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Nun also doch. Lange Zeit war nicht ganz klar, ob der Pharmakonzern Pfizer bei der Produktion und/oder Testung seines Corona-Impfstoffs humane embryonale Zelllinien verwendet oder nicht – Zelllinien also, die aus dem Gewebe abgetriebener Kinder gewonnen wurden. Diese Frage muss nun wohl mit einem klaren „Ja“ beantwortet werden. Melissa Strickler, (inzwischen Ex-)Pfizer-Mitarbeiterin, gab Anfang Oktober 2021 ein Interview mit Project Veritas, in dem sie von E-Mails hochrangiger Pfizer-Angestellter berichtete, die darüber diskutieren, ob – und wenn ja, in welchem Ausmass – die Öffentlichkeit über diese Tatsache informiert werden solle. Der E-Mail-Wechsel fand im Februar 2021 statt.
Vanessa Gelman, Senior Director of Worldwide Research bei Pfizer, gibt zu, dass eine oder mehrere Zelllinien, die bei der Testphase des Vakzins verwendet wurden, auf humanes fetales Gewebe zurückgeführt werden könne. Dies bestätigt auch Philip Dormitzer, Chief Scientific Officer bei Pfizer, wenn er sagt, dass die verwendete Linie HEK293 ursprünglich von einem abgetriebenen Fetus stamme. Allein das ist bereits nicht unproblematisch, wenn man bedenkt, dass die Gewinnung dieser Zelllinien höchstwahrscheinlich beinhaltet, dass Babys gezielt und selektiv abgetrieben werden, dass sie dabei lebend und intakt per Kaiserschnitt aus dem Uterus entnommen werden, dass sie auch zum Zeitpunkt der Gewebeentnahme häufig noch leben und wenn nicht, dass sie ohne Gabe eines Schmerzmittels getötet werden.
Fetale Zelllinien sollten nicht erwähnt werden
Liest man jedoch den Rest der E-Mails, darf man zusätzlich auch noch ernsthaft an der Offenheit und Ehrlichkeit des Konzerns zweifeln. Gelman schreibt nämlich: „We have been trying as much as possible to not mention the fetal cell lines. From the perspective of corporate affairs, we want to avoid having the information on fetal cells floating out there… The risk of communicating this right now outweighs any potential benefit we could see, particularly with general members of the public who may take this information and use it in ways we may not want out there. We have not received any questions from policy makers or media on this issue in the last few weeks, so we want to avoid raising this if possible.‟ („Wir haben so gut wie möglich versucht, die fetalen Zelllinien nicht zu erwähnen. Aus der Perspektive der Konzernleitung wollen wir vermeiden, dass diese Information da draussen herumschwirrt. Das Risiko, das gerade jetzt bekanntzumachen, ist grösser als jeder potentielle Nutzen, den wir sehen, gerade in Bezug auf die Öffentlichkeit, die diese Information auf eine Weise nutzen könnte, die wir nicht wollen. Wir haben in den letzten Wochen keine Fragen aus Politik und Medien bezüglich dieser Sache gehört, daher wollen wir versuchen, das auch jetzt möglichst zu vermeiden.“)
Glaubwürdigkeit leidet
Spricht das für Transparenz? Ist das ein glaubwürdiger Umgang mit Kunden? Wovor hat man hier Angst? Auf welche Weise könnte die Öffentlichkeit diese Information denn nutzen, die man so dringend zu vermeiden sucht? Und was sind es für Fragen, die aufgeworfen werden könnten und um deren Beantwortung man sich drücken will? Etwa die, woher die Zelllinien stammen, wie genau sie gewonnen wurden und wie man dabei mit den Embryonen, bzw. Feten umging? Oder die, ob es moralisch und ethisch vertretbar ist, aus dem gewaltsamen Tod eines kleinen Menschen einen Nutzen zu ziehen, auch wenn man selber nicht sein Blut an den Händen kleben hat? Oder die, ob zur Gewinnung einer Zelllinie lediglich an diesem einen Embryo geforscht wurde oder vielleicht doch an weit mehr? Oder die, warum unbedingt an embryonalem Gewebe getestet werden muss und ob sich aus adulten Stammzellen oder vielleicht auch aus Nabelschnurblut denn nicht auch Zelllinien gewinnen liessen? Oder auch die, warum es noch keine ethisch unbedenkliche Alternative zu den bislang zugelassenen Corona-Impfstoffen gibt, die auf die Nutzung tierischer Zelllinien zurückgreift?
Hat man denn auf all dies keine Antworten? Oder soll doch eher verhindert werden, dass Menschen sich diese Fragen selber beantworten? Unsere Zeit, die so von Unruhe, Verwirrung und Verunsicherung geprägt ist, braucht vor allem eines: Klarheit – von Wissenschaftlern, Forschern, Politikern und Vertretern der Kirchen. Stattdessen gibt man zweideutige oder missverständliche Antworten, ignoriert oder unterdrückt Nachfragen komplett oder wiegt die Menschen in falscher Sicherheit.
Paul-„Ehrlich‟-Institut?
Der oben genannte E-Mail-Wechsel ist nur ein Beispiel dafür. Ein anderes findet sich in einem Interview von PTAheute.de mit Prof. Dr. Klaus Cichutek, dem Präsidenten des Paul-Ehrlich-Instituts. Bei seiner Antwort auf die Frage, ob für die Herstellung der Corona-Impfstoffe Zellen menschlicher Embryonen verwendet werden, ist man stark versucht, den Nachnamen seines Instituts in Anführungszeichen zu setzen. Seine Antwort lautet nämlich – man höre und staune – „Nein“! Bei seiner Ausführung spricht er sodann zunächst von „Zelllinien aus humanen diploiden Zellen“, die einmal angelegt wurden, später von „menschlichem Lungengewebe“, wobei er bequemerweise vergisst, darauf hinzuweisen, dass sowohl diese Linien als auch dieses Gewebe auf menschliche Embryonen zurückgehen. Und selbst wenn diese heute genutzten Zellen der Zelllinie nicht mehr dieselben sind wie die, aus denen der vor Jahrzehnten abgetriebene Embryo bestand (was ja stimmt): genetisch sind sie identisch, da sie von ihm stammen. Mit demselben Argument könnte man sich nach einigen Jahren von seinem Ehepartner trennen, da er rein materiell betrachtet nicht mehr derjenige ist, den man geheiratet hat.
Doppelmoral der Kirchen
Auch von kirchlicher Seite würde man sich deutlichere Worte wünschen als die, die verschiedene nationale Bischofskonferenzen finden, wenn sie einerseits die Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson&Johnson wegen der Verwendung der Zelllinien in der Produktion kritisch betrachten, andererseits diejenigen von Pfizer und Moderna aber für ethisch unbedenklich halten, da die Zelllinien lediglich in der Testphase zum Einsatz kämen. Ist das nicht Doppelmoral? Ist das Unrecht der Abtreibung denn kleiner, ist der Umgang mit den Embryonen im Zuge der Gewinnung der Zelllinien weniger problematisch, wenn man an den Linien nur testet, als wenn man sie für die Produktion einsetzt?
Wir brauchen Klarheit – in allen Lebenslagen, aber erst recht in einer so wichtigen Frage. Aufweichungen, absichtliche Vertuschungen und Aussagen, die der Aufklärung dienen sollten, aber durch übermässig viele und beschönigend verwendete Fachbegriffe wieder nur verschleiern und in die Irre führen, sind jedoch das Gegenteil davon.
Die Autorin ist Biologin und lebt in der Schweiz.
Mehr zum Thema auch im Artikel: Die Corona-Impfstoffe – ein spätes Kind der 70er-Jahre?