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Bryan Balsiger (Corcelles) ist der derzeit beste Nachwuchsspringreiter der Schweiz. Zum letzten Mal wird er dieses Jahr die Schweizer Farben als Titelverteidiger an der Europameisterschaft der Jungen Reiter vertreten. Im August will er als Favorit an der Schweizer Meisterschaft der Nachwuchsreiter in Wädenswil eine Medaille holen.
Bryan Balsiger und Clouzot de Lassus, mit dem er 2017 Europameister der Jungen Reiter wurde.
«Bulletin»: Bryan Balsiger, du bist mit Pferden aufgewachsen. Kannst du dich an deine ersten Erfahrungen mit Pferden erinnern?
Bryan Balsiger: Meine Eltern sind beide Reiter, und wir haben einen Stall zu Hause. Schon als kleines Kind wollte ich, wie mein drei Jahre älterer Bruder Ken und meine Eltern auch, Turnierreiter werden. Weil wir in der Reitschule Ponys hatten, habe ich auf Ponys begonnen. Ich wollte aber immer Springen, Dressurreiten fand ich eher langweilig.
Erhieltest du die ersten Reitstunden von deinen Eltern?
Ja, meine Eltern waren und sind immer da für mich. Zu Beginn unterrichtete mich meine Mutter, jetzt mein Vater. Er ist mein Trainer und auch auf den Turnieren immer dabei. Ausserdem kommt er auch mehrmals in der Woche zum Stall von meinem Sponsor, und wir arbeiten dann mit den Pferden zusammen.
Inzwischen ist das Reiten zu deinem Beruf geworden. War das immer schon klar für dich, dass du dein Geld mit den Pferden verdienen möchtest?
Am Anfang war es natürlich nur ein Hobby. Als ich aber in die Sekundarschule kam, musste ich mir überlegen, was ich beruflich machen möchte. Schnell war mir klar, dass ich mein Hobby zu meinem Beruf machen möchte. Nebst meiner Lehre zum Bereiter auf dem elterlichen Hof habe ich gleichzeitig die technische Matura gemacht. Beides habe ich nun abgeschlossen. Seit zwei Jahren arbeite ich jeweils morgens im Stall von meinem Sponsor Olivier de Coulon und nachmittags zu Hause mit meinem Bruder und Vater. Am Morgen reite ich vier bis fünf Pferde von meinem Sponsor, am Nachmittag zwei bis drei weitere Pferde zu Hause. Ausserdem gebe ich auch gerne Unterricht. Mein Bruder und ich eröffnen im September die Reitschule wieder. Sie war einige Jahre geschlossen, und wir freuen uns auf den Neuanfang.
Kannst du dich eigentlich noch an dein erstes Turnier erinnern?
Ja, sehr gut sogar. Ich war acht Jahre alt und durfte mit einem Reitschulpony an den Start gehen. Es war ein Schimmel und ich habe ihn am Abend vorher auf Hochglanz geputzt. Wie das mit Schimmeln so ist, war er natürlich am Morgen gelb von Kopf bis Fuss. Mein Vater schimpfte, weil er glaubte, dass ich das Pony gar nicht geputzt hatte, und meinte, dass man doch nicht mit einem schmutzigen Pony aufs Turnier fahre. Aber auf dem Turnier lief es dann prima. Im ersten Umgang hatte ich einen Fehler, im zweiten blieben wir dann ohne Fehler.
Wie entwickelte sich anschliessend deine Karriere?
Zu Beginn ritt ich nur hie und da kleine Prüfungen über 80 cm. So wirklich angesteckt mit dem Turniersport wurde ich, als mein grosser Bruder mit zwölf Jahren an die EM der Kategorie Children fahren durfte. Ich fand das cool und wollte das auch. Deshalb habe ich mit elf die Lizenz gemacht, und ein Jahr später durfte ich ebenfalls an der EM der Children starten. Mein Bruder und ich waren keine typischen Ponyreiter. Wir hatten zwar die Reitschulponys, aber keine Sportponys. Wir stiegen schnell auf Pferde um und hatten das Glück, dass wir von den erfahrenen Springpferden unseres Vaters profitieren konnten. So war es ziemlich einfach, im Turniersport Fuss zu fassen.
Welche Pferde sind dir in besonderer Erinnerung?
Steffi Kaf, eine Stute von meinem Vater. Mit ihr habe ich mit 14 Jahren meinen ersten grossen Preis gewonnen. Dann Nohjy, mit dem ich an der EM 2016 mit der Mannschaft die Bronzemedaille gewann. Und nun natürlich Clouzot, mit dem ich letztes Jahr Europameister geworden bin.
Seit wann kennst du Clouzot?
Seit zwei Jahren. Clouzot gehört auch meinem Sponsor Olivier de Coulon. Ich hatte von Anfan g an ein super Gefühl auf dem Schimmel. Das passte einfach sofort. Nach zahlreichen Klassierungen über 150 cm war dann letztes Jahr der EM-Titel die Krönung. Ich bin sehr froh, dass ein Verkauf dieses Pferdes nicht zur Debatte steht.
Wie würdest du Clouzot beschreiben?
Clouzot ist ein Clown. Er spielt sehr gerne mit dem Ball, mit anderen Pferden oder mit dem Hund. Ausserdem hat er viel Kraft, viel Vermögen, und er macht alles für mich. Er ist einfach ein einzigartiges Pferd.
Du hast nebst Clouzot noch weitere Pferde, die an Grands Prix gehen?
Ja, ich habe das Glück, dass ich nebst weiteren sehr guten Pferden auf drei Grand-Prix-Pferde zählen kann: Nebst Clouzot auch AKs Courage und Jenkins ter Doorn, beide ebenfalls im Besitz von Olivier de Coulon, AKs Courage reite ich seit einem Jahr, sie hat sehr viel Potenzial. Jenkins war Dritter im Grand Prix von Cheseaux. Er ist erst neun Jahre alt, und ich habe grosse Hoffnungen in ihn.
Was machst du, wenn du mal nicht im Sattel sitzt?
Ich mache gerne anderen Sport, Fussball oder Basketball zum Beispiel. Und ich bin gerne beim Paddeln auf dem See, der nur fünf Minuten von uns zu Hause weg ist. Fussball spiele ich nicht in einem Verein sondern zu Hause mit Kollegen.
Was bedeuten dir die Pferde?
Sie gehören zu meinem Leben. Es macht mir grossen Spass, mit ihnen zu arbeiten. Natürlich will ich als Sportler immer mein Bestes geben und gemeinsam mit meinen Pferden immer besser werden.
Wo siehst du deine besonderen Stärken und wo deine Schwächen?
Ich arbeite immer noch sehr an meiner Konzentration. Wenn mir beispielsweise ein Fehler unterläuft, bringt mich das hie und da aus dem Konzept. Aber ich will immer besser werden und mache viel dafür. Das ist sicher eine Stärke.
Viele Sportler arbeiten auch im mentalen Bereich mit Trainern zusammen. Ist dies für dich auch ein Thema?
Ja, seit eineinhalb Jahren arbeite ich mit einem Mentalcoach. Nicht regelmässig jede Woche, aber bei wichtigen Turnieren hilft er mir, mich gut darauf vorzubereiten. Er ist immer da für mich, das gibt mir einen guten Halt.
Hast du ein besonderes Ritual vor deinen Starts?
Nein, ein besonderes Ritual nicht. Aber vor meinen Parcours bin ich in einem Tunnel, einer anderen Welt und fokussiere mich ganz auf die bevorstehende Aufgabe.
Im August wirst du das letzte Mal als Junger Reiter an den Nachwuchs-SchweizerMeisterschaften in Wädenswil teilnehmen. Als Europameister bist du natürlich automatisch auch der grosse Favorit auf die Goldmedaille. Wie bereitest du dich auf die SM vor?
Zuerst steht nun die EM im französischen Fontainebleau auf dem Programm, danach mache ich die Planung bis zu den Schweizer Meisterschaften. Wie schon erwähnt, habe ich drei sehr gute Pferde, die alle drei ein gutes Resultat an der SM bringen können. Ich werde nach der EM schauen, wer am besten in Form ist.
Wo siehst du dich in Zukunft?
Nächstes Jahr werde ich erstmals bei den Elitereitern am Start sein. Die Etablierung an grossen Turnieren ist ein erstes Ziel, und natürlich möchte ich die Schweizer Farben in der Equipe vertreten. Ein Fernziel ist die Teilnahme an Olympischen Spielen.
Nebst dem Sport freue ich mich auf die Eröffnung unserer Reitschule, und wir hoffen auf viele Kinder, die bei uns reiten lernen möchten.
Interview und Fotos: Katja Stuppia
Konzentriert und fokussiert bei der Parcoursbesichtigung.
SM zum zweiten Mal
in Wädenswil
Bereits zum zweiten Mal nach 2017 organisiert OK-Präsident Samuel Bosshard mit seinem Team die Schweizer Meisterschaft Springen der Children, Junioren und Jungen Reiter auf dem idyllisch gelegenen Springplatz Geren in Wädenswil. Die Titelkämpfe finden vom 16. bis 19. August statt. Ein Rahmenprogramm und weitere Springprüfungen runden den Anlass am Zürichsee ab. Weitere Informationen auf: www.sm-waedenswil.ch
Auch der Umgang mit den Medien will gelernt sein.
Der Nachwuchsreiter ist gut beritten, hier mit einem weiteren Grand-Prix-Pferd: AKs Courage.