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|Geschichtliches zur Kirche||Es ist durchaus möglich, dass sich auch auf dem Platz der heutigen Kirche römische Bauten befanden, vielleicht sogar ein Heiligtum, aber Genaues weiss man nicht, auch nichts über die erste Kirche, die nach der Überlieferung von Königin Berta von Burgund (964 – 1024) gestiftet wurde. Historisch wahrscheinlicher ist allerdings die Vermutung, dass der Graf von Oltigen die Kirche gebaut hat. Genossenschaftliche Kirchenstiftungen waren damals bei der Einführung und Festigung des Christentums bei den Alemannen sehr selten, was für die Annahme einer herrschaftlichen Stiftung der Kirche spricht. Die angesiedelten Alemannen wurden von ihren fränkischen Herren in Oltigen christianisiert, und zu diesem Zweck wurde vermutlich die Kirche in Radelfingen gebaut.

1131 wird erstmals in der Stiftungsurkunde des Klosters Frienisberg der Leutpriester von Radelfingen erwähnt.
|Fresken||Aus dem zweiten Drittel des IX Jahrhunderts stammen die gotischen Fresken, die in Spuren an der ganzen Südwand nachgewiesen werden konnten.

Die Bilder im Chor dürften etwas später, Ende des 15. Jahrhunderts, entstanden sein. Allerdings waren sie bei der Renovation im Jahre 1933, als sie zum Vorschein kamen, nur an zwei Stellen so erhalten, dass sie restauriert werden konnten. Die eine Stelle mit recht vollständigen Bildern befindet sich in der Südostecke des Chors und die andere mit recht wenig originalem und viel ergänztem Bild an der Südwand des Schiffes zwischen den Fenstern. Die nur notdürftige Restauration 1933 und der Verfall des Verputzes machten 1980 eine zweite Restaurierung nötig.
|Kanzel||Der erhöhte Chor mit geradlinigem Abschluss enthält eine gut geformte Kanzel, die um 1630 entstanden sein dürfte; es ist eine schöne Renaissancearbeit. Den Schalldeckel dazu verfertigte 1703 der Tischmacher Christoffel Hüpscher. Zu lesen steht darauf: „Gott ist so gut, darum sein Lobe ewig währen tut“ und „allein, dass es in dem Herrn geschähe“, zudem der Name des damaligen Pfarrers Peter Gaillard.|
|Chor||Bei der Renovation (1958 – 1965) fand man die in die Molasse eingehauene Rundung einer romanischen Apsis, ebenso noch die untersten Steinschichten des Fundamentes. Aus Mangel an Zeit und Geld wurde der alte Befund aber sofort wieder zugeschüttet und es bleibt einer späteren Generation vorbehalten, mehr über diese uralte Kirche zu ergründen.

Beim Erstellen der Entwässerungsgräben rund um die Kirche fand man überall auch noch Bruchstücke von uralten Sandsteinquadern, wie sie sonst nur am Turm verwendet wurden. Vermutlich sind das Zeugen des Kirchenbaues, der vielleicht ursprünglich zum Turm gehört hatte.
|Chorfenster||Aus jüngster Zeit – April 1977 eingesetzt – stammt das farbige Fenster an der Frontseite des Chores; es ist ein Werk des Künstlers Werner Eberli von Gottlieben (Thurgau), geboren 1930. Weitere Werke von ihm sind in der Kirche Schönau in Thun zu sehen, in den Kirchen Tägerwilen und Gottlieben. Das Thema des Fensters in Radelfingen ist das Gleichnis vom verlorenen Sohn (Luk. 15,11 ff.)- Das Zentrum enthält vier Motive mit Symbolen, zu denen die einzelnen Phasen der Geschichte gehören. Der Bildablauf spielt sich wie in alten Glasfenstern, Bildteppichen und Fresken von unten nach oben ab.

|Decke||Die Decke im Schiff mit den wunderschönen Flachschnitzereien ist spätgotisch (1420 – 1500) und wurde bei der letzten Renovation von der störenden Farbe befreit. Es konnte nachgewiesen werden, dass die Decke ursprünglich mit verdünntem Wachs oder Terpentin bestrichen und nur der Grund der Schnitzerei – wie jetzt wieder hergestellt – dunkelrot/schwarz ausgelegt war.

Nach der Renovation 1958 – 1965 wurde die Kirche unter den Schutz der Schweizerischen Eidgenossenschaft gestellt.
Sie ist aber nicht nur für Kunstkenner ein interessantes und schönes Gebäude, sie ist eine schmucke Kirche an einem schön gelegenen Platz und hoffentlich auch in Zukunft ein Ort der Besinnung und Geborgenheit, wie schon viele Jahrhunderte zuvor.