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Dreyfus, Yvan
Dr. Ivan Dreyfus
* 24. Juni 1884 in Aarburg
8. Februar 1975 in Neuilly-sur-Seine/Fr
Position: Torhüter
Vereinsstationen:
1906-1914 Servette FC
1920 Club Cercle Athlétique de Paris/Fr
Vereinserfolge:
Schweizer Meister 1907 (mit Servette FC)
Französicher Cupsieger 1920 (mit CA Paris)
Nationalmannschaft:
6 Länderspiele
Erstes Länderspiel: 8. März 1905 gegen Frankreich in Genf (1:2)
Letztes Länderspiel: 4. Mai 1913 gegen Belgien in Basel (1:2)
Diverses
1884 wurde Ivan Dreyfus als 18. Kind im aargauischen Aarburg geboren. Seine jüdische Familie war nach der Annexion des Elsass durch Deutschland in die Schweiz geflohen.
In England, wo er sich in Shrewsbury und Oxford ausbilden liess, kam er mit dem Fussballspiel in Berührung
Nach seinem England-Aufenthalt kehrte er zurück zu seiner in Nyon wohnhaften Mutter und begann in Genf ein Medizinstudium.
Er schloss sich dem örtlichen Fussballclub Servette FC an und gewann mit den Grenats in der Saison 1906/07 die erste Schweizer Meisterschaft für den Club (5:1 gegen den FC Basel und 1:0 n.V. gegen die Young Fellows Zürich in der Finalrunde um die Meisterschaft der Serie A)
Beim ersten offiziellen Heimländerspiel einer Schweizer Nationalmannschaft am 8. März 1905 gegen Frankreich stand Dreyfus im Tor, ebenso beim ersten Aufeinandertreffen mit Deutschland am 5. April 1908 in Basel (5:3). Bis 1913 hatte er insgesamt sechs Länderspiele für die Schweiz bestritten
Das Spiel gegen Deutschland (1:2) am 18. Mai 1913 in Freiburg im Breisgau verpasste er als Captain wegen Rheumaschmerzen
Als französisch-schweizerischer Doppelbürger musste er im ersten Weltkrieg Dienst für Frankreich verrichten. Nach Kriegsende gab er 1920 ein kurzes Comeback für den Club Cercle Athlétique de Paris und wurde mit diesem Club erster französischer Nachkriegs-Cupsieger. Der Torhüter war vor dem Viertelfinale erkrankt, der Club suchte kurzfristigen Ersatz. Dreyfus sprang ohne Training ein und bestritt erfolgreich den Viertel- und Halbfinal. Im Endspiel am 9. Mai 1920 gegen Le Havre gewann CA Paris, für den auch der Schweizer Nationalspieler Robert Pache kickte, mit 2:1. Dreyfus selbst übernahm den Pokal, füllte ihn mit Champagner und überreichte ihn seiner Frau.
Später leitete Dreyfus in Paris eine Klinik. Nach der Besetzung Frankreichs durch Nazi-Deutschland im zweiten Weltkrieg trat er in die "Résistance" ein. Am 12. März 1943 wurde er auf einer Mission verhaftet und in das Konzentrationslager Alderney überführt. Dreyfus wurde dort von den Alliierten nach einer Flucht befreit.
Während der Zeit im KZ hatte er sich als Arzt um Kranke und Verletzte gekümmert. Dafür wurde er später im Buckingham-Palast, durch die polnische Regierung und die russische rote Armee ausgezeichnet. Sein ältester Sohn Paul Dreyfus überlebte den Krieg nicht.
Nach dem Krieg übernahm Ivan Dreyfus die Leitung der renommierten Barth-Stiftung, die er 1973 an einen seiner Söhne übergab.
Nach einem Schlaganfall verstarb er im Jahr 1974 im Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine.
Quelle u.a.: "Arzt, Nati-Goalie, Widerstandskämpfer", Artikel Magazin "Zwölf" Ausgabe #76