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Neue statistische Agglomerations- und Stadtdefinition 2012
5,9 Millionen Menschen leben in Agglomerationen
Neuchâtel, 18.12.2014 (BFS) - 73 Prozent der in der Schweiz wohnhaften Bevölkerung leben in den Agglomerationen, welche aus Kernen und Gürtelgemeinden bestehen. Dieser Wert ergibt sich aufgrund einer vom Bundesamt für Statistik (BFS) entwickelten neuen statistischen Definition für Räume mit städtischem Charakter. Mit der neuen Methode wird es möglich, die Verstädterung in der Schweiz statistisch besser abzubilden.
Der neu definierte Raum mit städtischem Charakter unterscheidet vier Hauptkategorien, zwei davon bestimmen die Agglomerationen. In den Agglomerationskernen konzentrieren sich 59 Prozent der Bevölkerung und 70 Prozent der Arbeitsplätze auf 12 Prozent der Landesfläche. Zu den Agglomerationen gehören ferner Gürtelgemeinden, die eine starke Verflechtung mit den Agglomerationskernen aufweisen. Insgesamt leben 5,9 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner in den 49 Agglomerationen auf Schweizer Territorium, was 73 Prozent der Bevölkerung entspricht. In den ausländischen Teilen von zwölf grenzüberschreitenden Agglomerationen leben 1,2 Millionen Menschen.Städtische Räume auch ausserhalb von Agglomerationen
Ausserhalb der Agglomerationen werden neu zum einen «mehrfach orientierte Gemeinden» definiert, welche sich in ihren Aktivitäten auf verschiedene Agglomerationskerne ausrichten. Zum anderen werden «Kerngemeinden ausserhalb von Agglomerationen» bestimmt. Insgesamt leben 84 Prozent der Bevölkerung in Gemeinden mit städtischem Charakter und dies auf 41 Prozent der Landesfläche. Die Gemeinden mit städtischem Charakter bilden zwei zusammenhängende Bänder, vom St. Galler Rheintal bis Basel und von Genf bis Bern. Umgekehrt leben in den 59 Prozent der ausserhalb des städtischen Raums liegenden Landesfläche nur 16 Prozent der Bevölkerung. Der Gegensatz Stadt-Land wird mit der neuen Definition nicht mehr statistisch erfasst. Agglomerationsgürtel und mehrfach orientierte Gemeinden können, obwohl städtisch beeinflusst, durchaus auch ländlichen Charakter aufweisen. Inwieweit einzelne solcher Gemeinden ländlichen Charakter aufweisen, müsste später mit einer separaten Methode festgestellt werden.Vier neue Agglomerationen
Die neue Definition des Raums mit städtischem Charakter weist vier neue Agglomerationen aus: Altdorf, Glarus, Martigny und Bad-Säckingen - Stein (grenzüberschreitend mit Deutschland). Fünf bisher eigenständige Agglomerationen (Burgdorf, Schwyz, Stans, St. Moritz und Wetzikon-Pfäffikon) verlieren diesen Status. Deren namensgebenden Gemeinden gehören jedoch weiterhin zum Raum mit städtischem Charakter. Der in Agglomerationen lebende Bevölkerungsanteil bleibt gegenüber dem Jahr 2000 nahezu unverändert.162 statistische Städte
Unter anderem mit Hilfe von Dichtekriterien werden im Jahr 2012 162 statistische Städte ausgewiesen. Der neue Ansatz verhindert unter anderem, dass bevölkerungsstarke Gemeinden im ländlichen Raum, die sich nach Fusionen gebildet haben, als Stadt klassiert werden. In den statistischen Städten wohnen 47 Prozent der Bevölkerung und befinden sich 64 Prozent der Arbeitsplätze. Im Jahr 2000 waren es 119 Städte, weil damals allein die Bevölkerungszahl (mindestens 10'000) massgebend war.Warum eine neue Methode zur Erfassung der Verstädterung?
Bevölkerungswachstum, Ausdehnung der Siedlungs-, Industrie und Gewerbeareale, Abwanderung der städtischen Bevölkerung ins Umland sowie verbesserte Verkehrsinfrastrukturen haben die Raumstruktur seit der letzten Definition wesentlich verändert. Einige der damals verwendeten Kriterien und Verfahren mussten daher angepasst werden. Mit der neuen Definition kann zudem der Einfluss von Gemeindefusionen vermindert werden.Anwendung in der Statistik und Politik
Durch ihren wissenschaftlichen Charakter ermöglichen die Definitionen der Gemeinden mit städtischem Charakter sowie jene für Städte wertvolle Anwendungen in der Statistik, wie zum Beispiel die Messung von regionalen Disparitäten oder räumlich differenzierte Wahlanalysen. Die aktuellen Ergebnisse können auch als Orientierungsrahmen für die Regional- und Agglomerationspolitik herangezogen werden.
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