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Die erste mittelalterliche Kapelle auf dem Möriker Kirchhügel stand vermutlich unter dem Schutz des Heiligen Antonius des Grossen. Der Wüstenvater wurde um 250 in Ägypten geboren und gilt als Begründer des christlichen Mönchtums. Er lebte als Einsiedler ein asketisches Leben, während dem er sich immer wieder verschiedenen Versuchungen widersetzen musste, die ihm der Teufel sandte. Der Wüstenheilige wurde im Mittelalter sehr verehrt. Der nach ihm benannte Antoniter-Orden breitete sich von Frankreich rasch über ganz Europa aus und widmete sich der Krankenpflege; in erster Linie der Pflege der am Antoniusfeuer Erkrankten. Die Krankheit wurde durch von Mutterkorn vergiftetes Getreide hervorgerufen und war im Mittelalter stark verbreitet.
Im Laufe der Zeit aber trat ein anderer Antonius an die Stelle des Wüstenvaters, nämlich der Heilige Antonius von Padua. Er ist heute der Schutzpatron der katholischen Kirche Wildegg, die vom Schweizer Architekten Justus Dahinden entworfen und 1969 eingeweiht wurde.
Geboren wurde Antonius von Padua 1195 in Lissabon, sein Taufname lautete Fernando. Schon früh trat er seine Ausbildung im Augustinerkloster an, zunächst in seiner Heimatstadt, kurze Zeit später in Coimbra. Dort entstand der Wunsch, sich den Franziskanern anzuschliessen, und 1220 trat er ins Kloster Santo Antonio dos Olivares. Geweiht war das Kloster dem Heiligen Antonius dem Grossen, dessen Taufnamen der junge Mönch mit seinem Eintritt in den Orden annahm. Von Portugal aus ging Antonius zunächst nach Marokko, später nach Italien, wo er durch seine Redekunst viele Menschen zum christlichen Glauben bekehrte; sogar die Fische sollen die Köpfe aus dem Wasser gestreckt haben, um seinen Predigten zu lauschen. Seine letzten Jahre verbrachte Antonius in Padua, wo er 1231 verstarb. Vom Volk wurde er bereits zu Lebzeiten sehr verehrt. Nur ein knappes Jahr nach seinem Tod wurde er von Papst Gregor IX heiliggesprochen.
Auch im Kloster Königsfelden, 1311 gegründet,
wurde Antonius von Padua von den Franziskanermönchen sehr verehrt. Sie waren
wohl auch die treibende Kraft, dass schon bald Antonius von Padua als
Kirchenpatron von Möriken an die Stelle des Wüstenheiligen trat. Immerhin
gehörte Möriken-Wildegg kirchlich lange zum Staufberg, das unter der
Kirchherrschaft von Königsfelden stand.
Die Antonius-Glocke von Möriken aus dem Jahre 1400 ist einer der ältesten erhaltenen Glocken im Aargau – und in einer reformierten Aargauer Kirche zu besichtigen! Noch etwas älter allerdings ist eine andere Glocke, die als erste Aargauer Glocke gilt und immer noch geläutet wird. Es ist eine Glocke, die der Heiligen Barbara geweiht ist. Gegossen wurde sie 1367 vom ersten Aarauer Glockengiesserbetrieb, durch Walter Reber: «Fusa sum arow» («Ich wurde gegossen [zu] Aarau»). 2011 wurde die Barbara-Glocke durch H. Rüetschi AG restauriert. Sie ist die älteste Glocke und Teil des Geläuts der Kathedrale von Fribourg, das aus 13 Glocken besteht. Sie erklingt allabendlich um 22.15 Uhr.
«Schweiz am Sonntag» vom 21. März 2013: «Und Barbara klingt immer noch: 1367 wurde in Aarau die erste Glocke gegossen, 700 Jahre später haben sie Aarauer Spezialisten in Freiburg restauriert»