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Deutsch und Englisch
Wie schon der Name des Projekts (die gelbe Site) erkennen lässt,
habe ich wenig Mühe mit englischen Worten in der deutschen
Sprache,
zumindest dann nicht, wenn das neu importierte Wort zu einer
Differenzierung beiträgt, also zum Beispiel in einem gewissen
Fachbereich verwendet wird oder etwas Neuentstandenes bezeichnet.
Beides
sind ganz natürliche Prozesse, die schon seit jeher am Werk sind,
und keine besorgniserregenden Erfindungen der dekadenten Postmoderne,
in
der alles so viel schlechter ist als früher. ;-) . (Dekadent
und modern sind übrigens beide sowohl im Duden als auch im
Fremdwörterbuch zu finden und wurden laut Kluge im 17. bzw. 18.
Jahrhundert entlehnt.)
Der Begriff "Bookmark" (f/n) ist ein Beispiel für den ersten
Vorgang. Zwar existiert das Wort "Lesezeichen" auf Deutsch (das zum
Teil
ja auch anstelle von Bookmark verwendet wird und die wörtliche
Übersetzung ist), aber ein herkömmliches Lesezeichen
unterscheidet sich dann doch in wesentlichen Punkten von einer Bookmark
in einem Webbrowser. Für diese beiden unterschiedlichen Dinge
unterschiedliche Begriffe zu verwenden hat den Vorteil, dass, wenn wir
auf Deutsch von einer Bookmark sprechen, unmissverständlich klar
ist, was gemeint ist.
Der Begriff "Website" (oder kürzer Site) hingegen wurde
für etwas gänzlich Neues geprägt. Er bezeichnet eine
Ansammlung von Seiten, die unter derselben Adresse zu finden sind und
konkurrenzierte keinen deutschen Begriff, weil es schlichtweg noch
keinen gab.
Englische Wörter können die deutsche Sprache also durchaus
sinnvoll bereichern. Allerdings gilt auch hier: allzuviel ist ungesund.
Englisch nur um der Coolness :-) willen kann nerven und ist
nicht sinnvoll. Sätze wie "Das war eine riesen Challenge für
mich" finde ich ziemlich überflüssig.
Übrigens
Sowohl Website als auch Bookmark sind bereits mit der
geschilderten Bedeutung in den Duden (Band 1, Die deutsche
Rechtschreibung, Mannheim 200022
.)
eingegangen. Das allein rechtfertigt die Entlehnung zwar nicht,
zeigt aber, dass es sich bei ihnen nicht um Eintagsfliegen und blosse
Angabe-Wörter nach dem Motto "Ich bin ja so schlau, ich kann auch
Englisch!" handelt, da nur Wörter aufgenommen werden, die
bestimmten Kriterien entsprechen.
Wie ein Wort in den Duden kommt kann nachgelesen werden bei:
http://www.duden.de/index2.html?deutsche_sprache/zumthema/wort_in_den_duden.html
"Challenge" steht übrigens nicht im Duden (Auflage von 2002).
Genauso wenig wie "Coolness".
Links
Wer einen ausführlicheren Artikel zum Thema Anglizismen
in der Deutschen Sprache lesen will, dem empfehle ich "Droht der
deutschen Sprache die Anglisierung" von Ralf Osterwinter.
http://www.duden.de/index2.html?deutsche_sprache/zumthema/anglisierung.html
Eine sehr viel pessimistischere (und meiner Meinung nach auch
einseitigere) Sicht hat Wolf Schneider in der Sprachlese (NZZ-Folio)
http://www-x.nzz.ch/folio/archiv/1998/08/articles/sprache.html
George Blyth behandelt vermeintliche Anglizismen (Pseudoanglizismen)
wie Handy und Postcard
http://www.daube.ch/opinions/sprache02.html
Weitere Beiträge zum Thema Fremdwörter:
http://www.duden.de/index2.html?deutsche_sprache/fremdwort/fremdwort.html
Eine Anzahl deutscher Wörter im Englischen findet man unter
http://www.daube.ch/opinions/sprache06.html
oder
http://www.wikipedia.org/wiki/List_of_German_expressions_in_English
(auf Englisch).
Schweizer Hochdeutsch
Ich verstehe Hochdeutsch (die Dialekte klammere ich hier absichtlich
aus) als plurizentrische Sprache. Deutschland, Österreich
und
die Schweiz haben je ihre eigene Variante des Hochdeutschen, die sich
im
Wortschatz, in einigen grammatischen Besonderheiten, in der Aussprache
etc. von einander unterscheiden. Die Situation ist zum Bespiel
vergleichbar mit den englischen Sprachverhältnissen. Die
Diskussion, welches Englisch das beste sei, ist meiner Meinung nach
müssig. Amerikaner und Engländer dürften in dieser Frage
unterschiedlicher Meinung sein. Wichtig ist, dass es Unterschiede gibt.
Genauso ist es mit Deutsch. In der Schweiz kommt hinzu, dass die
Hochsprache vorwiegend (aber nicht nur) schriftlich verwendet wird
(Deshalb wird sie auch gern Schriftdeutsch genannt).
Sprachliche Besonderheiten, die nicht im gesamten deutschen Sprachraum,
sondern hauptsächlich in der Schweiz und manchmal zusätzlich
auch in einigen anderen deutschen Sprachregionen wie Teilen Osterreichs
oder Süddeutschland vorkommen, werden als Helvetismen
bezeichnet. Genauso kann man auch von Austriazimen (z.B. Fisole, Topfen
etc.) oder Teutonismen sprechen. (Das tut zum Beispiel Ammon in seinem
Buch "die Deutsche Sprache in Deutschland, Österreich und der
Schweiz.) Häufig versteht man unter Helvetismen nur typisch
schweizerischen Wortschatz, man kann aber auch grammatische,
orthographische und phonetische Besonderheiten damit bezeichnen (Siehe
Ammon).
Bekannte Beispiele für Helvetismen im Wortschatz
sind Wörter wie Velo
(Fahrrad), Traktandum
(Tagesordnungspunkt), Coiffeur
(Friseur), fehlbar
(schuldig), antönen
(andeuten) oder parkieren
(parken).
In der Orthographie
fällt auf, dass der
Buchstabe
Eszett (ß) nicht existiert. Demzufolge schreibt man also auch Fuss
,
liess
etc., und zwar nach alter wie neuer Rechtschreibung! Das einzige mir
bekannte Beispiel bei dem daraus Probleme entstehen könnten,
wäre ein Satz wie "sie tranken Wein in Massen". Allzu viel
Potential für Missverständnisse besteht also nicht. Als
weitere Besonderheit scheint mir, dass in der Schweiz
französischstämmige Wörter eher in der
französischen
Schreibweise belassen werden, aber darüber habe ich keine genauen
Angaben.
Auch grammatische
Unterschiede sind vorhanden. Einige
Wörter haben in der Schweiz ein anderes Genus, wie zum Beispiel das
E-Mail
, das in Deutschland den Artikel "die" hat. Auch der
Hilfsverbengebrauch unterscheidet sich. So sagt man in der Schweiz: ich
bin gestanden
oder ich bin gelegen
statt habe gestanden
oder habe gelegen. Dieses letzte Beispiel beschränkt sich
allerdings nicht auf die Schweiz, sondern ist eher ein Phänomen
des
süddeutschen Raumes. Typisch schweizerisch scheint hingegen die
Verwendung des Verbs anfragen
mit Akkusativobjekt statt mit
bei
und Nomen im Dativ zu sein. (Ich habe ihn angefragt statt ich habe bei
ihm angefragt.)
Das sich die Aussprache
der Schweizer von der anderer
Deutschsprecher unterscheidet, gilt als allgemein bekannt. So wird z.
B.
die Endung "ig" im Allgemeinen als "ik" und nicht als "ich" gesprochen
(auch dies ist keine Schweizer Besonderheit, sondern auch im Süden
Deutschlands verbreitet), das stimmhafte s ist entstimmt (aber immer
noch, wenn auch schwach vom stimmlosen zu unterscheiden) etc.
Schweizer Hochdeutsch im Duden
Im Duden sind schweizerische Besonderheiten mit dem Kürzel
"schweiz." oder einer Angabe wie "in der Schweiz ..." versehen.
Sucht man im Volltext der Duden CD-ROM Rechtschreibung (Version 2.0)
nach der Abkürzung "schweiz"., erhält man 1429 Treffer. Da
der
Punkt von der eingebauten Suchfunktion leider nicht berüchsichtigt
wird, sind darunter auch Resultate wie Schweizerin, Schweizreise etc.
oder die Erwähnung der Schweiz im Vorwort oder einem Regeltext.
Dafür werden aber auch Belege wie "in der Schweiz ..."
erfasst. Zudem gelten nicht alle Einträge nur für die
Schweiz, einige Einträge gelten für mehrere
Sprachregionen, zum Beispiel für die Schweiz und Bayern wie bei auswallen
für Teig ausrollen oder für die Schweiz, Österreich und
Süddeutschland wie zum Beispiel bei aper
für
schneefrei. In der folgenden Darstellung habe ich auch solche
Wörter aufgenommen worden.
Um die Vielfalt der möglichen Abweichungen gegenüber dem
"Gemeindeutsch" zu belegen, habe ich den Buchstaben A analysiert. 113
der Einträge unter "A" enhalten die Buchstabenfolge "schweiz",
sind
also in irgendeiner Weise für das Schweizer Sprachgebiet
kennzeichnend.
Die Aussprache
ist in 14 Fällen betroffen.
Meistens handelt es sich um eine abweichende Betonung, zum Teil werden
auch Einzellaute anders gesprochen, wie zum Beispiel bei Advent
,
dass in der Schweiz mit [f] gesprochen wird.
Ziemlich selten sind im untersuchten Bereich grammatische
Abweichungen
. Zwei Mal weichen die Genera ab (der Achtel
bzw. der Achtzigstel
statt das Achtel/ Achtzigstel) und in
zwei
weiteren Fällen werden Verben mit anderen Valenzen verwendet (das
oben erwähnte anfragen
und anläuten
mit
Dativ statt Akkusativ: Läutest du mir an?).
8 Einträge gelten zwar für den gesamten deutschen Sprachraum,
sind aber (ausser in der Schweiz und zum Teil in Österreich) veraltet
.
Beispiele dafür sind Absenz
(Fehlen), Advokat
(Anwalt), ankünden
(ankündigen) und amten
.
Zum Teil (9 Fälle) existiert in der Schweiz eine andere
Form
, die sich orthographisch und zum Teil auch lautlich
leicht von der in Deutschland und Österreich gebräuchlichen
unterscheidet, wie zum Beispiel Ausrufezeichen
(statt Ausrufzeichen), ausnützen
(statt ausnutzen) etc.
Einige Wörter (10) haben eine im ganzen Sprachgebiet verbreitete
Grundbedeutung, aber zudem eine schweizerische Zusatzbedeutung
.
So kann eine Abdankung
in der Schweiz eine Trauerfeier
bezeichen, eine Aktion
ist auch so viel wie ein Sonderangebot
und nicht nur Menschen, sondern auch Betten haben Anzüge
.
Der grosse Rest
(66) wird nur in der Schweiz (und
manchmal in anderen Sprachregionen, aber nicht im ganzen
deutschsprechenden Gebiet) verwendet.
Einige dieser Einträge sind deutlich schweizspezifisch, weil sie
Schweizer Institutionen (AHV
(Alters- und
Hinterlassenenversicherung), ACS
(Automobilclub Schweiz)
etc.),
typische Schweizer Gerichte (Älplermaggronen
) oder
Flüsse, Ortschaften etc. (Aare, Aargau, Albula, Ascona,
Axenstrasse
....) bezeichen. . Ähnlich steht es
mit Begriffen aus dem politischen Leben wie Ammann
oder abmehren
(abstimmen durch Handerheben), Begriffe aus dem
Militär
(Achtungsstellung
) etc. Zur verbleibenden Restgruppe
gehören zum Beispiel abserbeln
(dahinsiechen), Abwart
(Hausmeister), allfällig
(etwaig), Altersjahr
(Lebensjahr), Ambiance
(Umgebung, Stimmung), Auffahrt
(Christi Himmelfahrt), Automobilist
(Autofahrer), Anstösser
(Anrainer) etc.
Alle bisher erwähnten Wörter gehören zur Hochsprache,
sind also nicht Schweizerdeutsch (gemeint ist damit einer der in der
Schweiz gesprochenen Dialekte). Eine Ausnahme bilden die vier als
mundartlich gekennzeichneten Wörter Ätti
(Vater), Anken
(Butter), anmächelig
(reizend, attraktiv) und ausschlipfen
(ausrutschen).
Unterschiede sind also durchaus vorhanden. Dazu stehe ich und ich finde
es schön, auch wenn ich mal das Wörterbuch zur Hand
nehmen muss, weil ich einen Teutonismus oder Austriazismus nicht
verstehe.
Was ich persönlich nicht besonders schätze sind Kommentare
wie "das ist doch eigentlich kein Hochdeutsch" und "die Schweizer
meinen, dass das Hochdeutsch wäre". Ist es wohl. Schweizer
Hochdeutsch eben.
Links
Literatur
- Ammon, Ulrich. Die deutsche Sprache in Deutschland,
Österreich und der Schweiz. Das Problem der nationalen
Varietäten, Berlin 1995.
- Duden. Die deutsche Rechtschreibung. Mannheim 200022.
- Duden. Die deutsche Rechtschreibung auf CD-ROM. PC-Bibliothek
Express Version 2.0.
- Kurt Meyer: Duden-Taschenbuch Wie sagt man in
der Schweiz? Wörterbuch der schweizerischen
Besonderheiten. – Mannheim 1989 (= Die Duden-Taschenbücher;
Bd. 22). Leider vergriffen, aber in guten Bibliotheken vorhanden.
Leider habe ich nur auf meine eigenen
Beiträge Einfluss und distanziere mich deshalb von sämtlichen
von mir
von meiner Site aus verlinkten Websites, auch wenn ich die Links
sorgfältig ausgesucht habe. (Vorsicht ist die Mutter der
Porzellankiste).
Bei meinen eigenen Beiträgen habe ich mir selbstverständlich
Mühe gegeben, aber ich bin auch nur ein Mensch. Bevor der geneigte
Benutzer meiner Site also alles glaubt, was da steht, bitte ich ihn,
seinen Denkapparat einzuschalten (das kann sowieso nie schaden) und
Tipp- und sonstigen Schreibfehlern (die nicht vorhandenen Eszett sind keine Schreibfehler!) mit
Gelassenheit zu begegnen (in meinen eigenen Texten finde ich die nie,
schliesslich weiss ich ja, was ich schreiben wollte ...).