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Wetteränderung: Wintereinbruch steht bevor
Der heutige Donnerstag markiert einen Übergangstag. Der Hochnebel verabschiedet sich und eine erste Störung leitet einen Witterungswechsel ein. Pünktlich zum bevorstehenden Schneefall stellen wir ausserdem unsere neue Schneeprognose vor.
In der ersten Tageshälfte lag über den Niederungen der Alpennordseite immer noch die alte Hochnebeldecke, die sich in der Zwischenzeit auf eine Höhenlage von rund 800 Metern abgesenkt hatte.
Wer noch etwas Sonne tanken wollte, musste aber zeitig unterwegs sein. Ein Tiefdruckgebiet über dem Mittelmeer lenkte im Tagesverlauf immer dichtere hohe Wolkenfelder von Süden her zum Alpenbogen. Gegen Mittag erreichten die ersten Niederschläge im Tessin den Boden und im Verlauf des Nachmittags setzte auch in den Alpen Regen, oberhalb von rund 1000 Metern Schneefall ein.
Über dem Nebelmeer und in den oberen Alpentälern, wo schwacher Föhn wehte, konnten noch einmal milde 5 bis 10 Grad genossen werden. In den Niederungen, im nebligen Kaltluftsee, wurden hingegen gerade einmal 1 bis 4 Grad gemessen.
Der Schneefall weitet sich im Verlauf des Abends und der Nacht auf Freitag auch auf die Alpennordseite aus. Die Schneefallgrenze sinkt dabei vorübergehend auf 400 bis 600 Meter, wobei die Niederschlagsintensität vorerst zu gering ist, als dass sich in den tiefsten Lagen des Flachlands schon eine Schneedecke bilden könnte.
Geburtsstunde des Sturmtiefs "Arwen" bzw. "Andreas"
An der Ostküste Grönlands hat sich in der vergangenen Nacht ein markantes Tiefdruckgebiet gebildet. In den kommenden 48 Stunden vertieft es sich weiter und folgt dabei einer eher unüblichen Zugbahn über die Nordsee hinweg nach Mitteleuropa, wo es sich voraussichtlich in mehrere kleine Wirbel aufteilen und langsam auffüllen wird.
Unterwegs verursacht das Tief, welches vom Britischen MetOffice den Namen «Arwen» und von der FU Berlin den Namen «Andreas» bekommen hat, zunächst einmal stürmischen Wind entlang der Schottischen und Teilen der Englischen Nordseeküste. Am Wochenende und anfangs nächster Woche bringt das Tiefdruckgebiet dann in weiten Teilen West-und Mitteleuropas und insbesondere in den Alpen winterliches Wetter.
Wissen wie viel Schnee fällt – die neue Schneeprognose von MeteoSchweiz und dem SLF
Seit 23. November 2021 finden Sie auf der MeteoSchweiz Website unsere neue Schneeprognose. Die Veröffentlichung auf der MeteoSchweiz App folgt in Kürze. Pünktlich zu den ersten Schneefällen bis in tiefere Lagen stellen wir Ihnen vor, auf welchen Grundlagen die Prognose beruht.
Die meisten Prognosemodelle behandeln den Schnee in sehr vereinfachter Form. Neuschnee, der auf aperen Boden fällt, bleibt auch dort liegen. In der Realität hingegen kann er, falls die Bodentemperatur über 0°C beträgt oder die Schneefallgrenze steigt, jedoch wieder schmelzen. Zudem setzt sich eine Schneedecke aufgrund ihres Eigengewichts und in Abhängigkeit der Temperatur. Dementsprechend ändert sich die Schneehöhe während und auch nach dem Schneefallereignis. Beide Prozesse wurden in den bisher verwendeten Modellen nicht berücksichtigt.
Dazu kommt, dass für die Berechnung der Neuschneemenge meist eine konstante Schneedichte von 100 kg pro Kubikmeter angenommen wird. Ein Millimeter (oder ein Liter pro Quadradmeter) Wasseräquivalent ergibt in diesem Fall also eine Neuschneehöhe von einem Zentimeter. In der Realität ist die Sache aber - wie so häufig - deutlich komplexer. Die Dichte des Neuschnees ist nicht konstant und insbesondere abhängig von der Temperatur, vom Wind und der Luftfeuchtigkeit.
Der operationelle schneehydrologische Dienst des SLF (OSHD) betreibt ein Modellsystem, mit dem laufend die räumliche und zeitliche Verteilung von Schneewasserressourcen in der Schweiz analysiert werden. Diese Schneemodelle berücksichtigen die drei obengenannten Prozesse (das Schmelzen und Setzen sowie die Dichte des Neuschnees) explizit. Mit der Verwendung von Inputdaten aus den operationellen Prognosemodellen der MeteoSchweiz und der Berücksichtigung der erwähnten Prozesse werden deutlich präzisere Vorhersagen der Neuschneehöhe sowie der Gesamtschneehöhe ermöglicht. Die Vorhersage erfolgt jeweils für die kommenden 12, 24, 48 und 72 Stunden.
Im oben dargestellten, aktuellen Beispiel sind bei genauer Betrachtung die Unterschiede zwischen den COSMO-2E (links) Prognosen und dem finalen Produkt (rechts) gut erkennbar: In weiten Teilen des zentralen und östlichen Mittellandes sind die Neuschneehöhen bis Sonntagmorgen nahe oder gleich Null, da selbst bei kurzzeitig kräftigen Schneeschauern der Schmelzprozess fortlaufend wirkt. In den rohen COSMO-2E Prognosen ist dieser Prozess am Boden nicht berücksichtigt, so dass beispielsweise im zentralen Mittelland 10-20 cm Neuschnee berechnet werden, was unrealistisch ist. Umgekehrt bewirkt die Berücksichtigung der Schneedichte, welche im Hochgebirge der Bündner Alpen im erwarteten Kaltlufteinbruch eher gering ist, dass die Schneedecke am Schluss der Akkumulationsperiode etwas höher ist, als von COSMO-2E erwartet. Letzteres verwendet standardgemäss die Umrechnung 1 mm Niederschlag = 1 cm Neuschnee, was die Situation im Hochgebirge dieses Wochenende möglicherweise unterschätzt.
Link zur aktuellen Schneeprognose: https://www.meteoschweiz.admin.ch/home.html?tab=snow)