Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03448.jsonl.gz/2842

Die Wissenschaft weiss viel – aber was weiss sie über sich selbst? Mit wachsendem Wissen wird es für die Wissenschaft immer schwieriger, sich über sich selbst ins Bild zu setzen. Wie können Forschende beispielsweise in Erfahrung bringen, welche Wirkung ihre Einsichten zeitigten? Wie können Hochschulen herausfinden, wo im Vergleich zu anderen Forschungseinrichtungen ihre Stärken liegen? Wissenschaft braucht Instrumente zur Selbstbeobachtung, um sich nach Massgabe eigener Qualitätskriterien selbst steuern und organisieren zu können.
Das Wissen über das Wissen
Ein wichtiger Schlüssel für das Wissen über das Wissen befindet sich in Philadelphia, USA. Wer an einer Kartografie der Wissenschaft arbeitet, kommt am dort ansässigen Institute for Scientific Information (ISI), das heute zum weltweit führenden Informationsvermittler Thomson Reuters gehört, nicht vorbei. Hier werden nicht nur sämtliche in international anerkannten Fachzeitschriften erschienenen Publikationen, sondern vor allem auch alle darin vorkommenden Verweise auf andere Publikationen gesammelt.
Letzteres macht den besonderen Wert dieser Verzeichnisse aus, denn erst die Analyse der Literaturverweise verschafft Einblicke in die Zusammenhänge des globalen Wissenschafts-Netzwerks. Die Daten des gigantischen Zitationsregisters gewähren Aufschluss über die Resonanz, welche einzelne Forschungsbeiträge erzielten. Die häufige Erwähnung einer Publikation in anderen Publikationen ist ein Indiz dafür, dass ihr Inhalt auf Interesse stiess und Forschende zum Weiterdenken oder Weiterexperimentieren anregte. Viele Zitationen bedeuten also in der Regel grosse Wirkung.
Die Wissenschaft von der Vermessung der Wissenschaft
Es war der Chemiker, Bibliothekswissenschafter und Linguist Eugene Garfield (geboren 1925), der in den Fünfzigerjahren auf die Idee kam, Zitationen wissenschaftlicher Veröffentlichungen systematisch zu erfassen. Er wurde damit zum Mitbegründer einer Wissenschaft der Vermessung von Wissenschaft: der Bibliometrie. Die von ihm entwickelten Verzeichnisse – darunter der berühmte Science Citation Index – liegen heute unter dem Namen «Web of Science®» als Online-Datenbank vor.
Die Datensammlung hat freilich ihre Schwächen und Fehler. Wer ihr aussagekräftige Analyseergebnisse entlocken will, braucht profundes bibliometrisches Wissen. Solches ist am Center for Science and Technology Studies (CWTS) der Universität Leiden vorhanden; die Leidener evaluieren mit Hilfe von Zitationsanalysen die Forschungsleistung ganzer Hochschulen. Auch die Universität Zürich (UZH) wurde 2007 vom CWTS durchleuchtet. Das Ergebnis: Die Anzahl der Publikationen in international anerkannten Fachzeitschriften konnte seit dem Jahr 2000 um ein Viertel, jene der Zitationen um die Hälfte gesteigert werden. Die UZH gehört heute, was die messbare Forschungsleistung anbelangt, zu den zehn Top-Adressen in Europa.
Geschichten hinter den Zahlen
Es ist bekannt: Leistungsausweise gewinnen in der Forschung ständig an Bedeutung. Für den Beitritt der UZH zur Vereinigung der besten Forschungsuniversitäten Europas (LERU) beispielsweise war ein exzellenter bibliometrischer Leistungsausweis die Voraussetzung. Doch Zahlen sind nicht alles: Hinter Forschungspublikationen stecken Geschichten – und jedesmal wieder andere. In diesem Dossier stellen wir Autorinnen und Autoren besonders häufig zitierter Publikationen vor. Wir haben sie gefragt, wie die entsprechenden Artikel zustande gekommen sind und was ihrer Meinung nach zu der grossen Resonanz geführt hat. Die kleine vom unijournal publizierte Serie wird bis Ende Jahr fortgesetzt.
Kommentar schreiben
Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Unberücksichtigt bleiben insbesondere anonyme, ehrverletzende, rassistische, sexistische, unsachliche oder themenfremde Kommentare sowie Beiträge mit Werbeinhalten.