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Beat Augstburger
Der Idee eines Arbeitszeugnisses ist grundsätzlich nichts entgegenzusetzen. Die Beurteilung von Leistung und Verhalten unter den heute geltenden Bedingungen ist jedoch eine nicht zielführende Tätigkeit. Ich bezweifle, dass die heutige Praxis vom damaligen Gesetzgeber in dieser Art und Weise gewollt war, als der Art. 330a OR gesetzlich festgeschrieben wurde. Um was geht es? Nach Art. 330a OR kann der Arbeitnehmer jederzeit vom Arbeitgeber ein Zeugnis verlangen, das sich über die Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses sowie über Leistungen und Verhalten ausspricht. Ein Arbeitszeugnis ist wohlwollend zu formulieren, hat der Wahrheit zu entsprechen und muss zugleich klar und vollständig abgefasst werden. In Art. 330a OR war dies so nicht vorgesehen!
Ein Zeugnis ist wahr, wenn es nach dem Verständnis eines unbeteiligten Dritten den Tatsachen entspricht. Das ist Theorie und nicht praxistauglich. Oder fragen Sie bei der Zeugniserstellung unbeteiligte Dritte? Vollständigkeit bedeutet, dass das Zeugnis mindestens über alle in Art. 330a Abs. 1 OR erwähnten Punkte Auskunft geben muss. Es muss also alles Wesentliche für die Beurteilung der Leistung oder des Verhaltens des Arbeitnehmers im Rahmen seines Arbeitsverhältnisses enthalten. Wer aber entscheidet, was wesentlich ist und was nicht? Ein Zeugnis ist wohlwollend formuliert, wenn es das berufliche Fortkommen des Arbeitnehmers fördert. Das Wohlwollen findet seine Grenze bei der Wahrheitspflicht. Was ist mehr zu gewichten? Negativaussagen gehören ins Zeugnis, wenn diesen Aussagen ein grosser Stellenwert zukommt. Wer entscheidet aber, ob der Stellenwert gross war oder nicht?
Die Anforderungen sind in sich selber nicht umsetzbar, respektive nur dann, wenn der Arbeitgeber mit dem Arbeitnehmer vollumfänglich zufrieden war. Als Lösung soll nun die Brückentechnik angewendet werden! Negative Punkte werden irgendwie umschrieben und beschönigt, ohne aber dabei Codes zu verwenden. Wer entscheidet, ob eine Aussage codiert ist oder nicht? All dies hat dazu geführt, dass heutige Arbeitszeugnisse nicht mehr aussagekräftig sind. Wenn es keine nachweisbaren und objektiven Verfehlungen wie Betrug gegeben hat, ist man sehr vorsichtig, formuliert lieber positiv und beschönigt. Dies alles ist zeitraubender und unnötiger Aufwand.
Am Schluss werden die Aussagen von jedem Leser etwas anders interpretiert, weil er die Welt durch seine individuelle Brille betrachtet. Besonders Arbeitnehmende interpretieren die gewählten Formulierungen auf ihre Weise und gehen in der Regel davon aus, dass ihre Sicht die richtige ist. Das Arbeitszeugnis sollte aber ein aussagekräftiges Auskunftsmittel für die Personalauswahl bilden. Das ist es leider nicht mehr. Deshalb gibt es nur eines: die Arbeitsbestätigung. Diese gibt über die Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses, die Funktion des Mitarbeitenden und seine Aufgaben sowie über allfällige Beförderungen Auskunft. Angaben, die für alle Beteiligten objektiv, aussagekräftig und klar sind.
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