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Neue Techniken zur Speicherung von Wasser und zur Produktion von Nahrungsmitteln ermöglichen es, in der halbtrockenen Zone des Sertão zu überleben. Die Lösung des Problems, die negativen Auswirkungen der Trockenheit zu mindern, findet sich im halbtrockenen, brasilianischen Sertão selbst. Das demonstrieren diverse Familien und Kommunen aus dem Bundesstaat Ceará, die es geschafft haben, die wertvollen Ressourcen bestens zu nutzen, die während der trockenen Monate fehlen. Der Bauer João Firmino, 85 Jahre alt, stieg in den 1950er Jahren aus der Serra de Baturité, im zentralen Norden von Ceará, herab, um fortan im “Sertão Central“ zu leben (historisch als die trockenste Gegend des Bundesstaates bekannt), und er erzählt, dass man zu jener Zeit dort auch einen Job bekommen konnte. Jedoch um Wasser im Haus zu haben, musste man um zwei Uhr nachts aufstehen und zu einem Stausee marschieren.
Seit fünfundzwanzig Jahren lebt Firmino in der Kommune Bom Jardim, in dem Örtchen Quixadá. Heute, neben der “Cisterna-calçadão“ (einer Zisterne, die Regenwasser mittels eines um sie herum zementierten Trichters, von 10 bis 12 Metern Durchmesser auffängt), sieht er bewundernd zu, wie seine Tochter Lourdes (41) einen Eimer mit Wasser füllt. “Das ist viel Wasser, Gott sei Dank“! Die Niederschläge, die zwischen Ende Februar und Anfang März gefallen sind, haben das Reservoir praktisch aufgefüllt, eine Zisterne mit einem Fassungsvermögen von 52.000 Litern, deren Wasser nun zur Begiessung der Produktion von Fruchtbäumen, Gemüsen und Hülsenfrüchten benutzt wird. Direkt vor dem Haus haben sie eine zweite Zisterne, in der das Trinkwasser für die Familie gesammelt und gespeichert wird.
Die Bäuerin Lourdes ist in die Fussstapfen ihrer Eltern getreten, und heute ist sie verantwortlich für den produktiven Garten ihrer Familie. Aus ihm erntet sie nicht nur die Nahrungsmittel des Eigenbedarfs, sondern verkauft den Überschuss auf dem Markt in Quixadá. Ausserdem stellt sie einen Kuchen aus selbst angebauten Mais her, den sie mit Erfolg ebenfalls verkauft.
Die Sicherheit der Wasserversorgung ist nur einer der vielen bedeutenden Punkte, um im Sertão existieren zu können. Odaléa Severo, Mitglied der staatlichen “Coordinação no Semiárido“ (ASA), weist darauf hin, dass ausserdem die Aufbewahrung von Lebensmitteln für Mensch und Tier ebenso notwendig ist, um die Familien auf ihren Grundstücken halten zu können. “Trockenheit kann man nicht bekämpfen. Es ist notwendig, Mechanismen zu schaffen, um trotz Trockenheit gut leben zu können. Experimente wie dieses zeigen, dass es möglich ist. Wir machen Schluss mit dem Paradigma zur Trockenheitsbekämpfung, das während unserer gesamten Geschichte immer wieder vergeblich angegangen wurde“.
In Nova Russas, in der Region von Inhamuns (239 km von Quixadá entfernt), demonstriert die Kommune von Irapuá ihre Entschlossenheit zur Überwindung der Trockenheit des Sertão. Dort haben sich die Produzenten in einem Verband zusammengeschlossen, zur Organisation ihrer Arbeit, die aus der Produktion von Früchten und Gemüsen, Kunsthandwerk, Zucht von Federvieh und Bienen besteht. Der nächste Schritt der Kommune ist die Anforderung eines Siegels, auf dem ihre Qualitätsarbeit in der organischen Honigproduktion bestätigt wird. Ausserdem warten die Bienenzüchter auf die nächste Blütezeit, Resultat der kürzlichen Niederschläge, um die neue Sammelstelle einzuweihen – wo der Honig für die Belieferung der Verbraucher verarbeitet wird.
Die Erwartungen an die ersten Produktionen der neuen Einrichtung sind ein bisschen zurückgeschraubt. Vor dem Regen, als Wasser fehlte und die Temperaturen auf fast unerträgliche Grade anstiegen, haben die Bienen mehr als die Hälfte der 320 Bienenstöcke von Irapuá verlassen. Gegenwärtig haben die Bienenzüchter noch zirka 150 Bienenvölker übrig behalten. Trotzdem ist der Präsident der Vereinigung optimistisch. Er schätzt, dass es im April bereits wieder Honig gibt, und dass die Zahl der Bienenvölker wieder zunehmen wird. “Weil es geregnet hat, werden die weggeflogenen Bienen wiederkommen, werden andere mitbringen und sich vermehren“.
Mit den Niederschlägen von Februar und März ist die “Cisterna de enxurrada“ (die das Regenwasser direkt vom Erdboden aufnimmt, nachdem es zwei Filter durchlaufen hat) praktisch voll – die befindet sich im Hinterhof des Bauern João Pinto (52). Trotzdem bleibt er wachsam hinsichtlich seines sparsamen Verbrauchs. Eine praktische Technologie, die beim Wassersparen hilft, ist eine zirka zehn Quadratmeter grosse Fläche – er nennt sie “Canto econômico“ (sparsame Ecke) – deren Bewässerung von unten nach oben stattfindet: mittels mit Löchern versehener Rohrverbindung unter der Erde. Das Wasser wird in eine Öffnung gefüllt und verteilt sich durch die Löcher im Boden. João schätzt, dass die ganze Gartenecke etwa zehn Liter Wasser verbraucht, während solche Flächen normalerweise bis zu 40 Liter verbrauchen.
In der Kommune Irapuá stellt die ökologische Produktion von Baumwolle die bedeutendste Einnahmequelle der Bauern dar. Auch auf dem Grundstück des João Pinto wurden bereits die ersten Samen ausgestreut – die Ernte dürfte dann zwischen Juni und Juli erfolgen.
Ein ausländisches Unternehmen, mit Sitz in Brasilien, ist am Ankauf der organischen Baumwollproduktion der Bauern aus Ceará interessiert und hat ihnen bereits den Vorschlag unterbreitet, ihnen 4.000 Kilogramm abzukaufen. Eine gewaltige Herausforderung für die Kommune von Irapuá, die im vergangenen Jahr gerade mal 400kg produzieren konnte. Ausser den Bauern der Kommune – so der Präsident – gibt es zirka 60 Arbeiter in der Region von Inhamuns, die daran interessiert sind, ebenfalls Baumwolle zu produzieren und weitere 50 andere Bewohner der gegend, die innerhalb dieser Perspektive aktiv werden wollen.
Frei, um sich zu entscheiden, was er pflanzen will und einer professionellen Beratung, die ihm zur Seite steht, um die Trockenperiode zu überwinden, muss der Bewohner des Sertão seinen Besitz nicht aufgeben, sagt der Agrartechniker der Caritas von Crateús, Edmar Filho. Seiner Meinung nach muss die öffentliche Hand von den bescheidenen Bauern noch sehr viel dazulernen.
“Es gibt einen Wissensaustausch über Techniken des Zusammenlebens mit der halbtrockenen Landschaft, zwischen uns Profis und den Kommunen, die diese Techniken noch nicht nutzen. Diese Techniken sind bereits weit verbreitet unter den Institutionen, welche die Kommunen begleiten, und wir hoffen, dass sie sich auch zwischen den Staatsregierungen ausbreiten werden. Die Regierungen sollten sich aufs Land begeben und sich ansehen, was die Bauern tun“, sagt er.