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Adrian Meier Redaktor für Gesundheit
Die Eustachische Röhre (auch Ohrtrompete, tuba auditiva, Eustachi-Röhre) ist bei ausgewachsenen Menschen rund 3-4 Zentimeter lang und belüftet sowohl das Mittelohr, als auch den Rachenraum. Sie ist mit Schleimhaut ausgekleidet und verbindet die Paukenhöhle mit dem Nasenrachenraum (Pars nasalis des Pharynx).
Durch die eustachische Röhre bleibt der Luftdruck zu beiden Seiten des Trommelfells immer gleich stabil. Die Tuba, zu Deutsch Trompete, ist normalerweise geschlossen, um ein Eindringen von Krankheitserregern in das Mittelohr zu verhindern.
Inhaltsverzeichnis
Begrifflichkeiten und Geschichte der Eustachische Röhre
Die Eustachische Röhre hat einige Bezeichnungen, welche ein wenig verwirren können. In der Anatomie und Medizin werden häufig lateinische Begriffe verwendet, welche zum Teil auch in Deutsch umgewandelt werden oder nach dessen Erfindern benannt. In diesem Fall stammt der Begriff «Eustachii» vom italienischen Arzt und Anatom Bartolomeo Eustachi (lat. Bartolomaeus Eustachius). Eustachi beschrieb und illustrierte das Organ erstmals im Jahr 1562 in seinem Kupferstich-Werk mit Titel «Epistula de auditus organis». Die Eustachische Röhre soll aber rund 2000 Jahre vor Anatom Bartolomeo Eustachi vom griechischen Naturphilosophen Alkmaion entdeckt worden sein, welcher ebenfalls praktizierender Arzt sein soll. Dieser lebte ca. 500 Jahre vor Christus. Weitere im Zusammenhang mit der Eustachische Röhre namensgebende Forscher waren:
- Antonio Maria Valsalva (Valsalva-Versuch, Valsalva-Manöver usw.)
- Joseph Toynbee (Toynbee-Manöver usw.)
- Adam Politzer (Politzer Ballon usw.)
Heute bezeichnen folgende Begriffe alle das Organ die Eustachische Röhre:
- Tuba auditiva (deutsch auch Eustachiröhre oder Eustachi’sche Röhre, Eustachi-Röhre)
- Ohrtrompete (latein auch Tuba auditiva Eustachii oder Tuba pharyngotympanica)
Übersetzung Begrifflichkeiten der Eustachische Röhre von Latein in Deutsch:
- Tuba = Trompete
- auditiva = Hören
- pharyngotympanica = Rachenhöhle
Anatomie und Aufbau der Eustachische Röhre
Unsere Eustachische Röhre oder eben Ohrtrompete hat eine Länge von ca. 3 - 4 cm. Sie befindet sich zwischen Mittelohr (Paukenraum) und dem Nasen-Rachenbereich. Sie ist so zu sagen eine im Normalfall schräge, fast senkrechte, röhrenförmige Verbindung zwischen diesen zwei Bereichen. Das erste Drittel der Eustachischen Röhre, das sich direkt an die Paukenhöhle anschliesst, besteht aus einem knöchernen Teil (pars ossea), die beiden weiteren Drittel, die zum Nasen-Rachenraum hinführen, sind von Knorpel bekleidet (pars cartilaginea). Die engste Stelle ist der Übergang vom knöchernen zum knorpeligen Anteil, auch Isthmus tubae auditivae genannt.
Die Eustachische Röhre oder eben Ohrtrompete hat eine Länge von ca. 3 - 4 cm.
Im Inneren ist die Eustachische Röhre mit einem Flimmerepithel ausgekleidet, unter dem sich Schleimdrüsen befinden. Deren Anzahl nimmt in Richtung Nasen-Rachenraum zu. Die Zusammenarbeit der Schleimdrüsen mit den nach aussen gerichteten Flimmerhärchen befördert Sekret durch die Eustachische Röhre nach aussen in den Rachenraum. Im Normalfall ist die Eustachische Röhre immer geschlossen, um ein Eindringen von Krankheitserregern zu verhindern.
Funktionen und Aufgaben der Eustachische Röhre
Belüftung der Mittelohrräume:
Es ist ausserordentlich wichtig, dass das Mittelohr genügend belüftet wird, um ein feucht-warmes Klima, somit ein Nährboden für Bakterien und Viren und damit allfällige Infektionen zu vermeiden.
Druckausgleich bei wechselnden Druckverhältnissen:
Die Tube öffnet sich durch die Gaumenmuskulatur, genau durch den Zug des Gaumensegelspanner (musculus tensor veli palatini) und den Gaumensegelheber (musculus levator veli platini) an deren bindegewebigen Wand. So wird jedes Mal z.B. beim Schlucken, Gähnen oder bei K-Lauten ein Druckausgleich zwischen dem Mittelohr-Raum und ausserhalb des Körpers hergestellt. Zum normalen störungsfreien Hören ist es nämlich notwendig, dass das Trommelfell frei schwingen kann. Dies ist aber nur möglich, wenn der Luftdruck vor und hinter dem Trommelfell gleich gross ist. Dafür sorgt folglich die Tuba auditiva als Druckregulator bei sich wechselnden Druckverhältnissen wie zum Beispiel bei der Landung eines Flugzeuges (Druckausgleich). Man kann sie aber auch forciert öffnen, in dem man sich die Nase zuhält und durch die Nase versucht auszuatmen (Valsalva Manöver).
Das Valsalva-Manöver eignet sich zum Druckausgleich bei der Landung eines Flugzeuges.
Drainage der Paukenhöhle (Entwässerung):
Da die Eustachische Röhre normalerweise von der vorderen Wand der Paukenhöhle schräg nach unten verläuft, besteht ein natürliches Ausleiten von anfälligen Flüssigkeiten über den Nasen-Rachenraum.
Infektionsschutz und Schutz gegen aufsteigende Keime:
Genau durch diese natürliche Drainaige und Belüftung der Mittelohrräume und auch weil die Ohrtompete im Normalfall geschlossen ist, verhindert sie so Infektionen.
Schutz vor direkter Schallübertragung vom Rachen zum Mittelohr:
Durch die normalerweise geschlossene Eustachische Röhre wird verhindert, dass eine sogenannte Autophonie entsteht. Die eigene Stimme wird als viel zu laut wahrgenommen, die Aussenwelt dagegen als zu leise.
Krankheiten der Eustachische Röhre
Unsere Eustachische Röhre ist recht anfällig für Funktionsstörungen, weshalb diese relativ häufig vorkommen. Nachfolgend einige Krankheiten welche die Ohrtrompete betreffen und von einem Hals-Nasen Ohrenarzt (HNO/ORL) diagnostiziert, behandelt und allfällig operiert werden.
Akuter Tubenmittelohrkatarrh (Paukenerguss):
Ein akuter Ausfall des Druckausgleichs durch einen Verschluss der Eustachische Röhre, z.B. durch einen Infekt der oberen Atemwege, nennt man Tubenkatarrh, Paukenerguss oder akute Tubenfunktionsstörung. Die Tube wird hierbei durch die auftretende Schleimhautschwellung so verschlossen, dass sie sich beim Schluckakt nicht mehr kurzzeitig öffnen kann. Die Mittelohrschleimhaut resorbiert dann den Sauerstoff in der Paukenhöhle, wodurch ein Unterdruck im Mittelohr entsteht. Das Trommelfell kann so nicht mehr ungehindert schwingen und wird durch den Unterdruck nach innen gezogen, wodurch ein Druckgefühl im Ohr und eine vorübergehende Schallleitungsschwerhörigkeit entsteht. Häufige Ursachen sind Infektionen der oberen Atemwege aber auch ein verlegter Tubenausgang durch vergrösserte Rachenmandeln. Normalerweise reichen zur Behandlung abschwellende Medikamente. Bei längerem Unterdruck und Nichtbessern der Symptome kann aber auch eine Parazentese (Trommelfellschnitt) notwendig sein, um die angestaute Flüssigkeit zu entfernen und den Druck im Mittelohr wieder zu stabilisieren.
Diagnostik: Otoskopie, Stimmgabel-Tests, Audiogramm (Tonaudiometrie), Tympanogramm.
Chronischer Mittelohrkatarrh (Seromykotympanon):
Bei Tubenfunktionsstörungen, die mehrere Wochen oder gar Monate andauern, beobachtet man einen Wandel der flachen Paukenhöhlenschleimhaut, auf der nun schleimproduzierende Zellen vorhanden sind. Dieser mit der Zeit produzierte sehr zähflüssiger Schleim kann weder abfliessen noch abgebaut werden. Auch hier verspürt man einen Druck und Völlegefühl im Ohr, zunehmende Schwerhörigkeit und ggf. auch einen Tinnitus. Die Folgen können eine akute Mittelohrentzündung mit den damit verbundenen Komplikationen ergeben. Auch bei einem chronischen Mittelohrkatarrh versucht man die Symptome mit abschwellenden Medikamenten zu lindern. Hier ist es jedoch häufiger notwendig, eine Parazentese durchzuführen, wobei dann ein Paukenröhrchen ins Trommelfell eingesetzt wird, dass auch über längere Zeit dieser zähflüssige Schleim abfliessen kann und der Druck im Mittelohr wieder stabilisiert wird. In der Regel wächst das Paukenröhrchen zwischen 3-6 Monaten von selbst raus und fällt dann in den Gehörgang bzw. selbstständig aus dem Ohr. Das Trommelfell wächst in der Regel ebenfalls von selbst zusammen.
Diagnostik: Otoskopie, Stimmgabel-Tests, Audiogramm (Tonaudiometrie), Tympanogramm, Endoskopie.
Klaffende Tube (offene Ohrtrompete):
Wie bereits erwähnt liegen die Schleimhautblätter der Eustachische Röhre (Ohrtrompete) aufeinander und öffnen sich nur durch unsere Gumenmuskulatur. Bei einer klaffenden Tube (klaffende tuba auditive) ist die Verbindung zwischen Paukenhöhle und Nasopharynx (Nasen-Rachenraum) ständig geöffnet. Die Ursachen für eine klaffende Tube sind vielfältig wie z.B. ein herabgesetzter Gewebsdruck durch Abmagerung, Narben, hormonelle Umstellung etc.
Folgen einer chronischen Entzündung der Eustachische-Röhre
Insbesondere lang andauernde, chronische Entzündungen im Bereich des Mittelohres, die unter anderem durch chronische Tubenventilationsstörungen auftreten, können Spuren, Defekte und somit bleibende Folgen hinterlassen:
- Atrophe bzw. dünner werdende Trommelfellbereiche und Narben.
- Adhäsivprozesse bzw. Verwachsungen des atrophen Trommelfells mit der Paukenhöhlenwand.
- Kalkablagerungen im Trommelfellbreich.
- Paukenfibrose (selten), bei der das Volumen der Paukenhöhle durch Bindegewebe aufgefüllt wird, ausgedehnte Vernarbungen treten auf.
Alle diese Folgen bedeuten in der Regel, dass eine, eventuell zusätzliche, Schallleitungs-Schwerhörigkeit auftritt. Aufgrund dessen, dass das Trommelfell nicht mehr genügend schwingen kann und so die Schallübertragung auf die Gehörknöchelchenkette und danach bis ins Innenohr nicht mehr ausreichend sichergestellt ist. Es herrscht also eine mechanisch abgedämpfte Schallübertragung im Mittelohr, was auch bei der subjektiven Wahrnehmung des Hörens auftritt.