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Naomi Osaka ist eine starke Frau. Wenn es auf dem Tennisplatz ans Eingemachte geht, zeigt sie Nerven aus Stahl, in vier Grand-Slam-Finals ist die 23-jährige Japanerin ungeschlagen. Immer, wenn sie zumindest die Viertelfinals erreichte, gewann sie auch das Turnier.
Dann gibt es eine Barbie-Puppe von ihr, sie posierte für die ikonische Badeanzugs-Ausgabe von «Sports Illustrated», brachte es auf das Cover der «Vogue» und erst letzte Woche erschien eine Dokumentation über Osaka auf Netflix. Auch hat sie Serena Williams als bestverdienende Sportlerin der Welt abgelöst.
Hinter der lächelnden und nervenstarken Fassade schlummert aber eine sehr sensible Persönlichkeit. Insider wussten schon länger, dass die Rolle in der Öffentlichkeit der schüchternen Asiatin nicht uneingeschränkt behagt. Wie sehr sie damit kämpft, wurde aber erst in diesem Frühjahr in Paris klar.
Osaka gab bekannt, dass sie nach ihren Spielen die obligatorischen Pressekonferenzen nicht mehr bestreiten werde, da sie sich von manchen Fragen der Journalisten heruntergezogen fühle. Die Folge war erst eine Busse der Organisatoren beim French Open, dann eine Disqualifikations-Androhung und schliesslich der freiwillige Rückzug vor dem Spiel der 2. Runde.
Schatten hinter strahlenden Fassade
Osaka machte öffentlich, dass sie immer wieder mit mentalen Problemen und Phasen von Depressionen zu kämpfen hat. Sie verzichtete nach Roland Garros auch auf Wimbledon. Bei den Olympischen Spielen ist sie aber dabei - und im Prinzip die grosse Favoritin.
Die letzten beiden Grand-Slam-Turniere auf Hartplatz (US Open 2020, Australian Open im Februar) entschied sie überzeugend für sich. Es stellt sich die Frage, wie sie dem immensen Druck standhält. Vielleicht kommt es ihr dabei sogar zugute, dass keine Zuschauer in den Stadien sind.
Osaka ist das Gesicht der Spiele in Tokio, sie ist der grösste Sportstar im Land der aufgehenden Sonne. Dass sie das olympische Feuer entzünden durfte, war ein starkes Zeichen für ein modernes, farbiges Japan. Das gefällt aber nicht allen. Auch in Japan wird die Diskussion, wer oder was wirklich japanisch ist, zum Teil gehässig geführt, wenn auch selten offen.
Zu dunkel für Japans Gesellschaft
Einer von Osakas Sponsoren, der bekannte Nudel-Hersteller Nissin Foods, machte ihr Gesicht für eine Werbekampagne künstlich heller. Und das ausgerechnet bei der Frau, die sich in Amerika so für die «Black Lives Matter»-Bewegung einsetzt. Sie war selber entsetzt über das Vorgehen ihres Sponsors.
Osakas Eltern mussten aus Japan nach New York auswandern, weil die eigene Familie den schwarzen Ehemann aus Haiti, der als Student nach Japan gekommen war, nicht akzeptieren wollte. Da nützte es nicht einmal etwas, dass die Familie den Namen der Mutter annahm.
Da sie ab dem Alter von drei Jahren in den USA lebte, spricht Osaka auch mit merklich ausländischem Akzent Japanisch. Erfolge helfen bei der Akzeptanz. Für die junge, weltoffene Generation ist die sozial engagierte Multikulti-Tennisspielerin sowieso eine grosse Identifikationsfigur.
Sollte sie aber die budgetierte Goldmedaille nicht holen, wären die Kritiker sicher wieder da. Mehr Druck trägt wohl in Tokio keine Sportlerin auf ihren Schultern.