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Christoph von Graffenried (1665-1731) gilt als offizieller Gründer der US-Kleinstadt New Bern in North Carolina. Der aus einer vermögenden Berner Patrizierfamilie stammende Baron aus Worb hatte sein Glück zuvor erfolglos in Frankreich und England versucht und war tief verschuldet, als er sein Amerika-Abenteuer begann. Via England segelte von Graffenried mit Schweizer und deutschen Siedlern über den Atlantik. Im September 1710 gründete er am Zusammenfluss von Neuse und Trent die Siedlung New Bern.
Viel Glück war den ersten Siedlern jedoch nicht beschieden. Schon bald begannen die in zeitgenössischen Dokumenten als «Indianerkriege» bezeichneten Kämpfe mit den lokalen Stämmen. 1711 geriet er gar selbst in Gefangenschaft und kam nur dank seines Verhandlungsgeschicks mit dem Leben davon. Die Kolonie wurde schliesslich vom Stamm der Tuscarora überrannt und fast ausgelöscht. Zermürbt von den vielen Konflikten verliess von Graffenried New Bern 1713 und kehrte 1714 in die Schweiz zurück. Die Swiss American Historical Society hat die Geschichte der Besiedelung von New Bern zum 300-Jahr-Jubiläum 2010 im Detail aufgearbeitet und publiziert (nur auf Englisch verfügbar).
Neben der Büste, die heute beim Rathaus steht, ist der Gründer auch sonst noch präsent in New Bern. Es gibt einen De Graffenried Park und eine De Graffenried Street. Der Berner Bär findet sich nicht nur im Wappen der Stadt, ein Sportteam der High School heisst «New Bern Bears». Und Polizeiautos zeigen einen Bär gekoppelt mit dem Slogan «Proud to wear the Bear!» (Stolz darauf, den Bären zu tragen).
Viele US-Orte von Schweizern gegründet
New Bern gehört offenbar zu den ersten von Schweizern gegründeten Orten in den USA überhaupt. Es gibt noch Dutzende mehr, darunter Bern in Idaho, Bern in Kansas und Berne in Indiana, aber auch Zurich in Montana, Tell City in Indiana oder Helvetia in West Virginia. Schweizer waren auch beteiligt an der Gründung der heutigen Metropolen Denver (Colorado) und Pittsburgh (Pennsylvania).
Rund 25’000 Schweizerinnen und Schweizer wanderten laut dem Swiss Center allein zwischen 1700 und 1776 in die USA aus – besonders viele waren es zwischen 1880 und 1890. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat es dann deutlich nachgelassen. 2019 wurden in den USA 905 079 Einwohner mit Schweizer Wurzeln gezählt, am meisten in den Bundesstaaten New York, Pennsylvania und Kalifornien.