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Sage noch jemand, die Schweizer Autoren seien allesamt träge und völlig apolitisch geworden – Bärfuss macht den grössten Völkermord nach 1945 zum Thema, den Genozid in Ruanda, wo 1994 innert hundert Tagen achthunderttausend Menschen niedergemetzelt wurden. Er analysiert die Mechanismen der Entwicklungshilfe und untersucht dabei auch die Rolle der Schweiz, die sich seit der Unabhängigkeit 1962 stark im kleinen ostafrikanischen binnenländischen Bergstaat engagierte.
Der engste Berater des Diktators war ein Schweizer, der jahrelang auf der Lohnliste der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) stand. Schweizer Experten leisteten Nachhilfeunterricht im Radiojournalismus, und die Menschen waren so gelehrig, dass sie das Radio sofort als effizientes Instrument für Propaganda und Mordaufrufe nutzten. Seinen Helden David Hohl lässt Bärfuss schliesslich zur Einsicht kommen: Wir gaben ihnen «den Bleistift, mit dem sie dann die Todeslisten schrieben, wir legten ihnen die Telefonleitung, mit der sie den Mordbefehl erteilten, und wir bauten ihnen die Strassen, auf denen die Mörder zu ihren Opfern fuhren».
Quelle: https://www.tagblatt.ch/leben/im-namen-der-menschenliebe-ld.161777