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Lagebericht
Geschäftsverlauf und wirtschaftliche Lage des Unternehmens
Rahmenbedingungen
Wirtschaftliches Umfeld
Die Schweizer Wirtschaft hat im letzten Jahr eine kräftige und breit abgestützte Erholung erfahren. Das BIP lag gemäss SECO im 3. Quartal 2021 wieder über dem Vorkrisenniveau, was auf den dynamischen Aussenhandel sowie die zunehmende Normalisierung der Aktivitäten im Dienstleistungssektor zurückzuführen ist.
Die Schweizer Nationalbank (SNB) führt ihre expansive Geldpolitik unverändert fort und belässt den Leitzins ebenfalls bei -0,75%. Sie wird bei Bedarf auch weiterhin am Devisenmarkt investieren. Die SNB geht davon aus, dass sich die globale Wirtschaftserholung trotz der Corona-Pandemie weiterhin fortsetzt, wobei geopolitische Risiken verstärkt in den Fokus gerückt sind. Weiter rechnet sie mit einem BIP-Wachstum von rund 3% für das Jahr 2022 und einem weiteren Rückgang der Arbeitslosenquote.
Nach einem leichten Anstieg der Arbeitslosenquote (ALQ) zu Beginn des Jahres sank diese zwischen Februar 2021 und Oktober 2021 von 3,3% auf 2,7%. Somit konnten zwei Drittel des krisenbedingten Anstiegs im Jahr 2020 wieder wettgemacht werden. Die verschiedenen Branchen wurden zwar ungleichmässig von der Krise getroffen, doch seit rund zwei Quartalen schreitet die Annäherung an die Vorkrisenwerte in praktisch allen Branchen zügig voran, was sich auch in der kontinuierlichen Abnahme der Anzahl Arbeitnehmenden in Kurzarbeit zeigt.
Die Inflation in der Schweiz, sowie auch im Ausland, ist im letzten Jahr weiter angestiegen und erreichte im Oktober mit 1,2% eine für die Schweiz überdurchschnittliche Teuerungsrate (Durchschnitt seit 1995: 0,5%). Mehr als die Hälfte ist auf die Preise der Erdölprodukte zurückzuführen. Vor allem für Heizöl (+50%) und Benzin (+24%) musste deutlich mehr bezahlt werden als im Vorjahr.
Der Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) erreichte Ende Jahr den Stand von 101,5 Punkten (Dezember 2020 = 100). Im Jahr 2021 belief sich die durchschnittliche Jahresteuerung auf +0,6% (2020 = -0,7% / 2019 = +0,4%), was insbesondere auf die höheren Preise für Erdölprodukte sowie höhere Wohnungsmieten zurückzuführen ist. Weiter sind einheimische Produkte um 0,3% teurer geworden und die Preise für Importgüter sind um 1,5% gestiegen. Die Preise für Pauschalreisen ins Ausland und Medikamente sind demgegenüber im Jahr 2021 gesunken.
Der Schweizer Franken hat sich zuletzt deutlich aufgewertet. Im Vergleich zum Ausland kommt er trotz Aufwertung nahe an den Wert vor der Aufhebung des Mindestkurses Anfang 2015. Der Inflationsunterschied zwischen den Währungsräumen ist im Augenblick besonders stark ausgeprägt. Die SNB scheint vorerst die Aufwertung weitgehend zu tolerieren und hat mit der zugelassenen Aufwertung des Frankens einem Ansteigen der Inflation bereits entgegengewirkt.
Der Euro verlor gegenüber dem CHF an Wert und schloss mit einem Kurs von 1.04 EUR/CHF (Vorjahr 1.10) per 31.12.2021. Der US-Dollar legte gegenüber dem Schweizer Franken ein wenig zu und schloss mit einem Kurs von 0.91 USD/CHF (Vorjahr 0.88) zum Ende des Jahres 2021.
Grundsätzlich kann gesagt werden, dass sich die Börsen 2021 gut erholt haben. Nach dem Schock im Jahr 2020 waren stetig steigende Kurse zu beobachten. Der SMI endet mit 12 876 Punkten rund 20% höher als im Vorjahr. Der Deutsche Aktienindex (DAX) schloss 15,8% höher und auch der britische FTSE 100 gewann gegenüber dem Vorjahr 14,3% an Wert. In Amerika legte der Dow Jones um 18,7% zu und der NASDAQ 100 verzeichnete einen Wertzuwachs von 26,6%. Einzig der Chinesische SSE Composite verzeichnet mit 4,8% keinen so deutlichen Wertzuwachs wie die anderen Indizes.
Dank der weitgehenden Lockerungen in den Sommermonaten hat sich die Erholung der Schweizer Binnenwirtschaft fortgesetzt und das BIP stieg spürbar über das Vorkrisenniveau. Dabei war der Dienstleistungssektor ein massgeblicher Wachstumsimpuls. Allerdings lasten seit Monaten Liefer- und Kapazitätsengpässe global auf dem Industriesektor, beeinträchtigen zunehmend die Produktion und tragen international zu kräftigen Preisanstiegen bei. Diese Preisanstiege reduzieren die Kaufkraft und bremsen somit den privaten Konsum. Zusätzlich kommt noch die Unsicherheit rund um die Pandemie dazu, welche sich gegen Ende 2021 stark akzentuiert hat. Insgesamt dürften die wirtschaftlichen Effekte in diesem Zusammenhang aber geringer ausfallen als im vergangenen Winter.
Im Verlauf des Jahres 2022 sollten sich diese Faktoren langsam auflösen und die globalen Engpässe dürften nachlassen. Damit sollte das Güterangebot anziehen (beziehungsweise wieder mit der Nachfrage mithalten) und der Teuerungsdruck international zurückgehen.
Risiken, die auch 2022 bestehen bleiben, sind neben der Pandemie die globalen Kapazitätsengpässe, welche bei längerem Anhalten kombiniert mit dem Inflationsanstieg in einem Preisdruck mit deutlich höherem Zinsniveau münden könnten. Dies würde wiederum die Verschuldung der Staaten und Unternehmen verschärfen. Auch geopolitische Risiken werden das wirtschaftliche Umfeld des Jahres 2022 prägen.
Regulatorisches Umfeld
Die massgebenden regulatorischen Grundlagen im Bankengeschäft sind umfangreich und werden laufend angepasst. Der Regulierungsdruck ist deutlich spürbar und unverändert hoch. Er ist zu einem grossen Teil international getrieben und beeinflusst die Kostensituation der Schweizer Banken negativ. Im Berichtsjahr standen keine grossen regulatorischen Anpassungen an. Es zeichnet sich jedoch ab, dass in den nächsten Jahren wieder einige grössere regulatorischen Herausforderungen auf die Banken zukommen werden (Einlagensicherung, Anpassung Eigenmittelvorschriften).
Geschäftsverlauf des Berichtsjahres
und wirtschaftliche Lage unserer Bank
Jahresabschluss per 31. Dezember 2021
Die Bilanzsumme ist um CHF/CHW 279,1 Mio. auf CHF 5 979 Mio. gewachsen (+4,9%). Die Ausleihungen an Kunden sind um CHF/CHW 292,0 Mio. (+6,1%) gestiegen. Die Kundengelder haben um CHF/CHW 190,7 Mio. zugenommen (+4,7%). Der Gewinn erhöhte sich auf CHF 19,7 Mio. (+57,5%). Der Generalversammlung vom 23. Mai 2022 wird die Ausschüttung aus der Reserve aus steuerbefreiten Kapitaleinlagen in Form einer Wahldividende («Ausschüttung in Form von Stammanteilen» oder Barausschüttung) in der Höhe von CHF 10.75 (Vorjahr CHF 10.25) vorgeschlagen. Fraktionen werden bar ausbezahlt. Die Ausschüttung entspricht einer Dividendenrendite von 2,4% (auf Basis des Schlusskurses per 31. Dezember 2021).
Netto-Erfolg aus dem Zinsengeschäft
Der Bruttoerfolg aus dem Zinsengeschäft liegt mit CHF 65,5 Mio. über dem Vorjahr (+3,6%). Die Bruttozinsmarge ist leicht auf 1,09% (Vorjahr 1,10%) gesunken. Der Nettoerfolg aus dem Zinsengeschäft ist um CHF 2,9 Mio. (+4,8%) höher als im Vorjahr. Mit einem Anteil von 69,4% (Vorjahr 74,9%) am Gesamterfolg ist das Zinsengeschäft weiterhin unser stärkster Ertragspfeiler.
Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft
Der Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft liegt mit CHF 19,5 Mio. nur knapp unter dem Vorjahreswert (-0,4%). Der Anteil am Gesamterfolg beträgt 21,3% (Vorjahr 24,2%). Die mit Abstand grösste Position im Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft ist der Kommissionsertrag aus dem WIR-Verrechnungsverkehr (Netzwerkbeitrag) mit CHF 9,9 Mio. (Vorjahr CHF 11,0 Mio.).
Erfolg aus dem Handelsgeschäft
Der Erfolg aus dem Handelsgeschäft stammt vorwiegend aus dem Handel mit Wertschriften. Im Handelsbestand in Wertschriften sind auch Fremdwährungspositionen enthalten. Aktuell wird kein aktiver Handel mit Devisen betrieben. Im Jahr 2021 hat die Bank einen Gewinn von CHF 6,3 Mio. erwirtschaftet (Vorjahr Verlust 2,4 Mio.). Das Handelsgeschäft trägt 6,8% (Vorjahr -2,9%) an den Gesamterfolg bei.
Übriger ordentlicher Erfolg
Mit CHF 2,2 Mio. (Vorjahr CHF 3,1 Mio.) trägt der übrige ordentliche Erfolg 2,4% zum Gesamterfolg bei (Vorjahr 3,9%).
Personalaufwand
Die Entschädigung an die Mitarbeitenden liegt mit CHF 33,4 Mio. um CHF 0,1 Mio. leicht über dem Vorjahreswert (+0,3%). Die Vorsorgebeiträge an die Personalvorsorgestiftung blieben gleich wie im Vorjahr bei CHF 2,8 Mio.
Sachaufwand
Der Sachaufwand beträgt CHF 26,1 Mio. und ist damit gegenüber dem Vorjahr um CHF 1,5 Mio. gestiegen (+6,0%).
Geschäftsaufwand im Budgetrahmen
Der gesamte Geschäftsaufwand (Personal- und Sachaufwand) liegt mit CHF 59,5 Mio. im Budgetrahmen und um CHF 1,6 Mio. über dem Vorjahreswert (+2,7%).
Jahresgewinn
Im Berichtsjahr wurden CHF 7,1 Mio. (Vorjahr CHF 7,6 Mio.) für die notwendigen Abschreibungen auf dem Anlagevermögen verwendet. Nach Verbuchung des Steueraufwandes von CHF 3,7 Mio. (+83,5%) kann ein Gewinn von CHF 19,7 Mio. (+57,5%) realisiert werden.
Die wesentlichen Kennzahlen werden wie folgt ausgewiesen:
|Berichtsjahr||Vorjahr|
|Zinsmarge||1,09%||1,10%|
|Return on Equity nach Steuern||3,21%||2,05%|
|Cost-Income-Ratio||63,6%||69,4%|
Erstellung des Jahresabschlusses
Mittels eines bewährten internen Kontrollsystems stellen wir sicher, dass die Jahresrechnung unserer Bank vollständig und richtig dargestellt werden kann. Die vorliegende Jahresrechnung wurde am 22.03.2022 vom Verwaltungsrat genehmigt.
Obligationenrechtliche Revision
Die obligationenrechtliche Revisionsstelle Deloitte AG, Basel, hat nach Massgabe der entsprechenden Vorgaben am Sitz der Bank eine obligationenrechtliche Revision durchgeführt. Der Revisionsbericht enthält ein uneingeschränktes Prüfurteil sowie keine Hervorhebungen von Sachverhalten und keine Hinweise auf sonstige Sachverhalte.
Mitarbeitende
Anzahl Beschäftigte und Personalstruktur
Für unsere Mitarbeitenden war mit der anhaltenden COVID-19-Pandemie auch 2021 ein aussergewöhnliches Jahr. Trotz wechselnder Umstände haben die Mitarbeitenden der Bank WIR wiederum sehr gute Arbeit geleistet. Der Personalbestand veränderte sich während des Jahres nur leicht. So waren per Ende Jahr 237 Mitarbeitende (Vorjahr 246) angestellt. Dies entspricht teilzeitbereinigt 216 Vollzeitstellen (Vorjahr 223).
Die Personalstruktur setzte sich per Ende 2021 aus 95 Frauen (entspricht 40,1%, Vorjahr 39,8%) sowie 142 Männern (entspricht 59,9%, Vorjahr 60,2%) zusammen. Das Durchschnittsalter betrug 43.7 Jahre (Vorjahr 44.2 Jahre). Die Durchschnittsbeschäftigung per Ende 2021 lag bei 91,3%.
Arbeiten im Homeoffice
Der Trend zum Homeoffice hat sich aufgrund der COVID-19-Situation auch im Jahr 2021 fortgesetzt. Die im Vorjahr geschaffenen organisatorischen Rahmenbedingungen und die IT-Infrastruktur haben sich als robust und belastbar erwiesen. Viele Arbeitsabläufe wurde so umgestellt, dass sie ohne Effizienzeinbussen auch im Homeoffice erledigt werden können.
Kultur- und Organisationsentwicklung
Alle zwei Jahre werden die Mitarbeitenden zu verschiedenen Themen wie Führung, Umgang mit Veränderungen, Arbeitsinhalt und vielem mehr befragt. Die Befragung wurde wie in den Vorjahren durch das renommierte Institut icommit vorgenommen, welches sich für die Güte des Messmodells und die absolute Anonymität der befragten Mitarbeitenden verbürgt. Die Ergebnisse bilden Anknüpfungspunkt für Kultur- und Organisationsentwicklungs-Massnahmen.
Initiativen zur Weiterentwicklung von Mitarbeitenden und Führungskräften
Im Führungsbereich der Kundenberatung wurde neu der Sales-Coaching-Ansatz nach «GROW-Modell» eingeführt. Diese systematische Coaching-Methode ermöglicht es den Beteiligten, Problemlösungen in einer einfachen, für alle leicht verständlichen Abfolge von Schritten zu erarbeiten. Die Führungskräfte coachen und begleiten gemäss «GROW-Modell» ihre Mitarbeitenden in ihren tagtäglichen Marktbearbeitungstätigkeiten, z.B. bei Kundenberatungsgesprächen. Diese seit vielen Jahren gängige und erprobte Methode leistet dabei einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Mitarbeitenden sowie zur Zielerreichung.
Mit der Initiative «Gemeinsam Potenziale realisieren» können seit 2021 firmenweit Teams und Führungskräfte ihr Potenzial noch besser ausschöpfen. Dabei definieren Führungskraft und das Team gemeinsam ein ambitioniertes Ziel und werden über ein halbes Jahr lang durch interne und externe Coaches bei der Zielerreichung begleitet. Dieses Vorgehen führt regelmässig zu spürbaren Verbesserungen der teaminternen Organisation, den Abläufen oder Schnittstellen zu anderen Teams. Neben der beabsichtigten persönlichen und organisatorischen Entwicklung können durch dieses Vorgehen häufig auch Ergebnisverbesserungen erzielt werden.
Zertifizierung Lohngleichheit
Seit dem 1. Juli 2020 ist eine Lohngleichheitsanalyse für Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitenden Pflicht. Ziel ist die Gleichstellung der Geschlechter am Arbeitsplatz. Die Bank WIR hat mit Unterstützung des «Competence Centre for Diversity & Inclusion» der Universität St. Gallen die anonymisierten Lohndaten statistisch untersuchen lassen. Das Ergebnis zeigt, dass wir uns bei der Lohngleichheit zwischen Frauen und Männern mit 2,2% innerhalb der vorgegebenen Toleranzschwelle von 5% bewegen. Entsprechend darf die Bank WIR seit der externen, abgeschlossenen Überprüfung das entsprechende Branchengütesiegel «We Pay Fair» führen.
Risikobeurteilung
Die Bank verfolgt eine nachhaltige und vorsichtige Risikopolitik. Sie achtet auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Risiko und Ertrag und steuert die Risiken aktiv. Der Verwaltungsrat befasst sich laufend mit der Risikosituation des Instituts und hat ein Reglement erlassen, welches sicherstellt, dass alle wesentlichen Risiken erfasst, begrenzt und überwacht werden. Ein umfassendes Reporting stellt sicher, dass sich Verwaltungsrat und Geschäftsleitung ein zeitgerechtes Bild der Risikolage der Bank machen können. Mindestens jährlich nimmt der Verwaltungsrat eine Risikobeurteilung vor und überprüft die Angemessenheit der getroffenen Massnahmen.
Weitere Ausführungen zum Risikomanagement sind in den Erläuterungen enthalten.
Aktuelle Risikobeurteilung in Bezug auf die Hauptrisiken der Bank (Stand: 31. Dezember 2021)
Die Bank ist schwergewichtig im Bilanzgeschäft tätig. Die Hauptrisiken der Bank offenbaren sich somit vor allem im Kreditbereich und bezüglich Zinsänderungsrisiken.
Die Bank gewährt Kredite zur Hauptsache an kleine und mittlere Unternehmungen (KMU) sowie an Private. Diese Kredite werden üblicherweise auf der Basis von hypothekarischer Deckung vergeben. Dabei dienen vor allem Wohnliegenschaften als Sicherstellung. Ungedeckte Kredite werden in Ausnahmefällen vergeben, sofern es sich um solvente Unternehmungen oder öffentlich-rechtliche Körperschaften handelt. Nachstehende Grafiken geben einen Überblick über die Vergabe der Kundenausleihungen nach Deckungen per 31. Dezember 2021:
Die Eigenheimpreise sind im Berichtsjahr vor allem im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr um fast 6% angestiegen, was dem stärksten Anstieg seit 2013 entspricht. Da das Haushaltseinkommen mit dem Anstieg der Eigenheimpreise nicht mithalten kann, verschlechtert sich die Erschwinglichkeit für neue Eigenheime, was zu einer höheren Verschuldung der Haushalte führt. Das Volumen der ausstehenden Hypotheken bei privaten Haushalten liegt daher aktuell bei mehr als 3% über dem Vorjahreswert.
Die hohe Nachfrage nach Eigenheimen ist zu einem grossen Teil durch die historisch tiefen Hypothekarzinsen gestützt. Eigenheimkäufer profitieren im Durchschnitt von rund 10-15% tieferen Nutzungskosten gegenüber Mietern. Angesichts des Inflationsrückgangs in den nächsten Quartalen ist das Risiko stark steigender Zinsen überschaubar, wodurch die Dynamik der Eigenheimpreise vorerst erhöht bleibt.
Die Bank ist aufgrund ihrer gesamtschweizerischen Tätigkeit und der bewussten regionalen Diversifikation der Ausleihungen regionalen Risiken im Immobilienmarkt nur beschränkt ausgesetzt, was aus der nachfolgenden Grafik der Hypotheken nach Kantonen ersichtlich ist.
Volumen im Kundengeschäft (Bestellungs- und Auftragslage)
Angaben zum Bilanzgeschäft
Unsere Bank ist zur Hauptsache im Bilanzgeschäft und in der WIR-Verrechnung tätig. Wir bieten neben den WIR-Dienstleistungen bankübliche Produkte an.
In einem weiterhin sehr kompetitiven Mark nahmen die Hypothekarforderungen um CHF/CHW 318,9 Mio. auf CHF/CHW 4 219,4 Mio. zu (+8,2%). Die übrigen Forderungen gegenüber Kunden nahmen um CHF/CHW 26,8 Mio. auf CHF/CHW 772,1 Mio. ab (-3,4%). Damit steigen die gesamten Kundenausleihungen um CHF/CHW 292,0 Mio. auf CHF/CHW 4 991,5 Mio. (+6,2%). Das Wachstum erfolgt unter Wahrung unserer vorsichtigen Kreditpolitik.
Die Verpflichtungen aus Kundeneinlagen steigen um CHF/CHW 190,7 Mio. auf CHF/CHW 4 271,3 Mio. (+4,7%).
Die Kundenausleihungen nahmen mit CHF/CHW 292,0 Mio. stärker zu als die Kundengelder mit CHF/CHW 190,7 Mio. Dadurch nimmt die Refinanzierungsquote (Kundengelder in % der Kundenausleihungen) per Ende 2021 ab. Die Kundenausleihungen sind zu 85,6% (Vorjahr 86,8%) mit Kundengeldern gedeckt. Als weitere wichtige Refinanzierungsquelle und zur Steuerung der Zinsänderungsrisiken dienen der Bank Pfandbriefdarlehen, deren Volumen sich im Berichtsjahr auf CHF 691,6 Mio. erhöht hat (+16,8%).
|Berichtsjahr||Vorjahr|
|Kundengelder||4 271,3 Mio.||4 080,6 Mio.|
|Kundenausleihungen||4 991,5 Mio.||4 699,5 Mio.|
|Deckungsgrad im Kundengeschäft||85,6%||86,8%|
Innovation und Projekte (Forschungs- und Entwicklungstätigkeit)
Digitalisierung und Innovation im Fokus
Die Bank WIR verspricht in ihrer Mission, dass sie der Kundschaft Bankprodukte und innovative Lösungen basierend auf zuverlässigen Dienstleistungen und Partnerschaften bietet. Dabei spielt das Themenpaar Digitalisierung und Innovation eine tragende Rolle. Vor diesem Hintergrund ist auch der enge Schulterschluss mit dem Kompetenzzentrum Digitale Transformation an der FHNW Hochschule für Wirtschaft einzuordnen. So hat die Bank WIR im Jahr 2021 die Studie «KMU-Strategieentwicklung im digitalen Zeitalter» sowohl finanziell wie auch kommunikativ unterstützt. So erfährt sie aus erster Hand, was Unternehmerinnen und Unternehmer bewegt – und vor welchen Herausforderungen diese in einer digitalisierten Welt stehen. Die Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) wird 2022 auf Studien zur gesamten Schweizer Bevölkerung ausdehnt. Wertvolle Informationen, die in Produkte und Dienstleistungen für Privatkundinnen und -kunden einfliessen können.
Auch im zweiten Pandemiejahr 2021 lag der Fokus einerseits auf der Optimierung von bestehenden Produkten und Dienstleistungen wie der mobilen Bezahl-App WIRpay oder der Plattform WIRmarket, die Dreh- und Angelpunkt für das gesamte WIR-KMU-Netzwerk ist. Anderseits wurden der Ausbau von VIAC sowie die Partnerschaften mit dem Fintech Amnis Treasury Services AG sowie dem Proptech Vermando AG konsequent vorangetrieben. Seit jeher gilt dabei der Grundsatz: Wir digitalisieren nicht, damit wir digitale Produkte haben – bei der Bank WIR steht der Kundennutzen und ein damit verbundener Mehrwert im Zentrum.
Einen grossen Anteil daran, dass die Bank WIR als digital und innovativ wahrgenommen wird, hat weiterhin das Fintech VIAC. Dieses wurde 2017 in enger Kooperation und durch die Beteiligung der Bank WIR aus der Taufe gehoben und hat seither den Schweizer Vorsorgemarkt regelrecht revolutioniert. Mittlerweile umfasst das Angebot nicht nur die Säule 3a, sondern steht auch für Freizügigkeitslösungen (2. Säule) zur Verfügung. Zudem wurde ein innovativer und kostenloser Versicherungsschutz eingebaut – und weitere Ausbauschritte sind die für die kommenden Monate geplant. Zum Ende 2021 zählt VIAC rund 65 000 Kunden mit einem Vermögen von 1,6 Milliarden Franken.
In Zusammenarbeit mit dem Schweizer Fintech Amnis hatte die Bank WIR 2020 zudem die Online-Plattform «FX Trading» gestartet. Dabei profitieren KMU-Kundinnen und -Kunden rund um die Uhr von Top-Konditionen für Währungsgeschäfte und internationale Zahlungen. Die Devisenmarge ist dabei – anders als dies branchenüblich ist – unabhängig von der Transaktionshöhe. In der Beratung zeigt sich, dass dem Fremdwährungsthema oftmals zu wenig Beachtung geschenkt wird: Dieses Sparpotenzial gilt es aufzuzeigen.
Als Smart Investor beteiligte sich die Bank WIR am Proptech-Start-Up Vermando, das auf der Plattform «Hausheld.ch» Hauseigentümerinnen und -eigentümer mit Renovationsbedarf an passende Handwerksbetriebe vermittelt. Auch hier liegt der Fokus auf dem Onboarding neuer Kundinnen und Kunden – gleichzeitig sind weitere Produkte rund um die Themen Gebäudeverwaltung und -management in der Pipeline. Bei beiden Unternehmen – Vermando und Bank WIR – liegt die grosse Schnittmenge in den Themen KMU und Netzwerk.
Selbstverständlich gibt es für die Digitalisierung weitere Beispiele, die laufend optimiert werden – so beispielsweise die Online-Kontoeröffnung (voll digitalisierter Prozess von der Video-Identifikation beim KMU-Neukunden bis hin zur Dokumentenablage in der Bank), die Zusammenarbeit mit dem führenden Schweizer E-Payment-Anbieter Payrexx (Einbindung der Zahlungsoption «WIRpay» und somit einfache CHW-Abrechnung im eigenen Onlineshop) oder das zusammen mit der K&W Software AG entwickelte Kreditberatungstool, das den gesamten Kreditprozess von der Kundenberatung und Offertenstellung bis zur eigentlichen Kreditabwicklung abbildet.
Das Beispiel VIAC sowie die weiteren Partnerschaften und Beteiligungen zeigen, dass die Bank WIR Chancen packt und dabei attraktiver Partner und Förderer ist. Innovation ist für uns, wenn wir ein relevantes Kundenbedürfnis besser lösen als alternative Formen und damit ein heutiges oder zukünftiges Geschäft optimiert betreiben können. Vor diesem Hintergrund sind auch die Umsetzung unserer Digitalisierungsstrategie sowie die Institutionalisierung eines gezielten Innovationsmanagements zu verstehen.
Nachhaltigkeit unserer Geschäftstätigkeit
Der Begriff Nachhaltigkeit steht für Verantwortung sowohl hinsichtlich wirtschaftlicher Faktoren als auch sozialer und ökologischer Aspekte. Uns ist es wichtig, in allen drei Bereichen einen Beitrag zu leisten. Wir sind als Genossenschaft nicht der Gewinnmaximierung verpflichtet, bieten faire Konditionen auf unseren Bankprodukten an, engagieren uns für Chancengleichheit und stellen sicher, dass unser Ressourcenverbrauch und die Auswirkungen auf die Umwelt möglichst gering sind. Wir verstehen unser Engagement nicht nur als eine unternehmerische Herausforderung, sondern auch als Beitrag zu einer zukunftsfähigen Entwicklung der Gesellschaft.
Aussergewöhnliche Ereignisse im Berichtsjahr
- WIR-Mehrumsatz-Aktion
- Umzug Filiale Zürich
- Filiale St. Gallen ohne Bargeld
WIR-Mehrumsatz-Aktion
Das Krisenjahr 2020 hinterliess bei vielen Unternehmen finanzielle Spuren. Ein Zusammenrücken der Schweizer KMU ist wichtiger denn je, was die Bank WIR mit der Aktion #zusammenstark rund um die Komplementärwährung unterstützte.
Wer vom 1. Oktober 2020 bis 31. März 2021 mehr WIR-Umsatz erzielte als vom 1. April 2020 bis 30. September 2020, erhielt im April 2021 auf diesen WIR-Mehrumsatz 50% des Netzwerkbeitrags zurückvergütet. Dadurch sollte der Jahresendspurt sowie der erfolgreiche Start ins neue Geschäftsjahr 2021 unterstützt werden.
7 344 KMUs nutzen die Chance und erhielten 50% des Netzwerkbeitrags zurückvergütet. Für die Rückvergütungen wendete die Bank WIR gut 1 Million Franken auf.
Umzug Filiale Zürich
Im August 2021 ist die Filiale Zürich in ihre neuen Räumlichkeiten am Schaffhauserplatz 3 umgezogen.
Filiale St. Gallen ohne Bargeld
Per Ende 2021 löste die Filiale in St. Gallen ihren Bargeldschalter auf.
Ausblick (Zukunftsaussichten)
Über die Hälfte unserer Erträge fliessen aus dem Zinsengeschäft. Das aktuelle Zinsumfeld sowie unsere Erwartung zu dessen Entwicklung lassen uns für die kommenden Jahre zum Ausbau der Erträge aus dem Zinsengeschäft ein moderates Wachstum unter Wahrung einer vorsichtig und nachhaltig ausgestalteten Kreditpolitik anstreben. Das tiefe Zinsumfeld ist eine Herausforderung für das WIR-Geschäft, das rund 15% der Erträge ausmacht. Durch Investitionen in die Infrastruktur, die Weiterentwicklung des WIR-Systems und Innovationen wird das WIR-System zum einen gestärkt, aber auch eine breiter diversifizierte Grundlage für das Bankgeschäft geschaffen. Als zusätzliches Mittel zur Diversifikation ist die Bank WIR strategische Partnerschaften eingegangen und ist auch in Zukunft gewillt, sich an Unternehmen zu beteiligen, um den Kunden so einen Mehrwert und moderne Produkte anbieten zu können. Die anfallenden Kosten überprüfen wir auf ihre Wertschöpfung und optimieren dabei in weniger wertschöpfungsintensiven Bereichen die Kostensituation laufend. Die Erreichung unserer strategischen Ziele überwachen wir regelmässig mittels entsprechender Instrumente und nehmen, wenn nötig, Anpassungen an den darauf ausgerichteten Umsetzungsmassnahmen vor.