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Anfrage über die hohe Phosphorbelastung der Luzerner Mittellandseen
10. September 2018
Hannes Koch und Mitunterzeichnende ersuchen Regierungsrat mit einer Anfrage um die Beantwortung verschiedener Fragen im Zusammenhang mit der hohen Phosphorbelastung der Luzerner Mittellandseen.
Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass neben den Abwässern die überdüngten Böden wesentlich zur Phosphorbelastung der Luzerner Mittellandseen beitragen.
Kurz zusammengefasst stellten Forscher der Eawag in ihrem wissenschaftlichen Bericht zur Phosphorbelastung des Sempachersees [1] vor 19 Jahren fest:
- «Obwohl die bodenbürtige Phosphorbelastung des Sees den tolerierbaren Wert seit Jahren übertrifft, wird der Boden weiterhin mit Phosphor angereichert, weil es die nationalen Gewässerschutzvorschriften zulassen und weil offenbar notwendige, schärfere kantonale Regelungen, die dem Anspruch des Sees Rechnung tragen, immer noch fehlen.
- Das Gewässerschutzziel kann erreicht werden, wenn der Phosphorgehalt des Bodens in heute noch unproblematischen Teileinzugsgebieten stabilisiert und in Problemgebieten auf das aus pflanzenbaulicher Sicht verträgliche und zur Erreichung des Gewässerschutzziels notwendige Niveau abgebaut wird.»
In ihrer Arbeit stellten die Forscher fest, dass aus pflanzenbaulicher Sicht alle Böden im Einzugsgebiet des Sees ausreichend mit Phosphor versorgt oder sogar überversorgt waren. Um ihren Phosphorgehalt zu stabilisieren und wo nötig zu vermindern, sollte ihnen jährlich höchstens 30 kg Phosphor pro Hektar und in den in der Arbeit bezeichneten Problemgebieten weniger zugeführt werden. Die Autoren vermissten die nötigen gesetzlichen kantonalen Vorschriften, um dieses Ziel erreichen zu können.
Gemäss vorliegender Informationen sollen aktuell zur Sanierung des Sees,
- die Phosphorbelastung herrührend aus Regenwasserentlastungen vermindert und
- ein neues wissenschaftliches Gutachten in Auftrag gegeben werden.
- Weshalb ist heute noch immer kein Konzept zur Verminderung der Phosphorbelastung durch Regenwasserentlastungen erarbeitet oder umgesetzt, obwohl dies bereits 1993 gefordert wurde [2]?
- Haben die zuständigen Behörden die in den erwähnten Arbeiten [1] [2] vorgeschlagenen Massnahmen zur Verminderung des Phosphoraustrags aus landwirtschaftlich genutzten Böden geprüft und umgesetzt?
- Mit welcher Begründung wurde allenfalls davon abgesehen, sie umzusetzen?
- Welche zusätzlichen, konkreten Fragen soll die beabsichtigte neue Studie zum gleichen Thema beantworten?
- Auf rund 70 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche wird dem Boden auf freiwilliger Basis jährlich nur noch 80 bis 100 Prozent der mit der Ernte entzogenen Phosphormenge zugeführt [3] (Phosphorprojekt). Diese Massnahme wird hauptsächlich dann langfristig Wirkung zeigen, wenn sie auf den besonders stark mit Phosphor angereicherten Böden zur Anwendung kommt. Wie wird das sichergestellt? Da die Messdaten zeigen, dass die Phosphorkonzentration des Sempachersees seit Jahren stagniert oder sogar wieder zunimmt, stellt sich die Frage, ob das Phosphorprojekt zielführend ist?
- Mit dem Inkrafttreten der Verordnung SRL Nr. 703a wurde eine weitere Aufstockung der Tierbestände im Seeeinzugsgebiet gestoppt. Diese Verordnung wurde jedoch nach 2011 geändert, sodass die Tierbestände wieder vergrössert werden konnten. Wie steht der Regierungsrat zu dieser Verordnungsänderung, und wie gedenkt er in Bezug auf die Tierbestände vorzugehen?
- Kann der Kanton Luzern die im eidgenössischen Gewässerschutzgesetz geregelten Düngevorschriften verschärfen, wenn dies zur Erreichung des Gewässerschutzziels notwendig ist? Wird der Kanton gegebenenfalls von dieser Möglichkeit Gebrauch machen?
- Gibt es einen Terminplan, der aufzeigt, bis wann vorgeschlagene Massnahmen evaluiert und gegebenenfalls umgesetzt sein müssen?
Literaturhinweise:
[1] René Gächter und Beat Müller. 1999. Die bodenbürtige P-Belastung des Sempachersees. Problemanalyse und Lösungsvorschläge. Gwa 6: 460466.
[2] Pius Stadelmann und René Gächter. 1993. Wege zur Gesundung des Sempachersees. Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft Luzern. 33: 467474).
[3] Gemeindeverband Sempachersee. Informationsbroschüre. Unser Wasser, unser Sempachersee.