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Wärme auf Abwegen
Wir werfen heute einen Blick über den Tellerrand, um genau zu sein an den Rand Europas in den Nordwesten Russlands. Hier sollten die Höchsttemperaturen in dieser Jahreszeit um 10 Grad sein, in Tat und Wahrheit liegen sie aktuell regional über 30 Grad. Wie es dazu kam und wie ungewöhnlich solche Werte sind, lesen Sie in den folgenden Zeilen.
Die Wetterlage hat sich im Vergleich zu den letzten Tagen kaum verändert. Der Alpenraum ist weiterhin fest im Griff eines umfangreichen Tiefdruckgebiets. Das Tief pumpt auf der Vorderseite sehr warme, subtropische Luft bis weit in den Norden, wie im obigen Bild veranschaulicht wird. Während bei uns durchweg unterdurchschnittliche Temperaturen herrschen, erreicht als «Ausgleich» hochsommerliche Wärme mit Temperaturen von über 30 Grad den arktischen Polarkreis. Wobei die aktuellen Temperaturen in dieser Region selbst im Hochsommer ungewöhnlich wären. Übrigens war es in dieser Region bereits im April deutlich zu warm.
Um diese Frage zu beantworten, greifen wir heute auf den sogenannten EFI (Extreme Forecast Index) zurück. Dieser wird am Europäischen Zentrum für Mittelfristvorhersagen ECMWF berechnet, wobei als Referenzzeitraum die letzten 20 Jahre verwendet werden. Der EFI ist eine dimensionslose Zahl, wobei bei der Temperatur positive Werte überdurchschnittliche Temperaturen, negative Werte unterdurchschnittliche Temperaturen bedeuten. Auf der oben dargestellten Karte ist die Verteilung des EFI für die Mitteltemperatur des heutigen Tages über Europa dargestellt. Auffällig sind zum einen in der Mitte der Karte über dem Alpenraum. Die grünlich/bläulichen Töne mit einem EFI von -0.5 bis -0.8 bedeuten also unterdurchschnittliche Temperaturen, aber nicht weit weg von der Norm. Andererseits sieht man eine grosse rote Fläche im Nordwesten Russlands und zum Teil in Finnland. Ein EFI von +1 bedeutet, dass diese Temperaturen in der zwanzigjährigen Modellklimatologie noch nie vorgekommen sind. Weitere Informationen zum EFI können hier (auf Englisch) nachgelesen werden.
Impressionen vom heutigen Tag: Schnee und Gewitter
Andreas Hostettler hat den Durchzug eines kräftigen Gewitters über dem Zürcher Weinland dokumentiert.