Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03519.jsonl.gz/1248

Der weisse Bluesmusiker John Paul Hammond wurde am 13. 11. 1943 in New York City geboren. Sein Vater, John Hammond sen., bekannter Musikimpressario, Talentscout und Förderer schwarzer Musik, stammte aus einer Familie, die mit der Herstellung von Orgeln zu Wohlstand gelangt war. Er schrieb in den 30er Jahren Jazzkritiken, organisierte Jazzkonzerte und wurde Produzent bei Columbia. Zu den Musikern, die er entdeckte bzw. produzierte, gehörten Bessie Smith, Billie Holiday, Benny Goodman, Big Joe Turner, der Gitarrist Charlie Christian, Pete Seeger, Bob Dylan und Bruce Springsteen. Ein Journalist vertrat die Meinung, daß Hammond sen. "wahrscheinlich der Weiße ist, der sich am meisten für die schwarze Musik eingesetzt hat". Er starb 1987 im Alter von 76 Jahren.
Vorbelastet durch den Vater interessierte sich John Hammond jr. in seiner Jugend vor allem für akustischen Country- und Folkblues. Son House, Charley Patton und Willie Brown wurden seine wichtigsten Vorbilder. Während seiner Ausbildung am Antioch College in Yellow Springs, Ohio, lernte er Gitarre und Mundharmonika und begann, obwohl er über keine ausdrucksstarke Stimme verfügte, zu singen. Hammonds Karriere begann 1963 in New York. Er begleitete den Rockabillysänger Ronnie Hawkins, formierte in New York die Screaming Nighhawks, denen zeitweise ein junger Gitarrist namens Jimmy James angehörte, der 1967 als Jimi Hendrix zum Superstar aufstieg, und brachte Bob Dylan mit den Hawks zusammen, aus denen The Band entstanden.
Nachdem ihn Paul Butterfield und Mike Bloomfield dem City-Blues und dem Rock'n'Roll nähergebracht hatten, interpretierte Hammond häufig Songs von Muddy Waters, Howlin' Wolf, Bo Diddley und Chuck Berry und wurde dabei des öfteren von Robbie Robertson unterstützt. Seine Plattenfirma konnte seinen stilistischen Sinneswandel nicht nachvollziehen. Sie hielt das elektrische Album "So Many Roads" über ein Jahr zurück, um Bluespuristen nicht zu verschrecken. Es wurde erst veröffentlicht, als Hammond zusagte, anschliessend wieder eine rein akustische Platte aufzunehmen.
Im Verlauf der 60er Jahre arbeitete Hammond mit Garth Hudson und Levon Helm von The Band, Charles Musselwhite, Duane Allman ("Southern Fried"), Bill Wyman (Rolling Stones) und der Muscle Shoals Rhythm Section zusammen. Mit Bloomfield und Dr. John nahm er das Album "Triumvirate" auf, das aber hinter den Erwartungen zurückblieb, Hammond konnte aber seine Position als Aktivposten der weißen Bluesszene verteidigen.
Hammond zeigte regelmässig Präsenz in der Clubszene, reiste sporadisch nach Europa, komponierte den Soundtrack zum Film "Little Big Man" mit Dustin Hoffman und realisierte solide Bluesalben, darunter 1978 "Footwork" mit als Stargast. Der 83er Mitschnitt "Live" entstand in Griechenland. Hammonds Plattenkarriere kam aber erst in den 90er Jahren wieder in Schwung. John Lee Hooker und J. J. Cale waren 1992 an der für einen Grammy nominierten LP "Got Love If You Want It" beteiligt, auf der Hammond "leidenschaftliche Exkursionen in schwarze Gefühle glückten" (Hifi Vision).
Hammond beherrschte mittlerweile auch die Dobro und die Steel Guitar perfekt und dokumentierte das 1993 auf dem Album "Trouble No More", für das er den erfahrenen Bluessänger Charles Brown als Gast gewinnen konnte.