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Das Treppengiebel-Schloss in einer Ansicht von 1840
Es folgten vier Jahrhunderte Gerichtsherrschaft, die vor allem durch die Familien zum Thor (1315-1550), von Ulm (1550-1600) und von Meiss (1600-1798) geprägt wurden.
Ein wesentliches Mittel, die Einwohner eines oder mehrerer Dörfer zu verbinden und zu einem politischen Ganzen zu gestalten, bildete die Zugehörigkeit zur selben Gerichtsherrschaft.
Dies traf auf Rorbas und Teufen zu.. Freienstein hatte bis ins 15. Jahrhundert seine eigenen Herren und dementsprechend eine andere politische und kirchliche Entwicklung. Bei der Gerichtsherrschaft handelte es sich um die «niedrige Gerichtsbarkeit», über «Dieb und Frevel», während die «hohe, übers Blut», von österreichischen Grafen und Vögten, ausgeübt wurde.
Die hohe Gerichtsbarkeit beziehungsweise das Blutgericht kam 1452 zusammen mit der habsburgischen Herrschaft Kyburg an die Stadt Zürich. Später brachte Zürich auch das Frevelgericht in seinen Besitz. Im Gegensatz zu anderen Orten gab der Zürcher Rat dieses Gericht weiterhin als Lehen aus. So konnte sich die Institution der Gerichtsherrschaft in Teufen etablieren.
Gericht gehalten wurde in der Regel zweimal im Jahr in Rorbas auf dem Dorfplatz, unter der Linde, später aber auch in der Taverne.
Der direkte Weg an den Gerichtsplatz und in die Kirche führte die «Herren» jeweils von der Burg resp. dem Schloss Teufen über den «Heerensteg» (früher sagte man statt «Herr» oft «Heer», deshalb dieser Name).
Zu Beginn der Gerichtshaltung wurde jeweils das im Dorf gültige Recht, die Offnung eröffnet. Wie es der Brauch war, wurden diese Rechte (Ordnung und Sitte) über Jahrhunderte von Mund zu Mund weitergegeben und am Gerichtstag aus der Erinnerung hergesagt. Erst viel später wurden diese «Gemeindeordnungen» auf Rollen geschrieben und am Gerichtstage eröffnet, daher der Name «Offnung». Rorbas verfügte bereits 1406 über eine solche Schrift.
Bis 1638 bewohnten die Gerichtsherren von Teufen die oben erwähnten Burgen. 1638 erbauten die Junker von Meiss anstelle der Nachfolgeburg Altenteufen» ein markantes Schloss, das auf vielen Stichen aus dem 19. Jahrhundert abgebildet ist. Das Auffällig an der Anlage war das Hauptgebäude seinem Treppengiebel. Mit dem Einmarsch der französischen Truppen im Jahre 1798 und der Ausrufung der Helvetischen Republik ging die Zeit der Gerichtsherrschaft Teufen zu Ende.
Herrliberger 18e
Gottfried von Meiss, der Sohn des letzten Gerichtsherrn verkaufte 1838 sein ganzes herrschaftliches Gut, das vorstehend abgebildete Treppengiebetschloss, samt den grossen Stallbauten, die er 1820 hatte aufrichten Lassen, an Heinrich Hürlimann auf Rosenberg in Feldbach.
Nicht verkauft und im Besitz von Junker von Meiss verblieben der Turm zu Freienstein mit Umgelände und ein Stück Reben in der Engelishalde in Teufen. 1840 verkauft Hürlimann das ganze Gut an Baron von Müllermann aus Schlettstadt (Sélestat, Elsass). Der Baron wohnte nur kurze Zeit in Teufen. 1843 übernahm Joh. Heinrich Merian-von der Mühl aus Basel die Schlossanlage und verkaufte sie 1850 für 132 000 Franken an seinen Bruder Eduard Merian.
Merian liess das Schlossgebäude mit dem markanten Treppengiebel - mit Ausnahme der Landwirtschaftsgebäude -abreissen und liess sich 1850-1856 das heutige Schloss in neugotischem Stil erbauen.
Auf der Anhöhe, in unmittelbarer Nähe der Schlossanlage, wollte sich Eduard Merian eine schlossähnliche Prunkvilla in englischneugotischem Stil bauen lassen.
Sechs Jahre Lang wurde daran gearbeitet, doch 1856 wurden die Arbeiten plötzlich eingestellt, weil Merian auf Betreiben besorgter Erben entmündigt worden war. Der markante Bau blieb bis anfangs 1984 unvollendet und diente während Jahrzehnten als Geräte- und Wagenschopf.
1856 kaufte der Staat Zürich die gesamte Anlage zum «Neuwert» von 300000 Franken. Bei der GüteraufzähLung fällt auf, dass die Ziegelhütte nun zwei Brennöfen enthält, dass der Wagenschopf als ehemalige Säge bezeichnet ist und dass das unvollendete Gebäude mit einem Anteil von 80000 Franken an den Gesamtkosten verrechnet ist. Das Gewächshaus aus Stein, die sog. «Orangerie», ist erwähnt, ebenso die Parkanlage mit drei Terrassen, der Gemüsegarten mit zwei Terrassen und ein kleines «Lustwäldchen». Der Umschwung entspricht im Wesentlichen den früheren Angaben. Der Kanton brauchte nun einen Gutsverwalter und beauftragte den Bauernsohn Johann Jakob Keller aus Tuttikon bisher Werkmeister an der landwirtschaftlichen Schule Strickhof in Zürich. 1872 übernahm J.J. Keller die ganze Anlage als Pächter; 1875 verkaufte der Staat das Schlossgut dem Pächter für eine Gesamtsumme von 211600 Franken, rückwirkend auf Martini 1874. Versichert waren die Gebäulichkeiten indessen lediglich für 21400 Franken, davon etwa ein Zehntel für die Ziegelhütte. Die ausgedehnten Waldungen blieben zum grössten Teil im Besitze des Kantons als Staatswald mit dem Talhof, als Wohnhaus des Staatsförsters.
Von 1876-1905 wurde im Schloss eine Wirt schaft geführt, die weit herum bekannt war - Die Ziegelei unterhalb des Schlosses wurde noch bis nach dem Ende des 2. Weltkrieges, als einzige grössere Industrie von Teufen, betrieben.
Die unvollendete Prunkvilla Merians wurde erst in den Jahren 1975-1984 durch einen neuen Besitzer vollendet.
Sprechen die Teufener vom «Neuen Schloss», denken sie an diesen Bau, sprechen sie hingegen vom «Alten Schloss», handelt es sich um das zwar gleich alte aber grössere Schloss mit der weitläufigen, romantischen Gartenanlage und dem ausgedehnten Rebbau- und Landwirtschaftsbetrieb.
L'Orangerie
La ferme
Bibliographie