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Wo bleibt das Produktivitätswachstum in Europa?
Philipp Hildebrand, Mitglied des Direktoriums
Vereinigung Basler Ökonomen, Basel, 28 Oktober 2004, 28.10.2004
Die EU weist seit 1996 ein tieferes Produktivitätswachstum als die USA aus. Dieses Phänomen hat sich seit 2001 noch akzentuiert. Die Zunahme des BIP pro Arbeitsstunde in der EU bleibt im Vergleich zu den USA seit 1996 über zwei Prozentpunkte pro Jahr zurück. Messunterschiede im BIP mögen für rund 0,5 bis maximal 1 Prozentpunkt dieser Produktivitätswachstumsdifferenz verantwortlich sein. Der verbleibende Produktivitätswachstumsrückstand Europas gegenüber den USA liegt einerseits im starken Anstieg der Gesamtfaktorproduktivität in den USA begründet. Dieser Anstieg wurde durch eine umfassende Ausrichtung der US-Wirtschaft auf die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien hervorgerufen. Andererseits ist in Europa der von der Kapitalintensität abhängige Produktivitätswachstumsbeitrag zurückgegangen. Die Ursache hierfür liegt in der jüngst erfolgten Steigerung des Arbeitsvolumens in Europa, welche zumindest kurzfristig zu einem Rückgang der Kapitalintensität und damit der Arbeitsproduktivität führte. Die Produktivität der zusätzlichen Arbeitskräfte muss mit entsprechenden Bildungsmassnahmen, offenen Märkten sowie zusätzlichen Investitionen gesteigert werden. Ebenso muss der optimale Einsatz aller Arbeitskräfte mit weitergehenden Liberalisierungsmassnahmen im Arbeitsmarkt verbessert werden. Das Produktivitätspotenzial der neuen Technologien muss mit Reformen der Produktmärkte noch stärker ausgeschöpft werden. Nur mit einer erhöhten Produktivität lassen sich unser Wohlstand und unsere Sozialsysteme nachhaltig sichern.