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10 Jul Nippon
Tokio – Im Land der aufgehenden Sonne
In einer Großstadt wie Tokio gibt es eine Vielzahl an Stadtteilen, die sowohl Frauen als auch Männern von Welt bekannt sein könnten. Ginza, Shinjuku, Aoyama, Roppongi, Shibuya und auch Asakusa. Doch wem ist der Name „Nihonbashi” ein Begriff? Direkt übersetzt bezeichnet dieser Ausdruck die Brücke Japans. Niemand weiß eigentlich so richtig, wie und an welchem Ort Tokio gegründet wurde.
Im Jahr 1603 erlangte Tokugawa Ieyasu, das Oberhaupt des japanischen Schwertadels Buke, Kontrolle über zahlreiche japanische Samuraifamilien und -gruppierungen und beschloss die erste Regierung, den Edo Bakufu, einzuberufen. Edo war die damalige Bezeichnung für das heutige Tokio. Zudem erhob Tokugawa Ieyasu den Ort Edo zu seiner Residenzstadt. Bevor er dies tat, befand sich der japanische Regierungssitz in Kyõto, dessen Einwohnerschaft überwiegend aus Edelmännern des Buke und einigen Aristokraten bestand. Auch der Sitz des japanischen Kaisers blieb bis zum Ende der Edo-Zeit im Jahre 1868 in der circa 560 Kilometer von Edo entfernten Stadt. Doch unbeeindruckt dessen brachte Tokugawa Leben und Verantwortung nach Edo, um die Unwägbarkeiten der ländlichen Region zu entschärfen.
Der wirtschaftliche Aufschwung war damit angestoßen. Die neue Regierung beschloss darüber hinaus große Baumaßnahmen und errichtete Dutzende Gebäude aus Holz und Stein. Diese Pläne beinhalteten auch die Errichtung einer Brücke im Zentrum von Edo, die über den kleinen Fluss zum Pazifischen Ozean führen sollte. Genannt wurde sie Nihonbashi. Nihon hat seinen Ursprung in der japanischen Landesbezeichnung Nippon und wurde durch bashi, eigentlich hashi für Brücke, komplettiert. Heute befindet sich die historische Überführung zwei Kilometer östlich des Zentrums von Ginza.
Die Nihonbashi verhalf den Arbeitern, Frachtboote zu laden, und wurde rasch als Ausgangspunkt Edos designiert. Von dieser Brücke gingen die wichtigsten Handelsstraßen aus. So beispielsweise der östliche Seeweg Tõkaidõ und die historische Reise- und Handelsroute Nikkõ Kaidõ, welche zur Sonnenscheinstadt Nikkõ führte.
Viele Häuser und ihre Bewohner formierten sich um die Nihonbashi und damit war der Grundstein für einen stetig wachsenden Ort gelegt und als Geburtsstunde einer der größten und eindrucksvollsten Städte der Welt zu verstehen. In Japan tituliert man den Bau der Nihonbashi als den eigentlichen Beginn der Stadtexpansion Tokios, zumal ab diesem Zeitpunkt viele lokal einflussreiche Familien und Kommunen den wirtschaftlichen Wandel der Region beobachteten und der Weg nach Edo für sie zunehmend wirtschaftlich attraktiver wurde.
Nahe der Brücke entstand der Fischmarkt, welcher heute in Tsukiji zu finden ist. Auch der Goldmarkt Kinza und der Silbermarkt Ginza eröffneten in diesem Viertel und entwickelten sich zu einem schlagkräftigen Handelszentrum. Man kann das altertümliche Nihonbashi- Viertel und dessen Strukturen mit Zentren mit denen von Marseille, Amsterdam oder New York vergleichen. In dieser Zeit entstand zusammen mit der Restaurant-, Sushi- und Sobakultur auch die Hotellerie im Viertel.
Neben Handel und Herbergen fanden sich auch Vergnügungsbezirke wieder. Genannt wurde das Quartier Yoshiwara, in welchem sich viele Bordelle aneinanderreihten. Manche dieser Bordelle entwickelten sich zu den berühmten Etablissements mit den feinsten Oirans und Geishas.
Die Oiran, die anerkannte Spitzengeisha, musste neben ihrer unübertroffenen Schönheit auch singen, tanzen und unterhalten können. Ab und an zog die Oiran mit ihrem Gefolge an Geishas durch die Straßen von Yoshiwara. Ein zur Schau stellen ihrer selbst und zugleich ein prachtvoller Anblick für alle Markthändler und Kaufleute. Diese Parade wurde als „Oiran Dõch“ bezeichnet und wird heute noch in Gedenken an alte Zeiten als saisonales Ritual zelebriert.
Viele großartige Liebesgeschichten entstanden in diesem Gebiet rund um die Nihonbashi. So verliebte sich die eine oder andere Edelgespielin à la „Pretty Woman“ in einen ihrer Umwerber. Doch so einfach wie in den Hollywoodklassikern war es in dieser Zeit keineswegs. Zwar waren die Konkubinen angesehen und geduldet, jedoch mussten ihre Liebhaber hohe Summen zahlen, um sie freizukaufen. Diese romantischen und oftmals dramatischen Geschichten wurden häufig im Theater des Bürgertums, dem Kabuki, dargestellt. Dem Bau von zahlreichen Theaterhäusern in diesem Viertel ist die Entstehung edoischer Kultur und Kunst zuzuschreiben. Viele Jahre vergingen und der Charme des Viertels änderte sich nur langsam, doch durch den Zweiten Weltkrieg wurde der Stadtteil stark beschädigt und das Amüsierviertel von Yoshiwara brannte fast vollständig nieder. Dank vieler historischer Zeichnungen des Ukiyo-e, der klassischen japanischen Zeichenkunst, von Künstlern wie Utagawa Hiroshige und Katsushika Hokusai, kann das Gebiet heute sehr gut rekonstruiert werden. Zwar verschob sich das Zentrum westwärts Richtung dem heutigen Ginza, doch nach wie vor ist der Ursprung tokiotischer Eleganz und edoischer Kultur in Nihonbashi zu finden.
Die Tokioter empfinden den im Jahre 1963 begonnen Bau des Tokyo Capital Highway als schlimmsten Schaden an dem geschichtsträchtigen Stadtteil. Die Überbauung der traditionsreichen Nihonbashi- Brücke hatte eine geringere Akzeptanz der Bewohner zur Folge und die Einwohnerzahl nahm ab. Das Stadtbild veränderte sich nachhaltig. Vor ein paar Jahren startete dank der Mitsui Group, einer finanzstarken Investorengruppe, einen Initiative mit neuen Plänen zur Revitalisierung der Region. Neu belebte Gebäude, wie durch die Eröffnung des ersten Mandarin Oriental in Tokio, verleihen dem Bezirk einen neuen, Edo-ähnlichen Look. Viele fordern nun noch den Abriss oder die Umlegung der Autobahn, welche zwar als Symbol für das wirtschaftliche Wachstum Japans in den Sechzigern steht, jedoch den Schatz der tokiotischen Kultur entwertet.
Ist der echte Kaiserpalast Tokios mit seinen pittoresken Gärten nur einige Minuten entfernt, wirkt auch das Mandarin Oriental Tokio wie ein kontemporärer gläserner Palast. Auch hinter den unzähligen Fenstern, gerahmt in güldene Fassadenelemente, verbergen sich majestätische Verhältnisse. Das prachtvolle Hotel beherbergt 157 Zimmer und 21 Suiten, die allesamt – ganz Mandarin Oriental – Komfort und Ästhetik auf höchstem Weltniveau bieten. Zwar haben die Hotels der Kette eben dieses exklusive Wohnerlebnis mit bestem Service und exquisitem Interieur gemeinsam, trotzdem geht jedes einzelne der mondänen Häuser auch auf die regionalen Besonderheiten der fast 30 internationalen Standorte ein.
Japans traditionsreicher Naturliebe entsprechend, bricht die Inneneinrichtung die hypermoderne, fast kühle Grandezza des Gebäudes aus Stahl und Glas mit einer Symbiose aus warmem Holz und kunstvollen Wasserspielen. So flaniert der Gast auf erlesenen Bambusböden und blickt durch die großzügigen Fenster, von reichen Stoffen mit traditionell japanischen Dessins umrahmt, auf die atemberaubende Skyline Tokios hinab – die Verbindung aus dem alten, brauchtümlichen Nihonbashi und dem hypermodernen Gesicht einer Weltstadt. Neben zahllosen optischen Reizen verwöhnt das Mandarin Oriental auch mit anderen Sinnesfreuden. So bietet die breite Restaurantauswahl des Hotels etwas für jeden distinguierten Gaumen – seien es mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnete, kantonesische Genüsse im „Sense“, das Beste Italiens im „Ventaglio“ oder geschmackliche Futuristik in der „Tapas Molecular Bar“. Auch Freunde des rohen Fischs kommen auf ihre Kosten. Jeden Tag wird eben dieser vom Fischmarkt geholt und vor den Augen der Gäste zu einem der besten Sushis der Stadt gerollt. Das Restaurant bietet nur acht Gästen Platz. In der 37. Etage lädt die Oase des Hotels mit vielen ganzheitlichen Behandlungen, traditionellen Ritualen und luxuriösen Treatments zu Entspannung und Revitalisierung ein.
Kaum ein Sammler der internationalen Kunstszene ist so aktiv wie Ryutalo Takahashi. Mehr als 1.500 Werke, größtenteils Gemälde, Zeichnungen, Videoarbeiten und kleine Skulpturen japanischer Künstler, umfasst die unvergleichliche Kollektion des renommierten Psychologen. Einen großen Teil seiner Sammlung erstand Takahashi in den 1990ern, als sich die japanischen Museen die kostspieligen Werke aufgrund der Wirtschaftskrise schlicht nicht leisten konnten. Zum Kauf inspiriert wurde der Japaner hauptsächlich durch die Kunst von Yayoj Kusama. Heute besitzt er gleich mehrere Werke der wichtigsten japanischen Künstlerin der Nachkriegszeit, deren Markenzeichen die farbenreichen Polka-Dots sind. Ein spannender Auszug Ryutalo Takahashis Sammlung ist bis zum 16. September im „Kawaguchiko Museum of Art“ in der Nähe von Tokio zu sehen.
Nähere Informationen zur Takahshi-Collection sind im „BMW Art Guide by Independent Collectors“ nachzulesen. Die Automarke lancierte unlängst den weltweit ersten Guide zu öffentlich zugänglichen Privatsammlungen. Das im Hatje Cantz Verlag erschienene Buch informiert über Umfang, Inhalt und wichtige Eckdaten.
Werke berühmter japanischer Künstler aus Ryutalo Takahashis Sammlung sind bis zum 16. September im „Kawaguchiko Museum of Art“ am Fuße des Fujiama zu sehen:
Tokio-Tipps von der Concierge des Mandarin Oriental Tokio
Shopping
Nihombashi – eines der etabliertesten Kaufhäuser Tokios, bietet zahlreiche Restaurants und Boutiquen, in denen sich auch traditionelle Seiden- Kimonos erstehen lassen.
Muromachi, 1-4-1 Chuo-ku, Tokio; www.mitsukoshi.co.jp
Omotesando Hills
Wer auch in Asien nicht auf europäisches Design verzichten will, der findet im Einkaufszentrum Omotesando Hills neben japanischen Shops auch Stores von Dolce & Gabbana, über Saint Laurent Paris bis hin zu Ann Demeulemeester.
4-12-10 Jingumae, Shibuya-ku, Tokio; www.omotesandohills.com
Bonjour Records
Den Klang der Stadt – oder auch der internationalen Musiklandschaft – kann man im Musikladen Bonjour Records aufspüren.
24-1, Sarugaku-cho, Shibuya-ku, Tokio www.bonjour.jp
Aoyama
Auf der Suche nach dem Modedesign des Landes kommt man nicht um den Stadtteil Aoyama herum. Hier haben die Helden der japanischen Szene ihre Stores: Issey Miyake, Yohij Yamamoto und Rei Kawakubos Marke Commes Des Garçons.
Kultur
Nezu Museum
Neben der einzigartigen Sammlung japanischer Kunstwerke ist auch das Gebäude selbst sehenswert. Der Komplex aus Bambus und Glas wurde von Architekt Kengo Kumo entworfen.
6-5-1 Minami-Aoyama Minato-ku, Tokio; www.nezu-muse.or.jp
21_21 Design Sight
Für Liebhaber des zeitgenössischen Designs dürften die wechselnden Ausstellungen des 21_21 Design Sight von Interesse sein. Auch der gläserne Gebäudekomplex von Tadao Ando begeistert
9-7-6 Akasaka, Minato-ku, Tokio; www.2121designsight.jp
ingeikan Folk Crafts Museum
Das brauchtümliche, japanische Holzhaus ist gefüllt mit ebenso traditionellem Kunsthandwerk des Landes.
4-3-33 Komaba, Meguro-ku, Tokio; www.mingeikan.or.jp
Restaurants
Higashi-Yama
Ausgestattet mit elegantem Interieur werden in gedämpftem Licht traditionell japanische Speisen gereicht.
1-21-25 Higashiyama, Meguro-ku, Tokio; www.simplicity.co.jp
Tapas Molecular Bar
Das mit dem Michelin-Stern ausgezeichnete Restaurant befindet sich im Mandarin Oriental Tokio und bietet dem Namen entsprechend das Modernste, was die Kochkunst zu bieten hat.
2-1-1 Nihonbashi Muromachi, Chuo-ku, Tokio; www.mandarinoriental.com
Wellness
Seta Onsen Sanga-no-Yu
Die Badekultur hat in Japan eine jahrtausende alte Tradition. Besonders malerisch lässt sie sich in den heißen Steinbädern des Seta Onsen Sanga-no-Yu mit Blick auf den Fuji erleben.
4-15-30 Seta Setagaya-ku, Tokio; www.setaonsen.co.jp
Mandarin Oriental Tokio Spa
Egal in welcher der vielen Standorte, ein Besuch im Mandarin Oriental lohnt sich immer. Vor der atemberaubenden Panorama-Kulisse des 37. Stocks lassen sich zahlreiche Treatments und traditionelle Rituale buchen.
2-1-1 Nihonbashi Muromachi, Chuo-ku, Tokio; www.mandarinoriental.com