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Tomaten
Geschichtliches
Die Urtomate, also die wilde Vorfahrin unserer heutigen Tomate, war in Ecuador und Peru beheimatet. Bereits in präkolumbianischer Zeit wurde sie von den Menschen in Kultur genommen, wobei eine Vielzahl von Sorten entstanden. In Europa verbreitete sich die Tomate ab dem 17. Jahrhundert zuerst nur zögerlich und ausschliesslich als Zierpflanze, da sie als Nachtschattengewächs im Verdacht stand, wie ihre europäischen Verwandten (beispielsweise die Tollkirsche) giftig zu sein. Tatsächlich sind unreife Tomaten wegen ihres Solaningehalts für den Verzehr in grossen Mengen nicht geeignet.
Aufzucht
Als Exotin ist die Tomate sehr wärmebedürftig. Die Jungpflänzchen werden ab Ende März an einem hellen Ort, z. B. auf einer Fensterbank in der Stube, gezogen. Wenn sie ihre ersten zwei richtigen Blättchen ausgebildet haben, werden sie einzeln in grössere Töpfchen pikiert. Es ist darauf zu achten, dass die Erde immer genug feucht ist, und dass die Pflänzchen nicht zu warm stehen (also nicht direkt auf einem Heizkörper), da sie sonst aufgeilen, d. h. lang und dünn und schwach werden. Das Gleiche geschieht, wenn sie zu wenig Licht haben.
Abhärten und Auspflanzen
Nach den letzten Frösten, meist Mitte Mai, können die Tomatenpflanzen nach einer Abhärtungszeit ins Freie gepflanzt werden. Das Abhärten ist wichtig, da sich die Pflanzen einerseits erst an die kühleren Nächte gewöhnen müssen, andererseits aber auch an die Sonne, durch die sie Verbrennungen erleiden können. Es ist zwar ein wenig mühsam, über einige Tage hinweg die Pflanzen immer wieder rein- und rauszutragen, wenn man dies aber nicht tut, kann man sie dauerhaft schädigen.
Krautfäule
Ausgepflanzt werden die Tomatenpflanzen an geschützte Plätze in nahrhafte Erde. Ein Regendach ist ein absolutes Muss, ohne dieses gehen die Pflanzen meist mitten im Sommer, wenn sie die ersten Früchte angesetzt haben, an der Krautfäule (Phytophthora infestans) zu Grunde. Diese Pilzinfektion wird begünstigt durch feuchte Witterung. Wenn Tomatenpflanzen zu lange nicht abtrocknen können, haben sie gegen den Pilz keine Chance und es bleibt dem Gärtner und der Gärtnerin nichts anderes übrig, als sie auszureissen und die Tomatenernte abzuschreiben.
Auch unter einem Regendach kann Krautfäule auftreten, aber nie in dem Ausmass wie im Freiland. In unserem Garten stärken wir die Pflanzen prophylaktisch mit Schachtelhalmbrühe, die bei trockenem Wetter direkt auf die Blätter gesprüht wird. Ausserdem pflanzen wir an exponiertere Stellen wie beispielsweise am Rand des Tomatendachs, wo es zeitweise etwas reinregnet, Sorten, die eine gewisse Krautfäuletoleranz besitzen. Ein besonderer Geheimtipp ist hier die Sorte De Berao. Die peruanische Wildtomate Golden Currant pflanzen wir als Einzige jeweils gänzlich ins Freiland, da sie meist erst Mitte Herbst von der Krautfäule dahingerafft wird und bis da schon eine ansehnliche Ernte geliefert hat.
Auch in Töpfen gedeihen Tomaten gut. Im Sommer stehen bei uns unter jedem verfügbaren Vordach Tomaten, die uns den geschützten Standort mit ihrem köstlichen Schatz danken.
Ausgeizen
Tomaten benötigen bei uns Stützstangen, an denen sie festgebunden werden. In trockeneren Regionen kann man sie durchaus liegend auf einer Stohmulchschicht wachsen lassen, bei uns ist dies aufgrund der Feuchtigkeit und der Krautfäulegefahr nicht empfehlenswert. Auch ist es von Vorteil, wenn man die sogenannten Geiztriebe, die in den Blattachseln der Tomatenpflanzen wachsen, ausbricht. So stellt man sicher, dass das Blattwerk nicht zu dicht wird und bei Feuchtigkeit besser abtrocknen kann (Krautfäulegefahr), und dass die Pflanzen nicht zu viele Früchte ansetzen, die dann in unseren kurzen Sommern nicht richtig ausreifen können. Wir empfehlen, pro Pflanze höchstens drei Haupttriebe wachsen zu lassen und alle anderen zu entfernen. Wir lassen meist sogar nur einen Trieb stehen. Es gibt einige Sorten, bei denen ist kein Ausgeizen nötig. Wo das der Fall ist, ist es in der Sortenbeschreibung vermerkt.
Giessen
Bei der Wasserversorgung kommt es sehr darauf an, wo die Pflanzen stehen. So ist es natürlich unerlässlich, in Töpfen wachsende Pflanzen regelmässig zu giessen. Anders ist es bei Pflanzen, die direkt in der Erde stehen. Zu häufiges Giessen bewirkt hier, dass sich das Wurzelwerk nur oberflächlich ausbildet, die Pflanze sich also nicht bemüht, die notwendige Feuchtigkeit aus der Tiefe zu holen. Auch leidet bei zu grosszügigen Wassergaben das Aroma der Tomaten. Auch unsere unter dem Regendach stehenden Tomaten werden nur bei anhaltender Trockenheit gegossen, ansonsten holen sie sich ihr Wasser selbständig.
Ernte
Mit der Ernte werden all die Mühen, die man mit der Aufzucht bis jetzt hatte, belohnt. Wer Jahr für Jahr eigene Tomaten zieht, die Möglichkeit hat, die verschiedensten Sorten auszuprobieren und die Reichhaltigkeit des Geschmacks einer sonnengereiften Tomate kennt, wird alle Supermarktware verschmähen. Wir haben uns oft gefragt, nach was eine Supermarkttomate eigentlich schmeckt: Nach Gras? Jedenfalls nicht nach Tomate. Wir haben deshalb keine Mühe, auf den zweifelhaften Genuss zu verzichten und zu warten, bis unsere eigenen Tomaten reif sind.
Wir essen jeweils bis in den Dezember hinein eigene frische Tomaten. Alle noch grünen Früchte werden im Herbst vor dem ersten Frost abgenommen und im Haus in flachen Behältern gelagert, bis sie nachgereift sind. Nachgereifte Tomaten kommen vom Geschmack her nicht an die an der Pflanze ausgereifen heran, sind aber den gekauften immer noch weit überlegen.
Sortenwahl und Saatgut
Tomaten aus dem Supermarkt schmecken deshalb nicht, weil sie ausschliesslich auf ihr Aussehen hin und auf die Transportfähigkeit gezüchtet wurden. Die Früchte an einer Rispe sollten womöglich alle gleichzeitig reifen und auch gleich gross sein, ausserdem sollte die Haut fest sein, da sonst die Transportfähigkeit leidet. Der Geschmack ist sekundär. Wir im Hausgarten haben keine weiten Transportwege zurückzulegen, uns ist es auch egal, wenn die Früchte ungleich gross sind oder gar mal platzen. Das Wichtigste für uns ist der Geschmack - und hier haben wir heute zum Glück die Möglichkeit, uns jenseits der Saatgutmultis mit Samen von alten, bewährten Nichthybridsorten einzudecken und unsere eigenen Tomatenpflanzen zu ziehen. Auch die eigene Saatgutgewinnung ist ein Kinderspiel: einfach die Samen aus den jeweils ersten Früchten der schönsten Pflanzen herauslösen, etwa zwei Tage in Wasser einlegen, in einem Sieb auswaschen und gut trocknen lassen. Kühl und trocken aufbewahrt bleiben solche Samen vier Jahre lang keimfähig.
Die hier beschriebenen Sorten sind alles solche, welche sich bei uns im Hausgarten bewährt haben und die uns am besten schmecken. Ich habe dutzende von Tomatensorten ausprobiert (und probiere auch noch jetzt ab und zu eine Neue aus), und die hier Beschriebenen sind die, die mich in jeglicher Hinsicht am meisten überzeugen. Die einen sind robust und gedeihen gut im Freiland (Golden Currant und De Berao), die anderen kommen auch zurecht, wenn sie nur Morgensonne bekommen wie vor unserer Werkstatt (Danish Export), und für die dritten haben wir geschützte, sonnige Plätzchen an der Hauswand auf unserem Sitzplatz und im Tomatenhaus. Und alle schmecken wunderbar - das wichtigste Kriterium!