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Sibylle Lustenberger
Dr. in Sozialanthropologie
Biografie
Ich habe an der Universität Bern Sozialanthropologie, Geschichte und Allgemeine Ökologie studiert und 2015 meinen Doktortitel erworben. Bevor ich 2019 nach Fribourg gekommen bin, war ich für zwei Jahre Postdoktorandin an der Universität Haifa in Israel.
Ich interessie mich insbesondere für die Beziehung zwischen Verwandtschaft, Gender, Staat, Religion und Ethik. Meine Dissertation habe ich über gleichgeschlechtliche Elternschaft in Israel geschrieben. In Israel hat das orthodoxe Rabbinat einen grossen Einfluss auf das nationale Familienrecht. Und trotzdem haben gleichgeschlechtliche Paare eine Vielzahl von Familienrechten erworben. Dementsprechend habe ich untersucht, wie die Defintion von Israel als Jüdischer und demokratischer Staat mit kulturellen Vorstellungen der Reprouktion und einem globalisierten Markt von medizinischen Reprouktionstechnologien interagiert und welche gesellschaftlichen, politischen und religiösen Dynamiken gleichgeschlechtliche Elternschaft ermöglicht. Ausserdem habe ich gefragt, inwiefern die medizinischen, legalen und bürokratischen Praktiken gleichgeschlechtlicher Elternschaft gesellschaftliche Grenzen und Strukturen reproduzieren oder hinterfragen. In meinem Postdoktorat an der Universität Haifa habe ich den Fokus auf die gegenwärtigen Entwicklungen und Auseinandersetzungen über Homosexualität im Orthodoxen Judentum gelegt. Dabei ging es mir insbesondere darum, wie in den alltäglichen Handlungen und Interaktionen, LGBT Menschen aus Orthodoxen Familien, aber auch ihre Eltern, Geschwister und Rabbis dem Orthodoxen Judentum Bedeutung geben: wie sie verhandeln, was das Orthodoxe Judentum ist, wie das Orthodoxe Judentum gelebt werden soll, und welche Rollen die Schriften, Rabbis, die Familie und die Gemeinschaft spielen. Die Erkenntnisse aus diesen beiden Forschungsprojekte habe ich unter anderem in meiner Monographie Judaism in Motion. The Making of Same-Sex Parenthood in Israel (Palgrave 2020) publiziert.
In meinem neuen Forschungsprojekt "POWERFUL RELATIONS: kinship and decentralized electricity production"verschiebe ich den Fokus weg von Israel und gleichgeschlechtlicher Elternschaft hin zur Rolle von Verwandtschaft und Gender in dezentraler Stromproduktion in den Schweizer Alpen. In diesem Projekt frage ich inwiefern wir Verwandtschaft als Kraft in der Konstruktion, der Organisation und dem Instandhalten von dezentralisierter Stromproduktion verstehen können und wie Verwandtschaft dabei mobilisiert, verhandelt und verändert wird. Damit soll diese Forschung einen Beitrag leisten zum besseren Verständnis davon, wie dezentralisierte Stromproduktion über einen längeren Zeitraum besteht und wie sie dabei die Beziehungen der Menschen und Gemeinschaften, die sie betreiben, beeinflusst. Dieses Wissen ist wichtig damit wir empirisch fundierte Visionen für eine Energiezukunft entwickeln können, die nicht nur "grüner", sondern auch gerechter und demokratischer ist.
Zusammen mit Dr. Andrea Boscoboinik (Universität Fribourg), Siran Hovhannisyan (Yerevan State University), Zafar Juraev (Andijan Machine-Building Institute) und Gohar Shahnayzaryan (Yerevan State University) arbeite ich ausserdem an der Etablierung des transnationalen und transdisziplinären Netzwerks "Gender Sensitive Research and Teaching." Das Ziel dieses Netzwerks ist, die Expertise in Sozialwissenschaften und NGOs zu integrieren und zu mobilisieren, um Gender-Sensitive Ansätze in Forschung und Lehre voranzutreiben und die NGO Arbeit zu stärken.