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Ropraz im Waadtländer Jorat – ein Gebiet im Hinterland der Stadt Lausanne mit sanften Hügeln und viel Wald. Die Post im Dorf wurde schon vor Jahren geschlossen. Viele Menschen sind nicht zu sehen.
Unter einem grossen Baum beim Friedhof stehen François und Jean Chessex: Die beiden Söhne von Jacques Chessex sind heute 40 und 38 Jahre alt. Wir gehen den Weg, den ihr Vater so oft ging.
Auf den Spuren des Jacques Chessex
Durch ein Metalltor geht es rein in den Friedhof. Er befindet sich genau gegenüber des ehemaligen Hauses von Chessex.
Auf diesem Friedhof befand sich einmal das Grab von Rosa Gillieron, der Chessex den Roman «Le Vampire de Ropraz» gewidmet hat. Das Grab war noch da, als er hier in den 1970er-Jahren ein Haus bauen liess.
Jacques Chessex war dem Dorf und der Region sehr verbunden. Heute befindet sich hier sein eigenes Grab.
Ein Grab mit Steinen und Muscheln
Auf dem Kreuz liegen Steine – ein jüdischer Brauch, obwohl Jacques Chessex kein Jude war. François und Jean Chessex wissen nicht, wer die Steine dahin gelegt hat.
Sie wissen auch nicht, wer Muscheln auf dem länglichen Grabstein am Boden zurückliess: «Das mit den Muscheln ist sehr schön, die sind aus dem Meer, nicht aus dem See, das ist berührend und geheimnisvoll», sagt François.
Der Vater wollte genau hier begraben sein – mit Blick über die Weiden und die Berner Alpen, den gleichen Blick wie vom Haus aus. Die Söhne haben es an einen Jugendfreund aus dem Dorf verkauft, sie selber leben in Lausanne.
Die Familie des Jugendfreundes lagert vor der früheren Schreibstube – dem Atelier, wie Jacques Chessex es nannte – einen aufblasbaren Bade-Flamingo. Darüber muss Jean lachen.
Kitsch stand damals auch im Atelier, Chessex hatte eine dieser asiatischen Katzen, die ständig winken.
Kein Denkmal, kein Platz – ein Spaziergang
Das Dorf, der Friedhof, das Haus: Das sind Stationen des Spaziergangs, den François und Jean Chessex hier anbieten. Weiter geht es einen Waldweg hinunter an einen Bach.
Das war die übliche Route des Vaters. Jean Chessex sagt, die Route könne man heute auch gehen – unterschiedlich schnell und weit. Und wer wolle, könne unterwegs baden.
Diesen Weg wollen die beiden Söhne nun zugänglich machen. Zehn Jahre brauchten sie dafür. Jacques Chessex verstarb 2009 überraschend. Ein Testament hinterliess er nicht.
Sie mussten sich mit diesem Erbe erst einmal befassen und veröffentlichten einen Teil der Texte, die noch da waren. In den zehn Jahren wurde den Brüdern auch klar, was sie nicht wollen: «Einen Gedenkort wie eine Statue oder ein Platz», sagt François Chessex.
Deshalb der Weg. Er ist nicht ausgeschildert, im «Restaurant de la Poste» wird aber eine Dokumentation verfügbar sein. Hin und wieder führen auch die Söhne die Besucher.
Dank dieser Arbeit können Besucher so – zehn Jahre nach dem Tod von Jacques Chessex – einen sehr persönlichen Einblick auf den Mann hinter dem literarischen Werk gewinnen.