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Quelle: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1977 von Peter Ziegler
Im Jahre 1870 reifte die Idee für den Bau einer Eisenbahn von Wädenswil nach dem Pilgerort Einsiedeln. Mit der Ausarbeitung des Projektes wurde der Zürcher Kantonsingenieur Kaspar Wetli (1822—1889) betraut, welcher Pläne und Kostenvoranschlag am 1. Mai 1871 ablieferte. Als Bausumme inklusive Rollmaterial waren 3 Millionen Franken budgetiert. Die Bahn sollte nach dem System Wetli betrieben werden, da eine Adhäsionsbahn mit 50 Promille Steigung realisierbar schien.
Im Bahnhofsgebiet von Wädenswil, um 1880. Dem See entlang: Bahnhof mit Abort, Güterschuppen, Werkstätten der Wädenswil–Einsiedeln-Bahn. An der Seestrasse Du Lac (mit Gärten), Seehof, Sust und Rosenegg/Pilgerhof (rechts aussen). Im Hintergrund rechts das Schloss.
Moderne Signalanlagen beim Seestrassen-übergang in Wädenswil und alter Niveauüber-gang der Südostbahn in Samstagern.
Wetlis Idee war, die Form von Zahnstange und Zahnrad so zu verbessern, dass der Eingriff nicht stossweise, sondern kontinuierlich erfolgte. Zu diesem Zweck wurden von Schwelle zu Schwelle je zwei Profileisen befestigt, die sich in Pfeilform aneinanderreihten. Die Lokomotive erhielt anstatt des Zahnrades eine Walze, auf der gleichartige Profileisen ebenfalls pfeilförmig angebracht waren. Im April 1874 wurden mit einer Lokomotive der SLM erste Versuche unternommen.
Die entscheidende Fahrt war auf den 30. November 1876 angesetzt. Man hängte der Lokomotive einen Güterwagen mit 20 Tonnen Gewicht an. Die Bergfahrt bis Schindellegi ging reibungslos vor sich. Bei der Rückfahrt zeigten sich Störungen. Man entschloss sich, das Walzenrad anzuheben und nur mit Adhäsion zu Tal zu fahren. Durch verschiedene Ursachen versagten Bremsen und Gegendampf, und die Komposition verunglückte kurz vor der Einfahrt in die Station Wädenswil.
Plakat für die Wädenswil–Einsiedeln-Bahn, 1885 (Kunstgewerbemuseum Zürich).
Dank einem Gutachten von Direktor Tobler der Uetlibergbahn, welche 1875 als reine Adhäsions-Normalspurbahn mit 70 Promille Steigung den Betrieb aufgenommen hatte, wurde dieses System nun auch für die Wädenswil—Einsiedeln-Bahn gewählt. Damit diese endlich fahren konnte, musste Rollmaterial gemietet werden. Zum Einsatz kamen zwei umgebaute Dampflokomotiven E 2/2 Nr. 251 und Nr. 252 sowie eine E 3/3, Nr. 1 von der Uetlibergbahn. Am 1. Mai 1877 fand die Kollaudation und anschliessend die Eröffnung der Linie Wädenswil—Einsiedeln statt.
Sihlbrücke bei Schindellegi um 1877 und heute.
Bis zum 15. Mai 1939 fuhr die Südostbahn mit Dampf. Ein Zug verlässt die Station Wädenswil. Links Merkur und Pavillon des alten Du Lac.
1891 wurde auf den erweiterten Linien Rapperswil—Pfäffikon—Samstagern sowie Biberbrugg-Goldau der Betrieb aufgenommen. Damals änderte die Privatbahn ihren Namen in Südostbahn (SOB) um. Die Südostbahn fährt ab dem 15. Mail 1939 elektrisch. An die Wädenswil—Einsiedeln-Bahn und an die Zeit, da auf dem SOB-Netz noch Dampflokomotiven verkehrten, erinnern die Bilder. Eine neuere Aufnahme dokumentiert den technischen Fortschritt bei der SOB.
Pendelzug der SOB mit Personen-Gepäcktriebwagen „Wädenswil“ der Serie BDe 4/4, Baujahr 1959.
Peter Ziegler