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Archäologische Grabungen bei Port - Unterwegs im Seeland
Zwar versumpfte das Seeland in den letzten 500 Jahren immer mehr und die landwirtschaftliche Gegend verarmte zusehends. Dies änderte sich erst wieder mit den Juragewässerkorrektionen 1878 und 1939 mit dem Regulier-Wehr in Port.
Das Seeland war aber über Jahrtausende und zu Zeiten der antiken Römer trocken und fruchtbar. So konnten sich zwischen den drei Seen und der Aare bis Solothurn archäologische Spuren bilden, welche einen unschätzbaren Wert darstellen.
Herr Baeriswyl vom Archäologischen Dienst des Kanton Bern war so nett, meine Fragen zu beantworten und diese möchte ich Euch nicht vorenthalten.
"Herr Baeriswyl, was sind eigentlich die Hauptaufgaben des ADB?"
Die gesetzliche Hauptaufgabe des ADB ist es, archäologische Substanz zu schützen, also sie nicht auszugraben, sondern sie geschützt im Boden zu lassen, ausgraben heisst immer zerstören!
Nur wenn es nicht möglich ist, die archäologische Substanz an einem Ort zu erhalten, weil dort neue Gebäude, Unterkellerungen, Tiefgaragen, Leitungen, Strassen, Bahntrassen etc. entstehen, führen wir im Vorfeld Ausgrabungen durch.
Alles was durch die Bauarbeiten zerstört wird dokumentieren wir mit Fotos, Plänen, Vermessungsdaten und Beschreibungen um diese als "Abschrift der Geschichte" für die Nachwelt zu erhalten. Dies ist unsere zweite Hauptaufgabe.
"Wie geht der ADB dabei Vor?"
Der ADB unternimmt pro Jahr rund 200-220 Sondierungen, von denen im Schnitt 150 negative Ergebnisse zeitigen, also keine archäologische Substanz erbringen.
Dabei ist es üblich, dass, wenn ein Bauprojekt bevorsteht, der ADB im Vorfeld möglichst früh Sondierungen vornimmt, um festzustellen, ob es überhaupt Archäologie hat, und wenn ja, wie man allenfalls durch Umplanungen deren Zerstörung vermeiden kann.
Falls das nicht möglich sein sollte, soll dank der Sondierungen eine Zeit- und Kostenschätzung vorgenommen werden, also eine Antwort auf die Frage liefern, was eine Ausgrabung zeitlich und finanziell bedeuten würde.
Scherben können wir einsammeln und mitnehmen, Schichten, Gruben, Gräben, Fundamente, Mauern etc. werden aber auch bei einer wissenschaftlich korrekten Ausgrabung zerstört. Aus diesem Grund unternimmt der ADB nur dort Ausgrabungen und Bauforschungen, wo Bau- bzw. Umbaumassnahmen hinterher die archäologische Substanz zerstören werden. Das ist auf dem Gebiet des Kantons Bern pro Jahr rund 50-60 Mal der Fall.
"Warum wurde der ADB hier an der Aare zwischen Port und Aegeten aktiv, eventuell wegen der neuen Autobahn?"
Anlass der Sondierungen ist ein Renaturierungsprojekt eines Abschnittes des Nidau-Büren-Kanals, hat also nichts mit der Autobahn zu tun.
"Wie lange dauerten die Arbeiten denn und wie viele Mitarbeiter standen im Einsatz?"
Die Sondierungen wurden während zweier Tage mit dem Bagger vorgenommen und es nahmen neben dem Maschinisten 1-2 Mitarbeitende daran teil.
"Nun bin ich neugierig, gibt es schon erste Erkenntnisse?"
Die Sondierungen zeigten, dass im westlichen Teil der Fläche archäologische Reste von prähistorischen Feuchtbodensiedlungen verschiedener Phasen zu erwarten sind.
"Vermuten Sie noch weitere Zusammenhänge?"
Ein Zusammenhang mit der jungsteinzeitlichen Siedlung von Port, Stüdeli weiter flussaufwärts ist denkbar. Diese Erkenntnisse werden nun den Projektplanern zugestellt, damit das weitere Vorgehen im Hinblick auf diese Renaturierung diskutiert und festgelegt werden kann.
"Das heisst, dieses Renaturierungsprojekt wird nun noch einmal überarbeitet?"
Ja, je nach Projektanpassung ist die Renaturierung ohne Eingriff in die archäologische Substanz möglich. Falls nicht, könnte es dann zu eigentlichen Ausgrabungen kommen.
"Darf ich Sie abschliessend fragen, wo der ADB in der Region nächstens tätig wird?"
Weitere Grabungen sind im Bereich der Autobahn zu erwarten, in Port Bellevue läuft im Moment eine grossflächige Untersuchung im Areal einer ehemaligen römischen Villa und weitere Ausgrabungen wird es beim Schloss Nidau geben, sobald sich das Projekt Agglolac realisieren wird.
Es war interessant zu beobachten, liebe Leserinnen und Leser, wie sorgfältig die Archäologen arbeiteten und die Erdschichten mal mit schwerem Gerät abtrugen und mal mit feinsten Werkzeugen bearbeiteten.
Auch beim Rückbau, war das Team äusserst sorgfältig und lies kaum spuren zurück. Ausser einem Strauch wurde absolut nichts beschädigt oder zerstört.