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Die Nagra hat zur Frage der Eignung von Flysch-Formationen als Wirtgesteine für das SMA-Lager ergänzend zu den bereits publizierten Unterlagen im Rahmen der Beantwortung von Behördenfragen ausführlich Stellung genommen (vgl. Frage 78 in NAB 09-29).
Flysch–Formationen sind im Alpenraum zwar relativ weit verbreitet, sie haben aber eine Reihe gewichtiger Nachteile: Flysch-Formationen enthalten per Definition Sandsteineinschaltungen, die als ausgedehnte Ablagerungen grosser submariner Schlammlawinen entstanden sind (Turbidite). Tektonisch oft verschuppte, schwer prognostizierbare, geklüftete Sandsteineinschaltungen bilden präferenzielle Fliesspfade mit unzulässig erhöhter hydraulischer Durchlässigkeit.
Neue Beobachtungen bestätigen, dass diese Sandstein-Einschaltungen kontinuierliche Fliesswege über grössere Distanzen bilden können:
- Aus dem Nordhelvetischen Flysch unterhalb des Wirtgesteins am Wellenberg wurden 40’000 m3 Methangas aus einer Kluftzone mit K=10-8–10-7 m/s abgefackelt (Figur 4.3-22 in NTB 08-04); diese Menge weist auf ein grossräumig verbundenes System mit hoher Durchlässigkeit hin.
- In einer mehr als 1 km langen Strecke im Lötschbergtunnel, in welcher sich der Flysch der Doldenhorn-Decke als viel geringer durchlässig erwies als erwartet, zeigten 2 Quellwasserzutritte eine geringe Mineralisation (nur wenige mg Chlorid pro Liter), trotz rund 500 m Felsüberdeckung; dies weist auf eine aktive Wasserzirkulation, resp. eine geringe Barrierenwirkung der Formation hin.
In den verschiedenen Flysch-Einheiten sind keine genügend mächtigen und ausgedehnten sandsteinfreien Tonmergel- oder Tonschieferabfolgen bekannt, weshalb sich eine Weiterverfolgung dieser Option schon aus diesem Grunde erübrigt. Zudem nimmt der Metamorphosegrad generell gegen Süden zu; infolge der damit einher gehenden Einbusse der Quellfähigkeit der Tonminerale müssen auch grosse Bereiche der Flysch-Formationen analog den kristallinen Gesteinen als spröde Gesteine, ohne Potenzial zur Selbstabdichtung von Rissen und Klüften, behandelt werden.
Die in der Frage angesprochenen bevorzugten Wirtgesteine ‘Tongesteinsabfolge Brauner Dogger’ und ‘Effinger Schichten’ unterscheiden sich von den Flysch-Formationen in erster Linie durch den viel geringeren Deformationsgrad. Dadurch ist es möglich, den horizontal gelagerten, potenziell wasserführenden, kalkig-sandigen Einschaltungen bei der Platzierung des Lagers durch Wahl einer geeigneten Tiefenlage auszuweichen, weil sich diese innerhalb eines Lagergebiets aufgrund mehrerer Bohrungen mit genügender Zuverlässigkeit korrelieren lassen. Wegen der im Vergleich mit dem Flysch geringeren Zerklüftung der Kalk- und Sandkalklagen im ‘Braunen Dogger’ und in den Effinger Schichten ist auch ihre Wasserführung im Allgemeinen geringer als diejenige der Flysch-Sandsteine.
Als Vorteil der Flysch-Formationen wurde auch schon die erleichterte Freisetzung von Gas aus dem SMA-Lager aufgrund der lokal erhöhten Durchlässigkeiten angeführt. Dazu ist festzuhalten, dass bei den vorgesehenen Lagerkonzepten auch bei Wirtgesteinen mit sehr geringer Durchlässigkeit die Gasbildung beziehungsweise die Gasfreisetzung die Sicherheit nicht in Frage stellt, sodass der Aspekt der lagerinduzierten Gase bei der Evaluation der Wirtgesteine aus Sicht der Nagra nicht ausschlaggebend ist. Entscheidend ist hingegen, dass – wie oben ausgeführt – die Flysch-Formationen mit grösster Wahrscheinlichkeit die Mindestanforderungen an die hydraulische Durchlässigkeit, resp. an die Transmissivität präferenzieller Fliesspfade nicht erfüllen und demzufolge als Wirtgesteine ausgeschlossen werden müssen.