Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03641.jsonl.gz/896

Irak: Palmsonntag und Ostern in den befreiten Städten und Dörfern der Ninive-Ebene
Die Christen sind in ihre verlassenen und stark zerstörten Heimatdörfer in der Ninive-Ebene zurückgekehrt, um den Palmsonntag und Ostern zu feiern.
Die Glocken läuteten. Rund 300 Christen kamen am Osterwochenende, um in Bartella, einem Dorf 12 km ausserhalb von Mosul, die Auferstehung von Jesus zu feiern. Es war das erste Mal seit drei Jahren. 15 Busse waren aus Ankawa, einem Vorort von Erbil, losgefahren, um die Gläubigen in ihr Heimatdorf zu bringen. Zwei Stunden und mehrere Checkpoints später konnten die Feierlichkeiten beginnen.
Yacoub, ein syrisch-orthodoxer Priester, bezeugte: «Es bedeutet mir sehr viel, dass wir nach all diesen Jahren im Exil endlich hier Ostern feiern können. Das ist sehr ermutigend.»
Die Feier fand in Schutt und Asche statt in einem Dorf, wo die Armee besonders präsent ist. Alles war vom Islamischen Staat zerstört worden. Dies gilt auch für die Kirche, in welcher der Gottesdienst gefeiert wurde. Sie war teilweise niedergebrannt; ein grosses Kreuz war aus der Wand gerissen worden und hatte ein riesiges Loch hinterlassen. Die Gesichter der Gläubigen waren ernst und gleichzeitig erfreut: «Jesus kann in unseren Herzen wohnen und wir können unser Vertrauen auf ihn setzen. Aber wir können nicht in unsere zerstörten Häuser zurückkehren, und das ist für viele sehr schwer», erklärte der Priester Yacoub.
Vergangene Woche wurde auch der Palmsonntag gefeiert in Karakosch und Karamles, zwei Städte, die ebenfalls während über zwei Jahren belagert worden waren. Bis im August 2014 war Karakosch mit seinen 50’000 Einwohnern die grösste christliche Stadt des Irak. In Karamles lebten 800 christliche Familien, bevor sie vom IS vertrieben wurden.
An diesem Palmsonntag zogen Hunderte Christen durch die Strassen von Karakosch und Karamles. Die einen trugen grosse Banner, auf denen geschrieben stand: «Gesegnet sei der, der da kommt im Namen des Herrn, Halleluja» oder «Hosanna, dem Sohn Davids». Andere trugen Palmzweige, wie an jenem Tag vor 2000 Jahren, als Jesus in Jerusalem einzog.
Pater Thabet, der Priester von Karamles, spricht mit Zuversicht vom neuen Zentrum für Ermutigung und Unterstützung, das schon bald neben der Kirche eingerichtet werden soll. Er will ausserdem einen Elektrogenerator nach Karamles transportieren, um den Wiederaufbau zu beschleunigen.
(Bild: Die Christen feiern Palmsonntag in Karakosch)