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Maria da Graca Costa Penna Burgos – oder einfach Gal Costa – wurde am 26. September 1945 in der bahianischen Hauptstadt Salvador geboren. Schon mit zwei Jahren sagte Gal Costa jedem, der es hören wollte, dass sie mal Sängerin werden wollte. Mit zehn trällerte sie im Haus herum und die Familie entschied, sie zu einem Wettbewerb für Gesangs-Amateure im Fernsehen einzuschreiben. Der entscheidende Anstoss ihre Künstlerkarriere zu verfolgen, kam 1959, nachdem sie den „Bossa Nova“ von João Gilberto gehört hatte.
Sie verbrachte einige Jahre als Verkäuferin in einem Plattenladen, bis sie 1963 Gelegenheit bekam, Caetano Veloso kennen zu lernen – der von ihrer Stimme entzückt war. Im Jahr 1964 nahm sie an der Show „Nós, por exemplo“ an der Seite des neu gewonnenen Freundes teil, innerhalb einer Gruppe, die ausserdem aus Maria Bethânia, Gilberto Gil und Tom Zé bestand. Auch beim ersten „I. Festival Internacional de Canção“ 1966 war sie dabei, dem Jahr, in dem der Unternehmer Guilherme Araújo sie davon überzeugte, den Künstlernamen „Gal“ anzunehmen (bisher war sie einfach „Maria Graça“ fürs Publikum gewesen). Eingeladen von João Araújo nahm sie ihre erste LP auf, mit dem Titel „Domingo“, an der Seite von Caetano Veloso – noch dem „Bossa Nova“ gewidmet, aber Gal wurde dann schnell populär mit dem Song „Coração Vagabundo“.
Nationalen Ruhm erntete sie nach der Teilnahme am „Festival da Record“ im November 1968, mit dem Song „Divino Maravilhoso“ – schon dem Tropikalismus verschrieben. Ihr psychedelisches Auftreten, ihr in Löckchen fallendes Haar und mit einer typischen „Voice of Soul“ kamen an und verführten sogar diejenigen unter der Zuhörerschaft, welche sich anfangs entsetzt hatten über solch drastische Vergewaltigung jeglicher Tradition.
Von da an ging alles wie von selbst: sie produzierte Shows zusammen mit Tom Zé und brachte ihre erste Soloplatte heraus mit dem bezeichnenden Titel „Gal Costa“, auf der sie klassische Songs wie „Que Pena“ und „Baby“ (zwei Duette mit Caetano Veloso) präsentiert. Schon auf des zweiten Platte „Gal“ experimentiert sie mit dem Tropicalismo und präsentiert, unter anderen, „País Tropical“ (mit Gil und Veloso) und „Meu Nome é Gal“ – eine Komposition von Roberto und Erasmo Carlos ihr zu Ehren. Im Jahr 1970 reist sie nach Europa, um dort ihre Freunde im Exil zu besuchen und kehrt zurück mit dem neuen Song „London, London“ von Caetano Veloso. Der Song wurde dann auch in die LP „Le Gal“ im selben Jahr mit aufgenommen. Es folgte die Show „Deixa Sangrar“, dirigiert von Jards Macalé – ein bedeutender Anfang für den Sprung, den ihre Karriere kurze Zeit später machen sollte.
Gal Costas künstlerische Reife vollzog sich im Jahr 1971 mit „Fa-tal“ und „Gal a Todo Vapor“, einem Doppelalbum plus einer Show, dirigiert von Wally Salomão: Meilensteine einer Kontrakultur und intelligentem Protest in Brasilien. Es folgten „Índia“ (1967) – klassische brasilianischer Lieder im tropikalistischen Remake – und als Live-LP „Temporada de Verão“ von 1974, eine Gravation der gleichnamigen Show mit Caetano und Gil – „Cantar“ 1974, mit weiteren Perlen des Protests wie zum Beispiel „Barato Total“ – schliesslich „Gal canta Caymmi“ 1976, eine wunderbare LP. Noch im gleichen Jahr fand eine Show mit Caetano, Gil und Bethânia statt, unter der Begleitung der Gruppe „Os Doces Bárbaros“. Die selbst ernannten „Quatro cavaleiros do após-calipso“ brachten eine Doppelplatte heraus und begannen eine Tournee, die abgebrochen werden musste, weil Gil wegen Haschtransport ins Kittchen wanderte.
Ende der 70er Jahre trat Gal Costa ein bisschen aus dem Schatten von Gil und Caetano heraus, veränderte ihr Repertoire und fing an auf eigenen Füssen zu stehen – sie überwand das ihr verpasste Prädikat einer „Hippie-Muse“ und mauserte sich zu einer der ersten brasilianischen Sängerinnen und Interpreten. Ihr Anstieg in der allgemeinen Popularität vollzog sich ab der Veröffentlichung des anspruchsvollen Albums „Agua Viva“ (1978), das ihr die erste Goldene Schallplatte einspielte. Es präsentierte ein breites Spektrum vom Samba-Song „Olhos Verdes“ bis zum Volkstanz „O Gosto Do Amor“ (von Gonzaguinha) über den Blues der Musica Popular „Mãe“ und, zum ersten Malin ihrer Karriere: Songs von Chico Buarque und Milton Nascimento. „Gal Tropical (1979) verkaufte sich noch besser – den Anstoss gab eine parallel zum Erscheinen des Albums laufende Show – und machte aus ihr einen Gesangsstar erster Klasse: in ihrem Repertoire Songs wie „Juventude Transviada“ von Luiz Melodia, und “ Balancê“, eine Perle von Braguinha, erstmals aufgenommen mit Carmen Miranda – und der populäre Spitzensong “ Meu Nome É Gal“, neu arrangiert als Duell zwischen der Stimme der Sängerin und einer elektrischen Gitarre von Robertinho de Recife.
Die 80er Jahre begannen mit internationalen Tourneen – sie setzten die Massstäbe für die „Grosse Dame der Brasilianischen Volksmusik“. 1980 kam die LP „Aquarela do Brasil“ heraus, gewidmet dem Komponisten Ary Barroso und, 1981 erschien „Fantasia“, welche unter anderen die Erfolge „Festa do Interior“ – Meu Bem, Meu Mal“ und „Canta Brasil“ enthielt.
Gal Costa provozierte 1985 einen allgemeinen Skandal, als sie sich im Alter von vierzig Jahren nackt fotografieren liess, für die Männerzeitschrift „Status“. Im gleichen Jahr vertiefte sich ihr persönlicher Hang zur Pop-Musik mit dem Album „Bem Bom“: sie nahm mit Tim Maia „Um Dia de Domingo“ auf, von Sullivan&Massadas. Und die zweite Hälfte jenes Jahrzehnts hielt noch zwei besondere Emotionen für die Sängerin bereit: zum ersten Mal präsentierte sie sich auf der Bühne der Carnegie-Hall in New York, und sie brach mit ihrem Manager, dem Unternehmer Guilherme Araûjo, der ihre künstlerischen Schritte von Anfang an begleitet und behütet hatte.
In den 90-ern zeigte sie sich dann wieder von ihrer kühnsten Seite. Nach ihrem schwachen „Lua de Mel Como o Diabo Gosta“ (1987) wurde „Plural“ (1990) dirigiert von Wally Salomão wieder ein sensationeller Erfolg und sie umarmte enthusiastisch die sprühende bahianische Produktion der damaligen Epoche – präsentierte, unter anderen Gästen, auch den bahanischen Komponisten Carlinhos Brown und stellte die Perkussion der „Blocos Afro“ dem Publikum vor.
Das Album „Gal“ aus dem Jahr 1992 enthält einen grossen Teil aus der Show „Plural“ und wurde zu einer Art von Verlängerung dieses bedeutenden Musikereignisses. 1993, nachdem ihre Mutter Mariah gestorben war, überwand sie ihren Schmerz mit dem anspruchsvollen Album „O Sorriso do Gato de Alice“ (Das Lächeln von Alices Katze) – mit unveröffentlichten Songs von Caetano, Gil, Djavan und Jorge Ben Jor. Die parallele Show gleichen Namens, dirigiert von Gerald Thomas, verursachte viel Klatsch, weil man die Sängerin „auf die Bühne krabbeln“ liess – darüber hinaus störten die in die Choreographie eingebauten Kanonenschüsse die Zuhörer, und während des Vortrags von „Brasil“ (von Cazuza, George Israel und Nilo Romero) fielen der Sängerin unfreiwillig die Brüste aus dem Dekollete. Trotzdem war die Show ein grosser Erfolg.
Im Jahr 1995 kam das Album „Mina D’Agua Do Meu Canto“, ein eher konservatives Projekt mit dem Repertoire von Caetano Veloso und Chico Buarque. Im Folgejahr nahm sie an Tonstreifen des Films „Tieta do Agreste“ teil und sang an der Seite von Caetano Veloso. 1997 nahm sie die „CD Akustico MTV“ auf, unter der musikalischen Leitung von Wagner Tiso und der Überwachung von Guilherme Araûjo, mit dem sich Gal wieder versöhnt hatte. Sie produzierten grosse Erfolge der Volksmusik in Versionen, die von der Kritik als „bürokratisch“ und „seelenlos“ bezeichnet wurden.
Als Reaktion darauf kam im nächsten Jahr „Aquele Frevo Axê“ heraus – mit vielen neuen und modernen Arrangements und unter Einbeziehung von viel Elektronik – der Verkauf war schleppend, der Kumulus ihrer Karriere überschritten. 1999 das Projekt „Gal Costa Canta Tom Jobim ao Vivo“ der Plattenfirma Songbook, ebenfalls konservativ und enttäuschend, obwohl von einigen Qualitätsmomenten sowohl des Repertoires als auch der Sängerin durchsetzt. Im Jahr 2000 singt sie an der Seite von Maria Bethânia und Pavarotti in Salvador, anlässlich der brasilianischen „500-Jahrfeier“.
Im Jahr 2001 gelang ihr noch mal ein guter Wurf mit einem unbekannten Song von Dorival Caymmi (zusammen mit Danilo Caymmi und Dudu Falcão) mit dem Titel „Caminhos do Mar“ – als Eröffnung zur TV-Seifenoper „Porto dos Milagres“. Um Rückschläge auf die Schützenhilfe zu vermeiden, welche sie dem bahianischen Senator Antonio Carlos Magalhaes anlässlich der Skandale gegeben hatte, die zu seinem Rücktritt führten, verschob sie das Erscheinen ihrer neuesten CD lieber auf August desselben Jahres – Titel „Gal de Tantos Amores“ (Gal von allen geliebt). Produziert von Daniel Filho und Wagner Tiso wurde die CD kritisiert wegen ihrer exzessiven Wiederholungen alter Songs. Gal Costa musste sich, darüber hinaus, noch die Ablehnung ihrer Künstlerkollegen anhören über eine Bemerkung, die ihr in der Öffentlichkeit rausgerutscht war: dass Brasilien leider über zu wenig neue Talente für die Komposition verfüge!
In der Zwischenzeit hatte Gal Costa ihr 35-jähriges Bühnenjubiläum, welches sie neben konventionellen Auftritten auch mit experimentellen Shows feierte, und von den Kritikern prombt auch teilweise verrissen wurde.
Diskographie Gal Costa
- RECANTO (2011)
- HOJE (2005)
- TODAS AS COISAS E EU (2004)
- GAL BOSSA TROPICAL (2002)
- DE TANTOS AMORES (2001)
- GAL COSTA CANTA TOM JOBIM AO VIVO (1999)
- AQUELE FREVO AXÉ (1998)
- ACÚSTICO MTV GAL COSTA (1997)
- GAL (1992)
- LUA DE MEL COMO O DIABO GOSTA (1987)
- BEM BOM (1985)