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Robert Kuhn und Bernd Kreutz untersuchen in ihrem Buch Der Matrosenanzug die Kulturgeschichte eines ganz besonderen Kleidungsstücks. Diese „Uniform der Kindheit“ im Seemanns-Look mit dem breiten Kragen machte nämlich eine unglaubliche Karriere.
1846 wurde der Prince of Wales (später König Edward VII, Urgrossvater der heutigen Königin Elizabeth II) von Franz Xaver Winterhalter im Matrosenkostüm porträtiert, 1862 begründete Edwards Neffe Wilhelm (später Kaiser Wilhelm II.) den einschlägigen Trend in Deutschland. Jahrzehntelang waren der Matrosenanzug und sein weibliches Gegenstück, das Matrosenkleid – besonders in Deutschland und Grossbritannien, aber auch anderswo – in der Kindermode allgegenwärtig, populär gemacht durch den Adel und „demokratisiert“ insbesondere durch den Textilfabrikanten Wilhelm Bleyle. Fürstensöhne wie Zarewitsch Alexei (geboren 1904) trugen ihn, Knaben aus dem Bürgertum wie Thomas Mann (geboren 1875) ebenfalls; der Letztere steckte auch manche seiner jugendlichen Romanfiguren in Matrosenanzüge, etwa Johann „Hanno“ Buddenbrook oder Tadzio. Der Matrosenanzug überlebte sogar den Ersten Weltkrieg und damit die Epoche, aus der er stammte. Erst von den Nazis, die Kinder lieber in NS-Uniformen sahen, wurde er als „bürgerlich-reaktionär“ beseitigt.
Doch der Matrosenanzug ist noch lange nicht am Ende! Donald Duck trägt einen; die Wiener Sängerknaben und andere Chöre haben ihn zu ihrer Uniform erkoren; auch bei Adels-Hochzeiten und ähnlichen Anlässen sieht man ihn manchmal noch.