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Gruppeneffekte in der ambulanten Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Adipositas
Beeinflussen das Ernährungs- und Bewegungsverhalten der Gruppe den individuellen Behandlungserfolg?
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Verschiedentlich wurde aufgezeigt, dass sich Kinder und Jugendliche im Ernährungs- und Bewegungsverhalten gegenseitig beeinflussen, z. B. bei der Konsumhäufigkeit von Fastfood. Eine Erklärung dafür ist, dass das unter Gleichaltrigen übliche und beliebte Verhalten die persönlichen Vorlieben verstärkt oder neue Gewohnheiten entstehen lässt. Es ist wenig darüber bekannt, ob sich dieser Zusammenhang auch im gruppentherapeutischen Kontext zeigt. In der vorliegenden Studie wurde bei Kindern und Jugendlichen mit Adipositas untersucht, ob sich das durchschnittliche Ernährungs- und Bewegungsverhalten der Therapiegruppe auf den Behandlungsverlauf der einzelnen Gruppenmitglieder auswirkt. Die Untersuchungsgruppe bildeten 570 Kinder und Jugendliche aus 54 Behandlungsgruppen, die zwischen 2009 und 2013 in ambulanten, multidisziplinären Gruppentherapieprogrammen in der Schweiz behandelt wurden. Die Ergebnisse der multivariaten Mehrebenen-Regressionsmodelle weisen auf signifikante Gruppenunterschiede hin: In einer Gruppe mit Kindern und Jugendlichen behandelt zu werden, die im Schnitt die Verhaltensempfehlungen zu Ernährung und Bewegung stark umsetzen, wirkte sich positiv auf die durchschnittliche (alters- und geschlechtsstandardisierte) BMI-Reduktion der einzelnen Gruppenmitglieder aus. Individuelle und familiäre Voraussetzungen wurden dabei kontrolliert. Es wird vermutet, dass das gesundheitsförderliche Verhalten der anderen Gruppenmitglieder die Veränderungsmotivation und das Selbstwirksamkeitsgefühl des Einzelnen stärkt und dies die Zielerreichung der Behandlung begünstigt. Das Ernährungs- und Bewegungsverhalten von Gleichaltrigen war bislang zwar als ursächlicher Faktor für Adipositas bei Kindern und Jugendlichen bekannt, gemäß den vorliegenden Ergebnissen ist es aber auch ein bedeutsamer Interventionsfaktor. Für die Interventionspraxis wäre es vielversprechend, Ansätze zu entwickeln, die solche positiven Gruppenprozesse gezielt(er) fördern.
Lizenz: Open Access
Sammlungen: Zeitschriftenartikel/Monographien