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Flandern-Rundfahrt
Küng und Reusser in hervorragender Verfassung
Stefan Küng belegt an der Flandern-Rundfahrt den fünften Rang; er bleibt lediglich zwei Sekunden hinter Sieger Mathieu van der Poel. Marlen Reusser wird im Frauenrennen ebenfalls Fünfte – und trägt erheblich zum Tagessieg ihrer Teamkollegin Lotte Kopecky bei.
Selten standen die Chancen so gut für Stefan Küng, seine Qualitäten als Klassiker-Spezialist bei einem der fünf Monumente des Radsports endlich in ein gutes Resultat umzumünzen. Schliesslich musste nach Weltmeister Julian Alaphilippe kurzfristig auch der an Corona erkrankte Favorit Wout van Aert für das zweite grosse Eintagesrennen in diesem Jahr Forfait erklären.
Vor allem aber hatte Küng in den letzten Wochen immer wieder mit starken Leistungen aufgewartet, so etwa mit dem Podestplatz an der E3 Classic in Harelbeke, der ihm das nötige Selbstvertrauen und die Zuversicht gab, um in einem Rennen, das ihm bislang nie gut bekommen war, die beste Leistung seiner Karriere bei einem Klassiker abzuliefern. Am Ende fehlten Küng nur zwei Sekunden auf den niederländischen Sieger Mathieu van der Poel, der in einem atemberaubenden Finale seine Karten am besten ausspielte.
Gross etwas vorwerfen lassen muss sich Küng nicht. Der Zeitfahrspezialist und mehrfache WM- und EM-Medaillengewinner war an vorderster Front dabei, als es gut 50 km vor dem Ziel ernst wurde. Als wenig später im Anstieg zum Koppenberg Tadej Pogacar einen seiner unnachahmlichen Angriffe lancierte, konnte dem zweifachen Tour-de-France-Sieger zuerst nur Van der Poel folgen.
In einer von diesen 18 so harten Steigungen dieses traditionsreichen Rennens war der Schweizer „etwas weit hinten platziert“ gewesen. Statt Küng schaffte mit Valentin Madouas aber einer seiner Teamkollegen von Groupama-FDJ den Anschluss an das Duo, das wenig später zu den beiden Spitzenreitern Dylan van Baarle und Fred Wright aufschlossen. Während das Quintett gut harmonierte und schnell eine Minute Vorsprung herausfahren konnte, entwickelte sich im Verfolgerfeld die Nachführarbeit für Küng zur grossen Herausforderung.
Weil Teamkollege Madouas um den Sieg kämpfte, waren ihm die Hände gebunden. Angreifen konnte er nicht, also musste er den richtigen Moment abwarten. Erst als 25 km vor dem Ziel Dylan Teuns die Flucht nach vorne suchte, konterte Küng und nahm mit dem Belgier die Verfolgung von Pogacar und Co. auf. Das Duo schloss zu Teuns Bahrain-Teamkollege Wright auf, doch Küngs Situation hatte sich auch 10 km vor dem Ziel noch nicht geändert. „Ich hatte gute Beine und wollte noch etwas versuchen. Aber ich wollte nicht riskieren, die beiden Fahrer von Bahrain nochmals ins Rennen zurückzubringen“, hielt er fest. „Das ist schade, denn ich war wirklich gut in Form.“
Zu diesem Zeitpunkt konnte Küng nicht erahnen, dass es nochmals ganz eng werden würde. Pogacar, der bei den Anstiegen jeweils den stärksten Eindruck hinterlassen hatte, verschärfte 17 km vor dem Ziel am alten Kwaremont das Tempo, sodass ihm nur noch Van der Poel folgen konnte. Alles lief auf ein Duell auf der Zielgeraden hinaus. Doch auf den letzten Metern vor dem Ziel in Oudenaarde begann das Duo plötzlich zu taktieren, worauf die Verfolger nochmals aufschliessen konnten.
Für Van der Poel, der sich im vergangenen Jahr im Zweiersprint dem Dänen Kasper Asgreen hatte geschlagen geben müssen, ging der Plan auf; er setze sich durch. Pogacar hingegen sah sich im Sprint eingeklemmt. Der Slowene musste sich bei seinem Flandern-Debüt mit Platz 4 begnügen. Das Podest komplettierten der Niederländer Van Baarle und Madouas.
Knapp dahinter beendete Küng die mit 272,5 km zehntlängste Flandern-Rundfahrt in der Geschichte als Fünfter. Restlos zufrieden war der Schweizer jedoch nicht. „Einerseits bin sich sehr glücklich über die grossartige Teamleistung, andererseits ist es fast etwas bitter, weil es am Schluss nochmals zum Zusammenschluss an der Spitze kam.“
Reussers Schwerstarbeit bezahlt sich aus
Wie Stefan Küng weiss auch Marlen Reusser an der Flandern-Rundfahrt zu überzeugen. Die Bernerin wird im bestbezahlten Eintagesrennen im Frauenradsport ebenfalls Fünfte.
Damit mischte die Olympia- und WM-Zweite im Zeitfahren fast auf den Tag genau vier Jahre nach ihrem schweren Sturz mit dreifachem Beckenbruch und Bruch des untersten Wirbels erstmals in einem bedeutenden Klassiker ganz vorne mit. Reusser zeigte ein sehr aktives Rennen. Sie griff mehrmals an, fuhr oft im Wind und sorgte dabei für ein hohes Tempo und lag auch am Paterberg, dem letzten von elf kurzen Anstiegen des Tages 15 km vor dem Ziel, noch an der Spitze. Kurze Zeit später liess die 30-Jährige aus Hindelbank abreissen.
Von Reussers Vorarbeit profitieren konnte ihre Teamkollegin Lotte Kopecky. Die belgische Meisterin wurde im Dreiersprint nach 158,6 km ihrer Favoritenrolle gerecht und strich vor dem frenetischen Heimpublikum die Siegprämie von 20’000 Euro ein. Zum ersten Mal kassierten die Frauen das gleiche Preisgeld wie die Männer.
Hinter Kopecky belegten die niederländische Vorjahressiegerin Annemiek van Vleuten und ihre Landsfrau Chantal van den Broek-Blaak, eine weitere Teamkollegin aus Reussers starkem Team SD Worx, die weiteren Podestplätze. 40 Sekunden dahinter wurde Reusser im Sprint der Verfolger Zweite und rundete als 5. das ausgezeichnete Teamergebnis ab. sda