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Pirates of the Caribbean: Das Interview mit Gore Verbinski
Ein Termin beim Oberpirat steht an: Gore Verbinski, seines Zeichens Regisseur des Sommer-Knallers Pirates of the Carribean erwartete uns in einem Zürcher Hotel, um sich unseren Fragen zu stellen.
OutNow.CH: Wir haben den Film gesehen und fanden ihn fantastisch. Wieviele Male hast Du den Pirates of the Carribean schon gesehen?
Gore Verbinski: Etwa 450 mal.
ON: Wow, und es langweilt Dich nicht?
GV: Doch, das tut es. Ich kann's nicht mehr sehen. Aber das passiert bei jedem Film. Ich kann meine Filme nicht sehen, wenn sie abgeschlossen sind.
ON: Aber was machst Du denn dann? Wenn Du an einem Screening teilnimmst?
GV: Ich gehe raus und rauche eine Zigarre...
ON: Ehrlich?
GV: Ja. Ich meine, ich hab den Film schon ein paar Mal mit Publikum gesehen. Das gehört dazu. Wenn Du den Film schneidest, dann schaust Du ihn Dir mit Leuten an, die Dir dann Feedback geben und Du kannst es fühlen, welche Szenen "laufen" und welche nicht. Und weil ich's dann schlussendlich nicht mehr ändern kann, schaue ich meine Filme nicht so gerne an.
ON: Du siehst also Deine "Fehler" in den Filmen? Sachen, die Du besser anders gemacht hättest?
GV: Definitiv. Wenn ich einen meiner Filme im TV sehe, dann denke ich "warum hast Du das gemacht" oder "warum musstest Du das so machen". Aber es ärgert mich nicht besonders. Wenn jemand ein vergisst ein Nummernschild an's Auto zu machen, ärgert es mich nicht. Was mich ärgert, sind Sachen vom Skript, die ich hätte sehen müssen. Aber ich denke, ich werde immer besser in solchen Sachen. Die Filme müssen auch immer so schnell gemacht werden, da kann es gut passieren dass man gewisse Dinge übersieht. Und den Film zurück in die Entwicklung geben ist ein grosser Aufwand, nur wegen eines solch "kleinen" Fehlers. Und die Studios sollen ihren Film nicht in der Entwicklung, sie wollen ihn an einem bestimmten Datum auf der Leinwand sehen
ON: Wieviele Male warst Du denn auf der Piraten-Bahn im Disneyworld, wo doch der Film auf dieser Attraktion basiert?
GV: Ich habe aufgehört zu zählen, aber als ich ein Kind war, ging ich oft.
ON: Aber für den Film, gab's da keine Speziellen Touren für Dich? Um Dich zu inspirieren?
GV: Nein. Ich war einmal da und das war's. Ich kannte ja die ganze Bahn, aber das hat ja keine richtige Geschichte da. Okay, sie haben den Fluch und die Skelette, aber es ist die Technologie der 60-er Jahre.... Als ich als Kind da drin war, fürchtete ich mich und war gleichzeitig amüsiert. Da war aber nichts, dass ich spezifisch im Film brauchen würde. Halt einfach, dass das Publikum das gleiche fühlen soll, wie ich früher. Eine Mischung zwischen Angst und Humor.
ON: Glaubst Du, dass das die Zukunft sein könnte? Filme über Attraktionen in Themenparks?
GV: Ich hoffe nicht. Weisst Du, am Anfang war's einfach ein Piratenfilm, den ich drehen sollte. Ein Gebiet, dass nicht so richtig im Film existiert. Dann wird Dir klar, dass es sich um eine Attraktion in einem Park handelt und Du wirst ein wenig nervös. Du willst ja keinen Werbefilm für den Themenpark drehen und so...
Aber Filme sind Geschichten. Du kannst eine Schachtel von Kentucky-Fried-Chicken nehmen oder ein paar Schuhe. Wenn's eine gute Geschichte hat. Die Investoren müssen lernen, dass wenn sie Filme über Park-Attraktionen machen, dass die Leute nicht kommen werden, wenn es keine Geschichte dahinter hat.
ON: Es gibt bereits Gerüchte im Internet über eine allfällige Fortsetzung. Kannst Du uns da was darüber sagen?
GV: Ich kann ein paar Sachen sagen... Die Studios hoffen immer für ein "Markenzeichen". Und wenn Du die Disney-Studios anschaust, die haben keinen Herr der Ringe, keinen Harry Potter oder Indiana Jones. Ich mag mich irren, aber für einen "Live-Film" hat Disney kein Markenzeichen.
Die Leute wünschten sich das also und deshalb ist auch der Untertitel "Fluch der Black Pearl" im eigentlichen Kinotitel enthalten.
In unserem Fall hatten wir eine Vorgabe und ein Veröffentlichungsdatum. Wir sagten, "okay, wir machen diesen Piratenfilm", aber bei einer Fortsetzung sollte da schon ein gutes Drehbuch dahinter stecken, dass es sich zu erzählen lohnt.
In Hollywood machen sie Fortsetzungen, weil sie der Meinung sind, dass der Appetit der Leute vorhanden ist. Aber als (sozusagen) "Chefkoch", musst Du immer noch ein gutes Menü zaubern. Die Leute essen keinen Abfall, egal wie hungrig sie sind. Also bevor Du eine Fortsetzung machst, sollte das Drehbuch in Ordnung sein.
ON: Wo wir gerade über Piraten sprechen. Was ist Deine Meinung über die Tatsache, dass der Film bereits kurz nachdem er im Kino lief, schon im Internet erhältlich war?
GV: Das ist ein Problem. Ich sprach mit Leuten von Europa, die den Film schon gesehen haben, und fragte sie, warum sie nicht auf der ganzen Welt gleiche Startdaten haben. Sie sagten mir, dass sie so bestimmte Möglichkeiten für die Veröffentlichung verpassen würden. In Frankreich ist es nicht das gleiche wie in den USA, zum Beispiel. Verschiedene Daten sind besser für verschiedene Länder. Und wenn sie dann die Vorteile (Möglichkeiten für Veröffentlichungen) und die Nachteile (Internet-Piraterie) vergleichen, dann überwiegt das Positive.
Es war schlimm beim Hulk. Jedermann hat sich das runtergeladen. Auf den kleinen Screens auf dem PC. Aber die Leute, die das machen, kaufen den Film nachher auf DVD oder gehen nochmals ins Kino, weil es auf den kleinen Schirmen auf dem PC nicht das gleiche ist. Das Problem ist dann vorhanden, wenn die Leute den Film dann eben NICHT kaufen gehen.
ON: Glaubst Du, dass das Filmbusiness in diese Richtung gehen könnte? Filme, die nur noch über's Internet erhältlich sind?
GV: Ich glaube es nicht. Ich fühle mich gut, in dunkle Räume zu gehen und mit wildfremden Leuten einen Film auf Grossleinwand zu schauen. Um Piraterie zu bekämpfen gibt es auch das "Digital-Cinema", wo die Filme über Satelliten oder über Kabel direkt zur Verfügung gestellt werden können. Aber auch da wird es irgend einen klugen Kopf geben, der das ganze dann knacken kann. Es besteht halt immer die Möglichkeit, dass ein Kinobetreiber nachts um 2.00 Uhr den Film laufen lässt, ihn auf Video aufnimmt und dann verkauft. Oder eine Filmrolle geht einfach so verloren. Das macht den Studios Angst. Ob man das mit Satelliten-übertragungen verhindern kann, wird sich zeigen müssen.
ON: Es gibt eine Website www.moviemistakes.com , wo Filmfehler aufgelistet werden. In Deinem Film hat man 17 Fehler gefunden. Was denkst Du über solche Dinge? Ärgert's Dich?
GV: Nein, nicht im geringsten. Ich kenne wahrscheinlich 15 der 17 Fehler... Wenn Du eine Film machst, ist es unperfekte Kunst. Das sind Kabel im Bild, Leute die das Set putzen und so weiter. Es passiert einfach. Und Du kannst Dich halt nur darauf verlassen, dass die Leute lieber einem Johnny Depp zuschauen, als im unteren linken Bildrand einen Typen zu sehen, der gerade das Set aufwischt. Solche Sachen wird es immer geben und am Ende ist's lustig, wenn Leute solche Sachen finden. Es stört mich nicht.
ON: Ich habe ein paar Namen und Begriffe, wo ich Dich bitte möchte, einfach kurz was dazu zu sagen.
Johnny Depp
GV: Pirat... Ich wollte "brilliant" sagen, aber Pirat trifft es sehr gut. Ich kann mir den Film nicht vorstellen ohne Johnny Depp darin. Als wir angefangen haben, lag unser Augenmerk auf den Skeletten und der Geistergeschichte. Aber in nachhinein kann ich sagen, dass Johnny Depp einfach grossartig war und er perfekt zum Film passt.
ON: Jerry Bruckheimer
GV: Klassisch. Ein Produzent der alten Schule. Wenn Du heute einen Film anschaust, dann haben die Produzenten für alles mögliche, aber niemand produziert mehr richtig. Wenn das Drehbuch besprochen wird und jemand es irgendwo hintragen muss, dann bekommt dieser einen Produzenten-Credit im Film, weil sie am Prozess beteiligt waren. Jerry macht alles. Er sucht die Crew, macht das Marketing und so weiter. Er macht das, was ein Produzent eigentlich machen sollte.
ON: Budweiser-Frogs
GV: Oi.... Ich kann nicht ohne sie leben. Sie gehen einfach nicht weg...
ON: Aber Du bist schon stolz auf das, oder? Oder ärgert's Dich inzwischen?
GV: Nein, nein. Ich habe mich weiter entwickelt. Aber es war halt eine Werbung die explodiert ist in eine Art Pop-Kultur. Es machte grossen Spass und es half mir auch bei meiner Karriere. Aber es kommt in praktisch jedem Interview zur Sprache und das kann frustrierend sein...
ON: Fortsetzung von The Ring
GV: Ehren Kruger ist am Schreiben des Drehbuchs und ich warte um es zu lesen. Es heisst aber nicht, dass ich auch dabei bin, schlussendlich. Ich versuche Filme zu machen, wo ich nervös werde. Filme, von denen ich nicht sicher bin, ob ich es kann. Und eine Fortsetzung ist nicht immer aufregend.. Aber sag niemals nie...
ON: Daveigh Chase [Samara aus The Ring]
GV: Lustig, dass Du ihren Namen erwähnst... Ich dachte gerade letzthin an sie und hoffe dass sie nicht an dem Kinder-Schauspieler-Syndrom leidet. Sie ist so talentiert, sollte jetzt aber ihre Jugend leben, Baseball spielen und Freunde treffen. Hollywood nimmt sich diese Kinder, die von ihren Eltern zu Castings geschleppt werden und verdirbt so ihre ganze Kindheit. Ich machte mir Sorgen um Daveigh, aber glaube und hoffe, dass sie okay ist.
ON: Schweiz
GV: Schön, sauber, frische Luft.
ON: Siehst Du eigentlich was vom jeweiligen Land? Oder ist es nur "Flughafen-Hotel-Flughafen"?
GV: Ja, eigentlich schon. Der Terminplan ist so verrückt. Aber mein Kamera-Techniker ist Schweizer und wir hatten während den Dreharbeiten ein gemeinsames Appartment. Er macht ja soo guten Kaffee... Durch das fühle ich mich in gewisser Weise verbunden mit dem Land.
ON: Zensur
GV: Böse. Die Grundidee von Zensurierung ist schrecklich.
ON: Der Rest meines Tages?
GV: Deines Tages?
ON: Nööö, Deines Tages, natürlich...
GV: Ich werde hier noch ein Weilchen sitzen, mit Kaffee und Wasser und dann freue ich mich auf die Europa-Premiere von Pirates of the Carribean heute abend am Zürichsee.
ON: Gut, das war's. Wir danken Dir recht herzlich für die Zeit und die interessanten Antworten. Es war toll, mit Dir zu plaudern.
GV: Danke ebenfalls. Hat mir Spass gemacht.
Abschliessend ist zu sagen, dass der gute Gore ein wirklich sympathischer Gesprächspartner war und wir das Gefühl hatten, dass da eher ein "Kumpel" sitzt, anstatt ein bekannter Regisseur aus Hollywood.
Quelle: OutNow.CH