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Dass Florenz ein Ort ist, an dem man auf Schritt und Tritt Geschichte erleben kann, ist kein Geheimnis, doch kein Hotel bietet eine derartig überwältigende Fülle an faszinierenden historischen Details wie das Four Seasons.
Die Geschichte dieses außergewöhnlichen Palazzos geht weit zurück, bis ins Jahr 1472. Der Architekt Giuliano da Sangallo errichtete das Haus für Bartolomeo Scala, der Gonfaloniere (Bannerträger) der Justiz war. Das Gebäude ging über die Jahrhunderte durch mehrere Hände. 1880 wurde es gar an den ägyptischen Vizekönig Ismail Pascha verkauft, der es aber umgehend weiterveräußerte, als er erfuhr, dass man in Florenz keinen Harem führen darf. Der Palazzo ging daraufhin an die Società delle Strade Ferrate Meridionali, einem Unternehmen, das die erste Eisenbahnlinie Italiens baute. In einer der Suiten kann man deshalb noch heute ein Gemälde von George Stephenson entdecken, dem Erfinder der modernen Lokomotive.
2000
wurde das Gebäude von der Familie Fratini erstanden, die schon das nebenan liegende ehemalige Kloster Istituto di Santa Maria Riparatrice besitzt. Den innovativen Brüdern Marcello und Corrado
Fratini ist es zu verdanken, dass der ehrwürdige Palast aufwändig und mit größter Sorgfalt und Liebe zum Detail restauriert wurde. Während der Renovierung kamen immer wieder alte Fresken zum
Vorschein, die den Umbau verzögerten. So ist das Haus einem Museum ähnlich, in dem man bei jedem Schritt etwas Neues entdecken kann. Allein der mit
wunderschönen Fresken ausgemalte Innenhof des Palazzos ist einen Besuch wert.
Der Fries, der ins Jahr 1473 zurückgeht, ist ein faszinierendes Beispiel für die Kunst der Renaissance. Wir haben das große Glück, eine private Tour durch die Royal Suite zu bekommen, die mit 18.500 Euro pro Nacht die teuerste Suite Europas ist. Man versteht warum, denn sobald man eintritt, weiß man nicht, wohin man schauen soll: auf den exquisiten Keramikfußboden von Ignazio Chirariese? Auf die Wände mit den edlen chinesischen Teppichen, reich verzierten Ornamenten und ehrwürdigen Gemälden? Auf die exquisiten Antiquitäten, die überall herumstehen, oder die Fresken an den Decken? Wahrlich, man kommt aus dem Staunen nicht heraus, wenn man die schier endlose Anhäufung wunderschöner Zimmer entlanggeht und sich in die Zeit der Medici zurückversetzt fühlt. Man könnte auch auf einem Filmset sein.
Das eigene Zimmer ist nicht ganz so aufwändig, aber der edle Parkettboden, das Badezimmer aus Mamor und wunderschöne antike Holzmöbel las sen das Herz jedes Connoisseurs von Inneneinrichtungen höherschlagen. Auch der Service lässt nichts zu wünschen übrig. Kaum sind unsere Koffer angekommen, nähert sich auch schon ein Kellner und schiebt einen weiß gedeckten Tisch voller Köstlichkeiten ins Zimmer. Champagner, eine Flasche Rotwein vom berühmten Weingut Bolghari, Früchte und für die Tochter eine Auswahl an feinsten Süßigkeiten.
Eine reine Augenweide ist aber nicht nur der Palazzo, sondern auch der dazugehörige Garten. er wurde zu Beginn des 19 JH. Im romantischen Stil angelegt. Schon damals war der Garten berühmt für seine botanische Raritäten. Jahrundertealte wertvolle Bäume wie eine Libanon-Zeder oder eine gigantische Thuja gehören zu den Prachtstücken. Sie bilden eine wundervolle Oase inmitten von Florenz. Seit über zwanzig Jahren widmen sich dieselben zwei Gärtner mit großer Liebe der Grünanlage.
Wenn man regelmäßig Fünf Sterne Hotels testet, sieht man naturgemäß viele sehr schöne Lokale. Das Il Palagio lässt aber auch en verwöhntes Auge noch staunen. Was vor allem an den gigantischen Kristallleuchtern aus Murano- Glas liegt; allein im Esssaal hängen sieben Stück. Obwohl die Leuchter aus kunstvoll geschwungenen Glas enorme Dimensionen einnehmen, wirkt der Saal leicht und hell.
Der Ein-Sterne-Chefkoch Vito Mollica ver-wöhnt hier die Gäste seit 2007, nachdem er bereits in Prag und Mailand tätig war. Je einfacher das Gericht, desto stärker kommt ein Produkt zur Geltung, ist er überzeugt. Als leidenschaftlicher und authentischer Koch, der stets um Authentizität bemüht ist, durchforstet er die lokalen Märkte nach neuen, besonders guten Produkten.
Das Menü beginnt mit einem Glas Montellori, einem Toskana-typischen Champagner. Bereits das Amuse-Bouche aus Burrata, dem weltberühmten Mozzarella aus Apulien, beweist, das Vito Mollica ein Liebhaber exquisiter Produkte ist. Der Burrata, mit Sahne verfeinert, ergibt mit einem Stückchen Anchovis und rohem Rindfleisch einen perfekten Dreiklang. Das Menü beginnt mit einer Mousse aus feinsten Motticella-Kirschtomaten und Kabeljau. Gefolgt von einem Tatar der Gelbschwanzmakrele und einem wunder bar süßen Peperonicoulis. Dazu serviert der Sommelier ein Glas 2013er Attention Chenin Méchant von der Loire. Mollicas berühmte Spezialität sind die Gamberi rossi, rohe Gamberoni, die so frisch sind, dass man darin das ganze Aroma des Meeres schmeckt. Was passt dazu besser als ein Chardonnay? Und wer glaubt, Italien könne keinen Chardonnay, wird eines Besseren belehrt. Der Chardonnay Collezione Privata von Isole & Olena ist ein Hochgenuss. Der Geschmack von Mandel und Butter könnte nicht besser zu diesem Gericht passen. Der Nachttisch, eine nicht zu kleine Kugel Amedei-Schokolade und etwas Eiskaffee, zu wünschen übrig. Mit einem Glas Sherry Lustau Pedro Ximénex Murillo 100 Años ist dieser Nachtisch perfekt abgerundet.
Nicht nur, wer Gourmetküche liebt, kommt hier auf seine Kosten. Auch Weinliebhaber dürfen sich über das Angebot von über 400 exquisiten Weinen freuen. Nach dem wunder baren Essen ist ein Spaziergang im weitläufigen Garten gerade das Richtige. Während man zwischen den wunderschönen al ten Bäumen wandelt, kann man den nächsten Tag planen, denn wer an Kunst und Kultur interessiert ist wie wir, ist in Florenz am richtigen Ort.