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Bezirk: Est (Vorwahl: 04) – Karte
Einwohner: 369 (Dezember 2011)
Kurzbeschreibung: Luxus-Ferienort von einst, später Kulisse für billige Horrorfilme, ist das waldige Dorf heute vor allem wegen des Pfeffers bekannt, der hier wächst.
Spezialitäten: Pfeffer («Senpuav nwè» & «Senpuav blan»), Rôti «Deuxième Bureau»
Einst war Senpuav der Inbegriff von Luxus. Hier, am Südfuss des Mont Majorin, bauten sich die reichen Herrschaften aus Port-Louis riesige Residenzen, hierher zogen sie sich an Wochenenden zurück, hier feierten sie ausgelassene Partys. Doch dann kam die Wirtschaftskrise der frühen 1920er Jahre und viele der wohlhabend Bürger von Santa Lemusa verloren ihr Geld. Wenig später wurde es ausserdem Mode, in der Nähe von Meer und Strand zu bauen – Sonne und Wind waren plötzlich attraktiver als Schatten und Ruhe. Als Folge davon wurden viele der Villen in Senpuav von ihren Besitzern verlassen. Manche der Gebäude wurden von den Bauern der Gegend als Ställe oder Lagerhäuser gebraucht – die meisten aber blieben leer und zerfielen. Senpuav liegt in der südwestlichen Ecke der Forêt de Duvet und der Wald holte sich sein Territorium in Windeseile zurück. Manche der stattlichen Bauwerke von einst sind heute kaum mehr zu sehen – andere sind längst so baufällig geworden, dass keine Rennovation mehr möglich ist.
In den 50er Jahren wohnte laut offiziellen Angaben nur noch acht Menschen in Senpuav. Dann aber trat Diane Sainclair auf – eine Unternehmerin aus Paris, die sich darauf spezialisiert hatte, Drehorte für billige Horrorstreifen sowie erotische Filme zu finden. Sie kaufte einige der Häuser für einen Pappenstiel auf – liess zwei sehr sorgfältig renovieren und einige soweit herrichten, dass die Draculas in den Ruinen ihre Zähne fletschen konnten, ohne dabei Gefahr zu laufen, von einem Balken ihres transilvanischen Schlosses erschlagen zu werden.
1971 wurde der erste Film in Senpuav gedreht – die Geschichte einer jungen Adeligen, die in ihrem Haus von einem 2000 Jahre alten Baumgeist gepeinigt wird, in den sie sich schliesslich verliebt. Die kleine Filmindustrie, die hier in den frühen 1970er Jahren heranwuchs und schliesslich mehr als dreissig Filme pro Jahr produzierte, führte zu einer allmählichen Wiederbesiedlung des Dorfes. Als die Firma von Diane Sainclair 1987 unter dubiosen Umständen aufgelöst wurde, lebten bereits wieder mehr als 200 Menschen im Dorf (im Jahr 2000 zählte die Siedlung gut 250 Einwohner und im Jahr 2011 waren es schon gegen 400).
Eines der Häuser von Sainclair (die «Villa Diana») ging in den Besitz der Gemeinde über, die es für vor allem für Feste und Seminarien vermietet. Eine der grössten Villen des Dorfes gehört aber auch heute noch einer französischen Firma, die hier Filme produziert und sogar einen Pool mitten im Urwald ausheben liess. Die Dorfbevölkerung bekommt von diesen Produktionen nicht viel mit – und folglich erzählt man sich die unglaublichsten Geschichten.
Auf Santa Lemusa ist Senpuav vor allem wegen seiner Gewürzgärten bekannt. In diesen kleinen, sorgfältig gepflegten Plantagen werden Zimt, Kardamom, Muskat, Gewürznelken, Vanille und natürlich vor allem Pfeffer, angebaut. Der Anbau von Gewürzen hat in Senpuav Tradition – das spiegelt schon der lemusische Name des Dorfes, der wörtlich übersetzt etwa «Heiliger Pfeffer» bedeutet. Wobei uns bisher niemand erklären konnte, was denn am Pfeffer aus diesem Dorf «heilig» sein soll. Die Qualität des Pfeffers aus Senpuav ist berühmt – auch Suzanne Confiant bezieht ihren Piper nigrum von hier. In jüngster Zeit ist ein neuer Pfefferproduzent in Senpuav in Erscheinung getreten: der frühere Geheimagent Hektor Maille (siehe «Poivres Maille»), dessen Maison Lara zu den berühmtesten Gebäuden des Dorfes gehört.
First Publication: 12-2008
Modifications: 17-2-2009, 30-9-2011, 28-8-2012