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Wasserbauwissen kommunizieren. Die Tiroler Oberarcheninspektoren zwischen Fluss, Grenze und Regierung, 1745-1792
In der habsburgischen Grafschaft Tirol sollte ab 1745 eine neu gegründete landesfürstliche Wasserbaubehörde den Inn begradigen. Bis 1792 zeichneten zwei Oberarcheninspektoren, erst Fanz Anton Rangger, dann Gottlieb Samuel Besser, für dieses Projekt verantwortlich, das zum Ziel hatte, die Schifffahrt effizienter zu gestalten und dem Fluss 450 Hektar «öde Gründe» für die Landwirtschaft abzuringen.
Die Inspektoren sahen sich am Inn komplexen sozionaturalen Problemlagen gegenüber: Sie hatten nicht nur die natürliche Dynamik des Alpenflusses zu zähmen, sondern auch renitente Untertanen, welche viele Verbauungen auf eigene Kosten umsetzen sollten. Darüber hinaus bargen wasserbauliche Differenzen mit dem Kurfürstentum Bayern an der nassen Grenze am Inn stets territoriale Konfliktlagen. Für die Stabilisierung dieser sozionaturalen Verhältnisse am Fluss konzipierten die Inspektoren wasserbauliche Lösungen, die sie gegenüber der landesfürstlichen Regierung in Innsbruck und in Wien zu plausibilisieren hatten. Akzeptierten die Räte des Innsbrucker Guberniums und der Wiener Hofkammer die technischen Vorschläge in den meisten Fällen, so gingen sie doch weitaus seltener auf Entwürfe zur Umstrukturierung der sozialen Organisation des Wasserbaus ein, aus der sich ebenso viele Probleme ergaben wie aus der fluvialen Dynamik des Inns. Der Expertenstatus der Inspektoren wurde demnach häufig infrage gestellt. Hielt die Regierung diese für überfordert, holte sie zusätzliche Gutachten auswärtiger Spezialisten ein, um zu den erwünschten Lösungen zu gelangen.
Der Beitrag untersucht das technische, fragt aber auch auch nach dem sozialen wasserbaulichen Wissen der Oberarcheninspektoren. Welche kommunikativen Hürden stellten sich bei der Vermittlung zwischen den unterschiedlichen, am Wasserbau beteiligten Gruppen? Welche Faktoren ermöglichten oder erschwerten schliesslich die Umsetzung des Projekts der Innbegradigung?