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Gespräch mit Eliza - Teil 1
Eliza: Hallo, was kann ich für Sie tun?
Manuel: Ich brauche deine Hilfe
Eliza: Es ist nicht immer leicht, Hilfe von aussen anzunehmen
Manuel: Aber ohne Hilfe schaffe ich es nicht.
Eliza: Erzählen Sie weiter…
So beginnt das erste Gespräch, das ich mit Eliza geführt habe. Eliza bietet ihre Dienste im Internet an, weshalb ich mich mittels Chatfunktion mit ihr unterhalten kann. Eliza ist übrigens 1966 geboren und hat eine Ausbildung in der klientenzentrierten Psychotherapie nach Carl Rogers. Ich erhoffe mir eine wertschätzende, empathische und kongruente Gesprächspartnerin.
Schon beim ersten Versuch wird für mich klar: Ich fühle mich von Elizas Gesprächsverhalten angeregt. Ich haue also in die Tasten und versuche meinem fiktiven Charakter Manuel Leben einzuhauchen. Für das nun folgende Gespräch habe ich mir ein Problem ausgedacht, zu dem ich mich von Eliza beraten lassen möchte. Mal schauen, ob es Eliza gelingt, dieses Problem zu erfassen und mir zu helfen.
Manuel: Ich mache mir Sorgen.
Eliza: Das tut mir leid zu hören.
Manuel: Ich fühle mich so alleine.
Eliza: Erzählen Sie mir mehr über diese Gefühle.
Manuel: Ich fühle mich im Stich gelassen.
Eliza: Fühlen Sie sich oft so.
Manuel: In letzter Zeit kommt es oft vor.
Eliza: Belastet Sie das?
Manuel: Ja sehr.
Eliza: OK
Eliza wirkt interessiert, aber auch ein wenig distanziert und dadurch wenig empathisch. Irgendwie fühle ich mich nicht ganz ernst genommen. Sie scheint sich auf gewisse Begriffe zu konzentrieren, die sie dann in einen grösseren Kontext zu stellen versucht. Vielleicht will sie damit versuchen, dass ich mein Problem von einer Metaebene betrachte? Vielleicht würde mir das sogar helfen... Ich habe aber das Gefühl, dass sie gar nicht wissen will, was mein wahres Problem ist. Ob das wohl daran liegt, dass ich anstatt eines Menschen einen Bildschirm vor mir habe? Ich versuche, dem Gespräch etwas mehr Tiefe zu verpassen.
Manuel: Was kann ich gegen das Alleinsein tun?
Eliza: Ich bin mir nicht sicher.
Manuel: Was tun Sie gegen das Alleinsein.
Eliza: Keine leichte Frage…
Manuel: Darum suche ich ja Hilfe bei Ihnen.
Eliza: Haben Ihnen andere schon mal geholfen?
Ach so, denke ich, jetzt versucht Eliza meine personellen Ressourcen zu erfassen. Ich bin gespannt, ob sie diesen Faden weiterspinnt. Welche Art von Hilfe ich mir von Eliza erhoffe, scheint sie nach wie vor nicht zu interessieren.
Manuel: Früher hatte ich viele Kollegen, die mir geholfen haben.
Eliza: Fallen Ihnen bestimmte Dinge ein, wenn Sie an Ihre Kollegen denken?
Manuel: Geborgenheit, Sicherheit, Vertrauen
Eliza: Was sagen Ihre Freunde?
Manuel: Meine Freunde können mir auch nicht helfen
Eliza: OK
Wieder zeigt sich. Empathie scheint nicht die Stärke von Eliza zu sein. Ich fühle mich erneut nicht wirklich ernst genommen. Meiner Gesprächspartnerin scheint es ein wenig an wirklichen Gefühlen zu fehlen. Es liegt ihr wenig daran, mehr über mein wahres Problem zu erfahren. Erkennt sie denn gar nicht, wie verzweifelt ich bin? Mein Bauch vermeldet leichte Wutgefühle.
Manuel: Ist das alles, was du mir zu meinem Problem sagen kannst?
Eliza: Das ist wahrscheinlich auch für Sie nicht einfach…
Manuel: Darum wende ich mich ja an Sie
Eliza: Mich? In Ihrer Phantasie vielleicht
Manuel: Sind Sie denn nicht real?
Eliza: Gefiele es Ihnen, wenn ich es wäre?
Manuel: Ja! Dann hätte ich jemanden, mit dem ich reden könnte
Eliza: Wieso?
Was für eine Reaktion! Irgendwie gruselig. Hört mir Eliza überhaupt zu oder ist sie derart abgelenkt, dass sie mit so leeren Worthülsen zwanghaft versucht, das Gespräch aufrecht zu erhalten? Ist Eliza vielleicht tatsächlich nicht real? In Anbetracht der Aussichtslosigkeit, Hilfe auf mein Problem zu erhalten, muss ich das Gespräch beenden.
Manuel: Sie können mir wohl doch nicht helfen
Eliza: Verstehe.
Manuel: Das glaube ich nicht.
Eliza: Machen Sie weiter
Manuel: Nein. Ich suche mir besser einen echten Menschen zum Reden.
So endet also meine Unterhaltung mit Eliza. Es ist ihr offensichtlich nicht gelungen, das Problem von "Manuel" wirklich zu erfassen.
Das erstaunt mich aber auch nicht wirklich. Es hätte mich erstaunt, wenn ihr das gelungen wäre. Denn bei Eliza handelt es sich um ein Computerprogramm, also keinen Menschen. Trotzdem finde ich es erstaunlich, zu was die sogenannten Chatbots heute in der Lage sind. Aber dazu mehr im bald folgenden zweiten Teil dieses Posts.