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Klimawandel Graubünden
Midada dal clima
Cambiamento climatico
Der Sommer 2021 war in weiten Teilen der Schweiz von häufigen starken Regenfällen geprägt. Die Hauptursache für dieses Wetter war eine Blockade des Jetstream. Der Kanton Graubünden blieb von heftigem Regen verschont.
Der Jetstream ist eine Luftströmung, die sich in der Atmosphäre von Westen nach Osten bewegt und sich in einer Höhe von etwa 10 km befindet. Er zeichnet sich durch eine hohe Geschwindigkeit aus, die zwischen 150 und 400 km/h liegt.
Dieses Phänomen entsteht, wenn warme Luft aus den Tropen auf kalte Polarluft trifft. Durch die Kraft, die von der Erdrotation herrührt (Corioliskraft), werden die Luftmassen gegen Osten hin abgelenkt. Je nach Geschwindigkeit dieses starken Westwinds folgt der Jetstream unterschiedlichen Bahnen mit einer geraden oder wellenförmigen Form, die sich im Laufe der Zeit weiter verändert. .
Weht der Jetstream nur schwach, bewegt er sich stark wellenförmig. Dadurch können warme Luftfronten in kalte Luftfronten eindringen und umgekehrt, was zu eher niedrigen Temperaturen in tropischen Gebieten und warmer Luft in polaren Gebieten führt. Gleichzeitig bewegt sich die Strömung nur wenig vorwärts, wodurch solche Wetterlagen über längere Zeiträume fast statisch an derselben Stelle verharren und mitunter extreme Wetterereignisse wie Überschwemmungen, Dürren und langanhaltende Kalt- oder Warmluftwellen verursachen.
Im vergangenen Sommer, vor allem im Juli, wurde die Schweiz Zeuge dieser Blockade des Jetstreams und ihrer Folgen. Wie in einem Blick-Artikel berichtet, kam es in Schleitheim im Kanton Schaffhausen am 15. Juli zu heftigen Regenfällen, die in der kleinen Gemeinde zu Überschwemmungen führten. Das Wasser erreichte eine Höhe von etwa 1,5 m und schwemmte alles weg, was es konnte, darunter Bäume, Autos und Container. Glücklicherweise wurden keine Todesopfer vermeldet.
Der Kanton Graubünden blieb von heftigen Regenfällen verschont. Wie Walter Fromm (Leiter der Fachstelle Obst- und Weinbau am Plantahof) erklärt, mussten die Bündner Weinbäuerinnen und Winzer 2021 keinen Ernteausfall verzeichnen.
Anders jedoch in Deutschland: Schwere Überschwemmungen – zum Teil gepaart mit Erdrutschen, die sich durch das starke Eindringen von Wasser in den Boden bildeten – führten leider zum Tod von mehr als 100 Menschen und zerstörten mehrere Städte. In Belgien, Luxemburg und den Niederlanden kam es ebenfalls zu erheblichen Schäden.
Auch in anderen Teilen der Welt verursachte die Blockade des Jetstream Schäden. In Kanada zum Beispiel gab es eine schwere Hitzewelle. In Zhengzhou, China, regnete es infolge eines schweren Gewitters in nur drei Tagen so viel, wie sonst in einem ganzen Jahr, was wiederum den Tod von etwa 30 Menschen zur Folge hatte.
Als weiteres Beispiel für die Auswirkungen dieses Phänomens verzeichnete Grönland im Sommer 2021 eine Durchschnittstemperatur von 8 °C. Wenn man bedenkt, dass in den letzten 30 Jahren die Durchschnittstemperatur dort bereits um 1,1 °C angestiegen ist, ist der Wert von 2021 besonders hoch einzustufen.
Infolge der globalen Erwärmung schmelzen die Polkappen, wodurch die Sonnenstrahlen weniger reflektiert werden und Temperatur und Luftdruck in der arktischen Region weiter ansteigen. Dies wiederum reduziert das Temperatur- und Luftdruckgefälle zwischen den arktischen und gemässigten Regionen. Ob dadurch der Jetstream so verlangsamt wird, dass grössere Luftstromwellen entstehen, die dann bestimmte Wetterphänomene in verschiedenen Gebieten der Erde hervorrufen, ist bislang noch nicht zweifelsfrei erwiesen. Die Wissenschaft ist bestrebt, hierauf baldige Antworten zu finden.