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Die Medizinische Poliklinik bietet eine Sprechstunde für Patientinnen und Patienten mit Long-Covid an.
Unter Long-Covid wird eine länger (> 4 Wochen) anhaltende Symptomatik nach akuter Infektion verstanden. Grundsätzlich können dabei zwei grössere Gruppen unterschieden werden; in der Realität kommt es häufig zu Überschneidungen:
- Patienten nach einem schweren Verlauf, häufig mit Spitalaufenthalt oder Behandlung auf der Intensivstation, mit struktureller Schädigung von Organen (häufig Lunge, aber auch Herz, Niere, andere).
- Patienten mit einem eher milden Verlauf (keine Hospitalisation), die keine Organschäden entwickelt haben und häufig über verschiedene Symptome klagen, wobei eine Leistungsintoleranz und Müdigkeit häufig im Vordergrund stehen.
Die Sprechstunde der Medizinischen Poliklinik richtet sich primär an Betroffene der zweiten Gruppe.
Eine gewisse Müdigkeit nach einem viralen Infekt ist häufig. Diese kann auch einmal mehrere Wochen anhalten. In der grossen Mehrzahl der Fälle (wahrscheinlich bei > 90%) verschwindet diese im Verlauf spontan und es bedarf keiner weiteren Abklärungen.
Bei gewissen Symptomen ist allerdings Vorsicht geboten, da es sich um ein sogenanntes "post-virales fatigue syndrom" (postvirales Erschöpfungssydrom) handeln könnte. Bei dieser Erkrankung sind spezielle therapeutische Massnahmen notwendig, um das Chronifizierungsrisiko zu senken und einen möglichen Übergang in ein "chronic fatigue syndrom" (CFS), dem chronischen Erschöpfungssydrom, zu verhindern.
Bei folgenden Beschwerden sollten weitergehende Abklärungen diskutiert werden:
- Verstärkung der Müdigkeit/Malaise (Unbehagen) nach körperlicher oder kognitiver Anstrengung
- Gestörter oder nicht erholsamer Schlaf
- Konzentrations- oder Gedächtnisschwierigkeiten
- Kreislaufprobleme
- Wiederkehrend auftretende "grippale" Beschwerden wie Halsschmerzen, Myalgien (Muskelschmerzen), Gefühl von Fieber, schmerzhafte Lymphknoten
Eine Abklärung auf der Medizinischen Poliklinik umfasst ein Erstgespräch, eine Blutentnahme, eine grosse Lungenfunktionsprüfung sowie ein Gehtest, die Einschätzung der Lebensqualität sowie des Gesundheitszustandes anhand von validierten Fragebögen. Wir besprechen zudem alle Patienten an unserem interdisziplinären Long-Covid Board zusammen mit den Pneumologen und Infektiologen.
Im Anschluss daran wird entschieden, ob weitergehende Abklärungen notwendig sind (z.B. neurokognitive Abklärungen, Echokardiographie, Schlafstudie etc.) sowie ein Behandlungskonzept ausgearbeitet. Dabei setzen wir folgende Schwerpunkte:
- Ergotherapie zur Erlernung/Umsetzung des Pacings
- Physiotherapie bei dafür speziell geschulten Therapeutinnen (eine Verschlechterung der Symptome durch "falsches" Training gilt es dringend zu vermeiden, d.h. es darf nicht zu einer sogenannten "post exertional malaise" -PEM - kommen)
- Psychosomatische Behandlung von allfälligen sekundären Folgeerkrankungen (Angststörungen, sekundäre Despression)
- Stationäre Rehabilitation - falls nötig (in einer spezialisierten Klinik)
- Begleitung und Therapie der Patientinnen und Patienten durch das Team der Medizinischen Poliklinik in enger Absprache mit den zuweisenden Hausärztinnen und -ärzten sowie Beratung bezüglich Arbeitsfähigkeit