Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03094.jsonl.gz/3004

Die Kansas City Chiefs haben zum zweiten Mal nach 1969 den Super Bowl gewonnen. Angeführt von Star-Quarterback Patrick Mahomes machten die Chiefs gegen die San Francisco 49ers im letzten Viertel aus einem 10:20 in 6:16 Minuten noch ein 31:20. Damit holte der frischgebackene Super-Bowl-Champion in den Playoffs zum dritten Mal in Folge einen zweistelligen Rückstand auf. Gegen Houston waren es 24 Punkte, gegen Tennessee 10, nun gegen die 49ers wieder 10.
Mahomes hatte mit zwei Touchdown-Pässen auf Travis Kelce und Damien Williams massgeblichen Anteil an der Wende. Den Sieg sicherte den Chiefs schliesslich Running Back Williams mit einem Rushing Touchdown.
Mahomes wurde dank eines frühen Rushing Touchdowns, seinen zwei Touchdown-Pässen im Schlussviertel und insgesamt 286 Yards Raumgewinn zum MVP der Partie gewählt. Somit ist der 24-Jährige der jüngste Spieler der NFL-Geschichte, der sowohl den Super Bowl als auch die Auszeichnung als wertvollster Spieler im Super Bowl gewann.
Dabei kam Mahomes zunächst überhaupt gar nicht in die Gänge. Mahomes verfehlte, mehr oder weniger vom ersten Drive an, regelmässig offene Receiver, er konnte kaum Raumgewinn generieren und hatte bei Third Downs, wo er sonst so häufig geglänzt hatte, enorme Probleme.
Immer wieder biss sich der Chiefs-Quarterback an der starken 49ers-Defense die Zähne aus. Die Defensive Line der «Niners» machte so viel Druck auf Mahomes, dass man viele Verteidiger weiter hinten postieren und so die langen Pässe auf Tyreek Hill oder Sammy Watkins abfangen konnte. Gleich zweimal wurde Mahomes interceptet, es war für ihn das erste Spiel mit mehreren Interceptions seit November 2018.
Sein Gegenüber Jimmy Garoppolo zeigte ein solides Spiel, aber eben nicht mehr. Der 49ers-Spielmacher kam auf 219 Yards Raumgewinn, einen Touchdown, produzierte aber wie Mahomes zwei Interceptions.
Vor allem im vierten Viertel tauchte «Jimmy G» komplett ab. Als Mahomes so richtig aufdrehte und San Francisco nicht mehr nur laufen konnte, sondern passen musste, kamen von Garoppolo keine «Big Plays» mehr. Immer wieder verfehlte er seine Receiver, nur noch drei von elf Pässen brachte er an den Mann. Am Ende besiegelte seine zweite Interception die Niederlage der 49ers.
Anders als im letzten Jahr, als sich die New England Patriots und die Los Angeles Rams eine Defensiv-Schlacht geliefert hatten, war der Super Bowl LIV vom Anfang bis zum Schluss packend und spannend. Lange sahen die 49ers wie der sichere Sieger aus, doch dann drehte Mahomes eben doch noch auf.
«Die Jungs um mich herum haben immer an mich geglaubt. Das ist das Grösste überhaupt», sagte der sichtlich emotionale Chiefs-Quarterback nach der Partie. «Wir haben nie den Glauben verloren, nie aufgegeben. Danke an mein Team, danke an Kansas City. Wir haben es geschafft!» Zu den ersten Gratulantinnen gehörte Mahomes' Langzeit-Freundin Brittany Matthews, die ihrem Schatz bei der Siegesfeier einen dicken Schmatzer verabreichte.
Er galt als der Unvollendete: Chiefs-Trainer Andy Reid verlor in seiner 22-jährigen NFL-Trainerkarriere alle seine wichtigsten Spiele. Kein Headcoach hat mehr Spiele (221) als er gewonnen, ohne dabei einen Super-Bowl-Ring einzusacken. 15 Mal zog der stämmige Sympathieträger als Cheftrainer in die Playoffs ein, 14 Mal scheiterte er – 2005 mit den Philadelphia Eagles gar erst im Super Bowl. Seine persönliche Geschichte hat nicht weniger tragische Momente zu bieten – sein ältester Sohn Garrett starb 2012 an einer Überdosis.
Nun ist der 61-jährige Koloss endlich an seinem grossen sportlichen Ziel angekommen. «Wir haben einfach ein grossartiges Team mit grossartigen Coaches», jubelte Reid. Natürlich wurde der Headcoach unmittelbar nach Spielende mit einer vollen Tonne Gatorade übergossen. Und feiern kann der gute Andy natürlich auch: Reid begeht seine Siege immer mit einem feinen Essen, meistens mit einem Cheeseburger. Dieses Mal genehmigte er sich gar «den grössten Cheeseburger, den ihr je gesehen habt. Den allergrössten. Es könnte ein doppelter werden.» Und vielleicht sogar «mit extra Käse», wie der Super-Bowl-Champion anmerkte.
Erst zum dritten Mal in der NFL-Geschichte hat ein Team einen Vorsprung mit zehn oder mehr Punkten nach drei Vierteln noch aus der Hand gegeben – zum zweiten Mal in Serie war Kyle Shanahan mit von der Partie. Vor drei Jahren verlor der heutige 49ers-Headcoach als Offensive Coordinator mit den Atlanta Falcons nach 28:3-Führung noch gegen Tom Brady und dessen New England Patriots.
Damals kassierten Shanahans Jungs 19 Punkte im letzten Viertel und sechs in der Overtime. Dieses Mal waren es 21 Punkte in den letzten 6:16 Minuten. Seine Teams wurden in den Schlussphasen der beiden Super Bowls zusammen genommen also mit 0:46 Punkten vom Platz gefegt.
Natürlich war Shanahan nach Spielschluss masslos enttäuscht: «Es ist eine bittere Niederlage, sie tut weh. Wir hatten unsere Chancen, aber haben es nicht hinbekommen», erklärte er mit zittriger Stimme. Die neuerliche Pleite wird an ihm nagen, auch wenn er von seinem Team sofort Rückendeckung bekam: «Ich glaube genauso an Kyle Shanahan. Er hat uns bis hierhin gebracht und wir werden ihm weiter folgen», erklärte Receiver Deebo Samuel.
Genauso viel Aufsehen wie das sportliche Geschehen auf dem Platz bekommt beim Super Bowl aber auch die Show rundherum. Bevor die Kampfjets über das Hard Rock Stadium von Miami donnerten, hatte Yolanda Adams die inoffizielle Nationalhymne «America the Beautiful» gesungen, und Demi Lovato wenig später «The Star-Spangled Banner», die echte Nationalhymne.
Das grosse Highlight war aber einmal mehr die Halftime-Show. Jennifer Lopez und Shakira heizten dem Publikum ordentlich ein. Kritiker und Experten waren sich schnell einig: Das war die beste, mitreissendste, heisseste und trotzdem berührendste Halbzeit-Show der letzten Jahre.
Gekonnte Tanz-Choreografien, knappe Glitzer-Auftritts, Welt-Hits wie «Whenever, Wherever», «Hips Don't Lie», «Jenny from the Block» oder «Let's Get Loud» – und natürlich fehlten auch die legendären Hüftschwünge der Latina-Legenden nicht.
Schönster Moment der Show: der Überraschungsauftritt von Jennifer-Lopez-Tochter Emme. Die Elfjährige sang und tanzte mit ihrer prominenten Mama auf der vielleicht grössten Bühne der Welt, als wäre es das Selbstverständlichste auf dieser Welt.
Vor dem Schlusspunkt ihrer 100. Saison gedachte die National Football League des Basketball-Superstars Kobe Bryant, der eine Woche zuvor mit einem Helikopter tödlich verunglückt war.
Die Spieler stellten sich in Anlehnung an Bryants Trikotnummer bei den Los Angeles Lakers an der 24-Yard-Linie auf. Nach der Schweigeminute begannen beide Teams im Hard Rock Stadium nervös, danach entwickelte sich der erhoffte offene Schlagabtausch.