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Der 70. Hochzeitstag von Queen Elizabeth, 91, und Prinz Philip, 96, wirkt irgendwie wie ein Jubiläum, mit dem die Jubilare selbst nicht mehr gerechnet haben. Kein Festprogramm, man werde den heutigen Montag «im kleinen privaten Kreis» verbringen, heisst es aus dem Palast. Immerhin ist auf die Royal Mail, die britische Post, Verlass. Sie bringt am 20. November noch sechs Sonderbriefmarken zum «Platinum Jubilee» auf den Markt.
Die anrührenden Gesten, die den Kreis eines langen gemeinsamen Lebens schliessen sollten, gabs schon vor zehn Jahren – zum 60. Hochzeitstag: ein Foto auf dem Adelssitz Broadlands bei Southampton, einst erste Station ihrer Hochzeitsreise. Elizabeth trug exakt dieselbe Brosche wie damals, die Kleider des Paares ähnelten bewusst den Outfits von 1947. Die Königin strahlte ihren Prinzen immer noch an wie eine verliebte junge Braut. Mit Philip reiste sie damals (ohne offizielles Programm, wie normale Touristen) nach Malta, den einzigen Ort ausserhalb Grossbritanniens, an dem die Queen je gelebt hatte. Von 1949 bis 1951, in der Villa Guardamangia, einem für die sonstigen Windsor-Wohnverhältnisse eher mickrigen Haus.
Philip tat damals Dienst als Marineoffizier, die Queen bewegte sich wie jede andere Offiziersgattin. Als die schönsten Jahre ihres Lebens bezeichnet die Queen im privaten Kreis ihre Zeit auf Malta. Ein Bekenntnis, das viel über die Monarchin aussagt. Und noch mehr über das Erfolgsrezept ihrer sieben Jahrzehnte langen Ehe.
Elizabeth verliebte sich mit 13 Jahren in ihren Philip
Die Queen war gerade mal 13 Jahre alt, als sie sich 1939 beim Besuch auf einer Marinebasis in den schneidigen jungen Marineoffizier Philip verliebte. Ihre Familie war nicht erfreut über die Wahl – Philip war zwar von Geburt ein Prinz von Griechenland und Dänemark, sein Vater war aber früh in Ungnade gefallen, seine Mutter mehr mit Charity-Projekten und ihrer eigenen Schwermut, wie man das damals nannte, beschäftigt. Dazu hatte Philip einen grossen Teil seiner Erziehung auf deutschen Internaten erhalten, seine Schwestern waren allesamt mit deutschen Aristokraten verheiratet, die zum Teil überdies noch Mitglieder der NSDAP gewesen waren.
Elizabeth liess sich nicht von ihrer Wahl abbringen. Und auch Philip war konzessionsbereit: Die deutsche Verwandtschaft musste zu Hause bleiben. Zudem musste er akzeptieren, dass in der Öffentlichkeit seine Frau die Nummer 1 sein würde – und er stets einen Schritt hinter ihr zu gehen habe. Überdies wurde er mit seiner Hochzeit zum Nichtraucher – die Queen hasst Tabakqualm.
Philips Dienstplan bestimmt das Familienleben
Dafür durfte Philip in der Familie die Rolle des Chefs übernehmen. Schon der Weg nach Malta war ein klares Zeichen – auch für die royale Familie und die Öffentlichkeit: die künftige Königin von England als Offiziersgattin, die selbst Einkäufe erledigt, den Gottesdienst besucht, und sich um ihre – damals noch zwei – Kinder Charles, heute 69, und Anne, 67, kümmert.
Das Familienleben wurde von Philips Dienstplan bestimmt. Sein privater Einfluss war gross, was vor allem Queen-Schwester Margaret schmerzhaft zu spüren bekam: Als sie 1955 den geschiedenen Kriegshelden und späteren Schriftsteller Peter Townsend heiraten wollte, war es Philip, der ihr in deutlichen Worten die Hochzeit untersagte. Einer von vielen klugen Schachzügen, die die Queen und ihren Mann schon früh als hocheffizientes Team qualifizierte: Margarets Wut richtete sich danach vor allem gegen ihren Schwager, das Verhältnis zu Elizabeth blieb ungetrübt.
Die Queen war nicht die einzige attraktive Frau in Philips Leben
Über Seitensprünge Philips wurde oft spekuliert. Etwa mit dem früheren Hollywood-Star Merle Oberon, damals ansässig in Acapulco, Mexiko. Sie blieb nicht die einzige attraktive Frau, die mit Philip in Verbindung gebracht wurde. Was auch immer passierte – oder nicht passierte: Gerüchte blieben Gerüchte, weder die Queen noch Philip verloren ihr Gesicht. Vielleicht waren es tatsächlich nur Spekulationen, wie einer der engsten Vertrauten, Queen-Sekretär Dickie Arbiter, 77, später elegant formulierte: «Philip hat immer gerne in die Schaufenster geschaut – aber dort nie eingekauft.»
Viel Menschenkenntnis bewies das Paar bei der Wahl seiner Freunde und Weggefährten: Die meisten von ihnen leben ebenso diskret, stammen aus dem Adel, verkehren seit Jugendzeiten mit Elizabeth und Philip. Keiner lieferte den Medien jemals peinliche Indiskretionen oder Fotos.
Übermässiger Luxus und ein aufwendiger privater Lifestyle waren niemals die Sache von beiden: Krone und hermelinbesetztes Cape, Militärparaden und Galadinners mit Generationen von Machthabern aus aller Welt, Privatjets und Rolls-Royce-Karossen mit Sonderkarosserien – die vermeintlichen Markenzeichen der Queen gehören zu ihren beruflichen Pflichten. «Geht sie zu einem Termin, wählt sie sorgsam ihre Berufskleidung – ähnlich wie ein Arzt seinen weissen Kittel anlegt, wenn er in die Praxis geht. Und ihn abends wieder auszieht, wenn der letzte Patient versorgt ist», beschrieb es einmal ein Bekannter der Königin.
Jedes Kleid, jeder Hut, jede Tasche werden mit Karteikarten versehen, wann und wo sie in welcher Kombination getragen wurden. Privat reichen Cardigans, Tweed und Öljacken, feste Schuhe und – während der Monate in Schottland – karierte Röcke, dort auch für Philip. Manche Stücke tragen sie jahrzehntelang – ausrangiert wird nur, was auch ein guter Schneider nicht mehr flicken kann.
Ein kleiner Jaguar für sie, ein Land-Rover für ihn
Die privaten Autos des Paars kamen in den vergangenen Jahrzehnten wenig spektakulär daher: Ford Scorpio, ein kleineres Jaguar-Modell für die Queen (die nur noch innerhalb ihrer eigenen Besitztümer selbst fährt), Land-Rover-Geländewagen für Philip. Die bevorzugten Spirituosen («Dubonnet»-Likör und «Famous Grouse»-Whisky) sind ebenso wie die Frühstücks-Cornflakes in britischen Supermärkten erhältlich.
Als Ex-Schwiegertochter Fergie, 57, kurz vor ihrer Scheidung private Schulden in Millionenhöhe angehäuft hatte, reagierte die Queen völlig fassungslos: Ihr war unverständlich, wie ein Mensch «einfach solch beträchtliche Mengen Geld» ausgeben konnte, ohne zumindest dafür etwas von «bleibendem Wert» zu erwerben.
Sparsamkeit ist für die Queen, die wie ihr Mann den Zweiten Weltkrieg und die damit verbundenen Mangeljahre durchlebte, eine Tugend. Das erfuhr auch Junior Charles früh: Als er als Kind wollte, dass mehrere Cornflakes-Packungen gleichzeitig geöffnet wurden, damit er an die darin enthaltenen Sammelfiguren kam, ordnete die Queen höchstpersönlich an: Erst wenn eine Packung leer ist, wird eine neue geöffnet.
Wer diese Einstellung versteht, kann wichtige Pluspunkte sammeln: Als Kate, 35, als Freundin von Enkel William, 35, erstmals an Weihnachten nach Schloss Sandringham in Norfolk eingeladen wurde, brachte sie der Queen selbst gemachtes Chutney mit. Die Königin war erfreut, der Einstand mit Bravour gelungen – im Gegensatz zu einem Weihnachtsfest, als Prinzessin Diana die gesamte Familie Windsor mit edlen Cashmere-Kleidungsstücken beschenkte. Das kam nicht gut an.
Auch mit 96 Jahren wirkt Philip noch topfit
Eine frühe Liebe wurde zu einer ewigen Liebe: Aus ehedem getrennten Schlafzimmern zogen die Queen und Philip wieder in ein gemeinsames. Seit August sagt Philip keine offiziellen Termine mehr zu. Das bietet ihm die Chance, mehr Zeit mit seiner Frau und der Familie zu verbringen. Selbst die Gesten der frühen Jahre, die Philip schwer gefallen sein mögen, hat die Queen nie vergessen: Der letzte offizielle Staatsbesuch ging 2015 nach Deutschland. Die Nachfahren der einst unerwünschten deutschen Verwandtschaft waren vor laufenden TV-Kameras bestens platziert, Philip hielt Ansprachen auf Deutsch, das er bis heute perfekt beherrscht. Nur das Rauchen durfte er sich nie wieder angewöhnen – vielleicht ein Grund, warum Philip mit 96 noch topfit wirkt.
Was bleibt, ist das Dacapo einer 78-jährigen Liebe, 70-jährigen Ehe und 65-jährigen Regentschaft des wohl bekanntesten Paares der Welt, das immer auch in zwei Welten lebte: der imperialen Welt der Krone und der bodenständigen Welt ihres Privatlebens. Die königlichen Pflichten scheinen erledigt. Jetzt freut sich das Paar auf Privates: Weihnachten mit der Familie in Sandringham, das dritte Kind von William und Kate. Vielleicht auf die Verlobung von Harry, 33, mit der US-Schauspielerin Meghan Markle, 36. Und auf jeden Fall freuen sie sich auf den Spätherbst einer ewigen Liebe … ihrer Liebe!