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| Clemens von Alexandrien († vor 215/16) - Teppiche (Stromateis).

Fünftes Buch
XII. Kapitel
82.
1. Und wenn wir ihm einen Namen geben, indem wir es, ohne den eigentlichen Sinn zu treffen, entweder Eines nennen oder das Gute oder Geist oder das Seiende selbst oder Vater oder Gott oder Schöpfer oder Herrn, so bringen wir mit solchen Worten nicht seinen Namen vor, sondern verwenden in unserer Hilflosigkeit nur schöne Ausdrücke, damit unsere Vorstellung sich darauf stützen kann und nicht auf anderes abirrt.
2. Denn nicht jede einzelne dieser Bezeichnungen kann das Wesen Gottes deutlich machen, sondern alle zusammen geben einen Hinweis auf die Macht des Allmächtigen. Denn alle Dinge, von denen man spricht, kann man nach den ihnen anhaftenden Eigenschaften bezeichnen oder nach dem Verhältnis, in dem sie zueinander stehen; aber nichts von dem kann man bei Gott anwenden.
3. Er kann aber auch nicht durch die mit Beweisen arbeitende Wissenschaft erfaßt werden; den diese stützt sich immer auf vorher Vorhandenes und Bekannteres;1 nichts aber ist früher vorhanden als das Ungewordene (das also von Ewigkeit her ist)
4. Es bleibt demnach nur übrig, daß wir das Unerkennbare durch göttliche Gnade und allein durch das von ihm ausgehende Gotteswort erfassen, wie auch Lukas in der Apostelgeschichte von Paulus erzählt, daß er gesagt habe: "Ihr Männer von Athen, ich sehe, daß ihr durch und durch gottesfürchtige Leute seid. Als ich nämlich umherging und eure Heiligtümer ansah, da [S. 190] fand ich auch einen Altar mit der Inschrift: 'Einem unbekannten Gotte'. Den Gott also, den ihr verehrt, ohne ihn zu kennen, den verkündige ich euch."2
1: Vgl. Aristoteles, Anal. psot. I 2 p. 71b 20 ff.
2: Apg 17,22 f.