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Gertrud Pinkus wurde Filmemacherin, als Frauen in der Schweiz noch die Erlaubnis ihres Mannes einholen mussten, um überhaupt arbeiten zu dürfen. Pinkus ging ins Ausland, um ihre Karriere verfolgen zu können. Erinnerungen einer Vorreiterin, für die in Frankfurt alles anfing.
Gertrud Pinkus
Schweizer Film- und Theaterregisseurin
An den letzten Solothurner Filmtagen war ihr Film «Il valore della donna è il suo silenzio» (1980) zu sehen, in dem sie Gastarbeiterfrauen in Frankfurt porträtierte. Für den Film gewann sie unzählige Preise, etwa den deutschen Filmpreis und den Zürcher Filmpreis.
Bekannt ist sie auch für «Anna Göldin – Letzte Hexe» (1991)
SRF: Gertrud Pinkus sehen Sie sich selbst als Pionierin?
Gertrud Pinkus: Ja, sicher. Ende der 1960er-Jahre hatte der junge Schweizer Film gerade begonnen, die Solothurner Filmtage waren 1966 gestartet und alles war in Bewegung – und ich war Teil davon.
Nach meinem Bühnenbildstudium in München kam ich 1968 zurück nach Zürich. Und da habe ich einigen jungen Schweizer Regisseuren mitgeholfen, ihre Projekte zu realisieren.
Zeitzeuginnen erzählen
50 Jahre Frauenstimmrecht: Eine Bäuerin erzählt von ihrer Schwiegermutter, einer Gegnerin des Frauenstimmrechts. Ein Mädchen nervt den Vater mit der Frage, warum Frauen nicht zur Urne dürfen. Eine Lokaljournalistin erzählt wie schwierig es war, sich Gehör zu verschaffen im katholisch-konservativen Luzerner Hinterland. Gemäss der Devise «Das Private ist politisch» erinnern sich drei Frauen an die Zeit um 1971.
Und da haben Sie beschlossen, auch selbst Filmemacherin zu werden?
So einfach war das nicht. Die Männer liessen sich zwar gerne von den Frauen helfen. Aber wenn ich irgendwann von einer eigenen Filmidee, einem eigenen Projekt sprach, kam das überhaupt nicht an. Da hörte einfach keiner zu.
Warum nicht?
Das lag am gesellschaftlichen und politischen Umfeld. Politische Rechte bekam die Frau erst 1971, das Ehegesetz war veraltet. Die Frau war das Anhängsel des Mannes. Sie konnte nicht arbeiten gehen, wenn er nicht einverstanden war.
Sie konnte nicht mehr als 2000 Franken ausgeben ohne seine Unterschrift. Sie musste zweimal wöchentlich für Sex da sein – für den Sex des Mannes und nicht wirklich für die eigene Lust.
Die Jobs wurden übers Militär oder über die Partei vergeben. Da waren die Frauen einfach nicht dabei. Das heisst, es war keine Frau in der Filmförderung oder sonst in einer kulturellen Institution in einer wichtigen Position. Wir Frauen existierten öffentlich gar nicht.
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Ich ging nach Frankfurt. Dort arbeitete ich in einem Kollektiv mit und lernte nicht nur Regie, sondern auch die ganze Technik. Kamera, Ton – jede Sparte des Filmemachens habe ich dort gelernt. Das wollte ich unbedingt.
Es gibt ja nicht nur weibliche Themen. Es gibt auch eine Bildsprache, die männlich oder weiblich ist. Es gibt eine Auffassung des Filmes, die männlich oder weiblich ist. Bis dahin herrschte im Kino nur der männliche Blick.
In allen Filmen war die Hauptrolle ein Mann, irgendwo waren noch ein paar schöne Frauen oder gutmütige Grossmütter, die auch wiederum dieser männlicher Figur zuarbeiteten.
Sie haben das in den 1970er-Jahren mit ihren Filmen radikal umgedreht und Frauenthemen aufgenommen. Gibt es heute immer noch Stoffe, die im Film zu wenig stattfinden?
Eigentlich sind alle Geschichten schon erzählt. Es ist aber immer noch wichtig, aus welcher Perspektive wir sie erzählen.
Wichtig ist auch, dass wir die Blicke auch immer wieder ändern. Und dass wir Frauen selbstkritisch sind. Dass wir uns immer wieder selbst hinterfragen.
Das Gespräch führte Brigitte Häring.