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Heinrich Breitenstein sen. (1805–1880)
Heinrich Breitenstein wuchs in Muttenz auf und erlernte von seinem gleichnamigen Vater das Drechslerhandwerk. 1824 bewarb er sich jedoch bei einer neu gegründeten Anstalt in Muttenz für Jünglinge, die sich dem Landlehrerdienst widmen wollten, und bestand die Aufnahmeprüfung. Als ausgebildeter Dorfschullehrer unterrichtete er ab 1827 in der Dorfschule Ziefen – mit einem kurzen Intermezzo 1833 in Buus – und wurde 1835 in Ziefen eingebürgert. 1827 hatte er bereits Elisabeth Matt, die Tochter des Dorfarztes Jonas Matt, geheiratet. Es wurden dem Paar zwischen 1828 und 1844 neun Kinder geboren, von denen zwei das erste Lebensjahr nicht überlebten. Bis 1849 unterrichtete Heinrich Breitenstein im alten Schulgebäude vor dem Doktorhaus zwischen Bach und Strasse, in dem die junge Familie seit Ende 1828 auch wohnte. Carl August Rippas von Titterten beschreibt die Anker-ähnlichen Zustände in der Schulstube: «An zwei langen Tischen sassen die älteren Schüler, während sich die Kleinen um den grossen Kachelofen oder auf den Boden setzten. Man betrat die Schulstube durch eine Küche, die von einer alten Witwe benutzt wurde. Und der ärmliche Raum scheint nur darum genügt zu haben, weil nur diejenigen Kinder zur Schule geschickt wurden, die man daheim nicht zum ‹Spülimachen› benötigte. Die Mittel reichten nie zu einer gründlichen Renovation aus, auch wenn jeder Bürger, der Hochzeit hielt, an den Unterhalt des Schulhauses 12 Batzen zahlen musste.» Und dies, obwohl bereits 1755 die Regierung in Basel die Gemeinde aufgefordert hatte, ein Schulhaus zu bauen. Ziefen würdigte die Obrigkeit keiner Antwort und unterliess es bis 1847 trotz mannigfacher Bemühungen von Pfarrer Johannes Linder in dessen Amtszeit in Ziefen (1813–1833), sich dieser Sache anzunehmen. Erst durch das ernsthafte Drängen des Schulinspektors Johannes Kettiger in den 1840er-Jahren gelang es, dem Begehren von 1755 zu entsprechen. Am 4. Januar 1849 konnten die etwa 150 Schulkinder mit ihrem Lehrer Heinrich Breitenstein endlich das neue, stattliche Gebäude beziehen. Gleichzeitig wurde die bisherige Gesamtschule in eine Unter- und eine Oberschule getrennt, wobei Breitenstein erstmals einen Lehrerkollegen erhielt, der die Oberschule unterrichtete. Beide Familien wohnten im neuen Schulhaus.
Die Überlieferung berichtet, dass Heinrich Breitenstein seine Schüler besser behandelte als sein Vorgänger. Mit der Disziplin war es aber anscheinend nicht bestens bestellt: Anna Matt (1816–1898) schrieb einer Freundin: «Geht es in eurer Schule auch so lärmend zu wie bei uns? Ich denke aber nicht. Du kannst Dir nicht vorstellen, welch ein Getümmel das ist. Zum Teil ist auch die Schulstube viel Schuld daran. Denn der Platz ist für 100 Schulkinder viel zu eng, doch könnte es viel stiller sein.»
Im Nebenberuf war Breitenstein Bauer und konnte den Kindern manch praktischen Wink fürs Leben mitgeben. Im Frühling führte er seine Schüler aufs Feld und liess sie «die Frucht trampen» – Turnen und Anschauungsunterricht in einem! Wenn er im Sommer unbedingt seine Reben pflegen musste, so überliess er die Kinder sich selbst. Hatten sich alle Schüler einmal versündigt, so diente seine lange Haselrute als Zuchtinstrument. Für das Schreibmaterial musste der Schullehrer selbst aufkommen. Wurde nach seinem Ermessen einmal zu viel Material verbraucht, so stellte er eine Zeitlang das Schreiben ein. (Aus Gustav Müller: Schulgeschichtliches aus Ziefen. Landschäftler 15.12.1956)
Durch die zahlreichen Briefe von Heinrich Breitenstein im Nachlass von Jonas Breitenstein (Dichter- und Stadtmuseum Liestal) wurden viele bisher unbekannte Begebenheiten aus dessen langjähriger Lehrertätigkeit in Ziefen aufgedeckt: Schulreisen, Jubiläen, Kleinkrieg mit dem neuen Lehrerkollegen, chronikartige Berichte über die Vorkommnisse im Dorf Ziefen. Aus den Briefen geht auch hervor, dass er von seinen Schülern sehr verehrt wurde, wenn sie ihm zum Beispiel an seinem Geburtstag mit Gesang und Geschenken Freude bereiteten. Breitenstein verfügte über eine humorvolle und ausführliche Erzählweise, die sich auf seinen Sohn Jonas vererbt hat.
Im Januar 1877 konnte Heinrich Breitenstein sein 50-jähriges Schuljubiläum feiern. Leider konnte sein ältester Sohn Jonas, schon von schwerer Krankheit gezeichnet, nicht daran teilnehmen. Aber er hatte für den Vater ein längeres Jubiläumsgedicht verfasst, welches von einem Knaben und einem Mädchen vorgetragen wurde.
Heinrich Breitenstein war ein liebevoller und pflichtbewusster Ehemann und Vater. Er setzte alles daran, dass seine Söhne zu aufrechten Persönlichkeiten erzogen wurden und eine ihrer Begabung entsprechende Ausbildung erhielten. Obwohl es der Familie finanziell nicht leicht fiel, erlaubte er dem ältesten und hochintelligenten Sohn Jonas den Besuch weiterführender Schulen in Liestal und Basel sowie ein Universitätsstudium mit einem Auslandsjahr, was glücklicherweise durch Vermittlung von Johannes Kettiger mit Stipendien unterstützt wurde.
Hochbetagt starb Heinrich Breitenstein in Ziefen im Jahre 1880.
- Ein Passementer verfertigt auf einem 26ger Stuhl täglich 2 Zettel 26 Ellen Seidenband.
Wieviel wird er in einem Jahr (oder in 300 Arbeitstagen) verdienen, wenn er vom Zettel 8 Btz. Lohn hat?
1 Zettel (als Maß) = Gänge des Stuhls x 10 Ellen; 1 Batzen (Btz.) = ⅟10 Franken
- Ein anderer Passementer verarbeitete in einem Jahre 12 Rechnungen Seide, und ließ sich zu jeder Rechnung 2lb 16 Lth. Seide winden. Sage mir nun, wieviel fr. muß er seinem Seidenwinder geben, wenn er ihm vom £ 12 Btz. gibt?
1 Pfund (lb) = 32 Loth (Lth.); 1 Franken (fr.) = 10 Batzen (Btz.)
- Ein Mann hinterläßt ein Vermögen von 14‘508 fr. Seine Frau zieht zuerst ihren Drittel davon, das übrige theilen seine 4 Kinder. Was bekommt die Frau, und was 1 Kind?
- Wieviel Neuthlr. muß ein Passementer seinem Seidenwinder bezahlen, wenn er ihm 18lb Seide zu 12Btz. und 26lb Einschlag zu 8Btz. das lb schuldig ist?
1 Neuthaler (Neuthlr.) = 40 Batzen (Btz.)