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«Das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden» (Joh 1,17). Das Gesetz wurde nicht gesandt, sondern durch Mose gegeben; eine Person kommt, das Gesetz aber wurde gegeben. Bevor Gott kam, gab Er das Gesetz.
Das Gesetz ist nicht die Offenbarung des Charakters Gottes; ihm diese Bedeutung zu geben, wäre unsinnig. Das Gesetz ist nicht ein Bild vom Wesen Gottes, sondern es hätte das Geschöpf kennzeichnen sollen. Wir können von Gott nicht sagen, dass Er den Nächsten liebe wie sich selbst. Hat denn Gott einen Nächsten? Das Gesetz ist der Ausdruck dessen, was das Geschöpf sein sollte. Würde hier auf der Erde von allen Menschen das Gesetz erfüllt, hätten wir wunderbare Zustände auf der Erde.
Christus war nicht nur nach dem Gesetz vollkommen. Er war weit mehr: Er hat die Sünder geliebt. Sich für andere hingeben bedeutet nicht nur, andere lieben wie sich selbst, sondern mehr als sich selbst. Als Geschöpf bin ich gehalten, meinen Nächsten zu lieben wie mich selbst; aber Christus war nach dem Gesetz nicht gehalten, für Sünder zu sterben. Was Er getan hat, übersteigt die Reichweite des Gesetzes. Als Christ soll ich so handeln, wie Christus gehandelt hat.
Christus kam aber, um den Willen Gottes zu tun: «Siehe, ich komme, um deinen Willen, o Gott, zu tun.» Seinen ganzen Willen zu tun, betrachtete Er als seine Aufgabe. So ist es auch für uns. Wir sind Geschöpfe, und als Geschöpfe schulden wir Gott alles, was seine Liebe von uns erwartet. Das Wort «Gebot» hat nichts an sich, das uns erschrecken muss. Gott hat für seine Kinder Gebote, die sie tun sollen, wie auch Christus Gebote hatte. Es handelt sich dabei nicht um ein Gesetz im Sinn des Alten Testaments, aber es sind doch Gebote. Die Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes (Röm 13,8): Wenn ich daher liebe, brauche ich kein Gesetz, aber ich benötige Gebote, die den Willen Gottes zum Ausdruck bringen.
Christus war kein Gesetzgeber, obwohl Er Gebote gegeben hat. Mose hingegen war der Gesetzgeber: Das Gesetz wurde durch ihn gegeben. Wir Christen haben es mit Gehorsam zu tun, nicht mit dem Gesetz. Ich nenne meinen Vater nicht Gesetzgeber, obwohl er mir Gebote gibt und ich seinen Geboten gehorche. Ich bin meinem Vater untergeordnet, und in gleicher Weise sind die Gläubigen Christus untergeordnet.
Das Gesetz wurde durch Mose gegeben, aber die Gnade und die Wahrheit sind durch Jesus Christus, durch seine Person, geworden. Damit wird ein deutlicher Gegensatz festgehalten. Gott selbst ist gekommen und hat die Gnade und den Frieden gebracht. Das Gesetz ist dem natürlichen Menschen gegeben, um ihm eine Verhaltensweise vorzuschreiben, durch die er lernt, was seine Aufgabe ist, und es droht mit Gericht, wenn er es übertritt.
Christus aber kam, als das Gesetz übertreten worden war und es den Übertreter verdammt hatte. Und Er brachte die Gnade und die Wahrheit. Die Wahrheit ist nicht das Gericht, obwohl sie uns dazu führt, uns selbst zu verurteilen. Sie macht alles offenbar, aber sie ist in Verbindung mit Gnade; wenn sie kommt, kommt sie mit der Gnade, sonst würde sie uns vernichten. Gott wird nicht «die Wahrheit» genannt, sondern Er ist der, von dem die Wahrheit kommt. In der Tat, Christus ist die Wahrheit, und durch Ihn sind alle Dinge ins rechte Licht gestellt worden.
Dass die Gnade und die Wahrheit gekommen sind, ist von grösster Bedeutung. Sobald ich Christus besitze, habe ich alles, was nötig ist zur Erkenntnis Gottes, aber auch zur Erkenntnis Satans, des Menschen und des Zustands meiner eigenen Seele, und in Ihm habe ich gleichzeitig auch vollkommene Gnade. In diesem Vers von Johannes 1,17 ist es unmöglich, die Wahrheit von der Gnade zu trennen, weil sich Gott in Christus offenbart hat. Gott ist Liebe; wenn sich daher Gott selbst kundmacht, dann muss Gnade dabei sein. Wäre die Wahrheit ohne das Kommen Christi gegeben worden, so hätte dies für uns Gericht bedeutet. Gott kann das Gesetz geben, ohne sich selbst zu offenbaren, aber wenn Gott kommt, dann müssen Gnade und Wahrheit erscheinen.