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Das erste Videospiel überhaupt: "Tennis for two". Foto: Museum of electronic games & art
Die Anfänge der Videospiele gehen 64 Jahre zurück – in das Labor eines Physikers. Eine Erfindung, aus der sich eine milliardenschwere Industrie entwickelt hat.
Space Invaders, Pac-Man, Super Mario Bros: Die alten Klassiker der Videospiele kennt jeder. Heutzutage bilden die Games in der digitalen Welt einen milliardenschweren Markt. Laut einer eSports-Studie der ZHAW zockten im Jahr 2021 rund 41,7% der Schweizer Bevölkerung mindestens einmal pro Woche Videospiele. Sie sind die Schnittstelle zwischen Informationstechnik und künstlerischer Umsetzung in der digitalen Welt. Doch wo liegen die Anfänge von Space Invaders und Co. eigentlich?
Tennis für zwei
Die Geschichte der digitalen Spiele reicht bis in die 1950er-Jahre zurück. Forschende an US-Universitäten tüftelten damals an simplen Computerspielen. Diese waren jedoch noch nicht für die Unterhaltung gedacht, sondern sollten lediglich die Funktionsweise der Rechner demonstrieren. Erst im Jahr 1958 wurde ein Videospiel programmiert, das tatsächlich für den Zeitvertreib bestimmt war. Während dieser Zeit veranstaltete das Brookhaven National Laboratory jährliche Besuchertage, an denen tausende Menschen das Labor besichtigen konnten.
Physiker William Higinbotham war Leiter einer Gruppe und fand die meisten Exponate "eher langweilig". Um das Interesse der Besucher zu wecken und den Ort zu beleben, bräuchte es ein interaktives Ausstellungsstück. "Ich dachte, ein Spiel könnte die Botschaft vermitteln, dass unsere wissenschaftlichen Bemühungen für die Gesellschaft wirklich relevant sind", erklärte er laut 'Aps Physics' später in einem Interview. Aus dieser Idee heraus programmierte er schlussendlich "Tennis for two"; eine Art Tennisspiel bestehend aus einem Monitor für ein Messgerät, auf dem zwei Personen einen Lichtpunkt hin und her spielen konnten.
So sah der Spielspass aus. Video: Youtube
Nach der dreitägigen Ausstellung geriet das Spiel aber in Vergessenheit. Erst dem Automatenspiel Pong aus dem Jahr 1972 gelang schliesslich der kommerzielle Durchbruch.
Die Sternenstunde der Arcade-Games
Pong gilt als Startschuss der Arcade-Automaten und Spielhallen. Ziel des Spieles: "Avoid missing ball for high score", hiess es damals in der Anleitung. Es erinnert ein wenig an seinen Vorgänger "Tennis for two" und ist ebenfalls sehr simpel gehalten.
Bei Pong darf der Pixel-Ball die äussere Wand nicht berühren. Screenshot: Youtube
Hinter dem Erfolg steckten das US-amerikanische Unternehmen Atari und sein Gründer Nolan Bushnell. Im selben Jahr wie Pong entwickelte die Firma Magnavox auch die erste konventionelle Heimkonsole. Bushnell knüpfte an deren Odyssee an und brachte 1977 seine eigene Heimkonsole Atari 2600 auf den Markt. Über 30 Millionen Menschen kauften die Konsole, mit der man Spielekassetten auch austauschen konnte.
Die erste konventionelle Heimkonsole von Magnavox. Foto: Ludologie.de
Mit dem Spiel Space Invaders (1978) begann kurz darauf das goldene Zeitalter der Arcades – man hat das Bild noch im Kopf: Jugendliche in den 1980er-Jahren, die vor Automaten ihr Taschengeld verspielten. Nach und nach folgten dann auch die Ikonen der Spielkultur Pac-Man (1980), Mario Bros (1983), Tetris (1984) und SimCity (1989). Grafische Meisterwerke waren die Games jedoch noch nicht.
Die Ikone der Arcade-Spiele. Foto: Wikipedia
Aufstieg der Heimcomputer
So schnell, wie die Konsolen ihren Erfolg verzeichnen konnten, so schnell erlitten sie auch einen Kollaps. Heimcomputer verdrängten die Heimkonsolen vom Markt, Atari ging Konkurs, es kam zum "Videospiel-Crash". Davon konnten jedoch Firmen wie Commodore mit dem Heimcomputer Commodore 64 und Nintendo mit dem Jump-n-Run-Spiel Super Mario Bros profitieren. 1994 bot Sony die erste Playstation zum Verkauf an. In den nächsten 3 Jahrzehnten erlangten tausende Videospiele den Durchbruch: Pokémon (1996), The Sims (2000), Minecraft (2010). Egal ob auf Gameboys, Computern oder auf der Playstation.
Mittlerweile ist Gaming längst keine Randerscheinung mehr. Der "Newzoo Global Games Market Report" zählt im Jahr 2022 weltweit rund 3,2 Milliarden Gamerinnen und Gamer. Die grafische Darstellung hat sich im Vergleich zu den 1980er-Jahren drastisch verändert: Von wenigen Pixeln hinzu hyperrealistischen 3D-Landschaften und Virtual Reality.