Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03403.jsonl.gz/1186

Kein Sportereignis auf der Welt zieht die Menschen mehr in den Bann als die Olympischen Spiele, die seit ihrer Wiedereinführung durch Pierre de Coubertin im Jahr 1896 zum wichtigsten sportlichen Ereignis der Welt geworden sind. Während an den ersten Olympischen Spielen moderner Zeitrechnung 1896 in Athen nur 295 Sportler teilnahmen, sind es 100 Jahre später rund 10'000 Athleten und Athletinnen, die um Medaillen wetteifern.
Der olympische Gedanke, Synonym für Frieden und gegenseitigen Respekt der Länder dieser Welt, war in der Vergangenheit vielfältigen Prüfungen ausgesetzt: 1936 missbrauchte Adolf Hitler die Olympische Spiele als Plattform für politische Propaganda. 1972 in München wurden die Spiele Ziel eines terroristischen Aktes und 1980 bzw. 1984 wurden die Olympischen Spiele von Moskau und Los Angeles durch politisch bedingte Boykotte der USA bzw. der Sowietunion in ihrem sportlichen Wert geschmälert. Nichtsdestotrotz gelten Olympische Spiele heute als bedeutendster Sportanlass der Welt.
Der Ursprung der olympischen Spiele reicht bis in die mykenische Epoche zurück. Das Fehlen von zeitgenössischen literarischen Quellen hat jedoch die Erforschung der Frühgeschichte Olympias ausserordentlich erschwert. So mussten Archäologen ihre Funde oft mit Spekulationen ergänzen. Dies ergibt vorerst folgendes Bild:
Die sportlichen Wettkämpfe müssen hier als rituelle Handlungen interpretiert werden. Sie erforderten aber schon damals eine hohe körperliche Leistung.
Die Zählung der Olympischen Spiele begann schliesslich um 776 v. Chr. mit ersten offiziellen Aufzeichnungen der Sieger. Von diesem Zeitpunkt an lässt sich für die Olympiaden eine Reihe charakteristischer Merkmale nachweisen:
|1. Tag||Wettkampf der Trompeter und Herolde, Ableistung des Eides, übrige Vorbereitungen.

|2. Tag||Wettkämpfe der Jugendlichen (Knaben).|
|3. Tag||Pferdewettbewerbe,Fünfkampf, Opfer für Achilleus und Pelops.|
|4. Tag||Weitere Opfer, Festmahl (Vollmondstag)|
|5. Tag||Laufwettbewerbe, Ringkampf, Faustkampf, Pankration (griech., »Allkampf«, der Ring- und Faustkampfvereinigte), Waffenlauf.

|6. Tag||Bekränzung der Sieger, Bewirtung der Gäste.|
Bis zur 14. Olympiade bestanden die Spiele nur aus einem Stadionlauf von einer Länge von 192.28 Metern. Dann weitete sich das Programm schrittweise aus. Diese Entwicklung lässt sich im einzelnen anhand der Siegerlisten verfolgen. Nach und nach kamen weitere Disziplinen hinzu:
Der Sieger wurde mit Ölbaumzweigen bekränzt. Ausserdem erhielt er das Recht, sein Standbild im heiligen Hain zu errichten. In der Heimat des Siegers wurde bei dessen Rückkehr tagelang gefeiert. Für den Rest seines Lebens brauchte der Gewinner keine Steuern mehr zu zahlen, er wurde auf Staatskosten verpflegt, erhielt einen Ehrenplatz im Theater sowie Sach- und Geldspenden und bei Krieg "durften" sie in vordester Front neben dem König kämpfen. Wurde ein Olympiasieger gefangengenommen, so kam er oft auf Grund seines Sieges ohne Lösegeld wieder frei.
Ab dem dritten Jh. v. Chr. starteten in Olympia fast nur noch Berufsathleten, wodurch die Bedeutung der Spiele mehr und mehr zurückging. Es kam sogar zu Bestechungen. Der Mittelpunkt der antiken Welt verlagerte sich allmählich nach Rom. Als anschliessend der römische Kaiser Nero im Jahre 67 n. Chr an den Spielen teilnahm, erfuhren sie eine weitere Entwertung. Obwohl Nero vom Wagen gefallen war, kührte man ihn zum Sieger im Wagenrennen. Er gewann sechsmal, von einem Wettkampf konnte allerdings keine Rede mehr sein: Der grössenwahnsinnige Kaiser hatte die Kampfrichter bestochen.
Viele Jahre später, als das Christentum die Welt eroberte und den Kampf gegen die alten Götter aufnahm, rückte das Ende einer kraftlos gewordenen, ehemals so grossen Überlieferung immer näher. In der Folgezeit nahm der Glaube an die alten Götter und an Göttervater Zeus ständig ab. Damit sank auch das Ansehen der Spiele in Olympia. Ihr Untergang war vorprogrammiert.
Im Jahre 393 n. Chr. verbot Theodosius, einer der ersten christlichen Herrscher und letzter römischen Kaiser, eine weitere Abhaltung der Spiele. Der Festplatz in Olympia verödete und ging in Trümmer, als die Stürme der Völkerwanderung über ganz Europa dahinbrausten. Erdbeben und Feuersbrünste vernichteten auch die letzten Überbleibsel einer grossen Vergangenheit.
Nachdem die Stätte in Olympia um 18. Jahrhundert vom Altertumsforscher Curtius wieder ausgegraben worden war, hielt Pierre de Coubertin 1889 einen Kongress über körperliche Erziehung ab. Nach Beendigung dieses Kongresses erhielt dieser von seiner Regierung den Auftrag in England und Amerika zu studieren. Von der Reise brachte er den Gedanken einer Wiedererweckung der Olympischen Spiele unter neuzeitlichen Bedingungen, d.h. unter Beteiligung aller Kulturvölker nach Hause. Unter geschickter Beseitigung aller entgegenstehenden Bedenken wusste er auf einem 1894 von ihm einberufenen "Athletischen Kongress" die Gründung eines "Internationalen Olympischen Komitees" zu veranlassen, dessen Leitung ihm übertragen wurde und bis 1925 in seinen Händen lag. Um die Kulturvölker der ganzen Welt für den Gedanken des neuen Olympischen Wettkampfes zu gewinnen, sollten die Spiele alle vier Jahre in einem anderen Land zum Austrag gelangen. Um die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart zum Ausdruck zu bringen, wurden die ersten olympischen Spiele der Neuzeit 1896 in Athen angesetzt.
So fanden die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 in Athen statt. Erstmals seit dem Verbot der Spiele im Jahre 393 n. Ch. durch den damaligen Kaiser Theodosius wurden wieder Sportler im Namen der Nationen zu Wettkämpfen nominiert. Im Jahr der ersten Olympischen Spiele der Neuzeit führte der französische Philologe Breal als Hintergrund zu einer Neuerung im olympischen Sport den Marathonlauf ein. Eine nicht belegte Überlieferung aus dem alten Griechenland erzählt die Legende von einem griechischem Soldaten. Nach der Schlacht bei Marathon vor über 2000 Jahren, in der die Griechen über die Perser siegten, soll der Soldat nach Athen gelaufen sein, um die frohe Kunde zu überbringen. Kurz nach seiner Ankunft starb er. So die Legende. Dies war sozusagen ein Neuanfang der eigentlichen Olympischen Wettkämpfe, die - im Jahre 776 vor Chr. zum ersten Mal ausgetragen - den Lauf von einem Stadionende zum anderen als einzige Disziplin vorsah.
Für die Wiederaufnahme der olympischen Spiele nach antikem Vorbilde war zur Hauptsache Baron Pièrre de Coubertin verantwortlich. Er organisierte dann auch, unter Mithilfe der olympischen Familie, dem IOC, einer in Ehren gehaltenen Männerversammlung, die ersten Spiele 1896 in Athen. Athleten aus dreizehn verschiedenen Länder, vor allem aus Europa, fanden sich zu diesem ersten internationalen Turnier ein. In zehn verschiedenen Sportarten massen sich die angereisten Sportler, wohlgemerkt alles Amateure. Wenn man sich vorstellt, dass es bis 1896 kein sportliches Fest dieser Art und Grössenordnung gegeben hatte, kann man verstehen, dass Coubertin nach diesen ersten Spielen schrieb: "Es waren wahrhaft königliche Spiele, die ein Mass setzten".
Die Spiele 1900 in Paris und 1904 St. Louis, die folgten hinterliessen vor allem organisatorisch gesehen, einen eher miserablen Eindruck und kratzten am goldigen Bild Olympias. Zuviel Neues und Unbekanntes wollte nämlich hineingepackt werden.
Doch Coubertin liess den Kopf nicht hängen und organisierte, nicht wie üblich im 4-jahres-Rhythmus, 1906 die Zwischenspiele in Athen, als zehnjähriges Jubiläum. Den grossen Durchbruch erreichten die olympischen Spiele aber noch nicht.
Dieser erfolgte an den Spielen zu Stockholm 1912, die als die perfekten Spiele in die Geschichte eingingen. Und dies aus verschiedenen Gründen. Sicher aber, weil die Organisation stimmte, Athleten aus allen Kontinenten anwesend waren und erstmals auch Frauen mitmischen durften. Auffallend, dass bis zu diesem Zeitpunkt das Gastgeberland jeweils als Nationensieger hervorging.
1924 standen dann endlich die ersten Winterspiele in Chamonix auf dem Plan. Sie hatten so lange auf sich warten lassen, weil der Skisport bis zum Ersten Weltkrieg völlig bedeutungslos gewesen war. Nun nahmen sie jedoch mehr und mehr an Bedeutung zu Mit lediglich einem Teilnehmer weniger als 28 Jahre zuvor an den Olympischen Sommerspielen in Athen, aber doch nur fünf verschiedenen Sportarten starteten die Winterspiele im französischen Kurort. Die Dominatoren dieser ersten Winterolympiade waren ganz klar die Skandinavier, die mit 31 von 40 Medaillen nach Hause reisten.
1928 Vier Jahre später schon kamen die Winterspiele in die Schweiz nach St. Moritz. Es waren auch die ersten Spiele, für die ein ganzes Dorf umgebaut wurde. Neu wurde auch kein Land mehr aus politischen Gründen vom Geschehen ausgeschlossen. Im Sommer desselben Jahres bewiesen die Holländer, (Gastgeberland der Sommerspiele) Kultur beim Bau des Olympiastadions. Der Architekt Jan Wils erhielt für seine Leistung die Goldmedaille im Ressort Baukunst der olympischen Kunstwettbewerbe. Die Idee, dass auch Kunst am olympischen Wettbewerb teilnehmen sollte, war zwar schon früher aufgekommen und zur Ausführung gelangt, von der Öffentlichkeit aber erst jetzt richtig wahr- und ernstgenommen.
Olympische Spiele in der Traumfabrik wurden 1932 in Los Angeles abgehalten. Zum ersten Male werden die Sieger und ihre zwei nächsten Konkurrenten aufs Podestchen gebeten. Die Lauflegende Paavo Nurmi aus Finnland, die 15 Weltrekorde in Langstreckenläufen für sich beanspruchte, wurde an dieser Olympiade gesperrt, weil ihr zuvor der Amateurstand abgesprochen worden war. Nurmi war somit zum Zuschauen verurteilt.
Star der Olympiade 1936 in Berlin war ohne Zweifel der Amerikaner Jesse Owens. Als jüngster einer dreizehnköpfigen armen schwarzen Familie wuchs er in Oakville auf und trainierte anfangs ganz alleine mit einem unzerstörbarem Eifer. Den Lohn für sein jahrelanges hartes Training bekam er dann eben in Berlin. Er dominierte die 100m und 200m Sprints und den Weitsprung und gewann mit seiner Mannschaft zusätzlich die Goldmedaille in der 4 x 100m-Staffel. Dies wiederholte nach ihm nur Carl Lewis, der Leichtathletik Superstar der Neuzeit.
Für 12 Jahre ruhten nun die olympischen Spiele im Schatten des schrecklichen Zweiten Weltkriegs. 1948 erfolgte dann trotz wirtschaftlich miserabler Zeit die Wiederaufnahme der Spiele und zwar in Englands Hauptstadt London. In einem Land, das zu den Siegermächten gehörte, aber trotzdem unter Rohstoffmangel litt, noch immer die Lebensmittel rationierte und dessen Bürger um Kleider anstehen mussten.
In Helsinki 1952 nahmen erstmals die Sowjets an den Spielen teil und setzten sich sogleich an die Spitze des Medaillenspiegels. Die USA hatte hiermit endlich einen ebenbürtigen Gegner gefunden. Für viele Bürger widerspiegelte dieser Kampf um die Medaillen den kalten Krieg, der allmählich aufkam.
1956 konnte wiederum eine Première gefeiert werden. Erstmals wurde das Turnier auf der südlichen Halbkugel in Melbourne / Australien veranstaltet. Auch waren es die ersten Boykottspiele. Unter anderem nahm auch die Schweiz am Boykott teil, aus Protest gegen die Sowjets, die einen Aufstand der Ungarn blutigst niedergeschlagen hatten.
Die Winterspiele fanden im gleichen Jahr im italienischen Cortina d'Ampezzo statt. Cortina war schon 1944 vorgesehen gewesen, als die Spiele wegen des Krieges ausfallen mussten. Nun widmete man sich in Italien mit ganzem Einsatz der Ausrichtung. Mit erheblichen finanziellen Mitteln aus dem Fussball-Toto wurden prächtige Sportstätten errichtet - denen aber zunächst der Schnee fehlte. Lastwagen karrten ihn unermüdlich heran und mussten ihn, weil es am Eröffnungstag stark wie kaum zuvor schneite, wieder wegschaffen.
Zum ersten Mal sprach eine Frau, die alpine Skiläuferin Giuliana Chenal-Minuzzo, 1952 Dritte in der Abfahrt, den "olympischen Eid".
Rom, das die Spiele 1908 wegen des Ausbruchs des Vesuvs und seiner finanziellen Folgen hatte zurückgeben müssen, setzte sich als Kandidat gegen sechs Mitbewerber erst im dritten Wahlgang vor Lausanne durch. Nun also fanden die Spiele dort statt, wo sie einst ein Ende gefunden hatten, als der römische Kaiser Theodosius die antiken Sportwettkämpfe 393 nach Chr. verbot.
Die Italiener hatten eine bewundernswerte Mischung zwischen modernen Sportbauten und altehrwürdigen Anlagen gefunden.
Zum ersten Mal wurden Olympische Sommerspiele im Fernsehen in die USA übertragen, wenngleich auch als Aufzeichnungen, nachdem die Filme von Rom nach Amerika transportiert worden waren. Fast überall sonst waren sie live zu sehen - Das Publikum konnte so friedliche und fröhliche Spiele via Bildschirm miterleben.
Trotz einiger Querelen im Vorfeld übte Squaw Valley im Winter 1960 eine große Anziehungskraft aus und bot perfekte Spiele, mit einer Eröffnungsfeier á la Walt Disney. Es wurden "Spiele der kurzen Wege" zu zweckmäßigen Sportstätten. Erstmals übertrug das US-Fernsehen landesweit olympischen Wintersport
Zum erstenmal fanden die Olympischen Spiele in Asien statt. Tokio (Japan) setzte 1964 neue olympische Maßstäbe, von nun an gehörte der Begriff "gigantisch" zum olympischen Sprachgebrauch. Die Organisation war perfekt, die Gastfreundschaft überwältigend, so dass man von den "Happy Games", von glücklichen Spielen, sprach. IOC-Präsident Brundage bezeichnete die Spiele als einen Triumph für die olympische Bewegung.
Die höchstgelegenen Spiele fanden 1968 in Mexico City auf 2260 m statt. Unerwartet fielen hier viele Weltrekorde. Bob Beamon sprang im Weitsprung zum Beispiel den Rekord von 8.90 m, der erst 23 Jahre später von Mike Powell gebrochen wurde. Auffallend war auch, dass nur farbige den 100m Finale erreichten. Dick Fosbury eröffnet an dieser Olympiade dem Hochsprung mit seiner neuen Flop-Technik neue Dimensionen.
München wollte 1972 moderne Olympische Spiele mit Sportlichkeit, Heiterkeit, Begeisterung und perfekter Organisation bieten, man wollte der Welt ein neues deutsches Image, ganz anders als jenes von Berlin 1936, zeigen. In München begann der Bau moderner Sportanlagen und einer aufwendigen Infrastruktur, was insgesamt rund zwei Milliarden Mark beanspruchte. Der Olympiapark mit Olympiastadion, Schwimmhalle und dem weltberühmten Zeltdach ist heute noch ein lebendiges Sport- und Veranstaltungszentrum und Ausflugsziel vieler Touristen.
Die "heiteren Spiele" von München mussten den tragischsten Tag in der Geschichte Olympischer Spiele verkraften, als fünf arabische Terroristen 17 Menschen umbrachten, was alle Triumphe und Erfolge überschattete.
1976 in Montreal (Kanada) gab es das erste und letzte Mal für den Gastgeber keine Goldmedaille. Das Olympiastadion stand anderthalb Jahre vor Beginn der Spiele noch im Rohbau und musste schliesslich in einem horrenden Tempo und von verschiedensten Baufirmen fertiggestellt werden. Im 200m Lauf waren die fünf schnellsten Frauen ausnahmslos Deutsche.
Auch 1976 fanden in Innsbruck (Österreich) die neunten Olympischen Winterspiele statt. IOC-Präsident Avery Brundage, kein Freund der Winterspiele, beklagte sich über zunehmende Kommerzialisierung. Aber Innsbruck bot erstklassige Spiele mit rund einer Million Besuchern.
Das "elektronische" Zeitalter hatte die Spiele nun fest im Griff: Das Fernsehen berichtete weltweit und direkt; die Kampfgerichte bedienten sich der Computer. Die Zeit der "idyllischen Winterspiele" war vorbei. Die Teilnehmerzahlen brachen alle Rekorde, wobei die Gesamtzahl der Sportler (1128) noch von denen der Funktionäre (1150) und Journalisten (1400) übertroffen wurde.
Olympische Spiele ohne die USA sind nahezu unvorstellbar. 1980 boykottierten die Amerikaner jedoch die Spiele in Moskau. Sie beschuldigten die Sowjets der Menschenrechtsverletzung und blieben den Spielen fern. Diese Olympiade war sodann auch von den Kommunisten politisch geprägt, wie schon die Spiele 1936 in Berlin, die von Hitler einen starken nationalsozialistischen Touch verabreicht bekommen hatten.
1984 wurden für das erste Mal in der Geschichte des ursprünglichen Organisationskomitees, des IOC, zwei Frauen ins Team gewählt. Und trotz Boykott als Trotzreaktion seitens der Sowjets, verzeichneten die Verantwortlichen der Spiele in Los Angeles einen Teilnahmerekord. Es wurden dann auch die Spiele der Amerikaner. Carl Lewis erbrachte die im Zusammenhang mit Owens schon erwähnte Topleistung, die den Veranstaltern vier Goldmedaillen wert war. Greg Louganis gewann seinerseits zwei Goldene im Turm- und im Kunstspringen. Das Schwimmerteam gewann alle Staffeln usw. Insgesamt gingen fast die Hälfte der Medaillen an die Amerikaner.
Sarajevo, die Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina, die wenige Jahre später so grausam vom Bürgerkrieg zerstört werden sollte, war Austragungsort der Winterspiele im Jahre 1984. Wieder spielte das Wetter eine große Rolle, das Kapriolen schlug: Frühlingsbilder von der Eröffnungsfeier, dann Schneestürme, die Verschiebungen erzwangen, so dass sogar eine Verlängerung drohte. Die Spiele bezeichnete IOC-Präsident Antonio Samaranch später als die bisher besten in der Geschichte. Man lobte die reibungslose Organisation, die herzliche Gastfreundschaft, die fröhlichen Zuschauer und den "fehlenden Nepp". Es waren recht unbeschwerte Spiele, erstmals seit Innsbruck 1976 ohne politische Querelen.
Die Spiele 1988 in Seoul präsentierten sich als die Spiele des Dopings. Ein Exempel statuierte im schlechten Sinn der allbekannte Kanadier Ben Johnson. Zwei Tage lang wurde der Sprinter gefeiert und stürzte dann endlich von seinem Thron, als in seiner Urinprobe Anabolika festgestellt werden konnte. Noch vier andere wurden neben ihm als Dopingsünder entlarvt. Der Amerikaner Matt Biondi hingegen erregte mit positiven Leistungen das Aufsehen der Öffentlichkeit. Er gewann insgesamt sieben Medaillen im Schwimmen, darunter befanden sich fünf Goldene.
Die Winterspiele in Calgary im selben Jahr verliefen aus Schweizer Sicht so erfolgreich wie selten. Von jedem Metall brachten die Schweizer Sportler nach Hause. Für diesen Erfolg waren vor allem die Skifahrer zuständig.
Nicht nur Rekorde, Stars und Highlights, sondern vor allem auch die neue weltpolitische Lage prägten die Spiele von Barcelona. Durch die Folgen der gewaltigen Veränderungen seit Seoul 1988 zeigten sich die olympischen Spiele in einem neuen - und endlich boykott- sowie spannungsfreien - Gewand.
Nach fünf aufeinanderfolgenden Olympischen Spielen mit heftigen sportpolitischen Querelen und den letzten vier Spielen mit zum Teil zahlreichen Boykotts blieb die Veranstaltung in Spanien "boykottfrei".
Aus fünf bisherigen Republiken der Sowjetunion (Rußland, Ukraine, Kasachstan, Weißrußland und Usbekistan) wurde nur für diese Olympiade ein gemeinsames Team gebildet, das als "EUN" oder "GUS" startete. Die beiden deutschen Staaten waren wiedervereinigt und traten zum ersten Mal seit 1936 wieder als deutsche Mannschaft an. Jugoslawien gab es nicht mehr, Slowenien und Kroatien waren selbständig, das sogenannte "Rest-Jugoslawien" nahm, nur mit Einzelsportlern, unter den Kürzel "IOP" teil.
Beide Teile Chinas waren vertreten, so auch Kuba nach 12jähriger Pause, und erstmals seit 1960 auch wieder Südafrika.
Die Franzosen, 1992 Ausrichter der 16. Olympischen Winterspiele in Albertville boten Wettkampfstätten, die weit in den Savoier Alpen verstreut lagen, auf 13 Orte verteilt. Die Transportprobleme waren entsprechend. Die Spiele wurden in der Rückschau gelobt, obwohl sie sich im Vorfeld und im Verlauf auch von ihren negativen Seiten zeigten: Kommerzialisierung und die geringe Rücksichtnahme ökologischer Aspekte beim Bau der Anlagen sorgten für Kritik.
Bemerkenswert waren die Veränderungen, bedingt durch weltpolitische Ereignisse. Die bis dahin führenden Wintersport-Mannschaften UdSSR und DDR gab es nicht mehr, da sich ihre Staaten wenige Jahre zuvor aufgelöst hatten. Die DDR und Bundesrepublik bildeten ein Team.
Die wichtigste Neuerung lag in der Änderung des olympischen Rhythmus: Bereits zwei Jahre nach Albertville 1992 fanden 1994 in Lillehammer wieder Winterspiele statt, weil das IOC in Abstimmung (oder auch unter Druck) mit dem Fernsehen die olympischen Jahre "entzerren" wollte. Sommer- und Winterspiele finden zwar weiterhin im vierjährigen Turnus, aber nun durch zwei Jahre getrennt statt.
Die Spiele wurden wegen der demonstrierten Vereinbarkeit von Grossereignissen mit dem Umweltschutz und wegen der begeisterungsfähigen und disziplinierten Zuschauer allgemein gelobt.
IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch nannte sie "die besten Winterspiele aller Zeiten", und das IOC erhoffte sich von ihnen eine positive und beispielhafte Botschaft an künftige Ausrichter.
Mit 271 Wettbewerben bot das olympische Programm von Atlanta nochmals 14 Disziplinen mehr auf als Barcelona 1992.
Böse Zungen sprechen von "Coca-Cola" Spielen. Die Amerikaner bieten eine perfekte Show. Leider erleben die Spiele auch ihre Schattenseiten: Während eines Rock-Konzerts im Centennial-Park wird ein Bombenattentat zum Schockerlebnis: zwei Mennschen kommen zu Tode, 111 werden verletzt. Doch getreu dem Motto "the show must go on" erlebt die Welt Rekorde, große Sieger, Freudentränen, Gigantismus und American way of life.
In 1998 kehrten die die Winterspiele nach 26 Jahre nach Japan zurück. In Nagano vor den japanischen Alpen fanden die 18. Winterspiele statt. Snowboarding und Curling debütierten als neue olympische Sportarten. Ebenfalls ins olympische Programm neu eingeführt wurde das Frauen-Eishockey. Zum ersten mal war das Eishockeyturnier für sämtliche "professionellen" Spieler freigegeben. Björn Dähli gewann drei Goldmedaillen im Nordischen Skisport und wurde so der erste Winterathlet, der im Laufe seiner Karriere zwölf olympische Medaillen und davon 8 Goldmedaillen gewann. Tara Lipinski gewann den Frauen Eiskunstlaufwettbwerb und wurde mit einerm Alter von 15 Jahren die jüngste Gewinnerin in einer Einzeldisziplin in der Geschichte der Winterolympiade. Der Geist der Spiele wurde durch den österreichischen Skirennfahrer Hermann Meier geprägt. Maier überlebte einen spektaktulären Sturz im Abfahrtsrennen, erholte sich und holte sich anschliessend zwei Goldmedaillen im Super-G und im Riesenslalom.
Nach Melbourne 1956 fanden die Spiele im Jahr 2000 wieder auf dem Fünften Kontinent statt. Mit seinen Wahrzeichen (vor allem dem weltberühmten Opernhaus) und seinen zahlreichen Stränden ist Sydney ein überaus attraktiver Austragungsort mit einer noch jungen Geschichte: 1788 ging die heutige Metropole aus einer britischen Strafkolonie hervor, die um ein Fort angelegt wurde, und Ausgangspunkt weiterer Siedlungsgründungen war.
Die Begeisterungswoge der einheimischen Bevölkerung, die bei der Vergabe eingesetzt hatte, hielt sich im Vorfeld sowie während der Veranstaltung, als sie von "Down Under" auf die ganze Welt überschwappte. Es sollten die "besten Spiele aller Zeiten" werden.
Bereits die atemberaubende Eröffnungsfeier liess auf Einzigartiges hoffen: Und die Spiele hielten, was die Eröffnung versprach. Sydney bot die "besten Spiele bisher", wie es Juan Antonio Samaranch bei der Abschlussveranstaltung auf den Punkt brachte.
Die Welt staunte über eine perfekte Organisation, reibungslos ablaufende und hochkarätige Wettkämpfe an erstklassigen Wettkampfstätten (Wer erinnert sich nicht an die gigantische Schwimmarena?). Die Sportler fühlten sich in dem familiären Olympiadorf sichtlich wohl und der olympische Funke sprang nicht nur auf die Aktiven, sondern auf die Zuschauer aus aller Welt über.
Das australische Publikum trug massgeblich dazu bei, dass die Spiele als denkwürdiges, farbenfrohes und fröhliches Ereignis in die Geschichte eingehen werden. Mit ihrer Begeisterungsfähigkeit und Gastfreundschaft zelebrierten die Australier Olympia und setzten neue Maßstäbe. Den letzten Höhepunkt setzte eine Schlussfeier, in der gefeiert, getanzt und gejubelt wurde. Die Bestnote für Sydney in den Pressestimmen aus aller Welt!
Die 28. Olympischen Sommerspiele finden im August 2004 in Athen statt. Nach zwei erfolglosen Kandidaturen um die Austragung der olympischen Sommerspiele erhielt der historische Ort für 2004 den Zuschlag. Damit ist Athen nach 108 Jahren wieder Schauplatz der sportlichen Wettkämpfe, die den von Coubertin wiederbelebten olympischen Ideen zur Ehre gereichen sollen.