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erkennen, daß die Entwickelung der nordamerikanischen Zeitungspresse nach unsern Begriffen außerordentliche Dimensionen erlangt hat. Es dürfte in der ganzen Union keine Stadt von 20,000 Einwohner geben, die nicht ihre 2-3 täglich erscheinenden Morgen- und ebenso viele Abendblätter hätte. Die meisten derselben werden in palastartigen Gebäuden hergestellt, die oft die Hauptsehenswürdigkeit der betreffenden Städte bilden und in der Regel mustergültige Einrichtungen besitzen.
Beispielsweise braucht die kaum 50 Jahre alte Stadt Grand Rapids in Michigan 5 täglich ein- bis zweimal erscheinende Zeitungen, um den Lesehunger ihrer 40,000 Einw. zu stillen. Nach einer Statistik von 1885 gab es in den Vereinigten Staaten [* 2] bei einer Bevölkerung [* 3] von rund 55 Mill. Seelen 1183 täglich, 10,082 wöchentlich einmal, 139 wöchentlich zweimal und 39 wöchentlich dreimal erscheinende Organe; seltener als wöchentlich einmal erschienen 2051; macht alles in allem 13,494 periodische Druckschriften oder eine auf je etwa 4000 Seelen (1860 erst 5253 oder eine auf 6000 Seelen).
G. B. in Pillnitz. Die Ansicht der Burg Fleckenstein bei Weißenburg [* 4] im Elsaß auf unsrer Tafel »Burgen«, [* 5] Fig. 1 (Bd. 3),
geht nicht, wie Sie schreiben, auf Merians »Topographie«, sondern auf Specklins »Architektura von Vestungen« zurück. Wenn J. ^[Julius] Naeher in seiner Schrift »Die deutsche Burg, ihre Entstehung und ihr Wesen, insbesondere in Süddeutschland« (Berl. 1885) behauptet, daß die Specklinsche Abbildung ein »phantastisches Zerrbild« sei, so scheint ihm der gegenwärtige Zustand des Felsens, auf dem die Burg gestanden, recht zu geben. Aber die von ihm gebotene Ansicht, welche nichts als die Felsen zeigt, wäre für unsre Absicht, mittelalterliche Burgen zu veranschaulichen, nicht verwendbar gewesen. Nach Woltmanns Urteil (»Geschichte der deutschen Kunst im Elsaß«, S. 200) hat Specklin allerdings die »Verhältnisse des Effekts wegen etwas steiler dargestellt«, womit er nur einer Geschmacksrichtung der Zeit folgte. Nach Woltmann hätte die Höhe des Felsens 140 Fuß betragen; Naeher gibt dagegen nur 30 m an. Doch fügt er hinzu, daß die Südseite des »Klotzes stark ausgewaschen« ist, und auch Woltmann spricht von starker Verwüstung. Unter diesen Umständen wird sich schwerlich entscheiden lassen, ob die Burg jemals wirklich so ausgesehen, oder ob sich Specklin eine willkürliche Restauration erlaubt hat.
E. Brett in Nürnberg. [* 6] Dem Andenken des Botanikers und Amerikareisenden Thaddäus Hänke, über welchen Sie eine Notiz im Konversations-Lexikon finden, hat der Oberlehrer Gustav Kny anläßlich der Enthüllungsfeier der vom deutsch-politischen Fortbildungsverein zu Kreibnitz gestifteten Gedenktafel 1885 eine kleine Schrift gewidmet, welche im Selbstverlag des genannten Vereins erschienen ist. Über Art, Ort und Zeit von Hänkes Tod herrscht noch ein eigentümliches Dunkel.
Was von seinen nach Böhmen [* 7] geschickten Sammlungen zu gebrauchen war, befindet sich jetzt in der Naturaliensammlung des Böhmischen Museums zu Prag. [* 8] Letzteres hat 1825 eine Schrift darüber veröffentlicht. Seine in der Provinz Cochabamba gesammelten Erfahrungen legte Hänke nieder in dem Werk: »Einführung in die Naturgeschichte der Provinz Cochabamba 1798«, welches von dem Spanier Don Felix Azara in dessen Reisewerk aufgenommen und ohne Hänkes Vorwissen in französischer Sprache [* 9] gedruckt erschien. In spanischer Sprache schrieb Hänke: »Bemerkungen über die schiffbaren Flüsse, [* 10] welche in den Kordilleren Perus entspringen und in den Maranon münden« (1799). Außerdem hat er früher »Beobachtungen auf Reisen durch das Riesengebirge« geschrieben und die achte Bearbeitung des großen Linnéschen Werkes »Genera plantarum« (Wien [* 11] 1791) besorgt.
P. in Karlsruhe. [* 12] Der Gesetzentwurf über den Verkehr mit Wein, welcher dem Reichstag vorgelegt worden ist, bezweckt nicht ein Verbot des sogen. Kunstweins. Er verbietet auch keineswegs alle Zusätze, sondern er beschränkt sich lediglich darauf, diejenigen Stoffe zu bezeichnen, welche unter allen Umständen von der Weinbereitung ausgeschlossen sein sollen. Mit Gefängnis bis zu sechs Monaten und Geldstrafe bis zu 1500 Mark oder mit einer von diesen beiden Strafen wird derjenige bedroht, welcher vorsätzlich folgende Stoffe dem Wein bei oder nach der Herstellung zusetzt: Baryumverbindungen, metallisches Blei [* 13] oder Bleiverbindungen, Glycerin, Kermesbeeren, Magnesiumverbindungen, Salicylsäure, unreinen (freien Amylalkohol enthaltenden) Sprit, unkristallisierten Stärkezucker, Teerfarbstoffe. Die gleiche Strafe trifft denjenigen, welcher dem Wein einen Zusatz von Schwefelsäure [* 14] gibt, der in einem Liter Flüssigkeit mehr beträgt, als sich in 2 g neutralen schwefelsauren Kaliums vorfindet. Ebenso ist das Feilhalten und Verkaufen solcher Weine verboten. Bei fahrlässigem Zuwiderhandeln tritt Geldstrafe bis zu 150 Mark oder Haft bis zu sechs Wochen ein.
Oberlehrer Nörpel in Scheinfeld. Der Plan des Konversations-Lexikons schließt eine spezielle Berücksichtigung so untergeordneter Sprachen aus.
Korrespondenzblatt Zeil in St. Petersburg. [* 15] Die Umarbeitung des Kugler-Eastlakeschen »Handbook of painting. The Italian schools«, die vor kurzem in London [* 16] erschien, stammt aus der Feder des als Assyriolog und Diplomat weltbekannten Sir Henry Layard, dessen Autorität auch auf kunsthistorischem Gebiet (Layard ist einflußreichster Trustee der Nationalgalerie) eine längst anerkannte ist. Sir Henry Layard ist selbst Sammler, und seine Gemäldesammlung im Palazzo Capello am Canal Grande in Venedig [* 17] zählt jetzt zu den gewähltesten unter den Privatsammlungen Italiens. [* 18]
Durch seine Reisen ist er mit den Gemäldegalerien Europas wohlvertraut. Als Schriftsteller auf dem Gebiet der italienischen Malerei hatte er sich früher bereits durch Abhandlungen bekannt gemacht, z. B. in Textbeilagen zu den Publikationen der Arundel-Gesellschaft und neuerdings (Oktober 1886) in einem interessanten Aufsatz über die geschichtliche Entwickelung der englischen Nationalgalerie in der »Quarterly Review«. Noch ein zweites Werk des berühmten Forschers erschien in jüngster Zeit, ebenfalls lange nach dem Druck unsers biographischen Artikels: »Early adventures in Persia, Susiana and Babylonia« in 2 Bänden.
v. M. in Arco. Über die Wirkungen des Tabaksgenusses herrschen keineswegs übereinstimmende Anschauungen, und Bennett hat daher den vielfach behandelten Gegenstand einer erneuten Untersuchung unterworfen. Auf Grund einer großen Anzahl von Beobachtungen kommt er zu dem Schluß, daß die Wirkungen des Tabaks nur quantitativ verschieden sind je nach der täglich verbrauchten Menge; freilich ist die Empfindlichkeit des Individuums rücksichtlich dieser Wirkungen eine verschieden große je nach Konstitution, Kräftezustand etc., so daß die Bezeichnungen »mäßiger« und »unmäßiger« Tabaksgenuß relativ aufzufassen sind. Der Tabak [* 19] regt in mäßigen Dosen bei den an seinen Genuß gewöhnten Personen die Thätigkeit des Geistes an und wirkt der ¶
Schlafneigung entgegen; er vermehrt den Gedankenfluß und die Klarheit der geistigen Vorstellungen, beruhigt, aber heitert nicht auf, eine Wirkung, die besonders bei geistiger Depression [* 21] oder Angst beobachtet wird. Er verursacht immer leichte Muskelschwäche und vermindert die Erregbarkeit der Bewegungsnerven, während die Gefühlsempfindungen durch ihn nicht alteriert werden. Die Thätigkeit des Herzens wird durch den Tabak verlangsamt, aber energischer. Er verhindert die Ermüdung nicht, macht aber durch seine beruhigenden Eigenschaften die Effekte größerer Anstrengungen weniger fühlbar. Er vermehrt die Absonderung des Mundspeichels und beeinflußt dadurch in günstiger Weise die Verdauung; der Genuß einer guten Zigarre oder einer Pfeife ist daher besonders nach der Mahlzeit zu empfehlen. Er vermehrt die Absonderung des Urins und regt die peristaltische Bewegung des Darms an. Der Tabaksgenuß ist daher zu empfehlen bei gewissen Formen geistiger Erkrankung, besonders bei der Melancholie, indem durch Anregung des Gedankenflusses der Geist von der fixen traurigen Idee, die ihn hauptsächlich beschäftigt, abgezogen wird; in ähnlicher Weise kann er bei der akuten Manie den Ausbruch eines Tobsuchtsanfalls verhindern. Der Tabak wirkt ferner günstig bei Vergrößerung des Herzens, wenn dies Organ zu stark arbeitet, bei habitueller Verstopfung, in gewissen Fällen von Asthma und bei einigen Formen von Verdauungsstörungen, bei denen die genossenen Speisen unverdaut, wie Blei, im Magen [* 22] liegen.
Übermäßiger Tabaksgenuß reizt die Schleimhäute des Mundes, der Nase, [* 23] des Halses und des Kehlkopfes und erzeugt chronischen Katarrh derselben. Der in großer Menge abgesonderte Speichel nimmt saure Beschaffenheit an; dadurch wird die Ablagerung des Zahnsteins begünstigt, und die Zähne [* 24] selbst werden angegriffen. Diese üble Wirkung des Tabaks auf die Zähne kann man auch bei mäßigem Genuß beobachten. Die Schleimhaut des Magens wird in gleicher Weise affiziert wie die des Mundes, daher verminderter Appetit und gestörte Verdauung.
Auf das Auge [* 25] wirkt Tabak ähnlich, wenn auch nicht so stark wie Belladonna; er erweitert die Pupille und vermindert ihre Reaktionsfähigkeit gegen das Licht. [* 26] Da infolgedessen die Pupille starker Raucher weiter ist als normal, so fällt mehr Licht auf die Netzhaut, und diese wird einem kontinuierlichen übermäßigen Reiz ausgesetzt. Auch noch in andrer Weise wirkt das Rauchen schädlich auf die Augen. Besonders bei Leuten, die während des Rauchens lesen oder schreiben, reizt der Rauch fortwährend die Bindehäute des Auges, und dies gibt zu Störungen in der Blutzirkulation in denselben sowie in den unterliegenden Teilen des Auges Veranlassung.
Die Wirkungen des übermäßigen Tabaksgenusses auf das Muskel- und Nervensystem sowie auf das Gehirn [* 27] sind von den oben erwähnten beim mäßigen Rauchen beobachteten nur quantitativ verschieden. Die Schwäche in den Muskeln [* 28] ist stärker ausgesprochen. Schwäche in den Knieen ist eine gewöhnliche Klage aller starken Raucher, mögen sie sich auch sonst guter Gesundheit erfreuen. Das Rückenmark scheint in leichter Weise affiziert; die wirkliche, vom Bewußtsein unabhängige Reflexerregbarkeit ist herabgesetzt, während Zittern und Ungeschicklichkeit bei Ausführung kleinerer Hantierungen, also die Zeichen von Störungen in der zweckmäßigen Zusammenordnung der Bewegungen, bestehen.
Auf gewisse Funktionen des Geistes übt übermäßiges Rauchen einen lähmenden Einfluß aus, während die Reizbarkeit des Gehirns im allgemeinen gesteigert ist. Willkürliche Bewegungen werden weniger prompt ausgeführt, da leichte Lähmung der Bewegungsnerven besteht. Die spezifischen Sinnesnerven übermitteln dagegen ihre Eindrücke leichter als gewöhnlich, und es kommt dadurch zu häufigen vom Willen unabhängigen oder gegen den Willen stattfindenden Bewegungen. So kann ein leichtes Geräusch, z. B. der Ton einer entfernten Pfeife, plötzliches Auffahren oder eine Bewegung der Hand [* 29] nach dem Ohr [* 30] verursachen, die der Betreffende nicht willkürlich unterdrücken kann.
Obwohl die Schärfe der Perzeption nicht materiell verändert erscheint und äußere Eindrücke leicht aufgenommen werden, so fehlt es doch an der geistigen Verarbeitung derselben. Die Eindrücke sind transitorisch, und neue Ideen drängen sich an die Stelle der eben erst den Geist beschäftigenden. In gewissen Krankheiten ist das Rauchen überhaupt schädlich, so bei allen Formen des chronischen Katarrhs der verschiedenen Schleimhäute, selbst beim Blasenkatarrh. Bei Eiterungen des Mittelohrs ist das Rauchen besonders schädlich. Nicht zu empfehlen ist es ferner bei Schlaflosigkeit infolge von geistiger Überanstrengung, bei Herzschwäche und gewissen mit Schwächezuständen verbundenen Neuralgien.
In der Société de Médecine publique in Paris [* 31] gelangte man bei Gelegenheit eines Austausches zahlreicher Beobachtungen über die schädlichen Wirkungen des Tabakrauchens zu dem Ergebnis, daß schwere Störungen der Herzthätigkeit weit häufiger aus der Gewohnheit starken Rauchens entstehen, als bisher angenommen wurde. Die von Vallin mitgeteilten Erkrankungsfälle beweisen, daß nach länger fortgesetzten Rauchexzessen sich eine solche Empfindlichkeit gegen die Nikotinwirkungen auszubilden vermag, daß auch der mäßigste Weitergenuß, ja sogar der Aufenthalt in geschlossenen Räumen, in welchen andre stark rauchen, zur Wiederhervorrufung und Unterhaltung beunruhigender Herzstörungen genügt. Völlige Enthaltung vom Rauchen und Fernhaltung von der Gesellschaft andrer Raucher brachten in allen Fällen die Krankheitserscheinungen zum völligen Schwinden.
Emmerich [* 32] Schmidt in Hamburg. [* 33] Sie meinen das Werk von G. Uhlhorn: »Die christliche Liebesthätigkeit in der alten Kirche«, das 1882-84 zu Stuttgart [* 34] in zwei Bänden erschienen ist. - Die Ergebnisse der für das Jahr 1885 angestellten Erhebung über die Wirksamkeit der öffentlichen Armenpflege im Deutschen Reich sind jetzt vom Kaiserlichen Statistischen Amt in den vom Bundesrat vorgeschriebenen Übersichten veröffentlicht worden. Die Nachweisungen betreffen die Zahl und Bevölkerung der Armenverbände, die von denselben unterstützten Personen und zwar der Selbst- und der Mitunterstützten, die Unterstützungsform der geschlossenen (Anstalts-) und der offenen (Wohnungs-) Pflege, die Ursachen der Unterstützungsbedürftigkeit, die Ausgaben zu Zwecken der öffentlichen Armenpflege, das Erstattungswesen in Armensachen und die Armenstreitsachen. In territorialer Hinsicht werden die Nachweise eingehend bis auf die Verwaltungseinheiten (Kreise, [* 35] Bezirksämter etc.) gebracht und überdies für jeden Kreis [* 36] etc. die Kategorien der Städte, Landgemeinden, Gutsbezirke und gemischten Armenverbände unterschieden. Als Einleitung ist eine Darstellung der Armengesetzgebung und der Organisation der öffentlichen Armenpflege, eine Schilderung des Verfahrens bei der armenstatistischen Erhebung und eine Besprechung der Hauptresultate derselben gegeben, die sich auf alle Gegenstände der Aufnahme erstreckt. Beigefügt sind dem Band [* 37] zwei kartographische Darstellungen, welche die ¶