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Ernährungssicherheit sei dann vorhanden, wenn alle Menschen zu jedem Zeitpunkt physischen, sozialen und wirtschaftlichen Zugang zu sicherer Nahrung haben. Das sagte Kostas Stamoulis von der UNO-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) diese Woche an einer Tagung zum Thema Ernährungssicherheit (siehe Textbox).
Dass dies noch lange nicht der Fall ist, zeigen die Zahlen. Rund 795 Millionen Menschen weltweit sind unterernährt, der Grossteil davon in Entwicklungsländern. Die Anzahl ist zwar in den letzten Jahren zurückgegangen, dennoch wurde die Ziele des Welternährungsgipfels 1996 deutlich verfehlt. Fast erreicht wurde jedoch das Milleniumziel 1. Dieses sah vor, dass in Entwicklungsgebieten die Prävalenz von Unterernährung (Wahrscheinlichkeit, dass eine zufällig ausgewählt Person zu wenig Nahrung hat) von 23,3 auf 12,1 Prozent fällt. Erreicht wurden 12,9 Prozent.
Bauernfamilien als Schlüsselfaktoren
Kostas Stamoulis hob einige Schlüsselfaktoren hervor, mit denen der Hunger bekämpft werden kann. Seiner Ansicht nach ist Wirtschaftswachstum zwar nötig, aber nicht ausreichend, um den Hunger zu besiegen. Es brauche ein integratives Wachstum, das auch die extreme Armut erreiche.
Als wichtigen Pfeiler zu integrativem Wachstum betrachtet Stamoulis die bäuerlichen Familienbetriebe. „Produktivitätssteigerungen von Kleinbauern verbessern den Zugang zu Nahrungsmitteln und Einkommen, schaffen Jobs für Arme und sorgen für höhere Löhne von nicht ausgebildeten Arbeitern”, so Stamoulis. Als wichtig betrachtet er auch sozialen Schutz sowie gut funktionierende ländliche Märkte. „Diese Märkte integrieren Bauernfamilien in den wirtschaftlichen Kreislauf”, sagt Stamoulis.
Ist genügend Land vorhanden?
Herausfordernd wird weiterhin die Zunahme der Weltbevölkerung sein. Bis 2050 rechnet die UNO mit 2,5 Milliarden mehr Menschen im Vergleich zu 2010. Der grösste Teil davon kommt in den wenig industrialisierten Ländern hinzu.
Es stellt sich die Frage, ob genügend Land zur Produktion von Lebensmitteln vorhanden ist. Gemäss Stamoulis könnten rund 1 Million Hektaren bepflanzt werden. Doch viele der Fläche sind bewaldet oder werden bereits genutzt. Umnutzen könnte schwierig oder unmöglich sein.
Alexander Müller vom Institute for Advanced Sustainability Studies Potsdam IASS erinnerte zudem an die Erosions-Problematik. Seinen Angaben zufolge gehen pro Jahr 24 Milliarden Tonnen durch Erosion verloren. Allein in Somalia gibt es Gebiete, in denen pro Hektare und Jahr 100 Tonnen der Erosion zum Opfer fallen. „Die Kosten, dass in diesem Bereich nicht gehandelt wird, sind immens”, so Müller. 24 Prozent des Bodens weltweit sind degradiert, die jährlichen Kosten belaufen sich auf geschätzte 1,5 bis 3,4 Billionen Euro pro Jahr. Betroffen davon sind 1,5 Milliarden Menschen. Boden sei eine zunehmend knappe Ressource, so das Fazit von Müller.
Schneider-Ammann will sich für gute Böden einsetzen
ji. An der Agridea-Tagung für Ernährungssicherheit an der Hochschule HAFL in Zollikofen äusserte sich auch Bundespräsident Johann Schneider-Ammann. Die Ernährungssicherheit beschäftige alle, ob auf privater, nationaler oder internationaler Ebene, sagte er zur Eröffnung der Tagung. Die Ernährungssicherheit sei und bleibe eine der grössten Herausforderungen weltweit. Das Schweizer Gesamtsystem mit Agrarpolitik und Forschung erbringe aber bereits sehr gute Leistungen, um mitzuhelfen, die Ernährungssicherheit weltweit sicherzustellen.
Schneider-Ammann schlug in seiner Rede auch den Bogen zur Initiative für Ernährungssicherheit, die voraussichtlich im ersten Halbjahr 2017 zur Abstimmung kommen wird. Er bekräftigte dabei die Meinung des Bundesrates, dass die Ernährungssicherheit in der heutigen Verfassung bereits komplett abgebildet werde und zwar sowohl im Bereich der Produktion als auch der Raumplanung. Schneider-Ammann begrüsst aber die Diskussion, die vor der Abstimmung aufkommen wird: „Es ist gut, dass wir durch diese Diskussion gehen und damit Klarheit schaffen.“ Der Bundespräsident betonte zudem, wie bedeutend die Landwirtschaftsflächen in der Schweiz seien. „Sie haben in mir einen Mitstreiter, wenn es darum geht, die wertvollen Landwirtschaftsflächen zu erhalten“, so Schneider-Ammann. Einsetzen will er sich auch gegen zu viele administrative Hürden: „Ich kämpfe gegen die Überhand nehmende Bürokratie.“