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Als Bestresultat hat der Freiburger einen 17. Platz in Le Mans auszuweisen – damit hat der Moto3-Rookie die Punkteränge in seinem ersten Weltcup-Jahr nur knapp verfehlt. Woran es gelegen hat, warum es nächste Saison besser wird und weshalb er auch weiterhin fleissig Playstation spielen wird, erklärt Dupasquier, der auch 2021 für das deutsche Team Carxpert Prüstel GP fahren wird, im Interview mit den FN.
Jason Dupasquier, Ihre erste Saison in der Moto3-Klasse ist am Wochenende zu Ende gegangen. Mit welchen drei Worten würden Sie Ihre Premiere spontan zusammenfassen?
Intensität, Lernprozess und Glück.
Inwiefern war Ihre Saison intensiver als üblich?
Corona hat den Rennkalender durcheinandergewirbelt. Nach dem ersten Rennen in Katar kam Anfang März der Unterbruch, und alles wurde abgesagt oder verschoben. Als es dann Mitte Juli wieder mit den Rennen losging, versuchte man, noch möglichst viele Rennen durchzuführen. Das hatte zur Folge, dass plötzlich sehr viele Rennen in einer kurzen Zeit zu absolvieren waren. Normalerweise finden höchstens an zwei Wochenenden in Folge Wettkämpfe statt, gefolgt von zwei Wochen Pause oder mehr. Wegen Corona mussten wir plötzlich an drei Wochenenden hintereinander fahren und bekamen dann nur eine Woche Pause. Auf diesen Rhythmus war niemand vorbereitet. Man musste die ganzen Tagesabläufe anpassen und schauen, wie und wann man sich erholen konnte.
Dann sind Sie also froh, dass die Saison jetzt zu Ende ist?
Ehrlich gesagt: Ja. Ich habe in den letzten Tagen gespürt, dass ich müde bin. Aber das gilt nicht nur für mich, sondern auch für andere Piloten, mit denen ich Kontakt hatte. Die Saison war hart, sowohl mental als auch physisch.
Sie sind erstmals bei der Elite gefahren, bisher waren Sie noch bei den Junioren im Einsatz. Worin besteht der grösste Unterschied?
Der Knackpunkt ist, zu realisieren, dass im Weltcup alle schnell fahren. Hier gehen nur die Besten an den Start. Egal wie schnell du vorher gefahren bist, sobald du in den Weltcup kommst, musst du noch schneller werden. Ich musste mir immer wieder sagen, dass ich mich bewegen muss, um noch höhere Tempi zu schaffen. Die einzigen drei Sachen, die im Weltcup zählen, sind Geschwindigkeit, Geschwindigkeit und Geschwindigkeit. Ich musste ganz, ganz viel lernen, damit ich mich verbessern konnte. Und ich werde auch weiterhin sehr viel lernen.
Der Weltcup als nie endender Lernprozess?
Man hat nie ausgelernt, sogar ein Tom Lüthi lernt immer wieder etwas dazu. Für mich als Neuling gilt das ganz besonders. Ich bin zum Beispiel vorher nie bei einem erfahrenen Team gewesen, das mir gezeigt hat, wie man richtig fährt. Mein Fahrstil war nicht der beste, als ich zum Prüstel-GP-Team kam. So musste ich mir erst mal die korrekte Technik aneignen.
Stimmt es, dass Sie sich die Rennstrecken auf der Playstation einprägen?
Von den Weltcupstrecken habe ich einige nicht gekannt und musste mich erst an sie herantasten. Die Playstation und die zugehörigen MotoGP-Spiele haben mir geholfen, die Rennstrecken kennenzulernen. Ich schaute mir auch Videos von On-board-Kameras auf Youtube an. So erhielt ich eine Ahnung, wie die Ideallinie aussieht, aber die Praxis kann das nicht ersetzen. Gerade als Debütant ist es entscheidend, eigene Erfahrungen zu machen. Reale Erfahrungen.
Inwiefern konnten Sie von der Zusammenarbeit mit Ihrem Mentor Tom Lüthi profitieren?
In erster Linie dadurch, dass ich mit ihm lachen und Spass haben konnte. Tom ist ein sehr aufgestellter Mensch und guter Freund. In den Trainings hat er mir ab und an wertvolle Tipps gegeben. Er hat enorm viel Erfahrung und hat mir immer geholfen, wenn ich einen Rat brauchte. Wegen Covid war es allerdings etwas schwierig, Zeit zusammen zu verbringen.
Zu den ersten WM-Punkten hat es nicht gereicht. Wie gross ist die Enttäuschung?
Natürlich war es mein Ziel, in die Punkteränge zu fahren, aber das wollen alle anderen Fahrer auch. Und die Tatsache, dass die Saison wegen Corona fünf Rennen kürzer war als normal, hat es zusätzlicherschwert. Mir war immerbewusst, dass ich in meiner Rookie-Saison höchstwahrscheinlich leer ausgehen würde.Insofern hält sich meine Enttäuschung in Grenzen. WM-Punkte wären die Kirsche auf der Torte gewesen, die Torte war aber auch so sehr lecker. Es war eine tolle Saison, das Team hat sehr gute Arbeit geleistet, und ich konnte sehr viel lernen. Ich hatte Glück. Entsprechend zuversichtlich bin ich für das nächste Jahr.
Was müssen Sie verbessern, damit es nächste Saison mit den ersten Weltcup-Punkten klappt?
In Le Mans waren wir mit Platz 17 nahe an den Punkterängen, insgesamt konnte ich fünfmal in die Top 20 fahren. Das zeigt mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Was noch fehlt, ist die Erfahrung. Wenn ich die ganze Moto3-Szene besser kenne, werde ich mich weiter vorne platzieren können.
Im ersten Jahr haben Sie «Welpenschutz» genossen und konnten ziemlich befreit fahren. Nächste Saison dürfte der Resultatdruck von Seiten Ihres Teams grösser sein.
Ich weiss noch nicht, was das Team nächste Saison konkret verlangt. Allerdings gehe ich davon aus, dass man von mir erwartet, einen Schritt vorwärts zu machen und Zählbares abzuliefern. Momentan mache ich mir deswegen keine allzu grossen Gedanken. Aber wenn es dann nächste Saison losgeht, werde ich den Resultatdruck sicherlich spüren. Damit muss ich dann umgehen können.
Ihr Arbeitgeber Prüstel GP hat für nächste Saison anstelle des punktelosen Belgiers Barry Baltus neu Ryusei Yamanaka unter Vertrag genommen. Der 19-jährige Japaner hat heuer als Rookie 14 WM-Punkte und einen 9. Platz herausgefahren. Macht Sie die neue Konkurrenz nervös?
Ich kenne Yamanaka nicht gross, ich weiss nur, dass er ein vielversprechendes Talent ist und den Ruf eines Kamikaze-Fahrers hat. Aber es spielt keine Rolle, wer der zweite Fahrer im Team ist. Eine Stallorder gibt es nicht, alle werden gleich behandelt. Und im Motorradsport ist jeder ein Einzelkämpfer.
Muss man sich beim Motorradsport ähnlich wie bei der Formel 1 in ein Team einkaufen?
Ich habe einige Sponsoren, die mich finanziell unterstützen, dafür bin ich sehr dankbar. Wie es hinter den Kulissen zugeht, davon bekomme ich allerdings nichts mit. Das interessiert mich auch nicht, ich konzentriere mich lieber aufs Fahren. Um alles andere kümmert sich mein Vater. Ob da Geld fliesst, an wen allenfalls und wie viel, darüber bin ich nicht im Bild.
Was steht für Sie in den nächsten Wochen auf dem Programm?
Zuerst geht es zurück in die Schweiz, wo ich einen Monat Pause mache. Dann beginne ich wieder mit dem Fitnesstraining, übe Kraft und Ausdauer. Im Februar geht es dann nach Spanien, wo wir unseren Stützpunkt haben und wo die Testfahrten für die neue Saison auf dem Programm stehen. Ein hartes Aufbautraining und eine optimale Vorbereitung in Spanien sind wichtig, damit ich nächste Saison erfolgreich fahren kann. Ende März geht es dann in Katar los mit dem ersten WM-Rennen der neuen Saison.
GP von Portugal
Keine Punkte zum Abschluss auch für Lüthi und Aegerter
Den WM-Titel in der Moto3-Klasse des Freiburgers Jason Dupasquier sicherte sich Albert Arenas (KTM). Der 23-jährige Spanier musste sich in Portugal mit dem 12. Platz begnügen, profitierte aber davon, dass seine verbliebenen Konkurrenten Tony Arbolino (5.) und Ai Ogura (8.), beide auf Honda, ebenfalls nicht aufs Podest fuhren. Gewonnen wurde das letzte Rennen vom Spanier Raul Fernandez auf KTM.
Bastianini Moto2-Weltmeister
Für Tom Lüthi gab es derweil keinen erfreulichen Saisonabschluss. In Portimão verpasste er in seinem letzten Rennen für das Intact-GP-Team als 16. die Punkteränge ebenso wie Dominique Aegerter (20.), der als Ersatzfahrer bei NTS nicht auf Touren kam.
Den WM-Titel in der Moto2-Klasse sicherte sich der Italiener Enea Bastianini, der mit einer kontrollierten Fahrt auf den 5. Platz seine Verfolger in Schach hielt. Luca Marini (2.) und Sam Lowes (3.) konnten ihn so trotz Podestplätzen nicht mehr abfangen. Den Tagessieg holte sich der Australier Remy Gardner vom spanischen SAG-Team, für das im nächsten Jahr Tom Lüthi fahren wird.
In der Königsklasse MotoGP feierte der KTM-Fahrer Miguel Oliveira einen überlegenen Heimsieg. Für den Portugiesen war es der zweite Sieg in der MotoGP nach dem GP der Steiermark im August. Er liess Jack Miller (Ducati) und Franco Morbidelli (Yamaha) um rund drei Sekunden hinter sich. Altstar Valentino Rossi (Yamaha) kam nur auf den 12. Platz, während der bereits als neuer Weltmeister feststehende Joan Mir (Suzuki) mit grossem Rückstand aufgeben musste.
«WM-Punkte wären die Kirsche auf der Torte gewesen, die Torte war aber auch so sehr lecker.»
Jason Dupasquier
Motorrad-Pilot