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»Looslis schöpferischer Unruhegeist wirkt weiter – und ist gerade heute notwendiger denn je.« Alfred A. Häsler
1913 veröffentlichte Carl Albert Loosli einen Aufsatz mit dem Titel Jeremias Gotthelf, ein literaturgeschichtliches Rätsel. Darin weist er mit plausiblen Argumenten nach, dass nicht der Pfarrer Bitzius aus Lützelflüh all die Bücher geschrieben habe, die unter dem Pseudonym Jeremias Gotthelf veröffentlicht wurden, sondern dass der eigentliche Autor ein Bauer aus dem gleichen Ort namens Johann Ulrich Geissbühler gewesen sei.
Mit dieser »Mystifikation«, wie er es nannte, also einer gezielten Täuschung, wollte er die von ihm nicht besonders geschätzten Hohepriester der Literaturwissenschaft provozieren – was ihm auch gelang. Es entstand eine riesige, teils erhellende, teils urkomische Debatte über Gotthelf, die allein ein Buch füllen könnte.
Doch in diesem Band der Werkausgabe geht es auch noch um ganz anderes: um Looslis Überlegungen zur Mundartliteratur, die er selber virtuos praktizierte, um Sprach- und Formenexperimente, um das Handwerk des Schreibens und um Literaturkritik, um Literaturpolitik, die Gründung des Schweizerischen Schriftstellervereins (heute AdS), als dessen erster Präsident Loosli versuchte, eine gewerkschaftliche Ausrichtung des Vereins durchzusetzen. Und schließlich geht es um Carl Spitteler, mit dem Loosli befreundet war und um dessen Nachlass ein jahrzehntelanger Kampf entbrannte, den Looslis bester Freund, der Literaturwissenschaftler Jonas Fränkel, verlor, der aber den Siegern nicht zur Ehre gereichte.
Carl Albert Loosli, geboren 1877, wuchs in prekären Verhältnissen bei einer Pflegemutter, dann in einer Erziehungsanstalt auf. Zwei Jahre in der Jugendstrafanstalt Trachselwald. Reisen, Arbeit als Korrespondent und Redaktor bei verschiedenen Zeitungen. 1903 ließ er sich mit seiner Familie in Bümpliz nieder. Zahlreiche Buchveröffentlichungen. Loosli starb 1959 in Bümpliz; er hinterließ ein reiches schriftstellerisches und publizistisches Werk, das in der Werkausgabe des Rotpunktverlags erstmals öffentlich zugänglich gemacht wurde.
Fredi Lerch, geboren 1954 in Roggwil, war Redaktor der Wochenzeitung WOZ. Seit 2002 arbeitet er als freier Journalist und ist Mitglied des Pressebüros »puncto« in Bern. Von 2002 bis 2008 hat er zusammen mit Erwin Marti im Rotpunktverlag die Werkausgabe von Carl Albert Loosli herausgegeben.
Erwin Marti, geboren 1952, Lehrer und Publizist, Basel. Der profundeste Kenner von Looslis Werken arbeitet zurzeit am dritten Band seiner großen Loosli-Biografie. Marti ist auch Mitbegründer der Carl-Albert-Loosli-Gesellschaft. Anerkennungspreis für Editionsarbeit im Rahmen der Literarischen Auszeichnungen 2009 des Kantons Bern für die Herausgeberschaft der Carl Albert Loosli-Werkausgabe.