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Erstens reicht eine einzige Impfung, bei Moderna und Pfizer/Biontech sind es zwei. Zweitens handelt es sich bei J&J nicht um einen Impfstoff der neuen mRNA-Methode, sondern um einen sogenannten vektorbasierten Impfstoff; das trifft auch auf AstraZeneca zu.
Der Vektorimpfstoff basiert auf einem menschlichen Adenovirus, das sonst Erkältungen verursacht, für die Impfung aber unschädlich gemacht wurde. Dafür wurde die Virushülle mit einem Stück DNA des Sars-CoV-2-Virus «beladen». Der Abschnitt codiert für das Oberflächenprotein (Spike-S-Protein) des Virus. Mit den Viren wird diese DNA in die Zellen gebracht, die dann das Protein produzieren, welches als Antigen für das Immunsystem dient. Das Immunsystem reagiert mit der Bildung von Antikörpern und T-Zellen.
Ja, es ist gleichwertig. Im Covid-Zertifikat wird die Art des Impfstoffs vermerkt.
Nein, gemäss den Impfeffizienz-Studien hat der Impfstoff Covid-19 «Vaccine Janssen» nur eine Wirkung von durchschnittlich 66.9 Prozent. Interessanterweise scheint der Stoff bei Älteren besser zu wirken – bei den mRNA-Impfstoffen ist es umgekehrt. In der Altersgruppe der 18–64-Jährigen erreicht der Stoff demnach eine Effizienz von 64.2 Prozent und bei der Gruppe 65+ einen von 82.4 Prozent. Schwere und kritische Krankheitsverläufe können mit dieser Impfung zu fast 85 Prozent verhindert werden.
In den sehr seltenen Fällen vermutlich schon. Die in den klinischen Studien am häufigsten dokumentierten Nebenwirkungen sind zwar ebenfalls Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schmerzen an der Einstichstelle oder Übelkeit während ein bis zweier Tage. Im Unterschied zu den mRNA-Impfstoffen trägt aber «Vaccine Janssen» wie auch der Stoff von AstraZeneca das geringe Risiko einer Sinusthrombose – einem Gerinsel in einer Gehirnvene, was meist harmlos verläuft. Und auch das Risiko der Nervenkrankheit Guillain-Barré, die zu (meist vorübergehenden) Lähmungen führen kann. Während vom Guillain-Barré-Syndrom eher Leute ab 50 betroffen sind, tritt eine Sinusthrombose eher bei jüngeren Frauen auf.
Beide Risiken treten auch bei einer Corona-Infektion auf. Warum die beiden Vektorimpfungen das Risiko ebenfalls bergen, aber die mRNA-Impfungen nicht, ist ungeklärt. Eine Möglichkeit wäre, dass die Immunreaktion bei diesen traditionellen Impfstoffen länger läuft.
Die von den Vektorviren in die Zelle gebrachte DNA wird im Zellkern zu mRNA umgeschrieben und dient den zelleigenen Proteinfabriken (Ribosomen) als Vorlage für die Produktion des Spike-Proteins. Bei den mRNA-Impfstoffen wird direkt mRNA in die Zelle gebracht. Danach ist die Wirkung gleich. Anstelle eines «ausgehöhlten» Adenovirus ist der Wirkstoff bei den mRNA-Impfstoffen von Lipid-Partikeln (Fettkügelchen) umhüllt.
Gemäss Studien ist bei diesem Vektorimpfstoff eine Booster-Dosis besonders wichtig, da die Effizienz weniger gut ist als bei den mRNA-Stoffen.
Der Bund hat einen Vertrag über die Lieferung von 150'000 Impfstoffdosen abgeschlossen. Das schreibt das Bundesamt für Gesundheit am Mittwoch. Geplant ist, dass der Impfstoff noch diese Woche in der Schweiz ankommt, bereits ab nächster Woche wird er dann von der Armeeapotheke an die Kantone ausgeliefert.
Das J&J-Produkt ist nicht für die breite Masse der Bevölkerung vorgesehen, sondern für Leute, die besser auf diesen Vektorstoff ansprechen als auf die Vakzine, die mit der neuen mRNA-Methode entwickelt wurden. Das könnten beispielsweise Allergiker sein. Die Nachfrage könnte aber trotzdem gross sein, denn dass nur eine Impfung nötig ist, dürften viele Leute als Vorteil erachten. Bei den mRNA-Impfstoffen von Moderna und Pfizer/Biontech treten Nebenwirkungen oft nach der zweiten Dosis auf. Bundesrat Alain Berset schrieb dazu:
Der Bund kauft 150'000 Impfstoffdosen von @JanssenGlobal. Das vektorbasierte Vakzin wird diese Woche geliefert und nächste Woche an die Kantone verteilt. Es steht Personen zur Verfügung, die sich nicht mit einem mRNA-Impfstoff impfen lassen können oder wollen. @BAG_OFSP_UFSP— Alain Berset (@alain_berset) September 29, 2021
Gemäss BAG ist J&J primär für Personen vorgesehen, die sich aus medizinischen Gründen nicht mit einem mRNA-Impfstoff schützen könnten, weil sie beispielsweise auf einen Inhaltsstoff allergisch reagierten. Allergien, die das Impfen mit den Präparaten von Pfizer oder Moderna verunmöglichen, sind allerdings sehr selten. Trotzdem ist die Verunsicherung bei Menschen mit Allergien gross.
Lukas Jörg, Spitalfacharzt an der Poliklinik für Allergologie und klinische Immunologie am Inselspital Bern, sagt: «Seit Januar 2021 haben wir zahlreiche Anfragen zu der Covid-19-Impfung und Allergien. Neben unserem regulären Tagesgeschäft behandeln wir pro Tag zusätzlich 40 bis 60 Anfragen und Zuweisungen zur Covid-19-Impfung und zu Allergien oder Nebenwirkungen.»
Meist ist eine Impfung problemlos möglich, in einigen Fällen empfehlen die Fachleute, vor der Impfung ein Antihistaminikum einzunehmen. Personen, die auf Nahrungsmittel, Pollen, Hausstaubmilben, Tiere, Insektengifte oder Latex allergisch sind, können ganz normal geimpft werden, auch mit mRNA-Vakzinen.
Die Lagerung ist einfacher als bei mRNA-Präparaten, die bei eisigen Temperaturen transportiert und aufbewahrt werden müssen (minus 70 Grad). Bei Johnson & Johnson sind keine speziellen Kühlvorrichtungen und Transportcontainer nötig, sie können bei normalen Kühlschranktemperaturen zwischen zwei und acht Grad gelagert werden. Die Schwachstelle der Vektorimpfstoffe ist andererseits, dass das Immunsystem auf den Vektorvirus reagieren und verhindern kann, dass der Impfstoff überhaupt in die Zellen gebracht werden kann.
Es wird zwar Viren-DNA in die Zellen gebracht, durch die Impfung entstehen aber keine Viren. Es wird lediglich ein spezielles Virenprotein produziert und von den Zellen ausgestossen. Auch die Vektorviren können sich nicht vermehren.
Es handelt sich bei diesem Text um die Fassung eines früher publizierten Artikels, der aufgrund des Liefervertrags der Schweiz nun aktualisiert wurde. (aargauerzeitung.ch)