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Geschichtliches zur Tracht
Die Trachten im Kanton Aargau, insbesondere wie sie im Fricktal und in Eiken getragen wird.
Quelle für nachfolgende Texte und Bilder: Trachten im Aargau, Aargauischer Trachtenverband
Die Entwicklung der ländlichen Trachten im Kanton Aargau ist eng verknüpft mit der geschichtlichen Vergangenheit der vier historischen Gebieten, Berner Aargau, Freiamt, Fricktal und Grafschaft Baden. Diese vier voneinander nicht nur in kultureller Hinsicht verschiedenen Regionen wurden im Jahre 1803 zum Kanton Aargau zusammengefasst.
Die Trachten im Aargau, wie auch in der übrigen Schweiz, entwickelten sich in der zweiten Hälfte des 18. und ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Wenn hier von Trachten die Rede ist, sind vor allem die Frauentrachten angesprochen. Die Tracht war das Kleid, in dem man lebte, und nicht nur ein schönes Gewand für Feste und heitere Tage. Sie war, je nach der sozialen Stellung ihrer Trägerin, einmal bescheiden und zweckmässig, ein andermal mit kostbarem Schmuck und Zierart ausgestattet. Viele Trachten wiesen örtliche Unterschiede auf. Oft wandelten sie sich auch von Trägerin zu Trägerin.Die heute festgelegten Abstufungen von Festtags-, Sonntags-, und Werktagstrachten waren nicht so eindeutig. Die Kostbaren Kleider wurden vor allem bei familiären und kirchlichen Festen getragen. An gewöhnlichen Sonntagen und zum Tanz wurden teure Schmuckstücke und aufwendige Kopfbedeckungen zu Hause gelassen. Zur Arbeit kleidete man sich gerne in alte und abgetragene Stücke der guten Tracht.
Das Fricktal gehörte bis 1803 zu den vorderösterreichischen Reichslanden. Es kannte Trachten, wie sie in der oberrheinischen Tiefebene, bei den Elsässern und Marktgräflern üblich waren. Die heutige Tracht wurde nach Originalstücken aus der Zeit um 1850 erneuert. Bei der Fricktaler Tracht sticht vor allem die aussergewöhnliche Kopfbedeckung ins Auge: der Lätsch, die auf einem mit Silberstickerei verziertem Käppchen quergestellte Scheitelmasche. Vom bescheidenen, über die Stirn geknotetem Haarband machte diese Kopfbedeckung eine Entwicklung bis zur heutigen kunstvollen Kopfzierde mit. Kompetentes Bildmaterial überliefern in erster Linie Joseph Reinhart (1749-1824) und der Fricktaler Markus Dinkel (1762-1832).
Heute setzt sich der Aargauische Trachtenverband, der 1927 gegründet wurde, für die Erhaltung und Pflege der erneuerten Volkstrachten ein. Eine Trachtenberatungskommission bemüht sich um die nicht immer leichte Materialbeschaffung, fördert die Ausbildung von Trachtenschneiderinnen und überwacht Trachtennähkurse in den Gemeinden.
Als einer der ersten Kantone schuf der Aargau Trachten für alle Lebenslagen. Beachtung verdient die neu geschaffene Sonntagstracht für Männer, welche sich besonders heute wieder grosser Beliebtheit erfreut. Sie ist eine Kleidung im Stil der heutigen Mode, in der sich kein Mann als Museumsfigur zu fühlen braucht.
Die Aargauer Männertracht eine Neuschöpfung, besitzt kein historisches Vorbild. Sie gilt für das ganze Kantonsgebiet.
Die Aargauer Männer Festtagstracht
Als Festtagstracht trägt der Aargauer Trachtenmann ein schwarzes Kleid aus feinem Tuch. Die offene kurze Jacke zieren beidseitig Filigranknöpfe. Der schwarzseidene Leibgurt mit reicher Stickerei kann durch das bunte längsgestreifte Seidengilet ersetzt werden, das mit Filigran- oder Stoffknöpfen geschlossen wird. Die Hemdenbrust ist mit Weissstickerei verziert. Manschettenknöpfe aus Filigran zieren die Ärmelmanschetten. Die schwarze seidene Halsschleife wird durch eine Silberschnalle festgehalten.
Die Aargauer Männer Sonntagstracht
Die einfachere Sonntagstracht ist marengofarbig oder braun. (marengofarbig bedeutet schwarz oder dunkelbraun)
Der Kittel wird mit Holz oder Filigranknöpfen geschlossen. Ein Muss ist das bunte, längsgestreifte, handgewobene Seidengilet.
Dazu ein weisses besticktes Hemd und ein schwarzes Krawattenband in "Bänkliwebtechnik"
Beliebt ist dazu der Ledergürtel mit feinziselierter Silberschnalle.
Manschettenknöpfe aus Filigran machen die Tracht perfekt.
Die Aargauer Männer Werktagstracht
Zur schwarzen Hose trägt der Mann ein weisses Hemd und ein blau-schwarz-silbernes Krawattenband. Dazu einen Ledergürtel mit Silberschnalle.
Zur Festtags- und Sonntagstracht trägt der Mann den runden schwarzen Filzhut und schwarze Schuhe mit oder ohne Silberschnallen.
Die Knaben kleidet man mit langer dunkler Hose, weisses Hemd und blau-schwarz-silbernem Krawattenband. Auch der Knabe trägt nach Möglichkeit den runden schwarzen Filzhut.
Fricktaler Festtagstracht
Die Festtagstracht fällt auf durch die Haube mit der Scheitelmasche und das zur Seidenschürze passende Schultertuch. Sie zeigt viel Ähnlichkeit mit der Schwarzwälder und Elsässer Tracht. Etwas Besonderes ist die aus Silberdraht, Gold- und Silberpailletten sowie bunten Glassteinen gearbeitete Reliefstickerei an Haube und Brustlatz. Die doppelten weissen Spitzenreihen am roten Göller sind der Stolz mancher Trägerin. Die Haften an Schnürmieder und Göller sind aus Silberfiligran. Die Ketten sind zweifach. Das Schnürband ist aus Samt. Für Rock und Mieder verwendet man schwarzen Wollstoff. Das gefältelte Fräckli am Miederrücken gibt der Tracht eine besondere Note. Die Bluse mit den Brisliärmeln hat keine Spitzenverzierung.
Fricktaler Sonntagstracht
Bei der Sonntagstracht sind Rock und Mieder aus Wollstoff in den bekannten Farben, Rot Blau, Grün, Braun, und Schwarz. Auch hier darf das Fräckli nicht fehlen. Der Brustlatz ziert eine Buntstickerei auf schwarzer Borde. Anstelle eines Göllers wird das filierte, gehäkelte oder gestrickte Fichu getragen. Die längsgestreifte Seidenschürze und das Schnürband müssen mit der Rockfarbe und Stickerei übereinstimmen. Die Miederhaften sind aus Filigran sind kleiner als bei der Festtagstracht. Die kurzärmlige Bluse hat an den Ärmeln einen breiten doppelten Aufschlag mit Spitzengarnitur.
Die langärmlige Bluse wird am Vorderteil und an den Ärmelbrisli bestickt. Die Haube mit der etwas kleineren Scheitelmasche ist aus schwarzem Wollstoff, und die Zwickel sind mit einer zum Brustlatz passenden Buntstickerei versehen.
Der Strohhut hat hinten im Rand zwei Einbuchtungen. Er ist mit einem schwarzen Bänkliband und einem Chriesibüscheli garniert.
Fricktaler Werktagstracht
Bei der Werktagstracht ist der Rock aus blauem oder rostbraunem kariertem Leinenstoff angefertigt. Das Schnürlimieder ist einfarbig, ebenfalls blau oder rostbraun, mit dem sogenannten Fräckli am Rückenteil. Der Brustlatz wird mit einfachen Zierstichen bestickt. Das weisse Fichu ist filiert oder gehäkelt. Die helle längsgestreifte Leinenschüzte muss zum Rock passen. Schnürhaken und das zum Rock passende Band halten das Mieder zusammen. Die Bluse ist gleich wie bei der Sonntagstracht. Der Strohhut zieren ein zum Rockstoff passendes Band und das Chriesibüscheli.
Mädchentrachten
Die Mädchen tragen meistens die bequeme Werktagstracht, die sich über Jahre erweitern und verlängern lässt. Oder die Sonntagstracht in Wolle in den bekannten Farben oder einem pflegeleichterem Wolle -Trevira Gemisch.
Dazu die weisse Bluse aus Leinen oder auch pflegeleichtem Stoff.
Die Mädchen tragen im Sommer den Strohhut mit Chriesibüscheli.