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Die Internationalen Gemeinden Christi (engl. International Churches of Christ, Abk. ICOC) wurden 1979 als Boston Church of Christ vom 1954 geborenen Thomas "Kip" McKean begründet. 1992 erfolgte die Umbenennung auf den heutigen Namen. Lokale Gemeinden wurden stets nach dem Standort benannt: Internationale Gemeinde Christi Zürich, Gemeinde Christi Wien (nicht zu verwechseln sind die Internationalen Gemeinden Christi mit den "traditionellen" Churches of Christ / Gemeinden Christi). Der Rücktritt Kip McKeans von der Leitung der Gemeinschaft im Jahr 2002 führte zu einem Auseinanderbrechen der Bewegung.
Typisches Merkmal der ICOC war bis 2002 ihre spezielle Auffassung der Jüngerschaft, die sie als heilsnotwendig erachtete. Jüngerschaft beinhaltete nach Meinung der ICOC eine stark missionarische Ausrichtung, die Bereitschaft zur Unterordnung unter die Gemeinde (= ICOC) und das Eingehen sog. Jüngerschaftsbeziehungen, die hierarchisch ausgestaltet waren: Jedes Mitglied war einem persönlichen, gleichgeschlechtlichen Hirten unterstellt, welchem regelmässig die begangenen Sünden zu beichten waren und mit welchem anstehende Entscheidungen diskutiert werden mussten. Wurde vor 1992 dem Hirten gegenüber Gehorsam gefordert (auch dann, wenn dieser eine Handlung befiehlt, die selbst als Sünde gilt), galten die Aussagen des Hirten seither als "Ratschläge". Das Autoritätsgefälle und die Erwartung grundsätzlicher Unterordnung blieben aber bestehen. Der Einfluss des Hirten auf die Lebensgestaltung des Mitgliedes war i.A. enorm (Partnerwahl, berufliche Entscheidungen, finanzielle und Wohnsituation).
Unverheiratete Mitglieder der ICOC lebten typischerweise in (geschlechtsgetrennten) Wohngemeinschaften zusammen. Ein ausgefülltes Tages- und Wochenprogramm führten in der Regel zu einer Reduktion des Kontaktes zu Aussenstehenden. Im Zusammenhang mit der Anwerbung neuer Mitglieder wurde von übersteigerter Zuwendung im Sinne des "Love Bombings" der Munies berichtet. Nach der Anwerbung folgte das sog. "Bibelstudium", eine Einführung in die Lehren der ICOC anhand vorgegebener Lektionen. Die Mitgliedschaft begann mit der (Wieder)taufe, die fast immer auch bei Menschen geübt wurde, die bereits als Erwachsene getauft wurden.
Von den ICOC wurden insbesondere einsame junge Menschen angesprochen. Der Durchlauf an Mitgliedern war hoch. Ein längeres Verbleiben bei der ICOC war insbesondere dann nicht selten, wenn deren partnervermittelnde Tätigkeit und/oder Uebernahme der Autonomie geschätzt wurde.
Der Rücktritt Kip McKeans als Leiter im Jahr 2002 führte zu einem Umbruch. Mit KipMcKeans Abgang brach die gesamte übergemeindliche Struktur in sich zusammen. Die dadurch auf sich selbst gestellten Einzelgemeinden entwickelten sich in den folgenden Jahren in drei verschiedene Richtungen:
- Eine zunehmende Zahl von Gemeinden hat sich wiederum der Autorität von Kip McKean unterstellt, welcher inzwischen die Leitung der ICOC-Gemeinde in Portland übernommen hat. Diese "Portland Family of Churches" führt die oben dargestellten Jüngerschaftspraktiken der ICOC fort und empfindet nur die Angehörigen der eigenen Gemeinden als "sold out Christians", als entschiedene Christen. Den ICOC-Gemeinden, die sich der Autorität Kip McKeans nicht mehr unterstellen wollen, wird nicht gerade der Glaube abgesprochen, aber doch die Entschiedenheit. Inzwischen ist Kip McKean mit seiner "Portland Family of Churches" daran gegangen, in Städten, wo eine ICOC-Gemeinde besteht, die sich der Autorität Kip McKeans nicht unterordnen will, eine neue Gemeinde zu gründen. Diese Neugründungen heissen dann meist "International Christian Churches", abgekürzt "ICC", auf deutsch "Internationale christliche Gemeinden".
- Andere lokale Gemeinden sind aus der Bewegung der ICOC ausgeschieden, haben die spezifischen Lehren der ICOC aufgegeben und sich zu "normalen" evangelikalen Freikirchen entwickelt.
- Die Mehrzahl der Gemeinden beschreiten weder den einen noch den anderen Weg, sondern versuchen, ihre Eigenart zu wahren, ohne erneut dem Autoritarismus Kip McKeans zu verfallen. Die Jüngerschaftspraktiken der ICOC werden in diesen Gemeinden in ganz unterschiedlichem Ausmass umgesetzt, sie bleiben aber als Spezifikum der ICOC ein wichtiges Thema. Inzwischen haben die Gemeinden dieser "mittleren Richtung" zu einer Form der organisierten Zusammenarbeit gefunden. Die Abgrenzung gegenüber anderen christlichen Kirchen bleibt in der Regel aber deutlich.
Die einzige ICOC-Gemeinde in der Schweiz, die 1993 gegründete Internationale Gemeinde Christi Zürich, gehört zur Zeit dieser "mittleren Richtung" der ICOC an.
Georg Otto Schmid, 2004, 2008
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