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SowohI die moderne Theologie wie auch die Religionswissenschaft projizieren entsprechend entwickelte Raumvorstellungen auf die alten Texte und verfälschen sie grundlegend!
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Das zyklisch-siedlungsgenetische polare 'Einst und Jetzt' wird linear interpretiert.
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Ein grosser Teil ist den dominierenden Tierkulten gewidmet. Sie sind mit ihren starken Ortsbindungen Traditionen, die auf die vordynastischen Jäger- und Sammlerkulturen, ebenso auf Hirten- und Viehzüchter zurückgehen. In unserem Kontext vor allem von Interesse sind die vielen gegenständlichen Zeichen im sakralen Zusammenhang. Mehrere Göttersysteme (Atum, Ptah) sind im Umfeld von sog. 'Weltschöpfungsmythen' (resp. Siedlungsgründungen) mit 'Urhügeln' und dergleichen eng verbunden, so etwa die Urbilder von Ptah und Sokar mit "erhobenen Stätten". Der Gott gebot "an der Spitze der erhobenen Stätte". Von ähnlicher Art wohl waren der obeliskenartige Benbenstein von Heliopolis, der Pfeiler lunu, der seinen Namen mit der Stadt Heliopolis teilte und der Djedpfeiler von Busiris, der ebenfalls seiner Stadt den Namen gab, und schliesslich das alte Gauzeichen des 8. oberägyptischen (thinitischen) Gaues, das den Namen 'das grosse (älteste) Land' führte. "Diese Male waren einst selbständige Gottheiten, die ... sogar die massgeblichen Orts- bezw. Gaugottheiten darstellten." Mit dem Benbenstein in Heliopolis und mit dem Gauzeichen 'das grosse Land' In Abydos waren - ähnlich wie mit dem 'Urhügel' - die Idee des Weltbeginns verbunden. Eine 'heilige Stätte des ersten Males' nannte man solche Ort. Die Zeremonie des Aufstellens kennt man für den Inunupfeiler, den Djedpfeiler, und ebenso von Obelisken, den Nachfahren des heliopolitanischen Benbensteins. Der Djedpfeiler war der Inbegriff der dauerhaften Macht des Königs und wurde an den Königsfesten errichtet. Das Wort Djed bedeutet 'dauerhaft sein'. Auch Göttern wurde das Zeichen zugeordnet, Ptah von Memphis hält es als Szepter in der Hand.
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Raumanthropologisch gesehen ist dies notwendig eine späte Entwicklung, die mit der zunehmenden Ausdehung der Reichsbildungen auch in der Vertikalen weitere Räume ins Bewusstsein bringt. Echnaton wäre im Alten Reich, auch im Mittleren, unmöglich gewesen.
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Die Bedeutung der Analogie für die voranalytische Denkweise wird leider kaum beachtet. Die Perzeption der Umwelt und Dinge in polaren Harmonien erlaubt - unter der primären Bedingung harmonischer oder disharmonischer Verhältnisse - Ähnlichkeiten, ja gar Identifikation von Dingen und Sachverhalten, die analytisch funktionales Denken absolut trennt. (vgl. Beispiele: Schilfbündel bei Kees :142).
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Versteht man Anthropologie methodologisch im Sinne der Wiener Strukturgeschichte (Wernhardt 1981), so wird die alttestamentliche Bibelforschung zum ausserordentlich interessanten Studienfeld. Sie ist nicht nur eines der am intensivst bearbeiteten Gebiete der westlichen Geisteswissenschaften, sie ist auch disziplinenmässig komplex. Vorderorientalische Stammesgesellschaften mit Hirten und Agrarökonomien kreuzen sich aufs Intensivste mit frühen Imperialbildungen. Sog.'primitive' Religionen und Ansätze zu Hochreligionen finden sich 'historisch' nebeneinander, gepaart mit archäologischen Zeugnissen (Tempel; frühe Stadtbildungen). Die wissenschaftliche Würze des Gebietes sind die entwickelten Rückprojektionen der modernen Interpretation, zum Teil auch die bewussten Entstellungen der Theologie. Sie rühren offensichtlich daher, dass dieses Wissen noch Macht stützt, entsprechend auch - nicht nach dem wissenschaftlichen Wahrheitsprinzip - verteidigt wird. Was die Wahrheit Roms in Frage stellt ist apriori unwahr. Man staunt über die ungeheure Zähigkeit dieses Wahrheitsprinzips!
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Moses als 'Religionsstifter' ist ein recht fragwürdiges 'survival' der mittelalterlich- scholastischen Theologie, die das Alte Testament noch strikt historisch im engsten Sinne verstand, ohne massgebliche Bezüge zum kulturellen Umfeld. Es gab damals auch keine vorderorientalische Archäologie, keine Vor-Geschichte. Das Alte Testament war der äIteste Text, den man kannte. Jerusalem hielt man für die erste Stadt der Welt, Hebräisch für die erste Sprache. Es war selbstverständlich, dass man von daher die Schöpfungsgeschichte neuplatonisch ganz 'real' interpretierte. Auch dass Gott in diesen Texten als sprechendes Subjekt auftritt, war damals selbstverständlich, die Inhalte wurden als 'reales' Gotteswort' verstanden. Heute, so um die Tausend Jahre später, wissen wir natürlich, dass Jerusalem nicht die erste Stadt war, dass die erste Sprache nicht das Hebräische war. Auch ist die Welt sehr viel äIter geworden als bloss 2- 3000 Jahre. Die Schöpfungsgeschichte hat sich in etwa 8 verschiedene 'Geschichten' aufgegliedert, die heute alle mit wissenschaftlichen Methoden über die 'Erschaffung' der Welt' berichten.
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Territorialrechtlich gesagt: es handelte sich um eine primäre Form der Grenzmarkierung, in der Grenzen nicht peripher abgesteckt, sondern im Kern eines Siedlungsgebiets nuklear gesetzt und zyklisch erhalten wurden.
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Siehe Schaedel: Listen des grossen Papyrus Harris (Helck/Otto 1970 "Tempelbesitz")
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Das Zweischichtenbild ist ein ausserordentlich fruchtbares Instrument, gerade im Zusammenhang mit dem Alten Testament und seinem ägyptischen Hintergrund. Nicht nur auf der politisch-sozialen Ebene (nomadisierende Stammesorganisation - zentralisierter, sesshafter Hochstaat) auch auf der Ebene der Sachkultur (Nomadenzelt - Königspalast) und im Kultischen (Schlachtopfer der Viehzüchter, Laubhüttenfest usw - Reichskult der Pharaonen) erhalten wir zahlreiche Hinweise auf zwei ganz verschiedene Kulturen, die hier zusammentreffen. Dies ist auch insbesondere deshalb aufschlussreich, weil Mose eine Figur ist, die beide Schichten zu verbinden weiss. Auch der Auszug selbst ist in zwei Schichten gegliedert. Der erste Teil- bezeichnenderweise bis zum Sinai - zeigt primitive Züge (Tag - Nacht, mit Wolken- und Feuersäule als Sitz der Gottheit). Zu Beginn des zweiten Teils schlägt die Sache um in 'Hochkultur': Dekalog (Steintafeln mit Gesetzgebung), Stiftzelt, Lade, Thron, Brottisch und Leuchter, Kultgeschirr, alle mit Hochkulturcharakter (Gold, Silber, Edelsteine, erlesenes Holz, Purpur, usw.). Es werden Priester eingesetzt, luxuriöse Kleidung (Ornat) wird angefertigt. Es sind spezielle Kunsthandwerker nötig. Eine spezielle 'Gottes Steuer' (halber Silberling für Arm und Reich) wird eingeführt. Dies ist die eigentliche Übergangsschwelle der hebräischen Nomaden zur Hochkultur. Er ist bezeichnenderweise gefolgt von einer umfangreichen theokratischen Gesetzgebung, die wiederum deutlich die Vermengung beider Kulturschichten zeigt.
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Versucht man solche Verhältnisse mit modernen Methoden der Kulturanthropologie (ethno-historisch) zu begreifen, so werden die Voraussetzungen zwar verständlich, aber es wird höchst unbegreiflich, was man bis heute - modern! - daraus gemacht hat.