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Sprache.
[* 3] Die althebräische Sprache, welche von den Hebräern oder Israeliten zur Zeit
ihrer nationalen Selbständigkeit, in ihren wesentlichsten Bestandteilen auch wohl schon von den in Palästina
[* 4] wohnenden alten
kanaanitischen Völkerstämmen, bis in das 2. Jahrh. v. Chr. gesprochen und geschrieben wurde, bildet neben der arabischen,
aramäischen, assyrisch-babylonischen Sprachgruppe einen Hauptast des semitischen Sprachstammes, welcher in den LändernVorderasiens,
in Äthiopien, auf den phönikischen Kolonien, auf den Inseln des Mittelmeers
[* 5] und auf der NordküsteAfrikas
heimisch war. In dieser kräftigen, grammatisch durchgebildeten, an Wortreichtum der arabischen aber nachstehenden Sprache
liegen uns die ältesten semitischen Schriftstücke in den ältern Texten des Alten Testaments vor.
DiesenPerioden geht eine Entwickelungsstufe der hebräisch-kanaanitischen Sprache voraus, auf der sie mit dem gemeinsamen Sprachstamm
[* 9] noch enger verbunden war, und welche zeigt, daß die hebräische Sprache seit den ältesten Zeiten die SprachePalästinas war und, mit einigen
dialektischen Verschiedenheiten,
bereits von den alten heidnischen Stämmen gesprochen wurde. Eine strenge
Abgrenzung beider Zeitalter ist aber bei der Eigentümlichkeit der hebräischen Litteratur nicht möglich.
Dieses goldene Zeitalter zeigt uns die hebräische Sprache im allgemeinen ungetrübt. Zeit, Ort, Eigentümlichkeit und Quellenverwertung
der Schriftsteller geben dem einzelnen, namentlich bei historischen Texten, häufig eine merkliche Verschiedenheit; übrigens
wird der gleiche Charakter, die Reinheit des Ausdrucks, der Schwung der Rede, die Einfachheit und Kürze
bewahrt. Die Sprache der Dichter, von den prosaischen Texten verschieden, tritt durch einen in strenger abgemessenen parallelen
Satzgliedern sich bewegenden Rhythmus, durch eigentümliche Wortbedeutung und Formbildung hervor.
In der zweiten Periode gewöhnten sich die Juden in Babylon bald an den dem Hebräischen nahe verwandten
aramäischen Dialekt, welcher sich auch bei ihrer Rückkehr mehr ausbreitete, zumal die Sprache der Behörden und des Verkehrs
die aramäische war. Daher schwand nach und nach die reine hebräische Sprache aus dem Leben und war nach einigen Jahrhunderten im Volksmund
viel verdorbener, als sie in den gleichzeitig erscheinenden schriftstellerischen Erzeugnissen erscheint.
Bei dem Übergewicht des Aramäischen bildete sich eine aramäisch-hebräische Sprache aus.
Nach der Rückkehr der Juden aus dem babylonischen Exil (536) hörte die hebräische Sprache nach und nach als Umgangssprache auf und erhielt
sich nur in den Kreisen der Gebildeten, bis sie im 2. Jahrh. durch das Griechische verdrängt und nur noch als Schrift- und
Kultussprache benutzt wurde. Denn die gelehrten Leiter des in hebräischer Schrift fortgeführten Gottesdienstes,
die Übersetzer der biblischen Vorlesungen in den Synagogen, die Gesetzlehrer überhaupt bildeten sie, unterstützt durch
eine lebendige traditionelle Sprachkenntnis, zu einer religiösen Gelehrtensprache aus, die in ähnlicher Weise wie das Lateinische
im Mittelalter benutzt wurde.
Diese Gelehrtensprache, deren sich vorwiegend Rabbiner bedienten, nannte man wenig korrekt die rabbinische,
richtiger die neuhebräische Sprache. Sie ist die durch die veränderten Lebensverhältnisse, durch neue Rechtsbegriffe u. a.
teils erweiterte, teils umgebildete hebräische Sprache Die Umbildung der aus dem Aramäischen und aus den klassischen Sprachen, besonders
dem Griechischen, aufgenommenen Wörter geschah nach Geist und Form des Althebräischen, so daß die fremden
Bestandteile oft als echt semitisch erscheinen. In dieser neuhebräischen Sprache sind bis zum 9. und 10. Jahrh. abgefaßt:
die Mischna (s. Talmud), ältere Teile der Liturgie, die aber noch echte biblische Färbung tragen, einzelne Partien des Talmuds,
die Tossefta (s. d.) und die Midraschim (s. d.).
Die Sprache der Mischna, das Vorbild späterer Schriften, entlehnt dem Aramäismus Flexionen und Derivationen,
neue Wortbildungen, Konstruktionen, Verbalstämme, nimmt Bezeichnungen für Abstrakta und Konkreta aus der griechischen Umgangssprache
u. a. auf und bürgert so die Barbarismen in die ein. hebräische Sprache
Sie hat den Juden in Polen und Rußland das europäische Wissen, die Litteratur der zivilisierten Welt, Geschichte und Politik
vermittelt; sie hat einzelne Dichter erweckt, in deren Poesien die Sprache Jesajas' in verjüngter Gestalt
wieder auflebte. Wir nennen hier den Dramatiker A. B. Löwensohn in Wilna,
[* 11] den Novellisten und Romanschriftsteller A. Mape,
den Gelehrten und Übersetzer R. Schulmann in Wilna, den Journalisten P. Smolensky, Herausgeber des »Haschachar« und trefflicher
Schilderungen aus dem jüdischen Volksleben Rußlands, den Dichter M.L. Lilienblum, S. Mandelkern, Verfasser
einer Geschichte Rußlands in hebräischer Sprache, die Schriftstellerin und Übersetzerin Mirjam Markel in Subolk, Hebräische Rabbinowicz
in Petersburg
[* 12] (»Lehrbuch der Mathematik, Physik und Chemie«),
Die althebräische Schrift, wie sie auf der Inschrift des Mesa, aus makkabäischen Münzen und alten Steinen
sich zeigt, stammt wahrscheinlich aus Babylon und wurde auch von den Phönikern gebraucht. Aus ihr ging die etwas abweichende
aramäische Schrift hervor, von der eine Abart, die palmyrenische Schrift (auf den DenkmälernPalmyras), uns bekannt ist. Diese
beiden Arten faßt man als assyrische Schrift zusammen, und aus ihr schufen die jüdischen Bibelschreiber
(soferim).
Das Alphabet (s. die »Schrifttafeln«) besteht
aus folgenden 22 Konsonanten, von denen 3 auch Vokalpotenz haben: Aleph (^, spiritus lenis), Beth (b), Gimel (g), Daleth
(d), He (h), Waw (w, wie das englische w) ^[offenbar unrichtig, das Waw ו entspricht dem deutschen w], Zajin (z nach französischer
Aussprache), Chet (ch, starker Kehlhauch), The (t), Jod (j), Kaph (k, ch), Lamed (l), Mem (m), Nun (n), Samech (s), Ajin (^,
eigentümlicher Kehllaut), Pe (p, ph), Szade (starkes s), Koph (q), Resch (r), Szin (s) und Schîn (sch),
Taw (t, th).
Die Konsonanten werden auch als Zahlzeichen benutzt. Am Ende anders als in der Mitte und am Anfang des Wortes werden Kaph, Mem,
Nun, Pe und Szade geschrieben (Finalbuchstaben). SechsKonsonanten, Beth, Gimel, Daleth, Kaph, Pe und Taw, sind
uns in doppelter Aussprache überkommen: in härterer (literae tenues) und in weicherer (l. aspiratae). Die hebräische Sprache wurde
ohne Vokalzeichen geschrieben, erst um das 7. Jahrh. n. Chr. wurden diese fixiert. Es hat sich aber eine zwiefache Aussprache
der hebräischen Vokale erhalten, die nach dem Weg, den sie zu uns genommen, die portugiesische (bei den
Philologen übliche) und polnische Aussprache genannt wird.
Zeitformen, Perfektum und Imperfektum; dann einen Imperativ, Infinitiv und ein Partizipium, durch welche wie auch durch Umschreibung
alle Formen gebildet werden. Das Nomen (mit zweifachem Geschlecht) ist meistens vom Verbum abzuleiten und wird durch Präfixe
und Suffixe, durch eine Art Genitivbezeichnung (status constructus) in seine verschiedenen Beziehungen gebracht. Die Syntax
der hebräischen Sprache ist um so wichtiger, da die Wortgestalt nicht immer vollkommen ausgebildet ist und der richtige Sinn
des Textes sich nur durch ein genaues Beobachten des Wortes in seiner Stellung und Ordnung im Satz ergibt.