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In den 1980er-Jahren flüchteten viele Tamilen vor dem Bürgerkrieg in Sri Lanka in die Schweiz. Ihre Gemeinde hat mittlerweile eine ansehnliche Grösse.
Auch wenn die Tamilen zu Beginn auf Ablehnung stiessen, werden sie heute als gut angepasst eingestuft. Voll integriert sind sie aber nicht.
1983 begann der Kampf der Tamil Tigers um einen separaten Tamilien-Staat in Sri Lanka. Sie warfen der singhalesischen Mehrheit im Land Diskriminierung vor. Der Konflikt eskalierte und viele Tamilen flohen nach Europa und Nordamerika.
Rund 35'000 Tamilen leben heute in der Schweiz, etwa 10% von ihnen sind eingebürgert. Die tamilische Gemeinschaft in der Schweiz gehört inzwischen zu den grössten hinter jenen in Kanada, Deutschland und Grossbritannien.
Die Ankunft von Tamilen Mitte der 1980er-Jahre blieb nicht ohne Folgen. Die Behörden mussten 1986 ein spezielles Flüchtlings-Gremium bilden, das sich mit dem unerwarteten Zustrom tamilischer Flüchtlinge befasste. Auch Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit waren an der Tagesordnung.
"Der Empfang war sehr kühl und aggressiv. Für uns war es zudem das erste Mal, dass wir in Europa waren und Schnee erlebten", sagt Anton Ponrajah, der Vorsitzende des Verbands tamilischer Vereine in der Schweiz. "Es war für beide Seiten eine schwierige Situation."
Misstrauen
Laut Ponrajah hegten einige Schweizer Misstrauen gegenüber den Motiven der Tamilen.
"Früher, als wir in Asylunterkünften wohnten, glaubten die Leute, wir lebten auf Kosten der Steuerzahler. Später erlaubte die Regierung Asylsuchenden, in der Schweiz zu arbeiten. Damit änderte diese Haltung", so Ponrajah gegenüber swissinfo.
Die Tamilen haben inzwischen den Ruf als gute Arbeitskräfte erlangt, insbesondere im Gastgewerbe sind sie sehr beliebt. Das hat ihre Integration gefördert.
Die tamilische Gemeinde ist auch gut organisiert: In einigen grösseren Städten werden regelmässig tamilische Filme gezeigt, tamilische Zeitungen sind erhältlich und es gibt bislang über 20 Hindutempel und eine Kette von Lebensmittelläden im ganzen Land.
Keine volle Integration
Der Schein kann jedoch trügen, warnt die Ethnologin Damaris Lüthi, die eine Studie über die Integration der Tamilen in der Schweiz veröffentlicht hat.
Von einem strukturellen Gesichtspunkt aus seien die Tamilen gut integriert. Sie kämen mit dem Schul- und Gesundheitssystem gut zurecht, ebenfalls mit der Arbeitswelt.
Sozial und kulturell gesehen sei es aber eine andere Geschichte. Kontakte fänden vor allem innerhalb der Gemeinde statt und srilankische Werte seien noch immer gültig, insbesondere bei der ersten Generation.
"Die Konfrontation zwischen ihren eigenen Werten und jenen der Schweiz und dem Westen im Allgemeinen ist noch immer schwierig", betont Lüthi.
"Sogar für die, welche seit 20 Jahren hier leben, gelten Alkoholkonsum, Scheidungen und Sex ausserhalb der Ehe als unmoralisch."
Eigene Sitten
Gemäss der Ethnologin ist die zweite Generation besser integriert, obwohl viele sich noch immer an ihre Traditionen halten, auch wenn sie keine Absicht haben, nach Sri Lanka zurückzukehren.
Dies sei zum Beispiel in der Haltung gegenüber der Heirat ersichtlich. Die meisten Eheschliessungen erfolgten unter Menschen der gleichen sozialen Kaste – obwohl in Sri Lanka das Kasten-System abgeschafft werden soll.
"Wenn zwei Menschen aus unterschiedlichen Kasten heiraten, sind sie oft isoliert", erklärt Lüthi. "Auch Liebesheiraten finden in der Regel innerhalb der gleichen Kaste statt."
Eheschliessungen zwischen tamilischen und schweizerischen Personen sind noch immer selten. Von den rund 18'000 Tamilen und Tamilinnen, die Ende 2004 verheiratet waren, hatten nur 521 einen Schweizer oder eine Schweizerin geheiratet.
"Diese Art von Ehen werden schlecht akzeptiert", sagt Lüthi und nennt mehrere Beispiele, bei denen tamilische Familien die Beziehungen zu ihren Kindern abbrachen, weil sie ausserhalb der Gemeinde heirateten.
Für Ponrajah ist die Integration ein anhaltender Prozess. "Es ist nicht einfach eine Tablette, die man schlucken kann und dann funktioniert es. Es braucht Zeit, sich zu verstehen. Das ist die Grundlage für eine Integration."
swissinfo
In Kürze
Der Massen-Exodus von Tamilen aus Sri Lanka begann Mitte der 1980er-Jahre, als auf der Insel der Bürgerkrieg ausbrach.
Der Krieg forderte knapp 65'000 Menschenleben, bevor 2002 ein von Norwegen ausgehandelter Waffenstillstand in Kraft trat.
Schätzungsweise eine halbe Million Tamilen haben ihre Heimat verlassen.
1981 lebten 1,9 Millionen in Sri Lanka.
Die tamilische Gemeinde in der Schweiz ist gut organisiert und pflegt enge Kontakte zur Heimat.
Fakten
Zahlen 2004:
In der Schweiz leben über 35'000 Menschen aus Sri Lanka, die meisten Tamilen.
31'961 mit Niederlassungsbewilligung
2996 Asylsuchende
541 Flüchtlinge
2004 erhielten 1563 Personen aus Sri Lanka das Schweizer Bürgerrecht.
85% der in der Schweiz lebenden Tamilen sind Hindus, die übrigen 15% hauptsächlich Katholiken.