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The Spirit of Luxury – 100 Jahre Schmohl AG in Zürich
Als die Schmohl & Co. 1923 in Zürich ihre Tore öffnet, verkehren auf den Schweizer Strassen mehr Pferdekutschen als Autos. Mit Motor fährt nur, wer es sich leisten kann. Diese Exklusivität hat sich die Schmohl AG bis heute bewahrt – indem sie Erlebnisse verkauft, nicht Autos.
1923: Vom Wagener zum Autohändler: Die Gründung von Schmohl & Co.
Am 2. Juni 1905 erhält der aus Nürtingen in Baden-Württemberg stämmige Georg Friedrich Schmohl das Bürgerrecht der Stadt Zürich und ist damit samt seiner Familie Schweizer. Schmohl wohnt mit seiner neunköpfigen Familie im Zürcher Arbeiterquartier Wiedikon und verdient sein Geld als Wagener, also als Radmacher und Kutschenbauer. Und wie der Vater, so begeistert sich auch dessen ältester Sohn, der am 7. Februar 1888 geborene Karl Julius, für den Wagenbau – allerdings für den modernen Wagenbau, den mit PS im Motor statt im Gespann. Dieser wird gemäss Handelsamtsblatt 1915 zum Prokuristen der in Olten ansässigen Motorwagenfabrik Berna befördert, die u. a. für die Schweizer Armee Lastwagen und Traktoren herstellt. 1920 wird Julius Schmohl sogar zum Direktor ernannt. Drei Jahre später wagt er den Schritt in die Selbständigkeit und gründet am 15. April 1923 in Zürich die Schmohl & Co. Firmenzweck ist die «Fabrikation, Remisierung, Kontrollierung und Reparatur von Automobilen, Automobilbetrieb, Handel mit Automobilen und Bestandteilen». Die Firma befindet sich am damals äussersten Rand von Zürich an der Brunaustrasse 93/95 – auf der einen Seite die Gleise der Sihlbahn, auf der anderen Seite die Sihl selbst und die weiten Wiesen der Zürcher Allmend.
1926: Erste Versteigerung eines Rolls-Royce bei Schmohl
Am 21. April 1926 kommt es bei Schmohl in der Brunau zur ersten Versteigerung eines Automobils Marke Rolls-Royce. Unter den Hammer kommt ein sechsplätziger Sechszylinder mit Landaulet-Aufbau. Diese Bauform mit halb offener, halb geschlossener Karosserie ist eine damals verbreitete Reminiszenz an den Kutschenbau, wo Landaulette-Fuhrwerke vor allem in der vornehmen Gesellschaft des 18. und 19. Jahrhunderts beliebt waren.
1926: Zürcher Polizeikommando bestellt bei Schmohl einen Steyr XII
Schmohl ist von Anfang an nicht nur eine bewährte Adresse für Autoreparaturen aller Art, sondern auch erfolgreicher Importeur von Automobilen Marke Steyr. Die ehemalige österreichische Waffenfabrik geniesst europaweit einen hervorragenden Ruf für ebenso robuste wie kraftvolle Wagen, deren Erfolge an den Tourenrennen der Goldenen Zwanzigerjahre beste Werbung sind. Ein Steyr- und Schmohl-Kunde ist die Zürcher Kantonspolizei. Diese besitzt bereits einen sechssitzigen Steyr, als sie 1926 beim Zürcher Regierungsrat eine weitere, kompaktere Version beantragt. Den Antrag begründet das Polizeikommando wie folgt: Erstens gestatte die Verwendung eines Vierplätzers eine Einsparung der Betriebsspesen um die Hälfte derjenigen des Sechsplätzers. Zweitens würden die Autos des Polizeikommandos immer wieder von anderen Verwaltungsabteilungen des Regierungsrates «in Anspruch genommen, so dass bereits mehrere Male für dringende Kriminalfälle kein solches zur Verfügung gestanden habe.» 9’700 CHF kostet das Fahrzeug, «für die Anschaffung desselben könnte die Zahlung (…) mit der Fabrik Schmohl & Cie. in Zürich besonders vereinbart werden.» Heiligabend 1926 heisst der Regierungsrat von Zürich den Antrag gut.
1930: Schmohl nimmt Nash ins Sortiment
In den goldenen Zwanzigerjahren kommt es auch in der Schweiz zum ersten Automobilboom. In den ersten sieben Geschäftsjahren der Schmohl & Co. verdreifacht sich die Zahl der motorisierten Fahrzeuge im Kanton Zürich – und Schmohl wächst mit. 1930 übernimmt Schmohl die offizielle Vertretung des amerikanischen Autoherstellers Nash. Das ist auch eine Reaktion darauf, dass Steyr aufgrund des Erfolges in der Schweiz 1928 ein eigenes Ausstellungs- und Verkaufslokal in Zürich eröffnet hat und Schmohl nur noch Servicepartner ist. Mit Nash rückt dafür eine weitere Erfolgsmarke ins Sortiment. Nashs Chefingenieur Wahlberg ist ein Pionier der Windkanalversuche – entsprechend windschnittig und technisch ausgereift sind die Nash-Automobile, die beispielsweise über ein Belüftungssystem verfügen, bei dem Aussenluft angesaugt und beheizt wird. Nashs Werbespruch damals: «Give the customer more than he has paid for.»
1935: Umzug ins Zürcher Seefeld
1930 zieht die Schmohl & Co. zunächst nach Aussersihl an die Gasometerstrasse 9. Doch schon nach knapp fünf Jahren ist dieses Intermezzo im Arbeiterquartier beendet und die Schmohl & Co. findet einen geeigneteren Standort: an der Mühlebachstrasse 26 im Zürcher Seefeld, ganz in der Nähe von bürgerlichen Institutionen wie das Redaktionshaus der Neuen Zürcher Zeitung an der Falkenstrasse oder das Zürcher Stadttheater (heute Opernhaus). Fast 70 Jahre wird die Schmohl & Co. diesem Standort treu bleiben.
Mittlerweile ist auch die zweite Generation fleissig in der Firma engagiert: der 1908 geborene Georg Schmohl, benannt nach seinem Grossvater Friedrich Georg, der einst aus Deutschland in die Schweiz eingewandert war. Georg ist ebenso tüchtig wie sein Vater – und das ist gut so. Denn 1937 stirbt Julius Schmohl mit nicht einmal 50 Jahren. So übernimmt Georg Schmohl mit 29 Jahren die Geschäfte.
1950: Schmohl wird offizieller Vertreter und Service-Partner für Rolls-Royce und Bentley
In der ersten Blüte des Automobilbaus nach dem 1. Weltkrieg existieren unzählige Automobilproduzenten. Doch nach dem Boom kommt es zu einer knallharten Marktbereinigung. Wer kennt heute noch Berna Automobile, für die Julius Schmohl einst gearbeitet hat? Wo sind die Marken Steyr und Nash heute? Die Marken, die sich behaupten, müssen neben einer herausragenden Technik und Qualität vor allem eine Identität haben und eine Nische besetzen. Eine solche Nische ist der Luxus, auf die Georg Schmohl nach dem 2. Weltkrieg setzt – ein weitsichtiger Zug, denn es stehen die Blütejahre des sogenannten Wirtschaftswunders bevor. 1950 wird Schmohl Importeur und exklusiver Servicepartner der luxuriösesten und damals wohl berühmtesten Automarke der Welt: Rolls-Royce. Auch die sportliche Tochter von Rolls-Royce, Bentley, wird ins Portfolio genommen.
Das erste Modell, das zum Verkauf steht, ist der Rolls-Royce Silver Wraith, zu Deutsch: «das silberne Gespenst», das damals beispielsweise auch als Staatskarosse Irlands, Brasiliens und des dänischen Königshauses dient. Die imposanten Gefährte von Rolls-Royce sind auch an Autosalons ein Blickfang, etwa 1963 der Silver Cloud III in Genf.
1972: Starke Frau: Emmy Schmohl übernimmt das Steuer
Üblicherweise kümmern sich die Ehefrauen erfolgreicher Unternehmer zur damaligen Zeit um Haushalt, Kinder und gesellschaftliche Anlässe. Eine solche Unternehmergattin ist Emmy Schmohl-Müller nicht. Sie ist von Anfang an in das Familienunternehmen ihres Mannes Georg Schmohl eingebunden; bereits 1943 erhält sie als Kommanditärin die Einzelprokura und damit die unbeschränkte Generalvollmacht. In der Nachkriegszeit entwickelt sich die ebenso emanzipierte wie geschäftstüchtige Frau an der Seite ihres Mannes zur allseits respektierten Grande Dame der Zürcher Automobilbranche. Fast jährlich reist sie zu Autosalons wie in Genf und Frankfurt am Main oder nach England zu Rolls-Royce, wo sie und Georg Schmohl dank der herausragenden Verdienste für Rolls-Royce mit der Mitgliedschaft im exklusiven «Order of the Silver Lady» geehrt werden.
Doch inmitten der wirtschaftlichen Blüte ereilen Emmy Schmohl-Müller zwei Schicksalsschläge. 1968 verunglückt ihr älterer Sohn Georg jr. als Bergsteiger am Titlis tödlich. Er hätte dereinst die Familienfirme in dritter Generation weiterführen sollen. Vier Jahre später, 1972, stirbt auch noch Emmy Schmohls Ehemann Georg 64-jährig nach kurzer, schwerer Krankheit. Nun muss Emmy Schmohl allein das Steuer übernehmen – sie tut es mit Bravour und kann dabei nicht zuletzt auf die langjährigen und verlässlichen Mitarbeitenden zählen.
1973: Das grösste zweitürige Cabriolet der Welt
Exklusive Autos hatte Schmohl schon immer. Doch 1973 verkauft Schmohl & Co. ein besonders exklusives, um nicht zu sagen extravagantes Fahrzeug: einen Rolls-Royce Phantom VI Cabriolet mit Sonderkarosserie von Pietro Frua. Beginnen wir mit den nüchternen Massen: 6,57 Meter Länge, 2,02 Breite, 3,68 Meter Radstand. Damit ist dieser Rolls-Royce damals das grösste zweitürige Cabriolet der Welt – und natürlich die Sensationen an der IAA 1973 in Frankfurt am Main. «Neben ihm wirkten alle anderen Autos wie Spielzeuge», schreibt Auto, Motor und Sport. Allein der Kofferraum habe «Schwimmbassinformat», notiert der Redakteur der Automobil Revue. Derweil zitiert die französische Zeitschrift «L’Automobile» den Designer Pietro Frua mit den Worten: «Als ich vor dem Fahrgestell stand, bereute ich, ein Cabriolet auf Lkw-Basis vorgeschlagen zu haben.»
Über zwei Jahre brauchte der legendäre Designer, um seinen Auftraggeber Simon van Kempen, seines Zeichens Honorarkonsul von Monaco, mit der Sonderkonstruktion auf Basis eine Phantoms VI zufriedenzustellen. Das lag einerseits an den extravaganten Wünschen des Konsuls, der beispielsweise auf eine Abwinklung der vorderen Stossstange bestand, damit die massive Kühlerhaube richtig zur Geltung käme. Andererseits kam es immer wieder zu Verständigungsschwierigkeiten: Pietro Frua sprach kein Englisch, die Chassis-Konstrukteure bei Rolls-Royce sprachen kein Italienisch. Immer wieder musste Schmohl zwischen Designer, Auftraggeber und Rolls-Royce vermitteln.
Trotz aller Querelen: Der Aufwand lohnt sich. 24 Jahre lang wird der Honorarkonsul seine juwelgrüne «Kutsche» 400’000 Kilometer weit über die Lande fahren, bis er sie 1997 an einen Schweizer Architekten verkauft. Damit relativiert sich auch der Einstandspreis von 288’000 Franken – pro Jahr hat der Rolly-Royce dem Konsul also 20’000 Franken, pro Kilometer 70 Rappen gekostet. Mal abgesehen davon, dass er diesen für 570’000 Franken weiterverkaufen konnte.
1976: Mehr Sport
Im Frühling 1976 wird es sportlich in der Garage Schmohl im Seefeld: Unter all die Rolls-Royce und Bentleys gesellt sich ein knallgelber Lancia Statos HF in den kompakten Massen von 3670 mm Länge, 1700 mm Breite und 1080 mm Höhe – der passt fast zwei Mal in einen ausgewachsenen Rolly-Royce Phantom und wurde ursprünglich für den Renneinsatz konzipiert. 1974, 1975 und 1976 wurde Lancia mit dem Stratos Rallye-Weltmeister. Die Strassenversion Stradale beschleunigt aus dem Stand in 6,8 Sekunden auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von fast 250 km/h. Dass Schmohl & Co. die Vertretung für Lancia übernimmt, hat einen guten Grund: Viele Kundinnen und Kunden wünschen sich neben ihrem Rolls-Royce oder Bentley einen kleineren, sportlicheren Zweitwagen.
1976: Ein Dutzend Rolls-Royce für eine Zürcher Hochzeit
Am 28. August 1976 läuten die Hochzeitsglocken im Zürcher Grossmünster. Mehr als ein Dutzend mit Blumen geschmückte Rolls-Royces stehen auf dem gepflasterten Vorplatz. Einer sticht zwischen den Silver Clouds, Silver Shadows, Phantoms und Continentals besonders hervor: ein offener, silbergrauer 1924’er 20 HP – die «Hochzeitskutsche». So etwas hat Zürich noch nie gesehen. Wer heiratet hier?
Emmy Schmohl hat in den letzten Jahren genügend Leid erfahren – heute ist ein Tag zum Feiern. Es ist schliesslich auch ein bisschen ihr Tag: Ihr Sohn, der Arzt Dr. Peter Schmohl, heiratet seine Verlobte Marie-Luise. Um einen eindrücklichen Rolls-Royce-Konvoi zu ermöglichen, lässt die Grande Dame der Zürcher Autoindustrie in ihrer Garage alle verfügbaren Rolls-Royce schmücken und fragt zusätzlich Stammkunden an, ob diese ihr Fahrzeug für diesen Tag zur Verfügung stellen würden. Nicht einer sagt ab.
Es wird ein unvergesslicher Tag – für das Hochzeitspaar, für Emmy Schmohl und ein bisschen auch für Emily, wie die berühmte Kühlerfigur von Rolls-Royce damals landläufig genannt wird.
1979: Flying Rolls
Die Schmohl & Co. AG scheut keinen Aufwand, potenzielle Kundschaft mit ihren exklusiven Autos in Kontakt zu bringen. 1979 lässt Emmy Schmohl zwei Rolls-Royce Silver Shadow II für eine Sonderausstellung in die Lobby des Palace Hotel in St. Moritz hieven.
1989: Langjährige Mitarbeiter übernehmen das Familienunternehmen
Nach mehr als einem halben Jahrhundert im Geschäft muss Emmy Schmohl mit 76 Jahren an ihre Nachfolge denken. Werkstattchef Alois Elsener und Buchhalterin Eveline Elsener (links) stehen ihr seit Jahren treu zur Seite und haben längst die Kollektivprokura erhalten. 1985 gelang es dem Service-Team der Schmohl & Co. AG unter Elseners Leitung sogar, den European Service Award von Rolls-Royce zu gewinnen (Bild). So kommt es, dass Emmy Schmohl und ihr Sohn Peter am 3. Januar 1989 aus dem Verwaltungsrat der Schmohl & Co. AG ausscheiden und diese dem Ehepaar Elsener überlassen.
Für die Belegschaft sind die Elseners Chefs auf Augenhöhe, die sich mit feinem Gespür um Mitarbeitende und Kunden kümmern und das Familienunternehmen – denn irgendwie ist es das immer noch – erfolgreich weiterführen. Ihr Lebenswerk in verlässlichen Händen wissend, stirbt Emmy Schmohl am 11. Oktober 1992.
1999: Die Kamps-Gruppe steigt ein
Um die Jahrtausendwende erfasst eine Wachstumswelle die Automobilindustrie, ausgelöst durch die aufstrebenden BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China. Waren sie für die Branche bis vor Kurzem unbedeutend, treiben Bevölkerungswachstum, steigende Wirtschaftskraft und immer bessere Infrastruktur den Absatz in den BRIC-Ländern nun in die Höhe. Immer mehr Menschen können sich ein Auto leisten, einige sogar Luxusautos.
Um die hohen Volumenerwartungen in diesen Wachstumsmärkten zu decken, schliessen sich Autohersteller zu Konzernen zusammen und setzen Markenvertretern wie der kleinen, feinen Schmohl & Co. AG hohe Verkaufsziele: Statt jährlich 30 sollen es nun 150 Neufahrzeuge sein, die Schmohl an den Mann bringt – Tendenz steigend. Ganz ohne Hilfe lässt sich das kaum stemmen, und so ist es ein Glücksfall, dass die Schmohl & Co. AG in der deutschen Kamps-Gruppe einen starken Partner findet. Wie Schmohl ist die 1948 gegründete Kamps-Gruppe ein Familienunternehmen mit verlässlichen Werten – und darüber hinaus der grösste private Autohändler der Marken Audi, Porsche und Volkswagen in Deutschland. So kann das Ehepaar Elsener sorglos in den verdienten Ruhestand treten und seine Anteile an der Schmohl AG an die Kamps-Gruppe verkaufen. Familie Kamps war es wichtig, dass die Geschäftsführung an einen lokalen Manager übergeben wird. Mit Mathias Hascher wurde ein äusserst professioneller und kompetenter Geschäftsführer mit langjähriger Erfahrung gefunden. Herr Hascher hat die Schmohl AG in eine neue Ära gebracht.
2004: Umzug mit Lamborghini
Im Zürcher Seefeld wird es eng für die Schmohl AG – vor allem, weil das Verkaufsvolumen seit 2003 um das Fünffache gestiegen ist. Und weil Schmohl seit Kurzem eine weitere Luxusmarke für die Deutschschweiz vertritt, die wie Bentley zum Volkswagenkonzern gehört: Lamborghini.
An der Stadtgrenze und erst noch in der Nähe des Flughafens Kloten und der Autobahn A1 soll die «teuerste Wiese Europas» bebaut werden, das Oberhauser Riet in Opfikon-Glattbrugg mit 67 Hektaren Land. Die Schmohl AG ist die erste Zuzügerin der geplanten Überbauung «Glattpark», die erst auf dem Reissbrett existiert, und der zuständige Immobilienmakler lässt in der Neue Zürcher Zeitung stolz verlauten, «dass selbst eines der exklusivsten Artefakte Zürichs offenbar den Weg in den Glattpark gefunden hat (…), die Garage Schmohl mit ihrem ganzen Renommee.»
900 Gäste besuchen anlässlich der Eröffnungsfeier im März 2005 das vierstöckige verglaste Ausstellungshaus mit seiner topmodernen Werkstatt. Schmohl sorgt für Spektakel, enthüllt den neuen Bentley Continental Flying Spur und stellt das Le-Mans-Siegerauto von 2003 aus, einen Bentley EXP Speed 8 Mk II. Und sie hält eine weitere Überraschung bereit: Als einziges Autohaus der Schweiz vertritt Schmohl fortan die französische Supersportwagenmarke Bugatti, die jährlich nur 50 Fahrzeuge produziert.
2011: Ein Hauch Formel 1
«Life is measured in achievements, not in years alone», soll der neuseeländische Rennfahrer und vierfache Grand-Prix-Sieger Bruce McLaren einst gesagt haben. Für die Schmohl AG ist es ein wahres «achievement», ein Meilenstein, Teil des handverlesenen Händlernetzes der geschichtsträchtigen Formel-1-Marke zu werden, die Bruce McLaren 1963 gegründet hat. Weltweit gibt es lediglich 35 Verkaufsstellen für McLaren, in Europa sind es 13, in der Schweiz eine: Schmohl. Für McLaren erweitert Schmohl das Autohaus um einen neuen Showroom an der Stinson-Strasse 2 im Glattpark.
Vorerst steht der McLaren MP4-12C im Angebot. Den Gästen und Medienvertretern präsentiert der Europa-Direktor von McLaren Automotive im September 2011 die beeindruckenden Kennzahlen des Supersportwagens: Wie ein Formel-1-Bolide besteht der MP4-12C grösstenteils aus Kohlefaser, sein 3,8-Liter-V8-Motor mit 600 PS beschleunigt ihn in 3,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 330. In der britischen Autosendung «Top Gear» wird der McLaren gar zum «schnellsten je getesteten Sportwagen» erkoren. Und als wäre das nicht Beweis genug für McLarens Renntauglichkeit, steht neben dem MP4-12C im Showroom von Schmohl ein Unikat: der McLaren von Formel-1-Weltmeister Kimi Räikkönen, mit dem der Finne 2003 in Malaysia seinen ersten Grand Prix gewann.
2013: Ruhestand nach erfolgreicher Karriere im Glattpark
Im Juni 2013 feiert die Autobranche eine einflussreiche Persönlichkeit: Mathias Hascher. Als Geschäftsführer der Schmohl AG ist er ausgezogen vom betulichen Seefeld ins dynamische Glatttal, hat ein professionelles Marketing etabliert und dabei stets das Kundenbedürfnis ins Zentrum gestellt. So hat er die Schmohl AG seit 1999 in ein agiles, kunden- und verkaufsorientiertes Unternehmen weiterentwickelt. Mit durchschlagendem Erfolg: Mit «feinem Geschäftssinn» und «grosser Hingabe» habe Hascher Bentley Zürich zu einer der erfolgreichsten Niederlassungen der Welt gemacht, schwärmt das internationale Branchportal Bentley Dealer News zum Abschied.
Manch einer wäre bei diesen Erfolgen abgehoben – nicht aber Hascher. Auch wenn er als Geschäftsführer der Schmohl AG selbstverständlich Rolls-Royce und Bentley fuhr, blieb er stets bescheiden und bodenständig. So war Mathias Hascher stets ein zugänglicher Chef, ein Mann ohne Allüren, dafür mit umso mehr Sympathiepunkten bei Mitarbeitenden und Kunden. 2013 tritt er in den Ruhestand. Nachfolger wird Christoph Haas, der von Harley-Davidson zur Schmohl AG stösst.
2016: Der grosse Umbau
Der McLaren MP4-12C ist zwar schnell, doch Schmohl kann noch schneller: mit dem Bugatti Chiron, 1500 PS, 8-Liter-V16-Motor, von 0 auf 100km/h in 2,4 Sekunden.
Der soeben lancierte Supersportwagen ist Schmohls meistfotografiertes Schmuckstück an der Neueröffnungsfeier im Herbst 2016. 14 Wochen lang war das Autohaus im Umbau, nun präsentiert es sich 600 Journalistinnen, Journalisten und weiteren Gästen in neuem Glanz. Alleine die Ausstellungsfläche für Bentley ist so gross wie zwei Tennisfelder. Das Highlight ist aber der neue Bugatti-Showroom: «Nur einer von acht in ganz Europa im neuen Marktauftritt», erklärt der Geschäftsführer der Schmohl AG, Christoph Haas, den Anwesenden.
Auch der Europa-Direktor von Bugatti ist aus dem Elsass angereist, denn die Schweiz sei «nach England und Deutschland der wichtigste Markt für Bugatti.» Vom Bugatti Veyron, dem Vorgänger des Chiron, hätten zehn Prozent aller Exemplare den Weg in die Schweiz gefunden – also etwa fünf Wagen. Für den auf 500 Stück limitierten Chiron seien bereits 200 Blindbestellungen eingegangen. Wie viele davon aus der Schweiz stammen, behält der Direktor für sich.
2022: Neue Führung, neue Struktur
Nach acht erfolgreichen Jahren übergibt Managing Director Christoph Haas (rechts) die operative Führung der Schmohl AG an Geschäftsleitungsmitglied Roderick Pike, zuletzt Sales & Brands Director bei Schmohl. Haas selbst übernimmt die Führung der neu geschaffenen Kamps Switzerland AG, unter deren Dach neben der Schmohl AG die ebenfalls neu gegründete Schmohl Exclusive Cars AG geführt wird – notabene durch Group CEO Christoph Haas persönlich. Die Schmohl Exclusive Cars AG betreibt einerseits zwei eigene neue Standorte in Weinfelden und Zug, andererseits die neue «Schmohl Exclusive Classic Cars – The Valley» im Gewerbegebiet Kemptthal, wo edle Oldtimer verkauft oder in der ausgezeichneten Werkstatt gewartet, repariert und restauriert werden. Mit der neuen Gruppenstruktur stellt Schmohl die strategischen Weichen, um in Zukunft weiter zu wachsen und zusätzliche Geschäftsfelder zu erschliessen.
2023: Stärker denn je
Die Schmohl AG feiert Geburtstag! Zum ihrem 100-Jahr-Jubiläum baut sie den Rolls-Royce-Showroom um und lanciert im Sommer 2023 elf Sondermodelle der Marken Rolls-Royce, Bentley und McLaren. Mit dem vollelektrischen Rolls-Royce Spectre und den kroatischen Elektrosportwagen von RIMAC, die Schmohl neu vertritt, wappnet sie sich für die Herausforderungen der Zukunft.
100 Jahre ist es her, dass Julius Schmohl in der Zürcher Brunau die Schmohl & Co. gründete. Nie zuvor hat sich die Welt so stark verändert wie in diesem Jahrhundert. Auf den Schweizer Strassen galt 1923 noch häufig die Faustregel: ein Wagen, eine Pferdestärke – oder ein paar weitere, wenn die Kutsche von einem Gespann gezogen wurde.
Heute hätten alle 80’541 Pferde in der Schweiz selbst mit vereinten Kräften im Kräftemessen gegen die Fahrzeugflotte, welche die Schmohl AG in einem Jahr (2022) verkauft, nicht den Hauch einer Chance: 188’794 PS, die 255 Fahrzeuge antreiben.