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Ein Matriarchat ist eine Gemeinschaft und keine HERRschaft – Buchtipp
„Der Weg zu einer egalitären Gesellschaft“ ist ein matriarchaler Lebensentwurf, der helfen will, das patriarchale Gesellschaftsmodell abzulösen. „Am Anfang die Mütter“, so übersetzt Heide Göttner-Abendroth den Terminus Matriarchat. Aus dem mütterlichen Prinzip des Lebensschenkens, dem Frauen und Männer gleichermassen dienen, entwickelt sie das Bild einer Kultur, die Kreisläufe an die Stelle des linearen Fortschritts setzt, die eine Ökonomie des Schenkens, statt eine der Ausbeutung und der Gewinnmaximierung anstrebt und eine Gesellschaft, die von Würde, gegenseitigem Respekt der Geschlechter und Lebensalter, sowie der Heiligung allen Lebens getragen ist.
Der Begriff „Matriarchat“ werde oft missverstanden, schreibt Heide Göttner-Abendroth in ihrem Buch „Der Weg zu einer egalitären Gesellschaft“. Der Ausdruck „Matriarchat“ geht auf die Arche (archat) zurück und beweist mit der Deutung „Am Anfang stehen die Mütter“. Erst viel später, im Rahmen patriarchaler Ideologien, nahm das Wort „arché“ wieder zu. Ein Schiff, in dem alle Platz finden und vor der Sintflut gerettet werden, ist ein angenehmes Bild einer Gesellschaftsform. Das Patriarchat hingegen umschreibt die „Herrschaft der Väter oder Männer“, also eine ganz andere Form als jene des Matriarchates. Die Begriffe einfach gleichzusetzen ist also falsch. Doch wie könnte es auch eine FrauenHERRschaft geben? Schliesst eine Frauengemeinschaft eine Herrschaft nicht sowieso aus?
Die moderne Matriarchatsforschung fördert das Wissen von nicht-patriarchalen und grundsätzlich egalitären gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Mustern. Die noch bestehenden Matriarchate funktionieren ohne Hierarchien, ohne kriegerische Auseinandersetzungen und besonders auch ohne Gewalt an Kindern und Frauen, die in patriarchalen Gesellschaften weit verbreitet ist. Meistens sind es nämlich die Frauen, an denen nicht nur Machtkämpfe ausgetragen werden, sondern die unter gewalttätigen und kriegerischen Auseinandersetzungen am meisten leiden.
Die Besinnung auf die Weisheit matriarchaler Kulturen der Welt, von denen einige bis heute in Frieden und ausgeglichenem Wohlstand existieren, führt zu einer Gesellschaft in Balance, die auf die Kraft und die Intelligenz von Gemeinschaften baut. Viele Menschen suchen heute nach Möglichkeiten, lebensfördernd zu wirken. Heide Göttner-Abendroths Entwurf einer matriarchalen Politik ist dafür ein wichtiger Wegweiser. Sie beschreibt in ihrem Werk die verschiedensten Ebenen des Matriarchates: politisch oder spirituell-kulturell. Die Studien Göttners verlangen nach verschiedenen sozialen oder religiösen Bewegungen. Die Friedensbewegungen, Frauenbewegungen, Bewegungen indigener Völker, die Bürgerbewegungen oder ähnlich. Auf dem Boden der modernen Matriarchatsforschung wächst das Ende der Utopie und verweist auf das, was sie aufhebt.