Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03654.jsonl.gz/1255

Mit Beschluss der Eidg. Tagsatzung von 1822 wird die Leitung der LV der eidg. Militäraufsichtsbehörde und damit dem Oberstquartiermeister übertragen. Auf Grund viel zu geringer finanzieller Mittel gehen die Arbeiten nur schleppend voran. 1828 erfolgt schliesslich eine Intervention der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft, welche die Herstellung einer exakten Karte zur Darstellung geologischer und botanischer Forschungsergebnisse fordert. Schliesslich ruft der Oberstquartiermeister 1832 eine Kommission für Landesaufnahme zusammen, welche die richtungsgebenden Beschlüsse für die LV fasst.
Erst mit der Regenerationszeit ab 1830 können die Triangulationsarbeiten ausreichend finanziert und zügig vorangetrieben werden. Dies gelingt dank einigen sehr motivierten und erfahrenen Geodäten, wie dem zum Oberstquartiermeister gewählten Guillaume Henri Dufour. Die bereits bestehenden Netze und sowohl die Basis im Seeland wie auch jene im Sihlfeld werden einbezogen und nochmals neu gemessen. Weil die Teilkreis-Ablesungen der Theodolite noch zu ungenau sind, werden die Winkel mit Repetitionstheodoliten (10 Wiederholungen) gemessen. Die Dreiecksschlüsse sollen in allen Dreiecken unter 3" liegen.
Eine besondere Herausforderung stellt der Übergang über die Alpen vom Mittelland in die Südschweiz dar, der früher nie gelungen war. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind die Alpen touristisch noch nicht erschlossen. Es gibt keine genauen Karten, die es erlauben würden, Netzentwürfe oder auch Anmarschwege zu den Gipfeln festzulegen. Für die Geodäten und ihre Gehilfen bedeuten diese Umstände unglaubliche Strapazen, die sie auch in
Lebensgefahr bringen. So erschlägt 1832 ein Blitz auf dem Säntis einen Messgehilfen im Biwak. Der Geodät, Antoine-Joseph Buchwalder, wird lebensgefährlich verletzt. Die Messungen ziehen sich unter diesen Umständen bis 1839 hin.
Guillaume Henri Dufour gründet 1838 in Carouge (GE) das Eidgenössische Topographische Bureau (Vorgängerinstitut / offizielles Gründungsdatum von swisstopo). Damit ist der Abschluss der Triangulation primordiale, deren Verdichtung und die auf dieser Grundlage durchzuführende topographische und kartographische Arbeit für die Dufourkarte gesichert.
Das Netz 1. Ordnung wird vom jungen Astronomen Johannes Eschmann berechnet, ausführlich dokumentiert und als Triangulation primordiale publiziert. Eschmann schreibt: «Das trigonometrische Netz der Schweiz besteht aus fünf abgesonderten, verschiedenen Zeiträumen und Beobachtern angehörenden Dreiecksketten». Und so erfolgt auch die Berechnung der Koordinaten. An eine strenge Ausgleichung nach der Methode der kleinsten Quadrate ist noch nicht zu denken.
Die Ergebnisse der Triangulation primordiale können als Bezugsrahmen LV1840 bezeichnet werden. Dieser ist zwar inhomogen und hat stellenweise noch grosse Schwächen, denn er stammt aus verschiedenen, sehr ungleichen Quellen. Aber er kann durchaus als Grundlage für die Erstellung von Karten im Massstab 1:100 000 verwendet werden. Da spielt es wohl keine Rolle, wenn ein Gebiet um 1/10 mm verschoben dargestellt wird.
Quelle: H. Zölly: Geschichte der geodätischen Grundlagen für Karten und Vermessungen in der Schweiz, Eidg. Landestopographie, Bern, 1948.