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Zürich-Wollishofen
Projektwettbewerb, 2017
Topografie und Stadtraum: Topografische Senke, offene Bebauung
Das Grundstück der Wohn- und Siedlungsgenossenschaft Zürich an der Tannenrauchstrasse befindet sich in einer topografischen Senke – einem muldenförmigen Plateau –, das auf der Höhe zwischen zwei Moränenzügen, den nördlichen Ausläufern des Zimmerbergs, liegt. Diese Topografie macht den Stadtraum zu einer gefassten, beinahe introvertierten Situation ohne Bezüge in die Ferne. Die Mutschellenstrasse als wichtigste Verkehrsachse in dieser Senke verläuft in nordsüdlicher Richtung. Aufgrund der Breite des Plateaus im Bereich des Perimeters gabelt sich die Mutschellenstrasse in die parallel verlaufende Tannenrauchstrasse auf. Wegen der hier geführten Buslinie besitzt der an sich untergeordnete Strassenzug eine zur Mutschellenstrasse gleichwertige Erschliessungsfunktion.
Mit Punkt- und kurzen Zeilenbauten besitzt das Quartier eine durchgängige, offene Bebauungsstruktur. Sie definieren einen durchgrünten Stadtkörper mit durchfliessenden Freiräumen. In den Hanglagen wird diese offene Bebauungsstruktur bestimmt durch Häuser und Siedlungen aus den 1930er bis 1950er Jahren, die erst in jüngerer Zeit durch einzelne neue Entwicklungen durchsetzt wird. Im Streifen zwischen Mutschellen- und Tannenrauchstrasse ist die Bebauungsstruktur heterogener und wir geprägt durch grossmassstäbliche Solitärbauten wie die beiden Gisel-Bauten, die Schulschwimmanlage Tannenrauch oder das Altersgerechte Wohnen Wollishofen. Sie sind einem modernen Städtebau verpflichtet und teilweise zur Strasse abgedreht. Demgegenüber steht eine Reihe eher kleiner Einzelhäuser entlang der Mutschellenstrasse, mit Ausnahme des Geschäftshauses der SUISA.
Baukörper und Aussenraum: Einheit von Haus und Garten
Das Projekt sieht auf dem grösseren Grundstück eine zusammenhängende Gebäudefigur vor, die mit einem weiteren Solitär den Raum zwischen den beiden Strassen besetzt. Das Volumen ist allerdings stark gegliedert und setzt sich aus fünf zueinander versetzten Baukörpern zusammen. Durch die vergleichsweise kurzen Fassadenabschnitte tritt das Gebäude in Beziehung mit der Siedlung der Baugenossenschaft Waidberg und vermittelt im rückwärtigen Bereich zu den Einzelhäusern an der Mutschellenstrasse. Im Norden und Süden werden räumlich entspannte Übergänge zum Studentenhaus von Gisel und der Schulschwimmanlage geschaffen. Zudem wird durch die Parallelstellung an der Tannenrauchstrasse ein gefasster Strassenraum ausgebildet.
Das Gebäude weist fünf Geschosse ab einem Hochparterre von fünfzig Zentimetern auf. Damit kommt die Traufe an der Tannenrauchstrasse zwischen die Trauf- und Giebelhöhe der gegenüberstehenden Siedlung zu liegen. Diese Gebäudehöhe sorgt in Anbetracht der deutlich höheren Dichte für eine gute Einordnung ins Stadtgefüge. Auf der kleinen Parzelle wird ein Baukörper vorgeschlagen, der sich in seiner Höhe und den Grundmassen morphologisch an der Mutschellenstrasse einreiht.
Durch die versetzte, fünfteilige Gebäudefigur werden halboffene, gut gefasste Gartenhöfe geschaffen, welche den hier vorgesehenen Privatgärten der Erdgeschosswohnungen vorbehalten sind. Durch das Gleichgewicht vom umbauten Raum des Gebäudes und den «Leervolumen» dieser gefassten Gartenhöfe verbinden sich Haus und Aussenraum zu einer untrennbaren Einheit. Die Privatgärten wirken dabei als selbstverständlicher, fast zwingender Teil der Anlage. Entlang der Tannenrauchstrasse schaffen quartierstypische Vorgärten einen Übergang zwischen dem öffentlichen Strassenraum und den privaten Erdgeschossgärten, die leicht erhöht auf der Tiefgarage und eben zu den Erdgeschosswohnungen liegen. Die Haupterschliessung mit den Haueingängen liegt mittig, das heisst gleichwertig zur Mutschellen- und Tannenrauchstrasse und wird über die beiden querenden Wege (im Süden der Besenrainweg) erreicht. Durch die Lage an der Nahtstelle der fünf Baukörper öffnet sich die halb gedeckte Erschliessung jeweils seitlich in die Gartenhöfe. Durch diese verlaufen wiederum mittig angeordnete Wege, welche die Erschliessung des Grundstücks zu einem Wegenetz komplettieren und unterschiedliche, direkte Zugänge für die Bewohner zulassen.
Im rückwärtigen Bereich zwischen dem grossen Gebäude und den Einzelhäusern an der Mutschellenstrasse ist ein chaussierter, gemeinschaftlicher Aussenraum vorgesehen. Er dient dem Aufenthalt und Spiel – im Norden und Süden weitet er sich auf zu zwei Spielplätzen, die sich ins Quartier öffnen. Die Aufweitung in der Mitte dient als grosszügiger Aussenraum zum Gemeinschaftsraum, der im Erdgeschoss des kleinen Ersatzneubaus an der Mutschellenstrasse untergebracht ist. Seitlich des kleinen Neubaus verlaufen verbindende Wege zur Mutschellenstrasse. Mit dem landschaftsarchitektonischen Konzept werden unterschiedliche, vielfältig nutzbare Aussenräume mit einer feinen und selbstverständlichen Abstufung zwischen privaten, gemeinschaftlichen und öffentlichen Räumen geschaffen.
Bei den Belägen sind für die Erschliessungswege grossformatige, sandgestrahlte Betonplatten vorgesehen. In den privaten Gärten werden Rasenflächen informell mit Gartensträuchern und robusten Hochstauden bepflanzt und räumlich gegliedert. Zudem stehen in den Gartenhöfen einzelne, kleinere Obst- oder Zierbäume. Die Einheit von Haus und Garten wird unterstrichen durch Kletterspaliere an den Fassaden, welche architektonisch in die vertikale Fassadengliederung miteinbezogen sind. Und in den gemeinschaftlichen und öffentlichen Freiräumen ordnen grössere Solitärbäume oder Baumgruppen den Raum und spenden lokal Schatten für den Aufenthalt. Dazwischen stehen kleinere Gartengehölze.
Erschliessung und Erdgeschoss: Mittiger Erschliessungsraum, Wohnen im Hochparterre
Die beschriebene Haupterschliessung zu den Hauseingängen liegt mittig an der Nahtstelle der fünf Baukörper und ist über sekundäre Wege in ein durchlässiges Wegenetz eingebunden. In den erdgeschossigen Bereichen entlang dieser Haupterschliessung befinden sich jeweils seitlich der Hauseingänge Räume für Kinderwägen und Velos sowie natürlich belichtete Waschküchen. Die übersichtliche Erschliessung ist damit ein Ort der Begegnung und lädt zum ungezwungenen Austausch unter den Bewohnern ein. Die Erdgeschosswohnungen sind über diese gemeinschaftlichen Räume abgewandt orientiert und vor Einblicken gut geschützt. Sie befinden sich zudem auf einem Hochparterre von fünfzig Zentimetern und die Fenster weisen Brüstungen nach Aussen hin auf.
Für die Velos werden neben den geschlossenen Räumen bei den Hauseingängen dezentral offene Abstellplätze im Aussenraum angeboten. Weitere Abstellplätze finden sich leicht erreichbar und offen in der Einstellhalle. Diese liegt wie das restliche Untergeschoss vollständig unter dem Gebäude und den Gartenhöfen und wird über die nordwestliche Grundstücksecke von der Tannenrauchstrasse aus erschlossen. Die Besucherparkplätze sind bis auf zwei Plätze von der Mutschellenstrasse her zu erreichen. Der kleine Ersatzneubau hat seinen Eingang an der Mutschellenstrasse.
Wohnungen: Familienwohnungen mit zentraler Wohnhalle und Aussenzimmer
Die Wohnungen loten das Potential der Gebäudefigur aus, in dem sie alle über zwei bis vier Expositionen verfügen, jeweils Ausblicke in den Stadtraum wie auch in die Gartenhöfe besitzen und damit gut belichtet sind. In den einzelnen Baukörpern sind drei, in der Regel vier Wohnungen pro Geschoss effizient über ein zentrales Treppenhaus erschlossen. Die Wohnungen sind als Familienwohnungen mit hohem Gebrauchswert konzipiert. Der Ersatzneubau an der Mutschellenstrasse besitzt zwei kleinere Wohnungen pro Geschoss. Das Erdgeschoss ist dem Gemeinschaftsraum vorbehalten.
Die Familienwohnungen mit vier und fünf Zimmern werden über ein grosses, abgeschlossenes Entree betreten. Von da gelangt man direkt in die Küche, ein erstes Zimmer und ein Bad. Eine grössere Türe schafft den Zugang zur zentralen Wohnhalle, das Herz der Wohnung. Dieser Wohnraum öffnet sich nach zwei Seiten – einmal über den an die Küche angelagerten Essplatz und ein zweites Mal über einen eingezogenen respektive über Eck offenen Aussenraum. Diese Aussenräume sind als zusätzliches Zimmer dimensioniert und lassen sich im Erd- und den Regelgeschossen zum Wintergarten schliessen. Damit wird während den drei kälteren Jahreszeiten ein Mehrwert geschaffen, indem sich das Wohnen nach Aussen in das Zwischenklima erweitern lässt. Im Dachgeschoss sind sie nicht gedeckt und bleiben offen. Die weiteren Zimmer sind über den zentralen Wohnraum erschlossen. In den grösseren Wohnungen liegt ein Vorraum mit dem zweiten Bad dazwischen, in den kleinen 4-Zimmer-Wohnungen bestehen zusätzliche, direkte Verbindungen über das kleine Bad. In den 5-Zimmer-Wohnungen ist ein Zimmer direkt aus dem Treppenhaus zugänglich. Hier können beispielsweise Gäste im Homeoffice empfangen werden oder eine Musiklehrerin unterrichtet ihre Schüler, ohne diese in die Wohnung einlassen zu müssen.
Konstruktion und Materialisierung: selbstverständlicher, leichter Ausdruck
Die Tragstruktur ist in einer wirtschaftlich realisierbaren Massivbauweise vorgesehen. Das Einsteinmauerwerk wird aussen mit einem robusten Kellenwurfputz verkleidet und mineralisch gestrichen. Bei dieser Konstruktion ist auch die vorgesehene Begrünung an Spalieren unbedenklich.
In den transparenten Fassadenabschnitten sind Holz-Metall-Fenster vorgesehen. Eine untere Rahmenverbreiterung bildet eine niedere Brüstung aus, die aussen zusätzlich gedämmt und mit einem einbrennlackierten Blech hinterlüftet verkleidet wird. Im Sturzbereich nimmt diese Verkleidung den aussen liegenden Sonnenschutz auf. Im Innenausbau sollen wenige robuste und langlebige Materialien zum Einsatz kommen.
Mit der vorgeschlagenen Konstruktion und Materialisierung wird ein architektonischer Ausdruck gesucht, der die Häuser sowohl bezüglich den gartenstädtischen Siedlungen der Umgebung wie auch gegenüber den beiden Bauten von Gisel als unaufgeregt und selbstverständlich erscheinen lässt. Über Elemente wie die umlaufenden Handläufe, die textilen Ausstellmarkisen und die Spaliere wird eine Leichtigkeit angestrebt, die das Haus mit dem Garten verklammert.
Mitarbeiter Wettbewerb
Ron Edelaar, Elli Mosayebi, Christian Inderbitzin, Simon Cheung, Sébastien Ressnig, Reto Gasser
Bauherrschaft
Wohn- und Siedlungsgenossenschaft Zürich, Zürich
Landschaftsarchitektur: Schmid Landschaftsarchitekten GmbH, Zürich