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Katharina Stöckli
Geschlecht in der amerikanischen Aussenpolitik. Eine Analyse der amerikanischen Aussenpolitik aus einer Geschlechterperspektive am Beispiel Afghanistans
In meinem Dissertationsprojekt wird die amerikanische Aussenpolitik am Beispiel Afghanistans aus einer Geschlechterperspektive analysiert. Dies erfordert erstens die Geschlechtlichkeit des amerikanischen Staates, seiner Institutionen, Strukturen, Politiken, politischen Prozesse und Kultur sichtbar zu machen: Geschlecht immaniert politische Relevanz und funktioniert (immer noch) als hierarchisierendes und selektives Ordnungs- und Machtprinzip des Staates. Angesichts meines Forschungsschwerpunkts erachte ich es auch als relevant, mich eingehend mit der Partizipation von Frauen in der amerikanischen Politik (deskriptive und substantielle Repräsentation) auseinandersetzen. Zweites soll nachvollzogen werden, wie Gender rhetorisch konstruiert, konzeptualisiert und im aussen- und sicherheitspolitischen Diskurs lokalisiert wird: Ergründet wird, wie substantiell (explizit/implizit) sich Geschlechterpolitik in der amerikanische Aussenpolitik, spezifischer der amerikanischen Afghanistanpolitik, manifestiert und materialisiert, beziehungsweise wie sich eine „gender-sensible“ Aussenpolitik von einer vermeintlich „gender-blinden“ oder „gender-neutralen“ Aussenpolitik unterscheidet.
Die amerikanische Afghanistanpolitik eignet sich für mein Forschungsvorhaben, da die militärische Intervention in unter der Prämisse des Schutzes, beziehungsweise Förderung der Frauenrechte (Rettungs- bez. Errettungsnarratives, moralische Imperativ und die stereotype Repräsentation des „Anderen“ (der afghanische Mann wurde als patriarchaler Tyrann und Feind visibilisiert und die afghanische Frau als Opfer männlich-patriarchaler Gewalt und Hoffnungsträgerin) in Abgrenzung zum überlegenen „Selbst“ (dem Massstab der Zivilisiertheit und Emanzipation) einen humanitären Anstrich erhielt. Dadurch erfuhr und erfährt das militärische Eingreifen in der breiten Öffentlichkeit immer noch Legitimation und Rechtfertigung. Damit in Zusammenhang steht auch die tendenzielle Militarisierung und (Re-)Maskulinisierung der amerikanischen politischen Kultur und Öffentlichkeit, die nach dem 11. September und währende dem „War on Terror“ evident wurden. Hierbei wird die historische Sedimentierung von Männlichkeit und somit die männliche Verfasstheit des amerikanischen Staates konstatiert.
Vom 11. September 2001 bis zu Hillary Clinton`s Aussenministerium, das eine explizit frauen-zentrierte und -orientierte aussenpolitische Agenda vertrat, ist eine Tendenz zur Verknüpfung des frauenpolitischen mit dem sicherheits- und aussenpolitischen Diskurs festzustellen. Diese Verknüpfung offenbart sich einerseits dadurch, dass der feministische Diskurs in die sicherheits- und aussenpolitische Rhetorik integriert und im Dienste sicherheits- und aussenpolitischer Interessen und Ziele instrumentalisiert und kooptiert wird. Andererseits positionieren sich Feministinnen innerhalb dieses aussen- und sicherheitspolitischen Rahmens, um wahrgenommen zu werden und dadurch nachhaltigere Wirkung auf die Politikgestaltung und Entscheidungsfindung entfalten zu können.
Supervisor: Andrea Maihofer
Co-Supervisor: Birgit Sauer (Universität Wien)
Bio:
Katharina Stöckli hat Islamwissenschaft und Geschichte studiert (Master of Arts). Sie ist seit Herbst 2014 Kollegiatin im Graduiertenkolleg Geschlechterforschung IV "Geschlechterverhältnisse - Normalisierung und Transformation", Teilprogramm der Graduiertenschule Social Sciences (G3S) des Departements Gesellschaftswissenschaften der Universität Basel.