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Die neue HBO-Serie «Watchmen» ist die Adaption des gleichnamigen Kultcomics von Alan Moore und Dave Gibbons. Die neue Interpretation überzeugt vor allem mit ihren innovativen Updates zum Original, kann aber leider nicht während der ganzen ersten Staffel überzeugen.
Würde eine TV-Serie nur nach ihren Vorzügen gewertet, wäre «Watchmen» wohl ein Kultklassiker. Die von Damon Lindelof (Co-Autor der «Star Trek»-Remakes) kreierte Show setzt drei Jahrzehnte nach den Geschehnissen des gleichnamigen Graphic Novels von Alan Moore und Dave Gibbons ein. Der Comic aus den 1980er Jahren fantasiert über ein alternatives Amerika, in dem ambivalente Superhelden den Lauf der Geschichte so beeinflussen, dass die Vereinigten Staaten den Vietnamkrieg gewannen und Richard Nixon nie zurücktreten musste. Lindelof führt nun diese Ausgangslage in die Gegenwart weiter, in der maskierte Polizisten und Lieutenants mit Umhängen und Decknamen wie Pirate Jenny oder Red Scare gegen die Machenschaften der lokalen Neonazis ankämpfen.
Nach «Lost» und «The Leftovers» kreiert Showrunner Lindelof eine weitere Serie, die sich mit kollektivem Trauma auseinandersetzt. Doch in «Watchmen» zieht er für einmal keine allegorische Parallele zum 11. September 2001, sondern nimmt das historische Massaker von Tulsa als Grundlage für sein Drama. Die Serie nimmt ihren Anfang 1921, als die sogenannte «Black Wall Street» im Zentrum der Südstaatenstadt vom Ku-Klux-Klan attackiert und die Mehrheit der afroamerikanischen Bevölkerung ermordet wurde. Der Zwischenfall, der bis heute als «Rassenunruhe» gilt und nie vollends aufgearbeitet wurde, liefert die Basis für eine Diskussion über «Reparations» für historische Verbrechen und die Rolle von «White Supremacy» in Regierungsapparaten.
In der besten Episode («This Extraordinary Being») werden der Protagonistin, Angela Abar alias Sister Night (Regina King, schon in «If Beale Street Could Talk» hervorragend), die traumatischen Erinnerungen eines Zeitzeugen des Tulsa-Massakers mittels Nostalgie-Pillen eingeflösst. Die episodischen Rückblenden sind ein raffiniertes Mittel, um anhand dieses vergangenen Lebens die Geschichte des Schauplatzes und der anhaltenden Machtkämpfe zwischen maskierten Gesetzeshütern und White Supremacists, die ihre KKK-Roben gegen Rorschach-Masken ausgetauscht haben, aufzuarbeiten und mit der Gegenwart zu verknüpfen. Durch geschickte Kameraführung wird Angela in verschiedenen Plansequenzen mit dem Protagonisten der Flashbacks ausgetauscht und gleichgesetzt. Diese technische Spielerei hat Substanz und macht nicht nur auf die geteilten Erinnerungen aufmerksam, sondern weist auch darauf hin, wie sich die Geschichte wiederholt und Trauma über Generationen weitergegeben wird.
Doch leider bleibt diese Episode die Ausnahme – und «Watchmen» eine Ansammlung von anregenden Ideen, die in ihrer Umsetzung nicht vollends überzeugen. Mit haarsträubenden Dialogen und Figuren, die «Miami Vice»-Star Don Johnson (momentan auch in «Knives Out» zu sehen) an die Polizeiserie der Achtziger erinnert haben müssen, wird ein Ton angeschlagen, der sich schlecht mit Themen wie faschistisch motivierter Gewalt und institutionellem Rassismus mischt. Viele der Ansätze – etwa die Auseinandersetzungen mit dem posttraumatischen Stress von Sister Nights Partner Looking Glass (Tim Blake Nelson, bekannt aus «The Ballad of Buster Scruggs») – sind spannend, werden aber stets von gestalterischen Elementen wie der einfallslosen Montage voller lästiger Rückblenden oder dem selbstgefälligen Dialog unterwandert.
So scheitert «Watchmen» nicht an fehlendem Einfallsreichtum, sondern an der Umsetzung und zeigt einmal mehr, dass gute Ideen allein noch keine neun Stunden füllen.
Auch wenn Lindelof die Geschichte von Moore und Gibbons aktualisiert und organisch weiterführt, schaffen es ihre Vorzüge nicht, die Defizite zu kompensieren. Man wünschte sich, dass er nur die Idee gehabt hätte und jemand anderes mit dem Schreiben der Staffel betraut hätte. So scheitert «Watchmen» nicht an fehlendem Einfallsreichtum, sondern an der Umsetzung und zeigt einmal mehr, dass gute Ideen allein noch keine neun Stunden füllen.
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Bild- und Trailerquelle: HBO