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Am Nordrand einer lieblichen Hügellandschaft zwischen Zürcher Oberland und Zürichseegebiet hat sich im Quellgebiet der Glatt das rund 350 Meter lange und 100 Meter breite Städtchen Grüningen entfaltet, dessen nordwestlicher Abschluss von Kirche und Schloss geformt wird.
Im Äusseren erinnert die Anlage stark an Regensberg; kein Wunder, denn die Freiherren von Regensberg gelten ebenfalls als Gründer von Stadt und Schloss Grüningen. Die Gegend gehörte schon früh dem Kloster St. Gallen, von dem sie zu Beginn des 13. Jahrhunderts als Lehen an die Freiherren von Regensberg überging. Um 1269 gab Lütold VI. Stadt und Vogtei Grüningen um 1500 Mark Silber zurück an den St. Galler Abt Berchtold von Falkenstein. Um den hohen Betrag aufzubringen, verpfändete anfänglich sein Nachfolger, Abt Ulrich von Güttingen, die Herrschaft an den Ministerialen Walther Ill, von Elgg und verkaufte sie 1274 an Rudolf von Habsburg. Als Verwalter ernannten die Herzöge von Osterreich die Herren von Landenberg-Greifensee, denen sie 1331 Burg und Städtchen sogar hinterlegten. Unter dieser Familie entstand der «Landenberg», ein gegen Westen vorspringender Gebäudeteil, der im 19. Jahrhundert abgebrochen wurde. 1374 lieh Heinrich Gessler - die Familie stammte von Meienberg und Brunegg im Aargau - den Herzogen von Osterreich 4000 Gulden. Als Pfand gaben sie ihm Grüningen mit grossen und kleinen Gerichten. Da Heinrich Gessler wenige Jahre später nachweisen konnte, dass er mehr als 2300 Gulden an Burg und Stadt Grüningen verbaut hatte und die Ringmauer des Wehrbaues noch einer Verbesserung bedurfte, schlug ihm Herzog Leopold weitere 1200 Gulden auf das Pfand mit der Bedingung, dass er die Ringmauer vom vorderen Haus und vom Turm hinweg bis an das «Landenberg» genannte Burgsäss mit einem verdachten Umlauf (Galerie) zu versehen habe. Unter den Gesslern entstand auch eine neue Schlosskapelle, die vom Konstanzer Bischof geweiht wurde. 1408 verpfändeten Hermann und Wilhelm Gessler Burg und Herrschaft Grüningen um 8000 rheinische Gulden der Stadt Zürich. Damit trat Grüningen in die Parallele ein mit den vielen anderen Schlössern des heutigen Kantons Zürich. Die Stadt befahl einen Vogt auf die Burg: der erste hiess Berchtold Schwend.
Stürmische Zeiten für die Burg und das schmucke Städtchen brachte der Alte Zürichkrieg. Im November 1440 zogen Schwyzer und Glarner nach Grüningen, um Schloss und Städtchen zu belagern und zur Übergabe zu zwingen. Der Wehrbau war mit Lebensmitteln und Waffen reichlich versorgt. Die Besatzung, etwa 40 Mann stark, wurde von Vogt Jakob Murer angeführt. Eine Belagerung von mehr als einer Woche hätte die ohnehin schon geschützt gelegene, starke Feste wohl aushalten können, wenn es der Mannschaft nicht an Mut und Ausdauer gefehlt hätte. Dazu kam, dass die Grüninger Groll gegen Zürich als ihren allzu strengen Herrn hegten. Daher übergaben sie schon am St. Othmarstag 1440 das Schloss den Schwyzern und Glarnern, ohne dass ein Schuss aus der von der March herbeigeschafften grossen Büchse abgefeuert wurde, so dass die «herrlich Vesti» nur mit Worten und Drohungen gewonnen werden konnte. «In der Vesti ward dem Vogt am Zan ussgeschossen und durch ein baggen mit einer handbüchsen!» meldet die Klingenberger Chronik. Nach der Einnahme des Schlosses blieben die Schwyzer und Glarner noch vier Tage am Ort. Die Belagerten erhielten freien Abzug; das Schloss aber und seine Ausrüstung nahmen die Feinde in Empfang. Eine Besatzung liessen die Eidgenossen in Grüningen nicht zurück, dagegen befahlen sie den Grüningern, das Schloss nun selbst zu besetzen und zu verteidigen. Doch auch die Zürcher blieben in dieser Zeit nicht untätig: Ritter Heinrich Schwend und der Ratsherr Hans Brunner eilten nach Grüningen, um die Bewohner zu bewegen, zürcherisch zu bleiben und ihnen Schloss und Städtchen wieder zu übergeben. Allein ihre Mission hatte keinen Erfolg: Die Grüninger liessen sie nicht einmal ins Städtchen hinein, redeten mit ihnen nur vor den Mauern und schlugen ihre Bitten rundweg ab.
Doch mit dem «Berner Spruchbrief» vom 17. März 1441 kam das Schloss erneut an die Zürcher. Im zweiten Krieg, vom 11. bis 16. Juni 1443, wurde Grüningen nochmals von den Eidgenossen belagert. Die Stadt Zürich liess die Feste mit 64 Mann, Söldnern und Bauern aus verschiedenen Gegenden, besetzen, über die der Vogt Peter Kilchmann und der Obristmeister Iberger den Befehl führten. Weil es die Grüninger heimlich jedoch mit den Schwyzern hielten, verhandelten sie schon am Tage nach ihrer Ankunft mit ihnen. Das war den Hauptleuten, die der Limmatstadt ihre Treue geschworen hatten, nicht recht, und sie ersuchten in Zürich um Hilfe. Von der Stadt kam der ungünstige Entscheid, es sei keine Verstärkung möglich, man solle in der starken Burg aushalten. Unterdessen richteten die Berner und Luzerner ihre Kanonen gegen Grüningens Mauern und "schussend etwa mengen Schutz hinin und sie ouch hinuss, doch beschach nit grosser Schad". Die Verhandlungen begannen von neuem, und schliesslich stimmte die Mehrheit für Übergabe des Besitzes. Die Mannschaft erhielt von den Eidgenossen wiederum Sicherheit und freien Abzug, jeder mit seinen Waffen und sonstigem Eigentum. Was aber der Stadt Zürich gehörte, Wein, Geschütze, Waffen, Rüstungen, Pulver, sollte den Eidgenossen zufallen. Mehr als vierzig Mann der abziehenden Grüninger Besatzung kamen bei hereinbrechender Nacht vor das Tor in Rapperswil und baten dringend um Einlass. Dieser wurde ihnen jedoch verweigert, weil sie nicht ehrlich und redlich zu Grüningen als Zürcher Besitz gehalten hatten. Sie mussten nun die ganze Nacht vor der Stadt Rapperswil im Freien zubringen; nur den Büchsenmeister liessen die Rosenstädter hinein, weil er sich entschuldigt hatte, er würde an der Aufgabe Grüningens keine Schuld tragen. Am folgenden Tag zog die Grüninger Mannschaft weiter nach Zürich, wo sie sofort ins Gefängnis gesteckt und scharf gebüsst wurde.
Im Jahre 1450 endlich erfolgte durch Schiedsspruch die Rückgabe der Anlage an Zürich. Weitere kriegerische Wirren um das Schloss brachte das Jahr 1489, als sich die Bauern gegen die Reformen Hans Waldmanns auflehnten. In den bewegten Zeiten der Wiedertäuferunruhen und des Bauernaufstandes im Grüninger Amt vom April 1525 diente das Schloss als Gefängnis für Aufwiegler und «andere gefährliche Individuen». Auch die berühmten Wiedertäufer Grebel, Manz und Blaurock wurden im Turm «bei Wasser, Brot und Mus» hinter Schloss und Riegel gebracht. Wie wenig aber die Gefängnisse taugten, beweist, dass im Dezember 1525 einige Täufer mit einem Bohrer eine Öffnung in die Diele einer Zelle im Turm bohrten und so entkommen konnten.
Nach dem Ende der Vögtezeit 1798 wurde die Anlage an Jakob Egli aus Grüningen verpachtet. Von 1805 bis 1815 war die Liegenschaft unbewohnt, und der Notar beurteilte die Anlage: «... Zöge ein wer wolle, so müsste jedoch das Schloss innen zuerst wieder einmal tüchtig herabgewaschen werden!» Trotzdem fanden während der Mediationszeit im Schloss Sitzungen des Bezirksgerichtes Uster statt. Von 1816 bis 1831 beherbergte das Gebäude den jeweiligen Oberamtmann des neuen Oberamtes Grüningen. Seit 1832 dient das Schlossgebäude als Pfarrwohnung.
Baugeschichtlich gesehen, sind heute noch vom ältesten Schloss aus der Erbauungszeit vor 1229 die unteren Geschosse des Schlossturmes, das Schlossgebäude, mit dem Turm unter einem Dach vereinigt, der untere Abschnitt der Umfassungsmauern des «Landenberg, Teile der Südmauer sowie die Terrassen des Schlossgartens am Südhang vorhanden.
Das Schloss verlor im 18. Jahrhundert seinen wehrhaften Charakter, als nach der Erbauung der neuen Kirche die Schlossbrücke abgetragen und der Graben aufgefüllt wurde. Schlimmer aber, dass der einst 20 Meter hohe Turm bis auf die Höhe des Schlossgebäudes abgebrochen wurde, da er neben dem neuen Kirchturm eine «wunderbare und unanständige Figur» mache. Seither sind Bergfried und Palas unter einem Dach vereinigt. Der Schlossturm belegt als Grundriss ein Quadrat von 12 Metern Seitenlänge; er weist unten eine Mauerstärke von fast vier Metern auf und zeigt in 11 Metern Höhe immer noch 3,5 Meter dicke Mauern. Den Turm konnte man nur vom dritten Geschoss des Schlossgebäudes aus über einen aussen angebauten Laufgang (Hürdengang) erreichen. Das Schlossgebäude wird im Erdgeschoss und im ersten Stockwerk aus dem ursprünglichen Palas und dem einstigen Torweg geformt. Das Wohngebäude, jetzt wie der Turm ein Putzbau, zeigt ein südwärts abgewaimtes Satteldach, und unregelmässig verteilte Scharten und Hausteinfenster lockern die Fassade auf.
Heute ist im grossen Saal des ersten Stockwerkes der Anlage das Ortsmuseum eingerichtet, während das zweite und dritte Obergeschoss - es enthielt früher die Gemächer des Landvogtes - dem Pfarrer als Wohnung dienen. Von der einstigen Ausstattung hat sich nur noch im Eckzimmer im zweiten Obergeschoss gegen Südosten ein weisser Kachelofen im Empirestil erhalten.
Bibliographie