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Wieso ist ein Porridge so gut für den Menschen?
In der Vorstellung der chinesischen Medizin funktioniert die Energieproduktion des Menschen wie ein Kessel über einem Feuer. Ein Kessel voll mit Nahrung, zum Beispiel einer Suppe, muss zum Kochen gebracht werden. Der aufsteigende Dampf ist die reine Energi Qi,, die den Körper, Geist und alle Organe versorgt. Vereinfacht gesagt ist das Feuer unter dem Kessel Nieren-Yang (Ur-Energie der Niere), der Inhalt des Kessels Yin (Substanzhafte Nahrung, die wir zuführen und die von Magen und Milz/Pankreas verarbeitet wird) und der aufsteigende Dampf Qi (Energie, die in den Leitbahnen fliesst). Wenn das Nieren-Yang schwach ist, kann die Suppe nicht zum Kochen gebracht werden, und Feuchtigkeit (ein ganz wichtiger pathogener Faktor in der TCM) bleibt liegen und lagert sich im Körper ab. Als Feuchtigkeit werden sämtliche Schwellungen, Wassereinlagerungen, Lipome, und Fett bezeichnet. Die Chinesen unterscheiden nicht nicht zwischen Wassereinlagerungen und Fett, sondern den Eindickungsgrad von Feuchtigkeit. Bleibt die Feuchtigkeit lange liegen, bildet sich daraus Schleim und später eventuell sogar ein Stein, zum Beisoiel ein Gallenstein, eine Gelenksverformung oder ein Tumor.
Der Kessel symbolisiert die Eingeweide, in denen die Nahrung in körpereigene Substanzen umgewandelt wird. Klassisch spricht man beim Kessel meistens von Magen und Milz/Pankreas, obwohl logischerweise der Dünndarm, die Leber mit ihren Verdauungssäften und der Dickdarm auch an der Verdauung beteiligt sind. Die zugeführte Nahrung spielt insofern eine Rolle, dass je wärmer sie ist und je besser vorverdaut (gekocht!), desto eher hilft sie, den Inhalt des Kessels am Kochen zu halten. Wenn wir den Kessel mit Glacé füllen und ihn somit abkühlen, ist es ungleich schwieriger, den Inhalt zum Kochen zu bringen, als wenn wir eine warme Suppe oder ein warmes Porridge einfüllen. Alles, was den Kessel am Kochen hindert, produziert Feuchtigkeit, die liegen bleibt, und verringert die Qi Produktion. Die Kunst der TCM besteht nun darin, den Kochprozess zu stärken: mit den richigen Nahrungsmitteln, in der richtigen Form (gekocht!), der richtigen Feuertemperatur und dem richtigen Kessel.
Der Magen hat nach Organuhr seine stärkste Zeit morgens zwischen 7 und 9 Uhr. Wenn wir zu dieser Urzeit dem Magen eine warme, leicht verdauliche Mahlzeit wie zum Beispiel ein Porridge zuführen, sind wir schon sensationell in den Tag gestartet. Ich möchte schon fast sagen, "Porridge am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen", zumindest die Sorgen des Magens, des ersten Organs in der Verdauungskette.
Wieso Hafer? Ein schulmedizinisches, alternativmedizinisches und chinesisches Loblied auf den Hafer!
Vom schulmedizinischen Standpunkt aus enthält Hafer viele Vitamine und Mineralien, sowie Ballaststoffe, die besonders gut Schadstoffe abtransportieren können.Haferkerne enthalten 55 Prozent Kohlenhydrate, 13 % Eiweiß, 10 % Ballaststoffe und 7 % Fett. Die hochwertigen komplexen Kohlenhydrate werden nur langsam abgebaut; das sorgt für langanhaltende Energie und hält den Blutzuckerspiegel konstant auf einem gesunden Niveau.
Im Vergleich mit anderen Getreidesorten ist der Gehalt an pflanzlichem Eiweiß absolute Spitze. Enthalten sind acht essenzielle Aminosäuren; sie werden zur Bildung von Hirn-Botenstoffen, Muskeln, Hormonen und Enzymen benötigt. Ballaststoffe, die unverdaulichen Pflanzenstoffe, können wasserlöslich oder -unlöslich sein. Im Hafer sind beide Arten etwa zu gleichen Teilen vorhanden. Die unlöslichen Ballaststoffe fördern die Verdauung und beschleunigen die Darmpassage. Damit die Ballaststoffe im Darm quellen können, benötigen sie Flüssigkeit; man sollte daher reichlich trinken. Ballaststoffe binden auch Schadstoffe und beeinflussen die Darmflora positiv. Besonders interessant ist das wasserlösliche Hafer-Beta-Glucan. Es hat die Fähigkeit, Gallensäuren im Darm zu binden, was zur Senkung des Cholesterins im Blut führt. Im Bereich der Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente ist Hafer ein wahres Kraftpaket: Reichlich enthalten sind die Vitamine B1, B2, B6, K und E, dazu Kalzium, Kalium, viel Eisen, Phosphor, Magnesium, Mangan, Kupfer, Zink und Selen.
In der europäischen Medizin ist die therapeutische Wirkung ist seit dem Mittelalter bekannt. Damals schrieben Kräuterheilkundige wie Matthiolus oder Lonicerus: «Zu Speiss gebraucht, ist es eine edel Arzney zum täglichen Stuhlgang, gibt kräftige Nahrung, wider der Räude (Hauterkrankung), stillet den rohten Bauchfluss (Magen-/Darmentzündung) und treibet den Harn, samt allem Unrath aus dem Körper (Rheuma, Nierensteine, Gicht).» Als Tinktur ist Hafer zur Beruhigung der Nerven im Handel.
Die chinesische Heilkunde beschreibt den Hafer noch genauer:
Hafer tonisiert das Herz-Qi, nährt das Herz-Blut und das Herz-Yin und kühlt Herz-Feuer. Das bedeutet, dass er den Geist beruhigt, den Herzmuskel kräftigt, Symptome von Leere Hitze (Hitze im Kopf, heisse Hände und Füsse, nächtliche Schweissausbrüche, Wechseljahrsbeschwerden) lindert, Herzklopfen lindert, den Blutdruck senkt, Einschlafstörungen und Schlafstörungen durch geistige Ueberanstrengung und durch Alkoholabusus abschwächt, bei nervöser Erschöpfung hilft, bei Anspannung, Erregung und innerer Unruhe, auch bei Angstzuständen. Hafer lindert Stress und stärkt die Nerven und steigert die Leistung im Sport.
Hafer kräftigt die Essenz (das Nieren-Jing), tonisiert das Nieren Qi. Das bedeutet, dass Hafer die Knochenbildung fördert, Erschöpfung nach sexueller Verausgabung lindert und gegen Impotenz wirkt. Er verbessert auch die Harnausscheidung und senkt Harnsäurespiegel. Somit wirkt er gegen Gicht und Nierensteine.
Hafer tonisiert das Qi von Milz-Pankreas: Er nährt das Blut, wirkt gegen Muskelschwund, Anorexie und Bulimie, hilft bei Erschöpfung und Rekonvaleszenz nach Krankheiten, verbessert die Lernfähigkeit,
Hafer wirkt kühlend auf Hitze der Schleimhäute von Magen und Darm, auch gegen Parodontitis und er wirkt auch fiebersenkend.