Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03337.jsonl.gz/1547

Loblied auf Cäsar
Als Professor an der Universität Zürich schrieb Theodor Mommsen an seiner monumentalen «Römischen Geschichte». In der Antike fühlte sich der brillante Gelehrte zuhause; in Zürich wurde er aber nicht heimisch.
Theodor Mommsen war ein politischer Kopf und ein brillanter Wissenschaftler. Angeklagt wegen Beteiligung am sächsischen Maiaufstand von 1849 gegen den preussischen König, wurde der liberal denkende Rechtsprofessor 1851 aus dem Dienst der Universität Leipzig entlassen. Noch im selben Jahr bot die Universität Zürich ihm einen Lehrstuhl für Römisches Recht an.
An Mommsens Wechsel in die Schweiz waren zwei Zürcher beteiligt, die in Leipzig zu seinem Freundeskreis gehörten: die Brüder Caspar und Salomon Hirzel. Die beiden Verleger hatten Mommsen nach einem Vortrag gebeten, eine Römische Geschichte zu schreiben, und 1850 mit ihm einen Vertrag über das Werk abgeschlossen. Mommsen kam auf das Sommersemester 1852 nach Zürich. Hier arbeitete er neben seinen Lehrverpflichtungen an der Universität an diesem monumentalen historischen Werk, für das ihm 50 Jahre später, 1902, der Nobelpreis für Literatur zugesprochen wurde.
Mommsen schrieb die «Römische Geschichte», die letztlich ein Torso blieb, aus einer umfassenden Kenntnis der antiken Quellen heraus, aber zugleich mit dem Blick des politisch wachen Zeitgenossen des 19. Jahrhunderts. Seine Urteile zu den Ereignissen der römischen Geschichte sind pointiert. Sein besonderer Liebling war Julius Cäsar, der ihm als vollkommener Mensch und Politiker erschien.
In Zürich wurde Theodor Mommsen nicht heimisch. So gut sich der Professor in Latein und Griechisch auskannte, so wenig konnte er sich mit dem Schweizerdeutschen anfreunden. Drei Wochen nach der Ankunft in Zürich schrieb er einem Freund nach Rom: «Hier sind schöne Berge, klares Wasser, gute Seidenindustrie, auch Engländer zum Auslachen; aber die Mädel versteht man nicht mit ihrem Züri-Dütsch und Inschriften sind rar, und gute Freunde noch viel rarer. Basta; man muss ja nicht eben glücklich sein.» 1854 wurde er nach Breslau im damaligen Preussen berufen.