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Die Inszenierung des Stanser Verkommnisses im Museum Altes Zeughaus in Solothurn
Obwohl bis zum Ende des Ancien Régime 1798 das Stanser Verkommnis die rechtliche Grundlage der Alten Eidgenossenschaft war, gab es bis Ende des 18. Jahrhunderts noch keine Erinnerungskultur dazu. Zwar liess der Stand Solothurn wohl im Umfeld der ersten Tagsatzung im Jahre 1729 dreizehn Gesandte in Rüstungen mit geschlossenem Visier um einen Tisch platzieren, mit einem Meldeläufer und Schreiber daneben. Das Zeughaus war also schon damals mehr als eine Rüstkammer, nämlich Ort der Repräsentation und Museum. Der englische Historiker Edward Gibbon beschrieb diese Inszenierung 1755.
Dieser Zustand ist auch noch für die 1820er-Jahren überliefert. In den 1830er- und 1840er-Jahren war der radikal ausgerichtete Künstler Martin Disteli (1802–1844) damit beauftragt, das Solothurner Zeughaus neu zu inszenieren. Von ihm stammt wohl die Idee, die sein Schüler Josef Pfluger 1845 umsetzte: Die Umgestaltung der dreizehnörtigen Tagsatzung in die Stanser Tagsatzung vom 2. Dezember 1481, nun die Gesandten mit offenem Visier und Köpfen, ergänzt mit der Figur von Bruder Klaus und dem Stanser Pfarrer Heimo Amgrund.
Diese Inszenierung hat sämtliche Veränderungen des ab 1907 als Museum geführten Zeughaus überstanden und ist bis heute eine der wichtigsten Erinnerungsträger in der Schweiz im Zusammenhang mit dem Stanser Verkommnis, auch wenn Bruder Klaus selbst sicher an der Stanser Tagsatzung nicht anwesend war.
Urban Fink-Wagner, Inländische Mission
Literatur: Christine von Arx: Das Zeughaus: Ort der historischen Repräsentation. [Manuskript 2014], 192–195.