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Die Rede ist von der 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven, die heute vor 197 Jahren in Wien uraufgeführt wurde. Beethoven war zu diesem Zeitpunkt bereits völlig taub. Nun ist es schon eine erstaunliche Sache, dass er ohne etwas zu hören dieses grossartige Werk komponierte. Dass er dann auch noch die Uraufführung selber dirigieren wollte, mutet allerdings seltsam an. Wie sollte das gehen?
Ein Geiger erinnert sich: «Beethoven fuhr wie ein Wahnsinniger hin und her. Bald streckte er sich hoch empor, bald kauerte er bis zur Erde, er schlug mit Händen und Füßen herum, als wollte er allein die sämtlichen Instrumente spielen.» Die Lösung bestand darin, dass Beethoven einen Mitdirigenten, Christian Umlauf, neben sich hatte und die Musiker sich an ihm orientierten.
So ungewöhnlich dieses Vorgehen war, so ungewöhnlich verlief der ganze Abend. Als Beethoven im Konzertsaal erschien, wurde er mit fünf Beifallssalven begrüsst. Die Etikette verlangte beim Eintritt der kaiserlichen Familie nur deren drei. Und das Finale der Sinfonie, in dem das vom Chor gesungene «Freude schöner Götterfunke» erklingt, löste beim Publikum frenetischen Beifall aus. Während die Kritiker darüber stritten, ob das nun das Werk eines Genies oder eines tauben Sonderlings war, trat die 9. Sinfonie ihren Siegeszug durch die Konzerthäuser Europas an.
«Freude schöner Götterfunke ... Alle Menschen werden Brüder, wo dein sanfter Flügel weilt.» Liest man diese Zeilen, kann man verstehen, weshalb dieses Werk zur Hymne Europas gekürt wurde. Sie spricht eine Erfahrung aus und eine Hoffnung zugleich, nämlich, dass die so lange zerstrittenen Völker dieses alten Kontinents Brüder und Schwestern sind und es noch mehr werden können.