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Unsere Reise begann in Genf, der grossen Schweizer Stadt nahe der französischen Grenze. Ich habe sie als besonders still in Erinnerung. Vielleicht liegt es daran, dass wir an einem Sonntag ankamen und nicht viel Betrieb herrschte. Oder daran, dass wir zuerst die Altstadt aufsuchten, einen verkehrsfreien Hügel mit mächtigen, alten Steinhäusern. An meinem schwachen Gehör konnte es nicht liegen. Meine Hörgeräte sind so stark aufgedreht, dass ich Städte im Allgemeinen als besonders lärmig empfinde.
Staunend ging ich durch die Gassen. Ich bin wenig gereist in den letzten Jahren. Ein Ausflug in eine unbekannte Schweizer Stadt ist für mich wie eine Reise ans ferne Ende Europas. Es ist schon mehr als einen Monat her. Wenn Ihr mich fragt, woran ich mich noch erinnere, dann sage ich: an die vielen Menschen, die im grossen Park Plainpalais Schlange standen fürs public viewing des Weltmeisterschaftsspiels Deutschland-Mexiko. An den Schuhladen von Manolo Blahnik auf dem Weg dorthin. Er befindet sich in einem repräsentativen, gewiss mehr als hundert Jahre alten Steinhaus mit zwei kleinen Schaufenstern. Die scharlachroten und kobaltblauen Schuhe darin schienen von Prinzessinnen hinterlassen, die von bösen Monstren entführt worden waren.
Ich erinnere mich auch an etwas, was wir nicht gesehen haben: An Calvins Stuhl im Genfer Münster – der Sitz jenes gestrengen Reformators, der Genf im 16. Jahrhundert unter seiner Knute hatte. Wir haben das Sitzmöbel verpasst, weil wir das Münster in der Altstadt einfach links liegen liessen – Herr T. sieht sich nicht gerne Kirchen an, und ich wusste nichts von Calvins Stuhl und habe deswegen keine Besichtigung gefordert. In meiner Vorstellung ist der Stuhl ein grosser, finsterer Holzthron, aber die Google-Suche ergibt einen geradezu zierliches Möbel.