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Gut 50 Sitzverluste sagt die auf Wahlprognosen spezialisierte Website “Pollyvote” den amerikanischen Demokraten voraus. Damit würden sie die Herrschaft über das Repräsentantenhaus verlieren.
Jede Prognosemethode hat Vor- und Nachteile. Das gehört zu den Ueberzeugungen von Pollyvote. Deshalb stellt die auf Wahlprognosen spezialisierte amerikanisch-deutsche Arbeitsgruppe auf mehrere Methoden ab, und innerhalb jeder Methode auf mehrere Quellen: “Polly’s method is to average within and across several forecasting methods. This yields the Pollyvote, an average of averages.”
Bei den morgigen Halbzeit-Wahlen ins amerikanische Repräsentantenhaus sind die demoskopischen Projektionen von Sitzen, Wahlbörsen und ökonometrische Modelle.
Die Wirtschaftsmodelle werden in der Regel einmal erstellt. Im Mittel rechnen sie mit 41 Sitzverlusten. Typisch hierfür ist die Prognose des Schweden Douglas Hibbs. Anders ist die Vorhersage der Börsianer von Intrade, die auf die Parteien wetten. Sie ist dynamisch und geht im Schnitt mit 55 Sitzverlusten aus. Projektionen aufgrund von Wahlbefragungen oder vergleichbaren Informationen bewegen sich in der Mitte. Aktuell rechnen sie mit gut 50 Sitzverlusten, Trend auch hier steigend. Vorbildlich in dieser Gruppe ist Larry Sabato.
Der Mittelwert alles Analysen lag bei Beginn der Prognoseserie vor knapp 6 Monaten bei 33 Sitzverlusten für dei Demokraten. Die letzte Aufdatierung der Vorhersage kam zu minus 53 Sitze.
Damit ist wahrscheinlich, dass die demokratische Mehrheit im Repräsentantenhaus kippt. Die Wahlanalytiker überrascht das wenig: “Normally, the party of the president loses seats at midterm. The average loss since 1870 is 35 seats.” Für einen Mehrheitswechsel braucht es diesmal 39 Sitzverluste für die Demokraten.
Bei den Senatswahlen geht man bei Pollyvote nicht von einem Wechsel der Mehrheit aus. Vielmehr liegt hier aufgrund der Projektionen ein hauchdünner Vorsprung der Demokraten in der Luft. Erwartet werden 8 Sitzverschiebungen zugunsten der GOP.
Zwar ist es das erste Mal, dass sich die Spezialisten von Pollyvote an die Zwischenwahlen heranwagen; das lässt Vorsicht ratsam erscheinen. Doch hat sich das Vorgehen dieses Forschungsteams bei den Hauptwahlen 2008 als das Beste insgesamt erwiesen – was für Zuversicht zu den gemachten Aussagen spricht.
Claude Longchamp