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Schmirgel
oder Smirgel (lat. lapis smiridis, frz. émeri oder corindon granulaire, engl. emery). Ein äußerst wichtiges und massenhaft gebrauchtes Mittel zum Schleifen und Polieren von Metallen, Steinen und Glas. Er ist seiner Art nach ein Korund, ein Mineral, das aus reiner Thonerde besteht, und hiernach dasselbe wie Rubin und Saphir, nur ohne deren Farbenpracht, denn er ist derb, undurchsichtig, in der Farbe meist dunkel bläulichgrau oder von verwandten Nüancen. Als eingemengten Bestandteil führt er in der Regel Magneteisen.
Das Mineral tritt in kompakten Massen auf und muß zum Gebrauch erst gestoßen und geschlämmt werden; es besitzt in seinen kleinsten Teilen eine solche Härte, daß es das wirksamste Schleifpulver nach dem Diamantstaub gibt, ist aber nicht an allen Orten seines Vorkommens gleich gut; es sind daher die Fundorte im sächsischen Erzgebirge und dem benachbarten Böhmen, die übrigens auch wohl erschöpft sind, in Spanien, Persien, England, Schweden etc. von geringer Bedeutung.
Die Bezugsquelle der besten und gesuchtesten Ware ist vielmehr nur eine einzige, die griechische Insel Naxia, mit ihrem alten Namen Naxos. Dort findet sich der Stoff nicht nur in bester Güte, sondern auch noch immer in ungeheuren Massen, trotz einer bereits sehr lang dauernden Ausbeutung, die jährlich etwa 50000 Ztr. entführt. Der dortige S. ist von gleichmäßig dunkelgrauer Farbe, sein Korn von besonderer Härte und Feinheit. Der Preis dafür ist hoch und in letzter Zeit noch erhöht worden, da die griechische Regierung die Brüche an eine englisch-französische Gesellschaft verpachtet hat und diese sogleich mit den Preisen aufgeschlagen ist.
Dies hat die Aufmerksamkeit wieder mehr auf den kleinasiatischen, sog. türkischen S., gelenkt, dessen Vorhandensein längst auch bekannt war, da ja der Name selbst von dem Namen der Stadt Smyrna herkommen soll; nur war die Qualität dieser Ware nicht genügend. Es sind indes in den letzten Jahren und noch bis in die jüngste Zeit bei besserm Nachsuchen Lager gefunden worden, welche geeignet sind, mit denen von Naxos wenigstens für gewisse Zwecke zu konkurrieren, namentlich zum Stahlpolieren, während Spiegelfabrikanten und Edelsteinschleifer, wie es scheint, auf Naxos angewiesen bleiben.
Die Ausfuhr aus Kleinasien hat sich demnach in letzter Zeit bedeutend gehoben, um so mehr, als die Preise der dortigen Ware im Verhältnis niedrig sind. England mit seiner gewaltigen Stahlindustrie bezieht schon großartige Mengen; die Ausfuhr geht aber auch nach Holland, Deutschland, Frankreich und den Vereinigten Staaten. Das an Naturprodukten so reiche Amerika hat doch keinen S. Das Material geht von Smyrna, wie auch von Naxos im unzerkleinerten Zustande fort und wird erst in den Verbrauchsländern durch Stampfen, Mahlen und Schlemmen gebrauchfähig gemacht.
Es werden eine Reihe von Sorten hergestellt, gröbere zum Rauhschleifen und feine zum Polieren, und entweder durch Nummern oder die Zeitangabe des Schlemmens unterschieden. Wenn die gepulverte Masse in viel Wasser aufgerührt wird, so setzt sich natürlich das Gröbere zuerst und in der Folge immer Feineres ab. Je länger daher gewartet wird, ehe man die noch trübe Flüssigkeit abzieht, um so feiner wird der Stoff, der sich noch aus ihr absetzt. Hiernach hat man Sorten von 3, 5, 10 Minuten etc. Im gewöhnlichen Verkauf kommt die Ware nur einfach pulverisiert und in Körnern vor im Preise von 27, 30 bis 39 Mk. pro Ztr. Die Körner haben die Größen des feinen bis groben Schießpulvers.
Außer in Pulverform, meistens mit
Öl gemischt, wird der S. auch noch angewandt auf
Papier oder Zeug befestigt (
Schmirgelpapier
und S.-Leinwand), um
Messing,
Argentan u. dgl. zu schleifen und Rostflecke
von Stahlwaren zu vertilgen, ferner mit Schellack eingeschmolzen und in Formen gegossen zu künstlichen Schleifsteinen, Scheiben
und Feilen. - Zoll: S., Schleifsteine, Scheiben und Feilen daraus, ebenso
Schmirgeltuch sind zollfrei. (Vgl. Schleifsteine.)
Schmirgelpapier s. Tarif Nr. 27 b.