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Transformation
Migration ist ein Faktor, der eine Gesellschaft beeinflussen und verändern kann, manchmal tiefgreifend. Gewisse Transformationen sind sichtbar, andere weniger. Sie betreffen alle Bereiche einer Gesellschaft, vom Arbeitsmarkt über institutionelle Abläufe bis hin zum sozialen Zusammenhalt und zwischenmenschlichen Beziehungen.
Ein anschauliches Beispiel für einen Wanderungsstrom, der das Leben, die Funktionsweise und die Architektur eines Viertels geprägt hat, ist Chinatown in New York. Laut einem Artikel von Marjorie Cohen lebten 1859 weniger als 200 Chinesinnen und Chinesen in New York. Diese Bevölkerungsgruppe wuchs ein Jahrhundert lang nur langsam, da die Einwanderung aus China in die USA durch gesetzliche Quoten beschränkt war. Da die Chinesen in den USA als Gemeinschaft leben wollten, zogen sie in bestimmte Quartiere von grossen Städten. 1960 war Chinatown ein kleines Viertel von etwa 5 Blocks in New York.
Die Abschaffung der Einwanderungsquoten führte dann zu einem rasanten Anstieg der Migration aus Asien in die USA. Chinatown ist danach nicht nur schnell gewachsen, sondern hat sich auch als Viertel stark gewandelt. Während zur Zeit der ersten Einwanderungswellen aus Shenzhen oder Hongkong kantonesisch gesprochen wurde, brachte die Einwanderung von Personen aus Festlandchina eine Diversifizierung der Sprachen im Quartier und eine Dominanz des Mandarin. Gleichzeitig ist eine Gentrifizierung aufgetreten, die privilegiertere soziale Schichten anzog und die Immobilienpreise in die Höhe trieb.
Eine Konzentration ist auch in gewissen französischen Banlieues und amerikanischen Vorstädten festzustellen, nicht jedoch in der Schweiz. Aus verschiedenen Gründen, die mit dem Wohnungsmarkt, der Städtepolitik und den Merkmalen der Migration zusammenhängen, ist in der Schweiz keine ausgeprägte Konzentration – eine sogenannte Segregation – von Bevölkerungsgruppen mit ausländischer Herkunft zu beobachten, sondern diese verteilen sich in Grossstädten relativ ausgeglichen auf die Quartiere.
Weniger gleichmässig verteilt sind die Eingewanderten auf die Gemeinden. Besonders attraktiv für Ausländerinnen und Ausländer sind das Genferseegebiet und die Region Zürich, aber auch die Region Basel, da an diesen Orten die Chance am grössten ist, Arbeit zu finden.
Philippe Wanner – Universität Genf und nccr on the move
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