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Neben gefakten Orgasmen und der Frage, ob man seinen Liebsten vom Flughafen abholen soll, kam im Kultfilm «Harry und Sally» auch ein anderes heisses Thema auf den Tisch: Können Männer und Frauen befreundet sein oder kommt ihnen früher oder später der Sex in die Quere? Auch 30 Jahre später brennt uns diese Frage noch unter den Nägeln. Wir haben mit der Winterthurer Sexual- und Paartherapeutin Lucianna Braendle über das Thema gesprochen.
Style: Frau Braendle, kann eine Freundschaft zwischen Mann und Frau wirklich funktionieren?
Lucianna Braendle: Ja, auf jeden Fall!
Hat die Wissenschaft etwas dazu zu sagen?
Zu dem Thema gibt es viele Forschungen. Zusammenfassend kann man sagen, dass Freundschaften zwischen Heteromännern und -frauen als schwieriger beschrieben werden als zwischen gleichgeschlechtlichen Hetero-Freundschaften.
Weil ihnen der Sex dazwischen funkt?
Auch. Als Gründe dafür werden vor allem die gegenseitige sexuelle Anziehung genannt, die heimlichen Wünsche von Frauen, dass die Freundschaft zu einer Romanze wird, und die der Männer, dass es doch zum Sex kommt. Also recht plakativ.
Fällt es Frauen leichter, platonisch mit Männern befreundet zu sein als umgekehrt?
Das würde ich so nicht sagen. Bei dieser Annahme würde man ja davon ausgehen, dass sich Frauen weniger oft verlieben als Männer, oder dass Frauen weniger das Bedürfnis nach körperlicher Nähe und Sex haben. Und das ist nicht der Fall.
Das ist also nur ein Klischee?
Genau. Beide Geschlechter mögen Sex, denken an Sex und beide verlieben sich.
Unter welchen Umständen hat so eine Freundschaft die besten Chancen zu funktionieren?
Grundsätzlich würde ich sagen, dass es die gleichen Voraussetzungen braucht wie bei jeder Freundschaft – dass sich beide zu gleichen Teilen einbringen, dass sie einander wertschätzen, dass sie eine ähnliche Werthaltung haben, dass sie eine Überschneidung haben bei Dingen, die sie gerne tun, oder über die sie gerne reden und so weiter.
Und niemand darf mehr vom anderen wollen.
Ja, es muss ausgesprochen sein, dass es um eine Freundschaft geht ohne Sexualität und dass niemand verliebt ist. Das heisst, dass sich niemand von beiden insgeheim Sex wünscht oder sich nach einer Liebesbeziehung mit dieser Person sehnt.
Wenn ich doch Lust auf meinen besten Freund bekomme, muss ich ihm das sagen?
Solche heimlichen Wünsche können zwischen zwei Menschen geraten, die Freundschaft unklar machen und sie schliesslich auseinanderbringen. Deshalb muss man bei dem Thema in Kommunikation bleiben. Wenn sich also jemand verliebt oder Lust auf Sex kriegt, sollte das unbedingt angesprochen werden.
Warum sind Freundschaften zwischen den Geschlechtern dennoch sinnvoll und bereichernd?
Gespräche zwischen Männern und Frauen sind meistens anders, als wenn Männer und Frauen unter sich sind. Das kann helfen, das andere Geschlecht besser zu verstehen.
Kann nach einem Beziehungsende aus Liebe Freundschaft werden?
Das ist ein hoher Anspruch. Meistens sind die Beteiligten verletzt und brauchen einfach mal Abstand – es gibt ja einen Grund, warum sie sich getrennt haben. Vielleicht können sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder in einer Freundschaft zueinanderfinden.
Kann «Freundschaft plus» auf Dauer gutgehen?
Das hängt weitgehend von der Reife und der Kommunikation zwischen beiden ab. Es braucht klare Abmachungen. Ausserdem sollte man immer mal wieder darüber sprechen, wie sich beide fühlen, ob es noch stimmt und ob die Abmachungen noch passen. So ist es möglich, eine «Freundschaft plus» über längere Zeit zu pflegen.