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Grundzüge von Sustainable Finance
Die Schweiz hat sich zum Ziel gesetzt, mittels gezielter Massnahmen die Klimaerwärmung zu entschleunigen. Bei der Verfolgung dieses Ziels sind nebst den Massnahmen in der Realwirtschaft auch Finanzflüsse und Finanzierungsoptionen von zentraler Bedeutung. Durch die Intervention der Gesetzgebung soll ein Finanzplatz entstehen, der eine nachhaltige Realwirtschaft fördert.
Der Begriff Sustainable Finance oder auch nachhaltiger Finanzplatz bezeichnet den Einbezug von Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsaspekten (ESG-Aspekte) bei den Entscheidungen und Dienstleistungen von Finanzmarktakteuren. Das bedeutet, dass die Finanzmarktakteure die ESG-Aspekte in den Prozessen, Standards und Normen sowie bei Produkten und Investitionsentscheiden berücksichtigen. Diese Berücksichtigung soll zu langfristigeren Investitionen in nachhaltige, wirtschaftliche Aktivitäten und Projekte führen.
Selbstregulierungen im Bereich Sustainable Finance
Im Jahr 2022 haben die beiden Verbände Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) und Asset Management Association Switzerland (AMAS) Selbstregulierungen im Bereich Sustainable Finance erlassen. Diese wurden als «freie Selbstregulierung» ausgestaltet. Freie Selbstregulierung wird ohne Mitwirkung des Staates erlassen. Das bedeutet, dass sie weder aufgrund eines Gesetzes oder einer Verordnung besteht noch, dass sie als Mindeststandard anerkannt wurde. Entsprechend fällt ihre Umsetzung auch nicht in den Aufsichtsbereich der FINMA oder der Aufsichtsorganisationen. Die Mitglieder der Verbände, welche die Selbstregulierung erlassen (im vorliegenden Fall sind das die Mitgliedsinstitute der SBVg und die Mitgliedsinstitute der AMAS), sind dazu verpflichtet, die freie Selbstregulierung umzusetzen.
Richtlinien der SBVg
Die SBVg informierte im Juni 2022 über zwei neue Richtlinien im Bereich Sustainable Finance. Beide Richtlinien sind am 1. Januar 2023 in Kraft getreten, mit Übergangsfristen bis 1. Januar 2024 resp. 1. Januar 2025.
- Die «Richtlinien für Anbieter von Hypotheken zur Förderung der Energieeffizienz» haben zum Ziel, die Hypothekarkundschaft auf die Energieeffizienz ihrer Immobilie aufmerksam zu machen und sie bei der Erhöhung der Energieeffizienz der Immobilie zu unterstützen. Dafür werden die Finanzinstitute verpflichtet, die Energieeffizienz in den Beratungsgesprächen zu Hypothekarfinanzierungen zu thematisieren. Weiter können die Finanzinstitute spezifische Angebote mit Sonderkonditionen für Immobilien mit nachhaltigen Eigenschaften ausgestalten.
- Die «Richtlinien für die Finanzdienstleister zum Einbezug von ESG-Präferenzen und ESG-Risiken bei der Anlageberatung und Vermögensverwaltung» verfolgen das Ziel, die ESG-Präferenzen der Kundschaft bei der Dienstleistungserbringung, bei Investitionsentscheiden sowie allfällige ESG-Risiken zu berücksichtigen. Hinsichtlich ESG-Themen soll auch bei der umfassenden Anlageberatung und der Vermögensverwaltung mehr Transparenz geschaffen werden, um dadurch Greenwashing zu verhindern.
Selbstregulierung der AMAS
Die AMAS veröffentlichte im September 2022 die «Selbstregulierung zu Transparenz und Offenlegung bei Kollektivvermögen mit Nachhaltigkeitsbezug». Die Selbstregulierung ist am 30. September 2023 mit einer Übergangsfrist bis zum 30. September 2024 in Kraft getreten. Sie soll die Rolle der schweizerischen Asset Manager im Bereich Sustainable Finance stärken und Rahmenbedingungen für die Erstellung sowie Verwaltung von nachhaltigen Kollektivvermögen schaffen. Weiter soll die Selbstregulierung zur Transparenz hinsichtlich der Nachhaltigkeit bei Kollektivvermögen mit Nachhaltigkeitsbezug beitragen.
Regulierungsarbeiten im Finanzsektor
Um Greenwashing zu vermeiden, veröffentlichte der Bundesrat im Dezember 2022 den «Standpunkt des Bundesrates bezüglich Greenwashing-Prävention im Finanzsektor». Darin erkennt der Bundesrat die Hauptrisiken im Zusammenhang mit Greenwashing und betont die Wichtigkeit eines einheitlichen Verständnisses, welche Produkte und Dienstleistungen des Finanzsektors als nachhaltig bezeichnet werden können:
Finanzprodukte oder Finanzdienstleistungen, die als nachhaltig dargestellt werden, sollen zusätzlich zu den finanziellen Zielen mindestens eines der folgenden Anlageziele verfolgen:
- Verträglichkeit mit einem oder mehreren spezifischen Nachhaltigkeitszielen, oder
- Beitrag zur Umsetzung eines oder mehrerer spezifischer Nachhaltigkeitsziele.
In diesem Zusammenhang wurde das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) beauftragt, eine Arbeitsgruppe aufzustellen, um die optimale Umsetzung des Standpunktes des Bundesrates festzulegen. Im Oktober 2023 informierten der Bundesrat und das Staatssekretariat für internationale Finanzfragen (SIF) darüber, dass eine Vorlage für eine prinzipienbasierte staatliche Regulierung auf Verordnungsstufe erlassen werden soll. Die staatliche Regulierung könnte durch Selbstregulierungen der Branchen ergänzt werden. Das EFD wird dem Bundesrat bis spätestens Ende August 2024 eine Vernehmlassungsvorlage vorlegen.
Sollten die Branchenverbände jedoch eine Selbstregulierung präsentieren, die eine effektive Umsetzung des Standpunktes des Bundesrates beinhaltet, wird das EFD auf weitere Regulierungsarbeiten verzichten. Die SBVg und die AMAS begrüssen das Vorgehen des Bundesrates bezüglich Greenwashing und werden der Aufforderung des Bundesrates, die Selbstregulierung weiterzuentwickeln, nachkommen. Insofern sind weitere Entwicklungen auf diesem Gebiet zu erwarten.
Anforderungen an die Aus- und Weiterbildung im Bereich Sustainable Finance
Die Selbstregulierung der SBVg verpflichtet die Mitgliedsinstitute zur Aus- und Weiterbildung im Bereich Sustainable Finance. In Bezug auf die «Richtlinien für die Finanzdienstleister zum Einbezug von ESG-Präferenzen und ESG-Risiken bei der Anlageberatung und Vermögensverwaltung» sind insbesondere die Kundenberaterinnen und Kundenberater in folgenden Punkten zu schulen:
- Grundlagen im Bereich ESG, inklusive verschiedene ESG-Risiken;
- Überblick über internationale Grundlagen und Regulierungen;
- Kenntnisse über die vom Finanzdienstleister in der Anlageberatung und Vermögensverwaltung angewandten ESG-Ansätze;
- Konkrete Kenntnisse und Verständnis darüber, wie die angebotenen ESG-Anlagelösungen die ESG-Präferenzen der Kundinnen und Kunden erfüllen;
- Kenntnisse darüber, wie bestehende Anlagelösungen in ESG-Anlagelösungen überführt werden können;
- Grundlegendes Verständnis von Greenwashing und dessen Vermeidung.
Die «Richtlinien für Anbieter von Hypotheken zur Förderung von Energieeffizienz» verlangen ebenfalls Aus- und Weiterbildungen für die Kundenberaterinnen und Kundenberater sowie Hypothekarspezialistinnen und Hypothekarspezialisten. Dabei sehen die Richtlinien folgenden zwingenden Schulungsinhalt vor:
- Vorgehen zum langfristigen Werterhalt von Immobilien;
- Verbesserung der Energieeffizienz von Immobilien;
- Finanzierung der entsprechenden Massnahmen.
Die Selbstregulierung der AMAS schreibt vor, dass die Mitarbeitenden über die für ihre Tätigkeit notwendigen Kenntnisse im Nachhaltigkeitsbereich verfügen müssen. Wie diese Kenntnisse erworben werden, bleibt den Instituten überlassen.
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