Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03416.jsonl.gz/1082

Jörg Habenberger
Für Stampflehm - als Baumaterial von Hochbauten - können zur Berechnung elastoplastische Materialmodelle verwendet werden, die in der Geotechnik entwickelt wurden. Damit ist es möglich, die Verformungsfähigkeit der Lehmkonstruktionen unter Erdbebeneinwirkungen zu beurteilen.
Erdbeben bewirken in Bauwerken differentielle Verschiebungen durch die Trägheitskräfte der Bauwerksmassen. Auch wenn die daraus resultierenden Beanspruchungen die aufnehmbaren Kräfte überschreiten, muss ein Tragwerk noch nicht versagen. Es kann sich durch die vorhandene Verformungsfähigkeit weiteren Beanspruchungen «entziehen». Die Verformungsfähigkeit muss aber sichergestellt sein. Elastoplastische Materialmodelle und Berechnungen erlauben es, diese Verformungsfähigkeit rechnerisch zu beurteilen.
Stampflehmwände wie auch Wände aus Lehmsteinen weisen eine Duktilität auf, die wenigstens so gross bzw. grösser ist als jene von Mauerwerkswänden mit gebrannten Steinen. Es kann sich also lohnen, diese Verformungsfähigkeit für den Nachweis der Erdbebensicherheit zu berücksichtigen.
Am Beispiel des Ofenturms Cham sind in Abb. 1 das Finite-Elemente-Modell und die daraus ermittelten Deformationen zu sehen, wobei die maximalen Dehnungen auf 0.4% begrenzt wurden. In Abb. 2 ist die Kapazitätskurve für die Giebelwand auf der Ostseite (blaue Linie) dargestellt. Sie zeigt das Verformungsvermögen der Lehmwand auf. Die schwarze Linie bildet den spektralen Verformungsbedarf an dem Standort ab.
Weiterere Beiträge zum Ofenturm Cham:
Tragwerksplanung, Fundation, Lehmbau, Holzbau