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Hauptort: Lausanne
Fläche: 321’210 Hektar
Rebfläche: 3’783.69 Hektar, davon sind 2’497.81 Hektar weisse Sorten (66%) und 1’285.87 Hektar blaue Sorten (34%). Alle Waadtländer Rebberge zusammen entsprechen 25.42 % der Rebfläche der Schweiz.
=> Neuste Zahlen werden im April publiziert. Seit dem Jahr 2004 hat weinlandscheiz.ch Stimmen zum jeweiligen Weinjahr zusammengetragen. Link: Das Weinjahr
Die aristokratische Waadt ist der zweitgrösste Weinbaukanton der Schweiz. Der Weinbau gehört seit über 1’000 Jahren zu den wichtigsten Kulturgütern. Rund um den Genfer-, Murten- und Neuenburgersee wachsen zum Teil uralten Rebstöcke. Mit grosser Leidenschaft und Können werden die Reben aufgrund der Steillagen in aufwändiger Handarbeit kultiviert. Die sechs Unterregionen Mont Vully am Murtensee (50 ha), Bonvillars (194 ha) und Côtes de l'Orbe (167 ha) am Neuenburgersee (10,8% der Rebfläche), am Genfersee die La Côte (2007 ha, 52,4%) und das Lavaux (818 ha, 21,4%) sowie das Chablais (590 ha, 15,4%) entsprechen den kontrollierten Herkunftsbezeichnungen (AOC). 1, 2 Seit der Ernte 2009 gelten diese genannten AOC-Regionen. Sie ersetzen die vorher geltenden 26 AOC und vereinfachen das System deutlich.
Innerhalb einer AOC steht die Bezeichnung «Grand Cru» für Weine, bei denen der Produktionsstandort beziehungsweise die Erzeugergemeinde angegeben wird. Diese Weine müssen mindestens zu 90% aus am Produktionsort oder in der Erzeugergemeinde geernteten Trauben gekeltert werden. Höchstens 10% der Trauben dürfen von einem anderen Produktionsort in der gleichen AOC-Region stammen. Der natürliche Zuckergehalt der Trauben muss 5 Grad Öchsle (°Oe) höher sein als der Druchschnitt. Die Angabe des Jahrgangs ist zwingend. 2 Die beiden Grand-Cru-Lagen Dézaley und Calamin verfügen je über eine eigene AOC.
Die Bezeichnung «1er Grand Cru» wird von einer Kommission vergeben. Die Auswahlkriterien für diese Premiers Grands Crus basieren auf bodenklimatischen Kriterien und den Weinbaupraktiken (mindestens 6’000 Rebstöcke pro Hektar, Weinlese von Hand). Die akzeptierten Rebsorten sind Chasselas, Pinot Noir und Gamay. Der Ertrag darf im Fall der Chasselas 0,8 l/m2 und im Fall von Pinot Noir und Gamay 0,64 l/m2 nicht überschreiten. Assemblagen und Verschitte sind verboten. Folgende Mindestzuckergehalte müssen erreicht sein: Chasselas 75 °Oe, Gamay 80 °Oe und Pinot Noir 85 °Oe. Die Vinifikation und die Abfüllung müssen im Kanton Waadt erfolgen.Die Angabe des Jahrgangs ist obligatorisch. 2
Die wichtigsten im Kanton Waadt angebauten Rebsorten sind mit 68.6% die Chasselas, gefolgt von 11.5% Pinot Noir, 10.9% Gamay und 9% diverse weisse und blaue Spezialitäten wie Viognier, Pinot Gris, Plant Robert oder Servagnin. Insgesamt 66% der Rebfläche sind mit weissen Sorten bestockt und auf 34% wachsen blaue Sorten.
Das Waadtland gilt als die Heimat der Chasselas und sie ist mit Abstand die wichtigse Sorte. Obwohl die Anbauflächen seit 15 Jahren erodieren, bleibt sie nach wie vor die meistangebaute Rebsorte.
Quelle:
1 Flächenangaben: OVV/Guide des Vins Suisses 2011/2012
2 Règlement sur les vin vaudois 27.09.2009 / Règlement sur l'organisation et le fonctionnement de la Commission des Premiers grads crus 23.09.2010
Panoramabllick auf den Mont Vully von Murten aus gesehen.
Vully
Das kleine Weinbaugebiet am Mont Vully, dem Hügelzug zwischen dem Murten und dem Neuenburgersee, umfasst 150 Hektar. 100 Hektar liegen auf Freiburger und 50 auf Waadländer Boden. Trotz der Kantonsgrenzen versteht sich das Weinbaugebiet als eine Einheit. Im Februar 2012 haben die Winzer der beiden Vully eine gemeinsame Winzervereinigung gegründet (siehe Rubrik Nachrichten 17.02.2012 Vully, encaveurs vaudois et fribourgeois sous un même toit).
Die Reben wachsen auf aquitanischer Molasse, deren Sandstein-Mergelschichten ziehmlich einheitlich sind. Bedingt durch die Erosion sind die oberen Lagen steiniger, während sich auf unteren Lagen der Humus angesammelt hat. Reben in der Seenähe wurzeln in sandigen Böden.
Der Chasselas bedeckt 26 Hektaren, also 54% der gesamten Rebfläche, der Pinot noir 29%, Gamay, Garanoir und Gamaret machen zusammen 8.5% aus und verschiedene Spezialitäten weitere 8.5%.
Eine besondere Spezialität ist die in den 1950er jahren eingeführte Sorte Freisamer oder Freiburger, eine deutsche Neuzüchtung aus Silvaner und Ruländer (Pinot Gris).
Die Region Vully erlebt seit 2003 einen regelrechten Qualitätsschub. Auf zahlreichen Betrieben hat die junge, gut ausgebildete Generation das Szepter übernommen. Dabei entstehen Weiss- und Rotweine, die sich mit den besten des Landes messen können.
(Quelle: weinwirtschaftlichen Statistik 2011. Eine Chronologie ab dem Jahr 2004 gibt es unter dem Link Das Weinjahr.)
Bonvillars
Das zum Jura-Nord Vaudois gehörende Bonvillars erstreckt sich vom Ufer des Neuenburgersees auf 429 Meter über Meer bis hinauf auf die Jurakreten (1339 M.ü.M.). Der Weinbau (am Hang oberhalb des Dorfes), der Ackerbau sowie die Viehzucht und Milchwirtschaft (auf den Jurahhöhen) spielen noch heute eine wichtige Rolle. 1948 wurden die Caves des viticulteurs de Bonvillars et environs gebaut, um den Wein aus dem Bezirk Grandson zu lagern. Ab 2008 wurden die alten Anlagen ersetzt und am 30. Oktober 2014 schliesslich konnte die neu aus- und umgebaute Kellerei eröffnet werden. Mit Fabien Bernau steht ein erfahrener Ökologe mit an der Spitze der Genossenschaft. Das belegen die zahlreichen Auszeichungen.
Die Weinberge Bonvillars erstrecken sich über 190 Hektar. Die Region profitiert von einer massvollen Niederschlagsmenge. Die mineralhaltigen Böden bestehen aus Kalkfelsen des Juras und kiesigen Ablagerungen der Gletscher.
Côtes de l'Orbe
Ihren Namen hat die Appellation vom Fluss Orbe, der hier einer spektakulären Schlucht entkommt. In einem grossen Bogen fliesst er in den Neuenburgersee. Die Gegend ist nicht unbedingt rustikal: Ein ländlicher, seinen Weinbergen zugetaner Adel hat hier gelebt. Davon zeugen die zahlreichen Landsitze und Herrenhäuser.
170 Hektar Reben wurzeln in Böden aus Molasse, Ton und Kalk. Das Klima ist relativ trocken. Die Côtes-de-l’Orbe bekannt für ihre samtenen, kräftigen, wenn nicht gar würzigen Rotweine. Nebst traditionellen Rebsorten wie Pinot Noir und Gamay finden sich auch modernere Sorten wie Garanoir, Gamaret und Mara.
La Côte
Auf über 2000 Hektaren erstreckt sie sich die La Côte von Founex an der Grenze zu Genf bis nach Lausanne. Da liegen die mittelalterlichen Städtchen und die Weinbaudörfer mit ihren klingenden Namen: Bursinel, Tartegnin, Féchy, Vinzel, Morges oder Mont-sur-Rolle mit ihren prächtigen Gasthöfen und ihre Weinkellern. Und da stehen mehr als dreissig Schlösser und Patrizierhäuser, die von der grossen Rebbautradition der Côte zeugen.
Dann aber kam die Zeit als wohlklingenden Namen zu Schimpfwörtern für Wein wurden und «La Côte» wie eine Drohung klang. Doch die Seiten dieses üblen Kapitels in der Schweizer Weinbaugeschichte sind definitiv umgelegt. Die La Côte ist eine Region «qui bouge». Und es bewegt sich viel. Bio-Pioniere wie die Familie Cruchon in Echichens oder Raymond Paccot in Féchy zählen seit Jahren zu den besten Winzern des Landes. Mit Les Frères Dutruy in Founex und den Cousins Meylan und Albiez in Mont-sur-Rolle hat eine junge Generation das Profil der La Côte geschärft. Eine Reise durch die Weinbaudörfer lohnt sich.
Der Genfersee gleicht die Temperaturschwankungen aus und der Jura schirmt die Weinberge gegen die Winde aus dem Norden ab. Chasselas ist die Königin der La Côte. Die Reben gedeihen auf kiesigen Böden in den unteren Lagen, wo sie etwas feinere und elegantere Weine ergeben als diejenigen, die auf schwereren Böden höherer Lagen wachsen.
Lavaux
Lavaux – Rebkultur auf Terrassen.
«Wenn der Dézaley und der Calamin zwei Perlen des Waadtländer Weinbaus sind, dann ist das Lavaux die Schmuckschatulle.» So beschreibt Les Vins Vaudois die 760 Hektar Terrassen zwischen Lausanne und dem majestätischen Schloss Chillon. Die kleinen Parzellen auf oft schwindelerregend hohen Mauern sind gefüllt mit einer ton- und sandsteinhaltigen, mergeligen oder schiefriger Erde.
Seit dem 28. Juni 2007 zählt die Region Lavaux, zwischen Lausanne und Vevey, zum Unesco Weltkulturerbe. Benediktinermönche der Abtei von Cluny im Burgund haben im 12. Jahrhundert begonnen die steilen Hänge zu terrassieren. Bis heute werden diese gepflegt. Auf kleinsten Parzellen und einer Neigung von 13 bis 45 Prozent wird ausschliesslich von Hand gearbeitet.
Die Weine von Lutry, Villette, Epesses, St-Saphorin, Chardonne und der Dörfer zwischen Vevey und Montreux schmecken blumig und zart, fruchtig und würzig, pikant und kräftig, grosszügig und exquisit.
Chablais
Nach dem Schloss Chillon ändert sich die Kulisse. Der Genfersee macht der Rhone Platz und die rund 590 Hektaren Rebberg des Chablais schmiegen sich an die Voralpen an. Die Böden zwischen Villeneuve und Bex sind kalkig und steinig. Yvorne wurde 1584 von einem gigantischen Erdrutsch verschüttet. Sie versorgen den Wein mit Mineralien und sie verleihen ihm die für das Chablais typische Feuersteinnote. Zum Chablais gehört auch der Föhn, ein bisweilen stürmischer Südwind, der die Trauben im Herbst wärmt und trocknet. Er macht es möglich, warme und kräftige Crus mit Körper herzustellen.
Aigle, der Hauptort' der Gegend, liegt am Rande des Kantons. Für die Waadtländer aber ist das Städtchen in gewisser Hinsicht das Zentrum der Welt. Denn das Schloss Aigle beherbergt ein grossartiges und weit herum bekanntes Museum der Rebberge und des Weins. Zudem findet hier seit 2012 alljährlich der Mondial du Chasselas statt, ein dem Chasselas gewidmeter internationaler Wettbewerb.