Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03209.jsonl.gz/469

So klein wie die Schweiz auf einer Landkarte mit ihren etwa acht Millionen Einwohnern wirken mag, so gross ist die sprachliche Vielfalt des Landes, denn es gibt vier verschiedene Sprachregionen und damit auch vier Amtssprachen. 17 der insgesamt 26 Kantone nutzen Deutsch als Amtssprache, in drei Kantonen sind Deutsch und Französisch gleichermassen Amtssprache und in Graubünden wurden Italienisch, Deutsch und Rätoromanisch als Amtssprachen anerkannt. Durch die unterschiedlichen Sprachen ergibt sich eine bunte Vielfalt an Dialekten, die allerdings ungleich verteilt ist und nicht alle Dialekte werden heute noch wie vor hundert Jahren im Alltag gesprochen.
Die Schweizer nutzen ihre Sprachen gezielt
Geht man von der deutschsprachigen Schweiz aus, wird das Verhältnis von Hochdeutsch und Schweizerdeutsch im Alltag direkt deutlich. Während das Hochdeutsche für alle offiziellen Schreiben und in der Schule genutzt wird, bleiben schweizerdeutsche Dialekte und Mundarten für den privaten Alltag vorherrschend.
In den französischen Teilen der Schweiz spricht man Welsch, also Schweizer Französisch und eine Verständigung mit den benachbarten Franzosen gestaltet sich einfach, denn ausgeprägte Dialekte existieren nicht. Etwa eine halbe Million Schweizer sprechen Schweizer Italienisch und hier entstehen durch Dialekte durchaus kleinere Verständigungsprobleme mit den Nachbarn aus Italien. Irritierte Blicke entstehen vor allem durch Begriffe, die in der Schweiz eine völlig andere Bedeutung haben als in Italien. Die einfache Vokabel "una svizzera" bezeichnet im Schweizer Französisch eine Schweizerin, während man in Italien damit einen Burger (Hamburger) meint.
Das "eine" Schweizerdeutsch existiert nicht
Der Begriff Schweizerdeutsch wird fälschlicherweise gern als der deutschsprachige Dialekt verstanden, der in der gesamten Schweiz gesprochen wird. Er beschreibt aber eine Sammlung verschiedener alemannischer Dialekte und Mundarten.
Neben Berndeutsch, Senslerdeutsch, Bündnerdeutsch und Urnerdeutsch gehören auch Baseldeutsch, Zürichdeutsch, Solothurnerdeutsch und Walliserdeutsch in die Gruppe der schweizerdeutschen Dialekte. Teilweise unterscheiden sich die einzelnen Dialekte sehr stark voneinander und doch gibt es nur wenige Merkmale, die ausschliesslich in einer Region vorkommen. Typisch für den Dialekt in der Region Bern ist beispielsweise "abläschele" (ein Schnäppchen machen), doch der Begriff ist auch in anderen Regionen alltäglich. Um sich zu entschuldigen sagt man in Bern eher "nüt für Unguet", während der Berner ein knappes "äxgüsi" nutzt, um sein Bedauern auszudrücken. Während in der Deutschschweiz viele Dialekte gesprochen werden und auch die regionale Mundart noch in vielen Dörfern lebendig ist, sind in den französischsprachigen Teilen der Schweiz die Dialekte nicht so ausgeprägt und auch in den italienisch geprägten Regionen nutzt man weniger Mundart als in der deutschsprachigen Schweiz.
Das falsche Französisch ist eine Besonderheit
Das français fédéral, also das Bundesfranzösische, sorgt in der Schweiz für ähnliche Emotionen wie es beim Vergleich vom Standarddeutschen zum Schweizerdeutsch der Fall ist. Das falsche Französisch entsteht meist durch amtliche Texte, die auf Deutsch verfasst wurden und anschliessend ins Französische übersetzt werden. Es handelt sich hier um keinen Dialekt im klassischen Sinne, doch vorgetragen in französischer Sprache mit starkem schweizerdeutschen Akzent entsteht eine von Satirikern gern genutzte "Sprache" zur Karikierung, wie man sie auch vom Schweizerdeutsch in Deutschland kennt.
Der Walliser Dialekt ist besonders speziell
Die Schweizer selbst kennen eigentlich keine Sprachprobleme im eigenen Land. Es sei denn, sie werden auf das Wallis angesprochen. Amtssprache im Wallis ist Französisch, doch man spricht im Alltag lieber "Wallisertiitsch" und damit einen der ältesten Dialekte in der Schweiz. Der punktuelle französische Einfluss sorgt ausserhalb des Kantons oft für ratlose Blicke und dennoch verstehen die Schweizer sich auch über diese kleine Hürde hinweg sehr gut mit ihren Eidgenossen.
Der Begriff Helvetismus stammt von Helvetia (neulateinisch für Schweiz). Er meint die Besonderheiten im Schweizerdeutsch, die im restlichen deutschsprachigen Gebiet nicht verwendet werden. Natel (Handy) oder grillieren (grillen) und viele andere Begriffe gehören zu den Helvetismen.
Schweizerdeutsch hat sehr viele Gemeinsamkeiten mit dem Hochdeutschen. Allerdings gibt es fast ebenso viele Unterschiede und vor allem die Aussprache ist für viele ein Problem. Im Schweizerdeutschen werden zwar wie im Hochdeutschen auch zwei Vokale zu einem Laut verschmolzen, doch während der Deutsche "ei" oder "au" nutzt, braucht es im Schweizerdeutsch eher "uä" oder "üe". Gleichzeitig sprechen die Schweizer die meisten Konsonanten länger aus als des Deutsche gewohnt sind. Statt "essen" sagt man in der Schweiz eher "essse". Die Betonung liegt also noch mehr auf dem s-Laut.
Die Schweiz wird von jeher durch Eroberungen und Einwanderungen geprägt und so konnten sich im Laufe der Jahrhunderte sehr unterschiedliche Sprachen nebeneinander halten. Schon vor dem 6. Jahrhundert wanderten Gruppen mit alemannischen Dialekten in die Schweiz ein und brachen damit die flächendeckende Ausbreitung der romanischen Sprachen auf. Bereits seit 1848 gelten Deutsch, Französisch und Italienisch als Nationalsprachen des Bundes.
Neuen Kommentar hinzufügen