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Architekturstudium: 4. Semester
In diesem Semester stand für mich als berufsbegleitende Studentin der Entwurf im Mittelpunkt. Die Aufgabe bestand darin, in Göschenen/UR ein Wellnessbad aus Betonelementen zu entwerfen.
Um ein Verständnis für Beton und die Tektonik zu erhalten, analysierten wir als Vorübung verschiedene Bauten. Parallel dazu hielten wir Göschenen fotografisch fest und versuchten, nach eigenen Präferenzen einen reizvollen Ort im Dorf zu finden.
Den idealen Platz für meine Badeanlage fand ich an einer Lichtung im Wald. Am Nordhang, am Ende des Dorfes, stellte ich mir die Aufgabe, das Wellnessbad zwischen die hohen Fichten zu setzen. Die Form meines Objektes ergibt sich aus den bestehenden Nadelbäumen. Eine organische Form bildet die äussere Hülle. Sie besteht aus Sandwichelementen, die einen einheitlichen Radius haben und damit den repetitiven Sinn der Betonelemente aufgreifen. Überschneidungen dieser Elemente bilden die Öffnungen zum Wald oder zu einer Lichtung hin. Gleichzeitig sollte das Licht den Besucher durch die verjüngenden Passagen führen. Zwei rechteckige Kernzonen bilden im Inneren einen Kontrast. Sie bieten Platz für Garderoben, Duschen, Toiletten und den Spabereich. Die zwei Badebecken befinden sich jeweils am Ende des langen, geschwungenen Volumens. Das Innenbecken (in der Explosionszeichnung das obere) ist introvertiert und hat nur eine Überschneidung, die sich zu einer Baumgruppe hin öffnet. Das Aussenbecken blickt Richtung Dorf.
Die Idee dieses Entwurffachs war, sich an die Formfindungen heranzutasten. Dadurch, dass wir viele Freiheiten hatten, wie beispielsweise die freie Wahl, wo wir unser Gebäude hinsetzten oder was für ein Raumkonzept wir möchten, hatte ich grosse Schwierigkeiten, mich im Prozess an Sachen festzuhalten. Ich musste erst lernen, mich selber einzuschränken und Prämissen zu setzen, um überhaupt Resultate zu sehen. Schlussendlich bin ich mit dem Endergebnis zufrieden und freue mich, die neu erlernten Erkenntnisse im nächsten Semester anzuwenden.
Das zweite Fach, das bei mir diesen Sommer weit vorne stand, war die «Summer School». Seit mehreren Jahren organisiert die Hochschule Architektur & Technik in Zusammenarbeit mit ausländischen Hilfsorganisationen eine «Summer School». Dabei wird von den Studenten der Hochschule ein Projekt geplant und vor Ort ausgeführt. Seit 2017 arbeiten sie mit der «Sristi Foundation» zusammen. Sristi Village ist ein Dorf, das zur Stadt Pondicherry gehört und im Süden Indiens liegt. Ein Wohnort für physisch und psychisch beeinträchtigte Menschen.
In einer Gruppe von zwölf Schweizer Studenten reisten wir Anfang Juli für drei Wochen nach Indien. Nach einer mehrtägigen Kulturreise durch die Millionenstadt Bangalore, brachen wir Richtung Auroville auf. In dieser «universellen» Planstadt, die nach eigenen Gesellschaftstheorien lebt, hatten wir unsere Unterkunft. Täglich fuhren wir mit dem Car nach Sristi Village. Mithilfe von sechs indischen Studenten und Arbeitern, die hauptberuflich Gebäude aus Bambus bauen, konnten wir starten. In dieser kurzen Zeit gelang es uns, das Grundgerüst des gewünschten Wohnhauses zu errichten. Es wurde nach unserer Abreise von den Bambusarbeitern beendet.
Eine für mich einmalige Erfahrung zu sehen, wie Menschen in Grossstädten zwischen Autohupen, Abfall und Kühen leben und wenige Stunden davon entfernt mehrheitlich Brachland liegt, das von Randgruppen bewirtschaftet wird. Eine Reise, nach der Architekturstudenten sogar ihre Nachtschichten zu schätzen lernten.
Tipps:
- ArchitekturCumulus vom 14. Januar 2019: Architekturstudium: 2. und 3. Semester
- ArchitekturCumulus vom 29. März 2018: Mein erstes Semester als Architekturstudentin
- ArchitekturCumulus vom 18. September 2017: Mein Studiengang Architektur