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MÜNCHEN (awp international) - Nach dem schwersten Erdbeben der Geschichte Japans sind die Schäden für Versicherer schwer kalkuierbar. "Hätte es ein vergleichbares Beben in einem weniger entwickelten Land gegeben, dann wären die Schäden vermutlich schlimmer", sagte Sibylle Steimen, Seismologin der Allianz-Rückversicherung, der Nachrichtenagentur dpa, mit Verweis auf die hohen Standards zur Katastrophenbekämpfung in Japan. "Der Tsunami ist eine ganz andere Sache, der hat Schäden angerichtet." Japan besitze aber einen funktionierenden Tsunami-Warndienst, die höchste Warnstufe sei sofort ausgelöst worden.
Auch durch die reine Erschütterung seien Schäden entstanden, es habe Brände gegeben. Allerdings: "Die Baustandards in Japan sind sehr hoch", sagte Steimen. "Man weiss, wie man bauen muss." Die Normen seien so ausgelegt, dass die Häuser im Falle eines Bebens stehenbleiben. Vor allem Hochhäuser bauten Energie ab, indem sie schwingen und elastisch reagieren. "Die grossen Gebäude sind für sehr starke Erdbeben ausgelegt", erklärte die Geophysikerin.
Bei der Einschätzung des Erdbebens spielten mehrere Faktoren eine Rolle, sagte die Expertin. Das Epizentrum habe nicht direkt unter Tokio gelegen - "das ist die gute Nachricht" -, sondern 130 Kilometer östlich der Hafenstadt Sendai und in 24 Kilometern Tiefe. Bei dem Beben in Christchurch in Neuseeland habe das Epizentrum dagegen nur fünf Kilometer unter der Erdoberfläche gelegen, das Erdbeben war aber dafür schwächer. "Die Energie wandert in Form von seismischen Wellen", erklärte Steimen. Je weiter die Wellen wandern müssten, desto mehr Energie gehe verloren.
"Japan ist ein sehr hochentwickeltes Land mit dem besten lokalen Katastrophenschutz", sagte die Seismologin. In der Region komme es regelmässig zu kleineren Beben. "Japan ist eines der am stärksten gefährdeten Länder der Erde." Entsprechend gebe es Katastrophenpläne, Prävention sei gross geschrieben.
Nach dem starken Beben sei im Land zunächst alles zum Stillstand gekommen, es habe Notabschaltungen gegeben, Züge wurden gestoppt. "Es werden Brücken und Gebäude überprüft werden, ob sie noch sicher sind", erklärte Steimen. Auch das Stromnetz werde untersucht und nach notwendigen Reparaturen wieder hochgefahren. Nach Angaben japanischer Behörden wurden auch mehrere Atomreaktoren heruntergefahren./tst/DP/tw
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