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Alexandra in Bolivien
„Ich denke oft an mein Volontariat in Bolivien und die Menschen zurück. Sie hatten so wenig, waren aber so glücklich“
Das Don Bosco Zentrum für Strassenkinder in Santa Cruz wurde im Jahre 1991 gegründet, um verwahrloste Kinder und Jugendliche von der Strasse zu holen. Ein Haus nach dem anderen entstand, immer den gegenwärtigen Bedürfnissen entsprechend. Inzwischen sind es sechs Häuser. Die Granja, der Bauernhof, lag etwas ausserhalb von Santa Cruz. Dort sollten die Kinder durch den Umgang mit Tieren ihre Vergangenheit verarbeiten und zurück in eine geregelte Tagesstruktur finden. Für die älteren Jugendlichen gibt es Lehrwerkstätten, in welchen sie ein Handwerk erlernen, von dem sie später leben können. Das Projekt lebt unter anderem von den Volontären. Wir waren immer zwischen acht bis zwölf Freiwillige aus aller Welt. Und alle hatten verantwortungsvolle Aufgaben, bei denen wir oft mit den Kindern alleine waren. Wären also keine Volontäre da gewesen, hätten weitere Erzieher diese Arbeit übernehmen müssen, was für das Projekt ein finanzielles Problem gewesen wäre.
Ein typischer Tagesablauf
Ich arbeitete meistens von 14h00 bis 21h00. Am Nachmittag waren die grösseren und die kleineren Kinder getrennt, lernten aber das gleiche: Lesen und Schreiben. Ich war anfangs in der Gruppe der „Grossen“ eingeteilt, und half mit, so gut ich konnte. Ich versuchte die Kinder zu motivieren und schaute, dass nicht alle davonliefen, sobald der Erzieher kurz rausging. Ich schrieb einige Schreibübungsbeispiele in ihre Hefte und kontrollierte die Aufgaben. Um 16h15 gab’s einen z’Vieri. Oft half ich beim Vorbereiten mit, bestrich Brötchen, mixte Bananen, schnitt Früchte oder kochte Milchreis. Hinterher gingen wir auf ein Fussballfeld, in einen Park oder in der Mangosaison auf die Wiese hinter dem Heim, wo die grösseren Jungs auf die Bäume kletterten und uns die leckeren Früchte zuwarfen. Dann war es für die Kinder an der Zeit, sich zu duschen. Ich verteilte das Shampoo auf den Köpfen der Kinder und schaute, dass alle rechtzeitig zum Abendessen bereit waren. Häufig half ich auch in der Küche beim Kochen und Servieren mit oder rannte den Kindern im Heim umher bis das Essen bereit war. Nach dem Abwaschen wurden einige Kinder für ein Ämtchen eingeteilt, mit den anderen machten wir Spiele, tanzten oder bastelten. Bis um circa 21h00 alle ins Bett mussten. Wir begleiteten sie, schauten, dass alle die Zähne geputzt hatten und beendeten den Tag mit dem Nachtgebet.
Si – puedes!
Mit den Kindern sind wir häufig auf den nahegelegenen Sportplatz gegangen. Einmal spielten wir Basketball. Immer wenn eine Volontärin mit dem Ball in der Nähe des Korbes war, passte sie den Ball jemandem zu, damit diese Person den Korbwurf machte. Mit der Zeit sagten ihr die Mitspieler, sie solle doch auch in den Korb werfen. Und sie sagte jedes Mal: „No puedo.“ – «Ich kann nicht.» Und jedes Mal war die Antwort: «Si, puedes!»
Es ist wichtig, sich von Schwierigkeiten nicht aufhalten zu lasse, es zu versuchen und nicht von Anfang an zu sagen «Ich kann es nicht.» Auch die Kinder bei mir im Unterricht sagten oft: «Ich kann es nicht.» Und jedes Mal nach ein paar motivierenden Worten oder einer Erklärung ging’s nicht lange und sie konnten es. Also sag niemals: «Ich kann’s nicht.» Versuche es! Weil: Puedes! – Du kannst es!
Die grösste Herausforderung während den ersten Monaten waren die sprachlichen Schwierigkeiten. Die kleinen Kinder genossen es, wenn ich etwas nicht verstand und sie mir helfen konnten. Aber bei den über 12-jährigen Mädchen war es schwierig, an sie heranzukommen und ihr Vertrauen zu gewinnen. Dies wurde dann mit der Zeit immer besser und ein freundschaftliches Verhältnis entstand auch mit ihnen.
Auch wenn die Menschen vor Ort wenig haben, sind sie für das dankbar, was sie haben
Häufig denke ich zurück an diese schöne Zeit in Bolivien. Denke, was „meine“ Kinder nun machen und wie es ihnen geht. An dieses schöne Land. Wie doch diese Leute so wenig haben und doch so zufrieden sind. Wie sie sich Zeit nehmen für andere Menschen, wie die Familien zusammenhalten. Wie sie an den lieben Gott glauben und für das dankbar sind, was sie haben.