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Mit Besenstil, Kugelschreiber und Taschenlampe rücken Schweizer Bauern ihren Kühen zu Leibe, wenn sie BSE-Verdacht schöpfen. Der Test am lebenden Rind wurde schon vor drei Jahren vom Zürcher Veterinär-Professor Ueli Braun entwickelt. In der Schweiz ist der zweite BSE-Fall in diesem Jahr aufgetreten.
Die im Januar 1996 geborene Kuh stellte sich erst bei einer Untersuchung nach dem Schlachten als BSE-Trägerin heraus, wie der Walliser Staatsrat am Montag (12.02.) mitteilte. Sie war von einem Walliser Käufer am vergangenen 29. Januar auf dem kontrollierten Schlachtviehmarkt von Bulle (FR) erstanden worden.
Ob sie mit dem "Besenstiel-Test" hätte gefunden werden können, ist fraglich. Obwohl dieser Test flächendeckende BSE-Tests am Fleisch sogar überflüssig machen könnte, erklärt Heinz Karl Müller, Mediensprecher des Bundesamts für Veterinärwesen (BVET). Denn alle Rinder, bei denen sich der BSE-Verdacht in den vergangenen Jahren durch Labortests nach der Schlachtung bestätigt habe, seien verhaltens-auffällig gewesen.
Auffälliges Verhalten
"Wir haben die Bauern anschliessend befragt: überall war was", sagt Müller. Ein Drittel der Tiere habe typische BSE-Symptome wie Herumtorkeln gehabt, ein Drittel habe leichtere Anzeichen gehabt, die mit dem Braun'schen Test erkannt worden wären, und ein Drittel sei immerhin durch Abmagerung und Milchrückgang aufgefallen.
In der Schweiz sind insgesamt 366 BSE-Fälle bekannt geworden. 1999 wurden bei Stichproben nach der Schlachtung drei Fälle entdeckt, im vergangenen Jahr bei 13'000 Stichproben nicht ein einziger.
Braun rät den Bauern, Tiere, die zum Beispiel weniger Milch geben, abmagern oder nach dem Kalben nicht aufstehen, genauer unter die Lupe zu nehmen. Wie reagiert das Tier, wenn man ihm mit dem Kugelschreiber am Hals herumpiekst? Was passiert bei einem leichten Schlag mit dem Besenstil auf die Hinterfüsse? Lässt sich die Kuh durch einen Strahl mit der Taschenlampe oder ein lautes Geräusch aus der Ruhe bringen?
Als abnorm gelten Schlagen mit Kopf und Hörnern, Nasenrümpfen, Zähneknirschen oder Flotzmaul lecken, Zögern, plötzliches Springen, Verweigern, Einknicken. Die Landwirte sollten dann den Tierarzt verständigen. Der entscheidet, was mit dem Tier passiert.
Bauern bisher wenig motiviert
Doch bei allen Appellen an die Verantwortung der Bauern ist den BSE-Experten klar: Einen BSE-Fall selbst zu entdecken und die Konsequenzen zu tragen, ist für die Bauern nicht sehr motivierend.
swissinfo und Agenturen