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Geschichte des Klosters Muri
Jedes Kloster hat seine eigene Geschichte, seine eigene Tradition und seine eigene, wichtige kulturelle Bedeutung. Das Kloster Muri befindet sich im Herzen des Freiamtes, im Aargau und zählt zu den berühmtesten geschichtlichen Wahrzeichen des Kantons.
Das Benediktinerkloster wurde 1027 von Ita von Lothringen und ihrem Gatten Radbot aus dem Hause Habsburg gestiftet.
Die romanische Krypta, der gotische Hochchor und das Oktogon als barocker Zentralbau als auch der klassizistische Ostflügel bezeugen, dass die Klosterbauten über Jahrhunderte errichtet und erneuert worden sind.
Am 13. Januar 1841 wurde das Kloster Muri durch Beschluss des Grossen Rates des Kantons Aargau aufgehoben. Das Kloster und dessen Vermögen, die Bibliothek und das Archiv wurden Besitz des Staates. Die Mönche mussten danach unter Zwang das Kloster verlassen. Im Herbst 1841 übernahmen sie die Leitung des Kollegiums Sarnen. 1845 wechselte ein Teil des Konventes nach Gries bei Bozen. Noch heute ist der Konvent zweigeteilt in Gries und Sarnen.
Der Brand im Jahre 1889 zerstörte neben dem Ostflügel, in dem eine Pflegeanstalt untergebracht war, auch die Abtskapelle, die sich zwischen Ostflügel und Klosterkirche befand.
Am 13. Januar 1941, genau hundert Jahre nach der Aufhebung des Klosters, übergab der Kanton Aargau die Klosterkirche der römisch-katholischen Kirchgemeinde Muri. Heute finden regelmässig Gottesdienste der Pfarrei in der Klosterkirche statt.
Neben dem Gotteshaus beherbergt die Anlage heute eine Primarschule, die pflegimuri, einen Teil der Gemeinde- und der Bezirksverwaltung sowie mehrere Museen. Jedes Jahr finden in der Klosterkirche und in der Klosteranlage zahlreiche kulturelle Anlässe statt.
Die Anfänge der Besiedlung gehen viel weiter zurück als die Klostergründung. Die frühe Geschichte ist durch Grabhügel und römische Mauerreste belegt.
5. Jahrhundert
Einbrechende Alemannen lösen die römischen Ansiedler ab; aus ihren Höfen entstehen die heutigen Dorfteile Wey, Egg und Langdorf. Die Gemeinde Muri wird von den Weilern Hasli, Wili, Langenmatt und Türmelen umgeben.
Um 900
Muri wird als «Murahe» erstmals in einer Zinsrolle der Fraumünsterabtei Zürich schriftlich erwähnt.
Um 1027
Ita von Lothringen und ihr Gemahl, Radbot gründen das Kloster als erstes habsburgisches Eigenkloster. Ita gilt als eigentliche Stifterin. Über die Gründungsgeschichte berichten die «Acta Murensia».
Die Klostergründer wurden in der Klosterkirche, vor dem Kommuniongitter, beigesetzt: Im mittleren Grab wurde Ita beigesetzt, ein Indiz dafür, dass Ita die Stifterin ist. Das Kloster Muri beherbergt neben der ältesten auch die neueste Familiengruft (1971) der Habsburger.
1032
Benediktinermönche aus Einsiedeln, an ihrer Spitze Propst Reginbold, besiedeln das Kloster und errichten eine Schule. Das Kloster Muri ist zu Beginn abhängig vom Kloster Einsiedeln.
1064, 11. Oktober
Bischof Rumold von Konstanz weiht die romanische, dreischiffige Basilika mit der heute noch erhaltenen Krypta. Patron von Kirche und Kloster wird der Heilige Martin von Tours.
1065
Mit der Wahl von Propst Burkard zum ersten Abt löst Muri die Bindung an das Mutterkloster Einsiedeln und wird selbständig. In den folgenden Jahren wächst das Kloster Muri mächtig und wird in der frühen Neuzeit zu einem der reichsten Klöster der Schweiz.
um 1082
In Muri entsteht ein Frauenkonvent, der um 1240 nach Hermetschwil verlegt wird. Auch heute wird dieses Kloster noch von Benediktinernonnen bewohnt.
1120
Mönche des bereits blühenden Klosters Muri, an ihrer Spitze der selige Adelhelm, besiedeln das von Konrad von Sellenbüren gestiftete Kloster Engelberg.
1150
Um diese Zeit entsteht die älteste Klostergeschichte von Muri, die heute von der Wissenschaft als «Acta Murensia» bezeichnet und im Staatsarchiv Aarau aufbewahrt wird (AA/4947). Die Acta Murensia wurde 2012 neu editiert und wissenschaftlich kommentiert.
Um 1250
In der Mitte des 13. Jahrhunderts entsteht in der Region Zürich/Winterthur das älteste deutsche Theaterstück, das «Osterspiel von Muri», benannt nach seinem Fundort (1840). Das Fragment des Osterspiels wird heute in der Kantonsbibliothek in Aarau aufbewahrt (MsMurF 31a).
1300, 9. April
Teile des Klosters Muri (Archiv und Bibliothek) fallen einem Klosterbrand zum Opfer. Fast alle Bücher und Urkunden gehen verloren.
1386, 9. Juli
Die Eidgenossen brandschatzen nach der Schlacht bei Sempach das unter habsburgischem Schutz stehende Kloster.
1415/1431
Nach der Eroberung des Aargaus übernehmen die eidgenössischen Orte Zürich, Luzern, Schwyz, Unterwalden, Zug und Glarus von den Habsburgern die Schutzherrschaft über das Freiamt und damit auch über das Kloster.
1508
Wahl von Laurentius von Heidegg zum Abt (bis 1549).
1531
Die Berner verwüsten im zweiten Kappeler Krieg das Kloster.
1534
Wiedererrichtung des Kreuzgangs, in den nach und nach die heutigen Kabinettscheiben eingesetzt wurden. Es sind Geschenke der eidgenössischen Stände, von Privaten und Klöstern Den grössten Teil der Scheiben schufen Carl von Egeri und Heinrich Leu aus Zürich.
1596
Wahl des Abtes Johann Jodok Singisen aus Mellingen, der als zweiter Gründer des Klosters bezeichnet wird. Während seiner Regierungszeit (bis 1644) lebte und wirkte P. Johann Caspar Winterlin, der letzte bedeutende Buchmaler und Kupferstecher der Schweiz, im Kloster Muri. Es ist der Beginn einer Blüteperiode, die bis zur Aufhebung andauert.
1647, 2. September
Mit der Übertragung der Reliquien des Katakombenheiligen Leontius in die Klosterkirche wird Muri zu einem bedeutenden Wallfahrtsort.
1684, 14. März
Wahl von Abt Plazidus Zurlauben (bis 1723).
1695 bis 1697
Neubau der Klosterkirche nach Plänen von Giovanni Battista Bettini aus Lugano.. Die Kunstepoche Barock hat den Ausbau der Klosterkirche zum Oktogon beeinflusst. Es gilt als schönster barocker Zentralraum der Schweiz.
1701
Kaiser Leopold I. von Österreich erhebt Abt Plazidus und seine Nachfolger in den Reichsfürstenstand. Muri wird Fürstabtei.
Ab 1693
Das Kloster Muri erwirbt in der Ostschweiz die Schlösser Sandegg (1693) und Eppishausen (1689) sowie in Süddeutschland die Herrschaft Glatt am Neckar (1706).
1745 bis 1750
Fürstabt Gerold Haimb (1723 bis 1750) lässt die Ausstattung der Klosterkirche im Rokokostil, vornehmlich durch die süddeutschen Künstler Matthäus Baisch und Niklaus Spiegel, erneuern. Auch das Chorgitter zeugt von dieser Kunstepoche.
1790 bis 1798
Neubau des Ostflügels nach Plänen von Valentin Lehmann aus Donaueschingen. Die 222,41 Meter lange Ostfassade ist die grösste klassizistische Fassade der Schweiz.
1798
Einmarsch der Franzosen in die Schweiz. Am 29. April wird das Kloster Muri besetzt. Das Kloster wird in der Helvetik für eine kurze Zeit aufgehoben.
1803
Der Kanton Aargau wird gegründet. Die Gemeinde Muri, nun gänzlich aus der Abhängigkeit des Klosters entlassen, wird Bezirkshauptort.
1806
Das Kloster verliert seine Ostschweizer und süddeutschen Besitzungen.
1810
Tod von Fürstabt Gerold II. Meyer. Der Konvent verzichtet auf die Weiterführung des Fürstentitels.
1835
Die radikale Regierung des Aargaus beschliesst klosterfeindliche Massnahmen: staatliche Bevormundung, Steuern, Schliessung der Klosterschule, Verbot der Novizenaufnahme.
1841
Der Grosse Rat des Kantons Aargaus beschliesst am 13. Januar die Aufhebung aller Klöster des Kantons. Am 25. Januar 1841 wird den Mönchen von Muri eröffnet, dass sie das Kloster innert 48 Stunden zu verlassen haben. Im Oktober übernimmt der Konvent die Leitung des Kollegiums in Sarnen und sammelt sich dort neu.
Die Klosteranlage geht in den Besitz des Staates und ein kleiner Teil an die Gemeinde Muri über.
1843
Der Kanton Aargau eröffnet die Bezirksschule in die Klosteranlage.
1845
Abt Adalbert Regli (1838 bis 1881) übersiedelt mit einem Teil des Konvents in das ehemalige Augustinerchorherrenstift Gries bei Bozen im Südtirol, das ihm Kaiser Ferdinand von Österreich angeboten hat. Der Konvent von Muri lebt bis heute in Gries und Sarnen weiter.
1887
Im Ostflügel wird eine Pflegeanstalt eröffnet.
1889, 21. August
Ein Brand zerstört den Ostflügel des Klosters, wobei auch die im Osten der Klosterkirche liegende Abtskapelle ein Raub der Flammen wird. Die Pflegeanstalt wird aufgelöst.
1907
Wiederaufbau des Ostflügels und Errichtung einer neuen Pflegeanstalt, der heutigen pflegimuri.
1929 bis 1934
Innenrenovation der Klosterkirche. Die zum Teil übermalten Deckenbilder des Tessiners Francesco Antonio Giorgioli sowie die spätgotischen Malereien in der Krypta werden freigelegt.
1941, 13. Januar
Der Kanton Aargau übergibt die Klosterkirche, genau 100 Jahre nach der Aufhebung, der römisch-katholischen Kirchgemeinde Muri.
1953 bis 1957, 2. September
Restaurierung des Kreuzganges und der Aussenfassade der Klosterkirche. Die wertvollen Renaissance-Glasscheiben kehren wieder in den Kreuzgang zurück. Klosterkirche und Kreuzgang werden am 2. September durch Abt Stephan Kauf feierlich geweiht.
1960
Errichtung des Benediktiner-Hospizes. Eine kleine Gruppe von Mönchen aus Muri-Gries und Sarnen hat nun in der alten Klosterheimat wieder eine Wohnmöglichkeit.
1961
Beginn der Innenrestaurierung, die bis heute andauert. Die Kosten übernehmen Bund, Kanton Aargau und Kirchgemeinde Muri, stark unterstützt durch die Vereinigung der Freunde des Klosters Muri.
1971
Errichtung der Habsburgergruft in der Loretokapelle. Hinter dem Altar ruhen, in einem Stein, die Herzen des seligen Kaisers Karl und seiner Gemahlin Zita, des letzten Kaiserpaares der ehemaligen Donaumonarchie.
1972
Errichtung des Klostermuseums Muri, das 2014 neu konzipiert wurde.
1985 bis 1989
Restaurierung des Ostflügels (pflegimuri) und Rekonstruktion des ursprünglichen klassizistischen Dachaufbaus.
1992, 17. August
Gründung der Vereinigung Freunde der Klosterkirche Muri zur Schaffung und Erhaltung der materiellen Voraussetzungen für die Präsenz der klösterlichen Gemeinschaft in Muri, für den baulichen Unterhalt und für einen zweckentsprechenden Betrieb von Klosterkirche und Nebengebäuden sowie zur Pflege des Kontaktes mit Abt und Konvent Muri-Gries.
1996 bis 1997
Zweite Aussenrenovation der Klosterkirche unter Leitung von Architekt Fridolin Föhn. An die Finanzierung leistet die Vereinigung der Freunde der Klosterkirche einen beachtlichen finanziellen Beitrag.
1997, Februar
Bezug des neuen Hospizes im zweiten Stock des Singisenflügels. Die übrigen Räume des Singisenflügels werden von der Gemeindeverwaltung und als Kulturräume genutzt.
2009
Gründung der Sammlung Murensia, Zentrum zur Erforschung der Murianer Kloster-Geschichte.
2011
Am 29. Juni kommt es zur Gründung der Stiftung Geschichte Kloster Muri. Sie arbeitet die Klostergeschichte bis zum Jahre 2027 [1000-Jahr-Feier der Klostergründung] auf.
2017
Die permanente Präsenz der Benediktinermönche im Hospiz in Muri endet.
2027
Tausendjähriges Bestehen des Klosters Muri.
Weiterführende und ausführliche Informationen zur Geschichte finden Sie in unseren Publikationen.
Das Kloster Muri – Peter Felder, Martin Allemann
GSK-Kunstführer, Bern 2012.
Das Kloster Muri – Geschichte und Gegenwart der Benediktinerabtei – Bruno Meier
Baden 2011.