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Gestern vergass ich ein Map mit zu veröffentlichen. Wir sehen das Bilde: Oben Dayuling 大庾嶺. Unten links die anderen Teeanbaugebieten: Cuiluan 翠巒, Cuifeng 翠峰(Tsueifeng) und Jianyang佳陽. Ich hoffe, dass es allen hilft einen kleinen Überblick zu vermitteln.
Der beste Schinken – natürlich aus Parma oder Ibirico; der beste Wein – klar, von Parker gesegnet; das beste Restaurant – sicherlich mit Michelin-Steinchen ausgezeichnet. Der beste Formosa Oolong? Selbstverständlich aus dem höchsten Teegarten: Dayuling 大庾嶺 in Lishan!
Herrscher Jiang und seine Frau Song Meiling
Wo liegt Lishan? Lishan liegt im zentralen Gebirge in Taiwan. Ein Ort, wo der chinesische General Jiang Kaishek 蒋介石seinen Ferienort klärt und seine Soldaten für sich in Anspruch nahmen. Lishan bedeutet der Berg der Birne. Nach dem zweiten Weltkrieg fand ein Herrschaftswechsel in Taiwan statt. Nach dem Japaner kamen Jiang und seine Soldaten. Als sie verstanden, dass sie die Rückeroberung nach China nicht mehr so schnell realisieren konnten, verwandelte Jiang seine Soldaten zum Bauer. Sie beanspruchten Lishan als ihre Obstplantage und pflanzten dort Äpfel, Birne und Pfirsich. Dayuling ist der Gipfel des Berges. Dort gibt es eigentlich keinen Teegarten. Die Teegarten, die auf dem Weg zum Dayuling führt, bezeichnet sich als Dayuling Tee (über 2000M). Wenn Hochlandstee, dann von dem höchsten Gipfel! Taiwanese denken pragmatisch und Teebauer sind intelligent genug. Nun alle Teegärten, die in der Nähe von Lishan liegen, nennen sich als Lishan Tee!
Eigentlich kann Teegarten über 2000 Meter in dem Gebiet liegen, erst den Lishan-Hochlandoolong tragen. Heute wird Tee von Cuiluan 翠巒, Cuifeng 翠峰und Xin (Jiu)Jianyang佳陽 (1500-1800 M) auch als Lishan Tee verkauft! Möchtest Du unbedingt von dem höchsten Teegarten von Formosa Oolong haben? Dann passt gut auf!
Der höchste Teegarten gehört der Familie Chen. Er baute zuerst Pfirsich an. Herr Chen war ein außergewöhnlich mutiger und visionärer Bauer. Es wurde erzählt, dass er einmal Jiang im Spaziergang sah. Er pflückte ein Pfirsich, riskierte sein Leben und brachte Jiang sein Frucht. Er wurde bekannt und seine Pfirsiche schloßen an einen großen Markt. Dieser Bauer Chen wechselte seinen Geschmack zum Tee. Er pflanzte Teepflanzen zwischen Äpfel und Birnebäume. Wenn Teebäume nach paar Jahren Ernte bereit waren, fiel er die Obstbäume ab. Lishan Hochland Oolong Tee wurde durch sein Unternehmen berühmt und das Synonym von „der beste Oolong“ in Formosa!
Nach dem Erbeben 1999 wurde immer wieder diskutiert, ob man Lishan vor weiterer Nutzung sperren sollte. Warum? Darüber sprechen wir ein anderes Mal!
Das Volk Taiya lebte friedlich in Lishan bis die Zivilisation sie erreichten. Sie bekämpften chinesische Einwanderer und japanische Herrschaft erfolglos und mussten sich unterordnen. Nun sind sie Normanden in der Baustelle in den Städten geworden. Die einstigen Formosa Jäger wurden heute entwurzelte Alkoholiker…
It is sommer time! Wir fahren heute nach Freiburg zum Teemeister Ulrich Haas. Über Höllental und Hirschsprung, durch den Schwarzwald und über die Donau dauert die Fahrt gut zwei Stunde.
Detlef und ich plauderten während der langen Fahrt über die Borniertheit der Schweizer Medien (bevor er mich in Radolfzell abholte, habe er gut 20 Minuten lange SF Radio zugehört), über das „wohlwollende“ deutsche Steuergeld in Einsatz im Ausland, die Scharia in Afghanistan und den zum Tod verurteilten Christ Abdur Rahman. Plötzlich fragte er, der einstiger Universitätsgelehrte mich, was ich über den neuen Streit von Ärzten – gesellschaftliche Elite von oberer Schicht und Müllabfuhrmänner – Elite von unterer Schicht denke. Ich lachte über seine Formulierung. Er sagte, „es sind interne Ressourcen – Verteilung, nicht?“ Der innere Verteilungskampf auf Kosten der immer dünner gewordenen Mittelschicht. Alle wollen mehr Geld. Woher sollte mehr Geld her fließen. Irgendwo wird gemelkt – wir sparen sicher nicht bei der Gesundheit! Wir brauchen Ärzte das Problem der gestopften Müllabfuhr im Körper zu lösen und andererseits die Müllabfuhrmänner die stinkenden Abfälle des Haus abzutransportieren! Hat der Mittelschicht so viel abzugeben? Wie lange halten sie in Deutschland noch aus? Dass Herr Oettinger mit seiner Idee, den Lohn des älteren Arbeitsnehmers zu kürzen, um die Wirtschaft zu fürdern, noch eine absolute Mehrheit in Baden-Württemberg erreichte und weiter seine Macht ausübt, zeigt, wie selbstverständlich diese Art von Denken im Lande verbreitet ist. Der Zeitgeist unserer Gesellschaft ist, das reicht, dass es mir noch gut geht. Massen Entlassung in Unternehmen, wo Rekordgewinn gefeiert wird! Wie lange muss der Mensch noch warten und erleben, bis er endlich realisiert: wenn es Dir gut geht, geht es mir auch gut!
Bald kamen wir in den Teeraum an. Dort hing eine Schriftrolle: das grenzlose Glück! Auf dem Tatami steht ein Gestell im Stil von Yoshino Dayu. Der Kessel summt und schwingt in der Luft. Der Duft des Sandelholzes hebt uns in eine andere Welt.
Ein ruhiger Nachmittag, die Sonne schien und der frische Wind der Frühling wehte. Detlef schlug eine Schale Tee. Ich atmete ganz ganz leise. So Stil… So friedlich, als ob es schon immer so wäre.
Detelf mit Yoshino Gestell
Gestern haben wir genug gelesen von Qingxin- Oolong 青心烏龍(Ruanzhi-Oolong 軟枝烏龍) – Oolong vom weichen Stamm. Heute möchte Oolongbäume vom „starken“ Stamm darstellen.
Das geheime Labor von Formosa Oolong sitzt in Taoyuan. Dort werden neue Teebäume geklont, oder neue Sorte experimentiert. Die Japaner gründeten den Geheimdienst und Chinesen führen nun weiter ununterbrochen. Das Ziel, neue Teebäume zu züchten verbindet zwei verschiedene verfeindete Herrschaften!
1981 entdeckte der Vater des Formosa Oolongs Wu Zhenyi zwei neue Teebäumen: Jinxuan 金萱 und Cuiyu (Jade) 翠玉. Alle andere Oolongbäumen stammen ursprünglich aus China. Jinxuan und Cuiyu sind nun die erste taiwanesische Generation des Formosa Oolong! Ein wichtiger Schritt der Tee-Geschichte.
Die Karriere dieser neuen Sorten liegen nicht an dem taiwanesischen Komplex des eigenen Oolongs, sondern an der Wirtschaftlichkeit, die diese Bäume anbieten! Der Ernteertrag von Jinxuen beträgt 20-25% mehr als Qingxin. Beim Cuiyu liegt der Ernteertrag ebenfalls mind. etwa 20% höher als Qingxin!
Jinxuan wachsen regelmässiger als andere Sorte und sind deswegen geeignet für industrielle Verarbeitung. Die typische Note ist bei allen Oolongs einmalig. Er schmeckt leicht nach Osmanthusblüte, aber noch mehr nach feiner aromatischer Alpenmilch – in taiwanesischer Vorstellung! Diese geheimnisvolle Milchnote kennzeichnet der beste Oolong aus Jinxuan-Baum. Jinxuan wurde beliebt und erobert den taiwanesischen Markt. Beim Hochlangoolong unter 1600 Meter findet man auch seine Spuren, während der Platz beim Hochlandoolong über 1600 Meter auschliesslich den Qingxin-Oolong verfügt. Jinxuen Oolong ist der zwei verbreitete Oolong in Taiwan.
Cuiyu (Jadeoolong) enthält sehr fesselnden feinen Blumenduft. Er erinnert mich oft an natürlichen Jasminduft. Momentan verbreitet sich der Jadeoolong in Pinglin, Yilan, Taidong und Nantou. Er findet beim Hochlandoolong über 1000 Meter auch keinen Platz, denn seiner „starker“ Stamm sammelt sich im Gebirge zu viel Wasser. Seine Blätter werden in der hohen Lage dicker und der Nebel in Bergen verhindert ausreichende Welken- und Ruhe-Prozesse. Darum scheitert der Jadeoolong seinen Anspruch in diesem Territorium Wettbewerb.
Wu Zhenyi vor dem Verwandte des Qingxin Oolongs in Jianyang
Die beiden neuen Helden bereichern die Welt der Formosa Oolongs, aber verdrängen gleichzeitig den Lebensraum vieler tradtioneller Sorten. Die grausame Evolution findet überall statt, auch beim Tee… Diese Tendenz ist leider nicht aufzuhalten
Teefreund Gerhard Lange erzählte mir von einem Oolong Namens „Luanzi“ Oolong. Der Name hat mich irritiert. Später realisierte ich, dass Luanzi Oolong der „Ruanzhi“ Oolong 軟枝烏龍 sei. Eine Oolongteebaumsorte, der am längst in Formosa angebaut wurde und am breitesten verbreitet ist.
Teebauer in Dongding bezeichnet Qingxin Oolong 青心烏龍als „Ruanzhi“ Oolong, während man in Pinglin ihn als „Jinhiah“ 種仔nennt. Ruan 軟- weich. Zhi 枝- Stamm.
Es wurde erzählt, dass englischer Teehändler Dodd 1866 nach Formosa kam und aus Anxi Qingxin Oolongbäume mitbrachten. Er verteilte die Bäume an Vertragsgebundene Teebauer und dieser Bäume setzten sich im Lauf der Geschichte in Formosa durch. Da Samen und Setzlinge von Qingxi Oolong eingepflanzt wurden, gab es viele verschiedene Variationen dieser Sorte. Allgemein treibt diese Sorte später als andere Sorte. Die Erntezeit verändert sich durch Klima und Höhe des Anbaugebietes. In Taidong könnte im Februar bereits ernten, während die Ernte in Nantou im April und Lishan erst Ende Mai oder Juni stattfindet.
Die Beliebtheit von Qingxin Oolong ist auf die Duftnote dieses Tees zurückzuführen. Diese typische Duftnote des Qingxin Oolongs (im Taiwanesisch 種仔旗 or 烏龍旗) prägt den Geschmack aller Teeliebhabers in Taiwan. Ein wenig nach Orchiden und doch eine Spur von Osmanthusblüte (ich empfinde auch eine Note von Zitronenbluteduft – vor allem, wenn er leicht nach fermentiert wurde) sollte dieser Traumduft des Qingxin Oolong sein!
Dieser Oolong ist der zwei teuerste Oolong nach dem Tie Guangyin auf dem taiwaneischen Teemarkt!
Wie erkennt man diesen Oolong von anderen Oolongbaumsorten? Von den Blättern! Dieses Teeblatt hat ovale Form und deutliche Zacken am Rande!
Die Bezeichnung Ruanzhi Oolong (oder Luanzi) wird nur selten verwendet. Allgemein verständigt man diesen Oolong mit dem Name „Qingxi Oolong“. Diese Teebaumsorte ist sehr gut geeignet für die Herstellung von Hochlandsoolong, Dongding 凍頂 烏龍 (originaler Dongding Oolong muss von diesem Baum hergestellt werden) und Baozhong (Paochung), Oriental Beauty aus Pinglin.
Die typische Blattform von Qingxin Oolong
Heute schneit es Wieder, obwohl Vögel ständig nach dem Frühling rufen. Meine Sehnsüchte nach dem Frühling werden immer aufdringlicher in dem leisen rieselnden Schnee.
Magengrippe, Kopfschmerzen und das entfernte Dasein von meiner Heimat, wo Wärme, Geborgenheit und Boden bedeutet, machen mich in diesen Tagen ziemlich zu schaffen. Ruhelose Nächte zerrten meine Lebensenergie.
Manchmal. Nur Manchmal fühle ich mich wie eine Spinne. Eine Spinne, die aus ihrem Netz runter gefallen ist und nicht mehr schafft, wieder zurück zu seilen.
Der Durst, der Geschmack und das unbewusste Verlangen schreien nach einer Befriedigung. Ich machte mir zuerst einen Kaffee. Da meine Vater zu Export Pioneer von Taiwan zählte, kannte ich seit der Kindheit Kaffee. Vater liebt alle Exotische und Neuigkeit. Er pflegt seine Kaffeeliebhaberei, indem er Bohne selbst röstete und frisch mahlte. Ich kannte Jacobs Kaffee in Taiwan nicht und das macht mein Leben in Deutschland ziemlich schwer. Der frische Kaffee Geschmack ist in meiner Kaffee-Erfahrungen in Europa eine Rarität geworden. Während mein Vater mich mit seiner neuen Errungenschaft verzauberte, trank mein Opa immer in Stile seinen Tie Guanyin. Opa ist nun schon längst im Paradies und Vater ist weit entfernt. Durch seine ständige Geschäftsreise war er eigentlich in meiner Kindheitserinnerung abwesen. Was bleibt, ist der Geruch des frisch gebrühten Kaffees.
Nun trinkt er immer weniger Kaffee wegen seinem Herz. Die Zubereitungsaufgabe übernimmt heute meine Schwester. Seit man in Taipei den jeden Tag frisch gerösteten Kaffee kaufen kann, wird in der Familie auch nicht mehr Kaffee geröstet. Schwester macht meinem Vater nun meistens Tee. Ihm ist es allerdings egal, was für einen. Er versteht meine Leidenschaft mit Tee nicht. Er trinkt hauptsächlich Oolong und nur keinen Oriental Beauty. Mit diesem Angeber Tee mit seinem hohen Preis kann Vater nie befreunden. Seine Generation hat Taiwan Reichtum und Wohlstand erarbeitet, aber er lebt wie viele seine Freunde immer noch in einem einfachen Verhältniss. Für ihn ist der Geschmack des einfachen Oolong der Geschmack des einfachen Lebens. Der Tee, der den ruhigen Lebensabend eines tüchtigen Mannes begleitet.
Freundin Karin kam heute zum Besuch. Eine Frau, die gleichzeitig, Köchin, Schneiderin und allein erziehende Mutter ist, hat das Leben nicht einfach in einer reichen Stadt wie Zürich. Das Schicksal meinte nicht immer gut mit ihr. Der Vater der Tochter starb durch unheilbare Krankheit und hinterließ ihr den harten Überlebenskampf mit dem Kind allein. Später wiederholte das Schicksal: der Vater des Sohnes verließ sie und sie musste wieder allein ihr Leben anpacken – mit zwei Kindern. Sie wusste, dass das Schicksal sich wiederholt, wenn Menschen nicht aus ihrem Fehler lernen. Sie wurde als ein dreijähriges Mädchen von ihrer Mutter ins Heim geschickt, weil der Vater die Familie verließ. Als ein dreijähriges Mädchen litt sie immer wieder an Blasenentzündung, weil das Schuldgefühl an dem Geschehen sie nicht losließ. Selbst das Schicksal nicht immer gut mit ihr meint, bemüht sie diesen Kreislauf zu brechen. Allein hat sie ihre Kinder aufgezogen.
Ich lernte sie richtig kenne, als wir zusammen Tee tranken. Eine Frau, die mir ganz fremd erscheint – aus einer anderen Welt, in der der nackte Überlebenskampf den Alltag herrscht. Sie spricht eine andere Sprache und bewegt sich in einen anderen Habitus. Als eine Akademikerin im Elfenbeinturm spüre ich eine Kluft, die mir auf meiner Grenze der „tatsächlichen“ Lebenserfahrungen aufzeigt.
Als mein Lieblingsdancong – Phönix Dancong vom Teetaster Chen aufgegossen wurde, strahlte sie in einer kindlicher Begeisterung: „Ach, ich bin in einem Garten von Pfirsich! Licht, Wärme und Duft von reifen Früchte“ Eine gute Köchin mit unglaublich feiner Sensibilität und Empfänglichkeit! Anschließend habe ich Buddha Hand Oolong aufgegossen. Sie lachte und erzählte mir, von dem Mandelblütemeer in La Gomera und der Duft der gebrannten Mandel. „Doch er duftet nun nach Zitrusfrüchte. Kann das sein?“ Sie fragte mich nach paar Minuten nach dem Aufguss. Ich bewundere ihre Nase, die die Grenze überspringt. Bis jetzt hat noch niemand mir gesagt, dass Buddha Hand nach Zitrusfrüchten duftet. Buddha Hand duftet tatsächlich in taiwanesischer Vorstellung nach eine Art Zitrusfrüchten, die jedoch in Europa nicht wachsen und unbekannt bleiben.
Karin ließ sich gern von Tee und Duft verzaubern. Wir machten eine Duftzeremonie zusammen. Die Düfte des warmen Sandelholzes und eleganten Adlerholzes hoben uns ab und füllten die Lücke der Lebenslage. Menschen aus verschiedener Kulturen, Lebenslage und Erfahrungshorizonte begegnen sich in einer Welt des Tees und Duftes, wo die Sprache überflüssig wird. Was für ein großartiges Geschenk vom Kosmos!
Gehen wir Tee trinken? 吃茶去