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Im Jahr 1902 reist der Schweizer Arzt Jules Jacot-Guillarmod nach Kaschmir in Britisch-Indien – mit dem Ziel, als Teil einer internationalen Expedition unter der Leitung des Briten Oscar Eckenstein den K2, Berg Nummer 2 im Karakorum-Gebirge, aber auch zweithöchster Berg der Erde, zu besteigen.
Im ersten Teil dieses Blogbeitrags habe ich ein Bild der europäischen Teilnehmer der Expedition eingefügt. Hier nun die Leiter der Trägermannschaft, im Hintergrund als Deko auch eine kleine Schweizerfahne:
Der K2 lässt sich nicht bezwingen
Vom 19. Juni bis zum 6. August 1902 versucht die Expedition einen Weg zum Gipfel zu finden. Die Camps (X, XI, XII) werden immer höher oben angelegt, weil der gesuchte machbare Weg auf der Nordostseite des Bergs zu liegen scheint.
Wegen schlechten Wetters, mangelhafter Ausrüstung, nicht optimaler Lage der Camps und wegen Spannungen und Krankheitsfällen im Team (Höhenkrankheit) kann nur ein Teil des Nordostgrats bis zu einer Höhe von etwa 6700 m erreicht werden. Zum Gipfel fehlen noch unüberwindliche 1911 Meter.
Die Expedition muss sich damit begnügen, die bis damals unbekannte Bergwelt nordöstlich des K2, die Gegend beim Staircase Peak und um den Windy Gap, an der Grenze zu China, zu dokumentieren.
Der K2 wird erst 52 Jahre später von den Bergsteigern Compagnoni und Lacedelli, Mitgliedern einer italienischen Expedition, über den Südostgrat erstmals bestiegen.
Zurück nach Skardu
Eines der letzten Bilder des K2, vom Tag der Abreise am 6. August 1902 (bzw. am 4. August gemäss Buffet, S. 146):
Es ist auffallend, dass es vom Expeditionsteam kaum eine Aufnahme gibt, bei der alle Teilnehmer als Gruppe in die Kamera blicken. Vielleicht war das damals noch weniger üblich als heute; ungewohnt ist auch, dass die Europäer hier kaum je in die Kamera lächeln.
Der Rückweg folgt wieder dem Baltoro-Gletscher und dem Braldu River hinunter nach Skardu. (Die in den Metadaten der Bilder beschriebene Abkürzung über den Skoro La direkt nach Shigar scheint nicht wirklich eingeschlagen worden sein.)
Den Aufenthalt in Skardu benützt JJG für das Komplettieren seiner Landschaftsaufnahmen. Hier porträtiert er sich für einmal als Hauptperson:
Über die Deosai-Hochebene hinunter nach Kaschmir
Die Rückreise von Skardu nach Süden erfolgt nicht wie die Hinreise über das Industal, sondern auf direkterem Weg über den Burji La (Pass) und die Deosai-Hochebene.
Von der Hochebene des Deosai erreicht die Expedition das 3500 m hoch gelegene Burzil Valley und das Gurez Valley.
Über den Tragbal-Pass gelangen die Reisenden wieder ins Becken von Srinagar.
Ins östliche Indien und zurück nach Genua
Die Route verläuft wieder entlang des Jhelum River. Das nächste Zwischenziel ist Lahore.
Von Kalkutta reist Jules Jacot-Guillarmod via Colombo in Ceylon und den Suezkanal nach Genua, wo er am 1. November 1902 eintrifft.
Dies waren die verwendeten Hilfsmittel:
- Google Maps und Google Earth, letzteres besonders nützlich für die Bodensicht in tiefen Tälern, für die Aufschau zu den Berggipfeln
- weitere Kartentools wie opentopomap.org und mapcarta.com
- amerikanische Landkarten von Indien und Pakistan aus den 1960er-Jahren, auf z.B. legacy.lib.utexas.edu/maps/
- Infos über die Berge des Himalaya, von Günter Seyfferth, auf www.himalaya-info.org, davon besonders die Webseite www.himalaya-info.org/Map%20karakorum_baltoro.htm
- und schliesslich das Standardwerk von Charlie Buffet, Jules Jacot-Guillarmod – Pionier am K2, Zürich 2012, in welchem ich u.a. sah, dass JJG zahlreiche Bilder vom gleichen Standort aus so geknipst hatte, dass sie sich zu Panoramaansichten zusammenstellen lassen – was die Verortung der Einzelaufnahmen vereinfacht.
- Den Reisebericht von Jules Jacot-Guillardmod selbst, mit dem Titel Six mois dans l’Himalaya, le Karakorum et l’Indu-Kush, Neuchâtel 1903, hätte ich eigentlich auch noch studieren sollen; ich hätte zum Lesen dieser bibliophilen Kostbarkeit aber lange im Lesesaal der Zentralbibliothek Zürich sitzen müssen – weshalb ich es vorerst habe sein lassen.
Vermisst habe ich noch bessere Landkarten, und gekämpft habe ich mit den vielen unterschiedlichen damaligen und heutigen Schreibweisen der Ortsnamen (die JJG sogar französisiert aufgeschrieben hat).
Aber es hat mich erstaunt, wie gut – nach einer gewissen Eingewöhnungsphase – die Fernerkundung sogar bei so weit entfernten und lange schon vergangenen Geschehnissen und Orten funktionieren kann. Das oben abgebildete Tal (Ans_05533-520-AL, Sur la route de Cachemire) habe ich zum Beispiel durch eine reine Google Earth Suche gefunden.
Danke an Flurina Huonder und die anderen Mitarbeitenden des ETH-Bildarchivs dafür, dass sie meine Kommentare, die ich noch nicht völlig druckreif und oft in Teilstücken abliefere, sachkundig und geduldig einpflegen.
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Vollständige Bildinformationen
Jules Jacot-Guillarmod: Dernier du Chogori, 1902 (Ans_05533-357-AL, http://doi.org/10.3932/ethz-a-000106546)