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Machtgefüge im Umfeld der Schweizerischen Käseunion
Während mehr als achtzig Jahren, zwischen 1914 und 1998, wurden Produktion,
Distribution und Verkauf der wichtigsten Schweizer Käsesorten von einer zentralen Organisation durchgeführt oder überwacht: Der Schweizerischen Käseunion.
Die Käseunion war ein Bündnis des milchwirtschaftlichen Spitzenverbands, der Verbände der Käsefabrikanten und -‐exporteure sowie einzelner Exportunternehmen, unter Mitwirkung des Verbandes Schweizerischer Konsumvereine und – später – der Migros. Sie war zunächst als Genossenschaft organisiert, ab 1948 als Aktiengesellschaft. Die Käseunion hatte einen kartellartigen Charakter: Sie setzte Preise fest, verteilte Mengenkontingente unter ihren Mitgliedern und überwachte die Einhaltung der Konditionen.
Der geplante Vortrag wird anhand ausgewählter Situationen die Beziehung zwischen der Schweizerischen Käseunion und den Bundesbehörden – beziehungsweise deren Vertretern – analysieren. Insbesondere sollen die frühen 1950er Jahre betrachtet werden, als die Eingliederung der Käseunion in die staatliche Marktordnung verhandelt wurde. Indem untersucht wird, wie die Verhandlungen verliefen und wer Entscheidungen traf oder beeinflusste, sollen die Machtverhältnisse zwischen beiden Seiten herausgearbeitet werden. Die gesetzlichen Grundlagen und politischen Voraussetzungen werden ebenfalls in die Analyse mit einbezogen.
Es wird sich zeigen, dass sich die Käseunion und der Staat ab den 1950er Jahren in
einem gegenseitigen, aber ungleich gewichteten Abhängigkeitsverhältnis befanden. Wollte er die Milchpreisstützung aufrecht erhalten, aber die entsprechenden Aufgaben nicht selbst übernehmen, so war der Bund auf die Käseunion angewiesen. Allerdings war die Organisation in hohem Masse finanziell vom Staat abhängig, was das Machtverhältnis verschob.