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Synthese
1. Bereits geringe Aktivität führt zu bedeutender Fledermaus-Mortalität
In der Nabe von zwei WEA des Windparks Le Peuchapatte wurden durchschnittlich je nur 3-4 Durchflüge von Fledermäusen pro Nacht festgestellt. Dies ist eine geringe Fledermausaktivität im Vergleich zu anderen Projekten in der Schweiz. Dennoch haben die Totfundsuchen bei 3 WEA desselben Windparks im selben Jahr eine grosse Anzahl an Schlagopfern ergeben. Korrigiert nach Suchfläche, Suchaufwand und Verschwinderate wird die Mortalität auf 10 bis 36 Fledermäuse (95% Vertrauensintervall) pro WEA und Jahr geschätzt. Schlussfolgerungen aufgrund einer einzelnen Untersuchung in einer Saison bleiben unsicher. Doch selbst wenn die tatsächliche Mortalität am unteren Rand des Vertrauensintervalls, also bei 10 toten Fledermäusen pro WEA und Jahr liegt, wird in der vorliegenden Untersuchung deutlich, dass ein bedeutendes Problem für Fledermäuse bestehen kann - insbesondere bei Windparks mit mehreren WEA – und dass deshalb Massnahmen zum Schutz der Fledermäuse angezeigt sind. Die allgemeine Folgerung aus dieser Untersuchung lautet, dass auch eine geringe gemessene Aktivität in der Nabe mit einer bedeutenden Mortalität an Fledermäusen pro WEA assoziiert sein kann. Diese Untersuchung könnte auch ein Hinweis darauf sein, dass eine Hochrechnung der Fledermausmortalität basierend auf der Aktivität aufgrund von Modellen aus dem Ausland für die Schweizer Verhältnisse, zumindest für gewisse Standorte, möglicherweise zu einer Unterschätzung führt. Insgesamt ist diese grosse bis sehr grosse Mortalität mit einer Aktivität assoziiert, die als gering eingestuft wird. Es ist daher zu befürchten, dass Standorte mit höherer Aktivität (zumindest im Jurabogen) auch durch eine hohe Sterblichkeit gekennzeichnet sein können, sofern das Artenspektrum vergleichbar ist. Entsprechend ist es von Bedeutung, dass jeder Standort entsprechend seinen Bedingungen und in angepasster Weise untersucht werden muss und bei Bedarf spezifische Massnahmen zur Schadensminderung entwickelt werden. Ein Fledermaus-Monitoring nach Betriebsstart über mehrere Jahre hinweg liefert bessere Erkenntnisse über die jährliche Variabilität und erlaubt eine Optimierung der Schutzmassnahmen und der Energieproduktion an einem Standort.
2. Ist das Mortalitätsrisiko der Arten unterschiedlich?
Beim Ansatz II wird aufgrund von "Aktivitätsmessungen in der Nabe“ eine Mortalität bei verschiedenen Arten, insbesondere bei Vertretern der Gattungen Pipistrellus (Anteil 83%) sowie auch Nyctaloid (17%) erwartet. Die mit dem Ansatz I "Totfundsuche" geschätzte Mortalität ist jedoch auf zwei Arten der Gattung Pipistrellus beschränkt; es wurden keine Arten der Gruppe Nyctaloid (Gattungen Nyctalus, Eptesicus und Vespertilio) gefunden. Es ist jedoch nicht auszuschliessen, dass auch Vertreter der Gruppe Nyctaloid zu den Opfern gehören, aber zufällig keine gefunden wurde (in der Studie von 2007 wurde eine Nyctalus leisleri gefunden). Die beiden Ansätze zur Schätzung der Mortalität sind durch gewisse Unsicherheiten gekennzeichnet und aufgrund unterschiedlicher zeitlicher Auflösung nicht immer direkt vergleichbar. Dennoch wird die Vermutung bestärkt, dass die Exposition im Risikobereich oder das relative Mortalitätsrisiko der Arten unterschiedlich ist.
3. Komplementarität der beiden Ansätze
Wird die Mortalität aufgrund des Ansatzes I (direkter Ansatz, Totfundsuche) geschätzt, dann gilt eine zeitliche Auflösung von Tagen. Auch wenn das Resultat primär für das Jahr 2015 gültig ist, so bleibt es mit demjenigen der Studie vom Mont-Crosin vergleichbar. Die Methode ist zwar aufwändig, ist nicht sehr gut an Fälle mit geringer Mortalität angepasst, ergibt aber ein ziemlich gutes Bild von den getöteten Arten. Es wäre wünschenswert, wenn in Zukunft verbesserte Methoden entwickelt werden, z.B. die automatische Detektion von fallenden Schlagopfern mit Sensoren. Wird die Mortalität mit dem Ansatz II (indirekter Ansatz, Aktivitätsmessung) geschätzt, dann liegt eine zeitliche Auflösung von Minuten vor. Die Prognose der Mortalität geht davon aus, dass die im Jahr 2015 erhobenen Daten einem Mehrjahresdurchschnitt entsprechen. Sie basiert auf verschiedenen Annahmen – ermittelt aufgrund von umfangreichen Untersuchungen im Ausland. So wird eine durchschnittliche Mortalität vorausgesetzt, die für alle Arten identisch ist Die Schätzung kann fehlerhaft sein, wenn die Annahmen für die Schweiz nicht (vollständig) zutreffen. Für die Methode mit Aktivitätsmessungen muss mit einem mittleren Aufwand gerechnet werden. Sie kann für ein standardisiertes Monitoring bei WEA eingesetzt werden, liefert aber nur vage Hinweise, welche Arten tatsächlich getötet werden. Mit Vorteil sollten Aktivitätsmessungen nach Betriebsstart während mehreren Jahren durchgeführt werden. Diese Daten sollten national gesammelt werden und für projektübergreifende Auswertungen zur Prüfung der Modell-Annahmen zur Verfügung stehen.
4. Erfolgreiche Massnahmen zum Schutz der Fledermäuse
Zum Schutz der Fledermäuse kann ein Abschaltplan erstellt werden, der festlegt, in welchen Perioden mit grosser Fledermausaktivität die Rotoren abgestellt werden. In Forschungsprojekten konnte gezeigt werden, dass diese Schutzmassnahme die Mortalität bei Fledermäusen effektiv vermindern kann. Oft kann ein Abschaltplan so eingestellt werden, dass die Abschaltung zu Nachtzeiten mit geringer Stromproduktion erfolgt, so dass die Wirtschaftlichkeit des Windenergieprojektes optimiert wird. Die Umsetzung und Wirksamkeit eines Abschaltplans können nach Betriebsstart im Rahmen einer Erfolgskontrolle aufgrund von Aktivitätsmessungen der Fledermäuse in der Nabe überprüft und allenfalls optimiert werden.