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Benjamin Rodriguez Weber – die beiden Nachnamen lassen es bereits erahnen, dass in Ihrem Leben zwei Welten zusammenkommen. Welche?
Benjamin Rodriguez Weber: Der Name ist nicht auf eine Heirat zurückzuführen, sondern setzt sich aus den Nachnamen meines Vaters und meiner Mutter zusammen. In Peru ist diese Namensgebung üblich. Schweiz und Peru sind auch die beiden Welten und Kulturen, die bei mir zusammenkommen. Geboren wurde ich in der Schweiz. Als ich viereinhalb Jahre alt war, wanderte meine Familie nach Peru aus. Etwa alle dreieinhalb Jahre kehrten wir für einige Monate Heimaturlaub zurück. Primär wegen meines Studiums reiste ich dann mit 18 definitiv zurück in die Schweiz.
In einem Porträt schreiben Sie, dass Sie sich sehr früh für «geistliche Dinge» interessiert haben. Wie kam es dazu?
Einen prägenden Teil meines Lebens verbrachte ich in Peru. Das christliche Erbe begleitete unsere Familie stark, schon von den Grosseltern her. Meine Eltern engagierten sich in Peru als Missionare. Mein Vater unterrichtete an einer christlichen Hochschule und war da einige Jahre für die Seelsorge und Studentenseminare zuständig. Aufgrund der Zeitverschiebung waren wir Kinder die ersten Jahre über immer sehr früh, zwischen fünf und halb sechs Uhr, wach. So hielten wir jeweils bereits frühmorgens Familienandachten, bei denen wir mit unseren Eltern christliche Lieder sangen, biblische Geschichten hörten und gemeinsam beteten. Das prägte mich sehr und weckte in mir früh dieses Interesse.
Nach dem Gymnasium entschieden Sie sich für ein Theologiestudium.
Die Idee dazu kam bereits in der dritten oder vierten Klasse während einer langweiligen Sonntagsschulstunde. Ich hatte den Eindruck, dass man viel mehr aus der erzählten Geschichte machen könnte! Da mein Onkel Theologie studiert hatte, wusste ich, dass es so etwas wie «Theologie» gibt. Zudem hatte ich ein Flair für Sprachen, und da besagter Onkel in der Sprachforschung bei Wycliffe tätig war, machte das die Theologie für mich zusätzlich interessant.
Mit der Zeit rückte aber auch die Musik stark in den Vordergrund. Während des Gymnasiums war ich musikalisch in verschiedenen Besetzungen aktiv und überlegte mir ernsthaft, Musik zu studieren. Als es dann konkret wurde, setzte ich mich hin, wog das eine gegen das andere ab und entschied mich schliesslich für das Theologiestudium. Bis heute habe ich es nicht bereut.
Inwieweit beeinflusste das Leben Ihrer Eltern Ihre Studien- und spätere Berufswahl?
An meinen Eltern sah ich, was es bedeutet, sein Leben Gott zur Verfügung zu stellen. Dies prägte und beeindruckte mich. Es weckte in mir den Wunsch, es ihnen gleichzutun.
Im Nachhinein erfuhr ich, dass meine Eltern insgeheim hofften, ich würde mich nicht fürs Musikstudium entscheiden, weil sie auch die Schwierigkeiten eines Musikerlebens sahen. Sie liessen mir in meinem Entscheidungsprozess jedoch absolute Freiheit.
Fürs Theologiestudium kamen Sie 2010 zurück in die Schweiz. Weshalb?
Da waren verschiedene Faktoren ausschlaggebend. Grundsätzlich stand für mich eigentlich immer fest, dass die Ausbildung in der Schweiz stattfinden würde, weil hier die Möglichkeiten bezüglich Lehre und Studium einfach grösser sind. Zudem ist das Studium in Peru meistens sehr teuer, da viele Universitäten staatlich nicht subventioniert werden. Weiter ist Peru zu 80 % katholisch und es gibt kaum evangelische Fakultäten. Ein Studium der evangelischen Theologie auf Masterstufe ist deshalb faktisch nicht möglich.
Auf einer Studentenretraite der STH Basel im Herbst 2012 wurde die Idee geboren, die Psalmen in einem modernen Musikstil zu vertonen. Wie kam es dazu?
Thema dieser Retraite waren die Psalmen. Verschiedene Aspekte wurden betont, unter anderem die Tatsache, dass Psalmen seit Jahrtausenden einen festen Bestandteil des Gottesdienstes bilden. Der Dozent für Praktische Theologie bemerkte nebenbei, er wünschte sich, dass Psalmen wieder vermehrt vertont würden. Nicht im Musikstil der 60er- oder 70er-Jahre, sondern in einem moderneren. Dieser Anstoss war für zwei meiner Kollegen, Tobias Mall und Dan Mahrer, ausschlaggebend. Sie fassten den Entschluss: Das wollen wir machen!
Auf der Retraite sorgte Psalm 137, ein Rachepsalm, für angeregte Diskussionen. Tobias und Dan begannen dann diesen Psalm zu vertonen und der Dozent hörte davon. Als er in einer Gemeinde über Psalm 137 predigte, fragte er die beiden, ob sie das Lied dort vortragen würden. Da wir im Rahmen der STH schon das eine oder andere Mal zusammen Musik gemacht hatten, fragten sie mich an, ob ich sie mit der Violine unterstützen würde. So entstand «Der Psalmist».
Wie sind Sie bei der Auswahl der Psalmen für die Lieder vorgegangen?
Tobias und Dan nahmen Psalm 137 auf, weil er in der Retraite im Vordergrund stand. Sie waren grundsätzlich für die Auswahl und die primäre Vertonungsarbeit im Projekt verantwortlich und nahmen dazu Psalmen, die sie ansprachen oder eine passende Länge hatten. Zudem liessen wir uns von Anlässen anregen, an denen wir spielten. An einer Konferenz stand beispielsweise Psalm 8 im Vordergrund. So vertonten wir diesen Psalm für den Abschluss der Konferenz.
Lesen Sie das ganze Interview in ethos 07/2020.