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Der Tätowiervorgang
Das ursprüngliche Tatauierverfahren
In den polynesischen Völkern, dem Ursprungsort der Tätowierung, stand dem Tätowierer ein Tatauierkamm (Kamm mit Nadeln) zur Verfügung. Dieses Gerät tränkte er in eine fettige Russpaste und schlug die Farbpartikel bis in die Unterhaut. Die Farbe drang in die dortigen Zellen ein, ohne wegtransportiert zu werden.
Im indischen Kutch, um nochmals ein Beispiel aufzuzählen, tatauieren sich die Frauen, um ihren Wohlstand und ihre soziale Stellung auszudrücken. Dabei wird eine Nadel verwendet, die man zuvor in schwarze Tusche getaucht hat. Dieser Farbstoff besteht aus einem Gemisch aus Petroleumruss und der Rinde des Kinobaums.
Das Tautaurieren ist im allgemeinen ein sehr schmerzhafter Vorgang. Bei grösseren Tätowierungen muss es in vielen Abschnitten wiederholt werden, da der Körper sich von den Nebenwirkungen (Schmerzen, Schwellungen, Rötungen) erholen muss. Des Weiteren findet man diese Tradition in Indonesien. Auch dort besteht die Farbe aus einem Gemisch aus Petroleumruss und Zuckerrohrsaft.
Heutzutage benutzt man beim Tätowieren die durch Elektrospulen angetriebene Tätowiermaschine, diese macht ca. 3'000 - 5'000 Stiche pro Minute (sie wurde 1891 von O'Reilly erfunden).
Die Nadel wird in chemische oder pflanzliche Farbstoffe getaucht. Infolge der Kapillarwirkung wird die Farbe in das Röhrchen der Tätowiermaschine gesogen.
Doch zunächst wird die betreffende Hautstelle rasiert und gereinigt. Dabei wird ein Desinfektionsmittel aufgetragen. Dann wird die Zeichnung mittels einer Vorlage auf Löschpapier auf die Haut übertragen. Daraufhin beginnt die eigentliche Tätowierung, indem man zuerst die Aussenlinien einsticht. Während dem Tätowieren muss die Haut immer wieder mit Vaseline eingefettet werden, damit sie weich bleibt. Dadurch treten weniger Schmerzen auf und die Farbe kann besser einwirken.
Was geschieht mit der Haut?
Die Haut besteht aus drei Schichten: Der Oberhaut, der Lederhaut und der Unterhaut.
Die Oberhaut besteht aus Zellen, die von der Lederhaut hinaufgeschoben werden, verhornen und schliesslich abschuppen. Die Lederhaut befindet sich unter der Oberhaut. Sie enthält Bindegewebe, Fasern, zahlreiche Blut- und Lymphgefässe, Pigmentzellen, Endfasern von Nervenzellen, Schweiss- und Talgdrüsen sowie die Haarwurzeln. Die darunterliegende Unterhaut beinhaltet Nervenfasern sowie Blut- und Lymphgefässe.
Die Nadel der Tätowiermaschine sticht einige zehntel Millimeter in die Haut ein und hinterlässt in der Lederhaut Farbe. Sticht man zu tief, vernarbt die Haut. Wird dagegen zu flach gestochen, wird die Farbe aus der Haut abgetragen.
Beurteilungskriterien
Gute Tattoos
haben gleichmässige Umrisslinien
man sieht nicht, wo die Maschine neu angesetzt wurde
Linien überschneiden sich nicht und sind nicht unterbrochen
Schattierungen haben keine Übergänge zwischen den Farbstufen
die Farbe ist gleichmässig verteilt
Farbausfüllung des Tattoos bis an die Umrisslinien
Realistische Abbildung (z.B. natürliche Proportionen und Schatten)
Hygiene
Ein Tätowierstudio ist hygienisch vertretbar, wenn
es nass gereinigt werden kann
es regelmässig mit einem vorgeschriebenen Desinfektionsmittel gereinigt wird
niemand im Studio raucht oder Alkohol konsumiert
sich keine Haustiere im Raum befinden
die Nadeln der Tätowiermaschine nur 1 x pro Tätowierung gebraucht werden
der Tätowierer Handschuhe trägt
die Vaseline beim Tätowiervorgang mit einem Spachtel aufgetragen wird
(Spachtel sollte auch nur bei 1 Kunden/Kundin benutzt werden)
bei jeder Tätowierung neue Farbtöpfe und Rasierer verwendet werden
der Tätowierer während der Arbeit zwar Telefon, Türklinken usw. anfasst, danach aber seine Handschuhe wechselt
Warnung !
An dieser Stelle sei vor einigen Möchtegerntätowierern gewarnt, die keine Ahnung von der Tätowiertechnik haben und ahnungslosen Kunden die Haut verschandeln. Mit Hilfe einer Tätowiermaschine, die sie gar nicht bedienen können und schlechter Farbe, fügen sie der Haut Verletzungen zu. Die Tätowierungen werden miserabel. Das Risiko sich mit einer Krankheit, wie Hepatitis, Gelbsucht oder HIV anzustecken ist gross, wenn es an der Hygiene mangelt. Deshalb sollte man die oben erwähnten Beurteilungskriterien und Hygieneregeln ernst nehmen und sich das Studio und den Tätowierer gut anschauen.
Vorsicht auch bei Tätowierungen in anderen Ländern (vor allem auf irgendwelchen Marktständen!).
Biotattoos
Jene Kunden, die sich ein Tattoo für ein paar Monate wünschen, das danach wieder verschwindet, sei an dieser Stelle von den sogenannten "Biotattoos", die nach dem Prinzip des Permanent Make-up funktionieren, abzuraten.
Es kann durchaus vorkommen, dass eine Farbe benutzt wird, die unter Einfluss von UV-Strahlen ihren Farbton ändert. Oft werden falsche Nadeln verwendet. Dadurch gelangt die Farbe nicht tief genug. Zwar verschwindet das Bild nach etwa zwei Monaten, es bleiben aber in der Regel hässliche verblasste Farbüberreste zurück, die nicht mehr von selbst verschwinden.
Fazit: Lass Dir lieber ein echtes Tattoo stechen oder gar keins (oder besorg Dir ein Abziehbildchen )!
Pflege der Haut (Empfehlungen von Rico)
Einige Tage nach dem Tätowiervorgang bildet sich Schorf auf der Wunde. Diesen darf man nicht aufkratzen. Zudem sollte man die Haut während 3 Tagen 3 x pro Tag eincremen (Salbe wird von mir mitgegeben). Danach sollte man sie in Ruhe von selbst heilen lassen. Nachdem der Erstverband von mir entfernt worden ist, darf man keinen Zweitverband mehr anbringen, da sonst die Wunde mangels Sauerstoff nicht verheilt.
Während des ersten Monats darf man weder im salz- noch chlorhaltigen Wasser schwimmen oder Sonnenbaden !!!
Im Laufe der Jahre kann ein Tattoo durch zu intensive Sonneneinstrahlung verblassen, deshalb müssen Tätowierte ihr Bild mit einer guten Sonnencreme schützen.
(Beachte dabei das separate Blatt mit den Pflegeanleitungen, die ich nach der Tätowierung jedem Kunden / jeder Kundin mitgebe!)
Tattooentfernung
Die häufigste Art sich eine Tätowierung entfernen zu lassen, stellt der Laser dar. Die gebündelten Laserstrahlen zerstören die Hautpigmente. Diese werden von körpereigenen Makrophagen (Fresszellen) weggeschafft. Anschliessend entsteht an der entsprechenden Stelle Schorf, der nach ca. 1-2 Wochen abfällt.
Diese Prozedur ist je nach Grösse und Farbe der Tätowierung sehr kostspielig und langwierig. Zwischen den einzelnen Behandlungen vergehen in der Regel 6-8 Wochen, da die Farbe einige Zeit braucht, um sich abzubauen.
Es müssen verschiedene Laser benutzt werden, da die unterschiedlichen Farben zu ihrer Zerstörung entsprechende Wellenlängen benötigen. Ein helles Tattoo verschwindet schneller, als ein dunkles. Orange und gelb sind nur schwer zu entfernen (schwarz geht besser). Vor allem bei dunkelhäutigen Menschen kann es zu sichtbarer, irreversibler Depigmentierung kommen.
Narbenbildung ist bei dieser Technik, entgegen landläufiger Meinung, NICHT ausgeschlossen!
In einigen Fällen kommt es zu allergischen Reaktionen, da die Laserstrahlen die Farbstoffe im Hautinnern zu Allergenen umwandeln (diese sollten allerdings im Zuge der Behandlung wieder verschwinden).
Trotz Lokalanästhesie beklagen sich manche Patienten über Schmerzen und Blasenbildung (ist je nach Person und Tattoo sehr individuell).
Fazit: Entweder kein Tattoo stechen lassen oder dann lieber ein Cover-Up über die alte Tätowierung.
Schritt 1.
Altes Tattoo mit
Skizzenbeginn
Schritt 2.
Die Skizze für
das neue Tattoo
Schritt 3.
Das alles abdeckende,
neue Tattoo (Cover-Up)
Tattooarten
Tribals (Tribal = Stamm)
Tribals sind Nachahmungen polynesischer Stammestätowierungen. Sie zeigten die soziale Stellung oder den Übergang ins Erwachsenenalter. In der Regel unterschieden sich die Bemalungen der Frauen von denen der Männer. Infolge der europäischen Kolonisation und der daraus resultierenden christlichen Missionierung, die Tätowierungen aufs schärfste ablehnte, wurden die Hautbilder verboten und gerieten in Vergessenheit. Durch die Unabhängigkeit der polynesischen Staaten wurden sie jedoch wiederentdeckt und sind heute ein wichtiger Aspekt der kulturellen Identität.
Sie gelten, dank ihrer Schlichtheit und Ästhetik, als eines der beliebtesten Tattoomotive.
Tribals verlangen eine perfekte Linienführung und eine gleichmässig gefüllte, schwarze Fläche. Zudem muss man darauf achten, dass sie sich der menschlichen Anatomie, deren Form sie hervorheben, vollständig anpassen.
Indianer-Tattoos
Indianer stehen für ein naturnahes Leben, Erdverbundenheit und grenzenlose Freiheit. Ihre Kultur erweckt die Sehnsucht der heutigen Stadtmenschen, die aus ihrem hektischen Alltag ausbrechen wollen. Auf einem Indianer-Tattoo muss nicht zwingenderweise auch ein Indianer abgebildet sein. Auch Abbildungen von Falken, Wölfen und Bisons sind in diese Kategorie einzureihen. Besonderer Beliebtheit erfreute sich diese Tätowierungsart bei den Hippies der 60er Jahre, genauso wie bei den Rockern und Bikern der 70er.
Haida
Haida sind indianische Wappentiere, die die Totems eines Stammes oder die Haut eines Indianers schmückten. Die dargestellte Figur stellt oft ein Mischwesen aus Mensch und Tier dar. Diese gilt als Abbildung eines Gottes oder Ahnen, der ebenfalls halb Tier halb Mensch war.
Kennzeichnend für Haida-Tattoos ist ihre Perspektive, die meistens Vorder- und Seitenansicht der Figur zugleich darstellen. Aber auch die Tatsache, dass an einigen Verbindungsstellen der Organe Augen abgebildet sind. Die Zeichnungen sind hauptsächlich in roten und schwarzen Farbtönen gehalten.
Celtics
Hauptmerkmal der keltischen Tätowierungen sind ihre komplexen Ornamente und Flechtwerke, die ihren Ursprung dem Stamm der Pikten (lat.: picti = die Bemalten) verdanken. Oft sind Tiere wie z.B. Drachen und Schlangen mit den aufwendigen Mustern verflochten. Weitere Motive der Kelten waren Spiral-, Treppen-, und Schlüsselbartmuster. Da historische Belege fehlen, kann man über ihre damalige Funktion und Bedeutung nur spekulieren. Für ihre Bilder hatten sie eine reiche Palette an pflanzlichen Farbstoffen zur Verfügung, benutzten für eine Zeichnung jedoch nie mehr als vier Farben auf einmal. Diese Farben gewannen sie vermutlich aus Krapp (roter, pflanzlicher Farbstoff der Färberröte), schwarzem Johannisbeersaft, Waid (blauer pflanzlicher Farbstoff) und Grünspan (Kupferacetat).
Bei der Anfertigung einer keltischen Tätowierung muss man darauf achten, dass das komplexe Flechtwerk richtig abgebildet wird, denn es kann durchaus vorkommen, dass dem Tätowierer ein Fehler unterläuft.
Gemälde
Wenn man sich ein berühmtes Gemälde abbilden lassen will, sollte der Tätowierer ein absoluter Profi sein. Man sollte nicht ein allzu grosses Bild verkleinern wollen, da dies auf kleiner Fläche unmöglich ist. Wählt man ein kleines Gemälde mit zahlreichen Linien, besteht die Gefahr, dass das Tattoo mit der Zeit verschwommen wirkt, da sich die Haut ausdehnt. Am besten eignen sich Bilder mit klaren Linien und grossen Flächen, wie die des Kubismus.
Porträt
Porträts gehören zu den anspruchsvollsten Tätowierungen überhaupt. Jede Schattierung und alle Proportionen des abgebildeten menschlichen Körpers müssen perfekt sitzen, sonst wirkt das Bild lächerlich. In der Regel lässt man sich Familienmitglieder und Berühmtheiten abbilden.
Wer sich für die Abbildung eines Portäts entscheidet, muss sich bewusst sein, dass die Sympathie zur dargestellten Person erlöschen kann. Man will ja nicht täglich den Ex-Partner im Spiegel betrachten müssen.
Schriften
Das Risiko bei einem tätowierten Begriff liegt in seiner Vergänglichkeit. So werden z.B. der Name der Geliebten, Vereine oder provokative Parolen abgebildet. Wer seine Meinung hinsichtlich seines persönlichen Mottos ändert, muss später mit seiner Tätowierung leben können.
Beliebtes Motiv ist die Fraktur-, Kursivschrift, oder Graffitis. Absolute Renner auf diesem Gebiet sind allerdings die japanischen und chinesischen Schriftzeichen. Diese sollte man sich von einem Kenner übersetzten lassen, um sicherzugehen, dass das Wort auch wirklich der beabsichtigten Bedeutung entspricht.
Tätowierungen und Gesellschaft
Tätowierverbot
Laut Gesetz ist es Minderjährigen untersagt, sich ohne Erlaubnis ihrer Eltern tätowieren zu lassen. Tätowierer müssen den Ausweis kontrollieren oder sich mit einem Anruf bei den Eltern vergewissern, ob sie mit dieser Entscheidung tatsächlich einverstanden sind. Wenn jemand trotzdem Jugendliche unter 18 Jahren tätowiert, können die Eltern juristisch gegen ihn vorgehen.
Die Gefahr bei Jugendlichen liegt darin, dass sie ihre Vorlieben schnell ändern und oft kommt es vor, dass sie ihre Wahl schnell bereuen.
Ferner sollten sich Diabetiker, Bluter, Infektionskranke sowie Menschen mit einer Thrombosegefahr nicht unter die Nadel legen. Ein entsprechendes Gesetz, das dies unterstreicht, gibt es nicht. Generell wird es der Vernunft eines Erwachsenen überlassen, ob er sich tätowieren lassen will oder nicht.
Familie
In der Regel verhalten sich Eltern nicht gerade begeistert, wenn ihr Kind mit einer Tätowierung am Körper auftaucht. Es muss meistens viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, bis sie die Hautbilder tolerieren. Eine Tätowierung kann zu Streitigkeiten führen, aber häufiger kommt es vor, dass die Eltern aufgrund der erreichten Volljährigkeit ihres Sprösslings kaum reagieren.
Alltägliche Begegnungen
Im öffentlichen Bereich kann es zu ganz unterschiedlichen Reaktionen kommen. In der Regel erfahren tätowierte Männer mehr Akzeptanz von ihrer Umgebung als Frauen. Kleine, gutgestochene Tattoos, die ein positives Symbol, wie z.B. eine Rose, Tribals oder Celtics ausdrücken, werden in der Regel akzeptiert und ernten interessierte Blicke oder ein neugieriges Gespräch.
Treffpunkt: Conventions
Das Highlight der Tattoofans sind die Conventions. Es ist ein Zusammentreffen der Superlative: Aus allen Teilen der Welt reisen Tätowierer zur grossen Ausstellungshalle, um sich zu präsentieren. Wer sich tätowieren lassen will, kann unter einer riesigen Vielfalt von Ständen und Motiven auswählen. Dieses Meeting wird gerne mit Musik- und Tanzshows begleitet. Es finden regelmässig Wettbewerbe statt, an denen eine Jury die schönsten Tätowierungen in den verschiedenen Kategorien kürt. Diese Jury, bestehend aus Tätowierern, beurteilt nach folgenden Kriterien: Linien, Konturen, Farben, Ausfüllung, Schatten, Komposition, Umsetzung, Extras, allgemeiner Eindruck.
Die Veranstaltungen werden in der Regel einmal jährlich von weltberühmten Tätowierern organisiert. Es ist ein Insidertreffen, um das nicht viel öffentliche Werbung betrieben wird. Als Neugieriger kann man sich die Stände in aller Ruhe ansehen und sich ev. einen geeigneten Tätowierer aussuchen. Conventions finden sowohl im Ausland, als auch in der Schweiz (z.B. in Zürich beim Albisgütli), statt.
Interview
Cristina (18 Jahre)
Cristina, weshalb hast Du Dich tätowieren lassen?
Zuerst einmal war es für mich der Reiz, etwas zu haben, dass nicht jeder hat. Damit meine ich nicht nur die Tätowierung als solches. Ich habe meine Vorlage selbst angefertigt, deshalb ist mein Tattoo etwas Einzigartiges. Eigentlich faszinierte es mich auch deshalb, weil ich eine Tätowierung für einen besonderen Körperschmuck halte, mit dem ich meine Haut einfach verzieren wollte. Sicher wollte ich auch meine Schmerzgrenze ausloten. Ich wollte sehen, wie weit ich gehen kann. Im Nachhinein geniesse ich auch die Aufmerksamkeit, die ich von fremden Menschen aufgrund meiner Tätowierung erhalte.
Wolltest Du Dein Umfeld nicht auch ein wenig schockieren?
Sicher, meine Mutter war total dagegen. Aber irgendwann wurde ich halt volljährig, da konnte es mir niemand mehr verbieten.
Wie kamst Du zu Deinem Motiv?
Das war ein ziemlich langer Weg. Ich wollte auf keinen Fall etwas Religiöses. Es kam aber auch kein Tier, kein Gesicht oder irgendeine Schrift in Frage. Es musste schwarz-weiss sein, weil ich nicht wollte dass die Farbe zu schnell ausbleicht. Es musste symmetrisch sein und sich meinem Körper anpassen. Tribals kamen für mich nicht in Frage. Die sind mir zu langweilig; zu wenig spielerisch. Eigentlich habe ich mein Motiv gewählt, indem ich alles ausgeschlossen habe was mir nicht gefallen hat. Ich habe beim Tätowierer viele Ordner mit verschiedenen Vorlagen durchgeblättert und einen Haufen Dämonisches gesehen. All diese fletschenden Gesichter haben mich einfach angewiedert.
Was siehst Du in Deiner Tätowierung? Was wolltest Du damit abbilden?
Es zeigt eine Fee oder Elfe, deshalb auch die zwei Flügel. Aber ich wollte keine Comicelfe auf meinem Rücken. Ich wollte mich nicht festlegen.
Was hälst Du davon, dass man sich ein Tattoo aus einem Ordner aussucht?
Ich finde es schade. Das zeigt mir, dass sich diese Person nicht wirklich mit ihrer Tätowierung auseinandergesetzt hat. Sie wird es wahrscheinlich bereuen. Vielleicht trauen sich manche Leute einfach nicht zu, ein Tattoo selbst zu zeichnen. Ich muss zu meinem Tattoo stehen können. Bei meiner Zeichnung kann man vieles hineininterpretieren. So wie sich meine Meinung irgendwann ändert, so ändert sich die Bedeutung meines Tattoos. Was sagt ein Löwe am Oberarm schon über eine Person aus? Das ist nichts Individuelles, sondern pure Massenware. Dafür muss man sich kein Tattoo stechen lassen.
Hast Du nicht Angst, dass sich Dein Tattoo in 20 Jahren verändern wird?
Aus diesem Grund trage ich es am Rücken, damit es nicht zu schnell altert. Stell Dir vor Du trägst eine Tätowierung am Bauch! Wenn Du nun schwanger wirst...
Würdest Du Dir ein zweites Tattoo machen lassen?
Nein, nie! Es soll ein Gesamtbild Tattoo-Körper entstehen. Es ist wie beim Essen: Man kann nicht Safran, Salz, Pfeffer, Senf und Zucker mischen. Das ist scheisse. Viele Tätowierungen verlieren an Ästhetik. Ich finde Ganzkörpertätowierungen absolut abstossend. Ich sehe nicht mehr einen Menschen vor mir, sondern nur seine Bilder. Die Tätowierungen verdecken diese Menschen, anstatt sie zu verzieren.
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24.08.2005