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Die Gletscher schmelzen 2016 weiter, jedoch nicht so stark wie im letzten Jahr
Nach intensiven Schneefällen im Mai und Juni sah es lange gut aus für die Schweizer Gletscher. Die Schneedecke blieb so lange liegen wie schon lange nicht mehr. Der zu warme Spätsommer führte dann aber doch zu starker Gletscherschmelze. Für alle Gletscher der Schweiz wird zwischen Oktober 2015 und September 2016 ein Eisvolumen-Verlust von 900 Millionen Kubikmetern Eis geschätzt.
Mit sehr milden Temperaturen und grosser Trockenheit bis zum Jahreswechsel begann der Winter 2015/2016 eigentlich erst im Januar. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die sonnenbeschienenen Hänge bis auf Gipfelhöhe vielfach praktisch schneefrei. In den flachen Messfeldern betrug die Schneehöhe bis zu diesem Zeitpunkt auch an den höchsten Stationen maximal 50 cm. Laut den über 80-jährigen Aufzeichnungen auf dem Weissfluhjoch (2540 m) lag nur Ende Dezember 1948 weniger Schnee. Anschliessend dominierten West- und Südwestlagen mit teilweise intensiven Niederschlägen das Wettergeschehen. Dadurch wurde das Schneedefizit in den westlichen Alpen bereits im Laufe des Januars ausgeglichen, in der Zentral- und Ostschweiz erst im März. Im Süden fiel erst im Februar ergiebig Schnee. Ab Mitte April bis Ende Mai dominierten kühlere Temperaturen. Mit wiederholten Schneefällen war es in den Schweizer Alpen häufig eher winterlich als frühlingshaft. Anfangs Juni waren die Schneehöhen auf der Alpensüdseite bestenfalls durchschnittlich, während in den östlichen Alpen rund 20 Prozent und in westlichen Alpen rund 50 Prozent mehr Schnee lag als normal. Die Schneeschmelze wurde durch einen eher trüben Juni verzögert und auf den Gletschern fiel immer wieder Neuschnee. Somit waren sie zu Beginn der ersten sommerlichen Hitzewellen noch vergleichsweise gut eingeschneit. Die passablen Bedingungen für die Gletscher änderten sich auch im Juli nicht massgeblich, da es verschiedene kühlere Phasen gab. Das stabile Sommerwetter im August und die sehr warme erste September-Hälfte setzte den Gletschern dann aber stark zu.
Die Massenbilanz wurde im September 2016 für 20 Schweizer Gletscher bestimmt. Leider ist die Bilanz zwischen Zuwachs durch Schnee und Verlust durch Schmelze auch dieses Jahr negativ; die Gletscher sind einmal mehr in den roten Zahlen. Für den Sommer 2016 zeichnen sich grosse Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen der Schweiz ab. Die Gletscher im Westen und im Berner Oberland weisen nur relative geringe mittlere Eisdickenverluste von rund 30 cm auf (Glacier du Tsanfleuron, Glacier de la Plaine Morte). 2015 hatten diese beiden Gletscher noch mit Abstand am meisten an Masse eingebüsst. Das südliche Wallis und das Engadin hingegen sind durch starke Verluste geprägt. An einigen Gletschern ist der Schwund sogar etwas stärker als im Hitzesommer 2015. Am meisten gelitten hat der Griesgletscher mit einer mittleren Dickenänderung von fast zwei Metern. Die Massenbilanz von Gletschern in der Zentralschweiz und im Osten liegt etwa im Mittel der letzten zehn Jahre – die Gletscher-Schmelze hält also an. Die Unterschiede zwischen Alpennord- und -Südseite können vor allem durch die unterschiedlichen Schneemengen im Hochgebirge während des Winters erklärt werden.
Auf alle Gletscher der Schweiz übertragen, ergibt sich für das hydrologische Jahr 2015/2016 ein geschätzter Volumenverlust von rund 900 Millionen Kubikmetern Eis. Diese Wassermenge entspricht ungefähr dem jährlichen Trinkwasserverbrauch der Schweiz! Das aktuell noch vorhandene Gletschervolumen ist somit in diesem Jahr um über 1,5 Prozent zurückgegangen. Verglichen mit dem letzten Jahrzehnt fiel die Gletscherschmelze 2016 durchschnittlich aus – dies allerdings auf einem sehr hohen Niveau. Grössere Verluste erlitten die Gletscher in den Extremjahren 2003, 2006, 2011 und 2015.
Das Schweizer Gletschermessnetz (GLAMOS) wird finanziert durch das Bundesamt für Umwelt (BAFU), MeteoSchweiz im Rahmen von GCOS Schweiz (Global Climate Observing System), die Akademie der Naturwissenschaften Schweiz und swisstopo.
Kontakt: Dr. Mathias Huss, +41 44 632 40 93 (<email-pii>).