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Widdersgrind BE
Bekannte Objekte
- 9107 Kaverne Widdersgrind Ost - 598'030/169'630
- 9110 Artilleriewerk Widdersgrind West (1x7,5 cm Feldkanone, 1x Infanteriekanone, 1x Mg) - 597'300/169'650
«Weiche Bunker» im Gantrischgebiet
Nach dem Zweiten Weltkrieg sorgten die Bunker im Gantrischgebiet/Stockhornkette für Aufsehen. Auslöser war im Herbst 1946 das Werk Widdersgrind. Eine Überprüfung ergab schliesslich, dass auf einer Breite von 20 Kilometern am Gantrisch und Stockhorn acht Bunker sich als schlicht unbrauchbar oder ungenügend, acht weitere als gerade noch als brauchbar erwiesen. Beschussversuche ergaben, dass bereits nach dem fünften Schuss mit einer Infanteriekanone die schützende Betonmauer durchschlagen war. Bald war von «weichen Bunkern» die Rede, die im Auftrag des Geniebüros von zivilen Unternehmen erstellt worden waren. 26 Angeschuldigte standen schlussendlich vor Gericht, elf Militärs und 15 Zivilpersonen. Die Anklage lautete zusammengefasst, dass bei der Erstellung einzelner Werke und Kampfstände schlechte Arbeit geleistet und insbesondere schlecht betoniert wurde. Es wurde zu wenig Zement, zu wenig Sand, ungeeignetes Ausbruchmaterial verwendet. Die Rechnungen aber bezogen sich auf vollwertiges Material und vollwertige Arbeit.
Die Anklage wurde sogar auf Landesverrat ausgeweitet, da durch die «weichen Bunker» eine Lücke in der Reduit-Front klaffte. Die Anlagen standen übrigens auf der dem potenziellen Feind zugewandten Hangseite und somit war von Beginn weg ihre Wirkung zumindest fraglich. Der Fall kam im Herbst 1950 vor das Divisionsgericht 3B. Das Urteil: Die drei verurteilten Militärs erhielten nur bedingte Gefängnisstrafen und Bussen von maximal 1’000 Franken, währenddessen zwei der sechs angeklagten Bauunternehmer für 24 resp. 15 Monate ins Gefängnis mussten (Bussen von 10’000 resp. 2’600 Franken). Eine ganze Anzahl Beschuldigter wurde freigesprochen. Aufgezeigt wurde, dass sowohl schlechtes Baumaterial als auch teilweise zu wenig Zement verwendet wurde, der Bau im Winter ungünstig angesetzt und die Bauaufsicht vernachlässigt worden war.Die Öffentlichkeit wurde möglichst nicht informiert, in der Presse wurde von Vertuschungsversuchen geschrieben, weil hohe Militärs involviert seien.
Auch der Oberrichter wurde kritisiert, da er mehr darauf bedacht sei, die Angeklagten zu schützen als die Wahrheit ans Tageslicht zu bringen und die Schuldigen zu bestrafen. Diese Tatsache zeigt, wie kritisch die oft abgeschottete Welt der Militärs in der Öffentlichkeit damals zur Kenntnis genommen wurde.