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|Abt Franz von Gaisberg (1504-1529)

Abt Franz Gaisberg
Franz Gaisberg, 1504-1529. Franz Gaisberg wurde wohl ca. 1465 in Konstanz geboren. Sein Vater, Anton Gaisberg von Konstanz, stand nacheinander in österreichischen und französischen diplomatischen Diensten, seine zweite Frau und die Mutter von Franz, Verena Hux, war die Tochter eines sehr reichen St. Galler Webers. Ihr Sohn ließ später den Eltern, die sich im Kloster verpfründet hatten, eine eigene Grabkapelle im Stift errichten, die sog. Gaisbergkapelle. Profeß zwischen 1477 und 1482 Am 20.8.1488 erscheint er erstmals als Priester, ziemlich sicher 1491 wurde er Custos. Am 11.6.1496 wird er erstmals als Subprior genannt. 1498-1501 half er in der Lehenkammer aus. Als Subdekan wurde er am 19.4.1504 im Alter von etwa 40 Jahren zum Abt gewählt. Zuvor hatte der Konvent eine Wahlkapitulation angenommen, welche die unter Abt Gotthard eingerissenen nepotistischen Mißstände künftig verhindern sollte. Die Konfirmation, zu deren Erlangung er wie seine Vorgänger nach Rom reiste, erteilte ihm Papst Julius II. am 12.6.1504. Er erhielt am 16.6.1504 von Bischof Titus Veltri von Castro (Latium) in der deutschen Nationalkirche S. Maria dell'Anima zu Rom die Benediktion. Am 3.6.1505 schlichtete Julius II. einen Streit zwischen dem Kloster und der Stadt, wobei die Rechte der beiden Parteien in St. Laurenzen genau geregelt wurden. Von Gallus Muntprat kaufte er 1505 die Burg auf dem Rosenberg bei Berneck mit zugehörigem Besitz um 535o Gulden. 1510 kaufte er von der Äbtissin Amalia von Lindau die Gerichtsrechte zu Balgach. 1514 wurde erstmals das Fest des seligen Notkers des Stammlers als "confessor minor" gefeiert, nachdem im Jahre zuvor Bischof Hugo von Konstanz den Beatifikationsprozeß geführt hatte. Das Fest wurde seit 1520 auch in der Stadt gefeiert. 1516 erhielt er vom Bischof die Erlaubnis, gewisse inkorporierte Pfarreien mit Mönchen zu besetzen. Eine erste französische Pension im Betrag von 4000 Franken erhielt der Abt nach Vadian im Jahre 1517. 1520 kaufte er von Jakob Blarer von Wartensee die Zehnten von Buchen und Staad (Gemeinde Thal SG). Im Münster verdingte er 1522 die großen Tafelgemälde um 1000 Gulden an Meister Christoph Bocksdorfer aus Konstanz. Gegen 1525 äußerte sich die Unzufriedenheit der Untertanen der Abtei immer deutlicher. Am 1.5.1525 formulierten die Bauern des Obern Amtes in Lömmenschwil ihre Anliegen in Artikeln. Unter Vermittlung der Schirmorte setzte sich der Standpunkt der Abtei im Schiedsgericht zu Rapperswil am 17.7.1525 weitgehend durch (sog. "Rapperswiler Vertrag"). Doch diese wirtschaftlichen Unruhen waren nur die Vorboten der Reformation gewesen. 1529 nahm sie auch für das Stift bedrohliche Formen an. Während verschiedene Konventualen nach Einsiedeln flohen, wo seit 1526 der ehemalige St. Galler Mönch Ludwig Blarer von Wartensee Abt war, zog sich Gaisberg, leberkrank und schließlich auch noch von der Wassersucht befallen, im Februar auf das Schloß Rorschach zurück. An Mittfasten predigte Dominik Zili zum ersten Mal im Münster den neuen Glauben. Am 23.2.1529 plünderte eine entfesselte Volksmenge binnen kürzester Zeit das Münster und verbrannte die Bildwerke auf dem Brüel. Abt Franz starb am 23.3.1529 in Rorschach an der Wassersucht. Um die Wahl des Nachfolgers zu gewährleisten, wurde der Tod während Tagen verheimlicht. Begraben wurde er in der dunklen Kapelle. Die Reformation hat das Werk Gaisbergs in Frage gestellt. Wie auch seine Gegner anerkennen müssen, war er wohltätig gegenüber den Armen, persönlich integer. Seine Sparsamkeit in der Ökonomie grenzte nach dem vielleicht einseitigen Urteil Vadians an Geiz. In Vadians Augen hielt er nicht viel von Gelehrsamkeit. Es bleibt jedoch festzuhalten, daß er die Bibliothek bereichert hat. Verdient machte er sich um die Ausstattung des Münsters und den Gottesdienst: Er ließ die Orgel um 1500 Gulden restaurieren, prächtige Meßgewänder anschaffen, Gemälde anfertigen und ein neues Chorgestühl errichten.
(Duft, Johannes; Die Abtei St.Gallen, St. Gallen 1986)