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1. Überblick
Eine Aphasie ist ein teilweiser oder völliger Verlust der bereits erlernten Sprache. Zu einem solchen Sprachverlust kann es kommen, wenn bestimmte Bereiche im Gehirn geschädigt sind.
Weil eine Aphasie die Kommunikationsfähigkeit beeinträchtigt, können Aphasiker – je nach Ausprägung ihrer Sprachstörungen – psychisch oder geistig behindert wirken. Aber: Aphasien deuten nicht auf eine psychische oder geistige Behinderung hin, sondern sind reine Sprachstörungen!
Die häufigsten Ursachen einer Aphasie sind Durchblutungsstörungen im Gehirn aufgrund von Gefässveränderungen (z.B. infolge von Arteriosklerose oder Diabetes mellitus): Dann kann es zu einem Schlaganfall kommen, der in rund vier von zehn Fällen eine Aphasie mit sich bringt. Weitere mögliche Auslöser der Sprachstörungen sind:
- Schädel-Hirn-Traumata
- Tumoren
- Entzündungsvorgänge oder Sauerstoffmangel im Gehirn
- allmählicher Hirnabbau (z.B. bei fortschreitenden Demenzerkrankungen)
Bei Erwachsenen ist der Schlaganfall die mit Abstand häufigste Ursache der Aphasie.
Bei Kindern entsteht die Sprachbehinderung hingegen meist durch ein Schädel-Hirn-Trauma.
Meist betrifft eine Aphasie alle Bestandteile der Sprache, so dass es beim Sprachgebrauch – mit unterschiedlichen Schwerpunkten – zu Regelabweichungen in der Wortfindung (Lexik), dem Verstehen der Bedeutung von Wörtern (Semantik), der Grammatik (Syntax) und der Lautbildung (Phonologie) kommt. Darüber hinaus können das Sprechen, Schreiben, Verstehen und Lesen aphasische Störungen aufweisen.
Je nachdem, welche Symptome bei einer Aphasie jeweils vorherrschen, unterscheidet man verschiedene Formen der Sprachstörung. Die wichtigsten Formen von Aphasie, die man grösstenteils vergleichsweise eindeutig Schädigungen bestimmter Hirnregionen zuordnen kann, sind:
- die Broca-Aphasie (bzw. motorische Aphasie), deren wichtigstes Symptom die Sprachbildung betrifft,
- die Wernicke-Aphasie (bzw. sensorische Aphasie), deren Hauptsymptome ein beeinträchtigtes Sprachverständnis zeigen,
- die amnestische Aphasie, die durch Wortfindungsstörungen gekennzeichnet ist, und
- die globale Aphasie, die als die schwerste Form gilt.
Eine plötzlich auftretende Aphasie bessert sich häufig von selbst – vor allem in den ersten sechs Monaten nach einer Hirnschädigung, die durch eine Minderdurchblutung entstanden ist. Erworbene Sprachstörungen können jedoch auch länger andauern. In jedem Fall gilt:
Bei jeder Aphasie ist es ratsam, so früh wie möglich mit einer Sprachtherapie zu beginnen, da sich dadurch die sprachliche Kommunikationsfähigkeit der Aphasiker oft wesentlich verbessert.
Um einer Aphasie vorzubeugen, ist es vor allem wichtig, das Schlaganfallrisiko und das Risiko für Kopfverletzungen gering zu halten (also z.B. beim Fahrradfahren einen Schutzhelm zu tragen).
2. Definition
Der Begriff Aphasie bezeichnet per Definition eine nach abgeschlossener Sprachentwicklung erworbene Sprachstörung oder Beeinträchtigung der Sprachbildung beziehungsweise des Sprachverständnisses, die durch eine Gehirnschädigung bedingt ist. Der teilweise oder völlige Sprachverlust beeinträchtigt zwar die Kommunikationsfähigkeit, Aphasien sind aber kein Anzeichen für psychische oder geistige Behinderungen.
Historisches
Die Grundlagen unseres Wissens über Aphasie stammen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts: Damals begann man im Rahmen der Erforschung von Gehirnerkrankungen damit, einen Zusammenhang zwischen motorischen und sensorischen Funktionen (bzw. deren Störungen) und bestimmten Regionen des Gehirns herzustellen. Im Mittelpunkt dieser Entwicklung stand der französische Arzt Paul Broca (1824 bis 1880), dem es 1861 erstmals gelang, bei einem Menschen mit motorischer Sprachstörung das motorische Sprachzentrum bei Rechtshändern der linken Hälfte des Grosshirns zuzuordnen, das man heute auch als Broca-Sprachzentrum bezeichnet. Die Arbeiten Brocas über die örtliche Zuordnung (Lokalisation) von Gehirnfunktionen waren bahnbrechend für die weitere Entwicklung der Hirnanatomie und -physiologie.
Vor allem im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts gab es intensive Bemühungen, den Aufbau jeder einzelnen Hirnregion zu erforschen und Landkarten vom gesamten Gehirn anzulegen. 1909 unterschied Korbinian Brodmann bereits 52 verschiedene Felder, die er als "Area 1" bis "Area 52" bezeichnete. Die Bezifferung nach Brodmann findet vielfach auch heute noch Anwendung.
Mit der Erforschung der Hirnregionen verband sich die Hoffnung, durch die Kenntnisse im Feinbau des Gehirns Aufschluss über dessen Funktionen zu gewinnen. Spätere Forschungen zeigten jedoch, dass es teilweise nicht gelungen war, Hirnregionen und Funktionen exakt zuzuordnen. Dies kann unter anderem daran liegen, dass die Untersuchungen meist nur an wenigen Menschen stattfanden.
Neuere vergleichende Untersuchungen zeigen, dass der Feinbau des Gehirns von Mensch zu Mensch äusserst unterschiedlich ist. Dennoch ist es möglich, Beziehungen zwischen Störungen bestimmter motorischer oder sensorischer Funktionen und Schädigungen örtlich begrenzter Bereiche im Gehirn herzustellen. Auch die wichtigsten Formen von Aphasie kann man mehr oder weniger eindeutig auf Schädigungen bestimmter Hirnregionen zurückführen:
- So entsteht beispielsweise die Broca-Aphasie hauptsächlich dadurch, dass das sogenannte Broca-Sprachzentrum geschädigt ist, das im Stirnlappen des Gehirns in der Area 44 nach Brodmann liegt,
- während bei der Wernicke-Aphasie im Wesentlichen das sogenannte Wernicke-Sprachzentrum im oberen Schläfenlappen des Gehirns geschädigt ist.
Häufigkeit
Die Aphasie tritt mit grösster Häufigkeit im Erwachsenenalter als Folge eines Schlaganfalls auf. Etwa 5000 Menschen erleiden in der Schweiz einen Sprachverlust.
Kinder und Jugendliche bis zum 15. Lebensjahr sind selten betroffen – in dieser Altersgruppe sind überwiegend unfallbedingte Schädel-Hirn-Traumata für den Verlust von Sprachfunktionen verantwortlich.
3. Ursachen
Eine Aphasie hat ihre Ursachen immer in einer Schädigung des Gehirns. Ein solcher Gehirnschaden kann auf unterschiedlichem Weg entstehen.
Meistens ist ein Schlaganfall für eine Aphasie verantwortlich: Etwa 80 Prozent aller Aphasien sind die Folge einer Durchblutungsstörung oder Blutung im Gehirn. Da das Risiko für Schlaganfälle mit zunehmendem Alter steigt, sind überwiegend Erwachsene betroffen.
Am zweithäufigsten entsteht die Aphasie durch Unfälle, bei denen es zu einem Schädel-Hirn-Trauma kommt: Rund 10 Prozent aller Aphasien im Erwachsenenalter treten nach einer Schädelverletzung auf, bei der auch das Hirngewebe direkt geschädigt ist. Die kindliche Aphasie hat ihre Ursachen sogar zu 80 Prozent in Schädel-Hirn-Traumata. Unfälle, die zu einem Schädel-Hirn-Trauma führen, ereignen sich meist im Strassenverkehr, aber auch beim Sport oder Spielen. Sie können ausserdem die Folge körperlicher Gewalt sein.
Am dritthäufigsten sind die Sprachstörungen durch Hirntumoren bedingt: Rund 7 Prozent aller Fälle von Aphasie haben ihre Ursachen in einem Hirntumor.
Daneben kommen für eine Aphasie auch seltenere Ursachen infrage. Zu jeweils 1 Prozent steckt hinter dem Sprachverlust:
- ein langsam fortschreitender Verlust von Hirnsubstanz (sog. Hirnatrophie), zu dem es beispielsweise bei Demenzerkrankungen kommt,
- ein entzündlicher Prozess im Gehirn oder
- eine Mangelversorgung des Hirngewebes mit Sauerstoff (sog. Hypoxie) – hierzu kann es zum Beispiel durch einen Herzstillstand, eine schwere allergische Reaktion oder einen Schock kommen.
Entwickeln Rechtshänder eine Aphasie, liegt die ursächliche Schädigung typischerweise in der linken Hirnhälfte. Der Grund: Bei etwa 90 Prozent der Rechtshänder ist die linke Hirnhälfte (Hemisphäre) für die Sprache bestimmend.
In sehr seltenen Fällen haben Rechtshänder eine sogenannte gekreuzte Aphasie infolge einer Schädigung bestimmter Regionen in der rechten Hirnhälfte.
Bei linkshändigen Aphasikern ist hingegen meist die rechte Hirnhälfte geschädigt.
4. Symptome
Bei einer Aphasie reichen die Symptome von einem teilweisen bis zum völligen Sprachverlust. Wegen ihrer Sprachstörung können Aphasiker nur noch eingeschränkt mit ihrer Umwelt kommunizieren. Diese beeinträchtigte Kommunikationsfähigkeit ist aber kein Symptom für eine psychische oder geistige Behinderung! Stattdessen sind Aphasien reine Sprachstörungen.
Eine Aphasie kann sich beim Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben zeigen: In jeder dieser sprachlichen Tätigkeiten können Aphasiker mehr oder weniger beeinträchtigt sein. In der Regel treten die Sprachstörungen plötzlich als direkte Auswirkung einer Schädigung am Gehirn auf.
Allerdings kann sich eine Aphasie (v.a. im Alter) auch langsam im Rahmen von Erkrankungen entwickeln, die durch fortschreitenden Abbau von Hirnsubstanz gekennzeichnet sind (z.B. Demenzerkrankungen): Dann treten neben der Sprachstörung typischerweise weitere Symptome auf (wie Gedächtnisstörungen, Auffälligkeiten in der Denk- und Verhaltensweise). Dass sich eine Erkrankung, die mit fortschreitendem Hirnabbau einhergeht, zuerst nur auf die Sprachfunktion auswirkt, geschieht sehr selten.
Aphasien können – je nachdem, wo das Gehirn geschädigt ist – unterschiedlich ausgeprägt sein. Entsprechend lassen sich verschiedene Formen von Aphasie unterscheiden – die vier wichtigsten sind:
- Broca-Aphasie
- Wernicke-Aphasie
- amnestische Aphasie
- globale Aphasie
Broca-Aphasie
Bei der Broca-Aphasie betreffen die Symptome hauptsächlich die Sprachbildung: Menschen mit einer Broca-Aphasie haben Schwierigkeiten, Sprache aktiv hervorzubringen. Deswegen bezeichnet man diese Sprachstörung auch als motorische Aphasie. Zusätzlich können Broca-Aphasiker ein beeinträchtigtes Sprachverständnis haben.
Wichtigstes Symptom der Broca-Aphasie ist der Agrammatismus (griech. a = ohne, nicht): Broca-Aphasiker sind nicht mehr in der Lage, grammatikalisch korrekte Sätze in ihrer Muttersprache zu bilden. Sie setzen deshalb kurze, telegrammstilartige Äußerungen ein, die aus ein bis drei Wörtern mit extrem vereinfachtem Satzbau bestehen. Die Ordnung der Wörter folgt häufig nicht den grammatischen Regeln der Wortstellung, sondern der thematischen Wichtigkeit.
Bei der Suche nach dem passenden sprachlichen Ausdruck müssen Menschen mit Broca-Aphasie oft grosse Sprachanstrengung leisten. Diese Anstrengung kann, wenn gleichzeitig eine zentrale Sprechstörung (sog. Dysarthrie) vorliegt, von grosser Sprechanstrengung begleitet sein. Die Symptome zeigen sich aber nicht nur beim Sprechen, sondern auch beim Schreiben.
Die Broca-Aphasie ist auf eine Schädigung zurückzuführen, die im Wesentlichen das Broca-Sprachzentrum betrifft: Dieses befindet sich im Stirnlappen des Gehirns in der sogenannten Area 44 nach Brodmann.
Wernicke-Aphasie
Eine der vier Hauptformen von Aphasie (Sprachstörung), die sogenannte Wernicke-Aphasie, äussert sich in der Regel durch Symptome, die das erheblich beeinträchtigte Sprachverständnis zeigen: Menschen mit einer Wernicke-Aphasie haben oft Schwierigkeiten, bereits einfache Wörter zu verstehen. Diese Sprachstörung nennt man deshalb auch sensorische Aphasie (d.h. das Verstehen von Sprache betreffende Sprachstörung). Allerdings sind die Betroffenen häufig in der Lage, sprachbegleitende Kommunikationsfaktoren wie Unterschiede in der Tonhöhe zwischen Fragen und Antworten oder Mimik zu erkennen, und können auf dieser Grundlage an Gesprächen teilnehmen.
Zwei weitere wesentliche Symptome der Wernicke-Aphasie sind der Paragrammatismus und Paraphasien: Der Paragrammatismus (griech. para = neben, bei) führt zu Regelabweichungen bei der Kombination von Satzteilen (falsche Verbindung von Satzteilen, Satzabbrüche oder Satzteilverdopplungen). Bei einer Paraphasie ist die Lautstruktur von Wörtern beispielsweise durch Umstellen, Auslassen oder Hinzufügen von Lauten verändert (z.B. «Tamm» statt «Stamm», «Vergebrecher» statt «Verbrecher») oder die Betroffenen verwenden falsche Wörter (z.B. «Gewicht» statt «Blei») beziehungsweise in der jeweiligen Sprache nicht existierende Wörter.
Bei der Wernicke-Aphasie ist hauptsächlich das sogenannte Wernicke-Sprachzentrum im oberen Schläfenlappen des Gehirns von der Schädigung betroffen.
Amnestische Aphasie
Die Form von Amnesie (Sprachstörung), deren Symptome hauptsächlich Probleme bei der Wortfindung sind, bezeichnet man als amnestische Aphasie. Die kennzeichnenden Wortfindungsstörungen führen zu grösseren Sprechpausen oder Satzabbrüchen im ansonsten fast normalen Redefluss. Häufig entwickeln Menschen mit diesen Sprachstörungen Strategien, die fehlenden Wörter durch Umschreibungen (z.B. «das Ding») zu ersetzen. Die Wortfindungsstörungen treten auch beim Schreiben auf.
Die für eine amnestische Aphasie verantwortliche Schädigung des Gehirns findet sich vorwiegend im unteren Schläfenlappen am Übergang zum Scheitellappen. Allerdings sind die Symptome einer amnestischen Aphasie nicht immer eindeutig einer bestimmten Hirnregion zuzuordnen.
Globale Aphasie
Als schwerste Form von Aphasie (Sprachstörung), deren wichtigste Symptome Sprachautomatismen sind, gilt die globale Aphasie: Die Betroffenen wiederholen häufig formstarre Äusserungen, die keinen kommunikativen Zweck verfolgen. Über diese Automatismen hinaus sind viele Menschen mit globaler Aphasie kaum zu sprachlichen Äusserungen fähig.
Die globale Aphasie ist ausserdem durch ein massiv gestörtes Sprachverstehen gekennzeichnet. Meist sind alle Bestandteile des Sprachsystems (Wortschatz bzw. Lexik, Bedeutung von Wörtern bzw. Semantik, Satzbau bzw. Syntax und Lautbildung bzw. Phonologie) und auch alle Arten sprachlicher Ausführung (Sprechen, Schreiben, Verstehen, Lesen) von dieser Sprachstörung betroffen.
Die Schädigungen, die eine globale Aphasie auslösen, sind sehr ausgedehnt und betreffen Teile des Stirn-, des Schläfen- und des Scheitellappens.
Sonderformen
Daneben kann eine Aphasie (Sprachstörung) in mehreren Sonderformen auftreten, die jeweils typische Symptome aufweisen. Zu diesen Sonderformen gehören:
- Leitungsaphasie: Hierbei ist das Nachsprechen von Wörtern oder Sätzen stark beeinträchtigt, während die Spontansprache bei dieser Form der Sprachstörung meist verhältnismässig gut funktioniert.
- Transkortikal-sensorische Aphasie: Diese Sonderform ist durch grosse Wortfindungsprobleme und Schwierigkeiten im Sprachverständnis gekennzeichnet. Die Betroffenen können Wörter oder Sätze jedoch meist problemlos nachsprechen, ohne sie zu verstehen.
5. Diagnose
Bei einer Aphasie (Sprachstörung) besteht der erste Schritt zur Diagnose in einer sogenannten Eingangsdiagnostik: Hierbei macht sich der Arzt ein erstes Bild von den Sprachstörungen. Um Aphasien genauer beurteilen zu können, stehen verschiedene Tests zur Verfügung. Dabei sind viel Erfahrung und Verständnis erforderlich.
Um die Aphasie-Diagnose möglichst schnell zu stellen, eignet sich der sogenannte Token-Test: Hierbei weist der Arzt die Betroffenen mündlich an, unter 10 bis 20 verschiedenen Plättchen 1 bis 2 Plättchen von bestimmter Farbe, Form und Grösse herauszusuchen. Ob eine erworbene Sprachstörung infolge einer Gehirnschädigung vorliegt, zeigt dieser Test mit einer Treffsicherheit von etwa 90 Prozent.
Zur genaueren Diagnose kommt häufig der sogenannte Aachener Aphasie-Test (AAT) zum Einsatz. Hierbei kann der Arzt in einem standardisierten Interview mit verschiedenen Tests Folgendes prüfen: die Leistungen des Nachsprechens, des Schreibens, des Lesens, des Benennens und des Sprachverstehens. Der Aachener Aphasie-Test ermöglicht es, die verschiedenen Formen von Aphasie und den jeweiligen Schweregrad festzustellen. Den Test kann man darüber hinaus auch therapiebegleitend einsetzen, um die Fortschritte der Betroffenen zu beurteilen.
Steht die Aphasie-Diagnose fest, ist es ratsam, die Betroffenen auch hinsichtlich ihrer nicht-sprachlichen Wahrnehmungs- und Intelligenzleistungen zu untersuchen, da diese mitunter im Rahmen der Schädigung des Gehirns ebenfalls beeinträchtigt sind.
6. Therapie
Bei einer Aphasie (Sprachstörung) erfolgt die Therapie für gewöhnlich durch einen Sprachtherapeuten. Da diese Behandlung in vielen Fällen die sprachliche Kommunikationsfähigkeit der Betroffenen wesentlich verbessert, ist es wichtig, dass sie so früh wie möglich beginnt.
Im frühen Stadium einer Aphasie, in dem die Betroffenen meist kaum zu einer sprachlichen Äusserung fähig sind, versucht der Sprachtherapeut, die Sprachleistung zu reaktivieren. Dabei kommen verschiedene Methoden zum Einsatz: So motiviert der Therapeut die Aphasiker beispielsweise zum Mit- oder Nachsprechen von automatisierten Wortreihen (Wochentage, Zahlenreihen).
In einer zweiten Phase der Aphasie-Therapie erfolgen Übungen, die sich nach den speziellen Sprachstörungen der jeweiligen Aphasiker richten: Wenn die Sprachstörung beispielsweise wie bei der Broca-Aphasie hauptsächlich den Bereich der Sprachbildung betrifft, übt der Therapeut mit den Betroffene den Aufbau grammatikalisch korrekter, einfacher Sätze.
In einer dritten Phase versuchen Therapeut und Betroffene, die durch die Aphasie-Therapie erzielten Sprachleistungen auf die Erfordernisse der Alltagskommunikation zu übertragen. Um dies zu erleichtern, findet die therapeutische Arbeit in dieser Phase häufig in Gruppen statt.
7. Verlauf
Bei einer Aphasie (Sprachstörung) hängt der Verlauf in erster Linie von der Art und Schwere der zugrunde liegenden Schädigung des Gehirns und vom Alter der Betroffenen ab. In vielen Fällen bessert sich eine Aphasie von selbst (spontan) – vor allem in den ersten sechs Monaten nach der Hirnschädigung infolge einer Minderdurchblutung. Aphasien können jedoch auch länger andauern. Ein frühzeitiger Behandlungsbeginn wirkt sich allgemein positiv auf den Verlauf einer Aphasie aus.
8. Vorbeugen
Einer Aphasie (Sprachstörung) können Sie durch verschiedene Massnahmen vorbeugen: Aphasien treten meist infolge von Schlaganfällen auf, die wiederum in erster Linie durch Arteriosklerose entstehen – daher ist es wichtig, dass Sie Ihr Risiko für Arteriosklerose verringern. Das bedeutet: Vermeiden Sie erhöhte Blutdruckwerte, Cholesterinwerte und Zuckerwerte beziehungsweise lassen Sie solche Werte angemessen behandeln, weil sie das Schlaganfallrisiko steigern. Daneben ist es empfehlenswert, Übergewicht abzubauen, für vermehrte körperliche Bewegung zu sorgen und auf Rauchen zu verzichten. Diese Massnahmen wirken sich positiv auf Ihre Blutgefässe aus.
Da eine Aphasie – vor allem bei Kindern – auch durch ein Schädel-Hirn-Trauma nach Unfällen auftreten kann, ist es wichtig, für ausreichenden Kopfschutz zu sorgen: So empfiehlt es sich, im Strassenverkehr (beim Velofahren) sowie bei Spiel und Sport (z.B. beim Inlineskating, Skifahren) immer ein Schutzhelm zu tragen.