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Verständnis die
Kunstformen den Verhältnissen und Bedürfnissen anzupassen verstanden; dabei büßte die Kunst freilich
an strenger Geschlossenheit, an Reinheit und Höhe ein, sie wurde aber Gemeingut weiter Kreise.
Beispiele der römischen Bau
kunst. Nach dem Grundsatze in den erläuternden Abbildungen nur das zu zeigen, was wirklich vorhanden
ist und die ursprünglichen Formen möglichst unverändert behalten hat, gebe ich in den Abbildungen
Fig. 186-191 einige Beispiele der römischen Bau
kunst. Die Zahl der gut erhaltenen Bauwerke ist
sehr klein, das Meiste ist völlig zerstört oder doch seiner Verkleidung mit Marmor und anderem Haustein, der Säulen und
sonstigen Schmuckwerkes beraubt. Dies gilt insbesondere auch von Rom, wo von den Palästen und
Thermen
nur Reste der kahlen Ziegelmauern stehen blieben.
Das Kolosseum. Unter den wenigstens in der Hauptsache erhaltenen Bauten ist das Kolosseum in Rom (Fig.
186) hervorzuheben, ein Amphitheater, das unter den
Kaisern Vespasian und Titus erbaut und im Jahre 80 n. Chr. vollendet wurde.
Der Grundriß hat elliptische Form und mißt in der
Länge etwa 200 m, in der Breite 150 m. Die Höhe der Umfassungsmauer
ist ungefähr 50 m. Ueber gewölbten Gängen sind im Innern stufenförmig die Plätze für 87000 Zuschauer
angeordnet. Das Aeußere zeigt das ursprüngliche Aussehen noch sehr gut. Als Stützen der
Gesimse der
drei unteren Stockwerke dienen Halbsäulen mit dorischen, jonischen und korinthischen Kapitälen. Der Oberstock wird durch
Wandpfeiler mit korinthischen Kapitälen gegliedert. Diese Halbsäulen und
Wandpfeiler haben nicht mehr, wie in der guten griechischen
Bau
kunst, den Zweck des wirklichen Tragens, sondern sind nur Schmuckwerk.
Die gleiche Art der Anwendung von Stützen findet man an einem römischen Bauwerk auf deutschem Boden, der Porta nigra in Trier (Fig. 191).
Römischer Tempel in Nimes. Im Wesentlichen der griechischen Bau
kunst näher stehend, erscheinen einzelne römische Tempelbauten
in Rom und den alten römischen Provinzen, als deren bestes Beispiel ich den Tempel in Nimes (Südfrankreich)
in Fig. 187 abbilde. Der Aufbau ist einfach und schön, die Säulen zeigen die reiche römisch-korinthische
Form.
^[Abb.: Fig. 195. Silberne Prunkschale mit dem Bilde der Alexandria.
Gefunden in Boscoreale. Paris, Louvre. Aus Bruckmann's «Klassischer Skulpturenschatz».)]
^[Abb.: Fig. 196. Silberner Becher aus Boscoreale.
Paris, Louvre. (Aus Bruckmann's «Klassischer Skulpturenschatz».)] ¶
Grabmal der Cäcilia Metella. Die freistehenden Grabmäler werden durch das Grabmal der Cäcilia Metella aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. veranschaulicht (Fig. 188), das noch am besten das ursprüngliche Aussehen bewahrt hat. Man erkennt noch den viereckigen Unterbau, auf dem sich der mit einem Fries von Stierschädeln und Laubgewinden geschmückte Rundbau erhebt. Der Zinnenkranz ist eine mittelalterliche Zuthat.
Titusbogen. Die Eigenart der römischen Siegesbogen zeigt Fig. 190. Die Vorbilder dieser Bogen sind wahrscheinlich in den etruskischen Thoren zu suchen, von welchen in Fig. 189 ein Beispiel gegeben ist. Die Enden und Mitten des Bogens sind bei diesem Stadtthore durch stark hervortretende Steinköpfe geschmückt. Bei den römischen Triumphbogen ist diese altitalische oder etruskische Grundform reicher ausgebildet; einer der einfachsten und schönsten ist der abgebildete Titusbogen, der weniger durch Fülle des Schmucks als durch edle Verhältnisse wirkt. An den Ecken treten vier mit reichen Kapitälen versehene Dreiviertelsäulen hervor. Der eigentliche Bogen wird von zwei weniger hervorragenden Säulen eingefaßt. Auf den Säulen ruht ein geschmackvoll gegliedertes Gesimse, das ein kräftiges Mauerfeld mit Inschrift trägt. Das Innere des Bogens ist mit Flachbildern und reicher Kassettierung geziert; auch die Bogenzwickel haben Flachbildschmuck.
Porta nigra. Wie großartig die Anlage römischer Thorbauten bisweilen war, kann man an der Porta nigra in Trier (Fig. 191) ersehen; ein unvollendet gebliebener Bau aus dem 4. Jahrhundert n. Chr., der in der Gliederung der Stockwerke große Aehnlichkeit mit dem Kolosseum besitzt.
Von den prächtigen römischen Bädern sind meist nur die stark zerstörten rohen Ziegelmauern stehen geblieben, von ihrer reichen Bekleidung sind nur wenige Trümmer erhalten, da selbst im 16. Jahrhundert noch die Baumeister Teile davon für ihre Bauten verwendeten. Eine Probe von der reichen Ausgestaltung der Einzelheiten giebt Fig. 198 am Schlusse des Abschnittes.
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Klein
kunst. Wie tief der Kunstsinn, richtiger gesagt, das Feingefühl für künstlerische Formen, bei Griechen und Römern
in das Volk eingedrungen war, ersieht man am deutlichsten aus den Werken der Klein
kunst und des Kunstgewerbes,
welche zum Teil noch lehrreichere Aufschlüsse über den Stand der
Kunst geben, als die eigentlichen Denkmalswerke. So fußen
ja unsere Kenntnisse von der Malerei der Alten größtenteils auf den Zeugnissen, welche die Thongefäße liefern, und
auch für die bildnerische
Kunstfertigkeit sind die Münzen und geschnittenen Steine, die Hausgeräte und Schmucksachen von
hoher Bedeutung.
Gefäße. Ueber die Thongefäße wurde bereits das Wichtigste gesagt und wären nur noch einige Bemerkungen anzufügen. Wahrscheinlich auf Einflüsse des Ostens sind die Formen der Figurgefäße zurückzuführen, welche im 5. Jahrhundert bei den Griechen in Aufnahme kamen. Neben Vasen, bei welchen man die Gestaltung von Köpfen und ganzen Figuren verwendete, erscheinen als die vollendetste Gattung dieser Gefäße die Trinkhörner (Rhyta), deren unteres Ende in einen Tierkopf ausgeht, dessen Maul die Ausflußöffnung enthält. Auf italischem Boden entstanden im 2. Jahrhundert v. Chr. die Gefäße mit Flachbildnereischmuck, welche weite Verbreitung fanden. Sie zeichnen sich durch anmutige und feine Formen aus.
Thonfiguren. Die ausgebildete Arbeitsfertigkeit und der künstlerische Formensinn der Thonbildner befähigte diese auch zu
Werken, welche schon in das Gebiet der höheren
Kunst hinübergreifen. Dazu gehören die kleinen Figuren
und Gruppen, welche (nach einem Hauptfundorte, dem griechischen Städtchen Tanagra) gewöhnlich als Tanagrafiguren
bezeichnet werden. Sie sind ungemein reizvoll in der Form behandelt und waren bemalt, was ihre Wirkung noch erhöhte.
Metallarbeiten. War die Thonbildnerei hauptsächlich bei den Griechen entwickelt, so hatten diese hinsichtlich der Metallarbeiten ebenbürtige Nebenbuhler in den Etruskern, und ¶