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Die Schweizer Armee im Urteil süddeutscher Staaten
Rückblick auf den Vortrag vom 27. Mai 2015
Die süddeutschen Staaten machten im 19. Jahrhundert immer wieder ihre Bedenken deutlich, ob die Schweiz willens und fähig sei, ihre Neutralität zu verteidigen. Dr. Josef Inauen aus Steffisburg referierte beim Verein Schweizer Armeemuseum über die Sicht von ennet der Grenze auf die im Aufbau befindlichen Schweizer Armee.
Die Frage, inwieweit die Schweiz ihre 1815 in Paris zugesicherte Neutralität gegen Deutschland und Frankreich verteidigen würde, prägte den Vortrag von Dr. Josef Inauen beim Verein Schweizer Armeemuseum. Er befasste sich intenisv mit den oftmals negativen Äusserungen der süddeutschen Staaten Baden, Württemberg und Bayern von 1803 bis 1871 gegenüber der Schweiz und zeigte lebhaft und nachvollziehbar auf, wie sich die Beziehungen entwickelten.
Für seine Lizentiatsarbeit und Dissertation hat er aus den Archiven Gesandtschaftsberichte, strategische und operative Studien sowie Manöver- und Rekognoszierungsberichte von süddeutschen Diplomaten und Militärs ausgegraben. Fazit am Vortrag in Thun: Die Armee und überhaupt alles Militärische sei «nun einmal das Steckenpferd der Schweiz», darüber waren sich damals alle einig.
Wie aber stand es mit der Fähigkeit der Schweiz, im Notfall ihre Neutralität zu verteidigen? Darüber urteilten viele noch bis 1860 skeptisch; erst danach verbesserte sich die Meinung über die Schweizer Armee. Dabei tauchten auch immer wieder die Unterschiede zwischen dem genau begutachteten Milizsystem der Schweiz und den Berufsheeren der Deutschen auf. Was wohl besser wäre? Günstiger?
Dr. Josef Inauen bilanzierte, dass die Schweizer Armee wohl kaum bei einem Übergriff fremder Staatten einen Sieg davon getragen hätte, wohl aber durch den wachsenden Respekt und den Willen zur Verteidigung den Preis für ein angreifendes Heer sehr hoch angesetzt hätte. Womit er bei seinem Blick von aussen in die Schweiz den Bogen zum Deutsch-französischen Krieg 1870/71, den beiden Weltkriegen und in die nachfolgende Zeit schlug.
Fotos: © Markus Hubacher, Spiez