Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03457.jsonl.gz/748

Wer wider besseres Wissen etwas behauptet, lügt. Den Vorwurf hatte der Berner Klimaforscher Thomas Stocker bereits im November 2015 erhoben (siehe Infosperber vom 25.11.2015: «Klimaforscher liest SVP die Leviten»). Aber die SVP verbreitet auf ihrer Homepage immer noch ihr unverändertes «Klima-Positionspapier» aus dem Jahr 2009.
Darin schreibt die SVP unter anderem:
«Seit dem Jahr 1998 hat es weltweit keine Erwärmung mehr gegeben, seit 2005 kühlte es gar ab. … Auch in der Schweiz wurde das bisher wärmste Jahr 1994 seit nunmehr über einem Jahrzehnt nicht mehr übertroffen. Man kann somit keinesfalls von einem kontinuierlichen, starken Anstieg der Temperaturen sprechen. … Das UNO-Gremium IPCC räumt ein breites Unwissen über das Funktionieren des Klimasystems ein. Doch wenn man nicht versteht, wie das Klima entsteht, kann man auch keine Prognosen für seine Zukunft abgeben.»
Daraus leitet die SVP unter anderen folgende Forderungen ab:
- In der Schweiz machen Anstrengungen zur Begrenzung der CO2- Emissionen höchstens dann Sinn, wenn sie Teil eines weltweit koordinierten Prozesses sind, an dem sich sämtliche Länder, die bedeutende Mengen an CO2 ausstossen, verbindlich beteiligen [im Klartext: nie]. Als Illustration zählt die SVP als grösste CO2-Sündenböcke die USA (22 Prozent des menschenverursachten CO2), China (18 Prozent), Russland (5,6 Prozent), Indien (5 Prozent) und Japan (5 Prozent) auf. Ganz abgeschlagen am Schluss der Liste kommt die Schweiz mit lächerlichen 0,1 Prozent des menschenverursachten Ausstosses von CO2. Auf das Erwähnen von Liechtenstein verzichtet die SVP, weil sonst auch den letzten Lesenden auffallen würde, dass 1,37 Milliarden Chinesen mehr CO2 verursachen als 8 Millionen Schweizerinnen und Schweizer. Auf eine Statistik des CO2-Ausstosses pro Kopf der Bevölkerung verzichtet das «Positionspapier» wohlweislich.
- Die Schweiz soll aus den internationalen Verträgen möglichst rasch austreten und das Schweizer CO2-Gesetz dann sofort aufheben. Die Schweiz soll an keinem neuen Klimaabkommen teilnehmen – ausser sämtliche Länder, die viel CO2 emittieren, beteiligen sich ohne Ausnahme verbindlich (siehe oben). Auf den Pro-Kopf-Verbrauch der Länder kommt es nicht an.
- Den Anliegen der Wirtschaft ist angemessen Rechnung zu tragen.
Sie können das vollständige SVP-Positionspapier hier konsultieren.
Stocker: «Möglichst schnell auf erneuerbare Energiesysteme umstellen»
Anderer Ansicht ist Klimaforscher Professor Thomas Stocker: «Mit Pflästerchen können wir den Klimawandel nicht beschränken. Es braucht eine neue industrielle Revolution – die Dekarbonisierung. Das heisst, fossile Energiesysteme auf erneuerbare umstellen.» (SoZ vom 12.6.2016)
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine