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Anlässlich der glamourösen Gala im Dolby-Theater von Los Angeles richtete sich die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit insbesondere auf die Nominierten in den Top-Kategorien „Bester Film“, „Beste Regie“, „Bestes Drehbuch“ und beste Haupt- und Nebendarsteller*innen. Vergessen geht dabei oftmals die Kategorie „Bestes adaptiertes Drehbuch“. Zu dieser Kategorie zählen Filme, die auf einer literarischen Vorlage basieren. In den allermeisten Fällen handelt es sich um Roman-Vorlagen.
Top-Kategorien. Den Nominierten in den Top-Kategorien galt bei der 92. Verleihung des Oscars die Aufmerksamkeit. Als Anwärter für die Top-Kategorie „Bester Film“ galt vor der Verleihung das Weltkriegs-Epos „1917“. Doch es kam anders. Gewonnen hat die Sozialsatire „Parasite“ des südkoreanischen Regisseurs Bong Joon Ho. Es handelt sich dabei um einen Horror-Comedy-Hybrid. Inhaltlich präsentiert sich der Film als eine Mischung aus Familienkomödie und Thriller. „Parasite“ erhielt den Oscar für das Originaldrehbuch und räumte ab in den Kategorien „Bester Film“ und „Beste Regie“. Eine Kategorie, die insbesondere für alle Leser*innen und Literaten von Interessen ist, das ist die Kategorie „Bestes adaptiertes Drehbuch“.
Bestes adaptiertes Drehbuch. Diese Oscar-Kategorie umfasst Drehbücher, die auf literarischen Vorlagen basieren, meistens handelt es sich um Romanvorlagen. Gleich fünf Filme haben es auf die Shortlist in dieser Kategorie geschafft. Es handelt sich um „The Irishman“, „Joker“, „Little Women“, „Die zwei Päpste“ und „Jojo Rabbit“. Letzterer Film hat den Oscar in der Kategorie „Bestes adaptiertes Drehbuch“ abgeräumt.
Jojo Rabbit ist der Oscar-Gewinner in der Kategorie „Bestes adaptiertes Drehbuch“. Der Film basiert auf dem Roman Caging Skies, der im Jahr 2004 von der neuseeländisch-belgischen Schriftstellerin Christine Leunens veröffentlicht wurde. Die Romanstory spielt zur Zeit des Anschlusses Österreichs an das Deutsche Reich. Ein euphorischer und fanatischer Hitlerjunge ist schockiert, als er herausfindet, dass seine Eltern eine junge Jüdin in ihrem Haus vor Hitlers Geheimpolizei verstecken. Die anfängliche Ablehnung des Hitlerjungen gegenüber der jungen Jüdin verschwindet allmählich. Der Hitlerjunge entwickelt Interesse für das jüdische Mädchen. Sein Interesse für die im Versteck lebende Jüdin steigert sich bis hin zu Liebe und Besessenheit. Plötzlich fühlt sich der Hitlerjunge verantwortlich für das Leben der jungen Jüdin.
Die zwei Päpste war ebenfalls nominiert in der Kategorie „Bestes adaptiertes Drehbuch“. Der Film von Fernando Meirelles basiert auf dem Buch „Die zwei Päpste: Franziskus und Benedikt und die Entscheidung, die alles veränderte“ von Anthony McCarten. Die Handlung des Films befasst sich mit dem überraschenden Rücktritt von Papst Benedikt XVI. im Jahr 2013 und der darauffolgenden Wahl von Papst Franziskus, dem ersten Papst aus Lateinamerika. Beim Konklave wurde vorerst Jorge Mario Kardinal Bergoglio, Erzbischof von Buenos Aires, als Favorit und Kandidat für das Papstamt in den Vatikan berufen. Doch Bergoglio mochte lieber nicht Papst werden, denn er misstraute dem angekündigten Reformwillen der katholischen Kirche. Lieber hätte er wieder als einfacher Gemeindepriester arbeiten wollen. So kam es, dass der konservative Joseph Kardinal Ratzinger schliesslich als Papst Benedikt XVI. aus dem Konklave hervorgehen konnte.
Little Women basiert auf dem Roman „Little Women“ der US-amerikanischen Schriftstellerin Louisa May Alcott. Der Roman wurde in England in den Jahren 1868 und 1869 in zwei Teilen veröffentlicht. Der Roman lässt sich in das Genre der Kinder- und Jugendliteratur einordnen. Als Protagonisten begegnen wir im Roman-Zweiteiler den Schwestern Jo, Meg, Betty und Amy. Ob es sich dabei bereits um einen Vorläufer der feministischen Romane handelt, darüber lässt sich trefflich streiten. Immerhin versuchen die vier Frauen ihr Leben nach dem amerikanischen Bürgerkrieg ganz ohne patriarchale Leitung zu meistern. Die vier jungen Frauen geben sich zumindest sehr selbstbewusst und erleben eine abenteuerliche Zeit, was für die damalige Zeit aussergewöhnlich war.
The Irishman (englisch für „Der Ire“) ist ein US-amerikanischer Thriller von Martin Scorsese über den Mafia-Mörder Frank, der unter dem Decknamen „The Irishman“ Sheeran für die amerikanische Mafia-Organisation Cosa Nostra arbeitete. Als Auftragsmörder war er beteiligt am Verschwinden eines Gewerkschaftsführers. Der Kriminal-Thriller geht auf eine literarische Vorlage zurück. Es handelt sich dabei um den sogenannten True Crime Report „I Heard You Paint Houses“ von Charles Brandt. Kurz zur Handlung: Der irischstämmige Kriegsveteran Frank Sheeran arbeitet als Lastwagenfahrer und bessert sein Gehalt auf, indem er illegal einen Teil seiner Ladung an die Mafia verkauft. Er kommt vor Gericht, doch wird er dank seines cleveren Anwalts freigesprochen. Doch dann spielt auch der Anwalt seine Kontakte zum Oberhaupt einer Mafiafamilie aus…
Verfilmungen von Literatur, insbesondere von Romanvorlagen, garantieren ein tiefgründiges Filmvergnügen, das aber immer auch die Frage nach sich zieht: Was ist nun besser, der Film oder der Roman? Diese Frage ist letztlich kaum zu beantworten. Während routinierte Leser*innen den Film lediglich als einen Türöffner zum Lesen des Romans verstanden wissen wollen, rühmen andere das Ganzheitliche des Films mit Musik, mit Schauspiel und mit kurzweiligem Spannungsaufbau. Routinierte Leser*innen allerdings entziehen sich den Filmbildern, weil diese nur allzu leicht den Tod bedeuten für die Bilder, die beim Lesen in der eigenen Phantasie entstehen.
Text und Foto: Kurt Schnidrig