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Wenn es um das Thema Vermenschlichung geht, gehen die Meinungen der Leute sehr weit auseinander. Um gut über dieses Thema zu diskutieren müssen deshalb einige Begriffe zuerst definiert werden und einige Studien zu Rate gezogen werden. Was gehört den alles unter den Begriff der Vermenschlichung und welche Aspekte davon sind gut und im Umgang mit unseren Vierbeinern sogar hilfreich, welche Aspekte sind negativ und schaden dem Tier? Diese Fragen und wichtige Informationen rund um das Thema Vermenschlichung findest Du in unserem heutigen Blog. Vermenschlichung bedeutet nämlich nicht nur die wohl allen bekannte Extremsituation, in der dem Hund Kleidung angezogen wird und der Hund wortwörtlich als Kinderersatz dient, sondern auch das Übernehmen einiger Kommunikationsgesten, die fürs gegenseitige Verständnis von Mensch und Tier unverzichtbar sind.
Einige Informationen zur Geschichte der Vermenschlichung:
Die Vermenschlichung von Tieren gibt es nicht erst seit einigen Jahren. So wurden zum Beispiel früher oder auch noch heute in gewissen Kulturen Tiere genau so wie wir Menschen dem Recht unterstellt. So gab es einige Fälle in denen Tiere vors Gericht mussten und rechtlich bestraft wurden oder ein Tier verheiratet wurde (meist mit einem Menschen). Diese Art der Vermenschlichung setzte das Tier in vielen Hinsichten gleich dem Menschen, was nach heutiger Ansicht aber keinen grossen Sinn mehr ergibt. Später dann kam ein neuer Gedankenprozess auf, der zwar die Vermenschlichung von Tieren erschwert, dafür aber dem Tier die Intelligenz, Emotionen und geistig höhere Eigenschaften einfach abspricht und diese einzig und allein dem Menschen zuordnet. So behauptete ein Psychologe es dürfe niemals höhere geistige Leistung als Erklärung für ein Verhalten angenommen werden, wenn es auch mit einfachen Mitteln und reflexartigen Verhaltensweisen erklärt werden könne. Kurz gesagt hat er das Verhalten von Tieren auf ein sehr einfaches Niveau degradiert und den Menschen mit seiner ausgeprägten Intelligenz über das Tier gehoben. Auch das ist so allein nicht ganz richtig, denn auch wenn Tiere nicht genau gleich denken und handeln wie Menschen, verfügen sie doch teilweise über eine sehr stark ausgeprägte Intelligenz und Emotionen.
Die Vermenschlichung heute:
Die Gemeinschaft zwischen Hund und Mensch hat sich zu einer einzigartigen Beziehung entwickelt, die mit der von früher nicht mehr vergleichbar ist. Es ist also nur normal, dass Wechselwirkungen im Verhalten und in den psychischen Eigenschaften stattfinden. So stimmt es ja nun wirklich, wenn man sagt, dass der Hund zur Familie gehört, und auch Hunde sehen den Menschen gewissermassen als erweiterter Artgengenossen und nicht als vollkommen fremdes Individuum. Eine gewisse Vermenschlichung des Hundes beziehungsweise umgekehrt eine Verhundlichung des Menschen ist also sogar nötig, damit sich Menschen und Hunde überhaupt verstehen können. Heute wird die Vermenschlichung deshalb in verschiedene Untergruppen eingeteilt, die die verschiedenen Stufen der Vermenschlichung beschreiben. So gibt es beispielsweise ein freiwillig angeeignetes Verhalten, dass zum gegenseitigen Verständnis dient und nur selten zu Problemen führt, es gibt aber auch den Anthropozentrismus, bei denen der Mensch seine eigenen Sinnesleistungen und sein Verhalten auf den Hund überträgt oder den Anthropomorphismus, bei dem der Mensch dem Hund eigene Zielvorstellungen und Werte unterstellt. Diese drei Arten der Vermenschlichung wollen wir in den folgenden Abschnitten erklären:
Erstens gibt es eine gewisse freiwillige Vermenschlichung des Hundes, die der Hund von sich aus verübt. Ein gutes Beispiel dafür ist das Grinsen. Es gibt Hunde, die zeigen ein Grinsen, wie es beim Menschen üblich ist. Dieses Verhalten ist nicht hundetypisch sondern wurde von den Hunden abgeschaut und kopiert. Wenn also der Hund eine Geste freiwillig aus dem menschlichen Verhaltensrepertoire übernimmt, ist dies eine eigene Art der Vermenschlichung, die nur sehr selten zu grösseren Problemen führt. Solches Verhalten ist grundlegend für das Verständnis zwischen Hund und Mensch. So muss ich auf die Sprache und Ausdrucksweise meines Hundes Rücksicht nehmen, genau so wie er unser Verhalten ihm gegenüber zu verstehen lernen muss. Studien belegen, dass sowohl Hunde als auch Menschen, die sich gemeinsam in einem Raum befanden und in Kontakt zueinander standen, vermehrt Bindungs- und Vertrauenshormone ausstossen, was beweist, dass sich Hunde und Menschen in einem gewissen Mass aneinander angepasst haben und zur gemeinsamen Kommunikation fähig sind. So fühlen sich Hunde in der Gegenwart von Menschen wohl und umgekehrt. Ein weiterer Versuch zeigte, dass bei Düften oder Tonbandaufnahmen von Menschen oder Hunden bei einem Hund der gleiche Hirnbereich aktiviert wird. Der Hund betrachtet den Menschen also im intuitiven und emotionalen Bereich wie einen Artgenossen.
Der Anthropozentrismus:
Wenn der Mensch bei einem Hund ohne gross nachzudenken annimmt, dass dieser genau so agiert und wahrnimmt wie er selbst, dann vermenschlicht er den Hund auf eine Art, die zu Problemen führen kann. Die eigenen Sinnesleistungen und Verhaltenseigenschaften werden vom Menschen auf den Hund übertragen, obwohl ein Hund oft ganz anders wahrnimmt und handelt. Zum Beispiel wird hier die Entwicklung und Erziehung, die bei unseren Kindern richtig ist, auch beim Hund angewendet, was aber teilweise überhaupt nicht übereinstimmt. So entdecken Hundewelpen die Welt auf eine ganz andere Weise wie das Menschenkinder tun, und diese Entwicklung sollte auf keinen Fall vermenschlicht werden, da sonst erhebliche Änderungen im zukünftigen Verhalten des Hundes auftreten können. Ein weiteres Beispiel ist die unterschiedliche Sinneswahrnehmung. Hunde sehen zum Beispiel anders als wir Menschen, sie nehmen zwar alle Farben (mit Ausnahme von Grün) sehr gut wahr, achten sich aber viel mehr auf bewegliche Objekte als auf starre. Dies kann einige für uns vielleicht unlogische Verhaltensweisen des Hundes aus seiner Sicht erklären. Auch bei der Nahrung unterscheiden sich Hunde stark von Menschen. So benötigen auch junge Hunde kein püriertes Futter wie unsere Babys sondern brauchen bereits im Welpen Alter ihre Zähne zum Kauen. Auch die Nahrungszusammensetzung für den Hund unterscheidet sich stark von der unseren, weshalb Tischreste teilweise für den Hund sehr ungeeignet oder sogar gefährlich bis giftig sein können!
Der Anthropomorphismus:
Bei dieser Form der Vermenschlichung werden dem Hund menschliche Ziele und Wertvorstellungen zu geordnet, die er gar nicht hat. Auch diese Form der Vermenschlichung kann zu Problemen führen. Beispielweise die Kommunikation ist hier ein gutes Beispiel. Ein Hund spricht nicht die gleiche Sprache wie wir Menschen, weshalb es unsinnig ist, einem Hund in langen Erklärungen etwas klarstellen zu wollen. Auch eine Erklärung mit anderer Wortwahl, die bei einem menschlichen Gegenüber oft sehr effizient ist wirkt bei einem Hund nur verwirrend. Hund können menschliche Worte zwar verstehen und diese auch einzelnen Gegenständen oder Kommandos zuordnen, sie müssen diese Worte aber auf klare und wiedererkennbare Weise bekommen um damit etwas anzufangen. Idealerweise ist das für den Hund wichtige Wort am Satzende, wird entsprechend betont und mit einer darauf folgenden Sprechpause versehen, damit der Hund das Wort verstehen kann. Auch die Dominanz ist ein wichtiges Beispiel aus dieser Kategorie. So ist Dominanz für Hunde ein wichtiges Element, dass das Zusammenleben untereinander und auch mit dem Menschen strukturiert und erleichtert. Wird ein Hund also total vergöttert und nicht mit dem normalen Verhalten einer Rangordnung (bei der der Mensch das ranghöhere Tier darstellen sollte) konfrontiert führt das schnell zu Problemen.
Die Vermenschlichung von Hunden hat also keineswegs nur nachteilige Seiten, bei falscher Handhabung kann sie aber sehr schnell zu Problemen führen, die nur mit viel Geduld wieder ausgebessert werden können.