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Der Löwen Unteralbis Von Bernhard Fuchs
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Im Kanton Zürich haben sich bis heute etwa 200 alte Tavernenrechte erhalten und werden auch ausgeübt. Es ist ein
im Grundbuch eingetragenes Recht, wie Weg- oder Wasserrechte. An die Liegenschaft gebunden, kann es nicht auf andere Gebäude übertragen werden und nicht, wie eine Wirtschaft geschlossen werden. Das Tavernenrecht hatte im ausgehenden Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert eine ganz andere Bedeutung und war für den Besitzer von grosser Wichtigkeit.
Nur er allein durfte Gäste beherbergen und ihnen warme Speisen abgeben. Ja, in einem aktenkundig gewordenen Fall wurde er gebüsst, weil er nicht in der Lage war, Wein und Brot abzugeben! Den Weinbauern hingegen war es schon immer gestattet gewesen, ihren eigenen Wein auszuschenken, aber es war ihnen strengstens verboten,
fremden Wein dazuzukaufen und ihn ebenfalls auszuschenken. Des öftern wurden gewöhnliche Bauern wegen dieses Vergehens — Winkelwirtens — eingeklagt und gebüsst. Das Tavernenrecht wurde vom Landes- oder Gerichtsherrn an Bürger oder Gemeinden verliehen, und diese Häuser mussten zur Kennzeichnung einen Namen und ein Wirtshausschild führen. Zur Gruppe dieser Tavernen gehört auch das Restaurant Löwen Unteralbis.
Im Sittenmandat vom 26. März 1530 übernahm der grosse Rat der Stadt Zürich die von der zürcherischen Synode gemachten Vorschläge. Die Synode stellte damals fest, dass überflüssige Schlaftrünke der Bürger an der Tagesordnung seien und neben den rechten (rechtlichen) Tavernen
zu viele Winkelwirtschaften entstanden seien, so dass mancher Mann verarme, weil er hohe Trinkschulden habe und damit seine Familie in Armut verfalle. Sie schlug nun vor, die Zahl der Wirtschaften zu vermindern und mittelst einer Liste die berechtigten Wirte und die von
alters hehr bestehenden Tavernen festzuhalten. So entstand ein Verzeichnis der Wirtshäuser der zürcherischen
Landschaft, in dem festgehalten wurde, dass normalerweise einer Gemeinde auch nur eine Tavernen-Wirtschaft zustehe. In diesem zur Zeit der Reformation entstandenen Verzeichnis von 1530 steht unter anderem: «Uff dem albis sind zween; were genug an eim»
Der Unteralbis ist nicht aufgeführt, obwohl er später immer als Taverne bezeichnet wird, man darf aber annehmen, weil pro Gemeinde nur eine erlaubt war, dass damit der Hirschen Albis und der Löwen Unteralbis gemeint sind. Sehr unwahrscheinlich ist es, dass es auf
dem Albis zwei Tavernen gehabt hat. Nach einem Rundgang erklärte auch der Vertreter der Schweizerischen Vereinigung für Bauernhausforschung, dass einzelne Bauteile und Konstruktionsdetails um 1525 zu datieren seien, aber keinesfalls früher. So können wir heute annehmen, dass der Löwen um 1525 erbaut wurde. Das betrifft aber nur den südlichen Restaurant- Trakt, die nördlichen Riegelteile sind aus späterer Zeit. Zwei Angaben aus dem Jahre 1547 aber sind frühe schriftliche Zeugnisse für ein Restaurant im Unteralbis. Es wird zwar nicht namentlich genannt, sondern erwähnt wird das Gebäude und der Wirt (Besitzer). Doch dürfte in dieser kleinen Häusergruppe keine weitere Tavernenwirtschaft vorhanden gewesen sein. Im Grundzinsurbar der Kirche Thalwil finden wir folgenden Eintrag: «Hans Vogell soll jährlich 3 Pfund 18 Schilling ab
synem Huss und Hoff sampt der weid und hollz, wie es aneinanderen liit unden am albis, heisst im Armtoschloo, liit ob an der strass, so gan renngg gaadt und stosst oben an die landtstrass so uff das albis gaadt, darnach an der schwytteren ochsenrischt, unden an den bach so durch langnow loufft; stadt vor hin so vil gellts daruff wie dess Rüttimanns Houptbrieff ungfahr usswysst. Von disem zins sind 3 Pfund und 3 Schilling dem Kleinhans Kölliker zuegeschrieben, wie du findt in verzeichnung der underwacht, und gebe also Hans Vogell noch 15 Schilling jährlichen zins. Summa was uff der Wyrtschaaft unden am albis…» Mit diesem Zinseintrag ist erstmals eine Wirtschaft unten am Albis genannt, die an der Albisstrasse, an der Strasse ins Rängg und am Dorfbach liegt. Gleichzeitig erfahren wir auch den Namen des damaligen Besitzers: Hans Vogel. In einer weiteren Urkunde aus demselben Jahr erfahren wir noch, dass Hans Vogel tatsächlich Wirt ist. In einem vierseitigen Protokoll des Gerichtes vom 20. März wird festgehalten dass Hans Vogell, Wirt zu Langnau, mit der Gemeinde
um Verfahrensfragen im Zusammenhang mit seinem Anteil am Gemeindewerch (gemeinsam benutztes Land) streitet. Den Namen Hans Vogel aber treffen wir im Leibsteuerverzeichnis (Kopfsteuer) des Maschwanderamtes bereits 1528
zum ersten mal. Er wird, als einziger seines Namens, darin bis 1580 aufgeführt. Im selben Verzeichnis aber ist 1527 ein Jakob Zünd erwähnt, der dieselbe Stellung hat wie Hans Vogel und der den selben Betrag versteuert. Man darf also mit grosser Wahrscheinlichkeit annehmen, dass Zünd einer der ersten, wenn nicht sogar der erste Wirt im underen Albis gewesen ist.
Ebenfalls aus dem Steuerregister des Maschwanderamtes ist ersichtlich, dass Vogels Steuerreihe nahtlos weitergeht an einen Rudi Näf, Wirt im underen
Albis. In den folgenden Jahren wird Vogel noch mehrfach genannt: Er verkauft 1553 Wald an die Stadt Zürich, wird Landammann genannt und 1571 als Bannwart im unteren Wald (Sihlwald) vereidigt. Mit seiner Dienstmagd Catharina streitet er sich vor
dem Landvogt von Knonau, Felix Engelhart, wegen verlorenen Geldes. Er wirft der Magd vor, sie habe es gestohlen. Diese wehrt sich und antwortet, sie habe es wieder hingelegt. Das Gericht erlaubt Hans Vogel, den verschwundenen Betrag vom Lohn seiner Dienstmagd ab- 4 Grundzinsurbar der Kirche Thalwil von 1547 zuziehen. Wirt Hans Vogel stirbt am 1. Dezember 1579, 51 Jahre nach der ersten urkundlichen Erwähnung.
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