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Adidas zahlt Billigarbeitern jetzt doch Abfindung
Eine Protestkampagne und Boykotte bringen den Schuhkonzern nach zwei Jahren zum Einlenken. Er zahlt 1,8 Millionen Dollar.
«Wir haben gewonnen», freut sich die «Clean Clothes Campaign». Adidas zahlt 2'800 Textilarbeiterinnen Abfindungen von zusammen 1,8 Millionen Dollar für eine abrupte Schliessung der Fabrik des Adidas-Zulieferers PT-Kizone im Frühling 2011 in Indonesien.
60 Rappen Stundenlohn
Adidas hatte über hundert Millionen Dollar für das Hauptsponsoring der Olympischen und der Paralympischen Spiele in London 2012 ausgegeben. Diese Olympia-Präsenz sollte dem Unternehmen zusätzliche Geschäfte in Milliardenhöhe bringen. Gleichzeitig behauptete Adidas, die ausstehenden 1,8 Millionen Dollar nicht zahlen zu können, die es seinen Arbeiterinnen schuldete, die nur 60 US-Cents pro Stunde für die Produktion von Adidas-Produkten erhielten (weniger als 60 Rappen).
Zuerst Lebensmittelgutscheine angeboten
Die indonesische Fabrik PT-Kizone wurde geschlossen, nachdem der Eigentümer geflohen war. In der Fabrik wurden während vieler Jahre für Adidas und den Konkurrenten Nike unter anderem Schuhe gefertigt - zuletzt vor allem für Nike. Nike hat den Arbeiterinnen eine Abfindung bezahlt. Doch Adidas argumentierte, zum Zeitpunkt der Schliessung nicht mehr Kunde der Fabrik gewesen zu sein. Nach Protesten offerierte Adidas für rund eine halbe Million Dollar Essensgutscheine und andere Hilfe. Die Gutscheine wären nur in einem einzigen Supermarkt gültig gewesen, erklärte das «Inkota Netzwerk» und kritisierte die Offerte als «Almosen».
US-Universitäten kündigten Adidas-Verträge
Die Protestwelle war in den USA am stärksten. Über ein halbes Dutzend US-Universitäten hatten in den vergangenen Monaten ihre Lizenz- und Lieferverträge mit dem deutschen Konzern für ihre Sportmannschaften gekündigt, um gegen das Verhalten von Adidas zu protestieren. Dies berichtete capital.de. Für das Image und damit den Absatz von Adidas wurde die Kampagne immer schädlicher.
Am 30. April 2013 gab Adidas «zusätzliche Hilfeleistung» an die entlassenen Beschäftigten bekannt. Protestierende US-Universitäten feierten die Zahlungen als Sieg und würdigten das Einlenken. Über die Details des Vergleichs sei Stillschweigen vereinbart.
Beispielhafter Kampf um Arbeitsrechte
Adidas verlangte in einer Mitteilung «industrieweite Massnahmen zur Bekämpfung unethischer Fabrikschließungen», also ein Branchenbündnis, um ein Rettungsnetz neben staatlichen Sicherungen zu schaffen. Die Diskussion um die Schliessung des indonesischen Werkes gilt in der Branche bereits als Paradebeispiel für den Kampf um Arbeitsrechte in Billiglohnländern.
An der Kampagne beteiligt waren neben der Clean Clothes Campaign unter anderen die Organisationen «People and Planet», «SumOfUs.org», «War on Want» und «Inkota Netzwerk».
Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors
Keine
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