Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03643.jsonl.gz/2539

Zwangsheirat 6/10
Wie soll man bei einer Zwangsheirat, die noch nicht stattgefunden hat, reagieren?
Bei Zwangsheirat sind manchmal Leib und Leben der betroffenen Person gefährdet. Man muss also mit Bedacht handeln. Wenn Sie von einer hilfesuchenden Person angegangen werden, können Sie ihr zuerst ein offenes Ohr leihen und sie dann an eine Fachstelle weiterleiten oder sie selbst kompetent betreuen. Auf jeden Fall gilt: Nehmen Sie sich Zeit für die hilfesuchende Person, ermöglichen Sie ihr Fachstellen aufzusuchen, vereinbaren Sie, wie sie in Kontakt bleiben können – und versuchen Sie auf keinen Fall, direkten Kontakt mit der Familie aufzunehmen.
Welche Warnsignale gibt es?
- Plötzliche Verlobung
- Angst vor einem Urlaub im Ausland
- Anzeichen für körperliche Gewalt
- Nachlassen der schulischen Leistung
- Abbruch der Schule oder Lehre
- Familienkonflikte
Wie kann man der betroffenen Person helfen?
- Nehmen Sie sich Zeit für die hilfesuchende Person – das ist vielleicht das einzige Mal, dass sie sich jemandem anvertrauen wird.
- Als Lehrperson oder Arbeitgeber/in: Ermöglichen Sie der Person, während der Schul- oder Arbeitszeiten mit Beratungsstellen Kontakt aufzunehmen und Termine zu vereinbaren.
- Überlegen Sie, wie Sie kommunizieren können, ohne dass die betroffene Person von ihrem Umfeld überwacht werden kann.
- Leiten Sie die Person an Fachstellen weiter.
Was sollten Sie auf keinen Fall tun?
- Die betroffene Person ohne Ratschlag oder Angaben einer Kontaktperson nach Hause schicken.
- Die Situation banalisieren.
- Die Familie kontaktieren und ihr Informationen über die ergriffenen Massnahmen geben.
- Auf eigene Faust eine Mediation einleiten.
Ausführlichere Informationen finden Sie im beiliegenden Themenblatt. Darin finden Sie auch mögliche Ansätze für professionelle Betreuungspersonen. Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre!
Veröffentlicht am 27. April 2020