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Tessin
Parco Negroni
Parco Negroni
Villa Negroni
Renaissance – neu modelliert
Dieser Park erschliesst sich nicht auf den ersten Blick, sondern will entdeckt werden. Und er verdient es, auch wenn die bauliche Umgebung dem Anwesen zugesetzt hat und das Ganze die Assoziation von verlottertem Landadel hervorruft.
Das war nicht immer so, denn Villa und Park gehörten zu den bedeutendsten Residenzen im Tessin. Die Villa wurde Anfang des 18. Jahrhunderts von Carlo Morosini aus Lugano gebaut und zu einem mondänen Treffpunkt für Künstler, Intellektuelle und Politiker. 1860 wurde sie erweitert und ging 1910 in den Besitz des Grafen C. A. Negroni aus Mailand über. Es folgten Umbauten und Erweiterungen sowie das Anlegen eines italienischen Gartens. 1976 übernahm die Stadt Lugano die Liegenschaft und verschiedene Institutionen verlegten ihren Sitz hierher. 1990 bezog das Studienzentrum für Bankenwesen (Associazione Bancaria Ticinese) die Villa.
Ausstattung
Charakteristisch für den Park ist die klare Trennung in zwei gegensätzliche Bereiche. Da ist einerseits der Ziergarten nach italienischem Muster und andererseits ein Park im englischen Landschaftsstil. Beim formalen Ziergarten – seltenes Beispiel eines italienischen Parterres in der Schweiz – handelt es sich nicht um einen erhalten gebliebenen Renaissance-Garten des 16. Jahrhunderts. Er wurde erst 1910-1920 angelegt, allerdings mit den für das 17. Jahrhundert typischen Elementen: in Form geschnittener Buchsbaum, Palmen, mit Randsteinen eingefasste Beete, Tuffsteingrotte, Brunnen, zahlreiche Statuen und schmiedeeiserne Dekorelemente. So sollte in strenger Symmetrie die Antike zelebriert werden. Dazu gehört auch die rautenförmig angelegte Treppe, die im südöstlichen Teil auf eine ausgedehnte Wiese führt.
- Dieses Parkmodell fühlte sich den humanistischen Wertvorstellungen der italienischen Renaissance verpflichtet. Es wurde mit seinen geometrischen Flächen, Terrassen und Dekorelementen wie ein architektonisches Werk entworfen. Die Parkgestaltung wurde als natürliche Fortsetzung der Gebäudefassade verstanden und sollte den wirkungsvollen Rahmen bilden, in dem sich die Villa präsentiert. Die heutige Bepflanzung der Beete folgt den alten Vorlagen aus den 1910er Jahren und bringt die Farbenpracht der Saisonblumen effektvoll zur Geltung.
Der zweite Teil des Parks, hinter einer Mauer auf der Nordseite gelegen, jenseits einer schmalen Strasse, ist weniger durchgestaltet und folgt der Idee einer natürlichen Parklandschaft im englischen Stil. Man betritt ihn durch ein grosses schmiedeeisernes Gittertor mit seitlich angebrachter Skulptur. In dem leicht modellierten Gelände stehen eine Familienkapelle und das Beinhaus, umgeben von mächtigen Zedern, Buchen und Eichen. In einer Talmulde fliesst, umgeben von natürlichem Pflanzenwuchs, ein kleiner Bach.
Der gesamten Anlage ist zu wünschen, dass sie einen höheren Pflegestandart erreicht und auch im Bewusstsein der Allgemeinheit aufgewertet wird.
Adresse
6943 Vezia/ TI, Villa Negroni, Via Morosini
Frei zugänglich, Eintritt frei