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Classement thématique série 1848–1945:
6. POLITIQUE ET ACTIVITÉS HUMANITAIRES
6.1. ACTIVITÉS HUMANITAIRES
6.1.1. RELATIONS AVEC LE CICR
Printed in
Wir verdanken Ihnen Ihren Brief vom 4. Dezember 19422 über angebliche Meldungen Marschall Mannerheim’s an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz wegen der russischen Kriegsgefangenen in Finnland und Ihren Brief vom 14. d. M.3 über die Entgegnung Marschall Mannerheim’s auf die Veröffentlichungen des Dr. Piderman.
Gleichzeitig erlauben wir uns, Ihnen zur persönlichen Information Folgendes mitzuteilen:
Dr. Piderman, ein Schweizer Arzt, hatte während seiner Tätigkeit als Chirurg des Finnischen Roten Kreuzes in Helsinki mehrere Lager mit russischen Kriegsgefangenen als Begleiter des Delegierten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz besuchen dürfen. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz setzte sich Dr. Piderman in Verbindung mit dem I.K. v.R.K., es möge etwas gegen die - wie er sagte - katastrophale Ernährungslage der russischen Gefangenen tun.
Da er in Genf irrtümlicherweise den Eindruck erhielt, man sei nicht bereit, in dieser Richtung etwas vorzunehmen, sandte er an etwa 200 Persönlichkeiten eine Broschüre mit Photographien und eine Einladung, die Zustimmung zu einer Hilfsaktion zu erklären, dabei das Vertrauen brechend, das finnischerseits bei seinen Lagerbesuchen an der Seite des Delegierten des I.K. v.R.K. in seine Diskretion offenbar gesetzt worden war. Es folgte am 29. Oktober 1942 in Zürich eine Versammlung, an der ein Studienkomitee gegründet wurde. Dieses Komitee wandte sich an das Schweizerische Rote Kreuz - mit negativem Erfolg.
Das Komitee wollte nun alle, die auf den ersten Appel hin zustimmend geantwortet hatten, zu Geldspenden und zur Weiterwerbung auffordern. Die Aufforderung nannte eine ganze Reihe von Leuten, die bereits ihre Zustimmung erklärt hatten4; darunter fielen besonders einige Namen der Linken auf5. Um die zur Durchführung der Sammlung nötige behördliche Bewilligung wurde erst spät nachgesucht. Während die Behörden bis anhin in der Sache nicht begrüsst worden waren und sich erst jetzt mit dem nicht eben einfachen Fall befassten, begann von der Linkspresse ein gewisser Druck auszugehen, welcher den Behörden ihre Aufgabe erschwerte und sogar einer Erklärung der finnischen Gesandtschaft rief. Dies werden auch die Pressemitteilungen sein, welche den Anlass zu den im Ausland erfolgten Zeitungsartikeln gegeben haben, von denen Sie in Ihrem Brief vom 4. Dezember reden.
So war es denn eine glückliche Lösung, dass das Schweizerische Rote Kreuz auf seine ablehnende Haltung zurückkam: Es erklärte sich nämlich bereit, einerseits die Spenden, welche dem Komitee zugehen, zu sammeln, anderseits selber bis zu Fr. 100000.- zu stiften und beide Summen an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz weiterzuleiten. Dieses will daraus Ankäufe tätigen, die gekauften Waren spedieren und in Finnland unter seiner Überwachung verteilen lassen. Das Gesuch des Komitees um Bewilligung einer öffentlichen Sammlung wurde dadurch gegendstandslos und das Komitee, aus dem auszutreten sich übrigens Dr. Piderman hat bewegen lassen, tritt damit in den Hintergrund, ohne sich aufzulösen. So kommt den Kriegsgefangenen eine rasche Hilfe zu, welche das ganze Volk ohne politische Unterschiede aufbringt. Mit dieser Hilfe soll die Zeit überbrückt werden, bis die erwartete amerikanische Hilfe wirksam wird. Diese Lösung wurde auch vom finnischen Gesandten begrüsst6, während eine Hilfe auf Basis der Angaben und der Aktion des Dr. Piderman für Finnland wohl unannehmbar gewesen wäre.
Behördlicherseits wurde der Wunsch ausgesprochen, diese Aktion zugunsten der Gegner Finnlands möge dem Schweizerischen Roten Kreuz Anlass geben zur Förderung seiner Hilfe an die Finnen selber, insbesondere an kriegsgeschädigte Kinder.
- 1
- Lettre (Copie): E 2001 (D) 2/177.↩
- 2
- Dans cette lettre, reçue à Berne le 11 décembre, Dinichert informait: dass die schwedische Presse heute in grösserer Aufmachung eine Meldung aus Zürich bringt, wonach Marschall Mannerheim das Internationale Rote Kreuz davon in Kenntnis gesetzt habe, dass 20 000 russische Kriegsgefangenen in Finnland infolge Hungers gestorben seien. Diese Nachricht wird gleichzeitig dementiert durch den Generalsekretär des Finnischen Roten Kreuzes, der mitteilt, dass Marschall Mannerheim, der Vorsitzende des Finnischen Roten Kreuzes, niemals das Internationale Komitee des Roten Kreuzes in diesem Sinne informiert habe.↩
- 3
- Dans cette lettre, reçue à Berne le 17 décembre, Dinichert rapportait: dass die schwedische Presse heute in grosser Aufmachung die Entgegnung Feldmarschall Mannerheims auf die von Herrn Dr. med Guido Piderman in Zürich veröffentlichten Angaben enthält, wonach von 45 000 Gefangenen bereits 15000 Hungers gestorben sein sollen. Die fraglichen Angaben soll sich Herr Dr. Piderman auf einer Reise nach den Gefangenenlagern verschafft haben, die er mit Zustimmung der finnischen Behörden im Juli zusammen mit dem offiziellen Vertreter des Internationalen Roten Kreuzes Herrn Graf unternommen hatte. In der offiziellen Erklärung des Oberbefehlshabers der finnischen Armee heisst es, dass 12 000 Gefangene gestorben seien, ohne dass jedoch die Gesamtzahl der gemachten Gefangenen angegeben wird. Die Sterblichkeit habe sich stetig verringert, was daraus hervorgehe, dass im Jahre 1942 im Februar 1,73%, im Mai 0,86% und im Oktober 0,14% der Gefangenen gestorben seien. Cf. aussi No 276 et annexe.↩
- 4
- Pour un exemplaire de cet appel complété de la liste de plus de soixante personnalités suisses du monde politique, artistique, littéraire, universitaire et médical, cf. E 2001 (D) 2/177.↩
- 5
- A ce sujet, P. Bonna relève dans une note à Pilet-Golaz du 19 novembre: Si le comité que le Dr Piderman a réussi à constituer réunit quelques personnalités fort honorables, il n’en est pas moins très frappant d’y trouver toute l’extrême gauche, notamment Barth, Ragaz, Nicole et même Karl Hofmaier. L’intention d’agitation politique me paraît évidente.↩
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