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Ein Ghostwriter ist unter den Schreiberlingen jemand, der für einen prominenten Zeitgenossen Artikel (gerade die Kolumnen populärer Sportler gehören in diese Kategorie) oder Bücher, meist Biografien, verfasst. Ein solcher landet einen grossen Coup als er die Autobiografie des ehemaligen Britischen Premiers Adam Lang schreiben soll. Sein Vorgänger hat sich scheinbar unter mysteriösen Umständen das Leben genommen, doch 250‘000 Dollar für einen 4 Wochen Job kann er nicht ausschlagen. Doch als der Ex-Premier mit Foltergeschichten mutmasslicher Terroristen für Schlagzeilen sorgt und der Ghostwriter nebulöse Entdeckungen macht, zweifelt er immer mehr an seinem Tun.
Der Ghostwriter oder The Ghost umgab die unselige Geschichte um die Verhaftung Polanskis kurz vor dem letztjährigen Zürcher Filmfestival. Man sprach und schrieb folglich mehr darüber als über seinen kommenden Film (den er „im“ Gefängnis und dem anschliessenden Hausarrest fertigstellte), was sich auch nicht mit dem Starttermin änderte. In den USA war Ghostwriter wenig erfolgreich und auch bei uns kein grosses Geschäft. Eigentlich schade, denn Ghostwriter ist der beste Polanskis seit dem unterkühlten, atmosphärisch bedrückenden Frantic. Und definitiv hat der neue Polanski ein wesentlich besseres Ende als The Ninth Gate (welch misslungener Schluss), der mit andauernder Länge immer mehr abgab.
Dabei profitiert der Film von einem tollen Drehbuch (nach einem Roman von Robert Harris) mit spitzen, sarkastischen Dialogen und Einfällen, deutlichen Bezügen zur Ära Tony Blair, der schweren, grauen, verregneten Szenerie und nicht zuletzt von den ganz hervorragenden Schauspielern. Ewan McGregor als Ghostwriter, mit einer herrlichen Mischung aus anfänglicher Gleichgültigkeit und angestacheltem Wissensdurst. Die attraktive, leider zu selten zu sehende Olivia Williams als Langs unzufriedene Gattin. Und in kleineren, aber nicht weniger haften bleibenden Rollen Tom Wilkinson und James Belushi (mit Glatzkopf).
Schreibermusik
Alexandre Desplats Musik funktioniert im Film bestens. Weitaus besser als auf der repetitiven, ja manchmal langatmig scheinenden CD (siehe Rezi). Die Geschäftigkeit, die Unnachgiebigkeit und das ständige Auftauchen seines Hauptmotivs untermalen die angespannte Stimmung des Films, das Nachforschen von McGregors Charakter, der nach und nach mehr in Erfahrung bringt und so immer tiefer in einen unaufhaltsamen Strudel gerät. Der Score ist ein Beispiel dafür, dass nicht jede Filmmusik auf CD ohne Kenntnis des Films funktioniert. Im Fall von The Ghostwriter tut es Desplats Musik jedenfalls mehr als gut, den Film gesehen zu haben.
Phil, 22.9.2010
THE GHOST / DER GHOSTWRITER R: Roman Polanski D: Ewan McGregor, Olivia Williams, Pierce Brosnan, Tom Wilkinson u.a Musik: Alexandre Desplat Verleih: Warner (Schweiz)/ Arthaus (Kinowelt)