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«Das Problem der sprachlichen Minderheit» lautet der Titel eines Artikels, der am Samstag, 25. Oktober 1958 in den FN erschienen ist. Er behandelt eine «kleine Anfrage», die Grossrat Ernst Etter aus Gempenach eingereicht hatte. «Verschiedene Gepflogenheiten und Vorkommnisse zeigen immer wieder, dass die deutschsprachige Minderheit des Kantons Freiburg im Sense-, See- und Saanebezirk vonseiten der Behörden und der Verwaltung bewusst oder unbewusst ignoriert oder offensichtlich benachteiligt wird», wird der Grossrat im Artikel zitiert. «Diese Benachteiligung neben andern bestehenden Missständen in sprachlichen Dingen sind am meisten daran schuld, wenn die Deutschfreiburger den Eindruck bekommen, als Bürger minderen Rechts behandelt zu werden.» Angesichts dieses wachsenden Unbehagens in Deutschfreiburg, das die Behörden nicht gleichgültig lassen dürfe, dränge sich eine unmissverständliche Stellungnahme vonseiten der obersten Kantonsbehörde geradezu auf, heisst es im Artikel. Grossrat Etter fragt «die hohe Regierung», ob sie in der Lage sei, Aufschluss zu geben, nach welchen Grundsätzen das Staatspersonal in der Verwaltung und in den Staatsbetrieben zusammengestellt worden ist. Er fragt, ob auch auf die Zweisprachigkeit des Kantons und insbesondere auf die deutschsprachige Minderheit angemessen Rücksicht genommen wurde. Zudem will er wissen, wie die beiden Sprachgruppen derzeit in den Amtsstellen vertreten sind.
Ganz spezifisch kritisierte Grossrat Etter damals, dass ein Regimentskommandant die Sprache seiner Truppe nicht verstehe und nicht fähig sei, zu ihr zu sprechen. Er bemängelt auch, dass in einer Amtsstelle nach dem Tod eines Deutschsprachigen «nicht nur die sprachliche, sondern auch die konfessionelle Minderheit unter den Chefbeamten kaum mehr vertreten ist». Weiter heisst es in der Anfrage, welche die FN damals integral abgedruckt haben: «Betrachtet es der Staatsrat als korrekt gegenüber der deutschsprachigen Minderheit, wenn gewisse Amtsstellen ihre Publikationen und Mitteilungen, die auch die Bürger der sprachlichen Minderheit angehen, im Amtsblatt nur in französischer Sprache veröffentlichen?» Grossrat Ernst Etter spricht Klartext: «Ist sich der Staatsrat bewusst, dass er die kulturelle Eigenart unserer Bezirke verfälscht und unsere Bevölkerung vor den Kopf stösst, wenn er im deutschen Kantonsteil die Wegweiser zu zweisprachigen Ortschaften mit den französischen statt mit den ortsüblichen deutschen Namen versieht? Wann gedenkt er diesen Übergriff rückgängig zu machen?»
Diese kleine Anfrage von Grossrat Etter zeigt, dass die Sprachenfrage im Kanton Freiburg seit Jahren und Jahrzehnten immer wieder von sich reden macht.
In der Serie «Aus dem Archiv» stöbern die FN in alten Zeitungsbänden und erinnern daran, was in früheren Zeiten für Schlagzeilen gesorgt hat.