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| Cyprian von Karthago († 258) - Vom Segen der Geduld (De bono patientiae)

Teil 1c
Kap. 10. Auch das Alte Testament hat uns in Abel, in den Patriarchen, in Moses und David glänzende Beispiele der Geduld vor Augen gestellt; ebenso haben viele Propheten sowie die Märtyrer nur dank ihrer Geduld die himmlische Krone erlangt.
So finden wir ferner, daß auch die Patriarchen und die Propheten und alle Gerechten, die Christi Gestalt als seine Vorläufer im Bilde an sich trugen, bei ihren ruhmwürdigen Tugenden auf nichts mehr achteten als darauf, daß sie in starkem und beständigem Gleichmut die Geduld bewahrten. So setzt Abel, der als der erste das Vorbild eines Märtyrers gibt und dem Leiden des Gerechten gleichsam die erste Weihe erteilt, seinem Bruder, der ihn ermordet, keinen Widerstand, kein Sträuben entgegen, sondern läßt sich voll Demut und Milde geduldig erschlagen. So kennt Abraham, der gläubig auf Gott vertraut und als der erste die Wurzel und den Grund des Glaubens legt, kein Zögern und Zaudern, wie er in seinem Sohne auf die Probe gestellt wird, sondern er gehorcht den Geboten Gottes mit der ganzen Geduld seiner Frömmigkeit. Auch Isaak, der das Opfer des Herrn voraus im Bilde andeutet, wird geduldig befunden, wie ihn sein Vater als Opfer darbietet; und Jakob verläßt, von seinem Bruder vertrieben, geduldig seine Heimat, und mit noch größerer Geduld führt er ihn nachmals, als er sich noch liebloser [gegen ihn] zeigte und ihn verfolgte, durch seine flehentlichen Bitten und durch versöhnende Geschenke zur Eintracht zurück. Joseph, den seine Brüder verkauft und in die Fremde getrieben haben, verzeiht ihnen nicht nur geduldig, sondern er weist ihnen sogar bei ihrer Ankunft voll Güte in reichem Maße unentgeltlich Getreide zu. Moses wird von dem undankbaren und treulosen Volke oft verachtet und fast gesteinigt, und doch fleht er für das gleiche Volk den Herrn um Gnade an. Und David gar, auf den der Stammbaum Christi dem Fleische nach zurückgeht: welch große, wunderbare und wahrhaft christliche Geduld bewies er nicht damit, daß er oftmals die Möglichkeit in der Hand hatte, den König Saul, der ihn verfolgte und ihm nach dem Leben trachtete, zu töten, und ihn dennoch, selbst als er in seine Gewalt gegeben und ihm ausgeliefert war, lieber am Leben erhielt und daß er an seinem Feinde nicht Vergeltung übte, sondern sogar noch seinen Tod rächte! Dazu noch endlich die große Zahl der Propheten, die hingemordet, die Märtyrer, die durch einen ruhmvollen Tod verherrlicht wurden und die alle durch den Ruhm der Geduld zur himmlischen Krone gelangt sind! Denn man kann unmöglich die Krone der Schmerzen und Leiden empfangen, wenn nicht in Schmerz und Leid die Geduld vorausgeht.