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In Südafrika leben, im Unterschied zu anderen afrikanischen Staaten, praktisch alle Elefanten-Populationen des Landes in eingezäunten Reservaten und Parks. Diese Form des Elefantenmanagements ist für die Art ebenso unzureichend und verhängnisvoll wie für das Ökosystem – und zieht eine Fülle von Problemen nach sich, wenn sich die auf begrenztem Raum lebenden Tiere fortpflanzen und ihre Zahl steigt. Vor Kurzem hat die Fondation Franz Weber die Umsiedlung von als «überzählig» deklarierten Elefanten aus einem zu kleinen Reservat im Nordwesten von Südafrika in einen grösseren Park ermöglicht, und somit deren Tötung verhindert.
Südafrikas Strategie, mit den Elefanten umzugehen, ist in Afrika einmalig. Während die Nachbarländer – Botswana, Namibia, Mosambik und Simbabwe – für ihre riesigen Herden freilebender Elefanten berühmt sind, sind die Tiere in Südafrika fast zur Gänze in Gehegen eingeschlossen. Selbst der weltbekannte Kruger-Nationalpark, in dem beinahe 20 000 Elefanten leben, ist nahezu vollständig eingezäunt. Die übrigen Elefantenpopulationen Südafrikas sind, einem Flickenteppich gleich, über hunderte Naturparks und Reservate verstreut, von denen viele selbst für kleinere Familienverbände nicht gross genug sind.
Elefanten benötigen für ihre Märsche viel Platz. Sie sind von Natur aus Wanderer und gewöhnt, grosse Strecken zurückzulegen, um Wasser und Nahrung zu finden. Die Tiere in umzäunten Reservaten zu halten, welche für ihre Bedürfnisse zu klein sind, löst Stress aus und schadet zudem dem natürlichen Lebensraum und dem guten Zustand des Ökosystems – insbesondere, wenn die Herden sich fortpflanzen und ihre Population wächst.
Südafrikas Artenmanagement muss überprüft werden
Für Südafrika ist daher ein Management seiner Elefantenpopulationen unerlässlich. Die Regierung hat landesweite Regelungen für das Management der Elefanten («National Norms and Standards for the Management of Elephants») erstellt, welche die Probleme im Zusammenhang mit der Haltung von Elefanten in kleinen Reservaten anerkennen und Richtlinien zur Regulierung der Populationen vorgeben. Sobald man in einem Park oder Reservat zum Schluss gelangt, dass in diesem Schutzgebiet die Zahl der Elefanten für den zur Verfügung stehenden Raum zu hoch ist, bestehen folgende Optionen: Die Umsiedlung eines Teils der Elefanten in grössere Reservate, die Verabreichung immunologischer Verhütungsmittel an die gebärfähigen Weibchen, um das Wachstum der Population zu reduzieren, die Trophäenjagd und – als letztes Mittel – die Tötung von «überzähligen» Tieren.
Leider werden in zahlreichen Schutzgebieten die Trophäenjagd und die Tötung als einzige «Lösung» betrachtet, da die Kosten und der logistische Aufwand für Übersiedlungen enorm hoch sind. Die Regulierung der Population mittels Verhütungsmitteln hingegen kann nur dann zur Verbesserung der Situation beitragen, wenn sie verabreicht werden, bevor die Population zu gross wird. In vielen Fällen ist es für eine Geburtenkontrolle zu spät.
Trophäenjagd: Unverhältnismässig und ineffizient
Wie sich von selbst versteht, sind die Trophäenjagd und die Tötung – selbst als Ultima Ratio – aus offensichtlichen ethischen Gründen absolut problematisch. Zudem stellen sie keine besonders effizienten Instrumente zur Regulierung der Elefantenpopulationen dar: Was die Trophäenjagd betrifft, so erlaubt das Gesetz nur die Tötung alter Männchen, was häufig zu einem Überschuss an Weibchen in einem Reservat führt. Die alten Bullen sind jedoch zur Sicherstellung einer ausgewogenen Gruppendynamik, insbesondere unter den jungen Männchen, für die Herde unerlässlich. Die Tötung von Einzeltieren (das sogenannte «Culling») ist ebenfalls keine Option: Die bei Elefanten hochentwickelte Empfindsamkeit und Lebensklugheit würde das Töten des ganzen Familienverbands, einschliesslich der Kälber, notwendig machen, da die am Leben gelassenen Individuen sonst lebenslänglich schwer traumatisiert sind.
Ein kleines Reservat platzt aus allen Nähten
Im Nordwesten Südafrikas befindet sich eines der Reservate, das innerhalb seiner Grenzen schlicht zu viele Elefanten hat. Aufgrund seiner geringen Grösse besteht seit langer Zeit das Problem, dass die Population der Elefanten eingedämmt werden müsste. Auf die Betreiber des Parks wurde deshalb starker Druck ausgeübt, die überzähligen Tiere loszuwerden. Allerdings waren sie weder in der Lage, die Kosten für eine Übersiedlung zu tragen, noch dazu, dieses komplexe Unterfangen angemessen durchzuführen. Eine Populationskontrolle mit Verhütungsmitteln dagegen wäre erst wieder sinnvoll, wenn es im Reservat insgesamt weniger Elefanten gibt.
Wieso werden Verhütungsmittel für Südafrikas Elefanten eingesetzt?
Angesichts der Problematik, dass verstreute Populationen in kleinen Gehegen gehalten werden, ist die Verhütung heute ein notwendiges und vergleichsweise kostengünstiges Instrument des Elefantenmanagements in Südafrika. Die dabei zum Einsatz kommende Immunokontrazeption macht sich die Immunantwort der Weibchen zunutze, um eine Befruchtung der Eizellen zu verhindern. Elefantenkühe, die älter als 10 Jahre sind, werden vom Helikopter aus mit einem Pfeil getroffen, der das immunologische Verhütungsmittel und eine Tinktur zur Markierung enthält. So können die markierten Tiere später leicht aus der Luft aufgespürt und gezählt werden. Der Pfeil fällt nach einiger Zeit von selbst ab. Die Tiere müssen also für die Behandlung nicht ruhig gestellt werden, und die Prozedur dauert nur wenige Minuten.
Umsiedlung statt Tötung mit Hilfe der Fondation Franz Weber
Als die Betreiber des Reservats bereits die Tötung ihrer Elefanten in Betracht zogen, beschloss die Fondation Franz Weber (FFW) gemeinsam mit Humane Society International, dem Elephant Reintegration Trust und Global Supplies-Conservation Initiatives, die Umsiedlung einer sechsköpfigen Elefantenfamilie in einen erheblich grösseren Park in einem anderen Landesteil zu ermöglichen. «Eine Elefantenfamilie zu töten, weil das Reservat zu klein ist, darf niemals eine Option sein, nicht einmal als letztes Mittel. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die afrikanischen Elefantenpopulationen überall auf dem Kontinent gefährdet sind», so Vera Weber, Präsidentin der FFW. «Deshalb haben wir keine Sekunde gezögert, die beste Alternative möglich zu machen – die Umsiedlung in einen weitaus grösseren Park, in dem sich die Tiere frei bewegen können, ohne befürchten zu müssen, aus Platzgründen getötet zu werden.»
Eine logistische Mammut-Aufgabe
Die Umsiedlung der sanften Riesen ist logistisch äusserst komplex und erfordert die Zusammenarbeit von Teams aus Veterinärexperten, Elefantenbiologen, Rangern, Spezialisten für Elefantentransporte und von dutzenden Helfern. Mit Hilfe eines Helikopters werden die Elefanten aus der Luft mit Beruhigungsmittel-Pfeilen betäubt, bevor die Bodenteams eintreffen. Diese entnehmen den Tieren DNA-Proben und Blut, wägen sie und unterziehen sie einem Gesundheitscheck. Mit einem Bulldozer muss rasch ein Weg durch den Busch gebahnt werden, damit Lastwagen sowie ein Kran zum Anheben der Tiere anfahren können. Weiterhin betäubt werden die Elefanten mit dem Kran in speziell zu diesem Zweck entworfene Kisten gebracht und anschliessend geweckt, bevor sie in ein anderes sicheres Gebiet transportiert werden.
Neues Glück für die Elefantenfamilie
Die herausfordernde Prozedur war ein voller Erfolg: Der erste Pfeil wurde auf das dominante Weibchen des Familienerbands – die Matriarchin – abgeschossen, so dass sich die anderen Elefanten ganz natürlich um sie scharten, als diese sich ablegte. Anschliessend konnten zwei Elefantenkälber und eine ältere Kuh betäubt werden. Die Bodenteams führten in Windeseile alle Kontrollen durch, die Matriarchin wurde mit einem Funkhalsband versehen und danach wurden die Dickhäuter schleunigst auf die Lastwagen gehoben, transportiert und in die vorbereiteten Kisten gebracht. Sie wurden aufgeweckt und nach dreizehn Stunden anstrengender Reise schliesslich freigelassen: Im für sie neuen 1 000 Quadratkilometer grossen Reservat in einem entlegenen Landesteil Südafrikas sollten sie zu einer bestehenden Herde von früher umgesiedelten Elefanten hinzu stossen. Mitten in der Nacht verschwand die Elefantenfamilie, dicht aneinander gedrängt, in aller Stille im dunklen Busch ihres neuen Zuhauses. Ihre Bewegungen konnten vom Satellitensensor des Funkhalsbands der Matriarchin verfolgt werden. Sie zeigten an, dass die Tiere rasch Wasser fanden, und die bereits vor Ort heimische Herde bald zu ihnen stiess. Einige Tage später bereits sah man die Tiere alle gemeinsam fressen – glücklich und zufrieden, so wie es Elefanten in Freiheit sein sollen.
- Dieser Artikel wurde erstmals im Journal Franz Weber 134 publiziert. Die PDF-Version aller bisheriger Journale finden Sie hier.
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