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Es war der 18. Dezember 2020, als um 9:50 Uhr das kleine Herz des grossen Jägers das letzte Mal schlug. Ich weiss nicht, was er mitbekam, aber auf meine Gegenwart, die beruhigenden Worte und das Streicheln reagierte er. Vermutlich ahnte er, was kommen würde, schliesslich kannte er das Gefängnis, das ihn umgab.
Der kleine Jäger tötete nicht aus Freude, es war ein Teil von ihm. Gelassen wie jemand, der das oft tat, erwartete er den Sensenmann. Diesen sah ich vor mir, wie er die Sense zur Seite stellt und langsam, fast mitleidig und ein wenig ehrfurchtsvoll sein Schwert zieht, das den Lebensfaden durchtrennt. Das Schwert, das für Könige reserviert ist. Und für Katzen.
Ich habe nie erlebt, wie nach dem Schmerz- und Schlafmittel die letzte Injektion gesetzt wurde, die das Herz aufhören lässt zu schlagen. Jeder der meint, dass Sterbehilfe unbedingt abzulehnen sei, der möge jemanden auf dem allerletzten Stück Weg hier auf Erden begleiten. Aber bitte ein Mensch oder ein Tier, dessen Qual ihn berührt. Denn sonst lässt sich zu leicht eine Plattitüde zum Besten geben.
Auf jeden Fall werde ich mich an diesen Tag erinnern. Daran, wie ich mit Pascha den Weg zum Tierarzt zwei Mal unter die Räder nahm. Am Nachmittag brachte ich ihn nach Hause, damit sich alle von ihm verabschiedeten. Auf dieser Fahrt überkam mich eine solche Wut, dass ich sie unvermittelt hinausschrie. Mir kam in diesem Moment eine Szene aus einer Serie in den Sinn, als ein ausserirdischer Krieger und zwei Andere seines Volkes einen gefallenen Kameraden sahen und feststellten, dass er tot war. Sie legten den Kopf in den Nacken und brüllten eine Warnung an den Tod: „Nimm dich in Acht, ein Krieger ist dabei, sich dir in den Weg zu stellen.“
Ich denke nicht, dass Pascha so aggressiv war, dennoch hätte er keinen Kampf gescheut. Und die Folgen der Kämpfe ertrug er stoisch. Wie z.B. die eitrige Bisswunde, die mit einem Löffelchen ausgekratzt wurde, oder wie er sich den Beinamen Schlitzohr verdient hatte. Einmal sah ich, wie er voll gerechten Zorns auf den Zaun zu rannte und den Nachbarhund (Grösse Rottweiler/Labrador) verscheuchte. Zumindest war das seine Absicht.
Meine eindrücklichste Erinnerung an Pascha ist die: Eines Nachts flatterte ein Nachtfalter in unserem Schlafzimmer nahe dem Fenster und fand den Weg nach draussen nicht mehr. Wichtig für das Verständnis: Wenn Pascha über den Laminatboden lief, klang es etwa so, wie Penny (ausgewachsene Labrador Hündin): „Klack, klack, klack, klack …“ Er war vermutlich zu faul, die Krallen vollständig einzuziehen. Aber zurück zu jener Nacht. Das Geflatter hörte nicht auf und weckte mich schliesslich. Grade rechtzeitig, um zu sehen, wie vom Eingang des Schlafzimmers ein grauer Blitz Richtung Fenster gezischt ist, völlig geräuschlos. Wie ein Pfeil in einer geraden Linie schoss er auf das Geräusch zu und kurz darauf hörte das Flattern auf. Es war das erste und bisher letzte Mal, dass ich einen geborenen Killer in Aktion erlebt habe. Es vervollständigte mein Bild von Pascha und den Katzen allgemein. Und trotz alledem war er der kuschligste Kater.
Durch ihn war das Haus voller. Und obwohl selber so klein, ist die Lücke, die er hinterlässt, umso grösser.