Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03298.jsonl.gz/1318

Die Fragen stellte Adrien Kuenzy
26. Mai 2023
Der Schweizer Animationsfilm verdankt seinen Aufschwung den guten Schulen, insbesondere der Hochschule für Kunst und Design in Luzern und dem Ceruleum in Lausanne, aber auch dem Erfolg des ersten langen schweizerischen Zeichentrickspielfilms «Max & Co» der Brüder Guillaume sowie der weltweiten Anerkennung für Claude Barras‘ «Mein Leben als Zucchini». Im Gegensatz zur geringen Grösse des Landes sind Schweizer Produktionen auf internationalen Festivals, wo sie auch Preise gewinnen, gut vertreten. Vielleicht liegt ihre Stärke in der filmischen Vielfalt.
Ich finde die Branche wird vom BAK durch Succès Festival, durch Cinéforom und SRG gut finanziell unterstützt. Das erleichtert die Produktion, auch wenn die administrativen Schritte tendenziell komplizierter werden. Man darf aber auch nicht vergessen, dass der Berufsverband der professionellen Animationsfilmschaffenden (GSFA) konstant dafür kämpft, nicht vom «echten Kino» an den Rand gedrängt zu werden.
Die ursprüngliche – insbesondere von Bruno Edera und Nag Ansorge vertretene – Idee war, die damals noch wenigen Animationsfilmschaffenden aus ihrer Isolation zu holen. Weil es keine Schule gab, war es extrem wichtig, Erfahrungen auszutauschen und die Werke der Kollegen zu sehen. Ich erinnere mich, dass wir während der ersten Generalversammlungen noch Zeit fanden, die neuesten Filme unserer Mitglieder zu zeigen. Am Anfang überwogen französischsprachige Produktionen, wahrscheinlich aufgrund der Nähe zum wichtigsten Animationsfilmfestival, dem von Annecy. Das ist heute natürlich nicht mehr der Fall. Die Deutschschweizer sind anteilig vertreten, und ich weise ausdrücklich darauf hin, dass Frauen in der Animationsbranche inzwischen sehr zahlreich sind. Die Arbeit des GSFA ist wichtig für den Kontakt mit Behörden sowie, neben vielem anderen, für die Steigerung der Sichtbarkeit der einheimischen Filme und Filmschaffenden auf internationalen Festivals.
Für das eigene Land ist so etwas immer schwer einzuschätzen. Ich denke, man erkennt eher einzelne Autoren und Autorinnen wieder als das Land, aus dem sie stammen. Eine Ausnahme würde ich für Estland oder Japan machen. Ich würde auch behaupten, dass französische Filme häufig geschwätzig sind. Von aussen betrachtet wirken sicher auch Animationsfilme aus der Schweiz auf irgendeine Art typisch.
Ich denke, in diesem Punkt steht man in fast allen Ländern vor demselben Problem: Ein animierter Kurzfilm bringt, selbst wenn er von sehr vielen Zuschauern gesehen wird, kein Geld ein. Es gibt keine «Verkaufsschlager» wie bei Comics oder in der Literatur, die ihrerseits Berufszweige sind, von denen man nicht automatisch leben kann. In Europa wird die Filmproduktion vom Staat subventioniert, je nach Land mehr oder weniger grosszügig, und die Schweiz steht in der Hinsicht ganz gut da. Ohne diese Form der Unterstützung bekämen wir nur noch amerikanische Filme zu Gesicht.
Für diesen Beruf muss man vor allem Leidenschaft mitbringen, niemand sollte sich der Illusion hingeben, reich damit zu werden, auch nicht bei einem vergleichsweise hohen Bekanntheitsgrad. Wer die Technik beherrscht, findet immerhin Arbeit, für Filme sämtlicher Genres besteht ein wachsender Bedarf an Spezialeffekten und damit auch nach Animation. Ich möchte hinzufügen, dass gute Kinderfilme leichter ihre Abnehmer finden. Richtig vertraut bin ich aber nur mit Filmen, wie sie auf Festivals gezeigt werden. Die machen allerdings nur einen Teil des Animationsfilmmarktes aus. Es gibt darüber hinaus auch Werbung, Auftragsfilme, Computerspiele, Serien und vieles mehr.
Die Fragen stellte Adrien Kuenzy
26 Mai 2023