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Nach nur drei Monaten im Amt steht der amerikanische Präsident bereits mächtig unter Druck. Auf die gescheiterte Gesundheitsreform folgte ein umstrittenes Dekret zum Widerruf des Clean Power Plans. Das vom Vorgänger Obama erlassene Programm sieht vor, den CO2-Ausstoss durch die Förderung sauberer Energieerzeugungsmethoden und den Abbau von Kohlekraftwerken innerhalb von 25 Jahren um 32% zu reduzieren. Doch Trump fehlt in dieser Angelegenheit nicht nur der Rückhalt einzelner Bundesstaaten wie Kalifornien. Auch mächtige Unternehmen bekennen sich zunehmend zu sauberen Energien.
Schlechte Aussichten für ein „Kohle-Comeback“
Eine Statistik der amerikanischen Energiebehörde macht die abnehmende Bedeutung von Kohle bei der Energieerzeugung deutlich. Seit 2010 wurden 251 Kohlekraftwerke vom Netz genommen. Während 2010 der Kohleanteil an der Energieerzeugung noch 50% ausmachte, waren es 2016 nur noch 30%. Die Vorteile der Verwendung von Gas liegen klar auf der Hand: Die Kosten für die Erzeugung einer Megawattstunde Energie aus einem Kohlekraftwerk sind ca. 30% höher als diejenigen für die Erzeugung in einem Gasturbinenkraftwerk. Hinzu kommen die höheren Kosten für den Transport der Kohle und die Entsorgung der Asche. Der wesentliche Vorteil von Gas ist jedoch der deutlich geringere Ausstoss von Treibhausgasen. Die Einsparung von Kohlenstoffdioxid beträgt 50-60% im Vergleich zu Kohle. Die USA konnten die Kohlenstoffdioxid-Emission durch die Umstellung auf Gas von 2007 bis 2015 um 20% reduzieren.
Hohe ökologische und ökonomische Risiken durch Kohle
Am jüngsten Beispiel des amerikanischen Energieversorgers Duke Energy zeigt sich, dass die enormen Umweltbelastungen durch den Betrieb von Kohlekraftwerken auch zum finanziellen Risiko werden können. So erwartet das Unternehmen Kosten in Höhe von ca. 5.2 Mrd. USD für die Entsorgung unsachgemäss deponierter Kohleasche. In Folge des Skandals strich der norwegische Staatsfonds, der weltweit grösste nachhaltige Vermögensverwalter, Duke Energy aus seinem Investitionsuniversum und zog Gelder in Höhe von einer halben Milliarde USD ab. Das Beispiel wirft auch die Frage auf, ob Energieversorger aufgrund der Risiken am Betrieb von Kohlekraftwerken festhalten sollen.
Selbst Big Oil will Klimaschutz
Ein spürbarer Gegenwind bläst Trump auch von amerikanischen Grossunternehmen entgegen. Die Investitionen grosser Energieunternehmen flossen in den letzten Jahren vermehrt in saubere Energieerzeugung. Eine Rückkehr zum Kohletagebau könnte bereits begonnene oder geplante Projekte von Gaskraftwerken, erneuerbaren Energien und Energieinfrastruktur und die damit verbundenen erwarteten Cashflows gefährden. So gab es von Seiten der grossen Energieunternehmen wie ExxonMobil und Royal Dutch Shell Kritik an Trumps Dekret. Dem pflichten auch die Technologie-Riesen Apple und Google sowie die Einzelhändler Wal Mart und Ikea bei. Als Energiekonsumenten wollen sie unabhängig vom politischen Dekret weiterhin an Strom aus sauberen Quellen festhalten.
Profiteure des anhaltenden Gas-Booms
Sollte der Gasboom in den USA weitergehen, könnten auch europäische Unternehmen davon profitieren. So ist Siemens neben General Electric und Mitsubishi Heavy einer der grossen Akteure bei der Herstellung von Gasturbinen. Die Steigerung des Umsatzanteils der Sparte Power & Gas von 17.6% auf 20.1% binnen einem Jahres bestätigt, dass die Auftragsbücher voll sind. Auch in der Schweiz gibt es Unternehmen, die vom Gas-Boom profitieren können. ABB verfügt über die führende Turbinenleittechnik für Gaskraftwerke. Georg Fischer bietet in ihrer Piping-Sparte Lösungen für den sicheren Transport von Gasen und Flüssigkeiten an. Diese modernen Leitungen werden immer wichtiger, da Gaslecks durch marode Leitungen zu einem Methanausstoss in die Atmosphäre führen können. Sulzer entwickelte sich durch Übernahmen vor allem im Servicegeschäft weiter. So könnte die Winterthurer Gesellschaft davon profitieren, dass die steigende Anzahl an wartungsintensiven Gasturbinen und Flüssiggaspumpen zu mehr margenstarkem Servicegeschäft führt.
Letztendlich wird es sich für die neue US-Regierung als schwierig erweisen, sinnvolle Argumente für die Abschaffung des Clean Power Plans und die Rückkehr zum Kohletagebau zu sammeln. Entsprechend wird Trump sein Wahlversprechen, neue Jobs in der Kohleindustrie zu schaffen, nur schwer einlösen können.