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Wie dem Videoausschnitt am oberen Bildrand zu entnehmen ist, wurde das Bild im Jahr 2022 am 23. November 2022 um 4 Uhr morgens aufgenommen und vom türkischen Nachrichtensender «Haber Global» ausgestrahlt. Auf deren Homepage ist auch ein Artikel mit der Videosequenz zu finden. Das Video auf dem Youtube-Kanal des Senders weist dieselbe Einblendung «Dprem aninda işik hüzmesi belirdi» (Lichtstrahl erschien während des Erbebens ) auf, welche im Screenshot auf Facebook ebenfalls abgebildet ist.
Der Artikel und das Video sind am 23. November 2022 veröffentlicht worden und berichten über das damalige Beben in der Region Düzce, im Nordwesten der Türkei. Auch international wurde darüber berichtet.
HAARP-Anlage kann keine Beben auslösen
Das «High-frequency Active Auroral Research Program (HAARP)» ist ein Hochfrequenzsender zur Erforschung der Ionosphäre, der obersten Schicht der Erdatmosphäre. Die Forschungseinrichtung wurde vor August 2015 von der US-Air Force betrieben und anschliessend der Universität Alaskas übertragen.
Die Antennen senden im Bereich von drei bis zehn Megahertz, schreibt ETH-Professor Philipp Kästli auf Anfrage von Keystone-SDA. Damit können keine Erdbeben ausgelöst werden, sagt der Dienstseismologe vom Schweizerischem Erdbebendienst.
Kurzwellenstrahlungen könnten kaum in die Erde eindringen, die maximale Untersuchungstiefe liege bei 10 bis 15 Metern. Hingegen können sich Bruchprozesse, welche zu einem Erdbeben führen, viele Kilometer tief in der Erde liegen, so die Erkenntnisse des ETH-Professors. Das Hypozentrum beim Erdbeben am 23. November 2022 zwischen 10 und 11 Kilometer tief, schreibt Kästli.
Auch die im Video zu sehenden Lichter haben nichts mit der HAARP-Technologie zu tun. Prinzipiell könnte die HAARP-Technologie Lichter in der Ionosphäre, 100 bis 300 Kilometer über der Erde, verursachen. Doch diese seien so schwach, dass sie nicht sichtbar seien, erklärt der ETH-Professor.
Ursprung von Erdbebenlichtern ist unklar
Wer sich den Videobeitrag von «Haber Global» ansieht, erfährt, dass es sich um Aufnahmen einer Überwachungskamera in Bilecik handelt, welche die Lichter zum Zeitpunkt des Bebens aufnahm. Zudem erfahren die Zuschauenden, dass Wissenschaftler die Lichter auf die Erdbewegungen in den Verwerfungen zurückführen. Die Bewegungen würden elektrische Eigenschaften der Mineralien verändern, was die Erdbebenlichter verursache.
Auch das Wissenschaftsmagazin «Nature» berichtet über eine Studie aus «Seismological Research Letters» über Erdbebenlichter, welche manchmal vor oder während der Beben gesichtet werden. Die Forscher kommen zum Schluss, dass das Phänomen mehrheitlich dort vorkommen, wo tektonische Platten auseinanderdriften und die geologischen Verwerfungen fast vertikal sind.
Tektonische Plattenverschiebungen erzeugen Druck auf das Gestein, welche sich in einem Erdbeben entlädt. Dabei brechen chemische Bindungen auf und erzeugen elektrische Ladungen. Gelangen diese an die Erdoberfläche und interagieren mit der Atmosphäre und erzeugen dabei ein Leuchten, vermuten die Forscher. Erdbebenlichter sind also natürliche Phänomene. Über die Forschungsergebnisse wurde auch im deutschsprachigen Raum berichtet.
Einen wissenschaftlichen Konsens zu Erdbebenlichtern gibt es allerdings nicht. Die Lichter während Erdbeben können auch andere Ursachen haben, etwa auch durch die Beschädigung von Stromleitungen entstehen.
Philipp Kästli vom Schweizerischen Erdbebendienst schreibt, dass Erdbebenlichter offensichtlich nur bei einer Minderheit von Erdbeben zu beobachten seien. Die Lichter seien zudem nicht in 100 Kilometer Höhe oder höher in der Ionosphäre zu sehen. Um die Lichter überhaupt zu sehen, müssten die Beben nachts stattfinden. Bei kleineren Beben, wie sie in der Schweiz vorkommen, treten diese Lichter offensichtlich nicht auf, schreibt der ETH-Professor. Zumindest seien in den letzten 20 Jahren keine derartigen Lichter hierzulande dokumentiert worden.
Kein Zusammenhang zur aktuellen Erdbebenkatastrophe
Obwohl sich das Video insbesondere seit Februar 2023 online verbreitet, hat es nichts mit der aktuellen Katastrophe zu tun. Das Erdbeben vom 6. Februar 2023 ereignete sich im Südosten im türkisch-syrischen Grenzgebiet in der Provinz Gaziantep. Ende Februar sind mehr als 50’000 Tote registriert worden. Die meisten Regionen haben die Suchen nach Überlebenden eingestellt. Die Schweiz entsendete umgehend nach dem Beben Experten der Rettungskette Schweiz für einen einwöchigen Einsatz in das Gebiet. Sie kehrten Mitte Februar zurück.