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Links zu den folgenden Kapiteln:
analog trifft digital
die Integrität des Songs vor Augen
die Versionen
das Video
Destiny: Music Of The Spheres
Rezeption und Statistik
Die Öffentlichkeit erfuhr erstmals 2012 durch einen Tweet von Paul McCartney, dass er mit Marty O’Donnell und Mike Salvatori, den beiden Hauskomponisten des Gamestudios Bungie, arbeitete. «I’m really excited to be working on writing music with @bungie, the studio that made ‹Halo›», schrieb Paul. Die ungewöhnliche Zusammenarbeit begann bereits 2010, als O’Donnell McCartney anfragte, ob er einen symphonischen Soundtrack für das Videogame «Destiny» komponieren wolle. Paul unterstützte damals Harmonix, die Entwickler des «Beatles Rock Band»-Games.
analog trifft digital
Während seiner ganzen Karriere war Paul McCartney offen für neue Wege und Plattformen, um sein Publikum zu erreichen. «Ich habe meine Kinder und Enkel gesehen, wie sie sich in ein Game vertiefen können. Ich glaube nicht, dass sie da die Zeit aufbringen, um Musik zu hören. Ihre Agenda ist mit all dem anderen Kram vollgestopft. So gefiel mir der Gedanke, mich in ihre Agenda einzuschleichen», erzählte Paul dem New Musical Express. Das erste Treffen zwischen O’Donnell und McCartney fand in den Londoner Abbey Road Studios statt. «Ich brachte die Idee mit der Musik der Sphären ein, eine Suite in acht Sätzen, die schlussendlich 50 Minuten dauerte», erläuterte Marty O’Donnell dem Edge Magazin 2013.
Paul McCartney, Mary O’Donnel und Mike Salvatori 2013 in den Abbey Road Studios.
«Bei meinem ersten Treffen mit Paul erklärte ich ihm die coolen Arten, wie man interaktive Musik schreiben kann», so O’Donnell weiter. Er verglich die Art und Weise des Komponierens mit der Art, wie es McCartney 1966 bei den Aufnahmen zu «Tomorrow Never Knows» getan hatte, als er verschiedene Aufnahmegeräte mit Bandschleifen über zwei Studios miteinander verband. «Er (Paul) sagte mir daraufhin ‹ich hole die Maschine aus dem Wandschrank und werde dir etwas Material senden.›» McCartney hielt Wort. «Einiges von seinem Material in unserem Spiel stammt von derselben Maschine, die er bei ‹Revolver› benutzt hat, um Loops aufzunehmen. Das ist einfach so cool,» schwärmt O’Donnell.
O’Donnell erläuterte McCartney, dass die Vorgehensweise nicht anders wäre, als beim Komponieren von Filmmusik. Dort muss die Musik zu den Szenen passen, bei einem Game verändere sie sich zusätzlich mit der Interaktion des Spielers. Im Interview mit Lily Cole auf impossible.com erzählt Paul: «So ging ich ins Studio und dachte über ein paar Themen nach, einfach ein paar Noten, die auch episch klingen können, aber auch authentisch sind. Ich wusste, wohin ich wollte. So nahm ich sie ganz einfach auf.» Er sandte die Aufnahmen an O'Donnell, der sie verarbeitete und arrangierte. «So wurde es zu einer faszinierenden Art von Ping Pong. Ich sandte ihm eine Idee – meine waren sehr simpel – und dann hat er sie verkompliziert (lacht), aber auf eine gute Art und Weise», erinnert sich Paul an die Zusammenarbeit.
Bannner von paulmccartney.com zur Newsmeldung über die Veröffentlichung der Single «Hope For The Futre».
Die Aufnahmen für den «Destiny» Soundtrack wurden in den Londoner Abbey Road Studios, in New York und Los Angeles eingespielt. In London spielte ein 106-köpfiges Orchester. Der Soundtrack entstand während einer Periode von zwei Jahren, in denen Ideen ausgetauscht wurden.
Die Soundtrack Songs mit McCartneys Mitwirkung sind:
The Traveller
The Fallen
The Hope
The Tower
Tranquility
The Rose
The Tribulation
Guardians Lost
Lost Horizons
Die ersten Aufnahmen zu «Hope For The Future» machte Paul McCartney in seinem Hog Hill Studio in Sussex, im September 2012 folgten weitere Aufnahmen im Avatar Studio. Im November 2012 wurden in den Abbey Road Studios das Orchester und der Chor eingespielt. Hier wirkten insgesamt 120 Musiker mit, was den satten Hintergrundsound bei der Singleversion und beim «Thrash Mix» erklärt.
die Integrität des Songs vor Augen
«Wenn du etwas Massgeschneidertes wie ‹Hope For The Future› schreibst, verhält es sich ähnlich, wie wenn du jemand porträtierst. Du musst dir vorstellen, was die Person braucht, was sie wollen wird und was du ihr geben möchtest. Diese drei Dinger musst du so mischen, dass sie für dich noch glaubwürdig sind», erzählt Paul auf seiner Webseite über den Schreibprozess von «Hope For The Future». In «Destiny» versetzen sich die Spieler in die Wächter der letzten Stadt auf der Erde und können unglaubliche Kräfte erzeugen. Die Wächter erforschen die alten Ruinen des Sonnensystems, von den roten Dünen auf dem Mars bis zu den Dschungeln auf der Venus. Dabei bekämpfen sie die Feinde der Erde. Dieses Narrativ griff McCartney auf und versetzte sich in die Spielfigur eines Wächters und kam auf die Idee mit der Hoffnung auf die Zukunft. «Danach dachte ich, dass dies nicht nur ein Game-Song sein soll, sondern auch ausserhalb des Spiels gespielt und für sich selber sprechen soll. Die wenigsten Leute werden von Ausserirdischen ausgehen, sondern fragen sich, wovon ich spräche. So muss der Song seine eigene Meinung und Integrität zum Ausdruck bringen».
In einem anderen Interview ergänzt Paul: «Als Gamer musst du im Grunde genommen die Erde vor Aliens retten. Ich verwendete dies metaphorisch und schrieb einen Text, den man in der heutigen Zeit verwenden kann.»
Paul McCartney als Hologramm im Set von «Destiny». Screenshot aus dem Videoclip.
Der Song erfüllt die optimistischen Erwartungen, die der Titel weckt: «We will build bridges / Up to the sky / Heavenly lights surrounding / You and I / From out of the darkness / Our future will come / If we leave the past behind / We'll fly beyond the sun». Die Möglichkeit des Scheiterns ist in der Musik vernehmbar, der eine McCartney-typische melancholische Note aufweist. «Hope For The Future» ist in E-Dur komponiert. Die Bläser sind im Arrangement vorhanden, leuchten aber weniger als bei «Penny Lane» (1967). In der dritten Strophe drückt Paul die Zweifel auch wörtlich aus, die mit jeder Hoffnung einhergehen: «Hope For The Future / Is it coming soon enough? / How much can we achieve?» Mit diesem Grundgedanken, ob die Zukunft noch rechtzeitig kommt und wie viel man erreichen wird, erreicht Paul die Glaubwürdigkeit, da es Gedanken und Gefühle sind, die alle schon einmal hatten. Mark Spike Stent (Madonna, U2) und Giles Martin, die auch beim letztjährigen Album «NEW» mitgearbeitet haben, produzierten die Single.
die Versionen
«Destiny» wurde am 9. September 2014 für PlayStation 3 und 4, Xbox 360 und One Spielkonsolen lanciert. Der Soundtrack zu «Destiny» wurde am 26. September 2014, zwei Wochen nach dem Game veröffentlicht. Allerdings fehlt darauf «Hope For The Future», das im Abspann des Games zu hören ist. Paul McCartney verlangte für seine Mitwirkung am Soundtrack kein Honorar, behielt sich aber eine separate Veröffentlichung von «Hope For The Future» im Lauf des Jahres vor. Die Single erschien am 8. Dezember mit vier teilweise sehr gelungenen Remixe. Am meisten überzeugt der «Beatsession Mix», bei dem auch der Gesang bearbeitet wurde und Paul zu einem tanzbaren Rhythmus die Worte Hope und Future wiederholt. Diese Version atmet den spontanen Geist des Fireman-Albums «Electric Arguments» von 2008, da diese Version von jeglicher Art Bombast befreit wurde.
Die Single wurde zunächst als Download bei iTunes veröffentlicht. Am 12. Januar 2015 kam sie als 12" Maxisingle in den Handel. Sie wurde auf 180g Heavy-Vinyl gepresst. Zum Record Store Day 2015 veröffentlichte Paul die extrem limitierte Single «Sweet Thrash», die zwei unveröffentlichte Remixe enthält. Extrem limitiert darum, da die genaue Auflage nicht bekannt ist, Schätzungen gehen von lediglich 100 Exemplaren aus, die gepresst und verteilt wurden. Auf den Labels der Platte soll Paul selber mit Filzer «Sweet Thrash» geschrieben haben. Das Cover zeigte eine Illustration von Pauls Actionfigur, die man mit einem 3D-Drucker printen konnte. Erstmals auf einem Album erschien die Singleversion von «Hope For The Future» auf der 2016er-Compilation «Pure».
das Video
Am Veröffentlichungstag der Single wurde auch der Videoclip lanciert. Darin erscheint Paul McCartney in den Landschaften des Spiels. Allerdings ebenso virtuell. Er wird von einem sogenannten Ghost Assistant als Hologramm in die verschiedenen Ebenen projiziert. Zu Pauls Füssen sitzen jeweils einige Spielfiguren. So auch die rothaarige Wächterin, die sich Paul McCartney als Avatar zusammengestellt hat. Während des Clips besucht Paul verschiedene Landschaften wie den Turm, den Mond oder Venus und Mars.
Weiterer Screenshot aus dem Videoclip zu «Hope For The Future». Zu Paul McCartneys Füssen sitzt die weibliche Wächterfigur, die Paul als sein Avataar kreiert hat.
Um Paul in das Video zu kriegen, gingen die Produzenten gleich vor wie bei einem Film, vor einem Green-Screen wurde der mit diversen Sonden verkabelte McCartney gescannt und seine Bewegungen umgerechnet. Das durch diesen Full Body Scan entstandene virtuelle Abbild Paul McCartneys kann man sich über paulmccartney.com als Action Figur auf einem 3D-Drucker ausdrucken. Das Video hatte seine Premiere auf wired.com und ist auf Paul McCartneys You Tube Channel zu sehen. Dort gibt es auch ein Behind-The-Scenes Video mit dem Making Of des Videoclips.
Destiny: Music Of The Spheres
Ende 2013 hatte Marty O’ Donnell die Arbeit am symphonischen Werk «Music For The Spheres» abgeschlossen. Die Veröffentlichung war eigentlich 2014 als Prequel gedacht, die Komponisten waren Marty O’ Donnell, Michael Salvatori und Paul McCartney. Das Werk ist bis heute offiziell unveröffentlicht. Dies wohl auch aus rechtlichen Gründen. Am 11. April 2014 wurde O’ Donnell fristlos von Bungie entlassen. Tags darauf verklagte er Bungie. Im September 14 wurde das Verfahren abgeschlossen, das öffentlich zugängliche Urteil umfasst 59 Seiten, darin wird festgehalten, dass 40 von den 48 Minuten, die für die Suite «Music For The Spheres» vorgesehen war, im Game und auf dem digitalen Soundtrack Album veröffentlicht worden sei.
An Weihnachten 2017 tauchte im Internet «Destiny: Music For The Spheres» auf. Dabei handelt es sich nicht um das ursprüngliche Album, das gemäss Bungee in einer Vinyl-Box mit allen Soundtracks aus dem «Destiny»-Universum via Universal Music im Herbst 2018 veröffentlicht werden soll. Das exakte Veröffentlichungsdatum ist aber noch unbekannt.
Erklärender Tweet von Mary O'Donnell über eine mögliche Veröffentlichung von «Music Of The Spheres».
Dennoch soll an dieser Stelle kurz die Geschichte dieses Bootlegs erzählt werden, da sie abenteuerlich genug ist. Ein eigener Beitrag darüber folgt in Kürze. «Destiny: Music For The Spheres» wurde von Tlohtzin Espinos und Owen Spence online gestellt. Owen Spence ist ein 17-jähriger, stark autistischer Junge, der nicht mehr zur Schule gehen kann. Spence ist ein fanatischer O’Donnell Fan. In archäologischer Kleinstarbeit hat er während 430 Tagen alle verfügbaren Musikschnipsel aus dem Soundtrack, den ViDocs (Promovideos von Bungie) und Game Trailers analysiert und die Musikstücke zusammengesetzt. Espinosa, ein Radio DJ, half Owen beim Abmischen Albums. Wenn Owen nicht am Soundtrack arbeitete, spielte er – wenig überraschend – «Destiny».
Drei Actionfiguren von Paul McCartney, die sich paulmccartney.com auf einem 3D-Printer drucken liess. Sie sind ein Nebenprodukt des Videoclips zu «Hope For The Future».
Marty O’ Donnell war über die Veröffentlichung erfreut, auch wenn er sie als bloss zu 83% Prozent zutreffend bezeichnet hat. Was in den fehlenden 17% enthalten ist, darüber schweigt Marty O’Donnell. Man nimmt an, dass es 17% Musik esoterische Lyrik und «De Musica» von Boethius enthält. Marty O’Donnell ist der einzige, der sich zu «Destiny: Music For The Spheres» geäussert hat. Owen wurde, zurecht, von Bungie verklagt. «Natürlich hoffe ich, dass irgendwann in der Zukunft Bungie und Activision sich durchringen, das Werk zu hören, wie es ursprünglich komponiert war. Inklusive der fehlenden 17 %. Ich glaube, Sir Paul wünscht dies auch.» Doch Paul McCartney hat sich nicht öffentlich dazu geäussert.
Rezeption und Statistik
«Destiny» spielte in der ersten Woche nach Veröffentlichung 325 Millionen Dollar ein, es war die erfolgreichste Gamelancierung des Jahres und erntete vorwiegend gute Kritiken. Bei den Game Awards erhielt es Auszeichnungen als bestes Onlinespiel und bester Soundtrack. 2015 zeichnete D.I.C.E. «Destiny» mit den Awards für Outstanding Achievement in Original Music Composition und Outstanding Achievement in Sound Design aus.
Das Musikmagazin Spin bezeichnete «Hope For The Future» als cheesy, also als käsig oder kitschig. Weitaus freundlicher war USA Today und wählte die Single zum Song der Woche. Der Kansas City Star nannte den Song eine ausgedehnte, inspirierende Hymne, mit einem cheesy Text. Andere Kritiker bemängelten die Plattitüden wie «Hope For The Future / it will belong to us / if we believe» oder «Hope shines brightest in the dark.» Fragt sich nur, wie man das ohne Plattitüden ausdrücken kann. Zumindest das Rolling Stone hat dies erkannt und bezeichnete die Lyrics als weitsichtig.
Das Rolling Stone bezeichnete den Videoclip als atemberaubend. Das Video fiel jedoch in der Gamer-Gemeinde durch: Auf Games.chschrieb Roger Sieber, ein McCartneyfan, dass der Song nicht schlecht, das Video aber farb- und seelenlos sei. Gamezone.comglaubte beim Video an einen schlechten Scherz. Die Reaktion ist insofern verständlich, da die Hologramm-Machart an die Hologramm Hilfsbotschaft von Prinzessin Leya an Obi Wan Kenobi aus «Star Wars»(1977) erinnert. Hier wäre optisch sicher mehr drin gelegen.
Trotz aller Kritik konnte sich «Hope For The Future» in den USA in den Billboard Charts auf Rang 44 platzieren. In Belgien, sowohl in Flandern als auch Wallonien, wurde «Hope For The Future» von der Hitparadengesellschaft als Tipp angepriesen, doch die Single konnte sich sonst nirgendwo in den Charts platzieren.
Paul McCartney während den Dreharbeiten zum Videoclip von «Hope For The Future». Gesehen am 30. September 2014 von seinem Hausfotografen MJ Kim.
– Foto: mplcommunications.com

iTunes Single
Tracklist
Hope For The Future (Main)
Hope For The Future (Thrash)
Beatsession Mix
Jaded Mix
Mirwais Mix
Vinyl-Maxi
Tracklist
Main
Thrash
Mirwais Mix
Beatsession Mix
Jaded Mix
Sweet Thrash
Limited Edition
Remix Single 2015
Tracklist
Sweet Thrash Remix 1
Sweet Thrash Remix 2
Rückseite der
Vinylsingle:
OST Destiny, 2014
Tracklist
The Traveler +
The Fallen +
Excerps From Hope +
Excerps From The Ecstasy
The Warmind
The Tower +
The Last Array
The Collapse
The Journey Home
First Challenge
Prey
Tranquility +
The Great Unknown
Exceprt 1 From The Rose +
Excerpt From The Tribulation +
Relic Of Hope
Departure
Lost Horizons +
Reborn
Sepics Prime
Travellers Promise
Deconstruction
Exceprt For The Ruin
Untold Legends
Cabal Stomp
Dust Giants
Ishtar Shink
The World's Grave
Exclusion Zone
The Stranger
Temple Of Crota
Eye Of The Gate Lord
The Hive
The Collective
End Of The Line
The Vex
Siege Dancers
Chronology
Passage
Excerpt 2 From The Rose +
Excerpt From The Union
All Ends Are Beginnins
+ Paul McCartney als Co-Komponist mit.
Jeder Spieler kreeiert zunächst seine Spielfigur. Hier Paul McCartneys weibliche Wächter Figur.
Destiny: Music Of The Spheres, 2014
unveröffentlichtes symphonisches und Choralwerk
Tracklist:
The Path (Luna)
The Union (Mercury)
The Ruin (Venus)
The Tribulation (Sol)
The Rose (Mars)
The Ecstasy (Jupiter)
The Prison (Saturn)
The Hope (Arrival)
Promotion 2015:
Paul McCartney Action Figur aus dem 3D-Drucker.