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Mit der Ablieferung der Unia-Vorgängerorganisationen gelangten im Jahr 2005 auch die historischen Akten des "Vereins der Angestellten sozialer Organisationen in der Schweiz" (Association et Fondation des employés des organisations sociales en Suisse) ins Sozialarchiv. Es handelt sich zwar nur um einen kleinen, aber besonders interessanten Bestand, der hier kurz vorgestellt werden soll.
Die "Gewerkschaft der Angestellten der Arbeiterbewegung" konstituierte sich 1912 in Zürich als Zusammenschluss der vollamtlichen Funktionäre von Sozialdemokratischer Partei, Gewerkschaften, Arbeiterpresse und Genossenschaften. Die Initiative zur Gründung ging von Johann Sigg (1874-1939, Redaktor beim "Volksrecht"), Fritz Nehrwein (1878-1943, "Volksrecht"-Administrator) und Max Bock (1881-1946, Zentralpräsident der sozialistischen Jugendorganisation und Redaktor der "Freien Jugend") aus. Von allem Anfang an gehörten dem Verein auch die bekanntesten Vertreter der schweizerischen Arbeiterbewegung an. Herman Greulich, Robert Grimm, Konrad Ilg, Ernst Nobs und Marie Hüni: alle gehörten sie zu den Gründungsmitgliedern. Vereinszwecke waren die zentralen Gewerkschaftsanliegen: Verbesserung der wirtschaftlichen Stellung, einheitliche Arbeitsverträge, Schaffung einer Alters- und Hinterbliebenen-Versicherung, Förderung allgemein beruflicher Interessen durch Abhaltung von Bildungskursen.
Viele vollamtliche Funktionäre litten damals unter prekären Anstellungsbedingungen. Gehälter, Arbeitszeiten und Spesenvergütungen waren unzulänglich geregelt und auch um den Kündigungsschutz war es schlecht bestellt. Wie es im Jubiläumsbericht von 1942 heisst, wurde "unsere Einmischung von verschiedenen Verbänden nicht recht verstanden und der ‚Herr-im-Haus-Standpunkt‘ ziemlich deutlich vorgekehrt. Es brauchte oftmals sehr grosse Redekunst, bis man dem Vorstand einer Organisation beigebracht hatte, dass seine Auffassung unrichtig und der Sekretär wie sie Anspruch auf ein menschenwürdiges Dasein habe.“ Weit verbreitet war insbesondere die Auffassung, dass die Funktionäre „das proletarische Empfinden einbüssen könnten", wenn man sie etwas besser stellen würde als die Arbeiter in den Betrieben.
Die Protokolle und Berichte des VASO geben einen einmaligen Einblick ins Innenleben der schweizerischen Arbeiterbewegung. Hier werden nicht nur klassische Arbeitskonflikte behandelt, sondern auch persönliche Konflikte zwischen Funktionären oder das Verhältnis zwischen Sozialdemokratischer Partei und Gewerkschaftsbewegung.
Mit dem Aufbau der sozialstaatlichen Sicherungssysteme nach 1945 verlor der Versicherungszweck für den VASO an Bedeutung. Die Kasse wurde in eine Stiftung umgewandelt, die bei Alter, Invalidität und Tod einmalige Entschädigungen entrichtet sowie neu Stipendien auszahlt. Die 2004 revidierten Statuten stellen die Förderung der beruflichen Aus- und Weiterbildung ganz ins Zentrum. Voraussetzungen für die Mitgliedschaft im VASO sind heute die Anstellung bei einer sozialen Organisation im weiteren Sinn (Gewerkschaft, Partei, Genossenschaft, Non-Profit-Organisation) sowie die Mitgliedschaft bei einer SGB-Gewerkschaft.
Archivverzeichnis: www.findmittel.ch