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Der Glaube ist ein zentrales Thema im Werk des Alpenmalers Giovanni Segantini (1858-1899). In einer stark katholisch geprägten Umgebung aufgewachsen, entwickelte der junge Künstler, vielleicht auch aufgrund der negativen Erfahrungen, die er in einer sehr strengen katholischen Jugendstrafanstalt machte, eine antiklerikale Haltung, die aber nur selten, in frühen Werken wie Commenti maligni, zum Ausdruck kommt. Steht diese Haltung aber nicht im Widerspruch zur Vorliebe des jungen Künstlers für Darstellungen religiöser Andacht bei einfachen Menschen? Und wie ist in seinem Werk die Allgegenwart der katholischen Ikonographie zu erklären, die sogar in seinen späten, symbolistischen Gemälden und Zeichnungen eine wichtige Rolle spielt? Anhand ausgewählter Beispiele aus der museumseigenen Sammlung versucht Konservatorin Mirella Carbone, das komplexe Verhältnis des Künstlers zur religiösen Tradition seiner Herkunft auszuleuchten und seinen Weg vom Christengott zur Gott-Natur aufzuzeigen.