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Siedlung Neuhaus
Innenraum (Treppenhaus)
Siedlung Neuhaus
Adresse
3027 Bern
BE
Architektur
Die Siedlung Neuhaus in Bern-Bümpliz zeugt vom Bauboom der Nachkriegszeit und stellt eine spannende und entscheidende Zwischenstufe in der Geschichte der Siedlungsarchitektur dar: Einerseits erinnert sie mit ihren grosszügigen Grünräumen an die Gartenstädte der 1940er-Jahre, anderseits nimmt sie die Hochhausüberbauungen der späten 1950er- und 1960er-Jahren vorweg. Überzeugend ist auch das Erschliessungskonzept: In Bümpliz war die Siedlung Neuhaus die erste, die alle Autos nach aussen verlagerte, um die Binnenfläche für die Fussgänger freizuhalten.
Chronologie
Die Siedlung Neuhaus besteht aus Hoch- und Reiheneinfamilienhäusern, Mietshausblöcken, einem Wohn- und Geschäftshaus und einem Wohnhaus. Grundlage bildete ein 1954 durchgeführter Wettbewerb, den Werner Küenzi für sich entscheiden konnte. Die Bauten wurden aber von anderen Architekten ausgeführt: Ernst Indermühle war für das in den Jahren 1956 und 1957 erbaute Wohnhaus verantwortlich, von Eduard Helfer stammen die anderen, zwischen 1956 und 1958 entstandenen Gebäude. Im Laufe der Zeit fanden mehrere Sanierungen und Umbauten statt, die das Erscheinungsbild teils erheblich veränderten.
Lage
Die Siedlung Neuhaus liegt im Stadtteil Bethlehem im Westen Berns. Das Areal wird von der Eymatt- und der Murtenstrasse sowie vom Neuhausweg allseitig umfasst, sodass die öffentlich zugängliche, durchgrünte Binnenfläche der Wohnüberbauung autofrei ist. Die drei Mehrfamilienhäuser befinden sich südseitig und grenzen an die Murtenstrasse. Das Wohn- und Geschäftshaus schliesst das Areal nach Westen ab. Am östlichen Ende der Parzelle reihen sich entlang des Neuhauswegs in zwei Zeilen je drei Einfamilienhäuser. Im Norden folgt ein weiteres Wohnhaus, ausserdem ragen dort drei Hochhäuser – die ersten in Berns Westen – empor.
Beschreibung
Die gestaffelt gesetzten, dreigeschossigen Mehrfamilienhäuser sind Betonkonstruktionen unter leicht vorstehenden Satteldächern und weisen je drei gleiche Einheiten auf. Sie sind als Zweispänner konzipiert und werden von Osten erschlossen. Feingliedrig überdachte Eingänge und halbgeschossig versetzt angeordnete Fenster prägen die in verschiedenen Grüntönen verputzten Lochfassaden. Die nach Westen ausgerichteten Gartenfronten zeichnen sich durch grosszügige Balkonvorbauten aus. Vertikale Betongitterbahnen brechen hier die horizontal betonte Struktur auf, während gelbe Sonnenstoren erfrischende Farbakzente setzen. Die Giebelseiten sind nur schwach befenstert. Im Erdgeschoss des Wohn- und Geschäftshauses sind mehrere Fenster raumhoch verglast, einige Partien wurden hingegen nur mit Oberlicht ausgebildet. Ostseitig sind Laubengänge vorhanden, die die Wohnungen im ersten und zweiten Obergeschoss erschliessen. Die Parterrebauten Neuhausweg 1 bis 5 sind direkt an das Mehrfamilienhaus mit der Adresse Neuhausweg 7 angebaut. Die zweigeschossigen Reiheneinfamilienhäuser Neuhausweg 13, 15 und 17 sind ebenfalls als Riegel ausgebildet, aber freistehend. An der Südfassade wird die Wohneinteilung durch die unterschiedliche Farbgebung unterstrichen.
Das von Indermühle entworfene Wohnhaus unter leicht vorstehendem Satteldach ist aufgrund des Terrainunterschieds zwei- bis dreigeschossig und wird von Norden her erschlossen. Die beiden Eingangsbereiche im dunkelgrau verputzten, minim eingezogenen Eingangsgeschoss sind heute durch unschöne Anbauten verstellt. Mehrere fein gerahmte Fenster prägen die Nordfassade. An der strassenseitigen Ostfront sind zwei Garagentore angeordnet, die beiden Obergeschosse weisen in zwei Achsen unterschiedlich grosse Lochfenster auf. Bei der gartenseitigen Südfassade ist das Erdgeschoss wiederum dunkelgrau gestrichen und leicht zurückversetzt. Ein eingezogener Terrassenbereich und im Obergeschoss gleichmässig aneinandergereihte Fenster bestimmen das Fassadenbild. An der Westseite sind kleinformatige Fenster vorhanden, die Wand ist hell verputzt.
Bei den Hochhäuser handelt es sich um drei nahezu identische Bauten aus Eisenbeton und Backstein mit asphaltgedeckten Flachdächern. Seit der Sanierung in den Jahren 1987 bis 1989 sind die Fassaden mit Eternitplatten verkleidet. Die Wandflächen werden von einer feinen Rasterstruktur und akzentuierten Gurtbändern geprägt. Jedes Hochhaus besteht aus zwei gegeneinander versetzten Prismen über einem rechteckigen Grundriss, die durch ein Lifttreppenhaus miteinander verbunden sind. Dieser Erschliessungstrakt überragt die Wohnbereiche um ein- respektive zwei Geschosshöhen. Der nördliche Wohnteil weist mehrheitlich Duplexwohnungen auf und ist ein Geschoss höher als der südliche. Die ost- und westseitigen Schmalfronten sind durch Loggien gekennzeichnet. Die Nordfassaden sind nur spärlich befenstert, einige Geschosse haben einen Küchenbalkon. Der südliche Wohnteil mit Pilotis im Eingangsbereich beherbergt Geschosswohnungen. Die Südfassade ist ganzseitig in Fenster und Loggien aufgelöst. Die beiden Schmalseiten werden in jedem Geschoss von einem gerahmten, quadratischen Fenster geziert.
Literatur
- Schröter, Anne-Catherine; Sollberger, Raphael; Schnell, Dieter; von Allmen, Michael. Siedlungen der Nachkriegszeit in Bümpliz-Bethlehem (Schweizerische Kunstführer Nr. 1025). Bern 2018, S. 30–31.
- Denkmalpflege der Stadt Bern. Bauinventar 2017: Murtenstrasse 254–266, Neuhausweg 1–25, Neuhausweg 19.