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Den Himmel sehen und verstehen. Abendrot, Regenbogen und Brockengespenst
DEN HIMMEL SEHEN UND VERSTEHEN
T E X T / F o T o sMarco Volken, Zürich
ie Bläue der Luft wurde als Grund für die Bläue des Himmels genannt. Aber dann stellt sich die Frage: Wie soll das Licht des Sonnenaufgangs oder -untergangs, das einen weiten Weg durch die Luft zurücklegt, gelb, orange oder rot sein, wenn die Luft tatsächlich blau wäre? Der Durchgang von weis-
« D
sem Sonnenlicht durch ein blaues Medium könnte ja das Licht unmöglich rot färben. Die Hypothese einer blauen Atmosphäre ist somit unhaltbar », schrieb John Tyndall im 19. Jahrhundert. Der Brite, den Alpinisten am ehesten als Erstbesteiger des Weisshorns und Fast-Erstbesteiger des Matterhorns kennen, war auch ein bedeutender Physiker. In seinen Six Lectures on Light aus den Jahren 1872/73 legte er eine bis heute gültige Erklärung für die Bläue des Himmels vor. Doch es gibt noch mehr optische Phänomene in der Natur, deren physikalische Grundlagen Alpinisten interessieren dürften.
Foto: Marco Volken
DEN HIMMEL SEHEN UND VERSTEHEN
Bunte Wellen
Das Licht breitet sich mit Wellen aus, genauer gesagt mit elektromagnetischen Wellen, also Schwingungen von elektrischen und magnetischen Feldern, wie sie auch bei Radiowellen oder Mikrowellen vorkommen. Dabei entspricht jede Farbe einer bestimmten Wellenlänge: Beim violetten und blauen Licht ist sie kürzer ( 400–500 Nano-meter ), bei orangem und rotem länger ( 600–700 nm ), Grün und Gelb liegen dazwischen. Weisses Licht ergibt sich aus einer ausgewogenen Mischung vieler Einzelfar-ben. Im Sonnenlicht beispielsweise stecken fast alle Töne des Farbspektrums.
Die Sonne ist also weiss. Auf einer Erde ohne Atmosphäre würde sie wie eine extrem helle runde Scheibe aussehen, und drum herum wäre der Himmel schwarz, so
Langzeitbelichtung in einer Winternacht am Titlis. Die Kamera wurde kurz nach Sonnenuntergang ausgelöst. Die Gipfelkuppe leuchtet im Widerschein des Dämmerlichts ( Alpenglühen ). Am Horizont zeichnet sich grüngelb die gestreute Licht-verschmutzung des Grossraums Mailand ab. Und die Sterne ziehen ihre Bahnen – jeder in seiner eigenen Farbe, was uns zeigt, dass nicht alle Sterne so weiss-gelb strahlen wie unsere Sonne.
Als « Blaue Stunde » bezeichnet man die Übergangsphase zwischen Dämmerung und Dunkelheit. Im Val di Lodrino.
Weisses Sonnenlicht ergibt blauen Himmel. Da der Mond nichts anderes als die Sonne reflektiert, müsste auch ein Vollmondhimmel blau sein. Die Nachtaufnahme am Titlis beweist es.
schwarz, dass man die Sterne selbst am Mittag bewundern könnte. Doch unser Himmel ist tagsüber mal blau, mal orange, mal grau oder weiss, aber vollkommen finster ist er nie.
Wieso « leuchtet » denn der Himmel? Weil die Luft das von der Sonne kommende Licht ablenkt und weitergibt. Die Atmosphäre setzt sich aus ganz vielen Partikeln zusammen, in erster Linie aus Gasmolekülen, aber auch aus Schwebestaub ( sog. Aerosol ), Dunstteilchen, Nebeltröpfchen und anderem. Wenn das Sonnenlicht durch die Atmosphäre scheint, stossen die Lichtwellen mit all diesen Teilchen zusammen. Dabei wird das Licht teilweise abgelenkt, und zwar in alle Richtungen – ein Phänomen, das die Physik Streuung nennt. Wenn wir nicht in die Sonne schauen, sondern daneben, sehen wir daher nichts anderes als das abgelenkte, gestreute Licht.
Die Farbe des Himmels
Bei grösseren Teilchen wie Dunstpartikeln oder Wolkentröpfchen ist die Stärke der Streuung für alle Farben des Lichtspektrums gleich ( Mie-Streuung ). Sind die Teilchen hingegen viel kleiner als die Wellenlänge des Lichts, was bei Gasmolekülen der Fall ist, dann streuen sie nicht jede Farbe gleich stark: Blaues Licht wird etwa zehnmal intensiver abgelenkt als rotes ( Rayleigh-Streuung ).
Damit lassen sich viele Farbeffekte erklären. Bei schönem Wetter, wenn wenig Dunst oder Nebel in der Luft liegt, dominiert die Rayleigh-Streuung, und die farbneu-trale Mie-Streuung spielt nur eine untergeordnete Rolle. Der Himmel wird entsprechend mit weitgehend blauem
Streuung an Luftmolekülen ( Rayleigh-Streuung ) Rotes Licht wird durch Gasmole-küle weniger stark gestreut als blaues. Ein weisser Lichtstrahl, der aus allen Farben zusammengesetzt ist, wird somit seitwärts mehr blaue Anteile verlieren, im geradeaus scheinenden Strahl bleibt im Gegenzug mehr Rot.
Morgenrot am Monte Tamaro ( links ) und Monte Gambarogno. Der hohe Dunst- und Schad-stoffgehalt der Luft sorgt für eine intensive Rotfärbung des Himmels. Der Wolkenschirm wirft dieses Licht auf die Landschaft hinunter, weshalb auch die Schneefelder rötlich schimmern.
Fotos/Gr afik: Mar co Volken Nebel und vollkommen be deckter Himmel sorgen für eine starke Reduzierung der Kon traste. Rimpfischhorn und Alla linhorn.
Fotos/Gr afik: Mar co Volken Streuung an Dunst oder Nebel ( Mie-Streuung )
orange bis rot. Deshalb ist das Abendrot bei bewölktem Himmel und in abgasbelasteten Regionen ausgeprägter als bei wolkenlosem Wetter und im Hochgebirge. Reine Luft bleibt selbst bei Sonnenuntergang blau.
Kurz nach Sonnenuntergang, wenn die Sonne erst wenig hinter dem Horizont liegt, spricht man von Dämmerung. Bei klarer Luft kann man dann eine Purpurfärbung des Himmels feststellen – womit sich der Kreis der Farben schliesst, liegt doch Purpur auf dem Weg von Rot zurück zu Blau. Mit viel Glück zeigt sich während der Dämmerung zudem ein Alpenglühen. Umgangssprachlich meint man damit oft die letzten, rötlichen Sonnenstrahlen an einem Berg. Streng genommen jedoch bezeichnet Alpenglühen den Widerschein der bereits untergegangenen Sonne, also eine indirekte Beleuchtung der Berge durch das gestreute, purpurne Dämmerlicht. Echtes Alpenglü-
Licht gefüllt. Dieses Himmelsblau ist umso ausgeprägter, je reiner die Luft ist, also in der Höhe, bei niedrigen Temperaturen oder nach einem reinigenden Gewitter.
Die starke Blaustreuung entzieht dem vorwärts scheinenden Lichtstrahl viele Blauanteile, prozentual bleibt im Strahl somit mehr Gelb und Rot drin. Je länger die Strecke, die der Lichtstrahl durch die Erdatmosphäre zurücklegen muss, desto stärker kippt seine Farbe Richtung Rot. Am längsten ist diese Strecke, bedingt durch den flachen Einfallswinkel der Sonne, bei Sonnenuntergang. 1 Alles, was direkt angestrahlt wird, also die ganze Landschaft, aber auch Wolken, Nebel oder Dunst, leuchtet dann
1 Diese und die folgenden Überlegungen gelten in umgekehrtem Sinne auch für Sonnenaufgang bzw. Morgendämmerung.
Grössere Partikel wie Aerosol, Dunst- oder Nebeltröpfchen streuen das Licht unabhängig von der Farbe. Es kommt somit zwar zu Helligkeitsverlust, nicht aber zu Farbverschiebungen. Weisses Licht bleibt also weiss oder wird allenfalls neu tralgrau. Licht bricht durch die Wolken ins hintere Engelbergertal. Dass nicht nur die angestrahlte Bergflanke leuchtet, sondern auch der Lichtstrahl an sich sichtbar
hen ist deshalb schwach ausgeprägt und lässt sich nur bei günstigen Verhältnissen beobachten.
Am Ende der Dämmerung, nach dem Purpurlicht, verschwindet allmählich alles Rote, und wieder kommt jene Farbe zur Geltung, die genug stark gestreut wird, dass sie ein bisschen um die Erdkrümmung herum kommen kann: Es ist dann die blaue Stunde.
Die schwarz-weisse Welt der Wolken
Wie erwähnt, ist die Streuung des Lichts an Gasmolekülen je nach Farbe unterschiedlich stark, nicht jedoch bei grösseren Teilchen wie Wolkentröpfchen. Das erklärt, weshalb Wolken farbneutral sind: Das einfallende Licht wird darin ohne jede Farbpräferenz gestreut. Eine Wolke in weissem Sonnenlicht erscheint demnach weiss – oder grau bis fast schwarz, wenn sie sehr dicht ist und viel Licht verschluckt. Wird die Wolke dagegen von farbigem Licht angestrahlt, z.B. von Abendrot, wird sie in derselben Farbe glühen.
Die gleichen Überlegungen gelten für Dunst und Nebel, die mit den Wolken verwandt sind. Deshalb führen auch sie zu keinen wesentlichen Verfärbungen des Lichts. Hingegen kann man im Dunst oder Nebel manchmal einzelne Strahlenbüschel erkennen. Besonders schön lässt sich dieser Effekt im Wald beobachten, wenn die Sonne den Nebel auflöst und durch die Baumkronen hindurch einzelne Strahlen wirft oder wenn die Taschenlampe im Nebel einen Lichtkegel bildet. Dass diese Strahlen sichtbar werden, ist ebenfalls das Ergebnis der farbunabhängi-gen Mie-Streuung.
wird, ist ebenfalls eine Folge der ( Mie-)Streuung an Wassertröpfchen und wird als Tyndalleffekt bezeichnet.
Wenn der Regen einen Bogen schlägt
Streuung ist nicht der einzige Vorgang, der einen weissen Lichtstrahl in seine Farben aufteilen kann. Wenn eine Welle, also beispielsweise Licht, von einem Medium ( z.. " " .B. Luft ) in ein anderes ( z.. " " .B. Wasser ) übergeht, dann ändert sie ihre Richtung. Das ist die sogenannte Brechung, wie man sie auch an einem Bleistift beobachten kann, der schräg in einem Wasserglas steckt und so wirkt, als wäre er geknickt. Beim Licht ist der Brechungswinkel abhängig von der Wellenlänge, d.h. von der Farbe. Ein bekanntes Beispiel dafür ist das dreieckige Prisma, das die Farben schön auffächert.
Ein Lichtstrahl, der auf einen Wassertropfen trifft, wird analog an der Eintrittsgrenze gebrochen und farblich aufgetrennt, dann an der Rückwand gespiegelt und beim Austritt ein zweites Mal gebrochen, und zwar so, dass die einzelnen Farben wieder parallel, aber getrennt verlaufen. Aufgrund der Form des Regentropfens – er ist nicht « tropfenförmig », sondern weitgehend kugelför- mig – wird ein guter Teil des reflektierten Lichts unabhängig vom Eintrittspunkt unter einem Winkel von 42° zurückgeworfen. Scheint die Sonne auf einen Regenvorhang, dann addieren sich die Reflexionen an den einzelnen Tropfen zu einem Regenbogen.
Der Winkel zwischen Ein- und Austritt des Lichts aus dem Tropfen bestimmt die Lage des Regenbogens: Zwischen Sonneneinfall und Blickrichtung beträgt der Winkel ebenfalls spitze 42°. Bei hohem Sonnenstand kann man somit gar keinen Regenbogen sehen; Chancen dazu hat man nur bei tiefem Sonnenstand, also z.B. am späten Nachmittag oder Abend, und zwar mit der Sonne im Rücken. Wenn plötzlich noch Sonnenstrahlen auftauchen und es irgendwo in der Nähe regnet, lohnt es sich also, der Sonne den Rücken zu kehren!
ein kreisrunder Reifen mit einem Winkelabstand von 22° um die Sonne. Die Farben sind nicht besonders ausgeprägt und verblassen nach aussen hin, sodass vom Farbspektrum meist nur Rotbraun ( am klar abgegrenzten Innenrand ), Orange und Gelb zu sehen sind, während Grün, Blau und Violett zu diffusem Weiss verschmelzen. Weitere oft zu beobachtende Haloarten sind die Nebensonnen ( helle, meist regenbogenfarbige Lichtflecken 22° links und rechts der Sonne ) sowie die Lichtsäulen ( senkrechte Lichtstreifen über oder unter der Sonne ).
Nicht zu verwechseln mit einer Haloerscheinung ist der sogenannte Hof, auch Kranz oder Corona genannt, eine ebenfalls ringförmige Aufspaltung der Farben rund um Sonne oder Mond. Anders als der kleine Haloring liegt der Hof dicht an der Lichtquelle und weist breitere, wesentlich besser unterscheidbare Farbstreifen auf. Nicht selten schliesst sich dem Hof nach aussen ein zweiter oder gar dritter an, womit sich die Farben in regelmässigen Abständen wiederholen. Höfe entstehen, wie auch die verwandten irisierenden Wolken ( Wolken mit flächigen Perlmuttfarben ), nicht durch Brechung, sondern durch Beugung, eine komplizierte Umlenkung der Lichtwellen um die Wassertröpfchen oder Eiskristalle. Sie treten vor allem bei relativ dünnen Schichtwolken wie Cirrocumuli, Altocumuli, Altostrati oder Föhnfischen auf.
Zu den bekannten Phänomenen im Gebirge gehört auch das Brockengespenst, wie der eigene Schattenwurf auf eine Nebelwand heisst. Mit etwas Glück lässt sich dann um den eigenen Schattenkopf ein « Heiligenschein »
Halos, Höfe und Heiligenscheine
Eiskristalle, wie sie in hohen Wolken vorkommen, können durch Brechung ähnliche Farbspiele hervorrufen. Im Vergleich zu den runden Regentropfen sind die Eiskristalle allerdings komplizierter aufgebaut, meist als sechseckige Plättchen. Diese lenken das Licht abhängig von ihrer Raumlage und vom Lichteinfallswinkel auf komplexe Weise um. Die dabei entstehenden « Eisbogen » werden unter dem Namen Halo zusammengefasst und entstehen nicht gegenüber der Sonne, sondern um diese herum. Eine häufige Haloerscheinung ist der kleine Ring,
Beim Rifugio Longoni im Valmalenco zieht ein Gewitter ab. Mit etwas Glück lässt sich aussen am Hauptregenbogen ein Neben-regenbogen beobachten, mit um- Foto/Gr afiken: Mar co Volken 42° Regenbogen 42° Brechung Luft Wasser gekehrtem Farbverlauf. Dieser entsteht in einem Winkel von ca. 52 Grad durch zweimal reflektiertes Licht, weshalb er auch deutlich schwächer ist. Fällt ein Lichtstrahl auf einen Wassertropfen, wird er beim Eintritt gebrochen, also abgelenkt, und zwar je nach Farbe unterschiedlich stark, an der Hinterwand des Tropfens reflektiert und beim Austritt nochmals gebrochen. Der Winkel zwischen Ein- und Austritt beträgt 42°. In einer Regenwand verstärken sich die Reflexionen der einzelnen Tropfen zu einem Regenbogen.
Fotos/Gr afiken: Mar co Volken In strukturlosen Schneelandschaften kann stark diffuse Reflexion die Trennlinie zwischen Himmel und Erde zum Diffuse Reflexion Normale Reflexion Bei klarem Himmel strahlt die Sonne direkt auf die Erde und bildet deutliche Schatten, die dem Gelände Tiefe verleihen. Nicht so bei stark bedecktem Himmel: Auf dem Weg zu uns wird das Licht durch die dicke Wolkenschicht derart oft gestreut, dass es uns am Schluss aus allen Richtungen erreicht und keine Schatten mehr wirft.
Verschwinden bringen. Solche Whiteouts sind zu Recht ge- fürchtet. Auf dem Vadrec da la Bondasca, Bergell.
beobachten, der – genau wie beim Hof – alle Farben in konzentrische Kreise aufteilt. Auch hierbei handelt es sich um einen Beugungseffekt.
Zu viel Weiss kann schaden
Unter Whiteout versteht man die kontrastlose Helligkeit, die bei vollkommen bedecktem Himmel, Schneefall oder Nebel auf einer weiten, ebenmässigen Schneefläche entsteht. Das Licht wird unter solchen Bedingungen unzählige Male zwischen Himmel und Schnee hin und her reflektiert und durch den Nebel weiter gestreut. Als Folge dieser stark diffusen Reflexion erreicht uns das Licht von allen Richtungen und kann keine Schatten mehr werfen. Himmel und Bodenoberfläche, beide weiss, verschmelzen dadurch zu einem grossen, absolut strukturlosen Raum ohne Horizontlinie. Das bewirkt auch, dass wir keine visuellen Referenzpunkte mehr haben und weder unseren eigenen Abstand zum Boden noch andere Distanzen erkennen können. Besonders tückisch sind ausgeprägte Whiteouts auf Skitouren, wo der Verlust des Gefühls für die eigene Körperlage und -bewegung ein echtes Problem darstellen kann. Bei stundenlangem Aufenthalt in einer solch diffus ausgeleuchteten Umgebung kann es zu einer starken Trübung des Gleichgewichtssinns, Orientierungslosigkeit, Übelkeit und im schlimmsten Fall gar Halluzinationen kommen. Und das wegen ein bisschen zu viel Weiss. Da wünscht man sich nichts sehnlicher zurück als ein wenig von Tyndalls Bläue. a
Typischer Halo: Die leuchtenden Farbflecke am linken und rechten Bildrand sind Nebensonnen. Am Vanil Noir. Der eigene, auf eine Nebelwand projizierte Schatten ist unter dem Namen « Brockengespenst » bekannt. Hier ist der Schatten von einer Glorie umgeben, einer Art farbigem « Heiligenschein », die mit dem Hof verwandt ist. Bei genauerem Hinsehen sind es in diesem Fall gar mehrere konzentrische Glorien.
1 Kleiner Ring 2 Nebensonnen 3 Lichtsäulen Halo Hof ( Kranz ) 1 2 2 3 3 22° Schwach erahnt man den Kreis, der sie um die Sonne herum verbindet. Im Aufstieg zur Ludwigshöhe ( Monte Rosa ). Als Halo bezeichnet man alle Farbmuster, die durch Brechung an Eiskristallen in hohen Wolken ( Cirrus, Cirrostratus ) entstehen – abhängig von der Form und Raumlage der Kristalle. Dazu gehören der kleine Ring, die Nebensonnen und Lichtsäulen. Haloringe befinden sich immer in einem gewissen, klar festgelegten Abstand zur Sonne. Nicht so der Hof, eine Beugungserschei-nung mit konzentrischen Ringen dicht um die Sonne ( meist bei Altocumulus-, Altostratus- oder Cirrostratuswolken ).
Sport- und Wettkampfklettern
Arrampicata libera e di competizione
Escalade libre/ Compétition
Thailands Kletterzukunft liegt im Süden
Lao Liang – Felsenperle in der Andamansee
Klettern in Thailand ist nichts Ungewöhnliches mehr. So besteht in den Wintermonaten bei den Felsen um Krabi Grossandrang. Es gibt aber neuere Gebiete, wo unter Kletterern Goldgräberstimmung herrscht, beispielsweise auf der Insel Lao Liang.
Eine leichte Brise weht von der Andaman-see her. Kristallklares Wasser, das sich in der Weite im Türkis verliert, schwappt um meine Füsse, als wir Lao Liang zum ersten Mal betreten. Der weisse Sand ist heiss und trocknet unsere Füsse so schnell, wie sie nass geworden sind. Lao Liang besteht aus zwei kleinen Inseln. Auf der grösseren befindet sich ein kleines Fischerdorf, die kleinere, leicht überschaubare Insel, die man in einer Stunde umpaddelt hat, wird touristisch genutzt. Auf ihr landen wir. Zugang zu Lao Liang hatte aber bis vor Kurzem nur die « Vogelnest-Mafia ». Jahrelang hatte sie es Aussenstehenden strikt untersagt, die Insel zu betreten, da in den Felsen die Vögel der Art Collocalia esculenta nisten. Deren gläserne Nester aus Speichel in der Grösse eines Suppentellers werden zu horrenden Preisen nach China für die beliebte Vogelsuppe exportiert. Der Umsatz des Geschäfts mit dem « weissen Gold » beträgt in der Andaman-see mehrere Millionen Dollar pro Jahr. Aus Angst vor Eindringlingen versieht die Mafia ganze Inseln mit Tretminen und schafft sich so ein explosives Impe-rium.
Am 200 Meter langen Strand von Lao Liang steht ein Restaurant, dahinter im dichten Grün des tropischen Unterholzes sind 25 Zelte. Das Ganze ist eingebettet in eine grandiose Arena von Felswänden mit Kletterlinien jeder Couleur. Hier mussten zuweilen auch die Nestsammler hochsteigen. Auf dünnen Bambusgerüs-ten und an lianenähnlichen Einrichtungen hangelten sie sich ungesichert in die Höhe, was häufig zu folgenschweren Unfällen führte. Während das « Vogelnest-geschäft » anderswo weiterläuft, sind auf Lao Liang diese Zeiten aber vorbei, und die Insel wurde von der Mafia freigegeben. Jetzt wird nicht mehr für die Vogel-nesternte, sondern nur noch zum Vergnügen geklettert. Foto: Mischu W ir th
Von Fels, Unterwasserwelten und dünner Haut
Ein Glücksgefühl durchströmt mich, als ich erstmals mit dem Fels in Kontakt komme. Ich klettere um einen mächtigen Tropfstein, der von der stark überhängenden Wand bis zu einem Meter über den Strand hängt. Danach folgt ein Pfeiler zum ersten Strandplatz. Die anschliessende 7a-Seillänge wird von zwei Sintersäulen begleitet, die wiederum in grosse Löcher übergehen und mit kleinen Leisten enden. Ein goldener Schnitt von Kletterei. Principia mathematica heisst folgerichtig die Route, die 30 Meter lang ist und fast alles umfasst, was ein Kletterherz begehrt.
Weiter links in derselben Felswand zieht die 6 c+-Route The Bangkok Coconut Mafia steil an Tropfsteinen und Sin- Das Prunkstück von Lao Liang, die « Golden Wall ». Über dem Meer reihen sich Griffe zu einer einzigen Klettersinfonie. Die Route The golden Triangle ( 6 c+ ) führt durch diese Wand. Sie soll die schönste Route von Thailand in dieser Schwierigkeit sein.
tersäulen nach oben. Grosse Griffe und ungeahnte Möglichkeiten, Ruhepositio-nen zu finden, kennzeichnen diese Route. Gemütlich kletternd geniesse ich Zug um Zug. Wieder unten, hängt das Seil gute zehn Meter von der Wand weg. Ab Mittag verabschiedet sich die Sonne von diesen Felsen, und meistens weht eine leichte Brise vom Meer her. Wer zusätzliche Abkühlung braucht, läuft 15 Meter zum Meer, schnappt sich Taucherbrille und Schnorchel, schwimmt 50 Meter nach draussen. Hier kann er sich in einer submarinen Welt mit Koral-lenriffs und weiteren farbenfrohen Überraschungen verlieren. Für den Kletterer empfiehlt es sich aber, nicht allzu lange diesem Vergnügen zu frönen. Denn die Finger weichen auf, was ihnen im rauen und jungfräulichen Felspara-dies von Lao Liang schlecht bekommt. So ergeht es jedenfalls mir, als ich mich nach der Unterwasserwelt wieder in die Felswelt begebe. Die Route Saman ( 7b+ ) zeigt keine Gnade, und unter Schmerzen an den Händen hänge ich den Ausstiegs-karabiner ein.
Im Neuland unterwegs: Fast täglich entstehen während der Saison neue Routen. 200 Meter Strand, ein kleiner Urwald und viel Fels: alles auf kleinstem Raum.
Schonend genutzte Insel
Die ältesten Routen hier auf Lao Liang sind gerade mal drei Jahre alt. Insgesamt gibt es etwa 60 zwischen 5 und 7 c+, dazu zählen sieben Mehrseillängenrouten. Das Potenzial ist aber noch riesig, nur die Grösse der Insel, die aus einem Strand und einer Felsbastion besteht, ist begrenzt. Im Moment entstehen jedoch noch täglich neue Routen. Massgeblich dafür verantwortlich ist Trevor Massiah, ein Kletterer aus Wales. Er verbringt hier seit einigen Jahren jeweils einige Monate. Aufgrund der regen Erschliessungstätigkeit kommt es nicht selten vor, dass man von den Griffen noch den Bohrstaub wegblasen muss. Viele Routen sind mit Sanduhren abgesichert. Mischu Wirth klettert in Lip Service 7a+. Neu erschlossen strapaziert die Route die Fingerhaut bis aufs Letzte.
Fotos: Mischu W ir th Informationen zu Koh Lao Liang Lao Liang besteht aus zwei Inseln. Auf der kleineren Insel wird geklettert. Die Insel-zwillinge liegen in der Andamansee ( Ostküste von Thailand ) in der Provinz Trang.
Anreise Von Bangkok: Morgenﬂ ug nach Trang. Weiter mit Bus zum Hafen Had Chao Mai. Mit Schnellboot in ca. 1 Stunde nach Lao Liang. Von Krabi: mit Lokalbus direkt nach Had Chao Mai ( 3 Std. ). Weiter mit Schnellboot nach Lao Liang.
Kletterrouten Insgesamt 60 Routen in den Schwierigkeitsgraden 5a bis 7 c+, 7 Mehrseillängenrouten ( bis zu 4 Seillängen ) ( Stand: Januar 2008 ). Die neuesten Routen und Informationen ﬁ ndet man auf der unten genannten Website. Die Insel bietet auch Möglichkeiten zum Bouldern und für Deep-Water-Soloing. Übernachtung Da die Insel nur einer beschränkten Anzahl Personen Platz bietet ( max. 60 Pers .), wird empfohlen, sich im Vornherein anzumelden. Interessierte melden sich am besten bei Mike Weitzmann: www.laoliangresort.com oder infolaoliang(at)yahoo.com Denn Trevor setzt nur Klebeanker, wo es nötig ist. Doch keine Angst. Die Routen sind in bester « Plaisir-Manier » abgesi -chert: Die Stände weisen zwei miteinander verbundene Klebeanker auf, und in jeder Route hat es Abseilringe.
Trevor geht beim Einrichten der Routen sehr sorgfältig vor. So bohrt er keine Tropfsteine an, die ihm zu schwach erscheinen. Der rücksichtsvolle Umgang mit der Umwelt bestimmt auch sonst das Vorgehen auf Lao Liang. Hier wird nichts betoniert, werden keine Bäume und Büsche entfernt, und in der Monsunzeit ist die Insel verlassen. Alles wird während dieser Zeit abgebaut und der Abfall wegtransportiert. Deshalb sind auch nur eine beschränkte Anzahl Personen auf der Insel erlaubt.
Das goldene Finale
Heute wollen wir an die « Golden Wall », das absolute Muss, wie mir Trevor versichert. Von der von Weitem sichtbaren Wand, die gelbrot und kompakt über dem Meer thront, scheint etwas Magisches auszugehen. Sie ist eingeschlossen in ein grösseres Felsmassiv, an dem Vier-seillängenrouten hochziehen. Zwei Linien von 30 Metern ziehen aber mitten durchs felsige Herz: The golden Triangle ( 6 c+ ) und Pansies need Chalk ( 7b+ ). Sie sind heute unser Ziel.
An einer Strickleiter geht es vom Strand aus an einen Hängestand 20 Meter über dem Meer. Was jetzt folgt, ist eine einzigartige Sinfonie aus Fels. Jeder Griff in dieser kompakten Wand sitzt wie bestellt, sie scheint geschaffen fürs Klettern. Wir sind am frühen Morgen unterwegs, die Sonne geht blutrot am Horizont auf. Noch liegt die Umgebung im Schatten, nur wir nicht. In Lao Liang habe ich gefunden, was bei Krabi bereits Vergangenheit ist: ein Kletterparadies in Goldgräberstimmung. a Mischu Wir th, Bern Das Meer zieht sich zurück, während die Sonne untergeht.
Foto: Mischu Wirth
Alpinismus, Berg- u.a. Sportarten
Alpinismo e altri sport di montagna