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Um die Unternehmen zu einem positiven Beitrag zu ermutigen und die negativen Auswirkungen ihrer Tätigkeiten zu minimieren, verfügt die IAO über Instrumente zur Unterstützung von Unternehmen in der Umsetzung von inklusiven und nachhaltigen Arbeitsbedingungen und -prozessen. Zum Beispiel das ILO Helpdesk oder das SCORE-Projekt.
Darüber hinaus gibt es den Nationalen Kontaktpunkt (NKP) für die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen.
Das IAO-Helpdesk für Unternehmen fungiert als zentrale Anlaufstelle für Geschäftsführende und Arbeitnehmende und berät diese in Bezug auf die bessere Ausrichtung des operativen Geschäfts auf die internationalen Arbeitsnormen und den Aufbau guter Arbeitsbeziehungen. Spezifische Anfragen zur Anwendung der grundlegenden internationalen Arbeitsnormen können direkt per E-Mail an <email-pii> oder per Telefon an +41 (0)22 799 62 64 (Fax +41 (0)22 799 63 54) gerichtet
werden.
Diese individuelle Beratung ist kostenlos und vertraulich. Auch staatliche Stellen, Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände sowie andere Organisationen können diese Dienstleistung nutzen. Die Fragen
werden von einem IAO-Expertenteam beantwortet, das sich dazu auf die normativen Instrumente, Strategiepapiere und Hilfsmittel der IAO stützt.
SCORE (Sustaining Competitive and Responsible Enterprises) hat zum Ziel, die Produktivität und die
Arbeitsbedingungen von kleineren und mittleren Zulieferbetrieben aus Entwicklungs- und Schwellenländern zu verbessern. Das vom SECO und von der IAO entwickelte Programm SCORE bietet Schulungen und Beratungen im Betrieb zu verschiedenen Themen wie Zusammenarbeit am Arbeitsplatz, Qualitätsmanagement, Arbeitssicherheit, kooperatives Personalmanagement und saubere
Produktionsmethoden an. Diese Schulungen richten sich an KMU aus verschiedensten Branchen (Textilindustrie, Automobilsektor, Tourismus, Agrarwirtschaft usw.) und werden derzeit in Äthiopien, Bolivien, China, Ghana, Indonesien, Kolumbien, Myanmar, Peru, Tunesien und Vietnam durchgeführt. Die von SCORE angebotenen Leistungen tragen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Unternehmen und zur Steigerung ihrer Produktivität bei. Damit können langfristige Aufträge mit Industrieländern abgeschlossen und gute Arbeitsplätze in den Entwicklungsländern geschaffen werden.
Wie kann ein Schweizer Unternehmen seine Zulieferer dazu bringen, eine SCORE-Schulung zu absolvieren?
Um ihren Zulieferern Zugang zu den SCORE-Schulungen zu ermöglichen, können Schweizer Unternehmen eine Partnerschaft mit dem SCORE-Programm eingehen, über einen Berufsverband am SCORE-Programm teilnehmen oder direkt mit zertifizierten SCORE-Trainerinnen bzw. ‑Trainern zusammenarbeiten.
Der Nationale Kontaktpunkt (NKP) für die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen fördert die Beachtung der Leitsätze und erörtert mit den beteiligten Parteien alle entsprechenden Fragen (einschliesslich der Menschenrechte), um so zur Lösung potenzieller Probleme beizutragen. Der NKP hat vor allem eine Vermittlungsfunktion, ist aber auch Anlaufstelle für die Vermeidung von Problemen im Zusammenhang mit dem verantwortungsvollen Verhalten von Unternehmen.
Private Zertifikationssysteme sind in den letzten Jahren immer relevanter geworden, da Unternehmen dadurch Nachhaltigkeitsaspekte und Risiken entlang der Lieferkette adressieren und ihr Engagement für die Nachhaltigkeit sichtbar machen können. Zertifizierungssysteme definieren menschenrechtliche Kriterien für Prozess- und Produktionsmethoden und lassen diese von unabhängigen Stellen prüfen, um Unternehmen, Produkte oder Produktionsprozess zu zertifizieren. Sie tragen so zu einem besseren Schutz der Menschenrechte bei und unterstützen Unternehmen im Rahmen ihrer Sorgfaltsprüfung. Zertifizierungen können jedoch menschenrechtliche Sorgfaltsprüfungsverfahren gemäss den UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte oder der OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen meistens nicht gänzlich ersetzen, da sie nicht alle relevanten internationalen anerkannten Menschenrechte abdecken. Zertifizierungen betreffen meist die spezifischen Menschenrechte der Arbeitswelt, d.h. die IAO-Kernarbeitsnormen. Ein weiterer Hauptunterschied von menschenrechtlicher Sorgfaltsprüfung zur Zertifizierung ist zudem, dass Zertifizierungen nur eine bestimmte Lieferkette betrachten und nicht die Fülle aller Beziehungen und Lieferketten eines Unternehmens.
Somit bieten Zertifizierungssysteme zwar eine ideale Ausgangsposition für menschenrechtliche Sorgfaltsprüfungsverfahren und unterstützen diese, sie können jedoch oft noch keine umfassende menschenrechtliche Risikoanalyse gemäss den UNO und OECD Standards ersetzen.
Bei Fairtrade Max Havelaar zum Beispiel wird die Einhaltung zahlreicher Menschenrechte im Fairtrade Standard verlangt. Dazu zählt insbesondere das Verbot von Kinderarbeit (gemäss IAO-Übereinkommen 138 und 182). Dass die Vorgaben eingehalten werden, überprüft die Zertifizierungsstelle FLOCERT. Mit einem Verbot allein ist das Problem aber noch nicht gelöst, weshalb Fairtrade Prävention und Aufklärung verlangt. Befindet sich eine Fairtrade-Produzentenorganisation in einem Land, in dem die Wahrscheinlichkeit von Kinderarbeit sehr hoch ist oder handelt es sich um ein Produkt mit einem Risiko für Kinderarbeit, muss die Organisation Massnahmen ergreifen. Empfohlen wird hier beispielsweise die Einführung eines eigenen Kontroll- und Korrektursystem gegen Kinderarbeit. So haben einzelne Kooperativen (finanziert mit Hilfe der Fairtrade-Prämie und mit fachlicher Unterstützung von Fairtrade) bereits das richtungsweisende Youth Inclusive Community Based Monitoring and Remediation Modell (YICBMR) umgesetzt. Ergänzend zum Standard für Produzentenorganisationen gibt es Produktstandards. Für Produkte mit einem hohen Risiko für Kinderarbeit, wie beispielsweise Kaffee und Kakao, werden zusätzliche Pflichten festgelegt.
Eine Fairtrade-Zertifizierung ist somit ein effizientes Instrument, um gewisse Menschenrechtsrisiken in der Lieferkette zu vermeiden und zu mildern. Über den Standard hinaus können Unternehmen mit gezielten Fairtrade-Programmen oder Beratungsdienstleistungen Menschenrechtsrisiken im Sinne eines Best-Practice Ansatzes mildern und unternehmenseigene Prioritäten adressieren.
Als weiteres Beispiel dient die Internationale Vereinigung für Verhaltenskodex (International Code of Conduct Association – ICoCA), eine 2013 gegründete Multi-Stakeholder-Initiative, die die Einhaltung der Menschenrechte und des humanitären Rechts durch private Sicherheitsdienstleister stärken will. ICoCa fungiert als Governance- und Überwachungsmechanismus für den Internationalen Verhaltenskodex für private Sicherheitsunternehmen. Der Verband bietet auch einen Zertifizierungsmechanismus für private Sicherheitsunternehmen an. Mehr Informationen unter https://icoca.ch/