Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03387.jsonl.gz/1670

Serge Baechler erhielt sein EFZ als Bauzeichner im Alter von 50 Jahren. Als er noch als Chefmetzger arbeitete, traten bei ihm gesundheitliche Probleme auf, die ihn dazu zwangen, sich beruflich neu zu orientieren. Er fing eine Lehre beim Ingenieurbüro Engler Ingénieurs SA (mit Sitz in Bulle) an. Für dessen Direktor Pascal Engler war es seit seiner Ernennung im Jahr 2004 immer ein grosses Anliegen, Lernende auszubilden. Selbstverständlich war er damit einverstanden, Serge Baechler bei seiner Umschulung zu unterstützen.
Laut dem Direktor ist es wichtig, sich für die Ausbildung der Lernenden zu engagieren, welche die Zukunft des Berufs darstellen; die Lernendenausbildung sei eine Win-win-Situation. Sie erfordert sicherlich Ressourcen, sie bietet aber auch die Chance, den Beruf zu entwickeln und sie ermöglicht einen Austausch zwischen den Generationen. «Besonders schätze ich, wenn ich ehemalige Lernende treffe, die ihren Beruf immer noch mit Leidenschaft und Begeisterung ausüben», betont er.
Eine schöne soziale Erfahrung
Pascal Engler hat von der Begleitung dieses fünfzigjährigen Lernenden eine ausgesprochen positive Erinnerung zurückbehalten: «Die Ausbildung von Serge war eine schöne soziale Erfahrung. Sie ermöglichte es, einer Person in einem fortgeschrittenen Alter eine neue Ausbildung zu ermöglichen. Er hat sich sehr rasch in das Team integriert.» Auch die Beharrlichkeit, die Serge Baechler bei auftretenden Schwierigkeiten zeigte, war beeindruckend. Die grösste Herausforderung für den ehemaligen Metzger war es, wieder die Schulbank zu drücken: «Vor allem in der Mathematik hatte ich einiges aufzuholen», gesteht er mit einem Lachen.
Die Unterstützung von Pascal Engler liess aber nicht lange auf sich warten: Er ermutigte Serge Baechler, Stützkurse zu besuchen und empfahl ihm aufgrund eines ersten Misserfolgs bei den Abschlussprüfungen, ein zusätzliches Jahr in einem anderen Büro zu absolvieren. Und so kam es, dass er noch ein fünftes Jahr bei der Sabert SA anhängte und seine Lehre 2022 erfolgreich abschliessen konnte.
Alles daran setzen!
Serge Baechler erinnert sich an den Wechsel, als wäre es gestern gewesen: «Ich musste neu beginnen, neue Kompetenzen erwerben. Es gab zahlreiche Anforderungen, und zu Beginn fehlte mir manchmal die Motivation», erzählt er, bevor er hinzufügt: «Damien Morand (Anm. d. Red.: Direktor der Sabert SA) hat mich immer wieder motiviert und unterstützt. Und schliesslich kam der Moment, in dem ich begriff: Das ist es, was ich machen will.»
Damien Morand, dessen Büro insgesamt schon über 50 Lernende ausgebildet hat, kommt ebenfalls auf diese prägende Erfahrung zu sprechen: «Serge war der Älteste unter den Lernenden, er besass schon eine gewisse Reife, seine Herangehensweise war anders. Er wollte das wirklich schaffen und er setzte alles daran!», erinnert sich der Direktor. «Er ist zudem ein Perfektionist, man musste ihm beibringen, den Rhythmus beizubehalten und sich nicht in Details zu verlieren, besonders im Hinblick auf die Abschlussprüfungen. Serge hat sich übrigens bei mir dafür bedankt, dass ich ihn ein wenig wachgerüttelt habe», sagt der Chef lächelnd.
Der Direktor der Sabert SA, der bestätigt, dass die Ausbildung fest in den Statuten verankert sei, war schon immer in den Ausbildungsprozess involviert: «Es ist wichtig, den Nachwuchs auszubilden, unseren Beruf bekannt zu machen und wertzuschätzen.» Genau wie sein Kollege Pascal Engler anerkennt er, dass die Ausbildung Zeit beanspruche, dass es aber auch befriedigend sei, die Entwicklung eines Lernenden zu sehen und zu verfolgen, wie er mit der Zeit auf eigenen Beinen steht.
DIe Auszeichnung «Coup de cœur»
Die Auszeichnung, die anlässlich des Herbstauftakts der Unternehmen 2022 verliehen wurde, hat die beiden Unternehmen in ihrer Unterstützung für die Berufsausbildung bestärkt. Es ist eine Anerkennung für die Arbeit und Energie, die sie in die Ausbildung investieren. «Vor allem ist es der Erfolg unserer Lernenden und die Motivation von Serge, die uns freuen», gesteht Damien Morand. Die beiden Unternehmensleiter sind zwar beunruhigt wegen des wirtschaftlichen Umfelds, das sich auf das Baugewerbe auswirkt, gleichzeitig blicken sie aber zuversichtlich nach vorne und wollen sich weiterhin für die Ausbildung engagieren. Serge Baechler seinerseits sagt, dass er es nicht bereue, diesen Weg eingeschlagen zu haben: «Ich habe gelernt, dass man es schaffen kann, wenn man es wirklich will.»