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Kann Covid-19 auch nach zweiwöchiger Quarantäne ausbrechen?
rre
16.3.2020 - 14:34
Die Quarantänephase soll zuverlässig zeigen, ob man sich mit Sars-CoV-2 angesteckt hat oder nicht. Eine wissenschaftliche Publikation lässt Zweifel daran zu, ob diese Frist ausreicht.
Die Quarantäne soll Gewissheit bringen. Klarheit darüber, ob man sich mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert hat und dadurch andere mit dem Virus anstecken kann.
Um Infizierte von Gesunden unterscheiden zu können und dadurch die Ausbreitung des Erregers in der Bevölkerung einzudämmen, empfehlen viele Länder eine 14-tägige Quarantäne oder ordnen diese sogar an. In dieser Zeit sollte kein Kontakt zu anderen Personen bestehen.
Ob man mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert wurde und sich daraus eine Covid-19-Erkrankung entwickelt, zeigt sich bei den meisten spätestens nach zwölf Tagen aufgrund erster Krankheitssymptome wie etwa Halsschmerzen, trockener Husten, Fieber, Abgeschlagenheit oder Gliederschmerzen.
Erste Symptome nach fünf Tagen
Dabei können ein Symptom oder mehrere der erwähnten Symptome auftreten.
Eine neue Publikation aus dem Fachjournal «Annals of Internal Medicine» beschreibt, dass sich bei 101 von 10'000 Personen eines oder mehrerer der erwähnten Symptome erst nach Ablauf der zweiwöchigen Quarantänefrist bemerkbar machten.
Der Bericht stützt sich auf 181 Fälle von Covid-19, die ausserhalb der chinesischen Stadt Wuhan, in der die Krankheit zuerst ausbrach, beobachtet wurden. Die durchschnittliche Zeit von der Ansteckung bis zum Auftreten erster Symptome lag bei den Betroffenen bei 5,1 Tagen. Das ist vergleichbar mit früheren Daten, die man schon von anderen Ausbrüchen, wie etwa der Sars-Pandemie 2002/2003, kannte.
Auch dort lag die Inkubationsphase im Schnitt bei fünf Tagen, wie der Autor des Berichts, der US-amerikanische Forscher Stephen A. Lauer und seine Kollegen in der Publikation festhalten. Die Wissenschaftler berichten, dass bei 97,5 Prozent der Erkrankten die ersten Symptome innerhalb von 11,5 Tagen auftraten.
Zurück in Quarantäne
Auch wenn nach einer zweiwöchigen Quarantäne eine gewisse Wahrscheinlichkeit besteht, dass eine Person doch infiziert sein könnte, schätzt Dr. Aaron Eli Glatt von der medizinischen Fakultät des Mount Sinai South Nassau-Spitals in Oceanside, New York, das Risiko als relativ gering ein: «Entwickelt man erst nach dieser Zeit Symptome, rate ich dazu, sich wieder zurück in Quarantäne zu begeben und telefonisch einen Arzt zu kontaktieren.»
Dieser Meinung ist auch eine Kollegin Glatts. «Unsere Schätzung der Inkubationszeit unterstützt definitiv die 14-tägige Empfehlung, die die CDC (amerikanische Zentren für Seuchenkontrolle) empfiehlt», zitiert das US-Portal «Webmd» die Co-Autorin der Studie, Kyra H. Grantz. Grantz betont, dass die Zahl der 101 von 10'000 Fällen, die nach der 14-tägigen Quarantänefrist Symptome zeigten, das «Extrembeispiel eines Worst-Case-Szenarios» in einer Population voraussetzt, die vollständig infiziert ist.
Die Einschätzungen der Wissenschaftler stützen sich bei ihrer Arbeit derzeit auf wenige, verfügbare Daten, die hauptsächlich aus China stammen.