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Künstlername: Roque Júnior
Kompletter Name: José Vítor Roque Júnior
Geburtsdatum: 31/08/1976
Geburtsort: Santa Rita do Sapucaí (MG)
Position: Abwehr
Link: Fehlanzeige
Vereine:
2010: Ituano Futebol Clube (SP)
17/09/2008: Palmeiras (SP)
15/04/2008 bis 16/09/2008: Al-Rayyan – Qatar
16/10/2007 bis 26/02/2008: Duisburg
08/07/2004 bis 04/07/2007: Bayer Leverkusen
26/01/2004 bis 08/07/2004: Siena
29/08/2003 bis 25/01/2004: Leeds United
2000 bis 28/08/2003: AC Mailand
1995 bis 2000: Palmeiras (SP)
1994 bis 1995: São José (SP)
WM-Einsätze Seleção:
WM 2002 Japan/Südkorea
Palmeiras, einer der grossen Clubs von São Paulo, erhielt 1995 einen hoch gewachsenen, ruhigen Verteidiger mit besten Empfehlungen, der aus São José kam. Er war als Júnior bekannt. Aber in dem Club gab es bereits einen Spieler mit diesem Namen, er spielte auf einer Flankenposition. Also beschloss man, den Jungen Júnior den II. zu nennen, doch der Spieler protestierte dagegen: “Der “Zweite“ nein, ihr könnt mich Roque nennen. Roque Júnior. Bald darauf merkten die Verantwortlichen ihr unerwartetes Glück, sie hatten auf einmal einen Spieler mit Persönlichkeit in der Hand, und vor allem einen mit dem Willen, Fussballgeschichte zu schreiben.
Roque Júnior kümmerte sich nicht wirklich um die ständigen Vergleiche, die mit einer der Legenden des Clubes, den Verteidiger Luís Pereira, und verfolgte weiterhin seinen entschlossenen Stil zu spielen, um sich seinen Platz zu erkämpfen. Mit sehr viel Sicherheit in der Verteidigung, einem klassischen Stil des Spielens ohne viel Gewalttätigkeiten zu gebrauchen, verhalf Roque seinem Verein, die wichtigen Titel wie Copa Brasil und Mercosur 1998 zu gewinnen, sowie die Copa Libertadores im folgenden Jahr. Nationaltrainer Vanderlei Luxemburgo rief ihn alsbald in die brasilianische Verteidigung der Seleção – sein erstes Spiel war ein Freundschaftsspiel gegen Holland in Salvador im Oktober 1999.
Roque Júnior behielt seine Ruhe und Gelassenheit auch auf dem Spiel inmitten von grossen, berühmten Spielern und suchte sich seinen Platz inmitten all der guten Spieler Brasiliens. Seine Versiertheit auf sowohl der Position des Verteidigers als auch Angreifers beweisend, gewann er seinen festen Platz in der brasilianischen Mannschaft, sowohl bei seinen Teamkollegen als auch bei den sich ständig ändernden Nationaltrainern. Im folgenden Jahr 2000 zahlte mit einer der traditionsreichsten und stärksten Vereine der Welt, Milan aus Italien, 10 Millionen USD für seinen Wechsel, ein wahrhaft stolzer Preis für einen brasilianischen Verteidiger in diesen Zeiten. In Italien wurde er zunächst mehr und mehr als Libero eingesetzt, und das wurde auch von Luiz Felipe Scolari in der WM 2002 kopiert. Der Spieler wurde vom Trainer auch bald mit dem grossen Prestige gewürdigt, als Kapitän des Teams auf den Platz zu laufen. Mit einem guten Gefühl sich auf dem Platz zu platzieren und seinen guten, gesunden Impulsen folgend kann Roque Júnior mit seinen 1.86m sowohl eine starke Waffe in den ersten Reihen einnehmen, um gerade in den Eckbereichen gut mitzumischen. In den Ausscheidungsspielen schoss er gar ein Tor gegen Kolumbien, das 1:0 im Stadion von Morumbi, in der letzten Minute des Spiels – mit diesen 3 Punkten, die Brasilien hier mit vom Feld nahm, entschied sich die Klassifizierung für die WM 2002.
Wenige Personen wissen es – am wenigstens war es Roque Júnior selbst nicht bewusst – aber er ist der einzige Spieler in der Geschichte, der auf das Spielfeld lief und sowohl die Copa Libertadores, Champions League und die Weltmeisterschaft gewann. Auch wenn er in seiner Laufbahn von immerhin schon 12 Jahren Profifussball diese aussergewöhnliche Karriere bereits hinter sich hat, auch wenn er weitere 6 Titel in seiner Karriere erzielt hat, so war der ehemalige Verteidiger vom Bayer Leverkusen in der öffentlichen Meinung nach wie vor auf dem Level eines kleinen “unter ferner liefen“.
In einem Interview in Deutschland, einen Abend vor einem wichtigen Spiel gegen den Rivalen Dortmund, sprach Roque Júnior am Telefon offen und ehrlich über die fussballerische Kultur in Brasilien. “Ich glaube, dass viele Menschen nicht wirklich verstehen, was auf dem Spielfeld wirklich abgeht. Es geht einfach nicht, dass ein Team aus 8 oder 9 Angreifern besteht.“ Roque Júnior wehrt Kritiken ruhig und kühl ab – er wird als der Sündenbock des Teams immer wieder scharf angegriffen. “Es gibt Spiele, wo jeder der Spieler Fehler macht, nicht nur die Verteidigung. In vielen Spielen ist es immer gleich die Schuld vom Verteidiger – um Himmels Willen!
Im Folgenden einige Auszüge aus einem älteren Interview mit Roque Júnior – was gibt es Idealeres, über jemanden etwas zu erfahren, als dass jener selbst spricht:
Frage: Wussten Sie, dass Sie der einzige Spieler sind, der alle Finali von Libertador, Champions League und WM gespielt haben und auch alle drei gewonnen haben? Wie fühlen Sie sich dabei?
Ich wusste, dass ich und Dida die einzigen waren, die zwei Finali gewannen, aber nicht das mit dem WM-Finale. Ich bin natürlich sehr glücklich darüber, Fussball spielen war schon immer mein absoluter Kindheitstraum und vor allem professioneller Spieler zu werden. Ich wollte schon immer Titel gewinnen und glaube auch, dass ich mir einige erspielt habe in den letzten 12 Jahren. Insgesamt 9 Titel. Jetzt pflücke ich die Früchte. Ich fühle mich sehr geehrt und dankbar, dass ich der erste Spieler sein darf, der dies erreicht hat, zeigt es doch vor allem, dass meine Arbeit gut war und ist.
Sie sind von Palmeiras weggegangen kurz nach dem Titelgewinn der Libertadores, gesegnet, und seitdem mit einem etwas harschen, barschen Verhältnis zur Presse – Was glauben Sie hat sich verändert?
Als ich noch in Brasilien spielte und vor allem Titel gewann, so wie es bei mir mit Palmeiras vor allem war, dann sieht dich jeder – immerhin waren es in 5 Jahren 5 Titel, Copa Brasil, Paulista, Mercosul, Rio-São Paulo und Libertadores. Wenn du in Brasilien Titel gewinnst, dann wirst du auf jeden Fall bestens behandelt. Aber die grossen Medien verfolgen nicht den internationalen Fussball und wissen auch nicht, wie so ein Leben eines professionellen Spielers im Ausland abläuft. Und das nervt ein bisschen. Wir wissen als Spieler, dass wir mit Kritik leben müssen. Einen Tag spielen wir gut, den anderen schlecht. Das ist normal, aber alles hat seine Grenzen. Der Journalist sollte sich über das, was er berichten möchte, richtig informieren, und sollte die Grenzen akzeptieren. Es gibt einfach zu viele Leute, die mitreden und nicht wissen, was eigentlich abgeht. Das gefällt mir nicht. Ich mache meinen Mund nur auf, wenn ich etwas mit Sicherheit weiss. Oft, viel zu oft, passiert es dann einfach, dass Unwahrheiten zu Wahrheiten wurden, nachdem diese veröffentlicht und es niemand gab, der dagegen sprach oder revidierte.
Wie bewerten Sie ihre Zeit bei Milan, nach ihrem Weggang von Palmeiras?
Sehr gut, ich bin unglaublich gewachsen in jener Zeit. Für einen Verteidiger ist es sehr wichtig, italienischen Fussball zu spielen, und dann noch bei einem so grossen Verein wie Milan mit sehr guten Spielern. Ich habe viel gelernt, bin erwachsen geworden, schliesslich kam ich mit 23 Jahren nach Italien. Ich glaube dass ich viel erwachsener zum jetzigen Zeitpunkt gewesen bin, als ich es gewesen wäre, wäre ich in Brasilien geblieben. Von den 3 Jahren hatte ich fast nur gute Zeiten, nur für eine Periode musste ich quasi weg vom Platz bleiben, weil ich gesundheitliche Probleme hatte. Auch nach dem Weggang vom Trainer Fatih Terim war es nicht sehr leicht. Mit Wechseln folgen Veränderungen und Vertrauen muss neu aufgebaut werden. Vertrauen hatte ich bei Fatih Terim, nach seinem Weggang änderte sich zu viel. Dies war auch einer der Gründe, dass der Tag kam, an dem ich es vorzog von Milan wegzugehen. Ich habe keinen Kummer deswegen. Jeder Trainer hat das Recht, Dinge zu ändern, Spieler unterschiedlich einzusetzen und die alten Vorgehensweisen zu überdenken.
Sie haben bereits in Italien, England und in Deutschland gespielt – in welchem Land haben Sie sich am besten adaptiert?
Ich fühle mich sehr gut in Deutschland und ich habe mich gut in den deutschen Fussball eingespielt. In England war viel zu wenig Zeit um mich komplett einzugewöhnen, vor allem nicht an den sehr unterschiedlichen Fussball, sehr schnellen und kräftigen Fussball. Mit Sicherheit hätte ich viel mehr Zeit gebraucht um mich einzugewöhnen. In Italien spielt man auch schnellen, aber vor allem einen sehr taktischen Fussball, an den ich mich gerade in den ersten beiden Jahren unter meinem ersten Trainer sehr schnell gewöhnte. In Deutschland ist es sehr viel mehr Kraft, die man einsetzen muss, aber dafür hat der Spieler mehr Freiheiten. In England war die Zeit auch geprägt durch die finanziellen Schwierigkeiten im Verein, wir hatten gute Spieler, aber es sollten noch mehr Spieler kommen. Die Trainer wechselten sehr oft und so konnte kein gutes Team zusammenwachsen. Für mich war nicht der Druck, der Nachfolger von Rio Ferdinand zu sein, das schlimme in dieser Zeit, ich habe das nicht so empfunden. Es waren mehrere kleine Dinge, die es für mich und für alle im Club schwer machten. Es wird öfter gesagt, dass sich Brasilianer in England sehr schwer tun, Jardel und ich wurden in der Presse als die grösste Enttäuschung der Saison beschrieben. Ob es wirklich diesen grossen Unterschied gibt, dass man sich in England schlechter adaptiert? Wie gesagt, der Fussball dort ist ganz anders an Kraft, Schnelligkeit und langen Bällen. Brasilianer brauchen viel Zeit um sich einzugewöhnen und meine Zeit dort war zu kurz. Ich glaube nicht, dass es schlecht war, dass ich dort hingegangen bin, ausserhalb des Platzes hat es mir sehr gut gefallen! Alle Leute waren sehr freundlich und offen, aber nach wie vor gibt es für den Fussballer das Leben auf dem Fussballfeld und ausserhalb.
In Leverkusen ging alles mit einer schlechten Saison los, wenig wurde investiert, man verlor den Trainer, man fiel aus dem Pokal und UEFA Pokal – was glauben Sie, ist der Grund für all dies gewesen?
Es sind sehr viele Spieler weggegangen, die schon an alles dort gewöhnt waren und wurden durch neue ersetzt, die Zeit brauchten. Wir hatten sogar ganz gut begonnen, aber dann ging es nach einem verlorenen Spiel gegen FC Bayern bergab. Wir haben aber immer noch ganz gute Chancen, mit einem neuen Trainer spielen wir wieder besser, wir hatten etwas Pech, aber wir schaffen das noch.
Ihr Vertrag bei Leverkusen läuft bis 2007. Was haben Sie danach vor? In ein anderes Land oder in Deutschland bleiben?
Ich würde sehr gerne noch weitere 5, 6 Jahre in Europa spielen und dort leben, aber ich habe noch nichts Festes. Das wird sich erst am Ende des Vertrages zeigen. Am Ende des Jahres gibt es immer ein paar Angebote und dann werden wir sehen. Ich würde auch sehr gerne noch in Spanien spielen, das wäre eine einzigartige Erfahrung in allen vier grossen Fussballländern Europas zu spielen. Vielleicht ist das mein nächstes Land?
Aus welchem Grund glauben Sie haben brasilianische Verteidiger in den Vereinen eine bessere Karriere als in der Seleção?
Ich glaube, dass das ganze eine Sache ist, die die Medien geschaffen haben. Schauen Sie nur Oscar, Luisinho, Mauro Galvão, Ricardo Gomes, Ricardo Rocha, Aldair, Júnior Baiano an. All jene haben ausserhalb gespielt und sind respektiert. Gehen Sie nach Paris und sprechen Sie von Ricardo Gomes, Sie werden merken er ist der König dort! In Portugal sprechen alle nur von Mozer, Júlio César wird sein letztes Spiel in Deutschland in Dortmund spielen und er ist Brasilianer! Das Stadion wird voll sein – er ist der König dort! Allein Aldair spielte 13 Jahre in Rom! In der brasilianischen Nationalmannschaft sind die Verteidiger immer die Buhmänner – unabhängig vom Namen, Das ist schon beeindruckend! Der Angreifer ist immer gut, im Mittelfeld auch, aber der Verteidiger ist immer schuld.
Glauben Sie dass die Leute in Brasilien nicht wissen, die Verteidigung zu analysieren und ein Team mit 11 Angreifern vorziehen würden?
Das ist auch der Fall. Man muss schon wissen, von was man spricht. Man kann nicht mit 2 oder 4 Verteidigern spielen, da bist du komplett ungeschützt. Ich glaube, viele Leute können sich nicht vorstellen, was auf dem Platz wirklich abgeht. Es geht einfach nicht mit 8, 9 Angreifern. Auch um ein Tor zu schiessen braucht man einen Verteidiger, schliesslich braucht man jemanden der den Ball nach vorn spielt. Und um kein Tor zu kassieren liegt es am ganzen Team, mitzuspielen, nicht nur die Verteidigung. Wir haben in all unserer Geschichte der brasilianischen Seleção immer wieder gezeigt, dass wir auch super Verteidiger haben. Wir spielen auch im Moment mit einer sehr guten Auswahl an Spielern und vor allem Verteidigern. Es muss ein Zusammenspiel geben zwischen Mittelfeld, Angreifern und der letzten Reihe, nur so können wir hinten schliessen und machen keine Fehler – wir als Team. Wer wohl bei der WM spielen wird hinten im Double der Verteidigung? SMILE – das müssen Sie schon Parreira fragen, er als einziger weiss es am besten. Jeder möchte natürlich spielen und so geht es mir auch. Er kennt mein Potential, ich habe bereits bei einer WM mitgespielt, bei den Auswahlspielen von 18 spielte ich 14 Spiele und beim Konföderationencup war ich auch dabei. Er wird das entscheiden müssen, aber er hat sicherlich sehr viele gute Spieler zur Hand. Ich hoffe auf eine Chance für mich, leider war ich ein paar Mal in schlechtem gesundheitlichen Zustand im letzten Jahr aber ich fühle mich nicht aus dem Rennen.
Wer ist der beste Verteidiger, mit dem Sie schon zusammen spielten?
Ich hatte nur eine Chance mit ihm zu spielen, und das bei einem sehr festlichen Spiel: seinem Abschiedspiel in Rom – Aldair, er ist für mich einer der besten Spieler und Verteidiger aller Zeiten und einer, der leider nicht den Respekt und die Anerkennung bekommen hat, die er haben sollte.
Vielen Dank fürs Gespräch
Im Oktober 2007 verpflichtete ihn Bundesliga-Aufsteiger MSV Duisburg für den Rest der Saison 2007/08, um die verletzungsgeplagte Abwehr zu stärken. Nach gerade mal vier Spielen für den MSV gab Roque Júnior bekannt, er sehe sich mental nicht mehr in der Lage, in der Bundesliga zu spielen. Sein bis Sommer laufender Vertrag wurde aber nicht aufgelöst.
Im April 2008 wechselte er nach Katar zu Al-Rayyan, wo er einen Einjahresvertrag besitzt. Im September 2008 kehrte er nach Brasilien zurück, wo er einen Vertrag bei Palmeiras unterschrieb. 2010 wechselte Roque Júnior innerhalb São paulos zum Club „Ituano Futebol Clube“.
Roque Júnior steht für sich und seinen Stil ein, spielt sein Spiel und bleibt sich treu – das sieht man auch an seinem lustigen, aber doch wohl mit ein bisschen Ernst gehaltenen Disput mit Parreira seinem ehemaligen Trainer der Seleção bzgl. seiner Haare – Parreira hätte die Haare gerne ab gesehen, aber Roque und seiner Familie haben sie lang gefallen – also hat er sie lang behalten.