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R. SCHNEIDER-SLIWA (Hrsg.):
Regio TriRhena und südlicher Oberrhein: Ein Raum ohne Grenzen?
(= Basler Feldbuch 22) Basel, 2003, 95 S.
Inhalt
Die Region TriRhena: ein Raum ohne Grenzen? - Einführung in das Themenheft
Rita Schneider-Sliwa
Regionale Identität über die Grenzen? Die Regio im Bewusstsein der Bevölkerung
Susanne Eder und Martin Sandtner
Summary. Der Beitrag diskutiert die Ergebnisse einer empirischen Untersuchung zur grenzüberschreitenden regionalen Identität in der trinationalen Regio TriRhena. Zunächst wird der Stand der Theoriediskussion um eine raumbezogene Identität auf regionaler Ebene in der deutschsprachigen Geographie geklärt. Nach der Charakterisierung des Untersuchungsgebiets werden im Hauptteil die Ergebnisse einer Telefonbefragung zur regionalen Identität in der Regio TriRhena vorgestellt und damit einige Aussagen der Theorie empirisch überprüft. Es zeigt sich, dass die Regio im Bewusstsein der Bevölkerung gut verankert ist. Als verbindend werden die gemeinsamen kulturelle Wurzeln sowie der Rhein als Symbol empfunden, die Geschichte dagegen wird von der Mehrheit als trennend gesehen. Die Regio TriRhena ist für die Identifizierung der Bewohner allerdings deutlich weniger wichtig als die nationale oder die europäische Ebene.
Konkurrenzieren periphere Einzelhandelsstandorte die Innenstädte? - Analysen aus dem deutsch-schweizerischen Grenzgebiet
Andrea Kampschulte
Summary. In den letzten Jahrzehnten haben sic grundlegende Veränderungen im Standort- und Betriebssystem des Einzelhandels vollzogen. Der Entstehung grossflächiger Einzelhandelseinrichtungen an peripheren Standorten steht ein Bedeutungsverlust der Innenstädte als Hauptversorgungszentren gegenüber. Im Wettbewerb um die kaufkräftige Nachfrage steigen die Konkurrenzbeziehungen zwischen Zentrum und Peripherie sowie zwischen den unterschiedlichen Betriebstypen. Der vorliegende Beitrag zeigt anhand von zwei Beispielen aus dem deutsch-schweizerischen Grenzraum, welche Chancen und Probleme aus dieser Konkurrenzsituation für beide Standorttypen resultieren. Die Untersuchungsbeispiele belegen, dass zwar Kaufkraftabflüsse aus den Innenstädten in die randstädtischen Fachmärkte und Einkaufszentren bestehen, diese sich aber auf bestimmte Produkt- und Preissegmente sowie Betriebstypen und -grössen beschränken. In weiten Bereichen entwickelt sich eine Funktionsteilung zwischen beiden Standorttypen. Chancen aus den Konkurrenzbeziehungen ergeben sich im Hinblick auf die verstärkten Bemühungen aller beteiligten Akteure um eine Aufwertung der Innenstädte. Für die Sicherung der Funktionsfähigkeit der Kernstädte kommt der Regionalplanung und den ihr zur Verfügung stehenden raumordnerischen Instrumentarien steigende Bedeutung zu.
Bevölkerungsentwicklung und soziale Ausdifferenzierung in Basel-Stadt und
Basel-Landschaft
Rita Schneider-Sliwa und Andrea Kampschulte
Summary. Gesellschaftlicher Wandel, ökonomische Umstrukturierung und internationale Migration haben die Bevölkerungsstruktur zahlreicher westeuropäischer Städte verändert und vielfältige Muster neuer sozialer Ausdifferenzierung entstehen lassen. Der vorliegende Beitrag stellt die Veränderungen der Bevölkerungs- und Sozialstruktur der letzten Jahrzehnte für die Region Basel dar. Die Grundlage hierfür bilden die Ergebnisse der Schweizer Volkszählungen sowie ergänzende Erhebungen der kantonalen Statistik für Basel-Stadt und Basel-Landschaft. Die Ergebnisse zeigen, dass die Kernstadt Basel sukzessive Einwohner verliert und dass diese Mobilität zunehmend sozial selektiv ist. Auch in der Region Basel ist daher eine kleinräumige Fragmentierung, soziodemographische Ausdifferenzierung und ethnische Heterogenisierung der Bevölkerungsstruktur festzustellen, was zu einer Neuorientierung der Stadtentwicklungspolitik von Basel und einer Gegensteuerung zur Abwanderung einkommensstärkerer Bevölkerungsgruppen geführt hat.
Freiräume in den Stadtregionen am südlichen Oberrhein. Basel, Freiburg i.Br. und Mulhouse im Vergleich
Martin Sandtner
Summary. Freiflächen spierlen in der Diskussion um die Qualität von städtischen Gebieten eine entscheidende Rolle. Dieser Beitrag analysiert mittels einer GIS-gestützten Methodik die Freiflächenstruktur und -verfügbarkeit für die Bewohner der Stadtregionen Basel, Freiburg i.Br. und Mulhouse am südlichen Oberrhein. Grundlage sind die einheitlichen europäischen CORINE-Bodenbedeckungsdaten, ergänzt um Daten der schweizerischen Arealstatistik. Ziel ist es, Anhaltspunkte über den Grad der Entwicklung zur "Zwischenstadt" zu finden und die Bedeutung der Freiräume für die Erholung der Agglomerationsbevölkerung zu unterstreichen. Es zeigt sich, dass die Verstädterung und Zersiedelung in den Stadtregionen Basel und Mulhouse bereits weit fortgeschritten ist, hier aber wie in der Region Freiburg nach wie vor Chancen für eine Sicherung und Verbesserung der Freiraumsituation bestehen.
Nordwestschweiz: Ein Grenzraum im Prozess der Globalisierung
Renato Strassmann
Summary. Der Prozess der wirtschaftlichen Globalisierung führt in der Nordwestschweiz zu einem Bedeutungsgewinn des Produktionsfaktors Wissen, der sich in einem Wachstum wissensintensiver Branchen, tertiärer Tätigkeiten sowie einem Trend zu Klein- und JMittelbetrieben manifestiert. Verbunden ist dieser strukturelle Wandel mit einer räumlichen Reorganisation, welche sich in einer Suburbanisierung von Unternehmen und einer fortschreitenden Arbeitsteilung zwischen Kern und Umland zeigt. Die Kernstadt fungiert zunehmend als Standort abstrakter, dispositiver und wissensintensiver Tätigkeiten. Eine innovationsorientierte Wirtschaftspolitik könnte diesen Trend unterstützen und damit gleichermassen die Konkurrenzfähigkeit der Regionalökonomie erhöhen und einen Beitrag zur Lösung der Probleme der sich demographisch verändernden Kernstadt leisten.
Von Massstäben und Grenzerfahrungen. Der Kern des Oberrheins und ein Kern der Europäischen Metropolregion Zürich
Heiko Behrendt und Christian Kruse
Summary. Ist es möglich, dass Basel als Kern einer trinationalen Region am Oberrhein auch ein Kern der polyzentrisch strukturierten Europäischen Metropolregion Zürich sein kann? Dieser Beitrag geht von der Existenz einer Europäischen Metropolregion Zürich aus, die losgelöst von administrativen Grenzen funktional strukturiert ist und auf einer andere Ebene operiert als die eigenständige Region Basel. Das setzt allerdings die Identifizierung einer horizontalen und vertikalen Arbeitsteilung von Standorten und Akteuren voraus. Da dies empirisch schwierig und komplex ist und somit eindeutige Belege fehlen, lässt sich auch nur ein unpräziser und stereotyper politischer Diskurs ausmachen. Dabei wäre es dringend notwendig, sich mit neuen Politikformen der "metropolitan governance" auseinanderzusetzen.
Strasbourg - Abgrenzung und neue Grenzen in einer europäischen Metropolregion
Jörg Wendel
Summary. Der Agglomerationsraum Strasbourg konnte in den vergangenen Jahren seine Position als europäischer Wissenschafts- und Hochtechnologiestandort kontinuierlich ausbauen und konsolidieren. Zeitgleich mit dem wirtschaftlichen Aufschwung einzelner Stadtteile sowie Umlandgemeinden hat sich die ökonomische und soziale Situation in anderen Teilen der Agglomeration dramatisch verschlechtert. Ähnlich den US-Amerikanischen Grosstädten entwickeln sich in Strasbourg offensichtlich voneinander abgekoppelte Parallelgesellschaften. Am Rand des Stadtgebietes, eingekeilt zwischen den gut situierten Innenstadtquartieren und den prosperierenden Umlandgemeinden entsteht ein sich zunehmend schliessender Gürtel von unterprivilegierten Quartieren. Diese Quartiere sind, trotz der oft unmittelbaren Nähe von Wachstumspolen, weitestgehend von der allgemein positiven ökonomischen und sozialen Entwicklung abgekoppelt. Sie laufen Gefahr, in die völlige funktionale und ökonomische Bedeutungslosigkeit zu verfallen.