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In einem Projekt, das 1995 an der ETH Zürich gestartet wurde, sind diejenigen Arten auf einer Liste erfasst worden, die in der Schweiz mit verschiedenen Naturschutzmassnahmen gefördert werden konnten. Als Kontrast zur Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten erhielt diese motivierende Aufzählung den Namen Blaue Liste. Einerseits wurden Pflegemassnahmen in Naturschutzgebieten, auf Landwirtschaftsland und im Wald getroffen, andererseits wurden einzelne Arten gezielt gefördert oder wieder angesiedelt. Neben den Erfolgen wird der Naturschutz aber ständig vor neue Herausforderungen gestellt. Die Diskussion über die Beeinträchtigung von Vögeln durch Windkraftwerke oder die Beeinträchtigung der Fortpflanzung von Fischen durch Mikroverunreinigungen in den Gewässern sind nur zwei Beispiele dafür.
Um den ökologischen Leistungsnachweis zu erbringen, müssen Landwirte seit 1999 sieben Prozent ihres Kulturlandes extensiv bewirtschaften. Als Gegenleistung für die Pflege von extensiven Wiesen, wenig intensiv genutzten Wiesen, Streueflächen, Hecken, Feld- und Ufergehölze, Bunt- und Rotationsbrachen, Saum auf Ackerflächen und Ackerschonstreifen erhalten sie eine finanzielle Entschädigung. Für biologisch besonders wertvolle Nutzflächen wie Hochstamm-Feldobstbäume, extensiv genutzte Weiden, Waldweiden und Rebflächen mit natürlicher Artenvielfalt erhalten sie ebenfalls Zahlungen. Andere Objekte wie Wassergräben, Tümpel und Teiche, Ruderalflächen, Steinhaufen und -wälle sowie Trockenmauern dürfen ebenfalls zur Fläche gerechnet werden, obwohl keine Zahlungen dafür vorgesehen sind.
Dank der Pflegemassnahmen in Naturschutzgebieten, wie zum Beispiel die gestaffelte Mahd von Riedflächen oder Trockenwiesen, konnten die Bedingungen für einige Kulturland-Arten wieder verbessert werden. Für die eng mit dem Kulturland verbundenen Vogelarten Storch, Schwarzkehlchen, Feldschwirl und Zaunammer hat die Schweizer Vogelwarte in Sempach in den letzten 20 Jahren positive Bestandsentwicklungen beobachtet. In der Nordschweiz wurden auch einige Orchideenarten durch Naturschutzmassnahmen gefördert, darunter sind Sumpf-Stendelwurz, Kleines Knabenkraut, Blasses Knabenkraut, Fleischrote Fingerwurz und die Breitblättrige Fingerwurz. Alle diese Arten kommen auf mageren Feucht- oder Trockenwiesen vor und profitieren von einer extensiven Bewirtschaftung im Rahmen des ökologischen Ausgleichs.
Zur Vernichtung von Insekten setzte man zwischen 1940 bis in die 1970er-Jahre DDT ein. Dieses Insektizid führte nicht nur zur Vernichtung der Insekten, sondern reicherte sich in der Nahrungskette an. Besonders Säugetiere, Raubvögel und -fische waren davon betroffen. Bei den Vögeln führte der DDT-Einsatz zu teilweise massiven Einbrüchen der Populationen. Die Bestände von Rotmilan, Wanderfalke und Kolkrabe haben sich Dank des Verbotes von DDT und eines Jagdverzichts wieder erholt. Als Folge der Verbesserung der Wasserqualität und der Revitalisierung der Gewässer sind auch seit Jahrzehnten verschwundene Kleintierarten wie die Steinfliegenart Perla abdominalis oder die Eintagsfliege Ecdyonurus insignis wieder zurückgekehrt.
Auch die Wälder wurden in den letzten zwei Jahrzehnten zunehmend naturnah bewirtschaftet. Dies umfasst neben der natürlichen Verjüngung auch eine Auslichtung von Wäldern auf trockenen Standorten und eine Abstufung der Waldränder. Einige Waldgebiete wurden zudem unter Schutz gestellt. Dort wird das Holz nicht mehr geschlagen und das Totholz, ob stehend oder liegend, wird nicht mehr entfernt. Die Bestände von holzbewohnenden Insekten, Fledermäusen aber auch Vögeln wie Mittelspecht, Schwarzspecht und Zaunkönig nahmen in den letzten Jahren zu. Der Schwarzspecht baut grosse Bruthöhlen, die danach zum Beispiel von der Hohltaube genutzt werden. Beide sind heute in ihren Beständen leicht zunehmend.
Viele Tierarten können ihren früheren Lebensraum aus eigener Kraft und innert nützlicher Frist nicht wieder besiedeln. Für diese Tiere wurden darum verschiedentlich Wiederansiedlungsversuche durchgeführt. Zu den bekanntesten zählen die Wiederansiedlungsprogramme von Storch und Bartgeier in der Schweiz. In Süddeutschland versuchen einige Biologen den vor 350 Jahren ausgestorbenen Waldrapp wieder anzusiedeln. Die jungen Waldrappe wurden 2011 in einem Zoo aufgezogen und müssen nun lernen, einem Ultraleichtflugzeug in das Winterquartier in der Toskana zu folgen.
Erfolgreich angesiedelt wurden in früheren Jahren ausserdem Steinbock, Luchs und Biber. Letzterer hat sich in den letzten 15 Jahren wieder im Baselbiet und in Süddeutschland angesiedelt. Die Wiederansiedlung des Fischotters ist bereits ein Thema in Naturschutzkreisen. Noch nicht befriedigend ist die Rückkehr des Lachses im Rhein bei Basel. Die Bemühungen, die Flüsse für wandernde Fische zwischen dem Meer und den Oberläufen wieder durchwanderbar zu machen, zeigen zwar erste Erfolge. Einzelne Rückkehrer des «Königs der Fische» kommen wieder bis Basel; von einem sich selbst erhaltenden Bestand ist er aber noch weit entfernt. Andere Wanderfische wie Meerforelle, Maifisch, Meerneunauge, Flussneunauge sowie viele heimische Fische, die auf ihren Wanderungen kürzere Distanzen zurücklegen, benötigen ebenfalls weitere Massnahmen zur Fischgängigkeit der Flüsse.
Nachdem sie bereits ausgerottet waren, sind Bär und Wolf selbständig wieder in die Schweiz eingewandert. Die Tiere stammen vor allem aus den Italienischen Alpen. Wildschwein, Gämse, Hirsch und Reh sind heute wieder viel häufiger als noch vor 100 Jahren. Wildschutzgebiete und die kontrollierte, nachhaltige Jagd haben stark dazu beigetragen. Von vielen Amphibien oder Reptilien sind aber leider keine solchen Erfolgsgeschichten bekannt. Ihre Bestände nehmen weiterhin ab.
Nach der Megaherbivoren-Theorie sollen grosse pflanzenfressende Säugetiere (Megaherbivoren) einst einen grossen Einfluss auf die Landschaft gehabt haben, bevor sie durch den Menschen ausgerottet oder verdrängt wurden. Dazu gehören Auerochse, Mammut, Wollnashorn und Wildpferde. Der Auerochse beispielsweise wurde 1627 ausgerottet. Seit einigen Jahren gibt es ein intensives Zuchtprogramm mit dem Ziel, aus Rinderrassen, die noch ursprüngliche Merkmale aufweisen, ein dem Auerochsen ähnliches Rind zu züchten. Die neue Rinderrasse soll sowohl äusserlich als auch ökologisch dem ursprünglichen Rind sehr ähnlich sein. Diese neue Rinderrasse könnte zur Offenhaltung der Landschaft in Naturschutzgebieten eingesetzt werden. Solche Bemühungen werden «Pleistocene Rewilding» genannt. Selbst Ideen, aus Mammut-Erbgut die alten Riesen-Rüsseltiere wieder auferstehen zu lassen, gehören nicht mehr ins Reich der Phantasie. Japanische Forscher wollen in einigen Jahren einen ersten Mammut-Klon präsentieren.
DK