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Pankreas
Rainer Schöfl
Akute Pankreatitis
Zur diagnostischen Zuverlässigkeit von nicht-invasiven Methoden ergab eine Studie mit 32 Patienten mit Verdacht auf eine akute biliäre Pankreatitis, dass die Magnetresonanz-Cholangiopankreatikographie für den Nachweis der Choledocholithiasis eine Sensitivität von 80 Prozent besitzt und somit für die Selektion der Patienten für eine endoskopisch-retrograde Cholangiopankreatikographie geeignet ist [1]. In einer niederländischen Studie erwiesen sich eine starke Gallenblasenmotilität, häufig auftretender Sludge und kleinere und zahlreiche Gallensteine als Risikofaktoren für die Entwicklung einer biliären Pankreatitis, weshalb die Wirksamkeit der prophylaktischen Cholezystektomie bei Patienten mit kleinen Gallenblasensteinen und einer starken Gallenblasenmotilität untersucht werden sollte [2]. Bei Patienten mit einer rezidivierenden idiopathischen akuten Pankreatitis und unerklärlichen biliären Schmerzen, die mit einer biliären Mikrolithiasis assoziiert waren, konnte in einer indischen Studie durch die Cholezystektomie und die Sphinkterektomie in der Mehrheit der Fälle und vielfach auch durch die Behandlung mit Ursodeoxycholsäure ein dauerhafter Rückgang der Beschwerden erreicht werden [3].
Chronische Pankreatitis
Gemäss einer retrospektiven Studie mit 934 Patienten mit einer chronischen Pankreatitis waren die Raucher durchschnittlich 4,7 Jahre jünger als die Nichtraucher, und der Nikotinkosum bewirkte eine signifikante Erhöhung des Risikos für Pankreaskalzifikationen und in einem geringeren Ausmass auch für die Entwicklung eines Diabetes mellitus [4]. Die Lebensqualität von Patienten mit einer chronischen Pankreatitis ist nach einer italienischen Studie gegenüber der Normalbevölkerung signifikant verringert, was vor allem auf die Schmerzen und die Mangelernährung zurückzuführen ist [5]. Zur Behandlung von Pankreassteinen ergab eine japanische Studie mit 555 Patienten, dass durch die extrakorporale Stosswellenlithotripise in 92,4 Prozent der Fälle eine Fragmentierung der Steine und in 91,1 Prozent der Fälle eine Besserung der Symptome erreicht wurde [6]. In einer belgischen Studie führte die endoskopische Therapie bei 37 von 56 Patienten mit einer schmerzhaften chronischen Pankreatitis nach einer Nachbeobachtungsdauer von 14,4 Jahren zur Reduktion der wegen Schmerzen notwendigen Hospitalisationen, wobei eine kurze Erkrankungsdauer und eine Nikotinabstinenz mit einer hohen Erfolgsrate korreliert waren [7].
Pankreaskarzinom
Bezüglich des Risikos für ein Pankreaskarzinom ergab eine Studie, in welcher bei 482 von 190'545 Personen im Verlauf einer Nachbeobachtungsdauer von 7 Jahren ein Pankreaskarzinom auftrat, dass ein hoher Konsum von rotem Fleisch ein wichtiger Risikofaktor für ein Pankreaskarzinom ist [8]. Ausserdem entwickelten in einer anderen Studie 0,85 Prozent der 2'122 Patienten mit einem neu diagnostizierten Diabetes mellitus innerhalb von drei Jahren ein Pankreaskarzinom, wobei die Diagnose des Diabetes mellitus bei mehr als der Hälfte dieser Patienten weniger als 6 Monate zurücklag [9]. In Übereinstimmung mit diesem Ergebnis ergab eine Metaanalyse mit 9'220 Patienten mit einem Pankreaskarzinom, dass Individuen mit einem Diabetes mellitus Typ 2 ein signifikant um den Faktor 1,82 erhöhtes Pankreaskarzinomrisiko trugen [10].
Auf der Suche nach geeigneten Markern zur frühzeitigen Diagnose des Pankreaskarzinoms ergab die Analyse des Pankreassaftes von Patienten mit einem Pankreaskarzinom, einer chronischen Pankreatitis oder Gallensteinen, dass durch die kombinierte Analyse von p53-Mutationen, K-ras-Mutationen und Promotormethylierungsspiegel das Risiko für ein Pankreaskarzinom abgeschätzt werden kann [11]. Anhand einer systematischen Untersuchung der Proteinexpressionen beim Pankreaskarzinom wurden insgesamt 656 Proteine identifiziert, von denen 151 mindestens zweifach überexprimiert waren und die demnach Kandidaten für neue Biomarker und Therapieansätze sein dürften [12].
Gemäss einer retrospektiven Analyse trat bei Personen, bei denen ein Pankreaskarzinom mittels einer endoskopischen Ultraschalluntersuchung ausgeschlossen wurde, im Verlauf einer Nachbeobachtungsdauer von 25 Monaten in keinem einzigen Fall ein Pankreaskarzinom auf [13]. Nach der bei 123 Patienten mit kurativer Absicht vorgenommenen Resektion des Pankreaskarzinoms wurde eine mediane Überlebenszeit von 14,8 Monaten und eine 5-Jahres-Überlebensrate von 12,1 Prozent verzeichnet, wobei sich Tumorgrösse, Krebsstadium, Resektionsrandinvolvierung und Lymphknotenmetastasen als signifikante prognostische Faktoren erwiesen. Bei den 11 Patienten, die trotz teilweise ungünstigen prognostischen Faktoren länger als 5 Jahre überlebten, ergab die Nachuntersuchung der Histologie in 4 Fällen atypische Karzinome [14]. Im Einklang mit diesem Ergebnis wurde in einer finnischen Studie die Diagnose des Pankreaskarzinoms bei den 89 Patienten, welche mindestens fünf Jahre überlebten, durch die Nachuntersuchung der histologischen Schnitte nur gerade in 10 Fällen bestätigt, so dass die Überlebensrate nur 2 Promille und nicht wie angenommen 1,8 Prozent betrug [15]. Einen interessanten Ansatz für die Chemotherapie des Pankreaskarzinoms stellen die Vanilloid-Analoga dar, welche die beim Pankreaskarzinom vermehrt exprimierten und mit der Schmerzintensität korrelierten Vanilloid-1-Rezeptoren blockieren und auf diese Weise zusätzlich zur zytostatischen Wirkung auch die neurogenen Schmerzen zu lindern vermögen [16].
Prof. Dr. med. Rainer
Schöfl
Literatur