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Werner Kaufmann (2240) – André Wespi (2040)
Innerschweizerische Gruppenmeisterschaft 2013
1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.Lc4 e6 7.Le3 Dc7 8.Lb3 Sc6 9.0–0 Le7 10.f4 0–0
Ich kannte diese Stellung, und wusste sogar, dass Houdini ganz klar 11.f5 vorzieht. Die Idee ist 11…Sxd4 12.Lxd4 e5 13.Le3, um à la Bobby Fischer mit 14.Lg5 das Feld d5 für eine Figur zu erobern.
Aber er braucht nicht gleich 12…e5 zu spielen, sondern kann die Invasion mit 12…b5 13.a3 und erst jetzt 13…e5 nebst 14.Lb7 verhindern.
11.Df3
Dieser Zug ist flexibler. Ich behalte mir die Optionen auf g2-g4-g5, f4-f5 und e4-e5 offen.
11…Sxd4 12.Lxd4 Ld7 13.Kh1 b5
Und jetzt? Ich habe einen Haufen spielbare Züge: a3, Tad1, Tae1, e5, f5, g4, Dg3.
14.f5 und 14.g4 gefielen mir wegen 14…b4 nicht. Ich wollte meinen Springer lieber nicht auf a4 haben. Aber nach 14.a3 Lc6 waren e4-e5 und g2-g4 vorerst aus der Welt, und an 15.f5 e5 16.Lf2 störte mich 16…a5. Blieb noch:
14.e5 Lc6 15.Dg3
Die Partie war lanciert, die Zeit für Fehler gekommen. André versank in ein langes Nachdenken.
15…dxe5 16.Lxe5 Db7 17.f5 sah ihm wie eine Verluststellung aus. Er ist schliesslich nicht Houdini, der darauf 17…Sh5 18.Dh3 Tad8 19.Se2 a5 ausspuckt, Ausgleich reklamiert und dies mit verrückten Varianten belegt.
In der Analyse sagte er mir, dass er die meiste Zeit an 15…Sh5 herumgerechnet hatte, daran an sich nichts Falsches entdecken konnte, ausser dass nach 16.Dg4 g6 seine Königsstellung geschwächt wäre, der Springer am Rande keine wirklichen Perspektiven hätte, und ich wahrscheinlich doch irgendwann f4-f5 durchdrücken konnte.
Auch unsere drei Kiebitze konnten keinen Vorteil aus der weissen Stellung herauswinden. Am besten sah noch 17.Tae1 mit der Drohung 18.f5 aus, aber danach behält er mit dem einfachen 17…dxe5 18.Lxe5 Ld6 sogar etwas Vorteil.
Dann passierte das, was passieren musste. Er spielte den Zug, der solider aussah, ohne ihn ernsthaft zu prüfen. Kasparow nennt dies „Spiel aus allgemeinen Erwägungen“ und bezeichnet es als seine häufigste Fehlerquelle. Auch das Kotow-Syndrom kommt ernsthaft in Betracht.
15…Se8? 16.f5
16…dxe5 17.Lxe5 Ld6 18.Lxd6 Dxd6 19.fxe6 fxe6 20.Dxd6 Sxd6 21.Lxe6+ verliert einen Bauern…
16…exf5
..aber dies ist noch schlechter.
In Anbetracht der offensichtlichen Stärke von 17.Txf5 beachtete ich die Alternativen 17.Sd5 und 17.e6 überhaupt nicht. Oberflächlichkeit ist auch ein Fehler.
17.e6 fxe6 18.Lxe6+ Kh8 19.Lxf5 hätte meine Rechenkünste nicht im geringsten herausgefordert. Dass meine Stellung besser ist, ist auch offensichtlich, und Houdini erklärt mir, dass er auf f5 sogar die Qualität geben muss, um nicht mittels Dh3, Ld3 und Df5 auf h7 matt gesetzt zu werden.
Ebenso stark ist 17.Sd5 Db7 (denn 17…Lxd5 18.Lxd5 Td8 19.e6 führt entweder zum vorherigen Stellungsbild oder nach 19…f6 20.e6 zu einer klaren Gewinnstellung) 18.Sxe7 Dxe7, was den Zug 19.Txf5 entscheidend verstärkt.
17.Txf5 dxe5 18.Lxe5 Ld6 19.Taf1 Lxe5
Es mir schleierhaft, wie ich an der einfachen Kombination 20.Txf7 Txf7 21.Txf7 Lxg3 22.Txc7+ Kh8 23.Txc6 scheitern konnte. Ich rechnete sie korrekt aus, aber als es ans Überprüfen ging, fing ich an, Gespenster zu fürchten, und vielleicht war der Mehrbauer nach 23…Le5 gar nicht viel wert? Was natürlich nicht stimmt, denn ich kann ihn einfach mit 24.Sd1 konsolidieren. Schon fing ich an, den Spatz in der Hand (eine weitere Fehlerquelle) zu suchen. Ich fand ihn mühelos in einem besseren Endspiel.
20.Txe5
André atmete sichtbar auf. Er hatte natürlich 20.Txf7 auch gesehen und keinen Ausweg gefunden.
Ich begann zu werweissen, welcher Zug für ihn wohl besser war, 20…Tc8 oder 20…b4? In dem Moment, als ich zur Ansicht kam, dass 20…Tc8 stärker war, mir aber immer noch zumindest ein überlegenes Endspiel, wenn nicht sogar Königsangriff gab, zog André
21…Sd6??
Der Erleichterungsbock. Als er sah, dass er aus dem Gröbsten heraus war, fiel alle Anspannung von ihm ab. Er fing an, oberflächlich nach einer einfachen Konsolidierung zu suchen. Am einfachsten schien es ihm, den Springer auf c4 zu pflanzen.
Diesmal sah ich es sofort und war auch nicht von Zweifeln angekränkelt. Die Partie nahm ein brutales Ende.
21.Tg5 Se8 22.Txg7+ Kh8 23.Tfxf7 1–0