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Sollte es in den beiden ausstehenden Biathlon- und Langlauf-Rennen nicht noch einen Exploit geben, verpassen die Schweizer Nordischen ihre Ziele deutlich.
Dario Cologna: auf seiner Parade-Disziplin 15 km weit abgeschlagen. Benjamin Weger: nach Corona mit den brutalen klimatischen Bedingungen kämpfend. Killian Peier: von der Grösse der Olympischen Spiele überwältigt. Drei der vier designierten Schweizer Leistungsträger im Nordisch-Bereich blieben in der Bergregion von Zhangjiakou deutlich unter den Erwartungen. Einzig Nadine Fähndrich zeigte sich in den beiden Langlauf-Sprints (5. und 7.) auf der Höhe der Aufgabe, verpasste die erhoffte Medaille aber knapp.
Damit dürften gleich alle angestrebten Ziele verfehlt werden. Diese lauteten: eine Medaille im Langlauf, je mindestens ein Einzel-Diplom im Skispringen und Biathlon. Die Bilanz fällt vor dem Massenstart-Rennen der Biathlon-Frauen (Freitag) und dem 50er der Männer (Samstag) ernüchternd aus. Bestes Einzel-Resultat auf der Schanze: ein 17. Platz von Gregor Deschwanden. Bestes Einzel-Resultat im Biathlon: ein 19. Rang von Weger. Bestes Einzel-Resultat in der Loipe neben Fähndrichs 5. Platz im Sprint: Alina Meier als 13., ebenfalls im Sprint. Selbst die Diplome wurden also durchs Band klar verpasst.
Nicht zufrieden
«Bis jetzt haben wir die Ziele nicht erreicht», stellte der Schweizer Nordisch-Verantwortliche Hippolyt Kempf fest. «Damit können wir nicht zufrieden sein.» Vor vier Jahren war es nicht nur so, dass die Goldmedaille von Dario Cologna über 15 km vieles überstrahlte, die Resultate waren auch daneben deutlich besser, unter anderem mit je sechs weiteren Top-Ten Klassierungen in Langlauf und Biathlon.
In Zhangjiakou tragen verschiedene Faktoren zum enttäuschenden Abschneiden bei. Zum einen ist ein Generationenwechsel im Gang. Altgediente Leistungsträger wie Cologna, Laurien van der Graaff, Simon Ammann, Selina Gasparin oder vielleicht auch Benjamin Weger haben ihren Leistungszenit überschritten, die nächste Generation ist noch nicht bereit, den Stab zu übernehmen. Zudem gibt es bei allen plausible Erklärungen für die Formschwäche.
Ammann, Cologna und Gasparin waren im Sommer längere Zeit verletzt und konnten den Trainingsrückstand nie mehr ganz aufholen. Weger erkrankte im Januar an Corona und litt besonders unter der empfindlichen Kälte. Andere wie Skispringer Killian Peier verbrauchten wohl im Vorfeld der Spiele zu viel Energie und wurden von der Grösse des Anlasses überrascht. Peier schwärmte von der wunderbaren Schanzenanlage und fand dann vom ersten Tag an doch keinen Zugang.
Deutsche machten es besser
Die anspruchsvollen Langlauf- und Biathlonstrecken, gepaart mit Kälte, Trockenheit, Höhenlage (rund 1650 m über Meer) und stumpfem Schnee förderten Defizite brutal zutage und liessen die Schere zwischen der absoluten Spitze und dem Durchschnitt noch weiter aufgehen, wie es der 21-jährige Biathlet Niklas Hartweg formulierte.
Bei den Sommerspielen in Tokio war die akribische Vorbereitung der Schweizer auf die aussergewöhnliche Hitze eines der Erfolgsrezepte für den grossen Erfolg. Die Nordischen versuchten dies analog ebenfalls, fanden aber im Norden nicht die erhofften kalten Bedingungen. Ausserdem lässt sich Kälte im Training nur schlecht simulieren, da es gesundheitlich gefährlich ist. «Am Ende dominieren die Schweden, Norweger, Russen und Finnen, die sich solche Bedingungen gewöhnt sind», konstatierte Kempf. Er vergass aber nicht, die überraschenden deutschen Frauen zu erwähnen, die «das hervorragend gemacht» hätten.
Ob in der Vorbereitung oder im Trainerstab Fehler gemacht wurden und ob es allenfalls Konsequenzen braucht, wird erst nach der Saison analysiert. Mittelfristig sieht Kempf aber durchaus auch Hoffnungsvolles. Im Biathlon und bei den Langlauf-Frauen steht ein Umbruch an, der Nachwuchs drückt mit Macht nach oben und könnte in vier Jahren bereit sein. Lena Häcki respektive Nadine Fähndrich bleiben die Zugpferde, bei den Skispringern dürfte Killian Peier aus seiner missglückten Olympia-Premiere die Lehren ziehen.
Sorgen bereitet Kempf die fehlende Breite bei den Skispringern. «Da müssen wir jetzt konsequent die nächste Gruppe heranführen», so der Kombinations-Olympiasieger von 1988. Und bei den Langläufern machte die Generation 1 nach Cologna im Vergleich zu Pyeongchang vor vier Jahren den erhofften Schritt nach vorne nicht. Das darf durchaus auch als Warnung dienen: Die Hoffnungen, die jetzt bestehen, müssen erst mit Leben gefüllt werden.
sda