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Coriolan-Ouvertüre
Jeden Freitag gibts Beethoven: Zu seinem 250. Geburtstag blicken wir wöchentlich auf eines seiner Werke. Heute auf die Coriolan-Ouvertüre c-Moll.
Dem Topos vom unwirsch aufbrausenden Beethoven scheint der mächtig dreinfahrende Beginn der Ouvertüre zu Coriolan op. 62 mustergültig zu entsprechen. Allerdings handelt es sich bei dieser Komposition nicht um eine Studie des eigenen Charakters, sondern um ein Werk, das die Dramatik und Tragik des gleichnamigen Trauerspiels von Heinrich Joseph von Collin (1772–1811) widerspiegelt: Der römische Feldherr Coriolan, einst umjubelt und geehrt, fällt bei einem politischen Machtwechsel in Ungnade und wird verbannt. In seinem Stolz verletzt, führt er im Bund mit den einstigen Feinden ein Heer gegen seine Heimatstadt. Vor den Toren angelangt, wird der Abtrünnige von Mutter und Gattin um Schonung der Stadt gebeten, um Umkehr. Ausweglos gefangen im Konflikt zwischen Vaterlandsliebe und Hochmut stürzt sich der gescheiterte Held ins eigene Schwert. Eine archetypische, zeitlose Handlung.
Um sie wirklich als Eröffnung des Schauspiels zu verwenden, entstand die Ouvertüre Anfang 1807 allerdings zu spät: Bei der Premiere am 24. November 1802 behalf man sich mit einer Zwischenaktmusik, die Abbé Stadler aus Mozarts Idomeneo arrangiert hatte. Abgesetzt wurde das erfolgreiche Drama am 3. März 1805. Somit handelt es sich bei Beethovens Coriolan-Ouvertüre von Anfang an um eine (wenn nicht gar die erste) «Konzertouvertüre» – eine Ouvertüre, die zwar auf einen dem Publikum vertrauten literarisch-dramatischen Vorwurf zurückgeht, jedoch vom Theater vollkommen abgelöst im Konzertsaal erklingt. Wenn eine solche Partitur dann auch selbständig bestehen kann, ohne dass die Zuhörer die zugrunde liegende Thematik kennen, dann liegt das in ihrer musikalischen Qualität begründet, in der Art und Weise wie sinfonische Formen und Proportionen verwendet werden. Das Werk wirkt nurmehr «charakteristisch» im Sinne seines Affektgehalts.
Aufgeführt wurde Beethovens Opus 62 erstmals in einem der Privatkonzerte beim Fürsten Lobkowitz, der auch führendes Mitglied der Wiener Theater-Unternehmungs-Gesellschaft war. Es ist naheliegend, dass auf diesem Wege Collins Trauerspiel noch einmal und für eine einzige Vorstellung auf die Bühne gelangte – am 24. April 1807, nun mit Beethovens Ouvertüre.
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