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Der gute Partner: Produzent Clive Davis (Stanley Tucci), Begründer des Plattenlabels Arista Records, versuchte, den Star Whitney Houston (Naomi Ackie) vor dem Absturz zu bewahren. (Sony)
Perfekte Popikone
Ihre Stimme war eine Wucht, Songs wie «I Will Always Love You» oder «I Wanna Dance With Somebody» wurden Welthits. Ihr Stern stieg steil hoch im Pop- und Filmhimmel und verlöscht abrupt. Nicht zufällig, sondern fahrlässig – auch das zeigt die Filmhommage an Whitney Houston: «I Wanna Dance With Somebody» von Kasi Lemmons. Sein etwas überlange Porträt von fast zweieinhalb Stunden ist glitzernder Musikfilm und Tragödie zugleich.
Im Schatten ihrer Mutter Cissy Houston (Tamara Tunie), einer Sängerin bei den «Sweet Inspiration», zeitweise Begleitgruppe von Elvis und Jimi Hendrix, wuchs Whitney Elizabeth auf. Bei einem Auftritt ihrer Mutter wurde sie entdeckt. Produzent Olive Clive (Stanley Tucci), Begründer der Arista Records, nahm sie unter seine Fittiche. Whitney (Naomi Akie) stieg zum faszinierenden Soul- und Popstar auf. Ihre Stimme («The Voice») riss das Publikum mit. Einige schwarze «Puristen» warfen ihr «Verrat» vor, weil sie Musikstile vermischte, sich den Countrysong «I Will Always Love You» von Dolly Parton aneignete und zum Hit machte. Der ist auch in ihrem Kinodebüt «Bodyguard» (1992) mit Kevin Costner zu hören. Der Soundtrack wurde ein Supererfolg mit 17 Millionen Exemplaren. Vier weitere Filme folgten.
Whitney Houston stieg zur nationalen Ikone auf, nachdem sie 1991 beim XXV. Super Bowl im trendigen Traineroutfit die Nationalhymne sang. Sie trat zu Ehren Nelson Mandelas 1988 in London auf, gründete eine wohltätige Stiftung für Kinder und landete 2003 mit dem Weihnachtsalbum «One Wish – The Holiday Album» nochmals einen Hit. Sie soll über 200 Millionen Tonträger verkauft haben. Doch privat ging es mit Whitney Houston seit der Heirat 1992 mit dem unzuverlässigen R&B-Gigolo Bobby Brown (Ashton Sanders) bergab.
Auch dieses dunkle Kapitel des Stars sparte der Film nicht aus. Bobby ist ein smarter, aber aalglatter, mieser Ehepartner, der sie ebenso skrupellos ausnutzte und betrog wie ihr Vater Gary Houston (Daniel Washington). Whitney vertuschte, verschwieg ihre Liebe zur Assistentin Robyn «Roby» Crawford (Nafessa Williams) und nahm ihre Drogensucht auf die leichte Schulter, an der sie wohl trotz Entzugskuren im Februar 2012 starb – 48 Jahre jung.
Kasi Lemmons stellt die sechsfache Grammy-Trägerin prächtig, fast makellos in seinem Drama aus. Insgesamt wirkt seine Huldigung an den grossen Pop- und Filmstar arg geschönt. Die letzte Phase ihres Lebens mit Drogensucht, Burnout und Vereinsamung wird fast beiläufig inszeniert. Das Augenmerk liegt auf Whitneys fesselnder Performance, und diesbezüglich muss man der Darstellerin Naomi Ackie einen Kranz winden. Sie hat die grossen Hits überzeugend nachgeahmt (bis auf Jesus-Song), denn im Film sind Whitneys Originalaufnahmen zu hören. Manche werden die Original-Whitney, etwa in den Dokumentarfilmen «Whitney – Can I Be Me» (2017) oder «Whitney – Die wahre Geschichte einer Legende» (2018) vorziehen, doch Lemmons’ Musikdrama fasziniert gleichwohl als Pop- und Gesellschaftsbild.
USA 2022
146 Minuten
Regie: Kasi Lemmons
Buch : Anthony McCarten
Kamera: Barry Ackroyd
Schauspieler: Naomi Ackie, Stanley Tucci, Ashton Sander, Tamara Tunie, Nafessa Williams
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