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Auch Sterne werden geboren – sie entstehen, wenn sich Wolken aus Gas und Staub unter ihrer eigenen Schwerkraft zusammenballen. Sobald sich ausreichend Masse angesammelt hat, steigen Druck und Temperatur stark an. Wenn eine Temperatur von mehr als 15 Millionen °C und ein Druck von ungefähr dem 200 milliardenfachen der Erdatmosphäre erreicht sind, setzen Fusionsreaktionen ein: Jeweils zwei Atomkerne verschmelzen zu einem neuen Kern, wobei Masse in Energie umgewandelt wird. Diese strahlt der junge Stern ab.
Der Prozess der Sternentstehung ist allerdings komplexer als hier dargestellt, und die Astronomen verstehen ihn noch nicht vollständig. So ist etwa noch unklar, wie viele Sterne aus einer Wolke entstehen, wie massereich sie werden und wie viele Planeten sie umkreisen werden. Um diese Lücke zu schliessen, haben Astronomen der Europäischen Südsternwarte (ESO) während der letzten fünf Jahre eine riesige Karte von fünf nahegelegenen Sternentstehungs-Gebieten erstellt. Der VISIONS-Atlas ist aus nicht weniger als einer Million einzelner Infrarot-Aufnahmen zusammengesetzt.
Der direkte Blick auf die jungen Sterne ist nicht möglich, da sie durch den sie umgebenden Staub verdeckt sind. Im infraroten Spektrum, das durch die Infrarotkamera VIRCAM des in Chile stationierten VISTA-Teleskops eingefangen wurde, leuchten die gerade entstandenen jungen Sterne aber hell durch die Staubschichten.
Stefan Meingast, Astronom an der Universität Wien und Hauptautor der neuen Studie, die im Fachblatt «Astronomy & Astrophysics» erschienen ist, stellt in einer Mitteilung der ESO fest: «Auf diesen Bildern können wir selbst die schwächsten Lichtquellen erkennen, wie etwa Sterne, die weit weniger massereich sind als die Sonne. Damit können wir Objekte entdecken, die noch nie zuvor gesehen wurden.»
Das Forschungsteam hat laut Studienleiter João Alves von der Universität Wien so viele Daten gesammelt, dass es nun sogar möglich sei, die Bewegung der Sterne nachzuvollziehen. Man könne diese «Baby-Sterne» jetzt über mehrere Jahre hinweg beobachten und dadurch messen, wie sie ihre «Elternwolken» verlassen, erklärt Alves. Das sei kein leichtes Unterfangen, denn die scheinbare Verschiebung dieser Sterne sei von der Erde aus gesehen so gering wie die Breite eines Haares aus zehn Kilometer Entfernung.
Die im Atlas berücksichtigten Sternentstehungsregionen umfassen die Sternbilder Orion, Schlangenträger (Ophiuchus), Chamäleon, Südliche Krone (Corona Australis) und Wolf (Lupus). Sie alle sind weniger als 1500 Lichtjahre von der Erde entfernt und decken ein grosses Gebiet des Himmels ab.
Der VISIONS-Atlas habe einen enormen, nachhaltigen Wert für die astronomische Gemeinschaft, meint die an der Studie beteiligte ESO-Astronomin Monika Petr-Gotzens. Er werde Astronomen noch über Jahre hinweg beschäftigen und es werde eine Vielzahl von Projekten auf diesen Erkenntnissen aufbauen. So bilde der Atlas die Grundlage für künftige Beobachtungen, etwa mit dem Extremely Large Telescope (ELT) in Chile, das gegen Ende des Jahrzehnts in Betrieb gehen soll. (dhr)
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