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zufälligkeiten - ordnung / chaos
Illustration aus
Fushimi Inari-Taisha, Kyoto, Japan
Fotos
Lisa Ehrensperger, Roland Frei
Link
Der Tod des Unbewussten
Der Herr des Südmeeres war der Schillernde,
der Herr des Nordmeeres war der Zufahrende;
der Herr der Mitte war der Unbewusste.
Der Schillernde und der Zufahrende trafen sich häufig im Lande des Unbewussten,
und der Unbewusste begegnete ihnen stets freundlich.
Der Schillernde und der Zufahrende überlegten nun, wie sie des Unbewussten Güte vergelten könnten,
Sie sprachen: 'Die Menschen alle haben sieben Öffnungen zum Sehen, Hören, Essen und Atmen, nur er hat keine.
Wir wollen versuchen, sie ihm zu bohren.'
So bohrten sie ihm jeden Tag eine Öffnung.
Am siebenten Tage, da war der Unbewusste tot.
'Das Wahre Buch vom südlichen Blütenland'
von Dschuang Dsi
Übersetzung Richard Wilhelm
'Je planmässiger die Menschen vorgehen, desto wirksamer vermag sie der Zufall zu treffen.' Friedrich Dürrenmatt
Offen sein für Zufälligkeiten heisst reagieren auf unerwartete, überraschende Impulse. Nicht nur beherrschen wollen, aber auch zulassen können.
Ein Lichtstrahl, der auf ein achtlos irgendwohin gestelltes Modell fällt, als Beispiel, kann einen gestalterischen Impuls auslösen. Lichtstimmungen können auch mit Computern nicht adequat berechnet werden, der erfahrene Architekt kann jedoch aus einem Reservoir von erlebten Sinneseindrücken auswählen. Eine klare 'planmässige' Grundhaltung, ein starkes Konzept, Ordnung, verhindert das Ab-gleiten in die Beliebigkeit und macht Zufälle erst möglich.
Wir suchen also nicht das Perfekte, Fertige, denn dieses würde den Betrachter ausschliessen, er könnte selbst nichts hinzufügen. Aber ja, wir versuchen zu kontrollieren, zu ordnen. Die Wahrheit ist meistens widersprüchlich. Entscheidend ist jedoch nicht die Kontrolle per se, sondern die dahinterstehende Leidenschaft, ge-stalten zu wollen. Wir unterscheiden nicht Baustile, aber liebevolles Gestalten oder liebloses, ausschliesslich geldorientiertes Geschehen lassen.