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Honoré Daumier
Biografie und Ausstellung in der Phillips Collection,
Washington
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Honoré Daumier (1808-1879) wurde in Marseille geboren
und lebte die meiste Zeit in Paris. Er bekam erstmals 1822
Zeichenunterricht vom bekannten Künstler und Archäologen Alexandre
Lenoir. Er besuchte die Académie Suisse und war oft im Louvre am
zeichnen. Die finanziellen Umstände zwangen ihn in jungen Jahren, eine
Arbeit zu finden. Er experimentierte bereits im Alter von 14 Jahren mit
der Lithographie und arbeitete bereits als Jugendlicher als Lithograph
für Tageszeitungen. Er war ein guter Beobachter und in den 1830er Jahren
begann er, sich als professioneller Künstler zu betätigen.
Das Jahr 1830 mit den Juli-Aufständen und der Abdankung
des repressiven Bourbonen-Königs Charles X und der Geburt der liberaleren
Monarchie unter Louis-Philippe aus dem Hause Orléans gaben seiner
Karriere als Karikaturist auftrieb. Seine Arbeiten erschienen zuerst in
der von Charles Philipon gegründeten Wochenzeitung La Caricature.
1835 traten in Frankreich neue, strengere Pressegesetze in Kraft, die
Daumier dazu zwangen, die politische Karikatur aufzugeben. Die Publikation
La Caricature wurde eingestellt. Daumier wandte sich deshalb der sozialen
Satire und der Buchillustration zu. Der Herausgeber von La Caricature,
Philipon, hatte diese ungünstige Wende vorausgesehen und bereits 1832 eine
neue Tageszeitung gegründet, Le Charivari, zu der Daumier täglich ein
Portrait der Pariser (vornehmlich bürgerlichen) Gesellschaft beisteuerte.
Daumier galt Zeit seines Lebens als Lithograph und Karikaturist, seine
Gemälde wurden wenig geschätzt. Unter Malern dagegen erfreute er sich
grosser Popularität, so besassen Delacroix, Monet, Manet und Degas Werke von
ihm. Erst im Jahr 1878, kurz vor Daumiers Tod, fand die erste allein ihm
gewidmete Ausstellung seiner Werke statt.
In seiner 50jährigen Karriere hat Honoré Daumier rund 4000 Lithographien,
300 Gemälde, 800 Zeichnungen, 1000 Holzschnitte und 50 Skulpturen geschaffen.
Die Ausstellung in der Phillips Collection in Washington, die zuvor in der
National Gallery of Canada in Ottawa und im Grand Palais in Paris zu sehen
war, ist die erste Daumier gewidmete Retrospektive in den USA und dauert noch
bis am 14. Mai 2000. Sie zeigt 243 Werke des Künstlers: 74 Gemälde, 56
Zeichnungen, 74 Lithographien und 39 Skulpturen aus zwölf Ländern und 71
Museen und Privatsammlungen.
Der umfangreiche Ausstellungskatalog (Daumier 1808-1879. 599 S.) umfasst neben Abbildung und Erläuterung aller
ausgestellten Werke fünf Beiträge von Spezialisten, die Daumier als
Künstler zu situieren versuchen, seine Beziehung zur Malerei, zur Skulptur,
zu den Medien und zur Politik untersuchen. In der umfangreichen Liste der
Sammler, Händler und Bewunderer von Daumier wie auch im Index fehlt
unverständlicherweise der Name von Oskar Reinhart, der mit 9 Gemälden,
mehreren Aquarellen und rund 1800 Lithographien nicht nur eine der grössten,
sondern auch der qualitativ besten Sammlungen von Daumier zusammengestellt
hat, die heute in der Sammlung Oskar Reinhart Am Römerholz (Gemälde,
Aquarelle) sowie im Museum Oskar Reinhart am Stadtgarten (Lithographien) in
Winterthur zu bewundern ist.

Trois avocats causant (ca. 1862-65).
Foto: Ausstellungskatalog.
Scène de comédie oder Le Malade imaginaire (ca. 1860-65).
Foto: Ausstellungskatalog.