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David Bohm hat zur Du-Philosophie des Zionisten Martin Buber ein Uebungssetting, das er Kontainer nennt, geschaffen. In solchen sogenannten Dialogen werden bestimmte Regeln eingehalten. Einige zentrale Regeln, die im Containment geübt werden, sind, dass ich nur ich-Formulierungen verwende und in die Mitte, also nicht zu einzelnen Personen, spreche. Auf entwickelter Stufe spreche ich auserdem ohne Fremdreferenz. Da das Setting durch Regeln bestimmt ist, kann man es operativ als Sprachspiel verstehen. D. Bohm nennt das Verfahren "Dialog", was "durch (dia) das Wort (log)" bedeutet. Die Ausdrücke "Dialog" und "Monolog" werden von David Bohm in einem spezifischen Sinn verwendet, der nichts mit der Anzahl der Gesprächsteilnehmer zu tun hat, sondern Haltungen repräsentiert: Im Dialog geht es darum, die Anzahl der Sichtweisen zu vergrössern, nicht darum, die richtige Sichtweise zu finden, oder wie in der Diskussion darum, die andern von irgendetwas zu überzeugen. Im Dialog interessieren sich die Teilnehmenden dafür, wie sie selbst ihre Um-Welt sehen und wie sie sie auch sehen könnten, weil andere sie so sehen.
In D. Bohm's Dialog ist Kommunikation nicht Mittel, sondern Zweck. Wenn ich Kommunikation als Mittel verstehe, versuche ich den Kommunikationsprozess zu beenden, weil ich den Zweck erreichen will. Ich diskutiere dann beispielsweise, bis ich eine Lösung gefunden oder ein Ziel erreicht habe, das heisst, bis ein Monolog entstanden ist. Wenn ich Kommunikation als Zweck begreife, erscheint sie mir - wie etwa bei N. Luhmann - als Lebensprozess, in welchem ich mich realisieren kann.
D. Bohm verfolgt ganz andere Absichten als eine Kommunikationstheorie. Er erläutert deshalb ein Verfahren, er gibt quasi ein Rezept, aber er macht keine kommunikationstheoretische Reflexionen zu seinem Setting. Gleichwohl kann man das Setting natürlich in einer systemtheoretischen Perspektive betrachten. Wenn ich die ganze Dialogrunde als System betrachte, dann fungiert sie - durch positive Rückkoppelungen - als Verstärker von Ideen und Sichtweisen und bestimmt, was die einzelnen Subsysteme, also die Teilnehmenden vernünftigerweise sagen. Wenn ich die einzelnen Teilnehmenden als System betrachte, dann sehe ich, dass die Dialogregeln wie Programmieranweisungen das kommunikative Verhalten der Teilnehmenden beschreiben. Wenn ein Teilnehmer sich etwas bewusst machen will, kann er es in der Dialogrunde sagen. Und er kann sich fragen, was die dort von andern geäusserten Sätze für ihn bedeuten. Das kybernetische Ziel der Teilnehmenden (also der je angestrebte Sollwert der Systeme) liegt darin, sich der eigenen Sprache oder der eigenen Sichtweisen bewusst zu werden. Die Systeme führen also je einen innern Dialog, den sie jenseits einer Dialogrunde nicht führen können. Die Dialogrunde fungiert als instruktionsfreies perturbierendes Milieu.
Damit sind einige Konzepte über Kommunikation in groben Zügen vorgestellt. Es sollen im Laufe der Zeit einige dazukommen und die vorhandenen weiter differenziert werden. Primäre geht es aber darum zu sehen, wie verschieden man auf Kommunikation schauen kann, und darum, sich der eigenen Sicht bewusst zu werden. Dazu sollten die bereits vorhandenen Darstellungen eine Grundlage liefern. Da es darum geht, eine je eigene Sicht zu gewinnen, will ich im folgenden meine eigene Sicht exemplarisch darstellen. Ich will damit ein Beispiel dafür geben, wie "man" die verschiedenen Ansätze in einer eigenen Sicht aufheben und in einem praktischen Umfeld verankern kann. Ich nenne meine Vorstellungen Hyperkommunikation.