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Zeitreise | Stadt & Geschichte
Der lange Markenstreit
1850 hatte die Schweiz ihre erste nationale Briefmarke. Allerdings wurde sie noch lange Jahre nicht von allen gebraucht. Grund dafür war das liebe Geld ...
Im März 1843 erschienen in Zürich die ersten Briefmarken auf dem Gebiet der heutigen Schweiz. Sie hatten zwei Wertstufen: 4 Rappen für lokale Sendungen und 6 Rappen für Zustellungen auf dem übrigen Kantonsgebiet. Vorbild der Zürcher war die «One Penny Black» aus England. Dort hatte man bereits 1840 mit der Frankierung von Briefen begonnen.
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Dieser Artikel ist ursprünglich auf dem Blog des Landesmuseums erschienen. Dort gibt es regelmässig spannende Storys aus der Vergangenheit. Egal ob Doppelagent, Hochstapler oder Pionier. Egal ob Künstlerin, Herzogin oder Verräterin. Hier kann man eintauchen in den Zauber der Schweizer Geschichte.
Es stellte sich eine ganz wichtige Frage: Wer bezahlt?
Mit der Gründung des Bundesstaates 1848 ging das kantonale Postwesen in eidgenössische Hände über. Nach einer Übergangsphase von rund zwei Jahren klebten schliesslich 1850 die ersten nationalen Briefmarken auf den Couverts, die kreuz und quer durchs Land geschickt wurden. So weit, so gut. Doch es stellte sich weiterhin eine ganz wichtige Frage: Wer bezahlt? Der glückliche Empfänger einer Nachricht? Oder der arme Schreiber, der schon viel Mühe in Worte und Sätze investiert hatte? Aber dazu später mehr...
Die Einführung der Frankierung wurde durch eine Weisung vom 9. September 1850 geregelt. Von nun an sollten die Briefe nur noch mit Marken bezahlt werden. Vorher war die Zustellung von Sendungen aller Art nicht nur kompliziert, sondern auch teuer. Ein Bote brachte die Post, der Absender bezahlte. Dabei wurde die Strecke und die Art des zu transportierenden Guts berechnet. Im 17. Jahrhundert entstanden erste permanente Postverbindungen, vor allem zwischen grösseren Orten. Wohnte man aber etwas abseits dieser Zentren, wurde es schwierig und kostspielig.
Im 17. Jahrhundert entstanden erste permanente Postverbindungen.
Was uns zurück zur Frage der Versandkosten bringt. Tatsächlich fanden viele Zeitgenossen Mitte des 19. Jahrhunderts, dass derjenige, der eine Postsendung erhält, auch dafür bezahlen muss. Das sahen Letztere allerdings meist nicht so. In solchen Fällen wanderte die Sendung zurück an den Absender. Ein Mehraufwand für die Post. Die führte 1862 schliesslich einen Straftarif für unfrankierte Sendungen ein:
Die Brieftaxe beträgt vom einfachen Briefe bis 10 Gramme in der ganzen Schweiz: für frankirte Briefe 10 Rp., für unfrankirte Briefe 15 Rp.
Bei Lokalbriefen bis maximal zwei Stunden Zustellungsweg blieb die Taxe – ohne Unterschied zwischen frankiert oder unfrankiert – bei 5 Rappen. Ein Fehler, wie die Post bereits im Geschäftsbericht 1863 festhielt: «Es wäre zu wünschen gewesen, man hätte die Frankatur gleichmässig bei allen Briefen [...] als Einheitstaxe mit Zwangsfrankatur eintreten lassen.»
Zwar war die Zahl der unfrankierten Briefen 1863 auf 32 Prozent gesunken. Doch die Kontrollen waren langwierig, mühsam und schlugen letztlich auf den Gewinn. 1876 lag der Anteil der unfrankierten Sendungen bei sechs Prozent. Um die Unverbesserlichen zur Vernunft zu bringen, wurde der Straftarif in diesem Jahr angepasst. Neu bezahlten Fehlbare nicht mehr eine fixe Summe (5 Rappen), sondern den doppelten Betrag, welcher der Transport der Sendung gekostet hätte. Das wirkte.
Trotzdem dauerte es noch einige Jahre, bis das Frankieren mit Briefmarken endgültig in der Bevölkerung angekommen war und sich die Briefträger endlich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren konnten: Das Zustellen von Briefen.
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