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Bis zur Schaffung des neuen Kt. Jura 1978 bezeichnete der Name B. das 1815 mit dem Kt. Bern vereinigte Gebiet des ehemaligen Fürstbistums Basel mit Ausnahme der Stadt Biel. Während das Laufental, das seit 1994 zum Kt. Basel-Landschaft gehört, schon immer als besondere Einheit betrachtet wurde, gelten die drei französischsprachigen südjurass. Bez. La Neuveville, Moutier und Courtelary seit 1978 als B. 2006 beschlossen die Stimmberechtigten des Kt. Bern die Reform der dezentralen kant. Verwaltung. Die neuen Strukturen sollen 2010 in Kraft gesetzt werden: Dabei werden fünf Verwaltungsregionen geschaffen und die bestehenden 26 Bezirke durch zehn Verwaltungskreise ersetzt. Der B. erhält den Status einer gänzlich französischsprachigen Verwaltungsregion und seine drei Bezirke werden gleichzeitig zu einem Verwaltungskreis zusammengefasst.
Der B. zählte 1818 ca. 57'700 Einwohner, 1910 etwa 116'000 und 1970 rund 140'000 Einwohner. Sein demograf. Gewicht im Kt. Bern erreichte 1888 das Maximum von 19% und fiel bis 1970 auf 14% zurück. Die Bevölkerungsentwicklung ist geprägt von einer starken Abwanderung von Jurassiern, die im 19. Jh. durch Zuwanderung aus bern. und anderen schweiz. Gebieten, im 20. Jh. durch Einwanderer aus dem Ausland teilweise kompensiert wurde (1950 3% Ausländer, 1970 14%). Die Umwälzung war weniger stark im Nordjura (1970 66% Jurassier) als im Südjura (1970 38% Jurassier). Der Anteil der Deutschsprachigen in den sechs französischsprachigen Amtsbezirken des B.s (d.h. ohne Laufen), der Ende des 19. Jh. mehr als 20% betragen hatte, fiel bis 1960 auf 16% zurück. In konfessioneller Hinsicht verstärkte sich die ref. Minderheit im 19. Jh.; die konfessionelle Grenze zwischen dem kath. Nordjura und dem ref. Südjura verwischte sich jedoch kaum, trotz des Wachstums der jeweiligen Diasporagemeinden. Der Urbanisierungsgrad blieb bescheiden: 1850 hatten nur elf Gem. mehr als 1'000 Einwohner; 1910 waren es 35 und 1970 39 von 145 Gem., wobei nur deren fünf 5'000-12'000 Einwohner zählten.
|Bezirke (aktuelle Kantonszugehörigkeit)||1818||1831||1850||1870||1888||1910||1930||1950||1970||2000|
|Courtelary (BE)||10'414||11'706||16'406||22'702||27'003||26'745||24'381||23'435||26'442||22'119|
|Delsberg (JU)||9'441||10'021||12'320||13'018||13'935||17'925||18'592||20'796||27'549||34'484|
|Freiberge (JU)||7'152||7'332||8'974||10'789||10'750||10'614||8'753||8'496||8'303||9'769|
|Laufen (BL)||4'056||5'077||5'203||5'677||5'985||8'383||9'137||10'585||14'033||17'182|
|Moutier (BE)||8'088||8'512||10'988||13'772||15'933||23'017||24'050||26'701||31'909||23'224|
|La Neuveville (BE)||2'659||3'140||3'837||4'412||4'473||4'237||4'503||4'536||5'756||6'065|
|Pruntrut (JU)||15'785||16'856||20'565||23'988||25'419||25'611||23'679||25'212||26'135||23'971|
Autorin/Autor: François Kohler / AZ
Gemäss der Vereinigungsurkunde von 1815 stand der B. im gleichen Abhängigkeitsverhältnis zum patriz. Stadtstaat Bern wie die übrige Berner Landschaft. Er behielt aber das Steuersystem aus der Zeit der franz. Herrschaft bei, in welchem die Grundsteuer an die Stelle der Feudalabgaben getreten war. Während der Restauration war der B. (dt. Leberberg) in fünf Oberämter (leberberg. Ämter) unterteilt, die nach 1831 in Amtsbezirke umgewandelt wurden: Pruntrut, Delsberg (mit Laufen), Freiberge, Moutier und Courtelary; La Neuveville und das Plateau de Diesse (Tessenberg) waren in das Oberamt Erlach integriert. Die liberale Verfassung von 1831, welche das Französische als Volkssprache anerkannte, und die radikale Verfassung von 1846, welche die besondere Rechtsstellung des B.s beibehielt (Grundsteuer, teilweise franz. Gesetzgebung, öffentl. Fürsorge), wurden von den Jurassiern deutlich gutgeheissen. Umso klarer verwarfen sie die Kantonsverfassung von 1893 sowie das Armen- und Niederlassungsgesetz von 1897, die dem rechtl., steuerl. und sozialpolit. Sonderstatus des B.s ein Ende setzten. 1848-90 bildete der B. gesamthaft einen eidg. Wahlkreis, danach bis 1918 die zwei Wahlkreise Südjura (Amtsbez. Courtelary, Freiberge, Moutier, La Neuveville) und Nordjura (Delsberg, Laufen, Pruntrut). Mit der Einführung des Proporzes auf eidg. Ebene (1919) wurde der Kt. Bern zu einem einzigen Wahlkreis; die Parteien präsentierten aber ihre Kandidaten für den alten Kantonsteil und für den B. in der Regel auf getrennten Listen und mit separaten Listenverbindungen.
1846 wurde der B. in sieben Amtsbezirke unterteilt (Courtelary, Delsberg, Freiberge, Laufen, Moutier, La Neuveville, Pruntrut), die zusammen 147 Gem. umfassten (ab 1882 146, ab 1952 145). Die Vereinigungsurkunde von 1815 hatte die franz. Gemeindeorganisation abgeschafft und die Bürgergemeinde wieder eingeführt, die zwischen Gemeindebürgern und Einwohnern unterschied. Die Verfassung von 1831 und das Gemeindegesetz von 1833 schufen die polit. Gemeinde, beliessen aber die Bürgergemeinde in ihren angestammten Besitzrechten. In den 1860er Jahren fand die Ausscheidung der Gemeindegüter statt. In den ländl. Gebieten wurde die Commune mixte (Gemischte Gemeinde) geschaffen: Ein einzige Behörde, der Gemeinderat, stand der polit. Gemeinde vor und verwaltete zugleich das Bürgergut. 1869 zählte man 79 Communes mixtes und 68 polit. Gemeinden, überdies 75 Bürgergemeinden oder bürgerl. Abteilungen in den Gemeinden. Abgesehen von einigen lokalen Verschiebungen hat sich diese Struktur bis in die Gegenwart erhalten.
Autorin/Autor: François Kohler / AZ
Im 19. Jh. orientierten sich die Bürger bei der polit. Meinungsbildung weniger an Parteien als an einzelnen Männern und Presseorganen: Xavier Stockmar und "L'Helvétie" verkörperten den Liberalismus der 1830er Jahre, Joseph Trouillat mit "Le Réveil du Jura" (1860) und Ernest Daucourt mit Le Pays (1873) in herausragender Weise den kath. Konservatismus. "Le Jura bernois" (1867) von Saint-Imier und Le Démocrate (1877) von Delsberg waren die Wortführer der Association populaire jurassienne, der Vorgängerin der FDP. Die Beziehungen zwischen Kirche und Staat standen im Zentrum der Auseinandersetzungen zwischen den liberal-radikalen "Roten" und den konservativen "Schwarzen". 1877 wurde die Kath.-konservative Partei gegründet, die 1971 zur jurass. CVP wurde. Die z.Z. der I. Internationalen ins Leben gerufene Fédération jurassienne und später der Aufschwung der Gewerkschaftsbewegung in der Uhrenindustrie begünstigten im frühen 20. Jh. die Entstehung der SP. Die 1919 gegründete bern. BGB gewann Anhänger aus den ländl. Gebieten des B.s. Mit der Einführung des Proporzes stabilisierten sich die polit. Kräfteverhältnisse: Die Liberalradikalen, die sich recht gleichmässig auf alle Gegenden verteilten, und die Konservativen, die im kath. Teil des B.s dominierten, vereinigten je einen Drittel der Wählerschaft auf sich. Die Sozialdemokraten kamen, ausser in den 1930er Jahren, auf knapp einen Viertel der Stimmen, während die BGB bei 10% verharrte. Diese vier Parteien widerstanden mit Erfolg neuen polit. Kräften: 1957 den unabhängigen Christlichsozialen (PCSI), 1967 dem kommunist. Parti ouvrier populaire (POP). Die Sozialisten und Freisinnigen waren in der Jurafrage allerdings tief gespalten. Die Stabilität des Parteiengefüges kontrastierte überdies stark mit der progressiven Haltung der Jurassier bei Volksabstimmungen.
Autorin/Autor: François Kohler / AZ
Um 1815 war der B. eine vorwiegend ländl. Region. In der Berglandschaft des Juras wandten sich die Bauern vorwiegend der Viehzucht und Milchwirtschaft zu. Der Tête-de-moine, eine Käsespezialität, und das Freiberger Pferd wurden zu deren sinnbildl. Produkten. Von der Mitte des 19. Jh. an entwickelte sich auch die landwirtschaftl. Genossenschaftsbewegung. Die bäuerl. Berufsbildung wurde gefördert durch die 1897 in Pruntrut eröffnete Kant. Landwirtschaftsschule, die 1927 nach Courtemelon (Gem. Courtételle) verlegt wurde.
Die Eisenindustrie, die in der Nachfolge der fürstbischöfl. Schmiedewerkstätten entstanden war, erlebte 1850-60 eine Blütezeit (sechs Hochöfen), der ein rascher Niedergang folgte. Um 1880 kaufte die Von Roll die in den Ruin geratenen Unternehmen auf. Sie konzentrierte in der Folge ihre Produktion in zwei Giessereien - Choindez (Gem. Courrendlin) und Les Rondez (Gem. Delsberg) - und gab 1926 den Erzabbau auf. Im 19. Jh. beherrschte die Uhrenindustrie die Wirtschaft des B.s.: Nach einem allmähl. Wachstum im Rahmen des Verlagssystems im Tal von Saint-Imier, in den Freibergen und in der Ajoie entstanden im Zuge der industriellen Revolution in den Tälern mit Bahnanschluss Uhrenfabriken, welche Arbeitskräfte anzogen: Dem Heimarbeiter folgte der Fabrikarbeiter. Die Longines in Saint-Imier (1866) und die Tavannes Watch Co. (1891) haben eine ausserordentl. Grösse erreicht in einer Industrielandschaft, in welcher ansonsten kleine und mittlere Betriebe vorherrschen, die Uhren, Zifferblätter, Halbedelsteine oder Uhrenschalen herstellen. In Moutier liessen sich im Gefolge der Uhrenindustrie um 1880 Unternehmen nieder, die Präzisionsmaschinen fabrizieren und im 20. Jh., trotz einiger Krisen, im grossen und ganzen florierten: Tornos, Bechler (Tornos-Bechler) und Pétermann. In der Ajoie fanden die Tabakfabrik Burrus in Boncourt, später die Wirk- und Strickwaren- sowie die Schuhindustrie in Pruntrut und Umgebung einen Platz neben der dominierenden Uhrenindustrie. Die Messerfabrik Wenger in Delsberg und die Fahrradfabrik Condor in Courfaivre wurden 1893 gegründet. Das Laufental wandte sich der Papier-, Zement- und Keramikindustrie zu. 1970 waren 9% der im B. Erwerbstätigen im 1. Sektor, 66% im 2. und 25% im 3. Sektor beschäftigt.
Die Topografie des B.s erschwerte sowohl den Verkehr innerhalb der Region wie auch den Transit. Um 1815 hoben sich im Strassennetz zwei Hauptachsen ab: Basel-Biel, durch das Birstal und die Pierre Pertuis, sowie Tavannes-Pruntrut über Les Rangiers. Im Zeitalter des Eisenbahnbaus blieb der B. abseits der neuen Linien. Nach der Annexion des Elsasses und Lothringens durch Deutschland, welche die Verbindung Basel-Paris unterbrach, wurden dank des Einsatzes jurass. Notablen und lokaler Behörden 1872-77 die Linien Delle-Pruntrut-Delsberg, Biel-Basel (durch das Vallée de Tavannes) und Sonceboz-Les Convers erstellt. Die Blüte der Uhrenindustrie förderte den Bau regionaler, privater Bahnlinien (1884-1913), die sich 1945 zur Compagnie des chemins de fer du Jura (CJ) zusammenschlossen. 1908 wurden Moutier und Solothurn durch die Bahn verbunden. Der 1916 eröffnete Tunnel zwischen Moutier und Grenchen lag auf der Achse Paris-Mailand durch den Lötschberg- und den Simplontunnel (Jura-Simplon-Bahn). Er verlor indes seine Bedeutung, nachdem das Elsass wieder zu Frankreich gekommen war. Mit dem Aufkommen des Automobilverkehrs rückten die Strassenverbindungen vermehrt ins Interesse. Von den 1960er Jahren an war der Bau einer Autobahn von Boncourt nach Oensingen (Transjurane), welche das schweiz. und das franz. Autobahnnetz verbinden würde, eine ständige Forderung der Jurassier. Die 1984 in das Nationalstrassennetz aufgenommene A16 von Biel nach Boncourt ist auch zu einer Interjurane geworden. Der Bau dieser Autobahn wurde 1989 begonnen; 2002 waren die Teilstücke zwischen Biel und Tavannes bzw. Delsberg und Pruntrut fertig gestellt.
Im Zuge der verkehrsmässigen Entwicklung bildeten sich auch zwei Vereinigungen, die sich die Wahrung regionaler Interessen zum Ziel setzten: Die 1903 ins Leben gerufene Société jurassienne de développement (seit 1938 Pro Jura) machte es sich zur Aufgabe, Touristen aus der übrigen Schweiz und aus dem Ausland anzulocken. Die 1925 gegr. Association de défense des intérêts du Jura (ADIJ) beschäftigt sich v.a. mit Verkehrsfragen sowie wirtschaftl. und sozialen Problemen.
Autorin/Autor: François Kohler / AZ
Seit dem ausgehenden 19. Jh. ist die bäuerl. Bevölkerung allmählich einer Gesellschaft gewichen, in welcher die Arbeitnehmerschaft einer stark dezentralisierten Industrie überwiegt. Die verstreut lebende Arbeiterschaft vermochte indes die örtl. und regionale Vorherrschaft des Kleinbürgertums nie in Frage zu stellen. Diesen Sachverhalt widerspiegelte die jurass. Delegation im bern. Grossen Rat, die sich 1922-74 zu drei Vierteln aus Selbstständigen und nur zu einem Viertel aus Angestellten zusammensetzte. Die Uhren- und die Metallarbeiter organisierten sich 1886 bzw. um 1900 in Gewerkschaften, die sich 1915 zum Smuv zusammenschlossen. Dieser bildete die grosse Mehrheit im jurass. Gewerkschaftskartell, das seit 1930 die regionalen Sektionen des SGB vereint. Die Mitgliederzahl stieg von 6'700 um 1917 auf über 15'000 im Jahr 1963. Die christl. Gewerkschaftsbewegung blieb selbst in den kath. Bezirken sehr bescheiden.
Von der Mitte des 19. Jh. an entwickelte sich das Vereinsleben in zwei Richtungen: In den Dörfern beschränkte es sich auf Musik-, Gesangs- und Schützenvereine, in den städt. Zentren gesellten sich im letzten Viertel des 19. Jh. Fürsorge-, Berufs-, Sport- und philanthrop. Vereine hinzu. Daneben wurden auch einige grosse Gesellschaften gegründet wie 1847 die Société jurassienne d'émulation und im frühen 20. Jh. die Société jurassienne de développement und die ADIJ.
Autorin/Autor: François Kohler / AZ
Die Vereinigungsurkunde von 1815 erlaubte der kath. und der prot. Konfession die Religionsausübung in den Gemeinden, die sich zur jeweiligen Konfession bekannten; die Wiedertäufer wurden toleriert. Die evang.-ref. Pfarreien, die in napoleon. Zeit von den vier Konsistorialkirchen abhängig gewesen waren, wurden in die bern. Landeskirche integriert, wobei die Pfarrer des B.s ein besonderes Kapitel bildeten. Der kath. Teil, der unter franz. Herrschaft der Diözese Strassburg angegliedert worden war, wurde wieder dem 1828 reorganisierten Bistum Basel angeschlossen. Die Kantonsverfassung von 1831 gewährte die Glaubensfreiheit; die Verfassung von 1846 garantierte die freie Religionsausübung und anerkannte die evang.-ref. und die kath. Kirche als Landeskirchen. Im Febr. 1836 verabschiedete der bern. Gr. Rat die Badener Artikel, welche das Verhältnis von Kirche und Staat regeln sollten. Dies erhitzte die Gemüter im kath. Teil des B.s., und unter franz. Druck musste der Gr. Rat seinen Beschluss wieder zurücknehmen. Der Gegensatz zwischen den kath. Gebieten des B.s und der Berner Regierung kulminierte im Kulturkampf. Die Absetzung des aus dem Jura stammenden Basler Bf. Eugène Lachat, die Unterdrückungsmassnahmen gegen den mit Lachat solidar. Klerus sowie das kant. Kirchengesetz von 1874, das die Bildung christkath. Gemeinden vorsah, riefen den Widerstand der kath. Jurassier hervor, die sich direkt an den Bund wandten. Die Lage beruhigte sich 1878, doch bedurfte es eines halben Jahrhunderts, bis alle Nachwehen des Kulturkampfes verebbt waren. Das bern. Kirchengesetz von 1945 wurde dank der massiven Zustimmung der Jurassier knapp angenommen. Seit dem 2. Weltkrieg haben sich im Rahmen der ökumen. Bewegung die Evang.-ref. Synode des Juras und die kath. Kirche angenähert; beide sind in Hilfswerken, in kulturellen und geistl. Belangen aktiv (ref. Centre de Sornetan, kath. Centre Saint-François in Delsberg).
Autorin/Autor: François Kohler / AZ
Die Vereinigungsurkunde von 1815 unterstellte die nur vom Nov.-April geöffneten Dorfschulen sowie die zwei Sekundarschulen in Pruntrut und Delsberg (1812 gegr.) wiederum den kirchl. Behörden. Gemäss der liberalen Verfassung von 1831 wurde das Schulwesen Sache des Staats, der es namentlich mit dem Primarschulgesetz von 1835, dem Unterrichts- und Sekundarschulgesetz von 1856 sowie dem Primarschulgesetz von 1894 regelte. In der Gesetzgebung prallten Verfechter des Laienunterrichts und konfessioneller Schulen aufeinander, so in der Frage nach der Stellung der Lehrerseminare in Pruntrut (1837) und Delsberg (1846), der Kantonsschule in Pruntrut (1858) sowie in der Frage der Lehrschwestern (1849, 1867-68). Im 19. Jh. standen den Kindern der deutschschweiz. Zuzüger rund 70 öffentl. und private deutschsprachige Schulen offen, 1968, infolge der Anwendung des Territorialitätsprinzips auf die Sprachen, noch deren sechs. Der im 20. Jh. eingekehrte Schulfrieden erlaubte eine selbstständige Organisation der französischsprachigen Schulen. Seit 1847 findet sich die literar., wiss. und künstler. Elite des Juras in der Société jurassienne d'Emulation zusammen. Das 1950 gegründete Institut jurassien des sciences, des lettres et des arts vereint Schriftsteller, Künstler sowie Universitätsprofessoren, und die 1957 eröffnete Volkshochschule bietet an versch. Orten zahlreiche Kurse im Sinne einer ständigen Weiterbildung an.
Autorin/Autor: François Kohler / AZ
Seit dem 19. Jh. versteht man unter der "Jurafrage" das Minoritätenproblem, das sich aus der "Vereinigung" des ehemaligen Fürstbistums Basel mit dem Kt. Bern und aus der daraus erwachsenen polit. Abhängigkeit des jurass. Volkes ergeben hat. Diese in einer föderalist. Schweiz paradoxe Situation hätte nur Bestand haben können, wenn sich die jurass. Minderheit nicht drangsaliert oder gar in ihrer Existenz bedroht gefühlt hätte. Vorerst wurde der Anschluss an Bern wohl oder übel akzeptiert. Das Begehren nach einer Loslösung tauchte im 19. Jh. erst da und dort auf. Neuen Auftrieb erhielt es infolge der Germanisierungsversuche zu Beginn des 20. Jh. Gegen Ende des 1. Weltkriegs wurde die Jurafrage von einer Handvoll Intellektueller aufgeworfen, welche die Schaffung eines Kt. Jura befürworteten. Dies hatte eine starke antiseparatist. Reaktion zur Folge, und dem separatist. Komitee von 1917 ging bald der Atem aus. In der Zwischenkriegszeit mit ihrer demograf. und wirtschaftl. Krise verstärkte sich der Eindruck, dass die Berner Regierung die jurass. Interessen nicht angemessen wahrnehme. Dichter, Historiker und Literaten verspürten zudem das Bedürfnis, ihre auf der Sprache und Geschichte beruhende Identität zu festigen. Die Exponenten des liberalen Bürgertums - Professoren, Magistraten, Beamte, Unternehmer und Politiker - fanden sich in der Société d'Emulation, der Pro Jura und der ADIJ zusammen, die wesentlich zur Ausformung der jurass. Identität beitrugen. Diese drei grossen Vereinigungen haben denn auch im Juni 1943 die jurass. Forderungen, das "jurass. Malaise", der Berner Regierung vorgebracht und 1947 das Komitee von Moutier präsidiert, ehe sie vom Mouvement séparatiste jurassien, der Organisation einer neuen Generation, verdrängt wurden.
Infolge der Moeckli-Affäre im Sept. 1947 gewann der Jurakonflikt erheblich an Dynamik: Der bern. Grosse Rat verweigerte dem aus dem Jura stammenden Regierungsrat Georges Moeckli das Baudepartement unter dem Vorwand, er sei frankophon. Tatsächlich konstituierte sich das Komitee von Moutier infolge dieses Zwischenfalls und der heftigen Proteste, die er im Jura auslöste. Ziel des Komitees war es zuerst, in Form eines föderalist. und auf zwei Kammern aufgebauten Systems eine weitgehende Autonomie innerhalb des Kt. Bern zu erhalten. Da die bern. Kantonsregierung jede Infragestellung der kant. Einheit ablehnte, gab das Komitee seine Autonomieforderung vorderhand auf und begnügte sich mit einem Kompromiss. Dieser sah eine verfassungsmässige Anerkennung des jurass. Volkes vor und wurde in der Volksabstimmung vom 29.10.1950 angenommen.
Diese Massnahme wurde von den militanten Separatisten als ungenügend erachtet. Sie machten sich die alte Doktrin des Komitees von Moutier zu eigen und formierten sich zum Mouvement Séparatiste Jurassien. 1951 wandelte sich dieses, angetrieben von den zwei Führerfiguren Roland Béguelin und Roger Schaffter, in das Rassemblement jurassien (RJ) um. Kurz nach der Auflösung des Komitees von Moutier (13.11.1952) gründeten die antiseparatist. Kräfte die Union des Patriotes Jurassiens (UPJ). Im Konflikt mit den Antiseparatisten führte das RJ in den 1950er Jahren v.a. hist. Argumente an, indem es die mehrhundertjährige Unabhängigkeit betonte, die der Jura seiner Ansicht nach erst 1792 verloren habe. Für ihre Rivalin, die UPJ, stellte dagegen die Wirtschaft das Haupthindernis einer Verselbstständigung des Juras dar. Im Sept. 1957 lancierte das RJ eine kant. Initiative, die zum Ziel hatte, die Einstellung der Jurassier zur Gründung eines Kt. Jura zu erfahren. Die Initiative gelangte am 5.7.1959 zur Abstimmung; im alten Kantonsteil wurde sie massiv verworfen, und im B. ergab sich eine knappe Mehrheit von 52% der Stimmenden für die Beibehaltung des Status quo. Für das RJ bedeutete dieses Ergebnis einen Misserfolg, v.a. weil es die These von der "Einheit des jurass. Volkes" widerlegte. Tatsächlich hatten nämlich die drei französischsprachigen und kath. Amtsbezirke des Nordjuras die Initiative sehr deutlich angenommen, während sich in den drei französischsprachigen und ref. Amtsbezirken des Südjuras ebenso wie im deutschsprachigen und kath. Laufental bequeme loyalist. Mehrheiten ergeben hatten. Diese Abstimmung bewog das RJ zu einer schrittweisen Reorientierung seiner Politik. Diese stützte sich in der Folge auf ein "ethnisches" Konzept, das mehr Gewicht auf die sprachl. Argumentation als auf die historische legte. Dies erlaubte dem RJ, das Ergebnis der Abstimmung als Folge der Zuwanderung deutschschweiz. Bevölkerungsgruppen zu interpretieren und anzufechten. Ausserdem wurde der Anspruch auf den deutschsprachigen Amtsbez. Laufen aufgegeben.
Autorin/Autor: Bernard Voutat / AZ
In den 1960er Jahren verschärfte sich die Tonart. Das RJ reorganisierte sich und verstärkte seine Präsenz. Die im Dez. 1963 gegründete Jugendorganisation Bélier wurde zur Speerspitze in der Auseinandersetzung. Der Front de libération jurassien (FLJ) übernahm die Verantwortung für versch. Anschläge, und 1964 wurde Bundesrat Paul Chaudet in Les Rangiers von mehreren tausend Separatisten niedergeschrien. Trotz Kompromissversuchen blieben die Fronten klar abgegrenzt, umso mehr, als die Berner Regierung am Prinzip der kant. Einheit festhielt. 1967 wich sie jedoch von diesem Grundsatz ab und schlug einen Massnahmenplan vor, der letztlich zur kant. Abstimmung vom 1.3.1970 führte. In dieser wurde einem Verfassungszusatz zugestimmt, der ein Verfahren für das Selbstbestimmungsrecht im B. festlegte. Das von einer eidg. "Kommission der Guten Dienste" (den vier bzw. später fünf "Weisen") angeregte Verfahren sah eine Folge von drei Abstimmungen über eine Trennung vor: zuerst im gesamten B., dann in den Amtsbezirken, in denen die Trennung abgelehnt worden war und schliesslich in den Gemeinden, die an den Grenzen zwischen den ablehnenden und den befürwortenden Amtsbezirken lagen. Die UPJ, die auf die antiseparatist. Mehrheit bei der Abstimmung von 1959 verwies, übertrug dem RJ im Voraus die Verantwortung für ein Auseinanderfallen des Berner Juras. Das RJ befürwortete zwar grundsätzlich einen Volksentscheid über die Selbstbestimmung des B.s, focht aber die Verfahrensweise an. Im Sommer 1969 bildeten auf den Ausgleich bedachte Kräfte das Mouvement pour l'Unité du Jura (MUJ). Diese "Dritte Kraft" suchte ein Auseinanderbrechen des B.s infolge der drei Abstimmungen zu verhindern und setzte sich für ein Autonomiestatut ein. Diese Hoffnung erfüllte sich indes nicht; das vom Berner Kantonsparlament 1973 verabschiedete Jurastatut entsprach nicht einmal annähernd den Vorstellungen des MUJ über eine Selbstverwaltung. Der Berner Gr. Rat setzte das erste Juraplebiszit auf den 23.6.1974 fest. Trotz seiner Drohungen, dem Urnengang fernzubleiben, stürzte sich das RJ in den Abstimmungskampf. Entgegen allen Erwartungen brachte die erste Abstimmung eine knappe Mehrheit für die Loslösung; sie bestätigte aber auch im Wesentlichen die 1959 festgestellte innerjurass. Gespaltenheit (36'802 Ja, 34'057 Nein, 1'726 leer). Die antiseparatist. Bewegung wurde durch Tausende von Frauen im Groupement féminin de Force démocratique und durch die Jugendgruppe Sanglier verstärkt. In der zweiten Abstimmung vom 16.3.1975 bekräftigten die drei südjurass. Amtsbezirke ihre Zugehörigkeit zum Kt. Bern. Am 7. und 14.9.1975 brachte schliesslich die dritte Abstimmung Klarheit über den Verlauf der zukünftigen Kantonsgrenze. Dabei blieben die Antiseparatisten in der Gem. Moutier knapp erfolgreich. Der Amtsbez. Laufen stimmte am 14.9.1975 für einen Verbleib beim Kt. Bern, hielt sich aber die Option offen, sich einem andern Kanton anzuschliessen.
Die Zeit der Plebiszite war von sehr starken Spannungen zwischen den beiden Lagern gekennzeichnet. Der Misserfolg der "Dritten Kraft", die sich für eine Stimmenthaltung am 23.6.1974 eingesetzt hatte, ging einher mit einer Radikalisierung im antiseparatist. Lager. Dieses schritt zu einer zuvor nicht gesehenen Mobilisierung seiner Anhänger und zur Schaffung einer eigentl. Kampforganisation (Force Démocratique). Das RJ wiederum strich seinen Sieg in der ersten Abstimmung heraus und focht die beiden folgenden Urnengänge an. Zweifellos stellte diese Phase eine Zäsur in der Jurafrage dar: Die hist. Einheit zerfiel in drei Teile. Im Nordjura wurde ein Verfassungsrat gewählt, der sich daran machte, dem neuen Kt. Jura eine institutionelle Basis zu geben. Am 24.9.1978 wurde der Geburt des neuen Kt. Jura in einer eidg. Volksabstimmung zugestimmt. In der Folge büsste das RJ seine Vormachtstellung allmählich zugunsten der traditionellen Parteien ein. Es hielt jedoch hinsichtlich einer Politik der Wiedervereinigung den Druck auf die Behörden des Kt. Jura aufrecht. Im Südjura blieben die Spannungen bis in die frühen 1980er Jahre bestehen, danach normalisierte sich die polit. Lage. Der Konflikt zwischen den Separatisten und Antiseparatisten verlagerte sich auf die kommunale Ebene, wo z.B. 1982 in Moutier die Antiseparatisten ihre Mehrheit einbüssten.
Der Amtsbez. Laufen lehnte 1983 in einer Volksabstimmung den Anschluss an den benachbarten Kt. Basel-Landschaft ab. Die Berner Behörden wurden in der Folge jedoch angeklagt, den antiseparatist. Abstimmungskampf finanziell unterstützt zu haben. Das Bundesgericht bestätigte die Rechtmässigkeit der Urnengänge im Südjura, erklärte aber die Abstimmung im Amtsbezirk Laufen für ungültig. Am 12.11.1989 entschieden sich die Laufentaler schliesslich für den Anschluss an Baselland. Durch diese Ereignisse gewann die Jurafrage wieder an Brisanz und der Bundesrat setzte unter dem Vorsitz von Sigmund Widmer eine Konsultativkommission (Kommission Widmer) unter Beteiligung der Kt. Bern und Jura ein. In ihrem Bericht vom 31.3.1993 plädierte diese für eine Fortsetzung des Dialogs und skizzierte in groben Zügen das Verfahren für eine allfällige Wiedervereinigung. Er wurde im Kt. Jura begrüsst, stiess jedoch in bern. und antiseparatist. Kreisen auf heftige Ablehnung. Des von neuen Gewaltakten geprägten Klimas überdrüssig, unterzeichneten die Behörden der Kt. Bern und Jura sowie der Bundesrat am 25.3.1994 eine durch die Vermittlung des Bundesrats zustande gekommene Übereinkunft. Gemäss dieser sollte eine polit. Lösung des Jurakonflikts angestrebt und der Dialog in einer interjurass. Versammlung (Assemblée interjurassienne) wieder aufgenommen werden. Dieses Gremium - 1995-96 von alt Bundesrat René Felber, 1996-2002 vom liberalen Waadtländer alt Staatsrat Jean-François Leuba und seit 2002 vom freisinnigen Walliser alt Staatsrat Serge Sierro präsidiert - schuf die Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit zwischen den bei Bern verbliebenen südjurass. Amtsbezirken und dem Kt. Jura. Der Berner Regierungsrat räumte damit erstmals gemeinsame Interessen zwischen Kt. Jura und bern. Südjura ein. Die Regierung des Kt. Jura akzeptierte ihrerseits den Verbleib der südjurass. Amtsbezirke beim Kt. Bern (entsprechend den diesbezügl. Bestimmungen in der Berner Verfassung). Separatist. Kreise kritisierten das Abkommen scharf. Sie stuften es als Rückschritt gegenüber dem "Widmer-Bericht" ein und verurteilten den Kt. Jura für seinen Verzicht auf eine Wiedervereinigungspolitik und der damit verbundenen Anerkennung der drei Juraplebiszite der 1970er Jahre. Gegenwärtig steht die Jurafrage somit in einer Phase, in welcher die beiden Parteien über die polit. Folgen der Spaltung des ehemaligen B.s verhandeln - auch auf die Gefahr hin, dass sie diese wiederum in Frage stellen.
Autorin/Autor: Bernard Voutat / AZ
Mit der Bildung des Kt. Jura wurde der B. anfangs 1979 auf die Amtsbez. Courtelary, Moutier und La Neuveville reduziert. Diese zählten 1970 noch 58'601 (heutiger Umfang), 1980 51'593, 1990 51'128, 2000 51'438 Einwohner (insgesamt 5,4% der Kantonsbevölkerung, 82,3% davon französischsprachig, 10,8% deutschsprachig, 54% ref. und 28,7% kath.). Der gleichfalls bernisch gebliebene Amtsbez. Laufen wurde ab 1979 wegen seiner Lage als Exklave nicht mehr als Teil des B.s bezeichnet. Die Gebietsreduktion hatte auch die Verringerung der dem B. zustehenden Regierungsratssitze von zwei auf einen zur Folge.
Schon vor der Konstituierung des Kt. Jura waren regionale Strukturen für den neuen B. gebildet worden: 1977 entstand die Fédération des communes du Jura bernois (FJB). 1978 erhielt der B. in Verfassung und Gesetz des Kt. Bern besondere Mitwirkungsrechte, deren öffentlich-rechtliche Trägerschaft die FJB wurde. Sie umfasste alle 50 Gemeinden des B.s sowie für sprachl. und kulturelle Fragen auch die französischsprachige Bevölkerung des Amtsbez. Biel. Sie besass einerseits in der Rechtsetzung und bei Wahlen, soweit sie die Region besonders betrafen, Anhörungs- und Vorschlagskompetenzen gegenüber den kant. Behörden. Andererseits konnte sie im Einverständnis mit den Gemeinden Funktionen der regionalen Zusammenarbeit übernehmen. Ihre Organe waren eine Art Regionalparlament (vom Volk gewählte oder von den Gemeinderäten bestimmte Abgeordnete, dazu die Grossräte der zugehörigen Amtsbezirke, aus Biel nur die französischsprachigen) sowie ein von diesem gewählter Vorstand. Die für den Kt. Bern neuartigen regionalen Sonderrechte sollten die Integration des B.s, der durch die neue Kantonsgrenze noch mehr in eine Randlage gedrängt worden war, besser gewährleisten.
Das Fortbestehen einer starken und aktiven separatist. Minderheit sowie die überwiegend defensive Haltung der Mehrheit behinderten aber sowohl die Integration wie auch die Ausbildung eines auf den B. bezogenen Regionalbewusstseins. Immerhin unterblieben nach 1980 ernsthafte Zusammenstösse. Antiseparatisten und Separatisten blieben in den Lagern der Force démocratique bzw. der dem RJ affiliierten Unité jurassienne organisiert. Die Antiseparatisten fanden sich zudem in der SVP, FDP und SP zusammen, die Separatisten in der CVP, im Parti libéral jurassien (PLJ) und im Parti socialiste autonome (PSA). Bei den bern. Grossratswahlen von 1982-2002 erzielten im B. die antiseparatist. Parteien neun Sitze, die separatistischen, deren Wähleranteil sich auf 21-29% beschränkte, nur drei Sitze. In der Abgeordnetenversammlung der FJB waren die Separatisten untervertreten; in den Vorstand gelangten sie nie. Im Allgemeinen büssten sie an Stärke leicht ein, in einzelnen Gemeinden aber (so in Moutier) gewannen sie die Mehrheit.
Das Unvermögen der FJB, unterschiedl. Interessen (wirksame Regionalpolitik, Integration in den Kanton, Wahrung der Gemeindeautonomie) allseits befriedigend zu verbinden, gab Anlass zu Reformen der gesetzl. Strukturen. Ein erster Versuch von 1987, der die Gemeinden und damit die konservativen Kräfte stärkte, führte zum Boykott der Regionalorganisation durch die Separatisten. Die Berner Verfassung von 1993 garantiert den Sonderstatus des B.s. 1994 wurden die zuvor verbundenen Funktionen - Mitwirkung im Kanton und Zusammenarbeit in der Region - getrennt: Ein aus den Grossräten und den Regierungsstatthaltern der Region gebildeter Regionalrat übernahm die erste, eine Konferenz der Gemeindepräsidenten (ohne Beitrittszwang) die zweite Aufgabe; die FJB wurde fallen gelassen.
Die Wende von 1993-94 in der Jurafrage hat die Spannung, die sich 1984-93 zwischen Separatisten und Antiseparatisten erneut aufgebaut hatte, spürbar abebben lassen. Versöhnlich wirkte auch die Abtretung der seit den Juraplebisziten separatistischen, aus formellen wie auch polit. Gründen vom Kantonswechsel ausgeschlossenen Gem. Vellerat, die in der eidg. Abstimmung vom 10.3.1996 überaus deutlich angenommen wurde. Gleichzeitig hat ein von der bern. Regierung in Auftrag gegebener Bericht über die Lage der Französischsprachigen im Kt. Bern, der eine fortschreitende Autonomie des B.s und eine Relativierung der Grenzen vorschlägt, bei den Kantonsbehörden das Verständnis für eine konstruktive Minderheitenpolitik gefördert. Im B. trat sodann ab 1997 die aus Separatisten und Antiseparatisten gebildete Gruppe Avenir für eine grössere Autonomie der Region innerhalb des Kt. Bern ein. 2002 veröffentlichte die bern. Regierung Leitlinien für eine Konkretisierung des Sonderstatuts, das 2004 gesetzlich verankert wurde und Anfang 2006, gefolgt von der erstmaligen Wahl des Bernjurassischen Rats im selben Jahr, in Kraft trat. Das Gremium setzt sich aus 24 Mitgliedern zusammen, die alle vier Jahre im Proporzverfahren gewählt werden. Drei Sitze sind dem Amtsbez. La Neuveville vorbehalten, die anderen verteilen sich je nach Bevölkerungsstärke auf die Amtsbez. Moutier und Courtelary (2006 11 bzw. 10 Sitze). In erster Linie Ansprechpartner der kant. Exekutive und Verwaltung, besitzt der Rat aber auch gewisse Entscheidungsbefugnisse im Bereich der Kulturförderungsbeiträge und der Schulkoordination. Über das Vorschlagsrecht in regionalen Sachfragen ist er in die Mechanismen der polit. Mitwirkung eingebunden.
Nach 1978 förderte die FJB die Gründung regionaler gesellschaftl. Organisationen (u.a. für Volkswirtschaft, Tourismus, Sozialfürsorge, Lokalradio), wodurch sie ältere gesamtjurass. Verbände aus dem B. verdrängte. Von der Krise der Uhrenindustrie um die Mitte der 1970er Jahre erholte sich die Wirtschaft nur langsam. Lokale Unternehmen gingen oft an ausländ. Konzerne über. Die schrittweise Fertigstellung der A16 zwischen Biel und Boncourt verbesserte die Verkehrsmöglichkeiten. 2005 beschäftigte der 2. Sektor 9'767 Erwerbstätige (47,3%), der 3. Sektor 9'638 (43%).
Autorin/Autor: Peter Gilg