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Der Kölner Journalist Max Annas hat in den letzten Jahren eine Reihe lesenswerter Krimis veröffentlicht, denen eine Sache gemein ist: Es geht in ihnen immer auch um Rassismus. Der Roman «Die Mauer» beispielsweise, 2017 mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet, spielte in Südafrika nach der Apartheid.
«Morduntersuchungskommission» ist nun in der DDR angesiedelt und basiert auf einem realen Fall, nämlich der Ermordung des moçambiquanischen Vertragsarbeiters Manuel Diogo durch ostdeutsche Neonazis 1986. Der ermittelnde Kommissar heisst Otto Castorp, ist Anfang dreissig, hat eine Frau und drei Kinder. Ausserdem hat er noch eine Geliebte und einen Bruder, der bei der Staatssicherheit arbeitet. Ansonsten erfährt man nicht viel über Castorp, dessen wichtigste Eigenschaft darin zu bestehen scheint, dass er seine Arbeit gern gut macht. Genau das jedoch wird für ihn zunehmend zum Problem, denn es gibt Fälle, die aus politischen Gründen nicht ausermittelt werden sollen.
Das stellt sich auch im Fall der ermordeten Moçambiquaners heraus. Als immer deutlicher wird, dass es sich um einen rassistischen Mord handelt, werden Otto und seine Kollegen abgezogen. Faschismus gilt der DDR als Instrument der kapitalistischen Klassengesellschaft. Wie soll es da in einem sozialistischen Staat RassistInnen und Neonazis geben können?
So steckt auch in diesem Krimi eine unaufdringliche, intelligente und lapidar erzählte Gesellschaftsstudie. Denn Otto recherchiert auf eigene Faust weiter, wodurch der Roman immer mehr zu einer Geschichte über die untergegangene DDR wird.
Doch Max Annas ist gleichzeitig klug genug, um den Finger, der auf den Osten zeigt, zurück auf die westdeutsche Gesellschaft zu wenden. Das äussert sich im Plot, aber vor allem auch darin, dass Annas seinen Kommissar an Orte in Thüringen führt, die Jahrzehnte später im Zusammenhang mit dem nationalsozialistischen Untergrund (NSU) eine Rolle spielen sollten.