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Allerlei Historisches
Über die Schaffhauser Zünfte
1411 erhileten die Schaffhauser Handwerker das Recht, Zünfte zu bilden. Dass der Schaffhauser Adel dies zuliess, und den Handwerkern und Kaufleuten damit damit Handel und Wandel sowie die Politik in die Hände gab, war nicht selbstverständlich. Zuvor wurden mehrere Vorstösse abgelehnt.
Erst als nach der Schlacht von Sempach 1386 rund ¾ aller Adeligen auf dem Schlachtfeld liegen geblieben war, passierte, notgedrungen ein Umdenken. Und so übernahmen, wie schon erwähnt 1411 die Zünfte die Macht über Politik und Wirtschaft in dieser Stadt.
Der Name Zunft leitet sich übrigens von „sich ziemen“ ab, man hatte strenge Gesetze und Regeln innerhalb der Zunft.
Das begann schon bei der Festlegung der Lehrzeit:
Meisten ging eine Lehre ähnlich lange wie heute, also drei oder vier Jahre – mit dem Unterschied, dass man dem Lehrmeister etwas bezahlen musste, wenn man bei ihm eine Lehre machen wollte.
Die längste Lehrzeit hatten die Nagler. 6 Jahre brauchte ein Lehrling normalerweise, bis er fähig war einen 45 cm langen Schleusennagel zu herzustellen oder die ganz kleinen Sattlernägeli.
Wer Meister werden wollte, auch das regelte das Zunftrecht, musste innerhalb von drei Tagen 1500 Sattlernägeli schmieden und die mussten alle so klein sein, dass sie miteinander in einem Hühnerei Platz hatten.
Mit der Französischen Revolution (1789) und den Napoleonischen Kriegen (1798 – 1815) war eine neue Zeit angebrochen. Viele Menschen, besonders auch jene, die in den Dörfern wohnten, sehnten sich nach mehr Frei- heit und gerechteren Gesetzen für alle Bürger des Kantons. Überall in Europa entstanden Fabriken, in denen Produk- te massenweise und zu sehr günstigen Preisen hergestellt werden konnten.
Dieser Wandel wurde auch den Schaffhauser Zünftern bewusst. Etliche von ihnen merkten, dass sich etwas ändern musste, wenn Handel und Gewerbe in unserer Region eine Zukunft haben wollten.
Politisch hatten die Zünfte ihre Vormachtstellung bereits 1831 aufgeben müssen. Ab 1847 durften sie bei der Wahl der Ratsmitglieder gar nicht mehr mitentscheiden.
Das neue Gewerbegesetz, welches im Kanton Schaffhausen 1855 in Kraft trat, beendete den Ein uss der Zünfte auch im wirtschaftlichen Bereich und machte den Weg frei für die Industrialisierung.
Die meisten Mitglieder der Schaffhauser Zünfte sind Nachfahren alter Handwerkerfamilien. Kaum einer von ihnen hat allerdings noch einen Bezug zu einem der Be- rufe, die einst in seiner Zunft vertreten waren. Viele sind schon vor Jahren aus der Region weggezogen, freuen sich aber, zu einem Zunftbott, einem Familienaus ug oder zu einem Tanzabend auf dem Munot wieder nach Schaff- hausen zurückzukehren. Den meisten Zünftern sind die Plege der Tradition, die Verwaltung des gemeinsamen Zunftvermögens, vor allem aber das Beisammensein mit Leuten, die eine gemeinsame Geschichte verbindet, äu- sserst wichtig. Letztlich ist die Zunft auch ein Ort, wo man neue, interessante Bekanntschaften schliessen kann. Jeweils im Januar, am Karlstag, versammeln sich die Ver- treter der einzelnen Zünfte zu einer gemeinsamen Sitzung, die vom Obmann, dem höchsten Schaffhauser Zünfter, geleitet wird.
Am 6. Januar 2018 veranstalten die Schaffhauser Zünfte und Gesellschaften zum 3. Mal den traditionellen Dreikönisgsumzug, ein Anlass, der von Nachtwächter Martin Harzenmoser wieder zum Leben erweckt wurde.