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Wissenswertes zum Thema Normaldruckglaukom
Der Begriff Glaukom (umgangssprachlich: Grüner Star) umfasst im Sinne eines Sammelbegriffs verschiedene Erkrankungen des Auges, die im weiteren Verlauf zu einer Schädigung der Sehnerven führen. Die primär damit verbundene Ursache ist eine Erhöhung des Augeninnendrucks. Bei einem Normaldruckglaukom hingegen liegt der Druck im Normbereich und ist entsprechend nicht für die Erkrankung verantwortlich.
Was ist Normaldruckglaukom?
Das in früheren Jahren auch als Niederdruckglaukom bezeichnete Normaldruckglaukom weist die gleichen typischen Schädigungen des Sehnervs auf, wie das reguläre Glaukom oder wie beim wie beim primär chronischen Offenwinkelglaukom. Die meist verbreitetste Form des Glaukoms ist das Offenwinkelglaukom. Gleichzeitig fehlt das klassische zentrale Symptom, eine Erhöhung des physikalischen Augendrucks, der auf die Innenwand des Auges wirkt (Augeninnendruck).
Der Augeninnendruck bei einem Normaldruckglaukom befindet sich immer im Normbereich. Das bedeutet, die Patienten haben keinen höheren Augendruckwert als 21 mmHg, haben aber trotzdem einen Glaukomschaden entwickelt.
Dieses Phänomen gilt in der Regel als Hauptrisikofaktor bei der Entstehung eines Glaukoms. Der Grüne Star kann unbehandelt zu einer erheblichen Einschränkung der Sehfähigkeit bzw. des Gesichtsfelds führen, darunter insbesondere die typischen Gesichtsfeldausfälle. Im weiteren Verlauf ist auch eine vollständige Erblindung möglich.
Als Ursache für das Normaldruckglaukom wird eine gefässbedingte Erkrankung des Sehnervs vermutet. Ein eher niedriger Blutdruck und generelle Durchblutungsstörungen sind oftmals damit verbunden. Auch eine erhöhte Empfindlichkeit des Augeninnendrucks ist meist gegeben. Hierbei treten Schädigungen bereits bei Werten auf, die von anderen Personen problemlos toleriert werden. Das Glaukom entsteht allmählich, da die Blutgefässe aufgrund eines konstant zu niedrigen Blutdrucks langfristig nicht genügend durchblutet werden. Davon sind ebenfalls die Sinneszellen der Augen betroffen, die bei einer zu geringen Versorgung mit Nährstoffen sowie Sauerstoff Schaden nehmen.
Risikofaktoren für ein Normaldruckglaukom
Der vorherrschende Risikofaktor für die Entstehung des Normaldruckglaukoms ist eine mangelhafte Durchblutung des Sehnervs. Die Ursachen dafür können sehr unterschiedlicher Natur sein.
Flammer-Syndrom
Beim Flammer-Syndrom besteht eine Fehlregulation bei der Blutversorgung, die mit zahlreichen Symptomen einhergehen kann, darunter:
- niedriger Blutdruck
- häufig kalte Hände sowie Füsse
- geringes Körpergewicht
- eingeschränktes Durstgefühl
- regelmässige Migräne
- Tinnitus
- erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Gerüchen oder Schmerzen
Problematisch ist nicht allein ein zu niedriger Blutdruck, sondern vor allem starke Schwankungen des Blutdrucks. Diese treten häufig nachts in Erscheinung, wobei es hier immer wieder zu einem erheblichen Abfall des Blutdrucks kommen kann.
Schlafapnoe
Bei einer Schlafapnoe erschlafft während des Schlafens die Muskulatur im Bereich der oberen Atemwege. Es entsteht eine Verengung im Rachens, was sich beim Ein- und Ausatmen in Form erheblicher lauter Schnarchgeräusche äussert. Die damit verbundenen Atemaussetzer im Schlaf führen dazu, dass der Körper während dieser Zeiten nur unzureichend mit Sauerstoff versorgt wird.
Metabolisches Syndrom
Beim metabolischen Syndrom kommen vier Faktoren zusammen, die als hoher Risikofaktor unter anderem für Durchblutungsstörungen gelten:
1) starkes Übergewicht (vor allem im Bauchraum)
2) Bluthochdruck
3) Insulinresistenz (beispielsweise in Form von Diabetes mellitus Typ 2)
4) Störung des Fettstoffwechsels
Diagnostik des Normaldruckglaukoms
Bei der Glaukomvorsorge ist die Messung der Hornhautdicke (Pachymetrie) eine präzise Option zur Bestimmung des Augeninnendrucks. Die grösste Problematik beim Normaldruckglaukom besteht darin, dass es während einer regulären Routineuntersuchung oft nicht erkannt wird. Im Kontext der Verdachtsdiagnose Grüner Star ist die Normaldruckvariante zunächst kaum festzustellen, da hier der erhöhte Augeninnendruck nicht gegeben ist.
Bei der Diagnostik untersucht der Arzt den Augenhintergrund mit der Spaltlampe (Ophthalmoskopie). Damit ist eine Betrachtung unter anderem der Papillen (Sehnervenköpfe) und der verschiedenen versorgenden Blutgefässe möglich. Bei Vorliegen eines Normaldruckglaukoms zeigen sich häufig kleine Eindellungen im Bereich des Sehnervkopfes. Auch Einblutungen sowie Ausdünnungen am äusseren Pupillenrand sind typische Phänomene.
Mit einem speziellen Kontaktglas (Gonioskop) lassen sich verschiedene Krankheitsprozesse in den Kammerwinkeln der Augen erkennen, die mit der Glaukomentstehung zusammenhängen.
Liegt der Verdacht des Grünen Stars nahe, gibt eine Gesichtsfeldmessung (Perimetrie) weitere Anhaltspunkte. Präzise Auskunft über das Ausmass einer bestehenden Schädigung bietet die Laserscanning-Fotografie, bei der eine dreidimensionale Darstellung des Sehnervkopfes ermöglicht wird. Das bildgebende Verfahren der optischen Kohärenztomografie (OCT) erlaubt eine sichere Diagnose bereits in einem frühen Krankheitsstadium.
Mit einem Sehtest wird eine eventuelle Beeinträchtigung des Sehvermögens und auch der Sehschärfe geprüft. Bei einem Glaukom sind Schädigungen erst in einem fortgeschritteneren Stadium zu erkennen.
Aufgrund der vorwiegend gefässbedingten Ursachen eines Normaldruckglaukoms wird häufig eine Messung des Blutdrucks über einen Zeitraum von 24 Stunden vorgenommen. Darüber lassen sich sowohl Schwankungen als auch ein insgesamt eher niedriger Blutdruck sehr gut feststellen.
Bei einer Schlafapnoe als Ursache können weitere Untersuchungen sinnvoll sein, darunter Schlaflabor und eine neurologische Abklärung.
Therapie des Normaldruckglaukoms
Der wichtigste Aspekt bei der Behandlung eines Normaldruckglaukoms ist das Verhindern der weiteren Schädigung des Sehnervs. Je nach Schweregrad der Erkrankung und vor dem Hintergrund des individuellen Befunds sind unterschiedliche Therapieoptionen denkbar.
Wesentlich ist eine Regulierung beziehungsweise Optimierung des Blutdrucks auf ein normales Niveau. Hierzu werden meist entsprechende Medikamente verordnet, aber auch eine Lebensstiländerung angestrebt, die ein gesundes körperliches Normalgewicht vorsieht. Stabilisierend wirkt hierbei eine regelmässige gemässigte körperliche Bewegung.
Bei der Ernährung werden sogenannte antioxidative Lebensmittel empfohlen, darunter gesunde pflanzliche Fette, Omega-3-Fette, reichlich Gemüse, Beeren und andere. Ebenso ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr für die Gesunderhaltung des Körpers wichtig sowie das Vermeiden von Stress, der Verzicht auf Nikotin und genügend Schlaf.
Prinzipiell ist eine Zusammenarbeit der unterschiedlichen medizinischen Fachrichtungen für eine erfolgreiche Therapie sinnvoll. Hierbei geht es primär um einen Umgang mit den Ursachen der Erkrankung. Eine Standardbehandlung, die für alle Patienten gleichermassen gilt, gibt es nicht. Begleitend können in Einzelfällen Augentropfen, eine Laserbehandlung oder auch eine Operation vorgeschlagen werden.
Prognose des Krankheitsbildes
Wie bei den meisten Augenkrankheiten ist der Zeitpunkt der Behandlung der wichtigste Indikator für eine gute Prognose. Je früher das Normaldruckglaukom erkannt wird, desto besser sind die Erfolgsaussichten. Es gilt dabei immer die Grunderkrankung zu behandeln, um den weiteren Verlauf günstig zu beeinflussen.
Eine dauerhafte regelmässige ärztliche Kontrolle ist sehr wichtig. Ohne Behandlung kann ansonsten langfristig eine Erblindung die Folge sein. Werden die ursächlichen Erkrankungen erfolgreich behandelt, lässt sich eine weitgehende Beschwerdefreiheit erreichen. Zugrundeliegende Blutdruckprobleme müssen hierzu allerdings dauerhaft reguliert werden. Die Anpassung des persönlichen Lebensstils gilt darüber hinaus als entscheidende vorbeugende Massnahme.
Für eine gründliche Untersuchung beim Verdacht auf Normaldruckglaukom können Sie sehr gerne unsere Augenärzte in Opfikon kontaktieren. Wir haben alle diagnostischen Geräte zur Früherkennung.
Fazit
Das unerkannte und unbehandelte Glaukom zählt zu den häufigsten Ursachen für eine Erblindung. Das Niederdruckglaukom bildet dabei keine Ausnahme. Es wird jedoch häufig nicht bemerkt, weil es nicht das typische Phänomen eines erhöhten Augeninnendrucks aufweist. Bei einer entsprechenden Diagnose ist die Ursachenforschung entscheidend, um auf lange Sicht die gesundheitlichen Weichen sinnvoll stellen zu können. Je früher die Krankheit erkannt wird, desto besser sind die Aussichten für den Erhalt des Sehvermögens.
Quellen
- Timothy L Jackson: Moorfields Manual of Ophthalmology, third edition, Seite 343-344.