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Wie erkennt man, ob jemand lügt? Dieser Frage und den Techniken zur Analyse von Körpersprache und Aussagen gingen die Teilnehmenden des Workshops «Introduction to Lie Detection» des ACFE Switzerland Chapters in Genf nach.
Ein interessierter Kreis aus Teilnehmenden aus Verwaltung und Privatwirtschaft liess sich am Montag 18. November 2019 in Genf am Workshop «Introduction to Lie Detection» des ACFE Switzerland Chapters in die Geheimnisse der Lügenerkennung einführen. Allen Teilnehmenden gemeinsam war das Interesse, in Interviews und Einvernahmen erkennen zu können, ob die befragten Personen lügen.
Lügen
Wir sind alle Lügner. Haben Sie gewusst, dass während einer zehnminütigen Konversation 60 Prozent der Personen im Durchschnitt 2.92 Mal lügen? Männer lügen mehr als Frauen, aber weniger als junge Frauen im Teenageralter.
Die folgenden Merkmale können Lügenindikatoren sein:
- Schwitzen oder Herumzappeln
- Gesicht berühren (kann auf eine Täuschung hinweisen)
- Nicht in der Lage sein, zu einer Geschichte Einzelheiten zu liefern
- Kann keinen Augenkontakt herstellen
- Hochziehen der Augenbrauen
- Geweitete Pupillen
- Anheben des Tonfalls
- Benutzen von Aussagen wie «glauben Sie mir», «ehrlich» und «um ehrlich zu sein»-Sätze
Die erwähnten Indikatoren reichen natürlich nicht aus, um Lügereien auf die Spur zu kommen.
Methoden
Im Workshop wurden Methoden vorgestellt, welche sich mit der Analyse von Text, Körpersprache und Mikro-Mimik befassen. Mit der Analyse der Mikro-Mimik erzielt man bei der Lügenerkennung die besten Ergebnisse, diese Methode ist aber am schwierigsten zu erlernen und anzuwenden.
Um feststellen zu können, ob jemand lügt, muss man zuerst beobachten, wie sein Körper auf normale Fragen reagiert. Man geht von der Annahme aus, dass es bei normalen Fragen nicht nötig sein sollte, zu lügen. Danach vergleicht man die normalen Reaktionen mit denjenigen, die sich bei kritischen Fragen beobachten lassen, denn hier besteht nun die Möglichkeit, dass gelogen wird. Bei diesem Vorgehen wird mit einer unproblematischen Frage gestartet wie beispielsweise «Was haben Sie heute zum Frühstück gegessen?». Es folgt eine unverfängliche Frage, wie «Haben Sie schon mal daran gedacht, etwas zu stehlen?», bis dann eine relevante Frage gestellt wird: «Haben Sie schon mal illegale Drogen konsumiert?».
(Maxime Chrétien, Chief Audit Executive bei Ville de Genève und
Vorstandsmitglied ACFE Switzerland Chapter)
Textanalyse: Der Woody Allen Test
Anhand anschaulicher Beispiele konnten die Workshop-Teilnehmenden ihr Urteilsvermögen bei der Analyse von Texten üben. Dazu gehörte der Woody-Allen-Test. Hat sich Woody Allen als junger Mann an seiner Adoptivtochter vergangen? Die Teilnehmenden diskutierten sein ausführliches Statement zu dieser heiklen Frage, welches am 7. Februar 2014 in der New York Times veröffentlicht wurde. Das Gericht hatte ihn damals nicht schuldig gesprochen. Wenn man sein Zeitungsstatement liest, bleiben einige offene Fragen zurück. Vor allem, wenn dieses mit dem Statement der Adoptivtochter verglichen wird.
Körpersprache: Gesten
Wir machen mit unserem Körper verschiedene Bewegungen wie beispielsweise Arme verschränken, Beine übereinanderschlagen, mit dem Körper nach vorne beugen und so weiter. Darüber hinaus gibt es viele bewusste und unbewusste Gesten, welche insbesondere im Zusammenhang mit Aussagen sehr interessant sein können. Eine hohe Aussagekraft hat beispielsweise der Mittelfinger, welcher im Widerspruch zu einer bejahenden Aussage im Gesicht dazu verwendet wird, die Brille über der Nase hochzudrücken. Das Gesagte dürfte hier in einem klaren Widerspruch zum wirklich Gemeinten stehen. Obama kratzte sich beispielsweise mit diesem Finger seitlich im Gesicht, während er seinem Kontrahenten im Präsidentschaftswahlkampf seine Dienste verdankte. In unseren Gesichtern lassen sich aber auch Emotionen ablesen.
Mikro-Mimik
Weltweit und in allen Kulturkreisen gleich sind die sieben allgemeinen Emotionen Ekel, Ärger, Angst, Traurigkeit, Freude, Überraschung und Verachtung. Sie offenbaren sich in unseren flüchtigen Gesichtsausdrücken, welche nur Sekundenbruchteile dauern. An dieser Mikro-Mimik erkennt man beispielsweise, ob jemand wirklich glücklich ist, indem die Regungen in den Mundwinkeln mit denjenigen in den Augen übereinstimmen. Im Vergleich dazu lässt ein aufgesetztes, falsches Lachen die Augen kalt.
Am Ende des Workshops fühlten sich alle Teilnehmenden geübter, «Body Language» lesen zu können. Natürlich war allen klar, dass die vorgetragenen Techniken stets in einem Gesamtkontext zu betrachten sind. Als zusätzliches Element, um falsche von wahren Aussagen zu unterscheiden, können sie aber durchaus Verwendung finden.
Über die Autoren
Michael Dietrich ist Inhaber von Nodon, einer Beratungsboutique für Wirtschaftsforensik. Seit über 25 Jahren unterstützt er Organisationen bei der Erkennung, Aufarbeitung und Verhinderung von Compliance-Verstössen und wirtschaftskriminellen Aktivitäten. Er ist im Fachrat des Weiterbildungslehrgangs MAS/DAS Economic Crime Investigation der Hochschule Luzern und doziert an verschiedenen Ausbildungsinstitutionen in der Schweiz. Im Weiteren ist er Präsident des Switzerland Chapters der Association of Certified Fraud Examiners ACFE, des weltgrössten Verbands von Experten zur Betrugs- und Korruptionsbekämpfung.
Susanne Grau ist Studienleiterin und Dozentin der Weiterbildungslehrgänge MAS/DAS Economic Crime Investigation und CAS Financial Investigation am Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) sowie Vorstandsmitglied und Training Director des ACFE Switzerland Chapters und Authorized Trainer für den CFE Exam Review Course. Zudem ist sie Inhaberin und Geschäftsführerin der SUSANNEGRAU Consulting GmbH und unterstützt und berät Unternehmen und Organisationen in sämtlichen Belangen rund um das Thema Wirtschaftskriminalität.