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Das Projekt einer vereinheitlichten Code-Basis ("Green") für alle ERP-Systeme aus dem Hause Microsoft ist in weite Ferne gerückt, wenn nicht gar abgebrochen.
Nach der sukzessiven Übernahme von Great Plains, Solomon, Navision und Axapta sprach man bei Microsoft eine gewisse Zeit davon, alle vier ERP-Systeme auf eine einheitlichen technologische Plattform zu bringen. In Redmond gab man dem Projekt den Namen "Green". Bereits im März 2005 rückte bei Microsoft ein Stück weit von den ursprünglichen Plänen ab
und versprach den um ihre Investitionen besorgten Kunden, die ursprünglichen Systeme mindestens bis 2013 zu unterstützen.
Schon bei der Vorstellung der neuen Preismodelle
für Navision und Axapta (respektive Dynamics NAV und AX) wurde klar, dass Redmond zwar die Oberfläche von "Dynamics" vereinheitlichen will, man sich aber vorstellen kann, im Hintergrund auch "alten, unveränderten Code" von Great Plains, Navision oder Axapta laufen zu lassen. Dafür wollte man die Modernisierung der Software in zwei "Wellen" vorantreiben.
"Welle 1 praktisch abgeschlossen"
Mit der Vorstellung der neuen Versionen von Axapta (4.0) letzten Herbst und nun von Navision (5.0) ist die 1. Welle "so gut wie abgeschlossen, sagt Andreas Uthmann, der das Geschäft mit Dynamics bei Microsoft Schweiz leitet. Die Benutzeroberflächen sind nun rollenbasiert, die Pakete sind tiefer in Office integriert
und haben nun mehr voreingebaute Funktionalitäten für die Auswertung (Business Intelligence), so Uthmann.
Nun geht nimmt man die "2. Welle" in Angriff. Und zwar sollen nun Basistechnologien innerhalb der Systeme ausgetauscht werden. So will Microsoft "Prozess-Konfiguratoren und -Bibliotheken" einbauen und modellgestützte Anpassungen ermöglichen.
Bosse haben sich noch nicht auf Sprachregelung geeinigt
Ob und wann die verschiedenen Ausprägungen von Dynamics je auf einem komplett einheitlichen Code aufsitzen sollen, ist unklar. Bis 2009 sollen Navision, Axapta und Great Plains aber einen grösseren Anteil von gemeinsamem Code benützen. Die Signale, ob "Green" bei Microsoft noch ein Thema ist, oder ob man angesichts von Service orientierten Softwarekonzepten (SOA) alte Anwendungsteile einfach kapseln und weiterverwenden will, sind widersprüchlich. Great Plains-Entwicklungschef Dave Coulombe sagte zu eWeek, es könne eine gemeinsame Code-Basis geben oder aucht nicht (!). Sein Chef Satya Nadella sagte wiederum, man habe "Green" immer nur falsch verstanden und die "Konvergenz" sei in Gange. Der Boss der "europäischen" Systeme NAV und AX, Munkholm Elsberg, sagte hingegen klipp und klar, die Code-Basis werden unterschiedlich bleiben.
Andreas Uthmann seinerseits sagt schlicht, es sei offen, ob die Vision einer einheitlichen Dynamics ERP-Plattform je verwirklicht werden. Wichtiger sei sowieso der Investitionsschutz für die Kunden, die jederzeit zwischen Versionen und Upgrades wechseln können, solange sie die Wartungsgebühr bezahlen. (Christoph Hugenschmidt)