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Holländer, das sind die Hunde, die aussehen wie die Schäferhunde früher, aber eben gestromt. Ausserdem kommen sie in drei Varianten daher: Langhaar, Kurzhaar und Rauhaar, wobei man vom Kurzhaar sagt, er sei der Arbeitsfreudige, vom Langhaar, er sei der Sensible und vom Rauhaar, er sei der Ernsthafte. Dass der Holländer oft mit den verschiedenen Belgischen Schäferhunden verwechselt wird, liegt daran, dass er sehr nahe mit ihnen verwandt und ausserhalb Hollands eher selten ist.
Ein sensibler Kerl mit viel Talent
Wie es den Schäferhunden eigen ist, hat auch diese Rasse ein grossartiges Wesen, wenn es darum geht, lange und beschwerlich mit ihren Menschen zusammenzuarbeiten. Als Schäferhund war er es gewohnt, eigensinnige Tiere wie Schafe auf grossen Flächen in Schach zu halten und zwar so, wie es der Schäfer verlangte. Wie man sich das vorstellen kann, beschreibt ein Ausschnitt aus dem «De Wereld», einer Erzählung von J. Eigenhus aus dem Jahr 1905:
«Das mussten Sie ihm wohl alles zuerst beibringen», meint der Pfarrer. − «Das schon», antwortet der Schäfer, «aber diese Hunde haben es in sich. Mein Hund lief gleich zu den Schafen, aber am Anfang trieb er sie viel zu dicht zusammen, sodass die keinen Platz hatten, um richtig Futter aufzunehmen. Da musste ich Siep zuerst noch beibringen, dass die Schafe mehr Spielraum haben müssen.» − «Und hat er das verstanden?», fragte der Pfarrer erstaunt. Der Hirt antwortete: «Ja, er versteht jetzt alles, was ich ihm sage, aber zuerst musste ich ihm das beibringen.» − «Und wie haben Sie das gemacht?» − «Ich habe die Schafe auseinandergetrieben und zu Siep gesagt: Hallo Siep, schau, die Schafe müssen fressen können. Das begriff er. Sieh nur, er lässt jetzt die Schafe laufen, nur wenn sie sich zu weit von der Herde entfernen, holt er sie wieder zurück.»
Siep war der übliche Name Holländischer Schäferhunde, vor allem in und um Drenthe, einer Provinz in Holland. Es war üblich, die Hunde nach Wasserläufen zu benennen, um sie vor bösen Geistern zu beschützen, und Siep bedeutet so viel wie Strom. Dieser Brauch war auch in Belgien und Deutschland verbreitet, wie der Schweizer Kynologe und Buchautor Hans Räber zu berichten weiss. Und wie sich die Namensgebung glich, war auch der Austausch der Hunde über die Landesgrenzen üblich, denn ein Schäfer interessierte sich weniger für die Äusserlichkeiten, dafür umso mehr für die Gebrauchstüchtigkeit.
Auf dem Weg zur Rasse
Bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts hatte sich ein einheitlicher Schäferhundetyp entwickelt, der in Deutschland, Belgien und Holland verbreitet war. Die damals grossen Heidegebiete Hollands sollen um 1860 noch von 800 000 Schafe beweidet worden sein. Um die Äcker vor den hungrigen Schafmäulern zu schützen, legte man hohe Erdwälle an, die die Schafe aber nur bedingt beeindruckten. Die Schäferhunde beeindruckten die Schafe hingegen schon. So wurden in Drenthe und in Het Gooi Schäfer von der Gemeinde angestellt, die morgens alle Schafe abholten. Dafür gingen sie ins Dorf und pfiffen zum Zeichen, dass die Schafe herausgelassen werden sollten. Der Hund sammelte die Schafe ein und gemeinsam zog man bis zum Abend über die Heide. In anderen Gebieten wurden die Hirten von Bauern eingestellt. Ihre Lebensumstände waren alles andere als einfach, weshalb ihre Hunde nicht nur Schafe zusammenhalten, sondern auch Wildern können mussten, damit genug zu essen da war.
Kein Wunder, dass die Anforderungen an diese Hunde hoch waren. Sie mussten agil, ausdauernd und belastbar sein. Wer nicht mithielt, wurde ausgemustert. Wer die Arbeit nicht richtig machte, auch. Übrig blieben leistungsstarke, aufmerksame, leicht erziehbare, robuste Hunde, die eng mit ihrem Menschen zusammenarbeiteten und ohne mit der Wimper zu zucken stundenlang in jedem Wetter ihre Arbeit verrichteten, aber trotzdem sensibel genug blieben, um Schafe genau mit dem richtigen Härtegrad zurechtzuweisen. Diese Leistungsfähigkeit war der grosse Stolz der Schäfer und zugleich das hervorstechende Merkmal dieser Hunde. Es verwundert folglich nicht, dass von Beginn weg auch bei der Reinzucht die Leistungsfähigkeit nie aus den Augen verloren wurde.
Erste Versuche
Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts begann sich die offizielle Kynologie in den Niederlanden für die einheimischen Schäferhunde zu interessieren. 1874 wurde der erste inländische Hirtenhund auf einer Hundeausstellung gezeigt und 1875 ein erster Rassebeschrieb verfasst. 1878 wurden dieselben Hunde als Hollandse Herdershond an der Hundeausstellung vorgestellt. Es waren jedoch keine Reinzüchtungen, sondern typische Bauern- und Schäferhunde ohne bekannte Abstammung. Da immer nur wenige Hunde an Ausstellungen erschienen, konnte man sich kein klares Bild von der Rasse machen und als 1898 die Gründungsversammlung des «Nederlandse Herdershonden Club» stattfand, einigte man sich auf sechs verschiedene Varietäten (Kurzhaar, Mittellanghaar, Langhaar mit aufstehendem Haar, Langhaar mit fallendem Haar, Stichelhaar und Rauhaar).
Im Gegensatz zu Deutschland mit Rittmeister Max von Stephanitz und Belgien mit Prof. Reul an den Spitzen ihrer Schäferhundezuchten fehlte es in Holland an einem Zugpferd, das dem Zuchtverband und der Rasse eine klare Richtung wies. Die Unklarheiten führten dazu, dass der Rassestandard 1906 überarbeitet werden musste und von den ursprünglichen Varietäten drei übrig blieben: Kurzhaar, Rauhaar und Langhaar. Ab 1910 wurden erst der schwarze Schlag, dann der kastanienbraune und alle weissen Abzeichen nicht mehr geduldet. Übrig blieben hell und dunkel gestromt, gold- und silberfarbig für Kurzhaar, Blaugrau, Pfeffer und Salz, hell und dunkel gestromt für Rauhaar und Kastanienbraun, gold und silber gestromt für Langhaar. Hinzu kam, dass der ursprüngliche Aufgabenbereich des Schafehütens verschwand. Heidegebiete wurden in Ackerland umgewandelt. Es gab immer weniger Futterflächen für die Schafe. Ihr neues Betätigungsfeld fanden die Hunde dank eines Rundschreibens als Polizei- und Kriegshunde.
Um die Hunde besser an ihre neue Aufgabe anzupassen, wurden immer wieder Belgische und Deutsche Schäferhunde eingekreuzt, was bis heute Spuren hinterlassen hat. So erklärt Roman Brändli, Vorstandsmitglied des Schweizerischen Clubs Holländischer Schäferhunde und langjähriger Rassekenner: «Auch heute noch haben wir Probleme mit den nicht reinen Zuchtlinien. Leider gibt es wie überall auch schwarze Schafe, welche es nicht so genau nehmen mit der Reinzucht. So kann es vorkommen, dass man auf sogenannte X-Herder aus Zuchtstätten trifft, bei denen die persönlichen Interessen dem Allgemeinwohl der Rasse vorgehen. Das Wesen, Aussehen und die Gesundheit sind oftmals Kriterien, die darunter leiden und nicht im Sinne der Rasse und den zuständigen Rassenclubs stehen.» Deshalb lohnt es sich auf jeden Fall, sich vor der Entscheidung, einen Holländer ins Haus zu holen, beim landeszuständigen Rasseclub zu informieren. (…)
Das vollständige Rasseporträt können Sie in der Ausgabe 4/17 lesen.