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Als meine Kinder klein waren, war das ja relativ einfach: Ihre Freunde waren die Kinder meiner Freunde und Freundinnen. Das waren die Leute, mit denen wir uns regelmässig trafen, und ob die lieben Kleinen wollten, oder nicht, sie mussten zusammen spielen. Dabei sind tatsächlich schon Bunde fürs Leben entstanden: Als ich meine Tochter zur Welt brachte, teilten wir das Spitalzimmer mit einer Mutter und ihrem Sohn, der drei Tage zuvor das Licht der Welt erblickt hatte. Wir freundeten uns an, und sieben Jahre später sassen unsere Kinder am ersten Schultag nebeneinander in der Schulbank. Nicht für sehr lange zwar - sie wurden am dritten Tag auseinandergesetzt, da sie mehr schwatzten als alle anderen zusammen -, in die gleiche Klasse gehen sie aber immer noch. Lange Zeit wollten sie heiraten. Das tun sie jetzt nicht mehr - glaube ich - sind aber immer noch gute Freunde (was zwischen Mädchen und Buben nicht selbstverständlich ist in dem Alter).
Aber eben: Nicht alle Freundschaften sind so. Je älter meine Kinder werden, desto mehr zweifle ich an meinen eigenen Prinzipien. Natürlich dürfen meine Kinder ihre Freunde besuchen und sie mit nach Hause bringen. Aber was, wenn der Freund, den mein Sohn angeschleppt hat, ohne mit der Wimper zu zucken und ohne zu fragen, meinen Kühlschrank leer räumt? Oder wenn die Freundin meiner Tochter beim Mittagessen meint, das sei ja erbärmlich, dass man bei uns Gemüse essen müsse, bei ihr gäbe es jeden Mittag Schnitzel mit Pommes? Oder wenn ich beim Abholen des Kindes auf die grösste Messie-Wohnung treffe, die ich je gesehen habe (und wenn ich das sage, will das etwas heissen! Ich bin beim besten Willen nicht pingelig), mittendrin eine heulende Mutter, die es den ganzen Nachmittag nicht geschafft hat, die Kinder einigermassen in den Griff zu kriegen? Oder wenn sich meine Tochter ausgerechnet den Jungen als Freund ausgesucht hat, der bei jeder Gelegenheit auf meinen Sohn eindrischt?
An ein Prinzip wollte ich mich immer halten: Ich werde meinen Kindern nie, nie, nie einen Freund verbieten aufgrund seiner Rassen- oder Religionszugehörigkeit. Und schon wirds wieder schwierig. Meine Tochter hat eine Freundin, deren Eltern aus dem Balkan-Raum stammen. Damit habe ich kein Problem. Nur: Diese Eltern sprechen kaum Deutsch. Abmachungen laufen fast immer über das Mädchen. Und dieses - wie andere Achtjährige auch - macht sich die Dinge halt öfter mal so zurecht, wie sie sie gern hätte. So kam meine Tochter eines Tages einfach nicht von der Schule nach Hause - weil diese Freundin ihr erzählt hatte, sie hätte mit mir gesprochen, es sei okay, wenn sie nach der Schule zu ihr käme. Meine exakten Worte waren: «Ich muss das mit ihrem Vater besprechen, ich melde mich nochmal.»
Ebenfalls schwierig fand ich, als meine Tochter vom Besuch bei einer Freundin kam, und erzählte, deren Eltern hätten gesagt, sie sei ein furchtbar armes Kind, weil ihre Eltern berufstätig seien und ergo nie Zeit für sie hätten. Kann mir irgend jemand verübeln, dass ich nicht sehr erpicht darauf bin, dass mein Kind je wieder einen Fuss über die Schwelle dieser Familie setzt?
All dies lässt mich, wie gesagt, an meinen Prinzipien zweifeln. Begraben habe ich sie nicht - bin aber gespannt auf Eure Meinungen: Darf man seinen Kindern Freunde verbieten?