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Die Nationalhymne bekommt im Kanton Tessin wieder den Platz, der ihr gebührt. Eine Motion mit dem Titel «Im Musikunterricht der Volksschule soll das Erlernen der Nationalhymne (Schweizerpsalm) wieder obligatorisch werden» kam am 20. April 2013 im Grossen Rat zur Abstimmung. Der Minderheitsantrag dieser bereits 2008 eingereichten Motion wurde mit 49 zu 22 Stimmen und 5 Enthaltungen gutgeheissen. Es waren drei hauptsächliche Bestrebungen, die zur Eingabe der Motion geführt hatten: Die Beobachtung, dass immer weniger Bürger die Nationalhymne kennen, zweitens ist man der Meinung, dass «Quando bionda aurora» den nationalen Zusammenhalt der Bevölkerung stärkt, und im weiteren betrachtet man dieses Anliegen als wichtiges Element gelebter Tradition und als Zeichen des Stolzes gegenüber dem eigenen Land. Obwohl der Tessiner Regierungsrat in seiner Botschaft vom Oktober 2012 eine Ablehnung der Motion empfohlen hatte und die Mehrheit der «Commissione speciale scolastica del Gran Consiglio» ebenfalls für ein Nein eintrat, wurde sie interessanterweise mit grossem Mehr angenommen. So wird in Zukunft an allen Tessiner Schulen die Schweizer Hymne wieder gesungen.
Ein zweites starkes Zeichen für die Stärkung der nationalen Identität setzte ein kleines überparteiliches Komitee mit einer kantonalen Volksinitiative für die Wiedereinführung des Staatskundeunterrichts an den Schulen. Am 9. April 2013, eine Woche vor dem offiziellen Ablauf der Unterschriftensammlung, konnte das Komitee bei der Staatskanzlei in Bellinzona 10 230 statt der verlangten 7000 Unterschriften abgeben. Der Tessiner Grossrat muss diese Initiative nun behandeln, und falls er keine für die Initianten befriedigende Lösung findet, wird die Bevölkerung darüber abstimmen können, ob der Staatskundeunterricht, konkret zwei Lektionen pro Monat mit schriftlicher Benotung, wieder Einzug in den Tessiner Schulen (Oberstufe und Berufsschule) hält.
Diese zwei Beispiele zeigen, dass viele Bewohner und Bewohnerinnen des Kantons Tessin auf den schleichenden Verlust des Bürgersinns in den letzten Jahrzehnten aufmerksam geworden sind und die Bedeutung unserer direkten Demokratie mit dem Föderalismus, mit der Konkordanz und dem Subsidiaritätsprinzip wieder in den Mittelpunkt stellen wollen. Sie sehen richtigerweise auch, dass die Sensibilisierung auf dieses weltweit einmalige System und dessen Aufwertung bei den Kindern und Jugendlichen beginnen muss. Es erstaunt nicht, und es spricht sehr für die Tessiner, dass sie als im geographischen Süden lebende kulturelle Minderheit viel Gewicht auf einen guten Zusammenhalt mit dem Rest des Landes und auf die Erziehung ihrer Kinder zu selbstbewussten Schweizer Bürgern legen. Wir können ihnen nur gratulieren!
Rico Calcagnini
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