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Textilien waren in früheren Jahrhunderten zu wertvoll, um einfach entsorgt zu werden. Sie wurden meist wiederverwendet bis es nicht mehr ging. Aus der Frühneuzeit gibt es verschiedene Beispiele von textilem Recycling. So wurden alte Gewebe etwa als Armierung im Ofenlehm verwendet. Häufiger jedoch sind Funde in Zwischenböden oder -wänden, die zur Isolation im Haus oder in der Burg beitrugen. Nicht selten enthalten solche Funde eine breite Palette von Gewebetypen und Farben. Sie tragen ganz wesentlich zu unserem Wissen über die Weberei bei, vor allem von Alltagstextilien, die sonst im Spätmittelalter und in der Frühneuzeit schlecht dokumentiert sind. Verbrauchte textile Ware wurde auch den Lumpensammlern mitgegeben; sie war ein begehrter Rohstoff für die Papierproduktion. Eine weitere Recycling-Art von Textilien ist die Wiederverwendung als Toiletten-«Papier».
Schwieriger zu belegen ist die Wiederverwendung in früheren Epochen, etwa im Frühmittelalter oder gar in prähistorischer Zeit. Etliche Funde aus der Bronze- und Eisenzeit sind eindeutig wiederverwendete Textilien, die für die Arbeit im Bergwerk genutzt wurden. Es handelt sich um Gewebe, die in Streifen gerissen und zum Beispiel um einen Pickelstiel gebunden wurden. Sie landeten dann nach diesem sekundären Gebrauch auf der Abfallhalde und sind heute in den vom Bergdruck dicht gepressten Schichten auszumachen. Blickt man noch weiter zurück, so wird die Identifizierung immer schwieriger; in einzelnen Fällen können wir erahnen, dass auch die neolithischen Gewebe bis zum Letzten (wieder)verwendet wurden. Entsorgte und vernichtete Textilien sind archäologisch selten nachweisbar und in der älteren Literatur kaum beschrieben. Nicht immer einfach ist die Datierung, da gerade die Zeitspanne zwischen der Herstellung des Gewebes und dem Zeitpunkt der Endlagerung erheblich sein kann.
Bild: Antoinette Rast-Eicher