Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03512.jsonl.gz/1468

Wir sind happy, dass das lokale Reisebüro vier der sehr begehrten Tickets für die Zugfahrt von Kandy nach Nanu Oya ergattern konnte. Aufgrund des unberechenbaren Verkehrs rund um Kandy müssen wir auch heute schon relativ früh unser Lager abbrechen, um zum Bahnhof nach Peradeniya zu gelangen. Dort freundet sich Mac mit einem Bahnhofbeamten an, sodass wir zuerst die 150 Jahre alte Billett-Druckmaschine besichtigen können und uns dann sogar noch das Stellwerk des Verkehrsknoten gezeigt wird. Nicht nur das, wir können sogar noch selber einige Weichen stellen und das Signal umschalten. Dass es deswegen Zugsentgleisungen gegeben hätte, ist nicht erhärtet.
Die Eisenbahn wurde Ende des 19. Jahrhunderts von den britischen Kolonialherren zum Transport der Produkte aus den Plantagen im Hochland zum Hafen von Colombo gebaut. Auf der etwa vierstündigen Strecke von Peradeniya nach Nanu Oya kommen wir unter anderem an unzähligen Teeplantagen, einem schönen Wasserfall und einem Stausee vorbei. Sri Lanka bezieht den Strom vorwiegend aus Wasserkraft, welche durch viele Quellen im Hochland von Sri Lanka gespiesen wird. Der enorme Platzbedarf der in Zentral Sri Lanka weit verbreiteten Teeproduktion führte dazu, dass der Urwald und damit der Ursprung der vielen Quellen grösstenteils den Teeplantagen weichen musste. In den letzten Jahren merkte die Regierung, dass Sri Lanka vor allem auch wegen der grossen Bedeutung der Wasserkraft auf diese Quellen angewiesen ist. In der Folge wurde zum Beispiel in den Knuckles die Abholzung ab einer bestimmten Höhe nicht mehr gestattet ist. Damit soll der Regenwald zumindest in seinem heutigen Umfang erhalten werden. Nichtsdestotrotz ist die Teeproduktion hier einer der wichtigsten Wirtschaftszweige und Arbeitsgeber für tausende Familien.
Auf der malerischen Strecke zwischen Peradeniya und Nanu Oya hält der Zug an ca. 25 Stationen. Der Start zur Weiterfahrt ist jeweils deutlich spürbar, da der Zug hinten und vorne von zwei Diesellokomotiven angetrieben wird. Vor der Abfahrt werden die hinteren Wagen zunächst in die vorderen geschoben und erst dann setzt sich auch die vordere Lok in Bewegung. So verabschiedet sich der Zug vor der Weiterreise jeweils mit einem lauten Knall aus dem Bahnhof. Unterwegs kommen immer wieder Essensverkäufer an unseren Sitzplätzen vorbei. Bei den gut riechenden frittierten Gemüsebällchen können wir dann schliesslich nicht mehr wiederstehen.
In Nanu Oya werden wir von Mac wieder abgeholt und fahren zum nahe gelegenen Nuwara Eliya, dem „Little England“ von Sri Lanka. Auf 1870m gelegen ist es hier deutlich kühler als in den tieferen Lagen. Auf der lokalen Bank rüsten wir uns mit neuen Rupien aus. Neben uns versuchen einige Einheimische ein Konto zu eröffnen, was das Ausfüllen eines beinahe 5cm dicken Papierstapels mit sich bringt. Anscheinend haben sie hier die digitale Datenablage noch nicht entdeckt. Auf der Weiterfahrt zu unserem schottischen Bungalow wird uns in einer Teefabrik die Produktion von Schwarztee erklärt. Die grünen Teeblätter werden vom Feld in die Fabrik geliefert. Dort werden sie zunächst 10-12 Stunden getrocknet. Danach werden sie in verschiedenen Schritten von gut 100 Jahre alten Maschinen zerkleinert und gemahlen. Nach einer weiteren Trocknungszeit von 2 Stunden und 20 Minuten wird der Tee dann noch in einem mit Holz befeuerten Ofen fermentiert und in verschiedene Qualitätskategorien gesiebt. Während der Hochsaison im April läuft der Betrieb während 7 Tagen durchgehend. Eingedeckt mit einigen Päckchen Tee fahren wir zu unserem inmitten einer Teeplantage gelegenen Hotel, wo wir uns am Kaminfeuer verwöhnen lassen.