, vermittelt ihm aber auch seine Geschichte, seine Stärken und Schwächen.
Mit der Erfindung der digitalen Photographie ist es heute einfach und beliebt geworden, Selfies von sich zu schiessen und auch zu verbreiten. ich glaube, die Menschen sind sich nicht bewusst, dass sie sich damit vor der Welt entblössen.
Heute will ich das Schaffen weiterer Künstlerinnen aufgreifen ohne eine bestimmte Reihenfolge und ohne Absicht auf ihre Bekanntheit. Dabei konzentriere ich mich auf die wesentlichen Merkmale ihrer Arbeit und gebe lediglich einen Überblick über ihr Leben.
Sinaida Serebrjakova Jewgenjewna 1884-1967
Èlisabeth Vigèe Lebrun 1755-1842
Sophie Taeuber-Arp 1889-1943
Elaine de Kooning 1918-1989
Leiko Ikemura geb. 1951
Helen Dahm 1878-1968
Frauen in der Kunst hatten und haben zum Teil noch heute Mühe, anerkannt zu werden. Ihnen wurde bis heute wenig Beachtung geschenkt. In der Welt der Männer konnte nur Fuss fassen, wer ihre Zustimmung und Unterstützung fand. Man reduzierte ihr Schaffen auf nützliche Dinge wie die Herstellung textiler Stoffe, Porzellan oder bestenfalls Bühnendekorationen. Dabei ist die Kunst von Frauen nicht weniger beeindruckend.
Erst als russische Malerinnen zu Beginn des 20sten Jahrhunderts sich selbstbewusst zu einer Künstlergruppe zusammenschlossen und sich an Manifestationen der frühen Avantgarde beteiligten wurden die Malerinnen beachtet. Sie sind vor allem am Aufbau der Geometrisch - Abstrakten - Kunst massgeblich beteiligt.
Sinaida Serebrjakova Jewgenjewna 1884-1967
"Am Frisiertisch"
Sinaida Serebrjakova Jewgenjewna geb. 1884 in Charkiw, Russland, (heute Ukraine), gest. 1967 in Paris war eine der ersten russischen Malerinnen. Ihr Vater war Bildhauer, ihre Mutter Malerin, einer ihrer Brüder, Architekt und ein weiterer ein angesehener russischer Künstler. Der Schauspieler Peter Ustinow ist mit ihr verwandt.
Peter Ustinow
Nach Aufenthalten in Italien und Studium in Paris malte sie etliche Bilder vom Landleben. nach der Oktober Revolution 1917 änderte sich ihr Leben. Ihr Mann Boris starb an Typhus. Sie blieb ohne Einkommen, war verantwortlich für ihre vier Kinder und ihre kranke Mutter. Alle Vorräte waren wärend der Revolution geplündert worden, so dass die Familie Hunger litt. Sinaida musste die Ölmalerei zugunsten der kostengünstigeren Techniken Kohle und Bleistift aufgeben. Zu diesem Zeitpunkt entstand das Gemälde "House of Card", das ihre vier vaterlosen Kinder darstellt.
Èlisabeth Vigèe Lebrun 1755 - 1842
Èlisabeth Vigèe Lebrun War schön und sehr erfolgreich. Leider geriet sie an einen Mann, der das ungeheure Vermögen, das sie mit der Portraitmalerei verdiente, am Spieltisch und im Puff verprasste. Er war es auch, der ihr die Wahl in die "Académie Royale" erschwerte, denn es war Kunsthändler Gattinnen nicht gestattet. Erst die Protektion Marie Antoinettes, von der sie ein Portrait erstellte, verhalf ihr zur Mitgliedschaft. Die Königin war dermassen beeindruckt, dass Vigèe- Lebrun Aufträge für zahlreiche weitere Portraits der königlichen Familie erhielt.
Die erfolgreiche Künstlerin wurde mehr und mehr von der Presse attackiert. man unterstellte ihr ein Verhältnis mit dem damaligen Finanzminister Colonne. Mit einem erfundenen Brief ruinierte man ihr Ansehen.
Èlisabeth floh am 6. Oktober 1789 nach der Erstürmung von Versailles im Zuge der Französischen Revolution mit ihrer Tochter nach Italien. Ihr gesamter Besitz wurde beschlagnahmt. Sie hielt sich mit dem Malen von Portraits über Wasser, reiste viel. In St. Petersburg machte sie Bekanntschaft mit der Zarenfamilie und Katherina der II., die sie förderte, sodass sie innerhalb von 6 Jahren ein beträchtliches Vermögen ansammeln konnte.
Zurück in Paris heiratete sie den Direktor des Königlichen Bolschoi Theaters, von dem sie später wieder geschieden wurde. Der kaiserliche Hof gab ihr ein Portrait der Schwester Napoleon Bonapartes, Caroline, in Auftrag.
Sie starb vermutlich an den Folgen einer Arteriosklerose 1842 in ihrer Wohnung und hinterliess etwa 600 Portraits, sowie 200 Landschaftsbilder, die man dem Klassizismus zuordnet.
Sophie Taeuber - Arp 1889 - 1943
Sophie Taeuber - Arp ist die Künstlerin, deren Konterfei viele Jahre lang auf der schweizer Banknote 50,- zu sehen war. Sie war Schneiderin, Architektin, Möbel Designerin, Zeichnerin, Tänzerin und Lehrerin und sie war die Frau von Maler, Bildhauer und Lyriker Hans Arp.
Auf ihren Selbstdarstellungen präsentiert sie sich gerne in den von ihr selbst entworfenen Kleidern.
Kopf von Hans Arp, von Sophie gestaltet
Neben ihrer Tätigkeit als Kunsthandwerkerin begann sie 1915 eine Tanzausbildung und tanzte in der Laban Gruppe der Künstlerkolonie auf dem Monte Verità oberhalb von Ascona im Tessin. Wärend einer Ausstellung in der Galerie Tanner lernte sie Hans Arp kennen. Beide begannen gemeinsam, mit elementaren Formen zu arbeiten. Sophie malte vollkommen ungegenständlich. Ihre Arbeiten werden der Konkreten, Konstruktiven Kunst zugeschrieben. Hans Arp führte Sophie in den Kreis der Dadaisten ein, wo sie mehrmals als Ausdruckstänzerin auftrat. Später war sie Mitunterzeichnerin des Dadaistischen Manifests in Zürich. Ihre berühmten Dada-Köpfe entstanden 1918.
Elaine de Kooning 1918 1989
Elaine Marie de Kooning war eine US-amerikanische Malerin, Grafikerin und Kunstkritikerin. Ihre Werke werden dem Abstrakten Expressionismus zugeordnet. Als Mitglied der New York School und Kunstprofessorin war sie massgeblich an der Entwicklung der modernen Kunst in Amerika beteiligt.
Sie war Gastprofessorin an zahlreichen Universitäten. Ihre Ehe mit dem niederländischen Maler Willem de Kooning war geprägt durch latente Armut, Streitereien und jahrelangen Alkoholexzessen, die allerdings ihre hohe künstlerische Produktivität prägte. Sie trennten sich um 20 Jahre später erneut zusammen zu finden.
Willem de Kooning
Leiko Ikemura geb. 1951
Leiko Ikemura ist eine Japanisch-schweizerische Künstlerin. Sie lebt heute in Köln und Berlin, DE, nachdem sie Stationen in Osaka, Salamanca, Granada und Nürnberg machte. Mit ihren schwebenden, märchenhaften Mädchenbilder und den kosmischen Landschaften wurde sie international berühmt. In Japan wird sie gefeiert als eine Künstlerin, die sich hier im Westen ihrer kulturellen Heimat bewusstwurde und eine Verbindung zwischen diesen geschaffen hat.
Helen Dahm 1878 - 1968
Sie wurde auf Schloss Rosenegg in Kreuzlingen geboren. Schon in jungen Jahren machte sie Bekanntschaft mit der Künstlergruppe "Der Blaue Reiter". (Kandinsky, Macke, Gabriele Münter, Marianne von Werefkin und Jawlensky), die sie stark beeinflussten. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie zunächst mit Produkt Design. Sie war liiert mit der Künstlerin Else Strantz, von der sie 1932 verlassen wurde. Nach der Trennung geriet sie in eine existenzielle Krise und zog mit ihrem Guru und weiteren Frauen in den Ashram von Meher Baba, Indien, auf der Suche nach einem spirituell erfüllten Leben. Als sie schwer erkrankte kehrte sie zurück und liess sich in Oetwil, Schweiz nieder.
Helen Dahm inszenierte sich als skurrile Einsiedlerin, die ihr Leben der Kunst opferte. Sie bewegte sich in allen Stilrichtungen, von der Spätromantik über expressive Blumenstilleben und Landschaften sowie naive, religiöse Motive, die allerdings ihre Käufer vor den Kopf stiessen.
Das kümmerte sie nicht. Mit fast 80 Jahren fand sie zur Abstraktion. 1954, kurz vor ihrem 80. Geburtstag, erhielt sie als erste Frau den Kunstpreis der Stadt Zürich. Nach ihrem Tod geriet sie in Vergessenheit.
Das wäre es für heute
Katharina