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Toni Stadler, ein ausgewiesener Kenner der Politik der Entwicklungshilfe hat in einem sehr lesenswerten Artikel in der NZZ heute die Anstrengungen der öffentlichen Hand Zur Verbesserungen der Lebensbedingungen in Entwicklungsländern scharf kritisiert. Als Beobachterin der Sozialpolitik sehe ich im Artikel einige Parallelen zur Situation in der Arbeitsintegration in der Schweiz.
Auch hier ist vor allem das Schweigen der Verantwortlichen zu vernehmen. Selbstkritik ist in der Branche ein Fremdwort und methodisch orientiert man sich unhinterfragt und unverdrossen an Gesellschaftsmodellen der 70er und 80er Jahre des letzten Jahrhunderts.
Was in der Entwicklungshilfe der Bau von Hängebrücken in Nepal ist, ist in der Sozialhilfe die staatliche Unterstützung von Arbeit im Zweiten Arbeitsmarkt mit über 1000 Franken pro Monat. Das Geld fliesst dabei nicht etwa in die Taschen der arbeitenden Sozialhilfeempfangenden, sondern in die teure Infrastruktur und die Löhne der "Fachleute". Über die Wirkung dieser Politik wird geschwiegen. In Budgetdebatten ist manchmal zu hören, dass mehr Geld in der Arbeitsintegration auch mehr Wirkung bedeutet. Wenn das stimmen würde, wären die sozialen Probleme in diesem Land längst gelöst.
Das sind sie aber nicht. Solange niemand darüber spricht, dass man mit sozialunternehmerischen Modellen zehnmal so viele Arbeitsplätze im Zweiten Arbeitsmarkt schaffen könnte, oder dass arbeitsagogische Ansätze für Menschen, die aus strukturellen Gründen arbeitslos geworden sind, völlig veraltetet sind, wird sich an dieser Situation nichts ändern.