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Titelblatt der seit 1945 verschollenen Streitschrift
des Danziger Malers Enoch I Seemann, 1697
Hans Rudolf Lavater-Briner
Der Danziger Maler Enoch I Seemann, die Danziger Mennoniten und die Kunst
Von 1684 bis 1697 entbrannte im westpreussischen Danzig ein Streit zwischen dem Maler Enoch I. Seemann und dem mennonitischen Ältesten der Flamischen Gemeinde Georg Hansen über die Geltung des biblischen Bilderverbots. Anhand von bisher ungenutzten Quellen wird die «Causa Seemann» mit ihren täuferkundlichen und kunsttheoretischen Bezügen neu dargestellt und gewürdigt. Anhang I enthält Elemente zu einer künftigen Geschichte der Künstlerdynastie Seemann, Anhang II bietet die kommentierte Rekonstruktion von Seemanns verschollener Streitschrift Offenbahrung und Bestraffung des Gergen Hannßens Thorheit 1697 sowie die Edition von drei komplementären Dokumenten aus dem Staatsarchiv Danzig.
Hanspeter Jecker
Bendicht Brechtbühl (1777–1720) : Täuferlehrer, Brückenbauer und Grenzüberschreiter aus dem Emmental
Die Zeit um 1700 bildete in Bern den Höhepunkt der Verfolgung des einheimischen Täufertums. Herausragende Eckpfeiler dieser Repression waren dabei die missglückte Täufer-Deportation im März 1710 sowie der Grosse Täuferexodus im Juli 1711. Bei beiden Ereignissen spielte der Täuferlehrer Bendicht Brechtbühl (1666–1720) eine Schlüsselrolle. Rasch wurde er zu einer der wichtigsten Kontaktpersonen für die niederländischen Taufgesinnten und deren umfangreiches Hilfswerk zugunsten ihrer schweizerischen Glaubensverwandten.
Sein bisher noch kaum eingehend erforschter Lebensweg führte ihn aus dem ländlichen Emmental via zahlreiche Gefängnisaufenthalte und mehrere Ausweisungen zuerst in die Niederlande und später ins Asyl im Kraichgau. Er veröffentlichte Liedtexte, übersetzte theologische Erbauungsliteratur und leitete eine Erkundigungstour durch Ostpreussen, bevor er kurz vor seinem Lebensende nach Pennsylvania auswanderte. Seine Bereitschaft zum Dialog, seine Offenheit für Neues und sein Ringen um eine gute Mischung von Kontinuität und Wandel liessen ihn dabei zu einem geschätzen Vermittler und Brückenbauer werden.
Hans Nagel [Krüsi], Von dem Glawbenn Gotes, [Augsburg
(Heinrich Scherer)] 1525, Titelblatt
Hans Jurt
Hans Krüsi: Widertöuffery, Ungloub und Ketzery
Hans Krüsi gilt nicht nur als einer der ersten täuferischen Glaubensmärtyrer, von ihm stammt auch eines der wenigen Druckerzeugnisse der frühen Schweizer Täufer. Unter dem Einfluss von Konrad Grebel schloss er sich früh der St. Gallischen Täuferbewegung an und betätigte sich als Laienprediger in St. Georgen. Entschieden trat er für die reformatorischen Glaubensinhalte ein und unterstützte die Dorfbewohner in ihren Bestrebungen nach mehr Mündigkeit. Durch sein öffentliches Auftreten zog der die Aufmerksamkeit der Obrigkeit auf sich. In einer nächtlichen Aktion wurde Krüsi in St. Georgen verhaftet und nach Luzern überstellt, wo er am 27. Juli 1525 zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt wurde. Leben und Wirken des St. Galler Täuferpredigers sind überliefert in den Verhörprotokollen und in der Chronik des Zeitgenossen Johannes Kessler.
Verbrennung des Magisters Johannes Hus 1415,
aus: Konzilschronik des Ulrich von Richental (ca. 1464), fol. 58r.
Ulrich J. Gerber
Die Rezeption von Jan Hus in der Frühzeit der Reformation – eine Spurensuche
Jan Hus und dessen 1413 erschienene Schrift De ecclesia zeigte in der Frühzeit der Reformation nachhaltige Wirkung bei den Reformatoren Luther, Müntzer, Vadian und Zwingli. Doch auch bei den Zürcher Radikalen, den nachmaligenTäufern, lässt sich bereits 1522 die Forderung des hussitischen Laienkelchs durch Heinrich Aberli und Jakob Hottinger nachweisen. Es ist zu fragen, ob nicht auch das Gemeindeverständnis, der Antiklerikalismus und die Bibelschulen letztlich hussitisches Erbe darstellen.