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Gebot 23:
Das einzige Hindernis
Für einen Wahrheitssucher, einen Yoga-Schüler, einen Jünger ist das einzige Hindernis seine eigene Persönlichkeit. Die eigene Persönlichkeit steht zwischen ihm und der Wahrheit. Dies wird im Allgemeinen nicht erkannt. Die Menschen versuchen die Hindernisse außen zu sehen, doch diese befinden sich im eigenen Inneren. Äußere Hindernisse können überwunden werden. Innere Hindernisse sind schwer zu überwinden. Sie sind stärker als der Suchende. Über viele Inkarnationsreihen wurde die Persönlichkeit aufgebaut. So ist sie stark geworden. Die größte aller Herausforderungen besteht darin, der eigenen Persönlichkeit mit ihren rechten Winkeln und falschen Winkeln entgegenzutreten. Es ist ein Vorgang, bei dem man sich selbst besiegt, um das Selbst zu sein. Zwischen dem suchenden Selbst und der Seele liegt das Gefängnis der Persönlichkeit, das das Persönlichkeitsprisma verzerrt. Dieses Prisma entstellt Mitteilungen, die aus höheren Kreisen kommen, gibt falsche Informationen und führt in die Irre. Es regt zu Dingen an, die der Bemühung des Suchenden, die Seele zu sein, entgegenwirken.
In einem Menschen ist das Selbst in viele Selbste zerbrochen. Ein Teil des Selbst lebt in der Objektivität, ein Teil lebt in der Familie, ein Teil beschäftigt sich mit Geld und Beruf, ein Teil lebt in der Gesellschaft, und ein Teil arbeitet für die eigene Verbesserung. Zu guter Letzt bleibt ein Teil des Selbst das Selbst. Alle Teile sind durch einen Bewusstseinsfaden miteinander verbunden. Er ist das Selbst, und die Teile sind wie die Perlen eines Rosenkranzes aufgereiht. Außer diesem Selbst lösen sich die anderen Selbste bei jedem Tod auf und tauchen bei jeder Geburt nach und nach wieder auf. Von einem Leben zum nächsten bleiben dem Selbst die Neigungen erhalten. Yoga ist ein tapferer Versuch, eine Veränderung in diesen Neigungen herbeizuführen. Sie wurden über viele Leben aufgebaut und sind daher stärker als der Wille des Suchenden. Immer versuchen die Neigungen, den aufkeimenden Willen des Suchers zu manipulieren. Es ist so, als würde eine Ameise auf einen Elefanten treffen, aber das kann der Suchende zu Anfang nicht erkennen. Der Wille, die Wahrheit zu suchen, wurde im Suchenden gerade erst geboren, aber die Neigungen in ihm existieren schon unzählig viele Jahre. Diese Tatsache muss erkannt werden. Aus diesem Grund wird das Suchen der Wahrheit als äußerst schwierige Aufgabe betrachtet. Trotzdem kann man den Berg erklimmen. Die Fähigkeit des Menschen, den Mount Everest zu besteigen, ist ein Symbol dafür. Als Tenzing Norgay den Mount Everest bestieg und oben eine Fahne hisste, war dies ein Signal für die Menschheit, dass die Zeit gekommen war, um die riesenhafte Persönlichkeit zu bezwingen.
Wie man die Mitarbeit der Persönlichkeit gewinnt
Zweifellos ist die Persönlichkeit stärker als der Suchende, aber die Seele ist viele Male stärker als die Persönlichkeit. Die Seele ist sehr, sehr alt, und die Persönlichkeit wurde erst sehr viel später aufgebaut. Obwohl der Wille zu suchen sich erst in der Entwicklung befindet, gewinnt er an Stärke, um der Persönlichkeit zu begegnen, mit ihr zu sprechen, mit ihr zu verhandeln, mit ihr zu diskutieren und zu einer Schlichtung zu gelangen, wenn er sich durch inständige Gebete mit der Seele verbindet. Als Erstes kann man mit der Persönlichkeit einen Kompromiss erreichen. Kämpfen nützt nichts und Bezwingen nützt auch nichts. Allein freundliche Verhandlungen sind hilfreich. Freundlichkeit ist der Weg, um die eigene Persönlichkeit zu bezwingen. Wir sollten sie nicht verdammen und auch nicht versuchen, sie zu sehr zu disziplinieren. Wenn wir unsere Persönlichkeit zu sehr disziplinieren, revoltiert sie, verlässt sämtliche Übungen und wehrt sich gegen jegliches Training. Von Zeit zu Zeit sollten wir die Persönlichkeit zufriedenstellen und mit ihrer Hilfe die Ziele unserer Wahrheitssuche erreichen. Die Mitarbeit der Persönlichkeit ist unentbehrlich.
Die Persönlichkeit ist wie unser Ehepartner. Sie ist der innere Partner. Vom äußeren Ehepartner können wir uns scheiden lassen, aber nicht von unserem inneren Partner. Wir können ihn nicht loswerden. Er ist ein Teil von uns. Wir haben nur die Möglichkeit, ihn zu korrigieren, aber ohne seine Mitarbeit ist die Korrektur nicht möglich. Es ist ein Geduldsspiel, das uns ganz in Anspruch nimmt. Manchmal gewinnen wir. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir nur manchmal gewinnen, denn häufig werden wir von der Persönlichkeit besiegt. Aber wir sollten nicht mutlos werden. Immer wieder sollten wir es mit unserem Persönlichkeitspartner versuchen, bis er Mitleid mit uns hat und unserer Bitte nachkommt. Große Männer wie Sokrates hatten erhebliche Schwierigkeiten mit ihren Ehefrauen, aber sie ließen sich nicht scheiden. Sie hatten gelernt, mit ihren Frauen zurechtzukommen, und schließlich arbeiteten die Frauen mit ihnen zusammen. Dies ist nicht nur eine Geschichte, die sich tatsächlich zugetragen hat, sondern sie ist als Symbol wahr für euch, für mich und für uns alle.
Nehmt euren inneren Lebenspartner bewusst wahr. Seid freundlich zu ihm und sichert euch seine Mitarbeit zu. Ohne seine Mitarbeit kann nichts zustande kommen. Fast nichts kommt zustande. Ihr möchtet morgens eine Tasse heißen Kaffee. Wenn es keinen Kaffee gibt, habt ihr keine Lust auf die Meditation bzw. auf das Gebet. Wisst ihr, wer in euch den Kaffee verlangt? Es ist eure Persönlichkeit. Sie sagt: „Gib mir meine Tasse Kaffee. Nur dann werde ich dich zum Gebetsraum bringen und dich meditieren bzw. beten lassen. Andernfalls werde ich dein Gebet stören.” Sogar in diesen kleinen Dingen spielt die Persönlichkeit ihre Rolle. Baut deshalb eine angenehme Grundlage für die Zusammenarbeit mit ihr, ohne ihr zu erliegen. Wenn ihr unterliegt, steht ihr unter ihrem Pantoffel und habt Hausarrest.
Im Wesentlichen verlangt die Persönlichkeit drei Dinge: 1. persönlichen Komfort, 2. Geld und einen guten Ruf, 3. gesellschaftliches Leben. Ein wahrer Suchender sollte praktisch genug sein, diese drei Dinge der Persönlichkeit von Zeit zu Zeit zu gewähren, aber nicht vollständig und auf ganzer Linie. Wir benötigen ein minimales Programm, um die Persönlichkeit zufriedenzustellen. Dies bezeichnet man als flexible Haltung. Gleichzeitig sollte dieses Programm nicht die wünschenswerten Proportionen überschreiten. Es ist genauso, als würden wir einen Bullen füttern, damit er für uns arbeitet. Wenn wir ihm zu viel zu fressen geben, arbeitet er nicht für uns. Stattdessen wird er schlafen und gereizt reagieren, wenn er zur Arbeit aufgefordert wird. Wir sollten den Bullen der Persönlichkeit weder verhungern lassen noch zu reichlich füttern.
Wenn wir uns auf den Weg zur Wahrheit machen, stellt die Sicherung des Lebensunterhalts kein Hauptprogramm mehr dar. Denn wer sich auf den Weg zur Wahrheit begibt, verfolgt ein edles Programm. Wenn er es mit zielgerichtetem Willen und unbeirrbar verfolgt, kümmert sich die Seele ebenfalls um die Bedürfnisse der Persönlichkeit. In der Mundaka Upanishade heißt es: „Deine Anstrengung wird gebraucht, damit du die Seele, die Wahrheit erkennen kannst. Verschwende deine Kraft nicht für den Lebensunterhalt. Wenn du dir die Seele als Ziel setzt, wird sich dein Lebensunterhalt automatisch regeln.“ In der Upanishade heißt es weiterhin: „Musst du dich anstrengen, damit die Nägel an deinen Fingern und die Haare auf deinem Kopf wachsen? Du musst dich anstrengen, um ins Licht zu wachsen.“ Wenn wir für das Licht arbeiten, wird für die Bedürfnisse der Persönlichkeit genauso gesorgt wie für das Wachsen der Nägel und Haare. Um diese Dinge brauchen wir uns nicht zu bemühen.
Unser Zauberstab ist der Wille, die Wahrheit zu suchen
Wenn wir wirklich dem Weg zur Wahrheit folgen, brauchen wir uns nicht so sehr um unseren Lebensunterhalt zu sorgen. An erster Stelle sollte das Erkennen der Wahrheit stehen. Dann werden alle Dinge nach und nach in eine Ordnung kommen. Wir sollten den Willen nicht abschweifen lassen. Er ist das wichtigste Werkzeug in unserer Hand. Wenn wir ihn abschweifen lassen, sind wir verloren. Der Wille ist der Zauberstab in unserer Hand, der das Unmögliche möglich macht. Er kann Berge zu Maulwurfshügeln werden lassen. Er kann den Weg durch das offene Meer bahnen. Er kann alles göttlich werden lassen. Er kann unsere Persönlichkeit auch sofort in eine göttliche Persönlichkeit verwandeln, jedoch ist dies nicht empfehlenswert, denn es wäre ein zu feuriger Prozess. Mit Sicherheit wird der Wille die Persönlichkeit nach und nach in eine göttliche Persönlichkeit umwandeln, wenn wir an ihm festhalten und die Wahrheit suchen. Buddha tat dies ein wenig schneller und erkannte, dass es nicht so schnell hätte sein müssen. Auf dem Weg zur Wahrheit brauchen wir uns nicht selbst Schmerzen zuzufügen. Es wird nicht empfohlen, dass wir uns auf dem Weg zur Wahrheit Schmerzen zufügen. Den feurigen Willen können wir langsam in unsere Persönlichkeit einführen. Ganz, ganz langsam gewöhnt sich die Persönlichkeit daran, das notwendige Feuer aufzunehmen, zu entflammen und zu einer leuchtenden Hülle zu werden. Der Vorgang des Entflammens nennt man das Aufsteigen der Kundalinî. Die erleuchtete Hülle ist Buddhi, das Licht der Seele. Dies alles ist durch den Willen möglich. Der Wille enthält alle anderen Techniken und Qualitäten. Deshalb sollten wir am Willen festhalten bis unsere Persönlichkeit zu einer göttlichen Persönlichkeit geworden ist. In manchen Büchern wird sie als ’seelendurchdrungene Persönlichkeit‘ oder als ‚göttliches Leben‘ bezeichnet. Bis es so weit ist, lasst den Willen zur Wahrheit nicht los.
Salomos Tempel
Die göttliche Persönlichkeit wird Salomos Tempel genannt, und Jesus nannte sie ‚das strahlende weiße Gewand‘. Mit Hilfe einer tempelgleichen Persönlichkeit können wir das Reich Gottes auf Erden offenbar werden lassen. Jesus benutzte das strahlende weiße Gewand, um den Plan zu erfüllen. Jeder Eingeweihte, Meister oder Lehrer tut dies. Wir sollten bedenken, dass die Persönlichkeit für den weltlichen Menschen der Drache ist. Sie ist der schwarze Drache, der ihn bindet. Bei den Jüngern wird er erst zu einem orangefarbenen Drachen und später zu einem goldenen Drachen. Wenn man ein Meister ist, wird er zu einem weißen oder diamantenen Drachen. Es wäre nicht richtig, den Drachen zu töten. Auf dem Yoga-Pfad wird nicht getötet, sondern umgewandelt. Der schwarze Drache muss in einen weißen Drachen umgewandelt werden, so dass Handlungen Gottes auf Erden ausgeführt werden können.
In den Schriften wird von dieser Umwandlung der Persönlichkeit als Verwandlung einer Schlange in einen Adler oder in eine geflügelte Schlange, in eine göttliche Schlange, berichtet. Wenn sich die göttliche Persönlichkeit in uns entwickelt, werden wir zu Gottessöhnen, und Gott arbeitet über die Persönlichkeit durch die Gottessöhne. Es ist ein Zustand, bei dem Drei in Einem wirken: der Vater, der Sohn und der Drache. Das Wort Salomo bzw. Salomon wird als Darstellung von Dreien in Einem verstanden. In diesem Wort gibt es drei Klänge: SOL-OM-ON. OM ist der Vater, SOL ist das individuelle Selbst, ON ist der Drache. So ist das Wort Salomo bzw. Solomon zu verstehen. Die Drei werden auch kosmische, zentrale und planetarische Sonne genannt oder als zusammengehörige Trinität betrachtet.
Haben wir erst einmal das Licht der Seele erreicht, können wir losgelöst von allem Weltlichen in diesem Licht stehen, genauso wie Butter in der Milch schwimmt und sich nicht mehr mit der Milch vermischt. Man nennt dies den Zustand der Unsterblichkeit. Dann leben wir im Körper aus Licht, der neben dem Körper aus Fleisch und Blut besteht. Der Lichtkörper stirbt auch dann nicht, wenn der Körper aus Fleisch und Blut verfällt und stirbt. Anschließend setzen wir die Reise als Ich Bin fort, um uns mit dem Das zu verbinden. Wir werden Das Bin Ich und schließlich Das. Dies sind die höheren Einweihungen, von denen wir Kenntnis erhalten, wenn wir an jenem Punkt angekommen sind. Danach beginnen wir als Ich Bin eine tiefe Kontemplation über Das. Ich Bin richtet sich auf Das aus, das universal ist. In dieser tiefen Kontemplation wird Ich Bin in Das integriert und existiert nicht länger als individuelles Bewusstsein. Es wird eins mit dem universalen Bewusstsein. Symbolisch nennt man dies: Der Sohn wird eins mit dem Vater. Jesus sagt: „Jetzt steige ich auf und gehe zu meinem Vater.“ Aber diese Entscheidung wird nicht von ihm, sondern vom Vater getroffen. Deshalb sagt er später: „Vater, dein Wille geschehe.“ Nicht der Sohn kann beschließen, sich mit dem Vater zu vereinen, sondern der Vater entscheidet, wann er den Sohn an seinen Busen aufnimmt. Der Sohn muss das magische Instrument des Willens loslassen und zum Mittel des Wartens greifen. Der Wille funktioniert nicht, wenn man den Vater erreichen möchte. Verglichen mit dem Willen des Vaters ist der Wille der Seele zu klein. Wenn der Wille des Vaters vorherrscht, wird der Sohn eins mit dem Vater. Bis dahin muss der Sohn warten. Daher wird ‚Warten‘ zum letzten Mantra. Große Wesen warteten Tausende von Jahren und sogar Yugas, um absorbiert zu werden. Sie warteten betend. Manche werden sehr schnell absorbiert, andere sehr spät. Man kann nicht fragen, warum. Beim Göttlichen gibt es kein Warum. Es ist so hoch, dass man warten muss, um zu empfangen. Das ist das Schöne an der Selbst-Verwirklichung.
Dies ist die Schönheit der Lehre des Herrn Sanat Kumâra für die Menschheit auf dem Planeten.
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