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Heute widmen wir uns drei Bäumen aus drei verschiedenen Ländern. Brasilien, Indonesien und die Demokratische Republik Kongo besitzen zusammen nicht nur den überwiegenden Anteil an Regenwald auf der Erde, auch die Fläche an gerodeter Waldfläche ist die höchste weltweit. In diesen einzigartigen und zurecht geschützten Ökosystemen finden sich drei Baumarten, die nicht nur lokal extrem wichtige Aufgaben übernehmen, sondern auch den globalen Umweltkatastrophen entgegenwirken können. Sie fördern Regen, nehmen CO2 aus der Atmosphäre auf und unterstützen hunderte anderer biologischer Arten. Brechen diese Ökosysteme zusammen, sind die Klimaeffekt wahrscheinlich irreversibel. Was in den weit entfernten Regenwäldern passiert, geht uns also alle was an.
Der Regenmacher in Brasilien
Der brasilianische Paranussbaum (Bertholletia excelsa) produziert nicht nur leckere Nüsse und erreicht die staatliche Höhe eines 14-stöckigen Hauses, er produziert auch die Hälfte seines benötigten Regen selbst! Ein einzelner Baum kann täglich über seine Wurzeln bis zu 3,5 Badewannen an Wasser aus der Erde aufnehmen und anschliessend über seine Leitgefässe in seine Krone transportieren. Dort verdunstet das Wasser über die Blätter. Kleine Partikel helfen dem Wasserdampf, zu Regenwolken zu kondensieren. Dieser fällt dann nicht nur über dem Regenwaldgebiet selbst, sondern versorgt auch weitentfernte Städte wie Sao Paulo mit Trinkwasser und hilft Landwirten des gesamten südamerikanischen Kontinents bei der Bewässerung ihrer Felder.
Bislang wurden 17% der Regenwaldfläche im Amazonasgebiet zerstört. Forscher gehen davon aus, dass ab einer Zerstörung von 25% der Regenwald nicht mehr genügend Regen produzieren kann, um sich selbst zu versorgen. Wird mit der gleichen Geschwindigkeit weitergerodet, ist wohl in 15-30 Jahren dieser Wendepunkt erreicht. Dann ist nicht nur ein Viertel des Regenwalds unwiederbringlich verloren, sondern das gesamte Ökosystem wird kollabieren und sich zu einer trockenen Savanne entwickeln. Je mehr Bäume gefällt werden, desto mehr Dürren werden eintreten und desto mehr Nahrungsquellen für Mensch und Tier werden versiegen. Das bedroht den Lebensunterhalt von Millionen von Menschen. Der Paranussbaum spielt eine essentielle Rolle für das Ökosystem, denn seine Fähigkeit, Regen zu produzieren, ernährt und kühlt den Rest des Amazonas und ganz Südamerika.
Der Kohlenstoffwächter in Indonesien
Die Stelzenmangrove (Rhizophora) dominiert die Küstengebiete in den meisten Teilen Indonesiens. Jeden Tag bei Flut bedeckt das Wasser die langen und dünnen Wurzeln, bei Ebbe kommen sie zum Vorschein. Mangroven sind enorm wichtig für die Küstengemeinden, den sie schützen vor Taifunen und Tsunamis. Auch für die Unterwasserwelt dienen sie als Lebensraum, Unterschlupf oder Brutstätte. Doch seine wahre Superkraft setzt der Baum in der Erde frei. Wie alle Pflanzen nehmen Mangroven CO2 aus der Atmosphäre auf. Der Kohlenstoff wird zum Aufbau der Wurzeln, des Stammes und der Blätter verwendet. Das pflanzliche Material fällt irgendwann zu Boden und wird dort im nassen Boden unterhalb der Wurzeln konserviert. Der darin gebundene Kohlenstoff ist von einer Verwesung an der Luft abgetrennt und gelangt so nicht zurück in die Atmosphäre. Teilweise kann er für Jahrhunderte dort im Boden verbleiben. Die Stelzenmangrove speichert so 5-10-mal mehr Kohlenstoff als ein Baum des Regenwalds: Nicht nur in ihrem Organismus selbst, sondern in bis zu 3 Meter Bodentiefe. Diese Fähigkeit, einerseits den Kohlenstoff als CO2 zu entnehmen und andererseits riesige Mengen an Kohlenstoff im Boden zu speichern, ist eine enorme Hilfe im Kampf gegen den Klimawandel.
In Indonesien befinden sich heute noch 23% aller Mangrovenwälder der Erde. Die Fläche entspricht der Grösse von Belgien. In den letzten dreissig Jahren wurden 40% der ursprünglichen Fläche zugunsten von Palmöl-Raffinerien und Shrimp-Farmen geopfert. Das Problem: Sind die Mangroven zerstört, ist die Erde unterhalb der Wurzeln exponiert und kommt mit Luft in Kontakt. Die Treibhausgase werden freigesetzt.
Der Wärter des Waldes im Kongo
Der zweitgrösste Regenwald der Erde liegt in Zentral- und Westafrika. Auch hier spielt das Ökosystem eine wichtige Rolle für den Wasserhaushalt und für die CO2-Speicherung. Doch der afrikanische Teakbaum (Pericopsis elata) hat eine weitere besondere Eigenschaft. Durch seine feuerresistente Rinde hilft er anderen Lebewesen, sich nach einer Feuerkatastrophe zu erholen. Bei Futterknappheit können Vögel und Affen sich an den unreifen Samenvorräten laben, und das Kronendach spendet Schatten für Pflanzen und Tiere am Boden. Durch seine hohe Belastbarkeit hat er somit die Superkraft, andere Arten zu unterstützen und so das gesamte Ökosystem zu stabilisieren.
Der Teakbaum war in den 1950er Jahren noch weit in Zentralafrika verbreitet. Mittlerweile ist er in Nigeria, Kamerun und der Republik Elfenbeinküste ausgestorben. Die wenigen Exemplare sind nur noch in der Demokratischen Republik Kongo zu finden. Die jahrelangen gewalttätigen Unruhen und die schlechte Infrastruktur dort halfen dem Baum zu überleben. Doch auch dort ist er in Gefahr: Seine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Witterungen und seine regelmässige Maserung machen sein Holz sehr beliebt für den Yachtbau und in der Holzverarbeitung. Die Nachfrage ist hoch. Viele Menschen in der Entwicklungsregion verdienen ihren Lebensunterhalt in der Holzwirtschaft. Es ist also enorm wichtig, nachzuprüfen, dass das Holz aus nachhaltigem Anbau stammt, und es innerhalb der Regeln der CITES zu erwerben. Denn wenn der Baum verschwindet, wird das Auswirkungen auf die Stabilität des Waldes haben. Geht diese verloren, werden die Treibhausgasemissionen sich erhöhen und chaotische Wetterverhältnisse in Afrika und auch dem Rest der Welt verursachen.
Wenn es also um die Krise der globalen Erwärmung, des extremen Wetters und des Verlusts der biologischen Vielfalt geht, ist es tatsächlich von Bedeutung, ob der Amazonas den Wendepunkt erreicht, ob ein Stück Mangrovenwald für eine Garnelenfarm in Indonesien zerstört wird, oder ob ein Baum in Kongo ausstirbt. Ihr Verlust kann in weitreichenden Effekten resultieren. Wir können diese Auswirkungen vielleicht nicht unmittelbar spüren und sehen, die Folgen der Erderwärmung schliesslich jedoch umso mehr.