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Regensberg par Wagner en 1844 (graphica-antiqua.ch)
Regensberg par Bluntschli en 1740 (graphica-antiqua.ch)
Am östlichen Ende der Lägern, die sich von Baden her ins Zürcher Unterland vorschiebt, liegen auf einem felsigen Sporn Burg und Städtchen Regensberg. Noch heute hat die so genannte Oberburg weitgehend das Cachet eines mittelalterlichen Städtchen bewahrt; vom alten Schloss ist hingegen nur noch der runde Bergfried erhalten. Da solche Rundtürme in der Ostschweiz selten sind, betrachtet man ihn als Reverenz des Stadtgründers, Lütold von Regensberg, an seine Gattin,Berta von Neuenburg. Es ist denkbar, dass ein savoyischer Baumeister am Werk war. Für den Bau des Turms verwendete man den reichlich vorhandenen Lägernkalkstein. Anstelle des heutigen Eingangs am Turmfuss benützte man früher den Hocheingang, den man über eine Leiter erreichte. Die Brückenverbindung zum Schloss wurde erst im 18. Jahrhundert gebaut. Der fünfstöckige Turm bietet bei einer Mauerdicke von drei Metern trotz einem Durchmesser von etwa neun Meter zu wenig Wohnfläche für einen dauernden Aufenthalt. Über der heutigen Dachzinne erhob sich einst ein Spitzhelm, der 1766 durch Blitzschlag vernichtet wurde.
Von den übrigen mittelalterlichen Bauten sind kaum mehr Spuren erhalten. Nördlich des Turms stand der Palas. Stadt und Burg waren durch einen künstlichen Graben voneinander getrennt. Eine Ringmauer, die beidseits am Palas ansetzte, umschloss Turm, Hof und Wirtschaftsgebäude. Als bei einem verheerenden Brandunglück im Jahr 1540 das ganze Städtchen eingeäschert wurde, blieb die Burg verschont. Zwischen 1583 und 1585 liess Landvogt Vogel trotzdem den Palas bis auf die Grundmauern abreissen und an seiner Stelle ein dreistöckiges Gebäude errichten, das im wesentlichen dem heutigen nördlichen Schlosstrakt entspricht. Eine tief greifende Umwandlung erfuhr das Schloss erst wieder im lauf der letzten hundert Jahre, als das Wohngebäude verbreitert und im Westen des Turms neue Bauten erstellt wurden.
Die Wahl des Bauplatzes und die Anlage der Burg lassen keinen Zweifel daran, dass auch das Städtchen vorn Anfang an in die Planung miteinbezogen war. Zwei Häuserzeilen umschlossen eine erstaunlich grosszügige, freie Fläche, auf welcher der erhaltene Sodbrunnen 57 Meter in den harten Kalkfelsen abgetieft wurde. Die Unterburg, die sich in der westlichen Senke an den Burghügel anschmiegt wurde vermutlich erst im 14. Jahrhundert erbaut. Sie war weder von einem mittelalterlichen Mauerring umschlossen noch in die Befestigung einbezogen, mit der man die Oberburg und den Landvogteisitz im 17. Jahrhundert umgab.
Der Name Neu-Regensberg weist Burg und Städtchen als Neusiedlung den Regensbergern zu. Lütold V, der auch das Städtchen Glanzenberg an der Limmat gründete, liess das Lägern-Städtchen erbauen. Mehrere Jahre nach seinem Tod teilten die beiden Brüder Lütold VI und Ulrich das Erbe, wobei Ulrich vor allem Burg und Städtchen Neu-Regensberg sowie Besitz im Gebiet von Glanzenberg, Fahr und Weiningen erhielt. Das Ansehen der Freiherren von Regensberg spiegelt sich in den heiraten Ulrichs mit Berta von klingen, einem der angesehensten hochfreien Geschlechter des Thurgaus, und nach deren Tod mit Adelheid aus dem sundgauischen Grafengeschlecht von Pfirt. Ausserdem ist der Aufbau einer eigenen Ministerilität fassbar, zu der etwa die Dienstleute von Dällikon, Fahr, Weningen, Steinmaur und Stühlingen zählten. Überreste einzelner Ministerialenburgen sind am Pflasterdach bei Sünikon und auf dem Lägernkamm, westlich der Hochwacht, erhalten. An die Burg der Herren von Mandach erinnert noch der Flurname „Im Mandach“ östlich des Städtchens.
Als Ulrich um etwa 1280 starb, wurde er im Zürcher Barfüsserkloster bestattet. Seine Grabplatte, die ihn als idealisierte Rittergestalt zeigt, wird im Landesmuseum aufbewahrt. Unter seinem Sohn, Lütold VII, wurde der Niedergang des Geschlechts in zahlreichen Verkäufen augenfällig. Vermutlich schon im Jahr 1302 verkaufte er Neu-Regensberg zusammen mit anderem Familienbesitz an Österreich. Der letzte weltliche Vertreter, Lütold IX, wohnte wahrscheinlich auf der Stammburg, Alt-Regensberg. Die Verlagerung des habsburgischen Machtzentrums nach Österreich spiegelt sich in den wiederholten Verpfändungen Regensbergs. 1409 erwarb Zürich die Herrschaft Regensberg pfandweise, und als Habsburg das Pfand nicht mehr einlöste, ging die Herrschaft 1417 rechtsgültig an Zürich über. Das Schloss diente bis 1798 als Landvogteisitz. Nach der Revolutionszeit wurde Regensberg Sitz des Oberamts und später Bezirkshauptort, bis ihm 1871 Dielsdorf den Rang ablief. 1882 kaufte die gemeinnützige Gesellschaft das Schloss, um dort ein Kinderheim, die heutige Stiftung „Schloss Regensberg“ einzurichten.
Der Turm kann besichtigt werden.
Bibliographie