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Nachlass bei Patchwork-Familien
Von Stefanie Debrunner, Nachlass-Expertin beim VZ VermögensZentrum in Zürich
Häufig bringt ein Partner Kinder aus früheren Beziehungen in eine neue Partnerschaft oder Ehe ein. Werden die geeigneten Massnahmen nicht rechtzeitig getroffen, profitieren oft nicht die Personen vom Erbe, die der Verstorbene am liebsten begünstigt hätte.
Das Schweizer Erbrecht ist auf eine klassische Familienkonstellation ausgerichtet, also auf ein Ehepaar mit gemeinsamen Kindern. Im Todesfall sind demnach der überlebende Ehepartner und die leiblichen Kinder die Erben. Ohne anders lautende Regelung erhalten sie je die Hälfte des Nachlassvermögens.
Für Patchwork-Familien hingegen gibt es keine speziellen gesetzlichen Regelungen. Das heisst: Die Kinder erben immer nur von dem Elternteil, mit dem sie biologisch oder durch Adoption verwandt sind. Beim Tod des Stiefvaters oder der Stiefmutter besteht kein gesetzlicher Erbanspruch.
So bleibt das Vermögen in der eigenen Familie
Die gesetzliche Aufteilung lässt sich mit einem Testament oder eieinem Erbvertrag abändern. Erblasser können zum Beispiel mit letztwilliger Verfügung nicht nur entscheiden, wer das Vermögen unmittelbar nach dem eigenen Tod erbt, sondern auch, an welche Nacherben es nach dem Ableben dieser Vorerben gehen soll. Das kann zum Beispiel dann sinnvoll sein, wenn das verbleibende Nachlassvermögen nach dem Tod des neuen Ehepartners wieder zurück an die eigenen Kinder gelangen
soll.
Ein Beispiel: Ein Mann mit zwei Kindern aus erster Ehe hat zum zweiten Mal geheiratet. Seiner neuen Ehefrau steht gesetzlich die Hälfte seines Nachlasses zu, seinen Kindern die andere. Möchte er seine Ehefrau finanziell besser absichern, kann er seine Kinder auf den Pflichtteil von drei Achtel setzen. Seiner zweiten Frau steht ein Pflichtteil von zwei Achtel zu. Damit bleiben schliesslich drei Achtel als freie Quote übrig.
Diese Quote darf der Erblasser an eine Auflage oder Bedingung knüpfen. Das heisst: Für diesen Anteil kann er seine Frau als Vorerbin und seine Kinder als Nacherben einsetzen. Zudem kann er festlegen, ob seine Frau die freie Quote aufbrauchen darf oder einen Teil davon für die Kinder sicherstellen muss.
Sobald die Frau verstorben ist, geht die freie Quote oder das, was davon übrig ist, zurück an die Kinder. Mit einer Vor- und Nacherbeneinsetzung auf den Überrest wird sichergestellt, dass das übrig gebliebene Vermögen zurück an die eigenen Kinder fliesst. In der Regel wird die Vorerbschaft beim Tod des Vorerben, in diesem Fall der Frau, ausbezahlt.
Der Erblasser kann aber auch andere Kriterien festlegen, die die Ausbezahlung der Vorerbschaft auslösen. Mögliche Ereignisse sind zum Beispiel: Wenn der überlebende Ehegatte wieder heiratet, die Schweiz verlässt oder Ähnliches.
Steuerliche Vorteile
Eine Nacherbschaft kann im Einzelfall auch steuerlich interessant sein: Für die Erbschaftssteuer ist das verwandtschaftsverhältnis zum Erblasser ausschlaggebend, nicht das zum Vorerben. Die meisten Kantone haben Erbschaftssteuern für direkte Nachkommen abgeschafft. Dort gehen die Kinder also steuerfrei aus, wenn der Vater seine neue Ehepartnerin als Vorerbin und seine Kinder aus erster Ehe als Nacherben einsetzt.
Sieht hingegen die Ehefrau in ihrem Testament die leiblichen Kinder
ihres verstorbenen Mannes als Erben vor, fallen in fast der Hälfte aller Kantone die Erbschaftssteuern für Stiefkinder an, die je nach Kanton und Vermögen sehr hoch ausfallen können.