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Familie und Ausbildung
Geboren am 15. Februar 1673 in Würzburg als Sohn des Melchior Friedrich von Schönborn (1644–1717) und der Maria Anna Sophia von Boinebourg (1652–1726), ist er das vierte von 14 überlebenden Kindern und der erste Sohn einer der wichtigsten Familien der Reichskirche. Sein Vater ist hoher Beamter im Dienste von Kurmainz, das 1647–1673 sein Grossonkel Johann Philipp und dann 1695–1729 sein Onkel Lothar Franz regiert. Vier der sieben Söhne nehmen später Fürstbischofssitze in Würzburg, Bamberg, Speyer und Trier ein. Das nahezu perfekte reichskirchliche Patronagesystem der Familie Schönborn lenkt Onkel Lothar Franz, seit 1693 Fürstbischof von Bamberg und seit 1695 Kurfürst von Mainz und Reichserzkanzler.
Lothar Franz sorgt für eine sorgfältige Erziehung und gute Ausbildung der Neffen. Zusammen mit seinem nur wenig jüngeren Bruder Friedrich Carl besucht Johann Philipp Franz schon 1681 das Jesuitengymnasium am Kolleg von Aschaffenburg, erhält 1682 eine Pfründe am Würzburger Domstift und 1687 am Bamberger Domstift. Bis 1698 verläuft der Lebensweg parallel mit dem seines Bruders. Sie gehen 1687–1690 an die Universitäten von Würzburg und Mainz und anschliessend ans Collegium Germanicum in Rom. 1694–1698 sind sie auf der Kavalierstour durch Italien und Frankreich.[1] Anschliessend reisen sie mit dem Vater in diplomatischen Missionen in die Niederlande und nach England.
Würzburg und Gallus Jacob von Hohlach
Nachdem Johann Philipp Franz schon 1694 ein Kanonikat am Bamberger Domstift erhält, wird er 1699 auch als Kanoniker in Würzburg aufgenommen. Im gleichen Jahr wählen ihn die Kanoniker am Bartholomäus-Stift in Frankfurt zum Propst, später auch diejenigen des Domstiftes von Mainz. Beide Propsteien sind willkommene Einnahmequellen. Sein Onkel überträgt ihm zudem vermehrt Gesandtschaften an fremden Höfen, sendet ihn nach Rom und setzt ihn 1717 als kurmainzischen Statthalter in Erfurt ein. Lebensmittelpunkt ist allerdings nach 1703 Würzburg. In einer umkämpften Wahl wird er hier am Domstift zum Propst gewählt. Fürstbischof ist seit 1699 Johann Philipp von Greiffenclau zu Vollrads (1652–1719).[2] Greiffenclau ist ein grosser Baumäzen und organisiert das Bauwesen im Hochstift neu. Ihm verdanken der Baumeister Joseph Greissing und sein Schüler Balthasar Neumann den Aufstieg. Einen steilen Aufstieg macht unter Greiffenclau auch der bürgerliche Hofkammerdirektor Gallus Jacob, der 1717 geadelt wird und sich nun von Hohlach nennt. Er ist sehr vermögend, im Gegensatz zu Johann Philipp Franz von Schönborn, seinem grossen Gegner. Gallus Jacob von Hohlach will noch 1719, nach dem Ableben des Fürstbischofs von Greiffenclau, dafür sorgen, dass Schönborn wegen seiner Schulden nicht gewählt wird. Die Schönborn-Partei hat aber in der Zwischenzeit die Domkapitulare auf ihre Seite gezogen, sodass am 18. September 1719 Johann Philipp Franz zum Fürstbischof gewählt wird. Radikal geht der neue Fürstbischof jetzt mit seinen Gegnern um. Was bei der Schönborn-Familie zur selbstverständlichen barocken Usanz gehört, nämlich die passive und aktive Bestechung, wird jetzt dem Hofkammerrat Jacob von Hohlach zum Verhängnis. Gegen «Jacqueli», wie ihn Schönborns verächtlich nennen, setzt der neugewählte Fürstbischof sofort eine Untersuchungskommission ein. Um den Kopf aus der Schlinge zu ziehen und einem Prozess zu entgehen, muss Jacob von Hohlach innert sechs Monaten 640 000 Gulden aufbringen.[3] Mit dieser Erpressung beginnt das Episkopat von Johann Philipp Franz, der das Geld in den folgenden Jahren in den Bau der neuen Würzburger Residenz steckt.
Fürstbischof von Würzburg
Im Juli 1720 erhält er die Priesterweihe und im November wird er durch seinen Onkel zum Bischof geweiht. Den Hofstaat seines Vorgängers ersetzt er vollständig. Massgebendes Kriterium für die neuen Beamten ist die musikalische Begabung.[4] Nur der unabkömmliche Baumeister Joseph Greissing und der begabte Militäringenieur und Hauptmann Balthasar Neumann werden vom alten Hof übernommen.[5] Nicht ihnen, sondern dem kurmainzischen Obristlieutenant Maximilian von Welsch und dem kaiserlichen Hofingenieur Johann Lucas von Hildebrandt überlässt Johann Philipp Franz die Planung der neuen Residenz gegenüber des Hofes Rosenbach, seinem provisorischen Wohnsitz anstelle der Marienburg. Im Hintergrund steuern Onkel Lothar Franz und Bruder Friedrich Carl den schon 1720 begonnen Bau. Sie argwöhnen, dass ihr «Lips», wie sie Johann Philipp Franz nennen, zwar vom Schönborn-«Bauwurmb» befallen, aber dem ambitiösen Bauvorhaben nicht gewachsen ist. Sie betrachten die neue Residenz als Familiensache. Böse schreibt Lothar Franz, es wäre «zu wünschen, dass der Bauherr bessere Idee von der Baukunst hätte, den Massstab besser verstünde und nicht auf seine Gedanken versessen wäre, da er einmal keinen Grundriss verstehet». Der so gescholtene Johann Philipp Franz sorgt allerdings 1723 mit dem Parisaufenthalt von Balthasar Neumann zum weiteren Aufstieg dieses genialen Baumeisters und Städteplaners. Bis 1724 ist der nördliche Eckpavillon der Residenz gedeckt, der Nordblock zur Hälfte über das Hauptgeschoss gewachsen. Schon jetzt hat der Residenzneubau 150 000 Gulden verschlungen.
Für den neuen Fürstbischof ist die neue Residenz allerdings nicht das wichtigste Bauvorhaben. Prioritär sind für ihn die neue Stadtbefestigung und die städtebauliche Umgestaltung Würzburgs. Bei der Bevölkerung erntet er mit der Modernisierung der von seinem Grossonkel Johann Philipp begonnenen barocken Befestigung Würzburgs und der Grenzfestung Königshofen völliges Unverständnis und sogar Hass. Die Leistungsfähigkeit der Bevölkerung wird vor allem durch die Härte der Schanzdienste und durch die Enteignungen in der Folge der von Balthasar Neumann geplanten städtebaulichen Verbesserungen stark belastet.[6] Sie prägen aber das Bild Würzburgs nachhaltig zum Vorteil der Einwohner. Aus unsicherem Vorland und den Vorstädten macht er sichere Stadtviertel, aus Weide und Gartenland Baugrund, und anstelle der mittelalterlichen Stadtmauern und Gräben entstehen Promenaden.[7] Er ist auch Bauherr der Schönbornkapelle am Würzburger Dom, die er 1721 durch Maximilian von Welsch beginnen lässt und die später Balthasar Neumann vollendet.
Weitere Bauvorhaben sind ihm nicht vergönnt, denn im Anschluss an eine Jagd erleidet er bei Mergentheim am 18. August 1724 einen Kreislaufzusammenbruch, an dessen Folgen er verstirbt. Sein Tod, bei dem die Familie sogar an einen Giftmord glaubt, löst einen ungeheuren Jubel im ganzen Hochstift aus.[8] Für seine grossen Leidenschaften, die Jagd, die Musik und das Bauen hat die Bevölkerung kein Verständnis. Die Stimmung ist während seiner Regierungszeit so «anti-Schönbornisch» geworden, dass kein Mitglied der Familie auf seine Nachfolge spekulieren darf. Für den begonnenen Residenzneubau bedeutet der nachfolgende und im Volk beliebte Fürstbischof Christoph Franz von Hutten (1673–1729) eine Zäsur.
Johann Philipp Franz wird im Kiliansdom von Würzburg begraben. 1736 lässt ihm sein Bruder Friedrich Carl in der Schönbornkapelle vom Würzburger Hofbildhauer Claude Curé (1685–1745) ein Epitaph errichten.
Die Nachwelt urteilt kontrovers über ihn. Im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon findet sich noch 1995 kein Wort über die Herkunft der Gelder für den Residenzneubau. Im gleichen Artikel wird seine Wahl zum Fürstbischof begründet, weil «er die gegnerische Partei im Domkapitel allmählich von seinen Qualitäten zu überzeugen» vermag. Zudem betet er täglich den Rosenkranz.[9] Für andere Biografen ist er masslos in allen Tätigkeiten, ein absoluter Fürst ohne jedes Verständnis für die Sorgen des gemeinen Volkes. Dies muss für einen Adeligen des Absolutismus eine tiefe barocke Gläubigkeit nicht ausschliessen, sein tägliches Rosenkranzbeten ist glaubwürdig und seine Geldbeschaffung mittels der Existenzvernichtung des bürgerlichen Aufsteigers Gallus Jacob verargt ihm damals kein Standesgenosse. Und dass das Volk einem tatkräftigen Baupolitiker keine Liebe entgegenbringt, ist verständlich.
So zeigen auch alle seine Porträts, Bildnisse und Medaillen einen durchaus sympathischen Prälaten mit Doppelkinn und blonder Allongeperücke.
[1] Nach Dahm, Christof in Band IX BBKL 1995, Spalten 636-640, werden die Brüder sogar vom Sonnenkönig in Versailles empfangen.
[2] Aus der Familie der Grossmutter von Johann Philipp Franz, also ein Cousin des Onkels Lothar Franz.
[3] Die Darstellung in einzelnen Fachbeiträgen, dass er in einem Prozess verurteilt worden sei, stimmt nicht. Hingegen scheitert seine spätere Klage gegen Schönborn vor dem Reichsgerichtshof. Die Summe, an der sich auch Greiffenclau-Gefolgsleute beteiligen, ist höher als die Jahreseinnahmen des Hochstifts.
[4] Im Würzburger Dom lässt er Altäre entfernen, um dort Musikkapellen zu platzieren.
[5] Balthasar Neumann ist zur Zeit des Johann Philipp Franz keineswegs der Planer der Residenz, als der er in lokalen Veröffentlichungen noch heute dargestellt wird. Schon 1923 haben dies Richard Sedlmaier und Rudolf Pfister im massgebenden Werk «Die Fürstbischöfliche Residenz zu Würzburg» auseichend und abschliessend nachgewiesen. Hingegen werden seine Leistungen als Festungs- und Städteplaner für die geniale Neukonzeption des barocken Stadtraums von Würzburg zu wenig gewürdigt.
[6] Die Stadtbevölkerung leidet nebst der Steuerlast auch an den Einquartierungen von 500 bis 600 Fronarbeitern vom Land, die jeweils acht Tage arbeiten müssen. Zu ihnen gesellen sich Sträflinge und Soldaten.
[7] Die Leistung dieser barocken städtebaulichen Umgestaltung wird heute völlig verkannt. Sie ist Hauptverdienst des Bauherrn Johann Philipp Franz von Schönborn. Ihre Durchsetzung erreicht er mit einer faktischen Entmachtung des Stadtrates in Baufragen durch die Einsetzung einer eigenen Baukommission, der auch der Militäringenieur Balthasar Neumann angehört. Neumann ist der eigentliche Schöpfer dieser städtebaulichen Genieleistung. Sie ist im seinem berühmten Thesenblatt von 1723, einer Huldigung der Bautätigkeit des Fürstbischofs, schon fertig gebaut dargestellt.
[8] Nach Richard Sedlmaier und Rudolf Pfister in: «Die Fürstbischöfliche Residenz zu Würzburg» Seite 35.
[9] Dahm, Christof in Band IX BBKL 1995, Spalten 636-640.
Literatur zu Lothar Franz, Johann Philipp Franz, Friedrich Carl und Damian Hugo von Schönborn:
Werner, Franz: Der Dom von Mainz, erster bis dritter Theil, Mainz 1836.
Sedlmaier, Richard und Pfister, Rudolf: Die fürstbischöfliche Residenz zu Würzburg, München 1923.
Meyer, Otto: Damian Hugo von Schönborn, in: Barock in Baden-Württemberg, Ausstellungskatalog, Karlsruhe 1981
Reinhardt, Rudolf: Damian Hugo von Schönborn, in: Helvetia Sacra, Abteilung I, Band 2, Erster Teil, Basel 1993.
Mauelshagen, Stephan: Trauer und politisches Kalkül, zwei Leichenpredigten für Damian Hugo von Schönborn, in: Die katholische Leichenpredigt der frühen Neuzeit, Amsterdam 1999.
Erichsen, Johannes (Hrsg.): Kaiser Räume - Kaiser Träume, Ausstellungskatalog, München 2007.
Mairhofer, Maria Antonia: Loreto- und Gruftkapelle der Familie Schönborn in Göllersdorf in Niederösterreich - Ein Werk von Johann Lucas von Hildebrandt, Diplomarbeit Wien 2008.
Süssmann, Johannes: Bauen als Politik, in: Geistliche Fürsten und Geistliche Staaten in der Spätphase des Alten Reiches, Epfendorf 2008.
Die Adelsfamilie Schönborn stammt aus der Gegend von Limburg. Auf ihrer väterlichen Burg Eschbach wachsen Philipp Erwein (1607–1668) und Johann Philipp von Schönborn (1605–1673) zusammen mit ihrer Schwester Agatha Maria auf. Die Kinder verlieren 1613 ihren Vater. Die Mutter, eine Freiin von der Leyen, bemüht einflussreiche Verwandte am Hof in Mainz für die Förderung der Ausbildung ihrer Söhne am dortigen Jesuitenkolleg. Besondere Unterstützung erhalten sie von Friedrich Georg von Schönborn, Domkapitular in Mainz und Amtmann in Bingen. Er setzt, wie schon zwei 1615 kinderlos verstorbene Onkel, die beiden Jungen als Universalerben ein. Nach den Gymnasialjahren in Mainz, Studien in Würzburg, Orléans, Mainz und Siena unternehmen die jungen Edelleute eine gemeinsame Kavaliersreise durch Italien und Frankreich. Gut ausgebildet, mit exzellenter Beherrschung der lateinischen, italienischen und vor allem der französischen Sprache kehren sie 1629 zurück, wo Johann Philipp im gleichen Jahr in das hoch dotierte Domkapitel von Würzburg aufgenommen wird. Mit ihm, der 1642 Fürstbischof von Würzburg, 1647 Erzbischof von Mainz und damit Kurfürst und Reichserzkanzler wird, betreten die Schönborn während des Dreissigjährigen Krieges die Bühne der grossen Politik. Die jetzt beginnende aggressive Hegemonialpolitik des «Sonnenkönigs» führt zum Bruch der bisher guten Beziehungen Johann Philipps mit Frankreich. Er schliesst 1668 ein Defensivbündnis mit Kaiser Leopold I. und leitet damit den auf den Kaiser und das Reich ausgerichteten politischen Standort ein, den die Schönborn-Bischöfe der nächsten Generationen vehement vertreten. Seine Kirchenpolitik ist geprägt von der Durchsetzung der Beschlüsse des Konzils von Trient, aber auch von einer ausgesprochenen Toleranz zum Protestantismus. Die Mainzer Bibel-Übersetzung, die er 1661 veröffentlicht, wird von zwei Konvertiten geschrieben und bleibt bis 1830 die am weitesten verbreitete katholische Bibel. Beinflusst vom Jesuiten Friedrich Spee lässt Johann Philipp alle Hexenprozesse in seinen Territorien verbieten.[1]
Sein Bruder Philipp Erwein wird Reichshofrat und kurmainzischer Oberamtsmann. Verheiratet mit Freiin Maria Ursula von Greiffenclau zu Vollrads (1612–1682), der Tochter eines kurmainzischen Geheimrates und Nichte des 1626–1629 regierenden Kurfürsten und Erzbischofs von Mainz, ist er auch von Frauenseite mit der Reichskirche verknüpft. 1650 erwirbt er den Ort und das Schloss Gaibach und 1661 die Herrschaft Heusenstamm. 1663 verleiht Kaiser Leopold I ihm und seinen Nachkommen die Reichsfreiherrenwürde. Philipp Erwein hat 16 Kinder. Wenige Monate vor dem Tod Philipp Erweins im Jahre 1668 verheiratet sich sein zweitgeborener Sohn Melchior Friedrich (1644–1717). Er wird später die Dynastie sichern. Der jüngste Sohn, Lothar Franz (1655–1729), ist zu diesem Zeitpunkt 13, aber schon seit 1665 im Besitz einer Pfründe[2] am Domstift von Würzburg. Sein Onkel, der noch amtierende Erzbischof von Mainz, auch Bischof von Würzburg und Worms, wirkt massgebend an der geplanten geistlichen Laufbahn seines Neffen mit. Lothar Franz ist 18, als sein Onkel 1673 stirbt. Wie dieser kommt er nach Studium und Kavaliersreise rasch zu Würden und wird Ende des 17. Jahrhunderts Erzbischof von Mainz, Kurfürst und Erzkanzler des Reichs. Als Oberhaupt der Familie fördert er die Hausmacht der Schönborn durch eine kluge Heiratspolitik und durch die Förderung seiner sieben Neffen. Er wird zur «Fortune» des Hauses Schönborn. Kaiser Leopold erhebt die Familie 1701 in den Reichsgrafenstand. 1705 regiert zum ersten Mal in der Geschichte des Heiligen Römischen Reiches ein Kurfürst als Reichskanzler gleichzeitig mit seinem Neffen. Es ist Friedrich Carl, der in Wien als Reichsvizekanzler amtiert. Höhepunkt dieser Familienpolitik bildet 1711 die Kaiserkrönung Karls VI. im Dom von Frankfurt. Lothar Franz, der zur Wahl massgeblich beigetragen hat, krönt den neuen Kaiser in Gegenwart der wichtigsten politischen und kirchlichen Würdenträger. Der letzte grosse Familienpolitiker im Dienste der Reichskirche, der Neffe Friedrich Carl, kauft 1710 als Reichsvizekanzler den Besitz und die Titel der Grafen von Puchheim, eines alten niederösterreichischen Adelsgeschlechtes. Der Titel wird auch auf seinen Vater Melchior Friedrich übertragen. Damit kann sich die Familie in den österreichischen Erblanden etablieren. Aus Puchheim wird später Buchheim, heute nennen sich die Nachkommen Schönborn-Buchheim. Mit dem Tod des letzten geistlichen Fürsten und Baumäzens Friedrich Carl von Schönborn 1746 geht die grosse Periode einer faszinierenden Familienherrschaft zu Ende.
In der Kirche von Gaibach finden wir die hier erwähnten drei Generationen des Hauses Schönborn vereint auf dem Altarblatt des rechten Seitenaltars.[3] Das Gemälde ist einerseits ein Monument von Familienbewusstsein eines in der Reichskirche so erfolgreichen Geschlechts, andererseits Ausdruck des nicht unbescheidenen Selbstverständnisses des Hauses Schönborn.
Das Wappen der Familie Schönborn finden wir an vielen ihrer Bauwerke.[4] Es stellt in Rot einen auf drei silbernen Spitzen schreitenden, zweigeschwänzten goldenen Löwen dar, der blau bezungt und gekrönt ist. Als Stammwappen wird es so 1670 am Schönborner Hof in Mainz angebracht. Später ist das Wappen komplexer und das Stammwappen wird Herzschild. Das fürstbischöfliche Wappen von Friedrich Carl über dem Hauptportal der 1739 geweihten Kirche von Gössweinstein zeigt das Stammwappen als Herzschild mit Grafenkrone, begleitet von 12 Wappenfeldern.[5]
Pius Bieri 2011
Jürgensmeier, Friedhelm: Johann Philipp von Schönborn (1605–1673), Erzbischof – Kurfürst – Erzkanzler des Reiches, in: Mainzer Vorträge 12, Mainz 2008, S. 85-102.
[1] Spätere Fürstbischöfe halten sich nicht daran. Noch 1749 lässt Philipp Karl von Greiffenclau die siebzigjährige Subpriorin des Klosters Unterzell, Tochter eines kaiserlichen Generals, als Hexe hinrichten.
[2] Pfründe: Lateinisch praebenda, in der deutschen Literatur auch als Präbende genannt, ist ein kirchliches Amt mit Ertrag auf einer Vermögensmasse des Stiftes.
[3] Das Altarblatt in der Kirche von Balthasar Neumann ist ein Werk des auch in der Würzburger Residenz tätigen Franz Lippold (1688–1768) von 1745.
Verewigt sind hier nur elf männliche Mitglieder, die das Familienziel, nämlich die Besetzung von Bischofsstühlen oder die Fortpflanzung des Geschlechts, mit Erfolg erreicht heben. Vor ihnen liegen die Insignien der kirchlichen und weltlichen Macht. Sie beginnen links mit Kurfürstenhut, Mitra, Biret, Krummstab und Schwert, in der Mitte liegt die päpstliche Tiara mit Kreuz und Schlüsseln, rechts die Kaiserkrone mit Zepter und Reichsapfel. Der Auftraggeber des Gemäldes, Friedrich Carl, zeigt damit klar die Verflechtungen der Familie und ihren Einfluss auf Kirche und Kaiser. Er selbst kniet als Stifter links im Vordergrund und ist mit einem purpurnen Hermelinmantel bekleidet. In tiefer Verbeugung blicken im Mittelgrund die Vertreter der ersten Generation zum Betrachter. Es sind der Erzbischof Johann Philipp und sein Bruder Philipp Erwein, der einen goldenen hermilingefütterten Mantel trägt. Hinter ihm sein Sohn Melchior Friedrich, darüber zwei Mitglieder der weltlichen dritte Generation. Prominent in der Mitte steht Kardinal Damian Hugo, der Fürstbischof von Speyer und Konstanz. Links und hinter ihm die weiteren drei kirchlichen Würdenträger. Lothar Franz reiht sich hier als zweiter von links bescheiden in die Reihe seiner Neffen ein, die links von ihm mit Johann Philipp Franz beginnt, sich rechts mit dem Kurfürsten von Trier, Franz Georg, fortsetzt und dann mit dem Dompropst von Bamberg und Eichstätt, Marquard Wilhelm, endet. > Bild abrufen.
[4] Zur Wappengeschichte siehe die ausführliche Darstellung mit der übersichtlichen und ausführlichen Familiengenealogie unter http://www.dr-bernhard-peter.de/Heraldik/schoenborn.htm
[5] Über dem Herzschild mit Grafenkrone der kaiserliche Doppeladler, darunter das Habsburger Stammwappen, und links und rechts je fünf Wappenfelder von fünf Familienherrschaften, den Wappen der Hochstifte Bamberg und Würzburg, sowie des Herzogtums Franken.
|Johann Philipp Franz Reichsgraf von Schönborn (1673–1724)|
|Biografische Daten|
|Geburtsdatum||Geburtsort||Land 18. Jahrhundert|
|15. Februar 1673||Würzburg Unterfranken Bayern D||Kurfürstentum Mainz|
|Titel und Stellung||Regierungszeit|
|Fürstbischof von Würzburg||1719–1724|
|Sterbedatum||Sterbeort||Land 18. Jahrhundert|
|18. Augaust 1724||Bad Mergentheim Baden-Württemberg D||Herrschaft Deutscher Orden|
|Kurzbiografie|
|Johann Philipp Franz von Schönborn beginnt 1719 sein Episkopat mit der riesigen Geldsumme von 640 000 Gulden, die er vom neureichen Finanzminister seines Vorgängers erpresst. Das Geld braucht er für die von ihm begonnene neue Würzburger Residenz, die in der Folge zum Familienunternehmen der Schönborn wird. Mit der gleichzeitig begonnenen städtebaulichen Umgestaltung und Befestigung der Residenzstadt, für die er zum ersten Förderer von Balthasar Neumann wird, erweckt er aber Widerstand in der Bevölkerung, die für seine grossen Leidenschaften, dem Bauen, der Musik und der Jagd überhaupt kein Verständnis hat. Als er früh auf einem Jagdausflug stirbt, munkelt man sogar von Giftmord.|
|PDF (nur Text)||Aufstieg der Schönborn im 17.Jh.||Biografie||Bildlegende|