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News
Jesuit killed in South Sudan
von Regula Lutz
Message of Fr. Orobator, president JCAM
Dear Brothers:
Greetings of Peace from Nairobi!
I hope you are well.
The news of the tragic murder of Fr. Victor-Luke Odhiambo SJ in Cueibet, South Sudan, has shocked and saddened us all. May his soul rest in peace.
His death also wakes us up to the almost-forgotten tragedy of South Sudan. The violence that daily convulses the lives of millions of South Sudanese beggars belief.
Victor-Luke died a painful death, but it was for a cause. I know from personal experience that he believed the Jesuits should be in South Sudan because it was the greatest place of need in the province of Eastern Africa.
His death calls us and the world to wake up to the sad reality of South Sudan. We need to send a strong message to the international community.
Kindly find attached a Press Statement by the Jesuits of Africa and Madagascar on Fr. Odhiambo’s death and witness and the situation of South Sudan. The Statement not only describes and denounces the tragedy of violence and conflict, but is also intended to serve as a tool for international advocacy on behalf of South Sudan.
I would request that you widely circulate this statement among your networks, especially communication, advocacy and social apostolate. Kindly request all Jesuits in your Conference to circulate and disseminate this through social media and other means of communication.
I am grateful for your kind consideration and support.
Blessings,
Bator.
Agbonkhianmeghe Orobator, SJ
President Jesuuit Conference of Africa and Madagascar
Christian Roth und das Erbe der Jesuiten in Südamerika: Gesprächsabend 6. Dez. im aki
von Regula Lutz
Doppeltes Erbe: Christian Roth spricht am 6. Dezember im aki über die Reduktionen
Christian Roth hat zu den Reduktionen – den Jesuitensiedlungen in Südamerika – eine tiefe Beziehung: Er wuchs in Bolivien als Sohn des einstigen Jesuiten Hans Roth aus Baar ZG auf, der von 1972 bis 1999 in Bolivien sechs Reduktionen restaurierte. Wie der Vater ist Roth Architekt und kann die Hinterlassenschaft der Jesuiten in Bolivien und Paraguay, seit 1990 UNESCO-Weltkulturerbe, fundiert ermessen.
Am 6. Dezember 2018 nun besteht Gelegenheit, Christian Roth zu begegnen: Am Gesprächsabend im aki Zürich berichtet er über das Jesuiten-Erbe in Südamerika, das bis heute grosse Strahlkraft besitzt und soziale Bindung schafft. Für Christian Roth ein doppeltes Erbe: Seine Familiengeschichte ist eng mit der Geschichte der Jesuiten verflochten.
Sein Vater Hans Roth (1934 – 1999) war in jungen Jahren in den Jesuitenorden eingetreten. 1972 wurde Hans Roth nach Bolivien entsandt. Der ETH-Architekt sollte vorerst sechs Monate dort wirken – und blieb für immer. In der einstigen Jesuitensiedlung Concepción lernte er die deutsche Krankenschwester Heidi Schmidt kennen, die für «Terre des Hommes» arbeitete. 1976 trat Hans Roth aus dem Orden aus und gründete mit ihr, von der Befreiungstheologie beseelt wie er, eine Familie. «Meine Eltern redeten nicht bloss davon, sie lebten danach», sagt Christian Roth. «Viel hatten wir nicht. Von der Kirche erhielten wir eine Wohnmöglichkeit, von Entwicklungspartnern einen kleinen Verdienst». Viel war der Vater auch nicht zuhause. Hans Roth restaurierte mit Indios und Bruder Josef Herzog SJ in den Chiquitos, ein Gebiet sechs Mal die Schweiz, Bauten der Reduktionen, in denen die Jesuiten 1609 – 1767 gewirkt hatten. Er erstellte zudem zahlreiche Neubauten: Lehrwerkstätten, Wohnungen, neue Kirchen. Dabei stiess er auch auf das musikalische Erbe der Jesuiten: Roth fand Noten von sakraler Musik der einstigen Jesuiten, in Musikkreisen eine Sensation. Dies namentlich von Pater Martin Schmid SJ (1694 – 1772), gebürtiger Baarer wie er.
6.12.2018, 18.30 Uhr, aki Zürich, Hirschengraben 86: Abend mit Christian Roth. Gespräche, Klänge, Apéro. Moderation Pia Seiler.
Südamerika-Reise
Vom 6. bis 23.4.2019 führt Christian Roth mit Missionsprokurator Toni Kurmann SJ zum Weltkulturerbe der Reduktionen nach Paraguay und Bolivien. Mit Besuchen von Kirchen, Konzerten, Sozialprojekten. Die Reise wird vom Lassalle-Haus organisiert.
Vorbereitungstreffen: 8. bis 9.12.2018, Infos: www.lassalle-haus.org
In memoriam P. Dr. Werner Heierle SJ
von Regula Lutz
In der für die Ordensgeschichte entscheidenden 32. Generalkongregation von 1974/1975 haben die Jesuiten festgehalten: «Wir wollen das Evangelium in Demut verkündigen. Das heisst: sich darüber klar sein, dass es in Kirche und Welt viele Aufgaben von grosser Bedeutung gibt, die wir nicht zu übernehmen in der Lage sind, (…). Und in den Aufgaben, die wir übernehmen können und sollen, bereit sein, mit anderen zusammenzuarbeiten, mit Christen, mit Angehörigen anderer Religionen, mit allen Menschen guten Willens; bereit, eine eher untergeordnete, helfende, ja auch eine anonyme Rolle zu spielen: bereit, von denen das Dienen zu lernen, denen wir zu dienen suchen.
Die Verfügbarkeit für die niedrigsten Aufgaben, oder zum mindesten das Verlangen danach, ist ein Teil der Identität des Jesuiten.» (Dekret 2, Nummer 29 und 30) Werner Heierle SJ hat diese Dimension jesuitischer Existenz beispielhaft vorgelebt.
P. Franz-Xaver Hiestand SJ, Leiter des aki
Hier finden Sie den Nachruf auf P. Werner Heierle SJ von P. Beat Altenbach SJ und die Predigt am Abschiedsgottesdienst von P. Hans Schaller SJ.
25 Jahre nach der Neuausrichtung: Das Lassalle-Haus auf kath.ch
von Pia Seiler
Das Lassalle-Haus Bad Schönbrunn ob Zug trägt den Namen eines Pioniers der Spiritualität. «Mit der Neuausrichtung vor 25 Jahren gelang es den Schweizer Jesuiten, ihr Bildungshaus neu zu positionieren», schreibt Martin Spilker auf kath.ch.
Und weiter: «1993 wurde aus dem Bildungshaus Bad Schönbrunn das Lassalle-Haus. Der Name geht auf Hugo Enomiya Lassalle (1898-1990) zurück. Der in Japan tätige Jesuit war Wegbereiter des Zen in der westlichen Welt. Und für Niklaus Brantschen war er Vorbild für seine Idee, dem Bildungshaus eine völlig neue Ausrichtung zu geben.
Es habe Bedenken, Zweifel und Widerstand gegen die Neuausrichtung gegeben, sagte Brantschen anlässich der 25-Jahr-Feier am 25. Oktober 2018. Dies sowohl innerhalb der Gemeinschaft der Jesuiten, wie auch von aussen. Aber auch er habe Zweifel gehabt, ob es gelingen werde, sich unter diesem Namen und mit der neuen Ausrichtung zu positionieren.»
Hier finden Sie den gesamten Beitrag von Martin Spilker.
«Fakten gegen Vorurteile»: Christoph Albrecht SJ im «Sonntag» zur Flüchtlingssituation
von Regula Lutz
Christoph Albrecht SJ in der Wochenzeitschrift Sonntag zur Flüchtlingssituation und dem eigenen Handlungsspielraum: Wie kann man den Flüchtlingen hier bei uns begegnen, wie der Ohnmacht der Bilderflut etwas entgegensetzen? Lesen Sie, was Albrecht, Leiter Jesuit Refugee Service (JRS) Schweiz dazu antwortet.
«Bahnbrechendes Werk»: Peter Achten über China-Buch von Laszlo Ladanyi SJ
von Pia Seiler
Die aufstrebende Grossmacht China ist Thema vieler Bücher. «Nur wenige tragen zur Erhellung der Sachlage bei», schreibt Peter Achten, langjähriger China-Korrespondent mit Wohnsitz Peking und der Schweiz. Es gibt für Achten Ausnahmen, darunter eine «bahnbrechende»: Das Buch von Laszlo Ladanyi SJ «The Communist Party of China and Marxism 1921–1985. A Self-Portrait». Anlässlich der Neuauflage 2018 würdigt Peter Achten das Werk des ungarischen Jesuiten. Ein Auszug seiner Rezension.
«Bereits 1988 ist ein Buch erschienen, das für westlich geprägte Leserinnen und Leser sowie für Marxismus-unkundige Sinologen und Journalisten Licht ins Dunkle bringt. Autor ist der Ungare Laszlo Ladanyi.
Er stammt aus einer jüdischen Familie, die zum Katholizismus konvertiert ist. Ladanyi studiert am Budapester Konservatorium Violine und an der Universität die Rechte. Nach seiner Promotion tritt er 1936 dem Jesuiten-Orden bei. Ladanyi lebt und studiert von 1940 bis 1949 in China – während des Krieges gegen Japan, des 2. Weltkrieges und des nationalistisch-kommunistischen Bürgerkrieges. 1949 lässt er sich in Hong Kong nieder und veröffentlicht dort von 1953 bis 1982, ausschliesslich auf chinesischen Quellen basierend, eine wöchentliche China News Analysis. Danach arbeitet er an seinem bahnbrechenden Buch «The Communist Party of China and Marxism 1921–1985. A Self-Portrait». Laszlo Ladanyi zeigt die Geschichte der KP Chinas von innen, gestützt ausschliesslich auf chinesische Quellen.
Viel Neues zu Mao und dem «Grossen Sprung nach Vorn»
Ladanyi zeigt in seinem Buch viel Neues. So ist Mao nicht, wie die offizielle chinesischen Geschichtsschreibung behauptet, bereits während des Langen Marsches 1935 zum unbestrittenen Führer aufgestiegen, sondern erst zehn Jahre später nach Säuberungen, die in den folgenden Jahrzehnten unter gänzlich unterschiedlichen Methoden zu einem Merkmal der KP Chinas geworden sind. Bis heute.
Neues Licht wirft Ladanyi auch auf den «Grossen Sprung nach Vorn» (1958–61) mit der katastrophalen Hungersnot mit über 35 Millionen Toten, auf die «Grosse Proletarische Kulturrevolution» (1966–76), auf Aufstieg und Fall von Feldmarschall Lin Biao und den Kampf Deng Xiaopings für die Wirtschaftsreform gegen harten Widerstand. Wie jede Nation, so Ladanyi, wird auch China und die allmächtige Kommunistische Partei früher oder später nicht darum herumkommen, sich der eigenen Geschichte zu stellen. Bis heute bleibt ausserhalb der parteilich verordneten Interpretation die neueste Geschichte Chinas ab 1949 tabu.
Wenn man das moderne China und vor allem die KP unter der Führung von Staats-, Partei- und Militärchef Xi Jinping verstehen will, kommt man um das in einer Neuauflage wieder erhältliche Buch von Ladanyi nicht herum.»
Peter Achtens Gesamtbeitrag auf www.journal21.ch. Die Internet-Plattform wurde von Heiner Hug mitbegründet und publiziert Beiträge namhafter Journalistinnen und Journalisten.
«The Communist Party of China and Marxism 1921–1985. A Self-Portrait», Laszlo Ladanyi SJ, Neuauflage Mai 2018, Hurst Publishers London. Taschenbuch auf Englisch. Neuverfasst sind: Vorwort von Friedrich Young, biografische Anmerkungen von Edmund Ryden SJ, Epilog von Peter Hoffenreich.
Óscar Romero und die Jesuiten
Óscar Arnulfo Romero y Galdámez (1917 – 1980), so der volle Name des Erzbischofs von San Salvador, wurde am 14. Oktober 2018 in Rom zusammen mit Paul VI., der deutschen Nonne Katharina Kasper und 4 weiteren Menschen heiliggesprochen.
Eine rechtsgerichtete Todesschwadron ermordete Romero 1980, als er die Messe in einer Krankenhauskapelle in San Salvador las. Romero war einer der prominentesten Verfechter der Befreiungstheologie. Er trat für soziale Gerechtigkeit und politische Reformen ein und brachte die reichen Eliten und das Militär in seiner Heimat El Salvador gegen sich auf. Das Attentat war Auslöser des salvadorianischen Bürgerkriegs, der bis 1992 rund 75 000 Menschen das Leben kostete. Das aki (katholische Hochschulgemeinde Zürich) hat den Ermordeten am Tag seiner Heiligsprechung im Rahmen des wöchentlichen Hochschulgottesdienstes gewürdigt.
Hochschulgottesdienst jeweils Sonntagabend, 20 Uhr, Liebfrauenkirche Zürich, Tramhaltestelle Haldenegg.
Lesen Sie im Folgenden den Beitrag von Nikolaus Klein SJ, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Jesuitenbibliothek. Klein berichtet insbesondere von der tiefen Freundschaft Óscar Romeros mit Rutilio Grande SJ. Der Jesuitenpater wurde drei Jahre vor Romero ermordet. Rutilio Grandes Tod am 12. März 1977 markiert einen traurigen Wendepunkt in El Salvador, dem mittelamerikanischen Land halb so gross wie die Schweiz und mit heute 7,3 Millionen Einwohnern: Erstmals in der salvadorianischen Geschichte der 1970er Jahre war ein Priester Opfer eines politisch motivierten Mordes geworden.
Vortrag über Raymund Schwagers Werk: 25. Oktober, aki Zürich
von Pia Seiler
Hochaktuell bleibt das Schaffen des 2004 verstorbenen Schweizer Jesuiten Raymund Schwager. Nun erscheint der achte und letzte Band seines Gesamtwerks. Anlass für die Jesuitenbibliothek, am Donnerstag, 25. Oktober zu einem Vortrag von Prof. Josef Nieviadomski aus Innsbruck* einzuladen, profunder Kenner von Schwagers Werk (20 Uhr, aki, Hirschengraben 86 Zürich; Eintritt frei, Kollekte).
Raymund Schwager SJ (1935-2004) wusste: Das Leben ist nicht nur ein Zuckerschlecken. Vielmehr arbeitete er in intensiver Lektüre der Bibel ein dramatisches Welt- und Geschichtsverständnis heraus. Nicht die Tragödie – im Alten Griechenland dargestellt und geprägt vom Schicksal und Kampf mit den Göttern – bestimme letztlich das menschliche Leben. Vielmehr zeige die Bibel das Leben von Menschen und Völkern als dramatisches Geschehen. Es ist gezeichnet von Rivalität und vom Ringen mit Gott, der den Menschen gerade in diesem Drama über sich hinausführe. Dabei wächst der Mensch, überwindet Entfremdung, wird freier und erlöster. Dieses Heilsdrama offenbare sich grundsätzlich und paradigmatisch im Leben Jesu.
Verbindung mit Religionsphilosoph René Girard
Es ist ein Glücksfall, dass Schwager als Theologe schon in den 1970er-Jahren auf René Girard (1923–2015) stiess, den französischen Kulturwissenschafter, Ethnologen und Religionsphilosophen. Girard analysiert das Begehren als eine Kraft, die Menschen in andauernder Nachahmung, Rivalität und Gewaltbereitschaft sein lässt. Damit hat er nicht nur die Gewaltdramatik, die dem Leben zu Grunde liegt, psychoanalytisch erfasst. Er entlarvt auch die Mythen und Opferriten der Religionen als rituelle Verarbeitung von Rivalität und Gewalt. Er entdeckte, dass das Heilige und die Gewalt zusammen gehören, erlag aber nicht der naiven Beschuldigung, Religionen würden zu Gewalt neigen. Girard zeigte jedoch, dass der Mensch in der Religion seine Gewalttätigkeit verschleiert.
Es ist die geniale Arbeit von Schwager, dass er Girards Sichtweise mit seiner dramatischen Theologie verbunden hat: Jesus wurde zum Sündenbock und Opfer von menschlichem Begehren nach Selbstbehauptung und Macht. Doch er unterläuft und verwandelt durch seine Hingabe am Kreuz den alles bestimmenden Selbstbehauptungs- und Gewaltmechanismus der Menschen. So kann in seiner Nachfolge eine Gemeinschaft von Christen entstehen, die diese Hingabe in Taufe und Eucharistie stets neu vergegenwärtigt. Dabei wird die dramatische Geschichte der Menschen Millimeter um Millimeter in eine Heilsgeschichte gewandelt, wenn sich die Menschen denn vom Geist Jesu führen lassen.
Christian Rutishauser SJ
* Jozef Niewiadomski: Der aus Balterswil TG stammende Jesuit Raymund Schwager wurde 1977 Professor für Dogmatische und Ökumenische Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck. Einer seiner ersten Doktoranden war Josef Niewiadomski. Der katholische Theologe aus Polen ist heute selber Professor für Dogmatik an der Universität Innsbruck.
Radiopedigt zum 26. Sonntag im Jahreskreis
von Regula Lutz
Die Radiopredigt auf SRF 2 am 26. Sonntag im Jahreskreis, 30. September 2018 von P. Provinzial Christian Rutishauser SJ.
Zukunftswerkstatt Frankfurt SJ: Interview mit Isabelle Allmendinger
von Regula Lutz
Isabelle Allmendinger ist Mitarbeiterin in der Zukunftswerkstatt Frankfurt SJ. In der Schweizer Kirchenzeitung 17/2018
erscheint ein Interview mit ihr von Maria Hässig.
«100 Jahre aki Zürich»
von Regula Lutz
Am Wochenende vom 15./16. September 2018 feiert das aki, die katholische Hochschulgemeinde Zürich, unter dem Motto «studieren glauben fragen» das 100 Jahre-Jubiläum mit einem Tag der offenen Tür am Samstag und einem Festakt am Sonntag.
Sommerzeit der Scholastiker: Julien Lambert SJ
von Regula Lutz
Für einen Scholastiker – einen Jesuiten in Ausbildung – ist der Sommer nicht nur die Zeit der Ruhe, der Ferien: Es ist auch die Zeit für Exerzitien und Engagements, die während des Jahres aufgrund akademischer Verpflichtungen nicht möglich sind.
Zurzeit sind fünf junge Schweizer Jesuiten auf dem Weg zu den letzten Gelübden und berichten von ihrem Sommer. Den Auftakt machte Pascal Meyer SJ aus Langnau ZH, den Schluss bestreitet nun Julien Lambert SJ aus Genf: Der 34-Jährige berichtet von seinem Aufenthalt im Südtirol, seinen Wanderexerziten in der Ostschweiz, seinem Engagement bei Flüchtlingen in Calais.
Von den Alpen zum Elend von Calais
Oft muss ich im Sommer länger suchen und laufen, um in meiner Heimatstadt Genf eine Werktagsmesse zu finden. Doch kaum bin ich am 21. Juni aus Paris angekommen, spricht ganz Genf vom Papstbesuch und kämpft um wertvolle Tickets für die Messe mit ihm! Es berührt mich, wie viele Menschen, egal ob kirchennah oder -fern, Sympathie empfinden für diesen Papst und für sein Engagement, das der neue Film von W. Wenders so gut zeigt. Schade, dass dieser Gottesdienst, vom Bistum organisiert, ganz klassisch katholisch wurde, ohne Einklang mit dem brüderlichen Besuch des Papstes beim oekumenischen Weltrat der Kirchen.
Wie immer ist es schwierig, mich zu erholen bei meinen drei Familien: Angehörige, treue Freundinnen und Freunde sowie Jesuitenmitbrüder. Glücklicherweise treffen sich die drei Gruppen gern. Nicht nur in meinem Herz, auch für Spiele der Fussballweltmeisterschaft oder einem Jazzkonzert meines Gitarristenbruders Nicolas in der Altstadt. Kontemplative, sonnige Vormittage auf dem fast leeren öffentlichen Badestrand am See oder Nachmittage unter den gigantischen Sekoyas der Genfer Parkanlagen lassen sich auch gut verknüpfen mit dem Lesen von feministischer Theologie für meine künftige Diplomarbeit.
Meistens ist das trübe Fenster von Skype unser Begegnungsort. Diesen Sommer aber kann ich mich mit zwei deutschen Mitnovizen im realeren Grenzgebiet Südtirol treffen, mit seinen Kirchen wie Schlagsahnetorten sowie mit seinem italienischem Dolce Vita. Am Abend im halbleeren, barocken Priesterseminar teilen wir die kleinen Schätze unseres Jahres, ein Gedichtprojekt oder die Suche nach der individuellen Teilnahme der gemeinsamen Mission. Auf einer Wanderung lehrt mich Matthias Blumen und Gräser erkennen, die auch gut zu essen sind. Plötzlich setze ich meine rote Nase auf und führe ihn in die Kunst des Clowns ein: Wir improvisieren knietief in einem Bach stehend, während Wanderer uns unbeteiligt passieren. Zahlreich sind die Weisen, das brüderliche Zusammensein zu vertiefen und die Freude an der Existenz auszudrücken.
Die Pracht der Schöpfung wird auch in der Ostschweiz zu unserem Kloster. Mein Mitbruder Christoph, stets barfuss unterwegs, und ich begleiten dort ziemlich experimentelle Wanderexerzitien zum Thema integrale Ökologie (Foto).
Wenn auch die Weltsituation beängstigend wirkt und tatkräftige Reaktionen fordert, erinnern wir uns in der Meditation auf unsere Schwester Erde – ehe wir uns für ihre Retter halten können, vergegenwärtigen wir uns, dass wir alle von ihr stammen und Energie erhalten. Wir lassen uns von Laudato Si, der Enzyklika Papst Franziskus’ inspirieren, auch von Jesus und seiner Sprache voller Bilder aus der Natur. Und natürlich vom grossen Buch der Berge und Täler. Durch diese vernachlässigten Geschwister kommt uns Gott erneut nahe. Er verwandelt unser Gewissen, unser Herz, lässt uns Langsamkeit, fröhliche Genügsamkeit, Mitempfinden mit allem Lebendigen erfahren – erste Schritte zu einem respektvolleren Lebensstil im Alltag. Wir üben kreative Gebetsweisen durch alle Sinne, durch Identifikation mit den Personen der Passion und ihren zeitgenössischen Abbildern. Alles wird Erfahrung des Beschenkt- und Befreitseins vom Bedürfnis, immer mehr haben zu wollen. Wir essen zu Mittag Brot und Gemüse, schlafen des Nachts im Stroh auf Bauernhöfen. Menschen unterschiedlichen Alters, mit unterschiedlichen sozialen und religiösen Prägungen teilen mit uns am Abend die Erfahrungen des Tages, auch Müdigkeit und eigene Grenzen. Das Wort und Tun des Anderen wird dann manchmal zum Wort Gottes, wenn es mitten in der Stille und im ruhig gewordenen Herz laut nachhallt.
Bei der Rückreise durch die Schweiz habe ich grosse Freude, wie meine koreanische Freundin Agnes aus Paris den älteren Mitbrüdern in Zürich so mutig die inneren Landschaften unserer Exerzitien beschreibt. Wie mein junger australisch-britischer Mitbruder Jack die Schweiz, ihre Mentalität, Offenheit und kulturelle Vielfalt lobt, als wir eine Freundin im Karmelkloster besuchen oder die Wasserpfeife bei Gitarrenimprovisation am nächtlichen See teilen. Mit meinen Eltern und meinem Bruder im Walliser Chalet bleibt unser Familienhumor und unsere gute Stimmung feste Konstante, während neue gemeinsame Begeisterung gewachsen ist für das geheime Leben der Bäume oder das gesundere Essen...
Zu meiner persönlichen Exerzitienwoche in der Nähe von Lyon bringe ich meine Orientierungsfragen und meine Ohnmacht vor den Leiden der Welt mit. Und werde glücklicherweise wie immer von Gott völlig umgedreht: Die Erkenntnis der Widersprüche in meinem Leben führt nicht zu Unsicherheit, sondern zu mehr Ehrlichkeit und Freiheit. Besser als eine Neuorientierung fühle ich mich einfach bestätigt in den eingeschlagenen Wegen des Theaters, der Ökologie, der geistlichen Begleitung: All diese Samen sind als solche schon wertvoll.
Dann folgen zwei Augustwochen in Calais (Foto). Mit Freiwilligen aus ganz Europa erlebe ich die Gewalt der heutigen Migrationssituation mit. Nach Calais mit seinem grossen Hafen kommen meist junge, ausdauernde Männer, die in anderen Ländern keine Chance auf Asyl hatten und versuchen, unter grossen Risiken in Lastwagen nach England zu gelangen. Jede Nacht werden sie von der Polizei geweckt und vertrieben, um ihnen jede Art von festem Wohnsitz zu verunmöglichen. Die vielen Freiwilligen des Vereins Utopia 56 opfern Ferien oder Studienzeit, um Essen, Kleider, auch Freundschaft zu verteilen. Dabei merken viele nicht, dass sie selber Bedürftige sind bei ihrer Sinnsuche in diesem schweren Einsatz.
Wir sind froh, mit einem indischen Mitbruder auf dem Campingplatz der Freiwilligen logieren zu dürfen, wo es jeden Abend Bier und Musik und lange existentielle Gespräche gibt. Unser Jesuitenbungalow ist wie jeder andere, wacklig und vom Meereswind durchgelüftet. Und doch ist er feste Anlaufstelle für Durchfrorene, die ihre Eindrücke, ihre Sinnsuche in unsere Abendmeditation mitbringen wollen. Spiritualität und solidarischer Einsatz gehen einher, das spüren die jungen Menschen, die unsere Gesellschaft in eine neue Richtung führen möchten.
Julien Lambert SJ