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Das Fest der Unabhängigkeit des Schweizer Kantons Jura lässt sich mit Feiertagen wie dem Jahrestag der Ausrufung der Republik Neuenburg und der Näfelser Fahrt im Kanton Glarus vergleichen. Die Parallelen bestehen darin, dass es sich einerseits um rein kantonale Feste handelt, andererseits die Eigenständigkeit der jeweiligen Kantone betont werden. Bei genauerem Hinsehen offenbaren sich jedoch einige elementare Unterschiede, die vor allem im Alter der Tradition liegen. Das Fest der Unabhängigkeit geht auf den 23. Juni 1974 zurück und wird entsprechend erst seit einigen Jahrzehnten gefeiert.
Das Fest der Unabhängigkeit ist ausschließlich im Schweizer Kanton Jura ein Feiertag.
Worauf bezieht sich das Fest der Unabhängigkeit?
Innerhalb der Schweiz stösst das Fest der Unabhängigkeit immer wieder auf Kritik. So wird vielerorts die Notwendigkeit einer Loslösung vom Kanton Bern in Frage gestellt und auf die ohnehin eher symbolische Bedeutung verwiesen. Fakt ist, dass Jura erst 1974 zum 26. Schweizer Kanton wurde, dadurch aber auch seine vorherige Einheit verlor.
Einer der Kritikpunkte besteht darin, dass die Grenzen der Schweizer Kantone 1848 komplett festgelegt schienen und die seinerzeit getroffenen Regelungen weit mehr als ein Jahrhundert überdauerten. Historisch betrachtet war das Jura Teil des Bistums Basel und gelangte erst 1815 unter Berner Herrschaft. Das Problem: die Bevölkerung des Jura war fast durchweg französischsprachig und zudem katholisch, während in Bern Deutsch gesprochen wird und man mehrheitlich dem protestantischen Glauben anhängt.
Bereits in den ersten Jahren fühlte sich der Norden des Jura benachteiligt, während der deutschsprachige Süden um den Bezirk Laufen prosperierte und einen zunehmenden Zuzug verzeichnete. Der folgende Separatismus betraf somit vor allem den Norden des (damals noch nicht in dieser Form bestehenden) Kantons.
Wie erfolgte die Unabhängigkeit?
Die Unabhängigkeit wurde durch eine Volksabstimmung im Jahr 1974 beschlossen. Es wurde jedoch im Vorfeld festgelegt, dass in den Bezirken, die keine Mehrheit zugunsten der Unabhängigkeit erreichten, eine erneute Abstimmung erfolgen müsse. So kam es, dass sich 1975 die Bezirke Moutier, Courtelary und La Neuveville vom Jura abspalteten und zu Bern wechselten bzw. dortblieben. Heute spricht man hier vom Verwaltungskreis Berner Jura mit immerhin knapp 54.000 Einwohnern.
Bis zum endgültigen unabhängigen Beitritt zur Eidgenossenschaft mussten die Jurassier jedoch noch etwas warten: dieser trat erst am 1. Januar 1979 in Kraft. Der Kanton Jura ist mittlerweile fast homogen französischsprachig (mit Ausnahme der Gemeinde Ederswiler).
Die Auseinandersetzungen gingen jedoch weiter und so kam es am 18. Juni 2017 zu einer erneuten Abstimmung in Moutier, bei der sich 51,7 Prozent für einen Wechsel vom Kanton Bern zum Kanton Jura aussprachen. Der Übertritt des Kantons dürfte jedoch noch einige Jahre dauern. Weitere Abstimmungen in den Dörfern Belprahon und Sorvilier führten am 17. September 2017 zu einem Verbleib beim Kanton Bern.
Wie wird der Tag der Unabhängigkeit gefeiert?
Gefeiert wird der Tag der Unabhängigkeit nur wenig. Bedeutender ist das Fest des jurassischen Volkes (Fête du peuple jurassien), das jedes Jahr im September stattfindet. An drei Tagen wird vor allem in der Kantonshauptstadt Delémont bzw. Delsberg gefeiert, was sowohl Musik und Tanz als auch politische Kundgebungen miteinschliesst.