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Fibonaccis Erbe
Die Werke Fibonaccis wurden in Italien zunächst intensiv studiert. Vor allem der "betriebswirtschaftliche" Teil des "Liber abaci" übte einen grossen Einfluss auf die im 14. Jahrhundert florierenden Rechenschulen und die in grosser Zahl erschienenen Rechenbücher (trattati d'abaco) aus. Noch Luca Pacioli macht 1494 in seiner "Summa de arithmetica" (Link verlässt diese Seite) (Ausgabe von 1523) ausgiebig von Fibonaccis Werk Gebrauch. In den darauffolgenden Jahrhunderten geriet Fibonacci jedoch zunehmend in Vergessenheit, wie so viele Werke des 13. und 14. Jahrhunderts, die von der Erfindung des Buchdrucks überrollt wurden. Man kannte Fibonacci allenfalls durch das Zeugnis Paciolis. Biographische Notizen über Leonardo Pisano waren spärlich, man wusste nicht einmal mehr genau, wann er gelebt hatte. Noch 1777 heisst es in der Neuauflage der "Encyclopédie" von Diderot und d'Alembert unter dem Stichwort "Algèbre", dass Luca Pacioli ein Schüler von Leonardo von Pisa gewesen sei, dass man von den Schriften von Leonardo von Pisa jedoch nichts wisse.
Dabei waren im 18. Jahrhundert in Italien bereits neue Erkenntnisse aufgetaucht. Auf seinen Erkundungsreisen durch Bibliotheken italienischer Städte entdeckte Francesco Antonio Zaccaria (1714–1795) – Archivar und Bibliothekar des Herzogs von Modena, später Lehrer und Forscher an der Universität La Sapienza in Rom – in Florenz zwei Handschriften des "Liber abaci" aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Er veröffentlichte daraus das Verzeichnis der Kapitelüberschriften, den Widmungsbrief an Michael Scottus sowie die Einleitung mit der Autobiographie Leonardos und rückte damit die Lebensdaten Fibonaccis ins rechte Licht.
Die eigentliche Wiederentdeckung Fibonaccis ist jedoch den beiden Mathematikern Pietro Cossali und Giambattista Guglielmini zu verdanken und kulminierte Mitte des 19. Jahrhunderts in den Arbeiten von Baldassarre Boncompagni.