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Unser Konzert vom 22. November 2020
Johann Michael Haydn: Te Deum C-Dur HV 415
Arvo Pärt: Alleluia-Tropus
Arvo Pärt: Fratres
W.A. Mozart Vesperae Solennes de Confessore KV 339
Im Werk Wolfgang Amadeus Mozarts (1756 – 1791) nimmt die Kirchenmusik einen bedeutenden Raum ein. Dies ist biographisch bedingt, da Mozart in der Zeit von 1772 bis 1781 an der Salzburger Hofkapelle angestellt war, die dem Fürsterzbischof Colloredo unterstand. Von Anbeginn an war diese Zeit aber geprägt von Spannungen zwischen dem Fürsterzbischof und Mozart. In diesen neun Jahren gab es immer wieder Unterbrüche, da Mozart auf längeren Konzertreisen war. 1777 kündigte Mozart die Anstellung, trat diese ein Jahr später wegen anhaltendem Geldmangel wieder an. Das Arbeitsverhältnis endete 1781 mit einem Fusstritt eines Bediensteten des Bischofs gegen Mozart.
Seine geistlichen Werke dieser Zeit lassen nichts von den schwierigen Arbeitsbedingungen ahnen. Sie zeigen seine Entwicklung vom 16 jährigen Teenager zum 25 jährigen gestandenen Komponisten.
Die Vesper KV 339 stammt aus den Jahr 1780. Mit der Krönungsmesse KV 317, die die Kantorei St. Peter 2015 aufführte, und der Vesper KV 321 gehört sie zu den grossen kirchenmusikalischen Werken der Salzburger Zeit und kann als Schluss- und Höhepunkt dieser Phase gesehen werden.
Die Besetzung mit Oboen, Fagott, Streichern, Orgel, Trompeten, Posaunen und Pauke orientierte sich an den Möglichkeiten der Salzburger Hofkapelle.
Die Texte sind eine Abfolge der Psalmen 109 bis 112 und 116, ausserdem der Lobgesang der Maria -das Magnificat, sowie abschliessende Doxologie-Teile, eine Lobpreisung des ewigen Gottes.
Wie kompositorisch vielfältig Mozart schrieb, zeigt sich an den beiden in direkter Folge stehenden Sätzen «Laudate pueri» und Laudate dominum».
Das «Laudate pueri» steht im «stile antico», also im alten Kompositionsstil mit strenger kontrapunktischer Form. Das Eingangsthema mit der aufsteigenden Quinte wird später in seiner Umkehrung verwendet, beim abschliessenden «Gloria Patri» erklingen Thema und Umkehrung gleichzeitig.
Dagegen ist das «Laudate dominum» empfindsam frei gestaltet mit Solo-Sopran und später hinzutretendem Chor.
Wie sehr Mozart diese Vesper schätzte, zeigt ein Brief an seinen Vater aus dem Jahre 1783 mit der Bitte, ihm das Werk zuzusenden, damit er es dem Baron von Swieten vorlegen könne.
Johann Michael Haydn (1737 – 1806) steht im gewaltigen Schatten seines fünf Jahre älteren Bruders Joseph. Michael Haydns Werke wurden zu Lebzeiten sehr geschätzt, aber, mit nur wenigen Ausnahmen, nicht gedruckt. Daher geriet er bald in Vergessenheit. Bis heute sind viele seiner Werke nicht bekannt, da kein Aufführungsmaterial vorliegt.
M. Haydn war in der Salzburger Hofkapelle ab dem Jahr 1763 bis zu deren Auflösung im Jahr 1800 als Musiker in verschiedenen Anstellungen beschäftigt.
Er begegnete Mozart während dessen Jahren in Salzburg als Kollege aber auch Konkurrent. 1782 wurde er als Nachfolger Mozarts zum Hof- und Domorganisten ernannt.
Mozart liess sich von den Werken M Haydns inspirieren, so etwa bei seiner Requiem-Vertonung, die das Vorbild von M. Haydns Requiem durchscheinen lässt. Dieses war etwa 20 Jahre vor Mozarts Requiem entstanden.
Zu M. Haydns Schülern gehören Carl Maria von Weber und Anton Diabelli. Von M. Haydn stammen die ersten unbegleiteten Männerchöre.
Das «Te Deum» HV 415 aus dem Jahre 1786 ist in vier knappen Sätzen vertont. Auffallend sind häufige Terz- und Sext-Parallelen in den Gesangstimmen. Die Chorteile sind weitgehend homophon komponiert. Der 3. Teil ist ganz dem Solistenquartett vorbehalten.
Der Schlusssatz greift musikalisch auf den ersten Satz zurück: das «Te Deum»-Motiv wird zu den Worten «in te Domine» zitiert. So entsteht ein musikalischer Bogen von Beginn bis zum Ende des etwa fünfzehn minütigen Werkes.
Einen vollkommen genuinen Kompositionsstil entwickelte der estnische Komponist Arvo Pärt (geb. 1935). Seine frühen Werke waren geprägt vom Vorbild Schostakowitschs und der Zwölftonmusik Schönbergs. Um 1970 gab es einen Bruch in Pärts Biographie. Er beschäftigte sich intensiv mit Kompositionen des Mittelalters, trat in die russisch-orthodoxe Kirche ein und schrieb über einen längeren Zeitraum keine Werke.
Als Resultat dieser schöpferischen Häutung entstand der Tintinnabuli-Stil (lat. tintinnabulum – kleines Glöckchen). Seine Werke sind ab diesem Wendepunkt geprägt von einer konsequenten Reduzierung des musikalischen Materials und Dreiklangsharmonik. Es ist eine nach innen horchende und demütige Musik als Gegenentwurf zu einer gesamthaften gesellschaftlichen Entwicklung nach äusserem Schein und dem permanenten Drängen nach Beschleunigung.
Pärt sagt über seine Musik: «Ich habe entdeckt, dass es genügt, wenn ein einziger Ton schön gespielt wird. Dieser Ton, die Stille oder das Schweigen beruhigen mich. Ich arbeite mit wenig Material, mit einer Stimme, mit zwei Stimmen. Ich baue aus primitivem Stoff, aus einem Dreiklang, einer bestimmten Tonqualität. Die drei Klänge eines Dreiklangs wirken glockenähnlich. So habe ich es Tintinnabuli genannt.»
Der Text des «Alleluia-Tropus» für Chor und Streichorchester stammt von Nikolaus von Myra (dessen Gedenktag der Nikolaustag, 6. Dezember, ist) und wird auf kirchenslawisch gesungen. Abschnitte im Stile der Einstimmigkeit des gregorianischen Chorals und häufige Quintparallelen weisen auf das Vorbild mittelalterlicher Musik.
Zu den bekanntesten Werken Pärts zählt «Fratres» für Streichorchester und Schlagzeug. Eine liegende Quinte in den tiefen Streichern bildet den klanglichen Boden, über dem neun Mal eine harmonische Sequenz wiederholt wird. Das Schlagzeug gliedert die einzelnen Abschnitte mit kurzen Einwürfen. Der repetive Charakter der Abschnitte erinnert an die immer gleiche Abfolge von Stundengebeten in Klöstern. Auch der dynamische Verlauf, von leise zu laut, dann wieder leiser werdend, weckt Assoziationen zum Tagesrhythmus.