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Michael Naegeli hat das bei der Solar Impulse eingebaut, worauf sich die Piloten verlassen: Die Messinstrumente. Daran tüftelte der BKW Mitarbeiter Tag und Nacht.
Wenn anfangs Frühling die Tage länger werden, entfacht in Michael Naegeli eine Sehnsucht. «Es ist ein Gefühl von Freiheit», sagt er. Dieses Gefühl hat der Energiedatenmanager der BKW 4’000 Meter in der Höhe: Mit einem Sprung aus dem Flugzeug. Der freie Fall, dieser Moment von Leere, ist noch intensiver, wenn er aus dem Heissluftballon springt: «Dann werde ich nicht vom Gegenwind erfasst und liege zu Beginn schwerelos in der Luft.»
Der erste Prototyp
Es ist die Faszination des Fliegens, die Naegeli im Sommer 2009 zu Solar Impulse führte. Der gelernte Elektromonteur studierte in Biel Elektrotechnik und arbeitete in einem Ingenieurbüro. Dort entwickelte er elektronische Zutrittssysteme. Als er nach einer neuen Herausforderung suchte, erfuhr er durch einen Freund, dass der erste Prototyp der Solar Impulse gebaut werden sollte.
Die nächsten vier Monate pendelte Naegeli nach Dübendorf. Hier baute er die Messinstrumente in die Solar Impulse ein. Geräte, die zum Beispiel Verformungen an den Flügeln messen, oder auch Temperatur- und Beschleunigungssensoren. Naegeli arbeitete in einem internationalen Team mit 70 Mitarbeitern. «Wir hatten einen unglaublichen Teamgeist.» Wenn ein Test erfolgreich war, hätten alle applaudiert. «Das hat mich sehr motiviert», schwärmt er heute noch.
André Borschberg, der zweite Pilot, war jeden Tag in der Montagehalle. «André und Bertrand Piccard sind sehr zuvorkommend und hilfsbereit.» Die beiden Piloten interessierten sich sehr für Naegelis Arbeit. Sie sind auf die Messinstrumente angewiesen und wollen genau wissen, wie man sie bedient und wie sie im Detail funktionieren.
Genau auf die Finger geschaut
Dennoch: Der Zeitdruck war enorm. Wenn etwas nicht funktionierte, arbeitete Naegeli solange bis es funktionierte. «Wenn am nächsten Tag ein Testflug geplant war, arbeiteten wir mit höchster Konzentration die ganze Nacht durch.»
Da es sich um einen Prototypen handelt, in dem verschiede Neuentwicklungen eingebaut wurden, musste sich Naegeli im Team absichern. «Wir haben uns genau auf die Finger geschaut.» Alles wurde dokumentiert, getestet und wieder dokumentiert. «Wir bauten Instrumente in den Flieger, auf die sich der Pilot verlässt. Die müssen funktionieren. 100 prozentig.»
Die Testflüge waren erfolgreich und Naegelis Einsatz ist beendet. Vorerst. Naegeli arbeitete seit einem Jahr im Messdatenmagement der BKW, als er vom Team der Solar Impulse erneut angefragt wurde. Diesmal ging es um das zweite Flugzeug. Ein Satellitenkommunikationssystem wurde eingebaut und sämtliche Messinstrumente sollen damit kompatibel sein. Zudem waren weitere Entwicklungen geplant: Der Puls, die Körpertemperatur und der Sauerstoffgehalt im Blut der Piloten sollte während der ersten Weltumrundung 2015 lückenlos messbar sein und an die Bodencrew übertragen werden.
Naegeli bleibt 2010 weiterhin bei der BKW angestellt, kann aber zu 40 Prozent für die Solar Impulse arbeiten. Als die Arbeiten im Sommer 2011 erfolgreich abgeschlossen sind, lobt Naegeli das Team: «Wir haben alle kleine Schritte gemacht, aber zusammen haben wir etwas Grosses erreicht.»
Bald ist Frühling. Die Solar Impulse umrundet, ohne einen einzigen Tropfen Treibstoff, Tag und Nacht, allein mit der Kraft der Sonne die Welt. Und Naegeli wird mit dem Fallschirm ins Leere springen. «Das ist purer Genuss», sagt er.