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Fehler zugebenWas macht eine «gute» Entschuldigung aus?
Frage: «Wenn mein Freund und ich streiten, vergreife ich mich manchmal im Ton. Danach empfinde ich Reue, aber ich komme nicht mehr an ihn ran – er schmollt oft noch tagelang.»
Antwort von Christine Harzheim, Psychologin FSP und systemische Familientherapeutin:
«Sorry seems to be the hardest word» – so heisst ein Song von Elton John. Richtig «Es tut mir leid» zu sagen ist offensichtlich gar nicht so einfach. Wir gehen davon aus, dass wir uns mit unserem Statement entschuldigt haben, doch es kommt beim Gegenüber manchmal gar nicht so an. Es wirkt nicht, es macht nicht wieder gut, und es hinterlässt bei ihm ein schales Gefühl.
Was ist der Grund? Ist die Entschuldigung nur ein Lippenbekenntnis? Wird also nur mit Worten entschuldigt, ohne dass ein aufrichtiges Gefühl von «Es tut mir leid» dahintersteht und spürbar wird? Oder gerät die Botschaft zu einer Art Scheinentschuldigung, wie sie sehr weit verbreitet ist?
Bei dieser äussert man in einem ersten Teil zwar, dass es einem leidtut, lässt dann aber ein grosses Aber und eine Rechtfertigung folgen dafür, was man getan hat. Das hebt jedoch die vorangegangene Entschuldigung auf und macht sie wertlos.
«Oft folgt auf das Sorry ein grosses Aber. Das macht die Entschuldigung wertlos.»
Christine Harzheim
Etwa: «Sorry, dass ich dich eben so angefahren habe, aber wenn du deine Sachen immer wieder rumliegen lässt, regt mich das halt auf…» Oder: «Es tut mir so leid, dass ich dich betrogen habe, aber du warst in den letzten Monaten sehr abweisend zu mir…»
Hier schiebt man die Verantwortung für das eigene Verhalten subtil dem anderen zu und verletzt ihn so erneut. Er spürt das und reagiert emotional ähnlich wie auf einen Angriff.
Worauf sollte man also achten, wenn man etwas aufrichtig bereut und sich entschuldigen will? Forscher der Ohio State University haben untersucht, was eine «gute Entschuldigung» ausmacht, also eine, die aufrichtig wirkt und die etwas wiedergutmachen oder einen Konflikt beenden kann.
Wenn man einen Fehler gemacht hat und ausdrücken will, dass es einem leidtut, muss man Folgendes beachten:
- Mit Worten allein ist es nicht getan.
- Der wichtigste Faktor ist, die uneingeschränkte Verantwortung für den Fehler zu übernehmen. Also kein Aber und keine unterschwellige Rechtfertigung.
- Wichtig ist auch, konkret zu benennen, was schiefgelaufen ist und welches Verhalten einem leidtut.
- Es kann sinnvoll sein, Reue zu bekunden und auszudrücken, wie man sich in einer ähnlichen Situation anders verhalten möchte.
- Je nach Ausmass der Verletzung spielt das Angebot oder die Frage nach einer Wiedergutmachung eine grosse Rolle.
- Eine eher geringere Bedeutung hat die Bitte um Vergebung, vor allem wenn die anderen Komponenten fehlen.
Grundsätzlich ist es sehr wertvoll, über eigene Fehler nicht einfach hinwegzusehen und abzuwarten, bis sich Wunden von allein schliessen und Misstöne verhallen. Auch wenn es schwerfällt: Auszudrücken, dass man sich der Verantwortung für das eigene Verhalten stellt, öffnet Herzen und Türen und führt zu einer Verbesserung zwischenmenschlicher Beziehungen.
Nur nicht drängen!
Seien Sie aber authentisch! Warten Sie, bis Sie wirklich fühlen, dass es Ihnen leidtut. Um des lieben Friedens willen Worte der Reue zu platzieren ist nicht sinnvoll. Wichtig ist es, mit dem «Sorry!» nicht auf eine Antwort oder ein Verzeihen zu drängen. Seien Sie geduldig. Auch das Gegenüber sollte warten dürfen, bis es sich seiner Gefühle sicher ist und aufrichtig reagieren kann.
«Es tut mir leid» ist eine einfache und klare emotionale Botschaft ohne Wenn und Aber. Trennen Sie diese zeitlich von jeglicher Diskussion um die Frage, wer angefangen oder wer recht hat, was dem Ganzen vorausgegangen ist oder wer mehr schuld ist.
Fehler eingestehen, sich entschuldigen, das steckt an. Seien Sie ein Vorbild! Kinder, Familie, Freunde, Ihr Team werden Ihnen folgen. Es ist wirksamer, vorauszugehen und es bei passender Gelegenheit vorzumachen, als jemanden, dem das schwerfällt, zu einer Entschuldigung zu nötigen.