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| Ephräm d. Syrer († 373) - Drei Reden über den Glauben

Erste Rede
12.
Der Vater ist vollkommen durch seine Wesenheit [d. h. durch sich selbst], der Erstgeborene durch seine Erzeugung. Der Vater ist vollendet, weil der Sohn vollendet ist; der Erzeugte ist ebenso vollendet wie sein Erzeuger. Die Wurzel ist genau so vollkommen wie die Frucht. Der Baum versagt seiner Frucht den ihm eigenen Wohlgeschmack nicht, ebenso wohnt der Wohlgeschmack der unendlichen Wurzel dem von ihr Erzeugten inne. Wenn aber die Wurzeln ihre Kostbarkeiten ihren Früchten nicht vorenthalten, wie könnte da die gebenedeite Wurzel ihren Reichtum ihrer Frucht vorenthalten? Siehe, der Baum verbirgt in seinem Innern seinen Wohlgeschmack vor allem und jedem, und doch ergießt er ihn in das Innere der Frucht. Hat ihn seine Frucht erhalten, so teilt sie ihn den Essenden mit. Durch die Frucht 1 wurde uns die Süßigkeit gegeben, die in der Wurzel ist. Hätte die Frucht sie nicht erhalten, so hätte niemand zu ihr gelangen können. Die Wurzel teilte sie ihrer Frucht mit, weil sie dieselbe über alles liebt; die Frucht teilte die Süßigkeit den Bedürftigen mit, weil sie dieselben liebt. Wie der Vater seine Frucht liebt, so liebt die Frucht die Essenden. Was die Wurzel birgt, kann durch ihre Frucht gekostet werden.
1: Frucht = der ewige Sohn; Wurzel = der ewige Vater.