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| Tertullian († um 220) - Die Prozeßeinreden gegen die Häretiker (De praescriptione haereticorum)

17. Kap. Man kommt durch Disputationen über Schriftstellen nie zum Ziele.
Da ist denn eine häretische Partei, welche einige Bücher der Hl. Schrift nicht annimmt. Diejenigen aber, welche sie annimmt, nimmt sie nicht unverändert an, wie sie sind, sondern gestaltet sie durch Zusätze und Weglassungen nach den Anforderungen ihres Lehrsystems um; und wenn sie sie bis zu einem gewissen Grade unverändert bietet, so verändert sie sie nichtsdestoweniger, indem sie verschiedene Erklärungsweisen ausfindig macht. Eine Verdrehung des Sinnes tut der Wahrheit aber gerade soviel Eintrag als der Griffel des Fälschers. Törichter Wahnglaube weigert sich naturnotwendig, das anzuerkennen, wodurch er seine Widerlegung findet, und wird sich auf das zu stützen suchen, was er sich fälschlich zurechtgelegt und aus einem mehrdeutigen Ausdruck zu seinen Gunsten entnommen hat. Was wirst du nun erreichen, du so schriftkundiger Mann, wenn das, was du bejahest, von der Gegenseite verneint, und das, was du verneinst, bejaht wird? Nun, du wirst wohl nichts weiter dabei verlieren, als etwas [S. 324] Atem beim Disputieren, und nichts gewinnen, als Galle infolge der Blasphemien, die du zu hören bekommst.