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Titel
Wetter
[* 3] (Witterung), der an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit durch das Zusammenwirken der verschiedenen meteorologischen Elemente, als: Luftdruck, Temperatur, atmosphärische Feuchtigkeit, Niederschläge, Bewölkung und vorzugsweise Wind (s. d.), hervorgebrachte Zustand der Atmosphäre, welcher für unsre sinnliche Wahrnehmung sich in angenehmer oder unangenehmer Weise, für unser Wohlbefinden in gesunder ohne ungesunder Wirkung bemerklich macht.
Die
Erkenntnis der
Gesetze, welche für die Entstehung und den
Wechsel des
Wetters gelten, ergibt sich aus den gegenseitigen
Beziehungen, in denen diese meteorologischen
Elemente zu einander stehen, und den Einwirkungen, welche
sie aufeinander ausüben. Die
Beschaffenheit des
Wetters an einem bestimmten
Ort beruht hauptsächlich auf der daselbst zu
einer bestimmten Zeit stattfindenden
Richtung des
Windes, welcher seinerseits wieder von der Verteilung und von den Veränderungen
des
Luftdrucks abhängt. Der
Wind überträgt die Einwirkung der übrigen meteorologischen
Elemente, wie
der
Temperatur und der
Feuchtigkeit, von einem
Ort zum andern und veranlaßt dadurch den jeweilig an
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mehr
einem Ort stattfindenden Charakter des
Wetters (Witterungscharakter). Um den Zusammenhang zwischen der Windrichtung und den
übrigen meteorologischen Elementen eines Orts aufzufinden, stellt man aus den Beobachtungen für einen bestimmten Zeitabschnitt,
z. B. für einen Monat, die Werte zusammen, welche die Temperatur, die atmosphärische Feuchtigkeit, der Luftdruck, die Bewölkung,
die Regenmenge etc. bei den verschiedenen Windrichtungen erhalten. Die Mittel aus denjenigen Werten, welche
derselben Windrichtung entsprechen, ergeben Zahlen, durch welche die durchschnittliche Größe der verschiedenen meteorologischen
Elemente bei den verschiedenen Winden
[* 5] bestimmt sind.
Durch derartige Betrachtungen ist ein Ausdruck für den Witterungscharakter gewonnen, welcher den verschiedenen Winden an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Jahreszeit zukommt. Die so gefundenen Zahlenresultate, welche man auch graphisch darzustellen pflegt, nennt man Windrosen und zwar barometrische, thermometrische, gewöhnliche etc., je nachdem sie für die einzelnen Windrichtungen den mittlern Barometerstand, die Mitteltemperatur, die Häufigkeit ihres Auftretens etc. angeben.
Im allgemeinen ergibt sich als Resultat dieser Untersuchungen, daß, wenn größere Teile der Erdoberfläche betrachtet werden, die Winde, [* 6] welche von der Äquatorseite (auf der nördlichen Halbkugel also von der Südseite, auf der südlichen von der Nordseite) herkommen, sich durch hohe Temperatur, großen Feuchtigkeitsgehalt, starke Bewölkung, häufige Niederschläge und niedrigen Luftdruck auszeichnen, während die Winde, welche von der Polarseite (auf der nördlichen Halbkugel also von der Nordseite etc.) kommen, durch niedrige Temperaturen, geringen Feuchtigkeitsgehalt, klaren Himmel, [* 7] seltene Niederschläge und hohen Luftdruck charakterisiert sind.
Hierzu kommt noch der verschiedenartige Einfluß von Land und Wasser, welcher zur Folge hat, daß die Luftströme mehr Feuchtigkeit enthalten und sowohl häufigere als auch stärkere Niederschläge bewirken, wenn sie über größere Meere geweht haben (Seewinde), dagegen geringere Feuchtigkeit besitzen und daher auch weniger Niederschläge verursachen, wenn sie als Landwinde auftreten. In Bezug auf die Temperatur werden die Landwinde wegen der verschiedenen Wärmekapazität von Land und Wasser im Sommer wärmer und im Winter kälter als die Seewinde sein.
Die wärmsten, dunstreichsten und Wolken und Regen erzeugenden Luftströme, welche von niedrigem Luftdruck begleitet werden, kommen wegen der angegebenen Eigenschaften der Winde und des verschiedenen Einflusses von Land und Wasser auf der nördlichen Halbkugel an den Westküsten der Kontinente, namentlich in Europa, [* 8] als äquatoriale Seewinde aus SW. und an den Ostküsten aus SO., während die kältesten, trockensten und regenärmsten Luftströme mit meist heiterm Himmel, welche vom höchsten Luftdruck begleitet werden, polare Landwinde sind und daher an den Westküsten der Kontinente aus NO. und an den Ostküsten aus NW. wehen.
Die Windrichtungen, welche in Bezug auf Temperatur, Feuchtigkeit, Luftdruck und Niederschlag die größten Gegensätze darbieten, sind hiernach auf der nördlichen Halbkugel an den Westküsten der Festländer die südwestlichen und nordöstlichen und an den Ostküsten die südöstlichen und nordwestlichen. Dies gilt besonders vom Winter, während im Sommer für die Temperatur die schon oben erwähnte Abweichung eintritt, daß die vom Land herkommenden Winde durchgängig die wärmsten sind.
Die
Veränderungen des
Wetters (Witterungswechsel) haben ihre hauptsächlichen Ursachen in den Veränderungen des Luftdrucks
und in dem Entstehen und Fortschreiten der sogen. barometrischen Minima oder Wirbel (s. Wind). Legt man durch das Zentrum eines
in unsern Gegenden meistens in östlicher Richtung fortschreitenden Minimums (s. unten) eine Linie von SSW.
nach NNO., so wird diese den Wirbel in zwei Hälften teilen, von denen die zur Rechten gelegene die Vorderseite des Wirbels
(da der Wirbel sich nach O. hin bewegt) und die zur Linken die Rückseite desselben bildet.
Auf der Vorderseite wehen (in Europa) die aus südlichern Gegenden herkommenden Winde und zwar auf der
nördlichen Hälfte aus O. durch SO. bis S. und auf der südlichen Hälfte aus S. durch SW. bis
Wetter; auf der Rückseite des
Wirbels wehen dagegen die aus nördlichern Gegenden herstammenden Winde und zwar auf der nördlichen Hälfte aus O. durch NO.
bis N. und auf der südlichen Hälfte aus N. durch NW. bis
Wetter. Diesen Windrichtungen entsprechend ist das
Wetter auf der Vorderseite
und Rückseite eines Wirbels gerade entgegengesetzt.
Auf der erstern bringen die aus südlichern Gegenden kommenden Winde warme und feuchte Luft mit sich, die ihrer größern Leichtigkeit wegen die Neigung hat, nach obenhin abzufließen. Nachdem sie auf ihrem Weg nach nördlichern Gegenden bereits eine Abkühlung erfahren hat, wird diese durch die beim Aufsteigen der Luft erfolgte Ausdehnung [* 9] noch vermehrt, und daher werdende Wasserdämpfe Wolken und Niederschläge zu bilden anfangen. Die bei der Kondensation der Wasserdämpfe frei werdende Wärme [* 10] macht die ganze in die Höhe steigende Luftsäule leichter, wodurch der aufsteigende Luftstrom verstärkt und ein Fallen [* 11] des Barometers verursacht wird.
Umgekehrt verhält es sich auf der Rückseite eines Wirbels. Hier kommen die Winde aus nördlichern Gegenden und führen kalte und trockne Luft mit sich, die sich auf ihrem Weg nach südlichern Gegenden erwärmt und deshalb mehr Wasserdampf aufzunehmen im stande ist, wodurch Wolkenbildung und Niederschläge ausgeschlossen sind. Diese kalte und trockne Luft bildet keinen aufsteigenden Luftstrom, sondern führt die Luft dem in der Nähe des Wirbelzentrums befindlichen luftverdünnten Raum zu und bewirkt dadurch ein Steigen des Barometers. Da das Barometer [* 12] auf der Vorderseite des Wirbels fällt und auf der Rückseite steigt, wird eine Fortbewegung des barometrischen Minimums (Zentrum des Wirbels) die Folge sein und zwar nach der Richtung hin, in welcher das Barometer am schnellsten gefallen ist.
Daher ist die seitliche Bewegung des barometrischen Minimums keine wirkliche, sondern nur eine scheinbare,
bei welcher sich dieses Minimum immer an aufeinander folgenden Stellen der Atmosphäre bildet und sein Fortschreiten daher mit
der Bewegung einer Wasserwelle verglichen werden kann. Im allgemeinen wird also das
Wetter auf der Rückseite des
Wirbels, nachdem der Wind nach nördlichen Richtungen herumgegangen ist, klarer und der Niederschlag schwächer
werden, während es auf der Vorderseite bei Winden aus südlichern Richtungen trüber und der Niederschlag stärker wird. Daher
wird ein Umschlag im W. eintreten, wenn das Zentrum eines atmosphärischen Wirbels am Beobachtungsort selbst oder in größerer
Nähe desselben vorübergeht. Trübe Witterung hört auf, wenn über den Beobachtungsort, welcher früher bei
niedrigern Barometerstand den Einflüssen der Vorderseite des Wirbels unterworfen war, das Wirbelzentrum herübergeht und
er bei höherm
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Barometerstand auf die Rückseite des Wirbels gelangt; dagegen wird umgekehrt klare Witterung in trübe übergehen, wenn ein Wirbel mit niedrigem Barometerstand an die Stelle von hohem Luftdruck tritt, oder wenn ein Wirbel auf einen vorangegangenen folgt.
Vorherbestimmung des
Wetters, Wetterberichte etc.
Aus den vorstehenden Thatsachen ergibt sich, daß alle Veränderungen des
Wetters in dem innigsten Zusammenhang
mit den Änderungen im Luftdruck stehen, und daß, wenn eine Vorherbestimmung des Wetters (Wetterprognose) aufgestellt werden
soll, es durchaus notwendig ist, sowohl die Verteilung des Luftdrucks über einem größern Gebiet zu kennen, als auch zu
wissen, wie sich dieselbe für die Zukunft gestalten wird. Wenn es in neuerer Zeit gelungen ist, wenigstens
für einen kürzern Zeitraum, für die nächstfolgenden 24 Stunden, Wetterprognosen zu stellen, die im allgemeinen 80-90 Proz.
Treffer ergaben, so ist das nur dadurch möglich gemacht, daß der Telegraph
[* 14] in den Dienst der Meteorologie gezogen wurde und
durch die Wettertelegraphie die zu einer bestimmten Zeit vorhandenen Werte der meteorologischen Elemente
einer Zentralstelle mitgeteilt, von dieser gesammelt und zum Entwerfen von Wetterkarten und zum Aufstellen von allgemeinen
Übersichten der Witterung (Wetterberichte) benutzt wurden.
Da die verschiedene Verteilung des Luftdrucks und die von ihr abhängige wechselnde Richtung und Stärke [* 15] der Winde die das Wetter hauptsächlich bestimmenden Elemente sind, so ist auch bei den Wetterkarten auf Luftdruck und Winde die meiste Rücksicht genommen. Aber auch die andern Witterungserscheinungen, als: Temperatur, Bewölkung, Regen etc., werden in diese Wetterkarten eingetragen. Die Methode der Anfertigung dieser Wetter- oder synoptischen Karten besteht darin, daß die Witterungserscheinungen, welche gleichzeitig auf einem größern Gebiet stattfinden, durch vereinbarte, allen verständliche Zeichen in eine geographische Karte eingetragen werden, um auf diese Weise ein übersichtliches Bild des Witterungszustandes zu erhalten, welches einer weitern Diskussion unterworfen werden kann.
Vorzüglich sind zwei Arten solcher Wetterkarten zu unterscheiden: solche, welche allein auf Grund der telegraphischen Nachrichten konstruiert werden und dem sofortigen praktischen Gebrauch, namentlich dem Ausstellen der Wetterprognosen, dienen, und solche, welche nachher mit reichhaltigerm Material angefertigt und den wissenschaftlichen, theoretischen Forschungen zu Grunde gelegt werden. Da unter allen europäischen meteorologischen Zentralinstituten die deutsche Seewarte in Hamburg [* 16] (s. Seewarte) das reichhaltigste Material bei der relativ besten Verteilung der Stationen besitzt, so mögen als Beispiel für alle ähnlichen Wetterkarten und Wetterberichte die von der deutschen Seewarte getroffenen Einrichtungen und Maßregeln dienen.
Das Gebiet, aus welchem die deutsche Seewarte ihre Morgentelegramme erhält, hat einen Radius von ca. 1000 Seemeilen und erstreckt sich nach Westen bis an die Westküste von Irland, nach S. bis Corsica [* 17] und Süditalien, [* 18] nach O. bis Moskau [* 19] und nach N. bis Bodö nördlich vom Polarkreis. Unter den 96 Stationen, welche der Seewarte telegraphische Nachrichten übermitteln, sind 28 deutsche und 68 ausländische. Die Morgentelegramme bringen nach einem vereinbarten Schema die Barometerstände, Windrichtung und Stärke, Temperatur und Bewölkung für den Abend des vorhergehenden Tags und zwar für die deutschen Stationen für 8 Uhr [* 20] abends und für die ausländischen meistens für 9, für mehrere für 6 oder 8 und vereinzelt für 7 oder 10 Uhr abends.
Außerdem sind in den Morgentelegrammen die Werte derselben Größen für 8 Uhr (beiden ausländischen Stationen zum Teil für 7 Uhr) morgens angegeben, denen noch die relative Feuchtigkeit, die Regenmenge, der vorherrschende Himmelszustand (Wolkenform) und meistens auch die Temperaturextreme für die letzten 24 Stunden hinzugefügt sind. Von diesen 96 Stationen senden endlich noch 22 (13 deutsche und 9 ausländische) die Werte der meteorologischen Elemente, die in der Morgendepesche berücksichtigt waren, auch für 2 Uhr nachmittags ein.
Nach Eintreffen der Telegramme werden diese in eine Tabelle und in eine geographische Karte eingetragen. Nach dieser werden vier Karten gezeichnet: zwei größere für 8, resp. 7 Uhr morgens des laufenden Tags und zwei kleinere für 2 Uhr nachmittags und 8 Uhr abends des vorhergehenden Tags. Von den ersten beiden Karten enthält die eine den Luftdruck, dargestellt durch die von 5 zu 5 mm fortschreitenden Isobaren (Linien gleichen Barometerstandes) für den auf 0° und das Meeresniveau reduzierten Barometerstand, sowie die Änderung des Luftdrucks in den letzten 24 Stunden durch beigeschriebene Zahlen, den Wind (Richtung und Stärke) und die Größe der Bewölkung, während in der andern die Temperatur durch die von 5 zu 5° C. fortschreitenden Isothermen, die Änderung der Temperatur in den letzten 24 Stunden, der Niederschlag und der Seegang angegeben ist.
Von den beiden kleinern, den Witterungszustand um 2 Uhr nachmittags und 8 Uhr abends des vorhergehenden Tags darstellenden Karten enthält jede die von 5 zu 5 mm fortschreitenden Isobaren, die Richtung und Stärke des Windes, den Grad der Bewölkung, die Temperatur, angegeben in ganzen Graden, und die Höhe des Niederschlags. Bei dem Eintragen der Witterungstelegramme in die Karten wird zunächst jede Station durch einen kleinen Ring bezeichnet. Ein durch die Station gelegter Pfeil gibt die Richtung des Windes an, so daß der Pfeil mit dem Wind fliegt; die Windstärke wird durch die Befiederung des Pfeils angegeben, so daß eine Fieder einen schwachen Wind und sechs Fiedern einen Orkan bedeuten (halbe Beauforts Skala, s. Wind).
Die Bewölkung wird durch Ausfüllung der Ringe gegeben, so daß ein unausgefüllter Ring einen wolkenlosen und ein ausgefüllter Ring einen völlig bedeckten Himmel bezeichnet, und die Hydrometeore werden durch international vereinbarte Zeichen eingetragen, wobei Regen durch einen oder mehrere Punkte bezeichnet ist. Dabei bedeutet ein Punkt einen Regenfall in 24 Stunden von 1-5 mm, zwei Punkte von 6-10 mm, drei Punkte von 11-20 mm und vier Punkte von über 20 mm Höhe.
Diese Eintragung in die Karten und die Abfassung der tabellarischen Übersicht kann schon jeden Tag um 11 Uhr vormittags dem Druck übergeben werden. Nach Vervollständigung der Karten und mit Benutzung der Nachmittagsdepeschen werden, nachdem ein Wetterbericht, die allgemeine Übersicht der Witterung über Zentraleuropa für 8 (7) Uhr morgens des betreffenden Tags, zusammengestellt ist, die Aussichten für die Witterung des nächstfolgenden Tags hinzugefügt. Aus den allgemeinen Übersichten der Witterung und den Wetterkarten, welche beide verschiedenen Zeitungen telegraphisch mitgeteilt werden, werden an verschiedenen Orten mit Benutzung von lokal angestellten Beobachtungen sogen. Lokalprognosen gestellt und ebenso wie die Wetterkarten selbst und die von der Seewarte ¶