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Ilanz
Orte
Rathaus (Casa Cumin)
Das heutige Rathaus wurde 1882/85 an der Stelle erbaut, wo früher die Casa Grischa stand. Hier wurden die Ilanzer Artikelbriefe (1524, 1526) vom Bundstag der Drei Bünde verabschiedet und hier fand der zweite Teil der Ilanzer Disputation von 1526 statt. Die zweiten Artikelbriefe verhalfen der Reformation zum Durchbruch. Sie bestimmten, dass jede Gemeinde ihrem Pfarrer ein angemessenes Gehalt zukommen lassen müsse, zugleich aber auch das Recht habe, «ainen pfarrer zu zetzen und entsetzen, wan es sy guett beduncktt». Die Souveränität hatte sich damit vom Bischof auf die Gemeinden verlagert.
Die Casa Grischa (Graues Haus) wurde nach dem Stadtbrand von 1483 gebaut, wohl aber erst 1517 beendet. Hier tagte nicht nur der Stadtrat von Ilanz bis zum Abbruch des Hauses 1881, sondern auch bis 1798 die Gesandten des Grauen Bundes sowie diejenigen aller Drei Bünde. Dank der staatspolitisch wichtigen Artikel des Grauen Bundes (1523) und der Artikelbriefe der Drei Bünde (1524, 1526) wurde Ilanz ein in Reformfragen massgebender Ort. Erst mit der Gründung des Kantons Graubünden (1803) als Teil der damaligen Eidgenossenschaft hat die Casa Grischa ihre überregionale Bedeutung verloren.
Kirche St. Margarethen
Wohl bereits 765 stand in Unter-Ilanz eine Marienkirche. 1288 wurde an derselben Stelle ein gotischer Neubau mit dem Patrozinium St. Margaretha erstellt, welcher 1483 einem Stadtbrand zum Opfer fiel. Der spätgotische Neubau von 1494 wurde im Kirchenschiff allerdings erst 1518 vollendet. Die Wandmalereien stammen von einem unbekannten Meister. Besonders bemerkenswert sind nebst Naturornamenten die Darstellungen des Todes als Sinnbilder für das Übergewicht der geistlichen Macht über die weltliche und für den Sieg des Lichtes über die Finsternis. Nach der Einführung der Reformation wurden sie übertüncht und erst 1934 bei der Renovation der Kirche wiederentdeckt. Der von der Kirche getrennte Turm war ursprünglich ein Wehrturm.
Obertor
Beim Stadtbrand von 1483 brannte die alte Stadtmauer von Ilanz zu grossen Teilen ab, so dass heute davon kaum noch Reste erhalten sind. Der Wiederaufbau der Stadtmauer wurde 1513 vollendet. Das heutige Obertor, ohne den Überbau, den die Familie Schmid von Grüneck im 18. Jahrhundert erbaute, war Hauptzugang für die Einwohner von Ober-Ilanz sowie für die Nachbarn und Gesandten, die aus der oberen Surselva und aus dem Lugnez und dem Valsertal kamen.
Kirche St. Martin
Die Kirche St. Martin in Ober-Ilanz, urkundlich bereits 765 erwähnt, wurde im Hochmittelalter mehrfach erweitert und mit vielen Stiftungen ausgestattet. Leider sind von den Malereien des sogenannten Waltensburger Meisters (um 1330) nur noch Reste erhalten. Die Kirche war Hauptkirche der Herren von Belmont und später der Grafen von Sax. Zur Pfarrei gehörten auch Strada, Luven und Flond. Erst mit dem Übergang zur Reformation verlor die Kirche an Bedeutung und Pfarrkirche wurde St. Margarethen in Unter-Ilanz. Die Altäre wurden im Zuge der Reformation entfernt. Heute gehört St. Martin der Stadt Ilanz.
Historie
Zu Beginn des Mittelalters bestanden drei Siedlungskerne: Ober-Ilanz bei der Kirche St. Martin, Unter-Ilanz im heutigen Städtli und Sankt Nikolaus am linken Ufer des Vorderrheins. Zentrum des Ortes war vorerst wohl Ober-Ilanz, wurde aber bald von Unter-Ilanz abgelöst. Seit der Gründung des Grauen Bundes (1395/1424) nahm Ilanz eine Vorrangstellung ein und wurde später Tagungsort des Dreibündestaates. Schliesslich und übernahm die Stadt bei der Demokratisierung in den Drei Bünden eine Führungsrolle. Nach der Disputation und den Artikelbriefen 1526 hat sich Ilanz der Reformation angeschlossen. Der erste evangelische Pfarrer war Peter Brun.
Die Drei Bünde (Gotteshausbund, Grauer Bund, Zehngerichtebund) waren ein Freistaat im Gebiet des heutigen Kantons Graubünden, der sich seit Mitte des 15. Jahrhunderts langsam herausbildete, unter anderem um die Macht des Bischhofs zurückzubinden. Durch die Ilanzer Artikelbriefe (1524, 1526) erklärten sich die Drei Bünde zum unabhängigen, demokratischen Staat, der bis zum Ende des Ancien Régime (1798) bestand. Der Bundstag war die oberste Behörde des Dreibündestaates, die sich jährlich ein- bis dreimal, je nach Dringlichkeit, traf. Tagungsorte des Bundstages waren im Turnus Ilanz, Chur und Davos.
Nach einer Klage des Abtes von St. Luzi und des Domkapitels beim Bundstag gegen den Churer Pfarrer Johannes Comander, gebürtig aus Maienfeld, und 40 weitere Geistliche setzte der Bundstag auf den 7. Januar 1526 ein Religionsgespräch in Ilanz an. Comander hatte dazu 18 Thesen verfasst und in Ausgburg drucken lassen. Diese behandelten das Abendmahl, die Ohrenbeichte, das Zölibat, die Bilder usw. Resultat der Disputation war, dass Comander nicht verurteilt wurde und die Bibel weiterhin als oberste Instanz galt. Die Verbreitung der Thesen ebnete der Reformation in Graubünden den Weg. Später sollten die 18 Thesen Comanders die Grundlage für die Berner Disputation (1528) bilden.
Mit den Ilanzer Artikelbriefen von 1524 und 1526 gab sich der unabhängige Staat der Drei Bünde eigene Gesetze. Die ersten Artikelbriefe waren gegen Missstände des Kirchenwesens gerichtet. Radikaler fielen die zweiten Artikelbriefe aus, die unter anderem die Rechte des Bischofs empfindlich beschnitten. So sollten die Gemeinden ihre Geistlichen selbst wählen und entlassen. Damit fand eine Verlagerung der kirchlichen und politischen Herrschaftsrechte auf die Gemeinden statt. Die zweiten Artikelbriefe legten die gesetzliche Grundlage zur Ausbreitung der Reformation.
Johannes Comander
Johannes Dorfmann (1584 - 1557), genannt Comander, war Sohn eines Hutmachers aus Maienfeld und besuchte die Klosterschule St. Gallen und die Universität Basel. In St. Gallen lernte er den späteren Reformator Vadian kennen, in Basel Zwingli. Seit 1512 war Comander Pfarrverweser und ab 1521 Pfarrer von Escholzmatt (LU). 1523 wurde er vom Stadtrat nach Chur an die Martinskirche berufen. Seine reformatorischen Predigten waren bald weit herum bekannt. In der Ilanzer Disputation (1526) legte er 18 Thesen vor, die später als Grundlage für die Berner Thesen (1528) dienten.