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Coopzeitung:Sie muten sich den Stress zu, tagsüber in Leipzig im «Tatort» vor der Kamera und abends im Berliner Theater am Kurfürstendamm in der Komödie «Gerüchte ... Gerüchte ...» auf der Bühne zu stehen. Weshalb?
Pasquale Aleardi: Nach einer langen Pause wieder einmal Theater zu spielen, war für mich eine Herzenssache. Als mir dann eine Hauptrolle im «Tatort» mit Simone Thomalla angeboten wurde, wollte ich jedoch auch nicht Nein sagen.
Was für ein Zufall, dass Ihre Bühnen-Gattin von Maria Furtwängler verkörpert wird, einer anderen «Tatort»-Kommissarin ...
Vor drei Jahren haben wir uns beim dramatischen Zweiteiler «Schicksalsjahre» schätzen gelernt, in dem sie eine Pianistin und ich einen Opernsänger verkörperte. Eine wahre Liebesgeschichte, die in der Vorkriegszeit begann und im Wirtschaftswunder endete. Ich habe Maria damals ermuntert, auch einmal am alljährlichen Workshop des berühmten Schauspielcoaches Larry Moss in Berlin teilzunehmen. Er arbeitet sonst mit Leonardo di Caprio und anderen Stars. Unsere Gruppe von Schauspielern kam dort auf die Idee, Neil Simons Broadway-Klassiker «Gerüchte … Gerüchte …» nach den eigenen Vorstellungen zu produzieren.
Wie schwierig war die Umstellung vom Film aufs Theater?
Es ist zwar ganz etwas anderes. Da ich aber schon während der Ausbildung an der Theaterhochschule am Zürcher Schauspielhaus und bis 2002 an verschiedenen deutschen Bühnen gespielt hatte, fiel sie mir bedeutend leichter als Maria, die keine Erfahrung mitbrachte. Deshalb legte sie auch Wert darauf, dass ich auch in diesem Stück ihren Ehemann spiele.
Während der TV-Star scheu wirkt, legen Sie sich auch mit ihrer Physis ins Zeug.
Ich gebe immer alles, damit die Charakteren dreidimensional wirken. Die Schwierigkeit an dieser Rolle ist, dass Ken nach einem Knalltrauma alles falsch versteht und übertrieben laut spricht. Das soll lustig wirken, aber auch glaubhaft. Wenn man die Figur sechs Wochen beinahe jeden Abend spielt, kommst du an deine Grenzen.
Wie haben Sie sich auf «Stärke 6» vorbereitet, wo Sie einen Offizier verkörpern, der einer Geologin hilft, illegal im Vierwaldstättersee entsorgte Munition nachzuweisen?
Ich habe zwei Wochen mit einem echten Hauptmann trainiert. Für mich ist es Ehrensache, dass ich nicht nur den Text der Figur lerne, sondern auch ihr Handwerk. Ich kann es nicht leiden, wenn Schauspieler den Regisseur auf dem Set fragen, was sie tun sollen, statt ihm Varianten anzubieten. Wir haben in Deutschland allerdings auch viel zu wenig Zeit für die Vorbereitung. Als ich im Actionfilm «Resident Evil» einen Soldaten spielte, wurden wir zuvor zwei Monate von einem Kriegsveteranen gedrillt und machten jeden Tag Schiessübungen. Ich nahm drei Kilo Muskelmasse zu!
Konnten Sie schon vor den Dreharbeiten tauchen?
Ich brachte nur die Grundkenntnisse mit, die man sich in den Ferien aneignet. Mein Hauptmann Scherrer ist da eine ganze andere Nummer. Ich hatte völlig unterschätzt, wie viel Gewicht diese Kampftaucher mit sich tragen müssen. Allein die Sauerstoffflasche ist 40 Kilo schwer. Im Ganzkörperanzug hatte ich am Anfang klaustrophobische Zustände. Beim ersten Mal riss ich schon nach zehn Sekunden die Maske herunter, weil ich das Gefühl hatte, zu ersticken.
Wie war es für Sie, erstmals seit Ihrer Rolle als Co-Pilot Peter Landolt in «Grounding» wieder in der Schweiz zu drehen?
Ich liebe die Schweiz und arbeite dort besonders gerne, weil ich dann Verwandte besuchen kann. In der Zwischenzeit hatte ich trotzdem einige Angebote abgelehnt, weil mich die Drehbücher nicht überzeugten. «Stärke 6» interessierte mich aber sofort, weil ich es spannend fand, die Wandlung dieses Typen vom Karrieristen zum selbstlosen Helden zu spielen.
Wollten Sie nicht ursprünglich als Rechtsanwalt für Gerechtigkeit kämpfen?
Nein, ich wollte nie Jura studieren, aber meinen Eltern, die als Gastarbeiter aus Griechenland und Italien in die Schweiz gekommen sind, schwebte vor, dass ich es einmal besser haben und dafür meine Matura nutzen sollte. Sie waren schockiert, als ich ihnen eröffnete, dass ich Schauspieler werde. Erst, als sie mich im Kinofilm «Tschäss» sahen, waren sie beruhigt und stolz auf mich.
In Ihrem Element scheinen Sie sich auch zu fühlen, wenn Sie mit Ihrer Band in der Berliner «Bar jeder Vernunft» auftreten. Was bedeutet Ihnen Ihre Musik?
«The Big Gee» ist ein Spassprojekt, das entstand, als ich die Hauptrolle im «Tabaluga»-Musical sang und mich mit dem Tontechniker anfreundete. Er liebte wie ich den Funk und besitzt ein Studio. Der Gewinn des Deutschen Rock & Pop-Preises hat uns sogar einen Plattenvertrag eingetragen. Aber das ist mir nicht wirklich wichtig. Wichtig ist: Musik wirkt befreiend. Da kann ich mich treiben lassen und vor Begeisterung ausflippen!