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Noemi Parisi
20. September 2019
Der zweite Festivaltag begann mit einer Matinee, organisiert vom Forum für Zweisprachigkeit. Zum neunten Mal richtete dieses einen Wettbewerb für Kurzfilme aus, dieses Jahr unter dem Thema «Wenn Sprachen sich begegnen». Die belgisch-französische Koproduktion «Famille» von Catherine Cosme gewann den diesjährigen Preis, der mit 2'000 CHF dotiert ist. Der Film handelt von einer Frau, die eine somalische Familie bei sich aufnimmt, während diese auf den Bescheid der Behörden wartet. Die Begegnung führt im gekürten Film zu neuen Formen der Verständigung, was den Kindern am besten zu gelingen scheint.
Sprachliche Verständigungsprobleme gab es bei der Präsentation und Diskussion zum darauf folgenden Film «Baghdad in my Shadow» keine. Denn Regisseur Samir versicherte im Voraus, dass er sowohl auf Deutsch, Französisch, Spanisch oder Arabisch reden könne, vielleicht nicht alles perfekt, aber bestimmt verständlich.
Nach «Forget Baghdad: Jews and Arabs – The Iraqi Connection» (2002) und «Iraqi Odyssey» (2014) widmet er sich ein weiteres Mal seiner Heimat, aus der er mit seinen Eltern in den Sechzigerjahren in die Schweiz übersiedelte. Die Geschichte spielt in London. Ein irakisches Café ist Dreh- und Angelpunkt für die ins Exil geflüchteten und in der Heimat bedrohten Protagonistinnen und Protagonisten. Den Schauplatz wählte Samir, weil ein Teil seiner Familie dort lebt und weil andererseits die Thematik des Films aus Metropolen wie London, Berlin und Paris bekannt ist. Vergleichbares spielt sich zwar auch bei uns ab, «hätte ich den Film aber in Zürich gedreht, käme bestimmt die Frage auf: Aber wieso denn hier?» begründet Samir. Doch es sei auch langsam genug mit den Filmen über sein Herkunftsland, nun werde es Zeit, etwas über die Schweiz zu machen. Sein also vermutlich letzter Film über den Irak und die irakische Diaspora greift die Themen Religion, Emanzipation der Frau und Homosexualität auf und wirft unter anderem die Frage auf, ob Freiheit in einem freien Land noch immer nur einem Teil der Diaspora vorbehalten ist. Der Titel «Baghdad in my Shadow» bezieht sich zwar auf den Irak, das Thema ist für den Regisseur aber ein universelles: «Die Heimat bleibt unser Schatten und wir alle tragen unseren Rucksack mit uns».
Während sich eine Figur in Samirs Film einem radikalen salafistischen Prediger anschliesst, radikalisiert sich auch der Protagonist in André Téchinés «L’adieu à la nuit». Gemeinsam mit seiner Freundin plant dieser nach Syrien in den Dschihad zu ziehen und sich dort den Widerstandskämpfern anzuschliessen. Im Podiumsgespräch nach dem Film erklärt der Schauspieler Kacey Mottet Klein, dass er die Entwicklung des jungen Protagonisten noch immer nicht verstehen kann. Die Gründe für eine Radikalisierung sind seiner Meinung nach sehr individuell, daher versuche der Film auch nicht, eine Erklärung dafür zu finden.
Die Schweizer Co-Produktion «Les hirdonelles de Kaboul» von Zabou Breitmann & Éléna Gobbé-Mévellec, gezeigt in der Sektion «Clin d’œil au cinéma suisse», spielt 1998 im vom Krieg zerstörten und von den Taliban besetzten Kaboul. Auch dieser Film, nach einem Roman von Yasmina Khadra, handelt von Unterdrückung und der Frage nach Freiheit. In weichen Aquarellfarben erzählt der Animationsfilm die tragische Geschichte eines jungen Paars in einem Land, in dem ihnen jegliche Freiheiten genommen werden. Éléna Gobbé-Mévellec sagte im anschliessenden Q&A, dass es nicht einfach sei, sich über sechs Jahre hinweg mit diesem Stoff zu befassen. Ihr liege es aber sehr am Herzen, die Geschichte afghanischer Frauen zu erzählen, die es auf Grund von Unterdrückung selbst nicht können. «Les hirondelles de Kaboul» ist der erste Spielfilm der Co-Regisseurin, für den sie die gesamte Animation entworfen hat.
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