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Wird man in seinen 50ern als Schauspieler noch berühmt – auch wenn man eigentlich am liebsten in Unterhosen und betrunken zu Hause rumhängt? Sergio Garces (Diego Peretti) macht das eine, träumt vom andern und beweist in der Tragikomödie «Iniciales S.G.», dass man sich selbst doch nicht so wichtig nehmen sollte.
Buenos Aires im Sommer 2014: Die Fussballweltmeisterschaft befindet sich bereits im Halbfinale. Gerade hat Deutschland die brasilianische Mannschaft mit 7:1 vermöbelt. Sollte Argentinien gegen die Niederlande gewinnen, stünde die argentinische Mannschaft seit 24 Jahren erstmals wieder im Finale. Sergio Garces fiebert mit seiner Mannschaft mit. Er, der mittelmässige Schauspieler, der seinen Lebensunterhalt mit Statistenrollen und als Darsteller in Sexfilmen verdient, meint, sein Schicksal sei unweigerlich mit der argentinischen Fussballnationalmannschaft verbunden. Geht es dem Team gut, geht es auch ihm gut. Nur wenn er sich das Spiel ansieht und an sie glaubt, ist die Mannschaft erfolgreich. Seinem grossen Vorbild Serge Gainsbourg nacheifernd (eine Coverplatte mit Liedern des grossen Stars hat er bereits herausgebracht), mit dem er ausser den Initialen wenig gemein hat, ist er überzeugt davon, dass ihn der grosse Ruhm schon noch erreichen wird.
Pech und Pannen
Die Mannschaft steht im Finale und umso unwirklicher ist es, dass Sergio gerade jetzt noch mehr vom Pech verfolgt zu sein scheint. Erst hat er einen Fahrrad-Unfall, dann wird er zu Sozialarbeit und psychiatrischen Sitzungen verurteilt, wegen einer, seiner Meinung nach, läppischen Schlägerei. Plus: Die Frau, auf die er ein Auge geworfen hat, hat gar kein Interesse an ihm. Dafür trifft er auf die Amerikanerin Jane (Julianne Nicholson), die ihn aber nicht wirklich interessiert und die er nur mit nach Hause nimmt, weil sonst gerade nichts klappt.
Irgendwie versucht Sergio, durch sein Leben zu kommen und trotz den Pannen etwas daraus zu machen. Aus dem Off kommentiert durch die Stimme von Daniel Fanego, werden seine Taten eingeordnet und in Relation gesetzt. Das ist hilfreich, denn Sergio ist mit Sicherheit kein Sympathieträger, seine absurde Logik kaum nachvollziehbar – und doch fiebert man mit ihm mit und hofft, dass sein Schlamassel sich doch noch zum Guten wendet.
«Das Regie-Duo Rania Attieh und Daniel Garcia schafft es, Action, Spannung, Witz und Absurdität so zu vermengen, dass man Sergios Schicksal trotz seiner unsympathischen Art verfolgen will.»
Und das gelingt streckenweise sogar – auch wenn man sich dann doch das ein oder andere mal fragt, ob man sich diesen jämmerlichen, mühsamen Typen, mit seinen machoiden Allüren tatsächlich weiter antun soll. Das Regie-Duo Rania Attieh und Daniel Garcia schafft es, Action, Spannung, Witz und Absurdität so zu vermengen, dass man Sergios Schicksal trotz seiner unsympathischen Art verfolgen will und sich unweigerlich fragt, wie man selbst in derselben Situation reagieren würde.
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Kinostart Deutschschweiz: 18.06.2020
Filmfakten: «Iniciales S.G.» / Regie: Rania Attieh, Daniel Garcia / Mit: Diego Peretti, Julianne Nicholson, Daniel Fanego / Argentinien, Libanon, USA / 93 Minuten
Bild- und Trailerquelle: trigon-film
Eine argentinische Tragikomödie mit Höhen, Tiefen und toller Musik! Die spanischen Coverversionen von Serge Gainsbourgs Liedern gab es so bisher noch nicht.