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watson.ch – Im US-Bundesstaat Colorado hat ein Bild grosse Diskussionen in der Kunstwelt entfacht. Beim Kunst-Wettbewerb «State Fair Fine Arts Competition» gewann Jason M. Allen den ersten Preis mit seinem Werk «Théâtre D’opéra Spatial».
Das Besondere daran: Es wurde zu einem grossen Teil mit Midjourney erstellt – also durch künstliche Intelligenz. Ähnlich wie beim bekannteren Dall-E kann man dort einen Text eingeben, aus welchem dann ein Bild erstellt wird. Für seinen Sieg bekam Allen 300 Dollar.
Ein Tweet über den Kunstwettbewerb ging daraufhin viral: Bereits 90’000 markierten den Post in einer knappen Woche mit «Gefällt mir». Und auch bei den Kommentaren war der Grundtenor klar: Dass ein von künstlicher Intelligenz erstelltes Bild einen solchen Wettbewerb gewinnt, darf nicht sein.
«Wir sehen den Tod der Kunst hier gerade vor unseren Augen», lautet etwa ein Kommentar. «Das ist aus genau dem Grund scheisse, aus welchem wir Roboter nicht an den Olympischen Spielen teilnehmen lassen», beschwerte sich ein weiterer User. Viele ärgerten sich darüber, dass der Aufwand des Künstlers, welcher die Worte in das Programm eintippte, viel kleiner war als bei den anderen.
Sieger Allen wollte diese Kritik allerdings nicht einfach so stehen lassen. Gegenüber CNN argumentierte er, es stecke mehr Arbeit dahinter, als nur ein paar Worte in einen Computer einzutippen. So habe er für das Siegerbild und zwei weitere Werke, die er eingereicht habe, mehr als 80 Stunden gebraucht.
Allen erklärte zudem, dass das Programm nur die Basis der Werke geliefert habe. Für den Feinschliff sei er hingegen selbst zuständig gewesen. So habe er etwa seine Texteingabe immer wieder leicht abändern müssen, um dem erhofften Resultat näherzukommen. So habe er insgesamt etwa 900 Versionen der drei Bilder kreiert, ehe er mit den Resultaten zufrieden war. Zudem habe er danach mit Photoshop Feinschliffe vorgenommen, um die Werke nach seinen Vorstellungen zu vollenden. So habe er bei seinem Siegerbild etwa einer Frau noch einen Kopf anfügen müssen, weil die künstliche Intelligenz diesen weggelassen habe.
Wie Allen gegenüber CNN sagt, ärgert ihn die Diskussion rund um seinen Sieg allerdings nicht. Er sei froh, dadurch eine Debatte über künstliche Intelligenz in der Welt der Kunst erweckt zu haben. «Anstatt sich über die Technologie oder die Menschen dahinter zu ärgern, müssen wir erkennen, dass es sich um ein mächtiges Werkzeug handelt», so der Künstler. «Wir sollen es für gute Sachen nutzen können, damit wir alle vorankommen können, anstatt deswegen zu schmollen.»
Cal Duran, der zur Jury gehörte, die Allens Bild auszeichneten, stellte sich ebenfalls hinter den Künstler. Dies, obwohl ihm zum Zeitpunkt des Wettbewerbs nicht bewusst war, dass das Bild weitgehend durch künstliche Intelligenz entstanden war. «Ich denke, dass KI solchen Leuten viel geben kann, die sich nicht als konventionelle Künstler sehen», so der Juror.
Welchen Text Allen eingab, um sein Siegerbild auf Midjourney zu erschaffen, wollte der Künstler derweil nicht verraten. Er erklärte gegenüber CNN, er wolle seinen Text geheim halten, bis er ein grösseres Werk publiziere, welches mit dem Siegerbild zusammenhänge. Dies soll noch dieses Jahr der Fall sein. (dab)