Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03407.jsonl.gz/244

Gletscherbeobachtungen 1937 in der Schweiz
Gletscherbeobachtungen 1937 in der Schweiz B. Rechts der Reuss.
Schmalstock, 2020 m. Von Süden. Otto Amstad und Guido Masetto. 7. Juli 1934.
Von der Liedernenhütte zum Südfuss. Westlich der Südkante ist die Wand von einem System von Rinnen durchzogen, die parallel zur Südkante verlaufen. Diese Rinnen vermitteln einen interessanten, schwierigen Kletteranstieg. Den Beginn des Rinnensystems erreicht man durch ein steiles Couloir oder vom Südfuss her durch Querung des vorgelagerten Felskopfes. In halber Wandhöhe befindet sich eine Höhle. Der Ausstieg aus derselben nach links oben ist sehr exponiert.
Schächentaler Windgälle, 2767 m. Südwestwand im Aufstieg. Otto Amstad und Paul Müller. 6. August 1936.
Vom Mettener Butzli auf dem gewöhnlichen Anstieg über das untere Band gegen die Schulter bis zur ersten Stelle, die vernünftigerweise den Einstieg in die Wand erlaubt. Rechts von einem kleinen Wasserfall, der über eine ausgewaschene Schieferpartie herunterfällt, durch einen Kamin empor in eine kleine Höhle, von wo ein exponierter Quergang nach links in einen Schuttkessel führt. Nach rechts ansteigend gewinnt man leicht eine Schulter des mittleren Bandes, das man nach Westen quert, immer dicht unter den Felsen bleibend, bis zu einem markanten Türmchen über dem Band. Durch eine Rinne erreicht man von Osten her das Sättelchen hinter diesem Türmchen. Man quert, östlich ansteigend, gegen eine grosse auffallende Rinne. Durch diese schwierig empor zu einem kleinen Kamin links in der Rinne. Ein steiles Schuttcouloir führt in ein Sättelchen des oberen Bandes. Man quert einen Schuttkessel und steigt westlich hinter ein schlankes Felstürmchen empor. Wieder steht man vor einem imposanten Schuttkessel. Ein schmaler, steiler Kamin rechts in dessen Hintergrund wird zum weiteren Anstieg benutzt ( schwierig ). Vom obern Ende des Kamines quert man auf einem Band nach links zum Ausstieg. Nun leicht zum Gipfel. Landschaftlich eindrucksvoller, schwieriger Kletteraufstieg. Gestein etwas brüchig. Zeit: Einstieg bis Gipfel 3-3% Stunden.
Hoch Faulen, 2518 m. Abstieg durch die direkte Nordwand. Dory Jäggi und Hans Widmer. September 1933.
Einstieg von oben in die Schlucht, wo der Schutt am weitesten herunterreicht. Dann fast ständig in der Schluchttiefe abwärts, teilweise mit Abseilen. Nähere Angaben in « Nos montagnes », Dezemberheft 1933.
Gletscherbeobachtungen 1937 in der Schweiz.
Von P. L. Mercantati.
Zusammenfassung * ).
Frühzeitig, im September schon begannen 1936 die Schneefälle des Winterhalbjahres. Bis im Februar blieb die Schneedecke, deren Oberfläche durch Sonne und Wind verharschte, ziemlich gering. Sie nahm dann im Februar, März und April an Mächtigkeit beträchtlich zu. Erst die warmen Regen zu Beginn des Sommers räumten in den untern Firnregionen mit ihr auf; in der Höhe der Schneegrenze blieb ein massiger, in Höhenlagen ein grosser Firnzuwachs, der denjenigen von 1936 übersteigt.
Die Zungen vieler Gletscher wurden nicht schneefrei, sondern blieben unter Lawinenresten und Schneeverwehungen, so dass die Einmessungen unmöglich waren. Das hat die Zahl der vermessenen Gletscher, die aus finanziellen Rücksichten schon klein geworden ist, noch mehr vermindert. Nur 71 von zirka 500 schweizerischen Gletschern konnten genau kontrolliert werden. Es ergibt sich, dass 1937 pro 100 beobachtete Gletscher 76 im Rückzuge, 12 stationär und 12 im Wachsen waren. Bei letzteren handelte es sich meist um kleine Gletscher; die grossen verharrten im Rückzuge. Immerhin ist der Rhonegletscher stationär geworden.
Auf dem Unteraargletscher konnte dank der willkommenen Unterstützung des S.A.C. ein zweiter ergebnisreicher Sondierungsfeldzug durch die schweizerische Gletscherkommission durchgeführt werden. Die Herren Jost, Kreis und Renaud standen ihr vor und wurden unterstützt durch die Bernischen Kraftwerke und die Kraftwerke Oberhasli sowie durch die Mitarbeit einiger für die Sache begeisterten Studenten. Bekanntlich kann man die Tiefe eines Gletschers ermitteln aus den Aufzeichnungen von Explosionen, die durch Sprengschüsse auf der Oberfläche hervorgerufen werden. Das Verfahren ist wirksam, verlangt aber eine empfindliche und komplizierte Apparatur 1 ). Die bis jetzt gefundene Mächtigkeit des Eises schwankt um den Wert von 250 m. Da der S.A.C. erfreulicherweise auch für 1938 eine Subvention bewilligt hat, kann die Erforschung des durch Agassiz und Dollfus berühmt gewordenen Unteraargletschers auch in seinen oberen Partien fortgesetzt werden. Die Kraftwerke Oberhasli haben durch ihren bewährten Herrn Flotron die Erhebungen über die Niveauveränderungen, über die Geschwindigkeit des Fliessens und den Betrag der transportierten Eismassen fortgesetzt. Diese Messungen versprechen sehr wertvolle Ergebnisse.
Max Oechslin in Altdorf hat wie gewohnt die detaillierte Kontrolle aller bemerkenswerten Gletscher im Kanton Uri durchgeführt und erhielt so eine interessante Tabelle der Gletscherveränderungen in einem Einzelgebiet der Alpen.
Schliesslich sei den Bemühungen der Zürcher Gletscherkommission um die Ermittlung des Jahresfirnzuwachses im Clariden- und Silvrettagebiet gedacht; die nun ein Vierteljahrhundert umfassende Messreihe liefert einen wertvollen Beitrag zur Frage der Gletscherschwankungen.
J ) Siehe das Bild 80 rechts der Seite 200 im Maiheft.