Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03245.jsonl.gz/2058

Die jüngsten wirtschaftlichen und politischen Veränderungen hatten verheerende Folgen für die Mehrheit der griechischen Familien. Aufgrund von Steuererhöhungen, der steigenden Arbeitslosigkeit und der Kürzungen der Sozialleistungen hat die Armutsbelastung zu einer Zunahme an Scheidungen, Depressionen und Selbstmorden geführt.
SOS-Kinderdorf ist bestrebt, Kindern ein Aufwachsen in einem liebevollen Zuhause zu ermöglichen (Foto: L. Yassin)
In den vergangenen Jahrzehnten genoss Griechenland einen hohen Lebensstandard und lag in den Erhebungen zur Lebensqualität stets weit vorne. Die griechische Wirtschaft geriet jedoch Ende 2009 in eine schwere Krise, die dramatische Folgen für die Bevölkerung des Landes hatte.
Zu Beginn des Konjunktureinbruchs im Jahr 2010 zählte die Staatsverschuldung zu den höchsten unter den Mitgliedsländern der Europäischen Union (EU). Die griechische Regierung erhielt Rettungspakete von der EU und dem Internationalen Währungsfonds. Bedingung dafür war die Einführung einer Reihe von Sparmaßnahmen, darunter Kürzungen der öffentlichen Ausgaben und Steuererhöhungen. Die Lage wurde jedoch nicht besser. Bis 2015 war die Wirtschaft auf ein Viertel ihrer früheren Leistung geschrumpft, und die Staatsverschuldung war auf über 300 Milliarden Euro gestiegen. Im Januar 2015 kam die Anti-Austeritäts-Allianz unter der Führung der Syriza-Partei an die Macht. Das Scheitern einer Einigung über weitere EU-Hilfen führte im Juni und Juli 2015 zu einer schweren Krise. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist die Zukunft Griechenlands weiter ungewiss.
Griechische Familien leiden schwer unter Arbeitslosigkeit und Armut
In Griechenland leben ungefähr 1,9 Millionen Kinder unter 18 Jahren. Die Lage der Kinder hat sich verschlechtert - seit 2008 hat sich die Kinderarmutsrate mehr als verdoppelt, und mittlerweile leben über 40 Prozent aller Kinder in Armut.
Die derzeitigen Lebensbedingungen und die allgemeine Ungewissheit über die Zukunft haben zu vermehrten Spannungen in den Familien geführt. Obwohl sich die Großfamilien lange gegenseitig helfen konnten, sind nach Jahren der Entbehrungen ihre Ressourcen erschöpft. Sie können die materiellen und emotionalen Bedürfnisse ihrer Kinder nicht länger erfüllen. Verwahrlosung, Missbrauch und Gewalt gegen Kinder sind häufig die Folge von jahrelanger Not. Familien brauchen mehr Unterstützung, um diese Vorfälle zu vermeiden.
Immer mehr Familien bitten SOS-Kinderdorf um Hilfe. 2012 waren dies noch überwiegend Familien mit niedrigen Einkommen, aber in den letzten drei Jahren haben auch Familien mit mittleren Einkommen vermehrt um Unterstützung gebeten.