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LAUSANNE - Herr Golaz ist in Lausanne Apotheker mit Familientradition, von seinem Großvater bis zu seiner Tochter. Er gab Pharmapro Gelegenheit zu einem sehr interessanten Interview, bei dem er verschiedene Themen des Berufsstands angesprochen hat.
1. Wie würden Sie Ihren beruflichen Werdegang (Studium, Arbeitsstellen) in wenigen Worten zusammenfassen ?
Ich habe die Eidgenössische Matura im Zweig Latein-Englisch abgelegt und anschließend an der Universität Lausanne studiert. Mein Großvater war Pharmazeut und leitete die Apotheke des Universitätsspitals CHUV in Lausanne. Auch mein Vater war Apotheker. Ich wusste schon immer, dass ich diesen Beruf ebenfalls ergreifen würde. In der Apotheke meines Vaters sammelte ich erste Erfahrungen. Während meines Studiums sah mein Tagesablauf folgendermaßen aus:
7 Uhr: Apotheke
8 Uhr: Vorlesung
12 Uhr: Rückkehr in die Apotheke, um meinen Vater zu vertreten
14 Uhr: Labor
Von 18 - 20 Uhr war ich wieder in der Apotheke.
1964 arbeitete ich nach dem erfolgreichen Abschluss meines Pharmaziestudiums ganz selbstverständlich in der Familienapotheke weiter.
2. Können Sie uns die Geschichte Ihrer Apotheke erzählen ?
Herr Masset, ein Apotheker aus der Gegend von Vevey kaufte das Gebäude, das früher als Bäckerei genutzt worden war, und wandelte es in eine Apotheke um. 22 Jahre später verkaufte er seine Apotheke an zwei Kollegen, die Herren Dersiph und Lichtenthäler. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg ging Herr Dersiph in den Ruhestand.
Und 1931 wurde mein Vater, Pierre Golaz, Partner von Herrn Lichtenthäler. Im Jahr darauf starb Herr Lichtenthäler ganz plötzlich. Mein Vater arbeitete in dieser Apotheke bis zu seinem Tod 1984.
Also umfasst meine Familie 4 Generationen von Apothekern: Meinen Großvater, meinen Vater, meine Schwester, mich selbst und schließlich meine Tochter, Carine Golaz.
3. Was gefällt Ihnen am Beruf des Apothekers ?
Ich mag den “Umgang“ mit chemischen Substanzen. Aber es macht mir auch Freude, den Patienten zu helfen, mich zu bemühen, Ihnen etwas mitzugeben, ihre Genesung zu unterstützen. Unsere wichtigste Aufgabe ist das Heilen !
Die Entwicklung der Prävention ist von zentraler Bedeutung. Nach Aussage der WHO könnten 80 % aller Krankheiten vermieden werden, wenn es eine bessere Prävention gäbe. Denken wir an die Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die Stoffwechselkrankheiten, an Krebs. Eine Verhaltensänderung, insbesondere eine Umstellung der Ernährung wäre der richtige Ansatz. Der Campbell Bericht (China Study) ist aufschlussreich, was dieses Thema anbelangt. In diesem Bereich gibt es noch eine Menge zu erforschen.
4. Was halten Sie von dem Satz “Der Kunde/Patient ist König (oder steht im Mittelpunkt der allgemeinen Aufmerksamkeit).“ ?
Ich würde diese Behauptung etwas differenzieren. Wir sind für den Kunden da, aber er ist nicht König. Wir dürfen nicht gegen sein Wohl handeln, und deshalb ist er nicht König, denn wir können ihm Präparate verweigern. Mit dem Prinzip bin ich einverstanden, solange es der Gesundheit des Patienten dient.
Ich würde sagen, der Patient steht im Mittelpunkt aller unserer Bemühungen um seine körperliche und seelische Gesundheit.
5. In welchem Bereich kann der Apotheker der Gesellschaft nützen, mit anderen Worten, welchen Mehrwert hat der Apotheker im Jahr 2016 zu bieten ?
Meine oberste Priorität ist die Prävention! Im Internet kursiert eine Fülle von Informationen, und es ist Aufgabe des Apothekers, die falschen Informationen zu korrigieren und den richtigen Gehör zu verschaffen. Der Apotheker benötigt eine einschlägige Dokumentation, die nicht umfangreich sein muss, aber verlässlich. Sie muss bombenfest sein! Es gibt einige sehr hochwertige Datenbanken, die aber kostenpflichtig sind. Der Apotheker muss damit umzugehen wissen, um die benötigten Informationen schnell zu finden. Wenn ein Arzt ihm eine Frage stellt, muss er sofort wissen, wo er suchen muss. Der Apotheker muss es gewohnt sein, mit diesen Datenbanken zu arbeiten.
6. Wie sehen Sie die Zukunft des Berufs, hat der Apotheker beispielsweise im Bereich der Prävention chronischer Krankheiten einen Beitrag zu leisten ?
Selbstverständlich ! Wir haben das Thema Prävention bereits bei einer früheren Frage angesprochen. Grundsätzlich muss der Apotheker einwandfrei arbeiten !
Um Ihre Frage zu beantworten, ich würde sagen, dass es mehrere Wege gibt, die man beschreiten kann, mehrere Konzepte, die man verwirklichen kann. Natürlich haben wir den Polymedikations-Check. Aber werfen wir einmal einen Blick über unseren Tellerrand, beispielsweise nach Kanada: Dort werden die Apotheker für ihre Triage bezahlt. Man bezeichnet das als “geschäftsunabhängiges Honorar“. Wenn der Apotheker eine gute Triage betreibt, verkauft er dem Patienten nicht zwangsläufig Präparate, sondern schickt ihn zum Arzt, falls dies erforderlich ist, und diese Leistung wird ihm vergütet. Auf die Arzneimittelpreise können wir uns nicht mehr verlassen, da wir uns in einer Abwärtsspirale befinden.
In Kanada kann der Apotheker seit dem 1. Januar dieses Jahres die Verordnung verlängern und die Dosis ändern, falls dies erforderlich ist, ohne dafür ein zuvor ausgestelltes ärztliches Rezept zu benötigen.
Der Apotheker muss für diese geistige Arbeit, die er bietet, angemessen bezahlt werden, damit er ein echter Gesundheitsberater für alle werden kann, ab einem Alter von 25-30 Jahren. Beispielsweise könnten die Leute ein- bis zweimal jährlich in ihre Apotheke kommen, um ihren Cholesterin- oder Blutzuckerwert kontrollieren zu lassen. Diese Maßnahmen müssten von der Krankenkasse erstattet werden.
In England erhält der Hausarzt eine Pauschale pro Patient. Er wird nicht pro Termin bezahlt, wie in der Schweiz. So kann der englische Apotheker die Arzneimittelverordnung verlängern und den Arzt gleichzeitig darüber informieren. Auf diese Weise ergänzen sich die beiden Berufe, anstatt miteinander zu konkurrieren.
7. Wie kann die Beziehung und die Zusammenarbeit zwischen Apothekern, Ärzten und anderen Handlungsträgern des Gesundheitssystems verbessert werden ?
Der Apotheker muss aufgeschlossen sein und sich selbstlos für das Patientenwohl einsetzen. Er muss aktiv sein, sich engagieren, sich bekannt machen, über die Politik, über den Sport. Die Mitwirkung in Berufsverbänden, wie z. B. im SVPH, bringt uns in Kontakt zu Ärzten, Pflegekräften und Politikern.
Als Angehöriger einer (zahlenmäßigen) “Minderheitsberufsgruppe“ muss der Apotheker immer den ersten Schritt machen, um auf den Arzt zuzugehen. Um den Patienten zu heilen, muss er sich zur Mentalität des Arztes Zugang verschaffen. Er muss sich als Verlängerung des Arztes verstehen, niemals als Gegenpol. Der Arzt heilt größtenteils mithilfe seiner Aura. Dabei ist der Patient nicht dumm, er versucht manchmal, den Apotheker auszutesten, indem er die Diagnose des Arztes anzweifelt. Auf dieses gefährliche Spiel darf man sich gar nicht erst einlassen.
Um einen Beitrag für die Gemeinschaft zu leisten, kann der Apotheker eine Lehrtätigkeit ausüben. Er muss sein Sozialprofil verbessern. Das haben wir zwar im Studium nicht gelernt, aber wir können uns an den Politikern ein Beispiel nehmen. Man muss es verstehen, sich bekannt zu machen. Die größte Herausforderung des Apothekers besteht darin, sich einen guten Ruf und einen hohen Bekanntheitsgrad zu verschaffen.
Doch natürlich muss er auch in seiner Apotheke anzutreffen sein !
8. Wie kann auf die fortwährende Preissenkung bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln, die vom Bundesrat beschlossen wurde, reagiert werden, welche konkreten Mittel stehen den Apothekern und ihren Berufsverbänden zur Verfügung ?
Natürlich muss der Berufsverband die Apotheker verteidigen! Aber selbstverständlich ist das nicht. Die Apotheker sind eine Minderheit, und wie ich bereits erwähnte, müssen sie sich auf verschiedenen Ebenen der Gesellschaft bekannt machen.
9. Zum Abschluss, sind Sie eher Teetrinker oder Kaffeetrinker ?
Ich bevorzuge natürlich grünen Tee, aufgrund seiner antioxidativen Wirkung !
Dieses Interview wurde von Frau Van Nguyen (Pharmazeutin) durchgeführt und am 7. Juli 2016 auf Pharmapro.ch veröffentlicht.
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