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Darum gehören Obligationen ins Portfolio
Viele Anleger interessieren sich aufgrund der höheren Renditechancen mehr für Aktien als für Obligationen. Doch auch Obligationen spielen eine wichtige Rolle im Portfolio – auch in einer Tiefzinsphase.
Bei einer Obligation, auch Anleihe oder Bond genannt, handelt es sich um eine Schuldverschreibung und nicht, wie im Fall von Aktien, um eine Beteiligung. Deswegen haben Obligationäre im Gegensatz zu Aktienanlegern an Generalversammlungen kein Stimmrecht. Damit Obligationen an einer Börse gehandelt werden können, müssen sie in kleinere Einheiten aufgeteilt werden, in der Finanzsprache Stückelung genannt. Je kleiner die Stückelung einer Obligation, desto mehr Privatanleger greifen zu.
Mit einer Obligation leihen sich beispielsweise Staaten, Kantone oder Unternehmen Geld am Kapitalmarkt für eine festgelegte Zeit und zu einem festgelegten Zinssatz, dem Coupon. Damit ist klar, dass Obligationen aus zwei Zahlungsströmen bestehen: der Rückzahlung am Ende der Laufzeit sowie den periodisch wiederkehrenden Couponzahlungen während der Laufzeit.
Coupon hängt vom Rating ab
Unmittelbare Auswirkungen auf die Höhe des Coupons und damit auf den regelmässigen Ertrag, den der Obligationenanleger erhält, hat das Bonitätsrating des Schuldners. Für ein schlechtes Rating verlangen Investoren einen höheren Zins, weil sie ein höheres Risiko bei der Überlassung des Geldes eingehen, als wenn sie einem Schuldner mit einem guten Rating ihr Geld borgen. Die Schweiz gehört zu den wenigen Ländern der Welt, die von allen drei grossen Ratingagenturen – Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch – jeweils mit der Bestnote bewertet wird. Deswegen zählen die Staatsobligationen der Schweiz, in der Branche "Eidgenossen" genannt, zu jenen mit den tiefsten Coupons.
Das Bonitätsrating bzw. die Kreditwürdigkeit ist auch ein wichtiger Einflussfaktor für den Preis bzw. Börsenkurs einer Obligation, der in Prozent angegeben wird. Verschlechtert sich die Bilanz eines Unternehmens aufgrund eines unprofitablen Geschäftsverlaufs oder als Folge einer höheren Verschuldung, die aus einer Übernahme resultiert, dann kann es passieren, dass die Ratingagenturen dem Unternehmen eine schlechtere Bonitätsnote vergeben. Dies wirkt sich in der Regel negativ auf den Kurs der Unternehmensobligation aus: er sinkt, beispielsweise von 110 auf 95 Prozent. Der Coupon und der Rückzahlungsbetrag bleiben jedoch unverändert.
Kurstreiber Zinsen
Ein wichtiger positiver Kurstreiber bei Obligationen ist ein Absenken der Leitzinsen durch die Notenbank bzw. die Aussicht auf eine solche Zinssenkung. Denn wenn durch die Zinssenkung das allgemeine Zinsniveau sinkt, steigt der Kurs der bereits ausgegebenen Obligationen. Der Grund: Die Investoren profitieren bei sinkenden Zinsen von Preissteigerungen auf den bereits gehaltenen Obligationen. Denn deren Coupon bleibt unverändert, während der Coupon der neuen Obligationen im Zuge des tieferen Zinsniveaus geringer ausfallen wird.
Mit Obligationen lässt sich also auch auf Kursgewinne spekulieren. Ein Beispiel: Der globale Bloomberg Barclays Obligationenindex, der die Kursentwicklung sowohl von Unternehmens- als auch Staatsobligationen von Industrie- sowie Schwellenländern wiederspiegelt, ist 2019 um knapp 7 Prozent gestiegen (siehe Grafik). Da kann kein Sparkonto mithalten.
Die wichtigsten Eigenschaften von Obligationen sind heutzutage die Krisenschutzfunktion und die entsprechenden Diversifikationsvorteile im Portfolio. Denn Obligationen weisen oft eine geringere Volatilität als Aktien auf, wie ebenfalls in der Grafik zu sehen ist. Deshalb gelten Obligationen als verhältnismässig risikoarme und relativ stabile Anlageklasse. Aus diesen Gründen werden sie oft als fester Bestandteil eines Portfolios empfohlen, um Risiken durch Aktien auszugleichen. Es gilt: Je grösser der Anteil an Obligationen, desto geringer wirken sich Kursverluste von Aktien auf das gesamte Portfolio aus.
Flexibilität statt Langeweile
Früher galten Obligationen als langweilige Anlageklasse. In erster Linie dienten sie im Portfolio als Stabilitätsanker. Doch die tiefen Zinsen haben die Coupons ebenfalls nach unten gedrückt. Das macht es erforderlich, den Obligationen-Anteil im Portfolio über Sektoren und Segmente stärker zu diversifizieren. Auch ist heutzutage eine grössere Flexibilität angebracht, um rasch auf Opportunitäten reagieren zu können.
Diese Flexibilität ist möglich, weil es immer mehr Obligationen-ETF gibt. Und natürlich gelten die Vorteile von ETF auch für Obligationen-ETF. So lassen sich ETF wie Aktien während der Börsenöffnungszeiten handeln. Auch wird mit einem ETF das Anlagerisiko breit gestreut. Denn ein Obligationen-ETF investiert in mehrere unterschiedliche Obligationen und minimiert so das Ausfallrisiko einzelner Schuldner. Ein weiterer Vorteil: In Obligationen-ETF kann oft schon ab 50 CHF investiert werden, in einigen Fällen ist sogar noch weniger Einsatz erforderlich. Dagegen beginnt die Stückelung von Obligationen meist erst ab 1000 CHF und aufwärts. Und ganz wichtig bei der langfristigen Geldanlage: Die Verwaltungsgebühren von ETF sind vergleichsweise tief.
Möchten Sie mehr erfahren über die Geldanlage via ETF? Dann können Sie sich hier informieren.
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