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Die Biografie in diesem neuen 56. Band der EDITION D‘OR-Reihe stellt den Sammler als einen Mann vor, der sich seinen Träumen verpflichtet fühlt. Damit wird tatsächlich ein Lebenswerk – beruflich wie philatelistisch – auf den Punkt gebracht. Denn der 1949 in Langadas nahe Thessaloniki geborene Anestis Karagiannidis sah für sich in seiner Heimat Griechenland in den 1950er-/60er-Jahre so wenige Zukunftsaussichten, dass er 1971 nach Kanada auswanderte, dort 1976 seine Frau Artemis ehelichte und sich zunächst bi 1981 als Tischler verdingte, bis er sich schließlich auf seine Wurzeln besann: Er eröffnete in Montreal die „Boulangerie Pâtisserie Afroditi“. Diese exklusive Pâtisserie für griechisches und französisches Gebäck und war über die Jahre derart erfolgreich, dass Karagiannidis mit seinem jüngsten Sohn heute weitere Dependancen führt.
Ebenso wenig wie seine Heimat ließ Karagiannidis auch seine Jugendliebe zur Philatelie los. Im Gegenteil: Sein Hobby entwickelte sich mehr und mehr zur Leidenschaft, so dass er sich seit 1986 auf die zweite Periode der klassischen Philatelie Griechenlands fokussiert., Diese Markenausgaben sind weithin als die sog. „Kleinen Hermesköpfe“ bekannt. Kenner wissen, dass eine Sammlung diese Ausgaben alles andere als einfach zu realisieren ist. Sie wurden anfänglich (von 1886–1888) in Belgien in verschiedenen Auflagen gedruckt, dann entstanden von 1889–1890 die Marken des ‚Ersten Athener Drucks‘, denen die des ‚Zweiten Athener Drucks‘ von 1890–1896 und letztlich die des dritten von 1897–1901 folgten.
Das klingt noch überschaubar, aber die Vielfalt der Papiere, Farben/Farbtönungen, der Zähnungen und Wasserzeichen geben dem Sammler nicht selten Rätsel auf. Karagiannidis versteht es in seiner in diesem Buch dokumentierten wahrlich einmaligen Sammlung, die seit 2013 international sechsmal mit Großgold und zweimal zusätzlich mit einem Grand Prix ausgezeichnet wurde, diese Rätsel zu lösen. Sehr übersichtlich beschreibt er das Vorkommen aller Varianten und die ausgezeichnete Druckqualität der Markenabbildungen ist äußerst detailreich und nahe am Original.
Das Exponat ist eine traditionelle Sammlung im wahrsten und besten Sinne des Wortes. Sie ist im wohlverstandenen Sinne eine „Inflation der Seltenheiten“, eine „Deklination der Raritäten“ und sollte doch einmal nur „Eines von drei bekannten Exemplaren“ in der Beschreibung vorkommen, dann weiß man deren Raritätenfaktor angesichts der zahllosen Unikate kaum noch einzuschätzen.
Das Buch ist ein Genuss. Es sollte Pflichtlektüre und wegweisendes Handbuch für jeden sein, der sich näher mit diesen Ausgaben beschäftigt.
— Wolfgang Maaßen (AIJP)
164 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, in Englisch und Deutsch