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Fernsehen SRF «Kassensturz», Beitrag «Vom Bauern ausgebeutet: Knechte chrampfen zum Hungerlohn» beanstandet
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Mit Ihrer E-Mail vom 17. Mai 2017 haben Sie den Beitrag «Vom Bauern ausgebeutet: Knechte chrampfen zum Hungerlohn»[1] der Sendung «Kassensturz» im Fernsehen SRF vom 16. Mai 2017 beanstandet. Ihre Eingabe erfüllt die formalen Voraussetzungen an eine Beanstandung. Somit kann ich auf sie eintreten.
A. Sie begründeten Ihre Beanstandung wie folgt:
Beanstandung Sendung Kassensturz bezüglich: Miese Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft.
Vorweg:
Ich finde es sehr wichtig und richtig, dass das Thema wieder aufgegriffen wurde.
Tatsache:
In der Landwirtschaft wird wenig verdient, die vorgelagerten und nachgelagerten Branchen machen aber offensichtlich Gewinne. Ein Bauer oder eine Bäuerin hat heute kaum ein Einkommen, dass korrekte Löhne, für sich selbst und die Angestellten, ermöglicht.
Was nicht heisst, dass das Thema deshalb unter den Tisch gewischt werden sollte.
Beanstandung:
Ich beanstande an dieser Sendung, dass die Abla zwar zu Wort kommt, aber im Verhältnis zur gesamten Sendung kaum relevant ist. Ausserdem wird im Text zur Sendung angemerkt: "Bauernverbände bleiben untätig".
Ich möchte darauf hinweisen, dass es sehr wohl bäuerliche Organisationen gibt, die sich für bessere Bedingungen für die landwirtschaftlichen Angestellten einsetzen und zwar seit Jahren. Uniterre und viele andere Organisationen haben u.a. deshalb die Initiative (für Ernährungssouveränität) lanciert und eingereicht.
Darin wird eine Vereinheitlichung der Arbeitsbedingungen gefordert (nicht in jedem Kanton anders) - die Umsetzung davon wäre ein Gesamtarbeitsvertrag für die Angestellten.[2]
Bäuerliche BefürworterInnen der Initiative für Ernährungssouveränität haben eine Website aufgeschaltet, auf der sich viele Bäuerinnen und Bauern dazu ( auch zu den Arbeitsbedingungen) äussern. (u.a. Berthe Darras, Annekäthi Schaffter)[3]
Um die Ausgewogenheit zu wahren, ist es wichtig, auch diejenigen Kräfte zu erwähnen, die zwar viel kleiner sind als der Bauernverband, aber z.B. die Arbeitsbedingungen schon lange immer wieder thematisieren und nicht tabuisieren.[4]
Ich verstehe, dass es wichtig ist, die Schattenseiten in der Landwirtschaft aufzuzeigen, aber genauso wichtig ist es, diesen zu begegnen. Deshalb erwarte ich vom SRF, dass nicht alle Bauern und Bäuerinnen und alle Verbände in einen Topf geworfen werden.
Persönlich:
Mich hat es sehr traurig gemacht, als ich die vielen Hasskommentare zur Sendung gelesen haben. Ich denke das passiert immer dann, wenn einseitig berichtet wird. Das bringt zwar viele Klicks, öffnet aber den Graben zwischen den Bäuerinnen und Bauern und den StädterInnen noch weiter.
Ich denke auch, dass ein staatlicher Sender zur gemeinsamen Lösungsfindung beitragen sollte. Und nur gemeinsam werden wir Klimaziele, Ökologische Ziele in der Landwirtschaft erreichen und auch die soziale Gräben in unserer Gesellschaft überwinden.
Ausgewogenheit ist deshalb auch für eine solche Sendung wichtig, gerade wenn sie ein solches Thema aufgreift.
B. Ihre Beanstandung wurde der zuständigen Redaktion zur Stellungnahme vorgelegt. Frau Ursula Gabathuler, Redaktionsleiterin «Kassensturz/Espresso» schrieb:
Zur Beanstandung von X gegen den «Kassensturz»-Beitrag vom 16. Mai 2017 zum Thema «Ausgebeutete Knechte»[5] nehmen wir gerne Stellung.
Es liegt uns fern, den Graben zwischen Bäuerinnen und Städtern weiter zu öffnen, wie dies die Beanstanderin schreibt. Wir berichteten über die Arbeitsbedingungen auf Schweizer Bauernhöfen, die sich nicht verbessert haben – ein wichtiges Thema, dies sieht auch die Beanstanderin so.
Gerne nehmen wir zu den Vorwürfen der Beanstanderin wie folgt Stellung:
- ABLA kam kaum relevant zu Wort: Die ABLA-Vertreterin kam zweimal zu Wort im Beitrag, in einer Gesamtlänge von 33 Sekunden. Sie konnte ihre wichtigsten Argumente vorbringen. Mara Simonetta hat sich dementsprechend nach der Sendung sehr zufrieden gezeigt über den Beitrag. In ihrem Mail vom 17.5. schreibt sie: «Herzlichen Dank für den tollen Beitrag gestern! Hoffentlich nützts etwas...»
- Nebst der ABLA kamen keine andere Kräfte zu Wort, die die Arbeitsbedingungen thematisieren: Die ABLA kam zu Wort, weil diese Organisation in der Deutschschweiz die wichtigste Gewerkschaft für landwirtschaftlich Angestellte ist. «Kassensturz» berichtete ja über einen Fall aus einem Deutschschweizer Kanton. Zudem leistet die ABLA als Organisation hier auch ganz konkrete Hilfe für landwirtschaftliche Angestellte, sie verhilft ihnen, zu ihrem Recht zu kommen über vermittelnde Gespräche mit den Arbeitgebern. In einem «Kassensturz»-Beitrag ist es unmöglich, alle andern Organisationen, die sich auch noch – auf politischer Ebene – für die Rechte landwirtschaftlicher Angestellter einsetzen, zu erwähnen. Uniterre, auf die die Beanstanderin verweist, ist eine Vereinigung ähnlich wie die ABLA, jedoch vorwiegend in der Westschweiz stark verankert. Sie spielt in der Deutschschweiz kaum eine Rolle.
- Ausgewogenheit: Der Schweizer Bauernverband kam nur 20 Sekunden zu Wort, in einem Zitat aus der Sendung vom letzten Jahr. Der Zürcher-Bauernverband-Vertreter, der sein Nicht-Handeln erklären musste, kam im Gespräch mit Kathrin Winzenried länger zu Wort. Ihm musste aus journalistischen Gründen zwingend mehr Zeit eingeräumt werden. Er musste erklären können, weshalb der Kanton Zürich der Aufforderung des Schweizer Bauernverbandes nicht gefolgt ist und die Wochenarbeitszeiten immer noch nicht reduziert hat. Zudem musste er auch Zeit und Raum haben, Stellung zum gezeigten Fall zu nehmen, der sich ebenfalls im Hoheitsgebiet des Kantons Zürich abgespielt hat.
- Alle Bauern und Bäuerinnen und alle Verbände in einen Topf geworfen: Die Beanstanderin moniert, wir hätten im Text die unzulässige Verallgemeinerung «Bauernverbände bleiben untätig» gemacht. Wahr ist: Wir sagten, dass die «kantonalen Bauernverbände» untätig geblieben sind. Dies ist Fakt. Seit letztem Jahr, seit Bauernverbandspräsident Ritter zum Handeln aufgerufen hat, ist kein einziger kantonaler Bauernverband dem Ruf des Präsidenten gefolgt. Des Weiteren behaupteten wir ebenso wenig, dass alle Bauern und Verbände schlechte Löhne zahlen würden. Richtig ist aber, dass das generelle Lohnniveau für landwirtschaftliche Hilfskräfte äusserst tief ist. Das zeigen die Stundenlöhne, die sich nach den kantonalen Normalarbeitsverträgen richten. 13, 14, 15 Franken pro Stunde, brutto. Nochmals: Hier handelt es sich nicht um Einzelbeispiele, sondern um Stundenlöhne, die für die ganze Branche gilt. Diese Kritik darf demzufolge auch generell formuliert werden. Höhere Löhne sind die Ausnahme. Das bestätigen alle Organisationen und Verbände, sogar Uniterre.
Wir sind überzeugt, dass wir die Protagonisten im Beitrag gut überlegt und richtig ausgewählt haben, sie mit ihren besten Argumenten zu Wort kamen und wir deshalb sachgerecht und ausgewogen berichtet haben. Aufgrund unserer Ausführungen bitte ich Sie, die Beanstandung als unbegründet zurückzuweisen.
C. Damit komme ich zu meiner eigenen Bewertung des Beitrags.
In der schweizerischen Landwirtschaft schuften Hilfsarbeiter pro Woche oft weit über 55 Stunden zu einem kärglichen Lohn. Dies ist – je nach Kanton – sogar legal. Der «Kassensturz» hat einen krassen Fall von Ausbeutung aus dem Kanton Zürich aufgenommen – dies, nachdem im letzten Jahr der Bauernverband Besserung versprach – und die Zuständigen mit den unmenschlichen Arbeitsbedingungen konfrontiert.
Bereits in der Anmoderation von Frau Kathrin Winzenried wird die Brisanz des Themas aufgegriffen: „Der Bauernverband hat damals gesagt, es werde auf dieses Jahr besserˮ, hält sie fest. Grund genug also, im Beitrag der Frage nachzugehen, ob sich denn wirklich etwas verbessert hat. Unter diesem Fokus steht der knapp 15-minütige Beitrag. Sie kritisieren zuerst, dass die ABLA zwar zu Wort gekommen, aber im Verhältnis zur gesamten Sendung kaum relevant sei. Diesen Eindruck erhalte ich in keiner Art und Weise, kann die ALBA-Vertreterin, Frau Mara Simonetta, doch zweimal markante Quotes platzieren. Ausserdem, und das ist ebenfalls wichtig, kommt die Dachorganisation der kantonalen Berufsverbände der landwirtschaftlichen Angestellten auf der Seite des «Kassensturz»-Beitrags ausführlich zu Wort: [6]
Das Wichtigste in Kürze
[...]
- Die Bauerngewerkschaft Abla spricht von Sklavenarbeit.
[...]
Gewerkschaft: Verhältnisse wie im Sklavenhandel
Deutliche Worte findet auch Mara Simonetta von der Bauerngewerkschaft Abla zum Fall: «Das sind Verhältnisse wie im Sklavenhandel. Unglaublich beschämend für unsere Schweiz.» Und das Schlimme sei, dass dies kein Einzelfall sei. «Erst kürzlich hatte ich einen Fall, da bekam ein Angestellter 19 Monate keinen Lohn ausbezahlt. Der Bauer verteidigte sich, der Angestellte hätte Naturalleistungen bekommen. Er sei ja nicht verhungert.»
Der Schutz der Hilfskräfte auf Bauernhöfen sei generell sehr schlecht, die Ausbeutung der Angestellten ganz legal, sagt Maria Simonetta. Ein grosses Problem auf vielen Betrieben seien die Überstunden. Meist würden diese gar nicht aufgeschrieben. Und so sei es im Nachhinein unmöglich, sie zu belegen.
[...]
Doch passiert ist nichts. Die Kantone haben ihre Normalarbeitsverträge nicht angepasst. Für Mara Simonetta von der Gewerkschaft nicht weiter erstaunlich: Es sei kein Druck da und kein Wille, die Arbeitszeiten zu reduzieren. Weder bei den kantonalen Bauernverbänden, noch bei den Bauern selbst.
Im Beitrag erhält das Publikum die Möglichkeit, die verschiedenen Akteure des Falles mit ihren besten Argumenten zu hören und sich so ein eigenes Bild über die Zustände zu machen. So werden verschiedenste Perspektiven aufgenommen, nämlich diejenigen der beiden rumänischen Arbeiter, des Landwirts Hansruedi Studer, der ABLA, des Schweizer Bauernverbands und des Zürcher Bauernverbands. Das Publikum kann sich so problemlos eine eigene Meinung bilden. Die Verteilung der verschiedenen Blickwinkel sind durchaus ausgewogen, und zwar nicht mit der Stoppuhr gemessen, sondern bezüglich der inhaltlichen Aussagekraft. Frau Gabathuler belegt nachvollziehbar, weshalb es vom Inhalt des Beitrags her zwingend war, dem Vorstandsmitglied des Zürcher Bauernverbands, Martin Hübscher, mehr Redezeit einzuräumen.
Ihren Vorwurf, im Beitrag seien alle Bauern und Bäuerinnen und alle Verbände in einen Topf geworfen worden, kann ich nicht nachvollziehen. Dem Publikum wird klar aufgezeigt, dass der Beitrag einen krassen Fall beschreibt. Ebenso deutlich wird erwähnt, dass die kantonalen Bauernverbände untätig blieben und nirgends wird im Beitrag erwähnt, dass sämtliche Landwirte und Bauernverbände schlechte Saläre zahlen würden. Auf der Website zum Beitrag 7 wird zudem explizit darauf hingewiesen, dass in den Westschweizer Kantonen Waadt und Genf die Bauern akzeptable Löhne von 16, 17 Franken pro Stunde bezahlen, weil die Gewerkschaften dort erfolgreicher verhandelt haben. Insgesamt gehe ich als Zuschauer davon aus, dass neben einem krassen Fall selbstverständlich ganz viele Fälle existieren, bei denen es deutlich besser, wenn nicht sogar optimal läuft.
Insgesamt bin ich überzeugt, dass der Beitrag ausgewogen und sachgerecht gestaltet wurde. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass ich Ihre Beanstandung nicht unterstützen kann.
Zum Schluss möchte ich Sie noch darauf hinweisen, dass Schweizer Radio und Fernsehen kein, wie Sie vermuten, staatlicher Sender ist. Ein Staatsfernsehen gehört dem Staat, wird über den Staatshaushalt finanziert und von der Regierung gelenkt (bspw. in China, Kuba, Eritrea, Syrien, Russland, Ägypten oder in der Türkei). Es ist somit Lautsprecher der politischen Führung.
SRF dagegen ist ein Unternehmen, das auf der Grundlage einer Vereinsstruktur agiert und vom Staat unabhängig ist. Diese Unabhängigkeit, die in der Bundesverfassung verankert ist, wird im Radio- und Fernsehgesetz nochmals verdeutlicht, indem Artikel 3a festhält: „Radio und Fernsehen sind vom Staat unabhängig.» [7]
D. Diese Stellungnahme ist mein Schlussbericht gemäß Art. 93 Abs. 3 des Radio- und Fernsehgesetzes. Über die Möglichkeit einer Beschwerde an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio- und Fernsehen (UBI) orientiert die beigelegte Rechtsbelehrung. Für Nachfragen stehe ich gerne zur Verfügung.
[1] http://www.srf.ch/sendungen/kassensturz-espresso/ausgebeutete-knechte-erben-mit-aerger-sneaker-im-test
[2] http://www.souverainete-alimentaire.ch/in/fr/
[3] http://www.bäuerliches-komitee.ch/
[4] http://www.uniterre.ch/index.php/de/
[5] http://www.srf.ch/sendungen/kassensturz-espresso/ausgebeutete-knechte-erben-mit-aerger-sneaker-im-test
[6]/7 https://www.srf.ch/news/schweiz/vom-bauern-ausgebeutet-knechte-chrampfen-zum-hungerlohn
[7] https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20001794/index.html
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