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Von Dr. phil. Martha von Jesensky
Es gibt verschiedene Formen der Macht. Der antike Philosoph Cicero (gest. 43 v. Chr.) unterschiedet zwischen potestas im Sinne von Amtsgewalt und auctoritas im Sinne von Ansehen. Darüberhinaus kennt man die Entscheidungsmacht, Handlungsmacht und Deutungshoheit, auch «Deutungsmacht» genannt.
All diese Formen der Macht entstehen meistens durch spezialisiertes Wissen, sei es im medizinischen Bereich, in der Technik, Kultur, Politik und dergleichen. Gewöhnlich beruht die Macht auf den Fähigkeiten und Erfahrungen der Experten.
Neben diesen Machtbasen diskutiert man heute auch über die Macht der Informationsmonopole, insbesondere über die Verbreitung von Falschinformationen oder individuelle Bildungsmeinungen, etwa durch öffentliche Persönlichkeiten, die mit ihren Kommentaren und Deutungen, je nach Reputation und Glaubwürdigkeit eine nicht geringe Wirkung auf gesellschaftsbezogene Ereignisse und Themen haben.
Zwei Beispiele: Robert Habeck (49), Bundesvorsitzender der Grünen in Deutschland, erklärte vor Kurzem, dass er nicht gläubig ist und nicht in einer Kirche sei, auch wenn er die Mitleids-Ethik des Christentums als wichtig erachte. Wortwörtlich: «Um zu glauben im eigentlichen Sinn, habe ich wohl zu viele Philosophen gelesen.»
Aber auch der einflussreiche Soziologe Jürgen Habermas (geb. 1929), bekannt durch seine Diskurs-Ethik, betont immer wieder seine religiöse Einstellung: «Ich bin religiös unmusikalisch.»
Wenn solche «Bekenntnisse» die Deutungshoheit über den religiösen Glauben übernehmen, kann der gegenwärtige Glaubensverfall noch mehr beschleunigt werden.