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Guten Morgen, du Schöner! Guten Morgen, du Verständnisvoller, du Frauenfreundlicher! Guten Morgen, lieber gewandelter Schweizer Mann!
Guten Morgen, du Schöner!
Guten Morgen, du Verständnisvoller, du Frauenfreundlicher! Guten Morgen, lieber gewandelter Schweizer Mann!
Was nicht erst seit Beginn der Frauenbewegtmg der Wunsch aller Frauen war, hat sich scheinbar in aller Heimlichkeit realisiert: Der herrschsüchtige und erfolgsbesessene Macho hat sich zum gefühlsvollen, hilfsbereiten Partner entwickelt, wenngleich nicht jeder, so doch fast jeder zweite. Wenn die Frauen den Wandel noch nicht feststellen konnten, so ist es ihr Pech (oder das Glück steht ihnen noch bevor); die Männer jedenfalls sprechen offen über ihr neues Selbstverständnis und über ihr neues Wohlbefinden, nachdem sie die herkömmlichen Funktions- und Verhaltensrollen ablegen konnten. So wenigstens wird es in einer von der Tages-Anzeiger-Gruppe in Auftrag gegebenen Untersuchung des Soziologen Walter Hollstein glaubhaft gemacht.
Der aus Basel gebürtige Berliner Professor hat eine repräsentative Auswahl von 406 Schweizer Männern aus fünf unterschiedlichen Gesellschaftsschichten nach deren biographischen, gesellschaftlichen, beruflichen und sexuellen Erfahrungen befragt, nach deren Vorlieben, Stärken und Wünschen. Die Auswertung der zehnseitigen Fragebögen mit den hundert Fragen hat das erstaunliche Resultat ergeben, dass 43,3 Prozent der befragten Männer sowohl die Emanzipation der Frauen wie die Emanzipation ihres eigenen Geschlechts begrüssen, ja dass 22,7 Prozent sogar “weibliche” Eigenschaften entwickelt haben. Ob mit den “weiblichen” Eigenschaften die Fähigkeit gemeint ist, sich allein zu versorgen (87,7 Prozent), zu backen (58,6 Prozent) oder zu nähen (51,2 Prozent), ob gar die viel bespöttelte Putzwut dazugehört (64,5 Prozent der befragten Männer geben an, täglich zu putzen) oder ob grösserer Gefühlsreichtum darunter verstanden wird (40,4 Prozent halten fest, sie seien “gefühlsvoller” geworden), bleibt offen. Dass mehr wie ein Drittel der Befragten mit einem vollumfänglichen Job-Sharing einverstanden wären, dass sie auch in der Erziehung von Buben und Mädchen keine geschlechtsspezifischen Eigenschaften vennitteln wollen, muss einerseits die Arbeitgeber, andererseits die Unterrichtsplaner und Lehrer zu entsprechenden Systemveränderungen veranlassen.
Wer sich für die Gesamtauswertung dieser Repräsentativbefragung von Schweizer Männern interessiert, wird sie im Spätsormner in einer Publikation des Werd-Verlags, Zürich, vorfinden. Von Walter Hollstein liegt ferner das Buch “Nicht Herrscher, aber kräftig. Die Zukunft der Männer” aus dem Verlag Hoffmann und Campe, Hamburg 1988, vor. Es enthält im Anhang den 100-teiligen Fragebogen und kostet 29.50 Franken. Und wen weder die Gesa1ntauswertung noch das Buch interessiert kann sich an die “annabelle” halten, die von Nummer 13 an (erscheint am 20. Juni) in drei Folgen die Ausdeutung der Untersuchung durch Walter Rollstein selbst publiziert.