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Hinterer Wiler
Redaktion/Autor: Markus Aschwanden KKI
Drohnen-Fotografie: Felix Aschwanden
Erstellt: 2020
Datensammlung: Antonia Imholz-Arnold
Foto 005228 Der Hintere Wiler liegt mitten im Dorf. Er erstreckt sich vom Stausee bis hinauf zur Waldstrasse. Das Häimä umfasst den unteren Teil, genannt Wiler und oben das Obhegli. Bis um 1960, als Oskar Bissig den Wiler übernahm und für sich und seine Familie unten im Wiler, auf 770 m ü.M. ein Haus baute, wohnten die Besitzer im Obhegli, auf 820 m ü.M. Dieses Haus wurde dann abgerissen, der zugehörige Stall steht noch heute.
Deutung in ortsnamen.ch Wiler: Das Gehöft / Obhegli: ‘Beim kleinen Stück Land oberhalb eines Zaunes’
Drohnen-Video: Flug über den Hinteren Wiler
Grundbuch
Liegenschaft Nr. 125
(Hauptbuchblatt 250), Plan Nr.5, Wiler
26’399 m²
Eigentümer
Josef Markus Bissig-Bissig
Horn 3, 6461 Isenthal
1/2 Miteigentum
Doris Helena Bissig-Bissig
Horn 3, 6461 Isenthal
1/2 Miteigentum
Die Besitzer des Hinteren Wiler
Zum Häimä Hinterer Wiler gehören Wiler und Obhegli. Im Wiler gibt es bis vor rund 60 Jahren kein Haus.
1859 bei der Eröffnung des Hypothekarbuches Uri ist Anton Indergand als Besitzer des Hinteren Wiler aufgeführt. Die Recherche führt zur Annahme, dass dies Anton Indergand 1821-1863 ist, verh. seit 1859 mit Josefa Jakobea Manria Anna Aschwanden 1829-1897 (die Quelle führt keine Kinder an). Witwe Josefa Indergand-Aschwanden hat in 2. Ehe Franz Josef Bissig, Untere Bärchi, geheiratet.
Anton Indergand ist auch Besitzer des Komitee.
Johann Josef Maria Andreas Gasser 1821-1878 wird im Hypothekarbuch Uri als nachfolgender Besitzer des Wiler aufgeführt. Er ist 1850 verheiratet mit Maria Anna Aschwanden 1821-1855. Ihr Sohn Josef Maria Michael Gasser kann 1882 das Kleinwäldli kaufen.
Im Stammbuch ist als Wohnsitz von Andreas Gasser das benachbarte Mättli notiert. Die Besitzer des Mättli aber sind zu dieser Zeit Jakob Josef Zwyssig, verh. mit Maria Anna Gasser, der Schwester von Andreas Gasser.
Leonz Walker und Anton Gisler die nach Andreas Gasser Besitzer des Wiler sind, konnten mit den wenigen Angaben aus dem Hypothkekarbuch nicht bestimmt werden.
Johann Josef Alois Imhof 1827-1913 ist aus Spiringen ins Isenthal gezogen und hat den Wiler gekauft. Er ist 1861 verheiratet mit Maria Anna Josef Gisler 1828-1871. Die Familie wohnt im Obhegli und im Sommer in der Hinteren Wang, die auch Alois gehört.
Foto 01364
1914, nach dem Tod des Vaters, übernimmt Johann Josef Imhof 1867- zusammen mit seinen Schwestern Anna Imhof 1871-1927 und Franziska Imhof 1866- den Wiler und das Obhegli.
Johann Josef, genannt Wang Sebi, bewirtschaftet den Betrieb viele Jahre zusammen mit seinen Schwestern. Auch die Hintere Wang gehört ihnen. Die drei Geschwister bleiben ledig.
Wang Sebi, nach dem Tod seiner Schwestern allein im Obhegli, wird krank. Den unteren Teil seines Besitzes, den Wiler, verpachtet er der Familie Arnold von der Oberbärchi.
1946 ist Josef Imhof dann als Alleinbesitzer im Hypothekarbuch eingetragen. Dieser Eintrag muss wohl noch nachgeholt werden, damit Wang Sebi sein Häimä verkaufen kann. Er ist zu diesem Zeitpunkt schon lange alleiniger Besitzer, da seine beiden Schwester gestorben sind.
Foto 18681
Im benachbarten Oberbächi sind Hans und Rosa Bissig-Gisler (Hochzeit 1927) die Besitzer. Ihnen verpachtet Wang Sebi das Obhegli in den letzten Jahren. Dann verkauft er es ihnen mit der Bedingung, dass er im Oberbächi bis zu seinem Tod Kost, Logis und Pflege bekomme.
Hans 1901-1993 und Rosa 1906-1977 Bissig-Gisler, Oberbächi, nehmen diese Kaufbedingungen an. Sie haben bereits erwachsenen Kinder, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden können. Rosa, Mutter von 13 Kindern, übernimmt die schwierige Pflege von Wang Sebi. Nach drei Jahren im Oberbächi stirbt Wang Sebi.
Foto 18685 Die Familie Rosa und Hans Bissig-Gisler, Oberbächi
hinten v.l. Ruedi 1937- Oberbächi / Oskar 1927- Wiler / Hans 1930- Seeliblick / Lorenz 1932 Obsee / Paul 1941- Sunnighofstatt
Mitte v.l. Vreni 1943- Cham / Marie 1933- Hermisegg / Edith 1939- Schattdorf / , Theres 1951- Aargau / Annelies 1935 Kriens / Rosa 1927- Riedmatt
vorn v.l. Regina 1946- Altdorf / Mutter Rosa 1906-1977 / Vater Hans 1901-1993 / Hanni 1945- Seedorf
Foto 18487 Verlobung 1960 von Oskar Bissig, Bächi mit Emilie Infanger in der Stube des Oberen Stalden.
v.l. Eltern Franz und Marie Infanger-Jauch, Oberer Stalden, Hans und Rosa Bissig-Gisler, Oberbächi, Albert Infanger
Foto 18682
1960 kann Oskar Bissig 1927- , der älteste Sohn von Hans und Rosa Bissig-Gisler, den Wiler und das Obhegli übernehmen. Im gleichen Jahr heiratet Oskar Emilie Infanger vom Oberen Stalden (Bini Franzä). Ihnen werden 5 Mädchen geboren.
v.l. Pia 1961- / Edith 1963- / Irma 1962 / bei der Taufe von Doris 1966 / Rita, Jüngste fehlt noch
Turnlehrer
Wie sein Vater Johann Bissig-Gisler war auch Oskar vielseitig begabt. Während Jahren arbeitete Oskar an der Primarschule Isenthal als Turnlehrer. Die Schule wurde damals noch vollständig von Klosterfrauen geführt, die ‘natürlich’ Turnen nicht selber unterrichten konnten. So fragte man Oskar, ober er an einem Nachmittag den Sportunterricht für Knaben leiten könne. Für die Mädchen gab es an dieser Stelle den Handarbeitsunterricht. Sport wurde damals als Vorbereitung der männlichen Jugend auf die Rekrutenschule angesehen. Und so ist es nicht verwunderlich, dass die Knaben mit Oskar auf dem Pausenplatz Marschier- und Besammlungsübungen machten.
Besitzer 2020
Foto 18676 Familie Doris und Josef Bissig-Bissig, Horn
v.l. Milena 1998- / Mutter Doris / Aline 2001- / Sarah 1995- / Jonas 1992- / Vater Josef
Im Jahr 2000 können die Tochter Doris und ihr Mann Josef Bissig-Bissig, Horn von Oskar und Emilie Bissig-Infanger den Wiler mit Obhegli übernehmen.
Die Familie lebt im Horn, wo Josef aufgewachsen ist, im Haus, von Josefs Grossmutter. Sie haben das über 100 jährige Haus für sich umgebaut.
Eigentums-Übergänge im Hinteren Wiler laut Hypothekarbuch Uri und anderen Quellen
|1859||Anton Indergand 1821-1863 ist, verh. seit 1859 mit Josefa Jakobea Manria Anna Aschwanden 1829-1897|
|–||Johann Josef Maria Andreas Gasser 1821-1878, 1850 verheiratet mit Maria Anna Aschwanden 1821-1855|
|–||Leonz Walker und Anton Gisler|
|–||Johann Josef Alois Imhof 1827-1913, 1861 verheiratet mit Maria Anna Josef Gisler 1828-1871|
|–||Kinder des Alois Imhof: Johann Josef Imhof 1867- zusammen mit seinen Schwestern Anna Imhof 1871-1927 und Franziska Imhof 1866-|
|vor 1946||Bruder Johann Josef Imhof 1867- als Alleinbesitzer|
|1946||Hans 1901-1993 und Rosa 1906-1977 Bissig-Gisler, Oberbächi|
|1960||Sohn Oskar Bissig 1927- , verh. 1960 mit Emilie Infanger vom Oberen Stalden (Bini Franzä)|
|2000||Tochter Doris mit ihrem Mann Josef Bissig-Bissig, Horn|
Der Betrieb Hinterer Wiler
Foto 18688 Das Häimä Hinterer Wiler mit Haus und Stall im Obhegli und dem Stall im Wiler nach 1939 (Schulhausbau).
Die Besitzer des Hinteren Wiler leben bis 1946 im Obhegli. Im Häimä stehen aber schon früh zwei Ställe.
Josef Imhof, Wang Sebi, bewirtschaftet den Wiler zusammen mit seinen Schwestern Anna und Franziska. Sie wohnen im Obhegli.
Ihnen gehört auch die Hintere Wang.
Im fortgeschrittenen Alter verpachtet Wang Sebi den Wiler der Familie Arnold von der Oberbärchi und das Obhegli an Johann Bissig, Bächi.
Foto 05946 Die gleiche Ansicht wie oben vor 1960. 1947 hat Johann Bissig-Gisler im Wiler einen neuen Stall gebaut.
1946, drei Jahre vor seinem Tod verkauft Wang Sebi an die Familie Bissig-Gisler vom Oberbächi. Er hat sich dafür lebenslange Kost, Logis und Pflege im Oberbächi ausbedungen.
Die Familie Bissig-Gisler bewirtschaftet den Wiler vom Oberbächi aus. Einen Teil ihrer Tiere halten sie aber auch im Obheglistall und im Wiler.
Foto 04525 Eine Brücke über den Isenthalerbach beim Wiler gibt es schon sehr früh.
Die jetzige Brücke wird mit dem Kraftwerkbau erstellt. Diese alte Schwybogenbrücke steht fast 2 m tiefer als die heutige Brücke über den See.
Foto 00160
Zwischen 1957-1959 wird das Kraftwerk Kleintal erstellt.
Johann Bissig-Gisler verkauft ein Teil Land für den Bau des Maschinenhauses. Das Kraftwerk wird 1959 in Betrieb genommen.
Neben dem Maschinenhaus gab es eine Wasserquelle, welche jeweils für die Tiere genutzt wurde. Beim Bau des Kraftwerkes versiegt diese Quelle. Das Wasser im Wiler wird heute für Haus und Stall von der Dorfwassergenossenschaft bezogen.
Im Obhegli ist hier noch das Haus in Frontansicht zu sehen.
Foto 002116 Heute steht der Stall im Obhegli allein da. 1947 ist er von Johann Bissig-Gisler neu gebaut worden. Die Bächeler halten darin 2-3 Kühe. Das Haus wird abgerissen, nachdem Oskar Bissig unten im Häimä ein Haus gebaut hat.
Der Stall wird auch heute weiterhin benutzt. Oskar Bissig hat gleich nach dem Erwerb des Häimä, den oberen Teil des Wiler, das Obhegli, seinem Bruder Ruedi verpachtet. Heute hat Ruedis Sohn Walter Bissig, Oberbächi, die Pacht.
Foto 002225 Den unteren Teil des Besitzes mitsamt Stall nutzt Oskar Bissig selber. Er bewirtschaftet den Wiler im Nebenerwerb. Sein Vater hielt hier wie im Obhegli 2-3 Kühe. Oskar hat nur 20-35 Schafe.
Foto 12436 Oskar lernt bei seinem Vater ‘Bächi Hans’, der seit 1949 ein Bauunternehmen hat. 1970 übernimmt Oskar das Bauunternehmen und erweitert es. Das ist sein Haupterwerb. Das Unternehmen bleibt bis 1996 in seinen Händen. Danach führt es der Neffe Hansruedi Bissig weiter.
v.l. Knabe nicht bekannt / Oskar Bissig, Wiler / Theodor Aschwanden, Vorderbärchi / nicht bekannt / Hans Bissig Bauunternehmer / nicht bekannt
Oskar Bissig beim Hausbau von Kari und Josy Aschwanden-Zurfluh 1948
Oskar erzählt: Wir waren jung, schnell und kräftig. Der Beton wurde in einem sogenannten Japaner mit einem Kran hochgezogen. Die Verteilung auf der Decke wurde mit Muskelkraft erledigt. Abends 10 Uhr war die Decke betoniert. Theodor und ich wurden nur für diesen Tag angestellt. Lohn 2.00 Fr pro Stunde, was damals sehr hoch war.
Foto 002222 Für sich und seine Familie baut Oskar 1960 direkt neben dem Wiler-Stall ein schmuckes Einfamilienhaus.
Foto18684 Oskar und Emilie Bissig-Infanger leben heute im Ruhestand weiterhin im Wiler und freuen sich an Besuchen ihrer Enkelkinder.
Foto 18679 Im Jahr 2000 übernehmen Doris, die Tochter von Emilie und Oskar , und ihr Mann Josef Bissig, Horn, den Wiler. Sie wohnen weiterhin im Horn, werden Eltern von 4 Kindern und führen von 1997-2012 gemeinsam den Dorfladen. Das Obhegli ist weiterhin an Walter Bissig vom Oberbächi verpachtet. Den Wiler führen sie im Nebenerwerb. 1999 nehmen sie zusätzlich das Gumplig in Pacht, das sie dann 2011 von Alfred Infanger, einem Onkel von Doris, kaufen können.
Während mehr als 10 Jahren halten Doris und Josef, zusammen mit Edith , der Schwester von Doris, und ihrem Mann Toni Arnold-Bissig zwei Maultiere. Mit diesen Tieren bieten sie Maultiertrekking an.
v.l. Sohn Jonas / Josef und Doris Bissig-Bissig / Töchterchen Sarah
Foto 17610
Seit 2018 ist das Wiesland mit Stall im Wiler an Lukas Walker, Heissrüti, verpachtet. Lukas, der in der Heissrüti Schafe hält, stallt einen Teil seiner Tiere eine zeitlang im Wilerstall ein.
Doris und Josef Bissig-Bissig gehen einer Arbeit ausserhalb des Isenthals nach.
Lukas und Seline Walker-Jauch mit Sohn Ivan
Foto 005258 Lukas Walker beim Mähen des Hinteren Wiler