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Eritreisch-Orthodoxe Kirche
Auch: Eritreisch-Orthodoxe Tewahedo Kirche
Die Geschichte der Eritreisch-Orthodoxen Kirche ist eng mit der Geschichte des Staates Eritrea verknüpft. Das kleine Land am Horn von Afrika wurde ab 1890 als Kolonie Italiens, später unter britischer Verwaltung geführt. 1950 entschied die UNO, dass Eritrea zur autonomen Einheit in loser Föderation mit Äthiopien werden soll. Im Jahr 1962 schaffte der damalige äthiopische Kaiser Haile Selassie die Autonomie Eritreas ab und annektierte das Land.
Die Äthiopisch-Orthodoxe Kirche war die grösste christliche Gemeinschaft im Land. Doch mit der Annexion Eritreas im Jahr 1962 durch Äthiopien verschlechterten sich die Beziehungen zwischen den Nachbarländern nachhaltig.
Das marxistische Mengistu-Regime, ab 1975 an der Macht, verfolgte in ganz Äthiopien, insbesondere jedoch in der Provinz Eritrea Christen aller Konfessionen. Ein blutiger Bürgerkrieg entbrannte und führte 1991 zur Absetzung des Mengistu-Regimes und schliesslich 1993 zur Unabhängigkeit Eritreas.
Die bis heute andauernde Feindschaft zu Äthiopien veranlasste die Kirche im jungen Staat, sich von der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche zu lösen. Unterstützung kam von der Koptisch-Orthodoxen Kirche, deren Papst, Schenuda III. 1994 fünf Äbte zu Bischöfen weihte. Schenuda III. war es auch, der 1998 die Kirche von Asmara in den Rang einer autokephalen (eigenständigen) Kirche hob. Mit Abuna Philippos wurde der erste Patriarch ernannt. Die Eritreisch-Orthodoxe Kirche war damit von der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche offiziell abgespalten.
Nach Abuna Philioppos’ Tod im Jahr 2002 folgte Patriarch Abuna Yaqob und 2004 Abuna Antoniyos.
In mehreren Statements sprach sich der Patriarch gegen die Einmischung der Regierung in kirchliche Angelegenheiten aus. Das Regime von Isayas Afewerki setzte ihn ab und liess ihn unter Hausarrest stellen. Bischof Dioskoros wurde zum neuen Patriarchen ernannt, erhielt aber kaum kirchliche Anerkennung, da aus orthodoxer Sicht erst nach dem Tod des Patriarchen ein neuer eingesetzt werden darf. Dioskoros ist im Dezember 2015 gestorben, ein Nachfolger wurde nicht ernannt. Abuna Antoniyos befindet offenbar immer noch in Hausarrest.
Die Menschenrechtsverletzungen des Regimes führten zu einer Emigrationswelle nach Europa, wodurch Exilgemeinden in vielen europäischen Ländern entstanden sind.
Trotz der Distanz zur Äthiopisch-Orthodoxen Kirche sind sowohl Lehre als auch Liturgie grösstenteils identisch. Liturgiesprache ist Ge’ez (altäthiopisch). In kirchlichen Sitten und Gebräuchen zeigt sich eine zunehmende Annäherung an die koptische Kirche. Die Gemeinschaft bezeichnet sich selbst häufig auch als Eritreisch-Orthodoxe Tewahedo Kirche. Diese Selbstbezeichnung soll das „Tewahedo“, die Einheit mit Jesus unterstreichen.
Hauptsitz der Eritreisch-Orthodoxen Kirche bildet die Nda Mariam Kirche in Asmara. Der Patriarch ist das Oberhaupt der Kirche, nach dem Tod des umstrittenen Dioskoros im Dezember 2015 ist das Amt aber verwaist. Aktuell ist die Kirche in elf Diözesen aufgeteilt, davon eine in den vereinigten Staaten und eine in London.
Die Eritreisch-Orthodoxe Kirche hat rund zwei Millionen Mitglieder. Die Mehrheit von ihnen lebt in Eritrea. 11 Diözesen, 22 Klöster und rund 1500 Kirchen bilden die Heimat der 15’000 Priester und der Gläubigen.
In der Schweiz sind an mehreren Orten unterschiedlich grosse Gemeinden entstanden. Besucht werden die Gottesdienste von immigrierten Eritreerinnen und Eritreern.
In Zürich hat die Eritreisch-Orthodoxe Tewahedo Kirchgemeinde Medhanilem 2009 von den Vertretern des Patriarchen einen Tabot, eine Nachbildung der Gesetzestafeln Mose erhalten und ist nun nach orthodoxem Recht eine offizielle Gemeinde. Die Gemeinde besitzt jedoch keine eigene Kirche und ist daher auf das Gastrecht in Landeskirchen angewiesen. An den Gottesdiensten nehmen bis zu 500 Personen teil. Aktuell feiern sie ihre Gottesdienste in der reformierten Kirche in Schlieren.
In Basel bildet die Eritreisch-Orthodoxe Tewahdo Kirche St. Rafael die grösste Gemeinschaft. Auch sie ist auf das Gastrecht in anderen Kirchen angewiesen. An den Gottesdiensten nehmen 120-150 Personen teil. Nebst diesen Gemeinden gibt es zahlreiche, z.T. wechselnde örtliche Versammlungen.