Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03488.jsonl.gz/2944

Leuggelbach
561 m ü. M.
146 Einwohner
Die Gemeinde ist vorwiegend an der Hauptstrasse besiedelt. Sie liegt auf der linken Seite des Grosstals zwischen Nidfurn und Luchsingen am Fuss eines vom Leuggelbach gespiesenen Wasserfalls. Im Süden der Gemeinde befindet sich der Weiler Steinigen. Das ?Güetli? ebendort stellt das einzige Moorgebiet in der Talebene des Glarnerlands dar.
Das Bestimmungswort der Dorf- und Bachnamen geht wohl zurück auf gallisch Leuka, was ?die Weisse? bedeutet. Nach den religiösen Vorstellungen der Gallier lebten in Flüssen und Bergwildnissen göttliche weibliche Wesen, die oft als weisse Frau bezeichnet wurden. In den Schriftquellen taucht Löckelbach bereits 1350 auf. Bis 1772 waren die Leuggelbacherinnen und Leuggelbacher nach Schwanden kirchgenössig, dann teilweise nach Luchsingen.
Die Dorfschaft war bis ins 19. Jahrhundert ein mit Sonderrechten ausgestatteter Bestandteil des Tagwens Luchsingen-Adlenbach. 1766 ist zudem erstmals urkundlich der Eschentagwen erwähnt, den Leuggelbach zusammen mit Nidfurn und Luchsingen bildet. Erst 1868 verselbständigte sich die Gemeinde auf Grund eines Teilungsvertrages.
Seine Eigenständigkeit erlangte Leuggelbach dank der Industrie. Infolgedessen stieg zwischen 1837 und 1870 die Einwohnerzahl von 203 auf 262. Mitte des 19. Jahrhunderts errichtete Daniel Jenny-Oertli am Leuggelbach eine kleine Weberei, die er nach kurzer Zeit wieder aufgab. 1864 kaufte die in Mollis ansässige Firma Gallatin & Cie. das ganze Areal, um eine Druckfabrik aufzubauen. Vier Jahre später arbeiteten bereits 162 Leute in dieser Zeugdruckerei. 1897 gab es eine Trennung der Firmen, in einen westlichen und einen östlichen Fabrikteil. In jenem entstand der Textilveredelungsbetrieb R. Schlittler & Cie, welcher 1993 seinen Betrieb einstellen musste. Auf dem östlichen Teil des Areals wurde weiterhin Stoff bedruckt, und zwar durch die Firma A. Schindler & Cie. Deren Schliessung erfolgte 1930. Ab 1933 wurde in diesen Gebäulichkeiten eine bis heute bestehende Lack- und Farbenfabrik eingerichtet.
Eine SBB-Haltestelle ist seit 1913 vorhanden. Die Linth-Brücke zwischen Leuggelbach und Haslen wurde als Gemeinschaftswerk der beiden Gemeinden im Jahre 1921 fertiggestellt. Eine Veränderungen im Leuggelbacher Dorfbild brachte auch die Korrektion der Hauptstrasse in den 1950er Jahren.
Einige Häuser Leuggelbachs erfasste Ende Juni 1953 ein Hochwasser: Der Luchsinger Bächibach überflutete die Allmeind; Steinigerbach und Schwächetenrunse tobten, und der Leuggelbach staute sich. Dieser trat im Mai 1999 wegen eines Dauerregens und der Schneeschmelze über die Ufer. Bereits im vorausgehenden Februar war die Vorbachlawine viermal innert weniger Tage zu Tal gegangen, so dass Leute evakuiert und die Hauptstrasse gesperrt worden waren. Zwei Jahre danach genehmigte die Gemeindeversammlung ein 2,2 Millionen Franken kostendes Verbauungsprojekt gegen die Schwächeten-Lawine.
Ein Gemeinde- und Primarschulhaus weihte die Bürgerschaft 1869 ein; der zwischen 1991 und 2001 bestehende Primarschulkreis mit Nidfurn und Haslen wurde in der Folge ersetzt durch die Schulgemeinde Haslen-Leuggelbach-Nidfurn. Diese drei Dörfer besitzen seitdem auch eine gemeinsame Fürsorgegemeinde. Überdies gaben die Stimmbürgerinnen und -bürger Leuggelbachs im Jahr 2001 für die Zusammenlegung von Tagwen und Ortsgemeinde grünes Licht.
Erfolgsmeldungen von der 1912 gegründeten Schützengesellschaft waren und sind keine Seltenheit.