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Als nicht rauchender Gymnasiast hatte ich es besser. Ich wohnte in Bern und ging in Freiburg ins Collège St. Michel. Da meine drei Schulkollegen Marco L, Cölu A. und Guy F. so etwas wie Kettenraucher waren und ich mich nicht alleine im Nichtraucherabteil langweilen wollte, pendelte ich Tag für Tag im Raucherabteil der SBB. Seither bin ich süchtiger Passivraucher.
Als passionierter Passivraucher hoffe ich doch sehr, dass am kommenden Sonntag die Initiative «Schutz vor Passivrauchen» abgelehnt wird. Wo sonst kann ich meinem Hobby frönen, wenn nicht in einem der spärlichen Fumoirs? Bei einer Annahme der Initiative könnten die Fumoirs nicht mehr bedient werden. Da bliebe mir nur noch zu sagen: «Es ist nicht mehr wie früher.»
Nun habe ich gelesen, dass Passivraucher im Schnitt drei Jahre weniger lang leben als Nichtraucher. Und eine häufige Krankheitsursache seien Kreislaufstörungen und Herzbeschwerden.
Ich stelle mir vor, ich werde statt mit 90 schon mit Alter 87 sterben. Statt dass ich im Pflegeheim dahinsieche und meine auf Besuch kommenden Kinder und Kindeskinder nach dem Namen fragen muss, wird mich ein Herzinfarkt von einer Stunde auf die andere erlösen.
Damit ist fast allen gedient:
- meinen Verwandten, die mir im Pflegeheim nicht zu erklären brauchen, wer sie sind;
- den Erben, die anstelle des Pflegeheims zu meinem Geld kommen;
- der Krankenkasse, für welche ich ein schlechtes Risiko bin;
- der AHV, die sich drei ganze Jahresrenten von derzeit über 80000 Franken sparen kann;
- der Pensionskasse, die sich wie die AHV drei Jahresrenten sparen kann;
- wiederum der AHV, die zu höheren Einnahmen kommt, da ich als aktiver Passivraucher indirekt auch den Zigarettenkonsum fördere, der die AHV mitfinanziert.
Das Einzige, was man mir bei diesem Szenario vorwerfen könnte: Ich leiste keinen Beitrag zur Sicherung ausländischer Arbeitsplätze in unseren Pflegeheimen.
Erschienen in der BZ am 18. September 2012