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Bei diesem Blick über den Rhein entschied sich Bischof Eberhard II. von Waldburg, der damalige Bischof zu Konstanz, 1251 das "veld" Gottlieben zu kaufen: Er wollte hier den Standortvorteil nutzen, eine Brücke bauen und Brückenzoll erheben. Wasserwege waren Transportwege. Nach damaligem Recht kaufte er mit dem Boden die Landbewohner, da die Leibeigenen nicht vertrieben werden durften. Für Land und Leute bezahlte er 7236 Silbermark nach Konstanzer Gewicht. In Sichtweite der Brücke baute er sich ein Schloss in mittelalterlicher Manier mit zwei Wehrtürmen und einem Verbindungsteil. Die Brücke brachte ausser Ärger mit der Konstanzer Bürgerschaft wenig ein und wurde bald abgebrochen. Das Schloss aber blieb und wurde während mehr als 500 Jahren Refugium der Konstanzer Bischöfe.
Die zweite Brücke, die hier über den Rhein gebaut wurde, war von vornherein nur für eine kurze Dauer geplant. Der Bau einer Pontonbrücke, den der schwedische General Horn im Dreissigjährigen Krieg hier angeordnet hatte, sollte einer Kriegslist dienen. Seine Truppen, die Konstanz einnehmen wollten, lagerten auf der gegenüber liegenden Seite des Rheins. Horn aber wusste, dass Konstanz nur von Süden einzunehmen war. So brachte er sein Heer hier über eine aus Schiffen bestehende Brücke über den Rhein. Konstanz konnte er auch so nicht erobern...
Im 18. Jahrhundert blühte der Handel: Die Wasserroute die den Norden mit dem Süden verband, führte hier durch. Die Gottlieber Kaufleute wurden vor allem mit dem Salzhandel reich und bauten im Bereich der heutigen Schiffsanlegestelle einen „Salzstadel", wo die Schiffsladungen gelöscht und für den Weitertransport ins Landesinnere bereitgestellt werden konnten.
Der Salzstadel, der sich im Bereich des von hier sichtbaren Teils des Waaghauses befand, wurde 1892 abgebrochen, nachdem Carl Hummel, ein Schreiner, durch Heirat Besitzer des Stadels und des Waaghauses geworden war. Er errichtete an dessen Stelle eine Schreinerei mit Holzlager im Untergeschoss und eine Bierhalle mit Kegelbahn im Obergeschoss. Die bestehende Schenke und die Handlung wurden weiterhin von Frau und Schwiegereltern betrieben.
Frieda, die Jüngste seiner fünf Kinder blieb als einzige mit ihrem Sohn Max im elterlichen Geschäft. Nach ihrer Heirat mit dem Küchenchef Louis Martin begründeten Zukäufe und Umbauten die Erfolgsgeschichte des Familienunternehmens. Über die bestehende Terrasse wurde eine zweite gebaut, die ehemalige Schreinerei wurde Speiselokal. Im ersten Stock entstand ein Gesellschaftszimmer.
Nach dem Eintritt des entsprechend ausgebildeten Sohnes Max ins elterliche Geschäft konnten die Taverne „Drachenburg", das Steinhaus, das Haus Hecht und und das Gasthaus „Rheineck" dazugekauft werden. Max Hummel und seine Ehefrau Anna Hummel-Häni erhielten die Wirtschaftspatente auch für die „Drachenburg" und das „Rheineck". Nach dem Erwerb der ehemaligen Brauerei Jericka, die Max Hummel als Dépendance ausbauen liess, war ein markanter Hotelkomplex entstanden.
Diesen führten die Töchter Anita Bischler-Hummel und Isabelle Bieri-Hummel weiter. Heute liegt die Verantwortung bei Anita Bischler-Hummel.
1967 verlieh die Gemeinde Frieda und Louis Martin-Hummel das Ehrenbürgerrecht.
Der Blick Richtung Untersee, Randen und Hohentwiel weist entlang der Wasserlinie ab der Kronenterrasse eine bemerkenswerte Ausbuchtung auf: Hier standen vier weitere Häuser, bis drei davon im Jahr 1692 im Verlaufe einiger Stunden nach einem heftigen Sturm im Rhein versanken. Das Gestade hinter den Häusern war eingebrochen, sodass ein weiteres Haus, eine Gerbe, ebenfalls "geschlissen" werden musste. Da es noch keine Versicherungen gab, wurde von Basel bis Luzern, von Chur bis Bern von den Kirchenkanzeln zur „Beihilfe" aufgerufen. Ausser Geldbeträgen wurden 50 Eichenstämme und ein Wasserbaufachmann zur Verfügung gestellt: Die Gemeinde konnte das Ufer sichern.
Das Eckhaus, genannt „Steinhaus", beherbergte im 17. Jahrhundert, in der wirtschaftlichen Blütezeit der Gemeinde, eine Weinhandlung, eine Eisenwarenhandlung und eine Knopffabrik. Das Haus „Hecht" gehörte im 19. Jahrhundert der legendären Mathilde van Zuylen-Ammann. Die exzentrische Malerin pflegte hier ihren „Salon". Bei diesen Einladungen trafen sich Maler wie Robert Weise, Wilhelm Hummel, Ernst Kreidolf mit Schriftstellern wie Emanuel von Bodman, Hermann Hesse. Hier konnte man dem jungen Pianisten Arthur Rubinstein ebenso begegnen wie dem späteren Nobelpreisträger für Medizin, Theodor Kocher. In diesem Haus wohnte später der Generaldirektor der Aluminiumfabrik Kreuzlingen, Fritz Respinger – in Erinnerung geblieben, weil er in Gottlieben das erste Auto fuhr.