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Menschen bei DO: Sibylle Binder
In der Portraitserie "Menschen bei DO" erzählen wir die Geschichten, die Menschen zu DO geführt haben. Text von Michelle Grob.
Zum Karate bin ich durch meinen Sohn Kay gekommen. Er war in der Schule immer unterfordert, deshalb wurde von der Schule vorgeschlagen, dass er sich ausserhalb des Schulunterrichts auspowern soll. Kay ging dann sehr gerne ins Karate, er hat vom Mann ohne Haare geschwärmt. Ich habe Kay das erste Mal zugeschaut, als er etwa ein halbes Jahr bei DO war und ab dann ein weiteres halbes Jahr jedes Training, weil es mich so fasziniert hat. Als DO im Sommer 2008 von der Turnhalle Ennetbaden ins eigene Dojo umgezogen ist, habe ich im Herbst einen Anfängerkurs begonnen.
In der Oberstufe hatte ich den Drang, noch mehr zu trainieren. Ich habe ausserdem gewusst, dass ich eine bessere Ausdauer brauche, wenn ich in der Oberstufe eine Prüfung machen wollte. Nach einem Gespräch und zwei Personaltrainings mit dem Sensai habe ich zum Joggen gefunden und vor zwei Jahren sogar den Limmatlauf gemeistert. Ich hätte es nie gedacht, aber zu laufen gefällt mir immer noch; ich geniesse es, die Zeit in der Natur zu verbringen.
Ich habe immer regelmässig trainiert, musste auf meinem Karate-Weg aber auch anderes lernen. Bei meiner ersten Prüfung hat mir Senpai Pascal eine Frage zu einem Kick gestellt, die ich nicht beantworten konnte. Im Prüfungskommentar hat er mir gesagt, dass er mich so herausfordern und mir zeigen wollte, dass man auch genügt, wenn man nicht alles perfekt weiss. Als ich meine erste Braungurt-Prüfung nicht bestanden hatte, ging es um ein ähnliches Thema: ich musste lernen, dass auch Entspanntheit zu einer Technik gehört, um sie gut zu machen, nicht nur die perfekte Ausführung und maximale Kraft. Nach der verpatzen Prüfung ist es auch vorgekommen, dass ich das erste Mal seit dem Anfängerkurs entschied: heute schwänze ich ein Training. Und das war gut so. Die Welt geht nicht unter, wenn ich es nicht schaffe. Karate ist das, was mich begleitet und es soll mir vor allem Spass machen. Diese Einstellung und dass ich mir häufiger ein Feedback zu verschiedenen Techniken oder Katas geholt habe, hat schliesslich zum Erfolg geführt und ich habe eine gute Prüfung abgelegt. Mittlerweile versuche ich noch viel mehr darauf zu achten, Karate so zu machen, dass es zu mir und meinem Körper passt. Ich bin nun auch im K+, was mich mittlerweile dabei unterstützt, die Techniken präzise an mich anzugleichen. Und doch geniesse ich es auch immer noch mit der Leistungsklasse Gas zu geben!
Auch bei meinem Sohn war ich immer wieder erstaunt, wie es die Senpais schaffen in ihren Prüfungskommentaren genau auf das einzugehen, was ich als Mutter im Schulischen oder Privaten ebenfalls festgestellt hatte. Die Stärke von DO ist, dass es auf die Stärken des Kohais fokussiert und nicht am Negativen festhält. Das war auch der Ansporn, mich auf die Stelle als Senpai zu bewerben.
Ich leite eine Kinderkrippe und konnte sehr viel von dem, was ich in der Senpai-Ausbildung gelernt habe und immer noch lerne für meinen Beruf mitnehmen, denn der lösungsorientierte Ansatz ist in diesem Feld in der Praxis noch neu.
Ich bin auch sehr motiviert, noch viel mehr zu lernen und umzusetzen, denn nur schon welche Veränderungen an einigen Kindern und gewissen Mitarbeitern zu sehen sind, bestärken mich immens. Und vor allem merke ich die Veränderung, die der Karate-Weg bei mir hinterlassen hat: früher hätte ich mich kaum bereit erklärt, dieses Interview zu geben, ich hätte mich als nicht so wichtig erachtet, meine Geschichte zu erzählen. Aber ich möchte erzählen, dass ich meinen Körper anders kennengelernt habe, dass ich mit der Atmung Schmerzen wegbringe, dass ich Ruhe bewahre in gewissen Situationen und dennoch für mich einstehe, diskutiere, wo ich früher nichts gesagt hätte. Karate ist die Insel in meinem Leben, wo ich aus dem Alltag herauskomme, aber auch das, was ich wieder für meinen Alltag herausnehme.
Serie "Menschen bei DO":
- 2016: Roman Niggli