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Hatto
(vom altdeutschen Hathus oder Hadu, »Krieg, Gott des Kriegsglücks«, abzuleiten). Merkwürdig: I., Erzbischof von Mainz, [* 2] geboren um 850 aus alemannischem Geschlecht, wurde 888 zum Abt von Reichenau erwählt und stand bei König Arnulf in großer Gunst, der ihn 891 auf den erzbischöflichen Stuhl in Mainz berief. Schon unter Arnulf hatte an den Reichsangelegenheiten wichtigen Anteil genommen; völlig leitete er sie unter Ludwig dem Kinde, dessen Pate und Vormund er war.
Den
Grafen
Adalbert von
Babenberg, der mit dem König im Streit lag, bewog er, wie erzählt wird, durch das eidliche
Versprechen,
daß er ihn unversehrt in seine
Burg zurückbringen wolle, ihm zur Aussöhnung mit
Ludwig in das königliche
Lager
[* 3] zu folgen.
Auf dem Weg dahin gab er vor, erst noch frühstücken zu wollen, und beredete den
Grafen, nochmals nach
seiner
Burg mit ihm zurückzukehren. Im
Lager aber überlieferte er ihn dem König, der den Betrogenen hinrichten ließ (906).
Hatto selbst entschuldigte sich, er habe den
Grafen einmal unversehrt zurückzuführen versprochen und dies auch gehalten.
Auch bei
Konrad I., seinem
Freund, hatte
Hatto großen Einfluß. Zu
Konrads gunsten soll er einen Mordanschlag
auf
Herzog
Heinrich von
Sachsen
[* 4] geplant haben (er wollte ihn mit einer goldenen
Kette erdrosseln), der aber verraten ward, worauf
Heinrich ihm seine Besitzungen in
Thüringen entriß.
Hatto starb 15. Mai 913. Über seinen
Tod bildeten sich
bald abenteuerliche
Sagen, namentlich in
Sachsen, wo man als
Verräter und Bösewicht ansah und eine seiner Frevelthaten würdige
Todesart zu erfinden suchte: er soll vom
Blitz erschlagen oder lebendig in den Feuerschlund des
Ätna
[* 5] gestürzt worden sein.
Am bekanntesten ist die
Sage vom
Mäuseturm, die indes auch auf
Erzbischof
Hatto II. von
Mainz (968-970)
bezogen wird.
Bei einer Hungersnot nämlich soll eine Menge armer Leute unter dem Vorwand, ihnen Nahrung geben zu wollen, in eine Scheune gesperrt, diese sodann angezündet und, als man das Klagegeschrei der Unglücklichen vernahm, die Umstehenden scherzend gefragt haben, ob sie seine Brotmäuse piepen hörten. Da überfielen ihn zahllose Mäuse und bedrängten ihn so, daß er, um sich vor ihnen zu retten, mitten im Rhein einen Turm [* 6] (den Mäuseturm bei Bingen [* 7] [s. d.], der 1635 von den Schweden [* 8] zerstört wurde) erbaute; aber auch hier fand er keine Ruhe und wurde endlich von ihnen aufgefressen. Die Sage findet sich auch bei andern Völkern, und ihr liegt die Idee zu Grunde, daß die Mäuse als Rächer begangener Frevel erscheinen. In der Geschichte erscheint als ein tüchtiger Staatsmann, der das Königtum mit Erfolg gegen die unbotmäßigen Großen verteidigte.
Vgl. Heidemann, I., Erzbischof von Mainz (Berl. 1865).