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Die verstärkten Anstrengungen der Regierung in Peking, das Geld im Land zu halten und mit verschärften Auflagen eine Kapitalflucht zu verhindern, erhöhen Zweifel in- und ausländischer Investoren zu Geschäften mit der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt.
"Kunden haben lang immer wieder gefragt, ob sichergestellt werden kann, dass sie beteiligt werden", sagt Severin Brizay, der bei der UBS den Geschäftsbereich Übernahmen und Fusionen in der Region Europa, Naher Osten und Afrika leitet. "Jetzt erleben wir das Gegenteil: Einige Kunden fragen, ob wir es ohne chinesische Bieter machen können angesichts der Schwierigkeiten, die diese sich in der Heimat ausgesetzt sehen." Geschäftsleute klagen, dass viele Unternehmen aus dem Reich der Mitte nicht mehr in der Lage sind, Deals abzuschliessen. Der Grund: Sie erhalten keine Genehmigung, die Landeswährung Yuan in Devisen zu tauschen.
Die Behörden in der Volksrepublik haben seit Ende vergangenen Jahres eine ganze Reihe von Massnahmen eingeleitet, mit denen Kapitalabflüsse und "irrationale" Investitionen ausserhalb der Landesgrenzen gezügelt werden sollen. Das Institute of International Finance schätzt, dass sich die Kapitalabflüsse 2016 auf das Rekordniveau von 725 Milliarden Dollar summierten. Für dieses Jahr wird ein noch höherer Wert erwartet.
Rasante Abwertung des Yuan
Hintergrund ist die Abwertung der Landeswährung Yuan um 6,5 Prozent zum Dollar im vergangenen Jahr. Sie fiel damit so stark aus wie seit 1994 nicht mehr. Die Zentralbank entnahm hunderte Milliarden Dollar aus ihren Reserven, um aus diesem Rutsch keinen Fall zu machen. Die Devisenaufsicht sagt, dass es für "echte und konforme" internationale Transferzahlungen keine Restriktionen gebe und dass sie "gesunde und geordnete" Investitionen ausserhalb der Landesgrenzen begrüsse. "Wir haben immer ausländische Investitionen von Unternehmen unterstützt, die über die Fähigkeit und Bedingungen dafür verfügen."
Doch die rigidere Genehmigungspraxis hat dramatische Folgen, sagen Anwälte, Banker und Analysten. Ausländische Investitionen von Chinesen brachen im Dezember um fast 40 Prozent auf 8,4 Milliarden Dollar ein. Im Januar gingen die Käufe ausländischer Immobilien durch chinesische Unternehmen in den Keller.
Übernahmen scheitern an den Aufsehern
Auch einige Akquisitionen scheiterten bereits. So kam die von der Kinokette Dalian Wanda geplante milliardenschwere Übernahme der US-Unterhaltungsgruppe Dick Clark Productions nicht zustande, weil es Probleme bei der Genehmigung gab, wie die Online-Seite "The Wrap" berichtete. In einem anderen Fall erhielt ein Investor keine Erlaubnis für den Umtausch von Yuan in 30 Millionen Dollar, mit denen eine Investition in US-Wohnimmobilien unter Dach und Fach gebracht werden sollte. "Verkäufer verlangen heutzutage einen gewissen Nachweis", sagt Jeffrey Sun von der Kanzlei Orrick, Herrington and Sutcliffe in Shanghai. "Aus Sicht des Verkäufers sind Sorgen gerechtfertigt." Allerdings würden die staatlichen Aufseher auch Deals erlauben, solange diese als wirtschaftlich sinnvoll eingestuft würden. Wolle hingegen ein Stahlproduzent einen Fussballclub erwerben, dann sei grünes Licht derzeit "unwahrscheinlich".
Fondsmanager, die Chinesen bei der Anlage im Ausland helfen, ändern deshalb ihre Taktik. China Orient Summit Capital beispielsweise hat lange chinesisches Geld eingesammelt, um damit amerikanische und europäische Immobilien zu erwerben. Jetzt sucht das Finanzhaus anderswo nach frischen Mitteln für seine Fonds. Anwälte und Banker berichten, dass Unternehmen die Behörden zu umgehen versuchen, wenn sie auf Mittel ausserhalb der Landesgrenzen zugreifen können. Chinesische Unternehmen haben 2016 rund 111 Milliarden Dollar an Anleihen ausserhalb der Landesgrenzen begeben, wie aus Daten des Analysehauses Dealogic hervorgeht. 2015 waren es lediglich 88 Milliarden Dollar.
Chinesen suchen neue Wege
Chinas Auslandsinvestitionen erreichten im vergangenen Jahr ein Rekordvolumen, könnten aber ohne Restriktionen deutlich höher sein, so die Unternehmensberatung Rhodium. Ihren Daten zufolge kamen 30 Deals im Wert von 74 Milliarden Dollar in den USA und Europa nicht zustande. "Im Augenblick flippen alle aus wegen der Kapitalkontrollen", sagt Rhodium-Experte Daniel Rosen.
In West-Vancouver, einer bei ausländischen Käufern sehr beliebten Wohngegend der kanadischen Metropole mit Häuserpreisen oftmals in Millionenhöhe, sorgt sich Immobilienmakler Tom Gradecak allerdings wenig um Kundschaft aus der Volksrepublik. Bislang hätten chinesische Investoren immer einen Weg gefunden, die Kapitalkontrollen zu umgehen. "Das wird nicht lange dauern", sagt er. "Ich glaube nicht, dass die Leute, die wirklich hierher kommen wollen, zu stoppen sind."
(Reuters)