Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03649.jsonl.gz/1565

ORCHESTER AD ASTRA DER SCHOLA CANTORUM BASILIENSIS
Pietro Nardini war zu seiner Zeit ein bekannter Geiger und Komponist und als solcher Schüler des noch berühmteren Giuseppe Tartini in Padua. In der ersten Hälfte seiner Karriere hatte er mehrere hochrangige Positionen in Deutschland und in Wien inne, bevor er 1769 als Konzertmeister an den Hof nach Florenz gelangte. Zu jener Zeit war Peter Leopold von Habsburg-Lothringen, der spätere Kaiser Leopold II., Grossherzog der Toskana. Nardini bildete einige bekannte Schüler aus, die seinen Ruf und seine stilistische Prägung in ganz Europa verbreiteten.
Die Schola Cantorum Basiliensis nimmt die dreihundertste Wiederkehr seines Geburtstags zum Anlass, einen Blick in dieses nur oberflächlich erschlossene europäische Repertoire der 1760er und 1770er Jahre zu werfen. Nardini selbst hat nur wenige Kompositionen hinterlassen, zu ihnen zählt ein Druck mit Concerti von 1765 und auch zwei kurze Opernsinfonien (Ouverturen), die als handschriftliche Unika in der Basler Universitätsbibliothek überliefert sind, eine davon wird im Konzert zu hören sein. Dazu wird sein bekanntester Schüler, Giuseppe Cambini (1746–1825), mit einer Sinfonia concertante vorgestellt, einer vor allem in Frankreich beliebten Gattung.
Nardinis Lebensdaten schliessen das kurze Dasein von Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) vollständig ein. Vater Leopold kannte Nardini persönlich und lobt seine Kunst ausdrücklich, Wolfgang hingegen lernt 1778 in Paris Giuseppe Cambini kennen. Die Komponisten des Programms verbinden also zumindest lose persönliche Kontakte. Es ist deshalb kein Stilbruch Mozarts A-Dur Sinfonie KV 201 von 1774 in das Programm aufzunehmen, eine der ersten reifen sinfonischen Produkte seines Schaffens aus der Salzburger Zeit. In der Gegenüberstellung wird das weite musikalische Spektrum deutlich, in dem sich die europäische Musik jener Zeit gegenseitig befruchtet und rasant entwickelt.