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Lexikon
Gottfried Keller (1819-1890) bildet zusammen mit Jeremias Gotthelf (1797-1854) und Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898) das Trio der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftsteller der Schweiz im 19. Jahrhundert. Von der Literaturgeschichte wird sein literarisches Werk ebenso wie dasjenige etwa von Theodor Fontane oder Theodor Storm zum poetischen Realismus gezählt. Dieser will Wirklichkeit nicht nur abbilden, sondern gestaltend durchdringen.
Am 19. Juli 1819 als Sohn des Drechslermeisters Rudolf Keller und der Arzttochter Elisabeth Scheuchzer in Zürich geboren, durchlebt Gottfried Keller nach dem frühen Tod des Vaters im Jahre 1824 die Jugendzeit unter der Obhut seiner fürsorglichen, aber sparsamen Mutter. Nach dem Besuch der sogenannten Armenschule und des Landknabeninstitutes wird der begabte Junge in die Industrieschule aufgenommen, die dem heutigen Realgymnasium entspricht. Bereits im dritten Schuljahr wird er aber als angeblicher Rädelsführer bei einem Protestzug gegen einen ungeliebten Rechenlehrer aus dieser Schule ausgeschlossen. Anschliessend tritt er eine Lehre bei einem Lithographen an, bevor er vom Zürcher Maler Rudolf Meyer (1803-1857) in die Grundlagen der Landschaftsmalerei eingeführt wird. Nach einem halben Jahr verlässt Meyer Zürich, so dass Keller auch diese Ausbildung unvollständig abbrechen muss.
1840 reist Keller nach München, um an der dortigen Akademie Landschaftsmalerei zu studieren. Da sich aber kein geeigneter Lehrer findet und Keller für seine autodidaktisch entstandenen Bilder keine Käufer findet, muss er 1842 nach Zürich zurückkehren. Dort beginnt eine intensive lyrische Produktion, die 1846 in einem Band «Gedichte» ihren Niederschlag findet. Mehr und mehr engagiert sich Keller auch in den politischen Auseinandersetzungen zwischen liberalen und konservativen Kantonen in der Schweiz. Nachdem er im ersten Halbjahr 1848 als Volontär in der Staatskanzlei unter Leitung des damaligen Staatsschreibers Alfred Escher gearbeitet hat, fördert ihn der Regierungsrat des Kantons Zürich mit einem Reisestipendium. Keller nutzt dieses, um seine abgebrochene Bildung durch Vorlesungen an der Universität Heidelberg zu vervollständigen. 1850 reist er mit einem weiteren Stipendium nach Berlin, wo er sich als Dramatiker etablieren möchte. Während fünf Jahren schreibt er an seinem ersten Roman «Der grüne Heinrich», der endlich 1855 abgeschlossen wird. Am Ende der Berliner Jahre muss Keller wiederum in materieller Not nach Zürich zurückkehren.
Nach 1856 publiziert Keller politische und ästhetische Aufsätze, in denen er u.a. die Regierung des Kantons Zürich kritisiert. Dennoch wird er von dieser 1861 in das Amt des Ersten Staatsschreibers berufen. Dieses Amt übt er während fünfzehn Jahren bis zu seinem Rücktritt im Juli 1876 aus. Obwohl er seine Pflichten als Beamter nie vernachlässigt, findet er die Zeit, in diesen Jahren die «Sieben Legenden» (1872) sowie einen zweiten Band der «Leute von Seldwyla» (1874) zu veröffentlichen, deren erster Band schon 1856 erschienen war. Im November 1875 veröffentlicht er auch die Novelle «Romeo und Julia auf dem Dorfe». Alle diese Publikationen finden eine gute Aufnahme bei der Kritik wie beim Publikum, so dass Keller es wagen kann, sich ab 1876 ganz dem Schriftstellerberuf zu widmen.
1876 erscheinen die «Züricher Novellen» zuerst in der renommierten «Deutschen Rundschau», 1878 auch in Buchform. Ein grosses Anliegen ist es Keller, den Roman «Der grüne Heinrich» zu revidieren, der seiner Ansicht nach missglückt war. Die neue Fassung erscheint 1879/80. Zwei Jahre später folgt «Das Sinngedicht», 1883 erscheinen die «Gesammelten Gedichte», in denen Keller alle lyrischen Produktionen versammelt, die er der Nachwelt überliefern will. Wie bei der Erstfassung des «Grünen Heinrich» erfährt Keller auch beim Roman «Martin Salander» 1886 das Unglück, dass ihm der Schluss missrät, weil der Verleger der «Deutschen Rundschau», wo der Roman vorabgedruckt wird, zu einem Ende drängt. Kellers literarisches Werk wird 1889/90 durch die zehnbändige Ausgabe der «Gesammelten Werke» gekrönt.
1888 stirbt Kellers Schwester Regula, die ihm während Jahrzehnten den Haushalt besorgt hatte. Trotz Altersfreundschaften – vor allem mit dem Maler Arnold Böcklin – zieht sich der Dichter immer mehr zurück. Am 15. Juli 1890 stirbt er, vier Tage vor seinem 71. Geburtstag.