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James Buchanan (1919-2013)
Der Träger des Wirtschaftsnobelpreises revolutionierte die Analyse des politischen Prozess.
Am 9. Januar diesen Jahres verstarb im Alter von 93 Jahren James Buchanan, emeritierter Professor an der amerikanischen George Mason University. Das profilierte Mitglied der Mont Pèlerin Society gilt, gemeinsam mit Gordon Tullock, als Begründer der einflussreichen Public Choice Schule. Basierend auf einer realistischen Analyse der politischen Entscheidungsfindung ermöglichte diese Schule zahlreiche wegweisende Einblicke in die Ökonomie staatlicher Interventionen. In ihrem Grundlagenwerk, The Calculus of Consent, stellten Buchanan und Tullock hergebrachte Annahmen der Soziologie und Politikwissenschaft in Frage, indem sie das Instrumentarium der Wirtschaftswissenschaften auf den Kontext demokratischer Regierung anwandten. Die beiden Ökonomen stellten fest, dass politische Entscheidungsträger nicht weniger durch ihr Eigeninteresse motiviert sind, als die durch sie regierten Bürger. Neben finanziellen Vorteilen sind es demnach vor allem Macht und Ansehen — sowie der Anreiz der Wiederwahl — welche die Entscheide der Politik lenken. Die Politik sei darum nicht besser in der Lage, gemeinsame Probleme zu lösen, als die betroffenen Bürger. Für diese grundlegenden Einsichten der politischen Ökonomie wurde James Buchanan 1986 der Nobelpreis der Ökonomie verliehen.
Buchanan beschrieb die Erkenntnisse der Public Choice Schule einst treffend als „Politik ohne Romantik“. Sie beschreiben, warum die staatliche Bürokratie immer weiter um sich greift und immer weitere Lebensbereiche beherrscht — meist ohne objektive Notwendigkeit. Sie erklären auch, warum Subventionen oder Steuerbegünstigungen zugunsten zahlloser Interessengruppen beschlossen werden, obwohl sie nicht den Interessen einer Bevölkerungsmehrheit entsprechen. Buchanan liess sich dabei durch das Werk des schwedischen Ökonom Knut Wicksell inspirieren, welcher schon früh untersuchte, unter welchen Voraussetzungen Regierungen öffentliche Mittel in einer Weise einsetzen, die tatsächlich den Wünschen der Steuerpflichtigen entspricht. Durch seine sachliche und realitätsnahe Forschung schuf James Buchanan nicht zuletzt eine überzeugende Kritik enthemmter öffentlicher Ausgaben und staatlicher „Stimulus-Programme“. Buchanan konnte damit populäre Irrlehren in der Tradition eines John Maynard Keynes kraftvoll widerlegen. Die politische Ökonomie der Public Choice Schule verfügt bis heute über zahlreiche, insbesondere auch junger, Anhänger an Schweizer, europäischen und internationalen Fakultäten.
Zu den bleibenden Erkenntnissen James Buchanans zählt zweifellos die Einsicht, dass Marktprozesse niemals einen Endzustand erreichen, sondern vielmehr einem dauernden Wandel unterliegen, welcher dem freiwilligen Austausch der Marktteilnehmer entspringt. Der freie Markt sei daher kein Ort paradiesischer Zufriedenheit, sondern vielmehr ein fortwährendes Bemühen um die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse angesichts materieller Knappheit. Da sich die Menschen im freien Austausch stets an ihren jeweiligen Bedürfnissen orientieren, sei es der Politik nicht möglich, die Ergebnisse des Marktes objektiv zu verbessern. Dies würde nicht nur voraussetzen, dass die Politik die Wünsche der Bürger besser kenne, als diese selbst, sondern insbesondere auch, dass die Politik in der Lage wäre, Entscheidungen unabhängig von den Wünschen der Entscheidungsträger und einflussreicher Interessengruppen zu realisieren. Angesichts der grossen intellektuellen Verdienste James Buchanans steht zu hoffen, dass seine grundlegenden Einsichten zu den Grenzen staatlicher Eingriffe in den Markt auch in Zukunft die ihnen gebührende Verbreitung finden.
11. Januar 2013