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Betty Sanchez gilt als die grosse Aufräumerin der Julius Bär. Die Verantwortliche für Lateinamerika habe nach dem Fifa- und Venezuela-Skandal die Zürcher Privatbank gesäubert.
Die Iron Lady von der Bahnhofstrasse. Nun aber wird eine frische Anklage der USA gegen drei mögliche Venezuela-Geldwäscher der Kingsize-Klasse bekannt. Und die reicht ins 2008 und zur HSBC Schweiz zurück.
Bis 2008 war Betty Sanchez bei der Schweizer HSBC-Tochter weit oben, zusammen mit einem engen Vertrauten namens Angelo Mazzarella.
Beide Spitzenbanker zogen danach weiter: Sanchez im 2008 zur Goldman Sachs und von dort zur Julius Bär, Mazzarella nach 2012 zur Safra.
Eine Sprecherin von Betty Sanchez betont:
„Beatriz Sanchez war bis April 2008 Mitglied der Geschäftsleitung der HSBC Private Bank (Suisse) SA; sie kündigte im Oktober 2007 und war danach an keinen exekutiven oder operativen Entscheidungen beteiligt und nahm an keinen Geschäftsleitungssitzungen mehr teil.“
Die Anklage der US-Justiz wegen Venezuela-Geldwäscherei im Milliardenumfang setzt 2008 auf und umfasst die Zeit bis 2017. Als Kronzeuge dürfte ein anderer Bär-Banker geholfen haben: Matthias Krull.
Im Visier der Amerikaner stehen ein TV-Mogul aus Venezuela, die einstige Krankenschwester des kommunistischen Herrschers Hugo Chavez und deren Ehemann.
Die drei Angeklagten hätten sich „verschworen“, um „Geldwäscherei“ zu begehen, so der zentrale US-Vorwurf, wie aus einem Dokument vom 15. Dezember hervorgeht.
Eingereicht am „United States District Court Southern District of Florida“.
Beim Fernseh-Unternehmer handelt es sich um Raul Gorrin. Dieser hatte gemäss der 23 Seiten umfassenden Anklageschrift private Konten bei der HSBC Schweiz.
Das Geld auf seinem HSBC-Konto habe Gorrin genutzt „for the payment of bribes to foreign government officials in Venezuela“, darunter Claudia Diaz.
Das ist die erwähnte Krankenschwester von Chavez, die später aufstieg zur Finanzministerin des ausgenommenen Karibik-Landes.
Dieses Jahr berichteten verschiedene Medien von einem Goldschatz, den Diaz im Fürstentum Liechtenstein versteckte.
Die in den Berichten genannte Vermögensverwalterin im Ländle wollte nichts wissen vom Ganzen.
„Wir haben keine Kontakte oder Kundenbeziehungen nach Venezuela und generell Südamerika und somit kann ich bestätigen, dass die genannte Dame nie Kundin von uns war“, so einer der Partner auf eine Anfrage vor einigen Wochen.
Für Bär-Spitzenfrau Betty Sanchez ist die neue Anklage gegen die Chavez-Krankenschwester und den TV-Unternehmer ungemütlich.
Auch wenn der Fernsehmann Gorrin gemäss den US-Vorwürfen die verdächtigen Zahlungen erst nach dem Abgang von Sanchez bei der HSBC getätigt hatte.
Anfang 2013 soll Gorrin rund 1,1 Millionen Dollar ab seinem „personal bank account at HSBC Private Bank (Suisse) SA in Switzerland to a bank account in the Southern District of Florida“ überwiesen haben.
Zwei weitere Zahlungen erfolgten gemäss US-Anklageschrift kurz darauf, und zwar erneut ab Gorrins HSBC-Konto in der Schweiz. Es ging dabei um 175’000 respektive 281’000 Dollar.
Bei Bär hiess es stets, dass die HSBC-Vergangenheit von Betty Sanchez keine Fragen auslösten. Sie sei nicht Teil des Problems, sondern der Lösung.
Für Bär und ihre Top-Bankerin Sanchez könnte Matthias Krull zum grossen Problem werden.
Der Ex-Berater der Julius Bär wurde 2018 zu 10 Jahren Haft verurteilt. Indem Krull den USA seine Hilfe angeboten hat, versucht der Verurteilte, seine Strafe zu verkürzen.