Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03353.jsonl.gz/1530

Die meisten Theatra Machinarum der Renaissance gelten als luxuriöse Sammlerstücke. Das prachtvollste dieser „Maschinentheater“ ist ohne Zweifel dasjenige des Italieners Agostino Ramelli (1531-1600). Seine Maschinenbilder üben einen ganz besonderen ästhetischen Reiz aus, und es erstaunt nicht, wenn heutige Kommentatoren wie Jonathan Sawday bemerken, dass die Bilder eher eine Affinität zu literarischen Texten, als zu Ingenieurhandbüchern haben (Sawday, 102). Ähnlich wie die Maschinen von Jean Tinguely scheinen diejenigen von Ramelli nicht unbedingt darauf ausgerichtet, eine nützliche Tätigkeit zu verrichten. Sie sind vielmehr auch da, um uns bei deren Betrachtung einen sinnlichen Genuss zu bereiten.
Diese zwei Aspekte von Nutzen und Ästhetik werden von Dennis Des Chene treffend als „Performanz- und Ausstellungswert“ der Maschine bezeichnet:
Was man […] zu sehen bekommt, sind keine Maschinen, sondern Bilder von Maschinen, von denen viele, wie es eben so ist, nie wirklich gebaut worden sind. Stattdessen zeigen ihre Darstellungen – oder vielmehr die virtuellen Maschinen, die sich der Leser beim Betrachten jener Darstellungen vorstellt –, wie es möglich ist, dass bestimmte Wirkungen mithilfe der im Bild ausgestellten Mittel erzielt werden können. Die Maschine wird in den Vordergrund gerückt, um auf diese Weise den Leser zu überzeugen, dass bestimmte Dinge möglich oder wahr sind. Solche Überzeugung gelingt nicht durch eine mathematische Beweisführung oder, etwas allgemeiner formuliert, den blossen Aussagegehalt, sondern durch das Ansprechen der Sinne und der Phantasie, des Sehens, des Fühlens und der durch die Fortbewegungsfähigkeit der Maschine hervorgerufenen Empfindungen (125).
Die Maschine wird also durch die Imaginationskraft des Betrachters gewissermassen in Bewegung gesetzt und zum ästhetischen Genuss gesellt sich die Verwunderung darüber, dass das gezeigte Konstrukt zumindest imaginär funktionieren könnte.
Figure VII
Figure XIII
Figure XXV
Figure XL
Figure XLIIII [sic.]
Figure LV
Figure LXVI
Figure LXXX
Figure CI
Literatur
Des Chene, Dennis: „Imaginierte Maschinen und wirkliche Welt“. In: Helmar Schramm, Ludger Schwarte, Jan Lazardzig: Spuren der Avantgarde: Theatrum machinarum; Frühe Neuzeit und Moderne im Kulturvergleich (Berlin, 2008, S. 122-141).
Ramelli, Agostino: Le Diverse et Artificiose Machine (Paris, 1588)
Sawday, Jonathan: Engines of the Imagination: Renaissance Culture and the Rise of the Machine (Routledge, 2007)