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Nach seiner düsteren Prognose zum wahrscheinlichen Wahlsieg von Donald Trump schildert Dokumentarfilmer Michael Moore, wie dieses Szenario verhindert werden kann. Ausserdem hat er eine gewagte Theorie.
Ende Juli hat Michael Moore viele seiner Fans geschockt. Auf seiner Website schilderte der kontroverse Filmemacher, warum Donald Trump die US-Präsidentschaftswahl im November gewinnen wird. Dabei zählte er fünf Gründe auf: Die «Brexit-Stimmung» in den vier traditionellen Industriestaaten im Nordosten des Landes, die wütenden weissen Männer, das Hillary-Problem, die enttäuschten Sanders-Wähler und eine allgemeine Protestwahl-Mentalität.
Moores These war gewagt, er ignorierte zwei bedeutende strukturelle Probleme, die den Republikanern bereits 2008 und 2012 zum Verhängnis geworden waren und sich im Fall von Trump noch verschärft haben. Inzwischen hat Michael Moore wie versprochen aufgezeigt, wie der schrille New Yorker trotzdem besiegt werden kann. Gleichzeitig warnt er davor, sich durch Trumps Entgleisungen und Hillary Clintons klaren Vorsprung in den Umfragen in Sicherheit zu wiegen.
Bei dieser Wahl gehe es nur darum, wer wirklich daran teilnehme und wer «die rabiatesten Anhänger hat». Für Moore ist dies immer noch Trump, deshalb müsse man ihn weiter ernst nehmen. Seine Gegner müssten fünf Dinge tun. Vier davon betreffen Moores Fans und eines Clinton:
Mit diesen Faktoren lasse sich die Wahl von Trump verhindern, glaubt der Dokumentarfilmer. Allerdings fragt sich Moore, ob der Bauunternehmer überhaupt Präsident werden will. In einem weiteren Beitrag auf seiner Website behauptet er, Trump habe das nie wirklich gewollt. Er sei mit seiner Rolle als Star der Reality-Show «The Apprentice» auf dem Fernsehsender NBC unzufrieden gewesen: «Vereinfacht gesagt wollte er mehr Geld.»
Mit seiner Präsidentschaftskandidatur habe er seinen Marktwert steigern wollen. Doch als er bei seinem ersten Auftritt am 16. Juni 2015 Mexikaner als «Vergewaltiger» und «Drogendealer» beschimpfte, warf ihn NBC kurzerhand hinaus. Trump sei verblüfft gewesen, doch dann habe er weitergemacht in der Hoffnung, für andere Sender interessant zu werden. Er sei sich sicher gewesen, dass er «NIE und NIMMER Präsident der Vereinigten Staaten werden würde». Zu seiner eigenen Überraschung habe Donald Trump es jedoch geschafft, das Land zu befeuern.
Irgendwann habe es ihm gedämmert, dass es ernst werde, meint Moore, genauer nach der Vorwahl in New Jersey. Seine Siegesrede sei nicht wie sonst laut und aggressiv gewesen, «sondern geradezu depressiv». Michael Moore mutmasst deshalb, dass Trumps Entgleisungen der letzten Wochen «kein Zufall sind». Er wolle aus dem Rennen aussteigen, um am 8. November nicht als Verlierer dazustehen. «Lieber lädt er die Clintons UND die Obamas zu seiner nächsten Hochzeit ein, als dieses Stigma auf der Stirne zu tragen.»
Moores These ist steil, immerhin hat der republikanische Kandidat gerade erst einen neuen Wahlkampfleiter ernannt. Ausserdem bemühte er sich zuletzt um ein seriöseres Auftreten. Quellen für seine Mutmassungen nennt der Dokumentarfilmer, der für seinen kreativen Umgang mit Fakten berüchtigt ist, keine. Und doch liegt er möglicherweise nicht falsch. Für ihn spricht ein offener Brief einer ehemaligen Trump-Mitarbeiterin, den diese bereits Ende März veröffentlicht hat.
Stephanie Cegielski war Kommunikationsleiterin eines Unterstützungskomitees für Trumps Kandidatur. Anfangs habe sie an ihn geglaubt, doch mit der Zeit habe sie erkannt, dass er für das Präsidentenamt weder qualifiziert noch vorbereitet gewesen sei. Wie Michael Moore geht Cegielski davon aus, dass Donald Trump über seinen Erfolg selber überrascht gewesen sei. Deshalb habe «sein Ego das Steuer ergriffen». Dabei habe Trump «niemals Kandidat werden wollen».
«Die brutale Wahrheit ist: Trump sorgt sich nur um Trump», schrieb Stephanie Cegielski. Mit ihrem Gang an die Öffentlichkeit wollte sie seine Anhänger aufrütteln und daran hindern, ihn weiter zu unterstützen. Es ging bekanntlich schief. Und so bleibt eine ebenso faszinierende wie beängstigende Vermutung: Donald Trumps Kandidatur war nie mehr als eine PR-Nummer.