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Von Campagna stammen eine große Altargruppe in S. Giorgio Maggiore her, sowie zahlreiche Bronzebilder der Madonna und der Heiligen in verschiedenen Kirchen Venedigs. Die Uebertreibung in den Bewegungen und die unruhige Gewandbehandlung treten noch stärker bei Vittoria hervor, dessen bestes Werk das eigene Grabmal in S. Zaccaria ist. Neben diesen größeren Arbeiten haben die Genannten auch treffliche Bildnisse geliefert, von denen die besten in das Berliner Museum gelangten.
Michelangelo. Die gesamten Errungenschaften der Zeit: Erfassen der Natur und Erkenntnis der Antike, den hohen Gedankenflug und die volle Herrschaft über die Form, den Kunstgeist und die Kunstfertigkeit finden wir nun vereinigt in den Werken Michelangelos, der in vollster Ursprünglichkeit und Unabhängigkeit, weder Regeln noch Ueberlieferungen beachtend, seinen eigenen Weg ging, der ihn zur einsamen Höhe führte.
Alle Gebiete der Kunst beherrschend, betrachtete er selbst doch die Bildnerei als sein ureigenes Feld, auf dem er seine besten Kräfte ausleben lassen wollte.
Für seine künstlerische Thätigkeit kommen zwei Städte in Betracht: Florenz und Rom, und die verschiedenen Aufenthaltszeiten daselbst sind auch für seinen Entwicklungsgang bezeichnend.
^[Abb.: Fig. 465. Michelangelo: Pietá.
Rom. S. Peter.] ¶
In Florenz verlebte er einen großen Teil seiner Kindheit und empfing dort auch seine künstlerische Bildung, als er 1488 in die Werkstatt des Malers Domeniko Ghirlandajo eintrat. Gleichzeitig begann seine Ausbildung in der Bildnerei durch einen alten Schüler und Gehilfen Donatellos, den Bildhauer Bertoldo, der die Aufsicht über die Antikensammlung im Garten der Medici hatte. So fand er frühzeitig Gelegenheit, neben den Lehren der florentinischen Schule auch jene der Antike in sich aufzunehmen, und diese Doppeleinwirkung macht sich in seinen ersten erhaltenen Arbeiten erkennbar. Die erste florentiner Zeit wurde nur durch einen kurzen Aufenthalt in Bologna unterbrochen und währte bis 1496. In letzterem Jahre kam er nach Rom und schuf hier sein erstes Hauptwerk, die trauernde Maria den toten Christus haltend - die sogenannte «Pietá» (Fig. 465) - und daneben ein der Antike sich anschließendes Werk: den trunkenen Bacchus. Um 1500 erfolgte die erste Rückkehr nach Florenz, wo nun das zweite Hauptwerk, der David, entstand, das den Abschluß seiner Jugendwerke bildet (Seite 467). 1505 folgte Michelangelo dem Wunsche Julius II., der ihn nach Rom zurückberief und ihm den Auftrag zu dem gewaltigsten Werke seines Lebens, dem Grabmal des Papstes, gab. Damit begann die stürmischste Zeit in Michelangelos Leben, zugleich auch die fruchtbarste. Mit dem Papste geriet er ein Jahr nach Beginn der Arbeiten am Grabmale in Streit, der seine Ursache in dem Auftrag hatte, die Decke der Sixtinischen Kapelle mit Gemälden zu schmücken. Michelangelo weigerte sich, die Arbeit zu übernehmen und entfloh nach Bologna.
Nach erfolgter Aussöhnung errichtete er in Bologna ein bald darauf zerstörtes Bronze-Standbild des Papstes und kehrte 1508 nach Rom zurück, wo er nun die Malereien in der Sixtinischen Kapelle begann, die ihn bis zum Jahre 1512 fast ausschließlich beschäftigten. Die Arbeiten am Juliusgrabe stockten während dieser Zeit vollkommen und wurden auch in den folgenden Jahren nicht erheblich gefördert, bis sie durch den Auftrag, einen Entwurf für die Ausschmückung von S. Lorenzo in Florenz zu machen und die Leitung der Ausführung zu übernehmen, ganz unterbrochen wurden. Dieser erneute Florentiner Aufenthalt begann 1515 und währte bis etwa 1527. Florenz verdankt dieser Zeit das zweite Riesenwerk: die Grabmäler der Mediceer. Die Arbeiten daran begannen etwa 1521, wurden aber bald durch den Kampf der Florentiner gegen die Medici unter-
^[Abb.: Fig. 466. Michelangelo: Madonna (an der Treppe).
Florenz. Galerie Buonarotti.] ¶