Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03595.jsonl.gz/371

Mit einem erkrampften 5:1 über Japan sicherten sich die Schweizer den Klassen-Erhalt in der A-Gruppe und den Platz in der Zwischenrunde.
Das erste Schweizer Tor dieser WM leitete den Schweizer Sieg ein. Routinier Jean-Jacques Aeschlimann, der schon in Salt Lake City der beste Schweizer Skorer gewesen war, beendete 90 Sekunden vor Ende des ersten Drittels mit einer Direktabnahme nach Vorarbeit von Mattia Baldi und Gian-Marco Crameri die Durststrecke, die 157 Minuten und 43 Sekunden betragen hatte. Wieder Aeschlimann! Schon vor einem Jahr erlöste der Seeländer das Krueger-Team, als dieses gegen Italien 0:1 zurücklag und scheinbar strauchelte.
Vor Aeschlimanns Tor hatten die Schweizer selbst gegen Japan bangen müssen. Japan war nach elf Minuten durch Masatushi Ito in Führung gegangen und hätte nach einer Viertelstunde sogar höher als 1:0 führen können.
Ralph Krueger gestand, dass er nach 16 Minuten ein Stossgebet erliess, dass doch sein Team nicht wieder mit einem Rückstand in die Kabine müsse. Die Verunsicherung nach den offensiv ertraglosen Partien gegen die Tschechen (0:5) und Deutschen (0:3) war den Schweizern in dieser Phase gut anzumerken.
Starker Kloten-Block
Nach Aeschlimanns 1:1 war alles anders. Im zweiten Drittel fiel die Entscheidung zu Gunsten der Schweizer früh und innerhalb von 172 Sekunden. Der Kloten-Block mit Martin Plüss, Adrian Wichser und dem künftigen Klotener Marc Reichert erzielte in den ersten vier Minuten des Drittels die Tore vom 1:1 zum 3:1, wobei Plüss (22.) und Wichser (25.) trafen.
Diese Linie erarbeitete in der 32. Minute auch das 4:1. Adrian Wichser konnte solo aufs Japan-Tor zuziehen und wurde gefoult; Jean-Jacques Aeschlimann verwertete den fälligen Penalty zum 4:1. Das siegsichernde 5:1 erzielte in der 38. Minute Verteidiger Martin Steinegger.
Was ist für die Schweizer nun in der Zwischenrunde noch möglich? Da die Resultate der Direktbegegnungen gegen Tschechien (0:5) und Deutschland (0:3) mitgenommen werden, benötigt die SEHV-Auswahl zweifellos einen optimalen Verlauf, um die Viertelfinals noch zu erreichen.
Ralph Krueger traut seinem jungen Team aber durchaus Exploits zu wie vor zwei Jahren in St. Petersburg. Krueger: "Die Situation in den Stunden vor dem Japan-Spiel war die schwierigste in meiner Zeit als Nationalcoach, obwohl Japan der leichteste Gegner war. Aber in diesem Spiel hatten nur wir Druck. In den vorangegangenen vier WM-Turnieren war in den Schicksalsspielen der Gegner stets auch unter Druck gestanden - diesmal nicht.
Diese letzten Stunden haben das Team zusammen gekittet: "Wir sind sicher nicht zufrieden, nur weil die A-Klassigkeit erhalten ist und ich meinen Job wieder für ein Jahr auf sicher habe."
Heimvorteil in Karlstad
Noch gibt es verschiedene Szenarien, nach denen die Schweiz die Viertelfinals noch erreichen kann. Im bestmöglichen Fall genügt dazu sogar ein klarer Sieg. Realistischer dagegen ist, dass die Schweiz aus den Partien gegen Kanada, die USA und Lettland vier Punkte benötigt, um noch unter die besten Acht zu kommen.
Am Dienstag verschiebt das Schweizer Team aus dem trüben und während der letzten fünf Tagen regnerisch kühlen Jönköping nach Karlstad - dorthin, wo die Sonne immer scheinen soll. Vielleicht scheint die Sonne dort auch dem Schweizer Team.
In Karlstad, der Basis von Färjestads BK (Martin Gerber, Marcel Jenni, Coach Bengt- Ake Gustafsson), werden die Schweizer einen kleinen "Heimvorteil" haben. Und bislang lief in Schweden wenig für das Schweizer Team. Auch dem japanischen 1:0 am Montag war wieder ein unglücklicher Puck-Bounce vorausgegangen (von Streits Schlittschuh auf den Stock Fujitas).
Bei sechs der neun Schweizer Gegentore an dieser WM war auch etwas Pech im Spiel. "Noch mehr Pech", so Krueger, "kann es einfach nicht mehr geben. Ab jetzt läuft der Puck für uns!"
swissinfo und Rolf Bichsel (Si)