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Fünf Forellenarten
Die Schweiz gilt als Vorreiterin beim Thema Fischsystematik. Das hat viel mit Maurice Kottelat aus Délémont zu tun, einem der einflussreichsten Fischbiologen der Welt. Die Systematik ist ein Werkzeug der Biologie, das die Verwandtschaftsbeziehungen der Organismen untersucht und definiert. Durch den rasanten Fortschritt der Gentechnik wurden in den letzten Jahren viele neue Erkenntnisse gewonnen, die lange etablierte Annahmen in Frage stellen und die Systematik gehörig durcheinanderwirbeln. Das betrifft in Bezug auf die Schweizer Fischfauna insbesondere die Familie der Lachsfische. Es ist in den letzten Jahren klar geworden, dass die enorme Forellenvielfalt unseres Landes auch daher rührt, dass es sich tatsächlich um mehrere Arten handelt. Die wichtigsten Forschungsinstitutionen, die EAWAG sowie das Bundesamt für Umwelt (BAFU) haben sich im Fall der Forellen für ein System entschieden, das in den vier grossen hydrologischen Einzugsgebieten der Schweiz (Rhein, Rhone/Genfersee, Doubs/Jura und Ticino/Etsch) fünf verschiedene Forellenarten unterscheidet. Jede dieser Arten kommt wiederum in vielfältigen Formen vor, die Erfolg versprechende Überlebensstrategien an das jeweilige Gewässer sind. Diese moderne Betrachtungsweise ermöglicht künftig einen besseren Schutz und eine erfolgreichere Bewirtschaftung Schweizer Forellenpopulationen.
Enorme Formen- und Artenvielfalt
Die ursprüngliche Forellenform war die Meerforelle, die irgendwann vor etwa zehn Millionen begann zur Fortpflanzung in Süsswasserflüsse aufzusteigen, um die Überlebenschancen für ihren Nachwuchs zu verbessern. Mit der Zeit verzichtete ein Teil der Jungfische auf die Rückkehr ins Meer oder ihr Wanderweg war blockiert. Es entstanden so genannte residente Populationen. Daraus entwickelten sich Fluss- und Bachforellen, die sich an ihre neue Heimatgewässer anpassten und „fortschwimmend“ weitere Reviere eroberten. Als dritte Form etablierten sich die Seeforellen, die sich auf die Jagd nach Schwarmfischen (z.B. Felchen) im Freiwasser grosser Seen spezialisierten. Einige dieser Fische erreichten dank dieser idealen Energiequelle sagenhafte Masse von bis zu 140 Zentimeter Länge und Gewichte von über 30 Kilogramm.
Rasante Fortschritte in Labortechnik und Rechenleistung haben es in den letzten Jahren ermöglicht die komplexe Genetik der Forellen genauer zu erforschen. Die Resultate führten zu einer neuen Sicht. Neu unterscheiden die massgeblichen Forschungsbetriebe in der Schweiz sowie das Bundesamt für Umwelt (BAFU) fünf verschiedene Forellenarten, die in die vier grossen Einzugsgebiete eingewandert sind und sich hier weiterentwickelt haben.
Atlantische Forelle (Salmo trutta) im Einzugsgebiet von Rhein und Obere Rhone/Genfersee.
Vielfältige Bach-, Fluss- und Seeformen. Die Meerform erreicht die Schweiz wegen diverser Rheinkraftwerke nicht mehr.
Doubs- oder Zebraforelle (Salmo rhodanensis) im Einzugsgebiet von Doubs und Rhone. Bach- und Flussformen. Eine Meerform existiert im Mittelmeer nicht.
Donauforelle (Salmo labrax) im Einzugsgebiet des Inn. Bach-, Fluss- und Seeformen.
Die Meerform hat die Schweiz in geschichtlicher Zeit nie erreicht.
Trota Fario (Salmo cenerinus)
Marmorata und Trota Fario leben m Einzugsgebiet von Po und Etsch. Bach-, Fluss- und Seeformen. Eine Meerform existiert im Mittelmeer nicht.
FIBER-Broschüre: Forellen in der Schweiz
Ausführliche Erklärung der Forellenvielfalt der Schweiz, dem Wasserschloss der Alpen, wo sich vier grosse Gewässersysteme begegnen.
FIBER-Poster zur Forellenvielfalt in der Schweiz
In einem Bächlein helle…
Populärwissenschaftlicher Artikel über die Vielfalt der Forellen und die Schwierigkeiten der Zoologen sie systematisch einzuordnen.
Videos
Die Rückkehr der Urforelle
Eine Dokumentation über die Entdeckung ursprünglicher donaustämmiger Forellen in den Österreichischen Alpen und die Bestrebungen, ihre Lebensräume zu erhalten, neue Lebensräume zu schaffen und die Bewirtschaftung an die neuen Erkenntnisse der modernen genetischen Forschung anzupassen.
Truites sauvages du Jura
Rhône-Forellen (Salmo rhodanensis) mit dem typischen Zebramuster, wie sie noch im französischen Jura vorkommen.