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Stress und Burnout
Definitionsgemäss bezeichnet Stress eine durch bestimmte äussere Reize (Stressoren) hervorgerufene psychische (seelische) und physische (körperliche) Reaktion bei Lebewesen. Stress ist eigentlich eine natürliche (evolutionsbiologische) positive Reaktion des Körpers auf jede Art von Belastung und hilft, uns derselben anzupassen. Stress aktiviert im Organismus Hormone, z.B. Adrenalin, Cortisol (in der Nebennierenrinde) und Serotonin (im Gehirn), die uns ermöglichen in Gefahren- und überlebenssituationen blitzschnell zu reagieren, früher bei unseren Vorfahren vor allem bei der Flucht oder im Kampf. Körperliche Stressreaktion steigert sowohl die körperliche als auch die geistige Leistungsfähigkeit durch: erhöhte Aufmerksamkeit, beschleunigte Reaktionsgeschwindigkeit, verbesserte Gedächtnisleistung, Verfügbar-machen von Energiereserven, Gefässengstellung (dadurch Blutdruck- und Pulsanstieg, bessere Durchblutung der Muskulatur) und eine schnellere Blutgerinnung (körperliche Vorsichtsmassnahme im Falle einer Verletzung). Die aktivierte Energie wird positiv genutzt und bei einer Bedrohung freigesetzt. Danach fällt die Hormonaktivierung auf Normalniveau zurück.
Arten von Stressoren
Man kann unterschieden zwischen objektiven Stressoren: physikalische (Lärm, Hitze, Kälte) oder körperliche Stressoren (Krankheit, Verletzung, Schmerz, Hunger, Behinderung) und subjektiven Stressoren: Leistungsstressoren (Zeitdruck, überforderung, Unterforderung, Prüfungen) oder soziale Stressoren (Konkurrenz, Isolation, Konflikte, Trennung, Pubertät, Beruf).
Stress ist nicht gleich Stress
Heutzutage unterscheidet man zwischen Eustress und Distress. Diese beiden Formen bezeichnen die positive (Eustress) und negative (Distress) Form von Stress, obwohl im allgemeinen Sprachgebrauch häufig die negative Form gemeint ist.
Situationen von Eustress gibt es, wenn Anstrengung mit Erfolg und Anerkennung gekrönt ist oder der Stress Freude, Zufriedenheit, Bestätigung und Selbstvertrauen schafft. Damit wird die Motivation gefördert, Herausforderungen anzunehmen. Aber auch körperlicher Stress, welcher einen Adrenalinschub auslöst, in dem wir Nervenkitzel empfinden, positiv aufregende und stimulierende Situationen, wie eine Achterbahnfahrt oder ein (freiwilliger) Fallschirmsprung sind meist positiv empfundener Stress.
Belastende Situationen oder Ereignisse, die wir subjektiv als bedrohlich einstufen, bedeuten Distress. Dieser Zustand entsteht, wenn uns die zur Verfügung stehenden Ressourcen nicht ermöglichen, einer Situation oder Bedrohung aus dem Weg zu gehen oder diese bewältigen zu können, z.B. die Angst vor einem Vorstellungsgespräch oder einer Prüfung.
Liefert Stress nun den Antrieb im Leben und fürs überleben oder ist er eher ein Gesundheitsrisiko?
Ob nun Stress gut ist, hängt davon ab wie wir ihn empfinden und welche Auswirkungen er hat.
Positiver Stress steigert unsere Leistungsfähigkeit meist bis zu einem gewissen Punkt, dann kann es kehren (Dysbalance) und mit mehr Stress kommt es nicht mehr zu einer Steigerung, sondern zu einem Abfall der Leistungsfähigkeit. Problematisch wird es, wenn Stress zu einer Dauerbelastung wird.
Heutige Stressfaktoren entstehen in sozialen Beziehungen und bei der Arbeit. Sie dauern oft über Monate und Jahre. Uns fehlen die notwendigen Erholungs- und Entspannungsphasen zwischen den Stressbelastungen. Dadurch wird unser Organismus ständig in einem Zustand erhöhter Aufmerksamkeit gehalten. Der Organismus passt sich daran an, indem er versucht, auf höherem Aktivierungs-Niveau ein neues Gleichgewicht herzustellen. Wenn Stress zu lange anhält, bricht die Anpassungsfähigkeit des Organismus zusammen.
Wann ist Stress eine Gefahr für die Gesundheit?
Bei nicht abgebauter körperlicher Erregung, dauerhaft erhöhtem Aktivierungsniveau und fehlender Erholung wird unter anderem unser Immunsystem geschwächt und es kommt häufig zusätzlich zu gesundheitlichem Risikoverhalten (Schlafmangel, Rauchen, Alkohol etc). Mögliche körperliche Folgekrankheiten bei chronischer Belastung sind: Bluthochdruck, koronare oder cerebrale Gefässkrankheit mit erhöhtem Risiko für Herzinfarkt und Hirnschlag; Verspannungen der Muskulatur mit Kopf- und Rückenschmerzen; Störungen der Verdauung mit Magen-Darm-Beschwerden und Stoffwechselstörungen wie erhöhter Blutzuckerspiegel (Diabetes). Es wird eine verminderte Immunkompetenz (z.B. Infektionen), aber auch übersteigerte Immunreaktion mit Allergien beobachtet. Man hat eine verminderte Schmerztoleranz und die Sexualität leidet (Libidoverlust, Zyklusstörungen, Impotenz, Unfruchtbarkeit).
Hält dieser Zustand des chronisch negativ empfundenen Stresses an, kann es zu einem Burnout oder zu einer Depression kommen. Damit verbunden sind ein körperlicher, emotionaler und geistiger Erschöpfungszustand, der häufig verdrängt und negiert wird und zu dessen Behandlung wesentliche persönliche Veränderungen und Anpassungen notwendig sind (Medikamente, ambulante oder stationäre psychologische Behandlung).
Begünstigende Eigenschaften für eine Burnout finden sich z.B. bei perfektionistisch veranlagten Menschen mit Kontrollambitionen: Sie möchten alles im Griff haben, immer in Topform und unersetzbar sein. Sie steigern fortlaufend ihr Anspruchsniveau, werden zu „Workaholics“. Es kann aber auch Menschen im sozialen Bereich treffen durch lang dauernde Pflege einer kranken nahestehenden Person und Zurückstecken jeglicher eigener Bedürfnisse bis hin zur sozialen Isolation. Aber auch Faktoren wie ängstlichkeit, Misstrauen und soziale Schwierigkeiten sind begünstigend.
Mögliche Lösungen für den Abbau der körperlichen Erregung können Sport, vor allem im Ausdauerbereich und Entspannungstechniken (Yoga, autogenes Training) sein. Weitere allgemeine Antistress-Tips sind: Prioritäten setzen (was ist wirklich wichtig); nicht zu hohe Ziele stecken (sei mit dir im Frieden und zufrieden); akzeptieren, dass man nicht jede Situation kontrollieren kann, Akzeptanz auch von Misserfolgen, man kann auch daraus lernen; Lerne auch „NEIN“ zu sagen; versuche Problemen auch mit Humor zu entgegnen; auch Weinen ist erlaubt und schafft Abbau körperlicher Anspannung. Vermeide den Missbrauch von Alkohol und Nikotin. Wichtig sind genügend Schlaf, regelmässige Pausen, genügend Freizeit zu schaffen und sich Zeit nehmen, um auch mal Spass zu haben.
Gesundheit ist ein Geschenk, das man pflegen und schätzen soll, man kann es auch missachten, zerstören und verlieren, aber es kann weder gekauft noch verordnet werden.