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Ich habe einen neuen Favoriten im Wettbewerb von Cannes. Der Film Delta vom ungarischen Schauspieler und Regisseur Kornél Mundruczó ist sehr beeindruckend. Es ist eine überaus einfache Geschichte, ein junger Mann kommt in die Gegend seiner Jugend zurück, im Delta einer weiten Flusslandschaft, zieht sich in die Fischerhütte seines verstorbenen Vaters zurück, und seine Schwester, die er nicht kannte, zieht zu ihm und hilft ihm bei Bau eines Hauses auf dem Wasser. Der Film vermittelt alles fliessend, er erinnert an Theo Angelopoulos und an Andrej Tarkovsky. Dass die Deltabewohner das Geschwisterpaar mit Argwohn beobachten, der Lover der Mutter sich dazwischenstellt, und dass zwischen den beiden jungen Menschen tatsächlich mehr aufzuflackern scheint als reine Geschwisterliebe, erinnert zumindest uns Schweizer nebenbei auch an Fredi Murers Höhenfeuer. Von Mundruczó haben wir am Filmfestival von Locarno den überaus eigenwilligen Film Johanna gesehen, eine Art filmische Oper um eine Krankenschwester, die im Spital Patienten heilt, indem sie sich ihnen hingibt. Die Schwester in «Delta» wird von der gleichen Orsolya Tóth gespielt, die damals die Johanna war. Und wieder muss ihre Figur leiden. «Delta» ist ein erbamungsloser, schöner Film, der zugleich reissend und ruhig vor sich hin treibt, wie der Fluss, an dem er spielt, unaufhaltsam und einem Flussbett folgend, das keine Richtungswechsel zu lässt.