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Wanderausstellung der Public Eye Regionalgruppen zum Thema Saatgut.
Beginn des Anbaus von Pflanzen und damit auch der Pflanzenzüchtung in Mesopotamien mit Gerste, Emmer und Einkorn, den Urformen des Weizens, und Feigen. Erstmals werden gezielt Pflanzen ausgewählt und unter kontrollierten Bedingungen angebaut. Ernteüberschüsse ermöglichen erste Wirtschaftsformen und sesshafte Gesellschaften entstehen.
Der Anbau von Getreide etabliert sich auch in Mitteleuropa. Mittels Auslese der ertragreichsten Pflanzen und Einkreuzungen von Wildgrasarten werden die Getreidesorten vielfältig verändert.
In verschiedenen antiken Kulturen werden Böden bereits systematisch gedüngt. Wo Städte mit einer grossen Bevölkerungszahl ernährt werden müssen, wird die Landwirtschaft organisiert betrieben und gezielt weiterentwickelt.
Die Römer bauen Getreide, Wein, Obst und Gemüse sehr erfolgreich an. Es entstehen riesige Landgüter mit Arbeitssklaverei. Gegen Ende der Epoche bricht die landwirtschaftliche Entwicklung jedoch ein und die Ökonomie schrumpft langsam zu einer knappen Selbstversorgungswirtschaft, die später auch das Mittelalter kennzeichnet.
Arabische Kulturen führen in Spanien neue Bewässerungstechniken ein und importieren Nutzpflanzen wie Baumwolle, Zuckerrohr und Brombeeren aus ihrer Heimat. Dank dem fortschrittlichen Umgang mit Wissenschaft im arabischen Raum sind Erkenntnisse aus der Antike über das europäische Mittelalter hinaus erhalten geblieben.
Die Dreifelder-Bewirtschaftung, d.h. ein Bodennutzungssystem mit zweijährigem Getreidebau (Wintergetreide, Sommergetreide) und einer einjährigen Brache-Phase, setzt sich durch. Es kommt zur Produktionssteigerung und dadurch zu einem Bevölkerungswachstum in Europa.
Technische Neuerungen wie z.B. der Hufbeschlag bei Pferden verändern die Landwirtschaft. Neue Feldfrüchte – unter anderem aus Amerika – werden weitverbreitet angebaut (Rüben, Klee, Raps, Kartoffeln etc.). Ödland wird gezielt kultiviert und Fruchtfolgen ermöglichen den lückenlosen Anbau. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Stallhaltung von Tieren und dadurch die Verfügbarkeit von Hofdünger für die Äcker.
Der Chemiekonzern BASF baut die erste Anlage zur Herstellung von synthetischem Ammoniak. Damit kann aus Luft und fossilen Energieträgern Stickstoffdünger hergestellt werden, um die landwirtschaftlichen Erträge zu steigern. Diese Errungenschaft führt zu einer Entkoppelung von Ackerbau und Viehwirtschaft.
Traktoren finden erstmals grössere Verbreitung. Dies lässt die Bewirtschaftung grösserer Flächen mit geringerer menschlicher Arbeitskraft zu.
Erste Hybrid-Maissorten werden entwickelt. Diese bringen höhere Erträge, sind aber auf mehr Dünger angewiesen. Gleichzeitig können Landwirt:innen daraus kein Saatgut nachziehen, sondern müssen es jedes Jahr neu kaufen. Dies gibt den Saatgutunternehmen Auftrieb, die seit Ende des 19. Jh. entstanden sind.
Die industrialisierte Landwirtschaft wird als «Grüne Revolution» in die Länder des Globalen Südens exportiert. In der Folge steigen vielerorts die Erträge. Es zeigen sich aber auch die Schattenseiten wie Umwelt- und Gesundheitsschäden sowie der Verlust von Bodenfruchtbarkeit.
Erste gentechnisch veränderte Pflanzen werden in den USA vermarktet. In Europa beginnt eine hitzige Debatte um den Einsatz von Gentech-Pflanzen in der Landwirtschaft. In der Schweiz wird 2005 durch die Annahme einer Volksinitiative ein Moratorium auf die Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen verhängt.
Chemiefirmen kaufen in grossem Masse Saatguthersteller auf. Mittels Gentechnologie gelingt es, Pflanzen herzustellen, die resistent gegen spezifische Herbizide sind. So lassen sich Saatgut und das passende Herbizid als Paketlösung verkaufen.
Es kommt zu einer weiteren grossen Konsolidierungswelle im Agrobusiness: Der deutsche Chemiekonzern Bayer übernimmt den US-amerikanischen Agrarriesen Monsanto, der Saatguthersteller DuPont und die Chemiefirma Dow Chemical fusionieren zum US-Konzern Corteva, und aus dem Zusammenschluss der schweizerisch-chinesischen Syngenta mit Agrochemiefirmen aus Israel und China geht die Syngenta Group mit Sitz in Basel hervor. Durch diese Mega-Hochzeiten festigen die führenden Konzerne ihren Vorsprung auf die wachsende Konkurrenz und perfektionieren die Kombination von Pestizid- und Saatgutgeschäft.
Neue gentechnische Verfahren wie CRISPR/Cas lassen die Debatte um die Gentechnologie neu aufflammen.