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Olympia 2004 in Athen – seit dem Triumph des Dream Teams um Michael Jordan, Magic Johnson und Larry Bird im Jahr 1992 konnte keine andere Nation ausser den USA bei den Olympischen Spielen mehr Basketball-Gold gewinnen. Dass sich das in diesem Sommer ändern könnte, deutete sich schon in der Vorrunde des Turniers an.
Die US-Boys mussten sowohl auf die Stars vom aktuellen NBA-Champion, den Detroit Pistons, als auch auf die Superstars der Liga um Kobe Bryant, Shaquille O'Neal und Liga-MVP Kevin Garnett verzichten. «Es haben zu viele Schlüsselspieler abgesagt», beklagte Coach Larry Brown hinterher.
In seinem Team standen dennoch grosse Namen wie Allen Iverson oder Tim Duncan. Noch keine Superstars waren damals LeBron James, Dwayne Wade und Carmelo Anthony, die gerade ihre erste Saison in der NBA hinter sich gebracht hatten. James konnte sich dabei vor den anderen beiden Jungstars den Titel des besten Nachwuchsspielers der NBA sichern. Trotz allem: Das «Dream Team IV» hätte definitiv dazu in der Lage sein sollen, der Konkurrenz ihre Grenzen aufzuzeigen.
Doch schon früh zeichnete sich ab, dass dies nicht so einfach werden würde. Gleich im ersten Gruppenspiel beendete Puerto Rico die Siegesserie des US-Teams bei Olympia, welche seit 1992 andauerte, und nach zwei Siegen ging auch noch die Begegnung mit Litauen verloren. Nur mit Mühe zogen die Amerikaner überhaupt in den Viertelfinal ein. Dort setzte man sich dann knapp gegen die gut aufgelegten Spanier durch. Diese waren bis zum Aufeinandertreffen mit den US-Boys noch ohne Niederlage im Turnier.
Im Halbfinal kam es dann zum Aufeinandertreffen gegen Argentinien mit den Starspielern Manu Ginobili und Luis Scola. Ginobili spielte zu diesem Zeitpunkt bereits in der NBA bei den San Antonio Spurs, Luis Scola kam 2007 in die beste Basketball-Liga der Welt zu den Houston Rockets. Gegen die US-Boys zeigten die beiden schon einmal, was für ein grosses Potenzial sie haben.
Ginobili, der Shooting Guard der San Antonio Spurs, strafte mit seinen 29 Punkten seinen Teamkollegen Tim Duncan und Trainerlegende Greg Popovich, welcher als Assistenzcoach der USA fungierte, ab. Duncan kämpfte die gesamte Partie über mit Foul-Problemen, welche ihn im Spiel nie zur Entfaltung kommen liessen.
Die Amerikaner fanden wie schon im gesamten Turnier kein Mittel gegen die Zonenverteidigung der Argentinier. So kamen die Distanzschützen der USA nur auf eine Dreierquote von 27 Prozent, während die Südamerikaner – allen voran Manu Ginboli – einen Dreipunktewurf nach dem anderen im Korb versenkten.
Der Sieg der Argentinier kam zwar überraschend, war aber über den gesamten Spielverlauf niemals gefährdet. Zwischenzeitlich führten die «Gauchos» gar mit 16 Punkten. Den Schlusspunkt setzte dann Luis Scola, welcher den Ball über Richard Jefferson in den Korb stopfte.
Der Hohn und Spott im eigenen Land blieb dem US-Team natürlich nicht erspart. Die NBC titelte «Buenas Noches» («Gute Nacht»), während ESPN die Basketball-Stars dazu aufforderte, ihre Hausaufgaben zu machen. Für Fox News war die Leistung des Dream Teams nur noch ein «Albtraum», die «Los Angeles Times» schrieb sogar vom «Ende einer Dynastie».
Die Argentinier trafen im Final schliesslich auf Italien. In der Gruppenphase des Turniers setzten sich die Italiener noch hauchzart mit 76:75 durch, im Final liessen Ginobili, Scola und Co. allerdings nichts anbrennen. Mit einem klaren 84:69-Sieg sicherten sich die Argentinier die Goldmedaille und durchbrachen damit die Dominanz der USA bei Olympia. Das Dream Team sicherte sich mit einem 104:96-Erfolg gegen Litauen immerhin noch die Bronzemedaille. Doch darüber konnte sich niemand mehr freuen.
Der Manager des US-Basketballteams, Jerry Colangelo, zog Konsequenzen aus dem Misserfolg des Teams. Er entwarf einen neuen Rekrutierungsprozess für die Olympischen Spiele. Drei Jahre vor Beginn der Spiele 2008 versammelte er einen Kern von 28 talentierten NBA-Spielern und diese mussten sich schriftlich verpflichten, dem Team bis zum Turnier 2008 in Peking zur Verfügung zu stehen. Von nun an setzten die Amerikaner auf eine Mischung aus jungen Talenten wie James, Anthony und Wade, gepaart mit erfahrenen Spielern wie Kobe Bryant oder Jason Kidd. Hinzu kam mit Mike Krzyzewski ein Coach, welcher anders als sein Vorgänger Brown keine persönlichen Probleme mit seinen Spielern hatte.
Diese Strategie führte das Team wieder zum Erfolg zurück. Nach 2004 wurde das olympische Basketballturnier nur noch von den USA gewonnen. Dabei verloren die US-Boys nur eine einzige Partie – 2021 in Tokio in der Gruppenphase gegen Frankreich. Insgesamt holten die Amerikaner 16-mal Gold im olympischen Basketballturnier. Neben den USA gewannen nur die Sowjetunion 1972 in München, Jugoslawien 1980 in Moskau (die USA boykottierten diese Olympischen Spiele aus politischen Gründen) und eben Argentinien 2004 in Athen Gold im Basketball der Männer bei Olympia.
Es menschelt in der niederländischen Mannschaft. Besonders, wenn Louis van Gaal in den letzten Tagen auftaucht. Mal gibt er seinem rechten Aussenbahn-Spieler Denzel Dumfries einen Kuss auf die Stirn, ein andermal taucht er tanzend in einem Video aus dem Teamhotel auf. Der älteste Trainer der Weltmeisterschaft in Katar versprüht gute Laune.