Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03553.jsonl.gz/792

Die Menschheit tappte lange im Dunkeln darüber, wie die Ozeane an ihrem Grund aussehen. Dank Tiefseelotungen kannte man in der zweiten Hälfte des 19. Jh. den groben Aufbau des Meeresbodens: Schelf, Kontinentalhang und weitreichende Tiefseebecken. Doch das ist nicht alles: Mittels Lotung wurden Tiefseerinnen, Mittelozeanische Rücken sowie Unterwasservulkane entdeckt. 2014 konnte mithilfe von Satelliten die bisher genauste Karte des Ozeanreliefs erstellt werden. Es stellte sich heraus, dass drei Viertel des Meeresbodens zuvor noch nicht bekannt gewesen waren.
Gebirge im Meer
Einige Unterwasserberge reichen bis über die Meeresoberfläche. Die Hawaii-Kette zum Beispiel entstand aus Vulkanen, die vor ca. 800‘000 Jahren begannen, sich aus dem Meer zu heben. Der höchste Vulkan Hawaiis, Mauna Kea, ist streng genommen der höchste Berg der Erde – er misst vom Ozeanboden aus betrachtet über 10‘200 Höhenmeter. Auch Island liegt auf einer Gebirgskette – das Land ist Teil des Mittelatlantischen Rückens. Dieser ist über 20‘000 km lang und erstreckt sich längs durch den gesamten Atlantik. An der Stelle, wo die Eurasische Erdplatte und die Nordamerikanische Platte auseinanderdriften, strömt aus dem Erdinneren heisse Lava nach, die sich verfestigt und so neuen Ozeanboden bildet. Da sich die Ozeanischen Platten um mehrere Zentimeter pro Jahr bewegen, verändert sich die Gestalt der Unterwasserberge ständig. Eine weitere grosse Rolle spielt die Erosion, die hauptsächlich durch Meeresströmungen bedingt ist. In den Polarmeeren erodieren auch Eisberge das Gestein.
Black Smokers als Lebensquelle
An den Mittelozeanischen Rücken bilden sich Schwarze Raucher („Black Smokers“). Diese Hydrothermalquellen bieten vielen Lebewesen eine Lebensgrundlage: Bakterien und Archaeen machen sich die ausströmende Erdwärme und die chemische Energie zunutze, die Methan- und Schwefelwasserstoff liefern. Statt Photosynthese betreiben die Einzeller Chemosynthese - sie bauen aus anorganischen Stoffen organische auf. Bis zu drei Meter lange Bartwürmer leben in Symbiose mit diesen Bakterien. Weiter leben verschiedene Krabben, Muscheln und Seesterne im Bereich der Schwarzen Raucher. Es wird angenommen, dass das erste Leben dort entstanden ist (https://www.umweltnetz-schweiz.ch/themen/bildung/2993-der-ursprung-allen-lebens.html).
Meeresablagerungen
Der Meeresboden ist von Sedimenten bedeckt. Wie die Sedimente zusammengesetzt sind, hängt von der Nähe zum Festland und der Wassertiefe ab. Es wird zwischen Flach- und Tiefseeablagerungen unterschieden: Flachseeablagerungen machen ca. 8% des Ozeanbodens aus und bestehen grösstenteils aus Geröll, Schlicken und Sanden, Riffkalken, Mudden und Mineralanhäufungen. Diese Stoffe werden durch Wasser, Eis und Wind in die Meere transportiert. In diesem Sediment sind viele fossile Brennstoffe gebunden.
Je weiter man sich von der Küste entfernt, desto feinkörniger werden die Sedimentablagerungen. In der Tiefsee bestehen sie vor allem aus Grünsand, verschiedenen Schlicken, Schlammen und Rotem Tiefseeton. Sie entstehen aus Resten abgestorbener Mikroorganismen und abgelagertem Kalk.
Der Meeresgrund – ein Mysterium
Das Leben am Meeresgrund ist noch kaum erforscht, ca. 200‘000 Arten sind bekannt. Es wird allerdings vermutet, dass es Millionen sind. Selbst in den Tiefseerinnen leben viele Organismen – vor allem riesige Muscheln, Ringelwürmer und Seegurken. Letztere bilden in grosser Tiefe den Hauptanteil. Angesichts der Dimensionen der Ozeane werden wir wohl selbst mit den modernsten Techniken nie in jeden Winkel des Meeresgrunds vordringen können. Noch immer ist uns die Tiefsee unbekannter als die Mondoberfläche!