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Geysers El Tatio in 4400 m Höhe bei Sonnenaufgang
Chile Nord und Mitte 15.8.19 - 1.9.19
Chile liegt im Südwesten von Südamerika und grenzt im Norden an Peru, im Nordosten an Bolivien, im Osten an Argentinien und im Westen an den Pazifik. Zudem hat Chile über die Magellanstrasse Zugang zum Atlantischen Ozean. Mit einer Fläche von 756'102 km2 ist es 18 mal grösser als die Schweiz und hat 18 Mio. Einwohner. Die Amtssprache ist spanisch und die Hauptstadt Santiago de Chile mit 5,5 Mio. Einwohnern. In der menschlichen Entwicklung ist Chile in Lateinamerika an erster Stelle und hat eine hohe Lebenserwartung. Die Währung nennt sich Chilenischer Pesos, 1 sFr sind 730 Pesos. Das Land erstreckt sich in Nord- Südrichtung über 4275 km, misst an der breitesten Stelle 440 km und an der schmalsten 90 km. Aufgrund der Ausdehnung über 39 Breitengrade weist Chile eine grosse Vielfalt an Klima- und Vegetationszonen auf. Im Norden an der Grenze zu Peru und Südlich von Santiago sind zwei hohe Gebirgsketten mit Gipfeln bis 6893 m Höhe. Dazwischen ist die Atacamawüste wo oft jahrelang kein Regen fällt. Hier sind die grössten Salpeter vorkommen und grosse Kupferminen. In Mittelchile herrscht ein dem Mittelmeerraum vergleichbares Klima und im sehr dünn besiedelten Süden ist es sehr Niederschlagreich. Für die land-
wirtschaftliche Produktion können 7 % der Landesfläche benutzt werden. Bekannt ist Chile für seine hervorragenden Weine, 2 l guter Merlot für sFr 3.50, und zartes Rindfleisch, das Kilo Rindsfilet für sFr 13.00. Im 19.jh. wanderten viele Europäer nach Chile aus, noch heute sprechen über 30'000 Personen deutsch.
Meine Ankunft in Chile habe ich mir etwas anders vorgestellt als im Touristen Landcruiser anzukommen und das Wohnmobil in Sol de Manana, Bolivien, auf 4849 m stehen zu lassen. Nach 1 ½ Tagen Abschleppen zur Mercedes-Garage in Calama und dann ist zum Glück nur der Sensor des Luftfilters defekt. Nochmals Glück gehabt. In Calama, der Minenstadt, quartiere ich mich auf dem Campingplatz ein, bringe die Wäsche zur Launderie und aktualisiere die Hompage. Am Montag morgen suche ich das Besucherzentrum der Mine de Cobra auf um einen Besichtigungstermin zu buchen. Für Dienstag komme ich als Nr. 3 auf die Warteliste, mit grosser Hoffnung teilnehmen zu können. Die Mine de Cobra ist die grösste Tagabbau-Mine der Welt und gehört dem Staat. Es wird Kupfer abgebaut seit 1915 und die Halden des unbrauchbaren Gesteins haben unendliche Dimensionen. Täglich wird eine unentgeltliche Führung angeboten im modernen Reisecar ab Calama. Bei der Anfahrt sind schon von weitem die Ausbruchberge und mehrere Starkstromleitungen zu sehen. Bald erblicke ich auch die ersten Ausbruchtransporter, 240 t Ladekapazität und 2500 PS Leistung, 170 Stück sind rund um die Uhr im Einsatz, fast unglaubliche Zahlen. Die Mine liegt auf 2870 m Höhe, ist 3 km Breit, 5,1 km Lang und 1000 m Tief. Die ganze Anlage ist riesig, Werkhöfe, Chemieteiche, Wasser-
aufbereitung, Schmelzhütten, Wohnsiedlungen, Spital und rostende Altmaschinen. Beim Aussichtspodest am Minenrand erfasse ich erst das gigantische Ausmass. Die grossen Transporter wirken in 1000 m Tiefe wie Mäuse. Drei grosse Schaufelbagger sind im Einsatz um die Ausbruchtransporter zu beladen, die dann im Schritttempo aus dem Schlund der Mine kriechen. Nächstes Jahr wird die Mine geschlossen und in den Untertageabbau gewechselt. Nach drei Stunden kehren wir nach Calama zurück und dürfen Helm und Warnweste wieder abgeben. Da ich die letzten Tage Ausruhen konnte starte ich mit dem Wohnmobil zu den Geysers El Tatio, wo ich kurz vor Dunkelheit ankomme. Die Nacht auf 4400 m Höhe war wieder mit ordentlichen Minusgraden gesegnet und so dampfte es am Morgen recht stark bei den heissen Quellen und blubbernden Löchern. Die grosse Anzahl Touristen hat meinen Ertragsgrad um 07.30 Uhr bereits überschritten, da stehen hunderte um die dampfenden Löcher und frieren vor sich hin und jedes Touristenfreie Foto muss hart umkämpft werden. Aus 64 Löchern dampft das Wasser oder brodelt die Erde und dazwischen kann man sich frei bewegen. Der Hot-Pool ist um diese Zeit noch unbenützt, die morgentliche Kälte schreckt alle ab. Mit dem Licht der aufkommenden Sonne entstehen fantastische Bilder und lassen die Kälte etwas vergessen. Danach fahre ich südwärts und erreiche am Nachmittag San Pedro de Atacama. Hier wird wieder getankt und Lebensmittel aufgestockt, dann nochmals die von Touristen überflutete Lehmstadt besucht. Am nächsten Morgen besichtige ich das Valle de la Luna. Die Berge mit den Salzkrusten und die mächtige Düne lassen erahnen wie es auf dem Mond aussehen soll. Beim Wandern zu den diversen Aussichtpunkten erblickte ich unglaubliche Landschaftsbilder. Am Mittag starte ich nach Süden, zur Atacama Wüste. Das ist eine der trockensten Gegenden der Welt und erstreckt sich über fast 2000 km Länge und 120 km Breite. Sie ist teilweise mit Asphaltstrassen aber auch mit Sandpisten und Schotterstrassen erschlossen. Im Zentrum wächst kein Halm, da gibt es nur Sand und Steine zu sehen über weite Distanzen. Am südwestlichen Rand ist das Kunstwerk "Mano del Desierto" zu bewundern. Eine riesige Hand die im Wüstensand versinkt. Auf den Bergkuppen sind einige Observatorien angesiedelt. Die trockene und saubere Luft lässt besonders weit ins Weltall blicken. Beim Europäischen Observatorium wollte ich mich für eine Besichtigung anmelden, die jeweils am Samstag durchgeführt werden. Damit möglichst wenig Besucher kommen, muss man sich per Internet 14 Tage im Voraus anmelden. Wie soll ich mich 2 Wochen im Voraus anmelden, wenn ich am Mittag meistens noch nicht weis wo ich am Abend Übernachte. Also geht die Fahrt weiter nach Süden einer rauen Küste entlang. Bei Taltal sichte ich die ersten Humboldt Pinguine. Der National Park Pan de Azucar entzückt mit farbigen Bergen, schönen Sandstränden und einem kleinen lebhaften Fischerdorf. Die Bahia Inglesa werden so genannt weil ein englischer Pirat hier gestrandet ist und heute ist es einer der bekanntesten Badeorte von Chile. Trotz sehr kaltem Wind vergnügten sich einige Gäste im kalten Pazifik, die Zuschauer hatten Wärmejacke und Handschuhe an. Wenn immer möglich fahre ich der faszinierenden Küste entlang und beobachte den tosenden Pazifik. Meistens bin ich alleine Unterwegs, denn es ist noch Winter und die Strandrestaurants sind alle geschlossen. Auf der Höhe von La Serena erblicke ich das erste grüne Tal. Im unteren Teil wird Obst und Gemüse angebaut, das obere Talgebiet ist mit Reben bepflanzt. In der Gegend um Pisco Elquin wird auf höchstem Niveau Pisco "Traubenschnaps" in unzähligen Variationen produziert. Bei den vielen Hostels und Campingplätzen ist in der Hochsaison mit tausenden von Gästen zu rechnen.
Die Fahrt auf der Panamericana nach Süden führt meistens durch Wüste, einer rauen Küste entlang und vorbei an grossen Windparks. Sehenswertes gibt es hier nicht viel, es müssen einfach Kilometer abgespult werden. Auf der Höhe von Zapallar beginnen der Küste entlang Villenüberbauungen mit grossen Parkanlagen, der Zugang zum Meer ist aber auch für Normalsterbliche möglich. Bei der Isla Cachagua sehe ich wieder einige Pinguine, viele Kormorane und Möven. Vina del Mar und Valparaiso sind moderne Grossstädte mit Hochhäusern, Geschäftsvierteln und schönen Strandpromenaden. In der 5,5 Mio. Stadt Santiago de Chile fühlte ich mich fehl am Platz und fahre nach vier Stunden weiter südwärts. Bei Pichilemu erreiche ich wieder die Küste und finde viele schöne menschenleere Strände. Am Morgen ist dichter Nebel, das hindert aber viele Surfer nicht ihren Sport zu frönen. In Punta Lobos herrscht im kalten Wasser ein richtiges Gedränge und die Wellen erreichen Rekord Höhe. Die Landschaft wird immer grüner und ich fahre grossen Wäldern entlang. Die Föhren, Fichten und Eukalyptusbäume sind aber alle angepflanzt. Jeder Baum ist gleich gross und im selben Abstand zum Nächsten, dann folgen wieder gerodete Flächen. Unzählige Holztransporter sind auf der Strasse anzutreffen die zu den Zellulosefabriken oder grossen Sägewerken fahren. Bei Concepcion sind fantastische Felsformationen an der Küste zu bewundern und Südlich davon besuche ich die Punta Lavapie, ein abgelegenes Fischerdorf mit wunder schöner Küste. Am unendlich langem Strand von Lebu finde ich einen schönen Übernachtungsplatz. Nun fahre ich in westliche Richtung zum Passo Pino Hachado. Ein Tal wie in der Schweiz mit Rinder, Hotels, Pensionen und Skivermieter in nur 900 m Höhe. Die Wintersaison läuft immer noch und die Berge sind alle in reinem weiss. Nach der langen Fahrerei besuche ich in Manzanar eine Therme und entspanne mich im heissen Aussenpool bevor ich am nächsten Tag nach Argentinien weiter fahre.
Durch den Grenzverlauf und die Strassenführung werde ich in nächster Zeit einige Male die Grenzen von Chile und Argentinien überqueren.
Reiseroute in Nord- und Mittelchile