Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03433.jsonl.gz/756

In der Schleimhaut von Nase, Mund, Rachen und Kehlkopf sowie an den Speicheldrüsen können durch Entartung von normalen Zellen bösartige Tumoren entstehen. Als Hauptursache für Schleimhautkrebs der Mundhöhle, des Rachens und des Kehlkopfs gilt Rauchen, insbesondere in Verbindung mit hohem Alkoholkonsum, oder die Infektion durch Hochrisikotypen der humanen Papillomaviren.
Ausserdem, sind Epstein-Barr-Viren (EBV) eine häufige Ursache für Tumoren des oberen Rachens (Nasopharynx). Bei Krebs der Nasen(neben)höhlenschleimhaut wurde eine Assoziation mit der Exposition von Holzstaub beschrieben. Die Ursache der in den Speicheldrüsen entstehenden Tumoren ist unbekannt. Die wichtigsten Behandlungspfeiler der Therapie sind die Operation und die Strahlentherapie mit oder ohne Chemotherapie als alleinige Therapien oder in Kombination. Wird der Tumor früh entdeckt, stehen die Heilungschancen gut.
Bösartige Kopf-Hals-Tumoren respektieren die Gewebsgrenzen nicht und zeigen ein Wachstum in das umgebende Gewebe. Ebenso können sie Ableger (Metastasen) bilden. Je nachdem, aus welchem Gewebe sie entstehen, werden sie in verschiedene Typen eingeteilt:
Betroffen können alle Regionen von Kopf und Hals sein: Es gibt Tumoren in der Mundhöhle (Mundhöhlenkarzinome), im Rachen (Pharynxkarzinome), im Kehlkopf (Larynxkarzinome), in der Nase, den Nasennebenhöhlen sowie in den Speicheldrüsen. In seltenen Fällen werden nur Lymphknotenmetastasen ohne erkennbaren Primärtumor diagnostiziert.
Rund drei Prozent aller Krebserkrankungen in der Schweiz betreffen den Mund- und Rachenraum. Jährlich erkranken etwa 1‘150 Menschen in der Schweiz neu an Krebs der Mundhöhle oder des Rachens. Männer sind dabei besonders gefährdet: Sie machen mehr als zwei Drittel der Erkrankten aus. Allerdings steigt in den letzten Jahren die Zahl der erkrankten Frauen; Fachleute führen das darauf zurück, dass immer mehr Frauen rauchen. Meist betrifft die Erkrankung ältere Menschen. Bei Mundhöhlenkrebs etwa sind nur zehn Prozent der Erkrankten jünger als 50 Jahre und 35 Prozent älter als 70 Jahre. Insgesamt wird nach Schätzungen jedes Jahr bei 50 von 100‘000 Menschen in Mitteleuropa ein Kopf-Hals-Tumor entdeckt. In Ländern, in denen die Menschen viel Kautabak oder Betelnuss kauen, erkranken deutlich mehr Menschen an Tumoren im Kopf-Hals-Bereich. Dort gibt es häufig auch Tumoren am Zahnfleisch. In Mitteleuropa ist jedoch im Kopf-Hals-Bereich der Kehlkopfkrebs am häufigsten vertreten. Im Vormarsch sind seit einigen Jahren zudem die durch die sogenannten humanen Papillomaviren (HPV) hervorgerufenen Krebserkrankungen des Mundrachenraums. Die betroffenen Personen sind tendenziell jünger.
Jeder Krebs entsteht durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Als wichtigste Ursache für Kopf-Hals-Tumoren gelten der Konsum von Tabak und Alkohol, insbesondere in grossen Mengen und über einen langen Zeitraum hinweg. Kehlkopfkrebs etwa kommt bei Nichtrauchern und Nichtraucherinnen kaum vor. Lippen- und Zungentumoren entstehen häufig bei Pfeifenrauchenden. Konsumieren von Kautabak führt eher zu Krebs am Zahnfleisch oder an der Wangenschleimhaut. Beim Schleimhautkrebs im Bereiche des Mundrachenraums (der Gaumen- und Zungengrundmandeln) ist die Zahl der durch humane Papillomaviren (HPV) induzierten Tumoren in den letzten Jahren ansteigend. Viele dieser Patientinnen und Patienten konsumieren keinen Alkohol oder Tabak.
Weitere Risikofaktoren, die Krebs im Mund, Rachen oder Hals begünstigen:
Auch eine erbliche Vorbelastung erhöht die Gefahr, an einem Kopf-Hals-Tumor zu erkranken. Wer ein geschwächtes Immunsystem hat, etwa durch eine HIV-Infektion oder nach einer Organtransplantation, hat ebenfalls ein gesteigertes Risiko.
Jede körperliche Erkrankung kann auch mit psychischen Belastungen verbunden sein. Diese kann sich unter anderem in Sorgen, Anspannung, Gedankenkreisen oder Schlafstörungen zeigen und den Behandlungsverlauf erschweren. Falls Sie oder Ihre Angehörigen den Wunsch nach psychiatrisch-psychologischer Beratung und Unterstützung haben, stehen Ihnen unsere Fachleute im USZ gerne zur Verfügung.
Bevor ein Kopf-Hals-Tumor entsteht, sind teils Vorstufen (Präkanzerosen) erkennbar. Auffällig ist die Leukoplakie (Weissschwielenkrankheit, auch Leukokeratose genannt): In den Schleimhäuten des Mundes entsteht ein weisser oder rotweisser Belag, der sich nicht abreiben lässt. Die darin enthaltenen Zellen können Atypien entwickeln und schlussendlich zum Krebs werden. Meist verursachen die Vorstufen keine Beschwerden und werden deshalb oft nur zufällig entdeckt. Sie sollten auf jeden Fall kontrolliert und in den meisten Fällen auch behandelt werden.
Je nachdem, in welchem Bereich ein Tumor wächst und wie gross er ist, verursacht er unterschiedliche Beschwerden. In vielen Fällen bestehen zu Beginn kaum oder unspezifische Beschwerden.
Nicht abheilende offene Stellen in der Mundhöhle sind verdächtig für Mundhöhlenkrebs, weiterhin können bei grösseren Tumoren Schmerzen, Schwierigkeiten beim Sprechen oder Schlucken und eine Gewichtsabnahme auftreten. Tumoren im Bereiche des Rachens sind ebenfalls in vielen Fällen zunächst symptomarm und werden nicht selten anhand von vergrösserten Lymphknoten diagnostiziert. Hinzu können Symptome wie Ohrenschmerzen, eine blockierte Nasenatmung, eine Hörminderung durch einen Tubenmittelohrkatarrh kommen. Im Bereiche des Kehlkopfs sind klassische Symptome eine Heiserkeit sowie bei fortgeschrittenen Fällen Schluckstörungen oder Atemnot. Tumoren der Speicheldrüsen präsentieren sich durch eine Schwellung sowie in gewissen Fällen durch eine Gesichtsnervenlähmung.
In einem Gespräch erfragen wir erst einmal die Vorgeschichte und mögliche Risikofaktoren wie Rauchen oder intensiven Alkoholgenuss. Dann folgt eine körperliche Untersuchung. Mithilfe von Spiegeln und einem Endoskop schauen wir in den Mund, Rachen, Kehlkopf und in die Nase. Bei Verdacht auf einen Tumor der Mundhöhle, des Rachens und des Kehlkopfs folgt eine intensivere Untersuchung/Endoskopie in Narkose, um einerseits die Ausdehnung des Tumors beurteilen und Proben nehmen zu können, sowie weitere Tumorherde auszuschliessen Bei Speicheldrüsentumoren erfolgt die Diagnose in aller Regel durch eine Ultraschall-gesteuerte Entnahme von Zellmaterial (Feinnadelpunktion). Die Zell- und Gewebeproben werden unter dem Mikroskop auf Krebszellen untersucht.
Wichtig ist die Frage, ob der Tumor bereits gestreut und Metastasen gebildet hat. Kopf-Hals-Tumoren befallen meist zuerst die Lymphknoten. Mit einer Ultraschalluntersuchung (Sonografie) können wir überprüfen, ob sich die Lymphknoten vergrössert haben. Bei einem Verdacht entnehmen wir mit einer dünnen Nadel Zellen aus dem Lymphknoten, um sie mikroskopisch zu untersuchen.
Andere Methoden sind die Computertomografie (CT) und die Magnetresonanztomografie (MRT): Mit diesen Verfahren können wir uns ein detailliertes Bild machen, wie weit sich der Tumor ausgebreitet hat und ob es bereits Metastasen (Tochtergeschwulste) in anderen Organen gibt. Um die Blutgefässe detailliert sichtbar zu machen kann in seltenen Fällen auch eine Digitale Subtraktionsangiographie (DSA) zum Einsatz kommen. Bei manchen speziellen Fragen kommt auch eine Positronen-Emissions-Tomografie (PET) in Frage, welche mit einer Computertomographie oder einer Magnetresonanztomographie im Rahmen einer sogenannten PET/CT oder PET/MRT kombiniert wird.
Wenn Sie einem Kopf-Hals-Tumoren vorbeugen wollen, sollten Sie auf sämtliche Tabakprodukte verzichten – also sowohl auf Zigaretten und Zigarren als auch auf E-Zigaretten, Pfeife und Kautabak. Auch Alkohol sollten Sie nur in geringen Mengen trinken. Eine gute Mundhygiene ist ebenfalls wichtig. Wenn Sie – beispielsweise in der Jugend – geraucht haben, sollten Sie auch kleinere Beschwerden ernst nehmen und von uns kontrollieren lassen. Entdecken Sie wunde Stellen in der Mundhöhle, die nicht sofort abheilen, oder leiden über mindestens drei Wochen unter persistierender Heiserkeit, sollten Sie uns zu Rate ziehen. Regelmässige Kontrolltermine beim Zahnarzt oder der Zahnärztin sind ebenfalls empfehlenswert. Seit neuestem liegt auch ein Bluttest vor, der zur Früherkennung von HPV-bedingten Krebserkrankungen beitragen kann.
Die Prognose bei einem Kopf-Hals-Tumor hängt davon ab, wo genau der Tumor liegt und wie früh er diagnostiziert wird. Je früher ein Krebs behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Wird der Krebs in einem Frühstadium entdeckt, leben nach fünf Jahren noch 75 bis 90 Prozent der Erkrankten. Befindet sich der Tumor jedoch bereits in einem weit fortgeschrittenen Stadium, sinkt diese Rate. In einem fortgeschrittenen Stadium mit Fernmetastasen, beispielsweise im Bereiche der Lunge, ist eine Heilung meist nicht mehr möglich.
Viele Betroffene sind durch den Krebs in der Funktion (Sprache und Schlucken), teilweise auch in der äusseren Erscheinung beeinträchtigt. Eine psychosoziale Unterstützung während und nach der Behandlung hilft, die schwierige Zeit mit den Therapien und deren Begleiterscheinungen sowie auftretende Ängste zu verarbeiten. Ausserdem lassen sich mit Hilfe einer engmaschigen logopädischen Betreuung und ernährungsmedizinischen Beratung die durch Schluckprobleme verursachten Komplikationen vermeiden.
Es besteht auch die Möglichkeit einer begleitenden komplementärmedizinischen Behandlung.
Wie ein Kopf-Hals-Tumor behandelt wird, hängt von seiner Lage, seinem Tumorstadium und dem Gesundheitszustand der betroffenen Person ab. Tumoren der Mundhöhle sowie der Nasennebenhöhlen werde in aller Regel chirurgisch, teilweise gefolgt von einer Strahlentherapie (evtl. mit begleitender Chemotherapie) behandelt. Dasselbe trifft für Krebserkrankungen der Speicheldrüsen zu. Tumoren des Rachens und des Kehlkopfs können je nach Histologie, Tumorstadium, zu erwartenden Nebenwirkungen und Patienten- oder Patientinnenwunsch, entweder mit einer Operation oder einer Strahlentherapie mit oder ohne begleitender Chemotherapie behandelt werden.
Bei Kopf-Hals-Tumoren können sich Ableger bilden. In dieser Situation werden die Medikamente, am häufigsten Chemotherapie und/oder Immuntherapie eingesetzt mit dem Ziel, eine möglichst lange Krankheitskontrolle zu erzielen.
Ausserdem sind Chemo- und Antikörpertherapien, je nach Risikoprofil und Tumorstadium auch eine häufige Begleittherapie zur Bestrahlung mit den Zielen der Heilung und/oder Organerhaltung.
Im fortgeschrittenen Stadium kann Palliative Care zur Symptomoptimierung involviert werden.