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Châble
(Le) (Kt. Wallis,
Bez.
Entremont, Gem.
Bagnes). 836 m. Dorf, im
Val de Bagnes, Verwaltungs- und kirchlicher Mittelpunkt
der Gemeinde
Bagnes, am linken Ufer der
Dranse, in herrlicher Lage mitten in ausgedehnten und von Tannenwald gekrönten Acker-
und Wiesenflächen; 15 km osö. der Station
Martinach der Simplonbahn. Postbureau, Telegraph; Postwagen
Martinach-Le
Châble und, im Sommer,
Martinach-Lourtier. 59
Häuser, 505 kathol. Ew. Eine schöne
Steinbrücke mit einer Oeffnung
und beiderseitigen Füllmauern ersetzt seit 1832 die vom Hochwasser der
Dranse anlässlich des Gletscherbruches von 1818 weggerissene
alte Holzbrücke. (S. den Art.
Bagnes).
Sie verbindet Le
Châble mit seinen beiden Aussenquartieren
Villette und
Cotterg. Das Ganze bildet eine
ausgedehnte ländliche Siedelung, die zeitweise bis zu 1400 Ew. gezählt hat. Le
Châble liegt in der Mitte des schönsten
und fruchtbarsten Beckens der Dransethäler. Zu beiden
Seiten der
Dranse stehen auf den Thalterrassen zahlreiche von fruchtbaren
Feldern umgebene
Dörfer und
Weiler, die bis 1450 m
(Verbier) ansteigen und auf die nach oben schöne mit
Sennhütten übersäte und von
Wäldern unterbrochene Alpweiden folgen.
Von Le
Châble steigt nach SO. das
Obere
Val de Bagnes an, rechts über dem Dorf erheben sich der dunkle
Kamm des
Bec de Corbassière
(Ausläufers der
Combin-Gruppe), links der von Firnbändern gesäumte
Turm des
Mont Pleureur und gegenüber
die wie ein Altar über den
Halden und dem Giétrozgletscher tronende
Ruinette. Das untere
Val de Bagnes mit Le
Châble erfreut
sich ausnahmsweise günstiger klimatischer Verhältnisse. Die Hitze der Sommertage wird Abends durch den längs der
Dranse
streichenden kühlen Luftzug angenehm gemildert; rauhe und kalte
Winde wehen nie. So findet man in Le
Châble
stets einige neunzigjährige Greise. Trotz seinem etwas vernachlässigten Aeussern und seinen wenig gepflegten
Gassen und
Häusern hat Le
Châble als Mittelpunkt einer grossen Gemeinde und als bedeutendstes Dorf des Bezirkes ein
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manchem kleinen Landstädtchen ebenbürtiges Leben und Verkehr. Schützen-, Musik- und Hilfsgesellschaft. Zahlreiche Verkaufsläden. Fabrik von Kuhglocken in Villette. Wollkämmerei, Spinnerei und Tuchfabrik in Montagnier. Während der letztvergangenen Jahre sind im Gemeindehaus öffentliche Lehrkurse für Seidenweberei und Stickerei gehalten worden. Anthracitminen und Brüche auf Ofensteine. Schwefelquellen in Le Châtelard. Verlassene Silberminen von Peiloz und Le Vacheret. 1885 hat man in Bordon, an der Mündung des Wildbaches von Versegères mit der Ausbeute von Talk begonnen.
Bienenzucht. Käsehandel. Obst- und Getreidebau; auf den zahlreichen Alpen der Gemeinde weiden im Sommer 3200 Stück Grossvieh. Exkursionszentrum des untern Val de Bagnes: Pierre à Voir, Mont Rogneux, Grand Mont Fort, Lac des Veaux;
Cols du Lens (nach Saxon), de Tzertzera oder du Six Blanc (nach Liddes und Bourg St. Pierre), de la Croix de Cœur (nach Riddes, Isérables, Nendaz und Sitten).
Die Mehrzahl der Führer des Bagnesthals haben ihren Wohnsitz in Le
Châble.
Bemerkenswert ist vor Allem die Pfarrkirche mit ihrem kühn aufstrebenden, denjenigen von Montreux und Bex ähnlichen Glockenturm. Auf dem Kirchhofe daneben steht eine sehr alte Kapelle, deren Krypte ein seit langer Zeit vernachlässigtes Beinhaus ist. In der Nähe das zerfallende Gebäude der 1768 vom Kapuziner Bourgoz eingerichteten Thalschule (Grande Ecole), die sich zu Zeiten zur Bedeutung einer Vorstufe des Gymnasiums aufgeschwungen hat und, namentlich 1840-1870, zahlreiche Jünglinge aus Martinach, Conthey, Salvan und dem Entremont anzog.
Das 1522 erbaute Gemeindehaus ist 1597 in Privatbesitz übergegangen und umgebaut worden. In seiner bis 1880 bestehenden offenen Halle pflegten wandernde Hausierer nach dem Gottesdienst ihre Waren auszulegen. Seither ist das Gebäude neuerdings - ohne jeden vernünftigen Bauplan - umgestaltet worden und bietet jetzt nichts Bemerkenswertes mehr, mit Ausnahme eines 1900 errichteten Denksteines zu Ehren des Gemsjägers Jean Pierre Perraudin aus Morgnes, der als erster den glacialen Ursprung der erratischen Blöcke erkannte.
Das «L'Abbaye» geheissene Haus, eine kleine feste Burg über dem Fluss, mit hohen Umfassungsmauern, muss im 12. Jahrhundert als Sitz der Vidoms der Grafen von Savoyen erbaut worden sein. Als Graf Amadeus III. das Bagnesthal an die Abtei St. Maurice verpfändete, wohnten hier die äbtischen Beamten. Der 1410 hier gestorbene Abt Garetti liess das Haus umbauen, das 1476 von den aufständischen Bauern belagert, genommen u. z. Teil zerstört, aber zu Beginn des 17. Jahrhunderts vom Abt Odet wieder in Stand gesetzt wurde.
Nach der Umwälzung von 1799/1800 kam es in Privatbesitz. Vor wenigen Jahren konnte man noch seine Folterkammer besichtigen.
Während der Herrschaft der Aebte von St. Maurice liessen sich in Bagnes eine Reihe von Edelgeschlechtern
nieder, von denen die Familie de Bagnes das Meieramt erlangte und mehrere bedeutende Glieder aufweist (Nicolas de Bagnes, 1278 Kanonikus
von Sitten; Etienne de Bagnes, 1355 Befreier des in der Picardie gefangenen Königs Jean-le-Bon von Frankreich). In Le
Châble
stehen noch einige sehr alte Häuser, die aber durch planlose Um- und Anbauten mehr oder weniger verunstaltet
worden sind.
Die älteste geschichtliche Urkunde, in der das Val de Bagnes erwähnt wird, datiert aus 1150, in welchem Jahre die Grafen Amadeus und Humbert von Savoyen das Thal gegen Abtretung einer der Ueberlieferung nach von Karl dem Grossen der Abtei St. Maurice gestifteten massiv goldenen Platte an diese verpfändeten. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts verblieben die Aebte von St. Maurice Oberherren der Thalschaft, hatten aber doch zu verschiedenen Zeiten den Thalbewohnern einige ihrer Rechte zurückgegeben. 1565 z. B. kauften die Leute von Bagnes um die einmalige Summe von 8000 Gulden und die Verpflichtung eines jährlichen Tributes von 96 fetten Schafen (die bis 1798 regelmässig abgeliefert wurden) vom Abt dessen Rechte auf ihren Privatbesitz zurück.
Le
Châble ist die Heimat des Malers Felix Corthey; des früheren Hauptmannes in neapolitanischen Diensten Louis Gard,
der eines der Häupter des Aufruhrs im Unter Wallis,
Verfasser von kräftigen Streitschriften und ein geschätzter Dichter war, gegen 1855 gestorben
ist und interessante handschriftliche Aufzeichnungen hinterlassen hat; des Dichters und Dramatikers Maurice Besse, der seine
Werke in Paris und Lyon veröffentlichte, und seines 1848 in Marseille geborenen Sohnes Alfred Besse
des Larzes, eines frühreifen Talentes, der mehrere Gedichtsammlungen herausgab.
Der Name Zâblo,
Châble bedeutet s. v. a. Rinne, Runse; der Grund dieser Benennung ist nicht sicher bekannt. Vielleicht rührt
sie von einer benachbarten solchen Runse her, vielleicht aber auch von der Lage der Ortschaft an einem Wildbachbett. Oft
hatte das Dorf unter den Verwüstungen sowohl der Hochwasser der Dranse als durch die Ausbrüche des Wildbaches
Le Bruson zu leiden. Erratische Blöcke: Pierra
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Malâ u. Pierre des Rives. Archäologische Funde in Mondzeu, Saint Christophe, Villette, Bruson etc.
[L. Courthion.]