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Weg-Wort vom 17. Juni
Einst kamen die Bäume zusammen, um sich einen König zu wählen. Sie sagten zum Ölbaum: «Sei du unser König!» Aber der Ölbaum erwiderte: «Soll ich vielleicht aufhören, kostbares Öl zu spenden, mit dem Götter und Menschen geehrt werden? Soll ich über den Bäumen thronen?»
Da sagten die Bäume zum Feigenbaum: «Sei du unser König!» Doch der Feigenbaum erwiderte: «Soll ich vielleicht aufhören, süße Feigen zu tragen? Soll ich über den Bäumen thronen?»
Da sagten sie zum Weinstock: «Sei du unser König!» Doch der erwiderte: «Soll ich aufhören, Wein zu spenden, der Götter und Menschen erfreut? Soll ich über den Bäumen thronen?»
Schließlich sagten sie zum Dornstrauch: «Sei du unser König!» Und der Dornstrauch erwiderte: «Wenn ihr mich wirklich zu eurem König machen wollt, dann bückt euch und sucht Schutz unter meinem Schatten! Sonst wird Feuer von meinen Dornen ausgehen, das sogar die Zedern des Libanons verbrennt!» (Richter 9, 8-15)
Ich habe diese Fabel aus dem Alten Testament nachgelesen, weil ich mich frage, wie es immer wieder zu Fehlbesetzungen bei Führungspositionen kommen kann. Der Dornstrauch in dieser Geschichte ist Sinnbild für einen üblen und despotischen Herrscher. Mit seinen Dornen fügt er andern Leid zu. Seine Aufforderung, unter seinem Schatten Zuflucht zu suchen, klingt wie Hohn, denn Schatten wird unter diesem blattlosen Strauch kaum zu finden sein.
In diesem Dornstrauch möchte ich mich nicht sehen, viel eher in einem der andern Bäume. Diese bringen immerhin einen Nutzen für die Menschen. Das Problem ist nur, dass sie indirekt dem Dornstrauch zur Macht verhelfen, weil sie selber nicht bereit sind Verantwortung zu übernehmen.