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Die grösste Diskrepanz zwischen Investoren und ihren Finanzberatern besteht laut der Schroders Global Investor Study in Grossbritannien, den USA und Deutschland. Die Berater in Hongkong, Südkorea und Australien dagegen scheinen sich der Bedeutung des nachhaltigen Investierens für die Investoren weitaus bewusster zu sein.
Der durchschnittlichen Zahl von 6,1 von 10 möglichen Punkten, die Investoren in Grossbritannien dem Stellenwert von ESG-Themen (Environment, Social, Governance) einräumten, stand bei den Beratern eine Einstufung von 5,4 gegenüber. In den USA war der Unterschied sogar noch grösser. Hier betrug der Wert bei den Investoren 7,3 und bei den Beratern 5,5 Punkte.
"Die Menschen sind sich der Umweltbedrohungen und sozialen Probleme bewusster denn je. Daher überrascht es nicht weiter, dass sie diese auch in ihren Anlagen widergespiegelt wissen möchten", so Jessica Ground, Leiterin Stewardship.
Im Zuge der Schroders Global Investor Study wurden 20 000 Personen befragt, die mindestens 10 000 Euro (oder den Gegenwert in einer anderen Währung) investieren, und die für Investoren wichtigsten Themen erörtert.
Durch weitere Fragen wurden die unterschiedlichen Meinungen von Finanzberatern und Investoren eingehender beleuchtet. Beispielsweise würden nur 19 % der Berater empfehlen, eine erfolgreiche Anlage in einem Unternehmen, dessen Geschäft sich negativ auf den Klimawandel auswirkt, zu verkaufen. Bei den Investoren – also ihren eigenen Kunden – gab ein ungleich höherer Anteil (28 %) an, dass sie eine solche Anlage definitiv verkaufen würden.
Die Auswirkungen auf die Anlagerenditen
Die Debatte darüber, inwieweit die Berücksichtigung von ESG-Themen bei Investitionen ins Gewicht fällt – ob also die selbst auferlegte Disziplin niedrigere Renditen zur Folge hat – hält an.
Laut einer aktuellen Studie von MSCI stiegen die Renditen von Strategien, die in Unternehmen mit einem sich verbesserndem "ESG-Score" investieren, gegenüber dem MSCI World Index um bis zu 2,2 % jährlich. Die Verfasser wiesen darauf hin, dass bei Unternehmen, die in diese Kategorie fallen, weniger oft Umweltstrafzahlungen verhängt werden und weniger Arbeitskämpfe stattfinden. Vielmehr profitieren die Unternehmen, indem sie zum Beispiel saubere Technologien früh übernehmen.
"Die Berater sehen sich zu Recht dem Druck ausgesetzt, für ihre Kunden Renditen zu erwirtschaften", so Jessica Ground von Schroders. "Scheinbar sind viele von ihnen der Auffassung, dass Kompromisse eingegangen werden müssen, wenn ESG-Faktoren zu berücksichtigen sind. Wir hingegen vertreten eine ganz gegensätzliche Meinung: Die langfristigen Aussichten für Unternehmen und ihr ESG-Management sind in wesentlichen Aspekten miteinander verbunden.
Die Wirklichkeit sieht folgendermassen aus: Vielen Investoren kommt es sehr wohl darauf an, wie die Unternehmen, in die sie investieren, mit umweltbezogenen und sozialen Themen umgehen, daneben schätzen sie auch eine starke Unternehmensführung."
Bereitschaft für das Warten auf Renditen
Bei Investitionen mit potenziell positiven Auswirkungen auf die Umwelt oder die Gesellschaft kann es einige Zeit dauern, bis Renditen erzielt werden. In der Schroders Global Investor Study wurden Investoren gefragt, ob sie bereit wären, Anlagen länger zu halten, bei denen ESG-Richtlinien befolgt werden. Bei diesem Thema lagen die Meinungen der Investoren und die Berater dichter beieinander.
Die Investoren wären bereit, diese Anlagen um durchschnittlich 2,1 Jahre länger zu halten, während die Berater ihren Kunden raten würden, sie 2 Jahre länger als gewöhnlich zu halten.
Millennials wollen ESG
Nachhaltigkeitsfaktoren wie Unternehmensführung, gesellschaftliche Verantwortung und Umweltthemen wie Armut und Klimawandel sind den Millennials bei Anlageentscheidungen allesamt wichtiger als den älteren Generationen. Die Ansichten zwischen den beiden Altersgruppen unterscheiden sich am stärksten mit Blick auf die gesellschaftlichen Implikationen von Anlagen, etwa Armut und Klimawandel. Die Millennials bewerten diese Faktoren mit 7,2 von 10 im Vergleich mit älteren Anlegern (6,4 von 10) spürbar höher. Die Studie kommt ausserdem zum Ergebnis, dass Millennials eher geneigt sind, Mittel aus Unternehmen mit schlechter ESG-Bilanz abzuziehen. Das gilt vor allem für Unternehmen aus den Bereichen Waffenhandel/Rüstungsproduktion und solche mit Beziehungen zu repressiven Regimen.