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Gespräch mit Shinan Kassam, Direktor des Büros von Caritas Schweiz in Tadschikistan
Shinan Kassam, Tadschikistan ist das ärmste Land in Zentralasien. Wie lässt sich das erklären?
Beim Zerfall der Sowjetunion war Tadschikistan bereits die ärmste aller Sowjetrepubliken. Nach der Unabhängigkeit versank das Land in einem langen Bürgerkrieg, der die Armut und die Ausgrenzung der Binnenrepublik zusätzlich verschlimmerte.
Noch heute verfügen ländliche Gemeinden über keine stabile Strom- und Wärmeversorgung. Das Land ist zahlreichen Naturgefahren ausgesetzt und hat immer wieder mit Nahrungsmittelknappheit zu kämpfen. Darüber hinaus hat der Ukraine-Krieg jüngst zu einem Rückgang der saisonalen Migration nach Russland und damit auch der Geldtransfers geführt, die eine wichtige Unterstützung für die Haushalte in ländlichen Gemeinden darstellen.
Wie geht Tadschikistan mit den klimatischen Veränderungen um, die insbesondere die Bergregionen betreffen?
Die Veränderungen des Klimas sind für das Land insgesamt und insbesondere für die Gemeinden in Bergregionen besorgniserregend. Kurzfristig stellen extreme Wetterschwankungen die Bäuerinnen und Bauern vor grosse Herausforderungen. Längerfristig geben die schnellere Schneeschmelze und mögliche Überschwemmungen sowie der Rückgang der Gletscher und die damit verbundene Wassereinbusse Anlass zur Sorge.
Das Projekt mit den Wetterstationen ist neu. Wie kann das Projekt langfristig tragfähig bleiben?
Eine eigenverantwortliche Beteiligung des Landes ist für die langfristige Tragfähigkeit des Projekts von entscheidender Bedeutung. Das derzeitige Konsortium, bestehend aus Caritas Schweiz, MeteoSchweiz und dem WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF, kann nur eine unterstützende Funktion einnehmen. Die Nachhaltigkeit des Projekts hängt von der Einbindung aller Parteien ab. In diesem Zusammenhang wurden verschiedene Vereinbarungen unterzeichnet.
So arbeitet die Caritas mit der Nationalen Hydrometeorologischen Agentur sowie anderen nationalen Partnern zusammen. Damit können wir sicherstellen, dass die technischen Dimensionen des Projekts auf nationaler Ebene institutionalisiert werden. Ferner zeugt ein nationales Abkommen zwischen Caritas Schweiz, der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und den tadschikischen Behörden von einem gemeinsamen Verständnis der dringenden Notwendigkeit, den Auswirkungen des Klimawandels in Tadschikistan zu begegnen.
Schliesslich generiert dieses Projekt dank besserer Ernten und Schadensprävention auch finanzielle Mittel, die sämtlichen Parteien zugutekommen. Ziel ist es, eine Wertschöpfungskette aufzubauen, von der alle profitieren. Auf diese Weise kann die Nachhaltigkeit des Projekts gesichert werden.
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Titelbild: Shinan Kassam, Länderdirektor Tadschikistan, vor dem Hauptstandort der Caritas Schweiz in Tadschikistan © Reto Albertalli