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Das Konzept von «Music & Dance» ist so simpel wie erhellend: Tanz und Musik stehen sich auf Augenhöhe gegenüber, ohne sich zu umarmen. Es gibt keine Kollaboration zwischen beiden Künstlern. Aus dem Nebeneinander einer Tanz- und Musikperformance schälen sich die Gemeinsamkeiten heraus: Die physische Verausgabung, die rhythmische Taktung, der geschlossene Spannungsbogen. Walk On The Wild Side Das Licht geht aus. Es wird stockdunkel und mucksmäuschenstill im Saal. Ein Trommelwirbel bricht die Stille. Der Wirbel wird lauter. Wer zum Teufel trommelt hier im Takt eines Presslufthammers? Das Licht geht an. Eine Gestalt torkelt ungelenk in der Mitte des Saals umher. Er trägt einen zotteligen, weissen Faserpelz, das Gesicht unter einer Kapuze versteckt. An seinem Bein raschelt eine Glocke. «Say Hi to the Deer, say Hi to the Rabbit», ruft er in den Saal. Ist das ein Schamane oder ein Medizinmann? Er zieht seinen Kapuzenpulli und seine schwarzweiss gestreiften Leggins aus. Oder doch eher ein Hippie? Nein, es ist Gregory Stauffer mit seiner Tanzperformance «Walking».
Wie ein Duracell-Hase marschiert er der quadratischen Bodenfolie entlang, die fast den ganzen Saal umspannt. Er variiert seine Schritte unentwegt; läuft einmal zick-zack, unterbricht den Lauf-Rhythmus mit Zwischenschritten. Und sucht immer wieder Augenkontakt mit dem Publikum. Seine Schritte werden schneller. Die körperliche Anstrengung ist seinem hochroten Kopf mittlerweile anzusehen. Völlig verausgabt stampft er laut wie ein Sumo-Ringer mit beiden Beinen auf den Boden. Sein Martyrium scheint ein Ende zu nehmen. Stauffer entledigt sich seiner Unterhose und steht verausgabt und nackt in der Mitte des Raumes. Und nimmt nochmals einen Anlauf und lotet das Schamgefühl der Besucher aus, bevor er dann hinter dem Vorhang entschwindet. Doch das ist noch nicht das Ende. Mit einem Batik-Umhang betritt er nochmals den Saal. Auf einer Blockflöte, die er mit der Nase spielt, gibt er eine Art Maya-Priester zum Besten. Nach der anstrengenden Darbietung zaubert Stauffer den Besuchern noch ein Lächeln auf die Gesichter. Verstehen sie mich nicht falsch. Nicht die Performance an sich war anstrengend, sondern das Gefühl, das sich währenddessen einstellte. Der Besucher, als Beobachter, schaut Stauffer zwar nur zu, doch im Geiste überträgt sich seine manisch-physische Tour de Force auf die eigene Wahrnehmung. No Escape Sein musikalisches Talent hat Rolf Laureijs als charismatischer Kopf der Luzerner Band Wavering Hands und als Mitmusiker von Dans La Tente schon mehrmals bewiesen. In seinem ersten Solokonzert zeigt sich, das er auch ein charismatischer Performer ist. Sein Set hat er speziell für diesen Auftritt erarbeitet. Ein Konzert in einem Theaterraum anstatt in einem Club zu spielen ist anspruchsvoll. Doch verfügt er über die performative Ausstrahlung, seiner Musik physische Präsenz zu vermitteln. Sehen sie selbst: