Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03515.jsonl.gz/2327

Grosser Nutzen der EPFL-Forschung für die Innovation
Um die Auswirkungen der Ergebnisse aus den Laboren von Hochschulen auf die internationale Innovationsszene zu beurteilen, haben Forscherinnen und Forscher mehrerer Universitäten ein Instrument auf der Grundlage der Zitate in Patenten entwickelt. Mit dem siebten Rang gleich hinter Stanford und vor dem California Institute of Technology gehört die EPFL zu den profiliertesten Institutionen.
«Wozu dient die Forschung?», fragt sich oft ein Teil der Öffentlichkeit, die den Wert der Forschung an den von ihr produzierten, greifbaren Ergebnissen misst. Bestimmte Ergebnisse aus dem Labor werden zwar patentiert oder von Spin-offs schnell übernommen und weiterentwickelt, aber die meisten sind nur Schritte auf dem Weg zu anderen Forschungsarbeiten, die ihrerseits vielleicht zu einer für jedermann direkt nützlichen Anwendung führen. Ein neues, von einer Gruppe von Forscherinnen und Forschern verschiedener Universitäten entwickeltes Instrument will nun eine Rangliste der innovativsten Institutionen auf der Grundlage der Anzahl der in Patenten zitierten wissenschaftlichen Artikel dieser Hochschulen erstellen. Gemäss den in einem Artikel der Zeitschrift Nature Biotechnology veröffentlichten Ergebnisse liegt die EPFL auf dem siebten Platz.
Die Patente, die an der Schnittstelle zwischen Forschung und Markt liegen, stellen einen idealen Ausgangspunkt dar, um das Netzwerk darzustellen, das sie miteinander verbindet. Um eine Erfindung vor Fälschungen zu schützen, muss ihre Neuheit, die erfinderische Tätigkeit und der Kontext belegt werden, in dem sie sich bewegt. Dabei stützt man sich auf den Stand der Technik einschliesslich der Ergebnisse der von den Universitäten durchgeführten Forschungen. Die Autoren des in Nature Biotechnology erschienenen Artikels haben folglich diesen Innovationsmassstab angelegt, um die Software In4M zu erstellen. Diese klassifiziert die Institutionen gemäss ihrer Fähigkeit, innovationsrelevante Ergebnisse zu erzeugen. Dabei stützten sie sich auf die Anzahl Zitierungen wissenschaftlicher Artikel der letzten 35 Jahre in den 7,6 Millionen bei den 30 bedeutendsten Patentämtern angemeldeten Patenten. «Dies ist die beste Datenbank wissenschaftlicher Zitierungen in Patenten», betont Gaétan de Rassenfosse, Professor für Innovationspolitik und geistiges Eigentum an der EPFL. Die Forschungsdisziplinen wurden in zehn Kategorien eingeteilt, während die verschiedenen technologischen Bereiche in rund 30 Gruppen gegliedert wurden.
Kartografie der Innovation
Dank dieser Software konnten sie eine Rangliste der Institutionen gemäss dem potenziellen Anwendungsbereich der Erfindung erstellen. Diese zeigt gemäss den Autoren den Gesamteinfluss der Universität auf Industrie und Unternehmen im Verhältnis zu den übrigen Hochschulen. Des Weiteren gruppierten sie die Institutionen nach Forschungsdisziplinen. Die Platzierungen der Universitäten schwanken je nach den beiden Methoden stark: Die EPFL kommt auf den 41. Rang, die Carnegie Mellon stürzt vom 4. auf den 71. und das Georgia Institute of Technology vom 5. auf den 64. Platz ab. Bestimmte Forschungen führen eher zu Patenten, was die grossen, je nach der verwendeten Auswahlmethode festzustellenden Schwankungen erklärt. Für die Autoren ist die Rangliste gemäss den Anwendungsmöglichkeiten jedoch repräsentativer, weil sie einen direkten Bezug zwischen der institutionellen Forschung und den Unternehmen und deren präzisen industriellen Nutzung herstellt. «Diese Rangliste bestätigt die Sichtbarkeit der Forschung unserer Hochschule. Wenn es darum geht, ob eine Erfindung patentiert werden kann, orientiert sich die Industrie über das geistige Eigentum vom Erfinder bis zum Patentprüfer an den Arbeiten unserer Forscherinnen und Forscher», sagt Andrea Crottini, Fachmann für Technologietransfer und Patente an der Hochschule.
«Dies könnte Kontakte vereinfachen und die Innovation beschleunigen.»
Mit dem entwickelten Computerprogramm kann man auch sehen, welche wissenschaftlichen Ergebnisse und welche Forscherinnen und Forscher auf bestimmten Gebieten am einflussreichsten sind. Die Forscherinnen und Forscher haben die Software allerdings nur auf eine begrenzte Anzahl Fälle angewandt. Sie ist frei zugänglich und wandlungsfähig, denn sie soll von anderen verbessert werden. Ausserdem zeigt sie den Einfluss einer Institution in jedem der 35 miteinander verglichenen Technologiebereichen. Mit der Herstellung einer Verbindung zwischen der Laborwissenschaft und den von ihr generierten Anwendungen wird u.a. auch das Ziel verfolgt, eine Innovationskarte zu erstellen, die angibt, welche Personen und Institutionen in welchem Fachbereich wichtige Akteure sein könnten. «Dies könnte Kontakte vereinfachen und die Innovation beschleunigen», meint Andrea Crottini.
Wie die Universitätsranglisten Shanghai Ranking QS, Leiden und Times Higher Education, die die Institutionen und ihre Forschungsgebiete auf weltweiter Ebene gemäss verschiedenen Kriterien wie Ruf, Lehre und Auszeichnungen einteilen, bietet diese neue Rangliste zusätzlich eine Alternative, um den Übergang zwischen Forschung und Innovation zu messen. Die Autoren des Artikels hoffen, dass ihr Instrument zur Referenz wird. «Die Rangliste dürfte jedoch über die Zeit vergleichsweise stabil bleiben», betont Gaétan de Rassenfosse. Da sie auf den Daten der vergangenen 35 Jahre basiert, wird es wohl eine Weile dauern, bis die Gesamtzahl der Zitierungen zu einer bedeutenden Änderung der Rangliste führen wird. «Ausser die Gewinnung von Patentinformationen macht grosse Fortschritte und die Datenbanken werden umfangreicher», sagt der Professor.