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Lydia Emma Pinckert (1904-1997) wurde in Wisconsin geboren, wuchs jedoch in Kalifornien auf. 1928 heiratete sie den Schweizer Einwanderer Charles Zuercher, was sich als Fehler herausstellte. Wohl deshalb nannte sie sich später Jeane, machte sich 14 Jahre jünger und ihre erste Ehe damit sozusagen ungeschehen. 1939 heiratete sie ihren Chef, den Gebrauchtwagenhändler James Dixon, mit dem sie anschließend in Washington, D.C., eine Immobiliengesellschaft führte. Bei ihm blieb sie bis zu seinem Tod.
Ihre besondere Begabung kam zwar schon im Alter von neun Jahren zum Vorschein, aber erst in den 50er-Jahren machte sie ihre Berufung als Hellseherin und Astrologin zu ihrer hauptberuflichen Tätigkeit. Im Laufe ihres Lebens schrieb sie mehrere Bücher, unter anderem eine Autobiographie sowie astrologische Kochbücher. Ihre Prophezeiungen und Horoskope waren auch in deutschen Zeitschriften und Tageszeitungen zu lesen.
Außerdem betätigte sie sich als Beraterin wichtiger Washingtoner Persönlichkeiten, wie zum Beispiel des Präsidenten Richard Nixon und seiner Frau Nancy. Weltweite Bekanntheit erlangte sie vor allem in den 60er- und 70er-Jahren mit ihren genauen Vorhersagen zu den Themen Politik, Krieg und Frieden. Beispielsweise prophezeite sie den Ausbruch eines Krieges, der von den späten Achtzigern bis 1999 andauern sollte. Die von ihr genannten Daten stimmen mit den Unruhen auf dem Balkan überein, die mit dem Sturz des Ceausescu-Regimes 1989 begannen und mit dem jugoslawischen Bürgerkrieg endeten. Letzterer fand 1999 im Kosovo seinen Abschluss.
Ihre berühmteste Vorhersage bezog sich allerdings auf den amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy. 1952 hatte die gläubige Katholikin während eines Kirchenbesuchs die Vision, dass 1960 „ein blauäugiger Demokrat“ zum Präsidenten gewählt und während seiner Amtszeit ermordet werden würde. Später versuchte sie mehrere Male vergeblich, den blauäugigen Kennedy zu warnen. Am
22. November 1963 bei einem mittäglichen Restaurantbesuch mit Freunden sah sie voraus, dass Kennedy erschossen werden würde. Eine halbe Stunde später traf ihre Prophezeiung ein.
Erik Jan Hanussen (1889-1933) wurde in Wien-Ottakring geboren und wuchs im Varieté-Milieu auf. Schon ab seinem 14. Lebensjahr versuchte er sich als Chansonnier und Schauspieler und ging auch zum Zirkus, wo er Tricks wie das Zerbeißen von Glas, Kettenzerreißen, Feuer- und Schwertschlucken sowie diverse Fakirkunststücke erlernte. Mit 21 Jahren begann er, sich mit Hypnose und Telepathie zu beschäftigen, und entdeckte seine hellsichtige Begabung. 1913 war er Journalist für ein Wiener Boulevardblättchen. In seinen Beiträgen enthüllte er betrügerische Hellseher, deren Tricks er später allerdings selbst angewandt haben soll.
Im ersten Weltkrieg entging er gefährlichen Manövern, indem er seinen Kameraden an der Front prophezeite, was in der Heimat passieren würde. Da er mit seinen Voraussagen bei seinen Vorgesetzten Eindruck machen konnte, durfte er das Militär sogar im Wünschelrutengehen ausbilden.
Nach dem Krieg betätigte er sich in Wien als Kriminaltelepath und trug zur Aufklärung einiger aufsehenerregender Fälle bei. In den Presseberichten erntete er im Gegensatz zur Polizei die Lorbeeren. Schließlich führte dies dazu, dass er 1923 als unerwünschter Ausländer für zehn Jahre des Landes verwiesen wurde. Dies konnte nur geschehen, weil er nach dem Zerfall Österreich-Ungarns Besitzer eines tschechoslowakischen Passes geworden war.
Zu dieser Zeit war er jedoch schon so berühmt, dass er für Auftritte in New York gebucht wurde. 1925 kehrte er nach Europa zurück, ließ sich in Berlin nieder und trat vor Publikum auf. Teilweise kamen 3000 Zuschauer in seine Shows. Seine Spezialität war das Zettellesen. Dabei schrieben Ratsuchende aus dem Publikum ihre Fragen auf Zettel. Hanussens Aufgabe bestand dann darin, diese Fragen wiederzugeben und auch gleich zu beantworten.
Ab 1931 gab er esoterische Zeitschriften heraus, deren monatliche Auflage mehrere Hunderttausend Exemplare betrug. In diesen sagte er unter anderem den Aufstieg Hitlers und das Ende des Reichstages voraus. Durch Privataudienzen und den Verkauf der Meditationskette „Gomboloy“ kam er zu viel Geld, sodass er in der Lietzenburger Straße in Berlin einen luxuriösen „Palast des Okkultismus“ bauen lassen konnte, den er am 26. Februar 1933 eröffnete. Dabei machte er Andeutungen über einen zukünftigen Großbrand – und einen Tag später brannte das Reichstagsge-
bäude.
Die Umstände seines Todes sind bis heute ebenso ungeklärt wie seine genaue Herkunft. Hanussen selbst behauptete, dänischer Abstammung zu sein, war tatsächlich aber der Sohn eines Juden und hieß ursprünglich Hermann Steinschneider. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass er am 24. März 1933 von der SA ermordet wurde. Sein Grab befindet sich auf dem Prominentenfriedhof in Berlin-Stahnsdorf.