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Luftqualität
In der Region Basel sind die Stickoxid-Immissionen an verkehrsreichen Standorten infolge des reduzierten Individualverkehrs zurückgegangen. Die Feinstaub-Immissionen hingegen stiegen seit Beginn der «ausserordentlichen Lage» – was aber in erster Linie mit dem Wetter zusammenhing.
Die Luftqualität, also die Belastung der Luft mit Schadstoffen wie zum Beispiel Feinstaub (PM10) oder Stickoxiden (NOx) ist neben deren Emission durch Verbrennungsmotoren, Heizungen oder Industrieanlagen auch von verschiedenen meteorologischen Faktoren abhängig.
Wind, Temperatur, Einstrahlung oder Niederschlag haben unter anderem einen Einfluss auf:
- die vertikale Durchmischung der Luftschichten,
- den Zu- und Abtransport von Schadstoffen
- den Abbau von Schadstoffen über chemische Reaktionen,
- die Deposition oder das «Auswaschen» von Schadstoffen aus der Luft.
Die aktuellen Massnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie haben entsprechend unterschiedliche Auswirkungen auf die verschiedenen Luftschadstoffe an den verschiedenen Messstandorten.
Die mittleren täglichen NOx-Immissionen zeichnen im Wochenverlauf grob die Entwicklung des motorisierten Individualverkehrs nach, mit tieferen Werten an den Wochenenden (in den Abbildungen grau hinterlegt). Die Massnahmen im Zuge der «ausserordentliche Lage» begannen am 17. März 2020 (rote vertikale Linie). Seither lagen die NOx-Immissionen an verkehrsreichen Messstandorten (Autobahn A2 im Hardwald, Feldbergstrasse in Basel) tiefer als vor dem Lockdown bzw. den leicht verkehrsärmeren Frühjahrsferien (22.2. bis 8.3.). Der Verkehr auf der Feldbergstrasse wurde zusätzlich durch die Sperrung einer Fahrbahn der Johanniterbrücke reduziert (23.2. bis 13.3.). Obwohl das Verkehrsaufkommen auf der A2 rund zehnmal höher ist als auf der Feldbergstrasse, liegen die NOx-Werte beider Standorte auf ähnlichem Niveau, was vor allem an lokalen Faktoren wie der aufgrund der dichten städtischen Bebauung schlechteren Durchlüftung der Strassenschlucht im Vergleich zur offen gelegenen A2 im Hardwald liegen dürfte.
Die Standorte Basel St. Johann (Nebenstrasse/Parkanlage) und Binningen (vorstädtisch) sind weniger stark vom Verkehr beeinflusst und weisen im Vergleich zu den anderen beiden Standorten einen weniger ausgeprägten NOx-Rückgang auf. Verglichen mit den Frühjahrsferien liegen die Werte sogar tendenziell leicht höher.
Die mittleren täglichen PM10-Immissionen sind seit dem Lockdown gestiegen. Sie hängen im Winterhalbjahr stark von Heizungs- und weniger von Verkehrsemissionen ab, und zeigen über alle Standorte ein einheitliches Muster. In der Abbildung auch gut zu sehen ist, wie sich das Zusammenspiel von Wind, Temperatur und Niederschlag auf die PM10-Konzentrationen in der Atmosphäre auswirkt: Regen und vor allem höhere Windgeschwindigkeiten sorgen für eher tiefere PM10-Werte (1.2. bis 14.3.), während windärmere und kältere Situationen zu einem Anstieg führen.
Zu Beginn des Lockdowns änderte sich gleichzeitig auch die Grosswetterlage, es wurde trocken und windstiller. Die PM10-Werte stiegen, bis am 21.3. die Bise zuerst durch höhere Windgeschwindigkeiten für eine PM10-Reduktion sorgte, aber auch kältere Luft aus Nordosten zuführte. Infolgedessen wurde mehr geheizt, wodurch gleichzeitig zum Rückgang der Windgeschwindigkeiten die PM10-Konzentrationen im Verlauf der Woche wieder stark stiegen, bis am Wochenende (29.3.) überall mittlere Tageskonzentrationen um die 60 μg/m³ gemessen wurden. Der einsetzende Wetterumschwung liess die Immissionen dann rasch überall auf unter 10 μg/m³ (30.3.) zurückgehen. In der Folge reduzierten die steigenden Temperaturen im April den Heizbedarf und somit auch die Emissionen, was zusammen mit der eher windschwachen Wetterlage zu Konzentrationen im Bereich von rund 20 bis 30 μg/m³ führte.
Dieser Artikel basiert auf Daten des Lufthygieneamts beider Basel, welches zum gleichen Sachverhalt bereits am 15.4.2020 eine Medienmitteilung veröffentlicht hat. Es betreibt die verschiedenen Messstationen in der Region Basel, deren Daten tagesaktuell abrufbar sind:
Weiterführende Informationen
- Auswirkung des Lockdown auf die Luftqualität in der Region Basel (Medienmitteilung Lufthygieneamt beider Basel, 07.07.2020)
- Auswirkung der Corona-Massnahmen auf die Luftqualität in der Region Basel (Medienmitteilung Lufthygieneamt beider Basel, 15.04.2020)
- Massnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie und Luftqualität (Artikel Bundesamt für Umwelt)
- Influence of COVID-19 lockdowns on Switzerland’s air quality: Schweizweite Studie der EMPA zu den Auswirkungen des Lockdowns auf die Luftqualität
- Meteorologische Messwerte Basel/Binningen (MeteoSchweiz)
- Meteoblue weather history download Basel: Frei zugängliches Wetterdaten-Archiv für Basel