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Der Rhein hat die Richtungsänderung unterhalb von Basel nicht selbst geschaffen. Der Oberrheingraben ist ein eingebrochener Teil der Erdkruste. Dieses Einsinken hat schon vor 45 Mio. Jahren begonnen. Ein weiterer Entwicklungsschritt setzte mit dem Rückzug des Meeres ein, der vor 22 Mio. Jahren im südlichen und vor 15 Mio. Jahren im nördlichen Oberrheingraben abgeschlossen war. Auf dem meerfreien Gebiet konnte sich anschliessend ein Flusssystem entwickeln und im Zeitraum zwischen 8,5 und 5 Mio. Jahren vor heute bildete sich der heutige Flusslauf des Rheins. Damals floss aber die Aare noch nicht in den Rhein, denn dies wurde erst durch ein weiteres Absinken des Oberrheingrabens möglich und geschah vor etwa 1,5 Mio. Jahren. Schliesslich wurde vor 800 000 Jahren der Alpenrhein, der zuvor in die Donau floss, zum Rhein abgelenkt. Die letzten geomorphologischen Änderungen grösseren Ausmasses gehen auf das Würm-Glazial zurück (vor rund 115 000–10 000 Jahren), als das Geschiebe der grossen Gletscherflüsse in Form der Niederterrassen abgelagert wurde.
Die Landschaft am Hochrhein und in der Oberrheinischen Tiefebene ist vor allem durch aufgeschüttete Schotterflächen gekennzeichnet. Diese bestehen aus Material, das der Fluss selbst herbeibefördert hat. Am Hochrhein hat sich aufgrund des hohen Gefälles eine gerade Laufentwicklung herausgebildet und der Fluss hat sich tief in den Schotter eingegraben. Im Oberrhein mit geringerem Gefälle entwickelte sich ein verzweigter Lauf mit einer grossen Zahl sich ständig wandelnder Gerinne. Diese grossräumige und vielseitige Auenlandschaft ist heute aber bis auf kleine Reste verschwunden, was auf die monumentale Korrektion nach den Plänen Johann Gottfried Tullas zurückzuführen ist. Durch diese wurde Kulturland in der Rheinebene gewonnen und der Rhein auf Kosten der Auenlandschaften schiffbar gemacht.
Vor der Korrektion war auf dem untersten Niveau des Oberrheintals auf einer Breite von bis zu fünf Kilometern ein kleinräumiges Mosaik aus Flussarmen, Altarmen, nackten Kiesflächen, Magerrasen-Elementen, Weidengebüschen und Weichholz- und Hartholz-Auenwäldern zu finden. Dazwischen befanden sich Austritte von Grundwasser, sogenannte Giessen. Auf den Niederterrassen entwickelten sich eichenreiche Wälder, die seit dem Mittelalter beweidet wurden und die Brennholzvorräte für die Bevölkerung lieferten. Der Mensch hatte sich mit dieser Wildflusslandschaft arrangiert und hat seine Siedlungen auf den vor Hochwasser geschützten Niederterrassen (Hochgestade) gegründet. Nach und nach wurden die angrenzenden Flächen landwirtschaftlich genutzt. Weiden, Wiesen und Äcker gehörten deshalb zum prägenden Aspekt der höheren Stufen im Oberrheintal.
Als Folge der Rheinkorrektion von Tulla im 19. Jh. blieben die periodischen Überflutungen der Gebiete aus. Wegen der Eintiefung des Rheins sank der Grundwasserspiegel stark ab und 75 % der früheren Überflutungsflächen verschwanden. Vom früheren reichen Lebensraummosaik blieben nur die trockensten Biotope übrig. Im günstigsten Fall entwickelten sich hier Magerrasen, auf den meisten Flächen wurde aber intensive Landwirtschaft betrieben. Die Artenzusammensetzung der einstmals von Weiden, Erlen und Pappeln beherrschten Wälder wechselte in kurzer Zeit. An deren Stelle traten Föhren oder vielerorts auch Robinien.
Es gibt in der Nähe von Basel nur noch wenige Reste der früheren Auenlandschaft. Der grösste ist das Schutzgebiet Petite Camargue Alsacienne in St-Louis La Chaussée und Rosenau. Nach der Unterschutzstellung der ersten Fläche konnte das Reservat vergrössert werden. Auf den arrondierten Flächen sind in der Zwischenzeit verlandete Altarme des Rheins ausgegraben und Wiesen wieder vernässt worden. Auch die Insel zwischen dem Altrhein und dem Grand Canal d’Alsace erfährt eine ökologische Aufwertung, indem ein früheres Rheingerinne wieder aktiviert wird. Die Altarme auf deutschem Boden sind alle verlandet. Andere Restgewässer sind in Fisch- oder Ziergewässer umgestaltet worden. Am deutschen Ufer formt das Integrierte Rheinprogramm den von Tulla korrigierten Altrhein neu. Überschwemmungsflächen im Uferbereich sollen die Hochwassergefahr am Mittel- und Niederrhein verkleinern. Gleichzeitig werden mit den Hochwasserschutzmassnahmen längerfristig neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen geschaffen.
DK / MS
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