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WALLMAPU EX SITU
Stellen Sie sich vor, folgende Akteure unterhalten sich im Rahmen einer Konferenz miteinander: die Panamericana-Autobahn; der Brombeerbusch, von europäischen Siedler*innen zum Zweck der Grenzziehung eingeführt und heute zur Plage gewordener Neophyt; sein Nachfolger, der Stacheldraht, im amerikanischen Westen zur Einhegung des zum Privateigentum erklärten Landes erfunden; und der Litre, ein einheimischer Baum, dem in der Tradition der Mapuche eine Wächterfunktion zusteht, da er Eindringlingen einen starken Hautausschlag bescheren kann… (Trop cher to share)
Das Performance-Kollektiv Trop cher to share schafft mit «Wallmapu ex situ» eine Serie digitaler Konferenzen mit Expert*innen zur Region und Geschichte des Wallmapu (siehe unten). Im virtuellen Raum wird darüber spekuliert, wie menschliche und nichtmenschliche Bewohner*innen und Akteur*innen dieser Gegend repräsentiert werden und wie sie miteinander in Dialog treten könnten. Die für den Live-Stream der Konferenzen organisierten analogen Veranstaltungen fanden 2020 in Bern und Zürich statt. Das Publikum wohnte der Live-Moderation der Online-Konferenzen bei. Zwei Simultanübersetzer*innen übersetzten vom Spanischen ins Deutsche. Die letzte Konferenz im Januar 2021 wurde ausschliesslich online durchgeführt.
Trop cher to share ist als transdisziplinäres Künstlerkollektiv mit ständig wechselnden Mitgliedern zwischen Bern und Zürich aktiv. Die Künstlerin, Choreografin und Performerin Nina Willimann und der Videokünstler und Performer Aldir Polymeris bilden derzeit den Nukleus der Gruppe. Ihre Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Tanz, Performance, Installation und Intervention. Seit 2011 haben sie vier abendfüllende Shows und zahlreiche Arbeiten an spezifischen Orten geschaffen, die oft in Partnerschaft mit anderen Künstler*innen, Expert*innen und Communities produziert wurden. Ihre Projekte wurden in Theatern, Kunsträumen, Museen, Festivals und öffentlichen Räumen in der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Chile und der Elfenbeinküste gezeigt.
das ursprüngliche Territorium der indigenen Mapuche im Süden von Chile, heute Araucanía genannt, ist von hier aus gesehen eine periphere Region auf der anderen Seite des Globus. Seine Landschaft wurde jedoch im Lauf von über vier Jahrhunderten von globalen, insbesondere westlichen Interessen geformt. Auch die Schweiz hat Spuren hinterlassen und ist bis heute mit der Region historisch und wirtschaftlich verstrickt. Zwischen 1883 und 1890 migrierten Tausende Schweizer*innen aufgrund von Armut und Perspektivlosigkeit nach Südamerika. Heute prägen das Wallmapu neben der Landwirtschaft Monokulturen transnationaler Forstkonzerne, die hauptsächlich Baustoffe und Zellulose (der Rohstoff für Papier und Verpackungsmaterial) produzieren und in alle Welt exportieren.
Künstlerische Leitung & Koordination: Aldir Polymeris & Nina Willimann Kernteam: Jose Cáceres Mardones, Mara Meier, Paula Baeza Pailamilla Dramaturgische Begleitung: Johanna Hilari Repräsentant*innen: Carla Llamunao & Katherina Palma Millanao / Colectivo Chilliweke, Jose Cáceres Mardones, Marcelo Baeza, Alberto Dufey, Andrea Herrera Poblete, Daniela Catrileo, Joel Inzunza Leal, Rayén Daza Pilquinao, Kutral Vargas Huaiquimilla, Jens Benöhr, Cristian Vargas Paillahueque, Malte Seiwerth Produktionsleitung: Elena Conradt / ProduktionsDOCK Kamera: Alain Guillebeau, Nora Longatti Special thanks: Francisco Ríos Araya, David Stark, Liv Zumstein
Koproduktion: Schlachthaus Theater Bern, Südpol Luzern Partner: la_cápsula Zürich Unterstützt von: Kultur Stadt Bern, SWISSLOS/Kultur Kanton Bern, «COINCIDENCIA – Intercambios culturales Suiza-América del Sur» de la Fundación Suiza para la cultura Pro Helvetia, m2act – Das Förder- und Netzwerkprojekt des Migros-Kulturprozent für die Darstellenden Künste
Bild: Dia 1, Comunidad de conservación Namuncai © Aldir Polymeris