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HONDA'S SWEET SIXTIES
Das erste goldene Grand-Prix-Zeitalter
Kein anderer Konstrukteur hat einen solch bemerkenswerten Grand-Prix-Einstieg gegeben wie Honda. Schon im den ersten zehn Jahren konnte die Marke eine Vielzahl von Siegen verbuchen.
Hondas allererste Teilnahme an einem WM-Rennen geht auf Juni 1959 zurück, als Honda an der Isle of Man TT in der Ultra-Lightweight-Klasse startete. 1960 nahm Honda zum ersten Mal an der Weltmeisterschaft teil und holte die ersten Podiumsplätze. 1961 errang die Marke ihre ersten Grand-Prix-Siege und holte gleichzeitig die Weltmeistertitel in der 125er- und 250er-Klasse. Am Ende der Saison 1967 konnte Honda bereits 138 Grand-Prix-Siege und 34 Fahrer- und Konstrukteurs-Weltmeistertitel in den fünf Klassen 50 cm3, 125 cm3, 250 cm3, 350 cm3 und 500 cm3 verbuchen.
Ein Traum: die Isle of Man
Eine einzigartige Leistung, inspiriert durch den Traum eines Mannes, Soichiro Honda, der 1948 die Honda Motor Company gründete. Zu einer Zeit, als japanische Motorräder in Europa noch völlig unbekannt waren, wusste er, dass er bei europäischen Rennen gewinnen musste, um Honda zu einem Weltklasse-Konstrukteur zu machen. Und das war sein Ziel. Im Frühling 1954, kaum sechs Jahre nach der Gründung seines Unternehmens, gab Mister Honda seine Absichten bekannt. «Als Kind träumte ich davon, eines Tages mit einer selbst gebauten Maschine Weltmeister zu werden», schrieb er. «Ich habe beschlossen, an der TT auf der Isle of Man teilzunehmen. Es ist ein ambitiöses Ziel, aber wir müssen es erreichen, um die Funktionsfähigkeit der japanischen Industrietechnologie zu testen und der Welt zu beweisen ... Hiermit erkläre ich meine Absicht, an der Tourist Trophy auf der Isle of Man teilzunehmen, und ich verspreche, dass ich mit meinen Kollegen all meine Energie und Kreativität in dieses Vorhaben investieren werde, um das Rennen zu gewinnen.»
In jenem Sommer fuhr Soichiro Honda an die Isle of Man TT, das damals grösste Rennen der Welt. Er wollte sich ein Bild der Konkurrenz machen ... und war schockiert. «Wir waren überrascht zu sehen, wie viel leistungsstärker die Motorräder waren, als wir uns dies vorgestellt hatten», schrieb er später. Soichiro Honda kehrte nach Japan zurück, um ein Motorrad zu entwickeln, das schnell genug war, um an der TT teilzunehmen. Fünf Jahre später schickte er ein kleines Team von Piloten und Ingenieuren auf die Isle of Man. Honda gewann den Preis für das beste Team bei seinem ersten WM-Rennen am 3. Juni 1959.
Eine aussergewöhnliche Leistung, da die TT das erste Rennen von Honda überhaupt war und die meisten Rennen in Japan auf unbefestigten Strecken ausgetragen wurden. Als das Team auf der Isle of Man ankam, musste es die 125er-Honda RC142 anpassen, da sie absolut nicht für Asphalt geeignet war. Zur Vorbereitung hatten die Fahrer Videos angeschaut, um sich an die hügelige Strecke des Mountain Course zu gewöhnen. Bei ihrer Ankunft auf der Isle of Man mussten sie dann allerdings feststellen, dass das Rennen in der 125er-Ultra-Lightweight-Klasse auf einer anderen Rennstrecke, dem Clypse Course, stattfinden würde ...
Internationale Anerkennung
mit 18 PS, was eine Höchstgeschwindigkeit von rund 180 km/h erlaubte. Dennoch zeigte die Leistung des Teams, dass Honda wusste, was es tat: Naomi Taniguchi wurde Sechster, Giichi Suzuki Siebter, Teisuke Tanaka Achter und Junzo Suzuki Elfter. Ein Zuschauer, der spätere australische Grand-Prix-Fahrer Tom Phillis, war von der Effizienz des Teams derart beeindruckt, dass er sich in einem Brief an Honda um einen Platz im Team für die Saison 1960 bewarb. Er wurde der erste nicht-japanische Honda-Fahrer und holte im August desselben Jahres seinen ersten WM-Podestplatz, als er beim Ulster Grand Prix auf einer 250-cm3-Vierzylinder-RC161 den zweiten Platz belegte. Zwei Wochen zuvor schrieb Kenjiro Tanaka Geschichte, als er Honda seinen ersten Grand-Prix-Podestplatz bescherte. Dies geschah ebenfalls auf einer RC161 beim Grossen Preis von Westdeutschland.
Hondas Aufstieg an die Spitze der Disziplin setzte sich 1961 fort, als Phillis im ersten Rennen der Saison, dem Grossen Preis von Spanien in der 125er-Klasse, den ersten Grand-Prix-Sieg der Marke einfuhr. Drei Wochen später erzielte Kunimitsu Takahashi in Hockenheim den ersten Sieg von Honda in der 250er-Klasse.
Honda dominierte in seiner zweiten Saison beide Klassen. Im September 1961 flogen Soichiro Honda und seine Frau Sachi nach Schweden, wo sie Mike Hailwoods ersten Weltmeistertitel für Honda in der 250er-Klasse miterlebten. Vier Wochen später gewann Phillis den 125er-Titel in Argentinien. In beiden Kategorien gewann Honda auch den Konstrukteurstitel.
Weltweite Vormachtstellung
Die Grand-Prix-Dominanz von Honda hielt an. In den sechs darauffolgenden Saisons lieferten sich die Viertakter von Honda einen erbitterten Kampf mit den Zweitaktern seiner Gegner. Aus diesem technologische Wettstreit resultierten einige der fantastischsten Motorräder auf der Rennstrecke: die 250 cm3 6-Zylinder, die 125 cm3 5-Zylinder und die 50 cm3 Zweizylinder von Honda.
1965 hatte Honda die 50-cm3-, die 125-cm3-, die 250-cm3- und die 350-cm3-Klasse erobert. Es galt nun, das ultimative Ziel zu erreichen: den ersten Weltmeistertitel in der 500-cm3-Klasse. Die erste Grand-Prix-Maschine von Honda am Start eines Rennens der Königsklasse war ein sofortiger Erfolg. Die RC181 errang in ihrem ersten Rennen beim Grossen Preis von Westdeutschland 1966 mit Jim Redman einen phänomenalen Sieg. Redman gewann auch das zweite Rennen in Assen und hätte in Hondas erster Saison auf diesem Niveau den Titel in der 500er-Klasse gewinnen können, doch er hatte beim dritten Rennen, das auf der ultraschnellen Strecke in Spa-Francorchamps ausgetragen wurde, einen Unfall und erlitt dabei Verletzungen, die das Ende seiner Grand-Prix-Karriere bedeuten sollten. Hailwood, der sich bis dahin auf die 250er- und 350-er-Klassen konzentriert hatte, übernahm Redmans Maschine. Obwohl er noch drei Rennen in der 500er-Klasse gewann, reichte es nicht, um die Krone zu holen.
Die fünf Siege von Redman und Hailwood bescherten der Marke dennoch den Konstrukteurstitel in der 500er-Klasse. Honda holte sich die Krone in allen Kategorien (50 cm3, 125 cm3, 250 cm3, 350 cm3 und 500 cm3), eine Leistung, die von keinem anderen Konstrukteur erreicht wurde.
Sweet sixties
Die Saison 1967 sollte vorläufig die letzte Grand-Prix-Saison von Honda sein. Die Marke gewann erneut die Titel in der 250er- und 350er-Klasse, aber leider nicht in der 500er-Klasse. Hailwood beendete jene Saison punktgleich mit dem MV-Agusta-Piloten Giacomo Agostini, der die Krone dank des damals gültigen Bewertungssystems gewann.
Honda zog sich aus dem Grand-Prix-Motorradrennsport zurück, um sich auf die Formel 1 zu konzentrieren. Die ersten F1-Rennwagen von Honda waren mit Motoren ausgestattet, die von denselben Ingenieuren entwickelt worden waren, die auch die Motoren der siegreichen Grand-Prix-Motorräder konstruiert hatten. Erst 1979 kehrte Honda in den Grand-Prix-Motorradrennsport zurück. Die 1960er-Jahre waren offensichtlich eine einzigartige Ära für den Motorradrennsport im Allgemeinen und für Honda im Besonderen. Der Kampf zwischen den Vier- und den Zweitaktmotoren hatte zu einem Technologiewettrennen geführt, wie es die Disziplin noch nie gekannt hatte und wie sie es nie wieder kennen wird. Ingenieure und Fahrer wurden bis an ihre Grenzen getrieben, um den Sieg anzustreben. Für die Akteure dieses Technologiewettstreits waren die 1960er-Jahre das goldene Zeitalter, in dem alles möglich schien. Zur gleichen Zeit flogen die ersten Menschen zum Mond. Und für Soichiro Honda erfüllten sich seine Kindheitsträume.