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Der weltweit zweitgrösste Sportartikelhersteller Adidas will sich von der schwächelnden US-Marke trennen. "Nach sorgfältiger Abwägung sind wir zu dem Schluss gekommen, dass Reebok und Adidas ihr Wachstumspotenzial unabhängig voneinander deutlich besser ausschöpfen können", sagte Vorstandschef Kasper Rorsted am Dienstag in Herzogenaurach. Man habe deshalb einen Verkaufsprozess eingeleitet und setze künftig ganz auf die Marke Adidas. Die Entscheidung zum Verkauf hatte sich abgezeichnet, seit Rorsted an der neuen Strategie für die nächsten fünf Jahre arbeitet. Der fränkische Konzern hatte Reebok 2006 für mehr als drei Milliarden Euro gekauft - in der Hoffnung, dem grösseren Konkurrenten Nike in den USA stärker Paroli zu bieten. Doch die Erwartungen erfüllten sich nie.
Seit 2016 hatte Adidas Reebok auf mehr Effizienz getrimmt und mit einem Sparprogramm unter dem Namen "Muscle up" in die schwarzen Zahlen gebracht. Rorsted hatte "profitables Wachstum" gefordert. Doch trotz einer Neuausrichtung auf die Fitness-Welle hatte die US-Marke nie die Wachstumsraten der Kernmarke Adidas erreicht - trotz Partnern wie Victoria Beckham und der Sängerin Cardi B. Mit 1,75 Milliarden Euro trug Reebok 2019 nur noch gut sieben Prozent zum Konzernumsatz bei. In den ersten neun Monaten 2020 brach der Umsatz in der Corona-Krise um 20 Prozent ein und damit etwas stärker als bei der Kernmarke Adidas.
Finanzkreisen zufolge hat Adidas die Investmentbank JPMorgan damit beauftragt, den Verkauf zu organisieren. Reebok könne rund eine Milliarde Euro einbringen - in den Büchern stand die Marke nach einer weiteren Abschreibung zuletzt noch mit 842 Millionen Euro. Rorsted warb um Käufer: "Die langfristigen Wachstumsaussichten in unserer Branche sind sehr attraktiv, insbesondere für ikonische Sportmarken." Als Interessenten werden Beteiligungsfirmen wie Advent und Triton gehandelt, aber auch Konkurrenten wie der US-Bekleidungskonzern VF Corp ("Lee", "Wrangler", "Timberland", "The North Face", "Eastpak") und die chinesische Anta Sports Products, zu der auch die italienische Marke Fila und die finnische Amer-Gruppe ("Wilson", "Salomon") gehören.
Rorsted war schon vor knapp einem Jahr verbal auf Distanz zu der US-Tochter gegangen: "In der neuen Strategie wird Reebok seinen Platz finden - oder auch nicht", sagte er damals. Am 10. März sollen die Pläne vorgestellt werden. Dabei dürfte es unter anderem um eine Beschleunigung der Online-Strategie gehen, die Adidas in der Corona-Pandemie angesichts geschlossener Läden vor einem stärkeren Einbruch bewahrt hatte. Mehr als vier Milliarden Euro setzt der Konzern - am Einzelhandel vorbei - bereits über seinen Internet-Shop um.
(Reuters)