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F 1966 81'
Wie Walt Disney solle die Geschichte sein. Beziehungsweise wie Disney-Filme, nur mit Bogart drin. Ein Film, so bunt wie ein Zeichentrickfilm, also. Und doch ist eigentlich nur der herzzerreißende Pullover der bezaubernden Anna Karina in ihren ersten Szenen wirklich so bunt wie ein Disneyfilm. Der Rest ist entweder ein Abschiedsgruß an den amerikanischen Genrefilm, der Regisseur Jean-Luc Godard so lange beeinflusste, oder ein grollendes, politisches Pamphlet gegen konservative Werte. Konfus und kompliziert schafft es Godard besonders in einer hervorragenden Szene, sein Anliegen, sowohl sein Kino, als auch seine Politik durch ein und die gleiche Metapher zu erklären: In einer Bar versucht ein Arbeiter die Irrlogik der Poesie zu beweisen und erfindet Sätze voller absurder Verhältnisse. Unter anderem stellt er fest, dass er auch Paula sei, also Anna Karina. Sowohl die biegbare Logikwelt des Mediums deutlich machend, als auch die kommunistischen Werte eines Arbeiterkollektivs ohne singuläre Individuen andeutend, ist dies wohl die Schlüsselszene dieses grandiosen Films aus Frankreich: MADE IN USA.
Godard zerfleddert für diesen Film einen Kriminalroman von Donald Westlake. Er schickt seine Frau und Hauptdarstellerin Anna Karina als Paula Nelson nach Atlantic City. Dort muss sie feststellen, dass ihr Verlobter Richard tot sei. Die Leiche sitzt blutverschmiert, skelettiert, aber dennoch glubschäugig in dem Behandlungsstuhl des Zahnarztes Dr. Korvo. Nach Rache dürstend will Paula den Mörder ausfindig machen, verfängt sich aber in einem irren und undurchsichtigen Netz aus Zufälligkeiten, Irrationalitäten und unartikulierten Verschwörungen. Geheimpolizei, Nordafrika und ein kommunistisches Manifest spielen Rollen. Genauso wie einfache Lügen.
Mitternachtskino