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Affektive Störungen verlaufen episodisch, in Krankheits-„Phasen“, die vorübergehen. Nach jeder Phase erreicht der Patient typischerweise wieder seine volle Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Manchmal tritt nur eine einzige Phase auf, häufiger jedoch verlaufen affektive Störungen rezidivierend. Das heisst, nach einem gewissen zeitlichen Abstand, in dem der Patient beschwerdefrei ist, kommt es erneut zu Symptomen. Affektive Störungen haben zwei Pole, einer nach oben (Manie) und einer nach unten (Depression), und können entweder monopolar oder bipolar verlaufen.
Monopolar
heisst, dass während des ganzen Lebens eines Patienten nur Symptome eines Pols auftreten z.B. nur depressive Phasen.
Bipolar
bedeutet, dass Symptome beider Pole auftreten, also sowohl Depressionen als auch Manien.
Bipolar I
Bipolar I bezeichnet eine affektive Störung mit depressiven, hypomanen, manischen oder gemischten Episoden.
Bipolar II
Unter Bipolar II versteht man eine affektive Störung, die nur aus hypomanen und depressiven Episoden besteht. Es sind im bisherigen Verlauf also keine manischen oder gemischten Episoden vorgekommen. Unter Hypomanie versteht man einen Zustand leicht gehobener Stimmung und leicht gesteigerten Antriebs, der aber noch nicht das Ausmass einer Manie erreicht.
Switching
Wenn die Stimmung bei Patienten am Ende einer Erkrankungsphase „umschlägt“, d.h. dass sich an eine Manie ohne symptomfreies Intervall eine schwere Depression anschliesst oder umgekehrt, spricht man von einem Switch. Es gibt Hinweise, dass ein Switch in die Hypomanie oder Manie durch medikamentöse Behandlung mit bestimmten Antidepressiva begünstigt werden kann. Stimmungsstabilisierende Medikamente wie Lithium, Carbamazepin, Valproat, Lamotrigin oder Olanzapin und Quetiapin reduzieren dagegen das Umschlagen in die jeweils andere Phase.
Zyklothymia
Bei einer Zyklothymia, auch Zyklothyme Störung genannt, bestehen über Jahre viele Perioden mit leichten hypomanen oder depressiven Symptomen. Die Symptome sind weniger stark ausgeprägt als bei Bipolar I / II Störungen.
Rapid Cycling
Rapid Cycling bezeichnet eine Sonderform der bipolaren affektiven Störung. Man versteht darunter eine Verlaufsform mit raschem Phasenwechsel, die sich spontan, oder im Verlauf einer Behandlung entwickeln kann. Man spricht von „rapid cycling“, wenn innerhalb eines Jahres mindestens 4 depressive, manische oder hypomane Phasen oder mindestens 2 bipolare Krankheitszyklen (Manie und Depression) auftreten. Rapid Cycling kann sowohl im Rahmen einer Bipolar I, als auch einer Bipolar II Störung auftreten.
Als „ultra rapid cycler“ bezeichnet man Patienten, mit einem vorübergehenden, zuweilen auch dauerhaften 48-Stunden-Rhythmus.
Mischzustände
Depressives und manisches Syndrom sind keine unvereinbaren Gegensätze. Es kann vorkommen, dass bestimmte depressive und manische Symptome gleichzeitig nebeneinander oder in raschem Wechsel bestehen. In einem solchen Fall spricht man von einem affektiven Mischzustand bzw. von einer gemischten Episode.
Suizidrisiko
Bei Patienten mit manisch-depressiven Erkrankungen kommt es sehr viel häufiger zu Selbstmord oder Selbstmordversuchen (Suizidalität) als in der Allgemeinbevölkerung. Dies vor allem in den depressiven Erkrankungsphasen. Manche Betroffene sehen in ihrer Verzweiflung keinen anderen Ausweg mehr, als sich das Leben zu nehmen. Ein solcher Schritt wäre fatal und sollte auf jeden Fall verhindert werden, da es mittlerweile sehr gute Behandlungsmöglichkeiten gibt. Eine vorbeugende antisuizidale Therapie ist daher wichtig. Untersuchungen haben gezeigt, dass vor allem durch Lithium neben der depressionsprophylaktischen Wirkung, speziell auch suizidale Handlungen reduziert werden. Speziell bei Patienten mit Suizidversuchen in der Vorgeschichte oder Suiziden in der Familie kann es daher sinnvoll sein, eine Lithiumtherapie in Erwägung zu ziehen.
Hinweis:
Bipolare Störungen können durch Begleiterkrankungen wie Alkohol- oder Drogenabhängigkeit “verdeckt” sein und so nicht rechtzeitig diagnostiziert werden.