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Das 19. Internationale Jochpass Memorial fand am Wochenende vom 06. bis 08. Oktober 2017 statt. Tags zuvor gab es die Historic Rallye als Vorveranstaltung. Gestartet wird in der oberallgäuer Gemeinde Bad Hindelang, im bayerischen Ostrachtal. Die Strecke führt vom Ortsausgang hinauf auf das Oberjoch. Die 6,4 km lange Strecke besteht fast nur aus Kurven, 105 sind es, und überwindet einen Höhenunterschied von knapp 400 Metern. Es ist zudem die höchstgelegene Bundesstrasse Deutschlands (B308). http://www.jochpass.com/index.php/infos/streckenfuehrung
Erstmals gab es am 16. September 1923 ein Rennen am Jochpass. 80 Teilnehmer, alles Motorräder, nahmen auf der damals noch nicht asphaltierten Strasse teil. Am schnellsten war eine Frau, Ada Otto. Bis 1930 gab es weitere 7 Rennen, dann war Schluss, bis nach der Wirtschaftskrise und dem 2. Weltkrieg 1954 endlich wieder ein Rennen ausgetragen wurde, das neunte insgesamt. Danach wurde es am Jochpass für weitere 28 Jahre still und erst 1982 wurde das 10. Oberjochrennen veranstaltet. Bis 1987 wurde das Rennen jährlich durchgeführt, dann erwirkten Naturschützer einen 2-Jahres-Turnus und am 21./22.10.1989 wurde das letzte richtige Oberjoch-Bergrennen durchgeführt. Oftmals waren diese Rennen die Finalläufe der Europa-Bergmeisterschaft.
1999 fand, zur Freude der Fans, anlässlich des 100-jährigen Bestehens des „Neuen Jochpasses“ endlich wieder eine Motorsportveranstaltung, das 1. Internationale Jochpassrennen-Memorial, statt. Dabei handelt es sich um eine Gleichmässigkeitsprüfung aus insgesamt vier Wertungsläufen. Die Teilnehmer müssen sich eine Sollzeit setzen, die sie möglichst genau einhalten müssen. Zuerst war geplant, nur Fahrzeuge bis Baujahr 1939 teilnehmen zu lassen. Das wurde aber verworfen und das Limit ist der 31.12.1979. Also alle Fahrzeuge die vor diesem Datum zugelassen oder gebaut wurden, sind teilnahmeberechtigt. Schirmherr des Internationalen Jochpass Memorials und der Historic Rallye ist übrigens der Bundesminister a.D. Dr. Theo Waigel.
Bei den Oberjochrennen fuhren auch sehr bekannte Motorsportler mit, wie z. B. Rudolf Caracciola, Hans Stuck, Hermann Lang, Sepp Greger, Robby Unser, Mauro Nesti, Dieter Quester, Prinz Leopold von Bayern, Christian Danner, usw.
Seit dem 1. Internationalen Jochpass Memorial 1999 ist die Veranstaltung wieder fester Bestandteil des jährlichen Events in Bad Hindelang, 2017 wurde also die 19. Austragung der ‚Neuzeit‘ gefahren. Das Teilnehmerfeld war wieder sehr vielfältig, besonders gut haben uns die in stattlicher Anzahl vertretenen Vorkriegfahrzeuge gefallen. Die Piloten bewegten die Wagen auch mit viel Engagement um die vielen Kurven, ein Augen- und Ohrenschmaus. Vor allem, wenn ganze Gruppen angedonnert kamen, ähnlich wie bei einem Rundstreckenrennen. Das ist nämlich möglich, weil bis zu 5 Teams, also Fahrzeuge, eine Mannschaft bilden können. Für die Wertung zählen dann die 3 besten Teams. Beifahrer sind ebenfalls zugelassen, es müssen aber die Vorschriften bezüglich Kleidung und Helm eingehalten werden, was auch absolut richtig ist.
Die Wettervorhersagen waren nicht gerade die besten und man musste sich auf nasse und kalte Tage am Oberjoch einstellen. Dank Föhn war der Samstag aber meistens sonnig und auch die Temperaturen waren milder als erwartet. Der Sonntag aber war dann so, wie prognostiziert, meistens nass, grau und trüb, aber doch nicht ganz so kalt. Es haben dann auch einige Teams beschlossen, nicht mehr zu fahren, vor allem bei den Motorradfahrern hatte sich das Feld deutlich gelichtet. Eigentlich vernünftig, denn unnötige Risiken eingehen bringt niemandem was und es geht wie an vielen ähnlichen Events eigentlich um nichts ausser Spass und Freude. Und wenn Mensch und Maschine wieder heil nach Hause kommen, ist das auch wie ein Gewinn. Glücklicherweise blieben grobe Schäden aus und so konnten auch am Sonntag neben einem Trainingslauf 3 Wertungsläufe gefahren werden.
Am Start waren rund 200 Autos und Motorräder und es braucht schon eine gute Organisation, damit an jedem Tag viermal gefahren werden kann. Der Jochpass ist während den ganzen 3 Tagen für den öffentlichen Verkehr komplett gesperrt, was den Ablauf natürlich enorm erleichtert. Gestartet wurden alle Fahrzeugfelder nacheinander und auch die Rückführung zum Start erfolgte dann geschlossen. Lediglich die Fahrzeuge der Organisation sowie die Shuttlebusse durften die Strasse befahren. Für die Fahrer entstehen natürlich Wartezeiten, da hört man auch vom einen oder anderen, dass das etwas mühsam sei, vor allem oben im Ziel. Das ist an anderen Events aber auch so und eigentlich unvermeidlich. Für die Zuschauer wurden diese Zeiten, an denen kein Fahrzeug auf der Strecke war, mit einem Showprogramm überbrückt. Im Startbereich zeigte der bekannte Motorrad-Stuntfahrer Dominik Csaught sein Können, auch bei nasser Fahrbahn. Um die Mittagszeit hatten dann die Fahrer der Long- und Skateboards ihren Auftritt. Eine Gruppe von etwa 30 Personen fuhr mit ihren Brettern die Strecke hinunter, teilweise in horrendem Tempo. Natürlich gut geschützt mit Helm, Knie- und Ellenbogenschonern und Handschuhen. Viele nahmen es aber eher gemütlich wie diese junge Dame.
Bentley als Hauptsponsor brachte einige imposante Rennfahrzeuge aus den Zwanzigerjahren nach Bad Hindelang, auch ein modernes Le Mans-Fahrzeug wurde den Zuschauern auf der Strecke gezeigt. Allerdings konnte das weiss-grüne Rennfahrzeug seine Stärke am Oberjoch nicht zeigen, das für schnelle Rundstrecken, wie eben Le Mans, ausgelegte Fahrzeug konnte zwischen den vielen Kurven nur behutsam beschleunigen. Aber trotzdem imposant. In der Gruppe der Showfahrzeuge war auch ein Opel Commodore Kombi. Soweit nichts Besonderes, aber der originale eher schwächliche Motor wurde gegen ein BMW-Aggregat mit über 300 PS getauscht – da ging richtig die Post ab. Wir standen einen knappen Kilometer nach dem Start in einer Rechts/Links-Kurve und da fühlte sich der Omega – und wohl auch der Fahrer – richtig im Element. Der Opel wurde regelrecht um die Kurven geschmissen, sehr zur Freude der Zuschauer und Fotografen.
Auch eine Gruppe Kart-Fahrer war am Start. Einer der Fahrer dürfte vielen bekannt sein, die noch nicht jenseits von Eden sind, es ist Nino de Angelo, der mit seinem von Drafi Deutscher gschriebenen Song ‘Jenseits von Eden’ 1984 bekannt wurde.
Die zwei Tage am Oberjoch waren schnell vorbei und man wird auch das 19. Internationale Jochpass Memorial in bester Erinnerung behalten. Die Freude auf nächster Jahr ist ebenfalls schon gross, denn dann gibt es vom 04. bis 07. Oktober 2018 eine Jubiläumsveranstaltung und man darf gespannt sein, was sich die Mannschaft um Marlene Brutscher einfallen lässt. Wir werden auf jeden Fall wieder dort sein. Weitere Informationen und Ranglisten gibt es auf der Website des Veranstalters www.jochpass.com
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