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Situation
Seit rund 200 Jahren wird die Moosflora der Schweiz ernsthaft erforscht. Wer ältere floristische Literatur zur Hand nimmt, könnte neidisch oder auch traurig gestimmt werden, welcher Moos-Reichtum noch vor wenigen Jahrzehnten vor unseren Haustüren anzutreffen war. Eine Verarmung in unserer Moosflora, also der Rückgang und Verlust von Arten, ist offensichtlich. Der bryologische Naturschutz beschäftigt sich mit den Fragen, was die Gründe dafür sind, wie gross die Gefährdung ist, und was dagegen gemacht werden kann. Um über eine Veränderung in den Vorkommen Auskunft geben zu können, brauchen wir verlässliche Quellen aus früherer Zeit, die mit dem aktuellen Zustand verglichen werden können. Von Moosforschern gesammelte Belege und daraus abgeleitete Florenwerke geben darüber Auskunft. Diese Vergleiche werden für die Abschätzung von Häufigkeitsveränderungen als Grundlage für die Erarbeitung einer Roten Liste verwendet. Sie gibt den Gefährdungsgrad für jede einzelne Moosart oder Unterart an; 38.1 % der Moose werden darin als gefährdet aufgeführt. Unterschiedliche Gefährdungskategorien geben an, wie stark die Bedrohung im einzelnen Fall ist oder ob es sich um eine ausgestorbene Art handelt.
Gefährdung in den Regionen
Moospopulationen viel geringer
als im Mittelland und im Jura. Quelle: Urmi et al. 1996a
Die Gefährdung für die Moose ist je nach Region und Lebensraum unterschiedlich. Ausschlaggebend für ein dauerhaftes Vorkommen sind die Qualität und die Häufigkeit der Biotope. Im stark genutzten und dicht besiedelten Mittelland zum Beispiel ist der Verlust deutlich grösser als im relativ unberührten Alpenraum. Das hat eine Studie gezeigt, bei der man von früher bekannte Moosvorkommen gezielt gesucht hat (Urmi et al. 1996a pdf). Während in den Alpen fast die Hälfte der Vorkommen wieder gefunden wurde, konnten im Jura nur ein Fünftel und im Mittelland gar weniger als ein Zehntel aller gesuchten Populationen gefunden werden.
Literatur
Autor: N. Müller 1.2011