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Feuersbrünste und ihre Auswirkungen im alten Zürich
Erste
Aufzeichnungen über Brände in der Stadt Zürich stammen aus dem 11. Jh.,
wonach im Jahr 1080 die „grössere Stadt verbrunnen sein soll."
Vom wohl ältesten bekannten Schadenfeuer, dem Wackerboldschen Brand, ist das Jahr nicht genau bekannt. Mehrheitlich wird 1280 angegeben, doch spricht eine Chronik auch von 1286.
Die furchtbare Feuersbrunst zerstörte die Häuser vom Nieder- bis zum Oberdorf. Der Urheber dieses Brandes soll ein Bäcker namens Wackerbold gewesen sein. Angeblich hatte er zu leichtes Brot gebacken und war dabei ertappt worden. Zur Strafe sperrte man ihm zum Gespött von Alt und Jung in den Korb beim Haus zum Rüden. Aus Rache füllte er sein Haus von unten bis oben mit Holz und eines Nachts, als der Sturmwind tobte, legte er Feuer und verschwand.
Die Erinnerung an die schreckliche Feuersbrunst und ihren Urheber, von dem man nie mehr etwas erfahren konnte, blieb lange im Gedächtnis der Zürcher haften. Allmählich wurde das Feuer planmässig bekämpft und vor allem Wasser als Löschmittel verwendet. Erst die Erfindung der Feuerspritze ermöglichte es, grössere Brände mit Erfolg zu bekämpfen. Um das rasche Ausdehnen des Feuers zu verhindern, wurden die Holzhäuser durch Steinhäuser ersetzt und die Dächer nicht mehr mit Stroh oder Schindeln gedeckt, sondern mit Ziegeln. Beim Bau der Feuerungsanlagen wurde besonders auf Sicherheit geachtet. Ausserdem wurden strengere Vorschriften über die Behandlung von Feuer und Licht erlassen. Im 13. und 14. Jahrhundert entstanden die ersten Feuerlöschordnungen, die sofortiges Melden des Feuers, Aufrechterhaltung der Ordnung, Bekämpfung des Feuers durch Herbeischaffen von Wasser und Abbruch der der Brandstelle nahegelegenen Häuser forderten.
Brandstiftung wurde hart bestraft. Nachfolgend einige Beispiele, mit welcher Strenge gerichtet wurde:
1549
Zündete ein Bürger ein Haus auf dem Susenberg, Gemeinde Fluntern, an; er wurde zu Schwyz verbrannt.
1606
Ein sechzehnjähriger Knabe, der keine Lust hatte, das Schneiderhandwerk zu erlernen, legte aus Zorn einen Brand im Dorf Buchs, dem 13 Häuser, ein Speicher und ein zweijähriges Kind zum Opfer fielen. Er wurde zu Zürich lebendig verbrannt, aus Gnade wurde ihm ein Pulversack umgehängt.
1649
Ein Bauernjunge zündete ein Haus in Kloten an; er wurde zu Kyburg enthauptet.
1810
Die Brüder Jakob und Rudolf Rüegg legten in der Gemeinde Bauma Feuer, dem 2 Wohnhäuser, einige Scheunen und Speicher zum Opfer fielen, ausserdem kam ein 7jähriges Mädchen ums Leben. Die Brandstifter wurden zum Tod durch das Schwert verurteilt. Bei der Enthauptung des zweiten Brandstifters brach das Schwert, er wurde verbrannt.
1811
Am 29. August wurde der Brandstifter Heinrich Baumann aus Ottikon, wohnhaft in Grafstall, enthauptet.
Erst mit dem 19. Jahrhundert wurde der Strafvollzug humaner. Eine Druckschrift von 1828 unterschied zwischen Zivil- und Kriminal-Rechtspflege. 1835 legte der Grosse Rat ein ausführliches Strafgesetzbuch vor, basierend auf der Verfassung von 1831. Die Todesstrafe wurde bei Mord, Raub in schwersten und Brandstiftung in ungewöhnlich schweren Fällen durch das Fallbeil vollstreckt.
Im Vergleich zur früheren Strenge der Strafzumessung wirkte die neue Strafpraxis revolutionär human, nachfolgend zwei Beispiele:
1851
Am 19. März und 9. April hatte der 15jährige R. G. von Riesbach bei seinem Lehrherrn im Haus zur Treu Feuer gelegt, wurde gestellt und vom Kriminalgericht zu 3 Jahren Zuchthaus verurteilt.
1851
Am 22. Oktober nachmittags brannten mehrere mit wertvollen Vorräten an Tischlerholz gefüllte Behälter am Fortunagässchen hinter dem Lindenhof ab. Der Täter wurde von einer Magd erkannt. Es handelte sich dabei um J. Hirzel von Winterthur, Schüler der Kantonsschule, der den Brand absichtlich gelegt hatte. Er wurde zu 2 Jahren Zuchthaus verurteilt.
Aberglaube
Mit der
aufgeklärten Neuzeit wurde endlich der Aberglaube bekämpft, der bislang
Verbesserungen und vorbeugende Massnahmen zur Verhütung von Feuerausbrüchen
verhinderte. Das Feuer wurde als teuflische, doch von Gott geduldete böse Macht
betrachtet; sogar von der Kanzel aus wurde das Volk gemahnt, nicht in das
Strafgericht Gottes einzugreifen. Bei einem Brand in der Stadt Basel im Jahr
1495, bei dem 36 Häuser zerstört wurden, wanderten die Priester mit den
Sakramentalien um das Feuer. Im 17. und 18. Jahrhundert war man der Meinung, das
Feuer liesse sich durch Sprüche beschwören; häufig wurden spezielle Papiere,
Figuren und Wurzeln in die Flammen geworfen. So stiessen auch die ersten
Blitzableiter auf heftige Vorurteile. Ein Küsnachter Bürger
schrieb
1820: „Viele Leute fürchten sich, Ableiter auf die Häuser zu setzen, weil
Gott dadurch erzürnt werde, ein vom Blitz entzündetes Feuer sei nicht zu löschen,
und allgemein herrscht noch der Wahn, dass die Pferde und das Vieh aus einem
Hause nicht zu retten seien."
Nicht aus Aberglaube, doch als überlieferte Sitte haben sich bis in die Neuzeit sogenannte Dank-Gottesdienste gehalten. So wurde nach einer Feuersbrunst durch den Geistlichen der Gemeinde eine Abdankung gehalten. Wie das Wort sagt, handelte es sich ums Danken, zunächst der Feuerwehr und allen willigen Helfern.
Dann aber war es auch ein Dank zu Gott, der ein weiteres Umsichgreifen des Feuers gnädig verhütet hatte.
Verhütungsmassnahmen vor Feuerschaden
Mit Beginn des 14. Jahrhunderts wurde beim Bau der Wohnhäuser auf Sicherheit geachtet. Es gab die ersten Öfen, die Küchen wurden mit einem Herd zum Kochen ausgestattet. Der Rauch stieg durch einen Kamin ins Freie. Die ersten Kamine waren freilich noch primitiv. Sie bestanden aus Lehm, und nicht selten kam es vor, dass sie barsten und die Ursache verheerender Feuersbrünste bildeten. So entstanden „Kaminschauordnungen". Alljährlich mussten die Kamine von Sachverständigen mindestens ein- bis zweimal kontrolliert werden. Etwaige Mängel hatten sie unverzüglich zur Anzeige zu bringen.
Um eine Kaminkontrolle durchzuführen, wurde die Stadt bereits 1375 in 5 Gebiete unterteilt: Niederdorf, Neumarkt, Lindenhof, Münsterhof und Rennweg. Jeweils zwei Räte hatten „die Öfen, Käme und Herd-Statt zu beschauen"; 1493 kam das Gebiet Auf Dorf dazu. Die Aufgaben der die Kamine kontrollierenden Personen wurden folgendermassen beschrieben: „Wann nun diese in den Wachten umgan, so sollen si einen Steinmetz und einen Hafner zu ihnen nehmen, alle bi einandren bliben und eigentlich die Käme und Öfen beschauen und so si mängel finden, gebieten, es zu machen und nachher schauen, obs gethan ist".
Aus ihren Berichten erfahren wir z.B. dass es 1545 immer noch Häuser ohne Kamine gab. Ebenso bedenklich stand es um das Aufbewahren der Asche. Aschenbehälter gab es damals nur in wenigen Häusern. Die Asche wurde kurzerhand ins Freie auf die Gassen geleert. Wenn dann Sturm einsetzte, konnte die Glut den Häusern gefährlich werden.

Brand im Jahre 1572

Kaminbrand an
der Metzergasse 1572.
1665 wurde
beschlossen, dass jeder Ofenschauer und Hafner als Besoldung pro Tag 1 Pfund aus
dem Almosenamt empfangen solle, „welches grad nach überschicktem Zedul zu
bezahlen sei, damit sie nicht, wie vor, ein ganzes Jahr darauf warten müssten".
Dafür hatten sie nicht nur die Öfen und Kamine, sondern auch „die Stuben, Badstübli und Sechtöfen" zu besichtigen.
Ofenschauverordnung
Laut
Ratsbeschluss vom 29. Januar 1738 mussten auch in der Provinz „alle Öfen und
andere Feuerstätten jährlich einmal visitiert werden", und damit das
Landvolk ja wachsam auf das Feuer sei, „wurde jeweils nach Martini ab den
Kanzlen etwas verlesen".
Die Ofenschauverordnung von 1769 schrieb vor, dass mit Unterstützung von Maurer- und Hafnermeistern alle Öfen, Kamine und Herde zu kontrollieren waren und dass in den Küchen Sechtöffnungen für die Asche vorhanden sein mussten. Balken waren mit Ziegeln zu verkleiden. Wurden Kohle, Torf und Asche in der Nähe des Kamins aufbewahrt, musste ein gefüllter Wasserbehälter daneben stehen. Die Asche war in einer „Tolle" oder einem Kupfer- oder Eisenbottich mit Deckel aufzubewahren. Aus den Wachten liessen die Ofenschauer die Asche regelmässig abholen. In Zürich erschien 1784 die erste gedruckte Ofenschauordnung, nach der zweimal jährlich alle Öfen, Kamine und Herdplatten zu kontrollieren waren, und zwar im April oder Mai und im Herbst. Die Verantwortlichen überzeugten sich während der zweiten Überprüfung, dass die entsprechenden Bestimmungen eingehalten wurden. Das Nichteinhalten dieser Bestimmungen brachte eine Geldstrafe mit sich, die dem Almosenamt übergeben wurde. Pläne für neu zu errichtende Öfen oder sonstige Feuerungsanlagen mussten vom Ofenschauer des Kleinen Rates genehmigt werden. Die Kaminfeger hatten festgestellte Mängel zu melden und auch ein Verzeichnis darüber zu führen.
Weitere vorbeugende Massnahmen
Nicht nur der Bau der Feuerungsanlagen wurde festgelegt, auch für das persönliche Verhalten im Brandfall wurden Richtlinien erlassen. Es war verboten, kleinen Kindern, Wahnsinnigen oder alten, gebrechlichen Leuten Feuer und Licht zu überlassen, mit offenem Licht Scheunen, Ställe und Dachböden zu betreten, Holz und Torf zum Trocknen in die Öfen zu legen, nasse Kleider und Tücher zum Trocknen an die Ofenschieber zu hängen und Holz und Torf nachts vor die Ofentür zu legen. Ab 1516 hatte auf jedem Dachboden ein wassergefüllter Behälter zu stehen und ab 1568 durften die Wäscherinnen der Stadt nur noch Holzscheite verwenden. Küfer, Zimmerer und Schreiner durften nur noch eine geringe Menge Späne in den Häusern aufbewahren. 1778 verbot die Regierung das Schiessen auf Vögel und das„ Raketenwerfen" in der Nähe von Scheunen und Ställen sowie auf Misthaufen. Nach jedem Brand wurden die Vorschriften verschärft. Ab 1765 durften die im Helmhaus „Kleinbrötli" verkaufenden Mägde keine Glutkessel mehr verwenden und die Wirte in Scheunen und Ställen kein offenes Licht benutzen, denn es gab bereits Laternen mit Drahtgeflecht. Leicht übertrieben wirken die Tabakrauchverbote. Bürger und Durchreisende wurden mit 10 Pfund Busse bestraft, wenn sie auf der Strasse oder in den Scheunen, Ställen und Speichern rauchten. Es liegt auf der Hand, dass das Gesetz nicht eingehalten wurde.
Brach in der Stadt Feuer aus oder wurde aus der Provinz Feuersnot gemeldet, so gaben die ständig Ausschau haltenden Wächter auf der St. Peterskirche und den sechs Hochwachttürmen von ihren hohen Warten aus Hornsignale. Ab 1579 durften die Wächter auf dem St. Peter nur noch mit Kohle und nicht mehr mit Holzscheiten heizen. Laut Ratsbeschluss vom 26. Juli 1699 waren auf den Türmen des Grossmünsters und des St. Peter mit Regenwasser gefüllte Behälter aufzustellen, weiter mussten Handspritzen und Feuereimer vorhanden sein; die Handspritzen wurden 1787 durch kleine Schlauchspritzen ersetzt. Die Türme der Stadtmauern und Kirchen waren besonders durch Blitzschlag gefährdet, deshalb schraubten die Wächter die Schläuche an und legten die langen Stricke zum Heraufziehen bereit, wenn ein Gewitter aufkam. 1782 wurden die ersten Blitzableiter auf den Türmen der Pulvermagazine angebracht, die Türme der St. Peter-, Prediger- und Grossmünsterkirche erhielten 1788 Blitzableiter.
1790 erhalten wir Nachricht, wie man damals Kaminbrände bekämpfte. Man vermengte auf einem Kochtopfdeckel eine Handvoll Pulver mit dreimal soviel Salz, hielt hierauf den Deckel, nachdem man oben das Kamin zur Vermeidung des Luftzuges mit nassen Säcken verschlossen hatte, soweit als möglich in dasselbe hinauf und zündete die Mischung an. Wenn der Kaminbrand gelöscht war, schichtete man in allen Etagen die brennbaren Stoffe vom Kamin weg, um sich zu überzeugen, dass keine Gluten sie angegriffen hatten.