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Nördlich der Pyrenäen, zwischen dem Atlantik und der Garonne liegt die Gascogne. Das Herzstück dieses alten Bauernlandes ist das Armagnac, das Land des bekanntesten aller Musketiere, d'Artagnan, eine Region von Frankreich, die vieles von seiner ursprünglichen Art behalten hat. Fast könnte man meinen, die Entwicklung sei hier stehengeblieben. Die Menschen auf dem Land sind urchig und der Umgang rauh, die Landschaft ist sehr abwechslungsreich und fruchtbar. Nur wenige kleine Städte besiedeln die Region des Armagnacs.
Lediglich 15’000 ha Rebfläche in den Départements Gers, Landes und Lot-et-Garonne, sind zur Produktion von Armagnac zugelassen. Armagnac ist die älteste bekannte französische Spirituose und kontrollierte Ursprungsbezeichnung gemäss den Europäischen Begriffsbestimmungen für Spirituosen.
Im Unterschied zu Cognac wird Armagnac in einem kontinuierlichen Brennverfahren nur einmal destilliert, also nicht rektifiziert. Anschliessend erfolgt für mindestens drei Jahre die Lagerung in Eichenholzfässern. Je länger die Lagerung, desto höher die Qualitätsstufe. Der Mindestalkoholgehalt beträgt etwa 40 % vol.
Grundlage für Armagnac sind Weissweine, die in erster Linie aus den Rebsorten Ugni Blanc, Baco Blanc, Colombard und Folle Blanche gekeltert werden
Die drei Anbaugebiete heissen Bas-Armagnac, Haut-Armagnac und Ténarèze, wobei die Bezeichnungen „bas“ (niedrig) und „haut“ (hoch) aber nichts mit der Qualität des Produkts, sondern nur mit der Lage des Gebiets zu tun haben. So liefert das Gebiet Bas-Armagnac einen besseren Branntwein als das Haut-Armagnac, wo unterdessen kaum mehr produziert wird.
Die hohe Qualität, die handwerklich einwandfreie Herstellung, die strenge Reglementierung, der Export in die ganze Welt und die im Gegensatz zu Cognac deutlich geringere Produktionsmenge würden den Armagnac eigentlich zu einem begehrten Luxusprodukt prädestinieren. Allderdings leidet der Armagnac seit den Nachkriegsjahren unter deutlichen Prestigeproblemen. Damals bestand eine extrem hohe Nachfrage, was schliesslich zu einem Verfall der Qualität und somit zum Ruin des Images und im Bewusstsein der Verbraucher dazu führte, Armagnac als „kleinen“ oder „schlechteren Cognac“ anzusehen. Völlig fälschlicherweise existiert diese Ansicht leider auch heute noch bei einigen Konsumenten.