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Editorial
Option für die Armen
Am 14. Oktober 2018 werden Maria Katharina Kasper, Papst Paul VI. und Erzbischof Oscar Romero heiliggesprochen, die alle in besonderer Weise die «Option für die Armen» repräsentieren.
Maria Katharina Kasper gründete im 19. Jahrhundert mit vier Frauen einen Verein für die häusliche Pflege von Kranken und Alten. Daraus entwickelte sich früh eine Art «Spitex» sowie eine weltweit tätige Frauengemeinschaft.
Papst Paul VI. reiste vor 50 Jahren an die denkwürdige Vollversammlung des lateinamerikanischen Bischofsrats CELAM 1968 in Medellín (Kolumbien), an der das vorrangige Engagement der Kirche für Gerechtigkeit und Solidarität mit den Armen und Unterdrückten beschlossen wurde. Es war die erste Reise eines Papstes auf den lateinamerikanischen Kontinent. Bereits mit seiner Enzyklika «Populorum Progressio» (1967) stellte er die soziale Gerechtigkeit ins Zentrum der katholischen Soziallehre. Nun rief er den Landarbeitern Kolumbiens zu: «Wir hören den Schrei, der aus eurem Leiden emporsteigt.» Neben Papst Paul VI. gehörten Dom Helder Cámara und Gustavo Gutierrez zu den Architekten von «Medellín». Dom Helder Cámara war die Stimme der Armen unter den Bischöfen. Gustavo Gutierrez setzte die Beschlüsse mit dem Konzept der Basisgemeinden und der späteren Befreiungstheologie für die Pastoral um. Doch der «Option für die Armen» erwuchsen mächtige Gegner in Politik, Wirtschaft und Kirche.
Oscar Romero, der sozial engagierte Erzbischof von San Salvator, steht stellvertretend für viele Opfer dieser Gegnerschaft. Er wurde 1980 während der Messe von Soldaten des Regimes erschossen. In der Zeit nach Paul VI. wurde dem lateinamerikanischen Aufbruch zunehmend der kirchenamtliche Boden entzogen und das Engagement für die Armen den US-amerikanischen evangelikalen Bewegungen überlassen. Obschon es diese Gegenkräfte immer noch gibt, fordert uns heute ein Papst aus Lateinamerika erneut dazu auf, den Blick auf die Armen und Entrechteten zu richten. Der Sonntag der Weltmission ist Anlass dazu, sich an diesen christlichen Auftrag und an die weltweite Verbundenheit und Solidarität zu erinnern.
Ich wünsche Ihnen Herbsttage, an denen sich die Nebel lichten und der Blick frei wird für die weite Welt.
Kuno Schmid