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Ohne Konsens geht gar nichts! Aber was ist Konsens überhaupt genau? Und wie kommt man dazu?
Konsens ist, wenn alle Beteiligten mit einer Handlung einverstanden sind. Oft wird das Wort gebraucht, um ein solches Einverständnis bei sexuellen Handlungen auszudrücken. Das bedeutet: Sex ohne Konsens gibt es nicht, dann ist es Vergewaltigung! Konsens muss ausserdem aktiv gegeben werden (engl. enthusiastic consent), sich nicht zu wehren bedeutet nicht, mit einer Berührung oder sexuellen Handlung einverstanden zu sein. Auch eine Person, die aufgrund von Alkohol- oder Drogeneinfluss keine klaren Entscheidungen treffen kann, ist nicht fähig zu einem solchen Einverständnis. Und Kinder unter 14 Jahren können auch vor dem Gesetzt keinen Konsens zu sexuellen Handlungen geben.
Was Sex und Teetrinken gemeinsam haben
Auf Youtube findet sich ein Video namens Tea Consent von Emmeline May und den Blue Seat Studios, in dem Konsens mit Teetrinken erklärt wird. Das geht dann etwa so: Du fragst jemenschen, ob er_sie gerne einen Tee möchte. Darauf sind verschiedene Antworten denkbar.
„Ja, gerne!“: Du kannst dieser Person jetzt einen Tee machen und dich über das gemeinsame Trinken freuen. Sei dir aber bewusst, dass diese Person ihre Meinung doch immer noch ändern kann. Vielleicht will sie keinen Tee mehr, wenn du ihn bringst, vielleicht merkt sie nach einer halben Tasse, dass sie genug hat oder diese Art von Tee einfach nicht mag. Du musst akzeptieren, dass sich Bedürfnisse und Gelüste ändern können.
„Hmm, vielleicht“: Jetzt kannst du zwar Tee machen, wenn du möchtest, darfst aber nicht erwarten, dass die Person diesen dann tatsächlich trinkt.
„Nein“: Mach dieser Person keinen Tee, halte ihr keinen Tee unter die Nase, versuche ihr kein schlechtes Gewissen zu machen, weil du extra für sie feinen Tee gekauft hast und zwinge sie natürlich auf keinen Fall, deinen Tee zu trinken.
Ausserdem sollst du einer bewusstlosen Person nie Tee einflössen, selbst wenn sie vorher noch Tee wollte. Und nur weil jemensch einmal oder auch viele Male deinen Tee dankend angenommen hat, bedeutet das noch lange nicht, dass er_sie immer mit dir Tee trinken möchte. Es gilt jedes Mal neu zu fragen. Diese Regeln sollen genauso klar bleiben, wenn man Tee mit Sex ersetzt.
Konsens ist sexy!
Herauszufinden was Partner_innen genau wollen, was sich für sie_ihn gut anfühlt, ist spannend und schön und führt zu einer befriedigenderen Erfahrung für alle Beteiligten. Es ist toll, gefragt zu werden, was mensch will und dann dieser Person genau das zu geben, was er_sie will. Eine fortlaufende Kommunikation, auch während man sich berührt, küsst oder Sex hat, sorgt dafür, dass es allen gefällt und schafft auch eine schöne Intimität, weil jede_r weiss, dass der_die Partner_in_nen dafür sorgen wollen, dass es einem gut geht. Wie diese Kommunikation ablaufen soll, kann mensch gemeinsam besprechen. Mensch kann natürlich miteinander reden, aber auch ausgemachte Berührungen oder bestimmte Codewörter, die „Sofort Stopp!“ oder „mehr davon!“ bedeuten, funktionieren gut.
Du bestimmst über deinen Körper – auch im Alltag
Konsens fängt nicht erst beim Sex an. Hast du dir schon einmal überlegt, Leute zu fragen, ob du sie umarmen darfst? Deiner Tante zu sagen, dass du Küsschen auf die Wange unangenehm findest? Und bist du dir eigentlich sicher, dass die Personen, die du im Ausgang provokativ antanzt das in Ordnung finden?
Menschen haben unterschiedliche Grenzen im Bezug auf ihren Körper und Berührungen und diese müssen respektiert werden. Weil mensch natürlich nicht immer wissen kann, was bei wem in Ordnung ist, gilt: Im Zweifelsfall nachfragen! Das geht meist am unkompliziertesten verbal, aber im Ausgang reicht es manchmal auch schon, sich der Person, der mensch gerne näherkommen würde, von vorne zu nähern und sie erst mal zurückhaltend anzutanzen. Auch mit Körpersprache kann mensch eine solche ‚Anfrage’ starten. Dann ist aber auch ganz wichtig, dass ein Kopfschütteln, Wegdrehen oder nicht darauf eingehen als ‚Nein’ verstanden und respektiert wird.
Wichtig ist auch, dass mensch sich dieses Rechts über den eigenen Körper bewusst ist. Deine Tante mag es merkwürdig finden, wenn du beim Wangenküsschen ablehnst, aber wenn es dir unangenehm ist, dann darfst du ‚nein’ sagen und verlangen, dass deine persönlichen Grenzen respektiert werden.
In unserer Gesellschaft wird diese Art von kleinen, leider alltäglichen Übergriffen viel zu oft toleriert. Sie werden mit Argumenten abgetan, sie seien als Kompliment zu verstehen (im Ausgang) oder „das gehöre sich halt so“ (bei der Tante).
Diese Einstellung ist gefährlich, denn sie normalisiert Übergriffe und vermittelt, dass mensch eben nicht in jeder Situation und nicht mit allen Mitmenschen die Regeln für seinen_ihren Körper festlegen darf. Diese Ambiguität überträgt sich dann oft auch auf sexuelle Übergriffe.
Deshalb gilt: Ob im Alltag, beim One-Night-Stand, in langjährigen Beziehungen: Jede_r entscheidet selbst, was mit ihrem_seinem Körper passiert!
Illustration: Julian Büchler