Document ID: /curiavista/filtered/00000.jsonl.gz/42209

<h2>SubmittedText<h2><p>1. Wie beurteilt der Bundesrat den gegenwärtigen Stellenwert der Geistes- und Sozialwissenschaften in der Schweiz? Teilt er die Besorgnis der Unterzeichnerinnen und Unterzeichner dieser Interpellation über den chronischen und fortwährenden Mangel an finanziellen Mitteln in den Geistes- und Sozialwissenschaften?</p><p>2. Wie gedenkt der Bundesrat, dieser Situation abzuhelfen? Wird er in der nächsten Botschaft über die Förderung von Bildung, Forschung und Technologie konkrete Massnahmen vorschlagen? Wird er in seinen Entscheiden zur Finanzierung das Zahlenverhältnis zwischen Studierenden und  Lehrpersonen in den verschiedenen Bereichen berücksichtigen?</p><p>3. Anders als vorgesehen, werden die Nationalen Forschungsschwerpunkte den Bedürfnissen der Geistes- und Sozialwissenschaften nicht gerecht. Welche anderen Instrumente gedenkt der Bundesrat einzusetzen, um die Geistes- und Sozialwissenschaften zu fördern?</p><p>4. Ist der Bundesrat bereit, die Bundesbeiträge an die kantonalen Universitäten deutlich zu erhöhen und somit der Stellungnahme beider Räte zu den Motionen Eymann (01.3140) und Plattner (01.3159) Rechnung zu tragen? Ist er bereit, das Forschungsbudget für die Jahre 2004-2007 um mindestens 6,5 Prozent zu erhöhen, um eine angemessene Entwicklung der wissenschaftlichen Forschung, insbesondere in den Geistes- und Sozialwissenschaften, zu ermöglichen?</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>1. Die Geistes- und Sozialwissenschaften spielen in der Schweiz mit ihrer langen Geschichte und ihren komplexen sprachlichen, kulturellen, sozialen und politischen Verhältnissen eine ganz besondere Rolle. Sie bestehen aus einer grossen Zahl spezialisierter Disziplinen und sind deshalb in der Lage, das kulturelle Gedächtnis zu sichern, über die Institutionen der Gesellschaft und des Staates zu reflektieren und durch Lehre und Forschung dafür zu sorgen, dass die vielfältigen Traditionen auf persönlicher und institutioneller Ebene weiterentwickelt werden. Sie analysieren Individuum und Gesellschaft in ihrem Wechselverhältnis und durchleuchten dazu die bestehenden Sozial-, Wirtschafts- und Rechtsordnungen und ihre politischen Institutionen. Sie würdigen den sprachlichen und künstlerischen Ausdruck des Individuums als Beitrag zur gesellschaftlichen Kommunikation, und sie stellen diese kulturellen Ausdrucksformen des Individuums in ihren gesellschaftlichen und historischen Kontext. Angesichts der speziellen Komplexität dieser Fragen in der Schweiz ist die Erhaltung des breiten Spektrums an geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen unabdingbar.</p><p>Der Bundesrat teilt die Ansicht der Interpellation, dass die Zukunft dieser Wissenschaften in der Schweiz gefährdet ist. Schon in der Botschaft über die Förderung von Bildung, Forschung und Technologie in den Jahren 2000-2003 hat er auf die strukturellen Probleme der Geistes- und Sozialwissenschaften hingewiesen. Er ist sich auch bewusst, dass nebst den genannten strukturellen Problemen heute vor allem die seit längerem schwierige finanzielle Lage der entsprechenden Fakultäten an unseren Universitäten die Qualität der Ausbildung in verschiedenen Disziplinen bedroht und die Forschung bzw. ihre Entfaltung behindert.</p><p>2. Angesichts der oben genannten prekären Situation wurde im Hinblick auf die Ausarbeitung der Botschaft über die Förderung von Bildung, Forschung und Technologie in den Jahren 2004-2007 vom Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung eine Arbeitsgruppe "Förderung der Geistes- und Sozialwissenschaften" eingesetzt.</p><p>Die Aufgabe der Arbeitsgruppe bestand darin, Leitlinien zur Entwicklung der Geistes- und Sozialwissenschaften in der Schweiz zu erarbeiten und, darauf abgestützt, Massnahmen auf Bundesebene zu einer verstärkten Förderung dieser Fachbereiche im Rahmen einer umfassenden Wissenschaftspolitik vorzuschlagen.</p><p>Die Arbeitsgruppe schlägt in ihrem Bericht verschiedene Massnahmen vor, wobei das Schwergewicht vor allem bei der Verbesserung der prekären Betreuungsverhältnisse und der Nachwuchs- und Forschungsförderung liegt. </p><p>Ob und gegebenenfalls welche der von der Arbeitsgruppe vorgeschlagenen Massnahmen und Instrumente zur Förderung der Geistes- und Sozialwissenschaften in die Botschaft aufgenommen werden können, wird der Bundesrat zum gegebenen Zeitpunkt entscheiden. Dabei ist seitens des Bundes auf seine subsidiäre Rolle in der Universitätsförderung hinzuweisen. Unbestritten ist, dass es einer gemeinsamen Anstrengung aller Beteiligten, von Bund, Kantonen, Universitäten und Forschungsförderungsinstitutionen, bedarf, um diesen Disziplinen eine ihrer Bedeutung für unsere Gesellschaft entsprechende Zukunft zu sichern.</p><p>3. Die vom Bund über den Schweizerischen Nationalfonds finanzierte Programmforschung ist für die Geistes- und Sozialwissenschaften von erheblicher Bedeutung. Über allfällige weitere Massnahmen und zusätzliche Instrumente in der Kompetenz des Bundes wird sich der Bundesrat im Rahmen der Botschaft über die Förderung von Bildung, Forschung und Technologie in den Jahren 2004-2007 äussern.</p><p>4. Der Bundesrat ist sich der Tatsache bewusst, dass die Universitäten zusätzliche Mittel benötigen, um die hohe Qualität in Lehre und Forschung an den Schweizer Universitäten weiterhin garantieren zu können. Der Bundesrat hat denn auch entschieden, dass der Bereich Bildung, Forschung und Technologie als prioritär einzustufen ist. Die entsprechenden Entscheide werden im Rahmen der Botschaft über die Förderung von Bildung, Forschung und Technologie in den Jahren 2004-2007 zu fällen sein.</p>  Antwort des Bundesrates.