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Die Lage am Staudamm im Toddbrook Reservoir scheint sich zu entspannen. Richard Coakley, ehemaliger Präsident des Instituts für Bauingenieure, sagte heute Morgen gegenüber BBC Radio Manchester:
Mehr als 1000 Personen – von der Polizei, der Ambulanz und der Feuerwehr – sind mit der Absicherung des Damms beschäftigt. Das Wasser wird mit Hochleistungspumpen aus dem Damm gepumpt und die undichte Stelle mit Sandsäcken gesichert.
Derzeit sind noch 48% des Reservoirs gefüllt – bis die Gefahr vollständig gebannt ist, darf noch maximal 25% des Wasserbestandes vorhanden sein.
Die letzten 24 Stunden war es verhältnismässig Trocken im Gebiet um den Staudamm, jetzt setzte der Regen wieder ein. Die lokale Feuerwehr kann die Regenmenge gemäss eigenen Angaben handeln – dank hohem Produktivitätsniveau soll die Senkung des Wasserspiegels auf 25% erreicht werden können.
Neue schwere Regenfälle könnten das Risiko eines Dammbruchs in Nordengland erheblich erhöhen. Einsatzkräften war es zwar gelungen, bis Sonntagnachmittag mehr als ein Drittel des Wassers in dem beschädigten Toddbrook Reservoir abzupumpen.
Doch sagten Meteorologen wieder hohe Niederschlagsmengen für die Region voraus, die alle Bemühungen zunichte machen könnten. Experten rechneten mit einer immensen Zerstörung, sollte der Damm brechen.
Mehr als 1500 Einwohner des Städtchens Whaley Bridge südöstlich von Manchester waren in den vergangenen Tagen in Sicherheit gebracht worden. Weitere 55 Häuser mussten angesichts der schlechten Wetterprognose noch am Samstagabend evakuiert werden.
Alle Betroffenen durften zunächst für kurze Zeit Haustiere, Medikamente und andere persönliche Gegenstände aus den Gebäuden holen. Am Sonntag wurde aber auch dies angesichts der Lebensgefahr verboten.
Einige Bewohner weigerten sich jedoch, die Gefahrenzone zu verlassen. «Sie setzen damit ihr Leben aufs Spiel», so Rachel Swann, Polizeichefin vor Ort. «Wir haben den Ort nicht einfach so evakuiert, sondern weil es eine reale Chance gibt, dass der Damm brechen könnte. Das wäre katastrophal», so Swann gegenüber von Reportern.
Einsatzkräfte versuchten verzweifelt, die Struktur des beschädigten Bauwerks aus dem 19. Jahrhundert zu stützen und den Wasserstand weiter zu senken. «Die Ingenieure sind sehr beunruhigt», sagte Feuerwehrchef Terry McDermott. In der Grafschaft Derbyshire hatte es in den Tagen zuvor ungewöhnlich stark geregnet. Innert 48 Stunden gab es so viel Niederschlag wie sonst in eineinhalb Monaten.
Premierminister Boris Johnson versuchte, den Einwohnern Mut zu machen. «Notfallhelfer, Ingenieure und Angehörige der Royal Air Force arbeiten rund um die Uhr, um den Damm zu reparieren», sagte er bei seinem Besuch am Freitag. In der Kleinstadt wurden Sorgen laut: «Sollte der Damm brechen, wäre wahrscheinlich der ganze Ort weg», sagte ein Mann der Zeitung «Derbyshire Telegraph».
Wie viele der rund 6500 Einwohner hatten der Mann und seine Frau ihr Haus verlassen müssen – die Behörden hatten unmissverständlich gewarnt, dass Lebensgefahr bestehe. Auch die Angst vor Plünderungen der leerstehenden Häuser nahm in der Bevölkerung zu.
Feuerwehren setzten Hochleistungspumpen ein, um Wasser abzuleiten. Der Pegel muss laut Johnson um acht Meter reduziert werden. Der Premier wies die Bevölkerung an, den Anweisungen der Behörden zu folgen. Sollte der Damm brechen, dürfte die Zerstörung immens sein.
Der Pegelstand des Flusses River Goyt könne schnell steigen, sollte Wasser aus dem Staudamm austreten, teilte die Umweltbehörde mit. Experten befürchteten, dass ein beschädigter Überlauf endgültig einbrechen und «massive Überflutungen» auslösen könne.
Immerhin enthalte das um 1830 gebaute Reservoir normalerweise rund 1.3 Millionen Tonnen Wasser. Die jährliche Inspektion fand nach Angaben der Binnenwasser-Verwaltung im November statt.
Zur Hilfe kam den Einsatzkräften die Royal Air Force: Ein «Chinook»-Transporthelikopter warf Hunderte Säcke mit einer Mischung aus Sand, Kies und Schotter ab, um die Mauer des Reservoirs zu stabilisieren und an anderer Stelle Wasserläufe umzuleiten.
«Ich lebe hier schon seit 45 Jahren, aber so etwas habe ich noch nie gesehen. Dass wir so in Gefahr geraten könnten, habe ich auch nicht gedacht», sagte eine Frau der Nachrichtenagentur PA. Teile des Ortes seien «wie eine Geisterstadt», berichtete ein Einheimischer der BBC.
Viel mehr als zu warten und zu hoffen, blieb den Einwohnern nach der Evakuierung nicht. Die meisten von ihnen waren in Notunterkünften oder bei Verwandten und Freunden untergekommen. In der Umgebung wurden auch mehrere Strassen und Bahnstrecken gesperrt. (mim/ohe/sda/dpa)