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GLP-1-Rezeptor-Agonisten Arzneimittelgruppen AntidiabetikaGLP-1-Rezeptor-Agonisten sind blutzuckersenkende Wirkstoffe aus der Gruppe der Antidiabetika, welche für die Behandlung eines Typ-2-Diabetes und teilweise auch bei Übergewicht und Fettleibigkeit eingesetzt werden. Sie binden wie das Peptidhormon GLP-1 an den GLP-1-Rezeptor, fördern die Insulinsekretion und hemmen die Glucagonausschüttung. GLP-1-Rezeptor-Agonisten verlangsamen die Magenentleerung und erhöhen das Sättigungsgefühl. Die Arzneimittel werden entweder ein- bis zweimal täglich oder wöchentlich subkutan verabreicht. Zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen gehören gastrointestinale Störungen und Reaktionen an der Injektionsstelle. Produkte
Als erster Wirkstoff aus der Gruppe der GLP-1-Rezeptor-Agonisten wurde in den USA im Jahr 2005 und in der Schweiz und in der EU im Jahr 2006 Exenatid (Byetta®) zugelassen. In der Zwischenzeit wurden verschiedene weitere Arzneimittel registriert (siehe unten). Die Medikamente werden auch als Inkretin-Mimetika bezeichnet. Sie sind als Injektionslösungen im Handel und werden von den Patienten in der Regel mit einem Fertigpen verabreicht.Struktur und Eigenschaften
Bei den Wirkstoffen handelt es sich um Analoga von GLP-1 (Glucagon-like peptide-1). GLP-1 ist ein Peptidhormon, das aus Aminosäuren besteht und von enteroendokrinen L-Zellen im Verdauungstrakt gebildet wird. Aufgrund des Abbaus durch die Enzyme Dipeptidylpeptidase-4 (DPP-4) und neutrale Endopeptidase (NEP) hat es eine Halbwertszeit im Bereich von lediglich zwei Minuten.
Die GLP-1-Rezeptor-Agonisten sind chemisch so modifiziert, dass sie eine längere Halbwertszeit haben und sich für eine therapeutische Verabreichung eignen. So sind sie beispielsweise gegen die DPP-4 resistent oder binden an Albumin. Auch galenische Methoden werden angewandt.
Zur Nomenklatur ist anzumerken, dass die deutsche Bezeichnung ohne -e am Ende des Wirkstoffnamens geschrieben wird. Der richtige Name lautet also beispielsweise Exenatid und nicht Exenatide. Die Verwendung englischer Wirkstoffnamen ist im Deutschen nicht gebräuchlich.
Die Wirkstoffe mit dem Suffix -enatid (also Exenatid, Lixisenatid) sind von einem Inhaltsstoff aus dem Gift der Gila-Krustenechse (Heloderma suspectum) abgeleitet. Die Wirkstoffe mit dem Suffix -glutid sind Derivate von GLP-1.
Beispiel Liraglutid:Wirkungen
GLP-1-Rezeptor-Agonisten (ATC A10BJ ) haben blutzuckersenkende und antidiabetische Eigenschaften. Die Effekte beruhen auf der Bindung an den GLP-1-Rezeptor, einem GPCR (G protein–coupled receptor). Dieser Rezeptor wird auch vom Inkretin GLP-1 aktiviert.
GLP-1-Rezeptor-Agonisten:
- fördern glucoseabhängig die Insulinsekretion aus den Betazellen des Pankreas.
- senken die Glucagonsekretion aus den Alphazellen und führen dadurch zu einer verminderten Glucoseabgabe durch die Leber (Senkung der Gluconeogenese).
- erhöhen die Insulinsensitivität.
- verlangsamen die Magenentleerung und reduzieren damit die Geschwindigkeit, mit der Glucose in den Blutkreislauf gelangt.
- erhöhen die Sättigung (zentral), senken das Hungergefühl und können zu einer Gewichtsabnahme beitragen.
GLP-1-Rezeptor-Agonisten lösen tendenziell weniger Hypoglykämien aus, weil ihr Effekt erst bei einem erhöhten Glucosespiegel eintritt.
Die oral verfügbaren → Gliptine (siehe dort) hemmen den Abbau von GLP-1 und verstärken dadurch seine Effekte.Indikationen
Für die Behandlung eines Typ-2-Diabetes.Dosierung
Gemäss der Fachinformation. GLP-1-Rezeptor-Agonisten sind oral nicht bioverfügbar und werden subkutan gespritzt, im Bereich des Bauchs, des Oberschenkels oder des Oberarms. Einige Arzneimittel müssen täglich verabreicht werden, bei anderen reicht eine einmal wöchentliche Gabe aus (z.B. Albiglutid, Dulaglutid). GLP-1-Rezeptor-Agonisten können mit anderen Antidiabetika kombiniert werden, zum Beispiel mit Metformin, Sulfonylharnstoffen und Insulinen.Wirkstoffe
Tägliche Verabreichung (kurzwirksame GLP-1-RA):
Wöchentliche Verabreichung (langwirksame GLP-1-RA):
Die Entwicklung von Taspoglutid wurde im Jahr 2010 aufgrund der unerwünschten Wirkungen gestoppt.Kontraindikationen
Die Arzneimittel sind bei einer Überempfindlichkeit kontraindiziert. Die vollständigen Vorsichtsmassnahmen finden sich in der Arzneimittel-Fachinformation.Interaktionen
GLP-1-Rezeptor-Agonisten verlangsamen die Magenentleerung und können so die Absorption und die Pharmakokinetik anderer Wirkstoffe beeinflussen. Dabei kann insbesondere die maximale Plasmakonzentration später erreicht werden.Unerwünschte Wirkungen
Zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen gehören gastrointestinale Störungen wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen sowie Reaktionen an der Injektionsstelle. Bei der Kombination mit Sulfonylharnstoffen und Insulinen kann eine Hypoglykämie auftreten. GLP-1-Rezeptor-Agonisten können die Herzfrequenz leicht erhöhen und selten zu Herzrhythmusstörungen führen.
Eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) ist eine schwere und seltene Nebenwirkung. Typische Symptome sind anhaltende, starke Bauchschmerzen. Diese sollten den Patienten bekannt sein.siehe auchLiteratur
- Arzneimittel-Fachinformation (CH, EMA, USA)
- Cimmaruta D. et al. Efficacy and safety of insulin-GLP-1 receptor agonists combination in type 2 diabetes mellitus: a systematic review. Expert Opin Drug Saf, 2016, 15(sup2), 77-83 Pubmed
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- Prasad-Reddy L., Isaacs D. A clinical review of GLP-1 receptor agonists: efficacy and safety in diabetes and beyond. Drugs Context, 2015, 4, 212283 Pubmed
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- Tomlinson B. et al. An overview of new GLP-1 receptor agonists for type 2 diabetes. Expert Opin Investig Drugs, 2016, 25(2), 145-58 Pubmed
- Triplitt C., Solis-Herrera C. GLP-1 Receptor Agonists: Practical Considerations for Clinical Practice. Diabetes Educ, 2015, 41(1 Suppl), 32S-46S Pubmed
Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.