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Seit den neunziger Jahren geistert der Begriff «Political Correctness» durch die öffentlichen Debatten. Im Anschluss an die amerikanische Bürgerrechtsbewegung definierte er Ideale im Kampf für Chancengleichheit und gegen Diskriminierung. Dabei ging es nicht nur um die Vermeidung rassistischer und sexistischer Sprache, sondern auch um praktische Vorkehrungen wie etwa Quoten für benachteiligte Minderheiten an Universitäten. An amüsanten oder lächerlichen Beispielen für neue Sprachregelungen («herstory» statt «history»; «Raumpflegerin» statt «Putzfrau») fehlte es nicht, und schnell wurde «politisch korrekt» zum negativ besetzten Kampfbegriff konservativer und liberaler Stimmen, die sich spöttelnd gegen Gedankengefängnisse, Opferkult und Bevormundung wehrten. Wann ist «politische Korrektheit» tatsächlich nichts weiter als Gesinnungsterror linker Gutmenschen? Wie finden wir die Balance zwischen absurder Sprachpolizei und sinnvollen Massnahmen gegen die Diskriminierung gefährdeter Bevölkerungsteile? Und gibt es nicht auch eine rechtsnationale politische Korrektheit? Warum wird der Begriff gerade jetzt wieder so eifrig diskutiert – etwa im Zusammenhang mit der sogenannten «Identitätspolitik»? Im Café Philo beschäftigen wir uns mit befürwortenden und kritischen Stimmen, besprechen Textausschnitte von PhilosophInnen und Intellektuellen (z. B. Slavoj Zizek, Mark Lilla, Judith Butler) und versuchen im differenzierenden Gespräch hinter die plakativen Slogans zu gelangen.