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Christian Schmid aus Splügen war ein sehr erfolgreicher Selfmade-Unternehmer. Sein Möbelstoffunternehmen gehörte zu den grössten Kunden der Ciba und er selbst bald zu deren Verwaltungsrat. Als Christian Schmid 1962 kinderlos starb, hinterliess er ein Vermögen von gut 150 Mio. CHF, das in eine Stiftung eingebracht werden sollte. Aus einer Mischung der eigenen Lebensgeschichte und der persönlichen Überzeugung resultierte ein sehr eng gefasster Stiftungszweck: Die Stiftung sollte junge Bündner unterstützen, die männlichen Geschlechts und evangelischen Glaubens sind – und in einer Gemeinde wohnen, die mehr als 800 Meter über Meer liegt (inkl. der Gemeinde Malans). Nach einem Erbstreit mit den nahen Verwandten, Verhandlungen über Anpassungen des Stiftungszwecks und einer Novellierung des Stipendiengesetzes im Kanton Graubünden konnte der Christian-Schmid-Fonds erst ab 2005 endlich seiner Bestimmung zugeführt werden. Der Stifter hatte sich das sicher anders vorgestellt, aber auch wesentlichen Anteil an der Malaise, da er den Zweck nicht mit den gesellschaftlichen Bedürfnissen abgestimmt hatte und nicht ausreichend über den Wirkungshorizont seiner Schenkung nachgedacht hat. Sonst gäbe es heute vielleicht Christian-Schmid-Stipendiaten oder ein Alumni-Treffen der ehemaligen Geförderten. Allerdings: Christian Schmid war eben ein Kind seiner Zeit, und damals war es üblich, Stiftungen testamentarisch zu errichten, ganz nach dem Motto, dass lebende Personen kein Denkmal erhalten. Dass diese Denkweise heute überholt ist, hat mit einem veränderten Verständnis sowohl der Stifterperson als auch der Stiftung selbst zu tun.
Vom Geber zum Investor
Aus rechtlicher Sicht handelt es sich bei der Gründung einer Stiftung letztlich um eine Schenkung, bei der sich die Stifterperson von einem Teil ihres Vermögens trennt und es einem festgeschriebenen Zweck widmet. Im weiteren gehört die Stiftung sich selbst und erreicht damit eine unvergleichliche Unabhängigkeit für ihr eigenes Handeln. Dies verleiht der Stiftung eine Eleganz und Würde, die über den wiederkehrenden Kritiken im Hinblick auf die «Eitelkeit des Stifters» oder der «Förderung von Eliten» steht. Der Charakter einer Gabe drückte sich auch im Begriff der «Vergabestiftung» aus, der noch bis vor wenigen Jahren vor allem in der Schweiz gebräuchlich war. Wenn die Stiftung eine Gabe bzw. ein Geschenk ist, dann darf der Geber dafür höchstens Dank erwarten, jedoch keine weiteren Erwartungen an seine Gabe haben. Dementsprechend war das Verhalten der meisten Stiftungen: Sie nahmen Gesuche entgegen, wählten jene aus, die dem Stiftungszweck am besten entsprachen, und lösten die Zahlung aus. Danach gab es meistens keinen Kontakt mehr zwischen der Geberin und dem Beschenkten. Das Verständnis der Stiftung wurde also dominiert von steuer- und erbrechtlichen Überlegungen. Die Umsetzung des als Stiftungszweck formulierten Stifterwillens wurde mehr als Vollstreckung denn als Aufforderung zu gesellschaftlichem Handeln verstanden.
Am Anfang des Umdenkens in der Philanthropie steht eine neue Generation von Stiftern. Wie in früheren Zeiten handelt es sich dabei oft um erfolgreiche Unternehmer, aber sie warteten nicht mehr die Pensionierung oder gar den Tod ab, um gemeinnützig aktiv zu werden. Personen wie Jeff Skoll, Bill Gates oder Stephan Schmidheiny betrachten ihre Stiftungsgründung vielmehr als logische Fortsetzung ihrer unternehmerischen Tätigkeiten. Die heutige Philanthropie setzt gemeinnützige Ziele mit Hilfe von wirtschaftlichen Konzepten, Methoden und Instrumenten um – aus der Gabe ist (auch) eine Investition geworden. Die Wertschöpfung aus der Gabe heraus stiftet die Legitimität des philanthropischen Handelns, d.h. die Gabe ist nur dann gerechtfertigt, wenn ihre langfristige Wirkung gewährleistet ist. Wird nun ein Philanthrop zum sozialen Investor, dann bedeutet dies nichts anderes, als dass er seine Gabe mit der Erwartung einer Reaktion, einer Wirkung verbindet. Jedoch ist seine Zielrendite nicht der eigene monetäre Ertrag, sondern ein gesellschaftlicher Mehrwert. Soziale Investoren handeln in der Erwartung, dass ihre Investitionen langfristig den Wohlstand anderer Menschen erhöhen. Die moderne Philanthropie münzt die Wertorientierung des Philanthropen in eine Wertschöpfung für andere um, die nicht primär…