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Jazz ist für Diana Krall (53) absolute Freiheit: Im Interview verrät die kanadische Jazz-Pianistin und Sängerin, dass sie bereits nach ein paar Akkorden woanders ist.
Was bedeutet Ihnen das neue Album «Turn Up The Quiet»?
Es bedeutet mir wahnsinnig viel. Ich will klarstellen, dass das Album auf keinen Fall traurig ist, sondern fröhlich und relaxed.
Bezieht sich der Titel auf ihren Produzenten Tommy LiPuma, der kurz vor der Veröffentlichung der Platte gestorben ist?
Es ist sehr traurig. Tommy LiPuma starb unerwartet. Ich habe lange mit ihm zusammengearbeitet und es ist sehr schwierig, damit umzugehen. Etwas vom Letzten, das er zu mir gesagt hat, war: «Du hast ein schönes Album gemacht». Manchmal fühle ich seine Anwesenheit. Es fühlt sich gut an, selbst wenn ich nicht weiss, woher das kommt.
«Jazz ist die einzige Musikrichtung, bei der man einen Song immer wieder neu erfinden kann.»
1996 haben Sie das Album «All For You» dem Nat King Cole Trio gewidmet. Beeinflusst Sie Nat King Cole noch immer?
Klar! Nat King Cole ist immer in meiner Musik. Ich bin ein riesen Fan.
In den 1920er Jahren hat man mit dem sogenannten Stride-Piano improvisiert. Sie benutzen beim Song «LOVE» diese alte Technik. Wieso?
Das ist eine gute Frage. (lacht) Das war keine Absicht. Ich habe die Version von Ray Brown und Jimmy Rowles gehört. Die beiden haben einen grossen Einfluss auf mich. Vielleicht hat es damit zu tun?
Wie viele Takes brauchen Sie, um Songs aufzunehmen?
Nach höchstens fünf Takes verliert es irgendwie die Stimmung. Dann denke ich darüber nach und versuche es an einem anderen Tag nochmals. Oft muss ich auch einfach sagen: «It’s not happening». Vielleicht ist es nichts für mich. Das passiert und ist absolut normal.
«Selbst wenn ich jeden Abend den gleichen Song spiele, klingt er immer anders. Das ist das Schöne am Jazz.»
Was löst Jazz-Musik in Ihnen aus?
Freiheit. Jazz ist die einzige Musikrichtung, bei der man einen Song immer wieder neu erfinden kann.
Haben Sie sich deshalb dazu entschieden, Jazz – und nicht Klassik oder Pop – zu spielen?
Genau. Selbst wenn ich den gleichen Song jeden Abend spiele, wird er nie zweimal gleich klingen.
Was empfinden Sie, wenn Sie spielen?
Manche Leute sagen, man soll meditieren. Genau das tue ich, wenn ich Musik mache. Sobald ich ein paar Akkorde gespielt habe, befinde ich mich an einem Ort, an den viele Leute nicht so einfach hinkommen. Ich bin ein Empfänger und weiss oft nicht, woher die Ideen kommen, wenn ich improvisiere. Es ist ein unglaubliches Gefühl von Offenheit.