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Alfred Friedrich Bluntschli (1842–1930)
Architekt, Schüler Sempers, ab 1881 Professor für Architektur ETH Zürich
Alfred Friedrich Bluntschli wurde am 29. Januar 1842 als Sohn des berühmten Liberalkonservativen und Staatsrechtlehrers Johann Kaspar Bluntschli (1808 bis 1881) in Zürich geboren. Aufgrund seines Vaters Wirken in München und Heidelberg verbrachte er seine Jugend in Deutschland. Von 1860 bis 1863 studierte er am Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich Architektur bei Gottfried Semper.
Bauten und Preise
Nach dem Diplom vervollständigte er seine Studien an der Ecole des Beaux Arts in Paris und auf Reisen nach Italien und Frankreich. Er liess sich 1866 als Architekt in Heidelberg nieder und erbaute dort unter anderem das Wohnhaus seines Vaters. 1870 übersiedelte er nach Frankfurt am Main, wo er zusammen mit seinem Kollegen Karl Jonas Mylius ein angesehenes und viel beschäftigtes Architekturbüro leitete. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Bauten, darunter Wohnhäuser, Villen, Schlösser, Hotels, Banken und Krankenhäuser.
Die schon während seiner Studien guten Wettbewerbserfolge konnte er in Frankfurt fortsetzen. Er gewann unter anderem Preise für die Entwürfe des Reichstages in Berlin und der Rathäuser in München und Wien. Stilistisch war ihm die Verarbeitung der Antike in der italienischen Renaissance Vorbild.
Nachfolge Sempers
1881 gelang es dem Schweizerischen Schulrat, ihn für den Lehrstuhl zu gewinnen, den einst sein Lehrer Semper innehatte. Bis 1914 wirkte er in der Nachfolge Sempers als Professor für Baukunst an der ETH Zürich. Diese verdankt ihm und seinem Kollegen Georg Lasius das Chemiegebäude (1884) und das Physikgebäude (1890, 1977 abgerissen). Auch verschiedene Villen sowie die Kirche Enge sind Zeugen für Bluntschlis Wirken in Zürich. Zu seinem grossen Bedauern konnte er seine Wettbewerbserfolge aus dieser Zeit wie die Entwürfe zum Bau des Bundeshauses in Bern und in Zürich die Entwürfe der Tonhalle, des Kunsthauses und der Universität nicht verwirklichen. Alfred Friedrich Bluntschli starb im Alter von 88 Jahren am 27. Juli 1930.
Werke (Auswahl)
- Wohnhaus Bluntschli, 1866–70, Heidelberg (Deutschland)
- Bankhaus Goldschmitt, 1872–73, Frankfurt/Main (Deutschland)
- Hotel Frankfurter Hof, 1873–74, Frankfurt am Main (Deutschland)
- Schloss Holzhausen, 1874–76, Holzhausen (Deutschland)
- Mannheimer Versicherung, 1882, Frankfurt am Main (Deutschland)
- Chemiegebäude des Eidgenössischen Polytechnikums, 1884, Zürich (mit Georg Lasius)
- Villa Rieter, 1886–88, Zürich
- Physikbau des Eidgenössischen Polytechnikums, 1886–90, Zürich, (mit Georg Lasius, 1977 abgerissen)
- Villa Bleuler, 1886–87, Zürich
- Kirche Enge, 1892–94, Zürich
- Umbau Kirche Neumünster, 1911–15, Zürich
Bestand
Alfred Friedrich Bluntschlis architektonisches Wirken ist im Institut für Geschichte und Theorie der Architektur (Link verlässt diese Seite) (gta) an der ETH Zürich dokumentiert. Des weiteren besitzt die Graphische Sammlung ETH Zürich (Link verlässt diese Seite) Skizzenbücher und die Zentralbibliothek Zürich (Link verlässt diese Seite) einen Nachlass mit Quellen zur Person.
In den Sammlungen und Archive der ETH-Bibliothek befinden sich verschiedene Dokumente:
Das Bildarchiv bewahrt Bilddokumente von und zu Alfred Friedrich Bluntschli auf, darunter Skizzen und Zeichnungen von ihm und seinen Studenten. Informationen zu seiner Sammlung fotografischer Abbildungen aus Druckerzeugnissen zur Architektur der Schweiz und des Auslandes sind in einem ausleihbaren Verzeichnis (Link verlässt diese Seite) ersichtlich. Die Sammlung Alte und Seltene Drucke verfügt über veröffentlichte Schriften und Skizzen in verfilmter und gedruckter Form. Diese Dokumente sind im Suchportal der ETH-Bibliothek (Link verlässt diese Seite) recherchierbar. Das Hochschularchiv der ETH Zürich führt in ihrer Biographica-Sammlung ein Dossier mit Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln zu seinem Leben und Werk. Die Dokumente der Sammlungen und Archive können im Lesesaal Sammlungen und Archive konsultiert werden.