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Den Titel als bekanntestes Hotel kann dem Le Ritz am Place Vendôme kein anderes Haus streitig machen. Umso mehr waren die Pariser Anfang Mai 2011 überrascht, das Ritz nicht auf der von einer Jury präsentierten Liste mit acht Palace-Hotels zu finden, die die Auszeichnung „l’exellence à la française“ erhalten haben. Selbst die prämierten Hotels mochten sich nicht über die Auszeichnung freuen. Ohne sich mit dem Ritz um einen Rang messen zu können, fiel für sie diese Liste glanzlos aus. Selbstverständlich erhielt das Ritz im Jahr 2009, als Frankreich seine Klassifikation von vier auf die international gebräuchlichen fünf Sterne änderte, die fünf Sterne. Es ist auch nicht so, dass seit der grossen Renovation aus dem Jahr 1979, als Mohamed Al Fayed das Haus gekauft hat, nichts mehr investiert worden wäre.
So wurde der Ritz-Club, wo Lady Di ihre letzten Stunden vor dem tragischen Autounfall verbrachte, in die Ritz-Bar umgestaltet. Und einige der Suiten erhielten eine persönliche Auffrischung durch den bekannten Innenarchitekten Pierre-Yves Rochon. Als nun das Hotel Ritz im Herbst 2011 bekannt gab, dass es ab Sommer 2012 eine über zwei jährige Renovation plant, war die oben erwähnte Palace-Liste, die bis jetzt nur Paris interessierte, in internationalem Munde. Plötzlich hiess es in der ausländischen Presse, eine umfassende Renovierung sei mehr als nötig. Die Gäste blieben aus und wählten lieber die frisch eröffneten Hotels Shangri-La oder Mandarin Oriental.
Bei unserem letzten Besuch im Ritz im Frühling 2011 war sowohl die Garten-Bar wie das Restaurant ausgebucht. In den Gängen des Hotels begegneten wir sowohl asiatischen wie amerikanischen Gästen. Die Fotos beweisen es: Von einer Renovation, die mehr als nötig sei, kann nur schreiben, wer sich noch nie im Ritz aufgehalten hat. Das wirklich schöne Shangri-La kann schon mit seiner abgelegenen Lage am Trocadéro nicht mit dem Ritz am Place Vendôme konkurrieren. Und wer den eher modernen Stil des nahen Mandarin Oriental bevorzugt, wird wirklich nie im Ritz absteigen. So bleibt abschliessend zu hoffen, dass die 450 Angestellten, die entlassen werden, bald wieder eine Arbeit finden, dass bei der Renovation die historische Substanz erhalten bleibt und dass der hier verwirklichte Lebenstraum von César Ritz, das Hotel als Gesamtkunstwerk, nicht zerstört wird.
Die Bar Hemingway befindet sich auf der Rückseite des Hotel-Ritz-Gebäudes an der Rue Cambon. Als dieser geschichtsträchtige Ort zum bevorzugten Platz von Ernest Hemingway in Paris wurde, hiess das Etablissement noch Le Petit Bar. Erst 1994 wurde es im heutigen Stil als Bar Hemingway eröffnet. Von Anfang an dabei ist der Chef-Bartender Colin Peter Field, der ein kurzweiliges und edel gestaltetes Buch über die Cocktails im Ritz und seine Bar geschrieben hat. Die Bar Hemingway ist mit Romanen, Fotos, einer alten Schreibmaschine und einer Büste von Hemingway stimmig dekoriert. Als wir die Bar betreten, werden wir von einem Bartender freundlich begrüsst und an einen freien Tisch begleitet. Kaum haben wir uns gemütlich eingerichtet, stehen schon zwei Glas Eiswasser mit einer erfrischenden Gurkenscheibe vor uns. Der Bartender stellt als Empfehlung vier aktuelle Cocktails vor und gibt uns die Barkarte. Wir entschliessen uns für seinen zweiten Tipp und bestellen zwei French 75 (EUR 30.-). Kurz darauf stehen zwei perfekte Drinks auf unserem Tisch. Manjultas Glas trägt eine Orchideenblüte als Krönung. Die Gläser sind aus hochwertigem Kristall. Nüsschen und Oliven werden zusammen mit kleinen Stoffservietten gereicht. Es läuft keine Musik. Die gut besuchte Bar bietet einen perfekten Service, der kaum noch überboten werden kann. Colin Peter Field hat ganz im Sinne von César Ritz aus seiner Bar Hemingway eine Bar als Gesamtkunstwerk komponiert.
Nun betritt plötzlich der Chef-Bartender Colin Peter Field die Bar. Ich habe extra sein Buch zum Signieren mitgenommen. Manjulta erkennt, dass er sich nur von seinen Mitarbeiterinnen verabschieden kommt und gleich wieder weg geht. Im letzten Moment können wir ihn mit Handzeichen zu unserem Tisch winken. Er sagt uns, dass es für ihn eine grosse Freude ist, sein Buch zu signieren. Die deutsche Ausgabe, die ich mitgenommen habe, hat er noch nie in den Händen gehalten.
So signiert er mit fester Schrift das kleine Buch und erzählt, dass er am Nachmittag einen Barkurs gehalten hat und jetzt müde ist und Feierabend machen muss. Beim Verabschieden gibt er Manjulta einen Handkuss. So können wir hier mitteilen: Mr.Field est très charmant! Uebrigens ist inzwischen von Colin Peter Field's ein neues Buch erschienen: "Le Ritz Paris, Une Histoire de Cocktails" mit einem Vorwort von Kate Moss, Stammgast in der Bar Hemingway.
César Ritz (als Cäsar Ritz 1850 im Walliser Bergdorf Niederwald in der Schweiz geboren), der 1880-87 die Direktion des Grand Hotel National in Luzern inne hatte und dort den Meisterkoch und langjährigen Weggefährten Auguste Escoffier kennen lernte, später das Savoy in London und das Grand-Hôtel in Rom leitete, erfüllte sich mit seinem eigenen Haus in Paris einen lang gehegten Lebenstraum: Das Hotel als Gesamtkunstwerk.
Restaurants: L'Espadon, Bar Vendôme, Salon Marcel Proust, Bar Hemingway; Zimmer: 142 Zimmer & 71 Suiten; Adresse: Ritz Paris, 15 Place Vendôme, 75001 Paris / http://ritzparis.com
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