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Was erst nur befürchtet wurde, ist nun Tatsache: Martina Hingis nimmt nicht am Zurich Open teil, dem grossen Turnier der 20 besten Tennisspielerinnen.
Seit rund 6 Monaten kämpft die St. Gallerin mit physischen Problemen. Gelingt ihr trotzdem noch einmal ein Comeback an die Weltspitze?
Im Jahr 1994 bestritt Martina Hingis in Zürich ihr erstes Turnier als Profi. Sechs Jahre später gewann sie es. Nach ihrem Rücktritt aus dem Profi-Sport wurde sie Turnier-Botschafterin. Nach ihrem Comeback erreichte sie 2006 den Viertelfinal.
In diesem Herbst wird das Zürcher Hallenstadion beinahe schon von einem Überangebot weiblicher Tennisstars beehrt, darunter den aktuellen Leaderinnen der Weltrangliste (Justine Henin, Svetlana Kuznetsova, Jelena Jankovic und Ana Ivanovic).
Saisonende
Die Schwestern Serena und Venus Williams sind auch eingeschrieben. Total 15 der 20 WTA-Siegerinnen figurieren auf der Entry-Liste.
Die als Nummer 19 gesetzte Martina Hingis musste das Handtuch werfen. Sie bedauerte am Donnerstag, nicht am Zurich Open teilnehmen zu können. Sie habe alles daran gesetzt, mitzuspielen.
"Aber die Schmerzen in der Hüfte, die ich seit dem Turnier in Miami in diesem Frühling habe, hindern mich an einem normalen Training und haben mich deshalb gezwungen, die Saison frühzeitig zu beenden."
Verschiedene Möglichkeiten
Für die Zukunft sind unterschiedliche Szenarien denkbar. Das beste: Die ehemalige Nummer 1 der Frauentenniswelt spielt im Januar in Australien, ein Turnier, an dem es ihr schon oft gut gelaufen ist.
Das zweitbeste: Sie übt sich solange in Geduld, bis sie mit ihrer vollen physischen Leistungsfähigkeit in den Tenniszirkus zurückkehren kann.
Das schlechteste: Wenn sie ihre volle Leistungsfähigkeit nicht erreicht, könnte dies das Ende ihrer Profi-Karriere bedeuten. Denn es ist kaum vorstellbar, dass Hingis kämpft, um nur Viertelfinals zu erreichen oder in der 3. Runde von Grand Slam-Turnieren auszuscheiden, wie dieses Jahr in Wimbledon und an den US Open.
Die ehemalige Trübbacherin, die heute in Hurden am Zürichsee lebt, hatte das Jahr 2007 vielversprechend begonnen: Als Finalistin von Gold Coast in Australien, Viertelfinalistin in Melbourne und Tokio schien es, dass sie problemlos mit den besten Spielerinnen mithalten könnte. So sollte ihr rasches Erreichen des 6. Ranges der Topliste ein Sprungbrett nach ganz oben sein.
Spärliche Einsätze
Doch das Gegenteil war der Fall. Im Mai wurde sie in Berlin von Patty Schnyder gedemütigt (6-4,6-0), sie litt mehrere Wochen unter Hüft- und Rückenproblemen und verzichtete auf einen Einsatz bei Roland Garros, dem French Open.
In dieser Zeit erklärte ihr Arzt Heinz Bühlmann, sie habe eine Entzündung im Oberschenkelbereich, die auch auf die Hüften ausstrahle. Es handle sich jedoch nicht um chronische Schmerzen, sie seien vielmehr die Folge von Überlastungs-Verletzungen.
Doch seit dem Frühjahr wurden Martina Hingis' Einsätze immer seltener. Bei ihren Expeditionen nach Wimbledon und Flushing Meadows, wo sie dank ihrer früheren Erfolge teilnehmen durfte, schied sie bereits in der dritten Runde aus - gegen zweitklassige Spielerinnen.
Und bei ihrem letzten Versuch, Ende September, scheiterte sie erneut in der 2. Runde in Peking. Stellt sich die Frage: Ist das nur ein temporäres Phänomen?
swissinfo, Jonathan Hirsch
(Adaptierung aus dem Französischen: Etienne Strebel)
In Kürze
Trotz der Absage von Martina Hingis nehmen am Turnier, das am Montag beginnt, zwei Schweizerinnen teil: Patty Schnyder (WTA 15), Viertelfinalistin 2006, und die Waadtländerin Timea Bacsinszky (WTA 88).
Zürich war 1994 der Beginn der Profikarriere für Martina Hingis. 2000 gewann sie das Turnier, und während ihres ersten Rücktritts amtete sie als Turnier-Botschafterin.
Anfang dieses Jahres noch auf dem 6. Weltranglistenplatz, fiel sie inzwischen auf Rang 19 zurück. Sie wird dieses Jahr nicht mehr spielen, aus den Top-20 herausfallen und damit die Punkte verlieren, die sie am Masters 2006 geholt hatte.
Die St. Gallerin will erst wieder nach ihrer vollständigen gesundheitlichen Herstellung auf den Tennisplatz zurückkehren. Das dürfte frühestens im Januar 2008 in Australien der Fall sein.
Harter Brocken für Patty Schnyder
Nach der Auslosung am Wochenende trifft Patty Schnyder (WTA 15) auf die Amerikanerin Serena Williams (WTA 6), Timea Bacsinszky (WTA 88) auf die Ukrainerin Alona Bondarenko (WTA 25).
Das Zurich Open (1,3 Mio. Dollar Preisgeld) ist das wichtigste WTA-Turnier auf europäischem Boden.
In diesem Jahr kann es mit 5 der 10 weltbesten Tennisspielerinnen aufwarten. Das ist eine der besten Teilnehmerinnenlisten seines 24-jährigen Bestehens.
Um das Preisgeld spielt auch die aktuelle Nummer 1, Justine Henin. Sie hat das Turnier 2003 gewonnen und gilt als Topfavoritin.
Die letztjährige Siegerin Maria Scharapowa nimmt wegen Schulterproblemen nicht teil.