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Gerne durchstöbern wir das Angebot der bekannten Auktionshäuser. Wenn uns etwas besonders gut gefällt, präsentieren wir es hier als «Pick of the Week». Heute sind es gleich drei von Vignale eingekleidete Fiat, gefunden bei RM Sotheby’s.
- Fiat 600 Coupé von 1963
- Fiat 600 Spider von 1965
- Fiat 1500 Coupé von 1964
Alfredo Vignale, geboren 1913 in Turin, arbeitete vor dem 2. Weltkrieg bei Stabilimenti Farina – nicht zu verwechseln mit Pininfarina – als Karosseriebauer. Nach dem Krieg konnte er mit Hilfe von Piero Dusio, dem Gründer von Cisitalia, sein eigenes Unternehmen aufbauen, Carrozzeria Vignale & C. – und er hatte schnell Erfolg, Als erstes eigenes Modell wurde bereits 1948 ein «Topolino» von Fiat neu eingekleidet. (Bilder unten: Fiat 600 Coupé von 1963.)
Weiter ging es mit Cisitalia, dann ab 1950 auch mit Ferrari. Die von Vignale eingekleideten Rennwagen aus Maranello gewannen 1951 die Carrera Panamericana, von 1951 bis 1953 auch die Mille Miglia. Gezeichnet hatte diese grossartigen Fahrzeuge aber nicht der Chef, sondern sein Mitarbeiter Giovanni Michelotti, der in der Folge zu einem der bekanntesten Auto-Designer überhaupt aufsteigen sollte. Bis Ende der 50er Jahre mehrte sich der Ruhm von Vignale fleissig weiter, vor allem dank mehrer Maserati, die das Unternehmen einkleiden durfte. Für Lancia zeichnete Vignale nicht bloss die Karosserien des Appia und des Flavia Cabriolet, sondern baute gleich die ganzen Fahrzeuge in Kleinserien. (Bilder unten: Fiat 600 Spider von 1965.)
Doch dann, Anfang der 60er Jahre, wurden die Begehrlichkeiten zu gross. Vignale wollte selber Autos bauen, konstruierte die «Eveline» und die «Samantha» auf Basis des Fiat 124 bzw. 125 – und den wunderbaren Gamine, ein Fiat 500 als Roadster, der in Deutschland über das Versandhaus Otto bestellt werden konnte. Aussergewöhnlich sicher auch die Zusammenarbeit mit dem japanischen Hersteller Daihatsu, die den Compagno bei Vignale massschneidern liess. Und noch aussergewöhnlicher sicher die Kooperation mit dem tschechischen Hersteller Tatra, für den Vignale das Modell 613 zeichnete – das ohne grosse Veränderungen bis 1998 gebaut wurde. (Bilder unten: Fiat 1500 Coupé von 1964.)
Doch das Geld zerrann Alfredo Vignale zwischen den Fingern. 1969 musste er an die Carrozzeria Ghia verkaufen, die dem argentinischen Hasardeur Alejandro de Tomaso gehörte – und wenige Tage später, am 16. November 1969, verstarb Alfredo Vignale bei einem Auto-Unfall, dessen Umstände nie restlos aufgeklärt werden konnten. Doch seine Entwürfe werden ewig leben, ganz egal, ob es nun teure Ferrari sind oder hübsche Fiat.
Die drei Fahrzeuge, die wir hier zeigen, stammen aus der famosen «Iseli Collection», kommen am 15. September bei RM Sotheby’s in St.Moritz zur Versteigerung und sind in feinem Zustand, aussen wie innen. Alle Fahrzeuge aus der «Iseli Collection» kommen als «no reserve» unter den Hammer, es gibt noch reichlich weitere Fiat im Angebot.
In der monatlich erscheinenden Klassik-Beilage der AUTOMOBIL REVUE finden Sie immer schöne Old- und Youngtimer. Abos gibt es: hier. Unter «Pick of the Week» präsentieren wir gerne günstige und vor allem spannende Automobile, die wir auf Auktions-Vorschauen entdecken – eine Liste der schon vorgestellten Fahrzeuge finden Sie hier. Und eine Zusammenfassung der bereits präsentierten Autos aus der «Iseli Collection» ist: hier.