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Das Zwirneli ist als einzige von einst mehr als 250 historischen Wasserkraftanlagen im Appenzellerland erhalten geblieben. Das Kernstück bildet ein oberschlächtiges Wasserrad mit 7 Metern Durchmesser.
Die Einzigartigkeit als Baudenkmal ergibt sich aus der Vollständigkeit der Anlage:
- Die Wasserkraftanlage ist noch funktionstüchtig.
- Alle Zwirn- und Fachspulmaschinen aus dem 19. Jahrhundert, die einst vom Wasserrad angetrieben wurden, sind noch vorhanden.
- Am Gebäude sind keine wesentlichen Änderungen vorgenommen worden.
- Die geografische Situation ist unverändert vom Standortfaktor Wasserkraft bestimmt.
Das heute liebevoll «Zwirneli» genannte Gebäude mit seinen braun gebrannten Schindeln ist ein ganz seltener Zeuge einer langezeit vorherrschenden Antriebstechnik und eines für Appenzell Ausserrhoden typischen Wirtschaftszweiges. Es ist die unterste von drei ehemaligen Zwirnereien, die dicht hintereinander eine Gefällstufe am Oberlauf des Eichenbaches säumen.
Alle drei wurden in den 1860er Jahren von Jakob Rohner (1808–1872) erstellt, das Zwirneli wohl 1866.
Die sich ab 1860 rasch zum wichtigsten Ostschweizer Wirtschaftszweig entwickelnde Maschinenstickerei liess die Nachfrage nach gezwirntem Faden rasch steigen und führte zur Gründung zahlreicher Zwirnereien. Diese Branche nutzte als letzte in grossem Stil Wasserräder als Antrieb.
Rohners Enkel Johannes Rohner-Lutz (1864-1957) nahm 1902 einen grundlegenden Um- und Ausbau des Zwirneli vor. Damals wurde die heute noch bestehende Wasserkraftanlage erstellt und das Gebäude durch einen Anbau an der Nordseite vergrössert. 1904 kam ein «Benzinmotor neuester Konstruktion» hinzu, um den Antrieb auch bei schwacher Wasserführung des Eichenbaches sicherzustellen.
Um 1955 wurde der Betrieb aufgegeben. Die aus dem 19. Jahrhundert stammenden Zwirn- und Fachspulmaschinen wurden sorgfältig demontiert, in Kisten verpackt und im Technorama in Winterthur eingelagert. Ölflecken auf den Böden im Zwirneli markieren noch immer ihre Standorte. Das Gebäude diente danach als Ferienhaus, seit 1994 ist es Wohnhaus mit Meditationsraum.
Fotos: Technorama Winterthur, Petra Schweiger