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Prolog
Aiden
Wenn man siebzehn Jahre alt war, gab es in einer Kleinstadt wie Goodville inmitten von Colorados Einöde nicht sonderlich viel zu erleben. Schon gar nicht an den Wochenenden. Für Mitte Juli war es unerträglich heiß an diesem Tag. Die Sonne brannte erbarmungslos vom Himmel herunter und sorgte dafür, dass Aiden ein wenig schwindelig wurde, obwohl er bereits im Schatten einer alten Eiche am Ufer des Avon River saß. Seine Sicht verschwamm, weshalb die Skizze, an der er seit zwei Stunden arbeitete, ebenfalls unscharf wurde. Er kniff die Lider zusammen und rieb über das Blatt. Leider waren seine Finger so verschwitzt, dass die Bleistiftlinien verwischten.
»Mist!«, grummelte er und wedelte mit der Hand in der Hoffnung, dass die Luft den Schweiß schnell trocknen würde.
»Mir ist langweilig.« Jonah lag ausgestreckt neben Aiden auf der Decke. Er hatte die Arme hinter dem Kopf verschränkt, kaute auf einem Grashalm und blinzelte träge in die Sonne. Sein blonder Haarschopf kringelte sich über den Ohren zu feuchten Strähnen. »Lass uns irgendwas machen.«
Vielsagend deutete Aiden auf die Zeichnung. »Ich mache was, Mann.«
Jonah verdrehte die Augen. »Wann wirst du endlich aufhören, dich so zu stressen? Du wirst diesen Studienplatz kriegen. Wir beide werden das.«
Aiden wünschte sich, er könnte Jonahs Zuversicht teilen. Er war selbstbewusst genug zu behaupten, dass sie beide ausreichend Talent besaßen, um am Rocky Mountains College of Art and Design in Lakewood angenommen zu werden. Sie wollten dort gemeinsam Kunst studieren, um eines Tages ihren Kindheitstraum vom eigenen Comic zu verwirklichen. Aber selbst wenn sie die Studienplätze bekamen, blieb immer noch ein Problem.
Angst knotete Aidens Magen zusammen, während er auf seine Zeichnung starrte. Es zeigte eine Superheldin.Seine Superheldin. »Du weißt, dass es nicht nur um den Studienplatz geht.«
Jonah stöhnte genervt. »Ich zahle dir hundert Mäuse, wenn du endlich aufhörst, dir wegen dem Stipendium in die Hose zu machen. Du wirst es hundertpro bekommen. Sie wären absolut bescheuert, es dir nicht zu geben. Und selbst wenn nicht, finden wir schon eine Lösung.«
Aiden stieß ein schnaubendes Lachen aus. Jonah hatte leicht reden. Er war schließlich nicht auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Seine Eltern Ilsa und Otis Carter gehörten zu den Gründerfamilien und damit zu den reichsten Einwohnern der Stadt. Sie lebten in einer schönen Villa im Süden und besaßen so viel Land in der Gegend, dass sie einfach nur auf dem Hintern sitzen und warten mussten, bis die Pacht der Farmer fällig wurde.
Aiden hingegen wohnte in einem winzigen Häuschen, das seine besten Tage längst hinter sich hatte. Die Fassade brauchte einen neuen Anstrich, und auch das Dach würde den nächsten Winter vermutlich nicht überstehen. Aber sein Dad steckte jeden Cent in die Bar, die er nun schon seit Jahren betrieb. Da blieb nicht viel übrig für Aiden oder seine kleine Schwester Lauren.
Wäre seine Mom noch hier gewesen und hätte ein zweites Einkommen in die Familie eingebracht, lägen die Dinge vielleicht anders. Aber sie hatte schon vor Jahren entschieden, dass das Kleinstadtleben nichts für sie war, und war mit einem Trucker auf Nimmerwiedersehen durchgebrannt.
Wie jedes Mal, wenn Aiden daran dachte, zog sich die Wut zu einem kleinen, harten Knoten in seinem Bauch zusammen. Plötzlich von Rastlosigkeit erfüllt, warf er den Block beiseite und streckte sich, weil sein Rücken ganz steif vom langen Sitzen war. »Du hast recht. Lass uns was machen.«
Sofort kam Bewegung in Jonah, und er sprang auf