Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03346.jsonl.gz/878

Unser Thalheim an der Thur wurde durch eine acht Teilnehmer umfassende Gruppe vertreten, die auf verschiedenen Wegen die einzige Ortschaft mit dem Namen T(h)alheim ausserhalb des deutschsprachigen Europas zu erreichen suchten. Zudem war diese Reise eine zu packende Gelegenheit, eine Gegend in Europa kennen zu lernen, in der wahrscheinlich die wenigsten unter uns schon gereist sind. Das Programm zum Treffen begann am Freitag, 3. Juni, abends, und dauerte bis am Montag, 6. Juni, mittags. Unsere Unterkunft (Hotel) bezogen wir in Sibiu (Hermannstadt), der Hauptstadt von Siebenbürgen, bekannt als Kultur-Hauptstadt Europas im Jahr 2007.
Das Dorf Daia (Thalheim) liegt etwa zehn km östlich von Sibiu und ist ein Ortsteil der Gross-Gemeinde Rosia (Rothberg). Es ist eine Gründung von Kolonisten deutscher Zunge aus der Mosel-Rheingegend, die unter dem Namen Siebenbürger Sachsen bekannt geworden sind. Das Dorf als sächsische Siedlung wird im Jahr 1327 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Dass die seit der Reformation evangelischen Kirchen in Thalheim und Rothberg bereits 1225 erbaut worden sind erweist, dass diese Dörfer älter sind als ihre ersten schriftlichen Erwähnungen. Der Fall des Eisernen Vorhanges zwischen Ost und West im Jahr 1989/1990 veranlasste die Siebenbürger Sachsen nach 850 Jahren und die Banater Schwaben nach 300 Jahren Hierseins mit den übrigen Deutschen Rumäniens schlagartig in das Mutterland Deutschland zurückzukehren.
Meine Frau Svetlana und ich weilten schon eine Woche in Krusevac (Südserbien) per Auto und planten einen guten Tag Reisezeit (ca. 600 km) nach Zentral-Rumänien. Alles relativ gute Balkan-Landstrassen durch eine interessante Gebirgs-Landschaft, Donau-Grenzübergang Serbien-Rumänien in der Nähe von Drobeta-Turnu Severin über eine imposante Donau-Staumauer. Die Fahrt durch Rumänien über Motru, Targa Jiu, Ramnicu Valcea nach Sibiu zog sich aber trotz guter Strassen in die Länge und wir erreichten unser Hotel erst am Freitagabend um zehn Uhr und verpassten dadurch das Freitagabendprogramm.
Der Samstag begann mit Grussworten an die Delegationen der dreizehn anwesenden T(h)alheim-Ortschaften aus Oesterreich, Deutschland und der Schweiz, gemeinsames Mittagessen, Besichtigungen der Bauwerke der diversen Dörfer der Gemeinde Rosia, Kaffee und Kuchen beim Bürgermeisteramt, Begegnung mit Pfarrer und Schriftsteller Eginald Norbert Schlattner als einer der letzten verbliebenen Deutschen in dieser Gegend. Am Abend erfreuten wir uns am Begegnungsabend mit der einheimischen Bevölkerung bei Ansprachen, Musik und traditionellen Tänzen und Darbietungen und einem reichhaltigen kulinarischen rumänischen Angebot wie an einem grossen Dorf-Fest.
Am Sonntag trafen sich die Delegationen nach einem Gottesdienst wieder in Daia (Thalheim) zum gemeinsamen Mittagessen. Nachmittags besuchten wir das Freilicht-Museum (ähnlich Ballenberg in der Schweiz) und die historische Innenstadt in Sibiu (Hermannstadt) und liessen den Tag in einer renommierten «Fress-Beiz» bei einem rumänischen feinen Nachtessen in Sibiu ausklingen. Am Montag verflog unsere Gruppe auf verschiedenen Reisewegen und weiteren Aktivitäten wieder zurück in unsere Heimat.
Eindrücklich in Erinnerung blieben uns die ausserordentliche Gastfreundschaft und die Bemühungen der Gastgeber dieses Treffens in Rumänien, allen Teilnehmern einen unvergesslichen positiven Eindruck über ihr Land und die heutigen Bewohner dieser an geschichtlichen Ereignissen so bedeutsamen Landschaftschaft Siebenbürgen – Transsylvanien mitzugeben.
Wir wurden wieder einmal erinnert, dass man auch heute noch ohne unsere mitteleuropäische Luxus- und Ueberfluss-Lebensweise ein zufriedenes und zukunftgerichtetes Dasein leben kann.
Es besteht ein «Europäischer Verein Thalheim Roumanien», der zum Ziel hat, zivile Werte, gemeinsame Projekte und die Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde Rosia/Rothberg uns allen Ortschaften T(h)alheim im Bereich der Kultur, Wirtschaft und Bildung zu fördern. In diesem Jahr besteht ein Projekt, ein Jugendzentrum zugunsten aller Jugendlichen der gesamtem Gemeinde einzurichten. Finanzielle Unterstützung aus allen T(h)alheims aus Mitteleuropa ist daher hoch willkommen! Weitere Informationen: www.thalheim-roumanien.ro
Das nächste T(h)alheimer Treffen 2012 findet vom 22. – 24. Juni 2012 in Talheim, Landkreis Heilbronn (nördlich Stuttgart) statt. Unsere Gemeindepräsidentin Caroline Hofer Basler oder unser Gemeindearbeiter Hugo Ehrensberger würden sich freuen, auch einmal eine etwas grössere Delegation von Thalheim an der Thur zu den zukünftigen Treffen begrüs-sen zu können!
Viktor Sauter, Gütighausen