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Der im Volksmund kurzwegs «Baneeter-Buume» genannte kleine Mann mit den rollenden Augen hiess eigentlich Hans Heinrich Baumann. Er war am 19. Juni 1785 in Wädenswil geboren und in Uetikon, der Heimatgemeinde seiner Mutter, getauft worden. Im Jahre 1810 verheiratete sich Baumann, der schon damals den Beruf eines Ledischiffers ausübte, mit der 19jährigen Horgnerin Elisabeth Widmer, die aber schon 1834 starb. Der Ehe entsprossen acht Kinder.
Laut Eintrag im Gemeinderatsprotokoll vom März 1812 wohnte Heinrich Baumann im Rothaus. Im April 1814 siedelte er mit seiner Familie ins Luftquartier über, wo er das Haus des verstorbenen Schuhmachers Heinrich Huber gekauft hatte. Bei diesem Gebäude, das sich bis zum April 1828 im Besitz Baumanns befand und dann an die Schiffleute Heinrich und Johannes Treichler veräussert wurde, handelt es sich um den vorderen Teil der heutigen Liegenschaft «Einsiedlerhof». Heinrich Baumann wurde wohl selten bei seinem Taufnamen genannt. Bei jung und alt war der Mann weitherum als «Baneeter-Buume» bekannt. Selbst in der gedruckten Todesanzeige wurde diese Bezeichnung aufgeführt. Wie ist Baumann zu diesem Übernamen gekommen? Was hat er zu bedeuten?
Baneeter-Buume (1785–1871)
Das zürichdeutsche Wort «Baneeter» bedeutet Barometer. Im «Vetter-Götti-Kalender» 1855 heisst es über Baumann:«Diesen Zunamen erbte er von seinem Vater, der seinerzeit einen Handel mit Wettergläsern und dergleichen trieb.» Die mündliche Überlieferung kennt noch eine zweite Bedeutung: «Baneeter-Buume» soll selber Barometer hergestellt und repariert haben, besonders im Winter, wenn sein Schiff in der Haabe lag und der Verdienst gar mager war. Baumann soll dieses Handwerk von einem fahrenden Italiener erlernt und sich bald so gut darauf verstanden haben, dass seine Barometer eigentlich geschätzt waren.
Im Hauptberuf aber war Baumann Schiffer und besorgte - wie der Chronist der Lesegesellschaft Wädenswil 1871 im Nachruf schrieb - gründlich und gewissenhaft als Ledischiffer den Güter-, Sand- und Kiestransport zwischen Zürich und den Seeufern, ja bis hinauf nach Walenstadt. Der Mann war von eiserner Gesundheit und bewies in vielen Stürmen, die er mit seinem Kahn auf dem Zürichsee erlebte, Mut und Geistesgegenwart. Die ersten Hinweise auf Baumanns Tätigkeit verdanken wir den Gemeinderatsprotokollen. Am 10. November 1810 stiess dem Kahnführer auf dem See ein Unglück zu, wodurch ihm hohe Kosten erwuchsen, für die er - als armer Mann - nicht aufkommen konnte. In seiner Not wandte er sich an den Wädenswiler Gemeinderat. Er suchte um die Bewilligung nach, bei mildtätigen Freunden in der Gemeinde Geld sammeln zu dürfen. Gleichzeitig bat er die Behörde um eine Empfehlung bei der Zürcher Hülfsgesellschaft.
Hans Heinrich Baumann war ein Original. Überall machte er mit seinem köstlichen Humor, seinem gesunden Mutterwitz und seinen Streichen Freude. Wen und was immer er aufs Korn nahm, immer hatte er Lacher auf seiner Seite. Seine Streiche konnten mitunter auch derb sein. Mehr als einmal wurde er wegen seinen Äusserungen und Taten vor den Gemeinderat oder vor die Richter zitiert. So auch im Juli 1819. Das Protokoll des Gemeinderates Wädenswil meldet, dass sich Baumann im Gasthof «Hirschen» in abschätziger Weise über den Gemeinderat geäussert habe. Der Schuldige wurde vorgeladen und musste für seine «unguten Ausdrücke» Abbitte leisten. In Anbetracht seiner Armut wurden ihm aber Schreiber- und Weibelgebühren erlassen. Dagegen wurde «ihm ernstgemeint angedeutet, dass, wenn er sich in Zukunft wieder einer solchen Handlung schuldig mache, er ohne weiteres an das Amtsgericht überwiesen werden soll».
Aus dem Protokoll geht nicht hervor, was Baumann im «Hirschen» Abschätziges über den Wädenswiler Gemeinderat gesagt hat. Doch sind wir aus anderer Quelle über den Vorfall genauer unterrichtet. Ernst Kündig druckt in seinem 1957 erschienenen Büchlein «Menschen-Originale vergangener Zeiten» einen Briefwechsel zwischen «Baneeter-Buume» und dem Gemeinderat von Wädenswil ab. Ein von der Behörde erlassenes «Verbot des Bööggens an der Fasnacht» soll Baumann zum Ausspruch veranlasst haben:
«Ich bi dr Asicht, d’Helfti vom Gmeindrat seigid Chälber, suscht chöntets nüd eso e Chalberei beschlüsse!»
Der Gemeinderat erhielt von dieser taktlosen Äusserung Kenntnis und sandte Baumann daraufhin folgendes Schreiben:
«Herrn H. Baumann, Ledischiffmann, Wädensweil.
Es ist dem Gemeinderat zu Ohren gekommen, dass Sie in einer hiesigen Wirtschaft öffentlich über ihn in unqualifizierter Weise geschimpft haben. Im besonderen ist uns von glaubwürdiger Seite bezeugt worden, dass Sie gesagt haben, die Hälfte des Gemeinderates seien Kälber. Wir haben nicht im Sinn, diesen Schimpf auf uns sitzen zu lassen und erwarten von Ihnen, dass Sie Ihr Wort bis Ende dieser Woche schriftlich zurücknehmen, ansonsten wir Sie beim Amtsgericht verklagen werden.
Für den Gemeinderat Wädensweil:
Der Präsident
Der Schreiber.»
Baumann blieb die von ihm geforderte Erklärung nicht schuldig. Doch formulierte er sich auf seine persönliche Weise:
«An den löblichen Gemeinderat Wädenswyl!
Wertvoller Herr Präsident!
Ebenso volle Herren Gemeinderäte!
Habe Ihren schönen Brief erhalten und bin mit Ihnen vollkommen einverstanden. Ich nehme mein im «Hirschen» fallen gelassenes Wort zurück und erkläre hiermit, dass die Hälfte vom Gemeinderat keine Kälber sind. Zugleich bitte ich Sie höflich, dem Laushund, der Ihnen unsere Unterhaltung aus dem «Hirschen» zugetragen hat, in meinem Namen anzuspeuzen, was ich allerdings lieber selber täte. Inzwischen könne er mir im ABC lesen!
Mit angemessener Hochachtung zeichnet
Heinrich Baumann, Ledischiffmann.»
Das Leben des originellen, humorvollen und von sprühendem Witz erfüllten «Baneeter-Buume» endete tragisch. Der Tod seiner Frau im Jahre 1834 bedeutete für den Mann einen harten Schlag. Das Gefühl von der Menschheit nicht verstanden zu werden, bemächtigte sich seiner immer deutlicher. In den letzten Jahren seines Lebens erblindete Baumann. Im März 1870 traf ihn neues Unglück. Beim Fischen ertrank sein jüngster Sohn Felix im Zürichsee. Der 85jährige Greis wurde mehr und mehr «still und in sich gekehrt, ernster Betrachtung ergeben». Dann und wann drang aber doch noch ein Rest von Frohmut und gutem Humor durch.
Am 13. Februar 1871 wurde Heinrich Baumann von seinem Leiden erlöst. Die «Neue Zürcher Zeitung» widmete dem Verstorbenen in Nr. 91 vom 19. Februar 1871 folgenden Nachruf: «Den 13. Februar starb in Wädensweil im 86. Lebensjahr als ältester Bürger der Gemeinde an Entkräftung der frühere Schiffer Hs. Heinrich Baumann unter dem Namen «Barometer-Baumann» in weiteren Kreisen bekannt und beliebt. Aber nicht allein sein Mut und seine Geistesgegenwart, die er in vielen Stürmen bewiesen und auch nicht bloss seine Geschicklichkeit im Verfertigen und Reparieren von Wettergläsern waren es, die ihm in der Nähe und Ferne bekannt und beliebt machten, sondern noch viel mehr sein stets guter Humor und sein unerschöpflicher Witz, so dass bei hunderten, freilich oft derben Schlagwörtern und Anekdoten von ihm kursieren …»
Ein Teil dieser Spässe und Streiche wurden noch zu Lebzeiten Baumanns aufgeschrieben und in Kalendern abgedruckt; andere wiederum wurden mündlich bis in unsere Tage hinein weitererzählt.
Baumann liebt es, nach des Tages Last und Mühe froher Gesellschaft sein Schöppchen zu trinken. Besonders gern hält er sich in einer Wirtschaft am See auf. Hier verkehrt auch ein gewisser Br., welcher eine feuerrote Nase hat. «Höre, Br.», sagt Baumann eines Tages zu ihm, «eine Nase wie die deine ist eine wahre Rarität. Ich will sie dir abkaufen!» Br. Lacht und erwidert: «Meinetwegen! Doch das bedinge ich, dass ich sie gleichwohl nutzniessen kann und dass du sie mir weder abschneidest noch zupfest!» «Es gilt», ruft Baumann, und wie werden handelseinig. Baumann bezahlt die vereinbarten drei Taler und ist nun Eigentümer der Nase. Während die Gäste noch über die Narretei lachen, entfernt sich Baumann und geht nach Hause. Dort holt er seinen eisernen Brandstempel, mit welchem er sein Kellergeschirr und seine hölzernen Geräte zu zeichnen pflegt, macht ihn in der Küche des Gasthauses glühend und kehrt dann in die Wirtsstube zurück. Den zischenden Stempel in der Hand, geht er auf Br. Zu und will ihn auf die Nase brennen. Br. Schnellt erschreckt vom Stuhle auf und eilt davon. Baumann folgt ihm und ruft: «Halte doch, ich will ja nur mein Eigentum zeichnen, damit es mir nicht gestohlen wird.» Die Gäste helfen dem um Hilfe Schreienden und schlichten den Streit. Br. hat die drei Taler zurückgegeben und muss Baumann ausserdem eine Tanse Wein als «Reukauf» zahlen.
***
Baumann hat wieder einmal mit dem Richter zu tun. Sein Nachbar hatte ihn eingeklagt, weil «Baneeters» Hühner alle Saat in des Nachbars Garten fortwährend herausscharrten. Nach dem alles Bitten und Betteln nichts genützt hatte, sollte dem Übelstand durch das Gericht abgeholfen werden.
So sassen eines Abends die beiden Parteien vor dem Friedensrichter. Der Nachbar: «Allslibermänts scharrets füre, ich cha säie, was i wott, alls für d’Chatz!» - «Baneeter-Buume» bestritt den Tatbestand. Der Friedensrichter wusste, dass der Kläger ein grundehrlicher Mann war, der sicher nichts Unwahres behauptete. «Gäds doch au zue, Buume, und mached kei Kumedi!» drängte der Richter. Baumann aber wehrte sich entrüstet: «Mini Hüener händ na nie öppis füregscharret, sie scharred alles hindere!»
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Einer der bekanntesten Streiche von «Baneeter-Buume» ist wohl der von der abgekauften Fischsauce. Wir folgen hier weitgehend der ältesten Fassung, die im «Vetter-Götti-Kalender» abgedruckt worden ist:
Einst trank Baumann in der «Krone» zu Weesen eine Halbe Most. Neben ihm sass ein fremder Herr, dem man zum Abendessen einen Fisch «en sauce» vorgesetzt hatte. Es war ein vortrefflich zubereiteter Fisch, dessen Duft Baumann in der Nase kitzelte. Um auf gute und wohlfeile Art ebenfalls zu einem Abendessen zu kommen, dachte sich «Baneeter-Buume» einen Schalkstreich aus: Er begann mit dem Herrn ein Gespräch über die Fischarten des Zürichsees und sagte dann, dass er übrigens nicht die Fische, wohl aber die Fischsauce sehr liebe. Der Fremde meinte, ihm sei der Fisch die Hauptsache. Da entgegnete Baumann: Wenn Ihnen an der Sauce nicht viel gelegen ist, so will ich sie Ihnen gerne abkaufen», und bot zwei Batzen dafür. Der Fremde musste lachen und sagte: «Meinetwegen!» Baumann, nicht faul, bezahlte die zwei Batzen, nahm einen Löffel und den Teller des Fremden und ass die Sauce sauber auf. Zuletzt ergriff er auch den Fisch beim Kopf und Schwanz und zog ihn durch den Mund und schleckt die Brühe ab. Dann legte er den Fisch wieder fein säuberlich auf den Teller und schob diesen dankend dem Fremden zu. «Fressen sie den Fisch, er soll Ihnen gut tun!» Und etwas von unverschämter Frechheit brummend, verliess der Fremde die Wirtschaft.
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Ebenfalls dem «Vetter-Götti-Kalender» von 1855 entnehmen wir folgende, stilistisch leicht bearbeitete Anekdote:
Baumann war mit einer schweren Ladung Bolliger-Steine nach Zürich gekommen. Nun sollte er für sich und seine hungrigen Schiffsknechte ein Mittagessen beschaffen. Aber sein magerer Geldbeutel erlaubt ihm nicht, zum Metzger oder Bratwurster zu gehen. Wie er so durch die Stadt wandert und oben an die Schoffelgasse kommt, sieht er, dass ein Ankenhändler vor seinem Hause in einem Kessel Butter siedet. In Baumann reift eine Idee: Schnell kauft er sich im nächsten Bäckerladen einen Laib Brot und schneidet mit seinem Messer eine Öffnung hinein. Den durchlöcherten Brotlaib auf dem Arm, marschiert Baumann die Schoffelgasse hinab. Wie er am Butterkessel vorbeikommt, stolpert er und wirft im Fallen das Brot von sich, mitten in die brodelnde Butter hinein. Wie tot bleibt Baumann auf der Erde liegen. Der Eigentümer des Butterhafens flucht, die Weiber kreischen; doch dann kümmern sich alle um den Verunfallten. Man richtet ihn auf, reibt ihm die Schläfen, und wie der Schalk endlich seine Augen öffnet, ist man seelenfroh. Baumann, der seine Rolle vortrefflich spielt, bittet um Entschuldigung und jammert dann um sein Brot. Der Butterhändler fischt den Laib mitleidig aus dem Kessel, lässt in abtropfen und überreicht ihn dem Wiedergenesenen, indem er bedauert, dass das Brot etwas weich geworden sei. – Dankend entfernt sich Baumann mit seinem Brot, das jetzt dreimal so schwer geworden ist, und bringt es seinen Knechten. Diese äusserten sich später, dass sie noch nie ein fetteres Mittagessen gehabt hätten!
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Eines Abends sitzt Baumann mit anderen Schiffsleuten in einer Weinschenke. Ein grosser und derber Schiffsknecht neckt «Baneeter-Buume» wegen seiner kurzen, gedrungenen Gestalt und bringt das Gespräch auf die Körpergrösse. Jeder will der Grösste sein, und Baumann muss manches leiden. Da sagt er plötzlich: «Wetten wir eine Tanse Wein? Ich bin grösser als mancher von euch!» - «Es gilt!» rufen die die Schiffsleute lachend. «Wir messen uns an der Zimmerwand, und er kleinste bezahlt den Wein!» - «Es bleibt dabei», sagt auch Baumann. Einer nach dem anderen stellt sich unter das Mass an die Wand. Der lange Glarner hatte seinen Strich wohl 6 ½ Fuss hoch. Nun ist noch Baumann übrig. «Mach uns aber keine Faxen», ruft man ihm zu, «und merk dir, du musst mit deiner Körperlänge den obersten Kreidestrich überragen, sonst bezahlst du!» - «Gut», sagt Baumann, geht einige Schritte zurück, nimmt Anlauf, und springt auf seine beiden Hände und stellt sich in einem trefflich gelungenen Handstand so an die Wand, dass seine Beine den Kreidestrich des Grössten überragen!
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Es war in der Zeit der Krise, da viele Seidenhäuser teils stark erschüttert wurden, teils fielen. Da sass einmal «Baneeter-Buume» im Wirtshaus, wo zur selben Zeit eine Anzahl Seidenfabrikanten versammelt waren. Diese neckten ihn. Baumann liess sie eine Weile gewähren. Aber wie er noch niemandem eine Antwort schuldig geblieben, so auch diesmal. «Hört», wendet er sich plötzlich an die Seidenfabrikanten, «wisst ihr auch, welches das grösste Tier ist auf der ganzen Welt?» - Die einen rieten den Elefanten, andere den Walfisch, das Kamel, usw. Alle lachten über die einfältige Frage des Witzreissers. Da sagte er ihnen: «Ihr ratet alle schlecht. Das grösste Tier ist eine ‘Chrott’.» Nun erst recht Gelächter. «Und warum?» fragten sie. «Weil alle Seidenherren drin sind», antwortete «Baneeter-Buume».
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Baumann hatte Geschäfte auf dem Zuger Markt und sollte über Nacht in Zug bleiben. Da er sehr müde war, sehnte er sich nach einem guten Nachtlager, fand aber alle Wirtshäuser überfüllt. Nur im «Hecht» war noch ein Platz in einem zweischläfigen Bett frei, das einem Fuhrmann angewiesen worden war. Der Fuhrmann wollte den «Baneeter-Buume» durchaus nicht als Schlafgenossen und trat ihm den Platz nur nach langem Bitten und Zureden ab. «Wart, Grobian», denkt Baumann, «ich will dir zeigen, wie ein Zürcher Schiffsmann solches zurückbezahlt!» Und er legt sich neben dem brummenden Fuhrmann ins Bett. Nach einer Weile beginnt Baumann zu fluchen und zu kratzen und reibt sich an Armen und Füssen. Wie «Baneeter-Buume» immer ärger rumort, frägt sein Bettgenosse unwillig: «Nanu, was Teufels seid ihr so unruhig und kratzt und figget immer an euch herum?» - «Sie beissen, sie beissen, sie fressen mich fast auf», antwortet Baumann weinerlich. – «Was denn? Wer denn?» will der Fuhrmann wissen. – «Ei, das Ungeziefer in meinem Hemd. Wisst ihr mir nicht ein Rezept dagegen?» - Mit einem Satz springt der Fuhrmann aus dem Bett und schreit: «Bei einem solchen Saukerl schlafe ich nicht!» Baumann kriecht lachend unter die warme Decke und hat nun das Bett für die ganze Nacht allein in Besitz!
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Wenige Tage vor der Fasnacht liess die Wädenswiler Gemeindebehörde folgendes Inserat in der Zeitung erscheinen:
«Der Gemeinderat Wädenswil hat in Anbetracht der überhandnehmenden Maul- und Klauenseuche beschlossen, das sogenannte ‘Bööggen’ an kommender Fasnacht auf Strassen und in Wirtschaften zu verbieten. Zuwiderhandlung wird mit Busse von 5 bis 10 Franken bestraft. Der Gemeinderat.»
Das Inserat wurde im «Hirschen» schwer diskutiert und veranlasst Baumann zur bereits zitierten Äusserung: «Ich bi dr Asicht, d’Helfti vom Gmeindrat seigid Chälber, suscht chönntes nüd eso e Chalberei bschlüsse!»
Baumann kann sich mit dem Verbot nicht abfinden und bemerkt zu seinen Kollegen: «Ihr chönd mache was ihr wänd, aber de Buume gaht go böögge, säb isch ganz sicher, und zwar gang ich mit dr Erlaubnis vom hohe Gmeindrat!»
«Baneeter-Buume» richtet ein Gesuch an den Gemeinderat und bittet inständig, man möge ihm doch das «Bööggen» an der kommenden Fasnacht erlauben. Die Behörde beharrt auf ihrem Beschluss; die Bitte wird abgeschlagen. Da trägt Baumann seinen Wunsch dem Gemeindepräsidenten persönlich vor. Aber dieser verweist auf den Entscheid des Rates und winkt ab. «Gestatten Sie mir wenigstens das Bööggen aus dem Fenster?» - der Präsident lächelt. Rechtlich konnte niemandem verbieten, seine Larve aus dem Fenster zu strecken und dumm zu tun. «Wenn es unbedingt sein muss, dass erlaube ich.»
Der Fasnachtstag ist gekommen. Die Wädenswiler sind alle an ihrer Arbeit. Was ist das plötzlich für ein Rufen, Schreien und Lachen? Der Gemeindepräsident reisst den Fensterflügel auf und schaut hinaus. «Zum Teufel noch einmal! Das Fasnachtsverbot wird nicht eingehalten!» Mit verstellter Stimme reisst einer Spässe. Es ist «Baneeter-Buume»! Dort kommt er die Gasse herunter. Er trägt ein grosses Vorfenster und hat den Kopf durch einen Fensterflügel gesteckt. Jetzt schaut Baumann frech zum Präsidenten hinauf. Diesem steigt die Wut in den Kopf. «Herr Präsident», ruft «Baneeter-Buume» vergnügt, «nicht wahr, Sie haben es mir erlaubt, zum Fenster hinaus zu bööggen?» Der Präsident schlägt den Fensterflügel zu und brummt: «Dieser verflixte Baumann hat wirklich den härteren und gescheiteren Kopf als der gesamte Wädenswiler Gemeinderat …»
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Eines Tages spielt Baumann einem Wirte, der im Ruf steht, er taufe seine Getränke mit Seewasser, einen üblen Streich. Mit einem «Tokter-Güterli» in der Tasche begibt er sich zum See, fängt eine Menge junger Fischchen, füllt damit sein Fläschlein und verschwindet hierauf in der Weinschenke. Dort setzt er sich an einen leeren Tisch, bestellt eine Halbe Most, trinkt ein Glas davon und sitzt dann still da. Wie de Wirt einmal hinausgeht, zieht Baumann blitzschnell sein «Gütterli» aus der Tasche und giesst die Fischchen ins Mostglas und in die Flasche. Der Wirt erscheint wieder. Die Gäste sind laut und fröhlich. Nur Baumann sitzt mit finsterem Gesicht an seiner Tischecke. «Ei, Baumann, was ist los?» sagt endlich der Wirt zu ihm. «Warum trinkst du nicht und machst ein Gesicht wie vierzehn Tage Regenwetter?» «Pst! Pst! Sei still!» flüstert ihn Baumann geheimnisvoll zu. Der Wirt neigt sich verblüfft zu «Baneeter-Buume» nieder und fragt leise: «Was ist denn? Was hast du denn?» Baumann schiebt ihm sein Mostglas hin und brummt: «Da schau! Fischlein im Most!» Der Wirt hebt erschrocken das Glas gegen das Licht, und richtig, zehn, zwanzig, dreissig lebendige Fischlein schwimmen gar lustig drin herum. Er schaut auf die Flasche. Es wimmelt darin von Fischchen. Erschrocken flüstert der Wirt: «Halt’s Maul, Baumann! Ich bitte dich! Kannst dafür vierzehn Tage lang gratis vom Besten trinken.» Wie Baumann zustimmend nickt, nimmt der Wirt die Flasche und das Glas vom Tisch und sagt laut: «Ei, wenn dir doch nicht ganz wohl ist, so musst du etwas Besseres trinken!» Und er brachte ihm dann eine Halbe 1846er Herrliberger.
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Eines Abends traf Baumann im Wirtshaus mit angesehenen Wädenswiler Beamten zusammen. Die Herren hatten den Spassmacher gern, obgleich seine Witze manchmal auch sie gar derb trafen. Heute neckten sie Baumann, und zwar so, dass sich dieser zu rächen beschloss. Er entfernte sich daher, holt daheim eine Säge und sägt an der Strasse ein Zaunlatte an, so dass sie nur noch ganz leicht hält. Dann setzt er sich neben den Hag und raucht sein Pfeifchen. Bald kommen die Herren aus dem Wirtshaus, lassen sich mit Baumann in ein Gespräch ein und verlangen, er solle ihnen ein Spässlein erzählen. «Gut», sagt «Baneeter-Buume», setzt euch nur alle neben mich auf die Latte, ich weiss etwas Nagelneues!» Lachend setzen sich die Herren und – krach! Liegen sie im Strassengraben.
Peter Ziegler