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© Marcel Burkhardt
Wie können wir den Waldlaubsänger fördern?
In Zusammenarbeit mit Forstfachleuten setzte die Schweizerische Vogelwarte das aus bisheriger Forschung gewonnene Wissen über die Habitatansprüche des gefährdeten Waldlaubsängers in einem Artenförderungsprojekt um.
Foto © Elias Häller, Karin Feller
Seit den 1990er-Jahren ging der Bestand des Waldlaubsängers in der Schweiz stark zurück, und seit 2010 wird er auf der Roten Liste als «verletzlich» eingestuft. Insbesondere die von ihm bevorzugten Waldhabitate gehen mehr und mehr verloren. Dies im Zuge der heutigen forstlichen Praxis der Dauerwaldbewirtschaftung sowie des vermehrten Stickstoffeintrags in die Wälder, der zu einer üppigeren Krautschicht führt. Wegen seiner charakteristischen Habitatansprüche besiedelt der Waldlaubsänger in erster Linie Laubwaldbestände ab schwachem Baumholz, das heisst mit einem Brusthöhendurchmesser ab 30 cm, mit weitgehend geschlossenem, homogenen Kronendach. Nahezu fehlende Vegetation in der Kraut- und Strauchschicht sowie eine mässige bis mittelstarke Bedeckung des Bodens mit Gras sind ebenfalls von Bedeutung. Als Prioritätsart des Programms «Artenförderung Vögel Schweiz» ist der Waldlaubsänger auf artspezifische Fördermassnahmen angewiesen.
Gezielte forstliche Massnahmen können helfen
Im ab 2016 laufenden Artenförderungsprojekt wurde untersucht, ob dem Waldlaubsänger mit gezielten forstlichen Eingriffen geholfen werden kann. Im Winter 2016/17 wurden deshalb in der Nordwestschweiz, in Zusammenarbeit mit lokalen Forstfachleuten, vom Waldlaubsänger nicht besiedelte, aber grundsätzlich geeignete Waldflächen gezielt behandelt. Dabei wurden kleinere Bäume und Sträucher in der Strauchschicht entfernt, wodurch der bodennahe und der untere Stammbereich aufgelichtet, das geschlossene Kronendach jedoch nicht verändert wurden.
Um die Wirkung dieser Eingriffe zu evaluieren, erhob die Vogelwarte von 2016 bis 2020 verschiedene Merkmale auf den behandelten Flächen und auf Kontrollflächen, auf denen keine Eingriffe durchgeführt wurden. Erfasst wurden bestimmte Eigenschaften der Waldstruktur sowie das Vorkommen des Waldlaubsängers und anderer Brutvogelarten aber auch von Mäusen. Die Auswirkungen der Massnahmen auf andere Vogelarten galt es abzuschätzen. Die Stiftung Fledermausschutz Schweiz untersuchte zudem mittels akustischem Monitoring 2021 das Vorkommen verschiedener Fledermausarten.
Die Resultate zeigen, dass solche forstlichen Eingriffe auf geeigneten Flächen die Ansiedlung des Waldlaubsängers fördern können, insbesondere wenn in der Nähe bereits Waldlaubsänger vorkommen. Weiter konnte auch eine höhere Aktivität gewisser Fledermausarten in den Eingriffsflächen nachgewiesen werden. Auf die Häufigkeit anderer Brutvogelarten wurde hingegen kein Einfluss der Massnahmen festgestellt. Mit gezielten forstlichen Eingriffen scheint somit in geeigneten Waldflächen Bruthabitat für den Waldlaubsänger geschaffen werden zu können, zumindest kurzfristig. Die Eingriffe sind jedoch relativ teuer und die langfristige Wirkung ungewiss.
Bruthabitate erhalten!
Auf jeden Fall prioritär ist die Erhaltung bestehender und bereits besiedelter Bruthabitate. In diesen Gebieten sollte daher auf Auflichtungen verzichtet werden. So können Forstfachleute und Waldeigentümerinnen und -eigentümer mithelfen, den bestehenden Lebensraum so lange wie möglich zu erhalten. Durch Fördergelder nicht nur für «lichte Wälder», sondern auch für «gleichförmige, dunklere Laubwälder » sowie Vereinbarungen zum Erhalt von Bruthabitaten können die öffentliche Hand und private Institutionen die Akteure im Wald dabei unterstützen, den Waldlaubsänger in der Schweiz zu bewahren.