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Aprilsnarr
(franz. Poisson d'avril »Aprilfisch«; engl. April-fool, ital. Calandrino, nach dem bekannten gefoppten Narren des Boccaccio),
Spottname eines »in den April Geschickten«. Die Sitte, am 1. April jemand anzuführen, zu einem vergeblichen Gang [* 2] zu vermögen, mit einem ihn lächerlich machenden Auftrag irgendwohin zu schicken etc., soll aus der Sitte der römischen Kirche, die Leidensgeschichte Christi öffentlich darzustellen, herrühren und wäre ursprünglich nur eine Veranschaulichung des spottvollen Hin- und Herschickens Christi. Andre leiten die Sitte von dem veränderlichen und trügerischen Aprilwetter ab. Dem germanischen Altertum ist sie unbekannt und hat erst in den letzten Jahrhunderten von Frankreich her bei uns Eingang gefunden.
Wahrscheinlich ist sie ein Überbleibsel keltischen Heidentums, der letzte Rest eines zu Anfang des Aprils mit Possen, Späßen und lustigen Schwänken gefeierten Frühlingsfestes, wie es noch jetzt in Indien unter dem Namen Hul üblich ist. Da das Aprilschicken sich in der französischen Litteratur mit Sicherheit nur bis ins 16. Jahrh. zurückverfolgen läßt, so hat die Meinung Quitards, daß sie mit der Verordnung Karls IX., welche das Neujahrsfest 1564 vom 1. April auf den 1. Januar verlegte und damit die ehemals am 1. April üblichen Neujahrsgeschenke aufhob, in Verbindung stehe, eine gewisse Wahrscheinlichkeit.
Die an Neujahrsgeschenke gewöhnten Personen wären seitdem von dem 1. Januar auf den 1. April und umgekehrt vertröstet worden. Den Namen Poisson d'avril leitet Quitard von dem Frühlingszeichen der Fische [* 3] (der Tierkreis war damals viel populärer als heute), andre von dem Beginn der Fischerei [* 4] am 1. April und der Verwendung einer nur zu dieser Zeit an den französischen Küsten gefangenen wohlschmeckenden Makrele, die ebenfalls den Namen Poisson d'avril führt und ein gebräuchliches Neujahrsgeschenk gewesen sein soll, ab.