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Der Papagei im Park
Ich war gerade auf den Nachhauseweg gewesen und hatte einen kleinen Umweg durch den griechischen Nationalgarten gemacht, zwischen dem Zappeion-Palast und dem Parlament am Syntagma-Platz gelegen. Ich war an den Käfigen vorbeigegangen, in denen früher Löwen und Wölfe eingezwängt waren und wo heute die Gänse und Enten vor der Vogelgrippe weggesperrt werden. Ich dachte darüber nach, wie traurig diese Käfige früher waren und wie egal es den Enten schien, auch wenn sie den Zugang zu ihrem grossen Teich verloren hatten. Sie quakten und schnatterten vor sich hin, begleitet von all dem anderen Vogelvieh im Park, eingesperrt oder nicht. Einer der Vögel pfiff wie ein Papagei.
Was an sich nicht weiter verwunderlich war, denn es gibt alle möglichen Vögel hier - nur kam das Pfeifen von vorne. Die Käfige hatte ich aber gerade hinter mich gelassen. Ich blieb stehen und hörte hin.
Kein Zweifel, das war das typische pfeifen - warten - pfeifen eines Papageis. Dazwischen ab und zu ein Krächzen, auch ein typisches Geräusch. Aus Erfahrung weiss ich, dass es gar nicht so einfach ist, die Richtung des Pfeifkonzerts richtig einzuschätzen und den kleinen Krachmacher zu finden. Er schien vor mir zu sein, etwas höher als ich. Da waren Bäume und Büsche in der Richtung, hinter denen sich eine weitere Voliere hätte verstecken können. Aber ich konnte mich nicht an eine Voliere in der Richtung erinnern.
Also bewegte ich den Kopf hin und her, machte noch ein paar Schritte vorwärts, wobei ich nach oben in die Bäume schaute. Nach ein paar Minuten sah ich ihn schliesslich, oben in einer der Baumkronen, in etwa 15 Meter höhe. Sobald ich ihn gesehen hatte, antwortete ich auf sein Pfeifen. Ein Spiel, dass ich aus meiner Kindheit kenne, als wir mal einen Papagei zu hause hatten. Er (oder sie?) antwortete mir und wir pfiffen eine Weile hin und her. Dabei schaute er mit seitlich gedrehtem Kopf in meine Richtung (die Augen der Papageien liegen seitlich am Kopf, also dreht ein Papagei den Kopf weg, wenn er dich direkt anschauen will).
Irgendwann wurde es ihm wohl langweilig. Er plusterte sich, strich mit dem Schnabel ein paar mal im Gefieder herum ("huch bin ich verlegen") und kletterte auf dem Ast näher an den Stamm des Baumes. Dabei nahm er den Schnabel zu Hilfe, um sich ab und zu festzuhalten. (Papageien können sich zum Spass auch mal vom Schnabel von einem Ast baumeln lassen.) Gegen den hellen Himmel konnte ich seine Farbe nicht wirklich gut sehen, aber ich tippte auf einen Graupapagei. Als er dann einen Moment lang die Flügel spreizte, sah ich die Schwanzspitze rot im Gegenlicht aufglühen - da schien ich richtig getippt zu haben.
Als ich weiterging, war er gerade dabei, genüsslich Rindenstücke von einem toten Ast abzureissen. Ich beglückwünschte ihn zu seiner Freiheit, wünschte weiterhin alles gute und machte mich wieder auf den Weg nach Hause.