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von Aline von Raszewski
Schloss Frauenfeld hat eine bewegte Nutzungsgeschichte hinter sich und beherbergt heute das Historische Museum Thurgau. Nachdem es im Mittelalter bis zum Ende der Alten Eidgenossenschaft als Landvogteisitz gedient hatte, fiel es 1803 an den neu gegründeten Kanton Thurgau, der hier aus ökonomischen Gründen seine junge Verwaltung unterbrachte. 1867 sollte es abgerissen werden. Der Kauf des Schlosses durch die Thurgauische Hypothekenbank und der damit sichere Abbruch waren fast schon besiegelt, als Oberrichter Johann Jakob Bachmann die Hypothekenbank überbot und den Bau für sich beanspruchte. Sein Sohn Jakob Huldreich nutzte Schloss Frauenfeld als repräsentativen Familiensitz, daneben besass er ein grosses Anwesen in Stettfurt und eine Stadtwohnung in Zürich. Der ambitionierte Richter hatte weitreichende Pläne für das Schloss und konzipierte es als Mittelpunkt eines der Kantonshauptstadt würdigen Parks. Der Bau des Postgebäudes 1896 machte Bachmann einen Strich durch die Rechnung, woraufhin die Familie Frauenfeld verliess und im Schloss Mietwohnungen einrichtete. Letzter Spross der Familie und damit alleinige Erbin von Schloss Frauenfeld war Marie Elise Bachmann. Die kulturaffine Bildungsbürgerin hatte selbst keine Nachkommen und vermachte den Bau zusammen mit der umfangreichen historischen Sammlung der Familie 1948 auf ihr Ableben hin dem Kanton Thurgau, damit dieser darin ein Museum einrichte. 1960 wurde das Historische Museum Thurgau feierlich eröffnet. Über die Donatorin selbst ist in den Thurgauer Geschichtsbüchern nichts zu finden, da sie als Frau keinen Platz in der traditionell männlich dominierten Geschichtsschreibung hatte. Heute ergibt sich ein differenzierteres Bild von Marie Bachmann, einer Thurgauerin, welche leidenschaftliches Interesse für kunsthistorische Artefakte und Innenarchitektur hegte, in evangelischen Kreisen verkehrte und eine soziale Ader hatte.
, Aline : Marie Bachmanns Vermächtnis: Schloss Frauenfeld und das Historische Museum Thurgau
Mittelalter – Moyen Age – Medioevo – Temp medieval, Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 25. Jahrgang 2020, Heft 2, 32 - 43.