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Beschreibung
Die chronisch entzündliche Darmerkrankung umfasst eine Gruppe von Krankheiten, die das Verdauungssystem betreffen und durch eine wellenförmige Entzündung zu langjährigen Beschwerden im Magen-Darm-Trakt, wie Durchfall mit Blut oder Schleim im Stuhl, Bauchschmerzen sowie Symptome von anderen Organsystemen führt. Dieser Entzündung liegt eine übermässige Reaktion des Immunsystems auf körpereigene Keime oder Zelle, die sich normalerweise im Darm befinden. Der Auslöser dieser Reaktion bleibt bislang trotz intensiver Forschung unklar und ist am ehesten multifaktoriell.
Bislang gibt es keine definitive Therapie. Es steht eine Reihe von Medikamenten zur Verfügung, die vor allem die Entzündung unterdrücken und die Entwicklung von Komplikationen verhindern. In schweren Fällen kommen auch chirurgische Eingriffe in Frage.
Die zwei grundlegenden Krankheiten, die zusammen etwa 90% der Fälle von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen ausmachen, sind:
Zwischen den beiden gibt es viele gemeinsame Charakteristika und erhebliche Überlagerung jedoch auch wichtige Unterschiede. In etwa 10% der Fälle kann man allerdings trotz ausführlicher diagnostischer Massnahmen zwischen den beiden nicht unterscheiden. In diesen Fällen spricht man von einer „Colitis indeterminata“.
Ursache und Verlauf
Eine genaue Ursache konnte bislang nicht identifiziert werden. Es handelt sich zum Teil um eine übermässige Aktivierung des Immunsystems durch die Mikroorganismen, die normalerweise im Darm wohnen (das Mikrobiom) und bei gesunden Menschen keine Immunreaktion auslösen. Diese Aktivierung führ zur Sammlung von Immunzellen in der Wand des Magen-Darm-Trakts und Ausscheidung von Botenstoffen, die diese Reaktion weiterhin intensivieren. Das Resultat ist eine schwere Entzündung, die initial zur Reizung des Darms mit vermehrtem Durchfall und im Laufe der Zeit zur Verletzung der Darmwand und der Schleimhaut mit Entstehung von Blutungen, Geschwüre und Narben oder sogar zu einer Ruptur der Wand führen Kann. Der Verlauf ist fast immer wellenförmig, mit Schüben (akute Verschlechterung) abwechselnd mit Remissionen (Verbesserung der Beschwerden).
Zudem werde manchmal durch diese Immunaktivität auch andere Organe und Systeme befallen. Am häufigsten werden die Haut, die Augen sowie die Gelenke betroffen.
Was jedoch die initiale Aktivierung des Immunsystems auslöst bleibt bislang unklar. Es handelt sich am ehesten um eine Kombination einer genetischen Neigung, Faktoren der Umgebung (z.B. Nährstoffe) und eine gestörte Interaktion zwischen dem Mikrobiom und den Immunzellen.
Diagnose
Bei typischen Beschwerden und Befunden in der klinischen Untersuchung entsteht der Verdacht auf eine chronisch entzündliche Darmerkrankung. Laborbefunde, wie zum Beispiel erhöhte Entzündungsmarker im Blut oder im Stuhl können diese Vermutung unterstützen. Für die definitive Diagnose ist jedoch eine direkte Beurteilung der Schleimhaut des Darms und des Magens mit einer Endoskopie (Koloskopie bzw. Gastroskopie) und Abnahme von Gewebeproben erforderlich. Zur Evaluation des Dünndarms bei Morbus Crohn kann man entweder bildgebenden Verfahren (z.B. Kernspintomographie) oder endoskopische Methoden (Kapselendoskopie, Doppelballon-Enteroskopie) einsetzen.
Unser Angebot
Das Bauchzentrum des Inselspitals gilt als ein weltweit anerkanntes Referenzzentrum für chronisch entzündliche Darmerkrankungen. Wir bieten eine spezielle Morbus Crohn und Colitis ulcerosa Sprechstunde an. (Leiter: PD Dr. med. Pascal Juillerat und Prof. Dr. med. Andrew Macpherson, Tel. 031 632 59 00).
Diagnostik
Bei uns stehen alle diagnostischen Verfahren zur Verfügung, die weltweit für die Erkennung, Differenzierung und Klassifizierung der chronischen entzündlichen Darmerkrankung eingesetzt werden. Bis auf die grundlegenden endoskopischen Methoden (Magen- und Darmspiegelung) bieten wir auch spezialisierte Verfahren zur Bildgebung des Dünndarms (Kapselendoskopie, Doppelballon-Enteroskopie). Die Kooperation mit der Radiologie des Inselspitals ergänzt unsere bildgebende Verfahren (z.B. Magnet Resonanz Tomographie / MRI).
Therapie
Auf der Basis von internationalen Richtlinien und den Bedürfnissen jedes Patienten wird ein personalisierter Therapieplan erstellt und je nach Verlauf der Krankheit angepasst. Bis auf die Einstufung der medikamentösen Therapie werden bei uns bei Bedarf auch endoskopische Therapien (z.B. Aufdehnung von Verengungen) durchgeführt. Die Patienten, die eventuell eine chirurgische Therapie benötigen werden, werden von Gastroenterologen im Rahmen unseres interdisziplinären Teams zusammen mit viszeralen Chirurgie betreut und behandelt.
Zusammen mit weiteren Spezialisten (Ernährungsberatung, Stomaberatung, Radiologen), welche eng mit uns zusammenarbeiten, bieten wir unseren Patienten eine umfassende Betreuung.