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Der Toxikologe Peter Clausing wirft der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit vor, Tatsachen zu verdrehen.
WOZ: Herr Clausing, ist Glyphosat nun krebserregend oder nicht?
Peter Clausing: Glyphosat ist eindeutig krebserregend. Das zeigen die Daten, auf die sich die Efsa, die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, selbst stützt. Ich habe mir diese Daten sehr genau angeschaut – die Beweislage ist meiner Einschätzung nach erdrückend. Es ist völlig unverständlich, wie sich die Efsa dazu hinreissen lassen kann, das Gegenteil von dem zu behaupten, was da steht. Ich bin empört, wie die Behörde die Wahrheit entstellt und die Fakten verdreht, bis hin zu expliziten Lügen.
Ein happiger Vorwurf. Haben Sie Beweise dafür, dass die Efsa lügt?
In ihrer Einschätzung bezieht sich die Efsa zum Beispiel auf historische Kontrollen, um zu begründen, weshalb Glyphosat nicht krebserregend sei. Doch die historischen Kontrollen, die sie dann im Anhang anführt, sind eben genau nicht die historischen Kontrollen aus den Labors, in denen die Studien durchgeführt wurden, sondern irgendwelche Daten einer grossen Firma, die Versuchstiere züchtet.
Man muss also in die Fussnoten gehen, um die Efsa zu entlarven.
Zumindest findet man dort heraus, wie die Efsa ihre Lügen konstruiert. Zum Beispiel im Fall einer Studie an Swiss-Albino-Mäusen, die von der Efsa als nicht relevant eingestuft wird – «wegen Virusinfektion», wie es in der Begründung heisst. Schaut man sich hingegen die Originaldaten an, findet man heraus, dass virale Infektionen gar nicht untersucht und entsprechend auch nicht nachgewiesen worden sind. In den Kommentaren des Bundesinstituts für Risikoforschung heisst es, dass lediglich diskutiert wurde, ob virale Infektionen die erhöhte Tumorrate eventuell erklären könnten. Doch die Efsa macht daraus eine Tatsache und behauptet: Die Versuchsmäuse waren mit einem Virus infiziert, deshalb die erhöhte Krebsrate.
Viele Studien zeigen einen deutlichen Zusammenhang auf zwischen dem verabreichten Glyphosat und der Entwicklung von Krebs. Die Efsa behauptet, dieser Zusammenhang sei nicht kausal.
Insgesamt gibt es sieben Langzeitstudien an Tieren, in denen sich eine erhöhte Tumorrate zeigt: Mit ihnen ist ein kausaler Zusammenhang zwischen Glyphosat und der Entstehung von Krebs belegt, selbst wenn man die genauen Wirkmechanismen nicht endgültig kennt. Die Efsa behauptet, die Resultate seien nicht konsistent, weil nicht immer dieselben Tumortypen aufgetreten seien. Dabei ist in drei Mäusestudien Lymphdrüsenkrebs signifikant erhöht aufgetreten. Wie viel Konsistenz braucht die Efsa denn noch?
Die Efsa behauptet, diese Tumore seien nicht auf das Glyphosat zurückzuführen, sondern auf die Formulierungen, also die beigemischten Hilfsstoffe.
Das stimmt so nicht. Die eigentlichen Krebsstudien an Ratten und Mäusen wurden mit dem reinen Wirkstoff gemacht. Bei der Diskussion um die beigemischten Hilfsstoffe geht es um Gentoxizität – also einen möglichen Wirkmechanismus für die Krebsentstehung. Aber auch hier gibt es Studien, die mit dem reinen Wirkstoff gemacht wurden und bei denen man fündig geworden ist, etwa in einer Studie der Universität Wien aus dem Jahr 2012.
Wenn die Efsa davon ausgeht, dass die Formulierungen in den verkauften Produkten krebserregend sind – weshalb weigert sie sich dann, sie in ihrer Beurteilung zu berücksichtigen?
Das ist ein ganz billiger Taschenspielertrick. Auf EU-Ebene wird nur über den Wirkstoff entschieden – die Zulassung der Formulierung ist Sache der einzelnen Länder.
Handelt da die Efsa als Behörde, die europaweit für die Sicherheit von Lebensmitteln zuständig ist, nicht schlicht verantwortungslos?
Nun, für die gesetzlichen Regelungen trägt die Efsa keine Schuld. Dass sie aber einen eindeutig kanzerogenen Wirkstoff genehmigt und behauptet, er sei nicht krebserregend: Das ist absolut verantwortungslos!
Dr. Peter Clausing (65) ist im Vorstand des Pestizid-Aktions-Netzwerks (PAN) Deutschland.
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