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Pferde leben in einem festen Sozialverband. Untereinander gibt es zwar keine strikt festgeschriebene Rangordnung, weil sich diese immer wieder verschiebt oder verändert, jedoch geht man davon aus, dass jedes Pferd in einem Gefüge eine bestimmte Aufgabe übernimmt. Es gibt in diesem sozialen Gefüge aber einige feste Regeln untereinander, z.B. ein rangniedrigeres Pferd rempelt ein ranghöheres Pferd nicht an oder tritt in seinen Raum und wenn doch wird das ranghöhere Pferd seinen persönlichen Raum wiederherstellen. Pferde sind als Fluchttiere immer auf ihre Sicherheit bedacht. Auch wenn man heute davon ausgeht, dass Rangordnungen artübergreifend nicht stattfinden, geben Pferde die Führung gerne ab, sofern sie jemanden (Pferd oder auch Mensch) als «kompetent» genug ansehen, über Gefahr und Sicherheit zu entscheiden. Mit anderen Worten: Sie überlassen uns in der Regel gerne die Position des Aufpassers, wenn wir ihnen vertrauenswürdig erscheinen. Können wir ihnen dieses Gefühl nicht geben, treffen sie ihre eigenen Entscheidungen darüber, was sie als sicher und was als gefährlich einstufen. Es geht dabei nicht darum, wer «der Chef» ist und wer nicht, sondern es geht darum, wer die Entscheidung über Flucht/Anspannung oder Entspannung trifft und die sozialen Interaktionen trifft.
Was bedeutet das für uns Menschen?
Wir müssen den Pferden unsere guten Führungsqualitäten beweisen. Sie dürfen lernen, dass ihnen in unserer Gegenwart nichts passiert. Der heutige Begriff «Horsemanship» ist häufig geprägt von Dominanztheorien und Unterordnung. Es geht jedoch nicht darum, ein Pferd zu dominieren, sondern ihm die nötige Sicherheit und Struktur zu geben, dass es uns vertrauen kann. Damit wird überhaupt erst eine Basis für Kommunikation und Dialoge geschaffen, auf welcher man alles weitere aufbauen kann.
Es bedeutet auch, dass wir Menschen lernen müssen, unsere Pferde besser zu lesen und ihre Sprache, Verhaltensweisen und Denkmuster zu verstehen. Ein Pferd kommuniziert über 80 % mittels seiner Mimik und Gestik. Häufig nehmen wir jedoch nur etwas wahr, wenn sich das Pferd bereits bewegt. Dies gilt es zu schulen und die Kommunikation des Pferdes bereits auf feinstofflicher Ebene wahrzunehmen.
Kurze Abhandlung zum Thema "Respekt"
Was bedeutet eigentlich Respekt?
Der Begriff Respekt (lateinisch respectus) bedeutet „Zurückschauen, Rücksicht, Berücksichtigung“, auch respecto „zurücksehen, berücksichtigen“. Unser Verständnis von Respekt ist aber oft noch sehr altertümlich behaftet und entstammt aus den Hierarchien des Mittelalters («Er zollt Dir keinen Respekt, deswegen muss er bestraft werden!»).
Mein Verständnis von Respekt ist kurz gesagt Rücksichtnahme. Aufeinander Rücksicht zu nehmen und den anderen in seinen Grundbedürfnissen nicht einzuschränken oder das Gegenüber zu etwas zu zwingen, was es ganz offensichtlich nicht will.
Wir Reiter müssen uns natürlich fragen, was bedeutet Respekt im Zusammenhang mit unseren Pferden? Kennen Pferde überhaupt «Respekt»? Pferde handeln nach ihren Instinkten aus dem Herdengefüge und reflektieren nicht, ob sie uns Menschen gegenüber jetzt eventuell «respektlos» sind, frei nach dem Motto: «Oh gestern habe ich aber ein tolles neues Halfter bekommen, jetzt wäre es aber respektlos, wenn ich heute keine Lust auf den Ausritt habe». Das heisst, wir Menschen müssen den Pferden auf eine faire Art und Weise beibringen, was wir von ihnen wollen. Dazu gehört, dass sie uns nicht anrempeln, beissen und treten dafür aber die Hufe brav heben sollen. Wir müssen eine Kommunikationsebene mit unserem Pferd finden, und zwar auf Basis unserer mentalen Stärken und mittels unserer Körpersprache. Es ist unsere Aufgabe, dem Pferd respektvoll gegenüberzutreten und nicht Dinge aus unserer menschlichen Welt als selbstverständlich vorauszusetzen, die ein Pferd aus seiner Natur heraus gar nicht begreifen KANN. Nur dann können wir auch vom Pferd erwarten, dass es auf uns Rücksicht nimmt und höflich ist. Respekt ist also ein gegenseitiges Wechselspiel und keinesfalls nur einseitig zu sehen.
Häufig wird der Fehler gemacht und Pferden menschliches Denken zugemutet. Dies setzt jedoch komplexe kognitive und empathische Fähigkeiten voraus, welche Pferde nach aktuellem Stand der Verhaltensforschung nicht oder nicht in diesem Umfang haben. Sie haben daher auch kein Bedürfnis, gemeinsame Ziele mit dem Menschen zu verfolgen oder ihre maximale Leistungsfähigkeit für ihn einzusetzen, da sie von Natur aus nicht aufgrund einer sozialen Verpflichtung gegenüber Artgenossen agieren und somit nicht aus Rücksicht auf den Menschen, dessen Zufriedenheit, Unversehrtheit oder gar dessen sportlichen Interessen. Das somit oft gemeinte «Mein Pferd tut alles für mich, weil es mich gern hat...» ist daher leider reines Wunschdenken. Pferde agieren aufgrund von Motivatoren, d.h. wenn sich ein bestimmtes Verhalten für sie lohnt (Bedürfnisbefriedigung). Dies bedeutet natürlich nicht, dass sie keine engen Freundschaften entwickeln oder Zuwendung zeigen können, ist aber als Aspekt für uns als Ausbilder unserer Pferde sehr entscheidend.
Respekt bedeutet, die Gefühle seines Partners zu beachten, sein eigenes Handeln kritisch zu hinterfragen und seine Emotionen zu kontrollieren.
Genusszeit
In unserer heutigen Zeit sind wir in der schönen Lage, dass wir Reiten DÜRFEN und nicht MÜSSEN wie beispielsweise unsere Vorfahren zu Kriegszeiten. Wir müssen lediglich die Zeit, welche wir mit unseren Pferden verbringen, schön gestalten. Wenn man sich aber in den Reithallen so umsieht, möchte man meinen, viele Leute würden zum Reiten gezwungen, so verbissen wie sie mit ihren Pferden die Runden drehen.
Ich möchte mein Hobby Pferd geniessen und wenn mir Reiten als solches keinen Spass macht, dann werde ich andere Dinge mit meinem Pferd unternehmen, welche uns beiden Freude machen.