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Der vor kurzem gegründete Freiburger Verein Corridor Citoyen Suisse organisiert den Transport von Geflüchteten von der ukrainisch-polnischen Grenze in die Schweiz mit sechs Bussen. Der Staatsrat unterstützt das Projekt mit 46‘000 Franken.
Den Verein Corridor Citoyen Suisse gibt es seit rund zwei Wochen. Er hat sich zum Ziel gesetzt, besonders gefährdete Personen von der ukrainisch-polnischen Grenze nach Freiburg zu bringen. Zwei Busse sind bereits angekommen. Präsident des Vereins ist der Freiburger Xavier Collaud. Er befindet sich am Montagmorgen in der polnischen Stadt Przemysl und nimmt an einer Videokonferenz der Direktion für Gesundheit und Soziales (GSD) teil.
Collaud beschreibt die Situation vor Ort: «In Przemysl sind die Aufnahmekapazitäten aufgrund des grossen Flüchtlingsstroms überlastet, oft verhindert die Sprachbarriere die Verständigung zwischen den polnischen Behörden, den internationalen Freiwilligen und den Flüchtlingen, die oft nur Ukrainisch oder Russisch verstehen.» Das Team von Corridor Citoyen Suisse umfasse acht Personen, darunter seien mehrsprachige Mitarbeitende, eine Apothekerin und eine Psychologin.
Die Menschen hätten die letzten Wochen oft im Untergrund verbracht und die Bombardierung ihrer Häuser miterlebt, sagte Xavier Collaud. Nun seien sie in improvisierten Unterkünften untergebracht – auf dem Boden eines Einkaufszentrums mit überlasteten sanitären Anlagen. Der Menschenhandel und das Verschwinden von Kindern seien leider alltäglich geworden.
Medizinische Hilfe
Die Geflüchteten, die in der polnischen Stadt ankommen, seien oft seit Tagen unterwegs und sehr müde. «Es kommen viele Emotionen hoch, und sie weinen oft sehr viel», beschreibt eine Mitarbeitende des Vereins die Situation an der Grenze. Zwei Frauen hätten Wochen in einem Keller verbracht, und als sie sich nach draussen begaben, Leichen vor dem Haus vorgefunden. «Viele haben nur eine kleine Tasche dabei, und es gibt auch solche, die nicht mal ihren Pass mitnehmen konnten.» Im Gegensatz zu anderen Ländern, welche die Geflüchteten aufnehmen, sei die medizinische Hilfe in der Schweiz sichergestellt. Das sei insbesondere für vulnerable Personen entscheidend.
Wie Staatsrat Philippe Demierre an der Medienkonferenz ausführte, unterstützt der Freiburger Staatsrat den Verein nun mit 46‘000 Franken. Das Geld stammt aus dem Topf für die Hilfe an ukrainische Staatsangehörige, den der Kanton mit 326’000 Franken füllte. Das ist ein Franken pro Freiburgerin und Freiburger.
Der Verein arbeite seit Tagen eng mit dem Stab Ulysse des Kantons und dem Unternehmen ORS Service AG zusammen, welches für die Unterbringung bis hin zur Integration der Geflüchteten aus der Ukraine zuständig ist. Zudem erhalte der Verein administrative Unterstützung durch das Freiburgische Rote Kreuz, sagte Philippe Demierre.
Budgetplan präsentiert
Auf die Frage, wieso dieser Verein Unterstützung erhält und nicht andere, sagte Claudia Lauper, GSD-Generalsekretärin, dass es viele private Initiativen für Flüchtlinge aus der Ukraine gebe. Der Verein Corridor Citoyen Suisse sei jedoch der einzige, welcher dem Kanton sein Projekt präsentierte.
Die Aktivitäten des Vereins vor Ort, insbesondere die direkte Hilfe in der ukrainischen Zone durch Lebensmitteltransporte, seien durch private Spenden finanziert. Der Kanton unterstütze lediglich den Transport der Flüchtlinge des Vereins in die Schweiz. «Sie haben uns ein solides und professionelles Projekt mit einem Budgetplan präsentiert», sagte Staatsrat Demierre.
Zwischen 100 und 150 Franken koste der Transport einer Person, sagte Xavier Collaud. Darin seien die Kosten für den Bus, Lebensmittel und Medikamente enthalten. Eine Mitarbeitende des Vereins, die sich in Frankreich für ein ähnliches Projekt engagierte, zeigte sich an der Videokonferenz begeistert vom Freiburger Tempo: «Ich bin überrascht, dass er dies so rasch organisieren konnte, er hat die letzten drei Wochen wohl nicht geschlafen.»
In Gastfamilien
Ein erster Bus des Vereins mit 53 Personen ist laut GSD am Freitag vor dem kantonalen Aufnahmezentrum im ehemaligen NH Hotel in Freiburg eingetroffen. Die Registrierung vor Ort in Przemysl und die enge Zusammenarbeit zwischen dem Verein und ORS hätten es möglich gemacht, vorausschauend zu handeln und den betroffenen Personen bereits eine Stunde nach ihrer Ankunft eine schnelle Aufnahme zu bieten. Die überwiegende Mehrheit lebe nun in Gastfamilien. Die Familien, die mit Personen mit Behinderungen ankamen, seien im Ausbildungs- und Integrationshaus in Matran untergebracht.
Ein zweiter Bus sei am Wochenende mit 58 Personen an Bord abgefahren und zu einem Bundesasylzentrum in der Kaserne von Chamblon gebracht worden. Der dritte Bus werde in Kürze aufbrechen, sagte Xavier Collaud an der Medienkonferenz am Montagmorgen. Ein weiterer folge voraussichtlich am Dienstag. Sie würden nun Tag für Tag schauen, wie es weitergeht.
Der Präsident des Vereins weist auch auf die Notwendigkeit hin, Familien, die sich auf der Flucht trennen mussten, wieder zusammenzuführen. Auch Haustiere der Geflüchteten seien oft dabei und eine Herausforderung. Xavier Collaud wies zudem darauf hin, dass die Geflüchteten arbeiten wollen: «Sie sind stolz, wollen für sich selber sorgen und möglichst wenig Hilfe annehmen.»