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Die letzten Wochen in der besten Basketballliga der Welt standen unter dem Stern eines historisch starken Stephen Curry und zwei starken Centern, die im Rennen um den MVP alles geben. Doch abseits der grossen Lichter konnten im Osten zwei Überraschungen überzeugen. Wir verraten dir, was in der NBA sonst noch los ist.
Meistens beschränkt sich das MVP-Rennen auf zwei oder maximal drei Namen. So ging es letzte Saison nur darum, ob es am Ende Giannis Antetokounmpo oder LeBron James wird. Im Jahr davor hiess der Zweikampf Giannis gegen James Harden. Diese Saison schien es jedoch lange Zeit eine der offensten Entscheidungen der letzten Jahre zu sein, bis Verletzungen ins Spiel kamen. Das sind die heissesten Kandidaten und die Gründe, warum wohl trotzdem nur zwei für die Auszeichnung infrage kommen:
Der beste Spieler der letztjährigen Finalserie startete fulminant in die neue Saison. Während Co-Star Anthony Davis etwas schwächelte – die geringste Punkteausbeute seit sieben Jahren –, hielt James die Lakers auf Kurs. 28 Siege in 40 Spielen fuhr LA mit dem 36-Jährigen auf dem Court ein, LeBron organisierte den Angriff und verteidigte gewohnt stark. Im 41. Spiel verletzte sich der «King» aber und fiel so wohl aus dem MVP-Rennen.
Darf jemand, der auf fragwürdige Art und Weise einen Trade erzwingt, um zu einem besseren Team zu kommen, in der Diskussion um den wertvollsten Spieler überhaupt genannt werden? Im Falle von James Harden musste man das zeitweise mit Ja beantworten. Der MVP von 2018 legte 25,4 Punkte, 11,0 Assists und 8,7 Rebounds pro Spiel im Trikot der Nets auf. Als Kevin Durant verletzt ausfiel, führte James Harden das Team zu 19 Siegen in 21 Spielen. Hätte er so weiterspielen können, hätte der 31-Jährige ein Wörtchen im Kampf um den MVP mitzureden gehabt. Doch auch der «Beard» verletzte sich.
Die Milwaukee Bucks waren in den letzten beiden Jahren das jeweils beste Team der Regular Season. Mit Jrue Holiday haben sie sich vor der Saison noch mehr Star-Power ins Team geholt, um endlich auch in den Playoffs Erfolg zu haben. Aktuell stehen die Bucks auf dem dritten Platz der Eastern Conference und Giannis Antetokounmpo ist weiterhin ihr bester Spieler.
Der «Greak Freak» ist auch bei allen wichtigen Statistiken im Ligavergleich vorne mit dabei. Doch der Grieche leidet einerseits darunter, dass er in den letzten beiden Saisons so dominant war, dass seine diesjährigen Leistungen nicht mehr überraschen. Zumal die Zahlen etwas schwächer sind als in seinen beiden MVP-Saisons. Andererseits dürfte eine gewisse Müdigkeit der Wähler auch dafür sorgen, dass ein anderer Spieler diese Saison den Vorrang erhält.
Der 35-Jährige ist ein Spieler, der nicht für die grossen Highlights sorgt und auch nicht die grösste Punkteausbeute vorweisen kann. Beides Dinge, die im MVP-Rennen eine nicht zu vernachlässigende Rolle spielen. Doch Chris Paul beeinflusst einen der wichtigsten Faktoren im Sport, den Erfolg. Ein Team mit CP3 ist meistens besser, als man erwarten würde. Letzte Saison führte er die Oklahoma City Thunder auf den fünften Platz im Westen und brachte sie bis in Spiel 7 der ersten Playoffrunde. Ein Team, das vor der Saison kaum jemand in den Playoffs gesehen hat.
Die Phoenix Suns stehen nun auf Platz 2 im Westen, die ersten Playoffs seit 2010 sind so gut wie sicher. Das ist natürlich nicht nur der Verdienst von Chris Paul, aber der «Point God» hat einen gehörigen Anteil am Erfolg der Franchise aus der Wüste. Das wird nicht zum MVP reichen, dazu fehlen ihm das Flair und die Highlights, doch immerhin in die Diskussion gehört Chris Paul allemal.
Es gibt immer wieder Spieler, deren Argumente für die MVP-Trophäe daran scheitern, dass ihre Teams zu wenig erfolgreich sind. Die Athleten liefern zwar sehr starke Leistungen und gehören zu den besten Basketballern der Welt, doch wenn ihre Leistungen nicht zu Siegen führen, können sie nicht erwarten, als wertvollster Spieler der Liga ausgezeichnet zu werden.
In diese Kategorie gehören beispielsweise Luka Doncic von Dallas und Damian Lillard von Portland. Beide liefern bisher über die gesamte Saison unfassbare Leistungen ab, doch fehlt ihnen die Unterstützung im Team, damit sie um die vorderen Plätze mitspielen könnten. Auch Stephen Curry (siehe weiter unten) darf zu dieser Kategorie gezählt werden.
Die zwei Kandidaten mit den aktuell besten Chancen sind wohl Nikola Jokic von den Denver Nuggets und Joel Embiid von den Philadelphia 76ers. Beide zeigen sehr starke Leistungen und führen ihre Teams zu vielen Siegen.
Embiids Sixers stehen an der Spitze im Osten und stellen die zweitbeste Verteidigung der Liga. An beidem hat der Kameruner grossen Anteil. Mit 30,1 Punkten und 11,3 Rebounds im Schnitt führt er sein Team an, zudem trifft er den Dreier mit 38,7 Prozent Trefferquote so gut wie noch nie. Er ist der beste Spieler an beiden Enden eines der besten Teams der Liga, das spricht für ihn. Doch er hat nur 40 Spiele absolviert, deutlich weniger als sein Kontrahent. Die Sixers gewannen ohne ihn nur die Hälfte ihrer 18 Spiele, mit Embiid stehen sie bei 30 Siegen und zehn Niederlagen. Dennoch ist die geringere Anzahl an Spielen ein Argument gegen den 2,13 Meter grossen Center.
Nikola Jokic stand nämlich in allen 58 Spielen seines Teams auf dem Feld. Zudem führt der Serbe sein Team bei den Punkten, den Rebounds, den Assists und den Steals an. Jokic ist trotz seiner Grösse einer der besten Passer der Liga. Der nächstbeste Center verteilt 3,5 Assists pro Spiel weniger als Jokic.
Der 26-Jährige führt die Liga in mehreren Metriken der Analytics an, er ist also extrem wertvoll für die Denver Nuggets. Dem «Joker» hat die verkürzte Saisonpause wohl gutgetan, denn nachdem er früher oft für seine mangelnde Fitness kritisiert wurde, schöpfte er dieses Jahr von Beginn an sein gesamtes Potenzial aus. Dafür dürfte Jokic am Ende der Saison mit dem MVP-Titel belohnt werden.
Die Boston Celtics sind mit 17 Titeln gemeinsam mit den Los Angeles Lakers Rekordmeister der NBA. Nun warten sie aber seit 13 Jahren auf einen erneuten Gewinn der Trophäe. General Manager Danny Ainge arbeitet seit dem grossen Trade mit den Brooklyn Nets daran, den richtigen Kader zusammenzustellen, um die Titeldürre zu beenden.
Mit dem 22-jährigen Jayson Tatum und dem 24-jährigen Jaylen Brown haben die Celtics eines der besten jungen Duos der Liga unter Vertrag. Nur fehlt ihnen noch die Erfahrung und vor allem die Fähigkeit, für die Mitspieler Würfe zu kreieren. Hier kommt Kemba Walker ins Spiel. Der Point Guard war zu Saisonbeginn verletzt und kam nicht so richtig in Form. In den letzten Spielen drehte er jedoch auf und konnte mit etwa sechs Assists pro Spiel seinen Teil zum Erfolg der Celtics beitragen.
Nach einer sehr inkonstanten ersten Saisonhälfte haben sich die Celtics gefangen. Zehn der letzten 14 Spiele konnte Boston gewinnen. Mit Evan Fournier und Jabari Parker wurden zwei starke Offensiv-Spieler geholt. Das Team gehört nicht zu der Riege der Favoriten in der Eastern Conference, doch mit einem Tatum in Topform und starken Leistungen von Brown und Walker scheint alles möglich.
In diesem Zusammenhang ist auch Marcus Smart zu nennen. Der 27-Jährige ist nicht der talentierteste Basketballer in Boston, doch mit seiner Energie und seiner Verteidigungsarbeit ist er dennoch einer der wichtigsten Spieler im Team. Diese Saison mag es noch zu früh sein, doch auch in Zukunft gilt: Wenn es nach drei Conference-Finals-Niederlagen seit 2017 endlich in die Finals gehen soll, braucht es nicht nur starke Leistungen von Tatum und Brown, sondern auch einen fitten Smart.
Stephen Curry ist momentan der einzige Grund, weshalb die Golden State Warriors überhaupt noch Chancen auf die Playoffs haben. Der MVP von 2015 und 2016 ist weiterhin einer der besten Spieler in der NBA und beweist dies nach einer verlorenen Saison mit nur fünf absolvierten Spielen eindrücklich.
Curry legt pro Spiel 31,1 Punkte auf – Bestwert in der NBA. Er trifft die meisten Dreier pro Spiel bei einer extrem starken Trefferquote (42,5 %). Vor dem schwachen Spiel in Washington hat er während zehn Spielen im Schnitt 40,8 Punkte aufgelegt und mit 46 Dreiern in fünf Partien einen Rekord aufgestellt – und was am wichtigsten ist, er macht sein Team besser.
Wenn Curry auf dem Feld steht, erzielt sein Team im Schnitt 2,2 Punkte mehr als der Gegner. Ist der 33-Jährige nicht im Spiel, fällt das «Net-Rating» der «Dubs» auf -5,7 Punkte. Einen grösseren Einfluss auf den Erfolg ihres Teams haben diese Saison nur sehr wenige Spieler. Bei den Startern der Warriors kann nur Verteidigungsmaschine Draymond Green noch von sich behaupten, das sein Team mit ihm auf dem Court besser ist als ohne ihn.
So hielt Curry die Warriors schon an einigen Abenden fast alleine im Spiel. Gegen Portland gelang ihm ein Karrierebestwert mit 62 Punkten in einem Spiel. Nach seinen 53 Punkten beim Sieg gegen Denver ist der «Babyfaced Assassin» nun auch der beste Punktesammler in der Geschichte der Warriors. Oder um es mit den Worten eines NBA-Memes zu sagen: «Look at Curry man! So inspirational!»
Eigentlich müsste ein Team mit einem Superstar wie Curry besser sein. Zwischen 2015 und 2019 standen die Warriors in allen fünf NBA-Finals und gewannen deren drei. Nur Cleveland mit LeBron James und Toronto, als Kevin Durant fast die gesamte Serie verpasste, waren stärker.
Doch seit Durant, einer der besten Basketballer der letzten Jahre, die Warriors 2019 verlassen hat und Klay Thompson mit einem Kreuzbandriss und einer gerissenen Achillessehne zwei Saisons in Folge verpasst hat, steht der «Chef» auf verlorenem Posten. Das wird schon dadurch klar, dass Golden State dieses Jahr nur eines von acht Spielen ohne Curry gewinnen konnte und letzte Saison, als er lange ausfiel, eines der schlechtesten Teams der Liga war. Mit dem Point Guard gelangen ihnen 2020/21 immerhin 28 Siege in 51 Spielen.
Das Rennen um die Playoffs ist noch lange nicht entschieden, doch aufgrund der zusätzlichen Playoffplätze in der verkürzten Saison stehen die Chancen für die Golden State Warriors nicht schlecht. Für mehr als eine Teilnahme an der ersten Runde der Playoffs wird es mit diesem Team aber wohl nicht reichen. Doch wie lange macht Stephen Curry das noch mit? Sein Vertrag läuft nach der nächsten Saison aus und es gibt schon Stimmen, die einen Tweet von LeBron James so deuten, dass er Curry gerne in seinem Team sehen würde.
Im Osten stehen zwei Teams auf Platz vier und fünf, die letzte Saison noch zu den schlechtesten der Liga gehörten. New York und Atlanta haben in der Saisonpause das Ruder herumgerissen und sind auf dem Weg in die Playoffs. Vor einem Jahr wäre das noch kaum denkbar gewesen, vor allem bei der «Lachnummer der Liga» – den New York Knicks.
Der Trainerwechsel zu Tom Thibodeau und die Verpflichtungen von erfahrenen Spielern wie Derrick Rose und Austin Rivers halfen der legendären Franchise zu einer deutlichen Verbesserung. Julius Randle, der Star des Teams, überzeugt mit fast 24 Punkten pro Spiel bei starken Wurfquoten und endlich mal guten Defensivleistungen.
RJ Barrett ist im Vergleich zu seiner Rookie-Saison ebenfalls besser geworden und mit Immanuel Quickley kommt ein interessanter Neuling dazu. Die New York Knicks stellen die drittbeste Defensive der Liga und sind auf bestem Weg zur ersten Playoffteilnahme seit 2013. Der gestrige Sieg gegen Atlanta war der achte in Folge, was die von den letzten Jahren geplagten Fans gebührend feierten.
Die angesprochenen Atlanta Hawks sind mit Clint Capela auf dem fünften Platz aber ebenfalls sehr stark unterwegs. Nach drei letzten Plätzen in Folge in ihrer Division führen sie die Southeast Division diese Saison noch vor Miami an. Bei den Hawks ist das nicht ganz so überraschend wie in New York.
Mit Trae Young haben sie seit 2018 einen der besten Offensivspieler der Liga und vor der Saison hat die Franchise aus Georgia sich mit Danilo Gallinari und Bogdan Bogdanovic zwei weitere gute Skorer ins Team geholt. Die Offense ist eine der besten der Liga, doch defensiv sieht es nicht so rosig aus. Die Verteidigung ist eine der schwächsten in der NBA, doch dass es nicht noch schlimmer ist, liegt vor allem an einer Person: Clint Capela.
Der Genfer, der während der letzten Saison von Houston nach Atlanta getradet wurde, ist der beste Verteidiger im Team. Sein «Defensive Rating» (siehe Infobox im Abschnitt Curry) ist mit 106 das beste bei den Hawks. So gut Young offensiv ist, so schlecht ist er am eigenen Korb, auch die anderen Starter wie Collins und Huerter machen keinem Gegner Angst.
Zudem besorgt Capela seinem Team fast fünf zusätzliche Ballbesitze pro Spiel. Mit 4,9 Offensivrebounds führt er die Liga ebenso an wie mit gesamt 14,7 Rebounds pro Spiel. Als drittbester Skorer des Teams trägt er aber auch am anderen Ende des Courts zum Erfolg bei. Das macht Capela nach «Ice Trae» wohl zum wichtigsten Spieler der Atlanta Hawks.
Gemeinsam mit dem 22-Jährigen, der einen starken Verteidiger an seiner Seite unbedingt nötig hat, dürfte der vier Jahre ältere Clint Capela den Fans in Atlanta noch eine Weile Freude bereiten.
Bei den Toronto Raptors läuft es diese Saison überhaupt nicht gut. Der Meister von 2019 steht aktuell auf dem elften Platz im Osten und kann sich zwar noch für die Playoffs qualifizieren, doch werden sie dort keine grossen Chancen haben. Aufgrund der Pandemie können die Kanadier zudem nicht in der eigenen Arena spielen, sondern mussten nach Tampa Bay in Florida umziehen. Nicht die besten Voraussetzungen für eine gute NBA-Saison.
So starteten die Raptors schwach in die Saison und gerade als sie in Form zu kommen schienen, infizierten sich einige Spieler sowie Trainer Nick Nurse mit dem Coronavirus. Zu diesen gehörte auch Fred VanVleet, der sich nun kritisch zu der NBA-Saison äusserte: «Es ist wahrscheinlich die unreinste Saison, an der ich je teilgenommen habe. Es geht dieses Jahr nur um das Geschäft.» Die NBA schaffe den Spagat zwischen der Liebe zum Basketball und der Milliardenindustrie normalerweise sehr gut, doch diese Saison habe das Geschäft die Oberhand gewonnen.
Der 27-Jährige nahm sich selbst aber auch in die Verantwortung: «Ich bin ein Teil davon und profitiere auch von der Saison. Wir Spieler haben für die Saison gestimmt.» Die Aussagen kamen einen Tag nachdem die Toronto Raptors von der NBA gebüsst worden waren, da sie gegen die Regeln für das Schonen von Spielern verstossen hatten. Es wurden keine Spieler genannt, doch die Raptors haben unter anderem ihre Starspieler Kyle Lowry und Pascal Siakam des Öfteren pausieren lassen.