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Textübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg
Zwei Jahre bei den Indianern nordwest-Brasiliens
In Cururu-cuara finde ich die Bewohner in großer Aufregung. Ein älterer Siusi der letzten Maloka, der Schmidt und die kostbare Sammlung als Pilot durch alle Fährnisse der Stromschnellen hierher gebracht hat, ist an Lungenentzündung schwer erkrankt.
An demselben Mittag findet eine Kur vor dem Hause von Mandus Neffen statt. Der Kranke und ein junger Mann von Cururu-cuara, der an einer leichten Erkältung leidet, liegen in der brennenden Sonnenhitze lang ausgestreckt am Boden; der hiesige Zauberärzt und ein anderer von einer nahen Maloka hocken mit wichtigen Gesichtern vor ihnen. Zunächst läßt der eine die Patienten an einer Schneckenschalc riechen, die ein gelbes Pulver enthält. Die Kranken ziehen es stark durch die Nase ein, verfallen in Zuckungen und bald darauf in völlige Bewußtlosigkeit. Während dieser Narkose nehmen die Zauberärzte die übliche Behandlung vor mit Bepusten und Bestreichen des Körpers. Sie saugen den Krankheitsstoff heftig ein, blasen ihn wieder von sich und zerstreuen ihn mit der Hand nach allen Seiten. Von Zeit zu Zeit laufen sie beiseite an das Gebüsch und stöhnen, spucken und rülpsen jämmerlich. Dann kehren sie wieder zu ihren Opfern zurück und wiederholen dieselbe Kur. Sie singen eine eintönige Melodie, eine Art Kanon, bei dem der eine dem anderen stets um einige Takte voraus ist. Der Fremde schwingt dazu energisch die mit Ritzmustern verzierte und oben mit einem Büschel roter Federn geschmückte Zauberrassel über den Kranken hin und her, der Hiesige seinen Zauberstein, jenen großen Bergkristall, den ich seinerzeit nicht erwerben konnte. Beide Ärzte sind von dem Kaschiri, das Mandus Gattin gerade gibt, betrunken und lachen sich bisweilen verständnisinnig an, wie römische Auguren. Allmählich kommen die Kranken wieder zu sich und werden in ihre Hängematten gebracht.