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Mit dem Olympia-Verzicht von Iouri Podladtchikov ändert sich die Ausgangslage für den Halfpipe-Wettkampf. Mit Pat Burgener zählt sich aber noch immer ein Schweizer zu den Medaillenkandidaten.
Vor vier Jahren in Sotschi hatte die Snowboard-Welt vom Duell zwischen Iouri Podladtchikov und Shaun White gesprochen. Das optimale Ende behielt damals der Schweizer mit Olympia-Gold für sich, White blieb nach den Siegen 2006 und 2010 völlig überraschend nur der 4. Platz. "Es war ein schöner Augenöffner für mich, wie das Leben wirklich ist", sagte White kürzlich.
Die Scharte von 2014 will der mittlerweile 31-jährige US-Superstar in Südkorea auswetzen. Seine Ansage hört sich an wie eine Drohung an die Konkurrenz: "Ich denke nicht, dass wir meinen besten Lauf schon gesehen haben", sagte White. Was insofern absurd tönt, als dass der Amerikaner im Januar, als er seine vierte Olympia-Teilnahme in Snowmass mit dem allerletzten Lauf der Qualifikationsphase sicherstellte, bereits zweimal in seiner Karriere das Maximum von 100 Punkten aufleuchten sah.
Hiranos Highscore
Motivation für den Beginn der "Psychospielchen" sind die starken Leistungen seiner Widersacher. Der Australier Scotty James zum Beispiel war 2015 und 2017 Weltmeister - und wähnte sich Ende Januar an den X-Games, auf die White verzichtet hatte, auf Siegkurs.
Die Champagner-Flasche nach seinem 3. Lauf und 98 Punkten war dem Vernehmen nach bereits geöffnet, ehe Ayumu Hirano mit einem Novum das Highscore noch um einen Zähler verbesserte. "Ich hätte ihm sogar 110 Punkte dafür gegeben", sagte Pat Burgener anerkennend und sprach vom "besten Run aller Zeiten".
Hirano zeigte als erster Fahrer in einem Wettkampf zwei aufeinander folgende 1440-Grad-Rotationen, garniert mit zwei 1260ern. Auch für viele andere Beobachter als Burgener bot der 19-jährige Japaner, der 2014 hinter Podladtchikov Silber geholt hatte, in Aspen die bisher beste Show in einer Halfpipe.
White freut sich darauf, gegen Hirano anzutreten. "Er hat eine unglaubliche Kombination gezeigt, an der ich selbst arbeite." Hirano hat sich im Vorfeld der Winterspiele dahingehend geäussert, dass für ihn nur die Goldmedaille zähle.
Burgeners gewichtiges Wort
Zu den wichtigsten Herausforderern zählt mit Burgener aber auch ein Schweizer. "Ich habe die technischen Möglichkeiten, eine Medaille zu gewinnen", sagte der Romand selbstbewusst. Er weiss, dass er den "Run des Lebens" stehen muss, um in die Nähe der Top 3 zu kommen.
Liefert der einstige Lebemann und heutige Vollblut-Musiker in Bokwang wie von ihm erhofft ab, ist ihm alles zuzutrauen. "Aktuell fühle ich mich wie ein Vogel", so Burgener. Er, der einst mit seiner Flausen die Verantwortlichen von Swiss-Ski an den Rand des Wahnsinns trieb, ist fokussierter und erwachsen(er) geworden.
Burgener strahlt eine Mischung aus Lockerheit und einer gesunden Portion Selbstbewusstsein aus. "Für mich ist 90 Prozent Kopfsache, der Rest ist sportliches Training", sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur sda. "In den zehn Prozent sind Hirano und White vielleicht besser als ich. Aber ob sie gleich parat sein werden?"
Zusammen mit Jan Scherrer bildete Burgener in den letzten zwei Wochen aufgrund der Verletzungen von Podladtchikov und David Hablützel gezwungenermassen ein Zweierteam, das in Laax viele qualitativ gute Trainings absolvierte.
Das Duo musste sich zuweilen abschotten, um nicht zu sehr in den Einfluss der medizinischen Bulletins zu geraten. "Wir mussten in gewissen Momenten Abstand von den beiden nehmen", sagte Scherrer zur nicht ganz einfachen Situation. "Man muss trotz starkem Zusammenhalt im Team zum Egoisten werden."
SDA-ATS