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Romainmôtier
(Kt. Waadt, Bez. Orbe). 658-689 m. Gem. und kleine Stadt, im obern Thal des Nozon am O.-Fuss des Jura und an der Strasse Orbe-Le Pont (im Jouxthal); 6,5 km sw. Orbe und 1,5 km w. der Station Croy der Linie Lausanne-Pontarlier. Strassen nach Premier-Vallorbe, Juriens-Mont la Ville und Moiry-L'Isle. Postbureau, Telegraph, Telephon; Postwagen Croy-Vaulion und nach La Praz. Gemeinde: 65 Häuser, 392 reform. Ew.; Dorf: 60 Häuser, 371 Ew. Gemeinsame Kirchgemeinde mit Bofflens, Bretonnières, Croy, Envy, Juriens und Premier.
Die grosse Pfarrkirche Saint Pierre ist eines der ältesten Gotteshäuser der Schweiz und stammt in einzelnen ihrer Teile noch aus dem 10. und 11. Jahrhundert, während der Chor im 13. oder zu Beginn des 14. Jahrhunderts umgebaut und mit einem gotischen Fenster geschmückt worden ist. Die Kirche bildet im Grundriss ein lateinisches Kreuz mit drei Längsschiffen, einem Querschiff und dem Chor und ist im Ganzen im romanischen Stil der Kluniazenserbauten gehalten. Der über der Mitte des Querschiffes sich erhebende, an sich nicht hohe Turm trägt ein hoch in die Lüfte ragendes Spitztürmchen.
Viele symbolische Malereien und polychrome Verzierungen der Gewölbeträger und ihrer Verzweigungen, sowie rund um einige der unregelmässig angeordneten Fenster; zahlreiche Grabstätten, besonders von Geistlichen (im Chor das Grabmal des Propstes Jean de Seyssel). In letzter Zeit hat man mit einer ernsthaften Restauration dieses ehrwürdigen, aber stark vernachlässigten Gotteshauses begonnen. Das im untern Teil der Ortschaft befindliche Kloster, zu dem diese Kirche gehörte, war einst von einer Ringmauer umgeben, von der jetzt ein grosser Teil verschwunden ist, gleichwie verschiedene der in sie eingebaut gewesenen Türme. Ueber einem zur Kirche ¶
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führenden Mauertor erhebt sich heute noch der Zeitglockenturm (Tour de l'Horloge), an den sich das alte Gebäude der sog. Grange des Dîmes (Zehntenscheune oder Kornhaus) anlehnt. Ganz am Ufer des Nozon steht auf der S.-Seite des freien Platzes innerhalb der ehemaligen Mauer ein massiver und imposanter schlossartiger Bau, der dem Propst und seinen Gästen, sowie später dem Berner Landvogt zur Wohnung gedient hat. Zwischen diesem und der Kirche lag das eigentliche Kloster, das wahrscheinlich zur Zeit der Reformation zum Teil zerstört worden ist und dessen erhalten gebliebene Teile mit ihren vergitterten kleinen Fenstern der einstigen Klosterzellen heute noch bewohnt oder als Oekonomiegebäude benutzt werden.
Wasserversorgung und elektrisches Licht. Ein Krankenhaus, aus der von G. Comtesse, einem ehemaligen Beamten des Ortes, letztwillig
vergabten Stiftung erbaut. Verschönerungsverein (Société de Développement). Hauptbeschäftigung der Bewohner ist Landwirtschaft,
doch spielt auch die industrielle Tätigkeit eine gewisse Rolle. In Praël ö. vom Dorf bestand im 19. Jahrhundert
eine grosse Giesserei und Töpferwarenfabrik, Usine de Lerber genannt, an deren Stelle später eine Maschinenfabrik und vor
kurzem eine Motorradfabrik getreten ist, die auch Werkzeuge und Maschinen aller Art herstellt. Ferner eine Feilenhauerei,
Ziegelei, Säge. Uhrenindustrie.
Romainmôtier liegt im Durchbruchsthal des Nozon, das hier in den namentlich zwischen
Romainmôtier selbst und Premier oft anstehenden Neocomkalk eingeschnitten ist. Hauptort eines Verwaltungskreises, der die
Gemeinden
Romainmôtier, Agiez, Arnex, Bofflens, Bretonnières, Les Clées, Croy, Envy, Juriens, La Praz, und Premier umfasst und zusammen 3046 Ew.
zählt.
Eine Ueberlieferung, die allerdings bestritten wird, erzählt, dass St. Romanus und St. Lupicinus zu Beginn
des 5. Jahrhunderts und unter dem Pontifikat von Innozenz I. an dieser Stelle ein erstes Kloster gestiftet hätten, das dann 610 während
eines Einfalles der Alemannen ins transjuranische Burgund zerstört worden sei. Jonas, ein Schüler des h. Columban, versichert,
dass dann ein Herzog oder Edelmann des transjuranischen Burgund, Chramnelenus oder Ramnelenus, unter
der Regierung von Chlodwig II., d. h. um die Mitte des 7. Jahrhunderts, hier ein neues Kloster errichtete, das Papst Stefan
II. 753 von aller weltlichen oder geistlichen Oberhoheit befreite, indem er ihm zugleich den Namen Romanum monasterium (
Romainmôtier)
gab und seine Kirche den h. Peter und Paul weihte. 888 kam dann das Kloster durch König Rudolf I. von
Burgund an seine Schwester Adelheid, die Gemahlin des Grafen Richard von Autun und Burgund, die es ihrerseits wieder 929 dem
Abt Otto von Cluny vergabte.
Damit sank die frühere Abtei zu einer einfachen Propstei herunter, trat aber dafür in eine Blüteperiode ein, während der sie zahlreiche Vergünstigungen erlangte und durch Schenkungen sich diesseits und jenseits das Jura Grundbesitz erwarb. Da aber die Herren von Grandson einen Teil dieser gestifteten Güter als ihnen selbst gehörend reklamierten, entstanden häufige Streitigkeiten und gewaltsame Uebergriffe (besonders von Seiten von Adalbert II. von Grandson), denen ein persönlicher Besuch des Papstes Leo IX. im Jahre 1050 ein Ende machte, indem dieser das Gebiet des Klosters fest abgrenzte.
Kaiser Friedrich I. stellte das Kloster 1178 unter seinen Schutz und bestätigte ihm seine bisherigen Rechte. 1181 wählte sich das Kloster als unmittelbare Kastvögte die Grafen von Hochburgund und trat die Hälfte seiner Gerichtsbarkeit und Einkünfte an die Kaiserin Beatrice ab, die damals diese Grafschaft verwaltete und den an das Kloster sich anschliessenden Flecken auf ihre eigenen Kosten erbaut hatte. Kastvogtei und Gerichtsbarkeit erwarb dann später das Haus Savoyen, das beide bis zur Aufhebung des Klosters beibehielt.
Die grösste Blüte dieses letztern fällt ins 14. Jahrhundert, als es unter der Leitung der Pröpste
Henri de Siviriez und Jean de Seyssel stand. Später hatte es unter den Hungersnöten, Epidemien und kriegerischen Ereignissen
jener bewegten Zeiten zu leiden und ging allmählig dem Verfall entgegen. Die letzten Pröpste waren Claude d'Estavayer,
der mit den Bürgern der Stadt Orbe viel zu streiten hatte (16. Jahrhundert), und Theodul von Rida (†
1537). Zu jener Zeit besass das Kloster neben der Herrschaft
Romainmôtier selbst, die in ihrem Umfang etwa dem jetzigen Kreis
dieses Namens plus den Dörfern Vaulion und Vallorbe entsprach, noch zahlreiche andere Güter und Herrschaften
(bis nach Frankreich hinein), sowie verschiedene Klöster von geringerem Rang, wie z. B. die in Bursins, Vallorbe, Corcelles (Neuenburg)
und
Bevaix (Neuenburg).
Zur Zeit der Eroberung der Waadt
durch Bern
(1536) stellte sich das Kloster
Romainmôtier unter den Schutz der Republik Freiburg,
die aber
trotz langwieriger Verhandlungen die Aufhebung des Klosters nicht zu verhindern vermochte und als Entschädigung
einen Teil der Klostergüter erhielt, während der andere an Bern
kam.
Obwohl mehrere der Mönche zum neuen Glauben übertraten und die Heiligenbilder und Altäre zerschlagen wurden, fügten sich
die Bewohner von
Romainmôtier nur ungern dem neuen Stand der Dinge und blieben im Geheimen dem alten
Glauben treu. Deshalb setzte der Rat zu Bern
den Reformator von Grandson, Jean Le Comte, als Pfarrer hierher, der sein Amt von 1544 bis 1567 versah.
Der in Frankreich gelegene Besitz der ehemaligen Propstei blieb bis zur französischen Revolution Kirchengut.
Romainmôtier wurde nun Hauptort der Bernischen Landvogtei gleichen Namens, deren erster Inhaber Adrian
von Bubenberg war und der man 1566 auch die Abtei am Jouxsee mit dem ganzen Jouxthal und später noch die Herrschaft La Sarraz
angliederte, so dass sie zu einer der reichsten Vogteien des Waadtlandes sich entwickelte. Die erste Nachricht über eine
eigene Gemeindeverwaltung in
Romainmôtier stammt aus 1387. Bis 1572 zerfiel der Flecken in zwei Abschnitte,
die von den Ortsbürgern bewohnte sog. Combe am Fluss und das den Niedergelassenen eingeräumte Quartier Sumôtier oder Assomôtier
oberhalb des Klosters.
Diese beiden Quartiere haben sich als untere und obere Stadt bis heute erhalten. Nach der Reformation
erhielt die Gemeinde einen Teil der einstigen Klostergüter und 1589 auch das Stadtrecht. Am schloss sich die
Stadt der Lemanischen Republik an, in deren Behörden sie durch Pierre Maurice Glayre (geb. in Lausanne 1743, † 1819; Bürger
von Arnex, Lausanne und
Romainmôtier) vertreten war. Aus Romainmôtier stammen: der General in holländischen,
später sardinischen Diensten Marc François Forneret (1763-1798), der im Kampf gegen die französischen Truppen im Ormontsthal
gefallen ist;
der Magistrat Samuel Henri Conod, genannt Pellis (1753-1809);
der Theologe Albert Roy (1662-1733);
der General in sardinischen Diensten Pierre Antoine Roy (1691-1760).
Grabhügel aus der ersten Eisenzeit. Man hat ferner in dieser Gegend (so bei Bofflens und Arnex) Trümmer von Wagen, Räder, Schwerter, Münzen etc. aufgefunden, die ohne Zweifel auf Kämpfe hindeuten, die hier zu verschiedenen Zeiten ausgefochten worden sind. Vergl. neben den die ¶
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Waadt
als Ganzes behandelnden Werken: Rahn, J. R. Grandson und zwei Kluniazenserbauten [Payerne und
Romainmôtier] in der Westschweiz.
(Mitteilungen der Antiquar. Gesellschaft in Zürich.
17); Histoire de
Romainmôtier, publiée par le comité de la Société de développement
de
Romainmôtier. Lausanne 1902.