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Das fotografische Schaffen Michel Simas im Bereich des Künstlerporträts begann im Grunde genommen 1946. In diesem Jahr begleitet Sima den Entstehungsprozess von Pablo Picassos „La joie de vivre“ und dokumentiert nicht nur – wie anfänglich beabsichtigt – die verschiedenen Etappen der künstlerischen Ausführung, sondern versteht von Anfang an seine Arbeit als ganzheitliche, persönliche Darstellung von Künstler und dessen Werk. In den kommenden Jahren porträtiert er fast alle Künstler der École de Paris wie z.B. Henri Matisse, François Picabia, Ossip Zadkine, Alberto Giacometti, Jean Cocteau, Tal Coat, Jean Arp, Marie Laurencin, Fernand Léger, Max Ernst, Man Ray, Marcel Duchamp, André Derain, Kees van Dongen, Le Corbusier, Marc Chagall, Joan Miró, Alexander Calder. Nicht nur bei den Fotografien von Picasso, sondern bei allen diesen Künstlerporträts scheint immer auch die zugrunde liegende freundschaftliche Verbundenheit Simas mit den Porträtierten durch. Sie drückt sich aus in einer äusserst sensiblen Erfassung der Persönlichkeit und des Werkes der jeweiligen Künstler, wobei der geschaffene Bezug zum Werk und Atelier im Rahmen der Inszenierung geschickt dazu eingesetzt wird, dass der porträtierte Künstler quasi über sich selber spricht. Das Ergebnis ist ein eigenständiger Stil im Bereich des fotografischen (Künstler)-Porträts und eine einzigartige Dokumentation der Künstler der École de Paris, wie sie kein anderer Fotograf in ihrer Geschlossenheit und Sensibilität hinterliess.
1948 erscheint die Publikation „Picasso in Antibes“, bald darauf im Jahre 1954 die Publikation „21 visages d’artistes“, deren Veröffentlichung gleichzeitig das Ende seines über zehnjährigen fotografischen Schaffens bedeutet. Grund war, dass der Druck in keiner Weise den Qualitätsvorstellungen Simas entsprach. Gerade auch der Vergleich mit den damaligen Kunstpublikationen und der Tatsache, dass Fotografien schon vor 1940 in beachtlicher Qualität reproduziert wurden, zeigt aus heutiger Sicht deutlich, dass die Publikation nicht einmal einen mittleren Standard des Buchdrucks erreichte.
Simas Künstlerporträts finden erst seit der jüngsten Vergangenheit in Kennerkreisen zunehmend Beachtung. Einige Aufnahmen, die sich in der Sammlung von François Meyer befanden, wurden 2003 im Rahmen der Ausstellung „Art Faces“ in der Kunsthalle Würth (Schwäbisch Hall) gezeigt. Die Porträts von Picasso, die neben den Porträts von Matisse und der anderen Künstler eine eigene Werkgruppe im Schaffen Simas darstellen, bildeten darüber hinaus einen eigenständigen Teil der Wanderausstellung „La joie de vivre“, die 2006/2007 im Palazzo Grassi in Venedig in Kooperation mit dem Musée Picasso in Antibes zu sehen war.
Es ist mir und den Mitarbeitern eine grosse Ehre und Freude zugleich, in engster Kooperation mit Erika Billeter, Till Schaap und natürlich Odette und Pierre Sima sowie Jean-Luc Meysonnier – ganz im mutmasslichen Sinne Michel Simas – zwanzig Jahre nach dessen Tod ihm das zu geben, was er sich zu Lebzeiten so sehr wünschte: Eine Publikation mit seinen Künstlerporträts in bester Qualität. Überdies soll das Buch den Lesern Simas eigenständige und wegweisende Porträtfotografie näher bringen, die weit über die blosse Abbildung hinaus dem Betrachter auf subtile Art und Weise die Persönlichkeit des Porträtierten vor Augen führt. Zeitgleich mit der Präsentation dieses Buches beginnt in unseren Räumen in Luzern eine Verkaufsausstellung. Mögen die über 100 Werke mittlerer und grösserer Formate unter Einschluss zahlreicher Dokumente aus der Zeit ebenso dazu beitragen, Werk und Leben Simas bekannt zu machen. Als ältestes Schweizer Kunstauktionshaus und eines der führenden Häuser in Europa wollen wir in diesem Jubiläumsjahr unseres 100-jährigen Bestehens mit dieser bisher grössten Präsentation des Werkes Simas unsere Reihe von Verkaufsausstellungen weiterführen und unseren Freunden und Kunden des Hauses mit Sima auf die Reise durch die Anfänge der modernen Kunst schicken, wie sie von den Künstlern der École de Paris geprägt wurde.
Diese Publikation wie auch die Ausstellung in unseren Räumen wäre ohne die Unterstützung durch Odette und Pierre Sima allerdings nicht denkbar. Für die offenen und bereichernden Gespräche und das mir entgegengebrachte Vertrauen bin ich Ihnen zu grossem Dank verpflichtet. Die Erzählungen, Geschichten und Anekdoten vermittelten mir ein lebendiges Bild des Lebens Simas inmitten der Künstler der École de Paris. Ebenso danke ich Herrn Jean-Luc Meyssonnier für seine Bemühungen rund um den Nachlass Simas sowie für seine hervorragenden Abzüge. Finanziell unterstützt wurde diese Monografie vom Estate of Daniel Barr. Für diesen Beitrag, ohne den diese Publikation nicht hätte entstehen können, sei an dieser Stelle gedankt. Ebenso danke ich meinem Freund Till Schaap, Benteli Verlag, für sein Engagement und den Umstand, dass er mir jederzeit mit Rat und Tat zur Seite stand. Mein grösster Dank geht an Erika Billeter. Die zahlreichen Gespräche mit ihr über Kunst haben mich bereichert. Sie zeigte mir die fotografischen Arbeiten von Sima und musste wohl schon damals gewusst haben, dass mich Sima nicht mehr loslässt. Ganz herzlichen Dank!
Die Monografie Michel Sima - Künstler im Atelier (Hrsg. Dr. Erika Billeter/Dr. Kuno Fischer), Benteli Verlag 2007 ("Deutscher Fotobuchpreis - Nominiert 2009"), kann unter www.benteli.ch bestellt werden. Vgl auch www.michelsima.com.
Dr. Kuno Fischer