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Chillon
(Schloss) (Kt. Waadt, Bez. Vevey). 376 m. Berühmtes Schloss, am Genfersee, zwischen Montreux und Villeneuve und 500 m s. der Station Veytaux-Chillon der Simplonbahn. Endstation der elektrischen Strassenbahn Vevey-Montreux-Chillon. Das Schloss steht auf einem senkrecht in den See untertauchenden Felsriff aus unterm Liaskalk, auf dem bei Anlass von neuerdings unternommenen archäologischen Nachgrabungen sehr schöne Gletscherschliffe blosgelegt worden sind.
Von der dem See entlang ziehenden Landstrasse von Vevey nach Villeneuve führt uns ein gedeckter Steg auf steinernen Pfeilern über einen zum Teil künstlichen Graben zum Schlosseingang. Dieser einst wassergefüllte Schlossgraben sollte der dem Angriffe von Aussen her am meisten ausgesetzten Ostseite der Burg zu verstärktem Schutze dienen. Auf dieser Seite ist die mit zwei Reihen von Schiessscharten versehene Ringmauer durch drei zum Graben halbrund vorspringende und mit Mordgängen (mâchicoulis) gekrönte Türme bewehrt. In deren mittlerem (Z1) befinden sich die berüchtigten Verliesse, die der Tradition Stoff zu unheimlichen Geschichten geliefert haben, in Wahrheit aber nie als Falltüren (oubliettes) verwendet worden sind, sondern einfach einer Ausfallspforte als Wehrgänge dienten.
Nach Ueberschreiten des von den Bernern an Stelle der früheren Brückenpritsche erstellten Holzsteges treten wir durch ein
in seiner heutigen Gestalt aus dem Jahre 1835 stammendes
Thor in einen
Hof ein, wo zunächst zur Linken
ein mächtiger
Turm, der Thorturm (B), auffällt, dessen Fensteröffnungen und zwei
Türen im Niveau des
Hofes (D) modernen
Ursprungs sind und der in ziemlicher
Höhe das Wappen des Geschlechtes von
Mülinen und den Namen des
Berner Landvogtes Hans
Wilhelm von
Mülinen trägt, auf dessen Anregung der
Turm restauriert und am
Schlosse
Chillon überhaupt
eine Reihe von baulichen Arbeiten vorgenommen worden, sind.
Die S.-Seite dieses Hofes fassen die an einen gedeckten Wallgang sich anlehnenden einstigen Stallungen (N und N1) ein, während sich an die gegenüberliegende Mauer die Brunnenterrasse (M) anlehnt, auf die sich zwei Türen aus dem Keller (L) öffnen. Diese Mauer ist von einem Wallgang gekrönt, der auf die den Hof im Westen abschliessende Mauer übergreift und alle Teile der Verteidungswerke unter einander verbindet. Ueber die in der w. Ecke des Hofes zu einer Rundbogenthüre leitende Treppe gelangen wir in ein sehr schönes Gewölbe (P), den ersten der Räume im Souterrain, der zwischen 1254 und 1264 erbaut worden zu sein scheint.
Der von der Tradition übernommene Ausdruck «Souterrain» ist aber streng genommen nicht zulässig, da diese Räume nie unter dem Spiegel des Sees, sondern immer zum mindesten zwei Meter darüber gelegen haben. Von ihrer Errichtung an dienten die Gewölbe dieses Souterrains wahrscheinlich als Magazine und Unterkunftslokale für die Mannschaften der Besatzung, sowie, in Zeiten der Not, als Zufluchtsort für die Bewohner der Umgegend. Von dem zur Zeit der Berner Okkupation als Zeughalle und Werkplatz für den Bau von Kriegsschiffen verwendeten Mannschaftsraum (Q) gelangt man in die Halle der Verurteilten (R), in die eine Felsterrasse vorspringt und mit ihrer untersten Stufe eine Art von Lager bildet, das der Ueberlieferung nach den zum Tode Verurteilten während ihrer letzten Nacht zur Ruhestätte angewiesen wurde.
Diesen Raum benützten die Berner Landvögte aller Wahrscheinlichkeit nach als Zeughalle. Durch eine Spitzbogentüre treten wir in eine dunkle, in drei verhältnismässig schmale und hohe Räume getrennte und von rundbogigen Quertonnen überwölbte Halle (S) ein, wo einst die Hinrichtungen stattfanden und noch der als Galgen dienende Querbalken mit Flaschenzug vorhanden ist. Ihre vier Umfassungsmauern gehören einem einstigen, aus der Zeit vor dem 13., ja wahrscheinlich selbst vor dem 12. Jahrhundert stammenden mächtigen Turm an. Dann folgt das schöne, in der ganzen Welt als Kerker Bonivards bekannte Gewölbe, an dessen Stelle ursprünglich vielleicht bis zum 11. Jahrhundert zurückreichende Werke und eine 1224 erbaute Veste des Grafen Thomas I. stand.
Die mächtige Wirkung dieser
Halle auf den Besucher wird erhöht durch das überraschende und ausserordentlich
reizvolle Farbenspiel der von den bewegten Wellen des
Sees durch die Schiessscharten an die Gewölbe zurückgeworfenen Lichtstrahlen.
Neben dem Eingang lag vor Zeiten ein Verliess, in dem vielleicht Bonivards Freund,
Cottier, der zu dessen Befreiung ins Schloss
Chillon
sich eingeschmuggelt hatte und dessen
Pläne entdeckt worden waren, eingeschlossen gehalten wurde.
Beim Versuche, des Nachts durch die vom Eingang aus gezählte dritte Schiessscharte zu entkommen, stürzte er auf die Felsblöcke ab und starb. Mit Ausnahme vielleicht des dritten waren in die untersten Trommeln aller sieben Rundpfeiler eiserne Ringe eingelassen. Am fünften Pfeiler schmachtete Bonivard, und in den Stein jenes dritten haben Byron, Alexander Dumas und Quinet ihre Namen eingeschnitten. Beim Austritt aus den Souterrains in den zweiten Hof (E) sehen wir dem Wallgang gegenüber eine von Peter II. herrührende Gebäulichkeit vor uns, durch deren Thor wir in die sog. Küche und den Speisesaal (Q) gelangen. Es ist dies ein trapezförmiger Raum mit zwei prachtvollen, je aus einem einzigen Stamme Eichenholz geschnittenen Säulen, einem monumentalen Kamin aus dem 15. Jahrhundert, einem aus Lutry kürzlich hierher verbrachten Faïenceofen aus 1602, einem Buffet Henri II. und einem französischen Schrank aus dem 17. Jahrhundert, der hier aber nur vorläufig aufgestellt ist und in dem die Archive ¶
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der Vereinigung «Pro
Chillone» aufbewahrt werden. Dem zweiten Hofe (E) schliesst sich der dritte (F) an, den rechts der gewaltige
Donjon oder Bergfried (I) und links die Grundmauern eines ehemaligen Turmes (S) flankieren, an dessen S.- und N.-Seite sich
um 1250 die heutigen Gebäulichkeiten anschlossen.
Auf ihr ursprüngliches Niveau ausgeräumt sind die benachbarten Hallen U, U1 u. U2. Die zweite (U1), der Gerichtssaal, ist mit vier grossen Doppelfenstern, drei Säulen aus schwarzem Marmor, einem Kamin aus dem Jahre 1439 und einer aus derselben Zeit stammenden Kassettendiele geschmückt. Der dritte Raum (U2) mit Decke aus dem 13. Jahrhundert ist die Folterkammer, wo zahlreiche Unglückliche, besonders auch im 17. Jahrhundert viele der Hexerei Angeklagte gequält worden sind.
Gegenüber erhebt sich der zentrale Bergfried (oder Donjon I) mit einer Höhe von 26 m. Rechts davon steht ein vierter Turm, an dessen n. Ende die dem h. Georg geweihte Burgkapelle gefunden worden ist. Sie enthält zwei prachtvolle Chorstühle aus geschnitztem Eichenholz, die zusammen mit zwei andern kleinern Stühlen aus der Kathedrale von Lausanne stammen. Darunter befindet sich eine Krypta. Wenn wir in die Bel-Etage des den Hof F im N. abschliessenden Herzogsturmes (X) steigen, öffnet sich uns zunächst das Schlafzimmer des Grafen von Savoyen mit einem Kamin aus 1336, Wandmalereien (Spuren von dreimaliger Uebermalung, deren älteste aus 1341-1343 stammt) und den geschnitzten Eichenholzpfeilern eines Staatsbettes.
Nebenan, über der Folterkammer, liegt eine «Gardaroba», deren ursprüngliche
Einrichtung im 15. Jahrhundert völlig umgeändert worden ist, wie übrigens auch die des benachbarten, von den Bernern im 16. Jahrhundert
umgeänderten grossen Rittersaales über dem Gerichtssaal, den ein Kamin aus dem 15. Jahrhundert und die an der S.- u. W.-Wand
in einer Höhe von 2,07 m vom Boden unter der Decke angebrachten Wappen der von der Eroberung der Waadt
an bis zu ihrer Uebersiedelung
nach Vevey im Jahre 1733 auf Schloss
Chillon residierenden bernischen Landvögte zieren. Unsern Rundgang
durch das Schloss beendigen wir, indem wir durch den Zwinger (H) am Zwingerturm (Z1) mit seinen schon erwähnten Verliessen
(oubliettes) vorbei wieder zum Thorhaus (A) zurückkehren.
Die Geschichte des Schlosses
Chillon kann in vier Zeiträume eingeteilt werden: 1. Die Anfänge, vor dem 13. Jahrhundert; 2. die
Zeit der savoyischen Herrschaft; 3. die Zeit der Berner Herrschaft und 4. die Zeit seit dem Uebergang des Schlosses an die Waadt.
1. Anfänge.
Die Entstehung des Schlosses
Chillon ist in Dunkel gehüllt. Es wird behauptet, dass die Felsklippe, auf dem es erbaut ist,
einst unter dem Spiegel des Sees gelegen habe und durch langsames Sinken des Wassers allmählich aufgetaucht sei. Dadurch entstand
eine Art von Vorgebirge, das auf der Landseite unmittelbar von steilen und unzugänglichen Felshängen überragt wird und
von Natur aus dazu geschaffen war, die von Avenches über Vevey und
Chillon dem Seeufer entlang ins Wallis
und
über den Grossen St. Bernhard ziehende Römerstrasse zu beherrschen.
In der That bestand denn hier auch ein römisches Bauwerk, das zu Ende des 4. Jahrhunderts in Asche gelegt wurde. In der die ganze Oberfläche der Felsklippe einst bedeckenden Schuttschicht hat man römische Ziegel und (im Hof D) eine Münze aus der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts aufgefunden.
Ferner scheint hier im 9. Jahrhundert eine neue befestigte Anlage bestanden zu haben. Die Ueberlieferung, dass Graf Wala auf
Befehl Ludwigs des Frommen in
Chillon gefangen gehalten wurde, ist nach den neueren Forschungen durchaus nicht aufrecht zu
erhalten.
Lange Zeit schweigt dann die geschichtliche Ueberlieferung von der Existenz eines Schlosses
Chillon völlig, und auch die
ersten aus 1005 stammenden Nachrichten sind noch unbestimmt genug. Eine Urkunde aus jenem Jahre nennt als Eigentum des Bischofes
Hugo von Sitten ein bei Villeneuve gelegenes «Castellare», das vielleicht als unser Schloss gedeutet werden
darf.
Völlig sicher und unter seinem heutigen Namen erscheint
Chillon erst im 12. Jahrhundert. 1150 besass es schon eine Besatzung
und einen eigenen Burgwart, die unter dem Befehl der Grafen von Maurienne-Savoyen, Lehensmännern des Bischofes von Sitten,
standen. Die durch vorspringende Türme verstärkte Ringmauer dieser Zeit war weder überall von gleicher
Höhe noch gleichmässig ausgebaut.
2. Zeit der savoyischen Herrschaft.
Seine eigentliche Bedeutung als fester Punkt erhielt
Chillon, soweit bekannt, erst zu Beginn des 13. Jahrhunderts. Der durch
seine ritterliche Gesinnung wohlbekannte Graf Thomas I. von Savoyen hatte die Bedeutung von
Chillon erkannt u. 1224 seinem
Burgwart den Auftrag gegeben, ihm hier ein «Haus» zu bauen, das ungefähr an der Stelle der auf unserem
Plan mit U1 und U2 bezeichneten Räume aufgeführt war und dessen genaue Gestalt, Einrichtung u. Ausschmückung
die 1892 von Albert Næf vorgenommenen Untersuchungen festgelegt haben. Zu gleicher Zeit wurden die schon vorhandenen Türme
im Innern ihrem Zweck entsprechender ausgebaut und die Ringmauer auf der O.-Seite beträchtlich verstärkt. Auf Thomas folgte
sein Sohn Peter II., der nicht mit Unrecht den Beinamen des «Petit Charlemagne»
führte. «Stolz, kühn und schrecklich wie ein
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Baugeschichtlicher Grundriss des Schlosses Chillon.
GEOGRAPHISCHES LEXIKON DER SCHWEIZ
Lf. 32.
Verlag von Gebr. Attinger, Neuenburg.
Grundriss des Untergeschosses
▐ Schlossteile aus der romanischen Zeit stammend bis Ende des XII. Jahrhunderts erbaut
▓ Schlossteile vom XIII. bis XVI. Jahrhundert (bis 1536) erbaut
▒ Schlossteile vom XVI. bis Ende des XVIII. Jahrh. erbaut
░ Schlossteile während des XIX. Jahrhunderts erbaut
1:600.
Nach den Plänen von A. Naef, Schloss Architekt.
V. ATTINGER. SC
Baugeschichtlicher Grundriss des Schlosses Chillon ¶
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Löwe, so tapfer, dass man ihn einen zweiten Karl den Grossen nannte und von einer Macht der Erscheinung, die ihm die Menge unterwarf, hat ihn ein mittelalterlicher Berichterstatter geschildert". Nachdem er seinem Erbteil, dem Chablais, noch den grössten Teil des Waadtlandes angefügt, musste ihm Chillon als ein Platz von grösster Wichtigkeit erscheinen, der nicht nur die begangenste Strasse seiner Ländereien schützte, sondern zugleich auch als Schlüssel zum Wallis ganz dazu geeignet war, den Anschluss des unzufriedenen Adels der Waadt an die stets kriegslustigen Bischöfe von Sitten zu hindern.
Der von ihm über einen fabelhaften Herzog von Coppingen, Cophingen oder Zoffingen erfochtene sogenannte Sieg bei Chillon gab ihm um die Mitte des 13. Jahrhunderts Anlass, das Schloss bedeutend zu erweitern, und geräumige Bauten im westlichen Abschnitt der Burganlage (Plan: P, Q, R, U1 und U2) ersetzten bald die schon zu Beginn des Jahrhunderts erstellten Gebäulichkeiten. Auch die Verteidigungswerke der O.- und S.-Seite wurden verstärkt, aber erst nach Graf Peters Tod (1268) von Graf Amadeus V. in derjenigen Gestalt vollendet, unter der sie - abgesehen von spätern Zutaten - heute noch erhalten sind.
Den Nachfolgern Peters diente Chillon nur noch bei Anlass ihrer jeweiligen Besuche im Waadtlande zum vorübergehenden kurzen Aufenthalt. Im Namen der Grafen von Savoyen hütete die Burg von jeher eine besondere Besatzung unter dem Befehl eines Burgwartes, der zugleich Vogt über das savoyische Chablais war und stets den ausgezeichnetsten Geschlechtern des Reiches angehörte. Vom ersten, Walcherius de Blonay, gibt uns die erwähnte Urkunde von 1150 Bericht; der letzte, Antoine de Beaufort, verteidigte das Schloss 1536 während seiner Belagerung durch die Berner Truppen.
Zahlreiche berühmte und unberühmte Gefangene lagen während der Zeit der savoyischen Oberhoheit in den Souterrains von Chillon. Die Namen der meisten davon sind uns nicht erhalten geblieben, blos von einigen wenigen gibt uns die Geschichte Kunde. Während des durch die rücksichtslosen und grausamen Judenverfolgungen berüchtigten 14. Jahrhunderts wurden z. B. 1348 vor dem Gerichtsherrn von Chillon die Juden des Chablais der Brunnenvergiftung und damit der Urheberschaft des zu jener Zeit das Land heimsuchenden «Schwarzen Todes» beschuldigt.
In den Souterrains unterwarf man die Unglücklichen der Folter und überlieferte sie grässlichen Strafen, die auch einigen der Gehülfenschaft angeklagten Christen nicht erspart blieben. 1384 weilte in Chillon als Gefangener Peter Gerbais, Herr von Châteauneuf und Virieu le Grand, gewesener Grossschatzmeister von Savoyen; Guillaume Bolomier, ein Mann aus dem Volke, der sich zum Amte eines Bittschriftenzensors aufgeschwungen hatte und den niederträchtige Eifersucht zu Grunde richtete, schmachtete 1445 in den Kerkern des Schlosses, um 1446 auf Befehl seines unversöhnlichsten Feindes, François de la Palud, Herrn von Varembon, zwischen Villeneuve und Chillon im See ertränkt zu werden.
Der berühmteste Gefangene auf Chillon ist aber ohne Widerrede François Bonivard, Prior von St. Viktor in Genf, der seiner unverhohlenen Zuneigung zur Reformation wegen sich die Feindschaft des Herzogs von Savoyen und des Bischofs von Genf zugezogen hatte. Am Himmelfahrtstage 1530 lieferte ihn beim Châlet à Gobet über Lausanne ein Hinterhalt in die Hände seiner Gegner, die ihn nach Chillon überführten, wo er zunächst in einem dem Zimmer des Burgwartes benachbarten Raum untergebracht und gut gehalten wurde.
Ein Besuch des Herzoges Karl änderte 1532 seine Lage gänzlich. Er erzählt: «... lors ... le cappitaine me fourra en unes croctes desquelles le fond estoit plus bas que le lac [Irrtum, da, wie früher bemerkt, die sogen. Souterrains nie tiefer als der Wasserspiegel gelegen haben] ... ou je demeuray 4 ans et avoys si bon loysir de me pourmener, que je empreignis un chemyn en la roche qui estoit le pavement de leans comme si on leust faict avec un martel.» Man hat lange Zeit diese Fussspur des Gefangenen rund um den Pfeiler zu erkennen geglaubt und sie stets als solche den Besuchern des Schlosses vorgewiesen. In Wahrheit aber musste sie in dem den Boden des Kerkers bedeckenden Schutt sich schon längst verwischt haben. Heute ist die Halle geräumt und der nackte Felsboden wieder blosgelegt. Mit der Einnahme des Schlosses durch die Berner 1536 erlangte auch Bonivard seine Freiheit wieder.
3. Chillon unter Berner Oberhoheit.
Bis 1536 war Chillon im Besitz des Hauses Savoyen verblieben. Nach dem Entsatze Genfs zogen in diesem Jahre die Truppen Berns vor das Schloss, das sie belagerten und mit Sturm nahmen. Dem letzten Burgwart, Anton von Beaufort, gelang es, sich mit seinen Gefährten zu Schiff an das Savoyer Ufer des Genfersees hinüber zu retten. Mit der Einnahme von Chillon war die Eroberung der Waadt durch das alte Bern zur vollendeten Tatsache geworden; ein bernischer Landvogt wurde unter dem Titel eines Hauptmannes von Chillon an die Stelle der einstigen Burgwarte gesetzt, als erster Augustin von Luternau.
Im Laufe des 17. Jahrhunderts beschäftigte sich der Vogt von Chillon als Gerichtsherr häufig mit dem Verhör und der Aburteilung von der Hexerei Beschuldigten, und die Kerker des Schlosses waren z. B. während der Zeit vom 9. Juni bis Zeugen von nicht weniger als 27 Hinrichtungen solcher Unglücklichen. Im Jahre 1733 verlegte man den Sitz des Landvogtes nach Vevey, wo er bis zur Loslösung der Waadt von der bernischen Oberhoheit verblieb; das Schloss Chillon diente ¶