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Barfi.ch: Wann wurde das erste Eptinger-Wasser abgefüllt?
Damaris Buchenhorner: Wegen des guten und sauberen Wassers pilgerte die gehobene Basler Gesellschaft bereits seit 1700 zum Baden und gut Essen nach Eptingen. Die erste Quelle befand sich dort beim Restaurant Bad Eptingen. Zwei Freunde, ein Zöllner und ein Koch namens Ernst Singer und Edmond Buchenhorner kamen auf der Suche nach einer neuen Geschäftsidee aus dem Thurgau ins Oberbaselbiet. Sie fanden die Badhotel mit ergiebiger Mineralquelle und erwarben beides gemeinsam: Die eigentliche Gründung der heutigen Mineralquelle Eptingen AG erfolgte 1899.
Handelt es sich beim damaligen Restaurant bereits um das heute noch bestehende Gasthaus gleichen Namens?
DB: Genau. Hinter dem Restaurant befindet sich der alte Wasserkeller, wo die erste Abfüllanlage der Eptinger Mineralquelle stand. Die beiden Freunde sahen schnell, dass es nicht ausreichte, Menschen nach Eptingen zu locken, um das Wasser zu trinken. Das Mineralwasser sollte zu den Leuten gebracht werden. Anfänglich wurde es mit der Kutsche ausgefahren, danach vom Elektrolastwagen und später mit normalen LKWs.
War das damals bereits ein echtes Mineralwasser?
D.B.: Ja, denn die Qualität hier ist durch das Juragestein sehr gut und das Wasser ist reich an Mineralien. Wir besitzen ärztliche Berichte aus der Zeit des Urgrossvaters, die bestätigen, dass das Wasser gut für eine bessere Verdauung ist und dank ihm weniger Nieren- und Blasenleiden entstehen.
Eine Zeit lang wurde Eptinger sogar als Medizinalwasser angeboten. Worin besteht eigentlich der Unterschied zwischen einem gewöhnlichen Leitungswasser und dem in Flaschen abgefüllten Getränk?
D.B.: Hahnenwasser ist meist aufbereitetes Wasser, kann manchmal auch Quellwasser sein, dessen Lebenszyklus viel kürzer ist als beim Mineralwasser. Ganz einfach erklärt: Mit dem gleichen Wasser, mit welchem Sie heute geduscht haben, hat vielleicht bereits jemand anderer mal geduscht. Es ist ein gutes und sauberes Wasser, hat aber meist deutlich wenig Spuren von Mineralien und ist nicht natürlich. Um es stabil zu halten und es zu säubern darf es, unter anderem, mit UV-Licht behandelt und chloriert werden. Im Gegensatz dazu ist Mineralwasser ein echtes Naturprodukt. Eptinger fliesst über 20 Jahre durch das Juragestein und wird so gereinigt. Dabei wird es auf seinem Weg bis zur Quelle mit natürlichen Mineralien wie Magnesium und Calcium aus dem Jura angereichert. Das Wasser kommt sozusagen direkt aus dem Berg und ist ein hundertprozentiges Naturprodukt. Ein sehr wichtiger Punkt ist zudem, dass Mineralwasser nicht transportiert werden darf, es muss am Quellort abgefüllt werden.
Ausser der Hauptquelle auf der Eptinger Birchhöchi, etwa zwei Kilometer Luftlinie von der Abfüllstation an der Hauptstrasse in Eptingen entfernt, gehört Ihnen seit 1933 auch eine weitere in Lostorf, wo das Mineralwasser Cristallo herkommt. Aus welcher Tiefe wird das Wasser dort geholt?
DB: Die Quelle in Eptingen ist 417 Meter tief, in Lostorf, gar 514. Sie gehören zu den tiefsten in ganz Europa. Der Vorteil von sehr tiefen Quellen ist, dass sie vor äusseren Einflüssen geschützt sind. Es dauert zwischen 20 und 25 Jahre vom Moment, wo ein Regentropfen auf den Boden fällt und versickert, bis er zu unserer Quelle gelangt, wo wir ihn hochholen. Durch die lange Zeit wird das Wasser gereinigt und nimmt die Mineralien aus dem Juragestein auf. Wir dürften nicht Mineralwasser schreiben, wenn Eptinger nicht wirklich Mineralien enthalten würde. In Lostorf gibt es zudem noch zwei weitere Quellen, wovon eine für die Mineralwassermarke Saguaro genutzt wird und die andere für Cristella.
M.B.: Es kann schon mal zu Schweissausbrüchen bei uns führen, wenn ein Tunnel gebohrt wird, wie zuletzt die dritte Röhre am Bölchen. Dann fragen wir uns, was passieren kann, wenn eine Schicht erwischt wird, wo unser Wasser durchfliesst. Auch Erdbeben sind für uns ein latentes Risiko, da wir uns in einem Gefahrengebiet befinden. Wenn die Erde - wie kürzlich im Wallis - bebt, haben wir ein ungutes Gefühl.
Was unterscheidet Eptinger von anderen Mineralwassern?
D.B.: Eptinger ist das Mineralwasser mit den meisten Mineralien, einer guten Ausgewogenheit zwischen Magnesium und Kalzium und völlig frei von Nitrat, Uran und Arsen.
Mussten Sie auch schon Rückschläge verkraften?
M.B.: 2012 war so ein Jahr. Der Auftrag für das Prix Garantie-Mineralwasser von Coop ist weggefallen, weil Coop eine eigene Quelle im Wallis gekauft hatte. 40 Prozent des Umsatzes fielen damit weg. Wir haben uns für den Weg nach vorne entschieden, indem wir vermehrt die eigenen Marken gestärkt und neue Märkte erschlossen haben.
Sie führen das Unternehmen in vierter Generation. Herr Buchenhorner, war für Sie immer klar, dass Sie das Unternehmen einmal übernehmen werden?
M.B.: Das war überhaupt nicht klar. Da ich aber keine Geschwister habe, gab es keine Alternative. Ich habe es mir dennoch sehr lange überlegt. Erst 2009 kam ich mit 33 Jahren in die Firma. Mein Vater war 63 und wollte langsam die Zukunft planen. Er stand vor der Wahl zu verkaufen, oder den Betrieb an mich weiterzugeben. Zum ersten Mal wurde ich mir damals bewusst, dass ich das Unternehmen mit seinen 60 Mitarbeitenden selbständig übernehmen und führen könnte. Seither leiten meine Frau und ich zusammen den Betrieb mit sehr viel Freude und Engagement.
D.B.: Mein Mann und ich lernten uns vor elf Jahren bei der Arbeit bei der UBS in Riehen kennen. Ein grosser Teil meines Business Management-Studiums war Marketing, was mir heute hier sehr zugute kommt.
Das Gespräch findet am Abfüllstandort mit seinen 22 Mitarbeitenden in Eptingen statt, das ist nicht der einzige Standort Ihrer Firma?
D.B.: Nein, ein zweiter Abfüllstandort befindet sich in Lostorf, die Verwaltung ist in Sissach und der Verkauf ist auf Standorte in der ganzen Deutschschweiz verteilt.
Von 1941 bis 1994 stellten Sie die Citronenlimonade Sissa her. Weshalb wird es nicht mehr produziert?
M.B.: 2003 hat man die Marke als Pepita Citro weitergeführt, dies haben wir bis heute so belassen. Gegen Sprite hatte Sissa leider keine Chance mehr. 2014 konnten wir die Migros Basel dazu gewinnen, Sissa – das Produkt mit den blauen und roten Punkten - wieder ins Sortiment aufzunehmen. Leider hat es nicht funktioniert, es war ein richtiger Flop. Als Petflasche wirkte Sissa vielleicht nicht mehr «cool» - zurückblickend wäre es vielleicht in der Retro-Glasflasche besser angekommen. Der Name Sissa bezieht sich übrigens auf Sissach, wo es auch abgefüllt wurde, wie zuvor alle gesüssten Eptinger-Getränke, bevor diese nach Eptingen ausgelagert wurden.
Verschiedene der Eptinger-Plakate sind legendär, wurden vom berühmten Grafiker Herbert Leupin gestaltet. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
D.B.: Herbert Leupin war mit Grossvater Edmond Buchenhorner befreundet. Irgendwann fragte Leupin ihn in einer Beiz, ob er nicht Eptinger-Plakate für ihn entwerfen könnte, weil er Grafiker werden wollte. So entstand das erste Eptinger-Plakat mit der Glasflasche und den Kirscheblüten. Mit vielen weiteren Plakatentwürfen, die jährlich folgen sollten, konnte Leupin sich seine Grafiker-Ausbildung finanzieren. Ab 1949 – bis dahin hiess Pepita noch Sissa-Grapefruit - und bis 1976 gestaltete Leupin auch die Pepita-Plakate. (Bild!)
M.B.: Ehre, wem Ehre gebührt – man darf sagen, dass der spanische Mädchenname Pepita und der Papagei seine Erfindung waren.
Neben den bekannten Eptinger, Pepita oder Cristallo, gibt es auch neue Getränkelinien bei Eptinger?
D.B.: Seit Anfang Mai bieten wir zwei neue Limonaden namens Grandma’s Garden Splash in den Geschmacksrichtungen Aronia & Ingwer und Gurke & Holunder an. Es wurde für die Linie «Aus der Region für die Region» der Migros entwickelt, die immer wieder nach lokalen Produkten sucht. Die sommerliche Kombination aus Gurke und Holunder stammt von mir, ich wollte etwas Verrücktes, Erfrischendes, was es so bisher in der Schweiz noch nicht gibt. Die Kombination aus derBeere Aronia und Ingwer soll wiederum die Gesundheitsbewussten ansprechen.
M.B.: Sie sind als leichte Limonaden für den Sommer gedacht, mit wenig Kalorien und nicht zu süss, bestens geeignete Durstlöscher also.
Aber was in aller Welt ist Baerg Goggi?
D.B.: Cola war schon immer im Sortiment von Eptinger. Die Idee für das Baerg Goggi (Bild!) kommt von meinem Mann. Er war der Meinung, dass wir ein Schweizer Goggi brauchen. Wir wählten einen Berner Oberländer Scherenschnitt als Sujet, weil wir dort gerne in die Ferien gehen. Die Etikette ist durchsichtig, wenn das Goggi ausgetrunken wurde, sieht man sie nicht mehr. (Lachend) Ob wir damit die Welt erobern können, wissen wir natürlich nicht...
M.B.:Wir sagen es ist die beste Kopie von...
...und denken dabei an den weltgrössten Getränkeproduzenten. Doch wie sieht es mit dem Wachstum von Eptinger in der Realität aus?
M.B.: Die Coop-Geschichte aus 2012 ist nicht mehr zu kompensieren. Mit der Konzentration auf Eptinger, Pepita und Cristallo konnten wir trotzdem jedes Jahr wachsen und haben noch nie rote Zahlen geschrieben, nicht einmal beim Verlust des Grossauftrages 2012. Die Situation in den Detailhandelskanälen ist so, dass die europäischen Preise übernommen werden und man sich danach strecken muss. Die erweiterte Nordwestschweiz ist unser Kerngebiet – «Regionalität» haben wir uns auf die Fahne geschrieben.
D.B.: Unser Ziel als Familienunternehmen ist es vor allem eine gewisse Kontinuität. Sie kommt vor dem Wachstum, das wir selbstverständlich ebenfalls anstreben.
Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?
Damaris und Matthias Buchenhorner: Seit zweieinhalb Jahren verheiratet, sind noch keine Kinder da oder geplant. Aber was die Zukunft bringt, wissen wir «noch» nicht.