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Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1981 von Peter Ziegler
Über das Wochenende vom 2./3. Mai 1981 wurde in der Frohmatt ausgiebig gefestet. Anlass dazu war das 70jährige Bestehen des Altersheim, des früheren Bürgerheims, und gleichzeitig das 10jährige Bestehen des Krankenheims.
Ein Blick zurück
Starke Bautätigkeit und anwachsender Verkehr führten dazu, dass um 1900 herum Stimmen laut wurden, das Armenhaus am Plätzli aus dem lärmigen Dorfkern in ein stilleres Aussenquartier zu verlegen. Der Ruf nach Beseitigung des Armenhauses von 1808 wurde im Jahre 1909 lauter, als in der Anstalt Typhusfälle vorkamen und aus der Mitte der Bürgerschaft bei der Sanitätsdirektion Beschwerde erhoben wurde, das Armenhaus bilde einen ständigen Seuchenherd. Mit dem Bau eines Bürgerheims ausserhalb des Dorfes sollte Abhilfe geschaffen werden. Gegen einen Bauplatz im heutigen Büelenquartier erwuchs Opposition. 1911 entschied man sich für den heutigen Standort: für die Lehmannsche Liegenschaft im Musli, die einem Brand zum Opfer gefallen war. Im Sommer 1911 wurden die Bauarbeiten vergeben. Das mit Arbeitsräumen, einem Speisesaal, der Verwalterwohnung und mit einer Männer- und Frauenabteilung ausgestattete Bürgerheim entstand nach den Plänen und unter der Leitung von Architekt H. Müller in Thalwil und konnte im September 1912 bezogen werden. Das neue Heim galt als wohlgelungener Bau, über den ein Zeitgenosse schrieb: «was die moderne Technik und die Hygiene bieten, das ist so ziemlich alles vorhanden, und es braucht für einen Privatmann schon eine ordentlich bezahlte Wohnung, will er auf alle Bequemlichkeiten Anspruch erheben, die das Wädenswiler Bürgerheim seinen Insassen bietet. Weit in der Runde kann diesem Heim nichts Ähnliches an die Seite gestellt werden. Der Bau ist sehr solid, und man sieht auf den ersten Blick, dass auch an die Zukunft gedacht wurde. Alle Räume sind einfach, aber wohnlich.» Misst man mit heutigen Massstäben, kommt man zu einer etwas anderen Beurteilung: «Das Haus beherbergte ursprünglich 80 Pensionäre, eine heute kaum mehr vorstellbare Zahl für ein Haus dieser Grösse. Aber damals war natürlich von Einzelzimmern noch keine Rede. Die Ärmsten der Armen, die Sozialfälle, die Aussenseiter der Gesellschaft der damaligen Zeit, waren in Schlafsälen mit Waschtrögen untergebracht und mussten in verschiedenen Werkstätten arbeiten. Da gab es Schneiderei, Schuhmacherei, Drechslerei, Holzhandel und Landwirtschaft. Vor allem aber oblag den Bewohnern die Kehrichtabfuhr. Für Widerspenstige stand ein Arrestlokal zur Verfügung.»
Als erste Heimeltern wirkten Friedrich Joss-Burri. Ihnen folgten dann ebenfalls für viele Jahre Arthur Joss-Fisch.
Anfangs Mai 1981 feierte man das zehnjährige Bestehen des Krankenheims «Frohmatt».
Handarbeiten von Patienten des Krankenheims.
In den 1960er Jahren erwiesen sich die Inneneinrichtungen des Brügerheims als völlig veraltet, ungegnügend, ja unhygienisch. Die Armenpflege beantragte daher der Urnenabstimmung vom 3. Oktober 1965 eine Totalrenovation des Hauses und eine Umgestaltung zu einem modernen Heim. Der hohen Kosten wegen war diese Vorlage jedoch nicht genehm.
In der Urnenabstimmung vom 19. Mai 1968 hiessen die Stimmberechtigten das vom Wädenswiler Architekten Josef Riklin ausgearbeiteten Projekt gut für ein Pflegeheim für Chronischkranke mit Personalunterkünften und einem Verbindungstrakt zum Bürgerheim. Am 1. Mai. 1971 konnte das neue Krankenheim Frohmatt eingeweiht werden. Der Bau steht im nordwestlichen Teil des ehemaligen Bürgerheimareals und ist in Anlehnung an das alte Bürgerheim – heute Altersheim genannt – so projektiert, dass sich der Betrieb organisch dem alten Gebäude von 1912 anschliesst.
56 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen – rund 60 Prozent sind Teilzeitangestellte – betreuen heute im Krankenheim über 60 pflegebedürftige Patienten. Im Altersheim wohnen gegenwärtig 32 Pensionäre in Einer- und Zweierzimmern, die sie mit eigenen Möbeln heimelig einrichten können. Ein kleines Office ermöglicht es jedem, sich auch einmal selbst eine Speise zuzubereiten.
Das Fest
Am späteren Samstagmorgen, 2. Mai, erfreute die Harmonie Wädenswil die Pensionäre und Patienten – wegen des schlechten Wetters im Aufenthaltsraum – mit fröhlicher Marschmusik. Als gegen Mittag das Tessiner Trio «Malcantonese» aus Sessa aufzuspielen begann und der erste Kessel Risotto verlockend duftete, fühlten sich Patienten, Pensionäre, Personal und Besucher in ein Tessiner Grosso versetzt. Um 13 Uhr öffnete man die Türe zum Therapieraum, wo Handarbeiten der Patienten – Kissen, Wandteppiche, Schürzen, Taschen, Spielsachen und viele andere Bastelarbeiten - zu günstigen Preisen reissenden Absatz fanden.
Im Untergeschoss gab es einen ganz anderen Markt. Da wurden Werkzeuge und alte Gartengeräte, vielfach noch mit dem Stempel «Bürgerheim» zu Spottpreisen verkauft. Manche Antiquitäten und Kuriositäten liessen Sammlerherzen höher schlagen.
Am Sonntagmorgen, 3. Mai wurde für Patienten, Penisonäre und Personal ein oekumenischer Gottesdienst gehalten. Nach dem gemeinsamen Mittagessen sorgte das Duo Pia Bürgi und «Gas Turi» für musikalische Unterhaltung. Allmählich kehrten Patienten und Pensioäre wieder in ihre Zimmer zurück, und in der Frohmatt folgte auf den Festtag wieder der Alltag ein.