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Als man sich vor 4 Jahren noch gefragt hat, was das für ein Wort ist, weiß man heute schon beim raschen Überfliegen, um was für ein Begriff es sich handelt: Nachhaltigkeit. Produktionen sind es, die Holzindustrie verwendet es, Kundenbeziehungen werden damit begrifflich wertvoller gemacht… einfach alles ist nachhaltig.
Viele können dieses Wort beinah nicht mehr hören oder lesen. Viele Firmen verwenden es, es ist in aller Munde. Es ist wie ein Virus, der sich im deutschen Sprachraum zur Pandemie entwickelt hat, jeder will es verwenden, sonst ist man nicht modern.
Schlägt man im Wikipedia den Begriff „Nachhaltigkeit“ nach, wird es als Nutzung eines regenerierbaren Systems beschrieben, welches in einer Weise in seinen wesentlichen Eigenschaften erhalten bleibt und sein Bestand auf natürliche Weise regeneriert werden kann. Die ursprüngliche Definition wurzelt im forstwirtschaftlichen Nachhaltigkeitsdenken aus dem Jahre 1560 aufgrund des hohen Bedarfs an Holz für die Bergwerksverbauungen. 1713 wird er von Hans Carl von Carlowitz in einr verwendet, in der er von der „nachhaltenden Nutzung“ der Wälder schrieb, ohne aber weiter auszuführen, wie sie zu erreichen sei. [Quelle: Internet, http://de.wikipedia.org/wiki/Nachhaltigkeit, 21.06.12]. Er wird später immer wieder aufgeriffen bis ihn David Munro (Generaldirektor der Internationalen Naturschutzunion) 1980 als Begriff „sustainable development“- also „nachhaltige Entwicklung“ in die World Conservation Strategy einbrachte. Von dort fand er 1992 den Weg in die Agenda 21 der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung und wurde schließlich rückübersetzt in die deutsche Umweltpolitik als „nachhaltige Entwicklung“. [Quelle: Internet, http://de.wikipedia.org/wiki/Nachhaltigkeit, 21.06.12]
Die damalige Idee des Begriffes war also noch immer vermehrt der Umwelt vorbehalten und besagte, dass regenerierbare lebende Ressourcen nur in dem Masse genutzt werden dürfen, wie Bestände natürlich nachwachsen.
Konrad Ott vom Sachverständigenrat für Umweltfragen definiert den „etymologisch ursprüngliche(n) Wortsinn von Nachhaltigkeit“:
Regenerierbare lebende Ressourcen dürfen nur in dem Maße genutzt werden, wie Bestände natürlich nachwachsen. Läßt sich das Nachhaltigkeitskonzept auf Wissen anwenden?
- Konrad Ott, 1999
Das lässt natürlich viel Spielraum für Interpretationen. Wo früher dem Begriff messbare Mengen oder Themen mit ökonomischem oder ökologischem Charakter zugeordnet wurden, ist im heutigen Gebrauch nur selten etwas damit in Verbindung. Ich entdecke jedoch täglich eine Vergewaltigung des Begriffes, der sich mittlerweilen fast nur noch mit den heute damit zugeordneten Wörtern „anhaltend, lange nachwirkend, dauernd“ umschreiben lässt. In der Tat kommt im modernen Sinn der Gedanke hinzu, dass auch in anderen Bereichen etwas andauern, bleiben, nachwirken oder haltbar sein kann oder soll,- noch lange, nachdem es gebaut oder in Bewegung gesetzt wurde.
Ich jedenfalls verzichte auf die Verwendung, wenn es nicht wirklich einen ökonomischen oder ökologischen Bezug zur Thematik aufweist – ganz wie das Wort im ursprünglichen Sinn entstanden ist. Aber wer weiss, vielleicht küsse ich ja bald nachhaltig und es entsteht daraus eine lebende Überraschung mit Namen 😉
Mich interessiert Eure Meinung. Was haltet Ihr davon?
Euer Patric Simon
(Bildquelle: Internet, Zugerberg Nachhaltigkeit, http://www.stuhltraeger.com/privatkunden/finanzanlagen/nachhaltige-investments/zugerberg-nachhaltigkeit.php, 21.06.12)