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Lange bevor die renommiertesten Parfümhäuser der Welt ihre legendären Bestseller – von Chanel N°5 bis zu Diors Eau Sauvage – herstellten, umgaben sich alte Zivilisationen mit lieblichen Düften und wohlriechenden Ölen. Die alten Ägypter versorgten ihre Pharaonen bei der Bestattung mit Düften für das Jenseits. Später verbrannten die Römer Duftstoffe zu Ehren ihrer Gottheiten, woher auch Wort «Parfüm» rührt: per fumum bedeutet «durch Rauch».
Die frühesten Hinweise auf Parfüm finden sich in Hieroglyphen, die in 5000 Jahre alten Gräbern gefunden wurden, während die erste aufgezeichnete Duftformulierung im 2. Jahrtausend v. Chr. von einer Frau namens Tapputi stammt – die erste bekannte «Nase» der Welt.
Aber schon lange vor dem Erscheinen der modernen Parfümschöpfungen, die wir heute kennen und lieben, verzeichnete die Kunst der Parfümherstellung eine lange und reiche Geschichte, geprägt von Religion, Ritualen, Macht und Verführung.
Religion und Rituale
Die Verbindung zwischen Spiritualität und Düften besteht seit Jahrtausenden. Tatsächlich waren die frühesten bekannten Parfümeure ägyptische Priester. Die alten Ägypter erkannten die beruhigende Wirkung von Düften auf Geist und Körper. Sie glaubten, das Verbrennen von Duftstoffen bringe sie den Göttern näher und dass Parfüm die Macht habe, Ängste abzubauen.
Auch die alten Griechen verwendeten Parfüm zur Götterverehrung. Genau wie die Ägypter machten die Griechen bei Beerdigungen ausgiebig von Düften Gebrauch. Diejenigen, die zu arm waren, um sich für ihre Beerdigung Parfüm zu leisten, liessen sich einfach eine Parfümflasche auf ihren Sarg malen.
Gesundheit und Hygiene
Für die alten Griechen nahm Hygiene fast den gleich hohen Stellenwert ein wie Gottesfurcht, weshalb die Tugend des Duftes sich über die Götterverehrung hinaus auf die körperliche Gesundheit und Hygiene ausdehnte; so sehr, dass sogar der berühmte altgriechische Arzt Hippokrates die Verwendung von Parfüms zur Vorbeugung gegen Krankheiten empfahl.
Auch bei den Römern wurden Düfte mit der Zeit nicht mehr ausschliesslich zur Götterverehrung verwendet. Im Streben nach höchster Hygiene in ihren berühmten Badehäusern trugen die Römer vor dem Baden grosszügig Duftöle auf den Körper auf, bevor sie diese mit einer Strigilis zusammen mit Schmutz und Schweiss von der Haut schabten.
Reichtum und Status
Im Laufe der Zeit verschwand die Tugend der Sauberkeit praktisch; bei der Verwendung von Duftstoffen ging es weniger um Gesundheit und Hygiene als vielmehr darum, den Mangel daran zu verschleiern. Ludwig XIV. veranschaulichte diese penetrante Verschleierung nur allzu gut: Er nahm in seinem ganzen Leben nur zwei oder drei Bäder, war aber täglich von starken Blumendüften – vor allem von der Orangenblüte – umhüllt.
Um diese Zeit waren erstmals Düfte in flüssiger Form erhältlich. Die Kreativität in der Parfümerie blühte. Ein Parfüm zu besitzen, war jedoch teuer. Deshalb wurde das Tragen von Parfüm in den oberen Rängen der Gesellschaft zu einem Muss. Der Trend wurde so modisch, dass die für ihre aufwändigen Schönheitsgewohnheiten bekannte Marie-Antoinette gar einen eigenen persönlichen Parfümeur anheuerte.
Schönheit und Selbstwertsteigerung
Die Kunst der Parfümherstellung erlebte im 19. Jahrhundert dank der Erfindung synthetischer Parfüminhaltsstoffe einen wahren Aufschwung. Diese Innovation führte zur Schaffung der modernen Düfte, die wir heute kennen und die sowohl natürliche wie auch synthetische Duftnoten vereinen, um charakteristische Düfte entstehen zu lassen.
Damals war das Tragen eines Parfüms nicht mehr nur eine Frage der Zweckmässigkeit – es war eine Frage des Luxus. Die Verführungskraft eines sorgfältig zusammengestellten Parfüms entging auch den berühmtesten Parfümeuren der Welt nicht. So verwendete etwa Guerlain für seine Création Shalimar synthetische Vanille, einen Inhaltsstoff, den Guerlain als Aphrodisiakum betrachtete, während Coco Chanel mit Chanel N°5 ein Parfüm «von einer Frau für Frauen» kreierte.
Heute wird Parfüm nicht mehr nur zu besonderen Anlässen getragen, sondern ist für viele zu einem täglichen Vergnügen geworden. Und so bringen Parfümeure auf der Suche nach dem nächsten Besteller Jahr für Jahr neue Düfte heraus, die von blumig über frisch und vegan bis hin zu Unisex reichen.