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Interview mit Carlos: «Der faire Handel ist ein Muss»Lesen
Der Schauspieler und Musiker Carlos Leal ist ehrenamtlicher Botschafter von Fairtrade Max Havelaar.
Carlos Leal ist als Sohn von spanischen Immigranten in Renens bei Lausanne aufgewachsen. Bekannt wurde Carlos bereits in den neunziger Jahren als Rapper der Hip-Hop-Band "Sens Unik". Heute ist Carlos als Schauspieler in diversen Schweizer- und Hollywood-Filmen zu sehen, beispielsweise im Bond-Film: "Casino Royale" (2006) oder in der grossen TV-Produktion "Gotthard" (2016). Carlos lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Los Angeles.
Weshalb hast du beschlossen, dich für den fairen Handel zu engagieren?
Wir können die Welt unmöglich zu einem perfekten Ort machen, doch wir haben alle die Pflicht, unseren Beitrag zu leisten, um sie zu verbessern. Bereits in den 1990er-Jahren fielen mir in Lausanne die ersten «Dritt-Welt-Läden» auf. Ihre Auswahl war zwar damals klein, doch es gab einen echten Willen zur Wiederherstellung des Gleichgewichts zwischen dem Norden und dem Süden. Die Schweiz ist heute eins der fortschrittlichsten Länder in Bezug auf die Förderung des fairen Handels. Deshalb fühle ich mich geehrt und bin stolz darauf, Fairtrade zu unterstützen.
Was bedeutet dir Chancengleichheit im Beruf und auch allgemein?
Ein wichtiges Thema! Ich bin in der Hiphop-Kultur gross geworden und habe mehr als 15 Jahre lang engagierte Texte für Sens Unik geschrieben. Als Sohn von Einwanderern und auch als der Künstler, der ich geworden bin, kann ich sagen, dass die Chancengleichheit für mich nicht nur die wichtigste Inspirationsquelle, sondern auch der Hauptantrieb für mein Vorankommen im Leben ist. Ich habe Dinge schon für Geld und nicht aus dem Herzen herausgetan, und es gibt keinen Tag, an dem ich das nicht bereue. Dagegen bin ich vor Stolz und Reife jedes Mal um zwei Zentimeter gewachsen, wenn mein Herz sich für eine gute Sache eingesetzt hat.
Wieso interessiert dich das Schicksal von Kleinbauern in Entwicklungsländern?
Der faire Handel ist ein Muss. Wer sich weiterhin den Bauch vollschlägt auf Kosten von Teilen der Welt, die mit Mühe zu überleben versuchen, macht sich über sie lustig und tut so, als existierten sie nicht. Das gilt für die Kleinbauern ebenso wie für die Opfer internationaler Konflikte. Wir müssen unsere Erde neu als Einheit statt als "jedem sein Gärtli" betrachten. All unser Handeln kommt ohnehin wie ein Bumerang zu uns zurück und wir müssen schlussendlich die Folgen unserer Sorglosigkeit und Ignoranz tragen. Natürlich ist das einfacher gesagt als getan, doch genau darum sind Organisationen wie Fairtrade so wichtig: Sie helfen uns, die richtige Wahl zu treffen, und leiten uns als Konsumenten täglich an.
Wofür würdest du als Besitzer einer frisch zertifizierten Kooperative oder Plantage die erste Fairtrade-Prämie einsetzen?
Das würde ich den Frauen überlassen. Genau wie die Bank für die Armen würde ich die Budgetverantwortung den Frauen der Kleinbauern und Produzenten übergeben. Auch würde ich versuchen, die Produktion zu steigern, mehr Bauern einzubinden, die Lohnzahlungen zu gewährleisten und die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Doch wer bin ich schon, um dies vorzuschreiben? Ihnen selbst müsste man diese Frage stellen und vertrauen, dass sie das Richtige tun.
Du lebst seit ein paar Jahren in Los Angeles. Wie wird dort der faire Handel wahrgenommen?
Nun, Los Angeles und Kalifornien sind eine kleine Welt für sich. In dieser Region der USA spielen die Natur und das natürliche Gleichgewicht eine grosse Rolle. Die Einwohner Kaliforniens sind sehr "green" und Bioprodukte und -supermärkte haben sich in den letzten zehn Jahren in Los Angeles rasant entwickelt. So ist beispielsweise die Supermarktkette "WholeFoods" zum angesagtesten Ort der Stadt geworden. Doch wie überall ist auch hier die Scheinheiligkeit ein wunderbares Instrument, um sein Gewissen zu beruhigen. Sich zu einem guten Gewissen zu verhelfen ist das Eine, doch man muss unbedingt auch die Anliegen des fairen Handels sehen und verstehen, WARUM es gerechter ist, "fair" zertifizierte Produkte zu kaufen. Denn eigentlich geht es nur um ein kleines Stück Verantwortungsbewusstsein und gesunden Menschenverstand. Und dazu sind wir ausnahmslos alle fähig.