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|Die Planer|
|Name||Herkunft||Text||Tätigkeit||von||bis|
|Domenico Egidio Rossi||Fano (italien)||Hofbaumeister||1698||1707|
|Johann Michael Ludwig Rohrer||Tissau (Böhmen)||Hofbaumeister||1707||1723|
1689, im Pfälzischen Erbfolgekrieg, fallen die Ortschaften der Markgrafschaft Baden-Baden dem Vernichtungsfeldzug des französischen Königs Louis XIV zum Opfer. «Brûlez le palatin» lautet der Befehl des «Sonnenkönigs». Er lässt die Residenzstadt Baden mit dem «Neuen Schloss» und alle Ortschaften der Markgrafschaft niederbrennen. Auch der Marktflecken Rastatt fällt den französischen Hunnen zum Opfer. Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden (1655–1707) ist während des Überfalls an der osmanischen Front abwesend. Er erhält dort als erfolgreicher Feldmarschall und Türkenbezwinger den Übernamen «Türkenlouis». 1690 heiratet er Franziska Sibylla Augusta von Sachsen-Lauenburg (1675–1733) und verlegt die Residenz nach Schlackenwerth[1] an den Hof seiner jungen und reichen Gemahlin. Nach dem Friedensschluss von 1697 kann mit dem Wiederaufbau der zerstörten badischen Lande begonnen werden. Vorerst prüft der Markgraf Ettlingen als neue Residenzstadt, legt sich dann aber auf Rastatt fest, wo der neu eingestellte Hofbaumeister Domenico Egidio Rossi[2] am Bau eines Jagdschlosses ist. Der Ort liegt strategisch günstig in einer Schleife des Schwarzwaldflusses Murg, kurz vor der Einmündung in den Rhein. 1699 beginnt er hier mit dem Residenzbau, lässt die beiden Ehrenhofflügel des Jagdschlosses stehen und erstellt ein neues, vergrössertes Corps de Logis. Rossi plant die westlich vor der Residenz gelegene Stadt im strengen Planraster nach antikem Vorbild, wie dies der Markgraf schon in Turin gesehen hat und wie es in Festungsstädten üblich ist.[3] Drei strahlenförmig vom Schloss ausgehende Strassenachsen, ähnlich der durch Stiche bekannten Stadt- und Gartenplanung von Versailles, überlagern den Raster.[4] Auf halber Länge werden diese drei Strassen von einer querliegenden, breiten Strasse unterbrochen. In dieser Querachse liegen sich Rathaus und Stadtkirche gegenüber, einen Hauptplatz ausscheidend. Das Schloss, dessen Ehrenhof zur Stadt gerichtet ist, bildete den Mittelpunkt der Planung. Im Osten liegt der Schlossgarten. Er ist zweimal grösser als die Reissbrettstadt im Westen. Deutlicher kann der fürstliche Herrschaftsanspruch nicht manifestiert werden. Um seine neue Residenz und um die Stadt plant der Markgraf, dem schon in seiner Militärerziehung der Festungsbau beigebracht worden ist, einen Festungsgürtel. Denn die Lage an der Rheingrenze zu Frankreich erlaubt angesichts des aggressiven Nachbarn keine unbefestigte Residenz.[5] Sein Sohn Ludwig Georg zeichnet später, mit 13 Jahren, den Plan der Festungsstadt Rastatt als Unterrichtsaufgabe bei Hofbaumeister Rohrer.[6] Der dargestellte Festungsgürtel wird, wenn überhaupt fertig gebaut, schnell wieder abgetragen. Denn schon 1707, im Todesjahr des Markgrafen während des Spanischen Erbfolgekrieges, nimmt der französische Marschall Marquis de Villars die neue Stadt ein. Der Frieden von 1714 wird in den Räumen der Residenz zwischen Marschall Villars und Prinz Eugen von Savoyen geschlossen. Der Vertrag verbietet den Wiederaufbau der Rastatter Bastionen.[7] Die schon vor dem Friedensschluss zurückgekehrte Regentin Franziska Sibylla Augusta betreibt jetzt die bauliche Vollendung von Rastatt als offene Residenzstadt. Die Planung des Baumeisters Rossi, den sie 1707 entlassen hat, bleibt für den Nachfolger Johann Michael Rohrer verbindlich.[8] Die gebauten Modellhäuser Rossis sind verbindliche Grundlage. Strenge Bauvorschriften, wie die Vorschrift des Massivbaus oder die Begrenzung auf zwei Geschosse, sind gleichzeitig mit finanziellen Anreizen für die Niederlassung begleitet. Anstelle der nun verbotenen Festungsmauer schliesst Rohrer die Stadt mit einer einheitlichen Häuserumschliessung. Diese idyllische barocke Residenzstadt fällt nach dem Erlöschen des Hauses Baden-Baden in einen Dornröschenschlaf. Residenzstadt des ab 1771 regierenden Hauses Baden-Durlach ist jetzt Karlsruhe. Rastatt bleibt aber wohlhabendes Behördenzentrum. Die Stadt hat jetzt 3860 Einwohner[9] und ist lebhafte Poststation an der Hauptstrasse von Frankfurt nach Basel. 1840 wird mit dem Eisenbahnbau von Mannheim nach Freiburg begonnen. Rastatt wird damit wirtschaftlich getroffen, schwerwiegender für die Bevölkerung ist aber der Beschluss des Deutschen Bundes, Rastatt zur Bundesfestung auszubauen.
1841 beschliesst der Deutsche Bund, Rastatt als Grenzfestung auszubauen. Der vom «Türkenlouis» geplante, aber unvollendet gebliebene Festungsgürtel um Rastatt wird Wirklichkeit, allerdings in völlig anderem Ausmass. Bis 1848 entstehen drei Forts. Das grösste Fort, die im Süden gelegene Leopoldsfeste, ist von ähnlicher Grösse wie das barocke Rastatt. Die Forts sind durch 47 kleinere Festungswerke verbunden. Darunter lagern ausgedehnte Kasematten und davor dehnen sich mächtige Festungsmauern mit Wasserwerken aus. Für das nordöstliche Fort, der Ludwigsfeste, wird ein Teil des Barockgartens geopfert. Rastatt ist jetzt Garnisonsstadt. Ein grosses Kontingent Militär und 6000 Bürger leben innerhalb der Festungsmauern. Nur einmal, 1849, wird Rastatt belagert. Nicht von den Franzosen, sondern von einer 15 000 Mann starken preussischen Armee. Die badischen Truppen, die sich in Rastatt verschanzt halten, sind die letzten Freiheitskämpfer der Badischen Revolution. Ein Teil ihrer Truppen ist bereits in die Schweiz geflüchtet. Die vom badischen Grossherzog gerufenen Preussen erreichen nach drei Wochen die Übergabe der Festung. Sie bedeutet gleichzeitig das Ende eines ersten deutschen republikanischen Traumes. Nach der Annektion von Elsass-Lothringen im Deutsch-Französischen Krieg von 1871 ist die Festung militärisch bedeutungslos. 1890 wird sie aufgegeben und die Festungswerke zum Abbruch verkauft. Der Versailler Vertrag von 1919 verlangt die Schleifung der letzten Reste, sodass heute nur noch wenig sichtbar ist.
Pius Bieri 2011
Benutzte Literatur:
Fickler, Carl Borromäus Alois: In Rastatt 1849. Rastatt 1853.
Renner, Anna Maria: Der Stadtplan von Rastatt und seine Entwicklung, in: Badische Heimat. Freiburg 1937.
Rentsch, Dieter: Schloss Rastatt. Kunstführer. Karlsruhe 1989.
Kitzing-Bretz, Martina: Der Markgräflich Baden-Badische Hofbaumeister und Bauinspektor Franz Ignaz Krohmer (1714-1789). Dissertation. Heidelberg 2001.
Damoulakis, Kiriakoula: Schloss Rastatt. Kunstführer. München und Berlin 2004.
Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg (Hrsg.): «Extra Schön», Markgräfin Sibylla Augusta und ihre Residenz, Ausstellungskatalog. Petersberg 2008.
[1] Heute Ostrov nad Ohří in Tschechien.
[3] Ein Plan Rossis von 1700 zeigt das Stadtgeviert noch in der strengen Art eines römischen Castrums eingefasst. Spätere Bleistiftkonturen deuten die geplanten Vaubanschen Befestigungen an, die dann auf dem Plan von Ludwig Georg von Baden-Baden 1715 auftauchen.
[4] Die Garten- und Stadtanlage von Versailles ist durch Stiche von Israël Silvestre schon 1674 bekannt. Diese Art der stahlenförmigen Wegachsen wird als «Patte d'oie» oder Gänsefuss-Abdruck bezeichnet.
[5] Alle Residenzstädte an der Rheingrenze sind im 17. Jahrhundert mit Bastionen, Ravelins, Contrescarpen und Vorwerken umgeben und werden noch Anfang des 18. Jahrhunderts nach dem Vorbild der Festungen des französischen Festungsbaumeisters Sébastien Le Prestre de Vauban (1633–1707) erneuert.
[6] Der Plan ist als Anhang in einem Folianten mit dem Titel «Les exercices de l'architecture militaire» enthalten, den Ludwig Georg seiner Mutter widmet. Rastatt ist hier nach einem Plan von 1700 gezeichnet.
[7] Eine befestigte Grenzstadt wird vom Nachbarn immer auch als Bedrohung betrachtet. So lässt Louis XV die 1693 erstellte Vaubansche Befestigung von Freiburg im Breisgau noch 1745 schleifen. Das Schicksal trifft 1707 auch Rastatt, dessen Festungsgürtel vielleicht noch nicht vollendet ist, dessen Reste aber auf den um 1725 entstandenen Stadtplänen von Johann Peter Ernst Rohrer im Osten und Norden noch immer vorhanden sind.
[8] Johann Michael Ludwig Rohrer (1683–1732) stammt aus Schlackenwerth in Böhmen, der alten Residenzstadt der Regentin.
[9] Gemäss dem «Lexikon von Schwaben», erschienen in Ulm 1801, ist dies der aktuelle Stand von 1788.
|Rastatt: Residenzstadt der Markgrafen von Baden-Baden|

|Ausschitt aus «Le Plan de Rastadt». Nachzeichnung um 1714 von Plänen um 1700. > Quelleninfo. > Vergrösserung. > «Deutsche Fotothek» Dresden.|
|Rastatt als Bundesfestung 1849. Ausschnitt. > Quelleninfo. > Vergrösserung.|
|Rastatt um1800. Ausschnitt aus einem koloriertem Stahlstich. (Plan nach Nordosten ausgerichtet).

> Quelleninfo.
Siehe auch den beschrifteten Ausschnitt in der Seite «Rastatt, Residenz».
|Ausschnitt, wie oben, aus dem Festungsplan 1849. Der nordöstliche Teil des Gartens ist bereits für die Ludwigsfeste geopfert worden. Quelle siehe Festungsplan 1849.|
|Die Google-Earth-Aufnahme im gleichen Ausschnitt zeigt den südwestlichen Stadteil (unten), der in der städtebaulichen Struktur noch erhalten ist.|
|Das Wohnhaus an der Herrenstrasse 13, um 1700 von Domenico Egidio Ross erbaut, iist ein Beispiel der erst im 20. Jahrhundert nicht mehr berücksichtigten städtebaulichen Vorgaben. Bildquelle: Wikipedia.|
|Die Kirche St. Alexander ist südlicher Abschluss des Marktplatzess. Nach dem Konzept von Rossi erfolgt 1702 die Grundsteinlegung. Aber erst 1756–1765 wird sie vom Hofbaumeister Johann Peter Ernst Rohrer gebaut. Bildquelle: Wikipedia.|
|Am nördlichen Ende des Marktplatzes liegt das Rathaus, 1750 nach Plänen von Johann Michael Rohrer von seinem Sohn Johann Peter Ernst Rohrer gebaut.|