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Thema der Woche vom 5. Februar 2019
Die Entwicklung des Weltaktienmarktes MSCI World (dunkelblaue Linie) und ein einfacher gleitender Durchschnitt über 200 Tage auf den MSCI (hellblau) während der Finanzkrise 2008. Ende 2007 fiel der MSCI unter den gleitenden Durchschnitt, wodurch ein Verkaufssignal ausgelöst wurde.
Es klingt nach komplizierter Finanzmathematik: gleitende Durchschnitte. Was sich dahinter verbirgt, ist aber ganz einfach. Und vor allem ist es auch für Kleinanleger relevant. Denn damit lassen sich in Krisenzeiten Verluste begrenzen.
Gleitende Durchschnitte zählen zu den sogenannten Trendfolgeindikatoren. Sie glätten den Kursverlauf einer Anlageklasse oder eines Titels und filtern das in den Tageskursen enthaltene "Kursrauschen" heraus. Das erlaubt, einen übergeordneten Trend zu erkennen. Und vor allem geben gleitende Durchschnitte bei einem Wechsel von einem Abwärts- in einen Aufwärtstrend oder umgekehrt ein Kauf- bzw. Verkaufssignal. Dank dieser Eigenschaft eignen sie sich vor allem zur Begrenzung von Verlusten in Krisen.
Ein einfacher gleitender Durchschnitt wird berechnet, indem man die Kurse einer bestimmten Anzahl Tage zusammenzählt und durch dieselbe Anzahl Tage teilt. Der gleitende Durchschnitt entspricht somit dem Durchschnittskurs dieser Periode. Für längerfristige Trends wird häufig mit 200 Tagen gearbeitet, zur Veranschaulichung von kurzfristigen Trends mit beispielsweise 50 Tagen. Generell gilt: Je mehr Tage für die Berechnung des gleitenden Durchschnitts berücksichtigt werden, desto weiter weg vom Kursverlauf verläuft der gleitende Durchschnitt.
Die Regeln für die Geldanlage mit gleitenden Durchschnitten lauten:
- Steigt der Kurs über den gleitenden Durchschnitt, erfolgt ein Kaufsignal.
- Fällt der Kurs unter den gleitenden Durchschnitt, wird ein Verkaufssignal ausgelöst.
In einer Krise ermöglichen die Verkaufssignale eine deutliche Reduktion der Verluste, weil der Anleger die Abwärtsbewegung nicht "mitmacht" (siehe Grafik).
Sich kreuzende gleitende Durchschnitte
Hochwertige Kauf- und Verkaufssignale lassen sich auch mit einer Kombination eines kürzeren mit einem längeren gleitenden Durchschnitt erzielen, beispielsweise mit einem über 50 und einem über 200 Tage. Steigt der 50-Tage- über den 200-Tage-Indikator, erfolgt ein Kaufsignal und umgekehrt. Der Schnittpunkt, bei dem der kürzere gleitende Durchschnitt über den längeren steigt, wird oft als Golden Cross (goldenes Kreuz) bezeichnet. Im umgekehrten Fall spricht man häufig von Death Cross (Todeskreuz).
Der Nachteil von einfachen gleitenden Durchschnitten liegt in der relativ hohen Häufigkeit von Fehlsignalen. Zu einem Fehlsignal kommt es, wenn der gleitende Durchschnitt einen Kauf oder Verkauf signalisiert, wenig später aber das entgegengesetzte Signal ausgelöst wird, sich also Kursverlauf und gleitender Durchschnitt kurz hintereinander kreuzen. Fehlsignale führen zu Verlusten und unnötigen Transaktionskosten und reduzieren damit die Rendite der Anlage.
Zudem reagieren einfache gleitende Durchschnitte träger auf einen Trendwechsel, je mehr Tage berücksichtigt werden. Ein 200-Tage-Durchschnitt löst bei einem schnellen und heftigen Trendbruch erst mit einer gewissen Verzögerung ein Signal aus. Das hat zur Folge, dass eine Aktie bei einem Kurseinbruch erst verkauft wird, wenn ein Teil der Korrektur bereits vollzogen ist. Und umgekehrt verpasst der Anleger bei einem starken Kursanstieg nach einer Korrektur einen Teil der Erholung.
Exponentiell und adaptiv gleitende Durchschnitte
Dieser Nachteil lässt sich mit exponentiell gleitenden Durchschnitten reduzieren. Sie gewichten die Kurse am Ende der Kursreihe stärker als jene am Anfang. Die geglättete Linie des exponentiell gleitenden Durchschnitts verläuft bei starken Kursausschlägen näher am Kursverlauf als jene eines einfachen gleitenden Durchschnitts und löst deshalb schneller ein Signal aus.
Die Zahl der Fehlsignale lässt sich auch mit einem sogenannten adaptiven gleitenden Durchschnitt senken. Er berücksichtigt nicht eine fixe Anzahl Tage, sondern passt sie dynamisch der Marktentwicklung an: Je stärker die Kurse schwanken, desto mehr Tage werden für den gleitenden Durchschnitt berücksichtigt. Bei geringen Kursschwankungen liegt dem adaptiven gleitenden Durchschnitt eine geringe Anzahl Tage zugrunde.
So geht’s:
Mit dem VZ Finanztool
können Sie eine Anlagestrategie mit gleitendem Durchschnitt kostenlos testen. Dabei wird die Strategie mit einem Kaufen-und-Halten-Ansatz verglichen, bei der ein im Depot gehaltener Titel nicht mehr verkauft wird.
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