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Unscheinbar steht die 1.7 Meter hohe Skulptur aus Stein auf dem Areal des Friedhofs westlich des alten Krematoriumgebäudes. Sie stellt eine nackte Frau dar, die ihren Kopf nach hinten neigt und den Blick gegen den Himmel richtet. Mit ihren Händen scheint sie sich aus dem Stein befreien zu wollen, der ihre Beine und Hüfte umgibt. Als auferstehende Frauengestalt umschreibt so auch das Thuner Tagblatt am 13. April 1968 das Werk. Die Figur steht auf einem Sockel, der die Inschrift «Den Einsamen» trägt. Mit dem «Grab der Einsamen» wurde früher die Form des Gemeinschaftsgrabs bezeichnet, in dem Verstorbene beigesetzt wurden, die ohne Angehörige verschieden. Im Verlauf der Jahre setzen sich Flechten und Moose an den ungeschliffenen Stein an, was dessen Naturbelassenheit und Schlichtheit noch stärker herausstellt. Die Skulptur, deren Oberfläche unbearbeitet wirkt, fügt sich somit sowohl farblich wie auch mit ihrer Materialität gänzlich in die Umgebung ein, scheint beinahe in ihr zu verschwinden. Damit schafft die Bildhauerin Johanna Keller eine klare Verbindung vom Kunstwerk zur Landschaft.
Katrin Sperry
Dieses Werk steht auf dem Fried-Hof.
Die Skulptur wacht über das Grab der Einsamen.
Das ist ein Grab für Menschen ohne An-ge-hörige.
Die nackte Frau blickt in den Himmel.
Ihr Körper ist im Stein gefangen.
Manche sagen:
Die Frau ist eine Auf-erstehende.
Das ist eine Tote, die das ewige Leben bekommt.
Sara Smidt