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Stiftung Schweizer Wappen und Fahnen

Gemeindefusion im Kanton Wallis: Guttet-Feschel
Ab dem Jahr 2000 sind
die beiden Gemeinden Feschel und Guttet unter dem neuen Namen Guttet-Feschel
vereinigt.

Feschel
Das 1937 geschaffene Wappen soll den ursprünglichen Namen

Guttet
Das Wappen zeigt den heiligen Wendelin, den Schutzpatron

Die Gemeindeverwaltung war im Nachhinein mit dem gewählten Wappen offensichtlich nicht glücklich und verwendete anstelle des Wappens ein Logo. Die Wappenfrage wurde später wieder aufgegriffen und am 18. April 2010 konnten die Stimmberechtigten unter zwei überarbeiteten Varianten auswählen:
Erläuterungen zur kommunalen Abstimmung vom 18. April 2010
Gemäss Art. 68 Abs. e des Gemeindegesetzes (Nr. 175.1) ist die Wahl des Wappens dem geheimen Urnengang unterworfen. Aus diesem Grund konnte das an der Urversammlung vom 15.12.2004 gewählte Wappen nicht dem Staatsrat zur Homologation unterbreitet werden. Der Gemeinderat hat unter Einbezug von Fachleuten diverse Möglichkeiten geprüft. Entspricht ein Wappen nicht den heraldischen Regeln, kann der Staatsrat eine Homologation ablehnen. Dieser Aspekt war entscheidend für die Variantenwahl. Auch sollte die Bevölkerung die Möglichkeit erhalten, die damalige Wahl zu bestätigen, mit kleinen, heraldisch nötigen Anpassungen. An der ausserordentlichen Urversammlung vom 22.02.2010 wurden die zwei ausgewählten Wappen vorgestellt. Über diese bestimmt das Volk am 18.04.2010. Die heraldischen Berichte von Herrn Prof. Dr. Gaëtan Cassina, Präsident der Schweizerischen Heraldischen Gesellschaft, Schatzmeister der Académie Internationale d’Héraldique, fallen wie folgt aus:
A: Zitat: „Diese Variante ist die leicht veränderte Übernahme des vor einiger Zeit gewählten Wappens, welches Herr Joseph M. Galliker mit Recht hart beurteilte (im WB). Dank der Bestrebungen von Herrn Paul Heldner wird sie insofern «verbessert», als die Regeln der Heraldik irgendwie in Betracht genommen worden sind: Striche um die Figuren (Konturen), Kombination der Farben. Vom Geist der Heraldik bleibt aber diese Variante sehr fern: Wahl und Kombination der Figuren (Hl. Wendelin, Berg und besonders der Weg da drin) gehören zum «bestem» dessen, was man als «gegenheraldisch» oder «unheraldisch» betrachten kann. Menschliche Figuren gelten als besonders unwillkommen in der Wappenkunst - mit wenigen Ausnahmen, die Berechtigung in der Geschichte finden. Berge sind eher symbolisch, d.h. stilisiert und nicht «naturgetreu» - was für den Hl. Wendelin auch gelten sollte - und der Weg darunter müsste in rein heraldischer Hinsicht verboten werden (Perspektive und Raumtiefe sind der Heraldik ganz fremd und nur ausnahmsweise toleriert - Kirche Valeria für das Domkapitel Sitten z. B.). Die Aufnahme dieses Projektes kann ich überhaupt nicht unterstützen und würde ich eher abraten.“
B:
Zitat: „Dieser Vorschlag hat den grossen Vorteil, einfache und
ausdrucksvolle Figuren zu kombinieren. Seine Stärke besteht im symbolreichen
Inhalt der gewählten Objekte: Der Hirtenstab als Vertreter für Wendelin (Guttet),
die Sonne und der stilisierte Berg (Feschel), der dazu als gemeinsames
verbindendes Glied wirkt. Dank Herrn Heldner ist die Komposition
einheitlich, die Farbenregel respektiert und das Ergebnis heraldisch
durchaus annehmbar. Der Versuch einer Vereinfachung von «schlechten» Figuren
(Wendelin und Berg mit Weg) ist verdienstvoll und zu begrüssen. Nur muss man
aufpassen, dass die Sonne (ohne Gesichtszüge, was nicht unbedingt so gut
ist) gross genug mit ihren alternierenden Strahlen bleibt, damit man sie
nicht mit einem Stern verwechseln kann. Ich darf diesem Vorschlag meine
Unterstützung einwandfrei geben.“
Gewählt wurde die Variante B mit 82 Stimmen. Die Variante A erhielt trotz der klaren Empfehlung zur Ablehnung doch noch 73 Stimmen.
Das neu gewählte Wappen ist gegenüber dem aus dem Jahr 2004 zweifellos ein beachtenswerter Fortschritt. Man suchte bei einem Walliser Fachmann für Heraldik, Herrn Prof. Dr. Gaëtan Cassina, Rat und Unterstützung. Doch leider wurde sein Rat, die Sonne mit einem Gesicht zu versehen, damit sie nicht mit einem Stern verwechselt werden kann, in den Wind geschlagen. Diese Sonne kann aus gestalterischen Gründen nicht wesentlich vergrössert werden. Die Sonne und der Hirtenstab müssen etwa die gleiche Fläche aufweisen, sonst entsteht ein Ungleichgewicht. Die Gestaltung der Berge ist noch stärker zu beanstanden, da es sich eher um Angst einflössende Haifischflossen als um Bergspitzen handelt. Oder sind anstelle von Bergen Schneewächten (überhängende Schneemassen bzw. Schneeverwehungen) dargestellt? Wir können nur vermuten, dass der Grafiker die Form der Berge eigenmächtig verändert hat. Die offizielle Beschreibung ist am Schluss dieser Seite zu finden.
Dass die Schweiz als Alpenland ihre Berge auch in der Heraldik thematisiert, ist verständlich. Da aber in der Heraldik naturalistische Darstellungen nur in stark stilisierter Form erlaubt sind, verursachen die Berge doch einiges Kopfzerbrechen. Grundsätzlich stehen für das Motiv "Berg" nur die heraldischen Figuren Dreiberg (mit Abwandlungen natürlich auch Ein-, Zwei-, Vier-, Fünf- und Sechsberg) und Spitze zur Auswahl.
Blasonierung des ab 2010 gültigen Wappens:
In Blau drei erniedrigte silberne Spitzen, gelber Hirtenstab herauswachsend zwischen der rechten und der mittleren Spitze, gelbe Sonne über dem Zwischenraum der mittleren und linken Spitze.

Exkurs: Berg und Gebirge in der Heraldik
Beispiele mit dem klassischen
Dreiberg:
1.
Heiligenschwendi BE: In Blau
auf einem goldenen Dreiberg eine gebildete goldene Sonne.
Beispiele mit Spitzen, die als Berge zu verstehen sind:
1. Hemberg SG: In Silber
drei grüne Spitzen.
Nicht eindeutige (unheraldische) Beschreibungen:
1. Arosa GR: In Blau
über silbernem Zweispitzberg goldene Strahlensonne.
Beispiele von Dreibergen mit etwas freieren Gestaltung:
1.
Schneisingen AG: In Blau
über hohem grünen Dreiberg zwei sechsstrahlige gelbe Sterne.
Diese Beispiele illustrieren die Problematik: Ist die mittlere Bergkuppe vor oder hinter den beiden andern? Sind die Kuppen spitz oder gerundet?
Beispiele mit unheraldischen Bergdarstellungen:
1.
Stein SG: In Gold
auf gewölbtem goldenen Boden der grüne Goggeienberg
Die Blasonierungen sind folgenden Büchern entnommen:
Die Walliser Gemeinden und ihre
Wappen, Verlag Ketty & Alexandre, Chapelle sur Moudon