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Seit Einsteins Zeit ist das Patentieren im Wesentlichen gleich geblieben. Es folgt einigen, wichtigen Prinzipien:
Ein Patent kann man nur für eine Erfindung bekommen, nicht für eine Entdeckung. Wenn Sie also im Wald eine neue Pflanzenart entdecken, können Sie diese nicht einfach patentieren lassen. Wenn Sie aber in dieser Pflanze einen Stoff finden, der zum Beispiel gegen Lungenkrebs wirkt, dann können Sie die Nutzung dieses Stoffes als Krebsmedikament patentieren lassen.
Wenn die Anwendung der Erfindung gegen die «öffentliche Ordnung oder die guten Sitten» verstossen würde, darf sie nicht patentiert werden. Auch für Pflanzensorten oder Tierarten, sowie im Wesentlichen auf biologische Verfahren zur Züchtung von Pflanzen oder Tieren gibt es keine Patente. Jedoch ist es möglich, Verfahren zur Nutzung oder Anwendung von Entdeckungen zu patentieren; daher gibt es zum Beispiel Patente auf eine Heilmethode, die auf der Entschlüsselung des menschlichen Genoms beruht.
Damit eine Erfindung patentierbar ist, müssen drei Kriterien erfüllt sein:
- Die Erfindung muss neu sein. Neu ist eine Erfindung, wenn sie nicht zum «Stand der Technik» gehört. Man kann also nicht ein Patent auf etwas altes, zum Beispiel Aspirin, bekommen.
- Die Erfindung darf nicht nahe liegend sein: Wenn ein Kollege von Ihnen, der genau so viel über ein Gebiet weiss, ohne grosses Überlegen auf dieselbe Erfindung kommen würde, gibt es dafür kein Patent.
- Die Erfindung muss gewerblich anwendbar sein, d.h. man muss sie anwenden und das entstehende Produkt verkaufen können.
Man kann sich jetzt fragen, was ein Patent eigentlich bringt. Die Venezier haben Patente eingeführt, um eigene Erfindungen zu schützen und jene zu belohnen, die erfinderisch sind. Tatsächlich bringt ein Patent zuerst dem etwas, der das Patent besitzt. Er kann das Patent ganz alleine nutzen und er kann, wenn er dies will, andere von der Nutzung seiner Erfindung ausschliessen. Er kann damit auch ein Geschäft machen: Er kann sein Patent verkaufen oder die Nutzungsrechte als Lizenz anderen für eine gewisse Zeit überlassen.
Aber auch die Öffentlichkeit profitiert davon: Wenn die Erfindung patentiert wird, wird sie auch publiziert, d.h. jeder kann im Patentamt nachschauen und sich über eine Erfindung informieren. So kann das neue Wissen, das in der Erfindung steckt, auch für neue Erfindungen genutzt werden. Es entstehen so sicher leichter neue Erfindungen als wenn die Erfindung geheim gehalten würde.
A propos geheim: Manchmal ist es besser, wenn eine Erfindung eben nicht öffentlich wird. Ein gutes Beispiel dafür ist Coca-Cola. Wäre das Rezept des Getränkes bei seiner Lancierung vor 120 Jahren patentiert worden, wäre es bekannt geworden. Und da der Patentschutz mittlerweile abgelaufen wäre, könnte heute jeder das Getränk herstellen und verkaufen. Die Firma indes hat es vorgezogen, kein Patent zu beantragen und die Rezeptur geheim zu halten. Davon profitiert sie noch heute.
Wer ein Patent hat, darf aber nicht in jedem Fall verbieten, die Erfindung zu nutzen: So dürfen beispielsweise Forschende eine Erfindung anwenden, auch wenn dafür keine Erlaubnis des Erfinders da ist. Auch Bauern dürfen etwa eine Pflanze weiterzüchten, auch wenn diese Pflanze eine patentierte Erfindung enthält. Weltweit sind heute mehr als vier Millionen Patente in Kraft und jedes Jahr werden rund 800'000 Erfindungen neu für ein Patent angemeldet. Wenn allerdings ein Patent in einem Land erteilt wird, heisst dies nicht, dass der Schutz auch in anderen Ländern gilt. Deshalb müssen Patente auch für andere Länder angemeldet werden. In der Schweiz sind rund 85'000 Patente gültig. Die meisten dieser Patente, nämlich fast 80'000 sind europäische Patente, d.h. sie sind im Europäischen Patentamt in München registriert und sind für mehrere Länder gültig. Alleine aus der Schweiz werden bei den internationalen Patentämtern jedes Jahr rund 4'000 neue Patente eingereicht. Umgerechnet auf die Anzahl Einwohner hat die Schweiz damit die fleissigsten Erfinder, ist also Weltmeister im Patentieren. Die meisten Erfindungen werden in der Medizin angemeldet (etwa 1 von 10), aber auch in Gebieten Biochemie und Gentechnik werden häufig Patente erteilt (1 von 30). Man kann davon ausgehen, dass rund jede fünfte Erfindung in den so genannten Lebenswissenschaften, den Life Sciences, erfolgt. Damit machen die Life Sciences den grössten Anteil der Patentanmelder aus.