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Hinter den hohen Altersangaben vom Anfang der Bibel (und anderen Kulturen aus jener Zeit) verbirgt sich die Hochachtung der Altersweisheit und der Respekt vor weisen alten Frauen und Männern.
PSALM 90, VERS 10
«Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn's hoch kommt, so sind's achtzig Jahre. »
In den biblischen Geschichtsbüchern werden aber ein paar Personen hervorgehoben: Noah soll 950, Adam 930 und Moses immerhin noch 120 Jahre alt geworden sein. Das 1. Buch Mose scheint sich geradezu mit Hochbetagten zu überbieten. Kein Wunder legten sie sich am Ende ihres Lebens "alt und lebenssatt" zu ihren Vätern. Theologische Versuche, diese undenkbar hohen Altersangaben mit einem anderen Zahlensystem, Mondmonaten oder Verschreibern zu erklären, mochten nicht zu überzeugen.
In dieser Zeitung gab es vor einigen Wochen eine Debatte über die Formulierung "in der zweiten Lebenshälfte". In mehreren Leserbriefen wurde sie als despektierlich bezeichnet. Man stelle sich vor, im ursprünglichen Text wäre von "zwei alten Frauen" oder gar "zwei Alten" geschrieben worden! Unerhört! Weshalb eigentlich? Wir sprechen ja auch von jungen Frauen und jungen Männern. Oder einfach: von der Jugend oder den Jungen. Weshalb sollte die Altersangabe im einen Fall Respekt vermissen lassen und im andern nicht? Erst die Leserbriefreaktionen aber hatten das Alter (ab-)gewertet.
"Wir alle wollen alt werden, aber niemand will alt sein". Oder als alt bezeichnet werden. Alt werden hat mit Loslassen zu tun. Verluste auf verschiedenen Ebenen müssen akzeptiert werden. Dass einzelne Personen damit Mühe haben, ist verständlich. Das Altwerden und Altsein sollte aber nicht zu einem gesellschaftlichen Problem erklärt und damit abgewertet werden. Das Alter bringt ja schliesslich auch Lebensweisheit, Besonnenheit, Sanftmut, Selbstvertrauen und noch einiges mehr.
In biblischer Zeit hatte das Alter offenbar einen besseren Ruf. Die Altersangaben korrelieren mit der Ehre, die man einer Person entgegenbrachte. Die Verdienste von Menschen wie Methusalem und Noah wurden in einer (natürlich fiktiven) enormen Anzahl an Lebensjahren ausgedrückt. Nicht nur alte Männer werden hervorgehoben, sondern auch Frauen, auch wenn bei den Frauen (wie auch heute) das genaue Alter nicht genannt wird: Maria, Elisabeth, Hannah...
Die Jugend umgekehrt wird in der Bibel nicht abgewertet, aber auch nicht idealisiert. Der Jugendwahn unserer Zeit war Sarah, Rebekka, Maria Magdalena und Lydia fremd. Die "Alten" orientierten sich damals nicht an den "Jungen", sondern waren glücklich und stolz auf ihre Jahre.
Pfarrer Peter Vogelsanger, Dekan, reformierter Pfarrer in Schaffhausen-Herblingen
für Rückmeldungen:
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