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Momentaufnahme Nr. 5: Aus dem Agitator wird ein respektierter Staatsmann
7.Juni.2015
Mit Jacques Schmid betrat ein sozialdemokratischer Parteiführer das Parkett der kantonalen Politik, welcher nicht, wie seine beiden Vorgänger Wilhelm Fürholz und Hans Affolter, aus dem Solothurner Freisinn hervorgegangen war.
Er wurde am 2. April 1882 im zürcherischen Altstetten geboren. Seine Mutter starb, als der Kleine erst sieben Jahre alt war, an der Tuberkulose, der Vater musste mit seinem Bahnangestelltenlohn 14 Kinder alleine durchbringen. Nach einer Lehre als Schriftsetzer begab sich Jakob auf die Walz, die ihn durch Frankreich und Deutschland führte. Was „bürgerliche Klassenjustiz“ bedeutete, musste er am eigenen Leib erfahren: Da er sich als Korporal geweigert hatte, seine Untergebenen während eines Arbeitskonflikts bei den Automobilwerken Arbenz in Albisrieden für Streikbrecherarbeit missbrauchen zu lassen, musste er ein halbes Jahr lang hinter Gitter. Nach kurzer Anstellung als Sekretär der Zürcher Arbeiterunion und danach als Redaktor am „Volksrecht“ wurde er 1911 von der sozialdemokratischen Pressunion nach Olten berufen, um das seit 1905 bestehende Parteiblatt, die „Neue Freie Zeitung“ (später „Das Volk“, danach „Solothurner AZ“) als Tageszeitung über die Runden zu bringen.
Die Solothurner Genossen waren auf Unterstützung von aussen dringend angewiesen. Im Vergleich mit Zürich steckte hier die gewerkschaftliche und politische Organisation der Arbeiterschaft noch in den Kinderschuhen. Von den durch die eidgenössische Fabrikstatistik erfassten 25’000 Arbeitnehmenden waren bloss etwa 3000 gewerkschaftlich organisiert, die Kantonalpartei zählte kaum tausend Mitglieder. Das Unternehmertum stand noch fest auf dem Herr-im-Hause-Standpunkt, die freisinnige Partei verfügte über die absolute Mehrheit im Kantonsrat und auch in den meisten Gemeinderäten. Und die katholisch-konservative Volkspartei mit ihren christlichsozialen Gewerkschaften kam als Bündnispartner höchstens in einzelnen Fällen in Frage.