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Die Hälfte der Regular Season in der National League ist bereits überschritten. Welche Dinge sind in den ersten rund 30 Spielen aufgefallen? Welche Spieler haben über ihren Verhältnissen gespielt und von welchen müsste eigentlich mehr kommen? Diese Trends sind uns besonders aufgefallen.
Die 90er- und Nullerjahre war die Zeit der «Neutral Zone Trap». Das Defensiv-System sah vor, die neutrale Zone mit allen fünf Feldspielern zuzustellen, sodass dem Gegner kaum eine andere Option übrig blieb, als den Puck einfach tief ins gegnerische Drittel zu spielen und ihn dort wieder auszugraben.
Die «Trap» war äusserst effektiv, allerdings auch ziemlich verpönt, sorgte sie doch für langweilige Spiele. Mittlerweile ist das Eishockey derart dynamisch und technisch, dass es schwieriger geworden ist, die klassische Falle in der neutralen Zone zu stellen.
Doch angepasste Varianten der «Neutral Zone Trap» feiern aktuell in der National League eine ziemlich erfolgreiche Renaissance. Mit Fribourg, Rapperswil und Davos achten drei der vier Topteams peinlich genau darauf, die eigene blaue Linie zuzustellen und den Gegner beim Eintritt in die Zone auf die Aussenbahnen zu drängen. Einzig der EV Zug lässt vom Spitzenquartett seinen Gegenspielern etwas mehr Platz.
Fribourg-Gottéron und die Lakers setzen dabei auf Systeme, die am ehesten der klassischen «Neutral Zone Trap» ähneln. Fribourg geht mit zwei Mann ins Forechecking und stellt mit drei Mann die Mitte an der eigenen blauen Linie zu, um den Gegner nach aussen zu zwingen.
Rapperswil geht oft nur mit einem Stürmer ins Forechecking und stellt die neutrale Zone noch etwas konsequenter zu.
Davos verteidigt durch die neutrale Zone sehr kompakt und versucht vor allem, Pässe und kontrollierte Läufe durch die Mitte zu unterbinden.
Der Erfolg gibt den Taktiken von Fribourg, Rappi und Davos recht. Es ist eine hocheffektive Methode, um Rush-Gegenstösse zu verhindern – was im modernen Hockey extrem wichtig ist.
Wer «Off the Rush» viele Chancen erzeugt, steht dieses Jahr im Normalfall auch in der Tabelle weit oben. «Off the Rush» bedeutet, dass allerspätestens fünf Sekunden nach dem Betreten der offensiven Zone ein Abschluss folgt. Es ist im enorm schnellen Eishockey von heute eine der besten Möglichkeiten, zu guten Chancen zu kommen.
Ein Blick auf die Daten von «49 mining, analytics & consulting» zeigt, dass Teams, die in der Tabelle weit vorne stehen, auch bei Rush-Chancen überzeugen. Die gefährlichste Mannschaft «Off the Rush» ist der HC Davos, aber auch Zug, Rapperswil oder Biel überzeugen in dieser Sparte. Einzig Lausanne hat die gute« Off the Rush»-Performance noch nicht in die gewünschten Resultate umsetzen können.
Dieser Punkt zeigt auch etwas die Probleme der ZSC Lions auf. Die Zürcher sind spielerisch wohl die am besten besetzte Mannschaft der Liga. Entsprechend spielt das Team von Rikard Grönborg einen grossen Teil seiner Chancen nach längerem Scheibenbesitz. Das Problem: Diese Chancen sind einfach ein gutes Stück weniger gefährlich als «Off the rush»-Chancen, zu denen die Lions weniger oft kommen.
Die ZSC Lions haben aber genau wie andere Mittelfeldteams wie Lugano oder Bern auch noch ein anderes Problem: die Konstanz. Alle drei Titanen sind dadurch in der Lage, einzelne Spiele restlos zu dominieren. Doch es ist ihnen im Verlauf dieser Saison nie mehrere Spiele hintereinander gelungen.
Ein Indiz dafür ist die Expected-Goals-Percentage. Dabei werden die selbst kreierten Chancen ins Verhältnis mit den zugelassenen Chancen gestellt. Kommt man auf einen Wert von über 50 Prozent, bedeutet das, dass man in den Spielen zu mehr und besseren Chancen kommt als der Gegner.
Der Blick auf die Statistik zeigt: Bei Lugano, Bern und den ZSC Lions wechselten sich Hochs und Tiefs im Verlauf der Saison stark ab. Auf extrem dominante Phasen folgten immer wieder Spiele, in denen die Mannschaften an die Wand gespielt wurden. Der Vergleich mit Leader Fribourg zeigt: Die Drachen hielten sich in dieser Saison lange stets über 55 Prozent. Erst in den letzten Partien ging es stark abwärts.
Der Servette-Captain erlebt wie die ganze Mannschaft eine Saison zum Vergessen. In 17 Spielen hat Rod erst zweimal getroffen. So schlecht war die Torausbeute des 25-Jährigen seit sieben Jahren nicht mehr. Die Schusseffizienz beim Flügelstürmer ist etwa halb so gross wie in normalen Jahren. Man darf erwarten, dass er sich in der zweiten Saisonhälfte wieder etwas steigern wird.
Ähnliches gilt auch für Mark Arcobello. Der Stürmer und Captain vom HC Lugano schiesst in dieser Saison extrem oft aufs gegnerische Tor, doch es gelingt ihm bislang nicht immer, die Scheibe auch am Goalie vorbeizubringen. Gemäss Expected Goals von nlicedata.com hätte der 33-Jährige bislang mindestens drei Tore mehr erzielen müssen.
Letzte Saison skorte Sven Andrighetto deutlich mehr als einen Punkt pro Spiel, nun ist er ein gutes Stück darunter (9 Tore, 12 Assists in 29 Spielen). Dabei spielt der Nationalstürmer der ZSC Lions eigentlich gut. Er kommt noch öfter zu Chancen als in der Saison zuvor. Doch die Pucks springen im Moment nicht für den 28-Jährigen. Mindestens zwei Tore mehr hätte Andrighetto bis jetzt erzielen müssen.
Jesper Olofsson spielt bislang eine unfassbare Saison (22 Tore, 20 Assists in 30 Spielen). Der Schwede ist einer der Gründe, warum Langnau sich nicht schon wie Ajoie vollends aus dem Playoff-Rennen verabschiedet hat. Doch wie lange hält das der schwedische Flügelstürmer noch durch?
Seine Schusseffizienz liegt ohne Powerplay schon bei rund 18 Prozent. Er hat bereits zehn Tore mehr erzielt als gemäss Expected Goals zu erwarten gewesen wäre. Im Normalfall ist das über eine ganze Saison kaum durchzuziehen. Es wäre also nicht überraschend, wenn bald auch mal eine Baisse folgen würde.
Einer der Gründe für den Höhenflug des HC Davos in der laufenden Saison ist auch Goalie Sandro Aeschlimann. Der 26-Jährige hat den HCD in seinen bisherigen 15 Spielen vor 4,4 Toren mehr bewahrt, als gemäss Expected Goals zu erwarten gewesen wäre.
Seine Fangquote ist mit 94,9 Prozent derzeit ein gutes Stück höher als sein Karrieredurchschnitt (92 Prozent). Natürlich profitiert der Emmentaler auch davon, dass seine Vorderleute gute Arbeit leisten. Und vielleicht hat er dieses Jahr tatsächlich einen Schritt nach vorne gemacht. Wahrscheinlicher ist indes, dass irgendwann in der zweiten Saisonhälfte noch ein Leistungseinbruch folgt.
Mit neun Toren und sechs Assists liegt Jérôme Bachofner derzeit nur einen Assist hinter seiner Saisonausbeute des letzten Jahres – und das nach etwas mehr als der Hälfte der Spiele. Spielt der 25-Jährige im Moment also auch besser als je zuvor? Eigentlich nicht. Im Gegenteil: Bachofner kommt seltener zu guten Chancen als in den Saisons zuvor. Er profitierte bislang einfach von viel Abschlussglück.
Mauro Jörg ist eine der grössten Überraschungen dieser Saison. In 29 Spielen hat der Stürmer von Fribourg Gottéron bereits sieben Tore und 13 Assists gesammelt, während er in den zwei Jahren zuvor nur auf insgesamt vier, respektive elf Skorerpunkte kam. Der Anstieg kann einerseits damit erklärt werden, dass er bei Gottéron eine so grosse Rolle spielt wie schon lange nicht mehr.
Auch in Jörgs Fall ist doch einiges an Glück dabei. Er schiesst so effizient wie noch nie in seiner Karriere. Zwar schiesst er auch etwas häufiger. Doch das dürfte am Ende nicht reichen, um die aktuelle Punkterate zu halten. In den letzten zehn Spielen kam Jörg noch auf zwei Tore und vier Assists, was sich ungefähr mit früheren Leistungen deckt.