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Die Sorgen, ob eine Frau ihr Baby stillen kann, sind nach einer Operation der Brust besonders gross. Verbreitete Operationen aus ästhetischen Gründen sind Brustvergrösserungen, Brustverkleinerungen und Bruststraffungen. Der folgende Blog Post erläutert, inwieweit Stillen nach einer ästhetischen Brustoperation möglich ist, wovon das Milchbildungspotenzial der Mutter abhängt und wie dieses maximal ausgeschöpft werden kann.
Wie viel Milch kann die Frau nach Brustvergrösserung oder Brustverkleinerung noch bilden?
Das Milchbildungspotenzial einer Frau ist nach einer Brust-OP häufig eingeschränkt. Dabei lässt es sich nicht exakt vorhersagen, in welchem Masse Stillen nach der OP möglich sein wird, wobei praktisch alle operierten Frauen mehr oder weniger Milch bilden und somit zumindest teilstillen können.
Es gibt verschiedene Faktoren, die das Milchbildungspotenzial der Frau nach einer Brust-OP beeinflussen:
1. Vorhandenes Drüsengewebe vor der Operation:
Zwar gibt es viele Frauen mit ganz kleinen oder asymmetrischen Brüsten, bei denen beide Brüste über eine vollständige Milchbildungsfähigkeit verfügen. Bei unterentwickelten, sehr weit auseinanderliegenden, stark asymmetrischen oder tubulär (tuberös) geformten Brüsten besteht jedoch der Verdacht auf eine primäre Laktationsinsuffizienz aufgrund einer fehlenden oder unterentwickelten Brustdrüse. Dies kann beide oder nur eine Brust betreffen. Frauen mit einem sog. Poland-Syndrom haben eine gesunde und eine unterentwickelte oder fehlende Brust. Durch eine Brustvergrösserung lässt sich das ästhetische Erscheinungsbild der Brust zwar verändern, die Stillfähigkeit wird jedoch nicht gesteigert. Wenn eine Frau nach einer Brustvergrösserung nicht ausreichend Milch bilden kann, dann kann dies also im primär unterentwickelten Brustdrüsenkörper begründet sein. Eine Dokumentation des äusseren und inneren Brustbildes vor der OP kann die Beurteilung und die spätere Entscheidungsfindung in Bezug auf das Stillen erleichtern.
Unter- und normalgewichtige Frauen mit sehr grossen Brüsten haben in aller Regel ein gut ausgebildetes Brustdrüsengewebe und können reichlich Milch bilden. Wird das umfangreiche Brustvolumen durch Übergewicht mit verursacht, dann liegen möglicherweise chronische Erkrankungen des Hormonsystems vor (wie Insulinresistenz, PCO-Syndrom, Schilddrüsenerkrankungen oder Diabetes), welche die Milchbildung erschweren. Übergewichtige Frauen nach einer Brustverkleinerung können daher Milchbildungsprobleme haben, die nicht mit der OP zusammenhängen. Es gibt indes viele übergewichtige Frauen, die ohne Probleme reichlich Milch bilden können.
2. Vorgehensweise bei der Brust-OP:
Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Vorgehensweisen bei kosmetischen Brustoperationen. Je nachdem, wo die Schnittführung verläuft, wieviel und welche Teile der Brust entfernt oder beschädigt wurden, wird die Stillfähigkeit mehr oder weniger eingebüsst. Wird die Verbindung zwischen Brustwarze und den Milchgängen gekappt, so resultiert eine Stillunfähigkeit.
Darüber hinaus spielt auch die neuronale Versorgung des Brustwarzenkomplexes eine Rolle für den Erhalt der Stillfähigkeit. Dabei ist hauptsächlich der sogenannte 4. Interkostalnerv (Zwischenrippennerv auf Brusthöhe) für den Milchspendereflex und die Milchbildung von Bedeutung. Dieser Nerv leitet die Reize von der Brustwarze zum Gehirn weiter und sorgt für die Freisetzung von Oxytocin und Prolaktin. Wird der 4. Interkostalnerv beschädigt (durchtrennt oder gedehnt), dann fliesst trotz Saugstimulus keine Milch, auch wenn diese zunächst noch in den Milchdrüsen vorliegt. Bleibt die Milch in der Brust zurück, wird ihre Produktion eingestellt. Der 4. Interkostalnerv liegt im äusseren, unteren Quadranten der Brust: bei 4 Uhr in der linken und bei 8 Uhr in der rechten Brust.
Bei einer Brustverkleinerung (Mamma-Reduktionsplastik) ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Stillfähigkeit eingebüsst wird, relativ hoch. Da das Fett- und das Drüsengewebe in der Brust untrennbar miteinander verbunden sind, wird immer Drüsengewebe mit entfernt. Durch Operationstechniken, bei denen der Brustwarzen-Warzenhof-Komplex von der Brust komplett abgelöst und versetzt wird (freie Mamillentransplantation), wird das Stillen weitestgehend beeinträchtigt. Die freie Mamillentransplantation wird vorzugsweise bei extrem grossen Brüsten eingesetzt, bei der sehr viel Gewebe entfernt und die Brust weitgehend neu modelliert wird. Techniken, bei denen der Brustwarzen-Warzenhof-Komplex über einen gestielten Transplantationslappen versetzt wird, helfen, die spätere Stillfähigkeit zu erhalten, da zumindest ein Teil des Drüsengewebes samt Nerven mit der Brustwarze verbunden bleibt. Insbesondere das Drüsengewebe im Umkreis von 3cm um die Brustwarze herum sollte intakt bleiben, um die Stillfähigkeit zu erhalten. Dabei kommt es jedoch auch darauf an, in welchem Segment der Brust geschnitten und ob der 4. Interkostalnerv beschädigt wird.
Bei Brustvergrösserungen (Mamma-Augmentationsplastik) ist für den Erhalt der Stillfähigkeit das Platzieren des Implantats unterhalb des Brustmuskels ideal, weil Drüsengewebe, Nerven, Blutgefässe sowie der Brustwarzenkomplex verschont bleiben. Wird das Implantat oberhalb des Muskels eingesetzt, dann werden wichtige Strukturen eher verletzt. Zusätzlich kann das Implantat auf die Milchdrüsen drücken, die Blutversorgung verschlechtern und die Milchbildung auch auf diese Weise reduzieren.
Es gibt eine Reihe von verschiedenen Schnittführungen für das Einbringen des Implantats. Eine Schnittführung unterhalb oder an der seitlichen Basis der Brust ist gegenüber einem periareolären Schnitt von Vorteil, um die Strukturen für die Stillfähigkeit zu erhalten.
Nach einer Brustvergrösserung erfolgt aufgrund von Komplikationen oder einer erneuten Grössenveränderung oder Straffung durchschnittlich alle sieben Jahre eine Revision, bei der wichtige Strukturen für das Stillen weiter beschädigt werden können. Eine gefürchtete Komplikation ist die Kapselkontraktur, bei der aufgrund von Narbenbildungen um das Implantat herum die Brust hart und schmerzhaft wird. Eine Brustdrüsenschwellung in Folge des Stillens kann die Kapselkontraktur und die Schmerzen verstärken. Weitere potentielle Komplikationen nach einer Brustvergrösserungkönnen eine Beschädigung des Implantats, Infektionen, Nekrosen oder Gewebsschwund darstellen. Diese können die Aussicht auf den Stillerfolg weiter vermindern.
Zeitlicher Abstand zwischen OP und Geburt
Bis zu einem gewissen Grad können sich nach einer Brust-OP das Brustdrüsengewebe und die Nerven regenerieren. In jedem Menstruationszyklus nach der OP werden in geringer Anzahl neue Milchgänge und Verzweigungen gebildet, durchtrennte Milchkanäle verbinden sich manchmal erneut. Je mehr Menstruationszyklen seit der OP stattgefunden haben, umso grösser ist der Umfang dieser Rekanalisation. Auch in der Schwangerschaft findet die Proliferation des Drüsengewebes statt. Darüber hinaus wird dieser Regenerationsprozess durch das Stillen selbst am besten gefördert. Mit jedem (teil)gestillten Kind vermehrt sich das Milchdrüsensystem und das Milchbildungspotenzial steigt. Erfahrungsberichten zufolge kann es vorkommen, dass erstgeborene Geschwister nach einer Brust-OP noch wenig Muttermilch erhalten und jüngere Geschwister schliesslich vollgestillt werden können.
Auch die beschädigten Nerven können sich bis zu einem gewissen Grad regenerieren, sie wachsen etwa 1mm pro Monat. Der Regenerationsprozess des Nervensystems kann 6 bis 12 Monate und länger andauern und ist – im Gegensatz zur Regeneration des Drüsengewebes – unabhängig von Menstruationszyklus und Stillen. Im Zuge der Regeneration der Nerven macht die Frau die Erfahrung, dass in ihre zunächst tauben Brustwarzen mit der Zeit die Empfindsamkeit zurückkehrt. Kann die Frau Kälte- und Berührungsreize an ihrer Brustwarze wieder empfinden, so steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass der 4. Interkostalnerv die Reize wieder weiterleiten kann und die Ausschüttung von Oxytocin sowie Prolaktin durch den Saugstimulus ausgelöst wird. Somit kann der Milchspendereflex wieder funktionieren und das Baby Milch erhalten, wenn es an der Brust saugt. Je länger die OP zurückliegt, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Nerven regeneriert haben.
Stillmanagement ist nach einer OP ganz wichtig
Ob chirurgisch korrigierte Brüste oder nicht: Ein gutes Stillmanagement ist immer wichtig. Gerade nach einer Brust-OP empfiehlt sich daher die Begleitung einer Hebamme und/oder einer Still-Expertin.
Ein Tipp, um sich auf das Stillen vorzubereiten, ist, das Brustwachstum während der Schwangerschaft zu dokumentieren. Eine gute Zunahme des Brustvolumens deutet auf ein positives Milchbildungspotential hin. Auf diese Weise lässt sich die spätere Stillfähigkeit besser abschätzen.
Um das Beste aus der vorhandenen Milchbildung herauszuholen, sollte diese aktiv stimuliert werden. Das bedeutet: Zusätzlich zum täglichen Stillen des Kindes (acht bis zwölf Mal in 24 Stunden), sollte die Brust in den ersten Tagen und Wochen manuell per Pumpe entleert werden. Auf diese Weise kann das vorhandene aktive Drüsengewebe angeregt, aufrechterhalten und voll ausgeschöpft werden.
Denken Sie daran: Auch Teilstillen ist für das Baby äusserst wertvoll, da es hierbei wichtige natürliche Immunstoffe geliefert bekommt. Sollte das Baby zu wenig Kalorien per Muttermilch bekommen und öfter hungrig sein, so kann die Ernährung durch Zufüttern des Kindes ergänzt werden.
Wird das Ergebnis der Brust-OP durch das Stillen beeinflusst?
Ähnlich, wie nicht exakt vorhergesehen werden kann, ob das Stillen nach einer ästhetischen Brustoperationzufriedenstellend klappt, so kann auch nicht vorausgesagt werden, ob das optische Ergebnis der Brust-OPbeibehalten wird.
Es gibt Fälle, in denen es nach dem Abstillen zur (erneuten) Formveränderung der Brust kommt, da sich das Gewebe verändert. Sollten Implantate zur Brustvergrösserung eingesetzt worden sein, so sitzen diese möglicherweise nicht mehr so wie vor der Schwangerschaft. Es kann in diesem Fall über das Einsetzen kleinerer oder grösserer Implantate nachgedacht werden.
Kontaktieren Sie uns unter beautyclinic.ch, falls Sie weitere Fragen haben oder einen Beratungstermin vereinbaren möchten!
Generell gilt: Jede Operation der Brust kann Strukturen, die für das Stillen notwendig sind, verletzen. Dabei ist es egal, ob der Eingriff aus ästhetischen oder aus medizinischen Gründen durchgeführt wird. Werden die optischen Effekte des Busens und seine Bedeutung als weiblichstes Körperteil sowie als Mode-Accessoire mit Sex-Appeal aussen vorgelassen, so tritt seine wahre Funktion in den Vordergrund: grundsätzlich dient er der Ernährung des Nachwuchses.
Viele Frauen lernen ihre Brüste in der Schwangerschaft und vor allem der Stillzeit besonders schätzen. Sie erleben, dass die mütterliche Brust dem Baby sehr viel geben kann: Die Milch stillt den Hunger des Kindes und hilft ihm dabei, seine Immunabwehr aufzubauen. Zudem wird der Busen für das Baby der zentrale Punkt für Trost, Beruhigung, Geborgenheit – und damit auch Wohlbefinden.
Das Stillen lässt zwischen Mutter und Kind eine sehr innige Beziehung entstehen, weswegen diese Phase als eine ganz besondere im Leben der beiden gilt.
Daher stehen viele Frauen, die eine ästhetische Brust-OP durchführen lassen möchten, im Konflikt: Stillen und Brustvergrösserung, Brustverkleinerung oder Bruststraffung – können diese Wünsche vereint werden?