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Mein Freund Anders Bally führt das Unternehmen sentifi.com, eine Data-Mining-Firma für Investoren. Anders’ Team in Vietnam analysiert täglich Gigabytes an Socialmedia-Daten, um herauszufinden, was Menschen über Investitionen denken.
Anders Bally glaubt, man könne so den Markt schlagen. Das könnte zutreffen. Darum schaute ich die Öl-Studie von sentifi.com genau an. Offenbar glauben die meisten Leute an einen Ölpreiseinbruch mit Rezession im Jahr 2016.
Nun ist Warren Buffet bekannt für seinen Spruch „Get greedy when others get fearful“ (Sei gierig, wenn andere ängstlich sind). Ist somit jetzt ein guter Zeitpunkt, um in Öl zu investieren?
Ich denke, das könnte in der Tat so sein. Es fällt schwer, sich eine noch schlechtere Zeit für die Ölindustrie vorzustellen. Folglich: Wenn Sie Buffets Überzeugung glauben, dann sollten Sie jetzt investieren, denn schlechte News bedeuten tiefe Preise.
In diesem Video suche ich nach attraktiven Ölaktien in Europa. Ich habe Repsol, BP und Total gefunden; alle mit äusserst guten Bewertungen.
Habe ich investiert? Nein. Ich habe nicht investiert, weil ich keine Ölaktien halten möchte. Das ist aber eine rein persönliche Entscheidung.
Ich kann mich nicht für Verbrennungsmotoren begeistern; nicht einmal, wenn sie ein Motorboot antreiben, obwohl das für mich ein grosses Vergnügen ist. Deswegen interessiert mich auch die Rendite auf Ölaktien nicht.
Wird mich mein Kaufverzicht teuer zu stehen kommen? Nein, denn in eine Branche nicht zu investieren heisst nicht, dass man dann weniger Geld verdient. Das ist genauso falsch wie die Meinung, dass bestimmte Branchen grundsätzlich höhere Renditen erzielen.
Ben Graham erkannte bereits vor Jahrzehnten, dass Sexy-Branchen keine Sexy-Renditen einbringen. Das bedeutet auch, dass Unsexy-Branchen nicht Unsexy-Renditen liefern.
Folglich sollten von allen Branchen eine ähnliche Renditen erwartet werden dürfen; ausser Sie haben bessere Informationen.
Wäre diese Aussage falsch, hätten die Investoren keine gute Arbeit geleistet. Das kann passieren. Es ist möglich, dass Investoren für eine gesamte Branche falsch liegen.
Können Sie eine solche Fehleinschätzung aufdecken? Nur wenn Sie sehr viel Zeit damit verbringen und über ausserordentlich gute Einsichten verfügen. Viele haben es vor Ihnen versucht; und ich weiss nicht, ob irgendjemand jemals nachhaltig erfolgreich war.
Möchten Sie keine Zeit vergeuden, dann ist es die beste Lösung, eine diversifizierte Anlagestrategie zu verfolgen.
Mit anderen Worten: Meine persönliche Entscheidung, keine Ölaktien zu kaufen, ist kein Nachteil. Es kann sich in Bezug auf Renditen als gute oder als schlechte Entscheidung herausstellen. Wir können es heute noch nicht wissen.
Und weil wir es nicht wissen können, können wir die Ölaktien auch einfach ignorieren. Werden wir schlechter als der Index sein? Wir werden schlechter sein als Indizes, die viele Ölaktien beinhalten (FTSE100), wenn die Ölaktien steigen; und wir werden besser sein als diese Indizes, wenn die Öl-Aktien fallen.
Und nicht zuletzt: Wir werden etwa gleich gut sein wie Indizes, die kaum Ölaktien enthalten (DAX30, SMI ohne Transocean). Na und? Es spielt eh keine Rolle.
Kommentare
Mit dem Paris-Abkommen, auch wenn die Partner erst im 2020 konkret werden, wird die Oel-Nachfrage noch lange (evtl. Dekaden) schwach bleiben.
Es gilt zu überlegen, dass evtl. grosse Teile der gewaltigen Oel & Gas Reserven der Mineraloel-Gesellschaften als „stranded assets“ zu bewerten sind – das ist heute noch nicht in den Kursen eingepreist. Die Frage ist hier, ob es zu einer langsamen- oder plötzlichen Kurs-/Preisanpassung kommt.
Auf jeden Fall sind vermutlich einige Gesellschaften Kandidaten, um mit einem negativen Residualwert bewertet zu werden – mit fatalen Auswirkungen auf deren Aktienkurse und/oder Existenz.
Diese Firmen müssten sich „neu erfinden“ um langfristig attraktiv zu bleiben. Evtl. werden viele vorher verschwinden.
Ein weiteres Argument gegen Öl-, aber auch Minen- und Rohstoffaktien ist, daß man nicht in den Sektor investieren sollte, der eine Baisse oder Wirtschaftskrise ausgelöst hat, weil auch nach der Krise nur eine unterdurchschnittliche Wertentwicklung zu erwarten ist.
Das war 2003 bei den TMT-Werten so, 2009 bei den Banken und dürfte so ab 2017 oder 2018 eben auch auf Öl-, Minen- und Rohstoffaktien zutreffen. Alle Unternehmen in diesen Sektoren haben die einstmals in den Boomzeiten erreichten Höchststände meist nie wieder erreicht, manche gibt es heute infolge Übernahme oder Insolvenz nicht mehr.