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Im Frühling 2018 schien für viele Einwohner in und um das Christenviertel von Damaskus die Lage hoffnungslos. Alle Schulen waren geschlossen, denn das Viertel war unter starkem Mörserbeschuss der in Ost-Ghouta verschanzten islamistischen Rebellen. An manchen Tagen waren es über vierzig Einschläge.
Besonders hart traf es die armenisch-katholische Schule, die in unmittelbarer Nähe eines schiitischen Bildungszentrums liegt, das stark von den sunnitischen Rebellen ins Visier genommen wurde. Ausserdem stellte der hohe Kirchturm der angebauten Kathedrale ein bevorzugtes Ziel für die Granaten der Rebellen dar.
Schulbetrieb trotz finanziellen Defizits
Die grosse mehrstöckige Schule des armenisch-katholischen Verwaltungsdistrikts von Damaskus ist dem Bischofshaus und der Kathedrale angegliedert. Vor dem Krieg besuchten 1000 Schüler von der ersten Klasse bis zur Matura die Schule. 2016 zählte sie nur noch 400 Schüler.
Die armenisch-katholische Schule leidet seit den ersten Kriegsjahren unter finanziellem Defizit, da einige Familien aus Angst vor dem Krieg nach Kanada und Europa auswanderten. Andere Familien, die in Damaskus aushielten, sind verarmt und das Schulgeld muss ihnen erlassen werden. Das Labor für den Chemieunterricht und der Computerraum sind in einem beklagenswerten Zustand. Im Winter wird nur minimal geheizt, denn Heizöl ist fast unbezahlbar geworden.
Schulleiter Abuna Georges Baheyan kennt die Sorgen und Leiden seiner Schülerinnen und Schüler und auch die der Eltern. In den schlimmsten Kriegsjahren war er täglich damit beschäftigt, den Familien Trost zu spenden und Lehrer zu ermutigen, in Damaskus zu bleiben, um weiterhin zu unterrichten. Er weiss, dass die Gehälter der Lehrer nicht ausreichen, um die rasant gestiegenen Kosten des alltäglichen Bedarfs abzudecken. Doch die Schule verfügt über keine Rücklagen.
Hohes Unterrichtsniveau
Abuna Georges weiss auch um die grosse Bedeutung der christlichen Schulen für alle Syrer. Das Niveau des Unterrichts ist sehr hoch: «Wir legen Wert auf das Erlernen mehrerer Fremdsprachen und sehen uns als Bindeglied zu muslimischen Familien, die ihre Kinder gerne auf christliche Schulen schicken.» In seinem kleinen Büro bewahrt Abouna Georges Teile der Mörsergranaten auf, die im Laufe der Kriegsjahre in seiner Schule einschlugen. «Immer wieder gab es Verletzte. Eine junge Schülerin wurde durch einen Mörsereinschlag getötet.»
Hoffnung zurückgekehrt
Doch der engagierte Priester hat wieder grosse Hoffnung geschöpft für den Fortbestand seiner Schule und die Zukunft des Christentums in Syrien. Seit Ostern 2018 ist es friedlich geworden in Damaskus und Normalität hat sich im Alltag eingestellt. Das Leben in der Hauptstadt Syriens ist wieder sicher. Viele Familien haben sich entschlossen, in ihrer Heimat zu bleiben oder kehren dorthin zurück.
Die Schüler leben ganz offensichtlich wieder auf und lernen mit Begeisterung. Das Lachen ist in ihre jungen Gesichter zurückgekehrt. Für das Schuljahr 2018 meldeten sich schon wieder 700 Kinder und Jugendliche zum Unterricht an.
CSI finanziert Schulbus
Da die mehrheitlich armenisch-katholischen Schüler aber aus ganz verschiedenen Stadtvierteln zum Unterricht ins Zentrum von Damaskus kommen – auch aus der zehn Kilometer entfernten Vorstadt Dscharamana – musste die Schule zum Unterrichtsbeginn im September 2018 unbedingt neue Schulbusse anschaffen. CSI hatte sich deshalb entschlossen, den Kauf eines dringend benötigten Schulbusses finanziell zu unterstützen. CSI will dadurch mithelfen, dass junge Syrer eine gute Zukunft in ihrer Heimat, der Wiege des Christentums, haben.
Peter Fuchs