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| Fulgentius von Ruspe (467-533) - Fulgentius von Diakon Ferrandus von Karthago (Vita Fulgentii)

25. Kapitel (54—55). Schriftstellerische Tätigkeit
In derselben Zeit schrieb er an die Bewohner von Karthago einen Brief1 voll erhabener Ermahnungen und lichtvoller Klarheit, in dem er fast alle Listen und trügerischen Schmeicheleien, durch die unglückliche Seelen sich in die Gefahr des geistigen Todes locken ließen, im Tone bitterster Klage entlarvte. Damals gab er auch einem frommen Mann, Euthymius mit Namen, der ihn wegen der Nachlassung der Sünden befragte, in zwei Büchern unverzüglich Aufschluß.2 Ebenso setzte er ihm die Beweise für die Vorherbestimmung und die Unterschiede der Gnade auseinander, die er kennen zu lernen wünschte.3 Ferner schrieb er häufig vertrauliche Briefe [S. 105] voll geistlicher Erbauung an Personen, die in Sardinien oder in Afrika wohnten, hauptsächlich aber an römische Senatoren und angesehene und ruhmwürdige Witwen und Jungfrauen. Für die gottgeweihte Jungfrau Proba verfaßte er zwei Schriften über das Fasten und das Gebet.4 Dadurch war er in allen Ländern so bekannt, daß die zwei Bücher des gallischen Bischofs Faustus,5 die dieser mit trügerischen Worten gegen die Gnade schrieb, wobei er äußerlich als Katholik erscheinen wollte, während er im geheimen die Pelagianer begünstigte und so bei sehr vielen Brüdern in Konstantinopel Anstoß erregte, an den heiligen Fulgentius zur Prüfung übersandt wurden. Damit das geheime Gift sich nicht weiter verbreiten könne, gab Fulgentius selbst auf diese Schrift in sieben Büchern eine Antwort; in diesen war er mehr bemüht, dessen Ansichten klar darzulegen als sie zu widerlegen, weil die Darlegung seiner unklaren Ausführungen die beste Widerlegung seiner unsinnigen Behauptungen war.6
Schon bald danach konnte er den verdienten Lohn für die Mühe dieses großen Werkes ernten. Denn kurze Zeit nach seiner Vollendung ward die Kette der jahrelangen Gefangenschaft gesprengt. Denn durch den Tod des Königs Thrasamund 7 und die bewundernswerte Güte des nun zur Herrschaft gelangenden Hilderich wurde der katholischen Kirche in Afrika die Freiheit zurückgegeben, dem Volk von Karthago sein Bischof wieder- [S. 106] geschenkt und durch die Huld des Königs an allen Orten die Vornahme von Bischofsweihen angeordnet.
1: Dieser Brief ist verlorengegangen.
2: Gemeint ist das Werk: „De remissione peccatorum ad Euthymium libri duo."
3: Der Text scheint es mir nicht zu rechtfertigen, diese Schrift mit Lapeyre (Vie ... S. 118 A. 2) und anderen mit den drei Büchern an Monimus oder dem Brief an Johannes und Venerius zu identifizieren.
4: Der Brief an Proba über das Fasten ist verlorengegangen; mit dem Brief über das Gebet ist wohl der in der Reihenfolge der Fulgentiusbriefe an vierter Stelle stehende Brief: „De oratione ad Deum et compunctione cordis" gleichzusetzen; der ebenfalls an Proba gerichtete dritte Brief: „De virginitate atque humilitate" wird vom Biographen nicht erwähnt.
5: Es sind die „Libri duo de gratia et libero arbitrio".
6: Dieses Werk des heiligen Fulgentius ist uns nicht erhalten.
7: Thrasamund starb am 28. Mai 523. Hilderich hatte beinahe vierzig Jahre am Hof zu Konstantinopel gelebt und war mit Justinian verbündet. Dies erklärt wohl den Umschwung in der Behandlung der katholischen Kirche.