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Materielle und immaterielle Ressourcen der Herrschaft im Burgund des 11. Jahrhunderts
Hört man die Wörter „Reichtum“ und „Burgund“, so mögen einem zunächst die großen Burgunderherzöge des späten Mittelalters mit ihren opulenten Banketten im Stile des 1454 zelebrierten Fasanenfestes vor Augen stehen, die ihren Wohlstand derart geschickt zu inszenieren wussten, dass sich sogar ein Herzog wie Ludwig der Reiche in eben diesem Jahr im Umfeld des Regensburger Reichstages genötigt sah, sich beim Burgunderherzog Philipp dem Guten für den „ärmlichen“ Empfang zu entschuldigen, den er diesem bereitet hatte. Im Schatten dieses prächtigen, eine große Strahlkraft entfaltenden und vielstudierten Burgunds steht jedoch eine gleichnamige, weitaus unbekanntere, aber nicht weniger reizvolle Konstellation, deren Kerngebiet in der Gegend um den Genfer See zu verorten ist und die sich zeitweilig sogar bis an das Mittelmeer erstreckte. Die Rede ist vom hochmittelalterlichen Königreich Burgund, das nach dem Tod des letzten, im Jahre 1032 verstorbenen rudolfingischen Königs im Reich aufging. Wie es um die Ressourcen dieser Region bestellt war, soll in diesem Panel untersucht werden. Zunächst wird der Blick auf der Zeit des letzten rudolfingischen Königs ruhen, der weitaus weniger als der reiche, „königsgleiche“ Burgunderherzog aus dem Hause Valois unseren heutigen Vorstellungen eines vermögenden und einflussreichen Königs entspricht. Schon bei den Zeitgenossen aus dem ottonischen und salischen Nachbarreich sorgte Rudolfs III. Herrschaft offenbar für Verwunderung, unterstrich Thietmar von Merseburg doch, es gebe keinen Herrscher wie diesen, denn er verfüge lediglich über den Titel und die Krone und lebe auf Kosten der Geistlichen. Der Blick scheint jedoch durch die Propagandisten der Ottonen und der Salier verstellt. Es müssen durchaus Ressourcen vorhanden gewesen sein, die dieses Königtum immerhin über vier Generationen hinweg stabilisierten, denn es wurde, wie eingangs erwähnt, nicht erobert, sondern fiel erst durch das Verscheiden eines söhnelos gebliebenen Königs an das Nachbarreich. Eine wesentliche Ressource – und somit eine essentielle Stütze des Königs – stellten fraglos die Bischöfe dar, denen unter Rudolf III. auch verstärkt Grafschaften zugewiesen wurden. Es scheint dementsprechend sinnvoll, die Tragweite der Bischöfe unter Rudolf III. eingehender zu beleuchten und anschließend, in einem zweiten Schritt, ihre Rolle und ihre Vernetzungen in postrudolfingischer Zeit näher zu betrachten; denn auch die mächtigen Salier waren für die herrschaftliche Durchdringung des neuerworbenen Reichsteils auf die Unterstützung des gut vernetzten Episkopats angewiesen, der jedoch nicht nur den neuen Herren zuarbeitete, sondern im Zuge der Kirchenreform Kontakte zum Papsttum knüpfte. Im bald darauf ausbrechenden Investiturstreit führte Letzteres zu einer kompletten Neuorientierung der burgundischen Bischöfe, die es den Königen bis in die Zeit Friedrich Barbarossas immens erschwerte, in Burgund auf diese wichtige Ressource der Herrschaft zugreifen zu können.