Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03199.jsonl.gz/882

Die wichtigsten Unterschiede zwischen dem deutschen und dem Schweizer Schulsystem
Deutschland und die Schweiz sind Nachbarländer. Man spricht dieselbe Sprache. Wie aber sieht es mit den beiden Schulsystemen aus? Ein Vergleich zeigt erhebliche Unterschiede.
Schuleingang
In beiden Ländern sind die Kinder in etwa sechs Jahre alt, wenn sie eingeschult werden. In Deutschland ist der Besuch der KITA freiwillig, während die Kinder in der Schweiz ein oder zwei Jahre (je nach Kanton unterschiedlich) verbindlich in der Elementareinrichtung gewesen sein müssen. Ebenso bemüht sich die Schweiz durch die Einrichtung jahrgangsgemischter Klassen um einen flexibleren Eintritt ins Schulleben.
Klassengröße
Die Klassenmesszahl an deutschen Schulen liegt in Grundschulen je nach Bundesland zwischen 24 und 28. In der Schweiz sind die Klassen kleiner. Im Schnitt sitzen dort 20 Kinder in einem Klassenraum. Das bleibt auch in der Sekundarstufe I ähnlich. In Deutschland hingegen, vorwiegend an Gymnasien, wachsen die Zahlen auf ca. 30 Kinder pro Klasse an. Nach der Orientierungsstufe steht für nicht wenige Schüler nochmal ein Schulwechsel an, nämlich dann, wenn sie ihre Leistungen nicht halten können.
Leistungsbeurteilung
In beiden Ländern werden Noten zwischen 1 und 6 vergeben. In den deutschen Schulen finden die Noten zumeist ab der 3. Klasse Eingang ins Leben der Schüler, in der Schweiz überwiegend ab der 2. Jahrgangsstufe. Davor werden die Leistungen der Kinder in verbalen Beurteilungen bzw. in Lernberichten dokumentiert.
Während sich die Kinder in Deutschland über die Note 1 freuen, ist das für Schweizer Schüler eine sehr unerfreuliche Tatsache. Hier ist die Note 6 die beste, die 1 die schlechteste Note. Die Notengebung erfolgt in folgenden Schritten: 6 – 5,5 – 5 – 4,5 etc. Eine Tabelle zur Notenumrechnung ist oft hilfreich.
Durchlässigkeit des Schulsystems
Auch hier zeigt sich, dass die Schweiz um mehr Durchlässigkeit bemüht ist. In Deutschland wechseln die Schüler nach der 4. Klasse in eine weiterführende Schule. Je nach Bundesland sind das Gymnasium, Gesamtschule, Realschule oder ein Verbund zwischen Haupt- und Realschule. Am Ende eines jeden Zweigs steht der Einstieg ins Berufsleben bzw. das Studium oder man wechselt an eine Schule, die einen höheren Schulabschluss im Angebot hat.
Hier greifen die Schulen in der Schweiz früher lenkend ein. Ebenso sind die Übergänge fließender. Am Ende der Primarstufe (nach der 4., 5. oder gar 6. Jahrgangsstufe) werden die Schüler in unterschiedliche Leistungsniveaus unterteilt, die getrennt, kooperativ oder integrativ organisiert sein können. Ein Zweig ist der gymnasiale Zweig, der bis zur 10. Klasse einschließlich verbindlich ist und anschließend in die Sekundarstufe II führt. Wer diesen Weg geht, legt die Matura ab und beginnt ein Studium. „Vorbereitend werden die einzelnen Fächer sehr viel wissenschaftlicher unterrichtet. So wird im Fach Psychologie beispielsweise der Umgang mit Statistiken gelehrt.“, bestätigt auch Perspectiva Nova mit Sitz in Zürich. Perspectiva Nova bietet Nachhilfe durch qualifizierte Lehrpersonen beim Nachhilfeschüler zu Hause.
Die anderen Schulen des weiterführenden Bereichs, je nach Kanton z. B. Bezirksschule, Oberstufen- oder Sekundarschule bereiten durch eine gute Allgemeinbildung auf das spätere Berufsleben bzw. das Handwerk vor. Hier werden Schüler unterrichtet, die die Primarstufe in den Hauptfächern nicht mit überwiegend guten Leistungen abschließen konnten. Das Schulsystem lässt es aber zu, in späteren Jahren bei entsprechender Leistungsentwicklung in den gymnasialen Zweig zu wechseln.
Anteil der Gymnasiasten im Schulsystem
In Deutschland gibt es immer mehr Kinder, die zunächst aufs Gymnasium gehen. In den meisten Bundesländern ist die Schulempfehlung nicht bindend. Das Wahlrecht liegt bei den Eltern. In der Schweiz hingegen empfiehlt der Lehrer verbindlich auf welchen weiteren Schulzweig es nach der Primarstufe geht. Sollten die Eltern anderer Meinung sein, so muss der Schüler eine Prüfung ablegen, die zeigen soll, ob er für den direkten gymnasialen Zweig geeignet ist.
Eine Überprüfung wird in Deutschland kaum mehr gefordert. Während in der Schweiz nur jeder 5. Schüler auf direktem Weg die Matura anstrebt, liegt der Anteil in Deutschland relativ konstant bei 40 %, also doppelt so hoch. Während in der Schweiz nur die Schüler eine Matura anstreben, die im Anschluss wirklich ein Studium in Angriff nehmen, ist das in Deutschland nicht unbedingt der Fall. Nach Ablegen des Abiturs beginnen viele junge Menschen eine Berufsausbildung.
Während in Deutschland der Anteil der Schüler, die das Abitur anstreben, doppelt so hoch ist, kommen in der Schweiz in erster Linie Kinder auf das Gymnasium, die in ihren Leistungen gut und stabil sind. Bei unseren Nachbarn ist es weitaus weniger ein Stigma, nicht aufs Gymnasium zu gehen als bei uns. Das schweizer Schulsystem zeigt sich flexibler im Hinblick auf den individuellen Entwicklungsstand der Schüler und ermöglicht an vielen Stellen eine größere Durchlässigkeit.
Weiterführende Links: