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Bezirk des Kantons Graubünden.
Fläche: 241,4 km2; Hauptort:
Puschlav
(Poschiavo). Umfasst zwei Kreise,
Brusio und
Puschlav,
die selbst wieder blos aus den zwei gleichnamigen Gemeinden mit zahlreichen kleinen Weilern bestehen. Bernina bildet einen
der 14 Gerichtsbezirke des Kantons. Der Bezirk grenzt im N. mit dem
Berninapass an den Bezirk
Maloja, im
O. und W. mit hohen Bergketten und im S. mit dem zum Veltlin sich öffnenden
Puschlav an Italien. 4303 Ew. italienischer Zunge,
wovon 3111 auf den Kreis
Puschlav und 1192 auf den Kreis
Brusio entfallen; 3502 Katholiken, 801 Reformierte; 765
Häuser und 997 Haushaltungen.
Geographisch fällt der Bezirk mit dem
ThalePuschlav zusammen; in seinem untern Teil wächst, bis
Brusio, die Kastanie.
Die Viehstatistik ergiebt folgende Zahlen:
1876
1886
1896
Hornvieh
1386
1678
1861
Pferde
101
53
69
Schweine
472
503
571
Ziegen
1431
1173
1059
Schafe
1727
1833
1421
Bienenstöcke
148
368
448
Von geringer Bedeutung ist die industrielle Tätigkeit. Die jungen Männer wandern sehr früh nach Spanien, Frankreich und
England aus, wo sie als Zuckerbäcker, Kaffeewirte etc. ihr Brot verdienen. Nach einigen Jahren Aufenthaltes in der Fremde
kehren sie in der Regel wieder in die Heimat zurück.
Puschlav ist ein sehr schönes und reiches Dorf.
Die weniger auswandernden Bewohner der kleinen
Weiler nähren sich von Ackerbau und Viehzucht, Gemüsebau, Bienenzucht und
im untern Teil des Bezirkes von Tabakbau. Während der Saison werden Mengen von Nelken in die grossen Fremdenzentren des
Ober-Engadins geliefert. Seit kurzem besteht inBrusio ein bedeutendes Elektrizitätswerk, dessen Kraft
einst die künftige Berninabahn zu treiben bestimmt ist.
(Kt. Graubünden,
Bez. Bernina).
2330 m. Alpenübergang mit prachtvoller Kunststrasse; führt von
Samaden und
Pontresina nach
Puschlav
und Tirano. Die Strasse ist 56 km lang (Samaden-Passhöhe 21 km,
Passhöhe-Puschlav 17 km,
Puschlav-Tirano 18 km) und 4,2
m breit; ihre maximale Steigung beträgt 9%. Sie ist im Sommer und Winter dem Verkehre geöffnet. Von
Samaden-Tirano rechnet
man 8½, von
Tirano-Samaden 9¾ Stunden Wagenfahrt. Die Strasse, von der einige Bruchstücke schon seit 1843 vorhanden waren,
ist 1864 und 1865 mit einem Kostenaufwand von 920500 Fr. erbaut worden. Im Sommer ist der Verkehr auf
ein ihr
¶
mehr
recht lebhafter: 1880 beförderte die Post 4061 Reisende und 1890 deren 4712;
dazu kommen die sehr zahlreichen Fussgänger.
Im Winter beleben die Strasse die zahlreichen Weinfuhren aus dem Veltlin nach dem Engadin.
Ausserordentlich reich ist die
Berninastrasse an prachtvollen Landschaftsbildern und besonders an grossartigen Ausblicken auf Hochgebirge und Gletscher.
Schon in Pontresina taucht der Blick in das dunkelbewaldete und von blitzenden Gletschern und Schneespitzen
abgeschlossene Rosegthal; 4-5 km weiter, bei Montebello, zeigt sich durch Lücken im schönen Lärchen- und Arvenwald der
von einem wundervollen Bergkranz eingerahmte Morteratschgletscher in seiner ganzen Länge.
Diese Stelle kann getrost mit den berühmtesten Aussichten der Alpenstrassen rivalisieren, wie z. B.
dem Abstieg von der Furka nach Gletsch oder dem Stilfserjoch von der Ferdinands- zur Franzenshöhe. Neue Herrlichkeiten bietet
dem Auge die Passhöhe mit ihren Seen und dem Absturz des Cambrenagletschers. Die schmale Landenge zwischen dem Lago Nero (2222
m) und dem Lago Bianco (2229 m) bildet die Wasserscheide zwischen dem Inn (Lago Nero) und der Adda (Lago Bianco).
Nahe dem Lago Bianco liegt das zu einem Gasthause umgewandelte Hospiz.
Kurz darauf öffnet sich das von hohen Ketten eingeengte Puschlav, in das die Strasse mit mannigfaltigen Windungen und durch
zwei lange Felsgallerien führend allmählich absteigt. Bei Pisciadella enden die Schlingen, bei San Carlo
tritt man ins schöne und fruchtbare Puschlav ein. Vom Hospiz aus, oder schon vorher, führt für Fussgänger ein kürzerer
direkter Fussweg, der noch schönere Fernsichten zeigt, über die Alpweiden Grüm und Cavaglia zu Thale. Im durchschnittlich
noch 1000 m hoch gelegenen Thale von Puschlav erinnern Klima, Pflanzenwelt, die Bewohner und ihre Sitten
und Gebräuche schon an Italien.
Einer der Hauptreize des Thales ist der von einem prähistorischen Bergsturze aufgestaute Puschlaversee; an seinem obern Ende
liegen die Bäder von Le Prese, am untern Ende auf einem Schuttkegel die kleine Kirche von Meschino in herrlicher,
das ganze Thal überschauender Lage. Thalabwärts wird der Hang steiler, hohe Felswände fassen die Strasse ein, und unterhalb
Brusio führt eine enge Schlucht mitten in italienische Landschaft. Bei Campocologno überschreitet die Strasse die Landesgrenze,
um bei Madonna di Tirano in das Gebiet der mit Weinreben und
Fruchtbäumen reich bestandenen Hügel des
Veltlins einzutreten. Keine andere Alpenstrasse bietet auf einer so geringen Längenerstreckung einen so vollständigen Wechsel
der verschiedensten Landschaften und Klimaregionen.