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Die Musik der Shakuhachi
Die Musik der japanischen Bambusflöte Shakuhachi ist im Wesentlichen eine von buddistischen Mönchen angewandte Atem - Klang - Meditation. Die zentrale Praxis der Meditation im Sitzen (Zazen) wurde in der Sekte der Fuke zu einer Praxis gewandelt, in welcher der mittels der Flöte zum Klingen gebrachte Atem zentral wird (Suizen). Die Musik wird dadurch zu einer gedehnten Atemmelodie, die durch ihre Langsamkeit viel Raum gibt, um feine Klangdifferenzierungen und Tonübergänge auszugestalten und welche sich immer am Atem orientiert.
Die Musik der Shakuhachi ist somit in erster Linie eine Meditation für den Spieler. Der Spieler wird eins mit der Musik und dem Instrument. Er durchläuft eine genaue und sorgfältige Schulung, die ihm das Wesen der Flöte, ihrer Musik und der tiefe Sinn des Übens zugänglich machen kann.
Wie in allen traditionellen japanischen Wegen des Zen ist auch beim Weg der Shakuhachi das eigentliche Üben selbst zentral. Das Instrument ist in seiner eigentlichen Bedeutung ein "Werkzeug", welches den Übenden auf seinem Weg unterstützt.
Das einfach gebaute Instrument, ein Bambusrohr mit fünf Löchern und einer Anblaskante, wird zu einer Art Spiegel des Übenden. Der Zustand der übenden Person drückt sich im gleichmässigen kräftigen Fluss des Atems aus, welcher im Klang der Flöte unmittelbar wahrnehmbar wird. Die Arbeit des Schülers am Klang der Shakuhachi ist Arbeit an sich selbst. Der Meister begleitet diese Arbeit verantwortungsvoll und gibt die Möglichkeit, sich immer wieder neu zu orientieren und von Umwegen abzusehen. Jeder Wachstumsschritt wird hörbar im Klang der Musik.
Ein Ziel der Meditation mit der Shakuhachi ist ein „Spielen aus dem Wesenskern“. Es geht nicht um eine „schöne Musik“, um individuelle Originalität, um Virtuosität oder um eine brilliante Interpretation. Vielmehr strebt der Übende nach einem Zurücktreten des eigenen Individuellen zugunsten der Musik, dem Atem, dem Klang und dem dahinter verborgenen tiefen „Sein“.
Die traditionellen Stücke, die sogenannten "Honkyoku" werden bis heute in verschiedenen „Schulen“ (Ryû) von Lehrer an die Schüler weitergegeben. Die Art und Weise des Spiels innerhalb einer bestimmten Schule ist genau vorgegeben, es gibt keine Improvisation. Die Unterschiede von Spieler zu Spieler ergeben sich von selbst naturgemäss und absichtslos durch die Verschiedenheit der Spieler.