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Im letzten Januar sah alles noch anders aus: "Ich bin der CEO und der Verwaltungsrats-Präsident, und ich habe nicht die Absicht, das kurz- oder mittelfristig zu ändern", sagte Rolf Hüppi in einem "Weltwoche"-Interview. Inzwischen hat der einstige Superstar der Finanzgemeinde in zwei Schritten kapituliert.
Der 1943 geborene Hüppi hat bei der Zürich einen ebenso glanzvollen wie gradlinigen Aufstieg erlebt. 1963 in die Versicherung eingetreten, arbeitete er bis 1970 in Indien. Danach folgten zwei Jahre am Hauptsitz, bevor er in den USA bis 1975 zum Posten eines Regional Managers aufstieg. Danach baute er von Zürich aus die internationale Division der Versicherung auf - eine Leistung, die Hüppi 1983 die Beförderung in die Konzernleitung eintrug und erneut mit einem Wechsel in die USA verbunden war, diesmal als Verantwortlicher für die gesamten Aktivitäten der Zürich in den USA.
Vom damaligen Präsidenten Fritz Gerber gefördert, rückte Hüppi im Jahre 1988 als Vorsitzender der Konzernleitung ganz an die Spitze. 1993 folgte die Wahl in den Verwaltungsrat. Zwei Jahre später übernahm Hüppi das Präsidium des Aufsichts-Gremiums und damit jene Doppelrolle, für die er in den vergangenen beiden Jahren zunehmend kritisiert worden war, und mit der er in der aktuellen Diskussion um Corporate Governance massiv im Gegenwind stand.
Mit einer aggressiven und innovativen Vorwärtsstrategie stieg Hüppi in der zweiten Hälfte der 90-er Jahre zum Liebling der Finanzgemeinde und zu einem der Stars in den Augen der Wirtschaftspresse auf. Er baute den als verschlafen geltenden Versicherungs-Konzern durch Übernahmen zu einem Allfinanz-Konzern um mit Ambitionen, in der Weltliga mitzuspielen.
Trotz der Milliarden schweren Übernahme der US-Firma Kemper im Jahre 1995 legte Hüppi zunächst weitere Rekordabschlüsse vor. 1997 folgte mit der Übernahme des US-Vermögens-Verwalters Scudder und den Fusions-Verhandlungen zur Integration des Finanzteils der britischen BAT-Gruppe ein Quantensprung, der Hüppi den Übernamen BAT-Man eintrug. Aus den Zürich-Versicherungen wurde die Zurich Financial Services Group und der Anspruch, nach 125 Jahren im Versicherungsgeschäft in die Weltspitze der internationalen Finanz-Konglomerate vorzustossen.
1998 brachte wegen des BAT-Fusionsaufwands von 2,4 Mrd. Dollar zwar einen Knick in der Gewinnkurve. Schon für 1999 legte Hüppi aber wieder einen Rekordgewinn von 3,3 Mrd. Dollar vor. Mit der Baloise-Beteiligung und der Übernahme des US-Versicherers Foremost ging die Expansion weiter. Gleichzeitig wurde die seit der BAT-Fusion doppelte Konzernstruktur vereinfacht.
Einen image-mässigen Dämpfer musste die Zürich im Jahre 2000 zunächst durch die Verurteilung des einstigen Finanzchefs wegen Insidergeschäften hinnehmen, und im September des gleichen Jahres verärgerte Hüppi die Finanzanalysten erstmals mit einem Gewinneinbruch. Seither folgten mehrere Gewinnwarnungen, Kostensenkungs-Programme, die Trennung vom Rückversicherungs-Geschäft und von Scudder und ein massiver Kurszerfall der Aktie.
Hüppi musste sich eine verwirrende Informationspolitik und Schönrederei vorwerfen lassen. Wegen seiner Doppelfunktion fehle es an Checks and Balances, wurde moniert. Und Analysten brachten die Situation mit der Forderung "Hüppi muss weg" auf den Punkt. Am 25. Februar gab Hüppi den Rücktritt als Konzernchef auf Mitte Jahr bekannt und handelte sich prompt den Vorwurf der Inkonsequenz ein. Zwei Monate später kommt nun der volle Rückzug.
swissinfo und Agenturen