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|RAKU bedeutet Freude, Glück und Gelassenheit||

Die Legende sagt: Im 16.Jahrhundert kam ein koreanischer Töpfer nach Japan und stellte neben Dachziegeln auch Reisschalen her. Sein Sohn setzte die koreanische Tradition der einfachen bäuerlichen Keramik fort. Ein höfischer Teemeister des 16.Jahrhunderts, Sen-no Rikyu, sah in diesen Keramikschalen ein Beispiel, das dem Geist des Zen-Buddhismus entspricht. Die niedrig gebrannten Teeschalen entsprachen seinen Vorstellungen und genossen höchste Anerkennung. Dem Töpfer wurde darum ein Goldsiegel mit der Inschrift RAKU verliehen.
Andere Quellen beichten: RAKU ist eine alte japanische Töpfertechnik und untrennbar mit dem Zen-Buddhismus und der Tee Zeremonie verbunden. Zen-Mönche, die ihre Schalen für die Tee Zeremonie selbst herstellten, stellten diese eines Tages ins Feuer, weil sie wissen wollten, was mit den Schalen im Feuer und nach dem Herausnehmen passiert. Durch das schnelle Erhitzen im offenen Feuer und das schockartige Abkühlen entstanden viele feine Haarrisse in den Tonschalen. Seither meditierten die Mönche bei der Tee Zeremonie mit Hilfe der feinen Risse.
Tatsache ist: Bernhard Leach entdeckte diese Brenntechnik in Japan. Sein 1940 veröffentlichtes Buch ist der Ursprung der abendländischen RAKU Kunst. In den "Sechzigern" gab es in Aspen (Colorado) open-air-meetings mit gemeinschaftlichem RAKU Brennen. Ziel dieser Veranstaltungen war es, die Teilnehmer zu Glück und Gelassenheit zu führen. Seit den siebziger Jahren fasziniert diese unberechenbare Brenntechnik auch europäische Töpfer.
Das Besondere an dieser Brandtechnik sind nicht nur das Verhalten der Glasurfarben oder die willkürlich entstehenden Spannungsrisse auf den Gegenständen, sondern auch das handwerkliche Arbeiten, das begleitet wird vom Duft der Erde, des Feuers, der Luft und des Wassers.
Die mit schamottiertem Ton aufgebauten Gegenstände werden in einem Rohbrand (850°C - 960°C) vorgebrannt. Danach werden die ausgekühlten Gegenstände mit speziellen RAKU Farben glasiert. Die Werkestücke werden nun im RAKU Ofen während gut einer Stunde erneut erhitzt Die Glasuren schmelzen zwischen 800°C und 1000°C (Niedrigbrand). Die knapp 1000°C heissen und rot glühenden Gegenstände werden anschliessend in Sägemehl (oder auch Laub oder Heu) gelegt und sofort zugedeckt. Unter Sauerstoffmangel (Reduktion) verkohlt das organische Material, der Rauch (Kohlenstaub) färbt die Tonteile schwarz schillernd und dringt tief in die feinen Sprünge der Glasuren ein. Die Glasuroberfläche reisst beim Abkühlen, wodurch das typische Craquelé (feine Haarrisse in der Glasur von Keramik) entsteht.
Die typische Schwarzfärbung nicht glasierter Teile, die spannenden Glasureffekte und die Glasurrisse gehören zu den Merkmalen der RAKU Keramik. Der Reduktionsprozess kann durch Auf- und Abdecken des Sägemehls etwas gesteuert werden. Der Brennverlauf lässt sich beim RAKU nur bedingt steuern. Jedes Werkstück ist damit ein Unikat. Durch eine stark reduzierende Atmosphäre wird der noch weichen Glasur Sauerstoff entzogen. Die chemische Formel der Farben kann sich verändern und es entsteht z.B. aus Kupferoxyd (grün/blau) Kupfer (rot/kupferig). Nach dem Abkühlen werden die Werkstücke gereinigt (Rauchspuren entfernen).
Damit die Gegenstände beim RAKU Brand die enormen Temperaturunterschiede unbeschadet überstehen, enthält die RAKU Tonmasse einen hohen Anteile Schamotte (gebrannter und gemahlter Ton) oder auch Bims und Sand. Schockresistente und auch plastische Tonmasse bekommt man im Fachhandel.