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geschrieben von Renate Cavelti geb. Endl (Enkelin)
Jicha Stefanie war eine sehr liebevolle herzliche Grossmutter, die für uns Kinder immer Zeit hatte.
Stefanie Stropek wurde 1920 in 1100 Wien geboren und wuchs dort als 7. von 8 Kindern auf. Aus dieser Zeit hatte sie uns immer erzählt, dass die Kinder in einem Zimmer schliefen und am Morgen die Betten wieder zusammengeklappt wurden. Als sie und Ihre Geschwister Jugendliche waren und auch in den Ausgang gingen, waren die Betten von denen, die am spätesten Heim kamen, immer diejenigen, die am Morgen als erstes aufstehen mussten, damit die anderen überhaupt zur Tür kamen.
1939 heiratete sie Anton Kapusta und mit Tochter Trude hatte sie für kurze Zeit ihre eigene Familie, denn ihr Mann musste bald in den Krieg einrücken, von wo er nie mehr zurückkehrte.
Stefanie ging alte Gebäude mit einer Drahtbürste reinigen, um eine „Schwerarbeiterkarte“ zu bekommen und genügend Essen für sich und Ihre Tochter zu erwirtschaften.
Als Wien von den Russen besetzt wurde, half sie Ihrer „russischen Hausmeisterin“ ihre Landsleute zu bekochen und wenn sie etwas für ihre Tochter benötigte, schickte die Hausmeisterin die Russen mit den Worten: “ Ich brauch Milch und Brot fürs Kind…“ So hatten die Beiden in der Zeit das, was sie benötigten.
Mit Franz Jicha hatte sie einen Lebenspartner gefunden und sie bauten in der Dirndlwiese in Langenzersdorf ein Haus.
Sie kochte immer gerne und sehr gut. Meistens für jeden seine „Sonderwünsche“. Ich kann mich an diverse Anlässe erinnern, wo ihre Geschwister mit deren Familien auf Besuch waren und sie für fast jeden das kochte, was sie gerne hatten.
Sie liebte es, die Welt kennen zu lernen, und ist mit „Hanni“ viel verreist. Zum Beispiel: Italien, Griechenland, Kuba, Russland, …..
Jedoch egal was sie vor hatte, wenn wir Enkel etwas benötigten, hatte sie immer Zeit und war für uns da. Ihr Motto war stets: „Die Aufgabe der Eltern ist, Kinder zu erziehen, und die der Grosseltern, die Enkel zu verwöhnen.“
Als Ihr Mann starb wollte sie nicht mehr im Haus leben und ist in ein Altersheim gegangen. So konnte sie verreisen wann sie wollte und musste sich nicht um Haus und Garten kümmern.
Auch im hohen Alter war sie immer gerne bei mir in der Schweiz.
Stefanie hatte schon sehr früh eine sehr starke Brille und mit den Jahren erging es Ihr wie Ihrem Vater und erblindete fast ganz.
Verstorben ist Sie 2011 im Alter von 91 Jahren im Altersheim Hollabrunn.
Ich denke heute noch oft an sie und vermisse die vielen Telefongespräche mit ihr und auch ihre Besuche in der Schweiz.