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Reto Boller erkundet die Möglichkeiten der Malerei, indem er ihre zweidimensionalen Grenzen immer mehr ins Dreidimensionale hinausschiebt. Nach intensiver Beschäftigung mit der Malerei beschäftigt er sich zunehmend mit Objets trouvés und Installationen.
Malerei kann ihre Flächigkeit betonen oder einen illusionären Raum behaupten. Reto Boller fordert mit seiner aus der malerischen Praxis entwickelten Kunst beide Konventionen heraus. Seit den 1990er-Jahren vermischt er immer wieder Farbe mit Leim und Kunstharz und erzielt beim Giessen auf Böden oder Wände reliefartige Wirkungen. Oder er deutet ganze Räume um, indem er Oberflächen mit farbigen Klebefolien präpariert. Seine Materialerkundungen haben Boller seit den späteren 2000er-Jahren zunehmend auf den Einsatz von Alltagsobjekten, Schläuchen etwa, Holzlatten, Tragriemen oder Motorradhelmen gebracht, die er zu bildnerischen Kompositionen arrangiert. Es ist der Übergang zwischen Bild und Raum, der den Künstler interessiert, zwischen Malerei und Objekt, Farbmaterialität und Farberscheinung.
Das in der Sammlung der Mobiliar befindliche grosse, querformatige Bild in kräftigem Rot, ein Werk aus der früheren Schaffensphase, zeichnet sich durch eine gitterartige Struktur aus. Gitter oder auch Fenster wecken Assoziationen an die Malereitradition, die Fenster als Sinnbild für den Ausblick in eine imaginierte Welt begreift. Bei Boller bleibt es bei der flächigen Materialität, das Bild verweist auf nichts anderes als sich selbst, bleibt autonomer Gegenstand.
Reto Boller hatte u. a. Einzelausstellungen im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen, im Museum Langmatt in Baden und im Museum für Konkrete Kunst in Ingolstadt. Er gewann mehrere Auszeichnungen wie den Eidgenössischen Preis für Kunst (1996, 1997 und 1998), das Atelierstipendium der Stadt Zürich in Genua (1997) und das Atelierstipendium der Zuger Kulturstiftung Landis & Gyr in Berlin (2004/2005). Darüber hinaus wirkt er als Professor für Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.
Reto Boller wurde 1966 in Zürich (CHE) geboren, wo er lebt und arbeitet.
Tätigkeitsbereiche: Malerei, Installation, Kunst am Bau, Objektkunst