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Welches sind die Themen, die Frauen in den Betrieben heute beschäftigen? Unterscheiden sich die Anliegen von ICT-Mitarbeitenden von denjenigen in anderen Branchen? Gibt es überhaupt noch etwas zu verändern oder ist bereits alles erreicht? Wir wollten es wissen und haben deshalb eine Umfrage bei den Frauen und Männern in der ICT-Branche durchgeführt.
Bei der Beurteilung der Massnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf im eigenen Betrieb hat die Mehrheit der Antwortenden die Massnahmen ihres eigenen Arbeitgebers als gut eingestuft. Dieses Ergebnis ist für uns sehr erfreulich; denn es zeigt, dass die durch die Sozialpartnerschaft errungenen Massnahmen ihre Wirkung entfalten.
Als Massnahmen wurden besonders die Möglichkeit, unbezahlten Urlaub zu nehmen, flexible Arbeitszeiten und die Option, von Zuhause aus zu arbeiten, genannt. 23.3% empfinden die Massnahmen im eigenen Betrieb als unzulänglich. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, müsste jedoch ermittelt werden, um welche Betriebe es sich handelt und welche Massnahmen bereits bestehen. Möglich wäre so beispielsweise zusätzlich die Forderung nach der Einführung von internen Kinderkrippen.
Ebenso wie im gesamtschweizerischen Durchschnitt ergibt auch die Umfrage in der ICT-Branche einen Unterschied zwischen dem Arbeitspensum von Frauen und Männern. Rund 50% der befragten Frauen arbeiten Teilzeit. Bei den befragten Männern sind es hingegen nur ein Drittel.
Dies bestätigt sich auch bei der Frage nach dem Arbeitspensum des Partners oder der Partnerin der befragten Personen. Auch hier arbeiten jene der Frauen weniger Teilzeit als jene der Männer.
Teilzeitarbeit kann einhergehen mit negativen Effekten wie unfreiwilliger Flexibilität, niedrigeren Löhnen, schlechteren Laufbahnchancen und reduzierten Ansprüchen bei den Sozialversicherungen (inkl. Renten). Wir wollten daher von den Teilnehmer*innen der Umfrage wissen, ob sie solche Effekte wahrnehmen und als störend empfinden.
Die antwortenden Personen empfinden diese tatsächlich als sehr belastend. Die höchste Belastung wird aufgrund der reduzierten Ansprüche bei den Renten wahrgenommen. Danach schlechtere Laufbahnchancen, niedrigere Löhne und reduzierte Sozialversicherungsansprüche.
Bei der Frage nach einer Arbeitszeitverkürzung bei gleichem Lohn erachten 62% diese als sinnvoll. Auch für syndicom ist dies ein sinnvolles Mittel, um die Ungleichheiten infolge tieferer Arbeitspensen zu reduzieren. Andere Massnahmen greifen oftmals zu kurz. So zeigt eine deutsche Studie, dass zum Beispiel Home Office zu einer Mehrbelastung führen kann. Deutsche Studie
Der Begriff «gläserne Decke» ist eine Metapher für das Phänomen, dass Angehörige einer bestimmten Bevölkerungsgruppe kaum in Führungspositionen aufsteigen können. Auch die ICT-Branche bleibt gemäss unserer Umfrage nicht von diesem Effekt verschont. 55.81% der Antwortenden nehmen auch in ihrem Betrieb den Effekt der gläsernen Decke wahr, wobei die Mehrheit diesen als störend empfindet.
Auch wenn Berufe kein Geschlecht haben, bleibt die Arbeitswelt doch segregiert. Frauenberufe sind oft weniger anerkannt oder tiefer bezahlt. In der ICT-Branche arbeiten rund 23% Frauen. Man kann also von einer sogenannten Männerbranche sprechen. Auch das kann negative Effekte in der Zusammenarbeit von Männern und Frauen bedeuten. So antworten auch 68% der befragten Personen, dass es für Frauen in Männerbranchen schwierig ist, sich Gehör zu verschaffen.
Am deutlichsten fällt das Ergebnis bei der Frage nach dem Gender-Pay-Gap, also nach der Lohnungleichheit zwischen Frau und Mann, aus. Die jüngste Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik zeigt, dass Frauen im Durchschnitt ungefähr 20% weniger verdienen als die Männer. Diesen Umstand empfinden 82% der Antwortenden als störend, wobei 65% dies sogar als sehr störend ansehen.
Auch bei der Frage nach der Lohngleichheit im eigenen Betrieb gibt es einen klaren Trend. Knapp 82% der Antwortenden sehen die Lohngleichheit im eigenen Betrieb noch nicht erreicht.
Hier könnten Massnahmen zur Transparenz und entsprechende Massnahmen bei Ungleichheit Abhilfe schaffen. Wir werden gemeinsam mit unseren Sozialpartnern diesem Missstand auf den Grund gehen.
Ein erschreckendes Resultat zeichnet sich bei der Frage nach Belästigungen am Arbeitsplatz ab. Über 45% geben an, schon einmal sexuelle Belästigung erlebt oder beobachtet zu haben. Bei den Frauen sind es sogar fast 60%. Dies zeigt deutlich, dass eine Ombudsstelle alleine oft nicht ausreicht. Es braucht interne Schulungen zum Thema der sexuellen Belästigung sowie Workshops, um Teamleader und die Belegschaft entsprechend zu schulen und zu sensibilisieren.