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|Die ruhmreiche Kollektivbiographie der Low Income Entertainment Group. In drei Kapiteln.

Kapitel I: Early Years
Diese Biographie beginnt leider weder in einem verruchten Lokal mit Striptease-Tänzerinnen noch auf einer rauschenden Privatparty. Es kommen darin auch gar keine Prügeleien vor und nur sehr wenige Drogen. Was manchmal schon etwas schmerzt. Hätten wir doch mit Johnny Rotten rumgesoffen oder die Gitarre von Richard Hell verprügelt! Haben wir aber nicht. Wir waren nämlich schon immer sehr brave Buben aus braven Einfamilienhäuschen mit strengen Eltern drin, gegen die wir nur im Rahmen von kaum wahrnehmbaren Pubertäten rebelliert haben. Und in der Schule waren wir auch recht gut und selten vor der Tür.
Die Geschichte beginnt also anderswo. Und zwar im Musikzimmer des Staatlichen LehrerInnen-Seminars Thun. Die Akteure waren zunächst folgende: Sandro, eher der sportliche Typ (damals im Eishockey dick drin), der aber den Vorteil hatte, dass sein Vater die meisten Beatles-Alben zu Hause hatte und er, der Spross, konnte sagen, welches in welchem Jahr aufgenommen wurde. Simon hatte aufgrund einer Kindheit in einem christlichen Elternhaus in der Jungschar auf der Gitarre einige Akkorde gelernt und war ansonsten populärmusikalischer Analphabet. Das hatte eben auch mit dem christlichen Hintergrund zu tun: in der Jungschar kursierten schwarze Listen mit gottloser Musik: Pink Floyd=vom Teufel, Abba=vom Teufel, Beatles=vom Teufel etc. Severin kannte auch viele Beatles-Lieder und hatte schon im Alter von vier oder fünf Jahren mit seinem Bruder Boogie-Woogie am Radio gespielt und sich seine Sporen im Jazzworkshop bei Jürg Ammann in Münsingen abverdient und war sich trotzdem nicht zu Schade, mit den beiden anderen Wollpullovern zu musizieren.
Mit einer derartigen Truppe waren natürlich keine Mädchenherzen zu erobern und so waren wir denn froh, dass sich – wohl im Jahr 1995 - Avarel, der sich damals glaube ich noch Nasser Sand nannte, zu uns gesellte. Nicht nur sein Name verhiess Hoffnung auf ein wildes Rock'n'Roll- und/oder Punk-Leben, sondern auch seine Erscheinung. Avarel pflegte sich die Augen schwarz zu schminken, er trug auch grosse Ohrringe, hatte eine wilde Frisur und an verschiedenen Stellen seiner Kluft waren Nieten (!) appliziert. Unter dem Namen „Huldrych“ (benannt nach dem bekannten Zürcher Reformator Huldrych Zwingli) begannen wir sodann die Thuner Musikszene aufzumischen und eben: zu reformieren. Wir spielten insgesamt etwa zwei Konzerte und das ging auch ganz gut, bis es uns aber plötzlich schuppenweise von den Augen fiel: Für die Eroberung des Weltmusikmarktes singen wir in der falschen Sprache! Vielleicht hatten wir es schon vorher geahnt, aber dann plötzlich, im Jahr 1997 wurde uns klar: Mit Liedern wie „Weni es Vögeli wär..“, „I gloub mi stüpft es Ross“ oder „Lichebitzli im Risotto“ (unser damaliger Hit) war kein Staat zu machen.
Und so verfielen wir in eine kollektive Depression und verfolgten sodann unsere aussermusikalischen Ziele. Wir lernten sogar richtige Berufe. Severin gründete derweil mit genanntem Avarel die 77' Punkband „Tight Finks“. Und es mussten Jahre ins Land gehen.
Kapitel II: Comeback
Jedoch im Dez. 2002 trafen wir uns wieder, diesmal im Studio. Das Studio war ein feuchter Keller im Thuner Selveareal, immerhin waren obendran eine Art Broncos und die hatten billiges Bier. Sandro hatte in einem Jahr England ein paar Brocken gelernt und sang fortan englisch. Wir nahmen zusammen eine Platte mit zehn Liedern auf. Die fiktive Band (wir bespielten pro Song jeweils mindestens zwölf Spuren) hiess „Pitti Gritti“ und das Album hiess „Heimatlieder“. Aus dem so einfachen wie albernen Grund, dass wir die Lieder in unserer Heimat aufgenommen hatten. Durch irgendwelche Mittelsmänner, denen das Produkt gefiel, kam der Tonträger einem Hobbykonzertveranstalter in die Hände, der uns ungefragt aufs Programm setzte (Liest überhaupt noch jemand?). Das freute uns, aber war auch schwierig, denn wir waren ja gar keine richtige Band und die Lieder liessen sich kaum auf Bühne übersetzen. Trotzdem nahmen wir die Herausforderung gerne an, wir riefen Avarel wieder an auf dass er die Trommeln wieder bediene und so kam es, dass wir im Sommer 2003 bei strömenden Regen am Hippie-Festival „Out in the Kraut“ im Emmental unser glorioses Comeback feierten. Von den 40 Minuten, die wir zur Verfügung hatten, verwendeten wir etwa 20 für das Wechseln von Saiten und das war uns furchtbar peinlich und Avarel sagte, dass er nie mehr mit uns spielen wolle. Sandro und ich hatten aber trotzdem einen Heidenspass und wir beschlossen, dass wir eine Band werden wollen. Und Severin war auch dabei.
Dann musste also ein Schlagzeuger her. Severin hatte seine garage-musikalische Früherziehung bei ihm genossen. Via Radio in den Neunziger Jahren. Er hiess Chris und war ein richtiger Amerikaner, wahrscheinlich sogar ein Jude. Wir vergruben uns also wieder im Keller und wären schier nicht mehr aufgetaucht, aus verschiedenen Gründen.
Kapitel III: Big Fame
Aus unserem Kellerkinder-Dasein wurden wir im Sommer 2005 von Erik erlöst. Und: Wir erlösten auch ihn. Er hatte nämlich in den Jahren vorher nicht geschlafen, sondern in Bands mit wohlklingenden Namen wie Aquarium, Pirol, Captain Vortex etc. auf den Lebensabend gewartet und so waren wir alle froh, dass die Vergangenheit nun zu Ende war. Wir lernten also den Erik kennen und er uns, und alles war schön. Nur leider konnte er nicht Schlagzeug spielen. War aber nicht schlimm, denn es machte allen Freude. Und so ist es noch heute.
Heute aber spielen wir in allen erdenklichen Ländern dieser Erde unsere sehr tolle Musik, wir verkehren in den höchsten Kreisen der Gesellschaft, kürzlich haben wir sogar dem bekannten Schweizer Künstler Rolf Knie zugewunken. Danke für die Unterstützung. Ohne DICH wäre das nie möglich geworden!
Aha, ja, zu diesem Kapitel gehört auch noch folgendes: Im Dezember '06 haben wir bei Big Olifr M. Guz im Star Track Studiokombinat in Schaffhausen eine Platte aufgenommen. Jetzt ist sie aus dem Ofen und sie ist recht knusprig. Jetzt freuen wir uns auf die Zukunft, wir werden weiterkämpfen, für mehr Umarmungen und weniger Ibiza Techno. Wir werden immer für euch da sein! So, jetzt reicht's aber.