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Christoph Kaufmann v/o Läbere, 18.06.1961 – 17.04.2016
17.04.2016 - Thomas Adam v/o Spruch
Nachruf
Dr. med.
Christoph Kaufmann v/o Läbere
Kyburger
18.06.1961 – 17.04.2016
Liebe Kyburger, liebe Farbenbrüder
am 18. Juni 1961 wurde Christoph als Sohn des Leo Kaufmann und der Maria Kaufmann-Müggler als erster Sohn in Winterthur geboren. 1963 wurde der Vater als Posthalter in Sirnach gewählt und so zog die Familie an den Geburtsort seiner Mutter. Hier erlebte er zusammen mit seinen Geschwistern Michael und Kathrin sowie seiner Cousine Florence, die als Pflegekind in der Familie aufwuchs, eine sorgenlose unbeschwerte Jugendzeit. Ausserschulisch engagierte sich Christoph in der Jungwacht, als Ministrant und verschiedenen sportlichen Vereinen.
Das Gymnasium besuchte Christoph in Frauenfeld, das er 1980 mit der Matura Typus C abschloss. Im Herbst desselben Jahres begann er das Medizinstudium an der Universität Fribourg und wechselte 1982 an die Universität Zürich über.
Vermutlich hat Christoph bereits an der Kanti Frauenfeld und später sicher an der Uni Fribourg Notiz vom Verbindungsleben genommen, jedoch ohne in eine Verbindung einzutreten. In Zürich aber trat er im Herbstsemester 1982 – als Wilder - der Akademischen Kommentverbindung Kyburger bei. Das war insofern speziell, als in dieser Zeit die Füchse praktisch ausschliesslich aus den Mittelschulverbindungen gekeilt worden sind. Mit ihm traten zwei weitere Füxe ein, und diesem Umstand und wohl auch der Fantasie des Beichtkommitees hatte er es zu verdanken, dass er auf den Vulgo Läbere getauft worden ist. (Die anderen zwei - müend nid studiere – waren Milz und Niere). Läbere verlebte – wie er im goldenen Buch selber eintrug, ich zitiere: "in Zürich vier wunderschöne Studienjahre, die geprägt waren von interessanten klinischen Vorlesungen, gemütlichen Stammtischrunden und fröhlichen Festen im Kreise der Kyburger". Was so bescheiden klingt, passte zur Art von Läbere. Er war nie der Polteri, er amüsierte sich am studentischen Treiben, ohne aber je der Rädelsführer zu sein. Läbere war ein aufmerksamer Zuhörer und ein stiller Geniesser, dessen Freude sich jeweils in seinem etwas schalkhaften Lächeln äusserte. Sein intensives Studium liess ihm nicht allzu viel Zeit, dennoch war Läbere ein treuer Stammbesucher und bekleidete die Charge des Kanzlers. Als Kanzler schrieb man früher lange Protokolle und so ist es wenig erstaunlich, dass mir sein jüngerer Bruder seinerzeit mal sagte, und das ist mir geblieben: Ou! Protokolle, von denen hab ich auch noch einige geschrieben!
Ende 1986 legte Läbere das Staatsexamen ab. Seine Dissertation schrieb er unter der Leitung von Professor Dr. Hardmeier über die Neurofibromatosis von Recklinghausen im Kanton Thurgau. Nach dem Abverdienen des Leutnantgrades als Schularzt bei der Artillerie in Frauenfeld, trat er 1987 seine erste Stelle auf der Inneren Medizin im Kantonsspital Frauenfeld an. Nach Weiterbildungen in Innerer Medizin, Chirurgie, Gynäkologie und Pädiatrie, übernahm er 1992 die Landarztpraxis von Bichelsee-Balterswil. Läbere war ein berufener Landarzt und übte seinen Beruf mit Herz und Seele aus. Neben seinem Facharzttitel in Allgemeinmedizin verfügte er auch über Fähigkeitsausweise in manueller Medizin, Ultraschall und Akupunktur. In seiner lebhaften Allgemeinarztpraxis bildete er auch immer wieder Lehrtöchter aus. Daneben engagierte sich Läbere 12 Jahre als Präsident der Spitex Bichelsee-Balterswil, einige Jahre als Präsident der Väter- und Mütterberatung Hinterthurgau und er amtete vier Jahre im Vorstand der Oberstufenbehörde.
Läbere war nicht nur ein überzeugter StVer – sondern ab 2005 auch ein engagierter Rotarier. Urs Müller v/o Winzer «keilte» ihn anfangs 2005 als neues Mitglied des Rotary Clubs Wil-Hinterthurgau. Ich möchte Winzers Würdigung aus der Sicht der Rotarier nachfolgend wiedergeben:
2008/09 war Winzer Clubpräsident und er konnte Christoph sofort als einfallsreichen und initiativen Programmchef gewinnen. Der Besuch im Künstleratelier bei Hardy Hepp, dem Fossil der 68-er Generation, das öffentliche Streitgespräch zwischen Gerhard Blocher, dem Bruder von ex BR Christoph Blocher, und Raphael, dem Sohn von Christoph, zum aktuellen Schulsystem, oder die von Poetry-Slam, vorgetragen von den beiden Söhnen von Christoph, und einem Chefarzt am Klavier umrahmte Rotary-Weihnachtsfeier, oder das Interclubmeeting, bei welchem der nicht von allen geliebte Roger Köppel als Gastreferent auftrat, zeigten, dass Christoph durchaus bereit war zu provozieren, Neues zu wagen und Konventionen zu sprengen. Wer nun glaubt in Christoph den Revoluzzer zu erkennen, der liegt fehl. Christoph war der Pflege von Traditionen nicht abgeneigt, ansonsten wäre er wohl auch nie Kyburger geworden. Die Clubmitglieder staunten immer wieder über die unkonventionellen Sichtweisen oder ungewöhnliche Vorschläge von Christoph.
Im Clubjahr 2010/11 präsidierte Christoph den RC Wil-Hinterthurgau. Er unterstellte sein Präsidialjahr dem Motto «Bewegung und Vielfalt». Damit meinte er aber nicht nur physische Bewegung. Er wollte auch, dass wir uns geistig bewegen, uns mit anderen Meinungen auseinandersetzen und Festgefahrenes hinterfragen sollten, und, wenn es erforderlich ist, auch zu Veränderungen bereit sind. So erstaunt es denn auch nicht, dass zur Amtszeit von Christoph auf dessen Initiative das langjährige Clublokal in Anetswil aufgegeben und in Eschlikon im «Löwen» ein gediegeneres Clublokal gefunden wurde.
Was Christoph zweifellos zuwider war, sind Durchschnitt und Unzuverlässigkeit. Er prägte einst den Satz: «Wer zur Elite gehören will, muss mehr leisten als der Durchschnitt; zur Elite gehören heisst aber nicht, auch elitär sein». Dieses Zitat bringt die hohen Ansprüche von Christoph, welche er auch an sich selber richtete, ebenso zum Ausdruck, wie auch dessen Bescheidenheit. Christoph war ein Mann des Intellekts, ein Ästhet und Philosoph, ohne aber den leiblichen Genüssen abgeneigt zu sein. Christoph war kein sturer Mediziner, sondern sein geistiger und intellektueller Horizont reichte weit über seinen Beruf hinaus. Sein feiner Humor, das herzliche Wesen, seine Meinung und die unkonventionellen Ideen werden den rotarischen Freunden und Freundinnen des RC-Wil-Hinterthurgau schmerzlich fehlen.
Soweit die Worte von Winzer.
Quasi mit dem Eintritt ins Berufsleben 1987 verlobte sich Läbere mit Christa Hagen, der Tochter unseres 1990 auch so früh verstorbenen Altherrn Knaster. Christa war seine erste Balldame und sie ist seine erste Wahl geblieben. Sie heirateten 1988. Der Ehe entsprossen die vier Kinder Raphael, Elia, Josua und Salome.
Seine Familie bedeutete Läbere alles. Bei den sportlichen Aktivitäten, die sie in der Freizeit gemeinsam ausübten, konnte er Kraft tanken. Die Skisaison wurde jeweils mit der obligaten Säntisabfahrt beendet. Sie unternahmen Wanderungen, mehrtägige Velotouren und ausgedehnte Langstreckenläufe. In Scuol fand er eine zweite Heimat. Er begeisterte sich für die Kultur im Unterengadin und schwärmte davon, nach seiner Pensionierung Romanisch zu lernen und hier sesshaft zu werden.
Im Kyburgerkreise wurde Läbere in den Jahren seiner intensiven beruflichen, nebenberuflichen und familiären Verpflichtungen seltener gesehen. Ihm waren die Kyburger aber immer sehr wichtig. Und so war er sehr stolz, dass seine Söhne in den StV eintraten: Elias mit Vulgo Cohiba ist Fryburger, Raphael mit Vulgo Grändsläm Fryburger und Mitglied der lokalen Abbatia Wilensis. Deshalb, und wohl auch mit dem allmählichen Herauswachsen der Kinder aus der elterlichen Obhut nahm Läbere in den letzten Jahren wieder vermehrt an Verbindungsanlässen teil. So besuchte er noch letzten Dezember die Kyburger Weihnachtsfeier, allerdings schon da gezeichnet von der heimtückischen Krankheit, die im Sommer 2015 so erbarmungslos zugeschlagen hatte.
Läbere verfolgte immer wieder persönliche Projekte, in die er sich hineinstürzte und die er dann mit hundertprozentigem Einsatz zu Ende führte. So etwa im Sport mit der Teilnahme am New York Marathon 2004, oder in der Philiosophie, als er fast in Extremis in kurzer Zeit alles Verfügbare über Friedrich Nietzsche in sich hineinschlang.
Sein letztes solches Projekt sollte die Besteigung des Matterhorns sein, was ihm aber nicht mehr vergönnt ein sollte. Von einer Vorbereitungstour im Vrenelis Gärtli Anfang Juni 2015 erholte er sich dermassen schlecht, dass er sich anschliessend neurologisch untersuchen liess. Der entdeckte Gehirntumor wurde im Juli operativ entfernt. Nach Bestrahlungen und Chemotherapien nahm Läbere im Herbst 15 seine Arbeit wieder auf – auch dies wieder mit hundert prozentigem Einsatz. Bei einem Spaziergang am Weihnachtstag ereilte ihn ein Rückfall, von dem er sich nicht mehr erholte.
Lieber Läbere
als dein Biersohn durfte ich 1986 an deiner Staatskneipe einige Worte an dich und Christa richten und ebenso an eurer Hochzeit zwei Jahre später. Ich mag mich sehr gut daran erinnern, es ist nicht so lange her. Nie hätte ich es für möglich gehalten, dass ich so bald wieder - diese - meine letzten Worte an dich richten müsste. Nur Gott weiss warum!
Mit dir, lieber Biervater, verlieren wir einen Lebensfreund - und einen Freund des Lebens, dieses Lebens, das du in deinem irdischen Dasein auf so vielseitige Art gespendet, beschützt, gerettet, aktiv gestaltet, bereichert hast.
Dir liebe Christa und der ganzen Familie wünschen wir viel Kraft und Trost in Gottes Gnade.