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Das HI-Virus (HIV) attackiert vorwiegend die T-Helferzellen und schwächt damit das Immunsystem. Falls die HIV-Infektion medikamentös nicht behandelt wird, kann sich das Immunsystem gegen gefährliche Eindringlinge immer schlechter zur Wehr setzt.
Die meisten HIV-Infizierten stecken sich in der Schweiz beim ungeschützten Sex mit dem Virus an. Aber auch über gemeinsam benutzte Drogenutensilien und andere Wege ist das Virus übertragbar. Die HIV-Infektion verläuft meist in mehreren Phasen. Die ersten Symptome sind häufig ähnlich wie bei einer Grippe: Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Nachtschweiss, Fieber und geschwollene Lymphknoten. Viele deuten diese als harmlosen Infekt, weil die Beschwerden so unspezifisch sind. In bis zu einem Drittel der Fälle verläuft die Ansteckung aber auch symptomlos oder es treten atypische Symptome auf. Eine HIV-Infektion lässt sich mit einem HIV-Test sicher nachweisen. Die Erkrankung lässt sich heute gut mit Medikamenten behandeln und in Schach halten. Oft dauert es viele Jahre, bis die Erkrankung in die lebensbedrohliche Immunschwäche Aids übergeht.
HIV ist das Kürzel für das „Humane Immundefizienz-Virus“ oder HI-Virus. Es zählt zur Gruppe der Retroviren. Die Besonderheit ist, dass diese Viren ihre Erbsubstanz in das Erbgut ihrer Wirtszellen einschliessen können. Aids bezeichnet dagegen das Krankheitsbild, das durch eine unbehandelte Infektion mit dem HI-Virus entstehen kann. Oft dauert es unbehandelt jedoch viele Jahre, bis eine Infizierte oder ein Infizierter die Immunschwäche Aids entwickelt. Die Abkürzung Aids kommt aus dem Englischen und bedeutet „Acquired Immune Deficiency Syndrome“, also erworbenes Immunschwäche-Syndrom. Aids ist trotz guter Behandlungsmöglichkeiten nach wie vor eine lebensbedrohliche Erkrankung.
Die Ansteckung mit dem HI-Virus geschieht über Körperflüssigkeiten, meist beim ungeschützten Sex. Aber auch Drogenabhängige, die gemeinsame Utensilien benutzen, können sich infizieren. Ausserdem können sich Babys während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder beim Stillen anstecken, wenn die Mütter keine HIV-Therapie erhalten.
Ohne Behandlung verläuft die Infektionskrankheit in verschiedenen Phasen – mit und ohne Symptome. Bei einer „frischen“, akuten HIV-Infektion beschreiben viele die Beschwerden als grippeähnlich: Fieber, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Nachtschweiss und geschwollene Lymphknoten. Diese Anzeichen sind jedoch sehr unspezifisch und können bei vielen Erkrankungen auftreten. Ausserdem sind die Anzahl und Ausprägung der Symptome oft individuell sehr verschieden. In bis zu einem Drittel der Fälle fehlen jedoch diese typischen grippalen Symptome oder es treten gar keine Symptome auf.
Die Diagnose „HIV“ lässt sich mit Hilfe eines HIV-Tests stellen. Wir können dabei Abwehrstoffe (Antikörper) sowie Virusbestandteile im Blut von Infizierten mit hoher Sicherheit nachweisen. Ein negativer HIV-Test der 4. Generation, sechs Wochen nach Risikosituation, schliesst eine HIV-Infektion aus. Zur Behandlung von HIV und Aids gibt es heute wirksame Medikamente, welche die Vermehrung der Viren bremsen und die Viruslast im Körper senken. Sie sorgen dafür, dass aus HIV möglichst lange kein Aids wird. Medikamente können die HI-Viren und die Erkrankung oft lange Zeit in Schach halten. Wer sich mit HIV angesteckt hat, kann oft bei ausreichender Behandlung ein normales Leben führen. Bricht die Immunschwäche Aids jedoch aus, ist das Leben häufig in Gefahr.
Vorbeugen können Sie einer HIV-Infektion und damit auch der Spätfolge Aids, indem Sie sich beim Sex mit Kondomen oder Femidomen schützen (Safer Sex). Zudem gibt es die medikamentöse HIV-Präexpositionsprophylaxe (PreP), welche bei korrekter Anwendung einen sehr hohen Schutz vor einer Ansteckung bietet. Auch beim Drogenkonsum gibt es Schutzmassnahmen, etwa kein gemeinsames Spritzbesteck zu verwenden.
In der Schweiz ist die Anzahl der HIV-Diagnosen seit vielen Jahren rückläufig. Im Jahr 2018 wurden dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) weniger als 425 Fälle gemeldet. Zum Vergleich: In den 1990er-Jahren waren es noch durchschnittlich 1’300 Fälle pro Jahr. Etwa fünf von 100’000 Einwohnern und Einwohnerinnen erhielten die Diagnose HIV neu. Seit 2013 bedeutet dies einen Rückgang von rund 30 Prozent.
Den Grund dafür sehen Forschende in vermehrten HIV-Tests von Personen, die ein besonders hohes Infektionsrisiko haben. Aber auch eine immer frühere Behandlung von HIV-Patientinnen und HIV-Patienten, die das Risiko für eine Übertragung auf andere vermindert, spielt eine grosse Rolle. Der dritte Faktor für die sinkenden Zahlen an Neuinfektionen ist vermutlich die Vorbeugung mittels Medikamenten (HIV-Chemoprophylaxe, PrEP). Sie schützt HIV-negative Menschen mit einem hohen Ansteckungsrisiko.
In der Schweiz lebten im Jahr 2018 rund 17’000 Menschen mit HIV. Weltweit sind etwa 37,9 Millionen HIV-positiv, wie das Gemeinsame Programm der Vereinten Nationen für HIV/Aids (UNAIDS) berichtet (2019). Die Mehrheit der in der Schweiz gemeldeten HIV-Fälle betrifft Männer, insbesondere Männer, die Sex mit anderen Männern haben: Ihr Anteil liegt – nahezu unverändert – bei 79 Prozent. HIV und Aids können im Prinzip Menschen jeglichen Alters betreffen.
Die Ursache von Aids ist das HI-Virus. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Retrovirus. Seine Besonderheit ist, dass es sein eigenes Erbgut in das der Wirtszelle einschleusen kann. Im Gegensatz zu menschlichen Zellen speichert das HI-Virus seine Erbinformationen nicht in Form von Desoxyribonukleinsäure (DNA), sondern als Ribonukleinsäure, kurz RNA. Es zählt daher zu den RNA-Viren. Die RNA wird umgeschrieben und dann in die DNA der fremden Zelle eingebaut.
Das HI-Virus besitzt eine Eiweisshülle. Sie ist so beschaffen, dass sich das Virus an menschliche Immunzellen anheften kann, allen voran die T-Helferzellen. Diese spielen eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr und bekämpfen Krankheitserreger wie Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten. Das HI-Virus zerstört die T-Helferzellen sowie andere Immunzellen und schwächt so langfristig das Immunsystem. Dann haben gefährliche Erreger leichteres Spiel und Betroffene sind anfälliger für Infektionen aller Art. Zudem schädigt das Virus verschiedene Organe.
Mit dem HI-Virus können Sie sich auf verschiedenen Wegen infizieren. Die Übertragung erfolgt über Körperflüssigkeiten wie Sperma, Vaginalsekret und Blut.
Im täglichen Umgang besteht kein Risiko, dass Sie sich mit HIV infizieren. Ungefährlich sind Händeschütteln, Umarmungen, Küsse (selbst intensive Zungenküsse), Streicheln oder Petting. Auch wenn Sie gemeinsam Besteck, Geschirr, Gläser, Handtücher oder Toiletten benutzen, besteht kein Infektionsrisiko. Allerdings sollten Sie keine gemeinsamen Rasierer verwenden, die ein Verletzungsrisiko mit Blutungen bergen. Eine Übertragung der HI-Viren durch Tröpfcheninfektion beim Husten, Niesen oder Sprechen ist nicht möglich. Dieser Ansteckungsweg spielt bei vielen anderen Infektionskrankheiten die Hauptrolle.
Die Wahrscheinlichkeit, sich mit HIV zu infizieren, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wichtig ist die Anzahl der übertragenen HI-Viren, aber auch die Virulenz (das „Krankmacherpotenzial“) des Virus und Ihr allgemeiner Gesundheitszustand. Hohe Viruskonzentrationen finden sich im Blut, Sperma, dem Vaginalsekret und auf der Oberfläche von Schleimhäuten, etwa im Darm. Im Speichel ist die Viruskonzentration dagegen viel geringer, so dass keine Ansteckungen möglich sind. Ungeschützter Anal- und Vaginalsex bergen das grösste Risiko, sich mit HIV anzustecken.
Die HIV-Symptome können individuell sehr unterschiedlich sein. Bei einer akuten Infektion mit HI-Viren verspüren viele Symptome wie bei einer Grippe. Sie sind jedoch unspezifisch und können im Rahmen vieler anderer Erkrankungen auftreten. So bringen die meisten ihre Beschwerden nicht gleich mit einer HIV-Infektion in Verbindung. In bis zu einem Drittel verläuft die Ansteckungsphase jedoch ohne diese grippalen Symptome oder gar symptomlos. Ohne Therapie verläuft sie meist in vier Phasen – mit und ohne Symptome.
Kurz nach der Ansteckung vermehrt sich das HI-Virus besonders stark im Körper. Zwei bis vier Wochen nach der Infektion können folgende grippeähnliche Symptome vorkommen:
Diese Symptome können jedoch gänzlich fehlen, so dass auch unabhängig vom Auftreten der Symptome nach einer Risikosituation ein HIV-Test durchgeführt werden sollte. Ein bis zwei Wochen später klingen die Symptome meistens wieder von selbst ab. In dieser Phase ist die Infektionsgefahr besonders hoch, weil sich in Körperflüssigkeiten wie dem Blut und Sperma sowie auf den Schleimhäuten in der Scheide, dem Penis und Enddarm sehr viele HI-Viren befinden. Diese beginnen bereits jetzt mit ihrem zerstörerischen Werk: Sie schädigen die T-Helferzellen und damit das Immunsystem. Nach spätestens sechs Wochen lässt sich das Virus in der Regel in einem HIV-Test im Labor nachweisen.
An die akute Phase schliesst sich eine Zeit ohne oder gering ausgeprägten Beschwerden an. Die HI-Viren können sich nur wenig vermehren, weil das Immunsystem die Erreger abwehrt und bis zu einem gewissen Mass in Schach halten kann. Diese Balance kann über mehrere Jahre erhalten bleiben. Dennoch schädigen die HI-Viren die Immunabwehr weiter und greifen Organe an, wie etwa die Nieren.
Ohne Behandlung wird das Immunsystem immer weiter geschwächt. Und das hat Folgen. Diese Symptome und Erkrankungen können zum Beispiel in diesem Stadium auftreten:
In diesem Stadium ist das HI-Virus nicht mehr unter Kontrolle und die Immunschwäche Aids bricht aus. Wie viele Jahre von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung vergehen, lässt sich nicht allgemein vorhersagen. Die Zeitspanne ist individuell unterschiedlich und kann zwischen einigen Monaten bis hin zu vielen Jahren betragen. Einen Einfluss darauf haben verschiedene Faktoren, zum Beispiel die Einnahme von HIV-Medikamenten, der Lebensstil oder vorhandene Grunderkrankungen.
Ärztinnen und Ärzte sprechen von Aids, wenn pro Mikroliter Blut weniger als 200 T-Helferzellen nachweisbar sind oder eine AIDS-definierende Erkrankung auftritt. Wer sich bei einer HIV-Infektion rechtzeitig und ausreichend behandeln lässt, kann dieses Stadium vermeiden.
Aids ist mit schwerwiegenden Erkrankungen verbunden, zum Beispiel:
Am Anfang der Diagnose HIV steht immer das Gespräch zwischen der Patientin oder dem Patienten und uns zur Krankengeschichte (Anamnese). Folgende Fragen sind für uns interessant:
Anhand Ihrer Antworten können wir schon eine erste Einschätzung treffen. Dann schliesst sich in der Regel eine körperliche Untersuchung an, bei der wir unter anderem die Lymphknoten abtasten, Herz und Lunge abhören oder die Haut begutachten.
Die Labors der Klink für Immunologie unterstützen die Diagnosestellung mit präzisen und anerkannten HIV-Tests.
Der wichtigste Übertragungsweg für HIV ist ungeschützter Sex – ob homo- oder heterosexuell spielt übrigens keine Rolle. Hier können Sie selbst ansetzen und einer HIV-Infektion vorbeugen, indem Sie sich und andere vor der Ansteckung schützen. Das Schlagwort heisst „Safer Sex“:
Weitere Massnahmen zur Vorbeugung einer HIV-Infektion sind:
In der Schwangerschaft, während der Geburt und beim Stillen ist das HI-Virus auf das Ungeborene, Baby oder Kind übertragbar. Es gibt jedoch besondere Massnahmen, um dieses Risiko praktisch auf null zu senken. Dazu gehören:
Trotz intensiver Forschung gibt es bislang keine Impfung, die vor HIV schützen könnte. Ein Grund ist, dass das HI-Virus äusserst wandlungsfähig ist und sich immer wieder verändert. Inzwischen ist eine Vielzahl an verschiedenen Untertypen von HI-Viren bekannt, gegen die ein einzelner Impfstoff nicht viel ausrichten könnte. Forschende müssten daher mehrere Impfstoffe entwickeln, die gezielt gegen die verschiedenen Typen wirken.
Der Verlauf und die Prognose bei einer HIV-Infektion lassen sich nicht allgemein vorhersagen. Sie sind individuell verschieden und hängen von einigen zusätzlichen Faktoren ab. Eine Rolle spielen zum Beispiel vorhandene Grunderkrankungen, psychische Faktoren oder der Lebensstil.
Die meisten HIV-Infizierten können mit einer ausreichenden Behandlung ein Leben ohne grosse Einschränkungen führen. Die Lebenserwartung von HIV-infizierten Personen entspricht derjenigen in der Allgemeinbevölkerung, sofern die HIV-Infektion frühzeitig erkannt und lebenslang therapiert wird.
Dank neuer Medikamente hat sich die Prognose entscheidend verbessert. Denn sie können die Viruslast bei korrekter und regelmässiger Einnahme vollständig unterdrückt halten. In den Anfangsjahren nach der Entdeckung von HIV/Aids war das anders: Damals starben viele Menschen innerhalb kurzer Zeit an der HIV-Infektion. Auch in den Entwicklungsländern, die keinen Zugang zu HIV-Medikamenten haben, ist die Prognose für Betroffene oft ungünstig.
Bis heute ist HIV/Aids zwar nicht heilbar, aber Ärztinnen und Ärzte können die Erkrankung gut behandeln. Ziel der HIV-Therapie ist es, die Viruslast unterdrückt zu halten und das Immunsystem anhaltend zu stärken. Auch wenn Aids ausgebrochen ist, gibt es noch viele Behandlungsmöglichkeiten, etwa um Infektionen zu bekämpfen.