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Ende der siebziger Jahre tritt Isa Genzken mit ihren an der abstrakten Skulptur orientierten bemalten Holzarbeiten den "Ellipsoiden" und "Hyperbolos" hervor. Die zwischen 5 und 10 Meter langen Bodenarbeiten übertragen skulpturale Formulierungen der Minimalart, insbesondere die industriell gefertigte Materialwahl und die Auffassung der Skulptur als Ort oder Platz (z.B. Carl Andre), in den Bereich der Ideen, der "aktuellen" Technik (sie wurden mit Computern errechnet) und in den Bereich des fiktionalisierten Raumes und des illusionistischen Kunstobjektes: Ihre eindrückliche Präsenz im Raum rührt sowohl von ihrem Format wie ihrer malerischen Behandlung her, den realen Raum berühren sie an einer oder höchsten zwei Stellen, ihre Form ist Teil, Realität eines weiter gefassten Raumbegriffs, eines anderen Raumes als dem real erfahrbaren Galerie- oder Museumsraum.
In der nächsten Werkgruppe von Gipsarbeiten stellt Isa Genzken diese auf einen "Träger" (nicht Sockel), der dazu dient, die Skulptur, das Objekt auf die Augenhöhe des Publikums zu bringen. Eine Vorgehensweise, die Isa Genzken für viele ihrer Werkgruppen benutzt – ohne Interesse an der klassischen Sockelskulptur, aber mit Hinweis auf Funktionen der Transformation und Autonomie, die sie dem künstlerischen Objekt beimisst. Sei es in ihren Skulpturen, die den Betrachter in architektonische Situationen in Modellgrösse physisch involvieren (Betonarbeiten, New Buildings for Berlin u.a.); in ihren Arbeiten für den öffentlichen Raum, die "reale" Situationen als "Sockel" mit einer ebenso realen "Fiktion" für ihre Leerstellen bespielen; sei es bei ihren "realen" Gegenständen wie den Lampen, Fenstern, Hauben aus Epoxydharz; sei es in den Fotoarbeiten, die Körper- oder Architekturen fragmentiert und ausschnitthaft abbilden oder aber den Werkgruppen, die mit dem Prinzip der "Collage" Fragmente der Realität zu einer heterogenen und komplexen Oberfläche des Realen verweben, wie die 1991 entstandene Arbeit mit Bildern aus dem Spiegelmagazin, die New York-Bücher, Körper- und Fischcollagen, die Säulen oder die "Sozialen Fassaden".
1989 war im Kunstmuseum Winterthur die Werkgruppe der Betonarbeiten zu sehen, fragmentarische Architektursituationen auf Metallsockeln, die Genzken zwischen 1986 und 1992 realisierte. Die Ausstellung in der Kunsthalle Zürich zeigt nun Arbeiten vor allem der letzten zwei Jahre aus Werkgruppen, die die Künstlerin seit Ende der neunziger Jahre parallel realisiert. Mit diversen Materialien aus dem Baumarkt, Fotografien und Medienmaterial "collagierte", an Hochhäuser gemahnende und einen städtischen Erfahrungsraum konstituierende "Säulen" (ab 1998); die Gruppe der fragilen und zugleich architektonisch präsenten Glasensembles "New Buildings for Berlin" (2001/2002), die "Sozialen Fassaden" (2002/2003), aus Spiegelfolie und anderen Klebematerialien gefertigte Wandbilder, in denen wir uns wie in den Fassaden der Stadt spiegeln; "Science Fiction / Hier und jetzt zufrieden sein" von 2001, eine raumfüllende und zugleich -auflösende Skulptur, die zwei architektonische Spiegelkörper mit einer Fotoarbeit von Wolfgang Tillmans zusammenbringt; "Weltempfänger" im neuen Design, Metallskulpturen, deren Lochmetallplatten Hermetik und Durchlässigkeit plastischer Strukturen thematisieren.
Die neueste Werkgruppe "Empire, Vampire, Who kills Death" (2002/2003), eine mehr als zwanzig Plastiken umfassende Arbeit, kreist in der Art filmischer "Sets" um Szenarien von Gewalt, städtischer und landschaftlicher Verwüstungen und Krieg. Sie integriert zum ersten Mal im plastischen Werk der Künstlerin Figuren und realisiert exemplarisch das Interesse Isa Genzkens am fiktiven Raum der Skulptur. Dazu zeigt Isa Genzken zwei rotierende "Regiesessel", die sie mit sperrigem Spiegelmaterial umgearbeitet hat zu einem Objekt, das das Original "Sessel" als Form-Idee für die Präsenz des Menschen zweifelhaft macht. Die parallel gezeigten filmischen Arbeiten: "Zwei Frauen im Gefecht" (1974) "Chicago Drive" und "Meine Grosseltern im Bayrischen Wald" (beide 1992) greifen ihren plastischen Werkbegriff in anderer Form auf und transportieren zentrale Elemente ihres Werkes wie formale Fragestellungen, Realitätsbegriffe, die durch architektonische Setzungen gebildet sind und das Verhältnis von Subjekt und Wirklichkeit in einem weiteren Medium.
Die Kunsthalle Zürich dankt: Präsidialdepartement der Stadt Zürich, Stiftung Kunsthalle Zürich, IFA, Institut für Auslandsbeziehungen, Stuttgart, Swiss Re, Zürich