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<h2>SubmittedText<h2><p>Der Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) hat am 10. Dezember 2014 beschlossen, dass Gesuche für politikwissenschaftliche Forschungsprojekte ab dem 1. April 2015 auf Englisch eingereicht werden müssen. Bis jetzt werden Geschichte und Soziologie noch verschont. Aber wie lange noch?</p><p>Am 24. Februar 2015 hat der SNF entschieden, diesen Beschluss vorderhand auszusetzen, ihn aber nicht aufzuheben. Er gibt an, dass die neue Regelung, falls keine wesentlichen Argumente dagegen vorgebracht werden, am 1. Oktober 2015 in Kraft tritt. In der Zwischenzeit wurde bekannt, dass die Schweizerische Vereinigung für politische Wissenschaft eine Konsultation bei ihren Mitgliedern durchgeführt hat. Die Meinungen sind geteilt; es gibt etwa gleich viele Stimmen für den Entscheid des SNF wie dagegen.</p><p>Sollte der SNF an seinem Beschluss festhalten, so würde er unsere Landessprachen missachten und damit dem allgemeinen Trend folgen, dass Englisch zur alleinigen Wissenschaftssprache wird.</p><p>Schon in den exakten Wissenschaften ist der Zwang zum Englischen problematisch. Es scheint jedoch geradezu absurd, Forscherinnen und Forscher der Geistes- und Sozialwissenschaften dazu zu zwingen, ihre Gesuche an den SNF - der, wohlgemerkt, von unserem mehrsprachigen Bundesstaat grosszügig subventioniert wird (927 Millionen Franken im Jahr 2013) - auf Englisch abzufassen.</p><p>Dieser Entscheid würde zu einer Uniformierung des Denkens führen, die Sprachenvielfalt beeinträchtigen und eine klare Trennung bewirken zwischen der Sprache, in der geforscht wird, und der Sprache, die im Forschungsgebiet der Politikwissenschaften gesprochen wird. Letzteres ist in Bezug auf das Verhältnis zwischen Universität und Allgemeinheit politisch hochproblematisch. Ausserdem vermischt der SNF die Sprache, in der die Gedanken formuliert und die Projekte ausgearbeitet werden, und die Sprache, in der die Ergebnisse kommuniziert werden.</p><p>Der SNF begründet diesen bürokratischen Entscheid mit der Schwierigkeit, ausserhalb unseres Landes Fachleute zu finden, die eine unserer Landessprachen beherrschen. Dieses Argument ist nicht stichhaltig, da genügend Fachpersonen innerhalb und ausserhalb der Schweiz eine unserer Landessprachen sprechen.</p><p>Ich bitte den Bundesrat deshalb, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Wie beurteilt er diesen Entscheid angesichts der Tatsache, dass der SNF eine halböffentliche Institution (Stiftung) ist, deren Statuten der Bundesrat genehmigt hat und die von ihm beaufsichtigt wird?</p><p>2. Ist es nach Ansicht des Bundesrates logisch, dass die Politikwissenschaft, die in erster Linie die Schweiz erforscht, diese Sprache verwenden soll?</p><p>3. Wird der Bundesrat dahingehend intervenieren, dass die Mehrsprachigkeit in unserem Land auch im Bereich der Forschung respektiert wird?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) unterstützt im Auftrag des Bundes die Forschung in allen Gebieten der Wissenschaft. Die beim SNF eingereichten Forschungsgesuche werden nach internationalen Standards gemäss einem Peer-Review-Verfahren evaluiert. Im Beitragsreglement des SNF und im entsprechenden Ausführungsreglement sind die Voraussetzungen für die Gesuchstellung festgelegt. Seit Jahren müssen alle Gesuche in den Bereichen Biologie, Medizin, Mathematik, Physik, Natur- und Ingenieurwissenschaften auf Englisch eingereicht werden. Diese Regelung gilt in den Geistes- und Sozialwissenschaften auch für die Psychologie und die Wirtschaftswissenschaften. Dabei können die Gesuche grundsätzlich weiterhin in einer der Amtssprachen eingereicht werden, sofern eine englische Übersetzung des Forschungsplanes beigelegt wird.</p><p>Eine solche Regelung beabsichtigte der SNF auch für die Politikwissenschaften einzuführen, nicht zuletzt, weil in den Jahren 2013 und 2014 eine grosse Mehrheit der Gesuche in den Politikwissenschaften bereits auf Englisch eingereicht wurde. Nachdem von einzelnen Forschenden Kritik geäussert wurde, hat der SNF die geplante Änderung sistiert. Er wird das Resultat der konsultativen Befragung der Schweizerischen Vereinigung der politischen Wissenschaften nochmals in seinen Gremien diskutieren und im Mai 2015 abschliessend über die Einführung per 1. Oktober 2015 entscheiden.</p><p>Vor diesem Hintergrund lassen sich die Fragen wie folgt beantworten:</p><p>1. Das Beitragsreglement des SNF wird gemäss Forschungs- und Innovationsförderungsgesetz (Art. 9 Abs. 3; SR 420.1) und den Statuten des SNF (Art. 16 Abs. 2 Bst. j) durch den Bundesrat genehmigt. Im geltenden Beitragsreglement werden u. a. die persönlichen und formellen Voraussetzungen für die Genehmigung eines Gesuchs festgelegt. In welcher Sprache die Dokumente eingereicht werden müssen, wird in Artikel 9 Absatz 1 des Beitragsreglements geregelt. Buchstabe c dieser Bestimmung ermächtigt den Forschungsrat, die Einreichung von Forschungsplänen und anderen Unterlagen in englischer Sprache vorzuschreiben. Im Ausführungsreglement - in Abstimmung mit der wissenschaftlich etablierten Praxis - ist definiert, in welchen Wissenschaftsbereichen der wissenschaftliche Teil des Gesuchs in englischer Sprache einzureichen ist. Die Forschenden haben jedoch weiterhin die Möglichkeit, das Gesuch in einer Amtssprache abzufassen und eine englische Übersetzung des Forschungsplans einzureichen. Ebenfalls unverändert wird der SNF auch in Zukunft die Publikationen von Ergebnissen wissenschaftlicher Forschung in den Landessprachen fördern, denn der SNF verfolgt weiterhin eine zielgruppengerechte Kommunikation der Forschungsresultate. Auch die sogenannten Lay Summaries, welche die Forschungsinhalte für ein breites Publikum aufbereiten, sollen in den Amtssprachen verfasst werden.</p><p>2. Der Forschungsplatz Schweiz muss ein Gleichgewicht zwischen regionaler Verankerung und fortschreitender Internationalisierung finden. Dabei steht der SNF als Garant für die Qualität und Vielfalt der Forschungsmethoden und die Vergleichbarkeit zwischen den Forschungsprojekten, unabhängig von Sprache und geografischer Region. Aus Sicht des SNF sind die Gründe für die Einreichungssprache Englisch nicht die Standardisierung oder die Vereinfachung von Verwaltungsabläufen. Vielmehr handelt es sich um eine praktische Notwendigkeit, um geeignete Expertinnen und Experten zu finden. Hinzu kommt, dass in den Politikwissenschaften die Eingaben in den Amtssprachen deutlich abgenommen haben. So wurden im letzten Oktober von insgesamt 13 Gesuchen keines und im April 2014 von insgesamt 21 Gesuchen nur vier (je zwei auf Deutsch und Französisch) in einer Amtssprache eingereicht. Über die letzten vier Semester wurden über 80 Prozent der Gesuche in Englisch eingegeben. Der getroffene Entscheid stellt kein Präjudiz für andere Disziplinen der Geistes- und Sozialwissenschaften dar. Es ist auch keine Änderung der Gesuchssprache in anderen Fachbereichen geplant.</p><p>3. Grundsätzlich unterscheidet der Bundesrat zwischen den Anforderungen der Gesuchseinreichung und der effektiven Forschungsarbeit sowie der Publikation der Ergebnisse, welche weiterhin in den jeweiligen Landessprachen erfolgen können. Die vom SNF vorgeschlagene Regelung für die Gesuchseinreichung ist so formuliert, dass die Forschenden weiterhin ihre Forschungsprojekte in der jeweiligen Landessprache einreichen können. Das Prinzip der Sprachenvielfalt und die grosse Bedeutung der Landessprachen sind dadurch nicht infrage gestellt. Der Bundesrat sieht daher keinen Handlungsbedarf.</p>  Antwort des Bundesrates.