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Diverse grosse Festungsbauten in der Schweiz, so etwa am Gotthard, bei Gondo im Tessin, und bei Saint Maurice VS wurden bereits im späten 19. Jahrhundert realisiert. An der Ostgrenze war jedoch bis kurz vor dem Zweiten Weltkrieg die veraltete Sperre auf der Luziensteig das einzige Festungswerk. Die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten in Deutschland und der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich machten unsere Politiker hellhörig und führten Bundesrat und Parlament die Notwendigkeit eines verstärkten Grenzschutzes im Osten drastisch vor Augen. Das im Februar 1935 genehmigte «Bauprogramm für Grenzbefestigungen» gab endlich «grünes Licht» für die Projektierung von Festungswerken im Rheintal. Doch zuvor waren umfangreiche Rekognoszierungen notwendig. Erst kurz vor Kriegsbeginn begannen die Bauarbeiten. Unter anderem auch am Stoss, dem als wichtigster Übergang vom Rheintal ins Appenzellerland, eine bedeutende strategische Bedeutung zukam.
Dispositiv und Bewaffnung der Sperre
Die Befestigung am Stoss umfasst ein durchgehendes Höckerhindernis von etwa 1,5 km Länge. Dieses ist mit vier flankierenden Betonbunkern bewehrt. Aus ihnen konnte das Bahntrassee der Appenzellerbahn und die Verbindungsstrasse Altstätten – Gais auf kurze Distanz wirkungsvoll unter Feuer genommen werden. Bei allen Bunkern handelt es sich um sehr massive Bauwerke mit Wand- und Deckenstärken von 2,5 Metern. Die Armierungsstärken waren so berechnet, dass sie dem Beschuss durch die damals schwerste Feldartillerie, die 21 cm Haubitze, standgehalten hätten. So wurden beispielsweise für den Bunker Warmesberg ca. 1’220 Kubikmeter Beton benötigt. Die Bewaffnung bestand aus je zwei bis drei Maschinengewehren und ein bis zwei Panzerabwehrkanonen vom Kaliber 4,7 cm. Letztere sind später durch die überaus wirksamen Pak 9 cm ersetzt worden.
Die Besatzungen der einzelnen Werke zählten 16 Mann. Die Bunker waren mit allen Einrichtungen für ein längeres Überleben der Mannschaft ausgerüstet. Ebenerdig befanden sich die Kampfstände und Beobachtungsposten, im Untergeschoss der Aufenthaltsraum mit Schlafgelegenheit, ein Generator für die Energieversorgung und eine Ventilationsanlage mit kollektivem Gasschutz.
Schon im Stadium der Planung veraltet
Die Sperre Stoss wurde als «Linie» projektiert und gebaut. Dies im Gegensatz zu den Werken am Heldsberg und im Steinernen Tisch bei Thal. Festungslinien, nach dem Vorbild der berühmten Maginotlinie, waren bis zum Zweiten Weltkrieg in ganz Europa üblich. Selbst die deutschen Militärstrategen glaubten an die Unüberwindbarkeit ihres «Westwalls» und des später mit ungeheurem Aufwand erstellten «Atlantikwalls». Alle diese Linien versagten, wenn die Stunde der Bewährung schlug.
Nachteile der Sperre
Es fällt uns heute schwer, ein Urteil über den Kampfwert der Sperre am Stoss zu bilden. Sie weist folgende Nachteile auf:
– Die Sperre besitzt keine Tiefe. Einmal durchbrochen, öffnet sie dem Gegner Tür und Tor
– Sie liegt am Vorderhang. Vorderhangstellungen sind leicht erkennbar und anfällig gegen Artilleriebeschuss
– Die Bunkerwaffen sind zum Teil frontal zur Strasse statt flankierend einsetzbar. Flankierendes Feuer ist jedoch das A und O jeder modernen Panzerabwehr
Das Element der horizontalen Umfassung wurde völlig ausser Acht gelassen. Dabei lädt die Hochebene bei Schachen zum Einsatz von Luftlandetruppen geradezu ein. Spätere Dispositive trugen diesem Umstand Rechnung und verlegten die Stützpunkte an die Hänge des Sommersbergs und des Hirschbergs. Entschuldigend muss allerdings hinzufügt werden, dass zur Zeit der Planung der Rheintaler Befestigungen die Existenz und Einsatzmöglichkeiten von Luftlande- und Fallschirmtruppen noch zu wenig bekannt war.
Es wäre mit nicht allzu grossen Mitteln möglich gewesen, die Sperre am Stoss nachträglich nach rückwärts auszubauen. Eine erschreckende Konzeptlosigkeit der Schweizer Armee in der Nachkriegszeit, begleitet von überhastet durchgepeitschten Reformen in immer kürzerer Folge, verunmöglichten eine Modernisierung der Sperre am Stoss. Geblieben ist ein Mahnmal für kommende Generationen, das dank dem Einsatz des Vereins Festung Heldsberg vor dem Abbruch bewahrt, und so für die Zukunft erhalten bleibt.
Die Sperre Stoss kann auf Voranmeldung besichtigt werden. Wenden Sie sich bitte an unser Sekretariat.