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Schwer zu sagen, was Uwe Wittwer lieber tut: Bilder studieren oder Bilder malen. Doch wer das Werk des gebürtigen Zürchers kennt, der ahnt, dass er da ebenso wenig eine Rangfolge hat wie bei der Wahl seiner bildnerischen Mittel: Öl, Aquarell, Inkjet-Print. Tatsächlich zielt Wittwers Malerei nicht auf die Darstellung der sichtbaren Welt, sondern auf die Auseinandersetzung mit Darstellungskonventionen, mit den Bedingungen des Bildes und seiner Wirklichkeit in der Gegenwart.
Nachdem Uwe Wittwer Mitte der 1970er-Jahre zunächst eine Ausbildung zum Sozialarbeiter gemacht hatte, entschied er sich 1982 für die Kunst und erkundete als Autodidakt die Möglichkeiten abstrakter Malerei. Ende der 1980er-Jahre, inspiriert von der intensiven Beschäftigung mit unterschiedlichsten Bildarchiven und von Ernst Blochs Theorie der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen – dem Nebeneinander von tiefgreifender gesellschaftlicher Modernisierung und dem Verharren in Traditionen –, begann er gegenständlich in motivischen Reihen zu malen. Als Vorlagen dienten ihm Bilder, die er teils aus der Kunstgeschichte bezog (vorzugsweise der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts) teils aus Zeitschriften oder, in jüngerer Zeit, aus dem Internet. Die Wahl seiner Motive – Stillleben, Landschaften, Filmstills und immer wieder Ausschnitte aus altmeisterlichen Gemälde wie bei Interieur nach de Hooch (2001) oder Nach Lippi (2002) aus der Sammlung der Mobiliar – trifft er bis heute mit grösstmöglicher emotionaler Distanz. Der malerischen Aneignung der jeweiligen Vorlage geht ihre digitale Bearbeitung voraus. Mal verkehrt Wittwer sie ins Negativ (Stillleben, 1998) oder reduziert sie auf einen Schattenriss (Stillleben, 2002), dann wieder lässt er sie in Unschärfe zerfliessen wie eine verblassende Erinnerung (Stillleben, 2001). Auf diese Weise lenkt er den Blick vom Dargestellten auf das Bild als Schauplatz kollektiver Diskurse über Sichtbarkeit, Macht und die Ordnung der Dinge, aber auch über das Vergessen und die Vergänglichkeit.
Die Konsequenz, mit der Wittwer in seinem Werk die betörende Sinnlichkeit des Malerischen mit der gedanklichen Tiefe einer Bildkritik auf Höhe der aktuellen visuellen Kultur verbindet, macht ihn zu einem der wichtigsten, eigenwilligsten Vertreter konzeptueller Malerei in der Schweiz.
Uwe Wittwer, 1954 in Zürich (CHE) geboren, lebt und arbeitet in Zürich.
Tätigkeitsbereiche: Malerei, Aquarell, Druckgrafik, Video, Fotografie