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Von 1999 bis Ende 2004 habe ich an der Berliner Humboldt – Universität ( Charité ), Klinik für Geburtsmedizin, Arbeitsgemeinschaft Experimentelle Geburtsmedizin ( Leiter Herr Prof. Dr. med. Andreas Plagemann ) eine Dissertation mit dem Thema „Entwicklung adipogener, diabetogener und atherogener Risikofaktoren nach selektiver Liposuktion im Bereich des Abdomens“ erfolgreich geschrieben und verteidigt. Die Arbeit beschäftigte sich mit möglichen Einflüssen von Fettabsaugungen auf wichtige Körperparameter der Operierten.
Es wurde eine Gruppe von 20 freiwilligen Probandinnen untersucht, die aus kosmetischen Gründen eine Fettabsaugung im Bereich des Bauches und der vorderen Hüften wünschten. Wir bestimmten vor sowie vier Tage, 2 Wochen, 6 Wochen und 12 Wochen nach dem Eingriff das Körpergewicht, die Gesamtfettmenge des Körpers, den Blutdruck, die Blutfette, den Blutzucker, die Höhe des Insulinspiegels, den Blutdruck sowie das mit dem Fettgewebe verbundene Hormon Leptin auf mögliche Veränderungen, die durch die Absaugung von Fettgewebe verursacht werden könnten. Hohes Körpergewicht, hohe Zucker- und Insulin- sowie Blutfettwerte gelten als Risikofaktoren für die Entwicklung von Übergewicht und nachfolgend Herz- und Kreislauferkrankungen, Gefäßalterung und andere Zivilisationskrankheiten. Als wichtigste Forderung zur Vermeidung und / oder Behandlung dieser Krankheiten wird die Reduzierung von Körpergewicht und damit des Körperfettes angesehen. Mit der Verminderung des Körperfetts durch eine Liposuktion (Fettabsaugung) könnte es unter Umständen zu einer positiven Beeinflussung der o.g. Risikofaktoren kommen.
Nach Abschluss der Untersuchungen konnten die Daten von insgesamt 15 Probandinnen ausgewertet werden. Im Durchschnitt wurden 2,2 kg Körperfett durch Fettabsaugung entfernt, d.h. die Gesamtkörperfettmenge konnte durch den Eingriff deutlich vermindert werden. Es wurden jedoch keine nachhaltigen bzw. über den Zeitraum der untersuchten 12 Wochen anhaltende Einflüsse auf die untersuchten Risikofaktoren beobachtet. Darüber hinaus konnten im Verlauf der Nachbeobachtungszeit eine deutliche Tendenz zur Wiederherstellung der Gesamtfettmenge gezeigt werden; einige der untersuchten Frauen überschritten bei Untersuchungsende sogar die Ausgangsfettmenge – was heißt, das sie 12 Wochen nach einer Liposuktion mehr Körperfett hatten, als vor diesem Eingriff.
Leider konnte im Rahmen der durchgeführten Untersuchungen nicht ermittelt werden, in welche Fettdepots diese beobachtete Wiederherstellung der Gesamtkörperfettmenge erfolgte. Prinzipiell neigen Frauen zur Ansammlung von Fett nach dem sogenannten gynoiden Verteilungsmuster (Po, Arme, Oberschenkel, Hüfte, Körperstamm), Männer jedoch nach dem androiden Verteilungsmuster (Körperstamm und Bauch unterhalb der Bauchmuskelschicht als viszerales Fett). Aus anderen Untersuchungen ist bekannt, dass eine Erhöhung des Anteils an viszeralen Fett mit einer Erhöhung des Risikos kardiovaskulärer Erkrankungen verbunden ist. Dicke Männer bekommen häufiger Diabetes, hohen Blutdruck, Schlaganfälle, Herzinfarkte.
Da sich an den abgesaugten Stellen die Fettdepots in den untersuchten 12 Wochen nicht neu gebildet haben können, andererseits die Gesamtfettmenge aber den Ausgangswert wieder erreicht hat, muss das neue Fett an andere Stellen angelagert worden sein. Bei Männern ist damit zu rechnen, dass dies die viszeralen Fettdepots sein können. In der Praxis heißt das also, das durch Fettabsaugung Fett von gesundheitlich unbedenklichen Stellen (Unterhautfettgewebe) unter Umständen in gesundheitlich bedenkliche Stellen (viszerales Fett) umverteilt wird.
Mein Rat an Sie:
Liposuktion ist keine Methode zur Gewichtsreduktion. Meiner Meinung nach ist (auch leichtes) Übergewicht besonders bei Männern eine Kontraindikation für Fettabsaugungen. Lassen Sie in diesem Fall unbedingt die Finger davon. Es wird mehr Schaden als Nutzen angerichtet!
Sie sollten sich vor einer Fettabsaugung darüber klar sein, dass Ihr Körper sofort nach dem Eingriff versuchen wird, die Ausgangsfettmenge wieder herzustellen. Nur wenn Sie einigermaßen schlank sind und zum Beispiel eine oder zwei Problemzonen haben, ist gegen eine Fettabsaugung nichts einzuwenden. Die Wiederherstellung der Gesamtfettmenge zum Beispiel als Vermehrung des Unterhautfettgewebes um einige Millimeter dürfte Sie kaum stören ! Aber nur, wenn Sie ganz schlank sind !!
Wenn Sie eine Liposuktion wünschen und bereit sind, dafür viel Geld auszugeben, sollten Sie zuerst Ihre Lebensumstände überprüfen und diese optimieren (Stichworte: Sport, Essen). Sonst ist Ihr Geld zum Fenster herausgeworfen !
Fettabsaugungen sind in ihrer Gesamtheit sichere operative Eingriffe; im Einzelfall sind jedoch leichte und auch schwere und schwerste Komplikationen beschrieben worden. Auch erfordert der Umgang mit Fettgewebe sehr viel Erfahrung und das Vorhandensein eines gewissen „Feelings“ für das Gewebe (Stichwort: kosmetisches Ergebnis). Das ist nur durch Erfahrung zu gewinnen. Lassen Sie die Finger von stationären Eingriffen und kombinierten Eingriffen (z.B. Liposuktion und Hautplastik in einer Operation). Diese haben eine deutlich höhere Rate an Komplikationen.
Suchen Sie sich unbedingt einen erfahrenen Operateur. Ein Facharzt – Titel oder die Bezeichnung „Kosmetischer Chirurg“ sind dafür keine Gewähr. Liposuktion kann man offiziell nirgendwo in Deutschland erlernen. Die Techniken werden fast immer in Wochenendkursen vermittelt. Staatlich anerkannte Schulen für Fettabsaugungen gibt es nicht. Auch sind Bilder vorher / nachher oder eine aufwendige Werbung in Zeitschriften keine Gewähr für Erfahrung. Lassen Sie sich schriftlich bestätigen, dass Ihr Operateur selbst mindestens 300 Eingriffe durchgeführt hat.
Komplikationen können bei jedem Eingriff trotz korrekter Arbeit des Operateurs auftreten, so auch bei Fettabsaugungen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es für den Patienten immer dann gefährlich wurde, wenn der absaugende Arzt versucht hat, diese Komplikationen ambulant ‘hinzukriegen’. Wegen der niedrigeren Komplikationsrate sollten Fettabsaugungen prinzipiell ambulant vorgenommen werden; bei Komplikationen gehören Sie aber auf dem schnellsten Wege in ein Krankenhaus !! Wenn Sie das Gefühl haben, dass etwas schief läuft, drängen Sie daher unbedingt den Arzt auf eine stationäre Einweisung oder begeben sich notfalls alleine dorthin !