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Elsa Bettler-Imboden
von Boltigen, in Därstetten, Wiler, mit Aufenthalt in Lauenen
geb. 27.12.1929; gest. 27.5.2020, best.5.6.2020
Am 27. Dezember 1929 wurde Grosi als jüngste Tochter von Frieda und Johann Imboden im Wiler geboren. Mit sieben Jahren Abstand zu ihren älteren Brüdern, Fritz, Hans und Alfred, war sie ziemlich eine Nachzüglerin. Als es darum ging, eine Gotte zu finden, setzte sich die ganze Familie an den Tisch und berieten sich. Da meinte Fritz plötzlich, er habe doch jetzt eine neue, schöne, liebe Lehrerin. Sie wäre genau die Richtige für das kleine Elsi. So wurde Frau Mürri-Blessing nicht nur Gotte von Grosi, sondern auch zu einer engen Bezugsperson. Sie war eine grosse Bereicherung und die Freundschaft hielt Zeit des Lebens.
Grosi wuchs behütet auf dem Bauernbetrieb ihrer Eltern auf und ging in die Primarschule von Därstetten. Sie war sicher eine gute Schülerin und gewann auch wertvolle Freundinnen wie Medlä und Marie-Louise. Aber Grosi kam nicht oft zum Spielen. Die Mutter rief sie nämlich oft zum Helfen: In der Haushaltung, im Garten und natürlich auch im Stall.
Als sie aus der Schule kam, fanden die Eltern, sie könne doch während dem Winter ins Welschland Französisch lernen. Erst war Grosi in Aigle und später in Guii am Lac Léman bei einer Winzerfamilie. Es gefiel ihr schon, aber immer wenn der Zug von oder nach Bern durch die Rebberge fuhr, überkam sie das Heimweh. Im Frühling konnte Grosi endlich wieder ins Wilerdörfli um der Mutter zu helfen. Der älteste Bruder Fritz erwartete mit seiner Frau zudem ein Kind und die Mutter freute sich schon sehr darauf. Als sie mit Grosi am Brunnen war, um die Fensterbalken zu reinigen, erlitt Frieda Imboden einen Herzschlag und verstarb. Sie durfte nie erleben, wie es ist, Grossmutter zu sein. Das war für Grosi ein einschneidendes Erlebnis, das sie für ihr ganzes Leben prägte. Mit nur gerade achtzehn Jahren musste sie die ganze Verantwortung übernehmen und schaute zum Vater und zu ihren Brüdern. Sie war sehr früh schon selbständig und bekam dadurch eine gewisse Härte.
Die Trauer konnte sie bei der Trachtengruppe und im Frauenverein verarbeiten. Sie erlebte schöne Zeiten wie zum Beispiel beim Theaterspielen. Auch die Ausflüge bedeuteten ihr viel. Da kam Grosi an Orte, von welche sie nicht dachte, dass sie hinkommen würde, wie zum Beispiel auf den Gornergrat. Einmal im Jahr organisierten die Trachtengruppe und die Musikgesellschaft Därstetten ein Gartenfest. Das war immer ein Höhepunkt für das ganze Dorf. Man lachte und tanzte und stiess an. Dort lernte Grosi Alfred Bettler, der in der Musikgesellschaft das Es-Horn spielte, näher kennen. Es hat sofort gefunkt.
Im Jahr 1958 heirateten sie und genossen die zwei folgenden Jahre sehr. Sie waren oft mit Grossatt‘s Käfer auf Ausflügen.
Weil der jüngste Bruder Alfred nie heiratete, zogen sie bei ihm ein. Man half sich gegenseitig und führte die zwei Bauernbetriebe gemeinsam. Im Sommer war Alfred Imboden „ds Bärg“ und Grosi und Grossatt haben auch sein „Heimet“ geheuet.
Im Juli 1960 wurde das Ehepaar Bettler glückliche Eltern. Ihr Sohn Viktor kam gesund auf die Welt. Vier Jahre später kam Franziska nach. Die Familie war nun komplett.
Sie führten ein gutes, aber hartes Leben mit viel Arbeit. Grosi war eine „Schaffige“ und packte immer sofort an. Zuhause war sie am wohlsten. In ihrem Wilerdörfli ging es sehr kollegial zu und her. Jeder kannte jeden und man half sich gegenseitig. Auch der Garten bereitete ihr viel Freude. Die Arbeit mit schmutzigen Händen erdete sie und sie investierte viel Zeit. Da blühten nicht nur Blumen und Beeren, sondern auch ihr Stolz. Ihre Ruhe wurde aber schon bald durch uns, ihre drei Grosstöchter Janine, Stefanie und Francine, die Kinder von Franziska, gestört. Grosi dachte immer, dass sie die Geburt von ihren Grosskindern nicht erleben würde, so wie es ihrer Mutter ergangen war. Aber da täuschte sie sich glücklicherweise.
Wir waren oft beim Wilergrosi in den Ferien und brachten so ihren Alltag ein wenig durcheinander. Wir haben vor allem noch ihr gutes Essen im Gedächtnis. Zum Beispiel den Cervelat- oder Kartoffelsalat mit ganz viel Mayonnaise gab es merkwürdigerweise bei uns zu Hause nie. Und auch das Müesli von Grosi mit warmer Milch, Joghurt und noch Konfitüre obendrauf hatte ich gerne. Als Grosi und Grossatt in Pension waren, verkauften sie die Kühe, weil die Arbeit zu viel geworden war. Ziegen hatten sie noch länger, zusammen mit Hühnern. Auch die körperliche Gesundheit verschlechterte sich. Grosi musste viele Spitalaufenthalte über sich ergehen lassen. Vor allem der Darmverschluss raubte Grosi fast alle Kraft und es brauchte viel Zeit, bis sie sich wieder einigermassen erholt hatte und wieder auf die Beine kam.
Am 7. Dezember 2013 musste sie auch noch den Verlust von Grossatt verkraften. Es war nun niemand mehr da, um über Gott und die Welt zu reden. Sie hat ihn sehr vermisst. Dank der Hilfe von Viktor und seiner Frau Monika, konnte Grosi noch einige Jahre im Wilerdörfli bleiben. Aber da ihre Altersdemenz zunahm, zog sie zu uns nach Lauenen.
Grosi integrierte sich super in den Lauenen-Clean. Mit Papa schaute sie oft „Einer gegen Hundert“ oder fieberte beim Krimi mit. Aber auch wenn Fussball auf dem Programm stand, blieb sie noch lange wach, und musste wissen, wie das Spiel ausgeht. Und wenn es um Süssigkeiten ging und Mami sagte, es gäbe nun keine Schokolade mehr, zeigte Grosi mit dem Finger nach unten und meinte, doch da unten im Laden gibt es noch viele feine Sachen. Wer weiss, wo der Alzheimer manchmal hingegangen ist…?
Nach acht Monaten hatte Grosi aber am 4. März einen Schlaganfall. Durch die zusätzliche Pflege, die sich daraus ergab, waren wir gezwungen, sie ins Altersheim Sonnenbühl zu geben. Dort konnten wir sie wenigstens oft besuchen. Ihr Zimmer im kleinen Altersheim hatte eine wunderschöne Aussicht mit dem grossen Ahorn, von dem sie am liebsten jeden Tag jemandem vorgeschwärmt hätte. Hier konnte sie sich erholen, dachte aber immer, sie sei in den Ferien und ginge bald wieder heim ins Wilerdörfli und müsste die „Welbi“ herunterwaschen und zu „Chrigeli“, ihrer Katze, schauen.
Wenn man sie fragte, wie es ihr ginge, hat sie geantwortet: Sie schlafe gut, sie esse gut, was will man noch mehr? Einfach den Garten vermisse sie schon. Später sagte ein Pfleger des Altersheims mir noch, dass Menschen, die an Altersdemenz erkrankt seien, normalerweise unzufrieden und eher bösartig seien. Aber Grosi war immer sehr freundlich und dankbar dem Pflegepersonal gegenüber.
Nach dem Muttertag am 10 Mai 2020 verschlechterte sich der Gesundheitszustand von Grosi schnell. Sie mochte nicht mehr essen und wurde zunehmend unruhiger. Sie klagte über Schmerzen im ganzen Körper und bekam deswegen auch starke Medikamente.
Am 27. Mai durfte sie dann am Abend für immer einschlafen.
„Dr Liebgott würd wohl bider sii.“ Amen.