Document ID: /curiavista/filtered/00000_business.jsonl.gz/87909

<h2>SubmittedText<h2><p>Der Bundesrat wird beauftragt, die Bestimmungen zum Lehrvertrag so anzupassen, dass Lehrverträge frühestens ein halbes Jahr vor Beginn der beruflichen Grundbildung abgeschlossen werden dürfen.</p><h2>FederalCouncilResponseText<h2><p>Der Bundesrat geht mit dem Motionär einig, dass eine fundierte Berufswahlvorbereitung der Jugendlichen und eine seriöse Selektion durch die Lehrbetriebe unerlässliche Voraussetzungen für erfolgreiche Berufslehren sind.</p><p>Mit dem Angebot der Berufsberatung und speziell ausgebildeten Lehrpersonen der Oberstufe wird einer umfassenden Berufswahlvorbereitung der Jugendlichen Rechnung getragen. Flankierende Massnahmen wie Bewerbungsworkshops, Coaching/Mentoring und Case Management Berufsbildung vervollständigen das Unterstützungsangebot.</p><p>Den Lehrbetrieben stellen die Kantone im Handbuch "Betriebliche Grundbildung" Checklisten, Merkblätter und Formulare für die Selektion zur Verfügung. Explizit wird darauf hingewiesen, dass ein zu früher Lehrvertragsabschluss keinen Sinn macht. Das Thema Selektion ist zudem fester Bestandteil der berufspädagogischen Bildung für die Berufsbildungsverantwortlichen in den Lehrbetrieben.</p><p>Ergänzende Bestimmungen zum Lehrvertrag sind kein zielführendes Mittel, um eine frühe Selektion zu verhindern. Lehrbetriebe rekrutieren ihre zukünftigen Lernenden nach eigenem Fahrplan. Mit der vorgeschlagenen Lösung würden die Jugendlichen mit schriftlichen oder mündlichen Versprechen so lange auf die rechtliche Absicherung ihres Lehrverhältnisses warten, bis die Frist des geforderten halben Jahres zu laufen beginnt. In der vertragsfreien Wartefrist sind Absagen sowohl von der einen wie von der anderen Vertragspartei vorhersehbar. Eine Steigerung der Hektik auf dem Lehrstellenmarkt wäre die Folge.</p><p>Der Lehrvertrag gehört im Obligationenrecht systematisch zu den Arbeitsverträgen. Der Grundsatz der Vertragsfreiheit sollte nicht durch weitere Auflagen eingeschränkt werden. Administrative Hürden haben einen negativen Einfluss auf die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe.</p>  Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.