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Übergang von Kandersteg im Berner Oberland nach Leukerbad im Wallis auf 2314 m. Der Pass führt über den nördl. Hauptkamm der Alpen zwischen dem Daubenhorn und den Plattenhörnern. Ohne die Bauten in der rund 600 m hohen Felswand nördlich von Leukerbad wäre der G. nicht begehbar. In früher Zeit führte der Übergang denn auch nicht hier durch, sondern über die sog. Alte Gemmi östlich der Plattenhörner. Man erreichte diesen auf etwa 2730 m Höhe liegenden Übergang von Norden her über das Furggentäli und stieg von dort zur Clabineralp ab. Um 800 erreichte auf diesem Wege ein Teil der Alemannen als Einwanderer das Mittelwallis. Verträge aus dem 12. und 13. Jh. belegen die Nutzung der Weiden auf dem Passplateau und die Existenz einer Herberge (Spital). Hist. Quellen und die beim sog. Chlöfu eingehauene Jahrzahl 1549 belegen, dass neben der Alten Gemmi ab dem frühen 14. Jh. ein Fussweg durch die Gemmiwand führte, der allmählich verbessert wurde. Die steigende Beliebtheit von Leukerbad für Kurgäste aus der deutschsprachigen Schweiz sowie die Absicht, Bern direkter mit der Handelsroute über den Simplon zu verbinden, führten ab 1739 mit bern. Hilfe zu einer Neuanlage des Weges, der 1739-41 vom Tiroler Anton Lung und seinen Bauleuten in die Wand gesprengt wurde. Damit kam der Weg über die Alte Gemmi definitiv ausser Gebrauch. 1762 war die Verbindung durchgehend bis nach Thun ausgebaut, wo sie an das bern. Chausseenetz angeschlossen war. Trotzdem entwickelte sich auf der Gemmiroute kein Transithandel, da eine leistungsfähige Transportorganisation fehlte, der Handel durch die Administration behindert wurde und die Reisezeit gegenüber andern Pässen nicht entscheidend gekürzt werden konnte. Die seit dem Aufkommen der Eisenbahnen verlorene regionale Bedeutung hat der Pass durch den Tourismus wieder erhalten. Seit 1957 besteht eine Luftseilbahn von Leukerbad auf den G.
Literatur
– K. Aerni, «Die Entwicklung des G.es», in SZG 29, 1979, 53-83
– K. Aerni «Die Gemmi - Von der Verbindung zum Weg», in Cartographica Helvetica, 1999, H. 19, 3-15
– IVS Dok. VS 32; BE 20
Autorin/Autor: Klaus Aerni