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Ein «Uneufe»-Aufschlag von Nick Kyrgios, drei vergebene Matchbälle von Rafael Nadal, Buhrufe aus dem Publikum, ein ziemlich frostiger Handschlag und Kritik vom Verlierer für den Sieger – der 3:03 Stunden dauernde Achtelfinal-Fight in Acapulco war an Drama kaum zu überbieten.
Rafael Nadal ist eigentlich keiner, der nach Niederlagen über den Gegner spricht. Nach dem epischen Achtelfinal in Acapulco gegen Nick Kyrgios konnte aber auch der Spanier nicht mehr anders. «Nick ist ein Spieler mit riesigem Talent, der Grand Slams gewinnen oder sogar an die Spitze der Weltrangliste kommen könnte», lobte Nadal zunächst, um seinen Besieger kurz darauf hart in die Kritik zu nehmen. «Aber ihm fehlt der Respekt vor dem Publikum, dem Gegner und auch vor sich selbst.»
Was war passiert? Nadal und Kyrgios lieferten sich vor ausverkauftem Haus einen packenden Kampf, der über drei Stunden dauerte. Das Tiebreak im Entscheidungssatz wurde schliesslich zum grossen Drama: Nadal vergab bei 6:3 drei Matchbälle in Serie und schenkte Kyrgios danach mit einem Doppelfehler seinerseits einen Matchball. Diese Chance nutzte der australische «Bad Boy» und siegte mit 3:6, 7:6 (7:2) und 7:6 (8:6).
Kyrgios liess sich auf den Rücken fallen und feierte seinen Sieg überschwänglich, am Netz kam es nur zu einem kurzen und ziemlich frostigen Handschlag. Das Publikum deckte die Weltnummer 72 daraufhin mit Buhrufen ein, doch das störte Kyrgios nicht. Er hielt sich nur den Finger ans Ohr, als wollte er sagen: «Lauter, lauter.»
Kyrgios trieb Nadal und das Publikum während des Matchs mehrfach zur Weissglut. Der 23-Jährige legte sich mit dem Schiedsrichter an, liess sich auf dem Platz behandeln, jubelte immer wieder ausgelassen und versuchte einmal sogar, den beim Service wie gewohnt weit hinten stehenden Nadal mit einem «Uneufe»-Aufschlag zu erwischen.
Alles für sich keine grosse Verfehlung, aber in der Summe eben doch eine gewisse Respektlosigkeit. Der TV-Kommentar fasste das Schauspiel zwischendurch gar als «Majestätsbeleidigung» gegen Nadal auf.
Nadal muss sich aber auch an der eigenen Nase nehmen, denn er hätte das Spiel eigentlich gewinnen müssen. Die spanische Weltnummer 2 gewann zehn Punkte mehr als der Australier, hatte zehn Breakbälle und musste nur einen abwehren. In 3:03 Stunden schlug er nur 17 unerzwungene Fehler, gegenüber 49 bei Kyrgios. Nur bei den Winnern hatte der Spanier mit 39:58 das Nachsehen.
Trotz der Niederlage nahm sich Nadal nach der Partie viel Zeit, die übergrossen Tennisbälle der Fans zu signieren. «TennisTV» lobte ihn in den sozialen Medien ausdrücklich dafür. Twitter-Fan Kyrgios reagierte auf seine Weise und retweetete – sicher nicht ohne Grund – ein Video der ATP, das ihn nach dem Match beim Signieren von übergrossen Tennisbällen zeigte.
Trotz aller Kritik an seinem Verhalten muss man dem Australier aber auch zu Gute halten, dass er gegen Nadal eines seiner besten Matches aller Zeiten zeigte. Der 1,93-Meter-Hüne bewies eindrücklich, dass er nicht umsonst als eines der grössten Talente auf der ATP-Tour angesehen wird. Häufig stand er sich bislang jedoch selbst im Weg: Immer wieder schleichen sich bei Kyrgios Unkonzentriertheiten ein und er gilt als trainingsfaul. Umso beeindruckender ist es, wenn er einmal sein volles Potenzial abruft.
Kyrgios zeigte sich von seinem Überraschungssieg überwältigt: «Das ist unfassbar. Ich habe in diesem Jahr viel zu kämpfen gehabt, daher ist es etwas Besonderes, eine solche Leistung gegen Rafa abrufen zu können», sagte er an der Pressekonferenz. «Ich habe da draussen alles gegeben. Das ist ein enormer Vertrauensschub für mich.» Natürlich hatte er auch eine Antwort auf Nadals Kritik parat: «Das ist die Art, wie ich spiele. Er hat seine Art zu spielen. Er weiss nichts von mir, was ich durchgemacht habe. Deshalb höre ich da gar nicht hin», so Kyrgios.
Im Viertelfinal trifft Kyrgios nun auf Stan Wawrinka. «Es wird unglaublich hart werden. Ein weiterer mehrfacher Grand-Slam-Champion, der weiss, wie man Spiele gewinnt», schaute der Nadal-Bezwinger voraus. «Es sieht so aus, als würde er wieder in Form kommen. Seine einhändige Rückhand ist eine der besten, die es gibt.»
Im Head-to-Head führt Wawrinka mit 3:2. Und ja, da gab es auch noch diese Geschichte …