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Es war kurz nach halb elf als Jeff Koons am Tag der Ausstellungs-Eröffnung in Basel auf die eigens für ihn aufgestellte Bühne in der unteren Etage der Foundation Beyler gebeten wurde. Schwarzer Anzug, Krawatte, die passenden Schuhe. Es hätte ein Geschäftsmann sein können oder ein Anwalt. Der Mann, der von vielen Zeitschriften als der vielleicht bedeutendste lebende Künstler bezeichnet wird. Und so spricht er auch: sachlich und präzise in der Argumentation – man erhält ein bisschen den Eindruck, er wolle sich verkaufen.
Koons stellt sein Arbeiten einzeln vor, oft mit einer Anekdote, zum Beispiel über seinen Sohn, der ihn eines Tages stolz auf einen Plastilin-Haufen aufmerksam gemacht habe, selber gebaut. Davon inspiriert sei die Arbeit Plastic-Doh entstanden. Es folgt Applaus.
Adam und Eva
Die Ausstellung in der Basler Fondation Beyeler ist in drei Teile geteilt: “The New” (1980–1987), “Banality” (1988) und “Celebration” (seit 1994). Auffällig ist, dass keine Arbeiten von “Made in Heaven” (1989-1991) vertreten sind. Diese bestehen vor allem aus Bildern und Glas- oder Plastikskulpturen, die ihn und seine Ex-Frau – die Pornodarstellerin Cicciolina (Ilona Staller) – beim Sex oder Austauschen von Zärtlichkeiten zeigen. Koons selber versteht es jedoch eher als eine Darstellung von Adam und Eva, denn als eine Provokation .
Überhaupt zieht er oft Vergleiche zu religiösen Themen oder lässt sich von diesen inspirieren. In “Michael Jackson and Bubbles” von 1988 sehen wir den “King of Pop” mit einem Affen auf dem Schoss in einer Position, die an Heiligendarstellungen aus der Renaissance erinnert.
Kopien der Vergangenheit
Koons arbeitet zudem oft mit fabrizierten Alltags-Produkten. So stellt er zum Beispiel gewöhnliche Hoover-Staubsauger, die er monument-ähnlich und gruppenweise in beleuchtete Glaskästen zeigt. Im Gegensatz zu Andy Warhol, der die Vervielfältigung von Bildern zu seinem Thema machte, fragt man sich bei den ausgestellten Objekten Jeff Koons’, ob wir nicht in einem Zeitalter leben, das gänzlich nur aus Kopien besteht. Aus Kopien, deren Original entweder verschollen ist oder in der Vergangenheit liegt.
Er spricht dies nicht direkt an, aber er erzählt, wie er versucht, so wenig wie möglich von seiner eigenen Persönlichkeit in die Arbeit einzubringen und stattdessen die gegenwärtige Kultur in seinen Werken zu konzentrieren. Dabei tanzen seine Werke einen Drahtseilakt zwischen Kitsch und Ironie. Konsumkultur und ernste Kunst, «Niedrige« und «Hohe« Kunst? Ist eine Unterscheidung relevant?
Millionenschwer
Am Ende des Vortrags lässt er sich Fragen stellen, die er seelenruhig beantwortet. Das Publikum kann den Saal befriedigt verlassen. Es hat nichts Provozierendes oder Radikales gehört, das den Blick auf händchenhaltende Bären verändern könnte. Man fragt sich, ob in Vergessenheit geraten ist, dass Kunst einmal skandalös sein konnte.
Jeff Koons ist einer der am besten verkauften lebenden Künstler. Sein teuerstes Werk erzielte einen Kaufpreis von 25,7 Millionen US-Dollar. Auf die Frage, wie man Kunst in einer materialistischen Welt macht hat Jeff Koons eine erfolgreiche Antwort gefunden.