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Dragica Rajčić Holzner, eine schweizerisch-kroatische Autorin, erhielt den diesjährigen Schweizer Literaturpreis für ihr Buch «Glück». Der Preis wird am 12. Mai dieses Jahres während der Solothurner Literaturtage verliehen.
Das preisgekrönte Buch bricht sprachliche Normen und narrative Standards auf: Worte nehmen unbekannte Formen an, Sätze werden falsch platziert, Geschichten werden ständig überprüft. Die Handlung folgt Ana Jagoda, die von ihrem Dorf Glück nach Chicago zog, wo sie im «Womenirrhaus» lebt, einem Zufluchtsort für misshandelte Frauen. Durch die Geschichte erinnert sich Ana an ihr Dorf und den Missbrauch, den Frauen dort erlitten, und an die Väter und Ehemänner, die die Frauen missbrauchten. Obwohl die «echte Sache», das reale Gefühl, niemals vollständig durch eine Geschichte vermittelt werden kann, versucht Ana dies in der Überzeugung, dass (Mit-)Teilen etwas Gutes ist, und sie hofft, dass es ihr und ihren Vorfahren hilft, ihre eigenen Geschichten zu finden.
Dragica Rajčić Holzner wurde in Split geboren. Nach der Matura lebte sie in Australien, von wo sie dann in die Schweiz übersiedelte. Für eine Weile kehrte sie nach Kroatien zurück und arbeitete dort als Journalistin. Während des Krieges floh sie mit ihren drei Kindern in die Schweiz, wo sie sich in der Friedensarbeit engagierte. An der Hochschule Luzern (HSA) studierte sie «Soziokulturelle Animation». Sie schrieb erst in ihrer Muttersprache; seit ihrem ersten Aufenthalt in der Schweiz entstanden Gedichte, Theaterstücke und zahlreiche Bücher auch in deutscher Sprache, häufig im sogenannten «Gastarbeiterdeutsch». Zurzeit lebt Dragica Rajčić Holzner als Autorin und Dozentin für literarisches Schreiben in Zürich und Innsbruck.
Am Anfang Ihrer Schriftstellerkarriere in der Schweiz war Ihre Sprache bewusst fehlerhaft, eine «Gastarbeitersprache». Jetzt ist sie das nicht mehr, aber Ihr Stil ist nach wie vor eigenartig. Wie kam es zu dieser Veränderung?
Es kam mit der Zeit, mit der Not. Es war etwas anstrengend, meine Prosatexte zu lesen. Aber meine charakteristische Sprache behielt ich bei, es ist eine Mischung aus Kroatisch und Deutsch. Ich übersetze kroatische Sätze wörtlich, weil ich kroatisch denke, daher behalten die Sätze die kroatische Struktur, aber mit deutschen Worten. Als Schriftstellerin spiele ich damit, ich schaue, wie sich diese beiden Sprachen gegenseitig beeinflussen. Noch immer existiere ich jedoch im Rahmen der Migrationsliteratur – in Deutschland mit dem Nachnamen Rajčić – in Schulbüchern.
Wie kam es zu «Glück»?
Ich arbeitete lang daran, zehn Jahre, seit meiner Reise nach Amerika bis jetzt. Es ist mir wichtig, dass der Leser im Dialog mit dem Schriftsteller steht; der Leser muss selbst finden, was er im Text liest. Ich bin keine Anwältin für mein Buch. Es ist nicht nötig zu erklären, was der Autor will, jeder soll es für sich selbst finden.
Sie leben auf der Achse Österreich-Schweiz, aber Kroatien ist in Ihrer Literatur sehr präsent.
Seit zehn Jahren leben wir jeweils für sechs Monate in Rogoznica. Aber bei allen Schriftstellern bleibt das, wodurch man geformt wird, gegenwärtig. Dort haben wir den billigen Kroatismus überlebt, der sich von der Wirklichkeit unterscheidet. Aber auch in der Schweiz ist es nicht einfach. An den letzten Tagen der südosteuropäischen Literatur im Literaturhaus in Zürich wurde ich als aus Jugoslawien kommend vorgestellt. Man wollte nicht einmal die Erklärung hören, dass ich aus Kroatien komme. Für sie ist es Jugoslawien, und das war’s. Von dieser Meinung weichen sie nicht ab.
Quelle: Libra 49
Text: Martina Baričević
Übersetzung ins Deutsche: Vesna Polić Foglar