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Seit Jahren werden Anstrengungen unternommen, über die Fütterung den Gehalt der langkettigen, ungesättigten und damit für den Menschen gesünderen Fettsäuren im Milchfett zu erhöhen. Studien bei Agroscope mit tanninhaltigen Leguminosen zeigen, dass es möglich ist, über die Fütterung der Wiederkäuer den Gehalt der ungesättigten Fettsäuren in Milch und Fleisch zu erhöhen.
Diese Resultate konnten im Rahmen des EU-Projektes LegumePlus erzielt werden, wo es darum geht, die besonderen Inhaltstoffe von Futterleguminosen zu untersuchen.
Raufutterbetonte Milchproduktionssysteme ermöglichen eine wiederkäuergerechte Fütterung und es entsteht kaum Nahrungsmittelkonkurrenz für den Menschen. Häufig weisen diese Rationen jedoch einen Rohproteinüberschuss auf, wodurch sehr viel Ammoniak im Pansen gebildet wird. Dieser muss in Leber unter Aufwand von Energie zu Harnstoff entgiftet werden, was die Kuh stark belasten kann. Eine Zufütterung von Esparsette kann den Proteinumsatz von Kühen positiv beeinflussen, ohne die Milchproduktion zu senken. Die in der Esparsette enthaltenen kondensierten Tannine vermindern den Abbau von Rohprotein im Pansen und damit den Ammoniakbildung, was die Leber entlastet. Der Harnstoffgehalt sowohl im Blut als auch in der Milch nimmt ab. Ähnliche positive Effekte konnten auch bei Lämmern festgestellt werden.
In Zeiten des Klimawandels sind Pflanzen gesucht, die auch bei längerer Trockenheit noch gute Erträge liefern. Auch hier hat die tiefwurzelnde Esparsette etwas zu bieten. Die sonnenliebende Pflanze gedeiht am besten auf kalkhaltigen Böden und ist aufgrund des hohen Proteingehaltes eine wertvolle Futterleguminose.
Reinsaaten von Esparsette führen unter unseren Bedingungen häufig schon im ersten Jahr zu stark verunkrauteten und lückigen Beständen, weshalb Mischungen aus Gräsern und Esparsette vielversprechender sind. Basierend auf den Resultaten von dreijährigen Versuchen steht nun seit 2017 die dreijährige Standardmischung 326 aus Esparsette und Gräsern für eine eher extensive bis mittel-intensive Schnittnutzung zur Verfügung. Das Futter (Anwelksilage oder Heu) eignet sich vor allem für Kleinwiederkäuer und Jungvieh.
Die SM 326 eignet sich besonders an sonnigen Standorten mit kalkhaltigen, gut drainierten Böden. Sie liefert auch bei längerer Trockenheit mittlere bis gute Erträge und ein gehaltreiches, ausgewogenes Futter. Die Ansaat der Mischung erfordert ein sauberes, unkrautfreies Saatbett. Eine Saat im Frühjahr (nicht vor Anfang Mai) ist gegenüber dem Äugsteln vorzuziehen. Eine chemische Unkrautbekämpfung nach der Saat ist wegen Intoleranz der Esparsette gegenüber Herbiziden zu vermeiden. Auf eine N-Düngung kann grundsätzlich verzichtet werden. Eine mässige Mistgabe nach der zweiten Überwinterung ist jedoch möglich. Ein wenig intensives Schnittregime mit etwa 3 Nutzungen pro Jahr ist optimal. Der erste Schnitt sollte frühestens bei Vollblüte der Esparsette erfolgen.
Die Esparsette geniesst als Futterpflanze aufgrund seiner hohen Gehalte an Tanninen ein wachsendes Interesse. Studien im Rahmen des LegumePlus-Projektes haben gezeigt, dass diese Tannine zur Eindämmung von Weideparasiten bei Kleinwiederkäuern und weidendem Jungvieh beitragen. Angesichts der zunehmenden Resistenzen in der Parasitenbekämpfung gewinnen solche Massnahmen als Teil einer natürlichen Bekämpfungsstrategie an Bedeutung.
Erste Versuche von Agroscope mit Schweinen zeigen zudem, dass sich Absetzdurchfall mit der Verfütterung von tanninhaltigem Futter verringern lässt. Ab dem Herbst 2017 beginnen erste Versuche mit der Esparsette.