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Reise um die Welt
Pedro Lenz: “I bi meh aus eine” (Roman)
Pedro Lenz erzählt in seinem neusten Roman die Geschichte von August Romang, geb. Wingeier, einem Emmentaler Auswanderer in Argentinien. “I bi meh aus eine” berührt, wo Fakten und Realität aufeinandertreffen: zwei Geschichten, zwei Lebenswelten, zwei Identitäten.
Von Franziska Leuenberger.
Pedro Lenz erzählt in “I bi meh aus eine” die Geschichte von Peter Wingeier, einem Uhrenfabrikanten aus Trubschachen. Hoch verschuldet plündert er Ende 19. Jh. die Mündelkasse der Gemeinde und flieht mit dem Geld, dafür aber ohne Frau und Kinder, nach Südamerika. Der Gegensatz zwischen dem Emmental und der Grossstadt Buenos Aires, zwischen Alter und Neuer Welt, aber auch zwischen Armut und Wohlstand ist gross. Der Überfahrt von Antwerpen nach Argentinien ist es zu verdanken, dass es Wingeier, in seiner Heimat gescheitert und verachtet, in seinem neuen Zuhause zu Reichtum und Wohlstand bringt. Denn hier macht er die Bekanntschaft eines Langnauer Doktoren. Als dieser während der Reise verstirbt, packt Wingeier die Gelegenheit, seinem Leben eine ungeahnte Wende zu geben: Er erbettelt sich von Romangs Wittfrau dessen Urkunden; in Argentinien kommt er sodann nicht als Peter Wingeier, sondern als Theophil Romang an, verheirateter Dr. med. aus Langnau im Emmental.
“Meh aus eine”
Erzählt wird die Geschichte Wingeiers, der nach seiner Ankunft in Südamerika als Arzt in der Kolonie San Carlos beginnt und später in der Provinz Santa Fe die Ortschaft Romang gründet, von seinem Sohn August, der ihm Jahre später nach Argentinien nachreist. Reich geworden durch Landverkauf, kann Romang alias Wingeier hier dem Sohn nun all das bieten, wofür ihm in der Schweiz das Geld fehlte: Massgeschneiderte Kleidung, eine Villa sowie ein Studium, das August als Notar und Fürsprecher beendet. Was Vater und Sohn zu ihrer Lebzeit in Argentinien vereint, ist der Wohlstand. Ein Widerspruch zwischen den beiden ergibt sich jedoch hinsichtlich ihrer Nachnamen: Denn während August ein Wingeier bleibt, ist sein Vater in Südamerika als Romang bekannt. “Drum hets im Dorf mäng eine ggä, wo denn gmeint het, mi Vatter sig gar nid mi Vatter”, erzählt August Wingeier im Verlaufe der Geschichte einem Korrespondenten. “Gsehsch nume, was so ne Namen usmacht.” Zwei Namen, zwei Identitäten, zwei Lebensgeschichten: Der ehemalige Uhrenfabrikant Peter Wingeier alias Doktor Theophil Romang ist eben “meh aus eine”.
Reise in die Vergangenheit
Pedro Lenz vereint in “I bi meh aus eine” ein einzelnes Schicksal mit historischem Material: Im Mittelpunkt steht der Emmentaler Peter Wingeier, der stellvertretend für die Zehntausende Schweizer steht, die ca. zwischen 1850 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges nach Argentinien übersiedelten, um vor Armut, Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise zu fliehen. Einigen von ihnen gelang dort – ebenso wie Wingeier – der Gewinn von grossen Ländereien; zahlreiche Auswanderer kehrten später aber auch wieder in die Heimat zurück. “Meh aus eine” zu sein widerspiegelt heute deshalb auch die Hoffnung vieler ehemaliger Auswanderer, im neuen Zuhause “ein anderer” bzw. “ein besserer” zu sein als in der alten Heimat. Eine eindrückliche Rolle spielt dabei die Sprache: Erst durch die Mundart wird die Erzählung des Peter Wingeier authentisch; der Gegensatz zwischen dem Emmental (Berndeutsch) und Santa Fe (Spanisch) wird verstärkt. Der Roman “I bi meh aus eine” umfasst gerade mal 75 Seiten – Pedro Lenz gelingt mit der Kürze der Worte aber eine bemerkenswerte Reise um die Welt.
Titel: I bi meh aus eine
Autor: Pedro Lenz
Verlag: Cosmos Verlag
Seiten: 75
Richtpreis: CHF 25.90