Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03245.jsonl.gz/3177

Studienarbeit aus dem Jahr 2009 im Fachbereich Germanistik - Didaktik, Note: 2,0, Georg-August-Universität Göttingen, Sprache: Deutsch, Abstract: In der Autobiographie seiner jungen Jahre "Beim Häuten der Zwiebel" berichtet Günter Grass erstmals von seiner Mitgliedschaft in der Waffen-SS während des Zweiten Weltkrieges. Diese Tatsache wird bereits vor dem Erscheinen des Buches durch ein Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit dem Schriftsteller bekannt und löste "mehrere zehntausend Pressmeldungen, Kommentare, Interviews [und] Rezensionen" aus. So gross geriet das Medieninteresse an dieser Nachricht vermutlich zum Einen, weil Grass es erst rund 60 Jahre nach dem Ende der NS-Diktatur äusserte und zum Anderen, weil damit seine selbst inszenierte Rolle in der Öffentlichkeit als moralische Instanz fragwürdig erschien, da Grass die Deutschen oft insbesondere in Bezug auf ihren Umgang mit der eigenen Vergangenheit im Dritten Reich hart anging: "Wer die Vergangenheit verdrängt, der wird in der Gegenwart nicht bestehen können und auch nicht in der Zukunft.", was zumindest einen Teil der Begründung des Nobelpreiskommitees für seinen Preis 1999 ausmachte ("nahm er sich der grossen Aufgabe an, die Geschichte seiner Zeit dadurch zu revidieren, dass er das Verleugnete und Vergessene wieder heraufbeschwor"). Um auf die im Seminar gestellte Frage, wie Literatur vermittelt wird, einzugehen, werde ich in dieser Arbeit Rezensionen miteinander vergleichen, die sich mit "Beim Häuten der Zwiebel" befassen. Ich halte Rezensionen insofern für einen geeigneten Zugang zu dieser Frage, als dass sie Literatur vermitteln, indem sie die Kaufentscheidung bezüglich des besprochenen Buches der Leser beeinflussen und bereits vor dem Lesen einen Zugang zu diesem und dadurch auch zu den, in ihm berührten, Themen, Meinungen und Motiven, die in der Rezension aufgegriffen werden, vermitteln. Dadurch befähigen sie den Leser, dem öffentlichen Diskurs über das besprochene Buch zu folgen und mitgestaltend in ihn einzugreifen, wodurch er/sie sich wiederum der Literatur nähert. Während des Vergleichs der Rezensionen werde ich mich im Sinne der Literaturvermittlung auf folgende Fragen konzentrieren: Welche Erwartungen stellen die Kritiker an Literatur? Welche stellen sie speziell an autobiographische? Für welche Gruppe von Lesern wurden die Buchbesprechungen geschrieben? Wird das Buch textimmanent betrachtet? Wie bewerten die Literaturkritiker den Autor und die Privatperson Grass? Wird dazwischen überhaupt unterschieden? Welche Faktoren vermitteln Literatur besonders erfolgreich?