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Schweizerische Beliefkartographie
Von Willi Kraiszl.
Die Reliefkartographie ist ein Zweig des schweizerischen Plan-, Karten-und Reliefwesens, das sich von jeher einer grossen Vielgestaltigkeit erfreut 1 ). Die Bezeichnungen für die einzelnen Gruppen von Erzeugnissen sind oft unscharf und werden verschieden gehandhabt. Immerhin setzen sich in der Praxis doch immer mehr gewisse Bezeichnungen fest.
So spricht man von Plänen und Karten, wenn eine Abbildung eines Teiles der Erdoberfläche durch Projektion und in einem bestimmten Verjüngungsverhältnis auf eine Ebene erfolgt. Plan und Karte sind also immer zwei-dimensionale Gebilde. Es zeigt sich nun, dass man bei den üblichen Karten-signaturen im Masstab 1: 10,000 fast alle erwünschten Abbildungsgegenstände masstabsgetreu wiedergeben kann. Dieses Verjüngungsverhältnis 1: 10,000 gilt allgemein als Grenze zwischen Plan- und Kartenmasstäben. Ein Plan ist, was grösser oder selbst im Masstab 1: 10,000 dargestellt ist; was kleiner ist, nennen wir Karte. Dies ist so aufzufassen, dass man schliesslich auch einen 10,000stel als Karte ausarbeiten kann und ebenso eventuell einen 15,000stel noch als Plan ansprechen darf2 ).
Die Karten teilen wir dann nicht nur nach ihrem Masstab oder ihrer Bestimmung nach in verschiedene Gruppen ein, sondern auch nach der Art der verwendeten Darstellungsmittel. So sprechen wir in bezug auf die Terraindarstellung bei topographischen Karten von Schraffen- und von Kurvenkarten.
Können wir bei Kurvenkarten, um die Formen besser zu veranschaulichen, noch eine besondere Terrain-Tonplatte verwenden, so sprechen wir von geschummerten Karten 3 ). Steht uns gar Vielfarbigkeit zur Verfügung, und setzen wir die Farbtöne nach Höhenlage gut abgegrenzt aneinander, so haben wir es mit Höhcnschichlkarien zu tun. Einfarbige Höhenschichtkarten, also Karten mit höhenweisen Abstufungen ein und derselben Farbe sind selten und ohne Bedeutung. Als neue, mehrfarbige Höhenschichtkarte möge die « Hypsometrische Karte der Schweiz im Masstab 1:1,000,000, bearbeitet von W. Schule, erwähnt sein 1 ). Diese Art Karten wurde in der Schweiz bis anhin ziemlich stiefmütterlich behandelt, dürfte aber in Zukunft von grösserer Bedeutung sein.
In der Schweiz ist man in der Anwendung der Vielfarbigkeit meistens recht frei, mehr künstlerisch als geometrisch vorgegangen und hat sich dadurch eine besondere Spezialität der Kartenmalerei herausgebildet. Es ist dies die Schweizerische Reliefkartographie, die den Gegenstand dieser Studie bilden soll. Wiederum, die Grenzen sind unscharf, unter Umständen wird auch eine vielfarbige Karte ohne Kurvenunterlage als Reliefkarte angesprochen, und im gewissen Sinn ist auch jede Schraffen-, z.B. die Dufourkarte, eine Reliefkarte. An den Begriff der Reliefkarte bindet sich aber immer mehr das Vorhandensein von Höhenkurven, denen mehrfarbige Terraintöne in freier Weise aufgelegt sind.
K. Peucker in Wien sieht diese Bestrebungen der schweizerischen Reliefkartographie als eine Fehlrichtung in der Kartographie an. Er wirft uns Schweizern vor, dass wir zu sehr mit Gefühlstechnik arbeiten, während er das Problem mehr wissenschaftlich behandelt wissen will. Er versäumt auch nicht in jahrelanger, zäher Arbeit sein Gebäude aufzurichten. Er malt streng nach Höhenschichten ). Von vielen werden seine, in zahlreichen Schriften begründeten Prinzipien anerkannt, der Zweifler für die praktische Durchführung des Systems sind aber viele, und Peucker hat mit seinen Karten besonders uns Schweizer noch nicht zu überzeugen vermocht. Imhof sieht sich bei näherer Prüfung der wissenschaftlichen Grundlagen sogar genötigt, auch an diesen zu rütteln, und versucht in einer Abhandlung eine wissenschaftliche Begründung der Schweizer-methode8 ).
Um die notwendige Nomenklatur vollständig zu machen, möchte ich noch die Photokarten erwähnen, die zusammengesetzte Senkrechtaufnahmen, vom Flugzeug aus aufgenommen, sind. Je nach Masstab sprechen wir eventuell lieber von Photoplänen.
Dreidimensionale Nachbildungen eines Stückes der Erdoberfläche, also Modelle, bezeichnet man in der Schweiz durchgängig als Reliefs. Zeigt das Relief auch eine mechanisch aufgebrachte Karte, wie dies z.B. bei den Wenschow-Reliefs der Fall ist, so bezeichnet man es als Karlenrelief. Die Photographie eines Reliefs endlich könnte man versucht sein, als Karte anzusprechen. Da sie es aber beileibe nicht ist, so wollen wir sie durch die Bezeichnung Relief photographie deutlich von den andern Erzeugnissen unterscheiden.
Gehen wir nun der Entwicklung der Schweizermanier genauer nach, so sind die Uranfänge wohl in der Kartographie der französischen Ingenieur- Geographen um 1800 zu suchen. Eine mehrfarbige, von Hand und in schiefer Beleuchtung gemalte Studie « Plan du Passage du Mt. Ceni », die in ihren geometrischen Grundlagen auf der Karte von Dalbe beruht und in der Universitätsbibliothek Basel aufbewahrt wird, lässt vermuten, dass ein Blick in die Archive des ehemaligen Dépôt de la Guerre in Paris noch mehr Derartiges ans Tageslicht bringen würde. Die erwähnte Studie zeigt allerdings noch keine Kurven, aber wer weiss, ob nicht einer der Ingenieur-Geographen um 1800, als die Kurvenmethode aufkam, schon versucht hat, mehrfarbige Töne in Reliefkartenmanier auf Kurven zu legen? Bei dem hohen künstlerischen Stand und der Stosskraft der damaligen französischen Kartographie würde dies nicht verwundern.
Der eidgenössische Topograph J. R. Stengel malt Anno 1850 ebenfalls einige Studien, die als Vorläufer zur Reliefkartographie gelten können * ). Aber auch bei ihm habe ich die Kombination Kurven und mehrfarbige Töne nicht gefunden. Ob er nicht auf die Idee kam oder ob er von vornherein an der Reproduktionsfähigkeit solcher kombinierter Kurven- und Terrain-tonbilder zweifelte und das Zusammenarbeiten dieser zwei Elemente deshalb unterliess, ist mir unbekannt.
Einige Jahre später lässt der Chef der graphischen Arbeiten an der Ecole Polytechnique in Paris ein Monumentalvorlagewerk über Plan- und Kartenzeichnen erscheinen 2 ). Wir finden darunter eine « Carte lavée » im Masstab 1: 10,000 in mehrfarbiger Ausführung, die wir wiederum als Vorläufer zur Reliefkarte betrachten müssen. Diese Karte, und um eine solche handelt es sich hier trotz des grossen Masstabes, zeigt auch noch keine Kurven. Wie bei Stengels « Partie des Berner Oberlandes » finden wir hier auch bereits die reproduzierte Handzeichnung vor; allerdings noch etwas früher als bei Stengel.
Es dauert noch weitere 3 Jahrzehnte, bis die reproduktionstechnischen Schwierigkeiten so weit aus dem Wege geräumt sind, dass man für den Kartendruck an eine Kombination von Kurven und mehrfarbigen Terraintönen denken kann. In der Schweiz bereitet besonders J. M. Ziegler dieser Entwicklung die Bahn, allerdings noch im Geleise der Höhenschichtenkarte, bei denen er lithographische Farbtöne verwendet. Oberst Siegfried verfolgte mit Interesse diese Entwicklung und bezeichnete es 1879 als wünschenswert, dass Methoden gefunden würden, um anhand fester Regeln Höhenschichtkarten herzustellen. Das wäre also ein Fingerzeig gewesen auf das, was Peucker versucht hat zu machen, und es ist nicht umsonst, wenn Schule heute dieses Problem der Höhenschichtkarten auch in der Schweiz wieder aufgegriffen hat. Die Entwicklung nahm aber damals in der Schweiz einen andern Verlauf.
Rudolf Leuzinger, der unter Leitung Zieglers sich in Winterthur zum Kartographen ausgebildet hatte, war es schliesslich vorbehalten, die ersten Reliefkarten in unserem Sinne zu gestalten. Anno 1881 erscheint nämlich seine Gesamtkarte der Schweiz im Masstabe 1: 500,000 mit Isohypsen und graugrünen sowie gelblichen Terraintönen 1 ). Die Karte zeichnet sich durch ausgiebige Verwendung der sogenannten Dämmerungsperspektive aus; d.h. man malt um so dunkler, je geringer die Höhenlage, also je ferner das Gelände vom Beschauer. Diese Dämmerungsperspektive malt Leuzinger in Form von Höhenschichten und kombiniert sie mit einer Schattierung nach schiefer Beleuchtung. Da in dunklen Farben gemalt ist, wirkt die Karte naturgemäss schwer. Ähnlichen Charakter hat Leuzingers Physikalische Karte der Schweiz im Masstab 1: 800,000. Er vereinfacht die Darstellung hier aber insofern, als er für die tieferen Partien lediglich die dämmerungsperspektivisch abgestimmten Höhenschichten malt und die schattenplastische Darstellung für die obern Regionen reserviert.
Leuzinger ist später von dieser Dämmerungsperspektive abgekommen und zu mehr luftperspektivischer Bemalung übergegangen. Seine Gesamtkarte der Schweiz zeigt in ihren spätem Auflagen nicht mehr diese dunklen Töne in den tiefen Partien, sondern jene Ebenen sind in Gelb aufgehellt. ( Siehe Gesamtkarte der Schweiz, mit dem berichtigten Masstab 1: 530,000, Verlag von Schmid, Francke & Cie., Bern, 1886. ) Bei den noch späteren Auflagen macht die Karte eine weitere Aufhellung durch, die sich auf alle Terraintöne erstreckt. Der Titel « Gesamtkarte » verschwindet, und wir haben es mit der « Reise-Reliefkarte » der Schweiz zu tun2 ).
Ähnlich wie diese Schweizerkarte hat Leuzinger auch noch eine Reise-Reliefkarte von Tirol 3 ) und eine Reliefkarte von Mittel- und Südbayern, Nordtirol, Salzburg, beide im Masstab 1: 500,000, erstellt.
Die in diesen Karten von Leuzinger für die Schattenplastik angewandte schiefe Beleuchtung ist seit der Dufourkarte auch für unsere Reliefkarten bis auf den heutigen Tag die Regel geblieben. Das Licht wird dabei meistens als von Nordwesten kommend angenommen. Aber auch Karten mit Südbeleuchtung sind in der Reliefkartographie gar nicht selten und erzielten gute Erfolge 4 ). Kombinationen zwischen schiefer und senkrechter Beleuchtung sind noch ziemlich häufig, wie wir später sehen werden, wogegen solche, wo der Autor ganz zur senkrechten Beleuchtung übergegangen ist, in der schweizerischen Reliefkartographie äusserst selten sind.
Schon im Jahre 1883 bekommt Leuzinger in Fridolin Becker, der sich ebenfalls für Reliefkartenmalerei interessiert, einen Konkurrenten. Becker ging gleich zu grösseren Masstäben über und malte im Auftrag von J. Hofer und Oberst U. Meister eine « Reliefkarte der Albiskette » im Masstab 1: 25,0001 ). Die beiden Herren, Mitglieder des Gruppenausschusses in der Landesausstellung 1883 in Zürich, welche die erste grosszügige Landeskarten-schau brachte, wurden bei Betrachtung der Gygerschen Kantonskarte von Zürich angeregt, wiederum solch anschauliche Bilder erstellen zu lassen. Becker ist mit dieser Albiskarte wohl der erste, der solche topographische Spezialkarten im Sinne der Reliefkartenmalerei auswertet.
Auch Leuzinger geht bald auf grössere Masstäbe über und malt die « Karte des Stockhorn- und Niesengebietes » im Masstab 1: 50,0002 ). Diese Karte müssen wir insofern als Standardwerk ansprechen, als sie für viele spätere Reliefkarten als Vorlage galt. Sie trägt einen nach oben hin abgestuften gelbgrünen Grundton, der das ganze Kartenbild bis zu einer Höhe von 1200 m, von wo aus er sich nach oben allmählich bis gegen 1500 m hin verliert, erfasst. Dazu kommt ein Schattenton in dunklerem olivgrün, der von oben nach unten abgestuft und unter Annahme von schiefer Nordwestbeleuchtung angelegt ist. Wir bezeichnen diesen Kartentyp als « Zweiionkarte*. Im folgenden Jahre setzt Leuzinger diese Niesenkarte nach Westen fort und übertrifft sie besonders in der Farbgebung 3 ). Die graugrünen Töne wirken sehr schön. Das eidgenössische topographische Bureau, das schon einige Jahre vorher als weiterer Interessent für Reliefkarten auf den Plan tritt, lässt 1888 diese zwei Leuzingerschen Karten in einem Blatt unter dem Titel « Stockhornkette Jaun-Thun » erscheinen4 ).
Leuzinger, eidgenössisches topographisches Bureau, Wurster, Randegger & Cie. in Winterthur, Gebrüder Kümmerly in Bern, Hofer in Zürich, sowie der Schweizerische Alpenclub sind die Personen und Institutionen, die in der schweizerischen Reliefkartographie von nun an führend sind.
Als Beilagen zum Jahrbuch des S.A.C. erschienen in der Folgezeit verschiedene Reliefkarten 5 ), und auch das topographische Bureau blieb in x ) Gedruckt von Hofer und Burger, Zürich; einen Ausschnitt dieser Karte findet man bei Becker, Die Schweizerische Kartographie an der Weltausstellung in Paris 1889 und ihre neuen Ziele, Frauenfeld 1890.
2 ) Umarbeitung folgender Blätter des T. A. Amsoldingen, Spiez, Thun und Wattenwil von 1: 25,000 auf 1: 50,000 und Wimmis, das bereits in 1: 50,000 vorlag; als Beilage des Jahrbuches des S.A.C. 1884. Die Karte erschien auch 1886 unter dem Titel « Thun mit Stockhorn und Niesengebiet ».
; ' ) Gedruckt von der Topogr. Anstalt von Wurster, Randegger & Cie. in Winterthur; enthält folgende Blätter des T. A.: Plasselb, Ganterisch, Guggisberg und Rüschegg, Umarbeitung von 1:25,000 auf 1:50,000, ferner Boltigen, das bereits in 1:50,000 vorlag; als Beilage zum Jahrbuch S.A.C. 1886, Bd. XXII.
* ) Diese sogenannte « Stockhornkarte » wurde bei Gebrüder Kümmerly in Bern gedruckt.
B ) Ich zähle sie auf:
1890, Bd. XXVI, Saas- und Monte Moro-Gebiet, von Leuzinger, gedruckt von der Topogr. Anstalt Wurster, Randegger & Cie., Winterthur, brauner Gesamtton, dunklere Schattentöne, grüne Talböden.
der Sache nicht untätig. Unter anderen Karten* ) legt es im Jahre 1889 eine Gotthardkarte im Niesentyp auf. Man erkennt darin aber eine Abweichung von der Leuzingerschen Manier in der Schattengebung. Die am hellsten sein sollenden Lichthänge sind oft dunkel, nur an den Gipfeln ist hellstes Licht. Es ist eine Kombination von senkrechter und schiefer Beleuchtung, wohl auf den Einfluss des französischen Obersten Goulier, der diese Doppelbeleuchtung vorgeschlagen hatte, zurückzuführen. Goulier scheint 1879 beabsichtigt zu haben, unsere Gotthardkarte von 18712 ) in dieser Doppelbeleuchtung malen zu wollen. Ich habe nie etwas gelesen oder gehört, dass er es je getan hätte, hingegen scheint mir diese Karte des topographischen Bureaus von 1890 unter solchen oder ähnlichen Gedankengängen entstanden zu sein. Die Trogtäler des Gotthardgebietes werden zweifellos gut erfasst. Für den Feldbenützer ist die Karte als Ganzes aber zu dunkel.
Der Gedanke der Doppelbeleuchtung ist schon wiederholt aufgetreten, und zwar in verschiedener Form, zuerst so, dass in ein und demselben Kartenbild senkrechte und schiefe Beleuchtung nebeneinander liegen. Wir wissen, dass Dufour in seine Karte 1:100,000 die schiefe Beleuchtung gewählt hat. Im Mittelland hat er aber, in Abweichung vom Prinzip, reichlich die senkrechte Beleuchtung angewandt. Wählt man anderseits die senkrechte Beleuchtung als Hauptbeleuchtung, wie es z.B. die Franzosen für ihre offizielle Karte im Massstab 1:80,000 taten, so muss man bald einsehen, dass es dann in den Felspartien nicht mehr geht, dass man dort zur schiefen Beleuchtung übergehen muss. Auch Finsterwalder hat das erkennen müssen. Bei seiner Karte vom Vernagtferner malt er die grossen Formen in senkrechter, die Detailformen aber in schiefer Beleuchtung3 ).
Eine andere Art, die eigentliche Doppelbeleuchtung, besteht darin, dass man beide Beleuchtungsarten übereinanderlegt. Die ersten Schritte dürften hier die Franzosen getan haben. Unter General Farre arbeiteten sie 1881 energisch an den Vorarbeiten zu einer neuen Karte von Frankreich im Masstab 1:50,000. Zielbewusst legten sie zuerst nach bestimmten Regeln die beiden Beleuchtungen im selben Farbton übereinander und probierten nachher dasselbe mit zwei Farben. Die Originale sollen recht gut gelungen sein, und ich zweifle auch nicht daran, wenn man liest, wie geschickt vorgegangen wurde I ). Die Reproduktion scheint aber versagt zu haben. Auch braucht das Anlegen der Farbtöne nach den bestimmten Regeln recht viel Zeit, derart viel Zeit, dass es für stark kupiertes Gelände und bei kleinem Masstab fast unhaltbar wird. Die Franzosen sahen sich daher genötigt, die Malregel wesentlich zu vereinfachen. Die Methode eignet sich aber recht gut für grosse Masstäbe, wo nur wenig Formen aufs Blatt kommen und mit schiefer oder senkrechter Beleuchtung allein kaum etwas 1891, Bd. XXVII, Evolena-Zermatt-Monte Rosa, Mehrfarbendruck, Betonung der Luftperspektive, Druck mit 14 Steinen, Topogr. Anstalt Gebr. Kümmerly, Bern.
1892, Bd. XXVIII, Albulagebiet, bearbeitet von Kümmerly, Bern. 1895, Bd. XXXI, Oberengadin II, bearbeitet von Kümmerly, Bern.1885 Berner Oberland I, schlechter Erfolg.
1889 Oberengadin I, Niesentyp, Schatten zu kräftig.
anzufangen ist. Ich denke dabei besonders an die Bemalung von Übersichtsplänen 1:5000 und 1:10,000.
Diese durch Ubereinanderlegen zweier Beleuchtungen erzeugte Doppelbeleuchtung hat dann der deutsche Kartograph Fritzsche wieder aufgegriffen. Er legt uns in seinem Buche auch eine gedruckte Probe vor1 ).
Auch Habenicht geht ähnliche Wege 2 ), und da wir gerade in Gotha sind, wollen wir auch der Schulwandkarten von H. Haak gedenken, wo über nach senkrechter Beleuchtung gezeichneten Terrainschraffen noch ein Terrainton nach schiefer Beleuchtung in Schummerungsmanier gelegt ist. Auch Penck empfiehlt diese Doppelbeleuchtung und zieht folgende Variante noch in Berücksichtigung: Die senkrechte Beleuchtung bringt er wohl als Schattengebung an, malt aber in einem Lichtton ( z.B. orange ), was einer zentripetalen Belichtung gleichkäme. Darüber legt er nun den Ton nach schiefer Beleuchtung als Schattenton 3 ). Ich habe dieses Malverfahren selber in einer Handzeichnung versucht. Die Sache muss technisch geschickt angepackt werden, dann kommt man zu ganz brauchbaren Resultaten.
Die letzterwähnte Gotthardkarte 1890 gehört nun zu den Karten der Kategorie: zwei Beleuchtungen auf demselben Blatt nebeneinander, nicht übereinander. Eigentlich doppeltbeleuchtete Karten kenne ich in der Schweiz keine.
Dieser Gotthardkarte folgen nun noch weitere Karten der Landestopographie, als da sind:
1889 Albulakarte I, Niesentyp; 1891 Prättigau I und II, 2. Blatt Niesentyp; 1891 Zweisimmen-Gemmi, Niesertyp; 1892 Säntisgebiet, ausnahmsweise im Masstab 1: 25,000, Niesentyp. Becker geht mit seiner Reliefkarte des Kantons Glarus im Masstab 1: 50,000 4 ) eigene Wege. Er versucht darin, möglichst dem Landschaftsbild nahe zu kommen, und wählt blaugrüne Farbtöne, die er besonders luftperspektivisch behandelt, und fühlt sich im übrigen ganz als Landschaftsmaler. Er will den natürlichen Stimmungsgehalt der Landschaft auch in der Karte wiedergeben 5 ). In seinem Aufsatz über Neuere Bestrebungen auf dem Gebiete der Kartographie s ) äussert er sich über die Leuzingerschen Alpenclubkarten folgendermassen: « Die Clubkarten im Sinne der Blätter Wimmis-Thun ( Jahrbuch XX ) und noch mehr der Blätter Boltigen-Guggisberg ( Jahrbuch XXII ) sind schon viel gelungener und dem Ideal einer Karte näher. Der Effekt ist der eines in graugrünem Tone bemalten Curvenreliefs; den Eindruck einer wirklichen Landschaft erhalten wir aber nicht, da die topographische Zeichnung der Karte noch zu stark vorherrscht und die angebrachten Farbtöne nur konventionelle sind. » « Namentlich fehlt uns die Vorstellung, dass wir uns wirklichen Bergen in einer grossen Distanz gegenüber befinden. Wir sehen faktisch nur ein Relief, das die Grosse der Karte hat; weil wir aber wissen, dass die gezeichneten Formen Berge sein sollten, scheinen sie uns Berge. » Solche Gedankengänge führen schliesslich auch zu Reliefkarten, die Jahreszeiteindrücke festzuhalten versuchten * ).
Damit betritt Becker allerdings ein stark umstrittenes Gebiet. Die französischen Ingenieur-Geographen, denen die Kartographie so viel verdankt, gingen auf jeden Fall noch nicht so weit wie Becker, obschon sie der darstellenden Kunst in der Kartographie einen ehrenvollen Platz einräumten und von denen zu gewissen Zeiten einige sogar als ingénieurs artistes angesprochen wurden. Einer der prominentesten Vertreter dieser Ingenieur-Geographen schreibt 1827: * Quant aux lavis aux teintes naturelles, ce n' est au fond qu' un objet de luxe et d' agrément, une imitation de la nature à la manière des peintres de paysage: nous ne nous occupons point ici8 ). » Er will also von Landschaftsmalerei nichts wissen, und bis heute hat er viele Anhänger, die eine solche Richtung in der Kartographie als Luxus ansehen. Auch Peucker in Wien bekämpft diese Art Kartenkolorierung energisch; er schreibt: « Die Karte soll ein wissenschaftliches Anschauungsmittel sein und nur ein solches. Natureindrücke gewähren, sie wieder hervorzaubern, das verlangt man von den Landschaftsmalern, und wenn er ein Gott begnadeter Künstler ist, so wird ers im Stande sein, nicht aber von der Karte, sie hat andere Aufgaben. Der Kartograph soll nicht Empfindungen wecken, sondern belehren und die Erkenntnis fördern. » Aber auch für die künstlerische Auffassung regen sich Stimmen. So schreibt Amrein im Jahre 1889: « Sehr zu begrüssen würde es sein, wenn ein Landschaftsmaler von Beruf in Verbindung mit einem Kartenzeichner sich an die Lösung dieser Aufgabe machen würde 3 ). » Das ist also bereits die Beckersche Forderung des Gemäldes. Imfeid und Kümmerly nahmen denn auch engen Kontakt mit Landschaftsmalern, und dasselbe tut auch heute Imhof. Becker selber kämpfte tapfer mit der Feder und dem Pinsel in der Hand für diese Auffassung, und er hat manchen Quadratmeter Karten in diesem Sinne nach Aquarellmanier ausgemalt. Es waren dies besonders Schul- und Turistenkarten, sowie solche für Ausstellungszwecke4 ).
Die Lager sind also getrennt. Wie ein Geist spukt die Kunst, schwer fass-und formulierbar, in der Kartographie herum. Während die einen eine Berück- sichtigung dieses Mediums als Ketzerei ansehen, treten andere herzhaft dafür ein. Und, für bestimmte Zwecke, warum denn nicht? Beruht nicht der grosse Erfolg der Schweizerischen Schulwandkarte und vieler Erzeugnisse der Privatindustrie auf dieser Forderung? Nicht umsonst war in der Jury für die Beurteilung der Konkurrenzentwürfe für die Bemalung des Terrainbildes der Schulwandkarte auch ein Maler, nämlich Eugen Burnand, Sépey bei Moudon. Ferner hören wir mit Vergnügen, dass auch bei der Erstellung des Neuen Schweizerischen Mittelschulatlasses ein Maler beratende Stimme hat.
Unter den Plänen und Karten Beckers sind aber nicht nur farbenfreudige Landschaftsgemälde, sondern auch manch eintöniges Bild. Wie Dürer an seinem Lebensabend unbefriedigt auf seine Werke blickte und sagte, dass er es zu wenig verstanden habe, einfach zu sein, so scheint Becker zuletzt Richtung zur eintönigen Karte genommen zu haben. Mit dem kleinsten Aufwand möglichst viel zu erreichen, heisst sein ideal. In einer eintönig geschummerten Karte der Ferwallgruppe glaubt er, das Ideal einer plastischen Gebirgskarte erreicht zu haben1 ).
Dies ist für die Zukunft der schweizerischen Kartographie sicher eine wertvolle Erkenntnis, wie wir nachher sehen werden.
Die Tendenz, sich mit den Landschaftsmalern in Verbindung zu setzen, ist aber sicher beherzigenswert und sollten die Kartographen am besten möglichst viel selber nach Natur zeichnen. Die Fähigkeit der scharfen Beobachtung und des Herausgreifens und Darstellens des Wesentlichen lässt sich dabei ausgezeichnet fördern. In seinem « Essai sur les reconnaissances militaires *)i empfiehlt Allent den Ingenieur- Geographen schon vor mehr als hundert Jahren, das Freihandzeichnen so weit als möglich zu betreiben.
Auch Puissant 3 ) äussert sich über das Landschaftszeichnen: « II est d' autant plus difficile de bien exprimer les rochers, que l'on s' est moins exercé au dessin du paysage et aux levés à vue; c' est une vérité que l'on ne saurait trop répéter à ceux qui se destinent à la topographie générale. Il en est de même des autres parties pittoresques du terrain. » Und Dufour schreibt, allerdings speziell in Anlehnung an die Felszeichnung: « Celui qui est déjà habile dans le dessin du paysage a un avantage marqué, parce que les rochers vus d' en haut, et représentés en projection horizontale, comme cela se fait dans les plans, ont à peu près les mêmes caractères que qu' on les voit de face ou en perspective: ils se dessinent de même 4 ). » Die Erfahrung zeigt denn auch, dass künstlerisch interessierte und begabte Topographen hinsichtlich Darstellung Bestes leisten. Ich erinnere an Bader d' Albe, Osterwald, Wolfsberger, Stengel, Imfeid und Becker5 ).
x ) Beilage zur Zeitschrift des D. u. ö. A. V. 1899.
Dieselbe Ansicht verfocht Becker auch schon deutlich anhand einer Entwicklung von Darstellungsmanieren an ein und demselben Kartenobjekt an der Landesausstellung in Genf im Jahre 1896.
Bei unserer historischen Betrachtung interessiert uns besonders auch die aktive Teilnahme der eidgenössischen Landestopographie an den Reliefkarten-bestrebungen und wie sie teils im Wettstreit, teils in Zusammenarbeit mit der Privatkartographie, das Problem zu lösen versucht. Man fragt sich, warum dies? Lochmann, der damalige Chef des eidgenössischen Bureaus, teilt uns im Jahre 1891, anlässlich der Ausstellung in Genf, folgendes mit:
« Nous cherchons, pour la cartographie de l' avenir, à arriver à une carte Dufour en trois ou quatre couleurs. Nous travaillerons résolument, une fois le moment venu, à l' établissement d' une carte de la Suisse entière au 1:50,000e, avec courbes de niveau et teintes-relief1 ). » Auch stellte die Landestopographie am B. Juli 1891 ein Nachtragskredit-begehren von 20,000 Franken, um die Versuche weiterführen zu können, und das Wissen von diesem Projekt war auch bald Gemeingut aller interessierten Kreise. So schreibt Brückner 1894:
« Gegenwärtig bereitet das eidgenössische topographische Bureau ( Direktor Oberst J. J. Lochmann ) nichts Geringeres vor, als die Herausgabe einer vollständigen Karte der Schweiz in 1:50,000. Als Grundlage dient die Siegfriedkarte 1:50,000 mit allen ihren Einzelheiten, die das Gelände in Isohypsen gibt. Dahinein werden unter Annahme eines Standes der Sonne im Nordwesten Schatten gelegt 2 ). » Als zweite, dazu parallele Ausgabe war die Karte mit blosser Kurvendarstellung gedacht.
Diese Bestrebungen bilden auch den Inhalt des Postulates I der Kartenkommission von 1890. Ein II. Postulat derselben Kommission zielte auf die Erstellung einer Gesamtkarte der Schweiz im Masstab 1: 500,000 mit Relieftönen durch das eidgenössische topographische Bureau; ein Vorschlag, den seinerzeit schon Siegfried machte. Für den internen Gebrauch der Landestopographie kam in der Folgezeit dann allerdings ein 500,000stel, gestochen von Leuzinger, zustande, leider aber ohne Reliefbemalung. Der Kartenbenützer ausserhalb der Landestopographie muss sich heute noch, wenn er diesen Masstab verlangt, an die Erzeugnisse der Privatindustrie halten3 ).
Als 3. Postulat figurierte eine Umarbeitung der Dufourkarte in 3 Farben unter Beibehaltung der Schraffen. In der Folgezeit gab man aber diese unbefriedigende Lösung auf und sprach eher von einer Neuen Karte der Schweiz im Masstab 1:100,000 und einer ebensolchen im Masstab 1: 250,000, beide mit Terrainzeichnung durch Kurven und Terraintöne. Im Jahre 1901 erhielt denn auch die Landestopographie den Auftrag, Studien und Vorarbeiten für die Herausgabe einer neuen Karte der Schweiz im Masstab 1: 100,000 als Ersatz der Dufourkarte an die Hand zu nehmen. Eine der erstellten Proben, das Gebiet der Gemmi betreffend, ist neuerdings veröffentlicht worden 1 ). Eine weitere Probe « Zürich » kennt der Aussenstehende nur aus der Literatur 2 ).
Unter den Versuchen, die zu Postulat I gehören, erscheint im Jahre 1891 eine Manöverkarte für den Truppenzusammenzug als Reliefkarte des Mittel-thurgaus, erstellt von der Landestopographie. Die photolithographische, rasche Erstellung scheint nicht recht befriedigt zu haben. Als letztes Glied in dieser Kartenreihe der Landestopographie, die also 1885 ihren Anfang genommen hatte, ist die Reliefkarte des Vierwaldstättersees aus dem Jahre 1908 zu erwähnen.
Blicken wir auf all die Versuche zurück, so müssen wir sagen, dass es ein gewaltiges Ringen um eine neue, zeitgemässe Darstellung unseres Landes handelt. Von der Dufourkarte ( Schraffenkarte ) zur Siegfriedkarte ( nackte Kurvenkarte ) und endlich zur oben erwähnten 3. Etappe, der Reliefkarte, die eine neue Aera in der schweizerischen Kartographie anstreben sollte. « Une fois le moment venu », schrieb Lochmann Anno 1891, aber der Moment lässt lange auf sich warten. Mit der Vierwaldstätterseekarte wird die Reliefkartenfrage ad acta gelegt, ohne dass ein fester Entschluss für die Ausführung dieses « Neuen Atlasses der Schweiz im Masstab 1: 50,000 mit Relieftönen » gefasst würde.
Andere Aufgaben, wie die Änderung des Höhenhorizontes und des Projek-tionssystems, Erstellung einer einheitlichen Landestriangulation und eines Präzisionsnivellements, Bearbeitung der Schulwandkarte, sowie die Vorarbeiten für die Grundbuchvermessung, Einrichtung einer eigenen Druckerei, harren der Erledigung, und die Reliefkarten, welche die Landestopographie künftig noch erstellt, haben ihren Ursprung mehr in privaten Aufträgen von aussen her als in eigener Initiative3 ).
Die Schweizerische Schulwandkarte, im Masstab 1: 200,000 aus dem Jahre 1900, die unter den Auspizien der Landestopographie von der Firma Kümmerly & Frey erstellt worden ist, half schliesslich viel, den Ruf der Schweizerischen Reliefkartographie in alle Lande zu tragen 4 ).
Die inzwischen stattgehabte Weiterentwicklung der Frage betreffs Postulates I bis zur neuesten Zeit zeigt nun ein ähnliches Resultat wie bei Beckers persönlichem Schaffen: man kommt von der Vielfarbigkeit immer mehr Abb. 1. Gesamtkarte der Schweiz von R. Leuzinger; Masstab 1:500,000, reduziert auf 1: 750,000; gedruckt von der Topographischen Anstalt Wurster, Randegger & Co., Winterthur, 1881; Verlag der J. Dalp'schen Buchhandlung in Bern; Beilage zum Jahrbuch des Schweizerischen Alpenclubs, Band XVII;, Sonderdruck mit Terrainzeichnung; Dämmerungsperspektive.
Abb. 2. Relief-Reisekarte der Schweiz von R. Leuzinger; Masstab 1: 530,000, reduziert auf 1:750,000; Verlag von Schmid, Francke & Cie., Bern; Sonderdruck mit Terrainzeichnung; Luftperspektive.
Abb. 5. Schülerkarte des Kt. Zürich; bearbeitet von Prof. E. Imhof; Masstab 1: 150,000, reduziert auf 1: 200,000; Druck Art. Institut Orell Füssli, Zürich, 1930; Verlag Erzjehungs- Dircktion des Kt. Zürich. Abb. 6. Carta officiale del Cantone Ticino; Bearbeitung und Druck vom Art. Institut Orell Füssli, Zürich, 1930; Masstab 1: 150,000, reduziertauf 1: 200,000: Verlag Flrziehungs- Direktion des Kt. Tessin; Südbeleuchtung.
ab, um nun mit einem oder zwei Tönen auszukommen. Heute sind nun die Umstände für diese Neue Karte der Schweiz im Masstab 1:50,000 bedeutend günstiger, man kann sogar sagen, dass die Erfüllung dieses Postulates nun zur Hauptaufgabe der Landestopographie herangereift ist 1 ). Die Meinungen betreffs Aussehen dieser Karte sind ja noch sehr verschieden. Der eine will als Terraindarstellung nur Kurven, der andere schwärmt von Reliefkarten, und dazwischen liegen die bescheideneren Ansprüche derjenigen, welche eine geschummerte Karte und nebenbei die Ausgabe ohne Ton verlangen. In Anbetracht der Leistungsfähigkeit der modernen Kartenreproduktion und der guten Wirkung der Zweitonkarte fragt sich der Verfasser, ob nicht der Niesentyp auch noch im Bereich des Möglichen liegen könnte. Wahrlich, Musterbeispiele für alle Typen liegen nun genug vor. Bedenkt man noch, dass die photogrammetrische Kurvendarstellung gestattet, bedeutend charakteristischere Bilder zu malen, so darf sich der Kartenersteller und auch der Kartenbenützer der Dinge, die da kommen werden, freuen.
Wir wollen auch noch der letzten Gaben an Reliefkarten vom Schweizerischen Alpenclub gedenken. Imfeid entwirft eine Mont Blanc-Karte im Masstab 1: 50,000 ohne Kurven in 4 Blättern, die dann 1905-1908 in neuer Ausstattung mit Kurven dem Jahrbuch des S.A.C. Bd. XLI—XLIV beigelegt wird. Diese Mont Blanc-Karte galt lange als die vollendetste Reliefkarte in diesem Masstabbereich.
Becker malt 1903 eine Karte der Churfirsten- und Säntisgruppe im Masstab 1: 75,000 und legt sie dem Jahrbuch bei. Dasjenige von 1912, Bd. XLVIII, bringt endlich eine Reliefkarte des Berner Oberlandes und Oberwallis von J. Frey im selben Masstab 1:75,000.
Damit legt auch der Alpenclub, wie vorher die Landestopographie, wenn auch etwas später als diese, die Frage der Reliefkarten zu den Akten.
Überhaupt vergeht ihm alle Lust, sich an der Kartenfrage produktiv zu betätigen. Warum wohl? Ich kenne die Gründe nicht, ahne nur die finanziellen Schwierigkeiten. Ob nicht wie ehedem zu Siegfried und Lochmanns Zeiten in Zusammenarbeit mit der Landestopographie und der Privatindustrie auch heute wieder etwas zu erreichen wäre?
Ich sehe folgende kartographischen Möglichkeiten: Der S.A.C. nimmt durch sein Kartenredaktionskomitee die Vorarbeiten zu der Neuen Landeskarte der Schweiz im Masstab 1: 25,000 an die Hand. In einem turistisch besonders bevorzugten Gebiet verschafft er sich die photogrammetrischen Grundlagen ( Landestopographie, Vermessungsdirektion, Privatindustrie ) und erstellt ein Kartenblatt 1:25,000 nach modernen Gesichtspunkten. Mit der Karte 1: 50,000 befasst sich der S.A.C. graphisch weiter nicht, sondern überlässt das ganz der Landestopographie. Ferner kommt der Alpenclub der zunehmenden Spezialisierung der Turistik weiter entgegen, indem er von wichtigen Gebirgsgruppen oder Kletterbergen photogrammetrisch erstellte Karten 1:10,000 erstellt und publiziert.
1 ) Man hätte nun bei der Neuschaffung der Kartengrundlagen auch Gelegenheit, auf die Reliefbearbeitung Rücksicht zu nehmen, was z.B. bei der Felszeichnung unbedingt notwendig ist und leider bei keiner der erwähnten Kartenproben der Landestopographie und des Alpenclubs in genügendem Masse gemacht wurde.
VII33 Damit will ich meine historischen Betrachtungen abschliessen. Ich habe mich hauptsächlich auf die Bestrebungen des Alpenclubs und der Landestopographie beschränkt, da sie entwicklungsgeschichtlich besonderes Interesse bieten. All die schönen Erzeugnisse der Privatindustrie auch noch aufzuzählen, würde zu weit führen, obschon die Reliefkartographie besonders dieser recht viel verdankt, wie wir gesehen haben. Man darf heute sogar sagen, dass sie nun die eigentliche Trägerin der Traditionen der schweizerischen Reliefkartographie geworden ist, nachdem Landestopographie und Alpenclub sich eher andern Aufgaben zugewandt haben. Turistik, Verkehr und besonders die Schulen werden heute reichlich und gut mit solchen Erzeugnissen der Privatindustrie versorgt x ).
Zum Schluss mag nur noch erwähnt sein, dass für Reliefmalerei die Masstäbe zwischen 50 und 200,000 am günstigsten sind. Auch grössere Massstäbe lassen sich so behandeln, erfordern aber entsprechend mehr Aufwand, man zieht dann vorteilhaft, z.B. bei Plänen, das Kulturgewand der Erdoberfläche zur Darstellung herbei.
Die grösste Zukunft wird ja nicht die Reliefkarte unter den unmittelbar anschaulich wirkenden Karten haben, sondern wohl die geschummerte Karte, eventuell noch die Zweitonkarte2 ). Den geschummerten Karten steht das Gebiet der offiziellen topographischen Karten der meisten Kulturstaaten jetzt schon offen. Die Schweizer Reliefkartenmanier wird eine Spezialität bleiben und wohl kaum für topographische Gesamtkartenwerke ernstlich erwogen werden können. Dies ergibt sich aus dieser Studie über die Entwicklung unserer neueren Landeskartographie deutlich und ist auch aus der heutigen öffentlichen Kartendiskussion erkennbar. Die Privatindustrie wird diese Methode jedoch weiterhin fleissig verwenden, sei es für Schul-, Verkehrs- oder Turistenkarten.