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Parlamentsgebäude gehören zu jenen Bauwerken, die Identifikation stiften sollen. Betrachtet man die Rathäuser und Parlamente in Europa, so lassen sich zwei Modelle erkennen.
Das erste Modell wurde, auf dem europäischen Kontinent, von Gottfried Semper begründet. Es hat seine Wurzeln jedoch im englischen Parlament, das in der Westminster Hall tagte. Hier bauten die Architekten Barry und Pugin die Houses of Parliament, die sich stilistisch an der gotischen Westminster Hall orientieren. Diesen Bauplatz besuchte Semper im Jahr 1838. Und als er seinen Entwurf für das neue Rathaus der Stadt Hamburg, das beim Stadtbrand von 1842 zerstört worden war, vorlegte, so wies dieser mit seinen gotischen Formen grosse Nähe zum Westminsterpalast auf.
Vater des zweiten Modells ist der französische Architekt Bernard Poyet. Er schuf den Annex des Palais Bourbon in Paris, wo unter Napoleon die Nationalversammlung tagte. Seine halbkreisförmige Salle des Députés nimmt die Formensprache des klassischen Altertums auf – es war der erste Parlamentssaal nach den Intentionen der Académie d’Architecture. In der Folge lehnten sich die meisten Parlamentsbauten in Europa an eines der beiden Modelle an. Sie galten als «französisch» und «antifranzösisch» – und damit als national. Daneben existierten natürlich stets Parlamente in übernommenen und umgebauten Palästen aus vorrevolutionärer Zeit.
In Wien orientiert sich der Reichsrat an der griechischen Antike. In Budapest dagegen, der zweiten Hauptstadt der Doppelmonarchie, zitiert man die Gotik. Dies als Bezug zur alten Reichsgeschichte sowie im deutlichen Gegensatz zum Wiener Parlament. Kuppeln als ein Merkmal von Parlamentsbauten, gehen auf das 1793 begonnene Capitol in Washinton DC zurück. In diesem Umfeld sind auch die Parlamente in der Schweiz zu sehen, die überdies auch keine Kriegsschäden erlitten haben.
Bild: Archiv Martin Fröhlich (Postkarte)