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Wir konnten im letzten Wetterfrosch-Beitrag (FN vom 3. April) lesen, dass man die Temperatur oder den Wärmeinhalt eines Körpers oder Systems mit einem Thermometer messen kann. Das weltweit gebräuchlichste Gerät zur Temperaturmessung ist das Celsius-Thermometer, das auf den genialen schwedischen Naturforscher Anders Celsius (1701–1744) zurückgeht.
Messmethode aus Frankreich …
Am Anfang des 18. Jahrhunderts gab es noch zwei weitere bedeutende Erfinder von Thermometern, nämlich in Frankreich René Antoine Réaumur (1683–1757) und in Deutschland Daniel Gabriel Fahrenheit (1686–1736). Réaumur war ein französischer Naturforscher, der den Schmelzpunkt von Eis bei 0° Ré und den Siedepunkt von Wasser bei 80° Ré (unter Normaldruck von 1013,25 hpa) fixierte. Das waren die Bezugspunkte für seine Temperaturskala.
Er unterteilte die Skala in 80 gleiche Gradabstufungen und benützte Ethanol (oder Ethylalkohol) als Thermometerflüssigkeit. Ethanol selbst siedet aber schon bei 78,4 Grad Celsius und hat somit im Siedebereich keine lineare Volumenausdehnung. Das Réaumur-Thermometer ist also in höheren Temperaturbereichen sehr ungenau. Es wurde praktisch nur in Frankreich verwendet und hat heute keine Bedeutung mehr.
… und eine aus Deutschland
Beim deutschen Physiker und Instrumentenbauer Daniel Gabriel Fahrenheit ist das hingegen ganz anders. Das nach ihm benannte Fahrenheit-Thermometer wird in angelsächsischen Ländern, vor allem in den USA, heute noch verwendet. Auch Fahrenheit wollte – wie ursprünglich Anders Celsius – keine negativen Temperaturen. Er setzte seinen Nullpunkt bei minus 17,8 Grad Celsius fest. Das war der tiefste Temperaturwert, den Fahrenheit mit einer Mischung aus Eis und Salmiak (Ammoniumchlorid) erreichen konnte. Diese Temperatur, meinte er, habe er im extrem kalten Danziger Winter 1709 selbst erlebt, und diese Temperatur könne ja nicht noch weiter sinken …
Auf seiner Fahrenheit-Skala war das der 0-Punkt (Nullpunkt Fahrenheit). Er verwendete vor allem Quecksilber als Thermometerflüssigkeit. Ein weiterer Bezugspunkt war der Gefrierpunkt des Wassers bei null Grad Celsius, der wurde mit dem Wert 32 Grad Fahrenheit auf seiner Skala registriert. Als nächsten Fixpunkt bestimmte er die menschliche Körperwärme bei 37 Grad Celsius. Diese liegt auf seiner Skala bei 96 Grad Fahrenheit. Zuletzt legte er noch den Siedepunkt von Wasser (100 Grad Celsius) auf seiner Skala bei 212 Grad Fahrenheit fest. Die Fahrenheit-Temperaturskala ist ebenfalls eine willkürliche und relativ komplizierte Temperaturskala, die aber wegen ihrer angeblichen Genauigkeit besonders in den USA immer noch beliebt ist.
Die Tierwelt kann sich nicht nach menschlichen Thermometern ausrichten, und trotzdem spielen Temperaturempfinden und genaue Temperaturwerte eine grosse Rolle. Besonders deutlich kommt das beim Thermometerhuhn zum Ausdruck. Das Thermometerhuhn ist ein Grossfusshuhn und lebt in Australien.
Gockel und Huhn sind einige Jahre zusammen, während denen sie immer wieder ein Nest bauen. Der Hahn gräbt jeweils im April oder Mai eine Grube ins Erdreich, die einen Durchmesser von zirka drei Metern und eine Tiefe von etwa einem Meter aufweist. Dann füllt er das Loch mit allerlei Pflanzenresten, Blättern, Ästchen und so weiter und wartet auf Regen. Wenn das Laub nass ist, durchmischt er es mit Sand und gräbt eine Vertiefung für die Eiablage seines Huhns. In diese Kuhle legt das Huhn dann im Abstand von mehreren Tagen bis zu 30 Eier. Danach überdeckt der Gockel die Eier mit einem Bruthügel aus Sand und Erde, der bis zu anderthalb Meter hoch werden kann.
Ein viel beschäftigter Gockel
Im feuchten Pflanzenmaterial im Innern der Grube beginnt ein Kompostierprozess. Die Pflanzen, Blätter und Äste vermodern, und dabei wird Wärme frei. Langsam entsteht eine Temperatur von genau 33 Grad Celsius. Das entspricht der Bruttemperatur für die Eier. Das Huhn hat nach der Eiablage keine Aufgaben mehr. Die ganze Verantwortung liegt nun beim Hahn. Er hat einen ganz besonderen Schnabel mit einem «eingebauten» Bio-Thermometer. Von Zeit zu Zeit steckt er den Schnabel in den Bruthügel und kontrolliert die Bruttemperatur. Er ist also, mit einem relativ stressigen Fulltime-Job, 24 Stunden am Tag beschäftigt.
Wenn die Bruttemperatur in den kalten Nächten in Australien zu sinken beginnt, muss er den Bruthügel mit zusätzlichem Erdreich isolieren. Steigt die Temperatur während des Tages durch die Sonneneinstrahlung an, muss er wieder Erdreich abtragen. Das geht so lange, bis die Küken nach 50 bis 90 Tagen schlüpfen.
Die Kleinen müssen sich durch das Erdreich hindurchgraben, und sie sind sofort unabhängig. Die Altvögel kümmern sich nicht mehr um die Jungen, die schon nach wenigen Stunden fliegen und sich selbst ernähren können. Nach rund eineinhalb Jahren sind die jungen Hühner dann ausgewachsen und sorgen selbst für Nachwuchs. Das Thermometerhuhn ist eine beeindruckende Laune der Natur.
Mario Slongo ist ehemaliger DRS-Wetterfrosch. Einmal im Monat erklärt er in den FN spannende Naturphänomene. Weitere Beiträge unter: www.freiburger-nachrichten.ch, Dossier «Wetterfrosch».