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Die Schweizer Justiz ermittelt gegen den Direktor des Bundesamts für Zivilluftfahrt, Raymond Cron, wegen Vermögensdelikten bei seinem früheren Arbeitgeber.Dieser Inhalt wurde am 21. November 2005 - 22:03 publiziert
Cron gab zu, bei der Batigroup Mitarbeitern gegen den Willen seiner Vorgesetzten Prämien in der Höhe von rund 180'000 Franken ausbezahlt zu haben.
"Ich rechne mit einer Verurteilung", sagte Cron am Montag vor den Medien. Er habe einen "groben Fehler" begangen. Als Direktor des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (BAZL) wolle er dennoch nicht zurücktreten.
Cron machte am Montag das Verfahren gegen ihn selber publik. Insgesamt habe er bei seinem früheren Arbeitgeber, dem Schweizer Baukonzern Batigroup, zwischen Januar 2002 und Juli 2003 sieben Mitarbeitern Sonderprämien in der Höhe von rund 180'000 Franken in bar ausbezahlt.
4'000 Franken behielt er für sich, nach eigenen Angaben aber nur, weil er nicht wusste, wie er sie wieder in die Firma zurückschleusen sollte.
Einnahmen verheimlicht
Zu dem Geld kam Cron, indem er Einnahmen zweimal nicht verbuchte und zwei Rechnungen eines Mitarbeiters zu Unrecht der Batigroup belastete. Er begründete dies mit einer Phase sehr hoher Arbeitsbelastung, in der es um millionenschwere Projekte gegangen sei.
Er habe Mitarbeiter für ihren überdurchschnittlichen Einsatz belohnen wollen, obwohl sein Vorgesetzter dies zuvor ausdrücklich abgelehnt hatte.
"Ich handelte in der Überzeugung, die Zahlungen und Vergütungen im Interesse des Unternehmens auszurichten", machte Cron geltend. Dass er damit gegen das Gesetz verstosse, sei ihm in dem Moment nicht bewusst gewesen.
Entschuldigung bei Batigroup
Laut Crons Anwalt handelt es sich bei den Taten strafrechtlich wohl um Veruntreuung. Angesichts des Deliktbetrags werde eine Strafe sicher bedingt ausfallen und Monate und nicht Jahre dauern.
Cron zeigte vor den Medien Reue. "Ich bedaure meinen groben Fehler zutiefst und bin bereit, die Verantwortung zu übernehmen", sagte er.
Er habe sich beim Chef der Batigroup entschuldigt und die Staatsanwaltschaft lückenlos über alles informiert. Die 4000 Franken, die auf seinem Konto verblieben, habe er zurückgezahlt.
Von seinem Amt als BAZL-Direktor will Cron aber nicht zurücktreten - auch dann nicht, wenn es zu einer Verurteilung kommt. Der Fall stehe in keinem Zusammenhang zu seiner bisher guten Arbeit im BAZL.
Rückendeckung von Leuenberger
Der zuständige Departementschef, Bundesrat Moritz Leuenberger, verurteilte zwar in einer Stellungnahme das Verhalten Crons, sprach ihm aber das Vertrauen aus.
"Hätte er das alles bei uns gemacht, wäre er als Amtsdirektor nicht tragbar. Aber er macht hier seit anderthalb Jahren einen sehr guten Job, und ich will Herrn Cron nicht zweimal bestrafen", sagte Leuenberger im "Echo der Zeit" von Radio DRS. Die Kompetenz und das grosse Engagement Crons seien auch für die zukünftige Führung des BAZL wichtig und nötig.
Ermittlungen gegen weitere Personen
Ans Licht kam die Affäre durch eine Anzeige der Batigroup. Der Baukonzern war bei einer internen Revision auf Unregelmässigkeiten gestossen und hatte Mitte Oktober Anzeige erstattet. Nach Angaben der Basler Staatsanwaltschaft wurde im Zuge der Ermittlungen bislang eine Person vorübergehend in Untersuchungshaft genommen.
Laut Batigroup handelt es sich um einen ehemaligen Mitarbeiter der Buchhaltung, der inzwischen fristlos entlassen wurde. Es gehe um Vermögensdelikte im Betrag von einigen hunderttausend Franken zum Nachteil der Batigroup, sagte ein Unternehmenssprecher.
Cron war im Dezember 2003 vom Bundesrat zum BAZL-Direktor ernannt worden. Er löste Andre Auer ab, der nach einem umstrittenen Entscheid über die Einschränkung des Anflugregimes für den Flughafen Lugano-Agno seinen Platz räumen musste.
swissinfo und Agenturen
In Kürze
Seit Mai 2004 steht Raymond Cron dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) vor.
Vor seiner Wahl zum BAZL-Direktor arbeitete er als Spartenleiter bei dem Schweizer Bauriesen Batigroup.
Dort hat er Untergebenen laut eigenen Angaben gegen den Willen seiner Vorgesetzten Sonderprämien in der Höhe von rund 180'000 Franken ausbezahlt.
Wegen Verdachts auf Vermögensdelikte hat die Basler Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Cron eingeleitet.
Vor dem endgültigen Urteil sehen weder Cron noch sein Vorgesetzter, Bundesrat Moritz Leuenberger, einen Anlass zum Rücktritt.
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