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Früher war man im Alter vollständig von seinem eigenen Ersparten abhängig. Immer mehr Unternehmen gründeten deshalb Pensionskassen, die nach dem Altersrücktritt eine monatliche Rente bis ans Lebensende garantierten. Das Unternehmen unterstützte dabei den Arbeitnehmer beim Ansparen des Alterskapitals mit finanziellen Beiträgen. Auch bei der Zürcher Kantonalbank gab es schon früh solche Bestrebungen. Während erste Versuche zur Einführung einer Alters-, Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung 1888 gescheitert waren, versuchten es einige Mitarbeitende 1904 mit einer Eingabe an den Bankrat: Um für die Lage des Alters und der Invalidität in jüngeren Jahren vorzusorgen, müsse eine Versicherungslösung gefunden werden. Dass sich auch die Bank mit einem Grundstock an Kapital und Beiträgen an die Prämie beteiligen sollte, wird aus dem ziemlich umständlich formulierten Protokolleintrag ebenfalls ersichtlich: «In der Erwägung, dass ein solches Unternehmen aus nur eigenen Kräften des Personals grossen Schwierigkeiten begegnen würde und dass ohne Beihülfe der Bank das Ziel kaum erreicht werden könne, wird an den Bankrat das Ansuchen gerichtet, die Gründung einer auf Beihülfe der Bank fussenden Alters- und Invaliditätsversicherung für die Beamten und Angestellten der Zürcher Kantonalbank einer wohlwollenden Prüfung zu unterziehen.» Der Kantonsrat bewilligte zwei Jahre später einen Antrag des Bankrats, jährlich einen gewissen Betrag vom Reingewinn abzweigen zu dürfen und in einen Fonds für eine solche Altersversicherung zu legen. Bis Ende 1925 stieg das Fondsvermögen durch jährliche Einzahlungen auf 2,1 Millionen Franken. Vereinzelt zahlte die Bank bei einem gesundheitsbedingten Rücktritt von sich aus ein Ruhegehalt, wie etwa bei einer «sehr fleissigen, tüchtigen und zuverlässigen Arbeiterin», die über 30 Jahre bei der Bank tätig war und 1916 wegen schwachen Augen und «Nervosität» die Arbeit vorzeitig niederlegen musste.
Wie die Pensionskasse entstand
Endlich konnte im Jahresbericht von 1926 die frohe Botschaft verkündet werden: Mit der Revision des Gesetzes über die Zürcher Kantonalbank waren die Voraussetzungen für eine selbstständige Pensionskasse für das Personal geschaffen worden. Die «Wohltat einer Versicherung» musste allerdings ziemlich lange erdauert werden.
Was lange währt, wird endlich gut
Die meisten Kreditinstitute bauten ihre Fürsorgeeinrichtungen für das Personal nach den sozialen Spannungen infolge des Ersten Weltkriegs rasch aus. Auch der Entwurf des Kantonalbank-Gesetzes von 1920 sah eine Pensionskasse vor, doch die Beratungen zogen sich noch sechs Jahre hin. Mit Inkrafttreten des Gesetzes konnte 1926 auch die Pensionskasse in Form einer Genossenschaft (später: öffentlich-rechtliche Anstalt) endlich gegründet werden. Das Gründungskapital kam aus dem oben erwähnten Altersfonds. Als Prämie zahlten die Pensionskassen-Mitglieder vier Prozent ihres Gehalts, die Bank zahlte sechs Prozent auf alle anrechenbaren Gehälter. Das Pensionsalter für Männer lag bei 65 Jahren, für Frauen bei 60 Jahren. Durchschnittlich lebten damals Personen, die das 65. Altersjahr erreichten, noch rund 10 Jahre. Die Altersrente betrug nach 35 Dienstjahren höchstens 70 Prozent der anrechenbaren Besoldung.
Eintrittsbestätigung in Pensionskasse der Zürcher Kantonalbank, 1926.
Im «Salairbuch» wurden säuberlich die monatlichen Auszahlungen an die Rentnerinnen und Rentner der Pensionskasse festgehalten. In Gebrauch ab den 1930er Jahren.
Wenn die Näharbeit nicht zum Leben reicht
Eine weitere Sozialleistung war die 1957 gegründete Unfallkasse. Während anfänglich Versicherte und die Bank Prämien bezahlen mussten, verzichtete die Bank ab 1962 auf Beiträge des Personals, da die Reserven gross genug waren. Der Sozialfonds für das Personal, der 1960 angelegt wurde, sollte schliesslich in Einzelfällen jenen Angestellten ein Darlehen oder eine Unterstützung à fonds perdu gewähren, die sich in einer finanziellen Notlage befanden. Schon zuvor waren solche Gesuche, die meist «in persönlich-familiären Verhältnissen begründet» waren, bewilligt worden. Sie waren allerdings punktuell und unsystematisch. So erhielt zum Beispiel die Witwe eines verstorbenen Angestellten 1928 eine jährliche finanzielle Unterstützung für die minderjährige Tochter, weil sie trotz Näharbeiten zu wenig verdiente. Mit dem Sozialfonds wurde die Hilfe institutionalisiert, ohne dass die Auszahlungspraxis allerdings viel grosszügiger wurde, wie man dem Bankrat versicherte: «Aus begreiflichen Gründen wird gewartet, bis eine Hilfe nicht länger hinausgeschoben werden kann.»
Heute haben sich staatliche und private Versicherungslösungen im Falle von Krankheit, Unfall und Arbeitslosigkeit etabliert. Und für den Schutz vor den wirtschaftlichen Folgen von Alter, Invalidität und Tod sorgen die AHV und die selbstständige Pensionskasse der Zürcher Kantonalbank (Pensionsalter heute generell 64 Jahre). Die Mitarbeitenden und ihre Familien sind damit finanziell sehr gut für alle Eventualitäten abgesichert. Da die verbleibende Lebensdauer für Männer und Frauen im Alter von 65 heute durchschnittlich 21 bzw. 25 Jahre beträgt, stehen alle Vorsorge-Institutionen – aufgrund des seit Jahrzehnten unveränderten Rentenalters von 64 bzw. 65 Jahren und der gesetzlichen Vorgaben – allerdings vor grossen Herausforderungen.