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Das Wiesener Viadukt wurde vom damaligen Oberingenieur der RhB Friedrich Hennings entworfen, der Bau wurde von Seiten der RhB von Oberingenieur P. Salaz sowie dem Ingenieur Hans Studer geleitet. Die Arbeiten wurden an Froté, Westermann & Cie in Zürich vergeben, welche im Oktober 1906 mit den Arbeiten begann. Von Seiten des Auftragnehmers leitete G. Marasi die Arbeiten. Im Februar 1908 wurden diese an die Arbeitsgemeinschaft Davos-Filisur übertragen.
Ursprünglich schlug die RhB vor, ein stählernes Lehrgerüst in Form eines Dreigelenkbogens zu errichten, das mit Hilfe einer hängebrückenartigen an den Pfeiler befestigten Konstruktion erstellt worden wäre. Diese Konstruktion hätte aber verlangt, dass zuerst die Pfeiler vollständig aufgemauert worden wären. Weil der Bau aber im Verzug war, entschied man sich für die Ausführung des von G. Marasi vorgeschlagenen Lehrgerüst aus Holz. Dieses Gerüst war zwar teurer als die Ausführung in Stahl, konnte aber ohne Abwarten der Aufmauerung der Pfeiler erstellt werden. Es wurde im Freivorbau ausgehend von den Fusspunkten der Pfeiler gebaut und verschlang rund 600 m³ Holz. Das Gerüst wurde vom Bündner Zimmermann Richard Coray zusammen mit 12 Zimmerleuten ausgeführt, wobei der Vorplatz vom Bahnhof Wiesen zum Abbinden der Balken genutzt wurde. Das Gerüst war am 1. Juli 1908 fertiggestellt. Es kostete 22’500 Franken.
Der Bogen wurde zuerst auf beiden Seiten bis 35° gemessen von der Horizontalen aufgemauert, die verbleibende Lücke wurde in drei Lagen aufgemauert. Dieses Vorgehen wurde gewählt um das Lehrgerüst möglichst wenig zu belasten. Die erste Lage war so dünn gestaltet, dass sie nur sich selbst und die darüberliegende zweite Lage tragen konnte. Die Lagen wurden von mehreren Punkten aus gleichzeitig gemauert womit verhindert werden konnte, dass sich das Lehrgerüst verformt. Einzig die letzte Lage wurde von unten nach oben aufgemauert.
Vor dem Wintereinbruch 1908 waren die wichtigsten Arbeiten fertiggestellt. Im Frühjahr wurde das Bauwerk noch durch einen Fussgängersteg versehen, der auf Wunsch der Gemeinden Davos und Filisur angebracht wurde, welche sich auch an den Kosten beteiligten.
Mit der Eröffnung der Bahnlinie am 1. Juli 1909 wurde der 324’000 Franken teure Viadukt in Betrieb genommen.
Das einspurige Bauwerk ist 88,9 m hoch und 210 m lang. Es besteht aus einem nur 3,7 m breiten Hauptbogen mit einer lichten Weite von 55 m sowie westlich zwei und östlich vier Nebenbögen à 20 m. Eine Besonderheit ist, dass der westliche Brückenteil nicht gerade verläuft, sondern die beiden Nebenbögen stehen versetzt, so dass das Gleisbett eine Kurve aufweist. Sie ist damit die höchste Brücke der RhB und nach dem Sitterviadukt die zweithöchste Eisenbahnbrücke der Schweiz. Ausserdem ist sie nach dem Langwieser Viadukt die zweitlängste Brücke – und die längste Steinbogenbrücke – der RhB.
Die Brücke bei Wiesen, auch Der Wies(e)ner Viadukt, ist der Titel eines spätexpressionistischen Gemäldes des deutschen Malers Ernst Ludwig Kirchner aus dem Jahr 1926, das den Wiesener Viadukt südlich von Davos Wiesen darstellt. Das Bild gehört heute zum Bestand des Kirchner Museums Davos.
Ausgeführt ist das Bild in der Technik Ölmalerei auf Leinwand. Es hat im quadratischen Format die Maße 120 × 120 cm. Signiert ist es auf der Vorderseite unten rechts der Mitte; auf der Rückseite ist es mit „26“ datiert.
Das Bild zeigt in seinem Zentrum den Eisenbahn-Viadukt der Rhätischen Bahn über den Fluss Landwasser bei Davos-Wiesen, ein bekanntes Bauwerk der alpinen Eisenbahnarchitektur. Das Bauwerk war im Jahre 1909 fertiggestellt worden, also zur Zeit der Entstehung des Gemäldes noch recht neu. Kirchner stellt die Ansicht des Viadukts von Süden dar. Im Vergleich zu Kirchners früheren Darstellungen von Bauwerken, die oftmals verzerrte Proportionen und Perspektiven zeigten, ist dieses Bild nah an der Realität. Kirchner beachtet in seiner Darstellung die Linienführung der Brücke und gibt präzise die parabelförmige Konstruktion des Hauptbogens und die halbkreisförmige Ausbildung der kleineren Bögen wieder. Die Farben des Bildes entsprechen nicht der Natur, sondern Kirchners künstlerischem Konzept.
Am linken Bildrand ist oberhalb der Brücke ein rot-weisses Eisenbahnsignal zu erkennen, eine so genannte hippsche Wendescheibe. Das Signal wurde auch nach seiner Stilllegung 1987 als Denkmal an dieser Stelle belassen, vielleicht weil es von Kirchner auf dem Bild verewigt worden war.
Während Kirchner, der auch ein Studium der Architektur abgeschlossen hatte, auf seinen Bildern zunächst die Landschaft und ihre „Architektur“ thematisierte, wurde im Laufe der Jahre zunehmend auch die Architektur in der Landschaft zum Bildinhalt, wofür das Gemälde „Die Brücke bei Wiesen“ ein typisches Beispiel darstellt.
In den Jahren 1925/1926 begann sich bei Kirchner ein stilistischer Bruch abzuzeichnen. Bei seinen Figurendarstellungen probierte er abstrakte Ansätze aus, wie sie in den 1920er Jahren überall in der Malerei entstanden, während er bei seinen Landschaften eine genaue Gegenständlichkeit ohne formale Experimente, wie die früher gemalten Verzerrungen, verfolgte.
Wie lange Kirchner an diesem Bild gearbeitet hat und wann er mit den Vorarbeiten dafür begann, ist nicht bekannt. Es ist jedoch eine Entwurfsskizze des Bildes erhalten, die Kirchner bereits ca. 1924 anfertigte. Diese Zeichnung wurde dem Kirchner Museum Davos aus einer Hamburger Privatsammlung durch Schenkung überlassen.
Im Jahr 1933 erwarb die Gemeinde Davos auf Betreiben des kunstinteressierten Davoser Landammanns Erhard Branger (1881–1958) nach längeren Kaufverhandlungen trotz Widerständen in der Bevölkerung von Kirchner das Gemälde „Rathaus Davos Platz“. Der Künstler gab der Gemeinde dabei nicht nur einen erheblichen Nachlass auf den ursprünglich angesetzten Kaufpreis, sondern schenkte der Gemeinde das Bild „Die Brücke bei Wiesen“ als Zugabe. In einem Brief an den Grossen Landrat von Davos erläuterte Kirchner, warum er gerade dieses Bild als Zugabe aussuchte:
„…und schenke dazu das Bild «Wiesener Viadukt», das dem Bilde «Davos-Platz» künstlerisch wie auch in der Grösse gleichwertig ist und zusammen mit dem ersten einen würdigen vornehmen Schmuck des Landammannzimmers bildet, … Da die Wahl auf «Davos-Platz» fiel musste ich aus künstlerischen Gründen das Bild «Wiesener Viadukt» dazu schenken, wäre die Wahl auf den Bergfrühling gefallen, hätte ich ein anderes diesem gleichgrosses Bild gebracht und geschenkt. …Die monumentale ruhige und vornehme Wirkung der beiden gleichgrossen Bilder auf der Wand des Landammannszimmers wird ja jeden davon überzeugen der sehen kann; …“
Ab dem Sommer 1933 hing „Die Brücke bei Wiesen“ mit zwei weiteren Kirchner-Bildern in Brangers Dienstzimmer im Davoser Rathaus, bis dieser 1936 aus seinem Amt ausschied. Unklar ist der Verbleib des Bildes in den folgenden Jahrzehnten. In den 1960er Jahren war es öffentlich zugänglich und ungeschützt in den Räumen des Davoser Verkehrsvereins untergebracht. Ab dem Ende der 1960er Jahre wurde das Gemälde in zahlreichen Kunstmuseen in europäischen Städten und in den Vereinigten Staaten, dort beispielsweise in Boston, Seattle und Pasadena, ausgestellt. Der Versicherungswert des Bildes stieg im Laufe der Zeit stetig.
Im Jahr 1982 ging „Die Brücke bei Wiesen“ durch Schenkung in die Sammlung des Kirchner-Museums Davos über. Es gehört seither zu den regelmäßig ausgestellten Bildern.
Quelle: Wikipedia