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Schnee bis runter auf 1000 m, Regen bis hoch auf 2600 m; häufiger Niederschlag und stark schwankende Temperaturen prägten diese Berichtsperiode. Die Lawinensituation in der Höhe blieb kritisch und war von Wärmephasen und gebietsweise viel Neuschnee beeinflusst. Lawinen wurden in oberflächennahen Schwachschichten ausgelöst und wurden teils sehr gross.
In dieser Berichtsperiode war das Wetter wechselhaft und es fiel häufig Niederschlag. In Abb. 1 ist die Schneefallgrenze über die gesamte Periode dargestellt. Es wird nur ein Punkt dargestellt, wenn in der Region zum gegebenen Zeitpunkt Niederschlag gefallen ist. Dabei wird ersichtlich, dass fast immer irgendwo Niederschlag fiel. Ausnahmen waren zwei längere trockene Phasen von Mittwoch, 4. Mai bis Donnerstagmittag, 5. Mai und am Wochenende vom 8. bis 9. Mai.
Mit Südwind fiel von Freitag, 30. April bis in die Nacht auf Sonntag, 2. Mai vor allem im Süden oberhalb von rund 2000 bis 2400 m Schnee. Im Norden gab es neben sonnigen Abschnitten auch immer wieder Schauer, aber grosse Neuschneemengen wurden vor allem am zentralen Alpensüdhang und am Alpenhaupkamm, vom Rheinwaldhorn bis in die Bernina registriert. In der Nacht auf Sonntag, 2. Mai zog aus Nordwesten eine Kaltfront über die Schweiz. Damit drehte der Wind auf Nord, die Schneefallgrenze sank markant ab und der Niederschlag verlagerte sich gegen Norden.
Der Schneefall war schwierig alleine mit den Messfeldern und automatischen Messstationen zu erfassen, da die Schneefallgrenze mit bis zu 2400 m oft oberhalb der Stationen lag. Der Lawinenwarndienst griff deshalb vermehrt auf die INCA-Daten (integrated nowcasting through comprehensive analysis), berechnet aus Radar- und Stationsdaten durch MeteoSchweiz zurück, um die Neuschneemengen abzuschätzen. Insgesamt fielen in den Hauptniederschlagsgebieten des Südens oberhalb von 2500 m rund 50 bis 80 cm Schnee, sonst deutlich weniger. In Abb. 2 sind die Neuschneemengen pro Tag von Freitag bis Sonntag dargestellt.
In der Nacht auf Montag endete der Niederschlag zuletzt im Osten. In der Folge war die Nacht klar und der Tag meist sonnig. Auch am Dienstag war es trotz hohen Wolkenfeldern recht sonnig, bis am Abend im Norden erneut Niederschlag einsetzte. Am Mittwoch fiel verbreitet Schnee. Es fielen am Alpennordhang und im Wallis 10 bis 20 cm, ganz im Westen sogar bis zu 30 cm. Die Schneefallgrenze sank von 1800 m auf 1300 m.
Nach einer teils klaren Nacht setzte aus Westen im Lauf des Donnerstags Niederschlag ein. Dabei blies starker Südwestwind. Bis am Freitagnachmittag fiel vor allem im Westen und Norden Schnee. Die Schneefallgrenze lag zwischen 1400 und 1800 m. Die gefallenen Neuschneemengen sind in Abb. 4 dargestellt.
Nach dem Ende der Niederschläge am Freitag klarte es auf und ab Samstag wurde es markant wärmer (Abb. 5). Mit starkem Südwind stieg die Nullgradgrenze von rund 2000 m in der vergangenen Woche auf 3500 m am Sonntag. An beiden Tagen war es im Norden recht sonnig. Im Süden war es ab Samstagabend bewölkt.
In der Nacht auf Montag setzte aus Südwesten Niederschlag ein. Tagsüber fiel vor allem im Süden intensiver Niederschlag. Im Osten blieb es am Montag föhnig aufgehellt und meist noch trocken. Am Dienstag fiel in allen Regionen Niederschlag, am intensivsten im Süden und Osten. Die Schneefallgrenze lag am Montag bei rund 2500 m und sank am Dienstag auf 2000 m.
Insgesamt fielen von Sonntagabend bis Dienstagmittag am Alpenhauptkamm vom Allalinhorn bis in die Bernina und südlich davon verbreitet 50 bis 80 cm, lokal bis 120 cm Schnee. Die grössten Niederschlagsmengen fielen ab Montagabend.
Mit dem wechselhaften Wetter blieb die Lawinensituation für die Jahreszeit dynamisch und winterlich. An allen Tagen wurde gebietsweise, teilweise sogar verbreitet vor erheblicher Lawinengefahr (Stufe 3) gewarnt. Für den Freitag, 07. Mai wurde ganz im Westen, für den Dienstag, 11. Mai im Süden aufgrund der grossen Neuschnee- bzw. Regenmengen sogar grosse Lawinengefahr (Stufe 4) prognostiziert.
Die Gefahr ging während der Berichtsperiode sowohl von nassen, wie auch von trockenen Lawinen aus.
Bereits gegen Ende der vergangenen Berichtsperiode hatte die Aktivität von nassen Lawinen deutlich zugenommen. Der Donnerstag, 29.04. stellte sich im Nachhinein als erster Tag heraus, an dem wieder vermehrt nasse Lawinen an Nordhängen abgingen. Am Freitag, 30.04. nahm die Aktivität dann nochmals deutlich zu. Es gingen sehr viele Lockerschneelawinen ab. Diese rissen in der Sturzbahn zum Teil den Altschnee mit. Exemplarisch dafür meldete ein SLF Beobachter, es sein im Dischmatal (Davos, GR) «fast alles unten» und meldete überschlagsmässig rund 100 Lawinenabgänge in seinem Sichtfeld.
Am Samstag, 1. Mai war es meist bewölkt und so rückte die nasse Lawinenaktivität vorübergehend etwas in den Hintergrund. Mit dem vielen Neuschnee entstanden vor allem am Alpenhauptkamm und im Süden Triebschneeansammlungen, die bis am Sonntag, 2. Mai noch weiter anwuchsen. Am Sonntag war es im Süden zeitweise sonnig. In der Folge gingen in den neuschneereichen Gebieten zahlreiche nasse Lawinen aus dem Neuschnee ab, auch grosse.
Am sonnigen Montag, 3. Mai waren im Gegensatz zum Wochenende viele Tourengeher unterwegs und es wurden zahlreiche Lawinen gemeldet. Es gingen weiterhin spontane feuchte Lawinen aus dem Neuschnee ab. Es wurden zum Teil auch Schneebrettlawinen ausgelöst (Abb. 7). Die Brüche breiteten sich zum Teil recht flächig aus. Vermutlich hatte sich am Übergang vom feuchten Altschnee zum Neuschnee eine Schwachschicht gebildet.
Von Dienstag, 4. Mai bis Donnerstag, 6. Mai wurde gebietsweise weiter vor erheblicher Gefahr (Stufe 3) von trockenen Lawinen gewarnt. Es wurden jedoch nur wenige Lawinen gemeldet. Dies liegt vermutlich vor allem daran, dass wenig Leute in der Höhe unterwegs waren.
Mit dem vielen Neuschnee gingen ganz im Westen und am nördlichen Alpenkamm am Freitag, 7. Mai einige grosse bis sehr grosse trockene Lawinen ab. Ganz im Westen wurde vor grosser Lawinengefahr gewarnt. Es wurde unter anderen eine sehr grosse Lawine im Trientgebiet (Abb. 8) beobachtet. Da die allermeisten Skigebiete nicht mehr geöffnet sind, werden bei schlechtem Wetter nur sehr wenige Lawinenbeobachtungen gemacht. Es ist also zu vermuten, dass deutlich mehr Lawinen in dieser Periode abgingen als tatsächlich gemeldet wurden.
Am Samstag, 8. Mai und Sonntag, 9. Mai herrschte eine rege Tourenaktivität. So bekam der Lawinenwarndienst auch wieder mehr Meldungen. Es wurden einige spontane Lawinen beobachtet und auch Lawinen von Personen ausgelöst. Lawinen rissen sowohl trocken als auch nass an. Die Brüche breiteten sich erneut oft flächig aus. Meistens gingen die Neuschneeschichten der vergangenen Tage ab. Zum Teil wurden aber auch tiefere Schichten mitgerissen. Ein besonders bemerkenswertes Beispiel ereignete sich am Gältehore (3062, Savièse, VS/Lauenen, BE). Knapp unter dem Gipfel löste ein Tourengeher eine sehr grosse Lawine aus (Abb. 9) und wurde über rund 1000 Höhenmeter und fast 2 km mitgerissen. Die Lawine stiess bis weit in das flache Rottal vor (Abb. 10).
Abb. 10: Die Lawine stiess im Rottal (Lauenen, BE) noch weit ins flache Gelände vor (Video: 08.05.2021, H. Jaggi).
Die mitgerissene, ganz verschüttete Person konnte mit sehr viel Glück lebend aus der Lawine geborgen werden.
Für Dienstag, 11. Mai wurde am Alpenhauptkamm und südlich davon teils vor grosser Lawinengefahr gewarnt. Im Hochgebirge herrschte aufgrund vom vielen Neuschnee Gefahr von trockenen Lawinen, darunter waren mit dem Regen nasse Lawinen zu erwarten.
Es lag für die Jahreszeit vielerorts noch viel Schnee. In Davos Dorf lag am Freitag, 5.Mai so viel Schnee wie zuletzt an diesem Tag im Jahr 1999 (s. Fotovergleich in Abb. 12). Über die Zeitreihe seit 1947 am Messfeld Davos Dorf gab es nur 7 Winter, in denen das Feld später ausgeapert ist als dieses Jahr.
Die Schneehöhen waren oberhalb von 2000 m am Dienstag, 11. Mai im Norden überdurchschnittlich, am nördlichen Alpenkamm und im Unterengadin teils sogar stark. Am Alpensüdhang, waren die Schneehöhen meist durchschnittlich.
In der vergangenen Berichtsperiode ereigneten sich 5 Lawinenunfälle bei denen 8 Personen involviert waren. Glücklicherweise waren keine Todesopfer zu beklagen.
Dem Lawinenwarndienst lagen, wie üblich um diese Jahreszeit, nur spärliche Informationen aus dem Gelände vor.
Umso wichtiger ist jede einzelne Rückmeldung an den Lawinenwarndienst. Wir freuen uns auch über deine Rückmeldung!
In Abb. 13 sind die Rückmeldungen der vergangenen Berichtsperiode im Vergleich zu einer gleich langen, zufällig ausgewählten, Periode im Winter dargestellt. Dabei ist der Unterschied in der Informationsdichte deutlich sichtbar.
Da der Winter auch weiterhin keine Anstalten macht sich zurückzuziehen oder einer stabileren Wetterlage Platz zu machen, erscheint das Lawinenbulletin vorerst weiter täglich um 17 Uhr.
Gefahrenentwicklung
Lawinenbulletins dieser Zeitperiode im Überblick.