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Marken der Kultur
Sollten Sie «Pokémon Go» oder Melaniagate für einen neuen kulturellen Tiefstand halten, meine Damen und Herren, darf ich Ihnen vielleicht mal eben Folgendes in Erinnerung rufen: Immer wenn man denkt, der Stand der Kultur könne nicht tiefer sinken, kommt eine Meldung wie diese: «Candace Payne, die weltweit als ‹Chewbacca Mom› bekannt wurde, erobert auch mit ihrem neuen Video das Internet. Diesmal ist der Anlass jedoch ein trauriger: Sie covert ‹Heal the World› von Michael Jackson, um damit der Opfer der Schiesserei in Dallas zu gedenken.» Dies bringt uns direkt zum Zustand der Welt und damit zu unserer losen, aber überaus beliebten Reihe: Was wir letzten Monat gelernt haben. Kulturell und so. Here we go:
Anlässlich der neuesten Fortsetzung der Fehde Taylor Swift gegen Kimye, die zu langweilig ist, sie hier in Einzelheiten wiederzugeben, hat ein Kommentator bei der BBC, dessen Name leider verloren gegangen ist, die grossartigen Worte gesprochen: Es gäbe die Kardashians nicht, wenn wir sie nicht sehen wollten.
Der französische Staatspräsident François Hollande beschäftigt einen Coiffeur auf Stand-by für knapp 10'000 Euro im Monat. Dazu fällt uns Folgendes ein: Es gäbe François Hollande nicht, wenn wir ihn nicht sehen wollten. Oder jedenfalls die Franzosen. Oder jedenfalls ein Teil davon.
Man kann den Kulturstand einer Nation auch an ihren realen Hausfrauen ablesen. Ich liebe Australien, aber fest steht: «The Real Housewives of Melbourne» sind die dragonerhaftesten, die ich bisher weltweit gesehen habe, da wird ausgepiept ohne Ende. Take that, Sheila!
Ironie ist eine zeitlose Qualität. John Kirby, Sprecher des US-Aussenministeriums, war dabei, in einer Pressekonferenz über die Fortschritte im Kampf gegen den Islamischen Staat zu informieren, als er sich unterbrach, um sich bei einem Journalisten im Publikum zu erkundigen: «Sie spielen gerade dieses ‹Pokémon›-Dingsda, nicht wahr?» Und wenig später: «Haben Sie eins erwischt?» Darauf der Reporter: «Nein, der Empfang ist hier nicht sehr gut.» Darauf Kirby: «I am sorry about that.»
Kunst kann doch noch bewegen. Der Künstler Plastic Jesus aus Los Angeles hat eine kleine Mauer um Donald Trumps Stern auf dem Hollywood Walk of Fame errichtet. 15 Zentimeter Zement, mit Miniatur-Stacheldraht und «Draussen bleiben»-Schildern auf Englisch und Spanisch. Eine Publikumsattraktion.