Document ID: /fineweb-2-swissfilter-quality_10-filterrobots/filtered/03543.jsonl.gz/2704

Wirth, Helene
Helene Wirth (* 2.2.1896; † 1977)
Mitglied im Berner Schriftstellerinnen und Schriftsteller Verein (BSV).
Leben
"In Burgdorf wurde Helene Wirth am 2. Februar 1896 geboren und verbrachte dort ihre ersten lichten, sorgenfreien Kinderjahre. Doch war die elterliche Ehe keine glückliche und wurde getrennt, als das Kind sieben Jahre zählte. Es kam mit der Mutter aufs Land und lernte in der Folge die rauhe Wirklichkeit kennen, Armut und bittere Not. Sie verhinderten auch die Erfüllung des sehnlichen Wunsches, sich dem Sprachstudium zuwenden zu dürfen. Ein bitterer Stachel blieb und spornte zur Überwindung der Armut.
Er hat wohl nicht wenig dazu beigetragen, dass Helene Wirth in den folgenden drei Welschlandjahren ihre Freizeit unermüdlich darauf verwendete, Französisch und Englisch zu lernen, und dass sie sich dabei das Geld zum Besuch der Handelsschule zusammensparte. Nach deren Absolvierung fand sie eine gut bezahlte Stelle und hatte dadurch die Freude, der geliebten Mutter einen schönen Lebensabend bereiten zu können.
So war äusserlich alles geordnet, aber aus dem Innern stiegen Erinnerungen auf mit Fragen, die zu Gestalt und Antwort drängten; helle, frohe aus ersten Kinderjahren, leise mahnende und anklagende aus den spätern. Helene Wirth suchte den Ausdruck für sie in der wortlosen Sprache aller Zeiten, der Musik, fand ihn in den Werken Bachs und Beethovens, in die sie sich neben der Berufsarbeit versenkte. Doch die Fragen drängten weiter, zur Klärung im Wort, im Gedanken - und so griff sie zur Feder und schrieb ihre erste Erzählung: 'Der Weg der Margret Wenger'. Sich bewusst, dass dies erst ein unbeholfenes Suchen sei, sandte sie die Arbeit Rudolf von Tavel, der sie zu ihrer grossen Freude für die 'Garbe' annahm und Helene Wirth mit gütigen Worten zu weiterem Schaffen ermunterte.
Ihr Leidensweg war damit aber nicht zu Ende. Nun erkrankte ihre Mutter schwer und starb nach vierjährigem Leiden. Sie selbst lag daraufhin viele Wochen im Spital. Wieder stand die Not vor der Türe: der Hausrat musste verkauft werden, auch das geliebte Klavier. Aber die Krankheit schenkte ihr einen grossen Trost, der sich nachher immer bewusster in der Erkenntnis verdichtete: Armut und Not der Schulzeit, das harte Ringen um die Ausbildung und das neuerliche Leiden bildeten die Schule, derer sie bedurfte, um Charaktere und Schicksale in Höhen und Tiefen zu erfassen und gestaltend dem Suchen und Sehnen menschlichen Lebens gültigen Ausdruck zu verleihen. (...)
Beruflich arbeitet Helene Wrth seit Jahren als Buchhalterin in einem Fabrikbetriebe Lützelflühs. Die frühen Morgenstunden aber gehören ihrem literarischen Schaffen." (Quelle: Berner Schrifttum 1925-1950, Francke 1949, S. 176-177)
Auszeichnungen
- Gabe aus dem Literaturkredit der Stadt Bern 1947