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Die Witterung im 2. Quartal 2022 (April, Mai, Juni). Das April-Wetter war noch wechselhaft. Dann folgte der zweitwärmste Mai seit Messbeginn mit wenig Niederschlag und der zweitheisseste Juni mit kräftigen Gewittern.
Sonniger April mit kräftigen Niederschlägen auf der Alpensüdseite
Das erste Aprildrittel zeigte sich mehrheitlich wechselhaft. Das zweite Monatsdrittel brachte in der ganzen Schweiz viel Sonnenschein und im letzten Monatsdrittel verzeichnete die Alpensüdseite die ersten kräftigen Niederschläge seit längerer Zeit.
Vom 1. bis 9. April war das Wetter tiefdruckbestimmt. Nach einem kurzen Zwischenhoch am 4. April brachten Strömungen aus Südwest bis Nordwest auf der Alpennordseite das typische wechselhaftes Aprilwetter. Am 7. und vor allem am 8. April wurde es stürmisch mit Böenspitzen von 80 bis 130 km/h in tiefen Lagen der Alpennordseite und bis 140 km/h in Berglagen. Am 9. April fiel im Norden nochmals Schnee bis in tiefere Lagen.
Auf der Alpensüdseite gab es am 5. und 6. sowie am 9. April viel Sonnenschein. Am 9. April fegte ein kräftiger Nordföhn durch die Täler der Alpensüdseite mit Böenspitzen zwischen 70 und knapp 90 km/h.
Anhaltendes Hochdruckwetter, dann Niederschläge im Süden: Vom 10. bis am 22. April brachten Hochdrucklagen verbreitet viel Sonnenschein. Während im Norden häufig die Bise wehte und die Temperatur-Höchstwerte gegen 20 °C anstiegen, erlebte die Alpensüdseite am 15. und 16. April eine kurze sommerliche Periode mit Tagesmaxima von 25 bis 28 °C, unterstützt durch den Nordföhn. Ab dem 20. April brachte ein Tiefdruckgebiet über dem westlichen Mittelmeer feuchte Luft zur Alpensüdseite, die unter einer kompakten Wolkendecke verschwand. Vom 23. bis am 26. April zog ein Tiefdruckgebiet von Südfrankreich über die Alpen hinweg nach Osten. Auf der Alpensüdseite fielen endlich wieder die ersten kräftigeren Niederschläge seit dem vergangenen November. Wieder sonnig, dann noch einmal Niederschlag: Vom 27. bis am 29. April brachte ein Hoch über Nordwesteuropa die Frühlingssonne zurück. In der Nacht auf den 30. April brachte eine Kaltfront in den Alpen sowie im Süden und im Osten der Schweiz etwas Niederschlag. Tagsüber fielen am 30. April bei wechselhafter Witterung verbreitet Schauer.
Monatsbilanz April 2022
Im landesweiten Mittel lag die Apriltemperatur 0,1 °C unter der Norm 1991−2020. Sie bewegte sich in den tieferen Lagen beidseits der Alpen verbreitet zwischen 0,4 °C unter und 0,1 °C über der Norm. Lokal gab es auch Werte zwischen 0,5 und 0,8 °C unter der Norm. Auf den Jurahöhen und in den Alpen stieg die Apriltemperatur gebietsweise bis 0,4 °C, im Oberwallis und in der Leventina bis 0,6 °C über das langjährige Mittel.
Die Niederschlagssummen im April betrugen nördlich der Alpen verbreitet zwischen 100 und 145 % der Norm. Vereinzelt gab es auch Werte von 170 bis 190 % oder auch von 80 bis 100 % der Norm. Am Alpennordhang und im Wallis bewegten sich die Monatssummen meist zwischen 90 und 120 % des langjährigen Mittels. Das Tessin und Graubünden erhielten vielerorts nur 40 bis 70 % der Norm.
Die Sonnenscheindauer erreichte im April auf der Alpensüdseite, im Engadin sowie in Nord- und Mittelbünden meist 120 bis 130 % der Norm. In den übrigen Gebieten lagen die Werte verbreitet zwischen 110 und 120 % des langjährigen Mittels.
Extrem sonniger und trockener Mai
Die Schweiz registrierte den zweitwärmsten Mai seit Messbeginn 1864. Lokal gab es eine rekordhohe Zahl von Sommertagen und neue Mai-Rekorde bei der Tagesmaximum-Temperatur. Dagegen blieben die Niederschlagssummen regional weit unterdurchschnittlich.
Nach einem tiefdruckbestimmten, wechselhaften ersten Monatsdrittel waren ab dem zweiten Monatsdrittel Hochdrucklagen das bestimmende Wetterelement. Sie brachten meist viel Sonnenschein und führten warme Luftmassen zur Schweiz. In den Niederungen beidseits der Alpen wurden oft Tageshöchstwerte von 25 °C und höher registriert. Tage mit Temperaturen von 25 °C oder mehr werden als Sommertage bezeichnet. Dabei wurden bei zwölf Messstandorten am 20. Mai 2022 neue Mai-Rekorde der Tagesmaximum-Temperatur registriert.
Kräftige Gewitter bringen Abkühlung: Am 23. Mai entwickelte sich vor einem Kaltfrondurchgang eine kräftige Gewitteraktivität mit intensiven Schauern und einem ausgedehnten Hagelzug entlang des nördlichen Alpenrands. Der Kaltfrontdurchgang brachte einen markanten Temperatursturz, sodass am 24. Mai die Tageshöchstwerte in vielen Gebieten der Schweiz rund 10 °C tiefer lagen als am Vortag. Auf der Alpensüdseite und im Wallis stiegen die Tageshöchstwerte zwischen dem 26. und 28. Mai wieder über 25 °C. Am 27. Mai war es auf der Alpensüdseite lokal um 30 °C warm. Nördlich der Alpen registrierte einzig die Genferseeregion am 27. Mai nochmals über 25 °C.
Monatsbilanz Mai 2022
Im landesweiten Mittel lag die Maitemperatur 2,6 °C über der Norm. Sie bewegte sich in der Westschweiz, im Wallis und im Gotthardgebiet meist zwischen 2,7 und 3,2 °C über der Norm. In den übrigen Gebieten stiegen die Werte verbreitet 2,1 bis 2,6 °C über das langjährige Mittel. Mehrere Messstandorte verzeichneten den wärmsten Mai seit Messbeginn. Die Niederschlagssummen blieben im Mai verbreitet unter der Norm. In der Westschweiz und im Wallis fielen regional weniger als 30 %. An zahlreichen Messstandorten der Westschweiz mit über 60-jährigen Messreihen war es der niederschlagsärmste Mai seit Messbeginn. Die Sonnenscheindauer erreichte im Mai nördlich der Alpen und im Wallis verbreitet 120 bis 135 %, lokal auch knapp 140 % der Norm. In den übrigen Gebieten bewegte sie sich meist zwischen 100 und 120 % des langjährigen Mittels.
Juni mit Hitze und kräftigen Gewittern
Die Schweiz erlebte den zweitheissesten Juni seit Messbeginn 1864. Lokal führten kräftige Gewitter zu sehr hohen Niederschlagssummen. Die Sonnenscheindauer lag verbreitet über dem Durchschnitt.
Das erste Junidrittel verlief vorwiegend gewitterhaft. Bis am 9. Juni gab es täglich irgendwo in der Schweiz Schauer. Am 5. Juni wurde die grösste von Hagel betroffene Fläche des Monats registriert. Ab dem 10. Juni stellte sich eine lang andauernde Periode mit meist sonnigem Hochdruckwetter ein. Bis zum 15. Juni lag die Schweiz im Einflussbereich von Atlantikhochs. Anschliessend dehnte sich ein subtropisches Hochdruckgebiet vom Mittelmeer bis nach Mitteleuropa aus, das sehr warme Luft in unser Land führte.
Extreme Hitzewelle: Am 15. Juni wurde die erste Hitzeperiode dieses Jahres eingeleitet. Die Tageshöchstwerte auf der Alpennordseite und im Wallis stiegen verbreitet auf die Hitzemarke von 30 °C oder darüber. Die Alpensüdseite verzeichnete ab dem 16. Juni verbreitet Hitzetage. Das Hitzemaximum wurde in der Schweiz am 19. Juni erreicht. Auf der Alpennordseite gab es vielerorts Tageshöchstwerte von 34 °C und mehr. Spitzenreiter war der Nordrand der Schweiz und die Regionen Neuenburg und Sion mit über 36 °C. Auf der Alpensüdseite blieben die Höchstwerte auch während des Hitzemaximums meist unter 32 °C. Die Hitzewelle mit Tageshöchstwerten von 30 °C oder mehr dauerte beidseits der Alpen bis am 21. Juni. Neben dem Tagesmaximum spielen für die Gesundheit vor allem die hohen nächtlichen Temperaturen eine Rolle. Die Anzahl der Tropennächte (Tagesminimumtemperatur fällt nicht unter 20 °C) ist in den letzten Jahrzehnten deutlich angestiegen. Die aktuelle Hitzeperiode Mitte Juni kam auffallend früh. Hohe Tagesmaximum-Temperaturen über mehrere Tage werden in der Regel erst gegen Ende Juni verzeichnet.
Ab dem 22. Juni bestimmte vorwiegend feuchtwarme Gewitterluft aus Südwesten das Wetter in der Schweiz. Die Gewitter im Juni 2022 brachten lokal nicht nur kräftige Niederschläge, sondern vereinzelt auch hohe Windspitzen in tiefen Lagen.
Zudem erfolgte in den Bergen eine extrem frühe Ausaperung. Auf dem Weissfluhjoch (Schneemessfeld 2536 m ü.M.) ist die Winterschneedecke dieses Jahr sehr früh verschwunden. Bereits am 6. Juni 2022 wurde die Schneehöhe 0 cm gemeldet. Es war die zweitfrüheste Ausaperung seit Messbeginn 1937. Nur im Rekordjahr 1947 erfolgte die Ausaperung drei Tage früher.
Monatsbilanz Juni 2022
Die Junitemperatur lag im landesweiten Mittel 2,7 °C über der Norm. Sie lag in der Westschweiz sowie in höheren Lagen der Alpen meist 2,5 bis 3,2 °C über dem langjährigen Mittel. In den tieferen Lagen der Alpennordseite und des Wallis lagen die Werte 2 bis 2,5 °C über der Norm. In den tieferen Lagen der Alpensüdseite sowie im Engadin bewegte sich die Junitemperatur um 2 °C über dem langjährigen Mittel.
Die Niederschlagssummen erreichten im Juni in der West- und Nordwestschweiz Werte zwischen 80 und knapp über 100 % der Norm. Im zentralen Mittelland stiegen sie auf 110 bis 150 % des langjährigen Mittels. Die Alpensüdseite erhielt regional 140 bis 180 %, das Südtessin hingegen weniger als 50 % der Norm. In den übrigen Gebieten lagen die Monatssummen zwischen 90 und 120 % des langjährigen Mittels. Ganz Lokal führten kräftige Gewitter zu sehr hohen Monatssummen. Die Sonnenscheindauer erreichte im Juni verbreitet 110 bis 130 % der Norm. Im Wallis bewegten sich die Werte zwischen 100 und 110 % des langjährigen Mittels.
Schweizer Karte mit Klimastationen
Tabelle als PDF: Klimadaten im zweiten Quartal 2022
Quelle: MeteoSchweiz, Klimabulletins 2022