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«Paul Is Live» setzt einen würdigen Abschluss unter McCartneys 1993, das eines seiner produktivsten Jahre war. Begonnen hatte es mit der Veröffentlichung des Albums «Off The Ground» im Februar, aus dem vier Singles ausgekoppelt wurden. Im Herbst folgte mit «Strawberries Ocean Ships Forrest» das erste Fireman-Album. Von März bis Dezember tourte Paul mit der Band durch Australien, Asien, die USA und Europa. Die Tour hatte den Namen «The New World Tour». Als Toursouvenir veröffentlichte er das Livealbum «Paul Is Live», das die Besucher der letzten Konzerte im Dezember bereits kaufen konnten. Das Album decket die Konzerte von Australien und den USA von März bis Juni ab.
alles etwas kleiner
Die «New World Tour» dauerte 9 Monate, sie war von Beginn an kleiner gedacht als die World Tour, die über anderthalb Jahre gedauert hatte. So ist denn auch das Livealbum dazu, «Paul Is Live», bewusst nicht als komplette Dokumentation gedacht, sondern als Ergänzung zu «Tripping The Life Fantastic». Die Hälfte des Sets war identisch mit der letzten Tour, demzufolge verzichtete McCartney auf «Paul Is Live» ausser «Live And Let Die» auf Doubletten zu «Tripping The Life Fantastic». Die grossen drei, «Yesterday», «Let It Be», und «Hey Jude», sind darauf ebensowenig enthalten wie «Band On The Run», dafür neue Beatles-Songs wie «Magical Mystery Tour», «Penny Lane», «Michelle» und «All My Loving». «Lady Madonna» deckt sich mit den 76er-Liveaufnahmen «Wings Over America», wie auch «Live And Let Die»
Waren auf «Tripping…» die Soundcheckschnippsel als Trinkets zwischen die Songs gemischt, wird «Paul Is Live» von drei Soundchecksongs beschlossen, die mehrheitlich improvisatorischen Charakter haben. Da wäre zum ersten das akkustische «Hotel In Benidorm», das noch nicht fertig gebaut ist, «I Wanna Be Your Man», das die Beatles Ringo singen liessen und 1964 von den Rolling Stones als Single veröffentlicht wurde und die Rocknummer «A Fine Day», die nochmals Robbie MacIntoshs Slidegitarrenfähigkeiten unter Beweis stellen.
Die Aufnahmen wurden von Geoff Emerick gemacht, der bereits bei «Sgt. Pepper», «Abbey Road», «Band On The Run» und «Unplugged» mit Paul zusammenarbeitete. «Wir haben die Energie, die von der Bühne kommt aufgezeichnet. Mit diesem Album kriegt man das Gefühl, als ob man wirklich im Publikum wäre». erläutert Emerick seine Arbeit. In der Tat sind die Songs druckvoll und in hervorragender Klangqualität, sowohl bei rockigen Nummern wie «Paperback Writer» oder «Let Me Roll It» als auch bei den akustischen Stücken wie «Good Rockin Tonight». Im Gegensatz zu «Tripping…» wurde Pauls Stimme etwas in den Hintergrund gemischt und mehr auf die Gitarre fokussiert. Hamish Stuarts Backvocals kommen noch weniger zur Geltung, der Applaus wurde wieder rausgeschnitten. Diese Abmischung tut auch den Songs von «Off The Ground» gut: «Looking For Changes», «Peace In The Neighbourhood», «Hope Of Deliverance» und «C'mon People» haben mehr Druck.
das Coverspiel
Das Cover von «Abbey Road» wurde mehrfach imitiert, u.a. von den Simpsons und den Red Hot Chili Peppers. Mehr als das Album gab das Cover von «Paul Is Live» zu reden, worauf er ironisch die Abbey Road überquert. Zusammen mit dem Albumnamen «Paul Is Live» ist das Cover eine Doppeldeutigkeit in Wort und Bild. Das Cover von «Abbey Road» war einer der Haupthinweise der Paul-ist-tot-Gerüchte von 1969. Paul überquert als einziger barfuss den Zebrastreifen und hält als Linkshänder die Zigarette in der rechten Hand. Diesesmal trägt er schwarze Schuhe und lässt sich von seinem Hund Arrow (dieselbe Art Schäferhund wie Martha in den 60er-Jahren, der «Martha My Dear» inspierierte) über die Strasse ziehen. Die Leine hält Paul in der linken Hand.
Die Photoshopspielerei führte Erwin Keustermanns durch, er konnte auf die Originalnegative von 1969 zurückgreifen. Die Bilder zu «Abbey Road» hatte Linda McCartney geschossen. Keustermanns retouchierte die Beatles aus dem Bild und fügte den 1993er-Paul mit Hund ein. Den Hauptunterschied auf dem Fussgängerstreifen sieht man auf dem Backcover, die Abbey Road hatte in den gut 25 Jahren mehrere Sicherheitsbemalungen erhalten, die auf «Paul Is Live» fehlen. Weiteren Bezug auf die Paul-ist-tot-Gerüchte nimmt Paul in der Autonummer des weissen VW Käfers, die damals 281 F gelautet hatte und als wäre 28 gedeutet wurde. Nun ist die Autonummer 51 1S, also ist 51.
Paul und Arrow überqueren die Abbey Road.
Das Cover sorgte dennoch für Probleme. Zu Promotionszwecken wurde eine 5-Track PromoCD hergestellt, auf der das falsche Foto verwendet wurde mit der modernen Strasse. Zudem hat das Cover einen gelb-rot-Stich.
Rezeption und Statistik
Die Wikipedia stellt lapidar fest, dass «Paul Is Live» das Livealbum mit den geringsten Verkaufszahlen ist, das sich auch kaum in den Charts platzieren konnte. Die beste Platzierung gab es in Schweden mit Rang 23, in England reichte es zum 34 Platz, in Österreich 38, Deutschland 44, in Holland 60 und in den Billboard Charts gab es einen 78 Platz, in der Schweiz konnte es sich nicht klassieren. Es sei nochmals wiederholt, dass «Paul Is Live» im Gegensatz zu seinen anderen Livealben als Toursouvenir und Ergänzung gedacht war. Angesichts der Tatsache, dass Ende 1993 ausser Eric Claptons «Unplugged» Livealben nicht mehr angesagt waren und sich Grunge, Techno, Eurodance und Hiphop definitiv in den Charts Bahn gebrochen hatten, ist die Wikipedia-Feststellung relativiert zu betrachten.
Paul auf der New World Tour, der Höfner Bass gehört zum Beatles-Image, das er wieder pflegt.. – Foto: paulmccartney.com

Tracklist:
Drive My Car
Let Me Roll It
Looking For Changes
Peace In The Neighbourhood
All My Loving
Robbie's Bit (Thanks Chet)
Good Rockin' Tonight
We Can Work It Out
Hope Of Deliverance
Michelle
Biker Like An Icon
Here, There And Everywhere
My Love
Magical Mystery Tour
C'mon People
Lady Madonna
Paperback Writer
Penny Lane
Live And Let Die
Kansas City
Welcome To Soundcheck*
Hotel In Benidorm*
I Wana Be Your Man*
A Fine Day*
* Aufnahmen von Soundcheks.
Album Promosampler:
Magical Mystery Tour
Biker Like An Icon
My Love
Paperback Writer
Live And Let Die