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Geschichte
Nach einem Text von Walter C. Winkelmann
Die Regatta-Yacht „SCHINI“ und die Jahre der „NIE LEE“
Die Tahowa – diesen Namen trug die AVA in der Zeit ihres Vorbesitzers – wurde ursprünglich von Britton Chance als Design No. 58 für den späteren Eigner und Regatta-Segler Winfrid Graw aus Hamburg gezeichnet.
Die „Schini“ von Eigner und Steuermann Winfrid Graw ist seit langer Zeit eine Institution auf deutschen Regattabahnen. Die Beneteau First 40.7 (Bild oben) aus dem Jahr 2000 war bereits die 14. „Schini“, benannt nach Graws erster Frau. Seit 1964 segelt der Wirtschaftsprüfer aus Wedel bei Hamburg um Luv- und Leefässer und das zuweilen sehr erfolgreich! So gewann die „Schini IX“ bei der ¾-Tonner Weltmeisterschaft 1991 in Flensburg beispielsweise Bronze und 1995 holte „Schini“ die Kaisertrophy der Kieler Woche, als schnellstes Schiff nach berechneter Zeit.
Die Schini’s von Winfrid Graw haben schon oft einen ersten Platz ersegelt und sind seit vielen Jahren erfolgreich in der Regatta-Scene vertreten. Die hochmotivierte Crew um den Hamburger Wirtschaftsprüfer Winnie Graw konnte z.B. im Jahr 2000 ihre Leistung von Rennen zu Rennen steigern und war einer der Favoriten für die anschließende deutsche Meisterschaft. Zu den Leistungsträgern im „Schini-Team“ zählten auch schon erfahrene Hochseesegler wie Tim Kröger, Stefan Lange, Sven und Iver Hardler sowie Winnie Graw selbst.
Unter dem Namen „nie lee“ segelte die Tahowa einige Jahre u.a. im Mittelmeer und (wenn ein alter Quittungsbeleg in den Unterlagen richtig ist) auch über den Atlantik in die Karibik.
Wie wurde aus der „nie lee“ die Tahowa?
Wohl hat jeder Eigner einen besonderen Bezug zum Namen seiner Yacht und so hat auch der damalige Namen Tahowa (notabene unter diesem Namen hat die Yacht kein Wasser unter ihrem Kiel gehabt) seine Bedeutung. Dazu gibt es eine „sachliche“ (historische) Erklärung und eine „persönliche“ Begründung des damaligen Eigners.
Das Wort „Tahowa“ kommt ursprünglich aus der Südsee (Tahiti) und bedeutet soviel wie „Priester“ oder „aufgeklärter Mann“. Ein Tahowa war ein wichtiges Stammesmitglied, ein „Mann des Wissens“, mit außergewöhnlicher Erfahrung und Kenntnissen in Physik, Navigation, Meereskunde und Astronomie. Deswegen genoss er im Stamm großes Ansehen und wurde z. B. um Rat gefragt, wenn ein Schiff in See stechen wollte.
Als äußeres Erkennungsmerkmal war er am ganzen Körper „ausgeschmückt“. Sprachgeschichtlich lassen sich scheinbar Worte wie „Tätowierung“ oder „Tattoo“ auf diese Zeit bzw. auf diese Art der Hautausschmückung zurückführen.
Es war James Cook, der die Tätowierung in Europa bekannt machte. Cook brachte im Jahre 1774 einen tätowierten Polynesier namens Omai nach London. Er verbreitete auch den Gebrauch des Wortes Tattoo. Der Name „Tattoo“ bzw. der Begriff „Tätowieren“ kommt von dem tahitischen Tatau (Zeichen/Malerei).
Die Reiseaufzeichnungen „From Banks‘ Manners & Customs of S. Sea Islands“ geben ebenfalls einen spannenden Einblick in die frühe Seefahrt und erzählen über das Leben der damaligen Menschen in der Südsee und deren erste Begegnung mit der „zivilisierten Welt“.
Ein Schlüsselerlebnis, wie der damalige Eigner berichtete und welches ihn bewog seine Segelausbildung zu beginnen, war der zweite Grund für die Namen Tahowa.
Auf diesem wunderschönen Schiff eines Freundes segelte vor Jahren von Korsika nach Elba. Es war eigentlich ein „unmöglicher“ Törn, aber die Eindrücke dieser Nachtfahrt, die Stille, die Sterne am Himmel und die Gespräche mit John (Eigner), haben bei ihm den Wunsch nach mee(h)r geweckt.
Leider ist das Holzschiff auf einem Trockenliegeplatz im Hafen von Macinaggio total “ vergammelt und beim letzten Besuch fand er im Hafen nur noch ein Wrack vor.
Das letzte Foto von der alten Tahowa. Weil sich niemand mehr darum gekümmert hat, ist dieses schöne Schiff frühzeitig „gestorben“.
Die Tahowa (nie lee) wird erneut getauft
Die „nie lee“ wurde von ihrem Vor-Vorbesitzer ziemlich vernachlässigt und stand längere Zeit ungepflegt in einer Scheune in der Nähe von Hannover. Deshalb machte es sich der letzte Eigner zur Aufgabe, die „nie lee“ unter dem neuen Namen Tahowa aufwändig zu restaurieren. Das umfangreiche Projekt konnte aber leider nicht zu Ende geführt werden, so dass im August 2015 die „nie lee“ unter dem Namen Tahowa erneut den Besitzer wechselte. Und so kam es auch, die Yacht erneut einen neuen Namen erhielt.
AVA – die Kräftige, das erwünschte „Schiff“
Es sollte ein Namen werden, der wohlklingend und bedeutungsvoll in seiner Bedeutung ist. Auch sollte der Namen nicht in einem persönlichen Bezug zu einem bereits bekannten Schiff oder einer Person stehen und auch nicht aus irgendwelchen Anfangsbuchstaben der Familie künstlich gebastelt werden. Und so kamen verschiedene „unbekannte“ Namen ins Spiel, die beim Erklingen ein gutes Gefühl verursachten und wenn diese dann noch die besagte Bedeutung hatten, kamen sie in die engere Auswahl. So viel der Namen nach einem längeren Abwägen zum Schluss auf AVA und der Name passt.
Die ursprüngliche Bedeutung des Namens Ava ist unsicher. Es war eine Koseform von Namen, die mit „avi“ beginnen, was möglicherweise „erwünscht“ bedeutete. Es kann auch vom ostfriesischen awa („Wasser“) oder vom altsächsischen aval („Kraft“) stammen.
AVA wird im französischen Sprachraum aus dem lateinischen Wort avis („Vogel“) abgeleitet. Dort wird sie als Heilige aus dem 4. Jahrhundert verehrt. Auf Persisch bedeutet der Name entweder „Wasser“ oder „Ton/Geräusch“. Im Avestischen verweist Ava zum einen auf Dva „zwei“, zum anderen bedeutet die Verbindung Ava urvaityâ soviel wie „Freundschaft, Liebe“.
In vielen alten bzw. veralteten Vornamenslexikas wird versucht eine deutsche Bedeutung herzuleiten u.a. durch das Wort oval=kreisförmig, aval=kräftig, awa=Wasser. Ava ist jedoch kein deutscher Name und auch wenn seine Ähnlichkeit zu manchen Begriffen aus dem lateinischen besteht, ist erwiesen, dass der Name sich aus Aveline entwickelt hat. Aveline wurde ursprünglich von den Normannen im englischsprachigen Raum Europas (vorrangig England, Irland) verbreitet. Aus Aveline hat sich dann einerseits im Laufe der Jahrhunderte die Kurzform Ava entwickelt, was „lang ersehntes Kind“ bedeutet.
Da viele Iren nach Amerika auswanderten, ist Ava heute vor allem in den USA und Kanada sehr weit verbreitet. In Irland wird Ava auch als eine alternative Schreibweise zu Aoife gedeutet, was die irische Bezeichnung für Eva ist. Diese zwei Theorien machen Sinn und sind auf Grund der Völkerwanderungen nachvollziehbar. Ava ist auch besonders in den französisch-sprachigen Teilen Kanadas beliebt, was wohl daher kommt, dass er aus dem Normannischen stammt und somit sowohl französische (Normandie) als auch irische Wurzeln (als die Normannen nach Irland kamen und sich aus Aveline Ava entwickelte) hat.
Verschiedene Bedeutungen sind zusammengefasst auf dem Netz zu finden:
- die Kräftige (altsächsisch)
- Klang/Melodie (persisch)
- die erste Frau Eva, auch Hava (arabisch)
- Wasser (friesisch)
- Stimme (afghanisch)
- Wasser (althochdeutsch)
- wildes Wasser (ostfriesches)
- westfränkisch-romanische Kurzform in der Bedeutung „Gattin, Ehefrau“
So hat also die Shini über Nie Lee und Tahowa nun ihren neuen Namen AVA als die Kräftige und die Erste erhalten.