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(Linnaeus, 1758)
- DE: Warzenbeisser
- EN: Common Wart-biter
- FR: Le Dectique verrucivore | La Sauterelle ronge-verrue
- IT: Locustone brizzolato
- Syn.: Peltastes hastatus Fischer von Waldheim, 1839 | Pterolepis radiata Fischer von Waldheim, 1846 | Tettigonia longicauda Eversmann, 1848 | Decticus verrucivorus variety deliae Fritze, 1918 | Gryllus (Tettigonia) rubicundus De Geer, 1778
Morphologie
Decticus verrucivorus ist auffallend gross und von kräftiger Gestalt mit breitem Kopf und dicken Hinterschenkeln. Die Grundfarbe der Art ist variabel, meist grün. Immer wieder treten braune, graue oder bunte Individuen auf. Die Körperunterseite ist immer gelblich. Die Fühler sind körperlang, die Augen dunkel (ausser bei den Larven). Der Halsschild-Mittelkiel ist im Gegensatz zu den Platycleis-Arten über die gesamte Halsschildlänge deutlich erkennbar. Die Flügel überragen den Hinterleib geringfügig und enden ungefähr 5-10 mm vor den Hinterknien. Sie sind mit schwarzen Flecken kontrastreich gezeichnet. Im Osten und Südosten Europas hat Decticus verrucivorus deutlich längere, in Südfrankreich kürzere Flügel. Je kürzer die Flügel sind, desto stärker sind sie gegen das Ende verjüngt und spitz verrundet. Die Cerci des Männchens tragen knapp hinter der Mitte einen kräftigen Innenzahn. Die fleischfarbene bis bräunliche Legeröhre des Weibchens ist nur leicht aufwärts gebogen.
Gesang
Der laute Spontangesang von Decticus verrucivorus klingt hell und scharf und kann die Geräuschkulisse einer Wiese dominieren. Er besteht aus minutenlang aneinander gereihten Versen, die 6-10 Mal pro s wiederholt werden. Die von uns als kurze „zick“-Laute wahrgenommenen Einheiten entpuppen sich oszillografisch als 4-silbige Verse. Zu Beginn der Gesangsperiode oder bei Bewölkung wandern die Tiere oft umher und äussern nur einzelne Verse, später setzen sie sich gerne etwas erhöht in die Vegetation oder kopfüber an einen Halm. Charakteristisch beginnt der Gesang mit unregelmässig stockenden Versen, die immer schneller aneinander gereiht werden, bis der regelmässige Gesang erreicht ist. Das Frequenzspektrum liegt im Bereich von 10-80 kHz und zeigt ein Maximum bei ca. 13-15 kHz. Nicht selten sieht man rivalisierende Männchen, die versuchen sich gegenseitig zu verdrängen. Sie erzeugen dabei unregelmässige Versfolgen.
Spontangesang von Decticus verrucivorus - CH, BE, Wasen, 27 °C, sonnig.
Spontangesang von Decticus verrucivorus - CH, BE, Wasen, 27 °C, sonnig.
Fünf viersilbige Verse aus dem Spontangesang von Decticus verrucivorus - CH, BE, Wasen, 27 °C, sonnig.
Verbreitung
Decticus verrucivorus kommt von Zentralportugal und Zentralspanien bis in den Süden Englands und in Skandinaviens etwa bis zum Polarkreis vor, wo die Art ihre nördliche Verbreitungsgrenze erreicht. Im Osten reicht das Areal bis weit in den asiatischen Raum. Südlich kommt die Art bis nach Griechenland und in die Türkei vor. In diesem Verbreitungsgebiet wurden mehrere Unterarten beschrieben. In der Schweiz ist Decticus verrucivorus in allen Landesteilen präsent, fehlt allerdings im Mittelland weitgehend. Auch in Deutschland ist die Art aus allen Landesteilen bekannt, wird aber von Süden gegen Norden immer seltener. Im Gebirge findet man Decticus verrucivorus bis über 2500 m.
In der Verbreitungskarte von Decticus verrucivorus werden keine Unterarten unterschieden. Zu beachten ist der Text zur Verbreitung.
This map is based on occurrence records available through the GBIF network and may not represent the entire distribution.
Phänologie & Lebensweise
Ausgewachsene Individuen von Decticus verrucivorus sind von Anfang Juni bis in den Oktober aktiv.
Die Eier werden bevorzugt an vegetationslosen Stellen in den Boden abgelegt, wobei die Larven unter idealen Bedingungen schon im Folgejahr im April schlüpfen. In höheren Lagen oder bei schlechten Umweltbedingungen können die Eier bis 7 Jahre im Boden überdauern. Die Larven durchlaufen 7 Stadien.
Lebensraum
Decticus verrucivorus stellt hohe Anforderungen an seinen Lebensraum. Einerseits bedarf es magerer, sonnenexponierter und mässig wüchsiger Standorte andererseits ist eine gewisse Feuchtigkeit der Böden für die Entwicklung der Eier wichtig. Bevorzugt werden südexponierte Magerwiesen in Hanglage besiedelt, die extensiv gemäht oder beweidet werden. Die Vegetationshöhe erreicht an den besiedelten Standorten kaum mehr als 30 cm und ist mit unterschiedlich dichten Bereichen reich strukturiert. Neben trockenen Lebensräumen werden auch gut besonnte Feuchtwiesen und Moore besiedelt.
Gefährdung & Schutz
Decticus verrucivorus zählt zu den grössten Verlierern der intensivierten Landnutzung. Neben der Intensivierung stellt auch die Nutzungsaufgabe in Alpgebieten eine Gefahr dar. Damit die Lebensräume offen gehalten werden, ist eine extensive Bewirtschaftung durch Mahd oder Beweidung wichtig.
- CH: NT (Potenziell gefährdet)
- DE: 3 (Gefährdet)
- AT: NT (Potenziell gefährdet)
- Europa: LC (Nicht gefährdet)
Ähnliche Arten
Aufgrund der Grösse ist Decticus verrucivorus kaum zu verwechseln. Die Tettigonia-Arten sind ebenfalls sehr gross, aber zierlicher gebaut, mehrheitlich einheitlich grün gefärbt und speziell auf den Flügeln nie kontrastreich gezeichnet. Dunkle oder braune Individuen sind den Platycleis-Arten auf den ersten Blick ähnlich. Diese sind aber wesentlich kleiner und zierlicher und der Halsschild-Mittelkiel ist nur in der hinteren Hälfte ausgebildet. Der scharf klingende Gesang ist sehr charakteristisch für die Art. Einzeln geäusserte Verse können mit vielen kurzen Gesängen oder Gesangsteilen anderer Arten verwechselt werden, wie z.B. mit denjenigen von Pholidoptera griseoaptera oder Polysarcus denticauda. In Südeuropa kommt mit Decticus albifrons eine sehr ähnliche Art vor, die aber etwas grösser ist und längere Flügel besitzt. Sicher lässt sich Decticus albifrons anhand der männlichen Cerci unterscheiden, deren Innenzahn sich an der Basis befindet.