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Pokale sind die wichtigste Währung im Fussballgeschäft. Aber die Arbeit von Trainern kann auch anders beurteilt werden: Wer schafft es, aus begrenzten Mitteln ein Maximum herauszuholen? Wer kann junge Talente am besten entwickeln? Wer überrascht die Gegner mit taktischen Kniffs? Und wer macht seine Spieler heiss wie kein Zweiter, sodass sie über sich hinauswachsen?
Das englische Fussballmagazin «Four Four Two» hat sich an die Herkulesaufgabe gewagt, die 100 besten Trainer der Geschichte zu bestimmen. Der Blick in die Liste zeigt, dass es am Ende dann halt doch vor allem darum geht, viele Trophäen in die Höhe zu stemmen:
Die WM 1994 in den USA ist für Schweizer Fans eine ganz besondere: «King Roy» führte die Schweizer Nati nach 28 Jahren Abwesenheit an grossen Turnieren erstmals wieder an eine WM. «Er vollbrachte Wunder mit Teams wie der Schweiz», heisst es, «aber seine grösste Stunde schlug, als er Fulham mirakulös vor dem Abstieg rettete und in der Folge bis in den Europa-League-Final führte».
Keine Frage: Wer es in der heutigen Zeit schafft, einen krassen Aussenseiter wie Leicester City zum Meister zu machen, der gehört auf so eine Liste.
Nur wegen seines Engagements bei GC würde es der Niederländer nicht ins Ranking schaffen. Er schaffte es, ein Team mit Mats Gren, Murat Yakin, Ciriaco Sforza und Giovane Elber in die Auf-/Abstiegsrunde zu führen. Legendenstatus holte sich Beenhakker mit drei Meistertiteln in Folge mit Real Madrid in den 1980er-Jahren, vorher war er bei Ajax Amsterdam erfolgreich und anschliessend bei Feyenoord Rotterdam.
Der WM-Titel 2014 mit Deutschland ist sein Meisterstück. Unvergessen, wie die Deutschen im Halbfinal den Turniergastgeber Brasilien mit 7:1 demütigten. Was danach folgte, ist der Grund, weshalb es Löw nicht weiter nach vorne schaffte.
Mit dem IFK Göteborg gewann er den UEFA-Cup, Benfica Lissabon führte er zum Meistertitel, mit der AS Roma und Sampdoria Genua gewann er den Cup, Lazio Rom führte er im Jahr 2000 zum Double und dazu gewann Eriksson zahlreiche weitere Titel mit diesen Klubs. Der Bruch folgte, als er (als erster Ausländer) englischer Nationaltrainer wurde. Zuletzt arbeitete der Schwede in Thailand, China und auf den Philippinen.
Hätte ein deutsches Medium das Ranking erstellt, er würde wohl weiter oben stehen. Als «König Otto von Bremen» machte er Werder zu einem europäischen Topteam, und seine ganz grossen Husarenstücke sollten erst noch folgen. Rehhagel führte den 1. FC Kaiserslautern als Aufsteiger zur deutschen Meisterschaft 1998 und der niemals erwartete Gewinn des Europameistertitels 2004 mit Griechenland ist eines der grössten Wunder der Fussballgeschichte. «Rehakles» ist seither Ehrenbürger von Athen.
Wer im Argentinier bloss einen cholerischen Hampelmann sieht, der täuscht sich. Denn hätte Simeone keine anderen Qualitäten, wäre er längst nicht mehr Trainer von Atlético Madrid. Sein Anteil daran, dass der Klub sich zur dritten Kraft hinter Real Madrid und dem FC Barcelona aufschwang, ist gross. Simeone gewann mit «Atléti» zwei Meistertitel, zwei Mal die Europa League und stand zwei Mal im Champions-League-Final.
In jedem seriösen Ranking der besten Spieler der Geschichte hätte der Franzose seinen Platz in den Top Ten sicher. Vielleicht klettert er auch im Trainer-Ranking noch nach oben, wenn er eines Tages die französische Nationalmannschaft übernimmt und «Les Bleus» zu einem Titel führen kann. Bei Real Madrid überzeugte Zidane mit drei Triumphen in der Champions League.
Manch einer hätte den deutschen Trainer des FC Liverpool wohl weiter vorne erwartet. Für «Four Four Two» hat Klopp bewiesen, «dass er ein Meister der Motivation ist». Er bringe Chaos und Kontrolle in Einklang und habe sowohl Dortmund wie auch Liverpool massiv weiterentwickelt. «Er gilt als einer der klügsten Köpfe im Fussball.»
Der Elsässer hob mit seiner Arbeit Englands Klubfussball auf ein neues Level. Das Pub wurde öfter durchs Gym ersetzt, mit Offensiv-Spektakel begeisterte sein Arsenal über die Grenzen hinaus, Namen wie Thierry Henry oder Dennis Bergkamp stehen dafür. 2003/04 wurden die «Gunners» unter Wenger ohne eine einzige Niederlage Meister.
Fast überall, wo der Lörracher war, war der Erfolg zuhause. Aufstieg mit Zug in die NLA, Cupsieg mit Aarau, Meistertitel und Cupsiege mit GC. Dann der Wechsel in die Bundesliga, wo Hitzfeld zuerst mit Borussia Dortmund Meister wurde und die Champions League gewann, was er anschliessend mit Bayern München wiederholen konnte. Die Bilanz mit der Schweizer Nati war mittelmässig: Gruppen-Aus an der WM 2010, Nichtqualifikation für die EM 2012, Achtelfinal-Aus an der WM 2014.
Dem Bauernsohn aus der Provinz Emilia-Romagna gelang Einzigartiges: Er wurde in allen fünf grossen europäischen Ligen Meister. Seit Ancelotti 2022 mit Real Madrid, wo er nach wie vor beschäftigt ist, die Champions League zum vierten Mal gewann, ist er der erste Trainer, dem dies gelang.
Jüngeren Fussballfans ist er vielleicht nur noch als Wüterich aus dem «Flasche leer!»-Video bekannt. Damit wird man dem charmanten «Trap» nicht gerecht. Der einstige Milan- und Nationalspieler gewann als Trainer acht Europacup-Wettbewerbe und zwölf Meistertitel in Italien, Deutschland, Portugal und Österreich.
Der Stern des «Special One» schien zuletzt etwas zu sinken, andererseits gewann er mit der AS Roma 2022 die Conference League und stiess 2023 in den Final der Europa League vor. Doch im Vergleich zu seinen grössten Hits verblasst dies zu einem Rauschen. Mourinho führte den Aussenseiter FC Porto zum Gewinn der Champions League, mit Inter schaffte er dies auch. Zwischen 2003 und 2015 wurde er acht Mal Meister in vier Ländern, und auch mit kernigen Sprüchen und skurrilen Aktionen sicherte er sich einen Platz in der Ahnengalerie.
Der Sowjetrusse machte Dynamo Kiew in den 1970er- und 1980er-Jahren zur Macht im Riesenreich und er schaffte dies als Taktikfuchs. Lobanowski liess in Abwehr und Mittelfeld zwei Viererketten spielen und stellte keinen Libero auf. Er war damit ein Wegbereiter für andere Erfolgstrainer, auf die wir noch zu sprechen kommen.
Der Wiener «Grantler» führte Feyenoord Rotterdam und den Hamburger SV zum Sieg im Meistercup, der heutigen Champions League. Dazwischen wurde der Kettenraucher mit den Niederlanden Vize-Weltmeister 1978. Die Erinnerung an den eigensinnigen Charakter lebt weiter: Österreichs grösstes Stadion trägt seinen Namen, in Rotterdam wurde eine Strasse, die Ernst Happelstraat, nach ihm benannt.
Dass der Zweck die Mittel heiligt, muss Herrera niemand sagen. Mit seiner Art, Fussball spielen zu lassen, machte er sich ausserhalb der Fangemeinde von Inter Mailand wenig Freunde. Das «Catenaccio», das Abriegeln des eigenen Tores um jeden Preis, trug ihm den unschmeichelhaften Spitznamen «Totengräber des Fussballs» ein. Herrera juckte es nicht; der Trainer, der auch als Motivator und kleiner Diktator galt, verwies bloss auf seine Erfolge.
Sein Leben war in ein Davor und ein Danach unterteilt. 1958 überlebte Busby einen Flugzeugabsturz schwer verletzt, aber sieben seiner Spieler von Manchester United kamen ums Leben. Nach der Genesung kehrte Busby, der das Team vor der Tragödie zu drei Meistertiteln führte, ein halbes Jahr später zurück auf die Trainerbank. Es dauerte einige Zeit, aber dann gewannen die «Busby Babes» zwei weitere Meisterschaften und 1968 den Meistercup. Nach diesem Erfolg wurde Alexander Matthew Busby zum Sir ernannt.
«Ich wusste nicht, dass man ein Pferd gewesen sein muss, um ein erfolgreicher Jockey zu werden.» Das entgegnete Sacchi Kritikern, die seine fehlende Vergangenheit im Fussball bemängelten. Stattdessen arbeitete er lange als Schuhverkäufer und nachdem er als Parma-Trainer im Cup die AC Milan eliminierte, holte ihn Silvio Berlusconi zum Klub. Das sollte er nicht bereuen. Sacchi revolutionierte den Fussball, führte das Pressing ein und die Raumdeckung, liess offensiv spielen und gewann den Scudetto und zwei Mal den Meistercup. Die Krönung verpasste er an der WM 1994, als er Italiens Nationaltrainer war und im Final Brasilien im Penaltyschiessen unterlag.
Für nicht wenige Beobachter zeigte der FC Barcelona unter Pep Guardiola den besten Fussball, den bis heute je ein Team spielte. Der einstige Mittelfeldspieler formte aus Weltklasse-Akteuren eine Mannschaft, die mit dem «Tiki-Taka» genannten Ballbesitz- und Kombinationsspiel neue Massstäbe setzte. Nach einer Auszeit arbeitete Guardiola erfolgreich bei Bayern München, seit 2016 ist er bei Manchester City, das er zu bislang fünf Meistertiteln und dem Gewinn der Champions League 2023 führte.
Seinen Status als Topklub verdankt der FC Liverpool zu einem wesentlichen Teil diesem ungemein populären Schotten. Shankly war in der Beatles-Ära 15 Jahre Trainer, führte den serbelnden Klub in die höchste Liga zurück, wurde drei Mal Meister, Cupsieger und UEFA-Cup-Sieger. «Er machte die Menschen glücklich», steht auf Shanklys Bronzestatue an der Anfield Road. Auf ewig in Erinnerung bleibt er auch wegen seines berühmtesten Zitats: «Es gibt Leute, die denken, Fussball sei eine Frage von Leben und Tod. Ich mag diese Einstellung nicht. Ich kann Ihnen versichern, dass es noch sehr viel ernster ist.»
Der FC Barcelona war schon gross, bevor Cruyff 1988 als Trainer zu dem Klub zurückkehrte, bei dem er schon Spieler war. Doch der riesige Weltklub von heute war «Barça» nicht – und Cruyff legte den Grundstein zu diesem Aufstieg. Der Niederländer setzte auf Technik statt Kampfkraft, krempelte die Nachwuchsakademie «La Masia» um und führte die heute noch Barcelona prägende Spielidee ein. Mit seinem «Dream Team» wurde er vier Mal in Folge Meister und er holte erstmals den Meistercup ins Camp Nou.
Wer Johann Cruyff als Trainer erwähnt, wird eher früher als später auf Rinus Michels zu sprechen kommen. Denn der prägte mit seinem visionären «Totaal Voetbal» nicht nur den Fussball in den Niederlanden (Vize-Weltmeister 1974). «Der General» war auch Barcelona-Trainer, mit Cruyff als Spielmacher, und als solcher stilbildend für seine Nachfolger. Die FIFA kürte Michels 1999 zum Trainer des Jahrhunderts.
Jenes Jahr 1999 war das ruhmreichste in Fergusons Karriere. Der kauzige Schotte führte Manchester United zum Treble, dem Gewinn von Meisterschaft, FA Cup und Champions League. Während mehr als einem Vierteljahrhundert und rund 1500 Pflichtspielen war «Fergie» der Boss der «Red Devils», er gewann in dieser Zeit sagenhafte 38 Trophäen. Sir Alex Ferguson war selten um markige Worte verlegen, wenn man die auch aufgrund seines Dialekts und Grummelns nur schwer verstand. Doch ein Mal verschlug es selbst ihm die Sprache. Als ManUnited im Champions-League-Final 1999 ein 0:1 gegen Bayern München in der Nachspielzeit in einen 2:1-Sieg drehte, fasste er dies treffend zusammen: «Football, bloody hell!»