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Sobald der Eintrag von Kohlenstoff (C) in den Boden grösser ist als der Austrag, wird der Boden zu einer Kohlenstoff-Senke. Verläuft es umgekehrt, so ist er eine Kohlenstoff-Quelle. Damit die Landwirtschaftsböden zu echten C-Senken werden, müssen einige Bedingungen erfüllt sein, wie Sonja Keel von der Agroscope-Forschungsgruppe Klima und Landwirtschaft erklärte.
Erste Voraussetzung: Es muss sich um mineralische Böden handeln. Diese machen einen Grossteil der landwirtschaftlich genutzten Böden aus. Organische Böden, die aus Mooren entstehen, sind hingegen CO2-Quellen, wie Keel sagt. Sie seien für rund 10 Prozent der landwirtschaftlichen Emissionen verantwortlich, machten aber weniger als 2 Prozent der Fläche aus.
Echte Senken
Um die mineralischen Böden nun zu echten C-Senken zu machen, müssen die C-Einträge in den Boden durch CO2-Aufnahme aus der Atmosphäre auf der gleichen Fläche geschehen. Dies geschieht zum Beispiel über Gründüngung. Bei der Gründüngung werden Pflanzen bewusst zur Bodenverbesserung eingesetzt.
Der C-Abbau kann zum Beispiel über erhöhte Bodenbedeckung und die Zugabe von schwerer abbaubaren Substanzen erreicht werden, die auf der gleichen Fläche produziert worden sind. Keel nennt als Beispiel Pflanzenkohle.
Ähnlich wie bei den Böden sieht es im Wald aus. Nimmt der Holzvorrat zu, kann der Wald als C-Senke dienen. Möglichkeiten, diese Senken zu stärken, seien die Vorratserhöhung, der Verzicht auf Vorratsabbau oder die Schaffung neuer Waldreservate, erklärte Lukas Friedli vom Verein Wald Klimaschutz Schweiz. Zusätzlicher Wald sei in der Schweiz unrealistisch, die Pflanzungen geschehen im bestehenden Wald.
Begrenzte Aufnahmefähigkeit
Organische Dünger seien meist keine echten C-Senken, so Keel. Dies weil Hofdünger und Kompost oft geographisch umverteilt würden, so Sonja Keel. «Nur wenn organische Dünger ausschliesslich mit hofeigener Biomasse produziert wurden, generiert man C-Senken», so die Agroscope-Forscherin. Jedoch gehe auch bei der Lagerung Kohlenstoff verloren. Das spreche aber natürlich nicht gegen den Einsatz von Hofdünger, denn für Bodenfruchtbarkeit und Bodenlebewesen seien organische Dünger äusserst wertvoll.
Zu beachten ist auch, dass die C-Aufnahme im Boden begrenzt ist. Es entsteht ein neuer Gleichgewichtszustand, das heisst der C-Vorrat im Boden verändert sich nicht. Ausserdem ist die C-Aufnahme reversibel. «Wenn man mit Massnahmen aufhört, wird wieder Kohlenstoff abgebaut und freigesetzt», so Keel.
Massnahmen mit grossem Potenzial bedingen grosse Veränderungen
Viele Massnahmen würden heute in der Schweiz schon eingesetzt, zum Beispiel über den Ökologischen Leistungsnachweis, erklärte Keel weiter. Massnahmen wie Fruchtfolgen oder Zwischenkulturen hätten aber nur ein kleines Potenzial für zusätzliche C-Speicherung. Grösseres Potenzial haben Massnahmen wie die konservierende Landwirtschaft, bei der der Boden nur minimal bearbeitet wird und permanent bedeckt ist, oder der Agroforst, bei dem Hölzer mit landwirtschaftlichen Unterkulturen kombiniert werden. Diese werden in der Schweiz vereinzelt eingesetzt und bedingen grosse Veränderungen und Investitionen für die Landwirtin oder den Landwirten. Zudem könnte laut Keel Acker- in Dauergrünland umgewandelt werden, was jedoch die Kalorienproduktion schmälere. Auch im Einsatz von Pflanzenkohle sieht Keel grosses Potenzial.
Böden können 30 Prozent beitragen
Um das Netto-Null-Ziel zu erreichen, ist die Schweiz laut Keel auf inländische C-Senken resp. negative Emissionen in Höhe von 7 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent im Inland angewiesen. Sie geht davon aus, dass die Boden-C-Senken dazu maximal 30 Prozent beitragen könnten.
Landwirtschaft als Teil der Lösung
Es sei wichtig, dass sich die Landwirtschaft im Klimabereich als Teil der Lösung sehe, sagte Martin Rufer, Präsident von Agrocleantech, an der Tagung. Sie müsse das positiv angehen, könne und wolle einen Beitrag leisten. Das zeigten unzählige Projekte, die in den letzten Jahren und Monaten entstanden seien. Es sei eine grosse Dynamik vorhanden, was auch nötig sei, da das Sektorziel sehr ambitiös sei. Bisher sei der Fokus immer auf dem Vermindern von Emissionen gelegen, die Senkenleistungen böten jedoch Chancen, die offensiv angegangen werden müssten, so Rufer. Landwirtschaft, Forschung und Verwaltung müssten die Leistungen in diesem Bereich gemeinsam weiterentwickeln.
Auf Rufer folgt Darbellay
An der Tagung kündigte Martin Rufer an, die Präsidentschaft bei Agrocleantech abzugeben, da er als SBV-Direktor viele neue Aufgaben übernommen habe. Auf Rufer soll Michel Darbellay folgen. Dieser ist Leiter des Departements Produktion, Märkte und Ökologie beim Schweizer Bauernverband.