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Polanski ist nicht der einzige abwesende Regisseur im Wettbewerb der Berlinale. Exit Through The Gift Shop heisst der Erstlingsfilm des Streetart-Künstlers Banksy. Der ist mittlerweile weltberühmt als Künstler, weit über die Graffitti-Szene hinaus. Seine Werke hängen im New Yorker MoMa, in der Tate Gallery und es gehört zum guten Ton unter den Kunstsammlern dieser Welt, neben den Picassos und van Goghs auch einen „Banksy“ zu besitzen.
Um seine Identität aber macht der Künstler ein grosses Geheimnis. Kein Wunder, mit seiner Kunst überschreitet er immer wieder die Grenze zur Illegalität, wenn er etwa die Mauer im palästinischen Westjordanland verschönert. Vor dem Film gab’s eine Videobotschaft ans Berlinalepublikum. Das Gesicht nicht sichtbar, die Stimme verstellt, begrüsste Banksy die Besucherinnen und Besucher und entschuldigte sich für sein Fernbleiben.
Der Film läuft unter dem Label «Experimentalfilm». Das ist aber Exit Through The Gift Shop überhaupt nicht. Banksy beschreibt seinen Film selber als «einen Film über einen Mann, der versucht hat, einen Film über mich zu drehen». Tatsächlich ist Exit Through The Gift Shop eine ungeheuer witzige, sehr unterhaltsame und freche Abrechnung mit dem schrägen Franzosen Thierry Guetta. Dieser, ein Hobbyfilmer, findet durch seinen Cousin Space Invader Zugang zur Street Art Szene und beginnt, diese Künstler und ihre Kunst zu filmen. Sogar Banksy erklärt sich bereit, bei seiner Arbeit gefilmt zu werden. Doch bald stellt sich heraus – Guetta filmt zwar wie ein Besessener, ein Filmemacher ist er aber nicht.
Und so werden die Rollen getauscht – und Banksy macht nun einen Film über den exzentrischen Franzosen, der mittlerweile als Mr. Brainwash in der Kunstszene von L.A. sehr viel Geld verdient.
Dass der Londoner Künstler seinen Film als konzeptloses Werk ankündigt, als «the worlds first street art disaster movie» kann nur als klassische captatio benevolentiae verstanden werden, denn Exit Through The Gift Shop ist dramaturgisch und narrativ ziemlich gekonnt aufgebaut (Rhys Ifans ist übrigens der Sprecher). Der Film ist nicht nur ironisches Porträt des schrägen französischen Kleiderverkäufers, der zum gefeierten Shooting Star der Kunstszene wird (sehr zum Missfallen der «echten», authentischen Street Art-Künstler), er ist auch eine Dokumentation der Geschichte der Street Art und ihrer wichtigsten Vertreter wie Space Invader, Obey etc. Und er macht wirklich viel Spass.
Heute fand also die Premiere des Films ohne den Neuregisseur Banksy statt. Wirklich? Keiner weiss es. Kosslick versprach, der Künstler würde an der Berlinale anwesend sein. Anwesend und doch abwesend, ein Geist. Den Berlinern bleibt nur, an Mauern und Wänden Ausschau nach neuen Spraykunstwerken zu halten. Sollte ich eines sehen, werde ich dies hier natürlich sofort fotografisch dokumentieren.