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Hassan Moussa wohnt in Ettadhamen, einem der sogenannten "spontanen Viertel" von Tunis, die in den 1960er und 1970er Jahren entstanden, als Bewohner des Landesinnern auf der Suche nach Arbeit in die Hauptstadt zogen. Der heute 21-Jährige hat eben das Informatik-Studium begonnen.
An der Revolution hat sich Hassan Moussa 2011 aktiv beteiligt, wie er sagt. Damals war er 15 Jahre alt. Auf die Frage, ob sich seither etwas geändert oder verbessert habe, antwortet er ohne zu zögern: "Jetzt sind wir frei."
Die Jugendlichen von Ettadhamen und dem ebenfalls "spontan" entstandenen Nachbarviertel Douar Hicher haben ebenso wie Regionen im verarmten Landesinnern eine entscheidende Rolle gespielt beim Volksaufstand, der am 14. Januar 2011 zum Sturz des langjährigen Machthabers Zine El Abidine Ben Ali führte.
Die beiden Viertel, in denen je rund 83'000 Einwohner auf engstem Raum leben, leiden unter der Stigmatisierung, die oft mit der Armut einhergeht. Sie gelten als Orte verbreiteter Kriminalität und als Terrain für die Rekrutierung von Dschihadisten. Bereits vor der Revolution weigerten sich viele Taxichauffeure, in diese Viertel zu fahren.
Bürger als Akteure
Zusammen mit mehr als 30 jungen Frauen und Männern beteiligt sich Hassan Moussa heute in seinem Viertel an den Strukturen der Entscheidungsfindung.
Das Projekt der Organisation International Alert hat zum Ziel, dass die jungen Leute durch regelmässige Konsultation an der lokalen Verwaltung teilnehmen können. Damit sollen das Gefühl der Marginalisierung vermindert sowie das Vertrauen zwischen den Jugendlichen und den Behörden gestärkt werden.
"Die Würde und die Achtung der Bürger als Akteure, nicht einfach als Untertanen, zählten zu den Forderungen der Revolution", sagt Romain Darbellay, Direktor der Entwicklungszusammenarbeit der Schweizer Botschaft in Tunesien. Die Schweiz ist mit rund 170'000 Franken der wichtigste Geldgeber des Projekts.
"Mit Hilfe von OpenStreetMap haben wir zunächst die Strassenkarte von Ettadhamen aktualisiert", sagt Hassan Moussa. Dabei hielten sie fest, woran es fehlt - etwa an Apotheken. OpenStreetMap ermöglicht es, mit frei zugänglichen Geodaten detaillierte Landkarten zu erstellen.
Die Jugendlichen machten Vorschläge für eine allgemeine Verschönerung des Viertels. Nach ihrer Meinung sollten zudem der öffentliche Verkehr, die Stromversorgung, die Strassen und die öffentliche Beleuchtung verbessert werden. Das teilten sie den Gemeindebehörden mit, die inzwischen für die Ausführung entsprechender Arbeiten umgerechnet 300'000 Franken zu Verfügung stellte.
Neues Image
"Wir wollten das Image des Viertels verbessern, das als Slum gilt", sagt eine junge Projektteilnehmerin. Was das Slum-Image bedeuten kann, erläutert Olfa Lamloum, die Leiterin des Projekts: "Wenn auf der Identitätskarte als Wohnort eines dieser Viertel steht, ist das keine gute Visitenkarte bei der Jobsuche."
Inzwischen arbeiten die Jugendlichen unter anderem auch mit einer lokalen Nichtregierungsorganisation zusammen, um Abfälle zu trennen und zu rezyklieren.
Bundesrat Didier Burkhalter zeigte sich beeindruckt von den Fähigkeiten der Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Projekts, als er sich mit einigen von ihnen bei einem kürzlichen Besuch in Tunis unterhielt.
Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA trägt die Projekte in Tunesien in Höhe von rund 25 Millionen Franken pro Jahr gemeinsam mit den Staatssekretariaten für Wirtschaft SECO und für Migration SEM sowie der Abteilung für menschliche Sicherheit des Aussendepartements.