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Im Fürststift Kempten werden nur Personen mit adeliger Herkunft aufgenommen. Dies gilt auch für gekauften Adel, wie dies beim Geschlecht der Reichlin von Meldegg zutrifft. Im Jahre 1400 verkauft Hans von Meldegg als Letzter seines Stammes Familiennamen und das Wappen an den Konstanzer Arzt Jodokus Reichlin, dessen Familie sich nun Reichlin von Meldegg nennt und in Überlingen sesshaft wird.
Anselm Reichlin von Meldegg wird am 21. Dezember 1679 als Sohn von Franz Wolf, Freiherr Reichlin von Meldegg, Herr auf Billafingen und Horn (1650–1696) und von Anna Margarethe Freiin von Thurn und Taxis geboren.[1] Der Vater muss seiner «Armuthey» wegen den Familiensitz und die Güter in Überlingen 1684 verkaufen. Der Sohn des Käufers Hans Johann Paul Roth von Schreckenstein, Dom- und Kapitalherr des Domstifts Konstanz erbietet sich, einen der Söhne des Verkäufers während seines Studiums bei den PP. Jesuiten daselbst mit Speis, Trank und Servis zu unterhalten.[2] Es könnte sich hier um den zur Zeit des Verkaufs fünfjährigen Anselm handeln.
Dieser wird tatsächlich durch die Jesuiten geschult. Er geht an die Universität in Dillingen, tritt 1699 in den Benediktinerorden ein und wird 1704 in Luzern zum Priester geweiht. Er setzt seine Studien in Salzburg und Innsbruck fort und wirkt anschliessend im Stift Kempten als Lehrer, später als Novizenmeister. 1725 finanziert er eine zweijährige Studienreise des talentierten jungen Malers Balthasar Riepp nach Italien und beweist damit, dass ihm Kunstförderung ein Anliegen ist, aber auch, dass die «Armuthei» des Vaters längst überwunden ist.
Er wird 1728 zum Abt gewählt. Nach 1730 beginnt er mit der Neugestaltung der Abteiräume im Südflügel der Residenz, für deren Umbau er die besten Meister des beginnenden Rokoko beizieht. Die Arbeiten sind 1742 mit der Fertigstellung des Thonsaals abgeschlossen.
Fürstabt Anselm regiert sein Land standesgemäss absolutistisch. Das korrupte Verhalten zweier höfischer Steuereintreiber führt 1731 zu einem Aufstand der Bauern. Der Fürstabt reagiert mit Härte und lässt die Anführer hinrichten oder mit Vermögensbeschlagnahmung und Landesverweis bestrafen. Das Verständnis für die Sorgen der Stiftsuntertanen geht nicht nur ihm, sondern allen Mitgliedern des Konvents ab. Immerhin wird auf Grund der Unruhen eine ständige Vertretung der Untertanen, der sogenannte Landschaftsausschuss, in einem Vertrag besiegelt.
1742 reist Anselm von Meldegg als Fürstabt und Erzmarschall der Kaiserin zur Kaiserkrönung nach Frankfurt. Es wird eine aufwändige und prunkvolle Inszenierung, die sich das inzwischen finanziell erholte Stift leisten kann. 1746 hat das Fürststift mit 22 adeligen Konventualen seinen höchsten je erreichten Personalstand.
Am 15. Dezember 1747 stirbt Fürstabt Anselm. Sein Grabmal befindet sich in der Stiftskirche und trägt die Inschrift: «Aulam et principatum aedificiis ornatu et commoditate pulcherrimis nobilitavit auxit illustravit».
Pius Bieri 2008
Benutzte Literatur:
Haggenmüller, Joahnn Baptist: Geschichte der Stadt und der gefürsteten Grafschaft Kempten, Kempten 1847.
Lieb, Norbert: Rokoko in der Residenz von Kempten, Kempten 1958.
Quellen zur Genealogie der Reichlin von Meldegg:
http://www.genealogy.net/privat/schifferdecker/reichlin.htm
http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D20297.php
Anmerkungen:
[2] Staatsarchiv Sigmaringen, Dep. 45 T 1 Nr. 90, 30. Mai 1684
|Fürstabt OSB Anselm Reichlin von Meldegg (1679–1747) in Kempten|
|Biografische Daten||Zurück zum Bauwerk|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|21. Dezember 1679||Überlingen Baden-Würtemberg D||Freie Reichsstadt Überlingen|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Fürstabt von Kempten||1728–1747|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|15. Dezember 1747||Kempten Bayern D||Fürststift Kempten|
|Kurzbiografie|

Fürstabt Anselm steht dem nur für Adeligen zugänglichen Benediktinerstift während einer Zeit mit genügend Geldressourcen und einer entsprechend verschwenderischen Hofhaltung vor. Der Fürstabt ist grosser und verständiger Kunstmäzen, dies trotz seiner Herkunft aus verarmtem Adel. Er kann beste Künstler des Régence nach Kempten verpflichten, um das zweite Obergeschoss des Abtei-Südflügels grossartig in spätbrocke Repräsentationsräume umzubauen. Mit diesen Räumen und einer ergänzenden Ausstattung der Kirche setzt er sich ein bleibendes Denkmal. Zum Ärger der grossen Nachbarabteien wie Ottobeuren verbleibt es aber dabei. Bildung und Wissenschaft, Musik und Literatur haben in Kempten keine Priorität.
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