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Was ist ein „Kaventsmann“? Kaventsmann wird im NW-deutsch-sprachigen Raum ein großer, stattlicher Mann oder Gegenstand benannt. Die Herkunft des Wortes ist unklar. Möglicherweise stammt es von „Konventsmann“, einem, dem Klischee nach, dicken Mönch ab. Vom „Kavent“, ein altertümliches Wort für „Bürge“ könnte es auch abgeleitet sein. In der Seemannssprache jedenfalls ist ein Kaventsmann eine Riesen-welle, Freakwave (in engl.) oder schlichtweg, Monsterwelle. Über Kaventsmänner wurde schon seit Jahrhunderten von Seeleuten berichtet, aber die wenigsten, die eine solche unfreiwillige Begegnung überlebt hatten, wollte man glauben schenken und hat es als reine Erfindung resp. Seemanngarn abgetan. Bis ins Jahr 1995 hielt man diesen Trugschluss aufrecht und erst als auf zunehmende Berichte die ersten Beweise folgten, wurden die Zweifler überzeugt. Im Jahre 2000 wurde Wolfgang Petersen‘s„The perfect strom“ (was für ein makabrer Titel) auf Celluloid gebrannt worin ein Kaventsmann die Hauptrolle spielt. Ein langatmiger, aber zu empfehlendes Filmepos nach wahren Gegebenheiten. In den vergangenen Jahren, vermutlich auf die Klimaerwärmung zurückzuführen, häuften sich die Meldungen über Monsterwellen in beträchtlichem Ausmass. Der folgende Filmausschnitt auf Youtube soll einen „normalen“ Wellengang in einem Nordseesturm vermitteln. Kaum vorzustellen, welchen Effekt ein Kaventsmann, üblich ist eine doppelte Normalwellenhöhe, auf die lachenden Crew des Frachters gehabt hätte.
Wann verstummten die letzten Zweifler?
Der Link zur empfohlenen Kurzdokumentation über Freak-Waves erklärt auf eindrückliche Weise wie die letzten Zweifel über dieses Phänomen ausgeräumt werden konnten. Damit war bewiesen, dass es Monster-wellen gibt, und in den folgenden Jahren wurden Berichte und For-schungen ausge-wertet. Mit Hilfe von Satelliten Messungen konnte entgegen der Annahme bestätigt werden, dass sie in den Ozeanen recht häufig vorkommen. Ein Kurzfilm des SRF über Laborversuche zeigt Einblicke in die moderne Forschung über die Entstehung von Riesenwellen. Ergebnisse fließen direkt in die Schiffsbaunorm ein.
Arten von Monsterwellen
Nachdem man ihre Existenz akzeptiert hatte, wurden die Monsterwellen nach Eigenschaften in drei Hauptgruppen unterteilt; Vorab die normale Wellenbildung, sie umfasst alle üblichen Wellenbildungen, meist 4-5 kleinere mit 2 grösseren im Gefolge. Diese rhythmische Wellenfolgebildung ist jedem Steuermann geläufig.
Kaventsmann (eng. Rogue Wave) ist eine grosse, relativ schnelle Welle, die nicht der Richtung des normalen Seegangs folgt. Drei Schwestern (engl. Three Sisters) sind drei schnell aufeinander folgende grosse Wellen, in deren schmalen Tälern Schiffe nicht den nötigen Auftrieb entwickeln können und dann von der zweiten oder spätestens der dritten Woge überrollt werden. Es ist unklar, ob dieses Phänomen immer aus exakt drei Wellen besteht, oder ob Varianten mit zwei, vier oder fünf Wellen vorkommen. Weisse Wand (engl. white walls) ist eine sehr steile Welle, von deren Kamm die Gischt herabsprüht.
Blue Whale ist es gleichgültig, welche der drei ihr begegnen, eins ist sicher, keine ist willkommen! Man bedenke, durchschnittlich werden zehn Schiffe der 200-Meter-Klasse jährlich durch Seeschlag (Wasserdruck der übergroßen Wellen) verloren, die meisten davon erfasst von einer Monsterwelle.
Wo besteht die grösste Chance einem Monster zu begegnen?
Küstenzonen mit stark schwankenden Meeres-tiefen und unterschied-lichen Strömungsver-hältnissen gehören zu den anfälligen Seegebieten wo unberechenbar grosse Wellen auftreten können. Weitere Faktoren wie Sandbänke und Strömungen sind dafür verant-wortlich, dass die Wellen ihre Richtung und Geschwindigkeit ändern. Nachstehendes Youtube-Video zeigt einen solchen Hotspot wo bei den Dreharbeiten der Film abreißt. Die Drohne wurde plötzlich von einer Monsterwelle erfasst.
Manöver gegen Kaventsmänner?
Da steckt viel Sarkasmus in der Frage, denn wenn du ihn siehst ist es für ein Manöver meist zu spät und Abhauen kannst du nicht. Der Monsterwelle muss in jedem Fall ein Sturm vorausgehen und so wird die beste Lösung sein, die angewandte Sturmtaktik (Abwettern) weiterzuführen, das heißt, die Wellen etwas seitlich abzulaufen. Der Winkel zu den Wellen darf nicht zu spitz sein um die Wahrscheinlichkeit des Durchkenterns zu vermeiden.