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Während Autoren in randomisierten klinischen Studien heute ihre finanziellen Beziehungen zur Pharmaindustrie offen legen müssen, gehen diese Hinweise in Meta-Analysen häufig verloren. Das zeigt eine Analyse im US-amerikanischen Ärzteblatt JAMA (2011; 305: 1008-1017).
Die Therapieempfehlungen medizinischer Leitlinien stützen sich in zunehmendem Maße auf die Resultate von Meta-Analysen, in denen die Ergebnisse von randomisierten klinischen Studien zusammengefasst werden.
Für die randomisierten Studien selbst gelten inzwischen Standards, die eine Transparenz gewährleisten. Die „Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Meta-Analyses“ oder PRISMA verlangen auch von den Autoren von Meta-Analysen, ihre eigenen Interessenkonflikte offen zu legen.
Sie müssen in den Meta-Analysen aber die Interessenkonflikte der ausgewerteten randomisierten Studien nicht referieren. Es wundert darum nicht, dass nur 2 von 29 Meta-Analysen, die Michelle Roseman von der McGill University in Montreal überprüft hat, diesbezügliche Angaben enthielten, obwohl zwei Drittel der in den Meta-Analysen bewerteten Studien industriegesponsert waren.
In 7 von 29 Meta-Analysen existierte sogar in allen verwendeten Studien mindestens ein Interessenkonflikt. Roseman befürchtet nun, dass Meta-Analysen dazu dienen könnten, um Interessenkonflikte zu verdecken.
Die Leser könnten meinen, es seien nur unabhängige Studien ausgewertet worden oder die Autoren der Meta-Analyse hätten auf irgendeine Weise den möglichen Einfluss des Sponsoring eliminiert.
Quellen:
http://jama.ama-assn.org/content/305/10/1008.short
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/45005/Verheimlichte_Interessenskonflikte_in_Meta-Analysen.htm
Kommentar & Ergänzung:
In der Komplementärmedizin gibt es nicht wenige Leute, die Klinische Studien generell ablehnen. Diese Sichtweise teile ich ganz und gar nicht.
Das in der Komplementärmedizin weit verbreitete pauschale Feindbild „Pharmaindustrie“ halte ich nicht für angemessen, präzise Kritik auf der Basis von Argumenten aber schon.
Klinische Studien sind das beste Mittel, um herauszufinden, ob eine Besserung wirklich durch das verabreichte Medikament bewirkt wurde, oder auf andere Faktoren (Selbstheilungskräfte, Placebo-Effekt) zurückzuführen ist. Diese Unterscheidung ist zentral für Fortschritte in der Behandlung von Krankheiten. Auch für die Phytotherapie sind klinische Studien zur Überprüfung der Wirkung von Heilpflanzen sehr wertvoll.
Das soll aber nicht davon abhalten, auch gegenüber von Studien wo nötig sehr kritische Fragen zu stellen.
So gibt es zum Beispiel nicht wenige Studien, die ganz einfach schlecht gemacht sind.
Auch die verschleierten Interessenkonflikte in Meta-Analysen, wie sie Michelle Roseman untersucht hat, sind ein kritischer Punkt, genauso wie die weit verbreitete Abhängigkeit von den Pharmaherstellern generell. Daraus ergibt sich zum Beispiel nicht selten ein publication bias: Studien mit für den Hersteller günstigem Ergebnis werden eher veröffentlicht als solche mit negativem Resultat.
Nachfolgend ein paar Grundinformationen zum Thema:
Was ist ein publication bias?
„Der Publikationsbias ist die statistisch verzerrte (engl. bias [ˈbaɪəs]) Darstellung der Datenlage in wissenschaftlichen Zeitschriften infolge einer bevorzugten Veröffentlichung von Studien mit „positiven“ bzw. signifikanten Ergebnissen. Positive Befunde sind leichter zu publizieren als solche mit „negativen“, also nicht-signifikanten Ergebnissen und sind zudem häufiger in Fachzeitschriften mit hohem Impact Factor veröffentlicht. Deshalb wird dieses Problem auch als File-Drawer-Problem (übersetzt: Aktenschubfach-Problem) bezeichnet. In der medizinischen Arzneimittelforschung ist eine weitere Ursache für den Publikationsbias die Vorselektion negativer Ergebnisse durch Pharmafirmen, von denen die meisten Studien gesponsert werden.
Aufgrund der erhöhten Häufigkeit positiver Ergebnisse kann in der Medizin etwa die Wirksamkeit von Therapien überschätzt werden, da Studien mit nachgewiesener Wirksamkeit leichter zu publizieren sind als solche, die die Wirksamkeit nicht nachweisen können. Dies ist besonders relevant, wenn aufgrund der bereits publizierten Datenlage anhand einer Metaanalyse Therapieempfehlungen generiert werden sollen. Der Verdacht auf einen Publikationsbias kann durch das Erstellen eines Funnel plots erhärtet werden.
Aus den genannten Gründen verlangen mittlerweile einige der renommierten medizinischen Fachzeitschriften, dass alle durchgeführten Studien vorher bekannt gemacht werden müssen. Nur solche im Voraus publik gemachten Studien werden zur Publikation angenommen. Dies soll neben anderen Aspekten einen Überblick über die zum Thema durchgeführten Studien ermöglichen, um den Publikationsbias zumindest abschätzen zu können.
Darüber hinaus gibt es bereits Fachzeitschriften (vorrangig im Internet, s.u.), die gezielt Studien mit „negativem“, d.h. im Sinne der Fragestellung nicht signifikanten Ergebnissen publizieren. Auch die Cochrane Collaboration ist an solchen Ergebnissen sehr interessiert, um sie in ihre Analysen zu den Standards in der Medizin verwenden zu können.“
(Quelle: Wikipedia)
Was ist eine klinische Studie?
„Eine klinische Studie wird mit Patienten oder gesunden Probanden durchgeführt, um Medikamente oder andere medizinische Interventionen auf ihre Wirksamkeit und Sicherheit zu überprüfen. Klinische Studien werden durchgeführt, um wissenschaftliche Fragestellungen zu beantworten und um die medizinische Behandlung zukünftiger Patienten zu verbessern. Der erste Einsatz einer erfolgversprechenden medizinischen Behandlung am Menschen sollte daher eine klinische Studie mit dem Ziel sein Wirksamkeit und Verträglichkeit neuer Therapien zu testen. Diese kann allerdings erst dann stattfinden, wenn ausreichend Daten zur Sicherheit vorhanden sind sowie eine positives Votum der betroffenen Ethikkommission vorliegt. Um äußerliche Störeinflüsse zu minimieren, werden derartige Studien in einem kontrollierten Umfeld durchgeführt. Die erheblichen Kosten klinischer Studien werden von Sponsoren übernommen, die aus unterschiedlichen Motiven Interessen mit einer Studie verbinden.“
(Quelle: Wikipedia)
Was ist eine kontrollierte klinische Studie?
„Kontrollierte klinische Studien testen eine medizinische Intervention an Patienten, wobei zwei oder mehr Patientengruppen miteinander verglichen werden. Die sogenannte Verumgruppe erhält die Behandlung, die getestet werden soll, und die Kontrollgruppe erhält beispielsweise eine alternative Behandlung oder Plazebo. Beide Gruppen werden nachverfolgt und verglichen um festzustellen, ob die Behandlung der Verumgruppe besser (oder nicht) war als die der Kontrollgruppe.“
(Quelle: Wikipedia)
Was bedeutet „Studiendesign“?
„Bei dem zu wählenden Studiendesign kommt der Randomisierung große Bedeutung zu. Diese wird bei kontrollierten Studien so gut wie immer durchgeführt, meist in Kombination mit Verblindung. Bei einer Doppelblindstudie darf dem Prüfarzt nicht bekannt sein, welcher Therapiegruppe der Patient zugewiesen wird. Durch die Verblindung kann bewussten und unbewussten Einflüssen auf das Behandlungsergebnis vorgebeugt werden und somit die Glaubwürdigkeit der Studie und ihrer Resultate erhöht werden. Nur bei strikter Geheimhaltung der Randomisierungscodes können Selektionseffekte vermieden werden[2]. Kontrollierte Studien sind insbesondere zum Wirkungsnachweis erforderlich; allerdings gibt es Ausnahmen, etwa wenn beispielsweise eine Kontrollgruppe ethisch nicht vertretbar ist (bspw. kein hinreichend wirksames Kontrollmedikament zur Verfügung steht). Kontrollierte Studien können gelegentlich nicht verblindet werden, beispielsweise wenn sich eine der Gruppen einer invasiven Prozedur (bspw. Operation) unterziehen muss und eine “Scheineingriff” in der Vergleichsgruppe unethisch wäre. Weitere wichtige Aspekte der Studienplanung und Durchführung sind:
Studienregistrierung (siehe unten)
Schreiben des Protokolls
Auswahl der Probanden/Patienten
Festlegung der zu messenden Parameter
Art der Dosierung
Art der Kontrollgruppe
Methode zur Datenauswertung“
(Quelle: Wikipedia)
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
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