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Obwohl sie sich geschworen hatte, sich nicht mehr mit Allgemeinplätzen abspeisen zu lassen, hörte die Rothmeier geduldig zu, während der Mann am Schalter ihr die Unmöglichkeit ihres Anliegens, das er falsch interpretierte, weil er nicht richtig zugehört hatte, denkbar unkohärent erklärte. Sie griff, anstatt zu protestieren, zu einer im Wandständer bereitstehenden Broschüre, aus der sie frei improvisierte Ausnahmebedingungen vorlas. Der Schalterknilch, der empört das Dokument zu Verifikationszwecken einzusehen heischte, machte den Fehler, die Hand auf die halbgedrehte Durchreicheplattform zu legen, die die Rothmeier so geschickt und kraftvoll herumschlenzte, dass es der Feuerwehr bedurfte, um seine kunstvoll verklemmten Finger zu befreien.
Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Die WOZ hat eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben, das unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich ist. Sein Krimi «Mordgarten» ist unter www.woz.ch/shop/buecher zu haben.