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Ar 198.42
Die gegenwärtige Corona-Epidemie zwingt auch das Schweizerische Sozialarchiv zu einer starken Einschränkung seiner Dienstleistungen:
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Ar 198.42
1939-1949
0.08 m
Katharina Züst-Feller, geboren am 19.01.1918, wuchs als zweite Tochter von Adolf und Emma Feller-Richi in Horgen am Zürichsee auf. Der Vater betrieb eine Fabrik für elektrische Apparate. Nach seinem frühen Tod im Jahr 1931 übernahm die acht Jahre ältere Schwester, die junge Geographiestudentin Elisabeth Feller (1910-1971), das Geschäft. In eine andere Richtung entwickelte sich Katharina Feller. Nach der obligatorischen Schulzeit besuchte sie die Töchterschule Zürich, lernte während eines Schulausflugs mit Professor Emil Egli erstmals den Bachtel kennen. Das Haus- und Landwirtschaftsjahr auf dem Plantahof in Canova GR erweckte ihre Freude an der Natur und ihr Interesse an der Arbeit mit der Erde. In der welschen Schweiz besuchte sie danach eine Gartenbau-Schule, in England folgte ein Sprachaufenthalt, kombiniert mit Arbeit in der Landwirtschaft. Bevor sie in die Schweiz zurückkehrte, bildete sie sich zur Handweberin aus und ergänzte ihr Wissen an der Kunsgewerbeschule Zürich.
Während der Landesausstellung 1939 lernte Katharina Feller ihren späteren Gatten, den Verleger und Leiter der Landi-Buchhandlung, Albert Züst, kennen. In ihrer 1941 geschlossenen Ehe kamen zwischen 1942 und 1949 sechs Kinder zur Welt, drei Mädchen und drei Buben. Katharina Züst webte in ihrem Zuhause in Bümpliz Vieles auf dem Handwebstuhl und es entstanden wunderschöne Stoffe. Manche überdauerten Jahrzehnte: Wolle, Leinen, Baumwolle, teils selber gefärbte Materialien wurden zu Wolldecken, Kleider- und Haushaltstoffen verarbeitet. Ihr Ehemann führte seinen Verlag fort.
Von 1950 bis 1955 bewirtschaftete die Familie den gepachteten, 80 Hektar grossen Hof Heimenstein bei Winterthur. Die Familie und der Gutshaushalt mit 15 Personen wurden von Katharina Züst zusammen mit Hilfen betreut. Nach der Heimenstein nicht übernommen werden konnte, erwarb das Ehepaar Züst den Hof Looren am Südhang des Bachtels. Die Familie wohnte anfänglich im ehemaligen Stickerhaus im Spiegelberg, danach bezog sie das neue Wohnhaus auf dem Hof Looren. Hier fanden sowohl der Verlag als auch die Webstühle von Katharina Züst genügend Platz. Allerdings stand jetzt die Besorgung und Pflege des Gartens im Vordergrund. Neben der Milchwirtschaft gab es auch in den Selbstversorgergärten viel zu tun.
Nachdem Albert Züst 1973 verstorben war, wandte sich Katharina Züst-Feller noch vermehrt dem Garten zu. Noch bevor das Bio-Gemüse in aller Munde war, gründete die passionierte Gärtnerin 1978 die Regionalgruppe Zücher Oberland der Schweizerischen Gesellschaft für biologischen Landbau. Sie organisierte Zusammenkünfte, Vorträge, Garten- und Kochkurse. 2001 übersiedelte Katharina Züst ins Altersheim Sonnengarten in Hombrechtikon, so sie am 21.04.2006 verstarb. In ihrem Nachlass lebt ihr Gedankengut weiter: Das Bauernhaus im Tarn wurde bereits 1996 an die Stiftung "Landwirtschaft und Behinderte" übergeben. Auf dem Hof Looren ist eine vielfältige biologisch-dynamische Bewirtschaftung gesichert und das Wohnhaus dient heute als Übersetzerhaus für Literatur-Übersetzer aus aller Welt.
Die Unterlagen wurden dem Schweizerischen Sozialarchiv am 03.10.2013 von Frau Susanna Züst übergeben.
Nachlasssplitter mit Unterlagen zur Handweberei: Korrespondenz, Rechnungen, Musterzettel, Zeichnungen.
Es wurden keine Kassationen vorgenommen.
Neuzugänge werden nicht erwartet.
Der Bestand ist im Lesesaal des Schweizerischen Sozialarchivs ohne Benutzungsbeschränkungen einsehbar.
Die Bearbeitung des Bestandes erfolgte im September 2013 durch U. Kälin.