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«Völkerrecht» – das Wort, die Phrase, das Pathos klingt Ehrfurcht gebietend, als habe der liebe Gott diese über allen Völkern waltenden Normen geschaffen und wehe jener Person, die sich einbildet, sie könne eine solch göttliche Offenbarung in Frage stellen.
Das Pathos kommt von der wörtlichen Übersetzung aus dem barocken Latein ins Deutsche [jus illud, quod inter populos plures aut populorum rectores intercedit], wie es Hugo Grotius, der Begründer der Disziplin «Völkerrecht», formuliert hatte. Der barocke Schwulst wurde jedoch nur in die deutsche Sprache übernommen. In den anderen Sprachen heisst es nüchtern «internationales Recht». Es wäre dringend angezeigt, diese sachliche Bezeichnung im schweizerischen Rechtssystem auch in der deutschen Sprache, wie bereits auf Französisch und Italienisch, zu verwenden.
Dabei geht es um mehr als bloss eine sprachliche Finesse, denn das falsche Pathos dient in gewissen Kreisen als Argument gegen die Demokratie – was bildest du dummes Volk dir ein, du könnest dich über das «erhabene» Völkerrecht hinwegsetzen.
Werner Furrer, Basel