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Restaurierung «Axiomat» von Florin Granwehr
Im frischen Kleid – restauriert und neu lackiert – ist die Grossplastik «Axiomat» (1989–1990) von Florin Granwehr (1942–2019) seit Ende Mai 2021 zurück an ihrem Standort beim Schiffsteg Zürich-Wollishofen. Seit der letzten Restaurierung 2006/2007 – noch betreut und begleitet vom Künstler selbst – wurden unzählige Spuren darauf hinterlassen. Durch die zahlreichen Tags, Sprayereien und Kleber, aber auch Alterungs- und Witterungsschäden wurde die Wirkung des Werks entschieden gestört. Die Instandstellung des Werks geschah auch in Gedenken an den 2019 verstorbenen Plastiker und Zeichner.
Künstler
Florin Granwehr wuchs in St. Gallen auf und bildete sich zum Gemälde- und Plastikrestaurator aus. Erste plastische Arbeiten entstanden in der zweiten Hälfte der 1960-Jahre. Ab 1969 war er als freier Künstler tätig und liess sich in Zürich nieder. Er stellte Messingobjekte her und wandte sich Mitte der 1970er-Jahre vorfabrizierten Industrieelementen wie Aluminiumprofilen, Kunststoffrohren und Gummi zu, um Raumplastiken zu konstruieren.
Neben Kunst-und-Bau-Werken fertigte er ab den 1980er-Jahren Grossplastiken für den öffentlichen Raum und prägte den Aussenraum der Stadt Zürich sowie anderer Städte im Kanton wesentlich. Erwähnt seien hier zusätzlich «Angulon» (1999) im Innenhof des Bezirksgebäudes Zürich und «Transeunt» (2005) vor dem Personalhochhaus des Kantonsspitals Zürich.
Den in Serien angelegten Arbeiten ging ein vielstufiges Verfahren voraus. Zunächst entwickelte der Künstler Ideenskizzen und geometrische Zeichnungen. Bedeutend für den weiteren Entstehungsprozess waren kleinformatige plastische Modelle aus meist weiss bemalten Vierkanthölzern. Sie dienten Granwehr einerseits für räumliche Experimente, Probieren, Zeichnen und Vergleichen von bestimmten Zahlenverhältnissen und –reihen, bis die endgültige Form eines Werks entstand. Andererseits sind die Modelle als autonome Kunstwerke zu betrachten. Konstanten in Granwehrs immens variationsreichem Schaffen bilden zyklische, oder endliche Zahlenfolgen wie beispielsweise in der Werkgruppe «Axiomate» (ab 1989). Seine Mass- und Winkelgrössen basieren somit auf Reihen, die sich nicht ins Unendliche fortsetzen, sondern ihre Grenzen in sich selbst finden.
Markantes Werk
Über sieben Meter hoch, oder wie der Künstler Florin Granwehr selbst umschrieb «vier Mal Menschenhöhe» misst die aus weissen Profilen bestehende Stahlplastik «Axiomat». Die auf den ersten Blick als einfache, aus drei aufeinandergestapelten «räumlichen Stücken» (Zitat Florin Granwehr) aufgebaute Arbeit, offenbart bei genauerer Betrachtung einen raffinierten Aufbau um eine imaginierte Senkrechte: Das mittlere Element beschreibt einen Quader. Beim unteren Stück kreuzen sich die gedrehten Profile in der Diagonalen. Die Stahlstäbe des obersten Kubus überschneiden sich auf den Mittelparallelen ebenfalls in der Diagonalen.
Von weit her ist die Plastik «Axiomat» sichtbar. Vom Künstler eigens für den Standtort unmittelbar am Zürichsee entwickelt, schafft die Konstruktion die Verbindung zum Wasser sowie zum Himmel und setzt uns Betrachter*innen in Bezug zur Umgebung.
Restaurierung
Am 25. März 2021 wurde der «Axiomat» für die Restaurierung demontiert und abtransportiert. Bei diesem Projekt konnte die Fachstelle Kunst im öffentlichen Raum (KiöR) auf die Erfahrung der Kunstgiesserei St. Gallen zählen. Nach einer Begehung im Oktober 2020 wurde entschieden, das Werk nicht vor Ort, sondern in einer Lackierwerkstätte zu restaurieren.
Für den Transport galt es, das Kunstwerk in seine drei Einzelteile zu zerlegen. War die Entfernung der oberen beiden Teile verhältnismässig leicht, gestaltete sich die Entfernung des untersten Quaders als aufwändiger, weil die Plastik über tiefgreifende Stahlverlängerungen mit dem Fundament verankert war. Zunächst wurde die obere Schicht des Untergrunds mit Hilfe des Tiefbauamts freigepickelt und dann die vier Verbindungen mit einer Metallsäge durchgeschnitten.
Mit einem Lastwagenkran gehoben, wurden die drei Quader auf den Tieflader gelegt und in die Ostschweiz transportiert. Dort wurde es im Lackierwerk Toggenburg AG staubgestrahlt und neu bespritzt.
Der Rücktransport des Kunstwerks fand am Mittwoch, 26. Mai 2021 statt. Aufgrund fehlender Informationen über die Verankerung konnte erst beim Abbau die Wiederinstandsetzung besprochen werden. Das Tiefbauamt hatte im Vorfeld ein optimiertes Fundament vorbereitet. Nach Ankunft des Werks wurde der unterste Quader an seinen Standort gesetzt und begradigt. Dessen Stahlverlängerungen hatte die Kunstgiesserei vor der Lackierung mit Befestigungsplatten ergänzt, die nun mit jeweils vier Schrauben im Untergrund festgeschraubt wurden. Dies mit dem Gedanken, eine erneute Demontage in ferner Zukunft zu erleichtern. Nach definitiver Setzung wurden die Löcher in den neuen Untergrund gebohrt, um in einem nächsten Schritt die Gewindestangen einzukleben und mit dem Fundament zu verbinden. Die Verankerungen wurden mit Kies und Platten überdeckt. Die beiden oberen Teile, die zuvor zusammengeschraubt worden waren, wurden mit dem Kran gehoben, ausgerichtet und am unteren Quader montiert. Zum Schluss wurden alle Verbindungsstellen kaschiert.