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Wem gehören die Mythen?
Wie die Genossame Schwyz in Besitz der Mythen kam, ist nicht eindeutig belegt. Der wirtschaftliche Nutzen von Felswänden und steilen Grashalden hält sich allerdings in Grenzen. Vor einigen Jahren stellte ein Schwyzer Kantonsrat aus dem Alptal im Rat die Frage: «Wem gehören eigentlich die beiden Mythen?» Die Antwort war: «Alles ob dem geschlossenen Wald ist im Besitz der Genossame Schwyz.» Das war nicht immer so. Alemannen besiedelten das Land Schwyz im 5. Bis 9. Jahrhundert. Diese freien Bauern bildeten eine Marktgenossenschaft, die als Oberallmeindkorporation Schwyz noch heute besteht. Ihr gehörte das ganze Gebiet des Alten Landes Schwyz, heute Bezirk Schwyz. Erwähnt wird die Oberallmeindkorporation in einer Urkunde von Kaiser Heinrich IV vom 1 0. März 1114, die über den Marchenstreit zwischen dem Kloster Einsiedeln und den Schwyzern berichtet. Sie ist älter als die Eidgenossenschaft und gehört zu deren Vorläufern. Neben dem Land, das jedem freien Manne zur eigenen Nutzung gegeben war, gab es schon immer die Allmeind, das heisst Alpen, Weiden und Wald, die allen Marktgenossen zum gemeinsamen Gebrauch zustanden. Wer Anteil an der Allmeind haben wollte, musste Landmann sein aus einem freien alten Schwyzer Geschlecht. Das Land blieb unverteilbarer Besitz und überlebte selbst den Sturz der alten Ordnung mit der Französischen Revolution und allen darauf folgenden Wirren bis in unsere Zeit. Am 15. Oktober 1882 stimmte die Oberallmeind-Gemeinde einem Teilungsvertrag zu, der gemeinsame Besitz sollte durch die Aufteilung besser genutzt werden. Dadurch entstanden im Kanton Schwyz die Dorf Genossamen. Die Genossamen erhielten die niedrig gelegenen Bodenallmeinden bis «Mitte Berg», also etwa 800 Meter über Meer. Die Hoch- und Mittelalpen verblieben der Oberallmeindkorporation. Wald wurde den Genossamen erst im Jahre 1927 und teilweise noch später zugeteilt. Durch Zukauf weiterer Liegenschaften und Alpen dehnte sich die Genossame Schwyz aus. In neuerer Zeit verkaufte sie Bauland, baute eigene Mehrfamilienhäuser und trug dadurch wesentlich zur wirtschaftlichen Entwicklung von Schwyz bei. Die unbebauten Talliegenschaften der Genossame dienen ansässigen Bauern als Zupachten, während die Alpen von allen Bauern gemeinsam genutzt werden. Fünfzehn Alpen, darunter Zwüschet Mythen und Gummen, gehören der Genossame Schwyz. Der mündlichen Überlieferung nach habe man bei der Teilung der Oberallmeindkorporation die Mythen der Genossame wohl einfach «zugeschoben», um fehlende Fläche zu ergänzen, vermutet Genossen Verwalter Hans Reichmuth. Auch wenn sich diese These aus den Akten nicht belegen lässt, ist bis heute kein anderer, plausibler Grund bekannt. Ausser Wildheu und Weide für Ziegen und Schafe war da wenig zu holen. «Doch einmal im Jahr stellen wir fest, dass die Mythen uns gehören. Als Besitzerin haben wir Anrecht auf eine Gämse, die der Jagdaufseher abschiessen musste, etwa weil sie altersschwach oder blind war.» Dies ist als Gegenleistung für das Äsen der Zwüschet-Mythen-Allmeind durch das Gämswild zu verstehen. Weder altersschwach noch blind sind dagegen die traditionsreichen Schwyzer Genossenschaften; sie haben sich zu wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen entwickelt. Wie die Genossame ist auch die Oberallmeindkorporation in der Alp- und Forstwirtschaft tätig und verfügt über Immobilien. Als grösste private Waldbesitzerin der Schweiz produziert sie zudem erneuerbare Energie aus Holz.
(Auszug aus dem Buch «Die Mythen» von Emil Zopfi, www.asverlag.ch)