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Nicht oft ist mir ein so frappanter Unterschied aufgefallen zwischen Album Recording und Original Score wie bei Missouri Breaks. Wie schreibt es Bruce Kimmel so treffend im Booklet zu den Filmscoretracks „it’s leaner and meaner…“. Kantiger, knapper, dreckiger und weniger verspielt als die doch deutlich herausgeputzte, hörerfreundliche Re-Recording Version, die Williams für die damalige LP austüfftelte. Böse Zungen haben im Netz sogar behauptet, die alte Missouri Breaks sei eher was für den „Filmmusik-Softie“.
Da die alte LP schon Veröffentlichungen bei Ryko Disc und Varèse Sarabande (beide mit 3 Bonustracks gegenüber der LP ausgestattet) erfuhr, konzentrieren wir uns hier auf die willkommene Disc 1, The Original Score Tracks!
„The Missouri Breaks“ (Main Title) beginnt mit dem bekannten Einnoten-E-Bass, so wie im Re-recording (man könnte fast meinen Ennio Morricone habe sich hier für The Thing inspirieren lassen), schwenkt kurz in den Rhythmus-Teil um schliesslich mit dem Thema für Mundharmonika und Gitarre, immer noch begleitet vom E-Bass, zu enden. Es folgt das verspielte Stück für Jack Nicholsons Charakter Tom Logan (einst Gauner, nun Farmer), dessen eigentliches Motiv erst zum Ende des Tracks, “Logan’s Entrance“, zu hören ist (wiederum Gitarre, Mundharmonika, Bass). Melancholisch ist „Logan and Calvin Talk“, das im Film nicht verwendet wurde. Hier fungiert die Mundharmonika als Begleitung während die Gitarre die Führung übernimmt.
Wundervoll verspielt wiederum ist „The Great Train Robbery“, in dem das Klavier, nicht übertrieben ge-honkytonkt übrigens, seinen Part übernimmt, ebenso wie Banjo, wood claves, Fiddle. Nicht unerwähnt, auch wenn dauernd von mir wiederholt, hier spielt auch die Mundharmonika ihre gewichtige Rolle (sie ist über den ganzen Score übrigens in diversen Schattierungen zu hören). Clayton, gespielt von Marlon Brando, der wieder einen Regisseur zur Verzweiflung trieb, in diesem Fall Arthur Penn, wird in „Clayton at the Wake“ eingeführt, mit Cembalo und Celesta in gedämpftem Tempo, passend zur hinterlistig einlullend Art von Clayton. Ein weiteres Stück, das im Film keine Verwendung fand und das im übrigen ein bisschen an ähnliches aus Hook und der öden Baumschlafszene aus Jurassic Park erinnert.
Das Liebesthema in all seiner Ausführlichkeit, so kennt man es auch von der Neuaufnahme her, ist im bildschönen „Logan and Jane“ zu hören. Akustische Gitarren, Mundharmonika, Klavier, E-Bass und Celesta bilden das zweifelsohne eingängste Thema von Missouri Breaks, eine wundervolle Melodie aus Williams‘ zuverlässiger Feder. „The Cabbage Patch“ lässt es gleich darauf nochmals erklingen, von Harfe und Gitarre intoniert, doch nur kurz, ehe Claytons Aktionen Suspense in der Musik hervor rufen.
Ab hier herrschen düsterere Klänge vor, Synthietöne, Perkussionsexperimente, tiefe Klavierfiguren und das 6-Noten-Spannungsmotiv (Cembalo/Synthie): ominös und spannend in „The Mounties Attack/Lee Chases Tod“ (Vorahnungen zu JFKsind klar heraushörbar) und zu Beginn von „The Drowning of Tod“. Erst mit Track 15, „The Rustling Sequence“, findet Williams zurück zur flockig-leichten Stimmung, ehe Clayton nach und nach den einstigen Mitgaunern von Logan den Garaus macht.
Beschlossen wird Disc 1 „The Original Score Tracks“ mit ein paar Bonus Tracks, dabei sind drei Kurzstücke, die sinnigerweise einfach mit „Unused Cue“ betitelt wurden. Nebst diesen gibt es noch ein paar source cues, „Organ Cue“, Fiddle Cue“ usw.
Fazit: Für Fans von the real deal, also „echten“ Filmscores, ist CD 1 ohne Umschweife ein Muss. Wer das nicht braucht und insbesondere auf das Love Theme steht, das in Williams‘ Neuaufnahme mehrfach präsentiert wird, der kann sich mit den bisherigen Veröffentlichungen sicher begnügen. Schöne Sache von Kritzerland, nur das Booklet hinkt leider wie so oft bei Kimmels Label der produktion an sich hinterher.
MISSOURI BREAKS John Williams Kritzerland KR 20026-0 CD 1: 22 Tracks (Original Score) CD 2: 13 Tracks (Album Re-recording)