Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03160.jsonl.gz/2454

In dieser Abteilung der Textwerkstatt stelle ich das vor, was ich für mich das Notizenwerk nenne. Es gründet – von der Alltagsbeobachtung bis zur Traumaufzeichnung, vom Aphorismus bis zum Kurzessay, von der Gedichtskizze bis zum philosophischen Versuch – in einer Schreib- und in einer Leseerfahrung:
• Die Form der Notate ist aus der Erfahrung des Tagebuchschreibens gewachsen, das ich während zeitlich begrenzter Phasen bisher dreimal intensiv betrieben habe (zwischen 1974 und 1977; 1984 und 1986 sowie 2004 und 2008). Während aber Tagebücher tendenziell Inneres verhandeln (das deswegen weder privat noch persönlich sein muss), setzen sich die Notizen tendenziell mit der äusseren, der sozialen Welt auseinander. Verwandt sind Tagebucheinträge und Notizen deshalb, weil ich auch letztere nicht als Diskussionsbeiträge gegenüber einem Du verstehe. Sie dienen weder dem Rechthaben noch der Rechtfertigung gegenüber irgendjemandem, sondern der Selbstverständigung. Was die beiden Textsorten unterscheidet, sind die je verschiedenen Themenfelder, die schwerpunktmässig verhandelt werden.
• Die Form der Notate ergibt sich aber auch aus meinen Lektüren. Nichtfiktionale literarische Bücher gehören zu meinen intensivsten Leseerfahrungen überhaupt: von den Tagebüchern Franz Kafkas oder Max Frischs über die «Sudelhefte» Mani Matters und «Die Notizen» Ludwig Hohls bis zu Theodor W. Adornos «Minima Moralia», den «Reflexionen aus dem beschädigten Leben» oder – neuerdings – Hannah Arendts «Denktagebuch 1950-1973».
Das Notizenwerk besteht bisher aus drei Teilen:
(14.01.2014; 03.08.2018)