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Zwei Brüder auf Erfolgskurs
Rolf Spriessler-Brander
Die Brüder Adrian und Florian Faber sind schon als Teenager in den Kreis der besten Schweizer Elitebogenschützen aufgestiegen und haben bereits mehrmals auch international für Aufsehen gesorgt. Im Mai 2015 wurden sie gemeinsam mit dem Sportpreis der Gemeinde Riehen für das Jahr 2014 ausgezeichnet.
Sie waren schon im Kinderwagen auf dem Bogenschiessplatz. Vater Dominik und Mutter Rita Faber holten im olympischen Recurve-Bogenschiessen Schweizer Meistertitel und waren Mitglied der Schweizer Nationalmannschaft. So kamen die Kinder automatisch mit zum Training. So erstaunt es eigentlich nicht, dass die beiden Söhne Adrian Faber, geboren am 22. Dezember 1994, und Florian Faber, geboren am 5. Oktober 1997, schon früh zum Bogenschiessen gefunden haben.
Adrian Fabers Rekordeinstieg
Der kleine Adrian fand es bald nicht mehr lustig, wenn auf dem Trainingsplatz der Bogenschützen Juventas im Riehener Stettenfeld die Saugnapf-Pfeile seines Spielzeug-Bogens von der Zielscheibe fielen, während Mamas Pfeile bombenfest steckenblieben. Also musste bald ein ‹echter› kindertauglicher Bogen her. Nach einem Ausflug zum Fussball, wo er als Feldspieler beim FC Amicitia kickte, begann Adrian Faber ernsthaft mit dem wettkampfmässigen Bogenschiessen. Er wurde schon als 14-Jähriger ins Schweizer U18-Nationalkader aufgenommen. Eine jüngere Altersklasse gibt es auf internationaler Ebene nämlich nicht.
Adrian Faber verbesserte bald so ziemlich jeden Jugend-Schweizerrekord und erreichte früh, zusammen mit zwei anderen jungen Schweizer Bogenschützen, das Niveau des Elite-Nationalteams. Insgesamt dreizehn Einzel-Schweizerrekorde in verschiedenen Altersklassen hat Adrian Faber bis Ende 2014 aufgestellt und weitere vier mit dem Team. Er war in verschiedenen Altersklassen sieben Mal Schweizermeister im Einzelwettkampf und drei Mal mit dem Team und gewann an Schweizermeisterschaften acht weitere Einzel-Medaillen und eine mit dem Team.
Vor allem aber sicherte er der Schweiz einen Einzel-Quotenplatz für die European Games, die ersten Europäischen Olympischen Spiele, die im Juni 2015 in Baku (Aserbaidschan) stattfanden. Den Quotenplatz erreichte er in einem separaten Wettkampf im Rahmen der Elite-Europameisterschaften 2014 in Echmiadzin (Armenien), wo er im Hauptwettkampf den 33. Platz belegt hatte – obwohl er unter der grossen Hitze und nach einem Spinnenbiss unter allergischen Reaktionen litt. An den Europaspielen in Baku im Juni 2015 beendete er die Qualifikation auf dem 41. Platz und scheiterte dann in der Direktausscheidung relativ knapp am ehemaligen Hallenwelt- und -europameister Markiyan Ivashko aus der Ukraine mit 4:6, was ihm den 33. Schlussrang eintrug. Nach vier unentschiedenen Sätzen – pro Satz werden je drei Pfeile geschossen – liess er im entscheidenden fünften seinen zweiten Pfeil zu früh los, dieser touchierte den Klicker und wurde abgelenkt, was nur einen Fünfer ergab. Ein Schuss ins Zentrum ergibt zehn Punkte. Dieses Missgeschick verhinderte das durchaus mögliche Weiterkommen gegen einen Weltklasseathleten. Und nicht zum ersten Mal stellte Adrian fest: «Eigentlich habe ich nicht schlecht geschossen. Aber meine Ziele habe ich nicht erreicht.» Was einerseits die Möglichkeiten zeigt, die Adrian Faber hat, und andererseits seinen Ehrgeiz, der erst gestillt sein wird, wenn er das Beste aus seinem Potenzial herausgeholt hat.
Noch als Junior hatte Adrian Faber im Juni 2014 in Antalya (Türkei) als Siebzehnter für das bisher beste Elite-Weltcupergebnis eines Schweizer Recurve-Bogenschützen gesorgt. In den Sechzehntelfinals unterlag er dabei dem Olympiasieger von London 2012, dem Koreaner Oh Jin-Hyek, nach vorübergehender Satzführung nur knapp. Als Vertreter des Gastgeberlands durfte er Ende 2014 in Lausanne sogar den Weltcupfinal bestreiten, an dem jeweils nur acht Bogenschützen teilnehmen, und lieferte dabei im Viertelfinal dem Weltranglistenersten Rick van der Ven aus Holland vor zahlreichen Fans einen guten Wettkampf. Applaus von tausend Zuschauern schon vor dem ersten Schuss, das sei ein wahnsinniges Erlebnis gewesen, sagte Adrian Faber an der Sportpreisverleihung vom 18. Mai im Haus der Vereine im Gespräch, bevor er aus den Händen von Gemeinderätin Christine Kaufmann Preis und Urkunde in Empfang nehmen durfte. Als grosse Stärke sieht er seine Effizienz. Und meint: «Auch mit einer schlechten Technik lässt sich gut schiessen.» Wichtig seien Präzision, Fitness und die Fähigkeit, Abläufe immer genau gleich ausführen zu können. Als sportliches Ziel nennt er eine Olympia-Teilnahme – und dort wolle er dann «ein bisschen abräumen». Dass sich mit dem Bogenschiessen kein Geld machen lasse, sei ihm klar. Er sehe seinen Sport als ein sehr intensives Hobby.
Zweikampf wichtiger als Punktejagd
Inzwischen wird der junge Medizinstudent, der für die Universität Basel auch an der Universiade 2015 in Südkorea am Start war, nicht mehr familienintern, sondern von Martin Cornils trainiert, unter dem Adrian Faber für Freiburg im Breisgau auch in der deutschen Bundesliga antritt. Mit ihm gelang Freiburg der Aufstieg in die 1. Bundesliga und dort dann der souveräne Klassenerhalt. Diese Mannschaftswettbewerbe bringen Wettkampfpraxis und sind gut für die Nervenstärke, sagt Vater Dominik Faber, der selbst nach wie vor gute Qualifikationen schiessen kann, aber im Kampf Mann gegen Mann oft nicht so nervenstark ist wie seine Söhne – was sich zum Beispiel in einer klaren 0:6-Niederlage gegen Florian im Hallenturnier von Tübingen zeigte. Dominik Faber stört das nicht. Er sieht sich heute weniger als Athlet denn als Funktionär – inzwischen ist er Leistungssportchef beim Schweizer Bogenschützen-Verband Swiss Archery.
Der Kampf Mann gegen Mann ist im modernen Bogenschiesssport immer wichtiger geworden. Früher wurde nur auf Punkte geschossen. An den Olympischen Spielen 1972 bis 1984 waren es sogenannte Doppel-FITA-Runden mit insgesamt 288 Pfeilen, die über die Medaillenvergabe entschieden. Der Schütze mit dem höchsten Total gewann den Titel. Geschossen wurde im damaligen olympischen Wettkampf auf vier verschiedene Distanzen. Seit 1988 wird an den Olympischen Spielen auf der 70-Meter-Distanz eine Qualifikationsrunde geschossen. Aufgrund dieser Resultate wird, wie beim Tennis, ein Tableau erstellt, und es werden K.-o.-Runden geschossen bis zum Final. Gleich funktionieren die Wettkämpfe in der Halle, nur dass dort auf 18 Meter Distanz und mit entsprechend kleineren Zielscheiben geschossen wird.
Nervenstarker Florian Faber
In den K.o.-Runden hat Florian Faber, der jüngere der beiden Brüder, schon öfters seine Nervenstärke bewiesen. Am eindrücklichsten wohl im Dezember 2014 am Berlin Open, dem zweitgrössten Preisgeldturnier Europas, wo er als 17-Jähriger sensationell den Elite-Männer-Wettbewerb gewann. In der Halle. Überhaupt erlebte Florian Faber eine grandiose Hallensaison 2014/15 mit dem dritten Platz am Junioren-Hallenweltcup-Turnier von Nîmes (Frankreich) im Januar und Platz zwei an einem stark besetzten Turnier in Tübingen (Deutschland), wo er erst im Final gegen den deutschen Weltklasseathleten Florian Kahllund verlor.
Florian Faber, der immer etwas lausbübisch wirkt und stets sehr locker drauf zu sein scheint, wird nach wie vor von seinem Vater Dominik Faber trainiert. Es sei nicht immer einfach, die Anweisungen des Vaters zu befolgen, aber eigentlich habe der ja immer recht, sagt der Sohn. Dominik Faber seinerseits sagt, Florian sei ein sehr dankbarer Athlet, weil er es immer wieder schaffe, das Gesagte in die Tat umzusetzen. In diesem Sinn verstehe er sich sehr gut mit seinem Athleten.
Florian Faber spielte, wie sein Bruder Adrian, beim FC Amicitia Fussball und blieb diesem Mannschaftssport, wo er als Torhüter agierte, noch etwas länger treu, bevor es auch ihn packte. Dazu führten Momente wie jener, als er zu Hause den Pfeilbogen des älteren Bruders hervornahm, aufzog und einfach losliess. Und dann ganz still stehenblieb. Der Pfeil hatte nämlich die Spiegeltür des Schranks getroffen und der Spiegel hatte dies nicht heil überstanden. Damit war auch für Florian Faber klar, dass der Bogenschiessplatz definitiv der beste Ort ist zum Bogenschiessen. Er machte schnell Fortschritte, verbesserte in der Folge viele Nachwuchs-Schweizerrekorde seines Bruders und feierte seine ersten Erfolge. Zusammen mit Bruder Adrian und Vater Dominik Faber pulverisierte er mit dem Juventas-Männerteam den Outdoor-Team-Schweizerrekord über die 70-Meter-Distanz: Mit 1936 Punkten übertraf das Faber-Trio den Rekord der Nationalmannschaft um sagenhafte 37 Punkte. Florian Faber sammelte bis Ende 2014 elf nationale Titel im Einzel und zwei mit der Mannschaft und stellte siebzehn Schweizerrekorde auf, vierzehn Einzel und drei im Team, darunter den Elite-Schweizerrekord über 2 x70 Meter.
An den Europameisterschaften 2014 in Ljubljana (Slowenien) wurde Florian Faber bei den U18 hervorragender Neunter und sicherte der Schweiz in einem separaten Wettkampf einen von drei europäischen Einzelquotenplätzen für die Olympischen Weltjugendspiele in Nanjing (China). Nur 32 Startplätze weltweit gab es für dieses Turnier. In Nanjing stellte Florian Faber dann im August 2014 mit 676 Punkten einen neuen Schweizer Rekord über die 60-Meter-Distanz auf und war damit Neuntbester der Qualifikation. Mit klaren Siegen über den Indonesier Hendra Purnama und den Taipeh-Chinesen Yun-Chien Han qualifizierte er sich für die Viertelfinals, wo er am überragenden Schützen des Turniers, dem Koreaner Woo Seok Lee, scheiterte und als toller Siebter ein Olympisches Diplom gewann. Wäre er nicht bereits in den Viertelfinals auf den einzigen Schützen des Turniers gestossen, gegen den er wirklich keine Chance hatte, wäre sogar noch mehr möglich gewesen. Betreut wurde Florian bei seinem Jugend-Olympia-Auftritt in der chinesischen Fünf-Millionen-Metropole von seinem Vater.
Einen weiteren tollen Wettkampf zeigte Florian Faber an den Junioren-Weltmeisterschaften vom Juni 2015 in Yankton (USA), wo er unter 79 Teilnehmenden hervorragender Neunter wurde. Zur Zeit besucht er das Sportgymnasium Bäumlihof, wo er grossartige Rahmenbedingungen habe, wie er selber findet. Trotzdem sei es leider nicht möglich, als Schweizer vom Bogenschiessen allein zu leben. Sportlich habe er nur ein grosses Ziel: der Beste zu werden.
Förderpreis im Hinblick auf internationale Ziele
Dass Adrian und Florian Faber in ihrer Olympia-Sportart das Potenzial für absolute Weltklasse haben, betonte auch die Jury, die die Brüder für den Sportpreis 2014 der Gemeinde Riehen vorgeschlagen hatte. Und sie vergab den Preis ausdrücklich nicht nur für die bereits beträchtlichen Erfolge, sondern auch im Sinne eines Förderpreises im Hinblick auf weitere sportliche Grosstaten. Die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro (Brasilien) ist bereits durchaus im Rahmen des Erreichbaren.