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In der Schweiz existiert eine Reihe von Zahlungsmitteln. Diese lassen sich grob in bare Zahlungsmittel wie Münzen, Noten und Checks sowie in elektronische Zahlungsmittel wie Bankkarten unterteilen. Letztere existieren in der Schweiz erst seit den Fünfzigerjahren, als Kreditkarten eingeführt wurden. Ab den Neunzigerjahren etablierten sich dann die Debitkarten.
Aussagen zur Entwicklung der Bargeldzahlungen sind immer mit Messproblemen verbunden, da diese anonym und nicht verfolgbar sind. Es gibt jedoch einige Möglichkeiten, die Bedeutung des Bargelds als Zahlungsmittel approximativ zu quantifizieren. Eine Variante ist die Analyse der Bargeldquote und der Bargeldumlaufquote. Der erste empirische Indikator misst das Verhältnis des Noten- und Münzumlaufs zum Geldmengenaggregat M1, während die Bargeldumlaufquote den Bargeldumlauf in Relation zum Bruttoinlandprodukt (BIP) setzt. Der Bargeldumlauf umfasst einerseits den Noten- und Münzumlauf inklusive des Bargeldbestands bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Andererseits beinhaltet er die Giroguthaben von Versicherungen und öffentlichen Verwaltungen (ohne Bund) bei der SNB sowie exklusive Noten und Münzen, welche bei den Banken aufbewahrt werden.[1]
Die Bargeldumlaufquote reagiert weniger empfindlich auf Geldmarktinterventionen der SNB als die Bargeldquote, da das BIP weniger stark schwankt als die direkt beeinflussbare Geldmenge M1. Je höher die beiden Quoten, desto bedeutsamer ist generell das Bargeld in einer Volkswirtschaft.
Bargeldquote seit 1990 halbiert
Seit 1990 ist die Bedeutung des Bargelds stark gesunken: Während die Bargeldquote damals noch 26 Prozent betrug, sank sie bis Ende 2016 auf 14 Prozent (siehe Abbildung 1) Die Bargeldumlaufquote blieb bis Ende 2008 mit rund 7 Prozent durchgehend stabil. Der Bargeldumlauf ging folglich Hand in Hand mit dem BIP-Wachstum. Von 2008 bis Ende 2016 stieg die Umlaufquote jedoch graduell auf 12 Prozent an. Damit hat sich der Bargeldumlauf in dieser Periode vom BIP-Wachstum entkoppelt – was für eine Bedeutungszunahme des Bargelds spricht.
Woher rühren diese teils gegensätzlichen Beobachtungen? Die Bedeutungszunahme des Bargelds seit 2008 lässt sich vor allem mit dem starken Wertanstieg des Bestands an Tausendernoten begründen, der im Verhältnis zum BIP innerhalb von sechs Jahren von 4,7 auf 7,4 Prozent zugenommen hat, während das Verhältnis der anderen Stückelungen mehr oder weniger stabil blieb: Mittlerweile decken die Tausendernoten rund 62 Prozent des Gesamtwertes des Notenumlaufs ab. In der Konsequenz hat die Bedeutung des Bargelds als Zahlungsmittel seit 1990 stark abgenommen, wohingegen das Bargeld als Wertaufbewahrungsmittel vor allem seit 2008 zusehends an Relevanz gewonnen hat.
Dies lässt sich eindrücklich anhand der Umlaufgeschwindigkeit des Notenumlaufs verdeutlichen, die zwischen 2008 und 2016 deutlich gefallen ist. Mit anderen Worten: In den vergangenen neun Jahren wechselten die Banknoten deutlich weniger den Besitzer, woraus hervorgeht, dass Personen und Institutionen Banknoten vermehrt horteten.
Abb. 1: Bargeld-, Bargeldumlaufquote und Umlaufgeschwindigkeit in der Schweiz (1990–2016)
Quelle: SNB (2017a), Berechnungen: Trütsch / Die Volkswirtschaft
Sowohl der Bargeld- als auch der Bargeldumlaufquote liegen die Annahme zugrunde, dass Bargeldzahlungen (flow of cash), das heisst der eigentliche Bargeldgebrauch, in einem fixen Verhältnis zum Bargeldbestand in Zirkulation (stock of cash) sind. Bei den ausgewiesenen Geldmengenaggregaten der SNB handelt es sich um eine Bestandsgrösse, also um eine an einem bestimmten Stichtag gehaltene Menge an Bargeld. Somit wird aber der effektive Bargeldgebrauch, das heisst der tatsächlich mit Bargeld getätigte Umsatz, nicht akkurat erfasst, weil einzelne Noten und Münzen jeweils mehrmals und unterschiedlich häufig als Zahlungsmittel verwendet werden. Beispielsweise werden Banknoten mit kleinerem Nennwert und Münzen tendenziell eher als Wechselgeld eingesetzt, während die Tausendernote vielmehr als Wertaufbewahrungsmittel dient.
Debitkarten vermehrt im Einsatz
Um diese Unschärfe zu vermeiden, verfolgte eine Studie der Universität St. Gallen aus dem Jahr 2011 einen alternativen Ansatz, indem versucht wurde, den effektiven Bargeldgebrauch an den Verkaufspunkten in der Schweiz zu messen.[2] Die Verkaufspunkte bezeichnet man üblicherweise als Point of Sale (POS), wobei man zwischen stationärem und virtuellem POS unterscheidet. An letzterem ist eine Barzahlung nicht möglich.
Die von uns verwendete Methode basiert auf den gesamtwirtschaftlichen Ausgaben der Haushalte für den Endkonsum und den Umsatzstatistiken alternativer Zahlungsmittel. Die Vorgehensweise ist folgende: Zunächst gliedert man die Ausgaben der Haushalte für den privaten Konsum in unterschiedliche Untergruppen.[3] Dabei sind aber ausschliesslich diejenigen Untergruppen relevant, welche hauptsächlich mit Bargeld in der Schweiz stationär bezahlt werden können. Folglich zählen private Konsumausgaben für Wohnen, Gesundheitspflege, Nachrichtenübermittlung, Unterrichtswesen, Versicherungen und Finanzdienstleistungen sowie sonstige Waren und Dienstleistungen nicht dazu, weil diese meistens per Überweisung beglichen werden. Daraus resultiert der bereinigte Umsatz am stationären POS, wo Bargeld ausschliesslich als Zahlungsmittel verwendet wird. Anschliessend wird der Umsatz aller Zahlungsmittel, welche an den stationären Verkaufspunkten eingesetzt werden können, vom bereinigten POS-Umsatz subtrahiert. Daraus resultiert der geschätzte Wert aller Bargeldzahlungen.[4]
Die relativen Umsatzanteile der verschiedenen Zahlungsmittel an den stationären Verkaufspunkten zeigen, dass immer häufiger mit der Karte bezahlt wird (siehe Abbildung 2). So ist der Umsatzanteil der Kreditkarte seit 1990 von 6 Prozent auf 17 Prozent im Jahr 2016 gestiegen, während der Umsatzanteil der Debitkarten von 0,4 Prozent auf 28 Prozent geradezu explodierte. Prepaid- und Händlerkarten hatten 2016 einen bescheidenen Umsatzanteil von 2 Prozent (1990: 1%). Hingegen spielen Bankchecks, welche vor 27 Jahren noch rund 3 Prozent des POS-Umsatzes ausmachten, heute keine relevante Rolle mehr. Auch der Umsatz der von der Schweizer Reisekasse (Reka) herausgegebenen Reka-Checks entsprach lediglich einem POS-Anteil von 0,4 Prozent.[5]
Im Jahr 2016 wurden gemäss dieser Messmethode 85 Milliarden Franken bar bezahlt. Dies entspricht einem Umsatzanteil von knapp über der Hälfte. Damit ist das Bargeld zwar nach wie vor das wichtigste Zahlungsmittel – verglichen mit über 90 Prozent im Jahr 1990 ist dieser relative Rückgang jedoch enorm. Dieser Trend scheint ungebrochen, wobei nebst Kreditkarten vor allem Debitkarten das Bargeld als Zahlungsmittel zusehends substituieren.
Abb. 2: Umsatzanteile von Zahlungsmitteln an den stationären Verkaufspunkten in der Schweiz (1990–2016)
Quelle: BIS (2015), BFS (2017), SNB (2017a), Höppli et al. (2011), Berechnung: Trütsch / Die Volkswirtschaft
Bargeldaffine Deutsche und Österreicher
Eine weitere Messmethode zum Bargeldgebrauch basiert auf Konsumentenumfragen. Die Befragten notieren sich dazu all ihre Zahlungen in einem Tagebuch. Diese Methode hat den Vorteil, dass auch die Funktionsweise des Bargelds erfasst werden kann – was mithilfe oben genannter aggregierter Statistiken nicht möglich ist.
Umfragen aus Kanada, Australien, Österreich, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und den USA deuten auf grosse Unterschiede im Zahlungsverhalten zwischen den einzelnen Ländern hin: Während beispielsweise in Deutschland und in Österreich noch vier von fünf Transaktionen in bar stattfanden, machten Cashzahlungen in den USA weniger als die Hälfte aus. In Frankreich (52%), den Niederlanden (56%) und Australien (65%) wurden etwas mehr als die Hälfte der Zahlungen bar abgewickelt.[6]
Wertmässig hatten Barzahlungen in Deutschland und in Österreich einen Anteil von 53 respektive 65 Prozent. In den Niederlanden und Australien lag dieser bei ungefähr einem Drittel und in den USA bei 23 Prozent. Wertmässig am wenigsten Barzahlungen wurden in Frankreich mit einem Anteil von 15 Prozent gemacht.
Mögliche Gründe für den vergleichsweise hohen Bargeldgebrauch in Deutschland und Österreich sind die geringe Verbreitung von Kreditkarten und die tiefe Akzeptanz von Bankkarten. Viele Menschen in diesen beiden Nachbarländern tragen noch immer hohe Bargeldbestände auf sich. Letztendlich basiert das Zahlungsverhalten aber vor allem auf Gewohnheiten, und Entscheidungen zur Zahlungsmittelwahl werden im Unterbewusstsein getroffen.
Da für die Schweiz entsprechende Daten fehlen, plant die Universität St. Gallen in Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) erstmals eine umfassende Umfrage zum individuellen Zahlungsverhalten mithilfe eines Zahlungstagebuchs zu erheben. Die Zahlen für die Schweiz dürften sich im ähnlichen Rahmen wie in Deutschland bewegen, wie der oben berechnete Umsatzanteil des Bargelds offenbart.
- SNB (2017b).
- Höppli et al. (2011).
- BFS (2017).
- Datengrundlage SNB (2017a) und Höppli et al. (2011). Für detaillierte Ausführungen siehe Höppli et al. (2011).
- Reka-Checks in der Erhebung nicht berücksichtigt.
- Siehe Bagnall et al. (2016).