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(Eheverlöbnis, Sponsalien), der Vertrag, durch welchen wechselseitig die Ehe zugesagt wird. Der Unterschied
zwischen öffentlichem (sponsalia publica) und heimlichem Verlöbnis (sponsalia clandestina) ist nur da von
rechtlicher Bedeutung, wo die Gesetzgebung zum Abschluß eines gültigen Verlöbnisses die Beobachtung einer gewissen Form vorschreibt,
wie z. B. nach preußischem Landrecht gerichtlicher oder notarieller Abschluß und für den Fall, daß die großjährige Braut
nicht mehr in väterlicher Gewalt steht, die Zuziehung eines männlichen Beistandes verlangt, der Mangel dieser Form jedoch
durch das mit beiderseitiger Bewilligung erfolgte Aufgebot als beseitigt erachtet wird.
Das sächsische Zivilgesetzbuch dagegen verlangt nur dann Abschluß des Verlöbnisses vor Gericht oder unter Zuziehung zweier
Zeugen, wenn beide Teile weder Eltern noch Großeltern haben. Aus einem gültigen Verlöbnis kann zwar auf Abschluß der Ehe geklagt
werden; doch ist ein direkter Zwang zur Eheschließung nicht statthaft, vielmehr nur die Geltendmachung
einer Entschädigungsforderung im Weg der Zwangsvollstreckung. Die Klagbarkeit des Verlöbnisses setzt aber auch die Zustimmung
der Eltern oder deren Vertreter voraus, ebenso wie diese zur Eheschließung erforderlich ist (s.
Ehe, S. 337). Der Entwurf eines deutschen bürgerlichen Gesetzbuchs (§ 1227 ff.) gibt aus dem Verlöbnis nur
eine Klage auf Ersatz des Schadens, welcher dem klagenden Teil durch Aufwendungen u. dgl.
infolge des Verlöbnisses erwachsen ist. Zur Auflösung des Verlöbnisses berechtigen dieselben Gründe, aus welchen die Gültigkeit
einer Ehe angefochten und Scheidung verlangt werden kann, namentlich aber auch absichtliche und grundlose
Verzögerung der Eheschließung, Bruch der Verlöbnistreue und Abschließung eines anderweiten Verlöbnisses.
Vgl. Sehling,
Die Unterscheidung der Verlöbnisse im kanonischen Recht (Leipz. 1887).
Haufe, im 16. Jahrh. die dem Haupthaufen zur Eröffnung des Gefechts voraufgehende, mit Arkebusen oder Musketen
bewaffnete leichte Infanterie, also etwa den heutigen Schützenlinien entsprechend. Da sie den ersten feindlichen
Angriff, namentlich der Kavallerie, aufzuhalten hatten und hierbei nötigen Falls geopfert werden mußten, so wurden sie von
vornherein als verloren angesehen und die Mannschaften deshalb verlorne Knechte genannt;
s. Fechtart, S. 87.
Sohn, das Gleichnis des Lukas-Evangeliums (Kap. 15, Verlorner 11-32), wurde von den ältern deutschen
Dichtern in kleinern Erzählungen vielfach angewendet und ausgeschmückt, auch als Stoff zu Komödien betrachtet. Mehrfach ward
das lateinische Schauspiel des Gnaphäus (1534) übersetzt und bearbeitet. Deutsche Komödien »Vom verlornen Sohn« dichteten
Burkard Waldis (1527),
Johann Ackermann (1537),
Jörg Wickram (1540),
Hans Sachs (1557),
Nikolaus Loccius (1619). Unter den Komödien
der »englischen Komödianten« (s. d.) scheint die »Vom
verlornen Sohn« (1620) besonders beliebt gewesen zu sein.
Vgl. Spengler, Der verlorne Sohn im Drama des 16. Jahrhunderts (Innsbr.
1888).
(spr. wermangdoá), ehemalige franz. Grafschaft,
später Herzogtum in der Picardie, mit
der Hauptstadt St.-Quentin, gehört gegenwärtig zum Departement Aisne und geringen Teils zu dem der Somme. Das Ländchen wurde
zur gallischen Zeit von den Veromanduern, einem Volk im belgischen Gallien, bewohnt und erhielt nach ihnen seinen Namen. Im
Mittelalter stand Vermandois unter den mächtigen Grafen von Vermandois, die von Pippin, dem Sohn Karls d. Gr., abstammten
und zugleich Grafen von Troyes, Meaux und Roucy waren.
Mit Raoul dem jüngern erlosch 1167 das alte Grafengeschlecht. Seiner Schwester Elisabeth, Gemahlin Philipps, Grafen von Elsaß
und Flandern, machte Philipp der Schöne die Erbschaft streitig, entriß ihr die Grafschaft 1185 mit Waffengewalt und vereinigte
sie 1215 mit Frankreich. Sie gehörte nun lange zur Krone, ward später zum Herzogtum und zur Pairie erhoben, und Ludwig XIV.
gab sie an Ludwig von Bourbon, seinen natürlichem Sohn von der Lavallière, mit dem 1683 der Titel Herzog von Vermandois erlosch.
der Pflanzen, Bildung neuer Pflanzenindividuen durch Ablösung fortwachsender vegetativer Organe vom Körper
einer Pflanze, im Gegensatz zur Reproduktion durch Samen. Voraussetzung ist dabei, daß die abgelösten Organe schon Wurzeln besitzen
oder in der Erde schnell Adventivwurzeln entwickeln. Am leichtesten sind krautartige Pflanzen mit verzweigten Rhizomen zu vermehren,
indem hier jedes mit einer Knospe versehene Rhizomstück, wenn es von dem Hauptstock getrennt worden ist,
selbständig weiter zu vegetieren vermag (Quecke).
Dasselbe gilt von Kräutern, welche Ausläufer treiben, die in einer gewissen Entfernung Wurzel schlagen und eine Knospe für
einen neuen Stock entwickeln (Erdbeere). Hierher gehört auch die Vermehrung durch Absenker und Stecklinge. Manche
Pflanzen besitzen eigentümliche Organe, welche sich von selbst von der Pflanze trennen, um sich zu einer neuen Pflanze zu entwickeln.
Diese Vermehrungs- oder Brutorgane werden von manchen Pflanzen besonders häufig, ja oft regelmäßig gebildet und können
dann die fehlende oder doch nicht zur Samenbildung führende Reproduktion ersetzen.
Als Brutorgane finden sich bei manchen Moosen sogen. Brutzellen, einzelne runde, sich isolierende Zellen,
welche in Menge an den Blattspitzen gebildet werden, bei andern Brutknospen als kleine, grüne, vielzellige Körperchen, welche
in besondern Brutknospenbehältern entstehen, und aus denen sehr leicht neue Moospflänzchen sich entwickeln. Eigentliche
knospenartige Bildungen kommen bei höhern Pflanzen nicht selten als Vermehrungsorgane vor, z. B. die Knospenknöllchen,
die sich in den Blattachseln von Ranunculus Ficaria regelmäßig entwickeln und diese sehr selten Samen tragende Pflanze stark
vermehren; ferner die fleischigen Knospenzwiebelchen (bulbilli), welche bei Lilium bulbiferum und Dentaria bulbifera in den
obern Blattachseln, im Blütenstand mancher Allium-Arten zwischen den Blüten oder bei den sogen. lebendig
gebärenden Pflanzen, z. B. bei manchen Gräsern, bei Polygonum viviparum etc., an Stelle der Blüten entstehen, und welche, auf
den Boden gelangt, leicht Wurzel schlagen und zu neuen Pflanzen werden. Bei vielen Zwiebelgewächsen bildet die Mutterzwiebel
Seitenknospen, die wieder als Zwiebeln sich ausbilden, sogen. Brutzwiebeln, die, wenn sie eine gewisse
Größe erreicht haben, sich ablösen und neuen Pflanzen das Dasein geben können. Bei Pflanzen, welche unterirdische, mit vielen
Knospen versehene Knollen
mehr
besitzen (Topinambur, Kartoffeln), geschieht die Vermehrung durch diese Organe; jeder mit einem Auge versehene Knollenabschnitt
kann eine neue Pflanze erzeugen, indem an der Knospe sich Wurzeln entwickeln und die Knospe selbst zu einem Trieb emporwächst.
Manche Pflanzen bilden Vermehrungsorgane nur unter bestimmten, ungewöhnlichen Umständen, wie Bryophyllum calicinum, dessen
Blätter, auf feuchte Erde gelegt, in den Kerben des Randes Brutknospen erzeugen. In ähnlicher Weise lassen
sich auch die Blätter der Begonien, Gesnerien, Gloxinien u. a. zur Vermehrung benutzen.
Auch auf den Wurzelblättern unsrer Cardamine pratensis entstehen, wenn dieselben nach Verschwinden der Pflanze auf feuchtem
Boden zurückbleiben, Knöspchen, die zu jungen Pflanzen heranwachsen. Bei Pflanzen von sehr einfachem Bau
kann die ganze Vegetation mit Vermehrung innig verknüpft sein, indem jedes neugebildete Element des Körpers sich sogleich
wieder als neues Individuum ablöst; so bei der Vermehrung durch Teilung, wie bei den niedersten Pilzen und Algen (s. d.). Hierher
gehört auch die Sprossung, bei welcher jeder als Ast getriebene Fortsatz sich alsbald abtrennt und die
Vegetation in derselben Weise fortsetzt (Hefe, Wasserlinse).
In der Gärtnerei unterscheidet man eine Vermehrung auf natürlichem Weg durch Samen und Teilung und eine künstliche durch
Ableger, Schnittlinge, Stecklinge und durch Veredelung. Die Anzucht aus Samen ist die allgemeine, nach der Natur
der Pflanzen aber sehr verschieden. Während die tropische Pflanze zum Keimen ein Warmbeet, die Wasserpflanze warmes Wasser, die
Farne feuchte Torfstücke oder Steine nötig haben, erfordern die Pflanzen des Nordens und der Alpen Schnee und kühle Plätze.
Samenpflanzen werden meist größer und dauerhafter, blühen aber oft spät und wenig; auch ist die Samenzucht
nicht ausführbar bei Spielarten und Formen, welche sich nicht unverändert wieder erzeugen. Durch Teilung werden teilbare Stauden
(perennierende Gewächse) sowie die Wurzeltriebe bildenden Holzarten vermehrt. Vermittelst Stecklinge etc. vermehrt man die
nicht aus Samen sich rein fortpflanzenden Sorten sowie gewisse Pflanzen, welche so schneller zu ziehen sind
und früher blühbar, auch fruchtbarer werden. Dies gilt auch von der Veredelung durch Pfropfen, Schäften, Kopulieren, Okulieren
etc. Große Gärtnereien haben besondere Vermehrungshäuser und Kasten sowie geübte Vermehrer.
Vgl. Neumann, Die Kunst der Pflanzenvermehrung
(4. Aufl., Weim. 1877).