Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03611.jsonl.gz/941

Fieber
Fieber mit roten Bäckchen und einer heissen Stirn ist immer ein eindeutiges Anzeichen, dass Ihr Kind eine Infektion bekämpft. Und das ist bei Kleinkindern sehr oft der Fall. Kindergartenkinder haben im Durchschnitt siebenmal im Jahr einen fieberhaften Infekt!
Fieber an sich ist auch keine Krankheit, sondern Ausdruck einer Abwehrreaktion des Körpers, insofern ein wichtiges Training für den kleinen Organismus. Erhöhte Temperaturen treten z.B. gelegentlich einfach auf, wenn das Kind zuviel Sonne abbekommen hat, es zu dick angezogen ist oder zuwenig getrunken hat (Durstfieber).
Interview
Dr. med. Urs B. Schaad über Fieber im Kindesalter
Die meisten Fieberschübe verlaufen harmlos und dauern nur einige Tage an. Viele Kinder vertragen auch hohes Fieber besser als man gemeinhin denkt. Wenn Ihr Kind immer noch spielt und lacht, auch keine weiteren Symptome hinzukommen, brauchen Sie sich eigentlich keine Sorgen zu machen. Dennoch sollten Sie die genaue Höhe der Temperatur unbedingt messen.
Messen Sie die Körpertemperatur am besten rektal, d.h. im After. Bei Kindern, die stark zappeln, geht das Fiebermessen manchmal besser in der Seiten- oder Bauchlage. Sie können vorher etwas Babycreme oder Vaseline auf die Thermometerspitze geben, das erleichtert das Einführen. Warten Sie drei Minuten ab und notieren Sie die Höhe der Temperatur und die Zeit. Wiederholen Sie die Messung etwa 20 Minuten später. Neuere Methoden wie das Ohrthermometer und das Infrarot-Fieberthermometer für die Stirn sind für die schnelle Orientierung geeignet, aber haben sich noch nicht hundertprozentig bewährt. Weitere Informationen zu verschiedenen Arten von Fieberthermometern. Nach der Messung reicht es, wenn Sie das Thermometer heiss abspülen und abtrocknen. Nur wenn Ihr Kind gleichzeitig Durchfall und möglicherweise einen Magen-Darm-Infekt hat, sollte das Fieberthermometer mit einem Desinfektionsmittel (oder hochprozentigem Alkohol) gereinigt werden.
Die normale rektale Körpertemperatur beträgt zwischen 36,5 und 37,5° C. In der Achselhöhle ist sie ein halbes bis ein ganzes Grad niedriger. Stündliche Messungen sind unnötig, es reicht morgens mittags und abends. Die Nachmittags- und Abendwerte liegen normalerweise höher als der Morgenwert. Körperliche Bewegung (Herumtoben) kann die Körpertemperatur um einige Zehntelgrad steigern. „Fieber“ hat ein Kind erst, wenn seine Körpertemperatur bei 38.5° C oder darüber liegt.
Wenn die Temperatur nach zwei Tagen nicht gesunken ist oder sehr rasch (um ein oder mehrere Grad) und hoch ansteigt, wenn Sie weitere Auffälligkeiten bemerken, wie Schüttelfrost, Fieberkrämpfe (Krampfanfälle), heftiges Weinen oder Schreien, schweres und/oder schnelleres Atmen, Blaufärbung der Haut und/oder Hauteinblutungen, Teilnahmslosigkeit, Mattigkeit oder Erschöpfungszustände, Durchfall und Erbrechen, plötzlichen Ausschlag oder Absonderungen aus dem Ohr, sollten Sie sofort einen Arzt verständigen oder Ihr Kind in ein Spital bringen. Folgen Sie Ihrem Gefühl. Wenn Sie meinen, dass etwas mit Ihrem Kind nicht in Ordnung ist, sollten Sie im Zweifelsfall immer einen Arzt, eine Ärztin aufsuchen. Die mütterliche Intuition ist in solchen Fällen sehr wichtig und sollte nicht als Unsinn abgetan werden.
Es ist übrigens ungefährlich, mit einem fiebrigen Kind an die frische Luft zu gehen, um den Arzt aufzusuchen. Frische Luft kann sogar zur Fiebersenkung beitragen.
Was Sie bei Fieber für Ihr Kind tun können, lesen Sie hier.
Newsticker
Fieber behandeln oder nicht? Fieber als Reaktion auf einen bakteriellen oder viralen Infekt unterstützt bekanntlich den körpereigenen Heilungsprozess. Vor allem bei kleinen Kindern wird aber Fieber häufig medikamentös oder mit Hausmitteln behandelt, um einen Fieberkrampf zu verhindern, aber auch weil das Kind darunter leidet. Die Sorge, dass deswegen die zugrunde liegende Infektion vom Körper schlechter bekämpft werden kann, scheint unbegründet zu sein. Britische Forscher verglichen in mehreren Studien Kinder mit und ohne Fiebersenkung und fanden keinen Unterschied in der Schwere und Länge des Infektionsverlaufs. (swissmom-Newsticker, 28.5.2013)
Letzte Aktualisierung: 05.2016, BH