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stratigraphische Lücke, indem man am Kontakt mit dem Eozän überall eine erodierte und von Spalten durchzogene ehemalige Oberfläche der jüngsten Malmstufen (Sequan, Kimeridge oder Portland, je nach der Entfernung vom Schwarzwald) beobachten kann. Es entspricht diese Erscheinung einer Abrasion der jurassischen Unterlage, durch welche die wenigstens in einem Teil des Solothurner Jura einst vorhanden gewesenen Kreidebildungen vor der Ankunft der Wasser des Eozän vollständig entfernt worden sind.
Wir haben also hier eine Transgression des Eozän über die obersten Jurastufen. Die Reihe der Tertiärstufen erscheint weder in den Mulden noch am Fuss des Solothurner Jura vollständig vertreten. Das Eozän ist nur in seinen obersten Stufen vom Bartonien (Glassand, Huppererde) zum Ludien und Sannoisien (Bohnerztone, Bolus) vorhanden, die mit Süss- und Brackwasserkalken (Kalken mit Limnaea longiscata und mit Hydrobia cfr. Dubuissoni) wechsellagern. Das untere Oligozän (Stampien oder oberes Tongrien), das geologisch zum Becken von Mainz gehört, zeigt sich nur in einzelnen im n. Kantonsteil zerstreuten Fetzen und greift südwärts nicht über die Linie Wahlen-Reigoldswil hinüber.
Das Oligozän des helvetischen Beckens ist an seiner Basis (wenigstens am Jurafuss) fossilleer und gestattet daher keine exakte Parallele mit dem Stampien (Meeressand). Die aquitanische Stufe findet sich dagegen in sämtlichen Längsthälern des Solothurner Jura und bildet als die am weitesten verbreitete Oligozänstufe den Boden der fruchtbarsten Erdkrume. Dass sie ursprünglich als zusammenhängende Decke vom helvetischen Becken bis nach Basel und in den Elsass hinein gereicht hat, wird durch das Auftreten von einzelnen Erosionsfetzen in den stark dislozierten, oft gebrochenen und überschobenen Falten des Gebietes der Hohen Winde bewiesen.
Das Miozän hat den quartären Erosionen weniger Widerstand zu leisten vermocht. Obwohl es ursprünglich gleich dem obern Oligozän so ziemlich über das ganze Gebiet des Kantons verbreitet war, geht doch aus dem stärkern Auftreten von aus dem Jura, den Vogesen und dem Schwarzwald stammenden Konglomeraten vom mittlern Miozän an hervor, dass die Trockenlegung des Landes während der Miozänzeit raschere Fortschritte gemacht haben muss als während des Oligozän.
Diese eben erwähnten Konglomerate, die sog. Juranagelfluh (Gompholithe d'Argovie), bilden einen längs dem Schwarzwaldfuss und auf der Rheintafel liegenden Strandgürtel, der sich bis in die Mulden von Girlang und Laufen hinein erstreckt. Die im Berner Jura noch vorhandenen alpinen Konglomerate erreichen den Kanton Solothurn nicht mehr, da ihre äussersten N.-Ausläufer ohne Zweifel nachträglich von den quaternären Erosionen zerstört worden sind (Gebiet von Matzendorf etc.). Das nämliche gilt für das ganze obere Süssund Brackwassermiozän der Oeninger oder sarmatischen Stufe, das sich bloss noch n. vom Solothurner Jura in den durch Ueberschiebungen komplizierten Winkeln der Rheintafel (Kienberg) in Gestalt von einzelnen Fetzen erhalten hat.
Das Quartär des Kantons Solothurn weist im Solothurner Jura keine Besonderheiten auf. Die erratischen Blöcke der vorletzten Eiszeit sind wenig zahlreich und dazu mit Verwitterungs- oder Grundmoränenlehm überdeckt, wie dies für den ganzen Nord- und Ostjura bis Liestal und Frick der Fall ist. Es fehlt in unserm Gebiet auch scharf charakterisierter Glazialschutt lokalen jurassischen Ursprungs, während solcher im Berner Jura (Thäler von St. Immer, Münster etc.) nicht selten auftritt. Es blieben somit die Gipfel des Solothurner Jura im allgemeinen unter der Schneegrenze zurück.
Dagegen zieht sich dem ganzen Jurafuss entlang ein Streifen von Glazialschutt alpiner Herkunft, der vom letzten grossen Vorstoss des Rhonegletschers stammt und sich von seinem höchsten Vorkommnis am Chasseron (1300 m) über den Chaumont (1000 m), den Tessenberg (900 m bei Nods am Fuss des Chasseral), Vauffelin-Romont (800 m) und Oberdorf (700 m) bis zum Mittelland bei Wangen an der Aare (Längwald 502 m) herabsenkt. Der Rhonegletscher hat am Fuss des Solothurner Jura eine sehr deutliche Randmoräne mit einem prachtvollen Endmoränenwall abgelagert, in dessen Zungenbecken heute das Dorf Wangen liegt und der von der Aare und den Juragewässern durchschnitten und zerstückelt worden ist.
Ursprünglich, d. h. kurz nach dem Rückzug des Rhonegletschers gegen das Lemanbecken, muss der Wall von Wangen mächtig genug gewesen sein, um die Schmelzwasser des Gletschers zurückzuhalten und aufzudämmen, wodurch sich ein grosser See bildete, in welchem die von den Alpen herabkommenden Flüsse (Emme, Aare, Saane) die schönen Terrassen absetzten, die heute noch längs den Ufern dieses ehemaligen Solothurner Sees in zwei verschiedenen Niveaux überall sichtbar sind.
Sie stellen damit die angeschwemmte Uferbank des einstigen grossen Sees dar, der die heutigen Jurarandseen zu einem einzigen Süsswasserbecken vereinigte und bis unterhalb Solothurn reichte. Um den Staudamm bei Wangen zum Bruch zu bringen, mussten sich die Aare und die Juragewässer zuerst tief in die Schwemmlandebene zwischen Oensingen, Olten und Aarburg einschneiden, worauf dann nach dem Dammbruch die Sohle des Aarethales zwischen Solothurn, Büren, Aarberg und den Jurarandseen durch Flussgeschiebe und Sumpfablagerungen aufgefüllt worden ist. Die Jurarandseen sind die letzten nicht zugeschütteten Ueberreste des grossen Thales längs dem Jurafuss, das schon vor der Ankunft des Rhonegletschers ausgefurcht war. Es bildet somit das auf Solothurner Boden zwischen den erwähnten Terrassen eingesenkte heutige Aarethal streng genommen keine in quartären Terrassen neu herausmodellierte Furche, sondern den nicht völlig zugeschütteten Rest eines ehemaligen grossen Sees.
In tektonischer Hinsicht bildet der Solothurner Jura ein Gebiet, in dem die Ketten des zentralen Juragebirges gegen den Ostjura hin konvergieren. Die Scharung findet gegen den Passübergang des Hauenstein, nördl. Olten und an der O.-Grenze unseres Kantons, hin statt. In diesem stark eingeengten Gebiet, wo nur noch vier, stark nordwärts überliegende und auf die Rheintafel überschobene Hauptfalten gezählt werden, senken sich die Ketten ziemlich rasch. Weiter ostwärts wird im Aargau die Scharung immer stärker, während man die Falten gegen W. sich ausbreiten, verzweigen und gegenseitig ablösen sieht, wodurch die dazwischen eingelagerten Mulden immer breiter werden. So zählen z. B. das Balsthaler Thal und das Guldenthal noch zu den am dichtesten besiedelten Gebieten des Jura, obwohl sie an Breite nicht an das Delsbergerthal oder das Thal von Laufen heranreichen. Im Gebiet der Hohen Winde nördl. der Passwangkette, wo sich die genau W.-O. orientierte Kette der Rangiers dem Faltenbüschel der innern Juraketten anschliesst, ist für die Mulden kein ausreichender Platz mehr vorhanden, weshalb sich diese mehr und mehr einengen.
Die Falten schieben und türmen sich hier gegenseitig derart aufeinander, dass sie die Mulden erdrücken und überdecken. Nordwärts der Kette des Rangiers endlich, die eine scharf ausgeprägte und im O.-Abschnitt (Erschwil-Meltingen-Zullwil-Waldenburg) oft verworfene Falte darstellt, verlieren die Jurafalten die Bedeutung, die denjenigen im innern Büschel zukommt, indem sie bis zum Rand der elsässischen oder oberrheinischen Tiefebene hin sich mehr und mehr erniedrigen.
Das Laufenthal und die westl. vom Blauen gelegenen Mulden sind sehr regelmässig gebaut, ausgenommen in ihren Beziehungen zur Kette des Mont Terri und zu den Querverschiebungen in der Umgebung von Charmoille, Lützel und des Jura von Pfirt. Aber auch hier und im Eisgau (Ajoie) erscheinen die letzten Jurafalten bloss als schwache Wellen, die sich gegen die Ebene hin vollständig ausgleichen. Aehnliche Falten finden wir auch am Fuss des Solothurner Jura zwischen Olten, Aarburg und Solothurn wieder. Im Gegensatz dazu erscheint der Kontakt des Faltenjura mit der Rheintafel als ein stets disloziertes Gebiet mit noch kräftigeren Ueberschiebungen als sie die Kette der Rangiers aufweist. Es bildet diese Kontaktzone unbestreitbar die Grenze zwischen den Jurafalten und dem hier unter einer Decke mesozoischer Schichten begrabenen S.-Fuss des Schwarzwaldes.
Im Solothurner Jura sind die Falten im allgemeinen schärfer und die Dislokationen häufiger als im Berner Jura. Auch die von den posttertiären und quartären Erosionen herausmodellierten Einschnitte erscheinen in den grossen Ketten auf Solothurner Boden kräftiger ausgebildet als weiter westwärts und sind sowohl am Innenrand (Günsberg) als an der N.-Grenze (Kette der Rangiers) in Gestalt von Zirken oder Halbzirken oft bis zum Keuper ¶
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und Muschelkalk hinunter ausgewaschen. Noch ausgeprägter zeigt sich diese Erscheinung im Basler und Aargauer Jura. Der Gegensatz ist schon von Grenchen (Stallfluh) an auffallend, wo die Weissensteinkette auf Solothurner Boden bis zum Lias geöffnete Zirken aufweist, während n. Biel die nämliche Kette und deren Berner und Neuenburger Nachbarfalten im allgemeinen die Form von vollständigen Doggergewölben haben. Die Ursachen für diesen vorgeschrittenern Grad der Erosion im Solothurner und Ostjura sind mannigfaltiger Art. Sie liegen zunächst in der schärfern Zuspitzung der Falten dieser Gegend, sodann in der schon ursprünglich geringern Mächtigkeit des Malm (Fehlen von Kreide, Portland und teilweise auch des Kimeridge zwischen Solothurn und Basel) und dann auch darin, dass die tertiäre Decke im Solothurner Jura schon von Anfang an schwächer war als im Berner Jura. Sehr auffallend ist, dass die Sprachgrenze zwischen dem Berner Jura und Solothurn genau mit der Linie zusammenfällt, die den Gegensatz zwischen der orographischen Gestaltung markiert. Der gallisch-romanische und burgundische Abschnitt des Juragebirges zeichnet sich durch sanfte Gipfelformen und geräumige Thalschaften aus, während der alemannische Gebirgsabschnitt weit stärker gefaltet, kühner zerschnitten und enger gespresst, d. h. überhaupt rauher und wilder erscheint.
Mit Bezug auf nutzbare Mineralprodukte gehört der Solothurner Jura mit dem Berner und Aargauer Jura zu den am besten ausgestatteten Gebieten der Schweiz. Er liefert, besonders in den Steinbrüchen nahe Solothurn, Hausteine von wenig gewöhnlichem Umfang. In untenstehender Figur geben wir nach L. Rütimeyer (Die fossilen Schildkröten von Solothurn in den Neuen Denkschriften der Schweiz. Naturforsch. Gesellsch. Bd 22 und 25, 1867 und 1873) und F. Lang (Die Einsiedelei und Steinbrüche bei Solothurn. Solothurn 1885) einen allgemeinen Querschnitt dieser Steinbrüche, die zu den bedeutendsten der Schweiz gehören. Man unterscheidet darin von oben nach unten: 12. Verwitterte und zerklüftete Bänke von weisslicher Farbe, mit Calcitgeoden;
maximale Mächtigkeit 6 m. -
11. Obere Bank gewöhnlichen Bausteines von blassblauer Farbe;
0,75 m mächtig. - 10. Fossilreiche Mergelschicht. - 9. Dichter, rötlichgrauer oder braungelber Kalk mit grünlichen Flecken und für die Kimeridgestufe charakteristischen Nerineen;
Haustein, 1 m mächtig. - 8. Feste Platten, zu Tischtafeln, Grabsteinen etc. verwendet;
0,30 m mächtig. - 7. Grauer Kalk mit einem Stich ins Bläuliche;
ausgezeichneter Haustein für Pfeiler, Brunnenschalen, Piedestale etc.;
1,2 m mächtig. - 6. Blassblauer harter Kalkstein für Denkmäler;
0,9 m mächtig. Geht stellenweise, besonders nordostwärts, in einen grünlichen Mergelkalk voller Pyritkörner über, der von den Steinhauern Rätschenbank oder Knorzbank (entsprechend der raitche, d. h. dem Süsswasserkalk im Delsbergerthal) genannt wird.
Hier fanden sich die berühmten Schalen und Kopfskelette von Schildkröten, die mannigfaltigen Ueberreste von Reptilien, Fischen und Mollusken, sowie einige Arten von Seeigeln, die das Museum von Solothurn zieren. - 5 und 4. Schalensteine in Platten und Bänken; graublauer Kalkstein mit Geoden oder Schalen von Calcit (sog. Salzlöchern). Haustein für Kunstarbeiten;
0,90-1,65 m mächtig. - 3. Schlechte Bank brüchigen Gesteins;
0,3-0,6 m mächtig. - 2. Untere Platten;
0,45 m mächtig. - 1. Untere, dunkelblaue Bank;
0,6-0,7 m mächtig.
Das Liegende der Steinbrüche wird durch einen brüchigen weissen Kalkstein gebildet, der nicht verwertet werden kann. Die ganze Schichtenreihe der Steinbrüche von Solothurn gehört dem obern Abschnitt der Kimeridgestufe (oberer Malm) an, die hier keine Decke von Portlandkalk trägt und somit ganz nahe unter der Bodenoberfläche liegt. Dadurch wird der Abbau dieser dicken Kalkbänke wesentlich erleichtert, was von denjenigen Gebieten, wo die Portlandstufe vorhanden ist, kaum gesagt werden kann.
Der Solothurner Kalk und Halbmarmor, besonders Nr 7 des eben besprochenen Profils, verdankt seine blass-bläuliche Färbung dem im ganzen Gestein fein verteilten Eisenkies. Oxydiert sich dieser letztere zu Limonit, so entsteht gelbe Färbung des Gesteins (Lommiswil). Charakteristische Arten von Nerineen und Cryptoplocus, die fest mit dem Fels verwachsen erscheinen, gestatten es, den Solothurner Marmor von allen anderwärts ausgebeuteten Bildhauerkalken und -marmoren zu unterscheiden und zugleich festzustellen, dass die Steinbrüche von Solothurn schon seit den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung im Betrieb gestanden haben müssen. So hat man z. B. diesen Stein schon zur Römerzeit in Solothurn selbst, in Avenches, Cully etc. zu Grabmälern, Votivtafeln, als Baustein etc. verwendet.
Die sog. «Vierfussbank» (Nr 7 unseres Profils) hat Monolithen von 30 m Länge, 9 m Breite und 1,2 m Höhe, also von einem Volumen von 324 m3 und einem Gewicht von 9000 Meterzentnern geliefert. Daraus sind Säulenfassaden (Kathedrale von Solothurn) und prachtvolle Brunnenbecken gearbeitet worden, wie z. B. dasjenige von Gebweiler im Elsass, das 200 Meterzentner wiegt und dessen Transport mit einem Gespann von 23 bis 34 Pferden 6 Tage gedauert hat. Die neun Steinbrüche von Solothurn, von denen aus das gebrochene Gestein des geringen Gefälles wegen leicht transportiert werden kann, liegen in den sog. Steingruben nördl. der Stadt. Sie werden als Tagebau betrieben und beschäftigen 200-300 Arbeiter. In der Umgebung von Aarburg und Boningen werden am S.-Hang des Born Kalksteine gleichen Alters ausgebeutet, die aber stärkerer Auffaltung unterworfen gewesen und daher auch viel ungleichmässiger und zerklüfteter sind. Ihre Fauna entspricht derjenigen der Badener- und Wettingerschichten im Aargau.
Im Laufenthal bricht man auf Berner und Solothurner Boden (Wiler) einen weniger feinen, grob-oolithischen Haustein, der namentlich gegen Frost sehr widerstandsfähig ist und der Sequanstufe des Malm angehört. Das Dach bildet hier das tertiäre Oligozän (Stampien). Die der raurazischen Stufe angehörenden Steinbrüche in der Umgebung von Kleinlützel liefern ein chemisch nahezu reines (Calciumkarbonat), weisses, kreidiges und korallogenes Material, während dagegen die raurazischen Kalke in der Umgebung von Seewen schon bedeutend toniger und gewöhnlicher sind.
Im Kanton Solothurn werden verschiedene Lager von Glas- oder Quarzsand und feuerfester sog. Huppererde abgebaut, so namentlich bei Laupersdorf und der Matzendorfmühle im Balsthalerthal. Auch die Tasche von Vorder Egg am O.-Ende des Val de Péry (beim Untern Bürenberg) und ein Teil der Taschen von Lengnau liegen ¶