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[Beitrag in Entwicklung]
„Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf.“
Träume in den Märchen (und nicht nur in den Märchen) öffnen ein Fenster zum kollektiven Wissen, übermitteln Botschaften aus der geistigen Welt. Sie helfen den Märchenheldinnen und -helden bei Entscheidungen, geben Hinweise auf Problemlösungen, warnen vor Gefahren oder zeichnen den zukünftigen Weg auf.
Die Träume in den Märchen haben also eine ähnliche Bedeutung wie die verschiedenen „Alten“ (alte Männer, alte Mütterchen) oder die Naturwesen, denen die Märchenheldinnen und Märchenhelden begegnen.
Die Träume in den Märchen sind nicht Vergangenheitsbewältigung oder Kompensation von Mangelerfahrungen (entsprechend des Defizit-orientierten Ansatzes von S. Freud) sondern in die Zukunft gerichtet (also eher dem Ansatz C.G. Jungs entsprechend). Dies geht natürlich mit einem allgemeinen Charakteristikum der Märchen einher, nicht mit der Vergangenheit zu hadern, an den Problemen und Defiziten hängen zu bleiben, sondern vertrauensvoll und Ressourcen-orientiert auf dem Lebensweg voran zu gehen.
Auch im Alten Testament kommen Träume als Entscheidungshilfen (Jakob) oder Zukunftsentwürfe (Joseph, Pharao, Nebukadnezar) vor. Die Helden des AT sind in den Beispielen der Träume des Pharaos und Nebukadnezars auch Traumdeuter, welche den bewusstseinsmässig „zurückgebliebenen“ Machthabern ihre Grenzen und Endlichkeit aufzeigen, wie das ja oft auch die Märchenkönige erfahren müssen.
Einige Beispiele von Träumen in Märchen:
- „Jorinde und Joringel“, „Die Nixe im Teich“: Lösung eines eigenen existenziellen Problems und Aufwachen aus der Verzweiflung.
- „Der Teufel mit den 3 goldenen Haaren“, „Vogel Phönix“: Lösung von rätselhaften Problemen von Kollektiven.
- „Das blaue Licht“: Im Traum wird gezeigt, was in Wirklichkeit geschieht.
- „Onawutakuto“: Leben in einer Anderswelt mit einer Traumfrau.
- „Der grosse Stern verneigt sich vor dem kleinen“ und verschiedene Märchen vom Typ AaTh 725 (z.B Der Traum des Prinzen): Prophezeiung einer unglaublichen, nicht akzeptierten Zukunft.
- Die unzähligen lokalen und kulturell verschiedenen Fassungen „des Glückstraums“.