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Sind lange Implantate besser als kurze?
Implantate werden schon seit vielen Jahren erfolgreich eingesetzt und versorgt. Reduzierte Knochenangebote, bedingt durch den Knochenabbau nach Extraktion und die Kieferhöhle im Oberkiefer, können das Setzen von Implantaten einschränken. Der Aufbau des Knochens oder der Einsatz kürzerer Implantate sind Optionen zur Lösung dieser Problematik. Der Vorteil kürzerer Implantate ist sicher, dass keine Transplantate verwendet werden müssen und so Morbidi- tät, Zeitaufwand und Kosten der Behandlung reduziert werden können. Auch die Risiken einer Perforation des Sinus und von Verletzungen der Nerven verringern sich beim Einsatz kurzer Implantate. Ziel der vorliegenden Metaanalyse war es zu untersuchen, ob kurze (7 mm) und längere Implantate (≥ 10 mm) unterschiedliche Misserfolgsraten zeigen. Nach einer Literatursu- che (elektronisch und von Hand) wurden 54 prospektive Fallberichte mit 19.083 Implantaten ausgewertet. Lange Zeit galt die Behauptung, dass ein längeres Im- plantat eine geringere Misserfolgsrate aufweisen wür- de, was aber nie wissenschaftlich belegt werden konn- te. Es wurde auch behauptet, dass größere Durchmes- ser mit einer größeren Oberfläche erfolgreicher seien. Auch diese Behauptung ließ sich nicht beweisen. Die vorliegende Metaanalyse zeigt, dass Implantate von mindestens 7 mm Länge ohne Risiko eingesetzt wer- den können. Ausnahmen bilden die Oberkieferfront und die Molarenregion im Oberkiefer, wo mit kurzen, nicht rauen Implantaten signifikant höhere Misserfolgsraten beobachtet wurden. Kurze Implantate mit rauen Oberflächen zeigten in der Oberkieferfront ebenfalls höhere Misserfolgsraten. Es konnte kein Ein- fluss des Durchmessers der Implantate und der Art der Versorgung auf die Misserfolgsrate bei kurzen Implan- taten gefunden werden. Wichtig ist vor allem im Oberkiefer die Tatsache, dass kurze Implantate im originären Knochen und längere meist im augmentierten Knochen gesetzt werden. Für einen Vergleich dieser Protokolle fehlen noch randomisierte kontrollierte Studien. Praktisch alle ausgewerteten Daten entstammen klinischen Fallanalysen, was die Aussagekraft etwas relativiert.
Schlussfolgerungen: In Bereichen mit reduziertem Knochenangebot kann durch den Einsatz kürzerer Implantate auf invasive Eingriffe zum Aufbau des Knochens verzichtet werden.
Pommer B, Frantal S, Willer J, Posch M, Watzek G, Tep- per G. Impact of dental implant length on early failure rates: a meta-analysis of observational studies. J Clin Periodontol 2011;38:856-863.
Kronen auf Implantaten verschrauben oder zementieren?
Einzelzahnversorgungen auf Implantaten werden in der Praxis immer häufiger durchgeführt. Die Verbindung zwischen Implantat und Rekonstruktion ist für den klinischen Erfolg mit entscheidend. Die Literatur liefert widersprüchliche Resultate bezüglich der Wahl des Verbindungstyps und der Befestigungsart der verwendeten Kronen. Als Vorteile zementierter Lösungen werden die Ästhetik, ein passiver Sitz der Krone und eine möglicherweise bessere Kraftverteilung in Funktion beschrieben. Bei verschraubten Lösungen werden die einfache Entfernbarkeit und das Fehlen von Ze- mentüberschüssen hervorgehoben. Es ergibt sich mit den externen und internen Verbindungen zwischen Implantat und Suprastruktur eine Vielzahl von Kombinationen bei deren Versorgung. Die mechanischen Ei- genschaften zementierter oder verschraubter implantatgetragener Kronen sind noch nicht vollständig untersucht. In einer In-vitro-Untersuchung sollte der Einfluss verschraubter und zementierter Versorgungen auf internen und externen Implantatabutments ermit- telt werden.
84 Implantate (Colosso Evolution System, Fa. Em- fils) wurden in vier Gruppen unterteilt (n = 21 pro Gruppe): verschraubt mit interner Verbindung (Si), verschraubt mit externer Verbindung (Se), zementiert mit interner Verbindung (Ci) und zementiert mit exter- ner Verbindung (Ce). Ti-6Al-4V-Abutments wurden mit 30 Ncm angezogen. Kronen aus Metall (Kobalt-Chrom) wurden entweder mit 30 Ncm angezogen oder zemen- tiert (Rely X Unicem, Fa. 3M Espe). Anschließend wur- den die Kronen im Wasserbad mechanisch (in einem 30-Grad-Winkel) entweder einmalig bis zum Bruch oder zyklisch (50.000 Zyklen bei 150 N) belastet. Die Ergebnisse der Si (1,72), Se (1,50), Ci (1,34) und Ce (1,77) -Gruppe deuteten darauf hin, dass die Ermü- dung den Misserfolg beschleunigte. Die Ci-Gruppe zeigte die höchste und die Se-Gruppe die geringste Zuverlässigkeit, während bei der Si- und der Ce-Grup- pe mittlere Werte festgestellt wurden. Bei den ver- schraubten Kronen kam es vor allem zu Frakturen der Abutments. Bei den zementierten Kronen der Ce- Gruppe war die Schraube das schwächste Glied, in der Ci-Gruppe kam es zu Implantat-/Schraubenfrakturen.
Schlussfolgerung: Zementierte Kronen mit internen Verbindungen zeigten die besten und verschraubte Kronen mit externen Verbindungen die schwächsten Werte. Bei internen Verbindungen ergaben sich grundsätzlich höhere Festigkeitswerte. Tiefe Verbindungen führten zu besserer Passung, größerer Festigkeit und geringerer Mikrobewegung.
Anmerkung: Neben den mechanischen In-vitro- Werten sind klinische Parameter für den Erfolg fast ebenso entscheidend, zeigen doch verschiedene Autoren, dass zementierte Versorgungen mit einem subgingivalen Kronenrand in fast 100 % der Fälle mit Zementüberschüssen einhergehen, die für das Auftreten von Entzündungen (Periimplantitis) verantwortlich gemacht werden.
Freitas AC Jr, Bonfante EA, Rocha EP, Silva NR, Marot- ta L, Coelho PG. Effect of implant connection and restoration design (screwed vs. cemented) in reliabili- ty and failure modes of anterior crowns. Eur J Oral Sci 2011;119:323–330.
Autor: Dr. Alessandro Devigus schreibt jeden Monat in der Quintessenz unter der Rubrik Quintessenz der zahnärztlichen Literatur