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In den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg platzt Basel aus allen Nähten. Stadtmauern werden geschleift, neue Quartiere entstehen. Die Bevölkerung wächst zwischen 1880 und dem Kriegsausbruch 1914 von 70 000 auf 135 000 Einwohner. Darunter sind viele Arbeiterfamilien. Grossbetriebe entstehen. Der Kantonsstatistiker bezeichnet Basel als «eindeutige Industriestadt».
Es versteht sich von selbst, dass beim damaligen dynamischen Wachstum der «service public» - wie wir ihn heute kennen - eine andere Qualität hat. Vieles können oder wollen Kanton und Bürgergemeinde nicht selber übernehmen. Die Zahl der Kantonsangestellten und die Kantonsausgaben wachsen - aber nicht so stark wie die Bedürfnisse der Stadt. Immerhin erhält Basel 1895 den ersten «staatlichen» Nahverkehrsbetrieb der deutschsprachigen Schweiz. Die Einführung der elektrischen Strassenbahn ist zugleich das Ende des zwölf Jahre von Settelen betriebenen Rösslitrams. Aber zahlreiche Aufgaben, die heute selbstverständlich der Kanton oder Spezialisten übernehmen, werden an grosse Fuhrhaltereien vergeben. In vielen Bereichen springt Settelen in die Bresche.
Ende der 1830er Jahre gibt es in der Kleinstadt Basel drei private Pferdeleichenwagen, die gegen ein entsprechendes Entgelt ausgeliehen werden. Zum Einsatz gelangen sie allerdings nur bei betuchten Verblichenen. Die Stadt ist noch klein und die Wege zu den Gottesäckern sind noch kurz - viele Kirchen haben ihren eigenen Friedhof. Ausserhalb der Stadtmauern existiert erst der 1825 eröffnete Spalengottesacker.
Mit dem dynamischen Stadtwachstum im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts verlagern sich die letzten Ruhestätten (Eröffnung des Friedhofs Kannenfeld 1868 und des Wolfgottesackers 1872). In der Regel bringen jetzt Pferdefuhrwerke die Verstorbenen zur letzten Ruhestätte. Nur noch die Ärmsten bringen ihre Toten mit dem Handkarren zum Grab. 1868 bewilligt die Basler Regierung den Kauf eines Pferdeleichenwagens, dem bald weitere folgen. Für die Wartung und den Unterhalt dieser Wagen schliesst die Stadt Verträge mit Fuhrhaltern ab. So auch mit den Gebrüdern Settelen. Der älteste erhaltene «Vertrag betreffend das Leichenfuhrwesen im Kanton Basel-Stadt zwischen den Herren Gebrüder Settelen und dem Sanitäts-Departement Basel-Stadt» stammt aus dem Jahre 1894. Settelen verpflichtet sich darin, «einen oder zwei dem Staat gehörende Leichenwagen aufzubewahren und dazu wie zu ihren eigenen Fuhrwerken Sorge zu tragen und sie gehörig zu reinigen und nach Bedürfnis zu schmieren.» Für eine Bestattung mit dem Zweispänner erhält das Unternehmen Fr. 7.-, für eine mit dem Einspänner Fr. 5.-.
Anfang der 1920er Jahre verdrängt das Automobil die Pferdeleichenwagen. Im Herbst 1933 ist «der städtische Leichenwagen No. 5» mit Pferdebespannung allerdings immer noch bei Settelen an der Türkheimerstrasse eingestellt, obwohl Aufträge ausbleiben. Was schliesslich aus diesem Leichenwagen wird, geht nicht aus den Akten hervor.
1882 wird in Basel die erste Berufsfeuerwehr der Schweiz ins Leben gerufen. Am 1. April versehen zum ersten Mal sechs Mann und ein Unteroffizier abwechselnd rund um die Uhr ihren Dienst. Die Gerätschaften, die der Mannschaft 1888 nachweislich zur Verfügung stehen, sind: Eine Abprotzspritze, die auch als Luftpumpe verwendbar ist, ein Gerätewagen mit Schiebeleiter, Hakenleiter, Hydranten-Armatur, drei Blecheimer und neun Hanfschläuche, die eine Länge von über 130 Metern ergeben. Was der Feuerwehr fehlt, sind die Pferdestärken. Diese liefert zuerst die Fuhrhalterei von Louis Herdener und ab 1892 Julius Settelen. Denn als er das Geschäft von der Witwe Herdener kauft, übernimmt er auch den Vertrag mit dem Kommando der Feuerwehr Basels. Darin verpflichtet sich «Julius Settelen die zur Bespannung der in den Feuerwehr Magazinen der 1. Komp. Schneidergasse und 3. Komp. Petersplatz untergebrachten Löschgerätschaften nötigen Pferde im Brandfall rechtzeitig zu liefern und zwar unter persönlicher Leitung od. unter der Leitung von zuverlässigen Knechten.» Settelen werden für jedes Ausrücken für je zwei Pferde Fr. 20.- vergütet. Zur Bekleidung der Führer der Löschgerätschaften erhält er leihweise aus dem Depot der Feuerwehr Mäntel und Mützen. Bis wann genau der Vertrag mit der Feuerwehr läuft, ist nicht dokumentiert. Aber spätestens als die Feuerwehr 1926 ihre erste Benzin-Automobilspritze anschafft, dürfte sie auf die Pferde verzichtet haben.
Von 1893 bis 1925 betreibt die Basler Droschkenanstalt Settelen (BDA) im Auftrag des Polizeidepartementes ein ganz spezielles Gefährt: Die Lohnhof-Droschke. «Tag für Tag, jahraus, jahrein, gefolgt von einer gaffenden Schar Buben und Mädchen und den neugierigen Blicken Vorübergehender» bringt ein Fuhrmann von Settelen, begleitet von einem Landjäger, jährlich «an die dreitausend Diebe, Einbrecher, Schwindler, Hochstapler und Raubmörder» ins Gefängnis Lohnhof. Der erste Vertrag von 1893 sieht vor, dass das Polizeidepartement der Fuhrhalterei Settelen für Wagen, Fuhrmann und Pferde - unter Zusicherung von 305 Arbeitstagen - Fr. 17.- pro Tag bezahlt. Im letzten Betriebsjahr erhält Settelen eine Halbtagesentschädigung von Fr. 35.-.
In den 33 Betriebsjahren ist der Lohnhof-Droschke kein einziger nennenswerter Unfall zugestossen. Einmal allerdings verliert sie in der Steinenvorstadt ein Hinterrad, worauf Gefangener und Landjäger den Weg zum Lohnhof zu Fuss fortsetzen müssen.
1925 verschwindet die Lohnhofdroschke aus dem Basler Stadtbild, weil das Polizeidepartement sich ein eigenes «Gefangenenautomobil» anschafft. «Das neue Gefangenenauto wird gewiss dazu beitragen, den Transport seiner Insassen schneller und sicherer zu gestalten.»
Um 1900 besitzt noch jeder Polizeiposten Basels einen Handkarren mit einem Tragkorb. Mit diesem gehen bei einem Notfall zwei kräftige Männer zum Patienten und transportierten ihn ins Spital an der Hebelstrasse. Die Handkarren werden zunächst durch Pferdefuhrwerke abgelöst. Der Verwaltungsbericht des Sanitätsdepartements für das Jahr 1911 hält fest, dass ein dritter, mit allem Komfort ausgestatteter und mit Pferden bespannbarer Krankenwagen dem Betrieb übergeben worden sei. Jetzt sei je einer bei der Fuhrhalterei Settelen an der Türkheimerstrasse, bei der Fuhrhalterei Keller an der Drahtzugstrasse und bei der gleichen Firma an der St. Margarethenstrasse stationiert.
Zu den vorhandenen Pferde-Fahrzeugen kommt ab 1916 ein komfortabler, dunkelgrüner Krankenwagen von Settelen. Das eingesetzte Fahrzeug (Baujahr 1911; 1916 gekauft) ist ein Schweizer Fabrikat der Marke Pic-Pic. Es stammt vom Genfer Unternehmen Piccard-Pictet & Cie, das zwischen 1906 und 1920 Autos baut. Dann geht die Firma in Konkurs. Dies mag mit ein Grund sein, weshalb Settelen 1924 den Krankenwagen verkauft und die «Sanitätsfahrten» einstellt.