Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03597.jsonl.gz/772

Stafil
[Einzelalpe, Stafelalpe]
Maiensäss:
Moay (Bagnes, VS, CH), a) Grundriss, b) linke Traufseite; Glagnesse (Hérémence, VS, CH), c) Grundriss, d) Vorderansicht; Massstab 1:150; Quelle: Zeugen...
Stafil
Alpe; Alpji, Summeralpa, Hoochalpa, Voralpa; Ort des sömmerlichen Weidegangs, je nach Höhenstufen unterteilt in Hooch- oder Summeralpa (1700 - 2300 m ü. M.) und Voralpa, «Maiensäss» (1400 - 1600 m ü. M.). Nach der Nutzungsart wird zwischen Stafilalpa (individuelle Nutzung) und dem Senntum, Senntumalpa (genossenschaftliche Nutzung) unterschieden. Hier muss kurz auf die eigenartigen Eigentumsverhältnisse in den verschiedenen Alpen eingegangen werden: man könnte sie grob mit einer Kombination zwischen Genossenschafts-und Aktienrecht bezeichnen. In der Stafilalpa waren die Alphütte, die Meematte (Mähwiesen, es brauchte auf dieser Höhe immer auch etwas Heu, um z. B. bei Schneefall die Kühe 2 bis 3 Tage im Stall behalten zu können; oft wurden hier schon im Frühjahr die Kälber gefüttert, bevor die Alpe bestossen werden konnte) und Etzweida (Weide, in der Nähe der Alphütten) in Privatbesitz. Die grossen Weideflächen meist oberhalb der Alpe waren im Gemeinbesitz und konnten von den Alpbesitzern je nach Alprächt (Kuhrecht, Alpbesitz) genutzt werden. Jeden Morgen nach dem Melken wurde das Vieh des ganzen Stafels von den Hirta (Hirte;Kinder zwischen 8 und 12 Jahren) zusammen auf die Gemeinschaftsweide getrieben; das war manchmal ein ein- bis halbstündiger Weg. Diese Herde kehrte erst am Abend zum Melken zurück in den Stall. Gute Milchkühe, lahmes oder krankes Vieh und die Winterchälber (die 3 – 6 Monate alten Kälberdes letzten Winters) wurden auf der privaten Etzweida gehütet – Hirten gab es genug. Ich erinnere mich, dass wir auf der Alpe Eril (Baltschiedertal) bei zehn Partiije (Sömmerer, Gruppen) bis zu dreissig Kinder waren.
[Id. 1,193; SDS,VI/76;W. 339, Gr. 25; vgl. Siegen]
Volmar Schmid, Kleines Walliser Wörterbuch
Volmar Schmid, 2. Februar 2008
Einzelalpung im Val-d'Illiez und im Oberwallis
Die Sömmerung des Viehs hat im Vald'Illiez und im Oberwallis [1] neben den Korporationsalpen zu einer besonderen Alporganisation geführt, vielleicht weil dort die Alpweiden wenig höher als die Dauersiedlungen liegen. Voralpen oder Maiensässe gehen in vielen Fällen in Alpen über. Die höchsten Weiden sind Gemeinweiden, die der Burgerschaft oder der Gemeinde gehören. An der unteren Grenze dieses Weidelandes, bisweilen auf einen Kilometer verstreut, stehen die Alpgebäude, die je einer Familie gehören. Unmittelbar Hang abwärts anschliessend dehnen sich die privaten Weiden aus, die je zu einem Gebäude gehören. Diese Weiden werden wie anderswo die Voralpen genutzt; im Sommer dagegen weidet die Herde auf der Allmende der Alpstufe.
Diese durch Privatbesitz geprägte Sömmerungsweise kennt natürlich keine gemeinschaftlichen Gebäude (Käsekeller, Alpstall usw.). Die von der ganzen Familie bewohnten Gebäude sind kleinere Abbilder des Mehrzweckhauses, das wir Illiez-Haus nannten ; jeder kann darin sein Vieh unterbringen ; die Frau verarbeitet die Milch und pflegt die Butter und den Käse. Die Herde weidet auf der Allmende in Einzelhut
Jede Familie besitzt eine eigene Alphütte mit einem Stall im Untergeschoss, einer Wohnstube darüber und einer Küche mit Milchkeller dahinter. Die Stallung und die Milchverarbeitung ist Privatsache, weshalb es keinerlei gemeinsame Bauten braucht.
Im Unterschied zum Illiez-Tal ist wohl die Weide Gemeingut, die Hut erfolgt aber üblicherweise gemeinsam: am Morgen werden die Tiere aus den verschiedenen Einzelställen zu einer Herde zusammengetrieben und dann durch die Hirten (ein Teil der älteren Kinder, die den Sommer bei ihrer Mutter, Grossmutter oder Tante verbrachten) auf die höher gelegenen Alpweiden (Genossenschaftsweiden) getrieben.
Die auf Gemeinboden erstellten Alphütten drängen sich eng zu einem Alpdorf (meist mit Kapelle) zusammen, um möglichst wenig gutes Weidland zu besetzen.
[1] Im Oberwallis bestehen diese beiden Formen: Senntumalpe und Einzelalpe nebeneinander, z.B. in „Zen Steinu“ im Baltschiedertal (VS, CH) liegt auf der rechten Seite des Baches das Senntum, der Bach wird hier in einem Steg überquert (Weg zur Alpe Eril) und auf der linken Seite stehen zwei Alpgebäude die als Einzelalpe bewirtschaftet wurden.
Quelle: vgl. Zeugen...
Volmar Schmid, 15. 2. 2008