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Geschichtlicher Überblick
Bereits seit dem 2. und 3. Jahrhundert gab es Christen in unserer Gegend. Die Gemeinden hatten ihren Sitz in den römischen Städten und Garnisonen. Das Zentrum der Christen unserer Region und Ort der Kirche, die sogar über längere Zeit eine Bischofskirche war, war in den ersten Jahrhunderten das alte Vindonissa (Windisch). Erst im frühen Mittelalter verliess der Bischof das zum Dorf gewordene Windisch und wechselte seinen Sitz ins aufstrebende Basel.
Der bis heute als Kirchgemeinde Rein bestehende kirchliche Zusammenschluss der Dörfer unseres Gebietes geht wahrscheinlich auf die fränkische Zeit zurück. Die fränkischen Könige förderten die Besiedlung und Urbarmachung des Landes durch gezielte Ansiedlung von Klöstern und Gründung von Kirchen als Stützpunkten, denen ein entsprechendes Gebiet zugeordnet wurde. So erhielt das 727 im Elsass gegründete Kloster Murbach unter vielen Schenkungen auch den "Hof Rein". "Hof Rein" bedeutete jener Zeit die Grundherrschaft über das ganze Gebiet der Kirch-gemeinde Rein und das Gebiet nördlich der Aare, das heute zu Brugg gehört, bis zur Mitte der Brücke in Brugg. Auch die kleine Siedlung Freudenau am rechten Aareufer (heute Ruine südlich Siggenthal-Station auf Untersiggenthaler Gebiet) gehörte bereits zu Rein.
Etwa um 750 wurde am heutigen Standort die Kirche Rein als Zentrum der Kirchgemeinde erbaut. Das Kloster als Grundherr setzte die Pfarrer in Rein ein und kam auch für deren Unterhalt auf. Da nicht nur in der Hauptkirche Rein, sondern auch in der Petruskirche in Remigen, in der Johanneskirche in Villigen und in einer heute verschwundenen St. Ulrichskapelle in Hinterrein regelmässige Gottesdienste stattfanden, stand dem Pfarrer noch ein Vikar und ein Kaplan
zur Seite. Drei Seelsorger waren also damals in der Kirchgemeinde Rein tätig, die im Mittelalter insgesamt etwa gut 1'000 Einwohner hatte. 1291 kauften die Habsburger die Grundherrschaft über den "Hof Rein" auf und damit auch alle Rechte und Pflichten der Kirchgemeinde. 1345 schenkte Königin Agnes von Habsburg die kirchlichen Einkünfte, Rechte und Pflichten ans Kloster Wittichen im Schwarzwald, während die weltliche Grundherrschaft bei den Habsburgern verblieb. Mit der Eroberung grosser Teile des heutigen Aargaus durch die Berner kam auch das Gebiet von Rein 1460 unter bernische Herrschaft, wobei die kirchlichen Rechte und Pflichten nach wie vor beim Kloster Wittichen verblieben.
1528 wurde in den bernischen Gebieten die Reformation eingeführt. Das Kloster Wittichen erhielt jedoch nur die Auflage, künftig reformierte Pfarrer in Rein einzusetzen. Doch es scheint, dass die Gemeinde diesen Wechsel nicht ohne weiteres akzeptiert hatte, musste sich doch die Obrigkeit 1536 mit Rein befassen, weil der damalige Prädikant (Pfarrer) und etliche seiner Vorgänger von der Gemeinde "misshandelt und bis auf den Tod verwundet und geschlagen" worden waren. 1544 verkauften die Witticher Frauen ihre Rechte und Pflichten an der Kirche Rein an den Grafen Hartmann von Hallwil. Über seine Erben kamen schliesslich zwei Drittel dieser Rechte an die Stadt Brugg und ein Drittel an Bern. Brugg nützte diese Rechte dazu, junge Theologen aus Brugg als Pfarrer in Rein einzusetzen.
Mit der Gründung des Kantons Aargau 1803 gingen die Berner Rechte an Rein an den Kanton über und 1810 auch jene, die bisher Brugg gehört hatten. Der Kleine Rat (Regierungsrat) setzte die Pfarrer ein; der Kirchenbesitz ging im Staatsbesitz auf. 1907 wurden Staat und Kirche entflochten und die Kirchgemeinde Rein erhielt die Kirche und das Pfarrhaus Rein sowie eine Geldsumme als Entschädigung für die eingezogenen Kirchengüter zum Eigentum.
Im Laufe der Jahrhunderte war es Brugg gelungen, einen immer grösseren Brückenkopf nördlich der Aare dem Stadtgebiet zuzuschlagen. So umfasste die Kirchgemeinde Rein Anfang unseres Jahrhunderts die Gebiete der Dörfer Remigen, Rüfenach, Villigen, Stilli und Lauffohr (das bis zum Grenzweg reichte, der auch heute noch so benannt wird). 1940 wurden durch Beschluss des Grossen Rates alle Reformierten in der Gemeinde Würenlingen und auf dem Gebiet Siggen-
thal-Station der Kirchgemeinde Rein zugeteilt. Wie im Spätmittelalter, bevor die Siedlung Freudenau von ihren letzten Bewohnerinnen und Bewohnern aufgegeben wurde, dehnt sich die Kirchgemeinde nun wieder bis auf das rechte Aareufer aus.
Nach dem Anschluss von Lauffohr an die Stadt Brugg im Jahre 1972 blieben die Reformierten im Gebiet der ehemals selbständigen Gemeinde kirchlich bei Rein. Die Kirchgemeinde wuchs stetig durch zuziehende städtische reformierte Familien, die aufs Land zogen. Bald einmal wurde eine zweite Pfarrstelle geschaffen und in Villigen ein zweites Pfarrhaus mit Kirchgemeinderaum gebaut. In den 80er-Jahren kam eine Gemeindehelferin, später Diakonische Mitarbeitende genannt, dazu und in den 90ern ein Sekretariat (Teilzeit), sowie mehrere Katechetinnen. Das Pensum der Sigristin musste aufgestockt werden. Sie wird unterstützt durch zwei Stellvertreter.
Auch wenn die Kirche Rein, wie viele andere Kirchgemeinden, zurzeit wieder kleiner wird, präsentiert sie sich heute als lebendige Kirche, die alle Generationen anspricht. Zwei Pfarrer, kirchlich Mitarbeitende, viele Freiwillige und Ehrenamtliche gestalten sie, kümmern sich um die Angebote und pflegen vielfältige Beziehungen zu den Gemeindemitgliedern.
Aus Max Baumann (1998): Rein und Rüfenach, Baden-Verlag, sowie weiteren Quellen zusammengetragen von Pfr. Urs Klingler
Kirche Rein, Pfarrhaus, Konfi- und Wöschhüsli