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| Zosimos (um 500) - Neue Geschichte (Historia nea)

Viertes Buch
Zwei und vierzigstes Kapitel. Verhandlungen zwischen Valentinianus II. und Maximus. List des letzteren, um über die Alpen zu gehen.
[S. 74] 1. Indem die Sachen im Oriente, in Thrakien und Illyrien also stunden, glaubte Maximus, nicht nach Verdienste glücklich zu seyn, wenn er nur über die dem Gratianus unterworfenen Völker herrschte. Daher sann er darauf, den jungen Valentinianus seines, wo möglich, ganzen Reichs zu entsetzen; mislänge dieses, sich wenigstens so viel, als er könnte, davon zuzueignen. 2. Von diesen Absichten dahin gerissen, machte er Anstalten, die Alpen zu übersteigen, und nach Italien zu geben. 3. Da er aber bemerkte, daß er den Zug durch enge Wege und über rauhe und unwegsame Berge machen mußte, auf die Sümpfe und Moräste folgen, die kaum dem gemächlich wandernden Reisenden, noch viel weniger also einem solchen Heere einen Ausgang erlauben: so verschob er die Unternehmung bis auf weitere Ueberlegung. 4. Valentinianus schickte, von Aquileja aus eine Gesandtschaft, und verlangte, er möchte ihm Sicherheit eines dauerhafteren Friedens geben. Maximus genehmigte den Antrag, und stellte sich, wie wenn er ihn sehr gerne annehme. 5. In dieser Absicht sandte Valentinianus den Domninus ab, der zwar von Geburt ein Syrer, aber ihm von der besten Seite bekannt war. Er hatte große [S. 75] Gewalt bei ihm, und schien es an Treue und Kenntniß der Geschäfte allen zuvor zu thun: und überhaupt, was der Kaiser, ohne daß andere es wußten, thun wollte, glaubte er ihm vorzüglich anvertrauen zu dürfen. 6. Als nun Domninus zum Maximus kam, und seine Aufträge vorgetragen hatte, so wurde er mit aller Ehre und Freundlichkeit aufgenommen. Maximus erwies ihm so überwiegende Höflichkeit, und überschüttete ihn mit einer solchen Menge von Geschenken, daß Domninus glaubte, Valentinianus habe keinen bessern Freund, als ihn. 7. Ja es gelang dem Maximus, den Domninus so einzunehmen, daß er ihm auch einen Theil seines Heers mitgab, das der Kaiser gegen die Barbaren brauchen könnte, die das ihm unterworfene Pannonien drängten. 8. Stolz auf die Menge und Größe der Geschenke, wie auch auf die Begleitung der ihm mitgegebenen Bundsgenossen, kehrte nun Domninus zurück, merkte aber nicht, daß er dem Maximus den Weg über die Alpen in sein Land erleichterte. 9. Maximus sahe es voraus, bereitete alles zu seiner Absicht, schickte Wachen den Weg ruhig voraus, und folgte mit seiner ganzen Macht. Die Wachen wandten alle Sorgfalt an, daß niemand ihnen zuvor eilte, um dem Domninus seinen Uebergang nach Italien zu melden. 10. Dieses zu verhüten, war um so leichter, weil es nicht möglich war, daß diejenigen, die durch die Pässe der Alpen giengen, von ihnen nicht entdeckt würden. Sobald er nun erfuhr, [S. 76] daß Domninus die engsten Pässe und die unwegsamsten Gebürge überstiegen, auch bereits die sumpfigen Gegenden zurück gelegt hatte, die ein Heer nur mit Mühe durchziehen kann, wenn es fürchten muß, in so schlimmen Pässen feindliche Schaaren sich entgegen gestellt zu finden; dann besetzte er in aller Eile Italien, und rückte gegen Aquileia.